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iiiiiiiiiRiiiiii 



Deutsche Dialektgeographie 

I Berichte ond Stadien llber (i. Weckers Sprachatlas des Deutschen Reioha 

heraas gegeben von 

Ferdinand Wrede 

u«n I 



Studien 



niederrheiiiischeii Dialektgeographie 



Jacob Ramiseh 



Jlit einer Karte und drei PaDablltttern 



Die Dimimitiva im Deutschen 



Ferdinand Wrede 



Marbarg 
N. G. Elwert'sehe VerlugBbnchhandUng 

1908 



Deutsche Dialektgeographie 



Berichte und Studien über G. Wenkers Sprachatlas 

des Deutschen Reichs 



herausgegeben 



von 



Ferdinand Wrede 



Heft I 



Marburg 

N. 6. Elwert*8che Verlagsbachhandlnng 

1908 



Studien 



zar 



niederrheinischen Dialektgeographie 



von 



Jacob Ramisch 



Mit einer Karte ond drei Pansblättem 



Die Diminutiva im Deutschen 



von 



Ferdinand Wrede 



Harbnrg 

N. G. Elwert'sche Yerlagsbuchhandlung 

1006 



Deutsche Dialektgeographie 



Berichte und Studien über G. Wenkers Sprachatlas 

des Deutschen Reichs 



herausgegeben 



von 



Ferdinand Wrede 



Heft I 



Marburg 

N. 6. Elwert*8che Verlagsbachhandlung 

1908 



Studien 



zar 



niederrheinischen Dialektgeographie 



von 



Jacob Ramisch 



Mit einer Karte and drei Paosbllttem 



Die Diminutiva im Deutschen 



Ton 



Ferdinand Wrede 



larbiri^ 



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UMtAi»V 






Inhalt 



Seite 

An Georg Wenker VII 

Studien snr niederrheinisehen Dialektgeographie von Jaeob 
Ramisch: 

Einleitung §§ 1—7 1 

Statistisch-beschreibender Teil 

L Die circomflectierte Betonnng §§ 8 — 14 6 

n. Die hochdeutsche Lantverschiebung §§ 15 — 18 .... 15 

III. Vocalisierang der Spirans in der VerbiDdong cht §§ 19 — 22 18 

IV. Gnttaralisienmg von n -f Dental 8§ 23—25 .... 23 
V. Ausfall des intervocalischen b%ii\äB §§ 26—29 ... 26 

VI. Wgenn. sk im Auslaut § 30 29 

Vn. Das Diminutivurn ndL ;e § 31 30 

Vm. Dehnung und Kürzung §§ 32—33 ........ 30 

IX. Wgerm. ö §§ 84—35 33 

X. Wgerm. a» § 36 35 

XL Wgerm. au § 37 37 

Xn. Wgerm. edundǤ38 37 

Xm. Die persönlichen ungeschlechtigen Fürwörter der 1. und 

2. Pers. plur. §§ 39—40 38 

Historisch-erklärender Teil 

I. Einleitende Bemerkungen §§ 41—43 40 

n. Sprachgrenze und Kreisgrenze § 44 41 

in. Sprachgrenze und politische Grenze von 1789 §§ 45—47 42 

IV. Alter der politischen Grenze von 1789 §§ 48—58 . . 47 

V. Einige Bemerkungen zu unsem Sprachgrenzen §§ 59—60 58 

VI. Sprachgrenze und kirchliche (Confessions-)Genze § 61 . 62 

VII. Sprachgrenze und Gau-(Stammes-)Grenze §§ 62—65 . . 63 

Verzeichnis der häufiger citierten Literatur W 



VIII 



>.-» • 



Richtungen in der deiiteclien Dialektforschung getrennt neben ein- 
ander hergegangen, eben eine dogmatische und eine undogmatiscfae. 
Jene zeitigte vor allem eine große Zahl localer Dialektgrammatik en, 
operierte mit den scharf geschliffenen und deshalb immer blendenderen 
Werkzeugen der Phonetik und der sogenannten Principienwiesea- 
schaft, arbeitete in Büchern, Zeitschriften, DisBertationen ror der 
breiten Öffentlichkeit und musste damit auf diese einen ganz andern 
EinflnsB ausüben als der undogmatiscbe Sprachatlas, dessen kost- 
bare Kartenblätter aus vielerlei Gründen noch beute nicht pnbli- 
cationefähig sind. Ja wenn er, der noch unverbildete Naturbursche, 
wirklich einmal ein Lebenszeichen von sich gab, dann pflegte er 
damit in dem wohlgepflegten Oarten der Dogmatik lediglich Unheil 
anzurichten, weckte eine zeternde Polemik und führte schließlich 
sogar zu einem Preisausschreiben, welches tausend Mark dem Er- 
finder des besten Mittels zusicherte, mit dem der Störenfried un- 
schädlich gemacht werden könnte! Merkwürdigerweise ist der 
Preis nicht ausgezahlt worden. Aber selbst wenn er es wäre, wir 
sind gewiss, dass an Ihrem blanken äcbilde vorurteilsloser Über— 
zeugnngstreue auch der neue Pfeil mit verbogener Spitze abgeglltteiB 
sein würde. Viel Feind, viel Ehr'! 

Die Sprache aller lebenden Sprecher darzustellen, ist un- 
möglich; die Sprache aller Sprechgemeinschaften — schon diese 
Zusammenfassung birgt manches Fragezeichen — , nicht minder. 
Bescheidung ist nötig und kann zwei verschiedene Wege gehen; 
entweder: wo nicht alles, so doch möglichst viel Sprachgut ist aus 
einer ausgewählten Zahl von Sprech gemeinschaften oder Orten zu 
sammeln und darzustellen; oder: nur einiges, aber sorgsam be- 
dachtes Sprachgut ist aus möglichst allen Orten beizubringen und 
darzustellen. Der französische Atlas linguistique hat das erste 
Verfahren gewählt; seine Karte umfasst 992 Ortschaften, deren 
Auswahl gar manches subjective Urteil in sich schtiefien musste. 
Ihr Sprachatlas beruht auf dem andern Verfahren; er umfasst nur 
das Spracbgut Ihrer bekannten vierzig Sätzchen, aber dieses lieget 



— IX — 

vor in mehr als 44000 Dialektfibereetzungen , die in mehr als 
40000 Orten des Deutschen Reichs hergestellt worden sind. Diese 
Masse und die durch sie bedingte fortwährende gegenseitige 
Controlle repräsentiert recht eigentlich das Neue, Eigenartige in 
Material und Methode, sie stellt den unerschütterlichen Wert Ihrer 
Karten dar und bürgt für ihre Zuverlässigkeit. Freilich sie wollen 
richtig gelesen, interpretiert und verstanden sein. Denn die in 
ihnen eingetragenen und abgegrenzten Spracbformen entstammen 
nicht der Aufnahme phonetisch, geschulter Fachmänner, sondern 
der Aufnahme unbefangener Laien, die alle mit derselben Fehler«- 
quelle, der in der Schule, gelernten Schreibgewohnbeit, rechnen 
lassen. Und so ist Ihr Sprachatlas — wie oft wurde es nicht 
schon gesagt I — kein phonetischer Atlas, sondern erst die Vorstufe 
zu einem solchen ; er stellt lediglich ii% Kartenform den Inhalt von 
mehr als 44000 Handschriften für philologische Untersuchung 
bereit, die aus ihm erst den deutschen Dialektatlas herausarbeiten 
soll, genauer den Atlas der in den vierzig Sätzchen ausgewählten 
Dialektgewohnheiten im Deutschen Reich vor einem Menschenalter I 
Die Philologie also ist es und ihre Methode, die durch Ihr Werk 
auch auf dem Gebiete der Mundartenforscbung wieder, zu Ehren 
kommen soU, von dem sie durch die den Buchstaben missachtende 
Dogmatik immer rücksichtsloser verdrängt wor4en war. Der Laut, 
nicht der Buchstabe! ruft die Dogmatik, die doch mit ihrer ein- 
seitigen Bevorzugung von Lautphysiologie und -psyehologie uns nie 
das Bild einer Sprachlandschaft hat zeichnen können. Der Laut 
durch den Buchstaben 1 ruft Ihr Sprachatlas und entwirft Sprach- 
karten mit mehr als 40000 authentisch vertretenen Orten, Und 
mit ihnen rollt er die ganze Reihe von Problemen wieder, auf und 
stellt sie in ein ganz neues Licht: die Frage nach dem BegriiTs- 
verhältnis zwischen Volk und Sprache, zwischen Stamm und Mundart, 
die Frage nach Wesen und Gründen sprachlicher Veränderung, 
nach Veränderung und Auflösung alter, Entstehung und Entwicklung 
neuer Sprechgemeinschaften und Sprachen, nach dem Alter herr- 



- X — 

sehender Dialektformeu und -grenzen, nach dem Bprachtichen Einst 
nnd Jetzt and Später. 

Und aeine Antworten? Wir kennen sie bereits in vielen 
Fällen, in anderen sind sie aucli uns noch dunkel. Aber die eine 
darf jetzt schon mit aller Schärfe herausgehoben werden: die 
Sprache des täglichen Lebens, uicht die der gelehrten GrammatikeD, 
sie wurzelt nicht in einer dojBfmatischen Gesetzmäßigkeit, nicht in 
Lautgesetzen und ihrer Ausnahmslosigkeit, sondern vielmehr in 
ständiger Durchbrecbaug einer nur ideellen Gesetzmäßigkeit, in 
dem Begriff und der duminierenden Rolle der Sprachmischuag. 
Eb trifft sich gnt, dass diese Sammlung mit einer dialektgeo- 
graphischen Studio über einen Ihrer Heimat benachbarten Sprach- 
bezirk eröffnet werden konnte. Sie lässt aufs neue deutlich dio 
Frage nach dem lautgesetzlichen, lautcombinatorischen Movens de^ 
Dialekteigenheiten eines Ortes zurücktreten gegenüber der Er* 
kenntnis, dass der Ort diese seiner Zugehörigkeit zn diesem ode"" 
jenem Territorinm, zu diesem oder jenem Kirchspiel verdankt. Di^ 
historisch-politische Kleingeographie tritt immer zwingender al^ 
das maßgebende Moment hervor, dass die äußere Gestaltung auot* 
der Sprachkarte reguliert. Der historisch-politische, der kirchliche^ 
der administrative Kleinbezirk ist es ja, in dessen Grenzen da* 
Leben des kleinen dialektsprechenden Mannes sich abspielt nnd 
immer abgespielt hat. Die Geschichte der Mundart wird damit 
als abhängig erwiesen von der Geschichte ihrer Sprecher und ihrer 
Heimat. Wie steht es aber mit der Geschichte dieser Heimat, 
dieser historisch-politischen Kleinbezirke? Ein ewiges Werden und 
Vergeben ist auch ihr Los: die alten Territorien werden durch 
Erbschaft and Heirat, durch Verpfändang und Abtretung, durch 
Kauf und Verkauf vergrößert und verkleinert, die Kirchspiele werdea 
zerlegt, zasammengefasst, verschoben, die Amtsbezirke ändern sich-, 
and jede solche Veränderung giebt dem Volksleben andere Richtungen, 
der Verkehr verengt oder erweitert sich nnd mit ihm Möglichkeit 
und Bedingung der Volksmiscbnng, der Blut- und Sprachmischung. 



J 



- XI - 

>a8 Regelmäßige ist aach hier der Wechsel; Sprachmisehopg uod 
aasgleich in ständiger Unruhe ist die Regel , das fertige und in 
lieh abgeschlossene Dialektgebiet ist die Ausnahme; die Mannig- 
faltigkeit der historischen Erscheinungen ist auch auf dem Cte- 
biete der Sprache unendlich und spottet aller starren Regle- 
mentierung. 

Aber wo bleiben die Lautgesetze, die linguistischen Formeln? 
Sieht es nicht fest, dass ich aus ik durch die Lautverschiebung^ 
daw mächtig aus machtig durch Umlaut, dass haus aus hM dunA 
Diphthongierung entstanden? Gewiss; jedoch fibw das Wo 
ukd Wann besagen sie nichts; und ob die heutigen Grenaem 
zfrischen ik und ichj zwischen madUig und tnadUig, zwischen hüs 
u&d haus noch irgendwo die ursprünglichen, durch Wirkung der 
Untgesetze bedingten sind, oder ob sie sich im Laufe der Jahr- 
hunderte durch politische Grenzverschiebung mit verschöbet! haben, 
ist meist untatscheidbar oder mindestens von minutiösen Unter- 
Buehangen der sprachpolitischen, d. h. der historischen Geographie 
abhängig. Und damit wird alle dialektische Localchronologie 
problematisch, wie sie so gern und so oft auch in neuester Zeit 
venucht worden und in den kunstvollsten und gelehrtesten Tabellen 
nnd Stammbäumen construiert worden ist. Es ist so unhistorisch 
wie möglich, die Sprache eines Ortes oder eines Bezirkes sich 
Punkt für Punkt aus sich entwickeln zu lassen. Eine solche Ideal- 
entwicklung ist vielmehr aller Orten und immerfort gestört worden 
dnrch Einflüsse von außen, durch Mischungen im weitesten Sinne 
Die Dogmatik verlangt sie zwar und construiert sie , hingegen im 
italen Sprachleben bedeutet sie die Ausnahme. Jene. Lautgesetze 
iber und ihre Formeln, es sind irreale, sprachphilosophische Axio- 
mata, ebenso richtig wie der philosophische Grundsatz der Causa- 
Utat, nur in der rauhen Wirklichkeit alle Augenblick verhüllt, 
dnrehbrochen, in ihrer Wirkung fortwährend gestört, gehemmt, ja 
iberhanpt gebindert; es sind Abstractionen von individuallin- 
gvstiaeher Herkunft^ wie ich sie einmal benennen durfte; aber die 



- XII - 

Frrtbleme der Sprachgeschichte nnd Sprachgeo^aphie sind gnu 
eminent sociale! 

Gestatten Sie ein Citat: „Wenn die Oeachichte den Verh 
einer Schlacht erzählt, hat sie nicht die Gesetze der Plagkrnft d 
Gesehoase, wenn sie von der Production oder dem Import t 
Nahrungsmitteln redet, nicht die Bedürfnisse und Gesetze der I 
näbrung zu erläutern, ebensowenig aher, wenn sie die Moti 
eiuea WillenBentschlusses aufdeckt, Psychologie zu lehren, od 
wenn sie die Entstehung und Umbildung einer Religion aufhel 
allgemeine anthropologische Sätze zu entwickeln : sondern die 
allgemeinen Sätze und Lehren »ind für sie etwas Gegebenes, d 
sie diesen WisBenschaften entnimmt und auf den empirisch 
Einzelfall anwendet;" wir fügen hinzu: wenn die Sprachgeschicl 
der Entwicklung einer Sprache, einer Sprechgemeinschaft, ein 
Spracblandscbaft, eines Dialekts nachgeht, bat sie nicht die G 
setze der Articulation , der Lautpbyeiologie und -psychologie 
lehren, sondern diese allgemeinen Sätze und Lebren sind für i 
etwas Gegebenes, etwas von der linguistischen Principienwiasf 
Schaft Construiertes und Abstrahiertes, das sie auf die empirisch 
Einzelfälle anzuwenden sucht, und weiter heißt es an der citiert 
Stelle: „Dieses Einzelne, Singulare, das eich niemals wiederbo 
sondern immer wieder anders gestaltet, ist das Gebiet der € 
schicbtswissenschaft. Sie gebort daher nicht zu den philosophisch 
nnd oaturwisseuscbaftlicben Disciplinen, und jeder Versuch, sie l 
dem Maße jener zu messen, ist unzulässig und verfälscht ihr Wesi 
Jene Wissenschaften versuchen die allgemeinen Formen der I 
scheinungen, abstrahiert von ihrer individuellen Gestaltung in c 
realen Welt, zu erkennen und die .Einzelerscheinungen unter ein 
Begriff zu subsumieren, der ihr inneres Gesetz enthält, losgeli 
von den Bedingungen, unter denen sich dieser Begriff in jedi 
Einzelfalle realisiert; die Geschichte dagegen beschäftigt sich et 
mit dieser Einzelgestaltung, also im Gegensatz zu den beschreibend 
^iaturwisBCDschafteu nicht mit den typischen Formen, sondern i 



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- XTII - 

den Varietäten.^ Dieses Citat entstammt der Einleitung zur zweiten 
Auflage von Eduard Meyers Oeschichte des Altertums; sie bietet 
grade auch vom Standpunkt des Sprachhistorikers aus das Aus- 
gezeichnetste, das in den letzten Jahrzehnten über Methodik ge- 
schrieben worden ist. Auch in der allgemeinen Geschichtswissen- 
Schaft scheint es nicht anders herzugehen als in der Sprach- und 
Dialektforschung, wenn Meyer es im Vorwort für dringend geboten 
halt, ^dass dem Überwuchern modemer Gonstructionen und phan- 

itastischer Systeme gegenüber, welche gegenwärtig unserer Zeit als 
gesicherte Endergebnisse der Wissenschaft ausgeboten werden, die 
Berechtigung der geschichtlichen Betrachtung erwiesen und die 
^^i schlichten Ergebnisse, zu denen sie fuhrt, unverfälscht dargelegt 
^'( werden," — mir ist bei solchen Sätzen, als ob Sie, verehrter 
Freund, vor den Karten Ihres Lebenswerkes zu uns sprächen! 
Aach Ihr Sprachatlas will nichts wissen von einem Idealreich der 
Sprache, wie es sein sollte oder sein könnte, sondern er mahnt 
Blatt für Blatt: nieder auf realen Boden! zurück zur Historie! 

Solchen Anschauungen die Wege zu ebenen, sei der Zweck 
dieser Hefle. Sie sind Ihnen gewidmet in dankbarer Verehrung 
ihrer Verfasser. Sie bieten vorläufig nur Bausteine, den einen 
mehr, den andern weniger geschickt behauen, aber Bausteine, die 
alle in Ihrem Steinbruch gebrochen wurden. Vielleicht vermögen 
diese allmählich doch den einen oder andern unter denen nachdenk- 
lich zu stimmen, die bisher ärgerlich bei Seite stehen und sich nicht 
darem finden wollen, dass die naiven Elaborate von 44000 Laien 
manches Ergebnis abstracter und nur zu oft einseitiger Gelehrsamkeit 
ins Wanken bringen können. Es muss doch Frühling werden! 

Marburg i. H., October 1908. 

F. W. 



Studien 



zar 



niederrheinischen Dialektgeographie 



von 



Jacob Ramisch 



Einleitong. 



§ 1. Im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts haben in der 
deutschen Dialektwissenschaft neben der lange Zeit fast alleinherr- 
schenden Localgrammatik auch Wörterbuch und Sprachgeographie 
sich allmählich auf ihre berechtigte Selbständigkeit besonnen. Fär 
jenes war Schmellers glänzendes Vorbild längst vorhanden, dieser 
v^urden in Wenkers großem Unternehmen ganz neue Wege ge- 
wiesen. Neben Wenkers Reichsatlas traten die schwäbischen Karten 
H. Fischers. Die damit gewonnenen authentischen Sprachgrenzen 
fahrten sofort zu der weiteren Frage nach ihrem Alter und ihrer Ent- 
stehang. Diese suchte für sein Gebiet Fischer selbst zu beantworten, 
und die Studien seiner Landsleute Haag und Bohnenberger folgten; 
ao Wenkers Karten und Grenzen knüpften die Arbeiten Wredes an. 

§ 2. Die Frage nach dem Zusammenhang von Dialekt und 
Geschichte tritt jetzt in den Vordergrund. Zwar ist der Gedanke, 
dass zwischen Sprache und Volk , Dialekt und Stamm engster Zu- 
sainmenhang bestehe, uralt. Beruht doch auf ihm die ganze Termino- 
logie der altdeutschen Grammatik und Literaturgeschichte, ein Brauch, 
voD dem wir uns auch bei der Benennung moderner Dialekte noch 
nicht freigemacht haben und nur schwer werden freimachen können. 
Aber jenen obengenannten Arbeiten gebührt das Verdienst, diesen 
Brauch zum ersten Male rein empirisch auf seine Berechtigung hin 
geprüft zu haben, wobei sie allerdings nicht ganz zu denselben Resol- 
taten kommen. 

§ 3. In dem Sinne dieser meiner Vorgänger soll auch die vor- 
liegende Arbeit ein Beitrag sein zur Lösung der Frage nach dem 

D0uiach9 DtelaktgMfnphto I 1 



i 



— 2 — 

Verhältnis von Dialekt und Geschichte. Veranlasst wurde sie durch 
Wredes Berichte über den Wenkerschen Sprachatlas und mehr noch 
durch das Stadium der fertigen Karten.^ Sie behandelt ein links- 
rheinisches Gebiet von circa 70 Orten nördlich und südlich der 
iklich' (Ordinger) Linie, das durch seine politische Zerrissenheit 
bis zum Ende des 18. Jahrhunderts von vornherein zu einer solchen 
Arbeit reizen musste.' Es ist ein Gebiet, das im N. begrenzt wird 
durch die Linie Geldern, Issum, Klosterkamp, Neukirchen, Capelleo, 
Friemersheim und im S. durch Kaldenkirchen, Dülken, Nerseo, 
Willich, Fischein, Linn. Ich bin vielleicht eine Erklärung darüber 
schuldig, warum der östliche Teil dieses Gebietes eine erheblich ge- 
ringere Ausdehnung nach N. und S. aufweist als der westliche; der 
Grund liegt darin, dass der Osten auf den Wenkerschen Karten einer- 
seits nach N., andererseits nach S. hin meist als ein ziemlich ein- 
heitliches Sprachgebiet auftritt, das für eine Untersuchung wie die 
vorliegende weniger ergiebig scheint als der Westen. Großindustrie 
und ein dadurch bewirkter schneller Bevölkerungswechsel und -Zu- 
wachs fehlen in unserm Gebiete, von Krefeld abgesehen. Die Laut- 
verhältnisse des Dialekts, der auf dem Lande und in den Dörfern 
und kleinen Städten die alleinige Umgangssprache der mittleren und 
unteren Stände ist. sind infolgedessen fest; nur der dialektische Wort- 
schatz hat wie überall so auch hier bedeutend eingebüßt. 

§ 4. Eine Laut- und Formenlehre dieses Gebietes zu geben, ist 
nicht der Zweck dieser Arbeit. Sie sieht ihre Aufgabe vielmehr 
darin, einige wichtige Capitel der Grammatik, für welche einzelne 
Wortgrenzen schon in den Karten des SA vorliegen, für den oben 
skizzierten Teil meiner niederrheinischen Heimat dem Material nach 
ausführlicher zu behandeln, systematisch die Grenzen dieser Laut- 
erscheinungen Ort für Ort zu prüfen oder zu schatten und dann nach 
einem Grund für den Verlauf dieser Sprachlinien zu forschen. Laut* 
liehe Unterschiede liegen also meinen Grenzbestimmungen der 
Hauptsache nach zu Grunde. Was manche Gelehrte als das eigentliche 



* Auch an dieser Stelle sei den Bearbeitern des Sprachatlas für die Bereit- 
willigkeit, mit der sie mich die fertigen Karten und die handschriftlichen Frage- 
bogen einsehen ließen, bestens gedankt. 

' Schon Crecelius Nd. Jb. 2,3 erklärte eine bis ins einzelne gehende Unter- 
suchung in diesem Gebiete für dringendes Bedürfnis. 



— 3 — 

Oharakteristicum, als das *Einheitsraoment' ' jeder Mundart bezeichnen, 
beschränkt sich in dieser Arbeit auf die Circumflexionserscheinungen, 
also den Wortaccent. Für eine lexikalische Statistik, wie sie Ludwig 
Tobler einst empfahl, reicht meine Kenntnis dialektischer Idiotismen 
in dem immerhin ziemlich umfangreichen Gebiet nicht aus. Zudem 
versprechen auch solche Grenzbestimmungen bei dem großen Verlust 
der üialekte an altem Erbgut wenig ergiebig zu sein; wenigstens 
haben die bisherigen Versuche in dieser Richtung die Dialektgeographie 
kaum fördern können.^ So wandelt diese Arbeit in den bewährten 
Bahnen der Lautstatistik. ^ Mehr Wert als auf eine Häufung von 
Spracherscheinungen legt sie dabei auf eine Ort für Ort lückenlose 
Materialsammlung für einige wenige Charakteristica der Mundart. Gewiss 
giebt es noch manches, das in den Kreis der Untersuchung hätte 
gezogen werden können. Aber wäre ich auf all die Fragen, zu denen 
der SA anregt, eingegangen, so wäre diese kleine Studie eben zu einer 
Laut- und Formenlehre des ganzen Gebietes ausgewachsen. Maßhalten 
war vielmehr für den Zweck dieser Arbeit geboten. 

§ 5. Auf Grund des Grenzverlaufs auf den Wenkerschen Karten 
stellte ich lange Wortlisten zu den betreifenden Lauterscheinungen 
zusammen, nahm hiernach die Localformen an Ort und Stelle phonetisch 
auf und verglich diese dann mit denen des SA, um letztere namentlich 
in Bezug auf lautliche Feinheiten (Accent, Vocalnüancen, Dehnung 
und Kürzung) zu ergänzen, deren Wiedergabe oft über das Können 
des SA hinausgeht. Dieses durch eigenes Hören zusammengetragene 
Material, das ich dann kartographisch darstellte, bildet die sichere 
Grundlage meiner Untersuchung. Bei diesem Vergleich meiner Sprach- 
grenzen mit denen des SA hat sich das schöne Resultat ergeben, dass 
die beiderseitigen Linien durchgehends zusammenfallen. Kinzelne 
Ausnahmen sollen nicht geleugnet werden. Aber sie sind gegenüber 
der erdrückenden Übermacht der Übereinstimmungen verschwindend 
gering und kommen fast nur beim Vocalismus vor, bei dessen feinen 
und feinsten Verschiedenheiten die (iewährsleute zuweilen versagen 
mussten. Und doch findet sich selbst bei diesen schwierigen Ver- 
hjiltnissen manchmal völlige Identität des Grenzverlaufs. Mit einem 

» \g\. hierzu Fischer § 10, Wredo Anz. 24,265, 

• Fischer § 8. 

* Doch vgl. die lexikalischen Grenzen axt9r-h^9r § 22 a Anro. 4, wüxt^- 
ward9 § 22 a Fußnote 4, leat-jet § 22 k. 



-- 4 — 

Wort: auch diese Specialuntersachangen haben die wertvolle Zu- 
verlässigkeit des SA aufs neue bestätigt, der im übrigen ja in vielen 
Fragen nur mehr oder weniger deutliche Directiven geben kann und 
will, denen zu folgen dann eben die Aufgabe weiterer localer Special- 
forschung sein soll.^ 

§ 6. Über die in vorliegender Arbeit angewandte Lautschrift, 
die möglichste Einfachheit anstrebt, werden wenige Bemerkungen genügen. 

Die enge (geschlossene) Articulation der Kürzen wird durch ^ 
ausgedrückt, während die weite (offene) unbezeichnet bleibt. In stark 
reducierten Endsilben und an zweiter Stelle eines unechten Diphthongs 
(b. u.) steht die Überkürze, die durch 9 bezeichnet wird. Die ge- 
schlossene Articulation der Längen wird durch ^, die offene durch "^ 
ausgedrückt. 

An echten Diphthongen kommen in unserm Sprachgebiet vor die 
weiten ei, ow, ey, wobei die ersten Bestandteile e, 0, etwas weiter gebildet 
sind als die Monophthonge e^ 0, 0, und die engen ^\ öu, 0y, Neben 
diesen echten Diphthongen haben wir in unserer Mda. , wie auch 
die Schreibungen des SA angeben, noch eine Reihe unechter, von 
denen besonders die circumflectierten * wichtig sind. Diese Diphthonge 
setzen mit einer Halblänge ein, deren Articulation zwischen geschloss^^ 
und offen die Mitte hält, gehen aber dann zu einer offeneren Articulati^^^ 
über, so dass ihr zweiter Component (die Überkürze) fast den Lautw^^ 
des dem ersten Componenten entsprechenden ofl'enen Lautes annimtti^ 
(besonders bei den drei unten an letzter Stelle genannten P^' 
phthongen). Um das Lautbild möglichst einfach zu gestalten, verzicht^^ 
wir in der Transscription auf eine genaue Bezeichnung dieser Ver- 
hältnisse ^ und bezeichnen den ersten Bestandteil dieser circumflectierteo 
unechten Diphthonge durch die einfachen Kürzen /, 2/, y^ 0, 0, 6, den 
zweiten durch 9, wobei also vorstehende Bemerkungen jedesmal zu 
beachten sind. Wir erhalten somit für unsere Mda. die circumflectierten 
unechten Diphthonge t"9., m*9., ya., o*»., ^'a., ed.. Außerdem weist unsere 
Mda. noch eingipflige unechte Diphthonge auf, die aus Länge 4- Über- 
kürze bestehen, z. B. id in b^tdr 'besser', üd in zÜ9n 'Sohn' u. a. 
Auch hier ist zu beachten, dass a sich offener Articulation nähert. 



» Wrede Anz. 18,301, Herrigrs Arch. 111,48. 

' Ober die Gircumflexion und ihre Bezeichnung vgl. § 8 ff. 

' Maurmann : d'9., Ü'9, u. s. w. 



i 



— 5 — 

§ 7. Die Trans^^criptioii der Consonanten ist die übliche (auch 
für den gutturalen Nasal). Nur die der Reibelaute sei hier zü- 
rn mengestellt: 

g = stimmhaft, x = stimmlos guttural ^ 

; = » Z = » palatal ^ 

z ^ „ 8 = „ alveolar 

e = „ § = „ alveolar-cerebral 

w— „ bilabial 

V — „ f = „ labiodental. 

ir transscribieren im Anlaut altes germ f einheitlich für unser 

nzes Gebiet mit /", trotzdem dieser Laut in manchen Strichen (auch 

der Sprache der Gebildeten) sehr schwach und nicht selten stimm- 

ft gesprochen wird; inlautendes germ. f ist stets stimmhaft = r.* 

' Über die Geltung und geographische Verteilung dieser Lautwerte s. § 19. 
• Vgl. Wilmanns !■ § 94, Nörrenberg Beitr. 9, 389 f. 



— 8 — 

dürfen wir wohl eine Grenze ihres Vorkommens vermuten, zamal die 
eingehenden Untersochangen Diederichs' ihr sicheres Vorkommen im 
wesentlichen aaf die preußische Rheinprovini localisiert haben ^ nnd 
ans far zwei unserm Dialekt geographisch nicht allzu fern liegende 
Mundarten ausdrücklich ihr (ränzliches Fehlen bestätigt wird.' 

Die Grenze einer Accenterscheinung, den Übergang von einem 
Extrem ins andere, Ort für Ort genau bestimmen zu wollen, hat 
immer etwas Missliches. Diese Tatsache haben die Studien zu den 
schwäbischen Betonungsverhältnissen genugsam bewiesen.' Das Re- 
sultat meiner Untersuchung ist nicht günstiger. Diederichs S. 95 
sieht die Grenze der Circumflexion in der Wenkerschen tA:/icA-Linie. 
Diese Vermutung aber ist, wie die folgenden §§ beweisen, nicht 
richtig; vielmehr gelangt die Circumflexion gerade in Teilgebieten 
nördlich dieser Linie zu einer ganz besonderen Ausbildung. Erst 
nördlich von Geldern nimmt die ganze Betonungsweise allmählich 
eine andere Färbung an. Sie wird ebener, monotoner und scheint 
so von vornherein zum eingipfligen Accent zu neigen. Aber trotz 
eingehender Versuche habe ich zu einer festen Grenze zwischen 
Circumflexion und Eingipfligkeit mit dem bloßen Ohr nicht kommen 
können. Soviel ich beobachtet habe, scheint der Übergang von der 
Circumflexion zur Eingipfligkeit allmählich stattzufinden, wie man 
ja auch wohl a priori anzunehmen geneigt sein wird. Sicher glaube 
ich * das Fehlen jeder Circumflexionserscheinung nur für einen Ort 
beobachtet zu haben, der allerdings nicht mehr zu dem Gebiete gehört, 
auf das sich diese Untersuchungen sonst beschränken ; es ist Winneken- 
denk, nö. von Kevelaer, wo zwischen den nach der Betonungsweise 
des südlich davon liegenden Sprachgebietes ganz deutlich als ein- 
gipflig und zweigipflig geschiedenen Vocalen kein Unterschied wahr- 
zunehmen ist, ohne dass aber diese gemeinsame Articulationsweise 
mit der Eingipfligkeit in diesem südlichen Gebiet völlig identisch wäre. 
Der Hauptunterschied wird darin liegen, dass die eingipfligen Vocale 
in diesem südlichen Gebiet musikalisch und exspiratorisch langsam 
auf- und dann absteigen, während jene dieselbe Tonhöhe und Ex- 

' Vgl. besonders S. 94 f. 

■ H. Reuter Beitr. z. Lautl. der Siegerländer Mda. (Freiburger Dissert., 
Halle 1903) S. 4, Holtbausen Die Soester Mda, § 5. 

■ Fischer § 10 und die dort gegebene Literatur; Wrede Anz. 24,265. 

* Herr Stadtbibliothekar Dr. Norrenberg in Düsseldorf hat bei einem gemein- 
schaftlichen Versuche diese Beobachtung durchaus bestätigt. 



— 9 — 

spirationsstarke vom Anfang bis zum Schluss zu behalten scheinen. 
Nach meinen Untersachungen wird also die Eingipfligkeit ihren Sitz 
haben in einem Gebiete jenseits des Rahmens unseres Sprachgebietes, 
ohne dass aber eine scharfe Abgrenzung möglich ist. 

§ 10. Unbestritten heimisch ist die Circumflexion in demiganzen 
Gebiet, das den eigentlichen Gegenstand dieser Abhandlung bildet. 
Aber wie sich in unserm Sprachgebiet recht erhebliche Lautverschieden- 
heiten zeigen werden, so weisen auch seine Circumflexionsverhältnisse 
bedeutende Unterschiede auf, die sich im Gegensatz zu dem Übergang 
von dem Extrem der Circumflexion zu dem der Eingipfligkeit (vgl. 
§ 9) scharf abgrenzen lassen. 

Einheitlich für unser ganzes [Gebiet tritt Circumflexion ein genau 
in den Fällen, die auch bei Maurmann Regel sind. An ihn und 
an meine anderen Vorgänger mich eng anschließend, gebe ich hier, 
nur der Vollständigkeit lialber, die Belege,^ die also für unser ganzes 
Sprachgebiet gelten. 

I. Ohne Rücksicht auf eine folgende Silbe und die Natur der 
folgenden Consonanz tritt die Circumflexion spontan auf bei den dia- 
lektischen Vertretern von: 

wgerm. a — io'9,p 'Schaf, umgelautet Sle'd.pdr *Schläfer\ ki'9,8 

'Käse' 

wgerm. ö — hr^i.f 'Brief 

wgerm. ö — hlö'ui 'Blut', umgelautet zi'y.t 'süß' 

wgerm. ai (=ahd. i) — ri'9. 'Reh' 

wgerm. au (= ahd. o) — du'9.t 'tot', umgelautet bly'd, 'blöde' 

wgerm. eo — i&'iAd 'schießen'. 

iL Lautcombinatorisch unter der Bedingung der Synkope oder 
Apokope eines unbetonten e tritt Circumflexion ein 

a) bei Kurzvocalen. wenn ihnen Liquida oder Nasalis + stimm- 
hafter Consonant oder geminierte Liquida oder Nasalis folgte — ba'Lt 
'bald', stön.t 'Stunde', hei 'Hölle', St^m. 'Stimme'; 

b) bei Langvocalen, ursprünglich langen und in ofl'ener Silbe 
gedehnten, und Diphthongen, wenn ihnen ein stimmhafter Consonant 
folgte oder das Endungs-^ unmittelbar sich anschloss — 6:x 'Auge\ 
äre'9.x 'schräg', le'i, (and. leia) 'Schiefertafel'. 

' Der Kürze wegen gebe ich^bei diesen Belegen die genaue Vocalnüancierung 
nur nach der Mda. meines Heimatsortes St. Tonis bei Krefeld. 



— 10 — 

JII. Circuroflexion tritt endlich noch ein, wenn ein Dental zwischen 
Vocalen ohne Wirkung ' ausfiel und ein siibenschließendes el^ fr, ein, 
en folgte, wobei die beiden Silben zu einer einzigen (entweder Lang- 
vocal oder unechtem Diphthong) verschmolzen — kid.l ^Kittel', bre'd.r 
'Bretter', faim 'Faden*, bo'9.m 'Boden'. 

Diese Circumflexionsverhältnisse unseres Sprachgebietes sind, wie 
schon oben erwähnt, dieselben wie bei Nörrenberg und Maarmann. 
Hier wie dort dient der circumflectierte Accent auch noch als Unter- 
scheidungsmittel für den Nom. Acc. sg. vom Nom. Acc. pl. — berx 
ber.x 'Berg Berge', dax dau 'Tag Tage\ müs my:s 'Maus Mäuse'. 
Dagegen ist der Unterschied zwischen Dat. sg. und Acc. sg. , den 
Maurmaun § 208, Nörrenberg Beitr. 9,406, Hasenclever § 22^ Münch 
§ '22 und Müller § 4 belegen, in unserm Gebiet zu Gunsten des Acc. 
fast ganz aufgegeben ; es tritt eben schon der Ersatz des Dat. durch 
den Acc. ein. Die circumflectierte Dativform kommt m. W. nur in 
der als feststehender Redensart erstarrten Form fan da:v 'heute' vor, 
daneben vielleicht noch in jor^k iita we'd^x 'g^h aus dem Wege', wofür 
man aber auch vielfach Eingipfligkeit hört. 

Gegenüber der Einheitlichkeit unseres ganzen Sprachgebietes in 
Bezug auf diese oben dargestellten Betoimngsverhältnisse fallen seltene 
Abweichungen einzelner Wörter nicht ins Gewicht. 

§ 11. Um so mehr treten einige zu großen Gruppen vereinigte 
Besonderheiten in Bezug auf diese Betonungsweise in die Er- 
scheinung, die sich in unserm Sprachgebiet finden. 

Circumflexion von wgerm. f, ü, al (= ahd. ei\ uii (= ahd. ou) 
ist, außer bei Apokope, entsprechend den Verhältnissen bei Nörrenberg 
und Maurmann in unserm Gebiet nicht zu erwarten. Hasenclever 
(§ 21), Münch (§ 21) und Müller jedoch belegen die Circumflexion 
dieser wgerm. Langvocale und Diphthonge, außer lautconibinatorisch 
bei Apokope, noch bei folgender stimmhafter Consonanz und erhaltener 
Folgesilbe, nicht aber vor stimmloser Consonanz und erhaltener Folge- 
silbe und auch nicht in geschlossener Silbe; sie haben also dnivd 'treiben', 
syiMd 'schäumen', deib 'teilen', ö:ga 'Augen'. Auch in unserm Sprach- 
gebiet findet sich diese Circumflexion in offener Silbe und zwar sowohl 
vor stimmhaft als stimmlos anlautender Folgesilbe. Sie erreicht aber 

* Circumflexion tritt also nicht regelmäßig ein bei j<.d — b(^9m 'Boden', 
röj9 'raten', aber i9'^9 'schaden', bi\j9 'beten' (vgl. § 2911). 



— 11 — 

nicht in diesem ganzen Gebiete dieselbe Ausdehnung. Da ich eine 
Ort für Ort genaue Abgrenzung leider versäumt habe, muss ich mich 
auf Angaben für einige Orte beschränken. Consequent sowohl vor 
stimmhafter als stimmloser Consonanz tritt Circumflexion ein in einem 
Gebiet östlich einer Linie Neukirchen, Vluyn, Niep, Yennikel (diese 
Orte einbegriffen). In demselben Umfani? kann ich sie noch belegen 
für Hohenbudberg und Linn. Grefrath, VVankum und Wachtendonk 
haben sie nur vor stimmhafter Consonanz und fast ausschließlich bei 
Verben, aber selbst da noch nicht consequent. Auch das ganze Ge- 
biet westlich der eben bestimmten Linie weist nur bei einigen wenigen 
Verben mit stimmhaftem Stammauslaut Circumflexion auf, während 
die dort stattfindende durchgängige Circumflexion von wgerm. ai 
(=ahd. ei) und au (=ahd. on) zu einer anderen Kategorie gehört 
(vgl. § 12). Durchaus eingipfliger Accent sowohl bei stimmhaft als bei 
stimmlos anlautender Folgesilbe ist sicher z. B. für St. Tonis. 

Ihren eigentlichen Sitz scheint demnach diese Circumflexions- 
erscheinung in einem östlichen Streifen unseres Gebietes zu haben. 
Vielleicht haben wir bei ihr an eine Übertragung aus den apokopierten 
ind deshalb lautgeselzlich circumflectierten Formen der Verben mit 
stimmhaftem Stammauslaut (z. B. der L sg. praes. Srtif vom Inf. 
«Vltv 'schreiben') zunächst auf den Inf. dieser Verben und dann auch 
auf die entsprechenden Formen der stimmlos auslautenden Verbal- 
stamme und schließlich auch auf Formen, denen keine apokopierten 
^'Ur Seite stehen, also auf Substantiva mit off'ener Stammsilbe, zu 
denken.* Eine starke Stammsilbenbetonung, verbunden mit Ab- 
schwächung der Endsilben, ist dabei Voraussetzung. Dieser Process 
der An- und Ausgleichung mag sich in verschiedenen Teilen unseres 
Gebietes verschieden vollzogen haben. Bald ist er zu dem einen Ex- 
trem der consequenton Circumflexion von wgerm. ?, ö, ai (=ahd. «*), 
im (=ahd. oft) in offener Silbe, bald zu dem anderen der conse- 
quenten Eingipfligkeit durchgedrungen, während Circumflexion nur 
vor folgender stimmhafter Consonanz das Mittelglied zwischen diesen 



' Eine Übertragung aus der I. sg. praes. und dem imp. von Verben mit 
stiomhaftem Stammauslaut (z. R. griif ^schreibe') auf die entsprechenden Formen 
(>iso nicht auf den Inf.) von Verben mit stimmlosem Stammauslaut (z. B. M:t 
*bei^') findet sich, besonders wenn ein starker Nachdruck in der Satzbetonung 
aof dem Worte liegt, z. B. auch in St. Tonis , obwohl dieses sonst in obigen 
^en nur £ingipfligkeit aufweist. Umgekehrt aber findet sich hier statt iriif 
aach ifif. 



— 12 — 

Extremen und den Ausgangspunkt der ganzen Erscheinung überhaupt 
darzustellen scheint. Belege für das Gebiet mit consequenter Circum- 
flexion: ri:vd(n) (über -w vgl. die Anm.) 'reiben', ht:t9(n) 'beißen', 
rt:s9r 'Reiser', lü:r9(n) 'lauern', m:p9(n) 'saufen', bü:rd(n) 'Bauern', 
lö'u.p9(n) 'laufen', dr0'y,md{n) 'träumen', dd'y,pd{n) 'taufen', dS'i.ld{n) 
'teilen', r^uk9(n) 'reichen', b^i,t9l (zu Uitdn 'beißen') 'Meißel'; aber 
fis 'Reis', bür 'Bauer', dröum Traum', hm 'heiß*. 

Anm. Das -n in Flexions- und Ableitungssilben fallt, wie die 
Wenkerschen Originalkarten zeigen, in Teilgebieten Niederdeutschlands 
ab. Für unser Gebiet ergiebt sich kein reinliches Bild, indem Abfall 
und Erhaltung des -m auf den SA-Blättern oft ein buntes, anscheinend 
regelloses Durcheinander zeigen,' wobei sich erhaltenes -n in einem 
Gebiet mit Kaldenkirchon, Dülken, Süchteln mehrmals häuft. Jedoch 
ist das Bild durchaus nicht auf allen Karten dasselbe, ohne dass sich 
aber aus ihm irgend eine Gesetzmäßigkeit oder eine Abstufung der 
Verhältnisse feststellen ließe. Nur ein Gebiet hebt sich auf allen 
Karten durch scharfe Umgrenzung heraus, das auslautendes -n erhalten 
hat, nach meinen Feststellungen durch folgende Orte im S. und W. 
begrenzt: Friemersheim, Rumein, Kaldenhausen (östlich),* Vennikel, 
Capellen, Niep, Vluyn, Neukirchen (diese Orte einbegriffen). Da ich 
im Verlauf der Arbeit bei den einzelnen Belegen nicht jedesmal an- 

§eben kann, ob ich Abfall oder Erhaltung des -n belegt habe, werden 
lese durchgehends mit apokopiertem -n gegeben , ausgenommen für 
das eben abgegrenzte Gebiet. Aus dem Stand der Verhältnisse ist 
wohl zuifolgern, dass der Process der Apokope des -n noch nicht ab- 
geschlossen ist. 

§ 12. VS^ährend die Circumflexion von wgerm. f, ü, at (= ahd. ei), 
au (== ahd. ou\ von der im vorigen § die Rede war, nur in offener 
Silbe, also bei folgender Flexions- oder Ableitungssilbe, auftritt, weist 
ein Teil unseres Sprachgebietes Circumflexion von wgerm. au und ai 
(= ahd. ow, ei) sowohl in offener als auch in geschlossener Silbe auf, 
und zwar ist es das Gebiet, das im S. und 0. durch folgende Orte 
begrenzt wird: Niederdorf, Herongen, Wankum, Waphtendonk, Ge- 
linter, [Schmalbroich, Broich, St. Hubert, Orbroich, Hüls, Niep, Vluyn, 
Neukirchen (diese Orte nicht mehr einbegriffen). Belege: 



' Vgl. Behaghel § 100,4, Wrede Anz. 19,359 Csitzen'), 20,209 Cmachen') u. ö. 
-^ belegen: Röttsches § 216, Geerling an zerstreuten Stellen, Maurmann §§ 4.98 
(nur für die Stadtmda., die Landmda. hat -^, Koch § 32,4, Manch § 116. -^n 
haben: Holthaus S. 430,^Holtbausen S. 422, Hasenclever § 118 f. 

' Kaldenhausen ist hier und auch bei andern Spracherscheinungen scharf 
in eine östliche und westliche Hälfte geschieden; s. §§ 53 und 61. 



- 18 ^ 

1. wgerm. au (= ahd. ou) = 6: («•».)* — bdim *Baiim', dröim 
'Traum', zdim 'Saum', röik 'Rauch', Idik 'Lauch, Zwiebel', knöip (hd. 
knauf) 'Knopf, hö:p 'Haufen', ld:p9 'laufen', /iwio:/?d 'verkaufen' ; um- 
gelautet = 0: (y'9.) * — b0:g9 'beugen, bücken', xleivd 'glauben', drexmd 

Hräumen', reik» 'räuchern', dbipd 'taufen', Streip^ 'streifen', heipa 

^häufen' ; 

'2. wgerm. ai (= ahd. ei) = e: (i'a.) ^ und i {&) — ^wH 'Schweiß', 
tte:t 'weich', hH 'heiß', ztp 'Seife', dtl 'Teil', stem 'Stein', htn 
'Bein', aber — zivdr \Speichel, Geifer', tikd 'Zeichen', eekd 'seichen', 
hM 'Meißel', igd 'eigen'^, Skamhoim 'Eichenbaum', wä 'Weizen', blSk 
^Bleiche'. 

Während also ö: und 6: = wgerm. au allgemein ist, zeigt die dia- 
lektische Entsprechung von wgerm. ai ebensoviele Fälle mit Circum- 
fleiion als mit eingipfligem Accent. Und selbst von diesen auf ge- 
schlossene Silben beschränkten Fällen mit Circumflexion kommen im 
W. mehrere eingipllig vor. Worin der Unterschied in der Entwicklung 
der beiden Diphthonge seinen Grund hat, vermag ich nicht anzugeben. 
Bemerkenswert aber ist, dass gerade die oben mit eingipflig accen- 
toiertem e belegten, zum großen Teil offenen Silben nördlich einer 

I liinie Straelen, Holt, Pont, Veert, Geldern, Aengenesch, Issum, 
Hörstgen, Klosterkamp, Lintfort (diese Orte einbegriffen) ^* aufweisen^ 
(vgl. § 36), während die oben mit e: belegten Beispiele auch nördlich 
dieser Linie e: behalten. Ebenso wie unser Sprachgebiet weist auch 

I das Ndl., sowohl das Mndl. als das Nndl., für wgerm. ai = ahd. €i in 
verschiedenen Wörtern teils den Monophthong c, teils den Diphthong 
« aaf.* Die Entsprechung ^m fehlt in unserm ganzen* Circumflexions- 
gebiet, also auch nördlich der eben bestimmten Linie; auch die ndl. 
Schriftsprache kennt als Entsprechung von wgerm. an = ahd. ou nur 
6, keinen Diphthong, wohl aber die ndl. Dialekte. 

§ 13. Nicht minder auffallend und unregelmäßig ist die Circum- 
flexion der wgerm. Kürzen a, e, i, o, u vor den silbenschließenden 

' Secundäre Diphthongierung zu uv. findet sich im W. an der Reichsgrenze, 
während die Diphthonge yv. und tv. besonders einem südlichen Teil des oben 
»bgtgTenzien Gebietes eigen sind; so belegt z. B. auch die Weukersche Karte 
'Seife' sechsmal ie oder iä. 

• Gcerling S. 43. 

» Vgl. Franck § 26. 



— 14 - 

CoDSonanteDverbindnngeD n + Dental, / 4- Dental und tw + p, wobei 
zum Teil Dehnung stattfindet.* Bei der Circumflexion vor n -f Dental 
handelt es sich um ein Gebiet, das zum großen Teil mit dem im 
vorigen § bestimmten identisch ist. Seine Grenze nach 0., 8. und 
W. bezeichnet die Linie Lintfort, Rayen, Schaephuysen , Tönisberg, 
Stenden, Aldekerk, Eyll, Neukerk, Winternam, Vernum, Geldern, 
Veert (diese Orte einbegriffen); mit Länge des Vocals ist diese Circum- 
flexionserscheinung verbunden bis zu einer Nordgrenze Veert, Geldern, 
Aengenesch, Issum, Klosterkamp, Lintfort (diese Orte selbst haben 
schon Kürze + Circumflexion). Zweigipflige Betonung vor silben- 
schließendem / + Dental und m -^ p ist Regel nur nördlich * von 
Veert, Geldern, Aengenesch, Issum, Hörstgen, Klosterkamp, Lintfort 
(diese Orte einbegriffen); der Stammvocal erführt dabei keine Dehnung. 
Der Deutlichkeit halber gebe ich die Belege für zwei Orte in diesem 
Circumflexionsgebiet : 

Aldekerk — haint 'Hand', höint 'Hund', bleint *blind\ kaUt 
'kalt',* holt 'Holz', xelt 'Geld', krump 'Krampf, kömp (mhd. himpf) 
'Schüssel'; 

Geldern — ha'n.t, hÖ'nJ^ hl^n,t^ ka'lJ, hö'l.f, xelJ. kra'm.p^ kö'm,p. 

Wenn man sich nicht mit dem inhaltslosen Namen 'spontane 
Circumflexion' begnügen will, so wird man den Grund für das Ein- 
treten der Circumflexion in diesen Fallen wohl kaum in etwas anderem 
als in dem sonoren Bestandteil der drei Consonantenverbindungen zu 
suchen haben. Nun bewirken diese selben Verbindungen in anderen 
Dialekten, z. B. in einem rechtsrheinischen Gebiet von Mülheim a. d. Ruhr 
bis Wermelskirchen,* Diphthongierung des Stammvocals. Eine Wechsel- 
beziehung zwischen unserer Circumflexion und dieser Diphthongierung 
ist somit m. E. nicht ganz von der Hand zu weisen.^ Das beide 
Teile trennende Gebiet mit Mors im Mittelpunkt, das eingipflige Lang- 
vocale aufweist (vgl. § 24), verdankt diese vielleicht schon einer 
secundären Weiterentwicklung. Im NO., in unmittelbarer Nähe des 

' Die Wenkerschen Karten weisen vor n -\- Dental zahlreiche Läog-e- 
bezeichnungen auf; über analoßfe Dehnungserscheinungen in anderen rip. und 
ndfr. Mdaa. vgl. Müller S. 53 A. 2 und die dort gegebene Literatur, Mfinch § 43. 

• Circumflexion vor l -\- Dental kommt auch südlich dieser Linie und nord- 
lich von Stenden — Tönisberg vor, aber nur als spärliche Ausnahme und 
dann mit Dehnung verbunden, in äiU *tM\ küilt 'kalt\ 

• VgLWrede Anz. 19,99 CSalz') u. ö., Maurmann § 159 f., Hasenclever § 59. 

• Ahnliche Zusammenhänge sind ja nichts Neues: so hat Wrede Zs. 39, 257 f. 
die nhd. Diphthongierung aus vorausiiegender CircumHexion zu erklären gesucht. 



— 15 — 

Rheins, bat Rheinberg noch Circumflexion. Ob diese sich noch auf 
die rechte Rheinseite erstreckt und somit der geographische Zusammen- 
hang beider Erscheinungen uns ihren inneren Zusammenhang be- 
stätigt, vermag ich nicht zu sagen. Wichtig ist bei dieser Circum- 
flexionserscheinung, dass sie nur vor den silbenschließenden Con- 
sonantenverbindungen vorkommt, also bl^ni^ kalJ^ klö'm.p^ aber 
hl^nd9^ kaldd^ klömp9. 

§ 14. Schließlich sei noch eine Gruppe von einsilbigen Verben 
erwähnt, die in dem Teil unseres Sprachgebietes, den wir schon § 13 
für die Circumflexion vor n 4 Dental abgegrenzt haben, circumflectiert 
erscheinen, während sie sonst in unserm ganzen Gebiete in Anlehnung 
an den eingipflig accentuierten Infinitiv xfn, zSn oder shn (auch mit 
Verkürzung j^it?, vgl. § 33) 'esse' eingipflige Betonung haben,^ nämlich 
chn 'sehen', dum 'tun', slöin 'schlagen', gö:n 'gehen', Stöin 'stehen*. 



n. Die hochdeatsohe LaatYersohiebimg. 

§ 15. In der deutschen Dialekteinteilung hat das Verhalten der 
Mdaa. zur hochdeutschen Lautverschiebung von jeher eine große Rolle 
gespielt. Das erklärt sich daraus, dass sie von dem ersten Auftreten 
unserer Denkmäler an die am leichtesten zu bezeichnenden Unter- 
scheidungsmerkmale abgab. Keineswegs aber ist damit gesagt, dass nun 
auch die Lautverschiebung überhaupt die wichtigste Spracherscheinung 
eines jeden Dialekts sei, in dem sie sich in dem einen oder andern Ver- 
schiebungsakt wirksam zeigt. Der deutschen Dialekteinteilung im 
ganzen muss sie zu Grunde gelegt werden , weil man hier solcher 
Spracherscheinungen bedarf, die über möglichst weite Strecken des 
deutschen Sprachgebietes verbreitet sind. Aber der Dialektforscher 
eines kleinen Gebietes wird oft dem in sein Gebiet fallenden Teil- 
process der Lautverscliiebung im Verhältnis zu seinen andern Sprach- 
grenzen nur eine beschränkte Wichtigkeit beilegen, zumal wenn es 
sich um die äußersten, spärlichen Ausläufer dieser Erscheinung handelt, 
die zudem vielleicht noch ganz isoliert und ohne Znsammenhang mit 
seinen andern Sprachgrenzen verlaufen. Von diesem Gesichtspunkte 
aus verdient ra. E. die Lautverschiebung in unserm Sprachgebiet be- 
trachtet zu werden. 

' Vgl. MaurroaDD § 15 A. 1. 



— 16 — 

§ 16. Schon Wahlenberg S. 6 f. hatte anf Grund dialektischen 
Materials aas einer Reihe von Orten festgestellt, dass die verschiedenen 
Processe der Lantverschiebung in der Rhein provinz sich ihrem Aus- 
dehnangsgebiet nach nicht decken, vielmehr die Lautverschiebang in 
verschiedenen Übergangsgebieten gen N. vorrücke. Braune hatte 
Beitr. 1, 1 f. das Verhalten der Urkunden des 13. und 14. Jahrhunderts 
zur hochdeutschen Lautverschiebung seiner Einteilung des Fränkischen 
zu Grunde gelegt. Inzwischen hat der SA die einzelnen Laut- 
Verschiebungsvorgänge Ort für Ort auf Grund eines ziemlich reich- 
haltigen Materials begrenzt. 

Von den verschiedenen Akten der Lautverschiebung macht die 
des Dentals in den Pronominalformen dat^ trat nach Wrede Anz. 19,97 
schon weit südlich der Mosel Halt. Auch die Lautverschiebongs- 
vorgänge, die das Linienbündel der sogenannten Benrather Linie' 
bilden (k'^ch; />??, tz; p'>ff)y reichen in ihrer Allgemeinheit 
nicht mehr in unser Sprachgebiet hinein , da wir vereinzelte ver- 
schobene Formen, wie jlix 'gleich', z^x^r 'sicher', kats *Katze\ A«(r)f< 
'Herz', Ste(r)t8 'Sterz, Schwanz', die in einem schmalen Streifen am 
Rhein bis Hohenbudberg— Traar vorkommen, ferner allgemein ve^ 
breitete Lehnwörter, wie frex 'frech', strix "Strich', tsdm^r 'Zimmer, 
wMsaf 'Wirtschaft', und abstracte Substantiva, wie §prux *Spruch\ 
;ldrux 'Geruch', außer Betracht lassen können.' Am weitesten nach 
N. reicht von allen Lautverschiebungslinien, wie die Wenkersche 
Karte zeigt, die der Verschiebung in den persönlichen Fürwörtero 
mich^ dichy sich. Da aber die unverschobenen Formen in der ganzen 
Rheinprovinz überhaupt nicht vorkommen, kann auch dieser Auslanfer 
der Lautverschiebung für uns außer Betracht bleiben. 

Mitten in unser Sprachgebiet hinein fallt von allen l^utverschiebuugs* 
linien der Wenkerschen Karten nur die Ürdinger Linie, die die 
Verschiebung in ich^ auch begrenzt; daneben kommen für unser 
Gebiet noch in Betracht die Adjectiva und Adverbia auf nhd. -lieh, 

§ 17. Wrede Anz. 18, 307 giebt als Grenzorte der Ver- 
schiebuhgslinie für ich *Kaldenkirchen, Kempen, Hüls, 'Krefeld, Mors, 
*Ürdingen, Duisburg (-cA-Orte mit *). Die detaillierte Grenze der 
Wenkerschen Karte stimmt mit meinen Feststellungen iOrt für Ort 

' Vgl. P. Engels Zur Grenze der Lautverschiebung zwischen Mittel- und 
Niederfranken (Mönstersche Diss.), Boma-Leipzig 1904. 

' Vgl. Wahlenberg S. 7, Maurmann §§ 106 A. 2. 108 A. 1. 121 A. 



— 17 — 

überein:' Lenth, Hinsbeck, Grefrath, Vinkrath, Mählhauseu, Ödt, 
Vorst, St. Tonis, Krefeld, Verberg, Traar, Kaidonhausen (westl.),* 
Hohenbudberg bleiben südlich der Verschiebungslinie; hier herrscht 
also ^,' 6x; nördlich dieser Grenze gelten die Formen ^,® 6k. 

§ 18. Nach Wegener in Pauls Grdr. PS. 1475 sollen die hd. 
auf 'lieh ausgehenden Adj. und Adv. auch im Nd. nur in der hd. 
Lantform vorkommen, die -KÄ-Formen aber gänzlich fehlen. Für 
unser Sprachgebiet trifft diese Behauptung nicht zu.^ Vielmehr lässt 
sich zwischen den verschobenen und un verschobenen Formen in unserm 
Gebiete eine scharfe Scheide ziehen. Allerdings ist der Grenzverlauf 
'l9Xhldk durchaus abweichend von der Verschiebungslinie in ich^ auch, 
Teils gehen die -/»^-Formen weiter nördlich,* teils finden wir die un- 
verschobenen Formen weiter südlich. In dem -teA-Gebiete kommen 
aber auch einige -/a^-Formen vor, die jedoch meist schon durch die 
schriftsprachliche Form des ersten Compositionsgliedes ihre nicht 
mundartliche Herkunft verraten. Daneben ist auch bei den -lieh- 
Bildungen die Vorliebe der jüngeren Generation für die verschobenen 
Formen namentlich an den Grenzen des -{^Ar-Gebietes unverkennbar. 
Der SA enthält kein Beispiel eines Wortes mit -lieh, Wahlenberg 
S. 7 giebt für die Zone Kleve, Geldern, Wesel, Orsoy Mik^ dagegen 
für Wipperfürth, Elberfeld, Ürdingen, Krefeld, M.-Gladbach erlich^ 
endlich an. Meine Aufnahmen zur genauen Bestimmung des -hk- 
Gebietes ergaben die Linie Breyell, Lobberlch, Grefrath, Vinkrath, 
Harzbeck, Gelinter, Stenden, Tönisberg, Schaephuysen, Rayen, Lintfort. 
Das ganze Gebiet westlich dieser Linie (obige Orte eingeschlossen) hat 
also die unverschobene Form -hk (jedoch mit der oben erwähnten 
Concession an schriftsprachliche Eindringlinge): srekhk 'schrecklich', 
xesldk 'geistlich', rikhk 'reichlich', X9mekldk (nhd. gemächlich) 'be- 
quem', harthk 'herzlich', xlokhk 'glücklich', enfhk 'endlich'. Das 
ganze übrige Gebiet im 0. mit Süchteln, Kempen, Krefeld im Mittel- 
punkt hat 'hx- 

* Die erste Grenzbestimmung Wenkers (s. Rhein. Platt S. 7 f. und das dort 
b«igegebene Kärtchen) zeigt einige kleine Abweichungen von der letzten, richtigen 
Feststellung. 

* Vgl. 0. S. 12*. 

* Wgerm. », m, ü sind in unserm ganzen Sprachgebiet durchgehends zu 
i, ö, S gesenkt ; vgl. RGttsches §§ 5. 8, Geerling S. 24. 33, Munch §§ 67 f. 74 f. 

* Auch Lübben S. 57 belegt für das Mnd. regelmäßig -lik, 

* Auch Maurmann § 121 Anm. hat -fox, aber ik Mch\ 
I>OTitaoiM Dtatektseogxmphle I 2 



- 18 — 
nL Toealirienmg der Spirans in der Terbindnng cht. 

§ 19. Schwache Articulation des Reibelauts hat in einem großen 
Teil unseres Sprachgebietes diesen in der Verbindung cht sich zam 
Vocal entwickeln lassen.' Der Reibelaut muss so schlaff articuliert 
worden sein, dass überhaupt keine Engenbildung zustande kam, viel- 
mehr an die Stelle des Reibelauts ein entsprechender Vocal trat and 
zwar t nach palatalem, u nach gutturalem Stammvocal. Diese neoeo 
Vocale verbinden sich mit den alten zu einem neuen Dritten, einein 
Diphthong (reit Vecht', löut *LuftO. Aus der Verbindung a-\- da 
wäre nach der heute unzweifelhaft gutturalen Natur des Reibelauts 
nach a das Resultat out zu erwarten. In der Tat findet sich out 
(z. B. nout ^Nacht') in einem kleinen Gebiet, das später abzugrenzen 
sein wird, während das im größten Teil unseres Sprachgebietes herr- 
schende eit (z. B. neu ^Nacht') auf frühere palatale Natur des Reibe- 
lautes in diesem e^-Gebiet hinzuweisen scheint. Für die Chronologie 
des Übergangs von ch in den entsprechenden Vocal ergiebt sich, dass 
er erfolgt sein muss vor dem Schwund des auslautenden t^ das ja im 
out'^ ^-Gebiet erhalten ist, während es sonst nach allen Consonanten, 
außer nach l und n, durchgehends abgefallen ist.^ 

Auch 9, in großen Teilen Deutschlands als stimmhafter oder 
stimmloser Verschlusslaut gesprochen , ist in unserm ganzen Sprach- 
gebiet in allen Stellungen stimmhafter oder stimmloser Reibelaut,' 
ausgenommen bei VerschärfungCZ/'jra liegen, legen\ ^^e^a 'sagen' mit stimnJ- 
haftem Verschlusslaut) und in der Verbindung ng (r^k 'Ring', PI. r^)» i 
Beschränken wir uns zunächst auf den Anlaut, so haben wir eine scharfe 
Grenze zwischen stimmhaftem palatalen und stimmlosem gutturalen 
Reibelaut. Nach Wenker * folgt diese Grenze * im wesentlichen der Vocali- 
sierungslinie des ch in der Verbindung cht^ aber so, dass auch das 
OM^-Gebiet und ein sich nach S. hin fortsetzender Streifen, der in def 
Verbindung cht Erhaltung der Spirans hat, gutturalen Charakter de^ 
Spiranten aufweisen. Für einen Teil dieses Grenzverlaufs , nämlicll 

» Wrede Anz. 21, 163 f. ('recht'), 19,278 CLuft'), Röttsches § 70 f., Holthnw 
S, 342 u. ö., Holthausen S. 413, Hasenclever §§ 59. 60, Müller § 20. 

• Vgl. Maurmann §110. 

• Wrede Anz. 24,117, Behaghel § 103, Wilmanns V § 74, Röttsches § 5«, 
Maurmann § 124, Koch §§ 40. 44, Holthaus S. 365, Holthausen S. 423, Hase«-; 
clever § 84, Munch § 103 f. 

• Vgl. Blatt 3 seines 'Sprachatlas der Rheinprovinz nördlich der Mosel ul^ 
des Kreises Siegen' Marburg 187$ (handschriftlich auf der Marburger Universitili*| 
bibliothek). 

• Vgl. § 20. 



i 



— 19 - 

n Friemersheim im 0. bis Geliuter-Harzbeck im W., bin ich bei 
ler genauen Nachprüfung zu demselben Resultat gekommen; ebenso 
r die nördlichen Orte des OM^Gebietes. Ob aber der gutturale 
larakter im out-Gehiet und noch darüber hinaus so weit nach S. reicht, 
ie Wf nker angiebt, dafür vermag ich nicht einzustehen. 

Der Lautwert der in- und auslautenden p-Spirans entspricht ganz 
em der anlautenden, insofern nämlich, als das Gebiet mit anlautender 
Qtturaler Spirans auch in- und auslautend nur (je nach der Natur 
es vorhergehenden Vocals mehr oder minder) gutturale Spirans kennt, 
Qch nach palatalen Vocalen. Dieser Grenzverlauf ist somit zweifellos 
on Wichtigkeit für die Erkenntnis der Ursache der Vocalisierung des 
h in der Verbindung cht. Zeigt er doch deutlich einen Zusammen- 
lang einerseits zwischen der gutturalen Articulation der Spirans g 
ind der Erhaltung der Spirans in der Verbindung cht oder dem 
iesultat der Vocalisierung out <C acht, während andererseits die Be- 
iehung zwischen palatal articulierter Spirans g und der Vocalisierung 
er Spirans in der Verbindung cht oder dem Resultat eit <C (icht ganz 
Qgenfallig ist. Das Gebiet südlich der oben bestimmten liinie hat 
Iso im Anlaut stimmh. pal. 7, im Inlaut stimmh. pal. j oder stimmh. 
ott^ (; nach pal. Vocal und .1 oder r, g nach gutt. Vocal), im Aus- 
lot stimmt, pal. x ^^^^ ^^^^' ^ (^^l)- Nördlich dieser Linie gilt 
91 Anlaut stimml. gutt. x, im Inlaut stimmh. gutt. g (ohne Rücksicht 
Qf die Natur des vorangehenden Lautes), im Auslaut stimml. gutt. x 
Igl.); ein stimmh. ; kommt in diesem Gebiete außer für wgerm. j 
ar als Ersatz eines ausgefallenen Dentals vor (§ 26 f.). 

§ 20. Nach Wrede Anz. 21, 163 ('recht') entspricht die Nord- 
renze der Vocalisierung des ch bis zum Rothaargebirge ungefähr der 
ricA-Linie. Die Abweichungen im einzelnen wird ein Vergleich 
eider Linien ergeben. Nach meinen Feststellungen bleiben folgende 
rte südlich der Vocalisierungslinie des ch liegen: Niederdorf, llerongen, 
^ankum. Harzbeck, Schmalbroich, Broich, St. Hubert, Orbroich, Hüls, 
refeld, Traar, Kaldenhausen (westlich), Hohenbudberg. Südlich 
eser Linie hat sich also die Spirans zum Vocal entwickelt; aus- 
nommen ist nur ein schmaler Weststreifen längs der Reichsgrenze, 
r sich nach Wrede Anz. 21,164 von Kaldenkirchen (dieses ein- 
griffen) bis Gangelt erstreckt. In diesem großen Gebiet, das die 
irans ch vocalisiert, müssen wir, um den späteren Zusammenhang 
ht zu zerreißen, noch das kleine out-Gehiet abgrenzen, von dem in 

2» 



— 20 — 

§ 19 die Rede war. Es ist ein Strich an der Reichsgrenze, in den 
nach N. und 0. Kiederdorf, Herongen, Wankum, Harzbeck, Vinkrath. 
Grefrath, Lobberich, Boisheim (der letztgenannte Ort nach derWenkerschen 
Karte 'gebracht*) noch hineinfallen. Das ganze (iebiet östlich von 
diesem ou^Streifen hat eit, 

§ 21. Nördlich unserer Vocalisicrungslinie des ch ist die Dehnung { 
des Stammsilbenvocals vor ch in zwei geographisch getrennten Teil- 
gebieten ziemlich regelmäßig. Und zwar ist es ein westliches Gebiet 
mit Walbeck, Pont, Holt, Straelen, Broekhöysen,* Wacht^ndonk, Ge- 
linter und ein östliches, das durch Friemersheiin, Rumein, Kaldeu- 
hausen (östlich), Vennikel, Capellen, Xiep, Vluyn, Neukirchen (diese 
Orte einbegriflfen) begrenzt wird. In der von diesen beiden Gebieten 
eingeschlossenen Enclave mit Neukerk und Rheurdt im Mittelpunkte 
überwiegt die Kürze; nur wgerm. a hat auch hier durchgehends 
Dehnung erfahren. Nördlich von Veert, Geldern. Aengenesch, Issom. 
Hörstgen, Klosterkanip, Lintfort (diese Orte einbegriffen) herrscht 
(auch nach wgerm. a) nur Kürze. 

§ 22. Der Einfachheit halber gebe ich die folgenden Belege 
nördlich der VocAÜsierungslinie alle mit Länge, wobei also die Be- 
merkungen in § 21 zu beachten sind: 

a) wgerm. a — neit^ nouf, niix^ 'Nacht\ beü.^ botä^ hüx (v|arl. 
ae. byht<iheahf^ bahi^ ne. hight^ ndl. hocht^ hd. bucht) 'Hundehütte' 
(vgl. Anm. 2), zeit^ zout^ zOx 'sai^to' (vgl. Anm. 3), leit^ lout, Ict^ 
legte', peit^ pout,^ pdc 'Pacht', peit<^;^ päxtif, pexia 'pachten', UHirif^j 
wouta^^ waxta 'warten', eit9r ^ oxfrfr,^ axtdr <i alter ^ 'hinter (\><'- 

* Unter diesem Namen fassen wir einij^'e kleine Hauerscliaften südlich vo" 
Straelen zusammen, die politisch znm früheren Amt und zur jetzigen Bör^*"' 
meisterci Straelen gehören. 

* Dieser mit ä bezeichnete Vooal ist nicht überall reines fl, sondern laut"-^ 
besonders im W. fast wie ö. 

* Zu peiU vjrj. die r)oppelformen peii^ potU; peit9 ist mit Umlaut yebild^ 
(<^ pachten), die beiden andern Formen aber ohne ihn {<Cpacht). 

* Ks handelt sich um zwei «^anz verschiedene Stamme: wachten ist aiM 
zusetzen für das oi^-(iebiet und für das j^'anze (iebiet nördlich der V^ocalisienings ^ 
linie des chi für das «/-Gebiet gilt warden, jedoch reicht der Stamm wadU- in^ 
0. am Khein noch in einige Orte des <»i7-(Jebietes hinein. 

* Die Präposition behält im OM/-tiebiet die Spirans {oxt9r ^hinter'), während 
das Adverb sie vocalisiert {oui9 liinteu'). 

* Ks findet hier also der bekannte l'bergang von wgerm. /if^ ndl. nü. cU statt; 
▼gl. Wilmanns P § 98, Lübben § 43, Franck § 41, Wrede Anz. 19, 277 f. CLulf)- 



— 21 — 

nm. 4), eitd, outd, axtd(r) 'hinten'; mit Umlaut treitdr^ trExidr (ahd. 
'ochtäri) Trichter'. 

Anm. 1. out 'acht', Sloutd 'schlachten', xout 'Jagd', /otirfa 'lachte', 
cdlout 'gelacht', brovt 'Bracht' (Ortsname) kommen nur teilweise in 
Orten des oti/Gebietes vor; im e/i-Gebiet findet sich nur vereinzelt 
eit 'acht'. In diesen Wörtern hat sich die Mda. eben schon der 
Schriftsprache angeschlossen. 

Anm. 2. bax kommt nördlich der Vocalisierungslinie des ch nur 
in Gelinter, Wachtendonk, Broekhuysen ' vor: beit fehlt südlich dieser 
Linie in einem östlichen Streifen längs dos Rheins mit Hohenbudberg, 
Kaldenhausen, Traar, Verborg, Bockum, Ürdingen, Linn, Oppum. 

Anm. 3. Die Formen jseü, leit, zout, laut gehen auf sachte, lachte 
lurück, ebenso wie zäx^ lax (PI. züxtd, Icixta); die letzteren gelten 
aber nur in Gelinter, Wachtendonk, Broekhuysen, Straelon, Holt, 
wahrend die Formen im ganzen übrigen Gebiet nördlich der Vocali- 
sierungslinie aus sede, lede < seggede, leggede zu erklären sind und 
(mit Ersatz des ausgefallenen intervocaliscnen Dentals durch hiatus- 
füllendes /) ze\i^ leit (PI. ^e:p, le:p) lauten;^ in dem Gebiet östlich 
von Niep, Vluyn, Neukirchen (diese Orte einbegriffen), wo der Dental 
ohne Wirkung ausfällt, gilt dafür ^e:, Ip.i (PI. ^e-an, lern). Das Part. 
praet. geht im ganzen Sprachgebiet nördlich und südlich der Vocali- 
sierungslinie auf j^e^aoA/, gelacht zurück, Aso Xdzax, )dzeit^ xezout 
'gesagt'. Der Inf. von *sagen' kommt größtenteils in der nd. Form 
zegd^ vor; nur ein Streifen im 0. am Rhein, dessen Grenzorte Hohen- 
budberg, Kaldenhausen (wostl.), Traar, Verborg, Bockum, Linn, Oppum, 
Fischein, Willich (diese Orte einbegritt'en) sind, hat zag9. Ännlich 
ist die Verteilung von hehd und han 'haben'. Nördlich der Vocali- 
sierungslinie gilt die nd. Form hebd oder höbd (letzteres östlich von 
Niep, Vluyn, Neukirchen, diese Orte einbegriffen). Südlich der Vocali- 
sierungslinie hat dasselbe Gebiet, das oben zagd hatte, han. Östlich 
von diesem Aan-Gebiet haben wir als Compromiss zwischen han und 
Ae6a die Form habdx^ nur für die Städte Krefeld und Kempen inner- 
halb dieses Aoö^-Gebietes gilt heba. 

Anm. 4. Südlich der Vocalisiei'ungslinio des ch findet sich in 
einem Gebiete, das durch die Orte Hohenbudberg, Traar, Verborg, 
Bockum, Oppum, Fischein, Willich, Neerson (diese Orte einbegritfen) 
begrenzt wird, anstatt achter vielmehr hinter ^ h^jar , wennschon in 
einigen Grenzorten daneben auch eitar nicht ganz ungebräuchlich ist. 

b) wgerm. e — ileit, sl^ 'schlecht', reit, rex 'recht', kneit^ knBx 
Knecht', fleita, fiexta 'flechten'. 

• Vgl. Fußnote 1 zu S. 20. 

• Über 3, % vgl. § 26 f. und S. 28 \ 

• g bedeutet hier ausnahmsweise (bei der Verschärfung) den Verschlusslaut, 

gl. § 19- 

• Vgl. Wenkers Vortrag in den Verhandlungen d. 43. Vers, dtsch. Philol* 

u Sehulm. in Köln 1895, S. 4S). 



— 22 — 

c) wgerm. i — n^it, nex 'Nichte', w^U, wex (ndl. toichf) 'Kind\ 
pw^it^ xawex *(io wicht'. 

Aiim. 5. In psm -Gesicht', ßif 'Gicht', pr^ Tiericht', öprätd 
-aufrichten' begegnet die Vocalisierung des ch nur vereinzelt; es sind 
d«ifür die schriftsprachlichen Formen häufiger. 

d) wgerm. o — doutdr^ doxt9r Tochter', döut, döx <. doehte 
-taugte' (neben diesen Formen steht in unserm ganzen Gebiet eine 
secundär aus dem Inf. dd)9 gel)ildote schwache Form dojda oder degdd). 

e) wgerm. u — löut, lox (mnd. lucht) 'Luft' (daneben im ganten 
Gebiet schriftsprachliche Eindringlinge löf), plöui, pldx 'pflückte' (da- 
neben stehen nördlich und südlich der Vocalisi^rungslinie plekdd und 
plök, die unter Beibehaltung des stammhaften k secundär aus dem 
Inf. plükd gebildet sind); umgelautet zejftdh 'Süchteln' (Ortsname, 
Lacomblet ÜB 1,349 Sufthele), 

wgerm. a — deit, dout, dax, ddx<Cdachtey dachte 'dachte', 
breiig hrout^ brOx^ bröx 'brachte'. 

g) wgerm. % — IHt, lex 'leicht'. 

h) wgerm. ö — zöut^ zox 'suchte' (daneben stehen schwache Formen, 
die unter Beibehaltung des stammhaften U anstatt des ch in der germ. 
Verbindung cht secundär aus dem Infinitiv gebildet sind); umgelautet 
mtyidt^ n0xt9r -nüchtern'. 

i) wgerm. au — f'arköut^ fdrköx (mndl. verkocht) -verkauft', ;W«' 
(mndl. ghelochteX xlovd-^ (secundär vom Inf. xlovd gebildet) 'glaubte. 

k) wgerm. eo — m, Ux -Licht', jet «iet, mhd. icht), u>ai 
-etwas' (die scharfe Grenze zwischen südlichem fet und nördlicheiD 
trat bildet die in § -24 gezogene Gutturalisierungslinie von n -f Dentali 
abgesehen von einigen Orten im W. , wo das Compromissproduct W 
teils allein herrscht, teils neben trat und fet vorkommt: es sind die 
Orte Broekhuysen, Wachtendonk , Gelinter, Wankum, Herongen, 
Niederdorf). 

1) wgerm. *«4 — loyt^y loxta -leuchten', löyty lox 'Leuchte*. 




gelten auch nördlich unserer Vocalisierungslinie.* Auch maU<CifHag€ 
'Magd' gehört nicht hierher, trotzdem Formen wie me'iJy mezt ^ di 
sich in einem Teil unseres Sprachige bietes finden, dafnr «n s^rA^lirki 



* Vgl. z. B. auch Maurmauu § 125. 



— 28 — 

;heinen; es sind aber wohl Übertraia^ungen aus dem PI. megede 
\eede oder meide > meit oder me'i.L Diese Formen gelten östlich von 
üchteln, Hagenbroich, Grefrath, Vinkrath, Harzbeck, Gelinter (diese 
^rte ausgeschlossen) und dann südlich der Linie Gelinter-Friemersheim, 
dass die Vocalisierungslinie des ch ihre Nordgrenze bildet; im 
ihrigen hat unser Sprachgebiet mdiL 

IT. Gattnralisienuig ?on n + Dental. 

§ 23. Das Ripuarische hauptsächlich ist der Yerbreitungsbezirk 
eines Lautwandels, den Müller S. 56 f. unter dem Namen ^Mouillierung' 
behandelt;^ n'^fj, d (ausl. t) "^g (ausl. k) nach vorhergehendem 
^, ö, S<if, ö, ß, z. B. u)^ *Wein', lög9n 'laut werden', Uk *Leute\ 
Diese Spracherscheinung berührt unser Sprachgebiet nicht mehr, 
sondern erlahmt vorher.^ Dagegen reicht eine andere Erscheinung, 
die mit dieser Mouillierung innerlich eng zusammenhängt, weiter 
nördlich und noch in unser Sprachgebiet hinein; gemeint ist der 
Übergang von n -f Dental nach kurzem palatalen oder gutturalen 
Vocal in die Guttui*alreihe. Im ursprünglichen Auslaut entwickelt 
sich altes nd > tjk^ z. B. höfjk *Hund', im ursprünglichen Inlaut > g, 
z. B. he'fj. 'Hände', Ötpr 'unter'. Altes nt wird in- und auslautend 
>iy^ z.B. tDiff}t9r *Winter', bäijt *bunt'; dagegen bleibt die Verbindung 
N/, die in der Flexion erst durch Synkope eines Mittelvocals entstanden 
ist, erhalten,* z. B. jrint 'weint' (Inf. jrinaX pbre'n.t 'gebrannt'. Für 
die Chronologie der Gutturalisierung ergiebt sich aus der Form des 
^mtturals in apokopiert^ Formen wie he'tj, *Hände', he'f}. 'Hunde' u. ä., 
dass sie vor der Apokope des -e erfolgt sein muss. 

§24. Wrede Anz. 19,104 ('Pfund')* nennt als Grenzorte der 
Gutturalisierung von n -}- Dental auf der linken Rheinseite (tjA^Orte 
mit •) »Kaldenkirchen , Straelen. *Kerapen, »Hüls, ♦Krefeld, Mors, 
Trdingen. Meine genauere Grenze deckt sich Ort für Ort mit der 
tinie, die die Vocalisierung des ch begrenzt (§ 20), nur dass die 
beiden Orte Gelinter und Wachtendonk jetzt mit dem Süden gehen. 
Folgende Orte fallen also noch in das Gutturalisierungsgebiet hinein: 
Viederdorf, Herongen, Wankum, Wachtendonk, Gelinter, Schmalbroicb, 

' Vgl. Mönch § 46. 
■ Doch vgl. § 25 II Anra. 3. 

' Anders z. B. Holthausen S. 422, Hasenclever § 131. 
♦ Vgl. Anz. 19, 107. 108. 111, Wenker S. 10, Röttsches § 65, Holthans 
367 f., Holthausen S. 422, Qasencleyer § 86, Mönch § U7. 



— 24 ~ 

Broich, St. Hubert, Orbroich, Hüls, Krefeld, Traar, KaldenhaoseD 
(westl.)» Hohenbudberg. Nördlich dieser Linie ist n -f Dental erhalten 
und zwar bis zu einer Linie Veert, Geldern, Aengenesch, Issam. 
Klosterkamp, Lintfort (diese Orte nicht mehr einbegriffen) darchaos 
mit Länge des Stammsilbenvocals bei auslautendem alten nd^ mag 
nun nd ursprünglich auslautend gewesen oder erst durch Apokope 
eines -e in den Auslaut getreten sein, z. B. hont oder hdint ' ^Haod', 
PI. hff'.nt] bei ursprünglich inlautendem nd kommt Länge und Kurze 
vor, z. B. bendd 'binden', andard *andere\ Altes nt ist in- und aus- 
lautend durchweg mit Kürze des Stammvocals verbunden, wennschon 
daneben auch Länge vorkommt, z. B. w^t9r neben u>ent9r ^Winter'. 

§ 25. Belege. I. n + Dental ursprünglich auslautend: ^aijk 
(vgl. Anra. 1), jsant 'Sand\ tafjk^ tOnt (ndl. iand, älteste hd. Form 
;^and) *Zahn\ hatjk^ hänt *Hand\ latjky lant 'Land', Haijk^ ston 'stehe' 
(vgl. Anm. 2), w^k (vgl. Anm. 3), wmt 'Wind', A^t, k^f 'Kiad', 
hl^jk, hUni 'blind', r^k, rent 'Rind', pötjk, pönt 'Pfund', m^A-, mciHi 
'Mund', hötiky hont 'Hund', rörik^ rönt 'rund', hötj^t, hönt 'bunt'. Com- 
promissformen zwischen N. und 8. stellen Bildungen dar wie znfjfc-, 
bletjk, hofjk, die in Broekhuysen * vorkommen; diese Formen weisen 
die Vocalnüanco (a statt o^ vgl. Anm. 1) und die Dehnung des Nordens, 
dagegen die Gutturalisierung des Südens auf. 

Anm. 1. In unserm Gebiet südlich der Gutturalisierungslinie ist 
die Entsprechung von mhd. a nur in einem Oststreifen, begrenzt 
durch Traar, Verberg, Krefeld," Fischein, Willich, Anrath (diese Orte 
eingeschlossen), regelmäßig =a, während westlich dieser Linie bis zur 
Reichsgronze die Verdunkelung a "^ o häufig ist^ und in einigen 
wenigen Wörtern auch noch nach Broekhuysen und Straelen nördlich 
der Gutturalisierungslinie hinübergreift. Und zwar beschränkt sich 
diese Trübung zu o nicht auf Fälle mit folgendem n -\- Dental (roqÄ:, 
tofjk, hofjk^ lonk)^ sondern ist auch vor anderen Consonanten sehr 
häufig, wennschon nicht durchgängige Regel, z. B. opdl 'Apfel', kot 
'Katze', tok 'Zacke', frot 'Warze', bokds 'Backhaus', swort 'schwarz', 
§trokd 'stracks, sogleich', half 'halb', kolf 'Kalb', holk 'Balken'. 

Anm. 2. Hatik oder ätofik (vgl. Anm. 1) = mnd. mhd. stant ist 
die Form des Imperativs südlich der oben gezogenen Gutturalisierungs- 

* Ober die Circumflexion vor n + Dental vgl. § 13. 
■ Vgl. Fußnote 1 S. 20. 

' Vgl. Röttsches § 3 u. ö. 

* Vgl. Wrede Anz. 19,202. 



— 25 — 

linie^ während nördlich davon Ston herrscht; ^ nur Broekhuysen, 
Straelen, Holt, Pont, Walbeck haben Sto'y., Ganz analog ist der 
Geltungsbereich der Formen jaijk oder jotjk (= mnd. mhd. ganc\ xon 
und xo'y. 'geh'. 

Anm. 3. Südlich der Gutturalisierungslinie haben St. Tonis, 
Ödt. Mühlhausen, Schmalbroich, Broich, St. Hubert, Orbroich, Hüls, 
Kempen* ^<Cwgerm. i zwischen den labialen Consonanten und dem 

nasalen y zu getrübt, z. B. hoip *binden', blbijk 'blind', fatp 'finden', 

iC9ip 'winden', watik 'Wind', wetjtar 'Winter' u. ä. 

IL n + Dental ursprünglich inlautend: ma'fj,^ mdint (mndl. 
mande) 'Tragkorb' (vgl. Anm. 1), opjdStatp, opxdSto'9,n (vgl. Anm. 2) 
'aufgestanden', he't^., hemt (vgl. Anm. 1) 'Hände', te'tj,^ temt 'Zähne', 
Aejf., heint 'Hunde', be'y,, hen.t 'Wiese', w^t9r^^ w^tdr 'Winter', /iöij^, 
ihidd ^finden', 6di^, hendd 'binden', ^»j., ^n.t 'Ende', di^ar, önddr 'unter'. 

Anm. 1. Nördlich der Gutturalisierungslinie hat das Gebiet, be- 
grenzt von Friemersheim, Rumein, Kaldenhausen (östlich), Vennikel, 
Capellen, Niep, Vluyn, Neukirchen (diese Orte einbegrilTen), ursprünglich 
inlauteDdes d^ das durch Apokope des -e in den Auslaut getreten 
war, nach Langvocal -f n abfallen lassen, z. B. ma:n <i mande. Den 
PI. bildet dieses Gebiet in diesem F'alle ohne Umlaut, z. B. Afl:», tam^ 
^<f'n. Diese Erscheinung reicht noch auf die rechte Rheinseite hinüber.^ 

Anm. 2. Im ganzen Gebiet nördlich der Gutturalisierungslinie 
herrscht Xd§to'dM<igestan ; nur ein Gebiet, begrenzt durch Friemersheim, 

Rumein (vgl. Anm. 1), hat jcditanddn <i gestanden, ebenso wie 

^ ganze Gebiet südlich der Gutturalisierungslinie j9Sta^9 aufweist. 

Anm. 3. Auslautendes, ungedecktes n nach wgerm. f, ü, ü wird 
io einem großen ripuarischen Gebiet >i^. Wie schon § 23 erwähnt, 
reicht diese Erscheinung nicht bis in unser Sprachgebiet hinein.^ 
Dagegen findet sich Nasalierung eines ursprünglich® gedeckten n nach 
»<f und mit Apokope des •«,' z. B. ;?i*iy. (and. pmd) 'Pein', /i>j. 
*Leine', maSi'f}. 'Maschine', bohif]. 'Bobine', meditsi'fj, 'Medizin', rözi'ij, 
*Rü8ine', trit^, 'Katharine', sti'ij, 'Christine', fif^, 'Josefine'. Der SA 
enthält kein Beispiel mit einem ursprünglich gedeckten n. Da ich 

' Vgl. Wenker S. 11. 

* Krefeld hat also ^, vgl. Röttsches §§ 5. 65. 
' Vgl. oben Anm. 3 zu § 251. 

* Vgl. Maurmann §§ 113,2. 202. 

* Wohl aus der Natur der Zahlwörter als Gescbäftswörter erklärt sicb,^ dass 
im Osten am Rhein nyn 'neun^ anstelle des sonst geltenden fUj9 aus dem Süden 
bis zu einer Linie Linn, Oppum, Fischein vorgedrungen ist. 

* Nasalierung eines erst in der flectierten Form gedeckten n tritt in unserm 
Gebiete nicht ein; vgl. Wrede Anz. 20,213 ^braune'). 

' Röttsches § 66, Holthaus S. 368, Holthausen S. 414, Hasenclever § 39. 



— 26 — 

za spät auf diese Erscheinung aufmerksam wurde, habe ich die genaue 
(rrenzlinie leider nicht mehr feststellen können. Sicher aber ist. dass 
sie nicht mit der Gutturalisierungslinie zusammenPällt^ da Kempen 
und Aldekerk z. ß. pi'fj-, Hüls und Ilinsbeck aber phn haben. 

V. AoBfall des intervooalisohen Dentals. 

§ 26. Der Ausfall eines intervocalischen Dentals ist einem 
großen mittel- und niederdeutschen Sprachgebiete eigen, dessen Sod- 
grenze nach Wrede Anz. 20, 109 ('Bruder') für den linken Kiederrhein 
durch die Linie *Jälich, Linnich, *Bergheim, Grevenbroich, Neofi, 
•Düsseldorf, *Kaiserswerth, *Angermund, Ürdingen (d-Orte mit •) be- 
zeichnet wird.* Nur wgerm. ß und d (= mhd. d und /) werden in 
unserm Gebiete von diesem Ausfall betroffen, während wgerm. / 
(= mhd. z und 35) erhalten ist. Unverändert bleibt ferner der inter- 
vocalische Dental,' 1) wenn er auf dd zurückgeht, z. B. ä0d9 'schütten*. 
2) in dem Ableitungssufüx germ. -ipa, z. B. jrede 'Größe*, 3) in der 
schwachen Praeteritalendung, z. B. sne'i.dd 'schneite'. Schon für das 
Mnd. ist dieser Ausfall des Dentals belegt." Ebenso wie im Nndi. 
findet er sich auch schon seit dem 14. Jahrb. in mndl. HandschrifLen.^ 
Dem Nndl. (der Umgangssprache) ist auch der Ersatz dieses aus- 
gefallenen Dentals durch hiatusfüllondes^ (vgl. die Anm.) nicht fremd/ 
eine Erscheinung, die ebenso, wie schon dem .Mnd.,^ auch einem Teile 
unseres Dialektgebietes zukommt. Aber nicht alle wgerm. p und d 
werden in diesem Gebiet durch die palatale Spirans ersetzt. Vielmehr 
steht daneben auch einfacher Schwund des Dentals, allerdings nur in 
verschwindend wenigen Wörtern ,** wie ice'd,r 'Wetter', le'9.r 'Leder', 
ki'9,l 'Kittel'. Von diesen paar Fällen abgesehen, gilt nördlich der 
weiter unten gezogenen Linie hiatusfüllcndes j, 

Anm. Der Dental ist nicht etwa zu y geworden. Denn dann 
müssten in Fällen wie lija 'leiden', htja Maut sein' u. ä. die Stamm- 
vocale wgerm. t und ü als in otfener Silbe und vor folgender slimm- 



' Vgl Röttsches §§ 56. 185, Maurmaim § 113, Koch § 38. 

* Vgl. Maurmann § 114. 
" Lübben S. 44. 

* Franck S. 81, te Winkel S. 839. 

* Lübben S. 56. 

* Wenkers Karte 'Wetter' belegt das Fehlen des Dentals für eih nieder- 
rheinisches Gebiet, dessen Sudgrenze etwa durch die Curve Montjoie , Jülich, 
NeuB, ürdingen. Werden dargestellt wird (diese Orte noch einbegriffen) ; vgl. Greer- 
ling S. 22 und 25 ler 'Leder', kel ^Kittel'. 



— 27 — 

haltcr Consonanz stehend im ganzen Gebiet ihre^'Länge bewahrt haben 
(wie stv*f9 'schweigen', £tügd *8augen\ vgl. § 33); sie sind aber in 
dem (ieb^ete, das j <i (i hat, gekürzt, und das beweist, dass sie früher 
unmittelbar vor Vocal gestanden haben und erst deshalb gekürzt 
worden sind, dass also j erst nach der durch den Ausfall des Dentals 
entstandenen Kürzung und zur Ausfüllung des Hiatus eingetreten ist. 

§ 27. Wrede Anz. 22,115 ('gute') giebt die Scheide zwischen 
dem einfachen Ausfall des Dentals und seinem Ersatz durch hiatus- 
füllendes j durch die Linie •Straelen, Kempen, Mors, *Orsoy, *Ruhrort, 
Duisburg (y-Orte mit *).* Nach meiner Grenzbestimmung verläuft 
sie von der holländischen Landesgronze ab eine große Strecke zusammen 
mit der Vocalisierungslinie des ch (§ 20) und lässt folgende Grenzorte 
südlich und außerhalb des ;• Gebietes liegen: Niederdorf, Herongen, 
Wankum, Harzbeck, Schmalbroich, Broich, St. Hubert, Orbroich, Hüls; 
dann aber zieht die Grenze nicht mehr weiter östlich, sondern wendet 
sich scharf nach N., so dass Niep, Vluyn, Neukirchen noch aus dem 
/-Gebiet herausfallen. 

§ 28. Bevor ich die Belege gebe, ist zuerst eine Sonderentwick- 
lung zu besprechen, die eine Anzahl von Verben südlich der eben 
gezogenen Linie durchgemacht haben. Intervoc^lischer Dental ist 
gefallen : beden >> beJen > been > be'a.n 'beten', braden >■ brödeti 
> bröen Z> bro'9.n 'braten'. In der Zeit, als diese Formen bc'^.n 
und bro'9.n herrschten, standen ihnen andere Verbalformen gegen- 
über wie 8lo'9.p9n 'schlafen', drdfjkati 'trinken'. Als nun das 
Infinitiv-n in unserm Gebiete abfiel^ und Slo'd.pdn > älo9.p9y dr^kdn 
y>dr&fikd wurde, sind bea.n, bro'd,n dieser Entwicklung nicht mehr 
gefolgt; ihre Vocalfolge e'9.^ o'd, wurde als stammhafter Diphthong, 
ihr -n als Stammauslaut gefasst und dann in Anlehnung an die übrigen 
Infinitive auf -a secundär ein Endungs-a neu angefügt. Diese Er- 
weiterung trifft ausschließlich Verben mit wurzelhaftem a und e; 
warum nur diese und nicht auch die mit », u (ü), o (ö), ist allerdings 
nicht klar. Sie herrscht nur südlich der Vocalisierungslinie des eh^ 
(^vgl. § 20), also nicht auch in dem Gebiete, das durch die Orte 
FViemersheim, Rumein, Kaldenhausen (östlich), Vennikel, Capellen, 
Niep, Vluyn, Neukirchen im S. und W. begrenzt wird und das zwar 

* Vgl. Geerling S. 8. 9 u. o. 
' Vgl. die Anm. zu § 11. 
' Vgl. Röttsches § 185. 



— 28 — 

kein ;<Crf aufweist (vgl. § 27), trotzdem aber diese secundäre Weiter- 
entwicklung des Infinitivs nicht kennt, da dort ja jedes Infinitiv-n 
erhalten bleibt (vgl. § II Anm.). Das ist bei den folgenden Belegen 
zu beachten. Einem allgemeinen he'd.nd, bro'd.nd außerhalb des ^-Oe- 
bietes steht also in dem oben bestimmten Gebiet ein be'9.fi , brod.n 
gegenüber. Zur Chronologie des (jf-Ausfalls lässt sich sagen, dass er 
fräher erfolgt sein muss, als der Abfall des Infinitiv-n. 

§ 29. Belege: I. Ausfall des Dentals im ganzen Gebiet (zu 
§ 26) — faiin 'Faden', fe'd.r 'Feder', le'd.r 'Leder\ hre9j' 'Bretter', 
we'd.r 'Wetter', widr 'wieder', brud,r 'Bruder', ki'dd 'Kittel'. 

II. Ausfall des Dentals oder Eintreten des hiatusfüllenden j 

a) (zu § 27) — la:, iBii ^ 'Lade\ tre'a,, m:% 'Tritt', J9li9, xMep 
'gelitten', /ar//>, farlep (vgl. got. galipans) 'vergangen', boa.m^ böpm 
'Boden', jdbod, xaböjd 'geboten', o'd m, öjdm 'Atem', od.r^ öjdr 'Ader', 
rua, röj9 'rote', 7«», xujd 'gute', ly\ hj:i 'Leute', leid^ lejd 'leiten'; 

b) (zu § 28) — saind, seja 'schaden', lains^ l^ijd 'laden', bama, beiß 
'baden', be'd.na, böija 'beten', trea.nd, treijd (vgl. Anm. 1) 'treten'. 
hie'd.na^ knSije 'kneten', ro'd.na, röja 'raton', bro'a,na, bröp 'braten'. 
Auch die Part, praet. dieser starken Verben zeigen diese secundärp 
na-Erweiterung, z. B. jalnma^ xalSija 'geladen', fatrea.na, xatrPija 'ge- 
treten', jaro'a.na^ xeröja 'geraten*, jabroana. xabröja 'gebraten'. 

Anm. 1. In dem Gebiet, begrenzt von Friemersheim, Rumein. 
Kaldenhausen (östl.), Vennikel, Capellon, Niep, Vluyn, Neukirchen 
(diese Orte einbegrift'en), ist statt einer Entwicklung < tr'cden nur 
iraden (and. tradan) gebräuchlich. 

Anm. 2. In diesem Zusammenhang sei auf eine ähnliche Er- 
scheinung, wie die oben behandelte, die auch zu ähnlichen Grenz- 
bestimmungen führt, wenigstens kurz hingewiesen. Die Entsprechungen 
für mhd. aeß, üej sind in der mndl. und mnd. Schriftsprache- die 
Diphthonge aei\ oei und ei^ oi. Dieselben Lauiwerte weisen auch Teile 
unseres Sprachgebietes auf,^ während zum Teil intervocalisches 7 gilt.* 
Begrenzt wird dieses 7-Gebiet im S. von den Orten Walbeck, Pont, 
Vernum, Winternam, Neukerk, Eyll, Aldekerk, Stenden, Tönisberg, 

' Mit I bezeichne ich einen Laut, der im Auslaut au Stelle des intervoca- 
lischen j tritt. Es ist nur ein Ansatz zum Reibegeräusch, nur dieselbe Lage der 
Sprech Werkzeuge, ohne dass die Reibung ausgeführt wird. 

• Franck § 114,1, Lübben § 28. 

• Vgl. Vorrede Anz. 22,327 Cnähen'), Maurmann § 65, Koch § 24,3, Holt- 
haus S. 344, Holthausen S. 409, Uasenclever § 92. 

• Vgl. Wrede Anz. 22,327 (^nähen'), Geerling S. 35. 37 u. ö. 



— 29 — 
Schaephuysen, Rayen, Lintfort (diese Orte einbegriffen). Belege: /sSip 




Gebiet mit erhaltenem.; ist das intervocalische ; vocalisiert; so finden 
wir hier für mhd. aej, üe^) die Diphthonfi^e ei und oy^ z. B. zeh, bloyd. 
Das östliche Gebiet mit Diphthong schließt Uohenbudberg, Kalden- 
hausen (ganz), Traar, Vennikel, Capellen, Niep, |Vluyn, Neukircheu 
noch ein; im W. sind es die Orte Gelinter, Wachtendonk, Harzbeck, 
Wankum, Herongen, Niederdorf, Broekhuysen, Straelen, Holt. Was 
von nnserm Sprachgebiet jetzt noch übrig bleibt (im großen Ganzen 
ist es das Gebiet südlich der Vocalisierungslinie des ch% hat als Ent- 
sprechung von mhd. a^;und üej ein ^" oder S (mit secundärer Diphthon- 
gierung) und ^, wobei dann bei den Verben auf mhd. aej jene in § 28 
erwähnte wa-Erweiterung eintritt,* also z.B. zi'd.nd^ dri'd.na^ blyd^bnp. 



VI. Wgerm. sk im Anslaat. 

§ 30. In Übereinstimmung mit dem Ndl. articuliert ein nord- 
westlicher Teil unseres Sprachgebietes anlautendes wgerm. 8k nicht 
wie die nhd. Bühnenaussprache als einheitlichen Laut i, sondern wie 
das Westßilische als Doppellaut s + x.* Dieser Unterschied ist in 
seinen Extremen sehr deutlich, aber in seinen verschiedenen Stadien 
schwer zu fixieren. 

Im Auslaut belegt WredeAnz. 20, 332 ('Fleisch') für ein niederrhei- 
nisch- westfälisches Gebiet 8 <C wgerm. «/r, eine Entsprechung, die ebenso 
wie für das Ndl.* auch für einen Teil unseres Sprachgebietes gilt, 
während sonst s herrscht. Die Grenze zwischen § und s im Wort- 
und Silbenauslaut ist im Gegensatz zu der zwischen i und s -\- x \m 
Anlaut ganz deutlich. Sie lässt Broekhuysen, Straelen, Holt, Pont, 
Veert, Geldern, Aengenesch, Issum noch in das nördliche s-Gebiet 
fallen, während in dem ganzen Gebiet südöstlich dieser Linie S gilt. 
Zu bemerken ist hier, dass in einigen Grenzorten des s-Gebietes die 
jüngere Generation unzweifelhaft zum s-Laut übergeht. Belege: fles 
*Flasche', tes 'Tasche', bos 'Busch', f<^ 'Fisch', gros 'Groschen', mos 
(and. muska) 'Sperling', fr^ 'frisch', fl^is 'Fleisch', mens 'Mensch', 
tu89 ^tauschen', wes9 'waschen'. 



» Vgl. Wrede Anz. 22,329 Cn&hen'), Röttsches § 184. 
• Vgl. te Winkel S. 812, Behaghel S. 731. 



— 30 — 

Vn. Di8 DimiBatiTiuii sdL |e. 

§ 31. Die beiden in unserer Mda. gebranchlichen DiniinDtivsnffiie 
Xv = nhd. chen and sd oder ;9 = ndl. je verteilen sich in der Art, 
dass Sa oder j9 nur nach d und /. ka aber nach allen andern Conso- 
nanten und nach Vocalen steht, wobei nur zu bemerken ist, dass nach 
gutturalem Stammausiaut zwischen Stamm und DiminutivsufOx m 
s eingeschoben wird, also sk9.^ Die Diminutivbildung mit dem bisher 
noch unerklärten y^-Suffix ^ hat unsere Mda. mit dem Ndl., sowohl der 
Schriftsprache als den Dialekten, gemein. Nur in Bexug auf die Form, 
unter der dieses Suffix auftritt, herrscht in unserer Mda. ein scharfer 
Unterschied, indem es teils mit palatalem stimmhaften Reibelaot ; 
(trotz des vorhergehenden stimmlosen Dontals), teils mit S articoliert 
wird. Diese saZ/a-F^nie, die in ihrem Verlauf mit der äls-Grem 
(§ 30) zu vergleichen ist, schlägt ßroekhnysen, Straelen, Holt, Poot, 
Veert, Geldern, Aengenesch, Issum, Hörstgen, Klosterkamp, Liotfort 
noch zum nordlichen /a-Gebiet. während östlich und sudlich dieser 
Linie nur Sd herrscht. Belege: b^j9 'bisschen', bfeija *Blattchen', 
bi^ttß9 'Bildchen', lefj9 'Lättchen\ refj^ 'Rädchen', breip 'Brettchen*, 
brötjd 'Brötchen', snytj9 zu snw/ 'Schnauze', stytja zu itüt oder ibf 
(mnd. «/i2/ 'Oberschenkel') 'kleiner Wecken' (nach der Form so genannt). 

¥III. Dehnung und Efinrang. 

§ 32. Da mehrere der in Betracht kommenden Dehnangs- 
ersi-heinungen schon ^gelegentlich besprochen werden raussten, sei för 
sie auf die betreffenden §§ verwiesen. Bemerkt sei hier, dass keiner 
der im folgenden zu erwähnenden Fälle mit Dehnung sich nach S. 
nl)er die Vocalisierungslinie des ch (§ 20) hinaus erstreckt, ohne dass 
aber nördlich dieser Linie einheitlich Dehnung gilt. Dehnungs- 
erscheinungen treten ein : 

a) vor der Spirans in der Verbindung cht, vgl. § 21 ; 

b) vor n + Dental, vgl. §§ 13. 24; 

c) vor / + Dental ; es handelt sich um zwei geographisch getrennte 
Gebiete mit Dehnung, die mit den beiden Dehnungsgebieten unter a) 
identisch sind. Belege: kalt 'kalt\ mit 'Salz', alda 'alte', bahald? 
i>ehalten", holt 'Holz', x^^dM 'Geduld', xo/t 'Gold', feit 'Feld', xvlt 'Geld: 

* Wt(\. Rüttsches § 93; anders auf der rechten Rheinseite, vgl. z, B. Maur- 
mann § 211, Holthnnsen S. .>49. 
■ Vgl. te Winkel S. 874. 



— 81 - 

An dieser Stelle sei eine Besonderheit in dem Gebiet mit Karze 
vor l -f- Dental kurz erwähnt. Nach Wrede Anz. 19, 100 ('Salz') ist 
in einem schmalen Streifen etwa von Eupen bis Kaldenkirchen l in- 
folge seiner gutturalen Articulation vollständig in den vorhergehenden 
gutturalen Vocal wgerm. a, o, u aufgegangen und hat diesen gedehnt.^ 
Diese Erscheinung ist aber nicht consequent durchgeführt, sondern 
m. W. auf die untenstehenden Belege beschrankt. Ihr Verbreitungs- 
gebiet l>egrenzt nach N. und 0. die F^inie Niederdorf, Herongen, 
Wankum, Harzbeck, Vinkrath, Grefrath, Hagenbroich, Süchteln (diese 
Orte einbegriffen). Belege: köf 'kalt', öt 'alt\ £öt 'Salz', köikerk 
'Kaldenkirchen' (Ortsname), bdhöind^ 'behalten', ^d:r 'Schulter', itdt 
'stolz', hot 'Holz'. In einigen Orten des a/^-Gebietes, nämlich in 
Schmalbroich, Mühlhausen und Ödt, findet sich neben den aM-Formen 
das interessante Übergangsproduct at (kat. ai^ zat\ das ein Compromiss 
zwischen öt und alt bedeutet. 

d) vor m + />; auch diese Dehnungserscheinung tritt in zwei 
getrennten Gebieten auf, die mit denen unter a) übereinstimmen. 
Belege: damp 'Dampf, kramp 'Krampf, lamp 'Lampe', d^mpd 
'dampfen', U^p 'Ecke', klömp 'Holzschuh', pomp 'Pumpe', komp 
'Schüsser. 

§ 33. Von Kürzungen, die unsere Mda. mit der Schriftsprache 
gemein hat, sowie von sporadischen Kürzungen, die zum Teil in den 
folgenden §§ gestreift sind (vgl. z. B. §§ 35. 36 Anm. 1), sehen wir 
hier ab und beschränken uns auf zwei bemerkenswerte Erscheinungen, 
nämlich die Kürzung von wgerm. l und ü (u). In unserem ganzen 
Gebiete ist die Länge erhalten ' in ursprünglich offener Silbe bei fol- 
gender stimmhafter Consonanz, außer vorm und n, z. B. hlivd^ 'bleiben', 
swl)9 'schweigen', ie9r 'Eisen', §nüvd 'schnaufen', eüg9 'saugen', f)9dür9 
'bedauern', 8Ü:r 'Schauer', dyr9 'dauern, wahren', myis 'Mäuse', lyis 
'Läuse'. Im übrigen ist unser Sprachgebiet in der dialektischen Ent- 
sprechung von wgerm. l, ü (u) zwischen Länge und Kürze gespalten. 

' VfTl. noch Wrede Anz. 21,277 Calte'), 21,279 (»kalte') und die parallele 
Entwicklung im Ndl. bei te Winkel S. 819 und 821. 

' Die Rntwickinng ist: behalden ^ h9höd9n ^ b9hö9n ^ bdhö:n > b9h&.n9 
(vßl. § 28). 

• Vgl. Röttsches §§ 152. 153, Geerling S. 40. 43. 44, Maurmann §§ 67. 70. 

^ Ober Gicumflexionserscheinungen vgl. § 11. 



— 32 — 

Wrede Anz. 18, 410 ('Eis') verzeichnet Kurze für ein nieder- 
rheinisches Gebiet, dessen Siidgrenze die Linie Geldern, Rheinberg, 
Duisburg, Dinslaken bildet.^ Die Kürzunfi: dieser Längen tritt aber 
nicht in einem scharfen Übergang auf; ihren eigentlichen Sitz bat sie 
im N., von wo aus die letzten Ausläufer bis zur GutturalisierungsliDie 
(vgl. § 24) reichen. Nördlich dieser Linie bleibt ein mittleres Gebiet 
mit Tönisberg, Schaephuysen , Rayen, Rheurdt, Sevelen, Hartefeld, 
Vernum, Winternam, Neukerk. Eyll, Aldekerk, Stenden von der 
Kürzung der wgerm. i, ü (u) fast ganz unberührt; weist es doch vod 
vierzig in Betracht kommenden Beispielen nur zwei Kürzungen auf. 
Östlich von diesem Gebiet mit fast ausnahmsloser Länge sind die 
Kürzen schon etwas zahlreicher; im W. lässt sich (das bestäti|i[eD 
auch die Wenkerschen Karten) deutlich ein Häufigerwerden der Kürzen 
von Broekhuysen nach N. zu verfolgen. Nördlich einer Linie Veeri, 
Geldern, Aengenesch, Issum, Hörstgen, Klosterkamp, Lintfort (diese 
Orte einbegriffen) ist die Kürzung von wgerm. f, ü (u) unter folgenden 
Bedingungen consequent durchgeführt:^ 

1. ohne Rücksicht auf die folgende Consonanz stets in geschlossener 
Silbe — lim 'Leim', win 'Wein\ fif 'fünf, fit 'Zeit*, rik 'reich', « 
'Eis', Sum 'Schaum', brun 'braun', fttl 'faul", lus 'Laus', mus 'Maus', 
hys 'Haus' (vgl. die Anm.), kryt 'Kraut', bryt 'Braut', yt 'aus', ÄJf^ 
'kleiner Wecken' ; 

2. wenn bei ursprünglich offener Silbe entweder eine stimmlose 
Consonanz oder die Nasale m und n folgen — bÜ9 'beißen', slip^ 
'schleifen', smüa 'schmeißen', sfnkd 'streichen', lin9 'Leinen', sin^ 
'scheinen', sinta 'schließen', zupa 'saufen', ruf 'Fensterraute*, ruf 
'Raupe', snyt 'Schnauze', kyma (and. kümtan) 'keuchen', rymd 'räumend 
syma 'schäumen'. 

Anm. Statt des zu erwartenden ii findet sich y in den oben an- 
geführten einsilbigen Wörtern hys^ kryf, bryt^ yt^ styt, Snyt nördlich 
einer Linie Walbeck, Pont, Veert, Geldern, Aengenesch, Issum; von 
diesen Orten haben aber Walbeck, Pont, Geldern nur in Ay«, yt ei«^ 
y statt tA, während sie sonst n haben. 

' Vgl. ferner Wrede Anz. 19,281 (*Wein'), 22,323 Cbeißen'), 20,211 faus!? 
20,214 Cbraune'), 20,215 CHause'). 
• Vgl. Geerling S. 41—45. 



— 88 — 
EL Wgerm. 9. 

§ 34. Wrede Anz. 22, 112 f. Cgat') ^ belegt für ein niederrheinisch- 
istfalisches Gebiet als Entsprechung von wgerm. ö einen M-Laut, 
!8seo Södgrenze für unser Sprachgebiet *Ruhrort, ^Duisburg, Ürdingen, 
refeld, *Straelen (u-Orte mit *) bezeichnen. Südlich dieser Linie weist 
cWenkersche Karte ein großes o-6ebiet^ auf, das etwa bis zur Mosel 
»icht. Beide Lautwerte kommen also in unserer Mda. vor und zwar 
irchaus geschlossen (ti:, o:), so dass ü: <[ wgerm. ö sich in seiner 
oalität von ü <C wgerm. ü in nichts unterscheidet.^ Kaum erwähnt 
1 werden braucht wohl, dass 6: nicht als erhaltenes wgerm. ö an- 
isefaen. sondern ebenso wie ü: aus einer Zwischenstufe uo zu erk- 
lären ist. 

Nach meinen Feststellungen schließt das l2:-Gebiet im S. mit 
ner Linie ab, die sich mit der Gutturalisierungslinie von n + Dental 
i 24) vergleichen iässt. Dabei ist aber zu bemerken: Schmalbroich, 
empen, Orbroich, Hüls, Traar, Kaldenhausen (westl.) und Hohenbud- 
irg, wiewohl südlich der Gutturalisierungslinie, habend:; Gelinter und 
i^achtendonk mit ihrem ü: (also offenem u-Laut) bilden einen deut- 
chen Übergang vom nördlichen ü:- zum sudlichen o:-Gebiet, dessen 
renzorte im N. und 0. Niederdorf, Herongen, Wankum, Harzbeck, Vink- 
ith, Grefrath, Hagenbroich und Süchteln sind. Was jetzt von unserm 
prachgebiet noch übrig bleibt (das ist also östlich vom 6:- und südlich 
om i2:-Gebiet), weist als secundäre Entwickinngaus o:, vielleicht auch als 
ompromissform zwischen 6: und i^:, ein Ö'u. auf.^ Als Entsprechungen 
OD wgerm. ö und seinem Umlaut kommen also in unserm Gebiete 
or ü: (y:), ü: (y:), 6: (ßi) und Ö'u. (ß'y.)^ die sich wie oben 
ngegeben verteilen. Es wird gentigen, die Belege nur mit der 
i: (y:)-Form zu geben : blüit 'Blut', xüü *gut', füit 'Fuß', müit *Mut', 
»«:t 'Hut', itüü 'Stuhr, bru'd.r 'Bruder' (vgl. Anm. 1). rCv.pd 'rufen' 
.^|?l. Anm. 2), zyit 'süß', ky:l 'kühl', my:n (mndl. mone rahd. ntuome) 
Slnhme, Tante, alte Frau' (vgl. Anm. 3), prf/:f9 'prüfen, schmecken, 
kwten*, eyiks 'suchen' (vgl. Anm. '2), nyintd (and. nömian) 'nennen'. 

Anm. 1. Nördlich von Walbeck, Pont, Veert, Geldern, Aengenesch, 
l8sum(dieseOrteeinbegri(Ten)gilt6rya.r,also,v:stattdeszu erwartenden ü:.^ 

' Vgl. Wrede Anz. 20, 108 (*Bruder'), Geerling S. 31 und 36. 

' Mwcb § 61, Müller § 3,1. 

' Anders z. 6. bei Maurmann §§ 68. 70. 

' Vgl. Röttscbes §§ 29. 30. 

* Vgl. Wrede Anz. 20, 108 und oben § 33 Anm. 

Wotedha Duaaktgeognphto I 8 



- 34 — 

Anm. 2. Mit Verkürzung des Stammvocals haben rupd und eyh 
die Orte Hüls, Orbroich, St. Hubert, ßroich, Schmalbroicb, Mühlhausen, 
Kempen und St. Tonis. Nördlich von diesem Gebiet gelten die Längen 
ü: und v:, östlich Ö'u. oder ü: und 0: (nicht ey.^ vgl. § 35) oder ^:, 
während südlich und westlich von ihm einige Orte mit Kurze ö^ xo 
dem Gebiet mit ^:, 01 überleiten. 

Anm. 3. fnym^ mSin oder mS'y.n gilt nur südlich einer Linie, 
die mit der Gutturalisierungslinie von n+ Dental (§ '24) übereinstimmt 
Nördlich davon haben wir mS:} oder niSy. = mnd. ntoje mndl. moei 
ahd. muo)a. 

§ 35. Die in § 34 festgestellte Scheide zwischen 0- und //-Ent- 
sprechung von wgerm. ö erfahrt eine kleine Veränderung in einer 
Gruppe einsilbiger, auf k schließender Wörter, deren Stamm vocal in 
einem Teil^^ebiet Kürzung zu u aufweist. Und zwar gilt diese aaf- 
fallenderweise im S. noch für einige Orte, die sonst ö'u, < wgerm. ö 
haben (St. Hubert, Broich, Mühlhausen, St. Tonis). Auch die Wenkersche 
Karte 'Kuchen' giebt diese Ausdehnung der u-Form wieder. Das 
Gebiet mit Kürze u beginnt südlich^ von Geldern und wird gegen 
ein westliches Gebiet mit ü: und 6: durch folgende u-Orte ab- 
gegrenzt: Vernum, Winternam, Neukerk, Byll, Aldekerk, Stendeo, 
Schmalbroich, Mühlhausen, St. Tonis. Aus dieser hierdurch ab- 
geschnittenen östlichen m- Hälfte fällt im SO. am Rhein ein Gebiet 
mit 6: heraus, dessen Grenzorte nach N. und W. hin Hohenbudberg, 
Kaldenhausen (westlich), Traar, Verborg, Krefeld,* Fischein, Willich. 
Anrath und Vorst sind' (die letzten fünf Orte haben ^ als Compromiss 
zwischen u und 6:). Belege für das w-Gebiet: huk 'Buch', bruk 'Bruch- 
land', duk Tuch', kuk 'Kuchen', khik 'klug', snuk (mnd. snök) 'Hecht'. 

Auffallend ist nicht sowohl die Kürzung an und für sich, als 
vielmehr die Form der Kürze (u) in einigen Orten, die nach § 34 zu dem 
ö'uAteh'iQi gehören und die auch schon § 34 Anm. 2 in rftp9^ syk9 dieses 
u (y) aufwiesen: St. Hubert, Broich, Mühlhausen, St. Tonis. Nicht 
minder bemerkenswert ist die Herrschaft dero:-Formen in Orten, die sonst 
zu dem 2i:-Gebiet gehören: Hohenbudberg, Kaldenhausen (westlich), 
Traar. Vielleicht lässt sich aus diesem Grenzverlauf für das ganze 
Gebiet, das in Formen wie buk u. ä. u (y) aufweist, die Priorität der 

' Geerling S. 31 und 32 hat demeutsprecbcnd Länf^c. 

■ Vgl. Rottsches § 8. 

■ Dieses d: < w^'erm. ö ist hier deshalb bemerkenswert, weil dieses Gebiet mit 
Ausnahme der drei erst^renannten Orte als Hntsprechnnp für wjferm. d sonst Ö'u, hat 
(ygl. § 34); auch in ztuhf \suchen' j<ilt hier 0: und nicht ey. (vgl. § 34 Anna. 2). 



— :« — 

*:-Entsprechun^ für wgerm. ö überhaupt schließen, ebenso wie für das 
Rebict mU 6: (0:) in höik u. ä. die Priorität der o:-Formen. Das eine Mal 
hätten dann in den oben genannten Orten die 6:- oder ^*t/ -Formen 
die tJ:-Formen verdrängt, d. h. ein blüii wäre zu blöit, blöut geworden, 
während im andern Falle die «2:- Formen an Stelle der 0:- Formen ge- 
treten wären: hloit^ blö'ti.t '> hlüU. Wenn man nicht annehmen will, 
(iass die Kürzen u aus dem N. in ein ursprüngliches ö:-, ö'w.-Gebiet 
eingedrungen sind, lässt sich u jedenfalls nur aus einem voraus- 
liegenden w:, nicht aber aus 6: (ö'u,) erklären; diese w-Formen sind 
dann erhalten geblieben, weil die Kürzung von üi'^u schon vor dem 
allgemeinen Ersatz der ü:- durch die 6: (^vi.)-Formen eingetreten 
war. Warum in Hohenbndberg, Kaldenhausen (westl.) und Traar ein 
W:/ zwar ein bld:f^ blö'nj hat verdrängen können, nicht aber auch 
statt hkk &\vi bü:k eingetreten ist, erklärt sich dann daraus, dass bei 
dem Eindringen der ti:-Formen aus dem N. dort die Kürzung von 
t^:>'/ in ffuk u. ä. schon vollzogen war, als in dem Gebiet südlich 
der Linie Hohenbudberg, Kaldenhausen (westl.), Traar (diese Orte ein- 
begriffen) noch\bö:k, also 6: galt; eine Form b»k aber konnte ein bd:k 
nicht so leicht verdrängen, wie ein blüit an die Stelle von hlöU, blön.t 
treten konnte. Demnach hätte also eine kleine Verschiebung der Laut- 
grenze ö:|o:(^*u.)<C wgerm. ö stattgefunden. 

Lassen wir aber auch die Frage nach der Priorität von üi oder 6: 
{^'h) offenf, so ergiebt sich jedenfalls aus obigem Grenzverlauf, dass 
zwei Gebiete mit Kempen (m) und Ordingen (ö:) im Mittelpunkt, die 
§ 34 durch eine horizontale Linie zwischen ü: und öu, geteilt waren, 
wenigstens in diesen einsilbigen Wörtern je eine sprachliche Einheit 
bedeuten. 

X. Wgenn. ai. 

§ 36. Wie das Nd. überhaupt, so teilt sich auch unsere Mda. 
bei der Entsprechung von wgerm. ai in ein monophthongisches und 
ein diphthongisches Gebiet. Eingipfliger Monophthong e gilt durchaus 
Südlich der in § 24 festgestellten (lUtturalisierungslinie von w + Dental.' 
Teils circumflectierten, teils eingipfligen Monophthong — letzterer geht 
mit einer Linie Straelen,* Holt, Pont, Veert, Geldern. Aengonesch, 
feum, Hörstgen, Klosterkamp, Lintfort (diese Orte einbegriffen) in 

' Vgl. Rr»ttsches § 15, Mönch § 54. 

■ Straelen hat aber nur in *Weizen' den Diphthong; statt des zu erwartenden 
keU haben Straelen und Holt heil 'heiß\ 



— 86 — 

den Diphthong A* über — hat nördlich der Gattaralisiernngslinie eio 
Gebiet, dessen Begrenzung § 12 giebt Für einen Strich von Mors 
bis Höhscheid aaf der rechten Rheinseite verzeichnet Wrede Aol 
i{\\M\ kÜt 'heiß'J Nach meinen Feststellungen fallen im S-iandW. 
{Q dieses di-Gebiet noch hinein Friemersheim, Rumein, KaldenhaoseB 
(jistliohX Vennikel Capellen« Niep, Vluyn, Neukirchen. Hier ist die 
Kutsprechung des wgerm. ai durchaus S, Somit gehen bei Neo- 
kiri'hen-I.intfort jene beiden Gebiete, von denen das eine stets, dis 
andero nur in einigen bestimmten Fällen iS aufweist, in einander aber/ 
Wgernu ai begegnet also in unserer Mda. als S^ k und &. die sich 
wie oben angegeben verteilen. Belege für das Gebiet mit darck- 
gängigem Diphthong ^*: jiräl ^^hweiß\ irdilr *weich\ zÜp^xit^dSl 
Teil\ AM *hei6* ^vgl. Anm. 1)^ äSn *Stein\ bSn 'Bein\ £&t9r 
H)eifer\ tfik^ 'Zeichen, sHk^ 'seichen, bSM ^MeiBeF. 

Anm. K Verkürzung zu ^ findet sich in hSt 'heiß* nordlich einer 
Linie WaU^^k« IVnt^ Veert« Geldern, Aengenesch, Issum« Klosterkunpf 
l.inifort vdiei* Orte eingei$chloäi?en\* 

AuuK :}. Ktwas anders sind die dialektischen Entsprechungen bei 
xien Adje^'tiven auf mhd. -ttn^ und dem Plur. der Sabslantivi aof 
>n«i. wo in (^iden Fällen tvi Apc*kope des -< CirtamflexionsbedingooK 
\^^rlie«jt, Die mott*^ph:hv^ngijvhen Siammsilbenvocale ^ und «:, die 
n^^i\iUoh und südlich der Gu:turi!:$ierungsUnie gelten, ond der 
O^phth^^n«: r"k in dem obt^n :v!»immtea Ä'-Gebiet bieten in ihrer Be- 
.*re«»ttnij :r.ohts Neaei;!^ BentJi^rkenswert aber ist ein ^e.-, ri-'Oebiet 
S)i^d)wh *5or viutrarft;isier:ir44>l;a3e. j'.sc- :a dem iiebiete, wo sonst nur 
der Mouorhi:..r.c / al* Kr:«^yrfN:r.znj: v:.a w^erm. ai vorkommt; 
SohwalVr/:, h, Vu^.'^^AttÄr,. iV::', rij^c^r. >:r>: liach W. hin die Greniorte 
d:ey«i *^y^;^.v*^:'*.^^r, iWr ^?*?w .*a> :::!rc!: die Linie Traar« Verberg, 
K:v:^lä. V*?i,^:',:\ W-T,:.:.. \*^:^!*fT. üft» iHr» haben schon ^».) »^ 
e;«*^;^ »\vi;\^0" 1\' . rs:.i Ti. zr>,'. *:r:-r. we;>;li<ben mit fi. geschieden 
^^'a: ",'^-^>;''> r» iW:-.r: cf^" .S^rr.r*»,-^ u'ciikii von Traar, Kalden- 
Ha »Nr- ^Ä «•>:,;>/ ;:r.,'. :l;.-Vr.:'r.,,,>ri -r i»s i»ebie« iber. das S Jl' 
ijer/.o ,'. AS ! ;*,:>;^^r^ ^,:.^^: fü: •^r-r,. ä. Sut ^^d. § 36^ Belege 
?Ä^ ,»> oi^: ,'•; r.*, : • . Vr.Si-.rfvM.'.i i\r*..% i:Je:a\ r^^Ln *rein\ |^ 






— 37 — 

XI. Wgerm. a/a. 

§ 37. Wgerm. au tritt nach Wrede Anz. 23, 208 CAugen') in 
der preußischen Rheinprovinz im großen Ganzen als Monophthong ö 
auf.^ Dieser Monophthong, südlich der Gutturalisierungslinie (§ 24) 
nur eingipflig (=o), kommt nördlich dieser Linie in einem § 12 be- 
grenzten Gebiete circamflectiert vor (= ^:). Nur ein kleiner Teil 
unseres Sprachgebietes hat für wgerm. au die diphthongische Ent- 
sprechung öt^ Es ist ein Streifen, der nach Wrede a. a. 0. von 
Mors bis nach Höhscheid auf der rechten Rheinseite reicht.' Das 
^iMiebiet unserer Mda. ist identisch mit dem ^»-Gebiet und schließt 
im S. und W. wie dieses ab (vgl. § 36). Die dialektischen Ent- 
sprechungen für wgerm. au sind also in unserm Gebiete d, d:,.^u (Um- 
laut 0, 0:. 0y), die sich wie oben angegeben verteilen. Belege für 
das Gebiet mit durchgängigem Diphthong Öu: böum *Baum', dröum 
Trauno', löuk 'Zwiebel', zöum 'Saum\ röuk 'Rauch', b0yg9n *beugen, 
backen', x/eyr^n 'glauben*, rfr^yman *träumen\ däypdn ^ta,u{ea\ Streypdn 
Weifen'. 

Anra. Eine kleine Abweichung in dem oben geschilderten Grenz- 
verlaaf hat statt, wenn die Bedingungen zum Umlaut und zur Circum- 
llexion vorliegen. Bemerkenswert sind dann nämlich die Diphthonge 
«y. und o'y. statt des zu erwartenden Monophthongs in einem Teil- 
gebiete südlich der Gutturalisierungslinie. Der Geltungsbereich von 
^'y. und 0'y. ist identisch mit dem § 36 Anm. 2 gegebenen von e'f. 
nnd ^/.. Auch hier leitet die d'y.-Entsprechung nach N. über zu 
<lem Gebiet, das nur Öu (ßy) < wgerm. au kennt. Belege für das 
«y.-Gebiet: fc^'y.m'Bäume', he'yi (=ahd. houbit) 'Haupt'. 

Xn. Wgenn. io und e. 

§ 38. Die Entwicklung von wgerm. eo und E hat in unserem 
Sprachgebiete, wie auch in anderen Mdaa. , zu denselben Resultaten 
?eluhrt. Nach Wrede Anz. 21, 287 f. ('fliegen') entspricht dem wgerm. 
'0 in der Eifel, dem Siegerland und der ganzen ripuarischen Mundart 
lit kleinen Ausnahmen consequent ein langer €-Laut,^ während das 
yfr. ein langes i aufweist.* Die Grenzlinie beider fjautwerte fällt 
itten in unser Sprachgebiet. Außer I: (geschlossen), f: (offen) und 

• Vgl. Wrede 23, 215 f. Cglauben'), 23,223 Cverkiufen'), 24,122 (»gelaufen'), 
tucbes §§ 19. 20, Mönch § 53. 

• Vgl. Maurmann §§ 76. 78, Koch §§ 19. 25. 

• Vgl. Mönch § 60, Möller § 3, 1. 

• Vgl. Geerling S. 25, Maurmann §§ 66. 82. In 'fliegen' hat allerdings das 
>iet zwischen Krefeld und Geldern dem Stammvocal gekörzt; vgl. Wrede a. a. 0, 



— 38 — 

e:, die alle in ie ihren Ursprung haben, kommt hier noch B'i, vor 
(Jus vielleicht eine secundäre Rntwickiunf? aus /': oder aber eine Coir 
promissform zwischen e: und h bezeichnet. Diese dialektischen Eni 
sprechungen sind also genau analog denen von wgerm. ö (§ 34). D 
auch die Grenzen der entsprechenden Lautwerte h — 12:, f: — u:, ii -6: 
^/. — ö'ti. sich völlig decken, sei Tür den Grenzverlauf auf § 34 ver 
wiesen. Belege für das ?:-Gebiet: §i:t9 ^schießen*, dim» 'dienen', XiM 
'gießen', dhp 'tief, Ihf 'Lied\ rtitn 'Riemen', friua 'frieren', fdrlvM 
'verlieren', H:p 'rief, bfiif 'Brief, krhx 'Krieg', §lhp 'schlief, hidA 
'hier' (vgl. Anm.). 

Anm. Die Form hi'd.r findet sich nur in dem Gebiete, da 
im 8. durch die Gutturalisierungslinie (§ 24) und im 0. durch di 
Linie Niep, Vluyn, Neukirchen (diese Orte nicht mehr einbegriffen 
begrenzt wird. Das Gebiet östlich dieser Linie und nördlich de 
Gutturalisierungslinie hat mit Verlust des r die Form AI:, die auc 
noch auf die rechte Rheinseite hinüberreicht.^ »Südlich der Gutturaü 
sierungslinie haben wir nur hBi,^ 

XIII. Die persönlichen ongescblecbtigen Ffirwörter 

der 1. und 2. Pers. plor. 

§ 39. Die niederdeutschen Grundformen des ungeschlechtige 
Pron. pers. der l. und 2. Pers. im Nom. plur. sind mnd. wi, ^ 
während das Charakteristicum hochdeutscher Mdaa. wir^ ir ist. l 
die betreffende SA-Karte noch nicht bearbeitet ist, kann sie nic^ 
zum Vergleich dienen. Die Grenze zwischen beiden Formen, d 
mitten durch unser Sprachgebiet geht, fallt mit keiner der ^ 
jetzt gewonnenen Linien zusammen, wenigstens nicht ihrer gan^ 
Ausdehnung nach. Wohl aber decken sich in unserer Mda. durchs 
die wÜ\wdr' und die ^^»l^-Grenze. Die Linie setzt nördlich von Lev 
und Hinsbeck ein, diese beiden Orte außerhalb des u?^"-, ^di-Gebie 
lassend, schlägt Grefrath noch zum Norden und wendet sich dann na 
Süden, so dass Hagenbroich und Süchteln noch wdr, dr haben; da 
geht die Grenze wieder östlich bis Krefeld, so dass für Hagen, Vor 
St. Tonis noch wdi^ ßi gilt, und endigt, Krefeld außerhalb^ und Hü 
Niep, Vennikel, Kaldenhausen (östlich), Friemersheim innerhalb c 

* Vgl. Röttsches § 28,1. 

• Vgl. Maiirmann § 66. 

' Vgl. Röttsches § 222, Mönch § 112. 

♦ Vgl. Rötische» § 1Ö6. 



— 39 — 

ti^di-, y^'-Gebietes liefen lassend, am Rhein. Nördlich dieser so be- 
stimmten Linie herrschen die niederdeutschen Formen wdi^ ;^t, süd- 
lich die hochdeutschen wör, dr 'wir, ihr'. 

§ 40. Der Acc. der 1. Pers. pl. tritt im größten Teil unseres 
Sprachgebietes einheitlich als Ös <C uns mit Schwund' des n auf* 
Nördlich von Lüllingen, Veert, Geldern, Aengenesch, Issum, Hörstgen, 
Klosterkamp, Lintfort (diese Orte einbegriffen) gilt öns. Beim Acc. 
der 2. Pers. plur. haben wir wieder nieder- und mitteldeutsche Sprach- 
fonneD zu scheiden. Als Entsprechung von mnd. ju hat ein nördlicher- 
Teil unseres Gebietes ^w, während der Süden ex = mhd. iuch aufweist. 
Die öulSx'Grenze fällt aber nicht etwa mit der wdilwör- und ßi\^r- 
Grenze zusammen, sondern geht durchaus selbständige Wege. Dagegen 
ist sie identisch mit der Gutturalisierungslinie von n + Dental (§ 24) 
und der Scheide zwischen erhaltener und vocalisierter Spirans in 
der Verbindung cht (§ 20). Wachtendonk und Gelinter, die in ersterem 
("alle südlich, in letzterem nördlich der Grenzlinie bleiben, haben 
jetzt sowohl öu als dz; der Georauch von Öu klingt aber höflicher als 
der von ox. 



' Maurmann § 97. 



Historisch-erklärender Teil. 



L Einleitende Bemertaingen. 

§ 41. Nach den Feststellungen im vorigen Teil ist es für anser 
Sprachgebiet charakteristisch, dass es im allgemeinen durch Ijaah 
nicht durch einzelne Wortgrenzen gegliedert wird. Wir wissen hV& 
dem SA und den an ihn anknüpfenden Arbeiten, dass diese Er- 
scheinung im deutschen Sprachgebiete heute mehr Ausnahme als Regel 
ist. Aber hiermit nicht genug : auch unsere Lautscheiden fallen vielfach 
ganz oder teilweise unter einander zusammen. Worin sind diese j& 
fast ideal erscheinenden Sprachgemeinschaften begründet? 

§ 42. Aus der Schärfe der Grenzen und Grenzbündel schliefiea, 
dass in den von ihnen abgeteilten Dialektbezirken die Muskel- nnd 
Nervenfunction bei der Sprechtätigkeit aller Individuen und Ortschaften 
identisch, dass hingegen die sprachphysiologische und -psychologische 
Veranlagung zu beiden Seiten der Grenzen eben verschieden sei, das 
bedeutet nicht mehr, als die festgestellten empirischen Tatsachen in 
abstracto, nichtssagende Formeln kleiden. Denn sofort drängt sich 
die weitere Frage auf: woher diese einheitliche Veranlagung? hat 
sie uralte ethnologische Gründe? oder trägt geographische Isoliertheit, 
physikalische Begrenzung die Schuld? oder spiegeln sich jüngere 
historische Verhältnisse darin wider, mittelalterliche oder gar erst 
neuzeitliche ? 

§43. Die Bedeutung der physikalischen G r e n z e als sprach- 
scheidendes Movens tritt in unserm Gebiet, das völlig Flachland ist, 
zurück, wenn man nicht der Niers, einem Flüsschen, das anser 
Sprachgebiet von S. nach N. durchzieht, ihren zum Teil noch heute 
sumpfigen Niederungen und Brüchen und einem alten Rbeinbett ver- 



— 41 — 

iir- uDd damit sprachhemmende Wirkung zuschreiben will.^ Dieser 
)glichkeit aber brauchen wir hier kein großes Gewicht beiza- 
;en, da diese wenigen physikalischen Grenzen, die anch nur für 
irze Strecken auftreten, mit politischen identisch sind. 

Für unser Gebiet können wir also das Problem dahin formulieren : 
aben unsere heutigen Sprachgrenzen irgendwelche 
istorischen Unterlagen und welche? Da es sich um die 
eatigen Mundarten handelt, müssen wir die heutige politische Glie- 
ernng zuerst ins Auge fassen, um dann, wenn diese keine Antwort 
iebt, weiter rückwärts zu schreiten« 

IL Spraohgrense und KreisgreiiBe. 

§ 44. Die heutigen Kreisgrenzen scheinen nicht selten dialekt- 
^heidende Kraft zu besitzen. Für Hessen z. B. zeigt sieb diese Er- 
cheinung auf vielen SA-Karten. Die Rheinprovinz, insbesondere der 
eatige Regierungsbezirk Düsseldorf, erhielt Kreiseinteilung im Jahre 
816.^ Nach mehrfachen kleinen und großen Änderungen^ erlangte 
lese erst 1856^ die endgültige Gestalt, unter der sie heute noch be- 
teht, wenn wir von der erst ganz jüngst erfolgten Eingemeindung 
'iniis in den Stadtkreis Krefeld hier absehen. Die beigegebene Karte 
;iebt diese Kreiseinteilung wieder. Bei einer so jungen Schöpfung 
les 19. Jahrhunderts ist die Aussicht auf eine Identificierung von Kreis- 
end Sprachgrenze von vornherein gering. Denn diese Neueinteilung 
berücksichtigte nicht genügend die historischen Oberlieferungen, und 
b Bewusstsein der Zusammengehörigkeit mit dem Kreise ist daher 
Q der Bevölkerung unserer Gegend noch heute durchaus nicht in dem 
'aße lebendig, wie z. B. in dem preußischen Hessen, wo die Kreis 
ioteilang auf älteren historischen Zusammenhängen fußt. 

Vergleichen wir nun mit den heutigen Kreisgrenzen irgend eine 
Oderer zahlreichen horizontalen Sprachscheiden, etwa die Vocali- 
erongslinie des ch in der Verbindung cht (§ 20), die Gutturali- 

' So gesteht Nettesheim S. 21 diesen hydrographischen Verhältnissen einen 
ifiuss auf die politische Gestaltung unseres Gebietes zu. 

' Schultheis S. 168 und 170; Geschichtlicher Atlas der Rheinprofinz, Karte 
Jahre 1818. 

* Harnisch Jahrbuch für den Rgbz. Düsseldorf 1904 S. 15. 53. 84. 112. 

* Vgl. den Stand von 1861 bei Mülmann SUtistik des Kgbz. Düsseldorf 
riobn 1865) 2,1 S. 12—15. 



— 42 — 

sieruDgslinie von n+ Dental (§ 24) oder die Grenze zwischen Ön unti 
0% (§ 40), so lassen sich zwar hier und da Zusammen hänge nicht 
verkennen, aber auch i.icht minder starke Ausweichungen: Hohen- 
budber^ und Kaldenhausen gehören der Kreiseinteilung nach zum 
Norden, fallen aber (Kaldenhausen nur in seinem westlichen Teil) 
sprachlich zum Süden: bei Tönisberiz; ist das Verhältnis umgekehrt: 
im W. an der Reichsgrenze weichen Kreis- und Sprachgrenze bedenklich 
von einander ab. Ein gleiches oder ähnliches Verhältnis zeigt sich 
bei den andern Sprachgrenzen, die von 0. nach W. verlaufen. Auch 
die Sprachscheiden in der Richtung von S. nach N. weisen keine 
besseren Zusammenhange mit den Kreisgrenzen auf: die ont\t'U''hm\t 
(§ 20) oder die öf\alt{at)-h\x\\Q (§ 32 c) liisst uns bei dem Versuch 
einer Identificierung mit der geldern-kempenschen Kreisgrenze gründlich 
im Stich, und auch die bklldx- (§ 18) oder die e:(S)\^i' (§ 36) Linie 
weicht erheblich von der geldernmörsischen Kreisgrenze ab. 

Kurz, diese Feststellungen lassen bezweifeln, dass die Kreisgrenzen 
bis heute schon sprachscheidend gewirkt haben. Aber woher dennoch 
die erwähnten wenigen Ausnahmen, die seltenen Cbereinstimmungen 
von Sprach- und Kreisgrenze? Beruhen sie lediglich auf Zufall oder 
sind sie in älteren historischen Verhältnissen begründet? 

UL Bprachgrense und politische Orense von 1789. 

§ 45. Uass die zwei Jahrzehnte französischer Fremdherrschaft 
am Ende des 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts ihre Ver- 
waltungsgrenzen ^ nicht in modernen Dialektgrenzen widerspiegeln 
werden, bedarf wohl kaum der Erwähnung. Vor der großen Revolution 
setzte sich unser Sprachgebiet zusammen aus preußischen (ehemals 
gelderi\schen und mörsischen),' jülichschen und kurkölnischen Anteilen. 
Diese politische Einteilung und zwar genau die des Jahres 1789 giebt 
die vorzügliche Karte in den Publicationen der Gesellschaft für rhei- 
nische Geschichtskunde wieder, die auch der beigegebenen Karte zu 
Grunde liegt. Vergleichen wir mit dieser Karte kurz einige unserer 
Sprachscheiden, etwa die oben in § 44 genannten, so ergiebt sich in 
jedem Falle die Identität der beiden Grenzen. Zum kleinen Teil 

' Schultheis S. 70 f. u. Geschieht]. Atlas der Rheinprovinz, Karte von 1813. 

' Auch unter preußischer Herrschaft blieben Mors (preußisch seit 1702) und 
Geldern (preußisch seit 1713) selbständige f Verwaltungseinheiten; die ehemalige 
Landesgrenze blieb also als Verwaltungsgrenze bestehen. 



— 43 



lUt die politische Grenze von 1789 auch mit der modernen Kreis- 
renze zusammen. Aber wo beide verschiedene Wege ^ehen, da folgt 
ie Sprachgrenze nicht der Kreisgrenze, sondern der alten politischen 
irenze. Daraus können wir schließen, dass auch dort, wo die heutige 
ueisgrenze und die alte politische Grenze mit der modernen Sprach- 
,'reüze zusammenfaHen, nicht die junge Kreisgrenze, sondern die ältere 
}olitische Grenze dialektscheidend gewirkt hat. 

§ 46 VVie weit die Übereinstimmung unserer Sprachgrenzen mit 
liesen politischen Grenzen im einzelnen geht, soll die folgende syste- 
matische Zusammenstell iinjy; zei<;en. Wir gehen dabei von den einzelnen 
Herrschaft^- und Amtsgrenzen aus und ordnen die sämtlichen im 
ersten Teil dieser Arbeit besprochenen Sprachgrenzen nach ihrem 
Verhalten zu diesen und zwar in der Art, dass unter 

a) beide völlig zusammenfallen, 

b) beide auf Teilstrecken zusammenfallen, 

c) Übergangs- und Compromissformen die Grenze bezeichnen, 

d) beide Grenzverläufe völlig verschieden sind. 

l)ahei wird sich zeigen, dass die überwältigende Mehrheit unserer 
"Sprachgrenzen unter die Rubrik a) fällt, also mit den politischen 
(irenzen von 1789 identisch ist. 

Die folgende Aufzählung ordnet nicht nach der wirklichen 
otler vermeintlichen Bedeutung der Sprachgrenzen, sondern genau 
in der Reihenfolge, wie die einzelnen Linien im ersten Teil dieser 
Arbeit aufeinander folgen. 



§47. I. M örs|Ür dinge n- 
Linn 

*>* ^ riiwn I rhv9 (tiva) § 11 Anm. 
äc, 6k \ dx, 6x § 17 
x\j = anlaut. nhd. j' § 19 
nax I neit §§ 20. 21. 32 a 
z^: <C sede \ zeit < sachte 
§ 22 Anm. 8 

zeg9 I edgd § 22 Anm. 3 
hibd I han § 22 Anm. 8 

B. axt9r I h^ipr § 22 Anm. 4 

9- vooi \ jet % 22k 

lO. ma-Jt I me:t § 22 Anm. 6 



3. 
4. 
5. 

6. 

7. 



11. hont I höfik § 24 

12. Hon I Statik § 25 I Anm. 2 

13. ha:n < hande \ hey. < 
hende § 25 II Anm. 1 

14. he'd,n\be'9.n9 § 28 

15. traden \ tre'9.n9 § 29 Anm. 1 

16. kalt I kalt § 32 c 

17. damp I datnp § 82 d 

18. mi'y. \ mym und mi'y.n § 34 
Anm. 8 

19. buk I böik § 85 

20. ß^p I 0ip § 86 

21. böum I 6am § 87 



— 44 — 



22. ht: \hȤ 38 Anm. 

23. wÜ, xH I U7^, ^ § 89 

24. öu \ ixi 40 
b) und c) vacat 

d) 1. wacht' I wacht' und trartif- 

Fußnote 4 S. 20 
2. irfi9n I ir^ und £s%'9,nd § 29 

Anm. 2 
8. blüit I ilti:/ und blö'u.t § 34 
4. jl:^9ti I Shtd und i^t.^a § 38 

11. Vogtei|Kempen-HüIs* 
a) 



1. 
2. 
3. 
4. 
5. 



höim 
jsi:p 
höint 
aüt I 
Stöxn 



böm §§ 12. 37 
zip §§ 12. 36 

höfik §§ 13. 24 
«// § 13 Fußnote 2 
I itdn § 14 

6. ri1d9k \ nkldx § 18 

7. a? I j = anlaut. nhd. ^ § 19 

8. nax I n^rt §§ 20. 21. 32 a 

9. wacht'\ward' Fußnote4 S. 20 

10. zSii «< sede \ zeit < sachte 
§ 22 Anm. 3 

11. heb9 I Ante § 22 Anm. 3 

12. wat \jet § 22 k 

13. maü I mei.t § 22 Anm. 6 

14. ap9l I op9/ § 25 I Anm. 1 

15. ston I stofik § 25 I Anm. 2 

16. t<;6:n^ | loiijk § 25 i Anm. 3 

17. Xdäto'd.n \ jaSfatjC § 25 II 
Anm. 2 

18. öj9in I o'9.fn § 27 

19. bi-^ I ie-a.n9 § 28 

20. jbS:j9 j ^»a.na § 29 Anm. 2 

21. ri2:p9 | rup9 § 34 Anm. 2 

22. md:| | my:n und mS'y.n § 34 
Anm. 3 



23. riin \ rei.n § 36 Anm. 2 

24. beim \ be'y.m § 37 Anm. 

25. Af'9.r I Aä § 38 Anm. 

26. Öu \ ix § 40 
b) und c) vacat 

d) 1. blüit I blüit und Ud'ii.^ § 34 

2. Jl:^9 I jl:^9 und ä^i^ § 38 

III. Wachtendonk | Kempen 

a) 1. rikhk \ rikhx § 1^ 

2. a? I j = anlaut. nhd. y § 19 

3. nax I neit §§ 20. 21. 32a 

4. wacht' I ward' Fußnote 4 
S. 20 

5. A(?69 I hab9 § 22 Anm. 3 

6. mau \ mei.t § 22 Anm. 6 

7. w^k I ii70ijA; § 25 I Anm. 3 

8. öjam I o'd.m § 27 

9. 6e:;a | iß'a.na § 28 

10. zeid I ^ra.«» § 29 Anm "1 

11. alt I alt § 32 c 

12. kramp \ kramp § 32 d 

13. blüit I 6/ti:f, 6{()r'ui § 34 

14. rüipd I rupd § 34 Anm. 

15. 6ä:ä: | buk § 35 

16. rem \ rein § 36 Anm. :^ 

17. 60:w I bey.m § 37 Anm < 

18. S):td I ii:to, sd ».te § 38 

19. Öu und 0x \ 0x ^ 40 

b) vacat 

c) tvet und j«< |^ef § 22 k 

d) vacat 

IV. Vogtei 1 Wachtendonk 

a) 1. böim I böm §§ 12. 37 

2. zS:p I zip §§ 12. 36 

3. hoint I h(hik §§ 13. 24 



* Die kurkölnische Herrlichkeit Hals geht dialektisch mit dem kurkölnischeQ 
Amt Kempen (§ 54). 



— 45 — 



4. A:« I Ott § 13 Fußnote 2 and 
§ 32c 

5. stö:n I itan § 14 

6. l0Xt9 I lixt9 §§ 21. 32a 

7. zei%<i^€de\zax<i8achte%22 

Anm. 3 

8. apü I o/>92 § 2ö I Anm. 1 

9. stan I sUnik § 25 I Anm. 2 

10. x^ito'^.n \ x^itatp § 25 II 
Anm. 2 

11. zeip I zei9 § 29 Anm. 2 

12. Ad^l Ad{< § 32 c 

13. kramp \ kramp § 32d 

14. HM i blüit § 34 

15. m^:| I my:n § 84 Anm. 3 

16. buk I 6fl:Jfc § 35 

17. it:t9 I Ä:<9 § 38 

18. At 9.r I Aä § 38 Anm. 
13- dMJ^M and 00? § 40 

b) vacat 

c) wai I 1^^^ und j«f § 22 k 

d) vacat 



V.Wachtendonk|Krieckenbeck 

1- nax I no//< §§ 20. 21. 32 a 

2- Aeia I habd § 22 Anm. 3 

3- öj9t» I o-9.ni § 27 

4- 6«:^ I 6^a.n9 § 28 

5. fl/^ I öt § 32c 

6. irdm;> | kramp § 32 d 

7. hlüit I 6/Ö:/ § 34 

8. H:td I ic'i^a § 38 

9. tftt und 0x I 0a; § 40 
b) tind c) vacat 

j) ;?e»9 1 ma und zi'9.n9 § 29 Anm. 2 

VI, Straelen|Erieckenbeck 

^) 1. M:m I bdm §§ 12. 37 
2. iP«p I ir^ §§ 12. 36 



3.. nax I nout §§ 20. 21. 32 a 

4. heb9 I Aafo § 22 Anm. 3 

5. Hey. \ äteiik § 25 I Anm. 2 

6. X9ito'9.n I xdStafp § 25 II 
Anm. 2 

7. ({;9m I o'a.m § 27 

8. hB:p I 6^*9.na § 28 

9. iiea \ fleS % 30 

10. 6^^9 I bHh § 31 

11. oft I eF^ § 32c 

12. kramp \ kramp § 32d 

13. blüit I bldit § 34 

14. m0:% I mein § 34 Anm. 3 

15. i\:i9 I i&^9 § 38 

16. hi'd.r I Ad» § 38 Anm. 

17. 6u \ ex % iO 

b) vacat 

c) 1 . wat and wei\wet und jet § 22k 
2. Aon/ und hatjk\hih}k §§ 24. 25 

d) jseid I je^«/9 und gi'9.n9 § 29 
Anm. 2 

VII. Krieckenbeck | ödt- 
Kempen 

a) 1. rikbk \ rikhx § 18 

2. notU I neit § 20 

3. wacht- I tt;ard- Fußnote 4 
S. 20 

4. wa:< I me'»./ § 22 Anm. 6 

5. w^k I trdijA: § 25 I Anm. 3 

6. blöit I 6W-II./ und blüit § 34 

7. rr.n \ rei.n § 36 Anm. 2 

8. tö:m I be'y.m § 37 Anm. 

9. m9 I JI:/9 und j^t.ta § 38 

b) und c) 1. rd\p9 \ rupd § 34 

Anm. 2 

2. &d:ifc I &uA; § 35 

3. 0^|d/andatt§32c 

d) vacat 



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- 47 - 



XIT. Niederamt and Stadt 
Geldern | Vogtei 

a)» 1. hm9l I hSt9l §§ 12. 36 

2. hÖ'n.t I hoint §§ 13. 24 

3. hÖ'U I holt § 13 

4. kram.p \ kramp § 13 

5. nai I nO^r §J^ 21. 32a 

6. /?es I /ifi 8 30 

7. ÄÄja I bStSd § 31 

8. /^^i/*, hrun \ wtn, hrun § 33 

9. Avs I //iJ.v § 33 Anm. 

10. }try'9.r\hru'9.r § 34 Anm. 1 

n. bii'.k I 6tfÄ: S 35 

12. h^ I A(?:^ § 36 Anm. I 

13. öm I d^ § 40 
b) c) und d) vacat 

XIII. Niederamt | Straelen 

a) 1. 2e:%<C8e(ie\£!ax<isnchte%"22 
Anm. 3 

2. js^:p\eei9 § 29 Anm. 2 



3. hys I A^ § 33 Anm. 

4. bry'd r | bru'd.r § 34 Anm 1 

5. h0t I hüt § 36 Anm. 1 und 
Fußnote 3 S. 35 

6. Öns \ Ö8 §40 
b) und c) vacat 

d)* 1. bi(Ü9l\bgit9l\indbet9l§§ 12.36 

2. hont und hÖ-n.t\Uönt§§ 13. 24 

3. AöftundÄo7.^|Ao//§§ 13.32c 
4 kramp und kra'm.p \ kramp 

§§ 13. 32 d 

5. £tn und £!i:n \ jsin § 14 

6. nax und tifi^: | nax §§21. 32a 

7. s^ot/. und $t<m \ Hey, § 25 I 
Anm. 2 

8. w?m, Ärww und ir/n, ^rtinju^ln 
brün § 33 



IV. Alter der politisohen Grenze von 1789. 

§ 48. Nach dieser Übersicht ist die große Bedeutung der poli- 
tischen Grenzen, wie sie die Karte von 1789 wiedergiebt, für unsere 
Walektscheiden zweifellos. Sofort aber erbebt sich hier die in diesem 
'^'^sammenhang äußerst wichtige Frage nach dem Alter dieser Territorial- 
K'^enzen. Wie weit lassen sie sich, entweder unter demselben oder 
^•nein andern Namen, zurückdatieren? Mit der Beantwortung dieser 
*'^^ge gewinnen wir einen Zeitpunkt a quo für die Grenzgestaltung 
ö'^serer heutigen Mundartenscheiden. Die rheinische Geschichts- 

' Nur PoDt im äußersten Sudzipfel des Niederamts weicht in einer Reihe 

^*^ü Spracherscheinun^en als ein/ige Ausnahme von dieser sonst durchaus scharfen 

^^^^nze ab und schließt sich an das sudlich von ihm liegende Amt Straelen an; 

(iiese dialektische Stellung Ponts aber glaube ich in andern Verhältnissen, die die 

territorialen durchkreuzen, begründen zu können (vgl. § 60). 

• Mit einer einzigen Ausnahme ist es stetJ? Pont, das in seinen Sprachformen 
ifon der Territorialgrenze abweicht und mit Straelen geht; die Erklärung dafür 
s. § 60. 



— 48 - 

forschung beschäftigt sich gerade in der Gegenwart wieder lebhaft mit 
dem Alter dieser Herrschafts- und AmisgrenzeD. Leider werden bis 
znr Vollendung der von der Gesellschaft für rheinische Gescbichtskuode 
unternommenen Untersuchungen noch einige Jahre vergehen. Die 
folgenden historischen Ausführungen können daher bei der Schwierig- 
keit der Materie keinen Anspruch auf Vollständigkeit machen, sondero 
wollen bis zum Erscheinen jener von berufener Seite in Angriff ge- 
nommenen Arbeit eben nur als Versuch gelten. 

Die politische Vielgestaltigkeit unseres Sprachgebietes geht zurück 
auf die Zeit der Zertrümmerung des alten Herzogtums NiederlothringeD 
und der Bildung der kleinen Territorien, also auf die Zeit vom 9. bis 
12. Jahrhundert. Aus dem chaotischen Wirrwarr dieser Neubildungen 
lassen sich erst seit dem 13. Jahrhundert die Umrisse der späteren 
Territorien deutlich erkennen, so dass es erst von da an möglich ist, 
eine zusammenhängende Geschichte dieser Staaten zu geben.^ Die 
Macht der neuen Territorial herren ist nicht über Nacht entstanden, 
sondern mehrt und arrondiert sich f;anz allmählich; die Entwicklung 
zur vollen landesfürstlichen Hoheit ist in ihren Gebieten im wesentr 
liehen erst in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts abgedchlosseo.^ 
Parallel daneben her geht die Organisation von Verwaltungsbezirken, 
die, 'eine durchaus neue und selbständige Schöpfung der Landesherr- 
schaft, nicht auf dem Boden des Reichs, sondern auf dem der Terri- 
torien entstanden sind\ In Geldern z. B. lassen sich diese Bildungen 
bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts zurückverfolgen und erscheinen 
am Ende des 13. Jahrhunderts im ganzen Gebiet durchgeführt.' 

Gehen wir jetzt auf die einzelnen Territorien und ihre Grenz- 
gestaltung des näheren ein. 

§ 49. Urkundlich belegt sind die Grafen von Geldern m. W. 
zuerst im 11. Jahrhundert.^ Zwar kommt der Name 'Geileron' als 
geographischer Begriff schon in einem Werdener Heberegister des 
9. Jahrhunderts ^ und dann 1067 ^ als ^Gelre' vor, ohne dass aber diese 

* Block Geschichte der Niederlande I (Gotha 1902) S. 189 f. 

* Für Geldern speciell weist das nach Gustav Möller Die Ent Wickelung der 
Landeshoheit in Geldern bis zur Mitte des 14. Jahrh. (Marburger Dies. 1889) S. 3 f. 

" G. Maller a. a. 0. S. 69 f. 

* Sloet 196 (?om Jahre 1096). 

* Lacomblet Arch. 2,218. 

* Lacomblet ÜB 1,209. 



— 49 — 

vereinzelte Erwähnung irgend welche Schlüsse auf den Umfang dieses 
Begriflfes zuließe. Erst seitdem mit der Gründung der Stadt Geldern 
\m 13. Jahrhundert der Name Geldern auch zur Bezeichnung dieser 
Stadt gebraucht wird und jetzt zum Unterschiede von dem 'castrum 
et Villa de Ghelre' von der 'patria de Ghelre' oder der 'terre de Gueldres' 
die Rede ist,' gewinnt der Begriff allmählich festere Gestalt. Nachdem 
schon 1274^ ein 'advocatus Gelrensis' und 1357" dasMrossaet ampt ende 
richter ampt tot Gelren ende van Gelrenlande' erwähnt wird, be- 
grenzt ein Schatzungsbuch von 1369* unter der Überschrift 'ampt 
van Gelren ende Gelrelande' ein Gebiet, das spater stets in die beiden 
Teile *Niederamt Geldern* und 'Vogtei Geldern' getrennt auf- 
geführt wird. Schon die Aasdrucksweise unserer beiden Quellen von 
1357 und 1369 scheint diese spätere Zweiteilung zu bezeichnen. Ihr 
Bestehen lässt sich durch die Urkunden des 15. Jahrhunderts '^ hin- 
darch ganz deutlich verfolgen, üie erste genaue Erwähnung findet 
sich im Jahre 1497,* wo ein 'drosset to Gelre in der vaigdyen 
van Gelre lande ind in den neder ampt' genannt wird. Bestätigt 
wird die Annahme, dass die spätere Zweiteilung in 'Niederamt' und 
^Vogtei' bis in das 14. Jahrhundert zurückgeht, durch ein Heberegister 

von 1387,^ das die Überschrift trägt ' vaichdien van Gelrelande 

als Aldekirck, Nyekirck ende allet dat dair to behoirt.' Bei der Be- 
zeichnung 'Aldekirck, Nyekirck' geht das Heberegister von der da- 
maligen kirchlichen Einteilung der Vogtei aus, die sich seit der 
zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts in die beiden Pfarrsprengel 'nova 
ecciesia in Gelren' und 'antiqua ecclesia in Gelren' teilte.^ Da die 
zuerst in dem Schatzungsbuch von 1369 namentlich überlieferten 
sieben Honschaften der Vogtei bis zur Gründung eigener Pfarreien* 



' Sloet 1116 (vom .lahre 1286) und 1120 (vom Jahre 1287). 

* Nettesbeim S. 27 Note 20. 
■ Nijhoflf 2,82 u. ö. 

* V. Doominck S. 69 f. 

• Vgl. z. B. Nijhoff 4, 10 (von 1423). 5,19 (von 1473). 5,109 (von 1479). 
5,111 (von 1479). 

* Nijhoff 6 erste Hälfte 219. 

' Nettesbeim S. 24 FuBnote 16. 

• Vgl. die Zebntverzeicbnisse aus dem 13. und 14. Jahrb. bei BMEK S. 206 
und 620, Annalen 52,144, femer Nettesbeim S. 21 Fußnote 12 und S. 27 f. 

• Diese Gründung erfolgte erst in der Zeit vom 16. bis 19. Jahrb. (vgl. 
Nettesheim S. 28), wobei die neu entstehenden kirchlichen und bürgerlichen Ge- 

DvatMlw Dialektgeofnphle I 4 



— 50 — 

alle zu den Pfarrsprengeln von Aldekerk and Neukerk gehörten, so 
sind sie es, die unter dem 'allet dat dair to behoirt' zu verstehen 
sind. Sie machen den Umfang des ^ampt van Gelrelande' des Schatzangs- 
buches von 1369 ans, während das 'ampt van Gelre' des Schatzangs- 
buches das spätere Niederamt ist. Am Ende des 14. JahrhonderU 
kommt, wie wir sahen, für das Amt Gelderland die Bezeichnoof 
'Vogtei Gelderland' oder auch nur 'Vogtei' auf,^ da der Name Gelder- 
land um diese Zeit sich auf den Gesamtbesitz der Herzöge yod 
Geldern auszudehnen beginnt.' 

So bezeugen uns also unsere Quellen für die letzte Hälfte des 
14. Jahrhunderts, abgesehen von dem Ort für Ort beglaubigten Umfang 
dieser beiden geldernschen Ämter, auch unzweifelhaft das Bestehen einer 
Verwaltungsgrenze zwischen Vogtei und Niederamt Geldern. Auch als 
ganz Obergeldern 1713 preußisch wurde, blieben diese alten geldernschen 
Verwaltungsgrenzen bestehen, ebenso wie auch die alte geldern-mör 
sische Landesgrenze von der preußischen Regierung respectiert warde 
(Mors war seit 1702 preußisch). DieTGrenzen, wie sie^die Karte von 
1789' wiedergiebt, bestehen also ununterbrochen von der zweiten 
Hälfte des 14. Jahrhunderts an. 

§ 50. Der südliche Teil des kleinen Territoriums, dassp&ter das Amt 
Wachtendonk bildet, kommt schon 890^ unter der Bezeichnung 
'Gessera ultra Campinni' vor. Als Grundherren dieses Gebietes sind 
damals und in den folgenden Jahrhunderten verschiedene Klöster 
und Stifter belegt.* Im Jahre 1249 • erwerben die Herren von 
Wachtendonk, die um 1200 "^ zuerst zu belegen sind, von dem Bischof 
von Utrecht in Geisseren mehrere Güter und das Patronatsrecht der 
Pfarrkirche. Diese Erwerbung war sicher der erste Schritt dazu,2das8 

mejnden zum Teil andere Nameu annahmen als ihre Vorfi^änger, die Honschaften: 
die Namen der letzteren leben aber in den bauerscliaften dieser Gemeinden noch 
heute fort. 

* Vgl. außer dem Ueberegister von 1387 eine Urkunde im Staatsarchif 
Düsseldorf von 1419 hec. 2, wo ein Gut ten Have ^^elegen in der Taigbdien van 
Gelrelande in der honschap to Sev«icn des kirspels van der Nyerkerken* genannt 
wird: ferner Nijhoff 5,19 (von 1473) und 5,109. 111 (von 1479). 

* Nijhoff 1 S. X Note 1 und 2 S. 96 Note 4; Nettesheim S. 24. 

* Fabricius S. 6. 

* Lac. ÜB 1,285 Fußnote und Lac. Arch. 2,227. 

* Vgl. die Belege bei Nettesheim S. 48 Fußnote 8. 

* Sloet 701.709; vgl. BM Cod. dipl. 230 (von 129G). 
' Sloet 414 (von 1206). 



— 51 — 

allmählich das ganze Land Geisseren an die Herren von W. überging. 
1>a Geisseren aber ursprünglich zum Lande Kempen gehörte/ war 
dort der Kurfürst von Köln 'der overste here\^ auch nachdem die 
Herren von W. sich in Geisseren festgesetzt hatten; deshalb muss 
auch der Herr v. -W. ^die herlichkeit die he het in dem lande ind 

velde van Geyseren to lene ontfangen van einem Eirtzebusschof 

van Colnen.' Dieser Zustand dauerte bis zum Anfang des 17. Jahr- 
hunderts, wo die Jurisdiction und damit auch die Anerkennung der 
Lehensherrlichkeit von Kurköln aufhörte." Als 1438* die Pfarrrechte 
von Geisseren der bisherigen Capelle zu Wachtendonk übertragen 
wurden, kam der .^larne Geisseren allmählich ganz außer Brauch, 
während der Name Wachtendonk auf das alte Geisseren ausgedehnt 
wurde. Außer dem Jjande Geisseren besaßen die Herren von W. 
nämlich noch ihre Stammburg Wachtendonk, unter deren Schutz eine 
Stadt entstanden war. Schon 1390*^ (vielleicht auch schon früher •) 
bekennen sich die Herren von W. als Lehensleute der Grafen von 
Geldern für ihre Burg und Herrlichkeit Wachtendonk; 1434'' erfolgt 
die endgültige Abtretung an Geldern. Seitdem ist und bleibt Wachten- 
donk, von mehreren kurzen Verpfändungen abgesehen, ein geldernsches 
Territorium, das allerdings in seinem südlichen Teil, dem Lande 
Geisseren, wie wir gesehen haben, anfangs noch von Kurköln lehn- 
rnhrig und mit dem kurkölnischen Amt Kempen gerichtlich ver- 
bunden war. 

§ 51. Wann und auf Grund welcher Rechtstitel Kriecken- 

beck in den Besitz der Grafen von Geldern gelangte, ist nicht mit 

Sicherheit anzugeben. Wahrscheinlich aber war auch Krieckenbeck 

ursprünglich ein kurkölnisches Lehen ^ und ist vielleicht 1243* in 

• VgJ. den Bifang des Landes Kempen in einem Weistum aus dem ersten 
Viertel des 15. Jahrh. Annalen 24,227 f. und Terwelp S. 12f. 

• Lac. Arch. 1,277 f., Annalen 24, 229 f., Terwelp S. 17 f. 

• Terwelp S. 18. 

' BM Cod. dipl. 409 und 415. 

• Nijhoff 3,151. 

• Nettesheim S. 48 giebt ohne Quelle 132G an. 
' Nijhoff 4, 138. 

' Vgl. Sloet 374 (von 1188). 635 (von 1243). 734 (von 1251). 1103 (von 
1286); Lac. ÜB 2,375 (von 1251); Lac. Arch. 4,359 und 396: P. Norrenberg 
Geschichte der Herrlichkeit ürefrath (Viersen 1875) S. 9 und 18. 

• Sloet 635, Nijhoff 1,140 Fußnote. 

4» 



— 52 — 

den Besitz der geldernschen Grafen gekommen. 1274 * treffen wir sie 
jedenfalls schon als Herren der ^terra de Crikenbeke' an. Welchen 
Umfang dieses Land hat, lässt sich erst um die Mitte des 14. Jahr- 
hunderts feststellen. Nachdem 1353^ von Amtleuten in dem Lande 
Erieckenbeck die Rede ist, wird uns dessen Umfang durch eine Ur- 
kunde von 1357* und dann auch durch das Schatzungsbuch von 1369^ 
Ort für Ort bezeugt. Diese Grenze hat sich bis in die Territorial- 
grenze von 1789^ hinnbergerettet. 



§ 52. Im Besitz der Advocatie von Straelen, die ihnen die 
Benedictinerabtei Siegburg übertragen hatte, treffen wir die Grafen 
von Gelde zuerst 1118* an. Eine genaue Begrenzung dieses (ie- 
bietes, d 1359^ ein 'Amt' genannt wird, liefert aber erst das 
Schatzuni;>l»U( li von 1369.* Dieser Umfang deckt sich völlig mit dem 
von 1789'* iiinTÜeferten. 

* 

Die Heniichkeit Walbeck stand schon 138P^ in einem Schutx- 
Verhältnis zu den Grafen von Cieldern. Ihre genauen Grenzen be- 
stimmt ein Weistum von 1418.^^ Die fär unsere Zwecke hier allein 
in Betracht kommende Süd- und Ostgrenze dieser kleinen Herrschaft 
darf uns übrigens schon durch die aus dem Jahre 1369 überlieferte 
Grenzbestimmung des Amtes Straelen und des Niederamtes Geldern 
für hinlänglich gesichert gelten. 

Wie die Herrlichkeit Rayen entstanden, auf welche Weise und 
wann sie zu Geldern gekommen, ist noch nicht aufgeklärt. Da 
sie vor 1674 das Amt 'Mörsische Pfandschaft' bildete ^' und zu den 



' HeDrichs und Finken Geschichte der Herrlichkeit Leuth S. 374 Beilage 4- 

" Nijhoff 2,61; vgl. femer 2,89 (vom Jahre 1359;. 

• Nijhoff 2,83. 

• Y. Doorninck S. 42 f. 

• Fabricius S. 7 f. 

• Lac. ÜB 1,287. 

' Nijhoff 2,89 (S. 128). 

• y. Doorninck S. 62 f. 

• Fabricius S. 8. 

"* Nettesheim 8. 65 Fußnote 19 und Beurichs Die Mark Straelen (Geldern:^ 
1899) S. 44. 

** Henrichs a. a. 0. S. 46. 

" Fabricius S. 15. 



— 53 — 



reformierten Pfarreien Neukirchen und Vluyn gehörte,' scheint sie 
früher einmal in einem näheren Verhältnis zu Mors gestanden zu 



Die Herrlichkeit Hörstgen, teils geldernsches , teils mörsisches 
Leheo, erhob bis zum Ende des 18. Jahrhunderts Anspruch auf Reichs- 
aomittelbarkeit.^ 



§ 53. Ebenso wie Geldern entsteht auch die Grafschaft Mors, deren 
Herren 1186 'zuerst urkundlich auftreten, ganz allmählich. Ihre bedeu- 
tendste Erwerbung im 14. Jahrhundert ist die Herrlichkeit Friemersheim. 
Die Grundherrschart dieses Ländchens besaß die Abtei Werden schon 
seit dem 9. Jahrhundert,* während ein Rittergeschlecht von Friemers- 
heim seit dem 13. Jahrhundert die Herrschaftsrechte des Abtes aus- 
übte and auf die Begründung einer eigenen Landeshoheit ausging.^ 
Von diesem Geschlecht erwarben die Herren von Mors Burg und Land 
Friemersheim zunächst 1366 als Pfand und 1392 durch Kauf.*^ üer 
Umfang der Herrlichkeit Friemersheim lä'sst sich mit ziemlicher 
Sicherheit aus den Werdener Zehntregistern bestimmen,^ und wir 
werden wohl in der Annahme nicht fehlgehen, dass in dem Gebiet, 
das später zur Herrschaft Friemersheim gehört, sich schon seit etwa 
1300 der Begriff der Landeshoheit entwickelt und damit auch die 
territoriale Grenzgestaltung beginnt. Gestützt wird diese Ansicht 
dadurch, dass wir von späteren Grenzverschiebungen im S. der 
^■rafschaft Mors nichts wissen und um dieselbe Zeit auch das kur- 
kölnische Gebiet sich nach N. eine feste Grenze schafft,® wo beide 
Territorien zusammenstoßen. 8o dürfen wir vielleicht schon für 
das Ende des 14. Jahrhunderts für die Grafschaft Mors im S. den 
Umfang voraussetzen, den zuerst Rechnungen aus der ersten Hälfte 



' Fabricius S. 9 Fußnote. 

' Fabricius S. 499, Nettesbeim S. 49 Fußnote 9. 

' Annalen 16,198. 

• Lac. Arcb. 2, 217 f. 

' Kötzschke Studien zur Verwaltungsgescbichte der Großgrundherrschaft 
Werden an der Ruhr (Leipzig 1901) S. 32 f. 

• Staatsarchiv Düsseldorf ürk. von 1366 Jan. 21, 1375 Juni 10, 1392 Juni 13; 
▼gl. femer Lac. ÜB 3,709 (von 1371). 3,750 (von 1373). 

^ Kötzschke a. a. 0. S. 8 f. 

• Vgl. § 55, 



— 54 — 

des 16. Jahrhanderts ^ and dann besonders ausführlich ein Bericht 
vom Jahre 1643'^ Ort für Ort angeben. 

Ob anch die politische Zweiteilung von Raldenhausen in eine 
mörsische und eine kurkölnische Hälfte, die, wie wir sahen, auch in 
sprachlichen Verhältnissen ihren Ausdruck findet, bis ins 14. Jahr- 
hundert zurückreicht? Ihre Existenz lässt sich aktenmäßig allerdings 
erst aus der Mitte des 16. Jahrhunderts^ belegen. 

Im W. der Grafschaft wird um dieselbe Zeit (1399) * die *kirche 
geheiten Nygenkirchen gelegen in dem lande van Muerse' dnrch die 
Herren von Mors erworben, und da schon 1379* der Graf von Mör8 
den (damals wohl einzigen) Hof Her Neypen' (Niep) besitzt und nach 
Urkunden aus dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts* auch Vluyn als 
mörsisch und zu dem (schon 1399 erworbenen) Kirchspiel Neukirchen 
gehörig bezeugt wird,^ sein Erwerb also wohl auch in das Jahr 1399, 
jedenfalls aber nicht viel später fallt, so können wir ebenso wie für 
die Südgrenze so auch für die Westgrenze von Mors, soweit sie in 
den Kreis unserer Untersuchung fällt, am Ende des 14. Jahrhunderts 
dieselbe Grenzgestaltung wie 1789^ annehmen. 

Von mörsischem Gebiet kommt für uns endlich noch die Enclave 
Krefeld in Betracht, als dessen Besitzer die Herren von Mors zuerst 
1259* genannt werden. 

§ 54. Die ersten Besitzungen der Kurfürsten von Köln in 
unserm Gebiet reichen bis um das Jahr 1000 hinauf.*® Von dem 
Besitz eines zusammenhängenden Gebietes zeugt es, wenn der Erz- 

' StaatsarchiT Düsseldorf: Mors, Domänensachen 418a vom Jahre 1538. 

• Annalen 39, 22 f. 

' Staatsarch. Dasscldorf: Mors, Domänensachen 418a vom Jahre 1538, und 
Oranien-Mors, Grenzsachen 22 fol. 77 von circa 1550. 

• Lac. ÜB 3,1070; vgl. auch Staatsarch. Düsseldorf Urk. von 1329 Oct. 17 
und von 1379 Febr. 22. 

» Staatsarch. Düsseldorf ürk. von 1379 Febr. 22. 

• Staatsarch. Düsseldorf Urk. v. Jahre 1482 und von 1481 April 24. 

^ Der Liber procurationum, der in die zweite Hälfte des 13. Jahrh. zu setzen 
ist (BMEK S. 601), spricht von Neukirchen als der ^nova ecclesia in der flunen' 
(BMEK S. 614); Niep und Vluyn werden übrigens noch 1643 als Bauerschaften 
bezeichnet, die unter Neukirchen gehören (Annalen 39,24). 

• Fabricius S. 341 f, 

• Lac. ÜB 2,471. 
'• Terwelp S. 37 f. 



— 55 — 

bischof 1264 ^ von Gütern in 'terra nostra Kempensi sita' spricht. 

Id das Jahr 1313* fallt der erste Erwerb des wichtigen Schlosses 
; Ödt, und, nachdem 1814' Stadt und Land Kempen in Pfandschaft 
gegeben waren, werden ödt und Kempen mit allem, was dazu gehört, 

IU9* durch die Kölner Kurfürsten zurückerworben und seitdem be- 
hauptet. Trotzdem der genaue Umfang dieser beiden Ämter Kempen 
ood ödt sich aktenmäßig erst aus dem 17. Jahrhundert *" belegen 
lisst, darf schon um die Mitte des 14. Jahrhunderts die Nord- und 
Westgrenze dieser kurkölnischen Besitzungen durch die für 1369 belegte 
Begrenzung der angrenzenden geldernschen Amter Vogtei Gelderland 
QDd Krieckenbeck und das schon 1390 bezeugte Lehensverhältnis.^der 
Herrlichkeit Wachtendonk zu Geldern für durchaus gesichert gelten. 
Zudem ist schon in einer Urkunde von 1322^ von sechs Honschaften 
des Landes Kempen die Rede, ebenso wie in einem Codex aus dem 
Anfang des 15. Jahrhunderts,^ der übrigens vier davon auch nament- 
lich bezeichnet. Auch 1789'' besteht Amt Kempen n. h aus sechs 
Honschaften. Dass Amt ödt sich im 14. und 15. Jahi ^dert noch 
nicht urkundlich begrenzen lässt, liegt wohl an seinem gering i Umfange. 
I^och nennt der eben erwähnte Codex außer Ödt auch Mühlhausen. 

Im 8. grenzte das Amt Kempen teils an das kurkölnische Amt 
f'inn, teils an die Herrlichkeiten Anrath und Neersen, die schon 
'/n 14. Jahrhundert zu Kurköln gehörten.^ 

Im N. lag an den Grenzen des Amtes die zu Kurköln gehörige 
//errlicbkeit Hüls,' deren Herren schon 1188^^ als Ministerialen der 
Kölner Kurfürsten vorkommen. Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts^' 
ebörte der nördlichste Teil von Hüls zu Mors. 

* BM Cod. dipl. 260. 

• Lac. ÜB 3, 123. 

• Lac. ÜB 3,134. 

* Lac. ÜB 3,465. 

* BM Cod. dipl. 320. 

* Liber iurium, feudorum et reddituum castrorum ColoDiensium eis Rhenum 
Staatsarcb. Düsseldorf, zum Teil abgedruckt in Lac. Arch. 1,278 f. 

' Fabricius S. 78 f.; vgl. auch Terwelp S. 27 f. (vom Jahre 1675). 

• Vgl. ein Weistum von 1381 in Lac. Arch. N. F. l,474f. 

• Vgl. ein Weistum von 1462 in Lac. Arch. N. F. 1,477 f. 
«• BM Cod. dipl. 53 (S. 157). 

** Giemen Die Kunstdenkm&ler des Kreises Kempen (Düsseldorf 1891) 
47. 



- 56 — 

§ 55. Linn gehört zu den Allodien, die Erzbischof Philipp von 
Heinsberg schon am Ende des 12. Jahrhunderts ' für Korköln erwark 
In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts finden wir ^castrom et oppidam 
Lynne' als kurkölnisches liehen im Besitz der Grafen von Cleve.' 

Nachdem schon 1878 'borch, stat, lant van Lynne dat is Beychem 

(Beckum), Lanch (Lank), Boderiche (Büderich), Herde (HerdtX YyBSchel 
(Fischein) unde Willache (Willich)' an Kurköln verpfändet war/ wird 
das Land Linn 1392 definitiv erworben.^ üieseUmfangsbestimmongdes 
Landes Linn von 1878 deckt sich mit einer designatio von 1632^ ond 
mit den Verhältnissen von 1789,® soweit unser Gebiet in Betracht 
kommt. 

Das spätere Amt Ürdingen ist wenigstens zum Teil als frio- 
kisches Krongut wohl alter Besitz der Kurfürsten von Köln. Schon 
1279^ ist von einer Zollerhebung der Kurfürsten auf dem Rhein bei 
Ürdingen die Bede; 1842^ kaufen sie das Schloss Twingenberg bei 
Ürdingen (im heutigen Verborg); 1858® haben sie schon Grundbesiti 
und das Kirchenpatronat in Hohenbudberg, also hart an der Grenie 
von Mors. Noch vor dem definitiven Erwerb von Linn, nämlich 1385, ^* 
wird ein kurkölnischer Amtmann zu ürdingen namentlich genannt. 
Dass auch damals schon Kaldenhausen (ganz oder, entsprechend den 
später belegten Verhältnissen, nur teilweise?) zu diesem Amte gehörte^ 
sagt ausdrücklich eine Urkunde von 1411.^^ Da zudem darch den 
1892 erfolgten definitiven P>werb der Herrlichkeit Friemersheim durch 
Mors die Grenzen dos kurkölnischen Besitzes nach N. hin gegeben 
waren, dürfen wir auf Grund der obigen Urkunden den späteren Um- 
fang ^^ der beiden Ämter, wie ihn uns genau z. B. Grenzbeschreibungen 
von 1602 ^^ (Ürdingen) und 1632 *** (Linn) überliefern, auch für circa 
1400 schon als sehr wahrscheinlich annehmen. 

• Siehe nach dem 'über iurium 'in Lac. Arch. 4,358. 

• Lac. Arch. 4,390 und 391; Lac. ÜB 3,38. 173. 204. 457. 

• Lac. ÜB 3,811. 

• Lac. ÜB 3,968. 

• Staatsarch. Dasseldorf: Hoheitsgerechtsame, Amt Linn A No. 2 toL IL 

• Fabricius S. 83 f. 
' Lac. ÜB 2,728. 

• Lac. ÜB 3,371. 

• Lac. ÜB 3,583. 
>• Lac. ÜB 3,888. 

*^ ürk. vom 13. Juli im Staatsarchiv Düsseldorf (Mors, LandesarchiT). 

'* Fabricius S. 83 f. 

*' Staatsarchiv Düsseldorf: Hoheitsgerechtsame, Amt Linn A No. 2 toI. IL 



— 57 — 

§ 56. Von dem karkölnischen Amte Rhein berg kommt hier 
nar die Südgrenze in Betracht, die der für 1369 Ort für Ort bezeugte 
UmfaDg der angrenzenden geldernschen Vogtei für unsere Zwecke 
hinreichend genau festlegt. Eingehendere Nachrichten aus früherer 
Zeit liegen nicht vor.^ Ob damals Rheinberg schon ein kurkölnisches 
Amt in dem Umfange von 1789 war, kommt hier nicht in Betracht; 
geoag, dass dieses Gebiet mit der Vogtei nie in irgend einem poli- 
tischen Zusammenhang stand, also von mindestens 1869 an eine 
Grenze vorhanden war, die der von 1789^ entspricht. 

§ 57. Die ersten Nachrichten über Territorial besitz der Grafen 
von Jülich im Bereich des späteren Amtes Brüggen stanimen erst 
ans dem Anfang des 14. Jahrhunderts." Nachdem das Land von 1421^ bis 
1494* als Pfand in mörsischem Besitz gewesen war, bildete es seitdem 
wieder ununterbrochen ein jülichsches Amt. Seinen Umfang geben 
schon die Kellnereirechnungen vom Jahre 1500® und, bis ins einzelne 
genaa dem Stand von 1789^ entsprechend, die von 1554® und 1561* 
wieder. Die für uns hier ausschließlich in Betracht kommende Nord- 
grenze ist als politische Grenze übrigens schon um die Mitte des 
14. Jahrhunderts durch das geldernsche Schatzungsbuch von 1369 und 
den 1349 erfolgten definitiven Erwerb von ödt durch Kurköln hinlänglich 
genau bestimmt. 

§ 58. Das Resultat dieses historischen Excurses ist die Gewiss- 
heit, dass die Mehrzahl unserer politischen Grenzen von 1789 ihre 
Entstehung bis in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts zurück- 
datieren darf;® für den kleineren Teil unserer Territorialgrenzen konnten 
vi^ir das Gleiche zum mindesten sehr wahrscheinlich machen. Da die 
alten Verwaltungsgrenzen der ehemals geldernschen und mörsischen 
Territorien auch unter der preußischen Herrschaft (seit 1713 und 

* Vgl. Annalen 39,1 Anmerkung und Nettesheim S. 56 FuBnote. 

* Fabricius S. 85 f. 

* Lac. ÜB 3,161 (yom Jahre 1317); BM Cod. dipl. 335 (Yon 1332); Lac. 
ÜB 4,36 (Ton 1405). 

* Urkunde im StaatsarchiT Dösseidorf. 

* Lac. ÜB 4,462. 

' Alle im StaatsarchiT Düsseldorf. 

' Fabricius S. 263 f. 

' Vgl. z. B. auch T. Spruner-lfenkes Handatlas 3. Aufl. Nr. 39. 



— so- 
mit dem Decanat Geldern vereint, sondern bildete mit Wachtendonk 
die selbständige Christianität Krieckenbeck.^ 

Noch eine andere wichtige Dialektscheide anseres Sprachgebiet« 
sei herausgehoben: sie wird gebildet durch ein LinieDbündel, dts 
Amt Rheinberg und Stadt und Niederamt Geldern gegen die 
Vogtei Geldern abgrenzt.' Nördlich dieser Linie nimmt die Mundirt 
die Färbung an, die sie jetzt im ganzen Nordzipfel der prenßischeo 
Rheinprovinz beibehält* und durch die sie dem Holländischen (im 
engeren Sinne) so ähnlich wird. 

§ 60. Dass neben der überwiegenden Mehrzahl von Überein- 
stimmungen zwischen unsern politischen und sprachlichen Grenieo 
auch noch manche Dialektscheiden stehen, für die wir bis jetzt io 
historischen Verhältnissen keine Erklärung gefunden haben, hat unser 
historischer Excurs verbunden mit der Obersicht in § 47 schon ge 
zeigt. Aber diese Tatsache kann den Wert unserer Resultate nicht 
herabsetzen. Ist doch mit Grund zu hoffen, dass eine bis ins einzelne 
gehende Localforschung, die sich dann allerdings sehr in Kleinigkeiten 
verlieren würde, noch manche Verhältnisse aufhellen kann, die jetxt 
im Dunkeln liegen. 

Um nur kurz einige Erklärungsmöglichkeiten anzudeuten, so ver- 
dient es Beachtung, dass die alte Markgenossenschaft Straelen im 
Norden noch das Gebiet von Walbeck und Pont umfasste^ und Pont 
zudem bis ins 17. Jahrhundert zur Pfarre Straelen gehörte.^ Könnte 
es da nicht eine modern -dialektische Illustration dieser alten Ve^ 
hältnisse scheinen, wenn unsere Sprachgrenzen gerade bei Walbeck 
und Pont zum großen Teil heute noch zu der politischen Karte 
von 1789 nicht stimmen wollen? Ebenso ist die sprachliche Stellung | 



' Vgl. außer BMEK S. 224 die Karte nach dem Stand toü 1610 im Ge- 
schichtlichen Atlas der Rheinpro vinx. 

' Weiter nach W. an der Landesgrenze zersplittert sich dieses Linienböndel 
in seine einzelnen Teile; ober den Verlauf der Sprachgrenze Ton Klosterkamp 
und Lintfort an weiter nach 0. hin habe ich mich nicht unterrichten könnet 
(▼gl. oben § 3). 

" Vgl. Maurmann S. 105. 

* Henrichs Die Mark Straelen S. 8 f. 

* BMEK S. 624; für die dialektische Stellung von Pont kommt öberdiei 
noch seine exponierte Lage in Betracht, da es rings von andern Territorien ein- 
geschlossen war. 



— 61 — 

der Bauerschaften Hagen und Clörath (= Ünterbroich) außer von 
ihrer Zugehörigkeit zum Amt ödt aach von ihrer Pfarrzagehörigkeit 
IQ Anrath ' aus za erklären. 

Manche Sprachlinie, die sich an bekannte historische Grenzen 
nicht kehren will, ist sicher auch gar nicht aus historischen Ver- 
; hältnissen heraus zu deuten, sondern einfach aus dem aus irgend einem 
Grande besonders intensiven Einfluss zweier ursprünglich sprachlich 
I ebensowohl wie politisch geschiedenen Orte. So erklären sich z. B. 
die Compromissformen hdijk (entstanden aus dem zu erwartenden 
kM und südlich angrenzendem hihjk) und wet {<i tcat + jet^ in der 
Bauerschaft Broekhuysen nur daraus, dass der Verkehr mit dem süd- 
f lieh in größter Mähe gelegenen Kirchdorf Herongen bei der weiten 
^ Entfernung der eigentlichen Pfarrkirche Straelen auf den Dialekt von 
Broekhuysen eingewirkt hat. Auch die Formen ^, dx^ wir^ dr im 
[ südlichen Teile des Amtes Krieckenbeck gegenüber den niederdeutschen 
[!t Formen in der Nordhälfte erklären sich vielleicht daraus, dass auf 
^ jenen zipfelartig in jülichsches Gebiet hineinragenden Teil des Amtes 
i^ Krieckenbeck ^ leicht nachbarliche Einflüsse wirken konnten. Aber 
,; aach umgekehrte Einwirkungen lassen sich feststellen (vgl. die Über- 
sicht § 47 Vlll). 

Trotz aller Mühe aber wird wohl manchmal jeder Erklärungs- 
ir, versuch einer Sprachgrenze scheitern müssen, nicht sowohl deshalb, 

* Lentzen und Verres Geschichte der Herrlichkeit Neersen und Anrath 
g^ (Fischein 1878) S. 14. 

L ' Interessant für die Geschichte der Ausbreitung der nhd. Schriftsprache ist 

^ die Tatsache, dass gerade in Lobberich, Grefrath und Hinsbeck, die in jenem 
r tadlichen Teile des Amtes Krieckenbeck liegen, seit langem hochdeutsche Schulen 

bestanden, während im nördlichen Teil des Amtes ebenso wie in den anderen 
: ^Idernschen Ämtern bis cirea 1820 das Niederdeutsche Unterrichtssprache war. 
I Die geJdemsche Amtssprache war bis dahin, selbst unter der preußischen Verwaltung 
I des 18. Jahrhunderts, das Niederdeutsche. In Lobberich und Grefrath war 
r auBer der Unterrichtssprache auch die Kirchensprache hochdeutsch, da die Abtei 
f Knechtstetten als Inhaberin des Kirchenpatronats dorthin nur hochdeutsch 
r sprechende Geistliche zu schicken pflegte; dagegen wurde sonst im ganzen 
, GeldeHand noch bis 1820 nur niederdeutsch gepredigt und katechisiert. (Ober 

diese interessanten Tatsachen vgl. Nettesheim Geschichte der Schulen im alten 

Herzogtum Geldern, Dosseidorf 1881, S. 48Gf.) Aber ich glaube nicht, dass 
l diese Verhältnisse Einfluss auf die Dialektgestaltung gehabt haben und uns die 
^ bocbdeutschen Eindringlinge in den Süden des Amtes Krieckenbeck erklären 

könneD. 



\ 



- 62 — 

weil sie überhaupt keine historische Unterlage hätte, Bondem eionK 
und allein wegen der Dürftigkeit unserer historischen Überlieferao^ 
zumal aus den älteren Perioden. Vielleicht sind gerade diese Spnck- 
grenzen die letzten Reflexe älterer hist«)rischer Zusammenhänge in^od 
welcher Art, für die sonstige Quellen heute fehlen. 

Tl. SynohgresM nnd kirchliche (0oiif688i0M-)Or6nM. 

§ 61. Zeitlich parallel mit der territorialen Grenze geht die 
kirchliche Decanatseinteilung. In welchem Verhältnis stehen die 
kirchlichen zu den politischen und sprachlichen Grenzen? Kann die 
kirchliche Einteilung während der Zeit von etwa 1400 bis 1800 irgend- 
welche dialektischen Einschnitte erklären? Die ersten Nachrichteii 
über Decanatseinteilungen unseres Gebietes finden sich in Zehnt- 
Verzeichnissen des 18. und 14. Jahrhunderts.^ Diese aber beweisen 
zum großen Teil die Identität der kirchlichen nnd politischen Grenken.' 
Wo jedoch die politischen und kirchlichen Grenzen differieren, da folgen 
die Mundartengrenzen den politischen, nicht den kirchlichen Grenien,' 
ein Beweis dafür, dass diesen und nicht jenen sprachscheidende Kraft 
innewohnte. Andererseits aber werden die kirchlichen Grenzen da, 
wo sie mit den politischen zusammenfielen, sicher die Bedeutung der 
letzteren als Verkehrs- und damit als Dialektgrenzen erhöbt haben. Be- 
sonders deutlich zeigt sich das da, wo die politische Grenze zugleich 
eine Confessionsgrenze bedeutet.^ Auffallend scharf umrahmen onsere 
Sprachgrenzen die Grafschaft Mors, die seit 1560 durch ihren Landeshem 
der Reformation zugeführt wurde. Wenn, wie wir sahen, wichtige 
Dialektgrenzen heute noch Kaldenhausen durchschneiden, wenn dort 
heute noch zwei scharf geschiedene Dialekte nebeneinander hergehen, 
trotzdem die politische Trennung schon seit mehr als hundert Jahren auf* 
gehört hat, so erklärt sich die Entstehung und Bewahrung dieses Zo- 
Standes außer aus der politischen Zweiteilung wohl nicht weniger au 
der Confessionsgrenze. Dass ihr Wert nicht gering anzascblagei 
ist, zeigt auch das Beispiel der Bauerschaft Rayen. Ob and wani 

* BMEK S. 205f. and GlOf.; Annalen 52,l48f. 

' Vgl. die politischen Grenzen außer mit den eben erwähnten Zebnt* 
▼erseichnissen mit der Karte im Geschichtlichen Atlas nach dem Stande tm 
1610, mit der Karte bei Binterim und Mooren Die alte und neue Erzdioceee Kola I 
(Mainz 1828) oder mit der Diucesankarte bei Böttger. 

' Vgl. das Beispiel von Hohenbudberg, Bockum und Ordingen § 64. 

• Vgl. Fischer S. 86. 



— 68 — 

sie vor ihrer geldernschen Zeit einmal zu Mors gehört hat, wissen 
wir oichtJ Jedenfalls aber schwankt Rayen heute in seiner dialek- 
tischen Stellang, trotz seiner einstigeü politischen Zugehörigkeit zu 
Geldern. Die Erklärung dafür finden wir in einem starken Bruchteil 
lutherischer Bevölkerung, der kirchlich und daher auch sprachlich 
Dach dem Mörsischen neigte. Dass der Dialekt von Hüls nicht dieselben 
Einflüsse aufweist, trotzdem sein nördlicher Teil vom Ende des 16. Jahr- 
hunderts an mörsisch war,^ wird, außer vielleicht in der Kürze der 
Zugehörigkeit zu Mors und dem verhältnismäßig geringen Um&ng 
des mörsischen Teils, nicht zum mindesten darin seinen Grund haben, 
dass der Ort confessionell durchaus einheitlich, nämlich katholisch, 
war und blieb. 

Vli. Sprachgrenze and Gaa-(8tanuDe8-)Gre]i8e. 

§ 62. Das 14. Jahrhundert war bis jetzt letzter Endpunkt für 
eine einigermaßen gesicherte Zurückdatierung der politischen Grenzen 
von 1789. Als letzte Frage bleibt die zu beantworten, ob nicht 
wenigstens einzelne unserer Sprachlinien noch älter sein können. 

Vor der territorialen Zersplitterung liegt die Zeit der alten Herzog- 
tumer. Unser Sprachgebiet gehörte zum Herzogtum Lothringen. Nach 
v. Spruner-Menke' zerfällt das für uns in Betracht kommende Teil- 
gebiet der Hauptsache nach in zwei Gaue, den Chattuariergau im 
Norden und den Mühlgau im Süden, während der südöstlich sich an- 
schließende Ruhrgau nur mit einem kleinen Zipfel in unser Gebiet 
hineinreicht. Die Grenzlinie zwischen dem Chattuariergau einerseits 
und dem Mühl- und Ruhrgau andererseits auf jener Karte scheint 
sich mit unserer Hauptdialektscheide (§ 59) im großen Ganzen zu 
decken. Auch Bremer^ und Schröder*^ vertreten die gleiche Linie, 
wenn sie die Landschaft nördlich von Gellep (Urdingen)-Venlo als 
chattuarisch bezeichnen. Also wirklich ein Zusammenhang zwischen 
unserer Dialekt- und jener alten Gaugrenze? Zur Beantwortung dieser 
Frage müssten wir wissen, aus was für Quellen oder aus welchen 
Combinationeu die Linienführung bei v. Spruner-Meuke geflossen ist. 
Aber das wissen wir nicht.* 

' Vgl. oben § 52. 

■ Vgl. oben § 54. 

■ Handatlas 3. Aufl. Nr. 32. 

* Ethnographie S. 894. 

* fiist Zs. 43,50 und Deutsche Rechtsgesch.« (1902) Tafel 2. 

* Handatlaa 3. Aufl. Vorbemerk. S. 21. 



— 64 — 

Sollte sein nrkoDdliches Material dasselbe wie das bei Röttger 
sein,' dann sähe es mit einer exacten Begründung der Gaolioie 
dürftig aas. Denn die nördlichsten für den Mühlgan belegten Orte 
sind danach Straelen* und Herongen,' Süchteln^ and M.-6ladbach.* 
Andererseits ist im linksrheinischen Ohattuariergau als der am weitesteo 
nach Süden gelegene Ort 'Odeheimero marca' bezeugt,* das neun mit 
Odem bei Goch (Kreis Kleve) identificiert ; rechtsrheinisch ist Mfindel- 
heim ^ gegenüber Ürdingen für diesen Gau belegt. Und nun überblicke 
man anf der Karte das weite Gebiet zwischen den Linien Straeleo- 
Herongen-Süchteln-Gladbach und Odem-Mundelheim: wie ist in ibm 
die Gaagrenze verlaufen? Auf der Gaukarte bei v. Spruner-Menke ist 
allerdings noch 'Gelren' (Geldern) im südlichen Chattuariergau ein- 
getragen; aber wenngleich der Name 'Gelleron' schon im 9. Jah^ 
hundert urkundlich vorkommt (§ 49), so habe ich doch über seine 
Gauzagehörigkeit nichts in Erfahrung bringen können. So ist es 
denn kein Wunder, dass die Localhistoriker bei der Grenzbestimmang 
der beiden Gaue zu anderen und voneinander wieder abweichenden 
Resultaten kommen* oder auf eine solche wegen des angeDÜgenden 
Materials überhaupt verzichten.* 



§ 68. Vielleicht ist aber die Linienführung bei v. Spruner-Menke 
noch durch andre Momente beeinflusst worden: etwa durch die spitere 
kirchliche Einteilung? *^ In der Tat rüllt die Obereinstimmung mit 
dieser in die Augen. ^' Einen solchen Rückschluss aber von der 

* Bottger S. 53 f. 57 f.: vgl. auch BMEK S. 226 f. 

' Böttger S. 58: HM Cod. dipl. 36. Bei v. Spruner-Menke, der StredeB 

nicht verzeichnet, scheint es allerdings, als ob der Ort in den Chattuarierfai 
fallen würde. 

' Bottger S. 57; BM Cod. dipi. 12. 

' Böttger S. 58: Lac. IIB 4,168. 

* Böttger S. 58 ; BM Cod. dipl. 14. 

* Bottger S. 53. 

^ Böttger S. 69 (der aber die Stelle falsch deutet) : Bremer Ethnographie S. BH, 

* Vgl. Mooren Annalcn 3(s3: BMEK S. 228 f.; Henrichs und Finken Herr- 
lichkeit Leuth S. 11: Hirschberg (iesch. d. Grafsch. Möra S. 8. 

* Nettesheim S. 7. 

•• Handatl. 3. Aufl. Vorbem. S. 21. 

** Vgl. ▼. Spruner-Menkes Gaukarte mit den oben S. 62 Fußnote 2 belegt« 
kirchlichen Grenzen. 



i 



— 65 — 

Diocesan- auf die Gaaemteilong , dessen kritiklose Anwendung bei 
Böttger bekannt nnd oft genug gerügt worden ist,^ würde für unser 
Gebiet schon der große Zeitraum von mehreren Jahrhunderten ver- 
bieten, der zwischen der erst um 1300 urkundlich belegten Decanats- 
einteilung und der Entstehung der alten Gaugrenze liegt, ein Zeitraum, 
in dem zahlreiche neue Rodungen stattgefunden haben. Überdies ist 
die kirchliche Einteilung grade unseres Bezirkes besonders vielen 
Veränderungen ausgesetzt gewesen. Um das Jahr 1000 trat der Kölner 
Erzbischof dem Lütticher Stuhl Venlo, Tegelen (an der Maas) und 
Lobberich gegen Gladbach undRheydt ab.' 1559 wurden die aufgeldern- 
schem Boden liegenden Pfarreien Wachtendonk, Wankum, Herongen, 
Leuth, Hinsbeck, Grefrath und Viersen aus dem Decanatsverband mit 
Süchteln losgelöst und zur Christianität Krieckenbeck unter dem Bischof 
von Roermond vereinigt.* Am wichtigsten aber ist die im 14. Jahr- 
hundert erfolgte Teilung des Decanats Straelen in die beiden neuen 
Decanate Geldern und Süchteln;^ denn durch sie ward ein großer 
Teil der kirchlichen Grenze, die mit der angeblichen Gaugrenze bei 
V. Sprnner-Menke so große Ähnlichkeit hat, überhaupt erst geschaffen. 
Sollten endlich gar die heutigen Mundartengrenzen auf 
V. Spruner-Menkes Linienführung von Einfluss gewesen sein,* so wäre ' 
diese damit natürlich als für unsere Zwecke wertlos erwiesen. 

§ 64. Aber selbst einmal angenommen , dass v. Spruner-Menkes 
Gaugrenze echt und beglaubigt sei, was ergiebt sich dann? Hohen- 
budberg, Ürdingen und Bockum, die auf ihr zwar nicht verzeichnet 
sind, nach ihrer Lage aber unbedingt in den Chatiuariergau fallen 
müssten, die auch kirchlich zum Norden, nämlich zum Duisburger 
Decanat gehören,* sie gehen sprachlich trotzdem mit dem Süden 
(§ 47 I). Die alte Gaugrenze hätte hier mithin unsere heutige Haupt- 
dialektscheide nicht bedingt, die sich vielmehr nach der jüngeren 
Territorialgrenze, der kurköln-mörsischen Landesgrenze, gerichtet hat. 



' Vgl. z. B. P. Eschbach Der Stamm und Gau der Chattuarier, ßeitr. z. 
Gescb. d. Niederrheins 17, 1 und 22 f. 

• BMEK S. 49. 53 f. 224. 

• BMEK S. 224. 

• BMEK S. 222 f. 209 f. 228 f. 

• Handatl. Vorbem. S. 21. 

• BMEK S. 246 f. und 610 f. 
Dsotaeh« Dtoleklgeognphl« I 



— 66 — 

Ja noch mehr : so därftig auch die beglaubigten Zeugnisse üt 
die Gauzügehörigkeit einzelner Orte sind, so ist doch in Einern Falle 
der stricte Beweis möglich, dass diese der heutigen dialektischen 
Grappierung widerspricht. Straelen wird 1 138 und Herongen schon 899 Hfi 
pago Moela' genannt,' mindestens seit der Mitte des 14. JahrhuDderti 
aber geht die straelen-krieckenbecksche Amtsgrenze mitten zwisehei 
diesen beiden Orten hindurch: und dieser letzteren folgen nnsen 
wichtigsten Sprachscheiden (§ 47 VI). 

§ 65. Damit ist auch die weitere Frage nach dem etwaipo 
Verhältnis der alten salisch - ripuarischen Staramesgrenze inr 
heutigen Dialektgeographie entschieden. Tacitus erwähnt Hist 4,26 
als einen nördlichen Grenzort der Ubier gegen die Cugerner ^ 
duba', das heutige Gellep südlich von Ürdingen am Rhein. Dieses 
Gellep gilt daher auch als Grenzort zwischen den Ripuariern nod 
Chattuariern , die etwa drei bis vier Jahrhunderte spater die alten 
Ubier und Cugerner in ihren linksrheinischen Wohnsitzen abgelost 
haben; und da die Chattuarier Salier sein sollen, so wird Gellep, 
anachronistisch genug, auch ripuarisch-salischer Grenzort im Osten 
am Rhein. Für den Westen fehlt eine solche alte Grenzangabe, nud 
Combinationen über den ripuarischen oder chattaarisch-salischen Cha- 
rakter der einzelnen Gaue müssen aushelfen: da sich uns aber eine 
exacte Gaubegrenzung als unmöglich erwiesen hat (§ 62 f.), muss 
auf eine darauf fußende Stammesbegrenzang erst recht verzichtet 
werden. Somit ist der Wert der vielgenannten Linie Gellep (Ürdingen)- 
Venio als Stammesgrenze noch hypothetischer, als er es schon für 
die Gaugeographie gewesen ist. Ja wer mag über die einstige Grenze 
zweier Volksstämme streiten, wenn noch nicht einmal über die Stammes- 
verschiedenheit selbst Einigkeit besteht? Freilich soll Schröder den 
salischen Charakter des Chattuariergaues damit Wahrscheinlich' ge- 
macht haben,^ dass für die Bataver, deren Stammesverwandte die Chattu- 
arier gewesen sein sollen, salisches Recht galt,' obwohl die salischen 
Franken von den Chattuariern unterschieden wurden^ und die Chattuarier 
nicht zu denen gehörten, für welche der Name Salier zuerst aufkam.* 






» Vgl. 0. S. 64 Fußnote 2 und 3. 

' Lamprecht Zs. d. Aachener Geschichtsver. 4,238. 

• Hist. Zs. 43, 49 f. 

• a. a. 0. S. 36. 

• a. a. 0. S. 38. 



i 



— 67 — 

ber Schröders eigner Zweifel wird offenbar, wenn er den Chaiinariergau 
Q anderer Stelle dennoch als ^gemischten Gau* bezeichnet.^ Und nach 
imner' ist zwar die ^Sprache der hattwarischen Tiandschaft nur eine Abart 
er niederländischen , also der salfränkischen Mundart und hebt sich 
cbarf von den südlicheren ripwarischen A(undarten ab\ aber auch er 
1088 zugeben, dass *die Chattuarii von Hause aus weder zu den 
ilischen noch zu den ripwarischen Franken gehört haben'. 

Kurz : es giebt bis jetzt keine historische Brücke von der heutigen 
iaiektgrenze oder von der politischen Grenze von 1789 oder von der 
erritorialkarte des 14. Jahrhunderts zur einstigen Stammesgrenze. 
Dsere Sprachscheiden trennen das nieder- und mitte IfrankischeSprach- 
ibiet; ob auch das salische und ripuarische Stammesgebiet, bleibt 
fpothese. Wer aber nicht mit Hypothesen, sondern mit beglaubigter 
^schichte arbeiten will, der wird darauf verzichten, in unsern Dialekt- 
enzen uralte Gau- und Stammesgrenzen wiederzuerkennen, und sich 
daufig damit begnügen müssen, in der spätmittelalterlichen Terri- 
rial- und Localgeschichte die wertvollste und zuverlässigste Quelle 
T heutigen Dialektgeographie zu sehen.* 

* Deutsche Rechtsgesch.* (1902) Tafel 2. 

' Ethnographie S. 894. 

' Wrede Bist. Zs. 88, 35 f.; Herrigs Archiv 111, 35 f. 



Verzeichnis der häufiger citierten Literatur. 



Anz.: Anzeiger für deutsches Altertum. 

Beitr.: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur. 

Nd. Jb.: Jahrbuch des Vereins fär niederdeutsche Sprachforschung. 

Pauls Grdr.: Grundriss der germanischen Philologie hg. ▼. Paul. 

SA: Wenker, Sprachatlas des Deutschen Reichs. 

Zs.; Zeitschrift fär deutsches Altertum. 



Behaghel, Geschichte der deutschen Sprache, Pauls Grdr. I' 650 f. 

Dederichs, Unsere Selbst- und Schmelzlaute (auch die englischen) in neuem 
Lichte, Straßburg 1886. 

Fischer, Geographie der schwäbischen Mundart, Tübingen 1895. 

Franck, Mittelniederländische Grammatik, Leipzig 1883. 

Heerling, Die Clevische Volksmundart, Progr. Wesel 1841. 

Hasenclever, Der Dialekt der Gemeinde Wermelskirchen, Diss. Marburg 1904. 

Holthaus, Die Ronsdorfer Mundart, Zs. f. dtsch. Philol. 19, 339 f. und 421 f. 

Holthausen, Die Remscheider Mundart, Beitr. 10, 403 f. und 546 f. 

Koch, Die Laute der Werdener Mundart, Progr. Aachen 1879. 

Lübben, Mittelniederdeutsche Grammatik, Leipzig 1882. 

Maurmann, Grammatik der Mundart von Mülheim a. d. Ruhr, Bremers Samm- 
lung kurzer Grammatiken deutscher Mundarten 4, Leipzig 1898. 

Muller, Untersuchungen zur Lautlehre der Mundart von Aegidienberg, Diss. 
Bonn 1900. 

Munch, Grammatik der ripuarisch -fränkischen Mundart, Bonn 1904. 

Norrenberg, Ein niederrheiniscbes Accentgesetz, Beitr. 9, 402 f. 

Röttsches, Die Krefelder Mundart, Frommanns Deutsche Mundarten 7, 36 f. 

Wahlenberg, Die niederrheinische (nordrheinfränkische) Mundart und ihre Laut- 
▼erschiebungsstufe, Progr. Köln 1871. 

Wenker, Das rheinische Platt, Dnsseidorf 1877. 

Wilmanns, Deutsche Grammatik I', Straßburg 1897. 

te Winkel, Geschichte der niederländischen Sprache, Pauls Grdr. I ' 781 f. 

Wrede, Berichte über Wenkers SA, Anz. 18 f. 



Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein. 

Atlas, Geschichtlicher, der Rheinproyinz, Publicationen der Gesellschaft für rhei- 
nische Geschichtskunde« 



— 69 — 

Bä Cod. dipl.: Binterim a. Mooren, Rheinisch -westfllischer diplomatischer Codex, 

2 Bde., Mainz 1830—31. 
BMEK : Binterim u. Mooren , Die Erzdiöcese Köln bis zur französischen Staats- 
umwälzung, neu bearb. ▼. A. Mooren, I, Düsseldorf 1892. 
Böttger, Diocesan- und Gaugrenzen Norddeutschlands I, Halle 1875. 
Bremer, Ethnographie der germanischen Stämme, Pauls Grdr. IIP 735 f. 
T. Doorainck, Schatting yan den lande Tan Gelre van 1369, Haarlem Ib03. 
Fabricius, Erläuterungen zum Geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz 11, Bonn 

1898. 
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Lac. ÜB: Lacomblet, Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins, 4 Bde., 

Düsseldorf 1840—58. 
Nettesheim, Geschichte der Stadt und des Amtes Geldern, Krefeld 1863. 
Nijboff, Gedenkwaardigheden uit de geschiedenis van Gelderland, 6 Teile, Amhem 

1830-62. 
Schultheis, Erläuterungen zum Geschichtlichen Atlas der Rheinpro?inz I, Bonn 

1895. 
Noet , Gorkondenboek der graafschappen Gelre en Zutfen tot op den slag Tan 

Woeringen, s'Gravenhage 1872 — 76. 
Terwelp, Die Stadt Kempen im Rheinlande I, Kempen 1894. 



Die Diminutiva im Deutschen 



von 



Ferdinand Wrede 



Einleitung. 



§ 1. über den Reichtam diminutiver Bildungen im Deatschen 
sind wir seit Jacob Grimms drittem Grammatikband gat unterrichtet. 
Die Lektüre seines achten Kapitels lässt uns immer wieder den um- 
fassenden SammlerfleiB, die scharfe Beobachtungs- und Combinations- 
gäbe des Altmeisters bewundern, aber zugleich auch erkennen, dass 
wir in diesem wichtigen Abschnitt der deutschen Wortbildungslehre 
seitdem doch recht wenig fiber ihn hinausgekommen sind. Jetzt 
liegen in Wenkers SA auch etliche Diminutivkarten vor und geben 
uns zum ersten Mal ein deutliches Bild von der geographischen Ver- 
breitung jenes Reichtums im Deutschen Reich, die der unten folgende 
Bericht zur Anschauung bringen möchte. Das Bild bestätigt die 
bisher nur in ungefähren Umrissen bekannte Erscheinung, dass der 
Reichtum an Formen sich über die einzelnen deutschen Landschaften 
in auffälliger Verschiedenheit verteilt. Ein großer Teil des deutschen 
Nordeos ist mindestens diminutivarm, ja stellenweise ebenso wie 
Skandinavien und England so gut wie diminutivlos; nach Süden nehmen 
die Bildungen standig zu, und in Oberdeutschland sind sie überaus 
häufig, ja die naive Alttagssprache scheint dort in Verkleinerungs- 
formen zu schwelgen.' Bei solcher Verschiedenheit stellt sich alsbald 
die Frage ein: sind die Diminutiva, einstmals allgemein deutsch und 
germanisch, im Rückgang begriffen, dergestalt dass sie in Mittel- 
deutschland allmählich verblassen und in Norddeutschland wie in 
Skandinavien und England stellenweise geschwunden sind ? oder waren 
sie einstmals überhaupt nicht deutsch und germanisch, sondern dringen 
sie erst allmählich ein, dergestalt dass sie heute im Süden zwar schon 
herrschen, in Mitteldeutschland sich entwickeln, aber bis in manche 
nördliche Striche überhaupt noch nicht vorgedrungen sind? Diese 

* Vgl. z. B. Walzel Mz. 45,80. 



— 74 — 

Frage ist an der Hand der Literatur von PoUin in seiner schon lepp'^'' 
ihrer systematischen Stoffsamralung wertvollen Arbeit^ {.untei»*! 
and ohne Frage richtig dahin beantwortet worden, dass dieBiUm 
der Appellativa diminutiva von Hause aus etwas Undeatsches v* 
Ungermanisches gewesen, vielmehr in unserer Muttersprache erstiB' 
mählich und verhältnismäßig spät aufgekommen sei. Auf die sicIiW 
solchem Krgebnis sofort anschließende weitere Frage nach dem Votei ^ .^ 
antwortet Polzin: die deutschen Diminutiva entstammen lateinischnS 
Vorbilde. Aber für diese Theorie hat er kaum Zustimmung gefandn, 
wie ich glaube, mit Hecht. Im zweiten Teil meiner Arbeit soll diiui 
versucht werden, für dieses Problem eine andere und sicherere LosaDf 
zu finden. 

§ 2. Der erste Teil bringt also einen Bericht über die Dimi- 
nutivkarten des SA und strebt dabei möglichste Anschaulichkeit in 
ohne beigefügte Karte. Ohne Karte: das war der wunde Punkt 
meiner früheren im Anz. veröffentlichten Berichte über Wenkers SÄ, 
und fast ist zu befürchten, diiss er es auch hier bleibt, wo jene Be- 
richte in veränderter Form und Auswahl wiederaufgenommen werden 
sollen.^ Und doch ist es das Resultat langer eingehender Erwägungen, 
dass auch diese Berichte hier von keinem Abklatsch der SA-Blätter 
begleitet sein werden, so wenig andererseits zu den sonstigen Stadien 
dieser Sammlung selbständig entworfene Karten ausgeschlossen sein 
sollen. (lanz abgesehen davon, dass eine den Bericht begleitande 
Kartenskizze leicht in den Verdacht kommen könnte, von der baat- 
scheckigcn SA-Karte den Rahm abschöpfen zu wollen und so einer 
etwaigen zukünftigen Publication des SA vielleicht eher ZQ schaden 
als zu nützen, würde eine zusammenfassende, verallgemeinernde Skine 
überhaupt den wissenschaftlichen (irundsätzen widersprechen, za denen 
der SA erziehen möchte. Welches der diminutiven SA-Paradigmen 
sollte die Grundlage bilden? welches verdient den Vorzug vor den 
andern? sind jene Paradigmen überhaupt geeignet als Musterbeispiels? 
Nein, der leidigen Verallgemeinerung^ würde durch eine solche Skiisa 
nur neuer Vorschub geleistet, denn auch hier ist von Anfang an 
betonen: der SA bietet vorläufig nicht „die^ Diminntivkarte , die 



' Altiprt Pol/in Stiniien zur (lescbiclite dos Dominutifums im Deutsehtl 
(QF SS, Straßhur^' IJIOI). 
■ V^rl. Anz. 29, !♦;.•). 
• Anz. 18,301. 



- 75 — 

vtkncheiDlich überhaupt nicht gi«bt and nie i^gebeo hat, er bieUt 

»ir diB kartographische Bild von mehreren Diminutiven, wie M sich 

Xu geinem Rohmaterial darstellt ; er fordert damit unr Nachprflrnng 

*iif Dod giebt Anhaltspunkte für weitere Loul forsch ung. Auf solchsr 

lociler Nachprüfung von SA-[>iaien beruhen t. B. vorn die nieder- 

rteiflischen Studien von Ramisch, und seiue Karten mit den aomit 

Htbstgeschaffenen , definitiven Cremen durften deshalb beigefüi^t und 

veröffentlicht werden. Hingegen hier „berichte" ich über die Diininutiva 

Jtdiglich in grofien Zügen nach den local noch nicht controUierteii 

SA-Karten, ich vermittle sie erst damit dem Localforscher und suche 

ngleicb diesem die Interpretation der Karten zu erleichtern. iMno 

„eine unrichtige Interpretation kann die größte Verwirrung anrichten, 

Dud auf ihr beruhten biaher jedesmal die angeblichen Fehler, die rnao 

auf den Karten glaubte constatieren zu können. Aus den Karten 

nnseres Sprachatlas müssen die Karten eines Sprachatlas an sich erst 

abgeleitet werden." ' Aber nur die Grenzen dieses letzteren 'vi li'u: 

von Ramisch für seine Heimat), nicht die des «rsteren ^Mtu in 

Kartenform dieser Sammlung beigefügt werden. 



§ 3. Wie nun diese Berichte trotzdem liraiii:hl>ar zu :(<n)*l'< 
seien, habe ich auch jetzt wieder lange erwogen und i» v-.t^.i.Wt'^l-.i. 
Versuchen ausprobiert, dabei gestützt auf manchirrl'ii rnir if. laLlf-- 
werter Weise mitgeteilte Wünsche derer, die tiibbn 'l^m U'ili-.t^.;. I: 
richten im Anz. mit Interesse gefolgt waren. Ich baif: ■•!-.,,':.'.i.i -. 
dem früheren Modus geographiscli fortschreifindcr !:<:-■. ■ r >:.•.'. ' 
brechen und die Znsammenstellung sai^hlich vtut'iw.fi k .-.-.'--.. - .' 
ich etwa die in Kluges Stammbildangslehn; «dir i » W >1 tri^'. -. - ',•'.■:.-* 
aufgeführten Diminutivsufflxe in derselben K<;ih';t>!'.::r'; ::, ■ ■,■ ■, ■ 
schiedenen Entwicklungen und Weiterbildung«:» UuA' :>*',''. 
bitte. Ein Versuch in dieser Richtung eri{kb. 'U^^t. <",.•.'-. '.' '. . 
sichtlichster Gruppierung, systematischen \'tA*!ta\Atn\»u-i*it, ; • 
dennochalle Augenblick ZusammeDgehÖriges hütl« m ummmAm g<irtM«(. 
werden müssen, vor allem aber, lUi» eine ilii 
tiemug, wie sie doch in erster Linie Zw« 
Weise so gut wie ausgeschlossen war. IHaMT 9 
immer wieder zu möglichst 
liegenden Karten als der einfachsten niKl I 

> Wenker-Wrwl« Dar Spractiatiu di 







- 76 — - 

soll den Leser in Stand setzen, die Karte ohne große Schwierigkeit 
uachzuseichnen und sich selbst damit die beste Anschauung su schaffeiL 

Das war ja auch der leitende Gedanke der früheren Berichte im 
Anz. Aber dort musste nur zu oft aus Raumrücksichten die Be- 
schreibung einer Linie durch Verweisung auf eine frühere Beschreibung, 
die ganz oder annähernd gleich lautete, ersetzt werden ; und so musste 
man, namentlich bei den späteren Nummern, eigentlich immer die 
ganze Reihe von Anzeigerbänden zur Verfügung haben. Nach dieser 
Richtung nun soll in den hiesigen Berichten nicht mehr gespart, 
vielmehr angestrebt werden, dass zur Herstellung einer Eartenskixie 
nur der Bericht über diese selbst, keiner der früheren, herangezogen 
zu werden braucht. 

Die Berichte sollen also jetzt noch ausschließlicher als früher for 
diejenigen Leser berechnet und verfasst werden, die neben diesem 
Buche eine Karte zur Eintragung der mundartlichen Grenzen bereit 
halten. Man scheue doch ja nicht diese kleine Mühe ! Richtige sprach- 
und dialektgeographische Anschauung gewährt nur zu oft ganz allein 
richtiges Urteil über Sprachleben und Sprachgeschichte! Hierin wanelt ] 
ja vor allem das Neue und im besten Sinne Revolutionäre, das der 
SA bietet! Für solche Nachzeichnung seiner Karten schlage ich 
folgenden wirklich einfachen und bequemen Modus aufs neue vor. 

§ 4. Man wähle sich ein für alle Mal eine Karte des Dentsch^^ 
Reichs nicht zu kleinen Maßstabs (die Grundkarte des SA miB^ 
1:1000000), die möglichst viele Ortsnamen enthält: eine Reise- od^^ 
Eisenbahnkarte ist meist leicht zur Hand und besonders namenreii?^ 
Die Grenzbeschreibung lediglich nach Ortschaften hat sich durchaus \p^' 
währt, während eine solche nach Landes-, Provinz-, Kreis-, Amtsgrenz^^ 
nur zu leicht wörtlich verstanden wird und dann zu einem falschen Bil(^ ^ 
führt. Nach der Größe der gewählten Grundkarte schneide man sich gi^^ 
durchsichtiges Pauspapier auf Vorrat und markiere auf diesen Pau^^ 
blättern den Rand der untergelegten Karte oder auch nur ihre vier 
Ecken (vgl. Karte und Pausen bei Ramisch), sodass beim Auflegen 
jedesmal das Pausblatt genau übereinstimmend auf die Karte zu liegen 
kommt. Dass ich Orte nenne, die nicht auf jener Karte stehen, etwa 
weil sie keine Eisenbahnorte sind, wird bei einigermaßen entsprechen- 
dem Maßstab kaum vorkommen ; nötigenfalls wird es keine Schwierig- 
keiten machen, sie nach genauerer Specialkarte nachzutragen. 

Geht man nun daran, nach dem Bericht auf aufgelegter Pause 
die Skizze zu entwerfen, so markiere man sich auf dieser zuerst durch 



— 77 — 

ttkt oder Ereischen die von mir geaanaten Grenzorte and siehe 
in zwischen diesen die Linie: die vorher markierten Ortspankte 
nnero dann stets daran, dass die Linie zunächst nnr für diese, 
]lkk für alle dorchBchimmernden Orte der Grnndkarte gilt (hier soll 
B Loeal forsch nng einsetzen!), nnd schätzen ao vor Trugschlüssen. 
. es ist nicht einmal in jedem Falle gesagt, dass für den aaf- 
ifShrten Grenzort selbst die jedeemal abgegrenzte Dialektform gilt, 
nm er kann trotzdem leicht eine städtische Äasnahme bilden' nnd 
ird dann nur ans praktischen Gründen aufgezählt, nicht nm seiner 
ignen Localform wegen, sondern um die Grenzlinie der in seiner 
mgegend vorherrschenden Dialekterscheinnng zn leiten. 

Will man ein Übriges tnn nnd für die Einzeichnnngen sich mit 
erMhieden farbigen Stiften oder Tinten versehen, etwa znr Unter- 
eheidnng von Vocal- und Consonant-, Stamm- und Endnngslinien n.ä. 
~ was jedoch für die Diminntivskizzen kaum nötig sein wird — , 
un ist die Rüstung vollendet und es jedem Benutzer leicht ermög- 
icht, sich allmählich einen zuverlässigen SA in nberstchtlichem 
Lnnug anzul^en. 

§5. Von einer phonetischen Transscription sehe ich in 
len Berichten völlig ab, gebe die Formen vielmehr so, wie die Ge- 
Tihrsmänner, durchane vom Bchriftsprachlichen Usas geleitet, sie 
ibtrliefero. Höchstens soll in sicheren Fällen die Vocallänge in äb- 
icher Weise bezeichnet werden. Dagegen führen alle weitergehenden 
^ersuche, die Formen phonettsch umzuschreiben, fortwährend zu 
Hvierigkeiten ; denn dasselbe Schriftzeichen kann für verschiedene 
legenden sehr verschiedene Laute repräsentieren. So darf nicht einmal 
U> teh der Laienübersetznngen einheitlich durch 6 ersetzt werden, 
>Dbei nur an die westßliachen Varietäten erinnert tu werden braucht. 
Natürlich wäre es mir trotzdem in einer großen Zahl, vielleicht in 
1er Mehrzahl der Fälle möglich, die munüarilicben Formen correi^t 
n transBcribieren ; aber die Grenze zwischen äiuber und Unsicher 
bliebe dennoch schwankend. Ja nicht einmal das e der Netiensilben 
pbe ich als a; denn ich käoae für Gegendon, die daf&r ö, <i, o 
■abreiben, alsbald in Verlegenheit oder zn unleidlichen inphlschen 
KinBteleien. Daes trotzdem die ungesuchte und angezutj 
*Bite unserer Zehntausende von Übersetzern, ia f^ 
E'gBiuaitig erklärend and ergänzend, sicherere E 

■ Aai. 18,WS. 




— 78 — 

ab wenn von ihnen eine Transscription verlangt worden wäre, mochte 
diese auch noch so einfach sein,^ dafar bringen grade unsere Dimi- 
nutivkarten einen hfibschen Beweis. Herrn. Fischer erzahlt im Hio- 
blick auf die Diminutivlinien seines schwäbischen Atlas:* .Kelhr 
hatte das Zeichen $ fär den Indifferenzlaut in Endsilben vorgescbriebea; 
die Eolge war, dass in den Schulmeister-Aufsätzen massenhaft $ ge- 
schrieben wurde , wo e richtig ist. Dadurch gewitzigt , habe ich io 
den Vorbemerkungen zu meinen Fragebogen Unterscheidung von e 
und ä in d«n Endungen vorgeschrieben: trotzdem habe ich oft oo- 
genfigende Resultate erhalten.^ Wenker hatte nichts Derartiges tm^ 
geschrieben: um so besser kommen die a-, e-, t-6ebiete heraus, wie 
sich unten leigen wird. 

§ 6. Da« Material des SA enthält folgende Sätze mit Dimi- < 
nutiven: Hinter unserm Hause stehen drei schöne Apfelbäumehen 
mit rotetk Äpfelchen. Könnt ihr nicht noch ein Äugenblicichen 
auf uns Unarten. Ihr miisst ein bißchen lauter sprechen. Habt ihr 
kein Stückehen weiße Seife für mich auf meinem Tische gefundmf 
Was sitzen da für Vögelchen oben auf dem Mäuerchen? DU 
Bauern hatten fünf Ochsen und neun Kühe und swölf Schäfchen 
vor das Dorf gebracht. Eine Kritik, ob und wieweit diese Beispiele 
praktisch gewählt seien, ist nicht am Platze. Denn Wenkers vienig 
Sätzchen waren ja zuerst nur für Nord- und Mitteldeutschland be- 
rechnet; und als sein Unternehmen auf das ganze Deutsche Reich 
ausgedehnt werden sollte, lautete die erste Forderung, dass vor allem | 
genau dasselbe Wort- und Satzmaterial wie far den Norden anch for ^ 
den Süden aufgenommen würde. Die geringe Rolle, die das Dimi- 
nutivum überhaupt in Norddeutschland spielt, ist vielleicht mit ein 
Grund gewesen, bei der Auswahl seiner Beispiele weniger vorsichtig 
zu sein. Jedenfalls kann die Auswahl nicht genügen, um alle Eigen- 
heiten deutscher Diminutivbildung im gesamten Sprachgebiet zu e^ 
künden. Immerhin bringen auch die vorhandenen Karten zum ersten 
Mal die Verteilung der wichtigsten, immer wiederkehrenden Formen 
zu deutlicher Anschauung und liefern damit wertvolle Hinweise für 
alle weitere Einzelforschung. 






* Vgl. Wenker SA t. Nord- u. Mitteldeutschi., Einleitung (Straßburg 1881) 
S. Xf. 

' Geographie der schwäbischen Mundart (Tübingen 1895) S. 78,3. 



— 79 - 

Für sieben der oben genannten Beispiele liegen die SA-Karten 
rtig vor; nur Äpfelchen steht noch ans. Von diesen sieben Bei- 
lielen ist Augenblickchen das am wenigsten glückliche; es ist selten 
ich nur einigermaßen volkstümlich und seine Dialektkarte deshalb 
erschwommen und nur von relativem Wert. Auch Mäuerchen ist 
renig dialektgemäß und daher zumeist in den Übersetzungen wohl 
kliglich construiert, aber doch construiert mit heimischen Mitteln, 
lie ein klares Kartenbild abgeben. Um so echter sind die noch 
ihrigen fünf Beispiele. Unter ihnen steht bißchen vielfach für sich, 
«ist in seiner Bildung erstarrt und isoliert, wird nicht mehr als 
Ableitung von Bissen empfunden und hat grade deshalb viele wert- 
olle originale Formen aufzuweisen. 

§ 7. Der folgende Bericht erstreckt sich mithin auf sechs Dimi- 
Qtiva, die drei Singulare Mäuerchen^ Stückchen^ bißchen und die drei 
lorale Bäumdien, Schäfchen, Vögelchen, oder richtiger er erstreckt 
eh auf die Diminutivendung dieser sechs Paradigmen; denn nur 
ber diese, nicht über die Stammsilben ist zu handeln. Damit 
ihließen wir also z. B. die Frage hier aus, wieweit das Suffix Umlaut 
3r Stammsilbe hervorruft. Auch auf stilistische und individuelle 
erschiedenheiten in den Fragebogen kann nicht eingegangen werden ; 
» ist z. B. die Bewahrung des sogenannten Zwischenvocals in den 
iddeutschen Mundarten zumeist von dem Grade kosender Zärtlichkeit 
jbangig {bißle—bissele), aber auch dieser Unterschied kann nur hier 
od da berücksichtigt werden. Trotz dieser und ähnlicher Beschrän- 
angen habe ich bei diesem ersten Versuch, über mehrere SA-Karten 
leichzeitig zusammenfassend zu berichten, vielfache Schwierigkeiten 
ameist technischer Art zu überwinden gehabt, und mit voller Wucht 
rängte sich bei der Arbeit immer wieder die Erkenntnis hervor, 
ass das einzelne Wort seine selbständige reale Existenz führt und 
lass einheitliche Entwicklung lediglich ein sprachdogmatisches Axiom 
it, das am grünen Tisch des Gelehrten, nicht aber in der Welt der 
oguistischen Tatsachen existiert. Und so hoffe man denn nicht, im 
»Igenden „die^ Diminutivbildung des Deutschen zu finden und sie 
]f einer Karte fixieren zu können , sondern man lege sich von den 
ich § 4 vorbereiteten Pausblättern sechs bereit, eben je eins für die 
chs zu beschreibenden Beispiele. 



Bericht über sechs Diminntivkarten des SA. 



I. Hiederdentsohe Diminotivendiuigen. 

a) Westliches Niederdeutsch. 

§ 8. Das niederdeutsche Sprachgebiet zerlegen- wir für unser« 
Beschreibung in einen westlichen, einen mittleren und einen östlichen 
Teil, die etwa durch eine ungefähre Linie Langeoog- Wolfhagen (west- 
lich von Cassel) und durch die untere Oder gebildet werden. Die 
Linie Langeoog-Wolfhagen zunächst ist in ihrer nördlichen Hallte 
bis etwa zum Dnmmersee einigermaßen einheitlich für alle sechs 
Beispiele, in ihrer südlichen Hälfte um so schwankender. Jene nörd- 
liche Hälfte, die zuerst auf alle sechs Pausblätter einzutragen ist, zieht 
von Langeoog gen S. westlich an Esens und östlich an Aurich vorbei, 
weiter gen So. auf die oldenburgische Landesgrenze , mit dieser bis 
zum Saterland und weiterhin so, dass Friesoythe, Kloppenburg, Vechta 
im W., Wildeshausen und Diepholz im 0. verbleiben. Jene südliche 
Hälfte hingegen wird für jedes Paradigma weiter unten einzeln m 
beschreiben und einzutragen sein: diese Einzellinien werden dann 
vom Dämmersee an eine unsichere Zone ergeben, deren Ostraod bei- 
nahe die Weser erreicht, deren Westrand etwa über Melle, Versmoldf 
Gütersloh, Buren, Immenhausen (nördlich von Cassel) verläuft. 

§ 9. Jetzt ist in die drei Singularpausen (nur in diese) di« 
Südgrenze des Regierungsbezirks Anrieh einzuzeichnen. D^ 
so abgetrennte ostfriesländische Stück (mit den Hauptorten Le6^ 
Emden, Aurich, Norden, Norderney) hat für 'Mäuerchen* die mro-^' 
nutivendung -he (ganz selten -tje^ vereinzelt -ken -in, öfter ke^ 
Diminutivsuffix), für ^Stückchen' -je (vereinzelt auch -tje^ für 'bißche"* 
-je (bUje bitje^ in der Nordhälfte auch -jet -jit^ öfter Ersatz des Wort^ 
durch u>at)y für die drei Pluralbeispiele gleichmäßig -Ices (vereinz^ 



— 81 — 

bei 'Bäumcheo' und *Vögelchen' -tjes^ bei 'Schäfchen' -je«, öfter fehlend), 
das dann aber noch viel weiter gen S. reicht and hier später abzu- 
grenzen sein wird. 

Es ist schwer zu entscheiden, ob in diesen Formen die Ver- 
schiedenheit der k' und ^Bildung eine lautgesetzliche ist, d. h. auf 
der Verschiedenheit des vorangehenden stammauslautenden Consonanten 
beruht,^ oder ob die ^-Formen die alten autochthonen sind, die in 
vielgebrauchten Wörtern wie ^Stückchen' und 'bißchen' noch erhalten, 
in den übrigen selteneren, durch die hochdeutsche Vorlage geforderten 
Diminutiven aber schon durch die sonst allgemeine A;-Endung ersetzt 
oder verdrängt worden sind. Doch sprechen für die letztere Annahme 
sowohl die vereinzelten )- Formen der A;-Paradigmen (s. o.), als auch 
der Umstand, dass wenig südlicher an der Vechte (§ 11) neben dem 
j nach Guttural CStnckchen') und Dental ^bißchen') auch ähnliche 
Bildungen nach Labial ('Bäumchen', 'Schäfchen') hinzutreten werden. 

§ 10. Was aber ist dieses alte -je^ -tje? Hierfür und damit auch 
für die gleiche, bisher unerklärte Diminutivendung des Holländischen 
kann es nur eine Antwort geben : das (t)j ist ein letzter Rest der 
einst in diesen Gegenden des Nordens viel weiter verbreiteten frie- 
sischen Palatalisierung des A;, das sonst durch das nicht erweichte all- 
gemein niederdeutsche k längst zurückgedrängt worden und z. B. bei 
einem Worte wie kind laut SA in keinem der ca. 200 Ortschaften 
unseres Bezirkes mehr zu belegen ist. Dass grade hier beim Dimi- 
nutivum eine solche Altertümlichkeit bewahrt ist, hängt zusammen 
mit der Sonderstellung der Diminutiva im germanischen Wortschatz 
überhaupt und ihrer weiter unten zu erörternden Herkunft. Schon 
hier sei bemerkt, dass unsre j'-Endung besonders noch in Namen 
vorkommt (Annatje, ülasje^ Heinje),^ die so oft erstarrte, aus der 
sprachlichen Entwicklung anscheinend ausgeschiedene Formen be- 
wahren. Die palatale Articulatiou des ursprünglichen k ist ganz 
nach vorn gerückt und so zur alveolaren geworden : in tj repräsentiert 
das t das explosive, das j das palatale Element des alten Lautes, von 
denen ersteres, zumal nach vorangehendem Verschlusslaut, ganz in 
diesen mit aufgehen kann." 

' wie bei Ramisch o. S. 30 u. a. 

■ Vgl. z. B. Lübben Mnd. Gramm. (Lpz. 1882) S. 59, vor allem aber 
Ruprecht Germania 13 ^1868), 305 f., der ihrer ca. 250 in Ostfriesland kennt neben 
mehr als 200 auf jüngeres nd. -ke, 

" Sonst Siebs in Pauls Grundr. 1* 1290, Seelmann Nd. Jahrb. 12, 64 ff. 

Deatache Dialektgeographie I 6 



— 82 — 

Diese Palatalisierung (oder Mouillierang, Qaetschang n. s. w.) wird 
aber immer bedingt durch folgenden palatalen Vocal. Daher wäre es 
falsch, unser -tje^^-ke auf altes -ko zurückzuführen, wie wiederholt 
geschehen ist.^ Vielmehr liegt ihm ursprüngliches -kfn zu Grunde, 
womit auch eine weitere Schwierigkeit behoben wird. Denn bei 
einstigem -ko^-ke hätte die Mundart unseres Bezirkes, vom Süd- 
streifen vielleicht abgesehen , das -e apokopieren müssen , sodass das 
consequente -e unserer -ke und -je dort unverstandlich bliebe; die 
dann zu erwartende correcte Form liegt vielmehr in Namen vor wie 
Friddik, Hiddiky Nannik^* die niederländischen Appellativen auf -tk 
entsprechen.* Hingegen musste unser -kTn sich friesisch über -ijin 
und 4jen zu -tje entwickeln mit dem -n-Abfall/ wie er noch heute 
nordniederländisch ist.* Dieses -eK^-en ist freilich sonst mit dem 
Schwinden des Friesischen in unserem Bezirk ebenfalls geschwuodeD 
und immer durch das plattdeutsche -en ersetzt worden. Aber unsere, 
wie schon erwähnt, isolierte und durch das undeutsche j sich immer 
mehr isolierende Diminutivendung nahm hieran nicht Teil. Ich wies 
schon oben auf die Eigennamen hin, und diese bieten eine beweisende 
Analogie : es giebt im Ostfriesländischen zahlreiche, ursprünglich patro- 
nymische Personennamen auf -ma (Vbbema^ Heinsma^ Edema u. s. w.)i* 
das auf -man zurückgeht, wie dies z. B. in bremischen Familiennamen 
überaus häufig ist:* die selbständige Vocabel man ist trotz des afries. 
ma in der heute plattdeutschen Mundart unserer Gegend laut SA 
überall als man restituiert, in den isolierten Namen hingegen ist das 
alte undeutsche -ma trotzdem bewahrt. Sollte es mir daher unten 
im zweiten Teil dieser Arbeit gelingen, die Herkunft der germanischen 
und deutschen Diminutiva von den Namen, Kosenamen zu erweisen, 
dann dürfte auch gegen die vorgetragene Deutung unseres -je kaum 
etwas einzuwenden sein. Dass die oben entwickelten Verhältnisse in 
jüngerer Zeit hier und da durch Beeinflussung und Austausch gestört 
sein können, soll nicht geleugnet werden : je mehr junges nd. k gegen 



* zuletzt in der sonst vortrefflichen Dissertation von Carstens Beitr. l 
Gesch. d. bremischen Familiennamen (Marburg 1906) S. 40. 

■ Ruprecht a. a. 0. 305. 

' te Winkel in Pauls Grdr. I' 874 (von den dortigen Hypothesen zui 
Deutung des -je ist keine haltbar). 

* Siebs a. a. 0. 1265. 

' Ruprecht a. a. 0. 304. 
" Carstens a. a. 0. 60 ff. 



- 88 - 

altes fries. j siegreich war, desto leichter war Berührung von Formen 
auf altes -k (s. o.) und junges -ke^ zumal das südliche Ostrriesland 
die alte friesische Apokope der -e hier und da wieder aufgiebt. Be- 
merkt sei noch, dass vereinzelt bereits eindringende -hen (§ 9) in 
eindringenden Familiennamen auf -man (neben -md) ihre Parallelen 
haben. Auch das ebenda für ^bißchen' erwähnte -jet^ -jit findet in der 
osifriesländischen Namengebung sein Analogen,' ohne dass ich es sicher 
xa deaten wnsste. Dagegen wird das plurale -kes {-tjeSy -jes) aus 
demselben onomatologischen Znsammenhange heraus hofTentlich sein 
klares Licht erhalten. Dies Plural-^ wird uns noch in weiten nieder- 
deatschen Gebieten l>egegnen ; da es sonst, wie die Mundartengramma- 
tiken zeigen, in der Regel nur für ausgewählte, oft recht wenige 
Nomina zu belegen ist, hier aber Tur die ganze geschlossene Wort- 
klasse der Diminutiva gilt, so wird diese bei der Erklärung jener 

amstrittenen Pluralendung auch einigermaßen ins Gewicht fallen 

dürfen. 

§ 11. Wir wenden uns zunächst südlicher zu der nach Holland 
hineinspringenden kleinen Halbinsel des Regierungsbezirks Osnabrück, 
an der Vechte von Nordhorn abwärts: man ziehe auf allen 
sechs Pausblättern von da, wo westlich von Meppen die Reichsgrenze 
nach W. abbiegt, gegen Sso. und überschreite die Vechte oberhalb 
Nordhorn, um grade westlich die Reichsgrenze wieder zu treffen. Die 
etwas größere nördliche Hälfte des damit abgeteilten Bezirks, zu der 
Doch grade Neuenhaus gehört, überliefert für ^Mäuerchen' -tin, für 
'Stöckchen' -fn, für 'bißchen' dasselbe (betttn)* für 'Bäumchen' -pTs^ 
ßr 'Schäfchen' -is^ für 'Vögelchen' -tu, wobei die T regelmäßig als ie 
geschrieben werden; die etwas kleinere südliche Hälfte hat zum 
geringeren Teil im 0. um Nordhorn dieselben Formen mit kurzem i, 

; im westlichen Rest, also längs dem Südrand der Halbinsel, singulares 

i 'hn und plurales -kes. 

t Bei diesen drei Gruppen fallt das Fehlen des ?» im Plural auf. 

, Da das Plural-5 eine verhältnismäßig junge Neuerung ist, so ist es 
vollkommen ausgeschlossen, jene pluralen -Js -is -kes etwa auf älteres 
•m 'ins -kens zurückzuführen und den vermeintlichen n-Ausfall mit 

' ^em in uns^us u. ä. auf eine Stufe zu stellen.^ Vielmehr werden 

/ ' Ruprecht a. a. 0. 308 f. 

Vgl. Jellinghaus Die niederländ. Volksmdaa. (Norden u. Lpz. 1892) S. 93f. 
* trotz Holthausen Die Soester Mda. (Nord. u. Lpz. 1886) § 172 b. 



— 84 — 

wir hier von denselben Formen wie vorher für das Ostfriesländische aus- 
zugehen haben, d. h. von Formen, die nach altfriesischer Regel ur- 
sprünglich des auslautenden -n entbehrten ; das -n der obigen SiogaUr- 
formen beruht dann auf Restitution nach niederdeutschem Muster 
(vgl. vereinzelte -n auch in § 9. 10), die im Inlaut der inzwischeo 
festgewordenen Plurale -fö -t5 -kes unterblieb. Ist diese Erwagnufi 
richtig, so warnt sie zugleich davor, in den f der vorliegenden Formen 
das alte germanische f des Diminutivsuffixes zu sehen, denn n-AbfiJI 
nach langem Vocal ist weder altfriesisch noch mundartlich in diesen 
Gegenden. Mithin beruhen die f auf dialektischer Entwicklang aus 
früherem ji (oder je)^ und die Singularendung unserer Enclave zeigt 
folgende Entwicklungsreihe: -kin^tßn^tjin^tji^tf K]>Ä3r» tin^ 
ken. Dabei geht das explosive Element des palatalisierten (;, das i 
(§ 10), nach Explosiva in diese auf (-In -m bei ^Stückchen', 'bißchen, 
^Schäfchen'), erhält sich nach dentalem r und l (-tfn -iin bei ^Mäuercben' 
und 'Vögelchen'), assimiliert sich einem m (-pin -pin bei 'Bänmchen')« 
Ob das 'ken mit Recht als letztes Glied der Reihe angefügt ist, kann 
zweifelhaft sein, doch vgl. § 17. 

§ 12. Bevor wir zu weiteren Einzelheiten übergehen , sei jetzt 
erst die Sudgrenze unseres westniederdeutschen Gebietes in die 
sechs Pausen eingetragen: es ist größtenteils die Normallinie der 
Tenuisverschiebung, Wenkers Benrather Linie;' größtenteils, nicht 
vollständig, nämlich mit Ausnahme des mittleren Stückes von Burg 
bis Olpe, wo für die Diminutivendung die A;/cA- Verschiebung nach 
N. vorgerückt ist.^ Man zeichne in die Pansen eine Linie zwischen 
folgenden Orten von W. nach 0., zunächst bis an die Weser, wobei 
ich nach dem bewährten Muster der früheren Berichte die nördlich 
oder südlich der Linie verbleibenden Orte durch den Druck unter- 
scheide (südliche verschiebende Orte cursiv^ nördliche nichtverschiebende 
stehend): Eupen, Aachen^^ Geilenkirchen, Hünshoven, Linnich^ Erke- 
lenz, Odenkirchen, Grevenbroich, Neuß, Düsseldorf, Gerresheim, Mer- 
scheid, Ilöhscheid, Leichlingen^ Burscheid, Burg^ Remscheid, Lennep^ 
Ilückeswagen, Rade vorm Wald, Wipperfürth, Meinertshagen, Pletten- 

' Anz. 21,166. 24,119. 
■ doch vgl. unten § 37. 

' Westlich von A<ichen läuft die Linie über holländischen Boden; ygl. j 
die Karte zu Schrijnen Tijdschr. v. Ned. Taal- en Letterk. 26,81 ff. 



— 85 — 

kerg, Attendorn^ Olpe^^ Freudenberg ^ Hilchenbachy Schmallenberg, 
Berleburg, Winterberg, HdUenberg, Medebach, Sachsenberg^ Fürsten- 
berg, FrankefMHj Vöbl, Sachsenhaasen, Waldeck, Freienhagen, Naum- 
burg^ Wolfhagen, Zierenberg, Iromenhausen, Cassely Münden. 

§ 13. Man zeichne nunmehr in die drei Singularskizzen die bald 
mehr bald weniger dem Rhein folgende Grenze ein, westlich der die 
Endoog -en, wie gewöhnlich so auch hier,^ ihr n verloren hat: man 
kaDQ zu diesem Zweck von der holländischen Grenze dem Rhein 
aufwärts nachgehen (doch haben Emmerich und Rees noch -e) bis 
Oreoy, schneidet dann die Grafschaft Mors heraus, die -en bewahrt 
ond deshalb zum Osten gehört, überschreitet den Rhein unterhalb 
Crdingen und zieht östlich an Angermund, Ratingen, Gerresheim 
vorbei, um südlich davon auf die Verschiebungslinie zu stoßen. Das 
damit abgeschnittene Weststück lässt also die üiminutivendung des 
Singulars auf -e ausgehen, das jedoch in dem mittleren Stück um 
Kaldeokirchen, Dülken, Gladbach mit häufigen -en wechselt.^ 

§ 14. Bei der weiteren Ausgestaltung des Dialektbildes empfiehlt 
es sich, die Beispiele einzeln ins Auge zu fassen, wobei jedesmal mit 
der vom Dümmersee an noch fehlenden Ostgrenze des westnieder- 
deotschen Gebietes (§ 8) zu beginnen sein wird. 

Für ^Mäuerchen' setze man diese südwärts auf Bielefeld fort, 
ziehe von hier weiter gen So. über den Teutoburgerwald an die 
Weser und mit dieser aufwärts: zwischen dieser Scheide und der 
Rheinlinie (§ 13) gilt -ken, jenseits der letzteren -te.* Zwischenvocal 
erscheint häufig bei Eupen, nördlicher um Heinsberg, Geilenkirchen, 
sowie jenseits Venlo-Ürdingen (-eAre), im Ostteil vereinzelt um Osna- 
brück und Tecklenburg, häufiger zwischen Weser, Diemel und oberster 
fiahr (-eken). In der Nähe der Ostscheide verzichten bereits zahlreiche 
Orte auf eine Diminuierung der 'Mauer'. 

§ 15. Für 'Stückchen' ist die Ostscheide vom Dümmersee 
etwa auf Pyrmont, von hier südwärts auf Borgentreich, ostwärts über 

' Um einen Vergleich zu ermöglichen, setze ich das abweichende Stock Burg- 
OJpe der erwähnten Normallinie hierher: Burg, Dorp, Remscheid, Häckeswagen, 
Wipperfürth, Gummersbach, Neustadt, Eckenhagen, Drolshagen, Olpe. 

■ Anz. 24,126. 

' Die Pfalzer Colonie bei Cleve (Anz. 18, 305) hat im Sing. -cAe (für 
'Stückchen' -eiche), im Plur. -eher. 



— 86 — 

Trendelburg auf die Weser und mit dieser aufwärts zu ziehen und 
dann -sken als die bis hierher herrschende Form einzutragen, das 
links der Rheinlinie wieder zu ^ske wird. Dieser bekannte «-Einschab 
zwischen dem stammanslantenden und dem sufQxan lautenden Guttanl 
ist mit der billigen Annahme euphonischer Gründe doch in seinem 
Wesen noch nicht erklärt. Wenn ich bedenke, dass er nur nach 
Guttural eintritt und nur in niederdeutschen Mundarten, dann vermag 
ich den Verdacht nicht zu unterdrücken, dass in diesem 8 ein lettter 
Reflex der schon öfter erwähnten friesischen Palatalisierang oder 
Assibilierung des ursprünglichen k vorliegen könnte, die ich hier 
freilich vorsichtig nicht mehr friesisch, sondern lieber ingwäonisch 
nennen will, ein letzter Reflex, der hier nach Guttural bestehen blieb, 
auch als das nd. k die einstige Erweichung wieder verdrängte, nod 
der außerdem zu anderen Symptomen stimmen würde, die sich weiter 
unten einstellen werden. 

Neben dem vorherrschenden -sken tauchen in der Nordhälfte des 
ostrheinischen Gebietes vereinzelte -sehen auf, die sich auch im So. 
um Schwalenburg, Brakel, Peckelsheim einstellen; auch hier bin ich 
zweifelhaft, ob die herkömmliche Auffassung -sken^ -sehen richtig 
und das -sehen nicht vielleicht assibiliertes -Jen ist. Außerdem bat 
der Südrand des Gebietes seine Eigenheiten : das niederdeutsche 
Waldeck und östlicher die Gegend bis einschließlich Liebenau, Hof- 
geismar, Zierenberg hat -eken ; östlich hiervon, von Immenhausen bis 
Trendelburg gilt -elken; und dasselbe -elken gilt auch für den Sud- 
streifen von jenem -eken an gen W. bis Rade vorm Wald, dergestalt 
dass von größeren Orten Brilon, Medebach, Winterberg, Schmallenberg, 
Lüdenscheid noch in den Streifen hineinfallen, Altena, Plettenbergi 
Meschede, Beleke im nördlicheren -«Aren-Lande verbleiben. Dies® 
Formen sind deutlich Grenz- und Übergangserscheinungen zum süd- 
lichen Mitteldeutsch hinüber und entbehren eben deshalb des aus- 
gesprochen niederdeutschen 5-Einschubs. 

§ 16. Für 'bißchen' führe man die unsichere Ostlinie einfach 
vom Dümmersee nach So. durch, grade auf Immenhausen an dei 
Verschiebungsgrenze zu. Sodann setze man im W. an der holländischei 
Grenze zwischen Isselburg und Bocholt ein und ziehe nach S. auf di 
Lippe unterhalb Dorsten, weiter nach S. etwa auf den Mittelpanli 
der Linie Ruhrort-Oberhausen und dann gen So. zwischen (südwestlic 
bleibende Orte cursiv) Oberbausen, Mülheim^ Essen, SteelOi Werde\ 



- 87 - 

VMeri^ T^ngenben;, Barmen, Schwelm, Lüttringhausen, Lennep, 
'Remscheid. Der so abgeteilte rheinische Westen hat in seiner Nord- 
hälflbe bis einschließlich Straelen, Geldern,' Rheinberg, Orsoy -je resp. 
-Jen (betje, betjen^ öfter mit ch statte', besonders wenn das stamm- 
anslaatende t fehlt: beche öfter südlich 6och-Xanten), in der Südhälfte 
vorwiegend -sehe resp. -sehen (betsche, betschen). Wieder liegt in 
dem j and seh dieser letzten Formen nichts anderes vor als die alte 
friesische Palatalisiemng des k: bei ^Mäuerchen' war sie bereits ganz 
geschwanden, bei ^Stückchen' schimmerte sie vielleicht in dem „ea- 
phonischen*' s der Endang '•8ke(n) noch durch, hier ist sie erhalten; 
es scheint, als ob ihr Rückgang je nadh dem vorhergehenden Stamm- 
consonanten, aber außerdem auch local ein verschiedener ist,' ohne 
dass unsere wenigen Beispiele feste Regeln aufstellen ließen. Als 
interessante Mischform, die jenem -sehe das diminutive k pleonastisch 
noch einmal eingefügt hat, erweist sich das -schke (bitschke) im west- 
lichsten Zipfel des Gebietes um Waldfeucht, Gangelt. Hingegen fehlt 
die Mouillierung wieder in einem der Benrather Linie vorgelagerten 
Grenzbezirk, zu dem von größeren Orten gehören Neuß (das selbst 
allerdings bitske überliefert), Dnsseidorf, Ratingen, Gerresheim, Mer- 
scheid, Wald, Solingen, Dorp: hier zeigt die Stammsilbe bereits vor- 
gerückte Lautverschiebung und das Wort erscheint als bes-ke -ken 
(vgL sudlich anstoßendes bes-che -chen u. § 39). Endlich ist zu no- 
tieren, dass im äußersten Sw. unseres Bezirkes, bei Eupen und nörd- 
licher (von dem bitschke-Ziptel abgesehen) bis Kaldenkirchen und 
Viersen, unser Diminutiv in der Regel fehlt und durch jet, ^wenig' u. a. 
Synonyma ersetzt wird. 

Der große nichtrheinische Ostteil hat vorwiegend -ken {bit-, bet-, 
hiet-ken, im Kreise Altena b'ie-ken). Sein Nordbezirk, etwa jenseits 
Meppen-Dümmersee, hat daneben wieder häufige bit-sken^ und dies 
herrscht im niederdeutschen Waldeck, dessen Nordgrenze es vereinzelt 
noch überschreitet; nur in seinen Westzipfeln tritt an die Stelle des 
s der Zwischenvocal e {-eken) und dieser gilt auch für den District 
ostlich von Waldeck bis zur Ostscheide. Wieder häufen sich längs 
dieser in ihrem ganzen Verlauf bis hinauf zum Saterland die dimi- 
nutivlosen Formen; und im ganzen Vorlande des Rothaargebirges bis 
ostwärts hinein ins Waldecksche tritt 'wonig' für 'bißchen' ein. 



' ffenauer bei Ramisch o. S. 30. 

' ygl. Ramisch a. a. 0. und die dortige Literatur. 



— 88 — 

§ 17. Für die Plaralparadigroen läuft die Ostgrenze deß 
westniederdeotschen Gebietes vom Dümmersee an bei folgenden Greni- 
orten vorbei (westlich bleibende cursiv): Melle, Borgbolzhansen, Vo»- 
mold, Gütersloh, Rietberg, Delbrück, Paderborn, Salgkoüen, Gesdse, 
Wünnenberg, Stadtberge, Rhoden, Volhtnarsen, Warburg, Hofgeismar, 
Grebenstein, Immenhausen. In dem ganzen damit abgeteilten Gebiet 
lautet die plurale Diminutivendung für unsere drei Beispiele vorwiegend 
'kes, bis auf wenige unten zu besprechende Ausnahmen; also nicht 
nur im W., wo der Singular auf -e ausging und der Plural auf-« 
daher ohne weiteres verständlich wäre, sondern auch in dem größeren 
Ostteil, wo jener auf -en auslautete. Hierfür gilt dieselbe Erklärangi 
die schon in § 11 für die dortigen benachbarten und analogen Formen 
gegeben war : soweit der Plural auf -es ausgeht, zeigt der zugehörige 
Singular auf -en erst durch niederdeutschen Einfluss restituiertes Hi 
und beiden liegt ein ursprünglicher Singular auf *-« zu Grunde. Da 
das Gebiet aber auch sonst schon „ingwäonische" Spuren aufwies nnd 
da das -e westlich der Rheinlinie notwendig auf -en zurückgehen mnes, 
so lautet auch hier das Resultat, dass jenes *-e auf älteres ^-en mit 
ingwäonischem n-Abfall zurückführt. Die lautliche Entwicklungsreihe 
ist also hier für heutiges -ken (linksrheinisch -ke) im Singular nnd 
'kes im Plural, analog der in § 10 gegebenen, etwa: Sing. -ifn^</W 
> tjin ^tji tje^ > tjen > ken, Plur. -*ln>/;fn > tpn^tji tje^ 
tjes ^ kes. 

Ist die bisher vorgetragene Deutung der nordwestdeutschen Dimi- 
nutivformen richtig, so wäre damit ein wichtiger Beleg mehr erbracht 
für die ingwäonische Frage im Niederdeutschen. In der Tat sehe ich 
keine Möglichkeit, diese schwierigen Formen in einer den ortsmnnd- 
artlichen Verhältnissen entsprechenden und genügenden Weise anders 
zu erklären. Freilich kommt mir dabei eine intensive dialektgeogra* 
phische Anschauung zu gute, was ich gestrenge Kritiker zu berück- 
sichtigen bitte. Dass dieser ingwäonische Beitrag grade bei den Dimi- 
nutiven zu holen war, hängt mit ihrer isolierten Stellung, zumal i^ 
Niederdeutschen, zusammen und ihrer Herkunft von den nicht minder 
conservativen Nomina propria, die auch sonst bisher die wichtigsten 
und zahlreichsten Stützen für jene ingwäonische Hypothese geliefert 
haben. Hoffentlich findet sich bald Gelegenheit, ihre Consequenzen 

' Ob nicht hierher die zuletzt yon Holthausen Beitr. 82,293 behandelten 
westfälischen Feminina auf -te gehören ? Vgl. noch Ruprecht a. a. 0. 306 f., Klu^ 
Nominale Stammbildungslehre' § 60 Anm. 1, sowie unten S. 94 FuAnote 1. 



- 89 — 

tr die deutsche Sprachf^eschichte in diesen Heften einmal zasanomen- 
itassen; sie greifen, wie mich der SA lehrt, viel weiter, als bisher 
owohl Schröders vorsichtige Urkundenstodien ' als auch Bremers 
)lübende Phantasie von der socialen Ingwäonenschicht ^ vermuten 
iiefien. Auch in der weiteren Beschreibung der niederdeutschen Dimi- 
Qutiva werden noch fortgesetzt ähnliche Bildungen auftauchen, ohne 
dass ich sie jedesmal zu charakterisieren brauche. 

§ 18. Von Besonderheiten gegenüber dem vorherrschenden -kes 
siod für ^Bäumchen' und ^Schäfchen' zu notieren: -kere in dem Zipfel 
bei Eapen und vereinzelt nördlicher bei Geilenkirchen und Hünshoven 
(vgl. das anstoßende -chere bei Aachen u. § 44); -ker in wenigen 
GreDzorten südöstlich von Gladbach (als Ausläufer des südlicheren 
-eher Q. § 44), aber auch in größerer geschlossener Enclave mit Mer- 
scheid, Wald, Gräfrath, Remscheid, Solingen, Höhscheid (dgl.)« sowie 
zwischen Attendorn und Hilchenbach; ferner in der Södostecke des 
Gebietes vor Hallenberg-Waldeck ein schmaler Streifen mit ^erker 
(südlich -ercher § 45), hiervor ein breiterer um Medebach, Corbach 
und gen 0. noch um Freienhagen, Wolfhagen, Zierenberg mit -erken 
(südlich -erchfn § 46), hiervor ein schmalerer um Arolsen, Volkmarsen 
mit -erkens. Außerdem erscheint Zwischenvocal (-ekes) bei 'Bäum- 
chen* oft innerhalb des Winkels obere Lippe-Hamm-Altena, besonders 
in seiner nördlichen Hälfte, bei ^Schäfchen' beschränkter um Stadt- 
berge, Brilon, Winterberg. 

§ 19. Auf der 'Vögelchen'-Pause setze man östlich von Isselburg 
ein und ziehe gen S. auf die Mitte zwischen Crefeld und Ürdingen zu 
Qnd weiter südwärts auf die Verschiebungslinie: das Land westlich 
davon hat -kes (bei Eupen -tjere^ schere^ bei Geilenkirchen-Hünshoven 
ein paar -kere^ so. von Gladbach ein paar -scher, vgl. § 18), wobei 
aber die Nordhälfte statt Tögelchen' das synonyme möschkea aufweist. 
£iQ angrenzendes Gebiet um Wesel und Rheinberg hat -tjes -jes -ches^ 
und daran schließt sich südwärts bis zu einer Ostlinie (westlich blei- 
bende Orte cursiv) Ruhrort, Duisburg, Oberhausen, Mülheim^ Essen, 
5teele, Werden^ Velbert^ Langenberg, Barmen, Lüttringhausen, Rade 
^orm Wald ein -^cA^^-Gebiet (für -sches öfter -ches geschrieben), nur 
ass die von ihm umschlossene Enclave um Solingen, Remscheid, die 
. 'ker hatte, hier -scher aufweist. Also auch bei diesem Beispiel 

' Mitteil. d. Instit. f. Österreich. Gescbichtsforach. 18, 15. 
• Pauls Grdr. lU 866. . 



— 90 — 

-^/-Reste, denen die genannten -sches und -scher anzuschließen sind, 
vgl. 0. § 17. Zwischen Attendorn und Hilchenbach auch hier -ier. 
Den ferner für 'Bäumchen' und ^Schäfchen' aufgezählten -erker^ -^rteUf 
-erkens entsprechen hier beim zweisilbigen Stammwort, freilich dorcb- ' 
aus nicht genau Ort für Ort, -Xri^r, -erken, -kenis). Zwischenvocal 
i'fkes) öfter innerhalb Delbrück-Soest-Meschede-Stadtberge. 

b) Mittleres Niederdeutsch. 

§ 20. Zunächst ist auf allen Pausblättern die niederdeutsche Sud- 
scheide zu vollenden. Als solche war in § 12 bis zur Weser die 
Normallinie der Tenuisverschiebung, Wenkers Benrather Linie, benatxt 
In ihrer Fortsetzung nach Osten, bis ins Polnische hinein, verwenden 
wir die iA>Linie, Wenkers Ürdinger Linie * ; die Diminutiva geben 
also hier mit ich^ nicht mit machen, und z. B. für das Berlinische ist 
neben dem ik ebenso un verschobenes Diminutiv-Ä:«n charakteristisch. 
Die Grenze verläuft zwischen (südliche Orte cursiv) Münden, Hede- 
münden, Witeenhausen^ Heiligenstadt, Duderstadt, Worhis, Bleifhe- 
rode, Sachsa, Ellrich, Benneckenstein, Hasselfelde, Stiege^ Gernrode, 
Harsgerode, Ballenstedt, Ermsleben, Aschersleben, Sandersleben^Oüsten, 
Stassfurt, Nienburg, Calbe, Barby, Zerbst, Aken, Roslau, Dessau, 
Wörlite, Coswig, Wittenberg, Zahna, Seyda, Jensen^ Schweinitz, AnM- 
bürg, Hereberg^ Schlieben, Kirchhayn, Sonnenwalde^ Finstermli^^ 
Kalau, Luckau, Lübbenau, Lübben, Golßen, Teupitz,£ticMol8r, Storkow, 
ßeeskow, Friedland, Müllrose, Frankfurt, Fürstenberg, Reppen, Dressen, 
Stemberg, Zielenzig, Schermeißel, Rönigswalde, Landsberg, Schwerif^ 
Driesen, Birnbaum, Zirke, Filehne, Samter, Goslin, Posen, Pudewiti, 
Bnin.* 

§ 21. Um nun das mittlere Niederdeutsch abzuschneiden, seUe 
man auf den Pausen westlich von Misdroy ein, ziehe südwärts durch 
das Große Haff, die Oder aufwärts bis Schwedt und von hier gen So. 
auf die tAr-Linie zwischen Landsberg und Driesen. 

Das so abgeteilte mittlere Niederdeutsch ist im allgemeinen dimi- 
nutivlos oder mindestens diminutivarm : trotz der hochdeutschen Vo^ 
läge sind auf den Fragebogen die Diminutiva in der Mehrzahl durch 
die Simplicia wiedergegeben. Jedoch mit Unterschieden. 



» Anz. 18,307 f. 24,119. 

* Ober die Grenze des Hochpreußischen s. u. § 55. 



— 91 — 

§ 22. Zieht man auf den Pausen vom Dümmersee zum 8tein- 
dersee, von hier nach dem Slavenwinkel bei Lernen an der Elbe 
id von hier (außer auf der 'bißchen'-Pause) mit der mecklenburgischen 
indesgrenze nach Nw. und N. an die Ostsee, so fehlen innerhalb 
ieses Winkels, also in den Gebieten der unteren Weser und nnteren 
Ibe, sowie in Schleswig-Holstein, die Diminutivbildungen so gut wie 
anz : 'Mäuerchen' lautet nur ganz vereinzelt auf -X:en, -chen, ^Stückchen' 
uf -sehen ^ -chen, die Plurale noch seltener auf -icw, -chen aus. 
*är ^bißchen' erscheinen im Kreise Otterndorf und in einem Be- 
irk, der sich von Marne -Hamburg nordwärts bis an die Eider 
Tstreckt, etliche -j{e)n (betjen): es zeigt wiederum nach deutschem 
Zoster restituiertes -i/, während hamburgische Namen wie Antje 
'Anna'), Atje ('Adolf), Täje (Theodor') conservativ an dem frie- 
•ischen n-Abfall festhalten. ]>er in unser Gebiet hineinfallende Ost- 
eil des Regierungsbezirks Aurich zeigt noch Spuren der für seine 
iVesthälfte in § 9 mitgeteilten Formen, aber so vereinzelt, dass 
lie heute (nach mehr als 25 Jahren seit Ausfüllung der SA-Formu- 
are) vielleicht schon ganz verschwunden sein werden. Auch längs 
1er südlicheren Fortsetzung der Westgrenze unseres Gebietes reichen 
versprengte Ausläufer der in §§ 14 (T. gegebenen Bildungen in dieses 
herüber. 



§23. Wir schließen östlicher die beiden Mecklenburg und 
Jen östlich von Mecklenburg-Schwerin und nördlich von Mecklenburg- 
Strelitz liegenden Teil Pommerns bis zu unserer Odergrenze an. Hier 
^ind die Orte mit Diminutiven etwas häufiger, bleiben aber dennoch 
immer noch bei^weitem in der Minderzahl: für ^Mäuerchen' werden 
etliche 'k(e)n^ weniger 'Ch(e)n, in Vorpommern und auf Rügen ein 
paar -ing und -hing überliefert; für 'Stückchen' ebenso -t(e)n, -cÄ(«)n, 
dazn '$ch(e)n, und die -ing in Vorpommern häufiger, aber auch sonst 
verstreut über das ganze Gebiet; für die Plurale -kens^ seltener -ken^ 
'Chen und wiederum, nach 0. zunehmend, -ings^ seltener -ing. Da- 
gegen ist ^bißchen' hier so gut wie diminutivlos.^ Das Neue und 
Eigenartige ist unter diesen Bildungen die Endung -ing; wir kennen 
ie sonst als Suffix der Patronymika und werden daher auch hier 
Meder zur Onomatologie geleitet; nnten im zweiten Teil wird das 



' Bei Fritz Reuter kommt beHng Tor. 



— 92 — 

mecklenburgische -ing deshalb seine Rolle zu spielen haben. Die 6^ 
wähnten -king zeigen altmecklenbargisches, für Kosenamen bezeugtes 
'ke^ durch das neue -ing erweitert. 

§ 24. In dem übrigen Südteil unseres mittleren Niederdeatsck 
nehmen die Orte mit Diminutivformen gegen S. langsam zu, scheinan 
diese aber immer noch als ungeläufig zu empfinden. Indem wir 
'bißchen' unten für sich beschreiben (§ 26), fassen wir für die andern 
Beispiele zunächst den linkselbischen Rest ins Auge. ^MänercheD' 
zeigt hier -kefi (seltener -chen)^ mit Zwischenvocal (-eken) zwischen 
Aller und Ohre im N., der Verschiebungslinie im S., der Oker im 
W. und der Elbe im 0. Bei 'Stückchen' hat das südliche Hannover 
zwischen Weser und Oberharz ^ bis in die Höhe von Einbeck viele 
-cAeit, seltenere -elken oder -sehen ^ das nördlichere Hannover -scske«, 
die östlichen Teile des Gebietes bis hinauf zur Aller und Ohre zahl- 
reiche -elken^ nördlich dieser Flüsse bunt -chen^ -ken^ -sehen. Die 
Pluralbeispiele haben -ken und -kenSy sodass südwestlich von HaDnove^ 
Andreasberg ersteres und nordöstlich letzteres überwiegt; die Sud- 
hälfte überliefert nach N. bis Hameln, Gifhorn, Tangermünde bei 
*Bäumchen' zumeist Zwischenvocal (-eiens, -eken\ der bei 'Schafchen' 
selten ist und bei ^Vögelchen' fehlt.^ 

§ 25. Der OS te Ibis che Rest endlich zeigt in seiner nördlichen 
Hälfte, die etwa durch Tangermünde-Schwedt abgeteilt werden kann, 
bei den Singularen -ken und -cAen, bei den Pluralen -letw, seltener 
-ien, -ehens, -ehen. Seine' südliche Hälfte überliefert für *Mäuerchen 
-cÄen, -Äen, -eken^ -iken, -ikin und südlich von Jöterbogk ein ^ 
-kenCy -ikene (Dat. sing.); für 'Stückchen' -;«n, -gen^ -ehen^ selten 
-sehen j -sken bis etwa Oranienburg- Wittenberg, östlich davon vor* 
wiegend -sken, -skin ; für die Plurale -kens^ -cAeiw, -ien, -cAen, daitt 
-kene im S. innerhalb Wittenberg-Saarmund-Buchholz und ebenso 

* Nerger Gramm, des mecklenburg. Dialektes (Lpz. 1869) S. 193. Das -la^ 
ist sonst selten: Müller Zur Sprache Fritz Reuters (Lpz. 1902) S. 46 f. 

' Die hochdeutsche Colonie um RIausthal und Andreasberg (Ans. 18, 905) 
hat bei 'Mäuerchen' -le (-la), bei 'Stuckchen' und 'bißchen' -(«){, bei den Pluralen 

* Für die Unsicherheit der Diminutivbildungen in diesen Bezirken Tgl. 
z. B. in einem Hochzeitsspiel von ca. 1850 aus der Gegend von Königslutter 
(Andree Braunschweiger Volkskunde' S. 313) hinter einander Dortckeny be^m^ 
achälekenj bettjen, mamsellekeny Dortchen^ mähen. 



— 98 — 

^ereinselt östlicher längs der hochdeutschen Grenze nber die Öder 

hinaus, bis nordlicher im Oder- and Warthebrnch zanehmende 'kfs 

tum pommerschen -Jees (§ 27) hinäberleiten, dazu Zwischenvocale bei 

^Yögelchen' im ganzen Sfidbezirk bis Tangermünde-Sch wedt , bei 

^Baamchen' nor bis etwa TangermÜDde-Cüstrin , während sie bei 

^afchen' ganz fehlen : -eken, -ekens, -ekene^ -ekes, deren e außerdem 

wieder mit i wechseln; endlich bei 'Vögelchen' zwischen Rathenow 

und Friesack noch 'ing$. 

§ 26. Eine eigene Beschreibung erfordert in den zuletzt be- 
handelten Gegenden 'bißchen*. Es war in sein Pausblatt zuletzt (§22) 
die Curve Dnmmersee-Steinhudersee-Lenzen eingetragen worden, seine 
adrdlicheren Formen ebenda erwähnt und weiter (§ 23) fär Mecklen- 
burg und Vorpommern Diminutivlosigkeit constatiert. Die noch 
fibrigen Teile unseres mittleren Niederdeutsch zeigen eigne Besonder- 
heiten, namentlich ein großes östliches Gebiet mit consequenter Dimi- 
nntivendung : zu seiner Abgrenzung setze man auf der Linie Dümmersee- 
Lenzen zwischen Ülzen und Wittingen ein und ziehe von hier nach 
S. in sehr unsicherer Curve auf Wernigerode am Harz, von da west- 
wärts nach Goslar und dann längs der hochdeutschen Colonie des 
Oberharzes an die fA;-Linie; ferner ist von Lenzen an ostwärts auf 
Fürstenberg im südlichen Mecklenburg-Strelitz, von hier etwa mit 
der mecklenburgischen Landesgrenze nach No. bis zu ihrer östlichsten 
Spitze, von dieser nach So. auf Schwedt an der Oder zu ziehen. 

Der so durch Wittingen-Oberharz abgeteilte kleinere Westteil ist 
im allgemeinen bei ^bißchen* diminutivlos, der größere Ostteil dimi- 
Qntivisch. Doch zeigen in jenem die Kreise Göttiogen, Einbeck, 
Osterode häufige -cAen, -;en, -^en, ebenso die Kreise Wolfenbüttel 
und Braunschweig, die übrigen Bezirke versprengte -jen und die 
Nachbarschaft der Westscheide Dnmmersee-Immenhausen (§ 16) Aus- 
läufer des westlicheren -ken bis an die Weser und ins Bückeburgische 
herein. 

Der größere von Wittingen-Oberharz östliche Teil hat in seiner 
ganzen Nordhälfte -sehen bis zur Grenze (nördlich bleibende Orte 
CHrsiv) Wittingen, Clötze, Calbe, Gardelegen ^ Calvörde, Jerichow^ 
Genthin, Rathenow^ Pritzerbe, Frieaack^ Nauen, Spandau, Charlotten- 
barg, Berlin, Bernau^ Alt-Landsberg, Freienwalde, Oderberg, Anger- 
mündej Schwedt. Dieses langgestreckte büschen-Gebiet (im Westteil 
bis zur unteren Havel mit Ausfall des Stammauslautes bischen) weist 



- 94 - 

iD der Nähe der mecklenburgischen und pommerschen Grenze nocfa 
reichlich diminativlose Aasnahmen auf, ferner zwischen Arneborg 
and Rhinow ein paar bi(t)$ching und etwa von Rheinsberg-Fehrbellin 
an gen 0. häufig die Compromissformen bäschkenj bütschken^ endlicli 
ganz im W. bei Salzwedel eine kleine -A^en-Enclave. 

Der langgestreckte südliche, durch obige Grenze abgetrennte 
Streifen ist weiter zu teilen durch eine Linie, die von Spandau ntch 
Sw. über Potsdam, Beelitz, Treuenbrietzen läuft und westlich tob 
Zahna auf die il-Linie stößt. Der westliche Teil, also vom Oberban 
über Magdeburg bis zum mittleren Havelgebiet, zeigt -chen^ -^ -gen. 
Diese ;- und Schreibungen warnen uns, in den cA-Formen lediglich 
mitteldeutsche Eindringlinge zu sehen, woran schon die Ständigkeii 
des Diminutivsuffixes gegenüber seinem überwiegenden Fehlen bei deo 
andern Paradigmen hindert. Vielmehr sind sie alle wiederum Reste 
von einstigem palatalisierten -kün^ die statt der zu erwartenden Form 
'dOJe mit ingwäonischem n-Abfall wieder restituiertes deutsches hi 
aufweisen. Und so werden auch die gleichen Bildungen bei den 
andern Paradigmen (§ 22 ff.) die gleiche Deutung beanspruchen dürfen.^ 

Der noch übrige Rest von Spandau-Zahna an hat in seiner Sad- 
hälfte, wo die Wurzelsilbe bereits Lautverschiebung zeigt, -ken (bi$'ke»\ 
in seiner Nordhäifte ohne diese -sken -skin (bU-sken^ -skin): die un- 
sichere Linie zwischen beiden leite man ungefnhr von Alt-Landsberg 
über Strausberg und Müncheberg nach Lebus an die Oder, mit dieser 
abwärts bis Cüstrin und von hier die Warthe aufwärts. 



' Nach dieser Auffassung sind mithin die von Damkohler im Md. Jthrb' 
32, 129 ff. zusammengestellten Diminutiva der Mundart von Gattenstedi (bei Blanken- 
burg am Harz) sprachgeschichtlich in folgender Weise zu ordnen. Die älteste 
Form liegt vor in tutje (Damköhler IV) , d. i. su-^e zu «fl 'Sau' mit der o. § ^^ 
entwickelten Bndsilbe; ebenso, nur schon mit deutschem -n bekleidet, in mS^ 
(Damk. III a. E.), d. i. mO-ije-n zu mö, dem Laute der Kuh. Diese alte PtU- 
talisierung erhielt sich nur nach t (Damk. IV. III): flüje 'Flügel eines Vogdf 
(mnd. fiUk»)y hritjen 'Brötchen', wird aber auch in dem seh von ulhsclu zu n^ 
'Base' und Usehm 'Lieschen' (Damk. II) stecken (vgl. o. § 15), dgl. Tielleicht auch 
in dem » der Endung -»eken (Damk. VI), die damit als Compromissform oder als 
pleonastische Bildung zu fassen wäre: keuseken zu kau 'Kuh'. Am Ende der 
Reihe stehen mit durchgedrungenem , deutschem k die -ke (Damk. II) , -iben (l) 
und die 'tlken (IX). Die Diminutiva auf -je und -ke sind Feminina: ihr -€ wird 
frühzeitig sich dem -e der alten femininen 0- und it-St&mme associiert haben und 
von der Restituierung des auslautenden -n verschont geblieben sein (vgl. nhd. neike^ 
auch 0. 8. 88 FuBnote 1). 



— 95 — 

c) östli ches Niederdeutsch. 

§ 27. Die dritte große niederdeutsche Gruppe, von der unteren 
r bis zur russischen Grenze, lässt im W. zunächst die Diminution 
h oft uniibersetzt, wenn diminuierende Orte auch schon überwiegen; 
;h 0. nimmt diese immer mehr zu und ist jenseits der Weichsel 
nigstens für die Singularparadignien herrschend. Diese lauten im 
gemeinen auf -ke aus {-ken öfter in Pommern, besonders im 
esten, ferner im Weichseldelta und in seiner Nachbarschaft bis 
Dzig und Elbing), die Plurale auf -kes (verstreut überall auch öfter 
; ohne das s und dann an der Ostgrenze des Hochpreußischen ^ 
Ischen Bischofstein, Rössel und Bischofsburg mit Zwischenvocal a, 
-ake^ bei allen drei Beispielen). Dieses -ke beruht auf älterem 
m, da dieser ganze niederdeutsche Osten das -e im ursprünglichen 
islaut apokopiert haben müsste und auch sonst fast alle einstigen 
\ zu -e gewandelt hat.' Als Besonderheit, die für alle Paradigmen 
t, ist zunächst die häufige Mouillierung des k zu notieren : es wird 
für X;;, ;, ^;, tch^ tsch geschrieben innerhalb des ungefähren Rahmens 
h beginne an seiner Nordostecke) Pr. Stargard-Bärwalde-Deutsch- 
one-Bromberg und östlicher bis ans Hochpreußische : natürlich sind 
)9e Mouillierungen von jenen ingwäonischen des Westens zu trennen, 
rohen hier vielmehr auf slavischer Unterlage.^ Der Sufßxvocal 
rd rechts der Weichsel consequent e geschrieben, dies wechselt im 
Qgnlar mit ä zwischen Weichsel und Oder, außerdem mit a zwischen 
ler und Leba-Brahe, erscheint endlich als o in dem niederdeutschen 
iil der Provinz Posen, der nach 0. etwa durch den Bogen Schneide- 
ähl-Janowitz-Goslin abgetrennt wird;^ hingegen im Plural wechselt 

öfter mit i im Sw. des Gebietes etwa bis Stettin-Freienwaide- 
riesen, ebenso in den Küstengegenden zwischen Wipper und Nogat, 
wie im östlichen Ostpreußen, mit a innerhalb Freienwalde-Bär- 
dde-Schneidemühl, mit o wie oben bei den Singularen. 

§ 28. Für 'Stückchen' kommen als Eigenheit -5Ä;-Bildungen 
DZQ (im Mouillierungsbezirk also s; u. ä.): sie fehlen im Regierungs- 
izirk Stettin, im Posenschen und Ostpreußischen, nehmen im übrigen 
>mmem und in Westpreußen langsam nach 0. zu und dominieren 

' über dieses u. § 55. 

• Anz. 24,127. 

• Anz. 23,221. 21,294. 

• Anz. 19,360. 



— se- 
in einem Aasschnitt, den man etwa von der Stolpemöndang sadwartä 
auf Rammeisburg y ostwärts aar Pr. Stargard, südwärts aaf Schweti 
und weiter gen No. über Graudenz, Riesenbnrg, Marienbarg, Mahl- 
bansen, Tolkemit begrenze. Dass endlich das Suffix zwischen dem 
Hochpreußischen und dem Haff um Mehlsack, Brannsberg, Heiligenbeil, 
ebenso vor der Ostgrenze des Hochpreußischen zwischen Bischofsteio, 
Rössel und Bischofsburg , sonst hier und da vereinzelt in ganz Ost- 
preußen anscheinend mit ch oder chk anlautet, ist graphische Täuschoog 
und dem stammauslautenden k in ^Stückchen' zuzuschreiben.' 

§ 29. Eine eigne Beschreibung erfordert wiederum 'bißchen', 
das als isolierte Vocabel merkwürdige, z. T. schwer erklärbare Be- 
sonderheiten zeigt. Ich beschreibe seine bunte Karte mechanisch. 
Man ziehe von Driesen an der Netze und an der mitteldeutscbeo 
Scheide nach Nw. auf Jacobshagen, von da örtlich auf Ratzebahr, voo 
da südlich auf Schneidemnhl , von da wieder auf Driesen: das am- 
zogene Gebiet hat beit-ka, oft auch diminutiv- und endungslos beii> 
Man ziehe von Schneidemöhl grade nach So. auf Mogilno im Pol- 
nischen: das von dieser Linie, dem vorher eingetragenen Bezirk aod 
dem Ostende der iXr-Linie umzogene Gebiet hat ebenfalls A^^Suffix, aber 
zumeist schon hochdeutsche Stammsilbe, also bis-ko^ -kä^ seltener (wie 
oben) beit'ko, -kä, öfter ohne Suffix und Endung beU oder bis. Mao 
umkreise weiter nördlich einen Bezirk zwischen den Grenzorten (im 
Innern des Kreises bleibende Orte cursiv) Köslin^ Zanow^ Schlawe, PoU- 
now^ Rummelsburg, Baldetiburg, Neu-Stettin, Bärwalde^ Polzin, Belgari^ 
Körlin : für ihn gilt -sche^ -scha als vorherrschende SufGxschreiboDg- 

Jetzt ziehe man östlicher vom Lebasee im N. auf die schwäbische 
Enclave bei Culm^ und von Cnlm ostwärts auf das Hochpreußiscbe 
bei Bischofswerder: für das ganze Gebiet von der untern Oder bis i^ 
dieser Linie (von den oben beschriebenen Einzelbezirken abgesehen) 
überwiegt die Endung -ske (mit den in § 27 aufgezählten Varianten)! 
also bit'Ske^ bet-ske u. s. w. ; aber der Teil zwischen unterer Oder und 
obigem -sche-Bezirk lässt das -ske mit -ke wechseln oder (und das 
ist sehr häufig) er verkürzt die Formen um das -ke und gebraucht 
bets^ bits oder fref, bü^ ohne dass ich Process und Resultate sicher zn 
deuten wüsste. Im übrigen kann diese Beschreibung nur ein sehr 

* E. L. Fischer Gramm, u. Wortschatz d. plattdtsch. Mda. im preuß. Sam- 
lande (Halle 1896) S. 9. 

' Diese (Anz. 18,305) hat für die Singulare gleichmäBig -h, för die Plurale 
-la (selten -le). 



— 97 — 

Tohes nnd ungefähres Bild ergeben, in Wahrheit greifen die Formen 
um in einander und gestalten die Kartenzeichnung zu einer überaus 
buntscheckigen. 

Das Land östlich Leba-Culm-Bischofswerder hat -key aber auf- 
falligerweise zumeist nach lautverschobener Stammsilbe: bes-ke\ un- 
verschobenes het-he fehlt nicht, ist aber namentlich in Ostpreußen 
schon in der Minderheit; het ohne Suffix wieder öfter in den west- 
prenßischen Teilen, doch auch in Ostpreußen vereinzelt. 



II. Mitteldeatsohe Diminativendnngen. 

a) Ihre Südgrenze. 

§ 30. Bei der Gliederung des hochdeutschen Sprachgebietes in 
eine mitteldeutsche und eine oberdeutsche Hälfte spielen die Dimi- 
nativsuffixe eine wichtige Rolle : ^ die oberdeutsche verwendet fast 
ausschließlich /-Diminutiva, die mitteldeutsche vorwiegend cA-Dimi- 
Dütiva, wenn sie nicht beide Arten combiniert. Aber die Scheide 
zwischen den beiden Hälften ist nur ausnahmsweise scharf, meist 
nimmt sie für jedes Paradigma ihren eignen Verlauf und muss deshalb 
für jedes einzeln beschrieben werden. Diese Einzellinien werden dann 
eine Zone ergeben, die sich ganz ungefähr in der Richtung Saaralben 
in Lothringen— Miltenberg am Main— Schmalkalden— Thüringerwald 
bisan sein Südostende— Dresden— Meseritz—Goslin jenseits der ti-Linie 
erstreckt. 

In die sechs Pausen sind also folgende sechs Einzellinien ein- 
wtragen. 

§ 31. Für *Mäuerchen' verläuft die Grenze zwischen (südlich 
verbleibende Orte cursiv) Buckenheim^ Saaralben, Saargemünd, liifsch, 
Pirmasens, Anntaeilery Edenkoben, Neustadt, Deidesheim, Lambsheim, 
Frankenthal, Mannheim (zwischen Haardtgebirge und Rhein noch 
etliche cA-Ausnahmen), Ladenburg, Weinheim, Eberbach, Michelstadt, 
Amorbach , Miltenberg , Klingenberg , Freudenberg , Stadtprozelten, 
Lohr, Rieneckj Brückenau, Bischofsheim, Fladungen, Kalten-Nordheim, 
Wasungen, Schmalkalden, Salzungen, Ohrdruf, Plane, Hmenau, Gehren, 
Gräfenihal, Saalfeld, Blankenburg, Rudolstadt, Orlamünde, Pössneck, 
Triptis, Weyda, Berga, Greiz, Werdau, Crimmitschau, Zwickau, 



' Zs. 37, 290 ff. 

Deutsche Dialektgeographie I 



— 98 — 

Emstthal, Stollberg, Thum^ Zschopau, Lengefeld, Marienberg^ ZobUtz^ 
Sayda ; das letzte Stück, etwa von Saalfeld an, ist sehr ansicher, ihm 
sind im N. -/-, im S. -cA-Formen als Ausnahmen vorgelagert. Diese 
Linie verläuft im Vergleich mit den folgenden vom Thüringerwald an 
südlicher und schließt sächsische und schlesische Gebiete ganz aas, 
vgl. § 36. 

§ 32. Für 'Stückchen' ziehe zwischen Falkenberg, Saaralben, 
Saargemünd, Bitsch, Zweibrücken, Pirmasens, Kaiserslautern, Wackm- 
heim, Dürkheim, Grünstadt, Lamhsheim, Fratikenthal^ Worms (zwischen 
Haardtgebirge und Rhein wieder noch ein paar -elche^ -che)^ Beos- 
heim, Heppenheim, Lindenfels, Erbach, Michelsiadt, Miltenberg, weiter 
wie in § 31 bis Orlamünde, dann zwischen Kahla, Neustadt, Roda, 
Bürgel, Eisenberg, Langenberg, Gera, Ronneburg, Schmölln, Gössniti, 
Meerane, Waidenburg, Penig, Burgstädt, Mittweida, Frankenberg, 
Hainichen, Siebenlehn, Freiberg, Tharandt, Wilsdruflf, Dresden, Rade- 
burg, Radeberg, Pulsnüe, Königsbrück, Camene, WiUichenau, Sprem- 
berg. Muskau, Triebet, Forst, Pforten, Sommerfeld, Christianstadt, 
Naumburg, Bobersberg, Crossen, Rothenburg, Liebenau, MeseriU, 
Betsche, Tirschtiegel, Neustadt, Pinne, Samter. 

§ 33. Für 'bißchen' stimmt die Linie im allgemeinen zu der 
in § 32, nur dass Saargemünd und Bensheim hier als unmittelbare 
Grenzorte schon -e/ überliefern, dass nördlich von Pirmasens hier die 
Grenze nahe gegen Landstuhl rückt, dass weiterhin von den dort anf- 
gezählten Ortschaften hier Mittweida und Wilsdruff wieder schon -i 
zeigen und dass ebenso in der Lausitz nördlich von Königsbrädt^ 
Camene die Linie hier bis Ruhland, Senftenberg ausgreift. 

§ 34. Für 'Bäumchen' ziehe zwischen Falkenberg, Saaralbeo, 
Saargemünd, Bitsch, Pirmasens, Annweiler, Landau, Edenkoben, Speger^ 
Deidesheim, Mannheim, Ladenburg, weiter wie in § 31 bis Orlamünde, 
dann zwischen Kahla, Triptis, Weyda, Berga, Crimmitschau^ Gössnits, 
Waidenburg, Penig, Burgstädt, Chemnitz, Frankenberg, Hainichea, 
Freiberg, Dippoldiswalde, OlashüUe, Dohna, Pirna, Stolpen, Radeberg« 
Pulsnitz, Königsbrück, Elstra, Wittichenau , Spremberg, MuskaUj 
Triebet, Forst, Pforten, Sommerfeld, Christianstadt, Naumburg, Bobers- 
berg, Crossen, Rothenburg, Schwiebus, Brätz, Bomst, Bentschen, Nea- 
Tomischl, Opaleniza, Buk, Samter. 



— 99 — 

§ 35. Für 'Schäfchen' gilt im großen Ganzen die Linie des 
34, nur dass hier Saaralhen und Mannheim schon als unmittelbare 
Grensorte überliefert werden und dass im No. Freiberg, Dippoldis- 
wf(fe, Pirna, Radeierg, Brätz, Neu-Tomischl zu ändern sind. 

§36. Für 'Vögel chen' läuft die Linie zwischen Falkenberg, Saar- 
iffim, Saargemünd, Bitsch, WeiMenburg, Annweiler, Landau, Rhein- 
ifli«m, Gennersheim, Speyer^ Mannheim, Ladenburg, weiter wie in 
\ 31 bis Orlamunde (doch Saalfeld) und wie in § 34 bis Frankenberg, 
Jchließlich zwischen Oederan, Brand, Freiberg, Frauenstein, Dippoldis- 
iralde, Glashütte, Bärenstein, Altenberg. Also auch hier ein viel 
sngerer Verlauf, ähnlich dem bei 'Mäuerchen' § 31 , und keine Fort- 
setzaug nach No. ; beides Beispiele mit mehrsilbigem Stammwort. 

b) Die Singulare im westlichen und mittleren 

Mitteldeutsch. 

§ 37. Die Gestaltung der Diminutivsuffixe in den eben ab- 
gegrenzten mitteldeutschen Gebieten wird am besten zuerst an den 
singalaren Paradigmen des westlichen und mittleren Teiles, sodann 
i^n den pluralen ebenda beschrieben, den Schluss bilden die Formen 
des östlichen Mitteldeutsch. 

Zwei kleine Enclaven des Westens seien vorangestellt, weil ihre 
Eigenheiten nicht nur für die Singulare (außer 'bißchen', das hier 
fehlt und durch 'wenig' ersetzt wird, § 42), sondern auch für die 
Plorale gelten und deshalb auch auf deren Pausen sogleich eingetragen 
werden können. Es ist an den westlichen Ausläufern des Rothaar- 
gebirges, dort, wo nach § 12 die Lautverschiebungslinie etwas nach 
N. vorgerückt war, eine Grappe von sechs bis acht Ortschaften um 
DroJshagen herum mit dem Singular der Diminutiva auf -t'ien ('Stück- 
chen' auf -elt'ien), dem Plural auf -t'ier, und daran grenzend eine 
kleinere Gruppe von etwa drei Ortschaften um Olpe mit dem Singular 
Mf 'g'ien {-eleien), dem Plural auf -zier. Die beiden Gruppen liegen 
in dem Streifen Landes, der sonst allgemein niederdeutsch ist, nur 
sben das k des Diminutivsuffixes ausnahmsweise zu ch verschoben 
Eeigt; daher taucht alsbald die Vermutung auf, dass ihre merkwürdigen 
ikn, -eten vielleicht mit der öfter erwähnten ingwäonischen Pala- 
disierung und Assibilierung des ursprünglichen k, ja dass mit dieser 
lelleicht das auffällige, anscheinend verschobene ch des Suffixes in 
iesem ganzen Streifen Landes (mit Hückeswagen, Wipperfürth, 



— 100 — 

Gummersbach, Neustadt, Meinertshagen, Drolshageu, Olpe, Atteo 
zusammenhängt; ist dem so, dann wärde hochdeutsche Lautverschi 
k^ch auch hier nur bis zur üblichen Normallinie (S. 85 Fußn* 
anzusetzen, das nach N. weiter greifende ch (§ 12 im Text) hin 
den auch sonst im Niederdeutschen begegnenden cA-Schreibunge 
(t)j u. 8. w. gleichzusetzen sein. 

§ 38. Ebenso ist längs der Rhön und der in § 31 beschriel 
oberdeutschen Scheide ein Gebiet gleich auf allen sechs Pausen hc 
zuheben, dessen Grenze zwischen Rieneck und Brückenau ein 
weiter verläuft zwischen (Orte in seinem Innern cursiv) Ste 
Salmünster, Soden, Wenings, Herbstein ^ Lauterbach, Fulda ^ 
und südlich davon wieder aufs Oberdeutsche stößt: hier ist d; 
des Suffixes stimmhaft geworden , wie die überwiegenden -je { 
Plur. -er je) zeigen; ja in der Nordosthälfte des Gebietes, verei 
auch in der andern, ist der Spirant überhaupt verflüchtigt ud( 
Diminutivendung erscheint als -e (-ele, Plur. -ei'e), gelegentlich 
als -i (-c/f, -eri). 

§ 39. Nunmehr fassen wir die drei Singularbeispiele für 
ins Auge. In ihre Pausen sind zunächst die Grenzen zwischen • 
und -che einzutragen; es sind dieselben wie die Anz. 24, 125 f. fa 
Verbalendungen -enhe gegebenen. Zur Abgrenzung des -chm 
mittelfränkischen Westen {-chin in Lothringen bei Basendorf 
SAvold) setze man zwischen Saaralben (-chen) und Saargemünd ( 
ein, ziehe nordwestlich über Püttlingen gegen Forbach (-che)^ 
kleinem gen 0. offenen Bogen (um den Warudtwald herum) üb< 
Saar in der Mitte zwischen Saarbrücken und Saarlouis, zwi: 
Lebach Q-chen) und Tholey (-che) hindurch auf die Südwestspitz 
Fürstentums Birkenfeld, annähernd mit dessen Westgrenze bis W; 
weiter (-che), von hier über die Mosel bei Berncastel {rche\ zwi 
Daun(-cA^O und Lützerath (-cA«) hindurch und unsicher überBla 
heim {-che) westlich von diesem an die Reichsgrenze; doch zeigt 
die Gegend der Schnee-Eifel viele -che und umgekehrt die G 
nördlich der unteren Mosel manche -cAen-Ausnahmen. 

Es ist ferner an die in § 13 am Niederrhein gezogene -ehen- 
anzuknüpfen, die südlich von Gerresheim auf die Verschiebung 
stieß, und diese das rechte Rhoinufer aufwärts bis gegen Goblc 
fortzusetzen, dass Mülheim und Siegburg westlich, genauer dass 



— 101 — 

iheid, Hittdorf^ Gladbach, Seeischeid, Blankenberg, Asbach (nnsicher), 
nderbach, Rengsdorf ostlich auf der -^-Seite bleiben (besonders viele 
sn-Aasnahmen zwischen Köln-Bernheim im S. und Düsseldorf- 
IGladbach im N.). Nördlich von Coblenz zweigt die Linie gen 
9o. ab and verlauft weiter zwischen (-ehe-Orie cursiv) Montabaur^ 
Mters, Ohermtyn^ Hachenbnrg (schwankender Grenzort), etwa mit 
ier Ostgrenze der Rheinprovinz (nur der äußerste Ostzipfel hat -che) 
bis Freudenberg y nordöstlich davon auf die Yerschiebungslinie, die 
zwischen Schmallenberg und Hallenberg wieder verlassen wird, und 
weiterhin zwischen Hallenberg, Berleburg ^ Hatsfeld^ Battenberg^ 
Frankenberg, Bosenthal, Gemünden, Wildungen, Treysa^ Ziegenhain^ 

Homberg an der Efze, Schwareenbam ^ Rotenburg, Uersfeld^ Berka, 

FocAa, Sahsungen^ Waltershausen, Ohrdruf. 

Der damit begrenzte Unterschied zairischen -^en {-ehn wird häufiger 

im Königreich Sachsen) und -che (dafür überall verstreute -ge) gilt 

far alle drei Singularparadigmen, deren individuelle Einzelheiten 

nnnmehr anzuschließen sind. 

§ 40. ^Mäuerchen', im mittelfränkischen -cAeti-Gebiet (§ 39) 
and im Hessisch-Thüringisch-Obersächsisch-Schlesischen oft undimi- 
ouiert übersetzt, geht an der oberen Roer um Montjoie consequent auf 
•icU^ -dche aus, am nördlichen Thüringerwald mit Salzungen auf 
-nehe (-nge). Zwischenvocal erscheint öfter in den Eifelgegenden 
("^) ■*")» föri^ör zwischen Sieg und Wied, Siebengebirge und Wester- 
wald (-t-) , sowie in einem großen Bezirk etwa zwischen der nieder- 
deutschen Scheide im N., Worbis-Erfurt-Ilmenau im W., Orla- 
münde- Altenburg-Meißen im S., der Lausitz im 0. (-»-, selten -e-), 
ist aber nirgends fest abgrenzbar. 

§ 41. Auf dem Pansblatt von 'Stückchen' ist zunächst links- 
rheinisch ein Grenzstreifen längs der niederdeutschen Scheide abzu- 
trennen, der bei Eupen beginnt und von größeren Orten noch Burt- 
scheid, Aachen, Aldenhoven, Linnich, Grevenbroich einschließt: hier 
gilt eine deutliche Mischform zwischen Nord und Süd, indem das 
nördliche niederdeutsche -ske (§ 15) sich als verschobenes -8-che (sge) 
fortsetzt (doch schon vermischt mit den südlicheren -cAe, -eiche). 

Sodann ist in die Skizze eine Curve einzuzeichnen, die von der 
-ehel-chen-Linie zwischen Battenberg und Frankenberg abzweigt, gen 
So. verläuft zwischen (westliche Orte cursiv) Roseuthal, Wetter^ 



— 102 — 

Rauschen berg, Kirchhain y Neustadt, Kiriorf^ Alsfeld ^ Grebeuaii, 
Schlite, Ilünfeld, Fulda und davon südöstlich aufs Oberdeutsche stofit: 
alles Land westlich dieser Grenze hat -elchein) (im Großherzogtom 
Hessen nördlich des Maines und in seiner nördlichen Nachbarschaft 
-ilche)^ aber nirgends rein, sondern überall mit einfachem -cA^n) 
wechselnd oder überhaupt ohne Diminution; und am Spessart in eineiB 
der oberdeutschen Scheide vorgelagerten Streifen, der AschaflfeDboig, 
Seligenstadt, Gelnhausen, Orb, Salmünster, Steinau nicht mehr ein- i 
schließt, herrscht bloßes -che. Alles Land hingegen östlich der zaletit 
gezeichneten Curve hat reines und consequentes -che (rge) oder -cft(<X 
das nur im Königreich Sachsen bereits etliche -tl aus dem Sfiden 
(§ 65) eindringen lässt. 

§ 42. Für ^bißchen' sind zunächst ein paar Bezirke heraas- 
zuheben und auf der Skizze etwa durch Schraffierung anzudeuten, in 
denen Synonyma herrschen. Wenn ich im Sw. beginne, so zeigt der 
in unser Gebiet fallende Teil Lothringens das zu erwartende bes-d^ 
nur selten, ersetzt es vielmehr nordwestlich der Nied durch die Dialekt^ 
formen von Venig', während südöstlich derselben oberdeutsche -I schon 
starke Concurrenz machen. Dasselbe Venig' kehrt wieder in der 
Nordhälfte des Fürstentums Birkenfeld und über seine Ostgrenie 
hinaus, ebenso nördlich der Mosel bis etwa Prüm-Daun-Cochem. 
Zieht man dann ungefähr von Cochem nach N. auf Sinzig und von 
hier nach 0. auf Hachenburg, so liegt in dem von diesen Linien, der 
östlichen -chenl-che- und der nördlichen Verschiebungslinie um- 
schlossenen Bezirk bes-che{n) mit 'wenig' oder jel in hartem Kampfe, 
der sich im W. und 0. noch auf niederdeutsches Gebiet fortsetzt 
(§ 16). Vereinzelt erscheint 'wenig' außerdem im ganzen rechts- 
rheinischen -c//^-Gebiet , oft endlich noch einmal im Altenburgiscben 
und westlicher bis an die Elster. 

im ganzen Westen, bis an die Fulda und den Thüringerwald, 
sind hier bei dem isolierten 'bißchen' die ;- (und 5r*)Schreibungen 
statt des ch viel häufiger als bei den andern Paradigmen. Daher 
hebt sich auch das in § 38 skizzierte -;VGebiet hier von seiner Um- 
gegend kaum ab, und die dort für seine Nordosthälfte erwähnten 
-che ^ 'je > -e reichen hier noch nördlicher darüber hinaus bis gegen 
Hersfeld. Ja als Besonderheit kommen zwei Bezirke mit der Dimi- 
nutivendung -i, d. i. in diesem Falle -(;Ae^-;c^ -tV hinzu, ein kleineres 

' In der Fried berger Mundart nach Reuß Zs. f. dtsch. Mdaa. 1907 S, 8Q 
hinter Zischlauten. 



— 108 — 

sodlich von Kreaznach mit Meisenheim and Obermoschel und ein 
größeres, zu welchem von jenem versprengte -t hinüberleiten, nördlich 
Yom unteren Main etwa inmitten (t-Orte im Innern des Bezirkes 
eursiv) Bofheim, Eppstein, Soden, Königstein, Ober-Ursel, Usingen, 
Buißb<iehy Chüningen, Wetzlar, Gießen, Staufenberg, Allendorf, Orün- 

berg^ Herbstein, Schotten, Wenings, Büdingen, Gelnhausen, Steinheim, 

Banau und Main. 

Im Thüringerwald bei Gehren, Königsee und südlicher erscheint 

unser Wort mit Übergang von -s-ch- zu seh d. i. S als besehen, 

haschen, dann auch bötschen u. ä. 

Im Königreich Sachsen und nördlicher zwischen Schwarzer Elster und 

Lausitz finden sich wieder einzelne -^/-Eindringlinge des Südens (§ 65). 

c) Die Plurale im westlichen und mittleren 

Mitteldeutsch. 

§ 43. Für die drei Pluralbeispiele fallt auf, dass hier die Dimi- 
nativa viel häufiger durch die Simplicia ersetzt werden als vorher 
bei den Singularen. 

Wir fassen zunächst die beiden Beispiele mit einsilbigem Stamm- 
wort ins Auge, da das mehrsilbige 'Vögelchen' oft seine eignen Wege 
geht. Für beide, ^Bäumchen' und 'Schäfchen', zerlegt sich das Gebiet 
des westlichen und mittleren Mitteldeutsch im allgemeinen von W. 
nach 0. in vier Teile: der erste lässt sie ausgehen auf -eher, der 
iweite auf -ercher, der dritte auf -eröHe(n), der vierte auf -chen. 

§ 44. Zur Abgrenzung des ersten dieser Teile setze man an 
der niederdeutschen Scheide zwischen Berleburg und Hallenberg ein 
Qnd ziehe südwärts zwischen (westliche Orte ctirsiv) Hatzfeld, Laasphe, 
Biedenkopf hindurch, ungefähr mit der Grenze der Provinz Westfalen 
Ws Haiger, ostwärts an Dillenburg vorbei, um Berborn im Bogen 
herum und weiter zwischen Driedorf, Weilburg (?), Badamar, Lim- 
burg, Diejs, Nastätten, SGoarshausen, Caub, Rüdesheim, Bingen (?), 
Stromberg, Kreuznach, Als€nz(?), Kirchheimbolanden, Alzey(?), Odern- 
heim, Oppenheim (?), Gernsheim, Darmstadt, Dreieichenhain, Baben- 
hausen, Seligenstadt, Aschaffenburg, Orb und südlich davon etwa mit 
der bayrischen Landesgrenze aufs Oberdeutsche (Orte mit ? unsicher). 
In dem so abgeteilten westmitteldeutschen -cÄer-Gebiet sind drei 
Aasnahmebezirke herauszuschneiden. Erstens hat im Nw. eine Grenz- 
ecke mit Burtscheid, Aachen, Eschweiler, Düren, Aldenhoven, Jülich 



— 104 — 

die pleoDastiache Endung -chere (vgl. -kere § 18) <^'ChereH.^ Zweitens 
zeigt der im So. zwischen der gegebenen -eher- und der oberdeatschen 
Scheide sich einschiebende Keil, der etwa darch Darmstadt- Weinheim 
nach W. zu begrenzen ist, -chen (um Lindenfels auch -chittj ferner 
längs dem -^rcA^r-Gebiet mit etlichen -erehen^ im 8w. zwischen 
Lindenfels und Weinheim mit etlichen -eichen durchsetzt, beides 
deutlich vermittelnden Mischformen, wie das Kartenbild zeigt). Drittens 
führt am Haardtgebirge zum oberdeutschen -2-Suffix ein sich ?or 
dessen Scheide legender Grenzstreifen mit -elcher hinüber, der sieli 
bis gegen Lambsheim, Dürkheim, Wachenheim und gen W. bis Pirmasens 
ausdehnt (doch oft die schäfelcher durch hämmelcher ersetzend). 

Sonst ist die gegebene -cAer-Linie insofern scharf, als zwar in 
dem östlich anstoßenden -^rcA^-Gebiet (§ 45) noch massenhafte -cktr- 
Ausnahmen, aber in unserm -cA^r-Gebiet keine -^cA^- Ausnahmen 
auftreten; nur an der Südwestecke längs Kreuznach- Alsenz springen 
noch etliche -ercher ins -cAer-Gebiet herein bis nach Jjauterecken- 
Oberstein-Kirn , auch im westlichsten Lothringen zu beiden Seiten 
der Mosel tauchen sie auf. Das im übrigen herrschende -Af^ 
zeigt die üblichen -^r- Varietäten ,* nur dass hier, wo dem Schriftbild 
das -er fehlte, der r-Abfall viel deutlicher in den Übersetzungen znm 
Ausdruck kommt: das ripuarische -che <Ci -eher bildet ein Gebiet, das 
im N. etwa durch Düren-KöIn-BgGladbach (doch mit Ausläufern nach 
N. und No. bis zur Verschiebungsliuie), im 0. durch Gladbach- 
Blankenberg-Andernach, im W. durch Düren-Gemünd-Blankenheim- 
Cochem, im S. durch die Mosel zu begrenzen ist; sonst -d^ 
<^'cher moselaufwärts bis Trier und südlicher, häufig in Lothringen 
östlich der Nied, rechtsrheinisch zwischen unterer Lahn und Westerwald- 

'Bäumchen' und ^Schäfchen' stimmen in den angegebenen Er- 
scheinungen im großen Ganzen überein, nur fallt in die Augen, daSS 
bei ersterem die g- statt der cA-Schreibungen viel seltener sind, j^ 
in den meisten Gegenden ganz fehlen, wo sie bei 'Schäfchen' häufig sind' 

Legt man eine dieser Pluralpausen zum Vergleich auf eine der 
Singularpausen auf, so zeigt sich, dass das soeben beschriebene -eher- 
Gebiet größtenteils singulares -oAe-Gebiet ist, dass die Pluralform 

' Da die Osthälfte des Bezirks (etwa bis Linnich-AIdenhoTen) jedes -m 
zu -e wandelt, auch das der neutralen Plurale (vgl. hättser Anz. 20,219), so is 
nicht ausgeschlossen, dass das -chere hier auf -eherer zurückgeht; die Local 
forschung hat das nach der Qualität des -e zu entscheiden. 

• Anz. 19,110. 



— 105 — 

her hier also dnrch Anfügung des neutralen Plural-r an das singu- 
^re "die «[ -chen) sich ohne weiteres erklärt. Hingegen zum kleineren 
*eil steht der Plural -eher dem Singular -chen gegenüber, nämlich 
Q den in § 39 beschriebenen Bezirken : wie verhalten sich hier beide 
Endungen zu einander ? Die Local Forschung, insonderheit die politische 
Dialektgeographie, wird zu entscheiden haben, ob das plurale 'Cher 
auf diese singularen -rAfn-Gebiete sich von den -cAe-Gfebieten aus 
ausgedehnt hat ohne Rücksicht auf das mit ihm nicht zu vereinende 
singulare -chen, oder aber ob diese -cAen-Bezirke vielleicht einmal 
ebenfalls -che aufwiesen, neben dem der Plural -eher keine Schwierig- 
keiten macht, und erst nachträglich die Form -chen restituiert haben ; 
ich gestehe, dass mir diese -fn-6egenden aus dialektgeographischen 
Granden schon immer verdächtig erschienen. Jedenfalls werden bei 
der endgiltigen Geschichte der Endung -en in diesen Gegenden die 
Diminutiva ein wichtiges Wort mitzureden haben. 

§ 45. Der zweite der in § 43 aufgezählten Teile des westlichen 
Mitteldeutsch lässt für ^Bäumchen' und ^Schäfchen' den Plural auf 
-ercher ausgehen: der Singular endigt hier, bis auf kleine Grenz- und 
Übergangsstreifen, auf -che; die Endung -ercher ist nach dem Typus 
kindche : kindercher verständlich. Dieser Teil lehnt sich geographisch 
äo den ersten (§ 44) ostwärts an und reicht bis zu der sehr unsicheren 
Curve (östliche Orte cursiv) Waldeck (vgl. die niederdeutsche -erker- 
Fortsetzung § 18), Wildungen, Fritdar^ Borken^ Gemünden, Treysa^ 
Neustadt, Kirtorf, Alsfeld^ Lauierbachy Grünberg, Schotten, Münzen- 
Wg, Nidda, Ortenberg, Büdingen, Windecken, Hanau, Steinheim. 
Üas -ercher dieses Bezirkes (auch mit Schwächung der r -erche^ 
•^che u. ä. geschrieben) scheint überall einfacheres -eher neben sich 
zu haben (§ 44). 

§ 46. Der dritte Gebietsteil mit -erche^n) — Typus kindchein) : 

WnrfercAe(n) — erstreckt sich gen 0. bis (westliche Orte cursiv) 

WWW«, Bleicherode, Sondershausen, Ebeleben, OroMenehrich, Greußen, 

Tennstedt^ Gebesee (?), Erfurt, Gotha, Arnstadt, Ohrdruf, Plane; für 

'Bänmchen' vor der Nordhälfte dieser Linie noch einige weitergreifende 

•erchen bis gegen Sachsa, Nordhausen. Dieser Teil wird sodann durch 

die in § 39 gegebene -en/-6-Linie von der Schwalm südlich Wildungen 

iD bis zum Thuringerwald in eine nördliche -erchen- und eine süd- 

[che -ercA^-Hälfte zerlegt. Doch hat diese Südhälfte ihr zu erwartendes 



— 106 — 

-erche (Sing, -che) in einem westlichen Streifen vielfach darch neues 
Plural-n zu -erchen restituiert, dessen Sonderlinie im N. etwa der 
Grenze des Großherzogtums Hessen bei Grebenau bis hinunter nach 
Wenings folgt und südlicher noch Soden, Salmänster und Orb ein- 
schließt. 

Auch in diesem ganzen 'erche(n)-Geh\ei zahlreiche Ausnahmen 
mit einfacherem -che^n). 

§ 47. Der vierte Teil, der thüringisch-obersächsische Rest 
unseres mittleren Mitteldeutsch, weist -chen wie im Singular auf, mit 
besonders zahlreichen Ausnahmen ohne Diminutivsnffix. ^Bäumchen* 
zeigt oft Zwischenvocal (0, bis hinüber zur Niederlausitz, der nnr 
im S. gegen die -rfn-Grenze hin (§ 34. 74) seltener wird. Einige -dim 
und -echens^ -ichens in der Nähe der Verschiebungslinie bis hinaof 
gegen Sangerhausen, Halle, Bitterfeld erinnern mit ihrem -s an den 
einst niederdeutschen Charakter dieser Gegenden, ebenso vereinzelt 
im Spreewald; ferner etliche -chene (vgl. nd. -kene § 25) ebenda und 
östlicher an der untern Neiße bis zur Oder zunehmend (-c/iene^ 'chine). 
Sonst "chn statt -chen wie bei den Singularen. 

§ 48. 'Vögelchen' stellt neben die eben entworfenen Karten- 
bilder sein eigenes. Vor allem sind von dem zweiten unserer obigen 
vier Teile, dem -^cÄ^-Bezirk (§ 45), hier nur Reste vorhanden; von 
diesen abgesehen, fallen der -eher- und der -ercher-Tei] hier zu einem 
großen -cAer-Teil zusammen: man zeichne die in § 45 gegebene 
Ostlinie des dortigen -ercher von Waldeck bis Steinheim in ^i* 
'Vögelchen'-Pause und setze sie gen S. fort zwischen (östliche Orte 
cursiv) Bahenhausen^^ Dieburg, Darmstadt, Reinberg ^ Zwingenberg, 
Bensheim, Heppenheim, Weinheim (vgl. § 44 Darmstadt-Weinheim)- 
Jene ercAer-Reste finden sich in dem soeben abgetrennten großen 
-cA^r-Bezirk ; im westlichsten Lothringen jenseits einer von Sierl 
nach S. zu ziehenden Linie; nordöstlicher von Oberstein und Kirn in 
unsicherem Streifen über Sobernheim, Obermoschel, Kreuznach gegen 
Oppenheim; rechtsrheinisch von Bingen-Mainz nordwärts über Na' 
Stätten, Langen-Schwalbach, Camberg bis über die Lahn bei RuokeU 
längs der Ostgrenze des Gebietes von Frank fürt- Hanau nördlich übe^ 
Windocken, Assenheim, Münzenberg bis gegen Gießen und GrunbergV 
endlich in der Nordostecke um Frankenau und Wildungen. Man be-^ 
achte, dass es zumeist Bezirke sind, die auch bei 'Bäumchen' und 



— 107 — 

^Schäfcheo' Grenzbezirke waren. Die -chere im Nw. wie in § 44, 
ebenso die Behandlung des -er (-Mer]>-cAe, -cAa). Die g- statt der 
ck-Schreibungen ebenso häufig wie bei 'Schäfchen'. 

Das sich östlich anschließende -ercAe(n)-6ebiet ist hier ebenfalls 

enger als in § 46: seine Ostgrenze ist bei Hedemünden von der 

niederdeutschen Scheide abzuzweigen, östlich an Witzenhansen, Allen- 

clorf, Eschwege, Wanfried vorbeizuziehen, dann im Bogen wieder nach 

N.an Dingelstedt westlich vorbei und hierauf gen 0. auf die Hainleite und 

TOQ Ebeleben ungefähr wie in §46 nach S. zu leiten. Nördliches -ercAen 

treoDt sich gegen südliches -erche durch Schwalm-Thüringerwald hier 

ebeDso ab wie in § 46. Aber das dort im Westen der Südhälfte statt 

des zu erwartenden -erehe restituierte -erchen gilt hier nur für kleine 

Enclaven um Schlitz, um Lauterbach und südlicher, sonst ist statt 

dessen -ehen eingetreten, das nun mit dem südlicheren, auch für 

'Baamchen' und ^Schäfchen* constatierten -chen längs Odenwald und 

Spessart ("Chin um Lindenfels und Weinheim, bei südlich anstoßendem 

"lin § 69) ein größeres Ganze bildet; Ausnahmen mit -che statt -chen 

fehlen auch hier nicht. Das -ercfte im Osten jener Südhälfte stimmt 

^i allen drei Paradigmen, nur dass es bei 'Vögelchen' mit vielen -che 

Vermischt ist, die um Kalten-Nordheim sogar allein herrschen. 

Der thüringisch - obersächsische Rest stimmt, auch mit häufigem 
Zwischenvocal, zu 'Bäumchen* § 47. 

d) Östliches Mitteldeutsch. 

§ 49. Hier empfiehlt es sich, zuerst die vier Paradigmen mit 
einsilbigem Stammwort ('Stückchen', 'bißchen', 'Bäumchen', 'Schäfchen') 
zusammenzufassen, ^Mäuerchen' und 'Vögelchen' hinterher für sich zu 
'^^trachten. Principielle Unterschiede zwischen Singular und Plural 
^ind nicht häufig. 

Auf den Pausen jener vier Beispiele ist zunächst im N. ein Bezirk 

Abzutrennen längs der in §§ 32—35 gegebenen Grenzen vom Bober 

in bis an ihr Ostende, zu dem nach S. und 0. von größeren Ortschaften 

^och gehören Naumburg am Bober, Freistadt, Neusalz, Wartenber^ 

Trebschen, Schlawa, Kiebel, Wollstein, Rakwitz, Grätz, Opaleniza, 

Buk: dieser Bezirk hat die auflällige Endung -ang (auch -an), deren 

sichere Deutung der Localforschung überlassen werden muss; statt 

dieses -ang schon öfter das südlicher herrschende -el, besonders in 

einem mittleren Streifen des Bezirks von Bentschen über Eopnitz 

anf Beuthen zu. 



— 110 — 

(vegerla^ -irla ü. ä., um Hirschberg, Warmbrunn, Schmiedeberg -erlan) 
doch erscheinen dazwischen zahlreiche einfache -la {-lan wie § 50 
und im Norden des Bezirkes, etwa jenseits Hirsch berg-Nenmarkt, 
daneben häufige -^ha^ in der sudlichen Hälfte -ta und -ton, nnr ver- 
einzelt -erla. 

Sonst ist auch bei ^Vögelchen' för den ganzen Osten -chen das 
allgemeine Suffix. Die -ati^ (§ 49) sind auf wenige Reste um 6roo- 
berg, ZüUichau, Trebschen zusammengeschmolzen. Die -o und -(«)/ 
fehlen wie bei ^Mäuerchen'. Zieht man aber wie in § 53 Hayoao- 
Glogau und dann ostwärts, so wechselt wieder im So. '<hen mit -erk 
(vegerle^ vgl. o.). 

Oft erscheint dieses Pluralbeispiel wieder als Shnplex ohne 
Diminution. 

§ 55. Anzuschließen oder einzuschieben ist hier die isolierte 
mitteldeutsche Enclave in Ost- und Westpreußen, das sogenannte 
Hoch preußische. Ich wiederhole aus Anz. 18,308 seine Be- 
grenzung^ (mitteldeutsche Orte im Innern der Enclave cursio)- 
Gurzno, Bischofstverder^ Lessen, Garnsee, Freistadt^ Rosenberg, Riei^ 
bürg, Marienwerder, Stuhm^ Marienburg, Christburg, EOnng, iläd- 
hausen, Mehlsack, Wortndiity Landsberg, Heilsberg, Bartenstein, 
Bischofstein, Seeburg, Bischofsburg, Ofielsburg. Hier ist die Dimi' 
nutivendung für den Singular -cAe, also nur durch die Lautverschiebong 
von dem rings herum herrschenden -ke (§ 27) unterschieden; für den 
Plural links der Passarge -cAm, zu dem benachbarten niederdeutschen 
"kes stimmend,^ rechts der Passarge -che, doch ist die Grenze zwischen 
beiden Formen nicht scharf und beiderseits sind Ausnahmen, hier -ckes, 
dort -che, genug vorhanden. 

III. Oberdeutsche Diminativendongen. 

a) Die Singulare. 

§ 56. Die oberdeutschen Landschaften südlich der in §§ 30fT 
gegebenen Grenzen bilden ihre Diminutiva so gut wie ausschließlicl 
mit /-Suffixen, zeigen aber zum großen Teil auffallende Unterschied« 
zwischen Singular und Plural. Daher besprechen und zeichnen wi 
die Singular- und Pluralkarten gesondert. 

' Vgl. die Karte bei Stuhrmann Das Mitteldeutsche in Ostpreußen I (Progi 
Deutsch-Krone 1895). 

• Vgl. Anz. 23, 385. 



— 111 — 

§ 57. Wir beginnen im Sw. nnd trennen zuerst auf den drei 
igularpausen das Oberelsass ab darch eine Linie, die im W. südlich 
1 Kaisersberg beginnt, südlich von Markolsheim auf den Rhein 
iBt und diesem aufwärts folgt : ^ das abgeschnittene Stück hat für 
läuercheD' und ^Stückchen' -la (^bißchen' s. u. in § 60), das mit "le 
ecbselt; es ist derselbe a- und e- Wechsel in der Schreibung wie bei 
tder Endung -en,* es ist hier also -/fn (über -Im) zu -len geworden 
od das -en dann mit den andern Flexions-en zusammengefallen. 
inr um St. Amarin herrscht' -(e)/, zum nördlicheren Elsass (§ 58) 
timmend.' Zu jenen wechselnden 'la und -le gesellen sich in der 
^hälfte des Bezirks auch -ji, Vorboten des sich ostrheinisch .an- 
chließenden Wt-6ebietes. Zu dessen Begrenzung^ folge man von 
larkolsheim dem Rhein abwärts bis unterhalb Rheinau, ziehe dann 
ach No., sodass Lahr und Offenburg östlich. Renchen und Achern 
estlich bleiben, und folge nun ganz ungefähr der badischen Landes- 
renze nach S. bis an den Bodensee: das so abgeteilte badische Land 
at -/t (seltener -/e), aber die Grenze ist unsicher nnd schwankend 
od schickt versprengte -li noch oder schon östlicher bis ins Hohen- 
sllernsche vor. In diesem Gebiet ist also -lf(n) zu -li geworden, 
sich von den Flexions-en beeinflussen zu lassen. 



§ 58. Man setze jetzt in der eben gegebenen -Zi-Grenze östlich 
t>n Renchen ein und ziehe für 'Stückchen' und 'bißchen' weiter nach 
. zwischen (westliche Orte cursiv) Achern, Btiehl, Sieinbach^ Gems- 
wA, Wildbad, Neuenbürg, Rastatt^ Muhlburg, Karlsruhe, Heideisheim, 
Bruchsal, Ünter-Oewisheim, Uilsbach, Eppingen, Sinsheim^ Neckar- 
ischofsheimy Mosbach, Eberbachy Amorbach, Michelstadt,^ hingegen 
ir *Mäuerchen' von Renchen an weiter nach Nw. zwischen Achern, 
Qehl, Steinbach, Baden, Rastatt, Seltz, Weißenburg, Busch. Bis zu 
lesen beiden Einzellinien gilt -(e)/ (im Eisass selten daneben -ele\ 
ährcnd 'Mäuerchen' nördlich der letzten Linie -le hat. Da diese 
nie aber linksrheinisch genau die der nhd. Diphthongierung ist,* so 

* Arch. f. d. Stud. d. neu. Spr. 111,34. 

• Anz. 24,125. 

• Arch. a. a. 0. 47. 

* die H. Fischer Atlas z. Geogr. der schw. Mda. Karte 21 nicht bestimmen 
inte (Text S. 73). 

* H. Fischer hat in diesen (iegenden zu wenig Orte. 

• Anz. 18,409, Arch. a. a. 0. 42 f. 



— 112 — 

ist der Diminutiv nnterschied zwischen den Paradigmen klar: das ßr 
^Stückchen' und 'bißchen' geltende 4 gilt für 'Mänerchen' nur so wei<^ 
als seine Stammsilbe monophthongisch geblieben, während da, wo sie 
diphthongiert und das Stammwort dadurch zweisilbig geworden isi^ 
die alte Diminutivendung einen stärkeren Nebenictus behielt nnd 
deshalb ihren Yocal nicht abwarf (mirle ^ mirlj aber mderli). Damit 
ist auch erwiesen, dass das -/ im Elsass und nördlicher auf -Ü^n^ 
nicht auf einfaches mhd. -/ zurückgeht,' und dass der Vocalab&ll 
hinter ihm junger ist als die nördlichere nhd. Diphthongierung. 

§ 59. Nunmehr schließt sich für alle drei Singularbeispiele nach 
0. ein weites -/«-Gebiet an, das vom Spessart bis nach Oberbayern 
so zu begrenzen ist (Orte östlich der Linie cursiv): Stadtprozelten, 
Dertingen^ Eälsheim, Tauberbischofsheim, Grünsfeld^ Lauda, Königi- 
hofen, Boxberg, Mergentheim ^ Erautheim, Barienstein (unsicherer 
Grenzort), Langenburg, Ilshofen, Crailsheim, Feuchtwangen^ Dinkel»- 
böhl (unsicher), Wassertrüdingen^ ÖUingen, Nördlingen, Donauwörth, 
i2atn, mit dem Lech aufwärts bis zwischen Augsburg und Landsberg, 
unsicher gen W. und Sw. zwischen Mindelheim, Memmingen, Ka^- 
beuten , Kempten , Füßen} Der so abgeteilte große Bezirk hat A^ 
d. i. *-!i(n), wobei wiederum zu beachten ist, dass die vocalische Ent- 
wicklung sich nicht wie im Oberelsass (§ 57) der der flexivischen -^ 
angeschlossen hat, die vielmehr zu -a hätte fähren müssen.* Neben 
diesem vorherrschenden -le sind im linkslechischen Bayern schon 
etliche -la eingedrungen, ebenso im Nordteil des Gebietes etwa nörd- 
lich Karlsruhe-Bartenstein; daneben vereinzelte -li im hohenzollem- 
schen Südwesten (§ 57), sowie etwa innerhalb des Winkels Amorbacb- 
Heilbronn-Nördlingen, besonders in den Gegenden von Öhringen and 
Löwenstein. 

§ 60. Die in § 57—59 gegebenen -/-, -K-, -te-Grenzen gelten in 
allgemeinen auch für ^bißchen'; aber dies Paradigma steht in einen 
breiten Grenzstreifen längs der südlichen Reichsgrenze vom Elsass bi 
nach Oberbayern dennoch für sich, indem hier seine Stammsilbe di 

» Unrichtig daher H. Fischer Text S. 73. 

* Bei H. Fischer Karte 21 ist der Nordteil der Grenze bis Ingelfingen falsc 
dagegen stimmt der Nordostteil vorzüglich zu Wenkers Linie, während der südlicl 
Rest in Oberschwabon bei beiden Gelehrten dasselbe große Schwanken zeigt 

• Anz. 24,127. 



— 113 — 

Sestalt hie-y bite- aufweist. Die Nordgrenze dieses bUf^ ist zHüächsi 
im W. von Kaisersberg bis Rheinau annähernd dieselbe wie die in 
§ 57, nnr zwischen Münster und Breisach schon vielfach nach S. 
xarückgedrängt , länft dann aber weiter gen 0. ungefähr aber Mahl- 
berg, Ettenheim, Elzach, Triberg, Yillingen, Spaichingen, Mühlheim, 
Friedingen, Messkirch, Scheer, Niedlingen, Hayingen, Ehingen (doch 
hier vereinzelte tjs noch westlicher bis gegen Ehingen, Trochtelfingen, 
Münsingen), Memmingen, Kaufbeuren und von hier gen Ssw. auf die 
Beichsgrenze. Dieses ^^-Gebiet hat um St. Amarin im Elsass büe(e)l 
(mit der Endung des § 57), eine interessante Compromissform zwischen 
nördlichem bissei und südlichem bitsdy^ sonst aber im Elsass eben 
bin (seltener büjBeley ^ala mit der in § 57 gegebenen Endung). 

Dieses bitsi fallt auf, einmal durch die Z-lose Diminutivendung 
Und sodann durch sein U^ das auf altes tt hinweist. Beides, die 
Diminutivbildung ohne l und die Consonantengemination, hängt ohne 
Frage zusammen, wie andre Beispiele zeigen (jsickiy kitzi\^ d. h. die 
letztere veranlasst uns, in der ersteren eine alte j-Bildung zu sehen. 
Dadurch werden wir an die Controverse erinnert, ob in den ahd. 
Biminutivbildungen auf -i(n) und -/f(tt) alte neutrale -Ja-Stämme mit 
secnndärem n-Einschub oder -Tna-Bildungen mit lautgesetzlichem 
n-Schwund im Auslaut vorliegen. Nachdem Wilmanns schon früher^ 
^ine Mischung verschiedener Bildungen für möglich erklärt hatte, 
bat er das jetzt ^ näher ausgeführt: „Vermutlich lagen verschiedene 
Stammbildungen vor: vocalische Stämme auf -f, die nur auf dem 
Grande von i- oder Jo-Stämmen erwachsen sein können, und Ab- 
leitungen mit dem Suffix -Jno-.^ In der Tat schafft nur die Annahme 
einer solchen Mischung Klarheit, für das oberelsässische biiei ebenso 
wie für die althochdeutschen Formen überhaupt. Unser büzi kann 
nicht lautgesetzlich aus einstigem *bitzTn entwickelt sein, weil nach 
§ 57 im Oberelsass HTn hätte zu -a (-a, -e) werden müssen und daher 
bäid zu erwarten wäre, und weil ferner das ijs unerklärt bliebe. Unser 
hüjn kann auch nicht lautgesetzlich auf einstiges *bit/si (<^ bit-ja-) 
2Qrückgehen, weil sein auslautender Vocal dann im heutigen Ober- 
elsässisch geschwunden sein müsste.^ Unser bÜ£fi kann vielmehr nur 



* Arch. a. a. 0. 34 f. 

' Dtscb. Gramm. II § 243 Anm. 2. 

' Prager deutsche Studien 8 (Festschrift für Kelle) S. 6 ff. des Sonderabzugs. 

* Vgl. ahd. hirti, kOsi, beUi, gibirgi und elsass. hirt, hhd9, pH, lapfrk 
Ichreibung des Wörterb. d. eis. Mdaa.). 

J>6iiitMh6 Dlalektgeographl« I 8 



I 



auf *6i7£7 bernbeo ; ' fSr dieses aber, seio tß und sein -7, sehe ic 
keinen andern Deutungsweg als den eines Compromisses zwiEcfaei 
'bihi (<^bit'ja-) nnd •M;;!« (^'Cbtt-lna-'). Jenes 'bittn kann in dem 

Dat. sing, bisze bei Notker vorliegen, auch in mhd. 6/^ (oebea 
häufigerem bi^).* Aber auch sonst giebt es für alle altoberdeutschen 
Diminutiva auf -i eine große Grippe von Bildungen, deren Einwirkang, 
analog der des 'bitzi, sich zur Erklärung dari>ietet. Seit Poliio" 
wissen vir, dass die althochdeutschen Diminutiv» fast ausscbließlidi 
der Glossen- oder Übersetzungsliteratur angehören, daas sie hingegsa 
in den originalen Denkmälern fehlen, d. h. dass sie den althoc!i-l 
deutschen Mundarten fremd waren; die überlieferten -fn-BUdnngffljj 
sind Verlegenheitsformen nach Analogie der Bezeichnung für TierJBiifV| 
und die -lln zeigen das alte i-Suffix kosender Anrede mit demselben 
-in erweitert. Die kosende Anrede aber. d. h. die Kosenameubildniidl 
konnte noch mit einer andern Endung aushelfen, mit dem hypf 
koristischeu -j der Eigennamen. Es ist bei allen Germanen beieogl' 
und gerade im Oberdeutschen bis heute lebendig.' Zu Grunde lieg 
eine alte -;'a-Bildung.' Und dieses -i hat schon im Alloberdeatschv 
die seltenen -fn-Formen beeinilusst und ihres -n im Nominativ ba 
ranbt. Dass diese Hypokoristika ihr -i im Laufe der Jahrbnndait 
nicht verloren haben, wie kirli~^ liirt, ist vielleicht in seiner Iiii| 
begründet,' und diese wäre aus dem Compromiss mit den -fn-Bildungi 
leicht zu verstehen. Aber auch ohne dies würde sich die Erhalt« 
des -i ohne weiteres begreifen lassen aus der Sonderstellung, die ^ 
Eigennamen so oft in der Lautgeschicbte einnehmen: das kosende- 
ist hier wortschöpferisch bis auf heute und deshalb, den Lautgesett ' 
der AppelUtiva zum Trotz, erhalten geblieben.* Und so sehe loh: 
diesen alemannischen Bildungen auf -i eine wertvolle Stütze meia ' 

' Vgl, ahd. burdi, hohi und elsäss. pürli, höehi; die Belegorte des Wb, 
eis. Udka. für diese t'-Formen liegen sümtUch in UDserm Atfn'-Gebiet. 

' Vgl. Braune Ahd. Gr.' § IGO Änm. 4. ßher diminutiTeajo b. Kluge N« 
Stftmmbild.' § 64 Aom. 3. 

' S. 7. 11. 18ff. 

* Stark, KoseDamen, VfSB 53,300. 339; neuerdingi besonders Rad. K 
Ob. d. Namen d. nordhumbr. Liber Vitse CPalaeslr« IX, Berlin 1901) S. H 

' Auch eis. GoBt lu 'Gottfried', Natai im 'Ignii', Fritä, Butdi u. ». i 

• Wredt Spr. d. Ostgot. (QP 68, Straflburg 1891) 194; Socin Mbd. Nil ^ 
buch (Basel 1903) 182. 

' Schall Altbair. Gramm. (Güttingen 1907) § 101. 
' Vgl. Zimmer Zs. f. »gl. Sprachf. 32, 197. 



^HJl 



— 115 — 

HeiDODg, das8 die deutschen Diminativa von den Kosenamen aas- 
gegaogen sind. Soeben hat Behaghel^ die Vermutung geäußert, dass 
io den alemannischen Nomina agentis auf -t, wie eis. pfitei^ pflenni^ 
ffßüeri, das -i der Kosenamen vorliege; er hat sicherlich Recht, und 
lange steht mir fest, dass z. B. die mannigfachen -i-Personalia in der 
Nidwaldner Mundart^ samt und sonders in dem alten hypokoristischen 
-I ihre Wurzel haben. Die altoberdeutschen Diminutiva auf -I zeigen 
den ersten nachweisbaren Anfang dieses Einflusses,^ unser ober- 
elsassisches bitsfi ist ein letzter Rest dieser ältesten Schicht ober- 
deutscher Diminutivbildung. Neben ihm stehen schon eindringende 
ükdb (s. o.)f wie neben den Natsi und Fritei die Nazdh und Fritzdl» 
\ stehen, die alte Form ist in der appellativen Sprache dem Untergang 
i geweiht, ihr -t wird von dem volleren -Id verdrängt, wie es nach § 57 
L for \\lä|}erchen' und ^Stückchen' allein üblich ist. Dabei ist für das 
, Oberelsass also charakteristisch, dass jene Mischung mit der alten 
[ -jb-Endung nur einstiges -in, nicht das vollere -/fn betroffen hat, 
kc während in andern alemannischen Mundarten, z. B. in Nidwaiden, 
t auch dies an dem Compromiss teilgenommen hat, wie der gleich- 
. miBige Auslaut der -i- und -{f-Diminutiva dort und anderwärts erweist. 

' § 61. In dem ostrheinischen Teil des im Eingang von § 60 ab- 

, gef^ozten 6ifir-6ebietes weist das erhaltene U ebenfalls auf einstiges 
^^Mürt; hier ist dies aber bereits überall mit neuem ^-lin erweitert. 



XinA 80 schließt sich rechts vom Rhein zunächst biteeli^ -ili au, mit 
der io § 57 gegebenen Endungsgestalt, ungefähr bis Messkirch-Stockach 

. ind an den Bodensee, sowie für den östlichsten Rest hü&{e)le (§ 59). 

»Letzteres ist aber schon ganz mit bissle durchsetzt, die alten /^-Formen 

.sind im Rückgang begriffen. Dass sie überhaupt in dem ganzen 
-It^ßezirk nicht mehr lebensfrisch sind, beweisen die massenhaften 
Venig', die in den SA-Übersetzungen dafür eingesetzt sind, die zwar 
auch sonst überall im Oberdeutschen neben M^ißchen' nicht fehlen, 

^rgends aber in solcher Fülle auftreten wie hier. 

§ 62. An das in § 59 für die drei Singulare beschriebene 
bfe-Gebiet schließt sich nach 0. ein großes, vom Thüringerwald bis 

» .Literaturbl. 1908 Sp. 187. 
I * Odermatt Die Diminution in der Nidwaldner Mundart (Abb. bg. ▼. d. Qe- 

:ltiisch. f. dtsch. Spr. in Zürich IX, 1904) S. 62 fr. 71 ff. 

' Beachte besonders den Nom. Acc. plur. auf -tu (Braune Ahd. Grm.* 
f 196 Anm. 3; 198 Anm. 5). 

8» 



l 



— 116 — 

tu den bayrischen Alpen reichendes -Za-Gebiet Seine nnsichere 
Nordgrense siehe man angefahr von Bischofsheim an der Rhön über 
Mellrichstadt und Romhild nach Rodach, von da nordlich über Hild- 
burghansen nach Schleasingen , weiter auf Teaschnitz am FraDkeo- 
wald and von hier mit der Nordgrenze des Königreichs Bayern ost- 
wärts. Seine Ostgrenze ist für die Singulare 'Stückchen* und 
^bißchen' hier am Erzgebirge zu beginnen und dann gen Sw. Qod 
& SU ziehen zwischen (westlich verbleibende Orte eursiv) WeÜM- 
siadiy Wunsiedel, Gotderonach^ Baireuth^ Creußen, Waischenfäd, 
Pottenstein, EbermannMadt ^ Betzenstein, Forehheimj Baiersdorf^ 
Gr&fenberg (zweifelhafter Grenzort), Erlangen^ Velden, Lauf^ Hers- 
binck« Nrnrubergy Altdorf, Albersberg« jBoM, HüpoUsUin^ Freystadt, 
Htid^Ay Berching, Beilngries, Eidistädt^ Ingolstadt, Neuburg und 
von hier unsicher südwärts zum Walchensee.' Das so nach W. ab- 
gegrenzte große Gebiet hat -7a, im Lande der fränkischen Saale anck 
^e^ ebenso längs der ganzen Grenze des westlicheren -fo-Besirkes 
(§ 59X zumal in der Lechgegend« auch -li bei Uffenheim, Cregliogen, 
RtS^tingen« wo sich dicht dat>ei zwischen Aub und Grünsfeld eine 
kleine -^Endave heraushebt. 

Dieses 4a konnte über verkürztes >/en und -7m auf mooo- 
phÜKVdgisches -ifn zurückgeführt werden , wie ein Vergleich mit den 
Karten vers^'^hieJener Flexion^-e» zeigt. Aber seine Westgrenze e^ 
iuMft vielEach an die der Diphthongierung in amf^ der unbetonten 
Pmepdisition «' wie ein Vergleich der Karten Idirt. und wahrscheio- 
liclier wirvl daher das -i^ auf diphthongiertes -iaim <^ -tei zurückgehen.' 

Die g^^bene Ostsoheide des -^«i galt für "Stückchen* und ^bißchen'; 
hing^f$«Ni ist die für 'Manerchen* etwa^w wenn auch recht unbestimmti 
tu eraeiteni und i^twa ;n Iei:en zwischen Tirschenreut, KemwA^ 
Ne«»4a«it^ iVrjkiirtk i^fy^:«^^ Auerhach. BfUfmititL, Velden. UerAnA^ 
JW>irf, XeöÄari:. Jf^frviiüj, Däeirnns BnimfneK Ingolstadt; dock 
kMimt a»ch iarübeT hir-ans in ier Oberpfzlz iberall, von X. nacfc 



§ ^^ IVr rair:$che Resa ier Reickskane« osdich d& ge- 
<^-<^^ec7e:: . ha: :&r *Mal^e^ciMS^ a^ßer dea eben erwähnten 



* Vf^ nth^y C9<i>h^«r^ v^*ib3uu ^ Ssrxhfr. Bai. JtrMMgi Sewahing VII, 



— 117 — 

m N. noch hereinragenden -la nur -l; doch ist die bei diesem Worte 
ingewohnte Diminntion oft weggelassen. ^Stückchen' und ^bißchen' 
(eigen aoch im N. kein -la mehr, sondern im ganzen bairischen 
Dialektbezirk -4. Neben dieses tritt bei ^Stückchen' in der Oberpfalz 
-erl (-a/, 'arl)j in ihrer nördlichen Hälfte noch selten, in ihrer süd- 
lichen zanehmend; in Niederbayern wechseln beide Endungen, und 
vereinzelt treten palatalisierte -e», -a>, -i, -ö, -ä hinzu ; in Oberbayern 
endlich fehlen östlich der ungePahren Linie Ammersee-Moosburg die 
-erl ganz, vielmehr herrschen die -/ oder -ei (-i, -ö u. s. w.), während 
westlich derselben -/, -er/, -ei wechseln. ^Bißchen' stimmt im all- 
gemeinen zu ^Stückchen', nur dass die palatalisierten -ei u. s. w. nach 
N. eingeschränkter scheinen : Niederbayern zeigt sie hier nur ganz 
vereinzelt im Bayrischen Wald und Oberbayern nicht aber die un- 
gefähre Linie Warmsee- Moosburg hinaus, westlich deren nur -I oder 
-erl nberliefert werden. Feste Linien sind jedoch für diese bairischen 
Verschiedenheiten nirgends zu ziehen und auch sicher nirgends vor- 
handen. 

§ 64. Es ist die Frage, wie diese bairischen Bildungen historisch 
AQrzafassen sind, ob sie auf mhd. -el oder -eltn zurückgehen. Für 
die Oberpfalz wird diese Frage durch die restierenden -2a in ^Mäuerchen' 
(8 63) entschieden : sie sind nicht etwa Eindringlinge aus dem west- 
licheren fränkischen -/a-Gebiet (§ 62), schon weil sie dann auch bei 
'Stückchen' und 'bißchen* zu erwarten wären, wo sie tatsächlich 
fehlen; vielmehr beruhen sie auf dem stärkeren Nebenictus des drei- 
silbigen mdierläin <^ *mürltn^ während die zweisilbig bleibenden 
itUdain und bislain die minder betonte Endsilbe allmählich ihres 
silbischen Charakters ganz beraubt haben. Die Sache liegt hier also 
ebenso wie im nördlichen Elsass (§ 58). In Nieder- und Oberbayern 
fehlen aber solche restierende -!a, und man wird deshalb geneigt sein, 
^lie dortigen Formen (§ 63) auf -el, nicht auf -rifn zurückzuführen. 
^ liegen nun zum Vergleich die Endungskarten von 'Löffel' und 
Apfel' im SA vor: sie zeigen in ganz Nieder- und Oberbayern pala- 
'«lisiertes -ri, d. i. -e;, -ß», -j, -tf, -ö u. s. w. Diese Palatalisierung 
^W ist bei unsern Diminutiven bei weitem nicht so ausgedehnt: in 
^iederbayern ist sie selten und in Oberbayern ebenfalls nicht all- 
gemein (§ 63). Nun könnte dieser Unterschied lautliche Gründe 
•^aben, denn in 'Löffel' und 'Apfel' geht dem Endsuffix ein Ubial 
voraus, in unsern singularen Diminutiven nicht, und nach Schwäbl ' 

' Schwäbl Die altbay. Mda. (Mönchen 1903) S. 27. 



I 



soll wenigstens in Niederhayern das / des -ei-Saffixea vocalisch setiM 
nur, wenn der vorangehende Wortstamm anf einen Lippenlaut ansuchte 
Aber diese Regel kann in solcher Allf;emeinheit nicht richtig seiQ. 
da von unseren pluralen Beispielen auch 'Büumchen' und 'f-chäfchen*, 
mit Labial vor dem SuTlix , dennoch in ihrer geographischen Aus- 
dehnung des palatalisierten l nicht zu 'Löffel' und 'Apfel', sondern 
zu unsern singularen Diminutiven stimmen (§ 73). Vieiraehr wird 
der Unterschied darauf beruhen, dasB jene eigenartige Vocalisierung 
in Nieder- und Oberbayern ' nur diejeuigeu l trifft, die mit dem 
vorhergehenden Vocal zu derselben Silbe gehören,* nicht aber die 
siibenanlauCenden (wie auch iiichi die / im Wortanfang), Hiernacb 
wird also dort, wo sich 'Löffel' und 'Aprel' mit palatalisiertem l und 
die Diminutivs ohne dieses gegenüberstehen, für letztere eben nicht 
einstiges -el, sondern -elfn vorausKUsetisen sein, während diminutiva 
mhd. -e/ nur dort zu gelten hat, wo es, zu der Endung von 'LöHel' 
und 'ApI'el' sliramend, heute Palatalisieruug zeigt, d. h. im östliche 
Oberbayern und iti wenigen niederbayrischen Grenzstrichen, Wem 
dieses Resultat unwahrscheinlich ist, weil bisher alte unsere '-Bildungen 
auf lüngeres -iTn, nicht auf kurzes -i zurückführten, der mues bti 
nnsern Paradigmen auch für ganz Bayern einstiges ■(_e)[tn vorauseetuto. 
de.ssen lautliche Reduclion, wie alle bairischen Apo- und SynkapeSi 
im S. begonnen hätte und nach N. fortgeschritten wäre; sie könnW 
in den südlichsten Gegenden früher eingetreten sein als die Mouitlieroni 
des silbeschiießenden l, und das vom alten -elin übrig bleibende-^ 
konnte daher später an dieser teilnehmen: bissej vie apfej, 90 ii" 
östlichen Oberbayern und vereinzelt in Niederbayern; im westlichen 
Oberbayeru und in Niederbayern aber wäre die Reduction des -elW 
spater eingetreten, als die in schnellerem Tempo sich ansbreitendß 
Mouillierung des silbeschiießenden l schon vollendet war: daher bisul 
neben apfej. Aber es will mir nicht in den Sinn, auf diese Weise 
die massenhaften mhd. Diminutiva auf -el aus der heutigen Mundart 
ganz herauszuescamotieren, und ich bleibe lieber bei meiner ersten 
Annahme von nördlichem -ehn und südlichem -el, wobei die Fi»ge 
nach dem Verhältnis ihrer gegenseitigen Begrenzung von heute und 
einst auf ganz anderm Blatte steht. 

Die volleren -ert, -aW, -al neben den kurzen -l sind die zärt- 
licheren, kosenden Formen,* mögen sie nun von -«r-Wörtern wie 

' Am;. ai,275. 24.-2Ülf. 

• SchmallBr D. Mdaa. Bay. S. 108fl, 

■ Scbmeller S. 297 f., Scbnäbl S. 57} Tgl. auch oben § 7. 




— 119 — 

fingerly wasserl aas verallgemeioert worden sein^ oder von -er-Pin- 
Talen aas. 

§ 65. Die letzten Randgebiete des Nordens, links and rechts 
vom Thüringerwald bis za den in § 30 ff. mitgeteilten Einzellinien, 
zeigen bei ^Mäuerchen' -le^ das östlich vom Thüringerwald mit -la 
wechselt; bei ^Stückchen' und ^bißchen' ebenfalls -ie westlich vom 
Thüringerwald and in einem schmalen Streifen an seinem Südostende, 
ZQ dem nach N. and 0. noch Grafenthal, Probstzella, Schleiz (in seiner 
Umgegend büle)^ Mühltroff, Tanna gehören, im übrigen -(e)! (im 
sachsischen Vogtland hiU)^ das dann ins Ostmitteldeatsche hinein 
(§ 52) sich fortsetzt. Die Verschiedenheit der Diminativbildang bei 
^Stückchen' and ^bißchen' einerseits and bei 'Mäaerchen' andrerseits 
erklärt sich ebenso wie die elsassische and oberpfalzische in § 58 and 
64 and weist anch hier aaf dasselbe einstige -Un (ohne Diphthon- 
gieroDg, wie deren Aasdehnang bei der Präposition auf wiederum 
zeigt, vgl. 0. § 62). Der Abfall des aaslaatenden -n findet zwar nicht 
in der Gestaltang der Flexionsn^n, wohl aber aaf SA-Karten wie meiny 
sein sein Analogen. 

b) Die Plarale. 

§ 66. Aach aaf den Plaralskizzen beginnen wir im Sw. and 
tragen aaf den drei Pansen wie für den Singnlar (§ 57) die ober- 
elsassische Carve Kaisersberg-Markolsheim ein and dann wenig süd- 
lich davon etwa parallel die Linie Münster-Breisach, so dass ersteres 
nördlich and letzteres südlich bleibt: das damit abgeteilte kleine 
Gebiet am Munster and Colmar hat die Plnralendnng -/^r, -lar^ an 
das singulare -!«, -la ist das anch sonst bei manchen Neutren dort 
äbliche -r getreten,^ und die Mundart muss das Bedürfnis oder die 
Gewohnheit gehabt haben, singulare und plarale Diminutiva zu unter- 
^heiden; sie teilt diese Eigenheit mit dem nördlichen Elsass (§ 67), 
^&r sich als Grenzdialekt gegen das nicht unterscheidende Ober- 
^'sassisch dieser Eigenart besonders bewusst und^^ersetzte die alte, 
^*^rch die sprachliche Entwicklung verwischte Unterscheidung durch 
^*8 deutliche Plural-r. Das südlichere Oberelsass hat im Plural, mit 
^^^n Singular übereinstimmend, -/a -le -li (§ 57), nur die -(^)l bei 
^^- -Amarin sind hier (wie im nördlichen Elsass, § 67) durch -la -le 

* so zuerst Grimm Gr. III 674. 

* Mankel Straßburger Studien U (1884) 135. 192. 



— 120 — 

tn ersetzen. Ostrheinisch schließt sich -li wie im Singnlar ao, unJ 
dessen Grenze {Markoisheim-Rheinau-Bodensee) ist ans § 57 hier (äi 
die Plurale zu wiederholen. Abgesehen von dem r-Bezirlc und der 
Enclave um St. Amarin, decken sich also bisher die Singular- und 
Plnralbildnogen and gehen auf dasselbe -Itin) zurück. 

§ 67. Man ziehe sodann von der Nordspitze des rechtsrheinischen 
-/('-Gebietes nordwärts ungefähr über Gernsbach, Ettlingen, KarUrah« 
an den Rhein und mit diesem abwärts bis Mannheim, dann gilt för 
den so abgetrennten Westen -/« (um Maursmünster bei 'BäumcheD' 
-ele, das sonst nur gann vereinzelt erscheint; für 'Schäfchen' Öfter 
'Lsramchen' oder 'Hammelchen'), durchsetzt mit -/a, das imS. vorherrscht 
und nach N. abnimmt. In der bayrischen Pfalz längs der mittel- 
deutschen Sudscheide um Landau und Bergzabern hebt sich, au du 
nördlichere -elcher (§ 44) sich anlehnend, eine separierte Enclave mit 
der diminutiven Plaralendung -lieh ab. Dieses -lieh bringt zngleicli 
die Erklärung für den aulTälligen Unterschied des elsassischeu -(r)/ in 
Singular (§ 58) von dem eben genannten -le, -la im Plural: die» 
gehen auf älteres -lach zurück; zum ersten Mal tritt uns hier jene 
eigenartige collectivische Pluralbildung' entgegen, die uns nun noch 
öfter die Unterschiede zwischen Singular und Plural deuten wird.' 
Leider bringt der SA keine Karte eines Adjectivums auf -lieh tnin 
Vergleich: doch bieten schon die verschiedenen Karten von ich,' diA, 
euch, auch u. a. genügende Analoga für den cA-Äbfall. Dagegen hibe 
ich für die verschiedene Gestaltung des übrig bleibenden Vocals, (Bt 
i-Umlaut von altem a in der Nebensilbe, leider kein Vergle ichsmateriiL 
Aber es kann an der Richtigkeit der Erklärung kitum ein Zweit»! 
bestehen — nur in Grenzgegenden tritt hier und da Unsicherheit ein 
— , weil verschiedene Vocalentwicklung in demselben singularen ond 
pluraleo -lln überall rätselhaft bliebe. LTnsichere Grenzgegenden e^ 
geben sich bei dem Vergleich zwischen dem singularen 'Mänerohen', 
das in diesen Rheingegenden von 'Stückchen' nnd 'bißchen' abwich 
C§ 58), und den Pluralen: die Karten zeigen in beiden Fällen längs 
dem rechten Rheinufer von Steinbach über Baden und Rastatt bis 
Mülilburg und längs dem linken Ufer von der Lauter über Rhein- 

' riebtig lerstanden icboD Ton Scbmeller S. 338. 

* Zu der b«i H. Fiacber S. *3 verzeichneteD Literatur kommt DBiierdlnga 
TOr »ll«m Landiu Dtscb. Mdaa. (bg. v. Nagl) I (Wieu 1895—1901) S, 46 ff. 
■ Abi. 18,309. 





— 121 - 

sabem und Speyer bis Mannheim dasselbe -k; ich kann nicht ent- 
•oheiden, ob hier wirklich laatliche Identität vorliegt, also 'le<^^lin 
und 'le<!i'lich zosam mengefallen sind (ähnlich in § 72). 

§ 68. Man setze auf den Pausblättern nunmehr wieder bei Gerns- 
bach im nordlichen Schwarzwald ein und ziehe nach So. zwischen 
(östliche Orte cursw) Wüdbady Zavelstein, Bulach^ Berneck, Alten- 
steig, Wüdberg^ Nagold, Herreriberg^ Tübingen^ Rottenburg, Reutlingen^ 
PfMingen^ Trochtelfingen ^ Gammertingen , Hettingen (die beiden 
leisten unsichere Grenzorte), Yeringen, Sigmaringen, Scheer (unsicher), 
tfMendarf^ Stockach an das Nordende des Bodensees. Die so ab- 
geteilte Landschaft des oberen Neckar^ hat wie im Singular (§ 59) 
4i mit vom W. her versprengten -li (§ 66) und vom 0. her ver- 
sprengten -/<[ (§ 70). Von letzteren abgesehen, stimmt hier also die 
SiDgular- und Pluralendung überein, d. h. beide beruhen auf altem -/f(n). 

§ 69. Wir schließen ein paar für sich stehende Enclaven an; 
SQQichst eine dem Bodensee vorgelagerte mit Pfullendorf, Überlingen, 
Markdorf, Tettnang (Ravensburg scheint unsicherer Grenzort), die 
den Plural vorwiegend auf -/f'n, -len bildet; doch fehlen nicht zum 
ar (§ 59) stimmende -/i, -le* Man ziehe ferner, im N. wieder 
bei Gernsbach im Schwarzwald einsetzend , gen No. zwischen (west- 
liche Orte eursiv) Neuenbürg, Pforzheim, Knittlingen, Bretten, Gochs- 
him, Eppingen, Hilsbach, Schwaigern, Wimpfen, Neckarsnlm, Neuen- 
stadt, Neudenau, Möckmiihl, Mosbach, Ebm-bach, Amorbach und halbiere 
das 80 abgeschnittene Weststück etwa durch Germersheim-Wimpfen ; 
daDD hat das nach S. abgeschnittene Dreieck mit Dnrlach und Bruchsal 
'im, freilich wieder durchsetzt mit zahlreichen -le,* die nördlichere 
Keckarlandschaft von Mannheim bis Wimpfen -lin (seltener -len, 
nordlich vom Neckar bei *Bäumchen' und 'Schäfchen' auch -In), in 
ihrer Osthälfte (besonders um Mosbach) auch -ling (in der Westhälfte 
statt 'Schäfchen' meist 'Hammelchen', § 71). 

Für diese n-Formen ist die Erklärung schwierig. Für die Enclave 

am Bodensee gäbe zwar die SA-Karte der Praeposition in sofort ein 

Analogen der Bewahrung des auslautenden -n, für die nördliche außer 

dieser auch die im-Karte u. a. Aber man fragt dann sofort, warum 

Übereinstimmung in der Entwicklung des -in nur auf diese 

* Vgl. H. Fischer, 
daher die unsichere Andeutung auf Fischers K^rte. 



winzigen Bezirke beschränkt ist, hinßefj;eD in der ^''^^^i weiten 
Nachbarschaft sonst veraaj^, ja vor allem, warnm sie nur für dw 
plarale -lin ^ilt, nicht Tür das ainKnlare. Die Bewabrnng des n ist 
eben Plarslcharakteristicum. Die dialektgeographische Orientiernng 
zeigt weiter, dass die Enclaven (irenzstrichB sind, die an größere, 
den diminntiven Singular und Plural deutlich scheidende (tebiet« 
sich anlehnen, die am Bodensee an östliches schwäbisches -In (§ 70), 
die nördliche an dasselbe -In und an friinkisches -li (§ 71). Und w 
sind in diesen -n gewiss junge Neubildungen zu sehen, die den Plunl 
charakterisieren sollen, ähnlich wie die r-Forinen im elsiissischeD 
Münstertale (§ G&). Nälieres über die l.iutliche Geschichte kann hier 
nur die LocalTorschung bringen. Für die -linij am Neckar südlicli 
vom Odenwald möchte ich notieren . dass im HandschuhsheitiKr 
Dialekt (also etwas westlicher) die ahd. Abstracta auT -In heote ist 
-hig ausgehen, eine Com promissbil düng zwischen dem abstracten -F" 
und -iinffi' vielleicht hat dieses abstracte -intf liier Ersatz geboten, 
als das collective -ach, -ich zn -u und -i in -/« und -li verstümuielt 
war und namentlich in jenen Grenzstrichen als Pluralbezeichnnng rt 
schwach erschien. 

§ 70. Jetzt gilt es das noch übrige Schwäbisch auf den 
Pluralpausen abzutrennen. Wir setzen am Ostziprel des znlelit mar 
getragenen -(in-ßezirkes bei Neuenstadi am Kocher ein und zieiian 
gen So. zwischen (nördliche Orte cursiv) Öhringen, Weiusberg, Löweo- 
Btein. Hall (zweifelhafter Grenzort), Gaildorf, Vellherg. EllwaiigsB. 
Dinktlsbühl, Wasseiirudingen, Oltim/en, Nbrdlingon.' Monheim, PonW- 
wörth, Rain und weiter mit dem Lech aufwärts: dies schwäbisch« 
Gebiet hat -la, seltener -le. Die Schreibungen im einzelnen atimtasn 
ganz zu denen der flexiven -a<^-rn' und würden an sich den Schln« 
gestatten, dass dieses plurale -la über -len auf -Im zurückgehe. Und 
doch wäre er falsch, weil beim Singular nicht dieselbe Form, sondern 
abweichendes -le (§ 59) zu constatieren war. Diese ganz verschiedeo» 
Gestalt des heutigen Suflixvocals im Singular und Plural zwingt dazu* 
in beiden Suffixformen nicht dieselbe Grundlorm -lln vorauszusetzen - 
geht aber das singulare -le auf einstiges -'i(n), so bleibt für das plural^ 
■Iq nur das collective -lach übrig mit schwäbischem Schwund des -eh. 

• Uns Der Hatidschuhshm. Dialekt 1 (Lpi. 18&8) S. 38. 
' Bis hierber vgl. E. Fiacber; üstlicber ist seioB Grenz« 

• km. 24,127. 

• Am. 18,809. 23,101. 





— 128 — 

Schwäbische Belege för dieses -lach gaben schon Weinhold ^ and be- 
Kmders Birlinger,' and in neuerer Zeit ist vor allem auf Landaa' ku 
verweisen. 

Das rechte Lechufer hat bis zur ungefähren Linie Walchen- 
«ee-Neaburg a. d. Donau* -/an, -len^ 4in (seltener -/a, -le) mit dem- 
selben -n, das uns schon in § 69 begegnete und hier wie dort als 
JQDges Ersatzmittel zu gelten haben wird für das einstige, den Plural 
charakterisierende -eA.* 

§ 71. Im Norden ziehe man weiter von Neudenau am Jagst 
ostwärts, dicht nördlich vorbei an Möckmühl, Widdern, Forchtenberg, 
logelfingen, Künzelsau, Langenburg, llshofen, Crailsheim und östlich 
davoD auf die schwäbische Scheide:* die so herausgeschnittene Kocher- 
l&ndscbaft hat 4ich. 

Man ziehe zwischen (nördliche Orte cursiv) Lahr a. Main^ Ge- 
^ündm^ Karlstadt, Hammelburg^ Schweinfurt, Hassfurt (zweifelhaft), 
Königsberg^ Zeil, Eltmann und, hier nach N. umbiegend, weiter 
zwischen (westliche Orte cursiv) Ebern, Sesslach, Ummerstadt, Held- 
korg, Rodach, Bömhild, Hildburghausen, Tbemar, endlich gen W. 
zwischen (sädliche Orte cursiv) Mellrichstadt^ Osikeim^ Fladungen, 
Bisdiofsheiw : auch dieses Gebiet der fränkischen Saale hat -lieh 
(seltener -/i, besonders in der Südhälfte).'' 

Nunmehr sind die Tauber- und mittleren Main-, die oberen Alt- 
mühl- und Rednitzgegenden abzutrennen durch eine Curve, die vom 
Sädostzipfel des letzten -/icA-Gebietes bei Eltmann am Main nach 
Nenbarg an die Donau führt und genauer zu leiten ist zwischen 
(westliche Orte cursiv) EUmann^ Bamberg, Schlüsselfeld, Höchstadt, 
Forchheim, Baiersdorf, Herzogenaurach, Lauf, Fürth, Nürnberg (un- 
sicher"), Schwabach, Allersberg, Roth, Hilpoltstein, Heideck (unsicher), 
KlUngen, Weißenburg, Eichstädt, Neuburg: dies große Gebiet vom 
Spessart bis zur Lechmündung hat -li, seltener, besonders in der 
Westhälfte, -le (statt ^Schäfchen' freilich innerhalb des Winkels Karl- 

' Alem. Gramm. S. 227 f. 

' Schwäb.-Augsburg. Wörterb. (München 1864) S. 302. 

• Vgl. 0. § 67 Fußnote 2, besonders S. 53 ff. 

• Vgl. 0. § 62. 

' Sing, 'lin, Plur. -len im Liederbuch der Hätzlerin: Polziu 56 f. 

• Vgl. H. Fischer. 

' Vgl. T. Bahder Germania 23,201. 
' trotz Gebhardt § 5. § 144 Anm. 2. 



— 124 — 

Stadt-Ei belstadt- Hassflirt 'Hammelchen' und im Steigerwald and dem 
ganzen davon südlich and südöstlich liegendea Teil des .Gebiets 
bätzerli). Dieses -U für den I'lural steht dortigem -la fär den Siogultf 
(§ 62) gegenüber: dieses geht aaf -iam^-Zifi, jenes auf -iicA zorfick; 
das wird in diessm Falle schon geographisch wahrscheiolicb durch ili< 
beiden'angrenzenden -^i>A- Bezirke an Kocher und Saale.' 

§ 72. Jetzt setze man an der Grenze der nördlichen -/icA-Rneluv» 
zwischen Hildhurghausen und Themar wieder ein, ziehe nach N. bii 
gegen Suhl, dann im Bogen nach So. zwischen (nördliche Orte carm\ 
Eisfeld, Schalkau, Gräffnlhai, Ludtrig.iladt, Tenschnitz und etwa jdü 
der bayrischen Landesgrenze gen 0. wie in § U2: das von dieser 
Scheide südlich liegende Gebiet hat bis in die Oberpfalz hinein plnralti 
-la, daneben im thüringischen Nordwestzipfel auch -le _and in der 
Nähe des westlichen großen -/i-Gebietes schon oder noch vereinielU 
-U. Soweit dieses -/a-Gebiet sich mit dem singularen (§ G2) geo- 
graphisch deckt, stimmen auch die localen Schreibungen.im einzelnen 
beiderseits überoin, was nicht ausschließt, dass in demselben -Ja 
dennoch einet unterschiedenes -Inin und -lach zusammengefallen $ini).' 
Dans mit einem solchen Zusammenfall gelegenllich gerechnet weiden : 
muss, dafür sprechen die Verhaltnisse in der bayrischen Oberpfil» 
(vgl. auch § 67 a. E.). 

In dieser ist es schwer, das vom N. hereindringende -/a ibttr 
grenzen, doch dominiert es durchaus bis zu der ganz ungefabrea 
Linie, die etwa von Neuburg an der Donau nach Pleystein am Böhmer- 
wald gezogen sei: in dem hiervon südlich gelegenen Teil der OberpCiii 
treten die -la in die Minderheit gegenüber anderen specifisch bairisi^beo 
Formen (§ 73). Während aber diese oberpfälzischen -/a (seltener -alfl) 
ganz gleichmäßig für unsere drei Pluralparadigraeo gelten ohne Röek- 
sicht auf die Ein- oder Mehrsilbigkeit des Simplex, galt nach §69 
oberpfälzifiches -la im Singular nur noch in letzten Resten für dts 
mehrsilbige 'Mäuerchen', hingegen für 'Stückchen' und 'bißchen' ül)e^ 
haupt nicht mehr. Dieser Unterschied wird nur so zu verstehen sein, 
dsss unser plurales -la eben auf -lach zurückgeht, wie es z. B. bu ' 
Berthold von ßegensburg oft belegt ist.^ 

' Vgl. »<teA Am. 18,309; aucli Fischer Text S. 73. 

■ z. B. Nürnberger lieleKfl für das -ch bei Landau a. s. 0. S. 53; dortig« 
■loeh, -laek neben -lieh ealsprechen Doch dfr heutigeo geogT»pbischen Lag« 
Nuraborgä auf der plurnlen -Ui-la-Greiir.e (o. | 71). 

' Vgl. Landau a. a. 0. S. 56 uad znleta Lambet Prager dtach. Stud. 3 
(Festschr. f. Kelle) S. 2» den Soaderabzugs. 





Herknnft der Diminntiva im Deutschen. 



I. Vorkommen in der Literator. 

§ 76. Das Gesamtbild der geographischea Verteilang der deutschen 
Diminativformen , wie es unsere an der Hand des Berichtes über 
sechs SA-Karten entworfenen Skizzen darbieten, führt alsbald zu der 
bereits in § 1 formulierten Frage: sind die deutschen Diminutiva im 
Absterben begriffen, sodass sie in Norddeutschland vielfach schon 
ganz fehlen, oder stecken sie noch in der Entwicklung, die in Nord> 
dentschland noch nicht abgeschlossen ist? ihr Vorkommen in der 
Literatur muss die Antwort hierauf geben können. Wir skizzieren 
dieses, wozu die VITege in der a. a. 0. genannten Arbeit Polzins ge- 
wiesen sind. 

§ 77. Das Gotische überliefert nur die drei J-Diminutiva barnüo 

for %fxv{ov oder niudioi\ mawilo für xogäaioVy magula für naiSccQiov, 

verwendet sie aber so gut wie ausschließlich in der Anrede,^ während 

aoferhalb der Anrede dem griechischen Diminutivum das gotische 

Simplex gegenübersteht: bamilo 4 mal für ibxviov oder naiSiov in 

der Anrede, auch 4 mal trotz griech. täxrov in der Anrede, hingegen 

in 22 andern Fällen trotz natdior nur bam; maunlo nur Marc. 5,41 

in der Anrede für xogaaior^ das in 5 andern Fällen durch einfaches 

mawi übersetzt wird; magula nur Joh. 6,9 für nmddgiov^ wofür 

Nehem. 5, 15 skaUcs gesetzt ist. Zu diesen wenigen I-Bildungen treten 

noch als deutliche Notbehelfe die drei substantivierten Adjectivneutra 

gutnein für agasv *masculum', qinein für xH^Xv oder yvraixaQiov^ gaitein 

für J^QKfog.^ Das Bild würde sich noch schärfer haben zeichnen 



' Die Stellen bei Polzin 1 (ich citiere ihn nach Seitenzahlen). 
' Die Stellen bei Polzin 2. Zu gaitein Luc. 15,29 ist neben Mqi(pop die 
Variante iqitpioy zu beachten. 



— 128 — 

lassen, wenn Polzin alle die Diminutiva des griechischen Urtextes n- 
sammengestellt hätte, die der Gote undiminutivisch übersetzt, alle ft 
x^vydxQiov (ßauhtar Marc. 5,23. 7,25), xvrägiov (hunds Marc. 7, 27. 28), 
Ix^vSior (fisks Marc. 8,7), dtpagtov (fisks Joh. 6,9. 11), aoTfov (am 
Marc. 14,47. Joh. 18,26), xegaTiov (kaum Luc. 15,16) u. s. w. Jeden- 
falls irrte Jacob Grimm, als er Gramm. 3,666 nach dem Muster jener 
wenigen /-Beispiele glaubte eine Menge gotischer Diminativa (wie 
fiskilay ausilo u. s. w.) erschließen zu dürfen. Vielmehr ist das E^ 
gebnis evident, dass dem Gotischen die Diminutiva mindestens on- 
geläufig gewesen sind. 

§ 78. Ganz ähnlich liegen die Verhältnisse im Nordischen.' 
Gering an Zahl sind auch hier alte Beispiele mit dam /-Suffix and 
schwacher Flexion (jneyla^ m^sla^ hyndld)^ dazu treten wieder Ab- 
stammungsbenennungen für Tierjnnge {yrmlingr^ m^slingr u. a.); und 
im heutigen Skandinavischen fehlt eine specifische Diminutivbildong 
von alter einheimischer Herkunft.' 

§ 79. Nicht anders im Englischen.* Das vereinzelte mhidi^ 
ferner -fn-Bildungen für Tierjunge (ticcen u. a.) und das umstrittene 
'incel^ sind im wesentlichen die angelsächsischen Beispiele, und 66 
ist charakteristisch, dass hier in der Übersetzungsliteratur einem latei- . 
nischen Diminutivum nur selten ein angelsächsisches gegenübersteht^ 
vielmehr die Diminution zumeist ignoriert, höchstens durch Itftdt^l 
ersetzt wird.^ Das Mittel- und Neuenglische aber entbehrt wiederam 
autochthoner Diminutiva. 

§ 80. Für das Friesische findet Polzin in alter Zeit nur 
wesencltn ^Waise' belegt; Beispiele in den neueren Mundarten beruhen 
auf deutschem oder niederländischem Muster.® 



' Polzin 3. 

' Auch das dänische Dialektgebiet der SA-Karten (Ans. 18,305) ist diitt- 
nutivlos. 

' Polzin 4 f., dazu jetzt Eckhardt Engl. Stud. 32 (1903), 325 ff. 

* Hierüber zuletzt Palander Zs. f. dtsch. Wortforschg. 9 (1907), 170 ff. 

* Eckhardt a. a. 0. S. 365 f. 

* Sie fehlen auch im SA (Anz. 18,305) nicht, wo yereinzelt auf Sylt ffir 
den Sing. -g$ (d. i. -je), für den Plur. 'gm, auf Amrum -ke resp. -ha» geschrieben 
wird; 'bißchen' erscheint auf Sylt als bity auf Amrum und F6hr als be^^ auf den 
Halligen und dem gegenüberliegenden Festlande als bitfe. 



— 129 — 

t 

§ 81. Im Niederdentschen kennen Heliand and Genesis 
keine Diminntiva;^ einzelne -iTn stehen in altsachsiscben Glossen, die 
inch sonst hochdeutschen Einfluss verraten. Für das Mittelnieder- 
deutsche zahlt Polzin S. 51 f. bei Schiller-Liibben 24 Diminutiva; 
kaafiger ist das mittelniederländische -Arfn. 

§82. Aach auf bochdeatschem Boden bleibt in der althoch- 
deotschen Periode das Diminutivum ganz selten in Originalwerken, 
selbst in süddeatschen, heute diminutivreichen Gegenden: Otfrid hat 
nor das eine kindeltn; die ebenfalls dünn gesäten Belege aus den 
kleineren Denkmälern verzeichnet Polzin 28. Die zusammenhängenden 
althochdeutschen Obersetzungen aus dem Lateinischen^ zeigen ihrer 
Vorlage zuliebe die Diminutiva etwas, wenn auch nicht viel, häufiger: 
Beoedictinerregel und Isidor bieten kein Beispiel, obgleich der latei- 
nische Text ihrer genug enthält; hingegen ist in den Murbacher 
Hymnen ^servulus' und ^corpusculum' durch scalhüo und lihhamilo 
übersetzt ; im Tatian werden die Belege zahlreicher, der Vorlage gemäß, 
aber die Mehrzahl der lateinischen Diminutiva wird« immer noch un- 
diminativisch übertragen und z. B. das häufige *navicula' nur einmal 
dorchxitf/f/ln, sonst immer durch sA;«'/' wiedergegeben ; am interessantesten 
ist Notker: seine lateinischen Vorlagen wimmeln von Diminutiven, 
Araber übersetzt nur sechs oder sieben,^ sie widerstreben also ohne 
Pnge seiner Sprache, und dabei entstammt er der heute in Dimi- 
QQtioD schwelgenden Schweiz; für Williram endlich werden vier 
Diminutiva gezählt,^ der großen Mehrzahl der Vulgatabeispiele stehen 
AQch hier undiminutivische Vocabeln des deutschen Bearbeiters gegen- 
über. Das Resultat ist deutlich: die althochdeutsche Zeit kennt die 
Diminutiva kaum; wenn sie vorkommen, danken sie ihre Existenz 
l&teinischem Vorbild. Dies wird nun bestätigt durch die Glossen- 
literatur :^ sie zeigt zwar althochdeutsche Diminutiva in Hülle und 
I ^ülle, aber nur aus dem Obersetzungszwang sind sie entsprossen; der 
Honch oder Klosterschüler, der *ager' und 'agellus' zu glossieren hatte, 
Unterschied notgedrungen auch acchar und accharli. Aus solchem 
iJbersetzungszwang darf aber für die tägliche Umgangssprache nichts 

* trotz Kauffmann Zs. f. dtsch. Phil. 30,383! Vgl. Zs. f. d. A. 43,346. 
' Polzin 25. 

* Polzin 26. 

* Polzin 27. 
' Polzin 18 ff. 
I>«atMbe Dlalektgaographio I 8 



— 180 ^ 

geschlossen werden; wie mechanisch er gelegentlich gewirkt htii 
Zeigen besonders Glossendiminntive, die lateinischen Yocabeln mit 
Scheinbarer Diminutivendung, aber ohne Diminotivbedeutang geg«ii- 
überstehen, wie ougelTn 'oculns', spirüln ^jaculum\ heimilln 'griilas*iLi 
Wir dürfen mit Sicherheit schließen: bis ins elfte Jahrhundert hineni 
machen die belegten deutschen Diminutiva einen fremdartigen Ein- 
druck, sie sind der natürlichen Mundart nicht geläufig , ihre Belege 
stehen alle unter dem Einfluss lateinischen Vorbildes. Soweit dfirfeD 
wir Polzin folgen.^ 

§ 8d. In der mittelhochdeutschen Epoche bleibt das Ver- 
hältnis bei den Glossen ungefähr dasselbe.^ Dagegen zeigen die ib- 
sammenhängenden Übersetzungen jetzt viel zahlreichere Diminotiva 
als in den vorhergebenden Jahrhunderten,' die Bildungen scheinen 
nicht mehr etwas Fremdes, sondern durchaus gebrauchlich. Dem 
entspricht endlich die mittelhochdeutsche Originalliteratur, die die 
Endungen -el oder -eUn in voller Selbständigkeit productiv zeigt, tudi 
ohne fremde Einflüsse. Das steht fest, auch wenn man berücksichtigt, 
dass die Wörter auf -Un sehr bequeme Reime lieferten und daher 
manche von ihnen nur im Reime überliefert, nur dem Reim zaliete 
geformt sein werden,^ sowie dass <ler tändelnde und kosende lohik 
und Ton des Minnesangs, der so ziemlich alle Körperteile der Ge- | 
liebten diminuiert, manches gewiss nicht volkstümliche Verkleineron^ 
wort geschaffen hat. Ob in dieser bedeutsamen Entwicklung vom 
Althochdeutschen hinüber zum Mittelhochdeutschen sich einzelne 
Etappen, chronologische wie geographische, noch feststellen lassen, iit 
von Polzin nicht untersucht worden ; möglich wäre es immerhin, dass 
die zunehmende Häufigkeit der Diminutiva bei den Epigonen gegen- 
über dem Gebrauch der Klassiker^ nicht nur stilistische Grunde hat; 
dagegen wird ihre damalige dialektgeographische Verbreitung sich um 
so schwerer feststellen hüsen, je mehr wir lernen den schrift- oder 
literatursprachlichen Einfluss bei derartigen Problemen zu würdigen. 

§ 84. Aber für unsern Zusammenhang genügt die durch Polzins 
Vergleich der IJbersetzungs- und der Original literatur gewonnene Tat- 

• trotz Wilmanns Anz. 29, 180 f. 

• Polzin 30 ff. 

• Polzin 38 ff. 

• Polzin 42 ff 

• Polzin 56. 



— 131 — 

»ehe, dass das Mittelhochdeutsche die Diminotiva als selbständigea, nicht 
mehr fremd empfundenen Bestandteil seines Wortschatzes kennt ^ im 
Gegensatz zum Althochdeutschen. Weiter brauchen wir für unsere 
iü § 1 und 76 gestellte Frage nicht zu gehen ;^ wir wissen jetzt, dass 
dem Germanischen und Deutschen die Diminutiva einst gefehlt habed, 
dass sie erst der mittelhochdeutschen Literatursprache geläufig werden 
und dass sie damit auch süddeutschen Dialekten geläufig geworden 
aeJD müssen, dass mithin das Abflauen der Diminution auf der heutigen 
Sprachkarte nach Norden hin und ihr schließliches Fehlen in nord- 
deutschen Gebieten ein letzter Reflex altdeutscher und altgermanischer 
Verhältnisse ist. 



U. Die Theorie Polsins. 

§ 85. An das gewonnene Resultat knüpft sich sofort die weitere 
Füge: wenn volkstümliche und dialektgewohnte Diminutiva in der 
^thochdeutschen Zeit noch fehlen und erst in der mittelhochdeutschen 
Vorhaoden sind, woher stammen sie? woher sind sie inzwischen ge- 
bmmen? Polzin sagt: aus dem Lateinischen! „Der ungeheure Cultur- 
^IdAqss des Lateinischen erst nötigte die Westgermanen, insbesondere 
die Hochdeutschen, der sehr stark verwendeten lateinischen Diminutiv- 
bildung entsprechende Mittel der Wortbildung gegenüberzustellen^; 
»zwei Quellen aber waren es, die diesen Einfluss des Lateinischen in 
du tagliche Leben und in die weitesten Kreise trugen: Predigt und 
Unterricht''; „der predigende Mönch und Geistliche übertrug durch 
ieine deutschen Predigten diese Verhältnisse resp. die sich in ihnen 
lossprechende Unsicherheit und Willkür [Verblassen der lateinischen 
SofBifunction und des Bedeutungsunterschiedes von Simplex und 
Diminutivum] in das Sprachgefühl des Volkes";* u. ö. 

§ 86. Diese Theorie scheint zunächst nach dem Befunde der 
oben in § 82 skizzierten althochdeutschen Überlieferung mancherlei 



' Selbst diminuierte Abstracta fehlen jetzt nicht: Polzin 65 ff. 

* Das DiminiitiTum im Frühneuhochdeutschen bei Polzin 69ff. ; Pfeifer Ob. 

ftscb. DeminutiYbildg. i. 17. Jh. I (Progr. Meiningen 1896); Würfl üb. Klopstocks 

oeL Spr., Arch. f. d. Stud. d. neu. Spr. 64 (1880), 301 ff.; Pfennig Dis Dem. bei 

chiller u. s. Zeitgenoss., Zs. f. dtsch. Wortforsch. 6, 1 ff. ; Gärtner Wis«. Beihefte 

Z«. d. allg. dtsch. Sprachv. 14. 15 (1898), 167 ff. 

■ Polzin 8 f. 10. 14. 



- 188 — 

fir sich xa hmben. Und doch ist sie nnhaltfaftr, wie denn auch die 
Kritik, alle sonstigen Yorzuge des Baches anerkennend, sich somebft 
ablehnend oder mindestens zweireind verhalten haL^ Der EiDfln» 
der romischen Kirche und ihrer Cnltussprache auf das Deatsche in 
der althochdeutschen Periode zeigt sich« wie bekannt und oft erörtert 
worden ist, beim Wortschats, nicht bei der Wortbiidong. Und selbst 
die Herabemahme der lateinischen Endong -arims als ahd. -Art oder 
-«rt' bietet keine befriedigende Parallele, denn sie zeigt mit der eot* 
lehnten Function zugleich entlehnte Laatgestalt des Suffixes, wahrend 
bei nnsem Diminutiven nur ihr Princip, ihr Wesen, ihre FnnctioQ 
dem Lateinischen abgeguckt, dann aber in ein eignes, nicht entlehntes, 
echt germanisches Lautgewand gekleidet sein musste. Hier steckt der 
Fehler Polzins, an dem seine Theorie scheitert: er macht sich nicht 
recht klar oder schaff sich nicht die rechte Brücke zu der Tatsache 
hinüber, dass die alten -«(, -eftte und -«toi doch autochthone, echt 
deutsche und sprachhistorisch durchai» klare und einwandfreie Bil- 
dungen sind, die irgendwie und irgendwo im Deutschen immer Te^ 
handen gewesen sein müssen oder sich leicht entwickeln konnten. 
Wie kam man dazu, eine neue. Tremde, dem Lateinisch«! nachgebildete 
Wortklasse grade in diese alte, einheimische Lauthulie zu stecken? 
Und wo gibe es ein Analogen für diesen merkwürdigen Widersprach, 
für entlehnte Function, aber einheimische Lautform einer zahlreichen 
Wortgruppe? Dies Moment scheint mir neben manchen anderen, die 
in den genannten Kritiken beigebracht sind, ausschlaggebend und 
zwingt Polzins Theorie abzulehnen. 

Noch immer also ist die Frage offen : woher stammen die anfangs 
ungebriuchlichen Diminutiva im Deutschen? Es gilt eine andere^ 
eine einheimische Quelle zu graben. 



m. OimintiTa ni Ki 

§ 87. Ich behaupte: die Appellativa diminutiva des Deutschen 
haben ihren Ursprung bei den Eigennamen, den Personennamen; 
sie sind von Hause aus Koseformen, von Appellativen gebildet nach 
doB Muster der Kois^nameii. Dieses Muster g^b es an allen Orten 



' Tg:t beMadm; Wümaas Ami. dS».lT4: J^Uiaek Z& t dtsck Flui. 35,140 
BckicM Ut«ff»t«Ha. 1S<^ S31. 

* WÜMBas Dtst^ Gr. U § t)l ff. 



— 183 — 

md zo allen Zeiten; althochdeaische Namen wie Hunilo oder Sigili 
giben das Muster ab für appellativische Nachbildungen wie sealhilo 
^rrulus' oder accharli ^agellus'. Ich versuche das wahrscheinlich zu 
machen. 

§ 88. Schon im ersten Teil dieser Arbeit, dem Bericht über 
den beutigen mundartlichen Bestand laut SA, wurden wir wiederholt 
uf das onomatologische Gebiet hingewiesen. So fand in § 10 die 
(Mtfriesländische Endung -je^ -tje sich vor allem bei zahlreichen Eigen- 
namen wieder und für ihre isolierte Lautgestalt die Erklärung in dem 
oonservativen Lautstande jener ; das mecklenburgisch-pommersche -ing 
in§ 23 erinnerte sofort an die patronymische Function dieser Endung; 
in § 60 boten sich zur Deutung des oberdeutschen Diminutiv-i vor 
illem wieder die zahlreichen und alten Kosenamen auf -i dar. Ferner 
aber spricht für unsere These der merkwürdige Unterschied in der 
Diminutivbildung zwischen Singular und Plural in weiten Gebieten 
hochdeutschen Landes. So fallt auf, dass zahlreiche Ortschaften die 
Plnralparadigmen des SA undiminutivisch wiedergeben, während sie 
die Singulare anstandslos mit Suffix versehen (§ 27. 43. 47. 52. 73); 
diese Erscheinung ist auch sonst gelegentlich schon beobachtet, aber 
t B. von Stickelberger falsch beurteilt worden , wenn er von den 
Berner Diminutiven sagt,^ dass ihre Plural bildung sehr im Rück- 
gang begrilTen sei und viele die Casusendungen, wenigstens im Nom. 
Acc. plur., gar nicht mehr bilden können: sie haben es vermutlich 
früher erst recht nicht gekonnt, so wenig die Sprache es gewohnt war, 
Eigen- und Kosenamen im Plural zu gebrauchen. Damit erklärt sich 
nicht minder die eigenartige Tatsache, dass der bei weitem größere 
Teil oberdeutschen Sprachbodens zur diminutiven Pluralbildung ein 
eignes, ursprünglich collectives Suffix verwendet (§67flf. 75), ein 
deoiliches Ersatzmittel für den beim Diminutivum eben von Hause 
AUS grade so wie beim Nomen proprium fehlenden Plural. 

§ 89. Diese Quelle hypokoristischer Namen sprudelte allen ger- 
manischen Dialekten, wenn sie auch nur zaghaft aus ihr für die 
ippellative Sprache zu schöpfen wagten. Die gotischen magula^ 
nawilo, barnilo (§ 77) sind schüchterne Anfänge der Nachbildung 
lach den zahlreichen Wulfila^ Attila^ Totila^ Tulgilo u. s. w.' Den 

' Philolog. Studien (Festgabe für Sieyers, 1896) 334. 
» Wrede Spr. d. Ostgot. 195. 



- 134 - 

Dordischen meyla , m^sla, byndla (§ 78) stehen Namen wie Elia, 
Stiirla und urnordische Niumla, Frohila, Wimla' gegenüber; Jen 
angelsächsischen meou'le (§ 79) Namen wie Blaedla, Ella* Auch 
das Altfriesische (§ 80) hätte mit vorbildlichen Kosenamen anfwarien 
können,^ und auf die massenhaften altsäcbsischen (§ 81) Mannih, 
lluniko, Ättiku oder Mannikin, Beftikin, Ibikln uder die iniltel- 
niederdeutschen Lemhke, Molteke, Beneke braucht ebenso wenig hin- 
gewiesen zu werden * wie auf die reichen Schätze der althochdeatacbeD 
(§ 8*2) Namensammlungen. 

§ 90. Ebenso haben die norddeutschen Gegenden, die nwh 
unserm Berichte heute noch keine Diminutiva kennen oder mindesMU ' 
diminutivarm sind, doch alterwärts Hypokorismen, sei es in den P&miiier j 
namcn erstarrte, wie alle die Giseke. Gödekn, Lüiieke, Meinfkt, BadA$, 
Werneke unserer norddeutschen Adressbiicher erweisen, sei es in dtt 
Vornamen noch lebendige wie Anneken oder Anntje u. s. w. 

§ 91. Ein wichtiges beweisendes Moment für die Richtigkat 
unserer Theorie liegt in Pokins Beobachtung, diiss die ältesten Beltge 
der Dimiuuliva diese so oft in der Anrede neigen. Das gilt t*- 
sonders für das Gotische (o. § 77), wo diese Hesonderheit freilidi 
schon vor Pokin von Jac. Grimm festgestellt worden war.* Aber« 
gilt auch für das Mittelhochdeutsche noch,* ja noch starker für dl* 
Prühneuhochdeutsche.' Die Anrede also, der Vocativ,*' die Verwendanf 
an Namenstelle bedeutet die erste Etappe in der Entwicklnng dw I 
deutschen Diminutiva. Der Satz Polzins S. 99 aber, dass aus dwj 
zahlreichen Verwendung des Diminutivums in der Anrede die dini-j 
nuierten Personennamen zu erklüren sein werden, muss grade in sein 
fiegenteil verkehrt werden. Wie nahe war doch Polzin der richligto! 
Erkenntnis! wie war aber auch sein Blick getrübt durch das Vo^ 
urteil seiner Lateintheorie! 

■ Norean Ad. Gr. 1' § 398. 389 Aom. 1. 

• Müller (s, o. S. 114') S. 140; Eckhardt Engl. Stud. 32,336 (F. 

■ Stnrli, Koaenamen, WSB 5'2.313ff. 

' Bei Kike von Repkow sind Dimiuutiva selten, iber in den Akener SchüSeS' 
büchern wimmelt es >on HI- '-utiven Namen auf -ke, -lum Roelbe Die R«B' 
Vorreden des SnchBeuspie^elo ■•. 81. Vi;l. Zs. 43, 358. 

• im DtBch. Wirterb. 3,613. 



''t&tte dar Kosen&men ist der VocatiT, die Anrede; Zinj 
~l,16«, 190 ir. 



— 135 — 

§ 92. Die denischen Diminutiva sind mithin von Hause aua 
Koseformen, nicht eigentliche Verkleinerungsformen. Damit hängt es 
zusammen, dass so häufig die diminuierende Function durch ein bei- 
gefügtes Adjectivum verdeutlicht wird. Es ,,bestimmte zu diesem 
Brauche gewiss das Bedürfnis, diese noch immer nicht fest geprägten 
Bildungen selbst zu stützen und zu erklären, das Diminutiv allein ge- 
nügte dem Sprachgefühl nicht recht,^ sagt Polzin S. 62 und gibt eine 
Auslese der massenhaften Belege, wo dem Diminutlvum das mhd. 
Heine oder ein ähnliches Adjectivum vorgesetzt ist; S. 106 schließt 
er eine ähnliche Sammlung für das Fruhneuhochdeutsche au; und im 
Neuhochdeutschen sind solche Zusätze nicht minder geläufig, wenn sie 
aoch uns heute lediglich pleonastisch anmuten.^ 

§ 93. Mit der Herkunft von den Kosenamen, nicht aber mit der 
Herkunft aus dem Lateinischen, stimmt auch die weitere Erscheinung 
oberein, dass im Deutschen vor allem Lebewesen, zumal Menschen, 
seltener und später Sachen mit der Diminutivform benannt werden.^ 
Die gotischen magula^ mawilo^ hamilo sind Personalbenennungen, 
Otfrids kindelm ebenso, Notker zeigt eine deutliche Abneigung gegen 
sachliche Diminutiva,* und die freilich wenigen Belege aus Müllenhoflf- 
Scherers Denkmälern * gelten bis auf das eine vingerlfn alle für Lebe- 
wesen. Interessant in gleichem Sinne ist z. B. die deutliche Abstufung 
bei Schmeller, der von dem bairischen -el sagt,* es komme besonders 
io Taufnamen beider Geschlechter vor, auch an mehreren Appellativen, 
vorzüglich wieder von Personen, dann von Tieren und Sachen, sei es 
iblich; für andere Dialoktgebiete wird Ähnliches gelten.® 

§ 94. Ist unsere Hypothese richtig, dann ergiebt sich für die 
deutschen Diminutiva eine neue Definition: sie sind von Hause aus 
gar keine Verkleinerungswörter, sondern sie sind ursprünglich, grade 
so wie die Hypokorismen , verschärfte Individualisierungen;^ das be- 
jentet für die sächlichen Diminutiva: sie sind ursprünglich Personi- 

' Sie fehlen auch in den Fragebogen des SA nicht, sind jedoch auf die 
MminatiTkarten nicht mit aufgenommen. 

• Polzin 8. 29. 

• Polzin 26 f. 

• Polzin 28. 

• D. Mdaa. Bayerns § 884. 

• yg\. z. B. Odermatt (o. S. 115") S. 53. 
' Wrede Spr. d. Ostgot 195. 



— 186 — 

ficationen. „Dimination oder Verkleinerung findet statt,^ definiert 
Jac. Grimm,^ „wenn durch eine in dem Wort selbst vorgehende?«^ 
änderung dem Regriflf an seiner vollen Kraft etwas benommen wirl 
Es soll gleichsam nur ein Stück davon ausgesagt sein.^ Das ist nkkk 
richtig,' am wenigsten für die ältesten deutschen Belege. Im Gegentdl, 
das Diminutivum scheint eher eine Begriffssteigerung zu entbilt6i| 
eine Isolierung des Begriffes auf den einzelnen Fall, die im AffiBCte 
des Hedenden begründet ist: mein dörfchen soll dem Begriffe *Dorf 
im angewandten Falle ganz und gar nichts von seiner ursprünglichett 
Kraft und seinem Bedeutungsinhalt nehmen, es soll vielmehr so etwai 
andeuten wie ^mein Dorf xav* f^üxi]r\ es soll specialisieren, ja persom- 
ficieren.' „Zeichen der Personjfication ist die Anrede,^ sagt Jac 
Grimm/ und in solcher zeigen sich die ältesten deutschen DimiDOtin 
so oft (o. § 91). Und hierin ist es auch begründet, dass die DimiDOtivi 
ihr Reich vor allem in der Kindersprache haben; denn das spielende 
Kind personificiert alles, nicht allein die Puppe, auch die böse Tisdi* 
ecke, an der es sich stößt und die es deshalb straft. „Die anthro- 
pomorphische Phantasie ist eine Weltanschauung, die einst die eiDsip^ 
auch die wissenschaftliche war," dieses Wort Roethes in seinen scboMO 
Ausführungen über den Ursprung des grammatischen Geschlechts* 
findet einen neuen wichtigen Beleg in dem Ursprung der deatschen 
Diminution. Jetzt begreifen wir auch, weshalb der Schweizer seHn* 
den großen Berg ein bergli und das kräftigste Donnerwetter ein weütfi 
nennt: nichts von Nachspuken eines spätlateinischen 'monticaW, 
nichts^ von euphemistischem Zuge des Sprachlebens;* es sind voo 
Hause aus lediglich Personificationen , mit denen der Mensch aadi 
gewaltige Naturerscheinungen sich vertraulich näher rückt und dii 
schließlich vpn. dem Yorstellungskreise einer primitiven Mythologit 
nicht allzu weit entfernt sind. 



• Gr. 3,664. 

• Vgl. auch Odermatt 11 f. 

' Vgl. die zahlreichen Güter- und Flurnamen mit DiminutiTsaffix bei Oder- 
matt 59 ff. 

• im Nachtrag zu Gr. 3,348 (Neudruck S. 346). Ein mbd. 9töeka§H iii 
daher im letzten Grunde seiner Genesis identisch mit dem h9r Stoel Walthen 
▼. d. Vogelweide. 

• Vorwort zum neuen Abdruck von Grimms Gramm. 3 (1890) S. X^Yl 
Vgl. auch W. Wackemagel Kl. Sehr. 3,62, 

• PQUi4 19. 



— 187 — 

§ 95. Mit iwserer Deutung der Diminativa wird das umfang- 
)iche and sprachgeschichtlich wichtige Kapitel der Beziehongen 
wischen Nomina propria und appellativa om einen großen Abschnitt 
«reichert; es verhält sich etwa ahd. scalhilo zu den Namen Hunüo, 
iizilo wie mhd. friegolf zu Adolfe Gangolf ^ frihari zn Bemhati^ 
^Anhart^ trunkenbolt zu Hugbalt^ DietbaU, wäeierich za Dietrich^ 
^ridtrich u. s. w., die alle ursprüngliche Namenglieder in appellativer 
Verwendung zeigen;^ und die Diminutiva rücken damit an die reiche 
Hortklasse heran, die von Wilh. Wackerpagel als die der Appellativ- 
lamen bezeichnet worden ist' Es piebt wohl kein einheimisches 
)imiDUtivsarfix, das sich nicht in der Onomatologie wiederfände.' 

§ 96. Ja vielleicht reicht dieser Einfluss der Eigennamen sogar 
'is in die Flexion der Diminutiva und damit der Appellativa hinein, 
bekannt sind die unter solchem Einfluss stehenden Accosative ahd. 
'ifA^fnan, coian (zu got\ mannan^ faterun^^ von denen das letzte im 
iaiektischen oder vulgären vatern (ich hohe vat^it gesehen) noch 
eote bekannt ist. Ich stelle das Plural-« unserer vulgären kerh, 
ingens u. s. w. ebenfalls hierher und werde in dieser Beurteilung der 
iel umstrittenen Flexionsendung bestärkt durch ihr dialektisches 
orkomrnen bei den Diminutiven. Unser Bericht zeigte uns, dass 
18 -s Pluralcharakteristicum für den ganzen niederdeutschen Westen 
^ dass es aber auch im Osten überall wieder auftaucht.* Das Plural-8 
itte vor Jahren bereits Behaghel als Übertragung aus dem Gen. sing, 
deutet:* den Ausgangspunkt bilden Eigennamen und Titelbezeich- 
sogen, Meiers oder Pfarrers sind ursprünglich nur die Angehörigen 
eiers oder des Pfarrers; von hier aus ist dann das s Pluralzeichen 
r Personen bezeichnungen, ja gelegentlich noch über solche hinaus, 
iworden. Diese Hypothese hat wenig Anklang gefunden und ist am 
isführlichsten von Franck bekämpft worden,^ der in dem s vielmehr 

* Kluge Nomin. SUmmbUdungsl.' § 32; WilmannslDtsch. Gr.'. II § 297. 

* Kl. Sehr. 3, 59 ff. ; Meisinger Die AppellatiTnamen^i. d. bd. Mdaa. I (Progr. 
rrach 1904), II (Zs. f. hd. Mdaa. 6, 84 ff.); Ygl. auch Brugmann Berichte üb. d. 
rb. d. Sachs. Ges. d. Wiss., phil.-hist. 51, 189 ff. 

* Hierher auch das z in 9patz, wanze u. ä. und in Kunz^ Heinz \ Wil- 
nns II § 273. 

* Braune Ahd. Gr.« § 195. 

•, §§ 9—11. 17-19. 23—25. 27. 47. 55. 

* H. T. Veldeke Eneide (1882) S. L^^VH, 
' Anz, 8,32U 



— 138 — 

Hie romaniBclie Pluralendung es, s sieht. Behagtiel hat clann aucli 
aeipa frühere Artsicht auft^egeben und trennt jetzt die geniiiviichen 
Mriers, Pfarrers' von den echt pluralischeii, deren Klesiiinsweisa »oe 
dem Französischen eingedrungen sei.* Außerdem ist unsere EnduDg 
auch mit der alteo Endung des Nom. pl. maac. ags. -ns as. -us IdepU- 
ßciert worden, ao zuletzt wenigstens für das Niederlündisclie w 
te Winkel;^ aber das wird durch ihr Fehlen im ülteren'Mitteluiedet- 
ländischen und Mittelniederdeutsühen ebenso widerlegt, wie durch llir 
Hlerariscli v er fol); bares, allmähliches Auftauchen und Zunehmen.', Sie 
erscheint mundartlich meist in Ijestimmten einzelneu Vocabelni av 
unsere Diminutiva stellen eine gesehlossene Wortklasse dar, denou sa 
eigen ist." Diese werden daher auch zur Erklärung des Problums 
vor allem gehört werden müssen. Ua wir nun die deutschen Dinii- 
nutiva von den Eigennamen herleiteten, werden wir auch ihre I'lunl- 
bildung in derselben Kichlung wiederzufiniieu suchen. Mit amien 
Worten: ich kehre au Behaghels erster Erklärung zurück un<l sehein 
den niederdeutschen vö^lkes, -keiia u. s. w. dieselbe ursprüngliche 
Genitivform wi« in Radtkea und RälUkens, in den mecklenburiiidtliiiD 
diminutiven -int/s dieselbe wie in Scliönini/s und Gerings, und sebe 
keinen Grnud, von diesen alle die mundartlichen oder vulgären kttU. 
jimgens u. s. w. zu trennen. Franck meinte zwar, solche aus ilem 
olliptisuken (ienitiv bei Personennamen und Titeln erwachsenen Aei- 
drncke wie Meiers, Doctors seien so streng von dem BegrilF wirklicbst 
Plurale geschieden, ilass niemals aus ilmen eine neue Pluralhildang 
hervorgehen könne; Metern bezeichne nirgends verschiedene IndividoM 
namens Meier, sondern immer nur Meier mit seiner Familie. Aber 
das ist in dieser Allgemeinheit gewiss nicht richtig; mir wenigauns 
wäre es durchaus nicht anstößig, im Adressbuch alle die unverwaudW 
Meiers und Maliern, nicht die Meier und Müller zusammenznzählen- 
Vor allem Jedoch neigt die Geschichte des Vorkommens der fraglJcbeti 
PItiralenduug einige Eigenheiten, die sich hei den Ülteren Diminutiven 
genau so wiederfinden. So bemerkt Lubben" zu dem spätmnd. vruniu 
,3 , ' P»u]s Grundr.' 1,753. 



* Fr«nck Modi. Ür. | 180: Lübbao Mnd. Gr. § 67,1. 

■ Vgl. ?.. B. Uaurmuno Gr. d. U<U. v. HülheiDi (Bremers Sammlimi; IV 
i 204; Hollb»usei] ÜieSoeaterHdx. ^ 38Ü; Lieseoberg Die Stieger Hda, (ÜöttiiigR 



' Mnd. Gr. § G7,I. 73.7. 



J 



— 189 — 

(statt des gewöhnlichen vrunt^ vrunäe\ dass es besonders gern in der 
Anrede stehe, — grade wie die ältesten Diminutiva o. § 91. Schwer 
wiegt vor allem die Erscheinung, dass das Plural-5 zuerst bei Personen- 
bezeichnungen auftritt und auch weiterhin hier überwiegt; das ist von 
Behaghe! jedesmal mit Recht betont worden und stiitamt wiederum 
lor Geschichte der Diminutiva o. § 93. Damit erklärt sich jetzt aber 
aach, dass nächst den Diminutiven vor allem die -er-Masculina die 
Beispiele für das Plural-s liefern: ^ sie stellen ja die meisten deutschen 
Berofsbezeichnungen und Titel und auf diesem Umwege zahllose deutsche 
Eigennamen, wie alle die Bauer, Brauer, Becker, Fischer^ Küster, 
Meier, Müller, Richter, Schäfer, Scherer, Schlosser, Schneider, 
Schreiber u. s. w. u. s. w. dartun.^ Und worauf sollte es wohl beruhen, 
dass bei der romanischen Herkunft des s die deutschen Feminina an 
ihm nicht participieren durften?^ warum insbesondere mndl. vaeders 
und broeders, jedoch nicht moeders, dochters, susters? Hingegen scheint 
mir bei unserer vorgetragenen Theorie der ganze Entwicklungsgang 
klar: der elliptische (icnitiv des männlichen Eigennamens (mhd. die 
EmirTches)^ wird als Nom. plur. empfunden, ebenso bei den auf den 
Kosenamen fußenden Diminutivbildungen (^Radekes—vögelkes) und den 
zu Eigennamen gewordenen Bernfsbezeichnungen und Titeln {Müllers 
"-mrälers), weiter bei Personenbezeichnuugen uhevhhupt (kerls,jungensX 
endlich vereinzelt und dialektisch verschieden noch über solche hinaus. 
Dass das romanische Plural-s zahlreicher Fremdwörter (wie lieutenants, 
hallons, billets) die Einbürgerung der neuen Bildung gefördert haben 
kann, soll damit nicht geleugnet werden und wird um so mehr be- 
röcksichtigt werden müssen, je näher wir -der romanischen Sprach- 
grenze rücken und je zahlreicher damit solche Fremdwörter im Dialekt 
werden.* Aber der Ursprung der eigenartigen Flexionsweise steckt 
nicht in solchem romanischen Muster,* sondern bei den einheimischen 

' Behaghel, Franck, Lübben, Maurmann a. a. 0.: oder z. B. für das Alt- 
»erlinische Siewert Nd. Jb. 29,103; für das Neufriesische (mit Entlehnung aus 
em Niederdeutschen) Siebs in Pauls Grdr.* 1, 1340. 1350. 

* Ober diese besonders Carstens (s. o. S. 82 Fußn. 1) S. 80 ff. 

* Behaghel, Franck, Holthausen u. a. 

* Grimm Gr. 4,261. 

* Nach Jellinghaus Die ndl. Volksmdaa. S. 1 17 wird das Plural-« in Westflandern 
äufiger, am ailerhäufigsten im Westen des Landes und in Franzosisch-Flandern. 

* Wenn Franck in § 180 das -b der mnl. -er-Masculina für romanisch er- 
lärt, kurz vorher aber in § 178 Anm. 2 bei dem lange endungslos bleibenden 
lural baroen „Nachahmung des französischen Plurals mit bereits verstummtem $^^ 
armutet, so hat er diese gezwungene Gonstruction ad hoc heute gewiss l&ngst 
ofgegeben. 



Eigenntinien : das Haßon uns ilereit a|)[iolliitive Ableger, die DiminuiiTi, 
erbennen. 

§ 97. Wie nun die Übernahme des ursprünglioh onuniatolugificben 
Bildungspi'incips und seiner suffixalen Mittel auf das Oebiel der 
appellativen Sprache im einzelnen sich abgespielt hat, in wel'^hen 
Etappen, in welchem Tempo, in welchen Gegenden und Mundarten 
Euerst, das bedarf noch mannigfacher EiiiKeluntersuchungon, dieüherden 
Rahmen dieser Studie weit hinausgehen würden, die auch mit vielerlei, 
namentlich in der Üherlieferung begründeten Schwierigkeiten rechnen 
lassen. Vermutlich wird der Hang der Entwicklun|{ immer ilem 
Ähnlich gewesen sein, wie er besonders deutlich bei dem meclileo- 
burgisch-ponimerschen -ing zu beobachten ist. Dieses germaniKhe 
Suffix bedeutete „xunüuhst nichts weiter, als dass das abgeleitete Woft 
zu dem l^rundwort in irgend einer Beziehung steht," ' ,Jede beliebige 
Art der Zugehörigkeit." ' Es schallt fast nur Concreta, „und die Be- 
zeichnungen von Personen und Tieren bilden unter ihnen die kräfligBK 
und lebensfähigste Gruppe."' Von hier aus wiederum zweigt äitll 
die Sondergruppe der Patronjmika ab {Merowing^ Charaiittg), die in 
zahlreichen Familiennamen (^Döring, Henning) noch heute fortlebcD. 
Weiter führt die Abstammungsbezeichnung tum Hypokorismus uml 
zum Diminutiv, denn ein Karting ist als Spross eines Karl ebea Jw 
'kleine Karl'. Der letzte Schritt ist endlich die Übertragung auf D"' 
personliche Dinge, wie sie in Mecklenburg und Pommern vorgenomnifi 
worden ist.* Dieser letzte Schritt jedoch scheintjungzuaein; weDigsW"' 
hat Friedr. Müller'* die uns aus Fritz Reuter, John Brinckmaiin n. <k 
so geläufigen -/»^-Uildungen in Mecklenburgs Literatur nicht vor dem l 
19. Jahrhundert sicher nachweisen können, wahrend ihm als ällest« 
Eigenname der eines Roslockers Geonjius Schmalteing um 11)43 be- 
gegnet ist. Weshalb aber überhaupt diese Umbiegung der attu 
patronymischen Endung -ing zur hypokorislischen, da als solche iai 

• Wilmsnns II § 279 Anm. 2. 

' Klug» Viflrtelj»hrsBchr. (. Sociiil- 

■ WiliDJDng 5 278.3; über -ing U. 
Wortforsch. 10,58 mit weiterer Literatur. 

' ja bekanntlicli auch auf audera Wortarleu als SubstauUva; ein SA-For- 
mulir notiert die gebörlen SchmeichelwortB einer Tagelöhnerwilwe »iis Semho 
(Amt GÜBtrov) zn ihreiu kranken Kinde: miming Mmng JOehiitg, vitting mcA 
MM bttting ttingf 

* Zur Sprache Friti Eeuters (Lpz. 1902) S. 48. I 



u. WirtschartsgSBcb. 6, 78. 

I Tiernamen zuletzt Weise Zs, f. dtsch. 



- i4i - 

6 'ke doch aach in altmecklenbargischen Namen fanctionierte ^ ^ 
rmutlich, weil diese Function verblasst war, weil die Namen auf 
i als Familiennamen erstarrt waren und ihren ursprünglichen Cha- 
tter als Koseformen dadurch immer mehr eingebüßt hatten. Und 
I lautliches Moment mag hinzugekommen sein: Mecklenburg und 
mmern gehören zu den auslautendes -€ heute apokopierenden Sprach- 
idschaften.' Damit lief das alte -ke Gefahr seinen silbischen Charakter 
verlieren und verlangte Ersatz,' den eben das in der Onomatologie 
Igst vorhandene -ing lieferte; deshalb auch neben den -ing die -king 
§ 23. Jene Apokope des -e ist aber, woran Seelmann soeben er- 
lert/ jung und bei Fritz Reuter noch schreibt Onkel Herse sich 
rsSy um sein -e gegen den andringenden Endnngsschwund zu 
lötzen: dazu stimmt die oben erwähnte Jugend 4es diminutiven 
g vortrefflich. 

§ 98. Mutatis mutandis wird sich die Geschichte der Diminutiva 
den früheren Jahrhunderten analog abgespielt haben. Immer 
rden wir in letzter Linie bei denominativen Bildungen mit der all- 
neinen Bedeutung der Zugehörigkeit anzuknüpfen haben. ^ So auch 
den alten k- und /-Formen. Kurznamen wie got Gihika^ Wulfila 
d mit demselben Adjectivsuffix gebildet wie as. luUik 'klein*, ahd. 
Ui 'alt\ got. leitils *klein\ ahd. luzzd 'klein'. Aus solchen Ad- 
tiven schuf das n-Suffix, der spätere schwache Flexionstypus, zu 
er Zeit, als es noch wortschöpferisch lebte und empfunden wurde, 
ttels seiner individualisierenden und daher substantivierenden Function 
le Substantiva: von einem Adjectivum got. *armil8 ahd. *armü 
m Arm gehörig' sonderte sich der substantivierte armilo ^ÄrmeF 
, neben ein Adjectivum ahd. *eihhil 'zur Eiche gehörig' trat das 
bstantivum eihhila 'Eichel'. Auf dem Gebiete der Eigennamen aber 
ren das Resultat solcher Substantivierungen die Hypokoristika.* 

' Vgl. 0. § 28. 

• Anz. 18,408. 

" Derartige Ersatzbildungen stellen ein wichtiges Kapitel in der deutschen 
lektgeschicbte dar und werden aus dem SA einmal in diesen Heften reichlich 
immenzustellen und zu behandeln sein. 

* Anz. 32,60. 

• Vgl. Wilmanns Anz. 29, 175 f. 

* Ob man Recht tut, auch die mit bloßem n-Suffix gebildeten Kurznamen wie 
Guda ahd. Wolfo u. s. w. von Anfang an als Kosenamen anzusehen (so auch Spr. 

)stgot. 193), ist mir zweifelhaft. Wie man einen Wolfgomg beute Wolf mhy 



er bei- J 
i Wolf- I 



— 142 — 

Dabei stelle ich roir, um den BedeutungswaDdel klar zu verstehea, 

folgenden Entwicklungsweg vor. Ein f;ot. Wtdfila bedeutet nach dem 
Gesatüteu urBprÜDglich einen V.u Wollhart o. ä. Gehörigen', also nicht 
den Wolfhart seihst, sondern einen seiner Angehörigen, seinen Sohn, 
Da dieser Sohn aber sehr häufig in seinem ihm vom Vater 
gelegten Namen dasselbe Compositionsglied aufwies und etwa 
gaag hieß, so war in diesem Falle Wolfgang und Wnifik diestlb« 
Person, und Wuifila (der kleine Wolf) wurde so Kose- oder KoreforiB 
zu Wolfgang. Damit war die Möglichkeit angebahnt, Wulüla ils 
Kosebildung zu jedem woi/'-Namen zu verwenden. 

Zahlreiche solcher Hypokoristika haben dann aber ihre eiaitige 
Herkunft von zweigliedrigen Eigennamen vergessen lassen und Bind 
selbständige Namen geworden, wie denn bei der Fülle der über- 
lieferten -k- und -/-Namen natürlich nicht Jedesmal der zngehörige 
zweigliedrige Orundname vorausKUselKen ist.^ Damit aber trat du 
hypokor istische Moment ihrer Snffixbildung immer mehr zurück, vk 
D8 in den festgewordenen Familienniimen Radeke, Gödeke auch hfloW 
längst nicht mehr empfunden wird, und verlangte, wo es beloni und 
gefühU werden sollte, nach einem kraftigeren Ersatzmittel. Als solches 
bot sich das ebenfalls adjectivische -in-Suffix an. das ursprünglieii 
ebenfalls die Zugehörigkeit hei;eichnete und, wie got. gaitfin, «bd. 
magatin «eigen, leicht zur Diminntion führen konnte. So entsUod 
die jüngere Schicht der Diminutiva auf -kin und -lin. Dass ste in 

ohne diBS diriu eiai ZirtlKhlieit zu Jiegeu brniiclil, so werden luch die ii\M 
Wolfo zunächst nur Kurz-, keine Koaefornien 7u nein brauchen. Bei dem )^nii>- 
Dischcn SjMem der Nimengebuii^ musste sich ilshnld das Bedürfniit «indallVi 
etwa die ßrfider fVotpuiri, Albharl, Gtbhirt aJ< Wolfo, Alba, Gtbo *u unlM^ 
■cheiden: das identische zweite Namensjjlied »ard unterdrückt, an seine Stellt 
trat das individualisierende «Suffix, das den Wolfhari el>en als Wolfo aus dar 
-ilarl- Familie heraushob. Natürlich nird dann bald die Kurz- lur Easerorm; du 
beweisen auch hier appellalive Analoga wie ahd. tcormo 'vermiculus', riiio "capre- 
olus' (Kluge Nom. StammbK.' § 64 kam. 1). Dagegen werden die mit dem alten 
^n-Sufiix gebildeten Kurznamen (Spr. d. Osldot. 194) sogleich Koseformea (cewBsen 
sein, da es ursprün|^licb ebenso wie oben die k~ und {-Bildungen ganz allgemein 
die Zugehörigkeit bezeichnete (Wilmanns II § 184): in der appellativen Spneli* 
bat es seine worlschöpferische Kraft frühr.oilig eingebüßt, in oberdeutschen 
Eigennamen (und weiterhin Dimlnutrvnn) jedoch sieh durch die Anlehnung an 
die -rtt-Bildungea {o. § 60) bis heute lebendig erhalten. 

* Stark kennt nur ca. 80 Germanen aller Stimme, Tür die Voll- und Kun- 
namen zugleich belegt sind; vgl. Ztmmcr Zs. f. vgl. SprachT. 33.168. 




^ 148 — 

)r Tat eine jüngere ist, erweist sich durch das Fehlen der schwachen 
lexion ; sie entsteht in einer Zeit, als das n-Suffix nicht mehr wort- 
'.höpferisch nnd personificierend lebte. So treten jetzt im Namen^ 
:hatz neben Manniko die MannikTn u. s. w. und nach Ausdehnung 
er hypokoristischen Bildung auf die Appellativa auch neben nicht 
lehr diminutiv empfundenes niftd A\e nißelTn u. s. w. 

Dieses Verblassen der alten einfacheren Hypokoristika und Dimi- 
utiva und ihre Auffrischung durch die jungen volleren Formen ist 
>enso, wie die Übertragung der ganzen Bildungsweise von den Eigen- 
amen auf die Appellativa, landschaftlich und zeitlich ganz ver- 
^hieden gewesen, und hier ergeben ^sich für zahlreiche Einzelunter- 
ichungen dankbare Themata. So nennen z. B. für das Altniederdeutsche 
^adsteins Glossare' nur das eine diminutive skipekfn in den Werdener 
rodeotiusglossen, während auf dem Gebiete der Nomina propria die 
recken horster Rollo schon 15 -ifw neben etwa 60 -ko aufweist; mit 
echt führten wir daher oben im SA-Bericht die uns begegnenden 
-Diminutiva alle auf jüngeres -kfn^ nicht auf älteres -ko zurück.^ 
i den süddeutschen Gegenden ist die Nachbildung appeüativer J>imi^ 
Dtiva in einem früheren Stadium begonnen, denn hier sind schon 
3ben den einfacheren Hypokorismen vom Typus Wolfilo auch appella- 
ve scalhilo, iThhamilo wenigstens möglich, sodass die -fti-Erweiterung 
ersonennamen und Appellativa gemeinsam traf und die Eteel^Etgelfn^ 
Verbel'Werbeltn, Swetnmel'Swemmelin ^ Blcedel-Blcedelln des Nibe- 
ingenliedes keine Priorität zu beanspruchen brauchen vor allen don 
lüemel-blüemeltn^ tc^el-tr^elm u. s. w. des mittelhochdeutschen Wörter^ 
)iiches. Interessant wird es vor allem sein, die ältere erstarrte Form 
ler Hypokoristika in den modernen Adressbüchern auch dort noch 
lachzuweisen, wo die appellativen Diminutiva nur noch die erweiterte 
orm zeigen; so alle die Gödeke, Werneke neben den männekefi, 
^ücksken in Norddeutschland oder alle die Reindel^ Wölfel neben den 
ndla^ hündla z. B. des Nürnbergischen.' 

§ 99. Ob meine These von der Herkunft der Diminutiva im 
irmanischen auf den Gebieten der übrigen indogermanischen 
»rächen Parallelen oder für die Lehre dieser Consequenzen hat, 

■ Kl. as. Sprachdkm. hg. v. Wadstein (Norden u. Lpz. 1899). 

■ Vgl. besonders § 10. 17. 

* Vgl. Gebhardt § 330. Zu erinnern ist auch an die oberdeutschen Eose- 
inen auf -• gegenüber dem immer mehr zurückgehenden b*^ u. &. in § 60f. 



— 144 — 

werden ttondigere xa entscheideD haben. Symptome dafär scIi 
nicht zo fehlen, wenn z. B. im Sanskrit die Diminativa seltei 
neben dem Reichtum altindischer Kosenamen, wenn die agxTvl^ 
erst in der spateren Graecitat häufiger werden trotz alter Ad 
vom Typos naxviog und alter Namen vom Typus SgaavXacy 
die belegten Diminativa vorwiegend Personalbezeichnangen si 
im Altindischen ond Persischen, wenn Diminntiva und Patro 
sich decken wie im Litauischen. Brugmann bringt in seiner 
zusammenfassenden Darstellung der Diminutiva ' zu meine 
fuhrungen eine treffliche Parallele aus dem Griechischen : er bet 
S. 670 rsartifxog ^adulescentulus" als ursprünglich diminuti 
Adjectivum ^etwas jung'; «substanti viert, wurde es Diminutiv 

vfarfag Unterstutzt wurde diese Entwicklung durch d 

brauch dieses Formans in der Eigennamenbildung, . . . z. B. 'An 
.... Die Appellativa wie rfan'cxoc^ igvi^gii'oc^ neben denen bil 
gleiche Personennamen standen, hatten für den Griechen ebenso 
Eigennamenhaftes wie etwa »oßnactn 'Prahler', xgcaiyacog \Sc 
neben Jaftacog. "//r/racriv.* Das ist im wesentlichen die oben 
gegebene Entwicklungsskala. Vielleicht also ist Brugmann 
S. 677, dass Verkleinerungswörter in allen Sprachen neben 
Bedeutung des Herzlichen, Zärtlichen, Kosenden, Sympal 
zeigen , grade dahin umzukehren , dass Koseformen , von den 
propria auf appellativa übertragen, in allen Sprachen neben 
diminutivischen Bedeutung neigen. Jedenfalls aber dürfen die 
sprachlichen Diminutivsuffixe als solche nicht mehr bis in 
indogermanische Periode zurückgeführt werden, wie bei Br 
S. 6611 geschieht; davor warnt die von uns beleuchtete Entwic 
geschichte im Germanischen und Deutschen. 

' Gnmdr. d. Tgl. Gr. d. idg. Spr.* 11,1 S. 66Sff. 



J.~s. 



je-*.. 



Deutsche Dialekt^eo^rapliie 

icbte nml Stiuüen (il>er I!. Wenker-i Spruulintlaa des Deutschen Reichs 
heraiisKegeben von 

Ferdinand Wrede 

Heil II 



Croiienberger Wörterbuch 

It ürtsgcschiciitliohor, graminatisc;lier und dialekt^eographiäclier 
Einleitung) 




Erich Leihen er 



Mit einer Karte 



Marburg 
N. 0. Glwert'sche Verlagsbuchbandlnn 



■,» »* i'r-'^^iöaai 



Deutsche Dialektgeographie 



Berichte und Studien über 6. Wenkers Sprachatlas 

des Deutschen Reichs 



herausgegeben 



von 



Ferdinand Wrede 



Heft II 



Marburg 

N. G. Elwert'sche Verlagsbuchhandlang 

1908 



Cronenberger Wörterbuch 



>rtö<5;eöehichtlicher, grainiimtischer und dialektgeographischer 

Einleitung) 



von 



Erich Leihener 



Mit einer Karte 



Marburg 

N. G. Elwert'sche Yerlagsbuchhandluiig 

1908 



Inhalt. 



Seite 

Einleitung §§ 1—4 I 

Zur Ortsgeschichte §§ 5—14 IV 

Zur Lautschrift §§ 15—18 X 

Kurze vergleichende Laut- und Flexionslehre von Cronen- 

berg, Remscheid, Ronsdorf, Wermelskirchen §§ 19—51 XIII 

I. Vocalismus 

a) Kurze Vocale §§ 20—24 XIII 

b) Lange Vocale §§ 25-29 XVI 

c) Diphthonge §§ 30—34 XVII 

d) Quantitätswecbsel § 35 XX 

IL Consonantismus 

a) Stimmlose Verschliisslaute §§ 36—38 .... XXI 

b) Westgenn. d,p; b; g %% 39—41 XXI 

c) Nasale §§ 42-43 XXIH 

d) Liquiden §§ 44-45 XXIV 

e) Stimmlose Spiranten §§ 46—4« XXIV 

f) Halbvocale §§ 49—50 XXV 

III. Flexionslehre § 51 ... , XXVI 

Accent §§ 52—66 XXVII 

Die circumflectierte Betonung §§ 53—66 XXVH 

I. Lautcombinatorische Circumflectierung §§ 56—58 XXX 

II. Circumflectierte Betonung ohne Synkope oder 
Apokope §§ 59—64 XXXII 

ra. Accent vor r §§ 65—66 XXXIX 

Dialektgeographischer Überblick §§ 67—126 XLI 

I. Vocalismus 

a) Kurze Vocale §§ 70—73 XLn 

b) Lange Vocale §§ 74—75 XLIV 

c) Diphthonge §§ 76-80 XLIV 

d) Einflttss des r auf den vorangehenden Vocal § 81 XLVI 



Bette 
II. Consonanten 

a) Stimmlose Yerschlusslaute § 82 XLVII 

b) Nasale § 83 IL 

c) Spiranten § 84 IL 

III. Wortbildungs- and Flexionslebre 

a) Diminutiva §85 L 

b) Zahlwörter §86 LI 

c) Pronomina § 87 LI 

d) Verbum § 88 LIII 

IV. Die Linien §§ 89—108 LVI 

V. Hauptlinien § 109 LXIV 

VI. Lexikalische Grenzen §§ 110—117 LXV 

VII. Zur Geschichte der fünf Linien §§ 118—126 . . . LXXIII 

1. Der Wupperlauf von Burg bis Leysiefen 

§§ 118—119 Lxxm 

2. Der Wupperlauf von Sonnbom bis Burg 

§§ 120-122 LXXVI 

8. Die Eschbachlinie § 123 LXXIX 

4. Die Ürdinger Linie §§ 124—126 LXXX 

Wichtigste Literatur LXXXIII 



Wörterbuch i 

Anhang 

1. Vornamen 137 

2. Ortsbezeichnungen 138 

3. Nachträge 139 

4. Statistik 142 



Einleitung. 



§ 1. Das vorliegende Wörterbuch der Cronenberger Mundart 
will ein Wörterbuch, kein bloßes Idiotikon sein, d.h. es erstrebt 
\^oll8tandigkeit des heutigen dialektischen Wortschatzes, verzeichnet 
also auch zahlreiche modern oder schriftsprachlich anmutende Aus- 
dräcke, sofern sie heute zu wirklichen Bestandteilen der Mundart 
geworden sind. Grade diese erinnern an den beständigen Wechsel 
und das historische Leben, dem auch das mundartliche Lexikon 
unterworfen ist. So, wie viele alte Ausdrücke absterben und heute 
nur noch im Munde der älteren Generation vorkommen, so treten 
immer neue in den Dialekt ein und sind heute vielfach erst dem 
jüngeren Nachwuchs geläufig. In Betracht kommen hier besonders 
zwei wichtige Momente, einmal der schnelle Aufschwung der 
heimischen Industrie während der letzten Jahrzehnte mit ihrer 
umfangreichen, immer wachsenden Terminologie und sodann der 
mit der Entwicklung des Schulwesens, der Presse und des öffent- 
lichen Lebens überhaupt eng zusammenhängende und ständig zu- 
nehmende Einfluss unserer neuhochdeutschen Schriftsprache. Es 
war nicht immer leicht, die richtige Grenze zu ziehen zwischen 
schriftsprachlichen Ausdrücken, die mehr oder weniger bereits 
dialektisches Gemeingut geworden, und solchen, die noch deutlich 
außerhalb der Mundart stehen ; nur letztere blieben außer Betracht. 
Neben den nackten Wörtern habe ich femer mundartliche Redens- 
arten gesammelt, in ihrer Urwüchsigkeit oft besonders charak- 
teristisch, und diese dem Lexikon bei den entsprechenden Stich- 
wörtern eingegliedert 

§ 2. Das Wörterbuch ist das Resultat mehrjähriger Sammel- 
tätigkeit. Es verzeichnet den Wortschatz meiner heimatlichen Mund- 
art, die ich von Jugend auf täglich sprach. Wichtigste Gewährs- 
leute waren mir meine Eltern, die beide ebenfalls in der Gemeinde 

Deutsch« Dialektgeographie II 1 



- II — 

geboren worden und ihren Dialekt von Kindesbeinen an anwandten 
Ihnen verdanke ich besonders diejenigen Wörter, die mir, den 
Jüngeren, schon fremdartig klingen. Außerdem konnte ich zwei 
handschriftliche Wörterbücher benutzen, die sich zur Zeit in der 
Bibliothek des bergischen Oeschichtsvereins zu Elberfeld befindes 
und den benachbarten Wortschatz Solingens zusammenstellen, eioi 
von Ohligschläger für den Kreis Obersolingen und eins von Lntgeoi 
für den Stadtkreis Solingen; ihr Vergleich ist für die Vollständig 
keit meiner Sammlung von entschiedenem Werte gewesen. 

§ 3. Das richtige Bild einer Ortsmundart ergiebt sich niemab 
allein aus ihrer statistischen Beschreibung. Es muss vielmehr hin- 
zukommen ein sicheres Urteil über ihr Verhältnis zu den Nachbar 
mundarten, ja darüber hinaus eine möglichst weit greifende dialekt- 
geographische Orientierung. Ich verdanke diese letztere der wieder 
holten Einsicht in Wenkers Sprachatlas des Deutschen Reichs 
und bekenne gern, dass ich erst durch diese den richtigen Hafi- 
Stab für zahlreiche Erscheinungen meines Dialektes gewonnen habe. 
Auf seine Anregung gehen insbesondere meine dialekt- 
geographischen Sammlungen in der Umgegend Crouenbei^p 
zurück, deren Resultate ich unten vorlege. Grade für meine 
Heimat, die sozusagen auf der Schwelle liegt zwischen ripuari* 
schem und niederdeutschem Sprachboden, musste dieser Gesichts- 
punkt von besonderer Wichtigkeit sein; ihre Mundart und ibi 
Wortschatz ist mittelfränkischen, niederfränkischen und westfäli 
sehen Kreuzungen ausgesetzt und findet hierin, und oft nur hierin 
die richtige Wertung. Dies gab auch die Entscheidung dafo^ 
meine Arbeit der „Deutschen Dialektgeographie^ einzureihen. 

§ 4. Die Geschichte unserer Sprache ist ein gutes Städ 
Geschichte unseres Volkes, und die Geschichte des Dialektes is 
Geschichte des Ortes und der Landschaft. So finden z. B. di 
zahlreichen Fremdwörter, zumal die französischen, die meine Samn 
lung aufweist, ihre Erklärung in einem Abriss der Orts 
geschichte, den ich zunächst folgen lasse. 

Zum Verständnis des Wörterbuches ist femer die Kenntnis di 
mundartlichen Laut- und Flexionslehre erforderlich. E 
wir nun von drei Cronenberg benachbarten Ortschaften grammatisct 
Darstellungen besitzen, die von Ronsdorf durch Holthans, vc 



- III - 

(BiBcheid durch Holthausen, von Wermelskirchen durch Hasen- 
äYer, and da in Sonderheit die Mundart von Remscheid, die auch 
xikalisch mit der meinigen annähernd identisch scheint, eine 
eutiüchey nur geringe Abweichungen aufweisende Schwestermundart 
ies Cronenbergischen ist, so schien es geeigneter, weil praktischer, 
rar eine kurze yergleichende Lautlehre von Cronenberg, Remscheid, 
Sonsdorf und Wermelskirchen in Tabellenform zu geben, wobei 
&iif anwesentliche Einzelheiten verzichtet werden durfke; noch kürzer 
ist die Flexionslehre gefasst, da hier die Unterschiede zwischen 
Cronenberg and Remscheid noch geringfügiger sind. Dagegen be- 
handle ich eingehender in besonderem Kapitel die mundartlichen 
Betonungs Verhältnisse; die wichtigen und immer wieder 
Tariierenden Eigenheiten des rheinischen Accentes erfordern wo- 
möglich Ort für Ort gründliche Untersuchung. 

Den Schloss dieser Vorbemerkungen bildet der schon oben 
(§3) erwähnte dialektgeographische Überblick: für eine 
Reihe grammatischer und lexikalischer Erscheinungen wird der 
geographische Grenzverlauf festgestellt und historisch zu deuten 
Tenacht und damit auf die Richtung hingewiesen, aus der einst 
die Geschichtschreibung der Cronenberger Mundart zu erwarten 
sein wird. 



1«* 



Zur Ortsgeschichte. 



§ 5. Wir besitzen eine nach Urkunden gearbeitete Chronik der 
Bürgermeisterei Gronenberg von Holtmanns (Remscheid 1877). 
Ihr entnehmen wir das für unsere Zwecke Notwendige. Anderes^ 
das für den Zweck jenes Chronisten entbehrlich war, tragen wir 
hier nach. 

§ 6. Cronenberg (mundartlich krü'9.nbr9x) zählt augeo- 
blicklich 11 (XX) Einwohner. Östlich und südöstlich ist die Gemeinde 
vom Morsbach begrenzt. Im Westen bildet die Wupp^r die Grenie 
zwischen Cronenberg und Solingen. Im Norden stößt die Gemeinde 
an das Gebiet von Elberfeld und zwar längs einer Grenze, wie sie 
kaum künstlicher gestaltet werden konnte;^) sie datiert erst toB 
dem 18. Jahrhundert. Die einheitliche Mundart der Gemeinde 
Cronenberg^) dehnt sich über diese Nordgrenze bis zu Wenken 
Ürdinger Linie, im Nordosten bis zum Gelperbach aus. 

§ 7. Die Etymologie des Namens krü'9.nbr9x bleibt unsicher.'] 
Von den Anknüpfungen an Krtihe ahd. krüira mnd. kra krOge,*) tt 
Kro7ie, an Kranich mnd. kran krön^) stimmt nur die zweite und dritte 
zum Lautstand der Mundart (vgl. auch krWd.msfü'e.gdl 'Rrammeta 
vogeF). Vielleicht aber muss mit einer auf m auslautenden Stamn 
silbe gerechnet werden; denn von einem nicht sicher zu ident 



1) Bis heute hat sich die Kirche dieser Grenzgestaltnng nicht angeschlosse 

2) Remscheid und Ronsdorf nicht eingeschlossen. 

3) Monatsschrift 1896 S. 112 ff. 122 ff.; Holtmanns S. 12. 

4) Crecelius Tägl. Anz. f. Berg u. Mark 1876 Nr. 11. 
5) Leithaeuser Ortsnamen. 



- V - 

^renden Cronberya (in den Werdener Regesten ^) Nr. 91 von 1050) 
^esehen, wird unser Ortsname bis ca. 1500 immer als Cromberg, 
ymberg {y ist Dehnungszeichen) überliefert, dessen m bei dieser 
^Imäßigkeit kaum auf Assimilation an den folgenden Labial 
üben dürfte, zumal andre Ortschaften gleichen Namens eine 
i^he in der älteren Zeit immer vermissen lassen.') Ist das m 
vt von Hause aus stammhaft, dann wäre das jüngere n in Cron- 
j, Cmnenberg leicht aus volksetymologischer oder gelehrter An- 
nung an Krone erklärlich. 

§ 8. Cronenberg hatte von alters her den einen Bergrücken 
16, auf dem heute noch seine Mundart gesprochen wird. Schon 
18 werden seine Grenzgehöfte genannt, und bis 1515 sind alle 
gehörigen Ortschaften aufgeführt. Ein Verzeichnis von 1711 fügt 
lem vollständigen von 1613 nur einige ^Kothen" hinzu, die an 
B umgrenzenden Wasserläufen entstanden waren. 

§ 9. Cronenberg tritt im Vergleich mit den umliegenden Ort- 
ktften verhältnismäßig spät auf.') Abgesehen von dem unsicheren 
onberga 1050 (s. § 7) ist es erst 1218—31*) mit Sicherheit 
kaodlich in einem Verzeichnis der Wachszinspflichtigen des Stiftes 
irresheim zu belegen. Es wird unter anderen ein Volcwin aus 
ojmberg genannt, der dem Stift einen Zins von 13 Denaren zu 
trichten hatte. 1312 begegnet in einem anderen Register des- 
Ibeo Stiftes ^) Cromberg als parochia. Es werden u. a. als Wachs- 
»pflichtige aufgeführt: 

1) Zs. d. berg. GV n u. VI. 

2) Oranenberg (m der Eifel) Lacomblet ÜB 2, 718 (18. Jahrh.), 3, 880 
ß); Kronburg^ Otine&urcA, Oruneborck (bei Bonn) Oesterley Geogr. 
Merb. d. Ms. S. 864 (1288); Kronberg, Cronenberg (Nassau) ib. (1889); n. a. 
L aneh Holtouums S. 13. 

8) Sonnbom 874 (Lac ÜB 1, 68); Burg 1147 (Lac. ÜB 1, 367; vgl. Kremor 
SEX); Hfickeswagen war 1189 schon Grafschaft, als Graf Heinrich v. H. 
OBmann Engelberts vod Berg wurde (Kremer 3, 192); Elberfeld 1176 erz- 
iidflieh-cöhiische Burg (Lac. ÜB 1, 455; vgl. Schöneshöfer S. 73); Wipperfürth 
de 1222 schon Stadt (Lac ÜB 2, 107), Lennep kurz Dach 1230 (Lac ÜB 2, 696; 
Schöneshöfer S. 102) ; für Remscheid schließt man aus dem Namen (zu 
\igius) auf eine GrOndung der Karolingerzeit (vgl. Monatsschrift 1894 
»f. 164 f.). 

4) Holtmamis S. 17. 

5) Lac Arch. N. F. 1, 142, 



— VIII — 

bücher weisen iu dieser Zeit jedoch keinen französischen Zawachs 
auf.^) Erst Ende des 17. Jahrhunderts wanderten einige französische 
Familien ein, deren Namen später nicht mehr vorkommen, z. B. 
1696 Elisons Brine ans Grenoble, 1712 du Bois aas Bätane, 1716 
Ginaud ans Nenchätel und einige andere. 

§ 12. Dauernde Berührong mit größeren Massen von Fran- 
zosen brachte der siebenjährige Krieg. Eine Menge Einqnartierangen 
hat Gronenberg in dieser Zeit zu verzeichnen: 1758 Regiment da 
roi unter Commandant Schweizer, Infanterie-Reg. Navarre und 
Champagne, Reiter-Reg. La reine und Royal ätrangers; 1760 ein 
Regiment; 1761 (Febr.), 16. Nov. bis 22. März 1762 und acht Tage im 
April 1762 das berüchtigte Fischersche Corps; 1762 Mai, Juni, Juli, 
December Turpinsche Husaren. 

Weiterhin durchzogen im ersten Coalitionskrieg französische 
Truppen unsere Stadt. Am 8. September 1795 rückten die ersten 
Züge ein, denen am folgenden Tage Husaren folgten, welche lange 
Zeit die Gegend schlimmer verwüsteten als die Truppen des 
dreißigjährigen Krieges.^ Am ersten Mai zog der Escadrons- 
chef Gardaut mit dem ersten Jäger-Regiment ein. Im December 
1796 war das Neysche Corps in Cronenberg und nächster Um* 
gebung einquartiert. Während der Monate Juni, Juli wurden die 
Cronenberger Schmiede gezwungen, den französischen Truppen viele 
Kürasse zu reparieren oder neue anzufertigen. Endlich 1797 zwang 
Ney die Einwohner Cronenbergs, die Hittorfer Landstraße bis Solingen 
auszubauen. 

Dies alles waren jedoch nur Vorspiele zu der im Jahre 1806 
eintretenden gänzlichen Französierung durch Napoleon. 

§ 13. Unter ihm wurde Berg völlig nach französischem Vorbild 
eingerichtet; ja die bergische Verwaltung sollte ein Muster für die 
übrigen Rheinbundstaaten sein, und er schrieb an Minister Roederer, 
den er eigens zu der Verwaltung von Berg berufen hatte: „Cette 
administration doit Stre T^cole normale des autres ätats de la 
conf^deration du Rhin, c'est quelque chose que cela.^ Es kann 
nicht im Rahmen dieser Arbeit liegen, da Einzelheiten für die 



1) Der hier häutig vorkommende Name nPicard** stammt nicht aus jener 
Zeit, er ist schon 1449 und 1458 nachzuweisen. 

2) Holtmanns S. 49 ff. 



— IX — 

Commune Cronenberg ans dieser Zeit fehlen, anf die Geschichte 
des ganzen Herzogtums Berg von 1806—13 einzugehen. Ich ver- 
?re\Be auf Schöneshöfer und vor allem auf die erschöpfende Arbeit 
von Schmidt über das Großherzogtum Berg 1806—13.*) 

Diese Maßregeln, über^ deren gewaltigen Umfang in Nieder- 
berg zahlreiche Acten des Barmer Archivs Aufschluss geben, 
festigten, was schon von französischer Sprache in den vergangenen 
Kriegszeiten oder durch friedliche Handelsbeziehungen aufgenommen 
worden war. Über letztere schulde ich noch einige wenige Be- 
merkongen. 

§ 14. Im 16. Jahrhundert war Rotterdam das Absatsigebiet 
der hiesigen Industrie gewesen, wodurch eine kleinere Anzahl 
niederländischer Wörter in die Gronenberger Mundart Eingang ge- 
fnndeo haben mag. Doch ließen diese Beziehungen bald nach. 
Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts suchte man die französische 
Sprache zn erlernen, um Geschäftsverbindungen mit Frankreich 
anzuknüpfen. Im Kaufmannsstil wurden französische Ausdrücke 
abermäßig viel angewandt. Auf wenigen Seiten weist ein Copier- 
baeh von 1719 — 27 über 20 französische, meist halb verdeutschte 
Wörter auf.*) Napoleons Gontinentalsperre vernichtete allerdings 
diese jungen Beziehungen, welche jedoch in jüngster Zeit wieder 
sehr rege sind. 

1) VgL auch Holtmanns S. 49 ff. 

2) Abgedruckt bei Leithaeuser Gallicismen II. 



- XII ~ 

X bezeichnet aus praktischen Gröoden gleichfalls sowohl den 
stimmlosen palatalen als anch den stimmlosen velaren Reibelaut. 
Beider Articulationsstellen liegen in unserer Mundart nicht weit aus- 
einander. 

/ ist leicht labio-dental. Die Unterlippe berührt nur leicht 
die obere Zahnreihe. 

tr ist ebenso leicht labio-dental; nur in der Verbindung kir 
ist es bilabial. 

Ein KehlkopfverschluRS kommt in der Mundart nur dann vor, 
wenn ein Wort mit vocalischem Einsatz nach Pausa stark hervor- 
gehoben werden soll. In der fließenden Rede ist er daher nur im 
Anfang des Satzes möglich.^) 



1) Vgl. auch u. im Accentkapitel. 



Kurze vergleichende Laut- und 
Flexionslehre von Cronenberg, Remscheid, 

ßonsdorf, Wermelskirchen.') 



§ 19. MaD vergleiche oben § 4. Auf Einzelheiten kann 

dabei nicht eingegangen werden; es sind für C meist dieselben 

urie für R. Die Beispiele gebe ich in der Regel nur in der Mand- 
von C. 



I. Vocalismus. 

a) Kurze Vocale. 

§ 20. Westgerm. a. 

Wgm. a in ursprünglich offener Silbe: C R Rd W ö {wOgan 
*Wagen', zOy^ *sagen', fädar * Vater'); Umlaut: C R Rd ^, W ?. 

Wgm. a in ursprünglich geschlossener Silbe vor unverschobener 
TeDuis: C R Rd ö {iäp ^Schrank', däk 'Dach', g9/dk *Fach'); üm- 
laat: C R Rd ^. W hat Kürze vor verschobener Tennis. 

Wgm. a vor r -f Dental bei Schwund des r oder des folgenden 
Dentals: C R Rd W ö (C Rd W gädm, R gäran 'Garten', C R wäran, 
Kd W trad9n 'warten', C R Rd W ^ 'Bart'); Umlaut vor erhaltenem 
r: C R Rd f, sonst ^, W stets ^. 

Wgm. ahs bei Schwund des h: CRRAW as {was9n 'wachsen', 
das 'Dachs'); Umlaut: C R Rd ©, W ^s. 

Wgm. aht: C R Rd W fit (mit offenereni p in W) {itnpt 
'Hanger', m^ 'Macht'). 

Amn. 1. AuBnahmen für W Hasenclever 8 ^* 



1) Oronenberg = C, Remscheid = R, Ronsdorf = Rd, Wermelskirchen =W. 



- XIV — 

Wgm. alt, ald: GYiYiA qul(t), W qtd(t) {wqubn 'walten', q^di 

'alt'); Umlaut: C R Rd äyl(t), W ^yl(0, 

Anm. 2. Auenahmen für W Hasenclever § 29. 

Wgm. a>g in Qx 'ach', inqrlan 'schnarchen', inQr9n 'schnarren': 
C R Rd W. 

Wgm. a im Präteritum der starken Verba vor Nasalver- 
biudung: C R Rd W o (bo'n. 'band', ito'Td. 'stand', itro'm. 'schwamm'); 
Umlaut: C R Rd W 0. 

Wgm. a im Präteritum der starken Verba vor einfacher 
Consonanz: C K Rd O:, W q: (gO:f ^g9h\ nö.fn 'nahm'); Umlaut: 

C R Rd ö:, W 0:. 

Anm. 8. Eine Ansnahme bildet Siü'ed neben itöd 'stahF. 
Anm. 4. Hierzu kommen in C R Rd ohne circnmflectierte Betonung 
Ost *ABt^ zöidrHax ^Samstag', die in W ^: aufweisen. 

Anm. 5. C RRd haben kurzes q m trqk ^zog\ tr^'traf , irqk 'schrak*. 
Wgm. aw/>: C R Rd qiimp, W qump {kqump 'Kamm'); Umlaut: 
C R Rd äym(pj, W ^yfn(p). 

§ 21. Westgerm. e. 

Wgm. e in ursprünglich offener Silbe: C R Rd ^, W ei {g^frizju 

'gewesen', l&mn 'leben'). 

Anm. 1. Ausnahmen für W Hasenclever § 32. 

Wgm. € in ursprünglich geschlossener Silbe: G R Rd W ^ {§p^k 
'Speck', g^t9m 'gestern'). 

Wgm. i vor r + Dental: C R Rd f W ^' {h^t 'Herd', §m^:r 
'Schmiere'). 

Wgm. ^ vor cht, It, Id: C R Rd W fi (welches in Rd W etwas 

offener ist als in C R) {älfit 'schlecht', g^ilan 'gelten', mpbn 'melden'). 

Wgm. e bei Ä-Schwund vor s: GRRd ^, W ti {w«s9ln 'wechseln'). 

§ 22. Westgerm. i. 

Wgm. i in ursprünglich offener Silbe: C B Rd fe., W f 
{ff9li'e.d9n 'gelitten', g9itri'e,cbn 'gestritten'). 

Anm. 1. Ausn. für W, wo häufiger Kttrze erhalten, Hasencl. § 38. 

Wgm. i in ursprünglich geschlossener Silbe: C R Rd W e {kefak 
'Kind', blerak 'blind'). 

Wgm. i vor ht, Id, U: CRMW ei {weit 'Mädchen', K^eiU 
'wild', reit9n 'richten'). 

Anm. 2. Ausn. in CK Rd 6^ *Büd', ieU *SchOd', vgl. für W HasencL § 33. 



— XV - 

Aom. 3. Ober neue kojnte i vgl Hasendever § 38, Holtbaas S. 347 ; 
vgl. ferner iw Wörterbucb Beispiele wie fitmln^ f9rkim9lny bim9lny 
JcniMn usw. 

§ 23. Westgerm. o. 

Wgm. in arsprüuglich offener Silbe vor r: G R Rd ^, W ov 
(^©/■r^r»» 'gefroren', ft^r^/i *bohren'); Umlaat: C R Rd q, Woy. 

Wgm. o in ursprünglich offener Silbe vor ^: C R Rd ö, W ? 
{bög»n 'Bogen', spzdg^n 'gesogen'); Umlaat: C RRd d, W f 

Wgm. in ursprünglich offener Silbe vor /: C R Rd ö, W ^ 
ipiiöhn 'gestohlen'); Umlaat: C R Rd ö, W 9. 

Anm. 1. In C R macht das ans intervocalischem d entstandene r 
in ör9m 'Atem' nnd bör9m 'Boden' das o geschlossen, in Rd W offen. 

Wgm. in ursprünglich offener Silbe in allen übrigen Fällen : 
C R Rd ö, W ov (g^bödm 'geboten', g9l6ir9n 'geloben'); Umlaut: 
C R Rd ö, W oy. 

Wgm. in ursprünglich geschlossener Silbe: G R Rd W q 
[h^ 'Bock', /qI 'voll'); Umlaut: G R Rd W ^. 

Wgm. oA/; G R Rd gu^, W Qut {dqutor 'Tochter', mqut 'mochte'); 
Umlaut: G R Rd äyt, W oyt. 

Wgm. vor / -f Gonsonant außer U, Id: C R Rd W {molk 
'naolk', ko'l.f 'Kolben'); Umlaut: G R Rd W 0. 

Wgm. vor U, Id: G R Rd a'e., W ou {hü'eM 'Holz', bü'e.lf9n 
'Bolzen'); Umlaut: G R Rd ye., W oy. 

Anm. 2. Ftlr C R Rd ist diese Regel nicht ausnahmslos (vgl. 
unten das Acoentkapitel), z. B. g9g6ul9n 'gegolten', gdhnötiltdn 'ge- 
schmolzen'. 

Wgm. o bei Ausfall von r und vor auslautendem r: C R Rd (^, 
^ ^ {pqf9 'Pforte', dqr Tor'); Umlaut: G R Rd ^, W oy. 

Wgm. o bei A-Schwand vor « (nur in nhd. Ochse): G R Rd ös9n, 

§ 24. Westgerm. u. 

Wgm. u in ursprünglich offener Silbe: G R Rd ü*e., W ü 
i^^e.fmr 'Sommer', /ü'e.y9l * Vogel'); Umlaut: G R Rd y-e., W y. 

Wgm. u vor r bei Schwund des r vor Dental: G R Rd «•«., 
^ « (*rß-^.^ 'Wurst', dü'eJCt) 'Durst'); Umlaut: G R Rd ye., W y. 



- XVI - 

Anm. 1. Vor r ist hflnfig Kflmmg eingetreten, Jedoeh regedot. 
In solchen Fällen hat C R Rd 9 {b^i(t) 'Rroet', wqt9l 'WorzeF o. a.), 
vgl. anch unten das dialektgeographische Kapitel. 

Wgm. u vor mp, cht, fi\ C R Rd W oy {koufnp ^Enmp', kla^ 
'Zange'); Umlaut: CRMW gy. 

Wgm. u vor U,ld: C R Rd We., W oy, {Ml'eM ^Schuld', g9Me.U 
'Geduld'); Umlaut: C R Rd ^e., W ay. 

Anm. 2. Neue u, meist in Iterativbildungen, analog den t in 8 22 Anm. 8, 
s. Holthaus S. 358, Hasenclever § 84 (z. B. b%ib9ln, fufMln, zuk9ln\ 

b) Lange Vocale. 

§ 25. Westgerm. a. 

Wgm. ö: C R Rd ö, W 5; {röd9n 'raten', yön 'gehen', it(^ 
'stehen'); Umlaut: C R Rd 0, W f«. 

Anm. 1. Als Nebenformen sind gqn, Sign, &lqn neben yöfi, ätön, 
älön sehr gebräuchlich. 

Wgm. a vor auslautendem r: C R Rd ^:), W ov (Ä$(:)r 'Haar', 
/^;)r 'Jahr'); Umlaut: C R Rd ^(;), W 0y. 

Wgm. ahti C R Rd W ^U {br^it 'brachte', d^U 'dachte'). 

Wgm. aw: C R Rd W ot# {ro'u. 'Ruhe', bh'y. 'blau'); Umlaut: w. 

Anm. 2. Die bei Hasenclever § 84 aufgeführten Fremdwörter ent- 
behren in C H Rd der circumflectierten Betonung. 

Wgm. aj: CRW ^, Rd ^i {m&n 'mähen', dre^n 'drehen', z&n 'säen'). 

§ 26. Westgerm. g. 

Wgm. €: C R Rd f «., W f : (Jl'e.1 'fiel', H'e.hl 'Ziegel'). 
Anm. 1. Ausnahme macht hier: C he'i.f R Rd W hl:. 

§ 27. Westgerm. f. 

Wgm. l: C R Rd W f (jedoch W dem Material bei Hasenclever 
zufolge bei folgendem stimmhaften Spiranten oder /, r f:) {fz»r 
'Eisen', fr%\r9n 'reiben', Um9n 'leimen'). 

Wgm. In auslautend: C RRd fw, W m (trfn 'Wein', min 'mein'). 

Wgm. In inlautend: C R Rd W rw. (wir^a. 'meine', ^rw. dem 
'Scheine'). 

Aum. 1. Für Rd vgl. die Anmerkungen Ober die Flexion. 
Wgm. Irf: C R Rd frf, W eg (mit Verschluss-^) {ßMdm 'streiten'). 



— XVII — 

Wgm. f im Wort- und Silbenanslant vor Vocal : C R Rd W 
4 {drei ^dre\\ ineim 'schneien'). 

Wgm. fW: C R Rd W eit {leit 'leicht'). 

Anm. 1. Ausnahmen für W Hasenclever § 89. Verkürzungen in C R Rd 
HolthauB S. 878, für W kommen hinzu glik 'gleich', ssikt 'Seide'. 

§ 28. Westgerm. ö. 

Wgm. ö: CRRd ü'e.^ W ü: {rü^e.pm 'rufen', dwe.k 'Tuch'); 
Umlaut: C R Rd g-e., W g:. 

Wgm. öhi: C R Rd W out [zout 'suchte'); Umlaut: ey. 

§ 29. Westgerm. «. 

Wgm. ü: CRRd W fl {ilüi9n 'schließen', lür9n 'lauem'); Umlaut: y. 

Anm. 1. Zahlreiche Aasnahmen in W vor stimmhafter Consonanz 
haben ti:, Umlaut y:. Hasenclever § 41. 

Anm. 2. Für die Fälle vor r vgl. das Accentkapitel. 
Wgm. ün auslautend: GB,B,d ün, W 079 {brün 'braun'). 
Wgm. ün inlautend: CRRd ti-^., W o-^. (bru-fd. 'braune'); 
Umlaut: G R Rd yw., W e'ta. t 

Anm. 8. Vgl. für Rd. unten § 51. 
Wgm. üd: CRRd ti(2, W wjr (mit Verschluss-^) {lud^n 'lauten'); 
Umlaut: G R Rd yd^ W yg, 

Wgm. üUi CRRdW out {/out9 'feucht'); Umlaut: CRRd W oyt 

Anm. 4. Erhaltenes uht in W Hasenclever § 41. 
Wgm. ü im Wort- und Silbenauslaut vor Vocal: CRRdW 
ot* {bou9n 'hauen'); Umlaut: oy, 

Wgm. ü>ui C Rd in ruia 'Scheibe', C R Rd W in hik 'Bauch', 

duk»7i 'tauchen', ituk^n 'stauchen', gm^ln 'gruseln'. 

Anm. 5. Zahlreichere außerdem in W Hasenclever § 41. 

c) Diphthonge. 

§ 30. Westgerm. aL 

Wgm. aii C R Rd fg., W in geschlossener Silbe f, sonst meist 

i: {kli'eJ 'Kleid', tCe.umi 'Zehen'). 

Anm. 1. VgL Hasenclever § 42. 

§ 31. Westgerm. au. 

Wgm. au: CR Rd We.j W ahd. ou > «, ahd. ö > ü: {zü'cm 
'Saom', grü'eJ 'groß', glü'e.umi 'Glaube'); Umlaut: C R Rd ^v., 
W y oder y:. 

OenUche Dialekt^ognphle H 2 



- XVlll - 

Anm. 1. Vgl. zn obigem ü'e. das AcoentkapiteL 

Wgm. aupt : C R Rd über öß>öxe>axf> qut, W ^ {f^rkqut 
Verkauft'); Umlaut: C R Rd äyt, Yf oyt. 

Wgm. auw: GRRd qu, W qu {mqwu. 'Armer, hqu9n ^hauen'); 
Umlaut: C R Rd äy, W fj/. 

§ 32. Westgerm. 80. 

Wgm. eo: C R Rd i'e.y W i: (welches sich geschlosseuem g 
nähert) {ßfe.gan 'fliegen', Ive.gdn 'lügen'). 

Wgm. Ä> vor A^ : C R Rd W ei {leff 'Licht'). 

§ 33. Westgerm. iu. 

Wgm. tu in ursprünglich geschlossener Silbe: GRRdW^ 
{tyx *Zeug'). 

Wgm. tu in offener Silbe : C R Rd ^, W y; {hybti 'weinen*). 
Wgm. iu vor r : C y {iyr 'Scheuer', fyr 'Feuer'), R Rd y-e., Wy. 
Wgm. iu vor clU : C R Rd W oy (Jsyim 'leuchten'). 
Wgm. iuw : C R Rd W 0y [roy^n 'reuen', tre'y. 'treu'). 

§ 34. Diphthongierungstabelle. 

Alte echte Diphthonge sind nur erhalten vor einst folgendem ^ 
{ki'L *Schiefer') und w {mqwu. 'Ärmel'). Alle anderen Diphthonge 
beruhen auf mundartlicher Diphthongierung vorausliegender Mono- 
phthonge, nämlich: 

vor ht in CRRdW 

a >^ {npi 'Nacht') 

ä > a ■> §i {d§it 'dachte') 

^ > f* (t*^ 'recht') 

' > H {reit»n 'richten') 

f.>i>ei {leit 'leicht') 
eo'^w'^ i'^ ei {leit 'Licht') 

> (]fM (W qu) {dqtU9r 'Tochter') 

u > ou {lo^t 'Luft') 

ft 2> w > <nf {fout9 'feucht') 

iu >y>oy {loyt^H 'leuchten'), 

aupf '> O/f^ öxf > oxt > q^4f {/»rkqtU Verkauft') 



— XIX — 



vor 
in GRRd 


Id 

i 


in W 


a>qu (kquU *kalt') 
e > fi (fffibn 'gelten') 
1 > ei {mei.l 'Milde') 

[o > ü'e.] *) 

[u > u'e.] 




a > ^ {kqtdt) 

i>«i {tne'i.l) 
o>ou {houU 'Holz') 
w> ov {^oult 'Schuld') 


vor 
CRRd 


mp 


; mb 

W 


a > (|M {kqump *Kamm') 
w>ov (^ovwjo 'Sumpf) 




a > (>w {IcQtmip) 
u"^ <y^ (za^mp) 


vor 
CRRd 


r 

W 


[e>n 




ö>^ (Äovr 'Haar') 

> o|f (rfovr 'Tor') 

e > ^1 {imei.r 'Schmiere') 


vor 
CRRd 


hs 

W 


[e>g] 
[o>0] 




^ > ^1 (/re/.^/» 'wechseln') 
> ou {ous9n 'Ochse') 



in offener Silbe vor r, d, tr, z 
CRRd W 

[^ > ^] ^ > H [gdirt^sdn 'gewesen') 

[o > ^] ö > o(^ (g9üw6^r9n 'geschworen') 



in Hiatusstellung in C R Rd W 

f>^i C/^/ 'frei', fre^n 'freien') 
Ä>ot^ {bo^m 'bauen') 
*w > ^ {^0tff^ 'scheuen') 



a; 
CRW Rd 

[e] f* (wfi^i 'mähen') 



1) ii-6. in itö'eit 'Holz', ^'e./^ *Schald' sehe ich nicht als Diphthonge, 
ondem als circnmflectierte Vocale an, füge sie jedoch des Vergleiches wegen 
ler Tabelle in eckigen Klammem bei. 

2* 



- XX — 



d) Quantitätswechsel. 

§ 35. Über Qnantitätswechsel handeln für nnsere Dialekte 
Holthans S. 422 ff. und Hasenclever § 61. Im Laufe seiner Dtf- 
stellung weist auch Holthansen häufiger darauf hin. Ffir uns ge- 
nügt es wieder, auf die Abweichungen der drei Städte GRRd 
untereinander aufmerksam zu machen.^) Für einen genauen Ver- 
gleich sei auf das Wörterbuch verwiesen. 

(Holthaus S. 422 Absatz 2:) 
Rd z§s 'sagst', z§t 'sagt' CR z^-s, z€:t 

(Holthaus S. 422 Absatz S:) 
Rd zys 'siehst', zyt 'sieht' CR zys u. zTfS, zyt u. zyt 

(Holthaus S. 423 II:) 
Rd drifs 'treibst', drift 'treibt' CR dr%:f8, driiß 

(Holthaus S. 423 III:) 

Rd ivets 'weißt'; glofs 'glaubst', CR irfe.«; R gty'e.fSj gty'e.ß, 
gloft 'glaubt' Cgly'e.f8,gty'e./t,Beltenghf8, 

gloft u. gleyfs, gloyftJ) 

(Holthaus S. 426:) 
C Rd Aä^ 'hast', hst 'hat' R Af», Äf^ 

(Holthaus S. 426 Absatz 3:) 
Rd hrt^'y, 'Brücke', rtyy, 'Rücken', CR hroky rok, fardk 
tanry, 'zurück'^) 

(Holthaus S. 426 IVb:) 
Rd hat Verkürzung des langen R nie, C nur in bret^t 'Bnitchen' 
Stammvocals bei folgender 
Diminutivendung -km u. -$9n : 
hlomkan 'Blümchen', Spolim 
'Spulchen' u. a. 



1) Hier sei bemerkt, dass der völlig verschiedene Dialekt von Solingen 
ganz erheblich hinsichtlich der Quantität abweicht Er neigt mehr zur Kürze 
(mys *Mäuse*, heskBr ^Strümpfe*, brun *braun', <^89n *Ochse', «^fojf 'Solingen'). 

2) Aus der Solinger Mnndart. 

3) Diese Formen entstammen der Elberfelder Mundart 



f — XXI - 

f 

\ (Holthaas S. 426 IVd:) 

l Bd bat balb9s 'barfuß', brqtn9lt9 C R barbae, brömdl{t9)y wit, wUan, 

'Brombeere', f/^Ä *weiß', ?rtow äust^r, kryts, pl^'jn, lyt, 

'tancben', iustar 'Schuster', iprytsa. 

hryts *Kreuz',2>Zym. Tlämme', 

lyt 'Leute', ipryts» 'Spritze'. 



n. Consonantismus. 

a) Stimmlose Verschlusslaute. 

§ 36. Westgerm. t. 

Wgm. t\ G R Rd ^ {t%'e.k9l 'Ziegel' , wätar 'Wasser' , ilöt 

'Schlo88% nü'e.t 'Nuss'), W t außer nach erhaltener alter Kürze 

ißlos^l ^Schlüssel', nos 'Nuss'). 

Anm. 1. Neben dat^ st, wat haben C R Rd W afos. 
Anm. 2. Wgm. t fällt C R Rd W häufig nach s; b. Hasenclever 
§ 78. Es kommt allerdings sehr auf den syntaktischen Accent an. 

§ 37. Westgerm. p. 

Wgm. p: C R Rd jö {öpm 'offen', dröpm 'Tropfen') , W jp, 

jedocb nach erhaltener Kürze / {^an 'offen', dr^an 'Tropfen'). 

Anm. 1. C R Rd haben ko/ar *Kupfer', prqfan *Pfropfen*,^?^<^ Tfeffer'. 

§ 38. Westgerm, k, 

Wgm. kl CRRd k {d%k 'Teich', itnkan 'streichen', kök9n 
'kochen'), W i, jedoch nach erhaltener Kürze % {k^x^n 'kochen', 
bfX^r * Becher'). 

Anm. 1. C R Rd haben ex, dex, mext zex* 

Anm. 2. Ausnahmen für W Hasenclever § 80. 

Amn. 3. Ausnahmen in CRRd: kifxa 'Küche' (neben kök *Koch\ 
kek^ 'Köchin'), bl^x 'Blech*, bl^x^ Adj. zu bl^x> «e/^r 'sicher', fr^x 
•frech*, r^xnsn 'rechnen'. Vgl. Holthaus S. 865 und das Wörterbuch. 

b) Westgerm, d, ^; i; g. 

§ 39. Westgerm, d, p. 

Wgm. pw: C R Rd W tw {tfretaafi 'zwingen'). 
Wgm. pp: C R Rd W t (jhneta 'Schmiede'). 
Wgm. dy p anlautend und inlautend : G R Rd W als d er- 
balten (darahl 'dunkel', iadan 'Schaden', mwe.dar 'Mutter'). 



— XXII - 

Amn. 1. Inlautend intenroealisch tritt in C R W hänfiger r statt d ein 
(fär9m *Faden', bör9m 'Boden', flVe.rdlcnU *FIieder'), In W noch häufiger 
(Hasenclever § 82). In R macht das Hfllfsverbam han 'haben' eine Ausnahme, 
da es im Präteritum r statt t aufweist: ex hän* 4ch hatte*, ex h^ 'ich 
hätte', fl'e.T haT9n 'wir hatten'; vgl. Holthausen 8. 564. Eine feste Regel 
lässt sich dafür nicht gewinnen. Die Fälle sind zerstreut und vereinzelt. 

ld<Zfd, ipi G R Rd id (rftfon 'reiten'), W eg (mit Verschluss-^r). 

0(2 : C R Rd ti(2 {lud^n 'lauten'), W ug (mit Verschloss-^). 

itid : G R Rd yd^ gd {lydm 'läuten', lydm 'Leuten'), W eg^ yg 
(mit Verschluss-^). 

d auslautend und vor stimmlosen Consonanten : C R Rd / 
{ly:t 'Leute', r^fyn 'Rädchen'), W über g> L 

nd ursprünglich inlautend: C R Rd W t» (lft99r 'Länder'). 

nd auslautend: G R Rd W tak {latak 'Land'). 

d, welches nicht in den Auslaut trat, wo es als t erhalten 
wäre : C R Rd W gefallen {hqubn 'halten', aber hqtUt 'halt'). 

§ 40. Westgerm. b. 

Wgm. b anlautend und geminiert : G R Rd W & {brühn 'brauchen', 
reban 'Rippen'). 

Wgm. b auslautend nach m: G R Rd W /? {kro^mp 'krumm'). 

Wgm. b inlautend (= genn. ft): C RRd W w {fritean 'reiben*, 

drfivan 'treiben'). 

Anm. 1. Über den Ausfall dos b vgl. Uasendever § 88. In C R Rd 
fällt 6 in bll:8, blis 'bleibst', bHU 'bleibt'. 

Wgm. b auslautend oder vor stimmloser Gonsonanz: C R Rd 
W / {Iff 'Leib', iny:ß 'schnaubt'). 

§ 41. Westgerm. g. 
Wgm. ^ anlautend ÜRRd ^ {gädafi 'Garten', g§ibn 'gelten'), Wj, 
Anm. 1. Rd hat jet 'ihr'. 

Wgm. g inlautend nach palatalem Vocal und nach Liquida: 
G RRd ^(/Ä/aw 'fegen', /fe.^n 'liegen', ^^'Arger',/0^91^ 'folgen'), W^*. 

Wgm. g inlautend nach volarem Vocal: G R Rd W ^ {krOg^ti 
'Kragen', bögan 'Bogen', fü'e.gal 'Vogel'). 

Wgm. g auslautend: C R Rd W x {^'X 'Säge', gmä'e.x 'genug'). 



- XXIII — 

Wgm. g interYocalisch: C R Rd W häufig gefallen. Vgl. Hasen- 
clever § 84. In C R Rd fehlt in Hasenclevers Beispielen meist 
die circnmflectierte Betonung. 

Anm. 4. Ein neuer VerBchlusslaut g ist regelmäßig nur in W (vgl. 
Hasenclever § 84), selten in C R Rd, deren Beispiele im Wörterbuch stets 
eine diesbezügliche Bemerkung tragen (gligd^j itr^gd^), 

c) Nasale. 

§ 42. Westgenn. m. 
Wgm. m gefallen: G R Rd in fouf 'fünf, foftve.n 'fünfzehn', 
fofts^x 'fünfzig'. 

Anm. 1. In W ist vor Dental Neigung zum Übergang in n\ vgl. Hasen- 
clever § 85. Letzteres ist nicht in C R Rd der Fall, dagegen gelten die 
weiteren Einzelheiten von W (Hasenclever § 85) auch flir CRRd. 

§ 43. Westgerm. n. 

Wgm. n in geschlossener Silbe fällt: C R Rd W in U8 'uns', 
ötr^ 'abends', mqrgds ^morgens', namss 'niemand', 0m98 'jemand'; 
in W außerdem pej^sm 'Pfingsten', in Rd W ferner in de^dax 'Dienstag'. 

Wgm. n im Silbenauslaut vor folgendem f, g^ k, p, m, n, l, 
r (außer anre^\ s, z, i, t fallt C R Rd. Vor w und b schwankt 
der Gebrauch. Erhalten ist n regelmäßig vor d, h und den dimi- 
nutiven Ableitungssilben, selten vor t 

Anm. 1. Hasenclever bemerkt dies nur von der Vorsilbe ein-. 

Wgm. n : C R Rd W r in 7n9r 'man' , new9r 'neben' , böurar 
*oberhalb' (ndd. bäbm), 

Wgm. nd inlautend: C R Rd W tb {hffmn 'Händen'). 

Wgm. nd auslautend: G R Rd W tdk Qiafdk 'Hand'). 

Wgm. nt\ C R Rd W rakt (trmkOr 'Winter'). 

Anm. 2. Ausnahmen für W Hasenclever § 86. Die dort aufgeführten 
Beispiele haben außer kondan *Kunde\^en^ Tlinte\ banda ^Bande* in 
C R Rd regehnaßig 19. 

Wgm. n auslautend nach r, ii : G R Rd n (e/i-w 'Wein', mfn 
"mein', tun 'Zaun'), W w (mit f > «, « > 0). 

Wgm. ne auslautend : G R Rd W 'ta. {mi'id. 'meine' , bm-ra. 
•braune'). 

Anm. 8. Über unorganisches n vgl. Hasenclever § 86 und dazu das 
Wörterbuch, 



— XXIV — 

d) Liquiden. 

§ 44. Westgerm. /. 

Wgm. / : C R Rd W als f erhalten. 

Anm. 1. Einzelheiten, auch ftir C R Rd geltend, Hasenclever § 87. 

§ 45. Westgerm. r. 

Wgm. r ist postvocalisch in C R Rd W sehr häufig gefallen, 
and zwar unter Dehnung und Öffnung oder Gircumflectiemng des 
voraufgehenden Vocals in C R Rd, unter Diphthongierung oder 
Dehnung des Vocals in W. Für RdW gilt als Regel, dass vor 
dem Dental dieser Schwund regelmäßig nach a eintritt; in C R 
bleibt gerade dort zuweilen das r (C R wäran * warten', R gar^n 
'Garten', C gäcbn 'Garten'). In einsilbigen Wörtern mit Positions- 
länge ist dieser r-Schwund in G R Rd W regelmäßig eingetreten 
(bat 'Bart', p^:t Tferd'); vgl. Holthausen S. 422 und dazu mein 
Wörterbuch, Hasenclever § 88. Häufig tritt auch Kürze ein {hai 
'hart', kgt 'kurz', pat^9n 'Pferdchen', batian 'Bärtchen', tnat ^Markf), 
vgl. Holthausen S. 422, Hasenclever § 88. Nirgends fügt sich 
r in Gesetze. Es ist ebenso in fast allen umliegenden Mundarten 
das enfant terrible der Grammatik, besonders beim Accent. 

Anm. 1. Ober r-Metathese vgl. Hasenclever § 88. Die dort 
aufgeführten Beispiele gelten auch für C R Rd. Vgl. außerdem meine 
dialektgeographischen Sammlungen. 

Anm. 2. R bildet gerne Svarabhakti nach r und l {kqr^f 'Korb\ 
hüldf *halb'). Sein Unterschied von C beruht größtenteils auf dem r-Laut. 
Vgl. darüber das Accentkapitel. 

e) Stimmlose Spiranten. 

§ 46. Westgerm. /. 

Wgm. / anlautend und auslautend: CR RdW/ {J0I 'viel', 
fivrj 'Farbe', fo^f 'fünf'). 

Wgm. / inlautend: C R Rd W ?/^ {welmn 'Wölfen', (hcdn 'Ofen'). 

Wgm. ft\ C R Rd W > A^, vor welchem Diphthongierung ein- 
tritt. Vgl. § 34. 

§ 47. Westgerm. s. 

Wgm. s anlautend vor Vocalen : C R Rd W 2? (zet^n 'sitzen', 
zOgan 'sagen'), im Silbenanlaut nach stimmloser Gonsonaiiz s. 



- XXV — 

Anm. 1. Fremde 8 werden anlautend häufig zu ts ; Hasenclever § 90, 
dazu für C R Rd mein Wörterbuch. 

Wgm. s anlautend vor Gonaonanten: C R Rd W rf {itre.n 'Stein', 
imäk^n ^schmecken'). 

Wgm. 8 inlautend intervocalisch oder nach Liquida und Nasal 
außer t? : C RRd W 2r {f^z9r 'Reiser', düs»nt 'tausend', helzm 'Hülsen'). 

Wgm. 88 (alte Geminata): GRRdW s {kosan 'Kissen', mesm 

'missen'). 

Anm. 2. Zu diesem 8 kommt in W das durch Verschiebung aus 
wgm. t entstandene 8. 

Wgm. 8 auslautend: CRRdW s {was 'Wachs', glas 'Glas'). 

Wgm. 8 nach r : C R Rd W rf {dwe.i{t) 'Durst', ivü'e.i 'Wurst', 

g^ 'Gerste'). 

§ 48. Westgerm. A. 

Wgm. h anlautend: GRRdW Hauchlaut h {hqubn 'halten', 
Af/pw 'helfen', hai€9r 'Hafer'). 

Wgm. h im Anlaut von Nebensilben, intervocal und auslautend: 

C R Rd W gefallen (fcofos 'Backhaus', zf'^.n 'sehen', rou 'rauh', ßü'9. 

*Floh'). 

Wgm. h in Geminata: G R Rd W x {lajj^n 'lachen'). 

Anm. 1. Dieses x vor t ist in W häufiger erhalten , in C U Rd ist 
meist Diphthongierung eingetreten und damit das % geschwunden. 

f) Halbvocale. 

§ 49. Westgerm. ;'. 

Wgm. ; anlautend: GRRdW als Spirans y erhalten {jö 'ja', 
fr/^:)r 'Jahr'); vgl. § 18. 

Wgm.y intervocalisch : G R W geschwunden (dr^^n 'drehen', m&^ti 
*iiiähen'), in Rd vocalisiert {dr^i»fi 'drehen', m^i^n 'mähen'). 

§ 50. Westgerm, w, 

Wgm. w inlautend: GRRdW selten erhalten {re.trrfx *ewig', 

/^rtr^n 'färben', g^w9n 'gerben'). 

Wgm. w (soweit erhalten) auslautend : G R Rd W / {pe'lj 

*pnlvinus', far.f 'Farbe'). 

Anm. 1. Sonst ist wgm. w in- und auslautend meist geschwunden 
{mg'cr 'mürbe', med *Mehl'). 



V 



- XXVIII - 

Das Verdienst, dieser Erscbeinnng Gesetze abgewonnen xo 
haben, ist Nörrenberg zuzuschreiben. Unabhängig von diesem er- 
schien zwei Jahre später Diederichs' umfangreiches Werk, spater 
dann Müllers, Maurmanns, Mfinchs und Hasendevers Unter- 
suchungen. Endlich hat uns Ramisch auf dem betretenen W^ 
ein gutes Stück gefördert, indem es durch ihn jetzt «zum weuigsteD 
sehr zweifelhaft geworden ist, ob es im nördlichen Bheinland feste 
Accentgrenzen gibt, wie Diederichs noch annahm;^) vielmehr scheint 
ein allmählicher Übergang stattzufinden von zweigipfliger Betonimg 
mit Stimmritzenverschluss über zweigipflige Betonung ohne 
Stimmritzenverschluss zu eingipfliger Betonung, ein Übergang, den 
die einzelnen Vocale und Diphthonge ungleichmäßig zeigen. Aach 
in unserem Gebiete findet eine Abstufung statt in der Reihenfolge: 
Wermelskirchen — Cronenberg, Remscheid, Ronsdorf — Elberfeld, 
Mittelbarmen— Ostbarmen; Ostbarmen weist schon durchgehend ein- 
gipflige Betonung auf. 

§ 54. Das Wesen der circumflectierten Betonung ist, da8& 
der circumflectierte Vocal musikalisch einen Haupt- und NebentoDi 
exspiratorisch einen Haupt- und Nebenictus auf sich ?ereinigt- 
Dies lässt sofort an den Schwund einer folgenden Silbe und s^^ 
eine etwaige Folge von Synkope und Apokope denken: die a^ 
sprüngliche Silbenzahl der Wörter ist verkürzt, aber die einstig 
Accentabstufung der Silben zeigt in der Betonungsweise der allei- 
übrig gebliebenen Stammsilben ihren Reflex: liü^tif. Diesß 
Reflex ist in den verschiedenen Dialekten verschieden. Nörrenber* 
und Müller nehmen für den ersten Gipfel gestoßenen Accent a^ 
worauf dann ein Kehlkopfverschluss zwischen den beiden Elemente 
folgt (Nörrenberg Ä'/ ^Leibe'). Die übrigen oben genannten Forscher 
kennen den Stimmritzenverschluss nicht. Das Gebiet von Crone^ ^ 
borg, Remscheid, Ronsdorf, ^) das sich unmittelbar nördlich an d^ 
Gebiet von Wermelskirchen anschließt, hat ebenfalls keinen Stim^ 

1) In sich geschlossene Gebiete sind in unserer Gegend wohl Vorhand^ 
so das oiuhoitliche Solingen-Gräfrath -Wald-Gebiet, das C K Kd- Gebiet ^' 
geringfügigen Abweichungen untereinander, ferner das Elberfeld- WestbaroE ^ 
Gebiet jenseits der Ürdinger Linie; aber selbst in Ostbarmen ist die circt^ 
iiectierte Betonung noch nicht völlig geschwunden. Man findet sogar in No ^ 
Westfalen noch Spuren. 

2) Nur Münch äuüert sich hierüber nicht. 

3) Ebenso Solingen, Gräfrath, Wald, Elberfeld, Sonnbom, Vohwinl^ 



— XXIX — 

litzenverachlass. Wir befinden ans also auch hier auf einem Über- 
gangBgebiet vom Kehlkopfverschluss zur eingipfligen Betonung. 

An der einfachen Bezeichnung ^circumflectierte Betonung^ 
balte ich nach dieser Erörterung trotzdem fest, sonderlich um einen 
leichteren Vergleich mit der Arbeit Hasenclevers zu ermöglichen. 

§ 55. Bei keinem meiner Vorgänger finde ich die Frage er- 
örtert, ob der erste Gipfel exspiratorisch und in der Dauer zum 
zweiten Gipfel stets in demselben Verhältnis steht oder nicht. ^) 
Tor allen Dingen ist zu beachten, ob der sogenannte spontane 
Aecent, d. h. der Accent in Formen, die keine Silbenverkürzung 
erfahren haben, dasselbe Verhältnis der Elemente zeigt, wie der 
lautcombinatorische, wo die Gircumflectierung uns naturgemäß er- 
scheint, um es in Zahlen auszudrücken: ist das Verhältnis der 
Exspirationsdauer der beiden Elemente zueinander etwa 3 : 2 oder 
3:1? Man könnte natürlich noch mehr Nuancen aufführen, aber 
der Klarheit wegen begnüge ich mich (sonderlich für das Wörter- 
buch) mit diesen beiden Extremen, zu denen in dieser Ausführung 
öoch ein mittleres Verhältnis 6 : 2 treten wird.*) Der einfacheren 
Bezeichnung halber nenne ich das Verhältnis 

3 : 2 Stufe A, 
6:2 Stufe B, 
3 : 1 Stufe C. 

-to Stufe A sinkt der Ton höchstens um eine Terz, in Stufe B min- 
destens um eine Quinte, in Stufe C um eine Octave. Ebenso 
^"toift sich das Verhältnis der dynamischen Stärke der beiden Ele- 
^^ente ab^ indem analog der musikalischen Scala die dynamische 
-^jraft des ersten Elementes von A zu C zunimmt und die des 
^^eiten Elementes entsprechend zurücktritt. Dieser Unterschied 
^»t ein ganz gewaltiger und darf nicht beiseite gelassen werden. 



1) In musikalischer Hinsicht erörterte dies Diederichs und andeutungs- 
Hasenclever. 

2) Wohl bemerkt sind dies nur relative Werte, die durchaus nichts mit 
T Morenzahl des circumflectierten Vocals zu tun haben, welcher viel- 

^ bei verschiedener Ursache auch verschieden große Morenzahl aufweisen 
itl. Es soll nur dadurch ausgedrückt werden, dass bei gänzlich unberück- 
sichtigter Gesamtmorenzahl das Verhältnis der Moren der beiden Elemente bei 
^ den größten, bei A den kleinsten Unterschied aufweist. 



— XXX — 

Ist nun das zweite Element dem ersten gleich oder von an- 
nähernd gleicher Qualität,^) was fast nur lantcombinatorisch, in CBd 
einige Male vor r, in C R Kd bei langem ö vorkommt, so genfigt ei, 
wenn wir zur Bezeichnung des Accentes den einfachen Doppelpunkt 
: setzen (/f./ 'Leibe'). Ist dagegen das zweite Element jener 
unbestimmte ^-Laut,^) so möchte ich, wie ich im Wörterbuch dqreb- 
geffihrt habe, für Stufe C '»., für Stufe A 'e. setzen, da ich damit 
am besten das Verhältnis der Exspirationsstärke beider Elemente 
zu einander auszudrücken glaube. Die Stufe B ist im Wörter- 
buch zu Stufe A geschlagen; ihre Vertreter können daraus nach 
den folgenden Ausführungen leicht ermittelt werden; es wurde 
sich für einen weiteren Leserkreis kaum geeignet haben, noch 
weitere Zeichen einzuführen. 

Eine notwendige Folge des Vorausgegangenen ist, nicht som- 
marisch zu verfahren, sondern jeden Laut für sich zu betrachten. 

Wichtig für das ganze hier zu behandelnde Gebiet (C R Bd) 
ist, dass, abgesehen von den Fällen vor r') und der nur wenig 
offenen Articulation in Remscheid, der Accent in überein- 
stimmender Weise seine Ausprägung erhalten hat und einen be- 
deutenden Unterschied zwischem diesem Gebiet und den Mund- 
arten der Umgegend ausmacht (Elberfeld-Barmen, Lüttringhanseni 
Lennep, Wermelskirchen, Solingen). Dieser Unterschied liegt größtem 
teils in der qualitativen Verschiedenheit des zweiten Elemente^ 
weshalb ich ganz besonderes Gewicht auf die drei Stufen lege 
welche, wie wir sehen werden, nicht spontan, sondern nach Wort 
klassen gesondert auftreten. 

L Lautcombinatorische Gircumflectierung. 

§ 56. Lautcombinatorisch tritt, wie überall, auch in unseren 
Gebiet circumflectierte Betonung bei Synkope oder Apokope eine 
folgenden unbetonten 9 ein, und zwar 



1) Außer ^ bei Ilolthansen kommen die anderen Vocale nur in laai 
conibinatorischer Stellung vor, 

2) Die Fälle, in welchen der zweigipflige Accent sich rein oder ai 
nähernd rein äußert, sind häufiger, als ITi^lthansen zngibt. Allerdings ist i 
Remscheid das zweite Element stets eine Nuance offener als das erste (nicli 
so stark in C Kd). 

8) Die Fälle vor r bleiben vorläufig nnberflcksichtigt, falls sie nicli 
den Accent in laatcombinatorischer Stellung zeigen. 



- XXXI - 

a) bei kurzen Vocalen, wenn ihnen Liquida oder Nasalis -f 
kbnmhafte Consonanz oder geminierte Liquida oder Nasalis folgte: 
IT». *Hunde', to'ra. 'Zunge', ita-rd. 'Stange', fa'L 'Falle', iterm, 
Stimme', ^/. 'Schelle'; 

b) bei langen Vocalen (nrspr. langen oder in offener Silbe 
gedehnten) und Diphthongen bei folgender früher stimmhafter Con- 
acmanz oder direct sich anschließendem d^): ü'9.x 'Auge', 2€:x 
*8ige', /Ärx 'freches Mädchen', rei. 'Reihe', ro'^, 'Ruhe'. 

Die Belege sind dieselben, wie bei allen meinen Vorgängern. 
Es bleibt im Gegensatz zu diesen nur hinzuzufügen, dass in meinem 
Oebiet ein Unterschied vorhanden ist zwischen nicht combinatorisch 
dreamflectiertem Vocal oder Diphthong (§ 59} und demselben Vocal 
oder Diphthong mit combinatorischem Circumflex, nämlich hier Stufe 
C, dort A resp. B. Also auch äußerlich unterscheiden sich hier 
die beiden Arten der circumflectierten Betonung.^) 

§ 57. Schon Hasenclever sagt: „Unser Accent äußert sich 
kaom rein"; doch behält er das einfache Zeichen : der undefinier- 
baren Qualität des zweiten Elementes wegen bei. In unserem 
Gebiete glaubt man häufig reine Diphthonge r^., we. zu hören; 
die Unterscheidung ist deshalb sehr schwierig. 

Eis kommen jedoch in unserem Gebiete annähernd reine 
Aecentverhältnisse vor, die in Cronenberg am reinsten, in Rem- 
scheid (nahe Wermelskirchen) am unreinsten sind. Immerhin steht 



1) Wie schon bemerkt, ist hier stets Stafe C vorhanden. Ist aber No- 
Bunathr und Dativ combinatorisch circumflectiert , so wird der Nom., da 
die Mandart im circumflectierten Accent sonst ein Unterscheidangsmerkmal von 
NoBL 8g. und Dat. sg. Nom. Acc. pl. sieht {du/ Tag* — dä:x 'Tage*), auf Stufe 
B herabgedrfickt, bei Belassung des Dativs auf Stufe C. Die Unterscheidung 
^on Nom. und Dat sg., die auch bei Nörronberg, Hasenclevor, Münch, Müller, 
neist aber bei Ramisch auftritt, ist in unserem Gebiete so deutlich, dass in 
^en, wo beide circumflectiert sind, der Dativ sogar schon hüufig zum Diph- 
^Dg fibeigeht Belege: Nom. ü'9,x ^Auge' (B), Dat. ü'9,x {G)i häufiger o'^.z; 
Nom. bü'e.m ^^um', Dat bü'd.m und bo'ti,m\ Nom. drü'e.m *Traum', Dat. 
A*».« und c2ro*tf.m; um *Biene* (B), Dat. Lin (C) und e'j.m; Nom. di'cl 
Teil', Dat c2f*a./ und derU u. a. Diese Belege sprechen flir die Beweisführung 
Wiedes, der die Entstehung der nhd. Diphthonge aus mhd. Längen über die- 
^^^ Accentphasen verfolgt hat. 

2) Ob dieser Unterschied auch in W. vorhanden, ist mir nicht bekannt 



- XXXII — 

auch dort das zweite Elemeut qualitativ dem ersten naher als irgend 
einem anderen Vocal. Ich gehe deshalb zunächst die LSngeo 
einzeln durch: 

mdal. a = wgm. a > ä: (da:x *Tage') 
^ f = n ^ > ?•' i^^i-'f ahd. smlBro) 

„ € = „ ^>ä: (iwä/ *Mehl') 
„ f = „ j > f; (Ä/ 'Leibe') 
^ f(-f>.) ') = wgm. aiy ^, eo > TP. (ikZr»./ 'Kleide', ^V9. dem 'Schnee', 

/fp.^ 'Liede') 
„ ü = „ « > ä: {dü:f 'Taube', /«:/ 'Paule') 
^ ü{'e.) = ri a«, ö > ii'a. (-2ra"».w 'Saume' neben zö'^m 

fü'9.t 'Fuße') 
^ a(-f?.) = ^ vor ft > ü*^. {hü'd.U 'Holze' neben hü'dtif) 



§ 58. Bei den Diphthongen haben wir zwei Gruppen zn untei 
scheiden, je nach dem Grade der Vereinigung ihrer beiden ElemenU 

1. ff, qu, ay, 

2. eiy 0% oy. 

Die Diphthonge der ersten Gruppe scheinen von den Mao 
arten als einheitliche Laute aufgefasst zu werden; denn sind f 
lautcombinatorisch circumflectiert, so fällt der zweite Gipfel d 
circumflectierten Accentes nicht auf das zweite Element d 
Diphthongs, sondern auf einen dem zweiten Element des Diphthon 
qualitativ annähernd gleichen Laut. Belege: l^ri. 'Schiefer', hqa 
'haue', häyy. 'Schläge'.') Bei den übrigen Diphthongen (^', i 
oy) dagegen treffen der zweite Accentgipfel und das zweite E 
ment des Diphthongs zusammen: re'i, 'Reihe', ro'u, 'Ruhe', ki 
'kaue'. 

II. Circumflectierte Betonung ohne Synkope oder Apoko] 

§ 59. Man hat diese Erscheinung spontane Circumflexion 
nannt^ wogegen Ramisch mit Recht protestiert, indem er darin e 
inhaltlose Bezeichnung sieht. Diesem Protest muss man sich energii 



1) i{'e,) und t4(*6.) deuten an, dass schon spontan Circumflexion vorhan 
iflt, d. i. Stufe A resp. B, während combinatorisch Stufe C auftritt 

2) Dieser Fall ist selten, meist ist hier Diphthongierung eingetreten. 

3) In Wermelskirchen und Solingen fallt hier das zweite Accentelen 
mit dem zweiten Diphthongelemeut zusammen. 



— XXXIII -~ 

iMehließen; denn „Bpontfü** deckt sich sozusagen mit ^unerklärt^. 

!Bfeift denn diese Erscheinung so spontan auf, ist sie denn überall 

^fMetzlos? Spontan könnte sie meines Erachtens nur in einer Misch- 

JBundart sein. In einer völlig in der Entwickelung stehenden 

VnDdart wird in derselben Wortgruppe doch immerhin insoweit 

ün gewisses Ziel erreicht sein, dass von Spontaneität nicht 

geredet werden kann. Wenn auch nicht ein ausnahmsloses Gesetz, 

«6 werden wir doch eine gesetzmäßige Entwickelung erwarten 

üirfen. Mich hat die Arbeit auf diesem Gebiete überzeugt, dass 

ein mit ausgezeichnetem Gehör und intimer Kenntnis der Harmonie- 

lehre ausgestatteter Forscher nirgends mehr Gesetzmäßigkeit vor- 

fnden würde als gerade hier. Nicht nur allgemein circumflectierte 

Betonung, sondern selbst die Stufen treten regelmäßig in den 

einzelnen Wortklassen auf. 

§ 60. Ich bemerkte oben schon, dass sich gleichzeitig in dem 
Worte spontan das Wort „unerklärf^ verbirgt, und ich glaube, 
dass sich grade hiergegen Ramischs Polemik wendet. Nun hoffe 
ich, dieses Dunkel etwas durch folgende Ausführungen zu erhellen. 
Ich bin nämlich allmählich zu dem Resultate gekommen, dass 
Circumflexion außer in alten Diphthongen oder aus diesen 
eontrahierten Monophthongen (welche eben deshalb jeden- 
1 ftllg zweigipflig waren), femer außer durch völlige Apokope oder 
Synkope, ebensogut auf Abschwächnng der Mittel- und End- 
silben oder, wenn ich so sagen darf, beginnender Synkope oder 
Apokope beruhen kann. Logischerweise mnss eine analoge Ver- 
inderang vor sich gehen, wie sie sich z. B. in Überdehnnng zeigt. 
Wir widerstrebten ja sonst völlig dem Gesetz von der Erhaltung 
der Daner .und Exspiration, welches sich uns bei der laut- 
combinatorischen Gircumflectierung unabweisbar aufdrängte. Nichts 
verschwindet, es setzt sich höchstens in andere Energieform um, 
sei dies nun . Überdehnung oder eine weitere Stufe, die circum- 
lectierte Betonung, oder Pausa. So wurde bisher nach Kürze 
^ dann von cjrcumflectierter Betonung gesprochen, wenn ein 
folgender Nasal oder eine Liquida einen wirklichen Accent- 
glpfel aufnehmen konnte. Soll nun das Gesetz von Erhaltung 
<ler Dauer und Exspiration, wie doch behauptet wurde, all- 
gemeine Gültigkeit haben, so muss es auch bei den anderen 
Klien in Kraft treten; aber hierüber schweigen meine Vorgänger, 

nentsche DUlektireofimpbie II 3 



— XXXIV — 

jedenfalls, da sie keinen ausgebildeten Cirenmflex vorfanden. Jedoe 
gibt es, wie schon bemerkt, Stellvertreter für ihn und (wenigsten 
in den Mundarten von C R Rd) tritt hei folgendem stimmhafte 
Reibelaut Zerdehnung des Vocals auf. Bei stinunlosem Reibelaut (s^^ 
usw.) wird dieser gedehnt, und am charakteristischsten für di 
Unbedingtheit unseres Gesetzes tritt vor stimmlosem Verschlusslao 
(und zwar nur hier) nach scharf gestoßenem Vocai Kehlkopfver 
schluss mit folgender Pausa auf, wodurch die Explosion ver- 
zögert und die Dauer erhalten bleibt. So ist zwischen Nominati« 
br^t und Dativ br^ ein Unterschied. 

Damit ist kurz gesagt, dass ich für jede circumflectierte Be- 
tonung den Grund in einer combinatorischen Circumflexion sehe, 
wobei natürlich die Möglichkeit der Analogie in ähnlichen Wort- 
klassen nicht geleugnet werden soll. 

§ 61. Um dies beweisen zu können, muss sich Gesetz- 
mäßigkeit in den verschiedenen Wortklassen, selbst hinsichtlich der 
Stufen, feststellen lassen. 

Begreiflich ist nach Gesagtem die circumflectierte Betonong 
bei folgender Ableitungssilbe -i^?jt, -9l (z. B. ätü'e.fyfi, rü'e.p^^ 
zffe,kan). Diese ^ sind im syntaktischen Gefüge überhaupt nicb^ 
mehr vorhanden, ja bei dentalem Explosivlaut schwindet and 
dieser: man articuliert rü'e.ptf, zy'e.kn und äHi'e.-n. 

Hier könnte mir die abweichende Entwickelung von wgm. 
und ü (§ 62) entgegengehalten werden, indem man statt bff9n ^beißen 
und rühn 'riechen' nach obigem hVe.t^Hj rü'e,hn erwartete. Zunächs 
ist darauf zu erwidern, dass außer f und ü (und d, s. u.) alle übrigei 
langen Vocale entweder aus Diphthongen hervorgingen oder abei 
sehr frühe Neigung zur Diphthongierung zeigten, wodurch ihn 
späteren Entwickelungsphasen zur circumflectierten Betonung ge 
wissermaßen praedestiniert waren.^) Dagegen sind wgm. f und i 
von jeher einfache Vocale gewesen, die in der Entwickelung zun 
Doppellaut erst in frühneuhochdeutscher Periode folgten. E 
dürfte uns danach wohl begreiflich erscheinen, wenn wgm. f und t 



1) z. B. wgm. ö ">• ahd. t/o, welches höchst wahrscheinlich eher circun 
Hectierte Länge als geschlossener Diphthong wie ou ist; diese Untei 
schiede scheinen doch schon fiir Notker klar. Wenn andererseits so echte einheiilich 
Diphthonge wie wgm. mt und ai monophthongierten, so ist doch kaam anm 
nehmen, dass damit aucli völlig ihre Eigenschaft als Doppellaut verloren ging 



- XXXV - 

aieb hier Nacbs&gler sein würden. Dies ist in der Tat der Fall. 
AUe Anzeichen für eine Oircamflexion sind vorhanden. In unserem 
Gebiete sind f und ü überlang und ihre Morenzahl steht durchaus 
Qieht hinter der Morenzahl der Stufe A zurück. Ja es sind An- 
finge einer Circumflexion nicht zu verkennen. Außerdem weist 
die vielfach weiter fortgeschrittene Mundart von Wermelskirchen 
die circnmflectierte Betonung auf. 

Ebenso liegen die Verhältnisse bei wgm. <s <C ^ wo alle meine 
Torgauger Circumflexion belegen. Hier habe ich geschwankt, ob ich 
das Aceentzeichen setzen sollte oder nicht, denn hier stehen unsere 
Mund&rten noch mitten in der Entwickelung von Uberdehnung zu 
dreuDflectierter Betonung, die in manchen Worten schon ganz 
deutlich ist. Ich verzichte jedoch nach diesen Bemerkungen im 
Wörterbuch da, wo nicht völlige Deutlichkeit erreicht ist, auf seine 
Bezeichnung (vgl. § 25). 

Wgm. i und u in ursprünglich offener Silbe haben schon über 
DeimoDg hinaus die erste Stufe der circumflectierten Betonung (A) 
erreicht 

§ 62. Bei der „spontanen'' Circumflexion scheiden schon 
meine Vorganger verschiedene Gebiete.^) 

Mit ihnen allen belebe ich circnmflectierte Betonung für die 
Vertretungen von wgm. ^ (Stufe B: />rrv./ 'Brief), wgm. ö (Stufe B: 
^'e,(br 'Bruder'), wgm. a*>ahd. ^ (Stufe B: fVejran 'Zehe'), wgm. 
w>ahd.ö (Stufe B: dü'e.VU)i\ vfgm.eo (Stufe B: ire.f^u 'schießen').*) 

Alle belegen femer Circumflexion von wgm. a. Diese hat 
ii nuserem Gebiete (wie oben erwähnt) eingesetzt. Wgm. f zeigt 
mCRRd keine Circumflexion,^) sondern Uberdehnung. Wgm. ü^) 
sich analog wgm. f. 



1) VgL Ramisch § 11. Ramisch befindet sich auf oinem Cbergangs- 
Sebiet, ebenso wie ich, deshalb berücksichtige ich neben Hiiscnclevcr zum Vcr- 
^'ch auch Ramisch. 

2) Also alle Fälle, wo C R Rd mit Ramisch und Hasenclcver Uber- 
^inunen, stehen auf Stafe B. 

8) Nöirenberg, Maormann, Ramisch, Hasenclover, MUnch, Müller belegen 
^ b«i folgender stimmhafter Consonanz und erhaltener Folgesilbe, sonst fehlt 
■0 «ndi bei ihnen. 

4) Hasenclever belegt ftlr wgm. ü ebenso wie für wgm. ai (ahd. ei), 
^S*)* au (ahd. ou) unter gleichen Bedingungen wie für wgm. i circuniflec- 
^^ Betonong. Ramisch kennt für wgm. ü keine Circumflexion. 

3* 



- XXXVI - 

Abweichend von Ramiseh nnd gleichseitig yon Hasencley» 
haben auch wgni. att==ahd. au und wgm. oi = ahd. ei in CRBd 
zweigipflige Betonung, jedoch anf Stufe A. Belege : wgm. au io 
drü'e.m Traum', hü'e,m ^Baum', zü*e.m ^Saum', knü'ejp ^Knauf, Kü'if 
*Haufen'; wgm. ai in hl'e.t 'heiß', d^e.l *TeU', m^eM 'Stein'/) 
fjie.n *Bein', zfe.trar 'Geifer', trfeJ 'Weizen', VeJ» 'Eiche'. 

Anm. 1. RamiBch bemerkt § 11, dass in manchem seiner Grenzgebiete 
Circumflectiemng von t, ü, ai, au dorchgef&hrt ist; in anderen Gebietes 
belegt er genau wie in C R Rd Circnmflexion durchgehend nar fflr 4 
au (nicht {, ü) % 12. 

Anm. 2. Wgm. au (ahd. ou) wird za ö im Präteritum der ti-Klasa^ 
Dieses ö trägt circumflectierte Betonung. Die älteren nodi gebiioeb- 
liehen Dialektformen sind ü'e. '(lü'e.x, twe^x ' Stafe A). Aber der Einflan 
der Schriftsprache drängt sie zorück. 

Anm. 3. Wg^m. au (ahd. ö) im Präteritum der u^Rlasse wird zu ö:, welcbee 
noch mit v;e, (Stufe B) wechselt Auch hier ist der Einfluss der Schriitr 
Sprache unverkennbar, we, tritt sonderlich vor t auf {pürejt *bot\ g\i:ti 
'gossO* In R sind die ü*e.-Formen durehwQg noch im Gebrauch. 

Anm. 4. Es ist noch zu bemerken, dass die übrigen mundartlichen ö in 
den Präteritis der starken Verba, welche auf einfachen Verschluse-Laat, 
Nasal oder Liquida ausgehen, deren ö auf wgm. a zurückgeht, circnni' 
Hcctiert sind. Hier ist jedenfalls Analogie wirksam gewesen und bei der 
grossen Anzahl der circnmflcctierten ö der Mundart, welche aus wgm 
rt, wgm. au >• ö >- ü'e. >• ö;, entstanden, verständlich. In i(ü*«- 
'stahr geht das ö -< wgm. a sogar analogisch schon zu ü*e. (Stafe A 
über. 

§ 63. Es bleiben nur noch einige Fälle übrig, in denen Circai^ 
fiexion zu verzeichnen ist. Im allgemeinen ist wgm. o vor / -|- Dent^ 
(lil)hthongiert. Jedoch liegen einige Fälle vor, deren Vocal noc 
nicht zum Diphthong fortentwickelt ist, sondern noch auf der Stuf 
der circumflectierten Betonung steht. Ob hier zunächst Dehnung^ 
des Vocals eingetreten ist und dieser sich analog altem ö weite 
entwickelte zu n*^., lasse ich dahingestellt. Der tiefere Grund de 
Diphthongierung oder Circumflectierung vor den schweren Cons< 
nantenverbindangen von Liquida oder Nasal -f~ Consonanz sehen 



1 ) Dementsprechend, dass wgm. au (ahd. ou) auf Stufe A (der tiefste 
und wgtn. au (ahd. ö) auf Stufe B (der stärkeren) steht, entspricht bei Hase 
clovor: wgm. au (ahd. ou) selten circumflectiert, wgm. au (ahd. ö) stet 
circuniHecticrt. 

2) Dehnung sichern in solchen Fällen für ihre Gebiete Ramisch § 1 
Müller S. r)8 A „ Münch § 43, Ilascnclever § 29, vgl. auch Dialektgeographi 



- XXXVH — 

mir in allererster Linie in den Gonsonanten-Verbiudüngen selbst, 

▼or allem in den gedeckten Nasalen und Liquiden zu liegen, die 

diiTchaas noch silbenbildende Kraft in sich tragen. K und hier und 

dl aoch C Rd zeigen völlige Silben, sonderlich im langsamen Sprechen : 

R stets kabf *Kalb', ahx *arg', kqrdf ^Korb', haUf 'halb' u. s. w. 

Diese Bildung des Vocals aus Liquida oder Nasal nach diesen 

tritt jedoch nur bei folgender Spirans ein; bei folgendem Explosiv- 

lalt suchte sich die Silbigkeit des Nasals oder der Liquida vor 

ihnen geltend zu machen. Jedenfalls ist das zweite Element des 

eircamflectierten Vocals oder des daraus entwickelten Diphthongs 

ans dem als silbisch empfundenen Nasal oder der Liquida gezogen 

nd daher im Grunde ebenfalls nur eine Abart der lautcombina- 

torischen Circnmflexion. 

Daraus erklären sich alle folgenden Fälle: 

a) Stufe A: gü'e.lt ^G(0\A\ daneben schon ff^giuhn^) 'gekauft'; 
StnfeA: bü'e.U9n 'Bolzen', daneben schon g9im6ult<fn ^geschmolzen'; 
Stufe A: hü'eM 'Holz', daneben schon go'y^d 'kaufte'. 

b) Wgm. u vor / + t>ental > ü'e. (Stufe A : iweM 'Schuld', 
fiUM 'Geduld').«) 

c) Ohne Dehnung findet sich circumflectierte Betonung bei 
» + Consonanz im Präteritum der starken Verba (/>>o*w. *band', 
Ar(riw. 'schwamm', zo'id. 'sang', ro'n. *rann'). Bei Liquida neigen 
die Mundarten hier eher zur Bildung eines a nach der Liquida 
(fcbp 'half). 

d) An c) schließen sich die Diminutiva auf -^// und -Icdn mit 
verhergehender Nasalis oder Liquida an:^) b€'ra.kan 'Beinchen', 
iitfihn 'Steinchen'. 



1) Hasenclever hat überall ou, 

2) Ramisch (§ 13) belegt, wenn auch nicht gleichmäßig für das ganze 
6«biet, Circumflectierung von wgm. a, e, i, o, u vor l + Dental, n + Dental 
Bod mp; nur für den Norden belegt er durchgehende Circumflexiou vor 
■Obenschließendem U^ mp. Hasenclever § 50 (Ausu. § 29), Maurmann § 150!., 
ebeoio das hier bearbeitete Gebiet weisen in diesen Füllen Diphthongierung 
^ eine Erscheinung, welche wiederum circumflectierte Betonung und Di- 
P^ngierung in engste Beziehung zu einander brmgt; nur wgm. u vor vip 
ind n 4- Dental hat in unserm Gebiete weder circumflectierte Betonung noch 
%hthong: honk *Hund', klomp^n 'Klumpen', kloiüa 'dummes Mädchen\ 

3) Wenn -k^n oder -^^n auf Vocal folgt, so steht fast regelmäßig schon 
^ eirciimflectiertes Stammwort daneben {/rqwu,, frqyy^kBn), und die Dimi- 



— XXXVIlI — 

§ 64. Eine sonderbare Stellung nehmen eine Reihe 
Worten ein, deren Stammsilben hi früher (nicht durch Liquida 
Nasal) geschlossener Silbe entweder durch Ersatzdehnung {f\ 
trü'eJ) oder tot unverschobener Tennis Länge und daraus sot 
bar circumflectierte Betonung entwickelt haben. Diese Erscheii 
ist in keiner Weise mit Synkope oder Apokope in Verbindno^ 
bringen. Alle diese Falle stehen auf Stufe A. Da es alles 
n-e. oder g'e. sind, so konnte man annehmen, dass die große 
zahl der Wörter mit fe.^ we. eine analogische Wirkung gel 
hätte. Sehen wir diese fe.j ü'e. aber als circumflectierte Län 
an, so muss sich in ihnen unbedingt, wie sonst überall, der Stu 
unterschied zwischen Nominativ (Stufe A) und Dativ (Stufe G) bein> 
bar machen. Dieser Unterschied fehlt. Der Dativ steht ebenfalls 
Stufe A. Es scheint mir deshalb sehr fWiglich, ob wir hier ä 
haupt mit circumflectiertem Vocal zu rechnen haben. Es wird, 
sich bei r noch deutlicher zeigen wird, der Mundart außerordenl 
schwer, die geschlossenen Vocale t und u in (durch Explo 
geschlossener Silbe rein zu erhalten. Beide sinken sehr g< 
zu einem unbestimmten Laut, der bei u dem g näher liegt, be 
Andererseits hat die Mundart die Neigung in diesen Fällen 
dehnen, wodurch die Erhaltung des reinen f- oder o-Lautes i 
schwieriger wird. Endlich stehen neben vielen dieser Worte V* 
mit entsprechender circumflectierter Betonung oder wenigstens 
Länge im Infinitiv. Wenn sich also hier hinter dem f oder ü 
unbestimmtes 9 entwickelte, so scheint mir ein rein phonetis 
Process ein der circumflectierten Betonung ähnliches Resultat 
zeitigt zu haben, zu welchem die Analogie höchstens noch hei 
hinzutrat. 

Beispiele: ä(f'e,k *Stich', krf'e.ps 'Krebs*, ri'eJ 'Riss', h 
'Kniff', ^plfe.t 'Spließ', bf'eJ 'Riss', drie.t 'Kleinigkeit'; nWeJ 'N 
^prn-e.k *Spruch', (/ti-e.^ 'Guss', ^a'e.^ 'Schuss', bry'e.k ^Brnch* , fardi 
'Verdruss', ßweJ 'Fluss'; mit Ersatzdehnung wwe^ 'Wuchs', ^ 
'Fuchs', by-e.s9 'Büchse'. 

nutiv-Endungon werden an dieses einfach angehängt. Das hier in dem A 
aufgcf^angene e der Nebensilben fühlt die Mundart so deutlich, dass ich 
tehlzugcbon glaube, wenn die Circumflectiening auüer auf der schweren 
sonanz hier auch noch auf dieser Analogie beruhe. Kinder bilden, wen 
hochdeutsch zu sprechen anfangen, diese Diminntiva stets mit eingeschob 
^ (bqinahm 'Beincben*, it^in9k9n 'Steinchen* usw.). 



— XXXIX — 

III. Accent vor r. 

§ 65. Bisher hatte ich die Fälle vor r ansgeschieden, obwohl 
auch sie überall, wo wir zweigipflige Betonung haben, eine ähnliche 
Erscheinung zeigen. In lautcombinatorischer Stellung ist auch der 
Stofenunterschied eingehalten; aber ob ursprüngliche Apokope und 
Synkope da^n notwendig waren, um die vorliegende Erscheinung 
als solche zu zeitigen, scheint mir zweifelhaft. 

Mehr als die übrigen Liquiden und Nasale hat die Liquida r 
ikre silbenbildende Fähigkeit bewahrt. Ich erinnere hier nur an 
den Übergang von mhd. müre, ßur, ßre zu nhd. Mauer j Feuer, Feier, 
Auch in unseren Mundarten ist das r (§ 45) durchaus nicht mit den 
anderen Liquiden und Nasalen auf eine Stufe zu stellen. Stets 
hat es einen qualitativen oder quantitativen Einfluss auf den voran- 
gehenden Vocal, der sich vor anderen Consonanten nicht findet. 
Bald erscheint der vorangehende Vocal gekürzt bald gedehnt, wo- 
bei der Vocal häufig eine überoffene Qualität annimmt, bald ist 
der Vocal überlang und entwickelt, wenn r erhalten ist (was 
ganz regellos der Fall ist), ein ganz unbestimmtes a, wodurch die 
Lautgruppe Vocal + 9 einer circumflectierten Betonung (Stufe A) 
sehr nahe rückt, ^)^) ohne jedoch mit ihr übereinzustimmen. 
Dieses 9 erscheint zudem in K^) überall, wo r erhalten ist, ohne 
neh um irgendwelche Laut- oder Gircumflectierungsgesetze zu 
kommem.^) Dass dies in CRd nicht der Fall ist in den Ent- 
sprechungen von mhd. f, a, iu vor r, wo C Rd entweder überhaupt 
keine zweigipflige Betonung zeigen oder nur ganz schwache reine 
Circnmflectierung auf Stufe A (die sich aber auch hier im Dativ 
aaf Stufe C erhebt), liegt sehr wahrscheinlich au der Uvularen 
Aussprache des r, denn* die Grenzen beider Erscheinungen fallen 
zosammen. In allen übrigen Fällen bilden auch C Rd Vocal -\- e, 
ond hier unterscheidet sich wiederum R dadurch, dass das e fast 
za einem deutlichen § wird. 



1) Vgl. Hasenclever § 59, welcher sogar Diphthongierung belegt. 

2) Vgl § 81. 

3) R hat Zungenspitzen- r, CRtl größtenteils uvulares r, Ost-C und Süd- 
^ gehen hier mit R. 

4) Vor diesem r halten auch die Vocale nicht ausnahmslos die Stufen 
^ {dü'e.r98 A), ja es kommt sogar vor, dass r die lautcombinatorische 
^^vcomflexlon auf Stufe A herunterdrückt {bi-e,r 'Birne\ s. § 66). 



— XL — 

Also: CRd/^r 'Fener* mü:r 'Maner' ß:r *Feier' 
R fg'e,r mü'e,r Jf'e.r 

C Rd df'e.r *Tur' /ü'9.r Tutter* fte.r 'wir' 

R dy'^.r /»*«.'' yJ'^'' 

C Rd /gr9n 'feaern' iürM 'scheaem' 

€[üf9n 'dauern' /tr9n 'feiern' 
R fy'^.r9n dOr^.rdfi fP^.r^n 

Diese g^e.y We,, fe. in R sind eher gedehnte Vocale (vor 
tritt ja fast stets Dehnung ein), als circnmflectierte. R hat aac^^- 
die Vorstufe zu dem Diphthong in Wenneiskirchen: R im Ost^x 
hg'e.r^ W ho^r. 

Auf diesen Unterschieden vor r beruht die ganze VerschiederB- 
heit der drei Mundarten von C R Rd. Für R ist charakteristisctx 9 
dass auch in der Aussprache des Nhd. dort fast nur offene YocaL^ 
anzutreffen sind: k§r9u 'kehren^ bfz^n 'Besen', frix 'Erich' usw. 

§ 66. Wie schon erwähnt, finden sich vor r, ebenso wie Kürz^ 
und Länge, auch die Accentstufen ohne ersichtliche Ordnung. 

Außer ftv.r *ühr', welches an ü'9.r 'Ohr' angeglichen seit» 
kann, stehen alle vor r entwickelten we.j y'e. auf Stufe A, sogaf 
in Äa-e.^ 'Hürde'. Beispiele: iy-^.y^« 'heben', b^'eJt» 'Bürste', dü'e.r^ 
'durch', dü'e.r98 'Theodörus', dü'eJ(t) 'Durst', fU^eM *Furz', kna'ej9r3 
'knirschen', knü'eJs *Knirps', kge,i 'wählerisch', opiy'e.rian 'auf- 
schürzen*, Snye.^ 'freches Frauenzimmer', tü'e.n 'Turm', we.d^l 'ür- 
teil', t/'e.rkan 'kleine Uhr', wa'eJ 'Wurst'. 

Die re, verteilen sich auf beide Stufen. Unter Stufe A 
fallen kveM *Kir8che', kf'eJpal 'Kirchspiel', irf'e.t 'Wirt', trfeJ 
'wird', hre.r *Birne'. Der Stufe B gehören an Ife.ran 'lernen', 
kre.n^H *kirnen', kf'e.melk 'Buttermilch'. 

Alle fremden Beispiele mit Accent (außer knfe.l 'Zimmt' 
Stufe A) stehen auf Stufe B: koini'e.d3g^, kompte.ry konts^i4'e,n, 
koriij'eJ, km'e,t9n, misiü'e.n, 7uitÜ'e.r, pa^tü'e.r, paträ'e.n u. a. 



— XLHI — 

dM Gebiet, eiDgeschJosBen von (33 + 81 -|- 35 -f 47 + 15 + 14) hat 4'ti. ; 
das Gebiet innerhalb (35 + 47 + 16 + 18 + 6 + 5 + 4 + 3 + 29) hat 
qu'u,; der Süden hat ö;; dagegen hat der ganze Norden und Osten daa 
Endang8-6 erhalten und entbehrt daher der circumflectlerten Betonung. 

Anm. 8. Das Adverb bald^) weicht \ ab: hier tritt im zweiten und 
dritten Gebiet die Form bä:l auf, welche auch dem ganzen Süden eigen 
ist; das erste Gebiet hat die Form ^^uui, resp. bq'ti.l\ dagegen 
hat der übrige Osten das Endungs-e bewahrt: b<fl», 

Anm. 4 Vgl für a vor A- Verbindungen § 71, wo des gleichen Ver- 
laufs der Lmien w^gen diese Fälle aufgezeichnet sind. 

Anm. 5. Wgro. a umgelautet im Plural von Gans: in dem Winkel 
zwischen (14+15 + 16+17) und (1+23 + 26 + 28 + 5 + 6 + 7) ist 
Diphthongierung eingetreten, und zwar innerhalb (17 + 7 + 18) gB'y.s, 
innerhalb (18 + 6 + 37 + 36 + 47 + 16) ^yv.«, innerhalb (86 + 80 + 8 
+ 29 + 85) ß-y. (daneben y'9.\ der übrige Nordwesten hat g^'y»8^ der 
ganze Osten fiat gezSy der Süden westlieh von (8) g^*n^}) 

Westgerra. d vor cht, 

§ 71. Wgra. ^ vor cW) (z. B. Recht, schleclU, recht) östlich 
(9+10 + 27 + 28 + 5 + 6 + 7 + 8) fx^ zwischen (25 + 26 + 
27+10) schwankt ^t und fit, der ganze Westen hat §it, 

Anm. 1. Wgm. aht weist dieselben Gebiete auf. Wo oben i^x^, ist 
hier axt, wo oben ^U, ist hier auch ^ü, jedoch im Gebiete von Solingen- 
Hr^frath-Wald aü. Dieselbe Entwicklung hatte agt, welches über aht 
>?Ä resp. axt wurde.**) 

Anm. 2. Die Diphthong^crungslinio vor ft in luft > loft :>- loxt >• 
hl/t ist ähnlich, nur dass sie am Südpunkt von (1) bis Wfllfrath nach 
Westen abschwenkt und sich im Bogen bei Langenberg wieder mit (1) 
vereinigt*) 

Anm. 8. Wgm. a vor chs (z. B. Flachs, Wachs, wachsen) hat eben- 
falls dieselbe Grenzlinie. Ostlich findet sich axs, westlich äs,^) 

Westgerm. o vor cht. 

§ 72. Wgm. vor cht (z. B. Tochter, ahd. tohtnr'^)) östlich 
(H 25 + 26 + 28 + 5 + 6 + 7 + 8) qxtj westlich dieser Linie 
nordlich von (18+16 + 15 + 14) qtU, innerhalb (18 + 17 + 7) 
^\ der übrige Säden hat öt. 

1) Im SA; vgl. Ans. 19, 283. 

2) Im SA; vgl. Anz. 18, 406. 

8) Im SA *recht', »schlechte'; vgl. Anz. 21, 162 ff. 

4) Im SA 'Nacht' und 'gebracht'; *8agto' und 'gesagt'. 

5) Im SA and Ans. 19, 277. 

6) Im SA 'wachsen'; vgl Anz. 21, 261. 
7)hn SA. 



— XLIV — 

Westgerm, n in wirf, um. 
§ 73. Wgm. r/ in und, um ^) haben dieselben Grenzlinien : west- 
lich (9 + 10 + 11 + 39 + 41 + 42 + 49 + 13) spricht . man on, 
9'm.y östlich davon mt,, ym. . 

b) Lange Vokale. 
Westgerm. € (ahd. ia). 

§ 74. Wgm. € (ahd. ia) (z. B. Ziegel^ Spiegel, Briefe schlief, 
hielt usw.) östlich und nördlich von (1+2 + 3 + 4 + 28 + 27) <^ 
südlich und östlich von (27 + 28 + 5 + 6 + 7 + 8) f t; der ganze 
Westen hat rv., welches innerhalb (7 + 17 + 18) ganz schwaches 

rv. ist.*) 

Adid. 1. Wgm. « in hier ösUich (1+2 + 8 + 30 + 36 + 47+16 + 
18 + 7 + 8) Ai;, südlich von (33 + 31 + 35 + 47 + 16 + 18 + 7 + 8) 
hl'e,y das übrige Gebiet hat he'i.. 

Westgerm. ö. 
§ 75. Wgm. ö (z. B. Bnuler, ßJir, Fuß, gut) östlich (1 + 24 

+ 4 + 28 + 27 + 11+39 + 41 + 42+49 + 13) ö, innerhalb 
(24 + 2 + 3) öa., zwischen (28 + 27 + 11 + 39 + 41 + 42 + 49 
+ 13) und (5 + 6 + 7 + 8) qu, südlich von (33 + 31 + 35 + 47 + 
16 + 18 + 7 + 8) ß;, das übrige dazwischen liegende Gebiet bat ü*e. }) 

Anm. 1. Das ö in Mutter*) zeigt Abweichungen: östlich (1+2 + 
3 + 4 + 5 + 6, weiter ungefähr 7, dann nach Südwesten über Dhünn ab- . 
schwenkend) ö, das Gebiet zwischen (3 + 4 + 5 + 6 + 18 + 16 + 47+35 
+ 20) hat ü'e., der ganze Westen u, 

c) Diphthonge. 
Westgenn. ai (ahd. ei). 
§ 76. Wgm. ai (ahd. ei) (z. B. Stein, Teil, Bein)^) östlich (1+2 
f3 + 4 + 5 + 6 + 7 + 8) ^, südlich und westlich von (14 + 15 
+ 16 + 18 + 7 + 8) e^. (re.)«) , das von (18 + 6 + 5 + 4 + 3 
-|- 29 + 35 + 47 + 16) umschlossene Gebiet hat fe, , der übrige 
Nordwesten weist ei auf. 

1) Im SA. 

2) Im SA nur 'vier' und 4iicr' (beides Ausnahmen). 

3) Im SA *genug', *Kuchen', *Bruder\ *gut', *tun'; vgl. Anz. 20, 106. 
22, 112. 114. 

4) Im SA. 

i)) Im SA *Seifc\ *Kleider\ *kein\ iieiü», »Fleisch», »meisten', 'ein', fcnier 
'zwei' und 'Eier\ *rein'; vgl. auch Anz. 20, 95. 100. 381. 21, 270. 280. 
6) Das i in ve. steht einem geschlossenen e sehr nahe.. 



- XLV — 

Anm. 1. Das Wort heim^) macht eine Ausnahme: südlich und 
ösüich (U+15+16 + 18 + 6 + 5 + 28 + 27+10, sodann nördlich 
abschwenkend auf Hattingen zu) Äem, innerhalb (18 + 6-|-5-|-4-|-3-|-- 
29 + 8ö + 47 + 16) hi'e.m, innerhalb (33 + 31 + 35 + 47+16+14) heim, 
der übrige Nordwesten hat fi&m. 

Anm. 2. Die Adjectlva rein und klein machen eine Ausnahme: 
innerhalb (2 + 29 + 85 + 47 + 16 + 17 + 7 + 6 + 5 + 4 + 24) retd., 
ki4ri9., südlich von (8+17+16 + 15+14) rew, klen, der Osten hat 
r^Vi, Ar/ftfi im Norden Östlich von (1), der Nordwesten re/w, klein. 

Westgerm. ai (ahd. ^. 

§ 77. Wgm. ai*) (ahd. ^) (z. B. See, Reh, lehren, fnehr) östlich 

(9 + 25 +- 26 + 28 + 5 + 6 + 7 + 8) ^, zwißchen (9 + 26 + 26 

+ 28 -f 4 +. 3 + 29 +- 81 + 21 + 19) r«., innerhalb (3 + 29 + 35 

4- 47 -f 16 + 18 + 6 + 5 + 4) fe., ebenso zwischen (1+2 + 29 

-{-31 -+^2)i ^^^ übrige Süden und Westen hat f: (am unreinsten 

in Wermelskirchen); weiter westlich in Neukirchen, Leichlingen, 

Ohligs schließt sich 'ein ^i-Gebiet an. 

Anm. 1. Das Wort weh*) macht geringe Ausnahmen im Westen: 
hier ist in dem erwähnten ft-Gebiet ebenso wi: zu finden. 

Westgerm, au (ahd. mi). 

§ 78. Wgm. au^) (ahd. ou) (z. B. Auge, Glanbe, Itog, laufen) 
rätlich (1 + 2 + 3 + 4 + 5 + 6 + 7 + 8) ö, innerhalb (3 + 4 + 5 
+ 6 + 18+16 + 47 + 35 + 29) üe. , innerhalb (18 + 7 + 17) 
ft(:), südlich von (8 + 17 + 16+15+ 14) ö, der übrige Nord- 
westen bat a^. 

Anm. 1. Die Umlaute^) zeigen dieseli)en Gebiete, nur ist im Norden 
um (1) ein Schwanken vorhanden: ö>>0, a^'^-ey, o'^-e, i>>>y, 
vre. >- y-e.*) 

Westgerm, au (ahd. ö). 

§ 79. Wgm. au (ahd. ö) (z. B. Lohn, stoßen, l)ot) östlich 
(9 + 25 + 26 + 28 + 5 + 6 + 7+8) ö, zwischen (9 + 25 + 26 



1) Im SA unter 'nach Hause'. 

2) Im SA 'erst', *mehr', *sehr', 'Schnee'; vgl. Anz. 20, 102. 

3) Im SA; vgl. Anz. 2(), 832. 

4) Im SA 'glaube', 'gelaufen', 'verkaufen', 'Augen', 'auch', 'Frau'; vgl. 
Ans. 23, 207. 212. 220. 24, 115. 

5) Im SA 'Bäumchen'. 

6) Im Gebiete von Cronenberg tritt, sonderlich bei lautcombinatorischer 
Circamdexion, häufiger 0'jj. statt y-a. .ein. 



— XLVI — 

+ 28) und (1+2 + 3-1-4) o-a. , südwestlich von (32 + 31+36 
-1-47 + 16 + 18 + 7 + 8) tt;, in dem Bbrigbleibenden Zwischen- 
gebiet «'«..•) j 

» 

Anm. 1. Kleine Abweichungen zeigt dai au in hoch^: hier iit j 

das ö*a.-Gebiet begrenzt von (19 + 21 -)- 31 -f- 29 + 8 -)- 4 -f- 28 -}- 26 + : 

25-1-9), und das ü.*-Gebiet dehnt sich im Norden bis (21 -|- 10) aus, so- - 

dass sich das ö*e.-6ebiet auf Cronenberg, Remscheid, Ronsdorf beschränkt : 

Westgerm. ^ in immer. 

§ 80. Wgm. 8o in imtner^) : östlich (9+10+ 11 + 12 + 13) 
yiw^, zwischen (9+10 + 27 + 28) nnd (1 + 2 + 3 + 4) «w^, 
welches ebenfalls in Knilenhahn, Habnerberg, Theishahn, Wolfs- 
hahn gesprochen wird ; südlich und westlich von (32 + 31+35 
+ 47 + 15 + 48) im^r. Der große Zwischenpark spricht em^r. 

d) Einflnss des r auf den vorangehenden YocaM) 

§ 81. r zeigt in unserem Gebiete sehr verschiedenartiges 
Verhalten. Sein Einfluss auf den vorangehenden Vocal ist nicht 
durch Regeln einzuschränken. Bald fällt es und dehnt oder kürzt 
den vorangehenden Vocal ; bald entwickelt sich ein dumpfer ^Laut , 
hinter langem Vocal. Wiederum sehr häufig ist der Vocal ge- 
öffnet. In Remscheid finden wir hinter solchen offenen Vocalen 
häufiger den unbestimmten e-Laut eingeschoben {kQ'e.r ^Haar'), eine 
Überleitung zur völligen Diphthongierung in Wermelskirchen (haur 
'Haar', heit 'Herd'). In Solingen ist r regelmäßig erhalten, unter 
durchgehender Dehnung des Vocals. Da fast jedes Wort seinen 
eigenen Weg geht, so führe ich eine Reihe Wörter einzeln auf.^) 



1) Der SA verzeichnet *Brot\ *groß\ *rot\ *tot', •Ohren'; vgl. Anz. 19, 
847. 350. 351 ; 20, 320. 

2) Im SA; vgl. Anz. 22, 100. 

3) Im SA. 

4) Vgl. § 45. 65. 

5) Vgl. Anz. 20, 324. 21, 267. 22, 102. Der SA (Ührt anfier meinen 
Beispielen eine ganze Anzahl auf: gestorben, Korb, Dorf, dürfen. Berge, 
Morgen, durch, Pferde, werden, wird, artig, Garten, warten, fertig, Wort, 
Herzen, schwarz, Bürste, Durst, Wurst, erst, gefahren, herum, ihrer, waren 
wäre, eure, Ohren, wer, der, mir, dir, ihr, wir, fftr, vor, mehr, hier, vier, 
Feuer, Bauer, Mäuerchen, hört, gelernt, Korn. 



- XLVII - 

1) schwarz. 

schirarz heißt südlich (14 + 15 + 16+17 + 8) iwats, zwi- 
ben (14 + 15 + 47 + 35 + 31 + 33) iwärt, der übrige Norden 
A Osten hat iwat. 

2) werden. 

werden heißt östlich und südlich (1 + 2 + 29 + 35 + 47 + 15 
- 14) wqr9n , innerhalb (35 + 47 + 15 + 14 + 34 + 33 + 31) 
'^rtfow, der übrige Westen hat tr^d^ti. 

8) durch. 

rfurrA heißt innerhalb (3 + 29 + 35 + 47 + 16+18 + 6 + 87 
}-30) dü-e.r; der übrige Osten, östlich von (1+2) und (7 + 8), 
tat dorXy der Westen durx'-, ganz im Osten schließt sich ein 
weites dyrx-Gebiet an. 

4) Herz. 

Herz heißt südlich (14 + 15 + 16 + 17 + 8) Ä0s, innerhalb 
14+15+47 + 85 + 31+33) h^rt, innerhalb (8+ 17 + 16 + 47 
f 35 + 29 + 3 + 4 + 28 + 27 + II + 39 + 41 + 42 + 49 + 13) 
ia&, ebenso in der kleinen Bucht, welche (9) und (10) miteinander 
»ilden; der übrige Nordwesten, westlich von (10 + 9), hat A^, 
ler Osten hat h§riy jedoch östlich der Landstraße Schwelm-Halver 

5) r-Metathese in dreschen. 

dreschen heißt innerhalb (14 + 15 + 47 + 35 + 31 + 33) d^r^n, 
lüdlich (14 + 15 + 16 + 18 + 40 + 41 + 42 + 49 + 13) rfrf^w, öst- 
ich (13 + 12+11 + 10 + 9) di^r^n] der übrige Zwischenpark 
ind Nordwesten hat dg^^. 

TL, Consonanten. 

a) Stimmlose Verschlusslaute. 

§ 82. Die Benrather Linie ist nicht für alle überhaupt vor- 
»mmenden Fälle der Tenuisverschiebung maßgebend.^) Hasen- 
5ver weist nach, dass im Gebiet von Wermelskirchen (außer 
)hrath, Ellinghausen) Verschiebung nur nach alter bewahrter 
ine eingetreten ist. Zudem führt er in § 81 für das Gebiet von 
ÜDgen — Wald — Gräfrath— Haan eine Reihe verschobener ^, ju, k 

1) Vgl. Wrede Anz. 24,11^. 



-- xLvm - 

auf, von denen einige, wie die vergleichende Lautlehre zeigte 
auch in Cron^nberg , Remscheid , Ronsdorf Verschiebung erfahrei 
hatten. Ja eine Anzahl derselben wird auch noch jenseits dei 
Ürdinger Linie verschoben {blfx neben 6fe5fe, p^/9ry ko)^). Da and 
hier die Verschiebung nur nach alter Kürze vorhanden ist, so 
glaube ich kaum, dass wir überall mit Einfluss der Schriftsprache 
zu rechnen haben werden,') sondern dass diese verschobenen i,p^k 
in ältere Zeiten hinaufgehen. Ich Heß mir nun die Untersnchang 
der Nordgrenze der von Hasenclever für das Solinger Gebiet fe8^ 
gestellten verschobenen t, p^ k angelegen sein und fand für diese 
dieselbe Verschiebungslinie (32 + 31 + 35 + 47 + 16 + 18 + 7 
+ 8). An dieser werden verschoben b^9r *Becher\ blqx^ *blöken', 
hr^H^l *Brenne8ser, gQS9 'Gosse', k^l 'Kessel', kngx»n 'Knochen^ 
kgx^n 'kochen\ l^f9l *LöflFer, melx 'Milch', iaf 'Schrank', ^e/ 'Schiff, 
äf^i^n 'stechen', ^tQX^ 'stechen*. 

Einige Ausnahmen, wel^^he bei Kasenclever fehlen, kann ich 
hier noch mitteilen. 

1) ü'e.fyn 'Fleischreste'. 

ü'eJm hat zur Verschiebungslinie (19 + 21 + 31 + 35 -)-47 
+ 16 + 18 + 7 + 8); südlich und westlich davon heißt es ü'eJ;f^ 

2) Katze. 

Katze hat folgende Verschiebungslinie (1 + 2 + 29 + 35 +47 
+ 16+18 + 46 + 44); nördlich hiervon findet sich katJ, süd- 
lich kafs9, 

Anm. 1. duk9ti 'tauchen* und itakdn 'stauchen' haben in unserem 
ganzen Gebiet kurzes u ; ßü'e,k9n *fluchen^ bat noch südlich (17 -f 1^) 
unverschobenes k. 

Anm. 2. auch*) hat folgende Verschiebungslinie (1 + 2 + 3 + 4+ 
5 + 6 + 7 + 8), also die Ürdinger Linie. Das alte au ist in der tonlosen 
Stellung überall zu o verkürzt, außer im Cronenberg — Remscheid«' 
Gebiet {ü'e.) und im Solingen — Wald— Gräfrath— rfaaner Gebiet. 

Anm. 3. (1 + 2 + 3 + 4 + 5 + 6 + 7 + 8) ist in unserem Geh»« 
auf ihrem ganzen Verlauf Versohiebungalinie für ich, michj dich, gi^ 
westlich exy mexy dext eex, östlich ek{9)j mek, deky zek.* 

Anm. 4. Über die Diminntivendung -ch^n vgl § 85. 



1) Vielleicht reicht diese Erklärung für Ai:^';^ (neben kök und kgf^ 
aus: die Küche als selbständiges Zimmer ist in unserer Gegend jung, eswtB^^ 
und wird noch vielfach auf dem mit Steinfliesen belegten Hausflur gekocht^ — 

2) Diese WOrter sind auch im SA enthalten; vgl. Anz: 18,806. 



- IL - 

b) Nasale. 

Palatalisierung von n, ne, nd, nt. 

§ 83. Als Beispiele dienen: Adj. braun (prädicativ) , braune 
ftttributiv), Wein, andern^ Winter. 

1) braun (prädicativ). 

braun heißt nördlich und östlich (32 + 31+35 + 47 + 16 
^18 + 7 + 8) bmn, südlich (8 + 7 + 18 + 16 + 15 + 14) brtm, 
der im Westen dazwischenliegende Teil hat brun, 

2) braune^) (attributiv). 

braune heißt östlich (19 + 21+31 + 29 + 3 + 4 + 5 + 6 
+ 7 + 8; brünB, innerhalb (3 + 30 + 37 + 6 + 18+16 + 4? 
+ 35 + 29) bru'td, , innerhalb (30 + 37 + 5 + 4) brün» und brün, 
Bidlich (14 + 15 + 16 + 18 + 7 + 8) bro'tB. , der übrige Westen 
bat hnm oder brun9.^) 

3) Wein.^) 

Wein hat dieselben Gebiete wie braun. Im imn-Gebiet win, 
im inw^Gebiet wird, we79, im 6ra«-Gebiet irin. 

4) ändernd) 

andern heißt östlich (9+10+11+39 + 41+42 + 49 + 13) 
«»m, westlich ard9m. Im Süden außerhalb unseres Gebietes 
Sndet sich andam. 

5) Winter.^) 

Winter hat dieselbe Grenzlinie wie andern^ im Osten wintdry 
im Westen wetdktar. 

c) Spiranten. 

§ 84. Hier ist nur das Wort nicht ^) interessant: westlich 
IH 10 + 27 + 28 + 5 + 6 + 7 + 8) nit, östlich m'x, weiter im 
Osten außerhalb unseres Gebietes 7iif. 



1) Das Endung8-€ ist nördlich und östlich von (33 + 31 + 29 + 3 + 4 + 
Hö+7-|-8) erhalten. Im SA; vgl. Anz. 20, 212. 

2) Im SA ; vgl. Anz. 19, 279. 

3) Im SA. 

4) Im SA; vgl. Anz. 19,108. 
6) Im SA. 

DeuUehe Dialektgeographie n 4 



III. Wortbildungs- und Flexionslehre. 



a) Di 



minntiva.'' 



§ 85, In Bezug auf die DimiautiTeDdungen herrscht groß 
Verscbiedeuheit. Die Endungeo -shii, -hn, -jIMh, -*jh, -^/yji, -zi 
komuien vor. -shn und -it^n gehen gerne durcheiuander, 8i>nder 
lieh im Gebiete von Croneuberg ') nach stammanslauteudem k, wsi 
auf Eiufluss des Nordeus hindeutet. Für Cronenberg niQBS di« 
also in Betracht gezogen werden, wenn im folgenden trotzdem 
Kegeln aufgestellt werden. UnregelmäUig ist außerdem noch die 
Endung -/an neben -släin in jataXitn (neben jumli^n). 

Von diesen Unregelmäßigkeiten abgesehen, haben wir für dei 
Singular vier Fälle zu unterscheiden: 

1. endigt der Stamm mundartlich anf k, so hat das Cronei 
berger Gebiet innerhalb (3 + 30 + 36 + 35 + 29) -^/*» no 
-sfofi nebeneinander, das Remscheider Gebiet innerhalb (36 -\- £ 
+ 6 -|- 18 + 16 -(- 47) hat durchweg -alitn, seltener -sä-jw (wie 
r^kshu 'Iteckchen', bukuhin). Bsp. Siak, hartk, itgk, krtthä, bas.k us'' 
Von den oben erwähnten Gebieten abgesehen, findet sich nördli' 
(14 _|- 15 ^- 16 -|- 18 -f 6 -I- 38 + 41 + 42 + 49 + 13) -sAw., südli' 

2. endigt der Stamm mundartlich auf n^k) oder ist er dur 
■al erweitert (z. B. r«,>A 'Ring', deiak 'Ding', kü'e.(i»l Kugel', f&'e.t 
'Vogel'), 80 findet sich südlieh (I4-|- 15 -|- 16 + 18 + 6 + 38 
41 4-42 + 49 + 13) -alxm. im Winkel, welchen diese Linie n 
(12+11 + 10 + 9) bildet, -»Um, der Osten hat -aMsw; 

3. endigt die Stammsilbe mundartlich anf f (z. B. i-at 'Ra< 
itcU. 'Stadt', fifl 'Bett', it^t 'Schwanz' usw.), so findet sieh sU 
lieh (14 + 15 + 16 + 18 + 6 + 38 + 41 + 42 + 49 + 13) X' 
im Winkel, welchen diese Linie mit (12 +11 + 10 + 9) bildet, -Sr 
im übrigen Osten -fow; 

Anin. Ähnliclie Linien erzeugt das Wort betifn 'BiBchen'. Sfidli 
(14 + 15 + 16 + 18 -}- 7 + 8) besxan, zwisclien (6 + 7 + 8) und (38 + 
+ 42 + 49 + 13) ba^an, östUch von (9 + 10 + II + 39 + 41 + 42 + 
+ 18) bietkan, nOrdlich Barmen meiir b&tkan, wobei zd bemerken i 



1) Im Sä; Äpfolchen, Äugenblickcbon, Bäumeben, MSuercbon, Schäfcb 
Vfigelcheii, Stückchen, Biscben. 

2) Uierdorch ist aucb ein begreiflicher kleiner Irrtum im SA entstand 



- LI - 

dass in den nächsten Gehöften östKch Langenberg und östlich (89) die 
Form betk9n (ein Comproroiss aus bietkan und bet§9n) geläufig ist. 
Das Gebiet zwischen (14 4-15 + 47 + 35 + 31 + 32) spricht be8k9n, 
das ganze übrige Zwischengebict beUdn, 

4. endigt mundartlich der Stamm auf p oder pm oder auf 
-^ (z. B. dep9fi *Topf, kQp *Kopf , klonipdn ^Klumpen', feid9r 
'Finger'), so findet sich südlich (14 + 15 + 16 + 18 + 6 + 38 + 41 
+ 42 + 49 + 13) -x^, nördlich -km. 

Nachdem im vorigen der Anlaut der Endsilbe festgelegt ist, 
haben wir bei Beibehaltung desselben im Plural für den end- 
aoslaatenden Consonanten für alle oben aufgeführten Fälle nur 
eine Grenzlinie anzuführen. Dies ist die Linie (32 + 31 + 29 + 
3+30 + 37 + 38 + 41+42 + 49 + 13); südlich dieser Linie 
lautet der Plural auf -ar, nördlich auf -as aus.^) 

b) Zahlwörter. 
1) zwei, vier. 

§ 86. Zwei und vier haben in ihren Vocalunterschieden die- 
selbe Grenzlinie ; östlich (9+10 + 27 + 28 + 5 + 6 + 7+8) 
t\r^ und f^i^rj westlich tw^i (in Solingen twai) und ß'd.r, 

2) fünf^ neun. 

Fünf und neun haben ebenfalls gleiche Grenzlinien. Südlich 

(14+15 + 16+18 + 7 + 8) p'n.f, no'ta., östlich (8 + 7 + 6 + 5 
+ 28+27 + 10 + 22 + 1) fl:/, n€gan (östlicher n%'e.(pn). Das im 
Winkel beider Linien gelegene Gebiet hat fo'u.f und nyrd.^). 

c) Pronomina. 

1) er. 

§ 87. er^) heißt östlich und südlich (1 + 2 + 3 + 80 + 37 + 
5+ 28 + 27 + 11 + 39 + 40 + 18 + 16 + 15 + 14) /if, innerhalb 
(5+6 + 40 + 39+11+27 + 28) h^i, der übrige Westen hat lis 
(anbetont Af). 

2) wir. 

Die mundartlichen Formen für wir^) sind sehr verschieden. Ost- 
lich (22+2+3+30+37+6+7+8), einer Grenze, die sich im 

1) Hierzu vgl. den consonan tischen Anlant der Endsilbe in 1), 2\ 8), 4). 

2) Alle vier Zahlen im SA; vgl. Anz. 20, 1(X). 

3) 4) Im SA. 

4* 



- Ln - 

Norden in der Richtung von (22) nach Osten fortsetzt, ff; Östlic' 
und nördlich der gleich nördlich Langenberg nach Westen aL 
biegenden Linie (1), außerdem von (22) im Süden begrenzt, dehn 
sich über einen großen Teil von Niederdeutscbland ein fz-I-Gebie 
auB. Südlich von (14 + 15 + 16 + 18 + 7 + 8) liegt ein große 
Mwr-Gebiet. Zwischen diesen drei großen fi-, tri- und »wr-Gebiete 
treten kleinere Gebiete auf, deren Formen mir als Compromissfonne' 
aus obigem /l oder wt mit mar angesehen werden können; es sio' 
dies die Formen irVe.r im Winkel zwischen (14 -|- 15) und (47 -\-^' 
-j- 29 -}- 2 -f- 1. welches nördlich Langenberg nach Westen abbiegl 
und yt-p.r, welches erstens inuerlialb (29 + 35 + 47 + 16 + 18 + ■ 
-|- 37 + 30 -|- 3) , ferner in einem kleinen , an der FurtsetKun 
von (8) südlich Wipperfürth gelegenen Bezirk auftritt. 

Anm. 1. fve.r ist nicht etwa als Comprom isaform zwischen /i nn 
wf'e.r aufzüfaBsen, was zur Erklärung nur fl)r das nördlichere fit.* 
Gebiet anBreichen wUrde, sondern zwischen /i und mar, da sieb nur ■ 
das kleine slldliche /i'e.r-Üebiot erklärt. Gerade der Umstand, du 
ea stets kleine, an den Orenzliiiiea zweier grolJer Gebiete auftretend 
Streifeu aiud, spriehc dafür, dass wir hier nicht mit AusDahmeD de 
Lautlehre oder mit Analogiebildungen zn reohncu haben, aondem m 
dem Resultat einer Heibung zweier Sprachfoi-meu. Emlenchtender ii 
dieser Procass, wenn mau die Spraohathukarte von ganz Nordwestdentacl 
land vor sich hat, wo die schmalen Comprom issgebiete gegenüber d( 
ungeheuren compromiss bildenden Gebieten sofort in überzeugender Weh 
als solche erkannt werden, 

3) ihr. 

ihr ') heißt östlich (9 -|- 10) und nördlich einer Linie, welcl 

bei Langerfeld nach Osten abbiegt, git, südlich dieser letztere 

Linie und östlich (10 + 11+39 + 38 + 6 + 7 + 8) s/, südlich an 

westlich von (8 + 7 + 18+16 + 47 + 35 + 31 + 21 + 19) f 

innerhalb (18 + 16 + 47 + 35 + 29+3+30 + 37 + 6) j/£*, inne 

halb (37 + 30 + 4 + 5) gel, ebenso in Küllenhahn , Theishahi 

Wolfshahn, Habnerberg, Dieses get ist Gompromissform zwiscbe 

eben erwähntem tf^ und dem den übrigen Norden ausfällenden je 

Anm. 1. Im Gebiete innerhalb (3 + 4 + 5 + 6+10+16 + 47+2 

+ 29) werden alte Leute und wurden sonderlich Vater und Aluttcr ni 

Ve.r angeredet. Umgekehrt reden alte Leute noch jeden Fremden nr 



— LIII — 

4) euch. 

euch lieißt östlich (9 + 10 + 1 1 + 39 + 41 + 42 + 49 + 13) 
i»jt, im Winkel, welchen (6 + 7 + 8) mit (38 + 41 + 42 + 49 + 
13) bUdet, 9f9ky westUch und südlich (19 + 21 + 31 + 35 + 47 + 
16+18+7 + 8) 0X» Zwischen den beiden großen if9k', drak- 
Gebieten einerseits und dem 0x-Gebiet andererseits findet sich in 
dem noch übrigen länglich schmalen Teil die Compromissform etdk 
mit Vocal ans dem Westen und Consonanten aus dem Osten. 

Anm. 1. Die Anrede alter Leute ist im Gebiet von C R Rd ent- 
sprechend obigem Ve.r hier 0%» 

5) mir. 

Der Dativ mir^) ist erhalten südlich und westlich von (32 + 
31 + 29 + 3 + 4 + 5 + 6 + 7 + 8) als wfe.r; die übrigen Gebiete 
haben ihn an den Accusativ angeglichen und werden durch (1 + 2) 
in westliches mex- und östliches m€A;-Gebiet geschieden. 

6) uns (Dat. plnr.). 

uns^) heißt westlich (9 + 10 + 27 + 28 + 5 + 6+7 + 8) 
m, ostlich (9 + 10 + 11 + 39 + 41 + 43 + 45) un8\ das da- 
zwischen liegende Gebiet weist om auf. 

7) unser, 

unser heißt westlich und nördlich (8 + 7 + 6 + 5 + 28 + 27 
4-11 in östlicher Richtung weiterlaufend) us, östlich und südlich 
dieser Linie uns. 

8) unsere^) (Plural). 

unsere, heißt westlich (1 + 2 + 3 + 4+5 + 6 + 7 + 8) uSy 
ostlich uza. In Ronsdorf schwankt die Mundart zwischen beiden 
Formen. 

d) Verbum. 

§ 88. Es folgen hier nur die am verschiedenartigsten ent- 
^ckelten Formen von Verbis auf -mt, vom Präteritopräsens 
''»feßn, von sctgen und hohen. 

1) Im SA. 

2) Im SA. 
8) Im SA. 
4) Im SA. 



>1M 



ii 



— LIV — 

1. wf-Verba. 
a) Formen des Verbum Bubstantivurn. 

1) ich bin. 
ich bin^) heißt östlich (l-f2 + 3 + 4-f5 + 6+7 + 8) ek 

2l:y zwischen (8 -f 7 + 18 + 16 + 15 + 48) bm, westlich von (48 
+ 15 -t- 47 + 85 + 81 + 38) ben. Da« übrige Gebiet hat zin. 

2) du bist 
du bist^) heißt östlich (9 + 10 + 11 + 12 + 13) du bys, süd- ^ 

lieh (14 +15 + 16 + 17 + 8) bes. Das große Mittelgebiet hat te«. * ' 

3) sei. 
sei^) heißt östlich (1 +24 + 4 + 5 + 6 + 7 + 8) ef, inner- 
halb (24 + 3 + 2) zi oder bos, südlich (14+15 + 16+17+8) '^"^ 
bes^ im übrigen Teil bes. 

ß) Formen von gehen. 

1) ich gehe. 
Mit ich gehe haben ich stehe, ich schlage^) gleiche Grenzlinien: 
östlich (1 + 2 + 3 + 4 + 5 + 6 + 7 + 8) eA ^9;, itg:, ^tg:, westlich 
^X gQH, Stguy älgn, welche im Solinger Gebiet überoffenes g haben. 

2) geh. 
geh^) heißt östlich (1 + 2 + 3 + 4 + 5 + 38 + 41+42 H — 
49 + 13) gQ: (ebenso ilg:, itq:) westlich innerhalb (3+4+5+6H — 



18 + 16 + 47 + 35 + 29) gank {mrdk\ im übrigen Gebiet Jan. 
{itatdk). Der Imperativ von schlagen ist östlich (6 + 7 + 8) ^tg^r -, 
westlich Max. 

Anm. 1. Östlich (6 + 7 + 8) kommt für den Imperativ von schlagi 
auch Slax vor. 

y) Formen von stehen.^) 

1) er steht. 
(er) steht heißt östlich (1 + 2 + 3 + 4 + 5 + 6 + 7+8) m 
innerhalb (3 + 4 + 5 + 6 + 18 + 16 + 47 + 35 + 29) m-e.e , südlics^Ti 
(14 +15 + 16+18 + 7+8) mt-, der übrige Westen hat iteit. 



1) Im SA. 

2) Im SA. 

3) Im SA. 

4) Im SA. 

5) Vgl. unter ß. 



- LV — 

2) stehen (3. plar.). 
stehen^) heißt östUch (9+ 10+ 11 + 39 + 41 + 42 + 49+ 13) 
stän, westlich (9 + 10 + 27+28 + 5 + 6 + 7 + 8) HqpU, im Zwischen- 
gebiet iUl{9)n. 

d) Formen von tun. 

1) ich tue. 
{ich) tue heißt östlich (9 + 25 + 26 + 28 + 5 + 6 + 7 + 8) 
dq-u., innerhalb (25 + 26 + 28 + 4 + 3 + 2 + 22) rfö(:), südlich 
(14+ 15 + 16 + 17 + 8) dun, der übrige Teil unseres Gebietes hat don. 

2) er tut. 

{er) tut^) heißt westlich (1 + 2 + 29 + 35 + 47 + 15 + 14) 
deif, zwischen (1 + 22 + 9) deit oder det, innerhalb (2 + 3 + 4 + 
5 + 6 + 40 + 39+11 + 10 + 22) det, östlich (9 + 10+11 nach 
Osten fortgesetzt) d^it, südlich dieser Fortsetzung und östlich und 
nördlich (39 + 41 + 42 + 49 + 13) dayt, südlich (14 + 15 + 16 + 
18 f 40 + 41 + 42 + 49 + 13) d^. Das davon eingeschlossene 
Gebiet von Cronenberg, Remscheid, Ronsdorf hat dreJ. 

3) er tcU. 

{er) tat^) heißt südlich (14 + 15 + 16 + 18 + 7 + 8) rf?/, inner- 
halb (18 + 6 + 37 + 36 + 47 + 16) rf^r, zwischen (9 + 22 + 2 + 
29 + 31 + 21 + 19) dTa.t, im Winkel, welchen (19 + 21) mit (33) 
bildet, dve.t. Das ganze Zwischengebiet hat d^. Der Osten teilt 
sich in drei Gebiete: an der Grenze wird an (9 + 10 bis Langer- 
feld) rf^, von (Langerfeld +10+11) dö, zwischen (11 + 27 + 28 
+ 5 + 6 + 7 + 8) d^ gesprochen. 

Anm. 1. Nördlich der Ruhr weist der SA ein ^^' Gebiet aof, 

welches ich aber nicht besuchen konnte. 

Anm. 2. Westlich von Leichlingen findet sich in einem sehr aas- 

gedehnten (jebiet die Form dU. Ich fOge beide nur an, am die Ver- 

scbiedenartigkeit der Formen in unserem Gebiete zn zeigen. 

4) er täte. 

(er) tau*) heißt östlich (9 + 10 + 27 + 28 + 5 + 6 + 7 + 8; 
rff, im obigen rffr-Gebiet ^fr, in den obigen d^ and </$^GebJeten 
»riedemm d^ und rf^/, in den obigen draJ- and dre.t'(ith\eten fU'^A. 



1) Im SA. 


2) Im SA. 


3) Im SA. 


4) Im SA. 



— LVI — 

2. Form des Präteritopräsens müssen. 

du musst. 

(du) musst ^) heißt im Winkel, welchen (9 + 10 + 1 1 + 39) und 
(40 -f 18-1-164-15 4- 14) bilden, motsy im übrigen Süden und Osten /«w. 

3. Formen des Verbums haben, 

1) haben (Infinitiv) und ich haheJ) 

haben und {ich) habe heißen östlich (l + 24-34-4-t-o-f6 
4- 7 -f 8) h^wdn und Af/, westlich dieser Linie heißen beide Formen kn. 

2) ihr habt. 

{ihr) habt ') heißt östlich (9 + 10) nördlich von Langerfeld ä^ 

östlich (10 4- 11 4" 12 4- 13) südlich von Langerfeld h^jrdt, westlich 

(1 + 23 4- 26 + 28 4- 5 4- 6 4- 7 4- 8) hant, im Zwischengebiete h^un. 

Anm. 1. Elberfeld bat also neben han — h^w9ny neben ek h^ - 

J0t hant. 

Anm. 2. In Cronenborg, Remscheid, Ronsdorf tritt i*e.r häd Btatt 
gel (g^t) hant in der Anrode alter Leute auf. In solchen Fällen trägt 
die Verbalform circumflectlerte Betonnng (rc.r häd^ ssüd, gqd^ HöA 
falls einfacher dentaler Verschlusslaut folgt. 

4. Formen von sagen. 

1) ich sage. 

{ich) sage heißt östlich (1 4- 23 + 26 + 28 4- 5 + 6 + 7 4- 8) ^, 

innerhalb (23 4- 26 + 28 4- 4 + 3 4- 2) zfi. ; der übrige Westen hat ^ö-X 
Anm. Elberfeld und Westbarmen haben überall dort, wo das West- 
fälische g^ X zeigt, Diphthong (bre-y. *Brücke', re'y, ^Rücken', tur^'y- 
»zurück^. 

2) gesagt.^) 

gesagt heißt östlich (9 4- 10 + 27 + 28 4- 5 4- 6 4- 7 4 8) g9zd7lf^ 
südlich (14 4- 15 4- 16 -i- 17 4- 8) g9z^t\ der übrige Teil hat g^zfi^^ 

IV. Die Linien. 
§ 89. Bei der AnflFührung von Teilstrecken-Snmmen i^ 
vorigen Kapitel traten bestimmte Summen häufiger hervor, und i^'' 
führe sie, um eine schnelle Übersicht und Bewertung zu ermög 



1) Im SA. 


2) Im SA. 


3) Im SA. 


4) Im SA. 



— LVII — 



liehen , jetzt als ganze Strecken auf, indem ich gleichzeitig die 
angrenzenden Wortformen des vorigen Kapitels hinzufüge. Diese 
Summen von Einzelstrecken erhalten zur Kennzeichnung die 
Zeichen des Alphabets von A bis T.^) 

§ 90. Linie A 

= (1+2 + 3 + 4 + 5 + 6 + 7 + 8) 

Wenkers Urdinger Linie oder iX-Linie (vgl. Anz. 18,307) 





westlich 


östlich 


nhd. ich, mich^ dich. 


eXy ^^X, (i^Xj zex 


ek, niek, dek, zek 


sich 






wgm. ö 


ü'e.j ü: 


ö, öa., qu 


wpn. ö in MtUter 


ü'e., u 


ö 


wgm. au (ahd. ou) 


oUy ü'e,j üy 


ö 


wgm. au (ahd. ö) 


We.j ü: 


öa., ö 


Wgm. ai (ahd. ei) 


eij fe.j e-d. 


€ 


wgm. e (ahd. ia) 


Ve. 


<?, f* 


W) hin 


zin, hon 


zl: 


m 


bes 


z% 


1 y^eti (Infinitiv) 
1 W) habe 


hau 


h^tr9n 


luin 


h^f 


{ich) gehe 


9Qn 


ff}' 


{ich) stehe 


itQH 


ito: 


(er) steht 


itejf, m-e.t, mt 


Met 


(iA) schlage 


^Ign 


iU}: 


(kA) tue 


don, dun 


dö:, dq'u. 


1 (ich) sage 


za:x 


z^, z^'i. 


1 tfir 


iri'e.r, ff'e.r, inar 


in,fi 


1 mere (Plural) 


US {ü:8) 


UZ9 


" 1 mh 


ox, ü-e.x 


ok 



§ 91. Linie B 

= (9+10+11 + 12 + 13) 

die westfälische oder -e^Linie (vgl. Anz. 19, 358. 22, 334) 



^' iöd. pl. präs. 



westlich 
-dn 

höx, hö'a.x 



östlich 

-at 

högd 



1) Mittels Durchzeichnang auf ein Panspapier kann 9i('h jeder Leser 
Ittcbt eine größere Anschaulichkeit erwerben. 



/ 



— Lvin — 





westlich 




östlich 


sei 


zi 


bys 


dreschen 


(iQfyn 




dy^^n 


immer 


0m»r^ em9r 




ym^r 




§ 92. Linie C 




-(1 + 24 + 4 + 5 + 6 + 7 + 8) 






westlich 




östlich 


wgm. ö 


ö'a., We., ü: 




ö, qu 


sei 


bes 




zi 



rem 
klein 

(ihr) habt 
{ich) sage 
Gänse 



§ 93. Linie D 
(1+23 + 26 + 28 + 5 + 6 + 7 + 8) 

westlich östlich 

re'id., r€n r^in 

kle'fa.j kl€n kl^in 

haut h^ir^n 
za:%, Zf^L z^x 

gä;y.s, go'y.Sy yy'a.s, yö:s 
g§'n.s 



§ 94. Linie E* 

= (1 + 22 + 10 + 27 + 28 + 5 + 6 + 7 + 8) 

Zwischen E nud D ist ein starkes Schwanken Vorhände 
Formen, welche ausnahmslos bis D vorhanden sind, treten verein» 
auch bis E auf; hier ist allerdings die endgültige Grenze. Die 
Schwankungen sind zunächst auf die verschiedenartige Zusamme 
Setzung Barmens, welches vor nicht langer Zeit erst aus ein 
Reihe von Ortschaften zusammenwuchs, dann aber auch auf d 
starken Wohnsitzwechsel innerhalb der jetzt einheitlichen Sta 
zurückzuführen. 

§ 95. Linie F 

= (9 + 25 + 26 + 28 + 5 + 6 + 7 + 8) 

westlich östlich 

fo'u.f, /0'n/ fi{:)f 

ny'fd.y n0'79. n€g9n 

ö'a,, ü'9., ü: ö 

hö'a.x, hü'9,f hü: äö^, höx 



fünf 

neun 

wgm. au (ahd. ö) 

hoch 



— LIX — 



1 


westlich 


östlich 


1 wgiii. ai (ahd. ^) 


Va,, fe., i: 


e 


wgiii. a vor Ity Id 


qu, QU, a 


Qy « 


wgm. a in bald 


bqu'uJ, bad 


hgby I/dd 


(ich) hie 


dun, den, rfö(:) 


dq'u. 


wgin. ohi in Tochter 


dqtUar, dgutary döt^r 
§ 96. Linie G 


dQXt^r 


1 = (9 + 10 + 27 + 28 + 5 + 6 + 7 + 8) 


1 


westlich 


östlich 


1 wgni. oA/ (o/?) 


out 


QX^ 


1 wgm. eht 


§it 


at 


1 ^fre/ 


tiv^i 


twß 


B rter 


fre.r 


A^r 


1 (fr) ro/ 


d^t, d^t, d^r^ dVad 


df, dö 


1 (er) /^T^ 


d?t, d§ty d^r, dr^.t, 


d§ 


■ («^) stehen 


itqnt 


itqa^i, stuft 


1 iFö«w7^ 


g9ziitf gdz^t 


g^zdxt 


I tm^ (Dat. pl.) 


tis 


ans, uns 


■ nicht 


nit 


nix 



§ 97. Linie H 
= (9 + 10 + 11 + 39 + 41 + 42 + 49 + 13) 





westlich 


östlich 


Herz 


h^rts, hatd 


h^rtj hi§rt 


Bischen 


bet^n, betx^n 


fj&tkanj hiatkan 


Diminntivendungen 






(Plural) 


'dUas, -dli9rj -dlx^r 


'dlkas 


Diminntivendungen 






(Singular) 


'dl^i, -»Ix^n 


-alkan 


Winter 


ivefBktdr 


wintar 


andern 


arddni 


andm 


(er) int 


dot, de%t, d§t 


dnytj d^it 


(sie) stehen 


itqnty itQdn 


stän 


ihr 


90^ (9^0, M 9t 


git 


euch 


0idk, drak 


irak 



— LX - 



und 
uns 



§ 98. Linie I 

(9 + 10 + 11 + 39 + 41 + 43 + 4ö) 

westlich östlich 

on un 

US, ans uns 



§ 99. Linie K 

= (14+15 + 16+17 + 8) 

Wenkers Benrather Linie, die Tennis verschiebnngslinie (v 
Anz. 21, 166. 24, 119) 











nördlich 


südlich 


wgui. au 


(ahd. 


ou) 


ou, ü'e., C, ö 





wgm. a vor 


Ity 


Id 


a, qu, QU 


a 


wgm. oht 


in 


Tochter 


dgxt9r, dqiä9r, dqutar 


döt^r 


schwarz 








iicürt, iwat 


iwats 


Herz 






• 


h^rt, hat» 


h^ts 


rein 








rein, re'ta., r^in 


r€n 


klein 








klein, kle'fd., kl^in 


kl^n 


sei 








hes, zi 


bes 


{ich) tue 








doHy dq'u. 


dun 


gesagt 








g9z§ü, g9zdxt 


gdz^t 


Gänse 






( 


gäy.s, g0'y.s, gö:s 

§ 100. Linie L*) 

14+15 + 16+18 + 7- 

nördlich und östlich 


g§'n.s 

f8) 

südlich 


wgm. au 


(ahd. 


ou) 


ou, ü'e.y ö 


0, ü 


wgm. ai 


(ahd. 


ei) 


ei, fe., ß 


ed. 


wgm. a vor 


ft, 


Id 


qu, a 


d, QU 


wgm. oht 


in 


Tochter 


dqutar, dqxtdr 


dötar, dQtäar 


ßXnf 








fo'U'f, fi:f 


fenj 


neun 








nyta., n^dn 


neta. 


auch 








oux, üe.x, ok 


ox 


braun 








brun, brün 


brofd 


Wein 








win, wln 


wifd (wetd) 


{er) t<xt 








dft, d^, d^ 


dit 



1) Ein Teil von L ist T. 



- LXI - 



er) täte 
er) steht 
rir 
jänse 



nördlich und Ostlich 


südlich 


d0, d§r, df 


d^ 


äteit, m-e.t, itet 


itft 


tri'e.r, fl'e,r, fl 


tn9r 


gä'y.8., gg'9.8, gö:8 


g^n.s g0'y,s 



§ 101. Linie M 
= (14 + 15 + 16 + 18 + 6 + 38 + 41 + 42 + 49 + 13) 



Diminntivendangen 
Singular 



Diminntivendungen 
Plural 



-fow 
'sk9n 

'k9r, 'fyr 
'9li9r 



-X9fi 

-alX^n 
'9lxan 

-Xdr 
-alX^r 



i(r)tuf 
er 

imchen 
nmgt 



§ 102. Linie N 

= (14 + 15 + 16 + 18 + 40 + 41 + 42 + 49 + 13) 

nördlich südlich 

deif, dfeJ, doty däyt dff 

hg, hfiy Af 

dg^if d(^r^n drffyn 

mota mos 



au (ahd. ou) 
\, ai (ahd. ei) 
dvch 
H tut 

{^) steht 
ttir 

rein 
Uem 



§ 103. Linie 

= (1 + 2 + 29 + 35 + 47 + 15 + 14) 

westlich östlich and südlich 

ou öj ü'e.j «, 



n 

ox> oux 
deit 

iteit 

trf'e.r 

w^d9ti, ic^rd^n 

rein 

klein 



e» % e»* e 9m 

okj üe.x, ox 

dety dfe.ty d^t 

itet m*e.t mt 

frf, fly fi'e.ry mar 

w^r9n 

r^iuy re'ta.j rSti 

klfin, kle'ta., klen 



- Lxn - 





§ 104. Linie P 




— (1 + 2 + 29 + 35 + 47 + 16+18) 




westlich und südlich 


östlich 


wgiü. ö in Mutter 


u 


ü'e,, ö 


vfgm. au (ahd. ou) 


ou, 0, ü 


ü'e,, ö 


wgm. ai (ahd. e/) 


e%^ ^9m 


e, fe. 


Katze 


kat89 


kat^ 


auch 


ox, 0UX> 


ok, üe.x 


geh 


jank 


gö.'j yai?k 


{er) tut 


deitj det 


d§Uj dßtj dl'tt 


(er) steht 


iteit, mt 


mi, m-ej 


trir 


frf'e.r, imr 


tri, /r, ßej 



§ 105. Linie Q 
= (19 + 21+ 31 + 35 + 47 + 16 + 18) 





westlich und südlich 


östlich und iiördü 


ü'e.t^H § 82,1 


ü'eJs^H 


ü'eMti 


auch 


oUXf ox 


oxy üe.x 


braune 


bruUy bro'iB, 


brundj bm'n> 


ihr 


Ve.r 


g0t (^fO 


euch 


n 


oidk 



% 1U6. Linie R 

= (32 + 31 + 35 + 47 + 16+18) 





südlich und westlich 


nördlich und östl 


Wgm. au (ahd. ö) 


ü: 


ü'e. 


Alle im Gebiet von 






Solingen nnver- 






schobenen Tenues 






haben R zur ger 






meinsamen Ver- 






schiebnngslinie 


s, X,/ 


t, p, k 


Bischen 


besk^n, bes^m 


bet^n 


braun 


brun, brofd 


brün 


Wein 


fnn, wita {wefd) 


Irin 


(ich) bin 


ben, ben 


zin 


di^ifUchen i 


d^ri9n, dr^n 


d^n 



— LXIII - 



§ 107. Linie S 
= (33 + 31 + 35 + 47 + 16 + 18) 





südlich und westlich 


nördlich and östlich 


^g-m. ö 


ü: 


ü'e. 


^'giii. ai (ahd. ei) 


eij e 


%'e,y € 


hier 


hVd. 

§ 108. Linie T 
— (14+15 + 16+18) 


he'iy hl: 




südlich 


nördlich 


'wgm. au (ahd. ou) 


0, ü 


ou, ü'e. 


\Ng:m. ai (ahd. ei) 


^d. 


ei, Ve, 


wgm. ö vor W, Id 


a, QU 


qu 


wgm. oA/ in Tochter 


(iQuUr 


dqut9r 


fünf 


/0.n/ 


fo'U/ 


mn 


na'ra. 


wy.fa 


mh 


01 


ouXj ü'e,x 


Dimin.-Endg. Sing. 


-fdU 


'hn 


if >> 


'Xdu 


i -im 


» » 


-dlXdn 


'9l^l 


Dimin.-Endnng Piur. 


-tdr 


'k9r, 'fyr 


»» >» 


'Hx^r 


'Mar 


Bischen 


hesx^n 


betian 


hruun 


bro7B 


brün, hrun 


Vein 


irird 


wln, Irin 


(^) /?</ 


det 


deit, dl'e,f 


f^) /o/ 


dqt 


d§t, d^r 


(<•'•) W/e 


it^t 


d^t, d^r 


(^) «^^A/ 


mt 


Steif, itreJ 


W?i,S«f 


mos 


mots 


^ 


hi 


he 


trir 


mdr 


fl'e.r, m'e.r 


ffreschepi 


dr^n 


d^räan, dgian 


^üpm 


(/§'n.s, g0'y.s 

•> 


gä'y.8, go'y.8, gyi 



- LXIV — 

V. Hanptlinien. 

§ 109. Die Yoranfgehenden Tabellen zeigten, dass manche 
Linien ganz oder sonderlich einzelne ihrer Teile sehr oft als 
Grenzlinien für die verschiedensten Erscheinungen der Grammatik 
auftraten. Sie scheinen darnach von ganz besonderer Bedentoo; 
für unser Gebiet zu sein. Konnten auch nur wenige Fragen der 
Laut- und Formenlehre hier ihre Beantwortung finden, so gewinnen 
diese Linien trotzdem derart an Bedeutung, dass eine genaue 
Untersnchnng derselben nicht von der Hand gewiesen werden 
kann. Ich stelle deshalb im Folgenden zahlenmäßig fest^ wie 
häufig die unter IV aufgeführten Linien zunächst in ihrem ganzen 
Verlauf als Grenzen vorkommen, dann, welche ihrer Teile am 
häufigsten Mundartenscheiden bilden. 

a) Ganze Linien als Grenzen. 

A 21 mal, B 5 mal, C und E je 2 mal, D 5 mal, E 9 mal, 6 
lOmal, H 11 mal, K 11 mal, M 5mal, N 4mal, 9mal, P 9mal, 
Q 5 mal, R 7 mal, S 3 mal, T 25 mal. 

b) Teile obiger Linien als Grenzen. 

(1 + 2) 26mal, (3 + 4) 30mal, 5 + 6 (+7 + 8) 48 mal,») (9) 
32mal, (14+15) 37mal, (16 + 18) 44mal, (17) 13mal, (35 + 47) 
30mal, (17) 13mal, (11+39) 18mal. 

Aus diesen Zahlen ergibt sich ohne weiteres, dass die Ur- 
dinger Linie (A = 1 + 2 + 3 + 4 + 5 + 6 + 7 + 8) als ganze so- 
wohl wie in ihren Teilen die Normallinie für unser ganzes 
Gebiet genannt werden kann. Andererseits zeigt sich, dass 
T (= 14 + 15 + 16 + 18 in Fortsetzung A), femer der Wupperlauf 
von Sonnbom bis Burg (= 35 + 47) und endlich das nördlich 
Barmen gelegene Stück der -et-Linie (9) alle anderen Grenzlinien 
in unserem Gebiete an Bedeutung überragen. Die wichtigste 
neben A ist T. Sie ist die Verschiebungslinie nach alter er- 
haltener Kürze und scheint mir hier geeigneter als Tenuisrer- 
schiebungslinie angenommen zu werden als die verhältnismaBig 
unbedeutende Linie (17). 
... . 1 

1) (6) auiicrdem noch 8 mal. 



— LXV — 

VI. Lexikalische Grenzen. 

§ 110. Dieses Resultat veranlasst mich, bevor ich zu einer 
historischen Begründung dieser Normallinien schreite, zu untersuchen, 
o\) sie auch in lexikalischer Hinsicht von Bedeutung sind. Um 
dies zu bejahen, müsste es also möglich sein, die genannten Nor- 
mallinien als Grenzen für eine Anzahl volkstümlicher Ausdrücke 
oder allgemein bekannter Redewendungen festzulegen. Die Un- 
möglichkeit, eine solche Untersuchung auf ein weiteres Gebiet, in 
dem man nicht heimisch ist, auszudehnen, wird jeder ohne wei- 
teres zugeben. Zunächst ist es sehr schwierig, die geeigneten 
Worte und Redewendungen zu wählen; denn sie müssen einmal 
allgemein bekannt, dann aber auch schriftsprachlich nicht ähnlich 
vorhanden sein ; sonst erhält der Frager regelmäßig eine Übersetzung 
aus dem Schriftdeutschen in die Mundart. Aber selbst, wenn diese 
Auswahl gelungen ist, bleiben die Enttäuschungen nicht ans. Ab- 
Bichtslos oder nicht selten auch willentlich wird man hinter das 
Licht geführt. Merken erst die Leute die Absicht des Fragers, 
so ist überhaupt jedes Weiterforschen unnütz , denn von dem 
Augenblicke an werden sie „Wortfabrikanten"; ein Local Patriotis- 
mus tritt auf, der der Sache gefährlich werden kann. Jedes be- 
liebige Wort ist dann Eigentum der betreffenden Mundart; denn 
<ler Mundart des Gefragten darf doch nichts fehlen, sie muss doch 
ohne jeden Mangel sein. Andererseits lieben auch viele ge- 
**prächige Alte dem Fragenden recht viel schöne Histörchen 
^tzogeben und freuen sich nachher königlich, ihm recht viel „auf- 
gebonden^^ zu haben. Auch können sehr unangenehme Miss- 
Verständnisse, sonderlich in ländlichen Gegenden, vorkommen. Als 
ich mich eines Tages mundartlich mit einem alten Bauern über 
I^ndwirtschaft und Ackergeräte unterhielt, kam der Alte auf die 
Sonderliche Idee, ich sei ein Steuerbeamter, der nur ausspionieren 
^olle, wie er eingerichtet sei, um ihn zu höheren Abgaben heran- 
^iiziehen. Es war sogar sehr ratsam für mich, das Hasenpanier 
211 ergreifen. Dann ist es außerordentlich schwierig, einen Menschen 
2Q finden, der die betreffende Mundart über das meist sehr enge 
Gebiet seines Interesses hinaus beherrscht. Meist ist der Dialekt- 
l^enner sehr einseitig. Entweder spricht er von Landwirtschaft 
öder von diesem oder jenem Industriezweig, in dem er gerade 
^Ätig ist. Das Übrige interessiert ihn gar nicht. Sobald er über 

Deauche Dialektgeographie II 5 



- LXVI - 

Dinge redet ^ die über diese IntereBsensphäre hinausliegen, kann 
vou keinem reinen Dialekt (soweit ein solcher überhaupt vor 
banden ist) mehr die Rede sein. Dergleichen Schwierigkeiten 
ließen sich noch viele aufführen. So ist die Sprache des Kindes 
dem aus dieser Ideenwelt herausgewachsenen Greise sehr häoig 
fast fremd, und die heutige Jugend hat kaum die Hälfte des Wort- 
schatzeS; den die Alten besitzen. Ihr ist schon die Schriftsprache 
ein Ersatz geworden, sonderlich in Benennung von Flora und Fauna. 

§ 111. Um daher sichere Resultate zu gewinnen, habe iek 
mich auf ein engeres Gebiet beschränkt, dessen Sprachen meinem 
Ohr nicht fremd sind, und nur untersucht, ob folgende Linien 
gleichzeitig lexikalische Grenzen bilden: 

1. die Ürdinger Linie oder //r-Linie von Sonnbom bis Bons- 
dorf (3 + 4) ; 

2. die Ürdinger Linie oder ^-Linie von Ronsdorf bis znr 
Eschbachquelle (5 -f 6) •, 

3. der Eschbach (16 + 18); 

4. der Wupperlauf von Burg bis Leysiefen (14+ 15)-,*) 

5. der Wupperlauf von Sonnborn bis Burg (35 + 47). 

Nur eine kleine Anzahl Worte sind für das übrige Gebiet 
auf ihre lexikalischen Grenzen hin untersucht, jedoch kann ich 
für ihre Grenzen nicht dieselbe Sicherheit garantieren, wie für 
die obigen fünf Linien. 

Belege. 
§ 112. Für die Linie 1. = (3 + 4) sind nördlich vorhanden, 
südlich überhaupt nicht oder durch ein anderes Wort oder 
Redewendung, welche in Klammem nachgestellt sind, vertreten'. 



1) llicrzu ist zu bemerken, dass sich diese Linie jedenfalls mit einer 
weit gröüercu Anzahl von Beispielen belegen lässt, wie dies hier gescheheD 
konnte. Bei meinen Wanderungen durch den südlichen Teil sind mir sonderÜcb 
in Bezug auf Obstzucht und Landwirtschaft eine Anzahl Ausdrücke aufgestofleOi 
die dem Norden fremd sein dürften. Es war mir leider nicht möglich, die 
Wanderungen noch einmal anzustellen; aber ein Vergleich der beiden bso^' 
schriftlichen Wörterbücher (o. § 2) bestätigt meine Wahrnehmung. Auch die Liot^ 
(3 + 4) läöst sich jedenfalls mit einer großen Zahl von Worten belegen, di< 
südlich fehlen. Der Elberfeldcr Dialekt ist lexikalisch sehr verschieden vo' 
dem südlicheren Cronenberger Dialekt. Ein vollständigeres Verzeichnis werd' 
ich geben können, sobald das seit Jahren sich unter der Presse befindlich 
Elberfelder Idiotikon erscheint. 



— LXVII — 

Mwrrf^.7 *Hinterflur\ $tpiti0n ^wegjagen' {äff/p»n), ißtslr^k ^Schüssel- 
brett' {iüMhr^), r^tdkaa 'Schub8cbnallen\ kr^'u *Krähe' (krö:)y 
iiffiliä^i, i0nrdU&9n, iyfdln 'Spiel, bei welohem mit Eiseuplatten 
nach eiDem mit Geld belegten stebenden Holzdtäckcben geworfen 
wird' {p0li9spl^i) y amzekB * Ameise' {zekröni»!)^ köj0n ^kaufen' 
(^«b«), knf(bf*n 'schallend singen^ dQr^flstar, kletak^fistar ^Horcher' 
(lurzak), g^rik 'Gerätscbaften', tyibrn *die Kühe weiter ab anpfählen' 
(fyranpeUn), ir%r9n 'schleichen', iöt^ht^r 'Wassermolch' (rot am 
Unterleib), kugksi^i 'mit dem Knöchel stoßen' {knuf^Uy nufm), 
knQk»n 'mit dem Merbel auf die Wand schießen' {hqmn)j klerBk»- 
klQp»r 'Hausierer' {hafif9kk^[) , h^r^i 'Merbelspiel' (Mufc^n), wfm.8 
'Schläge' {hay'y,), kl^fk^n 'Dietrich', wat. 'etwas' (jr^), prpk^r 'aus- 
gebratene Fettstückchen' {(/rf'e,tr9n), p^(b 'Kröte' {kra:t), lüe.rbitsx 
^hinterlistig' {Iumf4t9x), küzi^n 'mit geballter Faust schlagen' (etwa 
füz^n, p0l»n)y kye.l^mkskgp 'Kaulquappe' {knfa), kreindlkuffkskifn 
'empfindliehe Stelle am Ellenbogen' {krenvdö(isr)j kl<ip»ln 'schwatzen' 
(kkti^Nj babaltij buMn usw.), kat^hletml 'Ohnmacht', mo^n 'Geld' 
(kryeMi)^ hylbröajbr 'Leichenbitter' (in Cronenberg andere Sitte), 
hiai 'Kesselbaken, um das Licht daran aufzuhängen'. 

Südlich sind vorhanden, nördlich nicht: h^i 'Nebel', irf^pla?9a^n 
'Tnch zum Abwaschen der Teller'. 

Folgende Redensarten sind nur nördlich vorhanden: met kä:/ 
fftd.f m9r k€n9 qul9 müs (südlich: qwu.l tno§an J\'n,t nofr nit mei 
^^•f)\ ^w doxa en dd rt^h nit 'du passest nicht dazu'; du hos ?n 
rO'a.il^i kanük (Schimpfwort); iwat fan be^mi 'mit schwarzer Seele'; 
h il& traf 073»ni dü)mn 'er ist untreu'; h§ es an gazH^ndn b(^rgar, 
H kau 29X ^ hipa hqnls^n (spöttisches Wortspiel zwischen 'sessbaft' 
M 'sitzen', d. i. 'im Gefängnis sitzen'); du f^^ om hlbll/sk^.rk^u 
*da bleibst zu Hause'; h^ e^ an köpman tmar da ^:t 'er sucht billig 
einzukaufen und teuer loszuschlagen'. 

§ 113. Ostlich der Linie 2. = (5 + 6) sind folgende Worte zu 

nennen, welche westlich nicht vorkommen : irfsho'L, ir^Motaal 'Teller- 

^uch' {trfäplafaan), häyarn 'mit Merbeln spielen', ütklögaln 'ausklügeln' 

(üikle/iafi) y prowifakalfan 'Preißelbeeren' {wei^kfi^n/ry'e.nan) , Mr/sf^l 

'Schurzfell' (barftal), kleidk9klQpar 'Hausierer' {hafaaLskil)^ kremalknt^kskan 

'empfindliche Stelle am Ellbogen' (krenialödar), ^m^taderak 'Schmetter- 

*ök' (ftfqulgfar), köpa^n 'kaufen' {(/t^hn), Istapan 'Eiszapfen' (Tspi'L), 

krfi. 'Krähe' {krö:), moian 'Geld' (kry'eMn). 

5* 



— LXVIII - 

§ 114. Südlich der Eschbauh-Liuie 3. ^(16+ 18) finden sict | 
folgende Worte, die nördlich (in Remscheid) nicht vorhanden find: 
hlijxin 'walzen' (den Acker) {trpit»n)\ tylsti 'freundlich behandeln'; 
hn^X^ 'nach dem Stier verlangen" (von der Kuh) (n^s^t und west- 
lich (/fK»fc>rt); Mgtan 'schwätzen'; iQrMkün- 'Scbiebkarre' (äu:/lti:r)\ 
drt/j 'Obergefach der Scheune", (spfw); Äv.^/wf&'TafelmesBer'; r^Han 
'rollen, wälzen'; riimhi 'gerinnen' (von der Milch) (rfcfo »r-^r»»); nwi/Ua» 
'rauh machen', kym^n 'nicht durcheesen' {pitSin)\ krOiUf^Mi 'Frosci- 
eier' (/i^wr); knlrirfit 'Conlirmandin' (a/ffgmireit}-^ kih» 'schiMÜ 
laufen' {zqlati)\ k^riiik»! 'dummer Junge'; huplimk 'Frosch'; /iühj/ö 
'Himbeere' (AH/«i)/te, Aowf^Oi fd^ 'verlegen' {lyf 'kleinlaut'); y^jy.!« 
'in Angst jagen' {6a'm.ffMlMi);/w«/önAoy^'Comj)08thaufen'(m«iAll'(.p|; 
ciw^skoitMp 'Bienenkorb' {inusjäl); batfts/Ql 'ganz angefüllt' (ilrrij^ \ 
hifjafijiy, beirkm 'Milchbeh älter'; einn 'irden' (ätfe.iis»); (/«ito 'Tintt' ' 
{cK>k^h)\ ((«/ 'steil' {Steka, pll)\ toöfc»» 'tunken' (feti;(WH);/»»mfa 'Pana»' 
{knfp»h)\ lug*» 'weinen' (Artfe«, A^/e«, nijrk'Hi u. a,); j§-t.(h 'Gate' 
(gü-e.t)a-e.t)\ in%k 'Schnecke' {iuf:!]; bay^x 'gepfiiigt' {(/»h6iit); gm 
'grau' (nur gi-is)\ eins 'ernst' (atwö); tgm 'Türangel' (;*'«*); «pf« 
'tüchtig essen' {a%iln 'schwer arbeiten'). 

§ 115, Südlich des Wupperwestlantes 4. = {14+15) fiodeo 
eich folgende im Norden nicht vorkommende Worte: ß^n 'Dresdi- 
Hegel' {(i^ßsil); (f^mat 'schlecht, nicht dauerhaft' [Jül); dep»n]ilt'r 
'jemand, der seiner Frau in den Kochtopf sieht' (}>gtfcfkir}; (/{'". 
'Tenne' {<le:l); h&rin 'stocben, pochen' {boms^n); AöÄ^rt 'Vogelscbeuclie'; 
hktsrzemtx 'verwirrt' {f^rhistsri); hahüdiln 'betrügen' {bsdüpen o. al; 
lia-ia.ari 'ängstlicher Mensch' {ha-K).hnks)\ hifjAn "häufeln' [kyi»)' 
/ie^sfi/J.yj/rfwt 'Rotkehlchen' (rS.(ipSAJM) ; g&l 'Gaul'; gQrix 'nawühl'. 
'träge'; halten 'sich mit Schneeballen werfen' {klytan)\ hol^akl»'' 
'Hollunder' (ßxditnl>Qf^m)\ bqksiiytä 'Leckzahn' {inn^rts, l^)ijlii»)\ 
kuksl^t 'unterdrückt lachen' {giphi, ijifyahi); kQpnö-aJ 'KnopfnaileV 
(knoitpiiqu.l); fewr^p^ 'Hügel'; ir^rka/tax 'dauerhaft' (därliaft); tsemjJji 
'simpel'; i^rfo 'Augenblick' {ongaiUix); i^is 'schief {iiif)\ ojasuHct^ 
'Unterjacke' {onarkatmeiil}; fqrst 'Forst' (nur hos)\f^nd9 'Ferne' (gtet* 
umschrieben: öirsn üt ihr w^li); fyitlspQst 'Platz der faulen Schul' 
kinder' (/aUnbanfc); daxdmpo 'Traufe' {drepal/al); aiimye,d»% 'bo" 
mutig'; amstar 'glühende Kohle'; anifaU 'Amlmss' (amfil); aßehUr'^ 
'abmalen' («/wfjfo«); ^ypr 'hinter' (/lewjr); ff ja 'Kfeu' {^i^^ 
upsötäirUx 'aheouderlich' (ij^rfjjar); mpn 'sich bereichern'; btga^* 



A 



— LXIX — 

^trügen'; höaä *Hacken' (hQk); hemp 'Himbeere' {humaU9)\ g^t 'nicht 
ilehgebend' (rfryx) ; y»'wrf''ö./*JohanniBtraube' {kr^nt9)\ Ay;r *Miete' 
i^to); Af.-^'Katzenkrallen' (klqu^n)] tnf k9n^ quieken' {kfrfk9n)\ kyk9lyr»n 
.Qsfindig machen' {ütkl0ft»n)\ krek^hn 'schmoren'; A^dA^fo?» 'blenden, 
onnachen'; wik^n^tnet 'Korbflechter' {ma79^nbei99r)\ widdrma:t 'Uber- 
mf (ir^toiÄ'«.^); w^bx 'lebhaft' {niont9ry I0st9x)\ßrkl4k9n 'verleumden' 
&^ fnak»n)\ tstrix 'Zweig' (nur ilo^t)\ tsqudix 'Durchfall' (dondrh) 
kaudix zu ndd. tqwn refl. 'sich beeilen', s. Wörterbuch u. U^tmi\\ 
!i5»ywi 'necken, zanken' {tagdn)\ fdrbübcUsm 'vernachlässigen' (/»r- 
Simln)\ ö*«./89n 'nicht rein aufessen'; iyrtal 'Schürze', {iürtSj östlich 
ier Wupper ^^); in^rds 'Schnurrbart' {ß}iQrUs)\ inepn 'naschen' 
inäg9m)\ tsab9r9X 'dickflüssig' (tsQhbx)'^ fy^s^r 'Fußgänger' [fweA- 
ip»r);/ör^röaw 'Karrengleis' (f/'ö.7«/r^x); gäb^kygäp^nb^k 'aufgesperrter 
(und'; kl0ft9x 'possierlich' (nördlich kle/tax 'erfinderisch'); 7n(Us9 
reibliche Scham' (nördlich mtUsa 'Krapfen'); ktUa 'Hure' (nörd- 
ch fnU9 'weibliche Scham'). 

§ 116. Eine größere Anzahl kann ich für die Linie 5. = 
15 + 47) anführen, welche nur auf der Solinger Seite vorhanden 
nd. Hier konnte ich sonderlich das Fehlen einer großen Anzahl 
)D Redensarten im Cronenberg — Remscheider Gebiet feststellen, 
eiche im Solingen— Gräfrather Gebiet vorhanden sind. Das Um- 
ekehrte ist auch der Fall, doch habe ich bei allen Linien stets 
Torte der außerhalb des Gebietes von Remscheid, Cronenberg, 
ODsdorf liegenden Mundart gesucht, da ich dann eine bedeutend 
5here Sicherheit erzielte, weil mir die Mundarten von Cronenberg, 
«mscheid, Ronsdorf, sonderlich die ersteren, geläufig sind. 

Auf Solingen — Gräfrather Seite finden sich folgende Vo- 
abeln, die in Cronenberg und Remscheid nicht vorhanden sind: 
(m^rt 'Baumhof'; bgri/gl Vis zum Rande angefüllt' {Mve.kfgl)'^ 
(fbram 'Butterbrot' {bot9r)\ byt 'Rednerbühne' (scherzhaft); deixs^l- 
Offw 'Deichsel' (^.r, bo'yjn)\ re,kal 'Selbstgespräch'; ß^s9n 'ein- 
tcbmeichelnd'; /wtorfor 'empfindliche Stelle am Ellbogen' {kreni9löd^r)\ 
ffftjr 'Wildwachs' {kat9fill'eJ); gtfzarix 'wässerig (von der Kartoffel)' 
klfr)] yrifmi 'weinen' ((/rimn 'hämisch lachen'); haßrq^ 'Eberesche' 
ß'e.g9l8kf'eM)\ hmpas 'Wirt' (ho»p9s 'Spaßvogel'); hä'y.ß 'Haupt'; 
^In 'verdrießlich sein'; h%'e,npa*n, 'Hirnschädel' {l\%'eji9kastdn)\ 
3f< 'heute' {ihn daXj fan (la:x)\ ^^ iß'X) *Egge' (nur €:x)\ afkoimn 
^ofinniert werden' {afgQti)\ afl'ukx ^abgetragen'; af§m^ran 'prügeln' 



— LXX - 

{nfdrag^n)\ afitfk^n ^anstechen' (Fass) {(lit€k^n)\ äff^Söt^n 'beranschf; 
am^ 'Ernte'; b^rihMhUr 'g^-oße Waldameise'; bat 'Milcbgeschinr nn 
Abrahmen'; Aa/*r/wi 'Wiesen'; //an/i^w 'Fruchtschober'; 6^t^m^ 'Iltis'; 
fakUthini refl. 'sich betrinken'; b9mdk»n 'beschönigen'; itmflH 
'sprechen'; hl^ti^n 'bellen' {hUk^H)\ hlgx *Feld walze* {tr^ülü); ä'yJtm 
'Mutterschaf; etr^nixiri 'Ebenbild' {t^ipart)\ fa:rös9n 'Stier' (eigentL 
füihrös^n) {iprefakötf^n); /^aAvw, lys 'Läuse' (nur l9:s)] f^rk^laifn 
'Gaunersprache' ; fök^ln 'streicheln' ; fyni 'Forelle' ; fotkatmzöl '6^ 
sellschaftsrock'; frat^^iöt 'Hexenschnss' (bei Tieren); frafUsbretm 
*3 Pfennig-Brötchen' (/m/i/s = 'französisch') ;/mfe/w 'ringen' ;/r^W?/ii 
'stark an einem Strick drehen'; /yk^x, 'gewandt, drollig'; g^mn 'es 
toll treiben'; (foyls^i 'rauschend gießen'; gi'rjnk^n 'Ziegenlamm' 
(l^imk^n); gof pas! 'gib acht'! (gef ^it9f9k!)\ «yröwim 'murren' (pm/^); 
Ao"L<A^r 'Tasche'; knjü.bn 'schmeicheln'; karS 'rüstig, hurtig'; ko(bh 
'Merbelspiel'; kox^n 'husten' (Arrwx^w)i kobrix 'aufgebracht' (frz. 
colerique) {kohr *Saufdelirium'i; krufs^pt 'kriechen'; ctint 'Hintern'; 
l^mp^s 'Faulenzer'; l^f 'Niederschlag in Teichen' (mot)\ 
latf^n *Löwe'; liohn 'weinen'; mal^bs^ (vgl. frz. mal) *krant 
nicht stark'; morikqitlf 'mordskalt'; najmi 'einschlummern'; j^i^n 
'Jäten'; /^f/r^A' 'Unkraut'; Tt.niotn 'Irrtum'; neis 'ohnmächtig' (ß(iu)\ 
not'k'^i 'zanken' (W(>rAvw * weinen"! ; omkat^kt^n 'Abwege'; ökl^ 
'hässlich'; ^Htn.^ififf 'Bachstelze' \,Mif^f)'^ p^rSwa4i'e,r9n 'überredeo'; 
fMt 'KriUe' \,kra:t)\ t\f 'hageres, langes Frauenzimmer' {r^isi^r); 
ntmk^r 'Stichlinge' {pre.rjn)x raglf.<m 'sich wälzen'; nniiHiUi 
'runzelig'; can/Jn 'mit reibendem Geräusch atmen' (^ä/^i); s<to 
'schelten'; ^ilttriff 'Schimpfwort'; i/^wAv 'Schlucht*; SnVe,r^n *spotteln' 
\^pitjn)\ ${tnt 'Schornsteinfeger' {$ißfrr.n^^/fg-fr)x 5pnj»fifain 'Sommer- 
sprossen' [iprutJn^, sprüt^H 'Kohlsprossen'; sfek<fx *ül>elriechend 
verdorben' [w^/'^x^; ift^gtot 'plaudeni'; sürfs 'Schürze' {s*^t^)\ tr^ 
'Zweig' \^i/c>ti/V, tfrix 'Zweig*; yv.ff**/! 'Launen' [rüz^fi); g'^-^^^ 
'knurren'; irantif 'Brotsuppe* {tn^kbrti^i tr^r^^n 'werfen' {smlUtC 
ta^imp^n 'weiuew*. 

Hieran schließt sich eine gn>ße Anzahl Redewendungen (a: 
I^X^ konnte ich ileren feststellend Einige Proben mögen hie 
srenügen: rn ihn ihif »/^Wi/^m 'nachlässig wenien*; y'r,fc^r zym^\ 
'einer Schwangeren beiwohnen' .eigentlich „Ohrchen säumen") 
ihm fHif th gnitrjH ti/>fA*/i hau 'Ausschlag um den Mund haben' 
grriihM hitn ^< >m sH^n^if^ktr 'schlechtes Werkzeug haben'; /an 



— LXXI — 

^nzOg^n konmt da ly'e.gan; Z9% sek»n wi (br horak en da knÜ9kä:r 
;zwangen folgen'; h^slgkt dat, qs w^n du kä: an wgrbdl ilgkt 
nbemerkbar); tri'e.tan, wo dar liorak bagräfran li'e.t 'eine Sache 
ntdeckt haben'; wan za dan buk fql haut, dan (fQnt za, dnt dont za 
(Schmarotzerart); an pur fje'i.n Imn wi an fmtuda spröd 'dünne 
Beine haben'; dati heyltan bqr% aröp gQn 'die Treppe hinanfsteigen' 
4 hü'e.n^rkakaln bcU nit, za m&tan ^iar l^n 'Maulfechten nützt nichts' 
ir^r p^ anpcüäy haz6y.t zax 'böser Umgang verdirbt gute Sitten' 
eim da inqm en da morak don 'jemand unterstützen'; dar katsan dan 
ira^ (Käse) a/artrou^i *den Bock zum Gärtner machen'; daf h^rta 
<l^ fw ^ efow kal./ dar st^rt 'ihm klopft das Herz vor Angst'; 
ifr^i glouwan op e'i.m pe'Lf es ar einan ta fol 'gemischte Ehe taugt 
nicht'; ati btUs op dan lepan makt froraksap onar da^ni sfepan; rika 
igßts kratakheit on ann lyts panakoukan rükan irit *die Reichen machen 
viel von ihrer Krankheit reden, die Armen von ihrer Geldnot'; 
^t es dgx nit gants gajtlt^ zqit d^ jo'ta,, do imfe.t ha nam ho'7a, on 
^9yf da steifmödar; wo d^ fr(l'U' kalt f(^r dan man, dat hü'e.n 
krü fyr dan hä:n, da kafsa lept ffj'e.r dar müs, do do\^xt at nit em 
hü:8; at es geinan jorakar zo kras, hq hst dgx wal ens an lös 'selbst 
der Beste ist nicht fehlerfrei'; du on dar deyu^l zit op einan dax 
Jmk wqran 'du und der Teufel taugt alle beide nichts' ; Af es dam 
ci«jftral /an dar ka:r gafabn 'er taugt nicht' ; fan d^r re.rstan lfj:x 
^^ gabdrstan zin 'im Lügen erfahren sein' ; mm fylan k^:l niot mar 
'^ nar kä:r häy ütwikan 'Betrunkene muss man meiden'; af es afi 
^Hpt0ar am pe^:rf, wqn at geinan kgp h^t 'Charaktermangel ist der 
Schlimmste Fehler'; bytsan on Iqkan got kl^pal on §fqkan 'zu zärtlich 
^öin vor der Ehe ist nicht gut'; dat es büiar dar kT:r 'das ist un- 
gehörig'; fol k^'r.f en dan hqnarti han 'alt sein' (das Alter der 
*fuh ist durch Kerbe auf den Hörnern aufgezeichnet); (yud b^ka 
^^nt Sfl:/ h(}nar 'Alter macht eigensinnig'; an frqu, kan em äürtsa 
^^: üt d^n hüsa drägan, ^s dar man dar da syrandfi'e.r liareinfäran 
*<»w 'eine verschwenderische Frau bringt alles auf; hqs da i'e,rS 
^* itei/ma:r, dan kris da oij^x an §tej^f(l:r 'die Stiefmutter wandelt 
den Vater um'. 

Diese Beispiele mögen genügen, um ein Bild von der Ver- 
^ebiedenartigkeit der Mundarten östlich und westlich der Linie 
(35 -j- 47) zu geben. Man könnte dieser Beispiele noch eine 
ffÄiize Anzahl anführen; jedoch genügt hier festgestellt zu 



— LXXII — 

haben, daß Linien von so großer grammatischer Bedentang aach 
scharfe Grenzlinien in lexikalischer Hinsicht bilden. 

Anbang. 

§ 117. Es wäre ja sehr interessant, den weiteren Verlaof 
dieser lexikalischen Scheidelinien zn verfolgen; doch habe ich scbon 
auf die Schwierigkeiten hingewiesen, die einem solchen ÜDter- 
nehmen entgegenstehen. Nnr für einzelne Worte konnte ich for 
größeres Gebiet mit Genauigkeit ihre lexikalische Grenze festlegen. 
Es sind dies 'weinen', 'Schwester', 'pflanzen', 'Kaulquappe', 'tolle 
Launen', Tanas', 'Stachelbeere', 'Himbeere', 'heben'. 

1) weinen. 

ireinen heißt östlich (1 + 2 + 3 + 4 + 5 + 6 + 7 + 8) hybn, 
hroUn und ^rej^Hy am gebräuchlichsten ist A^&tt; zwischen (4 + 5 + 
27 + 30) ist hyUti das übliche Wort; das Gebiet von Remscheid 
kennt n^rhN, doch ist kriUn 'kreischen' hier fast nur gebräuchlich; 
zwischen (48 + 15+ 16+ 18 + 7 + 8) gebraucht man hig^^ und 
hla^^N, südlich (14 + 15) %c?w, zwischen (32 + 31 +35 + 47 + 15 + 14) 
hiii<f)i und jalj/^n ; im Gebiet von Cronenberg ist ngrk^n am gebräuch- 
lichsten, daneben häutig hyUn, fyi^ny ganz veraltet galp^n. Der 
übrige Nordwesten weist hyl^n auf. 

2) Schwester.^) 

Si^hin\^er heißt östlich (9+10+11 + 12+13) zyst^r, westlich 
bis zu (14+ 15+16+ 17 + 8) zosterj südlich dieser Linie iir^- 
Aiini. 1. Die Linie (9+10+11 + 12+13) scheidet außerdem 
ostlichos kyr^n von westlichem kaUn ^sprechen*. 

3) pßanzen. 

pjfmum heißt östlich (9+10+11) ima.Un, östlich (11+27 
4 28 ^ 4 + :K) + 36 + 47 + 15 + 14) ^^/^w, westlich dieser Linie pöl^n^ 

4) KauUpmppe, 

Nur das Gebiet von Cronenberg nennt dieses Tier plafkiUSj 
die ganze Umgebung kafs\ doch tritt häufig Verwechselung mit 
dem Oelbrand ein, der in der Umgegend ky'e.lnakskgp genannt wird. 

1) Im SA. 



— LXXIII — 

5) tolle Launen, 

tolle Launefi heißen nördlich (1 1 + 27 + 28 + 4 + 3 + 29 + 35 
- 47 + 15 + 14) iar9n *Schaaern*, südlich raz9n, 

6) Panas. 

Panas heißt nördlich (14 + 15 + 16 + 18) nur kr^palsy zwischen 
iyi +18 + 8) kr^p9ls und prents; Ellinghausen und Höhrath kennen 
Twr prmtSy welches auch im übrigen Westen vorherrscht. 

7) Stachelheere. 

Stachelbeere heißt nordöstlich von (19 + 20 + 3 + 30 + 37 + 6+7) 
iftm^ly zwischen (7+17+18) Ar^fi^»/, zwischen (9+20+29+31+33) 
kna^l, südlich und westlich (14 + 48) krents9l\ das ganze Zwischen- 
gebiet hat krg'e.nts9l, nur das Gebiet von Cronenberg krfe.ntsaL 

8) Himbeere, 

Himbeere heißt östlich (2 + 3 + 4 + 5 + 6 + 18 + 16+15 + 48) 
hiimlta^ südlich und westlich von (14 + 48) hitnb^r, welches auch 
in Wald und Ohligs herrscht; das ganze übrige Zwischengebiet hat 
humdlt^y Cronenberg hu)naL 

9) lieben. 

Aefen heißt zwischen (2 + 3 + 4 + 5 + 6) und (18 + 16+15 + 14) 
bym, zwischen (2 + 3 + 4 + 5 + 6) und (38 + 41 + 42 + 49 + 13) 
h6'a.m, südlich (14 + 15+16+18 + 7 + 8) h^tmi, im übrigen 
südöstlichen Gebiet hqma^n. 

VII. Zur Geschichte der fünf Linien. 

Durch die lexikalischen Belege wuchs die Bedeutung der 
foni* Hauptlinien noch um ein Beträchtliches. Ihnen möge deshalb 
w einem letzten Abschnitt eine Untersuchung auf ihre historische 
Vergangenheit hin zu teil werden. 

1. Der Wupperlauf von Burg bis Leysiefen 

(14 + 15). 

§ 118. Dieser Teil des Wupperlaufes bildet heute die 

Grenze zwischen Kreis Obersolingen und Niedersolingen, kirchlich 

zwischen den Pfarreien Solingen im Norden, Witzhelden, Burscheid, 

Lieichlingen im Süden. Diese Scheidung der Pfarreien üud^t sich 



— LXXIV — 

schoQ 1610.^ ja sie reht bis am 1900 zarack, wie noch dargeüm 
werden winl. 1813 MIdete unser Wnpperlanf unter Napoleom 
Herrschaft eine Am>ndis$enientsfTenze.'i Rückwärts schweigen die 
Urkunden über ihn. Ms er 1457 als Amtsgrenze zwischen Solingen 
im Norden und Miselhoe im Süden auftritt.') Wie alle Amter 
dieser Zeit setzte sich Miselh«>e ^ aus Kirchspielen zusammen, and ; 
zu ihm gehörig werden die Kirchspiele Leichlingen, Barscheid, j 
Witzhelden genannt.^ Eine für unser ganzes Gebiet sehr wichtige ] 
Irkande vom 6. Sept. 1368 führt alle Stidte und Dörfer der 
Grafschaft Berg nach ihrer Zugehörigkeit zu den Ämtern auf.*) 
Auch hier tritt der fragliche Wupperiauf als Grenze der Amter 
Solingen and Miselh<v? auf. Ebenso liegen die Verhaltnisse in den 
Jahren 1308—16^' and 1208.*. wie uns Urkunden über (Jerre«- 



l) «;esch. Atl. d. Rhpr.. Karte von 1610. Dass im 17. 18. Jahrb. die 
Verhältnisse ebeusi» la^rm mie 1»^10, erweist BMCK 2, 219. Die Kirchspiel- 
mler l^arrei^TTvozen der Elrzdidzese ioln wunlen von den neaen protestantiscbeo 
Kircbengeukeüiisehaften an\'erändert uberaomiDen. 

2 Gesch. Atl. d. Rhpr.. Karte von 1813. 

3 Lac. Arch. 7. 283 f. 

4 l>er Nauie .'.Mäusem-ald* ist als Ortsname nicht mehr vorhanden. j 

5 I-ac. Anch. 4, 147; v|rl. Schöuueshöfer S. i:io. 

H Lac, Arch. 4, 147; v^. Schöiine$h«»fer S. 135, Körnicke S. 24. Da ich 
auf diese Urkumle häiifi^r zuruck^rreifen muss« so mtige sie, so weit täe 
fnr uns in Betracht kommt, folgen: Universis presentes litteras visaris le 
audituris N«»s Wilhelmas de Jnliaco ci>mes. Anna de ßauaria eins contbonlii 
le*ntiuia couiitissa, ac Nos Mar^rareta uiater domini comitis iam dicti comitissa 
de Monte et de Rauensber^. ac uos sculteti. magistri opidanomm, seibini 
t«ite«|ue uniuersitaces opidoniw c<»mitatas Mi»ntensis, videlicet de Ratingen« 
Uuseldorp, Wippervunie Lynphe. Royde et Mulnhe\'m; et nos sculteti 
schaluni, parrochiani et villani tote«)ue communitates vilhunun et parrochiaraio 
ilicti comitatus, videlicet in Cruytzl^erjrh, Breyterbmcgen, Mnluheym et Hojib- 
bur*;h in officio et terra An^rmont: item vUlanim et parrochiamm deMunheyiDt 
Hittorp. Ryudorf, Reusn>yde. Rychn>yde, Uemelg:eys, Büke et de Hamme in 
officio de Muuheym; item de Meidemen ; item de Solinc^n, Walde, Snm- 
buriie, Oniten, l>ussel, Scholar et Heilden in officio de Soliiicgen ; item villarui» 
et paiTt»chianim de Upladeii, Xn wenkirphen , Lntxelkirgfaen , Ley chlincgeD i 
Wi8tubl>e, Burscheit. W\tshelden, Slebusch, et Bur^re in officio de Meyseloe» 
item villarum et parrochiamm de DiH?n. Wermoltzkirchen , Lutmennyf 
chusen. Reymscheid et Dabrichusen in officio de Byniuelde; item tocius parrocb** 
de Hukeshouen: item villarum usw. Das ubri^ interessiert uns hier nicti^ 
weiter. 

7,8-, Lac Arch. 6, 116ff., 141 ff. 



a 



— LXXV - 

keimer Stiftseinkünfte zeigen. Auch andere kirchliche Urkunden 
erweisen, dass die Wnpper schon um 1300 Kirchspielgrenze zwischen 
Solingen im Norden, Witzhelden, Burscheid, Leichlingen im Süden 

war.*) 

§ 119. So erscheint uns also die Dialektgreuze als eine 
Anlehnung an die politische oder kirchliche Grenze, welche sich 
bier annnterbrochen bis an den Anfang des 13. Jahrh. verfolgen 
Iml Die politische oder kirchliche Einheit ist also die Vor- 
bedingung für die Dialekteinheit. Fragen wir uns nun, wie die 
politische oder kirchliche Einheit zustande kam. 

Auf ihrem Westlauf ringt die Wupper, wie schon die vielen 
Krümmungen andeuten, mit großen Terrainschwierigkeiten. Hohe 
Bergrücken, dicht bewaldet, begleiten ihren Lauf auf dem Südufer. 
Keine feste Brücke bezwang ihre reißenden Fluten bis ins Ende 
des verflossenen Jahrhunderts, wo der äußerste Westpunkt Ley- 
»iefen und einer der östlichen Punkte, Glüdcr, Brücken erhielten. 
Dies waren auch die einzigen Punkte, die in Betracht kommen 
konnten. Für den übrigen Teil des uns hier interessierenden 
Wupper-Westlaufes wird auch noch für lange Zeiten eine Uber- 
brnckung völlig zwecklos sein ; denn steil , uuerklimmbar türmen 
sich die Felsen auf, nur hier und da einem rieselnden Bächlein 
Platz machend. Diese engen Gießbachschluchten boten kaum 
Raum für einen schmalen, steilen Fußpfad, den einzigen Verkehrs- 
Vermittler. Zu ihren Ausläufen führen über die Wupper an ein- 
zelnen Stellen schwache Brückenstege oder in einer Entfernung 
von '/^ m aufgeschichtete abgenutzte Schleifsteine , die in Zeiten 
der Hochflut unpassierbar sind. Eine halbe Stunde mühsamen 
Hinanklimmens bringt uns an das erste Bauerngeliöft im Süden.*) 
Bis dahin ist alles dichter Wald. So liegen hier die Verhältnisse 
heute, in einer Zeit, die fast keine Hindernisse für den Verkehr 
mehr anerkennt. Da ist es ganz natürlich, dass hier die Wup])er 



1) BMEK 1, XIX, 311 ff. 

2) Eine völlig neue Gegend erschliellt sich dem von Norden die Wupper 
überschreitenden Wanderer: überall landwirtHchaftliche Kinzelgehöfte, während 
der Norden ein groücs geschiosseiios Indiiütriegobiet darstellt. Einen ganz 
anderen Menschenschlag gljiuben wir vorzufinden, hu Norden sehen wir nur 
geräuschvolles Drängen und Hasten, hier die friedliche Landwirtschaft, die mit 
ihrer langsamen Art einen scharfen Gegensatz zum Norden bildet. 



die Grundlage für [iiilitiiiclie und kirclili<-lic Grenzen bot nnd d»- 
durch aaeli Dialektachuide wurde; denn an nud lur sk-h braucbt 
das größte Hindernis kerne Dialektscheide zu »ein, und die vieleo 
Parallelen aus der Ebene belehren nn?, das« erst die politi^elie 
oder kircldicbc Einheit (ich glaube hei uuh sonderlich die letzter^) 
die Dialekteinheit »chuT. 

2) Der \Vup|)erlauf vun Sonnburu bii* Mu rg 
(35 + 47). 
§ 120. Dieser Teil des Wupperlaufes bildet heute die V.mm 
zwischen Bürgermeisterei Ormienberg (zum Kreise Mettuiitiiu ge- 
hörig) und Kreis Keinscheid cincrBeits, Stadtkreis Hiilingen aDdere^ 
seits. Im Anfang des 19. Jahrhunderts lagen die Verhältnisse 
wesentlich anders. Nachdem die französische Fremdherrscliaft ge- 
wichen war, wusste man ofTenbar nicht , welchem Kreise mau äif 
isolierte Bürgermeisterei Cronenberg zuteilen sollte. In Kohlfurt 
war jeduch inzwischen 1714 eine Brückenverbindnng mit Solingen 
geschaffen , und der Bau der Elberfeld - Hittorfer Landstraße 
1806 — 13 schuf eine gute Verkehrsstralie zwischen Cronenherg und 
Solingen. Vielleicht waren dies die Gründe, welche veranlassteo, 
dass Cronenherg zum Kreise Solingen geschlagen wurde.') 1S13 
bildete die Wnpper eine Cantongrenze zwischen Canton Holingen 
und Konsdorf, zu welchem die Communen Ronsdorf, Remscheid, 
Cronenherg gehörten.') Aber diese Landescinteilung spiegelte keine 
alten Verbältnisse wieder. Napoleon hatte aas rein praktischen, 
industriellen Rücksichten Cronenherg, Remscheid und Ronsdorf 
vereinigt. Noch im Jahre 1789 gehörte Cronenherg zum Amt 
Elberfeld,^) ein Verhältnis, welchem wir von hier an bis an den 
Anfang seiner Geschichte ununterbrochen zurückverfolgeu können. 
Remscheid steht in diesem Jahre unter dem Amt Bornefeld. Auch 
diese Zugehörigkeit geht bis zu seinem ersten Auftreten zurück. 
Ziehen wir heran, was schon in § 118 erwähnt wurde, dass 
auch Solingen bis in die ältesten Zeilen ein Amt bildete, so er- 
weist sieh uns der Sndlauf der Wuppcr von 1800 an aufwärts als 



1) Gesch. Atl. d. lilipr., Kartu voi> 1818. 

2) GescL. Atl. <1. Rbpr., Karte von 1818. 
8) Gesch. Atl. li. Khpr., Karte von 1780. 




— LXXVII — 

Amtsgrenze der Amter Bomefeld und Elberfeld *) östlich und So- 
fingen westlich. 

1) Wenn ich hier kurz von Zugehörigkeit Cronenbergs zum Amt Elber- 
fdd sprach, so bedarf dies doch einer näheren Erläuterung; denn das Ver- 
hältnis Cronenbergs zu Elberfeld war nicht zu allen Zeiten genau gleich, wenn 
aneh die Wuppergrenze bestehen blieb. Elberfeld hatte im Laufe der Jahr- 
hunderte manches Schicksal. Im Jahre 1698/99 gehörte Cronenberg zu Elber- 
feld (Zs. d. bcrg. GV 27, 176 ff.). Eine Notiz des Jahres 1637 führt Cronen- 
berg als filia des Amtes Elberfeld auf, zu dem hier auch Lennep gehört (Zs. d. 
berg. GV 20, 160). Ende des 15. Jahrli. war Cronenbergs größter Teil noch 
Barggut von Elberfeld und alle Bewohner zu Hand- und Spanndiensten ver- 
pflichtet (Holtmanns S. 20, Weistum von Elberfeld). 1427 war Elberfeld mit 
Cronenberg an Berg übergegangen. Vor 1427 war die Burg Elberfeld und 
mit ihr Cronenberg Privatbesitz des jeweiUgen Erzbischofs von Cöln. Sie 
itind Uim offenbar zur freien Verfügung. Das zeigt sich deutlich an der Art, 
wie er mit ihr umsprang. 1427 schien der Erzbischof schon alle Ansprüche 
rerloren zu haben oder zum wenigsten keine Mittel mehr zu besitzen, solche 
geltend zn machen; denn ein Adolf Quade und seine Gattin Metza van 
Ehrerfelde, Tochter des märkischen Ritters Johann Sobbe, verkauften 1427 
Sehloss nnd Herrlichkeit von Elberfeld an Herzog Adolf von Jülich und Berg 
(Zb. d. berg. GV 27, 157). Ende des 14. Jahrh. hatte noch ein Engelbert 
Sobbe die Burg als „cölnisches Lehen**. Zu Lehen geben oder verkaufen war 
jedoch in diesem Falle dasselbe; denn der Erzbischof saß bei den jeweiligen 
Lehns- oder Pfandherren der Burg Elberfeld so tief in Schulden, dass ein 
Wiedeieinlösen der einmal verpfändeten Burg allmählich doch zur Unmöglichkeit 
geworden war. 

Ober Cronenberg hatten die Grafen von Berg schon von 1176 an 
die Vogteischaft, sei es als Pfandherren von Elberfeld, sei es im Auftrage der 
ipiteren Lehnsherren der Burg (vgl. Holtmaims S. 18). Vor 1427 erfreute 
neb daher Elberfeld und mit ihm Cronenberg nie lange desselben Herrschers. 
Die Burg war ein Pfandobject, eine Geldquelle der jeweiligen Lehns- oder 
Ffandherren. Der eigentliche Besitzer, der Erzbischof von Cöln, konnte die 
Bug, nachdem er sie im Jahre 1176 einmal hatte verpfänden müssen, nur 
Doeh einmal für kurze Zeit als Besitztum betrachten. Neue Geldnot zwang 
Oui, die Herrlichkeit Elberfeld zu verpfänden, und, was bedeutsam ist, in 
erblichen Pfandbesitz zu geben. So sehen wir vor 1427 die verschiedensten 
Oesehlechter der Umgebung Elberfeld als Pfandbesitz innehabend. 1398 (Lac. 
ÜB. 3, 1052) gehörte es dem erwähnten märkischen Kitter Engelbert Sobbe, 
«n den es 1366 gekommen war (Lac. ÜB. 3, 699. 670; Zs. d. berg. GV27, 170). 
Aoeh Cronenberg gehörte zur Burg Elberfeld, stand aber, wie schon erwähnt, 
rtetB anter der Verwaltung der Grafen von Berg, die im Namen Sobbes Kecht 
sprachen und damit Cronenberg wirtschaftlich von Elberfeld losrissen. Die 
erste Ursache für die Abtrennung Elberfelds von Cöln war eine Geldnot des 
frzbischofs Philipp von Cöln, der Friedrich L auf dessen italienischem Feldzug 
peconiär unterstützen wollte. Er verpfändete zu diesem Zwecke die directen 



§ 121. AiichalskinrliMHieGrenKeistderWuiiiier-Siidlaufh*** '"' 
13. Jahrh. liinHiif nachzu weisen. Im 17, Jalirli. gehörte Ell>er'^'*' 
mit Crnneiibcrg zum Üocaiiat Düsseldorf,') während die ülmgc*» '" 
Frage komtnciidoii Gebiete dem Decanat Ueutz uiitcretellt waren- 
Der Nordleil des Wupiierlaufes ist hier sisu zunächst DecanatsgreoKe. 
Andererseils ist er sowohl wie der Südtetl Kirclis|delgrenKe*) üud , 

Gitter des crüblBcliiillicIiEai Sluliles, und su kitnj ElliuHeld und HilJcn (spüKr 
auch Scliwelm) 11T<< t'llr 4U(i Mark sie I'fandliesitx im den Grafen KageUwrt 
von Ben; [iMi^- ÜB. I, 4^), Bis 12<i4 sthf^iut der Ertbischof uocb eminaJ si 
(ield gekomuieu zu sein; denn die BurK ist iti diegetn .lahre eingpICBt (Holt 
maiinH S. 17, Sehünenshöfor 8. 73); doch (.'roiiQohorg verblieb anter der VB^ 
waltuHK der Crafen von Üerg. Bald war jetlueb dor Erzbtscbaf, irle vir 
schon aulieo, wieder ffezwun gen Elberfeld, Hilden und Sehwebn xu verpl^nikHi 
um OS nie wieder in Boineii Besitz xa bekomnicu. Wie verwürren auch inoMT 
die VerhÜltniBse liegen haben uilige», zwei Dinge gehen klar diiruns hervor: 
1) der Wupper-SIIdlauf war za ullon Zeiten Grenze, uubckütnoiort. was nünlM 
und östlich vun ibin eich abspielte; 2) lyr&a für ^ 1:*4 von Bedeulang lili 
von 12li4 an war Cruneutierg wirtachuflüch filr lange Zeit von Elberf'U ' 
getrennt. 

1) BMEK 2. 2m. 2l\); Gesch. AÜ. d. Hhpr., Karte von KilU. 

•2) Obwohl sich ilio gauite Gegend vor Itfdü dor KeformatioD lugewim* 
hatte, spielen die Kirchspiele noch dieselbe liuUe wie früher, du ihre (ireuun 
von den neuen prote3ta:ilischen Kirehengenieinschafteii übomonimeu wnrdtm. 
Ja diese Grenzen haben naturgeuäU eine nicht zu iinterschättende BedentunfT' 
Unleugbar sinil sie bedeutender als die ohne Verstflndnis fUr die Zasudoni- 
gehflrigkeit und die orograplusche Beschaffeubeit der Gegend von t'jlln w 
gezogenen Docaiiala grenzen. Das Kirchspiel {ki'eJipil heule noch 'StäduliBii 
oder Uurf mit zugehörigen Urla chatten') bildete eine geschlossene Uemeiiiscludtr 
eine groOe Taniilic, die auf das Centrum, den Klrcbort, ungewieseii war, idW 
heute noch in vielen (legenden angewiesen ist. Dazu kommt, dass bis tat 
Mitte des H>. Jahrhunderts in unserer Gegend die katiiolischc Confessifin die «ruif* 
war; und dass nie über den einselnen Gläubigen eine nicht geringe Uaclit bt- 
sitzt und sieh ulle Mühe gibt, die Kirchspielleutc fest zusuuimenzidi alten, kann 
jedenfalls für UTisorer Gegend nicht zu ontfonit gelegene Gebiete lücüt ge- 
leugnet werden. Für das 14., 15.. 16. Jahrhundert kaini wohl kaum eineengtf 
geschlossene Gemeinschaft gedacht werden. Dieses war diesen Jahrhundert^ 
auch ganz sclbstverstündlich; denn sie sahen allmählich in den Kirchspielo** 
gleichzeitig politische Verbände. Aus ibuen erwuclisen die weltlidien Amt^ 
(Koroicke), und noch bis in späte Jahrhnnderte ist in den Urkutnlen das Aat*- 
stets gleich einer Summe von Kirchspielen. Für Varreabeck ^westlich vuH 
Elberfeld) hatte die ZugehJirigkeit zur Kirche Sonnbom eine derartig^ 
Wirkung auf die Sprache, dass es bis heute, obwohl lest mit Elberfeld ver- 
bunden und XU ihm gehörig, dem Vordringen der ejt-, nicA'-Fomion energtscheti 
Widerstand entgegensetzt, obgleich die ganze Umgebung von diesen sfficiert ist. 






— LXXIX - 

iwar zwischen Sonnl>orn, Gräfrath, Wald, Solingen einerseits, Cronen- 

ker;') und RemBcheid^) andererseits. 

Von 1800 aufwärts ist also der Südlauf der Wupper politisch 
wwohl wie kirchlich Scheidelinie gewesen. Im 19. Jahrh. war 
Crooeoberg nar für kurze Zeit Solingen zugeteilt, sonst war auch 
in diesem Jahrhundert die Wupper stets Grenze. 

§ 122. Suchen wir auch hier wieder diese politische Grenz- 
oehaDg zu ergründen, so liegen hier fast dieselben Ursachen wie in 
§ 119 vor. Auch dieser Teil des Wupperlaufes bildete eine natür- 
Kcbe Grenze. Erst im Jahre 1714 wurde er zum ersten Male über- 
bröckt*) und zwar in Kohlfurt. Auf beiden Seiten wandern un- 
aosgetzt Bergketten mit, die von Müngstcn bis Burg fast senkrecht 
ufragen, zudem überall dicht bewaldet sind. So findet sich auf 
der rechten Wupperhälfte von Sonnborn bis Kohlfurt das Burgholz.^) 
Oberall gebraucht man ^l^—^U Stunde von der Wupper aus, um 
(Us erste Gehöft zu erreichen. Es ist daher kein Wunder, dass 
auch hier der Wupperlauf die natürliche Grundlage zu politischen 
wie kirchlichen Grenzen für fast alle Jahrhunderte bot.*) 

3) Die Eschbachlinie 

(16+18). 

§ 123. Kein politische Grenze war diese Linie bis ins 19. Jahr- 
hundert nie. Remscheid wie Wermelskirchen gehörten von 1800 
an aufwärts ununterbrochen zum Amt Bornefeld.'^) Erst das 19. Jahr- 
hondert schuf hier eine politische Grenze. In § 120 wurde schon er- 

1) Beide schon 1308 im Ver7.eichnis der Gerrcsheiuier Stiftsoinküiiftc als 
pwochia aufgeführt (Lac. Areh. H, 141), ebenso um 1300 in BMEK l,811f, 
^gl auch Lac Arch. 6, 115, wo Einwohner von Remscheid und Cronenberg 
^ wachszinspflichtig zum Stift Gerresheim aufgeführt worden (1208—16). Für 
*M 17., 18. Jahrh. s. Gesch. Atlas d. Rhpr., Karten von 1610 und 1789, und 

, BM£K 2, 219; fürs 19. Jahrh. s. BMKK Bd. 2, Karte im Anhang. 

2) Holtmanns S. 17. 

3) So benannt nach seiner früheren Zugehörigkeit zur „Burg"* Elberfeld; 
▼«L § 10, 7. 

4) Vorher finden sich keine Urkunden darüber, immerhin ist die Wahr- 
idieinlichkeit groU, dass hier auch vorher politische Grenzen bestanden. 

5) Dies bezeugen aniier dem Gesch. Atl. d. Rhpr., Karte von 1789, Ur- 
hnden von lfi37 (BMEK 2, 142, Zs. d. borg. GV 20, 152), von 1397 (Lac. 
iicfa. 1, 239), von 1363 (Lac, Arch. 1, 147, Schönneshöfer S. 135), von 
ia06— 16 und 1208 (Lac. Arch. VI, 115 ff., 141 ff.). 



r 



wähnt, dnsH Cronenberg, Ronsdiirf, Remscheid unter der französiseheD' 
Fremdherrschaft den Crniton Ronsdorr bildeten. Heute bildet Reni- 
Bcheid einen Kreis für sich, nachdem es erst nach 1850 von Leanep 
losgetrennt worden ist. 

Kircbspielgrenze und damit in gewissem oben erläuterten Sinn 
nueh [lolitische Grenze war jedoch der Eschbncli in allen Jahr- 
hunderten zwinchcii den Kirchspielen Remscheid und Wermela- 
kirchen,') und dies scheint mir für den Dialekt wichtiger zu sein 
als jede andere Greuzart. 

Auch hier ist der Grund für diese Ge)){et»e)nteilung wiederum 
in der nrographischen ReechalTenheit der Gegend 7,u ouclien. Der 
Eschhnch durchfiteßt eine der rnmantischesten Talschluchten Nieder- 
herge und ist beiderseits von hohen, steilen, dicht bewaldeten Iterg- 
rUcken hegleitet, über welche erst seit dem letzten Jahrliuiidert 
eine Fahrstraße führt. Weit ab von der Talsohle liegen die ersten 
Gehölze : Seeischeid und Pohlhausen. 

4) Die Ürdinger Linie 
(3 + 4 + 5 + 6). 

§ 124. Die Urkunden, welche diese Gebiete betreffen, luRsen 
uns nicht selten im Stich oder sie sind hinsichtlich der Geliieta- 
begrenznng sehr ungenau. Dies mag der Grund sein, weshnllisicb 
hier wenig Sicheres feststellen lässt. 

Auf das Verhältnis von Cronenberg zu Elherfeld wurde scbo» 
S. LXXVII in einer längeren Fuilnote genauer eingegangen. Wit i 
sahen, dass es im 19. Jahrhundert von Elherfeld losgerissen war und 
einmal zum Canton Ronsdorf, dann zum Kreis Solingen und enitlicb 
zum Kreis MettniRnu gehiirte; aber von 1800 an aufwärts Btand 
Cronenberg in einem, wenn auch uicht immer gleichartigen, Ab- 
hängigkeitsverhältnis zu Elherfeld.') Oben wurde schon hem)^ 
gehoben, dass Cronenberg von 1264 an wirtschaftlich rW 
Elherfeld losgerissen und unter der Verwaltung Bergs geblieliett 
war. Ob diese wirtschaftliche Trennung durch die Vereinigan^ 

1) Fol' dikfi 17., 18. Jalirli. erwiesen durdi BMKK 2, 219 ff.; för ilH 
19. Juhrh. Karte im Anhang xu ßUEK Bil. 2; fllr 1610 GescIi. Atl. d. Wipr« 
Karte von 1<;10; Hlr 130U BMEK 1, 311. Ferner treten, da die Ämter gleldi 
der Summe von Kirehapiclen waren, ilie Urkunden o. S. LXX1X,5 tiinzii. 

2) Zb. i. berg. GV ^i, 160 (Jabr 1555). HolbuuDDs S. ITff.; Zs. d. ber|[. 
GV 27, 17fi (1(598); Lac. TB 1, 455 (I17Ü). 



^ 



— LXXXI — 

lieidery Elberfelds wie GroDenbergS; unter Berg im Jahre 1427 aaf- 
gebobeü wurde, lässt sich nicht feststellen. Als Kirchspielgrenze 
ist die heutige Ürdinger Linie (nicht die Grenze der heute bürger- 
lichen Gemeinde, die sich im vorletzten Jahrhundert sehr künstlich 
▼erschoben hat) schon 1308 — 16 in dem Verzeichnis der Äbtissin 
Guda gesichert, und sie erhielt sich in dieser Ausdehnung bis auf 
den heutigen Tag. 

§ 125. Wenig Sicheres lässt sich für den übrigen Teil der 
Ürdinger Linie als politische, teils auch als kirchliche Grenze fest- 
stellen. Hier waren keine Terrainschwierigkeiten vorhanden, keine 
Talfurchen schrieben politischen, kirchlichen, sprachlichen Grenzen 
ihren Verlauf vor. Ich gehe hier zunächst auf den östlich von 
Remscheid gelegenen Teil der Ürdinger Linie ein. In neuerer Zeit 
fallt er ja ungefähr mit der Ostgrenze Remscheids zusammen. 
Diese ist aber, wie schon erwähnt, noch sehr jung. Vordem ge- 
hörte der ganze Osten Remscheids zu Lennep und Remscheid selbst 
zum Kreise Lennep. 1813 finden wir die ganze Ürdinger Linie 
als Cantongrenze vor. Aber von hier an aufwärts ist ein ständiges 
Seh wanken der Gebiete um die Ürdinger Linie in den Urkunden 
za bemerken. 1789^) ist unser sprachlich einheitliches Gebiet 
ganzlich auseinandergerissen. Gronenberg gehörte zu Elberfeld, 
Ronsdorf zum Amt Barmen-Beienburg, Remscheid zum Amt Bome- 
feld. Wie schon erwähnt, ist letzteres Verhältnis so alt wie die 
Geschichte Remscheids. Schon 1230 — 70 war Lennep zur Stadt 
eihoben worden*) und wird von nun an in den Urkunden neben 
einem Landbezirk Lennep, der zum Amt Bornefeld gehört, eigens 
aufgeführt.^ Es hatte demgemäß eine eigene Verwaltung, und die 
Möglichkeit eines Abschlusses gegen die Umgebung war gegeben. 
Wie groß das Gebiet Lenneps um diese Zeit gewesen ist, lässt 
sich allerdings aus der Urkunde nicht bestimmen. Jedenfalls aber 
entstand so eine Grenze zwischen Lennep und Remscheid. Welche 
Folgen dies haben konnte für die Bildung einer Sprachgrenze im 
Westen, muss allerdings dahingestellt bleiben. Im 14. Jahrhundert 
wurde für kurze Zeit das Herzogtum Berg geteilt.*) Am 24. Okt. 



1) Gesch. Atl. d. Rhpr., Karte von 1789. 

2) Scbönneshöfer 102. 132 setzt den Zeitpunkt karz nach 1280 an. 

3) 1863 (Lac. Arch. 4, 147), 1555 (Zs. d. ber^. GV 20, 152). 

4) Lac Arch. 1, 239. 

DevtKsbe Dtalektgeographle II 6 



LXXXII - 



1397 « i MBA tritt Btm^ Wilbelm tod Berg seinen Söhnen Gef^j 
hard, Adatf lad WilbetH ia ämem Vertrage HöckeHWagen, Wipper 
fnrth, Laaatf aad B ora efeM ab. Hierdarefa kam Remscheid (zoid 
Ant BoraefcU eah örig) n der Oathälfte Ber^. Mitten durch diese 
Ovtbälfte Bef dnnaarti die Ürdinger Linie. Politische Grenzeu 
laimiiii sicfa eonf^ nac^ Gesagtem kaaoi mit Sicherheit ziehen. 

Kirchlich «cheiot ästlkh tob Beni^cheid jedoch für alle Zeitea 
eine Greute Torfaaadeo gewesen m sein, die sich mit dem Verlauf 
der Crdinger Linie decken dorfte, WemgstenB g^ebt die Kircbspiel- 
grenze Remscheids 1610 bis xnr heutigen Ürdinger Linie, und 
diese VerUhntSM sind, wie schon häufiger erwähnt, im 17, nnil 
18. Jafarhnadert gewahrt, and da die Kirchspielgreuze überall sunal 
VerUDtnieee alter Zeit wieder^piegelteo. so können wir dies fir 
Remscheid wohl anch annehmen. BMER gibt für Remscheid ab 
Pfarrei keine geoanere Umgrenzung; doch e|>richt das üorresbeimcr 
Verzeichnis (1308 — 16) sehr für uhige Annahme.') Ilierzu knmnit, 
das» die Urkunden über bergische Ämter ") stets Remscheid eigeni 
aufführen. 

§ 125. Für den übrigen Teil der Ürdinger Linie fehlt nu* 
jeglicher .Xnhallspnukt. Nor im 19. Jahrb. fällt sie mit politischen 
tlrcnzen zusammen.*! 1789') gehörte Ronsdorf zum Amt Barmen. 
Beyenbnr^. Über seine politische Zngebürigkeit in früheren 
Jahrhnndcrteu knnnte ich nichts in Erfahrung bringen. Die 
Stadt Konsdorf ist ja auch erst eine sjiäte Ellerianer tiründniig 
von Elhvrfeld aus. Kirchlich gehörte die heutige Bürge rmeislerei 
lß5ß*) zu Lüttringhausen. Dies scheint auch in früheren !£eiteii 
SU gewesen zu sein; denn der Name Konsdorf schwindet Ton 
1665 völlig aus den Urkunden. So spärlich diese Berichte nach 
sind, so scheinen sie doch zu genügen, um eine kirchliche Grenu 
zwischen Ronsdorf und Lüttringhausen zu verneinen. 

1* Hier werden Ortsobuften in der l'arocbia ßetitschei«! aufgefiltirt, Ö 
ili(ilit an der Ürdiugor Linie lieiren. E» lut ilie älteste Urkunde sicbertf 
Itatioruiig, nus welcher eiuigo Scbliissc uuf Itemsdioids Ausdelioang geiog*° 
werden kOuuon. 

i) Diese setzten aic> rcbspielen zunuiuiuod; so in den erwJUiaUft 

Urkuudeu v«m Ifi37. ]5: 

S) Sie wurilcn si 

4) (tML'h. .\il. a. 



1 Zs .1. i 



■. ( 



Wichtigste Literatur. 



Aoz.: Anzeiger ftir deutsches Altertum (zur Zeitschrift für deutsches Altertum). 

Behr.: Beiträge zu Geschichte der deutschen Sprache und Literatur. 

BMEK: Binterim und Mooren, Die Erzdiöcese Köln bis zur französischen Staats- 

Umwälzung, neu bearb. v. A. Mooren, Düsseldorf 1802. 
Diederichs, Unsere Selbst- und Schmelzlaute (auch die englischen) in neuem 

Lichte, Straßburg 1886. 
Elberfelder Idiotikon (bisher drei ProbeabzUge). 
Geschichtlicher Adas der Rheinprovinz (in den Publicationen der Gesellschaft 

für rheinische Geschichtskunde). 
Hasenclever, Der Dialekt der Gemeinde Wermelskirchen, Diss. Marburg 1004. 
Holthaos, Die Ronsdorfer Mundart (in der Zeitschrift für deutsche Philologie 

19,339 und 421). 
Holthausen, Die Remscheidor Mundart (Beitr. 10,403 und 546). 
floltmanns, Herold, Cassel, Chronik der Bürgermeisterei Cronenberg, Remscheid 

1877. 
Kirchenacten von Cronenberg (im Archiv der reformierten Kirche zu ('ronenberg). 
Kömicke, Entstehung und Entwickelung der bergischen Amtsverfassung bis 

zur Mitte des 14. Jahrhunderts, Diss. Bonn 1892. 
Kremer, Akademische Beiträge zur (teschicbte von Jülich und Berg, Matmheim 

1770—81. 3 Teile. 
J^ac Arch.: Lacomblet, Archiv ftir die Geschichte des Niederrheins, 7 Bde., 

Düsseldorf und Köln 1832—70. 
Lac. ÜB: Lacomblet, Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins, 4 Bde., 

Düsseldorf 1840—58. 
Leithaeuser, Bergische Ortsnamen, Elberfeld 1901. 
f^ithaeuser, Gallicismen, Progr. Barmen 1891. 1894. 
Leithaeuser, Tiernamen im Volksmunde, Elberfeld 1906. 
Lötgens, Wörterbuch des Stadtkreises Solingen (handschriftlich z. Z. in der 

Bibliothek des bergischen Geschichtsvereins zu Elberfeld). 
tfaurmann, Grammatik der Mundart von Mülheim a. d. Ruhr (in Bremers Samm- 
lung kurzer (Grammatiken deutscher Mundarten Bd. 4), Leipzig 1898. 
(onatsschrift des bergischen Goschichtsvereins. 
(üller, Untersuchungen zur Lautlehre der Mundart von Aegidienberg, Diss. 

Bonn 1900. 
[ünch, Grammatik der ripuarisch-fränkischen Mundart, Bonn 1904. 
örrenberg, Ein niederrheinisches Accentgesetz (Beitr. 9,402). 



1397 iiiiiiilii! 
bard, Ail.ill 
fUrth, \A-m: . 
Amt lt4irii- ''■ 
Ontluiin. 

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MMurhU Vereins zlm. 
. 'uiiit£0ograplijc(ii« 



-■11—13, Paris 1905. 
Mipsi-hei] I.iiudos, KI ■ 
BesitK (loa \lc»m 
rMMiddrf 1H77. 

■rM Reichs [SA] (hiiiidsc t • ' 
Munilart, NurücD i> ' 
..ä^S« Ani. IM— 28). 

.*. Itfkfathuntt) (in [|ur Zeiu«' 

^j,^ «- hfrgtachL'n GesehicIiUvarc*' 



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); oa (Ion; 



f on tfre. 



; um Ent- 
ilassen von 

1, sonst s. 



'c es .^wöVy 

dn am9{T)t 

ist schwer, 

r fürs erste 



rze). 
bieten' (in 



ler). 

inssprache : 

loch dnreh- 

pfende des 
hie II 



anderen Balkens, an dem sich der 
Zapfen befindet, eingeschoben und 
in derselben Linie durchbohrt. 

afhrekdn 'abbrechen'. 

afhr^n9n 'abbrennen*. 

afhr^Td^n omds fan g^t 'jemand von 
etwas abbringen'. 

afhrqkan 'gezwungen, ungern hergeben'. 

ajby'e.rdn 'abheben'. 

afhy'e.^9n 'abbürsten'. 

afdavdkdii 'abdanken'. 

afd^kdn 'abdecken, schinden'. 

afdan 'abpflücken' (Früchte). 

afdredn 'abdrehen' (Gewinde). 

afdresdln 'abdrechseln'. 

afdrüxsdü'e.k 'Tuch zum Abtrocknen 
der Schüsseln'. 

afdrügdu 'abtrocknen'; ennds afdrug^n 
'jemand ordentlich durchprügeln'. 

afdköt 'Advocat'. 

afyrad^r^^fak 'Abänderung'. 

aff^id'dini 'abändern'. 

afdiüdx 'missgttnstig'. 

afyrwdn 'abfärben'. 

afeton 'abessen'. 

aßj^braidkt zin 'keine höheren Gesichts- 
punkte haben', sonderlich 'irreligiös 
sein', 'kein Geld mehr haben'. 

afg^ihn 'abkaufen'. 

ajg^filegdn 'abgelegen'. 

afgamakt 'abgemacht'. 

afgdzen 'abgesehen'. 

afg^t^makt 'von niedriger Gesinnung 
zeugend'. 

afgewdn 'abgeben'. 

afg.nven<m 'abgewöhnen'. 

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- 2 - 



afg9U)4n9n 'abgewinnen'. 

afgJstidn 'abglitschen'. 

afgqn n. 'Confirmation'. 

afgqn 'confirmiert werden'. 

afgo'Mhü'td 'Confirmationshat'. 

afgqnskll'ejt 'Confirmationskleid'. 

afg»f9st9i 'missgOnstig, neidisch'. 

afgqnstyi 'Confirmationsanzag'. 

afgrdp§9n 'hastig entreißen'. 

afgü'tJt 'Abguss' (neu neben fX't.w^Tzak\ 

afhalan 'abhacken'. 

afhqu9n 'abbauen'. 

(ifhqy9r 'unten flacher Aafisetzhammer' 
(mittels dessen über einer Kante 
Eisenstangen abgehaaen werden). 

a/hqiU9n 'abhalten' (die kleinen Kinder). 

afk^kan 'abharken'. 

afhöUn 'abholen'. 

afhub9ln 'abhobeln'. 

afhü'e.lt9n 'abholzen'. 

a/kciUn rofl. 'sich verabreden'. 

afkamdzöhn 'durchprügeln'. 

afkant89ln ^fürchterlich ausschimpfen'. 

afkätdn refl. 'untereinander abmachen'. 

afklk9n 'absehen'. 

a/kli\y9n 'abstehlen'. 

cL/'kl^m9n 'abklemmen'. 

afknip9n 'abkneifen'. 

afkrat89n *abkratzGn', 'weggehen'. 

afläd9n 'abladen'. 

aflaJ99n 'hergeben'. 

afleg9r * Ableger' (Pflanzentrieb zur Neu- 
zucht). 

afl^kdn 'ablecken', 'küssen' (in roher 
Sprache). 

aßez9n ^ablesen'. 

aßVe.g9n 'entfernt liegen'. 

aßöt9n 'confirmieren'(<Z^ poi^M'c.r Ift af). 

qflwe.t 'Abfluss'. 

afluks9ji 'schlau einem andern abge- 
winnen'. 

aflurdn 'ablauern\ 

afmäk9n 'abmachen' ; d9n hat afviäk9n 
'rasieren'. 

afm^ildii 'abmelden'. 






afmohn 'abmalen*. 

<rfniim9n 'abnehmen', 'st&ndig kanfto*. 

afnitman löi9n refl. 'sich photognpbieni 

Imssen*. 
a/nBm9T 'ständiger Kunde'. 
äfo^tdn 'anfeuchten'. 
a/pa$9n 'abwarten'. 
a/p^ii9n 'abmieten'. 
afpil^n 'abschälen' (junge Kartolfelnji 
a/pi'ejt9m 'abstehleo*. 
afplBk9n 'abpflücken'. 
afp9l9n 'abpfählen'. 
afradi'e.r9n 'abradieren'. 
afraOam refl. 'sich abquälen'. 
afr^inan 'abrechnen'. 
afrit9n 'abfiressen'. 
afrl'tJsan 'abfrieren'. 
afrit9n 'abreißen'; 0m9g Veman ^jn. 

ausschimpfen, schlagen'. 
afntkal^ndar 'Abreißkalender'. 
a/riw9n 'abreiben'. 
a/röd^n 'abraten'. 
äfrögm 'anfragen'. 
afrög9n 'abhören'. 
afrym9n 'abräumen'. 
a/'sat 'Absatz' (am Schub). 
aßäwdn 'abschaben'. 
a/s^H 'absägen'. 
afiekin 'abschicken'. 
afs^tdn 'absetzen' 1. 'etwas vom Ofti'« 

2. 'jemand des Amtes eatsetioi'. 
a/8i'ejp9n 'abseifen'. 
aßl'e,i9n 'absehen, abkucken'. 
aßläg9n 'abschlagen, henmtergehea !■ 
qßlipdn 'abschleifen'. [Pli>i^' 

afömU9n 'abwerfen'. 
aßruikdn 'abglitschen, absGhniqnpeB,ds 

Hand plötslich entgleiten'. 
afönld9n 'abschneiden'. 
aßBCbn 'abschütten, mbachfttteln') i 

^9l aß0d9n 1. 'das Wasser n 

den gekochten Kartoffeln gMi 

2. 'sein Wasser lassen*. 
q/sen^x Q^Ugon 'an der Nordaeifce g 

legen'. 



- 8 — 



aflfpan 'abecb^^pfoD, abschäumen'. 
aftp^^nst^i 'abwendig'; qßp^n8t9x mä- 
k9n 'abwendig machen' (ein Mädchen). 
aftplU^n 'abspielen' (auch von der Zeit 

gebrancht: tit aßpl%i9n). 
aßrabdn 'abschrabben, abkratzen'. 
a/itel9n 'abstehlen*. 
qfti^»d»Z 'abgestanden, unbrauchbar'. 
aßty-tjw^n 'abstäuben'. 
afttyp9n 'lieblos von sich stoßen'. 
aßj-et^z 'abschüssig, steil'. 
aßyf9(n 'abschaufeln'. 
oftyman 'abschäumen'. 
afsupdn 'abtrinken'. 
olürdn 'abscheuem'. 
oßwcdn 'weggehen, reisen'; §uf mqr 
af^ dan es 9n gü'9.t ro'jf, op zit 
'^h nur, da wird es mal endlich ruhig'. 
(^hc^r9n 'abschwören'. 
aftap9n 'abzapfen*. 

fiftr^lan 'abziehen, weggehen'; d9r 

weak/ü'e^l tyt af*der Winddrachen 

bat die Kordel durchgerissen und 

fliegt weg'. 

oftfikdn löt9n refl. 'sich photographieren 

la&sen'. 
^irütc9n 'abtnmipfen, zurechtweisen'. 
(^tjn9n 'abzäunen'. 

<^y'e.r9n 'abf&hren, Durchfall haben'. 
(ifiä9H 'abfaulen', 
^/toidn 'abgewöhnen'. 
^wädüreJc 'Abwischtuch'. 
afwig9l9t9k 'Abwechselung'. 
^fiois9ln 'abwechseln'. 
(fieehn 'abwischen'. 
afio^dn 'abwaschen'. 
ägank m. 'Widerwille'; 9t het mar an 

äga»k 'das wird mir sauer'. 
äphqt 'Angebot'. 
tg^inda 'Agende'. 
4j09ei-9.n 'angesehen'. 
ägiw9n 'angeben, anzeigen'; 
äff9U)^nd9 'Angewohnheit'. 
ag9wSn»n 'angewöhnen'. 
äglqtg^n 'anstieren'. 



ägqn 'angehen'; e/ löt m9r 9n dqUn 
{dornen) ägqn 'ich tue, als ob ich 
nichts merkte'; dargim ägqn 'sich 
widersetzen'; dat löt ex ägqn 'das 
lass ich mir gern gefallen'. 

ägonks 'grünes Riechkraut'. 

äkal9n 'ansprechen'. 

akadi'e.r9n (frz. accord^) 'sich mit 
jemand über einen Preis einigen, 
etwas vom Preise herunterhandeln'. 

äkdldroy, 'unterirdischer Wassergang' 
(vgl. schwedisch dri/t, lat aqtta^ 
ductus; Hasenclever S. 75) 

äklk9n 'ansehen'; ?i^ kikt dt an, wi d» 
kü'9, dn ney. dQrdn. 

äkhpdn 'anklopfen'. 

äknqrdn 'anknurren'. 

ak^t 'Accord'. 

akrd:t 'accurat, in peinlicher Ordnung, 
ordnungsliebend '. 

äküe.man 'ankommen'. 

a'L 'alles, ganz'. 

älax^n 'anlachen'. 

aldrm (frz. alanne) 'Lärm, Auflauf. 

alb9rm^i9r 'alberner Mensch'. 

alhdm 'albern'. 

albdmhve,t 'Albernheit'. 

album m. 'Album'. 

aldag8-boks9f -Jupa u. s. w. 'Werktags- 
Hose, Joppe' u. s. w. 

ahbttSy 'beits 'allebeide'. 

ähx 'arg' (sehr alt, vgl. Monatsschrift 
des bergischen Geschichtsverelns 1896 
S. 182, auch 101. 132. 160. 245). 

dlM9n 'anleiten'. 

ahkie.ix) 'jedesmal'. 

o/ama/aÄ^^w 'jedermann '(außer Gebrauch). 

alajruUi (frz. allez marcher) 'vorwärts'; 
ahmdä ent b^t 'schnell ins Bett'. 

aU'ta. 'allein'. 

ahrb^st 'allerbest'. 

aldrgretstd 'allergrößte'. 

ahrharak 'allerhand'. 

dldrhy-e.xstd 'allerhöchste'. 

aldri'€.s{t) 'allererst'. 

1* 



— 4 — 



al9rlfi'i. 'allerlei'. 

al9rmt'eM9n *allermei8ten\ 

{d»rtt'e,l9n (kath. Feiertag). 

bl9r§0nst9, äbm^t8t9 'aller8chön8te\ 

al^rt (frz. alerte) 'munter, freudig'. 

al9rw^lts9 m (jo'f9. etc.) 'Allerwelts- 
kerl'. 

al9rw^n9x8t9n 'allerwenigsten'. 

dl98 mle.rf (im Merbelspiel; der Spie- 
lende darf auf diesen Ausruf hin alle 
Hindernisse aus dem Wege räumen, 
wenn nicht einer vorher gesagt hat 
d'98 dl'e.r nit). 

ati'e.n8 'gleichgültig' (nur prädicativ). 

älVe.r^n 'anlernen'. 

al6, alo'rj. (frz. allmis) s. aldvnM. 

älöiz 'Anlage*. 

alpdka 'Alpaka'. 

alt 'schon'. 

alt9md'n. 'zusammen', 'jeder einzelne 
einer größeren Anzahl'. 

aU9mdbn 'allzusammen'. 

altdzdrn^n 'allzusammen'. 

alt8dlew9n 'immer' (von der Vergangen- 
heit). 

älü'e.p 'Anlauf. 

am 'an dem'. 

(imäk9n 'anmachen*; fyr ämäksn 
'Feuer anzünden'; di frqwu, es am 
dmäk9n 'die Frau steht im ersten 
Stadium der Schwangerschaft*. 

ambrd'J f. (frz. emharras) 'Getöse, Lärm, 
großer Umstand, Unbequemlichkeit'. 

am9{l)t n. 'Amboss'. 

am9{r}th(^n 'Ambosshom* (einseitig in eine 
Spitze auslaufender Amboss). 

am9(t)tMgk 'Ambossunterlago'. 

äm^rk^n 'anmerken'. 

ämetdn 'anmessen'. 

dmi (frz. ami); du bes 9n f\z»ii dmi 
'du bist ein widerlicher Mensch'. 

ämy'e.d9x 'anmutig'. 

aviysde.rdn rfl. (frz. s'aimiser) 'sich Ver- 
gnügen machen*. 

dn, äxn 'an'. 



an. 'Anoa'. 

ana 'Anna'. 

ä(n)blek9n 'anbellen'. 

ä{n)bQwni (veraltet) 'anbrennen'. 

ä(n)b^r9n 'anbohren'. 

ä(n)bou 'Anbau'. 

ä(n)baii9n 'anbauen'. 

ä(n)br€k9n 'anbrechen' (ein Greldstiiek 
wechseln lassen). 

ä{n)br^n9n 'anbrennen'. 

ä(n)bröd9n 'anbraten*. 

ä(n)br0l9n 'anbrüllen'. 

ä{n)dp9k9n 'Andenken'. 

andtwi9n 'Endivien-Salat'. 

ändon, -dü'e.n 'anziehen' (Kleider), 'an- 
tun' (ein Leid); §t hH 9t9mäg9d^ 
'sie hat es ihm angetan'. 

ändrax 'Antrag'. 

ändrqy9n 'androhen'. 

ändT€9n 'andrehen'. 

ändreg9r 'Verläumder, Denunciant'. 

ändrüg9n 'antrocknen*. 

äne97i 'annähen'. 

ä7i9n 'an* ; h^ hßt nücs am qf änm 'er 

ist recht dürftig gekleidet'; do et 

g^t äfiJ9n 'da ist was Wahres drao'; 

än9n ein 'angekleidet sein, fertig 

sein mit ankleiden'. 
änekdln 'anekeln'. 
änil^n, änäl9n 'annageln'. 
änem^n 'annehmen*. 
ä799r 'ander'. 
än^bve,d9n 'Anerbieten'. 

ar99rhalf 'anderthalb'. 

aradirtnans {ket99r) 'anderer Leute (Kin- 
der)'. 

ai99S 'anderes'. 

ä{7i)g<^n s. äg<^n, 

änkafd^n emss g^t ' jem. etw. anhingen', 
'jem. in üblen Ruf bringen'. 

änhq%d9n 'anhalten, festhalten', 'Instän- 
dig bitten'; h^ häyli an wi 9n 
krBp9l am w€:x. 

'anhänglich*. 



— 5 — 



Ms9n (mnd. hissen) 'anhetzen* (die 
Honde). 

adtn 'aneinander'. 

M'e.nha»9n 'aneinanderhängen'. 

ai^'e.nhqtd9n *voUhalten'; dai kam^r 
nä — *8o kann man nicht stets 
weiter leben, das kostet zn viel'. 
wd'eJfi)kUw9n *aneinanderkleben'. 
a^eJin)p^k9n 'aneinanderkleben' (in- 

transit). 
ni-t{n)^l^ ^aneinanderachlagen'. 
eä'ej(n)Hü e^n 'aneinanderstoßen'. 
ni'e.7iwä89n 'aneinanderwachsen*. 
Ais 'Anisette'. 
Hn)reit9 'Anrichte'. 
nM 'Angst'. 
(M (im Spiel) 'die Stelle, von welcher 

va geworfen wird'. 
m= an 9t, 
^%)tap»ii 'anzapfen'. 
^i^iaä m. 'geringe Mühe, kleine Arbeit* ; 

9l e$ rnn 9n äntast td don , dan es 

9tfid9x. 

^n)taitdn 'antasten'. 

^n)tip9n 'anrühren'. 

*toj 'Anzug*. 

ttfrl: 'Entree'. 

^'tfid9n 'antreten'. 

^«jfnpfon refl. 'sich anziehen'; Z9x 

ani ä(n)tr§k9n 'sich umziehen'. 
*{«XrpÄ»r 'Schuhanzieher'. 
^^iz 'Anzeige'. 
^iä$eig9r 'Anzeiger\ 

^pafon 'anfassen', 'angreifen, überfallen'. 
^(U9n 'anpassen' (den Anzug). 
q^ (frz. ä part) 'apart, außergewöhnlich*. 
^ f. 'Affe', 'einfaltiges Mädchen'. 
^»x 'äffisch'. 

ap9kal^nd9r (Schimpfwort). 
^jpfd 'Apfel'; wpi dsr ap9l ripd es, dan 
/(fli h» fam bo'^.m 'das Leben hat 
sdn Ende'; A^ mot 9n dsn zür9n 
apsl bÜ9n; dsr ap9l fy'Lt nit wit 
/am bottjm. 
^lkü'eJc9n 'Apfelkuchen'. 



ap9!mü'e.s Apfelmus'. 

apslzi'f». 'Apfelsine'. 

ap9Uätd 'Apfeltorte, Ohrfeige'. 

np^ltsqpd 'Apfelmus'; dat ein ex BW9r 
dgx zo IVe.t wi apdltsqpd 'dessen* 
bin ich nun aber überdrüssig'. 

äp9nt9x 8. äpdx- 

apldts 'anstatt*. 

aprü 'April'; aprel! dö kan m9r i'e.n9n 
Sek9n wo m9r wel; ddr aprel es nit 
t9 gü'e.t, h^ gßt j^d^m tünStäk9n 9n 
tvitdn hü'e.t 'der April ist launig 
genug, um noch Schnee zu bringen'. 

aprtljvks 'Aprilscherz'. 

aprelsg^k 'Aprilnarr'. 

ä{n)prez9nifl'e,r9n (frz. pr^enter) 'an- 
bieten*. 

aps9lut (frz. absolu) 'entschieden, durch- 
aus'. 

apäSyhx 'abscheulich'. 

apitohk 'Salbenart'. 

apt{t 'Appetit'. 

apHthx 'appetitlich'. 

ärants9n 'anranzen'. 

arbdt 'Arbeit'; Ä^ zekt f^dagd arb9t 
oder A^ Mt d9 arb9t nit ^rf6t99n 
'er ist arbeitsscheu'. 

arb9tsbü'eJc 'Arbeitsbuch'. 

arb9t8dax 'Arbeitstag'. 

arb9t8j^9x 'arbeitsfähig*. 

arb9tsg9mäk 'Werkstätte*. 

arb9t8gSw9r 'Arbeitgeber'. 

arb9tslü'e,n 'Arbeitslohn'. 

arb9t8ly:ty -Igt 'Arbeitsleute*. 

arbdtsinan 'Arbeiter' (sonderlich, wenn 
er von sich spricht und sich als be- 
dauernswerten Menschen hinstellen 
will). 

arb9tä0y 'arbeitsscheu'. 

arb9tstit 'Arbeitszeit'. 

arb9t8tyx 'Arbeitskleidung'. 

aTbl'e,d9n 'arbeiten'; arbVe.dan ^s 9n 
p^it 'sehr fleißig arbeiten'. 

arbl'e.ddr 'Arbeiter'. 

drbVe,d9rfam\l9g9 'Arbeiterfamilie'. 



- 6 — 



nri '.-i^r, »«»hlimin', 

fUf arfpn dl'^.J ; ^'tJk arj kam "BiHttii 

äfimidn 'ebÄn b^rfthreii'. 

/xrm 'arm'; «nn ^n j^yp 'arm wie Ifiob*: 

arm *Ann*, 

armhftuk m. 'Anolfand', 
/xrm^/ir f. *fli« ArmfiikaMe'; Ä? krvJ, gff 
iU fUrr anwfn *6r (leziebt Unter- 
•UH/,^r^ci^^elder aus der Armenkaaae'. 
arrmmhüB 'Armenhaof'. 
arrmmhyz^ /Hchiwiiifwort). 
ArU'tM^m ^anmacherr. 
arUf.jfim 'anmfftn'. 
nry'KT'm 'anrühren'. 
fiH *\mC (\n\ KartmiKpiel). 
aH *Arjich*; vvx m^r äifn äi hlo'y,. let 
f^rw9n^ brukt m»r ge't». bokH9 ^spOt- 
ilftch : wonn man nur die Fleischfarbe 
nicht sieht, so ist es schon gut) ; dat 
pM mn dJ 'das ist entzwei'; h^ hkt 
hle'i. mn äJ *or kann nicht aus dem 
Bett*; h} krtit dsm di ff9?u\u9n; l^k 
niifx f/^^ ßwi ä'J; krym, du önt in^r 
fiH hve.Trit (lan zantd es zl'B.n, wat 
diu (lAk'&n kerrruid hqylt; hi* het niks 
cm n:A 'er hat kein (h;Id, keine Kraft'. 
iUialm *anscliafl*en'. 

(Udfptn 'anHUK««* (von Todesfällen); ex 
hau '^f d9r ru^x ^^* dgyz^it 'ich 
hiibc dich noch ho eindringlich ge- 
wiirnt'. 
dAhaht f. 'ArHchbacko'. 
tUhifhn (mhd. arshflh.) s. dAhnk», 
dM^ 'Achso\ 

deextHkiih 'Ansichtskarte' (neu). 
duin (<Ul*».n) 'ansehen'. 
dzin (<toi*».n) ^Anseheni Aussehen'. 



/izi-^jft \lBBciHa% 'Jkafenncir*: ^ 



92 merfm 
anr t«w 



äiiai ^AmcU^* mI 

öMaz CS fvejom dir€JUai. 
äilägpm 'aascfchg««''. 
äilök [%msh ab .Sfhiiyfw»Hi; i 

»A htai äiiök 'er ist wMS^. 
äim^r^m ^masehHoareo , mndlCB', 

lislen'. 
äinqusn ^ansduimvaen'. 
äknäyl»n *anjichnai«i\ 
äht%d»n *anschnetden*. 
d;kor9n 'eben anschleifen' i Beile, l 
äkpandn 'aii8p«inen\ [v. 

äkriwdn 'anschreiben'; äiffwin 

'borgen'. 
öHaf^k 'Anstand*. 
düekdn 'anstecken'. 
dMikshet» (die Schmiede hatten 

zum Anzünden der Pfeife ein 

kugelförmiges Eisen stets aa 

Feuer liegen). 
äÜ^hx 'anstellig'. 
äit^l9n 'anstellen^ refl. 'sich benc 
dit^ldnk 'Anstellung*. 
astdrman 'dicker Stein'. 
ä&tl'e.wdJn 'langsam berankoi 

meist: ägdH^'e.w9U kwe.m9n, 
öAtqn 'gefallen'. 

aHrdnt 'trotzig, kurz angebundei 
äitnk^n 'anstreichen'. 
äätrlkdr 'Anstreicher'. 
öAtü'e.td^n 'grenzen an', 'anstoßei 

GlSsem). 
öAweldn 'anschwellen'. 
dt 'Art, Familie'; 9t het mar gt 
'ich habe keine Lust'; üt dar 
'ausarten'; dö es g^t en dar 
ist was zu erwarten' ; dai hit fm 
'das macht mir Freude'. 
atjys 'adieu'. 
dtlarndis 'Adlernase'. 



— 7 — 



äimi'i. 'Anenei' (s^ten); dtsdne'i. es 

gtm. I^kdreri, 'Anenei ist bitter'. 
Man, itskan n. 'Bischen', 
dio^ «Advent', 
^irui *(der) Alte, Vater*. 
}ffiib f. 'Alter', 
ifsbii pL 'Eltem' ; wi d» qul^n zondn 

90 pip9n db ji»99n. 
^'AHer'. 
Sjyim; 'iUtlich'. 
^s&m 'alt werden'. 
(|itM 'alters', 
fuft'atf. 
ifiuüfrp9ki 'altfränkiseh, altmodisch'. 



^uliklü'e.k 'altklag'. 

Hüitmü'e.d9t «altmodisch'. 

quUpry89ä 'altpreoßisch' (Sprache der 
alten Grafschaft Mark). 

qvUTy§9r (vgl. mhd. aUrinse «Schnh- 
flicker^) 'Althändler'. 

qwu.ltüiw9reü'e,m9r 'langer Nachsom- 
mer*. 

äwä89n 'anwachsen'. 

awdt «ach was'. 

duH^rm^n 'anwärmen'. 

äwi'eJc9n 'an weichen'. 

awis 'Avis'. 



B 



fci^n) 'Vater'; au'u,l hab9 (zn ehiem 
jungen Menschen, der die Gewohn- 
heiten eines alten Mannes hat). 

b(Mn (frz. hahiUer) 'schwätzen'. 

hoMlb «Schwätzerin*. 

h^ 'sprachlos*. 

fto^ f. 'grofier Kragen'. 

^f^ f. (frz. hagage) «alles was man 
am und an hat'. 

hdgi/nx «übereifrig, nnflberlegt'. 

hogif^i, s. hägdm; en dsr häg9re'i. zin 
«onftberlegt and llberstürzend ban- 
tioen'. 

häffim 'flbereifrig nnd unüberlegt arbei- 
ten'; h9HUbäg9m 'heransschwätzen'; 
ygL mnd. bogen «rühmen, prahlen'. 

ho^ii^ «Franensperson, welche häg9rt\ 

baipt^L 'Bagatelle'. 

Ifoh 'Backe, Wange'; uH fm gi^nt dd 
hakan^ zo gQtU 9m ü'e.x d9 hakan 
Vie man isst, so schafft man auch'; 
ux 9n hak» fyl kal9n 'unnützes 
Zeug sdiwatzen'. 
bak9n st n. sw. «backen' ; bak dar g^t! 

'mal dir wasM 
bak^B 'Baekbsns'; h^ es nqx nit laf99s 
hneis bakas «er hat sein Ziel noch nicht 
erreicht, das Schwerste kommt erst'. 



bakflix 'Ohrfeige'. 

bakprmm 'Backpflaume'. 

bäks 'Unrat' (bäksf Zurechtweisung für 
kleine Kinder; auch: nü äpc^can, 
dat es bäks). 

baktafdk 'Backenzahn'. 

bdktrqx *Knettrog der Bäcker'. 

bakw^rk 'Backwerk'. 

bal 'Tanzvergnügen'. 

balx «Leib' ; h^ z^it 9t ^i plcU {imaktax) 
fyr d9n balx «er sagte ihm die Wahr- 
heit ins Gesicht'; g^t fer dan bcdx 
krlgdn 'Prügel bekommen'. 

balg9n refl. 'raufen' (ohne böse Absicht). 

b(ühy'e,r9x «schwerhörig = eigensinnig'. 

balkan 'Balken'; 9t wätar fiit ge'f». 
balkan zit dar jut. 

bcUzam 'Balsam' (Harlemer öl). 

bammln (mit den Füßen) 'baumeln'. 

bän «Weg', 'Eisenbahn'; bän mäkan 
'Platz, Weg frei machen'; bi da bän 
hölan 'herbeiholen'. 

ba'ta. «ängstlich'; h^ es zo ba"i9, wi an 
hipa-^ h^ es zo ba'ta' wi fts9n em 
pqta, 

bänarbVcdar «Bahnarbeiter'. 

bänhqfswl'eMap 'Bahnhofswirtschaft'. 

bar^k 'Band'; i«^ raiak on barak. 



— 8 — 



bafak ^Bank, Baukgosch<äft*, *Bank* (zum 
Daraufsetzen); hei ^^ dßZQr bank 
es 9n abs0yl9g9n gdHärak, wek^r dt 
am VeJtdn rykt, d^m 9t üt ddm 
äilök krypt Schülervers: *wer an- 
zeigt ist meist der Tät«r* ; gi»t op d» 
la'id, bafdk iütv9ii ^etwas aufschieben'. 

batak»r^t9r ^Kaffeemühle' (vielleicht der 
Kaffeekränzchen wegen, oder aus 
der Zeit, wo der Kaffee noch sehr 
teuer war). 

bar9k9rqt»pqt ^Kaffeetopf. 

barakhök *T- förmiger Haken, welcher 
durch die Hobelbank gesteckt mit 
seiner Platte ein Brett auf derselben 
feststellt'. 

batdknäd ^viereckiges Eisen, welches in 
die Löcher der Hobelbank zum Ein- 
klemmen von Gegenständen gesteckt 
wird'. 

bafdkseix *Bandsäge\ 

barakitü'e.l ^Bandstuhl'. 

bafdkwerkdr *Bandwirker'. 

bafdkworm *Bandwurm\ 

bänmle.stdr ^Bahnmeister'. 

bänilägdn 'auf dem Eise gleiten'. 

bär 'in blanker Münze'. 

barhdl 'Schurzfell'. 

barhds 'barfuß'. 

bärdw^X 'reinweg, geradezu'; bärawe^x 
niks; bdrdw^x ^ dyir 'doch allzu 
teuer'. 

bös (spöttisch) 'schön'; dat es bös g^t 
w^t; du bes mar an bäzan 'du bist 
mir ein schöner' (im ironischen Sinne). 

bäs 'Meister'. 

bas 'Bass', 'Bassstimmc'. 

basblözar 'Bassbläser'. 

basta 'genug'; on dornet basta 'und 
damit genügt es' (erzürnt). 

bat n. 'Badeort'. 

bat 'Bart'; le.nam g^t em d9n bat 
äm^ran oder ve.n^m bre'i. ein d^n 
bat imqran oder i'cnam em dan 
bat itrlkan *jem. schmeicheln' ; dqlan 






lydan wtst ü'e.z d9r hat; zez m 
bat w^9n 'sich nar bis zum Kioi- 
rand waschen' (sodass der Hals da^ 
unter schmutzig bleibt) ; bat afmäisaik 
'rasieren'. 

*bätan^ nur in 9t bat 'es genügt'; uf^ 
9t nit haty dan iat 9t ü'e.z ^^ 
'schaden kanns auf keinen Fsll'; 
at fiit mar gahdt 'meine Geduld ist 
zu Ende'. 

bätߧü9 'Bartflechte'. 

bätm^ts 'Rasiermesser*. 

batsaz *un verschämt, frech'; h^ nuM 
zaz batsaz *er führt sich anverschint 
auf, 'er markiert den großen Herrn'. 

batsan pl. ^Oberschenkel'. 

batäan 'Bärtchen'. 

bätsVepa 'Rasierseife'. 

bät^i^bar {selten änüt9nfig9r) 'Friseor'. 

bätiviksa 'Bartwichse'. 

bqu'u. 'Wollzeug'. 

bquan Adj. zu bqwu. 

bqiru.l 'bald'; bqu'u.1 es nqz ^/^ 
wquul {wqu'u.1 'Wald' ein Nachbar- 
ort, alter Dativ, in Acten „WaWe") 
zu jemand, der immer das Wort 
„bald" gebraucht. 

b^j hq bq! 'ba'! (Ausruf des Ekels). 

b^:! ?j^:, fylt mar gönit en (Ausruf 
schadenfroher Zurückweisung). 

babouan 'eine Bausteile bebauen'. 

1 

baddrakan don refl. 'sich bedanken'. 
bad^it 'bedacht'; dat es am bad^it 'er 

meint das treu, ernst*. 
bed^lföixt 'Collectant'. 
bed9lk^l 'Bettelmann'. 
bedalkq^ta f. 'bettlerisches Mädchen' oder 

'Betteljunge'. 
bedaln 'betteln'. 
bedalzak 'Bettelsack'; dan b^dahak m- 

haraan 'betteln gehen'. 
bedan 'betteln'; dazu ebenfalls beiÜö^ 

beiman^ betsak; ta arm., hed9HU 
b^dan 'beten'. [j^n 'sehr arm'. 

badeiaatak 'Bedingung'. 



— 9 



«/'dieoljch'. 

ent 'dienlich* ; d^m jai99n m niks 

ftU hddi't.nt {b9dmt) (er reißt 

MJi alles kurz und klein). 

t reÜ. 'sich behelfen* ; »m gt^t b^dqn 

\ 'am etwas bekttmmert sein*. 

r(nur in Redensarten); em b9drdx 

irdix) itgn 'im Begriffe stehen', 

Zweifel sein'. 

9n refl. 'sich betragen*. 

.gdn 'betrügen*. 

'Betrug*. 

ilt 'niedergeschlagen*. 

I 'bedeuten*. 

t(frz. du])er) 'täuschen, betrügen*. 

X 'bedauern*. 

l 'bedauerlich*. 

'mit Wasser eben bedeckt*. 

ihen*. 

'Beffchen* (Halsbinde des I^ar- 

»it 'anfrieren ' (z. B. V. d. Kartoffel). 
t 'befragen*. 

'begegnen*, 
n, b9gyt9n 'begießen*. 
m 'begraben*. 
) 'Begriff*. 
I 'begreifen'. 
n 'behandeln*, 
i 'behauen*. 
(i 'behalten*. 

(am 'gedächtnisstark* ; d^ jo'fa, 
n b^hquUsaman kffp 'der Junge 
»in gutes Gedächtnis*. 
'Aufsehen, Lärm*; vgl. südwal- 
7h bohei, 

refl. 'sich behelfen* ; dar hah^l- 
get 9t ml'e. t^s dar wällkwftr 
e gibt es mehr als Reiche*. 
Hilfe, Unterstützung' (nur bei 
iten). 

l 'behilflich*, 
m 'behüten*. 

m. 'Stuhlgang*; zin bahu,'dj' 

'zum Zwecke*. [viäk^i. 



be^idrn 'beiem* (von kleinen Glocken); 
bim bam b^iar^ (Ur kesUr mai 
ge't». eUr; wat max h^ danf — 
Spfk 9u d^r pa'H. - ö wa n, l^karädn 
kesiffmian (Kinderspruch). 

beiUn n. 'Beil*. 

beiUh^'Lf n. 'Beilstiel*. 

b^iiMln 'langsam gehen, herumbummeln*. 

b^it f. ' Hasen lager*. 

beitsB 'Beize*. 

be.its9n 'beizen*. 

b9J6mdm 'bejammern*. 

bek f. 'Bach*. 

b^k (frz. bec) 'g^olior Mund'; l^bfk 
'GroÜschnauze* ; kapaa on äp^k es 
gvre.t fer dan b^k, 

b^kdhn 'überreden*. 

bokdi9d9n m. 'Bekannter*. 

bakd^iap 'Bekanntschaft*. 

bakdnt 'bekannt*; h^ es b9kdt9t f« »n 
b<y>dkUn hofdk 'er ist überall bekannt*. 

bekdr 'Becher* (nur als KartoffelmaÜ = 
6 Pf.). 

b^kttr 'Bäcker*; dö es dar b^kdv düre.r 
gakröp'&n oder dö het d9r b^k^r 
zi'ta, frqu'u. dü'e,r gajdU (von hoh- 
lem Gebäck). 

l}^kanri, 'Bäckerei*. 

be^kifrf/ifz^'l. 'Bäckergeselle*. 

bekfor^'L *Bachforello*. 

b'fkicrardk 'pietistische Bekehrung*. 

b'ikihm ^beschauen*; Äf bMkt z^x fan 
be7i97i 'er schläft*. 

b<*kldd&rn 'beschmutzen*. 

bMdgan refl. 'sich beklagen*. 

bdkldriüifn 'beschmieren, unordentlich 
bekleben*. 

bdklewdn 'bekleben*. 

/;'//r//'e.'/a99A* 'Bretterbekleidung der Häu- 
ser und Wände*. 

bdkämdrn refl. 'sich bekümmern*. 

b^kesUgan 'beköstigen*. 

bdkentdgarak 'Beköstigung*. 

hakr^7dks9n 'bekränzen*. 

bakrigdti refl. 'dicker werden*. 



_ Im _ 



h^lhrii 'wemeii' r*/h . 

^^^ pl. -Zabnfleitfcfa der Kinder'. 

iW/ *HiM, PhotoipTiphie'. 

fMü'f.,fVm *lHf lohnen'. 

h'flü't.nnuk *Belohnun^. 

hAii'fi.jßim op reH. *hich l^fbiufen auf 

Gelten;, 
h^narU'fni'e.nni 'fnt. maiutenir) 'eine 

Arbeit/ *J>ewältif^n'. 
f/'fnqu'uJ 'drückend, en^, unwohl, 

Hchweratmig'; »^ e« r/i^r zo /^«/raquii.^ 

^•H iüt mir ko sonderbar, unwohl 

zu Mute', 
/;^«^i^/ *lk;ndel, Bindfaden'. 
h^U'ßl 'ungezogener Junge'. 
f)e^uAn *Hicb herumtreiben'. 
h^tif'ßiM n. Miindfaden, etwas Bindfaden'. 
h'fne/tüfn rcri. 'sich benehmen' (selten). 
herjj/t *binden'. 
htnieuhffi^m ^nebenan'. 
hitnfiw,trä:n 'nebenan, bei Nachbars'. 
hdm'w^r&m *n<jbenan, zu Nachbars'. 
hMifh'itJi *Heinchen, KüÜchen'; 9n ben- 

k>m z^Un *jem. durch I unterstellen 

des KuÜes zu Fall bringen'. 
htnty'e.zi)U ^betrunken'. 
Iropdkan *b4^[)ackon'. 
b^püuim, *durch Hoben die Schwere 

prUfon'. 
^r 'Hilr', 'Fallbammer'. 



'EScnr* "ih Oiisna' 






9»rriU -beinake'; dai k^ 

-das ßlh mir gmr nieht em'. 

bfr^mes^ dieot xnr Ste^enu^ da 
^nden AdjectivB); A^tmi^ssz 
Hark ils.w. ^fiirelitbar kah' u,%.w.i 

bir9iiark *ricMostmfk\ 

b^rg^i» IL 'du bergisehe Land'. 

b^rg9s9n -Bergiiaiia«n' (OrUehaft). 

berk9 'Biike'. 

berk^nboi 'Birkenwald'. 

berk9zÄp ^Birkensaft'. 

berk^zdpr^-n. 'Birkensaftrinne' (welehB 
in den Baam geschlagen wird, n 
ihm den süßlichen Saft la ent- 
ziehen). 

b^rkhäm 'Birkhahn'. 

berkhü'e.n ^Birkhuhn*. 

b^r0ti9n 'bereuen'. 

b-fzälw^n ^beschmieren, beschmntMo'. 

bdsdmt ^beschämt'. 

b^zdts *Bcsatz an Fraaenkleidem*. 

b^89m ^Besen'; nay. b^9m9nk^r9ngüti 
'neue Herren r^eren scharf. 

b^89m8bei99r 'Besenbinder*. 

b^89m§tel ^Besenstiel'. 

bdz^Uj b9zi'9.n 'besehen'. 

bdzenan refl. 'sich besinnen'. 

b^re'i, 'Dünger'. 

b^a9m 'düngen'. 

bifz^t9n 'garnieren' (Stoffe). 

bdSi'e.dan 'antworten'. 

bd§i'e.t 'Bescheid, Nachricht, Antwort' , 
g%'e.n9n b9ii'e.t es ü'e,x 9n bMti 
'keine Antwort ist anch eine Antwort'; 
nu U)l'e.8t9 b^Si'e.t ^nnn w^t di, 
was du zu ton hasf . 



- 11 - 



M'e.w^m 'jemand mit Mnndspeichel 
beschmatsen' (Kinder die Mutter); 
%. zi'e.u7dm. 

Mnm ^escheinen*. 

kdldb^m refl. *8ich beim Essen besu- 
deln*; s. Hahdrn, 

Mdz 'Beschla«^* (als Zierrat). 

fci^, MiSn^ b9ildg9n 'beschlagen' 
[die Pferde). 

WK<»n 'beschließen'. 

Um^nn 'beschmieren, beschmutzen*. 

htirff9n 'besorgen, in Ordnung bringen*. 

ktöidn nü'e4 f. 'Maskatnuss'. 

M^t 'beschmutzt*. 

M^^ 'bespötteln'. 

kdfil^kdm ^bespritzen'. 

bdpTp9k9ln 'tropfenweise befeuchten'. 

kkpryis^n 'bespritzen'. 

khiw9n 'beschreiben'. 

kMd9n refl. 'heiraten'; tdm haHäd^ii 
ky-e.rdn 9r tw^ (spöttisch zu Mäd- 
chen gesagt, die gerne einen Mann 
hitten, oder von Mädchen, Müttern, 
welche das erfragte Verhältnis ver- 
heimlichen wollen). 

h^fäfbr, 'fä:r 'Großvater* (fä:r ist 
roh). 

biHelm 'bestehlen'. 

kit^ 'bestellen'. 

hiHmt 'bestimmt'. 

h^itmwe.d9r , -miü'd,r 'Großmutter* 
{nü'9.r ist roh). 

M^whx 'beständig'. 

^i^r9x 'übereifrig'. , 

bM-l 'Pistole'. 

(»Hon, bditon 'bestehen*. 

biHriddn 'Ausgaben bestreiten'. 

bittrofdn ^bestrafen'. 

^ei^(^A:89?i 'sehr loben*; vgLmnd.^^run- 

sen 'loben'. 
b9gy'€Jc 'Besuch*. 
b9g§'eJc9n 'besuchen'. 
b9iwm9ln 'materiell übervorteUen*. 
Mtc^Uc9n refl. 'sich bewölken*. 
b9hD^r9n 'beschwören'. 



haSwhifhhi 'beschwindeln*. 

b^t 'Bett*; m^r tyt ssax nit üij bes 
in^r nam b^t gVe,t 'man lässt sich 
nicht lebend beerben*. 

b^tj h^ b^t 'er sieht aus*; zu *b^rdny 
welches nur noch äußerst selten ge- 
braucht wird (scherzhaft Äf b^t üt 
contaminiert aus *b^r9n und utz^n), 

b^ta 'Berta'. 

bdtdldn 'bezahlen'. 

b^tdü'e.k 'Bettuch'. 

bet9r 'bitter' ; dat es zo bet9r ^8 rez9gal. 

bttdrby'd.8 'bitterböse*. 

bdtermt (vgl. frz. ferme) 'bestimmt* (vom 
Fatum). 

hetdm m. 'Bitterlikör'. 

bet9rzqult 'Bittersalz*. 

betört seldx 'Petersilie*. 

bP.tds 'Albert'. 

b^tß^ä9 'Wärmflasche*. 

b^tgqnsAt 'Zeit, wo man ins Bett geht*. 

b9ti'9.n Jötd^i Bm98 'jemand in Ruhe 
lassen*; vgl. mnd. betten 'anschul- 
digen*, mhd. bezlhen, 

b^tjak n. 'Nachtjacke*. 

b^tläkdn 'Bettuch*. 

betman 'Bettler*; das {dat es) bei- 
maus w^rk 'das ist eine armselige 
Geschichte*. 

b^tram * Bertram*. 

b^taekar 'Bettseicher* (Schimpfwort). 

bMan 'Bischen*. 

b^ti9n 'Bettchen'. 

iT^f^at 'Bettstelle*. 

^^Wz *Bettzeug*. 

batyifdn 'bezeugen*. 

bawäsdn zin (Kinderkrankheit: Span- 
nung der kurzen Rippen). 

bdw^g^n, tveg9n 'bewegen*. 

bdw^raan nur in: dt bdwpddn lötd^n 'es 
bewenden lassen*. 

bdwizdn 'beweisen*. 

bw, bi 'bei*. 

bibdl 'Bibel*. 

blbr^rddn 'beibringen, zwingen*. 



— 12 — 



bixt9n *beichten\ 

Mdrax ^Beitrag'. 

bi'e.ddn *bicten'. 

hl'p.m^r *Kramraetsvoger. 

bl'e,n m. *Fuli, Bein'; Äf lept zax d* 
hl'ff.v af *er gibt sich alle Müho* (im 
Geschäft); h^ es ine'm. Joiit{»)9n hVd.n 
H l'e.&t9 üt d9^m bi^td yasti'e.gdn (wenn 
oiuer übel gelaunt ist); n»m d9 bi'^.n 
op d^n nak»n Maufe schnelP; dat 
inots U an din9n bve.n bet99n *die 
Kosten musst du tragen*; h^ het »n 
pär bt'9.n wi 9n klangt *er hat Beine 
so dünn wie eine Clarinette\ iS9x op 
d^ bl'9.n löt9n ^aufbrechen'; h^ itVe.t 
Z9X d3 bld.n en dt llf fastd (wenn 
einer lange aufrecht steht) ; an öp9n 
bl'e.n han *eine eiternde, unheilbare 
Beinwunde haben*; wat m»r nit em 
kqpd h^tt dat mot mar en dan 
bVe.nan han 'wenn man vergesslich 
ist, muss man häufiger um etwas 
laufen'; bya.r da bVa.n cp 'ziehe die 
Füße nicht über den Boden\ 

bia.r *Bier'; je delar gabr6'tj,ty d^sta 
b^sar at bVa.r, 

bie.r *BirneV 

bi'a.rbra^r 'Bierbrauer'. 

bVa.rbrouare'i. 'Bierbrauerei'. 

bVa.r/ät 'Bierfass*. 

bva.rzupa 'Biersuppe'. 

bleut 'Bestie' (Schimpfwort). 

ble.t 'Biss'. 

bictal 'Beitel' (Art Meißel). 

bt'e.tvan 'beben'. 

blyeW'fn in: klera blgewan (moderne 
Entlehnung). 

blfjqn 'abnehmen an Masse'. 

blluiykan n. (wenn der Metzger nicht 
das geforderte Gewicht abgehauen 
hat, so muss er noch ein kleines Stück 
zugeben, das ist das blhqykan). 

blkWe.man 'beikommen, einholen', 'sich 
aus einer Ohnmacht erholen'. 

bilänta 'Kassenabschluss'. 



bil^t n. 'Fahrkarte'. 

bilitialtdT ^Fahrkartenausgabe'. 

biljaH *Billard'. • 

biljartkü'e.g9l ^Billardkuger. 

büjartsemar ^Billardzimmer'. 

bl/ö:x *Beilage\ 

bimbam m. 'Pendel' (KinderspracheX 

bimaln 'Iftuten' (mit kleinen Gloek(BD)i 

bimiU'BJn 'Bimstein'. 

bini'e.n 'beieinander' ; h^ het za nä «rL 

bini'e.n (oder: en d^r rei^n), 

lieh die fünf Sinne. 
binte.npak9n ^zusammenpacken'. 
btranbü'e.m 'Birnbaum'. 
bl'^ f. 'Sturmregen'; mftsbizan *MinH 

Schneeflocken'. 
bUsejjtax 'kurzsichtig'. 
bizaln pl. *wild durcheinander hängendi 

Haarsträhnen, Zeugfetzen' u. s. w. 
bizaln ^unordentlich umherflattern' (vn 

Haarsträhnen u. s. w.). 
blzan 'trächtig sein' (von der Kuh). 
bxzin 'dabei sein' in : do sin 9x fnet 61 

'das leide ich nicht, soweit smd wir 

noch nicht, das wird sich schon 

finden'. 
biskwft m. u. n. 'Biscuit'; bishufÜ- 

kü'eJcan^ -ky-e.kalSan, 
bistar 'düster', 'übelgelaunt', mnd. bUAff 

'verwildert'. 
bistare'i, 'Verwirrung' ; en d^r bistarii 

ein 'verwirrt sein'. 
bltan 'beißen'; niks ta bltan on ta br^ 

kan han 'bettelarm sein'. 
bltarkar pl. 'kleine Zähne' (des Kindes). 
blthetakar pl. dasselbe. 
blwak 'Biwak'. 
bläix 'Kind' ; ^ ?iet blägan wi dat eg»- 

zada gatoeita (wi da orgalspipan) '« 

hat Kinder von jeder Größe' (eg^ 

zada gaweita 'Gewichtsatz*). 
bl<irak 'blank', 'geldlos'. 
blatak mäkan 'blank scheuem'. 
blarak §üran 'blank scheuem'. 
blat 'Blatt'. 



18 — 



Ifr 'Biemenwerk an der Brost des 
rdes'. 

'fiJattlaus'. 

/ 'Blattspiel' (d. i. eine Menge 
ter); vgl. ipel. 
eeh>. 
bezahlen'. 

^Blechscheere'. 
w (Elberfeld hUIäligsr) «Klemp- 

wi^-j. 'Klempnerei'. 

'i' 

»leiern*. 

9 f. 'Bleistift'. 

T *Bleiwa«8er\ 

Bleiweifl'. 

ick'. 

nzännte OrasflSche'; op le.n 

kik9n 'auf einen Pankt stieren*. 

bellen'. 

f« 'blinder Hesse' (landläufiger 

Irack für die als eigennützig, ge- 

^ und dumm geltenden Hessen); 

h^. 

)liDd\ 

'blinken'. 

f». 'blinde Kuh' (Kinderspiel, we- 
der Fangende die Augen ver- 
len hat), 
laut weinen*. 

od. bles) *Kuh oder Pferd mit 
im Stimfleck'. 
litz'. 

wk 'blitzblank'. 
l)litzen'. 
"BUttchen'. 
Bleiche'. 

'bleichen'. 

bleiben' ; dai bllit at99r us 'das 
1 wir geheim' ; g^t blitü9n lötdn 
8 unterlassen'. 
. 'Brandblase'. 

'mit Brandblasen bedeckt', 
laue zum Waschen'. 
e Wäsche bläuen'. 



blqkshfrx; ex wy'eMy h§ w^vr om 

blqksb^'T.x *ich wollte, er wäre zum 

Teufel'. 
blqkiqkdläit 'Blockschokolade'. 
bkfkiDü'eJ 'Plockwurst'. 
blö8 'nur'. 

bfö'^ 'Blase, Dttte, Blase als Wunde'. 
blöiabalx 'Blasebalg'. 
blöz»H 'blasen' ; blöis mar g^t om kgp9 

'pfeif dir was'; JiÜ cbx dt {=di'fd.) 

mwe.d9r 9t blöz9n nit g9li'e.tf 

(wenn einer sich beim Suppeessen 

den Mund verbrennt). 
bl08k9n 'Bläschen' (kleine Düte). 
bhti9m€k9r 'Holzschuhmacher*. 
blqU9n m. 'Holzschuh*. 
blftik9n 'kleiner Holzschuh*. 
blo'ii. 'blau'; blo'ii, mäAr^n 'nicht arbeiten'. 
blsy^l (jetzt außer Gebrauch gekom- 
''men) 'Waschholz' (zum Klopfen der 

Wäsche), ^ungehobelter Mensch'. 
bfßydn 'nicht arbeiten'. 
bl6y,y'e.x8k9r 'weiße Kartoffel mit blauen 

Augen'. [blase'. 

blöw9r 'das mechanisch getriebene Ge- 
6/ü'e.cf^/,nur in blü'e.d9g9 tr?.n9n 'blutige 

Tränen'. 
blü'e.d9n 'bluten', 'an chronischem Blut- 

Sturz leiden'. 
blü'e.ddn n. 'Blutsturz'. 
blü'e.ddr9x *l)lutig'. 

blü'9,m 'Blume*; dü'e.r d9 blü'9,m kahn, 
blü'ejMknqjy^ 'Blumenknospe'. 
blü'e,m9k0rfk9ii 'Blumenkörbchen'. 
blü'e.rmmbr^t 'Blumenbrett'. 
blü'e.m9nd^k9n 'Blumentischchen'. 
blü'e.rrvdkrafdks 'Blumenkranz'. 
blü'e.mspgt 'Blumentopf. 
bly'e.mk9n 'Blümchen'. 
bly9n 'blühen'. 
blü'e.t 'Blut'. 
btü'9.t 'Blüte' (als die gesamte Blüte 

eines Baumes oder aller Bäume). 
blü'e,t 'nackt'. 
bly'9.t 'Blüte' (die einzelne). 



— 14 — 



bly'9d 'spröde, bldde\ 

blü'e,tarm *blutann\ 

blü'e.tlg9l *Blutegel\ 

blü'e.täiofr 'Blutgeschwür\ 

bl'ä'e.tw^rtBx ^sehr wenig'. 

blüz9 *BIase\ 

b^d9n 'mit Borde (Litze) versehen'. 

bgk 'Ziegenbock'; du bes 9n §tlwdn 
bqk 'du bist cin*angelenker Mensch'; 
met cbr hipdn nam bqk9 gqn 'die 
Ziege decken lassen'. 

bqk9x 'halsstarrig'. 

bek^n refl. 'sich bücken'. 

beksn 'rülpsen'; b^k zet d9r bür, w^ 
fi9 zat es (um den MangeKan Bildung 
zu verspotten). 

bok89 'Hose' ; d9 boksd Iqs mäk9n 'Be- 
dürfnisse abmachen'; da frqwu, hÜ 
d» bokstdn änan 'die Frau regiert im 
Hause' \ h^ h^t9n foyf 9n dar bok- 
S9{n) 'er hat Risse in der Hose'; d9 
boks9 bv9.ft pn oder Äf Jiet 9t bok- 
89nbl'e.w9n 'er hat Angst'. 

bok89klap9y -kl^p9 'aufkhippbarer Hosen- 
boden'. 

bok89knü'e.p 'Hosenknopf. 

bok89{n)pit9r 'kleiner Junge' (der zum 
ersten Male eine Hose anhat) oder 
'kleiner Junge' (der in einer Hose 
drollig aussieht). 

boks9ntfä9 'Hosentasche*. 

bok89plp9 'Hosenbein'. 

b^ksTiön nur in : i'e,n9n ent bqkshqnjäg9n, 

bekskdn 'Höschen'. 

bqk^prer99n 'bockspringen'. 

bqkäprot9k 'Bocksprung' ; bgkäpre't». 
mäk9n 'sich pecuniär mehr leisten, 
als man kann'. 

bql 'hohl' (vom Klang), 'hohl' (äußerlich 
nicht sichtbar) (mnd. 6^/Q; 9t kletdt 
bql 'es klingt hohl'. 

bqlbSsk^r pl. 'kleine Krapfen' (in der 
bqlb08k9spa'n. gebacken). 

bqlb08k98pa'n. 'Pfanne' (mit lauter klei- 
nen halbkugelförmigen Vertiefungen). 



bßhk^l (vgl. mnd. bole 'hohles € 

fäfi') 'Gestalt um Kinder za c 

schrecken*. 
bfhkan n. 'kleine, gelbe Pflaume'. 
bqhn m. 'Oberschenkel, Gesäßhälfte 

vgl. mnd. boUe 'kugelförmig'. 
boli'e.T9n 'polieren'. 
belk9n s. b§lk9n. 
b0lk9n 'blöken'. 

bqlw^rk9n 'poltern, sauer arbeiten'. 
bom nur in: »m»n fqr 9n bom hqvit 

'jemand znm Narren halten'. 
bfman s. behkqL 
bom9l 'Stern', 'Taugenicht8^ 
bo7n9ld'J ^Anhängsel'. 
bomBln 'bammeln, baumeln, bamnüln 

umherstreifen'. 
boms 'bums' (Interjeetion). 
benäd 'Nagel zum Dielen'. 
bBf9d9x 'bündig'. 
bon9patshü'e.t 'Dreimaster' (BonapArtMl 

Hut). 
bofdkt 'bunt'. 
benzal 'kleiner Junge'. 
b»nS9n 'Dachstübchen'. 
bqr n. 'Bohrer*. 
b^rbatdk 'Bohrbank'. 
borx 'Buiig'. 

bqrx m. 'männliches Schwein'. 
ber^x 'Bürge'. 
borxrdw9n 'Burggraben' (Stelle k| 

Burgholz, an weldier in firühttiV 

Zeiten wahrscheinlich eine Walllmf 

stand). 
bfrdro'^. 'Bohrwinde'. 
borei (frz^ porreau^ poireau) 'SchiMl 

lauch'. 
bör9m 'Boden'. 
bi}r9n 'bohren'. 
bqr9f9k 'Bohrung'. 
bqrg9n 'abborgen'; bqrgdn makt lyr 

ff9n; w^x bqrg9n makt frmM% 

mä7t9n makt/einädp, \ 

bqrmoAi'f». 'Bohrmaschine'. 
börsmet 'Bohrschmied'. 



— lo- 






ht 'bis'; bes dfr hen, am 'bisher', 

^bis da hin' (Mitlieh und örtlich). 

m m. 'Sprung' (auf jemand zu); h^ 

[ d^ i'e.n9n bgi drop Iqs 'er machte 

einen Satz darauf los'. 
hk *Basch, Wald' ; et Ofp d9n hoi §lqn^ 
ldqp9n 'versuchen, ob was zu er- 
reichen ist'; wi mdr en d9n boä 
r§pt, 90 §alst»ri 9t uri'e.r, 9rut, 
M 'Borst, Riss', 
ifü^ 'sonderbar, abstoßend' (vgl. frz. 

ha$9u). 
h^ *bersten, drauf los stürzen'. 
kiky't.d»r 'Flnrschfitz'. 
^kagtin ^Brustkasten'. 
küan 'Brfifltchen'. 
\^hn «Bflrschchen'. 
kßai^ 'Weste' (veraltet). 
}h^f} 'Brust'; h^ hÜ 9t typ d»r boi{t) 
oder h^ hu 9n kqt9 bqi{t) 'er ist 
engbrüstig'. 
bgm-e. 'Brustthee'. 

bghDqum98 'gestrickte Weste' (veraltet). 
b^tpüs 'barsch'. 
bift 'Bord, Brett'. 
büt (mnd. bui) 'roh, grob\ 
botsr f. 'Butter, Butterbrot' (spielt in 
Schimpfereien der Rinder eine große 
Rdle, z. B. Ana, patuij bot9rana 
IL B.w., stets nach diesem Schema); 
lep» kü'e^Tft9 bot9r M^fir, dan 
bry-eJc mar Z9 nit t» m^i99n oder 
dem, kg'e.in) m»r » dek» im^r9n 
(wm das „wenn** lächerUeh zu machen) ; 
hf iÜ^eJ döif wi bot9r an dar zon9n 
'er steht verbittet da'; dai es fm op 
9t bot9r^'i9. g9ildg9n 'das ist ihm 
missglfickt'; op 9t bot»r^i9. fal9n 
'missglücken'. 
bot9Tbl'e.T 'Btttterbiraa'. 
hiii liör9sn 'Buttarbfaime, Sumpfdotter- 
\mtdm}mm 'Bottertopf . [blume'. 

htB rfm 'BvttorfiMB'. 
hüprAaK^ 'Bntterbande)'. 
iobrmat n. 'Bnttermarkt'. 



bot9mielk 'Buttermilch'. 

hotermo'u.l 'Buttermulde'. 

bot9m 'Butter herstellen'; 9t wel m9r 
nit bot9m 'die Sache will nicht vor- 
wärtsschreiten, nicht gelingen'. 

bot9r§0t9l 'Butterschüssel'. 

bot9rt8qu'u^ 'Buttersauce'. 

bothlct 'Kohheit'. 

bfif. 'Bau'; ns'V. bo'^. 'Gefängnis'. 

boit9n 'bauen', 'pflügen'. 

boufi^l9x 'baufällig'. 

boi/4/dr08t 'Baugerüst'. 

bouhüeJi 'Bauholz'. 

boukast9n 'Baukasten'. 

boy>kl0p9i 'Knüttel, mit welchem die Erd- 
klumpen von der Pflugschar gehauen 
werden'. 

bouman 'Pflüger'. 

boumi'e,8t9r 'Baumeister'. 

b0ymk9n^ by'e.mk9n 'Bäumchen'. 

beymk98ap9l 'Bäumchenapfel'. 

b0ymk9slü'e.p9n 'Bäumchenlaufen' (ein 
Spiel, in welchem ein Baum weniger, 
als Spieler vorhanden sind, benutzt 
wird; auf Commando wechseln die 
Mitspielenden die Bäume; derjenige, 
der keinen Baum mehr frei findet 
commandiert weiter). 

ba{iofa9r7ii7n9r 'Bauunternehmer'. 

b0'y.t 'Vi bis 1 Jahr altes Kalb'. 

brä(i)f (frz. brave) 'artig'. 

brak9n m. 'Bracke' (halbhoher, bellend 
jagender Jagdhund). 

brakan 'bellen' (vom Bracken). 

brami 'viel Aufsehens, Lärm'. 

bTand9win 'Schnaps'. 

braidk 'Brand'; mgt on bratak §rei9n 
'Mord und Brand schreien', d. h. 
'fürchterlich schreien'. 

braf9kbri'e.f 'Brief, in welchem Feuer- 
anlage angedroht wird', 'ehi sehr 
dringlicher Brief. 

brardk^irrvar 'Brandeimer' (brauner Le- 
dereimer). 

brar^khöik 'Brandhaken'. 



— 16 — 



branklqJo 'Brandglocke'. 

braf9käpryt89 'Brandspritze'. 

bra89l (vgl. mnd. braSy bräsch *Länn') 
'Getöse , amständliche Kaffeevisite' 
u. dgl.; d^ hM 9n hrasdl am ha'1.8 
'er hat eine große, unübersehbare 
Sache (große Familie, Fabrik u. s. w.) 
zu verwalten'. 

bras9ln (mnd. brassen 'lärmen') 'tüchtig, 
angestrengt arbeiten'. 

bred9 'Breite'. 

brtddrbüd» *Bretterbude'. 

bridsrtün 'Bretterzaun'. 

brei 'Brei' ; cbr brei w^t {nn'e.t) nit zo 
warm g9gSt9n toi gdkqkt\ h^ het 
9n brei op 'er ist betrunken'. 

brei9ls 'breiartiges Kuhfotter'. 

breim 'mit tief gutturaler r-A.rticulation 
sprechen'. 

breimül ^Quasselfritze'. 

brek»n *brechen', refl. 'sich übergeben'. 

breklz9r 'Brecheisen'. 

bre'L m. 'Brille', 'Loch* (auf dem Ab- 
tritt); du kans mdr gie.n^n bre'L 
opz^t9ny forku'cp^n 'du kannst mich 
nicht täuschen'. 

br^'m.s 'Bremse'. 

brfmz9n 'bremsen' (entlehnt; gewöhn- 
lich: d» ^rmf äiidre97i). 

bre'fd. pl. 'Brände, Feuerstellen' (d. i. 
Häuser); nur in der Redensart: lard98 d» 
br^'fd. Iv;e,p9n * von Tür zu Tür laufen'. 

br^n^n 'brennen'. 

br^i99n 'bringen'; dat es nit op on 
bltdbr^fB9n 'das ist unerschwinglich'. 

br^nz9ls 'Abfälle der Branntwein- und 
Bierbrauereien' (zu Viehfutter ver- 
wandt). 

br^t 'Brett'. 

brets9l m. 'Brezel' (sonderlich burgdr 
bretsdl 'Brezel aus Burg'). 

br^tidn 'Brettchen'. 

br%'e.f 'Brief. 

bri'e.fböffdn *Brief bogen'. 

brl'e.fdregdr 'Briefträger'. 



btl'e,fdüif 'Brieftaube'. 
brl'e,fkast9n 'Briefkasten'. 
bri'e/k9n 'Brief eben'; dö his du gl'M 

bn'e/k9n fan 'das weißt du nicht 

sicher*. 
brieft^ 'Brieftasche'. 
bri'ed 'breit'; 9t bri'9Jt es nqx ^^^ 

'das Schlimmste kommt noch'; dd 

es m9r dqx ^ brl'tJt 'das ist mir 

doch zu arg'. 
bröddn 'Braten' ; d9n brodln rük9n 'die 

Uinterlist merken'. 
bröd9n 'braten'. 
bröd^nts^u'u.s 'Bratensauce'. 
brek 'ßrttcke'. 
brok9melk 'Milch mit Weiß- und Schwan* 

brotstückchen'. 
brqk9n m. 'Brocken, Stück'; als pL 

'Möbel'; ffm9s d» bnfk9n f9rkü'e.p9n 

' jeni. zwangsweise die Möbel verkanfa 

lassen'; dB brqk^ti mäk^n 'dieSdinl- 

arbeiten anfertigen'. 
brßkskdn 'Bröckchen, Stückchen'. 
br0ld»p9n 'Nachtgeschirr*. 
brehn * brüllen'. 

bromb^r 'Brummbär, knurriger Mensch'. 
bröm^l f. 'Brombeere'. 
brom^n 'bnmimen'. 
bromätal 'Bmmmstall, Gefängnis'. 
brofdks9 'Bronze'. 
brot 'Brut'. 

brötpa'n. 'Bratpfanne'. 
brifU9ln 'brutzeln, schmoren'. 
brätädny bry'e.ti9n '2 od. 4 Pf.-Brötchcn'. 
bröttvüe.ä 'Bratwurst'; d9r honk wd 

ü'e.x 9n brötwü'e.i han (Antwort 

auf eitle Wünsche). 
broy9n 'brauen'. 
broipr&i, 'Brauerei'. 
breytBgam, brytgam 'Bräutigam'. 
bry-d, 'Brühe, Suppe'; la'n, brf9' 

'schlechte Suppe'; dt gru'eJt9 brf9^ 

'das Meer'; h^ hü Z9x y^tMfit d» 

grü'e,t9 bry'9, g9mdkt 'er ist ntdi 

Amerika ausgerissen'. 



— 17 — 



9n 'bffitOD*. 

'9T 'Broder'; du hes dar h^st9 

TtjäsT ü'e.x ^ *cla taugst auch 

it Tier. 

; f. 'Hose* (jetzt iiDgebrftachlich); 

. nmdl. br-ftk. 

: ^Bnich, sumpfiges Wiesental'; om 

'tjdan hrü'eJo 'Breitenbrach' (Ort). 

; *Bnich' (Unterleibsbroch). 

*Brot'; og9ffai9t brü'e.t wi'e.t 
X gii9n ^Missgunst schadet nicht'; 
^.7 brü'e^t Uan 'arm sein'; d^ 
:9r het 9t l^sU brü'e.t ^bdkdn 

stirbt'; U'e.w^r dryix brü'ed 
iWf f« efn iiriit Uu)9n'^ d^s 
i'eJ 9/ iU, dfs li'e,t 9^ ze'n.; h§ 
krank Mdn dam brüreMäp <m 
* uxmk. 

'kqH9 'Brotkruste'. 
^kramaln 'Brotkrumen', 
^fo 'Brotmesser'. 
iäp n. 'Brotschrank'. 
i»fi 'brotzeln, brodeln'. 
1 'braacheu, gebrauchen', 
'braun'. 

krai 'Brunnenkresse'. 
qp 'gemeiner Straßenjunge'. 
^ 'aufgebauscht von Kleidern'. 
i 'brausen'. 
Braut'. 

\'e.t 'Brautkleid'. 
'codks 'Brautkranz'. 

'schnell, hastig''sprechen'. 
» 'Schwätzerin'. 
^ät9r 'Schnaps'. 

[rambude'; hlifrrvdr üt d»r hüddn! 
nsrerbot). 

'Beutel, Hodensack'. 
n st u. sw. 'beugen, biegen'; dt 
f hy'e.gdn öd9r brSkdn. 
'Buch'. 

'Buche'. 

rtgil 'Bücherregal'. 
y'e.r999k 'Bucbftlhrung'. 
n'e,t f. 'Buchecker'. 
[>eaUehe Dialektgeographie II 



bü'eJnß%*e,t{9n) 'Buchweizen'. 

bü'cl^r»/ 'geräuschvoll, unordentlich'. 

büreJam 'unordentlich, unter Lärm et- 
was verrichten' (nicht ganz unser 
'poltern'). 

bü'e.U9n 'Bolzen'. 

bu'e,lt9TUä'i9, 'Bolzenzange'. 

büre.m 'Baum'; i*a.m op dan bwe.m 
äpan9n 'jemand helfen' (aus der 
Webersprache); hf zyt ffr lüt9r 
by'e.man d9n boS nit 

büe.nü'Q'ejpdT 'Baumläufer* (Vogel). 

bwe.mär^bdT 'Baumreiniger' (dreieckiges 
Eisen mit Stiel). 

büre.mäü'dd 'Baumschule'. 

bü'e,mwq'L 'Baumwolle'. 

bü'e.mwqUn 'baumwollen'. 

bwd.n 'Bohne'; 9n 6ü*9.n mi'9. n^w^n, 
'den Kaffee besser machen'; bvms 9n 
dek9 bü'9,n pöt9n 'jemand mit dem 
Knöchel hinter die Ohren drücken'; 
?i§ es en d^ii büre.n9n {on plskt 
qtsdn in Solingen) 'er ist mi^ seinen 
Gedanken anderswo'. 

by'9,n f. 'erste Etage'. 

by'e.n9n 'dielen'. 

bu'e.n9r^k{9n) n. 'Bohnenstange'. 

büre.nBHäkdn 'Bohnenstange'. 

bu'eM9H^k9n 'Bohnenstange'. 

bü'e.na&try'd. 'Bohnenstroh'; grqf wi 
bü'€,n9itry'9. . 

by'e,n§9n 'Böhnchen'. 

by'9,8 'böse'. 

by'e.89 'Büchse'. 

by'e A9nbef99r 'Bürstenbinder'. 

by'e.89ii^ts9n 'Büchsenerbsen'. 

bü'e.8hi'e.t 'Bosheit'. 

byeJtd 'Bürste'. 

by'eJ(t)9n 'bürsten', 'trinken'. 

by'9.t 'Bürde'. 

by'e,t9n 'heizen'. 

bu/ nur in: A^ kernt op d9n buf 'er 
kommt ganz unerwartet'. 

buk 'Bauch' ; b»rg9{r)tni'eJit9rSbuk 
'dicker Bauch' (der als erstes Er- 

2 



18 — 



fordernis für einen Bürnpermeister hin- 
gestellt wird); b^s9ry dai ct9r buk 
bgity ^ dat d» gü'9.t h^st /»rderfi, 

^A^n ^hemnterbekommen' (vomE^sen); 
dat kan a/ bukdn 'das kriege ich 
herunter*. 

buk^t 'Bukett'. 

bukfU 'auf dem Bauche liegend' (schlitten- 
fahren). 

bukhl'e.t 'Bauchgurt des Pferdes'. 

bykif9(k) 'Bücking'. 

buknäbdl 'Nabel'. 

bukpi'i^. f. 'Leibschmerzen'. 

bukri'e.rnj9n s. §7nj^itrl'e.,w»n. 

bukrük» 'Baüchkrug' (ein steinerner 
bauchiger Krug). 

buksai 'ganz gesättigt'. 

btikseix 'Bauch-Stoßsäge'. 

bykskan 'kleiner Bauch'. 

bukskin 'Kleiderstoff. 

bukü'9, 'Kuh' (Kindermund). 

bükw^'l. 'Bauchwclle' (Turnübung). 

by'L 'Beule'; h^ kalt z»x 9n byl. fjpr 
d9n kqp 'er spricht viel unvernünf- 
tiges Zeug' ; knyl. fer byl. 'wie du 
mir, so ich dir'. 

byn. 'Borke, Rinde, Schale der ge- 
kochten Kartoffel'; vgl. mhd. büne 
'Brett'. 

byn^p9l m. 'QuellkartofTel'; pn kü'e/m»n 
d9 byn^p9l dü'e.r d» höz9n 'ihm 
kuckt die nackte Ferse durch den 
zerrissenen Strumpf. 



büT 'Bauer' ; d^m büir toisi 
(spöttisch, um diesen au & 
d9r bür nit kpity dat f 
zo kü'e.m9n d» bür9n i 
A^/ (indem sie verzagen i 

bürafäzr (Kinderspiel : ei 
Jungen werfen auf eine 
stehenden Stein; sie lassei 
steine liegei^, bis einer 
sucht jeder seinen Stein 
erhaschen und zum Aus, 
(dnf) zu gelangen; der zi 
mende hat den Stein auf 

büT9ki'e,d»l 'Bauemkittel'. 

bürakTU^ 'Bauemknecht'. 

byrdn 'heben'. 

bür9n§it9x 'bäurisch'. 

bür9nhqf 'Bauernhof. 

bürSdp 'Bauerschaft'. 

bü^ f. (mndl. bosch) 'Getrei 

busseln 'langsam gehen' (son 
kleinen Kindern, die au( 
genannt werden). 

byz9li9n s. bws»ln, 

büt9n (as. bütan) 'auswärts* 

büt9mit 'Außenseite'. 

byt9rl9x 'äußerlich'. 

buts m. 'Kuss'. 

byt89n 'küssen'. 

byt89r 'Klopfer am Dreschfle{ 
Schmiedehammer'. 

byts9rt'i, 'Kttsserei*. 

bytsk9n 'Küsschen'. 



D 



da 'da !' (Ausnif des Erschreckens) ; da, 
do lve,ta! 'sieh, da liegt er!' 

dax *Tag'; den dax oder fan däix 
'heute'; wat haut for den dax /bt 
l'e.n9nf 'welches Datum haben wir 
heute?'; Ve.rwn dax g^'^t d9m 
a7B9r7i 7iö: 'die Zeit vergeht' ; kemst9 
den dax ^*^> kemsts mqin (Wahl- 
spruch des Faulen); en d^i da/ 9ren 



kal9n 'unüberlegtes Zeug i 
Äf stl'e,t Z9X zflw9r er- 
steht sich im Licht'; < 
zäg9n 'grüßen'. 

ddxh^l 'taghell'. 

däixlü'e.n 'Tagelohn'; zi iU^ 
däixlü'e.n 'sie schlagen s 
sie es bezahlt bekämen' 
paar). 



— 19 — 



«I 



S 



T^efidif; d^kan9t döxxsUit 
mtfirdrdg^n 'der kt lichtschea'. 
'Dich', "Regensehimi' ; ot99r däk an 
. fdk m 'Obdach habeo^ ; cft'e.r r^ 9t 
dSFe.r H däk 'du bist nicht gescheit'; 
op 9t däk Mff9n 'jemand 
9n däk ^eJW9r d9m kqj^ 



K 



kn HroimeD'; ^in9r däka 'geschützt'. 
'eMä9r 'Dachfenster*. 

'Dtchrinne'. 
dal ffl. 'Tal' (nur in Ortsnamen). 
däbr Taler'; m9r lü b^s9r 9n däl9r 
mt p^ ^en d» kest» 'Geld in der 
Kiste bringt nichts efn' ; däl^r wü'eJ 
^Scheibe Warst'. 
dä^ritäh 'Talerst&ck'. 
daibn 'niedertreten' (frisches Gras). 
im 'Damm'. 
im 'dami'. 
in, Tanne'. 
4b^p9/ 'Tannenzapfen'. 
k»n Adj. 'tannen'. 
kmboi Tannenwald'. 
ki»nhure.U 'Tannenholz'. 
i«ik 'Dank' ; Haf^kf^ daf9k 'Undank 

iit der Welt Lohn'. 
imh 'danke schön'. 
itmks 'Tanz'. 
ink99n 'tanzen'. 
I imbt9r4'i, 'Tanzerei'. 
' iaoksml'eM^r 'Tanzlehrer'. 
iäoksmuzik 'Tanzmusik'. 
dwldtplats 'Tanzplatz' (fast jeder Ort 
hatte einen solchen noch vor 20 
Jahren im Walde, wo die Leute 
an Sonntagen bei Begleitung einer 
Ziehharmonika das Tanzen lernten). 
ÜBkitl^^t 'Tanzstunde'. 
dap9r tapfer*. 

iarm 'Darm' ; 9t gl'eJ 9m ds'n, dü'e.r 
d9 df'r.m 'er hat fast nichts za 
essen'; di'e.r zal 9t nqx dß'n. dü'e.r d9 
d^'r.m gqn 'du wirst noch ans Hun- 
gern kommen'. 



dat 'das', 'dass, damit'; öin dat 'ohne 
dass'. 

dqump 'Dampf. 

dqi^p9n intr. u. tr. 'rauchen', 
'dampfen'. 

dqumpk€t9l 'Dampfkessel'. 

dqumpmaii'n. 'Dampfmaschine'. 

dqumpihf 'Dampfschifif. 

dqtd9r 'Tochter'. 

dqyt9rk9n 'Töchterchen'. 

däw9m 'geräuschvoll brummen und pol- 
tern'; 9t don9rt on däw9ri; ex 
han kqpi'f».^ dat 9t mar ein kqp9 
däw9rt. 

d^ 'der'; d^ dö 'der da'. 

dez 'dich'. 

d^ftdx 'fest, solide' (von Stoffen). 

d^imp9x 'engbrüstig' (von Pferden). 

deias9n 'laufen'. [nicht!' 

deit9 'dicht'; hquU d9x deif»! 'farze 

d^k9 'Decke', 'Zimmerdecke' ; di U'e,g9n 
t9zdm9n of99r l'e.n9r d^k9n; mar 
mot Z9x na dar d^kan itr^kan. 

deka 'dick'; deka w^ran 'gerinnen' (von 
der Milch); dai deka ft 'die große 
Freundschaft'; zax deka don 'prah- 
len'; d^n kamjar ent f^tepan as^tan 
dan wi'e.ta nqx nit deka 'alles Füttern 
hilft bei ihm nichts'; dat han 9x 
deka 'das bin ich nun aber leid'. 

d^kal 'Hut', 'Deckel'; du krlis ü'e,x 
nqx dan d^kal op da nä:s 'du stirbst 
auch noch\ 

dekan (mit d. unbest. Artikel) "/4 I. 
Schnaps im Glas'. 

d^kan 'decken' (Tiere). 

dekqp 'eigensinniger Mensch'; auch so 
viel wie dekan. 

dekqpax 'eigensinnig, harthörig'. 

deksak (Kosewort für ein kleines dickes 
Kind). 

dfkskan 'Deckchen'. 

d^kipön m. 'Schindel'. 

deil 'Tenne'. 

d^'l f. 'flaches Tal'. 

2* 



— 20 — 



dfm*^!ak 'Dommkopr. 

d^m^r 'Stampfer*. 

di^ni^rti flammen, feststampfen'. 

dfmnö: 'demnach*. 

iie»^lii^n 'DLogelchen*. 

(/ff UM *von — weg\ 

(/e*w.>fi 'Ding\ 'Haus': blif em den^n 
'bleibe zu Hause* ; don »n dei99n an 
f/(f«i>A' . . . 'mache dich fertig und 
jreho . . .* ; h^ es nü h^ir em l'e.ganan 
(/«*A^>ri 'er ist nicht Herr im eigenen 

Haus*; .*/ es dqx ff^^t ?* ''fw *^ 
nit met r^iUn def9^n t^'e.gh'n, *es 
mijislingt doch rein alles*. 

iif^,*sk'erk'Jn (Bezeichnung für jemand, 
dessen Namen man augenblicklich 
nicht gegenwärtig hat). 

«/f wA* *Ding* (selten) ; ji:t der^k hit «•». 
frlv.f^/wd^ , z^it di b^8t^fnü'e,d»rj 
dö bll'e.s z^ do lamp^ üt. 

d^wkvn *<lenken*; /atw dftBk^ti kü'e.m9n 
ih ly'cg^n (denken als meinen); d» 
kü'^. d^Kfkt (Uemsehcid rgsiy Wer- 
nielskirchen hr<^x^-^ **^'® ^^^ verlangt 
nach dem Bullen'; h^ d^r<fkt nit 
whhr wi pn d^ näis gi'e.t 

(h'Mkndtlx ^I^ienstag'. 

d^MkSftr *Tünzer*. 

d.n'hi: 'dabei* ; 0nu>8 d&rbii han {fcritpn) 

^jemand zum Narren halten*, 'jemand 

ilbervortoilen*. 
d,>vbizef'm ^dabeisitzen*. 
ihrhWon, -Mön ^dabeistehen*. 
devdhn *hingeben*; i'e.n»7i dprdbn *ein 

(Jlas tractieren', *einen dummen Witz 
tt^frdii'v.r *durch*. [machen*. 

(hrdä'e.rdbn (jemand) *etwas verraten', 

rofl. *ontfliohen*. 
d.nuiü't'.rptttAim *fost durch den Straßen- 

Holiniutz marschieren*. 
i/fi7 'fest, solide* (von Personen und 

Sachen). 
thr/(in *davon*. 
d^rfandf Sla von ab*. 
difr/dubtlw^*' leiben*. 



d9ffdnhilp9n 'davon abhelfen'. 

d9r/dnkü'e.m9n 'davon w^gkoi 

d9r/y'e.r 'dafür'. 

d9rgi:n 'dagegen*. 

dargim dg^n 'gegen Schmen 

Schicksal angehen , dem 

die Stime bieten'. 
dirhqxiUn 'hinhalten*; Z9 dirhquim* 

geschlechtlich beiwohnen lassml 
d^rhen-y dfrhen- 'dahin, dorthb*. 
d»rh6999r 'dahinter'; d»rhtfa9r 

'aaßer Atem sein'. 
d9rhh99rh^ 'hinterher, hinterdrem'. ^ 
d9rhe999rkü'e.m9n 'in EIrfahrung briil 

gen*, 'außer Atem kommen'. 
d»rh^brüe»n 'einherbrausen'. 
d9rh(rfll'e,g9n 'mnherfliegen, furehtba 

zu Boden geworfen werden'. 
c^^^A;d/io9n'8chwerflUlig einhergehaiR 

s. kolw9n. 
d^h^r§tolt8i'e.r9n 'einherstobdOTen*. 
d^rh^rtrb»ln 'schnell, wirbelnd, gl 

räuschvoll umherfliegen' (von UeiiMi 

Steinchen u. dgl.); übertragen tm 

Menschen ex iUfn d»x henor i 

ü'e.r9n, dat» doh^rMz^l». 
d^kän^n 'hinkönnend 
dfrkü'e.m»n 'pecnniär aaskommen*. 
dinmew9r 'daneben*. 
d»rnetv9rh^ 'daneben her'. 
d^rem 'darum'. 

d\rz4t9n\ gank dJ^rz4i9n\ 'setz dich! 
d^rz^t9n 'hinsetzen'. 
d9^rUg9n 'dagegen'. 
d9rt0ä9n, d9rtäi9r 'dazwischen'. 
d9rt0§^9{n)kü'e.m;9n 'dazwischenkommeD^ 
d9rtäSd(r)mp99n refl. 'sich dazwischen 

mischen*. 
d<^äi^{r)Slgn 'dazwischenschlagen*. 
d9rtS§d{r)it^n 'dazwischenstehen'. 
dc^ 'Tisch*; ro'fd. dei 'Stanuntisck'; d 

bv9.n of99T ca99r lyits dei Hr^ 

'sich von fremden Leuten eroihre 

HH^uraen'; d^n deS ffd9x fnäifcdfi oder i 

^»n dei mäk^n 'den Tisch decken 



— 21 — 



TUdideeke'. 

riBchchen'. 

m. 'Tischbein'. 

istel'. 

^eUQ'. 

[vgl tn. tSte) 'Kopf. 

r 'December'. 

Cbetont). 

)fl' ; f 'e.n di'ed toel »x ^^ zäg9n 
will ich dir vor allem ein- 
teilen', [schärfen'. 
*Teüang'. 

'dienen, Soldat sein'. 

ief. 

r*. 

ier*; h^ kriU 9t aT.m die,r 

ird melancholisch, trübsinnig'. 

Hibg9r 'Tierbändiger'. 
'Tierchen'; Ä-a/ dVe.rk9n 

iwort); jid98 die.rkdn fat zin 

t,rk»n 'jeder hat seine Lieb- 

5i>rß'|. •Tierquälerei', [haberei'. 

r/»r^n 'Tierschotzverein'. 

r m. 'Diphtherie'. 

Bh'. 

dyl»n, 

ib.), dln (prädic.) 'dein'. 
(frz. discours) 'Unterredung'. 

? 'Puppe' 

ia, dort'. 

-r'. [mit kurzem o). 

rän^n^ dödrän 'daran' (alle auch 

e.n 'Würfel'; h^ Mt g^iU wi 
an ly-^ wi d^hdUÜ^td, 'Geld 

leis mit Unreinlichkeit im Ge- 
sind nicht selten beisammen'. 

X 'doch'. 

achtig', 
'daweg'. 

I, doen9n 'dadrinnen'. 

döbp 'darnach, daraufhin'. 

dat 'dadurch dass'. 

t9n 'ablassen'. [Dachziegeln'. 

. 'Strohbttschel zwischen alten 



dog^iUt d^rffim- 'dagegen'. 

dohen, d^rhen-, d^hen- 'dahin, dort- 
hin'. 

dohe999n 'dahinten'. 

dohei99rf d9rMt9dT 'dahinter'. 

dohenfär^n 'dahinfahren'. 

doJienit^hm 'dahinstellen' ; dat kan ni^r 
dohin&tql^n 'das ist nutzloses Zeug 
welches man nur als Zierrat ge- 
brauchen kann'. 

dohi^rj ddrhfyr- 'daher'; lo m9x doh^r 
^lass mich vorbei'. 

doh^klqU^n 'schwerfällig einhergehen'; 
hoyf^Ux doh^klqUdn, 

dfk9{8) 'oft, häufig'. 

dQkt9r 'Arzt'; Z9x an g^t nam dqkt»r 
U^n 'sich an einer Lieblingsspeise 
krank essen'. 

dqkUm 'den Arzt in Anspruch nehmen'. 

dal m. (mhd. iiüle\ 'kurze Röhre an 
Eisengerätschaften, in welche der 
Stiel getrieben wird', 'kurze Eisen- 
rOhre, durch welche die Drechsler 
die Holzstücke trieben, damit sie 
rundliche Form erhielten'. 

dql 'toll', 'von einem Gewinde, welches 
nicht mehr anzudrehen ist'; mefm 
dqUn dren älqn 'eine ernste Sache 
durch eine lächerliche Bemerkung ins 
Lächerliche ziehen'; 9t mot f*e. d<fl 
gqiiy dan gVe.t 9t gü'e.t; dq'L g^äqr 
'übermütiges Mädchen'. 

doldtd98 ^dahintenhin'. 

dgl9n ^spaßen'. 

dol9nhüs Irrenanstalt'. 

di^l^re'i. 'Scherz'; d9 dql9rt'i. met 0m9- 
Z9n han 'mit jemand scherzen, jemand 
harmlos zum besten halten'. 

dolf98 'Adolf. 

dolhl'e.t »Tollheit, Übermut'. 

dolman don 'Scherz machen'. 

dqlpU'i, s. dqUlif. 

dqUlif 'froUaufende Riemscheibe'. 

dorn 'dumm' ; h^ 68 zo dorn wi »n kü'9. ; 
h^ 68 zo dorn wi h9 lat9k es. 



— 22 — 



domkl'e.t ^Dummheit*; domhVe.t on 
Hü'e.Uä wäs9n op l'e,n»m hü'eM. 

domkqp 'Dummkopf. 

dömölSf domöls 'damal8\ 

doHy dü'e.n 'tun'; h^ dl'e.t dt 9m eis 
'er wohnt dem Mädchen einmal bei' ; 
dt es dqx 9^t met (pn g9dqn 'es ist 
doch eine leidige Sache mit ihm\ 

dB-n, 'dünn'; z^x de-n. mäkan (don) 
'sich wegschleichen*; dsti. ifpal 
'Eartoffelsappe'. 

d^n 'Dorn*. 

dendrVe,t m. 'Diarrhöe*. 

dJfn^n Adj. 'domig'; dfn9n hiix 'Dom- 
hecke'. 

domr 'Donner' (Fluch); donar on ddr 
häg9l (Fluch); d9r domr kriit d^y 
tofn 9x d9r an dan balx kü'd.m 
'httte dich, dass ich dich nicht fasse' ; 
d9r don9r on gl'e.n ^'t9, (wütender 
Ausmf); 9t es d»s don^rä 'es ist 
doch zu toll'. 

d6n9Thbf9k 'schlauer Taugenichts, Schlin- 
gel' ; (auch als Kosename kleiner Kin- 
der: lX'e,tü9n d6n9rhbf9k). 

d(m9rkll (aligemein bergischer Fluch). 

don9rkil9n 'fluchen'. 

don9rkip9 (l'luch). 

d(m9m 'donnern*. 

don9ri Adj.; (2ondri9jo'i9. 'gewitterscher 
Junge*. 

döndritax 'Donnerstag*. 

dondritdx (Fluch). 

don9rw€d9r (Fluch). 

don9rwid9m 'fluchen*. 

dof9k9lblou 'dunkelblau*. 

dof9k9lbrün 'dunkelbraun'. 

dofdkalgry'e.n 'dunkelgrün*. 

dsTBkdn ^dünken'; dat detakt nux *^^ 
glaub ich auch*. 

dqnry'e.8k9n 'Domröschen*. 

ddbpy dödrbp 'darauf, dadrauf (örtlich 
und zeitlich). 

dqp (mnd. dop) 'Auge, Gelenkpfanne*, 
'Geßlngnis*. 



dep9n n. 'steinerner Topf, ' 
Mensch', 'Kopf (vgl. dieEntwi 
von lat. testa 'Topf zu teie 
du bes 9n d0p9n fam jo% 
bist ein dummer Junge'; #m9. 
9t d0p9n g€w9n 'jemand hii 
Ohren schlagen*. 

dqp9n 'ausschoten* (Hnkenfrüch 

d^ 'dürr*. 

(2fr(9n) 'Tor*. 

ddren^ deren 'daherein, dahineii 

d0r9ny dqr9n 'dürr werden*. 

d/fr9ilöt 'Torschloss*. 

d^Sly'e.t9l 'Torsohlttssel*. 

dorm»ln (frz. dormir) 'leicht sc 

dörgroy dor&m 'dahemm*. 

d6rof99r, dor6i99r 'daherunter*. 

doropf dordp 'daherauf, dahina 

dqrp 'der alte Teil, das Centra 
Stadt im Gegensatz zu den ji 
Teilen' {9t r^mi9d»r dqrj. 
einer Landgemeinde die in 
punkt liegende Stadt' ; so Croi 
im Munde der Bewohner ( 
liegenden Orte dqrp genannt 
ent dqrp 'ich gehe nach Cron 

d0rp9l (lat. duropeüum) *Tttrsi 

dory'e.w9r 'daherüber, dahinüb< 

dörüty dortU 'daheraus, dahinai 

d0rw9n 'dürfen'; daneben dy-e 
ältere Form, vgl. mhd. tum 

dq§9n 'dreschen*. 

dqiJU(g)9l 'Dreschflegel'. 

dö'jnn 'da sein* '^ h^ es zo nit dö 
nicht so dumm, wie er auss 
GegenteU, er ist ein Schla 
und tut nur so*. 

desJ^'e. 'diesmal*. 

döätqn 'dastehen*. 

det 'dies*. 

dqt9x 'dreißig*. 

dqt9r 'Dotter im Ei'. 

dgts 'kleiner Kerl*. 

d9j^ m. 'Drack, Stofi', 'Schub'. 

dBy9n 'drücken', ^schieben'. 



— 28 — 



drüt^n- *daraas, daheraus'; nit 
kü'e»m9n 'nicht draus klug 
werdcm*. 
IdMÜM so viel wie dek9n. 
\ifff9l s. dyw9L 
[iHtl[khp9l *Trag8tock', mit welchem 

das h'e,w9rm/^k»n gestützt wird. 
töBgitüeJ Tragstuhr. 
ingtt HJleiehgewicht' (sonderlich vou 

Kirren). 
itäffm ^tragen'. 
iram Wrarm, schwül'. 
inm»x s- dram, 
kän *dran'. 
iränmkrig^n ^übervorteilen', 'einem 

Midchen die Scham betasten*. 
iränkü'e-m^n ^drankommen', 'einem 
Mftdchen die Scham betasten dürfen*. 
in^ym 'drohen'. 
irt f. 'Wendung, Kurve*. 
Mtank 'Drehbank', 
to» ^drehen'. 
irür 'Eisendreher'. 

irefi f. 'Trieb, Energie'; en d^m, es 
fi'e.n dre/t en9n 'dem fehlt der 
Trieb vorwärtszukommen'. 
irifpr '4'räger'. 
drq 'drei'; cd9r gü'e,d»n den. zint 

drei; s. e^siäfk^, 
irejfiröt 'dreifacher Faden*. 
^ireimöl 'dreimal' ; iprenk dreimöl ^em 
dan hHt9r l'e,n9n (Antwort für einen, 
der sich bei Tisch beschwert keinen 
Löffel zu haben, d. h. hole dir 
selbst euien). 
ireiflax 'Schlagen dreier Schmiede auf 
euien Amboss, oder dreier Drescher*. 
dr^k 'Schmutz, Erde', 'Kleinigkeit'; dd 
käzT en d9n dr^k fär^m 'eine Sache 
durch Ungeschicklichkeit vereiteln'; 
dö es m9r ü'e.x nit 9n dr^k änan 
g^Ug^n 'das l&sst mich völlig gleich- 
gültig'. 
dnßcarbl'e.d^r ^Erdarbeiter'. [terre'. 
dr^kÖ€Uk9n *Fu6bodenbalken im Par- 



drfkby'eJt^ 'Schmutzbürste' (mit wel- 
cher der Schmutz von den Schuhen 
gebürstet wird); Gegensatz: blarak- 
by'eJt». 

dr^kf^k^n 'Schmutzfink'. 

dr^kl^x 'schmutzig'. 

dr^kmytdT 'Schmutzfink'. 

dr^kpan, 'Staubpfanne'. 

dr^ksak 'Schmutzfink'. 

e/r^Ac^a*// 'Schmutzfink', 'Maurer' (spöt- 
tisch). 

drd 'DrÜchleinwand'. 

dren 'darein, drein'. 

dremm 'drinnen'; deka dren^n zet9n 
'viel Geld besitzen*; dö Hekt niks 
dren»n 'das ist einerlei'. 

dr^ngqn 'drein gehen'. 

drenkäl»n 'dazwischen sprechen*. 

dref9k9n 'trinken'; A^ es am drenkdu 
'er ist dem Trünke ergeben'; am 
ryti^n (Fensterscheibchen) drei9k9n 
(wo man fürs Geld mehr erhält). 

drefsk^r 'Trinker, Trunkenbold'. 

drerakg^ilt 'Trinkgeld'. 

drerakka-l. 'Trinkhalle'. 

drenkik^n 'dreinkucken* ; h^ kikt dren 
wi drei dä:x remwecUr 'er kuckt 
trübe, missgestimmt drein*. 

drenm^f9dn 'dreinmengen'. 

dren^lqn 'dreinschlagen'. 

dresHbarak 'Drechselbank'. 

dresaln 'drechseln*. 

dresUr 'Drechsler*. 

drisl^re'i. 'Drechslerei*. 

drlSta'fd. 'Drehstange* (am Fenster). 

drieJ m. (ahd. drisk 'dreijährig') 'Brach- 
weide'. 

dri'e.smi'e.z9ln 'vor sich hin dösen*. 

dn'e.t m. 'Kleinigkeit, Bischen'. 

dri'e,t9r 'Dummkopf. 

drl'e.war 'Hohlcylinder' (mit welchem 
Ringe um Stangen getrieben werden). 

dri/hüs 'Treibhaus'. 

drifjaxt 'Treibjagd'. 

drikBS 'Heinrich', 'dummer Mensch*. 



— 24 — 



dr-ist *dreiBt'. 

drist9xki'e.t 'Dreistigkeit'. 

dritää (Schimpfwort). 

dnt9 f. *Kot' (vgl. u. dfitl^t), 

drU9n (mnd. dritf dr€t *Kot') 'seine 
Bedürfnisse abmachen'; at es dqx 
a'l. g9dri'e,t9n 'es ist doch alles 
nichts'; drU m»r g^t! oder ja ga- 
dri'e.t9n 'prost Mahlzeit*. 

drit9T4'i, ''Kleinigkeitskrämerei, unwich- 
tige Sache, dämme Geschichte'. 

drithü'e,p 'Kothaufe'. 

drithysfcBn 'Abort*. 

dritJ^l 'dummer, schmutziger Kerl* {drit- 
hat in Compositis immer eine ver- 
ächtliche Bedeutung). 

drltket^l s. ketdh 

dntltp9l 'Schöpflöffel für Aborte' (auch 
geringschätzendes Schimpfwort). 

drUsak (Schimpfwort). 

dri,w9n 'treiben, triefen'; wi inar H 
driiß zo gi'e.t 9t 

dritü9r 'Treiber*. 

drlwdreri, 'Treiberei*. 

dr0d9lboksd 'langsam arbeitender 
Mensch'. 

dredaln 'langsam gehen', 'zögern, zau- 
dern*. 

drehen 'drucken*. 

drenn 'drum*; Äf es drmn 'er hat ver- 
loren*; i'9.m g^t drem (nämlich 
em d^i ää) gewdn 'jemand durch- 
prügeln'. 

dremaU/ 'duselig*. 

drßjmln 'duseln'; s. dormaln. 

drämalzäk 'Duselpeter'. 

dremalä^m 'ein langsames, träumerisches 
Mädchen'. 

dr^rmeix, trormeix 'Zimmermannssäge*; 
dazu selten droman 'dicke Bäume 
absägen' (vgl. mhd. drumen). 

dremswehn 'dai;um oben'. 

drofdar 'drunter' ; omas drotdar kü'e.tti^n 
'jemand hinter seine SchUche konmien'; 
dronar d^nan 'drunter weg\ 



drfß79k 'Trunk*. 

drap 'drauf (auf die Frage wohin); 
kan nU mVa, drop kü'e.man 'i 
kann mich dessen nicht mehr 
sinnen'; drap gqn 'geschieehl 
beiwohnen'. 

dr»p9lbl'9.r 'Tröpfelbier'. 

dräpalfhlm, 'Traufe'; ^n/rqwu. esidwtk 
ganSxy ^"^ «^» ^'^ '* rem/, omt-, 
d9m dr»p9lfä'L dpvan gü'eJt^ an kf 
da ftsan nü änhqfi»n\ vgl. dromr, 

drepaln 'tröpfeln, tropfen'. 

drtpalnäis 'Tropfnase'. 

dropan 'drauf (auf die Frage wo); 9 
han at dropan 'ich habe gute Luot 

dröpan 'Tropfen'. [dan*. 

dropiligar 'Dranfschliiger' (der in dar 
Schmiede hinter dem Amboss steht). 

dntpilqn^ -ilön 'draufscblagen' s. dirvp' 
§Ugar \k. fyrhU^mir. 

drqikan n. 'Droschke*. 

dröt 'Draht' ; zax düre.r da dreü dütM 
'entfliehen'. 

drötnäd 'Nagel'. 

drötäa 'Frau, welche die Worte sehr 
lang zieht'. 

drötiax kaJan 'langgezogen sprechen'. 

dro'^. f. 'Bedrängnis, Not'. 

dryix 'trocken', 'nicht milchgebend' (von 
Kühen, Ziegen), 'ohne Mutterwitz*; 
hquU dax dryzx ^lass dir niehto 
durch Lächeln anmerken' ; an drygan 
pitar 'ein langweiliger Mensch'; h^ 
es dryzx il^ 'er betrügt hinter der 
Hand, aber man merkt es ihm so 
leicht nicht an, weil er stets diyix 
d. h. ernst ist*; o'm, dryg^m zetan 
'kein Geld mehr haben*. 

dry:xfü'e.dar 'Trockenfutter*. 

dryix^lipan 'trocken schleifen', *ge- 
schlechtlich beiwohnen, ohne zu be- 
fruchten'. 

dry.x^Hpar (Substantiv zu letzterem). 

drü:xü'e.lar 'Trookenspeicher*. 

drya./ 'trübe*. 



- v 



i 

m 

2 



- 25 - 



it fdumraer Mensch*. 

Traum', 
»ft 'träumen', 
wr 'Träumer'. 

m'i. 'Träumerei*. [neuberg). 
täl Trübsal' (Ortschaft bei Cro- 
I 'Drossel* ; qwud drü'e^ *alte 
ichtel*. 

9r 'drüber'; dry'MO^r zin *be- 
ken sein'; dry'eMT^ kü'e.mati 
iregkommen können über' (Aus- 
fn, Schmerz). 
*Traube'. 
ü-eJc 'Handtuch'. 

trocknen*. 

(nur in Compositis), s. dotU^n. 
Um mn»g (im Spiel) 'jemand vor 
uss des Spieles ausscheiden\ 
^Ipim 'heraushelfen*, 'erklären*. 
*oftmp»n 'drauspumpen'. 
trik^n 'herausbügeln*. 
1 'dreizehn'; s. z^steb^. 
ur 'Fünfzigpfennigstück'. 

'Gertrud', 'witzloses Mädchen'. 
'du\ 
loppelt'. 

. ^musikalisches Durcheinander* 
. auf der Kirmes), 
if«/ 'Totenfest*. 

IVe^ 'Totenfleisch* (das Fleisch, 
h welches beim Schlachten die 
iden Stiche gingen). 
9rhp(89) 'Gerippe'. 
9ry-e.k 'Totengeruch'. 
T€to9r 'Totengräber'. 
4fp 'Totenkopf, Schädel'. 
h^mdan 'Totenhemd'. 

äntse'i^x 'Todesanzeige'. 
In 'Totenschein', 
aub'. 
'taugen'. 

iks 'Taugenichts'. 
Tuch'. 

«n, dy-e.ksh^n 'Tüchleiii'. 
brik 'Tuchfabrik'. 



dy'e.Un 'dulden'. 

dy'e.mx 'tugendhaft'. 

dü'e.pd 'Taufe'. 

dü'e.p<niy dy'e.p9n 'taufen'. 

dü'e.pwät9r 'Taufwasser'. 

rfy-e.r 'Tür', 'Halbtür'; lan^s da dy'e,ran 
^9/1 'betteln *{fi^r d^ i'e.gan9ndy'e.r9n 
k^an 'sich um sich selbst beküm- 
mern, nicht um andere'; met dar 
dy'e.r ent hüs fal»n\ y'e,fü9r da 
dy'e,r lahm 'Besuch abstatten'. 

dü'e.r 'durch'. 

dü'e.r 'Dohr' (Ortschaft). 

dü'e,rhltan 'durchbeißen' (auch über- 
tragen). 

dü'e.rblädan 'durchblättern'. 

dü'e.r brekan 'durchbrechen'. 

dü'e,rd7n nur in l'a.tn y^t dü'e.rdon 
'jemand etwas verraten'. 

dü'e,rdri'e,wan 'gerieben'. 

dü'e.rdriwar 'Instrument, mit welchem 
etwas durch ein Loch getrieben wird' 
(in Schreinerei und Schmiederei ge- 

dy'e.rakreka 'Türklinke'. [braucht). 

dy'e,rän (vgl. mhd. turren) 'dürfen'. 

dvre.ras 'Theodor'. 

dye.r/0lafak 'Türfüllung'. 

dü'e.ry^taar 'Durchgänger' (vom Men- 
schen und Pferd). 

dü'e.rgqn 'durchgehen* (vonGesch würen). 

du'e,Ti'e.n 'Chaos, Durcheinander*. 

dü'e.ri'e.n 'durcheinander*; dat ll'ct 
dü'e.ri'ejn toi kapas on tabdk oder 
wi krüt on ry'e.ban 'das liegt kunter- 
bunt durcheinander* ; alas dü'e.ri'e.n 
mäkan 'phantasieren*. 

dü-r.ri'e.nkrözan 'in Unordnung 
bringen*. 

dü'e.ri'e.inym^ngan 'durcheinanderraen- 
gen', 'Tatsachen verwechseln*. 

dwe,ri'e.{7i)wy'e.lati 'durcheinanderwüh- 

dü'e,rltan 'durchrei^n*. [len*. 

dy-e.rkan 'Türchen* (am Ofen). 

dü'crkrigan 'durchkriegen*. 

dü'e,rkü'e.7nan 'durchkommen*. 



- 26 — 



dü'e.mät *durchnass*; s. nät. 

dürcrz^n 'durchsägen'. 

dü'e.Tzei^n 'darch8eien\ 

dvL'e.rz^tBn 'darchsetzen*. 

dü'e,ril4^n 'durchschlagen, durchsieben* 

(durch ein Tuch). 
dü'e,ränldim 'durchschneiden*. 
dü'e.rStü'e,t9n 'durchstoßen*. 
dü'e*r§wetdn 'durchschwitzen'. 
dü'e,rwd89n 'durchwachsen'; dü'e.rwd- 

dü'9,s 'Dose*. 

dy'9.8kan 'Döschen', 'dummes Mädchen*. 

dü-eJit) 'Durst*. 

dweJt9r9x 'durstig*. 

dü'e.t 'Tod', 'tot'; unt wi dar düreJ 
'bleich wie der Tod*. 

dure.tgwe,t 'totgut'. 

dü'e.tkrai9k 'totkrank*. 

dü'eMax9n refl. 'sich tot lachen*. 

dü'e.tiny'9.t 'totmüde*. 

dü'e.Mp9 'überreif. 

dü'eMve.t9n totschießen*. 

düeMUffar 'Mörder'. 

dti(:)/' 'Taube'; da düwan^ Uwm an hnin^ 
di br^9n da man 0m at zin (alles 
sind sehr kostspielige Liebhabereien). 

dy{i)/k9n 'Täubchen*. 

dykaln 'an die Mutter angeschmiegt 
schlafen* (von kleinen Rindern). 

dukan refl. 'sich niederbeugen' (um nicht 
gesehen oder getroffen zu werden). 

dvkmyzar 'heimtückischer Mensch* (wel- 
cher stets ein freundliches Gesicht 
zu machen weiß, wenn sich ihm eine 
günstige Gelegenheit bietet). 

dyldqp 'Holzkreisel*; sonst hyldgp. 

dylauy dilan 'kreisen*. 

dymalarak m. 'Futteral* (für Fingerver- 
letzungen). 

düman 'Daumen*. 

dymkan 'Däumchen'; w^n da wva.r 
min dymkan zySj mots ta dqx wVa.r 
laxan (zu einem weinenden Kinde); 
l'a,m g^t ofaar daJt dymkan Hikan 



'jemand bestechen', 'j< 
verbergen'. 

dypstarkan (Kosewort föi 
niedliches Kind). 

dy:r 'teuer*. 

düran 'dauern*. 

dü8 (frz. doux) 'sanft* (jetzl 
lieh). 

dyealax 'duselig, schwinde 

dyzaln 'duseln'. 

dyzaUan 'langsames, schl 
chen*. 

düSan (mnd. duschen) 'raus( 
(in den Ohren). 

dy^an 'beschwichtigen*. 

düz9nt 'tausend*; s. ersteh 

dystar 'dunkel'; he'i. es 
fÄ em kwa.balx oder 
dystar, dat m»r da mc^ 
kan; em dyst9m es yi 
Swar nit gü'e,t fly'9. fi 

dystarki'e.t 'Dunkelheit'. 

dytlax 'deutlich*. 

dyti 'deutsch*; dyti tyx 
sichtslos die Wahrheit 

dutsan 'mit den Köpfen 
stoßen* ; kipa duts (Beg 
ner Kinder bei diesem 
stoßen). 

dtUsant 'Dutzend*. 

dyUlaiak 'Deutschland*. 

dywal 'Teufel*; hql max 
{deytvat) (Fluch oder Be 
m»r fam dm/wal kalt 
'wenn man gerade von j< 
so kommt er*; du bei 
ta sl^it 'du taugst ga 
dywal drit em9r op 
hfve.p 'wo Geld ist, 
mehr Geld hin*; h^ es 
ta yqu af 'er Überlist 
Teufel*; m£t g^iU kam 
banan oder dataksan lö 
bringt man alles fertig 
dywal ta klüreJc aj 



•jy — 



Uli 



d9r ff0yip9f «dass dich der Teufel 

hokf wenn du ....'; tof m9r dbm 

dfiB9l d9 fei99r lat9t^ n»mt9 d9 

gani» htmk'y lBst9x g9Üfl on ss€l9x 

fiHqrvj9n es d9m dyw9l d» T^xn9f9k 

f9rdgrw9n; Sirdt9n^i99l gint hüs- 

iyw9l *Leate, die in Gesellschaft 

M$ freundlich sind, sind meist 

Haostyrannen'; u^ fn»r ddn dyw^l 

an d9 wca^k möli, dan kernt» 'man 

loll nicht l&stern' ; ddn deywdl darfän 



hart *der Sache nicht trauen'; Z9x 

op d^n deytodl kom 9r{it ilqn 'sich 

fUrchterlicfi schlagen'. 
düWiflVe.phäwar Taubenliebhaber'. 
dyvTfthkl'eM 'Faulbaumfrucht'. 
dywahmt^.89x (dient zur Verstärkung und 

Steigerung); dywBlsmes^x c^2/»^ *8ehr 

teuer'. 
düwMax Taubenschlag', 'Vorderritz der 

Hose'. 
dütü9ity'e,t9r 'Sperber'. 



iMd9n refl. 'sich einbilden*. 
Mc9n 'einbrechen'. 
^irp99n 'einbringen'. 

^•«gge'. 

^ 'echt'. 

f^Mnit« 'Tonpfeifchen*. 

ftfopfj» 'Tonpfeife'. 

fifottdr 'Tonware'. 

^d 'EinfaU'. 

^abn 'einfallen' (auch übertragen vom 

Gedächtnis). 
^änn 'emfahren'. 
% n. 'Efeu'. 
tf^hf 'effectiv'. 
^n 'mit rauher Schlagfläche versehen' 

(Hämmer a. dgl.). 
rfirm9n 'einflUleln' (einen Faden). 
^ 'gleichgültig', 'gleich' ; dat wie.t 
m»Z egäü {ipets egdif) oder dat 
MlU Z9X ipets egdU 'das ist ganz 
a^^' 'Eingang'. [gleichgültig'. 

^ 'Egge' (unterschieden werden: 
igd9 met und ö:n itrlkbalk^n; s. 
Hrikbalk9n). 
eg9beU 'eingebildet, stolz'. 
tgafai^n 'abgemagert'. 

eg9zad9 ffawiif» n. 'Gewichtsatz'. 
ft 'Ei', 'Hode'; 9t ^i wel d^kds 
kly'eJor ssin ^s 9t Aä*e.n; zex em 



ogtfl^id9 ^i9r keitu^m; z^x gflk9n 
wi i'e,n ^i d9m ai99m; Ten ful 
^i f9rd&rft d»a gants9n brei\ dat 
es dn dek ^i tBi9r {met) d^n tiv^i9n 
'es besteht intime Freundschaft zwi- 
schen den beiden'. 

^ix9n 'streicheln' (Kindersprache). 

fiarkqrf 'der Hintere' (im Scherz). 

qi9rkü'€,k9n 'Mehlpfannkuchen'. 

efi9rpä:l 'Eierschale*. 

^i'i.k»n 'kleines Ei'. 

^im9r 'Eimer'; cbn ^ini9r en dan pet 
löt9n 'einen Versuch machen'. 

eimdsfäty lrn9s/ät 'Bienenkorb'. 

eis 'einmal'. 

^ittf 'acht' (mögliche Compositionen s. u. 
zqstehx). 

^itd 'Achtung'; nevv9nt 0t9k en ^Lt9, dat 
fptnit wl'9.r di/ü'e.^9n.' (eines Mannes 
Frau war gestorben; bei dem Be- 
gräbnis stießen die Träger an eine 
Hecke — in Solingen an den Tür- 
pfosten — , dö kö:m d9 frqwu, bl 
'da erwachte die Frau'; nach zwei 
Jahren starb sie wieder, da ermahnte 
der Mann die Träger, sie möchten 
sich nur in acht nehmen, dass sie 
nicht wieder anstießen) ; ^it9 han op 
'achten auf. 

i^it9n op 'achten auf. 

^it9i9k 'Achtung'. 



28 — 



^iUrhüksd *Hintergeschirr dos Pferde8\ 

ejfdvhyl. *Eiterbeule'. 

eif9m *eitern'. 

^tYl'cn 'achtzehn\ 

^khr^Uan 'Eckbrettchen*. 

^k9l 'Ekel\ 'ekelhafter Mensch'. 

^k^ln refl. 'sich ekeln*. 

^k9r§ *nur*, 'besser'; ^k^H dat 'nur das'; 
dai hqt8t9 fk9rä nit gddqn 'das hättest 
du besser bleiben ]as8en\ 

^kl9x (Adv. häufig €kl9g9n) 'ekelhaft, 
abscheulich, widerwärtig' ; ekhx dyir 
'«ehr teuer', 9n ^kldg-^n k^l 'ein ab- 
stoßender Mensch'. 

^kiäp 'Eckschrank'. 

^ki^pkdn 'Eckschränkchen'. 

^kskpis (frz. excufte) 'Ausrede'. 

^k8kyz9nt^k9n 'Handarbeitsbeutcl, den 
die Frauen auf Visiten mitnehmen, 
um den Schein von Fleiß zu er- 
wecken oder um überhaupt etwas 
in der Hand zu haben'. 

^kspr^s (frz. exprls) 'absichtlich'. 

^kstdTm 'quälen'. 

^kHVe.n 'Eckstein' (im Kartenspiel). 

fkstra 'gegen den Willen anderer'; nu 
don 9x 9t ^kstra 'jetzt tue ich es 
gerade'. 

^ksträSy -i ; g^i ^ksträs, -ä ^etwas Außer- 
gewöhnliches, außergewöhnlich Fei- 
nes' (z. B. der Nachtisch). 

^k»traiox 'Extrazug'. 

ekwe,m9n 'Einkommen'. 

ekü'e.m9Myr 'Einkommensteuer'. 

ekü'e.p 'Einkauf. 

ekü'cpHprls 'Einkaufspreis'. 

ehvati'e,r9fdk 'Einquartierung'. 

f:l 'Elle'. 

efäd9n 'einladen'. 

Mta9s *vorbei', 'hierher' : ex kü-9.m d9r 
gtik as M999S I>rohung: 'gleich 
komme ich zu dir, um dich durch- 
zuprügeln'. 

Mf99s/är9n 'vorbeifahren'. 

9ldt998gi^n 'vorbeigehen'. 



dldt9dskü'Mrn»fi ^vorbeikommen'. 

9ldf99slötdn 'vorbeilassen'. 

9ldf99slü'e.p9n 'vorbeilaufen'. 

9ldf99sm9tdn 'vorbeirnftssen'. 

d9fdnt 'Elephant'. 

9l^ktr9i 'elektrisch'. 

el9n m. 'eiserne Spitze an EiseDgerftt- 

schaften, tlber welche der Holzgrif 

gestreift wird'. 
el9nbög9n 'Ellbogen'. 
elf 'eir. 
eilstar 'Elster'. 
6:lst9rü'e,x , H8i9ro^.x 'Hühnerauge'; 

dqm. dont d» I'.lst9rü'e.ff9n nü miiL 

wl'9, 'der ist tot', 
^m. 'ihm' (betont). 
9mdlj9 'Emaille'. 
em9r 'immer'. 
etfi9rml'9. 'immer mehr'. 
fmßl9t9k 'Empfehlung*. 
emuk9ln 'sorghutig und dick einwickeln' 

(die kleinen Kinder). 



en 'in'. 



^n 'ihn' (betont). 

^•». 'Ende' ; d^ es fam grövo9n ^w. af- 
gafabn 'das ist ein grober Mensch'; 
9t f '99. drH d9 last. 

f '99. 'enge', 'beklommen'. 

endqm dat 'während'. 

e(n)dle.l9n 'einteilen'. 

endr€9n 'einwickeln, einrollen'. 

endrok 'Eindruck, den man auf jemand 
macht*. 

^f99l 'Engel'; »n fy'l frqu'u. es » 
ff9e/ em, b^t 

p99lä9n 'Engelchen'. 

enimdn 'einnehmen'. 

p99r9r9k 'Änderung'. 

p99m 'ändern' ; w^ m»rt nü fi99m fein, 
lqf9r don fs d» kflS9n on löt9H 9t 
renan 'was man nicht kann ändern, 
das mnss man lassen schlendern' 
{d9 k»lA9n^ 'Kölner*, sind als leicht- 
lebig bekannt). 

enhquUn 'einhalttti'. 



— 29 — 



'ineiiiander'. 

)ffl'eldn *meinandergie6en\ 

()gr%p9n 'ineinandergreifen'. 

i)H'eIdn 'erschrecken'. 

i)Hiw9n 'ineinanderschiebenV 

[mild, enkel) 'Knöchel'. 

l 'winkelig, klein' (vom Zimmer). 

Tinte'; vgl. engL ink. 

> m. 'Mittagschläfchen'. 

n 'ein Mittagschläfchen halten'. 

m 'einatmen'. 

9H 'einheimsen'. 

.11 'Einsehen'. 

Inte'. 

m9n 'inzwischen'. 

'endlich'. 

i 'einzeln'. 

7itf*i9. 'im allgemeinen'. 

I9g9n 'entschuldigen'. 

i 'in Schlaf fallen'. 

i 'einpacken'; du kans epak9n 

t dir bin ich fertig'. 

I. 'Kartoffel'; ^l t^ p^it oder 
n. ^l 'Kartoffelsuppe'; di ^l 
0d9n 'Wasser von gekochten Kar- 
lein schütten', 'urinieren*. 

fm9r 'Kartoffelstampfer'. 

i 'Äpfelchen'. 

f 'Uhr' (scherzhaft). 

re*k9n 'Kartoffelkuchcn' ; fin'- 

II. d9x nU am kqtU<^n ^M- 
e,k9n (scherzhaft) 'lass die Finger 
on'. 

ä 'Kartoffelsalat'. 

eU 'Kartoffelmehr. 

rige'. 

' (Possess.). 

lerab'. 

*n 'herabfallen'. 

n 'herabgehen', 'fallen' (von 

Isen). 

re.fft9n 'herabkommen'. 

'ire.t9n 'herunterstoßen'. 

I 'einrahmen'. 

i9n refl. 'sich erbarmen'. 



^rb9l 'Erdbeere'. 

^b^rmbx 'erbärmlich, kläglich, nieder- 

9ren 'herein, hinein'. [trächtig'. 

dTtnbr^f&9n 'hereinbringen'. 

9rend0rfü9n^ 'dy'e.r9n 'hereindttrfen*. 

9rend0jf9n 'hereindrücken , herein- 

9re(n)/al9n 'hineinfallen'. [drängen'. 

9rt(n)fär9n 'hereinfahren'. 

in't{n)kl€m»n 'hereinklettem*. 

9re(n)kl0tifm 'hereinklettem'. 

9r^n)kü'e.m9n 'hereinkommen'. 

9re(n)lötim 'hereinlassen'. 

9re{n)l0yt9n 'hereinleuchten\ 

»r6ny'e,d9g9n , •ny'e.r9g9n 'herein- 
nötigen'. 

9rt(n)r^n9n 'hereinregnen'. 

9re{nyrü'e.p9n 'hereinrufen'. 

9r4(n)zhi, 'Zi'9,n 'hineinsehen'. 

9re{n)ilep9n 'hineinschleppen'. 

9re{n)inepn 'hineinschneien'. 

9rt(n)6tap9n 'hineinstopfen'. 

drhitr^k^n 'hereinziehen'. 

fr/l^k9n 'Muttermal'. 

^rg<fr 'Ärger'. 

frg9rbx 'ärgerlich'. 

^r(f9m 'ärgern' ; dpi frg9rt 9n fll 9.% 
an ddr wat^k. 

erlwdii 'einreiben'. 

^rk^kUx ^dankbar, erkenntlich'. 

^rliiüdn 'erleben'. 

frmda 'Armut'. 

9r&m 'herum'. 

drämbp99ln 'umherstrolchen'. 

9rem/äi 9n 'herumfaliren'. 

9rämflad9m (von Frauen) 'überall 
schwatzen, Leute durch die Zähne 
ziehen, anschwärzen'. 

9r0mfll'e,g9n 'herumfliegen'. 

9rämhukdn 'umherbocken' (in den Zim- 
mern und nicht ins Freie wollen). 

9reTnMkdn 'umherkucken'. 

9rSmkrüp9n 'umherkriechen'. 

»rmnkü'e.m^n 'herumkommen', 'pecnniär 
auskommen'; kom 9s 9r&m (unter 
Nachbarn, die einander einladen). 



— 80 — 



9r4mlü-e,p9n 'heramstreichen, faalens&en'. 

9rämeet9n 'amhersitzeD*. 

9r&mil^nd9m ^umherscblendern*. 

9rSmSmlt9ii refl. 'sich herumwerfen' (im 
Bett). 

9r9mipret99n 'sich plötzlich umwenden\ 

9rBmipref99n 'umher8pringen\ 

9T0mstipdln 'nichtstaerisch , faul da- 
stehen'; s. itip9l. 

9rSfnitnk9n 'umherstreichen , vagari*. 

9rämitrik9r 'Landstreicher'. 

9rämzy'e,k9n 'herumsuchen'. 

drä7näwfrm9n ^Nächte durchschwilrmen'. 

9rinUr^k9n 'umherziehen' (von Va- 

9r6f99r 'herunter, hinunter*. [ganten). 

9rdt9drbrfra9n 'herunterbringen\ 

9r6f99rffgn, -gön 'heruntergehen'. 

dr6f99rlt9n 'herunterreißen*, 'ausschim- 
pfen'. 

9r6f99rkü'e.rmn 'herunterkommen', 'in 
der Schule heruntergesetzt werden'. 

drüfd9rlötdn 'herunterlassen'. 

9r6fddrHäg9n t -ilön, -4lqn 'herunter- 
schlagen'. 

9rüfd9rilükdn 'herunterschlucken'. 

9r6fd9rimUdn 'herunterwerfen'. 

9r6fddrwerg9n 'herunterwürgen*. 

9r6p 'herauf, hinauf. 

9röpdräg9n 'herauftragen'. 

9r6p/är9n 'herauffahren'. 

»ropg^Hy -gön 'heraufgeben'. 

^röpkrüpdn 'heraufkriechen'. 

dropküre.irvdii 'heraufgesetzt wenien' (in 
der Schule). 

9r6preU9n 'heraufrutschen'. 

9r6p§tlg9n 'heraufsteigen'. 

9r6ptrfk97i 'heraufziehen'. 

fr§tek9n 'ersticken*. 

9ry'e,w9r 'herüber, hinüber'. 

9ry'e,w9rbr^an 'herüberbringen'. 

9ry'e.w9rfär9n 'herüberfahren'. 

9ry*e.w9rflV€.(pn 'herüberfliegen'. 

9ry'e.w9rgon 'herübergehon'. 

9ry'e.vy9rk0n9n 'herüberkönnen*. 

■i^ry'e.tü9rhü'e.in9H 'horübcrkuuimeu'. 



9ry'e,fß9rlü'e,p9n 'herflberlaafen'. 

9nlU 'heraus, hinaus'. 

9rüidon 'ausgeben' (Wäsche u. dgL)^ 
refl. 'dick werden*. 

9rüify'e,l9n 'herausfühlen'. 

9riUhaf99n 'heraushängen'. 

9rütkng9n 'herausbekommen', 'an da^ 
Tag kommen'. 

9rutkti'e.fn9n 'herauskommen', 'an ötm 
Tag kommen'. 

9riUr^kini 'herausziehen', 'in die FreoMla 
ziehen' (vom Dienstmädchen). 

9rät8^t9n (jemand) 'an die Tür setzen, 
hinauswerfen'. 

97rutJhmt9n 'herauswerfen'. 

9rutäpret99n 'herausspringen'. 

9rutät^fl9n 'herausstellen*. 

9rutätrik9n 'loben'; refl. 'sich selbit 
loben', 'dick, stark werden*. 

9rdUtü'eA»n 'hinausstofien*. 

^rw9n 'erben'. 

ezquU9n 'einsafaKen*. 

^ 'Esche'. 

^ 'Asche*. 

^X *Essig\ 

ez6xn»ii 'einsegnen, confirmieren*. 

ez^X'n^^^k 'Confirmation*. 

ez9l 'Esel' ; wcmt d9m iz9l t» wäü es, 
gi'e,t9 op 9tis\ es dat nit 9n dcm»^ 
€e9l, h^t 9t ff9M e.w9n on kamt ^ 
Uzdn ; wo d9r ee9l 99% l'tsnöl M 
do wat9 z9z d» tw^id^ Äci'e. (n 
Menschen, welche dieselbe Dummheit 
mehrfach machen); fn9r kan cbn 
€z9l ant wät»r dnw9n^ 6w9r m»r 
kan 9n nit iwei99n dat» eypt; d^ 
het d9r iz9l üt d9r wa$9k g9ilä^ 
(von unehelichen Geburten); VeJi^n 
ez9l makt d9n ai99rn 'durch Grob- 
heit kann man andere auch nir 
Grobheit verleiten' ; i'e.n9H ^a9l ä^t 
d^n ai99rn Zai9Äni-e.r; t» dfim md 
d^im iz9l t9 daii9k99n^ on w^m^r ^ 
dm ätft en d» hat^k di'e.t ; toai se(:)^ 
d9r ez9l w^ en d9 my*9d ksnUl 



— 31 - 



einem, der beim Eintritt nicht 
en Tag sagt). 

t,r9n 'amgeschlageoe Ecken der 
ihaelten'. 
sBi*9.n 'ein8ehen\ 
siv.n 'Einsehen'. 
k9r 'Aschenbecher'. 
i'e,lt 'Eschenholz'. 
öt 'Aschenschoss'. 
'Essenz'. 

\^ 'Schmatzfink'. 
'Stampfer ärscbr*; s. irBcbr. 
m 'einseifen'. 

'Oblate'; vgl. mnd. enk 'Dose, 
lacbtel'. 

eilön 'einschlagen', 
it 'einschlafen'. 
i 'einschließen'. 
m 'einschmieren, einölen'. 
m 'einspannen'. 
n 'einschreiben' (auf dem Standes- 

1 'einstecken' (Wäsche). 
'e.r^i (frz. estimer) 'achten', 
'pflastern'. 
Ve.n 'Pflasterstein'. 



e&tlg9n 'einsteigen'. 

^t 'es', 'sie' (die Fran). 

^\t 'Erde'; h^ tie,t aU larn, en d9r 

fül9r ^d»n 'er ist Uüigst tot'. 
et9n 'essen'; z^lwdr €t9n makt fyt 
f^f». 'rastlos arbeitender Mensch'. 
^ifiü'd. f. 'Kohlkäfer'. 
^thatdk 'Reutmaus'. 
etox 'Einzug'. 
etr^k^n 'einziehen'. 
$/^ f. 'Erbse'; dat zint qwuJ ^t89n 

'das sind alte Geschichten'. 
^t89 'Ernst' (Vorname). 
et89x, etsBfak 'sogleich, im Augenblick'. 
^tsi^Z *tötlich langweilig'. 
^t89tusup9 'Erbsen SU pi)e'. 
<^Z *weg, fort*; i'e.n9n 9w^x Äan 

'einen kleinen Rausch haben'. 
9we^xkrig9n 'etwas abbekommen' (Prügel), 
ewej^n 'einweihen'. ['begreifen'. 

ewekdln 'einwickeln'. 
twfwcbx 'inwendig'. 
eio9r 'aber'. 
€iv98y zoew98 'soeben'. 
ew98k9^H] wäir 98 ew98k9n 'warte doch 

einen Augenblick'. 



'phantasieren', 'schwindeln'. 

'Fabrik'. 

arbi'e.d9r Tabrikarbeiter'. 
H'e.x9n 'Fabrikzeichen'. 
'Vater'; 9n/äd9r kan b^89r z^8 
0r ^m^r^n, ^8 z^8 kei99r 9n 
»r. 

T!i9k 'Vaterland'. 

fä (frz. vagabotid) 'Vagabund'. 
Fackel'. 

rUt 'ohne langes Reden sofort 
ien'. 

'dämme Streiche'; nit la'fd, 
89n mäk9n 'nicht lange Um- 
greife machen'. 
11'; huU an/al 'plötzlich'. 



fäll 'farblos*. 

fal. 'Falle'. 

faUlgr *Falltor'. 

fal9n 'fallen'. 

fali 'falsch'. 

faU89n 'Leder abschaben'. 

faU8hub9l 'Fugenhobel'. 

/am{l9g9 'Familie'. 

/an 'von'. 

fän, /än9n 'Farnkraut'. 

fän9 'Fahne'. 

/ai99n 'fangen'. 

fani'e,n 'von einander'; fani'e.n zin 

(von getrennten Eheleuten). 
fand m. 'Vanille'. 
fanili^n 'ein Gläschen Vanille'. 



— 32 ~ 



faniUqkaläd 'VaDilleschokolade'. 

fantj pl. f^nt9n *Wildfang*. 

fcKT 'Vater'. 

fävdm *Faden' ; ex han gi'e,ndn /är9m 
ml'e, dry:x am H:/ *ich bin durch- 

far/ *Farbe\ [nässf. 

färg^iU »Fahrgeld'. 

färplän 'Fahrplan'. 

färw^X *Fahrweg'. 

fdrvyd{n)fabrik 'Farbenfabrik'. 

fazMn n. 'Vaseline'. 

fa89lÖwdnt m. 'Fastnacht'. 

fa8dl6w98g^k 'Maskierter' (zn Fast- 
nacht). 

fastd 'fest'; fast9 hqübn 'festhalten'; 
fa8t9 mäkan 'fest machen'; /a8t9 
nBman 'arretieren' ; fast» z^tdn 'ein- 
sperren'. 

fät 'Fase'. 

fät 'Fahrt'. 

fatmn (irz,faqon) 'Fagon, Gestalt'; h^ 
makt '^t fatsun cbrfdn af 'er treibt 
es zu toir oder 'er übertreibt schreck- 
lich'. 

faisynhx 'geschmackvoll, schön von 
Gestalt'. 

fqu'u,l 'Falte'. 

fqubn 'falten'. 

/qul9nh^md9n 'Faltenhemd'. 

fqyIS9n 'Fältchen'. 

J(B:x f. 'freches, katziges Frauenzimmer'. 

feixm^ts 'Zugmesser'. 

/^d^x *fertig'. 

f^d^xbr^dn 'zustandebringen'. 

f^d9xkrlg9n 'zustandebringen'. 

fi^dax^^kdn 'die letzte Hand an eine 
Sache legen'. 

/^d9x w^rdn 'fertig werden*. 

fid9r 'Feder' ; an d9n fiddm k^ mar 
d9n fü'e.g9L 

fed9r f. 'Federhalter'. 

ßddrhänv^r 'Federhammer'. 

fed9rk9n 'Federchen'. 

fed^rm^ts 'Taschenmesser'. 

fecbm refl. 'elastisch sem'. 



fig9n 'sausen' (vom Wmd), 
laufen'. 

fe'ix *feige'. 

/eil 'Pfeil, Haarpfeil'. 

feil 'feil'. 

feilx^n 'Veilchen' (modern, a1 
fiü'eJ»n 'Goldlack'). 

feffx^nbU 'Veilchenbeet'. 

feilx^nhloy, 'veilchenblau'. 

/eilx9nitrük 'Veilchenstrauch'. 

fyilt 'Feld'; dat es fUfx tM 
'das liegt noch in femer 

fyxUkure.n 'Feldhuhn, Rebhuhn 

feiUs 'Filz'. 

MUshüeA 'Filzhut'. 

fyl 'Fell'. 

fibn 'fehlen' ; dat zy'ed 7n3r n 
(im Ärger). 

ßUfr 'Fehler*. 

fyfS^r 'Feldscher'. 

fölilqu^ -ilöfiy -iläg9n 'fehlschl 

fyly9r 'Lohgerber' („Fell-Lohe 

fendx 'heimtückisch'. 

fendHkdr 'heimtückischer Meni 
chinenbeschauer' (letzteres 
ironisch auf den genau hinsc 
Fleischbeschauer angewand 

fervm 'durch spitze Rodensartei 

fefddn 'finden'. 

fer99r 'Finger' ; Z9x d» fendr J 
'übel ankommen'; Z9x d9fe% 
'die Hände waschen'; la'\ 
han 'stehlen' ; ah fer^dvlai» 
Augenblick'; hlif met di 
d9rfdn oder /ef99r /an d^ 

ftT99rhdk 'Fingerring'. 

fef99rhü-e.t 'Fingerhut'. 

feni'e.rzeix 'Foumiersäge'. 

fetdk 'Fink'. 

fen8t9r 'Fenster'. 

/enst9rbafdk 'Fensterbank'. 

fyntH, 'Ventil'. 

fyntsdhn 'necken'. 

fvnys (frz. foumaise) 'Ofen n 
Oberfläche'. 



— 88 — 



bdi'e,r9n (frx. aecorder) *in Accord- 
rbeit geben*. 
r^ 'übelnehmen \ 
ii»n 'verarmen', 
w/ 'verarmt*. 

tt op ff^ 'erpicht auf etwas*; 
rata an firkqut 'unrettbar ver- 
■en*. 

buts9n 'schändeu' ((«egen stände). 
ft^m 'durch Blutmischung unedel 
rden' (von Tieren) ; daher bedeutet 
hdsUri auch 'verunstaltet' (bei 
Dachen und Tieren). 
m in: zax cb hafsk ßn-l/elm Slie 
nd fiberanstrengen, sodass sie an- 
willt'. 

'.d»n 'verbieten'. 
izm 'gründlich durchprügeln'. 
*4frt 'verwirrt*. 

n refl. 'seine Wut unterdrücken*. 
>»,rf<w refl- 'sich verbluten*. 
uln 'verbummeln'. 
g[»n refl. 'sich verbürgen'. 
»n refl. 'sich verbauen* (über 
te Mittel bauen). 
g9t9k 'Verbeugung*, 
id« 'verbrennen'. 
k9n 'etwas Böses begehen, Scha- 
anrichten*. 
>n 'verbrühen'. 
4vw 'verbrauchen'. 
'M 'erbost*. 

?n 'verbauern, einseitig werden*. 
m refl. 'sich verheben*. 

^' y 99^ fdrddmtly ggf f^rdn- 
\l\ 8. f9rdüm^X' 
»n 'verdauen*. 

mdi'e.r9n refl. 'sich vertei- 
;n*. 

'in Gedanken versunken'. 
'f 99^ l^rd^k! (Flüche). 
3li'e.r9n 'verderben*. 
'ü9n 'verderben'. 

J9n 'verteilen*. 

Dentsche Dialektgeographie II 



f9rdi'e,n9n 'verdienen*. 

/»rdve.nst m. u. n. 'Verdienst, Ein- 
kommen*. 

fordön, -dü'e.n (Geld) 'dnrchbringen' ; 

refl. 'sich irren* ; f^rdön es meii§Ux ; 

f9rd6n98 ml'e,r (im Kinderspiel) 'ich 

bitte um Verzeihung fQr den Irrtum*. 

fdrdrdg9n refl. 'sich vertragen, sich 
aussöhnen'; di f9rdrdg9n z^x ^* 
kai9 an h(mk 'die können sich nicht 
ausstehen*. 

firdrkt 'verdreht, querköpfig*. 

f&rdrve,8bx 'verdrießlich*. 

/f)rdriio9n 'vertreiben*. 

fffrdru'e.tkcust^n 'Buckel', 'Koff'er der 
Flandlungsreisenden*. 

/9rdu'e.H(tym 'verdursten*. 

/rtrdüinax •'» 99^ fffrdüm^x .', firdum^x 
Ve.to9x .', gqt fitrdünidx ^^ don^rkll f^ 
fjrdumi usw. (Flüche oder Beteuer- 
ungen); s. firddmdx- 

firdymdln 'vertuschen' (eine Sache), 
'allmählich verlöschen' (vom Feuer). 

f^rdutat 'verblüfft*. 

far^X^v^n 'verrechnen*. 

f^rfixif)liiX 'verächtlich*. 

fer^ipn 'Ferien'. 

f^Ti'in n. 'Verein'. 

for^j^nsdähr 'Vercinstaler*. 

f&rtinshüs 'Veroinshaus der Kirchen- 
gemeinde*. 

f^pT^itm 'verachten*. 

fr^reium 'verregnen*. 

ßtr^»rin9k 'Verändenmg'. 

f9rera')rUx 'veränderlich*. 

ßyrf^'^rn 'verändern*. 

ßir^fdk^n 'verrenken*. 

ß^reno^n *vererben'. 

ß^rßdrDdn 'erkältet' (sonderlich vom 
Vieh). 

ße^rßk^n 'Färbchen* in : d^m hant zi* dii 
ßfrßk^n qfy^jäit 'der ist blass ge- 
worden*. 

ß9rflve.(pn 'verfliegen*. 

ßfrßü'e.hm 'verfluchen*. 

3 



— 36 — 



/^rzqullifH * versalzen*, *vert»itteni\ 

/»rzex^TH *versicheni\ 

f^rztlw^m •Tersilbem'. 

f^Hnenuln 'verschimmelD'. 

f^rohi D. *IrTtum\ 

fantn refl. *sich invn, täuschen': m^r 
firzpt 29x ^ mit. fs an tUm iydim, 

/^rif»^f,r^m ^schänden, hisslidi ma- 
chen* ^GegenständeX 

firiveJt9n. 'verschießen, Farbe verlieren'. 

firilqy^m 'verschleiern'. 

f^Hl^it^m *verschlechteni\ 

f^ril^m^m ^erschlimmeiii\ 

/jriirp9n ^verschleppen*. 

f9rilfmi 'verschleimt*. 

/^r^/l/9ft 'verschleißen*. [keit- 

f^rilod^m 'verlieren* ^darch Nachlässig- 

f^Hlop^n refl. 'sich verschlafen'. 

f^riiÖp^H Adj. 'verschlafen*. 

f^rsl^^^m 'verschleudern'. 

f^r^m^it^H 'verhungern*. 

/>nfH4i/»^M refl *sich verreden*. 

/^^r^nithn 'verschneiden'. 

f^rsokve.r?» 'aus der i»rdnung bringen*. 

fffr^Sn^r^ijksf^rrin *Verschönenings- 
verein* ^rainiem^. 

/,*rz6jt^n 'versoffen' i,als Eigenschaft^ 

f^rzörff^n 'versorgen'. ''ertrunken*. 

/^rzöiihyMn 'beschmutzen*. 

f^rzötj^n 'verschmieren'. 

fWspetUuk 'Verspätung*. 

f^rij^r^r v-Versparer^s s. f^ri^rAn. 

/^r^pi'e,Un 'verspielen, verlieren*, *mager 
wenlen, an Volumen abnehmen'. 

f^r^ritcj^n 'verschreil>en'. 

/>rs/«iwA* 'Verstand*: djr /jr^t^t^k k0mt 
tuet tl* jör?u: dö zye.l Iv.wi dgx 
thr /?rAtdf3k l»i sfe'l. Mon: h^ het 
Cre.x d^fi /?r^fduk met lef^n g^ 
frrt'fi oder h^ dl'eJ gräzt fs icfn 
h<» d.^n />ncAiwÄ' mef ^y:mUp^n 

d'^rtlfi'e.r y.'y/ci'w»«: ftim />r?f/<rw. 
af 'irrsinnig*; op Iv.w />r^rt*». zin 
'einer Meinung sein*. 



f^rit^l m. 'Unordnung. 
> /9riii'eM9m9x m. * Verstand, BegriA 
▼ermögen'. 

firüqk^n (jemand) 'aufreizen*. 
; /drHokan Srerstochen' (BrenmoitMi 
i f^rüqm, /»rüSn 'verstehen'. [ilia| 

firH^nc^H Elternlos* ; /»ritqnmi 
ket99r 'Waisenkinder'; /»rüqrwti^ 
/9rd6rMf9n, 

f^rihik^n refl. 'schwicher werden*. 

fdrituk^n Srerstanchen'. | 

f9ripmj9n 'abwendig machen'. 

f^rzAp^H 'ertrinken', '▼ertrinken*. 

f9rhcre^l9n, Adj. 'verschwiegen*. 

firhcig^n 'verschweigen'. 

fnidp^ 'venapfen'. 

f^fi^ii Adj. (von £iem , die von (tai 
Vögeln verlassen sind). 

f^rt^Un refl. 'sich verzählen*. 

f^ri^Un. 'erzählen'; du kans m^r ffß 
/9rt^i9m (spöttisch: ich lasse air 
nichts weiflmachen). 

f^^li^H 'kleine Erzählung'. 

f^ri^lsiBk» 'große Erzählung*. 

f^rt^r^n 'verzehren*; nom /»ripem 
kBmt d9r fdri^r, 

f^rtru^'^n 'Vertrauen'. 

/^rtry'eM9n 'vertrösten*. 

/>rfrr»ifv/ii 'verzweifeln*. 

firyeM^zjn Im Schmutz veigeben*. 

/^rü'e^p^n Adj. 'verrufen'. 

/^r^t.w^H 'Qbel nehmen*. 

f^ncdnki^p 'Verwandtschaft*. 

f^rwdni 'verwandt'. 

f?rwär9n 'aufbewahren'; ket»^r f^r 
wdr9n 'Kinder beaufsichtigen*. 

J'^rwdrlüreM 'verwahrlost'. 

/^rtcäs^n *vem-achseu'. 

f<frtc4g^H 'toUkOhn*. 

/^rw^n 'färben*. 

yVncen^*!! 'verwöhnen'. 
j f9rw^ntbrü'e.t 'Weißbrot mit Eiern p 
I fyrtnr 'Färber*. [braten 

I fyrw^tr'i, 'Färberei*. 
I f^rw^s^Unk 'Verwechselung'. 



— 35 — 



kli'e^n Verkleiden'. 

f9ln 'durch Nachlässigkeit ver- 
lierea'. 
rkl^j»n Verkaufen'. 

refl. 'sich erkälten', 'sich durch 
Überanstrengung eine Krankheit zu- 
ihen'. 

4ti29n 'verschmerzen'. 
\jifkMbg9n 'das Brautpaar in der 
Kirche aufbieten'. 

'69din Verkaufen , vertauschen' 
(Kleinigkeiten unter Kindern). 
[firknp9U Verkrappelt'. 
\pThrfp9H 'die Ecken zusammenftigen 

am g9zi'fnji\ s. g9zi-m,8. 
\firkr^p999k (Substantiv zum Vorigen). 
\prku'e,p 'Verkauf. 
firku'e,p9n Verkaufen'. 
prky-t.p^r »Verkäufer'. 
firkwdk^ln (Papier) 'unnütz vollschmie- 
ren', s. kwak^ln, 
pTkwdt98 'zum Schein*. 
firkwdzm 'brauchbare Dinge zu un- 
o&tzen Spielen verwenden' (sonder- 
lich Flüssigkeiten), 'beschmutzen'. 
prkwi'e.l»n 'zu Grunde gehen\ 'ganz 

schwächlich bleiben'. 
faddi^^n 'verlangen'; dat zal nux ^ 
firidi99n 'das soll mich mal wundem, 
darauf bin ich gespannt'. 
firligim 'verlegen'. 
firlegdn Adj. 'verlegen'. 
firlvejsdn, fli'eJS9n {fdrlqr^ flQ'f^ /w- 

lqT9ny flqr9n) 'verlieren'. 
firrlogdn 'verlogen*. 
fdrlBgti't.rdn refl. 'sich Vergnügen 

machen'. 
f^riSi 'Verlassen'; dö es gi'em f9rl6t 
op 'auf den kann man sich nicht 
verlassen'. 
f7trl6t9n op refl. 'sich verlassen auf. 
f9rlaw9n refl. 'sich verloben'. 
f9rl&wdi9k 'Verlobung'. 
f9Tlow9f9kskäta 'Verlobnngsanzoi^e'. 
f9rly'e.f m. 'Erhiubnis, Urlaub'. 



fdrlwe.p9n refl. 'sich verkiufen'. 

ferm 'fest entschlossen, charakterfest'. 

f9rmdk m. 'Unterhaltung' (an etwas). 

fdrmändn 'eindringlich erinnern, war- 

ferm^ 'fädig'. [nen'. 

fdmi^dWe.r9n 'vermengen , verwech- 
seln'. 

fdrmesdn 'vermissen'. 

f9Tmy'e,gdn 'Vermögen'. 

fanidtart 'vernarrt in, eingebisseu auf. 

fdvnikdln 'vernickeln'. 

f9m6nft 'Vernunft'. 

fdrnBnftdx Vernünftig'. 

fdrrufrkt 'verweint'. 

f9rnü'e.trip9n (nur im Inf. u. schw. 
Partie, gebräuchlich) von Obst- 
pflanzen , welche durch zu große 
Hitze nicht zur vollen Keife gelangt 
sind. 

f&roddn 'verraten'. 

fdröglekdn 'verunglücken'. 

fdTßkt 'verrückt'. 

f 9r 01119711' e.r9n 'ruinieren'. 

/9roni'e.r9^n 'verordnen'. 

f9rq8i9m 'verrosten'. 

fdTütiny'e Z9ln 'verderben'. 

fdrpdkdn 'verpacken'. 

f9rpdk9i9k * Verpackung'; dat kernt wL 
hi d9r f9rpdk9idk oder dat fe'i9.t 
z^X ^* ^^^ f9rpdk9fdk 'das findet 
sich schon am Schluss'. 

fffrpd89n (frz. passer) 'verfehlen' (Zeit, 
Zug u. s. w.). 

farpfjdrn 'verpfeflfem', 'durchprügeln', 
'verleiden'. 

fdrp^it^n 'vermieten'. 

fdrpl^pdm g^üt 'Geld an unnütze 
Dinge legen'. 

fdrpildn 'unmäßig durchprügeln'. 

f9rpbz9mfntie.ran 'verschwenden'. 

f9r§dl9n 'durch Abstehen den Geschmack 
verlieren, schal werden*. 

/9rädldn 'Wände oder Dach mit Brettern 
benageln\ 

fjr^dl^rak 'Verschalung'. 

8* 



fisiUiikäU 'Vuiteiilurte'. 

fix(UakiUaat^ik^n 'Vieitcukiutcutäsck- 
eben'. 

ßzüVe.TJa , ßsJittVcrJH 'itiircUsuihen'. 

ßnjuln 'Iciso spre<;k<:ii', 

/ Utm '(;erfiusclitos eincu Buuchwiiid 
Uissuii', 'langsaiD arbeJtcu', 'im Ofen 
uiiJK*tti{^ lieruuistuchcni uuil mit <lem 
glühenden Stuchcison du ruh Eiii- 
taui^heii iti nutiso Koblon Uoatank 
vorbreitcu' , 'Papier odirr Lumpen 
vcrbrenuea'. 

ßUyän 'pfui'. 

ßtriü-e.l 'Vitriol'. 

ßÜJ f. 'Fischband' (uii Tür u. KciiHtcr). 

^'Wjjjt 'glitsfllig'; ^afilHdij*u ilüiurhliuk 
'ein guwJLti^rBchcr Kerl'. 

ßti-ni 'schiiell, zischcnil gleiten', 'eilig 
ir),'eii(lwuhiu gehen'. 

ßti'inbüipn lu. 'Ariuhrusl'. 

ßtgkjn 'kleines Tvilchcii'. 

fiüli^ii 'Stiefiiilitterclioii, Veiluhen', 

ßäbJH 'alliMnrr, uiibcsuniiunor Muimeh'. 

ßaddvi. {fn. ßttre ilauie} 'N'tii:htviule'. 

ßäiUrjg 'uubuBtaudig' (vuiu Winde). 

ßädirmÜH 'incdumniuii', 

ßätlim 'Haltern'. 

ßad*m 'stibwutsoii', '(elwast vcrmfrii'. 

ßakiAjrn 'aufliuckerji'. 

fia-m. 'tlainmo'. 

ßambaz a. ßäbag. 

ßatn^ii 'tiuinnieii'. 

ßd-m.vo'y. 'ganz neu'. 

ßan^l 'Klanoir. 

fiaükie.rm (frx. ßaiu/ii,-r) 'tUul umhi-r- 
stroiclien'. 

ßaiitig fi. ßäb-m. 

fiap 'Iciclitcr Schlug' ; h^ hlt ■ni ßnp 
(ht\u) 'er ist nicht ganx gescheit'. 

ßapiiH 'leicht mit der Ihind schlugen'. 

ßäi 'Flachs'. 

ßdi/h»k 'Uanäi[ig'. 

_ftamr 'PflB.Btq,jK Stndle'. 

ßalikffp 

ßqu 'uhui 



. ,//qua«n'LächerlicbiLoit4m, duinirielden* 
, ßfgan 'pflegen'. 
ßfil» 'Haaräecht«'. 
. ßfiUn 'Beehten'. 

I ßflan 'Flecken' (in der Kleidoug). 
ß^k»k*n 'Flockcbeit'. 
ßfm^a 'därres Gnu absengra'. 
ßfm.k»t 'FUnuDcheo'. 
ßei»ki*H 'schineiobelu'. 
ßentu 'Gewehr'. 
ß^i 'FUseho'. 
ß^ittapjl 'Kürbis'. 
ß^^ibVi.r 'Flaschenbier'. 
ß^^ntot 'Flaaobeuaug'. 
ß^U 'Nelke'. 

ßftjilrük 'Nelke uBtraacb'. 
ßl'^'-I 'Fliege'; Kindorlied: ö do aHt 

ßli-X an <br watik, ßf* 

wank, wf:r d-> via»k hü dö:, loftt 

üif.x di ßv^-x nit döix twfi jb'efM 

iiiel fe.iur klaya Slifu. 
ßlr.d-in 'vergangen', 'neulich'; liat a 

alt la-a. ßve.dJH 'das ist icbon 

lange her'. 
ßie.!/-tn 'fliegen'. 
ßit'.rikrüt 'Flieder'. 
ßie.i 'Fleisch'. 
ßls*X 'tloilJlg'. 
ßiti m. 'Schleuilor' (tlolzgabel mil tirej 

(iummizflgeii). 
ßek 'Hink'. 
ßifkJ 'Flocke'. 
ßoti'v.rtn mit .Vcc. (frz. ßatteri 'iicIuBa- 

/,(//(!/> m.'lciahtsinnigea, wildes Uädcb«'. 

ß-iul-ir in. 'Fetzen'. 

ßüdJr-ix 'felüig, zerlumpt'. 

ßü-j. f. 'Floh'; om^a m ßüJ. ettt if)x 

isf/dii 'jemand argwöhnisch macheo'; 

hf het gen. fly'^- d^rtu'e. 'er ktt 

keine l.iiBt'. 
ßyejjil 'FlQgel'. 

\.hyskir \t\. 'gestickte VenüeniDg 

n dem spitzen Winkel de« 

KtoiuschnItCes der Dumeu, datmt 



I 




-- 39 - 



lieser Tdcht einreißt* (meist Loch- 

fttickerei). 

ejc *FlocV; 9n flü'e,k dtm 'flncheii*; 

dat 9x d^ flü'eJc don Rocht- 

fertigring des Fluches (halb oiit- 

ftchaldigeiid sofort nachher g^esagt, 

wenn einer zar Bekräftigung im Un- 
willen einen Fluch gebraucht hat, 
womit er aber nur sagen will, dass 
der Fluch als Bekräftigung hier un- 
entbehrlich war, wenn er auch an 
and f&r «ich nicht sch^n sei). 

^tJcdn 'fluchen'. 

\Stt.m9n *8ich trüben* (vom Wasser). 

Ii»ii 'Flöhe fangen'. 

Ifirei 'Flut' (mi IVflhling). 

fUktX 'duss' (am Auge), *Hexonschuss\ 

ffeJt» *Flöte\ [son). 

'f^tJt»gräw9n ^Abflussgrabon' (in Wie- 

fftJtin "flöten*; 9t gveJ ßy'e.ton *es 
geht verloren', h^ßet om I§st9n lök^ 
•er stirbt', *er hat kein Geld melir'. 

fy'e.tm 'Wiesen bewässern'. 

/^ f. 'Ofenklappe zur Regulierung der 
Zogluft'; an d9r wer9k/qx9 *an einer 
exponiert gelegenen Stelle\ 

J^räzext 'Vorderansicht'. 

I^at 'Vorderrad'. 

ffd^rbi-e-n m. 'Vorderbein, Vorderfiiü'. 

fyi»rkai9k 'Vorderhand' (im Karten- 
spiel); en d»r feddrhardk zetdn. 

/pd9rhdf9k 'voriaufig'. 

ffdim 'fordern'. 

ffd^rplü'e.x *Vorderpflug' (Räderwerk). 

fftbrzit 'Vorderseite'. 

ffdaHökdn 'Vorderbeine, Vorderfiiße'. 

fohhoants 'Fuchsschwanzsäge' (schrift- 

flU 'viel'. [sprachliche Entlehnung). 

fol Voll, betrunken'; fql mäfcan 'an- 
füllen' ; eo fql ^ eti n»m fyrdy'i*.S' 
kdn 'vollgepfropft';/«?/ ^s »w kano-n. 
oder ^ 9n yL 'gänzlich betrunken'. 

^ 'Betninkener' ; d» fqlini on d9 
dqbn di z(lg9n d» wqr9t. 

}Wi'eM n. *plsttf1ifiiges Pferd'. 



fel^X 'corpulent'. 

felmk ^FilUung' (in der Tür). 

fehrl^i 'vielerlei*. 

fqlff^prqft 'vollgepfropft'. 

folk 'Volk'. 

Jolkiü'dd 'Elementarschule'. 

fylm^it *Volhnacht'. 

fqlmötä 'Vollmond'; h^ gi'e.t meni 
(j^i'i.l 0m §s w^na em fqlmönt 
(/ffböran wq:r 'er ist verschwende- 
risch'. 

felmüi f. *GroÜschnauze'. 

felhiütd s. felmüi. 

fqUt^Tdddx 'vollständig'. 

feU'wif/ini 'ganz abgesehen von'. 

ferBddTdk 'Findling'. 

ferdkaln 'funkeln'. 

fer^kskim, ferdkalsaii 'Fünkcheu'. 

fqjyaii 'täuschen, zum besten haben'. 

/fr, fy'H,r 'vor'. 

ferhi 'vorbei' (selten). 

for^l. 'Forelle'. 

/erjets Adv. 'langsam' (vom (Jehen). 

fyii'e.s 'vorerst'. 

ferkötimi 'kürzlich, neulich'. 

fßnnh/ 'gerade' (als ob). 

f0r6p 'vorauf. 

fqrs9 f. (frz. force) 'Kraft'. 

foi^i /y e.rüt, fye.rqt 'Voraus, voraus'. 

/o.y 'Frosch'. 

fqs 'frisch' (vom Gebäck), 'energisch'. 

feU^r 'Förster'. 

fot (mhd. mit) f. 'Arsch'. 

föt^n 'vollends'. 

fotfefBdT 'Finger' (in verächtlichen 
Redensarten); hlif met din<tn fot- 
fei99ni d9rfdn. 

fotknindzöü 'Schoßrok'. 

fotsa f. 'weibliche Scham', 'gemeines 
Frauenzimmer'. 

foUan 'kleiner Hintern'. 

fetsan 'Füßchen' ; feUan fqr foikan gqn 

'langsam gehen'. 
fouta 'feucht'. 



ßziUiücdtd *Visitenkartc\ 

fiz(Unkät»rU^ikm 'Visitenkartentäsch- 
chen*. 

fizUvejrarij fiza7Ui'e.r9n 'durchsuchen'. 

fi»pdln 'leise sprechen'. 

fisUn 'geräuschlos einen Bauch wind 
lassen', 'langsam arbeiten*, 'im Ofen 
unnötig heninistochem und mit dem 
glühenden Stocheisen durch Ein- 
tauchen in nasse Kohlen Gestank 
verbreiten', 'Papier oder Lumpen 
verbrennen'. 

fitagän 'pfui'. 

ßtriüeJ 'Vitriol'. 

ßtia f. 'Fischband' (an Tür u. Fenster). 

7iVii/;(f 'glitschig' ; 9n fits,Kj^n (loii^rhbfdk 
'ein gewitterscher Kerl'. 

fitsdn 'schnell, zischend gleiten', 'eilig 
irgendwohin gehen'. 

ßt^^nbög^n m. 'Armbrust'. 

ßtshm 'kleines Teilchen'. 

ßuls'&n 'Stiefmütterchen, Veilchen', 

ßäb^H 'alberner, unbesonnener Mensch'. 

ßadd'in. (frz. flore dame) 'Nachtviole'. 

flädifrax 'unbeständig' (vom Winde). 

flädannüs 'Fledermaus'. 

ßädam 'flattern'. 

ßadam 'schwatzen', '(etwas) verraten'. 

flakstam 'aufflackern'. 

fla'm. 'Flamme'. 

ßambax s. ßäbas, 

flainan 'flammen'. 

fld'm.ne'y, *ganz neu'. 

flan4l 'Flanell'. 

fla7dki'e,ran (frz. flamjuer) 'faul umher- 
streichen'. 

ßantds s. fläbds. 

flap 'leichter Schlag'; h^ het an ßap 
{hqu) 'er ist nicht ganz gescheit'. 

ßapan 'leicht mit der Hand schlagen'. 

ßöH 'Flachs'. 

ßdsfhak 'Hänfling'. 

ßasUr 'Pflaster der Stralie'. 

flaUkqy s. fiäbas, 

ßqu 'ohnmächtig'. 



ßquzan 'Lächerlichkeiten, dumme Ideeo!^ 

fleg9n 'pflegen'. 

fl^ 'Haarflechte'. 

fl^üdn 'flechten'. 

fl^k»a 'Flecken' (in der Kleidung). 

fl^kskan 'Fleckchen'. 

fl^man 'dürres Gras absengen'. 

fl§'m.kan 'Flämmchen'. 

flei9kian 'schmeicheln'. 

flenta 'Gewehr*. 

ß^a 'Fhiscbe'. 

fl^anapal 'Kürbis'. 

fl^anbVa.r 'Flaschenbier'. 

fi^äantox 'Flascheuzug'. 

ß^ta 'Nelke'. 

ß^taHrük 'Nelkenstraach'. 

ßva.x 'Fliege*; Kinderlied: ö do zet 
ßla,x an dar wai9kf ßVa.x cm 
watdky w^ir da wca^k nit döi^ wfur 
ü'e,x da flV9.x nU döi ; tio^ fli't^ 
met l'e.nar klapa ilqn. 

ßve.dan 'vergangen', 'neulich'; dai a 
alt Uvta. fll'e.dan 'das ist schon 
lange her'. 

ßVe.gan 'fliegen'. 

flie.rakriU 'Flieder'. 

ßieJ 'Fleisch'. 

ßisax 'fleißig'. 

ßits m. 'Schleuder' (Uolzgabel mit zwei 
Gummizügen). 

ßek 'flink'. 

ßqka 'Flocke'. 

ßqti'e.Tran mit Acc. (frz. flotter) ^schmei- 
cheln'. 

flyx^P 1"* ^leichtsinniges, wildes Mädchen'. 

ßüdar m. 'Fetzen'. 

ßüdarax 'fetzig, zerlumpt'. 

ßü-a. f. *Floh'; mwas 9n flwa. ent ür9.r 
z^tan 'jemand argwöhnisch macheu'; 
Äf het ge'ta. fly^. d»rtüre. 'er hat 
keine Lust'. 

ßye^gal 'Flügel'. 

ßü'd.hyskar pl. 'gestickte Versierung 
in dem spitzen Winkel des vorderen 
Hemdeinschnittes der Damen, damit 



- 39 - 



<fieser nicht einreißt* (meist Loch- 
stickerei). 
[JfrfJr Tlüch'; dn flü'eJc dan *flnchen'; 
dat 9x ^^ flü'e.k dem Rocht- 
fertigfung des Flaches (halb ent- 
schaldigend sofort nachher gesagt, 
wenn einer zur Bekräftigung im Un- 
willen einen Fluch gebraucht hat, 
womit er aber nur sagen will, dass 
der Fluch als Bekräftigung hier un- 
entbehrlich war, wenn er auch an 
und för sich nicht schön sei). 
{Jte'ei^n 'fluchen'. 

Ifktm^ *8ich trüben' (vom Wasser). 
\M»h ^Flöbe fangen'. 
Jfe-d *Fluf (im tVnhling). 
I/tä/ *Hu88' (am Auge), 'Hexenschuss'. 
^firej9 *Flöte\ [scn). 

^j^tJbgräw9n 'Abflussgraben' (in Wie- 
fffj»n *flöten'; 9t (fiel fly'e.t^i 'es 
geht verloren', h^ßet fun I^st^n lök<f 
*er stirbt', *er hat kein Geld mehr'. 
fly-e.t^i 'Wiesen bewässern'. 
fqj[9 f. 'Ofenklappe zur Regulierung der 
Zugluft'; an d9r wefdkfyx^ 'an einer 
exponiert gelegenen Stelle'. 
f^d»räzf^ 'Vorderansicht'. 
f^d»rat 'Vorderrad'. 
fmdsrbVeM m. 'Vorderbein, Vorderfnii'. 
ft^d^rhafdk 'Vorderhand' (im Karten- 
spiel); en d»r fed^rhardk zetint. 
f^ddrhdfdk 'vorläufig'. 
fqd»m 'fordern'. 

fmd^rplü'e.x 'Vorderpflug' (Räderwerk). 
fyd^rzit 'Vorderseite'. 
ffd9riök9n 'Vorderbeine, Vorderfiiße'. 
fok^wants 'Fuchsschwanzsiige' (schrift- 
ftl 'vier. [sprachliche Entlehnung). 

fol *voll, betrunken'; fql mäk9n 'an- 
füllen' ; «o fyl ^ en nam fyrdy'p,s- 
k9n Vollgepfropft' ;/9/ ^s ^-a kanö-n. 
oder ^8 9n yl. 'gänzlich bctrunken\ 
fo'l. ^Betrunkener' ; cte fyl^n on da 

dqlan di zäg9n d» wqr9t 
fqlbVe.n n. 'plattfüßiges Pferd'. 



fehx 'corpulent'. 

felmk 'FiUlung' (in der Tür). 

fehrl^i 'vielerlei'. 

fQlfpprqft 'vollgepfropft'. 

folk 'Volk'. 

Jolk^ii'9.1 'Elementarschule'. 

fylm^it ^Vollmacht'. 

fqhnöiU 'Vollmond'; hq (fi'f*'t mem 
g^vi.l 0m ^s tv^iii> ein fqlmönt 
(pb&n>7i wq:r 'er ist verschwende- 
risch'. 

felrnüi f. 'Großschnauze'. 

foLmütd 8. felmül. 

fqUt^fdddx Vollständig'. 

fel^wiy^^i 'ganz abgesehen vt)n'. 

ferddl^dnk 'Findling'. 

fenkaln 'funkeln'. 

forAshm, fonkMan 'Fünkclieu'. 

fopon 'täuschen, zum besten haben'. 

f^r^fye.r 'vor'. 

ferhi 'vorbei' (selten). 

fore/L 'Forelle'. 

forjoH Adv. 'langsam' (vom (iehen). 

fyne^ 'vorerst'. 

forkqtinn 'kürzlich, neulich'. 

fqmihx *gerade' (als ob). 

f0r6p 'vorauf. 

foTHif f. (frz. force) 'Kraft'. 

ferütjye.rütyfye.rqt 'Voraus, voraus'. 

foH 'Frosch'. 

Jos 'frisch' (vom Gebä<^k), 'energisch'. 

feHi^r 'Förster'. 

fnt (mhd. md) f. 'Arsch'. 

fötan 'vollends'. 

fotfer99r 'Finger' (in verächtlichen 
Uodensarten) ; blif met dithm fot- 
fet99m d»rfdn. 

fotkamdzöd 'Schoßrok'. 

fotsa f 'weibliche Scham', 'gemeines 
IVauenzimmer'. 

feHdn 'kleiner Hintern'. 

f 0^971 'Füßchen' ; feU^n fqr feik^n gqn 

'langsam gehen'. 
frmta *feucht'. 



!^l6k»a -<Id bist volil nirlu gt- 

mäk»n •am ikr Hocke einen Ele- 
f^Dteo matb«i'. 
Jve.tsiu VineD Baochwiiid laMen*. s. 

/ukafimss -WiiilMiM". 

fül '(imV: 3l ts nur dox f3 J«ä d»riü-t. 
(Hier ta füJ af 'da» ist mir doch in 
ilumiii . das )rianbe icb noch \aaft 

futhü-e.m 'Fanlbanm'. 

/ubk 'Aas', 'foaler Heoseh'. 

/übn 'faulen'. 

ßH*iti>a»k '^bnJbank' lanf «reicher die 
faulen Kinder inr Strafe sitien^. 

JüdfVt.ic*r han 'fani sein*. 

fum*bx 'weich iin Anfllhlen'. 

Jttmiln 'in weiche >feiicbte> (i^ceniitSnde 
filhlcn', 'Müdchen die Scham be- 
tualon', 'unsicher an etwas ftthlen. 

/up m. 'Sprung', 

/yr 'Feaer'; Af imft form fy-.r 'er 
gieht vor dem Feuer' tin der Na^l- 
■chnile<leh ipbrätiki keuk iojri /yr: 
leri.l fyr 'IJeslchtsroac'. 

fyiilg-fjikuH 'Streiebhii 1 idfl when'. 

fyrhümsr 'dicker Hamuer' ^dea Scbmie- 
des, welcher vor dein Auihuastuek 

/yripön n. 'Streichlioli'. [stobt). 

fyrii lö iigdy'tJtkiti 'StnichliuladiiBchen'. 

fyrApO i>i-m ' Streich hivlichen' . 

/yrüiie.n 'F"cuerstein'. 

fyrieei 'feuerrot'. 

fwi 'rüthaarigor Mensch oder Tier'. 
(spiittisch} 'rfenni);' : m» fug ö:n nyk» 
m 911 do^Oils glßk-3 'Rothaarige 
t:iii;reD fast nie'; ^'e.nan rü'e.<bn 
fiiK hft» 'keinen 



fwt»l faehsig, rCUieh*. 

fuzM 'Fusel'. 

ftizai^n^iOT 'Schnapsbrenner'. 

fuz»IMrr^it*rri. 'Bnumtweinbmoinfj 

Jtas»UfM 'Schttmwfua'. 

yueZmdif 'SchnapanMe'. 

fuaUpuri. 'Scbtu^Mflasche'. 

/höh 'krifUg dnnfachlagen'. 

fy*k»n 'Fänatehoi'. 

fütl 'Faust'; gaknipd» ßul *£( 

Faust'. 
fi*t,ditl-9 'faustdick'; df htt »t fU- 

{d)ika lunar (ton we-r^n 'der 

füsHifnki»* 'Faustbandschuhe'. 

ßutkK* 'Faustkäse'. 

ful 'fort, Terachwonden'. { 

/tit{d)on refi. 'weofehen', 'w^^adileichea*; 
fffilt /vti,d)oH 'Geld auf die Sipu- 
kasae bringen'; Mn»s /ut(d}<m 'je- 
mand ins irrenhans bringen'. 

/ul\d>räg»n Vegtrageo*. 

/j/^,*) f. 'Dompfaff'. 

füt*ln 'betrügen' (beim Spiele). 

/Mft/ft* 'Betrilgerin' (beim Spide). 

ful»m [yr,\. in. foutrey'AufgKngt. dnfa 
schimpfen'. 

fiiifilt.y»n 'fortfliegen'. 

/uly4w»n 'weggeben, verschenken'. 

fütffpn 'weggehen'. 

/utkffe.n>»n 'wegkommen'. 

/utlöt»n 'Fortlassen'. 

/uflü'e.p3n 'weglaufen'; mar ty-ei 9t 
/vtlü-e.p9n f»T Mit dmv 'man «oUta 
vor ibu weglaufen'. 

fvÜ s./«*. 

/«Hf-fton 'wegs teilen'. 

fuHUipin 'veratecken'; ftititnym dm 
'Versteckspiel macben'; refl. 'sidt 




— 43 — 



Q 



fiOm 'Garten'. 

fodh». 'Gardine'. 

lafdl 'GabeP, 'Deichael'. 

9tf4Hel 'Gabelstier. 

fri. Mialle». 

9alap9l 'Gallapfel'. 

faM'e,n 'Gallenstein'. 

ftki 'schlechter Mundhauch*. 

pbmn 'Übel aus dem Halse riechen'. 

§ciipm (selten) Veinen'. 

fäi HMm'; ent gän ßl'e.g9n 'auf- 

brausen'. 
fnk Kräng, Flur', 'Weg'; an cb gatdk 
\ixiire.ni9n oder en da g^i9, kü'e.m9n 
iiiit einer Arbeit in flotten Gung 
kommen' ; ex nn am gai9, 'ich habe 
Kbon angefangen'; en da gai9k 
brp99n 'in Bewegung bringen'; d^ 
hä g^ an d9 g^'f»- *der hat mit 
einer lästigen unliebsamen Suche zu 
kämpfen' ; em ga'fd, 'gleich im Augen- 
bück'. 
pnU 'ganz'. 
9^ 'gähnen'. 
8^r 'gar, fertig gekocht'. 
^! m. 'Gas'. 
Sotkränm 'Gashahn'. 
pdcanpa 'Gaslampe'. 
Hdtkjt 'Gaslicht'. 
^dikjtsmk 'Gasleitung'. 
gaslMta f. 'Gaslatemo'. 
gdtmotir 'Gasmotor', 
ffaitycr n. 'Gasröhre'. 
■ ffogtdXi gaüdx 'garstig'. 
gagbrii, f. 'Gesellschaftsabend'. 
gatquru. f. 'Bandwirkerstuhl'. 
gäi{9) 'Pforte, Tor*. 

gats Adj. (von Früchten , die durch 
ihre Säure die Mundschleimhäute 
zusammenziehen), 
^u 'schlau'. 

g9beÜ 'Gebild einer Webart'. 
g^b^ n. 'Aussehen'. 



gäbet 'Gebiss', 'Maulkette des Pferdes'. 

gdbly'e.t 'Geblüt'; gdbly'ed, tyt 'Ver- 
wandtschaft kettet aneinander'. 

gab^rdn 'geboren'; he'i. zin 9x gahqr&n 
on g9tdg9n 'hier bin ich geboren 
und aufgewachsen'. 

gdbr^kUx *gebrechlich'. 
gabrel 'Gebrüll'. 
gabweMdax 'Geburtstag'. 
gddam9ni'e,t 'stark, untersetzt' (vom 

Menschen). 
gaddnkim m. 'Gedanke', 'Kleinigkeit'. 
gadext 'Gedicht' (Entlehnung aus der 

Schriftsprache). 
gdd^rmsd n. 'Eingeweide'. 
gddi'e.rS '(»etior'. 
gadqbdU 'gewürfelt' (von StofFmustem). 

gadräx 'Last'; ifii gadrdx wät9r 'zwei 
Eimer Wasser am Wiegebalken 

gadrekt Adj. 'gedruckt' (Kleid). 

g^dy'eddx 'geduldig'. 

gadweM 'Geduld'. 

gadye.ntsa *unsiunige8 Machwerk'. 

gddukt 'geduckt'. 

gajäk 'Fach, Abteil in Schränken'. 

gafdlan 'Gefallen' (den mau jemand 
tut). 

gafdlan 'gefallen'; d^in ve.nan gaJ^U 
da mü'e.d9r^ dam ataam da dqutar, 

gafyl, n. 'liexeuschuss'. 

gaf^hx 'gefallig, zuvorkommend'. 

g9jqldxki'e.t 'Gefälligkeit'. 

geifhoxtit 'Gebehochzeit' (wo Geld- 
geschenke gemacht und sorgfältig 
gebucht wurden, femer Messer und 
Gabel mitgebracht werden mussten. 
Über Gebräuche und Sprüche zu 
diesen Hochzeiten vgl. Monatsschrift 
1896 S. 183 f.; für diese Gebräuche 
in der Umgegend vgl. ebda. S. 16. 
101. 132. 160. 245). 



: tmM, 



^.'ft-/ "pHi^r- "toTri^. »*;* 

Bit. ;.jji -^ *«=* »";: 
sdi iüeiu>D-i'. 

,V»£i-<ji/4» IL ■<j*tir3'. 
tfrhm,! -vtAfiri'.tr.'. 
ffrhäj/tr B. 'Hans'. 

;>]// flit: fin £<J «4 li#« 1/4I2 MDJ r( 
nntl^l ^UfU "M wü; «eh b«G'^ r.uet 

■ m zat.- ^U*K 'Lieüei:. jia« vmfaer 
zu be««lie='. 

.■^i'ft 'der »; ütifnli lüii^': ir-ivr 
sin -jnä m/ =?*i lifüir»«. J^ it<'>f «< 

•Irr.:. iLis si-<) win^sbcBÜe a::d 
•Uilorch kiAUp»!:^ Liehhabeivie:: : 
hf hit 'l'H Ai(i •«/ ;^,-|f oAtT he 
M ;ifUt ilif -er in jt^'nmch': -< 
•j*i>( IT'/ »H Afr^H Ä.Tii "GeiJ tEost 
Iieherrscht werden . dsmii es nicht 
seih« Herrscher wjnl'; »t toit i-«.n 
■jtiJt -iK-i'les tut deoselbeii Pi«b' 

• ■der -ftb man nnri ei:i od« mrtir 
Vfrireh«L drran iD:iehi, die Strafe 
ist A<jvh dies«il>e': dem •* (n'^Ji 
.jfilt /.-•Jt'ni -der kan;. ii:>bl mit 

• leid untsehtfii'; /»*■ f/tiU Luut li-i. 
■/g'cti Junkx^n löt^H •luii i'pld brjii:: 
nuD alles iVniy'; JfuJeLl t< gfilt 
'der kau:: <1ai i>eld iLi-bt versakren': 
b^ hfl yfUt iri -/rxi- ■■>• lin* '"" 
ilolß-Uttr».. t. -loMif itJt: Af r* '<>- 

a-r.m xi'-J: -n fieUUälan hy-*J lU 



■i'r htttak L»yä t^iUn fmr d* drtj 
d^t-T 'Snrhium nud Armut verait« 
Mfh •dtea bia ins dritte und vi«) 
«ified.- M b^n gfüt 'viel G«ld'. 

^iiti f. 'juifM weibliches SekweiD'. 

frjäm^tr -JaouBcr, KUgvra'. 

i>fi ■tiieetV. 

^i f. "A> OM. bnitw Brett , 




«i-bi niclii bei TrcMt'. 
y^Y. -dBHnes(;«KkwiU'; df k, 
jf*brt dam 'der kauo eiii mlberxt 
Gespräch fäirea'. 

^tkiy-t^ n. -Wetrhieile' (das Tieres). 

j*/ -plb-. 

yni n. "«icttMBCbi'. "! 

jM«i*i Xieleok'. 

^Mt^trini». 'Lcnksui^^' (des Zvd- 

:fi: ffiiJ^r lielb^ieiier*. [rtd«* 

jfi:'ffy'j f. ■4i<>ldamner\ 

;jMi'tJ "pelehn'. 

;f^^tt»n -^usieu* ■«dk-D'; ^ g*lüUt 

m/>H iiN ff^ Teicb werden wölb« 

33 et«*«' vder 'Mämn Mut an etwu 

kübien wwUen'. 
iniötrtm 'petoben'. 
i/'lünt 'ceEauDt*. 
y>Mt'-N. '«mein* Klnbiuiv uMiat: ft- 

mi-e.M . 
j/iM'ivn/i'H '^ten nötigen'. 

:/:"nir'JdiTank insinniß'. 

^imythl 'fenültirli'. 

;fiiifiilfjki-^J "«lemaib'chkeiC. 

•K-.n -iieni. 

;>:« -^peu". 

•im.uiu, -petuu', 'geiav'- 




- 45 — 



/ 'gute Nacht'. 
m '^geneinander'. 
'jdü\uUn \zum Vergleich) iieben- 
imder haIteo\ 

9» 'kleiner Weg' ; hf niakt s»x ^i 
»Jan *zu träge zu arbeiten, sucht 
einen Grund, einen Ausgang zu 
eben*. 

g9nä'e.z 'genug*. 
nU 'guten Abend', 
i Hienuäs'; weh^ het cUn- f/j- 
edf df ha ü'e.z dUn J\^rdru'e,t 
kquUn festhalten'. 
^ n. *Kegnerei\ 
HöU 'raffinierter Stahl' (seine 
je richtet sich nach der Bäutigkoit 
Reckens) ; darnach : l'e^mölj tiüfi- 
l usw. ifitpU^ iiö'M 
T '4iei>olter'. 

Htericht' (Staatsanwaltschaft). 
.ätz '^ö^'-Säge' (in festem (iestell). 
.möt9 '^ö^'-Winker. 
l 'Gerumpel'. 
y) 'Gerippe', 
'ausgeruht*. 

1 'gerieben, miliniert' (niudoruc 
Jehuung). 

tar 'Chorkammor'. 
n 'geraten'; 9t zal wal lu^/ <fs 
ts g^rödUn 'es soll wohl noch su 
tn glücken'. 
'Gerüst'. 
f9n 'gereuen'. 
l'e.r 'Gärtner'. 

r 'Gärtner' (selten) ; cUn Ixtk Um 
iiur mäkan. 
k 'Gemch'. 
9Z •geräumig*. 

9r 'lauter, andauernder Scliall'. 
'Geschäft'. 

brl'ef 'Geschäftsbrief. 
gank 'Geschäftsgang', 
gesche't'. 

'Gencht'; h^ ilü'e.x <^n rest^x^- 
ent ff9ztii9 'er schlug ihn gerade 



ins Gesicht' oder 'er schlag ihn tat- 
sächlich ins (iesicht'; viy'^Jt em gi- 
ztjjt^i zin 'betrunken sein'; <^i ^ 
&^it^ ops^t^n 'eine Miene machen'. 

(f^itkt 'geschickt'. 

(/9zit9H han '(«efängnisstrafe abgebüüt 
haben'. 

ff9z{'m,8 'Gesimse dos Hauses'. 

g9z{"ni.8hubdl 'Simshobel'. 

g^ilqps n. 'wässeriges, unkräftiges Essen'. 

i/ifhiyUls n. 'kleine Fleischstücke, die 
beim Schweineschlachten abfallen'. 

g^zof^kt 'gesund'. 

ff9z6f9kthl'e.t 'Gesundheit'. 

g^^r 'Geschirr'; dal do'L ff^^r 'das 
tolle Mädchen'. 

g4Z0Ü{H) n. 'Same'. 

g^ipr^koU 'gefleckt'. 

g^sp^'e.1 'Spülicht', 'dünne Suppe'; vgl. 

(pHre^bals 'Abgeschabtes' (meist nur 
b rttsügdi r^b^ls). 

g^firei '(icschrei'. 

gair^dks n. 'Untergestell des Tisches*. 

g^nU 'liefe'. 

gi^U 'Gerste*. 

gdite^ 'Gestell'; dai do'l. g^H^l 'das 
unangemessene , ausgelassene He- 
nehmen'. 

g^t&ii 'durchprügeln'. 

g^st^m 'gestern'; i'9,gisUm 'vorgestern*; 
ez zin nit /an (f^aUm. 

g^t 'etwas'; b^s^r g^t f« niks. 

g^t, gel 'ihr'; s. get. 

gdtdk^Ü 'gezackt*. 

gdtqUr 'wirres (ieschwätz*. 

(ptru'e.8t 'getrost*. 

gjtry e,st9n rofl. 'sich getrösten*. 

gdtsura^r 'jetzt, jetzunder'. 

gat8yk9rf 'gezuckert*. 

gawquit 'Gewalt*. 

g^ice'i. ^Geweih'. 

g^wtit9 'Gewicht'; eg^zad^ g^wtiU 'Ge- 
wichtsatz' (mit gleichmäßig sich ab- 
stufenden Gewichten). 



— 46 — 



f/iurni *geben\ 

ff9tüen *Gewinn'; i'eJta (f&wen es kat^n- 
ff9dri'e.Um^ tw^icU (pwen gied cbr 
t^an dren *wer zuerst gewinnt, ver- 
liert bald\ 

gavo^ndb ^Gewohnheit*. 

(/<no€n9n 'gewinnen'; zo g&wdnBUy zo 
tdrondn, 

g&wen^n refl. *sich gewöhnen*. 

gaw^r9n föt9n (jemand) *in Ruhe lassen*, 
(etwas) 'sein lassen*. 

ff'ftv^'r,/ *Schaniior', 'Reibe- oder Dreh- 
stelle im mechanischen Betriebe*, 'Ge- 

gawes^ gawtsiivxar 'gewiss*. [lenk*. 

gawesan 'Gewissen*. 

gawitar 'Gewitter*. 

gatvSixt 'gewagt* ; das {dat 9s) an g9- 
woixt ätßka *das ist ein gewagtes 
Unternehmen*. 

gawy'e.s 'Gewüchs*. 

gihaln *kichern*. 

gibalta ^Mädchen, welches stets kichert'. 

gilt '<iicht*. 

gl'e.l 'geil*. 

(ß'H.lplqs 'üppiger (irasbUschel* (auf Kuh- 
cxcremcnten gewachsen, welcher von 
den Kilhoo nicht abgeweidet wird). 

gre.Tian 'keiner* ; dcU get arevxar gi'e.nan 
'das gibts aber nicht, das lasse ich 
nicht zu*. 

gve.s '(ieiüfuti*. 

(r/t7'.«< Miei8t*;/*ie.r k^nan usemgveMa 
p^H da hipan 'wir kennen uns auch 
ohne Worte'. 

gi'v.t f. '-<-fornHger Kleid-Einsatz*. 

gi'v.tftr '(JieÜer*. 

gi'v.tar^:i. MiieÜeroi*. 

gi'i'.wal '(fiobol*. 

gi/afn s. gihahi. 

gifalta h. gihalfa. 

gigan 'Mchwer atnioii* (nn*t pfeifendem 
Ton in der llrust) 

gips MilpM*. 

//i/i/l rgu'.Hkan ' KoHodii*. 

gitar MJItter*. 



git89x 'geizig*. 

gitsknök^n 'Geizhals*. 

gitskny'tJsal 'Geizhals*. 

glas 'Glas*. 

glusdäk 'Glasdach*. ' 

gl€ueehfnki9n 'Glacehandschuhe 
tisch glazdnt9n), 

gläzarh^sk9n 'Glasschrank*. 

gldshrw9l m. Glasscherbe*. 

glat 'glatt*, 'ganz, durchaas*; di 
glat dofan d^nan 'das gel 
Hindernisse* ; h^ tl'edgUU enii 
'er liegt vollst^dig im Grab 
bes mar an glatan 'du b 
Schöner* (spöttisch). 

g et 'Glied*. 

gUtwätar 'Gelenkwasser*. 

glve.daritan n. 'Gliederschmerz*. 

gUgda f. (inlautend mit Verscl 
'Ebene*. 

g'ika 'eben, flach*, 'gleich*; glUca 
davy gllka kapan 'Brüder 
sich*. 

glika/epUsax 'gleichgültig*. 

gUkagrü'ed 'gleich groß*. 

glikan 'gleichen, einander ähnlich 
h^ glikt zi /äd^r, ^ to^na 
dam gazejLan ga§ni'e,dan w0i 

gllpa f. (mud. glippe) 'Kellerlocli 

glitsarin 'Glycerin*. 

glitsam 'glitzern*. 

gleka 'Glück*. 

glekhx 'glücklich'. 

glqtsan 'stieren*. 

glst^an 'glitschen, gleiten*. 

gly'e.nax 'glühend' ; op gly'e^naga\ 
zetan 'ungeduldig warten*; < 
971 gly'e.nagan 'du bist ein S 
(spöttisch) ; gly'e.nax dre{n)kü 
heimlich (meist zugleich dumm 
kucken*. 

glü'e.wan 'Glaube*; tto^i glürej. 
va.ni kesany do zet d^r dmm 
dan teäan 'gemischte Ehe 
Streitigkeiten*. 



— 47 — 



ich glaube, da bist nicht rocht ge- 
scheit*; wek9r ai98 gleyfi on 9t b^t 
frrkäpt, mot am ^'i9. ^/i^ii ä'J em 
itry^i, ti'e.g9n ^gutmütige Leicht- 
güabigkeit macht arm\ 
i9nßil9n) Taalpelz\ 
tgon 'gehen'/anfgehen* (vomTeig); (lat 
gleJ etUsg9n4'n. *das ist unerhört'; 
k^ gi'tJt met ^ dü'e.r dek mi dß'n, . 
^gönnen*. 
•Gurke', *Nase\ 

P*Giis8, Elsenguss'; vgl. gü'e.t 
'nicht trächtig' (von der Ziege). 

fit 'ihr* in KQllenhahn; Cronenberg und 
der SQden hat g^t 

$U *Gott'; g<^t nqx ^' (Ausruf des 
Schreckens^; an gx'e.n^n gqt on 
fi'tja g9bqt gly'e.vmi *in religiösen 
Dingen indifferent (zugleich wenig 
geachtet) sein'; 9n güre,dan ytft an- 

, bidim '(;iQck haben'. 

§fi Tanfzeugin'. 

§ft 'GoUUeb'. 

^ ^ 'Grütze'. 

i^ftfdrdih (Fluch). 

tffte 9n don»rwed9r *potz tausend'. 

■ffU^b^rmhz 'jümmerlich*. 

;|^ krByts kandtw. donBrkll (Fluch). 

: föwn pl. 'Geistesgaben'. 

[frädut 'gera<leaus', 'gerade heraus' (im 

I gnf Hirab'. [Wort). 

i 9nfiH'e,n 'Grabstein'. 

Ifrom 'Gramm'. 

• friBi» 'erkältet' (im Halse, sodass die 

I Sprache rauh ist). 

\§nmk9n 'klagend betteln'. 

[ßtipi9n 'schnell nach etwas greifen'. 

§rüi 'Gras' ; gra^ dry'eACdv wösbu löt9n 
•der Vergessenheit anheimgeben' ; 
hf mot ent gras bU9n 'er muss 
sterben'. 

ftai 'rasch, schnell'. 

Watgry'e.n 'grasgrün'. 

TOBhahn 'Grashalm'. 



gräd 'Grad' (auf dem Thermometer). 

grä^t 'gerade', 'soeben'. 

grqytB f. 'Graben, Rinnstein'. 

gräwjn 'Graben'. 

gräw^n 'graben'. 

ffref9l f. 'Griffel'. 

grerL f. 'Stein des Domino-Spieles'. 

grehn pl. (mit dem bestimmten Artikel) 
'Domino-Spiel'. 

grel97i *Domino spielen'. 

grenk 'Grind'. 

grezaUx ^Schauer erregend'. 

grfhalgräb9l m.; en da gr(l}9lgrhh9l 
hnlt9n 'Nüsse, Pfennige u. dgl. zwi- 
schen eine Schar Kinder werfen, die 
dann eifrig darnach greifen*; vgl. 
grlpdn und graps9n. 

gri'e.p 'Griff*; g^t e^n grl'e.pd han, wi 
d^ betman dd lüs 'etwas sehr ge- 
läufig können'. 

grvd.t 'Grete'. 

grl'e,tD97i pl. 'Speckroste, welche zum 
Ausbraten gebraucht sind'. 

grhilax^n 'hinterlistig lachen'. 

gripd7i 'greifen'. 

gt^is ^Stoingoröll aus kleinen Steinen', 
'Kohlenstaub'; vgl. mhd. griez 

gris 'griiu'. [*Sand'. 

grlisgi'ö: f. 'Buttermilch-Suppe' {grö: 
'grau' nur in diesem Worte). 

grismeil 'Grietimehl'. 

gr0d9y gi^eda 'Grölie'. 

grqf 'grob' ; op an gröivdn klqts hy'e.t 
dn gröuran kil. 

gröfdln 'krabbelnd herumsuchen, herum- 
tasten', z. B. i'e,n»n an dar dye.ran 
gröfaln hy'e.ra^n 'jemand an der Tür 
unsicher nach Klinke oder Schlüssel- 
loch tasten hören'. 

grqfhVeJ 'Grobheit'. 

grqfsmet 'Grobschmied'. 

grerjan 'gründen'. 

grorak 'Grund'. 

groiakHßka 'Grundstück'. 

grqsan 'Groschen'. 



— 86 — 



forzquUi^n * versalzen', *vcrbittenr. 

/»rzex^m 'versichern*. 

f9rzelw9m *versilbem\ 

f9r^em9ln 'verschimmeln'. 

/9rzen n. *Irrtum\ » 

/»rzen refl. 'sich irren, täuschen'; 7n9r 
f9rz^t Z9x nit mie. ^8 an dan lydari, 

f»H^fBdli'e.r9n 'schänden, hässlich ma- 
chen' (Gegenstände). 

/»rirc^an 'verschießen, Farbe verlieren'. 

farUqy9m 'verschleiern'. 

fdHl^it9m 'verschlechtem'. 

f9r§lemam 'verschlimmem'. 

/9rslep9n 'vorschleppen'. 

f9rälCnU 'verschleimt'. 

fdrälitdn 'verschleißen'. [keit). 

faHlodAvn 'verlieren' (durch Nachlässig- 

fdr§ldp9n refl. 'sich verschlafen'. 

fdr§l6p9n Adj. 'verschlafen'. 

f9rÜ0yd9m 'vorschleudem'. 

/»rsmqit^^n 'verhungern*. 

/9rhuip9n refl 'sich verredon'. 

foränidsn 'verschneiden'. 

fdr^<}ki'e,r9n 'aus der Ordnung bringen'. 

f&H0n»r9rdksfdrein 'Verschönerungs- 
verein' (modern). 

f^rzopdn 'versoffen' (als Eigenschaft), 

fdrzqvfpii 'versorgen'. ['ertrunken'. 

Jarzöubyd^ln 'beschmutzen'. 

f&Tz6u9n 'verschmieren'. 

farsped^fdk 'Verspätung'. 

f<)Hp^r^r („Versparer"), s. f&rt^ran. 

fi^Hpi'e.Un 'verspielen, verlieren', 'mager 
werden, an Volumen abnehmen'. 

J9r.sriw97i 'verschreiben'. 

fdHt(mk 'Verstand' ; d9r/9rstdidk kernt 
met (ii) j^r^n; dö zye.l l'd.m dgx 
ddr fd^rHdfBk hi ste'l. Hqn; h^ het 
ü'e.x d9^n fdHtdtBk met lepdln gd- 
fretrtn oder h^ dve.t gräit ^8 V)^n 
hd (U>n fdrHdtBk met ^yimJepdln 
fretdn h^t, dt b^8t9 es dm eivsr 
d^rdä'e.r yagdradn; fam, f^rHd'td. 
a/" 'irrsinnig*; op i'd.m /»rHd'fB. zin 
'einer Meinung sein'. 



fdHt^l m. 'Unordnung*. 
f9räti'e,8t9m9x m. 'Verstand, Begrifr^ 

vermögen'. 
/»rätqkdn (jemand) 'aufreizen'. 
fdrätokdn 'verstochen' (Brennmatov 
farstqn, /»ritSn 'verstehen'. [alie4> 
f9r§tqrw9n 'elternlos' ; f9titqrwm 

ket99r 'Waisenkinder'; /»r^iorwM,' 

fdrdQrw9n, 
fdr§trik9n refl. 'schw&cher werden'. 
/drätük9n 'verstauchen'. 
/9ripn9n 'abwendig machen'. 
fdrzitp9n 'ertrinken', 'vertrmken'. 
/9riwi'e.g9n Adj. 'verschwiegen*. 
fdräuAgdn 'verschweigen'. 
foridpdn 'verzapfen'. 
firtejf- Adj. (von Eiern , die von dci 

Vögeln verlassen sind). 
f&rt{ldn refl. 'sich verzählen'. 
fdrt^hn 'erzählen' ; du kans mtr g^ 

/drt^l9n (spöttisch: ich lasse m 

nichts weißmadien). 
fdrt^Udn 'kleine Erzählung*. 
fdH^lstekd 'große Erzählung'. 
fart^rdn 'verzehren'; nom fdHp^nr 

kernt d»r /9rt^r9r, 
fdrtroudn 'Vertrauen'. 
/9rtry'e.8t9n 'vertrösten'. 
fdrtwimdn 'verzweifeln'. 
forye.kdlzdn 'im Schmutz veigeheo'. 
f&TU'e.pdn Adj. 'verrufen*. 
/»r^e.wdln 'übel nehmen'. 
fdrwdfdkidp 'Verwandtschaft*. 
fd^rwdnt 'verwandt'. 
fdrwdrdn 'aufbewahren'; ketddr /»^ 

wdrdn 'Kinder beaufsichtigen'. 
fd^rwdrlü'eM 'verwahrlost'. 
fdrwdsdn 'verwachsen*. 
fiyrwegdu 'toUktlhn'. 
f^rwdn 'färben'. 
fdTwendn 'verwöhnen'. 
fdrw^nthrü'e.t 'Weißbrot mit Eiern g 
fyriodT 'Färber'. [brate 

/frw9r&i, 'Färberei'. 
fdrwesdUndk 'Verwechselung'. 



— 49 — 



hdm9r(i)A99 'Hanimerachfle\ 

htm9r{i)hfl,f 'SehwanzhammeratieF. 

\äm»rilax 'Hammenehlag' (von glü- 
bendem Eisen behn Schmieden ab- 
fallende Plättchen). 

hamoniuni 'Harmonhim*. 
läai'Hahn'; dö kriit nü häin qfhü'e,n 
nö:; dar ?iam es fr^x op zin»r mesta 
'n Hanse sind die Feigen frech*; 
Wfn d9r häm krixt op d9m mes{t)j 
dan p9dri 7»% 9t wicbr öcbr 9t bll:t 
wi dt es (Bauernregel); h^ es zo 
frfx ^ d9r häm ap cbr mest^n; 
Äf ts cbr häzn em kg'r,f; hd:n öd^r 
hAre.n öd9r it^k9nf (Scherzfrage: 
man zieht jemand in den Haaren und 
fragt häzn öebr hü'e.n öddr itqk^n f 
je nachdem der andere hä:n oder 
hüre.n oder it^kan antwortet, spricht 
der erste ngx fnl'9. dräm oder uqx 
mi-9. dü-e.n oder nqx ^^'^' tr^kdn, 
sodass der erste auf keine Weise 
sich dem Zupfen entziehen kann). 
hau 'haben'; b^s9r han ^ hrlgdn Vas 
man hat, des ist man sicher' ; h^ hU 
([^ drf>p9n 'er hat einen Streich 
vor*; zi hant z^x ff^hdt *sie haben 
sich gezankt' ; 9n toeit es g9hdt han 
'einmal Beischlaf mit einem Mädchen 
aoBgefibt haben'. 

hisby-e.k» 'Hainbuche'. 

ka»hn 'Hannchen'. 

hä»kfp9n 4Iahnenköpfen' (auf Kinnes). 

hds9k^dy hanfgän *ganz dünner Bind- 

hoKl 'Handel'. [faden'. 

hai»ln 'handeln, hausieren'. 

haasisk^ 'Handelsmann, Hausierer'. 

\a»mik9n 'Johanne Marie' (scherzhaft 
fiir Johanne). 

\ao9n 'hangen, hängen'; t^i^r hard9n 
on wergdn 'zwischen Hangen und 
Bangen'; met haf99n on W0rg9n 'so- 
eben, kaum noch'; 9t laisk hat99n 
löi9n 'yerschwenderisch sein'. 

'eJ9r 'höchster Speicher'. 
Deutsche Dialektgeographie II 



hän9pik 'gummiartiges Harz an Kirsch- 
und Pflaumenbäumen'. 

hanas 'Johann'. 

hän^Sti'e.k 'Höhlung im gekochten Ei'. 

hanfgän s. hän^k^U. 

hämhü'e,lt9r 'Hahnenbalken' (höchste 
horizontale Balkenlage des Hauses, 
worauf frilher die Htthner zu schla- 
fen pflegten). 

haidk 'Hand' ; h€r99r d9r haf9k 'heimlich'; 
fer d9r fiatdk 'vorläufig'; /an ddr 
hafdk en d» mül Ut09n; 9t es zo 
dy8t9r, dat m9r ge'n, hafdk fsnr 
ü'e.g9n ze{n) kan; i'9.m g^t an d9 
hatBk don 'jemand eine Lllge zum 
Weitererzählen sagen' oder 'jemand 
etwas Unangenehmes aufhalsen'} 
(schlechte Ware usw.); c». ha'^k 
w^t dd ar99r. 

hank/gl 'Handvoll' (geringschätzend). 

hardke-r/k^n 'Handkörbchen'. 

hai9kwlz9r 'Wegweiser' (Centralpunkt 
in Remscheid). 

hans, plphans 'Vogel', 'männliches 
Schamglied' (in der Kindersprache); 
hnns max8t9 kiJ.sf (Neckerei). 

hap9n m. 'ordentlicher Biss'. 

hap»n 'mit dem Mund begierig zugreifen'. 

här 'links' (in der Fuhrmann ssprachc). 

här hy bot (Fuhrmannsruf); s, hot 

hark9l m. 'Schleimauswurf. 

hark^Jn roher Ausdruck flir 'spucken'. 

harpa 'Harfe*. 

hnrpinül:fk9n 'Harfenspielerin' (herum- 
ziehende). 

häis 'Hase' ; wo d^r häm gdhekt eSj do 
telxt h9 wV9.r hen 'der Hase bleibt, 
wo er aufgewachsen ist' (auch auf 
Menschen übertragen). 

häz9knin 'Ilasenkaninchcn'. 

has^Utruk 'Haselstrauch'. 

häzinibröd^n 'Hasenbraten'. 

häzn})^9r 'Hasenpfeffer'. 

häz9jyü'e.t9 'Hasenpfote'. 

häzit^är 'Hasenscharte'. 

4 



- 60 - 



hat *hart^ Maut', ^tüchtig'; hat zet9dn 
4aut singen*; b^s^ hat gdbl6z9n ^8 
(fo mofdk forbrdfdkt (wenn es warme 
Suppe gibt); 9t gl'e.t hat far hat 
*es kommt zum Äußersten*; hdtop 
lax9n Maut auflachen'; hat ap gqn 
'sauer werden*. 

hat9 *Her2*; h^ het g^t om habdn; wo 
dt fiatd /an fql es j dofan lept d9r 
mofdk y'e,wdr; 9t hat» wel an gqt 
hatddn; 9t hat» zonk 9m end» äü'd, 
oder 9t hat9 zef9kt 9ni en cb boks9 ; 
9t haid v)y;e.t 9m dek9 'er begann 
zu weinen*. 

hat9ldqp9n 'Herzklopfen \ 

hatUx 'herzlich*. 

hatU'e.r9x 'unbegabt*. 

hatllw9x 'hartleibig* d. i. 'mit schlechter 
Verdauung behaftet*. 

hats 'Hirsch*. 

häts n. 'Harz*. 

hatsf (beim Niesen). 

hqu s. flap, 

hqy 'Heu*; du di'e.8 zo ihx ?« w^n rf» 
ent hqy my-e,» 'du tust sehr eilig'; 
ent hqy gqn 'Heu machen gehen*; 
h^ lept ffr hHy oii Hry'9. »rem. 
'er lüuft zwecklos umher*; »t hqy 
op d9r h^k9n drüg97i (bei wenig 
Sonne muss das Heu viel häufiger 
gewendet wei-den); h§ Iqt an fqr 
hqy on Hry'9, lVe,g»n 'er kümmert 
sich nicht um ihn*. 

hqyy. pl. 'Prügel*. 

hqu9n 'hauen', 'mit dem Merbcl schießen'. 

hqydr 'Merbel', 'Hauer im Bergwerk*, 

hquklqts 'Hauklotz*. ['Gdtrcidehauer*. 

hquldn 'halten, behalten*; h^ h^ylt Z9x 
do op9n 'er bleibt bei seiner Aus- 

hqvU! 'halt!' [sage*. 

hquplp» f. 'Locheisen für Riem- 
scheiben*. 

hqyi» f. 'Handschuh*. 

hqySprordk m, '(trashüpfcr'. 

hqy^r^k» f. 'Heusehrecke'. 



häw9r f. 'Hafer*; d^ Hekt di häuarjpkXi. 

h^ krl'Jt Uvf9. häw9r 'das Pferd W^m 

kommt Peitschenhiebe*. 
häw9rke8t9 'Haferkiste'. 
Äf , hS *er*. 

h^^ h^ b§ (Ausruf des Ekels). 
h€:x 'Hecke*; m^r zskt nmnBs henot 

d9r heg9n öddr m»r hJU ü'e.x z^lw9r \k 



d9rher99r g9t^t9n 'man beurteilt \z. 
andere nach sich*. 

h^d» 'Härte*. 

h/^d9n 'härten*. 

hif§9 'Hebamme*. 

?i€g9ki-e.i9 'Frucht des Weißdorns*. 

h^g9knip9 f. 'Astabschneider*. 

heg9§ty'e,t9r m. 'Libelle*. 

he'i, 'hier* (Remscheid hl:), 

h^i m. 'Nebel*. 

he'i.än 'hieran* (auf die Frage wohin). 

he'i.än9n 'hieran* (auf die Frage wo). 

he'i,dü'e,r 'hierdurch' (nur örtlich). 

he'i.hi9n 'hierin* (auf die Frage wo). 

he'ijy'e,r 'hierfür*. 

heri,hen 'hierhin*. 

h^iJii^ 'hier vorbei*. 

h^ija 'Kinderbettchen* (Kindermund). 

he'iMf998 'hierher*. 

heil9x ow9nt 'Weihnachtsabend*; heil^ 
wird alleinstehend selten gebraucht; 
dö kanst» d9x hef^x op /»rlot^n 
'darauf kannst du dich fest ver- 
lassen*. 

ht'iankt 'hiermit*. 

he'i,n^tJ09r 'hier neben*. 

he'i.6i99n 'hier unten*. 

hei.of99r 'hierunter*. 

he'i.op 'hierauf (auf die Frage wohin). 

he'i.op9n 'hierauf (auf die Frage wo). 

h4'i,Thi 'hier herein*. 

M'i.rhm 'hier herum*. 

he'i.t 'Heide*, s. hl'9.t. 

heit9 f. 'Heft*. 

he'iMa'T», 'Ringelnatter*. 

he'iSUdn 'hieraus*. [zeugen'. 

h^k» pl. 'Scharten' (in Schneidewerk- 



— 51 — 



kÜBiigäH 'Iläkelj^arn*. 

kA9in «häkeln' 

kfk9is 'Häckorling\ 

k^Ubank 'Häkseibank*. 

kek^ *hüpfen\ 

kfkin 'hecken* (von den Vögeln). 

k^ freche Frau*, 'katziges Mädchen*. 

ifkB9n 'hexen*; ex kan dqx ^^ h^ksdn 
'ich kann doch nicht schneller ar- 
beiteD, als überhaupt möglich ist*. 

hi^»mhqu^n (Merbelspiel : in einem Ab- 
stand von einem Meterstehen je zwei 
Merbel dicht zusammen, auf welche 
geschossen wird). 

kfkmmiü'eU 'Hexenschuss\ 

hiU n. 'gezahnter Haken zum Aufliängen 
von Kesseln und Lampen* (bestehend 
aus zwei nebeneinander gleitenden ver- 
schiebbaren Eisenschienen, von denen 
eine gezahnt, die andere mit Haken 
versehen ist, sodass em Höher- und 
Niedrigerhängen durch Einhaken des 
Hakens in die Zähne ermöglicht ist). 

h:l 'blond*. 

ly^l 'schnell, leicht, bald*; dat es h§l 
g^dqn 'das ist schnell getan*; bes 
h^l 'bis bald*. 

hflblo'u. 'heUblau*. 

hUiT 'Hehler*; d^ hiUr es zö gü'e.t 
dn dVe.f ^ d9r äUl9r. 

h^Lfkan n. 'em halbes Liter*. 

h^fiH f. 'Hälfte*. 

Mff» 'Heilige*; hdgdnbe^hm (Wald bei 
Cronenberg). 

hdgdT m. 'Cronenfeld* (Ort). 

k^m 'Helm*. 

h^lp9 f. 'Hosenträger, Tragriemen der 
Schubkarre*, vgl. Uitd, 

h^p9n 'helfen*; dX'ejr wel dx dqx h^lp^n 
(Drohung); s. auch helpim, 

h^rue.t 'heUrot*. 

h^m. 'Abraham*. 

kfmddn 'Hemd*; dt h^d9n fam h:f 
ffew9n 'sehr ft^igebig sein*; dat 
fupnd»n es zo (JT^J\ dat iiutr ly:s 



dihrdu'e.r ze/t^n kan (grobe Lein- 
wand, ein Zeichen von Armut). 

h^nid<f.Uep9n m. 'Hemd*; h^md^iUpdn 
körn d^ruty Idx^n d^x d*l, <fo ket99r 
ut (Kinderliedchen, wenn einem das 
Hemd durch die Hose kuckt). 

hpnd98mqwu. f. 'Hemdärmel*. 

hfmdasmqyy.k^n n. 'kleiner Hemdärmcl*. 

hefn^l 'Himmel*. 

hemiflfät 'Himmelfahrt*, 'ein tolles, ge- 
fährliches Unternehmen*; dt get an 
hem^lfät 'es geht schief. 

hermtlsleita *8elir leicht*; 9t niax {alt) 
Jiemslsleitd ^das geht schon leicht*, 
'es handelt sich nur um eine Kleinig- 
keit, dann ....*. 

kenum «hämmeni*. 

h^mk^n 'kleines Hemd*. 

hemb§^ a'tdM 'unheimliche Angst*. 

henib^^ gddvreM ^Engelsgeduld*. 

h^mstdm, hßmstifm 'gezwungen husten*. 

herdffldrdds 'hintenhin*. 

hefBdn 'hinton*; hetdim am ^'i9. fan 
fy-e.r^n *am Anfang des hintersten 
Gliedes einer Reihe*. 

heftddndin 'hinten*. 

heradTulren 'hinterdrein, hintereinander*. 

h€f9<^nken 'hintenhin*. 

heiddiwi 'hinterher* (zeitlich). 

hetddr 'hinter*. 

lieiditTäsd 'Hintorachse*. 

herd»rhi'd,n pl. 'Hinterbeine*; ä^ op d^ 

he>99rbvo.n z^t*fn 'sieh zur Wehr 

setzen*. 
JieTddrbUvmi 'hinterbleiben'. 
fietaor/i'9,l n. 'Hintere*. 
hetaari'e.n 'hintereinander, vollends'. 
hetddrkqp 'Hinterkopf. 
?ie7d9rldt<fn 'hinterlassen*. 
heTddm 'hindern*. 
keradreks 'rücklings*. 
heradrzit 'Hinterseite*. 
heT99r.^öki)n 'Hinterbeine*. 

heraxtrzandx 'nördlich' (von der Lage). 

4* 



— 52 -« 



b9ti'e.n krig^n *ScUige bekonunen*. 

keti9r$'eM»r 'hintenfiber'. 

hft»la f. 'Handgrir. 

kfükd 'Henkel \ 

hi^kMqrf 'Henkelkorb*. 

h^kMmir/k»n 'Henkelkörbcheu'. 

hf^uJ»H 'Händchen'. 

h^k^r 'Teufel* (in Flachen viel ge- 
braucht); i^ dfz ^^^'^ h^k^r 'nach, 
dmss da fortkommst'. 

hf'»M 'Hengst*. 

hip9 f. 'Zackerrohrhaner*, freches 
Frauensunmer*. 

h^r 'Herr'; in* d^ h^zr zo M ff»ifr 
'nach dem Heim richtet sich die 

Äf r 'hierher*. [ganie WirtschaA*. 

h^rbr^u^n 'herbringen*. 

h^fTK 'herein\ 'hinein*. 

lUrt{n)ggn 'hereingehen*. 

h(r^»k 'Hering*. 

k^r^tMlo:i 'Heringssabt*. 

hJnrr^n)kü'e^tH^m 'heffelnkommeu\ 

hf-r.ßi *Herbst\ 

h^rffqi HfOtt': hfiy^ wäUr jfr.ifvr 

sein*; kf lezfl tri /n h^tyqi en 
/ni»trü: Ner lebt nngcsti^^ ms 
Af r^ ^^r^ </ö/y*c.r dai d^ bm^UJm 
mit tn djm hrm%j4 trds^n "Oott Üsii 
die Reichen nicht ütiemiichtig wer- 
tien\ 

k^ryaf;^rjr^, f. MDenfraheste MiM^eeii- 
stunde'; Äf ffVfJ m al^r kfryois- 
/ry->. op vr criiebc sich sehr Mlig'. 

Afr>jiyÄiyt.>fi 'l^vmmkoftT. 

4rrfc> H*rke\ 

WKvif^J *HÄrker.st»e?\ 
WKvCiTVv * H.irker lahs*. 
W^TTir.iii^^ 'horkoBune::' 
W'''«iX.<>^ *Honnei:B' 
ie»T"iJ** il^TOMinn'. 



k^rut 'heraus'; ze/ Jiirut dori 'krÜ 
werden', 'sich ans dem Stsi 
machen*. 

h^ 'Hesse'; d'/in. Jy^s; bUrf9. h^\i 
h^ (der Hesse steht im Kufe ( 
Unsanberkeit and Dummheit). 

h^bbm^l 'Hesse* (verächtlich). 

hi^i9H 'bingsam rOsten*. 

h^ 'Herd'; d»B äw9s es dar k^ war 
das mqrgas dir it^ (sagen die Lai 
schlifer). 

k^akan s. takati. 

heb L 'weifiglfihendes, zum Schmiec! 
fertiges Stfick Eisen*; en Ve^nar hei 
gtf dürtJB. 'ananterbrocheu etv 

keUm, 'hetfea*. [xom Ende föhn 

Acte» 'Hitse*. 

U^'kiHig'. 

keUapokMi 'Hkipockeii*. 

kfHiaz *Hit»eUag'. 

k^iwil n. 'Hedwig'; kftwixy kw^ n 
s. kwfiam, 

kiaisM» ^Hjacinthe'. 

kVejdam m. *Heide\ 

Ai-c.d^ii)»plf 'Heidenwelt*. 

ki-ejUm ^heilen*. 

ki'ejm ^bcim*; dorn d^i lä-tMi! '{ 

Bsdi Hau«!*. 
kl'ejmM 'HeiBaf. 

AicjNJhrc^BW« *aacli Haose komnH 
hltJ am di'eJ kie.mäsü'cnun 'ol 
I Uafdi Bach Haas« kommen'. 
i krtjmsri'^ 'Heimweli*. 

[ kvtjf "keiaer'. 
ki't^^rti'eJ "Heiserkeit*. 
kl'tsUr L 'BadM^' iTeraltetX [Bau 
kitJtiar^nUm ^Bei wmm Abkauen k< 
ki'^J. keil -BmAtf\ ^eidekraat*. 
iV<{J 'kctf*. 
kifJ -Hirt'. 
yrftjmpfk *Wie mifk aai Aschen 



— 63 — 



9 ^Hoide- oder Hodbacke\ 

^ 'Heidehacker'; h^ fret wi ^n 

fkan n. *Heidelorche'. 

D. 'Feier zwei Wochen vor der 

leü'. 

üd9r *jan^r Bursche, der die 

i zum Uilin^ einladet' (bunt 

Mt). 

*töton* (Tiere in roher Weise). 
ge'; n9T qulam hipf (nam qtU9n 
I g^lSst 9t ü'e.x ^ol es <rp '&n 
.n bl^tidn *Alter schützt vor 
eit nicht'; ba'i9. toi dn hipo 
Jlngstlich' ; h^ het dt fan ben»n. 
innen) wi dB hip&n 'er ist 
tückisch*. 
t *Spitzbart\ 
d9r 'Ziegeneuter*. 
./ nur in der Redensart: kl^fv 
% hip9nü'e,Z' 

:zn]f fiir Hunde*; kis hin hiSj 
am pis (Ruf, um jemand zu 
m). 

t^n *Schweinopfötchen'. 
(h mal!', 
lochzcit'. 

ofiahrt'; /to/äl itiot pitd. iidon 
loiTarUgen mUsüeu Schmerzen lei- 
[durch enge Schuhe, Taille usw.). 
'hoflfartig, stolz', 
üfte'. 
iken'. 

Lratzen' (von Katzen und Mäd- 

• 

lakeu'. 

'Häkchen'. 

♦hohl'. 

ppen'. 

lle'. 

HoUand'. 

i pl. '0-Beine'. 

Lumponsainiüler'. 



hoUn nur in: Jt Iiqlt alt zw^. 'es geht 
schon so la la*. 

höl^n 'holen'. 

hql^a^n* 'Holländer'. 

hql^v^i 'holländisch'; hql^^i^ keis 
'Holländer Käse'. [khiu'. 

hel^fU»ii^ i(üpip9n 'Röhren des Bären- 

htrLlax 'lumpig' (in Kleidung). 

ho'LU'i, 'unvoUkommene Arbeit, Un- 
ordnung' usw. (vgl. kl0f99lt'i.), 

helps 'Hilfe'; a'l. h0lp9n bätan, z^U dU 
7fi0k9f dö pesdin z» en d^n rin; s. 
bat, 

hßlpm in KüUenhahn 'helfen', Cronon- 
berg hat li^lpifn ; nöb^ help ! rü'e.- 
p9n 'Beistand anrufen'. 

he'l^s f. 'ilülsenstrauch'. 

h^n 'Hom'; ex ^ny'e^ jö: dn hqn fttrm 
kqpd harif w^n . . . 'ich mttsste ja 
verrückt, dumm sein, woou . . .'; 
eti i*e.n h^n tytdn. 

hqnx 'Honig'; wekdr hqnx wel l^htn^ 
viot lUJLnij dat 9n da Iman itihan 
'man muss das Unangenehme mit 
dem Angenehmen in Kauf nehmen'. 

höndresldr 'Ilorndrechsler*. 

him»n 'hörnern'. 

hofddr 'Hunger'; honar di'ct tvi'a.. 

hof99m 'hungern'. 

fumdsblüajn 'Wucherblume'. 

fiawasheta 'Hundehütte'. 

?u/raoihü8 'Hundehuus'. 

honasküre.kan 'Hundekuchen'. 

h/tdaspeitid 'Hundepeitsche'. 

h(/w^tal 'Hundestair. 

hiftaat 'hundert'; vgl. z^gteUx; üt dam 
hnaatstan ent düs9nt9ta falan 'alles 
durcheinanderschwatzen'. 

hoiak 'Hund'; an honoik d^ blekt, bit nit 
'bellende Hunde beiiien nicht'; döbi 
mot ka jo op dan hotak kü'e.ma^n. 
'dabei muss er ja alle Kräfte ver- 
lieren' oder 'arm werden' ; /am j>q:t 
op dan horak kCre.man 'arm werden' ; 
d^in Ißpt dar ^u'u.l hotak nö: 'der 



— 54 — 



wird allmählich alt^; dat set hi af 
wi dbr hof9k cbn rem *das niuiiut 
er sich nicht zu Herzen*; w^irun* 
y'e,w9r d9n hotdk kernte kernt msr 
ü'e.x y*eAJOdr dbn H^t *nach Über- 
windung der größeren Schwierig- 
keiten sind Nebensachen leicht zu 
überwinden'; wek9r Z9x ffi'e,n9n 
hotak hquUn kan, Iiqwu.l z^x ^n 
h0'f9,kim 'alles nach Verhältnissen*; 
met al9n hBf99n gdh^tst zin; w^- 
mdT efon hotdk §läg9n wel, m<ix 
cLfs kl»pils leit9 oder vo^nv^r d9n 
h(}fdk ämitim wely fe'fd.t m9r ü'9.x 9n 
§tVe.n Venn man jemand etwas an- 
haben will, findet man leicht einen 
Vorwand'; fq'L he'fd, eint cbs häx9H 
dü'e.t; nv9r mot met d»n hef^^i 
hyldri 'man muss mit den Wölfen 
heulen'; h^ g%'e.t wi d»r fun^k na 
kerm»^ 'er geht schief, über eine 
Seite geneigt'; d^ qwu.l hofdk hü 
am 'er ist dem Tode nahe'; ex zin 
my-dd §8 9n honk; dat es 9n ry- 
d^y^n Iwtdk 'das ist ein roher 
Mensch'. 

ho'fd.kdn 'Hündchen'; ht^ zö.'x dat.H 
Ii0'f9,k9n fly'd, hat 'er sah, dass er 
betrogen werden sollte'; wek»r H 
h0'id,k^n kriity krit vre-x d9 fly'd, 
'mit dem Angenehmen nmss man das 
Unangenehme in Kauf nehmen'. 

hitrarox * hungrig'. 

hqntd f. 'freches Mädchen'. 

höpdn 'hoffen'; höp9n on har^n makt 
manx^n t9m nar9n. 

hopdu 'zurückgehen' (vom Pferd); hop 
tsuryk (Fuhrmannsruf). 

heptfu 'hüpfen, hinken'. 

hopla! hopsa! (Ausrufe bei hüpfender, 
wiegender Bewegung). 

höpn9nk 'Hoffnung'; Jiöpn^rdk Iqt nit 
td §aid9n w^r9n, 

liöips ^stattlich'. 

hopsa mi dql»n 'ein toller Kerl'. 



lUfir 'Haar'; itiif li/Qzr, itii/ze'H, 
mit steifen Haaren sind eigem 
dö ätqnt l'9,m d9 hifvr U 
''da gruselt es einem'; Uvn, i 
kqt9n f9r§tdidk (Eigenschi 
weiblichen Geschlechts); ^-ej 
hqvr an 0m9s löt9n 'alles tadc 
an jemand finden'; h^ Iqt zi 
grlis hifir drem wäs9n 'er 
sich nicht darüber'; z^x ^ 
^g9m 'sich grämen'; feiM 
on rü'd.t hj^nr wäsdn z^iUn o 
cbm gro't».; dö es 9n hifrr 
bot9r 'an der Sache stimm 
nicht' oder 'an der Sache ii 

h^:rbyd9l*Eodenbsick\ [Unangei 

hqiri^'eJtd 'Haarbürste'. 

hqr9x 'haarig'. 

h^r9n refl. 'die Haare verlieren 

hqirfl^itd 'Haarflechte'. 

horkan 'hocken, kauern' (hinl 

hevrkdn 'Härchen'. 

h/^irk^td 'Haarkette'. 

höimqwu.l 'HaarnadeP. 

hq:räleif9 'Haarschleife'. 

hqvränlddr 'Friseur'. 

hö:s f. 'Strumpf. 

höz9nbp99l m. 'Strumpfband'. 

IiBskan 'Glühstrumpf. 

hosp9s 'ulkiger Mensch'. 

Iwt 'rechts' (FuhrmannsruO ; h^ 
hot qf här 'er kann nich' 
noch links', 'er hat nichts 

hBt9 'Ecke'. 

hot9x ^hurtig, schnell', 'tüchtig'. 

hqt9n pl. 'geronnene Milch'. 

hot»p^t 'Pferd' (im Kindermund 

hotam 'schlottern, wackeln' (vom 

hot^9ln pl. 'getrocknete Frucht» 

ho'u.pman 'Hauptmann'. 

?io'u,p(t)säk9 'Hauptsache'. 

?io'u.p(t)s^X^ 'hauptsächlich'. 
ho'u,ps9k^l 'Allerweltskerl'. 
ho'u.pifly'e.t9l 'Hauptschlüssel' 
Türen des Hauses öffnet). 



— 55 — 



\§ "hnlV (ans der Fiihrmannssprache). 
bM 'üobel\ 
lmMba»k «Hobelbank*. 
kMmaH'f9. 'Hobelmaacbino*. 
liiMn^ ^HobelmaBchinenmesRor'. 
kMm 'hobeln'. 
hMipön ^Hobelspan'. 
ktpln ^begierig zasehcn, wenn andere 



yMn. 'hoch*. 

\k§r9. «Höbe, Anhöhe'; op d»r hy-d, 

■ (Feldstelle bei Küllenhahn). 

k§'ejcbn refl. «sich hüten*. 

kte/ *Huf . 

hktfigiT 'Hufeisen'. 

hk^.fil'e^g9n 'aufbrausen*. 

lAtJfiöd 'Nagel zum Befestigen des 
Hufeisens*. 

hkefilai «Fahrdamm'. 

kfe^ls n. 'Aufsetzbretter flir alle 
vier Wände der Karre zur Ver- 
größerung des Inhalts'. 

kör^Jcdnki» 'schmale Kante von Bret- 
tern* (ironisch angewandt auf dicke 
Menschen, die über die hü'<i,knr.)kf<* 
«über eine Seite' durch die Türe 
DiQssen). 

kür^Ja^kt^X *A »™ Durchschnitt'. 

lmnJcüre,indn 'emporkommen'. 

l^eM 'Holz'. 

kOreJibqk «Sägebock'. 

kfeJUan «hölzern'. 

hu:eMhca99l «Holzhandel'. 

hüreJitüorm 'Holzwurm'. 

ky9n 'häufeln' (die Kartoffeln). 

kü'e^n «Huhn' ; met d9n hü'e.n^m t9 b^t 
gqn 'früh schlafen gehen'; hlerak 
hü'tjn ferf9Jt ure^x tval es 9ti kqn; do 
kü'e.n9r gqnt a'L harhds (um filr 
Natürlichkeit einzutreten); viet d^n 
kü'e.n9m opitqn 'früh aufstehen'. 

ky'e.nsrhonk 'Hühnerhund'. 

\ö:e.n9rhv,'e,t f. 'Hühnerstall'. 

\jr€.n9rled9r «Hühnerleiter' (spöttisch 
jede schmale Leiter). 



hü'e.n9rto-rd. «Fleischzüngelchen neben 

den Fingernägeln*. 
hy'e,nA9n «Hühnchen'. 
hü'e.p «Haufen'. 
hv:e,p9wii8 'schaaren weise*. 
hv:9,r «Hure*; jo'f9. hive.Vfm^ qwu.l 

bH8B8t9m. 

hy'e.rdn «hören', 'gehören', «gehorchen'; 

dat hy'e,t min «das gehört mir'; 

w^r nit hy'ex^i wel^ mot fy^eJ^n ; 

dut hy'e,t z»x ^'^- *^i*8 schickt 
hH'e.s{t) m. «Husten*. [sich so'. 

hü-e.8{t)9n «husten'; ex w?^' '^^ ff^^ 

fiü'€,s(t)97i «ich will dir was pfeifen*. 
hü'e.st9rkü'e,hm * Lakritz'. 
hü-e.t «Hürde*. 
hü-eJ «Huf. 
huk «kleine Ecke'; e^n hnks hnx'e,d9n 

«in der kleinsten Ecke der Nagel- 
schmiede arbeiten* (Stelle des I^hr- 

jungen). 
hykdlAan doriy tr^kvn «in hockender 

Stellung auf dem Eise gleiten*. 
huk&n «hocken*. 
hnkjpak «auf dem Kücken' (in <ler 

Kiiidersprachc). 
huldin «Ulan'. 
huldch hu'l. n. «Hulda*. 
huhhhni (Diminutiv zu hnida). 
hyldqp «Singkreisel'. 
hyhn «weinen'. 
hümal «Himbeere*. 
hümbzäp 'Himbeersaft'. 
hürtüdstrfik «Himbeerstrauch*. 
hyp9 f. «der noch oberhalb des Randes 

eines Gefäßes aufgehäufte Haufen 

Früchte*. 
hyp-dfql «über den Rand angefUüt'. 
hyran «heuern, mieten'. 
hfts 'Haus'; met feiern häylt m^r Äüx, 

mei w^nag9m kernt mdr ü'e.x üt; 9t 

es 9n brüt em hüs9 (sagt, man, wenn 

das Spülwasser kocht). 
hüsdeü f. 'Hausflur'. 
hüsdyto9l 'Hausteufer; s. dyical. 



— 56 — 



?m89n 'hoher Henhanfen'; daneben 
kqtan. 

hüshäyl9T§9 'Haushälterin*. 

hysjei (frz. huiasier) 'Gerichtsvollzieher'. 

hyiskdn *Häu8chen\ 'Abort'; 6% mot nam 
hy:8k9n 'ich muss mal abgehen'; üt 
dam hyisksn zin 'in Wut sein' oder 
'die Geistesgegenwart verloren haben'. 

hyi8k98lep9l 'AbortlöiTer. 



kQa»x 'hftnslich'. 

hüt 'Haut'; dö kernt mar mei i 
hüt t0ä9r d^n9n 'dabei bleil 
schadlos'; dö ey-ed mar dqx ' 
hüi fdT9n; h§ gi'eJ m»x ^^^ ' 
A^.T niks ä:n 'er ist mit mir du 
nicht verwandt'. 

hyt9g98däix9 'heutigestages'. 



1 



Ida n. 'Ida'. 

iM: 'Idee'. 

Id. 'Ehe'. 

V9, 'eher, bevor, ehe'. 

i'e.dd7n 'Eidam'; s. Ve,r9m. 

Ve,d9r 'Euter'. 

Ve/ax 'einfach'. 

i'e.fäyldX', Vefyibx 'einfältig, alliem'. 

i'e.fqultspemal 'Einfaltspinsel'. 

Ve.gdn 'eigensinnig', 'blöde, sonderbar, 

eigenartig'. 
Ve.(pnlqf 'Eigenlob'; ve,g9nlqf Hefakt. 
i'p..g9ntl9x, %'e.g9ntleff9ii 'eigentlich'. 
i'd.g§st9m ^vorgestern'. 
Veka 'Eiche'. 
ve.kal 'Eichel'* 
Ve.kan 'eichen'. 
VeJcanbqt 'Eichenbrett'. 
VeJcanhy'n. 'Eichenrinde'. 
ie.k^ndx *eigen' (von kleinen Kindern, 

die sich nur von einigen berühren 

lassen und beim Anblick anderer 

schreien). 
l'e.kanplistar 'dicker Eichenknilttel'. 
i'd,l3X *chrlich'. 
i'p.lfTd. 'Jammer, Elend'; Äf älie.t fw 9t 

ve.l^'79, oiddr d3 ü'e.g9n 'er überrascht 

ihn mit einer Ungiücksbot^chaft'. 
Ve.laribüre.m 'Erle'. 
ve.Ianhü'eJt 'Erlenholz'. 
i'9.m 'einem'; dat kamar V9.vn nit f»r- 

y'd.wüln 'das kann man einem nicht 

übel nehmen'. 



ve.möl 'einmal'; dat es Ve^möl *< 
sicher'; to^ 9t kernt dan kt 
op i'e,möl 'wenns kommt, kon 
überraschend schnell' oder 
kommt alles zusammen'; dai 
i'e.möl 'einmal ist es gescheht 
zweites Mal kommt es nicht 
I'e.möl es gi'ejnöl. 

l*e.mjöH'e.n 'das Einmaleins'. 

%'e.n 'ein'; dai teal dqx ^^ ^'^- ^ 
ist doch gleichgültig'; dat i 
dfven 'das geht fai einem (Ti 
fort'; Ve.n fpr 1-e.n 'einzefai 
einander'; dat es 9r ü'e^x ^'e.w 
d^Ht wo m»r da ai99m met 
'das ist auch einer von dene 
man überall finden kann' (verfte 

l'e.nby'e.m9x 'steif , ungelenk', 
starrig', 'einseitig'. 

Ve.ndr^it9x Adv. 'in langsamem, gl 
Tempo, gleiehmäfilg'. 

ve.n9x 'einig'; l'e.iux wfran es i 
'sich vertragen durch Handsch 
dem Rechtsspruch, dem Eide 

l*«.n»;cfcfe.< 'Einigkeit'; Ve.n9x^'^' 

i'e.n9g9n refl. 'sich einigen'. 

f9.r 'Ehre'. 

i'e.r9m 'Eidam'; s. %'e.d9m, 

i'e.r9n 'iif«nd'; re.f9fi9 fl»w(r)i 
'anderswoher*. 

i'e.r9ns0m9s 'fargend jemand'. 

V9.rff9fye.l 'Ehrgefühl'. [1^ 

l'9.(;r)hx 'ehrlich'; l'9.{r)f»x du' 



— 57 — 



'eiBig*, *8chanerlich* (von einer 

m Handlang); I'ejs9g9 menA9n 

UiUose Menschen'; l'eJB»x ^^^^ 

g kalt'. 

9x 'dnscbläfrig'. 

'erste'; wek9r 9t l-9Jt9 en d» 

9,1 kmnt, kriit 9t l'9^tst g9mdl9n 

geht alles der Reihe nach* ; i'9 Jt9 

.cbl /am mönt 'Mondsichel acht 

:e nach Nenmond'. 

v9x 'ein8tiinmig\ 

9x 'einstöckig*. 

id'. 

*ewig'. 

i:i-e.^ 'Ewigkeit*, 'lange Zeitdauer'. 

'immer* (jetzt veraltet). 
tis\ 



üHsp^Us 'Iltispelz'. 

inS9nifr 'Ingenlear\ 

18 'Eis'. 

izak 'Isaak'. 

UhoUtdT f. 'dicke Eisbank' (in Wiesen). 

i99ln 'eisein'. 

Iz9r 'Eisen'; m»r mot 9t lz9r ämi'e.d9n, 

zo la'i9. 9t warm es, 
tzdrbän 'Eisenbahn'. 
iz9rbänä%'fd, 'Eisenbahnschiene'. 
ishüs 'kubischer Wasserbehälter bei 

Hammerwerken, aus welchem das 

Wasser durch das Sst aufs Rad fKlltV 
islatak 'Island' (ältestes Viertel von 

Elberfeld). 
181^98 'isländisch'; isl^9^ mü'e,8 'Is- 
Uol 'Eisscholle'. [lünder Moos'. 

ispl'L 'Eiszapfen'. 
Udl9g9n 'Italien*. 
italjen9r 'Italiener'. 



(unbetont und in Frage). 

igd'. 

U9 f. 'Jagdgewehr'. 

ach nein, was du doch sagst'. 

jagen' ; 0m98 jägdn , dal mn d^ 

m a/al9n 'jemand hetzen'. 

anz gewiss'. 

jak8t9m 'schnell laufen'. 

n s. jak9n. 

>hann'. 

\T (alt jan9war9ff98) 'Januar'. 

m 'weuien'. 

'e. 'jedesmal'. 

räger'. 

öl (Ausdruck der Verwunderung 

des Schreckens). 
'Henriette*. 

njö *ja'. 
•wärts' (Fuhrmannsruf). (xegen- 

hy 'halt'. 
.d9r 'einer, der zu allem ja 



johdnüsbrü'ed 'Johannisbrot', '(irasart 
mit braunen Blttten\ 

ji^k^i 'Jockey*. 

jekTni * jucken*; dat zal rrvBx ea jehni 
'das soll mich mal wimdeni'. 

jöm^re'i. f. '(Je Jammer*. 

jöm9m 'jammern*. 

jomf9r 'Jungfer*. 

J0mf9rk9n em gry'e.n^n (Blume) 'nigella 
damascena*. 

jo'fB, 'Junge', 'Sohn' (überhaupt), 'der 
Sohn' (im Gegensatz zum Vater, 
wenn beide gleichen Vornamen 
tragen). 

J0f9dl^9n 'Jttngelchen'. 

jo?dk 'jung*; jo79k folk 'junge, lustige 
Leute*; jof9k g9w^t, quU g9dqn\ 
J0799r kvre.m^n f9r nit bini'e.n 
'morgen sind wir schon älter als 
heute*; 70WÄ: wfr9n 'geboren werden'; 
jofDk g9fre.it het rwm^s g9r6yt. 

J0'T9.k9n s. J0r99U9n. 



— 68 — - 



J0fdl9tdk8/9rein ^Jünglingsverein'. 

j^ir *Jahr*; ofo jq9S ^jährlich'; op 9tjqvr 
^nächstes Jahr*. 

J0r9x *jährig, ein Jahr vorbei'. 

joz^y jup * Joseph*; Rätsel: joz^f en 
^gipt9n, d^ hat an dei9k^ dai wipddny 
rof98 dT&m met hqvr bdzdt; röit eSy 
wat es dcUf (Antwort: Auge). 

jötogt *Jawort\ 

juks (lat. iocus) *Scherz\ 

jüd9nitröt9 ^mit Hecken eingefasster, 
schmutziger Hohlweg* (den fast jede 
Ortschaft hat). 



jükst9n 'scherzen*. 

jwh 'Julius*. 

jvli *Juli*. 

jum 'Juni*. 

jup 'Joseph*. 

jup9 'Joppe*. 

jupijäg9n 'hinter einander herUufMi*. 

ju^ f. 'Gerte*. 

ju&9 pl. 'Prügel*. 

j%ii9n 'prügehn*. 

ju8t9mqrU (frz. justemerä) 'gerade ii 

dem Augenblick, als . . .*. 
jui 'Jude*. 



K 



kabi^y'y.8k9n (frz. cambuse) 'kleine 
Hfitte*, 'kleines Zimmer*. 

kahrUs9n (frz. caprices) 'Launen*; ka- 
brÜ89n mäkBn 'Umstünde machen*, 
'eitel sein*. 

kadqvzdfol 'gänzlich betrunken*. 

kadük (frz. caduc . 'hinfallig , gebrech- 
lich*) 'zahm, gefügig*. 

kä:/ 'Spreu*; qwu,l m0§9n f^tdi nv^r 
nit met käxf 'alte Leute lassen sich 
so leicht nicht täuschen*. 

kafie.Tdn 'garantieren, versichern'; dö 
kafV9.r9xd9r fy'e.r soviel wie dö zin 
dX d9r gü'e.t /y'e.r 'dafür garantiere 
ich dir, dafür stehe ich ein*. 

käfüp m. 'Sprung*. 

kafHpt9x 'hops*. 

kak8t9m 'gackern*. 

kcd 'Gespräch*; h^ k^ylt ^m ddn kal 
'er unterhält ihn*; d^ kan 9n kal 
dort 'der kann sich ein albernes Zeug 
zusammenreden* ; dö es jo gänU d^r 
kal fan gdwest 'darüber ist ja gar 
nicht gesprochen worden*. 

kal, 'offene Zinkrinnc* (in der Fuge 
gelegen, welche Ausstiegdach und 
Hausdach bilden). 

käd, kühn 'Karl*. 



kalbakd 'Schwätzer*, 'Schwätzerin*. 

kalan 'sprechen*; wek^r fei ka'U^ d 
lyit ox fei; h^ ka'l.t z»x 9^ ^ 
bletSk9n 'er spricht unnützes Zeug' 
ift es nit dds kal9s to^t 'es ist i 
unwichtig, als dass man ein Woi 
darüber verlieren sollte*; h^ kai 
fam hof99tsi»n ent düz9nt8t9 'c 
spricht wirr durcheinander*. 

kal^ndBT 'Kalender*. 

kalf 'Kalb*, 'toller Mensch* ; t« dpm < 
9t kalf nqx ^^^ i^^^^ *<l6r hat seine 
jugendlichen Obermut noch nid 
verloren*; kcUiü9r dnbh99n 'n< 
übergeben*. 

kalfdktdr 'Nasewels' (der überall drei 

kalfled^T 'Kalbleder*. [sprich 

kalflveJ 'Kalbfleisch*; kalfli'eJ es hi 
fli'e.i 'Kalbfleisch hat keine Kral 

kalk 'Kalk*. 

kalkdli'e,r9n (frz. ccUculer) 'calculi«« 

kalkllstd 'Kalkleiste* (Brett, welches c 
Abschluss zwischen Wand und T 
oder Fensterpfosten bildet). 

kalmss 'Kalmus*. 

kahodrbröd^n 'Kalbsbraten*. 

kahjo9rdx 'zum Spaßen aufgelegt*, 'mur 
(von Früchten). 



- 59 - 



r/. f. 'Heramranken, Spaßmachen*. 

\kh9m "spafieii', 'tioh ttber den Boden 

waJzeo' (besondani von jungen Hun- 



\imä ^JUfflel' (anck als Schimpfwort 

jebraacbt). 
\km39n pl 'Kamillen' ; scherzhafte Frage 
nttr Kindern: toai wo^, kamel9n 
wbr is an dsn buk? 
\'e. 'KamiUentbee'. 
fiter «Schlafstube', 
fim^:)^ 'Kamerad' (im weniger guten 

Sinne). 
im^ritidn (s. kam9r6({^) 'Biirschcben'. 
in»«^:)/ (frz. camisole) * Joppe*. 
kamin m. 'Kfichenofen' ; s. finys. 
km(s HL 'das Militär' (vgl. frz. commis 
Hrrenzzollbeamter aus der frz. Fremd- 
herrschaft'; Wöste S. 119). 
kmMrü'eJ 'Commissbrot'. 
bmi9liw9n 'Soldatenleben'. 
kmuk 'Kalmank'. 
km. f. 'ein Liter'. 

tmaZ/d f. {{tz. canaiUe) 'TaugcnichtsV 
hoidrff9ßi'e^l 'Kanarienvogel'. 
haiät9kuz9ndql, kanätdndql 'gänzlich 

verrfickt, ohne jegliche Einsicht'. 
iimdu 'durchsichtiger Zucker aus Zucker- 
rohr'. 
huapi 'Sofa'. 

hmkti 'Kante'; op da hü'9. katdktd 
Uff9n 'sparen' ; 9t gi-e.t fa katdktdn 
'das geht flott voran'. 
kasw'n, 'Kanone' ; fql wi dn kano'n. . 
kafUs9l 'Kanzel'. 
k(aM'e.r 'Comptour'. 
keq)i'l 'CapeDe, Gebethans'. 
kap^ml'eM9r 'Capelfaneister'. 
kap9mek9r 'Hut- und Mützenfabrikant'. 
kap98 IVeißkohl'; rü'e,d9 kap9s 'Rot- 
kohl' ; dü'e,r kap98 on t9hdk 'durch 
dick und dünn'; 9t es a'L kap98 'es 
ist alles nichts'. 
kap9i€kj 'Schabvorrichtung' (bestehend 
ans einem breiten dicken Brett, in 



welches 6 bis 8 Messer schräg zu 
den Kanten eingelegt sind ; über dem 
Brett ist va Fugen ein Kasten hm 
und her bewegbar, welcher den 
Weißkohl fasst). 

kapdsbü'e.r 'Kappusbauer*. 
kapdierm 'Mützenschirm'. 
kapital 'Capital', 'die große Menge 
Geldes'. 

kapitdl 'Kapitel'. 
kapÜBl/ast» 'handfest, stark'. 
kaput 'entzwei'; hq gi'e,t kaput (roh) 
'er stirbt', 'er macht Bankrott'. 

kapiUi?it9n 'entzweibeißen'. 
kapuibrekan 'entzweibrechen'. 
kaptUfal9n 'entzweifallen'. 
kapüigqn 'entzweigehen', (roh) 'sterben, 
crepieren', 'Bankrott machen'. 

kaputhqwm 'entzweischlagen'. 

kaputmäk9n 'entzweimachen'. 

kapütrlt9n 'entzweireißen'. 

kapütilqn, -älön 'entzweischlagen'. 

kapüthüd9n 'entzweischneiden'. 

karr 'Karre'; d^ mot dt op 9n af99r 
kä:r /ödan, zes gi'e.t 9t nit 'er 
muss es anders anfangen, sonst geht 
es nicht'; h§ Mt d» käir om b^'r.x 
'er ist über die Schwierigkeiten hin- 
weg'. 

kär9nä:f 'Karrennabe'. 

kär9(n)ber99r nur in: h^ zyt üt tvi 9n 
kär9{n)bet99r 'er sieht wild aus'. 

kär9{n)bü'e.7n 'ein fester Karrendeich- 
selschenkel'. 

kär9rat 'Karrenrad'. 

kari'e.r (frz. carrihre) 'schneller Lauf; 
en ve,n9m kari'e.r 'ohne im Lauf 
anzuhalten'. 

kari'ct 'carriert'. 

karmindt9, kamjanAtd 'Carbonade'. 

kamiskub9l 'Hobel im Karnisleisten'. 

karwdini 'sonderbar, seltsam, befrem- 
dend'. 

karwdti9n 'verhauen, durchprügeln'. 



— 60 - 



kasdrqli&n (frz. casserole *Schmor- 
pfanne*) ^kleiner Kessel' (der oben 
enger und verschließbar ist). 

kaäqt n. 'Kerker*. 

koAt^i'i, 'Kastanie'. 

kaj&t^i9nbwe,m 'Kastanienbaum*. 

kastln 'Kerker'. 

kcL8t9{n)&pön 'kleine Eisenplatten mit 
Vertiefung' (in welcher sich die 
Schranktüren drehen). 

kaid 'Katze* ; drem gqn wi dd kajt9 era 
d9n hi'e.t9n brei 'unschlüssig sein'; 
an katd em zak» g^ibn 'ohne zu 
prüfen kaufen'; das fax d» katd 'das 
ist verloren' ; w^ d9 katB kerät es, 
spretddn d9 myis y'e.w9r deSd on 
hpdkd 'sind Kinder ohne Aufsicht, 
so geht es toll her'; h^ h§'fd.t dar 
katdn da b^'L em 'er hindert je- 
mand an seiner Amtstätigkeit', 'er 
bringt etwas an die Öffentlichkeit'; 
be"rd, dar dn katd fer 9t knVe. (als 
Leuchte); w^ da katan mtusarij 
mquan za nit 'wenn die Katzen 
Mäuse fangen, miauen sie nicht', 
d. h. 'beim Essen hat man zu schwei- 
gen'; hy'a.t dax ffr dan katan, 
di fy'e.ran l^kan on hefaan kratsan 
'hüte dich vor falscher Freundschaft'. 

käta 'Karte'. 

kataxfsmns 'Katechismus'. 

kafaflVeJ 'Wildwachs'. 

kdta/rhfaklex 'katzenfreundlich'. 

katakqp 'Böller'. 

katdlök 'Katzcnloch' (neben Haus- oder 
Scheunentür). 

katainuzik 'Katzenmusik'. 

katapy'eMen 'Katzenpfötchen'. 

käta§legar§a 'Kartenlegerin'. 

kätaipel 'Kartenspiel'. 

käta^pl'e.lar 'Kartenspieler'. 

kata&prorak m. 'kleine Entfernung'. 

kätawlf 'Kartenlegerin'. 

katölai 'katholisch'. 

katri'ta, 'Katharina'. 



katün 'Kattun'. 

kqti'u, f. 'kleine verfallene Hütte'; 

kd^uan 'alte Häuser*. 
kqwu.1 f. (aus kalte) 'Kautabak'. 
kqylda 'Kälte*, 'Frost' (in Hände 

Füfien). 

ki^idt 'kalt'; at es fie'i. zo kquU 

dar äyran 'ee ist hier fnn 

kalt*. 
kqiUtil^üar 'Abdecker, Schinder'. 
kquman m. 'Zahn* (des Zahnrades 
kqump 'Kamp* (Bezeichnung für 

gelegene Wiesenflächon und 
kqump 'Kamm'; di eint a'L y 

Ve.nan kqump gas^ran ; d^ i 

dar kqump 'der wird stolz 

wütend*. 
kqumprat Bahnrad*. 
k^bale'i, 'Wortgefecht*. 
kqbaln (vgl. mnd. kabel&iC) 'sich za 
k^balta 'Wortfechterin , zank 

Frauenzimmer*. 

k^fan 'zornig schimpfen*, 'wütend 1 
(vom Hunde). 

k^l (pl. k^ls) 'Kerl*; minan k^l 
Mann'; h§ het h^ls en dar \ 
'er hat feste schwarze Scfa 
klümpchen m der Nase*. 

k^lar 'KeUer*. 

k^lnar 'Kellner*. 

k^lsdql 'mannssüchtig*. 

k^iläan 'Kerlchen*, 'Bürschchen*. 

ke'fi, 'Kinn*. 

k^ 'Kern*. 

k^nax 'kemig*. 

k^nan 'kennen*; g^t k^nati u 

loyta v)^t)aTU^a 'etwas seh 

kennen'. 
keiaarb^t 'Wochenbett'. 
ketaardql 'kinderlieb'. 
kefaar^itax ^kindisch*. 
kefaarH'e.r f. 'Katechumenenuntei 
ketaarWeJblägan 'Katechumenensc 
keraarmöU 'Kindermädchen*. 



- 61 - 



kai»rioU 'Kinderschttrze*. 

« 

imk ^Kind*;/9rft^rw9n^ ket99r ^Waisen- 

kinder'; lofn dt kefidk fdrdrönkdn 

es, daa makt m^r dan pet tü'e, 

'wenn das Unglück geschohon ist, 

dann will man Abhülfe schaffen'; 

ke»9T o^f (Ausruf) etwa ^Kinder, 

' was macht ihr da für geföhrlicho 

Sachen' ; R'^.f ket99r hantfel näm»n 

(aas Zärtlichkeit); firhrdfdkt kenk 

! ^Jt fyr; kle'f». ker^dTj klerfd, zqr- 

j ffin^ grü'e.ta ket9dr^ ffrü-e,t9 zqTg9ii; 

fü kei99ry fei ziffim; d» ket^^r üt 

dum drfk^ han *die Kinder am 

> Heranwachsen haben' ; ketd^ krU/dn 

! ^gebären'. 

i ktvj^s basd'd.n 'neugeborene Kinder 
1 betrachten' (Sitte der Freunde und 
kfiLi9n *Vg Liter'. [Bekannten). 

kp>t9i 'scharfkantig quadratfürmig im 
bir9n 'kehren'. [Durchschnitt'. 

ktrh 'Kirche'; nur mot zqr<fdn^ dat 
d» kerk9 em dqrpo hHit 'man muss 
die Ordnung aufrechterhalten'. 
ierk9ffp9^ 'Kirchenbesucher'; Äf es ini 
gwe.d9n keTkdgp99r 'er geht viel in 
die Kirche' (äußerlich). 
^k»mü8 'Kirchenmaus'; h^ es zo nnn 
I vi dn kerkdmüs. 
' bfrkdndälar 'Pfennig' (ironisch). 
kerhrUü'cn 'Kirchturm'. 
kerhrqk 'Kirchenrock' (d. i. Gohrock). 
krkgaf9k 'Kirchgang'. 
krk/u^f 'Friedhof. 
kerkhz 'kirchUch' (äußerlich). 
ifrüy-e.wdr llandbesen'. 
HKf 'Käse'; s. auch ki'^.8. 
fc$bot9r 'Käsebutter, -buttorbrot'; h^ 
eyt üb, wi 9n afgal^kd» keinbotdr 
'er ist ganz blass'. 
^k9n 'Kistchen'. 
zsk9n 'Käschen'. 

zsmft^ (verächtliche Boneunuiig des 
MHitär-Seitengewehrs). 
Bt9 'Kiste'. 



k^st^x 'zänkisch, mürrisch'. 

ketbäin 'Kegelbahn'. 

ketbatdk m. 'Reifen'. 

k^t» 'Kette'; h^ imet op din* k^t9n 
(in der Nagelschmiede dort stehen, 
wo die Blasbalgkette herunterging; 
dieser Schmied hatte während der 
Arbeit den Blasbalg zu treten; vgl. 
huk, fyr) ; en d» k§ta fii'e,g9n 'auf- 
brausen'. 

ketfl 'Kessel'; kle'f». ket^l hy'e.ran 
güred oder liant yrü'e.U ü'e.r&n 
'Kinder ])as8on genau auf. 

ket^lbl^X * Kessel blech'. 

kitifl^2}dr 'KesselÜicker'. 

ket^Uinet^ 'Kesselschmiede'. 

ket^n 'kegeln'. 

k^tmblü'if.m 'Löwenzahn' (die Kinder 
verfertigen Ketten aus den Stengeln). 

k^Mtl'eM 'Löwenzahn'. 

ketklqta 'Kegelkugel'. 

kttpen 'Kegelholz' (zum Aufstellen). 

keti f. 'Kohlkopf. 

keti^ f. 'Kerngehäuse der Kernfrüchte' 
(daher die Erzählung, dass Eva den 
Apfel, also das Beste, selbst aU und 
Adam die ketäif zu schlucken gab, 
welche ihm im Halse stecken blieb 
und den spitz vorspringenden kets 
»Kehlkopf schuf). 

ketts-^ 'Kerze'; di> k^tsa br^nt am näil 
'es ist zum Äußersten gekommen'. 

k^t^dn 'Kettchen'. 

kiiv9^r 'Käfer'. 

ki'e.difl 'Kittel'. 

ki'e.yoln 'mit ovalen Klötzen kegehi'. 

kick 'Blick'. 

kVe.inelk 'Buttermüch' ; aii, der kVe.- 
melksidim (Gegensatz zu nhd. „an 
der grünen Seite"). 

ki'd.n f. 'Buttermaschine' (zum Stoßen 
oder Drehen). 

k%'e,7i^n 'Butter machen'. 

kve.ii&r, gi'e,n9r 'keiner'. 

kl'e,nt, gi'ejU *keins'. 



— 64 — 



kJ0ts9 pl. *die Augen'. 

kl^t89n 'anstieren'. 

klqt^^n (vgl. frz. galoche) 'schwere 
Stiefer. 

klqt§9n 'schwerfällig gehen*; afe« klqüi 
döop Iq8 'alles, was Beine hat, läuft 
aus Neugier dahin'. 

klBy(9)n 'KnäueP. 

klü'ck 'klug, schlau'; i*a.m t9 klwe.k 
af ssin 'jemand übervorteilen', 'nicht 
in die von jemand gelegte Schlinge 
gehen'; dan motst» nqx fii'^' op- 
i^tqn, wfn d» d^ t9 klü'e.k af 2fi(n) 
won 'der ist viel zu gerieben, als 
dass man ihn übervorteilen könnte'; 
h^ es zo klü'e.k ^8 zalomons kat9y 
di ge'f9. drei däix fBvm rem hi'e.m 
on um'e.t dqx ^^ *or ist ein Klug- 
scheißer'. 

klü'e.khl'e,t 'Klugheit'. 

klv;eMeiß9r 'Klugscheißer' (einer der 
alles wissen will und doch stets 
hereinfällt; nhd.). 

kly'e,t9n pl. 'Hoden*. 

klukd 'brütende Henne*. 

klup9 'Kluppe' (Werkzeug zum Andrehen 
von Schraubengewinden). 

klütdn 'Klumpen'; bot9rklüt9n 'Butter- 
welle'. 

klytdfi (vgl. mnd. klüten 'sich mit Erd- 
klumpen werfen') ^sich mit Schnee- 
ballen werfen'. 

knäg9n 'nagen'. 

knal 'Knall', pl. kn^'l 'Prügel'; knal 
on fal 9re7iboms9n 'plötzlich herein- 
stürzen'. 

knahn 'knallen' ; an weit knalsn 'einem 
Mädchen geschlechtlich beiwohnen'. 

knap 'karg, geizig', 'eng* (von Anzügen); 
dat gl'e.t knap dodqn^n 'das geht 
kaum, dürftig, soeben'. 

knap m. 'Abhang', 'Bruchstück einer 

knapd 8. f(^rk9sknap9. [to^k\ 

knapdii 'knacken' ; fly'9, knap9n 'Flöhe 
mit dem Daumennagol zerdrücken'. 



knastdT 'Kanaster-Tabak', 'alter km 

riger Mensch*. 
knaU (mnd. knatsch) 'breiiger Schiamt 
knati 'verrückt*. 
knat&9n 'geräuschvoll kauen', 'fest i 

saftreicbes Obst beißen*. 
knäyl9n 'nagen, knabbern'. 
knid9n 'kneten*. 

kned9r9x 'mürrisch, reizbar, zornig*. 
kn4d»reni'e.n 'vollständig zertrümmer 

zerknittert'. 
kn^dam 'zertrümmern', 'knattern, lai 

schallen'. 
kn^U 'Knecht*. 

kn^l9r m. 'Explosivkörperchen'. 
knepa f. 'Hebel'. 
knq[f9n 'knoten, knüpfen', 'mit lang« 

Hebel langsam von der Stelle U 

wegen'. 
knepi/a'L 'Vogelfalle'. 
knepwöix 'Schnellwage' (der Lnmp« 

Sammler usw.). 
knib9ln 'mit Fingern oder Zähnen I 

etwas Essbarem überall abkneift 

oder anbeißen' (z. B. die Korinthi 

von einem Stuten knibBln). 
knih9ltd f. (Subst. zu knibdin), 
kni'9, 'Knie'. 

kni'e.1 (frz. canneüe) 'Zimmt'. 
knVep m. 'Taille*. 
kni'9, ri'e.m9n 'Knieriemen der Schi 

ster'. 
kni'9. §H'e,w9l 'Kniestiefel'. 
knt'9.10^1 'Kniewelle' (Turnübung). 
kni'e.to9l 'Knebel', 'handfester, gedm 

gener Mensch'. 
kni'e.io9ln 'knebeln'. 
knik 'Genick', 'Biegung am Wege'. 
knikäti'e.w9l 'Geizhals*. 
knin 'Kanmchen'. 
kninsf^l 'Kaninchenfell*. 
kninStcd 'Kaninchenstall'. 
knip{9) f. 'Taschenmesser*. 
knip9x 'empfindlich kalt'. 
knip9n 'kneifen*. 



— 66 — 



kipi9n (lOtdchenspiel) 'mit den Fingern 
kleine Stachen ans Glas {knipSte'td.) 
fe(^neinander8chnellen\ 
btipitl'e.n s. kmpidn, 
bipUrfi, 'Kneifzange'. 
hnsi 'fettiger, graner Schmatz an An- 
lügen'. 

hStiül 'schmierig', 'geizig'. 

bä» 'Kreide'; dub^l knitd han 'den 

I Schuldbetrag doppelt ankreiden'; hx 

i #D»« di'e,p9 en cbr knitdn Hqn 

\ Hwi jemand tief in der Schald 

itecken'. 
[kmtik^ 'bettelnder Kreideverkäufer'. 
\höä»n 'Knoten als Verdickung' (z. B. 
im Faden); dö zet dbr knödsn 'da 
ist das Hemmnis'. 
h9k9miU 'Knochenmehl'. 
höhn 'Knochen'; tw^ hß'tD. an Vejiam 
knökan 'zwei Mädchen und ein 
Freier*; knök9n afsy'e.kBn 'Suppen- 
knochen mit den Zähnen abnagen', 
b^bfi 'Knollen'. 
W^ 'Knospe'. 
kmpk9n 'Knöspchen'. 
fci?r>jr 'knurrig'. 
kkmn 'knurren'. 
fmifTpqt 'knurriger Mensch'. 
bmv»l 'kleiner Kerl'. 
btttbre'i. 'Geduldarbeit mit zierlichen 

Dingen'. 

hntdru, knostam 'Geduldarbeit ver- 
richten'. 

'knurrig, ewig nörgelnd', 
'mürrisch, unwillig sein' (ohne 
nch richtig auszusprechen). 
t 'Knurrpeter'. 
/ 'Verdickung im Fleisch'. 
l»X 'knotig'. 
'Erhöhung, Geschwulst', 'kleiner 
runder Platz' (Gebäck). 
iig'eJpfl 'Handknöchel'. 
bft-e./> 'Knopf. 

tg'e.p9r 'Knöpfer' (für die Knöpfstiefel). 
ürt-plök 'Knopfloch'. 

OeaUcüe Dialekte^eographie II 



kny'e,zdlj kn0S9l 'kleiner Kerl' (ver- 
ächtlich), 'dicker Nasenschleim' (s. k^l)^ 
'Rest in der Pfeife'. 

knü'e,§9n 'knurschen, knirschen'. 

knü'e.ts 'Knirps'. 

knu/9ln 'zerdrücken, faltig machen' 
(die Kleidung). 

knufdUf nufdn 'stoßen, puffen'. 

knuflü'e,k 'Knoblauch'. 

kr^/'l. s. by'L. 

kny8kd8fl^t9n^ knüsfi^t9n 'buschige Nel- 
kenart'. 

knvis 'Auswuchs an einem Baume', 
'knotenartiger Auswuchs am Men- 
schen'; knuts am bak9n. 

knüw9nhqu9n Spiel: eine Anzahl jungen 
suchen ihren Merbel in ein Loch in 
der Erde (kü:t) zu bringen (wobei ver- 
schiedene Nebensächlichkeiten hier 
unberücksichtigt gelassen werden) ; 
derjenige, welcher übrig bleibt, nimmt 
seinen Merbel zwischen Zeige- und 
Mittelfinger und hält die geballte 
Hand auf die Erde; joder der an- 
deren hat das Rocht dreimal darauf 
seinen Merbel zu schnellen (Jiquan)'^ 
trifft er den Merbel, so hat er seine 
eigene Hand hinzuhalten. 

ke: n. (frz. queite) 'Billardstock'. 

k0x9 'Küche'. 

kof9 f. 'Kaffee'; ds kof» met wät9T 
/»rdqrtü9n 'den Kaffee zu dünn 
machen'. 

kofoketBl 'Kaffeekessel'. 

kofinny ^,1 'Kaffeemühle'. 

kofdmy'd.n 'Kaffeetante' (die auf alle 
Kaffeekränzchen läuft). 

kof9pqt 'Kaffeetopf. 

kof^r n. 'Koffer'. 

kofdv 'Kupfer'. 

koforg^iU 'Kupfergeld'. 

k0f9rkdn 'Köfferchen'. 

kofdrn 'kupfern'. 

kok 'Koch'; hof99r en d9r b^8t9 kok; 
fei kekd fdrd^rujdn dm brei. 

5 



^^^^H^^^^^^^r ^^^P4 


P kökbüe.k 'Kochbuch'. 


komp9tit-i. (fra. eompagnie) 'Gm 


1 kökan 'sieden'. 


Schaft, Unterhaltang' : gfn bom^ 


1 kökpgt 'Kochtopf. 


nei- han 'gesellig sein'. 


1 kqkg 'CoakB'. 


kotny»iie-i.miian 'lieseUschaftor'. 


1 kßkia 'Köchin'. 


kmiipie.r (fra. compere) '(!ev«tte 


1 kökusmüt-t 'KokosDuss'. 


mann'. 


1 kol^ktdvt 'CdlectMiHaminler'. 


komp^t oder g^t ap 3t etm 'Deisci 


i kBt»n 'Cfiln am Rhein'; omsH k^tin 


kom^-3,t (frz. romwjiwfcl 'lieqDem'. 


ei-«.H }öt»n 'jemand an ilen Ohreu 


kiym^-i4 f. -Commodc' (Schubhuli 


in die Höhe heben'. 


schrank). 


köbn 'Kohlen'. 


kön 'Korn, Koggen'; ki/n endou 'Ko 


köb{n)br^n»T 'Köhler'. 


einfahren*. 


f köl3tih^-7».br 'Kohlenhändlor'. 


k^nblün.m 'KoruUlume'. 


kobr m. 'zeitweiliges Saufdetirium'- 


kawbgsn 'kündigen*. 


kobra 'Cholera'. 


kimdm m. 'Kunde, Abnehmer'. 




kofubwltm pl. (fns. com/nitei -Fikbrai 


kobraz -dem Trünke ergelicn'. 


Betragen'. 


kontUbr 'Conditor'. 


Unterleib). 


kor>»lboks» 'jemand, welcher die uq 


fco-// 'Kolben', 'Kurbel' (in Bemscheld: 


koJütln angegebene Eigenschntt 


/ritkol./ 'Ess-Äufzug'). 


siCEt'. 


bolkfirUnfkar 'Korkzieher'. 


A'ue»/» 'gebrauchte Sachen anloreiuaui 


1 kolbn 'faul uoiheretreichen'. 


verhandeln oder vertauschen'. 


kqlmei» 'Kohlmeise'. 


konali» s. fcotüilboksa (Schimpfwort, ' 


fcfifo drikss 'der albenio COlnor' (der 


alle diese Ausdrücke etwas Veräi 


überhanpt nicht ganz eniat gemim- 


liches in sich tragen). 


raen wird). 


kotaglt^Sa s. kotMlts. 




ke«»n 'können'; w^ri »x '^*^ "1' ^ 


bqUeps 'Kohlenscliilppe'. 


dan kan a/ A "wenn ich bo viel 


kqliöt n. 'Kühlenkasten'. 


gesseii habe, habe ich genug'. 


feoWw (lat. culter) 'Päu^char'. 


kenjtix 'känaig'. '^ 


kqÜTt/x 'KohlfaBB'. 


konjak 'Cognak'. ^^| 


kotw»x 'klobig'. 


ki>T9» 'Kunst'. ^H 


kolwan 'klobipe Schuhe'. 




fco^wwn 'klobig gehen'. 


tfl»ä»In 'künsteln'. 




kiftümi 'Körnchen'. 


fohlen'; du h6s inarmka t» koman- 


kotaiap 'Knndschaft'. 


di-e.T9n 'dn hast mir nichts zu sagen'. 


kqmlöit 'Feldsalat'. 


fcarnam 'k Um wem'. 


kotaitak» 'KunatetQck-. 


kom/qiisn amag 'jemand anlocken'. 


kont»r (fra. eontre) 'gegen'. 


kamt: 'Ilandlangs^hfllfe'. 


krmtsytt n. 'Verstand'. 


fcmHfe.<&>^(frz.Cf>m(MJie) 'herumziehende 


ko»tgf*iü-e.n 'Concession'. 




kop 'Kopf, ßergbuppe'; hf ft« M i 




fs Ml st-i. 'er hiU. ein s.'hied 


scliüft'. 


licdäehtnia'; zex d»n kop li-bivt 



— 67 - 



icat fMT nit em kqp9 h€tj dat mot 
m9r en d9n b%'ejn»n hart *wenn mun 
nicht nachdenkt, so muss man don- 
selben Weg häufig mehrfach machen*; 
Uö'JB m9r g^ oni kqpd! *pfeif dir 
was!'; h^ ket dn hBha,vUsarM{n) kqp 
'er hat ein g^tes Gedächtnis'; du 
mois d» kqp binte,(n)pak9n *du 
masst die Gedanken zusammen- 
nehmen'; zex fffn kqp9 kratitifn *in 
Verlegenheit sein' ; m9r Mt zo fei 
ti doTiy dat m3r nit wVe.tf wo i'9.m 
ddr kqp iti'e.t; dat zint kqpsäkBn 
'das ist Sache des Willens* oder 'das 
ist Princip' oder 'das ist Eigensinn' ; 
i'e.it^r mot d9 kqp ent lök hqxibn 
'einer moss büßen'; i*e.nan /fr rfaw 
kqp itü'e.t9n 'jemand beleidigen'; 
mem kqp9 fer d9 wank lü'e.p9ii 
'unüberlegt etwas tun'; mem kqpd 
düre.r d» wardk loeldn 'seinen fal- 
schen Willen durchsetzen wollen'; 
»i öp9nan kqp hart 'bezahlt sein' 
oder 'Grind auf dem Kopfe haben'; 
dO kam^r nit kqp qf itqt än9n 
f^n^m 'daraus kann man nicht klug 
werden'; h^ het d»n kqp farlör^n 
'er hat die Geistesgegenwart ver- 
loren'; h^ zqit 9t pn maAf9x {^n- 
«t^x^o^Z f imxiktdx , ^mdktdx^w^x^ 

rest^Xi r08t9x9w^x) 7?^ ^^^* ^9P ^^^ 
sagte es ihm ins Gesicht herein'; 

kfp9 z^tim 'schröpfen'. 

hparb9t 'Denkarbeit'. 

hipfft^t {kei99r§t9 on/0d9rHt9)^Vor(\eT- 
ond Hinterwand der Karre'. 

hpili'e.r^n 'einsegnen' (das Brautpaar). 

^psn 'köpfen*. 

^pg9^^r 'Kopfgeschirr der Zugtiere'. 

kfphü'eJt 'Kopfholz, Querholz'. 

b/n*». 'Kopfschmerzen'. 

fpk9n 'Tasse'. 

fpk^ 'Stimkette* (der Kuh). 

pyir^77»9n 'Kopfrechnen*. 

^0y 'kopfscheu'. 



kqpHem. *Kopf8timme'. 

kqpHetd. 'Kopfsteine, Grenzsteine' (an 
Wegen entlang, die an einem Ab- 
hang vorbeiftlhren). 

kqpitekd n., s. kqpg9S^r, 

kqp&tqn 'auf dem Kopf stehen'. 

kqptü'e.m m. 'Kopfzäumung der Zug- 
tiere'. 

korä'J (frz. courage) 'Mut'. 

kqrdn 'kosten, schmecken'. 

kor9si'e.t 'mutig, frisch, rüstig'. 

kqrf 'Korb'; w^n d9r kqrj l^d^x es 
mot d9T fvre.gdl drütan 'wenn der 
Mensch sich nach saurer Arbeit zur 
Ruhe setzen will, stirbt er ge- 
wöhnlich*. 

kf'rfk9n 'Körbchen'. 

koriyeJ 'herrisch, anmaUend'. 

k<mn9l m. 'Durcheinander im Hause'. 

kq7'wy'eJk9n 'kleine runde Wurst' 
(welche guten Bekannten nach dem 
Schweineschlachten als Probe tiber- 
bracht wird), s. kör9n, 

kozsli^x ^unordentlich, schmutzig' (vom 
Menschen und seiner Arbeit). 

kozBln 'in Unordnung bringen'. 

k0Z9l^9n 'liederliches , unordentliches 
Mädchen'. 

koZ9lt9 S. k0Zi)l^9n, 

kqs9n^ kqH9n pl. 'Kosten'. 

kqa9n 'kosten* (Geld). 

k0ft97i 'Kissen*. 

kqs9näAfax 'Kostenanschlag'. 

kqi(9npordkt 'Kostenpunkt' (nhd. Ent- 
lohnung). 

ko.^t 'Corsctt*. 

koselHa 79, 'Corsottstango'. 

kqsfir^itar 'Kostverächter'. 

kqsg^ilt 'Kostgeld'. 

kqsg^itr 'Kostgänger'; tis hergqt liH 
ahrf^i kqag^9r 'es gibt allerlei 
Sonderlinge in der Welt'. 

kqspvp.hx 'kostspielig'. 

kqs{t) 'Kost, Essen'. 
; kqitif 'Kruste'. 

5'«' 



^^^^^^^^HH^H ^^^^Hl 


k»»^ 'KQster'. 


krdU 'Krüte', 'liwh« MMebm 


k0gtte.k9 l 'KisseDübeniag'. 


Frauenzimmer'. 


k<ft 'kurz', 'entawei'; kqt onhäg»lkU'-K. 


krats ra. 'Schramme'. 


■kurz nud hagelklein'; hf en kqt äga- 


kralnbye-St» -freches t'nioeDziniD 


bo^in 'er ist aufbrauseod'. 


kratssn 'kratzen'; ^>t awr taar i 


' kqtboitax 'kuriatmig'. 


kralgm 'man hat seine lieb 


1 katH {innd. kotel) 'Kot' (in Walzenform), 




'kleiner Menach'. 


kräli^n (onomatopoetische B 


k0t^me.r 'kleine, 1 cm dicke Birne'. 


als Nachahmung kreischende 


Apfwi ursprünglich 'die in Tälern vom 


rausche je nach der llühc des 1 


^^^B Wasser getriebene ScUeiferei', jetzt 


vgl. kriiiaiu 


^^■^ 'Schleiferei' überhaupt, 'hoher Heu- 


krqy f. Krütze'. 


^^^^P häufen'; s. husnn. 


krqu»n 'kratzen' iKub zwiachci 


^^^ intens 'kürzlich'. 


Hörneni. Hund unter dem Halse 


kothäj'ix 'kurKhaarig'. 


'erzürnen'. 


kqtäm 'seit kurzer Zeit', 'vor kiiraor 


krqvmp» f. 'Krarapr. 


Zeit', 'in kurzer Zeil' (Zukunft). 


krawdl m. 'Volksannanf mit Ksd 


kqts 'in letzter Zeit'. 


kreatue.r 'Creatur'; ilfita krü 


kqtei f. 'das Erbroch eiie'. 


'schlechter Mensch'. 


kqtsm (auch rofl.) 'sich erbrochen'. 


kreb9nblt9r 'KrippeuboiUer' ll 


Ii0y»n 'kauen'. 


'zanksüchtiger, eigens in nigtir Tti 


ko^mp m, 'tiofoB, irdenes Gefäfl'. 


B. krakebr. 


kByt»bak 'Kautabak'. 

krab»x 'kränklich' (von Menschen und 


kredit 'Credit'. 


krs^i 'krähen'. 


Pflanaen}. 


kr^imp» 'Haken und Öse'. 


krabsln 'krabbeln'. 


krfimjan 'üakcn in die Ose einh 


krabslfy 'kleines, unruhiges Mädehen'. 


kreigi-.x, kne.ge:x 'Kreissäge'. 


krab3,t 'kriinklich hinsiechen'. 


krim (fri. crem«) 'Creme'. 


kräd»Tidüe.i 'mausetot'. 


kremal/ot 'nie ruhig sitzender Ht 


■ . kräd3{n)!itü-f.l 'Pilz' (d. i. 'Kroten- 


kremabi 'kribbeln'; at kremalt o 


stnhr). 


m»U (z. B. in einem Fisehlei 


krägsn 'Krageii'. 


kribbelt und krabbelt (wimmeli 


krala f. 'alte Karre', 'altes Pferd', 


kremalöthr 'Ader unter dem Elll 


krakü ro. 'Wortgefecht'. 


welche sich beim Anstoß schme 


krakebr 'Wortfechter, streitsüchtiger, 


zusammenkrampft'. 


unzufriedener Mensch'. 




kräl^n 'knacken' (transitiv). 


geweckter Mensch'. 


krnkim 'knichen, knacken' (intransitiv). 


kr^mp3l m. 'Krempel'. 


krank 'krank'; h^ es xo krauk wi »n 


krfTsd» 'Krämpfe, Epüepsie'; J 


hüe-ft oder «li an kyksn. 


kr^dJ 'Ilundekrankbeit'. 




krerM m. 'Kuchen in Kteisriii| 


kTa'ak3{n)kas» 'Krankenkasse', 


kr^nkhx 'kränklich'. 


Ara»Mlr.( 'Krankheit'; rf^i/f. '(3 ArrtwA-- 




hVrJ 'Syphilis'. 


krt!nfknk9r ' Klein igkeiUkrSmer' 


krahikü "Krann', 


kr^ntmrük 'Johann iabeorstrauch 



— 69 — 



tüM '4 Pfg.-Brötchen mit Ko- 



d'. 



nppe'. 

m ^Weihnachtsbaum*. 

^Weihnachten'. 

ftr9ff9n 'Weihnachtsforien\ 

k9n ^Christkindchcn'; du 008 

n n^t kresk€rf9.k9n (scherzhaft 

lem, der harmloserweise einen 

lg gänzlich falsch ausgerichtet 

Iberhanpt zu harmlos Dummen 

t). 

^Weihnachtsmarkt'. 

ni n. 'der ordentliche, anstän- 

llensch' (in Redensarton). 

•./ 'Christ = Mensch'; ge'f», 

«i-9.Z 'kein Mensch' (ähnlich 

Te9t»menä gebraucht). 

'Christian'. 
Q. 'Kratzeisen', 
kribbeln'. 
Irieg'. 
fCrebs'. 

'kregel, mobil, munter'. 
/ f. 'Stachelbeere'. 
^Ürük 'Stachelbeerstrauch'. 
Krebs' (Krankheit). 
ii9k 'Krebsgang', ^Rückgang'. 
l'ed 'krebsrot*. 
Ireis'. 

'Kreissäge'. 
'Kreisscheibe', 
'kregeler Mensch*. 
*Z *kregel, mobil'. 
i 'unruhig sein', 'kribbeln', 
reifen', 'bekommen, erhalten'; 

» Z9X krig9n 'das Mädchen 

sich seine Scham betasten' 

di prüim)'^ krlfpn don 'Fang- 

nachen'. 

k (Geräuschnachahmung der 

{ im Waldbeeren lied 

'9.x di gi'e,t di krfk di krdk, 
^m kU'e.wn nqrksdk), 
reischen'. 



kntrü'ed 'schreiend rot'. 

krits9U'i. 'Kritzelei'. 

krit89ln 'kritzeln'. 

knt§9n 'quietschen, kreischen' (von unge- 
ölten Karrenrädern, Maschinen usw.); 
s. krätidn 'knarren'. 

kröi 'Krähe'; «•». kröi peki dar af99m 
gi'e.n ü'9,x üt. 

krqx m. 'Husten'. 

kr^x^n 'husten'. 

krekd 'Krücke', 'Türklinke'. 

kreUx 'lockig', 'eigensuinig'. 

krelan pl. 'Locken'. 

kvßlkqp 'Lockenkopf. 

kröi;^ m. und f. 'Kram, Ware'. 

kremal 'Krume', 'die Kleinigkeit'; zorv^n 
kremal 'solch ein Bischen'. 

krmn9l9x 'krumig*. 

krempln 'Krumen machen'. 

kröm9n 'im Wochenbett sein' ('kramen'). 

krö{:)mfrqu'u. 'Wöchnerin'. 

krgp 'Kropf. 

krop9ls 'Panas'. 

krepdn 'mühsam, gewaltsam stopfen'. 

kT0p9T 'Kropftaube'. 

krqphqn§9n n. 'Wursttrichter'. 

krq}}§löit 'Kopfsalat'. 

kröisarbdt 'allerhand kleine Arbeit'; s. 
kröz9n. 

kröishoksd 'langsamer Mensch'; s. 

kröz9n 'in irgend etwas herumsuchen, 
herumwühlen', 'langsam mit etwas 
fertig werden', 'verziehen, etwas zu 
tun'. 

kröz^rt'i. 'Wühlerei', 'langsames Ar- 
beiten'. 

kröis/ot s. kröi8boks9. 

kreiskan 'kleine Flandgartenharke mit 
3—4 Zinken und 50 cm langem Stiel', 
'langsames Mädchen'. 

krö'Jökan 'Hahnenfuß'. 

krö:spit9r s. kröisboksa, 

krß'y.mda 'Krummheit'. 

kraump 'krumm'. 



krovmphü'dJt 'KrunnnlinliL' {r.uiii AiiT- 

bängeti geecbluohteter Tiere). 
krotimplax»n refl. 'siuli krumm lachen'. 
ltrtnivi{p)itVe.w3l 'Krummstietel' 

(Schimpfwort). 
kreiii» dünarkil (Fluch). 
krydtnn^ta 'Wiegemesser'. 
krü'».msfwe.!pl 'Krumnietavogui'. 
kTüi.n 'Krone'. 

krwe.Takränan (ein Ringe Irei^eu). 
bry-a.n£an 'Krilnchen'. 
kräeJ» f. (frz. cartilte) 'Karotte'. 
krye.t>l f. 'Ginster". 
kry-e.tan pl. 'Geld'. 
krüki f. 'Krug'; du krOk^ ;/l«.i zo 

l/rti. naia wät»r, hon dal »i hrekl. 
kn/kxk^n "Krügelchen'. 
krüjmi 'krieolieii'. 
fertywre'jf, 'Kriecherei'. 
krü-^ (. 'Krause'. 
krüs 'kniua', 'wirr durchcioiLnder' ; ki-üa- 

düe.rie.ii 'kunterbunt durctioia- 

trwki/p 'l^ck Oll köpf, 'oigeusiiiiiigor 
Mensch'. 

knU 'Kraut', 'Apfel-, Binieiimiis'; mt 
krüt SVe.t*n (vnn Menschen und 
Päaiizeii) 'zu Luch wonlou'; fer dan 
düe.t es ^-s.« krüt ffJwdsJti; il 
IVeJ duri'e.n wi krüt tm ry-e..b-»i 
'es liegt iu viilliger lluurdiiuug', 

krüt.d\ap9n 'Krau Hopf. 

krfUlilk*H 'Kruutluch'. 

kryts "Kruuz', "Leid', 'Kückgnit'; e^ 
hiiH 3t um kryt8(j) 'ich habe RUcken- 
schmerxon'; jidar hH sin hryta fe 
dräjpn; wvkir gie.n kryta hH, fiel 
in krytükan 'wer keinen gntüeii 
Kdinraer hat, tmt geringeti'. 

k I i/tslialkin 'Kreuxkilkeii'. 

krytiiii "Kriiutche«'; krytian ry-i.r 
jit^X "'' ä-n (l'Haiizenname, auch 
zu üiiieui vci-iirioUlichou Menschen 
gesugt). 

kniCspi'i». 'Rückensi-hnierzen'. 



krylHir^X 'Kreuzweg' {Ortschaft bm 
barg), 

krylxwiig 'kreuzweise'. 

ky koiid (Fangspiel luil gcschlosi 
Händen , wubei iliee gerufen < 

i'ü-*. 'Kuh', 'Unminkupf (Schimpf» 
7/tn- het !/en. kü». hont öd- 
het ß^k*n 'Gerüchte haben i 
Wutires'j ds feya. fye.rän j 
'die Kühe an einer anderen l 
befestigen'; an kü-a. d^kt dan 
nun Tnan. da armüe.t; w^ 
A'üv. bist ilan btean w aL 
einer tut, uhnien die übrigen nni 
fnean\ mar ine,lkt da ki'fj. 
dan hals 'die Menge der Milch 
spricht dur Güte und Menge 

kwa.balx s- dystar. [Ful 

küe.b»g 'Jacob'. 

küi.fladar f. 'Kubdroek'. 

kÜ-i.flVe.i 'Kuh fleisch'. 

küe.ffal 'Kuge!'. 

kQe.galian 'Kügelclien'. 

küa.hak» Tford mit kuhabnlfd 
kehlen'; s. haka. 

kü'3.Ve.daT 'Kuheuter'. 

fcüe.kan 'Kuehon'. 

küe.ki{n)pa-». 'Küchenpfmine'. 

Ä-ßü-iffo 'Kulikotte'. 

feüK.t 'Kohl'. 

kfi-eJ 'kühl'. 

küe.tblat 'Kühlblatt'. 

f.y'üJ-'ii 'kühlen', 'unmerkbar glim 

ky-».iii m. 'Tröbung im Wein'. 

küa.tnclk 'Kuhmilch'. 

kü'e.inan 'kmumeir, 'an der Heihe i 
tai~a.i k&'a.m (^ , dan kü-a.t 
iu}x US, ort dan kü-e.man äi a 
ni/X lata, nü (Wahlapnich de» 
isteii); dat kB-mt h^r wi d^ 
kunimt zustiuide, gleichviel wi( 
OS anlusst'. 

kye.iiaiak 'König'. 

ky'-i.nskan (contraluert aus ky-e.n, 
k.m) 'Ziiiinkünig' I 'SpiolEoug' ( 



nlf^ff 




- 71 — 



einen Knopf wird ein zwei cm langes 
Stielchen gestoßen und der Knopf 
Rotation gebracht) , ^dummer 



m 



Mensch'; du hßs fH9r »n kya.nskan 
'da bist ein harmloser TölpeP. 
t,pman 'Kaufmann'; kü'e.pman, 
Utre^pman. 

.pöl *E&enpflock, welcher am Ende 
der kü'9Ji^ befestigt in die Erde 
getrieben wird*, 
ei 'wählerisch'. 
Mal 'Kuhstall'. 

»i^ *Kuhschwanz' (auch Ausruf beim 
Schlittenfahren, wenn eine Reihe, der 
kw9lt^, gebildet werden soll). 
^bMy , . . ky . . . (Nachahmung des 
Hahnenschreies). 

'Küken' (junges Huhn, auch scherz- 
haft zu jemand gesagt, der eine 
Dummheit begangen hat); h^ hit 
Rt^ keak qf fcyk9n 'hat nicht Kind 
noch Kegel'. 
i^ksk^ 'Küchlein'. 

hkuk 'Kuckuck'; d§ zal wal dan 
kukuk nii mt'e. rü'e.'p9n hy'e,r9n 
'der soll wohl vor dem Frühjahr 
sterben'; to^ mar 9t i'9Jtd dim 
kukuk rü'e.p9n hy'ctj mot mar 
ffqilt en dar t^an han^ dan gieX 
dt i'a.m 9t gantsa j(f{:)r nit op. 
hikuksblü'a.m 'Sauerkleeblüte'. 
kukukB^ 'Kuckucksei'. 
kukuksrnive^ n. 'Sauerklee'. 
hikukSpei^ls 'Wiesenschaumkraut'. 
kukuksü'e.r 'Kuckucksuhr'. 
küd f. (mnd. kiüe) 'muldenförmiges Loch'. 
kktaprekaln (vgl. ätukan) Merbelspiel, 
bei welchem das Loch noch zwei 
Rinnen aufweist, zwischen welche 
die Merbel geworfen werden; Un- 
grad gewinnt; dies Werfen wird 
solange mit den außen bleibenden 
Merbeln wiederholt, bis nur zwei 
übrig bleiben. 
H-Man, kyUan 'Grübchen'. 



kymal 'Kümmel'. 

kymalkeis 'Kümmelkäse'. 

kumat s. häman. 

kyp f. 'Kindormütze', 'das spitze Ende 
des Eies'. 

kypan 'Eier mit den spitzen Enden 
aneinanderschlagen'. 

kupi'e.rpr^89 'Copierpresse'. 

kypstam 'mit kleinem Hammer schnell 
auf einem Eisenstück herumhauen'. 

kurdktar 'Charakter'. 

kurd'Jj korä-J f. (frz. courage) 'Mut'. 

küz9kanät9ndQl y küzandql 'total ver- 
rückt'; Äf makt al98 an küzandg'l- 
drop Iqs 'er tut aUes ohne Über- 
legung'; ent küzandq'L drop Iq8 
g^ilan 'unvernünftig stets neues 
kaufen'. 

küzakr&nar 'Kleinkaufmann'. 

küzakremar&i. f. 'Kleinhandel'. 

kuzalmici 'Durcheinander'. 

kv^an (frz. coucher) 'sich niederlegen' 
(vom Hund); Äf mot ku§an 'er muss 
hündisch gehorchen'. 

kvzan m. 'Auswuchs'. 

kut9 'weibliche Scheide'. 

küts 'Käuzchon' (Eule), 'Kauz' (Mensch). 

kütsax 'kauzig, schläfrig, müde'; kütsax 
wedar 'Schlaf erzeugendes Wetter'. 

kuti9r *Kutscher'. 

kytskan 'Käuzchen' (Waldvogel), 'kleine 
Eule'. 

kutäp^it 'Kutschpferd'. 

kutäwägan 'Landauer'. 

kyioan 'Kübel'. 

kuw^rt 'Couvert'. 

kwabdl 'Fettklump'. 

kwab^hx 'zitternd vor Fett'; kwab9lax 
deka 'so dick, dass einem das Fleisch 
am Körper zittert'. 

kwabdUa 'fettes Frauenzimmer'. 

kwak (Ausruf beim Aufklatschen eines 
Gegenstandes). 

kwakan (einen Gegenstand fest gegen 
etwas schleudern); an frq§ fer da 



^^^^^^^H^ ^^Hl 


^^^^^^^^^Wf^Kwakm 'einen Froscli gogon 


kweUn intr. '.[uellen, qSnS'^ 


^^^H^ irgend eioen featön Gegenstand 


kochen' (die Kartoffeta). 


^^H 


kmllaa 'quälen'. 


^^H kwälan 'quaken'. 


kweljfl-eM -Quälgeiät'. 


^^H kwaksaJwar 'Quacksalber'. 


hfibn^-n. pl. 'mit Schale abgck 




Kartoffeln'; vgl. byn^pitl. 


^^H kuxilm 'Qualm', 'Itauub'. 


Icw^lwat»r 'Quellwasscr'. 


^^^H kwalvtäx 'qualmig, raucbig'. 


kw^slei. 'Klagen' (in weinerl 




Tone). 


^^^P 


kw^r 'quer'. 


^^^ kiealat»- f. 'Bamnwnnzo'. 


hc^rkabt 'ungesund sein, nicht wai 


kwark 'kleiner Kerl', 'Querkopf, 'un- 


(von Menschen und Pflan«.»). 'ü 


wichtige geringfügige Saclie', 


'üchEen'. 


kwä:s f. 'fonctiter Schmuts'. 


kw^rkop 'Querkopf. 


;ttocu m. 'Quast' (zum Kalken: wUkwas). 


kw^lbalx 'stets ohne Grund schrei 


' kwäzix 'Bchmiorig'. 


Kind'. 


kwätsn (vgl. mud. iptaiien 'freaBon^ 


kw^tfn BW. V. 'unarticuliert w 


* schwelgen') 'im Fouchteti hantieren'; 


(von kleinen Kindemi. 'liebev 


ahs fyi kwäzan 'alles boschuiiereu'- 


sich drücken'; lo mäx ff^x '-« * 




(sagt der Geliebte zur Geliebt' 


\ herwllhlea im Suhmutz'. 


kiL-^Urei. 'unarticuliertea Schreien' 


kwasti f. 'Troddel'. 


dränge'. 


1 kwaHe.r 'Quartier'. 


lcv>^tsak B. kw^lbalx- 


kinatS (engl, aquasli) 'Lemou aquash' 


kwlkan 'quieken'. 


(neues Getränk). 


kwiziUx 'Kunporlioh'. 


kwäli, kwati (Begleitwort bei einer 


kwit (frz. quOtt) 'los, fr«i'; dat zi\ 


Ohrfeige). 


kuiü 'das sind wir los'. 


, kwätä^x 'zimperlich'. 


kwitagil 'gelb wie eine Quitte'. 


kwaUin 'uagereimtea Zeug reden'. 


kwit^vk 'Quittung'. 


kwätian 'wälileriauh sein', 'langgeiogen 


kiDiti-e.ron 't|uittieren'. 


aprecben', 'sich Kiniperlieh anstellen'; 


JticiWrfn sw. v. 'knarren in hohen 1 


»nas g^t kwäti^n 'jemand etwas 


(von ungeölten Türen, .Schreit 


blasen'. 


Schweine usw.); vgl. krUitfu 




1 


l 
laxdü-J 'Lachtaube'. 


lüdJii m. 'das Kaulliaus'. • 


lax^H 'lachen'; h^ laxt z»i eiü /yKli»n 


lädJn 'auflatlen, beladen', 'einlnd. 


'erJacht heiralicli vor Freude über 


lätpr 'Lagerraum der Fabrikante 




lak 'Lack'. 


fer la^pn oder sex ^n pukal lax^n 


lälan n. Bettuch'. ■ 


oder z9x krank !ax9n 'sich schütteln 


laki-e.ran 'lackieren'. ^| 


vor lachen'; Za/wi on teeimyin k^r».t 


lakitle.wl 'Laekstiefel'. S 


an VeM»m feimpan 'auf Freude folgt 


lam 'lahm'. 'S 


häuüg schnell Leid'. 

1 

L 


lantBntte.Tvn 'wehklagen'. S 



— 73 — 



fjM^ *Lampe\ 'die weiße kagelförmige 
Frucht des Löwenzahns'; d» lamp9 
üiblöz9n (im Kindermund: oben ge- 
naimte Frucht wegblasen); i*e.ndn 
op cb lamp9 ied^n 'einen Schnaps 
[hmf^gku 'Lampencylinder'. [trinken*. 
Ihn^kü'e^l 'Lampenkuger. 

}l9r 'Lampenunterlage', 
[hi^erm 'Lampenschirm'. 
ir». 'lange'. 

firv-liinreichend*; ex zet he'i. la-f». warm 
'mir ist es hier hinreichend gemüt- 
lieh'; wat la'i9. dü'e.tf wl'e,t am 
p9. gü'ct 'was lange währt, wird 
endlich gut'. 
|fawii 'aasreichen, genügen', 'hinreichen, 

darreichen*, 
[fawtj^fi, -gön 'Vorbeigehen'. 
\k»iffi^ -gön 'vorbeigehen'. 
\kmH'e.n 'aneinander vorbei'. 
W 'Land'. 

fao^ lang'; wek9r 9t latdk hit. Ißt 9t 
üe.x lat9k han9n 'wer viel hat, trägt 
es auch zur Schau'. 
\aikät9 'Landkarte'. 
\^tB»kbve.niX 'langbeinig'. 
\mkg^i9iT m. 'bergischo Stehuhr mit 

P/sm langem Pendel'. 
^h»kh0r9x 'langhaarig'. 
kakhub9l 'Langhobel' (mit welchem die 

kü'9.kas9kt9 gehobelt wird). 
k»kmm 'hingsam'. 
koküe^r 'Esel'; vgl. ez9l, 
(aroJl^p^ 'Langeschläfer'. 
^amDi'e.rdz 'lange dauernd'. 
anwilazy la't^kwll^x 'langweilig'. 
ip9n 'Lappen' (zum Flicken eines An- 
zuges); lap9n lank 'kleines Stück 
Land'. 
xp9n pl. 'die Schuhsohlen'; z^x op d9 

lap9n mäk9n 'fliehen'. 
tp^n 'flicken, reparieren' (Anzug, son- 
derlich Hose; Kessel, vg\. ket9l^p9r), 
'sohlen' (Schuhe). 
ip»8 'läppischer Mensch'. 



lapsaJc (Schimpfwort) 'läppischerMensch *• 

UÜtt 'Mühe, lästige Arbeit' (dagegen 
als 'Traglast' nicht gebräuchlich). 

^äit f. *Sarg'. 

Iat9 'Latte'. 

Iät9 'spät'. 

Iat(n98 'lateinisch'; kUin9s ärlW9n 'mit 
lateinischen Buchstaben schreiben'. 

latsdr^t . 'Lazarett'. 

l^y 'lau'. 

Iqyaihm 'Leuchtkäfer', 'fauler, hiuer 
Mensch' (in der ersten Bedeutung 
Verwechselung von la-yd und Iqy). 

Iqumi9 nüe.t 'dicke Ilaselnuss' (lom- 
bardische Nuss). 

qywarm 'lauwarm'. 

^äm9rmot f. 'breiiger Straßenschlamm'. 

fh^ndBx {Ady, leb^ndax^^^x) lebendig'. 

ied9x 'leer'; led^x widÄ^n 'leeren'. 

l€d9n 'leiten'. 

led^ 'Leder'; üt af99rmanH ledar es 
gü'ct ri'e.m9n §nlddn, 

led9r 'Leiter'. 

ledarboks^ 'Lederhose' (meist: f*f9.&»^ 
led9r), 

led^rhat99l 'Lederhandlung'. 

Ud^ri'e.m9n 'Lederriemen'. 

Ied9i*kä:r 'Leiterkarre' (zum Einfahren 
der Feldfi-üchte). 

M9m Verbura 'ledern' (die Fenster). 

Ieg9n 'legen'. 

l^i'u f. 'Schiefer, Schiefertafel'. 

I^unäil 'eiserner Nagel zur Befestigung 
der Schiefer'. 

l^iandäk 'Schieferdach'. 

I^i9nd^k9r 'Schieferdecker'. 

I^i9nd^k9{r)ihäm9r 'Schieferdeckerham- 
mer'. 

l^vi.mkdn n. 'weibliche junge Ziege'. 

leit (Adv. Ieit9) 'leicht' (von (gewicht), 
'leichtsinnig, charakterschwach', dat 
max alt leit9 'das ist eine Kleinigkeit'. 

le'i.t 'leid'. 

leit 'hell'. 

leit 'Licht'; jotak leit 'Neumond'. 



r 




■ 


leit.» n. 'das Helle'. 


/frO^-k" jo-a. ■Crllnschnaher. J 






/ifnn 'Lärm*. 1 


^^H 


die Pferdekarre hilugf. 


liubü-e.k 'Lesebuch'. | 


^^H 


teji(j»A- 'Leitniig'. 


tewH -lesen'. » 


^^H 


leihnüe.fin 'breite, nach vomu offene 


^»ta 'letzte'. 


^^H 


Eisen nn jedem Karronbaum, wuluhe 


{^»t>x 'lastig'. 


^^B 


das ZurllckrutseLeii der /eftu beim 


t^xUn 'jüngst, unlängst, Ictzihii 


^^H 




«« (fKfen). 


^^^B 


f^k 'iiiarode', Vier letzte im Spiel'. 


kt=a 'Litzenband'. 


^^H 


(ptom 'leckeu'; du kaiut vm^ gft li;kan 


/^ijwjlf 'mal'; ie.ifisrfj; 'einmal' ui 


^^K 


(entspricht unsorem 'prost Mahlzeit!'); 


letffanbMOi» 'Litzenbesatz'. 


^^H 


ft? l^kdan zex jö du fetaar cbtTnö 


lew*n 'Leben'; «w IfjtXM ilätj 


^^^H 


'er würde ja hocherfmit sein, wenn 


oder al im Uw^n itqi nü 'm 


^^F 


er OS hätte'. 


mals'; t»i Ibwiit nit 'iiiemati 


1 


?ffor 'lieblich von Geschmack'. 


Zukunft'. 




i^kiri 'HÜlJ Schmeckendes'. 


/ettön 'leben'; wek»r am /-f».*l 




Uk^H Adj. (vuD t'ersuDon gesagt, diu 


krit (krt:t) H (i7. (der zuletzt 1 




gerne SUÜigkeiten esBeii). 


ist der Gesauiterhej: lewm 




Ulyin pl. 'Lilien'. 


w»n lötm. 






lewir 'Lelwr'; hf kalt gräX , 




Cel.bxkleJ 'Liederlii:hkdt', 'Zerbrech- 


Ifwir w^x 'er spricht frei. 




lichkeit'. 


heraus'. 




Ifiiidi 'Lahmheit'. 


I&wjxät 'Lebensart'. 




/f« -Lehne, Geländer'. 


l&w,'tb;-t3.h>X 'lebenslänglich'. 




/fwJa 'Lüngo'; it> /q-a.da tijl 'Länge 


/iÖJSÖrte/'Liebeslirior faus dt 




macht im Gewicht viel aus'. 


ciogeföhrt). 




Ifiu IL. 'tlclone'. 


/iriun 'leiden'. 






lli.f -Liebe'. 1 






fte/ 'Ueb'. ■ 




I^irei. 'I andere!'. 


Rt.g»n 'liegen'. ^ 




lKt»k»p%k»r 'eiu Linkser'; ». {tehtn. 


lit-gsn 'lügen'; Äf ly;t st m 




letahtiiwfx Adv. 'liaks, mit der linken 


kemal traf 'er lügt eiitt 




Hand'. 


vaeiar ly:t, df Stell üe.x- 




Ipskifa-t»., gaf^Tskila-ii. 'Loiikstang«'. 


IVcffiTt-i. -Lllgerei'. 




l^-ri.bz 'länglich'. 


ft e.m, ft e.nwn 'Lehm'. J 




Um 'Helene' 






hp^ 'Lippe'. 


H-e.mlök (Ortsbeneunnng). ^ 




Up^l 'Löffel'; B. läp'^l. 


ll-e.na a. 'Helene' (nnr fDr attt 






gebräuchlich). 






n-e.n9k»n 'Lenchen'. 




dem Handwerkszeug beholfen mnss 


li-e.n^n 'leihen'. 




und einem überall etwas fehlt'. 


n-a.r 'Lehre'. 




Ifpi 'einfältig'. 


li-e.ntn 'lehren', 'lernen'; wat 




t^rb^k (vgl. frz. bec) 'Grünschnabel, 






Grolimaul'. 


"^"1 


1 




Ä 



— 75 - 



ff<flh.t hit, kamBr, z^if dar $waU 
kü't.hs, dö öt h9 an pi'L toü'eJ 
[deTmata küre.ban 'schwarzer Jacob\ 
aaf den die KedeiiBart gemacht 
wurde, ist noch nicht lange tot). 

Hr^üt 'Lehrgeld'; IVe.rgqiU g^wan 
'als Neuling in einem Handwerk 
Schaden haben\ 

h.rjo'ia. *Lehr junge'. 

He^rjöir *Lehrjahre'. 

frei 'Leid'; at get gle.n greUr lie^t 
^ dat^ wat dar meni zax z^lwa^r 
ändiei; Af di'e.t za/ an ti'e.t ä:n 
'er begeht Selbstmord'. 

Äei *Lied'; di} kan ax ü'e.x an R'e.t 
fan zetaan *die trübe Erfahrung habe 
ich auch schon gemacht' ; a'l. U'e.dar 
derwan nü gazuiaan w^ran 'stillen 
Kummer soll man keinem klagen'. 

^eMy-e.dax 'trübsinnig, schwermütig, 
traurig, betrübt'. 

U'fJmü'e.t f. u. m. 'Schwermut'. 

h't.u'^rm^-ia.kan n. 'Lieferkorb der 
Schmiede' (ein länglicher, mit Hilfe 
des dräzxkltfpal auf der Schulter ge- 
tragener Korb). 

hejc^m 'liefern' (bestelUe oder in Ar- 
beit gegebene Sachen). 

fi't,wMU 'Lieferzeit'. 
Ä/ D. *I^ib' ; at lö:x mar om liif 'ich 
habe es geahnt'; f*m. gie.t at Vif üt 
(bei einer Unterloibskrankheit , bei 
welcher sich der Mastdarm heraus- 
drängt): Äf het gi'e.nan böram em 

ti:/ *er ist ein Nimmersatt'. 
t/Xvn 'I^ibchen' (Kindercorsett). 
ßteka n. 'Lieblingsstück' (musikahsch). 
t f. 'Leichenzug'; an grü'e.ta hk 'eine 

Beerdigung bei zahlreicher Betcili- 

^ng (vgl. Monatsschrift 1896 S. 103 

and 163). 
-{9) f. 'der Tote'. 
•»nbecUrsa 'Lcichenbitterin' (eine Frau, 

welche den Leuten Tod und Bo- 

erdig^ungstermin ansagt). 



Hkts^^ 'Leichenschmaus' (neu neben 

r0y,t8^x)- 
lim 'Leim'. 

liman 'leimen'. 

limondvt 'Limonade'. 

llmjxft 'Leimtopf. 

li'ta. 'Leine'. 

Zina, li'n. n. 'Lina'. 

linagcd 'Lineal'. 

linaga 'Linie'. 

linakan (Diminutiv zu lina). 

linan n. 'Leinwand'. 

llnan Adj. 'leinen'. 

linarUi'e.xan n. 'Narbe'. 

llnawewar m. 'Kuchen aus Mehl und 
KartolTeln'. 

linöbx 'Leinöl'. 

llnzöt 'Leinsamen'. 

llza, 1x8 n. 'Elise'. 

lianäü 'Nagel zum Befestigen von Lei- 
sten, 2 Zoll lang, sehr dünn mit 
kleinem Kopf (jetzt nicht mehr ge- 
schmiedet, da die Nagolschmiederei 
aufgegeben ist). 

llsta 'Liste', 'Leiste' (Brett), 'Leiste' (am 
menschlichen Körper). 

litane'i. 'Litanei' (d. h. unverständige 
Kederoi); an litane'i. do/i^rmäkan 
'unverständliches, unwichtiges Zeug 
schwätzen'. 

lob€rblädar 'Lorbeerblätter'. 

löditn pl. 'junge Pflanzentriebe'. 

loj 'Lob'. 

lofbalo'ta. 'Luftballon'. 

le/tax 'luftig', zuweilen auch 'aus- 
gelassen, lustig'. 

lök 'Loch'; om l^stan löka plpan 'dem 
Tode nahe sein'. 

lökbVe.tal 'Lochboitel'. 

lökan 'lochen'. 

loh&n 'locken'. 

lekar m. 'Einsatz in dem Kopf der Presse, 
um Löcher in Eiscnplatten zu stan- 
zen'. 

Ifnnal 'Lümmel'. 



1 


^^^^^^^^f ^^n 


w 


^^s^s^^^ 


l»f{t)»ii 'gelll»ien'; äo my- eji 




hnn}>»n 'LumpuD, ulie Kleiduii(,'Bsllitke'. 


S/ff ffT/e.n« Ibk{1)hh 'da i. 


^H 


tom/wi Vorbum, imr in: zei Hit l-mipin 




^H 


läUn 'Bicti riidlit lumjicii lassen'. 


haben' (eigentlich: es mil 


^H 


la-ia. 'Lutige'. 


nach Grflncm, Gras u. dgl., 


^H 


laulam 'hungrig und bi^gJerig dem 


f^ilrgx 'Wrtsserkllliel in der 


^H 


Kssen audcrer zusubcu'. 


zum Härten'; s. hilcywm. 


^H 


Imüi nur in: lant» rtUrJ» 'Verdächtigt« 


Iift n. 'Los' (in der Lutterie);j 


^H 


merken'. 


l<}t 'das große Los'. * 




»p^l, Upal 'Löffel-, 'Oltf'; du. Icrü (tri:«) 


iqt» n. 'Cburlotte*. '' 




gft an d» läpjl 'du bekumniBt 


lötm 'lassen'; Iqfir 'lassen ■ 




SchUge*. 


hafor, kef»r, ma/jr, «»/a 




leinUkqst 'Suppe, Brei' usw. 


&tqf3r, gqf»T 'Laben, köni 






Ben, aollen, sclilagen, steh 




wohl nhd. 'läuÜBcli'). 


wir'; fonier /m7);'>'i ta/e*, z* 




UfS 'loB, leichtsinnig', 'nicht iiusdmiemd'; 


&lq-pt, Hqt^t,gqx.,t 'habt 




A< l^t äKtjf Uj» 'er wirft allen Zwang 


aber nicht: IqxH). 




von iich'. 


Iqbn 'Lotto spielen'. 






Utt»rx-i. 'Lotterie'. | 






lo^.x 'Lauge'. ' 




him 'löBcheii'. 


loura n. 'Laura'. 




iBiir 'Löscher'. 


loyl 'Luft'; ut löear loijt ilo 




Iqsltak^n 'loshacken'. 


von oben herab schlagen 




Itfshan 'luB haben'. 


i/fito loiU oder A^ li&t i 






lu«l 'er ist engbrilsliff'j^ 
flle^n 'aufbrausen'. A 




loKkyiak*n 'Laube' (eiguritlich 'LuBth.lu*- 




lt/»fcnye.p»n 'loskuüpfeu'. |chou'l. 


loi/ta 'Uuchte, Laterne'. 




Ufalcrigan 'losbo kommen'. 


hi/tm 'leuchten'. 




l^sküem^n 'lus kommen' (sujiderlii'h 


(nuthü-e.lt 'Lichtholz' (faules S 




vutn Mllitür). 


' durch seine weilte Färb 




IMywm 'Löschtrog' (in welchem glü- 






hendes Eisen abgekilUt wird). 


levlnant 'Leutnant' (in Kemsc 




l^xleibx 'le'''B. unvurheinitel'. 


tisch zum Laternen an zu nd' 




Iqslöt^n 'luHtassen'; s. uueh Iq». 


loijU 'links'. 






Igytäan 'kleine Laterne'. 




mdkan 'sich irgendwo niedersetzen, 


luytgitn^X Adv. 'links'. ii 




um Bedlirfuisse ubiunmchen' ; refl. 


löw»n 'loben'. 




'sich die Kleider lockern' (von Frauen 


läw^n m. 'Löwe'. 




geeoRt)- 


lowls n. 'Luise'. 






lowitkan 'Luisclien'. 




Igijmple.r 'Löschpapier'. 


lu'lsH 'lauton' (westlich del 




lö»nt9n -losreilJeD'. 


'weinen', s. Dialok ige ograi 






lydm 'läuten'; A? h£t i/pt bjda 




hxi 'Lust'. 


wie.t ewiT nit wo d» kljtk»ti 




lasUx 'lustig'. 


kennt den wahren Sa chv«^ 

i 






M 



— 77 — 



bi9r (starkes, die Ehre angreifendes 

Sehimpfwort); darms lüdsr, 
ifeubn 'löten'. 
fre/'Laab'. 
freji 'Lohn*. 
IteMn refl. 'sich lohnen'; 9t lont zax 

'das lohnt sich der Mühe'. 
Ifejrni löhnen'. 
li-eJO»k 'LöhnuDg'. 
tktp 'Lauf. 

tke.p9H 'laufen', 'fließen' (vom Wasser) ; 
t9tAm9n lu'e.p9n 'miteinander ver- 
kehren'; bini'e.n lü'e.p9n ^s deka 
mdk 'ohne Bedacht leichtsinnig Ver- 
kehr eingehen und heiraten'. 
\^^!»r 'Läufer'. 
^tpienk» 'Visitenlänferin' (die es zu 

Haase nicht aushalten kann). 
l^exM 'lösen' (eine Fahrkarte). 
\^t29nk 'Lösung' (das Vergehen einer 
Brost- oder Halskrankheit ; sonst im 
nhd. Sinne nicht gebraucht), 
frei 'Lot' (Maß), 'Lot' (Senkrechte) ; dat 
€i nit em lü'e.t 'das ist unpassend, 
das ziemt sich nicht'. 
lftMamp9 'Lötlateme'. 
iumbiUn 'hinterlistig zubeißen'. 
iäp9Z 'hinterlistig, tfickisch'; dat es an 
Iup9g9n honk 'das ist ein heim- 
tfiekischer Mensch'. 
Utr9x 'verdächtig*, 'langsam', 'hinterlistig'. 
MLT9n 'lauem'; wekdr lü'e.tj het gi'e,n 
gü'eJ gdwtR9n; d9r lür9r an d»r 
wank hy'e.t zi'f9. I't,ff9n ia'f9,. 



lürSü'd. pl. 'Seif kanten - Hausschuhe' 
(eigentlich 'Lauerschuhe', weil sie zum 
Lauern sehr geeignet sind). 
Jus 'Laus'; b^89r 9n lüs em p<ft»^ ^ 
gärgi'e,n flVeJ; wat mVe. lo^t es 
^s dn lüs^ mot m9r drägdn ent hüs; 
hf zyt üt, ^s wi^n 9m 9n lüs y'e,w9r 
dd Uw9r g9kr6p9n weir (von einem, 
der trübe oder erschreckt aussieht); 
h^ z^t ^m 9n lüs en d9n p^ilis 'er 
reizt ihn gegen jemand auf. 

Iyä9n pl. (mnd. lüsch 'Schilf, Schnitt- 
gras') 'lange Haare'; ex kü'9.m dar 
gllk es an dB lyi^n 'gleich erhältst 
du eine Tracht Prflgel'. 

lü:snik'9l (scharfes Schimpfwort). 

Iust9r 'das Ohr' (in Redensarten); du 
kris 9r i'e.nan änt lust^r 'du be- 
kommst eine Ohrfeige'. 

lüstern 'horchen'. 

lyt 'still, niedergeschlagen'. 

lyit, lyt 'Leute'; a'r.m lyit en 9n koz9l»x 
folk 'arme Leute sind notgedrungen 
nicht so reinlich wie andere'; qni- 
\9g9 ly:t kü'e.man bi dä:x hVe.m 
'ordentliche Leute kommen am hellen 
Tage nach Haus' (auch ironisch 'am 
folgenden Morgen'). 

iutb9r 'verbreitet, bekannt'. 

Iut9r 'Dr. M. Luther'. 

Iüt9r 'lauter'. 

luti 'Saugapparat fiir Kinder'. 

luUt9n, selten let^^n 'lutschen'. 



M 



\xnet 'Magnet'. 
\piit9i 'magnetisch'. 

■i4^9n''Magen\ 

Wkäff^ndqk^r (Likör). 

wUlgdT 'mager'; mäg9r flVe.i ^\\\Q\\i fet- 
tiges Fleisch'; mäg9T wqr^n 'ab- 
magern'. 

mäffiriTi» f. 'Margarine'. 

wUig9Tpiid, f. 'Magenschmerzen'. 



magont 'Mahagoni'. 

maju-e.r 'Major'. 

mäkdu 'machen'; mäk^n don 'spielen' 
(Familie nachahmen, im Walde); fei 
Z0'y, mäk9n 9t g9^py'9.l de'n. 'viele 
Schweine machen das Spülicht dünn' 
(sonderlich von vielen Kindern ge- 
sagt); bh'ij. mäkon 'nicht arbeiten'. 

mäkUr 'Makler'. 



^^^^^^^HH^^ ^^^1 


^ mahk^n (mini. miilUk) 'jedermann' {vor- 


niai 'marsch'. ^M 


^H 


jnaabü-e.m 'Hasihsum'. ^| 


^^^H fflilAin 'mahlen'. 


n.a^ 'Masae'. ^ 


^^^H mal^-.T [in. malhetir) 'Uopliirk'. 


ma£3 f. 'Masche' (im Stritt kstniinj 


^^H malfg 'Makkuffoe'. 


niaHi-e.mi 'niarschiercTi'. 


^^^H maniti 'Haina'. 


viasi.f 'nia§siv'. 


^^^H man 'Mann'; an Tnan a wqt; man on 


maiia. 'Maschine'- 


^^H ict/eR i-p.n ;i/(iroDiscb: nenn der 


nwultn»» 'Seide abwinden'. 


^^^H Mann etwas üates gegressen hat nnil 


maiinanboiur 'Maschinen hau er' 


l^^f die Frau bekomiut nichts, beruft 


maiii^H)fabrik 'Maschinonfabrik' 


f er sich hierauO; rff» zin »x w"«* 


maÜn^i 'Seiden w Inderin'. 


gsjtü-e.x 'der Sache bin ich ge- 


maskssbal 'Maskenball'. 


1 mat». (. 'Korb'. IwachBen'. 


mamc^X lWeg von Diihr nuch Gei 


1 Trtuw&rü-e-i 'graues Brot' (in Funu (ies 


mäd 'Magd'; tti^n di mä:t e^ bri 


(lUtkdrn tischen I'urallelepipedunB). 


H jöiT at 'nach einem Jalin 


,„fln,/W -Mandor. 


die Mägile nieist verlobt'. 


mnnil»ltie.p» ■MandeUoife'. 


mat n. 'Markt'. 


mämn pl, 'auf geschieh lute Henreihon'. 


miüa n. 'Martha'. 




mata 'Halte'- 




mateJs 'Matthäus'; 9f ex laatei 


' mnui'-.TUz 'manierlich, anständig'. 


ItitOiit 'es ist zu Knde'. 


maiakJl ■Miinlol'. 


matvr 'Murter'; /an alan matum h 




k-üe.mm ein 'aUes mit dnrehgo 


mmtlNUfS^ 'Mantettasoho'. 


haben, ohne daliei geblieben su 


tnnKMnä'c.s 'wenig appetitliches Durch- 


•geriehen sein'. 


einander v.m essbaren, gekochten 


mabir.z [fn. maiikre) 'Kiter'. 


OsgenHlflnden'. 


mäthö:k 'Haken zum Abnehmci 


HuiKit 'nicht irScUtig' {von der Kuh), 


jedesmal mit dem Oeireiilehaui 


•feucht'. 




mimi»n 'in etwu Feuclilem rflhren, 


mairu-».s 'Matrose'. 


pnnlsehen". 


maiia f. 'Schmun'. 


mmii^hn pl. 'Manschetten'. 


nuit&ax 'feucht, schmotrig'. 


mau»lj/t, -lyit 'ilie Hünner'. 




mantuft'i 'Mahniellol'. 


matwlf 'Marktfrau'. [herumwl 


)iMnyi:ti!»r 'Manffvor*. 


WK(H 'sehlecht, unsicher' (von Uesci 


mnvt, miiri 'Marie'. 


(icsnndheit). 




mquu. f. 'Ärmer; amas y-e.M» 


mark f. 'Mnrk' (Coldstnrk). 


Tiiquu. Sinken 'jemand schueit 


uuirb n. 'Am Mark'. 


in red vi rbr mquan iedan 'eim 


MiirktiükvH 'Markknochen'. 


aus dem Stegreif halten'; m 


martiwr 'Maramr'. 


dir mutinn han 'nicht krüftig 


iruii-wiJWcivn 'niartnorierro'. 


mqtiftt ■miauen'. 


miii 'Miirach'; I-.'.hi it* mai mdJt^n 




'Juutitnd Vorwürfe nniphen'; br, es 


nung für einen Spallmacher); i 


um luiii.' 'vr Ist fort'. 





~ 79 - 



m9n 'schnell atmen*. 

mdaz 'Mittag*. 

medaxset»n 'Mittagessen*. 

medax^tU ^Mittagszeit*. 

medälj9 (frz. medaille) 'Medaille'. 

nedaljon 'Medaillon*. 

wd9 'Mitte*. 

medil 'Mitter. 

mdaHgrQre.t 'niittelgroß\ 

wdMaak 'Mittelstand*. 

med^litröta ^MittelstraOe* (Ortsstraße). 

mtdin, medzdn 'mitten*. 

mditän 'Arzenei'. 

•mtdi^z)»ndreM9n) 'mittendrein*, 'mitten- 

drinnen*. 
m»n 'mähen*. 

•p m. 'Mai*, n. 'junges Laub der Bu- 
Wfiby-e.fa 'Maibuche*. [eben*. 

^^^Z 'erster Mai*; h^ kernt vi^idax 

m d9 ffrüre.t9 &ü'9.l 'er kommt am 

1. Mai in die erste Klasse*. 
w^kiU9n 'Maiglöckchen'. 
m^ 'mild*. 
m^ßan 'melden*. 
9tSt9 f. 'Milz*. 
^U 'Meise'. 
\mß 'Macht*. 
'•fbr(i), ^k»r{ß) 'nur'. 
•fJ (frz. merle) 'Amsel'. 
med 'Mehr. 
•?«? 'Melde*. 
|*e:/(i0p»n 'Mebltopf ; Äf zet drenan wi 

ä» müB em me:ld0p9n 'er ist reich*. 
[«% "mehlig'. 

tfät 'Mehlfass*. 
[•fettf «.^^ 'Mehlhändler*. 

h.r9n, mpa9li'e,r9n (frz. 7nel9r) 
'dorcbeinandermischen*. 

'Milch'; ?if het g^t en da melk td 
brgk9n 'er ist vermögend*; h^ zyt 
üt tri melk on blü'eJ 'er sieht blü- 
hend aus'. 
wifik 'trächtig* (von der Kuh; spöttisch 
von jemand, dem das Hemd durch 
die Hose kommt). 



melka'n. 'Milchkanne'. 

m^lk^im9r 'Melkeimer*. 

m^lk9n 'melken*. 

melk/u'e.rv)^rk 'Milchfuhrwerk'. 

melkglas 'Milchglas*. 

m^lkrüka 'Milchkrug*. 

melkääp 'Milchschrank*. 

melkätrötd 'Milchstraße*. 

m^lkitüe.l 'Melkstuhl*. 

melktardk 'Milchzahn* (im Kindesalter). 

mqlm (mnd. melm) 'Straßenstaub*. 

m€:hak 'Mehlsack'. 

meilworm 'Mohlwurai*. 

m^'m. 'weibliche Brust* ; dan keftaarn dd 
tn^'m. gewan 'die Kinder säugen*; 
zi h&t at kerak an dar m^'m. 'sie 
säugt ihr Kind selbst*. 

m^ma 'Mutter*. 

men 'gerjng*; ta m>en 'zu wenig* (auch 
in sittlicher Hinsicht). 

mendam 'mindern* (beim Stricken). 

m^nax 'Pfennige'. 

m^aliei 'meliert'. 

m^raan 'ipongen*. 

merakal^an 'Mäntelchcn'; an m^rakaU^n 
em g^t haraan 'etwas vertuschen*. 

me^is m. *Mensch*; an araar men^ na g^t 
w^ran (gute Wirkung eines Trunkes: 
dar man z§it^ h^ dreiak ar (der 
Schnäpse) efnvar tw^i — w^r&m? — 
tü^n ex ar Ve.nan op han, zin ax 
en araar menA, on d^ araar meni 
mot ar dqx ü'e.x i'e.nan han). 

men§ n. (verächtlich) 'Frauenzimmer'. 

menäa{n)blü'e.t 'Menschenblut*. 

inenäafyta nur in: dö mot mar g^t 
menäafyta bl düe.n 'dabei muss 
man sich anstrengen'. 

menäaflVeJ 'Menschenfleisch*. 

ineniafretar 'Kannibale*. 

mensakeiak 'dummer oder frecher Mensch* 
(in Redensarten der Verzweiflung 
über jemand). 



- 80 — 



num&9my'e.gUx 'möglich' (in Redens- | 
arton^des Erstaunens). 

menidto^rk 'Monschenwerk*. 

TTun* *man\ 

m§r *nur\ 

mfir f. 'altes Pferd*. 

m^rhm *merken'. 

jn^rklK9r 'Merkoison in Taschenraesser- 
form, vorne umgebogen, sodass 
man halbcylinderförmige Kerbe ein- 
ritzen kann* (von Zimmerleuten zur 
Konnzeichnung der Balken gebraucht)* 

ni^rsi (frz. merci) *danke schön'. 

mea *Mi8t*; wo nit es mestBs, es we.x 
nit krest98 'wo kein Mist hinkommt, 
wächst auch nichts'. 

mesbuk 'Kippkarre'. 

tne89 'groOe Kirmes'. 

mesdn ^missen, entbehren'. 

me^^n 'mischen'. 

mcts^rdM(s) {(n.miserable) 'abscheulich'; 
mez^trdlMUs^ jft^, 'Taugenichts'. 

mesßil nur in: Äf hH ^n hü'e,n mesfal 
'er ist groO'. 

rnfsgafd 'Mistgaliel'. 

mesi/^ihn 'unschuldig bttUen'. 

mesffotjst 'Missgunst, Neid\ 

infsymjstux 'missgttnstig, neidisch'. 

fiiesiuU 8. mU. 

mesihkl f. 'Mistel'. 

mesU f. 'Mist grübe*; mes op d9r mesUn 
OH tf^iit en ii^r kts^'m ^lyw^i niks 
en; ktrm, es hn^^ us mest^ 'komm 
mal au unserem Hause vorbei, dann 
bekommst du Prikgol'. 

mes{t\^H 'misten'. 

mest^^pü^eJ 'MistpfQtie« Jauchepftltze'. 

met 'mit*. 

meiaHifks^H 'mittanzen\ 

metMai^>H 'mitbeiahlen\ 

methrf%^H 'mitbringen'. 

methruk^H 'mitgebrauchen\ Mnun und 
wann gebrauchen*. 

MftfrA^^riv./MH 'miteiul»egnffeu\ 

iHtt>*H 'me$seu\ 



ni^t9n 'Martinstag' (10. November) 

fn^t9mh99n *am 10. November vo 
Türen singen' (um Äpfel, ( 
Birnen, hoU^ln u. dgl. zu erhi 
der Gesang ist im „Urquell** 
öffentlicht, eine Anzahl Gesang 
Umgebung im Tägl. Anz. EIb( 
10. November 1908). 

rnM9r m. 'Meter'. 

m€t9rmöt9 f. Metermaß*. 

7netSi9n 'mitessen'. 

metit9r 'Mitesser' (kleine Maden ii 
menschlichen Haut). 

fnet/är9n 'mitfahren*. 

metgetoBn 'mitgeben'. 

metgqtiy -gön 'mitgehen'; du zas 
metgqn w^n d» atd9m tBhve.\ 
bUw9n (oder spöttisch: tü^ 
af99m /är9n). 

metgr^'e,89n 'mitgrüi^n'. 

methqlp9n 'mithelfen'. 

meüd^n 'zuweilen'. 

meikal^n 'mitreden'. 

meilcrig9n 'mitbekommen' (einen Ui 
*etwas hören'; dat han a/ nü 
kri'e.g9n 'das ist meiner Beobact 
entgangen'. 

metkü'e,fn»n Mitkommen', 'versetzt 
den* (in der Schule). 

metlax^n 'mitlachen'. 

mttm 'MiÜeid'. 

meiHi'e,p9n 'mitgehen*. 

mehnähm 'mitmachen, dabei sein* 
wuUcst» mei 'das wollen wir 
doch mal sehen', 'das ist doch 
(erstaunt). 

metmmi9n 'mitmüssen'. 

mHnfm9n 'mitnehmen*. 

wieibn 'mittun, dulden'. 

imeio»^ 'mitunter'. 

metr^in^m ^mitrechnen'. 

metrr»k9n 'mütrinken'. 

m^s 'MSn*; düre.r €l9H m^ kü'i 
^die seUhnnste Jahreszeit uberst 
^von Kranken). 



— 81 — 



Kesser'; dai m^ts init wi 9n 

i.dm hotdk bit oder det m^ts 

zo ift-«. , dat mdr drap9n na 

m rUhn ky*9.n 'dies Messer ist 

z stumpf. 

dn Mitschicken \ 

>9n 'mitsingen'. 

'teilnehmen* (an einem Spiel), 
n 'Messerchen'. 
99n 'mitschleppen'. 
dn 'mitsollen'. 

eJan 'mitspielen'. 
bn 'mitwollen', 
'miau' (Katzenschrei), 
»ir». 'mehr'. 

m 'meinen' ; h^ me'rd.t zdx g^t 'er 
let sich was ein, er ist stolz'. 
mk 'Meinung'. 

'td 'Meineid'; an ml'e,nVe,t dort 
en falschen Eid leisten', 
w 'Meister, Arbeitgeber'. 
k f. (frz. m<>caniqae) 'Bremse'. 
., ntüi n. 'Emilie'. 
t^T 'Millimeter'. 
.n 'Million'. 



fr 'Millionär'. 



'Zitze der weiblichen Brust', pl. 'die 

'9n (Diminutiv zu mim), [Brüste'. 

lin 'mein'. 

1. *Wilhelmine' (alte). 

oeg9n 'meinetwegen'. 

^n n. 'Wilhelniinchen'. 

* 'Minute'. 

'Katze'. 

'Ar 'Missionar'. 

Ml 'Mission'. 

».nsf^rhin 'Missionsverein'. 

».nshüs 'Missionshaus'. 

i 'kleine Katze'; misk9n maxst't 

'e.r9nt80pkdn (Neckerei, Erinne- 

g an die Lieblingsspeise). 

sk9r pl. 'Weiden- oder Birkon- 

ten'. 

% pl. 'Möbel'; wat zestB^ käbn, 

'e,Ut9 hiröd^nf hest» vre.x moh^ln f 
Deatache Dialektgeographie II 



m0b9Urein9r 'Möbelschreiner'. 
m0bdlwäg9n 'Möbelwagen'. 
msk9 'Mücke'; d» msk»n daf9k89n^ 9t 
get r^:n; msk9n zepn on kam€:l 
älük9n (splitterrichten) ; dat es ü'e,x 
zo f»l ^8 to^n 9n mßk9 en d^n rln 
pest 'das hilft gamichts'. 
möZ 'Mal', 'Ziel' (beim Spiel). 
m^l 'Maulwurf, 'Kartoflfelart'. 
mqhx 'mollig, weich', 'gemütlich'. 
möl^n 'malen'; möü dar g^t! 'pfeif dir 

was!' 
möl9r 'Maler'. 
m0l9r 'Müller'. 
mdUre'i. 'Malerei'. 

mol^stdn pl. (vgl. frz. molester) 'Un- 
annehmlichkeiten'. 
mglhü'e.p 'Maulwurfshaufen'. 
möln&m^n 'multiplicieren*. 
mqh 'zuweilen', 'gewöhnlich'. 
möltit 'Mahlzeit'; prostd möltitf 
momd'td. m. {frz. mtytnent) 'Augenblick'. 
m^:n 'morgen' ; ja TnQin! 'gepfiffen !'. 
mönät 'Monat'. 
mönätskjiln 'Monatskaninchen' (welches 

alle vier Wochen Junge werfen kann). 
meraddx 'mündig'. 

mon^m^rgdiif mqmQrg9n 'morgen früh'. 
vifytBk f. 'Mund' ; gi'e.n blat/fr rfa motdk 

(mfä) Ti^wan 'frei heraus sprechen'. 
mß'fd.kds möt9 'mundgerecht'. 
mofdkfql f. 'Mundvoll*. 
moidkitekd 'Mundwerk' (schwatzhaftes); 

an gü'd,t mofdkätekd han 'gut reden 

können', 'schwatzhaft sein'. 
inonst9rjo*fB. 'Musterjunge' (junger 

Mensch, der in die Militärmusterung 

geht). 
monstdrn 'mustern' (zum Soldaten), 

'einen der Kleidung entblöfien' (unter 

Kindern). 
mönt 'Mond'. 
monier 'munter'. 
moniarkte.t 'Munterkeit'. 
monteir 'Monteur'. 

6 



■ 


^^^H^^H ^H 


p 




moUa 'Mütze'; dat ea mar t 




7n0p»I 'Hops'; üQcb Kosewort rur kleine 


viBtSan 'das passt mir nie 


^H 


TB^ps 'Mops'. [dicke Kinder. 


vwtiin 'verbanen' (um die Mül 


^H 


mqpgtn 'stehlou'. 


'alles wegnehmen, wegess< 


^H 


mordsta f. 'Morast'. 


Tny-e.d9xki'e.l 'Müdigkeit'. 


^H 


mqr^-l. f. {amarella) 'simro Kirsche'. 


müe,d3n "modisch'; wo »t w 


^H 


mqrffin 'Ffildmali'. 


gqntsi op blqtian en da 1 


^H 


JiujrffimSprölL-J nur in: nit /a-«. nuftgin- 


müe.dartLieilajak 'Modezeitun, 


^^1 


Spröh) mäkan 'ohne viel Wort« in 


mü-e.d3r 'Mutter', 'Schraul 


^f 


machen, sofort strafen'. 


J7iüe.d>riüe.l t« arm. ei 




mifrgas 'morgens'. 


loarm; müe.d*rsie.l»n m 




mqrgaä^ 'Morgenstern'. 


allein'; mü-e.d»r! wo es mi 




m^rgswetak 'Morgenwind'. 


Antwort: «m Äfffwfon (Ä: 




m»rm3t{s) n. 'Schiitl ans iemagt«n oder 


Mutlerkinder, die stets 






nach der Mutter fragBü).j| 




marvaln 'eu Staub zerbröckeln'. 


mye.darkBJi 'Mütterchen'. | 




tnt/nnat 'Mittagessen'. 


mye.rpn 'mögen, gerne evmi 




mtfTm»tsdap9n Topf zum Transportieren 


alt leita 'das ist schon 1 






zuflilircn'. li 




mqi 'Moos'. 


my-e..ghx 'möglich'. 




moÄs f. 'Spatt'; fcfjwr an maia en dar 


mi/a./ 'Mfihle'; A? het at wai 




kaiak f« wi du/ o,» dato. 


my-e.l3n 'ihm geht jutM 




inQStartifTZ.mouiarde) 'üenf'\ du kems 


Wunach' , 'er sprudelt 




;s moatart op ateUn 'du kommst, wenn 


Worten'. 




alles vorüber ist'; h^ es eo ilarkwi 


my-e.lsititrlk»H 'Mühlcnstreil 




mqslart (scherzhaft) 'er ist sehr stark'. 


heb dem Damenspiel). |. 




mq>tl9rlsd0]»n 'Scnftopf. 


my».n 'Tante'. U 




mqitis 'Moschus'. 


mü-e.n£ln 'MondwOiein'. i 




Mt,t (. imnd. madde) 'Sehlanjin', 'Kaffee- 


mü-9.r 'Mütter'. M 




satz'; jTfJ op d» mot igdan 'heifies 


mye.r 'mürbe'. | 




Wasser auf den Kaffeosatz sc^hütten, 


müe.r 'Mohrrübe'. i. 




um minderwertigen nonen Kaffee zu 


müej) 'Müssen'. J 




macben'. 




möte f. 'Mall': das bvt»r dar möten 


müe-sbifk Hulzblock, an de» 




'dns gehört sich nicht'. 


ende zwei gemsbockhomai 




mot» 'Motte'; du kri-ji. da tm/hn •das 


spitzen aufragen; vor d 




ist Ja ziiiD Totlachen' (eine spaUhafle 


man schnell ein Messer {% 




ZwischenbemerkungV 


auf- und abgehen, um da 




mÜ^X 'milflig'. 'Rut von Maß'. 


den Hörnern durch gepr 






(meist Rübstiel) in kleine 




Schimpfwort]. 


schneiden. 




metm 'müssen'; »t ea an metsv. 'sie 


müeJal f. 'Kettengüed'. 




müssen heiraten' ^donn das Mädchen 


miie.snu;ta s. müe.sbqk. 




wird schwanger); s. /Öfen. 


tnü-9.l f. 'Mode'. 4 




Witör 'Motor', 


>,<y:U 'müde*. 


L^ 




J 



— 83 — 



myeJi nur in: t9 my'€*t9 w^t 'der 

Habe wert*. 
rnjUifz ggn ^mOßig gehen'. 
mj-e.t9zp9dr ^Müßiggänger'. 
Mu/ 'Kuppelung zweier Rohre', Telz- 

muff'. 
mufix 'unangenehm rüchig* (von der 

fOiifix 8- fnufiX' [Luft). 

mufm 'maulen, schmollen, mürrisch sein'. 
mufsak 'mürrischer Mensch'. 
muhn pl. 'Launen'; ^ het wiif.r ssi"i9. 
muk^n drop^n^er ist wieder launisch' ; 
dat het zi'f9. m/uk9n 'das geht nicht 
so leicht'. 
midan m. 'Baumstumpf. 
mikbn 'Baumstümpfe aushauen'. 
mthn refl. 'sich rühren'. 
muk»i Adj. zu muksdiu 
mücsdn 'schmoUen', 'trotzig sein'. 
muks»r Sbst. zu muksBn, 
müi f. ^Maul'; Äf es emdv met dbr 
mül»n /y'e>r9n am ^'td. 'er ist stets 
vorlaut'; d^ miÜ gqn lötdn 'den 
Mond spazieren gehen lassen'; cb 
mül an cbn höxk haradn 'hungern'; 
//f het g^t fei an cbr mühn 'er ist 
eine Großschnauze'; cb mül tagdn 
'jemand etwas Gutschmeckendes 
zeigen, ohne ihm genügend davon 
zu geben'; da mül Hop9n 'zum 
Schweigen bringen'; h^ rit dd mül 
öp^n ÖBs hef99r dd ü'e.r9n 'er gähnt' 
oder 'er schimpft fürchterlich über 
andere'; d^ es nit op da mül ga- 
fdlan; pn lept at wätar en dar 
midan tazdman (beim Anblick einer 
guten Speise); an deka mül mäkan 
'schmollen' '^da mül ä0d3n 'schimpfen'; 
^m gx'e.t da mül wi an ^ntafot 'er 
schwätzt beständig'. 
müläpan pl. 'MaulafTen'. 
mülan *maulen'. 
mülezdl 'Mauleser. 
mülfql f. 'Mundvoll*. 
mtäkqrf 'Maulkorb'. 



myiläan 'Mäulchen'. 

müho^rk 'Mundwerk' (schwatzhaftes). 

mumaln 'kauen' (von Kaninchen 
usw.; übertragen auf zahnlose alte 
Leute). 

mür 'Mauer'. 

müran 'mauern'. 

myrar 'Maurer'. 

müs 'Maus', 'Ballen des Daumens'; fm 
gt'e.t at toi dar müs em meildepan 
*er ist wohlauf. 

müsdü'e,t 'mausetot'. 

myzax inizax myzax mäkan 'opponieren', 
'frech hervortreten'. 

mussalin 'Mousselin'. 

m,uäaln 'geheimnisvoll raunen'. 

müzan 'mausen', 'Schränke nach etwas 
Wohlschmeckendem durchsuchen'. 

müisfa'l 'Mausefalle'. 

mü:sfalak§l 'Mausefallenhändler'. 

müisfarwan 'mausfarbig'. 

muzik 'Musik'. 

muskaln pl. 'Muskel'. 

myiskan 'Mäuschen'. 

my:skan$te'L 'mäuschenstill'. 

müisketal 'Mausedreck'. 

müisketalnipetsar (scherzhaft als Ge- 
werbe anempfohlen). 

müislök 'Mauseloch'. 

mustar 'Probe' (vielfach von auffallen- 
den Frauenzimmern gesagt: dat es 
an n^t mustar). 

mustam 'mustern', (jemand) 'genau be- 
trachten'. 

mystam s. dystar, 

mü:stüi'e,t 'Giftweizen'. 

miU f. 'Mauser'. 

muta f. 'Mutterschwein', 'llolzklötzchon 
beim mutan7iqu9n\ 

müta f. 'versteckter Obstvorrat'. 

mutan 'sich mausern'. 

mutanhquan 'Bärenschlagen' (Spiel). 

7niUanhy'e.dan 'die muta hüten' (d. h. 
das Holzklötzchen). 

mytar 'Kater'. 

6* 



muts m. 'Pfeifenkopf, 'Lockruf ei 
mütaf f. 'Kra]ifei]'. 
muiSix 'schwül, wann'. 



muts/,at/'Kn\h'; 'spaOhafter, nie« 

Meoaub'. 
muisplji» 'Pfeife'. 



N 



TIA 'Duch hin'. 

na/»n 'Kahn'. 

nahm 'Nacken, Kttcken'. 

nalukop 'ßarhüujiüger'. 

nakxh/p 'barhänplig'. 

nakspu'l. 'kleines, naoktes Kind'. 

nä:l 'Nagel'; din rui:l oji d»n kgj> 
ir^9n; md inet kepan mäkan 'feste 
BedJngangen stellen'; dai w»:r tiur 
m näd an di dü-e.dsskest» 'das wäre 
mir ein totlicher KuiiiiiiDr';Ri7afdu;afJ 
/am nä:l het ha dofdn 'nicht deo 
geringsten Vorteil hut er davon'; t» 
hant »mannäd and» dy-e.r jjaUägaii 
'er macht bankrot'; hy'eMan näü 
'Holznagel' (in der Zimmerei durch 
Balken, Zapfen und Zapfenloch ge- 

nä:}imii 'Nage lach mied'. [triolicn). 

nädimtU 'Nagelsch miede". 

näifun xa. 'Name'. 

näis 'Nase'; ah näislauk 'jeden Aiiguu- 
hliek'; mäk dir ,m knodan en rfj 
nä'rS (damit da nicht vei^Ut, was ich 
dir auftrug); hq es emar met dar 
nilean fy-e.ran, am f ■». 'er ist vor- 
witzig'; trijk dax an dirar 1-e.ipTi^n 
ndzan 'kllmmcre dich um dich selbst' ; 
drfr näe»>i nö (unverschämte Antwort 
auf eine Frage nach dem Wege); 
ex löt »WT nit op dar näem danksan; 
zex d^ "ü:» wcim 'sich schnauzen'; 
dal e» »m laiMs da näut gaiidmn 
'daabBtervcrsüumt'irfl'e.rEadnsau'al 
71^/ (fon d^k»l op da Hä:» don {dfk-il 
— Sargdeckel, zu einem Geizigen); 
<& Rä:8 optrijkan 'den NaseuBchleim 
in die Höhe ziehen'; wat dar ?neni nit 
kany dn Uta am bfitlan du nä:s/an 
'Scheslcr, bleib bei deinem Leisten'. 



nät 'uaas' (um einen hohen (im 
Nüsse auszudrücken, gebraueht 
pl^t/i-nät, pifilamäl, Tnesnäi, k 
nät, pleKtinidi, zlpunät, nät 
kaii). 

natü'e.r ' Ohara kteratdage', 'S 
Stimmung:'. 

nat^e-rlax 'natürlich'. 

ncfu 'genau'. 

Wku-u.l 'Nadel'. 

nqulaköhan m. 'Nadelbüchse*, | 

nqulakagiin 'Nadelkissen'. 

nqijyJisn 'kleine Nadel'. 

ne:dU 'Nähtisch'. 
ne-.dvJtkan 'Nähtisch eben'. 

i,(i:f»,;in 'Nähveroin'. 

ne.:gän 'Nähgarn'- 

n^imst (alt) 'Nachtessen'; vgl. 

n^it 'Nacht'; bi n^it on niwil. 

n^a 'Nichte'. 

Ti^itiga-l. 'Nachtigall'. 

ii^il» 'nachts'. 

nfiiitmsli't 'Nachtmütze'. 

nfitträ:/ 'Naclilsch wärmer' (Meiu 

ne:kg-r./ksn 'Nähkürbcher 

ni-Man 'Nfigelchen', 'Fliedor'.i 

7te:li»8bü-e.m 'Fliederbanni'. 

7i4J£»itrük 'Fliederstrauch'. 

ni:maii-n. 'Nühmaschine'. 

neman "nehmen'- 

n^mlax 'nämlich'. 

ni:nqwuJ 'Nähnadel'. 

n^nmn "Nerven"; Af het at > 

»prusn 'er ist nervös'. 
ii^rwmfVe.war 'Nervenfiebeir'., ^ 
n^TWintr^kaf: 



(Meiu 

1 



r iiervenneuer., _ 
n. 'Veitetanz'. J 



-So- 



lei» 'Näkerm\ 

neidÄ'ak m. 'jüngster Vogel im Nest'. 

ust '\e8t\ 'gewundene, auf dem Kopf 

zQMmmengedrehte Haarflechte\ 
9thihl 'Nähschule'. 
•f/ 'schön, geschmackvoll'; do zin 9% 

n^t off^küre.m^a (meist ironisch). 
wtbl 'XesseP. 
UMb^X ^Nesselberg' (Flurname bei 

KOUeohahn). 
9ttyi 'Nähzeug'. 
ittiB9l 'Nebel'. 
wbß^Ux *Debelig'. 
whcm 'neben'. 
iKttsmdrn, netv9rd:n 'nebenan', 'beim 

Nachbar'. 
üwdnbi 'nebenbei'. 
Wtw9nf9rdi'e.n8{t) 'Nebenverdienst'. 
wtw^ri'e.n 'neben einander'. 
wiersfyt^ 'Nierenfett'. 
9i'e.r9n pl. 'Nieren'; 9t gie.t dm an cU 
nve,r9n (wenn ein Geizhals etwas 
hergeben soll). 
iät.r9iüs 'nirgends'. 
U't.t9 'Niete' (Eisenkuppelung), 'kleines 

Kopfgeschwörchen'. 
tiret^n 'nieten'. 

mhl 'Nicker, 'schlechter Kerl'. 
Mö8 'Nicolas'. 

täw 'nichts'; öw9n fiksy oid^n niks 
'feine Oberkleider, keine Wäsche da- 
ranter'(Charakteristicum der Stutzer) ; 
/#r niks on wi'd.r nikH\ wo niks 
en^n es, kernt üe./ niks üt^^n 'ein 
^istloser Mensch wird niemals Gci.^t 
entfalten'. 
^äanots 'Taugenichts'. 
Hhnots9x ^nichtsnutzig', 
f/», knlpd 'klobiges Messer', 'Kneif- 
werk zeug', 
'meht'. 

'zahnen, Zähne bekommen' (von 
Kindern), 
'aufbrausend'. 
1^ 'oa' (ärgerlich). 




nö: 'nahe'. 

nöb^r 'Nachbar'; g^ilt nöhdri renk, 
fre'i. nöbdH kenky dan bes t9 nit 
bddrogdn (denn beide kennt man von 
Jugend an). 

nöb^m 'gewohnheitsmäßig die Nachbarn 
besuchen, um Neuigkeiten auszu- 
tauschen'. 

nöbdriap 'Nachbarschaft'. 

nöbd^t^hn 'nachbestellen'. 

nöbotcddn 'nachbezahlen'. 

nöbi 'nahebei'. 

nöbläddn 'nachabblättern vom Gemüse'. 

nöbled^m 'nachblättern im Buch'. 

nöbör&n 'nachbohren'. 

nqx 'noch'. 

nqx BS 'noch einmal'. 

nexstd 'nächste'. 

nö^ksurtsVe.rdn 'nachexercieren'. 

Tiofqnib^r 'November'. 

nö/rqyl9n 'nachäffen' (gehässig). 

nöfröix 'Nachfrage' (aus der (jleschäfts- 
sprache). 

negd» 'Nähe'. 

nögddaidkdn 'Gewissensbisse', 'Nach- 
gedanken'. 

nögar 'näher'. 

nö(jew9n 'nachgeben'. 

nötjVe,t9ii 'nachgießen'. 

nöggn 'jemand nachgehen'. 

nöujqn 'nahe gehen', 'zu Herzen gehen'. 

nögräwdn 'nachgraben'. 

nöhardon 'nachhängen'. 

nöh^rkdn 'nachharken'. 

iwhöhn 'nachholen' (nhd. Entlehnung). 

nöh0p9n 'nachhinken'. 

nökahn (eine Sache) 'weitererzählen'; 
du d^r/s nit dofan nökahn 'du 
darfst die Sache nicht weitererzählen'. 

7wk<f (vgl. engl, to knock) 'eiserne Vor- 
sprünge der llammerachse, welche 
auf das Schwanzende des Hammer- 
stieles schlagen'. 

nökik^n 'Nachsehen'. 

nökikdn 'nachsehen'. 



^^^^^^^^^HP ^^^1 


n„l 'Nuir, ■niiir. 


»«(», n«/s 'nülae'. ^J 


nölie^n 'paohlMen'. 


H->tg»R 'Nutzen'. fl 


Twll-e.rm 'nachicrneu'. 


vols^n 'nütieu'. yi 


mtle-fc^m 'mich liefern'. 


uey. 'neu'. 


no/öf^n 'nachlassen' (die KorilL'lili'sWiuiJ- 


n0y.9ikie.t •Neuigkeil'. 


drachen). 


nay.jo-.T 'Neujahr'; c/ tceuki 




glokaebx tiay.ß:r, d- /.rut. 


' nömälan 'nacliilffun'. 


lU kl/p fyl'n\e.Un, dj &i 


ntnwmdax 'Nachmittag". 


ffidrif-Un (scliflner Neujahrs 


L tirnnur 'Nummer'. 


nay.je:rkin 'Nenjahrsküchelcb« 


' nom»ri-e.n in: dat tu tioirijrie.n 'das 


Tw'y.mat 'Neu markt'. 








tu>yxelv»r 'Neusilber'. 


tunmis 'nietoand'. 


neyMe.dJ 'Neugier'. 


1 nömibn 'nachmessen'. 


fwy.Sl-e.nx 'nengierig'. 


1 nömet^n 'nachmüBsen'. 


n0.Vf«-n 'nüchtern', 'ohne etwas} 




"oder getrunken zu halx-ji'. 


1 eben'. 


nbyUrmna^X *''*'■ 'nüchtern': i 


1 nör^xtii 'naehrechnoii'. 


3w4x !/ft dü-e.n früh morgtu 




etwas genossen xu haben, s 


Ware'. 


niiwäs»a 'nachwachsen'. 


Hörlt.e»n 'uachreisen'. 


nöwigati 'nacbwiegen' (zur (i 


1 ni/rkax 'liniporliuh'. 


prUtung). 


1 nqrkan 'weinen'. 


nü 'nun'. 




nüiMn 'Nudeln'. 




in/d^rii Verlium {von Krscbeinm 


Hlliren, verleumden'. 


der Kuh vor dem Melkwerdi 


1 n6iik*n. 'nachschicken'. 


dicker werden des Eutersl; 


rissen 'nachsehen'. 


es am nyd^m. 




Hy-e.<bx "aötig'. 


nätetm -nachBitzen' (in der Scliiik-)- 


7tye.itnjjn 'nötigen'. 


«öiviUan 'naohworfea'. 


nye.m»n 'nennen'. 


noipH 'Nachspiel'. 


ny-}.i -fiBe'. 


nöiwern»n 'nacbachwinimeri'. 


ny-txilbtt.r 'Triipfelbier'. 


7JörNabt'; «na« rfjnö:* iWi/o/wn 'JBUiaiid 


nye.s»l^-v. -Fassende der Peiu 


prOgoln'. 


nüy-( -Not'; *( hei gie.n niri 


twtär 'Notar', 


dai dfeJ 'es ßlli ihm gan 


\ näl^Un 'uachzShlen'. 


das lu Inn'; (d?h t/j nüf.t 


nmUr (iL j. 'nßtter't 'bosser'; dat h^lst* 


man gieJ 'wenns zum Ä 


n»Ur Hit ffMiifn 'das hättest du 


kommt'. 


Iwsser nicht ifetan'. 


nü-ei 'Kdss': dal giiU lidU ny 


nön-r.gnM 'nachseichnen' 


aind harte Proben'. 


H<rffl«früv.i- -Notiibuch'. 




Mötrfhtm 'nachiicben' (i. B. eine Linear- 


nüeJbr^-m^ 'Natbremae*. 


teichuiing; nhd. Entlehnung). 


nürJdü-e.p* 'Nottwife'. 

J 



- 87 — 



'Note' (in der Musik); du kris 
X na nü'e.t9n. 
bü-€.7n ^Nnssbaom'. 
nhvre.lt *Nassbaamhoiz*. 
^äd *Nu88schale\ 
al 'NotfaU'. 

ö'Jc ^Nothaken' ; mriBst t9m nü'e.t- 
k brükdn 'jemand als letzten 
tong^anker gebrauchen, nachdem 
9 ihn bis dahin verschmäht hat\ 
tkb^l 'Nntenhober. 
ij 'verdrießlich'. 

'f'9.X * Not lüge'; nü'eMy'e.g^n zint 
mfl. 



nü'e.tp^n9f9k 'Notpfennig'. 
nü'eMap9n-^ emas ^8 nü'eMtop9n 

hrük9n\ vgl. nü'e,thö:k. 
nuf *Stoß'. 

nuf^n ^hinterlistig stoßen'. 
nyk^ pl Tücke\ 'Launen'; h^hetnyka 

dropBn *er hat böse Launen'. 
nukdn 'nicken'; enukdn 'einschlafen'. 
nym6d9i'' 'Ncuntöter' (Vogel), 'roher 

Mensch, der Tiere tötet'. 
nyn, 'neun'. 

ny'tdjör^x, nyjer»^ ^neunjährig'. 
nys 'Neuß a. Rhein'. 



o 



[Aasruf). 
9.t 'unbedingt'. 
p9n 'unbeholfen'. 
9t 'unbekannt'. 
em 'unbe(|uem'. 
tU 'unbestimmt'. 

'Abraham', 
ti'. 

'Adam'. 

die Stiefelabsätze gerade maclien'. 
Ader'. 

o/ (nach Comparativ und bei 
ilenvergleichen) 'als', 'oder', 
frz. ordre) 'Nachricht', 'Befehl', 
»ch, oder*; nit — of 'weder — 
ih'. 

msex9r97dk 'Unfallversicherung'. 
,n 'hässlicher Mensch', 'hässlichcs 

«'• 

'i9.l»Z ^plnmPt gestaltlos'. 

t9rt 'unverändert'. 

\t8 'unverhofft'; o/9rh6ts met 

b« 'unverhofft mit Willen' (scherz- 

ni/'t9x 'unvernünftig'. 
dct 'unverpackt'. 
mt 'unverschämt'. 
i»A: 'Unvernunft'. 
'Offerte'. 



ofrßfakhx ^unfreundlich'. 

o(/ants9 nur in: 9t &Jve.t ent ogantsd 
'es gerät nicht' ; h^ fylt eiit ogantsd 
'er wird in seinen Redensarten ge- 
mein, er f^Ut aus der Rolle\ 

ogdheddn 'ungebeten'. 

ogddy'eAdx 'ungeduldig'. 

ogahubdlt 'ungebildet'. 

Ofphye.rax 'ungehörig'. 

og9hy'e.r9xkie.t 'üngohörigkeit'. 

ogdl^takdx 'ungelenkig'. 

off^mytldx 'ungemütlich'. 

og-anytdx 'ungenügsam, gefräßig'. 

og9r%'e,gdU 'schlecht erzogen'. 

oy^röddn 'ungeraten' (Kinder). 

ogdzqult^n 'ungesalzen'. 

ogdS^rt 'unproportioniert' (z. B. vom 
Bau eines Hauses). 

ogdzofBkt 'ungesund'. 

ogdw^ndB 'Ungewohnheit'. 

ogaw^t 'ungewohnt'. 

ogdw^sdn 'ungewaschen', 'frech', 'unver- 
schämt in Redensarten'. 

oglekd 'Unglück'; Ve,n ogleka kernt 
z^ildn ale'td. ; twqLf hatBkw^rkB zint 
drytVe.n oglskd 'wenn man zu 
vielerlei betreibt, so bringt man es 
nirgends zu etwas'. 

oglekhx ^unglücklich'. 



■ 


— 88 - 




OffhlcHioonn 'ungifitklicber Menaiih' , 


met fm emgqii fs met Jni rütM t 




'oiner, dem alles fehlBdil^Igt'. 


^i'i. 'man muss ihn setir Bchrmeod • 




uijlye.v!»x 'uiigläiiliift'. 


behuudelu'. 




oye^tix 'ungUItiff'. 


bmjiräWMi 'umgraben'. 




a^ä:t 'ungniiie'. 


emhak»n 'umhacken'. 




offü-e.t 'mig«t'; vilcs /er nißi-f.i. 


»nihan 'umhaben'. 




oh/itit)sti 'UnkostüD'. 


itmliamn 'umbflngen'. 




»tröi 'Unkraut'; oh-rüt fari/i-'-.t i>!t. . 


amiiank 'Umhang der Ihimeu'. 




äbx .'i'n: 


amhanksdüek 'Umschlagtucb'. 




übx»ß^3 'Ölllasche'. 


emkik^n 'umblicken'. 




fifajtdjtrüte 'Olkrug'. 


Binkip^n 'umkippen'. 




öbxslampi 'üllamiie'. 


amkr^mpiln 'umkrempeln'. 




ülrihz 'unruhig, verilrii^Üliuii' (zu leiLrii 






'leiten'). 


kommen'; anpers. 'erbrecben'. ' 




obk n. (Vgl. fr», ante) 'Zwiciier, 


emlädan 'umladen'. 




ohkgmyt^r (Scliimpfwort). 


amiö-.z 'Umlage'. 






emlüe.p in. 'Fingerwurm'. 




«rt 'um', 'jsnrtick'. 


malü-e.jnn 'umtaufen', 'kq rück laufen'. 




om 'auf ileiu'. 


emmäkan 'umgraben'. 




6ma, oma 'Groüiiiutter'. 


innrUin 'umreiGcn'. ,■ 






fljnsJii, -zi-a.n reo, 'sich umsehen'. J 




emblöeMi 'umblasen'. 


«milax 'Umarblag'. gJ 




embiiipn 'uniptlligeD' , 'baulii'be Ver- 


Bin&laxkrägan ' U mar h lagkragen'. ^| 




änileningfu vomehmen'. 


amimlt»n 'nmwerfen'. ^ 






emiBdan 'umaehUtten'. ( 




imibrpaan 'zurfickbrinKen'; 'umbriOBeii, 


emze» 'umsonst'. 




tüten'. 


midtafak 'leidiger Umslanil', vgl. auch 




emby-i'.g^i 'uiu biegen'. 


braml; amil^n. mahn- 'bei Kpaiirb 




Bmd,-t f. 'Woiuiung im Wege'; an d^r 


alles berbeiscbleppori'. 




dyKluni onuire (Stelle im Biirgholz). 


Bmitüeian 'umstodeu'. 




omdHan 'umdrehen'; retl. 'sldi um- 


euitox 'Dmzog'. 




wenden'. 




0mdüe.n, -don red. 'sicli orkiimligon 


omtndaji 'umtreten'. 




emdye.p»n 'unitjiufyn'. [nach'. 


emt\ii3n 'umtauschen'. 




omi» 'jemand'. 


omye.ffl3x 'unmfigliuh'. 




om/al»n 'umfallen'. 


ßmvifx 'Umweg'; wi ffüe-dsn »mwfj 




tm/arw 'umfahren'. 


krei/jni nit 'ein guter Weg krumm, 






geht nicht um'. 






emwy-f.hn 'bnstig mionlentlich nm- 




»ingawatidan iinjiolmn 'Ungucotum 


grahen'. 




Neupdlitanum'. 


on 'und'. 




emgie-fan 'umgieCen' (in ein an<leres 


ö:n 'ohne'. 




tlofäB). 


imäjfmem 'unangenehm'. 




eingon, -i/ön 'umkehren'; umi/on mH 


onaZie.nl»x 'unsusebnlicb'. 




ojiiJS 'jeinuiiil behandeln'; iii.ir iiiot 


mui^tfmt^X 'unanständig'. 




^^fl 



— 89 — 



fmait^ndbxfci'ed 'Unanständigkeit*. 
ii{n)b^99d9j[ 'unbändig'. 
(Hn\b9zorxt 'unbesorgt*. 
onda»k 'Undank'. 

ondca^kbär 'undankbar' (nhd. Ent- 
lehnung). 
ondout m. 'Taugenichts' (ziemlich harm- 
los, mehr 'Schlingel'). 
ondy'e.nBx *nichtsnutzig'. 
(mdytl^x 'undeutlich'. 
on^ 'unecht'. 
(rt^I n. 'Schmalz, Fett'. 
09«>ii 'unten'. 

oB^nrin 'untenan' (i. d. Schule). 
(/fi^nhen 'untenhin'. 
öiüidk 'Ordnung*; en qn^nk *in Ordnung, 

erledigt'. 
im^nUlöUn 'unentschlossen'. 
oneir (frz. ardinaire) 'sittlich gemein*, 
owr *anter\ 

tmrbalx 'unterer Hohlraum des Blase- 
balges'. 
m^if^t 'Unterbett'. 
(n^rbokgd 'Unterhose'. 
iwrb<yu 'Unterbau'. 
(imrho\i9ti 'unterpflügen'. 
fm»rbrp99n 'unterbringen'. 
(m^rduhm 'untertauchen'. 
im9rfye.r9fdk 'Unterführung'. 
9&^rg9bl0:s 'unteres Gebläse am 

Schniie<Iefeuer'. 
cn^r^^si^l {maer-) 'Untergestell', 'Beine'. 
oi^^rgan 'untergehen'. 
o»9rgräw9n 'untergraben'. 
<yo»rhan 0m98 'jemand durch Kcirpor- 

kraft unterhaben'. 
(m^ri'e.n 'untereinander'. 
a»^ri'e.nkökdn 'Fleisch, Kartoffel, Ge- 
müse untereinanderkochen'. 
fßU^rkam^zöl, en^r- 'gestrickte Jacke' 
(über dem Hemd getragen); s. (mdrkits. 
at^^rkits 'Unterjacke' (unter dem Hemd 

getragen). 
(n99rkü'e.ni9n 'unterkommen'. 
<»»^kü'e.m9s n. 'Unterkommen'. 



0f99rli'e.g9n 'unterliegen*. 

eraarUf n. 'Unterleib'. 

on^ld^pt 'löyft 'unerlaubt'. 

»f99r7ni'e,8t9r 'Hilfslehrer*. 

0799TmSm9r 'Unternehmer'. 

OTBdrqk 'Unterrock'. 

ofddrzity 0t99r- 'Unterseite'. 

ofd^ritldgdn 'unterschlagen'. 

ondT^reft^ m99r- 'Unterschrift'. 

0799rMtü9n 'unterschreiben'. 

(yr99r§tqn refl. 'sich unterstehen'; (mdr- 
Hdidk dBx nit! 'unterstehe dich nicht !* 

ofBdrzy'e.kBn 'untersuchen'. 

ofdB^rttcbn 'zuweilen'. 

orBartSk9n 'inzwischen'; 'nebenbei ge- 
sagt'; n^, Ofd9rt0§9n, exglB*y.f9tnü. 

otBdrw^'.X^ 'unterwegs'. 

07B9H 'unterst'. 

onl'e.n^X *nneinig'. 

(jnie.rdn (vgl. frz. ordonner) 'versorgen', 
'verordnen'. 

onre.rldx 'unehrlich'. 

Btdk 'euch'. 

0r3ktfsweg9n 'euretwegen'. 

onet? 'vorlaut'; zex oiwt* mäkan 
'schimpfen'. 

onrdst 'unruhiges Kind', 'rastloser 
Mensch' (in unangenehmer Weise). 

o{n)r^it 'Unrecht'. 

o{n)rlp9 'unreif. 

o{n)r(mk 'unrund', 'nicht cylinderförmig' 
(z. B. vom Dampfe y linder). 

o{n)ro'u. 'Unruhe'. 

o{n)r0y9x 'unruhig'. 

o(n)2e/9r 'unsicher'. 

ontdfrl'e.d^n 'unzufrieden'. 

ontafrl'cd^nhVe.t 'Unzufriedenheit'. 

QJithx, ötl^x ^ordentlich'. 

ony'e.dBx 'unnötig'. 

<mye.wdrl^it 'unüberlegt*. 

op 'auf; op es zat\ ex han dt op 'ich 
habe es ge^^essen'; dM het g^t op 
z^X *^^B ist von Bedeutung'. 

opa 'Großvater'. 

opaken 'weggehen', 'auf Reise gehen'. 

6* 



■ 


^^^^I^^^^P^ ^^H^H 




opasm anatan 'Jemapd auflauern'; 


opifM 'aufeinander'. , 




•pflegen'. 






opbetgan gm»si/ijl (ie.wsn) 'jemand etwas 


Streit). 




ttuflibdeu' (Ve.naii = Wit.B, Lüge 


api-eM^l9n 'addieren'. 




opbaitflim 'iiufbeBldleti'. [usw.). 


opjäffun 'aufjagen'. 




opbläs»n 'aufblasen'. 






opbrük»fi 'anfbrouclien'. 


opkipan 'aufkippen' (lon der Karre), 




opbrüsm 'acif brausen' (selten). 


iipkanan 'aufstehen kSmioii'. 




opbfff^ 'aufheben'; reo. 'sich nuf- 


opkratsini. refl. 'sich fein kleiden'. 




sehiirsen'. 


opkv:e.m»)i 'aefkommcn', 'groU werdfl 




opdun nur in: zex ie.ran (ie.n() apdon 


(von jungen Tieren und PflaniM)^ 




'mit einem JunKfl" (Mädchen) in Ver- 


opküt.7n»n fy-f.r 'haft«n für'. j 




kehr treten'. 


opkwr.mi>g ü. -Neuigkeit' (sonderMokJ 




opdrejn 'aufdrehen' einen Kreisel, einen 


Uewerbe). 1 




Menschen (d. h. ihn durch Worte 


optäditi 'aufladen'. 




zur Wut aufstacheln, «todaas er wie 


optflf-in 'auflecken'. 




anfgedrelit u.ich dem Willen {ler 


ui^mtt 'auflängen'; zttp» npieH 




anderen handelt) ; i'e.tian ojfdri»» 'ein 


'.Suppe mit Wasser verd&nnen'. 




Stück (Marsch usw.) spielen'. 


oplür»n 'auflauern'. 






«jmidte« -versehwenden'; rto A^:r 




öpaknye.pan 'iiufkndpfen'. 


mäkon, up din v.-fJ»r mähm 




öpBknijan 'uufboküiumoü'. 


Ilaare iiocti kämmen' (von Fr« 




opam 'drauf, melBl dö — iqi»n. 


upmek^ 'Versfh Wender', 'LebeinaiiK 




öpan 'anf, offen'. 


opmltiit 'aufhäufen'. 




öpanbriktit 'aufbrechen'. 


optaon^ra^k 'Aufmunterung'. 










öp9{n)mälan 'öffnen'. 






opwiha^ult 'Aufenth.Tlt'. 


oprasjaln rett. 'sich aufraffen'. 




oparte.rvn 'operieren'. 


ojiriffini refl. 'sich iiiifregeii'. 




üp^skx 'un|iäsBlich, krank'. 


(rpregitwk 'Aufregung' 






opr^t 'aufrecht'. 




öp»itihm 'aufstechen'. 


opretnax tnäfem 'uufstachelu'. 




öpnwy-e-tan 'aufwühlen'. 






opßle.g^n 'iiuf brausen'. 


ilfit opreti^ 'das soU dir W. 




opg&f 'Aufgabe'. 


schlecht bekommen'. 




opgabql 'Aufgebot' (des Br!iul|i!L;iros). 


oprymsn 'aufräumen'. 






ppÄ 'übst'. 




»pffibr^it 'aufgebracht'. 


der Sache 'auf etwas gut achtgebe^ 




ojiffakraist 'aufgeputzt' (In Kleidung). 




•tpipifit 'aufgelegt' (in Laune). 


opaat« 'Aufsatz'. i 




opg(/n 'aufgehen — vergehen', 'aufgehen' 


•i/isf^te f., 8. liy-eJpU. 




(vom Hefeteig). 


opgftän 'aufsetzen'; mnas du präanvi 






s^t^n 'jemand gründlich iiir«c|| 






weisen, für den Wiederhoiungd 




opi-e.niöl 'auf einmal, plölKlith'. 


Strafe androhen'. 1 


L 




,^ 



— 91 — 



eite'. 

ßiserhöhung\ 
aufwerfen', 
aufspießen'. 

'aufspringen', 
aufstacheln*. 

tön ^aufstehen'; opff^ätaraBn, 
rrgnt99n oder wek9r opHVe.t, 
?r plats fdrgi'pJ. 'wer auf- 
lat keinen Anspruch mehr auf 
Platz'. 

nnpers. 'rülpsen*. 
\ refl. ^sich aufschürzen', 
aufschieben'; opgdhöwdn es 
'ühöwdJi. 

Aufschwung' (am Reck), 
ifzählen'. 
aufziehen' (am Reck). 

'aufwärmen', 
luf waschen'. 

^aufweichen', 
len'. 
m'; h^ hei ^t fer^rm fyr&m 

engbrüstig'; h^ es hrtaar 
*er ist auUer Atem', schorz- 
ch: h^ es he79<>r ädams. 
t ^Atemnot'. 
3rger. 

if der Orgel spielen'; *faul, 
inter dem Ofen schläfern'. 
Orgeldreher'. 

orgeln zweite Hedcutung; 

dre^nidhi. 

men'; h^ het at erma^n f^- 
scherzhaft) *er ist gestorben', 
•chse'; 'tt kamt a^m wi dyni 
^ melk 'es kommt ihm gar- 
Tnäk nit dat d^x dar ösan 
enn jemand die Butter dick 
); dö stve.U wi an ösan am 
la steht er ratlos'. 

'Ochsenblut'. 
'Ochsenfleisch', 
ngeniert'. 
'. 'Sauerampfer'. 



I A 



ösifpis m. 'Ochsenziemer'. 

q»pry»an m. 'Ostpreußen'. 

öst m. 'Ast im Brett'. 

Ost n. 'Schlingel'. 

estdx *astig' (von Brettern). 

oiy'e.laxj e^eyUx 'unschuldig'. 

oM'eJt 'Unschuld'. 

^t m. 'V* 1-Maß'. 

öt n. 'Ende' ; fan qit td bq:t 'vom einen 

Ende zum anderen'; s. bqt (Nachtrag). 
otdkolonp 'Eau de Cologne' {kfU 

wätdr). 
qUrflzdn 'ekelhafter Mensch' (vgl. amt). 
^tUx ^ordentlich'. 
ots 'Otto'. 

4 

o"ijL,l (Schmerzausruf). 

ey 'August'. 

o'u.x neben üa.x *Auge'; Af kikt 'nvdvt 
T^itdti o'y>.x cn da leiaka tü^sit)9nt§ä9 
'er schielt'; hq het dnflü'e.t am o'u,x 
'er hat eine Augenerkältung'; dat 
past wi dd füst ap dt ou.x *das 
passt nicht auf einander'. 

oygen 'Eugen'. 

0"u.k&n 'kleiner August'. 

oysam refl. 'sich äußern'. 

öwan 'Ofen'. 

öwan 'oben*. 

öwanän 'obenan' (in der Schule). 

öwandrop 'obendrauf (auf die Frage: 
wohin?) 

öwdndröpim 'obendrauf (auf die Frage: 
woV); ex zin öwandropan 'ich bin 
fein heraus', 'ich freue mich sehr'. 

öwandrye.war 'leichtsinniger Mensch'. 

öwdnoTBdr 'nach oben unter die Decke'. 

öwdnopan wönan 'nicht im Parterre 
wohnen'. 

ö(:)w9nt 'Abend'. 

öwar, ewdr 'aber'. 

exoarbaJx ^oberer Hohlraum im Blase- 
balg'. 

ö</;ar^ftft^:s 'oberesGebläse' (im Schmiede- 

Bwarleit 'Oberlicht'. [feuer) 

iBwarn 'erübrigen'. 



^^^^^^^^^^^p 




ii-.ivJset-m 'Abendessen'. 


¥ arten: dl-f.r es al wal nit r§il em 


a^wasmöl 'Abendmahl'. 


1 öwarMg-effan 'du l>iat wohl nicht 


ötoaiot ■dfeuscbieber' (ini Itohr). 


|i recht gescheit'. 




1 ö:w»s 'ubentls'. 


ötwastseitsak 'Abendzeitung'. 


öwüsbaak -Ofenbank'. 


öwiiw^ -Ofenschwärze'. 


ö-.Wrisbtat 'Abeudblutt'. 


ovA-i. 'o weh'. __ 


öw3sdy-e.rk9n 'Ofeudlrchon'. 


1 


I 

padün {{tz. jtardon); ifl-e.n /miIiIji löfyii 


papand^ka] 'Pappdeckel'. 


'nicht nncljgebeti', 'keine Ruhe 


jiapie.r 'Papier'. 


iasien'. 


papH-ran Adj.; papre,r.^a tlä-.z^e. 






pqf; nu ein 3^ pa/'nno bin icli spriieli- 
pak m. 'Packet'. [ios'. 


pupi-e.ri/fiU 'Papiergeld'. ^M 


papi-e.rhaaal 'Papierhaadol'. ^M 


pak n. 'rüpelhafte ÜDSells.iLaft'. 


papVt.Tkrägan 'Papierkriigen'. ^ 


, pakdn 'DleiiBtuaun'. 


papve.rmy-a.1 'PapiertnOidG' (il.im 


' pakan m. 'Ballen, Haufen'. 

pak»n 'puckcD, fassen', 'einpacken'. 


bei Hulingen). 


papi-p.rw^ia 'Papiarwüsuhe'. 


pak^n. 'Kiissende'. 


pil:ps 'PabBt'; Af m en rö:m ijaun 


pakar 'Packer'. 


on hil. dan pä:pn nit g»st->.n 


pakil 'Poatpacket'. 


Hiiiiptaauhe hat er uiclit gesellet 


paklia. 'marke Kordel' (zum Einpacken). 


pär 'Paar, Brautpaar'. 


paknquu.l 'Packnadel'. 


piir 'einige, wenige'. 


pakpaple.r 'Packpapier'. 


paratlix 'Paradies' (Flurbczeicbnung 


pakitüs.f 'Packrauin'. 


C'roneiiberg). 


pä:Hvglfn.peler) 'Sehale junger Kar- 




toffeln, der Bäume, dea Kies'. 




palm 11. 'Buchebaiun'. 


paraj/rdf ' Paragraph '. 


pa-n. 'Pfanne', 'Dachpfunue'; dle.r ea 


paraply {fre. parapluie) 'Regcmehi 


mal an pan. afg3&öt»n -An bist wohl 


parie.ran (vgl. frz. partr) 'gehöret 


nicht gescheit'; kq litt ar Ve.nan op 


parksn 'einpferchen'. 


dar pamn 'er wird gleich faraen'; 


paria f. 'Obstpresse'. 


k^ hü g^t op d»T puwn 'er liat 


pazaldkan 'schwerrällig gehen*. 


einen Wits in petto'. 


pagalin, pqxMn 'Porzellan'. 


jHMiafcü'e.ten 'Pfannknchen'. 


pag»H 'passen, sitzen' (von Kleidu 


panaSmet 'Pfannenschuiied'. 


■warten'; Hat kmiU tiht güti 


pansHi-e.ran 'Pfcinneschonern'. 


paaan 'das kommt wie gemfee'; i 


paak 'Pfand'. 


la paxm küe.jiian 'in eine miul 


panüwe. Dl. 'PantofFel'. 


Lage geraten', 'schlecht empfnc 


j)apagi;i-i. 'Papiigei'. 


werden'. 


papn f. 'KteiBtor'. 


paian 'drücken, quetschen'. 


papm (wnd. puppen, mit. papare) 


pasie.ran (frz. pafuter) ■vorkommen. 


'kleifltern'. 


Bchehen'; dat kan dvm htjut^n pni 



- 93 - 



r9n (entschuldigend) *das ist nicht 
eigene Schuld, sondern Schicksal'. 
jMistil 'Pastille'. 

paHüe^r ^Pastor*; kom filaks, d9r 
^(dtu'e.r ät€x9U (sprach der Mann 
za seinem Hunde, weil er die Worte 
des Pastors alle auf sich bezog); 
h^ es fam paitue.r af *er ist con- 
firmiert*. 
pd *Pfad\ 
pafen *Pate\ 
fdipnt 'Patent'. 

pa^am/ Tatentamt' (aus der Geschäfts- 
sprache), 
/wft' (Ausruf); pa/lricfderjenigCf welcher 
durch Abstechen dreier Ringe beim 
CaroQsselfahren Anrecht auf eine 
FVeifahrt (frz. partie) hatte. 
fothräfpm n. (frz. partie) *Carousser. 
fotrolJ4 f. 'Patrouille'. 
färu'd.n 'Patrone', 'schlechter Mensch'. 
ftik (Geräuschnachahmung bei einem 

Fall ins Wasser). 
fäi (rtcräuscbnachahmung bei einem 
Schlag), 
«f^rtfo f. *Pftitze'; df) zeU en dor patä^n 
'da ist er hereingefallen' oder 'du 
sitzt er in der Klemme'. 
patim 'Pferdchen'. 
pathn 'durch den Schmutz gehen'; 

meist: d^rdü'e.r patSan. 
pdsket^l 'Rossapfel'. 
pat^ü'9^ 'Klatschrose, Pfingstrose'. 
patui:) (frz. partout) 'durchaus'. 
pqu 'Pfau'. 
pquhäm 'Pfauhahn'. 
f^-uJ 'Paul'. 
fqyyJi9n 'Paulchen'. 
fifir 'Pfeffer'; j>^9r ort zquU 'grau 
und schwarz gepünktelt' (von An- 
sägen); dö zet ddr häis em [t^f^r. 
[ piffrbe'y.mhni, -6y v.mÄ-an 'Pfeffer- 

bäunichen'. 
\fif9r9x 'pfefferig'. 
f^dtments 'Pfeffermünz' (Getränk). 



^ 



[t^fanneniskan n. 'Pfeffermtlnzpa stille'. 

p^f'^r^i 'Pfeffer einstreuen', 'teuer 
machen'. 

peias 'Hanswurst', 'Gigerl'. 

li^ilt» 'Pelz' (Tierfell); 'Haut' (des 
Menschen); du krv.sg^t op dan [t^iUs 
'du bekommst Prügel'. 

p^iltskape 'Pelzmütze'. 

jt^iltskräf/dn 'Pelzkragen'. 

p^ita f. 'Miete, Pacht'. 

jf^ita^n 'mieten, pachten*. 

jt^itar 'Mieter, Pächter'. 

y/eÄr 'Pech'. 

pek 'Pick'; dn pek ryp emdH hau 'jemand 
nicht leiden können'. 

pe.kan 'picken', 'mit dem Handhäckchen 

])^kdn 'kleben'. [hantieren'. 

pekandröt 'Pechdraht' (der Schuster). 

y>c/i*Ää7ndr'Pickhammer'(kleiuerHammer). 

jfekpiöstar 'Pechpflaster'. 

jH^kskaii 'Packetchen'. 

pekiwat 'pechschwarz'. 

jp^il 'Perle'. 

j}^l<fmgt 'Perlmut'. 

]>el»n (vgl. frz. pehir) 'schälen' (von Eiern 
und jungen Kartoffeln). 

p^lAn)kqtd 'Perlenkette'. 

peri 'Stiel'; pen em kqp 'Hochmut'; wo 
wostd henf, freche abweisende 
Antwort: nam kqtdn pen. 

f)^t99n 'pfänden'. 

jf^narak 'Pfennig'; wekar dan i)^narak 
nit ^ty es d^n dälar nit w^t (schon 
des Reimes wegen nhd. Kntlehnung). 

I>e^mmka pl. 'viel Geld', mit dem be- 
stimmten Artikel 'das Vennögen'. 

l)^narakar 'einzelne Pfennige'. 

perasblü'a.m 'Bellis perennis'. 

penzal 'Pinsel', 'einfältiger Mensch' (der 
nur auf sein ÄuÜores sieht). 

jH"nJan 'Hölzclien'; dö wefar dar dqx 
an pe'n.^an fy'er stekan 'daran 
werden wir dich hindern'; pen.san 
tr^kan em gqt 'durch Stäbchen- 
ziehen etwas verlosen'. 



pf-nJan 'Pfllnnehen'. 

pea*füt.g-, hf kikt uH in /icBjf/üe.* 

'er kuckt splir hcIiIhu timl listig'. 
p^axion/it 'PeDKi{)nal'. 
pftMiüe.Ti 'Pousiim'. 
pe]>S f. 'Erkältung'. 

/»fr ^kik^ut 'um eine Ausrede /ii Ii>l1>ou'. 
p^rgvm^papVn.r 'Pergaincül|m.pier'. 
p^rkan 'Pärchen'. 
pmrö-19. 'BahnsteiK'- 
pfrp'nidfk'l m. 'Pcrpenilikol'. 
p,izdlm 'Paalm', 
pesa f. 'Harn'. 

penan (frs. piniter) 'urinieren'. 
pegiM/t "Nacbttiipf. 
p^:t 'Pferd'; /am p^U up iLin /totale 

kü'v.iiiin 'anL werden'; iwljii fs 

in i>^:( 'sehr sühwitzen'. 
{tf,:tnbän ' Pferd ehalin', 
p^:Ufile.A 'PferdefleiBcL'. 
p^-J«ftat9Jl 'Pfordotiaiidöl'. 
p^:t8bqtr 'Pfenleliaaro'. 
p^:tsteärr 'Pferd ekarru'. 
p§:fHf il»re' i 'Pferd enietigori-i ' . 
p^-Jemal 'Pferdeninrkt'. 
pfjitit^t 'PFurdescIiwanx'. 
p^:tswesp-'l 'HuL-nisse'. 
/»fB. 'Poter'. 
pi-e.hil in. (luiid. pi-kef) 'Siiliwassor' 

(iiiif der liullerl. 
pt'e.Un 'unten s)iiUor, üben Hitclier F>in- 

BnU iu das AnibiisBlucli'. 
pleJag 'Ausruf boiui Faiifc-spiel' (wndurcli 

der Rufer um Itast bittet). 
pik u. 'Schwein' (K in denn und). 
pikukin 'kleines Si'Lweiu' (Kinder- 
mund}. 
pi-l. f. 'Ente' (Kindermund); pi-l. pN. 

(Lockruf fUr l^ten). 
pil»kü'e.k»n 'Kucbcn uus WeizeTimobl 

und Kiirtoffolatriemclieu'. 
/«VaK pl. 'Pillen' (der Aputlicke). 
/lil^ntlrfir ■Aputhekör'. 
pil^nti 'Knte' (Kindermund). 



pilhak.i [vgl. Ist. pilum) 'Spitx- i 

KreuEhucke'. 
pim.ll m. "maiiiilichea Schninglied'. 
pin. f. 'Schmerz'; di le^lt. m fi/l pt-«,, 

jedfir fyeJI tlj zi'».. 
pinyq^ln 'si-Larf iiuf oinen Punkt 

/it/ia 'Pfeile'. 

plp^ii 'schmcrzliiilj in Imhuti Tönen auf- ' 

plpnihiHaz 'PfrafeubescLIa;;'. 

plpi/rfk 'Pfoifenreuk'. 

pi[nry9.r 'Pfeifenrohr'. 

pipiiltip "Pfeifen köpf. 

plphans 'Vii^l', 'männliches ScHum- j 

g-lied'i 'der kleine Finger' iKJnder^ 

mund). 
pipkizäp 'Saft lier Eheresche'; In Bait— j 

losere imen, v^l. Am Urifuell Ol 

S. aS, dort .S. 204 Litenttnrvu-' 

leichnis, ferner 111 S. 2i)4f. 29li 

324, lVS.29f. 172f. 198t.. Vi 

i;il. 193, VI S. lB2f. 215. 
lAroH pl, 'Gründlinge, Stieblingo'. 
pin m, 'mitnnliches Scliaiiigliud'; ;iiri 

prü:m hiikiiUl, dreimal popm 

nit /«/. 
piaaksa 'quülen'. 
pitiTinan, -jiupiskitH 'kleines Kerlrlieu', . 

'tjehougliod kleiner Jungen'. L 

pitAin 'ohne Hunger essen' (eigentlidi; 

dann uiul wunii in dea Teller stecheu)i 
pCtinpais»kK-ti.kin 'Arunsstab'. 
pladyti 'plattdeutsch'. 
plakdt 'Plukuf. 

plakuharb»* 'auf nackten FUSeu'. 
plak[en\ W. (vgl. mnd. plofken 'FlMk» 

machon') 'Flecken'. 
plün m. 'Vorhaben'. 
plrmti (frs. plante) 'Sotxliiig'. 
pJantian 'im Wasser spiileu'. 
plazve.r (fr», ftlaisir) 'Vorguiigeii'. 
plazi-p.rUi 'angenehm, vergnüglich'. 
plat 'flach, platt'. 
plathVfM 'Fliiehboitel'. 



— 95 — 



p/öf^ *Platte\ 'Glatze'; »x &lqn d9x for 
tU plät^ *ich schlage dich an den 
piäf^kop (Schimpfwort). [Kopf*. 

plat/yreM pl. Tlattftißo'. 
plat/y'e.Ux *plattfnßig\ 
ylatküU m. ^Kaulquappe'. 
^at» Tlatz*; s. u. op^tqn. 
j>/a/ip'halbkugelförioigerStutenXGebäck). 
pläfsit f. (vgl. frz, la place) 'Platz, auf 

dem man steht'; 'AnstellungV 
yiatsm (vom Aufschlagen des Regens, 

des Wassers überhaupt). 
pltäst^x 'geradezu'; s. smakhx^f>^X- 
l^d^mät 8. nät. 
fUi, f. 'Riemscheibe'. 
fl^U^ gqn 'durchgehen', 'bankrott 

machen'. 
flenhn 'zwinkcnr (mit dem Auge). 
fl^'e.r 'Vergnügen'. 
y^-e,rUx 'vergnüglich'. 
i^ubr m. 'dickes Kind'. 
plestdrt'i. 'Regneroi'. 
pUsUm 'klatschen von Nässe'. 
pltsUmät 'klatschnass'; s. nät. 
pktk^n *Plättchen'. 
fl^Ü^n 'im Wasser mit den Händen 

heflig arbeiten'. 
pl^tskim 'Teilehen' (vom Conditor). 
pl^tsh'^is f^n'hddifs sagt derjenige, welcher 
beim Ilcidelbeerensuchen einen 
scböuen Platz inne hat; dasselbe 
ist: miftös pl^tskifn. 
plet^ät s. nät. 

plisd f. (vgl. frz. p/isser) 'llaarfrisur' (bei 
welcherdie Haare oberhalb der Augen- 
brauen horizontal abgeschnitten sind). 
pti&lif 'Polierscheibe'. 
plisrngpSy pllsmep^l 'Polierer-Lehrling'. 
p(ü;(tpn 'polieren' (Eisenwaren); 'Decken 

mit Lehm ausstreichen'. 
plöiz 'I*lage'. 
plög^re'i. 'Plagerei'. 
plok (vgl. frz. ploc 'Kuhhaar') 'nach- 
lässige, lächerliche Mütze'. 
plek^H 'pflücken'. 



plg§ m. 'Büschel' (Gras oder Haare). 

plöst^ 'Pflaster'. 

plöstdm 'unordentlich bekleben'. 

plü'e.x 'Pflug'. 

plü'e.xlin. 'Pflugleine'. 

plä'cgdgalgdn m. 'horizontaler Eisen- 
stab' mit zwei Ohren an den Enden, der 
auf dem Vorderpflug ruht; durch die 
Ohren oder Ringe geht die Leitkonlel, 
plü'e.xfi"'^» 

plüre.fpäär 'Pflugschar'. 

plüe.</>fät^t m. 'Handgriff* am Pflugende'. 

piy^ (frz. peluche) 'Plüsch'. 

plystar9x 'aufgebauscht' (durch Federn 
u. dgl.). 

plysttrkqp 'jemand der die Haare wild 
um den Kopf hängen lässt'. 

plütaii 'Habseligkeiten'. 

pluts (Schallnachahmung des Fallens 
eines Steines usw. ins Wasser). 

p/ufstfu s. plut^. 

pqkdn 'schwarze Pocken', 'Impfe*; db 
pqkan krlgdn 'geimpft werden', d9 
}H)kon ez^tdn 'impfen'. 

pqklökirr pl. 'Blatternarben'. 

pö:l 'Pfahl'; 'dit-kcr, kleiner Junge', 
'dicke Brotschnitte' (scherzhaft). 

polak 'Polacke', 'ungebildeter Mensch'. 

pöhm 'ptlihlen', 'grimdlich draufschlagen'. 

pof{rj)tü'e.r 'Politur'. 

p0'l./ n. (lat. piilvinus) 'Pfühl'. 

pmlhü'eJt n. 'Keule, mit welcher der 
Icüd.pö'.l eingetrieben wird'. 

po/knkqp 'Haarfrisur', welche dadurch 
entstand, dass man einem Manne eine 
grössere runde Mütze aufsetzte und 
alle darüber hinausreichenden Haare 
wegschnitt. 

polstdr 'Polster'. 

poi^t9m 'polstern'. 

pöiUtVe.n '(Grenzstein', 'dicker Stein'. 

poU 'Pult'. 

polt9^m 'poltern'. 

poits&i. f. 'Polizei'; m. 'der Polizist'. 

pelWiTti 'grob schlagen'. 



^^^^^P jiolwir "Pulver'; rff hit al poltvar ü*e,jt 


^^^^^^^^1 


^^ nii ^fortan; li^ es gVe.nan iü-e.l 


po[t)alta 'Schwäuerin'. ^^^^^^ 


palwin- w^t 


piflman^ 'Purteuionnaie'. 


pomdU 'Pomade' 


pöUn 'pflanzen'. 


pea^X 'pfilnilie'. 


pitin -iuimer uns- und oingchi'n' ul. i 


paaalia. 'BUndel'; se/ ■»» pea»l ei,n)Mihti 


.pfilrten"). 


'Btüli Hein". 


potam 'knurrig sein'. 


pmaiUi. 'Ifi9ti(fe ai-hlopperoi'. 


(Hftklkar 'ein Hann. welcher seiner Fnn 




stets in die Kochtöpfe siehi' (vnr- 


pewsUati 'langsam, sachte, allmflhlicli'. 


achtet). 


pWM/sidi/ 11. 'Seiden w in (leriii'. 


pqtkü-f.kin 'Tupfknehen'. 


pewlU 'eine, die eine acliwere Lasi 


pftian 'Tüpfchen', 'Naehlgeschirr'; »t 


pmak -Pfund'. [tnim'. 


vg ffii-.n piftiin zu krinimp, Hfwt 


/lAOJbffem 'PUnkicIien'. 




poTäkt 'Piinkt'. 


sich etwas Passendes'. ^J 


p»ak(t)bx 'ptlukllich' (nhd. EntJehDiing). 


poUi&e.n 'Portion'. .^^^ 


popa 'Puppe'; na, nü eint da piip»H 


po(/mpa -Pumpe'. ^^H 


am datilcK»n. 


poimpan 'pumpen'. ■"■ 


popakÜ-eX 'Pupponkleld'. 


prithaii-e.ran (vgl, fn, pratiijuer) 'hm*- | 




denken'. 


popimhüe.l 'P^ppenhul'. 


praklaS 'praktisch'. 


piipaitün./ 'PuppenstubB'. 


pröim, vgl. opsttan. 


pepkan 'PAppohon'; at hst jidar zin 


präU 'fertig'. 


pepkan, ieö Af met ipelt 'jeder hat 


pratm 'scbmollou, mucksen'. 


Beine Liebt) abere Jen'. 


pritthala 'Uetltugrds'. 




priilait 'Predigt'. 


schlaf häufig ftHatlbf. 


predigen 'predigen'; jh predaii .hm 


pifran (niiid. inirreii) 'nocken, iiitem. 


'eine Predigt halten'. 


zanken'. 


prekaln 'mit spitzem Gegen stände kiUeln, 


pork n. 'kleiner Querkopf. 


re zen (uupera.) 'ärgern, zanken'. 


liorkaln 'in etwas horinnsUJcliern'; en 


/rpias/ (mnd prange 'dicker PfaW) 


dar näean porkaln. 


dicker St ck 


pöiifiar 'Osloreier'. 


presa bise jiresse', 'das hiesige Hueia- 


päian 'Ostern'. 


list sehe lifga '. 


pßikan 'Püstchen' (d. i. Kcmiitliclip 


fr^aaltfp \ rdertoil der Eisenpresse' 


Stellung in einem Geacbäft). 




pq»(t) m. 'Pfosten'. 


werkiouge eingescbrolion werden). 


PQMtäwl&Tak 'Piistan Weisung'. 


pr^spitar 'Presbyter'. 




pretamlit.ran {fra. pr&endre) lieaii- 






SchluBB dos SpielöB' (in einem Topf); 


prctsi-jt (fri. prectK) 'genau'. 


ptft fart^H 'das Eingesetzte ver- 


pri-e.kal (mnd. pricke 'Stachel, Spil«e') 


zehren'. 


'Zwinge um Stock'. 


pgt m. 'Brunnen'. 


pnwi f. 'Kautabak', 'eine MutidvoU 


p?to f. Tor'. 


RaocbUbak'. 



- 97 - 



^9n 'Tabak kanen'. 

'Preis». 

'eJi^r 'Preisrichter* (neues Wort). 

i' (vgl. frz. parfait) 'sorgfliltig', 

luber'. 

n 'vollstopfen, vollpfropfen*. 

% m. ^Stopfen'. 

üie.rdn (frz. profiter) *gewinncn' 

etwas). 

Trophet'; iaöz98 on dd pro/etBn 

ld\ 

9ei»7i 'prophezeien'. 

m. (frz. profit) *Profit, Vorteil*. 
}9n *kleincr Vorteil*. 
ti'e.r^n 'projcctieren*. 
Perrücke*. 

imi'e.r^n (frz. proclamar) *(las 
iiitpaar in der Kirche verkünden*. 
; 'prahlen*, 
e'i*. 'Prahlerei'. 
tln 'urinieren' (von Kindern). 

'stattlich*. 

> 'weibliche Scham', 
r (frz. propre) 'sauber*. 
miri'^s (plus minus) 'so ungefähr 
geschätzt*. 
:of 'Strafmandat'. 
)ln 'schwatzen'. 
)Ua 'Schwätzerin*. 
X 'geldstolz*. 
n 'mit Geld prunken*. 
iä 'Procent*. 
H 'Process*. 
»i'e,r^n 'processieren*. 
siüe.n 'Procession*. 
r 'Probe*. 
V9n 'prüfen*. 
v^^rak 'Prüfung'. 

an intr. u. refl. 'sich waschen* (im 
idermund). 

'Pflaume', 'weibliche Scham*. 
In 'beim Mcrbclspiel zu langsam 
chnellen'. 
{nymü'e.8 'Pflaumenmus*. 

äii'e.n 'Pflaumenstein*. 
Deutsche Dialektgeographie II 



prymk9n 'kleine Pflaume^ ebenso 
Diminutivum zur zweiten Bedeutung 

prüs97i 'niesen*. [von prüim, 

prysdä 'preußisch*; em prysdädn 'in 
preußischem Gebiet'. 

pry89n 'Preußen*. 

prüspolwar 'Niespulver'. 

püdal 'Pudel'. 

pü'e.fls 'BovisterpUz*. 

pü'e.l m. 'Wassertümpel*. 

pü'9.s f. (lat. pausä) 'Rast'. 

pü'e.z9n 'rasten*. 

püe.ta 'Pfote*, 'schmutzige Hand*. 

py-eMa^n 'Pfotchen'. 

puf m. (vgl. mnd. puve 'Kissen* oder 
mnd. puffe 'Polstor') 'kugelrundes 
Sofakissen*. 

puf 'Stoß'; pyfd kngdn 'Stöße in die 
Rippen bekommen*. 

pti/dhkü'e.k9n 'Puflfertskuchen'; dat 
ketBk gl'e,t op wi pufdinkü-eJcdn 
'das Kind wächst schnell'. 

pufan 'stoßen*. 

pufmqu'u, 'bauschiger Ärmel der 
Frauen'. 

puk9/. 'Höcker*; ex han dn brle.dan 
pvk^l 'ich kann gut das Schimpfen 
vertragen, ich nehme alles auf mich*. 

puk^JdX 'buckelig*, 'uneben*, 'mit Vor- 
sprüngen versehen*. 

puk^ln 'auf dem Rücken tragen*. 

pükräta 'Landfrosch* (wahrscheinlich 
aus wf. pogga und krä'.t zusammen- 
gesetzt). 

pu'l. m. 'Flasche*. 

pu'l.bn 'junge Tiere verhätscheln*. 

pu'l.nakiß) 'ganz nackt*. 

pup dort 'farzen*. 

pystdx 'engbrüstig*. 

püs{t)9n 'nach Atem ringen*. 

p^iäan pl. 'die kleinen Kinder*. 

putsa f. 'kleines, meist walzenförmiges 
Eisenstückchen* (ausgepresst aus 
Hackmessern, um ein Auf hängeloch 
zu erhalten). 

7 



— 100 - 



ri'9. *Reh\ 

ri'd.bqk *Rehbock'. 

rl'9,bröd9n 'Rehbrateo'. 

r%'e.g9l *Reger d. i. *der richtige Lauf 
der Dioge*; iiit em ri'e.g^l zin *un- 
wohl sein'; dt hit nit zinan rl'e.gdl 
*die Sache geht nicht ihren richtigen 
Gang*. 

r%'e.g9l7nes9z * regelmäßig*. 

ri'e.gdln *regehi*, (jemand) ^seine Un- 
arten austreiben'; refl. *seine Unarten 
ablegen und sich an Ordnung und 
Anstand gewöhnen*. 

ri'e.giflr^it *regeb:echt'. 
ri'e.m9n *Riemen* ; rl'e.mdn U h(^t leg9n 
* Vorbereitungen treffen*. 

ri'e.n s. rew., re'fd.Jdx^'^*^' 
ri'e.p 8. rtp 'Reif = Rauchfrost', 
rf'e.pa 'Heuraufe der Pferde' ; zo mäg^ 

^8 9n rl'e.pd. 
rt'e,p9ln pl. (vgl. frz. riper 'abschaben*) 

'Masern*. 
r%'a,p(^st9n 'Rehposten*. 
ri'e.r97i 'brüllen, wiehern*. 
rl'9,s 'Reise*. 
ri'd.sdqkd 'Reisedecke'. 
ri'e,z9n 'reisen*. 
rl'e.z»nd9r 'Reisender*. 
rl'9.sgqiU 'Reisegeld*. 
rl'e^stdr 'dicker Stock*, 'Pflugeisen, 

welches die Furche ritzt (wirft)*. 
rl'e.t *Riss*. 
rVe.t 'Ried*. 
rl'eMtqk 'Riedstock'. 
ri:/ 'Reibe*. 

rlf 'flott, verschwenderisch*. 
rii/kü'e.kdn 'Reibekuchen'. 
rlk 'Reich'; Äf het H rlk ale/ta. en 'er 

ist allein zu Hause*. 
rtk9 'reich*. 
rik9 'weibliches Reh*. 
rin 'Rhein*. 

rii99n schw. u. st. 'ringen* (nhd. Ent- 
lehnung). 



rifskamf 'Ringkampf *. 

rintwe.r 'Rheintour*. 

rlp s. ri'e.p '^ op 9n rip ketrU 9n ^^i 

'auf Frost folgt Regen*. 
ripd 'reif (Gegensatz: ffry'e.n). 
rip9n *reif werden*, 'reifen* (Fallen voo. 

Rauchfrost). 
rip9t n. (alt) Tasche*. 
ripi 'verloren*; deU es rip». 
ris 'Reis*. 
rtsbrei 'Reisbrei*. 

riz9ln 'rieseln* (nicht vom Wasser). 
r%z9n 'rieseln* ; wo niks e«, do ri'.st öc-^ 

niks 'bei armen Leuten ist nicht 

Überflüssiges*. 
rlzdn&la'fd. 'Riesenschlange*. 
r%z9n§w(mk (Recktibnng). 
ritbän, ritbän 'Reitbahn*. 
rlt9n 'reißen*. 
rit9r *Reiter*. 
rlthep9 'Eisenhauer zum Spalten Je» 

Holzes* (für Drechsler; auf dieselbe 

wurde mit dem Hammer geschlagen) 
ritvil'e.8t9r 'Reitlehrer*. 
ritpeitSd 'Reitpeitsche*. 
rtw9ny frtwBn 'reiben*. 
röb^tj rob^tf räb^s 'Robert*. 
rodBn 'raten*; dai wel 9% dVe.r nii 

röd9n 'ich will dir nicht raten, da«» 

du das tust, sonst wirst du bestraft'. 
rodoTB (frz. raton) 'ovaler Kuchen'. 
rof n. 'Ausschlag einer Wunde*. 
rqk 'Überzieher*, 'Frauenrock*; fl»* 

hvatdn rqk» zyi m9r h^l dn/ffo» 

'die Pastoren werden leicht getadelt*- 
rek ra. 'Rücken*; h^ het g^t em rßfc 

*er hat Geld'; «mas g^:n op dBu n\C 

zeit; 9t lept fa.m kquU y'e.w^rd9f^ 

rek 'man schaudert*. 
rekqks m. 'gesalzenes Rückenstück vons- 

Schwein*. 
rekskdn 'Röckchen der Kinder*. 

r 

rßk^trafdk 'Rücken*. 

rql. 'Rolle*. 

rqlacbn pl. (neu) 'Rolladen*. 



— 99 — 



ichten*. 

lichter'. 

lufrecht'. 

cht«'. 

jiz*. 

^allmähliche 'nachgerade' ; 9t es 

^itsän tu 'es ist nun doch all- 

ich Zeit'. 

reizen'. 

X Adv. 'rechts, mit der rechten 

r. 

ir€»r 'Advocat'. 
ind. rekel 'grolior Bauernhund') 
nlicher Hund', 'fauler Mensch', 
eil. 'sich faul herumwälzen' (auf 

oder Bett). 
'Reck, Querstange'. 
a g^t 'mühevoll die Arme nach 
s ausstrecken, um es zu er- 
en'. 

ifL 'sich strecken, dehnen'. 
»r 'Stahlreckhammer', 'Stahl- 
iammerwerk'(mitWas8erbetrieb). 
Usiü'e.n 'Keclamation'. 
•e.r^n 'reclamieren'. 
?.n 'Religion'. 
Remise'. 

'männliches Kaninchen', 
igen*; an hy-d.f rem 'eine kurze 
(nschauer\ 
inne\ 

ein' (auch rVe.rij jedoch nur 
Ijutiv). 
w 'Regenbogen'. 

n. 'Regenschirm'. 
r^n refl. 'sich lohnen'. 
,k 'Regentuch, Umhang'. 
:/ 'Ringeltaube'; pl. 'selten zu 
chende, gut lohnende Posten*. 
n pl. 'Pflaumeuart' (frz. reine 
de), 
egnen'. 
ind'. 
ing'. 
rdT 'Goldfinger'. 



retdkleddr 'Rindsleder'. 

refdkövmi m. 'Ziegelei'. 

re'id.Ux *reinlich'. 

re-rd.hx^'^'^ (selten ri-e.nfe;fÄrfe.Q 'Rein- 
lichkeit'. 

reinmankdl 'Regenmantel'. 

reinzarx m. 'Cisterne'. 

re'fd^&reft 'Reinschrift*. 

r^ntdni'e.r 'Rentner'. 

reintit 'Regenzeit'. 

r^vnto'n, f. 'Regenfass'. 

r^inwätdr 'Regenwasser'. 

reinwed9r 'Regenwetter*. 

remwolkB 'Regenwolke'. 

rep 'Rippe'; h^ es zo mäg^Tj dat war 
^m da rebdn tflan kan. 

repari'e,ran 'reparieren'. 

repkdn 'Rippchen'. 

rez9lüt (frz. resolu) 'entschieden, ent- 
schlossen'. 

rez9ni'e,r9n (frz. raisonner) 'schelten, 
tadeln'. 

rez^w9 'Reserve'. 

rez^rwist 'Reservist'. 

riskant (frz. risquant) 'gefährlich'. 

r^ski'e.r9n (frz. risquer) 'wagen'. 

r^zö'w. (frz. raison) 'Vernunft'. 

reip^kt 'Respect' ; met re^p^kt td tn^ilan 
(scherzhafte Hinzufügung); fi^ Jiet 
gi'e,nan reip^kt em ba'Lx- 

reäp^kti'e/r9n (frz. respecter) 'achten'. 

reäpit g^wdn 'Frist geben'. 

ret 'Ritt'; h^ es om ret 'er ist fortge- 
laufen', 'er ist auf Reise'. 

reit 'Rede' ; 9n r€:t don 'eine Rede halten'. 

rets 'Ritz'. 

retsdn 'ritzen'. 

rqtäan 'Rädchen'. 

rets^pt 'Recept'. 

retü'e.r (frz. retour) 'zurück'. 

retü'e.rbil^t 'Rückfahrkarte'. 

retü'e,rhUwdn 'zurückbleiben'. 

rewi'e.r 'Bezirk'. 

ridan 'reiten'; jotdk rld^n^ qtdt t»fü'e,i9 
gqn. 



^^^^^^^^^^^p ^^^^1 


r»!l»X 'ruhig'; wf m*r dat eyi, ilan m 


rüet Tot'. 


nur jö alt g^:n roi/n^ 'wenn man 


ry».t 'Huml'. 


das sjuht, Sü ist muri ~si) Kerne ruhig' 


rü 8^6«Sfc*j», rüv.? VAvrt -Koikehkh 


ü. h. 'man kla^t selbst iiii:ht mehr 


r^'e.f#/n 'Masern', -Rütelu'. 


Über eigeuu Uiden' odur 'man ist 


rü-e-t/us 'Botfnclis' (Schiinpfwurt). 




ryeJUx 'rötlicli'. 


rewn 'reuen, gereueu'. 


rüe.tilalim ■RotBuhwiliiKi-hen'. 


riiy,ny-e.3»l 'Itauhbein', 'niuhor, wilder 


rü-e.ftoin 'Rotwein'. 


Junge'. 


rye.u»r s. 9Tye.wir\ rye.wir 


re-u.ilq,yir 'Scblkjier dur Fmuen bei 
Beerdigungen'. 


ty e.iwr 'kütifijber'. 


ruk 'Ruck,'. ^H 




rükdy-i>^kin 'RicchdÖBchsii'. ^H 


'ordigung'. 


rüivB 'riechen". ^H 


ruifitbx 'utiebeu, raub' (voiu lluh). 


T-üAas n. 'Reseila'. ^ 


rytbx 'räudig, rauh' (im wirlil. u, iibertr. 


rükß^km 'Kiechfliiscliohen'. 


8limo); dat fjt an ryiUi/^n hink 


ruhtak 'Buuksuck'. 


'da§ ist ein Qegelhuner Heiisch'. 




Tiultr 'Rmler'. 


suhmutzigtss Wesen' iHeuM-b u 


rüdjm 'rudern'. 


Tier). 


rudolf, rydal 'Itudolf. 


rymun 'räumen'; Ai arb»t ryvU 'i 


ry-e.t»ffiU 'Rllbenfeld'. 


Arbeit geht Bchnoll vonvSrla'. 


ry-e-kaünz 'rilvhig', 'suhmutzig'. 


rup nur in: e>ti rupii 'iro Nu', 


rüe.lcfH 'raueheu'. 


TTtp» 'Ranpe'. 


ryc.lan 'räncheni'. 


rupax 'kurz im gebunden, frech'. 


rüt.kra»k 'Hauchfang'. 


ryp4 'Rüpel' (nhd. KiiÜehunng, ebei 


1 ü-e.kfil-eJ •Raudifloiscli'. 


ryp»lH). 


r ry-i.p 'Rübe'. 


rüis 'Laune'; A? het «w. rf^i. rüa 


rüe.p 'Ruf (fama). 


hat seine schleehte Luurio', 'er t 


rüe-pm 'rufen'. 


flir eine kurxe Zeit'. 


ri/i.r n. 'fWhre'. 


ryziln (vgl. nind. rusmi 'Linnen'» 'hs 


rj/v.rfcan 'Rührtht'«'. 


Ciegenständc wirbelnd drehcu'; 


rflv.* 'Riise'. 


yrel»>i ryzaln 'die Dominostt 




mischen'. 


name). 


rüi<in 'rauschen'. 




rütbäg-fm (vgl. mbd. fri^cTii'unillier 


rHKJuHräk 'Rogonstraucir. 


benLUBBchwatKeu'. 


T/--.«Avrt 'Rösohon'. 


ritt» f. •Fensterscheibe' (Remscheid 


rfi-r:.iil.ir n. 'Ui.st' (im Ofoii). 


d. i. 'l^aute'l. 


rii-ct ■Rnss». 


rtitsm intr. 'rüttcUi' (vom Wägern, 


rü-itJ 'Hulo'; t^x ■"» '■«■«■f y»"" ''»" 


n/« in: em näS 'im Nu'. 


le^/tm dJ Äe»«n 'seine Kimler 


rutibän (nhd Katlohuung). 


sohlouht owielien'; rü-*.l Iwr'BUn.lel 


rutäbafsk 'gleitende Feilbank'. 


ICUeiiKUbe'. 


rul»*x '"^"h' (vom Obst). 

ä 



— 103 - 



ibqu m. 'Branntwein'. 

12 9s, zex 98 'hör doch mal\ 

od^l 'Sattel', 'Amboss' (dos mechani- 
schen Hammers). 

Sod^n 'Schaden'; wek^r d9n ScUhn hety 
brukt fyr d9n äpqt nit td zqrgdn. 

\ädm 'schaden*. 

^ädm^rzats 'Schadenersatz' (nhd. Ent- 
lehnung'. 

fä/" 'Schabe'; kap9§äif 'Sauerkraut- 
schneidmaschiene' (s. d.). 

iafn;^r 'Eisenbahnschaffner'. 

iäfspöin 'Hobelspan'. 

la^ 'Stiefelschaft' (pl. ä^ßm). 

iafk 'Savoyerkohl'. 

zäg9n 'sagen, sprechen'; fi^ zet nit pip 
qf mqu 'er spricht kein Wort\ 

tägö 'Sago'. 

tak 'Sack', 'Hodensack'; »mds en ddn 
zak don 'an Körper oder Geist einem 
sich überlegen zeigen'; das d2r zak 
(hg bpd9ls nit w^t 'das ist der Mühe 
nicht wert'; VMt zak on pak 'mit 
Kind und Kegel'; veji^r mot dan 
zak lap9n 'auf einem bleibt es hängen, 
einer muss büßen'. 
täki 'Sache'; dai es nit abmdl^kas 
zäk9 'das ist nicht jedermanns Sache'. 
9ähn pl. 'Schularbeiten'; zäkdn mäkan 
'Schularbeiten machen'; s. auch 
br^k9n. 

iakan 'vollstopfen, vollpfropfen'. 

takhcQf9r (jetzt meist Hepa, w. s.). 

taktimn n. 'Sackleinwand'. 

takü'e.r (alt) 'Taschenuhr'. 

W 'Shawl'. 

äd 'Rinde' (der Hart! rüchte, Nüsse usw.), 
'Schale' (d. i. aufgenietete Holzplatte 
auf Hackmesser usw.). 

21 'Saal'. 

Uamdnd^r 'Salamander', 'Molch'. 

ihnidk 'Salmiakgeist'. 

ilgt9n (Charlotten) 'Zwiebelart'. 

jlpip9 'Bärenklau'. 



$alst9m 'laut schallen'. 

Mt9r 'Schalter'. 

zalw9nj bdzdlw9n 'beschmieren' (mit 
feuchtem klebrigem Stoff). 

§äm9n refl. 'sich schämen'; h^ üamt 
Z9X ?« 9n b^tsek»r. 

zam9t 'Sammt'. 

zaniBtkli'e.t 'Sammtkleid'. 

zam9trü'9.s 'Sammtrose'. 

samü'e.z9n 'Siamosen'. 

ia'19. 'Schande'. 

landarm 'Gcnsdarra'. 

zärw 'Sahne' (schriftsprachliche Ent- 
lehnung). 

^anie.r (frz. charmiere) 'Scharnier'. 

zarak 'Sand'. 

zarakman (nur in Redensarten); ddr 
zaidkman kernt (zu Kindern, welche 
vom Schlafe übermannt werden). 

&arBks9 f. 'Reisigbündel'. 

zdp 'Saft'. 

^äp n. (mnd. sthap) 'Schrank'. 

zäp9x 'saftig'. 

^arlaxfVe.wdr 'Scliarlachfieber'. 

§arp 'scharf. 

zat 'satt'; gqt op H zatsin efan 'etwas 
über den Hunger essen'. 

zätan (Seh imf wort, etwa: verruchter 
Mensch). 

^at^x 'schattig'. 

äatdn 'Schatten'. 

^ati-e.kB 'Scharteke', 'altes Weib'. 

^äts9 f. 'dicke wollige Rettdecke' (sonder- 
lich hier berühmt: borgirr säts^n 
'Decken von Burg a. d. Wupper'). 

squfenst9r 'Schaufenster'. 

§qu'u.ly §qu'u.lst9^r f. 'Türriegel'. 

zqnlt 'Salz'. 

zqultdn 'salzen, pökeln; teuer macheu'. 

zqult9^r9x 'salzig'. 

zdfuli/ät 'Salzfass'. 

ääwBn 'abschaben'. 

^äwanlzar 'Hobeleisen'. 

ä^bdx 'unschön, hässlich'. 



^^^^^^^^^F ^H^^l 


xez 9» a. tax »«■ 


zehx -selig'. 


zi^X 'Sfiffe'- 


Äefen 'schalen'. 


zt^l 'Sichel'. 


,ff/M 'schellen'. 


M^»r -sicher'. 


i^hidllejLia 'Seh eile uscli litten', 


ztx»rhve.t 'Sicherheit'. 


8f//-(fo f. 'Salbei'. 


MywÄifiJ»Bqww./'SicheriieiUna(ler. 


a?//fB. n. 'Selfkanto'. 




tdt n. 'Schild'. 


^♦X*^ 'scheu', 'schlau". [Ichnung). 


o-liMD&wätar 'Selterswaager*. 


(öm 'aäen'. 


zelm»r -Silber', 


m/ 'Hafersiob*. 


s^lwar 'selbst'. 


w/ton 'durchsielien, seien'. 




\ ipjtan pl. 'StiolelBchäftc-. 


zelw^rg>!ilt 'Silhergeld'. 


\ ifjt^itve.wat ■Scliartstiefei*. 


xelwarpapl-e.r 'Stanniol'. 


z&ipn 'sägen', 'schnarch eil'. 


Apiuh f. 'Scham'. 


zeganbtat 'ijägenhlstt'. 


ietiul 'Schimmel'. 


zegaimet • Sägen schmied'. 






iem^ln 'schimmeln'. 


des Geinilses). 


(!eow/B 'schief gelien'. 


xfi.düe.k 'Seihtuch'. 


Äenwiftpf.'MiiilchenmitkninnnGDReiw 


zei^n -seihen' (die Hilch). 


sfjoandr 'Seminar'. 


sfi&n 'Bellen'. 


xeti, 2i'».n 'sehen'; un h^l» nit g» 


e^il^iOAi.t 'Seltenheit'. 


dun zast» nqx zen, dö tfr.p hau 


ieie» 'ScheiUc' (selten). 


/m kü-e.n 'und so schnell, wi« 


ieyean 'scheiUen* (selten). 


konnte, lief er davon'. 


(Seit in. 'Schick', 'Gesundheit'; hf es ilfU 


zen 'Suin', pl. 'Lust'; A? /let da « 


em iek oder h? liM nit zin»n Aek 


tue. 'er hat da Lust dran'; hf iri' 


•er ist nicht gesumt', 'er ist kränklich'. 


nit op i-9.m zK-n. <i<ft 'er ki.mml v 


i^k 'rotgeflecktos l'fer.l'; 'Bunkpiiiner'. 




Mte f. 'Harn'. 


zurück'. 


ifk-»x 'gefleckt'. 


ianänt (fre. gSnant) 'unangenehm, p> 


zekan 'urinieren'. 


lieh'. 


dpfr*n 'schicken', 'genügeu'; refl. unpers. 


si^9X 'ruhig niichdenkend', 'tief denke 


'sich gehiiren', 'sirh ziemen'. 


(Tugend der Müdeben). 


zekqrf 'Saatkorh'. 


zeml f. od. m. 'Kohlen seh lacke'. 


Mtrf-n. 'Betirade' (es pflegt dort eine 


Senm refl. 'sich abquälen'. 


Blechrinne tingebraeht bu sein). 


afwan 'singen', 'singen vom Was 


eekromalt» f. 'Ameise'. 


bevor es kocht'; h^ zeot tci Mi 


ieksal 'Schicksal', 'das Unangenehme'. 


A««.H 'er kann nicht singen'. 


»fk»lan 'Sackcheri'. 


jtfiasn 'schimpfen'; k^ iet»J wi an k 


xek-ünda 'Secunde' (nhü. Entlehnung). 


l^p»T 'er schimpft fürchterlich". 


zekünihniseiffir 'Secundenzeiger'. 


i»nap (fns. cktnÜle). 


iil 'schielend'. 


zfakblei 'Senkblei'. 


ifl. -Schelle'. 


seaka f. 'Schinken', 'Oberschenkel 


zelba 'Silbe'. 


Menschen'. 




"^"■•' J 


^ 


M 



— 105 — 



imk9nhotdr f. 'Schinkenbuttorbrot'. 
ieak9nbür Rinderspiel, Fangspiel, bei 

welchem gehüpft wird. 
zp»ldü'e.t, z^kblei ^Senklot'. 
imös (d. i. Schindcras) Taagcnichts'. 
kp ^Schiff'. 
kphn »Schiffchen'. 
i^plan SSchränkchen'. 
n^Amhdr »September . 
fer 'Schere', »Wagendeichsel'. 
^k^(k)tBx »gänzlich verdroht, doppolt 

whief (von Werkzeugen). 
^nüs »Spitzmaus'. 
«fr^ (nhd. Entlehnung) »Schärpe'. 
*fr/»n (1. d. Scbreinersprache) * Sägen 
m:4 m. »Scherbe'. [schärfen'. 

apnpi^fe »Serviette'. 
«pnr!:s »Servis'; etz^rw\is\ kofdz^whs] 

9fzd» »sechste'. 

«p» »sechs' (attributiv z^s). 
th» »Sense'. 
«?>?fo/ »sechseckig*. 
sp»/ (nhd. Entlehnung) »Sessel'. 
9t»nhäm9r »Dengelhammer'. 
^^»rUllfktit^x »Sechsundsechzig'. 
tbihnet »Sensenschmied'. 
^fy'e.tdx »sechsfüßig'. 
^smöl »sechsmal'. 
^^pin9z »sechsspännig. 
' tf9p9t99x »sechspfündig'. 
: a?fß>.n »sechzehn*. 

tfitebx »sechszöllig (und ebenso -tehx 
mit allen anderen Zahlwörtern zu- 
sammengesetzt). 
Zit9n »sitzen* ; prt:st9rmesdx dozH^n »faul, 
behaglich, herausfordernd dasitzen'; 
dek9 drenan zeidn »reich sein'; w^ 
f^ alt do tdt9ny ic^ fdr vre-x nit 
M»n (Sehnsucht nach dem Essen). 
z^n »setzen', (zuweilen) »pflanzen' (in 
Remscheid z^tdn regelmäßig»pflanzcn'); 
l't.nan drop z^f9n »jemand mit der 
Lieferung bestellter Waren oder dgl. 
warten lassen'. 



z^thämBT Hammer mit flacher scharf- 
kantiger Aufsatzfläche, auf welchen 
geschlagen wird, um an Werkzeugen 
scharfe Kanten zu erzeugen. 

äeitbx ^schädlich'. 
z^tphi »Pflanzholz'. 

äibdln »wälzen, rollen'; Z9x Hbdln ffr 
lax9n (s. lax^n). 

zlix (vgl. mhd. sie »Herabfall') »nied- 
rig. 

zld9n »seiden'. 

2i*a. f. »See'. 

zi'd.bat »Seebad'. 

äl'e,d9n »scheiden' (nur von der Ehe, 
sonst umschrieben). 

äl'e.f »schief. 

zid.fii »Seefisch'. 

zi'e.gsl »Siegel'. 

zl'e.gdlak »Siegelack'. 

zre.g9r adj. »alt, schmierig, durchgefault' 
(vom Käse). 

zi'9.hordk »Seehund'. 

zi'e^kBl »Sichel'. 

zve.l »Seil'; l'a.m g^t an dt zl'e.l don 
»jemand in der Absicht belügen, dass 
er es weiter erzählen soll und sich 
blamiert', »jemand eine lästige Sache, 
schlechte Waren aufhalsen'; Va.vi 
dat zl'e.l 0m d» hqndr slqn »jemand 
sich selbst überlassen'. 

zl'd.l »Seele'; mi'w. zv9,l! (Ausruf des 
Erstaunens). 

zVeJd^TBks^r »Seiltänzer'. 

zl'e.i9ny;e.t »Seelennot' (aus der Bibel- 
sprache). 

Tsi'd.n »sehen'. 

zi'e.p9 »Seife'. 

H'e.p'd »Scheffel'. 

zie.pHo'u.x »Soifenlauge'. 

sn'e.p9pe'7iJ9n s. zi'e.p9pvLs9n, 

sn'e.p9pvlJ9n n. »Seifenstückchen als 
Klistier*. 

zi'e.pdwätdr »Seifenwasser'. 
ä%-9.r »rein, pur*; Sir9 ^p^k. 

7* 



■ 


^^^^^K^f ^^^H 


V 


sl's.r, Ä-B.r 'adindl'; aso zVa.r m mye.y- 


ilab^rjuks 'einer der Slabart'. 




Ug 'bald raöf^chst'. 


ilabarlfplan 'Geifertuch' (für 


^^1 


ti-a.rayhir 'Seeräuber, 
zV3.Aep 'SeeschifT. 


Slabara 'Flttsaigkeiten unachtsi 


^^H 


schütten', 'beim Essen etwas : 


^^H 


ive.t3n 'schicüon' (auch vom Wind- 


Munde fallen lassen'. 


^^1 


drooberi, d. i. in hoboiu BogeL mit 


ilax 'Schlag'; »f es alt süe. i 


^^H 


dem Kopfe auf die Erdo sausen). 


Slax grüe.t 'sie ist so «ngef 


^^H 


il-6.t9Tii. 'Srbießerei'. 


der angegebenen QröBe'; o 


^^H 


»i-3.taald^t -MariDescililat'. 


met g^l sin 'in einer Arbeit G 


^^P 


zi-9.xoättr 'Seewiiaser'. 


heit erlangt \iabea';/anjiti 


\ 


zE-e.u>aA:nf/3i^Siebenlui)kIler'(Feuerwerks- 


'von jeder Grölie'; met gf,l 




körper). 


ilax icü'e.mm 'durch Übung 




ai-e.uwn 'sieben'; s. zfstfbx- 


keit erlangen'; ilax "P ^^X ''' 




Xl-e.wir (mnd. nSver) 'Nicotiusaft', 


jedesmal'. Vgl. nocb jfez. 




•HuDdschleim kleiner Kinder'. 


Slaxä/at 'Schlaganfall'. 




gi-».w3rti 'Wasser und Speichel aun <lem 


ilaxhii-e.m 'Schlaghaum', 'Barrie: 




Monde laofen lassen'. 


als Ortsname bei Solingen, 






vor etwa 3U Jahren eine 




ilt.tDariHe.n 'graublaue Taube mit 


zur Erhebung der Wegesteui 




Sifon 'nrioiereu'. [rutem Hals'. 


ilazlm-e.m betont). 




eigandrdas 'sein Üenanules' (d. 1. der 


Slaxfengtar n. 'Fenster lade'. 




Teil, welcher ihm recblmSßig zu- 


ilaxfcä:r 'lange zweirädrige Ka 




iiU 'Uelee'. [konimtl. 


Slarllsti 'Schiagleiste' (an Schra 




äuiMubat 'Prcifilleistenbohel' (elgent- 


wo diese aufschlagen). 






Hnpnesaz 'jedesmal'. 




zin, ein 'sein' (pri>n. pms.). 


SUtxnäil 'l-l'l, cm dicker N. 




zin verb. 'sein'. 


1 Zoll breitem halbkugelf 




Sin 'Schein'. 


Kopf, welcher, in die Wand g 




ii-n. -llelMschiene', ' Ki sc uba Im schiene'. 


verhindert, dass die Fem 




Hna 'China'. 


gegen die Schiefer anschlag 




ilnb^rbx 'augensrheinlieh'. 


&laxöd»r 'Pulsader'. 




ilnan 'scheinen' (von der Sonne), 'scbei- 


ilaxresk 'Schlagring' (gefahriic 




iiniis 'Chinese'. [neu' [als ob). 


teidigungsinstruinent). 




ziiasgtllan 'seinesgleichen'. 


&tampdmp3 s, itainpa. 






ilampd (mnd. »lampe 'ein el 




eip»n (mnd. »ipen) 'triefen'. 


Gemenge von Speisen") 




sfjwn 'feuchtes, enges, mit Wäldern 


SlratienschmuU'. 




umgebenes Wiesontal'. 


Üat3. 'Schlange'. 




3ipinät 'duri'hnüsst'. 






zipgüphiökan pl. 'morbelurtige , kleine 


Alap 'schlarr'. 




Gelenkknochen der Tiere' (mit wel- 


Ala}>» f. 'dlluner Brei', 'Suppe'. 




chen frtlber ein Spiel gemacht wurde, 


H^ipii 'unordentlich'. 




das ei'/)sü/i- Spiel). 


ilajrni 'schlürfen', 'Lingsam, m 




eit 'Seite'. 


gehen'; d» iüs. ilap»n fi 




afif, zi( 'Seide'. 


bVs.n 'iLie Schuhe sind ihm 


f 
L 




^ 



- 107 - 



Hapsak ^nachlässig^er Mensch'. 

Uarvmi 'schlürfen', 'unordentlich ar- 
beiten' (z. B. von schmutzig arbeiten- 
den Maurern). 

%f 'schlau'; Slqu op zin i'e.g9n Hekd 
an 'sich auf den eigenen Nutzen 
verstehen'; hq hU 9n M^u9n buk 
mc^r do'nu d^'vjm *er tut so, 
I als ob'. 

%y. 'Waldschlucht'. 

iiSiipT 'Schleier'. 

1kuhVt.t 'Schlauheit*. 

&j;wnan 'der Geriebene'. 

i/otc/if; ex kriix dex 9s am Mawü 'ich 
fasse dich beim Kragen'. 

fkmiUdn Diminutivum zu §Iaw{t 

aitx pL 'Prügel, Schläge'; fi^ k^:t mVe. 
iUix f« t9 fret9n; hq mot ileix han 
f« ^n jofaan horak, 

ilflU 'schlecht' (von Charakter und 
von Waren), 'unwohl, Übel'; i^it 
OH rfi7; zo äl^it qs d9 nqit 'hinter- 
listig'; dq es 20 ilqit dat gi'e.n9n 
hofdk 9n ätekd brvre.t fan ^in. nemdn 
zyeJ; hq es t» il^it en dan kalk 
(Worein sonst alle Abfälle kommen); 
dat zal ^m wal^^it ojrreUan 'die 
Folgen sollen ihm wohl Übel be- 
kommen'; äifit mäk»n 'denuncieren'. 

%'fo;ffci-e.< 'Schlechtigkeit'. 

^^'/an 'schlachten'. 

Slfidr 'Metzger'; an ilqÜ9{r)igaidk dort 
'vergeblich gehen'. 

^l^itdrei. 'Metzgerei'. 

il^^r)Shofdk 'Metzgerhund'; h^ het an 
to-ta. wi an §lqita{ryhorak 'er hat eine 
große, rote Zunge'. 
Hein 'schlimm'. 
UfTfa, 'Schlinge'. 

^l^ndar m. 'die alte Gewohnheit', 'gemüt- 
licher Gang' ; dat gaA^ß f/i'e.t zinan 
qul9n ^^nd»r, 
fnd^rm 'langsam gehen', 'faul einher- 

g-ehen'. 
•ndrian s. il^ndar. 



slftaaln refl. 'sich binschlängeln'. 

sUnan 'lang sich hinziehendes Unkraut' 
(in den Kartoffelfeldern). 

ilepa f. 'langes, fast über die ganze 
Breite der Türe sich erstreckendes 
Türgehäng'. 

ihpa^n m. 'Rockschoß', 'Schleppe' (am 
Kleid). 

ils2>an 'schleppen'. 

^l^pan s. älapan. 

älepanäil 'Nagel zur Befestigung der 
Mepa\ 

Uepare'i, 'Schlepperei'. 

ilepargk 'Gehrock'. 

ilepaämet 'Fabrikant von Türgehängen'. 

^leptsdbal 'Schleppsäbel'. 

Slets 'Schlitz'. 

^letsan 'schlitzen' (i. d. Schreinerei die 
Ko[)fenden an Tür- und Fenster- 
rahmen anschneiden'). 

ilva, 'stumpf (mnd. sle^ as. sleü). 

HVe.dan 'Schlitten'. 

^Ive.danbän 'Schlittenbahn'. 

Mva.dön 'Schwarzdom*. [schliff). 

slt'e.p 'Schleifsteinabfall' (beim Nass- 

^U'a.prwnan pl. 'pflaumenartige Früchte 
des Schwarzdoms'. 

iilVe.vyam (mnd. sieveren) 'ausschmieren' 
(die Mauerfugen). 

ill'e.ivaripön m. 'alter verschlissener 
Holzschuh'. 

sU'e.vyartrufal 'Fugenkelle*. 

^lik m. 'unwillkürlichesGlucksen imHalse'. 

&Jlk m. 'Regenwurm' (zu Mikan), 

slikan 'schleichen'. 

filikar 'langer, hagerer Mensch'. 

Slikarax 'hager, mager', 'wackelig auf 
den Füßen*. 

§likdm 'schlenkem* (mit den Beinen). 

älik^üa. s. iliUüa,, 

,Him 'Schleim'. 

§lipan 'schleifen' ; d^f ga§U'e,p9n 'grad 
ab (ohne jegliche Krümmung) ge- 
schliffen' (also ein Beil im Querschnitt 
V ) 5 d^rfy'e,war da katakta gaHtejpan 



(hier wird «ne Wate an^reBcLIitreDi; 
wänkpaktS)! gaSlfcpsn 'vnn einer 
SciU) ans stark abgebe brägt', wäh- 
rend die andere gerade heruater- 

itljur 'S[:bleifer'. [gescIilifTen iat 

ilipsT^'i- 'Schleiferei' lolid. Entiehming). 

&l\!^ltbiqti*n 'kioluge llolzschobo der 
Schleifer'. 

illphüuM 'KDJehoU der Schleifer'. 

illpkqtm 'Schleiferei' (friiber uur in h(fUa 
an GewftsBerD). 

ilips m. 'Cmvatte'. 

ilipiiH'e.n ' Schlei fsteiu'. 

ilitiü-3., iliHii'3. ■Sehlittsuhuhe'. 

m:x f. '25 Pfd. schwerer . an Kette 
hängender Hammer mil langem dUii- 
nom Stiel' (mit welchem die Ilummer- 
submiede die Keile noIien <lem Aui' 
ho BS feBttreibeuj. 

ilodanx 'nachlässig', 'unordentlich'. 

ito^rküig 'langsamer , nachlässiger 
HenEch'. 

ilodam 'langsam gehen', ' tiachlässig sein'. 

ilqn, ilön 'Bt:hlagcn' ; lif ilfe.t afjs kqt on 
högaUcUn.; sex d3Td^e.r ili/ii 'sich 
kümmerlich durchs Leben schlagen'; 
E'e.H»» en dan nakm Höh 'ein (ilas 
Bier, Schuaps hastig trinken'; vgl. 
u. lottn. 

ilenal 'Schlingel'. 

Slefaal 'der lel>ondigo Teil des Eies', 

Alöp 'Schlaf, 

iläps 'Schläfe'. 

ito/w);'Bchlälig'; l'e.n-, (uf i-usw. -slBji.ix. 

iiöp^n 'schlafen'; du. sleps /leman 'da 
hast nichts zu sagen'. 

iüpkan 'Schläfeben'. 

iliprajc 'schläfrig'. 

ilöptaenar 'Schlafzimmer'. 

ilöt 'ScblosB*. 

m-^ 'Salat'; A« vibA m Mö:t -er wuchst 

HöUÖife.n»H 'Salatbohnen'. (scbnell'. 

AUftvrfäl 'an ordentlicher Henscb'. 

Hqtark^niu pl. 'Apfelsorte mit losen 



slr/t3rn 'in sich waekemT 

ilö-Jkrop 'Salatkopf. 

Slftitn 'Schlnsschon'. 

ilötimet 'Schlosser'. 

mtMiiOa 'Schlosserei'. 

Aloux 'Scblaach'. 

Hub^m 'heimlich trinken'. 

üly'e-tsx 'schlüssig'. 

ilg-eJ»l 'ScUlflasel'. 

ily-f.t»hfblü-9.m 'Schlüssel hl iime'. 

ilyeMUläk 'SchlUssellocb'. 

Hu/, nur in: (rej/,)(ft(/"'treu6r,gutniüti) 

ilufin m. 'IlauapAutoffel'. [Menst 

Hufin 'langsam geben'. 

Hiik 'Schluck'. 

Hukan 'schlucken'. 

Hükwiis, £luku!l:ii 'schluckweise'. 

Man 'missratenes Stück Arbeit' (sond 

lieh in der Eisen braoche). 
Hynsx 'bleich, sclimal, hager, kräuki 

aussehend'. 
Hup m. (mnd. alope) 'TIaarsehleife'. 
Hütan 'schließen'. 
^1»^' s. imakl»x. 
itnäktn 'schmecken'. 
imaktii, Smdk^x'^'fX Adv. 'geradci 

imäktax^f^Z ^'w-' ff'"^if^ Hon. 
hnal 'schmal'; hf kikt hnal laojx 

nä:s 'er ist hager im Gesiebt'. 
hnaUx 'Schmalz'. 

imaiit m. 'Milchrahro, Sahne', ^h 
iiiiiaräts9n 'schmurütxen'. ^^B 

iinarütsir 'Schmarutzer*. ^^M 

sineillsn 'schmolzen'. ^1 

üm^it 'Hunger'. 
itn^itin 'hungern'; ft^ mol imfit^n 

im da ü-r.nn lank w^nn. 
iiitfittapin 'Schmarotaer', 
MnfUr»x 'hungrig'. 
Änifrtrte.man 'Bauchgurt' (aus Irfd 
imekix 'faul, verdorben Bthmcckem 
Jm^ir 'Schmiere'. 
hn^iTbrei m. 'Rührei'. 
im^-.rbuk 'Sc hm erbau cb' (nbd. I 



— 109 — 



ter»jf ^schmierig'. 

jnmn 'schmieren', 'Oloc', 'schmeicheln*; 
M öfd^r im^rdfi *ein Huttorbrot 
streichen*; wek^r güred äm^t, d^ 
i/ü'eJ fi^t (auch ironisch zu jemand, 
der die Butter dick auflegt). 
hi^nrt'i. 'Schmiererei*, 'Schmeichelei'. 
imp/^ 'Fett zum Schmieren der Lager' 
(meist an Holzbearbeitungsmaschinen ). 
kmerg^l 'SchmirgeF. 
huerpl^i:/ '8chmirgelscheibe\ 
imtrlapi^ny -ho'l. *Schmierlappen\ • 
h^xpot 'Schmierfink'. 
hn^Tpu'l. 'Schmierfink'. 
m^rzi'e.p9 'grüne Seife'. 
md 'Schmied'; wo ifn imet^ h^fdJ H 
dqr an cUr wet 'wo ein Schmied 
ist, da hängt (trotzdem) das Tor an 
einer Weidenrute' (d. h. der Hand- 
werker nimmt sich nicht die Zeit, 
seine eigenen Sachen in Ordnung zu 
halten). 
mej>i 'Schmiede'; gaidk fer da r^iid 
smeU! 'bringe deine Klagen an der 
riebtig(*n Stelle an!' 
itnid^rf^ 'schlank, schmal', 'dünn' (vom 

Menschen). 
imi^.X 'Schmiege' (verschiebbarer Holz- 

wiukel). 
i:mi'€.d^n 'schmieden'. 
imv<*J 'Schmiele*. 
imVe.Undri'e.Ur m. 'Grasmücke'. 
hni'e.t ni. 'Wurf'. 
imik^ f. 'dünne, biegsame Gerte'. 
imXt^n 'schmeiUen'; »n o'y,.x (äv.;^) oj) 
Bjtufs HinU^n 'ein Mädchen begehren'; 
wU w^x ^rnli9n *venioineu'. 
imerffA 'alte unsaubere Pfeife'. 
»niud^Ux (vgl. mnd. smodick 'weich') 
'unsauber' (von Kleidern). 

imüdsrlax^i (mnd. Kinuserlacheji) 'hinter- 
listig lachen'. 

imü'e,k9n 'rauchen'. 
hnü'e.nm 'schmoren'. 



smirf.hx s. smudal^z- 

itmunlsoln 'schmunzeln*. 

hiabal 'Fangball*. 

inäbA 'Schnabel'. 

Hnä(pr9x 'naschsUchtig'. 

snäfpm 'naschen'. 

hiäffdrtd 'Naschkatze'. 

^nak 'straflF' (von Wuchs, von an- 
liegender Kleidung). 

^nak9 f. 'Peitsche'. 

snak9x 'abgerissen, barsch'; ^nakax 
kabn. 

mak»n 'peitschen'. 

Hiiakd^nü'e.r 'unterstes , geflochtenes 
Kördeichen der Peitsche'. 

snakosfok 'Peit«chenstock'. 

snap 'schnapp' (Ausruf des Erstaunens). 

inap^n 'schnappen'. 

snaphäm 'Wegelagerer'. 

snapsbrü'e.dar 'Schnapsbruder* (nhd. 
Entlehnung). 

S7iät f. 'Ähre'. 

s7iät9i'Viül f. 'Schnattormaul'. 

snät.nm ^schnattern', 'mit den Zähnen 
vor Kälte klappern'. 

snqyolii^ 'schnauzige Frau od. Mädchen*. 

snquan 'schnauzen'. 

stu'bol m. 'abgeschnittener Papierfetzen'. 

Hii^bdl f. 'schwatzhaftes Kind'. 

hiebdlbü;e.n9n 'Schneidebohiien'. 

Hnebdln 'Papier unnützerweise in Stück- 
chen zerschneiden*. 

sri^b^in 'schnell sprechen'. 

^n^balid f. Subst. zu snqbifln. 

sneifUi 'schneien'. 

sned 'Schnecke'. 

ineiLshyiskdn 'Schnockenhäuschen', 'Ro- 
sinenbackwerk in Form eines 
Schncckenhäuschens*. 

sn^p 'dreieckiger Zipfel* (an einem Kleid), 
'dreieckiges, kleines Stück Land'. 

sn^po 'Schnepfe', 'Hure'. 

sn^ps^n 'gerne Schnaps trinken*. 

Ä^n^/ 'Schnitt', 'Gewinn'; an ^net mäk^n 
'guten Gewinn erzielen'. 



Aiifti^iii, UimiNuliv 7.11 «Hfl , 'hologtps 

Butterbrot' (im Restaiiraiil). 
Snetsan 'Bchiiitzen'. 
inets9T6-i. 'Schiiitzoroi'. 
inlAan 'schiieiileii'; eo/ inid»n 'in svhier 

Hoffnang' getünsrbt werrtci)'. 
Anldar 'Schneider', 'hagiTcr Mcnsdi', 

'Wasserjungfer'. 
jlm(ii(r)}!^JWJ(!jto'uoiinuu(iiieunziK Pfund'. 
inidarwtpop 'hagerer, fielen kiRBr, juugor 

HeDBch'. 
Äni"». 'Schnee'; (/»n ini's. metJii "durch 

den tiefen Schuoe steig-eu'. 
ini-9.hal 'Schneeball'. 
inVa.Jlqka 'Schneetlncke'. 
Ani-i.gl»k»kiti 'SchpeeglückchcJi'. 
inla.m 'Schueeruann'. 
Anl-9Aü-». 'SchnecBchahe', 
kni'».t 'Schnitte'. 

ini-9.mit 'schneeweiß', 'kreidobleii'h'. 
Anitmtd 'Sägemehl'. 
inqbät 'Schuurrbart'. 
Ant/bsl m. 'ein kleines Stückchen' (nur 

in der Verneinung); nit an iiu/bal 

'nicht dos Geringste'. 
Anndar f. 'Nasenschleim'. 
Snodsrax 'uMangemesscn in Kedcnsarton'. 
iimdsrjoia. 'dummer, freclier Junge'. 
inridarktl 'ausgewurfener Nasen seid ei ro'. 
hiodamä-jt 'schniutsige, uitgeputzte 

Nase'. 
int}T 'Schwiegertochter'. 
itn^rk»l 'Schniirkel'. 
inorksn 'schnarcben'. 
inudüe-k m. 'Taschentuch'. 
iny-e.ran 'schnüren'. 
Sny- f.rtl\flan 'SchiiDrleibchou'. 
iny-eM 'katiige Frau', 'freches Miidehcu', 

'groBmauligea Mfldchen'. 
inye.iü-3. 'Schnürschuhe'. 
inyfiln 'schnüffeln'. 
inyfalniks 'einer der überall horcht'. 
iny-/h»n n. 'Prise'. 
inußabak 'Schnupftabak'. 
tnak 'Itack'. 



miclc^n 'ruckweise ziehen', 'zni'ke^^^H 
dem Ko|)f). ^^^ 

.hiiipa f., iiMywn m. 'Schnupfen'. 

snüt» 'Schnauze'; an dela inüt» rniUc^ft 
'schmitllen'; df hH »n iuüt3 eXM 
kiipd! 'das ist ein Grofinaul!'; A()«cc 
At htüls! 'sei mhig.''. 

snytan 'kurz schneiden' (ein GehOl^ 
die Flügel des Federviehes). \ 

.* nütcan 'eine Prise nehmou', 'nacbspSrwi^ 
Cd ntro liieren , ausfindig zn machen ' 
suchen'. ' 

«(>f/9n 'Suhuppen'; 'Schuber, SehupjM 

{i/yl3rSifb»ny, pl. 'Garben'. 
Aoban pl. 'Kopfs cbuppen'. 
zöda 'Suda'. 

zöda/iolwar 'Sodapulver'. 
gödawälar 'Sudawasser'. 
HBdun 'BchUtteu'. 
2aew»jt 'Sueben', 'kaum'; elgVeim 

'es geht mit knapper Nol 
iefan m. 'Schöffe' (vor Gericht). 
il/,niff*reit» 'Schöffengericht'. 
zoß o. 'Sophie'. 
zugd-.r "sogar'. 
so A: 'bedauernswerter, armer o der dnini 

Honsch' ; arr.m. ofk 'armer Keil'. 
gaka pl. "Socken'. 
&ilkal 'Schaukel'. 
Aifkildit 'Schokolade'. 
i(fk*ln 'scbankebi'. 'schütteln'; 61 

afi<fk»ln 'Hirnen abschttttelii', 
i<fk»lp^:f, 'Schaukelpferd'. 
iökan m. "das Ü.- 1'- fiquU il» iöloti, 

bi d^tr 'strocki- Beine nicht 1 

weit ans'. 
zqkdti 'schnell laufen' (jedenfalls auf 

Socken). 
z(>:/f.'der auf dem Mauerwerk aufliegende 

Balken eines Fachwcrkhanses'. 
iif-L f. 'Erdklumpen'. 
ät/U)! 'klumpig hart" (vom Feldbodenl. 
wfan 'sollen'; vgL u. lötttt. [T«n«), | 

xölö 'Süto' [im Gesang, Kartenspiel n 



- 111 — 



Sohn*, 
•m. 'Sonne'; niks es zo f\n gdiponsn^ 
H kernt dqx on 9t leit lUr zon»n 
\M. Entlehnung). 

im. 'solch ein'. 

Iiro. 'Sünde'; 9t es 9n zb' f9. on ia'fd. 
'es ist unerhört*. 

triLdax 'Sonntag*. 
VMjiaxsboks9 ^Sonntagshose*. 

vndaxshals 'Laftröhro* (scherzhaft); 
ml'e.r es g^t en ddn zo'iudaxshals 
g9kue.m9n 'ich habe mich ver- 
schluckt*. 
»iuiax»kest9 f. *der Fußboden* (ironisch), 
i i. der Ort, wohin man nichts zu 
werfen oder wo man nichts liegen 
zu lassen hat; also ironisch fiir 
Kleiderschrank, Schuhkasten usw. 

KTTLdaxskll'e.t 'Sonntagskleid*. 

tinulaxiü'9,1 'Sonntagsschule*. 

gsnd9f/9n 'sündigen*. 

toMx 'sonnig*. 

tonitierin 'Sonnenschirm*. 

ztm9ie(r}mk^n 'Marienkäfer*. 

zomHve.k 'Hitzschlag*. 

iöp \Schaf*; d^r wolf fret wex '»t //''- 
tqulfh §öp 'auch Wort volles geht 
verloren*; gddy'ed^gd iep^f ijqiU fei 
en re.n9(n) Hai. 

ifpa f. 'SchöpfgefliO'. 

isp9 'Schuppe, Spaten* ; h§ rykt na dar 
i&p9n 'er ist dem Tode vorfallen*. 

ifp9n 'schöpfen*. 

i0p9n 'schaufeln*. 

i&p9nbür s. itäts. 

i0p9r 'Schäfer* (selten). 

k§p^r)ihofdk 'Schäferhund*. 

i0p9ittl 'Spatenstiel*. 

üpk^n 'Schäfchen*; zin svpkan em 
drygan hart 'wohlhabend geworden 
sein*. 
iqpiä(i)r *Schafgarbe'. 
iqpsg^kry'a.s n. 'Schafsweichtcilo*. 
Ufpshlct *Schäfpr\ 



hqpshü'eJt 'alter Uut* (wie ihn die Schäfer 
tragen). 

äqpskqp^ iöpskqp 'Schafskopf, Dumm- 
kopf*. 

^qrbäis 'Geizhals* (s. äqran u. bäs), 

zq'r.x * Sorge*. 

§qr9n 'scharren*. 

itqr9S\ h^ h€t 9n güe.cbn Sqras ga- 
mdkt 'er hat ein gutes Geschäft ge- 
macht*. 

^qrdsti'eji 'Schornstein'; mar inot dan 
iqrdHl'e.n am rü'e.kan liqulaii 'man 
muss dafür sorgen, dass man zu leben 
hat*; dal kamar en cbn äqraätl'e.n 
Ariwdn 'das (verliehene (Jcld) be- 
kommt man nie wieder'; dö d^impt 
mar dar sqraHve.n nit fan 'davon 
kann ich nicht leben*. 

^o'r.f (mnd. sckorf) 'Ausschlag einer 
Wunde*. 

zergalätüre.l 'Lehnsessel'. 

Hßn/aii 'langsam auf der Schubkarre 
fahren*; ex zin nit en (U w^lt ga- 
SB'r.xt 'ich bin nicht so dumm*. 

zqrgan 'sorgen'. 

zqrganhrekar 'Sorgenbrecher* (Wein, 
Pfeife usw., je nach individueller 
Neigung). 

serwaln 'geräuschvoll hin- und her- 
schicbon, treten usw.*. 

Z0ft 'sonst*. 

zestar 'Schwester*. 

zestarkan 'Schwesterchen*. 

iiöt 'Schoü, Schubla<lo*. 

zöU m. 'Same'. 

,^0t (ob frz. chutef) 'Öffnung am ishüSf 
durch welche das Wasser auf das 
Rad stürzt*, s. Ishüs; dat es m»r 
düe.r dt net gagdraan '<las habe ich 
vergessen*. 

Sqta 'Schürze*. 

,^0tal 'Schüssel*. 

^etalbrqt 'Schüsselbrett*. 

ietaldü'e.k 'Tuch zum Abtrocknen der 
gespülten Schüsseln*. 



^^^^^^^^^^p 


i#frMm n. 'ümertaaso'. 


ipan»ak 'Spannong', 


AaUlwäiiT 'Splilwusser'; s; la/tjS AbUI- 


ipansi 'spanisch'. 


mdtor 'Eeachma.'klos'. 


Äpanrie.m»a 'Spantiriemen'. 


zötsrStnx '.SaiuBtag'. 


ipame-.x 'Spannsäge'. 


iqtdi 'schottisch'. 


ip^r]by-e.*!t 'Sparbflchae*. 


iötgapi •zweiiinkige liabpl' (itiiiii Auf- 


Apänn 'sparen'; bint-tknipanH '«^ 


laden der Garben). 




a/U-e.r>n 'aortieren'. 


ipartpl 'Spargel'. M 


Setjo-n. 'Lehrjnnge' (welcher das iel 


ipä{r)k(ui -Sparkasse'. ■ 


ietiafyd 'Schüwetifef. [bedient). 


ip{i(r)zam 'sparsam'. H 




ipd{r)ti-e.pi 'Sparemfe'. jH 




Sp-it '^piiii'; ipax viäkm 'sckeiMriS 


isy f. 'Abachen'. 
*B^ 'scbou'. 


ipax hau 'VtoxiAD habe»'; «htJ 


haft: A; kfit ipax an <l^ /riifJ^M 


SfjH 'San'. 




zniini 'Scbimitzfink' (Schimpf worl). 


ipatiln (nind. »paHrUn '«VP^H 


mii.b€dx 'Schuiulzfiiik' (Schiiniifwiirl). 


'zappeln', 'sich diirchringeu' (dnnfl 


ewiHft'fl.r 'Schinutüfitik'. 'schmtit^igea 


schwere Zeiten). | 


Hädclien'. 


ijmtate.TBg^n 'spaKioreii'. | 




ipafgie.rffoiak 'Spaniergang'. i 


iBfjSn 'scheuen', 'nicht gcmo BOhoii'. 


ipal>ii-e.TSl</k 'SpaBieretock'. 


znyarei. 'schmutzige WirtachatV. 


»pqvlin 'spalten'; ufm w /j drtetosCJ 


An%f3l 'achiifel, gemein'. 


rff -mot » ipifulsn, wpn z» tt diwd 




zint, d^ mnt s» fejultn [nämlich die 


(Schimpfwort). 


Brotschnitten). 




ipquU 'Spalt'. 


toyja-n. 'SdhmulKJuiifte' (Schiuipfworl). 




zmjk^l 'SchmutKkeri' (auch in Bitllicher 




Beziebuug). 


ipeib^k»n n. 'Spuekn^pf. 


. mvkqp (Si^bimpfwurt). 


ip^aU n. 'Speichel'. 


iByUx 'seliuldig'. 


Apfiin 'spacken'; ke»»r, di ipei»n, ü 


iagbxl^-pj 'Schuldigkeit'. 


{g9)de^ 'Kinder, die sich nach dm 


eoutedar 'Schmierfink' (Scliiniiifwon). 


Saugen erbrechen, gedeihen gut'. 


zeyftafät -POkelfasB'. 


ipfk 'Speck'; dat m ipfk w. *wSi 


zoiimelk 'GäDsodlstel'. 


/an l-e.n»m a:t 'das ist glskk- 


e-mniksf 'Schmulxliiik' (Seh impf wurt). 


nrtig'; met jijjfA- fy».t mar k^ 




(Verlockung). 


z»wU 'soweit'. ilUensch'. 


spfkbye^» f. 'Hintere'; twl d*r ip^k- 




bg-e.san iVe.t»n 'farzen'. 


ifiak 'koapp, eng anliegend' (von 


Sp^ksx 'fettig', 'dick'. 1 


Kleidern). 


ipehildnt 'Speculant'. J 






(Bonderlich von jungen Biindon). 








ipanan 'spunnon', 'sehen', 'eräugen'. 


ipfk^U-t.nn 'spcculiereD'. J^^| 



— 113 - 






ipfhit ^Speckseite*. 

ipfkiwäU 'Speckschwarte\ 

ipdidl&l 'Geräusch'. 

ipd 'Spiel*, 'Lärm um nichts*, 'ein großes 



Getue', 'eine Menge' (Menschen); an 
spd lyU oder menidip^, fölkipkl 
'Menge Menschen'. 

i/»fji n. 'Hängevorrichtung' (über der 
Scheunentenne, um Heu zu fassen). 

ip^i'e,T9n 'spenden*, 'für andere mit- 
bezahlen', 'hinauswerfen'; emas drut- 
9p^ndi'e.r^n 'jemand hinauswerfen* 

^ff»ks^n 'tollen* (s. kdlw9m). 

tp^nsUr 'Frauenjacke*. 

ipemJ9 'Spinne', 'schwächliches weib- 
liches Wesen*. 

ipi'n,t9g9to^8(9) 'Spinnengewebe'. 

ip^hö'Jc kleiner hoher Amboss, einer- 
seits spitz, andererseits gewöhnlich 
viereckig. 

ip^hfireJi grader Stock, welcher kurz 
hinter dem Pferde die Zugketten aus- 
einander hält, damit dieselben den 
Leib nicht scheuem. 

ipeH98 *Spiritus*. 

fytrU$l0yi9 'Spirituslampe*. 

Ifian 'Spesen' (Reisekosten). 

^ 'spät'; 9n heU9n t» Speit es fei 

t9 ipeU. 

^^ 'spitz', 'schmal im Gesicht*. 
ipds 'Spitz* (Wolfshund). 
ipd8bür9.f 'Spitzbube*; klera. speis- 
bü'eAü9n ?i§'n.t mdr, d» grü'e,Un let 
mdT lü'e.p9n, 

^fä8hü'e.w9re'i. 'Dieberei*. 

ipä» 'Spitze*. 

^pd99mustdr 'Spitzenmuster*. 

^pdsmüs 'Spitzmaus'. 

pi'e^l 'Spiegel*. 

pi'e.g9lblai9k 'spiegelblank'. 

Ti'e^ln refl. 'sich spiegeln*. 

il'e-g9lsvr9.x 'Schraube mit Ring' (zum 
Einhaken von Gardinenstangen u. dgl.). 

A'eJdü'9.s 'Spieldose'. 

%-e.l»n 'spielen'. 



SpVe.l9ri'i, 'Spielerei*. 

Spi'eJman 'Orgeldreher'. 

äpl'eJrais 'einer, der aufs Spiel ver- 
sessen ist*. 

äfyi'eJzäk9n 'Spielsachen*. 

ipl'e.Uyx 'Spielzeug'. 

SpVe.lü'e,r 'Spieluhr*. 

ipl'e.lyit 'Musikanten*. 

Spik^n 'spießen', 'spicken'. 

SpiUr m. (mnd. spile 'dünner Stab*) 
'dünne Speiche*, 'dünner Stab*, 'dünne 
Beine*; gddri'e,t9n^ z^Ü SiUr, dö fVe.l 
ha fam äpil9r, 

äpinät 'Spinat*. 

Splrk9n (mnd. »ptr 'die kleine Spitze*) 
'Bischen*. 

Splis 'Mörtel*. 

äpUäkBl s. ipektdk9L 

^/>tf<m'roizen','zanken','höhni8ch spotten'. 

äpitdr Subst. zu SpU»n (vgl. mnd. spitich 
'hühnisch'). 

Spi'ä'e.n 'Spion*. 

Spl^ndamey. (vgl. frz. splendeur) 'gänz- 
lich neu'. 

ipl^ndCt (frz. splendide) 'freigebig*. 

kpWed m. 'Spliss', 'Scheitel*. 

§plln m. 'Spleen*. 

Splltan 'spleißen*. 

Splitdr 'Splitter'. 

kplitardx 'splitterig'. 

Spoli'e.r 'Spalier*. 

Spoli'e.rbe'y.mkan 'Spalierbäumchen'. 

SpoWe.rkUi 'Spalierlatte*. 

äpön 'Span*. 

Spofdk 'Spund'. 

§p^r&n 'Sporen*. 

äpred^n 'spreiten'. 

ipref99n 'springen*. 

Sjyrevddre'i, 'Springerei'. 

kpretdkbronm 'Springbrunnen* (nhd. Ent- 
lehnung). 

äpreJ9köS9n 'Znchtstier*. 

iprefdkty'e.7n9l 'SprungzügeP. 

äprqk 'spröde* (von Sachen). 

Spröka 'Sprache*. 

8 



^^^^1^^^^^ 114 — ^B^^^^^B 


iprö:l 'SUr'. 


irrinsiipz^l . 'Seil reinergeselle'. 


iprö-iUhy-^tan m. '8t«reDkaaten'. 


h-einäktim 'Schreinerleim'. 


Iprotik 'Sprung', 'Kiss', 'Quelle'. 


inikl^ 'scbrecklicb'. 




irp»3n ungefähr 'schmerzen' (durch Zu- 


SpnteJc 'Sprach'. 




ipry-e.kw4t 'Sprichwort'; ii>Tye.kv!qt 


da däix äfavtpn U Ifwn, dan/atMn i 


w^TT wöt 'Sprichwort sagt die 


s3 üe-z an te sr^ann (dann ist der jj 


Wahrheir. 


beiliend kalte Winter du). 


ipry-e.tbT/k m. ■Leitersprossti', 


ir^iakaa in der Schreitiersprache 'Säge- 


ipnU»n pt. 'SommorspruSBcn', 'SpruHeen 


zähne setzen'. 


an. Kohl'. 


iret 'Schritt'. 


iprytga 'Spriwe'. 


iritUn 'schreiten'. 


Spryttanhüs 'SpritzoiihiLUB'. 


SrieJ 'Schritt'. 1 


ipüe.hm 'spielen' (vun jungoü Tiereo). 


Srifdei 'Schreibtisch'. 


Spü-9.l 'Spule'. 


iriftaaUfi. ' Schreib masch ine'. 


ipü-e.l3n 'spulen'. 


Srifpain-e.r 'Schreibpapier'. 


ipye.t3n 'spülen'. 


iri/poU 'Schreibpult'. 


£py-e.l/rqu-u. 'Spülfrau'. 


SrifSto-n.t 'Schreibatunde'. 


^ye-lwäfor (meist: iflfeiwdtor) 'Spül- 


irip^n 'zirpen'. 


wasser'; wfii et ipyeJwäür k^kl, 


SriicOTi 'schreiben'. 


es an brvi ern küia (die an nichts 


ärtuwr -Schreiber, Comptoirist'. 


als ihren Braiitigani denkt). 


Äriurare'j. ■Schreiberei'. 


ipy-e.ran 'spürea'. 


Stö: 'übel, unwohl'; /i^ m *rö: dtrhi 


irägdn m. (mnd. gekrage) 'vierbeiniges 


'er ist sehr krank'. 


Gestell fflr Kübel'. 


ir»pk(fp 'Schröpfkopf. 


&raak>ln (mud. Bchrankdett) 'rait Stuhl 


iriib^n 'schrubben'. 1 


oder Füßen geräuschvüll hin- und 


Snjb^r 'Schrubber', 'Schrubb höbe leisen'. 


herratschen'. 


gra-e.TUk^l 'Schrothandiur'. | 


Srä(t)3tn 'unaufhörlich geräuschvoll 


irü-e-nan pl. 'Eisenabfall'. 


schwatzen'. 


Srü./ 'Schraube'. 


Srä[t)slta 'furchtbare Seh w ätzerin'. 


Srü:/bat9k f. 'Schraubstock'. 


tr^bar 'Krätzer". 


impho-l. m. 'Schrubbtuch'. 


ireß 'Schrift'. 


irupee:x 'Sticlisäge'. 




irüta f. 'Truthahn', 'altes Weib". 


Bibelspraehe). 


irüwim 'schrauben'. 


irei 'Schrei, Aufschrei'. 


Ata/ 'Stab'. 


ireifn 'schreien' ; Af ire-j.i xo hat, toi ha 


Ata/isir 'Stabeisen'. 


em bal-x kan oder /i? ire-i.t, ps 


St ahm 'Stecken'. 


wfMs em mfiw hen. 'er schreit, ao 


itälaniz»r 'Brecheisen'. 


laut er kann'. 


ätal 'Stall'. 


ireihaU 'Schreihds'. 


liWiOT.'StickinuBtor'; 'Stuhl-, Tischbein*. 


Ärejnar 'Schreiner'. 


AttdBtftä 'StalUateme'. 


irein»rei. 'Schreinerei'. 


itam 'Stamm'; /am ita-m. m daßam. 


ireinem. 'schreinern'. 


■etwas Neues sofort gebrauchen' 


^reiiaiarbH 'Schreinorar beif. 


(sonderlich Kleiduuf^). 



- 115 - 



i ^stammeln'. 
( in. 'dicker Brei*. 
>tange*; i'9,m d» ita'i9, hqul^n 
LDtl den Rücken steifen'. 
üre.n»n 'Stangenbohnen'. 
tand,Gcwerbe\ 'Stand, Standort'. 
a ite»k9n; ätank fßr dank, 
l ^ganz verrückt'. 
Ark', 'ranzig' (von der Butter), 
dt' (and zwar das Centrum; für 
enberg ist Eiberfeld die «Stadt"), 
das Feine'; dat es gräU d» itäit 
(pry'€.n9n k€r.B 'das ist ja gerade 
r^eine an der Sache*. Vgl. Höxt. 
m. 'Stadtrat', ^Stadtverordneter*, 
chon von Natur', 'schön durch 
tattung', 'hochfein, soljde' (es 
ebnet stets einen Wort und zwar 
einen materiellen); siätsd kU'e,' 
kostbare Kleider'; ^t es zo Stäts 
eUri kreiti'n, oder ^s iepanbür 
lebube im Kartenspiel). 
'Schwänzchen'. 
».7* 'Station'. 
uns/y'e.riU9r 'Stations- 

[vorsteher\ 
^/ f. 'Fremdenzimmer'. 

'schwerfällig mit schwerem 
ttel gehen'; drop Iqs ätäw^n. 
l. Heften) *Stift'. 
'Stelzen'. 
/ 'Stempel'. 
In 'stempeln'. 
M 'Stochbeitel'. 
stechen', 'stocken', 
sticken'. 

üreMdn 'Stangenbohnen', 
f. 'Stickerei'. 
./ 'Stechfliege'. 
:^ 'Stechmücke'. 
tt9r 'Stickmuster'. 
rud *Stecknadel'. 
teil'. 

flr. 

er. 



&t^'L Stelle'. 

itehkds 'stille', 'insgeheim'. 

itehn 'stillen' (Blut). 

stelim 'stehlen'; h^ itelt wi an rd:/oder 
wi 9n ^:lst9r. 

Sf^l^n 'stellen*; rcfl. 'sich benehmen'; 
zex ^il^x (9^^X) it^l^n 'sich an- 
ständig benehmen*. 

it^hwiis 'stellenweise'. 

He'l,h(\uldn 'stille halten'. 

H^lk^t» '80 cm lange Kette am Karren- 
baum' (welche die .Zugkette an den 
Karrenbaum anzieht; sie wird am 
H^lk^i9nhö'.k befestigt). 

H^Uc^tdnhöik 'kleiner Haken' (meist auf 
dem Karrenbaum). 

i\te'lM'e*(pn 'stille liegen' (z. B. von 
Hammerwerken u. dgl.). 

H^lm^k^r •Wagenbauer'. 

M^lrerak 'Stellring' (an der Eisendreh- 

iteljs€t9n 'stille sitzen'. [bank). 

ite'Lz^tdn 'stillsetzen' (z. B. eine Fabrik). 

He'lzin 'stille sein'. 

H^Urmf 'Stollschraube' (an der Eisen- 
drehbank). 

He'lMqn 'stille stehn'. 

stelJwit/ifn 'stillschweigen'; met HeU- 
§wlgdn fffvqt z^x nem^s, 

He'Uwvjos Adv. 'still, geheim'. 

stem, 'Stimme'. 

sffmbl'e.t9l 'Stemmbeitel, Zimmermauns- 
beitel'. 

stfindx 'stämmig, stark gewachsen'. 

Sternen 'stimmen'. 

st^mon 'stemmen gegen etwas', 'stemmen' 
(als turnerische Übung), 'mittels des 
Stommbeitels Löcher in die Balken 
schlagen'. 

steni9r9k 'Stimmung'. 

H^viiz<>r s. HpnhVe.UL 

Hemr^it 'Stimmrecht'. 

stemtH^tdl 'Stimmzettel'. 

st^n 'Stern'. 

ät^Tiakl^r 'sternenhell'. 

itpd^l 'Stengel'. 



^^^^^^^H^^^ 116 ^H^l 


ittak»!p neical -Hülieiiraucir. 


i/i/"'8teir; Sti-.f bok 'steifer Mensi 


äteta.k»n 'Steincben'. 


itifl 'Stück Kantabak', 'Lchrjung« 


itenkan 'stinken'. 


Stigsn 'steigen'. 


itenkäg 'Limbiirger Kflse'. 


Mpal 'Stock' («um AiifselBen 


Step, nur in: up ^r itep 'sofort'. 


KarrenbSumc), 'ateifer, ungebol 


iliipdfka 'Stoppdocko'. 


H«nsch'. 


itericj (aind. aterke) 'junge Kuh'. 


itijMhx 'nach allen Seiten, Sckeii 


Affmb^t 'Stinibrott' (an der DucL- 


Spitzen leiBöiid' {z. B. eine S 


verichalung). 


ver)iackung); 'ungelenkig', 'i 


it^nvan 'sterben'; it^noin on prd^r- 


hpbelt'. 


W9n 'untergehen'; maz »x ><f^rw->n 


Üiipatn 'faul dastehen' lim dfu Ec 


on blenk v^^n (Beteuerung). 


'stUtsen'. 


(it^rw3»myi.t 'totinfide'. 


ititga f. 'Jauchekarre', 'Jauche'. 


&tfTio3xu>0tian (nuriiiderNegatioii);^'«.« 


itittan 'Jauche Über die Fehler fal 


iUjrwMwqtStn kaa a/ ffJ^it 'auch 


iiuioda f. 'SUlrke' (aam Bügeln). 


nicht du Ueringstt! habe iuh gesagt'. 


Hivmi 'stärken'. 


Ü^t m. 'Suhwani'; fm blV.t gfl am it^U 


StebiU n. 'kiemer staubiger \Mt^\ 


kanm 'das GerUcht bleibt an ihm'. 


iiqf fStaub'. 


itftir 'StSlIt«r'. 


Hqßwe.k 'Staubtuch'. 


il^tiin 'Städtchen'. 


ilafksn 'Stäubchen'. 


Slie.fa:r 'Stiefvater'. 


Mojmaiaksl 'Staubmantol'. 


itl-e/keak 'Stiefkind'. 


Htqk 'Stock'; h^ StieJ f»rm st<>k 


ill-e./müe.d^ 'Stiefmutter'. 


ist Vorschläger' (in der Schm: 


iti-ck 'Stieh', 'Nuance'; im m-e.k ejd 


il4fkhietak 'stockbliud'. 


ffry-i.n 'mit einer geringen NUanee 




biB UrUne'. 


*Vflfra 'Stück', 'Musikstück'. 


HVt.kbfp^ 'Steinhaoer'. 


Stökan 'stoohen". 


m-e.kv{-^l 'Steingrobe'. 


itäksT 'Stocher, Heizer'. 


iii-e.n 'Hteia'. 


itqkfei 'StüekfiHch' , 'Üiiuim 


t!H-».n 'Stinie'. (felds). 


(Schimpfwort). 


&H»i.nbdc 'Steinbek' (Stndtteil Elbor- 


it^kfiü-e.lm pl. 'Guldliick'. 


ilVe.nJn 'etelnorn, irden' ; Hi-e.run dap-m 


Sif/krü3.i< 'atockroBo'. 


•irdener TopP. 


Slek^ikM 'Stückchen', 'Eraühlung', ' 


iti-e.nAät 'steiuLart'. 


Streich'; uieter at ilohik^n 


itl-e.pläla 'Steinplatte'. 


l^tstitt firtquU. d^m es dar t 


älle.pöt 'Sperrstein'; wekjr en zinam 


tu/x warn. 


Uwan iHe.p0:l/3rzdt hil, mot, w^n 


itekskan 'Stitckchen'. 


k» dü-e.l M, »s n^iln doinä hardm- 


AiqkMi/ 'stocksteif. 


drätpn (früherer Aberglaube). 


it(/kwfrk 'Stockwerk'. 


Sti-e.wal 'Stiefel'. 


il6:l 'StaU'. 


Sa-eADSln 'scbwermiig gehen'. 


itäbn 'Btählem'. 


Aa-e.W9hkap3 'Stiefelkappe'. 


Stt/n, Stön 'stehen'; dö hit /i^ »l 




iiön 'den (die, das) hat er geri 


H\-e.w»lwiks9 ' Stiefel wiclise'. 


itoa dropan on dränan 'ea 


Hle-w^i (Teich bei CroLietiberg). 


nahe daran'; s. löUn. 



^^^^Br ^^^ ^^^^^H 


■ 




hont -Stande'. 


itrepö-.wnf (es beHteht noch heute im 






Jin[()i«. 'Stfindcben'. 


Borpischen stellenweise die Sitte, 


^H 




Sofdü-ij: 'Stopfdose'. 


zum Abstreifen des Rtlb stiel blatte» 


^H 




iojiw 'Stopfen'. 


.abends die Nuchbartdchtoreinzu laden, 


^H 




top» 'slopfen' (Strümpfe, die Pfeife); 




^H 


' 


k mei fs ilop»n 'law mich mal 


gewöhnlich sehr lustig hergebt). 


^1 




von deinem Tabak melDS Pfeife 


itndm 'streiten'. 






Klupfeu'; di Hopt in lök (von einer 


SM-e./c'Strich';emas3»,'i(rte.fcjipie.fan; 








em itn-e.k9 lötan 'auf etwas ver- 






«o/nqu-u./ 'Stopfnadel'. 


zichten', 'treulos verlassen'. 






Xfni ■slitrriBch'. 


itri-e.hi pl. 'Zitzen'. 






iltffbfai 'unsicher auf den Beinen'. 


iMkballan 'Batken oder Kisonstab am 






■Iwfahi 'unsicher auf den Füßon gehen' 


Vorderrande der Kgge, an welchem 






isonderlicb von Kindern, daher filr 


die Zugkot te hin- und herifiuft'. 






tieine Kinder auch itorlaUim gesagt). 


^trik»n 'streichen, streicheln', 'wetzen', 








'bügeln'. 






«ai f. 'Pracht'; dat es gräU <h »tÖ:t 


jHrtilasr 'Bügeleisen'. 






/am ffryr.n»n k&n (meist ironisch) 


itnk-möt3 f. 'ein in der Schreinerei ge- 






'Im ist ja gerade das Feine ah der 


bräuchlicher verstellbarer Apparat, 






Siehe'. Vgl. itäJ. 


mit welchem mau eine der Kante 






Mraks 'gerade drauf »u', "heute Abend'. 


paraUele Linie ziehen kann'. 






kramp^ln (von kleinen Kindern) 'wUd 








mit den Beinen trampelji'. 


itrikipSiiiin 'Streichhölzchen'. 




r trank nur hl : ye.Wir di £tr^ti. httu^n. 






■r'iaki^bak 'Stranglabak'. 


Mrikia-e.n 'Wetastein'. [eben'. 






SMkmd 'Wetzstahl'. 




''.i^ih a. 'Streu'. [braiicbeB'. 


emp»n 'Streifen'. 




' -yn '«reuen'. 


itripl^n 'Streifchen'. 




•■■•vjgiii'l 'Stjeajrabel'. 


.Hrit 'Streit': Mz -"t dm itnt die.l>n 




^^^yioiBjt 'Streuaand' (woiller). 


'sich auf einen Hittelpreis einigen'. 






Urilfü-e.gal -Btreilsüchtiger Mensch'. 




^Ki« -Streckt:' (mit VerscbluitB-f/). 


ilrUxext»x 'BtroitsUchüg'. 




^B m. 'dicke Kordel', 'Taugcniclits'. 


Atrö:farb9t 'Htrafarbeit'. 




^^k* 'atrickea'. 


Atröfo 'Strafe'. 




^■b« 'Btreikeit'. 


itröl 'Strahl'. 




^Bbn '«trecken*. 


itröbn 'strahlen'. 




^Hbffitm m. 'Stricknailer. 


iironk 'Strunk'. 




^Bbc?';. 'Strickwolle'. 


Hnip m. 'Schlinge' (zum Einfangeii des 




^KAyd»; 'gestrickter, Bclimaler. läiig- 


Wildes; am Schuh), 'Schlingel'. 




^■Bcher (25 cm), meiat grfiuer lioUlbeutel' 


itrepsn 'Wild mit Schlingen fangen'. 




■(b der Mitte ist seitlicli ein Loch, 


itTöt» 'Straße'. 




^Hnd zwei Ringe veriiimlem durcti 


itrötindr^k; fu; ex zo fr^t toiitrötin- 




^■aräckstreifen dua HerauBfallen dos 


drpk (der sich auch an alles ansetzt). 




^fCtldea), 


ilroys9(n)ßd»r 'Straußenfeder'. 




^■"Tw'abBireJfeLi'tHonig, Goiuüae usw.). 


Atrubabi 'struppig'. 





^^^^^HP^^^i 118 ^B^R 


' Urub»n (vgl. mnd, xtrubbeken niodrigeB 


Hypkin (Kosewort fih- kleine Kind 


GestrSLich,GeBtrüpp)'klemor, krauser 




Strauch'. 


ititpjUskm 'Stumpfiiäscheu'. 


1 Hry-3. -Stroh'; Af es nit /an Stry-a, 'er 


Siyir 'Steuer'. 


ist Dicht dumm'; Af A« ji'e.n jHrjs. 


Stynm 'stören'. 


zi'». /S"^- taforhr^Km. 'er ist bettol- 


ityrrts^tsl 'Stenoreettel'. IWild. 


1 itry-ishahn 'Strobliftlra'. (arm'. 


Üittüsin 'kurze, zerlegbare FUnte 


Stry».wi£ 'StrohwiBCh'. 


AttUgar 'eingebildeter Mensch', 'Qi| 


»trük 'StFMOh', 'Straofl'; ft? krixt w ül 


itüwm 'stauben, stieben', 'Kemfri 


[ dam fiirütei 'er bekommt tüchtig 




Prilger. 


g^itowin qf gifiögtn. es -et 


;. rfiwfcj^'Kosewort für nette, kleine Kiu der'. 


plötzlich verschwunden'. 


1 MybiUin dasselbe. [anstalten'. 


Subax 'frostig'; ittbax kquU 'kalt, 


> itud^nt 'Student', 'Schüler höherer Lehr- 


es einen fröstelt'. 


ituä^ntakapa 'SchülennUtze'. 


Suban 'zur Eile mahnen'; un 


itüa.f 'Stube'; <fo gü».t )i(üa/ 'Gast- 


'frösteln'; refl. 'sich jucken'. 


itye/kan 'Stäbchen'. [ziramor'. 


iubijak 'schlechter Mensch'. 


i ime.1 'Stnh!'. 


iux! {Ausruf, wenn es einen frört« 


Stg-eMm 'Stühlcheo' (Kinderstuhll. 


zünUdsr 'Suugleder' (ein rundes L 


1, Hüre.t m. 'Stoß', 'Stoöborde im Frauen- 


scheibchen mit Kordel, welchei 


■ ,.ck.. 


gefeuchtet schwere Steine hebt) 


1 itü-e.ttm 'stoQen'. 


iu(i»r9x 'fröstelnd'. 


! ily-t.tar 'Stößer' (d. i. Stoüstock in einer 




j. hohlen Tloluudorröhre.worauBinlt zwei 


sw-rf., zü-a. 'so' (betont; Remsdieid 


Ebereauhenkirachon geBchosaen wird). 


iü-3. 'Schuh'; iceter «i». iü-a. a^ 


stü-e.tsi:x 'StoBsäge'; vgl. irup)i:x- 


kan fiekan, tnttkt x» nit nam ii 


1 ity-e.w^ m. 'Handbesen'. 


Su-a.byeMä 'SchahbOrste'. [te A 


1 Sty-e.war 'StUber' (altes TTeldstück); df 


Äya/; iy-»/ n-n 'ein kuraer Regan« 


het m n^ftm Ä(y-e.aw g^iU 'der ist 


iü-9./abrik 'Schuhfabrik'. 


reich'; dela Hy-e.ww 'dicker Kerl'. 


zye.la 'Suche'. 


1 ütÜe-^a^Slyelal 'Stiibenschliissel'. 


zy-e-km 'suchen'; hf wfe.t nit, u 


itulodSr 'Stui;catenr'. 


»l eye.kan eal 'er weiß vor Seh 


itukan 'mckweiBe stoBen'; 'mit einer 


oder Kummer nicht, wo er Fri 


geraden Anzahl Morbel in ein 


für Ksrper ader Seele Sachen 


kleines rundes L(ii:h werfen, wobei 


itü-9.i -Schule', 'Schulhaus'; wxla» 




iü-j.l itekan 'die Schute schwäu 


wünnen, sonst verloren wird'. 




Stumal 'Cigurrenrest', 'kleiner Mensch'. 


lehren'; d» klen., grüt.ta sü>. 


itymaUm (Kosewort für kleine Kinder); 


unterste, oberste Klasse'. 


U-B.f ityntaÜ^. 




Stup 'Kopf der Pfeife'; auch Kosewort 


iü-a.U)ask 'Schulbank'. 


iiup 'stumpf. [für kleine Kinder. 


ltü-e.hn 'Schulden'. 


1 itypm 'kürzen' (Haarel, (dem Hund) 'den 


&ü-e.hT 'Schulter'; A; imÜ ai Jan. V 


Schwanz kürzen", 'beleidigend von 


iü-t.br op ih aaar 'er deckt 


1 sich stoßen'. 


d 



- 119 - 



ikeMhlai 'Schulterblatt*. 
Hrej9rknök9n 'Schnlterknochen'. 
Hfe,hn^t0k» 'Schaltentöck'. 
ÜnJfartin *Schiilverein\ 
iür^Jf&rHank 'Schulvoratand' (nhd. Ent- 
lehnung). 
Hir9j/fr(Jy'e.r)iU9r ^Schulvorateher' 

(nhd. Entlehnnng). 
iür9jffifiU 'Schulgeld*. 
iür9Jff9f¥^e'i9.d9 'Schulgemeinde*. 
Hr^Jhüs 'Schulhausflur*. 
iür9.Usi9n 'Schuhleisten'. 
Hndjo'n. 'Schuljunge\ 
tir9j!ml'eM9r 'Lehrer*. 
HnJpepi 'Schulkrankheit' (um nicht in 

die Schule zu gehen). 
iür^dplaU 'Schnlhof *. 
kwtM 'Schuld*. 
zure^m. 'Saum'. 
zj^ejm^n 'säumen*, 
ztre.m^r 'Sommer*. 
zy;tjm»rbi'e.r 'Sommerbime*. 
zürejmarddx; In zü'e.m»rddx 'im Som- 
mer*. 
zü'ejm9r^it9x 'sommerlich*. 
HFe.n9n 'schonen'. 
ij'e,n9n pl. 'feiner Kohlenstaub*. 
iüre.n»i9k 'Schonung*. 
zye.f^r 'Säufer*. 

ürei 'Schuss*, 'schneller Fall*; h^ d^t 
dn iü'e.t en d9n gräw^n 'er fiel 
kopfüber in den Graben*. 
ivti 'Schoß*. 
tj-eJtd 'süß*. 

ij-tM f. 'Schaufel der Bäcker*. 
tftJt9n m. 'Gläschen Anisette*. 
zy-^ihüreM 'Süßholz*; h^ ra»p9U zlivi 
weifen zy'9.tküreM 'or schmeichelt 
seiner Geliebten*. 
iü'edkenk 'Schoßkind*. 
zü'e,tiök (vgl mnd. sode 'das Gekochte*) 
'Schlammgrube* (in welche das un- 
reine Spülwasser u. dgl. abfließt). 
iüreMnk99 'Schuhwichse*. 
iufix 'abgetragen* (von Kleidung). 



hjßlplü'e^x *Roißpflag* (zum Aufreißen 
von Rasen, mit 3, 5 oder 7 kleinen 

SüifkäxT 'Schiebkarre*. [Scharen). 

zufel 'soviel*. 

züg'&n 'saugen*. 

zuk^ln 'lutschen* (an der Mutterbrust 
oder an der Flasche, dem Daumen). 

zy'l. f. 'Säule*. 

zyL 'Schusterpfriem*. 

äüin 'Schaum*. 

ium9l9x *dick von Fleisch* (von Per- 
sonen, die gleichzeitig gemütlich sind). 

iuni^ln 'gemütlich einbergehen* (von 
dicken Frauen). 

sum9l{t9) 'gemütliche dicke Frau*. 

^ym^n 'schäumen*. 

äümlepalj §yimlepdl 'Schaumlöffel*. 

sy'79. 'Scheune*. 

iup 'Schups*. 

zupd 'Suppe*; 9t fyt9 faji dbr zup9 
ä0p9n 'das Beste für sich in An- 
spruch nehmen*. 

zupBnfli'eJ 'Suppenfleisch*. 

zupdfdiei^l 'Su[ipenschüsser. 

iup9nt^l9r 'Suppenteller*. 

zup.^ium9l, zupityrml 'Trunkenbold*. 

zur 'sauer*; dat let h^ Z9x zur w^ran 
'er vorwendet viel Fleiß darauf*. 

iü:r 'Schauer* (Regen). 

syr 'Scheuer*. 

zürbröddn 'Sauerbraten*. 

üürby'eMd 'Scheuerbürste*. 

^nm 'scheuem*. 

äyr9ndqr^ äyrdndy'cr *Schjeunentor' ; 
Äf StVeJ dö wi dn kü'd. f^rm neyan 
syrBndqrdn 'er steht dumm, staunend 
da*; met dar iyrdndy'e.ran v)pdk»n 
'mit dem Zaun[)fahl winken*. 

^ürho'L 'Scheuerlappen*. 

zürhsltsifr 'saurer Apfel*. .. 

zmrl'e.kd 'Wintereiche', 'Stock aus 
Wintereichenholz*. 

zyrkan 'Geschwürchen*, 

zürlaidk 'Sauerland'. 

zyrlifx ^säuerlich*. 



eürmttk 'Sanennilch'. 

3üm(ü'e.B D. 'Saneranipfer'. 

Sürpapl-e.r 'Sclieiierpapier'. 

iyrisn pl. 'Hülsen der Ilfilseiirrflcbte'. 

süznn 'sau Ben'. 

Jusj^r 'Schuster'; opiuKf»r6rap»nrldin 

'zu FuQ gehen'; dJm iusUr si'a. 

blägtn lü'e.pun op blqtian 'was dor 

Mann selbst verfertigt, daran mangelt 

es seiner Familie'; vgl. imet. 
6ust3m\ zex g^t tir^it» iitslsrn 'ubne 

Kenntnis der Arbeit etwas Unvoll- 

kotnnieneB insamnienarbeitcn'. 
iüwan 'schieben'. 
iwädin 'verbaaen'; vgl. iwii:l. 
iwadroni'e.rsn 'laut schwatzen'. 
iwäk ' HC b wach'. 
iwal.f 'Schwalbe' (Remacheid iwaU/); 

da&walinanfll-e.gsnkü,'»., »tijtt rem. 
Sioalk 'Oldunst, Rauch'. 
iwalk^X '"äußstig, ranchig'. 
iwaUeart 'rauchen' (von der Lampe), 

'lügen, 11 bert reiben'. 
im/Uwinest 'Schwalbennest'. 
iw/im 't^chwamni'. 
iwambalx 'unflätig dicker Mensch mit 

lockereui Floiseb'. 
iwän 'Sohwan'. 
Swän^nkala 'Schwanenhals', 'Backwerk 

in Form eines Schwanenbalses'. 
iwap! (Aiisnif bei einer plötzlichen 

Handlung, die ein ktutscbendes Ue- 

rüusch borvorrufl); on iwap, dö hata 

»r i'e.TMR Xftiii 'und Swap, da hatte 

er eine Ohrfeige sitzen'. 
^toär^tn 'Wasserdampf, Koch dun st'. 
&wäT»7nii/ök 'Luch an der Docke' (durch 

welches der Wassurdampf ins Freie 

ubzioht). 
iwarm 'Schwärm, Menge'. 
iwat 'schwarz'; Af e« eo Awal wi an 

i^nilt-e.ng/egar. 
iwä:t 'Schwarte'; e/ kü-e.m cl^r glik es 

an (b iwä:t 'gleich komme ich dir 

an das Fell'. 



i 



siciitbrüeJ 'sehwarses Bf^genbrot*. 

iicabn m. 'Neger'. 

iwat» zl'e.p» 'grüne Seife'. 

iinibabdn (neu) 'Schwebebahn'. 

Swigsl 'Schwefel'. ' 

iweg»rfädir 'Scbwiegervater'. ' 

iwigsrmü-e.d^r 'Scbwiegermntta 

iwtrif9t n. 'Baucbgurt des Iferdes". 

iwi^nlgil (Schimpfwort). 

iwe&g 'Schweiz'. 

iweit>i3rke:ß 'Schweiierkase'- 

iwei»n 'seh teilen'. 

hcemhoksi 'tiadehnse'. 

^«.■effwn 'schwimmen'; h^iwe-mX m *9, 
bleisn pttJ. 

^wf-m-h^a 'Schwäramchen'. 

sw^al 'Pumpenscbwengol', 'KllckenhnlK 
zum Tragen von WasBereimem', 'g»- 
krllmmtoB Holz oder F.isen, an welclwn> 
die ZugHtrflnge oder Ketten da' 
Wagenpferde befestigt werden'. 

iio^akan 'ansscbweoken'. 

iwi^r n. 'Geschwür' (bcdentender wi* 

iw^ran 'schwären'. [eyrba^ 

iw^nn 'schwörea'. 

sw^r»n^e.far 'Schwerenöter'. 

swfrm»H 'schw&rtDen' (d. i. KXcfate hiod 
durch sich auf StraBen und in Wirts- 
hüusem herumtreiben). 

i o.f rwwr" Feuer werksk ö rper",' Lebemann'. 

iwel 'SchweiU'. 

iw^ta 'Ofenschwärae', 'Kionm«'. 

iwetari 'schwitzen'. 

iwewtm 'schweben'. 

Swl-eJsn 'Schwielen'. 

Äicii/an 'acbweigen'; ft? kan zin Vt.gat 
H'e-t ni( Sunffim 'er ist m schwauhafl 
dass er aelbst seiuen Seeleakamina 
nicht verschweigen kann'. 

Äirinw/ 'Schwindel'. 

iwlnabx 'schwindelig'. 

Sioimaln "Nächte durch bringen'. 

iwindal 'Betrug' (aus der Gesvhälti 
spräche). ^^k 

SviindabniiiaT 'Schwindler'. ^^| 



— 121 - 



hemdshi 'Ifigen*. 

hrinUuxt 'Schwindsacht* (nhd. Ent- 

lehnang); s. t^r9i9k, Üt^r9fdk. 
M» (fn. 9uüe) 'Bande* (verächtlich). 
Ms^r'Fsnliielz'/charakterioserMensch*; 

füJ9n hßÜ9dr. 
kiög9r 'Schwager*. 
hi}tff9h 'Schwägerin*. 



itDot9k 'Schwnng*, 'Schwungstück* (der 
hßofsk 'biegsam*. [Pfeife). 

§wot9krat 'Schwungrad*. 
§wofdkTü'9d f. 'oberer Wiegebalken am 

Blasebalg*. 
^wifr 'schwer*. 
itDuHt^t 'bedrängte Lage*. 



täfil Tafel* (neu; vgl. l^L). 

tagin 'zanken*; toffsnU enk nü, ilqnt 
B»k ti'e.t09r. 

tahn m. 'gegossene Platte* (im Kreis 
oder vorderen Halbkreis um alte Öfen 
einen halben Meter vom Boden ent- 
fernt laufend). 

khnöwdn s. takdn. 

iM:t.r9n 'taxieren*. 

UM Takt*; takt ikfn 'taktieren*. 

m 'Zahl'. 

Uaii 'zahm. 

tro. 'Zange*. 

Umk 'Zahn'; i'e.m op dan tankfy'e.l^n; 
»m98 dü'e.r d9 t^'fd, tr^k9n 'jemand 
verleumden*; mn98 en da tfn, ilqn 
'jemand ins Oesicht schlagen*; eex 
op da t^'ta, zi'9.n lötan 'energischen 
Widerstand leisten*; h^ makt ^m 
da t^i9, latak 'er zeigt ihm schöne 
»^isen, ohne sie ihm zu geben*; 
d^m. dont da If'f». nü mVe. wla. 
'der ist tot*. 

iaakby-eMa 'Zahnbttrste*. 

ia»kdqktar 'Zahnarzt*. 

taokfiVtJ 'Zahnfleisch'. 

taokpi'fa, f. 'Zahnschmerz'; an medial 
ffr tdoakpi'fa,; nem da mofak fql 
deka melk {rü'e,m) an Set ssüe. Uvta, 
met dam kqpa, bis at em m^o'ta, hotar 
gßt. 
tasakwtftal 'Zahnwurzel*. 
tanta 'Tante*. 

Utp9iök 'das mit dem Stemmbeitel in 
den Balken gehauene Loch*. 



tapan 'Zapfen*; dan tapan tr^kan (man 
glaubte, durch Drehen eines Haar- 
büschels bei Krankheiten das Hals- 
zäpfchen heben zu können); ähnlich 
dan tapan Strikan (durch Ober- 
streichen des Armes Halsweh be- 
seitigen); 'Holzzapfen' (welcher in 
Balkenlöcher gefUgfc wird). 

tapan 'zapfen*. 

tapi^t 'Tapet'; g^t op at tapet brfi9an 
'etwas zur Sprache bringen*. 

tapetan pl. 'Tapeten'. 

tapttanbqit 'Tapetenborde'. 

tapatsi'e.ran 'tapezieren*. 

tar »Teer*. 

taran *teeren'. 

tasan pl. 'Tasten* (des Klaviers). 

tasan 'tasten*. 

täta (frz. tarte) 'Torte'; 'Ohrfeige'; ex 
Slqn da^ an da täta 'ich schlage 
dich an den Kopf (ob hier täta = 
frz. tete*^) 

tquan refl. 'sich sputen*. 

ti: 'zähe*. 

tedtar 'Theater*. 

tabdk 'Tabak'. 

tabdksblöis 'Tabaksblase'. 

tabdkshydal 'Tabaksbeutel*. 

tabSnan 'inzwischen*. 

tabrikan 'zerbrechen*. 

tabriklax 'zerbrechlich*. 

tabutan 'draußen*. 

tafel 'zuviel'; k^ dl'e.t ü'c./, fs to^n ka 
as tafSl h^t 'er tut, als ob er zuviel 
Geld hätte*. 



^^^^^^^^^H 122 ^^^^^^^^1 


t»frt-e.^m 'Katrinen'. 


(W*X 'Teppich'. ^H 


tiffmpat 'Eboiihilfi'. 


tap^a 'Depesche'. ^^M 


tagUks 'zugleich'. 


fsr 'zur'. ^^M 


tahi-im 'zu emiso' (ans Solingen ent- 


t3(t)bT4k3n 'zerbrechen'. ^^ 


lehnt). 


tä(r)breklax 'zerbrechlich'. 


tahi'e.itv»K 'zu Hause'. 


(»r(/^Li'hernieder' (eigentlich „zur Diele'); 


tai-9^ 'zuerst'. 


Jan öwan i»rdi:l 'von oben heraR 


Uimpi f. 'Zipfel'. 


t»r^U» 'zureeht'; wife.r es »i nit t»r^ ' 


mta gtfn 'B|iazieren gehen' [im Kiader- 


'ich bin unwohl'; tfi-e.r es »t wal aä 1 


rannd). 


tar^itsf 'du bist wohl nicht guii J 


t^ks 'Bibeltext'. 


geacheidt?' I 


Uh&e.r gqn 'sich wie niiüer sitli ge- 


f»r^ita/hä»n refl. 'sieh zurechtfinden'. ■ 


bärden'. 


ter?i(ai-wfi.jii»n 'zurechtkommen'. 1 


idifo-a. 'Telephon'. 




tdafonH.rm, 'telephonieren'. 


t3r4kl (frz. diVffl^) 'sofort'. ' 


teUgrdm 'Telegramm'. 


tiran 'achwindsüchtig sein'. 


^&n 'zählen'; ge-f». drei t^bn kenan. 


tarensn s. g»wen»n (nur in dieser Redens- ' 


tfbr 'Teller'. 


art). 




t^nk f. 'SchwindBucht'. 


(9(5(8 'zuletzt'; wekar (»1^1.3 lazt, ta^t 


t^rg^m 'Spesen, KeJeegeJd'. 


am fxiHan. 


t»rit9n 'zerreiüen'. 


telffBn 'hinziehen'; g. hä-^. 


taritcan 'zerreiben'. 


talH.f 'zuliebe'. 




Umd-n. 'jeder', 'jedem'. 


/an tarjorsn (Schimpfwort; in So- 


tem»rhüe.U 'Zimmerholz'. 


lingen 'Wind^. 


temdrlyl 'Zimmerleate'. 


tsTkib^ln rea. 'sich nnaufhörlidi mit 


temsrman 'Zimmermann'; dve.r tse-ix 


Worten streiteu". 


ex gük es wo dar iem^mtan si lök 


Inräk 'zuriick' (in Verbal Verbindungen 


galSten kU 'dich werfe ich gleiuh zur 


dafttr meist em- oder tde.r-). 


Türe hinaus'. 


iirekbüwan 'zurückbleibaii'. 


Um3rmanabie.t9l *K:mt- ..der Riiek- 


taräklegan 'sparen'. 


beiter. 


tsrokSütmn 'zurückschieben'. 


(ern^TTi 'zimmern'. 




(en 'Zinn'. 


tenoaln 'wirbelnd hinfallen' (meist heftig, 




von Lebewesen); vgl. auch trialn. 


tensn 'zinnen'. 


lazAman 'zusammen' (Verbaleomposita 


tfi3.kaH 'Zühnchen'; 'Zärigelchen'. 


werden lieber mit binU.n gebildet. 


t§nt» (frt. (enfa?) (Ortabezeiclinungen bei 


so alle folgenden , die deshalb mit 


Leniiep, Wermelskirchon , HUckes- 


Sternchen versehen Bind). 


wagen and Cronenberg). 


"tazäm-tnUdaln 'zusammenbetteln'. 


tentn 'Tinte'; du hin toal tentfi tpzöpm 




'du bist wohl vcrrilckt'. 




fc»iäe.r 'Tenor'. 


*tizäm»nbT^3ii 'zusammen bringen'. 


tanü'f.rh^n 'Teno rhu m'. 


*t»gämandon refl. 'sich vereinigen'. 


tmü-e.i-Slem. 'Teuoralimiue'. 


*t9zd imndräipn 'zusammeutrügen'. 



— 123 — 



zdtn97%dTe9n 'zusammendrehen'. 
dtfnMjn)fai9n, eni'e.(n)fo^ ^zusammen- 
brechen'. 

zd'm9{n)fär9n 'znsammenfahren\ 
zdm9{n)ffgn 'zusammengehen'; tazä- 
ms^njff^ hnit einander als Brautpaar 
Yerkefaren* (Accentunterschied). 
^f9eäm9{n)lifp9m refl. 'sich zusammen- 
läppern'. 
*t9säm9{n)litn9n 'zusammenleimen*. 
bzöM9{n)lü'e.p9n 'mit einander in einem 
Liebesverhältnis stehen^ während ta- 
zdm9{n)lü'e.p9n (meist bmi*e.(n)lü'e,- 
p9n) 'zusammenlaufen' d. i. 'auf einem 
Pankt zusammenlaufen* heißt. 
^t9zäm9{n)p€Je9n 'zusammenpacken'. 
tȊm9(n)zei99n 'zusammensingen*, 
i Mfn9(n)z^9n 'zusammensetzen'. 
I ^tizdm9{n)eet9n 'zusammensitzen*. 
*Uzäm9{n)hnU9n 'zusammenwerfen* 
(Geld, um eine Anschaffung zu machen). 
tizdm;9(n)Srl'iü9n 'zusammenschreiben'. 
btdm9nt^l»n 'addieren'. 
bzdm;9(n)wek9ln 'zusammenwickeln'. 
<pfo 'Tasche*; dpn han »/ en dar t^n 
'der ist pecuniär von mir abhängig 
(and ich kann deshalb mit ihm machen, 
was ich will)'. 
t^9g^ Taschengeld*. 
i^m/^ 'Taschenmesser'. 
t^hjidü'eJc m. 'Taschentuch*. 
i^km 'Täschchen*. 
t4id'99,kü'e,in9n 'Zustandekommen'. 
tftt^m^ 'Testament', 'neues Testament*. 
Ifä9m^nti9n 'neues Testament* (in 

kleinem Format). 
tiw^n^x 'zu gering'; dat es m^r td- 

tDpt9x 'das ist mir zu gemein*. 
Üd^x 'zeitig'. 
fi-9. 'Thee'. 
7'e./9n 'Zeichen'. 
I'e,x9nör^t 'Zeichenbrett*. 
i-e.x9nhq/Tt 'Zeichenheft*. 
I'e.x^nätäli9n m. 'Stickrahmen*. 
'e.z9Hi'9.l '^eichenschule*, 



rt"e./nan 'zeichnen'. 

tve.xn9^k 'Zeichnung'. 

ti'9./ m. 'weiblicher Hund'. 

ti'e.kal m. 'Ziegelstein*. 

ti'e.kBlb^kar 'Ziegelbrenner*. 

ti'e.k9lb^k9re'i. 'Ziegelei*. 

ti'e.k9liti'e.n 'Ziegelstein*. 

ti'9,n 'zehn*; s. z^stqhx- 

tVeaiy'e.rkdn n. 'das Butterbrod um 10 Uhr 
Morgens*. 

tl'9,pqt *Theetopf . 

tV9.z^rw\',s 'Theeservis*. 

H'e.tJ09n pl. 'Zehen*; ernas op da tVe,wdn 
tredan 'jemand beleidigen'. 

tlg9r 'Tiger'. 

tikan 'ticken' (von der Uhr). 

lipdln 'mit kurzen Schritten schnell auf 
den Fußspitzen gehen*. 

tip9n pl. 'Fußspitzen'. 

tipan 'eben berühren*; dö kamar nit an 
tipan 'das erreicht man bei weitem 
nicht*. 

tiras Hundename; 'rauher Mensch*. 

tirued 'Tirol*. 

tu 'Zeit'; dt tit dt gü'e.t em es, kernt 
nit il^it tm'9.r; h^ zyt üt^sd» dyir 
tit 'er kuckt sauer drein'; wl'e^ta 
nit wi tu 9t es 'weißt du nicht, wie 
viel Uhr es ist* oder 'mach, dass du 
aus dem Staube kommst, sonst gibts 
was*; 9t es 9m op dd tU g9iSt9n 'es 
ist ihm sehr spät geworden* (vor Ab- 
gang eines Zuges); wekar nit k&mt 
t9 r^it9r tUj d^ mot €t9n, wat y'e,wr9x 
hlv.t\ dät Mt ?t9 da I§st9 tU g9dqn 
'das tut er nicht mehr lange, sonst 
gehts ihm schlecht* (Androhung); 
kernt tU, kernt rö:t\ bi tidan opHqn 
'früh aufstehen* ; a^ es cul dar tU 'es 



titdUdn 'Titelcben'. 
tUfdrdrlf 'Zeitvertreib*. 
tUlaidk 'Zeitlang*. 
todst m. 'Toast'. 
tox 'Zug'. 
toxfyrar 'Zugführer'. 



[ist Zeit*. 



^^^^^^^Hp 124 ^M 


oihr». pl. 'Züg.trtiige'. 


tr^kaii 'sieben' (von ^jEJehen" ahid 


tgkaln 'locken'. 


l ■ die 2. 3. sg. pnies. tys, lyf, das gi 


takan 'inDehalten'. 


Präteritum «/. t9x. Partie jp« 


tili 'ZoU'. 


und der Imp. lyx vorhanden). 


tBbx 'völlig'. 


tr^khorak -Ziehhund'. 


to-n. 'Tonne', 'schwangerer Frauenleib'. 


tr^fa. 'Train'. 


ien. 'Zunge'; df nä-.m ll-e.t «iw op dar 




tot»»n, ex me'n. ex mye.s 9n «ü-a. 


etwas verrichten', 'trödeln'. 


zägin kmwn. 


trinan pl. 'Trtoen'. 


tewUm 'ZDngelcheD'. 




torawi-^ 'tonnen weise'. 


tret 'Tritt'. 


tonddar 'Toriiiflter'. 


m:t f, 'Triltbalken des BlasebiUges 




tretbrft 'Trittbrett'. 


leib'. 


tribaln trippeln'. 


t<fp m. 'Gipfel'. 


triko 'Tricot'. 


lorkaln 'turkeln'. 


trikötalp 'TricottaiUe'. 


torrtan 'tnmen'. 


trimal 'kleiner mit Kü^uhcn voUbel 


tom/wejn 'Turnverein'. 


gener Zweig'. 


tei»n 'zwischen'. 


tripan 'lederne Schuhe mit Huhnntorla 


l0S97Utt 'Zwiseheuzelt'. 


trizaln 'wirbelnd hinfallen' {z. B. 


, total 'total'. 


heftig hingeworfenen Kieselsteii 


fraba'nf 'Gesellschafter'; pl. '<lie EU der- 


uueh von Menschen). 


selben Familie gohörigen Kinder'. 


trqbalni. 'tmubenförmigo Frucht', z. 


traiai-e.r»n 'frei halten'. 


an trifbul «.■lnd7Ti«»7». 


traljan pL 'GeflngniBgittor'. 


trqx 'Trog'. 


trampil m. 'PuDtriti'. 


tro-m. 'Trommel'. 




trvm9l (nen) 'Tromraol'. 


wort). 


tromaU-i. 'Trommelei'. 


(raTn;»/n,i(ramp3/n'trauipeln','dieBeiDe 


tTom»tfyl 'Trummelfeir. 


ungestüni hin- und herbewegen'. 


troinaln trommeln'. 


trap 'Trab'; h^ es om trapia) 'er ist 


tromeixx 'Zimmermannssäge'. 


eutliiufen'. 


trön 'Tran'. 


trapa 'Treppe'; ex zal dar wal g^t trp 


tröidayta 'Tranlateme'. 


da trapa Uganf 'ea föllt wir ja gar- 


trtfp "(frz. troupe) 'Trupp'. 'Ha 


nicht ein, es dir io bequem zu machen'. 


an trop oder trypkan btäipn 




Uaufe Rinder'. 




tray. 'treu'. 


trapträp 'Pferdefleisch'. 


troüan 'tränen'. 


trqwnp*ld\-e.r s. trampaldle.T. 


troijank 'Trauung". 


trqwap»ln a. trampaln. 


tT0y.lax 'treulich'. 

trhlal (fr». trouMe) 'geriuichv 


tr&dan 'treten'. 


trifan 'treffen'; at trffan 'es gut au- 


Menschenmenge'. 


treffen', 'Glück haben'. 




Ire&ar 'Trichter'. 


trüddl 'gerflusL-hvoUes Durcheinan 


tr^kair ■Ziehkarre'. 


(mit MuHik). 



f 



— 125 — 



intern *Thron'. 

inreM 'Trost'; du b08 wal nit bi trü'e^t 
*cki bist wohl nicht recht gescheit*; 
9» kfpkmi trureM 'eine Tasse Kaffee\ 
hy-eM^n ^trösten'. 
irtttjtw^t *Tro8twort*. 
tnrfil f, (frz. truelU) *ManerkelIe\ 
trypk^n s. trqp. 
insr9x traurig*. 
irünzfci'ed 'Traurigkeit'. 
tnir9n ^trauern'. 
trwrküs ^Trauerhaus'. 
triarjqtr 'Trauerjahr'. 
trürldl'eJ *Trauerkleid\ 
tMöM 'Säbel'. 
Uab9ln 'zappeln'. 
ttafrön 'Safran'. 
Uak^rbleU (Fluch). 
t9al»rlü'e.t (Fluch). 
Marm^nt (Fluch). 
Uak»rm4nt9r 'Schlingel' (Fluch). 
tiak9rm4ni9rS9n k^l 'gediegener, kluger 

Kopf, ein Hauptkerl'. 
t»ak9rmi7Ui9 jo'ta. 'gediegener, aber 

wflder Junge'. 
tsddot 'Soldat'. 

MdotdmaiBlol 'Soldatenmantel'. 
t$ald6t9p^ 'Soldatenpferd'. 
ifoldot^pip» 'Soldatenpfeife'. 
tiqu-u.s 'Sauce'. 

tf^l» *Zeche, Kohlenbergw'erk'. 
tseig9n (dem Nhd. entlehnt) 'zeigen' 

(8. tBiz9n). 
tseigdr (dem Nhd. entlehnt) 'Zeiger' 
t9eimp9n 'weinen'. [(s. tolzdr). 

Uqjt^nk '2^itung'. 
iiteit9t9ksdr€g9r 'Zeitungsträger'. 
t$eit9f9ksdr0k9r 'Zeitungsdrucker'. 
tsejjt9iaks/rqu'u, 'Frau, welche Zeitungen 

herumträgt'. 
tseit9f9ksjo'i9. 'Zeitungen austragender 

Junge'. 
tseit9t9kspapi'e.r 'Zeitungspapier'. 
i8ek9dt'e.r9n refl. (vgl frz. seconder) 'sich 
sichern' (gegen etwas). 



ts^l^rei 'Sellerie'. 

t8^Ü9 f. Zelt'. 

t8em4nt 'Cement'. 

tsempUi'e.ran 'cementieren'. 

ts€m9r 'Zimmer*. 

t8emjyd9n 'Simon und Judä' (28. October). 

t8e99k 'Zink'. 

tsef9k9n '4ie Kopfenden von Brettern 

einschneiden, die dann rechtwinklig 

ineinandergefügt werden'. 
Uetdkjdn 'Heih'ge Johannes' (im Juni). 
t8€»kjdn8^l 'Kartoffel, die im Juni 

reifen'. 
t8ef9kt9r 'seither'. 
t8en89n 'Zinsen'. 
t8erkdl 'Zirkel'. 
t8erku8 'Clrcus'. 
t89ru'e.p 'Sirup'. 
ts^t9l 'Zettel'. 
tsetdm 'zittern*. 
tMhdln 'von Wasser an Bart und Haar 

triefen'. 
tsVe-T 'seitdem'. 
tsigdr 'Cigarre'. 
tsigdrdnt^id *Cigarrentasche', 
tsig^t (vgl. frz. sdietteur) *Saiotte' (Strick- 
tsigeyrv^r 'Zigeuner'. [wolle). 

tsigeyn9(r)Swif 'Zigounerweib'. 
tslklingd (dem Nhd. entlehnt) 'Ziehklinge' 

(Schabeisen zum Glätten des Holzes). 
tfdlan 'zielen'. 
t8iUnd9r *Cylinderhut', 'Cylinder' (der 

Maschine). 
t8i:8 f. 'Zeisig'. 
t8iz9n pl. 'Ziesenwurst'. 
t8l:8k9n 'Zeisig'. 
t8it9r 'Zitter'. 
t8itru'9.n 'Citrone'. 
t8qh9l9x 'dickflüssig' (auch von nassem 

Hundehaar). 
t80nth0t§9n 'Zündhütchen'. 
t8q'pd 'Gemüse mit Kartoffeln unter- 

einandergekocht', 'breiige Suppe'. 
t8Qp9x 'dickflüssig'. 
t8qp9n 'tunken'. 



iaffm{n)tn^a 'KDchenmeseer'. 

tsqpwrtiK/t '(ieratisetupf . 

Mfta f. (fre. »orte) 'Sorte'. 

tHO^btrdiv'j.g 'Zauberdusc'. 

Isoffbjra 'zaubern'. 

l&o^f n. 'jlat.t gestriehciiee Brett'; -m 

dü-e.tLm u/i H lioiif Ifynt 'deji Ge- 

fltort)eDen aufs Tutenlager loicon'- 
Isukar 'Zucker', 
Iguksrlifhtr '(.'onilitor'. 
tsul»re-i. 'Cichorfe' (fra. ehicorie volles- 

etjmologiach an 'Znckor' angeleimt). 
tgularit»* 'Zuckererttse'. 
tmkarUpil, -Isp^l 'Theeiaffel'. 
tgularmü-r.T 'aUÜe rote Mohrrtibe'. 
taufarmüi 'Leckenuaul'. 
tguk*riyx n. 'SjieculatiuB'. 
tsulanoOtir 'Znckerwassor'. 
t^X ''''fiug'; dyt& tyx kal^n 'frei herutiH 

gpreclieo'. 
ly:x 'Zeuge'. 
lytlädvn 'Zougladeo'. 
lyxniä 'Zeugui»'. 
tyxnisb^t 'Zeugiiisbefl'. 
tyilarkf^ts 'Kuhkctt(> mit Ptiock'. 
tä-e. 'zu' (belüNt). 
I&e.beaan 'zubinden'. 
tvre.brp3»n 'xtitrinken' (wornnf der 

andere aus demselben ülus tniikt). 
^e.dfA»» 'zudecken', 
(ü'e.dnn 'zumachen'. 
tü-e.tlsy^i 'zudrücken'. 
tüe/al 'Zufall'. 

twefylig»rwK» 'zufälligcrweiBe'. 
tQ.'e^eV3»n 'zugeben'; em»3 gft lü'e.- 

g&wm 'nuchaichtig gegen jeiuaml 

tü's-yifn 'zugeben'. 
tüe.gnp9n 'Eugreifen'. 
lü'e.hie.l»n 'zuheilen'. 
tüe-ltikm '»uaebed'. 
tü'cJtny-e.jnn 'znknjtpfeu'. 
tä'e.fn 'Zaum des Windilracbens', 'Kupf- 
rieuicbeu des Pfurdos', 



»i)'eiii«j^ 



lürrjnähm 'r »machen'. 
lyf.m»l 'Zügel'. 
tye.m»n {dejii Winddracbi 

anlegen'. 
/ün.müran 'zmaaueni'. 
lü'cn 'Tun, Erdlebin'. 
tu-e.H 'Ton' (Musik). 
tü-e.n 'Turai'. 
tü'e.ninft 'zonÄhon'. 
tü-e.ninun '£u nehmen' (aei(«n}. 
ty-e.n»n "tönen'. 
ty-e.iv>n tönern' (setloo). 
ty-e-nian. 'Türm eben'. 
lü'f!.itipetg» 'TurmspitBo'. 
tü'e.r 'Tour', 'Lauueuunfall'. 
tü'e.TotUn 'übel znricbleD' (im 
lü'eJI(/n, Slött 'xuBchLigen'. 
tüeMvtan 'suscbliellou'. 
lü-cJm^nn 'zuechuiiereu'. 
tü-eJiutbn 'zuRcboallen'. 
lü'e^nei»n 'zuschneien'. 
tffe^y-6.r»n 'Kuschuürun'. 
lü'e.itopim 'zustopfen'. 
Iü-e.iüt3m 'zuwenden' {Jemand eti 

und aa gleichzeitig anderen 

'materiell beg-üusligen', 
lü-e.iw^tt 'suech wären'. 
lü'e^r^k^n 'zuziehen' ^eine 8chlin),-e). 
lüe.trotf»n 'Zutrauen'. 
tüe.wäam 'en wachsen'. 
tyysn m. 'Zeuge'. 
tygtn 'zeugen'. 
tyg>n\-e.i 'Zeugeneid'. 
Utk m. 'Verschlingung im Faden'; 'Sim'c'i 

tuk hall 'Slreit haben'. 
tyl. 'liiLze' (an Kleideru). 
lulja 'Tulpe' (Blume), 'Tuljie' (VulBin-)- 
tul/i9nbet 'Tulpenbeot'. 
tumaln 'taumeln'. 
tumili'jt 'Purzelbaum'. 
tumiUktfit ihfn 'Purzeibanni schlagtn'. 
tvmbmüta, tiimUmtäE 'Purzelbaum'. 
tun 'Zaun'. 
tun^-l. 'Tunnel'. 




— 127 — 



liKÜäk9n 'Zannpfahl*: Af wpdkt mem 
tmitäk^n 'er macht eine grobe An- 
spielung'; i'9. l^t h» zex 9n tünätäk97i 
om k'gp9 &pets9ny i'd. dat hd an 
p^n^nk taget; m9r hart ü'e.x tün- 
Häk9n Stäis mäk9n 'Kleider machen 
Leate*. 

kfmi 'tupfen'. 

ftcr *Mar-, Af hit zi'fa. tü'e.r9n *er hat 
seine üblen Launen'. 

^ «Tausch*. 

khln 'geheimnisvoll raunen*. 

iÜ9n 'tauschen'. 

t§i9n 'beschwichtigen'. 

tgb f. 'Ausflussrohr einer Kanne'. 

tMn 'schwatzen*. 



tyt9n 'ins Hom blasen*, 'weinen*. 

tgtk^n 'Kinderhom*. 

tythqnhn^ -hen^dn 'Kinderhömchen*. 

twqi 'zwei*; s. z^st^hx' 

tw^k 'Zweck'. 

twerd9n 'zwingen, erzwingen'. 

twp9t9x 'zwanzig'; 9t es he>9dn dn cbn 

t'w^t9g9n 'sie ist an dreißig Jahre 

alt'. 
twildTdk 'Zwilling'. 
twlwBl 'Zweifel'. 
twlwHn 'zweifeln*. 
twelf 'zwölf*. 
twörants 'zwar'. 
tw(^s *(|uer*. 



u 



«(langgezogen ausgesprochen, Ausruf 

der Verwunderung). 
\jlmism' 'Überzieher*; s. rgk. 
|«"e.jr 'auch' (unbetont ox)- 
I ^.x 'Auge' ; do esh^ nqx ^ wier/i hlou9n 
^'l {o'^.x) u>^;i:aÄrM*e.wian; d/it 
kam9r ^m an d9n ü'e.g9n äzVB.n; 
grü'eJd ü'e,g9n mäk9n 'in Erstaunen 
geraten*; du hes vn'e,r da ü'e,gd7i 
ffrgt9r ^s d9n buk (wenn einer sich 
den Teller gleich übervoll nimmt); 
k^ hit dB ü'e.ff9n y'e.u^aral *er gibt 
überall scharf Acht*; ^ ggrit dd ü'e.g9n 
m kqp9 'ihm rollen die Augen'; 
h^ get d»n ü'e.gdn d» kqst 'er gibt 
sehr genau auf alles Acht, was ge- 
schieht'; h^ het ü'e.g9n em kqpd wi 
kral»n 'er hat kohlschwarze Augen' ; 
h^ het ü'e.g9n wi kl^t^hqyam 'er 
hat große, gläsern aussehende Augen' ; 
rufm dqx ^ ü'e.g9n en dd harak! 
'sieh genau hin!'; da üre.gan öjyan 
ödar dan bydal 'entweder man ist 
aufmerksam oder man verliert'; h^ 
ge'rijt dam ataam da üre.gaii em kqpa 
nÜ; at w^t Va.m gry'e.n ort gel (hlo'u.) 
/er dan v;e,gan 'man wird schwin- 



delig*; oraav fVa.r ü'e.gan; üt d^n 
ü'e.gariy üt dain ze'n.. 

wa.xhöir pl. 'Augenbrauen*. 

ü'cdal 'Urteil'. 

y'e.gaUan 'Auglein'. 

üe.ganblek 'Augenblick'. 

ü'e.gaälax 'Augenblick': 

ü'e.gawätar 'Augen wasser*. 

üe.ldr n\ 'Speicher'; Rätsel: hüa.lar di 
fjüe.lar gt'e.t y'e,war dan ü'e.lar^ het 
dBmülfylmensa/il'eJiderUohsv.huh). 

ü'eda^bya.n f. 'Speicherzimmer'. 

y'ean 'Oheim*. 

iva.r 'Ohr*, 'Handgriflf' (an irdenen Ge- 
fäßen); dü'e.wan ü'e.ran pridagan 
'kein Gehör finden*; Ä^ het anftvra, 
ein ü'a,r 'er ist missmutig*; mar mot 
da ü'e.ran ätif hqulan 'man muss 
den Mut nicht sinken lassen' ; du bes 
jo nqx f^it dryix heraar dan ü'e.ran 
'du bist noch zu jung*; zal a/ di'e.r 
e^ dan kqp te§ar da ü'e.ran z^tan 
(Androhung einer Strafe); /^ h€t at 
dubaldeka heraar dan ü'e.ran 'er taugt 
hinter dem Rücken nicht'; i'e.nan 
y'e.ivar da ü'e.ran hquan 'jemand 
übervorteilen*; h^ z^t ^m an flü'9. 



mt ü-».T 'er reiit Ihn gegpen jemand 
auf; Z9x hewr (bn ü-e.-nn krataan 
(in Varlegenheitl; e^ kü'i.m dar gük 
es an di ö-e.rv» (Anrtrohiing von 
Priigehi); Af het sr le.iww am «v.r 
'er ist ein wenig botrunken'. 

ü-a.r 'Uhr'; fan tia^lf ü».r bos medt^ 
'Ilborlianpt nicht'; di'ia. ü'a.r l»pi 
d»r gräytan tiö 'deine Uhr läuft 
falach'; en d»n ktl-e.n9n we.rsn 'ein 
biH vier Uhr nachts'. — In den Ab- 
leitungen von ffa.r 'Dhr' tat du -e. 
In üH'euer Silbe liauui wahrnehinbitri 

Ü'e.rstnek^r 'Uhnuacher', 

üe.rhak 'Ohrring'. 

ü'e.rapi'ia. 'ührenBuhraeriien'. 

ü-e-railye-tal 'Uhreohlßssel'. 

ü'e.rSKfT.mfen 'Ohrtucli fiir Frawes'. 

ü'e.rstfortn 'OhrH'urra'. 

ü-e.r/idar 'Uhrfeder'. 

ü-e.rfi:x 'Ohrfeige'. 

vre-rgla» 'Uhrglos'. 

y'e.rten 'kleine ülir'. 

y-».rk»n 'Öhn-hcn', 

üs.rl^pkän 'Ohrläppchen'. 

ü-e^ryiäk» 'Ursache'. 

ü-9.neaU 'Ohrfeige'. 

ü-eJ»l 'altes Weib' (eigentlich der Name 
'Ursula', welcher aber hi der ganzen 
Gegend nicht mehr vorhanden Ist}. 

y-e^trik ' Üb t erreich'. 

ye-strilcar 'ÜBterreiclier'. 

ü'e.t»n pl. 'Abfälle, Überreste von caa- 
barcQ Gegenständen'. 

y'e.w9bx 'ühel, unwohl'. 

y-e.w^t»lc 'Übung', 

ü'e.tow 'Ufer'. 

y-e.u)sr 'über'. 

y-e.w9rai 'überall'. 

y-e.'wararbVf.dan 'llberiirbeitou'. 

y'e.warb^t 'Oberbett'. 

y'e.w»rbi-e.n 'Überbein'. 

y-f.wsrdriiBsn 'übertreiben'. 

^'e.W3i\rMt3x 'librigena'. 



ye.w»rßi-e.gsr 'ein änSsrat begabfcj 
ye.w»rfiüe.t 'ÜbetäusB'. [Menaci] 

y-e.wsrgatik 'Obergai^'; s. füe.K. 
ye.warifaweiti 'Übergewicht'. 
y-e.W»rhqu3n »jnag 'jemand uit banchei 

Worten xum ^Schweigen bringen'. 
yr«.w*rhfmkäH 'Vorheuid'. 
y'«jmrk&»fpa 'überhaupt'. 
t/-e.w»rAy«.r9n 'überhören'. 
y-e.v)9TVr.n 'übereinander'. 
y-e.w9ri-e.nhai»»n 'Überein und erhäng«' 3 

d» ly:t y'e.uxtri-e.nfM?a»n 'die LauUI 

in Streit verwickeln'. 
y-e.v»ri'e.(n)hüre.m3Ti 'ülierwnkomiMii» 

sich verständigen'. 
y-e.w>ri'e.(n)lig»n 'übereinanderlegen'. 
y-t.w»A-tJipret»9n 'sich streiten'. 
y-e.W3Tl^i tu. 'Überlegung'; ilö esgVejo» 

y-t-wart^X m»n 'er ist uiclit imstande 

ernst Dber etwas nac^hzudenken'. 
ye.y!3rt§it 'Oberlegt'. 
y-e.w»rlü-e.p»n 'überflieüen'. 
y-e.w»Tmqn 'übermorgen'. 
y-e.vi»rmü-e.t 'Übermut' (älter w^lmü'ejy 
y'e.Vj»reeJi 'übersehen'. 
y'e.wiTs^tm 'übersetzen'; dat kons m 

y'e.to9rz^tii} 'das kajin er iiirht über 

Hera bringen'. 
y-e.wsril'e~ti>ti 'überscIiieUeii , übrig 

bleib od', 
ytAD^riiqn 'schnell, in grulien ZUge 

abtaxieren'. 
y-tMiarinapän 'wahciainnig werden'. 
ye.wüTireft 'Überschrift'. 
y-e.warit^n 'Überstehen, sterben'. 
y'e.waritont 'Überstunde'. 
y'e.MörÄü"». 'Überschuhe'. 
y-e.W9r>iv,-e.t 'Überschnas'. 
y-t.v»riy-e.t9x 'überschüssig'. 
y-e.v3ariyman 'überschäumen'. 
y-e.toirt^lai 'überzählig'. 
ye.wartredsn 'übertreten' (bdm SchlHl-^ 

schnhlaufen; spilttisoU von B*^ 

trunkenen, welche sehwankend «w 

Bein über das andere soUeni. 



k 



— 129 — 



ftx9rtyg9n 'überzeugen'. 

ftMfnx 'fibrig*. 

fl 'Eule*, 'schlanker Ton- oder Emaille- 

kmg mit Henkel' (diese waren früher 

mit Eulen bemalt); h^ es zo fql wi 

m yL 'er ist gänzlich betrunken'. 
vlaks 'schmutziger Mensch' (Schimpf- 
ykk»x 'unsauber'. [wort). 

ubfatskykanyylafatBkykdn (scherzhaftes 

Schimpfwort). 
fbfloxt f. 'erste Morgendämmerung' (in 

welcher die Eulen noch fliegen). 
ffiaktJAs 'Eule' (Kosewort). 
jfaiök 'Eulenloch am Haus- oder 

Seheunengiebel'. 
WBKihx 'dunstig, erstickend' (von der 

Zimmerluft). 
Vf 'uns'. 

%a 'unsrige' (prädicativ). 
Mt 'unser' (attributiv), 
«zd/sgr 'schmierig, unordentlich, schmutzig' 

(von Menschen). 
WBnlt9 'schmutziges , unordentliches 

Frauenzimmer'. 

MOTveMt 'unsereiner'. 
%t 'lus'. 

^tääan 'ausarten'. 

%tb9töl9n 'ausbezahlen'. 
tKftfttrdn 'ausbleiben'. 

Mlöz9n 'ausblasen'. 
WiHym 'ausblühen'. 
^Ihonk 'Ausbund'. 
itbnkm 'ausbrechen', 
öfrrpwan 'an den Tag bringen'. 
^tbrj-ccbn 'ausbrüten', 'ausklügeln'. 
^iby*e,n9n 'dielen'. 
vtdi'e.l»n 'austeilen'. 
^dql9n refl. 'sich austoben'. 
kdhn (Jacke) 'ausziehen', (Wäsche) 'aus- 
geben'. 
¥tdBngt9n 'ausdunsten'. 
Mtdräg^n 'austragen' (Abort), 'verraten'. 
Üidriw9n 'austreiben'. 
l Mrhkl^x 'ausdrücklich'. 
^t9n 'draus'; dö kü'9,m ex nit ütdn 'da 
werde ich nicht klug draus'; s. drütdn. 
PenUche Bialektf^eogniphie U 



ut\rarak 'Schwindsucht'. 

yt^rn refl. 'sich äußern', 

ütf9rh(\ulBn 'vorbehalten'. 

ütforküe.p 'Ausverkauf. 

ütfirkwe.p^n 'ausverkaufen'. 

ütflox ^Ausflug'. 

ütfrefrd9n 'ausringen'. 

ütfret9n emds 'jemand alles abessen'; 
wat Z9x ve,n9r eg^brgkt hM, dat 
mot h9 ü'e.x üt/rit9n 'die Folgen 
einer Tat muss man auf sich nehmen'. 

ütfrögd^n 'ausforschen'. 

ütfü'e.rdn 'ausfüttern' (mit Stoff). 

ütgdli'e.t 'ausstudiert'. 

Ütg9löt9n 'ausgelassen'. 

ütg€w9n 'ausgeben', 'Arbeit vergeben'. 

ütgleU^n 'ausgleiten'. 

ütgqn 'ausgehen', 'verlöschen'. 

üthak^n 'aushacken'. 

üthquUn 'aushalten'; refl. 'sich aus- 
bedingen'. 

üthyz9x *ohne Wohnung'. 

Ütkl0ft9n 'ausklügeki'. 

ütklqpdn 'ausklopfen'. 

ütknlpdn 'auskneifen', 'ausreißen'. 

ütkr^mpdln 'auskramen'. 

ütkrlgdn 'ausbekommen' (Handschuhe 
u. dgl). 

ütkrüpdn 'auskriechen'. 

ütkü'e.rrv^n 'auskommen', 'an den Tag 
kommen'. 

üikü'e.m98 'Auskommen'; ^ hH zin 
ütkü'e.rms 'er hat soviel Verdienst, 
dass er davon leben kann'. 

ütldx^n 'auslachen'. 

ütl^k9n 'auslecken'. 

ütl^f99n 'auslängen, länger machen'. 

ütlöix 'Auslage'. 

ütlötdn 'weglassen', 'stehen lassen = ver- 
gossen' (Schinne, Stöcke). 

ü^mäÄ^n 'wegputzen' (einen Fleck), 'aus- 
löschen', 'vorher fest bestimmen'. 

ütmeatdn 'ausmisten', d. i. den Stall des 
Düngers entleeren. 

ütmet9n 'ausmessen'. 

9 



^^^^BH^H 130 ^BB^I 


^^^^■S^fL A. 


»A. \H 


äimebn-e.T^n 'aiismöblioren'. 




üiox 'Auszug'. 


melk onbia-e.l 'er siebt blühend uns'; 


ütpoT39n 'dtts Fleisch von Tieren, weiclie 


he-i. zyt 9t üt wiem.f»Tbrdnd9ji dt^rpa 


eine Familie geschlachtet hat, pfuod- 


'hier sieht es sehr nnordentlicb aus' 


weiae verkaufen'. 


idsan Bchw. verb. 'hänseln'. 






viradi-e.ran 'naeradieren'. 




üir^ynSM 'ansrechaen'. 


üWmifJrt 'auswerfen'. 


üiridsn 'austreten'. 


üfinidin 'ansschneiden'. 


üiref»ln 'ausfallen' (von Fäden aas Oe- 


idSfii»n 'ausschöpfen', 'filrchlerlich 


füreitan 'ausrichten'. [webeo). 


schimpfen'. 


ütri-e-n 'ausuinander'. 


Ütipanan 'ausspannen'. 


ütrie-nbrekan 'auBeinanderbrechen'. 






ütipVe.l»n (jemand etwas) 'beweisen'; 




vgl, nhd. 'einen Trumpf ausspielen'. 


mrie.n/a/m 'atiHeinanderfallen'. 


iU/ipy-e.l3n 'aassplllen'. 


_ ütrte.nßle.gtn 'auseinanderfliegen, ex- 


fUiraban 'auskratzen'; jw( fitirab^n 


k plodieren'. 


'das im Topf Verbliebene auskratzen 




und essen'. 






H. ütrie.njäg»n 'ansem anderjagen'. 


etwas), ■bem.lngeln'. 


H ütrie.ntiäie.nian 'auseinanderttonimen', 


aiStijlsnk 'Ausstellung', 'Aussetzung' 


W in Geld- oder Geacbfiftsaugelegen- 


(an etwas). 


heiten 'ins Reine kommen'. 


vtitiff»n ■aussteigen'. 


ütrie.7tieg3H 'erklären, entwickehi'. 


vtMelnm 'durch Einsetzen von ganten 


üfri-e.{n)mäk9n 'aoeeinanderraachcn' 


StolTstUcken Löcher und Risse b 


(eine Ängeiegenbeit zwischen zwei 


Kleidern beseitigen'. 


Personen ordnen). 


iUitopin 'ausstopfen'. 


iiiri-e.{n)rUan 'auseinunderreiUen'. 


äUtudie.-nn 'fertig studieren". 


üirie.(n)Sttin, ilön, Alägan 'auseinander- 


xd»ye.k»n 'aussuchen'. 


hauen'. 


üläünn 'ausscheuern'. 




ütsüfin 'ausharren'. 

fdwAmn AtlJ. 'ausge wachsen'. 




Ulritin 'ausroiUen', 'weglaufen'. 


fdvy^X 'Aus wog'. 


ütrödart 'ausrudeii'. 


üiwtian 'auswischen, ausputzen'. 


ülsext 'Aussicht'. 


ütw^^n 'auswaschen'. 


V 


/. 


ipo 'was, wicV. 


wägapaÄ: 'Wagenpartie'. 


wax 'wachsam'. 




waxt; ewws da waxt ägOg^n 'jemand 






dye.T itve.t wä/j3v>U öpm. 


'Wapen mit vier gleichhohen RSdera' 


way&n. 'Waggon'. ^J 


(ileascn Drehfahigkeit dadurch be- 


wak^ln 'wackeln'. ^^^| 


einträchtigt ist). 


"'d 



— 131 — 



i 'wohP; dai es arL güeJ an trd:/, 
iiD9r . . • • 'das ist alles schön und 

gmt, aber '; wek9r wä:l zet, d9 

wiax wal zi-ejt, dat h» nü fy'U; do 
di'e^ t9 wäd 'da tost da gut'. 
rL^icht wahr?*, 
ol/ei «Walfisch'. 

«Übn, firwdlk9n 'darchprQgeln\ 
Miiw9r 'Reicher*; s. h9hilpm. 
Hiiott 'WoUnst'. 
Mtti f. 'Wanderschaff. 
waHi^ 'Walzer*. 

MS 'wann, wenn' ; 9n toa'n. es gie.mn 
^kqrf (zu etnem der stets das 
Wdrtchen wan ==■ 'wenn* gebraucht ; 
Wortspiel zwischen voam. 'Wanne* 
nd wan 'wenn*). 
Frachtwanne'. 
wtiM nur in : d»s toel 9^ warubl han 
'das glaube ich noch lange nicht', 
^dtrüber bin ich noch im Zweifel und 
will die Wahl mir frei halten'. 
wmk 'Wand* ; ds tD^i9. hont ü'e,r9n. 
W(mkäi9 Wandkarte'. 
wmüüs 'Wanze*. 
^mtiy'jslon 'das kleine silberne 20 Pfg.- 

Stäck*. 
^mkröz9n 'sich vor Wut wie toll ge- 
bärden'. 
wmkü'e^r 'Wanduhr'. 
w&nstrqx m* 'Wagenspur', 
r&r f. Ware'. 
wardft9x 'wahrhaftig*. 
vär^ 'warten'; refl. 'sich hflten'. 
fDam 'wann'; d^ zet larfi. warm 'der 

lebt in guten Verhiltnissen'. 
väriqu9n Sramen'. 
cart^zdl 'Wartesaal'. 
oäf 'Wachs'. 
üäsdüreJc 'Wachstuch'. 
Mis9ftn n. 'Vaseline'. 
yäs9n 'wachsen'; h^ wel ngx 9^t wäs9n 
(zu jemand, der einer Aufforderung, 
sich zu setzen, nicht folgt). 
dsfifförcr 'Wachsfigur*. 



wait 'Rücken des Fußes*. 

wat 'was', 'wie'. 

wathröd^n pl. 'Waden*. 

watd 'Warze*. 

wat9 'Watte*. 

wdt9nfaMk 'Wattefabrik'. 

wäi9r 'Wasser', 'Wassersucht'; wäUr 
on brü'e.t 'Brotsuppe*; ^t es gi'e.n 
tclUrkdn zo klor öd9r 9t fly^.mi 
(trübt) Z9X 'nichts ist vollkommen'; 
Z9x böw9r wät9r hqul9n 'den Mut 
nicht sinken lassen*, 'nicht bankrott 
machen'; h^ kikt, ^ w^n h9 gi'e,n 
wet9rk9n dry'e.wd9n 'er kuckt so 
harmlos in die Welt*; dat es tri 9n 
drspk^n wät9r op 9n hl'eJ9n iti'e.n 
'das nützt nichts'; Me'L wät9rgr0t99n 
dl'e,p9 'die Schweigsamen taugen 
häufig gar nichts' ; wät9r en d9n rin 
dräg9n 'Oberflüssiges tun'; wo wät9r 
eSy kernt wät9r tü'e.. 

wät9rat Wasserad*. 

wät9rßfi9 'Wasserflasche'. 

wät9rglas 'Wasserglas'. 

wat9rkqp 'Wasserkopf. 

wät9rkruk9 f. 'Wasserkrug*. 

wät9rläd9n n. 'Wassersucht*. 

wät9rleit9t9k 'Wasserleitung*. 

Wät9rleit9f9ksry'd,r 'Wasserleitungs- 
rohr*. 

wät9rnü'e.t 'Wassemot*. 

wät9rpqk9n 'Wasserpoeken'. 

wät^rpüe.1 'Wassertümpel'. 

wätBrAeu 'wasserscheu'. 

wätaripel n. 'eine große Menge Wasser'. 

wat9ritl'e,w9l 'große Kniestiefel'. 

wät9rwöix 'Wasserwage*. 

wat§ m. 'Ohrfeige*. 

watä9n 07098 'jemand Ohrfeigen geben'. 

wqum98 'Wamms*; met d9r tlt kernt 
h^lm9s en 9t wqum»» 'allmählich 
wird man wohlhabend' {h^lm^s = 
'Hellmut'). 

w^X *^6ir» hinweg'; wat m9r tvifx 9^U 
es m9r kwit (sagt der Geizhals). 

9* 



^^^^V iivg 'Wep'; a-l. wey .'/?"' "" rO:iii : ät 

^^^^B d»r wi:x gqn 'ausweichen'. 

^^^B Wfx^wan 'fortspheDkoti'. 

^^^H ii';2^-ü'«.ir)än 'fortkomuien'. 

^^^H ii^X^SgSH 'woglegen'. 

^^^B w^xmatin 'wegmßsseu'. 

^^V "¥Z9" 'weggehen'. 

^^B wpzol 'wollt Mir?'. 

^^B wf/gin 'fort sein'. 

^^V uf /imifon 'fortwerfen' : ivU to^ximXUn 

^H 'in Abrede BlelJeu'; 2*7 w^ximill^n 

^V 'aich uu irgend ein iiiuliC ebenlillrligea 

^K Mädchen hän>;eu'. 

H wfX^tflan 'fortstellen'. 

■ w^xiDeSan 'wegwischeD'. 
I in^dan 'wetten'. 

■ ired^r ' Wetter' ;/rI(7a;[jt ii>e(Ur e» ztrn.- 
I dax« wed»r. 

irid^glas 'Barometer'. 
Kiid9rlByl9n 'Wetterleat^hten'. 
wedarlByltn (nur Inf.) 'wetterlencbtoii'. 
wld^zit 'Wetter-, RegenBeite des Hauses' 

(d. i. die SDdweHtseite). 
wi-fStü-f.l 'Webstuhl'. 



iFlgwiinar 'meinetwegen'. 

wiifiH 'bewegen'. 

wiipn 'wi'gen'. 

weffundäs 'verkrüppelter Monsuh'. 

«fiJtt» 'Walze'. 

tveigam refl. 'aidh weigern'. 

weil 'weil'. 

lopH/yr 'Wildfeuer, GesitihtsHusschtii);'. 

weilt 'wild'. 

w^iltan 'walKen'. 

weiltjrftn.t 'wildfremd'. 

weila-ef 'Wilddieb'. 

tueiltwäs 'Wild wachs'. 

Keiakeak 'Wäieenkiiul' (dem Nhd. ent- 
lehnt). 

weie»iü-3.l 'WaisetiHchule'. 

weif 'Mädchen'; «ajf an teeil ojidun 'sich 
eine Gelieble anschaffen'; k^ hpt 
na (mel) d^m we^an 'er unterhalt 
ein feates Verhältnis mit dem Mäd- 



chen': mvt na/n weihin ijqn 'mit ■: ' 
einem Mädchen verkehren'. 'i 

weit»rie.k (aus weilarij/^k) 'Weibergeck'. ' 

toffc f. 'Weißbrot'. I 

wfkbrei m. 'Brotanjipe'. 1 

wek3 'Woche'; fn dj awr weka kikan • 
'auf einen Punkt stieren'. • 

we^k^f 'gebacken e Figur' («q Weih- 
nachten), 'steifer, ungelenker Mens<.-h'. > 

wekilfi'rkiTi f. 'Hülle des Sänglinfrs'. 

wekfUx 'wuichliuh , schmierig' (im t^- 
schroack), 

wek»lket3k 'Windelkitid'. 

toekiln 'wickebi' ; Si'e.f iptoekM sin 
'im Irrtnni sein'. 

icekfUnü'e.r 'Windel, Nabelband'. 

loeA-rfn pl. 'Wicken'. 

wfktixfp» 'Suppe aus frisch geschliicb-l 
tetem Schweiniifleisch'. 

icfküe-r, wfksr "Weckuhr', 

(Off. 'Wolle'. 

webu 'willig'. 

Wfh/ 'wohlig, Qbennlitjg'; 'bUgelig'. 

weUn 'Wille'. 

wel»H 'wollen'; h^ hU fol web» 4 
«i'iwn kea»m 'er hut viel Nul 
an seinen Kindern'. 

wel^n 'wählen*. 

wllur 'Wahler'. 

w&larlliils 'Wählerliste'. 

uTflmye.dax 'übermütig'. 

toflmüe.t f. u. m. 'Mutwille'. 

wflt "Weif; toM Öw^n üt dar w^U 'vo 
weither"; loK ö«wn en riar K^ff 'i 
iler Feme' ; op d» vj^lt kireMm 
'geboren werden'; en dir ijantiM 
u-^lt bnkan ta brü-e.l 'Überall leben 1 
Menschen'; so fff'^.' 9' e" djr iifU, J 
dar e*M, d* hif dsn bydal, djr awTM 
liet »t gfiit, d»T era. df 1 
h^T.k», (for at»»r dt mesgafA; nirt 
i/ve.t H d^br 7* en dar icf/(. 

wein»ln 'wimmeln'. 



— 183 - 



vfn *wenn*. 

PT». *Wmde\ 

yfnd9i9k 'Wendung* (Ort in der Nähe 

▼on Remscheid). 
fet99x *windig'. 
vn^Xj ^o^^X ^enlg'. 
ifn»z99nts ^wenigstens'. 
«»91» Sirinden, aufwinden', 'winden' 
(yom Wind); dl'e.r we'ra.t 9t wa'L 
Mn bist wohl nicht vernünftig'. 
vft99n 'wenden'; häy w^i99n; mar 
kan Z9X nit w^dn qf dr€9n 'der 
Raum ist so beschränkt, dass man 
sich nicht drehen kann'. 
eeok 'Wink'. 

}Deok *Wind'; pn gqnt cb we-ra. 'er 
farzt immerfort'; hü'9. wetak 'Nord- 
wind*; d»r wenk es ardraar (»röp) 
g9gdi99n 'der Wind hat sich nach 
Süden (Norden) gedreht'; dar wefdk 
kmnt üt dam remlöka 'der Wind 
kommt aus Südwesten' ; h^ hit werak 
dofdn kri'e,gan 'er hat es gemerkt' ; 
h^ SWe.t cdaa en dan wetak 'er achtet 
keine Ermahnung'. 
^DtnkKjt 'Windbord' (schließt den Hans- 

^ebel ab). 
wakbydal 'Gebäck' (inwendig hohl), 
'Einfaltspinsel' (der stets renommiert, 
ohne Geld zu haben). 
«K»*^* 'hohles Ei' (ohne Dotter). 
*«foZ 'Winkeleisen', 'kleines Spezerei- 
geschäft'; dan werakal §lqn 'den 
Gnindriss für ein neues Gebäude 
festlegen'. 
^kaU*e.r 'Colonialwarenhändler'. 
^^kalUsar 'Winkeleisen' (welches auf 
die Ecken der Fensterrahmen auf- 
genagelt wird). 
wenkalmöta f. 'Winkelmaß'. 
toakalmoäir f. 'Spezereien'. 
^kan 'winken'. 
KnkfQre,g[al 'Papierdrachen'. 
)e»khofak 'Windhund', 'leichtsinniger 
Menscb'. 



wetal^s 'weißes Eis' (unter welchem sich 
Luft befindet). 

tDerakmy'9.1 'Windmühle'. 

weraki 'windschief. 

wetakitü'e.t 'Windstoß'. 

wetaktar 'Winter'; an fölan wetaktar 
makt an fytan kerkhqf 'ein lauer 
Winter hat viel Sterbefälle aufzu- 
weisen'; dü'e,r dan wetaktar kürejman 
(von Kranken, die den Winter über- 
stehen). 

wefaktarhVe,r 'Winterbime'. 

wetaktargry'e,n9n pl. 'Prelßelbeeren*. 

weraktark^pan nur in : du kans max g^t 
wetaktark^pan 'du kannst mir was 
auf dem Kopfe blasen'. 

we7aktarmü'e.r 'gelbe Wintermohrrübe'. 

weraktarqk 'Winterüberzieher'. 

w^'n.t 'wenig'. 

wepit^t m. 'Bachstelze'. 

tüfr 'Wehr'; h^ es en dar wfr 'er ist 
tätig'. 

w^r 'Augenlidgeschwürchen'. 

w^ran 'werden'. 

w^ran refl. 'sich wehren'. 

wergaln pl. 'unschönes, verkrüppeltes 
Obst'. 

w^rhaftax 'stark'. 

wp*k nur in Redensarten wie: h^ es 
wVe.r fiqt am w^rk 'er schimpft 
wieder tüchtig'; h§ es il^it em 
to^k 'es geht ihm schlecht', 'er 
ist sehr krank' ; dat es an dek w^rk 
t0§an d^n tw^ian 'es besteht zwischen 
den beiden eine intime Freundschaft' ; 
df es ferm tv^rka 'der ist fleißig'. 

lop'kaldax 'Werktag'. 

w^rkaldaxsboksa 'Werktagshose'. 

w^rkaldaxskU'e.t 'Werktagskleid'. 

w^rkaldaxstyx *Werktag8zeug'. 

werkar 'Bandwirker'. 

tv^rkml'cstar 'Werkmeister*. 

wp'kätat 'Arbeitsraum' (der Holzarbeiter 
und Klempner). 

werm f. 'Firstbalken'. 



^^^^^^■pH^^ 184 ^B^l 


^^^V tBpTßslfy f. 'Wermut'. 


w\d»n Ad), 'weiden, von Weidei 


^^^^B vt^rman 'wärmen'. 


widan 'weiten'. 




widar, wldar 'weiter'. 


^^^H wfrStn 'warutn'. 


widargt/n 'weitergehen'. 


^^H werwai 'Wirbel*, 'Torrie|;el'. 


wid^rilöjan 'weiterschlafen'. 


^^V w^rwolj 'Mensch, der nacb Vnlksaber- 




^^^ glauben in einen Wolf verwandelt 


mdvrilar niks 'das hat weiter i 


' war und alaSchreekf^eBpenBt umging'. 


mrs. 'wehe'. [zu hed« 


; ic?ia 'WüBcbe'; fei «i d^r w^&3n on 


m-9.}! 'Wiege'. 


K^nn om tu-19. 'viel prahlen und 


wle.dan pl. 'Weidensträocher'. 


wenig besitzen'. 


icie.fr 'weich'. 


wisal 'Wecbael', 


wl-e.fcj f. 'Lampendocht', 'Aufweii 


[ «res»?» 'wechseln'. 


gilt en d^ wl-e.la ügan 'etw 


wei»n 'wischen'. 


Wasser zum Aufweichen legen 


w^im 'waschen'. 


iDis.r 'wieder'. 




wi-».r/en3n 'wiederfinden'. 


wpl/rifuu. 'Waschfrau'. 




1 u>fih8ta 'Wäscherei'. 


wlit.ThÖbn 'wiederholen'. 


w^kital 'Waschlieasel'. 


wl-a.rkriffin 'wiederbe kommen'. 


WfSklle.t 'Waschkleid'. 


einem Geldstück etwas herausb 


w^kejp 'WiischkUcbe'. 


bekommen'. 


wftkywm 'Waschkübel'. 


wt».rStr€w9x 'widerspenstig'. 




wrt-B-räirewwn refl. 'sich wehren'. 




wl'9.9 'Wiese'. jl 


wegpaUta), vifsp»Hts) 'Wespe'. 


«jie.( 'Wirt'. fl 


wfiplataan'Taebzum Reinigen der Teller 


wl-^.t 'Weide'. ^ 


nach dem Essen' (in heiUem Wasser); 


wie.bine:l 'W^eizenmehl'. * 


s. SrntaUüeM (lara Abtrocknen). 


urt-e.tore 'Weiien'- 


tc?gte 'Weste'. 


wfe.t3n 'wissen'; dat tal maj- 


Wfswtffin 'weshaib'. 


tdctm 'das soll mir gleich 


w^t 'Wette'. 


sein'; aUs irfe.Mi makt k^ 


wet 'Weide', selten 'Weidenstmuch'. 


» webn 3t a-L wve.tdn, on u 


w?( 'Wert'. 


it leie.Un, dan eint za b>dr 


Wff 'wert, würdig'; wat nika IcqH, es 


'die Mädchen wollen mal gen 


üff-x niks w^; fif e» niks twfi 'es 


schlafen sein, und wenn da 


gebt ihm schlecht, er ist sehr krank', 


Bchehen ist, so sind sie augesch 


'er hat kein Oeld' (i. d. OeachHfts- 


denn sie werden schwanger'; t 


wet/rqu-u. 'Witwe'. [spräche). 


nit wl-e.t. makt nuz nit /iVeJ 


WftTnan 'Witwer'. 




lofls^l n. 'Pflngsterae'. 


wle-tiap 'Wirtschftft'. 


wiw^n 'weben'. 


wltisfrquu. 'Wirtafrau'. J 


tcewsr 'Weber' (sehr viel als Familien- 


wi-eMly-.t 'Wirtslente'. ■ 


ice iwre'-i. 'Weberei'. [name). 


wleiitü-»./ 'Wirtastube'. S 


wli 'wip'. 


w\f n. 'Frau' (verächtlich). fl 


wida 'Weile' (eines AiiKiiges). 


wigin 'wiegen', H 



— 136 — 



B. 'Sefaahwichie'. 
pL Trtger. 

R *Sehah putzen', 'durchprügeln', 
m. 'während*. 
Wem\ 

üu»n 'Weintrauben'. 
wl 'Wemhandcr. 
9j»r *Weinb&nd]er\ 
br »Weinkeller'. 
•Ar *Weui8tock'. 
f» 'Weinsnppe*. 

'. 'Sehwerpunkt'; op cbr tmp9(n) 
« 'in Gefahr stehen*, 
'sieh balancierend hin- und her- 
regen'. 

Veise, Melodie', 
'zeigen'. 
*Zeiger'. 

k9n 'vortäuschen'; l'9.m g^t toiS' 
k»n, 

$ f. 'Naaeweis'. 
'onnihiges Kind', 
^eifi', 'blass' (von Gesichtsfarbe), 
reit', 'weither', 'geräumig' (von 
idem); wat m9r wU hßlt, dnt 
ikt gü'e.t 'Fremdes gefällt'; met 
n, es 9t nit vjU h^r 'dessen Ver- 
»^ensverhältnisse sind nicht gut'. 
'Weite'; h^ es zo füly dt gl'e,t 
wiä 'er ist so faul, es ist nicht 
»agen*. 

kalken, tünchen'. 
'Weißkopf. 

IS 'Quast zum Tünchen', 
ntz'. 

^k'^'L 'Weibergeschwätz'. 
•Utti 'Weibergeschwätz', 
deine Verletzung' (Kindermund). 
y\ 

woran' (auf die Vrnge : wohin ?). 
t 'wodran' (auf die Frage : wo V). 
irobei'. 
Tage'. 

s 'Waghals\ 
iB9x 'waghalsig'. 



wod^9n 'woher'. 

wodren 'worein'. 

wodüe.r 'wodurch'. 

woen9n 'wodrinnen'. 

wofy'e.r 'wofür'. 

wög9n 'wagen' ; wekar nit wöixty d^ nü 
we'n.tj wek9r nit haspdU^ d^ nitäpen.t. 

wogem 'wogegen'. 

woken 'wohin'. 

wokif99r 'wohinter'. 

WQ'L 'Wolle'; d^ es an cbr wq'L g^fy'rjl 
'der ist durchtrieben'. 

wqU'y wel9bü'e,n9n 'Stangenbohnen' 
(dunkelgrün mit rauher Schale). 

wqhx 'wollig'. 

wolf 'Wolf; 'eine nicht grade aus- 
gerichtete Stelle in Werkzeugen wie 
Sägen, Mauerkellen' (beim Biegen 
klingen diese Stellen). 

wölk» 'Wolke'. 

wolk9ity'e.t9r 'Cylinderhut' (spöttisch: 
d9r ssl'e.w9nit^k9g9). 

womit 'womit'. 

wo'f9. *Wunde'. 

wön^n 'wohnen'. 

wön979k 'Wohnung'. 

w(yi99r 'Wunder'. 

wof997*n refl. 'sich wundem'; dö mot 
m9r Z9X dqx ^^^ <^ bi'e.n»n y'e,W9r 
woi99m (höchster Grad der Ver 
wunderung). 

wofd9§ 'Wunders'. 

wömhüs 'Wohnhaus'. 

wofdk 'wund'. 

wotdkll'e.gdn refl. 'sich wund liegen'. 

wofdkä 'Wunsch'. 

wenkädn 'wünschen'. 

wofdkitsqt9l 'Wunschzettel'. 

wonkwätdr 'Wundwasser'. 

wonS 'wonach'. 

wömätü'd.f 'Wohnstube'. 

woöp 'wodrauf (auf die Frage : wohin ?). 

wo6p9n 'wodrauf (auf die Frage : wo ?). 

w(fr 'wahr'. 

Word/ 'wo herab'. 



^^^^^^^^^^p ^^^1 




äJ 'dein konint «i nfdit du 


^^H u>qrb»ln*trük 'Waldbeeren Strauch', 


was und wo er spricht'; nil i 


^^M 'Wäldbeerenstrauä'. 


küf.man kentn ; »t et «il 


^^^B v.-tfrMntsf/p^ 'Waldbeermus'. 


wf:g en fm 'er ist schweigsi 


^^^1 ivtjrJi 'ei^eDRinni?, vcnlrebt'. 


unbeholfen'; »« gü-J.l ti^l /e 


^^^^ wnnhi 'wo herein'/'. 


tlüe-dan qt; dat eal 9n w^l s 


^^H wqnt -Wahrheit'. 


den Wink hin tue ich ilas' ad 


^^^H w0Tg»n 'sieb nbmQhen tnit etwiis'; reä. 


Wort genügt' oder 'ein Mu 


^^^H 'eich wUrgeD, ersticken'. 


Wort'; Äf wel dat ffte.H m 


^^^1 w»fy»ri-i. 'iiDfceschickt ausgeführte, 


'er will das nicht gesagt hab 




uvU 'Wurael'. 


^^^H wonn 'Wunii', 'duoinier machtloser Kerl' 


ifqthnbuk -kleiner, breitschi 


^^H (verächtlich); H g\e.t »m an worm 


Mensch, der zugleich ein Queib 


^^^m af (WDDU ein Geizhals etwas her- 


li'sMan 'Wörtchen'. ■ 


^H gebeo 


umtue, 'wozu, weshalb'. fl 


^^H worman 'in etwas wühlen'. 


wo&t»n 'wodraus'. fl 


^^^1 w'irman unpers. 'firgem'; nt wo r.mt vtn^ 


wycdatiie.nn 'wiiteD'. U 


^^H 'es ärgert micli uasurhOrlicJi'. 


a,yf.bn 'wühlen'. 




wüe^ 'Wuchs'. 


^^^B iviirinkrüt 'Wamikraut'. 


iDüe.i 'Wurst'; dal es mar gants 


^^^B wormpolwir 'Wurtnpulver'. 


'das ist mir ganz gleichgiilCig 


^^^H wor7nitte.k 'Wonnstich'. 


dtr tL-üeJ na dsr Apfktid»n 


^^H wormMl-e.lox 'wurmstichig'. 


'etwas verschenken, um gi 


^^^B u'iyröp 'wo herauf?' ; e; uHn.i nit, ivoröp 


VorteU daraus zu ziehen'. 


^^M 'ich weil! nicht, wo ii^b da herauf- 


tpyeJfcMt 'WOrstchen'. 


^H komnien 


xde.imai\n. 'Wurslmascbine'. 


^^^1 iriirp 'Wurf (.junge Schweine usw.). 


u'W-e.4(fliW» 'Wurat machen', 'sif 


^^^1 w'iTy'e.ui3r 'woraber'. 


mtthen' (spöttisch). 


^H woT&t 'wi> heraus?'. 


wytMtnH 'Wüstenoi'. 


^^1 u^t 'Wort'; le.n w^t brf-a.t dat awr 


wvptix, kawi'iptix 'hops* (Inlerj 


^^H met; dpnfaltii <h iof:t üt <hr miU»n. 


wül 'Wut' ; Alf ha da wvi 'er ist v 


^^H Uli dar kü-». »t {fidrt-e.ttn üt ddm 


tM/(()»H( 'wütend'. 

J 





187 



Anhang. 



Afo^ «Adolf. 

dbft 'Albert*. 

HrLm 'Alma'. 

abna 'Alma'. 

atm9k9n (Diminativ za cUma), 

abD('i9, 'Alwine'. 

aUcin9 'Alwine'. 

alwfi9.k9n 'Alwinchen'. 

Vn. 'Anna'. 

ana '.4nna'. 

an9k9n 'Annchen'. 

dn^mari: 'Anna-Maria'. 

*6fn 'Bernhard'. 

hpiät 'Bernhard'. 

^bit9s 'Albert'. 

daß 'David'. 

dcm9g9l 'Daniel'. 

döß 'David'. 

^dolfis 'Adolf. 

dörtl'e, 'Dorothea'. 

^nk98 'Heinrich' (s. Wb.). 

*dryti9n 'Gertrudchen' (s. Wb.). 

^uai 'Eduard'. 

tüa 'EUsabfth'. 

fm. 'Emma'. 

pia 'Emma'. 

pn»k9n (Diminutiv zu pna). 

P^l »Engelbert'. 

Mb^t98 'Engelbert'. 

Pns 'Ernst'. 

*^4 »Eduard'. 

*its9 'Ernst'. 
*/fn 'Ferdmand'. 
fpiant 'Ferdinand'. 
fidrüca 'Friederike'. 
f^ets 'Fritz'. 



1. Vornamen^). 

fn'e.drdx »Friedrich'. 

g^rdrut 'Gertrud'. 

gfit 'Gottlieb'. 

greU9n 'Gretchen'. 

*gu8 'August', 'Gustav'. 

gu8k9n (Dim. zu giLstd). 

gustaf 'Gustav'. 

gu8t9 »Auguste'. 

?ian9mik9n 'Johanne-Marie'. 

*h^'m, »Abraham'. 

hendvdx 'Heinrich'. 

Ji^rman »Hermann'. 

*hfnn9l, *h^rm9ny *?i^rm98 »Hermann'. 

*hyhd8 'Hugo'. 

hügö 'Hugo'. 

*hu'l 'Hulda'. 

hulda 'Hulda'. 

huld9k9n (Dim. zu hulda). 

xda »Ida'. 

Hs 'Isaak'. 

Izak »Isaak'. 

Ht8 »Ida'. 

it8k9n (Dim. zu ida). 

Jan 'Johann'. 

j^tx^n (Dim. zu j^t9), 

j^t9 'Henriette'. 

*ju'L 'Julius', »Julie'. 

jula »Julie'. 

jü:lx9n 'Julchen'. 

*jup 'Joseph', 'Josua'. 

*jii8 'Julius'. 

jtiz9p 'Joseph'. 

juz9wa »Josua'. 

fcöfon »Kari'. 

katrif9 »Katharine'. 

klära 'Klara'. 



1) Vornehmlich solche, die im Dialekt Veränderungen gegenüber der Schrift- 
fonn aufweisen. Mit einem * sind diejenigen versehen, die als unpassend, fast 
beleidigend gelten oder bei roherem Sprechen oder Schimpfen gehört werden» 
I^ie weiblichen Vornamen sind Neutra. 



I 



- läö - 



*kii:r *Klara\ 

kl^:rz9n *Klärchen'. 

*klö'^ *Nicolau8\ 

*kre8 'Christian*. 

krestian ^Christian'. 

kreitin. 'Christine'. 

kü'e,b9Sy ky'e,b98 'Jacob*. 

*Um 'Helene*. 

*/«*i9. 'Helene*. 

Uinx^n 'Lenchen*. 

Ien9 'Helene*. 

ti'e.na 'Karoline*. 

*li'n. 'Karoline*. 

lina 'Karoline*. 

Iin9k9n (Dim. zu lina), 

*lis 'EÜ8al)eth\ 

lisb^t 'Elisabeth*. 

Iiz9 'Elisabeth*. 

Iqtx^n *Charlottchen*. 

I<ft9 'Charlotte*. 

*Iot8 'Charlotte*. 

*le\pr 'Laura*. 

lBU9rl»H (Diminutiv zu loiira). 

loyra * Laura*. 

loicis * Luise*. 

lotcfskdn 'Luisehen*. 

*mä:I 'Amalie*. 

mäilx^H (Diui. zu mälia). 

mälia 'Amalie*. 

mdriy marU 'Maria'. 

nutrig^drütj -g9dryt^^n 'Maria-Gertrud*. 

marik^n 'Mariechen*. 

maia 'Martha*. 

mat^k^n (Dim. zu mata\ 



fnik9n 'Mariechen*. 

*mil 'Emüle*. 

fnH»g9 'Emilie*. 

mina 'Wilhelmine*. 

mln^k^n 'Wilhelminchen*. 

mi-n.kdn 'Wilhelminchen*. 

niklös 'Nicolaus*. 

Öhr am, 'Abraham*. 

öd9m 'Adam*. 

qtö 'Otto*. 

*qi8, eis 'Otto*. 

etsk9n (Dim. zu qtö). 

*0y 'August*. 

ougus 'August*. 

♦plc. 'Peter*. 

pVeJt^r 'Peter*. 

pijt9r 'Peter*. 

poU'n. 'Pauline*. 

poK'fd.k^n 'Paulinchen 

reinai 'Reinhard*. 

*reints 'Reinhard*. 

*rt/ 'Richard*. 

rixcU 'Richard'. 

röb^t 'Robert*. 

*ryd9l 'Rudolf. 

rüdolf 'Rudolf. 

^ryp 'Robert*. 

*z^'l.m 'Selma*. 

z^lma 'Selma*. 

z^lm»k»n (Diminutiv zu z^lma). 

wel^Im 'Wilhelm*. 

tcel^lm('i9. 'Wilhelmine*. 

*we'Lm 'Wilhelm'. 



2. Ortsbezeichnungen ^). 

bfk^rqu'u,, an d>r 'Beckerau*. ' b0»9ihäm^r, am 'Büngershanunc 

bfk^rhqfy am 'Beckerhof. ' boA^ho-/^ am 'Buscherhof. 

f^r.x, am *Berg\ : bri'e.d^nbru'eJc», om 'Breitcnbni' 

bfrff^z<>n, op 'Borghausen*. ' br^ff^n^ cm dsr 'Kohlfurterbrück< 

bon.j am 'Born*. ; brüi^t^ em 'Bruscheid*. 

1> Präposition oder Artikel gehören in der Mundart noch zu der 
bezeichnung als solcher, während sie in den Gemeinderegistem iSng 
schwunden sind. 



~ 139 — 



ittl, em (pf99rit9n, BW9r§t9n) *Dahr. 

irj't.psäd, am. *(Vorder-)Hahnerberg\ 

<fö'«.r, om 'Dohr'. 

iytt9rby'e,k9ny en d9n (Bargholzstelle). 

ijgbm rnndr^iy en d9r (Burgholzstelle). 

p»Ukqt»n, am * Engels kotten'. 

mrtjtqu'u.j an cbr 'Evertsaue'. 

ßaÜH, en ddr 'Reinbach'. 

JonJalny op *Voh Winkel*. 

j?^»n, en d»r *Gelpe\ 

^n'M., en d9r *Gerstau\ 

yrw/, am 'Greuel'. 

haklan.j am *Hackland\ 

irfi, om *Heydt'. 

idg9nb0ik9n, em (bei Cronenberg). 

kdgdr^ am *Cronenfeld'. 

h^n$gdsn0'y.küg9,am 'Hensgensneuhans*. 

krhz^n, ap 'Herichhausen*. 

Aie.(fon, en d^r *Heide*. 

%9R, an d9r *(Mittel-)Hahnerberg*. 

kiifn9t9k, en d^r *Hoffnung\ 

Äöfonie'i'i, om *Hohlenscheid*. 

hßlsbrdz^ op *Hülsberg*. 

hahs^rij en d9n 'Hülsen'. 

ÄW9»i/»n, em (Talfurche zwischen 

Knehhausen und Kleinenhammer). 
hom§Bp9n, an d9T 'Hundsschüppe*. 
hipksnddil, em 'Hüpkendahl*. 
hy'jkm, am 'Häuschen'. 
l'^Jk, an d9r *Eich\ 
i'e,khü'e.U9f am 'Eichholz'. 
jidü, en d»r 'Judith'. 
jy'e.w9r^ op 'Teschensudberg*. 
kqumpdf om 'Kamp*. 
kerk9n, ot99r d^ 'ünterkirchen*. 
ktshäm9r, am 'Käshammer'. 
kli'e.m98?iäm;9r^ am 'Clemenshammer'. 



kll'e,n9nhdm»rf am 'Kleinenhammer'. 
kqtsBty en d9r 'Korzert'. 
krü'B.nbrdXt em 'Cronenberg'. 
krüz9n, om {am) 'Oberkamp'. 
kvreJc9Z9n^ op 'Kuchhausen'. 
kyl9nhämy om 'KttUenhahn'. 
^/77)t9;|rsAro^9n, am 'Lechmichskotten'. 
Ipa9iku89f am 'Lenzhaus'. 
Ii'e,mlök9, em (bei Grunewald). 
lü:8boä9^ em 'Grünewald'. 
maswiiXf om 'Mastweg'. 
m0'fa,89nj op 'Müngsten'. 
mgib9ky en d9r 'Morsbach'. 
meädnb^n.f am 'Möschenbom'. 
my'e,l9nb^'r.Zy am ^Mühlenberg'. 
nevdnliqff em 'Neuenhof. 
nBy9nhiiSd, am 'Neuenhaus'. 
n0ijdnhqt9n^ am 'Neuenkotten'. 
parddiiSj em 'Paradies'. 
r^'n,bo'y„m^ am 'Rennbaum'. 
röit, om 'Rat'. 
rgtsipBn^ em 'Rottsiepen'. 
rou9nhus9^ am, 'Rauenhaus'. 
rütdubek^ en d9r 'Ruthenbeck'. 
äep^nb^'r.x, am, *Schöppenberg'. 
^o'r.fy om 'Schorferstraße' in Cronen- 
berg. 
^0td, am *Kohlfurt-Schütt'. 
HVe.w^9y an ddr 'Steinwäsche'. 
ätipdlhüsdy am 'Stiepelhaus'. 
zubr9Xy opf om 'Sudberg'. 
iwöfdrt, en dar '^Ichwafert'. 
§wö89Z9ny op 'Schwabhausen'. 
w^8t9rhäm9ry am 'Westerhammer'. 
wöldrt, en dar 'Wahlert'. 
wol/drtshämar, am 'Wolfertshammer'. 
wu8t9rhÜ89, am 'Wusterhaus'. 



3. Nachträge. 



afklqp9ny zex Ve.ndn 'onanieren'. 
a/Sl'e,tdn 'herunterfallen'; s. pan., 
q/8y'e.k»n 'absuchen'; da knökan af- 
sy-e.kan 'Fleisch von gekochten 
Suppenknochen absuchen', 'an den 
Fingern nagen', 



afvAksan^ zex i'e.nan^ s. afklqpdn (Nach- 
trag). 
änbenan 'anbinden'. 
antfü'e.gal ^Gänserich'. 
ävntox 'Anzug'. 
bav^n 'bannen'; s. dywal. 



^^^^^^^^m ^^^H 


^^^^^^FKk 


.^H 


batsn (s. Wb.) kommt als Infiu. doch vor. 


eniii s. (IrenSTi. ' 


bäkr6ean reS. 'eich bebelfea'. 




henan 'innen'; ». hiji». 


^r/iaan 'erfinden'. 


b?s»mswl/ 'Beaanbinderin' ; wteSn tci an 


frn^ran 'ernähren' ; a. fädar. 


b^xamswlf 'wild aueseheo, UDordent- 


erämdrägan 'nmhertragen'. 


lich gekleidet aoin'. 




baiweipn 'ohnmächtig werden'. 


izal; wan tax '^ *»' naban, dan 


betk^i 'Bettelmann'. 


9t re:tt ^zd zweien, die sieb unk 




ilg('rwt:a 'Ess-Servis'. 




fäk 8. g»/dk nnd däk. 




fein 'fein' (selten) ; a. kluwl. 


bh/Uan; nte( di»i bl/ftSan es gatMt han 


Mnhp 'Feindschaft'; s. bi}Tffm. 


(von sehr entfernter VerwandtBchaft). 


firddl^fard^k. 


bargarmi-e-itaribuk s. buk. 


fardräakan 'ertrinken'. 


bqian; Af es ipb^ian 'er ist gehorsten' 


ßrdrAe.t 'Verdraas', 


d. h. 'er trägt ein Vorhemd' (was 


pTz^tan 'fortaetzen'. 


früher als gigerlhaft betrachtet wurde, 


/artcd/fom -durchprügeln'. 


höhnisch). 


flekbeilsn, -beil&an 'Handbeil'. 


botarklütan 'Butterklampon'. 


flekm 'flicken' (selten), refl. 'sich eita 


böwar 'ilber'. 


fitft in Bedensarten wie n. wi^rk. 


by-Utanbetair 'Bürstenbinder'. 


fölkipU s. iptl. 


dOixstlt H. dat. 


fo-u/ 'fllnf . 


degd» 'Dicke' (mit VerscblnsB-j). 


fräubn 'höhnlach nachäffen' (0 


de^n 'gedeihen'; s. ipepn. 


maaaen). 


dfimpan tr. u. intr. 'dampfen', 'rauchen'. 


fü-e^l 'männliche Taube'. 




fy-e.rby-a.n 'Vorflur der ersten Enj 


r dö:t f. 'Zweig'. 


Jy-e.rs^t»n 'vorsetzen' (Bonderlich i 


1 donarilax 'Donnerschlag' ; s. /üe.ts. 


Töpfe auf dem Herd). 


dßti 'BchwindeUg'. 


fyn s. ktkan. 

gänit 'gamlcht'. ^h 
gabqt 'Gebot'. ^H 
giSiUsak 'Geldsack'. ^H 
ifaHdrak 'Gestank'. ^B 


dränan 'dran'. 

drfklax 'sittlich gemein". 


Füßen rulionde KnlTeekanne, aus der 
der Kalfeo durch einen Hahn am 


unteren bauchigen Teile ansflieüt' 


gaw^idt; mti dar ffaieqult 'durchs 


(da der Hahn selten dicht, tröpfelte 


gawenan 'gewöhnen'. 


der Kaffee in eine darunter etehonde 


<ß-e.nl 'keins'. 


Tasse). 


glezam 'gläsern'. 


dry-e.wan 'trüben'. 


yJokstlai ■glückselig'; s. ne-i^.jö-.r. 


dubalileha 'doppoldick' ; s. üa.r. 


giin s. teftiw. 


dwe.dagkest» f. 'Sarg'; s. nä:l 


hägamh-ra. 'hagelklein' ; a. kqL^m 


dü-e.max 'Totschlag'. 


hakaitd 'Hackenstier. ^H 


e&r«fcän 'einbrechen'. 


han lötan. ^H 


egtptim 'Ägypten', 


haiahep-k 'Handwerk'. ^^| 


parkqrf 'Eierkorb', 'Hintere'. 


haspaln 'haspeln'. ^^| 

m 



— 141 — 



^9H 'hinteraetzen' (sonderlich die 
dtOpfe nach hinten schieben, wo 
Hitze minder groß ist ; Gegensatz 
i.nftdn, w. 8. Nachtrag). 
t. dräm, 

:rp9d9 'Handekrankheit\ 
m *hflten'. 
m. 'Hflfte'. 

Uup^ mtn9n t\'e,w9n (Kosewort). 
ü»n *haoshalten\ 

^brdi 'haushälterisch', 'sparsam', 
ift 'Haushalt', 
jeder'. 

'Kaninchen'. 
Jan 'Kaninchen'. 

oit, -mi^'nJdn 'fünf und zwanzig 
mig*. [g9wen, 

HiTi'e.t9n n. 'KatzenscheiÜe' ; s. 
Hz s. wuptix» 
rp 'Kirchdorf. 
9 'Kirmes'. 
'Clarinette'. 
tat s. nät. 

ydT 'dicker MerbeF (aus Glas 
r Stein). 

^oten' (im Faden). 
vAut 'Kaflfee-Servis*. 
t9r *Eau de Cologne'. 
s. Iöt9n. 

8. tt'»./. 

'Christus'. 

■ ex me'Td, H krVd.x ma/ 'ich 

le vor Wut aus der Haut fahren 

lüssen'; e/ mot inex dornet krlg^n 

habe die Arbeit damit'. 

\ryix 8. rötdndry:X' 

1. 'Blase auf Flüssigkeiten'. 

% 'schmieren', 'kritzeln'. 

m — vorbei' (nur mit Verben). 

f. 'Leckerei, Süßigkeiten', 
r. u. intr. 'längen'. 
inks' (nhd. Entlehnung), 
'lügen'; lVe.g9n wi gddrekt, 
id'. 
%n 8. kü'e.pman. 



1ür9r Sbst. zu /ürwi. 
mait9x s. rest^X' 
mdit9x9iv^ dgl. 
mqu s. zäg9n, 
men^^^pd s. ipeZ. 
me'nJl9x 'menschlich'. 
mti*e.r9n^«^/>9 'Mohrrübenbrei'; s.mi8k9n, 
müz9n 'mausen'. 
nab9n 'stoßen'; vgl. nufm. 
nä:m 'Name'. 
nlrants 'nirgend'. 
nem^rmi'». 'nimmermehr'. 
nqrksak 'Schreihals' (Kind). 
nüra 'nun' (Ruf zum Fangspielanfang). 
ox *auch'. 

ondrz^tdn 'untersetzen'. 
aph^ul9n 'aufhalten'; zax aphquldn 
y-e.wdr 'abfällig kritisieren'; s. auch 

ops^ten 'aufsetzen' (einen Brief). 

optr^kdn 'aufziehen, in die Höhe ziehen'. 

orffdlspipd 'Orgelpfeife'; s. bldix» 

018 'Ass' (im Kartenspiel). 

pänaätU 'Pfannenstiel'. 

pip s. zägdn, 

pl^d^mät s. nät, 

pl^zVe.rk9n n. 'Vergnügen'. 

pUstdrnät s. nät, 

plqt§nät s. nät. 

präim 8. ops^tyn, 

prl\8tdrmes9x s. ddzkt9n. 

probi'e.rdn 'kosten'. 

pros 'prosit'. 

rä'/ 'Rabe'. 

rapdn s. ^tbstdr, 

rasp9l 'Raspel'. 

rasp9ln 'raspeln'. 

rerak; op d» refak kl4fpdn 'betteln' 
(früher war in Mannshöhe auf der 
Mitte jeder Haustüre ein starker 
Eisenring mit Knoten in der Mitte 
angebracht, der auf einen in^der 
Türe festliegenden Eisenknoten auf- 
schlug; diese Vorrichtung ersetzte 
die heutige Klingel). 



— 142 — 



rimwed^r *Regen weiter'. 

rüe.m ^Rahm\ 

rtit9n 'Eckstein* (im Kartenspiel). 

rytä^n *Seheibchen* : s. drei9k9n. 

iabrä'J *viel Umstand, viel Wesens*; 

s. hras9L 
ssi'e.w9n6tBk9x »• wolk9ity't,t9r, 
Hl9r * Schiller*; vgl. spihr. 
zip m. 'Regenschauer*; s. rfp. 
^neb9löw9nt za äneh9ln, änebdlbüeji^n ; 

zur Sitte vgl. Strepöw^nt. 
ifr9iti'e,ns/€g9r 'Schornsteinfeger*. 
ipen9n 'spinnen*. 
äpqt 'Spott\ 



ätex9ln 'sticheln'; s. paitti'er, 

§t^k9n m., s. häm, 

it^r 'Stehler'. 

i/rö^7tff992 'Straflenengel'; s. Mm 

ätüeJts 'Stolz'. 

iü'dd 'Schule' ; d» ^-9./ gied d 
'der Unterricht beginnt (ersteh 
oder schließt (letzte Stunde 
iü'9d gi'ed 9r4n {9HU) (Schis 
Anfang der Pansen). 

zupdn 'saufen*. 

wek^n; dat hU» m^r alt kr9. 
'davor hat er mich schon hl 
warnt' (alter Ausdruck). 



4. Statistik. 

Eine Auszählung des Wörterbuchs (nebst obigen Nachträgen , dtfi 
Personen- und Ortsnamen) ergibt ftir die Mundart einen Bestand von etvj 
Wörtern, worunter rund 220 Gallicismen, 4260 Concreta, 210 Abstncta» 1 
jectiva, 400 Adverbia, 2080 Verba. 




burff 



Sf'xa^ 



Die Deutsche Dialektgeographie soll eine Sammelstelle 
für solche Arbeiten bilden, die zu Wenkers Sprachatlas des Deutschen 
Reichs in Beziehung stehen. Die friiher in der Zeitschrift für deutsches 
Altertum erschienenen Berichte über fertige Sprachatlaskarten 
sollen hier in erweiterter Form wiederaufgenommen werden. Da- 
neben treten Studien und Untersuchungen, die an das reiche hand- 
schriftliche Kartenmaterial des Atlas anknüpfen, die es loeal 
nachprüfen, die es phonetisch und geographisch deuten, die es 
historisch verwerten und entwickeln. Die Hefte erscheinen in 
verschiedenem Umfang und in zwangloser Folge und sind in der 
Regel von mundartlichen Karten begleitet. 

Heft I : Studien zur niederrheinischen Dialektgeographie von 
Jacob Ramisch (mit einer Karte und drei Pausblättern). — Die 
Diminutiva im Deutschen von Wrede. 1908. 

Heft II: Cronenberger Wörterbuch (mit ortsgeschichtlicher, 
grammatischer und dialektgeographischer Einleitung) von Erich 
Leihener (mit einer Karte). 1908.^) 

Weitere Hefte sind in Vorbereitung, darunter eine Dialekt- 
geographie des Deutschen Reichs vom Herausgeber. 



1) S. XXIX ein störcndcH Versehen: das Zahloiiverhältuis 6:2 ist beidemal in t;:3 
zu besNern. 



Deutsche Dialektgeographie 



Berichte und Stadien über G. Wenkers Sprachatlas 

des Deutschen Reichs 



herausgegeben 



von 



Ferdinand Wrede 



Heft III 



Marburg 

N. G. Elwert'sche Verlagsbuchhaiidlnng 

1909 



Spracli- und Gründungsgeschiclite 



der 



pfiilzisclien Colonie am Mederrliein 



von 



Einil Böhmer 



Mit einer Karte 



Marburg 

N. G. Elwert'sche Verlagsbuchhandlung 

1909 



Inhalt. 



Seite 

Einleitung §§ 1—9 1 

Grund ungsgeschichte 

I. Bis zum Jahre 1741 §§ 10-32 6 

IL Die Jahre 1742—1747 §§ 33-46 27 

III. KirchUches §§ 47-52 42 

IV. Ausbücke §§ 53—54 49 

Siedelungstabelle §§ 55—56 51 

Lautlehre der Mundart 
L Yocaüsmus 

1. Stammsilben 

a) Kürzen ohne Umlaut §§ 57—65 59 

b) Längen ohne Umlaut §§ 66—70 61 

c) Diphthonge ohne Umlaut §§71—74 62 

d) Umlaut §§ 75—84 63 

2. Nebensilben 

a) Schwächung § 85 65 

b) Apokope §§ 86—88 65 

c) Synkope § 89 66 

d) Svarabhakti § 90 66 

n. Consonantismus 

1. Halbvocale §§ 91—93 67 

2. Liquiden §§ 94—97 68 

3. Nasale §§ 98—101 68 

4. Explosivlaute und Spiranten 

a) Labiale §§ 102—107 70 

b) Dentale §§ 108—115 71 

c) Gutturale §§ 116—122 78 

Dialektgeographische Statistik §§ 123—167 75 

Zur Karte 90 



Einleitung. 



§ 1. Am linken Ufer des Niederrheins im Süden von Clere 
anf der Gocher Heide liegt im sonst niederfränkischen Sprach- 
gebiet eine kleine hochdeutsche Colonie, welche ans den drei 
Bauemdörfern Pfalzdorf, Louisendorf nnd Nenlonisendorf ^) besteht. 
Ober diese berichtet Behaghel in Pauls Grundriss' I 663/ dass 
sie im Anfang des 19. Jahrhunderts von Landlenten aus der bay- 
rischen Pfalz gegründet worden sei. Außerdem giebt es noch eine 
kleine populäre Schrift von 0. v. Schütz über die Gründung von 
Pfalzdorf; ^) nach dieser sollen die Gründer „aus den verschiedensten 
Gegenden der Pfalz^ stammen; nähere Angaben über die Heimats- 
orte fehlen auch hier. 

§ 2. Die Karten des SA, auf denen die Golonie sich jedesmal 
als hochdeutsche Enclave aus der niederdeutschen Umgebung scharf 
abhebt, legten die Frage nahe, ob mit ihrer Hilfe, d. h. mit Hilfe 
der Dialektgeographie, vielleicht die Heimatsfrage gelöst werden 
könne. Das habe ich versucht und kam durch Einsicht sämtlicher 
fertiger SA-Karten zu dem Resultat, dass die Gegend von Kusel 
in der bayrischen Pfalz, hart an der Grenze der preußischen Rhein- 
provinz, dialektisch am besten zu jener Golonie stimme und daher 
als ihr Mutterland anzusehen sei. 

§ 3. Es galt die historische und urkundliche Probe. Zu 
diesem Zwecke war es nötig, das einschlägige Actenmaterial durch- 
soarbeiten, welches sich in den Archiven der Bürgermeisterei und 
der reformierten Gemeinde zu Pfd., der reformierten Gemeinde von 

-. • 1) Ib der Darstellung abgekürzt : Pfd., Ld., Nid. 
YA miexi § 10. 

I Dialektgeographie III X 



— 2 — 

Goch und der Stadt Goch, sowie im Staats-Archiv von Düsseldorf 
vorfindet. Die Frucht dieser Arbeit war die unten folgende 
Gründungsgeschichte der Colonie. Ihr überraschendes Resultat 
lautet: die Colonie ist gegründet in den Jahren 1741—1743, die 
Gründer der Colonie sind, wenn wir von Minoritäten absehen, vor- 
wiegend Leute aus den früheren pfälzischen Oberämtem Simmem 
und Kreuznach! 

Kusel einerseits und die Oberämter Kreuznach und Simmem 
andrerseits standen also einander gegenüber, Gegenden, die geo- 
graphisch weit von einander entfernt und, wie der SA zeigt, auch 
dialektisch deutlich unterschieden sind. Die beiden Wege, die ich 
nach einander eingeschlagen, haben zu zwei verschiedenen Resul- 
taten geführt: das auf urkundlichem Wege gewonnene ist un- 
bedingt richtig, folglich muss das andere falsch sein. 

§ 4. Wie ist dieser Widerspruch zu erklären? Worin ist der 
Grund dafür zu suchen, dass die heutige Colonistenmundart de« 
Mundart von Kusel und Umgegend zu gleichen scheint, währen» 
ihre Heimat doch K und S^) ist? Die ganze Sachlage wird ds 

durch noch verwickelter, dass nach Angabe des SA S und K di 

lektisch stark differenziert sind. Bald stimmen die Sprachform«« 
der heute dialektisch einheitlichen Colonie zu S, was seltei^ 
der Fall ist, bald zu K, was häufiger eintritt. Voransgese^ *€ 
nun, dass die dialektischen Verhältnisse in der Heimat seit c3i 
Auswanderung der Colonisten sich nicht verschoben haben, dsi« 
also K und 8 um 1 740 ebenso dialektisch unterschieden waren ^iir/e 
heute, so bleibt als einziger Schluss übrig, dass in der Colonie im 
Laufe der Zeit ein Ausgleich stattgefunden hat, dessen Ergebnis, 
die beutige Colonistenmundart, zufällig der Mundart von Kusel 
nahe kommt und mich daher bei dem mechanischen dialektgeo- 
graphischen Localisierungsversuch auf jenen Irrweg führen mnsste. 



1) K bedeutet den Dialektbezirk Kreuznach; die Stadt wird stets mit 
dem vollen Namen bezeichnet. Ebenso verhält es sich mit S und Simmem, 
A und Alzey. Unter K ist das Gebiet südlich vom Soonwald bis zur Süd- 
grenze des alten Oberamts Kreuznach zu verstehen. S ist das Gebiet nördlich 
vom Soonwald, also das alte Oberamt Simmern, das Amt Kastellaun and das 
Oberamt Bacharach, soweit es linksrheinisch ist. A ist das Sigel für du 
große Gebiet südöstlich von K. 



— 8 ^ 

§ 5. Diese heutige Dialekteinheit der drei Colonistendörfer, 
soweit sie rheinfränkisch, nicht niederfränkisch sprechen, kam d&- 
iareh za Stande, dass die Vertreter der einzelnen mundartlichen 
Hfiancen zum intimen Znsammenleben gezwungen waren; sie waren, 
nmal in den ersten Jahrzehnten der Golonie, gänzlich auf einander 
angewiesen. Nur wenige Nichtpfälzer erlangten Aufnahme in ihren 
Kreis, Wenn sich auch von Anfang an Leute aus der näheren 
mfi weiteren Umgebung ebenfalls auf der Heide ansiedelten , so 
gind doch Ehen zwischen Pfälzem und Niederrheinem nur äußerst 
selten geschlossen worden. Davon hielt vor allem die Verschieden- 
heit der Gonfession ab. Nach dem reformierten Kirchenbuch, 
dessen Eintragungen von 1752 an datieren, sind bis 1789 nur 
16 Ehen geschlossen worden , von denen mit Bestimmtheit gesagt 
werden kann, dass einer der beiden Teile nicht aus der Pfalz 
stammt. In etwa der gleichen Zeit wurden auf lutherischer Seite 
14 solcher Ehen geschlossen. Diese wenigen Eindringlinge konnten 
bei der weit größeren Anzahl der Pfälzer (1777 waren 103 Pfälzer- 
familien mit 568 Köpfen angesiedelt) natürlich keinen Einfluss auf 
die Mundart ausüben, sie wurden einfach absorbiert. Vielmehr 
behielten die Pfälzer die Oberhand. Diese, durch die mächtige 
Schranke der Gonfession von der Umgebung starr abgeschlossen 
und auf sich angewiesen, glichen ihre ursprünglichen Sprachunter- 
schiede, die ebenso groß waren wie die zwischen S und K, all- 
mählich zu der Dialekteinheit aus, als welche uns heute, wie der 
SA zeigt und wie durch meine Localaufnahmen bestätigt wurde, 
die Colonistenmundart entgegentritt. 

§ 6. Es ist vom allgemein sprachwissenschaftlichen Stand- 
punkt von größtem Interesse, den Bedingungen dieses Processes, 
so weit es möglich ist, nachzugehen. Zu diesem Zwecke habe ich 
versucht, in den unten folgenden Tabellen eine Siedelungs- 
statistik zu geben. In jene Tabellen sind alle Leute aufgenommen, 
die sich in der Colonie im Laufe der Jahre angesiedelt haben, 
soweit die Quellen es berichten. Es kommen aber nicht alle Leute, 
die dort aufgeführt sind, für die Bildung des Dialekts in Frage. 
' In den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Colonie finden wir 
hier einen unablässigen Zu- und Abzug von Pfälzem ; viele bleiben 
BOT wenige Jahre dort, um sich dann wieder wegzubegeben. 
IhuM diese Leute wenig oder gar keinen Einfluss auf die sich 

1* 



bildende Mundart bekamen, da sie ja kanm in ein Verhältnis in 
den andern Ansiedlem traten, dürfte wulil mit Sicberbeit anzu- 
nehmen Bein. Deshalb habe ich einen Zeitpunkt gewählt, wo in 
dem Werden der Colonie einige Ruhe eingetreten ist, die Zeit 
1790 — 1800. Die Leute, die sich bis zu dienern Zeitpunkt und 
weiter in der Colonie gebalten haben, kommen in erster Linie in 
Betracht. Das Zahlenverhältnis der aus den verschiedenen Ge- 
bieten kommenden Ansiedler ist folgendes: r 

S 158 Köpfe ^H 

K 130 ^H 

A ^H 

Oranien-Nassan-Siegen ... 34 „ ^^H 

Hessen- Darm Stadt 6 „ ^^H 

unsicher iJ6 „ 

Eß stehen sieh also in der Hauptsache gegenüber S und K. A.^ 
und Hessen-Darmstadt stehen in vielen Fällen mundartlich zu K^ 
Oranien-Nassau-Siegen in einigen Füllen zu S, sodass sieb etw ^ 
gleiche Zahlen gegenüberstehen. 

§ 7. Nach dieser Siedelungsstatistik kam eis darauf au, 
untersuchen, wie sie sich in der Colonistenmundart wiederspiega 7t J 
Zu diesem Zwecke habe ich nach eigenen an Ort und Stelle f^e- 
machten Aufnahmen die uiitt^n folgende Lautlehre zttnauinien- 
gesteltt. Sie inusste sich auf die wichtigsten Erscheinungen des 
Vocalismus und Oonsonantismus schon deshalb beschränken, weij | 
ich selbst der Mundart als Fremder gegenüberstand und für manche .L 
Feinheiten mir ein genaues Ohr nicht zutrauen durfte. Immerhin ■ 
dürfte die Skizze zur Orientierung über den Lautstand des Dialekls. 
wenigstens für unsere Zwecke, genügen. 

§ 8. Endlich galt es, an der Hand der fertigen SA-Karttn J 
festzustellen, wie sich diese Cnlonistenmundart zu den verschiedenen I 
Mundarten der Heimat verhält. Mit diecer Untersuchung beschäftigt^ 
sich der letzte Teil meiner Arbeit, die dialek tgeographis' 
Statistik der einzelnen Lauterscheinungen. Das Resultat i 
kurz gesagt folgendes: in den Fällen, wo S und K heute i 
übereinstimmen, stimmt auch die Colonie meist zu ihnen; in 
Fällen aber, wo S und K nicht übereinstimmen, geht die ColJ 



— 5 — 

meist mit E, nur ansnahmBweise mit S. Der Grund für diese 
letztere Erscheinung scheint lediglich der zu sein, dass die durch 
E vertretene Sprachform in der Colonie durch eine größere Kopfzahl 
▼ertreten war, wie die Auszählung ergeben hat. Dies scheint 
dem obigen Zahlenresnltat zu widersprechen, wonach S und K an- 
nähernd gleich stark vertreten sind. Aber wir müssen uns gegen- 
wärtig halten, dass die einzelnen Lautlinien zwischen S und K 
sich durchaus nicht immer decken; die genaue Auszählung, wie sie 
oben erwähnt wurde, ergiebt vielmehr das numerische Übergewicht 
der Dialektangehörigen aus dem Süden oder Südosten des ganzen 
in Frage stehenden Gebiets gegenüber denen aus dem Norden oder 
Nordwesten. Es handelt sich also einfach um den Sieg der Mehr- 
heit. Die Lösung dieses sprachwissenschaftlichen Problems lag 
insofem einfach, als wir in der Regel nur zwischen zwei Sprach- 
formen zu entscheiden brauchten. 

§ 9. Zum Schluss will ich es nicht unterlassen, auch hier 
schon zu betonen, dass das Resultat der ganzen Untersuchung nur 
eine relative Sicherheit haben kann. Denn ich bin ja stillschweigend 
davon ausgegangen, dass sich im Laufe von anderthalb Jahrhunderten 
die Verhältnisse der Mundarten zueinander in der ehemaligen Pfalz 
nicht verschoben haben. Wenn dieser Beweis erbracht ist , d. h. 
Wenn die jedenfalls wiederum eng mit der Landesgeschichte ver- 
knüpfte Dialektgeschichte von S und K geschrieben sein wird, 
Wird auch obige Frage zum Abschluss gebracht werden können. 
Dass kleine Verschiebungen in der Heimat der Golonisten vor sich 
gegangen sind, darauf lassen hin und wieder schon die SA-Karten 
Schließen. Aber ich glaube nicht, dass die Verschiebungen so er- 
heblich sein werden, dass die Resultate vorliegender Arbeit dadurch 
ernstlich beeinflusst werden könnten. Dann aber ergiebt sich als 
Hauptresultat dieser Studie die Warnung, die lebende Mundart als 
sicherstes Hilfsmittel für Localisierungszwecke anzusehen. 



Gründungsgeschichte. 

I. Bis zum Jahre 1741. 
g 10. Ad Vorarbeiten ffir eine Geeehichte der Golonie exiitiot 
meines Wiasens nichts Bemerkensff ertes ') anfier dem Bfichldi: 
Die Gründong von Pfalzdorf, nach urkundlichen Quellen nnd mBnd- 
licher Überlieferung frei erzählt von 0. v. Schütz, Pfarrer zu Hol- 
land (Cleve 1863). Die Arbeit war, wie es in der Vorrede heifit, 
für eine volkstümliche Zeitschrift bestimmt, kam aber nachher, ds 
diese einging, als Bach heraus. Das Werkchea ist nur fBr die 
Emigranten geschrieben, weshalb anch „die novellistische Zutat den 
Wert der für den Kirchen- und Cnlturbietoriker iDtereBBanteren 
Notizen in Frage stellt." 

§ 11. Daher mnsste ich zum Zweck einer actenmifiign 
Qrnndungsgeschichte der Calonie eigene Studien nntemehmen nsd 
habe dieserbalb die in Betracht kommenden Archive durchgearbeitet 
Es sind dies: das Archiv der reformierten Gemeinde von Pfd. 
(Pfd. R6A), das Bnrgermeisterei-Archiv von Pfd. (Pfd. BA),*) wo 
sich auch Acten der Intherischen Gemeinde befinden , das Archiv 



1) Doch hat schon der erste reformierte Prediger von Pfd., Job. Fiiedi. 
EVancken, den Veranch ^emacfat, die Gmchichte der GrUndniig la adirulM*' 
Leider ist er nicht über das Titdblatt hinaus gediehen. Im Kirchenbneb du 
reformierten Gemeinde steht anf der ersten Seite: fiirt^cnbud) ...... ID0> 

rinnen bif ^erfunft, ©rfiiflale unb (Srünbung bie(et @em<tnbt oufifüIpTli^ 
entölten L'nd dann folgen fiinfzi); leere BUtter. 

2) Sein erster Band enthfilt die meislen ActenstQcke fOr die (ieschicht« 



dor rok, 


ic, dk 


desb 


jlb 


n ueino 


r l> 


irslellung nicht jedesmal 


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Brt werden. 


Dagegen 


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die 


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andern Archiven immer 


als 


solche b^ 


leicbneU 

J 


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1 


1 


1 




ttl 


b 


A 



— 7 — 

der reformierten Gemeinde in Goch (GRGA), das Archiv der Stadt 
Goch (GStA) and endlich das Staatsarchiv in Düsseldorf (DStA), 
wo sich u. a. die Acten der Kriegs- und Domainen-Kammer von 
Cleve befinden. 

§ 12. Die Ansiedler stammen ^ wie die Acten berichten, 
ans allen Teilen der ehemaligen Kurpfalz. Was trieb sie, aus 
ihrer Heimat auszuwandern ? Die Verhältnisse in der Pfalz während 
der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren die denkbar traurigsten.^) 
Mit Kurfürst Philipp Wilhelm I. war 1685 ein streng katholisches 
Herrscherhaus auf den Thron der Pfalz gekommen. Seitdem hatten 
die Streitigkeiten zwischen Evangelischen und Katholiken nie auf- 
gehört. Die an und für sich reiche Pfalz war durch die Miss- 
wirtschaft vieler Fürsten ausgesogen. Die Raubkriege Ludwigs XIY. 
taten das ihre, um dem verarmten Lande die letzten Blutstropfen 
aogzupressen. Das geschah vor allem unter Philipp Wilhelm. Als 
daher Johann Wilhelm das Erbe des Vaters antrat, fand er, wie 
Hanßer treffend bemerkt, keine Wohnungen, keine Beamten, kein 
Geld im Lande. Er schlug seine Residenz in Düsseldorf auf, 
während die Pfalz bald wieder von mordbrennerischen Franzosen 
iberflutet wurde, wobei u. a. Heidelberg durch schmähliche Über- 
sehe den Franzosen in die Hände fiel. Der bürgerliche Wohlstand 
War auf lange Jahre hinaus vernichtet. Kam solches Unglück von 
inßeren Feinden, so harrte der Bevölkerung noch eine ebenso 
■chwere Plage, die auf die Rechnung des Fürsten und seiner Hof- 
Jesuiten zu schreiben war: die Zeit des kirchlichen Terrorismus 
1607 — 1705. Inzwischen verschwendete der Fürst die mit Gewalt 
IQ die Höhe geschraubten Einkünfte des armen Landes. Die Be- 
wohner litten furchtbar und scharenweise wanderten sie aus, über 
die Nordsee nach England. 

§ 13. Eine Wendung erhoffte man, als Karl Philipp den 
Thron bestieg. Schon vor seinem Einzug in die Pfalz hatte er 
Üdicte erlassen, die Ordnung und Sparsamkeit am Hofe einführen 
8oUten. Femer hatte er die äußerst drückende Accise abgeschafft 



1) Ich verweise fUr eine genaoe Darstellung auf Häaßer Geschichte der 
I ibeinischen Pfalz (2 Bde. , Heidelberg 1845) nnd gebe hier nur die zum Ver- 
ständnis ootwendigen Grundzüge. 



— 8 — 
in Heidelberg ein. Doch die Freude der Untertanen soU*^ 



und sogar freie Religionsübung gestattet. 1718 zog Karl _ 



von kurzer Dauer sein. Schon im folgenden Jahre, 1719, be^^^ . . , 
die Bedrückungen der Reformierten mit der Wegnahme des ^ ^^ , 
berger Katechismus, weil die achtzigste Frage desselben die fc- '^^^ 
lische Messe „eine vermaledeyte Abgötterei" nannte. Im '=»^^^ 






Jahre verlangte der Kurfürst die Abtretung der Heidelberger 
Oeist-Kirche , deren Chor mit der Grabstätte der Fürsten 
Katholiken schon gehörte. Da man sich auf Seite der Reformi^ 
weigerte, wurde die Kirche mit Gewalt ihnen entrissen. 
Protestanten mussten außerhalb Hülfe suchen. Preußen, Hanno 
Holland und Hessen-Gassel suchten zu intervenieren , was jed 
ohne Erfolg war; darauf griffen diese Mächte zu Repressalien 
ihren eigenen Ländern. Auch der Kaiser trat nicht auf die S 
des Pfälzers. So, alleinstehend, durch die Repressalien und 
fremden Diplomaten gedrängt, versuchte der Kurfürst jene 
gegen Entschädigung zu erhalten ; doch weigerten sich auch dies 
die Reformierten, worauf Karl Philipp am 12. April 1720, um 
Stadt zn bestrafen, seine Residenz nach Mannheim verlegte. 

§ 14. Nnn legte sich der Kaiser ins Mittel. Er verlan^"^ 
von den Mächten Abstellung der Repressalien, von dem Kurfürsi^^ 
Abstellung aller seit dem Badener Frieden (1714) vorgenommen^^ 
Änderungen in kirchlichen Dingen. Der Kurfürst fügte sich nnr 
zum Schein. In Wahrheit dauerten die gewaltsamen Bekehrnngeo 
und die Bedrückungen der Protestanten fort, wenn auch der Kate- 
chismus wieder ausgeliefert, Glocken, Kirchen und Friedhöfe wieder 
freigegeben wurden, ja wenn auch, um das Vertrauen der prote- 
stantischen Bevölkerung wiederzugewinnen, zwei reformierte Kirchen- 
räte in die Religionscommission zur Abstellung der Beschwerden 
aufgenommen wurden. Allmählich gewöhnte sich das Volk an den 
Druck, der auf ihm lastete, und als keine Klagen mehr laut wurden, 
zogen sich auch die Helfer zurück. Was blieb dem unterdrückten 
Volke anders übrig, als sich den Peinigem durch Auswanderung 
zu entziehen! In den Jahren der kirchlichen Verfolgungen wanderten 
au8 drei Oberämtern 400 der wohlhabendsten Familien ans. Und 
Aug. Ludw. Schlözer bemerkt in seinem Briefwechsel*) ironisch: 

1) August Ludwig Schlöier's Briefwechsel (Göttingen 1779) V, 40. 



- 9 - 

iinem Lande der Welt wanderten im Verhältnis mehr 
hem ans als aus Deutschlands Paradies, der Pfalz. ^ 

I 15. Jenseits des Oeeans, in Pennsylvanien , suchten viele 
^ue Heimat. Englische Commissäre transportierten viele der 
nderer für das englische Gouvernement nach Neu-England. 

milchten sich auch Kaufleute aus Holland anheischig, die 
^hrt zu besorgen. Die Emigranten kamen denn auch bis 
d^niiiy blieben aber hier oft lange liegen. Da nämlich zwischen 
^d und Spanien der Krieg tobte, so waren vielfach die Trans- 
biffe nicht zur Stelle oder nicht zur Abfahrt bereit. Die Aus- 
^i*er, ohnehin mit Glncksgntern nicht reichlich gesegnet, fielen 
dem Lande zur Last. Um diesem Unwesen zu steuern, hatten, 
■-^r preußische Kanzler J. P. v. Raesfeld im Haag der könig- 
^ Kriegs- und Domainen-Kammer in Gleve mitteilt, bie Staaten 
^»^ bie ßcütfjc nid^t im ßanbc ju la^cn, bis fic ocrfid^crt 

"Unb foId^cS mit Attesten jur ®nügc barttjätcn, ba§ Sie glcici^ 
^d^iffcn iDcitcr ocrbrad^t rocrbcn [oltcn. 

Die Folge davon war, dass die Emigranten an der preußisch- 
indischen Grenze bei dem Grenzcomptoir Schenkenschanz in 

Herrlichkeit Halt liegen blieben. Bald fielen sie den preußi- 
6n Untertanen zur Last. Dagegen wandte sich die Clevische 
Dmer an den Kanzler v. Raesfeld im Haag mit folgendem 
reiben : 

Cleve bcn 2. Jun. 1741. 

9ln ^. Cantzlei v. Raes- @§ finb feit einigen ^aljren 
feld megen ber ©alt^burger I)ier oerfd^iebene ©al^burger 
unb anbern Emiyranttn, unb anbete Oberlänbifd^e Awi- 

granten ben 5Rf)cin hierunter paffixet, xüelä)e aber au§ 
SRangel cine§ paffes [id^ attemal^I eine geraume 3^^ ^^ 
ber Oegenb beg Schencken ©d^an§ jum fflefd^mer ^tefiger 
Untertl^ancn anff)alten müfeen, mcilen bem SSerlaut nad^ 
ber Paff nid^t e^er ert^eilet mirb, bt§ bie jum trans- 
port berfelben nad^ West Indien erforberte ©ee^Sd^iffe jur 
2Ibfal|rt parat liegen. 

2)a man nun [oId^e§ jum fflefd^roer berer ßönigl. 
Untertf)anen nid)t länger jugeben fann, fo erfud^en 
jpir tiierburd^ (Sm. ^oc^roo^Igcb. , gcl^örigen Orti^S gc« 



fällige ^lorftcüiing jii ttjun. SBie man jnjor biefeeits 
nidjt aögcneigt feq, biefcn bct Religion ^olbcr emiyri- 
tenbcn ßcütf)en oUc ■^ülffc ju geben, allem aud) nii^t 
juftE^en lönne, bafe ^icfige Untert^anen baniit fo lange 
incomodixet TDÜtben, bife e§ etroa benen Spediteurs ge= 
fie(e, biefe[be abjufc^icIEen , unb bafe baf)ero in bortigcn 
Öanben bie ordre betgeftalt crt^eilct rocrben möchte, bcmttt 
biefe Seütfje gleich an bem Ot)rt nio fie abfahren foßcn, 
angenommen, unb iucl)t länger am Schenckm Schantzer- 
Comptoir in fjiefigen Sanben aurüdge^aftcn mürben, 
lonbern bie ObcrlcnbifdjC Schiffet felbige con borten 
fo fort rociter unb unge^tnbert nnd} Holland transportiren 
möd)tcn, roiebrigcn falft mit un§ gcmüfeiget fc^en, ein 
glctd)e§ mieroo^l ungcrne an ber ©rSn^e beg bem 
.^Önigl. ^^tin-Coiiiptoir auö) ju oeranlafeen. 

TOefecn man fid) nun barauf erflät)ret, unb iDaS 
fo[d)crftatb [geantrcortet ')] roirb, aud) ob fonften anbete 
Umbftänbe oor^anben, baüon ermatten mir eE)eften§ ®n). 
.^Ddinjot)Igeb. beliebige antroort, mir üerl)arren . . . 
Rappard. Geelhaer. 
Darauf erfolg:te erst am 4. Juli die Aotwort ans dem Haag:, dass 
die Kiederlande die Eraigranteneibine nicht ohne Paes passieren 
ließen , da die Answanderer den Leuten zur Last fielen ; nnd 
V. Raesfetd wusste seinen CoUegen in der Kammer nichts Beeseree 
zu raten, als dass sie ihrerseits beliebige ordre [teilen möd|ten 
bergleic^en Colonisffn aaäj mi)t über bie grengc ju lafien, bis ©ie 
bnrt^ genugfatjme ^eügnüfeen beroiefcn, bafi bie ©cf|iffe ju i^tet 
meiteren 3ortbringung gu liotterdatn müttflicE) parat liegen. 

§ 16. Nun hatte eine größere Emigrantensehaar in Bacharach 
mit dem Schiffer Christian Braun einen Vertrag abgeschlossen, 
daSB er sie nach Rotterdam bringen solle. Anfang Mai waren sie 
von Bacharach abgefahren. In Neuwied traten durch Special- 
vertrag die beiden Neuwieder Schiffer Caspar Dietz und Hermann 
Eichelberg an die Stelle des Christian Braun; ein neuer Vertrag 
wurde am 26. Mai 1741 vor dem Rat und Schultheißen Müller ia ^ 
Neuwied abgeschlossen, und zwar wurde festgesetzt, dass 



\) erginzt, da diese Acteastelle unleserlicli. 




— 11 ~ 

1. ©d^iffcr ®itfd) bic gcfambtc Compagnie mit if)rcn Meublen 
imb effecteti n)ie fie gcgcniDcrtig am 93orb fegn, auf bicfclbc ht^ 
bmgnü^e unb Conditiofies nad)cr BoUerdam frei) über liefern motte 
nrte jUDor mit ©d^iffer Äraww fie fd^rifftl. accordiizt Ijaben 

2. gjor meldte frad)t überl^aupt bie Compagnie i^m ®itfcl^ ju 
bqa^Icn oerfprid)t in Rotterdam 5n)e9f)unbert fage (3n)e9f|unbert.//) 
baor ba an beg er ^itfd) ba§ ©d^ief unb gefd^ir, mie e§ ift uor 
9tom§ig fl. an 3ö^Iung, unb ju erfüQung feiner ganzen frad^t ad 
WO fl an unb jurücf nimbt 

3. SScrfprid^t S)itf(^ bie Compagnie mit nötf)igem ßod^=^oI§ 
jtt ocrfet)en, mie roott biefer ^ofte ex post no6) bal^in roeiterS oer^^ 
glid^en morben bafe bie Compagnie ba§ oorrätf)ige ^ol§ bef)alten 
unb affinen oom ©d^iffer ®itf^ 3 ß oom ©d^iffer Braun 7 ßftüd*) 
baar erftattet unb fid^ bie Cknnpagnie bagegen if|r Sio(f)^ol^ felbft 
ftellen unb anfd^affen fotte 

4. mirbt ©d^iffer ®itfd^ mit fold^er 3af)Iung berer 200 yZ. 
auf bie rüdfftönbige frad^ten laut be§ if|m jugleid^ eingefjänbigten 
frad^tbud^§ angeroiefen unb barauf oerfi^ert 



7. Über ba§ alle§ renunciixet bie Compagnie auf ba§ fd^iff* 
gelbt fo in erftem accord ©d^iffer Braun auf aQen faß ber Cotn- 
pagnie ju oerguttjen fid^ oerbunblid^ gemad^t Ijätte, alfo ad partium 
ad Instantiam*) nad^rid^tlid^ registmtit unb benenfelben /?^ Extractum 
mitgegeben morben ut supra 

in ßdem etc. 

Muller 

3i0^an gricbrid^ r'bnrabt 
3of)an ^acob Q^Iccfe 
^, Äein^arb Äorf)ing 

Qo^an Valentin Funck 

3[ü^anne§ i?rafft 
3[of)an ^Jöcüb ©petl) 

Außerdem wurde den Emigranten 14 Jage frepeS 5Rad^tlager im 
Sd^iff ju Rotterdam auf ben gaU bie Übernahme fid^ in etma§ 
Berjiel^en folte, gewährt. 

1) Kopfstück. 

2) wohl Schreibfehler für ad partium Instantiam, 



— 12 - 

§ 17. Bis Scbenkenschanz verlief die Reise gnt; man kai 
Ende Mai dort an. Hier an der holländischen Grenze trafen di 
Emigranten den englischen Kaufmann nnd Schiffskapitan Stadtmii 
aus Rotterdam, der mit ihnen einen Contract abschließen wollte, na 
sie von Rotterdam nach Neu-England zn bringen. Doch die Emi- 
granten wnrden nicht einig mit ihm, der Fahrpreis schien ibiK» 
zu hoch, und sie trösteten sich damit, dass noch andere Schill* 
kapitäne kommen wnrden. Man versicherte ihnen zwar, dass diei 
nicht der Fall sein würde , aber die Auswanderer waren nicht n 
bewegen, mit Studtmann einen Vertrag einzugehen. Einige wenige 
hatten sich anfangs mit dem Kapitän geeinigt, doch traten diese 
auch wieder zurück. 

§ 18. So lagen sie also in den Schiffen beim Grenzcomptoir: 
da sie keinen Pass hatten, wurden sie nicht in Holland eingelMen. 
Den Schiffern war dieser unverhoffte Aufenthalt nicht angenehm, 
und sie verlangten daher von den Emigranten Bezahlung. Diese 
jedoch bestanden darauf, dass sie nach Rotterdam gebracht werden 
müssten, erst dort seien sie zu zahlen verpflichtet. Die Schiffer 
aber waren dazu unfähig, da kein Pass vorhanden war und diesen 
zu beschaffen Sache der Emigranten war. Zudem wurde ein Pass 
auch nur an die Seekapitäne verabfolgt. Bald kam es zn drohenden 
Auseinandersetzungen; die Emigranten, die natürlich ihre einzige 
Hoffnung und Zuflucht in den Schiffen sahen und dieselben daher 
auch nicht aufgeben wollten, begegneten den Forderungen der 
Schiffer mit aller inportunität, fd)elten, fd^mäl^cn Unb allcr^anb Uf 
brol^ungen, oon 2:übtf dalagen , Sobtftec^en , und machten sich n 
Meistern der Schiffe. In ihrer Not wandten sich die beiden Schiffer 
mit einer Beschwerdeschrift an den Richter Gesellschap, in der 
sie um Schutz bitten gegen die Insultationen der Emigranten; er 
möchte dieselben burd) arrestxxnrxQ bcr fd^iffen, ncbft bartn fid^ Be» 
finbcnbcn ©ad^cn unb anberc <3"^öng§mitteln Coercixm, dass sie 
den Fahrpreis bezahlten; sonst liefen sie, die Schiffer, Gefahr, sieh 
durch den mehr als sechswöchentlichen Aufenthalt totcU ju rMmtcen. 
Diese Beschwerde wurde unterstützt durch ein Schreiben von d« 
gräflich wiedischen Regiernngs- Kanzlei (d. d. Neuwied 27. Jus 
1741). Auch sie ersucht nach Klarstellung des Sachverhalts tn 
Schutz der Interessen der Schiffer. Der Richter trat anf die Seit 
der Schiffer y die unschuldig seien. Da es aber nicht in seine 



— 18 — 

lacht stehe, bcnen in lOO^cn SRenfd^cn auff fd^iffen, mit locl^r 
inb Toaffcn ocrfcficnen Sl^eitö Slrmcn unb glcid^fal^m desperat 
«^enben Emigranten ju bejiDtngen, . . ober tf)re meublen ju 
vmtiren imb ju distrahiren aßerleg -Swife» nad^ fid^ gießen burfftcn ; 
änjiDtfd^en aud^ gebadete Emigeranten tf)eiB roie man Säglid^ 
pe^ oftiatim gelten, l^iefclbft bem lanbe gut laft bleiben, unb 
kaoon faft melirere unorbnungen gu befal^ren fe^n burfften, bo 
fragt er bei der Kammer an, wie er den klagenden Schiffern zn 
ihren Frachtgeldern verhelfen nnd die Emigranten aus dem Lande 
entfernen solle. 

§ 10. Inzwischen reichten die Emigranten eine [Bittschrift 
aadie Kammer ein: sie hätten sich entschlossen, sich in preußischen 
Luden anzusiedeln und ihr nod^ menig übrigl^abenbeS SSermögen 
tum aufbau afö 93tefiäud^t gu etuployten, . . . Ö^arben ju ^flan^en, 
uib baS unbraud^bare lanbt 5U bcfäung ber JJelbtfrüd^tc , [0 roofjl 
ÜS )u n)etbelanbt jum allgemeinen nu^en gu ap^iren ; man möge 
knen in Ansehung ihres betrübten ja red^t roefimütigen 3wftonbe§ 
!fai @tüdC muff lanbt anweisen. Die Kammer ging darauf ein und 
iehtete am 18. Juli 1741 eine Anfrage an Richter und Magistrat 
reo Cleve, Emmerich, Huißen und Goch, ob Sie (die Emigranten) 
miS) 3f§ren Conditio^m unb profeffmies irgenb jum beften be§ 
hiAiei untetjubringen [cgn möchten. Der Magistrat von Cleve 
lehnte ab; die Einwohner hätten im Winter selbst kaum Arbeit, 
lodass man nicht noch andere arme Leute aufnehmen könne, die 
1er Stadt und der Bürgerschaft nur zur Last fallen würden; 
uiBerdem hätte der König noch unlängst befohlen, keine Fremden 
infcnnehmen, es sei denn, dass sie mindestens 200 Rthlr. im Ver- 
logen hätten. Darauf hin befahl die Kammer dem Richter nnd 
Ihgistrat von Cleve, bie Emigrantm unb frembe Settier ab^u- 
wifen, unb fonften aud() gegen ba§ 93etteln berfelben jureid^enbe 
btfialt ju mad^en. Der Magistrat von Huißen hatte ebenfalls 
Keine Gelegenheit ausfindig machen können, umb btefelbe 3U 
mftojfizti. Von Emmerich und Goch standen die Antworten noch aus. 

§ 20. Die Pfälzer hatten die Schiffer endlich abgefunden 
id die Schiffe verlassen.^) So lagen sie also hoffnungslos am 



1) Aeten darüber fehlen. 



— 14 — 

Lsnde. Ihre geriagen Mittel schtnnlzen immer mehr zuxammen. 
Einige von ihnen hatten sich noch besonnen und mit dem Kapitän 
Stadtman einen Vertrag abgeechlosaen , dass er sie für einen 
Preis von 7 französischen Pistolen uaiih Nen-Kngland bringen snile. 
Vielen von den übrigen war dieser Preis zu hoeh, Ua erinnerten 
sich einige, unter ihnen vieileieht zuerst der Schuldiener und Or- 
ganist Job. Priedr. Aue aus Bischweiler, dass vir zehn Jahren die 
vertriebenen Salzbnrger in Preußen mit Freuden aufgenommen nnd 
in Litthanen angesiedelt worden waren; sie meinten, man Utte 
doch besser, da man in Oleve und Huißen abgewiesen wäre, sich 
nach Litthauen zu wenden; hier im Clevischen sei doch nichts für 
die Emigranten zu erwarten. Und wirklich wandten sich mehrere 
Familien, zwölf an der Zahl, am 26. Juli mit einer Vorstellung 
an die Kammer und baten, da ihnen in diesem Lande doch nichtig 
geholfen werden könne, um Pässe nach Litthauen. Diese Vor — 
Stellung war unterzeichnet von Job. Friedr. Aue, Michael Littig^ 
Johannes 0hl , Henrich Bassing , Theobald Lux , Martin RnppelV 
Johannes Felss, Jacob Hell, Theobald Kessler, Peter Pass, Leonhar- — 
Brech, Wilhelm Kirchstein, Rudolph Edlinger. 

§ 21. Diese Leute waren so arm, dass die Kammer sie &\m 
wies, da sie nämlich ohne größere Beihülfen nie nach Litthau» j 
gekommen wären. Das erhaltene Protokoll') des Tit. Schlechte^s 
dahl erweist, dass die meisten Emigranten fast nichts mehr hatt^^ 
als was sie auf dem Leibe trugen. Michael Littig besall nf gr ~ 
2 Gulden; Witwer Henrich Bassing (-|- 2 Kinder) hatte &ch^E: 
Beine Kleider zum Teil verkauft; Theobald Lux hatte noch 5 Kix^m 
Stück und 90 Ellen Leinen; Martin Rnppel (-f- Frau 4* 4 Kindi^H 
MuUergerätschaften und ein paar Kessel; Job, Felss (+ Frau) i 
paar Packen Kleider; Jac. Hell (+ Frau -|- 3 Kinder) halte n«^«) 
für zwei Tage Geld; Theobald Rossler (-f 2 Kinder), der Schwie^^i 
söhn des Theobald Lux, wie dieser; Peter Pass (+ 3 Kinder) i 
„ein Viehhirt und armer Mensch" ; Leonh. Brech (-|~ Frau -f- 3 Kin^öe, 
besaß etwa ein paar Gulden; Wilhelm Kirchstein {-|- Fran + 1 )Si-im 
■j- 1 lediger Bruder) nur noch ein paar Kleider; Friedrich -Aiit 
{-\- Fran -|- 4 Kinder) etwa 4 Gulden und etwas Kleider; Rni«/pi 
Edlinger {+ Frau -|- 4 Kinder) einige Kleider. Solche L.«We 



1) Vgl. daen die Statistik n. in § 2T. 



J 



— 15 — 

konnte und wollte die Kammer nicht in königlichen Landen an- 
siedeln. Sie machte also noch einen Versuch die Commissare in 
Holland zum Transport der Emigranten za bewegen. Einer dieser, 
der Agent Wolters in Rotterdam, schrieb an den Kanzler v. Raes- 
feld als Antwort (Rotterdam, le 28. aoult 1741): ce n'eß point par 
ordre du gouvememerU d' Angleterre , que Von faU embarqtier ces per- 
fimnea, fnais ce fant des marchands de cette Ville, qui fönt cette entre- 
frife, et c'eft ä la requisilion des dits marchands, qu'on les retient au 
Sehenckenfchans, pendant quelque tems, dont ces pauvres miserables 
laujjrrent beaucoup^ et fay fait inutilement bien des efforts pour tacher 
de faire redrefser cette affaire. Damit war dieser Versnch also 
aach fehlgeschlagen. Was tun? Die Kammer war bereits mit 
der Regierung in Unterhandlungen getreten, deren Folge die An- 
beranmnng einer Conferenz auf den 17. August war. 

§ 22. Von Goch war aber inzwischen günstige Nachricht 

eingelaufen. Die Stadt Goch besaß eine große Heide in der Nähe 

der Stadt, die 1458 der Herzog Arnold von Geldern geschenkt 

liatte. Dieses Gelände, über 10000 preußische Morgen groß, war 

iDisher unbebaut und wüst. Und hier bot sich die Gelegenheit, die 

Seide zum Vorteil der Stadt besiedeln zu lassen. Am 21. Juli 

^es die Kammer die Supplicanten an den Richter und Magistrat 

^on Goch mit SBefel^I, bafe ©ic gufcfien fodcn, ob ;3[^ncn ein ge- 

lot^cr District ^cgbelanb auf eine o^nfd^äbtlic^c roeife eingct^an 

derben lönne. Als die Emigranten diese Nachricht erhielten. 

Wählten sie aus ihrer Mitte zwei Deputierte, Friedr. Conrad und 

Eichel Grossart, und sandten sie an den Rat der Stadt Goch. Am 

Nachmittag des 7. August überreichten diese in der Ratssitzung 

eine Liste der Familien und ihrer Wünsche, wieviel Morgen Land 

• 

Jede angewiesen haben wolle. Der Rat beauftragte den Schöffen 
^nd Stadtkämmerer Scbadden, sich auf die Heide zu begeben und 
den Ort sich zeigen zu lassen, den die Emigranten für den ge- 
eignetsten hielten. Sie verlangten, 18 — 19 Familien mit etwa 
120 Personen, 240—250 holländische Morgen Land , einen District, 
der, wie es in dem Ratsprotokollbuch*) der Stadt Goch s. d. 
8. August lautet, Sici) in ber 5Rtebrigung, äroifd^cn bem Pannen JBufd^ 
unbt ber Schneppen fflaumfd^cn fianbtn)e^r an bcgben Settf)en ber 

1) Pfd. BA und GStA Nr. 52. 



iSSra^e oon Gmnep nocf) Cakar c\ei)er\iit, neben ber Vals^) ober 
ihi[)placf bif; anf ©emeltet Schleppen flaumfc^cn i?anbtnjef)r ^in 

.^icJ) erfttedct alnio .Sie bcn (Snmbt jur Ut)rbQ^nnad)un9 am 

beqüemften gcfnnben, roeÜen e^ an 31nbcren OrtEjen auf hiefer §egbc 
an SBafeer fef)let, fo jfinen rtox OTenfcijeu alfe "iöiel) unentbe[)ilic^. 
Der Rat vod Goch wies also den Emigranten ihre Stellen an, 
aaf deneu sie eich niederlaftseii konnteii; vorläufig zwar geschah 
die Vermesijung nur ungefähr, um die großen Kosten einer ge- 
nauen Vermessung zu ersparen. Und ebenfalls reichte der Rat 
eine Vorstellung der Emigranten an die Kammer ein, 3)ie C^ur 
*Pfäl§ifi^e ®Dange[ifd) Reformixte unb Liifhen\ä)e emigrantm ftotien 
bef)tnütigftcn 3)ancf ab. nor SlÜcrgbft itjnen erltjeilter rtfoluiion*) 
nnb bitten ferner ?l[Iertl)[t, bafe i^iicn einige ja^re*) ©c^ogfrei^eit 
möge nerlieljeii. bic flinftige Scf)agung aiiff ein erteiblidieä rf«fer- 
miniret. unb einig ^ülg Steine unb fi'alcT jum aufbou SlUergbft 
angeniie|en roctben möge. Die Autwort erfolgte am 17. August 
an den Magistrat zu Goch : was der Rat mit den Emigranten ab- 
gemacht habe, das werde von der Kammer gut geheißen; der Rat 
solle einen Erhpachtvertrag mit ihnen aufrichten, icbotf) notier 
niot nntetfuc^en, ob fie jn KnirepretmirnnQ folcf)cn ÜBcrcfs genug 
bemittelt fei)en, foniit feine glitten anftatt ^aufer crbouct, unb für 
(Slemeine= unb 5öercftteibenbe Singefefecnc nur anberii jur Soft 
tomntenbe Settier, roo iiicE)t gar §oI9= unb *Jöalbbiebc ungcfeliet 
nierben mögen. 



§ 23. Am selben Tiige trat auch die Coulei 
Die Kegieruug war vertreten durch den Geheimen 



tnz zusammen. 
Regierangsrat 



1) ich fand daa etymologiach dunkle Wort bcUoti 1ö20 in den AcUo 
der Stadt Hoch belegt: iDEgen öeS aBegbcgangcS 3" Oochtr Btydfm unb btt 
Valia. Sonst kommen iiocli folgeaile Scbreibangea vor: Vals, Vabls, Tohli, 
Valls, Pfuls, Pfdtz (die buiden letzten sind späte Fermen in Anlebniing an 
die Heimat der Culonisten); lieDtiges ulevigcbes 'Palz' [st Abkilrznng Rkr 
'PfalzdorT. Übrigens lanrt sich im DStA L. G. C. St«dt und Amt lioch Nr. 205 
eine VerbaafBnrkunde, gemäü welcher die Wwe. Dr. BruckhanBcn ben Valien 
Hoff verkaufte. In einem Brief des Überjügern Jänike vom 8. September 
1741 wiril der Ort, auf dem sieb die Pfälzer niederlassen wollen, SirT^o^en 
*pfarB gfiiaiint. Etiio Vals Ist eine Senke, m der Wasser flielit; vgl. Franck 
Etymolügiscb woordonbuek der Nederlajidsche taal (s'Gnivenlmge 1U02) Spi 
1047; vaalt f. = afgeperkte pUuts, park, in 't bijzonder mestplaals. 

2) d. d. 21. Juli. 

3) nämlicb zebu Freijabre. 




— 17 — 



T. Hvmroen, die Kammer dnrch den Director Geelhaer in Ver- 

tretang des zunächst bestimmten Kriegsrates Durham, femer durch 

die Kriegsräte Schmitz und Wismann. Die Conferenz beschlösse 

dass diejenigen Emigranten, welche nicht von der königlichen 

Begierang angenommen worden seien, binnen 8 Sagen an§ bem 

Sanbe gejaget, oud^ ^u abte()rnng bergleid^en fieüt^en qu§ ()iefigen 

Sonbent ein ©einreiben an bie ©tabt Colin, aud) nai) Düsfeldorf 

erlaben noerben foDe. Dem Richter Oesellschap zu Halt ging unter 

demselben Datum von der Kammer der Befehl zu, dafür zu sorgen, 

dass die Emigranten, die mit Studtman accordiert hätten, binnen 

aeht Tagen von diesem weggeschafft würden, denjenigen aber, die 

die Überfahrtskosten nicht bezahlen könnten und auch von der 

Kammer nicht angenommen seien, zu befehlen, binnen nod^mal^Iiger 

g*ift Don 8 Sagen bep Ieibe§ ©traffe fid) au§ biefen fiänbem ju be« 

geben, fo ban biejenige, n)elci^e fid) baran nid^t teilten, fonbem 

in (Snttem ®erid)t§än)ang annod) betretten roerben mögten, roürflid^ 

manu forti auS bem fianbe ju jagen. Von diesen letzteren, die 

mit Studtman keinen Vertrag abgeschlossen hatten und auch von 

der Kammer nicht angenommen waren, wird weiter nichts berichtet; 

yennutlich sind sie identisch mit denen, die nach Litthauen reisen 

wollten. Wo sie geblieben sind, ist unbekannt. Für die Gründung 

der Colonie kommen nur jene 18 — 19 Familien in Betracht. 



§ 24. Die Namen dieser ersten Ansiedler sind 



1. 
2. 
3. 
4. 
5. 
6. 
7. 
8. 
9. 
10. 



Johannes Seemann 
Görg Kern 
Reichard Ulrich 
Job. Henrich Hans 
Job. Jacob Spee 
Johannes Leetsbayer 
Job. Jacob Bockenauer 
Karl Ludwig Krafft 
Job. Philipp Wendeling 
Job. Wilhelm Pfeddersheimer 



11. Job. Henrich Engelmann 

12. Job. Jacob Kalbfuß 

13. Job. Justus Schiarb 

14. Adam Becker 

15. Job. Jacob Sieben 

16. Johannes Krafift 

17. Job. Michel Schäffler 

18. Abraham Limmas 

19. Michel Grossart 

20. Job. Friedrich Conrad. 



§ 25. Mit den beiden Deputierten Friedrich Conrad und 
Michel Grossart entwarf dann am 23. August 1741 der Magistrat 
von Goch folgendes „Project^ zu einem Erbpachtcontract ^) : 

1) Pfd. BA Bd. 1 ; desgl. GSt A Nr. 430. 

Deutsche DlalektgeogrrAphie m 9 



- 18 - 

ßunbt unbt äu n)i§cn feg l^icmit; 92ad^betn -SHner 
ßöniglid^cn Sölapcftät in ^rcü^cn, Unfercm SlQergnäbigflai 
fetten in ^ol^en ®naben ©efoSen, gum S3el^uef Smtger 
Cl^ur ^fäl^ifd^en t^etlS tpegen ber Religion, unbt ti^ 
ber ®en)altigen prefsuren f)albex Emigranten FamiUim 
auf il^r Smerunttl^gfteS Supplieixm, umb in ^iefiga 
Sanben ^u bleiben , unbt mit Ui^rbal^rmad^ung (Surigec 
$epbe®rUnben i^renSebenSUnterl^alt }u ermecben, utttecm 
21. Julij lauffenben ja^rS, auS ber ^od^lüblid^en firieget« 
unbt Domainen Cammet, an ^ero 9Hd^tem unbt Magiärä 
alliier, $[Qergnäbigft ju befehlen, il^nen einen @kim|a 
Di/trict, auf bem betäubten /StabtS Patrimonial /Stfict, Ue 
GocA^^epbe genant einjutl^un unbt anjuroeifen; ScHäfssBi 
aud^ in beut iRä^er @rla^enem Mandato oom 1^ 
biefeS, bal^in SlQergbgft inhaeriiet niorben, mit bene» 
felben ben ©emö^nlidien SrbjinS Cantrad ju errichten; 

^a% Soldiemnad^ in ßrafft mel^r angebogener Ma> 
gnäbigfter SSerorbnung, 98ir @ingangS ®emetter 9H(^ 
mie aud^ 93ürger SReifter, Sd^e^m unbt Statl^ ber %kt 
Goch, ©emelten in 19 Famillien *) befte^enben Emiyrtmtm 
3U @rbgin| Siechten eingetl^an unbt übergeben ^ob«, 
mie mir bann in ^afft biefei^, auf bie beftänbigfb 
meife reditenS, ju Srbjin^ Sted^ten, gegen fäl^rlic^e 9e» 
jal^lung eines Uniformen Canonis tjon jmep Steic^St^oIet 
von iebem unten benanten 9Jh)rgen, eintl^un unbt äbec 
geben, bie von i^nen, oemiög übergebener SpecißcaHm 
Don 7. biefeS, verlangte gmep^unbert Seü^s unbt merlig*) 
aJlorgen ^epbe ®runbt i 600 9fhttl^en per SRorgen, m\ält 
in ber 9Kebrigung jmifd^en ben Pannen 99ufd^ unbt bei 
iSd^neppen S3aumf d^en Sanbtmel^r S\df erftredFen, imbt albi 
tentlid^ belegen, aud^ in Söldner Situation auf ber 
mefeungS Carte Fol: 9 sab Lit: W unbt Fol: 29 
Lit: W Siä) notixtt befinben; Unbt jnmren auf 8la(|^ 
folgenbe Condiiiones 

1. Soü Srbaing ®eber, fo bolbt e8 mügltc^, bi 
von Sd^a^unq 3^^^^^^ ^^^ Vnberen (Snmbt 

1) QStA Nr. 4d0: 10; vgl Anm. S S. 21. 

S) QStA Nr. idO: dii^unbert jiDcp unb funffilQ. 



— 19 — 

fregc in ^icfigcr Stabt QeM maxd »elegcncS St&d 
^egbc ®runbc8, nad^ /Seiner bcften Canvenience unbt 
aötfeenfdiafft mit ®xahen, W^%^^' aGBaKen unbt ?ßflan^en 
U^rbal^r mad^en; Unbt n)eilen 

2. 6*oId^e Ul^rbal^r 9Jlad^ung eineS ^e^be ®runbe§ 
3cit unbt ßöften erforbert, werben beut ffirbjinS ®eber 
nid^t mir bic ©emö^nlid^e ä primo Junij^) Sieben ^t^tn 
^unbert 3^^ w"i>t SJier^ig Slnge^enbe, {Jünff ^fol^^^^^ 
greg^eit oon bem Slngelobten Canone, fonbem aud^ in 
Säetrad^t il^rer thnigratum nod^ über beme pcrftattet, ba| 
@r nad^ Exspiration berfelben, in ben negft fjolgenben 
tJünff jatjren, iäf)rlid) ben falben ffirb^inl ad ©inen 
Keid^ötl^aler per aJlorgen, unbt äroaren primo Junij^) 1748 
jum erftenmal^I beja^Ien fönne; 9lad^ SBerlauff biefer 
je^n ^al)x aber ben DoQen Canon mit jroeg 9leid^8s= 
t^aler Jä^rlid), unbt äroaren primo Junij^) 1758 jum 
erftenmal^l jur Cämmerep ju erlegen Sd^ulbig unbt ®e= 
l^alten fegn foQe; S)agegen 

3. ©rbjinfe ®eber Sein i^m SlngemiefeneS Stüdt, 
@rb' ®n)ig:= unbt unmieberrufflid^ ju ©rbjinfe Siedeten ju 
behalten, nacf) Seinem SBofilgefallen SelbigeS ju nü^en 
unbt 5U gebraudien, befugt ift; jebod^ 

4. baS il^me SIngeroiefene Stüdt auf feinerlep SBeife 
intUil mad^en, nod^ aud^ bet) Sd^merer JBrüd^ten Straffe 
unbt SSerluft Seinem ©rbgin^ JRet^tenS, benen SBenad^»» 
bahrten ®eerbten ober ®rünben, im ®eringften @r ober 
bie Seinige 93efd)n)erlid^ ober Sd^äbtlid^ fegn, (nod^ aud) 
fid^ unterftel^en foHe, ol^ne SSormifeen unb erlaubnü§ ber 
Ferren ffirbjinnS Sle^mercn bie ©tudte ju oerfplittem 
ober an anbere einjut^un, ju oerpfänben ober ju oer« 
fc^en)*); aSielmel^r 

5. 3ift Stbjinfe ®eber Sd^ulbig unbt ®el^alten, \>tti 
oerfprod^enen Canonem, oben determinirizt ma§en, iä^rlid) 
unbt ?ine 3fal^r, praecm ben (grften Junij^) jeben jal^rS 



1) GStA Nr. iaO: ifaj/. 

2) (. . . .) Zusatz in GStA Nr. 430. 

3) GStA Nr. 430: . . . praecise in jioep Tl^rmtnen al| umb ifatftiii 
1^ ifay iebm ^al^red, 

2* 



- 20 - 

an ^änben cineS jcitlid^cn StabtS Camerarij, offne ©nigcn 
Slbgang bep Straffe ber Execution ju bejahten ; baf eme aber 

6. @rbäin§ ®eber ober /Seine Succefsores loieber 
Serl^offen, ba§ eine |al^r inS $[nbere htn (Srbjtn^ nn^ 
beja^Iet l^infte^en la^en mögte, foQe Ferren SrbjinB 
Slel^meren frepftel^en, ben Cfedirten S^eil ^e^be ®runbeS^ 
fambt bemienigen, fo barauff ftel^en mögte, n^ieber a^ 
Std^ gu nel^men, ol^ne für bag äSerbegerungSred^t ober 
fonft etoaS ju refundixzn] (&6 xottt bann, bag in ®er 
nteltem Qfal^re ein General ßanbeS 93erberb, burd^ Ärieg 
ober ^eftilen^ unbt bergleid^en Cafus Majores eingefaflm 
roeren, in roeld^en g^aH in Slnfe^ung ©emelter juriicf 
Slel^mung, ein biHigeS (ginfel^en mit ffirbäinfe ®ebere ge« 
normen roerben fott; 

7. 2lu§er Obgemelten stipulirten Srbjin^ aber rotrbt 
Don Srbjing ®eberen n)eiter nid^tS geforbert o^ne jebo(^» 
wa^ oom ßanbeS Ferren l^eüt ober SKorgen barinnen ge^ 
leget roerben mögte ; Unb roafe forool^I bie Slnroeifungö- al| 
S3erme§ungS ©ebül^ren, umb ©inen jeben ber jnterefmien 
Seine verlangte 5ülorgen Qa% rid)tig oI)ne (ginigen Streit 
an juroeifen, erforberen, roeld^e @in jeber pro quotä ju er* 
ftatten ^att ; 

8. 3[ft ©rbjinfe ®eber Sd^ulbig ium »eften ber 
Cämmexv) nebft Seinen SSÜxXinterefsmten äroeg*) Shit^ 
per SRorgen mit ®id^elen, JBüd^en, JBerdCen ober wo e§ 
SO) fonften auf Slnmeifung ber ©rbginft JRe^meren mit 
?lnberer ®attung ^flan^en, am JBeften nad^ ©elegen^eit 
be§ Terrains fd^idfen mirbt, ju befaamen, unbt So\iß 
innerl^alb 9I(f)t Qi^^ren ä dato hujus in oöttigem roat^ 
t£|um unbt @ebü£|renber g^red^tung ju üefferen, idoju 
Ferren ©rb^in^ 9le£|mere if)nen ben O^rt, roo biejt 
fflefaamung angulegen , auf ©emelter Gocher ^epbe m 
meifen werben; ba^ingegen 

9. ©rbjini Oeber bie ®emeine ^egbe unbt barauj 
befinbtlid^en ßu£| ?ßIadC ober Vals, fo longe Selbige ®e« 
mein bleibet, bi| jur ?lnbem)erten Disposition Herten 
©rbjinfe Slel^meren, ®Ieid) i^ren Slad^ba^ren unbt SJttt 



1) GStA Nr. 430: fec^Ä IRu^ten. 



- 21 - 

Q^rbjinl ®eberen, jiDaren freQ unbt ungel^inbert nü^en 
unbt ®cbraud^en fönncn, in ©cmcitet Vdls aber feines 
n)ege§ flaggen ober JRö&e l^acfen, oiclnoeniget ol^ne Ferren 
(Erbring 9lel^meren S3om)igen, mit 93iel^ ober SSd^aaffen 
betreiben , (nod^ aud) einige ^epbe jum 89ran)en, SBacfen 
ober fonften jum feilen ßauff anbenoertS alfe jum Se* 
l^uef ber ©inroo^nercn in ber ©tabt Goch bringen mag, 
oietoeniger einiger @rünbe o{)ne 93orl^ero ben Q^rbjin^ 
9le^meren baoon Slad^rid^t ju geben, unb SInmeifung 
t^un ju lafeen, iBep 25 ggU) ftraffe, eigenmäd^tig fid^ 
anjuma^en ober Käufer ju fe^en, nod^ aud^ qnbere beg 
fid^ gur äSo^nung auf unb anju nehmen, SBeg äSerluft 
i^reS aUed^tenS)*) Sid^ ®elüften lagen mügen; (Übrigens unb 

10. SBcl^alten fid^ Ferren ©rbjing Sle^meren aUe dis- 
Position unb @inrid^tung auf biefer ^e^be unb (Srbjing 
©rünben, aulbrüdHid^ SSeoor, meld^er fid^ ju mieberfe^en 
SHemanben SBeri SöiHfü^rlid^er ©traffe fid^ unterftel^en 
fott, atteS »eg Serluft beS ©rbainfe JRed^tenS).») 

O^ne ®efe^rbe; in ma^rl^eitS U^rfunbt ift biefer 
(Srbjing Contract barüber auffgerid^tet , unbt ®rbjin| 
®eberen berfelbe unter benen ®en)ö^nlid^en 3»^fiegelen, 
unbt beS StabtS Secretarij llnterfd^rifft auggeantmortet 
roorbcn; ^ignah^m Goch ben 23. Äugusti 1741. 

(t^olget Specißcation ber tamillx^n. 

1. Johan Friedrich Cofircui 

2. Michael Grossart 

3. Johan Jacob Spee 

4. Joh: Henrich Hans 

5. Johannas Krafft 

6. Johannes Seemann 

7. Abraham Lima 

8. C<irl Ijiidwig Krafft 

9. Georg Kern 
\Q?)Adam Becker 



20 


IdJtorgeii 


20 




20 




20 




20 




4 




10 




8 




15 




15 




Sa. 152 anorgcn) *) 



1) Goldgalden. 

2) (...) Zusatz des GStA Nr. 480. 

3) Nach (iStA Nr. 430 nur mit 10 Familien abgeschlossen ; vgl. aber die 
vom 2. September, wo alle 20 Familien genannt sind. 



-. 22 - 

Was jedoch, so heißt es in dem Begleitschreiben d. d. 28. Angm 
1741 an die Kammer, die von den Emigranten verlangten Bai 
materialien angehe, so bestehe dafür bei der Gocher Eämmere 
kein bestimmter Fond; ebenso sei kein Holz bei der Stadt ror 
banden; denn der Rat müsse selbst alle Baumaterialien toftbo^rluf 
not baareS ®elbt anlauffen. 

§ 26. Die Kammer yermisste in diesem Bericht die ^caM 
Umbftänb^, nämlich die Angabe des Vermögens der Emigranten 
und xoaS nor 99au Materialien erforbert werben, roieniel unb nxi& 
fie importiren foDett. Der Rat von Groch antwortet, dass er den 
Emigranten jur ®nüge fofort im $[nfange ju ®emül^te gefü^ 
tme biefe Sterile ®rttnbe niele SIrbeit unb ftöfte erforberen, mann 
biefelbe U^r^ unb 9Ui^ba^r gemad^et tnerben foDen, unb beS^ 
nid^t fo facil fein möd^te, ba^ SBercf fo fd^Ied^terbingg ju eiUrt 
prmnitm, e^e unb 93enor fie non benen erften ol^numbganglu^ 
Anlagen einen Überfd^Iag gemad^et, unb benfelben Seftretten Qnten. 
Die Emigranten hatten jedoch fid^ bal^in erfläl^ret, ba§, ®Iei(^nrie 
fie bie 9latur beS terrains ®rünbüd^ Unterfud^t, unb biefen au|* 
gefud^ten diärid an ®ilte unb Situation jur SSiel^ud^t bem übrigen 
t^eil ber Goeher^tclbt praeferiten tl^öten, fie ntd^t 8n>eiffelten, bu«^ 
i^re eigene 9lrbett mit ®raben unb umbfe^en umb fo niel el^enbec 
bie U^rbol^rfeit ju 93eforberen, al% fie mit ermad^fenen fiinbetn 
nerfel^en, imb alle ju fold^er arbeit tüd^tig, aud^ jum t^ tux| 
ein geringei^ 93ermögen mitgebrad^t, fo fie ju biefem äQenfe }U 
emphffttn n)tIIenS wären. Die Kammer drang aber anf eine ge- 
naue Angabe sowohl des Vermögens wie der verlangten Materialien. 
Die Emigranten, die in der Glegend von Kecken lagen, kamen dem 
Befehl der Kammer nach und reichten am 2. September 1741 
durch ihre beiden Deputierten die Tabelle ein. Sie betonen io 
dem Schriftstück, dass sie nicht nur laut SSepgefügten 3^9^^^ 
e^rlid^e Seute, meldte obfd^on nid^t niet im 93ermögen, benniK^ 
burd^ unferer fd^mel^re ^änbe Slrbeit im ftanbe ba§ Sanbt {U 
Sauen unb baS liebe 93robt ju ermerben, fonbem aud^ m\^ Sitnbigfi 
oßeriim, ingefolge gemad^tcn Contracts ben ©rbjinS praecife d^' 
führen, mithin un§ fo ^u ^eriren noie getreuen Untett^onen ^e^iemet 
unb gebühret. Dann folgt die Tabelle. 



- 28 - 



27. Es ist in dieser angegeben, meviel V en nSgep ^ 
an Emigranten noch besitzen, femer was sie an HolnÜBi 
nnd Malter Kalk zum Bau nötig haben: 



- 


mOgen 
(Rthlr.) 


Hob- 


Stabw 
1 


Makar 
Kidk 


hannes Seemann 


40 


30 


aoüo ' 


4 


sorg Kern 


80 


38 


3000 


5 


(icbard Ulrich 


100 


40 


2000 


3 


bann Henrich Haus .... 


80 


46 


3000 


S 


bann Jaeob Spee 


130 


46 


9000 


S 


hannes Leetsbayer .... 


50 


38 


aooo 


S 


bann Jacob Bockenauer . . 


80 


46 


3000 


3 


bann Jacob Kalbfuß .... 


30 


30 


aooo 


3 


url Ludwig Krafft .... 


50 


38 


2000 


S 


bann Philipp Wendung . . 


40 


30 


2000 


8 


bann Wilhelm Pfeddersheimer 


40 


30 


2000 


3 


bann Henrich Engelmann . . 


31 


30 


2000 


3 


bann Jost Schlarp .... 


40 


30 


2000 


3 


lun Becker 


100 


30 


2000 


3 


hannes Krafft 


140 


50 


fiOOO 


5 


hannes Jacob Sieben . . . 


30 


30 


2000 


3 


hann Michael Schäff'ler . . 


30 


30 


2000 


3 


)taham Limmas 


30 


30 


2000 


3 


ichel Grossart 


200 


50 


5000 


5 


hann Friedrich Conrad . . 


200 


50 


5000 


5 



em hätten sie zum Bau zweier Gemeindebrunnen und eines 
idebackofens noch 16000 Steine und 12 Malter Kalk n$tig. 
Fabelle sandte der Magistrat am 8. September der Kammer ein, 

28. Am selben Tage lief bei der Kammer noch ein andere« 
len ein: der Obeijäger P. Jänike vom Tannenbusoh schrieb 
1, dass er es für seine Amtspflicht halte, die Kammer 

aufmerksam zu machen, dass bei Ansiedelung der Emi* 
i (Sit), ßöntgl. ^at), mel^reren @d)aben in benen (S^piticn 
als 93ortl^etI babcg t)aben roerbc, in SSctrad^t, ba bicfcr obttcn 

anbcrfter fein SSranbt ^ol^ al§ aufe gcmelten (Sepi^cn ju 
ten ift. Die Kammer beruhigte den eifrigen Beamten, man 



— 24 — 

habe die Leute noch nicht fest angesiedelt und , wenn dies gpe- 
sehehen, würde man für die Sicherheit des Waldes schon Sorg^ 
tragen. 

§ 29. Nach eingehender Erwägung der Verhältnisse kaxn 
die Kammer zu dem Schluss, dass die meisten der Emigranten bei 
ihrem Unternehmen keinen Erfolg haben wurden , weil sie mit s&xi 
geringen Baarmitteln ausgestattet waren. Sie weigerte sich al»Oy 
die Baumaterialien zu schenken. Die Ansiedelung könne nur nnter 
der Bedingung geschehen, ha% @ie bte erforberte ©ebeube unb U^x« 
Ba^rmad^ung bcr ^cgbe auf il^re Äoftcn unternehmen rooUm (16. Sept 
1741). 

§ 30. Da bei den Emigranten die Antwort auf ihr Gesuch 
ausblieb, wandten sie sich am 2S. September nochmals an die 
Kammer und baten um baldige Antwort, nietlen bte betrübte SEßinter- 
geit ^eranna^et. In dieser Schrift bringen die Emigranten ganz 
neue Vorschläge und Gesichtspunkte vor. Das Schriftstück lautet: 

Sie C^ur^föl^ifd^e Mergnbft «nerburd^Iaud^tigfter 

recipiite Emigranttn bitten um ©ro^äd^ttgfter ßönig 
SQIergnbfte Befolution auff i^ter ?IIIergnäbtgfter fiönifl 
Ie|t praesentixtet ?lllertl^ften 93or= unb ^err.*) 

fteQung unb fügen ju S)erfelben ^lad^be^m mir auff 

beförberung einige Sniertl)fte er- unfecc neulich übep' 
innerungen bei)- gebene SHertl^fte bttt* 

fd^rifft bis ^id^iti mit 
feiner Slttergbftn refolution nerfel^en morben, @o ^aben 
mir nebft ?KIertbftn in/Hmn% um S)tefelbe, noeilen bie 
betrübte ©interjeit bcrannafjet, ®ro: ßontgl. SHag. untet 
9inerböd)ft $^erofeIben Srlaubnüg onjujetgen unb ju et- 
inneren in tieffftcr fHhmi/JhH nid^t um^in fein lönnen, 
n)eld)crgeftalt 

1. 3">ö'^" bcroorleucbten burffte mte bafe mir menig 
im 3krm5gen babcn, (Jkfolglicb nic^t im ftanbe ben bmi 
f ortjiufetien , fonbem nielmebr nac^ etnxi^ig gemaci^ten 



U AU« an die Kammer g«ricliret«ai Schreibeii hmben die Foim, ais wenn 
sie an den Kdni|r »elbst jeeridilet wifen« and «miEekekit «ntaraeiduieCe die 
Kammer anflatt unb oon mcgen 8r. ^onigL liafuUtt. 



- 26 -- 

anfang ©clbigcn Dcrlafeen, unb anbcrSrool^in unS ju be^ 
geben trad^ten roürben. 

2. ftönte cS Oleid^fans ba§ anfeilen ©erüinnen. roir 
tüol^ncten ol^niDcit bem roalbe, rooburd^ @e. ftöniglid^e 
9Kat). an $oI^ etroa^igen f(f)aben leiben fönte, roeSroegen 
bann au§ benen bemelbten urfad^en difßcuUmt werben 
möd^te, mit bem 9IIIert^ft ®ebettenen §oI§, Steine unb 
flalcf ju begnäbigen. Unter 93orgebettener Mertiöd^ft 
2)ero SlHergnbftn pemiiffion müfeen mir aber ad 

Imum erinneren, roie ba§ mir aufolge llnferer oor- 
gemiefenen bünbigen Attestaten ®^rlid^e ©üangelifd^e 
Cl^riften, meldte nur bal^in trad^ten, Unfere familkn e^r- 
lid^ ju ernähren, ®ott ju bienen, unb ®egen Unferen 
lanbeiStierren Uno fo auffäufü^ren mie getreuen Unter* 
tl^onen gejiemet, unb obgleid^ Unfere SDKttel ®ering, fo 
leben mir bocf) ber feften 93erfid^erung, eS merben unfere 
l^eimbgelafeene befeer bemittelte mittbrüber, un§ mit einer 
C^riftlidfien betifteur gu biefen fieilfal^men 3^^* ^/ß' 
Ititta ; babet) l^aben mir unter un§, SlUe ^anbmerdtSleute, 
als aJlaurer, fdireiner, unb bergleid^en, fo bpfe unS boS 
bauen über bie mcUerialien meiter nid^t ju fte^en fonit, 
märe eS alfo ein überaus unbefonneneS, \ä gan^ uhoer* 
nünftigeS ©erfahren, mann @iner Unferer etmaS über* 
annehmen fid^ unterftünbe, meld^eS @r unter ®öttlid^em 
begftanbl nid^t auSäufül^ren Derfid^ert, fonbem na(f)bel^m 
®r baS feinige oerbauet unb oeradtert fid^ megbegeben 
mürbe, ad 

2 dum Serpfänben mir nid)t allein Unfere ^oab unb 
®üter baoor, ba^ ßeiner Unferer ben ®eringften 3^^9 
entmenben merben, fonbem mir merben fo oiel ^ol^ afö 
ein jeber ju feiner famille nöl)tig um ben ®eringften 
Serbad^t ju oermeiben, Mjä^rlid^ oon @m : ßönigl. 2Jlag. 
{Jorft Slmbt Slnpad)ten, meSmegen mir aud^ nid)t ben 
?HIergeringftcn ^"^eifel tragen SlHerpd^ft ®iefelbe merben 
biefen ?inertf)ftn @u(f)en Umbbeme^r SHIergbft deferiien 
9118 1) ba^ müfte lanbt ^ol^er 93erorbnung ®emä§ Culti- 
ritct, unb baburd^ bie ffßlbfrüd^te im lanbe oermel^ret 
mithin moi)Ifeiler ®emadf)et merben 2) 9lud^ mehrere be* 



— 26 — 

tntttelte Fnwilien öaburc^ ?lula6 ÖJcgcbcn njirb, ein Oleic^cS 
jit öeroütcfen uiib ®icf) ^ie^in ju Dctfügcii ; 3) bic onigo 
®tei(f)fttn§ (Bcbettene matfrialien au§ benen per moigen 
ncwrrfirtcn Sc^o^ungä @e[bcr, in roeiiig jatiren ^Ibgefü^tet 
loerben Tonnen ; Unb obgleid] oerfoutcn voiU., ob tämm. 
biefc Selber nii^t in Sni: fiönigl- War), fonbem in btt 
©tobt privat Caffe, fo fteE)et ©ä boc^ lebiglid) ai)n ®ni: 
ßänigl. ajlag. ©leid) mir E)iemit Sinerttift 3InJ)Ctmb ©teHen 
Ob nicfjt bem Mnijißmt anbefohlen roerben tönte, jätiütic^ 
fo üiel Selber ad Caffam Uet/iaw Sinjufenben bi§ bic 
Materiaimi obgefültret morben. 

Eh folgt dann die Hitte, die Emigranten mit läiiier 9IIIergbftn 

Refotution ju erfreuen. 

g 31. Die Vorschläge der Emigranlen lenchteten der Rammer 
ein. Noch am selben Tage ging auf die rührende Bitte der Emi- 
granten dem Magistrat von Goch der Befehl zu, hicfe ©ai^e no(^ 
ma^IS gu überlegen nnb flii erroegen , roie benen Supplicanten ju 
Reiften unb ©te auf bie öcqbc gefetict roerbcn fönnen, roaS Sic 
jum 93au unumbgänglid) fo in ®clbe als ^ol^ nöf)tig ^abm. roaS 
©ie baju ex propriis felbft tjerlangen tonnen imb roollcn. unb roie 
nicl fobann an Suf'^''^ nÖf)tig, bomit nadi Unferin ^offlager, als 
tt)o[|in man in bercn faveur fobonn bcri(f)ten roirb , ein fit^creS 
Quantum benanbt unb tiorgefd)Iagen nictben tonne. Und in den 
Notizen der Kammer ündet eich die Anlage für den Bericht nach 
Hofe, d. d. '23. September: Sitte biefe llmftänbe nad) .^ofe jU» 
bericfjten unb DOtaufdjtugcn, Ob ber ßönig nid)t Quä ©enaben biefe 
Qeule mit ®tron§ ^olg , ^atcf unb ©teinc ober mit ba[)rem gelbe 
begfpringen roolte, um baburdi nod) mef)rerc ju mcoumtjiren, fit^ 
^iet im Sonbc anjufcgen. ff/') 

NB. %a^ resnriptiun rocgen peuplirutKj be§ ÖonbeS mufe jum funda- 
ntenf genommen rocrben. G{eelhaer) 

§ 32. Der Gocher Magistrat befahl die beiden Deputierten 
Conrad und Grnesart 7,u sich und teilte ihnen den Inhalt der 
Eammerordre mit; vor allem müssten sie jetzt, da die Sache 
günstig für sie stehe, einen Anschlag über die Bankoeten machen, 
wieviel sie selbnt zahlen wollten und wieviel Unterstützung Bie 



i 



— 21 — 

wfinscbten. Die Deputierten meinten, dass dazu eine ziemliche 
Zeit erforderlich wäre, und es wärde dabei das favorable Wetter 
ud die Jahreszeit verstreichen, wo sie noch aaf dem Lande 
arbeiten könnten, tpeld^eS uniS SRel^r ofyx ^dtem olS ein DoQIommeneS 
ja^r fd^bet; deshalb möge der Rat nur jedem seine gewünschte 
Morgenzahl genau zumessen, möglichst bald und den Platz für 
Hans and Garten unentgeltlich; für den Winter hätten sie sich in 
der Stadt eingemietet, sie wollten also erst nächstes Jahr mit 
HaoBbau auf der Heide beginnen. 

Der Magistrat holte den Rat der Kammer darüber ein, ob Sold^em 
peüio 3U deferixm. Die Kammer sah die Gründe der Emigranten 
ein and am 14. October ging an den Magistrat die Kammerordre 
ab : benen Supplicantm bie ocrlangte SSioi%tn^^a\^l an unf d^öbtüci^cn 
Ort^en an^utnetfen, bie aSermelungg - ßoften genau ju accordken 
unb norerft 93orfd^u|n)eife auiS bent 93eftanbe bortiger Cämmerep^ 
Ca/fe ju bejal^Ien. Auch wurde den Emigranten gestattet, sich 
während des Winters in der Stadt aufzuhalten. 

Am 14. October ging der Bericht nach Hofe ab. Er ist 
sehachtern gehalten und tritt wenig lebhaft für die Emigranten 
ein. So heißt es zum Beispiel, was die Unterstützung anbetreffe, 
•o habe man. in diesem Punkte den Leuten keine Hoffnung ge- 
macht und sie immer auf ihre eigenen Gelder angewiesen. 

IL Die Jahre 1742—1747. 

§ 33. Mittlerweile wurde es Winter, der Aufenthalt auf der 
Heide wurde unmöglich, die Emigranten zogen in ihre Quartiere 
in der Stadt. Sie hatten im vergangenen Sommer wenig erreicht; 
die Ansiedelung^ wenn man von einer solchen schon reden konnte, 
war an die Bedingung geknüpft, dass sie alles aus eignen Mitteln, 
die doch so gering waren, bewerkstelligen sollten. Und bei dem 
Aufenthalte auf der Heide waren diese Mittel auch immer mehr 
zasammengeschmolzen. Das Leben in den dumpfen Erdhöhlen 
hatte eine Nerrenfieberepidemie im Gefolge. Die Lage der Pf älzer 
war sehr traurig. Der Gocher Magistrat erbarmte sich der Armen; 
er sandte Anfang Januar 1742 zwei Deputierte, Bosman und Stocks, 
ra den Familien, und diese berichteten in der Ratssitzung am 
10. Januar, rote fie bie ?lrmutl^ bcr fid^ alliier JHebergelaffene 
Pfäl^ifc^n Emiffranten auffgenol^men unbt 9 $augE)altungen an^ 



getroffen, meldje mit im ßiitbereii 55 PcrfoEincit aufemoifieit uiibt 
in grÖfecftet armufjt fiif) befinhcn, niidE) baftero Compcm'mi unbt 
§ülffe »werWrtcn, mann nii^t fetbige fonften nvpizzn iinbt nergcticn 
folten-') Daraufhin beschloBs der MügiBtrat, den Armen jedp 
Woche zwei Berlinische Scheffel Rnggen jum 95robt nnbt Unterftüll 
austeilen zu lassen und dies bis zum letzten Fel>ruar 1742 fort- 
zusetzen. Auch da^ Consistorium der reformierten Gemeinde nahm 
sich der Notleidenden in liebreieher Weise an and gab wöchentlich 
ca. 4 Gulden.*) Andere gutherzige Leute folgten dem Beispiele; 
so wird an dieser Stelle ein Mann zn erwähnen sein, der, den 
Acten nach, erst einige Jahre später in die Geschichte Pfd.s ein- 
griff, Dr. med. Petrus Wilhelm Speck, Ratsherr in Goch. Er er- 
wirkte sich später vom König die Erlaubnis, in Pfd. wohnen zn 
dürfen; lange hat er im Preabyterium der reformierten Gemeinde 
Pfd. gesessen nad den Pfälzem ärztliche Hülfe angedeiheo lassen. 



§ 34. Der Winter verging. Einige Pfälzer waren den 
Krankheiten erlegen, ©egm erftcn guten saison unb ^erau nal)enben 
(Jrü^Iing sollten siub die Emigranten wieder wegbegeben; so hatte 
der Magistrat befohlen. Am 2. März 1742 rief der Rat die Emi- 
granten zu sich; sie kamen, fünfzehn Familienväter.*) Der Rat hatte 
eigentlich mit ihnen über Vorschläge zum Haushau und äl)er Cnltur- 
anlagen auf der Heide reden wollen; aber angesichts der traarigen 
Verhältnisse und weil noch keine Antwort vom König eingelaufen 
war, gab der Magistrat den Pfälzern den Rat, sich bei Beginn der 
guten Jahreszeit auf den Weg zu machen und ihre Reise nach 
Pennsylvanien fortzusetzen. Die Emigranten sahen nur zn sehr 
die Richtigkeit dieser Ausführungen ein, doch war ihnen der Mut 
trotz der Entbehrungen noch nicht entfallen; einige erklärten in 
dieser Sitzung, dass sie sich wohl getrauten ihr Brot auf der 
Heide zu verdienen, wenn man ihnen nur Zeit ließe, dass sie von 
Jahr zu Jahr vorwärtskommen könnten. Der Magistrat, der den 
Emigranten und ihren Bemühungen freundlich gegenüberstand, ver- 
suchte es nun. einen Druck auf die Kammer auszuüben, damit sie 
das Unternehmen auch ihrerseits unterstütze. Der Rat sandte 



1) GStA Nr. 53: RatsprotokoUbaoh. 

2) GRGÄ Consistoriatprotokollbuch. 
8) Vgl. B. 8 41. GSU Nr. 52. 



— 29 - 

also eine Vorstellnng an die Kammer, worin der traurige Zustand 
der Emigranten klargelegt war, dass man ihnen, um die Bürger 
nicht zu beschweren, das Consilium abeundi gegeben hätte; j[ebo(f) 
iDÜtbc c§ oon (Sxo: fiönigl: Sölapcft: SlQerl^öcl^ftcn ®nabe depefidkm, 
ob benfclben auff ein ober anbete SBeife fönne ju ^ülffc gefommen 
merben. Doch die Wirkung war eine andere, als man erwartet 
hatte. Die Kammer beschied am 6. März 1742 den Rat, dass er 
aUen denen, die sich nicht mit eigenen Mitteln weiterhelfen könnten, 
das Consilium abeundi geben solle. 

§ 35. Damit waren alle Hoffnungen der Pfälzer zu nichte 
gemacht; ihre Arbeit und Mähe auf der Heide war vergeblich ge- 
wesen. Doch der Rat hatte es nicht so eilig mit der Ausführung 
der Kammerordre. Am 21. März^) erschienen die Emigranten 
wieder auf dem Rathause, wo ihnen die Kammerordre nochmals 
vorgelesen wurde mit dem Bemerken, dass sie bis Ostern die Stadt 
räumen müssten, auch könnte ihnen nach Ablauf des Monat März 
nichts mehr aus der Armenkasse gegeben werden. Die Emi- 
granten suchten die Heide wieder auf. Sie wandten sich nochmals 
an die Kammer und wünschten gegen Bezahlung Holz. Die vor- 
sichtige Kammer fragte aber erst beim Magistrat zu Goch an, ob 
die Bittsteller auch im Stande wären, bie U^rba^rmad^ung be§ 
^egbe ßanbeS auff 3i^re ßoften ju beftreitteu; dann könne dem 
Wunsche willfahrt werden. Doch solle der Rat die Leute nach- 
drücklich darauf aufmerksam machen, bo^ @ie gar feine Asßstance 
Tociter ju geroarten, unb beSnoegen, roann eS Qi'^nen ntcf)t anftünbe, 
fid^ nur roeg begeben fönten (27. März 1742).«) 



1) GStA Nr. 52. 

2) Einige Emigrantenfamilien hatten in der Gegend von Rinderen über- 
wintert. Gegen sie verfährt die Kammer mit voller Schärfe. Der Richter 
Beyman erhielt am 30. April 1742 folgende Kammerordre: 

«n m^Ux ^iefelbft tit: griebric^ Äönig etc. etc. 

Reyman wegen her Penfil- SGÖir Sefel^Ien ®ud^ l^ierburdft in ©nahen, 

vanier. benen im ^orff Rinderen unb her ortl^en 

fic^ Quffl^altenben Penßlvaniem 93e» 
beuten ju lafeen, bafe @ie fld^ non l^ier roegparfen, immagen benn 
au(^ bep benen iBenac^bal^rten felhige ni(^t gebulbet roerbcn, unb 
[te nur Un[eren Untert^anen jur Saft liegen. Cleve ut fupra. 

Rappard Oedhaer 



§ 36. Den Sommer über arbeiteteD die Emigranten auf der 
Heide. Sie kämpften hart um die neue Heimat. Äne der Sach- 
lage geht hervor, dass sie durch den Erfolg ihrer miihevüllen 
Arbeit auf die Kammer eJneu morallRcben Zwang ausüben wollten. 
So gut es tnit den mangelhaften HUlfsToitteln und mit eigenen 
Kräften ging — denn Pferde oder Rindvieh beBaßen sie nicht — , 
beBtelllen sie den Boden. Auch einige Häuser waren entstanden; 
doch konnten noch nicht alle Obdach auf der Heitie tinden. Daher 
begaben sich wieder mehrere Familien bei Eintritt des Winters in 
die Stadt, ohne dass der Magistrat Einwendungen dagegen machte. 
Als sie aber wieder den Bürgern zur Last lielen, da befahl der 
Magistrat alle Emigranten auf den 17. Jnnuar 1743 auf das Rat- 
haus, und in aller Milde machte er ihnen bekannt, baf) @ie €id| 
imnnieI)ro mit ^^rcn tamilkn inncrJ)alti 6 ipodjert roteberuinb üon 
t)iet begeben inüfeen.') Da die Kammer nicht half, konnte der Rat 
natürlich den Armen auch nicht helfen. Die Emigranten ver- 
sprachen dem Befehl nachzukommen. Aber sie richteten in ihrer 
Not eine Vorstellung an die Kammer: sie seien doch in den Scbutj: 
des Königs aufgenommen, und esi sei ihnen auch wüste« Land an- 
gewiesen; jetzt nun, wo sie Arbeitskraft und Vermögen in die 
Erde gesteckt, Häuser gebaut, die Erde mit ihren Händen um- 
gegraben und auch schon guten Erfolg beim Ackerbau erzielt 
hätten, jetzt befehle ihnen der Richter von Goch, dass sie hinnen 
sechs Wochen das Land räumen sollten. Die Kammer aber ließ 
sich nicht rubren und blieb bei der früheren Verordnung, ba^ bie= 
ienigc, roeldje felbft nicf|t foniel ocrniögcn, fitfj fnctfjclffcn ju tonnen, 
\\ii) anbetiDertlid) ^in begeben müften (23. Januar); sie könnten 
nicht mehr im Lande geduldet werden, da die meisten von i 
betteln gingen. 



1 



§ 37. Am 13. Februar wurden die Emigranten wieder -wt 
den Rat citiert: zwei von ihnen hätten sich nach dem Bericht des 
königlichen Forstamts auf §D[§bieberet)en ertappen lassen, dessen 
sich die beiden, Spee und Holfmann, zwar nicht entsinnen konnten, 
gleichwohl oon ^et^en deprevirtm. Übrigens 
einmal erklärt, daas sie sich in sechs Wochen 



ins wurde ihnen noch 
chen, vom 17. Jauau,. 



— 31 — 

an gerechnet, von hinnen begeben mässten, widrigenfalls man 
andere Mittel znr Hand nehmen müsse. Und die Kammer, die das 
Vwhalten des Magistrats gut hieß, verordnete ansdrticklich , dass 
diese Maßregeln auch ausgeführt werden sollten. Unb ba biefe 
miyrantm einige SDIorgen umgegraben, fo oermut{)li(l^ mit S3ir(ten, 
Sieben ober SBud^en @aamen ton befäet n)erben; @o ^abt ;^^r 
foh^eS in attention junel^men, unb juübeiclegen, ob nid^t auf fold^e 
ober anbete n)etfe etroaS jum SSort^etl ber Cämmereg geftifftet 
metben (önne. Die Emigranten aber blieben auf der Heide. Am 
18. März schreibt ihnen der Herr v. Bemheimb, einer ihrer Gönner, 
eine Bittschrift an die Kammer. In dieser danken die Emigranten 
dafür, dass ihnen gestattet worden wäre zu bleiben, wenn sie sich 
selbst forthelfen könnten. Doch müssten sie jetzt notgedrungen 
mitteilen, dass ihr ganzes Vermögen auf den Hausbau und die 
Bodencultnr gegangen wäre; das Baubolz hätten sie z. T. von den 
Baaem, meist aber von dem Förster im Tannenbusch gekauft und 
laar bezahlt. Zwar seien ihre Kinder gegangen, um an den Türen 
mildtätiger Leute ein Almosen zu heischen, doch das sei auch 
nicht ohne Grund geschehen; denn besonders durch die schweren 
Krankheiten, die sie in den Jahren ihres Hierseins durchgemacht 
kitten, seien sie sehr zurückgekommen. Aber jetzt hätten sie 
gute Hoffnung, bald von selbstgezogener Feldfrucbt ihr Brot zu 
backen. Und so möchte ihnen die Kammer doch gestatten weiter 
im Lande bleiben zu dürfen, und auch möchte sie ein aller- 
gnädigstes Schreiben an den Hof richten, dass der König ihnen 
hier oder, wenn nicht anders möglich, sonst wo seine Gnade er- 
weise; sie seien ehrliebe Leute und hätten sich j[ebergeit honett 
Quff gefü^ret , wie das beiliegende Attestatum des Rats von Goch 
zeige. Dieses Attestatum möge hier folgen als ein Zeichen, dass 
der Rat den Emigranten noch immer gut gesonnen war: 

SGBir JBürgermcifter ©d^effen unb Bti^t ber Stabt 
Goch jeugen unb befennen ^iemit ad inftantiam ^ai)^ 
befd^riebener Oberlänbifd^er Emigrantzn ?II§ Johannes 
Krafft, Michael Groffart, Jacob Speh, Jörg Kern, Abraham 
Lima, Johann Seetnan, Carl Krajß, Söittibe philipp Wend- 
linge, Johann Henrich Hanfs unb Adam Becker, n)el(i^e 
Me Std^ üon Michaelis 1741 btS ^ie^in Sombt SEBeiber 
unb ßinbcr auffge^altcn unb @td^ 2)ergeftalt ®]^r= unb 



32 



ffcbtiid) Qiiffgefüt)tet unb erncbrct fiaben. "3)06 SSir imb 
aud) Heiner aujf 3>iefelbe etiOQS eiiijjunienbL'ii, Diclromigev 
ju tabelcn roifeen; 

UbiEunbtlii^ UnfereS bicninter (Sebnitften StobS 
/w/lcgeL unb be§ Secre/urii Unterf (grifft. Siffnatvm Ooeii 
h 1. Mtirfii 1743. 

Ex Mandato DDrum 
J: JuHiw 

Seertt. 

Die Kammer antwortete kurz, den fimigT-anten sei keiu weiterer 
Anfenthalt zu vergönneD. sie hätten ja auch selbst geatauden, dass 
ibre Kinder gebettelt hätten; sie sollten daher ihre Reise fort- 
setzen, vnn diesen] Gesichtspunkte aus sei ihnen vom Rat jedenfalls 
das Attestatum gegeben worden; übrigens wundere sich die Kammer 
sehr, dass die Emigranten, welche den preußischen Untertanen nun 
schon zwei Winter beschwerlich gefallen wären, die Unterstütztmi 
derselben auch ferner beanspruchten (20. März}. 



h sie 
hrten, 
□acb 

1 



§ 38. Jetzt greifen die Emigranten zum letzten Mittel: sie 
wenden sieb persönlich an den König. Ibre beiden Gefährten, 
Adam Beeker und Micbel Grossart, wandern Anfang April nach 
Berlin mit folgender Bittschrift: 

SlUerburdilaiiditigfter pp. 

(Sro: fiölügl: Müj: i?riegeS= unb Domainen:Cam 
jii Cleve, ^ot uns armen auS 10 faiinlien >) bcfte^enben 
®f|ur ^fäl^ifc^en Emigranten, Michaelk 1741 auf unfct 
Slnfudjen, oiif bem ber Slabt Oochf: nafje bei) Gfew:/ 
gugeböcigen §eT)be-®nmbe, einen niüftcn iinb beroacfifenen 
^lafe, all ^Idcrtdue unb ii^cba^r ju mad)en mit S9e= 
roinigitng be§ bofigen Magistrats eingegeben, folc^er: 
geftoit, bafe mir noc^ bcnen Derftti(^encn unb genommen 
g^teq^^atjrenjjroajlorgen iötirl: 2 rl 6rb 3infen abfül)ten, 
au(^ bie JpÖfe auf unfete iloften aufbauen folten. 

Ob jroac mit nun nac^ unfern luenigen Scrmögen 
alle mögliche Slnftalt bagu gemad)t, nud) bereits [et^§ 




- 33 - 

Käufer fertig, unb ba§ SRäümcn unb IRaben unferS 
angen)iefenen SlcIerS, unS fleißig angelegen fe^n lagen; 

©0 finbt n)tr tnbem rotr an bie 2 Qal^rc ex propriis 
leben mügen nod^ leinen ©infd^nitt gehabt, unb über 
bieS fd^n)e^re unb Iangn)ierige l^i^ige ^andl^eiten aug^ 
geftanben, meift oerarmet, unb auger ©tanbt gefe^et 
roorbcn, unfer SSometimcn in§Söeidf jurid^ten, jamand^en 
von un§ in ber ^andl^eit bie 9lot]^ fo gebrüdet, bag bie 
^nber oor bie S^l^üren gelten unb gute Seute um brob 
anfpred^en müfeen. 

©annenl^cio ju @n): ßönigl: Mäj: SlHerl^öd^fte 
^ßerfol^n, n)ir arme ßeut^en unS in aUertiejfter 2)el^mut^ 
roenben, alleruntertpnigft fufefäHigft bittenbe, un§ armen 
emigranten, bie mir luft unS ju nähren ^aben, ©ero- 
felben meltgepricfene Clenieftce and) angebellten ju lagen, 
unb un§ mit einem Keinen a3orfd^u§ ju gortfc^ung 
unfern angefangenen 2öerdf§ au§ l^ol^en fiönigl: ®nabcn 
nnb ßanbe§ oätcrl: ©rbarmen unter bic?Irme ju greiffcn. 
Sitten Slttcruntcrt^änigft umfa ber be§fall§ nöttiigcn 
aUergnäbigftcn Special-Ordre an ber ©leoifd^en Cammer, 
baSjenige, ma§ nn^ ju unfern meiteren etablisjentent 
fel^Iet, al§ einen S3orfd^u§, fo mir balb möglid^ft nad^ 
unb nacf), ja nod) mä^renben greg^^a^ren roieber ab^n^ 
geben un§ mit allem ©ruft beftreben merben, lierjugeben. 

®ie mir bafür ®m: ßönigl: Müj-. getreue Unter* 
tränen ^z\i Sltbtn^ oerbleiben unb in aUertieffter Sub- 
mission erfterben moHen. 

@m: ßönigl: Mäj: 
etc. etc. 
Goch, ben 2tcn April Adam Becker 

1743. unb Michel Grosfart 

9lal|men§ fämbtl: ®l^ur 
^fäl^ifd^en Emigranten. 

Die erste Hälfte des Monats April verging, ohne dass die 
ligranten von ihren Deputierten etwas erfahren. Am 16. April ^) 
et der Rat von Goch sie vor sich auf das Rathaus und fragt 
^ weshalb sie den Edicten vom 17. Januar , 13. Februar und 

1) GStA Nr. 52. 

Dentsohe Dialektflreosrraphie III 3 



mi 4in '^nm inmem Wg g fccn bitten. 

Deputierte 
3irf^ EiiflOBm jb. •ioi Ene inä Bocm ijmiiAt bitten und 

Frac 2siML Der Ijc äewälies» fit», tiick wvde ihnen 

Mit lösr tegetest äofas: js jmwiTF i Vrrr, tas M^ SRittel an 
y^ wBi. j jHMfeme g ünxrdet. jju&u.->ii tar Jiii i iff iiftg St^iffl^oib 6t' 
fbCjBC Tb(!ze. Der Vniuc A^ grng n Fitr r^flift — Anfang 

nach 
wnrde; 
die Er- 
fir die 6e- 
tcUdite PfiU m wkftti^ C ' chirtaiiit baM Msademaßen: 

9aa SooeS 9ibi>bi ^tälcndi. floing in ^^reugen, 
aRucggrsf |b ftaiii l ruhH ig, fec§ ^dl: 9ldm: 9lei(^ 
fof^g ommgiet md <5iBimxft etc. etc. 
IbDcni gnobign Scns jmwc, JSe^, ^oc^ela^rte 
Waffe, ßefie Sctroie! ?CRr ißfol^ifi^ EmigratUen 
Adam Becker nxib JfidM Granfmrd amb G wMwtol imtetm 
2tm tnrffS SRomtfiS eingem^tes Sqq^laiaaten, inorinn 
fit mnb emoi Socfc^nB jn ttecm EkMisfinmeni bitten, 
ubfrffnbcn &ir (£uc6 in flbn^nfft ^texne&en: Unb ba 
Ue Stobt Godl Don bcnen :k^iemien tfiemec^ft einen 
fo^tic^ Sr6^3^ 3^ genxirten ^ fo mu| fte auc^ 
not biefetbe folgen, unb bebfilflif^ fe^n, ba| bie be« 
tDod^ene $[ä$e ju Scfem rein unb U^rbo^r gemacht 
werben. Aus Unfern Ca/kpi« aber fann boju nichts oer= 
roiHiget nDerben. 3inb &ud) mit ®naben gewogen. ®e^ 
geben äu «erlin, ben 30. Apnl 1743. 

?luf Seiner ßonigl: 9)lap: 
aUergnöbigften SpeciaUöe^efjll 
Hoppe. 93oben. 
Sin bic Clevi^d)e etc. (Jammer, ba| bcr 
Magistrat ju Goch benen ^fäl§ifc^n 
Emigranten betjülfflid^ fepn foQ, bamit 
fie bie i^ncn angemiefcnc müftc Sldfer 
U^rba^r mad^en lönncn. 



- 85 - 

§ 39. Damit ist die Gründung der Colonie beschrieben. 
Allerdings war ihr Bestand vorläufignur anf dem Papier gewährleistet. 
Deshalb ist es von Wichtigkeit zu betrachten, wie die Pfälzer, 
jetzt nicht mehr Emigranten, sondern Ansiedler, durch Arbeit und 
Fleiß den Bestand der Colonie in praxi garantierten. Es ent- 
wickelte sich bald ein reges Leben auf der Heide. Der Gocher 
Landmesser von Heuclom führte auf der Heide die Vermessung 
aas, allerdings vorläufig, um die Kosten zu sparen, nur ungefähr. 
Die Stadt errichtete mit den Emigranten die Erbpachtverträge 
und die Kammer ratificierte sie später durch die Ratificationsformel : 

SSorftel^cnber (Srbpad^t Contract tüirb 9lal^mcn§ ©einer 
ßönigl : 9Jlaj|. in ^ßreufeen unf cre§ allergnäbtgften Ferren, 
in atten feinen ?ßunften unb Claufulen, l^terburc^ con- 
ßrmmt unb rcUißcixtt. 

Siffl: Cleve ben .... 
(L. S.) 
Äönigl: ^ßreufe. Cfey.-SJlarrfifd^e ßriege§ unb Domainen 

Äammer. 

Wer das Land kaufte, zahlte pro Morgen 25 Rthlr. und einen 
jährlichen „Canon" von 20 Stüber. Wer das Land in Pacht nahm, 
hatte 5 ganze und 5 halbe Freijahre; während der ganzen Frei- 
jahre zahlte er keine Pacht, während der halben jährlich 1 Rthlr., 
nach Verlauf derselben 2 Rthlr. pro Morgen. Während der Frei- 
jabre waren die Colonisten frei von Sportein und Stempelpapier 
in Processsachen und in den Actus contentiosae jurisdictionis, nicht 
aber in den Actus voluntariae jurisdictionis.^) 

§ 40. So hatten die Emigranten endlich feste Wohnsitze 
durch das Machtwort des Königs erlangt, und nun hatten sie 
auch, auf die Gnade des Königs pochend, mehr Aussicht, das zum 
weiteren Aufbau der Häuser und Scheunen erforderliche Material 
zu erlangen. Am 5. Februar 1744 wandten sich 10 Familien an 
die Kammer mit der Bitte, ihnen zum Bau 2 (Stellen unb eine Sannen 
^agge zu schenken; ihr Geld sei durch Baukosten und Lebens- 
unterhalt aufgezehrt. Zwar konnte die Kammer aus sich selbst 
kein Holz aus den königlichen Forsten anweisen, aber sie be- 



1) DStA L. G. C. Nr. 750. 

3* 



richtete am 6. Februar 7.a Gunsten der Ansiedler an das kcinij^Iiche 
Hoflager. Beacbtenewert ist, wie lebhaft Jetzt die Kammer für die 
Ansiedler eintritt: ®q nun alfjier me^r bcn gu belant i[t trie 
fd)roet e§ tiefen annen roegen deneißxttx Re/ighns grei)^cit, auS 
i^rem SßatPtlanbe gegangenen, leätcn fält, itjren fümmerlic!)en Untcr= 
^Qlt um xt\x arnifeetigeS leben ju friften, jn erlangen gefc^toeigc 
ba§ Kie im Stanbe fei)n föüen fidi gemelhete^ öclß 5um .Scheunen 
Sau an^utauffen; ^f^ä^Ui^^ti ''od) burd) if)t bcmübcn ein gutes 
Stücf fonft /terilen lonbeä nu^baar gemadjet unb alfo bem gemeinen 
heften ^ieburd) ein roa&rer 3nn"icf)§ netfd)afft mirb .... Einige 
Tage später verlangt die Kammer einen genauen Bericht über den 
Stand der Colonie; der Rat von Goch solle in Form einer Tabelle 
folgende Fragen beantworten : ') 

1. SBieDicI bet Familmi fegn unfat roie fie mit Sla^men Ijeifeen? 

2. Sßie ftarif i£)re Familkn mit SBeib unb fitnber? 

3. Ob unbt roieniet 93ic^ fie I)aben? 

4. 3öie gcofe ba§ ßartb, boä einem jeben angeiuiefen ? 

5. Ob aCIe# unbt roieniel bereits baoon u^rba^r gemai^el 
rootben? 

6. SßJieoiel greq 3a^te itjnen accordket rootben? 

7. SIßann felbige exspiriten unbt 

8. Söieniel bie ©tobt ftiernegft bODun profitnen rocrbe V 
Itesondere die vierte Frage verursadite dem Rate einige Unruhe. 
Man hatte ja versäumt, Jedem Ansiedler seine Morgenzahl genau 
zuzumessen, um die Kosten /.u sparen. Uer Rat antvrortete der 
Kammer, man hätte nicht gewusst, woher die Vennessungsgelder 
zu nehmen, da im Kämmerei-Etat für dergleichen Ausgaben nichts 
vorgesehen Bei. Die Kammer veruabm mit ^efrembung, dass man 
den Ansiedlern Land angewiesen habe, ohne zu wissen, wieviel. 
Sie befahl daher, dass der Rat einen Üherschlag der Vermesaungs- 
kosten machen und im übrigen dem früheren Befehl, den Ausiedlem 
ihre gewünschte Morgenzahl zuzumessen, baldigst nachkommen 
Bolle. Ende März 1744 sandte der Magistrat die geforderte Tabelle 
ein.') In dem begleitenden Schreiben macht der Rat nochmals 
darauf aufmerksam , dass die Golonisten sich ohne Hülfe nicht 

1) DStA L. G. C. Nr. 885; desgl. OStA Nr. 52. 

2) Leider scheint diese Acte nicht mehr erhalten zn sein; sie nürd« 
jedejifUiUa interesBante Aufschlüsse über die Entwicklaog bia 1741 gegeben 



1 



— 37 — 

darehbriDgen könnten; schon seien 11 Familien wieder weg- 
gezogen, z. T. in die Heimat zurück, sodass aber 100 Morgen 
wieder verlassen dalägen; den Überbleibenden seien insgesamt 
148 Morgen zugemessen worden; von jedem Morgen erhalte der 
Stadtgeometer von Heuclom 80 Stüber, eigentlich betrügen die 
Fermessnngskosten 1 Rthlr. pro Morgen, aber unter den obwaltenden 
Umstanden wolle der Landmesser nur die Hälfte für seine Arbeit 
berechnen; dann würden sich also die Kosten auf 74 Rthlr. be- 
laufen.^) Die Kammer beauftragte den Commissarius loci, Kriegsrat 
Gazali, mit der Regelung der Angelegenheit.') Die Rechnung des 
Landmessers sei zu exorbitant y was Gazali zu erwägen habe; 
obrigens wünsche die Kammer von ihm einen unxbftänbltd^en 93ertci^t, 
ob ba§ Etablissement ber Colonisten erfolgen tonne. Die Antwort 
Gazalis fehlt zwar, aber wir dürfen das Fortbestehen der Colonie 
als ein Zeichen für eine günstige Erklärung des Commissarius loci 
nehmen. 

§ 41. Die Ansiedler arbeiteten inzwischen an dem an- 
gefangenen Werk rüstig weiter. Es kamen hin und wieder schon 
Landsleute aus der Pfalz, um sich auch anzusiedeln. Doch damit 
war die Kammer nicht einverstanden. Sie war der Ansicht, dass 
man zunächst zusehen müsse, ob das Etablissement der ersten 
Ansiedler auch von Bestand sei. Nur solche, die Vermögen be- 
saßen, sollten aufgenommen werden. Als der Zimmermann Jacob 
Martin sich um einige Morgen Land bewarb, da er neben seinem 
Gesehäffc, tnbe^m id^ oerfd)iebenc ^äufeerger auf eine fo jierlici^e 
monier als eS unfere armutit äugelafeen, oor meinen lanbeSleuten 
auf ber ^e^be oerfertiget, auch Ackerbau treiben wolle, antwortete 

1) Die Gresamtkosten bei der Anweisung waren folgende: 
der Magistrat erhielt pro Morgen 
die Kanzlei pro 5 Morgen 
Galenlatiurgebtthren 

der Secretarios für den Erbpachtbrief 
der Stadtbote pro Morgen 
für 2 Copien des Erbpachtbriefs 
der Landmesser 
Stempelbogen 
pro sigillo 

2) Der Kriegsrat Gazali ist überhaupt bei kleineren Angelegenheiten 
ihrtaa f&r die Ansiedler die erste Instanz auf dem Wege zur Kammer. 



2 Rthlr. 


— Stüb. 


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12 . 



die Kammer, bafe feinem p^tito nic^t deferitzi roerbcn Cönne; nnd 
das Gocher RateprotokoU vom 2. März 1744 begründet dieBeo Be- 
Bcheid : ffiJeilen naif beni üetanbten fiönigli(f)cn l!^dkt feine öanbt= 
tocrtfcr auf bem platten Sanbe 3« hnlbm. Dennoch hielt sieh 
Martin (oder später Merten genannt), wie die Kirchenbücher ans- 
weisen, noch lange Zeit auf der Heide. Im Augast des Jahres 
1744 kam wieder ein größerer Trupp Emigranten den Rhein 
herunter nnd blieb bei Emmerich liegen. Doch lehnte die Regiernng 
die Bitten einiger dieser Leute, die sieh ansiedeln wollten, ab. 
Nur einer, F'riedrich Sies oder Süß, mit 100 Rthlr. wurde an- 
genommen. Ende November kam Michael Dandes mit 100 Rtblr. 
um zwei Morgen Land ein. Seiner Bitte wurde willfahrt. So begann 
langsam der von den ersten Ansiedlern prophezeite Zuzng. Aller- 
dings hatten sich auch einige Familien — nach dem oben angezogenen 
Gocher Ratsschreiben sogar elf — wieder wegbegeben , weil sie 
nicht die nötige Unterstützung erhalten hatten. Aus den Acten 
sind die Namen dieser Familien nicht zu ersehen. Sicher aber 
haben sich weggewandt die Familien Leetshayer, Pettersheimer, 
Sieben, Sebäffler und Engelmann. 

g 42. Kirchlich wie auch communat waren die Pfälzer ab- 
hängig von Goch. Nach Goch gingen sie am Sonntag zum Gottes- 
dienst,') nach Goch gingen auch die Kinder in die Schnle. Wenn 
wir nun einen Blick vorwärts auf die weitere Entwicklung der 
jungen Ansiedlnng werfen, so sehen wir, wie sie sich im Laofe 
der Jabre langsam und leise immer mehr der Bevormnndang durch 
die Gemeinde und die Verwaltung der Stadt Goch entzieht. Die 
erste Etappe anf diesem Wege ist die Erlangung eines eigenen 
Namens. 1745 tritt die Ansiedlnng auf unter dem Namen Pfaltzorth. 
Wer der Colonie den Namen gab, ist fraglich. 0. v. Schätz sagt 
zwar, dasB die Kammer es gewesen sei, was ich aber nicht gellen 
lassen kann ; Acten darüber existieren nicht. Die Sache scheint 
80 zu liegen, dasa der Name Pfaltzorth von den Emigranten stammt. 
Die Kammer schreibt nämlich in der Regel „an die Emigranten 
(oder Colonisten) anf der Oocher Heide," hatte also eigentlich keine 



1) Die Lutheraner gingen D&cb Cleve, da in Qocb keine lutherische 
Gemeinde bestand; übrigens ist die Zalil der Lutbemaer auf der Beide sehr 

Icleiu, 4—7 Familien. 




— 39 — 

Veranlassnng , diese BezeichDong , zamal Verwechslungen ausge- 
schlossen waren, zn ändern and der gänzlich von Croch abhängigen, 
anbedeatenden Niederlassang einen besonderen Namen zn geben. 
Ich möchte aach verweisen aaf die allgemeine Bezeichnang der 
übrigen „Gocher Stadt-Dörfer^, der zar Stadt Goch gehörigen 
Landbezirke Asperheide, Yossheide und GU>cherberg. Meiner An- 
sicht nach hat die Kammer, wenn sie die Bezeichnang Pfaltzorth 
gebraacht, dieselbe von den Pfälzem äbemommen.^) 

§ 43. Im selben Jahre erlangte die junge Colonie auch eine 
eigene Schule, die zwar vorläufig noch unter der Gocher Gemeinde- 
verwaltung stand. Am Sonntag den 12. December*) nach dem 
Vormittagsgottesdienst war in Goch Consistorialsitzung. Die Refor- 
mierten unter den Ansiedlem hatten sich schon vor Jahresfnst und 
aach später noch einige Male bei dem Gonsistorium der reformierten 
Gemeinde gemeldet und ihm die Bitte vorgetragen, man möchte 
auf der Heide einen Schulmeister anstellen, da der Weg nach 
Goch für die Kinder zu weit und namentlich im Winter nicht un- 
gefährlich sei; sie hätten unter sich einen Mann namens Valentin 
Conrad, der schon daheim in der Pfalz die Schule zu PreiBelbach(?) 
mit gutem Erfolg geleitet habe. Das Gonsistorium citierte auf den 
12. December den Schulmeister vor sich, um ihn in pleno über bie 
ßel^rfä^c her Cl^riftl. BeligUm nic^t nur ju oerncl^men, fonbcm aud^ 
ju unterfud^cn, ob er eine ^inlängKd^e fjertigfeit im ©d^retben unb 
ßefen ^abe, um ben fleinen Äinbercn barin bie erftcn 2lnfänge bep- 
jubringeu.') Conrad bestand diese Prüfung, worauf ihn das Con- 
sistorium am 13. December als Schulmeister, zunächst vier Wochen 
auf Probe, anstellte. Seine Einkünfte waren sehr klein. Als 
daher am 22. April des folgenden Jahres Deputierte für die Clever 
Classicalversammlung gewählt wurden, beschloss das Consistorium, 
for das Gehalt des Schulmeisters sowohl bei der Classe als auch 
bei der Begierung kräftigst einzutreten. 

§ 44. 1746 wollte der Gocher Bat die Ansiedler zur En- 
roUierung heranziehen. Doch diese machten eine Eingabe an den 

1) In einem Teil der Colonistenheimat ist ort das dialektische Wort 
f&r 'Dorf, worüber u. im letzten Teil. 

2) GRGA Consistorialprotokollbuch. 
8) 6B6A Consistorialprotokollbuch. 



Krieg^srat Garali, der dem Magistrat die Sache nochmaU zur Unter- 
suchung gab. In der Ratsversammlung macliten die Pf älzer geltend, 
ha^ Sie als O^reiiibblinge , (u fitft altftier efahhxet Ijaben, infolge 
allergbgften Edk-tis Don aller SBctbung unb E»roUixnxi% ©äntilitf) 
tefteget feqii müßten; Satten bat)eco, bomit ©ic i^re SIrbeit, roeil 
©ic 9nte Öeut^e roercn, mit tl)reii Sinbern gerufiig Detricfiten, 
mnnukmxzi unb ffion 9111er SBcrbung befretjct ttierben mögten. Sie 
verspracbea jedoch, dass, wenu einer ihrer .Söhne Lust hätte Soldat 
zu werden, er nur in preußische Dienste treten sollte (2. Mai 1746). 

§ 45, Das Jahr darauf entfaltete sich auf der Heide ein 
besonders reges Leben. Man erwartete nämlich einen großen 
Transport Pfälzer, die sich auch auf der Heide ansiedeln wollten, 
die waren nicht ausgewandert wegen 'lenegixtet ReJigions Q^repfjett, 
sondern hatten sich anwerben lassen durch den Frankfurter Resi- 
denten des Königs und dessen Emissäre. Die Regierung hatte 
also selbst eingesehen, dass es von Bedeutung war, die wüsten 
Heiden urbar zu machen. Schon vor Ankunft der neuen Ansiedler 
ließ der Magistrat allee für sie herrichten. Dabei scheint der 
Magistrat aber den alten Ansiedlern etwas zu nahe getreten zu 
sein. Am 17. August 1747 senden sie eine Beschwerdeschrift an 
die Kammer ab : trotz der Kabinettsordre , d. d. Berlin 30, April 
1743, hätten sie bisher noch keinen Vorschuss vom Gocher Rat 
verlangt und daher gehofft, dass er ihnen sonst gewogen bleibe; 
und jetzt wolle der Rat sie. obwohl ihre Freijahre noch nicht 
verflossen seien, dazu heranziehen, Wache zu tun; auch weigere 
er sich ihnen genügend Land anzuweisen, und wenn er ihnen 
etwas anwiese, so läge das neue Land immer in großer Entfernung 
von dem schon urbar gemachten; auch würden die Anweisnngekosten 
vom Magistrat stark in die Höhe geschraubt-, nächste Woche wolle 
der ganze Magistrat auf die Heide kommen und das ganze Gelände 
vermessen lassen, was wieder viel Geld koste; das ganze Betragen 
des Magistrats laufe schnurgerade den Befehlen Seiner Königlicben 
Majestät zuwider, die noch kürzlich durch eigenbändig unterzeichneten 
Grlass vom 4. März 1741 ') kund getan habe, dass benen Farnüitw 
roclc^c ®i(f) in ßönigl: Sönbern rtablixtn aUcr i?önigli(^er ©c^uj 
©trabe unb ^ülffe 311m tinl/liffeinetti Derfproii)en roirb. Die Kammer 

1) Die Acte Bcbeijit iiiuht erhalten -ia sein. 




— 41 — 

schreibt gleich am folgenden Tage, am 18. August, an den Magistrat 
and giebt ihm den ernstlichen Befehl, 2)iefen fieut^en auf feine 
aSegfe befd^roerlic^ ju fallen, S3cfonber§ aber mit unnötl^tgen SSer»« 
megungg Äoften nid^t ju brüdfen, fonbem oielme^r benenfelben in 
i^er SRal^rung u. ^anbt^trung auf ade 9lrt beförberlid^ ju fegn, 
. . . ., als moxnad) Magißratm ficf) gu achten ^at. 

§ 46. Von Zeit zu Zeit forderte jetzt die Kammer in Form 
von Tabellen Berichte über den Stand der Golonie vom Magistrat 
ein, ober die Neuangekommenen u. s. w.; von diesen Golonisten- 
listen sind noch viele in den Archiven erhalten. Alle Beamten 
werden ausdrücklich angehalten, die Ansiedler mit größter Zuvor- 
konuDenheit zn behandeln und ihr Werk zu fördern; diesen Ton 
klingen viele Kabinetts- und Kammerordren wieder. 

Nach der Vergrößerung*) der Colonie setzte der Gocher Rat 
im Jahre 1747/48 Bauermeister ein, deren Functionen ähnlich denen 
der heutigen Polizisten waren; so hatten sie z. B. die Verordnungen 
des Gocher Rates den Ansiedlem bekannt zu machen. Ihr Amt 
war anfangs unbesoldet; später, nach 1773, erhalten sie für ihre 
große Mühe — Pfd. war nämlich inzwischen sehr gewachsen — 
jährlich 5 Rthlr. Vergütung. So war in communaler Beziehung 
die Colonie, die übrigens fortan den Namen Pfalzdorf führte, fest 
in das Gocher Gemeinwesen eingefügt, und die Abhängigkeit von 
der Gocher Commune bestand noch lange fort.^) Dagegen geht 
anf kirchlichem Gebiete der Zersetzungsprocess, der oben schon 
angedeutet war, weiter. 



1) Es ist nicht möglich, die Nameo dieser Farcilien mit Sicherheit fest- 
zustellen, da sie in den Acten nicht namentlich anfgeführt werden. Unten 
in der Siedelungsstatistik gebe ich ein ausführliches Verzeichnis der Ein- 
wanderer. 

2) Und in einem Puncte besteht sie bis heute. Pfd. hat nämlich noch 
die Erbpacht nach Goch hin zu zahlen, die sich heute noch auf etwa 2000 M. 
beläuft. 1774 betrug die Erbpacht ca. 3000 Rthlr. (Gocher Stadt. Archiv 
"Nr. 400 f.). Den höchsten Stand erreichte sie in den Jahren 1780 flf., wo 4000 
Rthlr. in die Gochcr Kämmereikasse flössen : das beste Zeichen dafür, dass sich 
die junge Ansiedlung hervorragend entwickelt hatte. Das hätte, so sagt 
0. ▼. Schlitz mit Kecht, wohl keiner von den vorsichtigen Karomerräten, Rats- 
berren und Förstern geglaubt, als sie, mehr aus Mitleid und weil der König 
es wollte, die bettelarmen Pfälzer aufnahmen. 



— 42 - 

m. Kirchliches. 
§ 47. Die LoBreißuiig vou der reformierten Gemeinde in 
Goch, die natürlich nur die reformierten Pfälzer betrifft, hat ihre 
Anfänge in einem Streit, der zwischen den reformierten und luthe- 
rischen Pfälzern aushrach und vom Jnli 1747 ohne Unterbrechnng 
dauerte bis znm November 1766. Kr entstand nm die zu banende 
Kirche. Die Reformierten, die bei weitem in der Mehrzahl waren 
— 211 Seelen gegen 81 auf lutherischer Seite — hatten eigentlich 
das nächste Recht darauf. Doch fehlte »owohl ihnen wie aacb ihren 
lutherischen Mitbürgern dai4 nötige Geld zum Kirchenbaa. Nun 
wären die reformierten Pfälzer allerdings durch die Sammlungen, 
die ihr Hauptgönner, der preußische Geheime Regierungsrat Franz 
Johann v, Motzfeld, für sie veranstaltete, sowie durch die Liebes- 
gaben der holländischen Synoden and die Hälfte einer UauscoUecte, 
die man in königlichen Landen einsammeln wollte, imstande ge- 
wesen, eine reformierte Kirche zu bauen; aber nun verlangten die 
Lutheraner, dass diese Kirche eine Simultankirche sein sollte. 
Da zogen jedoch die holländiBchen Synoden ihre Liebesgaben 
zurück. Die Lutheraner hatten nach Einsammlung der Collecte 
nur wenig Barmittel. Der Ertrag dieser Collecte wurde übrigens 
mit Arrest belegt, weil es zu Streitigkeiten zwischen den Gemeinden 
über die Teilung kam. Dnrch viele Hetzereien von Seiten der 
lutherischen Pfarrer zu Cieve, Bartels und Sybel, zumal des ersteren, 
anch durch Unehrlichkeiten ist es gekommen, dass der Streit so 
lange Jahre anhalten konnte. Den Verlauf dieses zwar sehr 
interessanten Religionskrieges im kleinen zu beschreiben, muss ich 
mir versagen, das wäre eine Arbeit für sich. Es möge hier nnr 
soviel folgen, als zum Verständnis nötig ist. 

§ 48. In dem Beginn dieses Streites liegen die UrsacIieD 
für die kirchliche Trennung von Goch. Im Jnli 1747, als der große 
Transport Pfäluer zu erwarten war, mochte wohl manchem der 
alten Ansiedler der Gedanke gekommen sein, dass man nun daran 
denken könne, eine eigene Gemeinde zu gründen. Doch geschah 
vorläufig noch nichts. Die erste Nachricht über Maßnahmen der 
Pfälzer nach dieser Richtung hin erhalten wir aus dem Protokoll- 
buch des Gocher Consistoriums.') In der Sitzung am 19. August 

1) Im GKGA. 




- 43 - 

1748 liest der Prediger Schaltz einen Brief Sr. Hochehrwörden 
D. Schadden ans Rosendahl (Holland) vor, in welchem dieser Mann 
den Gocher Consistorialen mitteilt, bag bte Colonist^n auf her Gocher 
^egbe burd^ Mefr. Motzfeld *) fid^ bei ber Sud-Holl. Synode in bcnt 
Brül gel^alten, um eine ßiebeS(gabe) oon Q^nen ju geiniefen gemelbet 
Rotten, roorauS fie einen ^rebiger unb ©d^ulmeifter salarixtn fönten ; 
der Prediger Mann aas Moyland hätte sich bereit erklärt, oor ein 
gering salarium beg benen Emigranten ju prcbigen. Der Hofprediger 
Mann ans Cleve, Vater des Moyländers, hätte sogar gegen aQe 
Atrd^em, SynodaU unb Classicale gefe^e unb Sd^Iü^e drei Vorsteher 
bei der reformierten Gemeinde eingesetzt. Diese Tatsachen brachten 
das CoUeginm stark in Aufregung; es schickte an die Synode in 
Holland den Prediger Schultz, um bicfe Sad^e jU redressixen, bamxt 
aUe ©inigfeit unb 93ruberliebe begbel^alten werbe. Auch an die 
Regierung wollte man ein Memorial ablassen. Das scheint nun die 
Selbständigkeitsgeltiste der Pf älzer etwas zurückgedrängt zu haben ; 
aber nur kurze Zeit. Motzfeld hat für seine Schützlinge in Holland 
gesammelt, die Generalcollecte in preußischen Landen war bewilligt, 
desgleichen eine Collecte in außerpreußischen Landen; v. Motzfeld 
hatte es fertig gebracht, dass die Holländer versprachen, die refor- 
mierte Gemeinde so lange zu unterstützen, bis sie auf eigenen Füßen 
stehen könne, und er selbst setzte für den Prediger ein Legat von 
5000 Gulden, für den Schulmeister eins von 1000 Gulden ans. 
Denn kein anderer als er ist die sichere Persohn. Ein Prediger- 
gehalt ist mithin vorhanden. Jetzt sorgt Motzfeld auch für einen 
Prediger, er tritt mit dem Prediger Wagner in Cleve über einen 
passenden Mann in Verbindung, v. Motzfeld hatte sich ausbedungen, 
dass die Ansiedler bei den Wahlen im Einverständnis mit ihm 



1) Es ist das erste Mal, dass in den Acten der Name v. Motzfeld vor- 
kommt, es scheint sich hier um die Gemahlin des schon erwähnten Freiherrn 
V. Hotzfeld zu handeln. Er selbst berichtet in einem holländischen Aufsätze, 
dass er mit seiner Frau 1749 .auf der Heide bei den Pfälzem gewesen sei 
(Pfd. RGA : Briefe) ; ob er schon früher in die Geschichte Pfd/s eingegrififen 
hat, ist nicht nachweisbar. 0. v. Schütz führt zwar einen Brief der Pfalzer 
an den Freiherrn vom 28. October 1748 an, den ich nicht gefunden habe. 
0. V. Schütz setzt, wahrscheinlich auf Grund mündlicher Überlieferung, die 
erste Begegnung v. Motzfelds mit den Pfälzem in das Jahr 1743. Man muss 
sich dann allerdings wundem, dass v. Motzfeld, dem Pfd. zum großen Teile 
seine Existenz verdankt, nicht schon in den ersten schweren Jahren den be- 
drftn^n Pfälzem beigesprungen ist, denn davon müssten die Acten doch reden. 



handeln mUasten. Waguer übeiuahm es, die Classe za unterrichten 
und die Eingabe an die llegierung za machen. Wie sich die Clas^e 
daza Btellte, wiesen wir nicht. Die Regierung Btimmte am 1. December 
1750 zu, dasB man fo!c^e§ gerne gefc^efien lafee. aui) ctieibcit tönnc. bafe 
mit bencn .^oQänbifcI)en ffliittf)ätcrn baruntct de concert gegangen 
roerbe.'} Am 1. März 1751 fand in Pfd. die Wahl statt; aus ihr ging als 
Prediger hervor der DüaBeidorfer Candidat Johann Wilhelm Prancken. 
Auch die Lutherischen sorgten bald für einen Prediger, 1752 beriefen 
sie den Candidaten Johann Philipp Wctterbaner aus Cleve. 

Damit hatten beide Gemeinden ihre früheren kirchlichen Be- 
ziehungen zn Goch lind Cleve gelöst und standen von nnn an in 
dieser Hinsicht selbständig da. 

§ 49. Die beiden reformierten Gemeinden haben sich bald 
wieder ansgesohnt. Viele Pfälzer haben von der Hand des Gocher 
reformierten Cnnsistoriums Hülfe, Capitalien, zu weiterem Fortkommen 
erhalten. Auch die Regierung stiftete den Pfalzern fast jährlich 
ex aerario ecclesiastico ein Capital von 100 — ISORtblr. für das Gehalt 
des Pfarrers und Schal meisters, welches dann zinsbringend unter 
den Pfälzem ausgetan wurde. 

Auch der Freiherr v. Motzfeld sowie seine Gattin hielten 
femer ihre Hand über ihre Schützlinge, die sie in ihrem Testamente 
besonders reich bedachten. Außer einigen Banerngütern schenkte 
V. Motzfeld der Gemeinde ein Capital von 1000 Gulden, das er 
ihnen schon vorher vorgestreckt hatte, als das Geld zum Bau der 
Kirche ausging. Seine Gattin vermachte ihr zunächst die Hälfte 
der Zinsen eines Capitals von 1541 Rthlr. Berlinisch für Prediger- 
und Scliulmeistergehalt. Und im reformierten Consistorialprotokoll- 
buch findet sich unter December 1771 eingetragen, dass die Gattin 
Motzfelds der Gemeinde noch ein Capital von 12000 bolländiechen 
Gulden, davon 10000 Gulden für das Gehalt des Predigers, 2000 
für das Sehulmeistergebalt, testamentarisch vermacht habe. 

Ebenso gaben die Holländer auf ihren S^iioden in den ersten 
25 Jahren ihre Liebesgaben. So wurde der wirtschaftliche Bestand 
der Gemeinde gesichert. 



§ 50. Zum Abschlns 
paar Briefe anführen, nm i 
1} Pfd. KÜA: Briefe. 



dieser Darstellung möchte ich noch ein 
I zeigen, in wie freundlichem Verhältnis 



Ll 




— 45 — 

T. Motzfeld za der reformierten Gemeinde stand. Franz Johann 

T. Motzfeld, königlich preußischer Geheimer Regierungsrat, hat 

ja, wie die obige Darstellung schon zeigt, viel zum Fortkommen 

der pfälzischen Colonie beigetragen. Wie sehr er aber für die 

reformierte Gemeinde gearbeitet hat, zeigt sich eigentlich erst in 

▼ollem Maße bei näherer Betrachtung des schon erwähnten Con- 

fessionsstreites. Über v. Motzfeld sagen die Acten nicht viel. Er 

selbst berichtet in seinem Schreiben an den Großkanzler de Jariges, 

d. d. Cleve 19. September 1766,^) folgendes über seine Tätigkeit 

in preußischen Diensten: ^m ijja^r 1749 ipurbc mir jroar oon be§ 

abgelebten ^®; ®ro6^®an§IcrS non Coccefi Excell. ba id^ o^nc ru^m 

ju ntelben 23 ^\ixt in ^iefigcr JRcgterung ©r. Äönigl: Majestät 

treultd^ unb fleißig meinen pflicf)ten gemäfe gebienet iiatte, beg her 

cambinatian ber Collegiorum eine ©teHe in ber 9legierung fogar mit 

einem l^öl^eren character de novo auerbot|ten: SGBie aber biefe Offerte 

mit ber condition gepaaret ginge, bafe id) auff ben U^rlaub, meldte 

@r. Äönigl: Majestät ^öd)fte ^erfüF)n jä^rlic^ auf 2 bife 3 SRonate 

ju respicüvuxxQ meiner domestiquen affaires in Holland in J^öd^ften 

®naben roel^renb meiner Serel^Iigung im Haeg jugeftanben, gänjiid) 

renfmciien folte, fo ^abe beg biefen Umbftänben, ba id) meine eigene 

Sad^e nerfäumen mufte, unb alfo beg bem fiönigl: 3)ienfte mand^en 

Sd^aben al§ SJort^eil ju enoarten f)atte, übcrbel^m meine an Holland 

fo fe^r attachixtz grau auff biefe SBeife feine ®nugcu geben tonte, 

um bie dimission anju^alten micf) gejroungen gefefien unb fold^em 

nac^ mein domicüium nad^ bem Haeg fransportixet, be^m ü^nal^n= 

gefe^en aber unfere Eef. ©emeine ju Pfaltzdorff immer in§ Sluge 

gel^olten. 

§ 51. Der erste der beiden Briefe stammt aus dem Jahr 1760 
lud ist an das reformierte Consistorium gerichtet. Er ist kurz vor 
der Wahl des Prediger Janssen anzusetzen. In dem Datum fehlt 
die Angabe des Monats. Das Actenstück ist sehr schwer zu lesen, 
da es nur im Entwurf, der viele Correcturen hat, erhalten ist. 
Beide Briefe befinden sich im Pfd. RGA: Briefe. 



1) Pfd. RGA: Briefe. 



®egeben int Haeg b. 22tcn 1760. 
^Jln bie ^aug !!ßäter, 
Consistorialen unb 
Diaconen bet Ev. Ref. 
@emeiiic 511 ^lJfaI§= 
borff auf ber Gocher 
$egbe- 



;f)rfQme, gute JJrpuiibe, 



3^r irierbet Sud) oI)ne ^iDcifel 
jutüd 311 erinnern roifeen, rooe 
gcftalten b^. Schöllfr auf mei= 
ncn lüoljlgemeinten ißorfc^tog 
jum äefjret unb ^rebiger DOti 
©Uli) ef)ebe6en etroelilet unb beniffen fetje. 

9Bic nun betfetbe nai^beljm ®r al§ ein treu« unb 
rcct)tfci)affeuet Jpitte eure ©emeine in§ 5te ^a^r ju 3[cbcr= 
ntan§ Süergnügen fentürf) geroeibet unb il)re äeitlicJie unb 
eroige ©lücffcligfeit mit allem Siffcr ju bcförbcrn ge= 
tracfjtet f)at, burc^ bie göttliche SJorfc^ung naiver Odem 
nunmcf)ro tvcirt roorbcn, fo müfeen roir unä, obgleirf) bot 
SÖerhift feEjr gtofe tft, in @otte# SÖillen fdjtdcn unb baS 
SBcrttauen 3U ^t)m Ijaben, (£r roerbe biefe lebige ©teile 
mit einem tü(^tigen unb gcroiffen^afften SRann ^irnDtebet 
bergeftalt befegen, bafe bie ©cmcine in biefen fonften fe^r 
entpfinblid)en SJerluft fid) befto befeet finben möge. 

3Ia(i)be^m id) mm äuf(erlicE) in Srfo^rung bringe, 
bofe eure 2Iugen gcnugfa^m ein t)cüiglid| auff bcn Can- 
didatum Janssen 311 Udeni gerid)tct fegnb, roetdjen iä) jroat 
;)erfb^iilict) nic^t tcune, roeffen gute Qualitäten, enidition unb 
SefdEjicflic^fcit mithin fitfafimet SSanbel aber nac^ ctn= 
gezogener gcnugfafjmer Information mir nic^t roenig an: 
gepriefen finb. 

9Il§ ^Qbe midj, ba mir berouft ift, ba% ^fjv aufe 
gutem gu mir Ijobenben Söertrouen meine SJleinung cib= 
roarten unb Df)ne meine ^uftimmung nid)t§ nome^men 
niDlIet, t)icmit ba^in cttlÜren roolXen, bafe ii^ Euer 93ot= 
i)aben noUfonimen guttjeifee unb mit gefallen laffe, bafe 
^i)t DOtgltcn Candidahim Janssen, fo balb roie mÜgU(^, 
unb b^®. Scholler bie Udemsche Vocation njütdlic^ ange= 
nommen fiaben roirb, ju einem ^rebiger unb ©eelfotger 
emjet)let unb 3f)m fobann ben f(f|rifftUd)en fflcruff nai^ 
mafegebung ber rorigen äufcE)icfct: ^er SlÜerfiÖi^fte rooHe 
äu biefer Unternehmung feinen ©egen geben unb bicfelbe 




— 47 — 

geretd^cn laffcn jur SBcrl^crrlid^ung feincS l^eiligcn Jlal^mcng 
unb aum ^epl eurer ®emeine 

^n TDeld^er Hoffnung mit oielem ©iffcr iDcrdftl^ätig 
big an mein @nbe perbleibe 

(Franz Johann v. Motzfeld). ^) 

§ 52. Der zweite Brief, vom reformierten Consistorium an 
den Freiherm v. Motzfeld gerichtet, trägt kein Datum, doch lässt 
rieh bestimmen, dass er kurz vor dem 1. December 1750 geschrieben 
ist. Dieser Brief ist noch in einer anderen Hinsicht interessant: 
der schreibende Pfälzer ist sehr wenig gewandt und lässt sich 
wiederholt von seiner Mundart auch in der Schrift beeinflussen. 

^od) ®tßl TDie and) ^od^gebol^rener 

gel^eimbten unb 9tegirung§ SRati^ 

@ambt feiner ^od) @t^I xvk and) ^od)Qtbof)ien 

tjrau gemal^Iin roünfd^en roir oon ^er^en 
aQeS n:)ol^l ergel^en unb S3itten ben aUmad^tig: 
unb lieben gott ba8 et ©ie femer roolle fe^en 

jum feegen ®n)igflid^ 

SBie fenen n)ir fold^e grofee unb unbegreiffi: xoof)U 
tat: Dmb ©ie oergelt über ba§ alle§ roaS fie an unS 
S^un fonbem ber liebe gott roolle @§ if)n oergelt: ^ir 
jeiti: unb bort (Sroigflicf). 

fein le^t an un§ über fente§ fc^reib: oon 5 t. sep, 
^aben mx ben 10 t. bi§e§ in aller unttertl^änigfeit ju 
9te(f)t et f)a\t:, unb barauS unS jum Sroft unb ^öc^ft: 
gebadeten gum ^rei§ ^§el^en rote roeit e^ gefommen feg 
©0 ^aben roir ju folg bi^em un§ ju ^ : ^rebigcr roagner 
SBegeben, unb if)me ein foId^cS angezeigt, ba et bann 
uns oerfprocfien et roolle fie ^öd^ftgebad^ten Sert(f)ten n)ie 
«S ftel^e, n)a8 un§ an belangent, fo et roarben roir ber 
gnäbigen SBerl^eifeung mit ft^mer^en big bas mir feigen 
metben bie fi^e beren bie ben frieben oertünbigen, guteS 
leieren unb fpred^en ber ^err ift gott, überigenS merffen 
mir uns fämbtl: gemeinb TOeber auff bie ffnie unsere 

1) Die Unterschrift fehlt im Original ; durch Vergleichong der Schrift- 
iXiige mit denen der vielen Eingaben v. Motzfelds stellte sich heraus, dass es 
neh auch hier um ein Schreiben von der Hand des Freiherm handelt. 



- 48 — 

$ergen oot f)öif)ft gebniftte treuere ^<rrfolf)nen ^um fiftul-- 
tigften 3)nnE iinb gm^HIen unö it)i;ec ^ülje uiib tfjeuere 
gnabeii, her Hebe gott laße aUc iülorgen feine griabe me 
ein Ifjau über fie ^ütt)ft gebatf)te treuere *}Jei:(ot)neit tmb 
if)t gaiigce ^aufe (ambt aUen if)ren £)ol)e an SBenoanbeii, 
unb alle foIcl)c meiere an bem ^jcr)! So SiieBer im 
ftcrbl;et fceUn atbcit:, fUefeen burcf) Qcfeum (S^riftiim 
unfeeteu E)ettn amen 

SSJafe bic bei) lag Sei) bem per fdilofeenen briff an 
SBelanget, ©eriii)ten mit in imttet t^onigtett, in fonber^ 
t)eit nicgen ber fiiebeägob oon einer tiodjlbbl: Simd ju 
arcnf)eim ®in |oI(^e§, baS meiden bie Öuberanet fdjon 
aiiff oeijifiicbene $lc§en fffembt: iin Sufd) iinb anbct 
orben mel)r firf) oerftelten qE§ Ttiann fie bie iReformirt: 
fetbften roö^ren nns bie tiebc^gaben Jpin rocg genoin: 
alä ^aben fie ein fDltl)eä 311 Qrenl)eim (gben SJIÜBtg tnö 
roercf ri(f)t: rooßen, aucf) non «iner ^od) löbl: Simt 
roürrfl: an genomen rooren meitlen aber üu§ anorbt(n)ung 
einer löbl: C/fw ju SUnioegcn biputirt: ^aä) atenf)cim 
Secuffen roaten ®i>t)at bie gemeinb ^iebutirt: 9tombI: 
tJtiebricf) Coiirat @in (Jltift: ber gemeinb unb mit i^m 
.^Qcob fpeti) baljin gefanb ju ©iner erinening ber forigen 
93er^eifung. roeitlen 9!iiii bie lutcruncr audj jn gegen 
mar; foift Sin Sin Ijoi^IÖbf: S'wo/ in jotn getat: ben 
liittcranec: i^re lügen uiib ^Betrug oorftetlt unb mit einem 
SRepriment jii riiiJ rerroifeen ben unfeer: bie licbeSgab: 
gegeb: ineldje bcftetjet in 65 ^oHanbifcfien gult: (Jin fticber 
roelc^e§ gclt bie böt^c Siieputirt: bann hau (gelt) o^ne 
ferner ^u fragen roetcr ^er uagener 9loct) bie gcmcinS 
Elietter fcfjneber bing§ m i^ren Sinken ^abcn angeroonb, 
nun ift bie gemeinb ®nbtfcl)lD6en ni(f)t ju "iRu^en bis 
baa ba« obgebai^te gelt ^jur Stidttigfeit gebrad)t ifjmc ju 
^änb: geftelt unb Sein Serfnügen niiebet (Snootb: 
§aben, roeißen Stun oon ?ifatg CoUei-kt: gctter finb in 
gang: oon 8 ^Infpf^eionm bet) l)er magiicr 

83reifet^al 30ftib. 
unb Don 14 ftet)et eä 9ioii) 5U ecmarb: 
item ift ^o^ CoUtct: gelt in [)ent: 58 wift^ 




— 49 — 

9htn ®nt)arb: lüir unttertl^änig dn bcri(f)t oon il^nen 
ob bas SBenanbe gelt Scp feiner frau SJlutter ob: bep 
^@: Toagner ab ju leg: loie fie 9lun befef)I toollen roir 
gef)or§am leift: übrigen^ lafeen roir un§ feiner gnab: 
93efof)Ien fein unb @mpfe{)I: fie bem fd^u^ be§ allmäd^tig: 
gotteö in aller nnttertf)änigfeit roir unterfd^riber 2)ie 
fc^roei^ ^at nn§ aber SJla^I mit (Sinem fleinen SReif 
gelt oerroi^en fo lang bi§ ba« ®in fc^rifft oon Q^ro 
ÜRäpeftätl^ unterm ßönig felbft: unterfc^rib an bie ge= 
famt: Iant§tänbt anff bem lanb Sag an fomt. ®ic @in= 
länbifc^e Collet^t S3etreffenbt fo fagt ber ^"^9^ ^^^ ^rebigcr 
ÜRann bo« gelt fämc al§ an ju (7I(e)oc ^@. ^off^rebig: 
münfd^et bc^entmeg: @in SJla^l mit il^nen be^entmegen 
ju fprecfien 

Qo^ann pl^Iipp ÜRog ©Itefter 
Ciriacu§ fie§ al§ ©Itefter 
Qol^ann ^enric^ gen^Ier 
SRöId^or ®i§en ^auer 
?lbam 93ccfer 
Qo^an mim 93aft 
^acob auguftin 

Anscheinend ist Melchior F^isenhaiier der Schreiber gewesen. Die 
Fehler des Actenstückes habe ich auch hier stehen lassen; nur 
was ausgelassen war, habe ich in (. .) beigefügt. : hinter einem 
Worte bedeutet, dass die Endung nur durch eine Ligatur an- 
gedeutet ist. 

IV. Ausblicke. 

§ 53. Die communale Losreißung Pfd.s von Goch zu be- 
schreiben, würde zu weit führen; deshalb für die folgende Zeit 
nur einige Daten. Am 1. September 1799 trat Pfd. zum ersten 
Male als selbständige Mairie auf. 1804 wird es erwähnt als Mairie 
mit 1995 Seelen. Der erste Bürgermeister hieß PuflF. 

Ans der Folgezeit erwähnenswert ist noch, dass unter dem 
Bargermeister Remy (1872—1888) die bis dahin kirchlichen Schulen 
doreb Vertrag in der Mitte der siebziger Jahre in den Besitz der 
bürgerlichen Gemeinde kamen. 

D«iitiche Dialektgeographie III 4 



^ 50 - 

§ 54. Hente stehen außer Pfd. noch zwei andere Dörfer aal 
der Heide, die im Laufe des vorigen Jahrhunderts von Pfd. aus 
gegründet wurden, Luisendorf und Neuluisendorf. Die Leute siedelten 
sich an diesen Steilen an, um näher bei ihrem Gelände zu wohnen. 
Nach der letzten Volkszählung (1905) waren in Pfd. 2834 Einwohner, 
wovon 1729 katholischer, 1102 evangelischer Gonfession, 8 anders- 
gläubig waren. In Luisendorf und Neuluisendorf, von denen mii 
nur die Resultate der vorletzten Zählung vorliegen, sind die Zahlen- 
verhältnisse folgende: 629 Evangelische und 82 Katholiken, 322 
Evangelische und 81 Katholiken. Man muss sich wundem, dass 
in Pfd. die Katholiken ein so bedeutendes Übergewicht haben. Die 
Pfälzer wohnen in der breiten Mitte der Gemeinde, im Süden und 
Osten wohnen Katholiken; der südliche Teil liegt nach Goch zu 
und ist von vielen Arbeitern der Gocher Fabriken bewohnt; die 
meisten dieser Leute sind katholisch. Ebenso verhält es sich in 
dem nach Osten, nach Keppeln gelegenen Teil Pfd.s. Dann isl 
das Gesinde, welches zum großen Teil aus Holland kommt, katho- 
lisch. Übrigens sei noch bemerkt, dass Luisendorf und Neuluisen- 
dorf keine selbständige Verwaltung haben, sie gehören zu Till 
und Kaikar. 



Siedelungstabelle. 



§ 55. Die folgende Statistik ist so vollständig, wie es die 
TOD mir benatzten Acten irgend zuließen. Stellenweise war ich 
anf Combinationen angewiesen. Als Hauptfrage stellte sich ver- 
schiedene Male heraus, wie groß die Kinderzahl einer Familie im 
Jahr der Einwanderung war. Meistens lagen Notizen aus späteren 
Jahren vor; mit dieser Hilfe sowie mit Hilfe der Kirchenbücher 
habe ich dann die Zahl angesetzt, die als Mindestzahl vorhanden 
gewesen sein muss. Femer ließ sich das Einwanderungsjahr nicht 
immer genau fixieren; ich habe dann in der Tabelle das Jahr an- 
gegeben, in dem der Name zum ersten Male in den Acten er- 
scheint oder der Träger des Namens getraut wurde oder aber 
mit einem Kirchenzeugnis (KZ) aus der Heimat versehen worden 
ist. In wenigen Fällen habe ich auch in Bezug auf die Herkunft 
Combinationen angestellt. Ich glaube keinen Fehlschluss getan 
zu haben , wenn ich z. B. die drei Träger des Namens Augustin, 
die 1752 auswanderten, alle im Oberamt Simmem localisiere, da 
feststeht, dass Johann Jacob Augustin nebst Frau und acht Kindern 
ans dem Oberamt Simmem gekommen ist. Unter der Überschrift 
„Weibliche Verwandte und Ehefrauen" sind solche Personen auf- 
geführt, die aus andern Ortschaften oder in einem andern Jahre 
nach der Colonie gekommen sind als die zugehörigen männlichen 
Angehörigen. Selbständige Witwen dagegen sind in der Haupt- 
tabelle zu suchen. Ein * vor dem Namen soll andeuten, dass 
der oder die Träger dieses Namens nur kurze Zeit sich in der 
Colonie aufgehalten haben und also für die Dialektbildung nicht 
in Betracht kommen. Durch Gursivdrack eines Ortsnamens soll 
angedeutet werden, dass der betreffende Auswanderer aus diesem 
Orte dimittiert, d. h. mit einem Kirchenzeugnis versehen worden 

4* 



ist; der Ort ist vielfach mit dem Geburtsort identisch. [. . .] inii den 
Ortsnamen bedeuten, dass der Ort niuht auftiuditar oder nicht ^nau 
bestimmbar ist. Ein + vor dem Ortsnamen bedeutet, dass auf den 
betreffenden Ort unten in dem dialekt^eograpfaischen Teil keine 
Rücksicht genommen ist, da er von dem dort behandelten Gebiet 
zn weit entfernt liegt. Außerdem bedürfen noch die Zeichen ONS, 
HD und A einer Erläuterung: ONS = Oranien-Nassan-Siegen. 
HD ^ Hessen-Darmstadt, A ;= Alzey.') Alle Orte, die keine dieser 
Bezeichnungen tragen , finden sich auf der beigegebenen Karte 
verzeichnet. 

Die Angaben würden noch bedeutend genauer sein , wenn 
uns das Archiv der reformierten Gemeinde zu Goch nicht im 
Stieb ließe. Die Angaben des Gemeindegliederverzeichnisses brechen 
plötzlich am 17. Mai 1741 ab und beginnen zwei Seiten weiter 
mit dem 4. August 1765. Wie die Daten vor und nach der Lücke 
zeigen, war das Verzeichnis mit ziemlicher Genauigkeit geführt. 
Wo die Angaben über die Zeit zwischen den oben angegebenen 1 
Daten sich befinden, habe ich nicht ermitteln können. 



§ 56. Name 

1. JubMinoa Altes 

2. Wwe. Math. Altes 

8. Johann Georg Appenzeller 

4. Johann Jacob Äugtiatin 

6. Johann Michel AuKustin 

6. Philipp Augiistin 

7. Johann Jacob Auler 

8. Johann Valentin Bach 

9. Christopli Barth 

10. Johann Nicolaus Barth 

11. Leonhard linrtb 

12. Peter Barth 

13. Valentin Barth 

14. Jacob Bast 
16. Jobann Michel Bast 

[ 16. *Konraii Baum 

*Peter Baam^rtw 
*.J(ih3iir y.-'-v-^ V-r-f 

f,I9, Ailiiii. 



Itcharlaort 
oder letzter Aufenthalt 

[Bierweilerl 

Simraem 

Niederbreitbach (ONS) 

(Iboraint Simmem 

Oberamt Simmrm 

Oberami Simmem 

Oberdtohnch 
Oiiemheim a. (Man 

Steinbach 

t Zolle bei Worra« 

Steiiibach 

Ahey (A) 



Ankunft Cunf, [ 

1786 
KZ 1768 

17ß2 
1752 
1752 
KZ 1784 
1700 
1765 
1769 
1770 




— 53 — 



Name 


Geburtsort 
oder letzter Aufenthalt 


Ankunft 


Conf. 


5- 


20. ^Johann Justus Becker 


[Buchschtttten] 


KZ 1765 


ref. 


2 


21. ^Konrad Becker 


— 


— 


ref. 


1 


22. Phflipp Bender 


Biebern 


KZ 1765 


ref. 


1 


23. ^'Zacharias Bender 


Simmern 


1764 


ref. 


4 


24. ^Johann Jacob Bockenauer 


— 


1741 


— 


1 


25. ^Johann Nicolaus Boltze 


Oberhausen b. Duchroth 


1745 


ref. 


4 


26. Heinrich Peter Braun 


öhlweiler 


— 


ref. 


1 


27. Wilhelm Braun 


Merxheim 


KZ 1767 


ref. 


2 


28. Wilhehn Brust 


Biebern 


1764 


ref. 


6 


29. ^Johann Busch 


Odemheim a. Glan 


getr. 1768 


luth. 


1 


30. ^Nicolaus Busch 


Dautenheim (A) 


1771 


ref. 


2 


81. ^Andreas Christ 


[Lauterbach] 


1759 


luth. 


2 


32. •Peter Closs 


Kindenheim (A) 


1771 


— 


7 


83. Johann Adam Colter 


Niederhausen 


1769 


luth. 


4 


34. Adam Conrad 


Kreuznach 


— 


ref. 


1 


^. Friedrich Conrad 


Hargesheim 


1741 


ref. 


4 


36. Johann Conrad 


Kreuznach 


1741 


ref. 


6 


37. Valentin Conrad 


Kreuznach 


1745 


ref. 


7 


38. Johann Math. Corell 


Offenheim (A) 


1770 


ref. 


1 


39. Michel Dandes 


t Ettlingen 


1745 


luth. 


4 


40. ^Johann Philipp Daum 


Rüsselsheim (HD) 


1770 




7 


41. *Nicolaus Dix 


EUem 


vor 1764 




8 


42. Georg Wilhehn Eberhard 


Badenhart 


getr. 1767 


luth. 


1 


43. Melchior Eisenhauer 


Kremruich 


vor 1750 


ref. 


3 


44. Johann Nicolaus Eislöffel 


Rttdesheim 


1762 


luth. 


1 


45. Michel Esselbom 


Dalsheim (A) 


1772 


luth. 


1 


46. Peter Esser 


t Rheidt 


KZ 1765 


ref. 


3 


47. ^Johann Adam Essig 


— 


getr. 1776 


ref. 


1 


48. Philipp Jacob Essig 


— 


getr. 1781 


ref. 


1 


40. Stephan Fabricius 


Osthofen (A) 


1748 


luth. 


4 


50. Johann Finken 


Burbach (ONS) 


— 


ref. 


1 


51. Jacob Friedrich 


Neuerkirch 


1767 


luth. 


1 


52. «Sebasüan Friedrich 


Neuorkirch 


1764 


luth. 


3 


53. »Friedrich Friedrichs 


Amt Kaste llaun 


1764 


luth. 


7 


54. Peter Geib 


Duchroth 


getr. 1778 


ref. 


1 


55. Ludwig Gembler 




vor 1752 


ref. 


1 


56. »Heinrich Gentzier 




1748 


ref. 


4 


57. •Johann Jacob Gerber 


Odernheira a. Glan 


1761 


— 


4 


58. •Friedrich Germandon 


Flomborn (A) 


1769 


ref. 


4 


59. Nicolaus Gethmann 


fNeurath in Hessen 


vor 1764 


luth. 


1 


60. Heinrich Graven 


aus dem Cölnischen 


1761 


ref. 


1 


61. •Johann Wilhelm Grossart 


Mandel 


1759 


— 


5 



— 64 — 





Geburtsort 






•^-2 


Name 


VM \/m^ UIA iM^XrA V 


Ankunft 


Conf. 


§^ 




oder letzter Aufenthalt 


^k ^kAA V^ VA *A & VF 


^^\^MMM m 




62. *Michel Grossart 


Kreuznach 


1741 


luth. 


3 


63. ^Johann Wilhelm Haarloos 


Oranien-Nassau-Siegen 


1763 CO 


luth. 


1 


64. Johann Jacob Häußer 


Musen (ONS) 


1763 


ref. 


2 


65. Philipp Hager 


Odemheim a. Glan 


1748 


ref. 


2 


66. Heinrich Adam Haus 


Oberamt Kreuznach 


— 


ref. 


1 


67. Johann Georg Hans 


Mandel 


1755 


luth. 


7 


68. Johann Heinrich Hans 


Freinsheim (Ä) 


1741 


luth. 


1 


60. Philipp Hans 


Freinsheim (A) 


1759 


luth. 


6 


70. Philipp Adam Hartmann 


Bell 


1765 


luth. 


3 


71. Stephan Heimel 


Osthelden (ONS) 


1768 


ref. 


3 


72. Balthasar Hemp 


Neurath b. Bacharach 


1761 


ref. 


6 


73. ^Jacob Hemp 


Odemheim a. Glan 


1761 




6 


74. Hermann Henkel 


Oranien-Nassau-Siegen 


1763 


ref. 


5 


75. Johann Georg Herter 


Hom 


KZ 1769 


ref. 


2 


76. Nicolaus Hetzel 


Pleizenhausen 


1746 


ref. 




77. ^Johann Heinrich Hilgert 


Riegenroth 


KZ 1754 


ref. 




78. *Adam Hoch 


Mandel 


1764 (?) 


luth. 




79. ^Johann Jacob Hoch 


Neurath b. Bacharach 


KZ 1765 


ref. 




80. *Phüipp Hoch 


— 


getr. i764 


luth. 




81. ^Balthasar Hochstein 


Neurath b. Bacharach 


KZ 1762 


ref. 




82. Bernhard Hochstein 


Oberdieback 


1764 


ref. 




83. Friedrich Hoffmann 


— 


getr. 1779 


luth. 




84. 'K:;hristoph Hohl 


— 


vor 1768 


luth. 




85. Jacob Hohl 


— 


getr. 1780 


luth. 




86. Martin Hohl 


— 




— 




87. Heinrich Ernst Honig 


t Wernigerode (Harz) 


1767 


luth. 




88. Philipp Adam Hüls 


AlterkiÜz 


getr. 1765 


luth. 




89. Christoph Imig 


Nannhausen 


1764 


ref. 




90. Heinrich Johann 


Hora 


KZ 1769 


ref. 




91. Johann Jacob Kämmerer 


Bubach 


1767 


ref. 




92. «Johann Jacob Kalbfuß 


— 


1741 


— 




93. «JohannMclchiorKaltschmidt 


Ernsdorff (ONS) 


1763 


ref. 




94. Peter Kayser 


Holzbach 


getr. 1778 


ref. 




95. Johann Keim 


Traisen 


— 


luth. 




96. «Johann Nicolaus Kelsch 


Reich 


1769 


ref. 




97. ♦Georg Kern 


Bosenheim 


1741 


luth. 




98. Peter Kitzer 


Duchroth 


1762 


ref. 




99. Johann Klappert 


Ober-IIohklau (ONS) 


KZ 1765 


ref. 




100. Johann Peter Klump 


Ellern 


KZ 1767 


ref. 




101. »Philipp Klump 


Langenlonsheim 


— 


ref. 




102. Johann Heinrich Koch 


[Brunnen] 


1789 


ref. 




103. Johann Wilhelm Koch 


Monzingen 


— 


luth. 




104. *Wwe. Philipp Köhler 


Niedermoschel (A) 


1762 


ref. 





— 55 — 



Name 


Geburtsort 
oder letzter Aufenthalt 


Ankunft 


Conf. 


n 


105. Johann Krafft 


Heddesheim 


1741 


luth. 


3 


106. "»Karl Ludwig Krafft 




1741 


— 


4 


107. ^Johann Kratzner 


[Reickenbach] 


— 


ref. 


1 


108. «Johann Jacob Krüger 


Oranien-Nassau-Siegen 


1763 


ref. 


5 


109. Johann Peter Kültzer 


Ellem 


KZ 1765 


ref. 


3 


110. «Johann Georg Kuntz 


— 


getr. 1762 


ref. 


1 


111. Philipp Lange 




— 


luth. 


1 


112. Anton Lauff 


^771^ Kreuznach 


— 


— 


1 


113. Johann Friedrich Lauff 


Kellenbach 


1764 


ref. 


8 


114. Anton Laux 


Bell 


getr. 1756 


luth. 


1 


115. «Abraham Lima 




1741 




2 


116. Mathias Löchel 


fOberofleiden a. d. Ohm 


— 


luth. 


1 


117. Peter Ludwig 


Michelbach 


getr. 1767 


luth. 


1 


na Peter Manderfeld 


Biebern 


1764 


ref. 


7 


119. ^Johann Marquardt 


t Schechingen 


getr. 1756 


luth. 


1 


120. «Stoffel Mates 


Biebern 


1764 


ref. 


1 


121. * Johann Ueinrich Meltz 




— 


ref. 


3 


122. Christoph Herten 


Osthelden (ONS) 


1763 


ref. 


2 


123. Georg Michel Metzger 


Wachenheim (A) 


1769 


luth. 


4 


124. Johann Adam Michels 


Wöllstein (A) 


1764 


ref. 


1 


125. Johann Adam Minor 


Singhofen (ONS) 


1771 


luth. 


4 


126. Stephan Minor 


Singhofen (ONS) 


1771 


luth. 


8 


127. Wilhehn Minor 


Singhofen (ONS) 


1771 


luth. 


2 


128. Johann Christian Möringer 


Völkenroth 


1756 


luth. 


1 


129. Karl Möringer 


Sponheim 


1762 


luth. 


7 


130. Balthasar Moog 


Pleizenhausen 


1746 


ref. 


2 


131. Johann Philipp Moog 


Pleizenhausen 


1746 


ref. 


5 


132. Karl Morlang 


[Weiler] b. Kreuznach 


1768 


luth. 


4 


133. Johann Georg Müller 


Sargenroth 


KZ 1763 


ref. 


1 


134. Johann Heinrich Müller 


Musen (ONS) 


vor 1762 


ref. 


1 


135. Jost Friedrich Müller 


Oranien-Nassau-Siegen 


vor 1762 


ref. 


4 


136. Konrad Müller 


fWiningen 


KZ 1769 


luth. 


1 


137. Peter MüUer 


Wüschheim 


1783 


ref. 


1 


138. «Peter Nesbach 


Odernheim a. Glan 


1760 


ref. 


6 


139. «Philipp Nesbach 


Mandel 


1760 


ref. 


5 


140. Gerhard Ostermann 


Pfalz 


1747 


ref. 


5 


141. Adam Pantzer 


Neuonbamborg (A) 


1769 


luth. 


4 


142. Adam Peiter 


Amt Rhcinfels 


vor 1766 


luth. 


1 


143. Bastian Petry 




vor 1767 


luth. 


1 


' 144. «Abraham Pfeiffer 






— 


1 


145. «Georg Heinrich Pfeiffer 


[Oberbachum] 


1772 




4 


146. Wwe. Jacob Pleines 


Biobern 


1764 


ref. 


6 


147. «Johann Peter Post 


Ellem 


1747 


ref. 


8 



^^^^^^^^^H ^^^^H 


Name 


Geburtsort 
oder letzter Aiifenthjüt 


Ankunft 


CoDf. 


n] 


148. 


Philipp Heinrich Post 


Simniem 


1760 


Inth. 


~ i 
ö 


149. 


JuhaDD lleinricb Pütt 


Geisweid (ONS) 


1763 


ref. 




150. 


Georg Puff 


— 


— 


tuth. 




151. 


«LeonbarU Reh 


flomborj) (A) 


1770 


ref. 




152. 


Johann Philipp Iteidel 


WeiidelBheim (A) 


1770 


btb. 




163. 


Andreas Reinhard 


Hilffelaheini 


1762 


_ 




154. 


Johann Friedrich Reinhard 


Hüffolsheim 


1770 


luth. 




155. 


*Wwe. Keiiihard 


tFiacht(AuitMaiUbronn) 


_ 


Inth. 




lös. 


.Tuhann Pet«r Reuter 


II om 


KZ 176N 


ref. 




157. 


Jauüb ReyÜ 


a.il.DannatfldtiaclMHD) 


1751 


luth. 




158. 


♦Johann Jacob Rilter 


Rockenhansen (A) 


1752 


ret 




159. 


Peter Rocker 


Eichloch (A) 


1771 


luth. 




160. 


■Jacob Satidoinehr 


Win des heim 


1771 


luth. 




161. 


Jacob SaueroBsig 


MedeoBchied 


KZ 1763 


ref. 




163. 


Johann Barthol. Sauereesig 


Medenschied 


KZ 177J 


ref. 




163. 


Math. Saueressig 


UcnschhauBoii 


_ 


ref. 




164. 


Peter Sanereasig 




_ 


ref. 




165. 


Jacoi) Schankwoiler 


_ 


_ 


lalh. 




lue. 


Wilhelm Scharff 


Köngeniheim (A) 


1770 


luth. 




167. 


*Jobami JoBt Schliirp 


Bosenheim 


1741 


ref. 




168. 


Johann Peter Schneider 


Werlau (Amt llheinfels) 


1764 


luth. 




160. 


Kaspar Schneider 


aus der Pfals 


getr. 1762 


luth. 




170. 


Georg Schönen 


Daatenheim (A) 


1741 


luth. 




171. 


Theobald Schöncll 


Dauteiihoim (A) 


_ 


luth. 




172. 


'^Hermann Schreiber 


KromOaeh {0N8) 


17liS 


ref. 


5 


173. 


•Johann Friedrich Schreiber 


Krombaeh (OK.S) 


1768 


ref. 


6 


174. 


Johann Ji)st Schreiber 


Plittertihagen (ONS) 


KZ 1765 


re(. 


2 


175. 


Johann Georg Schrey 


Württoinberg 


getr. 1763 


luth. 


2 


176. 


Heinrich .Schröder 


tWickrathberg 


1771 


ref. 


4 


177. 


Johann Dietrich .Schulz 


t Wickede 


1763 


r«f. 


1 


178. 


•Johann Seobald 


tKüdenhaiisen 


getr. 1767 


Inth. 


1 


179. 


•Johann Seemann 


— 


1741 


luth. 


3 


180. 


Johann Jacob Spee 


RüdcBheim 


1741 


ref. 


4 


181. 


•Heinrich Springer 


[Hangenweiler] 


1755 


luth. 


5 


182. 


«Jacob Stahl 


t Magstadt 


1752 


luth. 


8 


18.5. 


Christoph Stiehl 


Horu 


getr. 1782 


ref. 


I 


184. 


Johann NicolaiiB Stiehl 


Guttenberg 


1771 


ref. 


3 


186. 


•Karl Streff 


Klein-BuckenheiiQ (A) 


1770 


luth. 


3 


186. 


CyriacuB SüU 


Rüdesheim 


1747 


rel. 


10 


187 


Isaak SuU 


RUdesheim 


1746 


ref. 


2 


188. 


Jacob Sm 


Hüdeaheim 


_ 


rflf. 


I 


189 


Wilhehu Süll 


HQdesheiro 


vor 1765 


ref. 


3 


100 

1 


NicolauB Tesch 




getr. 1769 


luth. 


1 

1 



— 57 — 



Name 



Geburtsort 
oder letzter Aufenthalt 




191. •Wendel Tesch 

192. Georg Tiefenthal 

193. Jacob Thomas 

194. Nicolaus Thomas 

195. Peter Thomas 

196. •Wwe. Peter Türk 

197. •Georg Peter Ulrich 

198. Johann Andreas Unkerig 

199. Jacob Viehl 

200. '^Johann Michel Viehmanu 

201. *Jacob Wagner 

202. ^Johann Martin Wagner 

203. «Nicolaus Walter 

204. Konrad Wendeling 

205. PhiUpp Wendeling 

206. Valentin Werlau 

207. Johann Nicolaus Weber 

208. Wilhelm Westerhoflf 

209. David Wieland 

210. Christoph Wieland 

211. »Johann Barthol. Wolflf 

212. Christian Wttllenwcber 

213. «Wwe. Job. Peter Zerfass 

214. »Johann Jacob Zillich 

215. Valentin ZiUich 



Norath bei Bacharach 

Dolgesbeim (A) 

Chümbdgen 

Berghausen 

Berghausen 

Tiofenthal 

Rüdesheira 

llüffelsheim 

Bückeiiau 



Kheinböllen 

Hundheim 

Simraem 

Duchroth 



1771 
KZ 1756 

1747 
vor 1753 



1760 

1762 

1764 

getr. 1773 

getr. 1770 

KZ 1765 

1741 

1741 
K^ 1762 

getr. 1789 
getr. 1777 



Rüdesheim 


KZ 1762 


Wölhtein 


KZ 1762 


Ilorn 


KZ 1769 


Ilom 


1769 



luth. 

ref. 
ref. 
ref. 
ref. 

luth. 

luth. 

ref. 

luth. 

luth. 

ref. 

luth. 

luth. 

ref. 

ref. 

ref. 

luth. 

ref. 
ref. 
ref. 
ref. 
ref. 



4 
6 
2 
9 
2 
1 
1 
6 
5 
2 
1 
1 
2 
1 
5 
1 
1 
1 
1 
1 
1 
2 
1 
2 
1 



Weibliche Verwandte und Ehefrauen. 



12a. 

85a. 

38a. 

42a. 

44a, 

48a. 

50a. 

51a. 

52a. 

58 a. 

60a. 

82 a. 

89 a. 



Maria Elisabeth Kappes 
Anna Margarete Franz 
Anna Gertrude Barthner 

{Anna Sibylla Reichard 
Elisabeth Reichard 
Susanne Juliane Wagner 
Maria Magdal. Petermunn 
Anna Maria Koch 
Anna Margarete Finkin 

Elisabeth Wagner 

» _ 

♦Anna Catharina Nerber 
Anna Catharina Thomas 
Maria Elisabeth Krebs 
Maria Catharina Imig 



Gemünden 

llüffelsheim 

Spreiidlingen (A) 

Albig (A) 

Albig (A) 

Windesheim 

(Uittenborg 

Rockenhausen (A) 

Pleizenhausen 

[Sachsenhausen] 

Windesheim 

Einselthum (A) 

Bergbauscn 

Oberdiebach 

Steinbach 



— 


rcf. 






luth. 




1741 


ref. 




1771 


ref. 




KZ 1772 


ref. 




getr. 1767 


luth. 




1762 


— 




getr. 1781 


ref. 




KZ 1773 


ref. 




177U 


luth. 




1764 


ref. 




1769 


ref. 




1747 


ref. 






ref. 




KZ 1768 


ref. 





— 62 — 

Wgm. f. 

§ 68. Wgm. f ist durchgängig zu ai diphthongiert: rair» 
'reiten', rais» 'reißen', bai89 'beißen', traiv9 'treiben', inair» 'schneiden', 
vain 'Wein', tsait 'Zeit', phain 'Schmerz', sai 'sein' (Pron.), laim 
'Leim', laixt 'leicht', lain 'Leine', vaira 'weiter*, kraif» 'greifen'. 

Verkürzung liegt vor in sin 'sein' (Verb, subst.), was vielleicht 
ans unbetonter Stellung im Satzzusammenhang zu erklären ist. 

Wgm. ö. 

§ 69. Wgm. ö ist meistens durch ü vertreten : prür» 'Bruder', 
plfU 'Blut', für9 'Futter', am 'Stuhl', hüäf 'Husten', khü 'Kuh', dün 
'tun', fü8 *Fuß', müt 'Mut', gut 'gut', hüf 'Hufe'. 

In einigen Worten ist Kürzung eingetreten, z. B. : mx'* 'suchen', 
flux^ 'fluchen', bux 'Buch', dux 'Tuch', ff9nux 'genug', plux *Pflug', 
ruf9 'rufen', plum 'Blume', iuk 'Schuh', kruJc 'Krug'. 

Wgm. ß. 

§ 70. Wgm. ü ist in der Mda. zu au diphthongiert: praux^ 
'brauchen', praut 'Braut', faub 'faulen', fnaul 'Maul', sauf9 'saufen', 
haus 'Haus', khaul 'Grube' (mhd. knie), praum 'Pflaume', rawn9 
'räumen'. 

c) Diphthonge ohne Umlaut. 
Wgm. Ol. 

§ 7L Aus dem wgm. Diphthong ai gingen im Ahd. zwei 
neue Laute hervor, € und ei, 

1. Ahd. ^ tritt in der Mda. als e auf in Worten wie lera 
'lehren', mS 'mehr', sä 'Seele', ins 'Schnee', rs 'Reh', ts€ 'Zehe', 
lena 'leihen' (ahd. l€hanön)y erd 'eher'. 

2. Ahd. ei erscheint in der Mda. als überofl^enes, langes a*: 
h(Fn 'Bein', sUen 'Stein', kUeti 'klein', hvt 'Heide', flcei 'Fleisch', 
s(ef 'Seife', nen 'rein', wn 'ein', (ex 'Eiche', tsa*x^ 'Zeichen', krm 
'Lehm', khiF 'kein', l(er9 'leiten', d(vl 'Teil', hvsa 'heißen*. 

Wgm. au. 

§ 72. Wgm. au hat sich im Ahd. ebenfalls in zwei Laute 
gespalten, ö und ou, 

1. Ahd. ö ist in der Mda. durch ein geschlossenes ö ver- 
treten: döt 'tot', röt 'rot', höx *hoch', stös^ 'stoßen', tow 'Lohn', ör 



— 68 — 
'Ohr', pröt 'Brot', phot Tfote', krös 'groß', frGit 'Trost', bsn *Bohne', 

U^ *l08\ 

2. Ahd. ou erscheint als ä: klav9 'glaaben', laf» 'lanfen', 
khafa 'kaufen', tram 'Traum', fra 'Frau', bam 'Baum', sam ^Saum', 
ram 'Rahm' (mhd. roum)^ läp 'Laub', däp 'taub', ätäp 'Staub', 
äx 'auch'. 

Wgm. So. 

§ 73. Wgm. io ist in der Mda. meistens durch f vertreten : 
ifs9 'schießen', ilfs» 'schließen', dfp 'Dieb', Ifp 'lieb', rfm9 'Riemen', 
farbir» 'verbieten', knf 'Knie', lU 'Lied', dlf 'tief, gfs9 'gießen'. 

In einigen Worten ist Kürzung des f eingetreten : ßij9 'fliegen', 
biß 'biegen', lij9 'lügen', fei;^ 'ziehen', rijp 'riechen', b9trij9 'betrügen'. 

Wgm. iu, 
§ 74. Wgm. iu ist in der Mda. mit dem aus f entstandenen 
Diphthong (§ 68) und dem Umlaut von ü (§ 84) als ai zusammen- 
gefallen: laix(b 'leuchten', dai»r 'teuer', hait 'heute', lait 'Leute', 
fai^ 'Feuer', nain 'neun', tsaix *Zeug', daitx^l 'Teufel', frai 'treu', 
ifai^r 'Steuer', nai 'neu'. Die Mda. kennt also keinen unterschied 
bei ahd. iu mit und ohne Umlautsbedingung {lait < ahd. liiUi, hait 
< ahd. hiutu), 

d) Umlaut. 

Umlaut zum mdal. a. 

§ 75. Dem mdalichen a (<wgm. a § 57) steht als Umlaut 
e und vor r offenes f gegenüber: ge^t 'Gäste', eb9l 'Apfel', gens 
'Gänse', hen 'Hände', khelv9r 'Kälber', neät 'Äste', ien9 'schimpfen' 
(zu ahd. scanta\ nieni 'Mensch', und vor i<8k in ei 'Asche', vei 
'Wäsche', fleS 'Flasche'; aber r^rd 'Räder', pkr9 'Blätter', v^rim 
'wärmen', d^r9m 'Därme', /ffy 'Farbe' (ahd. farawi). 

In folgenden Fällen findet sich statt des zu erwartenden 
e ein i\ fiUt, filt 'fällst', 'fällt', hiUt, hiU 'hältst', 'hält', /la^/, ßtaf 
'fängst', 'fängt', liSf, im 'lässt', 'lässt^ himp 'Hemd', mixf 'macht'; 
doch kommen die genannten Verbalformen auch oft mit e vor. 
Hierher gehört auch hlv9 'heben'. 

Umlaut zum mdal. a. 
§ 76. Neben a (<wgm. au § 72,2) steht umgelautetes Wj 
gleichlautend mit dem aus ei entwickelten r#?-Laut (§ 71,2): frcpm9 



— 64 — 

'träumen*, bomi *Bäume', dcef *Taufe', d(pf9 'taufen', Imföt 'läufst', 
r(ßxdr9 'räuchern', s(Bm9 'säumen', hcef 'Haufen' (PL), khiefö 'kaufst', 
frmt 'Freude' (auf einstiges fromcida zurückgebend). 

Umlaut zum mdal. q. 
§ 77. Der Umlaut zu mdalichem q (< wgra. a § 57. 58) ist f : 
kr^r 'Gräber', f^r§t 'fäbrst', fr^t 'trägst', n^l 'Nägel', tsfn 'Zäbne', 
tsfh 'zäblen', sei 'sagt'. 

Umlaut zum mdal. o. 
§ 78. (< wgm. § 63) erscheint umgelautet mit Entrundung 
als €'. helts9r9 'hölzern', lex^r 'Löcher', khep 'Köpfe', velf 'Wölfe', 
hek 'Böcke', getbx 'göttlich'. 

Umlaut zum mdal. o. 
§ 79. Neben ö « wgm. o § 64 und < wgm. au § 72, 1) steht 
der entrundete Umlaut ^: hsf 'Höfe', f€al 'Vögel', her9 'hören', §m 
'schön', n£r9X9 'nötigen', tr^t9 'trösten', h& 'böse', bJM 'blöde'. 

Umlaut zum mdal. q. 
§ 80. Der Umlaut des mdalichen q (< wgm. o § 68 und 
wgm. w vor r § 65) ist f : d^fdr 'Dörfer', h^mdr 'Homer', f^rfd^ 
'fürchten', d^r 'dürr', üt^rtsd 'stürzen', v^rm 'Würmer', i^rts 'Schürze', 
d^hdl 'Schwelle' (lat. duropellum), b^rit 'Bürste', d^rf» 'dürfen'. 

Umlaut zum mdal. q, 
§ 81. Als Umlautsvocal neben q (<wgm. a § 66) erscheint 
^: tr^ 'drehen', ni^ 'mähen', sp 'säen', krf9 'krähen', ip^t 'spät', 
ilfßt 'schläfst', cpipr^x 'Gespräch', itr^b 'kämmen', nf9 'nähen'. 

Umlaut zum mdal. u. 
§ 82. Neben u (<wgm. w § 65 und <wgm. ö § 69) steht 
umgelautetes und entrundetes i\ hit 'Bütte', trig9 'drücken', ßh 
'füllen', knihd 'knüpfen', vinid 'wünschen', khisa 'Kissen', khüt^r 
'Küster', ^ihr 'Schulter' (ahd. scultirra), hivdl 'Hügel' ; hix^r 'Bücher', 
dix^ 'Tücher', k'mgdl 'Huhn' (ahd. hiwniklfn). 

Umlaut zum mdal. ü, 
§ 83. ü (< wgm. ö § 69) erscheint umgelautet als ent- 
rundetes J: ßb Pfühlen', prlra 'Brüder', krfn 'grün', sfs 'süß', bfs9 
'büßen', ßs 'Füße', sfil 'Stühle', mit 'müde', 7*Tv9 'Rüben'. 



~ 65 - 

Umlaut zum mdal. au. 

§ 84. Neben au « wgm. ü § 70) steht als Umlaut ent- 
rundetes al: laira Mäuien', hais^r 'Häuser', mais 'Mäuse', lais 'Läuse', 
faixt 'feucht', kraits 'Kreuz'. 

2. Nebensilben. 

a) Schwächung. 

§ 85. Die Vocale der Nebensilben sind, soweit sie nicht 
durch Syn- oder Apokope ganz geschwunden sind, zu einförmigem 
9 reduciert, z. B. in doxd^ 'Tochter^ facbr 'Vater', modar 'Mutter', 
qnmit 'Abend', ais9 'Eisen', fqra 'fahren', kh^dx 'König', hün9% 
'Honig', ^rü98 'Erbse', mibx 'Milch', phar^dis Taradies', arvaf 'Arbeit', 
kran^l 'Stachelbeere' (franz. grosseille?), sßbx 'selig', krobx *kraus, 
lockig', n^^x 'nötig', w^r^/a 'nötigen', ^uhx 'schuldig', tsairax 'zeitig, 
reif, f§ts9x 'verwöhnt', moitdrt 'Senf, krenidas 'Eidechse' (eig. 
'grüne Eidechse'), hm9rt 'Baumgarten', henäd 'Handschuhe'. 

b) Apokope. 
§ 86. Jedes auslautende -e des Mhd. ist geschwunden, z. B. 
in sax 'Sache', 7iqm 'Name*, hqs 'Hase', hitit 'Hitze', h^ 'Hirte', 
sun 'Sonne', ail 'Eule', rip 'Rippe', hvt 'Heide', $prQx 'Sprache', 
f^rp 'Farbe', laif 'Leute', en 'Ende', bara 'bange', pl€t 'blöde', Mp 
'trübe', f^t 'fest', gqr 'gar'. Nur in der Adjectivflexion ist es 
öfter erhalten, ohne dass ich hierüber eine Regel aufzustellen wage. 

§ 87. Eine besondere Beachtung verdient das starke Part, 
praet. Es zeigt in unserer Mda. eine ganz endungslose Form: 
g9nom 'genommen', g9mf3 'gesungen', ff^^prox 'gesprochen'. Die 
einstige Endung -en ist hier also ganz abgefallen, während sie 
sonst in der Mda. als -9 erscheint, z. B. im Infin. {npnd 'nehmen', 
sit99 'singen', ipr§x^ 'sprechen'). Man wird zuerst anzunehmen ge- 
neigt sein, dass in den Heimatsmundarten, die hierin zur Golo- 
nistenmda. stimmen, einst das -n des Participiums früher geschwunden 
sei als das aller sonstigen -en und dass dann das restierende -e 
von der allgemeinen Apokope (§ 86) mitbetroflFen wurde. Dieser 
Auffassung widerspricht jedoch die Tatsache, dass diese Participia 
nicht die zu erwartende Dehnung des ursprünglich in offener Silbe 
stehenden Stammvocals aufweisen: ff^p 'gegeben', g^ 'gegessen', 
ff9l^ 'gelesen' (§ 60), gaärip 'geschrieben', ff9pUp 'geblieben' (§ 62), 

Deutfche Dialektgeoerraphie III 5 



— 66 — 

g9nom 'genommen', gdStol 'gestohlen' (§ 64). Der Abfall der starken 
Participialendnng muss daher für sich stehen und älter sein, als 
die entsprechenden Vorgänge bei den übrigen -en. 

§ 88. Für die Heimatsmdaa. drängen sich femer lautchrono- 
logische Schlüsse auf wie die folgenden. Die Apokope ist hier 
früher eingetreten als der Wandel von intervocalischem Dental zu 
r (§ 113), vgl. fdrbot 'verboten' und fdrh%r9 'verbieten', gdinü 'ge- 
schnitten' und inaird 'schneiden', gdr\t 'geritten' und rair9 'reiten', 
gdlit 'gelitten' und laird 'leiden', ebenso halt 'heute', }ait 'Leute', 
frcpt 'Freude', v(et 'Weide'. Dagegen ist die Apokope später ein- 
getreten als der Schwund von intervocalisch stehendem g\ güü 
'gelogen', te/rö 'betrogen', vq 'Wage', frq 'Frage', hö 'Bogen'. 
Außerdem beweisen Worte wie gditan 'gestanden', gdfun 'gefunden', 
gdhun 'gebunden', en 'Ende', itun 'Stunde', hun 'Hunde', hm *Hände', 
dass die Apokope nach der Assimilation von -nd- zu -n- stattfand. 

c) Synkope. 

§ 89. Wie die Apokope ist auch die Synkope der Endsilben 
durchgeführt, für sich stehen nur die zahlreichen -r- und -/-Ab- 
leitungen : ingB§it 'eingeschüttet', gdmaxt 'gemacht', g^nent 'genannt', 
fiidit 'fängst', li^t 'lässt', bit 'bittet'; aber h^r9h 'betteln', khit^h 
'kitzeln', higdh 'hüpfen', S^rwh 'Scherben', kroyiiab 'Stachelbeeren', 
&f;^r? 'zittern', laiiitdr» 'lauschen', ßipard 'flüstern', öitsrd 'Ostern', 
fi^ra 'vespern'. 

d) Svarabhakti. 

§ 90. Die ursprünglichen Lautfolgen von Liquida und Conso- 
nant sind in der Mda. häufig, aber anscheinend nicht regelmäßig, 
durch den Secundärvocal d gesprengt. Ich verzichte in diesem 
für das Ohr eines Dialektfremden besonders schwierigen Punkte 
auf feste Regeln und begnüge mich mit folgenden Gruppen be- 
obachteter Beispiele, indem ich besonders auf diejenigen hinweise, 
in welchen infolge der neuen Zweisilbigkeit des ursprünglich ein- 
silbigen Wortes der Stammvocal in nunmehr offener Silbe gedehnt 
erscheint. 

Zwischen Liquida und Guttural hörte ich Svarabhakti in 
bfr^x *Berg', sQrdx 'Sorge', inar9xa 'schnarchen', niQr9x^ 'morgen', 
n^ri^jpnts 'nirgends', itilrak 'stark', v^rak 'Werg', m^Uka 'melken'. 



— 67 — 

Zwischen Liquida und Dental fehlt Secundärvocal : khalt 'kalt', 
g^U *6eld', fald» *falten', iult 'Schuld', gqrd» 'Garten', vqrda 'warten', 
khQfis 'kurz'. 

Zwischen Liquida und Nasal hörte ich den Vocal deutlich in 
i>qr9in 'warm', qram 'Arm', 'arm', dqr&m 'Darm', gqra *Garn' (aus 
*gqr9n)j g€ra *gern' (aus *gfran)^ khqra 'Korn' (aus *khQr»n), habm 
'Halm'. Dagegen fehlt er in dqm 'Dorn', stQnn 'Sturm', vQirtn 
'Wurm', A^rw 'Hörn'. 

In wenigen Beispielen fand ich ihn zwischen Liquida und 
Labial: sahp 'Salbe', khalsp 'Kalb', h^bfa 'helfen', gqrap 'Garbe'. 
Dagegen ohne Zwischenvocal : dgrf 'Dorf, sarf 'scharf, St§rv9 
'sterben', frvas 'Erbse', /fry 'Farbe'. 

II. Consonantismus. 
1. Halbvocale. 

Wgm. w. 
§ 91. Wgm. w ist in der Golonistenmda. durch die stimm- 
hafte bilabiale Spirans vertreten. £s findet sich im Anlaut z. B. 
in vQrm 'Wurm', vtet 'Weide', vain 'Wein', v^ra 'werden', 'wieder', 
'Wetter', vcex 'weich', vcesakhint 'Waisenkind', vwts 'Weizen', vfrak 
'Werg', vlSt 'wüst, wild'. 

Anm. In m9r Vir' ist der Anlaut aus enklitischer Stellung des 
Pronomens und Assimilation an die Verbalendung zu erklären. 

Dasselbe w steht in anlautenden Consonantenverbindungen 
wie in kv^b 'quälen', kv§l 'Quelle', kv^t^ 'Zwetschen', ^varts 'schwarz', 
t»v(je 'zwei', tsvÜ9 'zwischen'. 

§ 92. Inlautend findet es sich ferner in ^v9x *ewig', g§rv9 
'gerben', ffroa 'färben', klsvar 'Klee', §rü9s 'Erbse' (ahd. arawei^). 

Im Auslaut ist w nach r zu p geworden in f^rp 'Farbe'. 

Sonst ist w im Inlaut und Auslaut geschwunden : hato 'hauen', 
all 'Eule' (ahd. iuwila), knm*9 'kauen', hai 'Heu', in^ 'Schnee', rn^l 
'Mehl', g-^l 'gelb'. 

Wgm. j. 

§ 93. Wgm. j findet sich in der Mda. als stimmhafte pala- 

tale Spirans im Anlaut: jqr ^Jahr', jqttwr 'Jammer', juTBk 'jung', 

jaxi 'Jagd'. 

Anm. Über ein neues ; vgl. § 119. 

5* 



— 68 — 

2. Liquiden. 

Wgm. r. 
§ 94. Die Golonistenmda. kennt nur den Uvularen r-Laut. Dk ^ 
Articulation ist oft so schwach, dass man nur ein unbestimmtes a höi 



§ 95. Im Anlaut und Inlaut ist r erhalten: ra^n 'rein', n^jy 
*raten', rces 'Reise', rip 'Rippe', rup 'rufen', ruba 'rupfen', d^rf 
'DorP, dqrii 'Durst', armt 'Arbeit', hqrt ^Bart', f^rp 'Farbe', Jr^ 
'Frage', it^rv^ 'sterben', hart 'hart', gqrap 'Garbe'. 

§ 96. Dagegen ist im Auslaut altes r nicht immer erhalten ; 
als Regel gilt hier : wgm. r fällt in der Endung -er aus, wenn im 
Wortinnem ein zu r gewordener Dental (§ 113) steht. So ist r 
gefallen in fqr9 'Feder', prür9 'Bruder', prird 'Brüder', füra 'Fntter', 
vfr9 'Wetter', 'wieder', l^r9 'Leder', r^r9 'Räder', kkvr» 'Kleider'» 
pr^r» 'Bretter', vair9 'weiter', pl^ra 'Blätter', llra 'Lieder', jlksr^ 
'Peter', Qr9 'oder', qrd 'Ader', a pUra mens 'ein blöder Mensch^ -a 
d ffüra rQt 'ein guter Rat', §naira 'Schneider', 8qr9<sqt er 'sagt^ 
er', m^ra 'mit der', fdrit^ra 'versteht er', h^ra 'hätte er'. Aber ^ 
ist geblieben in Wörtern wie ftv9r 'Fieber', dir 'Tier', dir 'Tüir^ 
hais9r 'Häuser', hij(dr 'Bücher', hav^ar 'Hafer', fi'mr 'Finger', dai^^ 
'teuer', d^r 'dürr'. 

Außerdem fällt r in Wörtern wie hi 'hier', m€ 'mehr'. 

r + Dental intervocalisch wird zu r assimiliert in fgr^^n 
'fordern', p^ra 'werden'. 

Wgm. /. 

§ 97. Wgm. / ist in allen Stellungen in der Mda. erhalten: 
l^r9 *Leder', lija 'lügen', lafa 'laufen', lai^ iiegen', l& iegen', to/^ 
'aushalten, ertragen', fald9 *falten', veh 'wollen', ßb 'füllen', fib 
'fühlen', fab ^fallen', hob 'holen' ; vol 'Wolle', Sf^l 'Spiegel', m^l 
'Mehl', ßal 'Vogel', ml 'Stuhl'. 

Assimilation von / -f- Dental zu / findet sich in IhU 'bald', 
hab 'halten', bahala 'behalten', ^ibr 'Schulter', Subx 'schuldig'. 

3. Nasale. 

Wgm ;i. 
§ 98. Wgm. u ist anlautend und inlautend in der Mda. er- 
halten: nqm 'Name', npM 'nehmen', naxt 'Nacht', nus 'Nuss', nqs 



- 69 — 

*Na8e', nf«»/ *Nebel', khint 'Kind', sint *Sünde\ vifi^ ^wünschen', 

nena ^nennen', hant ^Hand', iafit ^Schande'. 

Anm. Darch Zusammenwachsen des proklitischen unbestimmten 
Artikels mit dem Stammanlaat entstand die eigentümliche Form naät ^Ast'. 

Zur gutturalen Nasalis ist n geworden in den Gonsonanten- 
verbindungen ng und nk\ ipreida ^springen', etdit 'Angst', Iura 'Lunge', 
pretd^ 'bringen', junk 'jung', larak *iang'; dang» 'danken', deragd 
'denken', sirdga 'sinken', trerdga 'trinken'. 

§ 99. Im Auslaut stehendes n bleibt in (primär oder secundär) 
einsilbigen Wörtern in der Regel erhalten: tsqn 'Zahn', ts^n 'zehn^, 
dqm 'Dorn', iti^n 'Tran', sim 'Sonne', hen 'Bein', itcen 'Stein', nen 
'rein', kUen *klein', sqn 'sagen', ktqn 'klagen', §t&% 'stehen', trqn 
'tragen', ilqn 'schlagen', dün 'tun', gm *gehn', s%n 'sehen', sin 'sein' 
(Verb, subst.), plqn 'plagen'. Ebenso steht auch in der 1. Pers. 
8g. praes. einer Anzahl contrahierter Verba die urprüngliche Endung 
-w, nach dem Vorbilde der alten //u'-Formen ahd. hion^ gän: frQn 
'frage', sqn 'sage', klqn 'klage', hgn *habe', trqn 'trage', Slqn 'schlage', 
sfn 'sehe', plQn 'plage'. Einsilbige Ausnahmen mit n-Schwund sind 
mai 'mein', dai 'dein', sai 'sein', n^ 'nein', kh(P 'kein'. 

Wo dagegen n in Nebensilben im Auslaut stand, ist es ge- 
schwunden: ßira 'fahren', fakb 'falten', traiva 'treiben, fließen', 
veh 'wollen', Sqra 'Schaden', proga 'Brocken', S^rwh 'Scherben', 
g^far 'gestern' (doch vgl. schon mhd. gester neben gestern)^ lieltsara 
'hölzern', tsviid 'zwischen'. Über das starke Part, praet. vgl. § 87. 

§ 100. w-f- Dental, intervocalisch stehend, wird zu n assi- 
miliert-, oft ist durch Apokope dieses n in den Auslaut gekommen: 
Um 'finden', anarst 'anders', bina 'binden', vunar 'Wunder', hunart 
'hundert', khifiar 'Kinder', ^ma 'schimpfen', Shia 'schinden' ; en 'Ende', 
äfun 'Stunde', hun 'Hunde', Jien 'Hände', khin 'Kinder', gafun 'ge- 
funden', ausgaStan 'ausgestanden, gelitten'. 

Wgm. m, 
§ 101. Wgm. m ist im Anlaut, im Inlaut und im Auslaut 
erhalten: maxa 'machen', mqta 'mahlen', mQb 'malen', inaul 'Maul', 
mens 'Mensch'; n^ma 'nehmen', rinia 'Riemen', prema (PI.) 'Ginster', 
tnema 'träumen', Stump 'stumpf, damp 'Dampf; qram 'arm', 'Arm', 
tqm 'lahm', bäm 'Baum', vgnn 'Wurm', räm 'Rahm', laim 'Leim', 
Uem 'Lehm', b^sam 'Besen', r^m 'Rasen', Qdam 'Atem', böram 'Boden'. 



— 70 — 

4. Explosivlaute nnd Spiranten. 

a) Labiale. 

Wgm. p, 

§ 102. Wgm. p ist im Anlaut, in der alten Gemination und 
nach m als Verschlusslaut erhalten. 

Im Anlaut vor Vocal steht die Fortis aspirata: phain 'Pein', 
phunt 'Pfund', phai 'Pfad', phedar 'patrinus', phaif 'Pfeife', ph^a 
'Peter', phit Koseform für 'Peter', phaxt 'Pacht', phül Tfuhl'. 

Im Anlaut vor Gonsonant sowie in der alten Verbindung sp 
steht die einfache Fortis: plux ^Pflwg', prfs» 'preisen, loben', pliffa 
'pflücken', plantsa 'pflanzen*, praum 'Pflaume', sax plQn 'sich plagen' ; 
ipet 'spät', ip^kmaus 'Fledermaus', fiipara 'flüstern', hoipas 'Wirt', 
viipal 'Wespe'. 

Ebenso steht in Fällen alter Gemination sowie nach m die 
einfache Fortis im Auslaut : khop 'Kopf, knop 'Knopf, sup 'Suppe', 
sump 'Sumpf, damp 'Dampf, itump 'stumpf. 

In allen übrigen Fällen steht die Lenis: rmiba 'Raupen', abal 
'Apfel', khobdr 'Kupfer', hiba 'hüpfen', itoba 'stopfen', sumbax 'sumpfig', 
rffrfo/ 'Schwelle' (lat. duropellum), ^rbab 'Kartoffeln' (ndfrk. ^rpal). 

§ 103. Dagegen ist wgm. einfaches p in den Verbindungen 
rp und Ip sowie postvocalisch verschoben zum stimmlosen labio- 
dentalen Spiranten : dgrf 'Dorf, Sarf 'scharf, hflafa 'helfen' ; saufa 
'saufen', lafa 'laufen', Sl^fa 'schlafen', kralfa 'greifen', pkaifa 'pfeifen', 
khafa 'kaufen', s(ef 'Seife', ^if 'Schiff, a/ 'AfiFe', ph^ar 'Pfeffer'. 

Wgm. b und S. 

§ 104. Im Anlaut, in der alten Gemination und im Auslaut 
gilt Verschlusslaut. 

Im Anlaut vor Vocal steht die Lenis: ba^a 'backen', bux 
'Buch', bäm 'Baum', bfsa7n 'Besen', blna 'binden', böratn 'Boden', 
bö 'Bogen'. 

Im Anlaut vor Gonsonant und im (primären wie secnndären) 
Auslaut steht die Fortis: plQsa 'blasen', prcet 'breit', pUex 'Bleiche', 
pretaa 'bringen', plüt 'Blut', rqp 'Rabe', krqp 'Grab', salap 'Salbe', 
khalap 'Kalb', bakrqp 'begraben', laip 'Leib', Stäp 'Staub', rip 'Rippe'. 

§ 105. Im Inlaut intervocalisch oder nach Liquiden steht 
dagegen die stimmhafte bilabiale Spirans : l^var 'Leber', n^val 'Nebel', 



— 71 — 

gfv^ 'geben', arv9f 'Arbeit', sfi^ 'sieben', riv9 'Rüben', kläw 'glauben', 

3tfrv9 'sterben', khelvar 'Kälber', hav9r 'Hafer', hivdl 'Hügel', daivdl 

'Teufel'. 

Anm. 1. In öm9nt 'Abend^ ist wegen des folgenden Nasals b zu 771 
geworden. 

Anm. 2. Über v < wgm. / vgl. § 107. 

Wgm. /. 
§ 106. Wgm. / ist im Anlaut, anteconsonantisch und im 
Auslaut durch die labiodentale stimmlose Spirans vertreten: ßb 
'fühlen', fqra ^fahren', f§r9 'Feder', fgr9r9 'fordern', ßie^ 'Fleisch', 
/rfS9 'fressen'; luß 'Luft'; hüf 'Hufe', höf 'Hof, prff 'Brief. 

§ 107. Inlautend intervocalisch jedoch wird / zum stimm- 
haften bilabialen Spiranten: öia 'Ofen', Mvo 'heben', avar 'aber', 
tsvaivah 'zweifeln'. 

b) Dentale. 
Wgm. t 
§ 108. Wgm. t ist im Anlaut, im Inlaut nach Gonsonanten 
und in der Gemination zur AflFricata fs verschoben: tsijd 'ziehen', 
tsait 'Zeit', tsvip 'zwei', tsura 'Zunge', fs^rara 'zittern', t^mm 'Zaun', 
tsainvant 'Fachwerk', M 'Zehe'; saltaa 'salzen', ^iqrtsa 'stürzen', 
planUa 'pflanzen', phaltsägr/ 'Pfalzdorf, pJielf^rs 'pfälzisch'; sefsa 
'setzen', hiis 'Hitze', khifsab 'kitzeln', khats 'Katze'. 

§ 109. Im Inlaut und Auslaut nach Vocal gilt Verschiebung 
zur stimmlosen alveolaren Spirans: iQsa 'lassen', itösa 'stoßen', baisa 
'beißen', ram 'reißen', visa 'wissen', ^ 'essen' ; das 'das', vas 'was', 
nus 'Nuss', füs 'Fuß', ivm 'Schweiß', hm 'heiß', gces 'Geiß'. 

§ 110. Die wgm. Consonantenverbindungen /r, st^ hty ft sind 
von der Verschiebung nicht betroflFen. In ^r, nur im Anlaut vor- 
kommend, ist t Fortis: tröst 'Trost', trat *treu', tr?ra 'treten'. In 
st>St ist t ebenfalls Fortis: itraira 'streiten', stara 'Stange', Stqx^ 
'stechen', Svf^t9r 'Schwester', ^^s^r 'gestern', ^o^^ 'Gast'. In ht>xt 
wird tj wenn die Verbindung im Inlaut steht, durch die Lenis, 
wenn sie im Auslaut steht, durch die Fortis vertreten: fl^x^ 
'flechten', doxdar 'Tochter', f^r%dd 'fürchten'; lai^t 'leicht', faitt 
'feucht', naxt 'Nacht', axt 'acht'. Auch in luft 'Luft' steht die 
Fortis. 



— 72 - 

Wgm. d, äy p. 
§ 111. Wgm. dy d und p zeigen in ihren mundartlichen 
Entsprechungen keinen principiellen Unterschied mehr. Von Assi- 
milationserscheinungen und der intervocaiischen Stellung abgesehen, 
erscheinen alle drei als derselbe Verschlnsslant. 

§ 112. Im Anlaut vor Vocal gilt die Lenis: dcel 'Teil', dcef^ 
Haufen', dtf 'tief, doxd^r 'Tochter', dün 'tun', dqx *Tag', dfr 'Tier\ 
döt 'tof; das 'das', dgrn *Dom', du 'du', d^/ 'darf, d^r/ 'Dorf , 
dax 'Dach', dgrSt 'Durst'. 

Im Anlaut vor Gonsonant steht die Fortis: trqn 'tragen', 
trerapa trinken', tram 'treiben, fließen', trog» 'trocken', trfp 'trübe', 
troh 'Tropfen'; tr^äa 'dreschen', trat 'drei', triga 'drücken'. 

Im Inlaut nach Gonsonanten und in der Gemination steht die 
Lenis: gqrda ^Garten', vqrda 'warten', hgrdax 'hurtig'; hid^ 'bitten', 
phedar 'patrinus' (mhd. pfetter). 

Im (primären wie secundären) Auslaut steht die Fortis: hunt 
'Hund', hant 'Hand', vint 'Wind', hau 'heute', g^U 'Geld', bet 'Bett', 
mit 'mit', hqrt 'Hirte', hart 'hart', vqH 'Wort', vas9rlot 'Schössling' 
(zu ahd. liodan 'wachsen'), garit 'geritten', gdlit 'gelitten', fdrbot 
'verboten'; ^rt 'Erde', mqt 'Magd', rat 'Rad', ha^t 'Heide', munt 
'Mund', döt 'tot'. 

Über Assimilationserscheinungen vgl. §§ 96. 97. 100. 

§ 113. Im Inlaut intervocalisch ist der Dental durchgängig 

zu r geworden: rqrd 'raten', tr^rd 'treten', raird 'reiten', fsqrar» 

'zittern', plürdx 'blutig', blr9 'bieten', für» ^Futter', ^r? 'graben', 

featr» 'Zeiten' (Dat. pl.); qra 'oder', laira 'leiden', inair» 'schneiden', 

kkera 'Kleider', böram 'Boden', icerd 'scheiden', dörahet 'Totenbett', 

prüra 'Bruder', röra hQr 'rote Haare', ebenso niöra 'Mode'. 

Anm. facbr *Vater' und modar 'Mutter' sind Ausnahmen mit be- 
wahrtem d, 

Wgm.' s. 
§ 114. Wgm. s ist in allen Stellungen in der Mda. stimm- 
loser dentaler Spirant: sifaa 'singen', sefsa 'setzen', mx» 'suchen', 
l^ 'lesen', bfsafn 'Besen', haisar 'Häuser', rös 'Rose', ries 'Reise', 
hqs 'Hase', ga7i^ 'Gans', ßindarmam 'Schmetterling'. 

§ 115. In verschiedenen Gonsonantenverbindungen wird s 
zu i. So in anlautendem sin, sn, sl, sw: imit 'Schmied', 'Schmiede', 



- 73 - 

rfmax^*Hunger\itw^f^*8chmelzen^*;wo/Ä^'8chmeißen';iw^ir9'8clineiden\ 
inavA *Schuabel', inQk ^Stechfliege' ; ^tqn *8chlagen', SlQfi ^schlafen', 
ilaix^ *8chleichen' ; iv^ii»r *Schwe8ter', ivarts ^schwarz', ivcn^ 'Schweiß'. 
Ferner in st und sp\ itül *Stuhl', $tan 'Stange', i/^x^ 'stechen', 
g^i9r 'gestern', ga^t 'Gast', A^^ 'hast', büt 'bist' (aber is 'ist'), d^rßt 
'darfst', ien^/ 'schönst', i?w^^ 'wusste' ; SpV 'spät', ^jö^wömä 'Fledermaus', 
äpre7a9 'springen', ß'äp9r9 'flüstern', vi^p9l 'Wespe', ho^s 'Wirt'. 

sk ist zu ä geworden : ^It 'Schuld', ^ihr 'Schulter', iuk 'Schuh', 
^ain^ 'scheinen', äqf 'Schaf, ße^ 'Flasche', eä 'Asche'. 

In ams9l 'Amsel' ist s nach m zu ^ geworden. Die gleiche 
Entwicklung nach r zeigen Wörter wie k^rä 'Kirsche', q^ 'Arsch'. 

c) Gutturale. 
Wgm. k. 

§ 116. Für die Fälle, wo wgm. k als Verschlusslaut er- 
halten ist, entspricht die mundartliche Entwicklung der des labialen 
/>. Es steht im Anlaut vor Vocalen die Fortis aspirata: khaf9 
'kaufen', khint 'Kind', khoni9 'kommen', khap 'Kopf, kh^l 'Kehle', 
khern 'können', khalt 'kalt'; vor Gonsonanten die einfache Fortis: 
kUfm 'klein', knps 'Kreis', klgv9r 'Klee', kMt^ 'klopfen', knib9 'knüpfen', 
kngr9 'kneten', klän 'klagen'. 

Im Inlaut nach Gonsonanten steht die Lenis, ebenso wie in 
der Gemination : hqrgabäm 'Birkenbaum', daidgd 'danken', deng^ 
'denken', sitdga 'sinken', ieragd 'schenken', h'mga 'hinken'; hufdb 

'hüpfen', prog9 'Brocken', bagd 'backen', l^gd 'lecken'. 
Anm. Ober wgm. sk vgl. § 115. 
Im Auslaut steht die Fortis: ifqrdk 'stark', itik 'Stück', bok 'Bock'. 

§ 117. Im Inlaut und Auslaut nach Vocal ist wgm. k zur 
stimmlosen gutturalen Spirans verschoben: prqx!^ 'brechen', praux^ 
'brauchen', ipr^x^ 'sprechen', bix^r 'Bücher', dux 'Tuch', khqrax 
'Kirche', miUx 'Milch', ^Qx ^Sprache', uex 'Eiche', dax 'Dach', 
ätax^Iävain 'Igel'. 

Wgm. g. 

§ 118. Wgm. g ist in der Mda. in folgenden Fällen durch 
Verschlusslaut vertreten. 

Im Anlaut vor Vocal steht die Lenis: gqra 'Garn', g^rap 
'Garbe', gut 'gut', g^U 'Geld', gabun 'gebunden', got 'Gott', gaSt 
'Gast'. Vor Gonsonant tritt die Fortis ein: Ar?» 'Gras', krin 'grün', 
kns9 'grüßen', krqp 'Grab', krös 'groß', kläv» 'glauben'. 



- 74 — 

Im Auslaut erscheint wgm. g als stimmlose gutturale Spirans, 
vor palatalen Vocalen die palatale, vor gutturalen die velare: dqx 
*Tag', itqx 'Schlag', tsaix *Zeug', plux Tflug', hp^x *Berg', sgrdx 
'Sorge', tsairax 'zeitig, reif. 

Die Gonsonantenyerbindung ng ist im Inlaut zu 79 assimiliert 
(§ 98), im Auslaut durch tak vertreten : siraa 'singen', pretaa 'bringen', 
la799 'reichen', latak *lang', jutak 'jung'. 

§ 119. Wgm. g ist, wenn es intervocalisch steht oder stand, 
durch Contraction geschwunden: frqn 'tragen', sqn 'sagen', frifn 
'fragen', nqal 'Nagel', r$« 'Regen', föal 'Vogel', rul 'Riegel*, khü9l 
'Kugel', ß^l 'Flegel', gfn 'gegen', ats^l 'Elster' (ahd. agof^) , ^ 
'Egge' (ahd. egida)\ frq 'Frage', vQ 'Wage', g9lö 'gelogen', to/rö 
'betrogen', bö 'Bogen', ktq 'Klage', s^ ^Säge', niqt 'Magd', mfr» 
'Magd, Tochter' (ahd. magatin\ g98qi 'gesagt', g9fn}t 'gefragt', ^r9 
'sagte er'. 

Die Verba 'fliegen', 'biegen', 'lügen', 'betrügen' lauten nicht, 
wie hiemach zu erwarten, *^», *bf9j *li9, *b9trf9y sondern zeigen 
Vocalkürzung und secundären ^-Einschub: ßij», bij9^ lij9y b9irij9\ 
das wird bewiesen durch tsij9 'ziehen', pli)d 'blühen', klij9 'glühen'; 
so auch ijdl 'Igel'. 

Wgm. A. 
§ 120. Wgm. h bewahrt die Mundart im Anlaut als Hauchlaut: 
Kqn 'Hahn', hant 'Hand', hQm 'Hom', hvRt 'Heide', hoea 'heiß', höx 'hoch'. 

§ 121. Im Inlaut steht bei einstiger Gemination und in der 
alten Consonantenverbindung ht die stimmlose gutturale, velare 
oder palatale, Spirans: lax^ 'lachen'; flexd» 'flechten', faixt 'feucht', 
laixt 'leicht', naxt 'Nacht', axt 'acht'. 

In der Verbindung hs ist h zum Verschlusslaut und zwar zur 
gutturalen Fortis geworden: ftücs 'Fuchs', oks 'Ochse', s^ ^sechs', 
vaks» 'wachsen', daiksal 'Deichsel', niks 'nichts'. 

Intervocalisches h fällt durch Contraction: ^n 'sehen', Un9 
'leihen' (ahd. Manön)y Stqn 'schlagen', fe^n 'zehn'; über schein- 
baren Ersatz durch j vgl. § 119. 

§ 122. Im Auslaut steht die stimmlose Spirans in hOx ^hoch', 
dQTX 'durch'. Dagegen ist das h geschwunden in ft 'Vieh', ri 
'Reh', tsg 'Zehe', iü (PL) 'Schuhe'. Aber Sing, iuk ^Schnh'. 



Dialektgeographische Statistik. 

§ 123. Als letzter Teil dieser Arbeit bleibt noch die Unter 
sucbung übrig, ob und wo sich die eben festgestellten Eigenheiten 
der Colonistenmda. in den Mdaa. der Heimat wiederfinden. Zu- 
nächst greife ich einige besonders augenfällige Lautunterschiede 
zwischen S und K ') heraus, um an der Hand unserer Siedelungs- 
statistik und der fertigen SA-Karten festzustellen, mit wieviel Köpfen 
die beiden Lautformen in der Colonie ursprünglich vertreten waren; 
es handelt sich dabei fast ausschließlich um zwei ungefähr durch 
den Soonwald geographisch geschiedene Dialektformen, deren eine 
mit der heutigen Mda. der Colonie übereinstimmt. 7 Ortschaften 
mit 24 Köpfen, alle in S gelegen, fehlen im SA: sie werden nur 
berücksichtigt, wenn sie ohne Bedenken auf die eine oder andere 
Seite der heutigen Dialektlinien geschlagen werden dürfen. Von 
15 Colonisten wissen wir nicht den Heimatsort, sondern nur, dass 
sie aus dem ehemaligen Oberamt Simmern, ebenso von 2, dass 
sie aus dem Oberamt Kreuznach stammten: sie werden nur in 
Rechnung gezogen, wenn das Oberamt noch heute als einheitlicher 
Lautbezirk auftritt. Dass alle diese Rechnungen nur annähernd 
richtige, nicht absolute Resultate ergeben, ist selbstverständlich. 

'Das', *was', 'es'. 

§ 124. Die Lautverschiebungsgrenze dieser Pronominal- 
formen 2) sondert die Heimatsorte in solche mit und in solche ohne 
Verschiebung, aus denen die Kopfzahlen der Colonisten zu addieren 
sind. Einige SA-Formulare längs dieser Grenze zeigen Doppel- 



1) Vgl. o. S. 2 Fußnote 1. 

2) Wrede Anz. 19,97. 



— 76 — 

formen ; also -t und -s nebeneinander: ich rechne diese Orte auf 
die -^Seite, denn sie fähren die -s-Fonn erst allmählich ein. Von 
den 7 fraglichen Ortschaften in S (§ 123) dürfen 4 mit 8 Köpfen 
mitgezählt werden, ebenso die fraglichen Colonisten aus dem Ober- 
amt Kreuznach (ib.), während die 15 fraglichen aus dem Oberamt 
Simmem besser unberücksichtigt bleiben. Dann stehen sich 
240 Colonisten mit und 67 Colonisten ohne Lautverschiebung 
gegenüber: die Colonie hat heute Verschiebung. 

Du gegen dau in betonter Stellung.^) 

§ 125. In der Rechnung wurde Pleizenhausen (15 Köpfe) 
vorsichtshalber nicht mitgezählt, da es, obwohl ganz im Di- 
phthongierungsgebiet gelegen, doch auf dem SA-Formular nicht 
diphthongiert. Ebenso bleiben die 15 fraglichen Colonisten aus 
dem Oberamt Simmem besser außer Betracht, obwohl das Oberamt, 
mit einziger Ausnahme von Rheinböllen (2 Köpfe), sonst die di- 
phthongische Form überliefert. Auch die 2 fraglichen Kreuznacher 
rechne ich nicht mit. Dann stehen sich 159 du- und 123 
dau-Colonisten gegenüber: die Colonie diphthongiert 
heute nicht. 

Ich, mich, dich gegenüber eich, meich, deich.*) 

§ 1 26. Aus der Rechnung scheidet aus Oberdiebach (4 Köpfe) : 
sein Fragebogen überliefert bei 11 Fällen 10 diphthonglose und 
nur 1 diphthongierende Form, obwohl der Ort im Diphthongierungs- 
gebiet liegt. Die 15 Colonisten aus dem Oberamt Simmern sind 
wieder nicht mitgezählt, obwohl sie wahrscheinlich ebenso wie in 
§ 125 als diphthongierende anzusehen sind. Auch die 2 Colonisten 
des Oberamts Kreuznach sind nicht berücksichtigt. Das Zahlen- 
verhältnis ist dann folgendes : es stehen 152 nichtdiphthongierenden 
Colonisten 141 diphthongierende gegenüber. Wenn wir aber auf 
der Seite der Diphthongierenden die 15 Colonisten des Oberamts 
Simmern sowie die 4 Köpfe aus Oberdiebach mitzählen, so ist das 
Ergebnis: 152 nichtdiphthongierenden Colonisten stehen 160 di- 
phthongierende gegenüber. Die Colonie hat heute diphthong- 



1) Ich gebe im folgenden die Dialektformen im allgemeinen ohne Trans- 
scription nach der überwiegenden Schreibung der SA-Formulare. 

2) Wrede Anz. 18, 308. 



— 77 — 

lose Formen; aber es ist interessant, dass die „alten Lente^, 
wie mir bei meinen dortigen Dialektaufnabmen erzählt wurde, noch 
diphthongiert haben. Vgl. 'euch', *euer' in § 131. 

Ahd. iti ohne Umlaut. 
§ 127. Quer durch das in Frage kommende Gebiet läuft die 
Linie oder vielmehr das Linienbündel, welches den Landstrich, wo 
einstiges iu zu ü geworden und weiter zu au diphthongiert ist, 
von dem trennt, wo iu zu ü und weiter zu m und entrundet zu 
ei geworden. Da die Linien der einzelnen Paradigmen z. T. stark 
von einander abweichen, so war für jedes Beispiel eine besondere 
Rechnung aufzustellen. 

§ 128. 'Feuer'.^) Es stehen 222 Colonisten mit feier 77 Colo- 
nisten mit fauer gegenüber. Die 15 fraglichen Colonisten des 
Oberamts Simmem sind nicht gezählt, dagegen die 2 des Oberamts 
Kreuznach. Zu dem Resultat ist noch weiter zu bemerken, dass 
die Städte Simmern und Kastellaun (14 -f* ^ Köpfe), die beide 
durchaus im atz-Gebiet liegen, heute et-Formen überliefern, sowohl 
hier wie auch bei den folgenden Beispielen. Früher haben aber 
beide zweifellos ati- Formen gehabt, wie das umliegende Gebiet 
heute noch. Wenn wir daher die beiden Städte auf die aw-Seite 
bringen, würden 206 Colonisten mit feier 93 Colonisten mit fauer 
gegenüberstehen: die Colonie heit feier, 

§ 129. 'Neu'. Die Lage ist dieselbe wie bei *Feuer'. 202 Colo- 
nisten mit nei stehen 97 mit nau gegenüber oder, wenn Simmem 
und. Kastellaun auf die au-Seite gebracht werden , 186 Köpfe mit 
nei gegen 113 mit nau: die Colonie hat nei. 

§ 130. *Heute'.*) Wenn wir in der gewohnten Weise die 
Rechnung aufstellen, stehen 200 Colonisten mit heit 99 mit haut 
gegenüber oder, wenn wir wiederum Simmem und Kastellaun auf 
die au-Seite bringen, 184 Köpfe mit e»-Form gegen 115 mit au- 
Form: die Colonie hat heit. 

§ 131. *Euch', 'euer'. Bisher war die Mehrheit stets auf 
Seiten der ei-Form. Bei 'euch', 'euer' wird das Bild ein anderes. Es 

1) Wrede Adz. 22, 102 f. 

2) Wrede Anz. 26, 342. 



— 78 — 

stehen 159 Golouisten mit den au-Formen 138 mit fi-Formen gegen- 
über oder^ wenn Simmern nnd Easteliann wieder auf die au-Seite 
gebracht werden, 122 Köpfe mit den ^/-Formen gegen 175 mit den 
entsprechenden au-Formen, wobei zu erwähnen ist, dass diesmal 
auch die 2 Golonisten des Oberamts Kreuznach nicht in Rechnung 
gezogen werden konnten: die Golonie hat auch hier ei- 
Formen. Hierfür giebt es nur die Erklärung, dass die Golonisten, 
die zwar größtenteils die au-Formen hatten, sie dennoch all- 
mählich aufgaben zugunsten der e^Formen, gerade so wie auch in 
der Heimat die at«-Formen sehr stark zurückgehen ; denn oft finden 
sich hier im SA ei und au nebeneinander. Wo au neben ei vor- 
kommt, habe ich übrigens die au-Form für den Ort als maßgebend 
angenommen, weil er früher in allen Stellungen au gehabt haben 
wird, das jetzt nur im Rückgang begriffen ist. 

§ 182. 'Nichts'.^) In der Heimat der Golonisten giebt es für 
nichts zwei verschiedene Formen: neust oder neischt und nix. Das 
Resultat ist folgendes: 197 Golonisten mit nix stehen 136 mit 
neust' oder neischt-Formeu gegenüber. Dabei konnten von jenen frag- 
lichen 7 Orten 6 mit 19 Köpfen, sowie die 15 Golonisten des Ober- 
anits Simmem und die 2 des Oberamts Kreuznach mit berücksichtigt 
werden. Simmern selbst liegt im neischt-Gehiet y überliefert aber 
trotzdem heute nix, hat also jedenfalls früher auch die neischt- 
Form gehabt. Wenn wir diesen früheren Zustand in Zahlen aus- 
drücken wollten, würden 183 Golonisten mit nix 150 mit neust- 
oder neischt-Y otmtn gegenüberstehen: die Golonie hat heute n/ar. 

Ahd. ou. 

§ 133. 'Kaufen' *) kommt in der Heimat der Golonisten in 
zwei verschiedenen Formen vor, mit Umlaut des Wurzelvocals und 
Monophthongierung zu (^, und dann mit d, was sowohl unmittelbar 
ans Monophthongierung des alten au entstanden sein, als auch der 
umgelauteten, entrundeten und monophthongierten Form entsprechen 
kann. Aus der Rechnung scheiden aus Neuerkirch (1 Kopf) und 
Holzbach (1 Kopf), da sie indifferente Formen mit au überliefern; 
wahrscheinlich haben sie ä^ da das ganze Gebiet nördlich des 



1) Wrede Anz. 19, 205 ff. 

2) Wrede Anz. 23, 223 f. 



— 79 — 

Soonwaldes einheitlich a hat. Die 15 Colonisten des Oberamts 
Simmern können berücksichtigt werden, nicht aber die 2 des Ober- 
amts Kreuznach. Dann stehen 241 Colonisten mit der 
d-Form 68 Colonisten mit der cp-Form gegenüber: die 
Colonie hat die d-Form. 

§ 134. 'Glaube' (1. sg. praes.).^) Aach hier hat die Heimat 
zwei Formen, eine mit d und die andre mit ce. Manubach (1 Kopf) 
überliefert indifferente au-Form und scheidet darum aus, ebenso 
die 15 Colonisten des Oberamts Simmern und die 2 des Oberamts 
Kreuznach. Dann stehen 183 Colonisten mit glab 113 
mit glceb gegenüber: die Colonie hat glab. 

In- oder auslautendes 8t>St 

§ 135. Auch diese Grenze durchschneidet unser Heimats- 
gebiet.*) Biebern (20 Köpfe) liegt durchaus im «^Gebiet, über- 
liefert aber trotzdem im SA von 5 Beispielen 2 mit st und 3 mit 
scht\ diese Mischung wird sich dadurch erklären, dass der Lehrer, 
der Übersetzer der Wenkerschen Sätzchen, aus RheinböUen im 
^^Gebiet stammt und Eigentümlichkeiten seiner Mda. in die Über- 
setzung hineintrug; Biebern müsste also eigentlich zur 5^Seite ge- 
rechnet werden. Sonst können von den fraglichen Colonisten nur 
die 2 des Oberamts Kreuznach in Rechnung gezogen werden. 
Dann stehen ohne Biebern 219 Colonisten mit ^^- Aussprache gegen- 
über 60 mit 9^ Aussprache , mit Biebern 219 mit M gegenüber 80 
mit st: die Colonie hat ^^-Formen. 

§ 136. Das Ergebnis dieser Auszählungen lautet, dass in 
den meisten Fällen die heutige Mda. der Colonie diejenige Laut- 
form aufweist, die einst von der Mehrzahl der Colonisten gesprochen 
wurde, vorausgesetzt, dass die dialektischen Unterschiede in den 
Heimatsgegenden heute noch denen von 1740 entsprechen. Die 
abweichenden Lautformen der Minderzahl sind also im Laufe der 
Zeit absorbiert worden, bei der einheitlichen Ausgleichung der 
neuen Mundart sind sie unterlegen. In dem Falle, wo das Resultat 
das umgekehrte zu sein scheint (§ 131), war zu constatieren, dass 



1) Wrede Anz. 23, 215 f. 

2) Wrede Anz. 19,205. 



— 80 — 

die siegreiche Form der einstigeu Minderheit auch in der Heimatsmda. 
heute stark im Vorrücken begriffen ist, eine Unsicherheit, die also 
vielleicht bis in die Zeit der Auswanderung zurückreicht. 

§ 137. Fassen wir weiter dies Ergebnis rein geographisch 
ins Auge und fragen, welcher Teil der Colonistenheimat laat SA 
jene sieghaften Lautformen aufweist, dann zeigt sich, dass dies 
zumeist E ist, d. h. das südlich und südöstlich vom Soonwalde 
gelegene Dialektgebiet. Wir fragen weiter, ob das Verhältnis 
dasselbe oder wenigstens ähnlich bleibt auch bei allen andern 
Dialekteigenheiten, in denen die Heimatgegenden unter sich diver- 
gieren. Es würde viel zu weit führen, sich auch kaum lohnen, 
wenn ich für alle solche weiteren Erscheinungen eine gleiche 
Auszählung vornähme wie oben für die ausgewählten in § 124 bis 
135. Ich begnüge mich vielmehr damit, im folgenden an der Hand 
der fertigen SA-Blätter die Erscheinungen aufzuzählen, in denen 
S und E Verschiedenheiten zeigen, und jedesmal ungefähr zu 
notieren, ob die Golonistenmda. mit S gegen E geht oder mit E 
gegen S oder mit einem Teile von ihnen. Dabei ist aber zu be- 
achten, dass Bezeichnungen wie Vs ^ ^^^ ^1^ ungefähre geo- 
graphische verstanden sein wollen, nicht etwa mit Bücksicht auf 
die Auswandererzahl. Die zahlreichen Fälle, in denen die Golo- 
nistenmda. sowohl zu S als auch zu E stimmt, brauchen nicht 
aufgeführt zu werden.^) 

Mhd. e. 

§ 138. Während das Umlauts-e in C^) wie in S und E 
immer durch e-Schreibungen wiedergegeben wird, erscheint die 
Verbalform ^f ängt' in C zweimal als ß7igt und nur einmal als /engt. 
In S und E dominieren durchaus die ^-Formen, doch fehlen nicht 
einige kleine Enclaven in S und im südlichen E mit i: vermutlich 
ist dies hier stark im Rückgang begriffen, und C reflectiert den 
älteren Zustand von S und E. 



1) Die Auswanderer aus dem Dialekt bezirk Alzey, aus Oranien-Nassaa- 
Siegen , aus nessen-Darmstadt werden auch hier nicht berilcksichtigt , doch 
vgl. o. S. 4. 

2) C = Colonie, im SA durch drei Formulare vertreten. 



— 81 — 

Sogen. Rückamlaut. 
§ 139. 'Bestellt': C nur g, S a und seltene, K e\ 'gebrannt': 
C ein a und zwei e^ Sa, IL e (zu beachten ist, dass die nieder- 
fränkische Nachbarschaft von C a hat); ^gekannt': C zwei e und 
ein a, S a, K e (die Umgebung von G hat e). 

Mhd. e. 
§ 140. *Werden' : C irerrey S tnpre^ K werre. *Recht', 'schlechte' : 
C e, S ^, K e. 'Gewesen': C gewicht j S yar^ {< gewesen) und 
geicest, K gewfychi. 

Mhd. i. 
§ 141. 'Ist': C /, S + ^U K /, Vi K e. 'Mit': C e, S /, K e. 
'Trinken' : C e, S + K /, aber die «»-Grenze ^) verläuft gleich nörd- 
lich von S, scheint sich also nach Norden verschoben zu haben, 
sodass C den älteren Zustand der Ileimatsnida. darstellen wird. 
'Ich', 'mich', 'dich': C i, S + Vr. K ei, »/e K i.») 'Sind': C sin, 
S -f V« K sin, Va K sein, 'Geschichte' : C i, S f, K /. ^Hin' : C 
Jane (< *Af/^n < ahd. hinan) ^ S + K hin und nur vereinzelt hlne-^ 
auch hier spiegelt C ältere Verhältnisse der Heimat wieder, in der 
die zweisilbige Form einst viel bedeutendere Ausdehnung gehabt 
haben muss. Der Vocal der Participia der starken i-Conjugation *) 
ist in G I, in S f, in K e oder i. Tünf: C ßnefy S ßpief und 
fenefy K ßnef\ erst nördlich von S setzt famf ein, das mithin 
wieder zurückgegangen zu sein scheint. 

Mhd. 0. 
§ 142. Tochter': C o, S ö, K o. 'Gestohlen': C ö, S tt, 
K ö. 'Wochen': C u, S u, K o. 'Oben': C m, S + V, K u, V^ K 
o. 'Ofen': C zwei o und ein u, S u, K o und u, 'Wollt': C o, 
Vio S /, V,o S + K 0. 

Mhd. u, 
§ 143. 'Du': C H, S + Vio K au, V^oK lO 'Durch': C o, 
S u und 0, K 0. 'Trockenen' : C ein m und zwei o, S + K m und 
o promiscue. 'Um' : C um, S em {< im < iiw), K um, 

1) über deren Unsicherheit freilich Wrede Anz. 21,293 zu vgl. 

2) Vgl. 0. § 126. Nur sehr selten findet sich auch seich '^ sich, 

3) Vgl 0. § 62. 

4) Vgl. 0. § 125. 

Deutsche Dialektgeographie III Q 



- 82 — 

Mbd. a. 
§ 144. 'Habe' (1. sg.): C hon, S + «/j K hon, V, K hun. 
'Gebracht': C gebrachit), S gebrächt, K gebrächt und gebrung\ nach 
dem Eartenbilde scheint es, als ob gebrung gegen gebrächt zaräck- 
weicht, fräher also wohl in K allgemeiner galt; dann wäre die 
heutige Form in C die von S mit derselben Kürzung vor cht wie 
oben in 'recht', 'schlechte', 'Geschichte', 'Tochter'. 

Mhd. g. 
§ 145. C ^, S + V, K ^, V« K f. 

Mhd. f. 
§ 146. Ca», S äi, K ai. 'Schneien': C sdinee, S schnäie 
oder umschrieben 'Schnee machen',^) K schnfSe. 

Mhd. ö. 
§ 147. 'Schon': in C wird für Nenlnisendorf schunt, für 
Pfalzdorf und Luisendorf das aus der niederdeutschen Nachbar- 
schaft entlehnte all überliefert, während in S schun, in E sdmn 
und schunt gilt. 

Mhd. ei. 
§ 148. *Heiß', 'kein', 'Kleider', 'Seife' : C + S + K re.') 
^Fleisch', 'zwei' : G ce, S ai, K g und ceJ) 'Heim' : C ä, S ä, K g. 
'Eier': C + S + K at. 

Mhd. ie. 
§ 149. 'Nicht': C net und nät, S + ^/^K nit, V^ K net-, die 
zerrissene Linie auf dem Kartenbilde lässt vermuten, dass nt^*in 
der Heimat vorgedrungen ist und weiter vordringt. 'Nichts': C 
nix, S neist und mischt, K nix,*) 

Mhd. hl. 
§ 150. 'Häuser', 'Leute', 'neun': C ai, S äi, K ai. 'Feuer', 
'neu', 'heute': C ai, S au, K ai.*) 'Euch', 'euer': C ai, S + Ve K 
aw, */e K ai.^) 

1) Wrede Anz. 28, 170. 

2) Wrede Anz. 20,98. 21,289, 272, 

3) Wrede Anz. 20,331. 102, 

4) Vgl. o. § 132. 

5) Vgl. o. §§ 128—130. 

6) Vgl. o. § 131. 



— 83 — 

Mhd. ou, 
§ 151. Die folgenden fünf Paradigmen ^) zeigen in C gleich- 
mäßig ä, variieren hingegen etwas in der Heimat^ nämlich: 'auch' 
S-f K (?, Trau' S + »/^o K a und VioK^c, ^glaube' S + */, K a 
und V,K er, ^verkaufen' S + »/s K a und »/g K re, 'gelaufen' S + 
V5K a und V5K (e. 

Mhd. öu, 
§ 152. 'Bäurachen' : C ap, S + Vs K (C, Vs K ä, 

Mhd. tw. 

§ 153. 'Mutter': C 0, S m, K und selten u. *Mus8': C u, 
S «, K u, 

Svarabhakti.*) 

§ 154. Secundärvocale in 'arg' und 'fünf hat C gemeinsam 
mit S + K ; in ^Dorf ,») 'durch', 'dürft', 'Korb',*) 'Korn', 'gestorben' 
fehlen sie in C und K, während sie S eigen sind. Nicht eigent- 
lich hierher gehören zweisilbige Formen von 'Milch' und *zwöir,*) 
die C mit S + K gemeinsam sind. 

Zur Schreibweise der Vocale. 

§ 155. Auf einen interessanten Unterschied in der vocalischen 
Schreibweise sei hier noch hingewiesen, der zwischen den SA- 
Formularen der Colonie und denen der Heimatsbezirke sich deutlich 
ausprägt. Beide Mundarten, sowohl C als S + K, haben nur ent- 
labialisierte Vocale {ö>e, ü>i, eu> ei) , schreiben diese aber 
verschieden: die drei Formulare von C schreiben consequent g, i, et; 
dagegen zeigen die von S -f- K bunten Wechsel zwischen ö und e, 
ü und t, eu und ei. Das bedeutet nicht etwa lautliche Unter- 
schiede zwischen Colonie und Heimat, sondern ist lediglich graphisch 
und beruht auf einem diakritischen Bedürfnis, das nur C, nicht 
aber S + K empfinden. C nämlich ist sich seiner entrundeten 
Vocale deutlich bewusst, weil rings die niederfränkische Nachbar- 
schaft, namentlich auch die katholischen und niederdeutschen Be- 



1) Wrede Anz. 23, 216 f. 224. 229 ff. 24, 122 ff. Vgl. 0. §§ 133. 134. 

2) Vgl. § 90. 

3) Wrede Anz. 20,325. 

4) Wrede Anz. 21,268. 

5) Wrede Anz. 21,275. 

6* 



— 84 — 

wohner Pfalzdorfs, nicht entrnnden nnd mit ihren ö und il daher 
täglich die dortigen Pfälzer auf diesen dialektischen Unterschied 
hinweisen. In S -|- K hingegen besteht ein solcher Gegensatz nicht, 
es fehlt daher dort jenes diakritische Bedürfnis und die Schreiber 
der Formulare schreiben oft statt e, », ei nach schriftoprachlicber 
Gewohnheit ö, ü, euj zumal sie auch beim Hochdeutschreden nur zu 
oft trotz der Schriftzeichen entlabialisieren. Es handelt sich hier 
also um graphische Eigenheiten der SA-Ubersetzungen , auf die 
Wrede hingewiesen hat ^) und die bei den Consonanten interessante 
Parallelen aufweisen werden. 

Liquiden und Nasale. 

§ 156. Die Vorsilbe von 'verkaufen' erscheint in C auf zwei 
Formularen als ver- und auf einem als e?e-, in S nur als ver-y in 
K als ver- und ve-,'^) Die r- Ableitung im Pron. possess. 1. plur. 
fehlt in C und in S -j- V2 ^ > während der andern K-Hälfte der 
Stamm unser- eigen ist. 

Inlautendes n in 'uns', 'unsere' ist in C und K erhalten 
gegenüber üs- in S. Auslautendes -n in 'Wein' ist in C ebenso 
erhalten wie in S + ^/j K, während es nur in Vs ^ fehlt.') 'Den' 
(Dat. pl.): C und S de, K (fe und dene. 

Labiale. 
§ 157. Auslaut in 'bleib': C -6, S -b und -tr, K -6. 

Dentale. 

§ 158. 'Das', 'was', 'es' : C -5, S -t, K -«.*) 'Gebracht' : in 
C wird der Auslaut für Pfalzdorf als -cht^ für Luisendorf als -cä, 
für Neuluisendorf als -cMf) überliefert; da die Heimat diesen 
^Schwund nicht kennt, scheint Einfluss aus niederrheinischer Nach- 
barschaft vorzuliegen. Zu schwü 'schon' vgl. 0. § 147. 'Pfund' 
(Plur.): C -wrf, S -wn, K -nd, 'Ihr" (2. plur.): C d€r (dessen d ans 
enklitischer Stellung hinter dem Verbum stammt), S + Vg ^ ^^> 



1) Wenker-Wrede Der Sprachatlas des Deutschen Reichs (Marburg 
1895) S. 38 ff., besonders 44. 

2) Wredo Anz. 23,221. 

3) Wrede Anz. 19,279. 

4) Vgl. o. § 124. 



- 85 — 

Postvocalisches st: C -schty S -stj K -scht^'^) dagegen im syn- 
kopierten *i88t'<mhd. izzet hat C ebenso wie S und der kleinere 
Teil von K -sty während der größere Teil von K auch hier heute 
'8ckt spricht. 

§ 159. Wiederum nur graphisch ^) ist ein Unterschied in den 
SA Formularen , wenn dieselbe stimmlose Lenis, die dem mhd. t 
entspricht, in G fast consequent als t geschrieben wird, in S -f- K^ 
hingegen wie in weiten mittel- und oberdeutschen Gebieten pro- 
miscue als d und t\^) die niederdeutsche Nachbarschaft mit ihrem 
stimmhaften unverschobenen d veranlasst die Colonisten zur unter- 
scheidenden ^Schreibung; nur selten finden sich Schwankungen, 
so erscheint ^trinken' in den Übersetzungen von Pfd. und Nid. als 
trenke, von Ld. als d{t)renke, 'getan' in Pfd. als kedohn, in Ld. und 
Nid. als kethon. Aus dem gleichen Grunde erscheint der inlautende 
Dental von ^Mutter' in C nur als äj in S -j- K bald als dd, bald als //. 

Analog ist das verschiedene Verhalten von C und S + K in 
der Wiedergabe des schriftdeutschen ß ('beißen', 'groß', 'größer') : 
C schreibt nur ßj S -{-K ß und s wechselnd, obgleich der spiran- 
tische Laut ohne Frage hier und dort identisch ist. Der Grund 
liegt wiederum in dem ünterscheidungsbedürfnis von C, da die 
niederdeutsche Umgebung dort hinter Vocal das alte wgm. s 
stimmhaft articuliert, während dies in S + K seinen Stimmton 
verloren hat und daher mit dem verschobenen ß < t zusammen- 
gefallen ist.*) 

Gutturale. 

§160. 'Hoch': im Auslaut C-cÄ, S -cA, K-A. Zur Behandlung 
des Gutturals in 'nicht' und 'nichts' vgl. o. § 149. 

§ 161. Auf lediglich orthographischem Unterscheidungs- 
bedürfnis beruht es wieder, wenn für das anlautende g in den 
SA-Formularen von C regelmäßig k- überliefert wird,^) z. B. kleich 
'gleich', kefall 'gefallen', kam 'ganz', klischier 'gestern', kroliss 'groß'. 
£inige Male war sogar zunächst ein g geschrieben, das dann 

1) Vgl. 0. § 135. 

2) Vgl. o. § 155. 

3) Vgl. Wrede Anz. 20,322. 21,293. 

4) Wrede Anz. 22,322. 

5) Vgl. o. § 159. 



— 86 — 

nachher in Je geändert worden ist. Diese Zwischenstufe zeigt 
deutlich, dass der Übersetzer absichtlich die Schreibung k ein- 
geführt hat; und zwar hat er sie deshalb eingeführt, weil ihm 
bewusst war, dass die Lenis g der Colonistenmda. nicht identisch 
ist mit dem in der niederfränkischen Nachbarschaft herrschenden 
stimmhaften Reibelaut g. um also ihre explosive Lenis von dem 
Reibelaut zu unterscheiden, wählten die Übersetzer das Zeichen k. 
Auf diese Weise wurden nun allerdings mit demselben Zeichen 
zwei auch in der Colonistenmda. verschiedene Laute, die gutturale 
Lenis und die gutturale Fortis, bezeichnet. Aber der Unterschied 
zwischen diesen beiden Lauten ist nicht so groß als der zwischen 
niederfränkischem Reibelaut und pfälzischer Lenis ; daher wählten 
die Übersetzer das kleinere Übel und bezeichneten ihre Fortis and 
Lenis mit demselben Zeichen.^) In den Formularen von S + K 
ist solche diakritische Schreibung nur selten angewendet worden, 
weil dort eben das Nebeneinander von Reibelaut und Lenis im 
Anlaut nicht vorhanden ist.') 

Zur Formenbildung. 

§ 162. Das Präfix in den perfectiven Participien 'gebracht*, 
'gefunden*, 'gekannt^, 'geblieben' ist in C wie in K vorhanden, 
während es in S fehlt. 

Ergebnis. 

§ 163. Das Ergebnis der §§ 138—162 ist dasselbe wie das 
der genaueren Auszählungen oben in §§ 124 — 135: in den Fällen, 
wo nicht C = S + K, stimmt heute C vorwiegend mit K überein, 
nur selten mit S; der Schwerpunkt der dialektischen Heimat von 
G liegt also bei K, nicht bei S. Dabei waren für die Dialekt- 
geschichte von S und K einige Fälle interessant, in denen das 
conservative C eine geographische Verschiebung in der Heimat 
vermuten lässt, die dort seit der Auswanderung vor sich ge- 
gangen ist. 

Niederfränkische Einflüsse. 

§ 164. Dagegen waren Einflüsse der niederfränkischen Um- 
gebung auf C nur ganz vereinzelt und dann nicht einmal sicher; 



1) Vgl. Wenker-Wrodo a. a. 0. S. 41. 

2) Wrede Anz. 24, 116 ff. 



— 87 — 

die confessionelle Isoliertheit ^) hat sie gehindert, und doch fehlt 
es nicht an solchen; aber diese sind nicht lautlicher, sondern 
lexikalischer Art. Wrede pflegt in seinen Vorlesungen und Übungen 
die These zu vertreten und durch kartographische Combinationen 
anschaulich zu machen, dass die dogmatische ^Ausnahmslosigkeit', 
d. h. der Grenzzusammenfall für dieselbe mundartliche Erscheinung 
bei verschiedenen Paradigmen, um so eher zu erwarten ist oder 
wenigstens angestrebt scheint, je geringeren Accent diese im Satz- 
zusammenhang trägt. Daher zeigen die immer unbetonten End- 
Silben größere Übereinstimmung als die betonten Stammsilben und 
in letzteren wieder die consonantischen Teile größere als die den 
Ictus repräsentierenden vocalischen. Die wichtigste Rolle aber im 
logischen Zusammenhang des Satzes, eine wichtigere als seine 
lautlichen und formalen Bestandteile, spielt die Function des 
Wortes, seine Bedeutung, das Wort an sich: lexikalische Grenzen 
decken sich daher am wenigsten. Daher wird die einstige deutsche 
Dialektkarte Endungsgrenzen sehr stark, lexikalische Grenzen 
am wenigsten zu verwerten haben, die Wortgeographie ist viel 
individueller als die Lautgeographie.^) Und so ist denn auch 
die nach lautlichen Kriterien so überaus scharfe Dialektscheide 
unserer Pfälzercolonie von lexikalischen Eindringlingen oft durch- 
brochen. 

§ 165. Niederfränkische Lehnwörter sind in C nichts 
Seltenes. Durch ihren Lautstand erweisen als solche sich Vocabeln 
wie dix^l^tcm 'Ziegelstein' (ohne Lautverschiebung des Anlauts), 
pluxdrfv9rt 'Bachstelze' (ohne Diphthongierung des f), prisa *loben, 
preisen' (dgl.). Iura 'lauem' (ohne Diphthongierung des ft), Sußl 
'Schaufel' (dgl.), ^ür 'Schauer' (dgl.), Mruk 'Strauch' (ohne Diphthong 
und ohne Lautverschiebung), pri9 'brüten' (ohne inlautendes r<f), 
löp 'Diarrhöe' (eig. 'Lauf, mit ndfr. ö und p). 

§ 166. Andere Wörter entbehren solcher lautlicher Merkmale, 
zeigen vielmehr normalen rheinfränkischen Lautstand. Aber ihre 
SA-Karten zeigen, dass wir es dennoch mit Lehnwörtern zu tun 
haben werden. 



1) Vgl. o. § 5. 

2) Vgl. auch H. Fischer Geogr. d. schwäb. Mda. (Tübingen 1806) S.ll ff. 



— 88 — 

Die 'Flasche' erscheint in den drei C-Formularen als fläsch ; 
S + K haben ßasch, durchsetzt mit etlichen bndeil (o. ä.), während 
ßäsch erst vereinzelt nördlicher an der unteren Mosel und in der 
Eifel auftritt. Danach wäre nicht ausgeschlossen, dass letzteres 
einst weiter nach Süden in die Heimat hineingereicht habe. Aber 
wahrscheinlicher nach dem Kartenbilde ist, dass hier einst budell 
dominiert und erst im Laufe der Zeit der ßasch den Boden ge- 
räumt hat. Nun hat die niederfränkische Umgebung von C heut« 
ßäss: mithin wird in C ältestes budell durch ßäsch allmählich ver- 
drängt worden sein, das sich dann als Comprom issform zwischen 
schriftsprachlichem (vielleicht auch schon heimatlichem) ßasch und 
nachbarlichem ßäss darstellen würde. 

Das Wort *Wiese' ist in der Heimatsmda. vorhanden, in S 
als f/>fö, in K als wis. C hingegen überliefert wed, wcety und die 
Umgebung hat weij wej u. ä. : beides ist *Weide*, das C also gegen 
'Wiese' eingetauscht, aber seinem Lautstande angepasst hat. 

Das Tferd' gilt laut SA für C ebenso wie für die nieder- 
rheinische Landschaft ringsum , während S -[- K nur den 'Gaul' 
kennen; doch soll dieses, wie ich in Pfalzdorf hörte, auch dort 
noch nicht ganz ausgestorben sein. 

Ebenso steht heute dem 'Feld* von S -|- K das 'Land' in C 
und Nachbarschaft gegenüber.^) 

Interessant ist die ^Dorf -Karte des SA: C 'Dorf, S 'Dorf, 
K 'Dorf und 'Ort'. Dieses letztere ist einst auch der Colonie 
nicht ungelänfig gewesen, denn bald nach ihrer Gründung taucht, 
meist in Briefen und Privatacten, der Name Pfaltzorth auf, der 
erst später in Pfalzdorf geändert scheint.*) 

Das Wörtchen 'zu' wird in solchen Fällen, wo es nicht 
Praepopition ist (vor dem Adjectivum, z. B. Wenker Satz 6) oder 
nicht als solche empfunden wird (z. B. in 'zurück' oder vor dem 
Infinitiv), in S + K durch *8o' ersetzt; C hingegen hat, dem nieder- 
deutschen te der Nachbarschaft entsprechend, nur ze. 

§ 167. Damit ist meine Untersuchung über das dialektische 
Verhältnis von Colonie und Mutterland beendet. Sie lag insofern 
einfach, als die sprachgeschichtliche Entwicklung von G im wesent- 



1) Wredo Adz. 19,288. 

2) Vgl. o. § 42. 



— 89 — 

lieben beruhte auf der Wahl und EntscheiduDg zwischen nur zwei 
Dialektfomien. Hoffentlich dürfen wir im Anschlnss an den SA 
weitere Studien erwarten, die bei ähnlichen Sprachcolonien nicht 
nur mit zwei, sondern mit mehreren heimatlichen Sprachformen 
zn rechnen haben, aus denen durch Ausgleichung eine einheitliche 
neue sich entwickelt hat. Es ist von höchster Wichtigkeit, dass 
dieses schließlich in allen Gegenden und zu allen Zeiten wirksame 
sprachhistorische oder sprachgenetische Princip von Mischung und 
Ausgleich nicht nur in der Theorie zugestanden, sondern an deut- 
lichen Einzelbeispielen in seiner Wirksamkeit klargelegt wird. 





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NOV 5 1971 




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