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DEUTSCHE GRAMMATIK 

VON JACOB GRIMM. 
VIERTER THEIL. 



GOTTINGEN 
DIETERICHSCHE BUCHHAINDLUIXG 

1857. 






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4 



'^'^'^X, -' 



DEN MITFORSCHENDEN FREUNDEN 

HAUPT HOFFMANN 3IASS31ANN 

SCHMELLER UND WACKERNAGEL 

GEWIDMET. 



VORREDE. 



Wenn ein wandersmann, über öcle heulen, sonne und last 
des tages getragen hat, und in der dänimerung durch eng- 
gewundne gartenpfade heimzieht; legt er an ihi'es grases 
thau den staub seiner fiiße abstreifend mit sclion erfrisch- 
ten gliedern und sorgenfreier die letzten schritte zurück. 
In solch einem kühlenden behagen werden epiloge, welche 
wir unsern büchern voran zu setzen pllegeii , niederge- 
schrieben, um rechenscliaft von dem geleisteten zu geben, 
verfehltes zu entschuldigen, allgemeineres nachzuholen. Oft 
erst zwischen jenen hecken fallen uns die leser ein, an die 
ich, still vor mich hingekehrt, unterwegs wenig gedacht 
hatte : urtheilen sie nun, ob ich ihrer nachsieht wiederum 
theilhaft werden könne. 

Wer sich in Untersuchungen über die deutsche spräche 
begibt, und darin aushält, wird mit freuden gewahren, 
wie das wesen und die geschichte unseres volks in den 
eigenschaflen und Schicksalen unserer spräche sich abspie- 
geln. Es sind zwei entgegengesetzte grundzüge, welche 
deutsche Sinnesart von jeher auszeichnen , treues anhängen 
an dem hergebrachten und empfängliches gefülil für das 
neue, wenig geneigt der angestammten kraft ihrer natur 
zu entsagen waren die Deutschen immer bereit alles gei- 
stige in sich aufzunehmen, hieraus folgt der unterbrocjine 
und schwierige gang unserer biklung, zugleich der weile 
lebensvolle grund den sie mit der zeit gewonnen hat. liei 
allen Völkern des mittelallers stehen zeichen sanfter Ver- 
feinerung und starrer wildlieit grell neben einander; welches 
andere hätte soviel sinnliches im recht, heidnisches in der 
poesie, altvaterisches in der spräche zu hegen gewust? 
Die deutsche spräche ist nicht ohne schnuick, und birgt 
ihn oft, nicht ohne flecken und narben, und versteckt sie lüe. 

Das unsre spräche durchdringende System der ablaute 
bewahrt ihren Wortbildungen bis auf heule die frischeste 
iärbung, davon ui den übrigen spiaihen bloUe spuren 
sind, all unser vocalischcr wollaut beruht darauf, sieht- 



VI vorrede. 

Iiar oder fiililhar, mehr im großen als im einzelnen, oline 
(laU ^vi^ nütliig liiillen, ihm in geschmeidiglen foinien nach- 
ztigehn. 

Von der tiefslen inncrslcn regsanikeit der spräche 
zcngl aber unsere laulverschiehiing. während andere Vol- 
ker bei den stufen ihrer consonanzen beharrlen, liöchslens 
einzelne ausweichiingen davon geslalteten, haben wir Deut- 
sche in folgerechter entfaltnng, ohne Verwirrung des gan- 
zen, den kreis aller combinationen erschöpft, wie natur- 
iiothwendig die laute steigen und sich senken hat Iiudolf 
von llaumers bündige forschung jetzt vollends bestätigt, 
warum zeigt die geschichte der griccliischen spräche keine 
solche Verschiebung? weil ihr ebner ungehemmter fort- 
schrilt Verwilderungen nicht ausgesetzt wurde, barbarei 
war es , daß die deutsche spräche zweimal aus ihrer 
fuge gerieth, wiuiderbarer tact , jedesmal wieder in der 
bahn geleise sich zurückzufinden, auf den neuen stellen 
ordneten sich die laute alsbald zur gewohnten harnionie, 
lind nur einzelnes irrte ab luid gieng verloren, wie die 
niederdeutsche mundart der zweiten lautverschiebung sich 
enthielt, erfuhren die romanischen sprachen ihre wirkung 
überhaupt nicht, ein beweis minderer rührigkeit. 

Eine der vorslechendsten eigcnheilen iinsrer formlehre, 
den unlersrliied starker und schwacher declinationen thut 
nun erst die syntax in seiner Wichtigkeit dar. gleichwol 
scheint sie ihn beinahe einzuschränken auf das adjectiv, 
luid ich konnte nur spuren geltend machen, die seine pra» 
ctische bedeutung auch für das Substantiv ahnen lassen, 
dahin weist die form selbst, und alles was verwandte 
sprachen analoges darbieten (1, 823. 832. 833.) vielleicht 
wird es unsern blicken noch einmal vergönnt sein, in dies 
räthselhafte, sicher uralte Verhältnis näher einzudringen; 
vor äugen liegt, wie sehr dadurch der adjectivische aus- 
druck an feinheit gewinne und au niannigfalligkeit. 

Es lag mir an , solche elgenthümliche slructuren lier- 
vorzuheben , welche , wie mich dünkt, aus dem kriegeri- 
schen leben und trachten unserer vorfahren erklärt wer- 
den müssen, und alle Sinnlichkeit des alterthums athnien. 
ich meine die infinilive mit ez (s. 333 il.) , die dative bei 
kleiden und füttern (s. 693), die ausgefallnen accusative 
bei lassen (s. 64o) , die ellipsen bei können (s. 137) und 
andres mehr, was in die entlegenste zeit zurückführt, zwar 
ließ es sich einigemal erst aus den mhd. dichtem nach- 



vorrede. 



rii 



weisen, nicht aus alul. deiiknialeni ; diese aber geben ims 
nur ein sclnvacbes bild von dem stände der 6|>raclie vind 
müssen, nacli ihrer ganzen arl und weise, eine menge le- 
bendiger ausdrücke grade von sich ausschließen, man wird 
bei beurtheihiiig jener redensarlen selbst pailikeln wie zi 
henti, zi speri (3, 147), simbles (3, 128) erwägen, derglei- 
chen sich freilich in allen sprachen, aus derselben Ursache, 
treffen. Es ist dies nur der an fang von Wahrnehmun- 
gen, die fortgesetzt zu werden verdienen. 

Hohes alters, und nicht ohne wildenzenden beischmack 
scheint mir auch die ausdrucksweise für schmeichelnde und 
scheltende anreden, welche 8. 295 und 955 besprochen 
worden ist. 

Den anbriich neuer epochen in der spräche, d. h. ihre 
geminderte Schwungkraft, dafür aber wachsende Sicherheit 
und deutlichkeit bezeichnet eine ganze reihe von ereignis- 
sen , vorzüglich aber der aussterbende gebrauch passiver 
und medialer formen , der absoluten participien und der 
accusalive mit dem infiniliv. Je mehr der spräche die Hü- 
gel geslutzl weiden, durch deren gewalt sie sich ehmals in 
die luft erhob, desto nülhiger hat sie ihren gang und schritt 
auf dem boden abzumessen, zu regeln und zu festigen, w^as 
sie an schnelle einbüßt gewinnt sie an gleichmäßiger, gefahr- 
loser ruhe ihrer bewegungen. Die alle spräche koiuite 
stellenweise glänzen , die neue strebt nach einer milderen 
ausgebreilelen klarheit. 

Ich habe getrachtet keine dieser richlungen , zwischen 
welchen die wechselndste abstufung liegt, zu verkennen, 
sondern jedweder ilir recht angedeihen zu lassen. 

Einsichtigen nicht entgehn wird die mindere ausfülirung 
des seiner wichligl<cit wegen vorausgesandlen eisten ab- 
schnitts von den verbalverhällnissen. anfangs wiihnte ich 
die gcsanile synlax in einen band fassen zu können; zu- 
mal dürllig ausgefallen ist nun das zweite ca|)ilel. doch da 
die lehre vom modus gewissermaßen den indineien/punct 
bildet, in welchem sich eigenlieilen des einfachen unil mehr- 
faclien Satzes durchkreuzen, so wird in der folge (\cn\ 
mangei leichler abzuhelfen sein. Alier auch ilie beiden 
ersten capitel des nomens erschöpfen ihren stof lange nichl. 
Unbesorgter um die ausdehnung des ganzen übeiließ ii li 
mich vom drillen capilel des zweilen absrhnills an ilcr 
ausarbcilung, und die erörlerung der schwierigen leine 



ö 



A'iii vor rode. 

von arllkol und floxton hn\ wol atn ersten ansprncli auf 
aiic'ikennuiig. Jlei den capilcln, wcIcIk; folgen, zwang die 
fülle des malcrials wieder zu gewisser schianke : ich slreble 
für den casus durch gewählle und Iriflige beispiele vorerst 
der wallenden regel niiichttg zu werden ; den Wortregistern 
inid glossareu darf vieles andere JiciMilallen , so wenig zu 
zvveileln ist, daü in der fast unabsehlichen menge des ein- 
zelnen , auch nocli manche niodificationcn der aufgestellten 
^rundsiUze werden enthalten sein. meinen eignen weg 
konnte icli bei den praposilionen einschlagen, nachdem 
Grall' einen ganz andern so lehrhaft schon verfolgt halle. 

Zur lesung nlid. grammatiker, welche, wie man weiß, 
ihr talent vorzugsweise auf die Syntax wenden, bin ich 
wieder nicht gelaugt, luid selbst Adelung ist nur sparsam 
nachgeselui worden, was mir aus diesen werken abgeht 
wird eher ergänzt werden können , als zu ersetzen gewe- 
sen wäre, was ich meinem quellenstudium ab hätte bre- 
chen müssen, weder von den mir zur seile liegenden be- 
Strebungen anderer denke ich gering, noch weniger ver- 
kenne ich den jetzigen slandjninct unsrer spraclie mit al- 
len seinen vortheilen, den nachlheilen gegenüber aufweiche 
die geschichte hinweist, wenn die alte spraclie oft nur 
spärlichen slof besitzt, der sich halb in die erde vergraben 
hat, stehn uns heule alle enlfaltungen deutscher poesie und 
prosa offen , deren ergründung und darstellung erst den 
gipfel und krönenden schluft einer deutschen grammatik 
geben wird, wer aber will, bevor sie sich zum giebel 
erhoben hat , ihr die kröne aufstecken ? 

So habe ich denn die weiten ungebahnten strecken un- 
serer alten synlax zu durchmessen begonnen , des ziels nur 
die hälfle erreicht , und einige meiner ansichten verlieren 
an Zusammenhang, der rückständige theil ist verwickelter, 
nicht schwerer, ich hoffe davon nicht so lange abgehalten 
zu werden, meine lust an der sache hat nicht abgenom- 
men , aber meine Zuversicht; da ich die ersten reiser im 
wald unserer spräche zu lesen und flechten begann , war 
ich des erfolgs froher und gewisser als jetzt w'u ich ein 
schif halb aufgezimmert habe, dessen last noch nicht flott 
werden kann , sondern eine zeillang mit seilen zu land 
sich fortschleppen muß. 

Geschrieben den siebenten lag vor dem Jubiläum. 



VIERTES BUCH. SYNTAX. 



In den vorausgelienden bücliern sind die Wörter an 
sich , nacli ihren elemeuten , betrachtet worden. Laut, 
Wurzel, wort, bildung und ilexion des worts enllialten 
sinn und bedeutung , die aber erst durch das geschäft des 
denkens lebendig werden. Reden lieiUt gedachtes aus- 
sprechen, jeder gedanke verbindet einen gegenständ mit 
einer Vorstellung, jeder satz der rede fordert daher ein 
subject und ein prädicat. Wesentlich gibt es nur zwei 
Wortarten , nonüna und verba. nomen ist das subject 
welches aussagt oder vpn dem ausgesagt wird, verbuni 
die aussage, parlikeln sind nichts als noniina , zuweilen 
verba, mehr oder weniger verdunkelt. Das verbum schließt 
die aussage entweder vollständig in sich ein, z. b. der 
mensch lebt, oder es liefert eine bloße copula durchweiche 
dem subject ein anderes nomen pradlciert wird: golt ist 
ein geist, der mensch ist sterblich, dies beigelegte nomen 
nennen wir prädicat. das verbum substanllvuni trägt die 
aussage auf das prädicat über. 

Das subject wird \interschleden in casus rectus (noni. 
voc.) luid obliquus (gen. dat. acc.) *) beim aclivum ist, 
dem begriffe nach , der obliquus abhängig vom rectus, 
beim passivum der rectus vom obliquus. des casus rectus 
entbehrt auch nicht der einfachste salz, häufig kann der 
oblicjuus mangeln, der casus rectus ist im verbo entiiallen, 
oder gehört dazu, bloß participla oder infiuitive beziehen 
sich auf oblique casus. 

Einfach heißt der satz, wenn er nur einen casus 
rectus als subject, und eine aussage in sich faßt, z. b. ich 



*) französisclic {;rnmninlikor nennen den rasiis rectus sujet, den 
obliquus regime; scliicklidi fürs actiMini, iinseliieklieli fürs passivuni. 



ij syiiUix. 

I(l)e; ich liebe ilicli; dual uiul plural gellen für logische 
einlieit, ^vir lassen a])er auch den nielirere snhiecle und 
piÜLlitato iinniillellKir diircli conjimclion verknüpfenden salz 
giainiualisdi eiMlacli sein, z. h. niensclien nnd tliiere atli- 
inen; der hauin hlülil und triigl. 8iiid auf andere als die 
eben bc/cichnelc weise casus recli und verba gehäuft, so 
ist der satz mehrfach, z, b. der mensch geJit, der vogcl 
fliegt; ich lebe, wenn golt will; bitle ihn, dali er komme. 

Die wärme der rede beruht auf der aussage, ViiQ 
verba aller wörler wiirzel sind, wir würden schwelgen, 
wenn wir nichts von den gegenständen auszusagen, wir 
■würden sie nicht benennen, wenn wir ihre eigenschaflen 
nicht zu melden hätten. Der casus rectus (nie der obli- 
quus) kann oft zugleich in der verbalform enthalfen sein, 
bloße imperative wie lauf! geh!, ja der einzige buchslab 
des lat. Ü, bilden vollständige sätze. Nie vermag umge- 
kehrt im nomen die aussage zu stecken; etwas anders 
sind ellipsen. Die syntax hat also die verbalverhällnisse 
vor den nominalen abzuhandeln. 

Ich schreite nach folgendem plan zu werke, die bei- 
den ersten abschnitte sollen den einfachen satz im ver- 
bum und im nomen untersuchen ; der dritte wird den 
mehrfachen satz, der vierte die verbindende conjunctiou 
und die negation erörtern, der fünfte sich endlich über 
die Wortfolge verbreiten. 



einfacher scitz. 3 

ERSTER ABSCHNITT. 
VERBUM IN EINFACHEM SATZ. 

Hier sind wiederum in fünf capiteln genus , modus, 
tempus , numerus und person zu betracliteu. lauter 
Verhältnisse , die in spraclien mit vollkommuer llexion, 
für den eiufaclien satz , wenig oder keine erwäguug for- 
dern würden, denn die bedeutenderen verbalwirkungen 
entfalten sicli erst im mehrfachen satz, während die nomi- 
nalen fast schon im einfachen zu erschöpfen sind. Die- 
ser ganze abschnitt steht in der geschichte unserer sprä- 
che keinem andern an Wichtigkeit nach , in den urver- 
wandten älteren sprachen könnte er weit kürzer sein und 
beinahe wegfallen : mit der reichen fülle ihrer formen 
richten sie einfach aus, was wir durch manigfalte äußere 
mittel zu ersetzen haben. Es kommt also fast nur auf 
darstellung von Umschreibungen an , aus denen sich frei- 
lich sogar einige neue formen zu erzeugen scheinen. 



CAP. I. GENUS. 

Jedes verbum activum drückt eine innere thäligkeit 
ans-, bleibt diese bei dem lliätigen wesen selbst ruhig 
stchn, so heißt das verbum intransitiv, wendet sie sich 
aber auf einen gegenständ, transitiv, das transitiv kann 
durch erhebung des von ihm abhängigen casus oblicpjus 
zum rcctus , wobei dann der vorige rectus ein obliquus 
wdrd, in ein passivum imigegossen werden, der salz amo 
te ist, obenhin genommen, gleiclibeik'ulend mit Acm salz 
amaris a me. ihr l'eiiiercr unterschied lault dahin aus, 
daß jener den begrif des wirkeus, dieser ilen der w'iv- 
kung hervorhebt. 

Zu tier umwandkmg ist gewöludlch kein dringendes 
bcdürfiüs vorhanden, es läßt sich denken , ilaß eine sprä- 
che überall mit der activen form ausreiche ; wir sehen, 
daß viele sprachen die passive form allmälich wieder fah- 
ren lassen, eine glücklich gebiUhUe wii'd ihrer niciit ent- 
rathen , und es bh'ibt ein grolk'r unterschied zwischen 
der annalune, die einzelne spräche habe das passivum nie 
besessen oder sie habe es verloren, im letzten f.-iU >vör- 

A 2 



\ ein J'iichar f>a/L. 

den b'nM ilircJ" gati/cii ;iusdruck8wei.sc iiriiscljreilniJiyf/i oin- 
piayou, die öoiisl iiidit zum Vorschein gekonmieii ^vureu. 

Der (IciiIs'.Ihmi sprndie ist früher ein passiviuii cigori 
"ONvcseii; wir f^cwahicii seine scJion geschwächio, (hm 
nusslerhcii ciilgegeJi eilende i'onn noch bei L'ililas, einige 
jalirhundcrlc später war sie erloschen. 

Das iiilransiliv hczeichiu'l eine slille, innere ihiiligkoil, 
das Iransiliv ein «ich iitiLicrndcs Avirkcn, handeln, insolcrn 
nun jene ihiitigkeil siclr in sich seibor riihii, oder gcgcnsland 
dieser einwirkung Aviedor der wiikende selbst isl, (Ut tluicnde 
••leichsam zwei eindrücke, des thuns und dcsleidens, an sich 
zu empfinden hat, cntspi'ingt ein gemischter millelznstand. der 
be"rii"vcrlü me liegt den begj-iilen vcrlo luid verlor beiden 
sehr nahe und kann , ilen iniiÄtamlen nach, in den einen oder 
den andern aufgelöst vverilcn; scharf gcnonnuen sagen alle 
drei etwas verschiednes ans. Einige sprachen haben liir den 
zwischen activ und passiv fchwebcudcu begrif eine eigne 
form, das medium, entwickelt, und sie aus den llexionen 
beider gemengt. auf welche weise die deutsche spräche 
sidi dem wesen des mediums zu nähern suclüe wird die 
folgende Untersuchung lehren. 

Activ und passiv sind entweder bestimmt oder unhe- 
stimmt. bestinunt ist das activ, wenn das object auf Avel- 
ches seine thäligkeit gebt, im satz ausgedrückt wird, z. b. 
ich liebe dicli; unbestimmt, so oft dies nicht geschieht: ich 
liebe, ich weine, bestimmt ist das passiv in dem satz, wel- 
chem der aufs verbum bezügliche casus obliquus niclit fehlt: 
ich wei'de von dir geliebt; unbestimmt, wo er fehlt. In 
dem medium liegt von naiur Unbestimmtheit, und es kann 
nur mit einem unbestimmten passiv tauschen, nie mit einem 
bestimmten, zuweilen aber ninunt es bestimmtheit an. das 
intransitiv, aus dem es aufsteigt, wir3 dadurch transitiver, 
das transitiv intransitiver. 



ACTIVUIM. 

Das activum hat die vollste, reichste form, deren dar- 
stellung im ersten theil geliefert worden ist. hier kann 
nur noch von ihrer umsclireibung die rede sein , insofern 
sie durch das gesamte activum reicht, denn Umschreibun- 
gen einzelner lempora wird das dritte cap. behandeln. 

Wenn der begrif des verbxnns in das part. präs. und 
das verhum sahst, aufgelöst wird, so entspringt ein re- 



verhum. genus. acl'unim. 5 

gerer ausdruck der conliimilät, des niclit aufhöreDs der 
liandlung. mau konnte die Wirkung dieser Umschreibung 
der in allen slavisclien sprachen eigen thiimlich entfallelen 
form für das verbum actionis imperfeclae vergleichen, wer 
essend ist, der ißt in einem fort, wer essend war, der 
ali nicht bloß einen bissen, sondern Avar noch im essen 
begrilfen. gewöhnlich fallt dieser ausdruck zwar mit den 
teniporalunterschieden zusannnen: ich kann das präS'. er 
i(U eigentlich nur so lange auf den essenden anwenden, 
als er zu essGn fortfährt; liört er auf, so ist seine thatig- 
keit vorbei, und die form der vergangenlieit für sie gerecht, 
eben so muß von einem, der nicht mehr essend Avar, statt 
der form aß die einer weiteren Vergangenheit gebraucht 
werden: er hat gegessen. Dem lebendigen sprachgeist ist 
es aber angemessen, die bezcichuung des im tempus 
gelegnen, zumal wenn sich die tenipusform 8[)arsam ent- 
wickelte, noch auf andere Aveise zu versuchen. 

Schon Ulf. laßt diese unischi'eibimg spüren : vas lai- 
Rjands IMnllh. 7, 29 scheint gloiciiviel mit luisida; ist usful- 
Ijandu II Cor. 9, 12 gleichviel mit usfulleith ; doch in beiden 
stellen gev/iilirt auch der gr. lext riv ^iSuorAov, loxi nQOg- 
avan'krjQOvaa. allein II Cor. 13, 11 wird etQtp'cv£T€ ge- 
geben, gavaüthi taujandans siiulh! =^taiijilh! liUC. 2, 33 
jah vas Josef jah aitliei is sildaleikjaiidona geht Aviederuin 
der urlext schon voraus zae Tji' ^ lo)G'i](p yicu i] fi)]To;Q av- 
%ov 'd-aviiciL,ovT?s- liUC. 2, 8 vcsiui vakandans jah vitan- 
dans, i^aav dyQuvXovvres v^ai (fvlüaoovTSS- 

Ungleich öfter begegnet die ausdrucksweisc im ahd. und 
zumal beliebt ist sie bei 0.: pinnn zilenli (molinau) Diut. 
1, 493; warin /ilciili (molirenlur) 1, 520; niozanli N-^urun 
(usi sunt) 1, 491; was niozanli (utcbatur) 1, 499; der 
glossator Avill last danüt das lat. deponens erreichen, der 
Übersetzer des Is. di'ückt locutus est aus duich ist spreh- 
hendi und Avas sprehhendi ; mensus est durch Avas mczssendi. 
K. 22» steht erkebanler ist für -edditunis est. 20^ st 
i'urimakanli (sit praevalens). Avie haiidg die formel bei 0. 
wiederkehrt mögen beispiele aus einem einzigen cap. I. 4 
darthun : Avärun miunönti 8; AVarun hellenli 16; Avaruii 
thiggenli 17; was beilonti 22; ist sih mendenti 32; ist be- 
ranlii 29; ist fastenli 34; ist kerenli 38; sint slanlenti CO; 
ist kundentu 62; bist hrmonanli 6.5; abahunli bist 67; 
wari Avihenli 74; was bouhnenii nales sprecheiili 77 u.s. av. 
von der seltsamen beziehung dieses pari, priis. auf den 
casus obliquus, die sich 0. zuweileu geslallot, im z^Yeiton 



() cuiJiicJtcr aale. 

nhsrliniir. AII/\ili;iiifigcr gobrnudi der uinscliroibiing liebt 
aber ibic btHlculsamkeit auf, iiiul bei 0. drücUl sie in der 
llial incistenllieils mir das reine toinpus aus. Im T. finde 
ic!i sie mir da, wo die vulgala darauf fiihile: warun wali- 
lianl<5 inti biliallenle (crant vigilanles et cuslodientes) 0, 1 ; 
■was s*n faler inli inuoler wiinloronte (erat |)ater et niater 
ejus niiranles) 7, 7. 

Den nibd. di( lilern dient sie zur abwecbsbing der rede, 
zur günstigen erweilerung des vcrses und zur feineren fär- 
bung des ausdrucUs; dock nirlit alle Ijediencn sieb ilircr 
gern, einige seilen oder gar "niciil: minnende Avaren INlar. 
17; kiindent bin jMar. 30; sti-nde si jNlar. 33; bilcnde bia 
Iw. 4172; varendistlw. 7927 ; kerende bin Iw. 7930; diende 
sin (servire) Nib. 505, 4 ; habende si (liabeat) Gudr. 34» ; 
luleude bin Als. 1, 8^; darbende sin ]Ms. 1, 38>^; lobende 
sin (laudent)Ms. 1, 158»'; luielende sin Ms. 1, 143» ; quelnde 
Sin ]Ms. 2, 206^; Avas lebende Bari. 1, 5; sich bezzernde wese 
Bari. 5, 18; gelruwende -was Troj. 13373. Einigemal steht 
der art. noch vor dem part. und dann nähert sich der 
sinn dem substantivischen, z. b. ich bin der klagende, 
der bittende Ms. 1, 70». 

Unserer nhd. spräche ist die Umschreibung fremd ge- 
worden *), der engl, so geläufig geblieben, Avie sie es der 
ags. war. Ags. spreceutle eom (ich rede noch) sprecende 
eart (du hast noch nicht aufgehört zu sprechen) ; gongende 
eart (du bist im gehn l)egrillen); lleonde väs (ich war im 
fliehen) ; smeagende bydh (medilabitur) ps. 1 , 2. Engl. 
I am speaking, tbou art going, ridiiig, saying, writiug u.s. \v. 

Seltner sein mag sie in den nord. dialecteu. Alln. er 
vitandi Sa^n. 13». ein altdän. Volkslied hat: var blinkend, 
var springend D. V. 1, 85. 

Nahe in form vind bedeulung an die vorhergehende 
reicht die Umschreibung durch xverden und das part. präs. 
es kann damit das entspringen, das ebeneintreten der haud- 
lung bezeichnet sein, artet aber gewühulich in den blolien 
verbalbegrif aus. 

Ulf. übersetzt Luc. 6 , 36 , yi'veO'&s oIütIqihov^q vai'r- 
thailh lileithjandans ! orKTiQ/iiwv ist wenigstens Vein part. 
Job. 16, 20 Avnri&i'.üsodf saürgandans vai'rthith. 

Ahd. beispiele werden sich nachweisen lassen ; ags. finden 
sich , z. b. ic veordhe geomriende (ich breche in klagen aus). 

') sagen wir nlid. : das ist eln'enclitend , das war überzeugend, so 
stell» uns diese part. adjectiviscli. 



verhum. f^enus. acllvum. 



ö 



IMhtl. Avelneude wirt Mar. 42 ; wIrt vilhlnde Diut. 1, 
15; wirt tliende (servil) Nib. 1150, 4; vrAgende wart Iw. 
5891; jeheiide wart Iw. 2986; wurde varnde Iw. 3430; 
wirt tragende Troj. 4570; wart tragende Tioj. 5304; wart 
gedenkende Troj. 11392; wurde krenkende Troj. 11393; 
wart buwende Troj. 13371; wirt körnende Troj. 13522; 
■wurde suoclieude Troj. 13692; redejide wart Troj. 18493; 
hejagende werden (acquirere) Troj. 4571; fragende werde 
Berili. 195. Wenn ist weinende bedeutet: er zerfließt in 
iJn-Üuen , sol iegt in wirt weinende : er bricht in tliränen 
aus ; beide formelu können aber aucli nidits enthalten 
sollen als den begrif: er Aveinl. der albreclitiscbe Tit. 
misbraucht beide für seineu reim oluie gefiilJ. Wolfr. Tit. 
hat uur ein eiuzigmal 132, 4 bin die klagende. 

Unmittelbar an die Ictzterürterte umschreibong grenzt 
lind ihr gleichbedcutig ist die durch werden mit dem inf. 
er wart -vrAgen = wart vragende. Sie ist aber nicht im 
ahd. zu suchen, und jnhd. treffe ich sie uur selten iind 
bloß fürs prät. , wie aucli die verwandte franz. redensart 
il fut dire, il fut demander aufs prät. eingeschränkt bleibt, 
wart raten gr. Rud. I'', 21; wart fragen Livl. 7^; grifen 
wart Ls. 2, 293; suochen wart Ls. 2, 294; wart welneu 
Staufenl). 1092; wart tragen Ihigd. 92, 1. ein wirt vragen 
halle ich jedoch nicht für iMinu)glich. Altu. \ardh huiga 
Sasm. 160^; urdhom \adha 141^'. 

Eigenlliümlich verkn{i[)fl aber die Sachs, spräche werden 
mit dem part. präl. euman , den activen begrif des enl- 
stehens auszudrücken. Ags. veordhedh cumeu (veulurus 
est) C. 132, 19, das man sich hüte für das nhd. wird 
kommen zu nehmen, denn cumcji ist part. prät., der Inf. 
lautet cviman; worllicli sagt also die fonnel: er Avird ge- 
kommen, wiri! ein gckommner, d. li. kommt eben. Alt?, 
belege aus Ilel. fürs präsens: wirlhit cumau 144, 16. 14(>, 
20; fürs prät.: thu ward morgan cuman 21, 1; ward thie 
engcl cuman 21, 10; tho ward word cumau 23, 10; ward 
thiu tid cuman 3, 14. 23, 24; ward cuman word fon lii- 
inila 2&, 6; neo ne ward mau odar cuman 28, 5; ward 
folc mlkil engilo cuman 33, IG ; that l)aru ward im an is 
briost cumau 67, 4; ward the gcst cumau 125, 10, 171, 
6; Avard that hur kumau 133,9; Avard lioht cuman 154,9; 
Avard ul)and ciuuan 170, 25; Avard thie dag fargangan 171, 
2; wurdi thiu tul kuniau 137, 13. daß id)crall hier nicht 
der (alls. gloichtalls Uuman laulendc) inf. könne gemeint 
sein lehren die pluralfäUc : ciunana AAurdun botlon 121,10; 



8 einfacher salz. 

^vunllln kuniana lielpa 134, 12; wiinlim eosagon alle cu- 
niane 136, LS. 147, 10; NViirdiin ciimaiia wardus 173, 8. 
l^icsos sächs. tverdan ist also coiislriiicrt ^vie wosaii : \va3 
tliiu lul cuman (\\ ar gekoninien) 2.5, 22 ; sind tidi kiiinana 
(sind die zeilen gekoinmcii) 136, 13. mit dem unterschied, 
daB is cuman das präl., wirihil cuman das präs. um- 
schreibt; Avas kunian und ward kuman können ganz (kas- 
selbc aussagen. x\us dem ahil. weiß ich nur bei 0. seltne 
beispielc dieser conslniclion zu holen ; "svenil er I. 5, 1 
sagt : ward irscrilan ein halb jar (praetoriorat (h'midius an- 
nus) , so wird man liier sciiwerlicli einen inl'. irscnlau an- 
nelimcu wollen. 

Der auxiliarbedeutung von werden nahe liegt die von 
koinmeii y beide bezciclmen das nahende, sich bewegende, 
kommen verknüpft sich nun wiederum deminf. , demjpart. 
priis. luid part. prät. , in allen fallen fast nur die Vergan- 
genheit, selten die gegenwart zu umschreiben. 

Dem iiif. zugesellt ist es in der ags. phrase com gon- 
gan \j. 1413; gangan cvomon B. 646; alls. suugau quam 
Hei. 171, 22; suokian quumin Hei. 147, 22. 172, 35. Zum 
■part. präs. gestellt, mhd. kom jagende Wolfr. Tit. 132, 3. 
135, 4 und gewis noch öfter *). Allermeist zum part. 
prät., analog jenem alts. cuman zu w^erdan. ahd. beispiele 
fehlen, desto reichlicher zu gebot stehn mhd.: kom gegan- 
gen Iw. 785. 1738. 2077. 2248. 4380. 4760. Ms. 1, 51»; 
kom geriten Iw. 4530. 4916. 6349. 6900. geriten kom Troj. 
1251; kam geflogen Troj. 4120; kam geslapfet Troj. 3784; 
körnen dar gelribeu Iw. 7100; kom gewalopieret Iw. 2553 ; 
kam gezilt Ecke 81 ; kam geswungen Rolocz. 137. Auch 
im präseus : kumt geriten Iw. 5807 ; kumt gerant Ls. 3, 
328. alle solche part. haben hier activen sinn, sie rühren 
von Zeitwörtern , Avelche anhaltende bewegung ausdrücken, 
befremdlich: du kam er üf gestanden (surrexit) Ecke 193 
da aufstehn plötzliches bewegen ausdrückt. Diese formel 
ist noch nhd. in vollem gebrauch, für präs. und prät. er 
kommt (kam) gegangen , gefahren , gelaufen , geritten , ge- 
llogen, geschlichen, gerauscht, gesaust, getanzt, geschwom- 
men , angezogen. er kam angestochen (Simpl. 2, 453) ; 
angehauen (das. 2, 378), wie schon die Sassenchronik 70. 
91 kam her gehouwen. altfranz. il vint poignant mit dem 
part. präs. Mnl. wie mhd.: quam ghelopen Rein. 503. 



*) scliwed. kommer »äendcs , rldandes, löpanHes, akandes. dän. 
kom gangeiidfs DV. 1,8^. 23.'>. kom lidciide, -aiigonde 1, 91. 24G. 
altii. kemr tliugandi Sa^'m. lOb; kom gän-gandi 105a 12P. 



verhiim. gejuis. passivum. 9 

644. 732; quam glieronnen Reiu. 734; quam gliespronglien 
Rein. 766; quam gheweiitelt (mühsam ge^yäIzl) Rein. 981; 
quam glievloglien Rein. 1047 u. s. w. 

Im mul. dialect, Avelcher gern bliven (mauere) für wer- 
den verwendet, fmdet sicli eine ähnliche Verbindung von 
hliven mit dem part. präs. : blcf slapende Floris 3226 ; 
blef staeude Floris 1209; blef sittende Stoke 2, 253. 3, 
243. 384; hieven lioudende Stoke 3, 156. JNhd. construie- 
ren wir mit dem hif. : blieb sitzen , stehen , halten ; franz. 
mit dem part. prüf. ; rcsta assis. 

Alle hier vorgetragneu Umschreibungen des activums 
sind nicht nolhwendig , sondern hervorgegangen aus ab- 
weichender auxiliarischer bedeutung, die sich im häufigen 
gebrauch verallgemeinerte. Ganz anders verhalt es sich 
mit den Umschreibungen des passivunis. 



PASSIVUJNI. 

Die gotli. deukmäler zeigen uns noch eine passivfdrm, 
die aber nichts als ein präs. ind. und conj. auszudrücken 
vermag, und auch für diese beiden tempora die pei^sonen 
viel unvollständiger als das aclivum darstellt, im sg. fallt 
die erste und dritte zusammen , im pl. begegnen sich alle 
drei personen. Zum dualis bieten sich keine belege dar; 
er war wol vorhanden , ich wage aber die formen kaum 
zu ralhen. ist iviiTtTui slabada, Tvmovrui- slahanda, so 
konnte für Tvntiadov gegolten liaben slahata oder sla- 
hatsa'i' Aber noch auiralleuder ist der abgang einer golh. 
flexion für das präs. des passiven imp. und in f. dem imp. 
möchte es wieder bloü an beispielen gebrechen, slahanda 
dürfte Tvmeods, slahaza tv^nnv übertragen';' IMallh. 5, 
24 wird öiaV.üyrßi vom Übersetzer zum vorausgehenden 
vnaya gezogen, gagg gasibjuii , wie in der vulg. vade rc- 
couciÜari. dem gr. text getreuer folgend hätte Ulf. , je- 
nachdem sein gasibjun intransitiv oder transitiv war , sagen 
müssen gasibjö, oder gasibjuza (?) Der inf. pass. erscheint 
oft, und nie in eigner form; ich werde auf ihn zurück- 
konnncn. 

Die passive Vergangenheit muß in» goth. überall um- 
schrieben werden *) und zwar geschieht es, wie im gan- 



*) ob eine dem priis. analoge form für das prät. pnss. fri'ilior vor- 
liancien war? und waruiu sie vor der des priis. erlosch"? lasse icli liier 
bei seile. 



;J0 einfacher salz. 

'AQW lat. priit. und in der 111. ])1. tles pr. prät. (liiirli das 
p(irt. priit., dem sich Icnipora von visan und vuirlhan, 
(ind zwar von jenem präs. und prät., von iliesom nur das 
priil. anlügen, hieraus ergeben sicli /u dem golh. piäs. 
pass. niuKuhi (capior) die prälerila nuniiDia im, nuniuns 
vas , iminans varth. 

gabundans im Öüh/iai Col. 4, 3; iKuddllis im öaöö^a- 
üpai .Toll. 17, 9; usfullilhs im 7i£n)J;Q0)fi(a llCoJ". 7, 4; 
uslhrullu'llis im fUfivijfdu Phil. 4, 12: gasleilluths im t^^- 
fimO-TjV riiil. 3, 8; gabundans is öid'taai I Cor. 7, 27; 
qvillian ist t^j^td-oj JMatth. 5, 38 ; gabaurans ist yevvjoT^ 
Job. 16, 21; ist algiban Job. 6, 65,- algibana ist idöS^ 
II Cor. 12, 7. Eph. 4, 7; fragibau ist lyaQJGdri Phil. 1,29; 
luiuhilhs ist iMäo&y Job. 13, 31; ganlelith ist yiyoccnTat 
Job. 8, 17. Marc. 1, 2. II Cor. 8, 15. Gal. 4, 27; andhulith 
ist unf.yAiUxp&Vj Eph. 3, 5; ist gabulida II Cor. 4, 3; nie- 
rida ist Col. 1, 23 ; gamanvida ist nuQf.axevaoTai H Cor. 
9,2; satidai sijum üci/it^&a I Tlicss. 3, 3; gathrafstidai 
siium naQEzlrj&ijpev IThess. 3, 7; daupidai , dragUidai 
sijum eßanrio&tjjtiEV ., fTTOziadijpsv I Cor. 12, 13; sijum 
ganasidai ^(iftsv (so las Ulf. f. hore) osGooofieroi Eph. 2, 5 ; 




rjyoQUO&)]TS I Cor. 7, 23 ; niithgalimridai sijuth Gvvor/.oöo- 
/isiG&E Eph. 2, 22 ; sijuth ganasidai ioTs oeaioa/ncroi. Eph. 

2, 8; gaskapana sind izTioiai Col. 1, 16; ussatida sind 
avvioTrjKS Col. 1, 17; garalliana sind rjQrü-fct^fici'Cii elnl 
Matth. 10, 30; garaibts gaduniiths sijau r^TSAeloj/iui Phil. 

3, 12; sijaiua ustaübaufii ojci TereXeioJfiti'Oi Job. 17, 23. 

athahans vas lyalaG&r^v II Cor. 11, 33; vas fraqvumans 
absumebatur Neb. 5, 18; haiibiths vas IdoluGO^r, Job. 7, 39. 
13, 31; gasverailbs vas edo^üad^i] Job. 12, 16; gasulitb vas 
TE'8-s/iu/uMTO Matth. 7, 25 ; daui>illis vas ißumiGd')] INIarc. 
1, 9; galatliulhs vas hUjd')] 1 Cor. 7, 24; rahnilhs vas 
^loyiod-i] Marc. 15, 28; ushramitbs vas fGTav^o'j&i] II Cor. 
13, 4; slainiths vas iAidaGdijv IlCor. 11, 25; gakanuida 
vas Eph. 3, 3 ; baiditbs vas r^vayy.c'.Gdi] Gal. 2, 3 ; faiira 
inelitbs vas nQoeygcUff; Gal. 3, 2; gamanvida vas Neb. 5, 
18; kauridiU vcsuni tßuo'ijd'ijnv II Cor. 1, 8; rahniddi 
vesum tloyiGdr^ficv Fiom.\s, 36; hlauts gasatidai vesuni 
(r/M^Qo')dy/.ifV Eph. 1, 11; gauridai vcsuth iXvn7;di;T£ II 
Cor. 7, 9; daupidui vcsuth lßa'JiTUid-rj%£ Gal. 3. 27; däu- 



verhiim. geniis. passwum. H 

pldui vesu IßamH^ovTO Älarc. 1, 5. fßamiGCivro ICor. 
10, 2 ; disliabaidui vesxin ovveiyovro Luc. 8, 37 ; liugaidus 
vesun i^sycifii^ovTO Luc. 17, 27; merida vesuu ÖieIcO.hto 
Luc. 1, 65; galevilhs vesjau naQciöo&o) Joli. 18, 36; kaunilh 
vesi yvo)o/adjj Eph. 3, 10; galagitlis vesi riOeTcu IMarc. 15, 
47; bililhauai veseinia {yiaru).f.t(pd-)~^vut) I Tliess. 3, 1. 

usdribana vailh l^eßliid-t] IMatlli, 9, 25; gasallivans 
varth Ideüd-t] Marc. 16, 11; fravulvaris vartli i-oTcüyri II 
Cor. 12, 4; gafahans vartli nuTeXi^rpdr^v Phil. 3, 12; mitli- 
gatauhans varth ovvuiirj^Q^] Gal. 2, 13 ; gabaurans yarth 
tysvvrjd-ri Joh. 16, 21; gabaurans varst tyevvi'j&t^c: Joh. 
9, 34; gasverailhs varth id'oi(ia&'}] Joh. 13, 31; afduinilhs 
varlh ndzQiiai Joh. 16, 11; uf sagqvilhs varth '/.aTr^nod-f) 
ICor. 15, 54; gasvikunthida varth icpaveQO)&fj Col. 1, 26; 
galathöths varth ^xh'^&ij ICor. 7, 18; gaaiviskoths varth 
KCitr^Gyyv&r^v II Cor. 7, 14; anahveilalths varlh avane- 
navtcii II Cor. 7, 13; gaarmaidai vaiirthum r^ler^-d^rifiev 
II Cor. 4, 1; gaskapaua vaurthuu h^iiad')] Col. 1, 16; ga- 
veisodai vaiirthun Neh. 7, 1; gamarzidai vailrlhun icy.av- 
öaXl^oVTO IMarc. 6, 3 ; gabaurans vaurthi iyevvlyd^i] Joh. 
9, 19; usfullith vaurthi nlr^QiO'df] Joh. 13, 18. 17, 12; us 
vaurpanai vaurtheiua unoavvüywyot yivoivxat Joh. 12, 42. 

Die mitgotheilten goth. belege zeigen , dafs auf den un- 
terschied starker und scluvacher conj. nichts ankommt, wie 
auch verba beider art das pras. pass. gleich bilden und 
beide des umschriebnen px'ät. gleich bedürfen. ferner er- 
gibt sich, daß mit jedem der drei auxiliarvcrba sg. und 
p]. , ind. und conj. gebildet werden. 

Allein keine einzige luiischreibung mit dem priis. valrtha 
ist aufzuweisen. 

Welche Verschiedenheit des sinns der Golhe mit im, 
vas und varth in diesen zusannncnslcllungen vcrl)and, ist 
schwer zu sagen. für natiirlicli sollte man hallen , dafs 
dadurch gestrebt worden sei die abweichung der gr. tem- 
pora luid namentlich des imperf. peif. luid der aoriste zu 
erfassen. vorzugsweise sclieint allerdings das präl. pcrf. 
mit itn y das imp. und die aor. mit vas vuid varth um- 
schrieben, beachtenswerth stehn Joh, 16, 21 gabaurans 
ist (womit das aclivun» ytvvr^ai] ausgediilckt wird) luid 
gabaurans vaitli neben elnaiuler. abei* aurli vas unil varth 
dienen für perf. des ui'lexles und hn liir aorisle. hauhilhs 
im ist zwar (hdo'^acfKa ^ liauliilhs vas tdohioOrr , allein 
lelzlcres wiid auch hauhiths im ausgeilrückt. gasverailhs 
vas mid varlli geben ganz das uendidie gr. Icmpus wieder. 



i2 eiaf (icher satz. 

Tis kann mllliln kein ficlir nicrkl)arer nnlersdiled zwlsrlicri 
der (IreiCaclicii golli. rorm bcslaiHlcii liahen, man jiuisle 
denn anneliincn, Iflf. habe fiii" die Ibinlicit der vcrscliied- 
ncn gr. lctn|)ora kein gcliild gcliabt und \villkiirlicli oder 
scliwankcnd golli. formen ergrilleii. Avarum licl^ er ijc]\ aber 
niclil an einer einzigen golli. form goniigen';' da er die gr. 
aclivlenipora der Vergangenheit dnrch sein einziges golh. 
präl. ausdrückte, so wäre auoh liir die Umschreibung des 
pass. keine grölk^-e golli. manigfalligkeit zu entwickehi 
gewesen. Feslzuhallen ist, daß alle diese golh. formen die 
Vergangenheit uuischreibeii, und numans im niemals capior 
bedeutet. 

Hauptgrund der abwcichung aller übrigen doutschca 
sprachen hierin ist das giinzliche absterben jener golh. ]5ra- 
sensllexion luid die daraus entspringende nolhwendigkeit 
auch einer Umschreibung des priisens. die millel dazu 
werden nunmehr gleichsam um eine stufe liinaufgeschoben. 
Dem Golhen lag der begrif passiver Vergangenheit eigent- 
lich in dem passiven parlicip, das seiner natur nach ein 
prät. war: slahans bedeutete an sich liivfi ^nirog, nicht 
Tvmoftsvos-, galatliollis 'Asy.X7;/ifi'og, nicht '/.alovfieros, wie- 
vvol alleinstehende gr. part. pras. pass. schon durch jene 
goth. form ausgedrückt werden müssen , nicht anders als 
das lat. tusus , invita'us zugleich für Tvntoßsvos , y.c(/.ov~ 
fUVOQ dienen, im lat. prät. tusus sum, invitatus sum be- 
zeichnen sie aber, wie im goth. slahans im, galathölhs im, 
die Vergangenheit. 

Die ahd. spräche sah sich genüthigt, die goth. Umschrei- 
bung der Vergangenheit bereits für die gegen wart zu ver- 
wenden luid muste nun den unterschied Iieider tempora 
auf andere weise zu fassen suchen, d.h. sie legte ihn bloß 
in das tempus der zum particip gefügten auxiliare. diese 
sind wae im golh. wesan und iverdan, invitor heißt entw. 
liladot pim oder kiladot %virdii^ invitatus sum entw. A£- 
ladöt was oder kiladot ward. beide auxiliaria sind von 
gleichem alter, und werden schon durch ihr goth. neben- 
einanderslehn gerechtfertigt; ungothisch und bloß ahd. ist 
kiladot xvirda. In den ältesten ahd. dcnkmälern scheint 
das wesan vorzuherschen. in K. fast kein anderes auxi- 
liare für präs. und prät.: pirumes kiskeidan (discernimur) 
21^; ist kenemnit (vocatur) 20-^; ist erhabau (exaltabi- 
tur) 26^; si fundan (inveniatur) 20''; si kesprengit (con- 
spergatur) 20** ; siutkeauhhut (adjicientur) 22*; si kiskeidan 
(discernatur) 21*; ist wudarmezzan (recompensabitur) 24'': 



verbum. getius. pass'n^ujji. 13 

ist kelän (agiliir) 22^; sint kcwizzan (noscvmUir) 19'' ; ist 
kepolau (jubetur) 25* *J; aber auch: kescriban ist (scriptum 
est) 23*; kcdeouiualit pim (liunülialus suni) 25^. selten 
stellt werclan: wirdit kedcouut (luimiliabilur) 26=*; keaugit 
\vurtuu (monstrabantur) 26*^. Auch der liymneiüibersetzeL' 
zielit Avesau vor, und braucht daneben werdan : farlazau 
ist (linquilur) 2, 4; kalaupit ist (creditui') 1, 7; kasalt ist 
(iradilur) 2; 8; arkepan ist (reddilui-) 12, 2; itporan ^virdit 
(reuascilur) ; 5, 2 sieht bei farlripan ist (depellitur) ein wir- 
dit , zur wähl, beigeiügl; intpuntan wirdit (solvitur) 25, 7. 
die alle verdculschung des Älallli. in den fragin. theot. be- 
günstigt werdan: farlazenu v.erdant (diniiUunlnr) aMailb. 
9, 5; werdaut farlazan (reniillentur) 12, 31; wirdit gagcban 
(dabitur) 12, 39; arfulÜL werde (ünplealur) 13, 13; hernach 
haben die fragni. theot. .51, 22 ist gaquetan (accipilur). 
sanctificetur im gebet des herrn lautet in der ältesten foi'- 
mel bei Eccard p. 60 giNvthit si, und auch bei T. 34 (IMatlh. 
6, 9) si geheilagut. Der Übersetzer des Is. schwankt auikn'- 
ordenllich, er hat: ist chijuelnit (monslratur) ist chiqhuedan 
(dicitur) ist chiqhuedan (sidjjungiUir) ; aber auch: ist chi- 
scribau (scriptum est) si cliiboran (genitus sit) ist chifora- 
bodot (est proplietalus) sindun chihneigidiu (subjugatae 
sunt). daneben : chiboran werde (nascatur) chiborau wer- 
dhan (generari) werdhant chisamneda (congregabuntur) wir- 
dhit clunemnit (vocabitur) ; und: wirclhit chigheban (dalus 
est) wirdhit chiboran (natus est) ; chiboran ward (genitus 
est); ja sogar: chlcjhuedan \Yard (insinuatur) ward araughit 
(demonstralur) wuixli chincnuiit (nuucupetur) ; hier schei- 
nen sich gar noch keine teniporalunlerschicde gesetzt zu 
haben. In den glosscn schwankt* der ausdruck für das 
priit. zwischen tvas und tvard: farstracle warnn (jiroslrati 
sunt) Diut. 1, 500; wuri kasiinlarul (j^rivaretni) Diut. 1, 
505; kacliuihlcr ward (rorocdhaluR est) Duit. 1, 511''; prun- 
gan ward (pcrlatus est) Diut. 1, 508. Der Übersetzer des 
T. hat zwar noch oft, zumal für den conj,, wesan : ghiem- 
jüt si (vocetur) 4, 11; sfn gierele (honorificcnlur) 33, 2; 
gisehan sh (videamini) 33, 1 ; sin gisehai> (vidcantur) 34, 1 ; 
Sit fortuoDite (judicemini) 39, 1 ; seltner für den ind. z. b. 
ist gincnuiit (vocatur) 3, 5-8; ist gcmczzan (remolielur) 
39, 5. allein er neigt sich zu wcrdan ; besouilers für das 



') selbst der i«is;»rif des ül)ersc(/or», wenn rr Int. lU'poiicns für 
liassiviim niinnit, helefft: si k((U)l(?l (patiaUir) 22'--; si kelol^tU (.sc- 
i|uatur) 2^'i; siiit keleisiiiit (iiiiitHiitiii) 2.")'; sint keknstliiamil (liospi- 
tantur) ÜO« ; kilialsit wesan (an)[jlecti) 2:5>; kedoIOt wesau (pati) 21iJ. 



14 e'itij'dvfier salz. 

luliiruin: t^ifrcnillii ^vp^(lenl (pcificieiilur) 4, 4 ; gKuUa wer- 
tleiit (ini|)lt'l)unlur) 2, 0; ^vir{lit ginemnit (vocahiltir ) 3, 7; 
■werdet giluoinle (jiKlicabiniiiii) 39, 1 ; wirdit glsciitit (niit- 
tilur) 38, 5. Ine ich iiiclil , so erlangt im 9. 10 jli. das 
werdan größeren um(ai]g. 0. Iiedienl sicli nocli oft des 
Avo.saii, z. b. bin gifiaiit V. 25, 2; ist gisiiiigan 1. 1, 38; 
giballaii siii 1. \, 40; ist giweizit I. 1, 67; si gidiurto I. 
10, 3; ist iroiigit 1. 15, 32; ist gibiirilinut 1. 5, 61; öllcr 
des wertlan : giboraii ward I. 3, 48 ; Avard gireisut I. 4, 
11; Avard giwahiiiit I. 9, 1; ward irluller 1. 10, 1; giicitit 
Avard II. 4, 1 ; ward giboran \Y. 21, 30; giboraa wurtiin 
V. 23, 281. 24, 9 ; gisceidiner wiirti I. 1, 92; seilner des 
was: was giliVut ill. 16, 1; wamin gisamanöt V, 11, 1. 
der bedoLiliingen ist man bei ihm nicht überall recht sicher, 
das priis. von werilan scheint er kaum mit dem part. zu 
verknüplen und eben darum muß ijun ist nochliauiig das 
präs. umschreiben. Klarer sieht man bei N. , mit tverden 
di'ückt er das präs. imd fut. aus, mit tvesen das j^rat., 
w^ie folgende belege aus den ps. lehren : werdent ferwahet 
Cprojiciuntur) 1, 4; wirt ferloren (peribit) 1, 6; werdent 
ir gestungct (compungiminij 4, 5; wird in ende braht 
(consumentur) 7, 10; werden irteilet (judicentur) 9, 20; 
■\verdent kevangen (comprelienduntur) 10, 2; wirt kelobut 
(laudatur) 10, 3 ; werdent kelobut Claudamiui) 104, 3 ; 
wirdet keläzen (^conceditur) 148, 14; hingegen gesezzet ist 
(plautatum est) 1, 3; ih pin gesezzet (constitutus sumj 1, 
6 ; erhaven ist ('elevala est) 8, 2 ; ist kesparet (derelictus 
est) 10, 14; ist erhaven (exaltatus est) 130, 1; sint fertili- 
gut (absorpli sunt) 140, 7. Ebenso im Blh. kemuot wer- 
dest (agiteris) 14; gewerfut werden (agitemur) 16; geleitet 
wirt (regitur) 17; bedecchet sint (tecti sunt? glomerantur) 
14. tvard scheint also das imp., tvas das plusq. zu um- 
schreiben: erslagen ward (iuterficiebatur) Blh. 16; ue 
wurte dii gesouget (nenne nutriebaris) Bth. 13 ; wurden 
gescaiFen (creata sunt, d.i. creabantur) ps. 148, 5; wären 
gerarte (instituti ei'ant) Bth. 16; gehalten wärist (servatus 
esses) Bth. 13. im Bth. und Cap. ist der lat. text freier 
behandelt, als in den psalmen. funden wirt bezeichnet 
dem N. invenitur, funden ist inveutus est; funden ist xuid 
funden was mögen bei ihm zuweilen gleichviel sein, nicht 
aber funden wirt und funden ward. 

IMhd. hat das liilfswort werden entschieden den sieg 
davon getragen. in allen mir bekannten Übertragungen 
lautet jenes sauctiiicelur nur geiieiliget werde. Als. 2, 136; 



vevhiim. ^eniis. pas,sum/n. 15 

bibteb. 1. IMooyer 79. als allgemeine regel dringt folgende 
durch: ^virt (jeseit ist diciliir, wart geseit dicebaliir, ist 
geseit dictum est, tvas (jeseit dictum erat; ^Yonacl^ freilich 
einzelne falle nicht streng zu ermessen sind, belege aus 
den j\ib.: wird Yerhouweii (percutitur) 144, 4; Averdent 
besant (invitantur, invilabuntur) 5S, 4 ; wart gewafent (ar- 
mabatur) 178, 4; wart gesagel (nuntiabatur) 106, 1; ist 
geseit (dictum est) 1, 1. 109, i; was geheizen (dicta erat) 
2, 3; was gefüeret (ductus erat). Nicht anders z. b. in 
Bertholds predigten: Averelent verdampt (damnantur) 200; 
sint verdampt (damuati sunt) 199; wirt verdampt (dam- 
natur) 60; ist üz genomeu (exceptus est) 201; wirst ge- 
vangen (caperis) 66; benomen werden (eripi) 198; wart 
geworfen (jaciebatur) 197; wurden beirüebet (aflligeban- 
tur) 63; würdest funtlen (iuvenireris) 194* ii. s. w. ]Nie- 
nials wird die passive Vergangenheit ausgedrückt durch ein 
dem part. prät. beigefügtes %vorden j wo es steht ist es 
jederzeit von dem lebendigen werden (lieri) abzuleiten, z.b. 
wie er worden waere herre (factus esset dominus) Iw. 2614; 
dem bin ich worden gast (alienus sum factus) Iw. 3991; 
sint sie worden riche (divites facti sunt) Iw. 6405 ; d. h. 
hier begleitet das worden kein anderes part. prät. , son- 
dern folgt aus der selbständigen redensart herre , gast , riebe 
werden*). Der imp. scheint sicli tvesen vor zu behalten: 
wis gelobt! (laudare); sit gelobt! (laudamini) Als. 2, 122*^; 
Sit gemant! (monemini) Iw. 1857; kaum wirt gelobt, wer- 
det gelobt ! Auch bleibt der inf. dem wesen oder sin zu- 
gethan: guncret sin (maledici) Iw. 837. 7527; sin erlaa 
(exsoivi) Iw. 4322; sin behuot (defendi) Iw. 5408 ; imver- 
daget sin (non taceri) Nib. 105, 4; gewarnet sin (praemo- 
neri) IN ib. 143, 4. 

Die uhd. Umschreibung verleiht dem präs. xvivd , dem 
inip. ward oder wurde , dem prät. perf. ist ivorden , dem 
plusq. ^var worden. **) da wo wir bloßes ist oder war 
dem pari. prät. zufügen, stebt das part. mehr adjectivisch, 
als passiv , z. b. alles ist verloren , alle brunncn waren 
erschöpft, und dann entspricht ilim das franz. präs. oder 



*) so auch !il)d. woidjni wardli cliiliöric (effectus est obedieiis) Is.; 
mhd. kalt was wonlcii. ßeitliold l'JH. 

**) irli überlasse andern aiiszumiltelii wann dies dem part. prät, 
hinzutretende steife worden in ganj;; gekommen ist. die liitiierisclie 
bibel kennt es nocli nicht, d. ii. sie hat worden ist nur neben adj. 
und sul)st. (er ist dein kuecht worden, ist rcicli worden), nicht ne- 
ben part. 



±() einJ'dcJicr ficttz. 

ini)). pas9. , nicht das ijorf. , loiit csl pcrdu, tous les piilla 
t'lalcMl ('piiIsL'ö, walircnd unser alles isl verloren worden 
i'raiiz. lullt a ele pcrdu laulel. das lal. jienlitur, exliau- 
ricl)aiiltir venuügcu Avir nicht anders als wird verloren, 
Avuiilcii cj-schöpll auszudiiickeii. Doch uiilcrbleibl das 
n'ordcn, aucli im Avirklichen passiven fall, überall wenn 
durch das priit. niclit das vorübcryehn , sondern das ^0/'/- 
duuern eines bewirkten zustandes dargcslcllt wird, z. b. 
man sagt: der leind ist geschlagen, der künig [zieht als Sie- 
ger heim; die rulie ^^*ar hergestellt, alle geschaflc nahmen 
ihren gewoluiten gang; lat. Avürdc es heiiien : hoste caeso, 
traiKjuillilalc reslilula. Sobald aber der zustand aufgehürt 
liat, isl das worden luienlbelulich , z. b. icli bin oft ver- 
leunidet worden, und habe gesclnvicgen. Dem inf. prät. 
pass. ist das worden auf gleiche weise bald erlaßlich bald 
iiölhig, z. b. die ruhe soll hergestellt sein; die ruhe soll 
liergeslelll worden sein. Der einzige inip. meidet %ver- 
(len : sei gelobt! sei gegrüßt! niclit werde (für wird) oder 
werdet; allein der inf. nimmt nur werden au: gegrüßt 
werden (salulari). 

Auch die alls. spraclie besitzt beide auxiliarla und ge- 
braucht sie nach der fiühcren ahd. weise nebeneinander, 
nicht wie bei N. und im mhd. bium hctan (vocor) Hei. 
4, 6; is antlokcn (recludilur) 94, 24; wit sind gislekit 
(debilitamur) 5, 6; was lietan (vocabatin-) 3, 2. 170, 5; 
Avas giseudid (millcbalur) 169,27; Avas gifullid (iniplcbalur) 

169, 34; Avas giopanod (aperiebalur) 171, 8; Avas gihelid 
(sanabatur) 172, 23: gimerrid Avärun (impediebantur) 174, 8. 
Häufiger noch dient Averdan in gleichem sinn: Avirdid aluo- 
dit, giborau (nascitur) 5, 16; Avirtbit gimerrid (scandalizatur) 

170, 32; Avarth giwaraht (factum est) 168, 4. 31; Avarth 
gisuorkan (obscuratus est) 168, 6; warthi tesuuugau (dissi- 
palus est) 168, 10; Avarth gitugid (manifestatus est) 169, 
11; Avarlb aullocan (reclusus est) 169, 31. 172, 32; gisegid 
Avarlb (inclinatus esl) 170, 1; warth gisamuud (cougregatus 
csl) 170, 25; Avurthun giögida 169, 6: Avurthun giscerida 
170, 34. Es fallt schwer den unterschied zwischen is gi- 
boran und wirdit giboran zu fassen , zAA'ischen avos antlo- 
kan und ward antlokan. sanctiiicelur finde ich 48, 9 gi- 
Avihid si ausgedrückt. Die and. psalmen pflegen das präs.- 
iml iverthan, das prat. mit ivesan zu umschreiben: bifan- 
gana Averlhin (confundanlur) 58, 13; ginereda Averlhin (li- 
bereulur) 59, 7; gidruovit bin (couti'istatus sum) 54, 3; 
gimikilot ist (maguificala est) 56, 2. 



{-e rhu in. geniis. pcssirimi. ij 

In den ninl. cfuellen finde icli werden niclit für das 
])räs. ind. verwandt, nur für das präs. conj. : werde glie- 
rcclit (judtcelur) Rein. 1005. desto häufiger für das prai. 
waert: waert ghepronden Rein. 398; waert gelwifelt 980; 
gliclieten waert 296; waert belopeii 348; waerstu giieghe- 
\en Floris 1079; auch der iuf. hat werden: glieonert wer- 
den Rein. 2009. Die bedeutung von es scheint in der 
niilte zu schweben zwischen pras. und prät., und baid die 
eine bald die andere: es onlwiset Maerl. 2, 449; es glie- 
screvcn, ghebleveu Rein. 5, 6 ; es ghesciet 115: es ghesenl 
Floiis 1373; es ghedaen Rein. 1695; sui ghehort Rein. 16; 
sidi verbannen Rein. 2735 ; begraven si Floris 885 ; om- 
berecht sI Rein. 124. Darum ist aucli sclnver anzugeben, 
wie von waert sich tvas unlerscheidet : ghe]>«nt was Rein. 
450; was ghegrepeu 694; was gheboreu 798; gheniaect 
was 452; was gheten Floris 1079; was gheuonieu Rein. 
80 ; versamet was Rein. 57. Das part. wurden laUt sich 
ebensowenig als im ndid. beifügen , aviiler in selbständigem 
sinn, z. b. vrient worden beni Rein. 2778. Diese mund- 
art setzt auch hliven auxiliarisch = werden , und damit 
scheint sie zumal gern das priis. ind. zu umschreiben : blift 
entert Rein. 4046; blift gliehunt Floris 3196; hievet on- 
begrepcn Rein. 199; aber auch blef = Avaert: blef ghe- 
vanghen Rein. 683 und im inf. oubegripen hliven Rein. 
4452; bliven onbescoren Rein. 4228. 

Nnl. worden und zln ganz auf nhd. weise, jenes um 
das priis., dieses lun das prat. zu bilden: Avordt gevonden 
(invenitur), wierd gevonden (inveniebalur), es gevonden 
worden (inventus est), was gevonden worden (inv. erat), 
sancliilcetur im gebet des herrn: wordc geheiligt. 

Allfries, wie irihd. brezen wcrlh (frangilur) l'r. 19; 
lat werth (ducitur) As. 19. 87; werlh urwunnen (coii- 
vincitur) As. 21; werlhe wrwnnen (convincatur) Rr. 21; 
wrwnnen werthe (convincanlur) ; Avarth cboden (mandalia- 
lur) As. 3; warlh cniahad (aL'di(icabalnr) As. 3. 5; is escri- 
\in (sci'iplum est) As. 1. 6; ekeren si (ek'clus sil) As. 13. 
biwernad is Br. 23; send urbeden (prohibiti sunt) As. 2; 
was escrivin (^scr. erat) As. 6. 

Die ags. auxiUaria lauten veortllian und vesan ^ mit 
Avelchen eben wie im allfries. und nihd. veriahren wird, 
veordhe fundcn (invenior) ; veardh funden (inveiüebar) ; 
eom funden (inventus sum); veardh funden (inveulus eram). 
gleichwol scheint aber auch, wie im alts. und ahd., eom 
lündcn zuweilen invenior, is funden invenitur auszudrücken 

R 



j ,S riiij tir/wr sidz. 

iiikI außerdem kann iliirch ein drillos LilfsNvorl heon (das 
nur der priis. loiin liiliii^ ist) das ful. oder das piäs. iim- 
sclirleben worden: beo Inndcn (inveniar oder in\enIoi) 
beo {;ef)llcd (saliabor oder salioi) bydb oiiiilcd (inccndiliir). 
das priis. pass. bal dcninacli ilreilachc geslall, auch im Inf., 
CS vs'ird sich aber iiir einzelne deid^niider nianelies l;esün- 
dcre ergeben. Die engl, spräche iolgt, abweichend von 
der ags., ganz der Iraiiz. eini-ichlting : l nm nanied (uo- 
minor) l was nanied (noniinabar) I have been nanied (no- 
niinalns suni) 1 had beca named (noniinaliis erani;. das 
ags. veordlian i'^t erloschen und wird selbst Iiir den sinn 
des franz. dcveiiir durch becunie verlrcten ; im allengl. be- 
stand es, auch noch in seiner auxiliarbedeuliing, z.b. worlli 
ysene (videbilur) Hörn 686. 

Alln. bilden vern und verdha die passivimischreibuiig, 
nacli ags. und nilid. weise: verdlir l'undinn (iuvenilui) vardh 
fuiidinn (inveniebainr) er fiindiini (invenlus est) var fiuidinii 
(inventiis fuil). luigleich häufiger erscheinen jedoch in SaMii. 
edda die mit Vera als die jnil vcx'dha. gelidh verdhr (com- 
meinoralvir) 67^; verdhr unifarit (agilur) 67^; verdhr skö- 
piidh (creatur) 18 1^'; verdhr audhit (praedestinalur) 184''; 
verdha borinn (nasci) 173^; rädhit verdha (consilium dari) 
178^; gelit verdha (dari) 137^; vardh alinn (alebatur) 36^. 
belege I'iir vcra stehn auf allen blättern: er uiidinn (cir- 
cumvolutus est) 7^; brunninn er (igne absumptus est) 17'^; 
reyiulr er (probalus est) 20^; gefin er (nupla est) 20«; 
drucldt er (bibiluni est) 20*; er a^tladhr (fato decrctus est) 
176*; er thakidhr (tectus est) 41^; ero taldar (nunieralae 
sunt) 4^; ero kvedhin (canta sunt) 30^; var borinn (na- 
Ins erat) 6'^. 34''; var ordhinn (factus erat) 2^; var druckit 
(bibituni ciat) 18^; var lagidlir (positus erat) ib^ \ vferi 
scnpudh (( reala esset) 34''; varc seiuh- (missns fui) 64'' u. 
s. w\ r3as übergewiclit der umsclireibungen mit vera läßt 
nicht bezweifeln, dai) ihnen auch nicht selten die bedeu- 
tung der mit verdha zusteht, z. b. er thakidhr gewährt den 
sinn tegitur, heitinn er vocatur; da avo durch das prät. 
ein anhaltender, dauernder zustand bezeichnet wird göht 
es über in die bcdeutung des präs. man kann sagen, wo 
thakidhr er dem nhd. bedeckt ist entspricht, drückt es te- 
gitur, wo es dem nhd. bedeckt worden ist gleichsteht, 
tectus est aus. 

In den neunord. spraclien sind diese mnschreibungen 
dadurch beeinträchtigt worden , dai^ sich aus einer alin. 
niedialform eine unorganische passivform erzeugt hat, von 



verhii/n. geiius. passiiMun. j(^ 

der Icli Im verfolg liandeln werde. Neben ihr besieht nun 
aber aucli in der isl. schwed. und dän. spraclie die Um- 
schreibung. Im isl. geschieht diese durch vera unil verdha, 
doch mit der ab-\veicluing vom altn. Sprachgebrauch, daU 
vera präs. und prät. , verdha das Tut. bildet: em elskadhr 
(amor); var elskadhr (aniabar); heii verit elskadJir (ama- 
tus sum); hafdhi verit elskadhr (amatus eram) • vcrdh 
elskadhr (amabor.) pras. und prat. stimmen liier volsig zu 
der engl, einriclilung luid entfernen sich von der idid.; 
die präsensbedeulung von em elskadhr ergab sich aber 
auch leicht aus der schon im altn. häufigen. Die Schwe- 
den geben ilir präs. pass. fast nur durch jene meiiiairorm 
und lieben es nicht zu umschreiben, das iniperf. können 
sie durch vara oder blifva umschreiben : jag var älskad 
(amabar) oder jag blef älskad ; das prat. pcrf. jag har varit 
älskad , oder jag har blifvit älskad, das plusq. jag hade 
varit (blifvit) älskad. Die Dänen umschreiben, neben der 
Mnedialform , gegenwart und Vergangenheit mit den iüHs- 
wörtern vrtre , vorde imd hlive: jeg vorder (l)liver) elsket 
(amor); jeg blev elsket (amabar); jeg er vorden (^hieven) 
elsket (amatus sum); jeg har väret elsket (amatus sum); 
jeg var vorden (bleven) elsket (amatus fui); jeg havde 
väret elsket (amatus fui.) für das perf. und plusq. slehn 
ihnen also zwei Umschreibungen zu, eine der nlul. , die 
andere der schwed. analog. die mit vorde scheinen ger- 
manismus , und sind wenig im gebrauch. 

ühersicJit der ahgehondelten ausdiüche ßir das passivmm 

datiir : datiis est : 

golh. gibada ist, vas, varth gibans 

ahd. ist , Avirdit kepan was , Avard kepan 

N. wirt keben ist keben 

mild. wirt geben ist geben 

nlul. "wird gegeben ist gegeben \vordcn 

alts. is, wirlhilh gobhan was, warlh gebhan 

mnl. es, blift ghegheven waert, blef gheghovcn 

nnl. Avordt gegeven es gogeven worden 

altfr. werlli ejeven is ejcven 

ags. veordhedli gifen is gifen 

engl. is given has becn given 

altn. verdhr gefinn er gcfmn 

isl. er gefinn hefr verit gefinn 

schwed. (gifves) bar varit gifven 

dän. bliver, vorder given liar väret given 

hieraus ergibt sich das scliwanken und übergreifen dos 

Ji 2 



'20 einfacher sitlz. 

außJrucks \\\o. der hoiloiilung für priis. und priit. "Wir 
Avordcn im cap. vom tcmpiis 'selicn , daß da8 aiixiliare we- 
san auch z»ir unisclireiljuug der verj^arigeiilieil inlraiisiliver 
vciba acliva gchi-auclil %vird, in Verbindung niil; dem nem- 
liclien pari, priil. die formel ich Inn gckoninien (veni) 
hal aulü'ilich ganz dieselbe zusanujienset/ung Avie die lor- 
niel itli bin gilnnden (invenlus sum) ; jene bedeutet: ich 
bin (ein gckonuucner, diese: icli bin ein gefundner; der 
aclivc sirui jener, der passive dieser beruht also bloß in 
der intransiliven und transilivcn kraft der beiden partici- 
picn. das franz. je suis venu entspräche einem »inzulassi- 
gen lal. vcnius sum, das ganz nalie an invenlus sum reicht, 
man denke an das gleicldautende prät. perf, des hil. de- 
ponens und pass. ; faclus sum ist so>vol prät des act. lio, 
als prät. pass. von facio. 

Es war darum ein bedürfnis vorlianden, den passiven 
sinn durch ein anderes auxiliare stärker liei'vorzulieben, 
als es durch %vesen (sein) gescliah. die meisten dialccle 
wühlten dazu das verbum werden, einige bleiben und wo 
sie verwendet sind, waltet der passive sinn entschieden, 
er ist geliebt könnte aussagen beliebt (gratus, acceptus); 
er wird geliebt, er ist. geliebt worden, lassen keinen mis- 
verstand zu. gleichwol erscheinen auch active prät. mit 
werden und demselben part. gebildet (s. 7.) 

Den gang der romanischen spräche nutze ich zur 
erläuterung. die lateinische besaß ein organisches pras. 
pass., das die roman. töchler falu'eu ließen, gerade wie 
das goth. präs. pass. die deutschen späteren. das ver- 
scherzte datur zu ersetzen wurde das prät. datus est zum 
präs. erhoben, und das ilal. e dato, span. es dado, franz. 
est doune drücken nunmehr datur, donatur; das ahd. ist 
kepan , isl. er gefinn drücken nun das goth. gibada aus, 
nicht mehr das goth. ist gibans *). dieselben deutschen for- 
men können aber aucli fortfahren der bedeutung des goth. 
ist gibans zu entsprechen, oder in sie zurückkehren, so- 
bald ein anderes, noch bestimmteres auxiliare für das präs. 
eingeführt wird. 

Die litth. und slav. zimge, gleich der romanischen eines 
eigenthümliclien passivs enlialhend, umschreiben es ebenso 
mit ihrem verb. subst. litth. sukü (verto) sukamas esmi 
(verlor); böhm. wolum (voco) gsem wolun (vocor) ; serb. 



*) icli erinnere an die vorscliiebung des prät. in das präs. bei der 
ganzen zweiten anomalie. 



verhiim. gcniis. passiviim. 21 

pletem (plecto) sam pleten (plector); sloven. jem (edo) sim 
jeden (edoi'). mau sielit also, >vie das ahd. pim kepan ein 
präs. sein kann und kein prat. auszudrücken braucht, ^veil 
es aber ursprünglicli ein pjat. war, gleich dem lat. datus 
suni, so ervvachst die frage, ob jene verschobueu slav. fonneJn 
niclit auch auf ein älteres, imtergegangnes präs. pass. hhnvei- 
sen? mit der lilth. Umschreibung scheint es anders zu stehn, 
sukamas ist ein part. pras. pass. und verscliieden von dem 
part. prät. ^pass. suktas, snktas esnii entspricht dem lat. 
versus sum; sukamas busu drückt das fut. verlar aus, und 
hüsii (ero) darf dem ags. fceo verglichen werilen, das vor- 
zugsweise Umschreibungen des fut. geAvährt (s. 18.) beide 
aber beo und büsu geliüren zu dem slav. fut. hiidii (ero\ 
sloven. bum, Avomit wiederum das fut. pass. umschrieben 
wird, z. b. bühm. budu wolan (vocaboc) slov. b(jm jeden 
(edar). um so näher liegt das ]at. ßo , und die einmengung 
unseres werden in passivumschreibung. germanischer ein- 
fluU sein mag es, wenn in laleinisclien Urkunden der Lom- 
bardei aus dem 9 jh. iccü Jiiint, rectas ßunt für regunlur 
geschrieben steht (Lupi 1, 891. 911. a. 879. 881); das class. 
liquello , Iremelio läßt sich dabei weniger anschlagen. die 
Langobarden hätten also ihr präs. pass., auf ahd. und alts. 
weise, nüt xverdan gebildet. 

Bei Slaveu und Lilthauern sind diese passivumsclirei- 
bungen wenig beliebt ; auch unter uns meidet sie der ge- 
meine mann oder braucht sie gar nicht. Vor alters waren 
sie selbst in der poesie wolhergebracht, wie die edda, Hei. 
und 0. lehren , inid unserer gebildeten prosa sind sie von 
jeher uncntbehrlicli gewesen. mit den nhd. worden , und 
werde werden, hatte sich aber die altere spräche nie be- 
lastet. Eine menge gr. und lat. passiva lassen sich , nach 
dem genius unserer spräche , in den activen *) oder media- 
len **) ausdruck aullosen. 



IMKDIUM. 

Das bestimmte passivum war eine Umsetzung des tran- 
sitiven aclivums; es forderte jederzeit zwei gegenstände, den 
ihuenden und den leidenden, wejui aber nur em sul|ject 



•) der brief wird von dir ßcscluieiieii — - du .sclircibst den brief. 
unpersönlich : es wird {^cscliriebeii - — nu'^ii stlireibt. 

") das wird gellian -^^ das tliiit sicli. 



22 ij'mj'dcht'r salz. 

ist, das seine ridituiig gegen sicli selbst nimmt, so enlsprlngt 
(Ins tnedintn. das medium kann bloU in das unl)cslimmlo 
passiviim iil)iMli7igcn ^Yt'l•deIl , nie m das bestimmte. 

JMaii liiite sich die bcgiille inlranslliviim mid nicdiiim 
y.u mcnycn. das inlraiifeitiv ist die aul keinen andern ee- 
j^enslaiul, aucb niclit auf sieb selbst, bezogne llialigkeil. 
ein nu'dium mag sowol ans dem transitiv als ans dem in- 
transitiv erwacbsen, z. b. das intransitive rulien (7ittveiv) 
liilk den medialen ausdruck sich ruhen (nuveod-ui) zu. 
Werden transiliva zu medien, so stößt ibr begrif selir 
nahe an den j)asslven : icli nenne mich bedeutet last Avas 
ich Averde genannt. Wenn sich in spiacben eigne niedial- 
formen erzeugen, so wird es leicht gesclielien, dali sie entw. 
in eine active oder passive bedeulung ausschlagen: das lat. 
deponens liat meist Avieder activen, das nord.pseudo medium 
])assiven sinn gewonnen, dem griech. medium ist sein ech- 
ter gehalt melir verblieben; zuweilen wird es aber auch 
transitiv. 

Aicht alle sprachen besitzen für den mcdialbegrif eine 
eigne form; eine solclie wird sich zwisclien der, activen 
inid passiven in der mitte haltend von beiden einzelne llexio- 
ncn entnehmen. Unsere spräche liat kein medium mehr, 
es konnte daher im ersten band, bei den llexionen, seiner 
Jiiciit gedacht werden, auf welche weise sie den medialen 
begrif durch Umschreibung oder sonst auszudrücken sucht, 
fällt der gegenwartigen hetrachtung anlicim. 

Dem golh. pras. pass. steht keine ^medialbedeutung zu, 
luiitada drückt aus er wird geheilk'n, niclit er heilU sich; 
wo es auf scharfe Unterscheidung des genus ankommt, ist 
gibada nicht gleichviel mit gibith sik. noch weniger ent- 
halten unsere Umschreibungen des passivs : er wird gegeben, 
V» ard gegeben, ist gegeben w^orden den begrif des mediums. 
nur dem j)rät. (ohne worden) könnte zuvrcilen ein solcher 
beiwohnen , z. b. ich bin gewaschen aussagen Avas das 
gr. XovfUit. 

Dennoch haben einige stellen , in Avelchen Ulf. griech. 
incdiuns durch golh. passivform zu übersetzen scheint, schon 
lauge verdiente aufmerksamkeit erregt. Joh. 13, 35 steht 
ufkunuanda für ypo'joovTai, das fut. med. aou yii'üoy.io, 
was auch die vulg. durch cognoscent Aviedergiebt; ein etwas 
veränderter passiver sinn von ufkxinnanda rr: cognoscimini 
ließe sich etwa hören. Drei andere stellen INIatth. 27, 42. 
43. Marc. 15, 32 gewähren indessen atsteigadau und laus- 
jadau füi' v.aTaßäxvi und ot'OtiüJ'w, wo die unpassivische 
bedeutung klar, ja nicht einmal die gotli. passivform vor- 



verhuin. genus. niedlum. 23 

handen ist, sie würde atsteigaiduu, laiisiaiduu begehren, 
elwas anders als der conj. kann liier uiclit gemeint sein ; 
Ulf. bezeichnet von keinem inip. die dritte ])crson. slei- 
gaduu, lüiisjadaii >yären also ein vom pass. abweichender 
tonj. mcdii? ohnehin konnte bei '/.arc.ßä.io) cias gr. acliv 
gar niclit zum pass. verleiten, bei Qvoäod-O) versichert das 
beigefügte uvröi' , bei laiisjaduii das ina der acliven oder 
medialen bedeutung. allerdings hatte Ulf. sich onch der 
activcn formen atsleigai und laus)ai bedienen können, wie 
er Luc. 19, 4 ai'fßrj iisslaig verdeutscht; schade daß uns 
die Übertragung von zatüßi-d^i Malih. 27, 40 und xaia- 
(iäro) IMarc. 13, 15 entgeht. Diese sjMiien des goth. vie- 
diiims hatte ich bereits 1, 855 hervorgehoben. 

Ich werde 1. quiq golh. verbalbildung, die den bcgrif 
aber n'cht die form des mcdiuins erreicht, 2. die rellexiven 
verba luid 3. einzelne active vcrba, die durch bloße Acr- 
änderung ihres sinns der bedeutung des mediums nahe 
kommen, untersuchen. 

Gotlnsche verha auf NA. 
1, 854. 2, 166 ist diese günstige luid wollaufende Wort- 
bildung abgehandelt worden, ihr character war die ab- 
leilung N, der jedoch kein vocal hinzutritt. aus diesem 
grund fallen sie nicht der schwachen conjugation anheim, 
die wesentlich auf den vocallauten 1, und AI ])eruhl, 
sondern sie gehören , gleich ajulern von einer würzet rein 
consonanlisch abgeleiteten verbis, eigentlich zur starken form, 
ilu'e präs. llexion ist darimi durchweg stark, für ieden 
modus. ihr prät. kaiui nicht ablauten, sei es, weil ihr 
]>räs. vocal sich dagegen sträubt, sei es, weil ihrem N andere 
Aiin ablaut hindernde consonanten, oder gar mehrere silben 
vorausgchn; eine Ursache, die auch anwentlung der redu- 
]>lication ausschließen würde, es nuislc also derselbe aus- 
weg getrolVen werden, der für die verba zweiter anomalic 
gilt; diese haben den ablaut ins präs. geschoben, und bil- 
den nun ilir prät. schwachformig. inisere NA ve/ba bilden 
es auf INODA. eigentlich sollten sie es auf bloßes JSDA, 
w'as aber des weiter vorstehenden consonanten Avegen liarl 
Oller unaussprechlich gewesen wäre, warum das der zwei- 
ten schw. conj. characteiislische o zwischen geschoben wurde, 
läßt sich nicht vollends erklären, i war, daliir luigeeignel, 
weil es an die transi-livbegriiie der ersten schw. conj. ge- 
mahnt; «, weil es sich nül dem präs. der passiva berührt, es 
blieb folglich nur die wähl zN\ischcn o und ai, «welche in 



24 einfacher sa/c. 

»Ich j)r;it. der 2. .i scliw. coiij. meist iiilroiislllva Ije/eidmen; 
(.las u iibiTNVOy. 

]Mil ilifscu worlhildmigCM gibt iiiiii 1 H. liUuGg gr. pas- 
siv.! wit'dcr, da wo sie »ich in einen medialen begrif uni- 
^vandein lassen, die golli. \eiba haben überall intransiliveu 
binn. im gebet des hen-n ist veilin.ii uyiacjürjo) -Matlli. <j, 
10 und die bcdeulnng des golh. aiisdvucks: emijfaiige weihe, 
■wciiie sicli: iisgiilnilh tiiyHTUi Mallli.9, 17 d.i. versehiilU-l 
sich; fraqvislnand uiiolovvTui d. i. gehn zu gründe ibid.; 
gabalnis 0)rpe}.)^t)-i]'i; Marc. 7, 11 d. i. prolicis; gaskaidnai 
yiDQiGih'/ ICor. 7, 11 d.i. discesserit ; fraqvistnani d-noV.v- 
/ti&ii Luc. 8, 24 d.i. perinuis; gahailnllh tudi^nfrut IMallh. 
«, .S, Luc. 7, 7 d. i. geniset; gahailnuda icc&fjlS\a[lh. 8, 13 
d.i. genas; galliaursnoda t^r^ouvO)] INTarc. 4, 6. Luc. 8, 6 
d.i. verwelkte; galhlahsnuda ö'ieTv.oüyßi] Luc. 1, 29 er- 
schrak; uskeinoda tcfV)] (es steht das part. (pviv) Luc. 8, 8 
d.i. keimte, uskeinand izcfmj INlarc. 13, 28; svinthnuda 
v/.oi:ruiovio Luc. 1, 80 d. i. erstarkte; infeinuda tniUMy- 
yvloUi] Luc. 7, 13, erbarmte sich; iisluknuda uv^oiyd)] 
Luc. 1, 64. 3, 21, üfuete sich; iisfuUnOda i'n):>;nd->j Luc." 
1, 57, füllte sich; iiUundnan "RVQOvaQai I Cor. 7, 9, sich 
entzünden, angehen; gasvinlhnan y.QaTuwidip'ui Y.\)\\. 3, 16 
erstarken; nnkilnan fnyulvvdf^Viit II Cor. 10, 15, bei Lu- 
ther "weiter kommen. 

Einigemal, Avie sicli denken laßt, trift er damit auch 
gr. media oder acliva: usmeruuda J>,^^()^f;TO Luc. 5, 15 kam 
aus; ailifiiith füret Job. 12, 24 d.i. relinquitur; alUrnuda 
tTTtoiaoevGs (es steht das part. d.i. redundavit); usmanag- 
iiuda iiTSQi'aoiVoe II Cor. 8, 2 ; gauugnan gataujai TifQia- 
oevoc.i I Thess. 3, 12; keinith ßluüTÜrti Älarc. 4, 27. 

Stellt man diese neutra den transitiven derselben M'urzel 
und dem passiv zur seite, so ergibt sich ein beueidens- 
werther formreichthum, der -wenigstens für einzelne verba 
dem dreifach entfalteten griech. genus zu vergleichen ^vare. 
auka ist uvlävia, aukna cii'^c'.voftai med., aukada ca'^ci- 
vofiai pass. 

auka aukna aukada 

aukis {iuknis aukaza 

iiukilh iiuknith aukada 

prät. aiauk auknuda aukaus im 

aiauhl auknudes liukans is 

aiauk auknuda ilukans ist 

ebenso verlialten sich: 

skaida skaidna skaidada 

prät. skiiiskaid skaiduuda skaidans im 



verhiün. genus. medium. 



25 





andleta 


prät. 


andhiilöt 




gataira 


prät. 


gatar 




aüeiba? 


pi'ät. 


aihlif? 




Iralinsa 


prät. 


fralaiis 




giuta 


prät. 


gaut 




luka 


prät. 


lauk 




au d bin da 


prät. 


andband 




intinda? 


prät. 


iiitaud ? 



andletada 
andletans im 
gatafrada 
galaiirans im 
allcibada 
alUibaus im 
fraliusada 
fralusaus im 
giutada 
gut ans im 
lukada 
lukaus im 
audbiudada 
audbimdaus im 
intindada 
intuudans im 



andletua 

audlelnuda 

galaurua 

galauruuda 

ailifua 

allifuuda 

iralusua 

fralusuuda 

giilua 

gulnöda 

lukna 

lukuuda 

audbuudna 

audbundnula 

iutundna 

iutuudnuda 

wobei wahrzunehmen ist, daß die von ablautenden verbis 
gezogenen intrausitiva jederzeit den pluralablaut, und in 
den angeführten heispielen überall kurzvocalischen anneh- 
men ; daher auch von gataira nicht gaterna, sondern mit 
dem participiallaut gataurna entspringt, so möchte auch ga- 
vakna (excitor, evigüor) , wenn es aus vaka, vuk erwächst, 
sich auf das part. vakans beziehen. Warum nur hat das 
starke dishniupa (rumpo) ein inti-ansitiv dishnaupna (rum- 
por) hergegeben statt dishnupna? Oft entspringen aber 
solche intrausitiva gar nicht aus andern verbis act., sondern 
aus adjcctiven, z. b. \eihnan (sanctificari) managnan (nuil- 
tipücari) mikilnan (magnilicari) miuznan (minui) ganohnan 
(abiuulare) fullnan (implcri) aus den ad), vcilis, manags, 
mikils, miuniza, ganohs, fuUs ; obgleich wieder in auschlag 
gebracht werden muß, daß neben ihnen schwacli form ige 
transitivabestehn: veihan (consecrai-e) mikiljan (magnificarc) 
ganohian (facere abundantcm) fulljan (iniplere); warum nicht 
managjan (multiplicare) miiizjan (niiiiuere) 1* wenigstens l)e- 
zweille ich, daß ein vcrbuni auf NAN aus adj. hervorgehe, 
dem nicht zugleich ein Iransitivum oulsprache; nicht aber 
wird aus jedem transitiv der schluß auf das iiUransitiv 
kihuien gezogen werden. Also ergeben sich auch hier für 
die drei genera: 

fullja fuUna fulljada 

fullcis fulhiis fuUjaza 

fiiilcith fuUnith fuHjaila 

fiillida fulluuda fullilhs im 

veiha veihna veihada 



priit. 



2(> c'uij'iic/icr Satz. 

velliuis veilinis velliaza 

veilüWlIi veiliiiilli veiliad.i 

])r;il, voili.iiil.i veiliiioda veiliuillis im 

so (lali l)ci allen iniraiisilivcii dieser arl ein gewissoi" ver- 
halbf'zutj iiiclil in alnede i;('.slelll ^vel•de^ mag. aus sl.';rUeii 
vcrbis llielieii sie unmillelhar ah, aus sclnvadicn . schciiil 
es, nur wenn ein adj. ins spiel tritt. Der adjecllvischeu 
ist aber die größere zahl, folglich der, welchen schMadilor- 
mige traiisiliva zur seile slehn , vgl. noch thaursus (sicciis) 
galhaursjan (siccare) galliaursnan (arescere); svinths (forlis) 
gasvinllijan (corruborare) gasvinthnaji (corroborari) ; liails 
(sainis) hailjaii (sanare)h;iilnan (sanari) ; gabigs (dives) gabigjan 
(ditare) gabignau (dilari) und sicher viele ähnliche. Aus den 
seltnei-en , die sich von stai'ken vcrbis herleiten, ^vage ich 
keine andern starken verbis zur seite stellende zu folgern; 
ihrer müsle sonst eine anselmlichere menge erscheinen. 
Da neben usgeisnan (stupere) ein usgaisjan (slupefacere) 
auftritt, so ließe sich ein verlornes geisan , gais vermulcn; 
richtiger aber scheint es ii^giiisian in usgeisjan zu emeu- 
dieren: denn neben geisan sollte es gisnau heißen, da selbst 
jenes hnaupnan nur ein gaisnan rechtfertigen könnte. Aus 
gauipnan (moerere) folgere ich ein verlornes gancipan, ga- 
naip ; kaum gab es ein adj. nips. am sclnvierigsteu fallt 
die ableilung von keinan (pullularc) und infeinan (misereri), 
in Avelchen man ieiclit intransitives N erkennt; nach dem 
starken part. priil. uskijauata (fvcv Luc. 8, 8 ist zwar ein 
keian, kai, kijum, folglich ein feian, fai, fijum zu mut- 
maßen; dann aber fragt es sich von neuen), -warum nicht 
kiuau, infinan, vielmehr keinan, infeinan gebildet wurde? 
wahrscheinlich entsprang et aus ij (wie sonst aus ji, sokeith 
für sukjilli), das j in kijuiii, lijum wurde eingesclioben, um 
den i-laut zu bewahren und nicht ein diphthongisches kium, 
fium zu veranlassen. 

Diese untei'suchung hat uns in die formlelire zurück- 
geleukl, icJi möchte an meiner darstellung der llexionen 
1, 854 das berichtigen, daß sich das dort augesetzte part. 
prät. veihnölhs durch keinen beleg beweisen liißl. aus 
Marc. 1 , 10 usluknans G'/i^o((!:'vov^ sollte man gar ein 
uslukns 5 verschieden von dem jiart. der starken fonn ns- 
lukaus folgern? lieber bessere ich in jener stelle usluka- 
nans, denn der bedoulung nach müsten beide pari, priit. 
zusammeutreireu , und die inlransitivbildung scheint gar 
kein part. prät. (das part. pras. veihnands, uslukuauds. 
mauaguauus ist unbcdcnklic])) zu zeugen. 



verbuin. genus. inediu/n. 27 

Sie zeugt nocli ^veuige^ aus sicli ein passivum , das 
allen iiilrausitiveu widerstrebt, neben aukna bestellt ja schon 
ein aukada , und bedeutet liaulig dasselbe ; wie wäre ein 
auknada niüglicli? das seltsame allifuanda Job. 6, 13 niuü 
schreibfebler sein f. anifnuda. 

In den erörterten gotb. verbis auf NA steckt , wenn 
auch keine niedialforni , ein gewisses gefiibl oder naclige- 
fiibl des niediunis. warum sonst liiitlc sieb ilirer Ulf. so 
häufig für das mediale passiv bedient? er setzt oft hart da- 
neben seine passivform, z. b. IVlattb. 9, 17 gabalrgada, 
entAV. "weil kein gabaürgnan üblich war oder die dativ- 
setzung sich nur mit dem passiv vertrug. Unstreitig aber 
hat die häufige an^Yendlu^g dieser inlrausitiva beigetragen 
zum seltnerwerden der passivform. 

Die altn. spräche bewahrt ähnlich gebildete intransitiva, 
z. b. slitna (rumpi) klofua (findi) hnipna (moerere) hnigna 
(decrescere) vakna (expergisci) batna (melius se habere) 
und wiederum aus adj. geleitete : hardua (durescece) sorlna 
(nigrescere) vgl. 2, 170. Allein ibnen entgeht die goth. 
eigenthümlichkeit der starken jjräsensdexion , man con- 
jugicrt hnipna, hnipnar und nicht huipu , hnipnr, was 
nicht wol auszusprechen wäre, dann scheint aucli nicht 
jedem ein transitiv zur seite stehend , also die medialwir- 
kung schwächer, obgleich sich kliufa (lindere) und klofna 
(fmdi) völlig zu einem goth. kliuban und klufnan lial-^ 
len ließe. 

Reflexive verha. 

In allen sprachen kann ein verbum durch beifügung 
des persönlichen prononiens auf sich selbst zui-iickgewie- 
sen werden , nemlich des pronomens Avelches der person 
des verbums im satz entspriclit. das subject des veibums 
Avird dadurch zugleicli sein nächsles objecl. aus dieser 
zurückrülirung erwächst kein formelles medium, nur ein 
inalcrieller ersatz dafür. Die zuriickfidirung setzt ein noch 
iinhestimnites aclivum voraus, das eben erst durch sie be- 
slinmil werden soll, ein schon für ein anderes (i])U'ct be- 
stimmtes verbum lälU sich in kein medium wandeln, so 
wie kein medium in ein bestimmtes passivum übertragbar 
ist. der medialbegrif: ich nenne mich steht gleich dem 
unbestimmt passiven : ich wei'de Igenannt. der bcgriC des 
bestinunlon activums: ich neinie dich muß sich in ilcn be- 
slimiul [)assiven vuuselzen : du wirst von jnir genannt, das 
von mir ist tlabei unerläßlich. 



0,3 einfacher salz. 

J"Ho dorn medium iialiirliclic imbcstimmlliclj oilcr oh- 
iocllosinkcil briiii^l aber inil hieb, d.ili auf der die sleile 
lies iiiediuins vorlicicndeii l)e/ielning des persünlitben jiio- 
iioineiis y.ii sciiiciu subjcct /.f'//t ««c/u/i-urA: liege: denn sonst 
bleil)l die Ijoilciitiing acliv. /.. b. der salz: er tödlet sieb 
(inlerlicil sc ipsnm) ist kein medialer und darf nicht mit 
dem passiven: er -wird gelödlet tauscbeu , Aveil bier daran 
gelegen ist, diu liandbing liiblbar auf das subject zu be- 
zieben, cinzelno siilzo küuncn medial oder acliv zu neh- 
men sein, den umslünden nadi, und auch hieraus ergibt 
sieb das vielfach« iiberslreifen des mcdiunis in acliven otler 
])assiven einn. IMaa pllegt nhd. im medialen ausdruck das 
be/.üglicbo pronomcn unbelont zu lassen, im acliven zu 
belonen , z. b. icb nc^nne micb bedeutet Jiominor , ich nenne 
mich nomino mc; er furchtet sich bedeutet er empfindet 
furcht, er fürchtet sich, er fühlt sie vor sich selbst, diese 
wahrnehnuuig ^verde ich hernach für das angelehnte und 
verwachsno pron. nützen; zu ^vünsclle!^ wäre, daß man 
auch die unjjetonlbeit oder nündcrc belonung des media- 
len pronomens aus den älteren dialecten erweisen könnte. 

Wir lernen hieraus, das medium ist eine gelinde , milde, 
poetische bervorhebung der Innerlichkeit des verbalbegrifs, 
iHid desto leichter begreifen wir, Avie durch sprachversvil- 
derung die organische form für diese ausdrucksweise zur 
seile gestellt und aufgegeben werden konnte, die go wohn- 
liche herbere spräche bedarf ihrer nicht. 

Das sie erselzeu helfende pronomen laßt sich sowol 
trausillven als inivansitiven verbis lünzufügen. bei translli- 
ven geschieht es am gewöhnlichsten und nur auf sie be- 
zieht sich der vorhin entwickelte unterschied zwischen 
belonung oder uichtbetonung. tritt das pronomen zu in- 
transitiven , so steht es fast pleonaslisch und könnte ent- 
behrt werden , ohne daß sich die meinung bedeutend än- 
derte : es ist dann eine zugäbe von leiser wirkung, wie sie 
dem wesen des mediums grade entspricht, an den transi- 
tiven aber dämpft es den activeu sinn und erzeugt erst 
den medialen. 

Solleu einige hauplvorstellungen angegeben werden , de- 
nen das medium zusagt, so sind es die verba: gehen, kom- 
men, wenden, ruhen, stelm, sitzen, sprechen, freuen, trauern, 
reuen, zürnen, scliämen, fürchten, kleiden, waschen, baden 
und ähnliche, in ihnen allen liegt der begrif wiederho- 
lenllicher, täglicher, einfacher handlung, die sich auf das 
subject zuriickbezieht. 



verhiim, gf^iius. medium. 99 

Bei einer lüstorisclicn daj'slellung der wichtigsten re- 
Jlexivverba muU das augenmerk vorzüglich auf die intran- 
siliva gerichtet sein ; die reilexiv Averdeuden transitiv a las- 
sen sich nicht zahlen und verstehen sich mehr von selbst. 

Die goth. spräche zeigt uns zuvorderst am deutlichsten 
den unterschied zwischen reilexiv gesetztem dat. oder acc. 

Den dat. des persünl. pron.*) verwendet Ulf. gewühn- 
lich bei dem anomalen 6(j (foßtofiiai. ni ugs tluis! fiy 
(poßov Luc. 1, 13. 30. Jüh. 12, 15; ni ugeitti izvis! //?^ 
(foßr^d-J-re INIatth. 10, 26; ni ugeith izvis! pt) (foßeioOs Joli. 
6, 20; uhta sis Iffoßtlro Marc. 6, 20. t(foßi;x)')] Joh. 19, 8; 
ohtedun sis t(fnß}^&')-ociv Marc. 4,41. Joh. 6, 19. ffpoßovvio 
Marc. 16, 8. Joh. 9, 22. einigemal conslruiert er den acc, 
der Sache oder der andern person hinzu, wie im gr. gesagt 
wird (foßilo-Qal iiva.'. öhledun sis agis, {'(foß/jO^jaav qoßöv 
Marc. 4, 41; ögeith izvis ins fny] (poßi^^i^TE aviovg IRlatth. 
10, 26. Die entbehrlichkeit des pron. und die Zulassung 
des bloß activen ausdrucks ergeben folgende stellen: ög 
ffoßovficu II Cor. 11, 3. 12, 20 stalt og mis; ogs ! (foßov 
Koni. 11, 20; ni ögeith! jurj (poßeiode Luc. 2, 10; ohteduu 
agisa mikilanuna i(foßt]&'};GCiV (fößov p^yav Luc. 2, 9, wo 
auch der dat. der Sache statt jenes acc. nicht zu überse- 
hen ist. 

Bei fai'irhijan erwartet man gleiche construction , auch 
heißt es ni faurhteilh izvis ! fiij iy.d-ufißi-iG&e Marc. 16, 6 (16, 
5 ^^edafißr^di'üo.v durch usgeisnödedun , so frei ist die 
goth. spräche); aber ohne pronomen: ni failrhlei! fir] fpo- 
ßov Marc. 5, 36; hva faürhteith ri diiioi tais JMatlh. 8, 
26; ni faürhliaina firj deiXtaTO) ioh. 14, 27; faiu'htidedun 
£(poßr^drjGuv Luc. 9, 34. 

Denselben dat. zeigt Jravaürlijan ufittQtelv: fravaürhta 
mis ^j/ncfnov IMaltli. 27, 4. Luc. 15, 18. häufiger ohne 
das pron. fravaurkeilh ! uficiQTuviTS 1 Cor. 8, 12; ni fra- 
vauikjuid! /tu} djiiaQrarf.Te I Cor. 15, 34. Eph. 4, 26; fra- 
vaürkjai u/iÜqt)] Luc. 17, 3. 4; fravaürhta i';/iiaQT£V Luc. 
15, 21. Joh. 9, 2. 3. I Cor. 7, 28; fravaurhtes ö'jfiaQTes 
I Cor. 7, 28 ; ihaim faura fravaurkjandam toi^; 7rQ0)^jtiC(Q- 
i7;z6ai II Cor. 13, 2. 

Marc. 2, 6 wird das gr. medium diaXor^iL,ofievoi aus- 
gedrückt durch tlunjjijandans sis ^ Luc. 5, 21 aber d'taXo- 

•) ninti knnii sich diesen dat. hi-i allen liier anfnerüliitcn intransi- 
tiven verdeulliclien diiroli die umäclirciliiiiig: für sicli, bei sitli, in sich, 
mit sich. 



30 eiiifdchrr Sdtz. '■* 

j'i'^.'nDra l)Ioß durch lliagkjan, Jaic. 3, t.5 <hu).oyfl^oiii'j (ov 
tliircli lliagkjaiulani, Luc. .5, 22 ()tu?.oyiun&c durcli hillini;- 
keilli, 11 Cor, 3, 5 loyiaunOct durcli lliaykjaii , 11 Cur. 10, 
7. 11 }.oyi^{'oDo) durcli lliagkjai. 

(ivllliau, sü1)ald der sprcclicnde seine worle an andere 
richtet, siehl nicht medial, \venn' er iiu't sich selbst redet, 
kann es sis zu sicli neluiien :* gaqvelhun sis, avi'tTtO-tiuio 
Joh. 9, 22, gleichsajii conslituerant apud se. 

In einer zweifelhaflen stelle Luc. 17, 9 iba tliank thus 
fairhaitis skalka, /ly yuotv i'yei T(ö d'ov/.oj scheint thus 
wegen des rolgenden dat. der andern persoii Avcnig passenil. 
doch sagt mau auch gr. yaoiyioO'Ui nvi ii und das me- 
diiuu yuoli^ojiiai wäre tiiaidv. niis fai'rhäita. Bei aviliudu, 
dem gcwüalichen ausdruck für evyuoiatto) , finde ich nie 
eiu solches pron. 

leihvau sis davaicaüdai INIalth. .5, 42, aber leihvand 
davsii^ovGi Luc. 6, 34, richtig unterschieden, das act. d'u- 
veiC.v) ist Icihva, das med. dureH^Ofiui leiliva mis. das lat. 
depoii. muluor enlspricJit dem leihva mis, nuituo do dem 
leihva. 

samjan sis eyngoGConr^aat Gal. 6, 12 , in der vulg. 
hloU placere. dagegen samjaudaus agtazoi Col. 3, 22. 

(jatdxjan sis oirpfj.fiod-ai. Luc. 9, 25, die parallelstelle 
Malth. 16, 26 Diangelt, das activ^ wrpeXeiv ist iMarc. 8, 36 
gegeben buljan. 

gatxtiididt'dnn sis VTreOTQeipav Liic. 2, 20 ein fehler, 
man bessere sis in sik. 

Da wo bloß nns oder izvis vorkommt, bleibt es nn- 
siclier ob der dat. oder acc. gemeint sei , z. b. bei miin^ 
döth izvis ay.oTieire Phil. 3, 17, sagte man mundo mis oder 
mundo mik für caveo mihi, ich wahre mich? 

Überhaupt aber ist der reflexive acc. häufiger, (jo'fddju 
sik GVViQyeTcu IMarc. 3, 20, gewöhnlicher steht iddja ohne 
sik, die bloßen intransitiva gagga , inngagga reichen zur 
Übersetzung der gr. media i'^yo/iac, elgfQyofiui aus. 

auch qviman , vielmehr ganviniau sik läßt sich nur 
einigemal aufweisen: gaf|vemun sik GVP7;y&y IMarc. 5. 21 
Gvvv.yovTCii ]MarcT 7, 1. sonst thut das einfache uubeglci- 
tete qviman denselben dienst. 

atnehvjan sik, h/y'i^eiv . atnehvida sik i'-yyr/.s Luc. 10, 
11; nelivjandans sik iyyluovtes Luc. 15, 1; doch blolks 
atuehvida -ijyyiKE Luc, 10, 9. dies verbum scheint allerdings 
viel transitiver, auch das transitive gavandjan entbehrt 



verhuni. gejins. medium. 31 

kaum (las sik: gavaiicljai sik Luc. 17, 31; gavandjaina slk 
]Marc. 4, 12; gavandjauds sik Marc. 5, 30. 8, 33. JMatth. 9, 
22 ; vaiuljands sik Luc. 7, 9 ; gavandida sik Luc. 1, 664 
4, 1 ; gavandideduii sik Luc. 2, 39. 43. 45 und so lies 
Luc. 2, 20. gleichwol stößt man II Cor. 3, 16 auf bloßes 
gavandeith tmaroiunj und erinnert sich des medialen oiQe- 
(peodcii , des lat. \ ersari u. s. w. 

skäidan kann intransitiv und transitiv gedacht werden, 
das medium wird durch sik hervorgehoben : afskaidith iz- 
vis, acfooio&'/^Ts II Cor. 6, 17. 

idrei(j6n sik, bereuen, idreig^j mik /tiSTavoM Luc. 17. 
4. fisTapeloftui, II Cor. 7, 8; idreigu sik /iieTCii'Oj'^ny Luc. 
7, 3. unmedial ausgedrückt: idreigulli! ft^Tavotlxs Älarc. 1, 
15; idreigunds fterufiehi&ei'c: Matlh. 27, 3; idreiguda peze- 
ft€X6^ii7-v II Cor. 7, 8; idreigudedeina /'eTcröj^onv Mntih, 
11, 21. /neravoi^owai IMarc. 6, 12; gaidreigudedeina fura- 
voi]Gav Luc. 10, 13. Das eine der übersetzten gr. verba 
ist act. , das andere med., also darf" auch der deutsche 
ausdurck schwanken, ohne sich dabei nach dem gr. zu 
richten. 

shaman sik ciioyvviadai: skama mik uiayivojKat huc. 
16, 3; skamaith sik iii(iiGyvrd-r,oeTui INIarc. 8, 38. Luc. 9, 
26; skamuidcdeima ims (puderet nos) II Cor. 1, 8. bei die- 
sem verbum, so intransitiv es ist, wird das prou. scliAver- 
lich fehlen. 

thrafstjan sik SuQGeip. thrafslel thuk ! 'd^üoGei JMatth, 
19, 2. 22. Marc. 10, 49. Luc. 8, 48; ihrafsleilh izvis! -d-dQ- 
Gdrs Job. 16, 33. sonst transitiv und -n c.Qcr/.a}.üi' , nccQu/tv- 
delGd-c'.i ausdrückend (Luc. 3, 18. Job. 11, 19. 31), daher 
für den medialen sinn das pron. imcnlbebrlich. 

allis sik gatharhith (? gatbarbailh, wie abd. darpet) 
nüvTii fyy.QaTf.verc'.i I Cor. 9, 25, vulg. ab omnibus se 
abstillet, das gr. med. i^yy.Qurevoftai spricht für tharba mik. 

alla (jctkunmin sik faura imma, vTtOTc.yy avTtp ta 
nävra I Cor. 15, 28; fjakanu sik v^ioTayilGirui ibid.; in 
diesem merkwürdigen ausdruck scbeint das sik enlbclirlich, 
denn Gab 2, 5 liest man (jaknnlhcdum ufluuüvein , ei- 
^afiev 17] vnoTuyyj, vulg. cessimus subjectioni. das active 
vnoTccGGSfV wirti sonst haulig ufbausjan, ufbnaivian über- 
setzt, gnkann nük oder auch bloßes gakann bedeutet also 
cedo, fi'y.M, gakunllia 6i"^u , ich stehe nach, weiche, bin 
untergeben, gehorche; wie verhall sich dieser sinn zu dem 
einfachen kann, oid'a^ gakann würde seiner bildung nach 



32 eiiißtcJicr aalz. 

sich dorn gr. m'ij'0/()u vcrj^lclclion, ^vas aber aiifidnickt : icli 
vvciliiiül (laniin. sa^l gaUanii niik ans: ich weiU oder l)fUciiiie 
inicii iiiilerllian';' tlciii jnücliligcn gegenüber, fai'ira iinina. 

Das inodiiiiu fvö'vottaO-ui glebt Ulf. diircli das lilof^e 
vtisjan, >vol)ei dann das gr, im acc, sk-licnde uh'iccl in den 
tiat. kommt: gavasjam sarvam linliadis ird'voo'j/tida tu 
'ÖjiIu tov (fO)Tfjg liom. 13, 12; Jivc vasjaima? r/ ']ifQtßu- 
)M/i.£t)a j IMatlh. 6, 31; live vasjailh zi ird'vGi;o&s IMallli. 
(), 25. vasjan stellt aber auch acliv für ivövtiv INIallh. 6, 
30. IMarc. 15, 20 und darum kann das med. wiederum 
lauten gavasjdii .s//i JMatth. 6, 29. Auf dieselbe weise Avinl 
mit ijaUumün verfahren. gahaniuth friuijin! i-i'dvnuaOe 
tov -/.vQiov liom. 13, 13; gahamulh Jiiujamma ivd'vnc'ciieroi 
IUP viov Cül. 3, 10; gahaniulh thamma niujiu mann iv- 
di'(Jiio&(u TOV aairov ävdQomov Eph. 4, 24. (jahamon 
sik: gahamölh Izvis sarvam iv^voao&s T)]v TiavoTiliuv 
Eph. 6, 11; gahamöth izvis usbeisnein , kvdvoaad'e pir/.oo- 
'dv/iuiV Col. 3, 12. das active gahamuu kann natürlich 
auch passiv gesetzt werden: Christau gahamudai siiuth Xot- 
tjTüV ivsdvüuüOs Gal. 3, 27; sijuima gahamudai brunjun 
ivdvoafnvoi ■Oc'xjay.a I Thess. 5, 8; in diesen beiden letzten 
stellen dürfte ebenwol gesagt sein gahamolli, gahanium oder 
gahamulh izvis, gahamum uns. Bei oßhiupjaii sik u':i !■'/.- 
d'vaaö&ai finde ich objectiveu acc. stall des dativs ; afsluup- 
jaudans izvis thaua fairnjan manuau Col. 3, 9. 

sUduleilijan stellt immer ohne pron. , wie •d-ciVfiu^fiv 
activum ist, im fut. 'd-uv/Ku.Go/iui aber medial wird; das 
lal. nurari und ahd. sih wuntarun siud medial. 

anadriifkau sik /tied^'/oHeod-ai, ulul. sich betrinken, ni 
auadrigkailii izvis veina , jtit} /te&vGzeüd^e oi'ro) Eph, 5, 18. 

Die zahlreichsten belspiele bieten sich dar für den fall, 
wo entschiedne trausitiva durch zufüguug des pron, in 
den inedialausdruck umgesetzt -werden, und dann gr. me- 
dia oder passiva wiedergeben: gasandjau mik nQOTcefi- 
fpd')]Vca II Cor. 1, 17; galaugnida sik Luc, 1, 24; ataugida 
sik Luc. 9, 8. I Cor. 15, 8; bairhtei thuk silban Job. 7, 4; 
ik hauhja mik silban Job. 8, 54 ; invagida sik silban Job. 
11, 33; skaflida sik Job. 12, 5; gafalh sik Job. 12, 36; 
varmidedun sik Job. 18, 18; gasatideduu sik ICor. 16 , 15; 
galulgiand sik Rom. 11,23; haunjan mik Twneivovadv.t 
Phil. 4, 12; uslutoda mik Rom, 7, II; huiliau sik Ltic. 6^ 
18; gabaftida sik Luc. 15, 15; galisand sik Luc, 17, 37; 
galesun sik JMarc. 4, 1; galaisida mik Phil. A, 11 ; gaslei- 
thilh sik IMarc. 8, 36 u. s. w. 



varhu/n. ge/ms. medium. 33 

Wenn sicli zum verbiim aucli ein niclil reflexives pron. 
selzeii läßt, so ist es transitiv; wenn es nur ein rellexlves 
verträgt, iniransiliv. man kann sagen ik liailja thiik ; aber 
qvinia tliiik, skama thuk waren oline sinn. 

lc]i mache benierklich , daß Ulf. das re flexi vpronomen 
fast überall dem verb. unmittelbar nachsetzt^ nur ein ein- 
zigesmal stand sik gatliarban f. gatliarban sik. 

Ahd. intransitiva mit dem prouomen. 

Eigen ist das vorkommen eines reflexiven gen. bei ver- 
bis , die sonst diesen casus objectiv setzen, zilon sin (at- 
tendere): iro zilulun (attendebant , curabant) 0. II. 14, 11; 
zilu dtn ! (festina) 0. III. 2, 19; zilut iuer liera! (tendile 
huc) 0. II. 14, 4cS; Sin zilola (festinavit) 0. III. 17, 44; 
gewölmlicli steht bloßes zilun , gizilun , ohne pron. 0. lY. 
4, 6. 14, 9. 36, 17. ilan sin (festinare) : sie iltun iro (fe- 
stinabant) 0. V. 16, 9; ile din ! (festina) W. 17, 14, sonst 
bloß ile! W. 33, 13; genug belege für ilan gibt Graff 1, 
226 fl^ so scheint auch einmal IN. den gen. statt des dat. 
beifurhten: furhtent iro selbero (timebunt) ps. 51, 8, zu 
verwenden *). 

Der dat. steht sonst noch überall bei forlitan (liniere.) 
ni forhti thü thir! (ne timeas) T. 2, 5; ni forhti thir! 
T. 3, 4; ni forahtet ir iu ! 0. 111. 8, 29; ne furhte ih mir 
des leides (noii limebo mala) N. ps. 22, 4; ne fnihtcn wir 
uns (non timebimus) N. 45, 3; ziu sol ih mir furlitcn? 
48, 6 ; sie forhtou in (trepidaverunt timore) 52, 6 ; sie ue 
forliton in (non timuerunl) 77, 53. in beiden lelzlon ci- 
taten ist in der dal. pl. eis , welcher ahd. bekanntlich den 
verlornen goth. dat. sis ersetzen muß. das pron. unlcr- 
bleibt, sobald das verbum transitiv steht, z. b. N. ^is. 3, 7. 
13, 5, 21, 26. irl'urhlen (revercri) construierl N. mit dem 
acc. irfurhldn sih (revereantiu") ps. 34, 4. 39, 15. intralan 
(timere) steht meines wissens bei 0. immer nur transitiv 
I. 13, 15. 27, 11. II. 6, 17. IV. 1, 16. 20, 7. 

Auch bei borgen (cavere) hat N. den dativ: porge dir! 
(cavc tibi) ps. 74, 7 ; feruer bei (feliirmcn ((juiescere^ : ge- 
hirmeda imo (((uievil) N. 75, 9; doch 57, 8 bloßes gehir- 
nvent (ccssanl) ; hei (jihoren (audire) : ih kehure mir (au- 



•) oder nimmt er iim ohjectivei? wie er 22, 4 snjrt: fiirlite ili mir 
«les leides, liiitte er auch jenes aiisdriicken köniHMi: liirliteiit in (sihi) 
iro. wo zwei reflexive pronoiniiiii in einem satz stelin ist dns erste 
rellexiver, das zweite objecliver, z. b. ili .senmt-n niih mfn (ich scliiinie 
mich meiner); ohifjes zilö din, ili diu! lälU »ich aber Uiim erweitern 
in zilu dih din, ili dih din! 

c 



,34 euijdchcr scilz. 

(Hain) .S4, 0. ViCi ivarlcn (ca\cYv,: ^varl('l in! (.jltcnJIlc) 
T. 33, 1. 44, l. 0. II. 23, 7; ihaz wir uns warlrii (ut 
caveainusj 0. III. .5, 5. belog«; liir ilas bloße warlcu, ohne 
pron., bei Grall' I, 950. 

Das nicht rein aliil. Ilikl. lietl gewälirt den dal. in 
zwei nicrkwiiidigen nillcii , bei ivesuu und ivilan : du bist 
dir spaher 37; iU ini \m}1. 12. 

Den acc. finde ich a!id. bei pruttaii (tcrrerc, liirbaiej: 
ni brutti thili imiates (noli timere) 0. 1. 5, 17. 

pelyan sih (irasci): ue bilg dih ! (noli aemnlari) N. ps. 
37, 8; pelgeiU iuli ! (irasciinini) N. ps. 4, 5; i)ilget er sih 
(irascetur) N. 7, 12; sih gibilgit (irascitur) T. 26, 2; balg 
sih (iratus est) T. 10, 1: irbilgest du dih (irasceris) l\'. 
78, 5. 79, 5; sih beige (irascalur) 1^.2, 12. Ebenso sih 
zurnan gl. mons. 364; bei 0. transitiv, ohne sih, IV. 30, 
6. 3.5, 2. 

fveivan sih (laelari) l'rewi dliih ! (laelare) Is. ; bei N. 
liäufig: IVewo ih inih (laelor) ps. 12, 5; frewent sih (lae- 
lantur) 5, 12. 14, 7; ebenso bliilan sih: sih bilden (lae- 
tenlur) 0. 1\'. 37, 36; blidtim siii (laelabantur) 0. 1. 17, 
55. mendan sih: sih nienden (laelentur) 0. IV. 37, 35; 
ist sih nicndenti I. 4, 32; uieudet sich (laelalnr) W. 55, 9; 
mendent sih (laetantur) W. 78, 3. Dagegen steht gifehan 
(gaudere) intransitiv, ohne pron. T. 4, 2. 21, 6. 96; gleich 
dem gülh. laginou, das weder sis noch sik zu sich nimmt. 
intdan sih (vereri, sich seltenen, schämen.) farmul dih! 
(latita) Diut. 1, 499»^; ni nuduh mih thero worto 0. IV. 
5, 8; er sih fon in firmeid 0. V. 10, 21; ni meid sih (non 
erubuil) 0. I. 11, 38; miden sih (erubescant) IV. ps. 69, 4. 
Nicht anders das gleiclibedeutige scameu sih ; schameen 
sih (erubescant) Is. 5. 2; scameien sih N. ps. 34. 4. 39, 4. 
70, 13. 

arciueman sih (pavere) : ircham sih (formidavit) N. ps. 
118, 161. 

pichndheii sih (agnoscere) bichnaan sih (agnoscaiit) 
Is. 5, 2; sih bikuati (agnosceret) 0. II. 6, 43. pideiichan 
sih (cousiderare) sih bithähti 0. I. 23, 12. 

piheizan sih : sih biheizssit (confitebitur) Is. 2, 2 ; I)i- 
hiaz sili 0. III. 25, 22. 

chlafjoii sih: Idagöut sih O. II. 23, 23; chlagöt sih 
N. ps. 128, 1. 

xveinon sih: sih weinot 0. IV. 7. 37. 
puozau sih (emendari) sih buazla (ihat büße) 0. I. 23, 
iG; biiazet iuih 0. I. 23, 55. 



verbitin. gerius. ineduim. 35 

rechan oder recchan sih. ue rechent iuuih! (uolite 
peccare) N. ps. 4, 5. was lieiiU das eigentlich;' ps. 140^ 2 
stellt recclie sih üf, dirigatiii-. 

farsehaa sih (confidere). sih ferselient (coiifidunt) ps. 

~> — 

tviintaröti sih (iiilrari.) belege bei Graff 1 , 903. 

kdhon sih (festinare.) gAliut siti. N. 7, 12. 

huoliichön sih (gloriari.) guollichunt sih. N. 5, 12. 

sih Jhiohiren (consolari) 'J'. 10, 2. 

forligan sih (moechai-i) : ni forligi ihih ! T. 28, 1. 

wanan (sperare) hat kein pron. rell., wol aber piwänan 
sih (seciim reputare): biwanen niih 0. I. 25, 8. 

Das sind die Avichligsten beispiele , die mir einfallen; 
des sih neben entschiednen transitiven gibt es eine größere, 
keiner aufzählung bedürfende menge. 

Man sieht, daß das ahd. pron. häufig schon dem verb. 
vorausgeht , d. h. sich nach dem allgemeineren gesetz der 
ahd. Wortfolge richtet, vermöge dessen es beim imp. noch 
immer nachsteht. 

Mhd. weiß ich den reflexiven gen. bei zihi und üen 
nicht nachzuweisen, beide stelin ohne pron., doch halte 
ich ein mhd. ile din ! für sehr möglich, in Lampr. Alex. 
3271 findet sich: daz du din zomvis (ut festines); Ms. 2, 
56'' zoitge din! 2, 81^' zoncjt oucli iure! 

Der daliv dauert noch bei /«»'/t/eu fort : nie ue forhle du 
dir!, cod. vind. 653, 108*; nie ne vürhte dir I Iw. 516; ir 
ne dürfet iu forlitea Diut, 3, 106; si vorht ir Ms. 2, 185^ 
Wigal. 6448. noch kein fürhleu sich, wol aber ein iutrans. 
bloßes ich lürhte Nib. 55, 3. 

dat. liei stän : ich stuont mir fsleli) Ms. 1, 38|^; wozu 
man halle: ich slief mir (dormivi) Doc. misc. 2, 7. 

Der acc. noch öfter, sich zürnen (irasci) zornile sich 
Roth. 1639; meist bloßes zürnen INib. 119, 1. 394, 19. 
809, 4. 1495, 3. 

sich vrömven (gaudere.) ich fröu nn'ch Nib. 156, 3; 
freuten sich Nib. 440, 4; ich vreii micli Ivv. 1754; vreute 
si sich l\v. 2670. 

sich khujen (queri) klagen sich Bari. 34, 40 ; klagete 
sich ((|uesla est) Flore 1872; viel häufiger bloßes klagen. 

sich schämen, mac ih mih scamen Alex. 3251; si 
schämte sich Nib. 1622, 4; schämt er sich Tw. 3499. 6313; 
hat man sich verschämt Ms. 2, 198'\ sich miden (absti- 
nere) well ir luclis nihl mulen Nil). 1758, 4; der mellene 
du dicli vcrniil. cod. i)al. 361, 74^\ bloßes mideu Iw. 1100. 

bloßes (jähen und wwnen. 

C 2 



36 ein /'(tclier so/l. 

Beaclilenswcrlli siml f<)li;on(1o, iiitlit in icliinilid. doiik- 
Dialern , soimIcim mir in luke, JSigenol, AIoioll um! Ila- 
beiisclil. iioiiiiisc lu! fornieln , die; sich dann aiidi in das liel- 
denbvicli und eine lis. der jNib., den alhiechiischen 'J'il. und 
sonslwo eingostldiclicn haben, sie bezeiclinen den volks- 
niaUigcn slil des 14. 1') jli., klingt-n niederdeutsch, begeg- 
nen aiu b blüU für das jcllexiv der drilteji person, d. Ii. 
nie inil mich und dich , nur mit sich , ^veiches sich viol- 
leichl mehr der nlid. dal., als der inhd. acc. isll' auch be- 
schranken sicli alle mir zugiingliclicn beispielo auf die IJJ. 
priit. 

sprach sich ^^lo([uulus eslj TSib. 1386, 1, 1423, 1 nach 
der hs. D; Kab. 268; Ecke H. 6. 47. 48. 267; Sig. L. 23. 
27. 34; Otnil im hehlcnl). 9 (niclit bei Mono); WoKdiel. 
143. 187; lied vom all. Iliid.; Albr. Tit. 19, 122. 

ivas sich (ruiij Kcko I;. 2. If. 35; Sig. L. 14; was sicli 
»nimiiezec jMorult 1707; ilcr was sich von ciclude Albr. Tit. 
22, 29; sich vvas JMs. 2, 233^ 

h/cz sich (vocabalur) Kcke L. 1. H. 2. 

xvard sich : ein buch das ward sich funden. Oln. ein- 
gangs ; es ward sicli ein bucli funden. Wolfd. eingangs; 
du wurden sich diu nia^re kunt gelau Morolt 2979. 

Nhd. hat der gebrancli des reflexivs noch melir abge- 
nommen: gen. und dat. kommen gar nicht meJir vor, ziem- 
lich bei fiircliten steht jetzt auch der acc. sich furchten : 
icli fürchte mich, du fürclitest dich, und waluscheiidich 
wurde dieses aufgeben des orgaii. mir, dir herbeigeführt 
durch das auch zum dat. erhobne sich. Nothwendig ist 
das pron. noch in sich schörnen , sich freuen , sich er- 
innern , sich besinnen , sich ivundern , sich wenden, 
sich spulen , sich rühmen , sich kleiden , sich waschen^ 
sich nennen (vocari , gemein auch sich sclireiben) u. a. 
IN'icht mehr zulassig in meiden, zürnen (doch sich erzür- 
nen), büssen , tvähnen. Beide weisen treten ein bei etVeJi. 
und sich eilen j ruhen und sich ruhen (bes. sich ausru- 
hen); nahen und sich nahen. lu den volksmundarten 
stölit man noch oft auf intransitive rellexiva, z. b. er er- 
schleicht sich, er heisst sich, er iveint sich u. s. w. ; 
Volkslieder tles 16 jh. bieten manches dergleichen dar, z. b. 
Försters frische liedlein : er redt sich (loquitur) klagt sich 
(c|uerilur) trabe dich rüslein ! (currilo.) ^Merkwürdig ist 
noch ein andrer zug der gemeinen Volkssprache: sie pHegt 
gern das rellexive sich auf die erste und zweite person 
des pl. zu erstrecken , d. ]i. für uns und euch zu brau- 



verhiun. genas, medium. 37 

cliei), z. b. wir bedauken sich, wir liabeu sicli gefreut, 
ihr habt sich gewundert; vielleiclit auch für mich und 
dich y doch ^vol seltner. 

Die alls. spräche der Hei. zeiclinet sicli aus durch häu- 
iige auwendung des reilexivunis bei intransitiven ; die ab- 
wt'icliiuig vom alid. tritt hier um so starker hervor, da 
ilas eigenlliclie pron. der dritten pers. niangell , also das 
golli. sis durch inui und iru, das golh. sik durch ina, sia, 
it ersetzt werden nuiU , und desgleichen im pl.; einem goth. 
ohr würden die folgenden formeln seltsam gekhuigen haben. 

Ich sclücke die accusativisclicn , als die seltneren, vor- 
aus, hcilg ina (iratus est) 156, 10; xvendid ina (vertit se) 
135, 4. 137, 12; sie ni mugun sie anthehhien (non pos- 
sunt se sustinere) 86, 16; that sie sie tjerewidin (ul se 
praepararent) 129, 23. 

Dativisclie: was im (fuil) 31, 18. 35, 22. tvas imu *) 
125, 12. 129, 17. 141, 18, namentlich auch bei dem pas- 
sivauxiliare : was imu bewunden (circumvolutus erat) 125, 
12; siu ivas iru widowa (vidua fuit) 66, 16; ic hiian uii 
andiahtman (minister sum) 64, 12; bist thi (es) 175, 15; 
wärun im (erant) 35, 9. 121, 13. 

(juemau : cjvunum im (venerunt) 36, 4, 

faran: fuor im (profectus est) 34,6. 171, 10; im förun 
(proi'ccli sunt) 176, 9. 

(janffun: g^ng imu (ivit) 33, 24. 34, 16. 61, I. 73, 1. 
130, 14. 137, 2; im nahor geng (propius accessil) 64, 4; 
gang thi hol hinan! (sanus exi) 119, 7; ganga imu (eat) 
119, 20. 

(jiwilan: giwel imu (ivit) 60, 21. 63, 18. 65, 21. 66, 
4. 70,13. 113, 16. 119, 16. 128, 3. 13. 143, 19; im gcwet 
70, 2 ; im ford giwet (abiil) 34, 5. 69, 20; inui up giw^t 
129, 16; glwilun im (iverunt) 110, 1. 112, 9. im Hild. 
lied stellt blol^ unreilexives gitveit (ivit.) 

sithon: mäht thu thi sitliun (ire potes) 65, 15. 

scridau : scrid thi! (progrcdere) 32, 17. 

stüfan: inuj gistcg (ascenilil) 130, 15. 

siitan: sat im (sedil) 38, 16. 19; sat imu 130, 16; sd- 
inn in» (seilerunl) 35, 9. HO, 19. 

slandan: slud inui (stclit) 72, 23. 

andfddan (timere) : im anih-iedi (tinierel^ 4, 4; im 
andrcdin (limercnl) 68, 22. 120, 18; andiadad iu ! itimote) 
57, 24. 58, 4. 

') im tiiiil iiiitt für den dat. sg. sdiwankeii, 



39 einfacher salz. 

hebhlan: sie habl)iatl im liiillicn liiii;! (aiiliiio siuil «liihio; 
113, 1.5; Jiabdim im mordliugi (nctcm meditaljantiirj 129, 
5; liabde imii grimmen Imgi (dira medilahaliii) 141, 17; 
liabdiiri jm gewiii inilvil (rct^islere conaJjaiitiir) 130, 11. 

Uhhiaii (vivfie): imu iiiahli lil)bicu 123, 13; inusti iimi 
libbicn 125, 21. 

■vvuniau (habitave); imu -svnnude 128, 3. 
Ist in den drei folgenden stellen das im von bigan ab- 
hängig oder von dem nacbslebenden iiifiniliv? im thero 
dadeo bigan wundrun 4, 22; bigan im llienkcan 9, 24; 
bigan im samnun 34, 15. 

Vcrmiscble fälle: linudun im (discebanl) 115, 14; mende 
imu (pulavit) 138, 13; wisse imu (scivit) 139, 12; feng 
imu (copit) 36, 3; fiscudun im (piscabantur) 34, 20; -will 
iniu sine iiiman (pocuniam acceplurus est) 140, 3; scoldi 
sokicn imu (qnaesituriis erat) 137, 16; sukiad iu Cquaerite) 
59, 8; ic mi gicus (elegi) 5, 3; girurun im (elegcrunl) 35, 
17. in melirern der letztaiigefiilirlen beispiele lielie sich 
ein lebhafterer daliv, ein casus commodi, annehmen; allein 
auch der reflexive sinn genügt. 

Ags. verhält sich alles beinalie ebenso ; doch -wird der 
mediale ausdruck in B. und C. seltner angewendet als 
im Hei. 

für den acc. habe ich mir nur zwei fälle angemerkt, 
vendan und restan. vend the! (verte te) C. 56, 28; vende 
hine (vertebat se) C. 34, 33. restadh incit! (mancle vos 
duo) C. 174, 19; hine reste (recjuievit) C. 95, 25. gerade 
so sieht auch altfries. hini reste (quievil) As. 2. 

Dativ, vesan: sceal vesan liim on vynne (laetabilur) 
C. 23, 29. 

qcvitam gevut him (profectus est) C. 106, 30. 125, 23. 
126, 21. 130, 27. 174, 26. B. 466. 3202. 3803. 3924; 
liim gevat B. 51. 1317. 2471. 3202; gevilon him (profecti 
suntj B. 599. 2243. aber auch bloß gevilan. 

tredan (calcare) : him gräsmoldau träd. B. 3758. 
hveorfan (vertere) : hvearf him C. 29, 8. 
ondrwdan (limerej: ic me ondr.xde (timco) ps. 3. 5. 
118, 120; ne ondrcxde ic me nan yfel ('nulluni malum 
limeo) ps. 22, 4; ve us ne ondrcxdadh (non timebinius) 
ps. 45, 2; no he him ondred (non timuit) B. 4689: ondre- 
don him (linMierunt) C. 53, 15; ne thearft thu the vilit 
ondraiclan (nc linieas) C, '>?,. 15. 

vitan: visie him (novit) C. 29,. 2. 



verhimi. geiius. medium. 39 

x^ndere intransitiva stehen ohne pron., z. h. vuntlrian (nn- 
rari). Auch die engl, spräche meidet bei intransitiven das 
reflexiv, man sagt: go, wonder, dread, fear, turn, reniem- 
ber, rejoice, oder be rejoiced, be ashamed, l)e glad. bei 
transiliven ist das pron. aber nölhig, z. b. 1 dress myself. 

3iiil. beispiele des rellexivs habe ich nur einige aufge- 
zeichnet; es -wird nocli andere geben, doch ist kein hem 
bei Avas oder spräl\^, in solchem sinn, zu spüren. 

verhehjhen (irasci) : verbalch hem Reiu. 2641. 

scamen (vereri): scaems hem (schäme sich dessen) Reiu. 
2232; scaemde hem (schämte sich) Rein. 1200. 

ontsien (timere): ic ontsie mi (timeo) Floris 863; oii(- 
sach hi hem (timuit) Floris 1399 ; hi onlsiet hem (timet) 
Stoke 2, 503; doch ist das pron. zu eulbehren, Reiu. 53 
bloßes onlsiet, Floris 3306 bloßes oulsach. 

vei'stoten (tremere): versliet hem (conlremuit) Floris 
3304, wonebeu das synonyme versat (entsetzte sich), statt 
dessen auch ^vol versat liem stehn dürfte. 

Nnl. ist statt hem und haer ^vieder ein reflexives zieh 
eiugefülu:t (1, 539.) man sagt: zieh schämen (vereri) zieh 
ontzetteti (sich entsetzen) zieh verzettelt , auch v,o\ zieh 
ontzieii, daneben aber bloßes ontzien uud bloßes vrezeu. 

Ungleich wichtiger für unsere ganze Untersuchung stellt 
sich das alln. rellexivum, welches dem verbo beständig 
nachgesetzt und angelehnt zu einem eiuverleibten , veikiirz- 
len luid unabtrennbaren sufllx gcAVOrden ist. in den andciu 
dialccten, wo die Stellung des pronomens schwankender 
und wechselnder ist, hätte das sullix nicht so leicht enl- 
spriiigen können, im altn. aber hat sich aus der mischung 
des pronomens mit der activen verbalflexion eine schein- 
bare conjugationsform ergeben, durch abkiirzung imd ent- 
slcllung der suflixe ist die unbestimmte, feingefärbte me- 
dialbedculnng allerdings noch besser, als durch die nhd. 
unbetonllieil des pron. erreicht, längst unbetont muste es 
auch schon im alln, gewesen sein, che es zur anlehnung 
geschickt worden komile ; das i)ron. wirkt fnst nicht mehr 
an sich selbst, sondciii nur als grammalischer beiielf. 

y.s ist aber dabei auf niehr.'ache weise verialuon wor- 
den, die eine und älteste art hat beschi-änkUn lunfnng; 
sie ist nur in den edtlaliedern, nicht einmal bei ilen spätem 
skalden, geschweige iu der |jrosa zu treH'eii. 8ie bezieht 
sich (im jeilexiven fall) lediglich auf die eiate person. das 
rejlexive inilx wird in m/< (oder mc) verUiirzl und mittelst 



40 ei/tfaclier sutz. 

des eiiii;cscliübnoii vocals o an ilen coiisoDaiil der erslori 
pcrs. {^elicl'lf't. das gilt cigcullicli mir vom präs. und prril. 
slarkcr coiij.; in der scliNvaclieii aber nmU der vocalisclic 
aiisgaiig iler ersleii pcrs. in beiden leni|). sich von ieneni o 
absorbieren lassen, ohne das eingescliallele o ^värc das suKIx 
in der slarkcn form nicbl avisziispreclien gewesen; in der 
sciiNvaclien billle sich mc an tlie vocalisclien ansgango der 
llexion schlieUen mögen; n>an siebl, daß die starke form 
den ton angab, zugleich niul) das zwisclientretende o ^- u 
den wurzelvocal « in ö lunlauten *). hiernach \Yird man 
die folgenden belege leicht fassen. 

ouuik (metuo, timeo) Sa-m. 42^ 2.53», dem sinne nach 
ganz das golh. og mis; hrcedhomk (mcluo) 182* 253*:= 
linndha mik ; ulhromk 217*=idhra mik, golh. idreigu 
mik; hoilomc (glorior) 261'^; r«(//iomc (consilior) 24. 25. 
26. 261»=^r<e(lh mik, den grund des medialen ansdrucks 
lehn das lat. deponens; vihiomc (desidoro) 138^ = vilnamik; 
thikhjovih (arbilror) 182'; dijljomc (celo) 253^; siamc (cir- 
cumspicio, mcluo) 42* 162^, gleichsam ich sehe mich um, 
caveo mihi; letotnc (ich liol^ mich) 23^; helomc (ich hIeU 
mich) 47'* 221''; v d nun k (im, alls. was mi)26l»; hiKjdhomk 
(arbilratus sum) 188» =^ hiigdha mik; löydhomc (posui) 
23^ =^ lagdha mik '•^'' ). 

Eine andere, gleich alte, äußerlich mit der vorigen zu- 
sammenfallende, aber völlig verschieden entspningne weise 
ist bisher, wie mich dünkt, noch nicht richtig aufgefaßt 
worden, sie gilt bloß für den fall, wo die I pl. den dual 
ausdrückt; dem ausgang om wird dann ein k hinzugefügt, 
welches aus dem acc. dual, okkv {ro)'i') erwächst, alle mir 
bekannten belege gehen die 1 dual. ind. oder imp. an: 



') einige betracliten diese prima sg. auf omc als eine pliiraiform, 
der man nur die bedeutung des sg. überwiesen habe, erklären sie also 
fius Olli , mit einem suflix. dann würde die annähme eines eingeschal- 
teten vocals enti)elirlicli. Diese deutung weist al)er den nahliegenden 
und wnlirsciieinliciien einfluß des pron. mik völlig ab und versteht 
selbst das übrigbleibende c niclit, davon abgesehen daß es seltsam ist, 
der 1 sg. ihre eigne form abzusprechen und für sie den pl. herbei- 
zuliolen. 

*') dieselbe form kommt aber au<h zum vorsciiein für den niciit- 
reflexiven, unmedialen fall, wenn d;is omc einer driften person (niclit 
der ersten suffigiert wird, z. b. breniwmc feldr (uritur mihi vestis) 
40a; eronic Hell (est mihi solHtiuni) 841»; slondontc til hiarta hiörr 
(stat mihi in curde gladius) l.S(;i; ,\lir oc undir slddliomc iötna vegar 
(supra et inlra me steternnt giüMiituin viae) 23b; liier müste aulgelöst 
Verden: brennr mik feldr, er mik liiu ». s. w. 



verhiini. genas, medium. 41 

eromc (siimiis ambae, Fenja oc Menja) Gruttas. 1. 15*); 
vitelomc! (colloqiianuir, Vafthi'iulhnir ok Gängrädlir) 33^'; 
tfönijotncl (cliscetlanuis , Grimnir ok Hripiidlir) 40^; sMl- 
jomc ! (discedamiis , Gripir ok Sigurdlir) 179^; hittomkl 
(conveniamus, Helgi ok Atli) 144''. Ließen sicli , was ich 
bezweille, falle dieser lorm liii' den pl. anfüliren, so würde 
sie aus dem siiiTix des pl. pron. oss nicht können gedevilet 
warden ; ebensowenig mag ich annehmen , tlaü sie aus dem 
ornc des sg. erweiternd und unorganisch auf den pl. über- 
tragen sei. vielmehr unterscheide ich jenes o-mc von dem 
eben erklärten om-r. Der reilexive plural sollte niclil 
anders endigen als auf oms (omz) , nemlich das s aus oss 
Oj/tiäg) entnehmend, wirklich scheint mir diese form in 
dem vöromz (caveamus) Hyndlul. 29. 32 ed. hafu. gewahrt, 
Rask liest 117'^ 118^ vörunzt, verderbt, ich kenne jedoch 
nur den einzigen beleg, und nelime ihn nicht für vöi'omz = 
vöromsc **). 

Wie verhielt es sich aber nun mit dem rellexiven aus- 
druck für die zweite und drille person ? was jene betriff, 
so kenne ich in den quellen durchaus kein suffix, das sich 
mit dem pron. thik, yckr oder ydhr berührte. Desto häu^ 
liger erscheint es für die dritte pers. und lautet sc, wel- 
ches sichtbar aus dem acc. sik entsprungen ist und ganz 
dieselbe Verkürzung, die jenes wie für mik, erfahren hat; 
schon die ältesten hss. kürzen das sc, sc noch weiter in 
bloßes z ab. die anlehnung dieses sc , z absorbiert in der 
111. sg. präs. ind. den conson. r, überall sonst ergeht sie 
auf das leichteste, weil alle übrigen dritten personen vo- 
calisch auslauten. 

Das wichtigste für unsere Untersuchung bleibt aber 
einzusehn, daß dieses sc odera, organischer weise nur für 
die dritte person eingeführt, in der edda kaum auf die 
erste angewandt wird, die sich ja ihres eignen sufiixes be- 



*) eromc lese ich mit einer von Tliorlaciiis angeführten hs., Her 
selbst den (acliven) pl. eroin vorzieht, und Rask (Sn. 147) ändert 
ohne notli in eru. 

**) häufiger ist lunz für die 1 sg. tliikjnniz ec (\ideür) 97l>; ihot- 
tnmz (videbar) 16» 22'' 2:u;i; li-<Iludiiinz (luitabam) 12;'>i, lauter 
luisverstandnisse und schroibft.'liler für thikjunic, tliottunic, ludludunic. 
das foli^t recht klar aus dem utircllexiven lükiiniz (pepulerunt me) 
112''. \s 'S iiiclits anders sein kann als räkunik d. i. rako niik. AVolito 
man lin ituinz nelinieii iVir tlintUuuse, so .«.clieint die anwendung des 
xc iTi. die erste pers. iil)erl;aiipt erst später und so selten, daß ihr 
nicht auf einnud fünf boispiele überwiesen werden k(>nnen, die sicii noeli 
anders aiiblegou lassen. 



42 eiiij'aclier salz. 

dient, daß also omc und .sc glelcli/oillg nebeneinander be- 
sleiin und sicii in verscliiedene porsonen iheiien. alle blaller 
der cdda zeigen das aiigeieiinle z liir die drille person in jedem 
modus, leinpus und nunieius; kaum fiir die erste. liUflhz 
(dicit) 105«; seiC (circumsincit, cavet)220'^; iez. (in gleicher 
bedeutung) 143»; hijyz (arbilralur) 143''; snyz (verlitur) 
8^ 196'; J'tjUiz (injplet se, iinpletur) 6*; ln'Jiz (elevalurj 
8^; snüüz (verUinlur) 156''; Inttuz (conveniunt, treuen 
sich) 9'^; minnaz (recordanlur) 9^^; hrwdhaz (meluunt) 8»; 
tjvathz oder yyrti (loquuUis est, sprach sicii) 14?'' I62^,fanz 
(inveniehalur) 1»; tetz (ließ sich) 161'^ lezk 260''; settiz 
(selzlc sich) 138»; säz (circunispiciebant se) 134»; yettuz 
(consiliati sunt) i^ 2» 5''; hilloz (convenerunt) 2»; (jen- 
goz (giengen sich) 5^; thötluz (videbanlur) 232'' auch oft 
fiir den inf. : beijaz (pugnare secuin) 7^; hreeähaz fme- 
tuere). alle diese formen sind leicht in ihre beslandlheile 
aufzulösen. 

Hiernach lassen sich nun golli. unangelehnle formen 
den alln. sufligierleu zur seile stellen: 



c[Yilha mis 
qvilhilh sis 
qvithus ugk 
qvilham uns 
qvilhand sis 
qvath mis 
qvalh sis 
qvethii ugk 
qvethum uns 
qvethun sis 
idreigu mik 
idreiguth sik 
idreigus iigk 
idreigoni uns 
idreiguud sik 
idreiguda mik 
idreigoda sik 
idreigudedu ugk 
idreigudedum uns 
idreifiudedun sik 



qvedhonic 

qvedhsc (qvedhz) 

qvedhonic 

qvedhomz 

qvedhasc (qvedhaz) 

qvödhomc 

qvadhsc (qvadhz, qvaz) 

qvädhomc 

qvadhomz 

qvadhosc (qvadhoz) 

idhromc 

idhrasc (idhi-az) 

idhromc 

idhromz 

idhrasc (idhraz) 

idhrödhomc 

idhradhisc (idliradhiz) 

idhrödhomc 

idbrödhomz 

idhrödhüsc (idhrüdhuz) 



nicht alles wird sich hier nach der strenge belegen lassen, 
z. b. der günstige zwischen dem sg. prät. qvödhomc *) und 



*) das \oihi.i 6. 4ö angei'ülnte väioiuc sollte freilich vöronic lauten. 



verbuni. getnis. medium. 43 

dual, qvadliomc vermutete unterschied; im ganzen stellt 
aber die theorie fest. 

Zugleicli leuchtet aus den niitgetheilten beispielen , und 
aus andern hervor, daß die bedeiilung der ahn. formen 
ganz dem medialen ansdruck entspricht, den Avir im golh. 
ahd. alts. und ags. rellexivum walirgenonnuen liaben. nir- 
gends wahet ein streng passiver sinn, d.h. der niclit in den 
medialen aufzulösen wäi'e. 

Mit der zeit aber treten Veränderungen ein , für form 
und bedeutung. 

Das suffix sc oder z beginnt um sicli zu greifen, ein- 
mal muß man zugeben, daß es auch für die zweite person, 
bereits in der edda, erscheint, vermutlich am ])latz einer 
alleren, verdrängten, deren characler th war. thu tldckiz 
(videris) 167^ ITSt^ 176^; thöltisca thü (nou videbaris) 68»; 
tJiihkiz er (videmini) 221^; m'mzlu (recordaris) 268'^*); 
nälgazhi! (appropinc{ua) 47^; überall ist hier durch das 
beigefügte pron. alle Zweideutigkeit gelioben. Sodann suffi- 
giert der inf. allenthalben sc oder z, auch da wo die zweite 
und erste person gemeint ist; ich habe bei den inf. nie das 
suffix oinc oder mc wahrgenommen, obgleich es früher 
zulässig gewesen sein mag. nam ec fvievaz oc vel hafaz 
(coepi prosperare et bene me habere) 28"; nuuitu lemiaz 
(coutunderis) 144^; hveljaz lezt (incitarl te passus es) 
187'^; ydhr siazc (vos meluere) 143''. Diese gewohnlieit 
wird denn auch endlich den Übergang auf die erste pers. 
herbeigeführt haben: das einzige mir bekannte belspiel ist 
ck minuiz (recordor) 138'% vörumz und ihultumz sind 
vorhin (s. 41. 42) beseitigt worden. 

In der Island, spräche liat sich nun onic völlig verloren 
und sc (oder z) in ein suffix st verwandelt, welches un- 
gcfühlt allen und jeden personcn hinzugefügt wird und statt 
der wärmeren mcdialbedeulnng eine abgezogenere auch hier 
für das beslinunle passiv güllig wertlende erzeugt. Die 
entspringende form aber ist günstig und abwechselnd; in 
jedem tenipus lallen alle drei personen des sg. zusanunen. 

Die starke conj. zeigt, z. b. in takast (capi) folgende 
formen : 

präs. tekst pl. lökumst prät. tuUst pl. lukumst 
tekst takizt lukst loUuzt 

lekst lakast tukst lukust 



•) iji-azlu (dixisti) 15-1'» kann nieiliale oder auch aclive form sein, 
<la die 11. piiit. nct. q\nzl tür qvatlil bekeiunit. 



44 el/ijacher satz. 

])r;is. laklst pl. lokiunsl piül. locklsl pl. ktkurnst 

cunj. lakisi lakizt kckist t</;kuzl 

takisl lakisi tcckisl la-kusl 

Die erste scliwailie l)ci kiii/silbiyeii : 
präs. lel.sl pk h'ljiimtil pia(. laldist pl. lültliinist 

telsl leli/.t talJist tüldu/.t 

telst tcljast taldist töldust 

conj. iclist pl. leljiitnsl prät. leidist pl, lelduiiist 

Iclist lelizl leklist lekliizl 

telist lelist leidist teldusl 

bei laiigsilbigen : 
präs. brennist pl. brennurnst prät. brendlst pl. brendun)sl 
brennist brennizt brendist brenduzt 

breniüst brennast brendist brendiist 

tonj. brennist pl, brenniinist priil. brendist pl. Ijre/uhinist 
brennist brennizt brendist brenduzt 

brennist brennist brendist breiidust 

Die zweite sclnvaolie aber: 
präs.kallast pl. külhinist prät. kalladb ist. pl. külludhunist 
kaUast kallizt kalladhist kölhidhuzt 

kallast kaUast kalladhist külhidhnst 

conj. kaliist pl. köllnnist prät. kalladliist ])1. köiludiiunist 
kalbst kallizt kalladhist külhidhuzt 

kaliist kalbst kalladhist külludhust 

Die unlersclieidung zwisclien zt und st in der II. und III. 
pl. macht man abhängig von dem ih der II. pl. act. , wel- 
ches th mit dem sudlx st in zt verschmelze. Aniier den 
inf. alast , teljast , brennast, hallast , die überall mit der 
III. pl. präs. ind. zusammentreden . gibt es noch ein sulli- 
giertes part. präs. und ]>rät. alandlst, teljandist, hrennan- 
disty kallandist j takizt , talizt , hrenzt und hallazt. das 
scheinen aber später aufgedrungne formen, keine echte, 
die A'ier letzten passiv betrachtet sind sinnlos oder übcr- 
Ilüssig, da schon takinn, talidhr, hi'endr , kaUadhr den 
passiven sinn enthalten, der also jiiclit erst oder nochmals 
durch das st ausgedrückt zu werden braucht, um des ein- 
zigen hefir vauizt Saem. 276^ müste man den Gunnarsslagr 
für ein neues machwerk erklären. Alle mit st suffigierten 
part. präs. xintl prät. enthalten also keine passive , sondern 
nur mediale bedeuliuig, und gewähren insofern eine schick- 
liche , brauchbare form. 

Es versieht sich von selbst, tlali die alln. spräche über- 
all wo das reflexive pron. , /u transitiven gesetzt einen 
nachdrücklichen, unmcdialen siiui liabcn soll, d. h. überall 



perhif/n. geniis. medium. 45 

\vo das nliil. rellexiv betoni bleibt, Jlir pronomen getrennt 
setzt, und die suffigierle loriii vernieidel. dies iietreniite 
pron. ist, wie im golh. , der dat. odei- der acc. , das suffi- 
gierte schien nur der acc. So heiik es z. b. bi'egdlia ser 
(mutare se) (jlöra ser (facerc sibi) Iiafn ser (liabere sibi) 
was sich niclit in bregdliaz, giuraz, halaz umsetzen ließe, 
Nialssaga cap. 1 liest man (itti ser (habuit) lek ser (lusit), 
verscliieden von utlist (habebatur) lekst (hidebatur). ec 
Jordha iner bedeulet caveo niilii und fredich wird das 
(neuere?) ec fordhast nicht viel anders aussagen. Sami. 
223^ von Brynhild: adhr sik tnidhl((dlii nia>kis eggiom 
(antequam se mediam dissecaret gladii acie); liier liegt auf 
dem sik ein Ion, und es steht auch voiaus, niidladhiz \\iirde 
den sinn scliwachen. (jörd/nr thik fra-gjan (darum te fe- 
cisti) 155* starker als gürdliisc. aber die grenzen der be- 
deutungen verlaufen oft iu einander. 

Verfolgen wir die geschiclite dieser form auch In der 
schwed. und dän. spraclie , so ergibt sich ein noch ent- 
schiedneres verhärten des urspi'ünglich medialen ausdrucks 
in den passiven , dergestalt daß er mm auch für viele fälle 
gebraucht werden kann, in welchen altn. die s. IS geschil- 
derte passivumschrcibung halle nuissen zur anwendung 
kommen, ich will zuerst die form erwrigen, aus der aller- 
dings etwas geworden ist, warum die übrigen ilcutscheu 
dialecte die nord. zu beneiden haben. 

Das Isl. harte st ist ganz beseitigt luid bloßes 5 ange- 
nommen worden, das jenem alln. z naher sieht, während 
st seinen msprung aus sc nicht verleugnet, schon die all- 
schwed. und alldän. gesetze zeigen dieses s überall. Da 
die aclivlh'xioncn , gegen die isl. gchallen, im schwed. und 
dän. belrächllich mehr abgescldiUen sirul, so ej'geht die 
anfügung des suffixes desto leichter, ja die formen sind 
dadurch gefälliger gewoiden. doch fallen sie im dän. all- 
zusehr zusanuncn , das schwed. hält eine glückliche mitte 
zwischen bedeutsamkeit der flexion und wollauliger er- 
■weichung; einige stufen und Übergänge lassen sich hierbei 
nachweisen; allschwed. dcnkmäler des 14.15 jh., wie sie 
der I pl. ad. noch ilcn ausgang om l)c\valuen (l, 998) 
bilden auch die sufligierlc form aid" oms , lagoms (capimur) 
togoms (capli sumuis) kallojns (vocaiiun-) Ualladoms (vocali 
sunuis), wälii'ontl spiiiorhin die erste pei'son ganz den aus- 
gang der drillen empliingl. einen beleg gewährt z. b. die 
um 1.^90 ins schwed. übersetzte \ila Anscharii (Holm. 1677) 
p. 19 slyggioms (deleslanuir). auch behauplcu die IIJ pl. 



46 c'lilfdcJirr Hdlz. 

j)räl. der sclnvnclion conj. , \\\c der slarken, clii; onilung 
OS, z. b. löddos (liniohniil) eheiulas. 111 miU ^lall iIcs spate- 
ren es pllegt is /u yellcii. 

Sclnvcd. starke conjiigalion , tagas fcapi): 

präs. lages pl. tagas prat. logs pl. logos 

tages tagoiis togs togens 

tages tagas togs togos. 

erste scliwaclie conjiigalion , brännas (iirl) : 
präs. bränncs pl. liriiinies jjrät. bräiidcs pl. l)r;-indes 

bräiiiios brämiens brändes ])r;indens 

briinnes brannas briindes brändes. 

zweite scliwaclie conjugation, kallas (vocari): 

präs. kallas pl. kallas prüt. kallades pl. kallades 

kallas kaliens kallades kalladens 

kallas kallas kallades kallades. 

nicht unvorllieilhafte im dän. verloreu gegangene Unterschei- 
dung einzelner euduugen. 

Dän. starke conjugatlon : tages (capi) 

präs. tages pl. lages prät. togs pl. toges 

tages tages togs toges 

tages tages togs toges 
erste schwache , braunes (nrl) : 

brännes braunes prät. brändtes pl. brändtes 

braunes brännes bräudtes braudtes 

brännes braunes brändtes brändtes. 

zweite, kaldcs (vocari): 
kahles pl. kahles prät. kalledes pl. kalledes 

kahles kahles kalledes kalledes 

kaldes kahles kalledes kalledes. 

für das prät. ist aber heutzutage auch kaldtes, -wie im acl. 
kaldte, eingerissen. 

In den prät. beider sprachen pflegt die passive bedeu- 
tung häufig auch durch die Umschreibung ausgedrückt zu 
werden, z. b. schwed. statt brändes: var oder blef bränd; 
wo es darauf ankonnnt, den passiven sinn fühlbar zu machen, 
wird lieber mnschrieben , z. b. man sagt dän. nicht jeg hial- 
pes, sondern jeg blev luulpet, nicht han stalvkes, sondern 
han blev stukket. Den part. präs. und prät. mit dem 
Suffix gebührt überall mediale bedeutung und es besteht 
ein feiner , im schwed. mehr als im dän. gefühller unter- 
schied zwischen dem rein activen sinn von tagaude , kal- 
laude und dem reflexiven von lagaudes, kallandes. letztere 



vcrhiim. genus. rnedirnn. 47 

verbinden sich gern mit dein verb. komma (oben s. 8) *), 
die innere beweglicbkeit zu bezeichnen, den gebraucli des 
suffigierten ])art. präl. leliren prät. , die mit ihm und mit 
bafva gebihlet sind, z. b. träden hafva blomstrats , die 
bäume haben geblüht, d.i. liaben sich geblülil; iag liar 
hämnats, ich habe mich gerächt: in solchem fall knüpft 
das reflexiv sich nie an das hilfswort liafva , stets an das 
part. man könnte nicht sagen: träden hafvas blomstrat. 

AVenn gleich der passive gebrauch im ind. und inf. 
vorherseht , so haben sich dennoch viele wahrhafte mc- 
dialbedeutungon bei intransitiven erhaben, die genau zu 
den oben erörterten der übrigen clialecte passen, ja ein- 
zelne verba werden nur reflexiv, niemals activ, folglich 
auch nicht passiv gesetzt, z. b. schwed. r'üdas ^ dan. räd- 
des j, ahn. lirsedhaz , dem goth. ugan sis u. s. w. vergleich- 
bar; schwed. nahffis (appropinquare) ; schwed. hlomstras 
(llorere), dän. aber bloß hlomstre. neben dem schwed. 
transitiv hänuia (ulcisci) besteht das reilexiv hihnnas (ul- 
cisci se.) 

liier fragt es sich nach dem unterschied zwischen an- 
gehängtem und getrennt gesetztem reilexiv? da jenes für 
die j)assive bedeutung üblicher wurde, so nuiste man die- 
ses lür die mediale zu verwenden suchen, irre ich nicht, 
so drücken die Danen das schwed. hamnaü lieber durch 
hävne sig , als duixli havnes aus, mid sagen eher närnie 
siff als näinies. In Dänmark scheint der grüiiere einlluß 
des nhd. für das reflexiv mehr die getrennte selzung her- 
beigeführt und eben darum ilei* suffigierten form mehr den 
passiven sinn verliehen zu haben. Inzwisclien linde ich 
auch in schwed. Volksliedern, noch häufiger in dän., ge- 
trenntes pronomen für das medium , namentlich bei den 
verbis gehen, stehen, reiten, ganz wie oben s. 37. hau ffüf 
si(j Sv. V. 1, 35; ridtr han si(f das. 1, 67; lian red sig 
D. V. 1, 85. 239; du skal ditj'ndride 1, 83; vi ville vide 
OS 1, 139; jeg vil lu/V/ ride llildebr. : gik sig, red sig^ 
slod sig. deutsche niylh. anh. s. CXLVllI. auch schon 
der allschwed. hcrtog Fredrik 83: han ridJier sik. Dän. 
mag es oft gleichviel sein den einen oder den andern zu 
wählen , z. b. forbarnies oder forbarme sig ; det händcs 
oder det händer sig. Aber die strenge bedeutung, sogar 
des bestimmten passivs, wie sie mit der dän. und schwed. 



*) nns <1en DV. ist norli vieles zu lielejren : küiii ridendes 1. 18;?; 
kom flyvendes 1, 186; hiev sorgendes I, 195. 



48 CHI j'ncJicv .s(it~. 

surfigici-lcMi Forni kann voi 1jiiiu1(mi vcrdeii , wWvc in der 
ursin-iini-liclicii alln. lassiiiii; des suKixe.s j^anz unmöglich 
gewesen, /.. h. wenn Ilolherg sagl : man saae lurnemmc 
slan(l.'5|)orsoner hjS(;s liieiii al deies i)iger. liier darf slall 
lysos kein jyse sig slelni. 

Ich l)cschlielk' die erörlerung des ledexiven vcrhiinis 
mit allgenieinerea belrachlungcn. 

A\enn sich die niediairorm an einem vcrl)um nicht ent- 
wickelt lialle, so jnuslen die (kriechen wo es daran lag, 
die bezielinng des snhjecls auf sich seihst zw hezciclinen, 
chenfalls zu dem reliexivpronomen t/iuviöi^, atuvröv, iuv- 
rov greifen; oder auch da konnten sie es, wo jener bezug 
Schürfer, als durch das gehnde medium, ausgedrückt wer- 
den sollte, d.h. wo wii* nlid. meist das rellexiv betonen, 
der gi-olie vorralh und die gangbaikeit der medien niachle 
aber die anwendung des äußerlichen bchelfs ungleich seltner 
als in den neueren sprachen. 

Die lat. spräche besitzt nur solche media, deren activ 
außer gebrauch gcralhen ist, die folglich auch kein passiv 
zeugen (passivbedeulung ablegen, deponenlia). etwa glei- 
chen sie unsern deutschen, die bloU mit dem reflexivinn 
vorkommen; z. b. jenes schwed. r.'idas , oder das nlid. sich 
freuen (laclari), sich schämen. das ist eine historische, 
nicht im begrif der Avörter beruhende entwicklung; so gut 
ein altn. activ hrt«dha (terrere) besieht, oder das nhd. er- 
freuen activ ist, darf auch ein älteres, längst verschollenes 
lat. act. lorfuo angenommen M'erden, von welchem die me- 
dialform loquor übrig bleibt, einzelne verba vereinigen mit 
dem präl. depon. ein präs. intransitiver activform : gaudeo, 
gavisus sum. Im ganzen aber muü das latein schon mehr 
seine zullucht nehmen zu dem reflexiven pron. als das 
griechische. 

Seit dem Untergang der lat. depon. und passivform steigt 
aber die nothwendigkcit des rollexiven ausdriicks in den 
romanischen sprachen außerordentlich , wie in den deut- 
schen , derselben Ursache wegen. Wenn das lat. dicitur, 
legitur (wolverstanden , das unbestimmte passivum) in ein 
ital. dicesi, leggesi, ein franz. se dit, se lit gewandelt wer- 
den mag, wäre solch ein lat. se dicit, se legit luizulüssig 
gewesen. Aber auch in lat. activen wird der intransiliv- 
begrif gesteigert; das franz. se taire entbehrt das pron. 
nicht njehr, dessen das lat. tacere , das gotli. thahan nie 
bedarf, zumal ist die franz. spräche reich an rellexivver- 
ben und ihr Verhältnis zu der deutschen darf dabei nicht 



verhuin. ge/ms. mediain. 49 

außer acht gelassen werden: se re'jouir, s'e'lonner, s'e'pou- 
vanler, se repenlir, se plaindre, s'liabiller u. s.w. Das 
ilal. und span. pron. dritter person kann sich, den umstän- 
den nach, anleimen (desiderarsi, parleudosi, decirse, con- 
venirse), oder dem verb. vorhergehen. 

Alle slavischen sprachen, gleich Uns ohne passiv und 
medium, bilden eine menge von rellexivzeitwörtern, ohne 
das pron. anzulehnen, und zwar lediglich mit dem pron. 
der dritten person, das (wie das altn. suffix) zugleich die 
I luid II vertritt, z. b. bölim. diwjm se (miror) diwjs se 
(miraris) diwj se (nu'ratur) diwjnie se (miranuir) diwjte se 
(jniramini) diwi se (mirantur); sloven. I'e vel'elim (gaudco) 
l'e vefeliTli (gaudes) fe vel'eli (gaudet) fe Aclelmo (gaude- 
mus) fe vefelte (gaudetis) i'e vei'ele (gaudent) *}. Das lassen 
die nord. reflexiva nur bei der accretion des pron. zu; 
sobald es getrennt steht, richtet es sich nach dem subject, 
inid das däu. jeg rider mig diirl'le nie heißen jeg rider sig. 

Das medium, wie ich glaube, ist eigentlich und \\y- 
sprünglich unbestimmt (s. 4.) d. h. nur auf das subject, 
nicht auf einen andern gegenständ gerichtet ; ersalz in den 
sprachen , die seiner verlustig gehn , wird ja eben durch 
das zurückfuhrende rellexivpronomen bereitet, das medium 
ist rühriger als das intransitive activum , rückhaltender als 
das transitive, in beiden fallen wächst mit der medialform 
die iiuiigkeit des begrifs. i](fofiai, bedeutet ich bin froh in 
mir, seelenvergnügt, ein intransitives ?^'r)w, wenn os vor- 
lianden wäre, würde nur aussagen ich bin froh; umgekehrt 
hat sich die spräche an kein xAfi/o/fca, ich weine bei mir, 
um mich gewöhnt, bloß an zXaiio , ich weine, wiederum 
scheint Xov/iini, irdvo/Kai weniger als Aot;w, ivövo) tjtvav- 
tov. Weil aber die activen bedeutungen so nahe an me- 
diale, die transitiveji so nahe an intransitive reichen, so 
ist unvermeidlich, daß lücht tue medien zuweilen die be- 
slimmlheit der acliva annehmen sollten, es darf daher von 
ihnen ein acc. abliängen ; nach homerischer weise wird ge- 
sagt Xovfini. aTio fjQozov, ich wasche mir das blut ab, und 
ebenso kann es heißen ivdvoftai yitou'a , ich lege mir das 
kleid an, der sinn haftet in der vcrdeiitschung auf dem 
■mir. die begrifsverselzung laßt sich durch die Umstellung 



') noch auffallendpr ist uns, daß sie aiicli d.ns auf das subject des 

Satzes bo/.np;li('lie possessiv in dor dritten person ausdrücken, z. h. bölim. 

cli otre suclio y niatku swän (lionora pal rem tuum et raatrem tuam), 
d. i. würtlicli: palrcni suum et niatreni suani. 

D 



5() eiiij'iic/wr aulz. 

unseres ich Nvasclie mich in wasche mir, wodurch ein 
.•ICC. des ohj. gpsiallol \\\vt\ , erlaiileni. darum scheint auch 
(las rellexive golh. sis leichter als sik. Die nord. sullix- 
forin leyicrt ebenso unhedeiiKlicIi den acc. , z. h. iialga/.tu 
mic! (a|)prü|)in(|ua ad incj S;rn). 47^ ; jag rädhis ev Ihina 
agha (iion mctuo niinas tuas) herl. Fred. 1001. ^^ as die 
gelrennt stellenden rcllexivjjronomiua helrifl, so liinderl 
der dal. keinen vom vrrho abhängigen acc., z. 1). goth. ni 
ugeilh i/.vis ins {/ir (f(i'Ji;&i^T£ aiirnvc:^ INlallh. 10, 26; 
neben dem |)ers()nlichen acc. ^vird der objective schwieriger. 
Ganz gewohnlich (ordein die laV. deponenlia den acc. ; ihre 
abgesondcilheil hat sie fast wieder dem begrif des acl. 
zurückgelührt und iivu- die wenigsten z. b. laelor, morior 
behaupten intransitive medialbedeutung. 

Das gr. medium ^var, seinem wesen gemäß, aus einer 
mischung passiver und acliver Ibrm entspiungen, der clia- 
racter des jiersünliciieu j)ron. hat auf seine (lexionen kei- 
nen gröi^eren einllu!^ als aul" die activischen ; das lat. de- 
ponens hält sich (von den participien abgesehn) streng au 
die form des passivums; ein golh. medium, wenn es darf 
vermutet werden (s. 22) gründete sich auf geringe modifi- 
calion der passivform, völlig anders war der weg den die 
nord. spräche bis zu ihren« passiv nahm, sie gelangte da- 
zu allmälicb erst durch die ersatzmitlel , deren man sich 
äußerlich zum ausdruck medialer bedeulung versichert hatte. 
Niemals ist den hoch und niederdeutschen , romanischen 
und slavischen sprachen aus gleicliem ersatz solch ein neu- 
nord. passivum erwachsen. 

Medialintransitive , medialpassive bedeutuncf. 

Das medium vermag in unserer spräche häufig durch 
das bloße inti-ansitlve aclivum ausgedrückt zu werden, 
denn die begrilFe beider sind sich verwandt, das intransitiv 
ist nolhwendig unbestimmt und objectlos, das medium liebt 
die Unbestimmtheit. aber das medium , wie wir salien, 
kann aus transitiven und aus intransitiven hervorgehn und 
ist eine neue, oft unmerkliclie verwandhing beider. 

Inlransitiva und transitiva werden niclit selten durch 
besondere form geschieden, dergestalt daß dem starken 
verbum intransitive bedeutuug, dem abgeleiteten schwachen 
transitive beiwohnt, goth. sitan (sedeie) satjan (collocare); 
ganisan (servari) nasjan (servare) ; ligan (jacere) lagjau 
(ponere) ; brinnau (ardere) brannjau (urei'e) ; urreisan (sur- 
gere) urraisjan (erigere) ; sliupan (repere) slaupian (exuere, 



verbuDi. genus» tnediali/itransit'n^um. b\ 

im durchkriechen abstreifeu) u. s. \v. allein die form halt 
lange nicht schritt n)it dem begrif ; auch das starke vor- 
bum vermag schon transitiv zu sein und dann gewährt das 
abgeleitete schwache nur eine andere modification , z. b. 
fraliusan (perdere) lausjan (solvere); vindan (uectere) vand- 
jan (vertere) vgl. usvindan (Hectere , plectere) Marc. 15, 17. 
lisvandjan (relleclere, averlere) jMatth. 5, 42. von vielen 
wurzeln gilt aber nur die eine oder die andere form , ne- 
ben lisan (legere) kein lasjan und neben gramjau (ad 
iram provocare) kein grirnan. Hieraus folgt daß der un- 
terschied zwisclien intransitivem und transitivem siiui nur 
liin und wieder durch die form festgesetzt in den meisten 
fällen durch den gebrauch gewahrt werden niuste, ja es 
kann dieselbe Wortbildung zugleich beider bedeutiingen 
fähig sein. 

Es gibt verba , die bloß intransitiv verwandt werden, 
z. b. sein, werden, kommen, wachsen, hungern, dürsten, 
blühen, erwarmen, grüneji, namentlich die s. 23 aufge- 
führten goth. auf 7ia,' eine größere zahl ist bloß transitiv, 
z. b. essen, trinken, greifen, lieben, wärmen, stärken, 
schwächen, verletzen, grämen, bei welchen allen nach 
dem gegenständ ihrer thätigkeit gefragt werden kann. Will 
sich der niedialbegrif an transitiven entwickeln, so bedarf 
er dazu des rellexiven pronomens: dieses kann auch mit 
intransitiven verbunden werden, häufig entsprechen schon 
die haaren intransitiva ungefähr der medialen bedeutuug. 

Gewisse verba, und voraus starkformige, stehn den 
lunsländen nach bald intransitiv bald transitiv, z. b. schla- 
ijen ist intransitiv in den redensarlen: er schlägt aus der 
art, er ist zu boden geschlagen; braten: der apfel brät; 
Jiochen: das wasser kocht, wälu'end man transitiv sagt: 
den apfel braten, das wasser kochen, brechen bcdeulct 
transitiv fiangcre, intransitiv dissilire, cnzweigehn, z. I;. 
das e'S bricht, das glas bricht, mein herz, mein äuge 
bricht, der faden brach, es muß biegen oder brechen. 
mild, daz der walt nider brach Iw. 6.58 ; sin herze brach 
Iw. 4948. ebenso reissen ; das band zwischen uns reißt, 
der faden t\[\. sehiessen bedeutet transitiv cito mitlcre, 
intransitiv stüizen, z. b. thränen scIiüIUmj ihm aus den 
äugen, mhd. er schuz nider von dem marke, tut zc dem 
lande, von dem rosse Iial). 407. 409.438: daz swerl schuz 
im von banden Sigenol 18; uz der scheiden Iw. 3945; daz 
viur im üz dem munde schöz Iw. 3842 u. s. w. scheiden 
ist einmal das transitive trennen , separare , dann abei- das 

ü 2 



6Ü eUlJ'dcIliU' SillZ. 

ifilraiifi. \voi;i;cliii , «liscoilcio. dicsf iiilr. hedfiiliiiig driickl 
/war Ulf. (Iiircli il.is lollcxiviiiii aus skaitlan sik l.uc.'*, 33. 
1 Cor. 7, 1,5, allfiii ei" liil'd daliir auch schon das bloUe 
»kuidaii gellen, gerade in der zuh'izl angezognen .sielle 
hcilU es skuidilh sik "/inQi'^fTui , sküitWu yjoot^f'a^/o) , und 
skäidan yootnOi^i'ui 1 Cor. 7, 10 vgl. oben s. 31. nihd. Itci- 
spiele des inli-. scheiden in ßeneckes \vb. zu I\v. 3.5'J : MI), 
280. 2. Doch h.ihcn auch scIiNvachhjrniige (h'ese do|)|)el- 
nalur, z. b. bleichen, (jliilien, rollrn, heilen^ inlransiliv: 
das garn bleicht, die ilanune glühl, der ^vagen rolil, die 
Winnie heill: tiansiliv : das garn bieichen, das eisen glii- 
iien , die kugd rollen , die wunde heilen. Verzeichnisse aller 
intransitiva y nach den verschiedncn dculscl»en sprachen 
zu liefern kann hier nicht meine absieht sein, es kam nur 
darauf an ihre beriihrnng inil dem medialbcgrif anzuzeigen. 

Dagegen niöchlo ich aixsondern von ihnen und näher 
besprechen die acliva, ^\ eiche neben dem transitiven sinn 
zugleich einen passiven entfalten, und in dieser beziehung 
eine vergleichung mit den lat. neulralpassivcn vapulo und 
veneo gestalten, wiewol diese nur passiv, und nicht da- 
neben auch acliv gebraucht werden. 

Iliei-hcr geliört zuvörderst das wort heissen. doch das 
gotli. liuilan finde ich nie so gebraucht, den begrif vocatur 
drückte lediglich das golh. pass. iiaitada aus, z. I). baürg sei 
liailada Nazaraith Luc. 1, 26; sunus hauhistins hailada Luc. 
1, 32; saei haitada Didiinus Joh. 11, 16; huilans vas namin 
Malkus Joh. 18, 10. das activ haitan steht rein acliv: liai- 
haitun ina ixäXovv Luc. 1 , 59. Allein das alid. heizau 
bedeutet häufig vocari: Johannes scal er heizan 0. L 4, 30; 
Anna hiaz ein w?b thar L 16, 1; Petrus scalt thu heizan 
O. III. 12, 31; Ihaz wazar heizit ouh so thar 0.111.21,25; 
dat Hiltibrant helti nun fater, ili heittu Hadubrant. llild. 17; 
ohne daß dadurch die active Verwendung ausgescldossen 
würde: heiz inan (voca eum) heilant! 0. I. 8, 27; giheizent 
sinan namon T. 5, 9; gihiez sinan uamon T. 5, 10; ihiu 
ist giheizan Nazareth T. 11, 4; ther giheizan ist Petrus 
T. 19, 1. Auch mild, wechseln beide weisen: der was ge- 
heizeu Lanzelui Reinh. 19; der lüez Diezelin Reinh. 221; 
her Berlin hiez Reinh. 783 ; er ist geheizeu Heinrich Reinh. 
1788; Kriemhilt -was sie giheizen INib. 2, 3; Sifrit was 
geheizen Nib. 22, 1; frou Uole ir muoter hiez, ir vater 
hiez Dankrat Nib. 7, 1 u. s. w. Nhd. überwiegt die pas- 
sive bedeutung, und nur wo sich die rede auf ein bestimm- 
tes object richtet, niuß das reine activ gebraucht \verden : 
ich heiße dich meinen freund; das thier wird von den 



verhum. genas, niedialpassipiun. 53 

leuleii sommerkalb geheißen. Nicht weniger ahs. iiadi 
Hei.: Zacharias %vas hie hetan 3, 2; Gabriel biiim ic holan 
4, 7; Mai'ia was siu hetan 8, 2; Simeon Avas he hdtan 14, 
12; the beten was Herodes 83, 2; Kaiphas ^^'as he beten 
126, 22; aber aucli : that he Johannes hetan scoldi 7, 3; 
ne bet er giewibt so 7, 5; tbiu barg Hiericlio hclid 111, 4; 
ja dicht hinter einander: Snnon was he hetan, bot oc Bar- 
lhoh)meus 38, 4. Aus ags. gediclilen kenne ich die medial- 
passive bedeutung nicht, es lieiiU immer: sceal vesan Is- 
niahcl baten C. 138, 4; yäs se grimma gast Grendel liateu 
B. 204; viis nun iäder Ecgtlicov baten B. 524. 743: Vigluf 
väs bäten B. 5200. doch möchte ich fälle übersehen haben, 
denn auch im altfries. nl. und uord. haltet vollkommen 
der doppelte brauch. Julius and Octaviauus biton As. 1 ; 
ther is eheten S) nay As. 1 ; thi drosta hit Encherius As. 
4; ir ben Floris gheheten Fl. 3652; h^t si 3966. In der 
eddaSa'm. ist der unactive sinn der häufigste: AIvjs ec beili 
48^; Vingthurr ec heiti 48^; Sigurdhr ec beiti 1861» ; 
gaufugt dyr ec beili 186^^; Sigmundr bet minn fadhirl87a: 
Gripir beitirl72^; Andvari ec beili, Oinn bei minn fadhir 
181^, seltner: Hnikar beto mik 184^. Gleich dem heizan 
abd. auch auedan (dicere) für dici. quhidit (dici(ur) Is. 4, 
0, bei N. häufig taz chit (dicilur) Blh. 10. 12. cbil er Btb. 
12; alsiz quit (uti dicitur) W. 6, 8. 10, 3. 16, 5. 18, 15. 

Ulf. übersetzt das act. neoirejuvM durch himdila ; 
bimäilan thata barn Luc. 1, 59; du bimaitan ina Luc. 
2, 21; bimailitb mannan Job. 7, 22. aber er bat auch 
für das pass. naoirtjiiiwftai wiederum nichts anders als 
die acti\ form bimaita. baidiths yas bhnäitan TiVayyMaQii 'jie- 
Qiifir^Or^Vin Gab 2, 3; naulbjand izvis himäitan uruyv.u- 
^oi'üfP v/iüi; vifoiT(ftrea%)cc(. Gab 6, 12; vilehia izvis 
bunäitan dtlovaiv VfiÜQ 'Jieoirf/ivf-od'cu Gab 6, 13; auf 
ilen inf. in diesen drei stellen würde ich hier weniger ge- 
wicht legen, ganz beweisend sind aber die folgenden: ui 
bunäitäa frij vceQtiejiivcoOo) 1 Cor. 7, 18; jabäi bimditith 
tav ^ngiTi/tivi^ods Gab 5, 2; schwierigkeil macht bimait 
ahtaudugs moiTo/tifj oxiaij^itQOQ Phil. 3, 5 ; da er den dat. 
des gr. suhsl. schwerlich durch den acc. bbnail wiederge- 
geben haben kann, so vermule ich, dali er ein 7Tf(i(tTHfr)v 
vor sich balle und bimähnäit schrieb, daiui isl alles in 
Ordnung und das circujucisus der vulg. slinuul; wie man 
sieb auch darüber entscheide, der passive sinn von bimuilan 
steht ohnedas fest, das pari. prät. bimailans 1 Cor. 7, 18; 
Gab 5, 3. Der neben jeJiem bimäilau 1 Cor. 7, 18 vor- 
komni'^nde imp, in-nlii fTiio.iücOc) lautet golb. ufiakj.ii 



5 % eiiifucJier safz. 

(atl)ali;(() niic] lial kein beiloiikon. .Ier.es biiniiitan (Jir das 
yr. p.TJ-iviuii war olme /woiicl iiiil allein htnlnf lil f^rwahlt, 
stall l)iiJi;iilaii liiilhi die golli. f'oriii |jii)i;iil;iidaii leichl zu 
yobot gcslandcii. IJ'ii alid. piinci/.aii , pisnilan auf gleiclie 
weise gebraucht kenne ich iiichi. 

Bei einem weiter liierlier goliörigon aiisdruck will icli 
nicht von unsurer sj)rache ausgehn. in lat. lis.s. nnil^ sicli 
wenigstens schon seit dem 4 jh., weiter als die palaogra- 
])hie hinauf reiclit, die seltsame scliluUformel explicit ge- 
lundeu haben. Ilieronymus in einem a. 3.S4 geschiiebnen 
brief, ep. 28 ad Marcellam (opp. ed. veron. 1, 13.5) sagt 
borcils: solenius nos complelis opuscvdis ad dislinctionem 
rei alterius sequentis medium inlcrponore e.vpUcil aut feli- 
ciler aut aliquid istiusmodi. was bedeutet dies unlaleinische 
wort? offenbar soviel als explicitum est, aber die Römer 
konnten sich der acliven formen explicat oder explicuit 
nicht in passivem sinn bedienen, darum laugt die deutuug 
des explicit aus explicuit (nouv. traitr de dipl. 3. 3S8) wenig. 
CS scheint der beginnenden formol incipit feldeihafl nachgebil- 
det, welches schon in classischem lateui passivisch gesetzt wer- 
den durfte: incipit annus, incipit febris := incipitur. Nun aber 
gebraucht der golh. Schreiber sein iisthihan fconsummare) 
und atiastödjan, dustödjan (incipere) gerade so medial- 
})assiviscli : du Rumunim ustauli; du Kaiirinthium A. us- 
tiiuh , du Galatim ustuuh , du Aifaisium ustauh , du Rau- 
laussaim ustauh; als eingangsformcl aber: alvaggeljo tliai'rh 
Marku anastodeith , aivaggolju thalrh Lu.kan anaslodeith; 
alpistule du Aifaisium anaslodeith; du Kaurinthium anthara 
dustudeilh. es heilit nicht ustauhan ist, oder ustiuhada, 
noch anastudjada; wol aber muß für tyoufft] am Schluß 
der beiden Cor. briefe und des Rüm. briefs gesagt werden : 
du K. fruma mf^lida ist, du Rumunim melilh ist. jene goth. 
vcrba werden sonst, außerhalb dieser formein, reinactivisch 
construiert, z. b. ustauh llio vaurda ovretlliGE TOiig }.6}'ovs 
Matth. 7, 28; ui ustiuhith baiirgs //?} TeXtoijTe ras nöXeig 
Matth. 10, 23; dustudida timbrjan Luc. 14, 30. 

Dieselben foi'meln lauten aber auch in franz. hss. ici 
comuieuce , 'n:ißuit^ wie wir heute sagen; ]nei\fiiu(ft das 
buch an , hier endet die haudschrift '■'). 



*) in a!tii. lis». am eingang : her hcfr upp sögu, her byrjar sögu ; 
IUI scl(lui>: her Ivkr sögu. der acc. sügu luifliigt in den verbis active 
linleutung anziinetiinen und einen iiom. für den schreiber oder autor 
/» su!)intelli<iieren. 



verhum. genns. inedialpassivuin. 55 

Und nicht bloß in solchen formelu, auch sonst können 
Avil' nhd. die verba der begriffe hecjinnen und endigen 

iiiedialpassivisch verwenden: das spiel beginnt, die Schlacht 
begann, das lied hebt an, die Zwietracht endet, die erzah- 
lung schlieüt u. s. av. überall sagt mau hier nicht leicht: 
beginnt sich, schließt sicli, noch wird begonnen, geschlossen, 
obscJion beides auch zulassig wäre. 

Mhd. findet man enden bald für linire, bald für finiri, 
letzteres belegen: min lip sol enden Iw. 4173; daz järzil 
sol enden Iw. 2942. in beiderlei ausdruck das ahd. enton. 
belege bei Graif i, 359. 

Eigenthümlich der nhd. spräche ist das Impersonale e^ 
<fibt, was übersetzt werden kann datur, es gab, es hat 
gegeben (franz. il y a, il y avail), ich Averde da wo von den 
persönlichen verbis zu handeln ist, darauf zurückkommen; 
schon der ndid. periode ist es ganzlich unbekannt, geschweige 
der frühern. 

Endlich die jiassive bedeutung von sehen, die dem lat. 
videri entsprichl : das sieht gut, das nimmt sich gut aus, 
erscheint vorlheilhaft. wir verAvenden jetzt häufiger dafür: 
aussehen^ sich ansehen. Fischart und seine Zeitgenossen 
öfter sahen =r: aussahen, z. b. Garg. 217^. Mhd. du er so 
wiltliclien sah (videbatur, aspiciebatur) Wh. 270, 7; ouwi 
Avie eislicher sacli Iav. 450 ; sach gar tiuvellichen Ls. 2, 
648; AA'ülvischen sach Bit. 91*; AA'ie sieht er so Avnidschelch 
u. grimm. H. Sachs, doch ließe sich das verbum auch activ 
auslegen: er sieht (schaut) wild aus den äugen? das ahd. 
einsehet (cernilur) aus Is. 9, 5 kann nicht hieher genom- 
men werden, denn es müste chisihet stehn ; der Übersetzer 
stellte das lat. Avort um in cernitis, chisehet. 

Freilich begegnen in der medlalbedeutung sich iutran- 
silive und passive; jenes das wasser kocht, der faden bricht 
läßt sieht ebenwol auflassen: ac(ua coquilur, filnm lumpi- 
lur*), oder er heilet, das buch beginnt ist aullösbar in: er 
nennt sicli , das buch begii\nt sich, luiigekchrl aber ver- 
trüge die redensarl : die thrane schießt keinen ])a8siveu 
ausdruck, die: du heißest mein freund keinen rellexiven. 
Niemals jedoch scheint organischerweisc dieser passive aus- 
druck ein wirkliches passivum zu begründen, er kann daher 



•) die bekaiiiito tranz foruicl sauvc qiii poiil! bedeutet snJvpUii 
qui potest. 



,56 eiiij'achcr salz. 

nicht bestiiiiint ^verde^ ; man sagt nicht: icli liciße von dir 
(uuniiiMir a Ic) *). 

Soviel j^laul)C itli vvahrziinchincfi , (lali die nachgewie- 
sene vielfache niischiing liansilivei-, iiiliansiliver und |)a.s.si- 
ver hcdeulnng in iler äheren zeit geringer ist, und rnii- 
um sich greill je nielir sidi die organischen vcrbaifornieii 
zu gründe richten, der (Jolhe kennt bloß sein transitives 
liaitilli und sein passives liuitada, er sagt nicht die wunde 
heilt, sondern gahailnilh , und trennt dies intransitiv vom 
transitiven haileilh (sanat). überlhiß beinalie, -wenn ihm 
auUcr gaskaidiian {yo)Qi^sadai) 1 Cor. 7, 11 auch skaidan 
intransitiv gellen kaiui ( s. 52. ) doch bimailan, uslauh 
luid anastudeilh folgen schon der spalorn weise, die xins 
jetzt allerdings einer menge von lästigen Umschreibungen 
überhebt. 

Übergänge aus activer in mediale bedeutung bei den 
Griechen liaben etwas ähnliclies, uv^uvo) z. b. brauchen 
die dichter für uv^arofiac. 



Die vorgenommene belrachtung des deutschen verbalgenus 
wird erst abgesclilossen durcli einen anliang über das ei- 
genihümliche Verhältnis des iniinilivs und der participieu in 
dieser beziehung. 

Genus des Infinitivs. 

Der infiuitiv ist eine art Substantivierung des verbums, des- 
sen regeres leben dabei aufhört; der persönliche ausdruck 
vind der numerus gehn verloren , eine Übertragung der 
tempusunterschiede ist dabei noch denkbar und ich werde 
darauf im dritten cap. zu sprechen kommen, hier fragt es 
sich , wie und in welcher weise das geuus am inf. er- 
scheine? 

Die lat. spräche weiß ihre beiden , die griech. ihre drei 
genera auch am inf. förmlich hervox'zuheben. unsere deut- 
sche, wie sie fast nur ein activum hat, ist auch nur einer 
einzigen form des inf. fähig, sie muß also das genus am 
inf. entw% umsclireiben oder ganz unausgedrückt lassen. 

Umschreibungen des inf. pass. laufen den für den ind. 
angewandten analog. Doch ist bemerkenswerth daß Ulf., 



') Loliengr. 129 : dö die Cristeii in sweize sutea von den Sarnzin, 
lieij^t nicht sovvol coquebantur a Saiacenis, als sudabant, efficientibns 
id Saiacenis. 



verhum. genus. iiißii. 57 

der des präs. vaa-tlia dort noch nicht bedarf, hier nicht 
lunliin kann , sich des vairllian zu bedienen , uatürlicli, 
weil das priit. varlh auch an dem acliveii iuf. unausdrück- 
bar war. (jalmlitli vairthun verdeutsclit IMattli. 8, 24 
y.aXv7iT6a&ai. allein die lunschreibung ist selten und of- 
Iciibar uugeläufig. ob er auch hatte sagen können: gahu- 
lilh visani' ich bezweiüe es niclit, kenne aber keinen be- 
leg. Ahd. Umschreibungen sind ganz in der Ordnung : 
niahli chihorati werdhan fpotuit generari) Is. 2, 2; scal 
xverdhan cJiihaldan (salvabitur) Is. 9, 2 ; ni scal ketin- 
j'rewit wesun (uon debet conlristari) R. 16^; fnrcikau 
ivesan (denegari) K. 59^ *)• wolti inan (jinemnitan ivesan 
(vellet eum vocari) T. 4, 12; ih scal fon thir gitoiißt 
werdan (a te debeo baptizari) T. 14, 2 ; zwei stellen der 
hymn. geben bloß das particip , mit auslassung des auxi- 
liars: incaleilit (induci) 2, 10; lunot (munerari) 26, 10. 
Ich brauche das eintreten dieser Umschreibungen liir die 
übrigen dialecte nicht durchzulühren ; aiich sind schon oben 
bcispiele gegeben woixlen. man erinnere sich , daß na- 
mentlich der ahn. Inf. pass. nur mit verdha und dem part. 
ausgedrückt Averden darf und erst im neuuord. die form 
-as und -^es dafür eintreten kann; wiewol auch noch ein 
schwed. blifva kailad, ein däu. blive oder vorde kaldt da- 
neben zulässig ist. 

Weit wichtiger scheint die erforschung der fälle , in 
welchen die passive bedeulung des Inf. gar nicht bezeich- 
net, d. h. die active form auch für sie verwendet wird. 

Wir haben vorhin gesehu , daß einzelne verba überall 
neben dem activen einen passiven sinn an sich tragen. 

Der golh, Inf. bimaitan drückte nicht bloß iieQiTifiveiVf 
sondern auch nsQirt/i,pi(Ji)-ai , TiEOtT/iijx) )~rai aus. so be- 
handelt aber Ulf. die Inf. anderer verba, denen sich in 
den übrigen modis gar keine passive bedeutung zutrauen 
läßt, ja er steht lücht an, solchen inf. den obliijucn casus 
beizulügen, durch welclicn das pass. bcslinunl wird, ar- 
muiun ni taujan in andvairthja manne du saihvan im, 
iXerjiioavvr^v fiy noiilv l'fiirQood'ev tüiv u.vdQOi'Jiwv iioos 
To '&£tit)-ijvcu uvToli; INlallh. 6, 1 , bei T. heiiU es an die- 
ser stelle: ihaz ir gisehan stl ; warth than gasvillau thamma 
unledm jah hr'ujijan liam aggilum , 'tyirein ()'f ihmOardp 
tov umr/ov v,ai lUnvty^&ijvai avtov vno itÖv tcyyiXiov 



*) man sehe aucli die talscluibeisct/ten inf. I;it. <i('|ioiicntia : kiluior- 
ban wcsau (reverti) K. 39b und die s. 1:5 sdioii gcj^cheiicii i)eltf!;e. 



55 einfacher aalz. 

Luc. 16, 22; algaggandelm inanageliii däupjnn fram sis, 
tyniooevofuvoiQ oyXoic; (j<'.;fVMS)tyvai vii uvcov Luc. 3, 7; 
guriiiimiii Jiaitsjan jali leikinon fram Imiiia, owt/i'/ovio 
U'/.ovfiv VAU tHouiihVtaOui ir;i avxov liiic. .5, 15; aluilmda 
du ushvnmjan , iiunudnhri'.i f.f\ rn axuvQmO-rjvui Mallli. 
26, 2 (l)i'( i'. lliaz lic'i- wcido erliaiigauj ; niclida du (fu- 
bairhljati usd.aidciu, ^'yQa'lJU eivtuev xov (puvaQo)Q-f]vtii 
TTjV anovd'tjv II Cor. 7, 12; gutli tlius ist galeifhan in libairi 
lialtainnia, lliau tvans futuns habandiii tjavairpan in gai- 
aitxnau , '/mIov iaii ooi iii:f-X&Eiv eig ttjv uoi}p you.uv , ?/ 
Tovc: ^vo iiod^us l'yovra ß}.i]dr^Tai ilg t7-v yhvvuv Marc. 
9, 4.5 iMid ebenso 9, 47 atvairpan {{jh]di;vui) , ]\Iattii.l8, 
8, 9 fehlt zur vergleicluuig ; vilda fram izvis (/asatidjan 
mik, t/ionXo/iii^v v(p vfiöiv ngoneftffd-ijvui II Cor. l^ 16, 
hier ist zwar das mik Ii in zugefügt , es kann aber keia re- 
flexives sein, wie sich schon aus fram izvis ergibt. In 
allen diesen beispielen hat der inf. seine vage , substanti- 
vische natur, in die aucli ein passiver sinn gelegt werden 
kann; man setze die subst. bescliauung, hin1)ringung, tau- 
fuug, heilung, kreuzigung, olleiibarung, hinwerfung, Sen- 
dung, oder gebe bloß den das subst. hervorhebenden arti- 
kel bei: zum sehen, zum taufen, zum heilen, zum kreu- 
zigen , so wird sicli die passive bedeutung ziemlich leicht 
noch heule finden. 

Unverkennbar sucht aber dennocli anderemal Ulf. die- 
ser construction auszuweichen, er löst sie in eine con- 
juuctionelle auf: civayvojadijvat , ei iissigvjudau I Thess. 5, 
27; ^iy.ciio)&i;vat , ei garallitui dumjaindau Gal. 2, 17; oder 
er wählt dafür ein gotli. intransitivuni : gagavai'rtlinan (re- 
conciliari) II Cor. 5, 20; saürgan /.vni]&)^vui II Cor. 7, 11. 
In der bekannten stelle IMarc. 10, 45 wo der urlext den 
inf. pass. und act. unnütlelbar hinter einander hat ofK 
^ß&e ^lazovfj&ijvai dXXd Siaxorijacci , ließ sich nicht bei- 
demal andbahtjan setzen, der ausweg statt des passivs den 
substantivischen ausdruck at andbahtiam (ad ministeria) zu 
gebrauclien, Avar nicht der glücklichste, warum sagte er 
niclit: ei andbahtiths sijuu oder vesjdu ? leider können wir 
Mattli. 20, 28 nicht nachsehn. aber alle andern erklä- 
rungsversuche des andbahtjam scheitern daran, daß die 
prap. at einen casus fordert , und nach cjviman , wenn ein 
inf. folgt, niemals at steht. 

Auffallender für uns ist eine golh. ausdrucksweise, so- 
bald es darauf ankommt, nach einigen verbis zweiter ano- 
nialie den inf. i>ass. zu conslruicren. Soll auf solche vcrba 



vetham. genus. infiii. 59 

ein Ulf. act, folgen, so wird ganz geAvölinllcli verfahren, 
7.. b. ik skal vaürkiau Job. 9, 4; nimauna mag \aürkian 
.loh. 9, 4: skiiljau (s. l. für skulja) rudjan Eph. 6, 20; 
skiilda fagiiiun II Cor. 2, 3 n. s. w. Allein das häufige ofl 
aiixiliarische vorkommen der meisten dieser Avörter, ihr 
lliichtiger siuu, gestaltele olfenhar nicht, hinter ihnen einem 
Inf. passivische bedeutung zu lassen, wie es nach vüjan 
ißovXeod-at) noch angieng. Wie hilft sich nun Ulf.? er 
nimmt statt der anomalen verbalform ihr part. prät. , ver- 
bindet es mit visan und setzt dann jenen inf. act. hinzu. 
Avenn ihm also skal giban debeo dare, mag giban possuni 
dnre bezeichnet, sagt er nach jener regel skidds im giban, 
debeo dari , mahts im giban possum dari, und so stehn 
sich auch im prät. skulda giban als activei', skulds vas giban 
als passiver ausdruck gegenüber, jetzt erst kann dem inf. 
activer form mit Sicherheit passiver sinn verliehen -sverden. 
hier belege : thatei skal sunus maus fdu vinnan jah ushiu- 
San skulds ist fram thaim sinislam jah usqviman , oTi 
d'el rov viov tov av&QMiiov noXXd naS^tiv, y.tu anodoxi- 
/KXü&'f/vui uno tÖ)V nQtoßvTtgMV icat airoy-TuvO-ivai IMarc. 
8, 31, wenn aber folgt jah usstandan '4ai uvaGzr,vui^ acti- 
visch, so hätte ^liirch ein wiederholtes skal die Wirkung des 
skulds ist eigentlich vorher aufgehoben werden sollen *) ; 
untc sunus mans skulds ist atyihan in handuns mannö, 
o yuQ vios tov avd qojtiov jtifXXei naQciöidoadui sig ytloag 
tc')'dQO)'no)V Luc. 9, 44; unle allui veis fitdiKjjuu skuldai 
sijum , %ovs yi^Q Tiiii'TCiS "t^jtiäg ffui'6fjw&i~rcu d'ei II Cor. 
5, 10; ik skulds vas fram izvis gakanitjan, lyv) yc.Q oxpei- 
).ov i'ff) vfiviv GvvioTaodai II Cor. 12, 1 ''''''); mäht vesi liuk 
thata balsan frahiKjjan , rßvvato yuQ rovro lo jtivQov 
^Qa\))~ji'af Marc. 14, 5; qvino ni mahta vas fram ainunu;- 
hun galeikiuun, yvrt] ova i'oyivosv vn ovöevog 'dtQwmv- 



') in ähnlicher stelle wird ein andrer «niisweg getroffen. Joli. 3, 4 
(Mal^ni.39, 29) ^rj dvvaxai, flq rijv y.oiXic.v rfji; /nfii^iuq ai'iov <hiTH)ov 
fl(;üOn:v y.nl yfvvrjOTjrci , ibai mag in vaniba äitheins seinäizös altra 
galeilhan jali gabairäidau; um hier nicht zu sagen: jah mahts ist ga- 
bairan, bedient er sicli minder schleppend des passiven conjunctivs: et 
renascatur, regeneretur. 

") mehrmals setzt Llf. das neutrale skuld zn visan in der bedeu- 
tung von opus esse und dann kann es einen inf. hinler sich haben, der 
einem gr. activen oder medialen entspricht, ■/.. !>. ni skuld ist lagjan, 
ovK l'ifnri, pahtv Matth. 27, «i ; fnginün skuld >as, /(toi'tai. ;()f, Luc. 
15, 32; skuld (so für skulda) ist thata riurjö gahamön unriurein, <hi 
TU qOuQrov hävoantlci dq.Duitaiav 1 Cor. 15, 53; jabai hvöpan skuld 
sijäi. fi xai'/.7o,'>Mt (hl 11 Cor. 11, 30; thöei ni skulda sind mann n'-d- 
jan i< ovx. i'iov dvÖQ(i'}:i(i) Af<Ay)«t 11 Cor. 12, 1. 



(50 eiiijiicher salz. 

■fyrjVtu Luc. H, 43; livaiva malils Ist niati ffahairun, Tiojg 
<\vva%('.i (IvOQorjioQ yivvt^!) t^rc.i So\\. 3, 4 ( M.-ilWn. VJ, 17 
vgl. 40, 4): ni nialil ist ifuläirau lliala ganuMidu, nv <)v- 
VUTai XvtyfjVC'.i 7] yoiiff I, Inli. lO, 35; imlc'; livarjaloli vaMnle 
mäht ifil aiitliarleilvciii iutnäldj<tn, , iiam oiniie vcrbimi |)(»- 
test divcrsilülc (ich lialto anlliailoikein (lir den dal.) iniiiiu- 
tari Maliin. 47, 21; von ähnliclien Inf, liinler niunds ist 
(piitatnr) knnllis ist (noscitur) tliaurfts ist (cogitur?) giht 
CS kein bcispicl; waiiim sollte es aber nicht heißen kön- 
nen: munds ist uskiusan (repi'obari putatiir)? 

Suclicn wir näher in diese golh. worlfügung zu djiu- 
gcn. IJU". empfand das bedürlnis den in f. pass. nacli skal 
nnd mag hervorzuheben: er stellt die hilfswörler selbst in 
das passiv. Da aber skal und mag (wie alle übrigen zwei- 
ter anom.) als {'ormpllc priilerila des organ. priis. pass. auf 
-ada natürlich luifahig sind, so muU ihr pass. wie jedes 
prät. pass. mit visan und dem part. umschrieben werden, 
diese Umschreibung beliält iedoch ;\öllig den praseussinn, 
der auch in dem activen skal und mag liegt. folglich 
drücken skulds im, mahts im nicht aus debitus sum , ich 
bin gemocht worden, sondern debeor, ich Averde gemoclit; 
eine nothsvendige ausnähme von dem was' oben s. 10, 12 
vorgetragen wurde. skulds im giban bedeutet denuiacli 
eigentlich debeor dari, w^as nicht ungereimt ist, obwol 
niemand lat. so sagt, vielmehr debeo dari. mahts im latU 
sich lat. nicht ausdrücken, entspriclit aber dem gr. ^vrapui, 
das eine halb passive , halb mediale form hat *). 

Im ahd. ist die Umschreibung schon viel gelaufiger und 
keine solche lunsetzung von scal oder mac in das passivuni 
mit activischer form des Inf. nachzuweisen ; ohnehin err 
scheint auch sonst kein part. prät. soult (debitus) roaht 
(gemocht), wiewol ihnen nichts an sich entgegensteht, dari 
debet, dari potest heißt also scal kepau wci'dau, mac kepaii 
werdan, nicht mehr sculter ist kepau. 

Andere fälle gestatten aber ziemlich häufig den iuf. act. 
in passivbedeutung. 

So oft der dat. des inf. mit der piäp. zi das lat. part. 
fut. pass. ausdrückt, steht diesem formell activen inf. pas- 
siver sinn zu , denn dandus est bezeichnet dari debet. ze 
kavaivenne sint (praeparanda sunt) R.. 15^: ze kesezzenue 
ist (constituenda est) K. 15^; za petönne ist (orandum est) 



*) das perf. öidt>ij,n(u iit pass<ivisch , der aor. i^vy>;on/'i,v niediaL 



verhiim. genas, inßit. 6l 

liymn. 17, 1; sindun zi chilanhanne (creAeivM sunt) Is. 4, 7; 
ist zi ßrstandanne (iiitelligonduin est) Is. 9, 2 ; ist arloiibit 
zius zi (jehanne (licet censuin dari) T. JMattli. 22, 7. Gleich 
üblicli bleiljt dieselbe conslniclioii im nilid. und nlid., nur 
daß nlid. der iiif. niclit llecticrt wird: was zu tlmn oder 
zu lassen sei (quae conunilti ouiiltive debeaul) ; das ist 
leiclit zu sagen ^ das ist niclit auszuhallen (ferri uequil) *). 
Die ueniliclie form kann aber auch activen sinn haben, 
z. b. gilihhela iuwaremo faler iu zi gebanne nhlii (com- 
placuit patri vestro dare vobis regnum) T. 35, 3. Bemer- 
kenswerlhe passivbedeatung enthalten folgende stellen der 
Nib.: d.iz er an ze sehene den fron wen wajre guot 276, 2; 
sin sohlen da nilit sliln den fremden an ze sehenue 3S2, 
3, genau wie Ulf. vorbin (s. 57) du salhvan im braucble,^ 
Avir würden heute substantivischer setzen zum ansciien, 
zur schau, die worle : wa wart in dem touwe dehein 
bhiome also schccne ze sehenne als mm vrouwe ]Ms. 2, 
47'^ lieÜen sich aber noch so ausdrücken. 

Lange begründet ist in unserer spräche , nach den Ter- 
bis hören und sehen den inf. act. zugleich passivisch zu 
gebrauchen **); ich liore erzählen (audio narrari), ich sah 
ihn nül füllen treten (calcari), ich kann kein ihiev schlach- 
ten (niactari) sehn; daü hier etwa kein subst. ausgelassen 
sei, von welchem der octivc inf. abhänge, ergibt sich aus 
der slallhaftigkeit des obliquen bestimmenden casus : ich 
höre von dir erzählen , ich sah den mann von dem rauber 
Avürgen. unzulässig wäre die steife Umschreibung, nie- 
mand sagt: ich höre erzäidt werden; eher schon: ich sah 
den mann vor meinen äugen ej'wiirgt werden, ferner, an 
die stelle von hören und sehen läßt sich nicht leicht ein 
anderes, gleichbedeuliges wort setzen, z. b. slalt ich höre 
singen, ich sehe heu mähen, ich sah den künig begra- 
ben, kann niclit gesagt werden: ich vernehme, ich schaue, 
ich erblickte; es liegt an der geläufigkeit der formel. ]Mhd. 



') aucli fjie Franzosen verleihen ihrem inf. naclr der präp. ä liiinfig 
passive bedeutiing, z. b. cette ponime est boniie h maui^er (gut zu essen), 
ce bois est propre k hnUar (gut zu iireiiiien) , oet honiine est pret ä 
inaricr (unser liciratcn ist intransitiv); kein guter schriftstellor würde 
dafür sagen a t'tre niangt'e , ä eiro brule. vgl. das vorhin angefülirte 
golhische gutli ist f^tnairpan; aber freilich T. !>"> kommt in der ver- 
«ic'iitschnng von Matth. 18j 9 sciion ein steifes: guot ist giseiilit wer- 
dan zum Vorschein. 

**) ans dem zusaminenhanj? gerisseuv? plirason sind darum doppel- 
sinnig, z. b. das rätlisel: wer liat seineu \atet laufen seilen V 



(y2 c'i/.[/ac//-('r .va/r. 

belego erslrecken sich auch auf synonyme verba : muget 
ir "wiindc-T lid-reii safjeu JNilj. 1, 4; er liurle stufen nia're 
Nii). 4:'), 2; Ich han gi'liurl satjen gr. Und. B'', 9; si lioi- 
ten saifen Iw. Avb. 19.'); da si niil swortexi liorlcu schal 
und llwer nz Indnicn swingcn (vibrarij und siege niil krel- 
ten hriiKjen (lerri) Par/,. 705, 16; man vernam nie von 
tiimben noch von wisen ein froiiwe baz (jeprisen Bit, 2^; 
ir möhl da striten sehn Parz. 359, 9; \vä sach man rosen 
lachen (ridondo gigni) a. w. 1, 72 ; daz man die rusen 
brechen (frangi) sach Suchen w. 45, 2. iMnl. saghen die 
persone van knechlon hundelen onscone (viderunt eani 
male Iractari a servis) JMaerl. 2, 223. Ahd. ih kihurta daz 
sagen ii ik gihurda dal setjyen. Ilild. Ags. ne hyrde ic 
ceol tjeijiji'van (navem inslrui) B. 75 ; ve secyan JiVrdon 
B. 544. Ahn. heyrdha ek seyja 1 srJgum foruoDi S;era. 
239'^; ja selbst im schwed. und d;in., wo es nun gegeben 
wäre allen zweifel durch doppelle formen zu heben, wird 
der acliven noch oft die passivbedeutung gelassen : jag 
liörer siKja , jeg liürer siije , welches organischer scheint 
als wenn neuere schriftsteiler dafür sägas , siges setzen, 
freilich, die neunord. imterscheidung zwischen jag hört 
förliilja (audivi narrare) und förtäljas (narrari) ist hier 
und in andern anwendungen nicht gerade zu verachten. 
Ist das franz. j'ai entendu dire ^ je Tai vu maltrailer ^ je 
lui ai vu couper (ampulari) les jambes germanismus? 

Gleich zweideutig ist die bedeulung der inf. liiuter den 
Yerbis lassen und heissen , erst der Zusammenhang gibt 
zu erkennen , ob die active oder passive gemeint werde, 
hier habe ich bloß letztere zu belegen : uhd. laß dich von 
ihm belehren, sie ließ sich nicht von ihm anrühren. ]Mhd* 
daz lat iu sagen Bari. 12, 17; daz ich mich slahen laze 
I\v. 6634. Ahd. lazent iuch leren (erudimini) N. ps. 2, 10. 
INhd. lieißeu (jubere): heil^ die thür öfneu (aperiri) , er 
Ließ den armen geld austheilen (distribui). IMlid. daz hiez 
er über al sagen Iw. 899 ; er hiez die Inuke iiider liiii 
Iw. 4978. Alts, het he tho ford dragan Heb 116, 24; 
liet im watar dragan 137, 21; höt antlücan (recludi) 124 
18; liet ine ledien (jussit se duci) 124, 16; het imu heipen 
125, 12. Ags. hellt eahta mearos on flet teon (octo equos 
in aulam duci jussit) B. 2063 ; hehl gokle Jorgyldan (auro 
rependi) B. 2100; hebt Hrunling beran (afferri) B. 3610; 
lieht liim tha gevnjrcean (parari) B. 4668; haladh hlaev 
gevyreean (jubele tumuluiu erigi) B. 5600. Auch hier wäre 
das fraaz. il se laissa chasser (pelli); lalsser porter (por- 
lari) faire noter (notari) anzuführen, allein der gedanke 



verhiim. geiiiis. injlii. ^3 

an deutschen eiufluß svird niclil gegen die Avalirnehnmng 
aufkonimeu, daU auch schon latein. dichter nacli sinere 
und jubere, da wo das subject, au welches erlaubnis oder 
befcld ergeht, nicht angegeben wird, statt des in class. 
prosa fast immer geforderten inf. pass., sich den inf. act. 
gestatten: urbem alii reserare jubent et pandere porlas 
Aen. 12, 584; nee fortuituni spernere cespiteni leges sine- 
bant, opida publice sumplu jubentes et deormn templa 
novo (lecoi^are saxo ; in folgender stelle steht sogar act. 
und pass. form neben einander: agnam caedere deinde ju- 
bet, Sotvu[ue ex ordine funeni. Aen. 5, 773. Ganz gleicli 
ist aber die läge der dinge nicht, schwerlich wird sicii zu 
einem so gebrauchten inf. act. das bestimmende pronomen 
(ab iis) aufweisen lassen , und sie sclieinen wirklicli nielir 
activisch gesetzt, weil sich in so geläufiger forniel das aus- 
gelassene subject fast von selbst versieht, ich möchte ihnen 
also das mhd. si hiez balde nach im springen Parz. 46, 15; 
si hiezen balde springen ]Nib, 2105, 1 vergleichen, M'as 
weniger curri bedeutet als currere, nemlich iJire leute, 
diener, boten. 

Die ahn. spräche pflegt nach den hilfswörtern der zwei- 
ten anomalie den activen inf. mit passivischer kraft zu 
setzen, z. b. at kveldi scal dag leyj'a (laudari), j viudi scal 
vidh liöijijva (caedi) Sa;m. 20-'; hier müchle ich nicht gern 
madhr oder etwas dergleichen ausgelassen verstehn. Ulf. 
würde gesagt haben skulds ist dags hazjan. 

Ich schließe mit anführung zweier merkwürdiger con- 
structionen aus dem ahd. und mlid. wanne sili mau fona 
cote sehan inti hechundan (aestimet se homo a deo sem- 
per respici et renunliari) K. 27^*; güelliclieii nnihevahen 
was da vil bereit von Sivrides armen daz minnecltche kint. 
INib. 570, 2. umbevahen ist kein part. prät. (welches um- 
bevangen lautet), vielmelir der inf., mit passiver bedeulung 
(amplexu teneri). das bei^eit was ließe sich wieder in die 
goth. phrase übertragen: sculda vas bifahan mavi, wen« 
icli biiahan recht rallie. 

Genus der participien. 

Nacli dem was eben über den inf. ausgeführt worden Ist 
ergibt sich die beschränktheit der granunatiker , die alles 
der gewöhnlichen ansieht von bcdeutung der formen wi- 
dersprechende in der spräche zu tilgen suchen. Das par- 
ticip , noch melir als der inf. , schwebt zwischen dem be- 
grif des nomcns umd des verbums, es muß darum geneigt 



64 einfacher actlz. 

sein ik'ii lohcndig bchliiimilcii siiiii der vcil)aIforni aiif/ii- 
gebcn. Da/.u kuinnil die anmit unserer spraclie an parli- 
cipien : sie lial mir ein einziges liir das aclivum und ans 
ilii'cr ganzen iillcren ])a,s.sivlIexioa ist ilir gerade niclils als 
(las parliti[)inm veihlichen. ^vi(! nahe lag es beide unter- 
einander in der bcdenlnng sicli ansliolfen zu lassen? Und 
dabei ist nicht zu überseiin, daü sich ))cide parlicipia auch 
nach dem Iciiipus unterscheiden, das aclive die gegen- 
Avart*), das passive die vergangenlieit ausdrückt, lolglicli 
zwei so nolhweiulige grammatische verliältnisse wie das 
pari. prät. acl. luid das part. präs. pass. nur umschrieben, 
gar nicht bezeichnet werden könnten , Avaren 'niclit über- 
tragujigcn der bedeulung ausnahmsweise gestattet Avoixlen. 

Unser ]iarl. präs. Avird unmillelbar aus dem inf. ge- 
bildet '•''''') , in der starken conj. liat es ganz dessen laut, in 
der scinvachen ganz desser» cbaracterislisclien vocal; mau 
daiT ihm also, gleich dem inf,, selbst da, wo das verbum 
cntschietlen transitiv ist, zuAveilen intrausitivisch passive 
bedeulung zutrauen. Ein zAveilcr davon verschiedner fall 
ist der, daü part. präs. selbst intransitiver verba eines ge- 
wissen passivischen sinnes iiiliig werden, den man am deut- 
lichsten relativ imisclireibt. 

Von beitlen arten bietet indessen Ulf., meines wissons, 
kein beisi)iel dar, eben weil er sich sonst noch zu leicht 
im passiven ausdruck bewegt, und er in naclibildung des 
gr. textes auf keine gelegenheit dieses participialgebrauchs 
stößt. Für die übrigen dialecle will ich jene beiden fülle 
sondern. 

Partie, präs. transitiver verba passivisch gesetzt, alid. 
varanter scaz (mobilia) unvarante scazä (res immobiles) 
gl. emm. 382. 383 ; mhd. varnde habe Parz. 9, 21. varnde 
guot Parz. 267, 10. Als. 1, 63* Walth. 8, 14. 60, 35; nhd. 
Jahrende habe. ,die bedeutung ist tragbares gut, das von 
einem ort zum andern gefahren, d.h. gebracht werden 
kann, im gegensatz zum liegenden eigenthum. gerade so 
altfries. thä drivanda and tha dregauda As. 278 , das trei- 



*) die frage nach einer ausgestorbnen form des part. prät. activi 
berülirt uns hier nicht. 

") die schwed. spraclie liebt es adj. in part. präs. zu verwandeln, denen 
sonst keine andere verbaiforni zur seite .steht, z. b. IVämmande (alie- 
nus); stridande .ström (reißender ström) Fv. ,3, 142. 174; djupande 
haf 3, 174; rosende lund 1, 73. 2, 178. rosende kind 2, 27. 152; 
roscnblommande kind 2, 17. hvitblommaude kind 2, 51. 



varhum. genus. partlcipia. 65 

liende und das tragende, was getrieben und getragen wird 
(daz mau niolite getribeu und getragen En. 4808.) gleicli- 
wol könnte das part. varanli ursprünglich hier activintran- 
sitiveu sinn gehabt haben, insofern scaz und fihu haupt- 
sächlicli in lebendigen vieh bestanden , welches fahrt , d. h. 
geht, und dafür spräche der ahn. ausdruck gängandi fe, 
dän. gaaende fä. wegen des drivaade and dregande , und 
\\'eil man sich unter falirendem schätz frülie sclion niclit 
bloU vieh sondern aucii getraide dachte , gebe icii jener 
deutung den vorzug. 

IMhd. häufen sich einige beispiele. ditz ansehende 
leit Fieinh. 1199, das mit äugen geschaut wird, vor äugen 
liegt; helnde , im sinn von verholen, was geliehlt wird, 
den liehidcn sprunc rennen Parz. 466, 22; lielnden muot 
l^ren Parz. 634, 6; helndiu zuht Parz. 393, 3; in hehider 
wise Troj. 7589: lebende tage, die gelebt, erlebt werden, 
lebendez leben Diut. 1, 54; in ir lebenden jaren Doc. misc. 
2, 44; in ir lebenden stunden Bari. 311, 7; ein lebender 
tac Ms. 1, 72^; sine lebende tage Ulr. Trist. 16; alle mine 
lebenden tage Ulr. Trist. 1832. Ws. 1, 4^; alliu dine leben- 
den jar Bari. 177, 31; ivindende hende, die gewunden 
werden, mit windlndin henden Diut. 1, 14. Kl. 1836. 
Gudr. 3678. 3738; mit windender hant Gudr. 3623. 59x4. 
Kl. 510; Magende, was geklagt wird, zu klagen ist, in 
klagender swa-re Bai'l. 28, 31; klagender sw?ere pflegen 
Orl. 1120; klagendez herzeleit Bari. 191, 36; kingenden 
Ungemach Bari. 189, 9; klagende not Orl. 1720. Bari. 5, 
37. Frauend. 69. 85; klagende arbeit Wh. 278, 28; nun 
klagende leit IMs. 2, 26»'; klagendez lop Ms. 2, 225«; an 
klagenden trivven Parz. 81, 4; klagende triwe Parz. 159, 
24 ; doch ließe sich klagende überall auch intransitiv aus- 
legen durch: \vobci geklagt wird. Alle diese fälle haben 
etwas formelhaftes, sind bloß einzelnen dichtem geläufig 
(vorzüglich Rudolf) und von andern gemieden, stridenden 
strit hat der cülner Hagen 1046. 

Mnl. ist mir nur ntnemende aufgestoßen, das ausge- 
nommen, ausgezeichnet bedevilet : utMemende ere INlaerl. I, 
423; met haerre i'itiicmender cliierheil 2, 61; metler ut- 
nemender groele (eximia salulatione) 2, 251, PSnl. nitne- 
mende und gleichbedeutig damit iiilinuntende , d. h. aus- 
gemünzt, hervorstechend *). 



*) in den schwed. Volksliedern: förg^Umide iiir (tuba iiiaurata) 3, 
78; förgyllande stol. 3, 75. 

V. 



66 ei/ijut/ur saiz. 

Nlid. (ntsii('lnnp)i(l ; vorhabend , \vas beahsiclitigt ^vird : 
\üii dieser vorlialxMuloii herbslieise Gcitlies waliK. 1, 10-, 
Id der Volkssprache, im canzleislil und in allereji biiclifrn 
der Iclzleii jlili. nocli viel öfter; essende und trinkende 
Avaare ; essende speise \\ alcli 3, 181; anziehende kleider; 
meine führenden -svaaicn ; eine besoryende yefalir; Kraft 
meines Iratjenden anils, aus tragender Ireundschafl ; ein 
stillendes kind ; eine melkende kuli ; bei dem künftig hal- 
tenden gcrichl ; werbende l)olscliafl; dem ehrenden 'ver- 
elirlcn) publicum; der leidende schade; verkaufendes hvot, 
das feil sieht; klagende Übelkeit, lütners hebanniie 411; 
wieder erlangende gesvuidlieit , unw. doct. 2; bei empßn- 
dender liilfe, das. anbaiig 152; sein anhabendes liemde 
das. 1.56; bei verspürender besseruiig, un^^. doct. 171; 
vorhabende reise das. 118; bei meinem habenden kummer 
Scliweiniclicn 3, 242; Avegen noch habender giclit ib. 3, 
165: anbietende gnade ib. 1, 208, 3, 200; mit einer un- 
versehenden ulmmaclit ib. 3, 223; stille mit zumachenden 
angen ibid. 3, 254; mit aufhebenden banden ibid. 1, 231; 
tragende sorgen ib. 1, 331; essende Avaaren 1, 238; von 
cssemlen und truikenden dingen MB. 1, 446 (a. 1344); 
marstall, und darin habende pferde Sastrow 1, 289; ha- 
bende gewer (gewer in welclier mau ruhig silzl) , in rech- 
ter liebbenden ^yere. richlsleig 21. 26. vgl. Albrecht p. 7. *) 
II. s. \v. Lauter heutzutage verpönte ausdrucksweisen, 
allein weniger schleppend und sprachgemäßer, als wodurch 
wir sie luir theilweise ersetzen , die mit der präp. zu und 
scheinbar demselben parlic. gebildeten für den begrif der 
lat. part. jjass. auf -ndus : die zu essende speise, das zu 
haltende gericht, das anzuziehende kleid , der zu ehrende 
maiui. scheinbar, weil sie nicht aus dem eigentlichen part. 
präs., sondern dem von der präp. zu abhängigen dat. des 
inf. entspringen, der nun höchst unorganisch wieder zum 
pari., d. i. adj. geworden ist. die jeuer conslruction des 
ze mit dem inf. zuweilen gebührende passive bedeulung 
(s. 60) hat den misgrif herbeigeführt , die falsche analogie 
des lat. part. auf ndus befestigt, unserin pari. präs. auf 
end entspricht das lat. auf ens, entis , nicht das auf ndus. 
Dem sinne nach unterscheiden sich diese nhd. mit zu lor- 
niierten redensarten von dem hier behandelten fall darin, 



*) auch im dän. hat man solche redensarten nachgeahn)t, z. b. hans 
^"frygteude dodst'nid, sein (oilesrall, <ler hel'iiiclitet wird; med sit un- 
der/unende niandskab, mit der mannschaft, die unter ilim steht; med 
sit fvrende skib. mit dem schif. das er fülirt. 



verbum. genus. partlcipia. 67 

daß sie einen stärkeren begrif des soUens und nmssens, 
nicht den reinpassivischen ausdrücken : die zu tragende 
sorge muß getragen -werden , die tragende sorge wird ge- 
tragen, daher auch nicht überall beide weisen sich ver- 
treten können, z. b. statt ausnehmend gefallen, mit zu- 
machenden äugen liegen ließe sich nicht sagen: auszuneh- 
mend, zuzumachenden. 

Part. präs. intransitiver verba ; hier ist das verfahren 
kühner, man kann den sinn aju nächsten durch die präp. 
worin oder wobei umschreiben , und darf das ])art. dem 
sinn nach nie gerade zu auf das subst. beziehen, mit wel- 
chem es construiert ist. 

Auch hier bietet die alte spräche nur ein beispiel dar, 
das aber hinreicht alle übrigen zu rechtfertigen, vallundiu 
suht (morbus caducus) Diut. 2, 193^, die krankheit , wobei 
man zu boden fällt; mhd. vallendiu suht, daz vallende 
übel. S. Uolrich 60^ fundgr. 325; nhd. die fallende sucht. 

Mhd. schämende arbeit doln Wh. 315, 14, wobei man 
schäm empfuidet; schamenden (schemeden) pin dohi Parz. 
172, 28; dagegen in schamendiu wijilieit Parz. 27, 9 be- 
zieht sich das part. auf das subst. ; hi lifjendiu miuiie Tit. 
147, 3. Parz. 193, 4, liebe, wobei umarmuug gestattet i^t; 
M (\qt ju(j enden weide IMs. 2, 183^, wo gejagt wiixl; üf 
der jagenden reise Lohengr. 148 ; sterbendiii swaere liarl. 
255, 17, schmerz der den tod mit sich führt (es ist ster- 
bende, nicht sterbende genau zu sclu^eiben) : iwer her 
körnende varl Wh. 135, 22 die reise, mit der ihr an- 
kommt; wol dem wart siuer her komenden vart AA h. 
320, 29 wol ihm, daß ihn der weg hierher führte; ouavö 
din eines komendiu (so lese ich statt körnendes) vart! AA h. 
93, 11; disiu wider körnende vart \Yh. 330, 28; sui ku- 
inende vart Lohengr. 52 ; etslicher Sterne körnende t.ige 
Parz. 490, 3 die tage an welchen einige slerne kommen, 
aufgehu Parz. 490, 3; der huheu sterne kujnendiu zit Parz. 
493, 25; sine kumenden zit Wh. 443, 26; man sieht leirlit, 
daß sich in mehrern dieser stellen das part. uninillelbar, 
etwa im sinn von künftig, auf das subst. ziehen läik; doch 
gellt es nicht immer, und meine auslegung scheint joben- 
diger; diu erslahtnde vail Diut. 1, 15, aul Nvelcher einer 
erschlagen ward, Modnrch die erkliirung der Uoinnieiulen 
fahrt sich neu bestärkt: hier ist sogar ein traüsiüv in \\ eise 
der intiansilive behandell ; diu minnende not I\v. 7790. 
Wigal. 1185, die nolh des Hebens, der liebe, die von 
liebe erregle nolh oder wie es ein kältei'cs compusiuim 

E 2 



6Ö einjavher aalz. 

ausdriickcn wiii-de, die lichosiiolli ; der iiiluneiidc luisiti 
Ms, 2, 47', dc'i- liclx'simsiiin, die lliorlioil ^venn icli iiiiiiin'; 
diu erde lio dio ht^hrnilc nol Slollo 14G'*, worin sie er- 
bebte; er Icil IkiikjciuIc iiol, hulaiid .sich iti der nolli, datt 
er hicng Ivv. 467«; wachende arheil I'arz. 246, 9, die im 
wachen vcrriclilet wird ♦); in sldf'ender 7a{, d.i. zur iiaclil- 
zeit, wo gesclil.ilcii wird, kann sclion Albrechl von Hal- 
bersladl gesagt liaben , \\ ikrain Ijeliiidl es bei j). in. 2l.'J'', 
oder berulil es auf eiiuMii misverstaiidnis des unjarbeilcrs :' 
der rein» nit : zil (nicht: zeit) taugt wenig und der alle 
dichte]- bediente sich vielleicht der redensarl bi slaieuder 
diel (honiinihus ilornüentibus) was genauer auf niet reimt, 
bei abhandhuig der absoluten construction werde icli diese 
formel melirfach belegen, der irthum muß aber sicli wieder- 
holen, auch im richtslcig 3.5, 47 liat die gewöbnliche lesart 
in nachlsJiipender lit, in Pipeis markenrechl p. 104 sieht: 
bi nachtslapender tid upgebroiken , und ohne zwcIfel 
lieiüt es noch so in Nioderdeutschland. 

Nhd. rvolschinfende , wohjeruhende naclit wünschen; 
nach einer schlechlschlaf enden nacht kommt vor in Gölhes 
und Schillers briefw. 5, 5, d. h. naclit, worin man wol 
schlärt, schlecht geschlafen hat; sterbende laufte, Rommels 
hess. gesch. 4, 464 (a. 1564) Maders Friedberg 2, 273, zel- 
ten, wo die pest herscht; keine bleibende statte haben, 
d. i. keinen ort, wo man bleiben kann vgl. Luthers Verdeut- 
schung von Hebr. 13, 14. deuteron. 28, 65. eine schwin- 
dehide hübe, die schwindeln macht; eine erstaunende 
menge , worüber man erstaiuit , vielleicht dem franz. eton- 
nante quantite nachgeahmt , aber etonner ist transitiv , er- 
staunen intransitiv ; mit liandschlagendeni lob , Vossens 
Luise 3, 457 d. h. lob , wobei in die band geschlagen wird; 
sitzende oder (fehende arbeit, die mau im sitzen oder 
gehen verrichtet ; sitzendes leben (vie se'dentaire). 

Auch nnl. sind ähnliche redensarten im gang, z. b. 
huisziltend leven , eingezogene lebensart, wo man zu haus 
bleibt; en wakende dröm, ein Irauin wobei mau wacht. 

"Wichtiger scheinen einige altn. und sciiwed. beispiele. 
ä deyanda degi, am todestag, am tag wo man stirbt. Laxd. 
1>. 106. Isl. sog. 2, 132. 134; schwed. det villande haf, 
das meer auf dem man irrt, Fv. 2, 32; pä villande saud, 



*) mla wjiclientlez gedenken Tit. 99, 4 iiclime ich nicht hielier, 
weil es dem släfenden leu entfiegensteht und der waclie gedanke sclio- 
iier ist, als das denken im wachen, auch engl, waking tliouglits. 



verhum. genus. participia. 69 

flas. 2, 162. das dan. hans ihoende Iius, das haus V/'orin 
er wohnt , scheint gerinanismus. 

Mhd. und nhd. fallt die form des participialen adv. 
(granim. 1, 1019) mit der des pari. präs. zusammen, und 
einzelne stellen können danacli einer doppelten auslegung 
unterliegen. Iw. 4678 (s. 68) erklärt Ben. (anm. zu hv. 
377) hangende für ein solches adv., doch die parallelen 
redensarten minnende, bebende not bestärken mich in der 
adjectivischen deutung; eher dürfte man wachende Parz. 
246, 9 adverbial nehmen. Wenn wir nhd. sagen: die 
waare geht reissend ab, d. h. daß sich darum gerissen 
wird, so ist das adv. entschieden. 

Das deutsche pari. prät. hat zwar in der rogel passi- 
ven sinn, in einem häufigen fall aber aucli. entw. zugleich 
oder ausschließlich activen. ausschließlich bei allen intransi- 
tiven, z. b. gekonunen, gestorben, gefroren, geblüht, gewelkt; 
wie in dem hortalus sum , fassus sum des lat. depon. dem 
part. nur active bedeutung zusteht. Alle transitiva hingegen 
scheinen bei Umschreibung ihres prät. act. mit haben dem 
pari. prät. activen sinn beizulegen; ich habe gefangen, ge- 
sungen, geliebt, gehaßt, ganz wie die roniau. sprachen 
verfahren, sobald sie lunschreiben : j'ai pris, chante, aime, 
hai. dies ist jedoch bloßer schein, wo das activum be- 
stimmt gesetzt, d.h. der gegenständ, auf den die handlung 
6ich richtet, ausgedrückt wird: denn alsdann kommt das 
part. nicht in den casus rectus des subjects, sondern in 
den obli(|uus des objects ^ ist also nothwendig ein jjasslves, 
z.h. nhd. si eigun ginomanan druhtin minan 0. V. 7, 29; 
altn. hefir thu nuc dvaldan Sa>m. 80^'; franz. je l'ai prisc 
(fem.) Albnälich aber und schon oft im ahd. erlisclit die 
tlcxioa der mit dem hilfswort haben verbundnen partici- 
pien ; mhd. luid nhd. hört sie vollends auf, wir sagen: sie 
haben meinen herrn genommen, ich habe sie gelangen, 
und dann steigt wieder jenes aclivlsche ausschn der parti- 
cipia. Nähere ausführung im drillen cap. 

Hiernach kann nicht befi'emden, daß allein siehende, 
an kein hilfswort geheftete part. prät. die aclivc vcrgan- 
geuheil susdrücken. 

Bei intransiliveH scheint das ganz natürlich , z. b. ge- 
worden , gilcgen (silus), gewachsen (adultus) , ahd. kilitau 
(praeteriliis) , kilegan (situs); indessen ist niclit jedes pari, 
prät. dieser verba, das mit sein oder haben verbunden nocli 
verbalkrall äußert, gesondert üblich; man bedienl sich in sol- 
chem fall lieber der mit parlikeln componierlcn , als der ein- 



70 eiiijachcr salz. 

faclien pnrliclpl.i. es lieiüt nirlit lelclit die geblülite, gewelkle, 
gf'diiricte hlunic, wol al)cr die verbliilile , verwclkto, aus- 
geduflc'le; nicht die gescliieneiic sonne, elier die ausgescliie- 
nene, die zu scheinen aufgehört hat. inilessen sagt man 
das gesunkene Jand, wie die eingesunkene wange, das ver- 
sunkene schif. andere beispielc : angesessen, vergangen, 
verwiclien , nihd. vervarn Bari. 92, 6 , verflossen , einge- 
treten , angekonunen, verfroren, verfallen, abgelebt, ab- 
gelaufen, geronnen, verronnen, abgestanden (von fischen, 
die den geschniack verlieren) u. s. w. 

Allein auch transiliva können im part. prat. pass. -wie- 
der acliven sinn annehmen, (jetruffena gulenna bei N. Cap. 
49. sind deae grandaevae, d.h. doch, die kinder getragen, 
geboren haben? mlid. geivizzen verständig, der -weiß und 
erfahren hat, Iw. 7298, unverwizzen unverständig; nlid. 
erfaJiren (expertus), yetvandert.) {jereistj be^vandert scheint 
passivisch; mhd. fjenozzeu, der etwas genossen hat Parz. 
290, 9, vgl. Nib. 875, 2. geruht, was sich ausgeruht liat, 
geruhte glieder, mhd. die geruoten Lohengr. 124 vgl. 126, 
129. geschworene die geschworen haben (jurali, jures), 
verschworene , die sicli verschworen, es ist bemerkens- 
wcrlh, daß viele mit ver (nimis oder in älnilicher schwä- 
cherer bedeutung) gebildete, durcli das rellexivum medial 
gewordene verba in dem activ gebrauchten part. prät. das 
pron. jederzeit Avegv\'erfen : sich vermezzen (andere) part. 
vermezzen (audax, procax) , der sich vermessen hat, mhd. 
ein lielt vermezzen Ulr. Trist. 935. Bit. 6462.10881: eben- 
so verlegen , was zu lange liegt , verlegene waare , mhd. 
ein verlegen man Iw. lil^, verlegeniu müezekeit Iw. 
7171; ein verschlafenes kind , das zu lange geschlafen 
liat, zu lange schläft; vergessen (obliviosus) , ehrvergessen, 
wer seiner ehre nicht achtet; verlogen (meutiens); ver- 
sessen (nimis inientus); veriveinte äugen, die zu lange ge- 
weint haben; mhd. verwarnet (arrogans), der zu große 
meinung von sich hat, ein gedienter h.T[es,er , der gedient, 
ein verdienter mann, der sich verdient gemacht hat, be- 
dienter sogar ein dienender *). Wohin gehört einem be- 
holf'en sein (helfen)? ich finde schon mhd. im beholfen 
wahren (auxiliarentur ei) Ls. 1 , 465. mhd, geriten (zu 
pferde) Ecke 39, heute beritten; w^ol oder baz geriten 
Parz. 10, 11. 119, 5. 537, 11; ungeHlen Ms. 2, 69*^. meh- 



*) Avil. 26,s, 8 ir gedienter vatcr passiv, der erworbne , Heiinrirli, 
den sicii Gyl)nrg verdient Iiatte. Parz. 511 , 12 ist ungedient adverl) : 
ohne verdient zu \mhen. 



verhiun. genus. participia. 71 

rere solcher stehn inhd. nur mit der negatlon: ungetihtet 
sin Doc. niisc. 2, 51; ungesungen sin Ms. 1, 10» 162^; 
ungevräget sin Bit. 13», nicht dichten, 'singen, fragen; 
wie noch heute ungegessen, ungetrunken gesagt wird. 
In manchen dieser beispiele drückt das part. ^veniger Ver- 
gangenheit als gegenwart aus : reitend , undichtend , unsiu- 
gend, untrinkeud. 

Überall aber erlangt das so gebrauchte pari, fast ad- 
jectivische bedeutung und kann nicht weiter mit dem casus 
construiert werden , der das active verbuni regiert, daher 
sind redensarteu, wie sie in büchern des 17 uiul begin- 
nenden 18 jh. versucht werden, z. b. der sich selbst be- 
trogene könig, die ihren mann auf gute wege gebrachte 
frau, der seinen rausch aiisgeschlafene soldat , undeutscJi 
obgleich weniger pedantisch , als was man oft an ihre stelle 
setzte : der betrogen habende , die gebracht habende. Hät- 
ten wir ein eigentliches, wahres part. prät. act. , so wären 
jene constructionen vollkommen schicklich: sein ersalz be- 
liauptet sich in viel engerer schranke. 



Auch die erwagung des in f. und der participieu hat klar 
gemacht, was als ergebnis des ganzen cap. gelten muß. 
daü bei dem mangel und der diirftigkeit passiver und me- 
dialer formen in der deutschen spräche, das activum nicht 
seilen geradezu in medialem und passivem sinn gebraucht 
wird , umgekehrt aber das passive particip iu active be- 
deutung greift, dadurch gewann die spräche leichteren, 
freieren ausdruck als durch gedehnte Umschreibungen zu 
erlangen gewesen wäre. 

Nach inid nach hat jedoch die schärfer gewordene sprä- 
che jenes mittel wieder oft von der band gewiesen und 
sich dafür desto mehr belastet mit auxiliarien. 

Erst, in unberechenbarer zeitferne, gieng die medial- 
form selbst luiter , aber gleichsam im nachgefühl davon 
hielten sich noch verschiedne mediale ausdrucksweiseu ; 
aidelzt wurden auch diese grölUentheils aufgegeben. 

Das formelle passivum , äußerlich nothwendiger, dauerte 
länger, luid seine Umschreibung hat in der prosa festere 
Wurzel gefalU, obschon sie von dichtem seltner, vom ge- 
meinen volU last gar jücht verwendet wird. Unsere activ- 
form ersel/.l also auch die beiden anderen genera und ist 
zu beinahe ausschließlicher herschaft gelangt. 



72 einfacher satz.. 



CAP. IL JNIODUS. 

Die cleutsclie spraclio vennag glelcli der latelnlsclien vierer- 
lei modus zu ))il(lcii; den opt. entbelirt sie ebenfalls, allein 
ihre llexionen des conj. iinp. und inf. sind Aveit unvollstän- 
diger geprägt und zumal im conj. oft der älteren eigen- 
thünilielikeit verlustig gegangen, der ind. vertritt dann den 
conj. beinahe wie das aclivum die andern geuera. 

An dieser Vorstellung ist noch genauer zu bestimmen' 
daß, -während der lat. conj. formell dem gleichen gr. mo- 
dus entspricht, die form des deutschen conj. zu der des 
gr. opt. slinmit. aucl» in andern llexionen (z. b. dem nom. 
pl. inasc. adj.) zeigt die gr. spräche Ol, I wo die deutsche 
AI , I ; das AI des golh. conj. ist oifenbar das cliaracteri- 
stisclie Ol des gr. opt. Im lat. xnid im späteren griecliisch 
muß die conjunclive form auch die oplative vertreten; in 
unserer spräche scheint die Optative form, so weit wir 
liinaufreichen , zugleich für die modalität des conj. zu gel- 
ten. Die deutsche grammatik sollte daher nur von einem 
ind. opt. imp. inid inf. wissen, doch mag ich hier nicht 
den herkömmlichen sprachgebraucli abändern. Die beuen- 
nuug der form, welche für beide begiilfe des opt. und 
conj. zusammen dient, ist gleichgiltig : man muß sich aber 
des ursprünglichen Verhältnisses erinnern , xim zu verstehn, 
daß der gr. opt. fast nur durch den deutschen conj. ausge- 
drückt wird , der gr, conj. desto häufiger auch durch den 
deutschen ind. 

Auf das wirkliche, sichere gehen ind. und imp., auf das 
mögliche, unsichere opt. inid conj. Zwischen opt. u. conj. liegt 
der unterschied, daß jener subjective, dieser objective müg- 
lichkeit in sich schließt, beide, das homerische ßüXoiad-a und 
ßi'il'}]Gd-a verdeutschen wir mit würfest du, doch ersteres 
bedeutet: ich wollte du würfest, letzteres: geschähe, daß 
du würfest ! der gr. formen vortheil besteht nicht allein darin 
daß sie das eine oder das andere , sondern auch daß sie es 
an sich selbst, ohne beifügung weilerer Wörter aussagen. 
weil aber das subjectivmögliche oft wünschend ausgedrückt 
Avird , führt der ganze modus den namen optativ (7; evn~ 
Tf/Jj) , obgleich er sich auch auf andere fälle erstreckt. 



verhum. modas. indlcatw. 73 

lud, und opt. erscheinen im einfachen wie im mehr- 
fachen satz ; inip' verträgt nur den unabhängigen, conj. 
nur den abhängigen '^'). Sprachen die opt. und conj. zu- 
sammenwerfen müssen dann freilich den conj. auch für 
einfache, unal)liängige salze zulassen, d. h. einen solclien, 
der dem begrif des opt. entspricht, namentlich ist der den 
imp. vertretende conj. nothwendig ein optativischer. 

Der ind. bedarf für den einfochen satz nur weniger be- 
nierkungen, der conj. fällt ganz dem zweiten absclinilt an- 
lieim. hierher wird also ganz vorzüglicli eine Untersuchung 
des begrifs der optativisclien und imperativischen modalilUl^ 
8o wie zuletzt des infinilivs xmd der participia gehöreo,,,, ,^ 



INDICATIV. 

Alles was geradezu, ohne ZAveifel und unsicherlieit gemel- 
det vuid als ein wirldiches bezeichnet werden soll fällt 
diesem modus anheim. namentlich auch der ausruf und 
die directe yr«<jfe. welaga nu, wallant got, we wurt skihitt 
Hild. 48; hey waz er grözer ^reu ze diser werlde gt~ 
wanl Nib. 21, 4; liei wie schiere erz (jehant ! Nib. 1504, 
4 ; oy wie diu wäfen cluiujen l Anno 446 ; ey waz du 
lasters hast getün ! Wli. 75, 4: ävoy wie dci wart gestri- 
ten ! Parz. 105, 26. aucli pllegt nach den interjeclioneu 
des ausrufs die conjunction daz den ind. nach sicli zu ha- 
ben: uwe unde hcia liei, daz güete alsölhen kumber treyt 
luul immer triwe ianier reqt! Parz. 103, 20; nhd. weli 
nu'r, daß du mein feind bist! in welchen beiden beispie- 
len der melirfaclie salz nur als erweiterung aus dem ein- 
fachen hervorgeht: uwö güete tregt alsülhen kumber! 
weh , du bist mein feind ! Für die gerade frage wäre es 
überllüssig ein beispiel anzuführen ; unsere alte sprachör 
liebt es aber, den erzählenden iVngcn aufwerfen ujul be- 
antworten zu lassen und diese sind in der regel hypothe- 
tisch , also in der form des (oplaliven) conj. gestellt ; zu- 
weilen werden sie jedoch direct und indicativisch geCaUl. 
waz thaz nezi zeinit? 0. V. 14, 19; wcs si du beiile ///^'- 
gen? Parz. 537, 14; wie was der junge geschicket'i' Parz, 
307, 7; wie sprach sin epitatlum? Wh. 73, 27; wie was 



') diese letzte beliauptung wird auffallen ; icli denke sie aber für 
unsere spraclie durclizufiiiuen. die griccli. kennt auch einen conj. im 
einfaclieu, unnbliän<^i{;en satz, aber der «;riecli. conj. liegt uns der 
form wie dem begrif nach gerade nm fero&len. 



74 e'iiij'iichar salz. 

geli<5rt sitis sarkes slal? Wli. 73, 29*); wer der flirifleii 
schar lierre was? Wh. 32<*<, 2.} ; wie xsl da/, ruscnkinl ge- 
zogen? Gcü 4776; nu wie ijewarp du Tristan? 'Irisl. 
2480. 



OPTATIV. 

Es ist schade daß wir das Verhältnis des gr. opt. zum 
golh. ausdrnck im N. T. niclil scharf verl'olgen künnen, 
zu dieser zeit war die Optative form schon einigermaßen 
der gr. spräche fremd geworden , wie sie späterhin (im 
neugr.) völlig erlosch, das N. T. liat sehr oft den conj. 
statt des alleren opt., und der modus des gr. textes muste 
einwirken auf das gothische. 

Am liäufigsten dürfte die dcprecatlon jn^ ytvoiTo wie- 
derkehren, Ulf. übersetzt ni sijui Fiom. 7, 7. 13 oder noch 
formelhafter nissijäi Luc. 20, 16. Rom. 9, 15. 11, 1. Gal. 
2, 17. wörtlich hieße es ni vairthai, zum beweis daß 
die Gothen selbst ni sijai, dem lat. absit ähnlicher, sagten. 

yivono /toi Luc. 1, 38 lautet ganz richtig vairlhi'ii mis. 

eh] gew^ühulich vesi Luc. 1, 29. 3, 15. 9, 46. 15, 26. 
18, 36. Joh. 13, 24, einmal auch sijäi Luc. 8, 9. 

ÖMt] gihdi Rom. 15, 5. Eph. 1, 17. 3, 16. 

^eXoi vlldedi Luc. 1, 62; darum nicht vili, weil diesem 
indicativischer sinn beiwohnt. 

fyo) aov ovuiiiijv , ik theina niutdii Philem. 20, a te 
juvari velim. 

noirosiav tavidedeina Luc. 6, 1 1. 

nocli einige stellen hernach beim imperativ. 
Man sieht , die bloße goth. verbalform , ohne andere bei- 
gäbe, faßt den begrif des opt., ja selbst in dem fall lißt 
der Gothe nicht ab von diesem modus wo das X. T. ihn 
durch das zur partikel erhärtete orpalov (utinam) und den 
ind. umschreibt: es wird eine eritsprechende goth. partikel 
gewählt, das verbum aber doch in den opt. gesetzt. b(f6- 
Xov ys tßaGilevoate vainei thiudanodedeith I Cor. 4, 8; 
6g). ^ver/saS-e vainei usthuläidedeith II Cor. II, 1; ocf. 
Mal anoy.6xpovTai vainei jah usniältäindäu Gal. 5, 12. 
ich glaube, das goth vainei hätte in sämtlichen drei stellen, 
wegbleiben dürfen, wie statt ocfeXov ißaoileiaaTe in äl- 
terem gr. bloß stehu ßaoiXevaane. 



') der herausgebet nimmt in dieser und der vorhergehenden stelle 
ausmfe an. 



verbiim. modus, opfaiU'. 75 

Wenn Ulf. statt des gr. Imp. oder statt des gr. fut. Ind. 
seinen conj. einführt, so ist dieser offenbar optativer he- 
scliaffenheit : liultlis sijiiis niis 'iläo'&r^%i fwi Luc. i8, 13; 
nivailit iiimdith f,i,f^d'{r aiQETe hxic. 9, 3; ni baruiskai syVii7/i 
//?/ TTCifäi'a yiveod^s I Cor. 14, 20; t/ ovt Tioiijoofif.v '. hva 
tiiujäima? Luc. 3, 10; ni niaürthrjms , ni hlifdis nv 
(fovevoeis, ov yJJilisis Rom. 13, 9; m fäurnndjäis ov (pc- 
fiwaeis 1 Cor. 9, 9. 

Ich berücksichtige vorbedächtig keine anderen gotb. 
stellen, in welchen ein opt. auch gegen den gr. text ange- 
nommen werden könnte. 

Ahd. wären zuvörderst stellen zu vergleichen, die den 
angeführten goth. entsprechen, fer st (absit) K. 20=* 24''; 
ni si oder ni AAcrde könnte wol auch gesagt werden; tvese 
mir (fiat mihi) T. 3, 9; ivoUi (vellet) T. 4, 12. 

Der Optative conj. ist für das ahd. und die späteren 
dialecte im einfachen satz ein vierfacher 1. der eigentliche 
opt., 2. der jussiv, 3. der concessiv, 4. der interrogativ, 
je nachdem darin wünsch, geheiß, Zulassung oder frage 
ausgedrückt liegen. 

oplativ: ciisscr mih (osculetur me) W. 6, 1; ih ivolti 
(velleni) N. Btli. 31; ivolti got (faxit deus) N. Bth. 25. 84; 
mih histi (vellem) N. Bth. 160; si sälida gimuati SAlomu- 
nes guati 0. 

jussiv: magis (yarQS, vale) Diut. 1, 183^; wiztst (srias) 
0. 11. 11, 65; ivizit (scitote) 0. IL 20, 13; eUjit (habe- 
tote) ü. IV. 10, 12; unnist mir bilentero ze geeisconne 
(da nosse poscenti) N. Cap. 135, unntst hat präsensbedeu- 
tung, etwan ^ttuqi'tiois uv. ni liuhte Hobt iuer 0. IL 17, 
21 ; s* giheilagut thin namo T. Maüh. 6, 9. 

concessiv: sus keufota diernum ye%vunne gerno Areas 
(bis Psychaen opimam muneribus in connubium Areas op- 
tabat) N. Cap. 15, ein solches gewunne gerno wäre ganz 
das gr. Tvyoi äV. 

interrogativ: miemes zi mir? (venlas ad me?) (judmis 
zl nur? (venires ad me?) icli crlindc die unbeilenklichen 
beispiele. 

Die bcdeutungen laufen aber an einander, cusser könnte 
auch' für ein geheiU *), gewunne er für einen wünsch 
gelten ; eigentlicli liegt allen vier fällen ein wünsch im hin- 
tersrund. 



*) die LXX setzen ilonu 1, 2 dem imp. (fibjnnrm, keinen opt. 



76 einfacher salz. 

Aus der mild, ßpraclio .slcliii reldierc! l)eisj)icle zu dlensL 

wünsch: ich .s» der Ijole! (laUl iiiicli den holen sein) 
Jlerh. 2.i*; Irowc da/ ir Siv'lic .s«f / N\r.llli. 14. 34; nii 
sllnre «ms got an heiih-n und ^/ete uns lal ! \>allh. 7, 16; 
zno Jtiezo im aller saildeu llu/. , nilit wildes inUle sfncii 
schu/ ! AVahh. 18, 25; sitKje ein guld*n liiion! Jjcn. 393; 
IUI etnvelle got! Walllu 40, 12; rvizze Christ! gramni. 3, 
243; got Itiiete din I Parz. 124, 17; got fialde iuch ! Parz. 
138, 27; nu stiuie uns got! Wallli. 7, 16; daz niiclis noch 
got ciujctzf; ! AA h. 2.)2, 30; daz (h'cli schiere got (jehrrtie ! 
V\aMli.(54, .54; daz mich gol er/«zf' euis soihen ingesindes! 'l'il. 
18, 2: wuldest du mir hcUen ! VVaMh. 69, 12; öwö het er 
mir daz houhet min liiu ah geslagcn ! Wh. 164, 10; övvd 
yescehe ichs under kröne! W allii. 75, 8. 

gelicil^ und hcwilligung: daz st/ (eslo) l\v.3619; daz se 
getan! (hat) Ueinh. 1374. Iw. 3636; heil sislu ! (salve) 5t5< 
wiUekomen! s/.9£stiDte! fragm.44b; wizzesll Ms. 2,253» Ls. 
1,343; erlcesen wir daz grap ! Wallh. 77, 23; in 6i geklagt! 
Iw. 3660; er si hiu! Bari. 10, 20; daz dez res uusadec st f 
Iw. 3668 ; nu Idze wir si riten ! Nih. 1557, 3 : tuo si eht einez ! 
Ms. 1, 76^* ouwe wie weng uns dennc hllbel Wh. 147, 7. 

indirccle frage: wä wa^re der? (ubi inveniam eum) Iw. 
1806 d.h. ich möchte ihn finden; wer waere? (quis fueritl') 
Iw. 1918; zumal aber häufig aus des diehters mund, in 
der s. 73. beim ind. angegebnen weise : wer der dritte schar- 
herre st? Wh. 328, 17; wie er gezimieret sH Parz. 36, 22; 
üb er si hin an iht nem? Parz. 193, 9; ob stn wirt niht 
mit im var? Parz. 23, 11; ob ir dewedriu xveinel Parz. 
375, 10; ob ieman spreche? W^alth. 25, 26; ob sine ker- 
zemvwreu sclioup ? Parz. 191, 18; wer nu der dritte «vrere? 
Parz. 87, 25; waz dö treten die siu? Parz. 74, 2; wer du 
zuo zim liefe? Parz. 283, 24: waz Gawan du Uete? Parz. 
409, 22; Avaz der helt du üete? Parz. 703, 8; wes der hell 
do ]}flfi'ye? Paiz. 567, 28; op sin schilt wfere ganz? Parz. 
386, 24; op daz ihr reht iJit W{ere? Parz. 400, 28; wer 
bi derküngin steze? und w^er da mit ir leze? Wh. 265, 3; 
wer jener und dirre ivwre? Wh. 208, 28. W^olfrani liebt 
es vor allen andern solche fragen einzuschalten, doch kom- 
men sie auch sonst vor : ob er zuo den frouwen rite ? 
Wigal. 8662; ob riterscliaft da rvurde vermitcn 1' Wigal. 
9268; ob in diu sweit Ä«« vermiten ? Geo. 3696; waz sin 
spfse Wfere? Bari. 374, 33 ; ob dirre knabe ein ammen 
sutje? Troj. 6021 ; wer derselbe uuere? üielr. 2481; wer 
der böte iviere ? Dielr. 3875 ; einzelne dichter , z. b. Hart- 



V erb um. modus, opt. 77 

manu liefern kein beispiel. Diese aiisdrucksweise liaben 
wir uns ulitl. durch ein dem ind. beigefügtes wol zu ver- 
deutlichen : wer ist nun wol dei* schailierr? was tliat niui 
wol Gawau? ein hinlerhalt von Avuiisch liegt doch darin, 
eine ungewisse Spannung des erzählers oder hürers : ich 
oder ihr wir niöchlen wol wissen, was nun Gawan ihat? 
es ist die aulkrste grenze des opt. , der aber auch im 
griech. zur frage gebrauclit werden kann. 

Heutzutage hat sich die ansieht festgesetzt , als müsse 
der Optative sinn in unserer spräche auf das prüt. conj. 
eingeschränkt werden: ich wollte'^ ich wünschte^ käme 
er doch; tv'dre ich todt ; entschlössest du dicli dazu; hät- 
ten wir vmsere eitern wieder; schlüijet ihr euch das aus 
dem sinn! niemand sagt in solcher Ledeutung ich wolle, 
ich wünsche , komme er u. s. w. Wo das präs. conj. zu- 
lässig ist, z. b. in redensarten wie: das sei; ich sei das 
Opfer; konnne er doch; daß ihrs euch nur aus dem siiui 
schlaget ! wird ein bloßer jussiv angenommen. 

In der natur der sache und historisch gegründet scheint 
mir das nicht : die aus dem ahd. und mlid. beigebrachtea 
belege für das präs. ließen sich etwan auf die gebietende 
und fragende modalitäl ziaückliihren , die goth. sijui, vair- 
thai, gibai, niutau tluui aber eine wirkhche optativforni 
auch für das präs. dar, und wenn wir nlid, sagen: das 
qehe gott, das verhüte gott , das wolle gott nicht! so ist 
doch darin ein wünsch und kein geheiß ausgedrückt. Ich 
bewahre also dem opt. seinen freieren , weiteren begrif, 
und bringe In anschlag, daß unter präs. conj. überhaupt 
seltner, fast imgebräuchlich geworden ist, weil seine form 
mit der indicativen beinahe zusammenfällt. 

Diese meinung wii'd auch durch die Umschreibungen 
gerechtfertigt, welche für den opt. gelten, und sich kei- 
neswegs auf das prät. allein bezieiien. 

Den optativbegrif pflegt einmal die beginnende , fragende 
worlfolgo auszuzeichnen , von welchei' tler fünfte abschnitt 
näher handeln soll: ich hätte, ich thäte ist bloß conjuncti- 
visch, hätte ich, thäte ich mehr oplativisch. 

Sodann dienen beigefügte parlikeln den optaliv hervor- 
zuheben, vorgesetzt w erden nhd. o .' ach ! iveh ! oxveh l 
duss , o tlass ! o hätte ich! ach wäre er geblieben! weh 
stürbe Ich! daß ich noch ciiunal sähe! nailigesotzt : doch, 
nur, ijerne , vielleicht, leicht, wol, letztere für die con- 
cessivbedeulung : halle ich doch ! hätte ich luu-! gebe er nur! 
ich tränke gerne! ich sagte vielleicht, ich tlüile es wol. 



78 einfacher sdtz. 

Linillicli gcschiehl es cJurtli verba, welclie den begrif 
der niögliclikeit und des Wunsches enthalten, mögen wird 
dabei auf doppelle weise gesetzt , im sinn von velle mehr- 
concessiv , ilann aber im pral. und priis. und in gewöhn- 
licher Wortfolge: ich möchlti kommen (lubens venirem), er 
tnö(je komnien; oder im sinn von posse , bloli fürs rpät. 
in Tragender Wortfolge: müchttn wir da sein! und mdirect 
fragend: er möchte mich hindern? auf die letzte weise 
Steht auch können: könnten wir da sein! umgekehrt hat 
müssen concessivoptalive bedeutung : er müsse glücklich 
sein! er mwsie heule noch cintiellen ! wollen steht bald con- 
cessiv, bald Optativ: ich %voUte vielleicht konuneu ; woll- 
test du doch kommen! andere verba: wünschen, gefallen, 
belieben: ich %vünscltte das zu hören, geßele , heliehte es 
ihm zu sprechen ! *) 

Oft verwandelt der einfache salz sich dadurch in einen 
mehrfachen, z. b. ich möchte, daß er käme; ich xvoUte, 
daß du s|)rachest; ich wünschte, daß ich hörte; wollte 
ff Ott , daß es geschähe; (jcßele es gott, (jähe der himmel 
daß w ir siegten ! u. s. w. nichts als Umschreibungen des 
einfachen oplativs : käme er! siegten Avir! der concessive 
fall erträgt auch das präsens: gebe gott, daß wir siegen! 
verleihe der hinunel, daß es geschehe! 

Die frage ist nun, wie sich diese Umschreibungen in 
der älteren spräche verhalten? 

Die goth. Partikel väinei (s. 64) begleitet das präs. und 
prät. opt. , ohne für den ausdruck des Wunsches wesentlich 
zu sein: sie sollte nur orpeXav übersetzen, eigentlich mag 
sie einen ausruf der klage enthalten und dem adj. oder 
vielmehr part. prät. vainans (infelix) vergleichbar sein, das 
in der phrase vainans ik manna! raXai'ncoQOS ^yoj u.v&Q(ü- 
^og Rom. 7, 24 anzutreffen ist **). vaiuei hat fast das an- 
sehn eines imperativs. 

Eine entsprechende ahd. interj. hat sich bisher noch 



*) die bedeutung dieser den opt. umschreibenden verba reicht aber 
oft schon an sich hin, ohne daß es nüthig wäre, sie selbst oder das 
von ihnen abhängige verbuni , in den conj. zu setzen : ich wünsche, 
da(\ er kommt; es mag sein, daß sie ihn liebt u. s.w. hier steht 
alles im iad. und docli wird der optativbegrif dadurch ausgedrückt: 
käme er doch; liebe sie ihn auch. So im mnl. Floris 411 : machlicLte 
Floris heft ghemint = (fikoi. 

*•) ich möchte für vainans mutmaßen väinags, da sich auch das ahd. 
wenac von weiuOu (tlere) == goth. qväinön zu entferuen scheint. 



verhuin. niodiis. opf. 79 

nicht dargeboten und der verführerische Sprung von dem 
goth. wort zu dem vieldeutigen nihd. vvan bleibt sehr unsicher. 

Es gibt nenilich ein olt gebrauchtes vvünsciiendes ndid. 
wau , neben den» immer das prät. conj. steht: ein beispiel 
des präs. conj. kenne ich nicht , außer etwa dem xvan 
Jürhten si ! Walth. 77, 19. Es erscheint entweder allein, 
oder noch andere ausrufe sind ihm zur Verstärkung bei- 
gefügt, öivi xvan ich tut tvtere l Maria 136; outvi xvan 
hete ich diz geswigen ! En. 10605; xvan hete ich in ver- 
braut! En. 11021; oinvi ivan sohle si nu pllegen gebfcrde 
nach ir güete ! Iw. 1660; xvan künde ouch ich nü niinue 
stein! Parz. 8, 24; vive xvan het ich iwer kunsl! Parz. 
8, 25; oivi xvan tiete im daz niht we! Parz. 22, 9; xvan 
koem mir doch derselbe man! Parz. 135, 25; xvoU et (jot 
xvan xvwr daz war! Parz. 149, 11; owi xvan het ich slu 
gewant euphangen! Parz. 148, 15: hei xvan xvter sis er- 
vvunden! Tit. 155, 2; xvolde got xvan xviere ich tut! Wigal. 
4918; xvan xvoltens an die heidcnschaft ! A'^'allh. 12, 28; 
ach (jot xvan solt ich iemer leben! Ms. 1, 3^; ach ijot 
ivan sohle ich bt ir sm! Ms. 1, 31^; hei xvan solt ich ir 
noch SU gevangeu sju ! Ms. 1, 51^; öxve xvan xvurde er 
mir! Ms. 1, TO'^; xvan xvier er von mir anders vva ! Ms, 
1, 77^; xvan solt min munt ein zunder sin! Ms. 1, 184^; 
xvan solt ich bi dir sin! Ms. 1, 194*; xvan xvolte (jot u. 
xvier ez nun! fragm. 21^. 

Zur erklärung dieses Optativen wan, das nlid. wieder 
verschwindet und kaum zwei jhh. in den quellen erscheint, 
ist schon manches versucht worden, neuerdings hat es 
Lachmann (zu den ]\ib. s. 64. 65) auf das fragende wan 
(warum nicht?) zurückgeführt, letzteres aber, statt aus 
waz ne, aus dem ahd. huanta (warum? gr. 3, 184) gedeutet, 
so daß huanta ni, wände ne sich in bloßes wan abgeschliü'en 
hätte und neben der negativfragenden bedeutung endlich 
eine posilivwünschende entsprungen wäre, hierbei scheint 
mir das beseitigen der formellen negalion etwas anstößig; 
die einfache negation , mit andern worten verknüpft, kann 
fast oder ganz wegfallen (z.b. in unserm kein inid weder), 
aber mit der fragparlikel huanta hicng sie wol loser zu- 
sammen luid nicht im anlaut; bei der herleilung des wan 
aus wazne haftet das wesentliche kennzeichen der Vernei- 
nung und die analogie des und. wan r= wat en, dan =:: dat 
en (gr. 3, 181) spriclit dafür, doch mir ist das hier gleich- 
gillig, weil unser optalives wan auch wenn es aus wazne 
hervorgegangen wäre, seiner älteren bedeulung auf gleiche 
weise vergessen sein könnte, gegen Vereinigung des wün- 



80 einfacher satz. 

scliondcii mul fingcndoji wan , ^^\c sie zti stand gebraclit 
werde, lial)e ich, dein siiiti dieser parlikelii nach, nicht 
das geringste; die ahe kriiClige oplalivlorin eignet 8ith schon 
ohne znihal liir liagc niid wiinsch. L'hiigens logt Lach- 
mann die sielle Mar. 1.'j6 fragend nicht aiisrnlend aus, 
was für das übergreifen der beiden bedeutungen zeugen 
kann *). 

Für die crliolmng des oplnliven ausdrucks durcli die 
Partikel (jern ist schon s. 75 ein aluL gewunne tjcrno an- 
geführt worden. niluL belspiele gibt es genug: früide 
het ic\i gerne Ms. 1, 158'*; die iucli (jerne sliieyen Iw. 1746; 
der er vil (jerne enhiere Im. 4527; deiswur des het ich 
gerne rat Iw. 8082 : einige dieser belege sind aus dem 
mehrfachen satz, beweisen aber auch für den einfachen. 
Noch liiiufiger begleitet dies adv. den ind., und in stellen 
wie Iw. 5837. wie gerne ich dem stige nige, laßt sich 
kein präs. conj. annehmen. 

Das priis. conj. megi verwendet 0. oplallvisch: Ih me(jiz 
baldo sprechan (facile dixerim) IV. 12, 58; und ebenso in 
mehi'facliem salz, ih nieyiz lobon harlo , ni girinnil mih 
thero worlo (etsi valde laudem, veiba non deerunl nu'hi) 
I. 18, 4. fragweise aber: wes merj'ih fergun mera':' (quid 
amplius optem?) V. 25, 36; wio meg'ih Avizan tiianne? 
(quomodo sciam ?) I. 4, 55. eines auf solche weise con- 
struierten mlid. mege oder inüge entsinne ich mich nicht; 
desto häufiger steht das prüt. conj. zur Umschreibung des 
Optativs: möht ich getragen wapen! Tit. 2, 1; müht ich 
verslafen des winters zit ! Walth. 39, 6; besonders frag- 
weise: waz möhle liehter sin der tac? Parz. 243, 11; wie 
mähten sich versuochen immer helde baz? Nib. 1549. 1; 
wie möht aber daz nu sin? Walth. 14, 24; wer möht in 
daz wider sagen? Iw. 1262; nu wer möhte diu sper elliu 
bereiten? Iw, 3735; wer möhte mich erneru? Iw. 4080; 
nu wer möht im gedreun? Iw. 6867; wer möhte daz ver- 
kla^^en? Iw. 7279; wie inöhte sich gevüegen daz? Iw. 1613; 
waz möht im geschehn? Iw. 1402. Concessiv: ich möhte 
mich wol änen Iw. 3580; von der möhtez unser herre 
niht verlriben Ms. 1, 144». 

Von müezen wird umgekehrt das präs., nicht das prat., 
zur Umschreibung des jussiveu opt. gebraucht: mit Saiden 

*) das gr. UV unserm mhd. u-an, das nach Verkürzung und eiit- 
stellung aussieht, zu vergleiclien hat auch darum bedenken, weil sich 
liv nur mit dem concessiven und hypothetischen opt. verträgt, nicht 
mit dem eigentlichen, schlichten. 



verhuni. modus, opt. gj 

müeze ich hiiite üf slen! Walth. 24, 18; got müeze luneu 
iu iiud ir! Parz. 169, 13; got müez iiick bewarn! Iw. 
5530; nun sele müeze avoI gevarn! Waltli. 67, 20; sftlic 
müeze si iemcr sin! Ms. 1, 159^. In ahd. stellen bei 0. 
I. 28, 11. 111. 1, 24. III. 21, 36 scheint nniazi von ei- 
nem vorhergehenden thaz abhängig, also eigentlich con- 
junctivisch. 

Sowol welle (jot als wohle got bilden oplativfornieln: 
fjot welle daz ich gewinne ! Iw. 4046 ; tjot xvelle tiaz ichz 
nilit gelebe! Iw. 4490; im enwelle yot, daz niiiMliu unzuht 
geschehe! Iw. 4782. got wolde, soldo ir niündel rot mich 
erlan herzlicher not! Ben. 179; daz tvolde (jot , daz iuwer 
waere also gepllegen! Bit. 13^; belege für wohle (fot bei 
wan vorhin s. 79; ich wohle ^ lajgestu in dein nier! Karl 
88-'. warum soll hier das präs. weniger wünschend schei- 
nen als das prät.? Auch N. Blh. 84 umschreibt der mehr- 
fache salz: xvolti got ^ ervvundai dise luisereii zile lüna 
ze dien allen siten ! (utinam modo nostra redirent in mores 
tempora priscos) das bloUe erivundin! N. Bth. 160: mih 
hisli , daz tu mir daz offenotist, d.i. öfnetcst du mir! 

Der formel iveregot ist gramm. 3, 243 meidung gescliehn. 

Dieser ganze versuch einer darstellung des Optativen 
ausdrucks bleibt ungemein schwierig, weil er sich nicht 
an einen unterschied optativer und conjunctiver formen, 
wie in der griech. syntax , lehnen kann. Von der wahr- 
jielimung ausgehend, daß in unserer spräche die einzige, 
für beide modalitaten dienende form ursprünglich oplali- 
visch gewesen sei, habe ich geglaubt, auch der Optativen 
bedeutuug mehr einräumen zu müssen. 



IMPERATIV. 

Das eigentliche wesen des imp. gründet sich auf die zweite 
person : einer oder mehrere werden angeredet und cmplau- 
gen befehl. alle deutschen sprachen entwickeln daher für 
i\en sg. und pl. dieser zweiten person des imp. eine form; 
die golh. auch für den liualis. 

Eine drille il, h. JÜclit gegenwärtige person kann weder 
angeselm noch angeredet vvenien ; uiimillclbarer bolehl mag 
jiiclit an sie ergelin. Wenn ihn aber boten vernülleln, so 
bedienen sich diese wiederum iler zweiten person uiul allen 
deulscheri sprachen hat eine form für die drilte person 
des inip. übcrllüssig geschienen. Der gr. mul lat. imp. 



82 ci/tjac/ier .sa/z. 

ilrillcr person Ifil qln'clisntii ein laut {gesprochener hcfelil, 
ilcr sich iini iliie abwesnilieil jiiclil kiinirnenl, sondern ihr 
dücli linilerl)! ailil zu Averden erwarlet. ^^oKhe gr. und 
hat. inip. driüer person müssen üherall durch den deiilschcn 
oplalivischen conj. ersetzt werden , /. b. ytvi;xf-)^T(u vuirthai 
Mallh. 6, 10. 9, 2'J. 

An sich seihst allein richtet man keinen hefehl , daher 
gebriclit dar imp. für den sg. der ersten person. -\vol aber 
kann liir den dual, und pl. dieser ersten peison ein imp. 
gedacht werden: das ich in Verbindung mit einem andern 
oder melirern empfängt den belehl gemeinschaltüch. Gleich 
der slav. und lillh. spräche besitzt die goth. einen dual, 
und pl. imp. der ersten person, welcher im gr. de> N. 'J'. 
durch den coni. (nicht opl.) ausgedrückt wird, dieses im- 
peralivs pl. erster person gehn jedoch die übrigen deut- 
scheu mundarten wieder verlustig. 

Ich *vill vor alleni den goth. imp. pl. erster persoii Jiachwei- 
sen : visaui vaila ! tvifOuvOötiitv liuc. 15, 23; (juleilhanil 
t)'n}.do)nu' Luc. S, 21*. i\lai-c. 4, 35 ; af'slaham ! ujioy.ielpo)/i.'V 
Luc. 20, 14; Iträinjain ! •/.uüicoicLofitp 11 Cor. 7, 1; iis- 
vdiipam ! tl'uoOojjutöa Korn. 13, 12; gavasjam ! ivd'Vüo'i- 
/le&u ibid. Ware diese goth. form nicht höchst geläufig 
gewesen , so hätte Ulf. gevvis jene gr. conjunctive durch 
visaima, galeithdima u. s. \v. überall wiedergegeben, was er 
)iur zuweilen thut, unisumohr, da el" sogar gr. hnp. der 
zweiten person öfter mit seinem conj. ausdrückt (s, 75.) 

Der tlual sieht nicht zu belegen, doch würde gavasjos 
unbedenklich i'rdvaoj/it&ov übersetzen, wie gavasjats tV- 
dvotndor , afslahats dnoy.TsiviTOV' 

Die Ilexion des goth. imp. erster person fällt vollkom- 
men zusammen mit der des ind. , gerade wie die II pl. 
und dual. imp. dem ind. gleichlauten ; darum sind es aber 
keine indicalivc. auch im lat. act. haben amalis luid amate 
große analogie , im pass. ist amamini beides ind. und imp. 
im gr. ind. und imp. der zweiten person fallen ivurtiov 
dual, und TviittTS pl. wiederum zusammen, ebenso für 
das pass. Wer also vlsam für kernen imp. halten wollte, 
düi'fle auch in der II pl. visith nur den ind. anerkennen, 
so daß dem imp. wirklich nichts eignes übrig bliebe als 
die II sg. Es ist aber möglich, ja glaublich, daß in älterer 
zeit das indicativische visam und visith. von dem impera- 
tiv ischen visam und visith durch irgend eine abweichung 
verscliieden waren, wie sich iui laleiu. aiuatis und amate 
scheiden. 



verhiun. iiiodn,-^. imp. »^3 

Bemerkenswert!! daß die franz. spräche eine solclie iii- 
dicativische I pl. angeiiomnieu hat: tiimons ! (und nicht 
ainüons), während im prov. und span. ein conjunclivisches 
anieni und amemos dafür gilt; in dem itai. aniianio begegnen 
sich die formen des ind. und coiij. 

Es ist mir walirscheinlich , dal^ auch im ahd. eine I pl. 
inip. auf -ames oder -am bestanden liabe; ihre spur muß 
aber schwer zu verfolgen sein, weil die Übersetzungen und 
glossen nur den lat. conj. vorfanden, den sie dann auch 
durch den deutscheu conj. ausdrückten*), und weil bald 
nachher die llexionen des ind. imd conj. lüer zusammen- 
fielen. Dies letzte gilt auch von der alln. spräche, die 
bald das hn der ersten persou pl. conj, fahren läßt (gramm. 
1, 912), so daß man zu sehn außer stände ist, ob das 
impei-ativisch gebrauchte tökum ! (capiamus) (jörnjonil (ea- 
mus) Siiem. 137^ indicativisch oder conjunctivisch geuonunen 
wird, uicht anders nrtheile ich von dem scliwed. ausgaug 
otn der prima pl. imp. (gr. 1, 998,) 

Den dual, der zweiten person beachtet L'lf. genau, wäh- 
rend ihn das N. T. bereits vernachlässigt luid durch den 
pl. ersetzt: saihvats oqÜts INIalth. 9, 30; (fcnjyats viiüytre 
Älarc. 11, 2. Xuc. 19, 30; gateUiats unuyyeiluie Luc. 7, 
22; hirjats devte Marc. 1, 17. 

Den sg. und pl. zweiler person belegen zahllose shllen, 
und die Verschiedenheit der coujugationen begründet einen 
günstigen Wechsel der Üexion: letith (sinite) ; vavjiih i^pro- 
hibele); galäuheith (credite); Jajinoth (^gaudelo); Jiisi:ulh 
fservale.) 

Min imp. der Vergangenheit kommt nicht vor; der form 
nach erwarten sollte man ihn wenigstens von den voibis 
erster und zweiter anomalie. in der that aber finden sich 
alle solche fälle conjunclivisch ausgeih-ückt, für iore Ijeiiit 
es niemals sijulh (cslole), sondern sijaith (silis) z. b. II Cor. 
13, 11, wo freilich auch die daneben stehenden gr. imp. 
in den golli. conj. gesetzt sind; I Cor. 10, 32 sijäith yi)'f(>Oe 
Rom. 12, 16 vairüiailh; Kom. 13, S skulans sijmlh drfd- 
AfTf. Bei der zvveiten anomalie erscheint hier das prät. 
conj. mit präsensbedcutiuig, namentlich in otjs (foßov und 
öijeiih (foßelüde, wofür belege s. 29 gegeben sind; dali 



*) N. hnt iil)erall den conj. z. b. ps. 7:^, H coniprininnms tilc^aitn! 
95, 1 jiil)ileiini.s ii/iiincic/i! 2, '.^ (iisruaiijniiiiis et ()ii>iiciaiiuis j<ii'i:i'n 
«iiide wt'/p'n aba! 3:5, l cxalteiiius erholun! Audi T. z. b. iVlattii. 
21, 38 arülaliOmes ; *J7, 49 giseliemes! 

F 2 



81- n'iiifacJiar salz. 

6'^'& für (ujeis slelie lial)e ich fidion 1, 8.53 niisgefnlirL yci~ 
Q)]aaif- Tifiüs, capialis iios il Cor. 7, 2 dreiil 111. uiii m 
(jamiUcitna in i/vis cnpiaimir in vohis, gebrauchl also kein 
iiidicnlivos gainuhini impnraliviscli. (]<i[^ sich nun anch iichoti 
gamoteilh (lucuni hahoic), iiobcu (jamimeiln niemcnluto, 
fiV)ift()Vi-vf7£ .loh. 1,5, 20. ein sg. (jmnöls , <j<iiiutnSy Mt'l)eii 
vileilh (scilole) ein .';g. vils (scilo) gcdiiidcn lialjon Nvcrih', 
ilaliir slreilol alle vfiiiiuliing. cigenllich aber iliii( ken diese 
formen nichts als tl«ii eonj. ans. Der ])1. inip. lielie sicli 
sein* ^vol indicaliviscli denken: sijwlli, ognlh, gamunuth, 
vilntli; scinverer der sg. 

EJjcjiso ^venig als im golli. ist ein ahd. iin|). dieser ano- 
malen verba znlässig und er innli durch k\v\\ conj. ver- 
treten vverdcn : sis (sis) sil (silis) sis hiuinni(jöll (nionelor) 
0. IV. 19, 47; ine(fis (valeas) vgl. oben s. 75; ineyil (va- 
leatis) ; tvizis (scias) oben s, 75; ivizit (sciatis) T. 169, 2 
u. s. w. >vas Grau" 1, 1095 für inip. gibl sind conj. 

Aucli nihd. bei den älteren dichteiii gilt kein solcber 
ini|)., uamenllich kein si ! (esto), sondern dafür entw. Avisl 
oder der conj. sist. Sit (silis) Iw. 1857. 2909 halle icli 
iiir den conj., selbst neben andern inip. ; z. b. tuont ai.sus 
u. Sil genesen Iw. 1253. indessen werden sich einzelne 
beispicle des imp. si ! nicht ableugnen lassen, z. b. nieisl. 
Alex. 143'^, vuid im pl. sfl ist die indicalive form >üji 
der conjunctiven nicht melir zu initerscheiden. 

Nlid. ist der inip. sei .' pl. seid ! durchgedrungen, nocli 
luiorgauisclier scheint der zu wissen gebildete hup. tvisse ! 
(scito); von nuissen , mögen, können, sollen, dürfen gibl 
es aber keine. 

Icli habe micli bemüht das Verhältnis zu finden, Avel- 
clies Ulf. zwischen seinem (indicalivischen) imp. und dem 
tonjimctivischen ausdruck des imp. beobachtet, abgesehn 
von dem ebenbeliandeUen fall anomaler formen , der an 
sich den conj. veranlalUe. für die dritte person bedarf 
nun der Golhe überall des conj. den pl. der ersten person 
fand er umgekehrt im gr. text nur conjunctiviscli, nie im- 
perativisch ausgedrückt; er wählt dafür in der regel seinen 
imp. (s. 82), ausnahmsweise behält er den conj. bei, z. b. 
Luc. 2, 15 Üia.'ir\i(ja(j{iäima jah saihvaiina , öiiXdiOfiev 
v.ai id\o/i(£V. Die gr. ißjp. zweiter person übcrselzt er 
dnrch goth. imp., doch so daß er mitunter den conj. ge- 
braucht, z. b. ai'geTs nimäith , tte()y60&e us(ja(j(j(dth Luc. 
9, 3. 4 (andere beispiele s. 75) der imp. überwiegt auch 
liier. Beide ausdrncksweisen dürfen nebeneinander slehn, 
wie II Cor. 7. 1. 2 hväinjatn inid ffuttiöteima; doch II Cor. 



verhuin. modus, itnp. 85 

13, II. 12 v\ülilt Ulf. olTeiibar lauter conjiuiclive statt der 
gr. imp. , weil er einmal durch sijuilli in jenen modus ge- 
rallien war. Älarc. 10, 19 Luc. 18, 20 wird das gcbie- 
teiule gr. Tut. ov (fovevong , ov jnor/srcreic, ov yJJv 'er c con- 
iunclivisth gegeben: ni manrtlnjms , ni horiuös , ni Iklifäis, 
der (laraiil lolgende imp. tipu aber durch den golh. imp. 
svdräi. man möchte iSlatth. 19, 19 vergleichen können, 
wo hinter Tifia gleich wieder in liyun'rjüeti: übergegangen 
wird, auch ahd. ^vird T. 106 gesagt: ere thinan fater inti 
tniniios thinan iiäliiston, nach dem lal. text honora und dill- 
ges. allein der spräche geschieht durch diesen sprung aus ei- 
nem in den andern modus keine gevvalt; die freiste poesie 
kann dafür zeugen, z. b. Sccm. 188^ thü rädh neniir ok ridhl 
Daß in der bedeutung beide ausdrueksweisen nicht von einan- 
der abweichen zeigt die schwaid<ende goth. Übersetzung der- 
sell)en gr. Wörter, dieX&o)fiti' gideilltani Luc. 8, 22, thafrli- 
(fuijijdinia Luc. 2, 15; fiime saljdith IMarc, 6, 10. saljith 
Luc. 9, 4; yivfoS-e vairlhc'dth Moni. 12, 16, vuirtJnth 1 Cor. 
15, 58. ein feineres gelühl uiag den reinen imp. für stren- 
gei-, den Optativen conj. für milder gebietend gehalten ha- 
ben, in jener cchlischen slelic wiikt erst radli nemtr auf 
die subjeclive Überzeugung ein und dann erfolgt der ob- 
jective rath ridh ! 

Well der imp., wenigstens in unserer spräche, als form, 
tlie vergangenheil ausschlielU, und auf etAvas künftiges ge- 
iichlct wird, so ergibt sich auch dadurch seine bcrühi'iing 
mit denx conj., der auf die maniglaltigste weise nnt dem 
lut. ind. in gemeiiischaft steht. LImschreibungen des ful. 
durch soUtii können also zugleich für impeiativische aus- 
drücke gellen; dergleichen schon im ahd. üblich sind im 
irdid. häufig, z. b. ahd. ir seulut wizan ! (scilole); ir scnhit 
gehan! (conütemini); ndul. nu solt du sin verlhiochet! 
l>iut. 3, 52; über dine brusl solt tu gen! ibiil. ; nu seiden 
wir behuoten (caveainus) Diut. 3, 54; ir snlt willekomen 
sinl = Sit willekomen; ir sidl ivachen! l'arz. 243, 30; 
ir sult niht xveinenl Nib. 62, 3; ir sidt in lau genesen! 
IN'ib. 2292, 1; wir siilii uns bereiten! Nib. 637, 3\i. s. w. 
Ebenso nhd. du sollst es tltun! ilu' sollt kommen! Avir 
sollen reden! DaU die auxiliarformen hier nicht selbst 
im imp. slehn , sondeiii überall im ind., lehrl schon die 
bcifügung der pcrsijidiciicn pronomens, wir wissen abei* 
aul)erdem, »hiß von sollen kein imp. gcbililet a\ erden kann, 
nicht anders ist das ags. ge sculon herigean (^laudatc) ps. 
112, 3 zu nehmen, der Golhc würde mil demselben ver- 
bum einfacher gesagt haben hazjith! 



"86 einfacher seil-. 

Ans solclioiu iiioiiiandcrgrcifcii des iinp. und ronj. crgibl 
ßicli leinei", Avie jenes den eonj. <^eIeil(Miilc nilid. ica;/ fs.T'j) 
aucli nnniillclhar vor dem inip. erüclieinl. w«ii brich nun 
licrze onzwei! (brich nur mein licrzj IjIi. Tiisl. .'i.^.'i.') ; ivau 
saijet mir! (sagt mir niw) Nil). 1507, .'». In andeiii von 
liacliDi. /M \\allli. p. l'Jl angeliilirlen stellen Psib. 442, 5. 
704, 2. 1759, ;{. Iw. 5491 ist der inip. -wegen des aus- 
gedrückten j)eisünlicbcn |)ron, bedenkiicli, und die beiden 
erslcn bat Lacbin, seitdem (zu den TSib. p. 64) Irellender 
aus dem fragenden Avan gedeutet; auf dieses fragende priis. 
ind. Iblgl dann gerade nocli ein eigentlicher inip. Darf 
raaii dem ndid. ivan bei imperativen das ebenso constniierle 
altfranz. car vergleichen *), so ergäbe dies eine Ijestätigung 
der ableitung des wan aus huanta, da auch car aus cjuare 
slannnt, nur daU bei der franz. parlikel keine verneiiuing 
ins sj)iel tritt. 

Icli gedenke hier sclion einiger spuren gotli. inßnitive, 
die statt des imp. gesetzt sind, obgleich sie niclit im ein- 
fachen salz Yorkommen und durch den gr. text veranlaßt 
werden, das fi't-re lirti ovo yno)vas tyj^'v liuc. 9, 3 behiill Ulf. 
geraile so bei: ni than Iveihnus puiih'is htihan, obgleicli er 
das vorausgellende iciotre durch iiimaiih gegeben Jialte; 
die vulgata stellt auch das i'/Eip um in liabealis. 1 Cor. 
7, 11 verdeutscht er jiiereTVD üyajiiog und KuTuXhr/r^Tii) 
durch visan unliugaidai '''*) und gmjavairthjan , indem er 
diese inf. an das vorhergehende skuitian und folgende fra- 
Ictan passend knüpft. Phil. 3, 16 verv.andelt er den cr- 
mahnenden gr. inf. GTor/HV und rpoortlv in ei luigjaima 
jali frathiainia, und Col. 4, 6 aid'trcu in ei vileith '■■'•'''^). 
Vvie die griecli. classiker zuweilen den inf. in gebietender 
rede brauchen, z. b. in der gruUformel yai'geiv, wäre 
unserer älteren spräche eine solche conslruclion des inf. 
vielleicht auch zuzutrauen: mir fällt dabei das bekannte 
sihora armen! ein, das für arme, arnuÜ zu stehn scheint, 
aus dem alul. und mlid. sind mir zwar keine beispiele b?- 



*) rar nie secourez! Berte 45; car priez ore! Garin 1, 29; car 
retornons! Viane 1482, vgl, Ijekker zu Ferabr. p. 164a. 

") dieser dat. fem. gellt auf qvenäi. 

'*') in andern stellen lag ihm kein gr. inf., sondern opt. vor, den er 
auch richtig durch den goth. opt. wiedergibt, 11 Cor. 9, 10 n/.}jOvr(u 
y.al nri/joai niauagjiii jah vahsjan gatäujäi (für xoQJiyt]oui , muß er ge- 
lesen \\a\mn /oQi]Y)]an, weil er andstaldith übersetzt); 1 Tliess. 3, 11. 12 
/.arivO-vvui , nhoväaai. Kfd nfiiinmroai , garailitjüi, manogjäi jah ganüli- 
iiaii gatäujt'ii. 



verham. modus, iiiip. 87 

kaiuil; wir können aber noch nlid. eine beweinte, heftige 
aullordcrung infinitivisch stellen, z. b., o nicht xvecjijelin, 
lieber vater! nicht abschluffenl junge, dicli niclit rühren! 
nichts davon sauen ! nichts angreifen ! das liegen lassen ! 
es gellt aber nur im kindischen ton oder im aiisbnich des 
höchsten aitects. In der älteren i'omanischen spräche er- 
scheinen solche imperativische infinitive gar hairiig, auch 
als ruhiger, edler ausdruck '"). Ob nun in allen diesen 
fällen der imp. aus einer ellipse von mau muf^, man soll 
zu deuten ist? 

Heutzutage pflegen wir ferner den imp. nicht sollen 
durch das part. prät. auszudrücken : auftjescJiaut ! ahae- 
löstl anßjemerktl niedergeschrieben! näher yetreteu ! 
einnesteckt ! frisch gearbeitet! mid mit vorausgeschicktem 
acc. den hut abgenommen! die segel niedergelassen! die 
ehren aufgethan! den athem eingehalten! die iüUe nicht 
gespart! den staub von den füllen gesehüttelt! dergleichen 
redensarten sind unter dem volk, Avie in der hüjieren poesie, 
und zumal in der vossischen sehr hervorgesucht. 

Der acc. lehrt welches hilfsvvort, von dem das part. 
abliängig ist, ausgelassen sein künne ; offenbar kein anderes 
als habe, habet! oder bei intransitiven sei^ seid! hieraus 
ergibt sich zugleich die bedeulung: es sind umschriebene 
imp. prat., die ihren guten grund haben, wenn schlaget! 
lieiUt TvmeTe, so bedeutet zugeschlagen! Tervcfers oder 
Vl)pi.'.if! schaut auf! ist ülnet jetzt die äugen; anfge- 
schant! aber habet sie bereits geülhet! gleich als sei dir 
befehl schon früher ergangen oder befolgt, es soll also 



*) in negierendem sntz, altfranz. ne me nientir! Ren. 6149; iie 
faire! Ren. 5204; ne tesmaier niie ! Ren. 13604; ne te liaster! Trist, 
1023; ne dire a nui! Trist. 1910; ne te niovoir! Tri.st. 1914; ne celer 
mi<.! Meon n. reo. 1,200; ne nie celer! Meoii 4, 58; nel <iiri'! das. 1. 
379; ne Ixniler, ne ferir! das. 4, 193; andere belt";:« liat Beivlver zu 
Feral)r. 15Gi; provenz. sicher niclit so selten wie R;i_Mt. 1, 333 meint, 
der !)lo[\: nontenier. Maria {.m} (/o^jor, Miauufi) und no m'aucire! anführt, 
ital. t)eispiele sind l)ei Üaute genn«^ : non ti crncciare! inferno 3, 94; 
non tenier tn! das. 21, 62; non tarcr! das. 32, 113; nnd noch in der 
lientigen spraclic: non far qnesto ! (ihn das niclit); non andar via! 
(geh nicht weg.) Ich (inde aber aiioh in positivem satz altl'ranz. nach 
or den gen. des inf. ini|)i'raü\isch : or du häter! l\<'ii. Hd'n'); or <U\ 
niengierl Hen. 4372; or dol aler! Kon. 9377; or del niontor! Ren. 
20679; or de !)i(ii tere! Anhcri hei IW'kker Kerahr. lUH.i ; or du gaber! 
Meon 1, 265; or del <;er(lrier; das. 4, 192; or tost du hasler! das. 
4, 214; gedenkt man derabkunlt der parlike! or ans dem snbst. hora, 
so erklärt sich der gen. und ur du liäter bedeutet nichts als: jetzt ist 
es zeit zti eilen ! 



88 eiiifuclier siilz. 

eigcnlUcli kein iiciici-, soiuleni cia forklaiicincltr ziislanj 
dadurch angezeigt Nvorden, 

JMan halle diese ausdruckswoise nicht für nciu'ifimden, 
sie ist wahischeiiilitli schon sehr alt in unserer spräche. 
liUllier bedient sich ihrer oft, z. b. in seinem kleinen ca- 
techisnuis \\c\W\ es: und mit freude (sei) an dein -werk 
ijeiianijen und (habe) ein lied ijesiiiKjeti ! um! dann (sei) 
llugs und frülich eiiiyeschlafeu ! 

Aus unsern mhd. dichtem ist mir glelclnvol ein einzi- 
ges l)eisj)iel zur hand. si spracli : f/esc'hriuive)i %vuren! 
fragm. lO*-'. 

Auch andere deutsche spT-achen kennen olinc zweifei 
diese Umschreibung; ein lioUänd. volkslieil heginnt mit den 
Avorten : vry (jevoyteu ! 

"W'ie alt aber ist eine jetzt selir verbreitete Umschrei- 
bung der ersten person des imj). durcli die zweite des 
auxiliaren lassen? statt gehen wir, trinken wir, singen 
wir (goth. gaggam , drigkam , siggvam) heißt es : lasst uns 
gehn , trinken , singen ! oder im sg. , wenn nur von zweien 
die rede ist: lass uns gehn, trinken, singen! was dann 
den goth. dual, gaggus , drigkus , siggvös unischreibt. 

Sichtbar eine hüMichkeilsformel , welche die enlschei- 
dung aus der hand des auirorderuden in die des aufgefor- 
derten zu spielen scheint: sine, sinite iit eamus ! 

Luther häufig: hii\ uns dem vater wein geben! Ge- 
nes. 19, 34; lai\ uns fortziehen! Gen. 33, 12; lasset uns 
menschen maclien! Gen. 1, 26; lasset mu5 die dirne lufen I 
Gen. 24, 57; hisst uns essen und frülich sein! Luc. 15, 
23 (schon in Luthers ausg. von 1522; die altern Über- 
setzungen haben hier noch kein laßt uns!) 

Allein Luther muß hier einem trieb mehr der nieder 

als der hochd. spräche gefolgt sein ; in den zahlreichen 

mhd. deukmälern ist, soviel ich danach gesucht habe, 

nirgends ein solches Itiz uns, lät uns *) anzutreffen, wol 

aberin mnl. Die goudaer bibel von 1477 hat Luc. 15, 



') ein ganz anderes Idt uns, nemlich kein die erste person um- 
schreibendes, sondern wirkliches sinite ausdrückendes sieht Ms. 2, 102a: 
Idt lins griiezen an iuch schoiuven ! (faites nous voir) ; Idf uns vir- 
nemen (fais nous appreudre) cod. pal. 361, 76^; eiä Idt uns (nobis) 
die dribrüeder varn! (lalUdie drei brüdor in die weit auslaliren) Geo. 158; 
es könnte <len umständen nacli auch im sg. gesagt werden: lat mich 
(oder in) gräezen schouwen; jenes lät uns aber, von welchem hier ge- 
hnndelt wird, kann durchaus nicht in ein lät micii umgesetzt werden, 
d, h. bei ihm bilden die erste und zweite person zusammen das gubject. 



verhuni. modus, hup. 89 

2?> laet Otts eteii ! desgleichen die antwerper von 1570, 
(lelfler von 1579. folgende belege reiclien noch höher 
iiiiiauf: laet ons corten ! Elcgast 457; laet ons weien ! 
(ilcfcndatiuis nos) Stoke 3, i*51 ; laet ons keren! Pieiuaert 
J191-, laet ons toten coninc staen! Rein. 3471. 

Hiernach nun auch: latet mis wedderkeren ! Reinke 
1057 lind beim cölner Godefrit Hagen : balde so lais uns 
hiiine gain ! 884; laist uns neder gain ! 1823. 

Nnl. ist es ganz gcwülinlich zu sagen: lät ons bidden! 
( orennis) ; germaiiismus scheint es aber, wenn sclnved. lilt 
oss gä ! (eajnus) dän. lad os gaae ! gesagt wird, jene bi- 
liclslelle laulet im dän. N. T. lader os äde og vare ly- 
slige '*''). im scliwcd. nordischer; vi vilje ata! (isl. ne} tum 
og verum kaier!) **) die proben hochd. volksmundarten 
bei Stalder geben nichts andex's als : wir wollen essen ! 
mer wend esse ! 

In der engl, spräche wird das alter der forniel ebenso 
hoch hinauf gehn wie in der niederländischeji. denn nicht 
bloß die engl, bibel liest Gen. 1, 26 let iis make man! 
Luc. 15, 23 let ns eat and be marry!; auch bei Cliaucer 
lassen sich beis|)iele sajnmeln : let us go forth! C, T. 6602. 
7751; let US ride ! C. T. 859; nur im ags. erscheint noch 
keine spur davon. 

Der ags. luid alts. spräche eigenthiimlich ist ein dunk- 
ler ausdruck, welcher vor inlinitive gesetzt wird, die I 
pl. inip. zu bezeichnen. er laßt sich also nicht jenem 
j)ihd. tvau vergleichen, welches vor lleclierte vcrba , nicht 
voi- den inf. tritt, und er scheint selbst eine veraltete 
verbaHorm, von welcher der hinzugefügte inf. abbringt. 
Die ags. geslalt dieses Wortes schwankt außerordentlich: 
vulou, vntun , viitan , vutum (Thorpes anal. 262'') uton, 
utun^ alts. lindet sich nur w'üa ^ uiul ich halte auch ein 
ags. vilon für möglicli. nendich die ags. numdart hat nacli 
V zuweilen kurzes U statt I, z. b. in vudu (lignum) golh. 
vidns , ahd. witu , und so wechselt selbst in ags. deids- 
mälcrn vitan (scire) vita (sapiens) mit vutan , vuta; viiloa 
aber gieug des häuiigen gcbrauchs dieser parlikol halben 



•) Moll)eclis altdiin. l>ibel Ceii. 19 34 wi stiullä «rifl'we drikke win ; 
24, 57 wii skiillä kallä; 33, 12, \\\\ skiillä sameii^'on^Iie; dnmals nocli 
kein l»d os, lader os! 

'*) seltsam, wenn ncu.'-ciiwed. im pl. lalom statt liilcn gesetzt wird, 
7.. b. lätom oss krossa! (l'ranf^amiis) Hailmann p. 02, wo riclitiger 
stände entw. krossom! oder latcn oss krossa! 



(jQ e'uij'dciier milz. 

schon frühe in uloii iihi-i-. ich niijchle nun ihren siiiii 
gerade in niclils anclcrm nh ih.'iii anomalen vilaii fiiovisse) 
aiirsuclien, dessen pl. prii'^. ind. (hirch alle drei |ier,sonen 
vilon laiilel. die drille pfrson kann liier gar niciil in 
holraclil kommen, eljeiisowenig die /.weile in der hcileu- 
tiiiig des voiJiiii erörlerleii mnl. lael, engl, lel , weil dann 
nolhwendig das pron. iis (uns) liinzulrelen niiisle, was 
aber immer fehlt, vilon isl denuiach die 1 \A. iinil drückt 
aus scimus, novimns , auxiliarisch mit einem Inf. verbun- 
ilen cnlliiill sie aunbrderung und geheiU; so wie sculon 
"an^an wörtlich debemus ire , dann aber eamus bezeich- 
nel, scheint vilon gangan eigentlich no\in;us ire, dann von 
einer andern seile eamus aussagen zu dürfen, wir kön- 
nen gehii ! wir wissen zu gehn ! bedeulet uns noch jetzt 
ungefähr: es ist zeit zu gehn, eundum est, folglich eamus! 

belege : uton liradhe feran ! (age ducamus) B. 2780 ; 
viduu gangan! (eamus) B. .5293; zitou giin on thisne veald! 
(eamus in lianc silvam) C. .52, 6; utuu faran ! (eamus) 
liuc. 2, 15. .Toll. 11, 7; vntiin ctan (edamus) Luc. 15, 2.3; 
iilon vircean niannan (faciamus hominem) Gen. 1, 26; 
uton tind)rian (aedilicemus) Gen. 11, 4; uton gan üt (ex- 
camus) Gen. 4, 8; uton biddan god ! (obsecremus deuni); 
vuion cunnian (cognoscamus) ps. 70, 10; vutiin cuman ! 
(veniaimis) ps. 73, 8; vutnn hi idle gedun (exinaniamus) 
])S. 136, 7; vutnn tiligean (paremus) ps. 138, 17, 

alls. wita kiosan ! (eligamus) Hei. 7, 6 ; wita fragon (in- 
lerrogemus) Hei. 7, 9; xvita im woniau mid! (habilemus 
cuni eo) Hei. 122, H. der ausgang -a laßt sich nicht deuten, 
er scheint eine verhärtete, eulstellle Uexion. 



INFINITIV. 

Von dem substantivisch gebrauchten , seiner verballvraft 
verlustigen Inf. ist hier keine rede. 

Der inf. isl das aus aller persönlicldveit tretende In sei- 
ner uidjes'ämmlheit für jedwede persou zugleich gerechte 
verbum : die persönlichen kennzeicheu der ilcxion hören 
bei ihm auf. 

Man kann sich einen ganz unabhängig gesetzten Inf. 
denken, jener Imperativische (s. 87) ist ein solcher, wenn 
die schleppende erklärung durch ellipse nichts gilt, es 
.«scheint dal^ der Inf. auch als ausruf hingestellt wtude. 0. 
111. 20. 1G3 thu bist al höner , in sunlon giboraner mit 



verhaui. inodus. iiißn. Qj 

allen unredinon: tliu imsih thaiine hrediffunl du veracli- 
k ler , in sünden geborner mensch, du willst uns erniah- 
iien ! du uininist dir heraus uns den text zu lesen ! es 
könnte auch l'ragweise gesagt sein, vielleicht stehn solche 
ndid. inf, nachzuweisen; nhd. ist ähuliclies im gebrauch, 
/,. b. kerl , helteln l (du bettelst? du wagt es zu betteln?). 

Al)gesehen vou dieser ausnähme hangt syntactisch be- 
trachtet der reine inf. überall ab von dem im satz lier- 
schenden verbo , und erst der dedinierte, folglich substan- 
tivierte inf. mag auf andere nomina bezogen werden, je- 
nes herschende verbum dürfte man das stehende nennen, 
den inf. das liegende, luul die ganze nalur der infinitivi- 
sclien construction ließe sich so auifassen : jeder einen inf. 
enlbaltende satz ist aus zwei sätzen zusammengeilossen, 
dergestalt daU das verbum des ablicängigen Satzes zum lie- 
gen gebracht wird, der iiif. wirkt also Vereinfachung der 
rede , er abstrahiert den concreteren ausdruck. 

Die einfachen salze: ich will schlafen, ich liöre singen 
gehn hervor aus den doppelten: mein wille ist, dali icli 
schlafe; ich höre, daß gesungen wird, je auxiliarer das 
herschcjule verbum , desto weniger fühlbar die eingetretene 
Verschmelzung; doch selbst der satz: ich werde sterben, 
löst sich auf in: icli gelange einmal dahin, daß ich sterbe. 

Unsere unlersuchiuig lauft auf drei stücke aus. zuerst 
soll der abhängige, reine inf., dann der mit der präp. zu 
versetzte, drittens das Verhältnis des inf. zu seinem sub- 
ject erwogen werden. 

I. Reine inßnitive. 

Der gebrauch des bloßen inf. mindert sich allmälich in der 
spraciie ; die ältere kann mit ihm ungleich freier schallen. 
Da wo das dem inf. verknüpfte verbum in auxiliarbeeleu- 
tung ausschlägt oder sich ihr nähert idlegt er am längsten 
zu halten: ich schicke diese auxiliarfälle voraus und lasse 
dann die übrigen folgen. 

Niemals steht das golli. visan oder vaiilhan neben ei- 
nem inf. auxiliarisch; etwas anders ist, worauf ich unter 
lil zurückkommen werde, II Cor. 7, 7 svaei nüs mais fa- 
giiion varth , öwTe /le fic'.lXov ynor^rai- Ebensowenig das 
ahd. wesan *) oder werdun. ]\lhd, iiudei sich noch kein 



*) keine ausiialiiue begründet was (nieiiiiiii (). II, :j, "IG; <|iiciiiaii 
vvari 11. 3, ;Ui; deiiii es iiätte schon «jramni. I, K(jO. 861 <;psaf?l wcr- 
<len Süllen, daß außer O. aiicii K. r>:V' und ';^. mons. 3CH dem part. 
prät. von qucnian das o lassen, obyleioli Is. 382 (5, (1) (lulKiniau sirlit. 



92 euiJ'acJicr scilz. 

wirl zur umsrlir(Ml)iiii'; des fiil. wol al)cr zu weilen wart 
iiiil tloin inl. «I.is |)i-;il. ansy.irdnicUcii. {\vn hcispiclcii s. 7. 
k.'iim noch l)oii;clii,i;l wcrilcn : itxnt Uarpfen 'Iroi. l.^.Sl.i; 
erlcsvltcn wart I>um. 4.S. 'M. dir ivcsen in j^k-iclicr ((»n- 
slriic.lion Ivciuic Icli nur einen nilul. Ix-Ieg: iiinii was triheii 
(iriel)) li\!. ihr. 49'' \vie im Iran/, on fiit i)r)usser ; abei" 
schon im a^s. Avar sie zulas.'^ii;: väs vutiian (habitavilj 
B. OKiO. ?slid. dient werden ganz gowölinlich zu (h'eser 
bczciclmung des Tut.; ich werde sein, er wird kommen. 

Alle vci'ba zweiter ariomalie haben ursprünglich den 
bloUen inf. nel)en sich: also auch in der s}iilax erhellt 
die wichtige oinstinunung Ihrer regel. das verbuni wollen 
schiielh sich ihnen in dieser beziohung vollkommen an. 
Yär mögen , sollen , müssen , d'nrft'n , wollen leidet der 
aufgestellte satz bis auf heute in allen ileutschen gpraclicn 
nicht die geringste ausnähme, goth. may skalkinun Matth. 
fi, 24; niagt gahrainjan iMatth. 8, 2; ni mag qviman Luc. 
14, 20; graban ni mag Luc. 16, 3; das goth. niagan ühcj- 
setzt dvi'undxu. sLal ik visan d'si fts fit'ivai Luc. 19, 5; 
skal qvithan f!)jw tiTielv Luc. 7, 40; skal vinnan du iia- 
•difV ]iuc. 9, 22: ik skal vaürkian f'/ft dtl loyä^eadai -loli. 

9, 4; skal gasviltan 6(f£i'?.6i aTXO&avelv Joh. 19, 7; skulun 
Jiuzdjan ocfstl^i ■d-'};n((voiLstv U Cor. 12. 14; skiileith and- 
liafjan d'st v/iiics u<nov.Qireadai Col. 4, 6; skulda gadauth- 
jian, gasvillan r^fitl'Uv d7iod)'f;nxfiV Joh. 12, 33. 18, 32; 
skulda usfulljan i-'/iü./.e nh^oovv liUc. 9, 31: und in der 
passiven s. 59 erläuterten bedeutung: skulds ist nsliäuhjan 
sa sunus niarts , d'tl vUnoü-i^ria rov viov Tov dv&{)0):iov 
Joh. 12, 34, wiewol es auch einmal liuc. 9, 22 heißt skal 
uskusans vairlhan statt skulds ist uskiusan. gamutan kommt 
bei Ulf. nicht mit dem inf. construiert vor. tharj' (jalei- 
ihan t'yoi dvüy/.i/v f^f-XOeir Luc. 14, 18. vili tänjan diAT] 
noulv Joh. 7, 17; vildediui saihvan lijü^i' '/>.); aar idtlv Luc. 

10, 24. Es bedarf keiner belege aus den iibiigen sprachen. 
Keine beispiele des goth. inf. nach kunnan , ;ugan , ga- 

daursan, dugan, aber uiclils steht ihnen entgegen, alu!. 
firneman lainni 0. L 1, 120; genennnen cluuuien N. liih. 
54; ags. cunnon secgnn B. 100; cüdhe reccan B. 180; beor- 
gan cndhe B. 2890. altn. fregna kann Sa^m. 14'^ ; kann segja 
23^; ahd. gidorsta fragen 1". 237, 4; gidorsta ruaren 0. 
IIL 14, 46 ; mhd. getar komen Iw. 1852 ; gelar kai Iw. 4888 ; 
getürrc raten Iw. 5212 : getorsten keien Parz. 753. 19; gc- 
torslc biteu Iw. 4325 ; ags. dearst bulan B. 1049; nhd. tnge 
wise sin (sapere prosit) N. ps. 73, 17. Doch uacli taugen 
und können steht zuweilen schon ein priipositioneller inf. 



verhiim. modus, i/ifin. 03 

Die anomalon läis und 6y sind nur der golh. spräche 
eigen: läis hi'uiujdu mik old'u laiicii'OVoScu PJiilipp. 4, 12; 
hiis nfarassau liabaii oJd'a nioioavtir daselbst. ohtedun 
J'räihnaii iqo^iovvio hrfconijocci Marc. 9, 32. 

Gülli. man ijuditvrsan loylConai- Toliir^oc.t II Cor. 10, 
2; mau visaii 1 L'oi'. 7, 26 ; mau gataujau IlCor. 11, 5; altn. 
mau tliyrma Sajm. S". 

altn. mun {fUlloi): niun slitna Sf«m. 7^, 8*; muu falla 
9'^; muuü beriaz 7^; dän. mou, monne, schwed. mände. 

Nach vitan. golli. ei vili gastaldaii iid'tvni y.TÜo&ui, 
I Thess. 4, 4; mhd. weste gewinnen ]\ ib. 2093, 1; enweste 
>vie gebaren I\v. 2252. Gudr. 44^ Herb. 12- 48<i fragni. 
17c 40»; enwisle Avaz darunibe tuou En. 15684; cuNvesteii 
war enlriuneu Gudr. 46="; enweiz ^vaz me sagen Herb. 105^; 
euwislen nvu bllbcn Her]). 105'=: ich euweste ^vie gevälieu 
au. Trist. 4610; mnl. wiste wat doen Hein. 2826; sine ^vet 
lioe gebaren Floris 745. Das nhd. nnl. engl, schwed. diin. 
anomale verbum kann aber der priip. nicht enlralhen. 

Audi zu dem anomalen gönnen kann ich ans der älte- 
reu s{)rache keinen bloiien inf. naclnveisen, und die neuere 
bedarf der priip. 

Das ahn. kna (possum), das von kann (]iovi) zu nuter- 
sclieiden ist, hat den reine^i inf.: kuä guna S.tm. 1^. 
ebenso das schwed. und dau. tör (audeo), hör (debeo). 

Ein gotli. äujan neben dem iuf. ließ sich avoI deshalb 
uiciit naciiNveiseii , weil für ' die auxiliarische Verwendung 
hahan dient, dies aber setzt Ulf. mit dem bloßen inf. 
tätijan haha 11 Cor. 11, 12 für noii]cio, hier war es ini- 
umganglich das fut. zu umschreiben, weil iinmillelbar das 
priis. lauja für 7ioto) vorausgeht: tauja iah täuja "wäre un- 
deutlich geworden. auch Job. 12, 26 iiberlrägt viaan ha- 
hüith das ful. iorai , doch Luc. 14. 14 »uid l]|)h. 4, 28 
ahmen ni Itabund iisgildan , Itahdi däiljan ilas gr. OVK 
i'yoi'Oir ui7(C':io()(ivi'i:i, i'yfj jn6Tud'c()'ö)'«i nach, belege fürs 
präl. : liabdlda länjan l'fitXXs noiih' Job. 6, 6; habaiila 
ina galevjan 7]fif:XXev avTov nuQuöiöövui Job. 61, 71; ihuei 
liabaidedun ina gadaban t« fiilXnvrv: (ivro ctvpiiulvfiv 
Marc. 10, 32. alle übrigen dialeclc zeigen nach haben 
nur den inf. mit der pi-äp. aber das lal. luihfo unil gr. 
t'yo} conslruiereii sich nüt dem nif. in redcnsarlcii wie: 
liaec dicere habui, lautum habui polliceri. scribere habeo, 
ov/. i'yo) €tiu(i^, ovY. i'yot 1 1 yncil'Uf. Ich linde auch das 
allengl. unght (gotli. aihla. ags. abte) bei ( haucer hiiulig 
mit bloßem inf. z. b. oiujid bim drede (halle zu fürchten) 



94 eiiijaclicr .salz. 

C. T. fifJ2; wol oiißlii I slcrvc C. T. 1251; lliat a man 
ouifhl liim j-ii^lil wel avisf^ C. T. 9.i.'i.S; wel oiujhlcn nicn 
compldiuc. ('. '1'. l4fj(S7; im liciiligoii cnyl. wiril aber (Hl* 
jiriil). crloitliTl. 

l>L'i ihaii iiiUorsrlieide icli den jiirlit aiixillaren und aiixilia- 
vew gebraucli. golli. tjnläiiju igfivis vairlhan jion'joot v/iük; 
yertodui Marc. I, 17. SU. 50, 10; (juluvida ina ussüilivan 
inon-aiV uvrov liVUiih-Hnu. Marc. 8, 2.5; bandans ifuU'iujilh 
galu'ttisjan rrwg y.oxfovi: Tioitl cr/.ovttv Marc. 7, ;^7. al.d. 
ih tuim iiiNvdi ivesan (faciani vos fieri) T. 19, 2; die ane 
gol Maren liiut er sili ercltomen (niachl dali die gollloscn 
ersclirt'cken) N. ps. 28, 8; er tela rinnen wazzer iizer 
steine (ließ w. aus dem st. Hießen) ibid.; foue lüde niili tale 
irstän (ließest mich wieder auferslelin) A. ps. 29, 2. vgl. 38, 5. 
Ein mhd. dem franz. faire entsprecbendes inon neben inip. 
ist jedoch niclil sehr liänfig: diu mich siiijen luol (cpii jne 
fail clianter) Ms. 1, 21'^ Doc. misc. 2, 206; diu lieble sunne 
diu den hinter wichen tiiot (qui fait retrograder Tliiver) 
Ms. 2, 242^. Desto gewölinlicher stellt es nuil. : diene 
dede crupen Reinh. 859; die mi Verliesen dede 995; Ti- 
bert dede ic muse vaen 1469; dede hem binden 1490; 
daer dedic Isengiin in crupen 1521; dat viesch dedi ghe- 
liden (ließ er gehn) 1524; dede hem liebben (lui fit avoir) 
Floris 1814. In diesen beispielen allen bezieht sich der 
inf. auf einen andern als das subject des Satzes, d. h. je- 
derzeit steht ein acc. oder tlat. dabei. nun entwickelte 
sich aber eine auxiliaranwendung , so daß der inf. zu dem 
in doen enthaliuen subject gehörte, z.h. dedi soehen Hein. 
7, was dann nicht viel mehr ist als soekte; beten dede 
Floris 244 =r liel; ebenso in Godelr. Hagen dede besein 
904; dede voereii 905. JMir ist unbekannt seit wann dies 
auxiliare did im engl, so selir um sich gegrilfen hat : it 
does rain (es regnet); I do believe (ich glaube): I did go 
(ich gieng) ; lie did come (er kam) u. s. w. , im allengl. 
scheint es nocli nicht zu hause, geschweige im ags. Eben- 
sowenig ist es ahd., wenn wir unvollsliiudigen (lueüen 
trauen dürfen ; mhd. niüssen einige seltne falle zugegeben 
wertlen : wie siet in ilnz, frou JMiune , daz ir manKche 
sinne alsus euschninpjieren tnot? Paiz. 291, 5; daz si uns 
tnon hetvarn Wallh. 6, 2. JnJuI. herscht es mehr in der 
Volkssprache: essen tlinn, schreiben thun, lesen thun ; Lu- 
ther beilient sich dessen niciit, oft Spreng in seiner Ilias, die 
schlesischen dichter zuweilen , aus Volksliedern ist auch das 
Y)r'dl.t/iiit m den romanzeuton übergegangen : gar schöne thät 
er singen ^A hörn 1, 37; zu schaun mein mvrtenreis, das 



■ verbum. modus. Inßii. 05 

ich zum kränzclien pllauzen Uial und pflegen tliiit mit 
fleili. (Bürger.) 

Altn. Avird r/er« (facere) gleich auxiliar verwendet : 
koma (jerdln (käme) Srem. 134^'; kyssa gerdhi (kiiste) Sl?**; 
trüa gex'dliak (traute) 233'^; gerdhit liiufra (weinte nicht) 
211?; gerdlii verdlia (würde) 224^. Schwed steht dafür 
jenes mhitle (s. 93): mände komma, kyssa. 

heijinneii (incipei'e) : gotli. diKjann afdömjcni jali svaran 
IMatlli. 26, 74; dugann nicrjan JMarc. 1 , 45 ; dugann liiis- 
jan JMarc 4, 1; (higunuuu riiupian IMarc. 2, 23; duginnam 
anafdiian II Cor. 3, 1. ahd. bujunston sprehhau Is. 6; 
biyunsta r^ihisun Is. 9,2; bigiinda laucnon Ir. theot. 31,15; 
bigall gangan das. 59, 30; bigaa slei'ban T. 55, 2 ; gonda lliw;.- 
hnn T. 155, 2 ; bigoiida itiwizun T. 65, 1 ; saiiian*jii bigonda 
0. 11. 7, 2; biginne rediiiun, bigonda brcdiguii Ü. 1!. 1, 7; 
bigonda drahlc^.n 0. 111. 14, 17 ; bigau anlwurlen O.IV. I'J, 17 
bigin redinon 0. 111. 18^ 35; biginnu guallichon 0. 111. IS, 
39; chleben beginnet N. Blh. 141. nihd, bekunde Tif 
(jdii liolh. 1497; begunde louben JMar. 75 ; begiiiule nahen 
Parz. 142, 11; begunde sagen Iw. 93 ; ])egunde liclilen Im. 
672; begiiinent suochcn Iw. 1250; leiden began ISib. 5'J, 
4; begunde werben INib. 27, 3; begunde klagen lleiiili. 
1409; begunde draben Reinh. 1062; begonde geben Bari. 
6, 3; begonde walisen Bari. 5, 40; began arbeiten Bari. 
150,13. ahs. h{(jinmun reckeau liel. t, 1; bigan wuiidvon 
Ilel. 4, 22; bigan saian llel. 73, 7. mnl. heyonsle slicliteu 
Slüke 1, 41; bogonslen riesen 1, 97; begonsle teilen 2, 4S7 ; 
began briesschen liein. 693; bcgonden roven Floris 132 ; 
began siglicn 1089; began onldecken 3335. ags. cinncn 
oiKjunuoii B. 486 ; onginnedh cunnian 15. 4083 ; onguniion 
ra3ran C. 2, 17; ongan l'renunan C. 3, 3; ougan up ahob- 
ban r. 17, 14; ongan hladan C. 175, 26. altengl. (jou 
leren llorn 247; goiuic Ibunde Iloin 137. Aber schon 
ahd. nibd. innl. und allengl. zeigt sich die präp. vor (k-m 
Inf., und nhd. nnl. [engl, hat sie sich vor beginnen, an- 
fangen, anlieben u. s. \v. völlig eingedrängt. 

Die altn. spräche beilient, liir denselben begiif, sich 
des Wortes neiiui (capere und dann coei)isse): uam vega, 
skiola Sa-m. 6''; nam mada 162-'; aber ge\Nuhnlich wird 
die priip. beigcliigl ♦). 



') rias scliwed. fa (caiiere) steht als liänfi<ros Iiilfsworf, in der be- 
deiitiiiig: von lassen oder tliuii: la .>e, l"a l)li, I7i lata, la itjuta S. V. 1, 
38, In ga = gellen das. 1, 2. 2'). 92. dü-s diiii. faa vorlaagt die inäji. 



96 cmfarhcr scilz. 

Naliverwainlt siiul die aiixili.iriscli "obrantlilon vcrha 
slmidnii uiul (jinilmi. alid. fniifra (jistiionl (<|iiaerc're 
coepil) llild. <S; \%aiiiu;M gcslal (\Nariu wird d. Ji, auf dein 
piinct , im beijril stellt warm zu werden; A. ("ap. 4.»; iseii 
gcslut (zu eis wirdj N. Cap. 70. zumal bei U. gisluaiiluni 
gtecliaii 1.20, .5; gislcisl irwellen II. ü, 70; gisUianlun scuwöii 
I. 9, 23-, gisluani meruu II. 6, 35; gisluantun zclluii 111, 20, 
30; gisluant warten IV. 18, 24; gisliiant gibiatau IV. 4, 
5; giMuant lliankuii IV. 34, 16. in den aiulern und spa- 
teren dialeelen idclit vorkonunond , ducli sagt mau nnl. 
iels stau üix^ii ., etwas im begrif sein zu ihun, aucb inuli 
das gülb. (Inslödida llmhrjan i'jr.^uio of/.oöo/itlv Luc. 14, 
30 \('i-gliclien werden, Avelcbcs parallel lauft mit dugann. 
(jeräten'm diesem sinn kann ich erst mlid. Jiacliweisen , ver- 
mute es aber früher. /ia//eu _rye?'/e< Iieiuh. 751; zockengeriet 
Reiiili. 769 ; gerieten rnpleii lleinli. 790; bilen geriet Heinli. 
2120; gera'let kalten Freid. 133, 24; geratet vindeu Trist. 
12436; geriete imigen Ls, 2, 528; geriet minnen Ls. 2, 629; 
geriet tasten jMeyor u. iMooyer 47^; aucli in des Conr. v. 
Dankrozlieim namenbuch : gerötet sich zieren 113, gero- 
tent sich uf rüsten, gerötet comeii 118, geriet lassen 123; 
geriet verdrieUeu Juslinger 12. *). Merkwürdig gilt es 
auch in der altn. spräche: biodha raulhv (bietest) Sa'm. 
142»; redli vakna (erwaclile) 252''; rudliaz geyja (latrare 
iucipiunt) 254^. 

Ferner slehn die verba gehen y fahren y kommen auxi- 
liarisch mit dem bioi^eu inl". 

gaijgan: gotli. </«</</ tliuk atancjjan vijays, ofcivrov 
d'f^^oi' Marc. 1, 44; gagg gasibjun vTiuye, ihci}.?.uyi;&iMa[[h. 
5, 24, in beiden beispielen verwandelt Ulf. den doppelten 
gr. imp. in einen imp. nüt dem inf. , sein gasibjun liat pas- 
sivljedeutung; usiddjeduth sailivan ei.>';/.0^£TS d-tviGunOut 
Matth. 11, 7; usiddjedun galiaban ina ^^i;?.Sov y.gnTijaai 
ciVTOv IMarc. 3, 21; itldjedun gamuljan vni]rTr^Ge Job. 12, 
18; gaggands sligqvan nnQfi'Oitsrnt: avjnßcJ.eh' Luc. 14, 31. 
m\\A. (j'ienc stunV\.oi\\, 1260. 3178. TSib. 788, 1. 1074, 4. fi-agm. 
so'' Kolocz, 246; gienc sitzen Parz. 166, 30; giengen sitzen 
Gudr. 1471; sitzen gan Ms. 2, 77» Walth. 58, 16. Rab. 
108. Iw. 2722, Nib. 689, 1. 822, 1: stürmen gan Reinh. 
740; ezzeu gän Iw. 351; giengen ezzen Iw. 6545; niusen 



') die meisten dieser stellen rüliren von elsässischeii diclitern, in 
dem Elsaß und der aiistoßi^ndeii Schweiz sclieint das anxilinre {rennten 
einlieiniiscii. neuer gnind datVir d.iß der vertHSser des Reiiilip.rt Wal- 
tliers von Horburg landsmann ge.veseii (Reinli. s. CIX) ; docli Freidank? 



verhain. ?/iodifs. iiijin. ()7 

^;U Freicl. 73, 16; trüren g;lt Freul. 117, 16; glenc baden 
\lex.2205 : gie im engegeue ziio der tiii' slaiiTSib. 1166, 1 : gienc 
schouwen hv. 6426; gen wir l)rechen ! IMs. 1, 81^; göt kou- 
len! Bari. 90, 28; bitten gan Ls. 1, 549; sterben gäu Ls. 
I, 528; ttcten gan Ls. 1, 527; Avagen gan Ecke 146. nhd. 
juir in gewissen formein, -svie schlafen gehn, baden gelin, 
'Spazieren gehn, betteln gehn ; man sagt aber nicht essen gehn, 
liiiiken gehn, sitzen gehn, eher wol : \vir wollen gehn bliimen 
hi-echcn. alts. geng inni ijisitÜen Hei. 138, 14; geng tliio- 
nOn 3, 23. ags. siltati eodou B. 981; eode sittan B. 1274; 
null, gawi etenl Floris 2178; ghinc slapen Rein. 3592; 
I ledine sitten gaen Rein. 144; ghinc gheloven Rein. 608; 
uinghen staen Rein. 1871. a\iu. gevgr vega Sa?m. 9» ; ei"a 
i^unga 224»; siodha ganga 54**). 

Gerade so goth. fanrsnäu salhön iiQoü.aße uvQiaai 
IMarc. 14, 8; fauragaggis maiivjan Luc. 1, 76. alts. giwet 
\mu ganganllel.26, 12.128,13.143, 19; giwet im gesillien 
37, 13; giwitun gangan 171, 1; giwitun im sukean 24, 13. 
ai;s. gevät liim secaii B. 3202; gevat lleogan C. 88, 27; 
gevat liini ridau B. 466; gevat him tredan B. 3924; gevat 
him drelan B. 3803; gevilon liim feran 599; geviton liim 
neosian ß.2243. alts, sithön: silltödun gangan Hei. 171, 14. 
Jaran: ahd. ih faru garaiven (vado parare) T. 162, 
1; farant sehan hymn. 19, 8; fuar lisgou 0. V. 13, 3. 
nihd. varn sehn l\v. 808; turnieren varn Iw. 2921. 3005; 
vuor suochen Iw. 5760; vuoreu schauen Iw. 1596. ninl. 
voer soeken Floris (.602. ahn. ferr veqa Sajm. 9'; bidja 
furo 217'^. Ähnlich ritam mhd. reit jagen Bari. 12, 36; 
reit vorsehen Parz. 559, 18. 

(jvimam goth. gvani gatairan ak iisfulljan Matth. 5, 
17; qvani lalhuii INIallli. 9, 13; C|vam skaidan Malth. 10, 35; 
qvam andbaliljan IMarc. 10, 45; qvamt balvjan JMallii. 8. 29; 
qvamt fraqvisljan Marc. 1, 24; qvenuin sallivan Marc. 5, 
14; (|vimilh gavandjan Luc. 1, 17; qvimaiu nasjan .Malth. 
27, 49. ahd. nvam scoivon 0. IV. 3, 6; cluiami didten 
liynin.6, 4; paspeohon cluiamul üiiit. 1. 493'''; doch bei 'V. niid 
N. schon die priip. zi vor dem iuf. alts. gangan kumoil 



*) zu bcaciiten ist die oberdeutsche, besonders in Schwnlicn niid 
der Schweiz j;eläii(ii;e ainvondiiii<i des atixilinrs mit' sicii sell».-t: gifuf; 
pi^n , gieiifreri {»eii, gieiij? icli gehn heischen (heischte ich) in Plnfers 
leben p. 9ö. 160. r>2. 37. 86-, nmsten j^jan {gangen Moiies an hiv 1, r»9; 
ge sclihifo go Whoin 2, '285; poh gell, ziirch. gcd. H\\. \\\:y. gdlist 
goh geh il)i(l.Tl. 74, Sclion nilid. ge gaiic dich othcnken! Ls. '2, 7»H, 
wiewol dies eine bh»iie vercioppelunij des imp. ist. Aber ieh finde 
auch sitzen snz IVagm. 23'». 

G 



pg i'i//J'iic/'iii- sdlz. 

ITcl. 138, 20; qiiAiniin gangaii 78, 1; qiiüniuii ina soUeari 
27, 16; (|iiaiiiiiii \>(MHliiri sNclisleaii 96, lü. ai;s. seceun 
evumoii I). .iJ4; com luvoipan Mallli. 5, 17; com asyri- 
ilnan JNlatlli. lü, 35; (laiieheii abei- auch niil ilor piap. 
ahn. kemr veija Siciii. 9*. mlid. knuil sterben Iw. j243: 
was koinen iiemen Trisl. 323'). nlul nur mit zu. 

Hiciaii sclilioiU sich der begril" des eileas; -/.war das 
golh. sniuinjaii bielel sich uichl ii» unserer coiistruclioii 
dar, desto iiiiuliger das ahd. Hau: Uli luuj'an 0. Jll. 24, 
45; ih'iues iheiiken ü. IJI. 26, 61; ih iJo haben j\. ps. 
25, 6; ilel iersKzen N. ps. 102, 5; iha wesen JN'. ps. 25, 
12; llto» laron jN. ])s. 27, 4; lilou besuiclien N. ps. 104, 
25; illon chojnea N. Cap. 52; ilton halsen luide küssen 
N. Cap. 120; iJli skeiden N. Blh. 147 u. s. Av. mhd. Ute 
üf stall ]Mar. 61; ille senden JMar. 62; ilte geben ]Mar. 
72; ilten bejagen ]\ib. 168, 2; illen gaben Kolocz. 264, 
Aw. 3, 280; ilt entNvenken A\v. 3, 186; doch begegnet 
zuweilen die nhd. uiierliilUiche i)r;ii)., welche Lulher schon 
überall ilaniit coiislriiierl. mehrere mhd. dichler, z. b. 
Harlmann, Uudoll enlhalteu sich des ^vorles iieu und ge- 
brauclicu nur gaben, das ich seilen mit dem in ('. finde : 
gältet striten ISib. 124, 2. neben dem verstärkten ilte 
gaben wh\{ sich kaum ein gabte üen aufweisen lassen. 
Hierher juin auch das goth. Am Idistjau .Marc. 10, 21; 
das aiid. sleih irfindati U. 11. 4, 5 uuil iiiinliclies. 

Weiler tlie verba lassen, Iieissen , ijebieteu. lassen: 
golh. let llians daulhans ^//i«« seinans daulhans äfft^ lovg 
rey.Qovi: daxpai tovg iuvTcöv vexQOVS JMalth. 8, 22; let 
sada vairlhan barna ä(fi€S yoQtaad'fjVut r« rty.vu JMarc. 7, 
27; frali'iilutrudjan T/y'/i Ati).6/> jMarc. 1, 34; fralailol gaggau 
C((ff;x£ ovv(xy.o?.ovd-f;out INIarc. 5, 37. ahd. ihaz Idz ihir 
ivesan suazi 0. 1. 1, 41; laz mili farau T. 51, 3; uns ist 
kelazeu l'oi-e \\izen (nobis ])raescire concessum esl) jN". Cap. 
31. mhd. Idzeu wir nu sin Nib. 721, 1; die holen lazen 
riten Nib. 1230, 1; daz liezen si beliben Nib. 1248, I; 
lä mich den wint an wajen jNis. 1, 6^; laza mich dicb er- 
barmen Als. 2, 17^; lat in sagen Wallh. 116, 25; und so 
überall durch alle deutscbeu dialecle bis auf beute. 

heissen : golh. häit nu vitan v.tXtvaov ovv dacpuXi- 
o&ijvai IMatth. 27, 64; baihuit galeithan ]Maltli.8, 18; hai- 
liail giban Marc. 5, 43. ahd. biaz gifullen (jussit impleri) 
0. III. 10, 3; hieze behuoten JN. ps. 118, 4 und wiederum 
überall so. 

gebieten '. golh. anabudi galeithan iiriTu^fj dnt/.Ofiv 
Luc. 8, 31; anabiuda ik skäidan 1 Cor. 7, 10. ahd. gabiut 



verbuin. modua. iiijln. ijij 

<jtievian fr. tli.59, 20; kabeote ezzan hynin. 17, 1. mhd. gebot 
coiifeu gr. Kud. G, 19; gebül die ineiiige swigeii Mar. 91. 
iitul. nur niil der prajj. \iiul so bereits alid. und mhd. 

erlauben: goth. usldubei niis ijaleithan jMatth. 8, 21. 
l-uc. 9, 59; uslaubida giban JMalth. 27, 59: uslaubei niis 
aiidcfvilhan Luc. 9, 61; uslaubjandein sik galiabanSk. 51, 3. 

(jeruhen: nibd. (jeruochtest vrüijeu Iw. 519; gescheplen 
ücruocbte Iw. 987; geruochte ich gen Iw. 765; geruoche 
N (Mgczzen Iw. 2281; geruochet meren Iw. 6056; geruocliet 
jifllien Parz. 22, 13; ruocliet sitzen Parz. 462, 3; ruoche 
bewarn ]\ls. 2, 155^; geruochet nenieu Wigal. 282; ruochet 
yriiezen IN ib. 399, 2. das mnl. roeken und nlid. gerulien 
erfordern die prap. ahd. antjähau khverdotos liymn. 24, 
3. 10. 11. 26, 13. 

bitten: gotli. bidjan ina (jaleitlian JNIarc. 5, 17; bidja 
gasgan Epli. 4, 1; bidia lulgian II Cor. 2, 7; bidjan» gaga- 
\airlhnan II Cor. 5, 20; bidjani kunnan I Thess. 5, 12; 
alls. hddiin antlücan llel. 79, 2; bad writan 7, 13. altn. 
bailb giinga S<eni. 54''; badli ser fücra 52*^ ; bidh gänga ! 139". 
jidid. bat riten gr. Kud. D, 17; bat nemen Parz. 162, 28. 
775, 15; sineii h^rru er truren lazen bat Parz. 204, 28; 
bit die brücke iu nider lazen (diniitti) Parz. 225, 29; bat 
ziehen Parz. 345, 2; bane rifeu Pai'z. 355, 28; bäten be- 
liben Parz. 390, 5; bat erz iihen Tit. 22, 3; bat bilen 
]Mar. 95; bat den riter mit ir varn Wigal. 3154; dos bite 
ich mich berihten Als. 2, 142**; ich bite mir got lielfen 
Ivv. 7933. nlid. nur mit der prap. , engl, aber noch olme 
sie: bid ihe jnan briutj me (bitte den mann mir zu bringen.) 

mahnen: mhd. mich nmnt siiKjen Ms. 1, 134**; er maut 
in ilen Mar. 215. goth. tjauumdida fjäumjan Sk. 50, 12. 

nülhiijen: goth. bäidis judäiuiakön diuyxä^t/c: i'ovd\a- 
^eivGa\,2, 14; buidillis vas binuütan i'^in'.yy.äcd-)] AtQii jui^D);- 
vui Gal. 2, 3. ahd. peilest tu dih hehaben (conaris icli- 
nere) N. Bth. 47; daz peitet sih skeiden (separat, scparare 
conatur) das. 142. 182; sih peitet spalten (conatur lindoie) 
das. 145; beitet sih taz sougen das. 13f}; peitet sili slrllen 
N. Cap. 80. dies ahd. sili peilan scheint sicli müliei:, zwin- 
gen, bestreben, ahd. notan (cogere): unsih nölon sanient 
in tvesen (nos cogehanl convorsari cum ipsis) X. ps. 118, 51. 

senden: golli. insandidu öiiJan niik. ^eh. 6, 19; in- 
sandiilcdi ins merjan Marc. 3, 14; insandida miU duupian 
I Cor, 1, 17. alid. bin (jisentit satjen '1'. 2, 9; sanla iwih 
arnun U. 11. 14, 109; sentila ludoi'i fr. tli. 19, 7. 

die he'^v'iWi} j'ürchlen, wältnen, denken, ijlunben. dos 
goth. öijun wurde schon s. 93 crwühnt. mlul. vuvhien : 

G 2 



lOO c'injarlu'.r S((tz. 

des voihtcn si etnjellen I\v. 7154; ich viirhlP gewinnen 
Iw. 7452; vüilile N(;ili(;scn liisl. l^.jL'.'J. golli. venjati: 
venja suljan i/.7ii^u) t':itfit'n'<it I ('or. 16, 7; vcneilli amlni- 
niaii Luc. <). ;^4; vcn liabani luikilnan II (Jor. 10, 1.5. all«^. 
iie ivundun iro ferali e</«H ilel. 171 , 25. jiilid. iviind- 
icli /j"W Iw. 690; -wunder sui Inv. 3292; ich wände 
mich yenieten Iw. .5642; si wände siii verlorn Iw. 5795; 
du wundcsl stn Tri.sl. 4.').S0; wände sni \'\ h. 53, 21. fragni. 
22'; wände rechen ]Nil). 97, 3; wände liän erkorn ßarl. 
122, 28. mu\. ivanic welen Floris 395. ah(\. trüwen: du 
8idial)urdi erliden iie trüwcla JN.Cap. 39; tinel enl'aren IS. 
Blh. 138. uihd. triiwet ich mich erwern Iw. 415; truwe 
genesen Iw. 6422; enlriiwele gnesn Iw. 998. 7811; Iriiwe 
bewavn Iw. 1496; truwe henenien Iw. 1639; truwe ge.sigen 
Iw. 4224; troiiwe erdwingen ]\ib. 56, 4; truwe volbringeii 
Nib. 155, 4. güth. tnuiKiu (putare): munäida tlii'nrJujiujtjan 
7]fu)j.s dif^oyend^ui Luc. 19, 4; niunuis gabairlitjan fii/j.n^ 
ffi(puvii.f:ir Job. 14, 22. nihd. meinen (opiuari) : nitiuent 
leit verlrihen Ls. 3, 558. mhd. denken: si yeddJtt in hau 
verlorn Troj. 13510. gotli. thiKjhjan: : thuyhjaud reikinon 
d'o/.ovoiv ciQysiV Marc. 10, 42; thngkeilh visau Gal. 6, 3. 
lhuhte(hin visau Gal. 2, 6 5 ihugkeith haban Luc. 8, 18. 
thuhtedi ufargaggan Sk. 38, 7; tveilljau thuhta. Sk. 47, 17. 
ags. dij ifanthenced P). 7 OH; verjan iJiohlon B. 1076, Luther 
hat noch lIKeg. 3, 22 dauchle gut sein. In allen diesen fallen, 
namentlich auch bei dem erst nhd. scheinen (videri) ent- 
behrt die heulige spx-ache nicht des zu. 

Die begrilTe geben, verleihen, helfen, rathen. goth. 
(jehnth mutjan INlalth. 25, 42 ; gebuu inmia drigkan JNIarc. 
15, 23; izvis iragiban ist galaubjan Philipp. 1, 29; izvis 
algiban ist kuunan IMarc. 4, 11. ahd. (jahiit ezzan, trin- 
cau T. 150; geba trincan Samarit. mhd. ezzen gehen 
wieu. )b. 15, 57. aber schon ahd, und mhd. mil der präp. 
IMhd. rafeH (vgl. geraten s. 96): sitzen riet I\ib. 38, 1; riet 
verenden iNIs. 2, 37*. goth. ragin giba visan 1 Cor. 7, 25. 
ahd. helfau: tir half crunden i\. Bth. 19; mhd. helfe 
wir dir stnten Wh. 417, 10; helfet singen! Ms. 1, 57^ 2, 
42'>. helfen liegen Iw. 2183; hülfen wenden Iw% 2174. 
auch noch nhd. ich helfe dir das vollbringen , ich lialf ilmi 
schreiben, wer hilft mir das ausarbeiten? engl, help me 
sat/ (hilf mir sagen.) ähnlich steht das mul. vanden (ten- 
tare, suscipere): vandet gheraden Keiuh. s. 275. 

hören und sehen, oft mil passivbedeutung des iuf. (s. 63.) 
mhd. si horten hüeve klaffen Nib. 1541,2; daz ros horter 



verhiun. modus, liißii. 101 

weien Alex. 328; niemeu horte in clagen I\v. 5426; wellet 
ir lucren sagen Amur i. nlicl. icli höre dich kotnnieu ; du 
hörtest erzalden. ags. (fesävon heran (videnint porlari) B. 
2040. alid. einsehe dhiz wesan arfullit Is. 396. nilid. such 
riteu Iw. 287; sacli komen Iw. 311 ; sihe stän Iw. 716; ich 
gesach nie tage sliclienWalth. 70, 7 ; sehen verlriben IMs. 1,28-'». 
ulid. icli sehe streiten u. s. >v. goth. viditoda saihvan ue- 
Qie^i)JntTo idiiv JMarc. 5, 32. engl, behold liim go there, 
sehet ihn da gehn. hieran schlielk sich der begriC von 
zusehen, behüten, betvahren , z, b. das alid. bei T. oft 
imperaliviscli gebrauchte iii curet wesan (noiite lieri) 35, 
1; curet cjuedau 13, 14 u. s. x^.; goth. alsaihvith ni taujan 
Matth. 6, 1. 

sagen, leugnen, goüi. (jvitha ni svaran , ni andstan- 
dan Mallh. 5, 34. 39. niik ajdikeis hunnuu Joh. 13, 38. 

verspreehen, verheissen , sehivören. golh. qahäitan : 
gahüihäUun giban Marc. 14, 11. mhd. sivern: er swuor 
in wesen holt Ernst 3921. 

unterlassen, aufhören. <j,oÜ\. sveiban: u'i suäij' bihiik- 
jnn (non cessavit osculari) Luc. 7, 45. 

traqen: ich kenne es nur in einer einzigen nihd. bezie- 
bung auf den iul. behalten. ir Schilde behalten man do 
truoc Nib. 252, 1, d. h. man trug sie hin , daß sie aufbe- 
wahrt würden; sine larnkapi)e er beliallen (var. ze bebalten) 
truuc rsib. 4421, 2; last du din golt behalden tragen jMs. 
2, 250». 

suchen, begehren , tvünsehen. gotli. sokjan: sokeith 
USijmtiian Job. 8, 37; sukidcdun undgreipan Marc. 12, 12; 
allekan Luc. 6, 19. nilid. suoclite niuwan striteu "Nib. Hagen 
183. ahd. zilon: zllotun oidinon (conati sunt ordinäre) T. 
prooein. 1. alul. ih kereta mit iu eüeuN. ps. 20, 3; gereta in 
geluslc liabeiiN. ps.ll8, 19. mhd. «jerte einvegruMnr.fiH. ahd. 
lustida sie chütoran Is. 406 ; mih luslet bringiMi N. Cap. 
80; mih scunlet ahlön ebcndas. golh. usbldja (so lese 
ich f. usbida, \gl. bidjam tvyofied-u ll|Cor. 13, 9) ana- 
thaima visan r^vynurjV uvadefiu eivui Rom. 9, 3. 

lehren und lernen. ein golh. läisei uns bidjan i%'^c(- 
^ov tjiiKX^ 'JiQn^fvyeaOai Luc. 11, 1 zu vormulcn ; usgiban 
uns laiseilli fSk. 46, 18. ahd. kelcre null kdn N. ps. 24, 4; 
16re mih tuon N. ps. 143, 10; lerel sie kaliallan fragm. 
theot. 33, 8. mhd. lartin varen Alex. 229; leie ich iuoli 
bewarn tvv. 2800; Icret uns bau orbornidi' T>,ir1. 103, 21. 



i02 e'iiifiicJii'r sci/c. 

nlul. lehre niicli tiigoiulliart sein; sclirelhen leinen. Vom 
g(jlli. niiiuiu ((liscoiC; l)oi IjH. kein hoispicl iiiil ilcin iiif. 
alid. Urnen: kcliriK-ii iiiinc Heiicla niiniidii N. ps. 118, 8. 
inlid. swi kiiii lernt Af slen an stiicln 'l'it. 86, 4; leriieter 
jiiil dem scliille rileii Trist. 2101. iilid. lesen lernen u. s. w. 

erwählen, vorziehen. golli. valjam. usleithnn f:V(]o- 
v.nvf(€V ;/,d'/jii7/i(ii II ('or. 5, 8. f'rijnnd hidjan ffi/.ovni 
viQO^ivyfadut Al.-illh- G, 5; alid, niiuiiuiil bclon T. 34, 1. 

Ifezienien, (jehiihren. alid. ehirisla rliiinarliiol iverdhan 
Is. 386. iiiliinphif. giftdlil iverdan ((le])ol iiiipleri) J". 166.3. 

}>/leijen, (jewohnen. nilid. />/^"t' Leilen7\\h. 41, 2; pllac 
eniilaficn Wigal. 202. goth. binhts vas fraletttn tto'jü-at 
U7ioh}f-n> Matlh. 27, 15. alid. chhvon ist nidarauheman 
Is. 352; chiwon was aidliinsan Is. 404; cliiwon -«urun 
jM-cdiguii Is. 406; -was giwoii qiioman 0. 1. 17, 43; ^vas 
giion gninden N. Cap. 46; gnon Avas feniifden j\". Cap. 17; 
waniton nider slahen (solebant ])rosteinprc) N. ps. 88, 44. 

Dil" hier zulelxt angeführten Verbindungen des verb. 
subst. mit adj. erinnern an älinliclie gothiscbe, zu ^velcllen 
der reine inf. construiert Avird. (foth ist lier visan v.a'/.hv 
foxiv w^s flvai Marc. 9, 5. Luc. 9, 33.; gutli ist niman 
y.aXor iari /.c.ßüv JMarc. 7, 27 ; goth ist aljanon v.u'/.uy ro 
Cr,KOVGti-v.i Gal. 4, 18. golh ist mann sva visan I Cor. 7, 
26; hatizo ist frnqvistjan Joh. 18, 14: aijhi ist (falelfhan 
d'vsxnXöv ioTi d'fe'/.d^fh' JMarc. 10, 24. azetizo ist fjvllhan 
iry.o-jKoT^QOv d-HBiv INlatlh. 9, 5; azetizu ist hindarlcithan 
tv/.. d's iüTi nrzQeX&eiv Luc. 16, 17. mnhteiijs ist nfa- 
rassjan övvurog iieQianex'aat II Cor. 9, 8. manvns im 
(fviman iTolfiois tyo) ü.&ilv II Cor. 12, 14. fjavilja ist 
bnuoji üvvnnhy.ei oizeiv I Cor. 7, 13. vaila visnn jah la- 
ginon shdd vas evrpQarS^i'^rui y.ai '/aQ)]rc(i td'si Luc. 15, 
32; ni skuld ist lagjan Mallli. 27, 6; frakunuau ni skuld 
ist Sk. 48, 18. 

ahd. mild, steht in solchen fällen meist schon die priip., 
doch gibt es beispiele reiner inlinitive: mahtly ist got ar- 
welihan T. 13, 14; haturstic sclohan ^vas hymn. 1, 4; ez 
ist unmiiffelich bi viure sitzen einem man Bari. 111, 39; 
hezzer Si gehlen danne Irinnen altd. bl. 1, 221 ; bezzer si 
minnen das. 222 ; noch Luther schreibt JMarc. 9, 5 hie ist 
gut sein. 

Auch nach valdiifni äih oder haba ist bei l"lf. .loh. 
19, 10. IMallh. 9, 6. 1 Cor. 9, 5 der inf. gesetzt, Luc. 2, 1 
nach urrajin gagi-efls gameljan^ und Phil. 1, 21 steht: mis 
lihan Christus ist, jali {jasviltan gavaiirki; naudithaurfts 
vas andniman 8k. 40, 14 ; nuudilhaurftiman bidjau II Cor. 9, 5. 



verhniu. modus, iiifui. 103 

Icli glaube die hauptsächlichsten dieser couslructioneii 
vorgetrageu zu haben, lange freilich nicht alle, denn ein 
jedes verburn , aus dein sich ein zweiter salz mit der con- 
jiincliun da\S r=: lat. quod , gr. Öt<, zuweilen auch ==: lat. 
iit eiilfaUen kann, scheint in unserer spräche das verbum 
dos al)liaiigigen salzes an sich zu zielien, d. h. in den inf. 
wandeln zu dürfen. Je auxiliarer die bedeuliuig des her- 
scliendcn verbunis wird, desto nolhiger ist die Verschmel- 
zung beider salze in einen, wiederum einl'aclien, und desto 
viilbebrlicher die Zuziehung einer praposilion. INTan sagt 
wül : ich habe den festen willen daß ich es ihue, ich habe 
die kraft daß ich es ausrichte; desgleichen: ich habe den 
willen es zu thun , die kraft es auszurichlen ; sobald aber 
der ausdruck sich conceulriert , darf es nur heißen: ich 
will es tluui , ich mag, kann es verrichten. 

Bei aiixdiarien, oder den in auxiliarsinn einbiegenden 
V erben liegt das verliallnis am ollejisten. allein auch in 
audern fallen ist der gcw iiui des vereinfachten, geschlos- 
senen Salzes unverkennbar: du sielist ihn konuncn, du 
borst ihn singen slalt daß er kommt, daß er singt, das 
alte: ich bat in nemen , ich vorhte es engclten war un- 
gleich günstiger als die aullüsung : ich bat ihn daß er 
iiiduiic , ich fürchtete daß ich dafür zahlen müsse. 

Am seltensten steht der inf. stall der conj. daß, wo sie 
dem lat. ut im sinne von aiif d(d\ , Jrtmt7 entspricht, na- 
mentlich aber nach gehen, tragen und geben: gib mir 
triidven (da mihi ut bibam), Irac behalten (porta ut cuslo- 
diatur), ich gehe schlafen (eo ut dormiam , eo dormilunO; 
docli liißt sich letzteres lunfassen in das auxiliare : ich will 
soidafen. Da wo im N.T. inf. oder conjunclion wechseln, 
kann sich auch Ulf. beider ausdrucksweisen bedienen , z. b. 
1 Cor. 7, 8 xaAoi' avTois loriv , tdv fisirwrui' , 8<*lh ist 
im jabai sind , ilürfle unbedenklich stehen : visan. Oft 
aber K)st Ulf. dQu gr. inf. in conjunctionen auf, z.b. Rom. 
7, 3. 14, i;3. II Cor. 2, l. Col, 4, 6. Luc. 1, 73. 4, 42. 
INIatth. 6, 8. wovon im zweiten abschnitt näher zu han- 
deln sein wird. 

Zuweilen linden sich zwei abhangige Inf. neben ein- 
ander, und dann sind drei slilzc in einen zusanunengellos- 
sen. Das golli. duguniian bidjaii ina ffalellhan jMarc. 5, 
17 bcdeulel also: sie liengen an, daß sie du» baleii , daß 
er gienge. der erste inf. ist von dem heischenden ver- 
bum, der zweite von dem erslen inf. abhiingig. nicht an- 
ilers z\i nehmen sind : haihail izui (jibun mnijaii Marc. 5, 43 : 



J04 ei//J'cicJicr aafz. 

alid. hiaz farun %vus(jan 0. lll. l'O, 12.5; iiiIk], Innen Idzen 
bat Par/. 204, 28; last du diu goll hehallen trauen Ms. 2, 
250; M'üUlc uns dor liuvel helfen lieht IVcnn. 4020; er 
künde ir helfen lietjen Iw. 2183; ulid. ich mag es nicht 
verderben lassen^ ahn. badh siodha (jänyu Sii-ni. 54^. 
Besonders wo zwei liilfswörler im spiel sind : nhd. er 
wird nnlerijehn müssen, er soll es bleiben lassen; mnl. 
sal ghehelpea luogheu Kein. 690. 

IL Priiposilionaler inßniliv (?) 

In unserer spraclie \vird dem Inf. nur die praposition ei- 
nes ein^-igen begrils vorgesetzt, uud zwar in der goth. hd. 
Sachs, und fries. die priip. du, s«, si, zu, '*•) to , in der 
nord. hingegen at. beide iedocli bedeuten dasselbe, und 
drücken aus was das lal. ad. 

Die romanisclien spraclien vertlieilen das amt dieser 
einen deutschen präp. unter zwei der ihrigen, indem sie 
bald a (= lat. ad) bald aber de (ilal. di) verwenden, je- 
nes enthält den begrif der annäherung, dieses den der 
entfernung. nur das a entspricht den angegebnen deut- 
schen Präpositionen. 

Außerdem wird aber noch eine dritte roman. priip. vor 
den inf. gesetzt: itak per, span. por , fjanz. pour , und 
danach hat sich ein nhd. um zu , nnl. am te , engl, for 
to, schwed. und dän. for at eingeführt, das der früheren 
zeit völlig unbekannt war und zum theil erst durch den 
häufigeren gebrauch des zu , to und ot statt des bloßen 
inf. verankifU wurde, endlich gilt ein mlid. mnl. durch, 
dor vor infinitiven. 

Wesentliche eigenscliaft der präpositionen ist casus- 
rection : erscheint eine präp. vor dem verbum, so ist eine 
declinierbare mitlelform erforderlich , Avie sie das lat. ge- 
ruudium , supinum oder parlicipium gewähren, oder im 
griech. der artikel einigermaßen suppliert. 

Nun befremdet es aber, daß gerade der älteste und 
formgewaltigste unserer deutschen dialecte, der gothische, 
die präp. du unmittelbar und selbst ohne artikel vor den 
ganz unveränderten inf. hinstellt, ebenso verfährt die all- 
nord. Sprache mit ihrem at und dem inf.; im ahd. mhd. 
alts. ags. altfries. hingegen hängt von der vorgesetzten präp. 



•) das verstärkte alid. zuo -J {Grau' präp. 242) Iiabe ich nur eiii- 
iiiitl in einer glosse vor dem verliuni angetrotfen : zua zi kafuacanne (ad 
uiscLuras) Diut. 1, olS-"», 



perbu/n, modus, inßn. 105 

elii üeclierter casus ab , und kein andrer als der dat., wel- 
chen die priip. zi, tu zu regieren pilegt. 

Schwerlicli läßt sich behaupten, der goth. inf. nach du 
sei als ein acc. zu betrachten. denn wenn das ahd. zi 
einigemal diesen casus bei sich hat, steht doch beim goth. 
du sonst überall nur der dat., und es wäre seltsam, daU 
ein goth. gen. und dat. des inf. nicht bei andrer gelegen- 
heit erscheinen sollten, es ist bisher eine einzige spur des 
goth. dat. inl". vorgeschützt worden, nemlich du vigamia 
61'^ violffiov Luc. 14, 31, der aber nichts anders als eben 
unsere priip. du vor sich hat. man braucht nur vigana zu 
lesen, dat. eines subst. vigans {nöXeniog), und alles findet 
sich in Ordnung; ohnehin lautet das verbum veihaii 
(pugnare.) 

Also, es gibt im goth. und nord. so wenig eine flexion des 
Inf., als im gr. undlat., und ich bereue 1, 1020 von einer 
decliuatiou und noch oben s. 60 vom dat. des inf. gesprochen 
zu haben. Wie könnte auch die ahd. form, -annes, -anna 
gen. u. dat. des inf. auf a»i sein? woher nemlich INN? diese 
ahd.gemination, wie wir wissen, tritt sehr oft an die stelle 
von NI , folglicii stehen annes, anna für anies, ania (gleich- 
wie chunni , chunnes f. goth. kuni, kunjis) , was durch die 
volleren altweslph. formen der essener beichte liagannias, 
suerinnnias (ahd. liogannes , suerrannes) bestätigt wird, 
aus dem inf. an ließe das I des gen. und dat. sich nicht 
begreifen. 

Wir dürfen daher diese ahd. mhd. alts. ags. altfries. 
vcrbalgenilive und dative mit keinem andern namen bele- 
<;(Mi , als den inis das lat. gerundiiim an band reicht, das 
alid. nüniuMines, niinnunne entspricht dem lat. amandi, 
amando; das ergibt sich auch aus der syntactischen bedeu- 
tiing von zi luinnonne r::z ad amanduvi. so wenig ein 
lat. ad amare zulässig wäre, ist es ursprünglich ein ahd. 
zi minnon , hin und wieder zeigt es sich aber schon, noch 
liäuligcr im mhd., und nlul. ist es ganz zur regel geworden. 

Die genannten idleren zweige unserer spräche stehii 
hiernacli in unleugbarem vorlheil gegenüber dem goth. und 
altn., die, soweit sie luis bekannt sind, eine wahrschein- 
lich frühere gerundivfovm auf den iitf. zurückfühien. allein 
sie folgloM iK'isclhcn richlung, die sich in sämtlichen roman. 
sprachen hervorgolliau bat. ich miichte wissen , wo uml 
wann ein solches ad atnttre zuerst crschoinli' 

Nach dieser berichtigung und erörtcrung der fonnen 
haben wir nun die fälle zu uutersuchcn , in welchen die 



J06 ein Jacher nutz. 

j)rä|). mit (lein genimlitiDi , oder was uns gleichviel ist, mit 
dem golli. allii. und .s];;ilcieii Inf. auf andere verba folgt. 

Im gotli. ist diese constrtiction bei weitem seltner als 
die des reinen inC; die wichtigsten beisjnele folgen, urrann 
iln suinn fti^/.iyev rov O'jrfioat -Marc. 4, 3. Lnc. 8, 5; hlauts 
iinnia nirann du salian u.w/f lov ■di'iiKcnut Luc. 1, 9; us- 
lidlnuda nicl diz bai'ian hiiKv^odri o yoornc: rnv rey.civ un- 
t{]v Luc. l, 57; usfullnudechui dagus du bimaitan ina trrA;^- 
adr^nav rjiinai rnv •jffOfTt^/ifiv uxirov \a\c. 2, 21; ushuf 
sik du laiejan jimfßy lov d'i()uGKftv iMatth. 11, 1; sat faur 
vig du aihti-un hMcuJr^ro •rraod T?;r od'ov 7iooguno)V Marc. 
10, 46; nielida du gabairhtjan f^'yoawa eYveyev lov (paVfQia- 
■d-TJvar II Cor. 7, 12; andnemum du haban jraoÜMfjor y.oa- 
THV JMarc. 7, 4; xislukäi unsis haurd vaurdis du rtjdjan 
aroihj t'ijiiiv d-voav tov /.oyov ).a).i-Gui. Col. 4, 3 ; tliala 
du sitan nist mein du giban ro d% 'Aad-ioai ovy. i'ariv ftinv 
<)ovvai Marc. 10, 40 ; atgibada du usliraiiijan u^aoadidorat 
iiQ TQ axuvoiod-y^vai -Matlli. 26, 2; xisbauhleduu akr kas- 
jins du usfilhan t^yÖQuouv tov uygov tov xeoa/n^ois eig 
TccrfTJv INlatlh. 27, 7 ; izei skaflida sik du galevjan 6 //e'A- 
hov uvTor 'rrugadidovai Job. 12, 4; andvairth vas uns du 
vinnan fitllofiev S-Xißeod-ai 1 Thess. 3,4; uHo mis ist 
du mcljau nsginoop fiot ioTi ro yocirpeiv II Cor. 9, 1; 
rahneith manvi liabuiu du usliulian %'jijffi^ii ri]v ()'aiitivr^v 
!.i i'ysi si's ana.QTiGfiöv Luc. 14, 2S; nianvuba liabandans 
du fraveitan iv ixoijmo l'yovrss ty.öiy.rjoni II Cor. 10, 6 ; 
saoi liabai ciusuna du hausjan , galKiusjai i'yv)V vna uy.oveiv, 
a/.ovexM Luc. 8. 8; gafrilhudai du atsaljan 'n(ioaG'ti]oai 
Col. 1, 22; gavaürhta tvalif du visan inolr^ae ddtd'ey.c. , l'va 
ojGi iMarc. 3, 14; algaft mis du vaurkjan Ö d^ÖMy.us ftot. 
iva uoo'jGCo Joh. 17, 4; bandvith du fraihnan roiei uv- 
■diod-ai Joh. 13, 24; faura ist muns du viljan i) ■nQod-v/nu 
rov d^fleiv II Cor. 8, 11; armuiuu ni taujan du saihvan 
im TTQOS To ■,%tid-ijvai amols jMatlh. 6, 1 ; saihvilb qvinun 
du luslun izos (jXfTiow ywuiy.u TiQog t6 eTiidvfitjGai avT7;v 
INIattli. 5, 28; insakana vesun du galarlijau Sk. 44, 20. 

Ein hauplfall ist offenbar, wo 3er gr. wenn schon un- 
beugsame inf. durch den vorgesetzten artikel rov in ein 
genitivisches Verhältnis gesetzt wird, welches nun die gotli. 
prap. du ausdrückt; wir können nlid. in den meisten der 
angegebenen belege, docli nicht in allen, unser ?/m ru ver- 
wenden. Dem Gothcn muß aber die Verschiedenheit des 
bloßen inf. von dem durch du verstärkten nicht allzu groii 
gewesen sein, denn er schwankt zwischen beiden cou- 



verbuin. rnodas. irifin. 107 

slrucllouen. auf auabiiidai] folgt iliu soust der inf. ohne 
priip. (s. 98) , Luc. 4, 10 heißt es gewis nur darum ana- 
biiidilh du gafastaii thuk , weil in ivTuhüiai lov d'iarfv- 
/MiiUi jeuer arlikel xov enthalten ist. ebenso I Cor. 9, 6 
ni haljus valdufni du in vaürkian tov fii] ifr/ü^eaS^ai statt 
des soust nach valdufni haban folgenden blolieu inf. (s. 102.) 
Auf der andern seite kehrt sich der Übersetzer nicht noth- 
■w'endig an das tov, sondern läßt aucli da, wo es vorkommt, 
die präp. weg : jabai ist mis vairth galeitlian i'dv d's fj 
cc^iov TOV TioQivead-ai 1 Cor. 16, 4. 

Zweimal ist noos lo, einmal eig rn vor dem inf. durch 
ein du wiedergegeben; ()'n\ to . fv Tiö, fitru und ttq'iv vor 
inlinitiveu finde ich allzeit in eine conjunctiun mit dem conj. 
oder ind. aufgelöst. Bei wäre schwankt Ulf., er setzt nach 
svaei den conjunctiv: svaei skalkinuma ojgts öov).fveiv 
Rom. 7, 6; svaei ni mahtedeina war« pi] övvaad-ai. 11 Cor. 
3, 7; nach sve oder svasve laßt er den infinitiv: sve manv- 
jan (Ögts trotjiccaai Luc. 9, 52; svasve thata skip gahulith 
vairthan oioTf to vtXoIov Kalvn'ieod'ai. hier also nie du. 

"Wie nah beide structuren, die mit dem blof^en inf. 
uiul die mit der geleilenden präp., im begrif zusammen- 
iließen, ergibt sich am klarsten, wenn wir ihr Verhältnis auch 
in den übrigen dialecten verfolgen, anfangs verstärkte die 
präp. in gewissen fällen den infinitivischen ausdruck: iddja 
du saian sagt etwas mehr als das bloße iddja saian ; da 
nun jede solche erhühung allmalich ihren reiz zu verlieren 
und dem einfachen , luiverslärkten sinn sich zu nähern be- 
ginnt, so geschah es, daß der präpositionale uif, oft an 
den platz des einfachen rückte xuul dann jener erhöhte 
ausdruck eine neue oder verdoppelte präp. forderte, jenem 
golli. iddja saian würde unser heutiges: ich gieng zu saeu, 
dem iddja du saian unser : ich gieng imi zu säen gleich- 
bedeutig sein. Ich werde diesmal die ahd. mhd. inul nlid. 
8j)rachc zusammenfassen. 

Nach dem verb. subsl. tmd nach werden steht häufig 
dns dalivgerundium mit der präp. (s. 60. 61.) ■/.. b. ist ze 
jelienne N. Bth. 144; ist ze sagenne das. 151; za pelonne 
ist (oranduni est) liynui. 17, 1; belege für sint oder tifer- 
dent 7.1 wizanne gibt (iialV 1, 1089. daz wirl tir zc tuonue 
N. ps. 118, 130, wörtlich bedeutet daz ist zi sagenne: lioc 
est ad dicenduni. ein golh. ihala ist du ([vilhan kommt 
nie vor. 

Von verbis zweiter anomalie fiiule ich folgende mit der 
prr!p. \ind dem inf. conslruierl. wlzzan : sanu) so dii ne 



108 einfadier salz, 

xvizzist ze anlwurtenne N. ps. 41, 6; utul iilid. lieifU es: 
icli weiß davon mi erzählen: ihr wilU das nicht zu be- 
handeln, schon Lulhor prov. 5, 2 dein nuuid weii^ iinler- 
scliicd zu hehallen; 8, 2 ich weiß guten ratli zu geben. 
tugau: toxuj ze bechennenne N. Bth. 128; übe imo tohta 
ze lebenne N. ps. 85, 5; nihd. daz ir ze nemenne tobte 
Iw. 5814; war im ze stAue und euch ze Uielienne lüge 
Ms. 2, 140^'; mir touc ze klageno Tro). 12002; daz mir niht 
touc ze «agene Troj. 11351. nhd. das taugt nicht aufzubeben. 
unuait: unnisl zegeeiscunne j\. Cap. 135 ; unne er dir imsih 
ze ir lusenne N. ps. 19, 5; mlid. ob dir ein wib mit ir ze 
redenne gan Ms. 2, 149^; daz man die guoten mir ze 
sehenne gunde Ms. 1, 66''; ze lernenne gan Freid. 78, 20; 
nhd. du gönnst mir das auszuführen, nhd. auch vermü- 
<jfe?t , das ganz in die alte bedeutung von mögen, naclidem 
dieses nun vclle aussagt, einrückte: ich vermag das zu sagen. 

zi nacli haben: habest ze bechennenne N. Bth. 148; 
mhd. waz hat diu werlt ze gebenne? Ms. 1, 6* ^Valth. 93, 
19; haut ze gebenne Ms. 2, 142*; haslu ze gebenne Ms. 
2, 147^; ze lebenne lutn Ms. 1, 65*; ich han vil ze kla- 
gene Reinli. 1088. Troj. 11350 ; ich hän me ze tuonne daune 
bluomen klagen Ms, 1, 68^; nicht ze tuonne hat altd. bl. 1. 
223. nhd. ich habe zu zeigen , zu melden vi. s. w. 

nach thun: tiion zi xvizzanne Gralf 1, 1089; mhd. 
luon ze wizzenne; nhd. zu wissen thun, 

nach gehen und kommen: gieng zi säwenne T. 71, 
1; ni quam zi lusenne uzouh zi fullenne T. 25, 4; quam 
zi skeidanne T. 44, 23 ; chani zintwerinne nube ze werinne 
N. ps. 18, 4; nhd. ich kam euch zu befreien. 

geben: ahd. gibu zi drinkanne 0. II. 14, 40; za ez- 
zanue kip (edenduni tribue) hymn. 2, 9; gib mir ze Iriu- 
chenne N. ps. 118, 25; mhd. gap ze ezzen Aw. 3, 25. 

beginnen: mlid, ze wägen er begunde Parz. 29, 30; 
begunde ze loufen, ze lachen Reiuh. 292, 50. 299, 224 
und vgl. die aum. s. 371; ich wil beginnen ze sprechenne 
Bari. 4, 11; nhd. überall so. 

eilen: mhd. ile mir ze sagen Dietr. 76^; nhd. 

gebieten: giböt zi gebanne T. 60, 18 und Matlh. 19,7. 
27, 59; nhd. nach gebieten, befelden, verordnen u. s. w. 

verdriei\en : mhd. des in ze sehen niht verclruz Parz. 
590, 6. 

geziemen , ahd. gilimphan : mir gilimphit zi gol- 
spetlönne T.22, 4; gilimphit wola zi tuonne 69, 6; gilini- 
pliit zi sterbannc 161, 5; gilimphit zi wesanne 185, 6: 
kazunii iu za luoanne fr. theot. 21. 18; merkwürdig bei- 



verbum. modus, inji/i. -JOO 

•lorlei ausdruck nebeneinander: in gilimpliit walisan , mlh 
/i niinnii'uunc 'J. 21, 6. mhd. im zinit ze tuonne , ze la- 
xenne Ms. 2, l4la. nhd. inuner so. 

helfen: half ze (jeiuonne N. 118, 131; hilf inio ze 
gewerrenne 131, 2. antreiben: nnsih za pelunue cruazit 
(nos ad orandum provocat) hynin. 12, 1. 

verheissen: (jehiez ze zeujonne N. Bth. 147; sih dhes 
bilieizssit sia si archenanne Is. 341. 

hefjehren , (jelüsten , suchen ; gerulun za (jesehanne 
\r. llieot. 13, 5 ; der sih kerut iro ze gesalunue ]N. ps, 
126, 5; histet lih scaz ze sanienunne? N. Blh. 137; niih 
liistet ze alilunne N. Cap. 80; mir liehet ze ahtunne TS. 
Cap. 80; suohtiin man zi traganne T. 54, 2. 

leinen : leret sie zi bihaltanne T. 242, 1 ; mauut unsih 
za archennanne fr. theot. 57, 9. 

erkennen: bichnäan sih zi nemnanne (agnoscant yo- 
cari) Is. 373. 

lauijen (vigere, pollere): maketa fram zarziohanne 
(vigiiil ad propaganduni) üitit. 1, 501^. 

übernehmen, empfanyen: za arlusanue antliengi fad 
hberandum suscepisli) hynin. 26, 6, 

geschehen, erijehen: mhd. s?t tuis ze sitzen liie ge- 
schach Parz. 189, 2; nach der ze riten im gescliacli Parz. 
256, 16; dem ze liden gescliiht Parz. 557, 26; du uns ze 
scheideune geschach Iw. 330 ; diu in ze rilen geschach \\\. 
3367; mir ist ze spilne geschehen Iw. 4872; sit mir ze 
■slrilenne gescliiht l\v. 6653; daz mir ze Itdenne geschiht 
Iw. 7855; von der ze sprechenne m. g. Ms. 1, 43^; ge- 
hchivlie dir umbe ce ligenc alld, hl. 1, 226. Dieses mir gc- 
schacli ze gAiine entspricht dem gr. , zumal bei Lucas im 
N, T. vorkomnuMuh'n tylvtio tfil (haviofn-vfudn/ , mcIcIios 
Ulf. durch varlh (jatj<jan mis verdeulsclil , ohne die priip. 
du. jNlid. ist der ausdruck veraltet. 

amjeJin , betreffen: daz ten consulom aua (jienij ze 
tuonne N. Bth. 127. nhd. es fallt mir zu, liegt' mir auf 
das zu thun. ähnlich das mhd. do in sin muoter bestuont 
ze tragene Alex. 161. 

sich bereiten^ entschließen, bedenlen , erkühnen : 
sih karali za peranne (cum parliiiiiol) gl. juii. lüS; go- 
einola mih ze behuoleniie N. ps. 118, 106; ih nc irhugela 
ze ez/.enne N. ps. 101, 4; gcchMichcnl ii- gold zo suochcnne 
N. Blh. 141; ih nhlnn d(M> ;uin ze huiiniu« \. I'.lli. t4S; 
ich ernenne ze sprechen Mar. 117. 

Besonders hiiufig aber nach adj. und dorn verb. subsl. ; 
ividarziiomi ist zi chilaubanue Js. 3-18; pezzcra isl an 



110 ei/ijac/ier scitz. 

got ze truenne N. ps. 117, 8; iiist guot zi ncincnna T. 
Matlli. 15, 26; nisl biderbi zi giliiwcnne das. 19, 10; ucliru 
7.1 ([mdanne T. 54, 6 ; ga/.elira za quedanne Ir. llieot. 3, 
14; was giwoii xi forlazzaniic '1'. l'JÜ, 1 ; gwon was ze 
skeplcune N. Cap. 17; ist arloubit zins zi gebanne:' T. 
Malth. 22, 7 ; inio ist lieberu unmäre ze sinne N. Bth. 
145; ist brinnanti ira za zilenne fr. tlieot. 43, 29; iu ist 
ininuzze fore tage uf ze staune N. ps. 126, 2; ist unnuzze 
den rat ze lielenne N. Cap. 80; iino lussam was ubelo ze 
tuotuie N. ps. 108, 18; garo bin zi l'aranne T. 161, 3: i!i 
piii garo ze luiotenne N. 118, 60; herza garo ze gedin- 
genne 111, 7; garo ze lidcnne 37,19; garo ze irsterbenue 
39, 13; dir ist herte wider garte ze sponiunne 57, 8; lang 
ist iz zi saganne 0. II. 9, 73 ; imudi ist iz zi gisageune 
0. V. 14, 3; sculdige (birumes) za anthabenne l'r. iheot. 
59, 7 ; uns za tuanne kasalt ist liynni. 2, 8 u. s. w. niJid. 
ez w(ere laue ze scujene lieinb. 1087 ; Wcxr ze stiegen da 
genuoc Wh. 57, 25; daz sol niht senfte zerwerbeiiiie sin 
Ms. 1, 72*; ungeloidilich ze sagene Alex. 3682; niiielich 
sin was ze warten Parz. 380, 5 ; deist müelich ze \er- 
bei-ne Trist. 17823; wfere zenpfähen geb<ere Parz. 546, 
14; mir ist ze scheiden von in gäch Parz. 330, 16; sint 
mir ze sagen ungeb;^re Parz. 657, 6; wo statt des adj. ein 
adv. steht , hängt das gerundiuni nicht von diesem ab, son- 
dern bloU von dem verb. subst. , und zwischen beiden 
phraseu muß man unterscheiden, z. b. daz ist lanc ze 
sagene bedeutet: dicere longum est, daz ist lange ze sa- 
gene aber: longe dicendum est. JNhd. , wegen der meist 
verscherzten adverbialform , mischen sich beide fälle : das 
ist leicht, schwer zu sagen, zu thuu u. s. w. 

Nach Ycrb. und subst. : muoza (fas) ist ze handelonne 
N. Cap. 124; inio ist ernest ze tuonne N. ps. 118, 68; les 
sin all^r ist ten budeming ze erfullene N. Blh. 136; so 
zit was ambaht ze sezzenne N. Bth. 128; uns siiit kint zi 
beranne daga furifaranö 0. I. 4, 51; habet giwalt zi far- 
läzzenne T. 54, 7; habo ih zit ze ougenue N. Bth. 142; 
ih habo willen ze machunne N. ps. 118, 1; ih tuon dir 
stata ze sprechenne (loquendi) N. Bth. 54. mhd. leite vltz 
mit bete dan ze varne Parz. 819, 10. nhd. es ist zeit zu 
handeln; es ist meine pllicht das zu thun ; ich habe macht 
es zu thun u. s. w. *) 

Auch versteht es sicli von selbst, was noch nicht hier- 
her, sondern erst in den zweiten abschnitt gehört, daß das 

*) reichere mhd. belege im wb. zu Iw. 578. 579. 



verhiim. modus, infut. j j j 

gerundiuiu mit Jcr präp. nach einem bloßen nomen einlrc- 
len könne, z. b. kiric zi lerncnne (cupidus discendi), fona 
zihi za Wim scanne (ex studio optandi) üiut. 1, 516^ u. s. av. 

Ans dem alls. ags. altfries. nink ])enierke ich folgendes. 
Hei. 77, 13 steht die präp. hinter cunnan: cau te (jitheii- 
keanne (weiU zu beileuken.) engl, hinter ouglit : it ouijht 
to he, it üught to be recorded. altfries. hinter hebba : lia- 
fjon to helpaiide (opem ferre debeant) As. 20. 

ags, gedjde to vilunne Oros. 110; ic du eov tu vitanne; 
engl. 1 do you to >vit. ags. com hit tu vitanne (evenit 
ad cognoscendum) ; com tu gecigeanne jNlatth. 9, 13. 

heijiniien: innl. te (fitne hadden begonnen Kein. 1699; 
begondeu omme te gane Kein. 1713; altengl. bigou to llo- 
wen , to ileolen Hörne 121. 159. to ride Hörn 140. 

(jehieleu : giiebul te makene Floris 1921; verbieden te 
hurne Floris 11. 

Andere beispiele : mnl. dat hcm stoet te doene Floris 
1851; dat haer beconit te doene Flons 77; luste te leveiie 
Kein. 330; luste hem te slckene Kein. vS28; daer si oj) le 
slapeu plach Floris 3102; ghevet orlof te vaerne Floris 
137ti; hine roekt te gane Clignctt 29. 

alts. Qod is it her te ivesaniie Hei. 96, 17; ags. tu lang is 
tu receiuie B. 4181 ; bid geomorlic lö gebidanne 13.4884; n;is 
thiit ydU^ ceap tu gcgangcune B. 4826. alts. it is iinc te 
lat le giwinanne Hei. 4, 23. 

mnl. liever hadden (malueiiuü) te leuen Floris 48 ; 
hadden liever te ^vesene dut 342; ic heb liever te \erliesea 
min lif 3018; hadde liever te sine 3840. 

ags. nr.el is nie to Jeian B. 629; sorh is ine lö secganne 
B. 940; ofost is seiest tu gecydhanne B. 511. 

Auch alln. ist das at nach kunna, daija luid thora zu 
bemerken, obgleich die beiden lelzlen vcrba alle anomalie 
ausgezogen haben: hnnni al seijja 8iem. lOl-' 102^; kuiino 
\el at ritlba lOf)!^; dugir al micia 163^; ihoriga ek at segja 
137''. ferner ätto at tjialda 1 50i>. 

verdha: verdha at vinna 223^*. 

(jänifa: gcng at nuela 81*; gacc ac beidha! 81*; genglr 
at hanga 253*^; geck at segja 172^*; hovia : comc at sia 83^; 
J'ara : fara alvega 43". 

nema: nani at gaiiga 100* 102*; nam al binda 101*^; 
nam at felki 105«; nam al hrosa 136''; nam al vaxa 150-'; 
nam al sa'kja 161'. 

qöraz: gördliiz al ik') ja 211'; gonlliisl al segia 209''. 

lysta: lyslir at kauua 159''. söniir al vinna 218'^'; 
strmdi at rekja 227*. 



ii'J ehiJ'acJier salz. 

(jolt er ul rudUa 21K''; ddlt var nt eggja 219>; iJt er 
al lii;i|).i IS,')*; lOlt er al lata 125''; skyll er at veita 114»; 
Iraiullir oin ec al soj^ja IG.')»; var ek Jyslr at lila 12.5»; er 
ein biuiiii al rullia 174''; s«rMiri va-ri al fVlgia 224''. 

indl er al ihyljd 24'; mal er juer al rkllia 168''. 

Aiicli aus vcrglciclmng der librigen dlalccte für iliese prS- 
)K)silionale cüiislnittion hcslalii^t sich das schon l)ci dem ^(jlhi- 
scheii gewonnene eigeljiiis; dali sie nichl als ein gegensalz 
zu der rein inlinilivischen angesehn werden müsse, vielmelir 
diese alhnrilich crselze und verdränge; selhsl vor einigen 
auxiliarischen anomalicn pllegt sie zu erscheinen, für unser 
jelziges gefülil liegt freilicli in der präpos. ein stärkerer aus- 
druck von absiclit, enlschluß oder nolhigung. ich began 
ze fragenne bedeutet elwa mehr accinxi nie ad interro- 
ganduin , icli began fragen mehr inleriogare coepi; aber die 
begrille verhiufen sicli. der (jothe würde das lat. tempus 
est ire genau wiedergeben mel ist gaggan ; das ahd. zit ist 
zi ganganne kommt dem tempus est eundi nah, Avürllich 
heißt es: ad eundum. 

Kann der gerundivische dat. aucli ohne die präp. ge- 
setzt werden:* T. 53, 6 stellt quami wizinunne und iiymn. 
26, 8 kelaupanne bist (crederis.) es müsle eben oflcr vor- 
kommen, leicht kann die partilvel beim schreiben ausgefal- 
len sein. 

Wie zwei reine inf. nebeneinander , so dürfen aucli 
präpositionale slehu , z. b. ir wille im was ze ezzen ze (je- 
hene Tit. 155, 4. 

Im mild, erscheint zuweilen die präp. durch vor In- 
finitiven als ein ausdrücklicheres ze. wenn es schon ahd. 
der fall Aväre, müslen mir die beispiele entgangen sein, 
auch führt Graft' bei der präp. durah kelns an. lac ge- 
brochen uudr Ir füezeu durch den luft süezeu (um die 
hift zu versül^en) Parz. 790, 4; durch ruowen manec ge- 
stüppe was uf den kullern gesagt Parz. 790, 13; da was 
manec gedranc durch für hoinn ^A h. 402, 5; bete, die 
man im durch hlibeu ticte (dall er bliebe) Iw. 3822; du 
ich dar kom durch klaijeu Iw. 4293 ; daz ist durch vrd- 
qen getan Iw. 6265; du vluch man unde wip durch be- 
halten den Kp Iw. 7736; beide man uude wip duich be- 
halten den lip In der apkot hiuser liefen Karl 10^; sol ha- 
ben dur hceren swines uren 3ls. 2, HO'', doch ist der 
gebrauch nichl häufig und bei manchen dichtem ganz weg- 
fallend. Mnl. finde ich das dor dem te zugesellt: die li 
daer sal vinden , dor te cortene sinen dach Floris 440. 



verbitm. modus, iiifui. 113 

JMan sieht, daß in eleu Aveiiigslcn der angeführten falle 
der bloße inf. ausgereiclit JiriUe : es lag daran den begi-if 
der absiclit schärfer hervorzulieben, aber die golli. präp. r/it 
wäre dafür hinreichend gewesen. JNhd. bedienen wir uns, 
zu gleicliem zweck, der doppcUcn prap. um zu, welche 
Luther meines wissens noch nicht kennt; ihr entspricht das 
nnl. Olli te. Piein. 1832 steht daseinfache om steten gliinc: 
der nihd. spräche ist auch ein solclies umbe fremd: die 
schleclite hs. eines frauenlobisclien gedichts (Bragur 2, 33 l) 
liefert: wolle riten lif sielen. Der neunordisclien und 
engl. Verstärkungen für at , for to wurde scliou oben ge- 
daclit. in der isländ. prosa erscheint til ot : var buin tll 
at springa S.um. 211. Übrigens ist bei durch und iimbe^ 
die den acc. regieren, das ältere -enne ausgescldossen. 
Das nhd. ohne zu mit dem inf. findet sich in der älteren 
spräche noch nirgends. 

Wie aus dem mhd. gerundium ze Iragenne sicli nhd. 
ein pari, passiver bedeutnng der zn traijende entfaltete isl 
s. 66 angegeben; ich füge nur hinzu, daß schon im nilid. 
die form -ende für -enne hin und wieder auftaucht, z. b. 
gr. Rud. I, 16: ist svar zu trcKjende. die hs. , nach wel- 
cher Conrads troj. krieg gedruckt wurde, hat lauter solche 
-nde statt -nne , im 14 jh. scheint jenes ganz vorzuherscheu. 
Albrechts Tit., dessen reime das pari. präs. mit ist und wirt 
verblinden zur ungebühr liäiifen, ertheilt auch seinem ge- 
riuidium die gleiche form: ze farnde , ze sparnde. ja 
diese form ci-scheint sogar im altfries. als die gewöhnliche: 
tu hetande y reszande , lestande , kelliande (zu büßen, rei- 
chen, leisten, verkünden), obgleich einzelne deidunaler' 
vorziehen: tu nhnane, tu farane. Wenn das isländ. neiitr. 
des pari. präs. zu\veilen gerundivisch in ])assiver bedeutung 
gesetzt wird, z. b. alt er seyjanda (alles ist zu sagen) varla 
er trüanda (vix est credemlum), medh nefnanda manni 
(cum "viro nominando), so hat es nie eine präp. vor sich, 
und scheint erst für die neuere prosa, nicht ohne rücksichl 
auf das latcin, eingeführt: das zu abgerechnet gleicht ihm 
unser nhd. passives pari, in form und bedeulung. 

III. Suhject des inßnitivs. 
Wir haben den inf. bisher in seiner abhängigkeit von an- 
dern verbis unil noch nicht in beziehung auf das zu ihm 
gehörige siibjecl erwogen. 

Hierbei isl nun das von dem herschenden verbo regierte 
subject und das mil dem inf. verbundene nicht zu mischcu. 

H 



114 einfacher salz. 

wenn 03 alul. lieilW : ih pal in queman, so bedeulot das 
rogavi eiiin ut venircl, der acc. in geliört zu pat, nicht zu 
queman; "nvcuu aher: ih Aveiz in Avaltan, scio eum rcgnare, 
so bezieht er sicli nicht auf weiz, sondern unmittelbar auf 
waltan. Im einzchien fall kann es zweifelliaft sein oder 
gleichgiltig, -wohiii man den acc. zielic, z. b. die sUtze : icli 
sehe dich breiuien, ich höre den vogel singen sagen ent- 
weder ich sehe dich , wie (hi brennst (conspicio te llagran- 
leni), ich liöre den vogcl , -wie er singt (audio avem ca- 
nenlcm), oilei- ich sehe, daß du brennst (video te llagrare), 
ich höre, dai^ der vogel singt (audio avem canere.) liir 
unsere nlid. spraclie sclieint mir jenes das richtige Verständ- 
nis, denn wir können ein lat. audio te donuim exstruere 
nicht übersetzen: ich hoi-e dich ein haus bauen; diese an 
sich untadelhaft gebildete [)hrase würde nur in den n)und 
dessen gelegt werden können, der das geriiusch des bauens 
vernähme, in der älteren spräche dürfte sie aber auch 
ganz den sinn der lateinischen enthalten. 

IJberall nun, wo ein im satz auscjedrilckter acc. nicht 
zum herschenden verbo, sondern zu dem abhängigen inf. 
dergestalt gehört, ilaU er bei aulFassung des ganzen in zwei 
Sätze den nom. des zweiten , abhängigen Satzes gebildet 
haben Aviirde, ist die constructiou des accusativs mit dem 
inßniliv vorhanden, jenes ih weiz in waltan zerlegt sich 
in die beiden satze: ih weiz, daz er wellit. auch die 
phrase ih pat in queman ist zerlegbar in ih pat in, daz 
er quanii, gewährt aber keinen acc. mit dem inf., weil 
nach geschehner aullösung das in noch bei pat verbleibt. 
Sicheres kenuzeichen der constructiou des acc. cum inf. 
ist, daß sie nie die präp. zu verträgt; alle unter II erör- 
terten fälle liefern durchaus keinen acc. mit dem inf., ob- 
gleich sie oft das nemliche besagen können, z. b. ich hoffe 
bald zu sterben drückt ungefälir aus, M^as das lat. spero 
nie brevi moriturum esse, allein der acc. maugelt eben, 
der deutsche satz würde dem lat. spero fore ut nioriar 
näher stehn. Darum haben auch jene der construction 
des acc. mit dem inf. verwandten infinilive nach sehen und 
hören (s. tOO) nie das zu angenommen. Auf den vom inf. 
selbst regierten acc. kommt es natürlich gar nicht au, z. b. 
das mhd. ich vürhle schaden gewinnen ist kein acc. cum 
inf. (nhd. ich fürchte schaden davon zu haben); es könnte 
eher ein inf. cum acc. heißen. 

Die abhandlung dieser constructiou fügt sich ganz hier- 
her, weil durch sie einfache satze aus mehrfachen gebüdet 
werden. 



verhum. modus, i/ißn. j j 5 

Beispiele des goth. acc. cum inf. bieten sich vorzüglich 
nacli avithan dar. livaua mik qvidiand maus visan? JMarc. 
8, 27; hvaua mik qvitliaiid visan thus manageins? Luc. 9. I85 
jus hvana wii/c qvilhilh visanl Luc. 9, 20; qvelhuu theihvon 
vairthan (^).eye ßQovTr^v yeyovivui Joh. 12, 29; qvithand USS' 
tuss ni visan Marc. 12, 18. Luc. 20, 27; qvath liuhalh skei- 
nan II Cor. 4, 6 ; qvath (jahanrth authara thairh thvahl 
usthulan Sk. 39, 12. nach viljan: hva vileits täujan 
mik igqvisi' ti &tXf.Te •noiijOal fie v/üv ; Marc. 10, 36; 
ni vileinia thana thiudanon ov -dflofifv tovtov ßaaiXev- 
cai liUC. 19, 14; ni vikhnlun mik thiudanon Luc. 19, 27; 
ik viljau allans tnans visan sve mik silbau i9fAa> nävTag 
(Ivd-Qomovs f^ivai wer za). ifoavTOV I Cor. 7, 7. nach %v'dhnen 
glauben: venja uns svikuntlians visan, yvo im gr. kein 
acc. c. inf. iXiii^m nefpaveQMnd-ai II Cor. 5, 11; galaubiand 
Johannen praufetu visan Luc. 20, 6. nach nrtheilen, 
erachten : ni vulva rahnida visan sik ovy uQuayfioi' 
')]yi]GaTO t6 elvat Pliik 2, 6 ; thatuh rahnida sleillia visan 
luita i^yrjftai ^-rj/itlav Phil. 3, 7; fruujins Idisein in alläim 
alaniaiHiam faura visan rahnidedun (domini doclriuam in 
Omnibus hominibus exislere putabaut) Sk. 51, 16; all dömja 
sleillia visan 'tjyovfnii iiüvxa L,)juiitv eivai Phil. 3, 8; man 
nu thata gulh visan vofi'iLo) ovv tovto '/.akov vnuQytiv 
I Cor. 7, 26. nach lernen: ei galaisjaina sik andhüilan 
(ut discant se conlilcri) Sk. 45, 7, da weder laisjan noch 
andhaitan ein rellexives sik bei sich hat. Außerdem: sö- 
koilh sik uskunthana visan Job. 7, 4; laikniauLlans sik 
garaitlians visan Luc. 20, 20; ik mik silban ni lliau man 
gajdhan tym fjiiavTov ov Xoyi^ofiat xcnstXtjrpfvai Phi- 
lipp. 3, 13; gadob vas thanzuh tjaavissans %)airthan (con- 
venit cos subjici) Sk. 38, 10; mel ist uns urreisan mqu ijjtiäg 
lyeQd'tiVui IVom. 13, 11; guth ist man sva visan xuXor av- 
'd-Qo'mo) To ovTO)S e'ivai I Cor. 7, 26. hingegen JMarc. 13, 29. 
in den worten than gasaihvilh ihala vairllian beziehe ich tliala 
auf gasailivilli , >vie auch der gr. ausdruck otuv Tufra 
iöipe yivof(tva beslaligl. Nicht zu übersehen ist der acc. 
c. Inf. nacli varth Zytrim, auf welchen oft im IS. T. wie- 
derkehrenden ausdruck Ulf. sonst meislenlheils einen ind. 
im iiaclisnlz folgen l,il\t. liuc. 4, 36 heißt es varlh af- 
släiithnan alluns ^yivdo {)üfi{iog inl nümcg, wörtlich 
accitlit ul omncs mein percellerentur *). Ls Avürden uns 



•) norli merkwiirHijTcr in gieicliein fiill crscliciiit alicr oin walirlLifler 
i (latii^^ niil dem inf.: jali v.Trtli ihairligoi^i^an iinina tlinirli ntisk x«4 tyi~ 
vno Ti(i^)((:Tui^in''toO-iu aviof Jt« (äiy a:ioi>inu)v Marc. 2, 23; jali vaitU 

II 2 



!;[() einfache;' Na/~. 

nu-lu- golli. ncc. mm Inf, vorliegen, wenn nlclil schon die 
■la\\\ der ij;r. im A. V. sehr heschianlvl Avüre diiicli tlie vor- 
hcischenih! aullösung in oii\ ^vo Ulf. ein solches öci vor 
sich halle iihersel/l er es in ihalei (wie die vulg. in cpiotl 
oder gar qiiia) und ich kenne kein beispicl , daU er dalür 
den golJi. acc. cum inf. aiigCNveiidel hülle. J)aher lieilU es 
genau wie im urlexl ([velhun ihalei sa ist, tXeyov övt ov- 
•los tOTiv Joh. 6, 14; gasalJivandei tlialei ni galuugnida 
id'ovau üri oCti tXudt Luc. 8, 47; ganmida ihammei ma- 
uageins fihi iddja rftuGcc/ifPOS öti noÄVQ ö//.o.c loyeTui 
Joh. 6, 5; hiiusidedulh ihalei c(villian ist i]y.ovau26 vic 
t{j()i9-7j jMallh. 5, 21; sai'hv ihalei praufelus ni urreisith 
/»■/: Oll uQoq/jTijs ovx lyrjys^yTui Joh. 7, 52. halle sich 
slalt dieser slrucluren ein gr. acc. c. iuf. dargeboten, so 
wäre er auch im golh. nachgeahmt. 

Ahd. acc, mit dem inf. sind keineswegs sehen, und am 
wenigsten werden sie bei N. vermist, der doch unserer 
spräche nIcJit Icichl geAvaU anthut. nacli sayen i ir que- 
det niih Jorxverphen diuvala (dicilis me ejicere diabolos) 
T. 62. 3 ; quid those steinä zi brote tverdan 0. II. 4, 40 
(es stellt werden, d. i. werden, und der conj. hat hier 
mehr für sich, T. 15, 3 übersetzt, quid tliaz these sleina 
ze brüte werden, Dlf. Luc, 4, 3 qvith tliamma slaina, ei vair- 
thai hiaibs, weil ein belehl darin liegt, wie gr, eint Iva ol 
ki&oi ovTOi äoroi yk'OJVTuc Älatth. 4, 3 und ehrh roj ?.i'&o> 
•loinw Iva yh')]zai uotog, auch die vulg. hat in in beiden 
Stellenut, nicht quod); jehen giiot tveseit allero diugo ende 
N. Rtli. 170; den ili kewaltigusten jah wesen (quem dixi 
fuisse potentissimum) N. Bth, 175 ; er chad sih finden 
(dixit se invenire) N. ps. 85, 5; er sih saget kot sin (se 
deum esse dicil) N. 'ps. 10, 7; sageta iz so wesen ge- 
scriben N, ps. 86, 6 ; daz man Marcholfinn saget sih 
ellenon N. ps. 118, 85; chad ih hat ten xvesen (sagte daß 
got derjenige sei) N. Blh. 38; der den chindelosen chad 

gaggan iinma tliairli atisk ty, öiuuoQfvia&ui aviov 6. r, ort. Luc. G, 1 ; 
vartli tlian gutniluui ihanunn unledin iy. öi cno&uvfti' vuv titüi/qv Luc. 
16, 22. offenbar liätte er oben setzen können afsläutlinan alläim oder 
hier gaggan ina, gasviltan tliana unledan; aber wie bei dem absolnten 
casus acc. und dat. zulässig sind, scheinen sie es auch hier, auf varth 
beziehen mag icii den dat. nicht (etwa in dem sinn: es geschah, be- 
gegnete ihm, daJO 1 dann würde er unmittelbar daneben stehn. Auch 
das schon s. 91 angeführte svaei mis nrd\& fagnion varth scheint nichts 
anders als ein dat. cum inf., obwol er sonst svaei für cöan anders behandelt 
(s. lOT.) In keinem andern deutschen diaiect die spur einer solclien 
coustruction, wie sie auch im goth. nur nach varth vorkommt. 



verhum. modus, infin. J J 7 

sin Saltgen N. Bth. 136; min herza jelie sili föne dir haben 
sTna giiüti ]N. ps. 25, 7. nach wollen : die ne wile du sih 
fersiözen N. ps. 90, 12; der unsilt ieo AvoUa ne tvesen 
wenege \. ps. 114, 4; wolla tnih ivesen N. ]).s. 17, 17; 
er ne wolla ßlios dei sih rniscelon ze liliis lioniiiiuni N. 
ps. p. 2H3^. nach ivissen: ili weiz meyiu i'on jnir uz 
fjmKjen (novi virtulem de me exiisse) T. 60, 6, was bei 
0. llf. 14, 36 lautet: ih irkanla thia hraft faran fona 
mir; Avissa chuniflig rvesen nun iniproperium N. ps. 
68, 21; wi/.en die stete des nicrcs gibedig sin dero 
tiuionum N. BÜi. 141 ; daz tu wizfst mih es iiniene ive- 
sen N. Bth. 147; den er Aveiz 5i7t nitujen fersueren N. 
ps. 109, 4; weist tu dih meiinisken tvesen? N. Bth. 38; 
au dero rate er iz wissa al stän N. Cap. 40. nacli wiihnen, 
ifJauhen , zweifeln : sih gatrucia nuujan (credidit se pos- 
se) fr. iheoU 59, 23; wäntun in wesdn (aestiniantes illum 
esse) T. 12, 3. ]\. ps. 88, 52 wanlun sih geist (jisehan 
T. 230, 3; si wAnent steteren Jhllen föne iiirnile (arbitran- 
tur Stellas de coelo decidere lN. Bth. 185 ; utisih erstuntan 
kelaubam^s (nos resurgere credinnis) hymu. 24, 5; wer sol 
donne waneu die erä wesew. • sultge N. Bth. 129; wanet 
taz pilde wesen N. Bth. 138; den wanent sie mit in We- 
sen N. ps. 10^', 1; wandon mih wesen N. ps. 87, 7; ffot 
gczvvivelot nieinau wesen alemaliligen (deuni esse omni- 
potentem nemo dubitat) N. Bth. 176; den sie ne hechan- 
dou tvesen JX. ps. 88, 52. Andere falle : manut unsih za 
archennanne, in söwe desan antwurtun niittigart tvesati 
(adinonet nos inlelligere mare praesens seculum esse) fr. th. 
57,9; municliö fioriu (solltcs heißen slatthoreo) tvesan chiinui 
cliund ist (monachoruni quatuor genera esse manifestum 
est) K. 19»; sih cliunilida tvesan chisendidan Is. 354. fr. 
th. 53, 5 ; taz eina abtun ih echert kuot tvesen N. Bth. 
134; tünchet manne scöne tfetvilpreiton (^dilalari) sinen 
uamon N. Bth. 133; daz wir sin zürnen ze hanilen cho- 
men tvesen N. ßth. 123. ist not misselicbe uanuMi haben 
diu ßnviu N. Blb. 144; screib iif<» cJnifä li(jen lollc N. 
Bth. 52; hechenncst neheina wara evhufli chomen ?\. Btb. 
125 ; in disa wis ist not dien chuningeu mer aua li(fen 
wenegheilc daniic saligheile N. Btli. 130. 134; ih ward 
guar in nah lMiik)h)gia chelen N. Cap. 44; daz pezeiche- 
net unsih muyen dursiege werden N. ps. 41, 2; diu ih tir 
geouget habo daz ne ijeiniujen N. Blli. 146. für keinen 
acc. c. inf. halte ich den salz : ne la/.c nicht sinen hals 
id)ervvunden werden N. ßlh. 132, da ilcr acc. sinen hals 
unmillelbar zu la/.en tiehürl. auch in dem olfriecb- b< i\ 



118 eiiij'aclu'V salz. 

sehet ir niih (|iien)aii (viilebllis ine veiitunim) IV. 19, 53 
bezieht sich, dt-s Zwischensatzes ungeachtet, niih elier auf 
sehet als aul (jueman. Jieh'ge aus K. 22*» 27* 35'» sind 
absidillich iihcigangen. 

]Mhd. wii'ti es schon miiJie oder vorsieht kosten eclilc 
und luizweideutige acc. mit dem inf. jiachzuweisen. INach 
den Wörtern sarfen , %vissen , tvolltn , wähnen sucht mau 
die ersten beispiele , aber keine oder sehr wenige sind zu 
fiudon. wenn es Iw. 5642 Jieißt : ich wände mich gciiieten 
groczers liebes mit dir und Ron. 4S, 16 ich wände mich 
wol spisen; so sind mich genielen und sich spisen relle- 
xiva, das pron. liangt von genieten und spisen ab, nicht, 
wie bei jedem acc. c. inf. , der inf. vom pron. Andere 
scheinbare beispiele ergeben sich nach bitten : die fürsten 
den schaz in (dat. pl.) bäten teilen den wretlichen man 
Nib. 92, 3; er bat sicli leben läzen Nib. 188, 1; bit sie 
b.ilde mit in gau Ben. 376; der bitte im got geben nach 
dirre werlle ein ewic leben; bat riten sine Hute gr. Und. 
D, 17; diu frouwe bat sich wisen Nib. 952, 1; ir gast 
(acc.) si sich küssen bat Parz. 23, 30 ; der wirt in sich uz 
sloulen bat Parz. 166, 12. entw. gehört der acc. zu bitten, 
oder es liegt ein inf. cum acc. vor, nirgends ein acc. cum 
inf.; mau bilde conjunclionelle satze , und nie -wird der 
fragliche acc. zum nom. werden, wie bei auflösung des 
waliren acc. c. inf. stets geschielit. JNacli sehen und hören: 
in gesach nie wip hdn su gernden Ifp INls. 1, 25*: ich sach 
vil liebte varvve hän die heide INls. 1, 97^; ich sihe si 
hau so süezez leben Ms. 1, 150»; des hurtet ir mich jehen 
l\v. 800; ich hoer uns (nobis) geste hringeyt (alfcrri , ad- 
duci) Gudr. 2542; ich hurlm wol den ersten ^m Bit. 5166; 
dies alles können wirkliche acc. cum inf. sein, xind am 
annehmlichsten erscheint die coustruction für die beiden 
letzten beispiele, weil Hetlel die gaste nicht hört , sondern 
bloß vernimmt daß sie kommen , und auch im Bit. hocren 
vernehmen bedeutet, zweifelhaft scheinen die andern falle; 
der sinn ich sah nie ein weib , das so erwünschten leib "*") 
halte, ist fast vorzüglicher als der wenig verschiedne: ich sah 
(erfuhr) nie, daß ein weib u. s. w. Nach lassen nelmie 
ich wie in der notkerischen stelle keinen acc. c. inf. an 
und ziehe den acc. immer zu lassen: die (quam) sich der 
gräl tragen lie Parz. 235, 26. Tit. 24, 4 *=*=), wir würden 



*) es steht geriidegernHen lip (corpus maxime expetibile) , welclies 
gernila den participien s. 65 heiziizälilen ist. 

* ') nlts. lel iiia thö ledean tliana iiudscadoii Hei. 32, 13, 



pei'bnm. //todfis. infui. \\i) 

heule sagen: von der sich der gr. tragen (porlari) ließ, cui ut 
se portaret concessit ; lat sich den liaz verenden Gudr. 2090 ; 
lal Diich zuo den vrowen gan Wallli. 91, 1. t'olgeude 
beispiele des acc. c. inf. sind unleugbar, es Averden sicli 
ihnen nicht viele hinzufügen lassen: ich wolte alle liute 
tvesen als ich bin altd. bl. 1, 222 aus ICor. 7, 7; ich 
wiinscli den kiielen hrunnen ersigen in ; ich wünsch ouch 
in den ahsen yebresten den gezierten ^vfiijen Ls. 1, 411; 
ich wünsch den triuwelusen ir falschez utnbej'dhen (subst.) 
wib und man veismdhen Ls. 1, 413; Petrus hat gesprochen 
dise tür tverden nienier liinnen für entslozzen niur noch 
iif getan Diut. 2, 11; ich erkennen alle dise stücke xvdr 
sin, welches aber nur eine dem lalein nachgebildete ur- 
kundenformel sein mag (vom j. 1200 in Höfers saml. p. 49.) 
Heute sind alle solche fügungen abgekommen, zwar im 
16. 17 jh. erscheinen noch spuren, mehr in beslimmter 
redensart. Luther hat II Petr. 1, 13 ich achte es billich 
seiUf und Opitz: acht ich es ilas beste sein (oplimum esse 
judico.) Da man xun diese zeit dem reinen inf. fast über- 
all die priip. zu vorschob , bediente man sich ihrer auch 
ganz unpassend in solchen conslructionen des acc. mit dem 
inf., die von natur kein zu vertragen; im canzleistil und 
in romanen von 1680-1730 begegnen phrasen wie : ich be- 
fand wahr zu sein ^ ich habe dies qeschelni zn sein mir 
erzählen lassen ; da ich mich zu lieyen vermerkte, der- 
gleichen wurde aber spater mit recht gemieden, und ist nie 
deutsch gewesen. 

Mnl. wird es damit wie mhd. beschaffen sein, einen 
echten acc. c. inf. bietet Floris 92 dar: tierst dal lii den 
sanier vernam hringhen dal nuwe luf (quam prinnun iu- 
tellexisset aestatem adihicere nova folia) ; alier in: nie horde 
man so sconc tale vört ferm(//»ew Rein. 1874 hangt tale eher 
von bringhcn ab. Der Ilandrische gerichtsstil des 17 jh. scheint 
wiederum ein te einzuschalten: seclit, noint gowesl T/iettew 
(ait se nun(|uam fuisse); luchent oint begeijt Chebben (infi- 
cias it , se unquam petivisse); kent viermael god verluchcnl 
Vhebben (conlitetur se deum quater abnegasse.) *) allein 
genauer zugesehn fehlt liier überall der acc. und die fälle 
gehören unter 11, nicht hierher. 

Aus der alt.«., ums last nur dmch ein einziges denkmal 
bekannten spiache vermag icli keiu beispiel des acc. c. inf. 



•) Cainiaeits liydrogen tot lict oudc strafrcchl in Viaeiideieii. (Jcml 
1835 \K 47T. 178. 



]'}() e'iii fliehet salz. 

7,11 ge\vliinoii ; tnrli girr;*gin folgt, wie im nlid, , dio ron- 
jiinclioii lliat. Dio ->gs. lalle bescliriiiiken sich aiil hyrde 
(aiKÜvi) uiul tjt'f'raupt (fanilo acccpi.) ne hyrde ic cyni- 
liror ceol ije(jijrv(ni (noii audivi iiavem melius exstrui) B. 
73; )ic hyril« «c snotorKcor (juman ilihifiiati (n. a. virum 
prudoiUius iiilercedere) B. S'iSl; tliu ic uldor gefrfcgn fyrd 
nebeodan (tum audio principem conscripsisse exercitum) 
C. 118, 9; tliii ic iidi-e gefricgn siege ficge hiiledh sla-pe 
iübredan (mox audivi neci deslinatos viros e somno se 
eripero) Tliorpes anal. 138, 49; gefrfrga ic tha JioloJ'enius 
\\n hatan vyrccan (audivi H. \inuni jussisse ])arari) das. 
131, 13; tlia ic nedhaii gefroegu häledh tu liilde (tunc audio 
virum fortem pugiiam adortum esse) C 124, 9'''); ic thät 
vif gelraegn vordum cydhan (femiuam axidio verbis certa- 
visse) C. 135, 13; tliii ic on Lolhe gefra?gn ha^dline here- 
viäcijas liandum (jr'ipan (tum in Lolhum viros paganos 
iiianus injecisse audio) C. 149, 29 ; ic ;cr ne gefrjpgn inen 
(jeferan (l'audo non accepi viros duxisse) C. 19fi, 2; llui 
ic sendan gefrtcgu svegles aldor svell of heofnum ftum 
audio coeli dominum sulphur e coelo misisse) C. 153, 17; 
thii ic vide gefra^gn veorc gebannan (tum longa lalecjue 
audio opus edictum esse) B. 147; nö ic on niht gofi-itgn 
heardran Jeohtun (non audivi forliorem virum noctii 
pugnare) B. 1145; ne gelVa^gn ic IVeondlicor madhmas <jnm- 
vumna Jela udhrum (fesellan (non audivi viros viris be- 
nigiiius dona oblulisse) B. 2047. alle diese belege siud 
lormelliaft, und scheinen aus einem alteren, allgemeineren 
Sprachgebrauch übrig geblieben. 

Die altn. poesie und prosa bietet zahlreiche beispiele 
des acc. mit dem inf. dar. ßnnn Iiundrudh dura hygg 
ec ä Valhöllo vera (quingentas portas puto Yalhallae esse) 
43'*; satt hygg ec viic seyja (me verum dicere puto) Sitm. 
79^; livar sattu hrüdhir hita hvassara (ubi vidisti sponsas 
edere avidius) 73*^; saca ec meira miödli inetj um drecka 
(non vidi virginem plus mulsi bibere) das.; engi iölnnn 
ec luigdha iafnramman vera (nulluni gigantem putavi pari 
virtule pollere) 31^; af hans vajugiom qvedha vind koma 
(ex ejus alis perhibent ventum provenire) 35**; thar Heim- 
dali qvedha valda veom (ibi Heimdallum dicunt pracesse 
sacris) 41''; a; qvedha handincjja hifaz (seniper dicunt 
captivum in nielu esse) 187'^; yckur hvl ek that yuU um 



*) eine ancli hei Tliorpe misverataiulne stelle: Ui-Jiiaa ist das «^uUi. 
»anttijiin , ainl. iitiidiin. 



verham. modas. itißn. 121 

gefit verdJia (vobIs )ubeo hoc aurum donarl) 137^; veit ec 
ä fialli Jölkvitr sofa (scio in monte piignaiuli peritam dor- 
niire) 192* •, vilkat ek mann traudhan aldri tyna (nolo 
vLrum invilum perdere vitam) 223^; ask veit ec standa 
(fraxinum novi stare) 3^^; tliik qvadbz hilmir hitta vilja 
(te dixit rex se velle convenire) 147^; qvaztu eiigi mann 
eiga vilja (dixisli le nvdluin alium viriun liabere velle) 154". 
in den beiden letzten stellen muß der zum inf. gebürige 
acc. pron. aus dem reflexiven verbo qvadbz z=z qvadb sik 
entnommen werden. Das liäufige vorkommen dieser con- 
struction in der edda verbürgt uns, daß sie der deut- 
schen spräche überhaupt angemessen und namentlich im 
soth. und alid. niclit erst den fremden texten abseborgt 
war. ich finde sie auch nocli in den scliwed. voksliedern 
zu haus: han öuskar i sitt hjerta den jun(jfrun vara sin 
1, 61; nu vantar du rni(j icke komma 1, 153; aldrig sag jag 
uägou stolts j«H</yrit bättre kunna dricka 1,141; aldrig säg 
jag n. st. i.hafvu tvä djerfvare ögou 1, 141 ; hon säger (dicit) 
sig hafua herr Axel sä kär 1, 156;, fehlerhaft mit einge- 
schalletem att: säg dig att vara mitt lieniliga bud 1, 154. 
In den parallelen dän. liedern wird dem acc. c. inf. jeder- 
zeit ausgewichen; vielleicht findet er anderwärts statt, sicher 
nicht so oft als im schwedischen. 

Über das Verhältnis des bloßen von verbis ablväugigen 
inf. zu der conslruction des acc. mit dem inf. noch folgendes. 
Jener reine inf, .enthält, ent.w. eine vom subject des 
Satzes (dem casus rectus) ausgeliende handlimg, z. b. nach 
den anomalen luid auxiliaren würlein : ich mag das ihun, 
ich will es thun , ich beginne streiten, er geht schlafen, 
sie that weinen; ferner nach glauben, fürchten u. s.w. 
liier wird sowol intransitiver zustand bezeichnet, als tran- 
sitive einwiikung: er will dich lehren, du kannst iiui tadeln. 
Oder es liegt in dem inf. die handlung eines andern, 
auf welche eben erst durch das im salz lierschende subject 
eingewirkt Averden soll. so nach dem nicbt auxiliaren 
ihun, geben, lassen, lieil^en, bitten, sehen u. s. w. ich gebe 
dir trinken, er heilU ihn s|)ringcn, laß ihn schlafen, du 
bitlest micli kommen. INur rellexiv kann die handlinig 
sich auf das subject selbst ziuiick beziclien : ich lasse mich 
gehn u. dgl. ^>>;^ 

Erslcren inf. könnte man den subjectiven nennerr} 
letzteren, weil das abhängige subject objecliv wird, den 
objecliven. 

Vor beiderlei infiniliv hat sicli die präp. zu eingeilrängl, 
hanplsächhch doch vor objcctivein. 



122 ei II Jach er nutz. 

Noch ol)jecliver ersclieiui er aber In der consfriiclioneu 
des acc. c. iiif. , ncDilicIi 

1. er stclil aiicli nach verbis, die sonst nur den siibjecli- 
ven hinter sich haben, z. b. der iinsih wolla Avesen, der 
tinsih weiz rehto tiion. 

2. die abliiingigkeit des sclion objeclivcn inf. wird dadurch 
erliölit. jenes ich hoere gcste bringen ist objectiver als ich 
hoere dich jehen. 

3. er findet nacli verbis statt, die gar keinen bloßen inf. 
auf sich folgen lassen können, namentlich nach sagen, 
S])rec]ien , wo wir nlid. , seit dem verlust des acc. c. inf. 
nothweudig zwei sätze bilden müssen. 

4. umgekehrt kann nach vielen würtern , die den reinen 
subjectiven inf. regieren, kein acc. c. inf. eintreten, z. b, 
nach sollen, mögen, können, gehen, konnnen u. s. w., 
auch nicht nach geben. 

Das verbum von Avelcheni ein acc. c. inf. abhangt hat 
mehr gewicht und nachdruck als das den bloßen oder 
präpositionalen inf. regierende, dieses kann auxiliar wer- 
den, jenes nie: wenn auf wollen und wissen der acc. c. 
j'iif. folgt, so liegt darin der sinn des ausdrücklichen wil- 
lens und der stattfindenden erfahrung. so ist in dem lat. 
volo solvere , scio solvere das volo und scio unbedeutender 
als in volo ut solvas , scio te solvere : die beiden ersten 
solvere erscheinen subjecliv, die beiden letztern objectiv. 
Der Satz, worin ein acc. c. inf., zerlegt sich viel siclilba- 
rer in zwei sälze als der mit dem bloßen iuf. 

Soviel von dem acc. mit dem inf. ; es ist übrig von dem 
nom. mit dem inf. zu handeln , in welchen jener häufig 
imigesetzt werden kann. 

Der inf. hat den nom. neben sich 
1. wenn auf die verba zweiter und dritter anomalie der 
begrif sei« oder werden folgt : goth. ni mag meins sipöneis 
visän ov dvvaTCii fiov fiu^r^ir;? f/vac Luc. 14, 26. 33; 
skal suuus mans uskusans vairthan dal tov v'iov t. «. 
(xnoäoxt/ttaa&ijvai Luc. 9, 22; skulda spilla vairthan (de- 
bebat nuntius fieri) Sk. 38, 20; lais sads vairthan oJd'a 
yoQTic^tod-ut- Philipp. 4, 12. ahd. wer so wolle mero, 
eristo wesan T. INIatth. 20, 26. 27; mhd. ich wil des ie- 
mer sin ein zage Iw. 869 ; nu müezet ir min rihtfere 
sin Iw. 1954; daz ir «im herre werden sult Iw. 7970; 
der morgenstern raöhle sin niht schcener (pulchrior) Iw. 
626; nhd. er soll der könig seinj du kannst der erste 



f erb u/n. modus, i/ißn. 123 

werden, bei adj. und part. fehlt schon alid. oft , inhd. 
imd iihd. immer das nominalive kennzeicheu, z. b. mhd. 
ir sult der rede sin erlan (goth. fraletans) Iav. 4322 ; iuwer 
zunge niüeze guneret sin (goth. iinsveruida) Iw. 838. 

2. ebenso wenn nach andern verbis, die den sul)jecliveu 
iuf. regieren , sein oder werden folgt, goth. sei ustaühana 
liabaida vairthan (quae perfici debebat) Sk. 37, 11; valjam 
anuhdimjdl *) visan (mahimus domi esse), ahd. ni churi 
Jiorsker wesan (noH citatus esse) Diiit. 1, 527^. nhd. er 
fiirclitet könuj (goth. ihiudans) zu iv erden ^ der letzte zu 
sein **). 

3. nacti dünken und scheinen (videri) : am Schluß des 
goth. 1 Cor. briefs heißt es : thugkeith melida visan (vide- 
tur scripta esse) ; ahd. der kizogan tvesan -was kadiiht 
(qui trahi \idebatur) Diut. l, 506^ ; mhd. waz dunket dich 
daz beste sin7 cod. kolocz. 110; ez dühte sie allez schar^ 
lach sin, das. 99; nhd. er scheint der stärkste zu sein ^ 
dieser griuid scheint der wichlitjste zu bleiben. Ähnlich 
ist das altn. einu ranitnari luigdhomc ölhim vera (omni- 
bus aliis acerbior esse mihi videbar) Sivm. 188^. 

4. wenn nach den verbis sagen und tjlaiiben der acc. c, 
inf. steht , d. h. der inf. ein anderes subject als jene \erba 
eulhält, können sie in das passivum und in das subject 
des inf. umgesetzt werden, wodurch sich der objeclive mf, 
in einen subjectiven, der acc. in den nom. verwandelt, so 
entspringt auch im lat. aus dicuut regem venire, credunt 
te esse felicem der passivische salz: rex venire dicitur, 
felix esse crederis. Das goth. qvithand thiudau qviman, 
galaubjand tliuk audagana visan niüste ersetzt werden kön- 
nen durcli thiudans qvithada (jviman, thu gahiubjaza 
duduffs visan ^ ich liabe keinen beleg zui- band. Statt des 
ahd. kilaupant dih wesan cbumfligan (credunt te esse ven- 
lurum) sollte slehn dürfen kilaupil pisl wesan ehnmf'ti- 
</er j ich linde hymn. 20, 8 kelaupanne pist (f. za kelau- 
paune?), was eigentlich aussagt credcudus es, unsere con« 



*) in beiden hss. anahäimjaim: doch wie wäre liier der dat. zu 
vertheidifjen, da nicht einmal der nco. stehn könnte? 

*') äliniich das lat. rettnlit Ajax esse .lovis jtronepos .statt dos acr. 
c. inf, se es.se pronepolein ; wir niii.ssen .sapen: er fral» an </</• enkel 
zu .sein, da uns der acc, c. inf. liier versa^'t ist. Kililerhalt al>er ge- 
statten wir heute auch neben objectiven (d. ii. nicht auf den ca.-^us 
rectus l)eziif!;lielien) inf. den nom. z. b. ich hat ihn der erste und der 
letzte auf dem platze zu sein, statt den ersten, den letzten. «iotli. 
wol nur: bnd inu viäun fruuiisluu jali aftuniistan, und »u ahd. mhd., 
denke ich. 



124 einfacher .hciIz. 

siruclioii al)er donnocli ro( lilCerligl. MIl dem aufhören clor 
acc. c. iiif. liilrl aiuli diese iimdroliiing in den iioni. aiil', 
und CS fohlt mir schon an einem mhd. hclog. J.s eiTordorl 
übrigens die volle Verhärtung des ahn. rellexivs in das isl, 
passiv, wenn der salz fjvAdho alla fogna verdha (dicebant 
omncs • forc laetos) verwandelt werden kann in qvadhoz 
allir verdha fegnir (omnes laeti esse dicebautur.) 



Die lat. spräche setzt nach verbis entw. den reinen infl:, 
oder sie entfallet einen acc. und noni. c. inf. ; praposilioneri 
mengt sie nicht ein, sondern verwendet da wo unser zu 
gilt gerundium, supinum und parlicipium. die gipiccli. 
steht ims darin naher, daß sie auch ]ira]). , jedoch nur 
mittelst des arlikels , vor den unveriinderlichen inf. stelll. 
beide aber bedienen sich des acc. c. inf. freier und reich- 
licher. 

In den romanischen ist der acc. c. inf. erloschen; zwi- 
schen bloUeni und mit präp. versetztem inf. herscht, wie 
bei uns schwanken, aber feinere Unterscheidung mehi-facher 
präp., zumal der italienischen. 

Der gebrauch von präp. vor dem inf. hat im litlh. und 
slav. ebenso wenig statt als im latein , den acc. c. inf. kennt 
die litth., nicht die slav. spräche. Bemerkenswerth für den 
goth. dat. c. inf. (s. 115) ist das vorkonuiien ähnlicher con- 
structiouen im slav. (Dobr. p. 634) und litth. (Mielcke p. 189); 
weniger darf der herangezogene lat. dat. bei esse nach licet 
oder necesse est (mihi licet esse felici statt licet mihi esse 
felicem) *) verglichen werden. Der litth. spräche ist eine 
fülle infinitivischer formen eigen , die altslav. und serbische 
pflegt, gleich der lat., nach verbis der bewegung das supi- 
num statt des inf. zu setzen (Dobr. 645.) 



r*) auch Ulf. lälU einen solchen dat. folgen in der bekannten stelle 
göth tlius ist hanfamma in übäin galeitlian, thäu tv6s iianduns ha- 
handin galeithan in gaiainnan ; göth thns ist galeithan in libäin hal- 
tamma, thäii tvans fotuns hahamlin gavairpan in fön: wo der gr. tevt 
accusative hat: xaköv aoi IotI xt'klov fl? r>}v l;o)?jv ilqfX&ftv , tj t«? 
ovo j^fty«? i'xovru iItk'/.&hv tl<i r>}v '/ifvvni , y.u/.ov iari aoi flcfkd-ftv 
tlq T. C. /wAo»», ^ Toi's &V0 nööag i'xovTu ßh^&tjvai. ilg to tivo. 
Marc. 9, 43. 45. 



verhinn. modus, pari. 125 

PARTICiriA. 

In beziig auf die modalltät des verbums haben wir noch 
zu erwägen , wie participia einen andern modus vertreten 
können. 

Ihre adjectivische natur bringt sie dem substantivischen 
inf. am näclisten. 

IMan muß unterscheiden, ob parlicipia selbständig für 
sich, oder in Verbindung mit auxiliarien auftreten. In je- 
nem fall dürfen sie an die stelle jedes modus gesetzt wer- 
den iMid besonders sind die absoluten participia von großer 
Wirkung. Dieses näher zu entwickeln gehört nicht hieher. 

Unser part. prat. dient zur Umschreibung der Vergan- 
genheit, wie in dem folgenden cap. erörtert werden soll, 
von seiner Zuziehung zur passivumschreibung ist bereits 
s. 10 ir. gehandelt worden. 

Hier habe ich zu erwägen inAviefern participia den ab- 
hängigen inf. ersetzen , und ziehe folgende einzelne fälle 
in betracht. 

1. part. priis. nach sein und werden (s. 5-7) steht der 
construction des inf. mit diesen Wörtern (s. 7. 92) nahe, 
ist aber beträchtlich älter als sie, und wurzelt von frühe 
auf in unserer spräche, wenn vairthand malandans Luc. 
17, 35 dem gr. i-oortai uh'jdoviw.i nachgebihlet scheinen 
könnte, so ist varlh galcvjands ina Luc. 6, 16 unabhängig 
von lyivero 'noodoTr^s , nsheidauds ist Luc. IH, 7 von 
fiuyiQodvfiMV , und das ahd. sindun hitnnde Is. 408 vom 
lat. deprecabiuitur. ags. secyetide viis }]. 60.52. nihd. nii 
si wir unvarende und ich die fieude sparende Wh. 58, 
29; vlieliende wait Karl 123''; mnl. waert ruvende IMacrl. 
1, 18; waert donderende 2, 99; waert wonderciule 2, 241; 
w^örden hackende 2, 27; vragende waert Kästners fragni. 

1. 30, waert haiende das. 6, 392. 

2. part. priis. nach kommen (s. 8) dem inf. nach kommen 
vergleiclil)ar (s. 8, 97.) auch ahd. (juam ruafenti 0. III. 
10, 5; mnl. finamen ridende ^ seih'ndc, lovcrendc Iluyd. 
op St. 3, 94; quam gacMido Hein. 291; engl, comr [fo'uuf. 

3. part. priis. nncU J'ahren und ijehen ., ileni iiil. nach 
beideu (s. 96. 97) ähnlich. ahd. j'uar jatjonli 0. 111. 8, 
13; fuar redinonli 0. 111. 10, 14; laroiil wallonlc IV. 2, 
25; sih ferit stözenti V. 14, 10; (jiautj hüsontl V. 9, 10 
V. 10, 27; giangun kusuuli V. 10." 3ö; giangun inan kla- 
gunli V. 9, 7 ; ir gct drüieuto [['. diureiilc, oder adv.?) V. 9, 14. 

4. part. priis. nacli bleiben (s. 9.) niil. bleveu ziltcnde. 



;}9(j einfacher salz. 

5. part. jträs. nnrli ihuu. ., finden y sehen und älinllclien. 
alul. ihaz er ihcii Nveg mit wufi manununlan (fiddli 0. IV. 

4. 28, falls sich jnamimuUaii als i)art. rcchtrorligeii liißt; 
sincl/.aiiü tiianli (lif|iicracioiis) Diiil. 1, 51 I^ ; rnhd.ir luot in 
tünde Parz. 29 1, 4 ; den ich da slrnde vant I\v. 282 ; weinende 
(plorantem) er si vant Nib. 807, 1 ; daz er ein recli slende 
vant Iw. 3897; in slafende vunden I\v. 3362; in hangende 
vant Iw. 4684; goth. yasahv mannan silandan at niulai 
eidsv (ivSoMTrov y.ad'ljfuvov iitlto it'kv)Viov Matt. 9, 9. Luc. 

5. 27; alid. gisah man sizzentan zi zolle T. IMaltJi. 9, 9 
Sit daz icli inincn licrren lebende (vivenleni) gesehen lian 
Iw. 4269. mnl. slapende vant Floris 3319. nhd. nur 
nacli finden: ich fand ihn schlafend, sitzend, liegend. 

6. alls. part. pvät. cuman nacJi werden (s. 7. 8.) 

7. part. pvät. nach kommen (s. 8); icli schreibe nocli 
andere nihd. belege her: {jiiam gestrichen Roth. 5081; 
koni gcOogen INlar. 84; koni gegangen 31ar. 105; kom ge- 
gän Nib. 806, 4; kom gesigelt Parz. 16, 23; koni geriteji 
Parz. 435, 4. Wh. 379, 30; kumen im Aviderriten Parz. 
399, 28 ; kumen gehurt Wh. 58, 9 : kom nach gejagt AA h. 
440, 6; kom gevarn Wh. 421, 18; kam gedrungen Rab. 
782. Bit. 3597. Dietr. 702; kam geruscliet Troj. 3907. 12341. 
23723. 24941; kam geriieret Troj. 5097. 12046; kam ge- 
süset her Troj. 11992; kämen gezoget Troj. 678; kom ge- 
slichen, gestreichet und gestrichen Trist. 17541; gestuzen 
kam Bon. 44, 25; kamen gedont Ottoc. 629^. überall 
drücken die participia hier eine heftige oder gelinde bewe- 
gung aus. 

8. part. prät. nach lassen in der bedeutung des inf., 
hauptsächlich ahn. r gulli kei/pta leztu Gymis duttur (G. 
tochter lieiWst du mit gold erkaufen) Sivm. 65^; Ifc^tr Sx- 
hrinuu sodhinn (lälk den 8. sieden) 42^; letii hans fiörvi 
farit (lieUen sein leben vergehen, d.i. tödteten ihn) 123^; 

let hanü vära uiidir eik borit (ließ unser gewand unler die 
eiche tragen) 228*; ansküld ec vil ethin lata (das herz will 
ich essen lassen) 189^ Avie nach lassen der inf. bald 
activen sinn hat bald passiven (s. 62), kann auch hier fürs 
part. der eine oder der andere eintreten; in jenem fall 
steht dann lelta fast auxillarisch, livtr sodhinn = sydlir, 
cocjuit, obgleich die genauere bedeutung ist coqiii facit. 
unsicher, ob iu der letzten stelle etinn lata heilU ödere 
oder esum (edendum) dare, sinere ut edatur? Ich habe 
kein ahd., und nur zwei mhd. beispiele für diesen sprach- 
gebi-auch, es wii'd aber noch andere geben: diez im da 
jfieten Idzen üf der tavelen gestanden (auf dem tisch sie- 



vprhiim. modus, pari. :I27 

heil lassen) \^ li. 275, 8 ; iiiul het si min genozzen hin 
(liättet ihr sie meiner geiiieUeii lassen, d. h. ihr zum \ür- 
theil gereicheil , Avas ich für euch gethan) Iw. 3142 , avo 
weder nüthig ist geniezen zu lesen , noch bei genozzen 
ein gan zu supplieren. Desto reichlicher ist im ahd. mhd. 
und nhd. die analoge anwenduiig eines durch titi negativ 
gewordnen ])nrt. priit. neben lassen : ahd. er thar niheina 
stigilla ni ßrliaz ovili nnßrsJaijana 0. II. 4, 9 ; mhd. Idt 
uuveftiomcn ! (ne sinatis ut patefiat) Parz. 667, 25; mhd. 
der niemen unyespottet lie (eines jeden spottete) Iw. 1066; 
ich w'il ir ungevluochet län JMs. 1, 179'; ich mac si inige- 
vluochet lun JMs. 1, 179^; si wil mir ungelunet lan Ms. 1, 
179*'; daz siz niemer ungeniten lieze Gudr. 6820; daz liez 
wir iuch luiverdcit Bit. 27; der liez uns unberihte Bit. 24; 
der helt liez ungezürnet daz Bit. 1300 ; ir soll si uuver- 
wundet län Bit. 2506; erz ungebunden lie Bit. 3270; nhd. 
etwas unerwogen , luiberücksichtigl , ungetadelt, xuigestraft 
u, s. w. lassen. das kann man wieder activ nehmen für 
nicht strafen, oder passiv für zulassen, daß nicht gestraft 
werde (impuiülum relinquere , siliere ut non puniatur.) 

9. part. priit. nach thun statt des inf. , in auxiliarischer 
bcdeutung: mhd. tuo mich noch \on sorgen erlost Ms. 1, 
197*; wer tuot senden man von sorge erlöst? 31s. 1,200'^; 
wer t.xle nüch von leit erlöst? Troj. 22065; tuot im daz 
erkant hv. 5124; tet im erkant Wigal. 3102; si tuot ver- 
drert (?) Ben. 144; tuot verselt (abigit) das.; ich tuon nach 
lu gesant (lasse nach euch senden) Trist. 10885 ; den er 
tuot erlöst Bari. 38, 21. 147, 7 ; er mac nicnian tuon er- 
löst Bari. 241, 26; in tet von z\vivol gar erlust Bari. 351, 
5; unde si mit sige tet geschaut f'arl. 314, <S ; den gelou- 
ben tet erkant Bari. 4, 16; luont Aon touf erkanl Bari. 
103, 6. Wo inf. und part. prät. gleichlauten liilU sich bloß 
aus andern gründen, welcher modus gemeint sei, entschei- 
den z. 1). vergezzen tuot Bon. 94, 77. Ahd. unforhoh/n 
duan 0. II. 7, 20. 

10. part. prät. nach machen. ahd, iz machöut al //i- 
rnstit U. I. 1, 14. mhd. Nvie mac der bililo irust von 
sünden machen iuch erlöst Bari. 242, 21, ungleich scilner 
als tuon in gleicher anwenduiig. 

11. part. prät. nach Jromvien. ahd, in fnimeta ershujen 
N. ps. 50, 1. mhd. die vrouwen verlorn vriinten cod. 
pal. 361, 77**; si iVumten der hehle vil crslagen Mb. 228. l; 
erstochen vrumen i;S. 3, 231; gelesen fiumen l)oc. misc. 
2, 151; frumelc verlorn Flore 6524. scilner der inf.: er 
vrumte manegeu vallen in daz bluol J\ib. 1908, 4. 



128 cAiij'iLclier saiz. 

12. \mrl. priit. nacli sc fi offen. nilid. si w.tuoiiI daz Pn 
schiirf ershnicu rar/.. 20, .if). 

Li. pari, piiil. nach jjeln'n, das auch sonst sicli niil tnfjii 
beJ'iilnl. al)iT Jiiir nilul. bei Ilarlwig von dem Ilage: dci- 
aJigcl den viscU yri;«»*//fit mit dem Isöder (•* kerder; tjilj 
daz dicli nun sweil dem Inllerii tut trslatjen yit A\\. .'>, 
153. eine anUerst seltne slnictur. im salz: die slüzzel er 
behalloii gab cod. kolocz. 186 echeint Ijcliallen inf. 

14. pari. prät. und präs. nach brhitien. der z-sveile 
abscliniH liat auszuführen, daf^ ilie ältere spräche dies ver- 
bum niclil seilen zu adj. fügt, ahd. aiich zu part.: de \vih- 
iiassi kuhallatia prinifun \A'acUorn. Ih. 7, 14; nihd. den 
(rciger) bi'iihteii valken i\ay (jelnirt Parz. 400, 21; dö siz 
(das pferd) gerilen braliteu dar En. 5232 ; brühte ein tier 
getragen Kv. 3326. nhd. einen (jelrayen hrin(jen. mlid. auch 
beim pari. präs. : der vogel singen hat micli hiUjcvde hvältt 
]\Is. 1, ITO-*; sprechende brengen II. v. 3IeilW'n 2128, 

15. part. prät. nach hören, nihd. ich ijehorte nie (jelesen 
Rab. 77'.)-, nu hau ich ofte hurt gesagel Amgb. 17''. ahn. 
heijrdl lesil lliat. 

16. part. prät. nach a\ln. fd. niclit in der edda , nur in 
der prosa , z. b. ef hnnn Jäi ^funtlit Baldr (si possit iuvc- 
nire Balderum) Sn. 65; lengu ei haldit liesliun (ecfiium 
retinere nou potuenuit) Sn. 66; hann feck llivi orkat (per- 
Jficere potuil) und ebenso dan. lian ßlc ilet ndrettet. 

17. part. prät. nach sollen. inhd. \vaz sol lenger hie 
qeleijen'} Herb. 27^=; ^vaz solde daz hie geredel? Hartm. 
Y. gelüuben 425; waz sol golt begraben i* IMs. 1, 54^; waz 
sol diu spise für mich brahtl* Renn. 5319; waz sol da niö 
von gesaget? Diut. 1, 8; waz soldistu su guot geborn ? 
Diut. 1, 18; waz sol in nier da von gesaget? livl. urk. 65^; 
auch in der cölner weverslaicht 187 wat sal vil liin af 
gesaicht? altn. thari shiilii ok talin nofn theirra (darin 
sollen auch ihre namen aufgezählt werden.) 

18. part. prät. nach tvollen. nilid. waz wolt ich swerts 
umb dich geyiirt} (wozu ein schw. um dich gürten?) Wh. 
67, 10, altn. sa er vill heitiun horskr Soem. 18-^. 

19. part. prät. nach taiujen. mhd. waz foMC diu hant vol 
genant? Wh. 328, 29; waz tone nu mer da von geseit? 
Wigal. 2764; waz tüht cz iu gelenget? Tiüst. 9248; waz 
touc diu rede gelenget? cod. kolocz. 268. 

20. part. prät. nach altn. vinna ; sia viun gipt lagidh 
(ea fortuna tribuetur) Sium. ng'^; samau nuino brullaup 
drucldn (nuptiae simul celebrabuutur) 178*; tha mun han 
komiun (dann soll er kommen.) 



verhum. modus, pari. 199 

21. part. prät. nach helfen, iiilid. \vaz Jnilfen alle die 
(fezelt? Ben. 129; niht Iiitfet al der werlle hört gekouj'et 
Ms. 2, 150"*. innd. wat hilpet nie getald? Sassenkr. 101. 
ninl. wat holpe vele gesproken? Kein. 2484. nnl. wat 
dient 'er nu (jedaanl (was ist nun zu ihun); wat batet 
(feleeft in hoYerdicbeiti' (was liiifls in holFart zu leben.) 

22. part. prät. nacli ffiit^ leicht^ schiver , Heb, nütze 
sein und äliuliclien. nilid. daz ist also (juot verniiten Ivv. 
4711. 5094; dar unibe ist harte guot gelesen Diut. 2, 4; 
ez ist in sere guot gelesen Trist. 172; dest baz verborn 
jNls. 1, 158^; ez waire dir bezzer verniiden S. Ulrich .53^; 
bezzer ist diu reise verborn Dietr. 31a; J^t bezzer bilde 
genonien Ms. 2, 15P; bezzer ist geinezzen zwir INIs. 2, 
253^; wncren bezzer verbrant Iw. 7308; ez ist ein schedel 
baz verkorn Hab. 419; da von ist mir micbels bezzer gc- 
swigen Berth. 142; daz ist iu lihte geseit Trist. 6055; daz 
im vll stviere was vernomen Trist. 5879; luis ist noch 
liiute liep vernomen Trist. 218; obe iu nu \i\ liep ist ver- 
nomen Trist. 5175; daz mir lieber wacre der truhscxzc ze 
manne genomen Trist. 11627; diu waere iu liep gevvonneu 
Troj. 8076; mir ist lieber tut gelegen Troj. 8245; iwer 
knnft vil lieb ist ir vernomen Krauend. 75; daz si als 
Wfege wneren verstvigen als Jtir brdht Trist. 5393; daz 
wi^ie n)ir scitedelich versivigen Ms, 2, 249». mnl. derre 
CS goet nu onlbroken Macrl. 2, 95; die claghe wäre bet 
verholen Rein. 255; die hcm onnutte sin ghehört Hein. 
16. nhd. besser ist geschwiegen als geredet^ das ist leicht 
gelhan, leicht vergessen, wobei man leicht nicht fürs adv. 
nehme, in dem scheinbar ähnlichen: das ist bald gesagt, 
liilU sich das adv. nicht leugnen, aber diese plirase scheint 
entw. falsch gebildet oder der franz. c'esl bienlot dit nach- 
geahmt. 

Die enge beriihrung aller dieser participien mit dem 
iuf. liegt zu tage. 

von 1-4 stellt das pari. präs. dem subjecüven inf. bei- 
nalie gleich: wart (liehendc rr wart lliehen; kam rilende 
r= kam rileii ; giang klagunli =— giang klagon; lilef ziltende 
— blcf Zilien. nichl anders verhält sich dies part. zum 
obj. inf. linier 5: sah in sldnde = sah in stöu ; bralitc 
mich hügende (14): versetzte mich iu gedanken und sorpen. 

auch das pail. prät. unter 6. 7 cntspiiihl wieder ilem 
subj. in!.: ward cuman = ward kommen; kam gerileur^: 
kam rilon. zwischen kam gerileii und kam iileiulc ist tier 
uulcrschied fast unlühlljar, beide aber drücken mehr die 

1 



j30 eiitj'aclicr natz. 

bewegung, kriin rilon inelir das factum aus. nur scheint 
mir tias pari. priiU loriiiclliafter und eingeschränkter im 
gebrauch: es hat nach koninien statt, nicht nacli gehen 
inul Cahrcii, das pari. präs. nach kommen, gehen, (aliren. 

nach linden und seilen drückt tIas pail. priit. vergan- 
genheil, der inf. gegenwart aus: er sah ihn zu boden ge- 
l'allen = gefallen liegen, er sah ihn z. b. fallen = cailere. 
so auch 15: erzählt hören, als etwas erzähltes vernehmen; 
erzählen hören, audire narrari. 

erkant tuon =z machen daß el-svas erkannt -werde ; er- 
slagen frumen r= verursachen , daß einer erschlagen werde; 
ähidich erslagen geben, subjectiv ist das part. nach brin- 
gen (14): getragen bringen =z tragen, gerilen bringen = 
reiten; auch steht kein inf. nach bringen, weniger schon 
nach nord. fa (16), denn fa haldit bedeutet zwar halten kün- 
nen , läßt sich aber auch nehmen für: erlangen, daß ge- 
halten wertle. 

Bei 6 und 7 hat das part. prät. activen sinn , bei «S 
bald activen, bald passiven, von 9-22 nur passiven, folg- 
lich muß es sich da fast überall in einen objecliven inf. 
auflösen, ausgenommen bei 14 und vielleicht 16. 

Das passivisch gedachte part. prät. scheint aber in allen 
solchen fällen abhängig, wie wir im verfolg sehn werden, 
von einem ausgelaßnen inf. zumal erhellt das aus 15; 
denn da nach hören der acllve inf. passivbedeutung an- 
nimnit (s. 61), so weist das part. prät. auf einen durch 
auxiliare ausgedrückten inf. pass. hin. ich hörte gelesen =z 
ich hörte gelesen werden. 

Nach taugen, helfen, gut sein (19. 21. 22) gleicht die 
Wirkung des part. prät. gänzlich der des inf. mit zu. nach 
denselben Wörtern (s. 108. 110.) waz touc da von geseil? 
daz ist guot vermiten =: waz touc da von ze sagene, daz 
ist guot ze vermulenne. Die construction unter 22 reicht 
fast an die des lat. supinums auf u nach den adj. leicht, 
schwer u. s. w. : optiniiun est faclu , facile est diclu , und 
wie hierfür sich sagen läßt: Optimum est facere , optimum 
est ad faciendum , stehn auch unserer älteren spräche die 
wechselnden ausdrücke zu : daz ist bezzer getan, d. i. bezzer 
tuen, d. i. bezzer ze tuouue. 

Unverkennbar haben die meisten hier erörterten partl- 
cipialconstruclionen erst in der miitleren Sprachperiode sich 
entwickelt; nur einige darunter knüpfen höher an. viele 
bestellen nur in gewisser forme!; namentlicli fragweise, nüu 



verhiun. inodufi. eU'ipseit. 131 

keiner einzigen anwendung des part. prat. 8-22 weiii die 
gotli. spräche, deren lebendiges verhalten uns freilicli nicht 
recht aufgedeckt ist. Unser nhd. aber, Umschreibungen 
■weniger scheuend, hat jenen n»hd. conipendien, zu seinem 
nachtheil; meist wieder entsagt. 



J^erhalelUpsen. 

Hier, am Schlüsse des cap. , scheint es der ort einiger 
ellipsen zu gedenken, die jeden modus betreuen, vorzüg- 
licii aber inl. und participia, von deren modalilUt eben die 
rede war. 

Bei allen aiislassungen ist sowol die beschaiFenlieit des 
weglallenden worls als desjenigen , nach dem es wegfällt, 
zu berücksichtigen, ausgelassen werden kann nur durch 
dessen verschweigung keine uudeutlichkeit erwächst, frische, 
lebendige Wörter unlerliegen der ellipse nicht, sondern die 
deren sinn durch üllere wiederkehr erblaüt ist; an be- 
slimmler stelle, neben gewissen andern, ihnen gevvohnlicli 
verbuudnen ausdrücken verslehn sie sich gleichsam von 
selbst. Nüthwendigkeit entspringt jedoch niemals sie zu 
unterdrücken , die spräche bedient sich ihrer i'reiheit es 
zu thun oder zu lassen. 

Ellipsen linden sich zuerst im Sprichwort, bei der be- 
iheueiung und in formein gedrängter fragen oder ausru- 
iungon ein; sie hellen der durch hilfswürlcr inul wieder- 
hoUuigen crschöpllen und geschwächten kraft der rede 
auf, und gewähren, zur rechten zeit angewandt, nach- 
drucksame kürze, ellipsen zu vernnUen ist man berechtigt, 
80 oft der grammalische sinn eines Satzes ohne sie sich 
nicht vollsländig erfassen lälU. allein sie dürfen nicht ver- 
wechselt werden nüt dem veiniögen der älteren spräche 
formen und wendinigcn ohne die schleppenden aber nulh- 
gediiuigncn behelfe späterer zeit auszudrücken. 

Kein verbum unterliegt leichler tlem ausfall als das 
Substantive. noch heute in sprichwörtlichen rcdensarteii 
sagen wir: ein mann ein worl; frisch begonnen halb ge- 
wonnen; ein mann kein mann; besser ein Sperling in der 
hand als zwei auf dem dach; wie ilei- herr. so dei- kncchl 
u. dgl. *) nicht anders fehlt isl in der Irülieien spräche: 



•) einzelne zinn adverl» oder l)Iolic« ausriir <;o\v(irili!C iioininn \er- 
deutlielieii yi(-li diinli die ellipse von ist ^ ■/.. b. scliaile! kiia wunder 
(iiitDirum)! wimderhiir! Iierrlitli! ii. s. w. 

1 2 



132 ein Jacher nutz. 

inlid. ie leDijer gosulcn , ie \vlrs gel)rälen DIiil. 1, 324; 
liiiUc frt-'iule, muigeu leil l'aiz. lO.i, 24, ie liulier })Ci(:, ie 
lielcr lal lleiin. 16426-, ein slac, ein biiil, ein wort ein 
wint Kenn. 457'J ; nuil. beler cain|) dan hals ontwe Ilein. 
3510; allM. l)elri ein kraka i liendi en tvfr;r i skuyi Laxd, 
96. ahn. aber aiicli aulW'rlialb dem sprichworl : verkuu-nri 
at vinnu (sc. eru, die \vcrklciite sind an der arbeil) Isl. sog. 
2, 342. ^venn Ulf. sagl.: sai jui/.du izvara niaii.iga in lii- 
ininam Luc. 6, 23 so liiilt er sich genau an seinen text 
iöov yu{> 6 /KtoOoi: v/növ ':iolvs ^v löt ovoatoi. Das op- 
lalive, conjuncUve ahd. 4t püegt bei IS. wegzubleiben : gule 
dang! Blh. 39; pule du, daz i'rido in erdo saino so in hi- 
niile Bth. 36; liier soll tu chiesen, waz keskeidenes (wel- 
cher untei'schied sei) lUh. H5 ; aucli 0. 11. 15, 16 wir iainer 
bilde (sc. sinies) in würa sidicliera lera ; heil herro! lieil 
meistar! 0. IV. 16, 51. nilid. daz nilr, daz dii! Diut. 1, 
324; alln. vel tliu koniinn! fornald. sog. 1, 493; nilid. gote 
unde mir willekonien (sistu)! Trist. 504; gesvölinlich stellt 
das verbuin z. b. Nib. ^1123, 2 (vgl. mythol. s. 12); nhd. 
lassen wir bei dem ausruf gott lob! das verbum weg, fiigeu 
es aber bei gott sei dank! (franz. dieu merci) hinzu, vgl. 
heil dir! glück auf! 

Ungleich häuliger tritt die ellipse des iuf. ein und zwar 
in folgenden fällen 

1. nach den anomalen sollen, mögen, wollen u. s. w. 
wenn ein adj. mit dem ausgelalhien inf. construiert war: 
goth. ni viljau izvis unvitans (^sc. visan) ov dD.io v/iiüg 
dyvotlv 1 Cor. 10, 1; ui vileima izvis unveisaus ov yccQ 
■&€Xofi£t' vnäc^ (xyrotiv II Cor. 1, 8. I Thess. 4, 13. un- 
veisans felilt Kom. 11, 25 aus versehu des Schreibers, ags. 
uruiu sceal sveord and heim genifene (nobis erit eusis et 
galea communis) B. 5315; us sceal ord and ccg a;r gcniäu 
Thorpes anal. 122, 62; unc sceal vorn fela mädhnia ge- 
majne (so für gemaiura?) B. 3564; unc geniitne ue sceal 
elles äviht (inter nos non erit aliud commune) Lye s. v. 
gemaeuc. Weder ahd. noch mhd. habe ich diese ellipse 
angetroffen, wol aber ahn. in der edda : vidh sculom teitir 
(sc. vera, simus laeli) Siem. 150^; sia mun rnesir rikstr 
und solo (hie heros fortissimus erit sub sole) 183^; audhr 
mun oerinn (afüuent divitiae) 174"; so auch in der prosa: 
that mun retlara (das wird besser sein); thü muut daudhr 
Isl. sog. 1, 63. 

2. nach den nemlichen verbis auch In andern fügun- 
gen: ahd. der erdwniocher sol den lebenden ze fuoro (sc, 
Wesen) N. Blh. 79; wemo diu erda sule (sc. weseu) N. 



J 



verbum. jjiodns, ellipsen. J33 

Cap. 88; mlid. waz sol der erde niere? I^'. 2416; waz 
sült der liiivel üf daz himelriche i* Ms. 1, 25^; nun gewant 
niiioz alle abc Eracl. 3838; daz nuiose allez nider Eracl. 
4453; daz sol her umbe midi Wh. 296, 11; vielleicbt darf 
man in inelireni stellen das sui auswerfen? z. b. Reinh. 
524 würde besser lauleii : ich wolde iemer ane win. Altn. 
fyrr niun ilulga dyiir (sc. vera) Sa?n). 152^; lival niun at 
boloin (vera oder verdlia) 178''; vegiiin numdi 147"; that 
mun nppi längnidhja tal Lofars hafat (haec genealogia 
Lofaris celebris erit) 3**. 

3. nach lassen, wenn ein adj. mit sein oder wescn 
und dem dat. der pers. lolgt, wird das verb. subst. gern 
unterdrückt. ahd. in läzet undrata (sc. wesan) llicro liuto 
nüala! 0. 111. 14, 100; ni laz ihir iz ser! ü. III. 24, 21; 
liaziiM in (sibi) ninbirnah 0. V. 6, 17; ih liaz mir umbi- 
ruah Ibiu buali 0. V. 25, 36; in nuiate laz thir iz heiz! 
O. V. 8, 32. 44. mhd. lät iu niht leit! Parz. 24, 18; läz 
dir nun lasier leit! Parz. 159, 2; daz er im lieze ir laster 
loil Parz. 526,28; daz lat iu dui'ch die frouwen leit! Parz. 
535, 22; nu la dirz durch uns bede leit! Parz. 689, 30; 
la dirz leit! Doc. niisc. 1, 115; lalz iu von mir niht swan-e! 
Parz. 555, 7; nu Iu dir von mir niht su gach ; Wh. 122, 
2; daz läzet iu liep allen! Herb. 69«^; lä dir die schrift 
unma;re! Tit. 164, 4. zuweilen steht aber auch das verb. 
subst. ausgedrückt: ahd. ihaz laz thir xvesan suazi 0. 1. 1, 4t; 
ni lazet iu iz wesan suAr 11. 16, 40; latz iu von mir niht 
swajre sin Parz. 555, 7 nach den hss. ; nieman liez er sin 
erkant Bit. 2226. Heute ist die cllipse aul\er gebrauch. 
Auch alts. galt sie: nc latail iu siUdjar ncc gold wirdig! Hei. 
56, 8; letun sea iu an iuvvomu hugi lethe Hei. 135, 22. Ags. 
null. altn. beispiele habe ich nicht, so wenig als ein gothi- 
sches. Etwas ganz anders ist, wenn jener persönliche 
dat. fehlt und ein bloßer acc. zu lazcn construiert wird : 
ilann hat mau keine ellipse anzunehmen , z. b. in den 
ndul. redensarlou vri la/en, ledec lazen, -war luzen u. s. w. 
oder in der altn. hvern Icio their höfdhi skemra (jeden 
ließen sie hauptes kürzer) Snom. 54*. Auch mit dem von 
lassen statt des in f. regierten part. prät. (Si 126) darf die 
eben abgehandelte cdnstruclion nicht verwechselt werden. 

4. seltner nach lassen bei dem dat. der person luul 
einem sulist. alts. lat ihi an ihiinnini hugi sorga (wesan) 
Hol. HO, 8; liilad iu an iuwan uhhI sorga Hei. 133, 17. 
nd)d. laz dir eine wilze bi ! Parz. 626, 10. 

5. zuweilen noch in andern lallen: ahd. si lic daz sang 
\\i (wcsen) finivil N. }'>th. 109; ndid. da/, mich bi im 



-|34 einjiivher Rciiz, 

\cihIiu7, Iw. 470; da/- c/. abont hognnde fwcrdetO Amis 
1846; mir wivrc lieber iiuder dei- erdori Diiit. 3, lO'i; 
in (eis) W'fure l)e/-/.er aiulerswu Reinli. 1112. w'w würden 
er"Uiizen: zu sein j die ältere fiprachc konnte ^\o\ nocli 
blolien inf. sel/en. liierlier aiicli die jnnl. forniel: bi den 
hcre de nii gliel)ut (le s/'u , per doniinuiu qni jnssit me 
ficri) J'ilegast 555. vgl. llollin. p. 59. nuul. got , de uns 
allen (? alle) geboil; so mir gol de niicli goboit Hagens 
cöln. cliron. 241. 1281. Kigcnlliiindich ist das ags. biid 
liine blidhne (sc. vcsan, jiissit euni esse lülarem) B. 1227. 
6. neben dem s, 127. 128 unter 9-22 abgehandelten part. 
prät. muß der sidjslantivisclie inf. ergänzt vverden, -wenn 
^vir die conslruclion erklären wollen, er liez in ungespot- 
tet iveseii^ waz sol lenger hie gelegen s/u? \vaz vvold ich 
swerls umb dich gegurl tvesen? ein acc. c. inf,; waz toiic 
nu nie da von geseit werdenl Geringeren schein liat die 
ellipse bei 18: daz ist lihle geseit xvesen oder werden^ 
obgleich auch das lat. dictu passiven sinn hat und dem 
pari. prät. pass. dictnm nahe liegt: das ist leicht, daß es 
gesagt "sverde. das nihd. (jeseit in dergleichen fällen würde 
ich lieber für ein verhärleles supinuni erklären, wenn sicli 
aus der älteren zeit eine solche form , die doch in iigend 
einer anwendung erscheinen nniste, iigend aufweisen ließe. 

Dies die ellipsen des verb. sidjst. , außerdem scheinen 
mir noch einige andere beachtenswcrlh. 

Nach sollen und m'öfjen , dem dat. der person und 
einem subst. pron. läßt sich das verbum helfen^ ßomtneu, 
nützen, dienen, sicli (jehören weggefallen denken, ahd. 
waz solti in (eis) rihtuom':* waz solti in herscafll' N. Blh. 
116; nieht ein chambritlil nube anh keisila sidn denio 
unzamen N. ps. 31, 10. mhd. warzuo sol dem briesler 
gemeitheit'i* altd. bl. 1, 231; waz solde in (eis) danne daz 
leben? Alex. 4539 ; waz seid in (eis) dan der li'p? Reinh. 
1424; waz solde in (eis) daz? Renn. 5129; zwiu solde 
mir min sin? Gudr. 5546; diu weiz wol wem daz fürbaz 
sol Parz. 710, 7; waz sol mir giiol unde li|) ? Iw. 1467; 
waz sol der guft mir u. der ruom? Renn. 5323. alts. huat 
mag that thoh thesaru menigi? Hei. 87, 10. *) noch heule 
fragen wir: was soll mir das? (wozu frommt es mir, was 
soll ich damit anfangen?) Dieser fall reiclit an die aus- 
lassung von weseu nach sollen (unter 2) und einige der 
dort gegebnen belege eignen sich auch hierher. 



•) .Toll 6, 9 sed Jiaec qiiiil sunt inter tsiitos? viil-i.; liei Lnllier: 
wns st (las unter o viele? gotli. akci tliata Ina ist du sva maiiag;'iim? 



vevhüin. modus, ellipsen. 135 

Die belheueriing sammir , semmirl Ist aus der fcierli- 
clien sclivvurfoiiiiel su mir got helfe l abgekürzt. HA. 895. 
ähnlicli siiul : sammir got! Troj. 4873 ; sanier got ! Ben. 438 ; 
SU dir got ! Troj. 16741; so mir daz heilige lieht! Kolli. 1057; 
samir leben und lip ! fragm. 24''*) ; samir daz heilige grap ! 
das. 24^ ; sam mir daz ölisel und daz joch ! elfenmärch. CXVIII. 
man könnte auch einigemal statt des helfe supplieren : tjeniedec 
Sil oder bloß stl Nicht anders serbisch: tako mi sunze ! 
(ila mihi sol propitius sit) ; tako mi shiv brat! (ila mihi 
vivus frater): zuweilen steht der gen. und dann fehlt ein 
anderes siibst. : tako mi boga! (so widerfalire mir goltes 
hilfe) tako mi zemlje ! (der erde beistand.) auch die lat. 
l)ellieuerungen mehercules , mehercule, medius lldius! be- 
gehren ein ausgefallnes jiivet. 

Nach dem ahd. ausruf cnada mir herro ! (niiserere mei 
domiiie) N. ps. 85, 3 liiUt sich ein conj. ivyanye , xvaltt'y 
werde oder bloßes sil verstehn. mhd. diu genäde herre ! 
Mar. 25 ; iwer genade iierre ! Tarz. 303, 1 1 ; her iwer 
gnAde! Parz. 362, 6. 389, 22, eine bloße höilichkeitsfor- 
mel, wie wir Verzeihung! gebrauchen, das mnl. here half 
ghenade! Hein. 1993 muß avoI so gedeutet werden: ge- 
schehe mir nur halbe gnade, um die ganze Avag ich nicht 
zu bitten; es wird sich ^wol auch ein altfranz. miegrace ! 
oder deiniegrace ! nach lassen w eisen. Statt der conjunctiv- 
ellipse steht es frei eiu ausgefalln*s khitle ich (franz. je 
vous demaude pardon) anzunehmen. 

Scliv gewöhnlich in unsrer spräche ist der ausfall eines 
verbums der bewegiing : tjehu \n\\\ fahren. 

Sclion für den imp. mhd. nach diuer muoter balde! Wh. 
160,2; nu balde enwec! Bari. 11,31; nu wol her balde Trisl. 
2387; nemlich (f/rtuc oder war f durch das gern den imp. be- 
gleitende adv. bahic '"'), durch dar oder her, >vird die cllipsc 
vorbereitet. nu har guoten knehle ! nu har vfgande ! 
Roth. 4066. 4644. nemlicli (janijel , fjdl ! der Spruch des 
gauklers: wider in die laschen! Kenn. 22500 oder kniip- 
pel in den sack! kniippel aus dem sack! (KM. 1, 188) und 
alles ähnliche gründet sich auf dieselbe ellipse. 

Auch für die frage im iudicaliv. der anruf wer da:' 
galt schon im ]MA. und lautet vollständig: wer tjet du? 



') vgl. r.elftir (so helfe dir) diu lip! Oliit. 3, f..T. 

") liint dir l)nltlc! INIs. 2, 75; du solt bald.> ilon dar! Ceo. 32lfl; 
rünie balde den liof! Morott r>8l. (i24. dii't. lulid. lialdel oilt r das 
nliH sdinoll! gc.-ilnund! iinoUicien doit imp goli' laut! 



J36 einfacher satz. 

(({vii va lu?) Reim. 11468. walirsclioliilicli ist l)el dem uil- 
liarlisclieu : ich allcz mit Ben. 337 «eu oder war zu verslelin. 

Am haiidgslen mangeln wird der inf. , hesondeis nach 
den anomalen, alid. furdir tlii\ ni malit (sc. gatnjan) 0. 
V. 10, 6; ni drafiin *) tharasun (non conlendcbanl eo ire) 
O. 1. 14, Iß; wara Jiiag ih? (quo ibol') N. ps. 138, 7. 
ags. ic him äfter sreal (ego post illos ibo , eos soqiiar) B. 
5628. alln. skal ek für vestan (ibo versus occidcntem) 
Siieni. 168**. nilid. wir siilen üz discn pinen \Yh, 324, 2; 
jmiüsl er vor daz gerillte Diut. 1, Iß ; du solt in kaltez 
wazzer Ls. 2, 701; waz solt ieman zuozin dar i' Trist, 
16855; sine mugen zuo einander jiilit Frauend. 128; si 
imiosen über wazzer Nib. 1569, 3 ; du nuiost uf den sne 
Gudr. 4256; min lierze muoz enzwei Ben. 159. 191; done 
mühte der gast für noch wider Iw. 1126; da er üz mölite 
Iw. 1147; weit ir mit uns dar? Beinh. 309, 513; du wol- 
den sie heim ze lande gr. Rud. K'', 14; ich wil hin wider 
alse her Parz. 610, 29; iwer leben wil in den tot Parz. 
557, 10; ich wil ein reise Ms. 1, 57^»; ich wil in die erne 
Ms. 1, 60*; min herze wil enzwei Ben. 169; diu tagewcide diu 
Avil hin Amgb. 2* ; diu naht wil hin Ms. 2, 88 ; ich wolt e iinder 
die erde Bit. 97*; sie lilnt die scharfen ecken gr. Rud. C^, 3. 
Auch da wo wir jetzt den inf. mit zu setzen; thaz worl ward 
liera in worolt funs 0. II. 2, 32; ir was uife den liof liep 
Roth. 1819; ich ht i«ite dar Parz. 225, 23. leich des v. 
Rüge p. 460; stet din herze in den strit Wh. 348, 16; da 
hin was Riwalines ger Trist. 452; dar was nilit sin wille 
Gco. 3227; ich liän gedingen in daz laut Ms. 1, 91*; über 
mer hastu gedälit (ze varne); luigelen heim ze lande cod. 
pal. 361, 70^1 Roth. 29^ 49*; herre , erloube mir überu 
man pf. Chuonr. 2134. Diese anslassungen sind auch noch 
nhd. in voller Übung: ich muß über das wasser; ich will 
aufs laud; ich mag nicht in die w^einlese; ich darf nicht 
dahin; ich denke morgen aufs land (cras cogito in subur- 
banum Cic.) Mnl. ic hebbe liever in de risere (te vaerue) 
Rein. 3469. Altn. fystoz a myrkqvan vidh (sehnten sich iu 
den schwarzen wald zu fahren) Sa;m. 134*. 

ellipse des part. prät.: ahd. inindiu w\is Plicebus ioli 
hiiia über dia luft (sc. gegangen , interea tractus aerios Pli. 
jani exierat) N. Cap. 39 ; der winter ist hina, der regan ist füre 
W. 17, 24; die ^r hina warun Hild. ; diu forezeichenunga ist 



') flies dräfun hat nirlit die «.HMiogste berüliiuiig mit thurt'an (au- 
♦jent), >onHerij ist das prät. mhi divfaii (teadere.) 



verhum. modus, ell'ipsen. J37 

liina N. ps. 39, 7 ; ther scaz ist sfnes sindes {(jifaran) 0. V. 
19, 60 ; iioveni libroruin zwei liina sint jN. Cap. 169 ; inhd. Ol- 
niles ävenliiire ist nu diu ander liin ; der iiieie ist in diu laut 
Ben. 364; anders waere ir beider hende einander in daz liur 
{(jevarn) Ben. 377; dö \va^re er gerne hin wider Karl 58^; 
du Ava^re er gerne von dan Karl 64'' ; ez ist hiute hin ein tac 
lw.'7439; der wirt ist sine sträze Troj. 21857: du wsere hin 
iiz'^iiliden plan Parz, 118, 20; wa^r er gerne nach der beiden 
be't>M'b.227, 11 ; erist nu bin Anigb. 10t> ; der zorn ist mnibalp 
da bin Iw. 8093. nbd. er ist dabin ; eristbinweg; alles ist vor- 
bei; geld ist bin, gut ist bin; icb wäre gerne bin. auch bier 
deuten parlikelu wie biu und gerne das ausgelassene wort an. 

Einigemal laUt sieb fallen oder neigen ergänzen, wenn 
man sieb uicbt mit fahren begnügen Avill ; nibd. muosea 
üf die erden Parz. 471, 20 (ahn. til moldar hniga); müe- 
zen alle zuo der erden pf. Cluionr. 4179; muoser ze der 
erde das. 5862; mnl. ter mouden nioeten (sterben müssen) 
Huyd. op St. 2, 418. nbd. er nuiU hinab, hinunter. 

Wie mau im lat, elliptisch sagt scire hdibus, nemlich 
canerc, so Ijat auch unser können, noch in der alten be- 
deutung von scire, mhd. \uid ninl,, dio. präp. mit und das 
subst. neben sich, worauf die fertigkeit gebt: man drirf ei- 
nen inf, supplieren , der xingefabr was unser nbd. %itnuehn 
aussagt, da es aber mhd. bieü : mit triuweu varn Parz. 
167, 29, 322, 21. nüt warten varn Iw. 7685. mit ir varn 
Iw, 3160; mit s.-vlden varn AVigal. 8634 *) ; so kann ganz 
die üblicbe ellipse von fahren beibehalten werden, ich 
kan ein teil mit sänge Parz. 114, 13; der mit den liulen 
kan I>en. 184; nibt nüt IVouwen kan Dir. Trist. 280; der 
w^ol mit riterscefle kan Parz. 66, 10. Wigal. 8456 ; der 
niht mit litlers l'uore kan Parz. 152, 12; die wol mit 
slrite künden Parz. 210, 22; der wol mit scarpfen slrilen 
kan Parz. 348, 24; mit der tjost si bede künden Parz. 704, 
6; si künden euch mit tjoste Parz. 738, 23; die künden 
mit gescbülze avoI Troj. 6271; swer mit gejegede künde 
Trist. 14361 ; lat niuie wunden schouwen elswcn iler du 
künnc mite Parz. 577, 9; swer mit disen scbanze'i allen 
kan Parz, 2, 13; der nibt mit arnuiele kan (nichts von a. 
weiß) Parz. 62, 24; er künde wol mit schallen Parz. 317, 
25; die wol mit züblen künden Parz. 493, 18; daz ez mit 
tiuoj)beit künde (sich aufs trübe verstcbn lernte) Tit. 90, 3; 
zwcr uu nibt wan mit triuwcn kan ]Ms. 1, 51^; nocb spa- 



•) vgl. mit triwcii lel)en Parz. 499, 17. mit krelten leben Parz. 
332, 4; der mit beiden wol künde lebe» Ms. 2, iti-'. 



138 eiiifaclier satz. 

!er bei Königsliofen p. 333 die %vol domlUe kiinnent (sich 
gul daraiil' versleliii.) "svenn Flore 660.5 stellt : der sich 
nilit mit rede kau, so verlangt das reflexive pi-oii. ein an- 
deres ausgelassenes verburn , z. b. entsagen, wem -, und der 
grundsatz der ellipse wird dadurch bestätigt. Veldek hat 
die priip. an ; künde avoI an rileVschaft En. 9006 ; /To- 
massiu se : iler iht ze guoleii dingcu kan Wgast Tl^^'j^der 
viel spätere Sastrow 2, 622 auf : konnte wol auf der fei- 
gen , ganz jenes scivit fidibus , und nach niaßgabe der. pi ap. 
hat man andere verba anzunelimen. Es ist bemerk-ens- 
wertli , daß unter den mlid. dichtem nur einige sich die- 
ser redensart bedienen , am häufigsten Wolfram ; andere 
z. b. Ilartm. xind Rud. meiden sie. IMnl. de mester con- 
ster niede wale (der in. konnte -wol damit umgehu) Stoke 
3, 196. 

Das verbum sprechen , golh. cjvlthan scheint in der 
älteren rede und dichlung niemals auszufallen, erst in der 
neueren hat man diese ellipse den classischen sprachen 
nachgeahmt, z. b. also der greis; also der vater; nemlich 
sprach, redete, auch bei den redensarten : schönen dank! 
im vertrauen! ist sage ich, sei es gesagt, zu ergänzen. 

Etwas anders, wenn schon in dem raschen dialog alid. 
und mhd. dichter die phrase tiiiat er , sprach er ausge- 
lassen wird, z. b. im gedieht von der Samaritanerin, Iw. 
1939-1944, denn dabei mangelt zugleich das pron., wäh- 
rend in jenen beispielen das subject greis und vater aus- 
gedrückt war. Oft aber wdrd, aucli in schnell wechselndem 
Zwiegespräch, das sprach er, sprach sie hintereinander 
wiederholt, vgh En. 97«=. 

ns; Hiermit glaube ich die liauptsächlichsten verbalellipsen 
des einfachen salzes angegeben , von der des auxiliaren haben 
und sein beim prät. liat das folgende cap. \uid von ellipsen 
des mehrfachen satzes der dritte abschnitt zu handeln. 

Andere ließen sich noch aufwerfeu , z. b. die des präs. 
man soll oder muß vor infinitiven (s. 87. 90) ; es ist aber 
geratheuer ihnen zu entsagen. 



verhuni. iempus. preis. J39 



CAP. III. TEMPUS. 

Wenig spraclien sind für den ausdruck der zeitverliältnlsse 
beim verbuni sparsamer ausgestaltet als die deutsclie: sie 
besitzt mir formen des präsens und eines einzigen Präte- 
ritums. Aveder das futurum noch die in andern sprachen 
vielfach gegliederten stufen der Vergangenheit vermag sie 
imumschrieben zu bezeichnen. 

üieser empfindliche niangel hat sich niclit erst später 
liervorgethan , er reicht in ihr höchstes alterthum so weit 
uns hinaufzudringen vergönnt ist. Ulf. übersetzt alle und 
jede gr. tempora der Vergangenheit durch sein prat. untl 
gibt das gr. fut. zugleich durch sein präs. wieder; nur 
äul^erst seilen, luul im fall dringender Zweideutigkeit, be- 
fpiemt er sich das fut. zu innschreiben. Selbst in der be- 
deutend jüngeren ahd. periode verhalt es sich beinahe noch 
ebenso, und eigentlich et'st bei 0. und N. entscheiden sich 
die umsclireibungen. mhd. und nhd. haben sich diese pe- 
riphrastischen tempora viel unentljehrlicher gemacht, obwol 
auch selbst heule der alle giiiiulsalz hin und wieder vor- 
briclil, die teniporalverhälljüsse einfacher und rolicr auf- 
zufassen. 

Ich trete dennoch der ansieht n'iclit bei, daU diese 
mangolhaftigkcil der tempusformen von jeher in unserer 
S|iracbe gelegen, oder dali in anderen der reiclithum daran 
sich ei'st durch verfeinenuig ausgebildet habe. Sprachver- 
feinerung Schaft nie neue formen, sondern läßt sie unler- 
gelin, indem sie bestimmtere äuüerliche ersalznntlel dafüi' 
gewährt, wie diese sich freilich auch bei uns hervorgelhnn 
liaben. Einzelne spuren frülierer deulsclier tempora Können 
vielleicht doch augezeigt Nverden, 

PFiAESENS. 

Das jiräsens erscheint, auch seiner form nach, als grund- 
läge aller übrigen tempora; es lauft am vollständigsten 
durch jeden modus, während andere tempora niir im ind. 
und COM}, ontbaltcn sind, dem inip. und inf. abgchn. 



140 e Ulf (icher salz. 

Es clriickt die gogeiiwarl aus, zuweilen aber die al« 
gegeinvürlig getlaclite vergangciilieil oder zukiiiirt. von dem 
häufigen gebrauch der präsenslorm für das f'uluruni hernach 
bei diesem, von dem prä«. für das lat. porfecl. conj. lier- 
nach boim pral.; hier behandle icli das indicative präsens, 
Avolches vergangne dinge darstellt, 

JMau nennt es das erzählende oder historische präsens : 
in der -wärme einer rasclien erzälilung wird zwischen an- 
dere prälerlta ein pras. gestellt, \im dem zuhorer das vor- 
gegangene lebendig unter die äugen zu rücken, auch kann 
das plötzlich und unerwartet eingetretene scliickiich durch 
das blolie präs. vorgetragen werden. 

Im . griech. ist der aorist das eigentlich erzählende teni- 
pus , bei lebhafter rede tritt aber oft das pras. an dessen 
Stelle und wechselt niit ihm ab. Schade, dalli wir die 
goth. Übersetzung des iöov uyyelos (falverai IMatth. 2, 13 
nicht nachsehu können; im apparuit der lat. vulg. ist der 
nachdruck des urlextes schon verloren gegangen und so 
auch im ahd. arangta sih T. 9, 1 ; selbst Luther Iiat das 
präs. niclit hergestellt. 

Das im N, T. unzähligemal als histor. präs. vorkom- 
mende Xi-y^i überträgt Ulf, stets durch das prät. qvath z. b. 
Matlh. 8, 4. 7. 20. 26. Marc. 5, 19. Joh. 19, 9. 10; ebenso 
Xtyovoi durch qvethun z. b. IMarc. 4, 38. die vulg. gibt 
dafür ait oder dicit, also lat. praesenlia (obgleich ait sonst 
etwa auch prät. sein könnte); in den ahd. Versionen finde 
ich aber nur d.as prät, daÜir; c|uhat fr. theot, IMatth. 9, 6, 
T. Malth. 9, 6. 23. 

Ebenso wird h'Qy^frat, l'QyovTui zu einem golh. iddja, 
qvam , iddjedun, qvcnuui JNlarc 2, 3. 3, 31. 5, 1.5. 35. 
Joh. 11, 29. ausnahmsweise ist Luc, 8, 49 yaijijith für 
i'Qy(%at gelassen. auch ■d^iMQovot JMarc. 5, 15 bleibt ga-. 
Sdihvaud und ayovai Joh. 9, 13 ijatiuhand^ doch Joh. 
18, 28 dafür taühun. allein folgende gv. präs. werden 
überall zu goth. prät.: yxdwoi insailidcdun INfarc. 2, 4; 
dicyeiQOVOi urraisideduu ]\Iarc. 4, 38; nKolorDovai laisti- 
dedun Marc. 6, 1 ; ovvaynviai gaiddjedun Marc, 6, 30 ; 
iyuQSTUL urniis Joli. 11, 29 u. s. w, zum klaren beweis, 
dali Ulf. nicht knechtisch übersetzte, sondern das wahre 
präs., welchem stets auch ein goth. entspricht, von dem 
lüstorischen aufmerksam zu scheiden verstand. oiTenbar 
also hnt die golh. spräche wenig neigung zum letzteren, 
und ilulür lälU sich ein sattsamer grund denken: da sie 
ihre prasensform äußerst oft für das gr. ful. und den gr. 



verhuin. tenipiis. preis. 141 

aor. conj. verwendet, so wäre Verwirrung entsprungen, 
hatte sie es zugleich in allen jenen stellen der indicativen 
Vergangenheit anpassen wollen. Späterhin, als sich die 
Umschreibungen des fut. fester gesetzt hatten, konnte das 
erzählende präs. eher aufkommen. 

Wir werden es also auch nicht In ahd. prosadenkma- 
lern , die der vulg. anhängen (und diese braucht in jeneu 
Stellen meist schon prät. statt der gr. präs.), oder ihres präs. 
noch oft für das fut. bedürfen, erwarten; elier in den ge- 
dichten. Doch 0. ist kein rein erzählender dichter, sondern 
überall seine belrachlung anzuknüpfen geneigt, für die 
dann das präs. gerecht ist : wo er aber erzälilt bedient ef 
sich stets des prät. INoch weniger verliert sich aus diesem 
der alls. Verfasser des Ilel. , luid >venli er ganz am schlul^ö 
seines werkS 176, 4. 5 auf giwet imo up thanan , suhia 
Imo is helagon stul das präs. sitil imo thar, eiidi thanan all 
gesihil folgen lälk, so forderte der sinn, hier die daucr 
des hinunlischcn reiclis den vorausgegangnen ereigiiis?eii 
entgegenzusetzen; atich diente das sedet a dextris der vulg. 
IMaiT. 16, 19 und erit sedens Luc. 22, 69 zur richtschntir 
(obschon T. 244 saz in zeso goies , dem gr. i'/Md-ioe der 
ersten stelle näher forierzählt wird.) 

INlehr der poesie gemäß scheint, daß zu elngang des 
Ludwigliedes nach dem "weiz des dichtei'S noch drei präs. 
heizit , thionot , lunot folgen, inid dann erst ins prät. ein- 
geschritten wird, der Säuger geht von der gegenwart aus 
zur Vergangenheit über, an diesen rand oder Vordergrund 
befestigt er seine fäden und so darf er auch am .Schluß 
nochmals benierklich werden. jenem weiz ih gh'ich steht 
das lesen wir ihaz fuori in der Saniariteriii. Im boyinii 
des PSib. lieds, bevor die erziihlung angehoben hat, kann 
CS heilk'n: uns ist geseit, oder nachdem sie zu ende geht: 
hie Itiit daz nnere ein ende , ditze ist der ]Nibelun{;e 
not. mit diesen worteu tritt der dichter auf und ab, zur 
crzählung gehören sie nicht. oft unterbleiben sie völlig 
uiul selbst im beginn ist gleich das prät. angemessen, wenn 
der vortragende sich als bloßen rhapsoden kiuid gibt: ik 
gihurta seggen llildebr.; wir hurten dicke singen, An- 
nolied. 

Von solchen etngängen und schliisscn abgeselicn sollte 
die freiere natur der nihd. poesie aber auch sonst im ge- 
dieht das nicht rellexivc, sondern eigentlich er/älilenile präs. 
vermuten lassen. ich linde es, einen einzigen fall ausge- 
nommen, niriieuds. 



142 eiiifaclier nutz. 

Dieser fall tritt alsdann ein , wenn aus tlen erzalilten 
begebenlieilen ein etwas anhaltender zustand liervurgcgan- 
gen ist, dessen bild sich dem luHer vergegenwärtigten soll, 
an den sich der erzählende damit wendet, hixi riltl 11er- 
zeloyde Iruiit Parz. 451, 3; der rit nu ilf die niwen slä 
Parz. 455, 23 ; der burcgrave nu vil wönic des verbirt 
Parz. 20, 28 ; Gaschier siii kumii ouch niht verbirt Parz. 
42, 7; nu gel der künec an sineu rat Parz. 422, 19; ez 
ntt'ht nu wilden m.eren , diu huchgemiietc bringent Parz. 
503, 1 ; im uuhl der kristeu ungeval Wh. 45, 23 ; ez 
na'ht nu vreude unde klage Wh. 215, 1; nu muoz sUi 
freude dem jämer u. s. w. Wh. 214, 28; nu kamt dem 
Zwickel hie sin schop Wh. 396, 3 ; nu Heimrich u. siuiu 
kint von der künegin empfangen s int '■''■) Wh. 251, 3; der 
niarcrave ist durch si komn ane schaden Wh. 109, 1 ; nu 
ist ßlantscliellur diu guote mit vaste trurigem muote in 
der stat Flore 1744; nu stdt er üf und (jdt mit der kun- 
gln an die stat Flore 2217; nu ist Flure schune bereit 
kuinber u. gröze arbeit ze lidenne Fl. 2879; Pieinhart tvirt 
noch hiute betrogen Pieinh. 824 ; diz ist geschehen , ez 
muoz nu sin, er ist tut der guote Pviwalin Trist. 1701; 
nu Tristan (terst ze huse komen Trist. 3377; nu Küal 
unde siniu kint belehent und gerbet sint Trist. 5849; nu 
herre Morolt der ist tut Trist. 7200; nu Tr. der ist ze 
fride komen Trist. 8901; her Wigalois hie bluzer stätf 
niht mere er ze schirme Iiät (s. 1. für stet: Iiet) wan sin 
barez isengewant Wigal. 6987; hie ist diu äventiure ge- 
holt Wigal. 7904; nu ist umbehabet IMorolt der degen, er 
muoz mit gruzen listen fristen sin leben Mor. 1814; nu 
ist verraten künec Salomun, daz hat sin elich wip getan 
das. 2274 ; nu wil man den künec Salomtju sliezen in 
zwu fezzern freissam, dar inne muoz er Verliesen sin wer- 
dez leben das. 2412; nu liget der tugendhafte man vor dem 
künege Princian u. muoz Verliesen sin leben das. 4123; 
er lud den tut an der haut das. 2799. Der volkssänger hat 
also diese Wendungen gemein mit dem höfischen dicliler, nur 
daii jener die in der erzahlung durch das vorgeschobne prii- 
sens gleichsam entstaudne pause ungescheut für seine labung 
mit einem frischen trunk zu nutzen weiii (Mor. 2416. 
2798. 4127.) die spätere poesie, oder die italienische, 
würde hier einigemal sasen: nun lassen wir den beiden 



*) empfangen siiif , und in den folgenden beispielen ist geschehen, 
ist komen u. s. w. bilden kein eigentliches präs., sondern ein um-^ 
scliriebues prät. , das aber Lier dem präs. gleich steht. 



verbum. tentpiis. präs. . 143 

reiten, doch aucli diese, redensarl war dem 13 ih. nicht 
unbekannt •') ; den abgebrochnen faden ninunt das nächste 
prät. von neuem aut. durch die partikehi nu oder lue 
wird die eintretende gegenwart angekündigt '*''^^ , der er- 
zähler liaU einen augenblick ein , den zuhörer beschäftigt 
unterdessen das ihm vorgehaUne bihl und LäiU ihn den Zu- 
sammenhang nicht verlieren, durch anscheinende Unterbre- 
chung der rede wird die aufmerksamkeit nur gesteigert. 

Grade so ist auch mnl, dieses naive pras. und noch 
häufiger gebraucht, nu Jeyhet Coppe ouder niouden Rein. 
465; nu es Brune up die vaert ende hevet in siere liertcn 
onwaert Kein. 497 ; dit scehleu hevet Reinaert ghehiten 
Rein. 029; Iioe Sdl nu Brune te liove comen? Rein. 961; 
uu nioet Tibert doen die vaert, die sere es droeve ende 
vervaert Rein. 1043; dus gaet Grimbert te Mauiierlus Rein. 
1363 ; nu es die biechte ghedaen , die lieren hehhen den 
wech bestaen Rein. 1695; nu (fiiet Reinaerde ai liuteu 
speie Rein. 1890; die staet ende scunivet daerwaert, ende 
si spviinj1ien\ ende si keren Rein. 2038 ; nu wert R. pel- 
grin , ende sin öm Isingrin ende Brune die liij(jhen ghe- 
bonden Rein. 3017 ***); nu es Blancelloer in vremden 
lande, hoe sere wrinct si haer hande! Floris 738; si ne 
tvef van rouwen hoe ghebaren Floris 745; nu es die coninc 
haerde verdroeft, hem dinct , dat lii raets bohoefl Fl. 1394 ; 
Floris heß sine tale gheent , die coninc heni droevelike 
omme ivent ende doet ghereiden Flor. 1480; nu es Floris 
comen buter slat Fl. 1606; nu es Floris comen dacr hi 
wesen soudc, hem hedaerj wel dat hi hem houde mit 
sinne u. s. w. Fl. 2091. Auch bei Maerlant ersclieint die 
Wendung nicht seilen , z. b. nu es die bisscop dacr comen 
ende hevet capiltele ghenomen 2, 210; nu waent die bis- 

*) nu lät Heil kiinppen wider komcn Parz. 652, 15; im lAt Arlüseii 
stille li};iii l'arz. (JttT, 1: mi lät in riteii Parz. 443, 5; iiu l;U Tcriii- 
niereii liteu VVli. 3(jO, 29; älmlicli ist: im daiict es dem wirte Parz. 
63t), 13. 

'*) aber nu stellt nirlit iiotliweiidin; vor dem präs. , fast iiocii lifter 
vor dem prät., z. b. nu diz wart <i;etAn Parz. 57!), 1; nu diz was er- 
gangen Parz. 591, 22; nu diz was et alsus konieu Parz. (>7(). 1 ; nu 
diz was äne strit Parz. 808, 1; nu was Parz. 513, 1. 7 U), 9. 7K4, 23; 
nu wären AVIi 351, 21; nu liet Wli. 133, 11. 138, 23. 325, 13; nu 
lac Uli. 111, 15; nu sali Wli. 240, 13; nu kom Wii. 329,21. bei 
Gutt'ried unzäliligemal. 

*") 80 viel ich sehe, Iiat der säclis. bearbciter des Reineke in die- 
sen stellen allen das präs. aiif^fegeben und dafür präterita, obgleich 
selbst die nl. prosa jenes zuweilen beibehält. 



144 einjdcher salz. 

scop van den Ilcdeii 2, 211; mi soe el wat doen eii wct, 
hert soe Jiarc au oiiser vromveii 2, 250. 

Die auirallencle einslimmung zwischen Flore 1744 iiud 
Floris 738 liilU venmiten, (lali hier und aIl(ler>^a^ts auch 
im welschen original das priis. sland. wirklicli ersciieint iu 
der allfranz. poesie das erzählende pras. ganz in derselben 
Verwendung: or li esluet enging por([uerre Hon. 853 ; or 
est Iienart dedens sa tor, sl filz li f'ont nioult graut ator 
Ren. 917; or est Renart ea graut peril Ren. 1668. 1830; 
or a Renart au(iues la horde Ren. 1816; or covient que 
Tyheis se laise Won. 1944; or /'a R. tant aniuse , ({uc 
arnbethii sont acorde Heu. 1981 u. s. w. Aliein außerdem 
liat das historische pi-iis. m der allFranz. spräche ungleich 
tiefer gewurzelt mid ninnnt neben dem prät. fast ein diillcl 
oder viertel der ganzen erzahlung ein, vgl. z. b. Reu. 680- 
708. 761-769. 826. 27. Berte p. 42. 43. 52. 54: niouIt 
fit cele jornee felon temps et cuvert, et, la royne pleiwe, 
cjui siiefre ^ li joiirs va a declin, si aproche la nuit, quant 
ce voit la royne, el parfont bois s^eujuil; und so wahr- 
scheinlich dmch alle oder die meisten gedichte. 

In dieser heziehung ergibt sich also eine hauptverschie- 
denheit zwischen altd. und altlranz. slil. Jener kennt das 
historische pras. nur in dem auseinandergesetzten fall, y\o 
es gei'ingen Spielraum hat, und lange nicht von allen dich- 
tem verwendet wird : außer bei Wolfram, Gotfried, Wirnt, 
Flecke und einigen andern habe ich es kaum getroffen, 
zumal nicht bei Harlmann, Rudolf, Conrad, geschweige 
in den TS'ib. oder Gudrun. Die allfranz. poesie erstreckt 
es aber, wie gesagt, noch auf viele andere fälle und braucht 
es geradezu als erzählendes tempus da, wo alle mhd. und 
mul. dichter nur das prät. setzen, man sclilage den Trislran 
auf, oder halle die fabeln der Marie de France zu den 
strickerischen , bonerischen imd dem mnl. Esopet. dort 
überall untergemengte prasentla, hier nirgends. Ohne zweifel 
widerstreben sie auch reinepischem Vortrag, und färben ihn 
zu subjectiv oder dramatisch: in jener niäliigen anwendung 
der mhd. dichter tluin sie desto größere wirknng. das 
eigentliche epos duldet kein präsens aui^er zu eiugang und 
in den reden der handelnden, d. h. überall nur wo nicht 
erzählt wird. 

Auch die cddlsche erzahlung streut kein pras. ein, und 
hat es lediglich im gcspräch oder wenn ganz am Schluß 
die reflexion des dichters heraustritt: nü er um genginn 



verhiim. lempus. preis. 145 

gratr Odclrunar Saem. 243^*). zu eingang; yj-e/i /*e/?/- iiUl 
251», wie^ol soust: är qvadhu 100^; lieyrdha ik segja 
239». auf gleiclie weise verhält es sich im ags. Beovulf. 

Für den bewegteren ton der neueren volksh'eder eignet 
sich das liistor. priis. weit mehr, in den schwed. und daii. 
ist es gar niclit selten, beim beginn wie in der mitte, und 
ohne daU es dabei auf betrachtung abgesehn wäre: alles 
ist alsogleich handlung. fröken Adelin hon guiigar sig i 
rosende gärd, hon plockade rosor Sv. vis. 1, 95; och Grim- 
])org tar juugfrun vid fagergulan lock, sa hinder han henne 
vid sadelknapp, sa rider han öfver den trelümila skog, 
und gleich darauf im prUt.: slett inte s?i talle han ett 
endaste ord Sv. vis. 1, 19; skün Anna hon (jfir tili sjöastrand, 
och der spatserar hon sä vida, til henne sä kom en fager 
unger man, han helsade pä henne sä blida das. 1, 24. hier 
stellt in den beiden ersten versen das präs. den ausgang 
und das spazieren der Jungfrau als ein bild hin, mit dem 
prät. des dritten luid vierten beginnt die handlung. Agnete 
Stander paa hüjelofts bro , strax kom der en havmand D. 
V. 1, 313; Algreven blasser i sin lur, det hörte dron- 
ningen i sit biu' das. 1, 316. nicht anders in nhd. Volks- 
liedern, z. b. es liegt ein scliloU in Osterreich, das ist 
ganz wol erbauet, darinnen liegt ein junger knab , sein 
vater kam von Piosenberg u. s. w. Alle diese beispiele he- 
ben vom präs. an imd gerathen dann ins prät.; kein mlid. 
dichter würde sich solche Sprünge im tempus gestattet ha- 
ben, in solern er erzählt und nicht redcclierend vortritt, 
die benierkung gehört eigentlich in die lehre vom mehr- 
fachen satz, und nur darum hierher, weil ich das allmäliche 
Umsichgreifen des bist. präs. schildern wollte. 

In dem heuligen stand aller deutschen sprachzweige hat 
vielfache einwirkung der classischen so wie der neiieren 
fremden literatur diese tempusanwendung freier und manig- 
falter begründet, überall wo der erzahler seinen gegen- 
ständ näher bringen oder das überraschende darstellen will, 
mag er gleich mit dem präs. beginnen oder aus dem prät. 
»uinüllclbar in das präs. übergehn , z. b. wir giengen un- 
besoigt, da Jährt ein wcllerslrahl aus luntorer luft, und 
SiUcsJlieht auseinander. Was aber dem leichleren vertrag, 
der prosa und dem drama gestattet ist, dessen wird die 
gemessene epische dichtimg sich zu enthallen haben: ihr 



*) man könnte diese worte aucl» nocb der O. sciijst in den numJ 
legen. 

K 



'\4f) einJ'acJier salz. 

taugt das pi-iis. nur für finijaiig ''anriif der nuise) , {^leirli- 
nis lind rede ticr Iiandi-Iiidcii |i(M-8()iifii , iii( dt liir die ans 
des dulilois niiinde gehende er/;ililiiiig. in (jöllios Merin. 
und Dorullica isl kein einziges liisl. präs. , iii Vossens l.iiiso 
wird blüU zu anfang des drillen gesangs aus der er/.ählung 
gewichen, wie in jenen \olUsliedern eine l)es(:lireibuiig vor- 
ausgesendet , und daiaul" ins pral. eingelenkt. \A'ielands 
Oberon , nach welscher weise , hat ihrer im Übermaß. 



PRAETERITUM. 

Einige Vergütung für die in unserer spräche gleiclisam un- 
ausgeax'bcilet gelassene oder lialb verschlossene form der 
vergangenheil wird ihr durch das reiner als sonst irgendwo 
entfaltete System der ablaute, luid die damit verliehne 
größere durchsichtigkeit ursprünglicher und abgeleiteter, 
intransitiver und transitiver bedeulungeu gewährt. was 
iu der grieclüschen conjugalion zu dem ablaut stimmt fallt 
gerade auf zwei teiiipora, das perfectum und den zwei- 
ten aorist, so wie leduplication nur das perf. mid plusq. 
einninuiit. sollten in viel früherer zeit als der gothischen 
unsere ablautenden und rechipiicierenden formen uiclit auch 
für bestimmte tempora der veigangeidieit gedient haben? 
waren, im gegeuthed, unsere schwachen praeleiita ursprüng- 
lich nieiir für das imperf. und den ersten aor. geeignet 
gewesen:' einer solchen mutmalUmg steht nicht weniges 
entgegen; olfenbar hal sich die ganze Unterscheidung, wenn 
sie so bestand, völlig anders gewendet und niclit mehr 
tempora sondcjn zwei durchgreifende verbaiclasseu bezeicli- 
net. INlerkwüi-digeu auscliein hätten einige spuren starker 
und schwacher prät. an einem und demselben verbo. das 
gotli. gaggan bildet nicht gaigagg, vielmehr gaggida, obschou 
auf jenes das ahd. gianc, gienc führt: '(ja(j<jida verdeutscht 
Luc. 19, 12 i'7ioo6V&/; (aor. 1), das ge\\öhiilich gebrauchte, 
aus anilerm slanun entlehnte ])räl. iddja aber Luc. 7, 6. t l 
iCTO()f/?/f ro (imp.) JMatlh. 9, 9 jjzoAovdr^ne (aor. l), iddjeduu 
Luc 7, 11 inoQtvovTO. Das ags. gongan vereinigt drei 
präterilivfornien: die häufigste ist eode = nldja, dann gilt 
yeong, giong z= gaigagg B. 3568. 4034. 4424. 4813. 5427 *), 
endlich gengde =z gaggida B. 2825. C. 47, 27. 52, 9. für 
den unterschied der bedeutungen ist kein gefühl mehr vor- 



*) gang B, 2591. 2632 sc/ieint feliler für gieng, giong und auch 
C. 39, i4 fordert der sinn gieng, giong statt gien. 



vei'hum. iempiis. prüt. j47 

liandcn , sonst könnten eot-le \\\\\ geong ivit, gengile ibnl 
ausgediiickt haben. 0. bedient sich für hringan des /^vei- 
lachen prät. hrahta I. 14, 20. \\. 14, 87. 99. IV. l'O, 31 
und bruufj, hrMiyun IV. 18,36. 20,40. 35.19. Allein icJi 
iiberselie nicht, dali weder gaggida noch golh. brahla (für 
braggida?) iinniiltelbar aus gaggan und briggan hergefülirt 
Averden dürlen; sondern ein niemals erscheinendes gaggjan 
und bi-aggjan begehren, wie sicli in liaijan , liuf schwache 
und starke form nu'schen, können es in gaggan, gaggida 
starke luid schwache. die analogie der lat. verba weist 
unsere starke Torrn auf die dritte conjugation , unsere drei 
schwachen foi'inen auf die drei übrigen; es hängt also gar 
nicht mit temporalunlerschieden zusammen. 

Naher zur unlcrsuchung unserer praterila schreitend be- 
seitige ich vorläufig, was erst im dritten abschnitt, bei dei 
lehre vom conj. , vollständig kann erörtert werden: daß 
die gesammte deutsche spräche den begrif des lat. perj*. 
(nicht des imperf.) coiij. meist din-ch das präsens ausdrückt, 
und zwar (welches uns hier gleichviel ist) am liebsten ind., 
zuweilen conj. Im N. T. steht dafür ein aor. conj., ge- 
wöhnlich der erste, seltner i\er zweite: (jalairith "kvüVj 
Matlh. 5, 19; läisjäi dtöüi.)-^ täujith Tioii^rtt] das.; mauagizo 
vairtliith TiiQ/notva/j 5, 20; riianrlhreith (fovevat] 5, 21; 
fjvithith shnj 5, 26: ajletui uii(\ ajlelitk an o).vof] 5, 31. 32 
u. s. w. an diesen stellen hat die vulg. solvent, docuerit, 
fecerit, abundaverit, occiderit. dixerit, dimiserit und der 
alul. T. zUösit, Icritf tuot , (jlnuhisnmo , nnidit , farliizc^ 
J'arlazit. alid. belege aus K. audierilis hörrtt 17-''; fecerilis 
tuelir 17^; fueril ist 20*'; docuerit lerit 20''; iuvenerit ^mflfe 
21''; scierit wizzi 22^; judicaverit snanit 22''; visum fuerit 
kiduht ist 22''; praesiimpserit erpaldct 23*; ])erieril Jar- 
tverilc 23''; fuerit is/ 24''; murmiu-averit nuirtnulol, rmen- 
(\a\Gv\{ puazit 25^'^ observavero pihdlln 27^; celaverit _/«»- 
hele 28''; cvenerit clmmit 32'^; pidhibuerit piiverit 40-''; 
supervenerit upar<7A//ü){<7 45''; audilum fiu-rit kihurlaz 
ivlrdil 45''; fucrinl siut 45''; occurrciil kakan hiiifit 45''; 
consliluerit liesezzit 4i\-^\ jusserit hipitdit 48*; consensiMit 
kiheiihtt 54'': habuerint e'ujun 57''. beispicle aus Is. cre- 
didorit chilauhil 348; dornneris slaßs 400; i-epleli fuei'int 
arlüllide tverdhanl 400; zumal merkwürdig ist die Über- 
tragung des Salzes rpü tetigorit vos, tangil pupillani oculi 
ejus 354 wo beidemal derselbe modus und dasselbe tempus 
gebraucht werihMi: dher ewih hvlnlt^ hruül sfnos augin schun. 
In all<Mi diesen beispielen ist weder das formelle deutsche 
prät. conj. noch eine Umschreibung anwendbar und es er- 

K 2 



j|48 ei II Jacher salz. 

hellt daft tinsci' pi-ül. coii). well clngescliränkler sei als dos 
des ind. ; iibcilliissig würde sein hier auch die anderen 
dialccle zu heriicksichligen. 

T3io gnn/e n.'irhfolgerule belrachfung hat es nun wcsonl- 
licli niil dei- iudicnliven verijmKjeulieil zu ihuii. 

Ulf. ii])orlr;igl alle und jede gr. lenipora der vergangen- 
heil durch sein einziges priil. gleichviel starker oder schwa- 
cher form , und davon müssen wir hier ausgehn. niemals 
bedient er sich in dem activum einer Umschreibung, im 
passivum aber jederzeit. 

Die goth. unischreibimgen des prät. pass. sind s. 10. 11 
angegeben und es ist dort ausgeführt worden, daß sich 
aus den wechselnd gebrauchten hilfswörtern im , vas und 
vartli durchaus kein sicherer Schluß auf eine tempusun- 
terscheidung ziehen laut. 

Gegenwiirlig habe ich zu belegen daß auch das nnuni- 
schriebne prät. act. für alle gr. tempora der Vergangenheit 
auslangt. 

tniperf. : vas %v IMatlh. 7, 56. 61. Luc. 1, 7; vesun ?;aaj/ 
Malth. 7, 55; cjvalh tleys IMatth. 9, 21; qvelhun e'Xeyov 
Job. 9, 8; sat ha^fC^ro Job. U, 20. h.ä&r^TO INIarc. 3, 
32; bar fßäoTuCs ioh. 12, 6; sukida i^yret Luc. 6, 19; 
gauasida läro das.; laisida edIdao'AS Marc. 1, 21. Luc. 4, 
15; sildaleikidedun iüuv/ia^oi' Luc. 1, 21. 
per/.: sat Kena&r/.s Marc. 11, 2; qvani^ iXrj).vd-a Luc. 5, 
32; gaf d'fC^M'ACi Job. 17, 22; gasahv iojQay.e Luc. 1, 22; 
gatavida nenohjy.s Liic. 1, 25; insandida ccnlaraXy.E Luc. 
4, 18. 7, 20; gadiiuthnuda reß-vr^KS Luc. 8, 49; fastaida 
TET'rjor^y.a Joh. 12, 7; rudida lelciXrjya Job. 8, 40. 
aor. 1: sat ixäd-tos Luc. 19, 30. gasat Luc. 4, 20; gaqve- 
mun ovrtjyß-i^aav ]Mallh. 7, 62; gasvalt lTe).ivxi;r>E IMatlh. 
9, 18; luiluik iay.!Qr7;ae Luc. 1, 44; gatavida tuolr^os Luc. 
1, 49; niclida {'yaaWs Luc. 1, 63; gavandida sik vniGTQSXj.)6 
Luc. 1, 56; ushraniideduu i.a%avQO)Guv Gal. 5, 24. 
aor. 2: vas iyareto Luc. 1, 5. varth Luc. 2, 1. 13; qvalh 
eJ7T6 IMatlh. 8, 10. 13. 22. 6(p^ Matlb. 8, 8; qvam 7;X&ov 
Matlh. 5, 17 qvanit TjX'd-eg jMatth. 8, 29. qvemum ^X^ovMarc. 
1, 29. 3, 8. Luc. 2, 16; gasvalt d-nl&ave IMarc. 5, 35; galauh 
i'jyaye Luc. 4, 9; gabar eTexe Luc. 2, 7; matida £(faye 
Luc. 4, 2. 

Schon diese wenigen beispiele lehren hinreichend , daß 
alle vier gr. tem'pora, ohne unlerschieil , in der einen goth. 
form zusammenfallen : vas, qvalh , bar sind bald imp. bald 



verhani. ienipus. präf. I49 

aor. 2; sat isl imp. perf. aor. 1; qvam peif. aor. 1 und 2j 
gasvall aor. 1 und 2; gatavida perf. und aor. 1. für das 
gr. plusquamp. kann ich keinen beleg auflreiben. 

Auch dem goth. präfix (ja ^ das unverkennbar mit dem 
begrif von dauer und vergangenlieil zusammenhängt (2, 
843. 844) luid einigermaßen dem gr. augment gleicht, laut 
sicli wenigstens kein gefühlter einlluij auf eine feinere lui- 
lerscheidung dieser tempora beilegen, denivalle viei- zeigen 
es , obwol aulfallend in den gesannnelten belspielen das 
imperf. am seltensten, sulllc aber sat mehr das imperf., 
gasat mehr den aor. ausdrücken, warum wären so viele 
perf. und aoriste ohne ga gelassen ? 

In dem damaligen stand der goth. spräche scheinen also 
die abweichenden farbungen der Vergangenheit gar nicht 
emjjfunden worden zu sein, so wie das lalein zwar imperf. 
imd pei-f. unterschied, nicht aber die gr. aoriste wieder- 
zugeben verstand. Ganz unglaublich wäre, vsenu unter 
den Gothen irgend eine Umschreibung des prät. acl. im gang 
gewesen sein sollte, daß ein so umsichtiger Übersetzer wie 
Ulf., bei dem häufigsten anlaß dazu, sie nicht augewen- 
det hätte. 

Auch in den frühsten erhaltenen ahd. quellen verhält 
es sich, in dieser beziehung , keineswegs anders, das lat. 
imp. ])erf. und pliisq. werden auf gleiche weise einförmig 
durch das prät. vei'deutscht, und niemals umschrieben, einer 
belegsamlung dafür bedarf es nirht, überall steht es damit 
so bei K. Is., fr. theot. , in den hymnen und ältesten glos- 
scn ; bloß das seltnere pluscj. schreibe ich einigemal her, 
weil es zugleich auf das goth, tenipus zurückschließen lälU : 
(•ondixerant kisaztoa Diut. 1, 519**; conjurasscnt kihaiil- 
reihlin Diul. 1, ,522'^; remiserat widrisenla gl. Jun. 223; 
coacervassent giiuMulin gl. Jun. 178; decreverat arleilla 
das. 201 ; lluxerat lluz das. 205 ; praevalucr.it ubarmegi- 
notadas. 217; reliquisset firleazssi Is. 392; irrepserat durah- 
snuoh Is. 394 u. s. w. Wenn K. 25^ das imp. agebant 
durch das präs. tuant gegeben wird, so ist das Ungeschick, 
Is. 340 sieht praeparabat garawida, vallabat lunbihringida, 
apjiendebat wac , ciam was, 3.54 dheonodon serviebaiit und 
so y. 43, 3 admirabantur wuntarulun. Also fiuad bedeutet 
dreierlei: dicobal, dixit , dixcral; nuädi zweieilei: diceret 
und dixissel, denn dixeril ist quidil otler (piede. 

Dennoch, violleicht schon im aclilen. sicher iin neunten 
)h. steigen einzelne spuren \ün »unscliicibung , und zwar 
einer zwiefachen, icdcr aber nül ticin pari, prät,, auf; gegen 



i:)0 



einj'iicher salz. 



das endo ilcs iiennltTi ncliiiieu sie iiljcili.ind mid Im zehii- 
Ic'Ji lidl)en sie sicli vollii; Icstgcsclzt. 

Das iViiliste l)(is|)it'l der einen Melel wül die exlioit. 
an liand, unbedonKlicIi noch ans dem 8 jli.,: inffanfian 
ei(jul (acccpislis) J'lcc. calecli. 74. Dur, misc. 1, 6, \N ackern. 
II). 5, 18.; das iilleste der andcjii (Indcl sicIi Musp. 60: 
diu niarlia ist farprunnan (regio conllagravit.) für die 
ersle hat T. nur einen einzigen beleg : haben (jistiiiinit 
(liicratus sum) 145-, für die zweite drei stellen: frani ist 
ij'ujUiKjan (processii) 2, 8 und %vas (jiworlan (factnni est) 
13, 1. warun giworlan (factae sunt) 207, 1 5 Avährend die- 
ser Übersetzer sonst immer nach jener allen Aveise verfahrt 
und nanieiitlicli lucratus est ganz daneben gislriunita Nvie- 
dergibl. 

Reichllclien gebraiicli niaclit davon 0. : ih haben iz 
fuJitan in mir, ni fand ih liabes wiht in thir I, 18, 28; lia- 
ben ili gimeinit I. 5, 39; habet irdeilit I. 5, 57; thoh lia])et 
therer thiz faste binagilit Lud. 71; allthiam habet ubarsti- 
gana in uns juguud managa I. 4, 54: thcr liut sih habet 
gicinot IV. 1, 2; wir eupin iz farldzau I. 18, 11; ir 
eigiit gihorit 0. IV. 19, 67; ir eigut iz gisculdit V, 20, 71; 
ir eii^ul giloköt V. 20, 76; sie eiguu mir ginomanan lioltou 
druhltn niinaa V. 7, 29. eigun funlan 1. 1, 8; siez JlrnO' 
man habetun III. 20, 88; sie habetun iz gimanacfaltut 
IV. 6, 48; bisperrit habeti IL 4, 8. Belege der zweileu 
Umschreibung: bin geherit (rcversus sum) V. 25, 3; tliaz 
hl thiu fruma (iiieinan was I. 16, 18. II. 3, 26. 3, 36 
(oben s. 91 anni.) ; uns siut daga furifarane I. 4, 51, 

Hiernacli ergibt sich für beide pai-aphraseu , um diese 
zeit , folgendes paradigma : 



pl. 
pl. 
pl. 



iiaben funlan. 
eiguu funtan. 
liabeta funtan. 
habetun funtan. 
bin cjueman. 
bii'un c|uemane. 
was cjueman. 
wärun quemau^. 



habes funtau. 
eigut funlan. 
liabelös funtan. 
habe tut funtan. 
bist cjueman. 
birut quemaue. 
wäri quenian. 
"svarut cjuemane. 



habet funtan. 
eiguu funtan. 
liabela funtan. 
habeluu funtau. 
ist queman. 
sint r|uemane. 
was ([uejnan. 
waruu quemaue. 



pl. 

der ersten Umschreibung schien das auxiliare eigau mehr 
zusagend als das abstractere haben , dieses aber nuiste zu- 
gezogen werden , weil jenes tlclcct ist. die eutsprecbeudeu 
Gouj. formen lauten : 



verburn. tempus. prät. 



iol 



eigi fiintan. 
pl. eigiu funlan. 

habeli funlao. 
pl. liabeliii l'uutau. 

si queinan. 
pl. siii quemane. 

wuii qiieman. 
pl. warn) quenian^. 



eigis fuiitan. 
eigit fuiitan. 



eigi fiinlaa, 
eigin fuiitan. 
liabeli funtan. 
habetiii funtau. 
61 queniau. 
8111 ([ueniane. 
wäri quenian. 
waiiin quemauö. 



habetis funtan. 

habelit funtau. 

gis queinan. 

Sit quemane. 

waris quenian. 

wallt quemane. 
Von der bedeutung dieser formen und der llexion des par- 
tic. im verfolg; ich will jetzt erst ihre allmäliclieu Verän- 
derungen ausführen. 

belege aus N. : ih liaLo getan 50, 5; ih Irclninnet liabo 
72, 15; ili begunnen lia])o Btli. 109; ih habo uLerNvarlöt 
53, 9; Labest dana gewendet 84, 2; du lialiesl ketän 51, 
4; fergeben habest 50, 14; habest du (1. '") gefristet 88, 
39; fergcben habest 50, 14; habest intsezzet u. ferzorn 88, 
40; habest irluset 76, 16; habet kerechonul 83, 7; habet 
ergezzen 10, 10; habet niili kesezzet 22, 2; li,al)et in frez- 
zcn 79, 14; habet mih keleret 53, 9; die er in iroH'enot 
habet 89, 10; \\ir haben durch kaiigen 80, 11; haben wir 
fernomen 49, 8; wir eigen gesuudol 105, 6: wir eigen ge- 
saget Bill. 114; wir eigen funden 131, 6; si liabent kozei- 
gut 120, 1; habent kedanchot 76, 20; liabent mih kelröstet 
21', 4; habent kevangen Bth. 111; gewehselot habent Blh. 
112; habeta gieiscöt 104, 20: habeta ungelirnet Blh. 83; 
daz ih fcrsciddet habe 50, 6; ferzorn eigist 79, 16; danne 
du gesprochen eigtst 101, 24; erzigen habeti Cap. 8. Zu 
nierkon, dal\ das auxiliare haben hier schon in den pl. 
eiiuhingt und mit eigen abwechselt, es kann heiUcn wir 
haheii fundmi nnd wir eigen fluiden , in der Icrt. pl. 
linde ich nur haben l , ol)gleich N. sonst noch eigen kennt 
(48, 12.) Kbenso schwanken nun lieule im conj. , wo doch 
die sec. sg. dem eigist etwas länger anzuhangen s<heint. 
Die andere Umschreibung lautet: ih pin gegangen, du bist 
kogangen , er ist kegangen; pl. wir birn gegangen (131, 7), 
irt birt kegangen , sie sint kegangen , und so fort : z. b. 
sint fersuinen (delecerunt) 89, 9. 

Bei W. wird das auxiliare abgewandelt: habo, habest, 
habet oder hat; ]A. haben, habet, habent; hier ist eigen 
vollends verschwunden, das andere aux. : bin, his, ist; 
pl. bin, bii-t, sinl. mit beiden wird häufig umschrieben. 

mild, und nlid. umsdireibungen , bei ihrer gangbarUcil. 
bedürfen keiner darsiclluii". 



j52 ein jacher scitz. 

Diu aUs. spraclie des Ilel. verw(Miclct sie glolcli liäiilig 
oder noch liuiilii^or als der alid. 0.; ihr ersles aiixiliaic lau- 
Icl: hebbiu , habe;, habad (habcd, hal)id); pl. durch alle 
drei porsonen habad (auch hcbbiad) ; daneben scheint aber, 
wenigslens für die terl. pl. einigemal iUjtui im gebraucli, 
die 1 und 2 würden nicht anders heilien. heispiele : ic 
hebbiu giögid 33, 9; ik hebbiu giwisid 144, 2; habad gi- 
niarcud 4, 12 ; liabad hinoman 5, 5 ; habad algeblian 23, 
12; gibüden habad 32, 18; habed he sundea giwarhta 44, 
16; habed mfnan willean giwarlilen 40, 1; pl. hebbiat far- 
geban 162, 13; aber auch bihlidan cgun (cooperuerunl) 2, 
5. das prät. überall habda , pl. Iiabdnu , obgleich als un- 
aiixiliar noch ehta (25, 30) vorkommt: habila bilolhan 1, 
14; habda farliwan, gisterkid 2, 13; liabda forsewan 6, 7; 
habda forgeban 7, 22; habde ina gineridan 23, 2; thar 
habda Jordan enna se geworhtan 34, 17; habda ahlo salda 
gesagda 40, 1; halulun bithungaua 2, l4; gitald habdun 3, 
14; liabdun gilestid 24, 5; liabdun thes mannes Inigi un- 
dergripanen 157, 19; habdun ina gicoranen 126, 23; that 
he ina gicoranau habdi 30, 4. beispiele für das z>veile 
auxillare, dessen formen hekannt sind: ic bhwi cuman 27, 
5; is antfallau, is gilidan 5, 7; is ginahid 26, 15; is cii- 
inan 26, 21; wärun agangan 2, 9 u. s. \v. 

Ebenso im ags., wo das erste hilfswort hautet: häbbe, 
hafast , hafadh ; pl. durch alle geschlechter habbadh ^ ah 
und agou werden nie so gebraucht; prat. hiifde, pl. häf- 
don. belege: habbe ic ongunnen B. 811; häbbe ic geah- 
sud B. 860; liaiast ihü gefered B. 3706 : liaiadh gefremed 
B. 943; hafadh onfunden B. 1183; he liäfdti us tlias leoh- 
tes bescyrede C. 25, 12; habbadh nie gecorene C. 19, 3; 
forscrifeu hafde B. 212; häfde cempan gecorone B. 408 ; 
gevaden häfde B. 439; forsvoren häfde B. 1602; häfde 
gehested B. 1650; häfde gegongen B. 1779; häfde gefa?lsud 
B. 1643; häfde engelcynna tyne getrymede C. 16, 20; ge- 
sett häfde C. 16, 32; häfde renne gevorhtne C. 17, 14; 
häfde gevunnen C. 19, 33; hyld häfde his ferloreue C. 20, 
1; gebun häfdon B. 233 ; häfdon gefrunen B. 1331 ; häfdou 
gesreged B. 1759. fürs zweite auxiliare : is cunieu B. 748; 
väs gegongen B. 1637; väs gevorden C. 7, 8; sint wilcu- 
mau B. 774; her syndon gef^rede feorran cuniene B. 719. 

Ahn. ei'Stes auxiliare: heß ec bedhit Sxm. 112*; nu 
hefi ec hefnt 138»; hefi ec buit 1431»; hefic studdan 108^; 
ek hefnt hefik 148^; thu feiigit hefir 85^; hefir thu ollifat 
107*: llui hefir etnar idfa krasir oc lireVlhr thtnom at bana 



verbu/ii. tempus, priit, 153 

orrlliit 154^; liefir lliu kannadha koni 152^; ihu fengit 
lielir 851^; er heür aiikit 94b; freit hefir 25 1'^; nier lieilr 
slillir steykl 146»'; niik liefir sendan 147^; liefir lieitit 151^; 
er lieiir öriio sadda 154^; hafdha ec a^lladfi 86^; jna'lt 
hafdlia ek 148*; liafdlii borit 149'^; farit Jiafdlii liaini allri 
a!lt 151»; brotidh liafdlii IS?'^; hverr liefdhi blandit edlir 
jney gefna 5^. zweites auxiliare: ec ein kominn , tliu ert 
kominn, liaun er kominn; ver eruni koninir ; ec Yar kominn 
u. s. w. ert kominii 146*^; va;ri liiin aptr komiu 135^. 

"Überllüssig wären beispicle aus der scliwed. dün. engl, 
mnl. und nnl. spraclie. 

Nach dieser gewonnenen übersieht aller umschriebenen 
formen sind nun naliere be trachtungen zulässig. 

1. ihr Ursprung, niemand übersieht, wie imgezwungen 
Schon die iilteslen poetischen denkmäler sich in der Um- 
schreibung bewegen, eine ausdrucksweise, deren Otfried, 
Heliand , ßeovulf , Cädmon , die edda pilegen , muß vor 
ihrer zeit in der spräche zu haus gewesen sein ; in steifer 
ahd. prosa , in glossen des 8 jli. mangelt sie nur, Aveil die 
Übersetzer ihrem lat. text zu strenge folgten? 

ich würde das für diese vuilebendlgen ahd. prosaquellen 
eher eiiiräumen (wiewol sich immer anschlagen liißt, daß 
sie das lat. präs. pass. umschreiben, vind freilich nicht 
anders können, aber darum doch an abweichungen \om 
original gewohnt waren); widerstrebte nicht die einstim- 
nuing der goth. spräche. Ulf. kann unmöglich eine Um- 
schreibung der Vergangenheit, die etwa in goth. llederu 
gangbar gewesen wäre, bei seinem werk versclunaht haben, 
für welches sich nichts mehr geeignet hiiltc. man darf 
getrost annehmen, daß noch kein goth. mund, so laiigo 
dieses volk bestand, eine lunschreibung des priit. mit habau 
oder aigan und dem part. [)rat. ausgesprochen hat, und 
ich hnde hier wieder die oft wahrzunehmende nähere vcr- 
wandschalt des goth, und ahd. dialecls darin bestätigt, daß 
auch dieser bis in das 8. 9 jh. hinein die Umschreibung 
noch nicht scheint gekannt zu haben. 

Vor dieser zeit schon mag sie sich bei andern deutschen 
Stämmen, namentlich Franken und Sachsen, noch viel frü- 
her aber unter dem benachbarten romanisch rodenden volk 
eingelührl haben und so konnte es kaum ausbleiben , ilaß 
wir auch ienen oinzolnen ahd. spuren l)egogneten. im 9 
jh. drang der gebrauch durch und lierschle nun nuth bei 
den Prosaschriftstellern. 



1 ')4 eliijuclwr iiulz. 

Ilel. "wird zlenilirli von i^leicliem aller sein diil 0.; 
(adiu. iiiitl J5eov. sind, ^vcn^i•.slens in erster, nachlior nni- 
f^oarbcilelcr aiiila-^snng , allci- als er, die uns \orliei;ende 
JHulaclion der eddalietler geliöri noch spateren jhii. an. es 
ist dennoch nuiglicli , dali in allen diesen dialecten unsere 
iiinsehieibuiig eher als Im ajid, eingang fand. 

Der i'ünianlschen spräche wurde das mit habere \\\\\- 
schrlebene prat. -wahrsühelnlich bereits im 6. 7 jh. zur sille 
und regel. 

es halle in beslinimten redensaitcn der classischen spräche 
sein weil alleres vorl)ild : cogniliun, perspecluni(pie liabeicl; 
experluni habeo; si habes jam statutum, ([uid tibi agenduni 
jiutes; de Caesare salis dictum liabeo; domitas habere libi- 
dines ii. s. \v. *) allein hier steht die Verbindung immer 
mit frischem, lebendigem iiachdruck, nicht in der abge- 
zognen bedeulung bloßer Vergangenheit *'•'). statutum habeo 
verhält sich niclil zu slaliii wie unser ich liabe beschlossen 
zu beschloß 5 sondern es gCAvalirt ganz die nieinung eines 
priisens: das ist mein entschliiß, das steht bei mir fest, 
daher auch im abhängigeu salz wiederum jiur eiu pi'^»«. 

lüigi. _ _ ^/■;;.^!i.::,7i;f 

allmällch war nun aber jener p7\ilerillve sinn daraus 
hervorgegangen : quem legitime habeo adinallatmn lex sal. 
53, 3; anlequam eum habeat admallalinn; si qiu's eum ad- 
mallalum non liabueril 54, l ; si vero de leude eum ro- 
galum habuerit 7 6, 1; le habui desponsatain, IMarcuIfi form. 

2, 16; quanlas juslitias factas habent capil. a. 781 (Peitz 

3, 4o); siciit judicatum habemus cap. a. 783 (Pertz 3, 47); 
sicut domnus Imperator mandalum liabet capit. a. 803 (Pertz 
3, 123) : nullus fidelitatem , quam promissam habet donuio 
imp., infrangat, aut c(ui inTractam habet non consenliat, 
das.; quia auditum habenuis, quod alit[ui homines illorum 
beneiicia habent deserta et alodes eorum restaiiralos cap. 
a. 807 (Pertz 3, 149); locum cjuem repertum habetis Pertz 
2, 367; habetmis in soHludine quae Bochonia nuncnpalur*, 
juxta Iluvium qui dicitnr Fulda, locum aplum servis der 
inhabltandvun repertum Pertz 2, 370; conservatum liabent 
Pertz 2,370; lu habebas mihi factam \uiam plagam in ra- 
pile (langob. formel zu Lothar 1 gesetzeu Georgisch 1240.' 



*) Raynouanl choix 1, 81. Forcellini s. v. liabeo. 
'*) rlie stelle des atiibrosiüiiisclien liedes: quae evstinctas iinheiit laiii- 
padas, afiii. deo ariasctiii eiguii leolilkar liyniii. I. ft sagt in heideti 
spraclieii iiiclit soviel wie exstinxeninl , arla?ctuii , sondern: die welclie 
erloschene lanii'cu Irngtn, mit sicli fiiiiren. 



vevhuin. tenipus. prilt. 155 

Alle romanlsclieii spraclieu haben durch einfiilirung die- 
ser paraphrase in ihre conj, ein tenipus niolir gewonnen 
als die lat. ])esali. \veun dem lat. amabarn das franz. fai- 
iiiais, dem amavi j'aimai entspricht, so muU amavi zugleich 
j'ai aime ausdrücken , wahrend das eingebiilite aina\ eram 
durch favais aime vertreten wird, docli die span. porlug. 
imd provenz. spräche hat sich auch das unzusammenge- 
selzte plusq. ind. bewahrt: amara, amera. außerdem gilt 
noch in allen roman. zuugen ein pluscp conj. (franz. almasse) 
und eine fuiigefiihrle umsclneibung {'iir ind. und conj. j'eus 
aime, ebbi amato u. s. w. ein rcichlhum au ausdrücken 
für das tempus der vcigangenheit , welcher fast der gr. 
fülle (nur freilich nicht formell) gleich kommt und den 
stand unserer deutschen conj. weit überbietet. 

Raynouard 1, 77 glaubt einen einduft der golh. aili, 
algun auf die provenz. und franz. form ai ; doch die pl. 
avem, avons kündigen sich deutlich als von habere stam- 
mend an , imd so der span. ital. sg. he , ho ; folglich steht 
auch ai für hai, wie avons, avais und aveva für havous, 
liavais, haveva. ich bemerke dies, weil mir die nicht un- 
wahrscheinliche einwirkung der roman. auf die deutsche 
iMUSchreibung zu erklären scheint, warum Angelsachsen 
luid INordniäuner sich dafür nur des dem lat. habere glei- 
chen habban und hafa bedienten, nicht des ugan und eiga. 
ahd. wurde anfangs eigan neben haben verwandt, doch bald 
drang letzleres durch ; eigan liat den concrelen sinn des 
span. teuer, und wirklich ist das porlug. ter als lülfswort 
eingeselzl worden. nu'sverslandne nachalunung des franz. 
sg- ai in dem ahd. pl. eigum wird nian nicht annehmen 
wollen. 

Bisher ist noch nichl von der zweiten , mit dem verb. 
eubsl. gebildelcu Umschreibung des priit. gehandoll worden, 
diese lag den sprachen insofern niiher als sie sich mil der 
passivumschreibung berührt. 

Das lat. amalus sum von amor ist genau fornüeit wie 
loculus sum, morluus sum von lo([uor, morior. die bei- 
den lelzlercix haben aber den acliven sinn aller dcponcn- 
lia. die formet morluus est pllanzle sich in den roman. 
sprachen fort , auch nachdem die passive form von niori- 
tur langst erslorben war. il esl mort isl also präl. des 
acliv gewordnen fi'anz. mourii", und hal die bedeulung des 
priit. behalten, wahrend il esl aime amatur, nicht mehr 
amatus est ausdrückt. 

Ks ist nicht hinlänglich er wiesen , tlaß ein golh. pas^^iv 



156 ' alnfiicfier acitz. 

Dieilial steliiT könne, wart* .'il)er slei^ada nitigllcli für ich 
steige mich (s. 21!. 2.'5), so ilüil'le auch slitjaus im sein i::^ 
siaig, d.h. ein zusanmiengcscl/les jjriil. uiigoCahr (Jei-.sclljen 
bededliing, ganz was unser nhd. ich hin tjeslietjen. mir 
sieht indessen kein einziger golh. beleg f iir diese niiil- 
iiialWing zu gebot, welclie aUc niil dein veib. siil)sl. inii- 
schiiebnen priil. act. «MS ursj)rün(jlichcn mtdien lierleilen 
würde. 

Nhd. lassen die mit demselben hilfswort umschriebnen 
priit. pass. transitiver und prät. act. intransitiver verba sicli 
daran leicbt iintersclieiden , daU jenen noch worden, die- 
sen aber nicht zugefügt werden kann : ich bin verloren, 
gofnnden worden, hijigegen ich bin gekommen, genesen; 
dcxh die allere spräche kannte kein solches worden (s. 15.), 
heule darf es oft unterbleiben, und im einzelnen mag dann 
zweifelhaft sein, welcher von beiden f;illen gemeint werde, 
z. b. ob ih bin gimiarit 0. V. 25, 2 zu nehmen sei für ap- 
pulsus sum (wie bin giliarit, oben s. 14, vgl. sih uz liar- 
tun III. 17, 46) oder für navigium lilori aj)puli (wie bin 
glkeril)? nu was da gestanden Wh. 231, 27 kann bedeuten 
wurde gestanden oder stand. 

Da unser heiUen medialpassiver bedeutung fähig ist (s. 
52), so dürfte ich hin (jeheiiSen für beides, das priit. act. 
oder pass. gelten können ; es bezeichnet inis aber mehr 
vocor als vocatus sum , was durch ich bin geheilten "vvor- 
den auszudrücken wäre. allein das alts. warun hetana 
Hei. 1, 13 könnte dem genus nach gleichslehn mit waiun 
kuniana. ich hin ijcivovden (je suis de venu) ist umschrieb- 
nes prät. act. , nicht pass. , obgleicii es was das lat. factus 
sum bedeutet , welches man für ein ]irät. pass. von facio 
oder priit. med. von fio nehmen darf "). 

Wenn wir sagen: er ist vorbei gegangen (praelcrlil) 
wnik er ist vorbei gegangen w^orden (praelerilus est), so 
rührt ersteres von dem intransitiv her, letzteres von dem 
transitiv; ich bin ermüdet ist das neben ich ermüdete ste- 
hende periphrastische prät., langui, aber ich bin ermüdet 
worden das passive defatigalus sum; doch kann auch das blolie 



*) für den passiven sinn des was giwortan bei T. (belege s. 150) 
scheint zu sprechen, daß daneben aucli wart giicorfan T. 12, 2. vor- 
(an wart 212, 1. wurtun wortan (facti sunt) 217, 4 gefunden wird, 
wie sonst in der passivunisclireibiing was und wart wechseln, man 
Kann aber aucli sagen was giwortan stehe eben activisch, wart giwortan 
|yassi\iscli. T. 2, 3 wird factum est auf alte weise durch bloßes uard 
gegeben. 



verhiim. lempus, praf, I57 

icli bin ermüdet olnie werden, passivisch stehen, langul- 
dus, lassus siim *). Wo mit ward umschrieben ist, findet 
imnjer passivbedeutung statt, außer in ward cunian (s. 7.) 

Gegen jene Vermutung eines medialen Ursprungs dieser 
präterita streitet, daU sie der gotli. wie der früheren ahd. 
spräche unbekannt sind. Sie sclieinen demnach gleichzei- 
tig mit den Umschreibungen durch liabeu erwachsen, und 
aus dem nemlichen bediirfnis: weil man den transitiven 
ein prat. mit haben biklete forderten die Inlransitiva ein 
auf gleicher stufe stehendes mit sein, man wird also audi 
hier wol tliun , medialen und intransitiven begrif nidit 
ganz zu vermischen, ihrer verwandlscliaft unbescliadet. 
2. fragt es sich nach der elgentliclien tempiishedeulium 
dieser beiden Umschreibungen, da sich kein griechischüi;- 
thischer text vergleichen läßt, der lat. ausdruck des prät. 
aber in gewisser Aveise dadurch übertroffen wird, so ist be- 
sonders der Sprachgebrauch der quellen selbst zu berück- 
sichtigen, nur liiile man sich das lat. Imperf. und peif. 
unserni unumschriebnen und umschriebnen prat. zu ver- 
gk'iclien. N. verdeutscht mit beiden, oft liinfcreinandoi-, 
das lat. pcrf. , z. b. ps. 51, 4 iniuslitiam cogilavit lineua 
tua, sicut novacula acuta fecisti dolum: unrelit ahtöta diu 
zunga, du habest mir trugeheite getan u. s. w. ps. 55, 11 
übersetzt posuisli in conspectu : sähe du ana ; 55, t5 eri- 
puisli: du irluset habest, ganz consecpient kann also auch 
das prät. depon. mit unserm einfachen prät. gegeben wer- 
den , z. b. gloriali sunt: sih kuolKchuton 73, 4. 

Man muß also sagen : die nu't hatte und war um- 
schriebnen tempora entsprechen dem lat. pluscpiamp.; die 
mit habe und bin gebildeten treten neben dem einfachen 
prät. für das lat. i)erf. ein, dergestalt, daß das erzählende 
])erf. (tlor gr. aor.) nu't dem einl'aclieu prät., das dem gr. 
perl, gleiche lat. perf. aber mit der deutschen iimschreibung 
ausgedrückt wird, unser ein f. prät. dient zugleich für das 
lat. imperf. In dem mit habe und ])in zusammengesetzten 
prät., wie in dem begrif vollendeter Vergangenheit, liegt 
etwas präsensarliges ; das plus([. aber nähert sich wieder 



•) dns part. kann aucli ganz adjectiviscli, als pradicnt zu dem vcil». 
subst. stclin, lind MIHet dann keine tempnsl)edcutnnj!;, ?.. Ii. er ist will- 
kommen, VDlIkdinmen ;rilt niclit IVir ein |)riit. , da man niclit s!i<;t: er 
willkam, vollkam. (). II. 4, 22 tliaz was al <,'itlii|:ana/, , nlid. das war 
gedief^en, niel;«! das war fiediciieii, wie wir jetzt adje(ti\is(lie inid par- 
ticipiale bedeiitiing dieses Wortes untersclieiden. <iic alid. plirasc konnte 
den umständeil nach sehr wol prolecerat, creverat sage». 



j5i'S ein l'dcficr snl'.:. 

ilem Imp. Dalier bci^elnl die orziililimg eiilwcder das eiii- 
lac-lio doiilsclio priil., oder das Diil li.aic imd ^v^r iini- 
sc'lirici)iio : das nill habe und hin ertrügt sie niii- in deiii- 
st'lbeii lall, \NO sie aiicli das eiiilaclie pras. vei-wendct, d. Ii. 
wen II sie sicli vergegenwärtigen "svill (s. 142.) 

Hierzu lialle man das s. 15 von der bedcutung der 
)iassiviinisclireibungen gesagte: auch da bezciclmcn ivird 
und ist das priis. uinl piiil. i>err., ivanl und war das imp. 
und phisq., so wie zugleich das er/.aldende [lerfectum. ].l- 
vvas anders Ireilich die gotli. und ahd. para|>lirase, die siib 
noch nicbt recht sdieinen gesetzt zu haben, wie s. II. 12. 
14 ausgeführt worden ist. gleichwol lierschte wenigstens hei 
TJH". vor, die Umschreibung mit im lür das perf., die mit 
vas und varth iiir imp. luul aor. anzuwenden. 

Jiei allen diesen verbaliunschreibungen hat die liour- 
tlieilung sich inuiier vorsugsweis^e au ilas wesen des ein- 
facheu tempus zu hallen, mit welchem sie erzeugt sind. 

Noch das ist bemerkenswerlb , daß In imperativlscli op- 
talivem modus beide Umschreibungen aus dem sinn des 
pi-iit. heraus in den des priis. oder gar in das fiit. treten, 
inhd. swer nu disiu liet singe vor ir, der luthe si (je(friie~ 
zet von mir Ms. 1, 1*; tuot alsus iwid sit (jenesen (ihr werdet 
unverletzt bleiben) Iw. 1253; dirre schal der sI gelegen (hure 
auf); swer ez sehe der habe geswigen (sage nichts davon); 
gerade wie im lat. das fut. exaclvun mit dem perf. conj. 
sich berührt und jenes liabe gegrüezet salutaverit gegeben 
\verden ktinnte. heute setzen wir das präs. der grüUe. 
Ein unumschriebnes einfaches prat. conj. vertritt nicht das 
priis. auf diese weise. Doch in abhängigem salz nacli vor- 
ausgeliendem präs. kann mlid. wie nhd. das umschriebne 
prät. ind. eben so den sinn eines futurischen pi'äs. erhalten: 
mild, wirt er des libes gereit, er hat in schiere liin (jeleit 
Iw. 3415; nhd. faiU er sich ein herz, er hat es bald aus- 
gerichtet, wovon noch bei abhandlung des mehrfachen 
Salzes; vgl. auch fut. n° 7. 

3. Die dem auxiliaren haben und sein hinzutretenden, den 
wahren begrif des verbums, dessen tempus umschrieben 
werden soll, einschließenden parlicipia sind jederzeit parti- 
cipia priil., starker oder schwacher form; allein sie be- 
finden sicIi in ganz verschiedner läge. 

\i\ der Umschreibung mit haben ist das part. prät. noth- 
wendig ein obliquer acc. (s. 69), in der mit sein eiuMom.,- 
das li^ansilive haben fordert jenen, das intransitive sein 
diesen casus. 



vorhiim. lempiis. prüf. \^i) 

Uiisei'e lieuligc mul die nilid. spräche lassen freilich 
diese beschallenlieil der pari. Jiiclil recht sichtbar Averden, 
weil sie ihnen die llexion entzogen haben. im nhd. er 
hat genoninien, geliebt, fühlen wir den acc. , d. i. die be- 
ziehung auf den obliquen casus nicht mehr, und das part. 
priit. erscheint uns beinahe activisch. die ahd. alts. ags. und 
ahn. belege zeigen aber daß es hieß: er habet in ginonia- 
nan , sia ginoniana, iz ginoinanaz, siö giniinnute, siu gi- 
niinnutu, siu giniinnuliu , nachdem die bedeulung war cepit 
euin, eani , id , aniavit eos, eas, ea. diesen passiven acc. 
besliiligen auch die beigebrachten lat. und roinan. stellen; 
noch lieute ilecliert die franz. spräche ihr pari, neben dem 
aiixil. avoir wenigstens in gewissen fällen, in soweit sie es 
zu lleciieren \ermag, d. h. fürs fem. und den pl. 

War aber kein casus obl. im satz enlhallen, galt es 
den bloiWn begrif er nimit, er niinnut unbezogen auf ein 
anderes subj. ins prät. zit umschreiben, so wurde das pait. 
in die wißectierte neutralform gesetzt: er habet ginoman, 
giniinnut. dieser fall trat sehr häufig ein, und da ohnehin 
auch sonst die spräche oft den adj. und part. ihre llexion 
wegnahm, so begreift sich, wie allmiillch tlie unveriinder- 
lichkeit der zum verb. haben conslruierten part. priit. ali- 
gemeine regel werden konnte, aber in diesem sclieinbar 
subiecllüsen er hat genommen ist das part. eigentlich der 
neutrale acc., bei welchem man suppliere etwas (allcjuid.) 

Für die mit sein umschriebnen lempora, des act. und 
pass., ist die natur des nom. klar, inid auch hier ließ die 
älleie Sprache, wie die heutige romanische, dem part. seine 
gebührende llexion. wir sind davon frühe schon abgewi- 
chen und bald zu einem unlleclierbafen part. gelangt. 

IVahere darslellung dieser anfangs noch beachlelcn, dann 
erloschenen llexionen für beule auxiiiaranwendungen muß 
gegenwiii'lig ausgeschlossen und in den niichslen abschuill 
verwiesen bleiben. 

Einleuchtend beslatigt sich das eben entwickelte dop|)el[e 
verhiillnis beider parllcipien au den nordischen spi-achen. 
I~)a nenilicli in der alln. die llexion des ])art. priil. forl- 
(.lauert inid nicht weggelassen werden darf, so tritt bei 
der umschreibiuig nüt sein nolhweiullg die unlerscheidung 
der drei geschlcchler vor: ek em homhin (masc.) komin 
(fem.) komit (neutr.V, lici dci- mit haben aber gewohnlich 
lujr der acc. neuü. : ek hell ijeiutjil, ck hdi elskat *). 

•) anulo}^ int fiaiiz. il est \emi, eile est vcimo, aluT j";ii ninir. 



j[(j() ei/ijac/icr safz. 

Die Scliwedcn, der noiilialllcxion nidit eiitsagoiul , verniü- 
ceu in ileii meisten liilleii (Ins zu li.ilieii coiistriiieiie pari, 
von dem niil sein verbiiiKliieii zu nnler.sdieideii : jag iii- 
Jwmmeu, jag liar (fiUl, jag liar shifvit, jag liar alskiit, 
iiiul ihre graninialiker trennen bei scinvaclien verbis ein 
aclives pari, älslait , hört, Hirt (welches jedoch nichts an 
ders ist als jener acc. neutr. part. pass.) von dem passiven 
üishad, Iiörd, lärd, das vorzüglich bei der pa=sivunischrei- 
bun" "ill (s. 19.) Im diin. einlud lallen die schwed. fonntii 
zusammen, aber in der starken conjiig. slelm noch immer 
die i)art. beider Umschreibungen voillieilhalt von cinandei' 
ab: je" er kommen und jeg bar shrevet , Nvähreml wiv 
oloirlilVirmig sagen, ich bin (jekommeu und ich habe </e- 
schriehen. skrifvit, skrevet Aväre hochd. = gescliriebencs. 

4. ITIer liegt luis ob die concnrrenz und den widerstreit 
der beiden auxiliare zu erleiligen. denn der leitende 
"rundsatz, dali Iransiliva mit hahen, intransiliva mit sein 
umschreiben reicht nicht aus, weil gewisse verba bald 
transitiv bald intransitiv angesehn werden und sich danach 
bestimmte richtungen für die bildung des prat. , in einem 
dialect so, in dem andern anders ergeben können, mit 
welchen man sich vertraut zu machen hat. 

Das verhitm suhst. , höchst intransitiv an sich, sollte 
man meinen, dürfe sein priit. nur mit sich selbst umsclirei- 
ben. ein auxiliares haben scheint dabei imi so unlogischer, 
da das part. prat. dieses verbums weder einer passiven be- 
deutung noch jener obliquen Stellung fähig ist, welche ur- 
sprünglich zu dem begriire haben gehört. Inzwischen sind 
eini"e munilarten zu der kiihuheit einer solchen Verbindung 
gelangt, indem sie den begrif der existenz auf ein bewust- 
sein von selbstthatigkeit gründeten und sein z:=: leben oder 
wolinen setzen, wobei vielleicht die etwas concretere nalur 
des Stammes wesen , Avelcher im prät. und part. jenes sein 
suppliert, angeschlagen werden mag. aber in früher zeit, 
als man den obliquen casus bei haben noch fühlte, kann 
die Operation nicht versucht worden sein. 

Wie die deutschen zerspalten sich aucli die romanischen 
dialecte in dieser beziehung, wol nicht ohne gegenseitigen 

einfluU. 

Ich kenne keinen einzigen ahd. alts. ags. beleg . und 
keiner ist zu erwarten ; die Schriftsteller reichen immer 
noch mit dem bloßen einfachen was aus. 

Dai^egen erscheint die mhd. Umschreibung oft genug: 
ich bin "^jewesen Iw, 1951. INIs. 1, 42'\ Bari 157, 31. Troj. 



verhiiin. tempiis. priit. l61 

16621; ist gewesen INIs. 1, 66^. Trist. 14<S; siut gewesen 
]Ms. 2, 173». AAiga!. 8596; was gew'csen Mar. 133. 212. 
Troj. 4487; wären gewesen Mar. 179; WPere gewesen Par/. 
169, 8. Troj. 747. 15964; Wigal. 7361. 10685. Ulr. Trist. 
1965; gewesen wfcre Parz. 455, 5. *) sin wir (jewest Geo. 
5166 liat keine beglanbigung; aber einige schwabiscbeclicliter 
setzen </e5t/t;, neben gewesen: bin gesin Bari. 158, 12; sint 
gesjn Bari. 287, 3i.]\ls.2, 186'>; was gesin Troj.16837. Bari. 
36, 30. 378, 28. I\ls. 2, 185»»; wrere gesin Troj. 6514. Ls. 
1, 463. Heule noch scheidet sicli das nordschwäbisclie i 
bi gwea vom siidschwrib. i bi gsi. 

Die niederd. inid niedeil. spräche umschreibt aber mit 
haben, so heves gewesen Pioth. 1991; hette ges*n Roth. 
1798; gewesen hallen Ernst 3532; lieft gewesen, het We- 
sen, l)adde gewesen, in Bruns saml. p. 242. 145. 155; 
liadde gewesen brannschw. cliron. 41. 174; hndden gewesen 
Ssp. 3, 44; hebbet gewesen Höfers urk. 72; hat geweist 
das. 334; auch in einzelne mhd. gedichte scheint dies auxi- 
liar aus niederd. Sprachgebrauch eingeführt: hat gewesen, 
halte gewesen livl. urk. 88* 71'^ (neb(Mi waren gewesen 
61* 94^^); wolle liün gewesen Flore 6297 neben solle ge- 
wesen sin 6977 **). In der heutigen niederd. Volkssprache 
hat umgekehrt die hochd. gewohnheit eingewirkt: ik bin 
wesen brem. wb. 5, 240. wi sunt wesen Schulze holst, itl. 
4, 341; auch Neocorus 1, 27 schreibt sin gewesen, aber 
das niedei'Sächs. volk hangt noch an seinem: ek häive wesen. 

Mnl. stehn bei haben die drei parliilpialformen qhetvC' 
sen , yheivest, (jhesin: liadde ghewcsen Maerl. 1, 108. 
Stoke 1, 478. 3, 163; liadde ghewest Maei-i. 3, 205. Floris 
1387; hebbe ghestn Sloke 1, 448. 449. hadde ghesiii JMaorl. 
1, 104. Im Ulli, mag der hochd. eiulluU wieder das heu 



') oben s. 15 hätte aufgemerkt werden sollen, daß Hie mlul. iim- 
sclireilxing des passiven ])riit. einigemal, wiewol selten, durch f^ewesen 
verstärkt wird , so da|\ also statt ich bin gemiiinet (amntiis sum) ein 
ich hin gcininnet gewesen statt findet, was dem franz. i'oi elf ninie 
genauer entspricht, als unser nhd. ich bin geliebt wor<len, z. b. ich 
bin begraben gewesen (j'ai ete enseveli) Troj. 169.37. Indessen heilU 
es auch nhd. ich bin im schnee begraben gewesen , die saclie ist lange 
verloren gewesen u. s. w. nierklicli initerscliieden von: ich Itin begraben 
worden, ist lerloren worden, jenes be/,ei<'lniet. mehr das lange ver- 
liarren , dieses nielir <lie bewirkung des vergangenen leidenden zu- 
standes. icii bin geliebt worden ist gleichsam das prüf, zu ich werde 
geliebt, ich bin geliebt gewesen das prät. zu ich bin geliebt 

'*) ein thüring. aufsatz des 15 jh. in Förstemanns neuen mitth. 2, 
74 gibt was gewest und hadde gewesen zusammen. 

L 



'\C)'2 eiiij'iiclier satz. 

<^eNY<5öt vorlici-scliotid mMiiaclil lialjcn, iinler dem volk iincl 
in Flandern i;ill Ik1> f^cwcsl. im liillit lisclieri : ich Jio gONvesl. 
Allliics. /it'hhiilh vwtsen As. 5, iinil heule ^vesl^lie8. ik 
iiab >vesl; nordlVies. he8l ^vessen (luislij ^Yessc^ lied (l'iiit.) 
Im engl. 1 huve beeil fallt die form des pari, auf, das 
ags. nur gevcson lautet; doch l.iUl sie sich ins allengl. hiiiaul 
verfulgen: liave heue l'iistr. 2; liadden yheiie (wie der reim 
für yben lorderlj das. 69; liade bc Ilornc ll'J; bei (hau- 
cer stellt ben und bc hart neben einander, z. b. hadde be 
C. T. 56. 60. hadde ben das. 61. 64. 

Ahn. schon in der edda : tliat hefiv verii S;cni. 110^. 
schwed. jag hafver verit; dän. jeg har väret. 

Unter den roman. sprachen neigt sich bloß die ital. zur 
hochd. weise: sono slalo, era stato; alle übrigen haben 
das transitive auxiliare, prov. ui cslal, eslal ai IIa} n. 1, 
128. 268; franz. ui eie; span. he sidü; ein millellat. habeo 
stalum wird sich schwerlich darbieten. 

Alle slav. sprachen ujnschreiben , gleich der liochd. luid 
ital., mit dem verb. subst. selbst: serb. bio sam , sloveu. 
sim bil, bühm. byl sem u. s. w. , aber sie kennen über- 
haupt kein anderes hilfsvNort für die periphrase des prät. 
Ebenso litlh. esmi bü\v?s und büw?s buwau. 

Selbst sprachen, die sich bei dem verb. subst. des haben 
bedienen, lassen bei dem begrifverwandten %verd€n nur 
sein zu, z. b. ahn. ec em ordhiun, scliwed. jag iir vorden, 
dän. jeg er bleven; auch franz. je suis devenu. «ihd. -wit 
u. lanc waren worden Parz. 69, 3; worden waue Parz. 
436, 4. Wigal. 9624; wären worden enein \Yigal. 10893; 
suone was worden schin Parz. 271, 29. 

Gleich diesen intransitivvorstellungen des Seins und Wer- 
dens gebührt nun auch allen des entstehens und veryehens 
ein prät. mit sein. nhd. ich &t/i entstanden, entsprungen, ent- 
sprossen, gewaclisen, gediehen, geralhen, erschienen, und um- 
gekehrt: vergangen, verdorben, verschwunden, gescliwun- 
den, entschwunden, gestorben, mhd. %vas gedigen Parz. 
190, 27; wären gedigen Wh. 50, 12; bistu gedigen Troj. 
13181; ist gedigen Ulr. Trist. 2716; ist erstorben Iw. 16. 
alid. sint fersuinen N. ps. 89, 9. ebenso des hlühens und 
welkens : nhd. die blume wi erblüht, veiwclkt, doch geben 
wir den einfachen verb. liaben: hat geblüht, ausgeblüht, 
gewelkt, was die wirkende kraft des gewachses ausdrückt, 
wie es heißt: der same, die pflanze hat getriebeji. mhd. 
du hast gewahseu Ms. 2, 220^; nhd. dieser bäum hat lange 
gewachsen, eh er seine hohe erreichte; er ist hoch auf- 
gewachsen. 



perbnm. iempiis. prüf. 163 

Nicht anders verhalten sich die verba für beginn und 
aufhören des Uchts und des Schalls : wo der bloUe Ur- 
sprung hervorgehoben werden soll steht sein, wo die leuch- 
tende, schallende thätigkeit, haben, der stern ist erscliie- 
nen , das feuer ist entbrannt, erloschen, die kohle ist 
erglüht, das haus ist verbrannt, die asche ist verglommen, 
die färbe ist erblichen. aber: die sonne hat geschienen, 
geglänzt, der tag hat geleuchtet, der stern hat geblinkt, ge- 
sclüniniert, ihre wange hat geglüht. Bei privativer bedeu- 
tung, weil sie leidend ist, wird öfter sein angewandt, wo 
die entsprechende posilivlhälige liaben vorzieht: mhd. nun 
küche ist mir verbrunnen Ms. 2, 69'^; nhd. die llamme 
hat geglüht, die flamme ist verglüht, wie die rose hat 
geblüht, sie ist verblüht. Schall und laut: der ruf ist er- 
schollen, der laut ist hergedrungeu , die stimme ist erlönl : 
aber der wind hat geweht, das wasser hat gerauscht, das 
feuer hat gezischt, das hörn liat gclönt, das gelachter hat 
geschallt, und wiederum privativ: das wnsscv ist verrauscht. 
Man sagt: ich habe geredet, gesprochen, gesungen, ge- 
schwiegen; ich bin verstununt. doch mhd. unterschiedlich 
er hat geswigen und ist geswigen: helet ir gesAvigen Iw. 
7434; hetö ich diz geswigen En. 10605; diu nahtegal ist 
geswigen Trist. 477'J ; geswigen sint diu vogeliu INIs. 2, 
25^; ob ich geswigen an sangc bin Ms. 2, 52*; der crye 
-^^■as geswigen Wh. 50, 11; nu sich, w^ie die kempheu gein 
miner rede geswigen sin Bari. 261, 15. geswigen sin ist 
mehr zum schweigen gebracht w^erdcn , geswigen hau das 
schweigen aus freiem willen, verschwetgen nur mit haben: 
hau verswigen Wh. 390, 4, und in jener stelle aus En. ist 
swigen rr verswigen. unser nhd. verschwiegen sein ist 
adj. part. und drückt ein präs. aus, kein priil. Abslracte 
begriile des anfangs und aufhörens bilden nhd. ihr prlil. 
nur nnt haben, well sie keinen sinnlichen zustand des 
Seins darbieten : ich habe angefangen, begonnen, angeho- 
ben, unternommen, geendet, aufgehört, unterlassen, doch 
mhd. ist erwunden (renüsit); w.rrc erwunden Mar. 81. 
mhd. ist gelendet I'arz. 307, 28, liat aufgehört, allein ge- 
niüezet hwten (der nuiße gcpllogeu) Cudr. 985, 1, 1529, 1. 

Wie sich die Vorstellungen werden und konunen viel- 
fach berühren (s. 8. 12G) so steht auch das NMMilen unil 
verwerden ilenj hommen und weijtfthti in unserer bezie- 
liung gleich, verba der beweyninf und ruhe, ich bin ge- 
kommen, gegangen, geritten, gelaliren, wenn es den erfolg, 
nicht die bewegende, anhaltende thätigkeit bezeichnet; hin- 
gegen: der bereiter hat gut geritten, der kutscher gut ge- 

L 2 



Iß4 einfacher s{tfz. 

faliieii. niliJ. icli bin komcii Mar. 107. 110. 124: bin Iipr 
hekomcMi Nil). lOfi, 4; konieii \varen l\ib. 140, 1; bin üz 
gevarn Wigal. 3125; -vvas gevani Wigal. 2749; sin \vii' 
gevarn her Ail). 400, 2; v.fPien beim gevarn W'b. 3<S9, 6; 
ich bin gerilon VA'igal. 2587. 4200; waren gerilen das. 648. 
4951; was gegangen Iw. 1705; ein vesperie isl erbten (er- 
gangen) Parz. 8f), 21; der strikt was ergangen VN'li. 50, 10; 
innl. leden es (praetcriil) Floris 1995; dagegen: hahent 
gevarn (haben sich aurgetiilirl) ISib. 231, 3; duicli wes 
liebe die beide lier gevarn hän Nib. 393, 4; ich her gevarn 
hun ISib. 401, 3; der lial wol gevarn Wigal. 7761. 8178; 
sone lielenl ir niht wol gevarn Iw. 1495; nu liänt ir sd 
mit mir gevarn (mich behandelt) Iw. 3160; swie ich mit 
Worten habe gevarn Iw. 7685 ; wir her gerilen han Nib. 
1169, 4; habent gerilen Nib. 232, 3; ich hun gerilen AVi- 
gal. 3401. Parz. 812, 15. Bit. 44''; het im uf den lip ge- 
rilen Wigal. 525; nu hat gegangen nuner kiinsle rnole 
Amgb. 28\ ahd. Iram ist gigangen T. 2, 8; wir birn ge- 
gangen N. 131, 7; wol aber wir haben durhkangen den 
mere N. 80, 11 wir haben durlifaren 65, 12; er habet ims 
mite gevarn 102, 10. alts. hahdon gegangan Ilel. . . ; ags. 
gegan haldon ß. 5257. luifdc eine agongen ß. 1779; gefaren 
liälcle C. 43, 12; gefaren häfdon C. 123, 26 ; gevaden häfde 
B. 439 ; innl. adde ghegaen INlaerl. 1, 268 ; altn. ek gengit 
liefk Stern. 186^; hafdhi gengit Isl. sog. 1, 45. 47; heli ec 
farit Sccm. 32* 49*. Nhd. ich ii» gelaufen , aber: das pferd 
hat stark gelaufen; mhd. ivas geloufen Trist. 3230; mnl. 
hadde ghelopen Pieiii. 894 ; lievet ghelopcn Rein. 3335 ; 
ebenso traben, springen. nhd. der vogel hat den ganzen 
tag geflogen, ist über die mauer geflogen; ich habe in der 
schwinimschule geschwommen , bin über den fluU ge- 
schwommen; die ameise hat so lange gekrochen, bis sie 
aus der Schachtel kam, sie ist über meine band gekrochen, 
ich habe gestiegen und gestiegen , bis ich auf den berg 
kam; ich bin auf den thurm gestiegen; mhd. was gestigeu 
Trist. 5835. Gudr. 59''; doch ersteigen mit haben, mhd. 
ich bin erbeizet Parz. 184, 29; erbeizet siiit Parz, 670, 24; 
erbeizet sin W igal. 4643 ; doch wir hau erbeizet Troj. 
7077. mhd. ist gestrichen Iw. 4723. Parz. 67,21; bist ge- 
strichen Parz. 767, 23; gestrichen was Parz. 496, 10; sit 
her gestrichen Troj. 7052; allein auch: ich hete gestrichen 
Parz. 491. 25; gestrichen haut INIs. 2, 218'--; ich han durch- 
strichen Tit. 100, 1, Nhd. ich bin geflohen, transitiv aber 
ich habe ,• mhd. geflohen hete Wh. 432, 30. nhd ich bin 
eutsvithen, und nicht mit haben; mhd. beides: ich bin ent- 



verbuin. tempus. priit. l65 

wichen Tit. 100, 2; ich was entwichen Parz. 491, 26; ist 
entwichen Iw. 2479; hete eutwiclien Mar. 24; halen ge- 
wichen livl. urk. 71' 72^^. nhd^ ich &in gefolgt, doch bei 
Luther stets noch mit haben; nihd. het gevolget \^ li. 226, 
13. 388, 2; den wir her gevolget hän IS ib. 644, 4; ich hun 
gevolget Trist. 17105 Troj. 16619.; der niiiies lAles gevol- 
get lucle IMor. 745 ; der in gevolget hele Troj. 507. nhd. 
ich hin in den koth getreten und ich habe das in den 
kolh getreten ; nihd. si xvtere getreten in die helle Flore 
5783; ich hun den reien getreten Trist. 17118; ha;te ge- 
treten Ysh. 170* (ed. cass., bei Lachni. 378, 26 anders.) 
Nhd. ich biii genahet; ahd. niin Kp ist kenahet (appropin- 
quavit) N. ps. 87, 4. nhd. ich hin zurückgekehrt; nihd. 
ist gekeret Iw. 1590; gekeret wrere Iw. 5880; wahret vür 
gekeret Iw. 6097; wrere gekeret Troj. 7100; aber hete ge- 
keret (reversiis esset) Ulr. Trist. 19 66, gleichsam halte den 
fuß zurückgewendet, nhd. ich habe geschwebt, nihd. aber 
ich hin geswebet; wrere geswebet Wh. 48, 25. nlid. ich 
hin gelallen; mhd. ist gevallen Iw. 1579. Troj. 17014; was 
gevallen Iw. 2626; und das scheinbar transitive: wie sit 
ir mich gevallen an (nhd. habt angefallen) Trist. 1396 ist 
zu nehmen: wie seid ihr an mich (über mich) gefallen, 
nhd. ich habe gestanden , aber ich hin aufgestanden , ab- 
gestanden , erstanden , bei Luther auch noch ich hin ge- 
standen ; mhd. xvwr druIFe gestanden Parz. 589, 9 ; waren 
gest. Pai-z. 706, 6; nu was da gestanden vil "VN'h. 231, 27; 
warn von den betten gcstan ]\ib. 1789, 4^; w\as ich uf ge- 
ölan INls. 1, 7*'; höhe wrer erstanden, klage 107; hingegen: 
ich hän gestanden JMs. 2, 127^; häte i'if gestan livl. urk. 
43"; ros diu sich haut verstanden Gudr. 59''. nhd. ich 
habe gesessen , denn ich bin gesessen enthält adjeclivische 
priisensbedeutung; mhd. was gesezzen (consederat) Iw. 
1217. Turl. Wh. 1, 112*; gesezzen sin Iw. 135; ich hdn 
gesezzen Parz. 438, 20. 563, 19; ags. geseien hrifdon B. 
4204. 4254. nhd. ich habe gelegen; mhd. xvas gelegen 
Iw. 80. Ln. 12503. Wigal. 8390. Troj. 16470: Wh. 20t, 
25; bist gelegen JMs. 2, 52\ ir sit gelegen Iw. 5(Uü; i.st 
gelegen Wigal. 8576; sint gelegen Ms. 2, 58-'; wrere gele- 
gen Iw. 4258. Parz. 628, 5. Wigal. 11472; hdn gelVgen 
l'.n. 8215; in der bedeulung von niederliegen, erliegen 
immer mit sein, z. b. Nib. 253, 4. 996, 4. 1003, 4. mhd. 
tlu hast erbiten Parz. 782, 29; lull gobilen Wh. 190, 28; 
het gebilen Parz. 473, 24. nhd. ich habe slill gehallon ; 
mhd. het er gohalden Wh. 228, l. uhd. ich hin geblieben; 
mhd. was bclibcn Wh. 202, 2. 



l66 euijaclwr ndtz. 

Hierher auch wachen und schlnftn. iilid. idi habe 
gewacht, gcsclilareii , aljcr ich hin erwaclil, riiir<;e\vaclil, 
eingeschlafen, cnlsclilafen. iiihd. icli hdn gcslälen ^^'.•lllll. 
124, 4, l\v. 3.510; liel goslafen Iw. 880; sin w'iv cnJslafeu 
Troj. 1G504; ich hin erwachet I\v. 3.541 ; ^vas erwachet 
Iw. 881. erkranken und (jenesen. iilid. icli hin erkrankt 
und genesen, nnil. ivas ghencsen Rein. 245. 

Aus diesen beispielen mögen die bedeutendsten schwnn- 
kungen beider anxiliarien erkannt ^verden. icli habe mich 
dabei fast aul die nlid. und ndid. mundart cingescliriinkt 
und nur einiges hervorstechende aus den übrigen ange- 
merkt. Unverkennbar neigt sich die hd. mehr zur anweu- 
dung von sein, die nd. melir zu der von hahen. die 
nord. brauclit fast immer haben luid mir selten sein. Im 
ganzen aber entspringt aus der hd. abwechselung beider 
vcrba eine günslige mischung. 

Die hilfswürler der impersonalieu soll das fünfte cap. 
näher angeben. 

Alle lunschriebnen prälerita der mit dem rellexlvpro- 
nomen gebildeten transitiva und intransillva vertragen juir 
hahen, z. b. er hat sich gestellt, gelegt, gesetzt, geeilt, 
gefürchtet, gefreut *). von den transitiven versteht es sich; 
die ursprünglich intransitiven aber empfangen durch das ac- 
cusative rellexivum eine zuthat von iiußerlichkeit oder thä- 
tigkeit (s. 4) , die sie für das auxil. sein nicht mehr eignet, 
verba mit reflexivem dat. und das prät. mit sein kann icli 
mir denken, weiß aber keinen einzigen beleg; ein alls. ist 
imu gigangan , gI^vitan scheitert daran , daß schon das ein- 
faclie gangan und wol aucli giwitan ihr prät. mit hahed 
formieren ; es wird also nicht anders heißen als habed imu 
gigangan. niemals erscheinen die mhd. sprach sich , was 
sich, ward sich (s. 36) im umschriebnen prät. 

Auch die nord. suffigierten verba, sobald sie mediale 
bedeutung behalten, imd in keine passive übergehn, um- 
schreiben ihr prät. bloß mit hahen, aus gleichem grund, 
z. b. schwed. de hafva slagits (sie haben sich geschlagen), 
det har lyckals mig (es hat mir geglückt) , träden hafva 
blomstrats (oben s. 47.) Tritt passivbedeutung ein, so wird 
im isl. und dan. für die perlphrastischen lempora das suflix 
aufgegeben und die gewöhnliche j)assivumschrelbung fort- 
gesetzt, z. b. isl. ek hcfi verit elskadhr ()'aie'le aime) dan. 



•) gegensatz zur franz. refrel . ille für .lie reflexiven iiamcr sein 
verlangt: ii s'est coMrlit-, rejoiii «i. ^s. w. 



verhiun. tempus. prüf. I67 

eg liar varet elskel; scliwed. aber laßt sich außer jag Iiar 
varit älskad zugleich sagen jag har älskats, wobei wegen 
der gauz leideudeu bedeutuug das Jiaben widersinuig d. h. 
ohne eni])faidung der ursprünglichen beschallenheit ange- 
wendet scheint. 

Die siav. sprachen umschreiben alle und jede priit. pei- 
fecta mit fe*7t=:sein, ohne rücksicht auf iulransiliveu oder 
transitiven sinn, und verwenden für letzlerii niemals iJir 
iiiieti, nijü (haben.) sie können es, weil sie sich dazu 
eines wahrhaft acliven pari, priit. bediejien , das voa dem 
passiven das passiv umschreibenden (s. 20. 21) völlig ab- 
steht, z. b. böhm. wolal gsem (vocavi), serb. pleo sani 
(plexi); sloven. sim jedel (comedi) und dieses part. ist der 
drei geschlechler fähig, daher im fem. sim jedla, im ueutr. 
sim jedlo stelin muß. Ebenso geschieht aucli die litth. Um- 
schreibung nur mit dem verb. subst. und einem pari, prrit. 
act. z. b. esmi sukes (ich habe gedreht) sukes buwau (ich 
halte gedreht.) 

5. Alle verha zweiter anoniaUe , als begriffe innerer thii- 
tigkeit, nehmen im zusaminengesefzlen pral. nur haben zu 
sich, niemals sein. nhd. ich Iitihe (ftkonut , gemocht, ge- 
giiunt, gedurft, genuist, gesollt, gewust, ge^^üll^. um aber 
erklaren zu können, warum in gewissen fallen statt dieser 
pari, der inf. gesetzt wird, muU eine beni,erkung über ihre 
form vorausgeh n. 

Insofern diese anomala ein prät. ind. starker und schwa- 
cher conj. besitzen scheint ihnen auch ein doppeltes part. 
zu gebühren, doch die golh. spräche bildet bloß von nuinda, 
kuiilha, skulda, mahta die part. munds , kunths , skzilds, 
mahls (s. 59), von vissa wahrscheinlich viss (cerlus) und 
von den übrigen ohls, aihls, mösts, thaürfls, daürsts, daiihls 
welche nie vorkonunen ; nicht aber von man munum, kann 
kunnum, skal skidum, mag magum , väit vilum ein denk- 
bares munans, kunnans, skulans, magans, vitans. Beiderlei 
lorm gewahrt das ahil., neben chund (notus) ■Ji't'.s (certus) *), 
die freilich adjeclivische gellung haben, wezzan (scilus) T. 
44, 18; pigunnaa (inceptus) und (fitorrau (ausus) gl. vir- 
giliau. (wo ungitorranes inausi), ja das adj. eigaii darf für 
ein ursprüngliches pari, genonunen werden. INlhd. , von 
dem adj. kunt und gewis weggesehn, wechseln die wirk- 

•) warum nicht aucli tollt (vnlidus)? ;nis O. laßt es äicIi niiiit l)e- 
weiseii , denn 111. 20, C8 tiiie dulitun lu'ißt (|iii valtlmnt, und V. 23, 
236 muß dulita biibät. »ein, wie die subst. malit, scult, kiniun*, kiturst, 
Olli, ciuiubt , diult iliri'ii ui«j)iuii!? aus dem pari ucIuiilii, 



1(33 eiiiJacJier salz. 

liehen palt, ijewist (gewest) und (jewizzen (<lc^\fy.7.eu)•, 
Lachniann zu iSil). 2241, 4 lial bedutft (^niid kein bedor- 
leii), Wül al)(M' e/knnneu , <je(junntn , erbninn^n , (tithiiw 
nen nachgewiesen: lauler sellc-ne, kaum /,ii gebot sicbeiule 
l'ormen. unorganiscli , weil diese verba keinen ablcilungs- 
vocal haben, scheint die Verlängerung gewizzet und crkun- 
net, und lieber führe ich erldinnet auf ein regelmalWges 
erkünne zurück '*'). zu suln und inügen mangeln belege 
der schw. wie der starken form. daU aber beiderlei pnrt. 
sich mit haben verbinden, tluin folgetule stellen dar: htt 
ich (jexvist INls. 2, 67^^; Trist. 4434. Troj. 16879. Ls. 1, 
239; hete hedorß INIarner b. Laclmi.; hat erhunnen Ms. 
2, 170^; het ijefjunneti Nib. 1811, 4; hapt erbunnen iNib. 
2241, 4. 2267, 3. 

AYenu n»ui nhd., nicht das allein stehende sondern das 
mit einem iuf. (nach s. 92) verbundne pari, scheinbar selbst 
in den inf. verwandelt wird, so begreift sich eine so sell- 
same slructur bloß aus der zufalligen ähnlichkeit starker 
parlicipialformen mit dem inf.; der wirkliche inf. wäre 
widersinnig, wir sagen: ich habe es ihun können, sollen, 
wollen, uÜHjen , müssen, düi'fen statt gekonnt, gesollt, 
gewollt, gemocht, genuist, gedurft **). bei wissen, taugen, 
vermögen unterbleibt die freiheit, vielleicht weil wir nun- 
mehr den von ihnen abhängenden inf. durch zu bestimmen 
(s. 108): ich habe es nicht zu sagen gewust , vermocht, 
es liat nicht anzuführen (jetauijt ; doch hört man unter 
dem volk : er hat es nicht auszuricbten wissen. Den 
schein jener inlinilive müssen parlicipialformen ohne ye 
vern)ittelt haben: er hat küinien , sidn , mügen , dürfen, 
und wirklich findet sich bei Suchenwirt 10, 144: er hat 
ez türren wagen, statt getürren oder getorren. bei der 
häufigen anwendung solcher Wörter überhob mau sich gern 
der kleinen parlikel. 

Diese auslegung wird glaublich, weil noch einige andere 
oft gebrauchte starke verba, heil\en , lassen und sehen, 
zum auxiliareu haben construiert, ihr ye wegwerfen und 
dann wiederum gleichheit des part. mit dem iuf. entspringt: 
ich habe ihn kommen heü\en, ich habe es bleiben lassen. 



•) gemi/ezet Giidr. 985, 1. 1529, l stellt nicht etwa für «remiiost 
(debitus), sonderi» ist pait. de» scliwaclieii iiiüezeii, rulie halten, müßig 
geliii; vielleicht läse man beaser gemuuzet von muozeii 

*•) so können sicli selbst drei iiif. hänfen, z. b. ich habe ihn singen 
liören sollen; er hat es nicht dürfen sagen lassen. 



verbiini. tempits. priit. I69 

ich hahe Ihn fischen sehen slalt geheißen, gehassen, gesehn; 
aber tlie beiden ersten verba pllegeu schon ihr nilul. j)arl. 
ohne das. pralix zu bilden. 

Endlich ^vurde der nilsverstandne inf. noch auf fünf 
andere falle erstreckt, die sich keineswegs (so ^venig als 
wollen für gewollt) aus einer gleicldieit mit dem part. recht- 
fertigen , avif die verba helfen, hören, lehren, lernen, 
Jiihlen: icli habe ihm lesen helfen, er hat. den stürm 
lieulen hören, un'cfi hat die noth beten lehren, sie hat 
tanzen lernen, ich hahe sein herz schlagen Jtihlen, statt 
geholfen, gehört, gelehrt, gelernt, gefühlt, doch in den 
drei letzten fallen wird heute das wirkliclie pari, vorge- 
zogen, für den ersten bietet sich ein altes, kaum erwar- 
tetes Zeugnis dar Gudr. 637, 3 ich hdn des iehen Jiceren 
(hs. hocren jelien.) diese beiden inf. stehn gleichsani gegen- 
über den beiden participien in der phrase : ich hän htjrt 
gesaget (s. 128.) 

Die ersten spuren der ganzen Unregelmäßigkeit reiclien 
also schon in das 13. 14 jli. und es lassen sich wahr- 
scheinlicfi noch mehr beisplele ermitteln, in keiner andern 
mundart ist sie sonst zu spüren als in der nnl. aucli liier 
stehn die inf. diu-ven, zullen , kunnen, moeten, mögen, 
willen, laten, beten, zien , huren, lerenf helpen nach dem 
auxiliaren hebben, sobald ein andrer inf. darauf folgt, statt 
der part. jiriit., z. b. : ik heh iiiet durnen zeggen ; ik heb 
inoelen gän ; wij hebben hen nog zien beddelen; ik heb 
liem hören zeggen; u. s. w. Weder die schwed. diin. noch 
engl, spräche kennt etwas ahnliches; überall steht hier das 
wahre part. z. b. schwed. jag bar ej kunnat haliinka', dän. 
jeg bar ikke knnnet arbeide, jeg bar hört singe; engl. I 
have heard teil. mul. belege sind mir noch nicht auf- 
gestoßen, 

6. Unser inf. zeugt kein förmllclies prdt. , und doch sind 
die mit bedetilung des priis. versehnen anomalen piät. kann, 
mag, soll »1. s. w. , inlinitivisch gesetzt, nichts anders als 
ur.'^prüngliche piUt. formen, das lehren schon ihre ablau- 
tenden vocale, die keinem pras. geziemen, man sollte dem- 
nach für sie in der vollen alten spräche das charactcrlsti- 
sche tm aller prat. statt an erwarten, aber schon bei den 
Gothcn herschl an , wie sich aus kunnan yriörccf, eidfvut. 
Marc. 4, 11. Luc. 8, 10. Job. 14, 5 und vilan yrojvca 
INlarc. 7, 24 ergibt, auch aus den pail. ])riis. vitands, ugands, 
nuinands, uigands , viljands folgern laßt, sktilim däv aus 



J70 eiiiJ'acJicr nutz. 

JiHc. 18, l wäre ci'wiinsclit, wenn tli'e in skiihmi scliwan- 
Kctide lesarl reslslüiule. ahd. gilt wizzan (scirc) K. 21^'; 
■makan (possc') K. JS^; scolan (cleberej K. 46^ (scolun 
2.S'i v(M-lc.sc'u oder vorclnickl , wie das o dei- peiiult. be- 
weist":*); iiherliaupt aber werden jalid. und goth. iiiT. iinp. 
und pari. pial. dieser anoniala gemieden; alts. ist cijan liaulig 
Hei. 80, 9. 83, 10. 8.5, t. 21. 157, 17. 167, 2. 17 1, 26. unter den 
übrigen dialecten verdient hier der altu. unsere auCnierksam- 
keit; z%var lial aiicli er die inL vila ^ ine(ja, titjdy kiinna, 
Unna, thnrfa, vilja, allein für zwei wüiter wirklich jenes 
verniiitete m beibehalten, für inunii {/liXXtiv) und skuhi 
(debere), wie sie noch in der isl. prosa vorkommen, z. b. 
jnuiui Nialss. 19: aus der edda gewahrt Ilarb. 45 (uacli 
der ed. hafn.) ein beispiel. hieraus folgere icli nun nicht 
bloli ältere inf. vitu , niegn , eigii u. s. w. , sondern auch 
frühere goth., der 3 ])1. gleiche formen viticn, kunmuif 
6(jun , daiirsun , dutjnn u. s. w. Allein die alln. spräche 
bleibt bei jenem nninn und skulu noch nicht slehn; sie 
bildet, da ihnen nur präs. bedeiilung gebührt, für den 
ausdruck des wirklichen priit. inlinilive ans den schwachen 
prät. , -welche w^iedernm mit der 3 pl. ind. oder conj. zu- 
sammeutreHen : mundo S<vni. 80» 241* 243" mnndu Nialss. 
12; mijndo SaMU. 242^ mijndii Isl. 1, 19; skijldo^xm. 162» 
242^*. sollte also nicht auch die goth. schwache form in 
den inf. eingegriffen und früher ein vistcdun , kiaithednu 
(scivisse , novisse) hervorgebracht haben ? dies zugegeben 
müste nun aber für alle regelmäßigen , starken und schwa- 
chen, verba ein inf. prät. angenommen werden, z.h.Jttn- 
thuu (invenisse) sökidedun (quaesivisse.) dafür läßt sicli 
wieder ein freilich überaus seltnes altn. foro (ivisse) studlio 
(stetisse) Egils saga 104 anführen, jene altn. hinneigung 
zum innlaut der conj, form in skyldo , myndo gleicht ei- 
nigermaßen der berührung des lat. inf. prät. amavisse, 
legisse jnit dem plusq. conj. amavissem, legissem. 

Doch solche mutmaßungen verlieren sich im dunkel 
der vorzeit, kein goth. oder ahd. denkmal zeigt uns einen 
formellen inf. prät.; seit die Umschreibungen üblich werden, 
dient das hilfswort haben oder sein zu seiner bezeichnung. 
Bei K. und in den glossen wird noch nicht umschrieben, 
sondern das präs. inf. aucli für das lat. prät. gesetzt, z. b. 
wenne lesamcs wihe fatera unsare daz er/uUeii (quando 
legamus sanclos patres nostros hoc implcsse) K. 35^; per- 
petrasse kifriimman Diut. 1, 518; redeniisse arlosan das. 
519'»; vidisse ijisehan T. 226, 2; vgl. die s. 117 aus T. 
und 0. beigebrachten uz sangen und farau für exiisse. 



verbiun. leinpus, prüf. 37 1 

Den Inf. prät. jiass. konnte das ins ])ral. geslellle wer- 
clan näher erreiclien : cliiscliel aiTullil worihtn^ ceiiiilnr 
fuisse coni])]eliim Is. 408, Nvobei dann der inl'. Avesan ge- 
dacht werden kann. 

]Mhd. ist die Umschreibung völlig im gang, weil aber 
mir sehr seilen noch acc. c. inf. gcNvagl werden , so finden 
die zahlreichslon beispielo nach den prät. der (uiomalen 
verha stall: mohlen sie htiven (jescliozzen Rolh. 1792; du 
jnohlest gedagel lian ]Nib. 792, 2; nuiht ir unschult ge- 
Jiozzen hau Parz. 355, 24 ; muhte hau ledec lan Parz. 
382, 20; der mohtez gerne hun Yermilen Parz. 484, 22; 
daz müht ir gerne han verdagt Parz. 464, 6; möht ir euch 
gesezzen sin Iw. 135; ich niühle gcvrnmct hau Ivv. 5513; 
niöhle benomcn han Iw. 6507; möhtet ir liau gesehn Iw. 
7446 ; mohte sin gewesen "VN igal. 735 ; mOlit ich daz e 
gewizzen han Bari. 191, 11. Troj. 1805; mohte lian ge- 
sehen Troj. 15780; mohte liun crziuget AVigal. 8310. 

der hunde sc baz (jelohet hun Parz. 404, 30; ir en- 
kunde leider sin geschehen iSib. 13, 4; künde er minne 
hau gepflegen Bit. 23^; künden si iian gedaht Wigal. 3979. 

solle halt üherliomen INIar. 134; soldez liaben lan Nib. 
120, 3; du sold ich gesungen haben den leien P>en. 441; 
sollen han gcnoincn Nib. 1242, 2 ; solde her abe stn ge- 
varn Ceo. 3996; solle han bevunden u. crvain Troj. 17203. 

dürfte han (jeijert Parz. 185, 24. 

viuosen sin verlorn IMar. 145; mösle den liph haben 
virlorn J'iolh. 82. 335. 1681; muoser lian gelernet Parz. 
453, 16; miiesn lian gegebn Parz. 603, 27; miicser han 
gedolt Parz. 617, 30; müescr han braht Parz. 643, 25; die 
er muosle hau verlorn Bari. 52, 16; miieste sin gewesen 
Troj. 17092. 

du woher hau (jevrdijet baz Parz. 247, 25 ; woldicli 
gesprochen han Iw. 7436; wolt in hau crslagen Iw. 2045; 
woll in gerne lian crslagen Iw. 6767; er woldin gclrocstet 
lian Iw. 3243; den wolden si gelästert hun Iw. 4292; woldc 
si hau erhangen Iw. 5846; woldes der kiinec vcrhengct 
lian; Iw. 7334; wold ich gesprochen han l\v. 7436; iclin 
wollez han gelilen e Iw. 8084; woldc gcliirslcl hau \> igal. 
1010; wolden gchabcl hau ^^ igal. 2075; woUle sin gcrilen 
das. 4200; woll cibcizct sui das. 4643; wolde geflohen 
8in das. 6750. 7006 ; wolde gegeben haben das. 6155; 
wolde crslagen han das. 7927; wolde erworben han das. 
yi88: mil in gcHiercl wolden han das. 9228; wolden hau 
verseil Bari. 31, 9; wolde han gegeben Bari. 53, t8; wolle 



J72 ei iij acher salz. 

zerspalten s*n Troj. lf»072; \vo](e s*n gegangen Troj. 16tS42; 
der wolle sicli lian gevverl Hoze 426 5 si woUlen haben niicli 
geslagen livl. urk, 128'^; ich woltle si alle irslageu liaji 
Iiülli. 1679; Wühle geine han gesieii Kolh. 3029; ii h wolt 
mich gcklusent lian Doc. niisc. 1, 52 '^). 

Wo in diesen heispielen , und es wird nieislenliiiils 
jeiü , das priit. toiij. sieht, pllegen wir nlid. den salz iini- 
zuslellen, d. h. das auxiliarc haben zum herschenden verbo, 
das part. prät. zum inf. und das anomale verbum zu jenem 
scheinbaren inf. statt des part. zu machen, aus ich mühte 
gescheu hau wird uns ich hätte mögen sehn; aus ich künde 
baz gelobet hau, ich halle besser loben küiuien ; aus dörfle 
lian gegeil : hülle begehren dürfen, aus müese hau brahl: 
lialte bringen müssen; aus wolde erbeizet Siu : halle ab- 
steigen wollen; man sieht zugleicli ; warum in der ndid. 
Sprache diese anomalen inf. statt der part. ungleich seltner 
sind. Ist das nilid. anomale prät. der ind. , so können wir 
nhd. entw. das präs. inf. gebrauchen, oder auf ähnliche 
weise innstellen, z. b. die er nuiose hau verlorn: die er 
verlieren musle, oder die er halte verlieren müssen. 

Diese mhd. anwendung des umschriebnen prät. inf. be- 
ruht in dem gefühl, daß das anomale prät. die vergangen- 
lieit nicht bestinunt ausdrücke **). andern spraclien genügt 
liier das präs. inf. z. b. potuissem dicere, j'aurais ])U dire, 
nicht dixisse, avoir dit. consecutio temporum ist nicht im 
spiel, denn unzahligemal darf nach jenem prät. auch das 
mhd. präs. inf. stehn, z. b. muose ich gelun Iw. 352; muo- 
sen zücken Iw. 1018; lorslicJi vragen Iw. 3020; dorfte 
geschehn Iw. 1313; bewenden künde Iw. 24; muhtet leben 
lan Iw. 174. zuweilen stehn beide nebeneinander, präs. 
u. prät. inf.: nuioste dulden u. hau verlorn Bari. 7, 15. 
Audi kann nach dem präs. des anom. verb. der vnnschriebue 
inf. prät. folgen, z. b. niügest hän erriten Parz. 442, 23; 
du muost in schiere vlorn hau TSib. 14, 4; mäht befunden 
ban Bari. 14, 30; ich sol si im schiere hun benomen Iw. 
4650. 

Wir verfahren auch noch nhd. nach mhd. weise, wie- 
wol weit seltner, z. b. das wollte ich hiermit ausgespro- 



*) nach denselben prät. tolgt das prät. inf. paus, gern mit siu, 
nicht mit werden, z. b. eiimöhtet ir niht baz geroclien sin l\v. 7558; 
uiuost im sin verkcret Troj. 16551, wieder ein zeiciien der sich bc- 
rüiirenden activ und pass. umsclireibung (s. 156.) 

••) nicht unverwandt sein mag die nacli denselben verbis eintretende 
Verstärkung des inf. präs. durcli die parlikel gs (gramm. 2, 817. 8i8.) 



verhum. tempus. praf. :I73 

clien Ilaben z= das habe ich aiisspreclien wollen; das -will 
ich dir geschenkt halben :=z habe ich dir seh. wollen ; das 
mag ich nicht gesagt haben = habe ich nicht sagen mögen, 
tlen unterschied beider phrasen drückt das franz. je ne 
veux pas l'avoir dit und je n'jri pas voulu le dire aus: in 
jenem fall liat man gesagt und will es nicht wort haben, 
in diesem hat man es nicht gesagt. 

Ich linde auch ahn. denselben inf. piät. z. b. thann 
eldli scal han svorit hafa. üulalh. 379. des einslimmigcn 
engl, she might liave been nz si mühte sin gewesen ge- 
denkt schon Ben. zu Wigal. p. 660. 

Weniger begegnet der mhd. inf. jjrat. nach andern ver- 
bis, z. b. nach waenen : wanden ez hau verhornen Wigal. 
.5502; die er wände hau erkorn ßarl. 122, 8; und den 
diu'cli ze bestimmten inf. prät. finde ich mhd. kaum oder 
gar nicht, nhd. wird er häufiger: ich wünsche das nicht 
vergeblich (fesaijt zu haben ^ er glaubt da gewesen zu sein; 
er bezweilelt nicht ihn gesehn zu haben u. s. w. Vor- 
ziiglich aber ist die nnl. spräche stark in inf, conslructio- 
nen , wie sie auch nhd. nicht nachgealinil -sferden dürfen: 
ik belufde u niinen zun te zullen schriven, m?ir, na zulks 
(fetlän te hehben , en vel moeile darmede te Iiehben tje- 
hady zeide nu mine vrouw, zulUs nimmer toeijelaten te 
•zullen hebben, indien zi liet vöiaf gewelen hadde *). acc. 
c. inf. sind diese klappenden Infinitive nicht (s. 119.) 

7. Ellipsen des auxlUars. kaum enlbohrt seiner die 
ahd. und mhd. spräche, auch nicht in relativem satz. Nur 
wo zwei gleichartige verba, durch parlikeln verknüpCl, iiu- 
mitlelbar auteinander folgen, braucht das hiliswott bloU 
einmal ausgodiiickt zu werden. mhd. er hete sich gelen- 
ket u. geschepfel Troj. 16418; hast empfüeret u. geriicket 
Tioj. 70064, ungleich öfter bedient der worlreiciie Conrad 
sich ilieser auslassung für das hilfswort der passivumscbrci- 
buiig. Süllen aber verba verbiuuleii werden, ilenen ver- 
schiediies anxiliare gobiilut, so ist sie unslallhait, z. b. wenn 
man nbd. sagen woillo: er ist gekommen und (bat) gesiegt; 
er hat geschlafen und (ist) erwacht. 

Außer diesem fall erlaubt die ältere spräche nie den 
Wegfall, auch im relativsalzc nicht. JNhd. aber ist, seit 



*) Liilolfs <»ver nederlniulüclic sprAkkimst. Groiilnf^rn 1S23 p. 186 : 
icli verspracli lliiien ineiiicin .solm y.ii .sclireiln-ii, iilior naclnlcm iili es 
pefliaii iiiiri viel niiilie dnmit Reliaht hatte, siv^te mir iiioiiie frnii , sie 
uünle er iiimnior zugelassen lial)eii, wenn sie es vorRirs gewiist hätte. 



i74 



e'infdcJnn' salz. 



«Ion sclilcslschcn dicliferri , liorgcbraclit, das dem part. iiii- 
inhltilbav J'olffendr ''niemals das voranstellende) /iahe oilcr 
bin njaiiclimal /n uutordrückcii , voiziii-licli in indirectcr, 
i'claliver rode, z. I). der ring den du mir gegeben liasT, 
der tag an welchem er gekommen (ist); er wird es iIiph, 
sobald wir uns ei-KI.-irt (haben), sobald ihr ihm wilH'iihii'^ 
geworden (seid.) Ghichwol hat ih'ose ellipse nirht durch- 
dringen können , unil wird heute mehr gemieden als ge- 
braucht, der schleppenden auxiliarhaufung entriellie man 
gern, aber die spräche sträubt sich wider duidvelheiten und 
Zweideutigkeiten, die dabei entspringen. baldig fallt uns 
die 3 sg., 2 und 3 pl. mit der participialforin zusam- 
men (z. b. iu erblickt, vertraut, verheizen) und dann dient 
das hillswort ilen zweifel zu leisen, auch wegen des er- 
örlerlen wechseis beider hillsverba scheint die auslassin^g 
bedenklich, z. b. wenn gesagt wäre: der wagen in dem 
wir gefahren, ^\ iisle man nicht, ob haben oder sind zu 
verstehu ist, und des ausdrucks feinere fäjbung gienge 
verloren. IVIäUig gebraucht, bei unzweifelhaficni auxiliare, 
mag es hingehn auszulassen. 

In der scliwed. spräche hat sich diese ellipse völlig ein- 
geführt und überall begegnet sie uacli relativen und con- 
junclionen : hau fürtarde hvad hau i härnad eröfrat (hade) ; 
en allmän anda, som ej sällan (bar) visat sig ; da jag hört 
(hade); pu tillfrägan luiru lian (hade) lärt detla; sedan 
den (har) upphürt att vara u. s. w. der zusanunenhang 
muU lehren, ob har oder hade gemeint sei, und wie man 
sieht kann das weggelassene auxiliar dem part. vorangcliu 
oder nachfolgen , die phrasen ins nhd. übersetzt würde es 
jederzeit naclifolgen. Dieser schwed. auslassung sieht nichts 
von dem entgegen, was ich wider die nhd. gellend machte; 
keine verbalformen treffen hier mit dem part. zusammen, 
und da fast nur liafva, selten vara, auxiliar steht, kann 
auch nur jenes ausgelassen vermutet werden, mir ist kein 
beispiel einer ellipse von vara vorgekonunen. 

Die Dänen bedienen sich aber einer solchen auslassung 
gar nicht, und das bildet eine auffallende ab weichung zwei 
so nahverwandter sprachen. 

Dagegen ist Danen und Schweden gemein die ellipse 
des inj', have und hafva nach den onomalen verbis. dän. 
jeg skulde gaaet derben; jeg künde forudseet dette; jeg 
maatte taget mig i agt. schwed. malte jag aldrig kant 
henue! (haue ich sie nie gekannt.) weder die nhd. noch 
unl. Sprache vermag dergleichen. 



verhum. tempus. priU. 1 75 

Ob die Qiislassung der auxUiarien bei der nhd. weise 
des iniperiilivischen ausdrucks : roseu auf den weg cfe- 
streut und des harnis veryessenl (s. 87) hallbar sei. wird 
\üu genaueren nacliforscliungen abhangen. iu der älte- 
ren spraclie miiste die uuelliptische redensart nachgewie- 
sen werden. 



Nachdem ich ausgeführt liabe, wie die Vergangenheit mit 
haben luid sein lunschiieben Avird , wi:ire nun noch die 
Umschreibung des prät. conj. mit sollen, wollen und wer- 
tlen darzustellen; sie soll nachher bei dem fut, bcsproclien 
werden. Dafür erwähne ich hier eines besondern falls , in 
welchem die allere s})rache das (nnumschriebne) prät. statt 
des präs. der heuligen anwendet. es geschieht bei sey- 
nunyen und verxvünschnnijen , der zustand gilt nicht für 
einen neubeginnenden, sondern für einen längstbestandenen, 
alid. xvola ward thio brusti tliio Krist io gikusti! 0. i. 11, 
o5; xvard tvola sie O.V. 23, 280; ward xvola ihie selbuu 
iiienniägon 0. V. 19, 11; wola ward ihia lebenla 0. V. 
26, 36; alls. xvah xvard thesaro weroldi ! Hei. 167, 1; xve 
ward tili! nilid. xvol mich ivarll AA'h. 135, 21; wol dem 
wart! Wh. 320, 28; ei wol mich wart! Ms. 1, 185^; wol 
mich siner künfle wart ! Ben. 333; ö wol mich warl ! Wigal. 
32'J ; wol im wart der \il gereit! Freid. 80, 14; wol si 
wart! Ernst 19*^; so wol mich wart! das. 4**; des wol mir 
liiut und iemer wart Ls. 3, 61. Suchenw. 28, 166 ; wol mich 
nu wart! cod. Uolocz. 149; wol dich nu wart, daz dicli 
diu nuioter ie gelruoc an dise wcrlt! Ijcrih. 200: wol iuch 
wart! Ijerlh. 129; ei wol iuch wart, daz iuch iuNver muo- 
ter ie gelruoc Jjerth. 285 ; xve dir xvart y daz dich duj 
muoter ie getruoc an dise werll ! Berth. 165. 

Ahnlich ist das ins priit. geslelllc vcrbum gesehen (curam 
habere) eryczzen [lu'il dem dal. mahHiicore?) unil vertjezzen 
(mit dem gen. negligei-e) , vojj gott in bezug auf die men- 
schen gc'brauclil. ijesavh in got (w ol ihm , gotl segnet ihn, 
ist ihm gnädig) der ir vil reinen libes hat gewall! l)cn.24; 
der riebe gol mich ie tjesuchl v. d. wibe list 114; we dir, 
daz dich got ie (jesachl fragm. \5^ Bon. 81, 16; (jesach 
mich got, daz gelegen ist der liute spot ! Bon. 53, 67; wol 
daz mich got ie tjcsach ! JNlooyer 40"^; su mir got ertjaz ! 
(so wahr nu'ch gotl venlerbe!) Herb. 10 U 'l'roi. 14072; e)-- 
guz dir got! Bon. 28, 19; ergaz cm gol! cod. viiul. 154 
n° 35 am ende; daz des lewen got v ergaz ! Ls. 2, 596. 



176 ei/ifac/ier salz. 

Ferner: />/"/, tl.iz dich diu eide iiihl vf.rslanll Berth. 
273; />/V dich, daz ie loufwazzer ui dich /i«m / Jicrlh. 4.'J2* 
daz der tievel uz dir ]nd\ Ben. 440 und gewis iinch in 
andern fallen mehr. 

Segen und ihich sind um so stärker, da sie als einge- 
treten und lorlwirkend vorgeslellt wertlen. 



FUTURUM. 

Unsere spräche Ist, wie sclion s. 130 gesagt wurde, keiner 
eignen form für das fulurum lahig, sie liilU es also ent- 
weder ganz unausgedriickt, d. ]i. bedient sicli an seiner 
stelle andrer tenipora, oder sie umschreibt es. 

In der ältesten zeit gereiclit das preis, ind. zugleich für 
den begrif des fut. kaum bedarf es der belege. 

goth. gahauid yevvi'jr)£i Luc. 1, 13 ; drigkid (bibet) Luc. 
1, 1.5; galuUjada n'/.i^OiPt;c}£Tai das.; faginund yaotjaorrut 
Luc. 1, 14; fauraqvimid nooiXf.VGiT(4i Luc. 1, 17; gavan- 
deith iniOTQiipti Luc. 1, 16; kuunum yro)o6,ni'd-a Luc. 1, 
18; ganimis avXX/jipfj Luc. 1, 31; gabairis Tf^tj das.; liai- 
tada y.Xrj&ijfi6iUi Luc. 1, 32 ; gibid d'inaet Luc. 1, 32|; tliiu- 
danuth ßuGiXtvofi. Luc. 1, 33 u. s. w. überall. Selbst wo 
gr. präs. und fut. nah zusammen stehn , z. b. II Cor. I, 10 
Qvsia.i. und qvg^tch bleibt das eine golh. temp. galauseith; 
die Verschiedenheit des sinns ruht nicht einmal aul dem 
unausgedriickt gelassenen tri bei Qvoercii. 

ahd. (jihit (confilebitur) K. 27*: nemnis (vocabis) T. 2, 
5. ist (erit) T. 2, 6. 77, 18; giwerbit (convertet) das.; int- 
phuhis (concipies) T. 3, 3; pi/it (mordebil) Diut. 1, 524; 
biwisel (vitabilis) Diut. 1, 496^; fiudis (invenies) Is. 342; 
ih faru (ibo) Is. 347; ghibu (dabo) das.; ih hepfu (levabo) 
Is. 354; ih ardun (habitabo) Is. 355. ist -widarniezzan (re- 
compensabitur) K. 24b; wirdit kedeonut (humlliabitur) ist 
erliaban (exaltabitur) K. 26a; fartribaner wirdit (condemna- 
hitur) gl. jun. 200; pirum piwanit (existimabiiruir) Diut. 1, 
502; ist pacurlit (anücietur) Diut. 1, 532; ist kawiilit (ve- 
stietur) Diut. 1, 524'^ u. s. w. Dali das kein bloIWr glossen- 
stil ist, sieht man leicht aus stellen bei 0., die das präs. 
im sinn des fut. setzen, und nicht umschreiben: ist be- 
rautu (pariel) I. 4, 29; wirdit mari (celebris erit) I. 4. 31; 
ist niendenti (gaudebit) I. 4,32; ni fullit er sih wines (noii 
implebitur vino); ja bei N. herscht das präs. entschieden, 
denchet (medilabitur) ps. 1, 2-, gediehet (erit) 1, 3; gibet 



verbuni. iempus. ful. 177 

(dabit) rfset (defluel) das.; fram dielient (prosperabunliir; 
finstrent (tenebrabuntur) 138, 12 ; sago ih (explicabo) Cap. 
6; lerent, zeiguut, fennident (asserent, anuotabunt, veta- 
buut) Cap. 170. 

Selbst bei den mbd. dicbteru , und nbd. wird noch 
Läufig präs. für fut. gebraucht, z. b. wenn wir es mit adv. 
construieren , welclie die Zukunft ausdrücken : ich komme 
bakl , ich komme morgen, -nvo lat. veniam, franz. je vien- 
drai slehn muß *). ebenso mbd.: kiimt er morgen Wigal. 
382 ; als tuon ich iu morgen I\v. 4260 ; vüeret er morgen 
her Iw. 4485; nu verliuse ich morgen alle mine ere Iw. 
4737; gesihestu in in kurzer zit Iw. 563. Auch folgende 
stellen, und zaiillose andere, belegen das präs. statt des fut.: 
tuostu Iw. 558; bislu Iw. 559; hjislu Iw. 596; laze ich iu 
schouwen Wigal. 285; kumt er vruo Iw. 4795; beslö 
Iw. 4792. 

IVächst dem präs. ind. hilft auch das präs. conj. ver- 
schiedentlich das fut. auszudrücken , wie wir schon s. 85 
bei dem iinp. sahen ; auf gleiclie weise steht der gr. conj. 
für das fut. '**), Ulf. bindet sich aber im einzelnen nicht 
an den gr. text, sondern schreitet sowol da zum conj., 
wo das gr. fut. ind., als ei- sein präs. ind. statt des fut. 
verwendet, wo der gr. conj. gebraucht wird, beispiele : 
häiläis %aXfGeig Luc. 1, 13; sijaina tooriai Marc. 10, 8; 
bidiaii fQMT'tjaoi Job. 16, 26 ; fragihhÜdau avTano(h^);a£Tat 
Rom. 11, 35; sijau eao/itat Marc. 9, 19; sijai inrat Marc. 
9, 35. Luc. 1, 34; bileitbai ^taxalbhiJei IMarc. 10, 7; af- 
valvjai (InoxvXiasi IMarc. 16, 3 u. s. w. Den übrigen deut- 
schen dialeclon gebriebt diese golb. construclion , docli im 
zusammengesetzten prät. kann noch si (sii) für erit gel- 
ten (s. nachher.) 

Nie vermag das einfache prät. ein fut. zu vertreten, 
wol aber das zusammengesetzte. 

Bcmerkenswerth sind die vorsucbe der älteren sprarlie, 
das Jut. verb. sahst, mit dem worl eines aiulern slaiiuus zu 
erreichen; so überträgt Ulf. /'orai , statt durili ist, vaiilhilh 
Matth. 8, 12, Luc. 1, 14. II Cor. 11,15; iooftui vairtha, i'aovTac 



*) dassellio gilt von doii ül)ti^on liciitip^pn sprnrlicn, z. l). schwecl. 
efter fyra iniinadcr raxar p<; tili Stockliolin (Tiiilbor^ p. J02.) 

") wie nnlie das Int. fut. dein präs. conj. liege, zoi^t die form dtr 
3 und i conjiig. 

JM 



J78 einfacher salz. 

vairlhand II Cor. 6. IG *); und so pHegt ilas aps. fteo, 
hysl, bydk ero, eris , cril , vorscliictlcn vom piiis. com, 
eart, is (siim , es, est) auszudrücken. das äiiid Ircilicli 
cifine fiiliira, aber keine fiUiirischc loi-nien. auch l)f;(U'iilct 
vairllia außerdem (io und das ags. beo /.uweilcn sum. 
alid. lindel sich ist in der bedeutnng von eril. 

llnislandliclier ist von den unisclireibungen des Tut. zu 
liandeln. 

1. Ulf. bedient sich einigemal, obgleich selten, des ver- 
bunis haban , wie schon s. 93 gelehrt worden ist ; doch 
bewirkt dies auch in andern fällen einen bestimmteren 
sinn , nicht den des fut. die ahd. spräche hat bei diesem 
hilfswort den reinen inf. versclierzt und beslimnil ihn über- 
all durch die piiip. 7.1. sie verwendet aber auch, was ich 
s. 108 vergaß anzulühren, den pl. eiyiin zu dieser Um- 
schreibung, ganz wie beim prät. (s. 150): ci arslandanne 
eiaiin (resurgent) Ecc. cat. th. 72 ; zi sorganne eiytin wir 
(vereiuUnn nobis est) 0. V. 19, 2. der begrif ist also bald 
fut., bald ein schärferer, so auch im mlid., z. b. nu liabet 
iu ze raten Wigal. 6862 bedeutet: nun rathet , nun mögt, 
sollt ihr rathen. in den nhd. redensarten : icli lialie zu 
tliun, zu sagen entfernt sich der sinn fast noch mehr vom 
bloßen fut., wiewol er ihm verwandt bleibt. 

2. das goth. miinan , munaida (putare), nicht das nah- 
verwandle anomale munan (?munun) man, muuda (re- 
cordarl), übersetzt /luXXiii'. numais gabalrhtjan fil'/j.ng 
ifKpuviCiiiV Joh. 14, 22, wie wir noch sagen: du gedenkst 
zu ei'scheinen, was beinahe ist apparebis, f/tiffaviaets. 
aber ein eigentliches fut. begründet es niclit, das auxiliar 
kann auch im prät. slehn : ich dachte, gedachte zu kom- 
men, munaida thairhgaggan i^/ieD.c öÜQyeo&ai Luc. 19, 4; 
munuidedun iisgaggan sogar für fitU.ovoir toytod-cu Job. 6, 
15, was eigentlich nnniand wäre. Die altn. spräche ver- 
wendet deutlicher Ihr anomales niunii zu einer wollautl- 
gen imischreibung des fut., niuno berjaz (pugnabuut) Sfcm. 
7^; man thyrnia (tuebilur) 8'"-; mun slitna (rumpelur) das.; 
koma muuu (venieut) 8*'; munt vera (erls) 66^ u. s. w. 
Das schwed. dän. fragende nioJin , moii hat weit geringe- 
ren umfang und eine mehr fixierte bedeutung (grannn. 3, 
762.) 



') für ioo/iiai gibt es vier gütli. aiisdnicksweiseii . dieses vnlrtha, 
jenes conjunctivisclie Fi)äu und die peri[)lirastisclien skal pairtluni, 
haha tisan (s. 93.) 



verbuni. iempus. ftil. 570 

3. goth. sJiuIan (skulim) umschreibt im goth. fast noch 
niemals das gr. fut. , es wird für dsh' , offsi'/.nv und /tu-).- 
luv , freilich nah au das fut. slreilende begrilfe gebraucht, 
oder enlsj)richt auch jenem habau; ik skal briggan i^Ca d'ei 
uya.yüv Joh. 10, 16; saei skulda cjviman o jitiX}MV l'Qyj>- 
o&at Älatth. 11, 14; andere belege sind s. 92 niilgelheilt. 
Indessen enthält eine merkMilrdige stelle unleugbar die Um- 
schreibung: h\a skuli lliala barn vairlhan %(. lcqu tü tiui- 
öiov tovTO earai; Luc. 1, 66. 

Dieses skal ist nun auch in alle übrigen dialecte ver- 
breitet und unsere iilteste art das fut. zu bezeichnen, sein 
langsames um sicli greifen seit der goth. periode verdient 
beachlung: noch K. Is., die glossen, meiden das hiUswort, 
T. meistentheils. waz sculum wir tuon 13, 16 ist nicht 
faciemus, sondern quid debemus facere , ^vieJScal drawen 
K. 21^ debet arguere. nur T. 4, 6 übersetzt scal sin eih, 
und 112, 25 trincan scal bibiturus sum. Ileichlicher zeigt 
sich die pcripiirase bei den dichtem, im nuispilli: scal 
(jiieman 36; scal stanlan 39; scal [jivallan 50; scal arsten 
87 ; suonnan scal 90. bei 0. : thu scalt heran I. 5, 23 ; 
muater scalt thu wesan I. 5,22; ili scal tliir sagen I. 5, 43; 
er scal gimuntun I. 5, 51; scal diuren I. 7, 3 ; ih scal sa- 
gen I. 12, 9; ir sculut findan I. 12, 17 u. s. w. Aber aus 
der prosa bei N. wird es schwer viel beispiele dieser xnn- 
schreibung aufzuNveisen, sie bedient sich, wie vorliin ge- 
sagt wurde, lieber des allen präs.; nur die participiale 
wemUuig erarmen sulendev Ar. 22 lülut den belielf heibei 
oder der conj. wio ili tib heilen sule Blh. 36 ;r doch auch 
im ind. sol ih tili luchcnun. W. der auch noch das präs. 
braucht (wir sprungezen unte frewen unsih, exultabinuis 
et laelabimur 7, 8; ih skenkun dir, dabo tibi poculum 69, 
18; lunbegriphet null amplexabilur 11, 27) hat scal ih mili 
unlerwintan 42, 18; scal ih mih geloiban 42, 24. 

Desto häufiger erscheint scal im alls. llel. : scal dhilan 
4, 12; ödan scoldi werdau 4, 11 ; scoldi gisld wesan 4, 
14; hebbean scoldi 4, 17; scalt sprekan 5, 17; scalt wesan 
8, 8. 11; scalt fodean 8, 12; scal cuman 8, 19 u. s. w. 
Auch Wiggerts spätere psalmcn haben j). 5. 7 sal geereii 
(glorificabo) sal ervullen (ostendam) salin verNverlhen 
(peribunl). 

Ags. ist sceal seltner in R. und gern noch in der bedcutuug 
von oportet, debet: sceal gevircean 39; sceal vesan 541; 
futurisch aber sceal (jetholian 6211; sceal frelan (vorabil) 
6223. Viel öfter begegnet die Umschreibung in C. z. b. 

IM 2 



j 80 c'uifacliev scitz. 

sccall tredan (calcabls) Sn, 2; sccall claii (niandiicaljis) 
jfi, 9; ficeall vcsaii (cris) 50, 2'J ; scealt succan ((jiiaoies) 
57, 12; svellau sceall (niorleris) 57, 35. von jjrosaislcn 
nmle icli iiocli oll das ])räs. slall des liil. gebraucht. 

Ganz gelaiifii; isl die inliil. imisclireibiiiig : sol dienen 
Nib. töO, 4; sol lielfen 161, 1; sol iilon, sol füpren IGl, 
3; ich sol erzeigen 1404, 4; icli sol sagen Tit. 32, 4; ich 
sol Sin i'arz. 362, 1; sol gcAviinien 363, 9; icli sol mich 
arbeiten 371, 27; sul wir beide gen 458, 16; nu snlt ir 
gaben 512, 22; ich sol dich innen bringen 567, 9; sol ich 
mich bewarn 572, 27; ich sol lian 625, 2; ir swlt jicnien 
war AAh. 17, 15; er sol geschehen Iw. 4230; sol sin 4220; 
sol ich ligen 4224; ir sull lazen Wigal. 376; siilt gern 423; 
siilt btlen 499; sol ich bewaclien 'lioj. 17144 ; sol ich wen- 
den Troj. 18685 und uiiziibllgemal. daneben bebalt aber 
aiicli sol seinen ursprünglichen nachdruck, z. b. si sol sich 
!aii gerluwen Ms. 1, 1*^, wo es verpllichtung und Verbind- 
lichkeit bezeicliuet. 

l'^heiiso mnl. , einige bcispiele aus Floi-is genügen : seit 
hören 43. 89. 246; ic sei beghinnen <S8 ; ic sal doen 299; 
Jii sal weueu 452; sal ic brekeu 714; ic sal mi doden 
1204. 

Wichtig ist nur zu bemerken , daß in der engl. nnl. 
und nnd. spräche diese lunschreibung sicli beliauplet, in 
der nbd. aber wieder fast verloren hat. dem engl. I shall 
be, nnl. ik zal zjn, nnd. ik schall wesen stellt kein nlid. 
ful. ich soll sein zur seitc; unser soll hat meistentheils die 
beslimnitcre bedeutung von debeo oder nie oportet. 

Auch die schwed. und dän. spräche bilden ihr fut. fort- 
während mit skall und shul ^ nachdem es schon im altn. 
üblich gewesen war: sl^ul rädha Smiw. 40*; heill skaltii 
vera das.; thu scall geta 40''; skal vera das.; sculo um gela 
60^; scolo binda 67*; scaltu ganga, sitja 84''; gneypa sculo 
85 ; scaltu segja 68*, obgleich noch zuweilen, wie in dem 
letzten beispiel, der sinn bestimmter ist. 

4. Das golli. vifjau drückt den begrif des wollens aus, 
der sich nie in ein bloßes fut. verliert, auch übersetzen 
die früheren alid. cjuellcn noch kein lat. fut. durcli solch 
eine Umschreibung, doch ilir beginn Uitk sich bei 0. nicht 
verkennen: nu tvillih scrihan I. 1, 113; Avillih hiar gizellen 
1. 3, 45 ; willih irzellen 11. 9, 3 ; w illih widoron 111. 12, 42 ; 
^yttlih Irewien niih III. 23, 51. ebensowenig bei W. : wir 
ue wollen nieht vergezzau 7, 11; wil ili gehuchcan (com- 



verhujn. iempus. fat. JSl 

nieniorabo) It, 25; wil Ib neniau 23, 8; Avil ergcban 69, 
l.j 5 wil skeinan (ostendani) 69, 23.' 28; ^vile ih singen 
(cauam) N. Blb. 117. bestimmter sind folgende wollen: 
Avili werpan liild. 39; ni Avili lirn^n' (non velit legere) K. 
49'^; wir wollen giseliau (videre voliimus) T. 57, ,1 ; ne 
wilc du boren (si non vis audire) N. ps. 49, 7. 

IMlid. bäufen sieb die falle der iimscbreibnng nocb 
mebr: %vil icb ebenmazen (comparabo) Diut. 3, 67; wil 
icb niicb reeben 3, 75; wil icb nemen Nib. 49, 4; 
die tvil ich in nennen Nib. 139, 1 ; so wil icb riten u. 
wil der warte pflegen Nil). 178, 1. 2; icb wilz iu sagen 
Nib. 344, 4; oucb wil icb nibt engelten Iw. 213 ; icb wil 
enpfäben ]Ms. 1, 6^ Wigal. 296; wil icb morgen boInWigal. 
291; die wil icb iucb wizzen lau Wigal. 361. Zuweilen 
folgen beide anxiliare aufeinander z. b. Kp unti gnol, t!re 
und leben wil icb bie bi dir wAgen , gevorscben nocb ge- 
fragen sol icb ze lande uiemer TroJ. 17165; icb sol unde 
%vil gedienen Iw. 4787; die wil icli reeben, sol icb leben 
(ulciscar si vivam) Wh. 194, 18. Es leuchtet ein, daß 
abd. wie mbd, diese Umschreibung eigentlich auf die erste 
person beschränkt ist, dejui nur wer von sich selbst redet 
ist seines entscblusses und willens so gewis , daU er eine 
künftige bandlung zu melden vermag. von der zweiten 
lind dritten person gebraucht bleibt wollen bei dem bloßen 
ausdruck des willens stehn, die volle Sicherheit des gfschehen 
Werdens mangelt , z. b. ir weit wizzen kann nicht bedeuten 
scietis, nur scire vultis. Nhd. wird indessen er ivill kom- 
men wol auch auf den begrif.von veniet übertragen, wäh- 
rend du willst konunen kaum liir venies, sondern für du 
bist gemeint, willens, zu kommen gilt. 

Alle übrigen deutschen dialecte beharren bei der be- 
stimmten bedeutung, z. b. das ags. biddan ville (rogare 
Yolo) B. 849; he ville etan (vult cdere) B. 878. So steht 
auch das franz. je veux niangor ab von je mangerai. 

5. Die nhd. spräche , und sie allein unter allen , pile^t 
das ful. durch werden zu umschrelbeu; die rein ndid. 
kennt noch kein solches auxiliar, was man auch so aus- 
drücken darf, sie conslruiert werden (den s. 7 und 92 be- 
bandellcn, seltnen fall ab<;procbnel) nie mit dem inf. der 
zeitpunct, wo dies nhd. futurische werden aufkam, nud^ 
für den gellen , wo die organische uml bessere \unscbrei- 
bung durch sollen in abgang gerielb. gewonnen ist nicbts 
dabei, sondern verloren , weil die passivumscbrcibung schon 
überflüssig viele werden iu \uisere rede bringt, und ab- 



Ig2 eiiij\icher huIz. 

wccliselung zwischen nvoihIcm für das präs, pass. uiul sol- 
len lür das liil. act. fi iihcrliiii günstiger war. viollciclit 
lial jene passivnmschroibuiig aber aiilal\ da/.ii gegehcn:' das 
unischrlelMic piiis. pass. miisle alid. und nilid. /ngleicli lür 
das fnl. dienen, z. b. abd. Avirt lerloren (periblt) N. ps. 1, 
6; werdcnt lerliligot (pcribunl) 10, 16; irlusct wlrdo (eri- 
j)ia!) 17, 30; ebenso kann das nihd. wirt verlorn perditiir 
inid pcrdelur aussagen, wirt gegeben dalur und dabilur. 
die spraciie gcrictb darauf, aucli statt des pari, priil. iiass. 
den acliven inl". mit Averden zu conslruiercn und wird ijt- 
hen für dabit zu setzen. Das fiit. pass. nabm dann ein 
steifes wird (jecjeben xverden , dem man gerne ausweicht, 
an. Doch darf auch das wart mit dem inf. (s. 7. 92), 
schwerlich noch jene neigung des golh. vairtha für den 
sinn des fut. (s. 177) in anschlag kommen. Lbrigens um- 
schieiben Lutlier, H. Sachs und Fischart allenthalben das 
lul. mit werden luid schon vor ihrer zeit muli es längst 
bei uns einheimisch gewesen sein, es ist, wie ich glaube, 
allmälich in dem 14 und 15 )h. aufgekommen, in des Cunr. 
V. Dankrotzh. nanienb. p. 127 liest man xvirt sicli mereii 
(augebitur) ; in Wackernagels leseb. folgende beispiele : wirt 
geben 70,5, 20; wirt ligen 706, 8; werden richten an 706, 
13; wird gießen 771, 27; wirt liindern 782, 3; wirt ergen 
782, 10; wirst nemen 784, 37; werde sciielten 784, 39. 
um gleiche zeit hatten sich freilich aucli die constructionen 
des ward mit dem inf. gemehrt : ward nemen ^yackex•u. 
777, 21; ward bezwingen 776, 24; raten wurden Trist. 
2297 , doch sind einzelne beispiele dieses ward älter als 
die ersten des wird. 

In der bedcutung findet allerdings ein unterschied statt 
zwischen den drei nhd. w^eisen das fut. mit soll^ will und 
werde auszudrücken, quid faciam ? kann nicht wol anders 
lauten als was soll ichthun? wollen bezeichnet mehr den freien 
cnlschluß, sollen das imperativisclie futurum (s. 85): du 
sollst warten (exspectabis); werden mehr die reine, ab- 
stracte zukunft: das wird geschehn (eveniet.) wollen sagt 
vorzüglich der ersten person zu, sollen der zweiten, wer- 
den der dritten *): insofern liat die nhd. spraciie den begrif 
der Zukunft genauer erschöpft als eine der übrigen, doch 
in nicht wenigen fällen stellt freie wähl zu unter allen, 
z. 1). (jnld taudem de te fiet mag heißen, was soll oder 



•) hierzu stimmt freilicli das engl. fut. nirlit, welches von dem 
defectiven sollen nur die erste person, von wollen die zsveite und 
dritt*; liildet. 



verhiun. tempus. fut. Ig3 

uiU oder wird aus dir werden? Luther schreibt statt 
wird werden lieber will werden, soll aber ist am meisten 
beschränkt: cras veniani haßt sich nur ausdrücken ich will 
oder ich werde koininen, nicht ich soll, amabo te, oscu- 
labor te ist nicht anders zu übersetzen als ich will dich 
lieben, dich küssen; dagegen muß man sagen: ich werde 
dich lieben und wenn du mich hassest, eine Unterschei- 
dung, die das nnl. ik zal beminnen nicht erreicht. 

Die mhd. spräche liebt es, zuweilen mit dem innschrieb- 
n^n fut. unnnllelbar das fuluiische präs. zu verknüpfen, 
z. b. ir siilt morgen kumeu her u. holt den gürlel \^ igal. 
300, was in der lehre von der consecutio lemporum noch 
näher auszuführen bleibt. 

6. Bis liierher ist die lunschreibung eines conjunctlven 
■pr'ät. zu behandeln aufgespart worden, deren volle erledi- 
guiig erst dem dritten abschnitt anheim fallt, da sich aber 
dieses tempus mit dem fut. berührt, so bemerke ich folgendes. 

Wie luisercr alten spräche für das lal. imperf. und 
perf. ind. nur ein einziges tempus der veigangenheit zu 
gebot stand, drückte das golli. V(?sjau, qvenijdu, gutjau 
beides aus, essem und fuerim , venirem und venerim, fun- 
derem luid fuderini; ebenso das ahd. wari, cpu'imi, ktizi. 
ja sie dienten auch für fuissem, veuissem, fudissem (s. 149), 
doch püegte der dirccle begrif des lat. perf. conj. durch 
das deutsche präs. ind. wieder gegeben zu werden (s. 147.) 

Nachdem die umsrJiriebnen pralerita eingang gewonnen 
ballen, verrückte sich der gesichlspunct. das mlid. ich si 
gewesen, ich habe gegozzen entspracheii ilem fuerim, fu- 
derim , icli wiure gewesen, ich h;ete gegozzen aem fuissem, 
fudissem, wie im ind. bin gewesen, hau gegozzen dem fui 
und lüeram. aber weder was und göz hallen sich in die 
hedeulung des lat. eram, fundebam, noch wfere und güzze 
in die von cssem inid lünderem euiengenlasscn , sondern be- 
haupteten ihr alles recht auf das perfcclum fort. im ind. 
entsprang nun die rcgel, daß was, goz neben dem iiiipi'ii'. 
auch das aoristische perf. bezcichnelen , bin gewesen, habe 
gegozzen die absolute, fast wieder als jjräsens eisclu-iiionde 
vergangenlicil; dabei sland die Unterscheidung zwischen 
imp. und aor. im naclitheil, die zwischen aor. und perf. 
imvorlheil, und da für das lat. eram, fundebam, fui, fudi 
nur eine form was, goz orhanden war, spallelcn fui um! 
fudi sich in zwei formen: was \\i\d bin gewesen, goz und 
han gegozzen. die franz. und alle roman. sprachen über- 
treü'en hier die deutsche und lat. durch ihre drei Icmpora 



184 e'uifdclier safz. 

fc'lais, jo fiis, j'al il6 , j« fondais, jo foiidis, Tai foiulti. 
War abei' liir den ijid. die unlersclieidiing zwischen aor. 
und perl", wicliti^er und wcsentlicJier, als zwischen iuiperf, 
und perf. , so niuii sich das bei dem conj. umdrehen, wo 
wenig zu erziilden , aber an schärferer bebliinmung unvol- 
lendeler und vollendeter veigangeidiell gelegen ist. unser 
■Nva,'re und güzze koniile liir das iniperl. niclit ausreichen, 
tun so weniger, da (birch unmäßige abnulzung der form 
des conj, präs. übergrilfe des einfachen präl. in das präs., 
was zu entwickeln hier der ort nocli nicht ist, unvermeid- 
lich wurden, es kam also zu einer neuen umsclireibung, 
vermöge wcichei* alle jüngeren deutschen sprachen ihren 
conj. um ein tcmpus reicher maclien, als der ind. ist. 

Das priit. conj., worauf diese bclrachtung gelenkt ]iaf, 
führt in den romanischen granunaliken den namen des 
coHtlilionalen. nur zum theil entsprechend dem lat. imperf. 
conj. stellt es dafür in entschiedner analogie des fut. 

Auch in unsern sprachen dienen eben die das fut. bil- 
denden auxiliarc zu seiner Umschreibung, und im begrif 
trift es ganz zusammen mit dem roman. conditionale. es 
kann nicht früher aufgekommen sein als das periphrasti" 
sehe fut. 

Zuerst wurde es mit sollen gebildet, und so geschieht 
es noch in allen dialccten, die sollen für das fut. verwen- 
den, das franz. j'nimerais wird nnl. gegeben ik zoiide be- 
minnen, engl. I should love *), schwed. jag shiUe älska, 
dän. jeg shiilde elske. nicht anders mhd. ich sohle min- 
nen , und so selir häufig: wesen solde Iw. 1142; sich wem 
solde Iw. 1005; solde pflegen Iw. 1660; daz soldich ^ bc- 
warn Iw. 2922; wer solt iu des gnade sagen? Iw. 2276; 
u. s. w. daneben aber auch mhd. ich wolde minnen; ich 
woldez clagen Iw. 40; er wolde komen Iw\ 903. 910. 
ein mhd. würde nüt dem inf. ist bei den dichtem des 13 
jh. ebenso unerhört als das präs. wirde zur Umschreibung 
des fut.; im 14. 15 jh. begegnen einzelne beispiele: tvür- 
dent schätzen (aestimarent) Ls. 1, 15, und im 16 jh. steht 
würde sagen in der spräche fest Avie werde sagen, die 
bei dem mangelnden undaut an solUe and woUte weniger 
deutliche conjunctive form ist an würde unverkennbar; es 
muü dannn als ein conjunclives teujpus, nicht als ein in- 
dicalives betraclitet werden '■'*). 



*) in zweiter und dritter person wouhJsi , would (s. 182). 
**) aber ein eignes tempus (nur keine conjuaationsform) bezeichnet 



verhnm. tempus. Jiit. j|g5 

Dei' bedeutung nach trift es, zumal iti der früliern zeit, 
uocli ganz mit dem eiufachezi prüt. couj. zusammen, dns* 
inlid. disiu zuht (jiencje billicher über micb Iw. 1678; vor 
im geniese niemeu Ben. 380 '*') eutspriclit eiuem nlid. würde 
ergehu, würde genesen, obgleich wir auch noch heute das 
einfache tempus brauchen dürften , wie schon nihd. halte 
gesagt werden können : sohle ijän. beide tempora, das 
einfache und umschriebene, concurrieren den umständen 
nach so, wie im ind. gieng und ist gegangen. nur hat 
gieuge weitere ausdehnung und lüüt sich in vielen fällen 
gar nicht durch würde gehn vertreten, während für letzte- 
res meistentheils auch jenes stehn kann. Namentlich ge- 
bührt dem conditionalen würde gehn, Avürde lieben nie- 
mals optaliver sinn , und dadurch unterscheidet es sich 
von der passivumschieibung des piät. conj., die durchaus 
nicht mit ihm auf gleiche linie zu stellen und viel friiJier 
in der spräche gangbar gewesen ist. würde iif (fetdn (ape- 
riretur) Iw. 1264 und dergleichen findet sich allenthalben 
im 13 jh, und früher, niemals xvilrde iif tnon (apeiiret) 
und beider umschreibimgen Ursprung ist ein andrer, würde 
aufgelhan erfüllt ganz die rolle des prät. conj. mid gilt 
auch optativisch; ein passives conditlonale verlangt weitere 
Umschreibung durcii : würde atifgethan tverdeti , luid erst 
dieses steht dem activen würde auflhun parallel. Hieraus 
ergibt sich zugleich, daß würde aufthun kein bloßes in 
den conj. gesetztes ward aufthun sein kann, wie sich denn 
auch diese indicative Umschreibung in der spräche nicht 
behauptet hat. 

7. Das sogenannte fut. exactutn unterscheidet sich von 
dem gewöhnlichen iiidicalivcu fut. dadurch, daß es mit 
dem prät, des inf. umschrieben wird, sobald die s. 180. 181 
gegebnen mhd. beispiele von sol, solde, wil, woltle fulu- 
risch stehn, bilden die hinzugefügten Umschreibungen des 



diese unisclireüjung so gut als die des fut. Adelung hat inconseqiient 
ein fut. icli werde lohen aufgestellt und kein prät. conj. icli u-itrde 
lohen (ielirgel). 1, 781. 782.) soll ein paradi-iina rlie tcnipiisbcdeu- 
tuiigcu darstellen, so fordtMt jede periplirasi; imlnaiinie, die iiir liills- 
wort aus seinem eigenlliiiniliclicn .><inn in den nlijieineint ren , h\o[\ teni- 
porellen versetzt, icli niöclite loben, künutc loben, gcliüren darum 
niclit ins paradigma, obsclion sie zuweilen das bloße laudarem aus- 
drücken. 

*) 'gl. ^'"' Troj. 14239 = erwälilen würde oder erwählt hätte, und 
noch vielmehr ahd, beispiele: so ne slunchc iz (würde es iiiciit stin- 
ken) N. ps. 5, 11, 



18'3 e'uijarher sulz. 

jtrlit. iiif. (Inmil ein fiil. cxnflmii. dnz «ol [rli l).-iMe liAri 
t;"Soil (dixfMo.) iilid. icli •wurde gf'VNuseri soiii Mticio ; ich 
werde gulichl linhpii (aniavcro); setzt man die liilfsveiba in 
den conj. so erwiiclisl ein zweites ronditionale : ich ^^ij^de 
i;ewesen sein, icli würde gelieljt liabon , das mit der nin- 
schreihiing des ])his([. ich -wäre gewesen, icli hätte gflichl 
concurriert, wie icli wäre mit ich würde sein. Die noch 
lastigeren passivumsclireibungen: ich werde geliebt worden 
sein (amatus fuero) finden sich mehr bei den gramniatikcrn 
als in der spräche. IMlid. wird dafür, vorllieilhart , das 
umschriebne fyr'nt. ind. verwendet, z. b. su Sit ir schiere 
ffeler/eu (so w^eidet ihr bald unterlegen sein) Iw. 5016; 
daz /tat man schiere gesehn (das wird man gleich geschn 
Ilaben) Iw. 4988; daz ist schiere (jetcin ^ dcist getan Iw. 
243 (factum ci-it) *). denn da. wie schon Ben. im wb. zu 
Iw. s. 176 angemerkt liat . das ]-)räs. oft unser prät. er- 
setzt, so muß auch das zur umsclireibung des prät. ge- 
brauchte ist und liat crit und habebit bedeuten dürfen, 
das adv. schiere, oder ein ähnliches, weist auf die zukunft 
hin. Auch noch nlid. imler dem volk: das liat man bald 
getlian, das hat er bald ausgestanden (oben s. 158.) 

8. Zu vergleichen , wie die romanischen sprachen bei 
umsclireibung des fut. zu werke gehn , hat ein besonderes 
interesse, und neuere Untersuchungen sind darauf gewandt 
worden , sie zu beleuchten **). 

Man gewahrt leicht, daß das franz. aurai und serai 
keinen Zusammenhang mit dem lal. habebo und ero haben, 
vielmehr erscheinen ausnahmsweise nach allfranz. und pro- 
venz. die formen er, ert als Überreste des organischen fut. 
ero, erlt (Rayn. 1, 277. Reimnitz 56 ff.) an dessen stelle 
sich allmälich überall das neue fut. diäiigte. Dieses wird 
mit dem inf. und dem hilfswort avoir umschrieben, welche 
beide in der älteren spraclie noch zuweilen getrennt vor- 
kommen, gewöhnlich aber verschmelzen sie , für küi'ze 
des ausdrucks und wollaut ebenso günstig wie prapos. und 
pronomen bei der roman. decliuation , und es entspringt 
der anschein eigner flexionen. in der ital. 3 pl. ameranno 
(amabunt) zeigt sich klar das suffigierte hauno (habent). 



*) zu iiiiterscIieiHeii von dnz ist guot getan (gut zu tliun) s. 129; 
liier begleitet ein adj, dort ein adv. 

" *') Raynouard clioix 1, 71. Schlegel observatious p. 33. üiez 
|)0eSie der troub. p. 303. Reimnitz über die bilduiig der tut. und 
condit. in den roiuan. spr. Pütadiini 1835 y. 72 ff. 



verbiiin. leinpus, fnt. 187 

Gerade so ist das roiiiau. conditionale aus dem Inf. und 
dem imperf. ind. zusaniniengewacliseii , denn wenn auch 
ainierais, aiirais naher au aniarem , Jiaberem zu grenzen 
sclieint, entfernen sich esseni und serais deutlich, die ital. 
spräche zeugt aber mit ihrem perf. ebhi (habui) uocli ein 
anderes conditionale , dessen 3 sg. und pl. anierebbe und 
amerebbono wieder ihre abkunft aus ebbe und ebbono 
nicht verkennen lassen. 

Ob auch die lat. amabo und amarem aus analogen, 
älteren Suffixen vielleicht hervorgegangen seien? bleibt hier 
iinerwogen. 

Uns geht einmal die gleichförmige Umschreibung des 
fut. imd condit. an, welche zu dem verfahren der deut- 
schen spräche stimmt; dann aber die frage, inwiefern der 
goth. Periphrase mit dem inf. und haban (s. 93. 178) einlluß 
auf die romanische zuzusprechen sei? oder ob die Deut- 
schen ihre weise von den welschen entlehnten? augen- 
scheinlich ist die läge der dinge verschieden von der bei 
dem zusammengesetzten prat. (s. 154. 155), welches den 
Gothen unbekannt, späterhin um sich gegriffen und bis auf 
die jüngste zeit allgemein sich behauptet hatte, die Um- 
schreibung des fut. hingegen wu'd grade nur bei den Gothen 
angetroffen mid stirbt nachher aus, denn das spätere haben 
mit zu darf als eine entarlung gelten, der fast nie bloß 
futurischer sinn zukommt. halten die Gothen ihr taujau 
haha einem zu ihrer zeit noch mehr trennbaren roman. 
far ho ( faru , facere habeo) abgesehn , so würden sie sich 
dieser Umschreibung nicht so selten bedienen, noch weni- 
ger kann das verschmolzene und unfühlbar gewordne ro- 
man. fut. eingewirkt haben auf das hin und wieder mit 
zu verwendete haben der ahd. oder mhd. periode. Gleich 
fern bin ich aber von der mcinung dcrienigcn , die im 
roman. fut. einen gcrmanismus wahrnehmen wollen; gewis 
hat keine roman. spräche diese ausdrucksweise von i]cn 
Gothen empfangen, vielmehr war sie ebenso wie die con- 
sti-uction von habere mit dem part. prät. in dem classi- 
sclien latein begründet : *) liabeo intrare , affirmare habeo, 
haJjeo curare, mori habiüt u. s. w. wie sich nun auch 
ein gr. i'yo) (hdü^ai ^ anod'nvpai. \ovr\u(\cl , konnte die goth. 
spräche, iniabhiingig von der gr. oder lat. auf die auxilia- 
risclie Setzung ihres haha gcralhen. 



•) bei Forcellini belege penng für lial)ere mit dem inf. ; die fort- 
dnvier der constiuctioii im laleiu des MA. Iiabe icli Kciiili. s. XC mirli 



188 einfacher salz. 

9. Lehtreicli isl aucli «lie belraclihing der slavischcn 
Sprache. einer eignen llcxion iiir das int. ^Icirlilalls er- 
mangelnd bediente sie sich in der äheren zeit oll der i)ia- 
senslorni ftir den l)eyiir des Int., so jethjcli , (la(\ gern ein- 
zehie verba ini piiis. ihn ansdiiickten , das eigentliche präs. 
aber durch besondere ableitungen erreicht -wnrde. so be- 
deutet das priis. hudit ero, unterschietlen von jcsni (suin), 
in bemerkenswerlher einslimniung mit dem golh.vai'rtha xnid 
ags. beo (s. 177. 178); nicht anders dam (dabo) daiu (do) ; 
padti (cadam) padaju (cado); slaJiu (stabo) stoju (sto) u. 
a. ni. (Dobr. insl. 375.) dies greift nun in die slav. unter- 
sclieldung zwischen perfecliv und iniperfectivverbis ein, 
solche futura stellen die einmalige gleich vollendete liand- 
lung vor, die priiseutia ihnen gegenüber die fortwahrende 
(oben s. 5.) oft aber gilt, wie im goth. und alid. dieselbe 
präsensform zugleich für präs. und fut. (Dobr. 376.) 

Außerdem wurde häufig das fut. der perfecllva durch 
präfigierle partikela von dem präs. hervorgehoben, z. b. 
liju (fundo) vliju oder naliju (infundam) ; mru (morior) 
oumru (moriar) Dobr. 377; ungefähr wie das goth. giuta 
mehr dem präs. fundo, usgiuta melir dem fut. effundam 
gemalt sein könnte, nicht anders böhm. mru (morior^ vniru 
(moriar); kradu (furor) pokradu (furabor.) 

Alle diese bezeichnungen reichen aber der spraclie noch 
niclit aus, sondern sie gebraucht aucli Umschreibungen, die 
unsei'n verscliiednen deutscheu höchst analog sind, altslav. 
werden drei auxiliarla /.u dem in f. gesetzt: imam^ (habeo) 
choschtu (volo) hudit (ero), Dobr. p. 579 hat nicht genug 
ausgemiltelt, ob alle gleichzeilig, oder welche früher luid 
später angewendet wurden, z. b. imam' tschesti (legani) =: 
goth. haba lisan ; choschtu pisati (scribam) = alid. willih 
scriban ; budu djelati (operabor) = nhd. ich werde arbei- 
ten, budu dem part. prät. act. zugefügt drückt das fut. 
exactum aus: budet stvoril (fccerit); dem pavt. prät. pass. 
das passive fut.: dano budet (dabitur) , wie das ahd. kepau 
wirdit sowol datur als dabitur aussagt. 

In den jüngeren slav. sprachen erlischt die iimsclirei- 
dung mit imati, bei uns die goth. mit habau. Russen und 
Böhmen umschreiben durch budu mit dem inf. z. b. böhni. 
budu pjti (bibam) ; budu nuvjti (moriar) budu krasti (fura- 
bor). Polen gebrauchen dazu das part. prät. act. oder den 
inf. b?de pisal und pisac b?d? (scribam), Slovenen bloß 
bas part. prät. act. : bom jedel (edam.) den Serben abei' 
ist das auxiliar odschu (allsl. choschtu) verblieben , wel- 



pe. üiim. iempus. fut. ip,9 

cLes slo dem iuf. bald vorsetzen: odschu dali (dabo), 
bald nachfolgen lassen, und dann accresciert es, genau 
>vie das roniaii. ho, hai : dadschu (dabo) iniadschete 
(habel)itis) pleschdschu fplectani) pleschdschemo (pleclenius), 
so daU schein von ilexion entsteht. 



Schlußbcnierkung. Dem niangel an tempoi^alOexionen in; 
vniserer spräche -wird durch mehrfache Umschreibungen ab- 
geholfen , welche den ausdruck verlängern und ermüden,, 
übwol ihm hin und wieder^ eine feinere bestinuntheit zu 
^yege bringen. 

Die hochdeutsche mundart steht in dem vorthcil, daß 
ihre auxiliarien habe luid hin, hat und ist, wird, ward, 
tviii'den, samt dem überall dazwischen tönenden und, in unse- 
rer rede die wollaulende vocalleiler A, I, U festhalten, indem 
uiederd. heb und hen , heft und is , xverde ^ xvord, wor- 
den^ in dem schwed. hcn' \ind iir klingt dieser Wechsel 
niclit so rein, doch hätte das hochd. soll nicht dem werde 
weichen dürfen. 

Die untersclieidung zwischen haben und sein für das 
prät. scheint in der hochd. mundart mehr als in den übri- 
gen ausgebildet, welche das haben vorwalten lassen. Wie 
die slav. spräche prat. und fut. fast nur mit dem verbum 
subst. lunschreibt , überwiegt in der romanischen haben, 
accrelion zeigt sich nur in dem roman. und scrb. fut., zwar 
bei ganz verschiednem hilfswort. 

Was ich s. 139 andculcle, (die Umschreibungen, so ge- 
läufig sie geworden sind, können selbst heute den älteren, 
weiteren, auf mehrere tempora gerichteten sinn der ein- 
fachen formen (nicht ganz vertilgen. unser präs. drückt 
noch oft das fut., unser einfaches prät. zugleich imp. porf. 
und plusq. aus. Im ndid. ist diese eigenheil unscrc>r spräche 
freilich weniger verwischt als im idid.; den s. 14'J angegeb- 
nen ahd. prät. mit |)lus([uamperfiHibiHk'iilung wären viele 
mhd. beispiele zuzufügen; enbeiz (gegessen halte) Iw. C2 ; 
jach (dixerat) Iw. 622; ivwre (fuissem) 656; gesaz (sede- 
ram) 773; 6e<r«/t<e (consideraveram) 774; meinterte (lixbvi- 
caverat^ 1098 inid so allenthalben. 



j(j(j ein jacher salz. 



CAP. IV. NUMERUS. 

Das gcnus liat in unserer spräche iiieJiiim und fast aucli 
passlvuni, der modus oplaliv luid fast auch conjuncliv, das 
leinpus aber imperf. aorist und iul. oiiigehülU; aiil" ähnliche 
NVeise verliert der numerus den dualis, und bleüjt auf sing, 
und plur. eingeschränkt. 

Des dualis, welchen andere, lilterc und neuere, deut- 
sche dialccte noch am persönliclien pron. bezeichnen, ist 
am verbum nur allein der goliiische mächtig *), jedoch nir- 
gends mehr für die drille person. Da in den paradigmen 
•der conjug., zum theil aus mangcl an belegen, die duale 
der ersten und zweiten person unvollständig aufgewiesen 
sind , -svill ich sie hier genauer millhoileu , da auch an den 
unbeleglen formen die analogie keinen zweifei laut. ein 
starkes vorbuni , z. b. hilpan würde im pi'äs. ind. haben: 
hiljios, ItUjxds^ im prät. huljm ^ hnljmts ^ im pras. conj. 
hili)('ilva, hiljx'dls^ im prät. lutlpeiva, Indpeits. ein scliwa- 
clu's verbum erster conj. im präs. ind. nasjus, nasjats; prät. 
nasidedu, nasideduts; im präs. conj. nasjaiva, nasj;als; prät. 
nasidedeiva, nasidedeits. zweiter conj. hingegen: präs. ind. 
salbus, salbuts, prät. salbudedu , salbudeduls ; conj. salbuva, 
salbuts; prät. salbudedelva , salbudedeits. endlich dritter 
conj. präs. ind. liabus (I Cor. 9, 6), habats (kaum liabaits); 
prät. habiiidedu, liabaideduts. präs. conj. habaiva , habaits-, 
prät. habaidedeiva, habaidedeits. 

Sobald nun zwei personen reden (oder einer von sich 
und dem zweiten) oder angeredet werden , sieht das goth. 
verbum im dual, du imma galeithös (icli^ und der mich 
liebt) Job. 14, 23; ik jah atta meins :iin sijic Joh. 10, 30; 
svasve vit ain slju Joh. 17, 22; ik jah Barnabas ni hahös 
valdufni 1 Coi\ 9, 6; hidjös Marc. 10, 35. Häufiger sind 
belce der II dl.: du hve andbindats (ihr zwei jünger) 
ihana fulan? Luc. 19, 33; ni vUuts hvis hidjats (du Ja- 
cobus und Johannes), magutsii drigkan? Älarc. 10, 38; gag- 



*) in der altn. reflexiven 1 pl. aiif omc «glaube icli ein suffigiertes 
duales pron. zu linden (oben s. 40. 41) z. b. bädliir vi<ili cumumc (ich 
und du pferd) Sa2nt.82l}; was aber keine organisclie ile.\iou begründet. 



verhutji. numerus, pl, für sg. IQl 

(lals (ihr zwei jiniger) jah ingaggandans higilats IMarc. 11, 
2; (jafeiluits (ihr beiden inänner) tlialei (jusehviils jah </«- 
hüusidetluts Luc. 7, 22; hirjats (du Simon laul Andreas). 
afar mis Marc. 1, 17; (faläiihjatsl (ihr zwei blinden) JMatlh. 
9, 28. Man erkennt hier die Unabhängigkeit des golh. von 
dem griech. text, der im J\. T. überliaupt keinen dual mehr 
gewährt. Dem Golhen ist die dualfurnj, wie fürs pron. 
dritter person , für die dritte pcrson erloschen, darum ge- 
braucht Ulf. Luc. 1, 6, von Zacharias und Elisabet redend, 
den pl. vesun, ayo das N. T. freilich auch i^ouv hat, die 
altgr. Sprache aber rjXTjV {JjOirjv), insofern Z. imd E als 
gleichartige gatteu zu betrachten sind, haben würde, -wel- 
che form der dritten pers. dl. hiitle ^vol ein älteres go- 
thisch dargeboten? es ist schwer zu ralhen : im pras. ind. 
Yielleicht hilpal im prüf, auch hiilpii? man erwäge die 
vollständigen lillh. flexioneu. 

Da Avo nun in den übrigen deutschen sprachen der ort 
wäre zum dual des verbums, setzen sie entw. den pl. oder 
construieren das verbum zu einer der beiden personen im 
sg., z. b, alts, hvat iviUiad (pl.) gll Hei. 109, 7; ahd. hit- 
hinlet joh. hrincjet ! 0. IV. 4, 10; mhd. ich und iuwer 
kajjelai] suhl g;ui llcinh. 1741; nu sende uns, vater unde 
sun, den rehten gcist herabe! "NVallh. 6, 28; gotli. würde 
stehen sandjats. 

Soviel vom dualis. die beiden andern nximerl sind liier 
zu betrachten insofern sie sich einander zuweilen vertre- 
ten, regel ist, da(^ mit einem subst. im sg. auch das ver- 
bum im sg. , mit einem im pl. das verbum im })l. \crbun- 
den Averde. 

L phir. statt des sing. 

Zu einem Ru1)ioct im sg., welches aber an sich sollisl oder 
wegen eines ihm verbundnon adj. den begrif der meluheit 
enthält, hann das vcrbiun im pl, couslruiert woidon; nolh- 
wendig geschieht es nicht, sondern häulig bleibt auch das 
verbum im sg. Folgende einzelne fälle: 

t. nach collectlveu f wie sie gramm. 3, 472-476 ver- 
zeichnet slehn. 

goth. setun bi ina wanarfei }y.uO)Tn (r/loi; r/fo/ axiov 
Marc. 3, 32; usgaggandoi alla mancnjei dnguuiiiin bidjan 
dvccßoijaas *) o 'öyj.og i^q^uio cctTüo&ai IMarc, 15, 8; alla 

*) so las !»l)er Ulf. nicht, vielmehr fO'(!,?i<c. was auch Lnclmi. auf- 
nimmt; vulg. cum asceudisset, nicht cxolamasset. 



J92 eifij'dvlicr salz, 

inanaffei sokldedun allekan iiniiia -^rr.,; o öyXos O,"^** 
(CTiriaOui UVTOV ^Mc. 0, 19; all nianayeius {p^cu. 8g.) 
iddjedun du ininia nüg oyj.os 'i'-ir/eto nrjcQ uvxöv iMarc. 
2, 13; galcsuu s\k du imma manageins (gen. sg.) ßhi avv- 
r//')ij uüos uviov ö'/los •no'/.v^ iMarc. 4, 1; (jn(p)ihmin 
sik matKitjclns JIIh avvty/Ot- ö/Xoc: 7io///^ jNIarc. .5, l'l; idd- 
jedun alar imma uianatjeins ßlu jali thraihiin iiia )'jy.o'/.or- 
S-ti uvio) ö. 11. y-^u owitlhcJov uvxuv INlarc. 5, 24; ziinial 
bemerke man einige stellen, die zum collecliv noch ein 
aiicli in den pl. gesetztes part. priis. fügen: alla manmjci 
uüsidlwnnduns ina usjeisnudcditu irric 6 oy/.os id'ojv uv- 
'lov {Irfyuiidijdr] Marc. 9, 15; ulls hiuhma vas manageins 
heldundiiHS '") näv to nh~&og 9';v lov luov icoos^vyn- 
turov Luc. 1, 10; und diese part. slelin im masc, Aveil 
maus (homines) zu subintelligieren ist. Nun aber auch 
beispiele, daU Ulf. den sg. des lextes liitU : varth managei 
liarjis himinakundis eyevsTO nh';&og öTQCiiiüg ovouviov 
Luc. 2, 13 (hier bei engehi wäre der gedanke an menschca 
luipasscnd gewesen); usdribana varth so managei i^tfjh'j'd'tj 
6 öylo^ iNlalth. 9, 25; gaiddja sik managei ovvioyejuc 
oyXog jMarc. 3, 20. Wo managei oder hiuhma schon im 
gr. texl den \i\. hat, behalt diesen der Gothe bei, 
dann ist aucli der pl. des verbums ganz in der Ordnung: 
laislideduii afar imma jumjons managos 7Jy.o).ov&?;oc:r 
avTiö oyXoi noV.oi IMatlh. 8,1; manageins bihvai'rband 
thuk oloyloi ovviyovoi oe Luc. 8, 45; gasaihvandeius 
than manageins öhtedun tdövreg öe oi öylot i&avinaauv 
Matth. 9, 8 und hier muü sich das part. nach dem Aveib- 
lichen manageins richten; garunnun liiuhmans managai 
luiusjön ovi'iiQyovio oyXoi noX/.oi dxovetv huc. 5, 15; mith- 
iddjedun imma biuhmans managai ovveTioosvovTO aino) 
'öyXoi nolloi Luc. 14, 25; gadraiihteis galaühun ina oi 
OTQuimrat anr^yuyov uviov IMarc. 15, 16; gaqvemun sik 
aftra manageins du imma ovfinoQevovrai ncUuv öyj.oi iioog 
uvTOV IMarc. 10, 1. 

Wie managei darf auch hairda den pl. bei sicli liaben, 
und dann ist schweine, schafe u. s. w. zu verstehn : ruu 
qavaiirhtedun sis alla so hairda ojQjinjGs nüaa f] uytXrj 
Matth. 8, 32. dagegen steht im sg. vas hairda sveine 
haldana, rann so hairda IMarc. 5, 11. 13, und rann so 



*) man wird wol hidjamlanx zu lesen liaben (viilg;. omni.s imiiti- 
fiulo populi erat oratis); beiciandans konnte der Schreiber irrig setzen, 
um es auf den gen. manageins zu ziehen. 



verbum. numerus, pl. für sg. j[03 

vrithus , jah afhvopnodethin vjQ/iiTjGev y ayih] , y.ui 
dnsTiviyyj Luc. 8, 33. 

Alid. beispiele der construcllon Labe ich nicht aufzu- 
weisen, bei meuigi und heri stellt das verbum nur im s°.: 
al thiu menigi was thes foJkes betunti T. 2, 3 ; fuar imo 
- ingegini niichil woroltmenigi 0. III. 6, 8 ; iugegini imo 
fuar unfirslagau heri 0. IV. 16, 17 j thö quam eugilö heri- 
scaf, himilisgu nienigi 0.1.12, 21, wiewol oft ein folgen- 
der satz pron. adj. oder verbum in den pl. überträgt, z. b. 
uze stuant ther liut ihar , was Sie fdu wuntar I. 4, 71- 
nienigi , sus alle singenti I. 12, 22 ; tho fleiz thara ingegini 
thiu michila menigi, zi kuninge sie nan (juatlunW. 4,17. 

Im alts. Hei. aber begegnen mehrmals plurale bei den 
collectiven ihat werod, that folc und thiu heri. hidiui 
allan dag that werod 5, 22; su ivrofjdnn ina mid Avordun 
%verod Judeono 160, 5; %verod Judeono saijdiut 163, 6" 
Tverod Judeono cfvipiiu thu an thene godes sunu, grimma 
thiodn , hatandiero hop , himrhun ina umbi muclag manno 
folc 150, 4; thu wurdun thes so malsca mudag folc Ju- 
deono 150, 12, hier ist das adj. mudag mit folc construiert, 
der nom. pl. masc. nialsca auf Judeon bezogen; wurdun au 
forhlun folc Judeono 148, 5 ; thiu Aeri Judeono hahdnn thia 
aramiui man gispanana 163, 28 ; vgl. 12, 22. 19, 1. Auch hier 
darf der sg. slehn, z. b. that werod ni mahle antstandan 148 
7; sprikid that werod 134, 14; gern hat das erste verbum 
den sg. , das im nächsten salz folgende den pl.: werod si- 
thude thu, anlhat sie te Crisle kuniana ivurduii 147, 9- 
bigan thia heri Judeono, Lhcii folc fragoian , thar sin im 
fora stuodun 163, 26, in diesen beiden letzten stellen ist 
freilich ein plur. pron. sia eingeschaltet, von welchem der 
pl. zunächst abhängt, es kann jedoch untei'bleiben : thar 
thiu menigi slud , ni tveldun an that hüs cuman 158,3; 
than stuod thiu wrellia thiody Judeoliudi, endi wurrun^ 
wo wieder der pl. liiuli eingeschoben sieht. überhaupt 
nuifi der parallelisnius dieser allilcrativeii jjüesie durch zwi- 
schcnwörtcr den verlialplur. noch leichler herbeiführen. 

Ags. beispiele mangoin mir; C. 218, 25 steht der sg. : 
ihät verod gef^n-; und R. 1841 niedusltg gemäl niagdha 
liuse (callem nudsi emetiebatur virorum cohors, i. e. Sym- 
posium ailiiO, huse ist nz golh. hoiisa. 

IVlhd. plurale bei her und diet j^ind gowis nocli niehr bei- 
zubringen als: hin von tkn zinneii vielen uiul qiihlen zuo 
den kielen daz hungere her Parz. 200, 7; Idl genesen 
übeliu diet dise magct ! Iw. 5178. sonst steht,, auch 

N 



J94 einfacher salz. 

der sg. : ob im ßn/. ^^ll)»^ liers ein <luot Parz. 353, 7; da 
ist der doi f\vii)i' ein inicliel liiimu! f5cn. 394. 

Wenn bei doiii subst. /t/> , ^velches, wie dor fol_:;('iide 
abscliiiill zeigen wird, niclil seilen das persünb'cbe proii. 
verlrill, ein tjen. pl. slelit, so kann auf diesen das vcr- 
buni bezogen gleichlalls im pI. geselzt werden: ju miiosten 
Sin cnkelleii vil giiotcr wjgaiule ///> jNib. 943, 4; mit ir 
hörnen ln:iliclie vil maucges guoten recken l/'p iNib. 1243, 
4, wo zwar der gen. .sg. , aber mit beifiigiuig des adj. 
jiiancc stellt, in dieser stelle lesen jedocli ilie meisten liss. 
](om , und so findet sicli auch dor sg. in folgenden: daz 
inuoste s?t beweinen vil nianeger juucvrouweu lip Nib. 
1648, 4; daz unser viude Kp müge des engelten Nib. 2165, 
2 ; einen beleg aus Liclitensleiu , samt allen vorigen stellen, 
tbeilt Lachm. zu INib. 1243, 4 mit. 

Nhd. dürfen wir noch mit menge oder häufen , ziunal 
bei liinzugeriiglem gen. pl., den pl. des verbiuiis verbin- 
den: eine menge menschen (jienyen vorüber; ein häufen 
leute hohen die rede mitangehört; auchwol: eia schtvarni 
bienen sind vorübergellogen. üblicher sein mag der sg. 

Diese lebendige construction , welche in grammalisclier 
einheit die Vielheit des begrifs erfaUt, begegnet auch in 
den meisten übrigen neuen und alten sprachen, .«o folgt 
zu dem provenz. gens (volk) der pl. : amor blasmon fola 
gens (Rayn. choix 1, 336.) Hatte das N. T. in den ange- 
lülirten stellen keinen pl. mehr, so kennt ihn die gr. 
spräche *) bei coUectivis sonst genug: ojs (päüuv ?; tt ).'>;- 
■ß-vs II. 2, 278; ?uc6s 'yiyi'-iwv neiaovTcii 11.23, 156; 
yaiQ€T£ ylvyxijos y^vo'; Hes. scut. 327; sogar im abso- 
luten casus: rov otÖXov TileovTOiv Demoslh. jMiil. j). 86 
Spald. Lat, inde pars per agros dilapsi, pars urbes pe- 
Uint fiuilimas Liv. 5, 40; pars in frusta secant Aen. 1, 212; 
pars adilus xirhis ßrmetit Aen. 11, 466-, magna multitudo 
coHvenerant ^ quo ruitls geneiosa dotnus? Ovid. fast. 2, 
225; unde tuum potant naxia turha merum Prop. III. 15, 
2S. auch hier kann das erste verbum im sg. , das zweite 
im pl. stehn : pars stupet — et molem mirantur equi Aen. 
2, 31. gleichviel ist, ob das collectivum dem vei'bo vor- 
angehe oder folge. 

2. Kühner noch ist die construction, wenn der pl. des 



*) auch noch die jüngere; in der bonner aiisg. des Agatliias p, 418 
sind collectiva singolaria sequente praedicato ubiqiie fere plurali ge- 
sammelt. 



verhum. numetus. jjL Ji'tr sg. 195 

Viei'bums sich auf die in dem adj. nianec nebeu einem 
subst. enlhaltne mehrheit gründet. 

jnbd. da liefen uude (jiencjen tnanec wei'der man Parz. 
7.5, 4; manec riler kurleis die küngin huiit mit ziibten 
bräbt J'arz. 797, 14; \il inmiic ungetoufter gast haut ir 
zoi'u bie nibt gespart "Wb. 264, 5. diesen pl. zeigt dann 
aucb ein naclifblgender relativsatz : «janec ^vol geriteii 
templeis, die tvären so kurteis Parz. 792, 21; do wart 
vianec clariu liant geAvunden, daz si heguiiden kracben 
Wb. 152, 5 ; icb gedenke an m(mi(jeti Avünecliciien tac, 
r?ie'mir 5m« enpfalleji Waltb. 124, 15; vgl. Nib. 25, 3. 31, 3. 
96, 2. docb idie meisten dicbter cntballen sieb der pbirale, 
uamentlicii construiertjHa^tmä^in zu manec nu^ den sg. 

3. Wenn das mbd. proBomcn neutr. swaz (quodcunque) 
noni. ist und einen persönlicben gen.pl. bei sieb bat, kann 
das verbum im pl. steliü'j- sjuaz, mit al den fiirslen riter 
sint Wh. .185, 3; sivaz -der lebende sint Ms. 1, 149^; 
rswaz hie "vvei-der liute sint Parz. 761, 18; swaz beiligen 
sint bie Aw. 3, 162; sivaz der von 8t. bie sin, die snln 
warten dem vanen diu IVab. 537. wie die letzte stelle 
den pl. zugleicb im relativsatz folgen JälU, stellt sonst aucb 
bei swaz der sg. luid im vorbiergelienden salz der pl.: iiacli 
urloube dvitii(jen zem kiinege smtiz du lursien was Parz. 
53, 13; sis«;eu, swaz da rller was Parz. 794,, 21. Hartm. 
fügt zu swaz wiederum nur den sg. : E^yyaz rilep lebte Iw. 
7008. Audi bei bloßem waz findet sieb die conslruction : 
woz ir von den liben xvnrden du gescbeiden Kl. 148, 
denn die bedeulung ist wie viel iluer, folglicb ein mebr- 
lieilsbegrif. bat aber swaz den gen. sg. bei sieb, so darf 
das verbum nur im sg. stebn, z. b. swaz bie varndes vol- 
l<cs si Parz. 785, 12. 

4. Da die pronominalbegrilFe jeder und «// coniplexiv 
sind , würe aucb nach ibrem sg. ein j)l. moglicb. so bei 
dem gr. ixaaTog: aiyiXovTO d'h oioiv iy.ciozng Yiinoie H. 23. 
3i71; Ötöfnjfifüda i'xuoTog II. 5, 878; yccXeor te ftiv et'e 
€..i'yMOTOQ il. 23, 203; 01 filv üay.y.eiovTeg l'ßuv ory.6röe 
i'yMOTos^ docb beziebl sieb bier f'j'iav minder auf i'y.tanos 
als auf Ol naxu. ,. und so kann es aucb in andern fallen 
schon durch vorausgehende pl. eingcleilet sein , wie wir 
sagen: sie brachten ihm jeder eine gäbe dar, oder lat. :^ 
redieruut in suam ((uisc|ue donium. zum imabbangig ste- 
henden golh. hvazuh, hvarjizub, habe ich keinen pl. ge- 
fügt angetroH'en, es beißt z. b. hvariatob bunsle sallada 
IMarc. 10, 49, nicht saltanda; gleiches gilt von dem oft mit 

J\' 2 



jQÖ - (einfacher salz. 

dem gon. j)l. rotjslniicrlcn neiilr. nll, /. h. all fai'rniinj«' 
galin;ii\j.i(l;i J.iic. ;> , 5, nirlil galiiiaiviantla. 80 :iii< li in 
den übrigen dialcdcn, doch kann ich inlid. pl. nclxMi allcz. 
anführen: CK enmuijen niht allez küiieae sJn AVh. 1 5«, 18, 
stall einiiac ; daz wurden allez choudulcDiut 3,66 slatt-warl. 

5. Slaü der gowölmliclicn Verknüpfung zweier snbsf. durdi 
die conjunclioii und ]>(legl die nihd. si)raclie bisweilen das 
zweite snbsl. nütlelst einer präp. in den casus oblI({UUS zu 
setzen, wie der vierte abschnitt näher aufführen wit^, 
z. b. für: daz wazzer und der •win liclßt es daz wiazzer 
zuo dem \viue. wenn nun in solchejn fall das erste subst. 
subjcct des Satzes und ein sg. ist, so würde es graninia- 
tiscii auch ein verbum im sg. begehren; allein es darf, in 
bezug auf das praposilionale siib&t., der pl. dazu conslruiert 
werden, z. b. ez wären b£ ir viure under ,wjlen tiure 
vleisch mit ten \ischen Iw. 6215. dem sinne nach gleich- 
viel als ob gesagt wäre: vleisch un de vischc, und dann 
hätte der pl. keinen anstand. Ahnlich das lat. : dux cum 
principibus capiuntur Liv. 21, 60. Uas ez bei dem pl. wird 
im folgenden cap. erlauteruug iluden. 

n. sg. statt des pl. : 

Hier müssen mehrere fälle gesondei-t werden, zuerst fragt 
es sich nach dem sg. , der iuif ein einziges pl. snbst. folgt, 
dann nach dem auf melirere subst. sich beziehenden. 

1. ein suhst. im pl., das verhum itn S(j. dies bildet 
den gegeusaiz zu dem unter I abgehandelten pl. statt des 
sg. , und auch hier ist ein colieclivbegrif erforderlich, wie 
dort die grammatische einheit sich zur Vielheit erweiterte, 
so sammelt hier die grammatische niehrheit sich zur ein- 
lieit ; dort ausdehuung, hier einengung des begrifs. klei- 
der, Aögel werden gedacht als kleidung, gevügel. 

Doch Ulf. weicht gerade einer solchen coustruction, wo 
sie im gr. text vorliegt, aus. das i^/.d^s tu Timeivü IMarc. 
4, 4 lautet goth. qveniim fuglus ^ und so auch ahd. T. 
Matth. 13, 4 quämuu fugalä , nach Vorgang der vulg. ve- 
nerunt volucres. 

Ahd. beispiele lassen sich aber sonst aufweisen, dhes 
dheodhun hidil (quem exspectant gentes) Is. 393 nach 
Kostg., doch hat Graft" 83 bidant (Palth. 263 bidinit); wio 
iz iuwo huali singet 0. I. 17, 28; noh thih ddti thino in 
ewon ni pino 0. I. 23, 62; then in liutö ddti su scuno 
gihereti 0. IV, 4, 25 ; in muate tvas in thrati thiu egisli- 
chün ddti IV. 12, 15; bedii thisu bilidi 9u jueinit thio irO 



verbum. numerus, sg. für pl. 197 

fravili IV^. 6, 21. Steht bei einem collecliveu gen. pl. das 
üdv.ßluy so ist der sg. des veib. granimaliscli gerechtfer- 
tigt: was liiilu filu in ilize 0. I. 1, 1. 

IMhd.: da Inne tvas siniu huoch Parz. 4ö9, 22; dem 
iiugclidi ivas jeniu kleit Parz. 447, 6 ; baUle tvart du 
Gabnuirele ri'clün Meider dar getragen Parz. 22, 30; ir 
Jiarnasch xvas Sumercleider *) llab. 413; an disen aht 
frouwen tvas röche grüener denn ein gras Parz. 234, 3; 
ir snüere unz an die sine ^ienc Parz. 305, 15; vor tages 
%vart von in bereit 7.\\e\i ziiKjel wile Parz. 376, 10; sel- 
ten froelichiu %verc >vas da gefriinit Parz. 227, 15 ; do 
quam in schiere sehse 3nan Reinli. 516; dar nach gienc 
du zer tiir dar In \ier clare juncfrouweu Parz. 243, 20 ; 
nach den selben reit jnisnner , der man onch bedarf Parz. 
19, 7; für daz pouhui dö reit zwen ritter Parz. 85, 5; 
im kovi hehle zen Iianden Parz. 48, 29; fünf tusent ritter 
der fürsteu bi'ut da «i Franend. 3 ; du sprach in bedeu 
Iiern die tviseu Parz. 695, 1 ; du ndhete im bcese incere 
l\v. 3096; Aristuleles was kunt diu mccre Ms. 2, 14*; bi 
im gle nnner jare hin vieriu Frauend. 2; xvart al die 
strazen beriten AA h. 209, 9 ; freude und jiinier such al die 
daz sehen wühlen Parz. 672, 16; du xvart mit sporn ge- 
nomen diu ras üietr. 90^'; ezu hete niht wan d'ors getan 
Parz. 363, 18 ; du verjach ir oiujen dem herzen sän Parz. 
28, 30; v/'ii. (/esach ie mannes ouijcii ]Ms. 1, 178-^ j vil 
nianege wunden \vit wart gehoiiwen Kl. 656; in beiden 
wart tvunden gcslagen Bit. 12^; ez wart die scharfen ije- 
ren uf gczilt TJieli-. 97^; ilu wart gar diu sper zebrocheu 
Iw. 7114; tlriu fjrozia ßtver gemachet ii'«5 Parz. 808, 12; 
du stoup viz dem helme die viwerrute vanlcen IN ib. 185, 
2; mit marmel tvas gemüret dri iierecke fiwerrame Parz. 
230, 9 ; vil tiirne ob den zinncn stuont Parz. 565, 5 ; 
wwre ir beider hende einander in daz liar JJen. 377 ; hun- 
dert kröne da geiiangen tvas Parz. 229, 24; in des haut 
gar elliii dinc beslozzen stät INls. 2, 10"; daz alle men- 
schen, junc und alt, gcfuort wirt von siuem labe Aw. 2, 
275. Überuli enthalten diese plurale eine n)chrheit gleich- 
artiger dinge: äugen, bände, kleider, rocke, schnüre, 
Speere, ipitter, inäuner, die in eius zusammcngcfalU wer- 



*) wenn das verb. bulisl. zwischen zwei iioni. stellt, so ist der 
eine subject, der andere prüdirat, worüber weniger die »vorirol-je alsder 
hinn entscheidet; hier aber stellt sumercieider prädicioroiid , wie die be- 
deu(un<^ lelirt: der bamisrh war sonmierlieh, bestaii<l ;iiis soninier^ewiind. 
(jleich diesem |)i. sninereleider sind aucli die pinrale kiine^je, rhoulliUe 
so wie die Verbindung vleiscli mit den vlschcn (ü, IDüJ prüditat. 



198 eilt jacher satz. 

den kann, oft elclm zalilwörl«r (Iniicbcn, die dann NvicMler als 
cinlieit godarlit weiden, da/, cz vil liuto Srflie I'aiz. 68H, 5 ist 
wie was liulo lihi lioi 0. zu nehmen, zu den alid. bcibpiclen 
bnali , dali, dlieodliun stimmen die mlid. huoch, "vverc, utile, 
und es scheint eine gewisse id)eiliercrung dabei stall zu lin- 
den. Dali aucli der plur. des verb. gesetzt werden darf, ver- 
slchl sich von selbst: da lagen zwei kreftigin herParz. 16, 28; 
zwölf wolgeborner kinde riten Parz. 18, 26. 

Nlid. luirt der sg. in diesem fall auf, und allentbalben 
stellt der pl.; wir sagen: kinder sind der muUer frcude. 

2. verbmn im sg. hei mehrern suhst. 
a. zivei oder mehr suhst. im sg. gotli. nsleithith hinilns 
iah ai'rlha ttccqi'X&i] 6 oiioaroc: vw.) ?; yij IMatlh. 5, 18; jula 
jiins ailblhau ains sfriks ni iisleilhilh (rcacü.d-tj) das.; tlicina 
ist (.^'oT/) thiiidangaidi jali nialils jah vultlius Maltli. 6, 13; 
tliarei malu jah mdvn ^fravardeilh [uffaTt^ii) Mattli. 6, 19; 
vairlliilh (^f-'orci) greis jah krnsts lunlliive Matlli 8, 12; 
in thiiimei vas (7;j') IMarja so IMagdalene jah jNIarja so Ja- 
kobis IMatlh. 27, 56; vas (?yj') jainar IMarja Magdalöne jah 
so antbara Marja silandeins {^nud-Vifievui) IMatth. 27, 61; bi 
tlie {jvimilh aglo aithtluiu vraUja IMare. 4, 17. ahd. ^r zi- 
Jctre himil inti erda T. Matlh. 5, 18; ein i odo ein houbit 
ni furferil das.; tbar ist wuoft inli zeno stridunga das. 
8, 12; untar ihen tvas IMaria niagdalenisgu inti Maria Jacu- 
bes 27, 56; was thar Maria 31. inli ander M. sizzeut^ 
(1. sizzenlo) das. 27, 62. mhd. fröud ii. angest vert ta b{ 
Parz. 4, 1; groz müede und slaf in lerte Parz. 166, 17; 
denie gezimet sin schimpf u. siu maz Iw. 2691; hehum- 
berte minen lip nie so sere inagt nocli wip Iw. 345; da 
der wirt saz u. diu burcravin Parz. 34, 9 ; in hiez mit 
kleidern zieren Signiunt n. Sigelint Nib. 26, 2; Dielricli 
unde Elzel weinen dö hegan JNib. 2314, 3; reit er und 
sin niarnaere Parz. 19, 15; do sprach uz einem munde der 
sieche und der gesunde Parz. 17, 15; hie stiiont der reiger, 
dort der visch Parz. 33, 3; im rvas der pfeffer tiure, daz 
salz lind der ezzich Iw. 3337; nu het dem risen geseit 
sm Sterke u. sin manheit Iw. 5017. nlid. dein ist das reich u. 
die kraft u. die herlichkeit ; da tvird sein heulen u. zähnkla])pen. 
Das verbum ist als zu einem der beiden subst. construiert 
gedacht, und das zweite subst. fügt sich an; kein collectiv- 
begrif findet statt, da beide subst. nicht einartig sind. Alle 
dialecte gestatten aber auch den pk, z. b. goth. jah vinds. 
jah marei ufhausjand {vnccy.ovovaiv) imma IMarc. 4, 41; 
alid. thar iz rost inti iniliwa furmalent; mhd. ir hövescheit 



verhuni. numerus, sg. für pl. 199 

u. ir güete beswarten ir gemüete Iw. 3387; daz ors und 
ouch diu struze iu truogen Parz. 162, 12; nianec frouwe 
u. manec nieit im wünschten Nib. 25, 2; Sit daz noch 
beide lebten Sigenuint und Sigelint Nib. 44, 1. nbd. ist 
es vülb'g einerlei zu sagen: wind und nieer geborcbt ihm 
oder gehorcl'.en ihm. ob das verbum den subsl. Vorausgehe 
oder folge, darauf komjnt niclits an. 

b. ein stihst. im sg. , das andere im pl. , gotli. ihala 
uuk ist vilolfi jah praiifeteis Älatth. 7. 12; hvo ist sCi aithei 
nieina ailhlhiui ihai brölhrjus nielnai Marc. 3, 33, obgleich 
hier thata und hvo den sg. einleiten, wahrscheinlicli bieten 
andere stellen bei Ulf. einleuchtendere belege, ahd. thaz 
ist ewa inti wizagoii T. Matlh. 7, 12; wart irscritan ein 
halb jar, majiudo thiia sluntä zuenc 0. 1. 5, 1; thar ist 
lib ana lud, lioht ana finstri (vgl. musp. 16), engtlKchaz 
kunni joh ewuugu wunni 0. I. 18, 9; ten sölen ne brütet 
nieht tiu ungebarda u. die Irouwün des nieres N. Ar. 18. 
Sehr beliebt ist diese conslruction im mhd., zumal bei 
Wolfram : ein linde u. olboume unden bi tlor muore stuont 
Parz. 352, 58; du in gesprach ßeue unt diu kint Parz. 
720, 27; von treten hat die selben nut al iiuiie wiseu n. 
diu sat Wh. 178, 6; pusine und ander schal uf dem palas 
erhal Parz. 627, 19; palas unde turne von ij' siegen döz 
Nib. 2296, 2; wie rvas gebajrde unde ir wort Parz. 33, 
15; wart daz tou zerfiierel tuit die helme geiüeret Parz. 704, 
9; hie ivirt von im verhouvvcn vil manic helme u. rant Nib. 
144, 4; wem ist nu bekaiit luidcr iu bi IVtne die liule u. ouch 
daz laut Nib. 1087, 1; dem ist wol bekant sttge unde strilze 
Nib. 1534, 3; tal u. Uten daz was allez vol Kab. 474; daz 
in niht enschadete die ünde noch diu lluot Nib. 1318, 2; so 
]cumt beide bluomcn unde kle Ms. 1, 146*^; ir tunibe sinne 
ir wibcs wip verwistin an des lievels rat Ben. 109; des 
Sprüche n. des getilite dich hat hohle l'en. 11 1; mine wei- 
degenge u. cUiu mine vreude ?'sf nur benomen Jjen. 433. Nbd. 
liilk sich in diesen mhd. beispielen der sg. des \erb. nicht 
immer setzen, in dem golh. beispiel : das ist das geselz inui 
die propheten ; wer ist meine nuitter luid meine brüder:* 
darf der sg. bleiben. Den pl. zieht Ulf. auch sonst vor: 
vindös jah marei iifhiiusjand inuna Matlh. 8, 27; alläi prau- 
feteis iah vitolh faüra qvelhun Matlh. 11, 13; (jvemun 
aithei is jah brothrjus is Marc. 5, 31; aithei lheiu;'ii jah 
brölhrjus theinai jah svislrjus iheinös suUjaiul lluik Alarc. 
5, 32. ahd. alle NVizagon inti ewa \vi/.a^ulun '1'. IMatlh. 
11, 13. mhd. der löre luid diu kint vil lihle zc wcneiuie 
sint Iw. 3321. 



200 e'uiJ'acUcr salz. 

c. htuie Slthst. i"» pl- l'i'i' Nvinl um- nilid. ziiwcllcu der 
8". gcwa"l: du /Je/' Jicr ab die gn-do all u. junge IhmIc ^^ li. 
139 21- ros uiide ck-idcr daz sloup in voix der liaiit ,"Nib. 
42 2" dein sol cz allez dienen, die liiile u. oucli diu lant 
]\ib. 113 3", niccre \i. nuxrinne was l)eidiii wip imde man*) 
Parz. 19 9, doch die pron. daz, allcz, bede, beidiu stützen 
den s". Ccwölinlicli steht der ])!.: da vahten wisente nndo 
iirriiuler Iw. 4U9; da ligent ähte kaise bt \\. zwei biizzel 
mit wtn Parz. 190, 12; ^Yaren grancn ii. bra Iw. 445; die 
rchten wruheit wizzen min gote ii. oiich die sine Parz. 27, 
7- leien iinde pfafl'en die vuoren Ivv. 1595; im rieten sine 
ma'e II. ander sine man Nib. 49, 1; garzune, koche ti. ir 
knaben licten sich hin liir erliaben Parz. 18, 23. So aucli 
der pl. in den übrigen dialeclen : nianagai inutarjus jah 
fravaurh'iui mithanakiimbidedun iMatlh. 9, 10. INIarc. 2, 
15- runa ncinun alhii gudjans jali tliai siiiislans ]Malth. 27, 
1 • wesun sipuiijus Johannis jah fareisaicis faslandans jMarc. 
2, 18 u. s. w. 

Übrigens ist auch in den fallen b, c nichts au der stel- 
luntT cles sg. verb. gelegen, es kann vor oder nach dem 
subsl. gesetzt sein und bei b dem singularen oder pluralen 
subst. zunächst sielin, z. b. statt in gespracli Bene und 
diu kint dürfte es auch heißen: in gesprach diu kint imd 
Bene oder statt in enschadele die ünde uocli diu iluot: 
in enschadete diu Iluot noch die ünde. 

Dadurch unterscheidet sich hauptsäcldicli der neuere 
spracliaelirauch, der zu zwei pluralen subst. gar kein verb. 
im s"."verslaltet, zu einem singularen und pluralen nur, 
wenn der sg. verb. dem singularen subst. nahe steht, wir 
sa"eu z. b. uns leuchtete der mond und die Sterne, nicht: 
uns Icuchlele die sterne und der mond; wol aber leidet 
das plur. verb. beide Stellungen: uns leuchteten die sterne 
und der mond , oder uns leuchteten der mond und die 
Sterne. Altn. finde ich nur nach iihd. weise: vara sandr 
ue Sicr ue svalar unnir (war nicht sand noch see noch 
kühle wogen) Soem. 1^; armar lysto, en af thadhan all 
lopt oc lögr (die arme leuchteten und davon all die luft 
und das wasser) 82^. 



*) liier ist moere und moerinne prädieat: alle, maaner und weiber, 
bestanden aus niohren. 



verhuui. pet\sü}icii. prono/tLen. 201 



CAP. V. PERSONEN. 

Wenn die vollere gestaltung der verbalflexion in unver- 
kennbarer beriihriing stellt zu dem persönlichen prononien 
(l, 1052), sei es durch des letztern leibliche agglutination 
an das verbum, oder, wie ich mir es lieber denke, ver- 
möge eines in verbum und pron. waltenden analogen bil- 
dungstriebs; so ergibt sich, daß in den personen des ver- 
bums zugleich schon der casus rectus des persönlichen 
pronominalbegrifs enthalten sein werde. 

So lange das gefiihl oder nachgefühl dieses Verhältnisses 
in der verbalilexion lebt, scheint das subject des satzes, 
ziuual für die dem hörenden und redenden stets gegen- 
wartige erste xuid zweite person , immer auch in dem 
blüiien verbum hinlänglich ausgedrückt, ohne daß es eines 
gesonderten pronomens bedürfte, der ersten person wird 
an sich kein nomen beigefügt, außer bei starkem nach- 
druck, und dann nie ohne pronomen daneben, z. b. ich 
der lierr will das ; ich der vater rede. die zweite person 
liat zwar häufig das nomen in der anrede neben sich, 
z. b. brich mein herz! kind, höre des vaters stimme! und 
auch ein du mag hinzugefügt werden ; es geschieht aber 
wiederum nicht zum Verständnis der verbalform, die ab- 
wesende dritte person nuiß zuerst durch ein nomen in die 
rede eingeführt sein , dann aber kann sie gleichfalls in der 
verbalform selbst haften. Nur der erhöhte nachdruck mag 
begehren oder nüt sich bringen , daß ein äußerliches pro- 
nomen, gleichsam plconasllsch, vortrete. 

In ihrem entrückteren alterlhum genügte der deutschen 
spräche, wie der griechischen , lateinischen, litlhavüsclien, 
slavischen , für alle personen die reine verbalform, bloß 
da, wo ein besonderes gewicht auf die person fallen sollte, 
wurde ein pronomen ausgedrückt, seine \virkung war dann 
desto stärker, uns heutzutage, die wir das pron. f;ist über- 
all hinzugeben , bleibt, \on andern äußerlichen nülloln ab- 
gesehn , nichts übrig als durch erhöhte belonung oder gar 
Wiederholung jenen nachdruck zu erzeugen. 

Eine den urverwandten sprachen gleiclie cinrichlung 
gibt ungetrübt sich nur nocli im gothischen kuud. belege 



202 einj'itc/icr salz. 

»I.ilür aus Ulf. 7.11 saiinnclii AvÜro übL-itliili : nllriillinlhon 
liciiU ihm qvillia ).fy(i), bairais <jino()(f!t)t]e, 8li'|jitli nui) tv- 
()'f.i^ scIiviiiM fi()'()(tifv^ liausidctlulli i^'/.ovouTe , liijoiul f(i- 
).ovüi, oliiic /-wischentrill pcrs. pi-oiiomina. Aber das ^vt'il 
snltnei- gcbram-hle naclicIrucUsanie i)roii, will ich belogiMi : 
ik (pilha i-yvt /j'yo) iMallh. 5, 22; ik lra(|viina tyo) du7i<i- 
injnti) H Cor. 1.2, 15; ik taiija uquoüo) J'^ph. 6, 21; ihn 
(ivilliis Qv llytis AlaUh. 27, 11; is ist umöc: lori Jlpii. 
5, 23; veis allelam 7;/f£/c u(pufiev Mallh. 6, 12; veis 
allailuluni 'r]fitiQ ufpi/Kafiev Marc. 10, 28; tliaiubum 
veis yQeiav t'yoft£V Marc. 14, 63; ei mageima veis dg 
10 ö'vvaGd-ui t'jfiüg 11 Cor. 1, 4; veis gahuusidediim i'^judg 
t}zova(iji(ev Marc. 14, 58; veis \iiinan ^;//e/V nuoyo- 
fiev II Cor. 1, 6; veis usinetuni {/iiig uvtoTOLiCfvjiev 
Eph. 2, 3; veis sijum t]/itJs {'o/tier JPhil. 3, 3; veis aviliu- 
dom -ijjiisis cvyaQiarovpsv I Thess. 2, 13; jus initulh v/tea; 
ivdvfitia&e IMatlh. 9, 4; jus saihvilli v/ii'n: ß/.i'jieTa INlarc. 
13, 23; eis vauthand uvxol Icoviai II Cor. 6, 16. der 
verdeutscher konnte in die stapfen des gr. textes treten, 
that es aber nicht iingsllich , Avie INlarc. 14, 63. Eph, 6, 21 
zeigen, wo das dem gr. text mangelnde pron. dem goth. 
beigefügt ist. überall sieht das pron. nur ausnahmsweise. 
Ja, Ulf. läßt es unbedenklich auch da Aveg, avo zusanunen- 
treflende goth. flexionen ohne das pron. schein von Zwei- 
deutigkeit haben könnten, der indessen durch den Zusam- 
menhang leicht entfernt wird, z. b. im präs. ind. lautet 
die III sg. gleich der III pl. Noch aulfallender ist das im 
goth. passiv, wo das präs. I und III sg. , und alle drei per- 
sonell des pl. schon einförnu'g bildet. dessen ungeachtet 
wird auch hier gewöhnlich kein pron. zugefügt, so bedeu- 
tet Joh. 12, 32 ushaühjada vilmdw; Marc. 4, 24 biuukada 
adaugetur: 4, 31 saiada sorilui-; supuda condietur; 4, 17 
gamarzjanda scandalizanlur ; II Cor. 1, 6 ihreihanda aflli- 
giniur; 2, 11 galiginunduu decipiamur; 5, 3 bigitaindau 
inveniamur; Matth. 6, 2 hauhjdindau exallentur; 6, 5 gauin- 
jaindau observentur. allen zweilel über die person hebt 
der zusanuuenhang, z. b. liuganda INlarc. 12, 25 könnte 
an und für sich heißen uxores ducimur, ducimini, ducun- 
lur, allein nur das letzte ist gemeint, da das unzweideutige 
liugand vorausgeht; II Cor. 12, 15 wird fraqvimada (im- 
pendar) klar durch das vorausgehende ik fraqvima (impen- 
dam.) wo misverstaud möglich wäre, gesellt Ulf. das pron. 
hinzu, z. b. II Cor. 6, 12 ni threihanda jiis iu uns, der 
gr. text halle nur ov aievoyioQüod-£ tv i^füv. II Cor. 9, 
4 war gaaivisköndäu veis bereits veranlaßt durch das gr. 



verhuin. personen. prononien. 203 

yMTcifayvrO-iojLiii' ^j/ieig , und Marc. 10, 38 entspricht ih 
daupjada dem eyio fiitml^oftai. 

Die gotli. spraclie zeigt uns also dieses ganze Verhältnis 
noch in seiner natürlichen läge, die falle sind leicht zu be- 
urtheilen. desto ver>vickelter wird alles späterhin. 

Wie die eben erörterten goth. formen darthun , das 
beginnende abschleifen der flexion hat die anhäufungen des 
pron. noch nicht unmittelbar eingeführt, nur im einzelnen 
hin und wieder veranlaßt. Ist die verbalform ganz oder 
meist erloschen, gleich der englischen oder dänischen, so 
kann das Verständnis, ohne pronominalzusatz , nicht mehr 
aufrecht erhalten werden, aber zwischen dieser endlichen 
unentbehrlichkeit des pron. und seinem ersten überilüssigen 
auftreten liegt eine menge von bestimmungen, auf welche es 
der historischen grammatik ankommt, in der ahd. spräche, 
bei noch scharf genug geprägter verballlexion , sehen wir 
gleichwol die einschaltung des pron. schon zur regel, sein 
wegbleiben zur ausnähme geworden. 

Ich will die deutlichsten ausnahmen , In welchen sich 
das ursprüngliche Verhältnis , der späteren regel gegenüber 
behauptet, voraussenden und dann die übrigen, schwan- 
kenderen fälle behandeln. 

1. Der iinpei'ativ f weil geheiß und befehl sich an gegen- 
wärlige richten, auch durch den ton hervorgehoben werden, 
entbelirt am allerleichlesten das jnonomen. nicht! daß es 
seinem begrif widerstrebte, sondern es kaiui , schon in 
der ältesten zeit, ihm nachdrücklich zugesellt werden. 
Zwar aus Ulf. (der außer dem sg. dl. und pl. der zweiten, 
noch den dl. und pl. der ersten person Imperativisch aus- 
drückt) entsinne ich mich keines falls der bcifügung ; un- 
zäliHgcmal ist der iinp. und iiinncr ohne pron. gesetzt: lot! 
Mallh. 27, 49; sil ! Marc. 12, 36; civilh! Luc. 4, 3. 7, 7 ; 
liail! l\lalth. 27, 64; hilp! INIarc. 9, 22; ni grct ! Luc. 7, 
13; afju.üt jali vafrp ! INIatth. 5, 30; ussukci jah salhv I 
Job. 11, 34; visam! Luc. 15, 23; hrainjam ! 11 Cor. 7, 1; 
gaggam ! Job. 11, 8. 11; gaggats! atliuhals! Marc. 11, 2; 
ninülli! Luc. 19, 24 u. s. w. Doch nichts lündcrt daß 
auch damals schon tler Gothe beim imp. eine erlonlerlichc 
Verstärkung durch das pron. gebraucht hätte. 

Ahd. beispiele schränken sich auf den sg. und ])1. II 
pers. ein, deren lloxion übeiall klar gosrhieden ist: forlAz! 
far! bring! T. Matth.5, 24; wis! 5, 25; hou! wirf! 5, 30; 



9()4 e'uij'iicher salz. 

yiJ)! 6, II; i'iiila/ 6, 12; salbö! 6, 17; {■islli ! 8, 4; folyu! 
«, 22. 9, 9; JK'ili! 8,2.5; giloubi ! y,.2 ; laz ! 27, 4'J ; gi- 
l)iiit! 27, 6,5; iii ciirel! C, 8; iii sjl ! 6, 25; arwizel! 7, 2:^ ; 
^ol ! f», 24. 11, 4; gisehcl! 9, 30. niclil anders der allere 
IMallli. fragm. tlicol.: galrüc! 9, 2; arslanl euli ganc! 9,5; 
arslaiil! nim! 8, 6; und so in den übrigen quellen bis auf 
N. liijiab: diia! 0.1. 2, 3. 48; ihen i. tlieiii! I. 2, 4; laz! 
I. 2, 40; liugi! I. 2, 27; ni bruUi! I. 5, 17; iii Avenii ! 1. 
5, 18 ; andere beispiele von probibilion giamni. 3, 74 1. 
Seltner trid das pron. liinzu: ni zuivolo tliül Ü. 1. 5, 28; 
ui forhti thu thir! T. 2, 5 (aber 3, 4 ni forhti thir!); 
heil wis thiil T. 3, 2; wls r/ii/ Diut. 1, 513^ 

In nilid. quellen wird man auf wenige dii und ir bei 
dem inip. stoßen, in den meisten fallen stellt er allein, 
gloub du iz mir! Diut. 3, 72; tuo dul das. 3, 73; wis ilü 
mir luiderlun! Diut. 3, 47; du sprinc! Ben. 364; sit ir 
•willekommen! Wallh. 11, 30 (falls Sil! ein imp., vgl. s. 84; 
die stelle lautet IMs. 1, 103'' ir sit, indicalivisch); ir hei- 
zet! Ben. 308; ir gäbet! Ben. 326; »• gebet! I\ls. 2, 221=«; 
ir wünschet! ]Ms. 2, 199^; du nim! JMs. 1, 175»^; du silze, 
du staut, du wat , du swim ! ]Ms. 2, 166'^. Alle pluralfor-r 
men sind unsicher, sie künnleu auch dem conj. (opi.) ge- 
hören, steht das pron. zwischen dem imp. und einem voc.,, 
so ist es zu lelzterm zu schlagen: sam tuo, du mensche! 
Ms. 2, 166». 

Auch noch uhd. setzen wir den inqi. ohne pron., außer 
bei besonderem nachdruck , z. b. gib du mir, so gebe ich 
dir; geht ihr voran, wir folgen, es könnte auch da weg- 
bleiben ; wo wir aber das hölliche er und sie der dritten 
}3erson statt der zweiten gebrauchen , kann der imp. nur 
durch den conj. ausgedrückt werden und dann ist uns das 
pron. unentbehrlich, z. b. thue er das! geben sie mir! 
stehen sie auf! hierin liegt gar kein wahrer imp. 

Bemerkenswerth , daß die alls. spräche des pi'on.zwar 
enträth, es aber ungleich häufiger beifügt, als die alid. und 
mhd. es mangelt in gibh ! Hei. 48, 11; scrid! 32, 17; 
hilp! 15, 9; ne lät! 48, 14; sendi ! 103, 16; geheli! 32, 
4; gerihti! 48, 4. steht aber in: hcl wis thu\ 8, 6; lat 
thül 86, 17; ni du thu l 46, 22; ne habe </««/• 8, 9; ne 
forhti thül 8, 9; gehugi thül 103, 21; ne galbu thü\ 47, 
3; gebad gil 86, 22; kumad gi l 134, A'^<m wanjat </i / 
42, 20; und nach diesem Verhältnis durch das ganze ge- 
dieht. 

Ags. wie alts. der ags. INIatth. hat: lael! gang! 5, 24; 



vevhiun. personell, pvoiiomen. 205 

dceorf! aveorp ! 5, 30 ; syle! 6, 11; forgif! 6, 12; smyra I 
Uiveah! 6,' 17; gcvitatlh! 7, 23; varna the ! 8, 4; la^t ! 8, 
22; hingegen: cum tim! 5, 24; ne gel;«cl thii ! 6, 13. 

.die^e prosa sclieint das pron. lieber auszulassen , in den 
altern gedicliten herscht ganz die alts. weise: hat! B. 770; 
gesaga! ß. 774; onscnd ! B. 898; ne sorga! 13.2767; ge- 

Jhen'c! B. 2947; bio ! B. 5490; nim ! C. 33, 11; bit and 
bürge! C. 33,. 12; et! C. 35, 33; saga! C. 54, 6; gehyge I 
C^; 35, 29'; ongin ! C. 78, 33 ; vend the! C. 56^ 28; gevit ! 
C. 89, 28;ge.vitadh! 13. 580; Ifctadh ! B. 789; dudh ! B. 

■2464; hatadh! B. 5599; onginnadli! C.26, 18. Dann aber: 
ves thii! B. 536. 2959: beo thü ! B. 769. 2453; ves tini 
häl B, 808; ne frtn tJnil B. 2644; tJm gong! B. 5483; 
Span thii! C. 36, 22; thü gevyrc ! C. 79, 5; Ixd thü! C. 
90, 3; geyk thü! C. 172, 23. 

Ganz unerläßlich wird das pron. thü dem sg. des altn. 
imp., daher es auch Rask §. 243. 256 schon ins paradigma 
.der llexioneu mit aufnimmt; es pflegt sich mit vocalkürzung 
anzulehnen und bei anstoßender ten, oder Spirans in tu 
iiberzugehn : {avthu! Siem. 80». ^; icrthii ! 75"; heyithu ! 
7p«; hidlithu! 130^; segthu! 32'' 81'^ 173^; lhigg^/<?t/ 173»; 
ihtu! 251'»; vhlii! 51» 81-«; IaIIii! 74». doch ist die anleh- 
juing nicht nolhwendig und unterbleibt ganz bei schwachen 
imp. mit vo.calischem ausgang: gack thti! 139»; radh thü 
mer! 31»; vaki thü! 138'' ; ^hirdha thü! 234'»; thegi thü! 
62». l» 65». b 66» 67l» 68»; selten steht das pron. vor dem 
imp.: vega thü gacc ! Bei der II jik finde icli aber kein 
pron. ausgedrückt :.lili(.lh! 194»; gehl! das.; hvelidh! 209»; 
bei der I pl. lulom! 72» kann der modus zweifelhaft sein 
(s. 83.) 

;,, Die schwed. und dän. spräche hält es mit dem imp. wie 
/|4ie nhd. 

■''Von dem wahren imp. urilorscheide man die imischrGi- 
IJUng durch den ind. des avixiliaren sollen , die schon alid. 
i^Tid mhd. das pron. im geleite hat (belege s. 85); nur sei- 
len 'wird es hier mangeln: jungen, (ir) siill iiich aber zen 
Vröiulon strichen! Ben. 329, wo (h'r unmittelbar vorher- 
etehende voci, und das gleich folgende obli((ue iucli allen 
;!weifel über die person hebt; so diiilen wir nucli nhd. 
vertraulich sagen: junge, (du) sollst mitgehn ! 

2. Dem imp. zunächst steht der oplalive coiijuiiclii'^ und 
auch bei ihm hat sich lange zeit die enlbohiliclikeit des 
pron. behauptet , vorzugsweise in den pci'sonon , wehlic 



206 e'uij'dcher sdlz. 

niangeliule ii)i|). formoii ersetzen. darum iiuiU liier iiiil 
iinlcrsclieidung der pereoneii zu werke gegrvngpn wertlen. 

a. linier allen isl keine impcralivlsclier als die aiiü'or- 
dernde, wüiKstliendc prima pl. , sie enl^alh dalier, gleicli 
'dem inip., des persönlichen pro|i, ' 

j,,, alid. chued<5m lop! (dlcanuis laudcs) li3'nin. 1, 1; fra- 
■\vuein! (laelenuir) das. 1, 6; duriiliwacliciii ! (ijervigilemus) 
1, 10; siiigem! (canlenuis) 2, 7; (jueniet, inli arslaliemes 
inli lialn-iiies sfn erlii! T. IMallli. 21, 38 ; er§lel, liiti geniö^! 
(eanius) das. 26, 46 ; weljenies gascUan fr. llieot'. JMallli. 12, 
38 (zNvar voUinuis-, der deulsclien loiiu n.':|ch al#ci; veliiuus, 
golh. vileinia, doch T. gibt au dieser stepe, ,eiu indicnlivos 
rvtV wollen); Siiiies zi sauiane giiuagle ioh folgemesl 0. p. 
15, 137; nu singemes alle! (canlenuis) 0. I. 6, 15; lliahe- 
nies ! 0. \. 23, 75. I. 13, 3; caniiscanies zungiin sinal (con- 
fundanuis linguam ejus) Diut. 1, 491: clionient, pcloen, 
fallen nider ibre inio, weinoen! N. ps. 94, 6 ; nn falidn 
zuo! N. Bill. 35; suochdn tiefur! das. 37';' nu stuz(?n ze- 
saniine! , (jungamus) dds. 143; rin seliöil des wir bedigcn ! 
(quae proposuirtius intiieanuir) das. 173; ergebdn (reddii- 
iiuis) denio man sih wip! das. 181. diese notkcrsclien 
stellen Ifeliren , daü die frühere llexion aufwies hier nicht 
einwii'ke , da sie zwar den character der I pl. deutlicher 
enlhält, aber auch dem ind. zustehl. llinigenial fügt 0. 
doch das prononicji hinzu: duemes wir uns in muht, ivir 
th^r zua Gull huggen ! V. 23, 71; und so schon Is. 377 
suohhem(?s avur %vir\ (qnaeramus.) 

Auch die mhd. spräche entschlägt-sich noch gern seiner,: 
nu inenden und wescu fru! Diut. 3, 24; nie ne slaheu in! 
werfen in! Diut. 3, 92; nu dingen ir gnaden; I\lar. 19; hu 
haben manlichen muot ! Wh. 458, 11 ; aVoI uf'herbei'gen! 
Wh. 458, 3; nu brechen die wil iwin gras! (colliga'mtis) 
Parz. 485, 13; iiu zeren daz si uns liezeu! Wh. 264, 19; 
da wesen beide von genant! (noininemur, vielleicht auch 
ind. noniinamur?) Parz. 6, 28; da sterbent wan die veigeu, 
die lazen ligen tot! Nib. 149, 2; nu binden üf die helmel 
Nib. 1541, 4; swä wirz danne vinden , du legen uns au 
ein gras! Nib. 1563, 3; wol dan gangen! Ulr. Trist. 168^ 
2176; ahten üf die beide! Ms. 1, 26^; ahlen ! JNIs. 1, 27=»; 
breste uns der pfifen , so vähen ze sauge! Ms. 1, 83''; nu 
ziehen üf , und läzen in ir gogelheil zerinneii ! Ben. 345 ; 
und gön mit vanen für den gräl ! Lohengr. 11; nu sagen 
von der i-einen, clären herzogin ! Lohengr. 18; noch im 
15 jh. nu sehen im au sui hende ! Wackeru. Ib. 755.. die 



verbuin. personell, pruiiotiien. 207' 

auirorderuug %vircl in diesen belsplelen durch die parlikeln 
nu, wol üf, wol an eingeleitet, was aber auf die entbelir- 
lichkeit des pron. gerade nicht einfließt. 

Allerdings steht auch schon oft das xvir ausgedrückt: 
slahen xvir den selben hunt! Diut. 3, 92; und enbizen 
%vir darinne! ]Mar. 37; nu rinnen xvir den tan! ]Nib. 887, 
1; galien wir zen vriunden ! INib. 1557, 4; den volgen 
rvirl Wigal. 29; cnpfahen xvir in! das. 1536; nu kizen 
ivir den riter sin ! das. 320 ; lazen xvir die bluomen rut 
beliben ! Ms. 1, 5*; nu läzen xvir bellben wie ez im erge! 
Gudr. 33* 55**; läzen xvirz beliben! Ben. 357; lazen xvir 
ez euzit ergän! Dietr. 79*^; läz xvir dar strichen! Dielr. 
98** u- s. w. einzelne solcher xvir mögen durch spätere 
abschreiber eingeschwärzt und zu tilgen sein ; in gett^ir / 
(eamus) Parz. 485, 2. Wh. 129, 9 läßt es sich nicht weg- 
denken. 

Heute ist das pron. unerläßlich, rs sei denn daß zwei 
fälle unmittelbar auf einander folgen, dann reicht es hin, 
wenn wir das erstemal steht, z. b. nun gehen wir und 
säumen nicht ! freilich ist seit abstumpfimg der ilexion die 
ohne wir gesetzte I. pl. von dem unpei'Süulichen inf. nicht 
mehr zu luiterschciden ; liäufig wird die Umschreibung mit 
laßt uns! (s. 88) vorgezogen. 

Mnl. finde ich mit beigefügtem pron. so gaen xvi dan] 
(eamus) Rein. 1160; gawi/ Rein. 1854. Floris 2178. 

alts. nu xvi faran! (proficlscamur) Hei. 122, 17; ags. 
aber bloI\cs gedun! (aganitis) C. 26, 10; wegen des vulun, 
ulun ! oben s. 90. 

Die alln. und schwed. spräche bedürfen keines pron.; 
göngom ! (oben s. 83); lulom ! S<i'm. 72^; bindom! das 72*3 
typpom ! 72^ u. s. w. schwed. väntom! (exspeclemus) ; sö- 
kom ! (quaeramus) lalojii ! (sinemus.) dän. wird umschrie- 
ben mit lad os! ' ( • 

b. Ferner kann die ///. sg. und pl. in der älteren spräche 
das pron. sparen. 

ahd. wcse mir! (fial milii)T. 3, 9; nluse*)! (expcriatur) 
Hlld. 60; zile (studcat) kehuckd ! (menior sit) K. 24''»; daz 
zualu<5! K. 15*^; delso tue mir trulilin inti dciso zuaouhol 
(addat) Dliit. 1, 508=»; beigelügt ist es In fulgoiidcn stellen: 
cusser mih! (osculetur me) W. 6, 1; nu cunio er sell)ü 
unde cusse mih! AV. 6, 3. 



•) vgl. uius also ist iiut! Diut. 3, 105. 



208 einfacher salz. 

mlitl. im si aisu! (mm sei es also) Ms. 1, 64' AVallli. 

64, 37; 8ü st (es) sl.xte! so si (es) verborgen! JMs. 1, 68»; 

si (es) aber Waltli. 28, 24; si abe 'Wigal. 289; nu si (er) 

ouch min! Ms. 1, 15^; nu si (er) uns ^villeko^lel)I ^ib. 

103, 1; nu lazc (man es) cht sui ! Ms. 1, 37^: nu laze fer) 

ez tlorl! 31s. 1, 4.5^; lize (er) elit eine rede! Ms. 1, 71-i; 

nu la/.e (sie) ein teil ir zornes abe! Ms. 1, 67^; lue (sie) 

des icb si bite! ]Ms. 1, 51'^; su lue (sie) geliche ; M. 1, 68^; 

so tuo (er) mit allen sinen sinnen! 31s. 1, 78"; uu luo 

(sie) ez und laze! Ms. 1, 64*; kern (sie) da sl den vinde! 

Ben. 349; breche (sie) ir einen sciialeliuül! Ms. 1, 14*; daz 

.priuge (er) liere ! Diut. 3, 88; nu lunc (er) als ich gedienet 

hau! 1, 76'^; habe (er) üf niuieni schnohe! lien. 422; da 

von so hab (sie) ir roten nmnt zesameii! 31s. 2, SO*; ge- 

lüube (sie) eht mir! ]Ms. 1, 65«: (er) lege sich! 31s. 2, 125'»; 

nu gedenke (sie)! 3Is. 1, 144b; so winde (sie) ir herze in 

rotes numdes gruoz ! 3Is. 1, 16ö''; so lege (sie) mich rasten 

hin üf den röst ! Ms. 1, SS'»; daz neme (sie) dur got von 

mir für ein flehen ! 31s. 1, 52** ; sä so schupfe (sie) mich 

ze haut! 3Is. 1, 70»; >vil er daz hönic ezzen , so souge 

(er) den angel ! altd. bl. 1, 231 ; so tuo (er) ouch under Aviieii 

schin! I\v. 2854. Auch hier beginnt der satz gern mit nu, 

oder es ist ein mit so anhebender, nachsatz , und dann er- 

scheiiit die person durch den Vordersatz bereits bestimmt. 

Zuweilen ist aber das proii. ausgedrückt: sus lache er mir ! 

3Is. 1, 45b; so nenne er mich! 31s. 1, 79^ 

Nhd. kann es nicht enlbelirt werden, außer etwa, wenn 
unmittelbar auf das vei-bum ein bestimmendes relativ folgt, 
z. b. das thue, wer da will!; daran gedenke, wer mich 
lieb hat! doch fehlt hier nicht sowol ein persönliches er, 
als ein demonstratives, mit in das wer aufgenonnnene der, 
nihd. würde gesagt sein: sw^er. ags. hy'de se the ville ! B. 
5529; vyrce se the möte! B. 2774; alts. aber: he niete, 
of he mote! I^el. 7, 7. 

; PI. ahd. gangen näh eroui N. Bth. 141; Avuusglun, 
muasin ruian ! 0. III. 9, 9. 

mild, uü sui (sie) ouch mai ! Iw. 3590; dos SiU beide 
frö ! 3Is. 1, 45''; nu haben daz si erwerben mite! 3Is. 1, 
leS**; des läzen sich gezemen! Parz. 143, 28; nu hüeten 
sich! 3Is. 2, 59*; so heren dan, luid helfen mir die sünde 
büezen ! 3Is. 1, 72^*; rückeuz vorne hocher, decken baz 
daz neckelin! Ben. 376. 

c. Von der I sg. habe ich keinen beleg gesammelt; doch 
scheint mir nichts dem wegbleiben des ich entgegenzustehen; 



verhuni. persojien. pronoTiien» 209 

er könnte z. b. heißen : nu st ^^ lllkomen ! (möge ich ^vIIl- 
koninien sein), nu habe des ich ger! (möge ich erlangen, 
was ich ^vünsche.) 

d. Die zweite person kann zAvar imperativiscli ausgedrückt 
werden , wenn aber für sie der conj. gewählt wird , so 
darf das pron. ausbleiben, zumal die verbalflexion hier 
noch besser bezeichnet, als in den andern personen. ahd. 
wizist! 0. III. 21, 25. wizist thaz ! IV. 1, 20. V. 18, 12. 
23, 126, doch steht auch das pron. ausgedrückt: wizist 
thü thaz! IV. 1, 23. thaz wizist thii l V. 23, 37. andere 
stellen schon oben s. 75. pl. wizJ t ! 0. III. 16, 13. 63. 
zumal steht der conj. bei der negation: ni strites! (ne aller- 
ceris) Diut. 1, 527'*; ni trakes ! das.; ni ana farstözes das. 
527»>. 

mhd. so müezest einen trost doch haben! Parz. 743, 15 
aber sis du ledic! Diut. 3, 68. 

3. Den nicht Optativen, eigentlichen conjunctiv setzt die 
ahd. Sprache, gleich dem ind., häufig ohne pronomen. ein 
hauptfall ist, wenn nach den Wörtern sagen, wähnen, kün- 
den, bitten und ähnlichen die conjunction </«s unterdrückt 
wird, und der bloUe conjvuictiv folgt: quedent sum gi- 
wäi-o, (daU du) IlcHas sis ther niaro 0. III. 12, 13; quad, 
(daß sie) inan irknatin 0. III. 16, 62; in töd, quad , (daß 
sie) ni gigiangin 0. II. 6,-15; güih, quad, wurtin thanne 
0. II. 6, 21; quad, mit werkon sih gigarötiu 0. I. 23, 13; 
fuar er kundenti thaz , so wilo so thaz laut was, (daß ?ie) 
zi giloubu giliangin 0. I. 23, 10; ni wuniu ili , (daß er) 
iu lib habbe IliUl.; indessen wird das pron. oft gesetzt: 
quätun, iz so zaiiii 0. 1. 9, 13; is ni zunü I. 9, 20; er 
quad, er wolti I. 19, 21; quad, sie thaz ni wollin 1. 20, 
29. Es fehlt aber auch in andern lagen des conjunclivs: 
denne kisehe (cum viderit) K. 23^; daz nalles miesilue (ut 
non delinquam) K. 27»; daz ncmes (ut capias) K. 16*; min 
odowan lurtretcn sie (ne forte conculcent eas) T. INlatlh. 
7, 6; ni mag ihaz man duan nihein , thaz (er) ihiono zuein 
0. II, 22, 2; llrworahlin, thaz (sie) sulih kind i;ibaiin 0. 
III. 20, 6. andere stellen haben es: noUos wir sin far- 
vehöt in unehti (ne consumamur inedia) Diut. 1, 493"; 
suntar sie irkantin 0. IV. 3, 4; thaz sie gisahin IV. 3, 7; 
oba sie thaz gifiumilin IV. 3, 13; daz ih arsuahti (ut ex- 
petcrem) Diut. 1, 520'T; soso ih chode (iit ita dixenni) das. 
517^; daz er piluiarabc (ut avertat) R. 43''; (ihuatl , ih ke- 
halle K. 25^; qhuede er (diral ipse) K. 22''; denne eigit 
ir (dum Iiabeatis) K. 17». 

o 



210 eiiiJacjLe.r aatz. 

Mlul. mangelt das prori. seltner. Docli jjflegt es im 12 
und ziiNVfileii iiocli 13 jli. nach sprechen und siujen /u 
nnlerhlciben , wenn das unmillelbai- Jolgende verhuin dem 
.selben subjecl angeheilt, und die conjiuu lion daz nicht aus- 
gedrückt wird. V.v chüd , (dali er) ne Avcsse Diut. 3, 58; 
sprach daz weineule, (daß er) muose chiesen den cnte 3, 
93; er sprach, (daU er) suohte sine bruodcie 3, 91; cliod, 
(daß er) wolte sin mendcnle 3, 101; wir choden, (daß 
es) unsecli riuwe 3, 55; sprachen, (daß sie) daz gerne 
taten 3, 87; wir sj)rachen , (daß wir) fride brühten 3, 103; 
du spraclie wir, (daß wir) ne durften niere here koinen 3, 
109; wir spraclien , (daß wir) ne getorsten gesuochen 3, 
109; wir spräciien, (daß wir) lielen einen alten vater 3, 
108; si jdhen, (daß sie) wollen tragen Nib. 2272, 1, aber: 
si jach, si tict ez gerne Nib. 2302 stall jach, t;cle. aucli 
jiacli xvüJinen : ez wante , (dal^ es) niemei^niere gesalie si- 
nen vater Diul. 3, 108. Ferner in einigen anderen con- 
slruclionen: daz wane mir ein richer soll, und (idi) n;cme 
cz für des keisers golt iMs. 1, 90^; nnt slüegen (sie wür- 
den schlagen) oucli danne mich Iw. 4333 ; (sie) ged.vhten 
Walth. 10, 28; sehest (si videas) Ms. 1, 90^; gewöhnlich 
wird es gesetzt: so wahren wir erlöst Iw. 6371 ; mühtens 
niemer han getan Karl 59\ 

nhd. ist es unvermcidlicli. 

4. Indicutiv. 

I3ie frühsten alul. c[uellen fulgen noch meislentheils der 
goth. weise, zumal R. : quidu iu (dicam vobis) 17^*; niwillu 
(uolo) l«"^; ni kijjarac (nou abscondi) 20'^; ni qhuam (non 
veni) 25^; sazla (posui) 25**; ertumbela indi kedeomuatit 
pim 25b; ni erlliuhis (non fugis) 25^; fai'Stuanti (intellexisli) 
27^; deisu tati (haec fecisli) 27''; mer sprehhan deiuie pi- 
derbil (als es nützt) 26''; denne cjhuidil (cum dicil) 26^; in 
deru qhuidit (in qua dicil) 25«; ibu puazit 25^'; pitlames 
15a, Avellen)es, pirumes 15^; nidarremes (damnamus) 26*; 
ibu wellemes 26a; quhedames (dicimus) 26^; lesames 35*'j 
nalles sih kebaut 18*; denne su huazzö wannaut (cum 
quicquid putaveriut) 19^. 

niinneola inan Diut. 1, 493^; caulaguta inan (ditavi illum) 
1, 491; pim nrstiuphit (orbabor) 492; piin kanutit 504^; 
ni eigunics (non liabenuis) 507*; ]Miiuahut(5s mili (illusisli 
me) 500; Iramfluhtiger wisis (profugus eris) 491; sar iu 
loröm wisit (slaiim in l'oribus erit) 491; ist kaliiatit (pasci- 
lin*) 504''; kisuuarut (conjurastis) 509^; wuohsuu (puJiu- 
labant^ 493: clujad (dicit) 514b. 



verhiim. personeu, proiionieji. 211 

im Ts. uud den folgenden aber schon seltner: dir ghlbu 
347; ni gliibis 408; quhad (dixit) 342. 363. 365. 369; 
qubidil (dicil) 344. 390. 370. 407; nieinida 360; arangliida 
374; baiibnida 388. 406; baulinit 404. 405; cliidliinsit 408; 
sagliet 396; arbevit 390; ui was 374; setzida 383; archen- 
jienies, cliilaubani^s 360; cbicluindem^s, araugbenies 371; 
iliigun, dbebbidon 368; bigunslon 387. 

fragm. ibeol. IMatlli. 9, 4 qubat (dixit); huanta sprihhis 
13, 10; bulun inio 9, 2. 

bin nü gifiarit, bin nü gikeiit 0. V. 25, 2. 3; bin mir 
niendenti Y. 25, 100; drublm bist es alles V. 24, 6; thar 
lisist I. 1, 30; ui habes II. 14, 27; tbaz dreso giburgun 
IV. 35, 38. 

Beispiele des prononiens: ni keanc ih (non ambulavi) 
K. 26»; tVt suigeta (laciii) 27^'; qliuad, ih lorakechundu 
(dixi, pronuutiabo) 28»; ih kewisso pim wurm (ego aulem 
sum verniis) 29»; du errablios (tu euarras) 21» j ibu di\ 
horres (si tu audieris) 17»; er sclbo qliuidit (ipse dicil) 
18»; denne er selbo ist kenemnit 20»; er ist keluan (ipse 
eflicitur) 22*^; ivir inpinlanies (nos peisolvimus) 35^; ibu 
slinnna sina hurret ?»' (si vücem ejus audierilis) 17»; denne 
desiu tuet ir (cum liaec fccerilis) 17'^; feislaz ir zua na- 
rtiut (crassum adsumebalis) 38^. hier ist aber nicht zu 
übersehen, daß in mehreren dieser stellen auch der iat. 
text dem Übersetzer das pron. darbot, und dali in der III. 
sg. sein er ipse ausdrücken soll, wie sich aus 23» 24»- ^ 
33'' 40» ergibt *). 

arsluac ih inan (occidi illum) Diut. 1, 491; kisazla »7t 
dei (consuevi oa) 525»; daz ih kisazta (quod pepigi) 532''; 
ibu da kipliwis (si contuderis) 524''; dei cualiu dei du mir 
lali (bona quae l'ecisti) 509''; ir chu/imut (venislis) 493; 
latul ir (fecistis) 494; lödliafliu ir bawisct (morlicinia vi- 
ta])itis) 496: ir kiharindal (exaspcraverilis) 507''; ki^ahut 
ir selbun (vidistis ii)si) 507''. 

lA quhimu Is. 955; was ili sprchliciidi 365; »7/ was 
dhar 365; ih gab 366; ih iuau infahu 366; ih bim 370; 
ih dhih chibar 374; ih bibringu 392; ni weizs ih 392; 
sctzu ih , suor ih , ni liugu ih 397; ih saghcMU 397; i7t 
arwehhu 398. 400; ih clürcslIiHwi 398; iJi scal imu wesaii 

*) aiuli bei O. ist «las er zuweiteii (ionu)tistrali\or, z. 1). Adam <-/• 
firkcis niiii I. 25, 19 = jener, gegen iil>ci- dem tlicivr = dieser «Ics 
folgenden verses. 

3 



212 einfacher salz. 

;i!i8; ni iiiimi i7i 398; ih inan clilstilUi 308. 399; So dhti 
slalis 399. 400; Ahn ('iiiiuimierfxles 374; ir fjiihaiJ (ilixil) 
341. 349. 3.59. 370. 374. 402; ir chiscuor 350 ; iV sciulil 
361; ir gab 366; warilh ir uns chiboran 373; ir arida- 
lida 374; ir vvardh 383; cliuudida ir 391; augliidom wir 
371; voir Jlndenies 386; sie qiiliedaiit 377. 

iinz ih bin Mai' in \verolli , so bin ih lioht beraiiU 0. 
III. 20, 21; so thü weist V. 12. 131; lisist ihü lliir tbaz 
III. 19, 16; tliaz er quemau scolla IV. 3, 20; tliar er sign 
uam IV. 3, 24: wir lazenies III. 3, 13; wir warun in gi- 
bentin T. 11, 61; sie dnent ioli niezent sie I. 1, 21; eigiin 
sie iz bilhenkit I. 1, 23: iob wurlun sie inliulile 1. 12, 4; 
wullunse (volvebant) IV. 35, 37. *) 

Es scheint luiclist bedenklich, nach dem versclüednen 
alter der deuknuiler, einvvirkiingen der construclion , viel- 
leicht auch noch der verbalilexion, auf die weglassung 
oder Setzung des prononiens zu ermessen und den größe- 
ren oder geringeren iiachdruck des sinus zu unterscheiden. 

Daß die Verwendung des pron. im fortscluütt begrüFeii 
ist, leuchtet ein: N. und W. , aus welchen ich belege zu 
geben für überllüssig hielt, entrathen seiner selten. 

Unter den flexionen priigt keine den persönlichen cha- 
racler scharfer aus als lÜe II sg. präs., daher wol nicht 
zufällig ist, daß bei ihr, wie im conj. (s. 209), auch im 
ind. , das pron. oft fehlt, z. b. izn Hild. lied , welches mit 
dem pron. sehr freigebig ist, findet man: spenis inih , pist 
also gialtet man, freilich aber auch: doli mäht fZ/inu, ibu 
du mi enan sages. der jüngere N. gewährt häufig stellen 
wie: habest tu, chlagetost tu Blh. 34; und noch mehr 
zieht der vocalische ausgang der II sg. prät. das pron. nach 
sich: piege Au ^ pate Au Blh. 34. inzwischen läßt N. auf 
die frage : ne chad ih tär fore na gnuht pegriü'en werden 
mit bealitudine? die antwort folgen: so tute 'ita fecisti) 
Bth. 173. Ohne zweifei erleichtert auch die \ulle llexiou 
der I pl. auf mos das weglassen des pron. , wiewol es 
nicht nur ueben ihr erscheint, sondern unterbleiben kann 
da wo die llexion bereits gekürzt ist. man bemerke: ii'jV 
sculun , ich sculumes 0. I. 24, 13, 14. Bei K. und an- 



') man halte stellen des Ulf. zu ahd. bei T. : goth. andnemun, alid, 
sie inphiengun Mattli. 6, 2; gotli. ei gäunijäindäu, ahd. tfiaz sie sin 
giselian Mattli. 6, 5; goth. habaud, ahd. sie inphiengun Matth. 6, 5; 
jabäi afl^lith, ahd, oba ir farläzit Matth. 6, 14. 



verbiun. persü/ieii. pronurneu. 213 

(lerwärts fallt die einscliallimg des ir in der H pl. auf, 
selbst Avenn sich die llexioii sicher von der 111. sg. präs. 
uiilerscheidet. 

Unabhängig von der beschaffenlieit des verbnnis kann 
das prou. desto eher entbehrt werden, je deiillichcr es in 
eineju vorausgehenden salz enthalten war. am leichtesten, 
wenn eine bloUe conjunction das verbinn mit dem pron. 
von dem verb. oline es trennt, z. b. ih quhimu endi in 
dhir ardön Is. 355; er selbo iz sus gimeinta, ioh juugoron 
sinen zeinla, ioh selbo in sagela 0. V. 20, 3; die sätze 
können aber auch mehr abslehn und nicht durch conj. zu- 
sammenhängen : tharaua datun sie ouh ihaz duam, oug- 
tun iro wisduam 0. I. t, 5 ; unz sie thar tho sUiantun, 
thar after luagetun 0. V. IS, 1: thö sie hiar thaz biwur- 
bun, bi thia selbün sconi irsturbun 0. V, 23, 64. den 
umständen nach darf Indessen die auslassung vorausgehn, 
die setzimg folgen: iro saro rihtun, garutun se iro gudha- 
mun Hild. auf das ausgedrückte pron. dö letlun se askim 
scritan, darf ohne pron. folgen: dö slöpluu tö samane, 
hewun harmlico Hild. "Wichtiger ist, daU nach förmli- 
chem Vordersatz das demselben subject angehürige verbuni 
des naclisatzes ohne pron. stehn darf; ich wähle belege 
aus T. Malth.: thö si gihörlun then cuniug , /"«orrai 2, 9; 
inti thö her thara quam , artola in theru burgi 2, 23 ; thö 
her gisah manage thero Phariseörum, miad in 3, 7; mil- 
tliiu ther hcilant gihörta thaz Johannes giselit was, J'iior 
4, 12; mitthiu ther heilant gisali thiö menigi , steig ufan 
berg 5, 1; milthiu ther h. c]uam in P. hüs , gisah 8, 14; 
inti so ther h. thu gisah iro githanca, fiiiad 9, 4. der vor- 
dersalz kaiui auch in participialconstruclion aufgelöiU sein : 
inti giolfonotcn iro tresofazzon, hrühlun imu geba 2, 1 1 ; 
i,t es ein part. präs., so beruht in diesem die deullichkeit 
des SMbjecls: inti gimanut in troume, J'uor 2, 22; inti in- 
gangante in lius, Juntun , inti nidarlallanto belötnn inan 
2, 11. Nicht anders haben fragm. th. JMatth. : enli su dhuo 
J^sus danan fuor, gasah man 99; ph. daz gahörrenla, miu- 
tiin 12, 24; so auch daer unlireino gheist uz argcngil lona 
manne, feril after durröm stelim 12, 43; hwamla iniian 
dhiii ir was in gotes farawu, ni ivrtsls. 374; endi dhoh dhiii 
hwedheru nu dhaz ir dhea einnissa gotes araughida, hcar 
sär after auhad Is. 363. . P>ei 0. begegnen solche coti- 
structionen seltner als man denken sollte, wo sie aber 
stattlinden , wiederholt auch sein nachsalz das prouomen : 
thoh er ni wfui guater, tlioli gieiscöla er thia nuiater II. 



QiA ciiij'ciclicr sctlz. 

4, 25; 80 er lliu gisah lliia nieniyi , mit uuguii blidöii er 
sie inlflaug 11. 15, 13; so er zl tliiü th i giliaiig, (on lliciiio 
berge er nidargiatig 11, 24, 7. ISocIi ciilscliiedncr isl bei 
N. , der liäung diese vorder uiul iiaclisiilze gcN%alijl, die 
iiueiilbelirlichkeil des jhoii. : iinz ili li/ siiigendo in nii- 
neino niuole alilola, sali ili ein -Nvil) sl;lii olje mir liih. 7; 
8(3 si gesali — li/igcla si V){\i. S | iiiide ih fiii'e mih jiiiler 
sehende, pegonda ih Va\\. 11; lo liitemon nalior gande, ge- 
saz «i, das.; iinde aua sehende min analuUe, cldageta si 
sih , das.; iinde mih tara n.nh cnölo ana seheiiliu, f'r^igcla 
51 r>lh. 13; so si mih lö gesali, so legela si , da?. 

Bei fratjen pflegt die ahd. spraclie oft *) das jiron. zu 
unlerdriicken : deisö erkibis? (hacccine reddis:') üiut. 1, 
498; ist y\Cai pikau anlfragön? (iuiih cüejji cüiisiilei-e':') 
1, 509'^; wio lango hincliat? (usque quo claudicalis':') 1, 
513^; wio lango ubarlrunchaniu pist? (us({iio quo cbria- 
ris?) 1, 521^; ueo in sincnio neniiu gataufic ui birut? fr. 
theol. 27, 8; -vvanan ßiidis? (unde invenics?) Is. 342; ^Yexsal 
dlies nemin liuazs bauhnida? Is. 388; cno ui in th?nen)o 
nameu wiziKjotunies , inli i. \\\. n. iizivurpJnnncs diuvaln, 
inli i. tlj. n. nianagiu megin tätiinics? T. IMlli. 7, 22; zihiu 
thenhit ubill* das. 9, 4; waz tvdnist themo irgange 0. V. 
21, 10; Yi'io dätV} 0.11.8,45. Ausnahmen: zahuiu denket 
ir ubil in iuwerenio muate? fr. th. IMallh. 9, 4; luiaz ^Yel- 
let ir? das. 20, 32; hueo quanii du hera in? das. 22, 11; 
forsluontut ir daz al? das. 13, 51; ziu in ralissun sprahhi 
thü zi in? T. JNlatth. 13, 10; welihha micta liabet ir? 
das. 5, 46; ziu birut ir sorgfolle? das. 6, 28; \vaz ezzen 
wir? das. 6, 31; ziu birut ir forhiale? das. 8, 26; fur- 
stuonlut ir thisu elliu? das. 13, 51; waz wollet ir? das. 
20, 32; wio giengi tliii hera In? das. 22, 11; wio sihist 
thu? 0. 111. 20, 43; war mäht thü neman? Samarit.; ziu 
sulgest tu? N. Blh. 13; ne ^veist tu? ne sihest tu? ne 
feresl tu? ne stuondin wirl grainni. 3, 755. 

Das in die rede eingewojfene auad (dixi, dixit) sieht 



*) die gotli. immer: Iivo mizdoiio liabaitli? Mattli. 5, 46; liva saär- 
gäitli? Mattli. (), 28; liva niatjam? Mattii. 6, 31; liva faürliteitli V 
Mattli. 8, 26; iiiu usvaiirpumV Mattii. 7, 22; niii liäuseisV Mattli. 27, 
]:{; Iivana liieitli? Mattli. 27, 17; du live niis biläistV Mattli. 27, 46; 
iiva aiilijötli jaii gretith':' Marc. 5, 39; livis l)idjäu? Marc. 6, 24; iiva 
täiijäu? Marc. 10, 17; du live tliata liäiisja? Liic. 16, 2; livaii filu 
scaltV Luc. 16, 5; livau lier qvaiiit? Joli. 6, 25; niu vitutliV Kuni. 
7, 1; Ina im qvitliain? Kuiii. 7, 7. außer wo es der naclidruck for- 
dert und der gr. text hat: du live jus mitwtli? Mattli. 9, 4; thu is? 
Marc. 15, 2; t/iu qvitliisV Marc. 15. 3. 



verhuni. personen. proiionmii. 215 

bei 0. gerii oliiie proii.: wer ougta iu , niiad , firloraiK*, 
I. 23, 37; (juud , hinillriclii nähli I. 23, 12; gidua unsif», 
(nnUiin, tliüh iiii \vis I. 27, 29; oba tliü s?s, tpiail, golcs 
suu II. 4, 5.5; in töd , tjuad , ni gigiangin II. ö, 15; gib^h, 
(jiiad, wurliu lliaiuie 11. 6, 21; dua iiiisih, qudtun , \vii>i 
jII. 20, 51; er ist, fjiiad, gotes lioldo 111. 20, 73; biginncr, 
(pidtiai, scöwun III. 20, 81; wer ist, aiidtan, Iberer man':' 
iV\ 4, 61; ir btjrtut, auad , tbaz unginiab lY. 19, 65; 
sprib , (juad, niezworle IV. 19_, 15 u. s. av. aiiderenial 
wird aucb das pron. beigefügt: nemet, quad er, barlo 
gounia ibero wortü I. 24, 3; waz wollet ir uu, qiiad er, 
tbes 111. 20, 123; ni bin iii Krist, quad er zi in I. 27, 19; 
ni st ibir es, quad er, not I. 21, 7. N. aber lälU das 
pron, nie aus: niebt freison , cbad si l'lli. 13; unde wa/, 
cbad ih , woltost lu das. 14; solli ib nüb tanne, cbad si, 
tiu gelouben? das.; solli ib , cbist lu , mina leidiuiga fiirb- 
lenl* das. und so bäuiig. liierber aucb das sö&ü ahuido 
(vei'bi gralia) gl. Jun. 260. bei spi^ecban , sagen wird aber 
das pron. in gleicbem fall nicbt enlbebrl : ni bin ib tlier, 
ih sagen iu 1. 27, 28; das unterbleiben bat also etwas 
fornielbafles. 

j\ur in der ersten person werden halto , raeino einge- 
scboben , jenes seilest bei N. obne ib , dieses bei ibm mit 
ih , bei 0. obne ib ; wdnan siebt, in allen personen, baulig 
obne pronomen, den 3, 240 gegebeneu belegen ist beizu- 
fügen: wänu sie iz intriatin 0. 1. 27, 11 ; ni wdmc iz wola 
inlllangm I. 27, 21; wann, iagilili tbö illi V. 4, 11; ni 
tvdti , es iinlar manne iamer drust giwinne V. 7, 28; in 
nniat iz wunt'/i ruarti IV. 4, 60. waz wamst tbcnio ii'- 
gange V. 2t, 10; waz wdnist tbaz er werde I. 9, 39; 
waz xvunis ibese knebt si T. 4, 13; udo ni tvänis T. 185, 
5 ; waz wdnet werde tlianne 0. IV. 26, 54. N. aber gibt 
das pron. hinzu: also du, wäuo ih , kehugest Blb. 5; wes 
sun, wanet ir, ist er ps. 77, 2. auch der verbiiulung iii- 
iveiz (gramni. 3, 72), die das pion. ausscbliel'.l , walucnd 
ich weiz steht (granun. 3, 242.) sei hier gedaclit. von 
mag kesceben (2, 242) im verfolg. 0. aber goliraucbl bin 
obne ib V. 25, 2. 3. 7. 100 von sich selbst, tVi bin von 
andern 1. 4, 59. 

Dies scheinen mir die hauplmomente worauf es bior 
bei dem abd. inilicaliv ankommt. nocb eingescbrankler 
wird die nuigliibkeit sein, ibn in der mlul. spracbe obne 
beg'.eitung des pron. zu gebraueben. 

a. wenn zwei vcrba durch eine conjundion , rim gcwöbu- 



2l6 eiiij'dclier .salz. 

liclislen imcl , vcikiiii|)ft sind, hcdaif bloli (Ins ciiiP des 
iiomens oder pioiioiiiens : was si geliei/cn und wds Wh. 

2, 3; icli l)iii oucli ein recke und solde Uronc tragen Ail). 
108, 1; liagneii banl dö Dietrich xiwAq j'aort in Nib. 2290, 
1; si entwiclient unde kcrent Parz, 2, II; der rebeizte 
nidor unde zoch Parz. 181, 26; genuoge haut des einen site 
»Mule sprechent Parz. 180, 9; er lialste in und huste Diut. 

3, 77; gnadeten si im sere iint bitten im I\v. 5441; daz 
ir SU ungerne Icl)i uut sus uucl» dem tfkle strebt Ivv. 4995; 
und so allenthalben. Das verbiim ohne pron. darf aber 
auch voratisstehn , z. b. : z^va Ut luid ^velhsch gerihle lac 
Parz. 4, 28; siue wunden xvuosch unde bant der wirt 
Parz. 165, 13. Sogar mag die conjunclion felilen; in einem 
gedieht des 12 jh. die bemerkenswertlie formel: er sluont, 
bette Dint. 3. 68; daz si stuont, traue 3, 80; daz chint 
sluont, iveinöle 3, 108 für stand und l)elete, stand und 
trank, stand und weinte. man aclile ob nicht aucli in 
andern beis|>ieleii nach sluont ein verbum oluie und folge; 
es ^var schon ahd. brauch : er stuant, suiijeta 0. IV. 23, 33. 

b. die auslassiuig erfolgt dann noch oft, Avenn zwar an- 
dere subjecte vorausgehn, aber ein obliquer casus oder ein 
possessiv an das subject des folgenden verbums gemalinen, 
bei welchem das pron. wegbleibt : mir ist leide, und Jnrhte 
(ich) des Ms. 1, 62a; swenne ich bi ir bin, daz t(Ctel inir 
den muot, und (ich) stirbe aber rehte IMs. 1, 9^: dem ist 
iuwer leben leit, und (er) tvil sich an iu gerochen han 
Iw. 5000; daz was sin spot, unde (er) sprach Iw. 4992; 
dd im min name wart genant , dö nande er sich sa unde 
rümde vientschaft da, luit gehellen (ich und er)*) iemer 
mdre in ein Rv. 7619; daz er (der riese) sich neicte der- 
nuch — dö het sich her Iwein an im \il wol gerochen 
unt daz swert durch in gestochen, diu wunde gicnc da. 
daz herze lit, dd was verendet der strit, unde viel (er, 
der riese) Iw. 5063-74, in diesem letzten beispiele ist mehr 
Verwickelung und uuterbrecluuig durch andere grammati- 
sche subjecte, die aufmerksamkeit des hörers aber fort- 
während dem eigentlichen gegenständ der erzählung zuge- 
Avandt, so daß das fiel nicht misverslanden werden kann. 
Wenn ich mich nicht teusche, so liebt Hartmann diese aus- 
drucksweise weit mehr als Wolfram , der gern das pron. 



•) hier war der platz für den älteren dual; ein gotli. galiillös, falls 
ein solches verbum bestand, hätte alles, mit einen ruck, ausgerichtet, 
und ebenso Iw. 7432. T695. 



Verl) um, peraoiieji. prorwnicri. 217 

hrauclit, und z. b. Parz. 1, 17 sine nuigen setzt, wo jener 
vielleicht und ennuigen gesagt liätte. Aber aucli die andern 
dichter entbehren des pronomens, so oft dnreli das voraus- 
gegangiie oder unmittelbar folgende das Verständnis gesichert 
ist, um zwiscliensälze unbekümmert, z. b. si kunien alle ir 
viende an mit manlichem muote; ^varnu^ge unde liuote 
der nam dii liilzel ie man -war, wan drungen eht mit 
liüfen dar, unt tütens alle Trist. 5472. 

c. die vorhin s. 213. erörterte ahd. Setzung der verbums 
im nachsalz ohne pronomen ist um so mehr erloschen, da 
sie schon bei 0. und N. aufgeliürt lialle. das pron. muß 
also Aviederholt Averden : chunde wir ioch wol scup]ihen 
(dichten), su scolte %viv doch ettevvaz uberluipphen Diut. 
.3, 89; im w^ellet Verliesen — so müezet ir kiesen Iw. 1823; 
dö er in dd töten vant, dö versweic er iuch daz m;vre 
Iw. 1834; Sit ir durch rutes schidde her komen, iwer hulde 
inüezt ir mir durch riiten lan Parz. 163, 3; weit ir in 
gerne liegen, ir muget ir vil betriegen Parz. 172, 13; dö 
sich der starke Tilurel mohte geriieren , er getorste Tit. 1, 
1; dö ich den gral enphienc , da vant ich Tit. 6, 1; dö 
der herre diz vernam , schiere er zö deme rosse quam 
Alex. 358; dö si zesamene quiimen, bi henden st sih nä- 
men Alex. 394 ; also si in verrest sahen , zuo einen ande- 
ren si sprachen Diut. 3, 91. 

d. wenn das verbum unmittelbar an den eigennamen sei- 
nes subjecls im vorhergehenden satze stöIU , kann das pron. 
unterbleiben: daz ist Irnper, vert \on Botenbrunnen her 
Ben. 425; da ist Diethöch, IJolant und leilunc, spranc da 
manegen geilen sprunc Ben. 328. man könnte aber auch 
ein ausgefallnes relallvum annehmen. 

e. das unabhängige, indicalive verbum bedarf in den mei- 
sten fällen des pronomens. wie viele lieder heben mit ich, 
du, wir, ir oder mit einem pron. dritter person an, und 
können ihrer da nie eniralhen: ich grücze mit gesange 
Ms. 1, 1*, wie schon das llild. lied : ik giliörla dal seggen. 
Alle Urkunden deutscher spräche beginnen mit ich oder 
xvir , von der ältesten des jalirs 1240 an: wir Cuonral in 
nimschen kunc erweit, obgleich unmittelbar nacli dem tilel 
dann ein: tiion kunt, ohne pron., Iblgt. dieses /?/ou Ai/ij£ 
(noium facimus oder nolum facio) ist die siehende formel 
der meisten Urkunden, aucli der folgenden jhh. 

f. die zweite person liäll in einzelnen fällen noch an ih- 
rer allen freieien slcllutig. bei dem bekannten selbe ta'te, 
selbe habe (mythol. 254) wehrte das Sprichwort dem piün. 



218 e'uiJ'dcJur üdtz. 

den ciiii^niJi;, oder will iii.ui in scllx- d.is pioii. finden •' ob- 
gleich wir lieiile sn^pii niiissL'ii : du llialesl es .seihst. Zii- 
jiial wirkt das 81' dieser peisou im pj-äs.: /e^ii in senedeii 
riiivveii, so volgo mir l»en.447; »Jt/tf/e.sf iciiian Ms. 2, 126^, 
.-zr wenn du lehsl , iindest*); aber auch sonst in fraye oder 
ausruf: wes bist im gchaz? Ms. 1, 59^; gol, wie teilst s«) 
jingclichcl INIs. 1, 25'\ 

g. auch wtene , ohne icli , wird noch eingeschaltet: des 
Wd'it , die phall'en nilit beste altd. hl. 1, 222 ; so, Wune, 
man uns armen hie in not wil ttion Diut. 3, 106; ja, tvwne, 
imz der tievel gap ,Ben. 377; des, tviene, min leben iht 
lange stö Ms. l, 40^; daz, xv(en, bitler ist JMs. 1, 175^; 
ez , uuene ^ ouch inmier werde so manic kiiener wigant 
Kl. 609; helt also loblicJi , wamne , ie würde geborn Kl. 
617-, ja; wand, ich ergeizet \v;ere Parz. 177, 1.5. Doch 
steht anderenial das pronomen : dar an lit, wivn ich, g''ic- 
zer kraft Iw. 5279, besonders wenn das verbum eingeschaltet 
ist: ich wasue altd. bl. 1, 218. 225. Nib. 42, 4. 71, 2 (einge- 
schaltet INIar. 10); woent ir , daz ich eine sil' Iw. 52/4. 
sprach =z er sprach Diut. 3, 42; gewöhnlicher mit pron.: 
sprach er Wh. 421, 2; sprach st Xib. 17, 1. Wegen 
imveiz. , i)ieiveiz darf ich mich auf gramm. 3, 73 bezichen, 
mnl. scheint auch das positive 2vet so vorzukommen: dat 
tvet (ic) Wale Florls 3367. 

Für die nhd. spräche dauert eigentlich nur noch der 
mhd. fall a in voller maße fort: der könig kam und sieyte, 
alle jubelten, tanzten und sprancfen^ das hoffe und wün- 
sche ich. aber die fälle b, c, d kommen kaum in betracht. 
die erste person darf in einigen formein ohne pronomen 
stehn : bitte, danke (engl, thank you, pray thee) </e- 
schiveiye (laceo, gramm. 3, 242); auch im kaufn)ännischen 
Stil: anbei «/^e/'se^rfe, inhalt /<«6e empfangen. Güthes spa- 
tere prosa neigt sich nicht selten zu solcher auslassung des 
ich: so zolle den besten dank u. dgl. auch bei der zwei- 
ten person pflegt vertrauliche rede, oder balladenton das 
du zu unterdrücken: und willst doch falscher lierzendieb; 
hast lieb gehabt herzchen ? ; siehst dort das zelleufenster 
nicht?: bist wahrlich nicht der feinste gast u. s. w. Häu- 
figer bei H. Sachs, z. b. III. 3, 18<=: ach bist so elend 
dort mein man, hast nit ein pfenning in ein bad ! Weit 
ungewöhnlicher für die dritte person; doch hat die neuez-e 



') vielleiclit sind lebest, vindest cunjunctive, und dann gehören 
sie zu sehest (s. 210.) 



ft 



perbmn. personen. proii. 219 

poesic, in edlem, reierlichen Ion, cingefülnl : Äy^rocA« (dixil), 
wobei a1)er das oblique es iiicbt Mcgiileibeii darf. 

Alis der alts. spraelie, wia sie uns im liel. ersclieint, 
geiniiJ^e es liier anzumerken, daß sie das pronomen \iel 
seltner auslaßt, als die alul. , und es namenlliili bei dem 
eingescliobncn ([uedan all/.eil liegl : quad Ae 4, 4. 4, 23. 7, 
6. 8, 8. 10, 3. 12, 12. 143, 13. 146, 20; quad siu 8, 17. 
9,2; f|uaduii sie 13, 3. Den dual uiilersclieidet das eigen- 
ihümliclie pronomen: wit liabdun 4, 24. Avarun wil 5, 2. 
ivil molitun b, 3. xvil sind 5, 5. (jil lielin 4, 17. (jit fahat 
34, 23. sculun </t< 34, 23; dagegen der pl. ivi muguu 17, 
7; iji sind 17, 2 u. s. -w. 

Im ags. Beovulf fehll bei der III. sg. und pl. das pron. 
ziemlich oft , wo die Erzählung über das subject keine 
nnsicherhcit laßt: aUidon tha leofne theoden 67; Ihanon 
eft (jevtit 246; (jevitoii him tha feran 599; hiiyon tha 
tö bence u. s. \v. stets aber h5'^rde ic 75. 123; ic gelViegn 
147; auch heißt es he cvädh oder cvädh Ae, eingeschaltet. 
duale wie im alts.: vit sculon 1360,' vit gecvredon 1063; 
ijit reoii 1019; </t7 svuncon 1027. 

Ebenso wenig zum auslassen geneigt ist schon die altn. 
cdda, ja sie liebt es, das pron. der 1 sg. zu hiiufen, indem 
sie es erst gesondert und dann noch einmal suüigiert aus- 
drückt: hve ec at anspilli komic 8;vni. 82^; thö ec einn 
um konic 83^; em^al ec (non sum) 83^; doch hat in der 
ersten stelle eine vai-. komumc, was an die mcdialumschrei- 
bung (s. 4o) gemahnt, an den vocalischen ausgang schwa- 
cher pr.'it. lehnt das ek sich an: dtemdhac, (jladdac, har- 
dhac 78^^ =: doemdhi ec u. s. w. auch die zweite person 
behält das thu, selbst in fragen: hvi ihn einn um comll* 
83^, oder lehnt es an: hvat vantu? 78*^- ^ = vant tliA. 
Den dual bezeichnet, wie alts. luid ags., die eigne prono- 
minalform: at id/i mik fundil 137-^, wobei zu merken ist, 
daß nicht der naine iler redenden oder angeredeten person, 
sondern mir der jnit ihr in den dualbegiif zusammenge- 
faßten abwesenden dritten ausgedrückt wird, z. b. idh 
Gymir linnizt (du und Gymir iindel euch) 84'^; vidh Freifv 
byggiom bajdhi saniau (ich und Freyr, wir beide hausen 
zusanuneu) 84=*. 

Die größere inienlbehrlichkeit des pron. bei dem nord. 
verl)um möchte sich selbst daraus ergeben, daß die schwed. 
\olkssprache es sogar dann zu setzen i)llegl, wenn das sub- 
iect durch ein nomen ausgedjückl ist: haus brynja hon 
var ny 8v. vis. 1, 139; herr Axel hau sofver sä sölelig 



220 einfacher scitz. 

1, 150; Norge det är iiiill luderneslainl 1, 151; Valborg 
hon ai- en juiigtVu sä skön 1, 152; cbeiisü daiiisc li : her 
Axel lutn sover I)v. 3, 260; Norge det er niil (adenielaml 
3, 261 *). Soll auf die peison iiaclidniclv fallen, so -svie- 
derliolt man das pronoineu nach dem verbalen, z. b. jag 
vägar dcl j(i(/ , ^^äll^cnd wir nlid. das ich stärker betonen, 
das schvved.'jag vagar liat folglich die bedoulung des golh. 
gadars, und das scliwed. jag vagar jag die des golh. ik 
gadars. das gesch^vacllle pion. muß verdoppelt \Yerden, 
um den alten sinn des einfachen zu erreichen. 



Nach dieser entwickelung des allmälich zum belnalie noth- 
wendigen begleiter der verballlcxion gewordnen persönli- 
chen pronomens sind noch einige puncle naher auszufüh- 
ren, welche bloß die dritte person betreffen. 

I. ßlan. 

Sobald ohne bezug auf ein bestimmtes subject Im allge- 
meinen ausgesagt werden soll, Avas zugleich von mehrern 
gelten kann, da wo die lat. spräche sich der III. pl. act. 
oder der III. sg. pass. bedient, ist in deutscher zunge schon 
lauge her die ausdrucksweise durch ynan hergebracht, dem 
lat. dicunt (homines) oder dicitur (ab liominibus) entspricht 
unser: man sagt. die ausgelassenen oder zu verstehenden 
lat. substantiva geben zu erkennen , daß ursprünglich ein 
begrif der mehrheit gemeint sei; nicht bloß ein einzelner, 
luigenaunter hat es gesagt, sondern mehrere. daher wir 
auch noch jetzt dieselbe bedeutung durch andere plural- 
substantive erreichen: die leute sagen, die menschen sa- 
gen; oder durch den sg. der collective: das volk , die 
rnenqe sagt, gerade so heißt es z. b. ags. tha nu veras 
Eufraten vide nemnadh C. 15, 16, der fluß, den die leute, 
die mäuner Eufrates nennen. 

Daß die goth. spräche ihr man oder manna immer 
nur concret, und erst in der Verbindung mit ni pronominal 
gebraucht, ist 3, 6 bereits gesagt worden. 

Im ahd. mag das häufigere ioman und nioman (3, 67) mit 
gewirkt haben, auch das einfache abstracte man für den 



*) ein nhd. Norwegen das ist mein Vaterland läßt sicii nicht ver- 
gleichen weil unser das mehr demonstrative krat't hat als das nord. 
det ; jener phrase entspräche : JN. es ist mein v. , was niemand sagt. 



verbtim. personen. man, 221 

sg. zu befestigen, belege slelin 3, 7. indessen ist der 
gleichlautende pl. miin nicht völlig verdrängt, sondern zu- 
weilen noch mit dem pl. des verb. gesetzt: vxan thaz westin 
0. V. 4, 29. vielleicht gälte die Vermutung, daß der neben 
man stehende sg. zu dem collecliven pl. in der s. 196 er- 
ürterleii weise, construiert worden sei? wäre dies auch 
anfangs der fall gewesen, so niiiste doch selbst diese con- 
slruction und die zusammenfallende form des nom. pl. und 
sg. bei diesem anomalen wort bald den wirklichen schein 
des sg. hervorgebracht haben. Kurz, das ahd. mhd. und 
nlid. man stehen, gleich dem völlig analogen franz. on 
(3, 6 anm.) allenthalben als wirkliche singulare ganz in 
dem sinn des älteren pl. und mit unbestimmter, nicht mehr 
auf die einzelne person gerichteter bedeulung. ja nlid. kann 
dieses man im vomiehmen und versteckten ton mitunter 
die erste und zweite person bezeichnen: man wird das 
gerne thun; man geht wol mit? für welchen gebrauch ich 
aber kein mhd. beispiel weiü. in solcher Unbestimmtheit 
darf es denn, wie jemand und niemand, auch von frauen 
gesagt werden, da der wirkliche begrif mau =r vir unge- 
lühlt darin enthalten ist. 

In die alts. ags. schwed. und dän. spräche hat sicli das 
nemliche man auf dieselbe weise verbreitet, im altengl. 
war es in der verkürzten form nie üblich, die einigemal jnhd. 
schon begegnet (daz me, so mc Docen misc. 1, 27); ninl. 
und nnl. erscheint men , zuweilen auch mhd. inen, nnd. 
wie. engl, ist es ausgestorben, und zum iheil durch one 
(einer, aliquis) ersetzt, dessen ausspräche an die mhd. ne- 
benform wan , xven erinnert, mit welcher es sonst nichts 
gemein haben kann, auch über das altn., nicht selir oft 
gebrauclite madhr habe ich mich schon 3, 8 erklärt. 

Dieses 'man gereicht nun von der ahd. periode an bis 
auf lieule zur Umschreibung solcher passiva , deren casus 
obliquus unausgedrückt ist; der verschweigung des hanileln- 
den subjects konuiit die nennung eines ganz unbeslinunt 
gelassenen in der wirkung fast gleich. Sind im passiv beide, 
das leidende und das thätige subjecl angegeben, so kann 
kein abstracles man eintreten. liben so wenig statt lindet 
es, weiui der ausgelassene obli(|ue casus sich gar nicht auf 
handelnde menschen bezieht , z. 1). der salz ileine siinde wird 
dir (von gott) vergeben, er wurde (von der glul) versengt, ist 
natürlich keiner Umschreibung durch man fähig. 

Indessen bedienen sich ihrer überiiaupl weder K., noch 
die ältesten glossen, noch die liymnen; Is. 370 wiril aber 



222 i'iiij'dclii'r salz. 

praecllcaiula est: scal mau hcodaii, mul 392. 393 Cliiislii'? 
exspeclaiulus osscl : tnaii Clirisles bMaiuli was iibeili'ayon. 
Iiiiiifigcr greift der veideulscher des T. zu dieser aiisdiiitks- 
weise, die sich lieniaili mit recht in der S|>rache Ijohaiii'lcl 
liat, und uns dei- steiferen passivuinschreihiniy durch au\i- 
liare oft überliebt, jnaii gibiulil z::z praecipiliir ist Nvollau- 
lender als: wirdil gibolaii, und wenigstens die abwechsc- 
luug zwischen beiderlei ausdiuck lial ihren vorlJieil. 

II. Es. 

Einen Im verfolg -weiter abzuhandelnden grundzug unserer 
spräche bildet, daii sie nculralfornien des adj. vorzüglich 
aber des prou. da verwendet, wo entweder ein bezug auf 
das männliche und weibliche geschlecht zugleich nothweii- 
dig wird (vgl. granun. 3, 315-317) oder unenlschietlenheit 
der persou stalllindet. 

Das pronomen es (zuweilen auch das^ dies) kann allen 
drei personeu des sg. wie des pl. durch das verbum subst. 
als präiiicat verknüpft werden, wenn in dem satz die frü- 
here Unsicherheit der person aufgelioben wird, z. b. der 
thäter war vorher nicht bekannt oder nicht genannt, und 
nun folgt: ich bin es, du bist es Heinrich!; er ist e.s" allein 
der uns beisteht; ihr seid es, die ihr den zorn de? him- 
mels auf euch gerufen habt! liier bezeichnet es das zuvor 
unbestimmt gewesene. Die gr. und lat. spräche lassen in 
solchem fall das prädicat ganz uJiausgedrückt , und setzen 
bloß: tyo) eißit, ego sinn, und ebenso auch die gothisclic : 
ik im Marc. 14, 62. Job. 6, 20. 8, 18, 9, 9. 13, 19. 18, 5; 
im auk 6i\(il yuQ Joli. 13, 13; ni im oi'x eifil Job. 18, 17. 
25; niemals fügt hier Ulf. ein ita hinzu. Ahd. aber gilt 
das iz allenthalben: ih bim iz T. IMatth. 14, 27; ob thui 
bist 14, 28 ; eno ni bin ih is? 26,22; euo bin ih js? 26, 25; 
ih bin iz 0. III. 20, 37; meistar ja, ih iz ni bin 0. IV. 12, 
24; wer ist izl 0. III. 20, 175. IMhd. ich pin iz Joseph üiut. 
3,110; ich bin es Iwein Iw. 26 1 1. 7483 ; ich bin e; .Minne 
Iw.3016; du bist ez der böte frone JMar. 111; bisluz Iwein 
ode wer? Iw. 3509; daz ez sl der recke INib. 87, 4; ich 
bins der sun Waltli. 26, 36; sit irs der beste ibid., und so 
häufig. In diesen beispielen bildet ez, gleich andern prädicaten 
gewöhnlich den Schluß des Satzes oder folgt doch erst hinter 
dem verbum. Alls, ef thu it waldand sis Hei. 90, 5. Ags. 
ic hit eom iNlallh. 14, 27. Job. 6, 20. 9, 9. 13, 19. 18, 5; 
eom ic hit iMatlh. 26, 22: thu hit eart iMallh. 14, 28; zu- 
weilen auch ohne hit: ic eom Marc. 14, 62. Job. 8, 18; 
ne eom ic Job. 18, 17. ic ne eom Job. 18, 25. Die heu- 



verhiim. personell, es. 223 

tige engl, spräche liiiU entw. das neutralpi-on. aus: 1 am 
IMarc. 14, 62. so 1 am Joli. 13, 13; oder fügt das niäun- 
liclie pron. bei: 1 am he Job. 9, 9. 13, 19; oder setzt z^va^ 
il ^ aber als siiljject mit dem verb. dritter person , nicht 
als prädicat: it is llVIalth. 14, 27. Joh. 6,20; is it I ': INIatth. 
26, 22. 26, 2.5; if it bc tliou INIallh. 14, 28. dies engl, it 
is I wäre nhd. es ist ich, doch Jiie sagen wir so fiir icli 
bin es, nocli die EngUinder I am it. die nhd. weise stimmt 
aber zur ags. und das engh it is I wurde oil'enbar dem 
franz. c'est moi nachgebildet. Nnl. wie nhd. ic ben't jMatlh. 
14, 26. Joh. 6, 20; indien gy het zijt IMatth. 14, 28. Die 
nordischen sprachen, weil sie kein dem goth. ita , alid. iz, 
ags. hit paralleles pron. besitzen, müssen dafür das demon- 
strative that verwenden, oder andere ^vege einschlagen; in 
dem isl. N. T. finde ich IMarc. 14, 62 bloiies eg em ; Joh. 
6, 20 eg em thad, JMatth. 14, 28 ef tlui ert tliad., 3Iatth. 

26, 22. Marc. 14, 20 er eg thad iiuckud? ^ iMattli. 14, 

27. Joh. 13, 19. 18, 5 eg em hanu ^ Job. 8, 18. 9, 9 eg 
em 5«. auch der schwed. und drin, ausdruck scliwankt, 
am gewöhnlichsten heißt es (analog ilem engl, it is 1) schw ed. 
thet är jag Matlh. 14, 27. Joh. 6, 20. 9, 9. 13, 19; diin. 
det er jeg IMatth. 14, 27. Joh. 6, 20. 9, 9. 13, 19. 18, 5. 
merkwürdig ist das schwed. suffix dret tu? IMatth. 14, 28; 
jag äre* Joh. 18, 5. dän. steht Matth. 14, 28 det er dig, 
sogar jiiit dem acc. für du , und wahrscheiidich sagt mau 
auch im gemeinen leben det er mig f. det er jeg. 

Das selbe neulralpronomen es kann aber nun aucli 
als scheinbares und unbeslimmles subject in den beginn 
des Salzes gestellt, und vorliiuler des eigentlichen subjecls 
werden, das dadurch in das verhiillnis eines pradicals zu 
jenem pron. tritt, statt: der könig starb, drei ritler rillen, 
Artus hielt einen hof wird gesagt: es slajb ein künig, es 
ritten ilrei rilter, es hielt Arlus einen hof. die anlicbende rede 
liiUt noch unsicher, welche beschalfenheit es um das wirkliche 
subjecl habe uiul stellt ein ludieslinuntes wesen vornen hin, 
das sich gleich darauf In ein beslinniites audösl. jener salz 
bedeutet streng genommen: et^^as lill einher, drei riller 
)ilten. JMan sieht, dieser (Md)eslinMnle beginn Ist nicht we- 
sentlicher als der unbeslinunlo ausgang, von dorn ich vor- 
hin handelte, und sowol die griech. und lal, als die golli. 
Sprache zeigen ihn ebensowenig: er wiril hloli ilann ge- 
wühlt, wenn mit einer gewissen empliase, lile Ircllicli tluicli 
den hiiuligen gebrauch an starke verlor, gcsjiroclieii nmi- 
den soll. 



224 einfacher salz. 

In dem alid. und in allen übrigen deulsclien dialecton, 
die ein solches, der bedeutung nach iiheilliisslgcs neuliiim 
des persönlichen pron. in den eingang der salze zu schie- 
ben pllogen, lial es Avaluscheinlich seine erste anwendiing 
da gefunden, wo sonsl gar kein suhject ausgedrückt gewe- 
seii wiire, d. h. in salzen, wo ein unbcslinunles neulnuii 
zu verstehn und zu ergänzen wäre, naineutlich bei den 
sogenannten unpersönlichen vcrbis, z. b. in den lat. salzen 
verum est, fulgurat, die wir verdeutschen: es ist wahi-, 
es blitzt. Der zweite schritt war, dieses e* auf fälle zu 
erstrecken, wo kein neutr. , sondern ein niasc. oder fem. 
ausgedrücktes subject ist, z. b. es spricht der herr, es rauscht 
die welle. Drittens endlich bediente man sich seiner, wenn 
subject und verbum im plur. stehen, z. b. es sagen die 
leute, es sterben alle menschen. Überall jedocli nur voi" 
die dritte person, und nie vor die erste und zweite, kann 
ein solches es zu stehn kommen. 

Die ganze ausdrucksweise hat in dem nlid. iind mlid. 
nielir um sich gegrilfen als in dem ahd. wo sie seltner, 
wiewol völlig entschieden erscheint. die gotli. spraclie 
kennt durchaus noch kein solches vorgeschobnes ita. hier 
ahd. belege: iz sprichit ouh Ilierunimüs 0. V. 25, 69, iz 
was iher liiar forna tliie liuli bredigula II. 1. 3; iz ist 
ther selbo III. 20, 33; iheis wärt sin gilicho III. 20, 36; 
was iz ouh giwäro (nicht giwaro, wie Graft' 1, 910 
schreibt) gotes drüt ther maro 11. 7, 7 ; iz lieizit bluama 
II. 7, 50; iz ist wunderlih N. Bth. 105; iz wären 
aber die (risen) N. Bth. 175; iz sint ouh andere N. Ar. 
(von Graff 1, 40 nicht naher angeführt.) wo das iz vor 
dem verb. subst. steht, ist der nom. unzweifelhaft, in an- 
dern fällen wahre man sich, damit nicht den acc. zu ver- 
wechseln, z. b. in: iz dätun gomaheiti 0. 8al. 15; iz deta 
imo thiu fasla 0. II. 4, 45. JNlhd. beispiele wähle ich 
vorzüglich für das ez neben masc. fem. und plur.: iz was 
iur fiUe Diut. 3, 110; iz ni si Jusebes wille Diut. 3, 100; 
iz ist Dariüses rat Alex. 2225 ; ez euruoche got scheiden 
Mar. 137; ez was ein man buse IMar. 13iS; iz si enbezzere 
denne diu toufe Diut. 3, 65'^ iz sint zuei jär Diut. 3, 110; 
ez mühten die tievel ir spot haben altd. bl. 1, 221; ez 
reiten sine liiite Nib. 51, 2; ez fu orten scharpfe geren 
die riter Nib. 74, 2; ez sint in mune huse luikunde degene 
Nib. 84, 2; ez giengen ze dem liüse die iwer degene Nib. 
2270,2; es wären tiure vleisch mit den vischen lw^ 6215; 
ez liefen garzüne gnuoc Iw. 7104; ez verdienten niemer 



verbnin. persoiwn. es. 225 

tösent wjp Iw. 8004; ez enwizzeii alle lliile iiiht Ms. 1, 
165*; €Z sinl giioliu niuwe nicXire jMs. 1, 18-*; ez siut gruzc 
wunden ]Ms. 1, 95^'; ez siut manger liande doene Ms. 1, 
32^; ez sint noch lierren eteswa gesezzen ]Ms. 2, l4l^; ez 
spreclient zwivchere Ms. 17o**); ez >YUixlen einem mau 
siniu scliaf m getan Ls. 2, 3; ez Avaren zeiuci' zit zwu ge- 
vatern Ls. 1, 6lö. Für den sg. neulr." bedarf es kai.m 
der belege: iz ist alliz ein ileKcheit Alex. 25', ez ladete vil 
der gesle in Gunllieres laut Aib. 46, 4; ez enwart nie niht 
als unfriiüt su alter unde armiiot Parz. 5, 15 u. s. av. 

Die eben nacligewiesne conslriiclion des pron. ez nut 
dem pl. des verb. halte ich für entschieden hochdculscli, 
lind sie vergleicht sich anderen Stellungen des pl. zum sg. 
Alle übrigen mundarten meiden den pl.beiiltesem pron.; zwar 
slehn aus Ilcinke meiner behauptung drei beisplele cnigegeii : it 
syn (Hakem. id synt) twe böse quade ketyf 2795; it wereii 
van dem merkatten gesiecht 5864; it synhunre 6405; in wel- 
chen abcrwol hochd. einÜuü anzunehmen sein wird, ungleich 
öfter und fast allenthalben faulet sich it vor dem sg. des verb,, 
selbst bei folgendem pl. subst. z. b,: il is wol seven jar 234; 
it is nu twe jar 4579; wo hochd. lieber gesagt würde: es 
sind. Auch die mnl. cjuellen haben mir kein het vor dem 
pl. dargeboten, nicht selten vor dem sg. : het was Rein. 
41. 79. 2321; hels = het es Rein, 1391. 1806. 2062; hets 
in jaer Rein. 2736; het stunt 1590; sief hoenre 3915 um- 
gestellt, in der mit Reinke 6405 paraljelen zeile. Da 
wo im nhd. N. T. es vor dem pl. sich iindet, ninunt die 
nnl. eine andere wendung: jMatth. 7, 21 es werilen niclit 
alle, niet een yegelick en sal; Luc. 13, 29 es werden kom- 
men, daer sullender komen; Luc. 13, 30 es sind (die) 
letzten, daer zijn laetste ; Luc. 13, 14 es sind sechs tage, 
daer zijn ses dagen; Job. 21, 25 es sind auch viel andere 
dinge, daer zijn nog vele andere dingen; Rom. 9, 6 es 
sind nicht alle Israeliten, die en zijii niet alle Isranl. Doch 
der volkslietierstil , nach hochd. mustern, wagt den pl. zu 
bei: het ghiiighen lirie ghespeelkens goet ; het waren Iwe 
coniiicskinderen IloH'm. bor. belg. 2, HO. 112. het liad- 
dense bei Mel. Stoke 2, 8 ist etwas anderes. 

Alts, erscheint it ziemlich oft da wo das subiect neu- 
tral, zuweilen auch wo es männlich ist: it undar iro han- 
dun wuohs meli llel. 87, 20 (meti m. 87, Ib); belege lürs 



•) Ms. 1, 2i)!' oz liioiit diu vofii-liii scliin, isf al)or ez der vor» 
srliin tiiou ;il)lirm^cnil<' acc. , iirul Ms. I, 20l> <•-- lialjciit die knlteii 
»eilte getan könulc beides uoiii. oder acc. angcnomiiie» werden. 

1» 



226 tii/ifacJicr salz. 

iKuilr. il is iinc al li lat 4, 23; liwo il glwordaii iinitii 5, 
10; l)einciUc'iis\vcrlli ^11)1 lür: llial if scoldi ■wcsaii harn Ixo- 
des 17, U2 die atulere lis. llial hie. niemals il vor dem j)l. 

Ags. hit y engl, il, \vie alls. i7, z. b. sva Inl gedelc väs 
R. 3339; hit ull gelimped li. 3504. nie vor dem pl. jcin; 
slfUen liaheii ags. gar kein vorgeschobnes ])ron.: six dagas 
siiil Luc. 13, 14; siiit ylemesle Juic. 13, 30; odlu-e mauega 
ihiiig siiil Juli. 21, 2,5; engl, aber \vlrd das adv. ihfre vor- 
geriickl: liiere arc six days, there are last, liiere are also 
many olher thiiigs. 

Die nord. sprachen verwenden ihr demonslralivuin iliat, 
det zwar seltner im beginn der salze, als die liochd. ihr 
es, sonst aber ebenso, und namentlich vor pluralvei hen. 
isl. Koni. 9, 6: thad eru icke allt Israels nienii; schwcd. 
Luc. 13, 30: tlitt uro nogre yltersle. Oft in den volks- 
lledcreingüiigen : och dtt var ridder Tynne Sv. vis. 1, 33; 
del voro tva ädla konunga barn 1, 103; dtt bodde ea 
grefve 1, 60; det bodde eu fru alt söder ujider o 1, 70; 
det sxiio Iva kämjjar 1, 16. T)\x\\. det var S. Oluf Dv. 2, 15; 
del var höjen Ijcrner rise 1, 55; det var slollon fru 
Grinüld 1, 117. Im schwed. behält einigemal das verbum 
den sg. , obschon ein pl. l'ulgt: det var Iva säta viinner (es 
waren zwei thcure freiaulej Sv. vis. 2, 3. 

Statt des neulralpron. findet sich zu eingang des salzcs 
oft ein localadverb: thiir eru og marger adrcr hluler iV. T. 
isl. Job. 21, 25; däii. der ere sex dage Luc. 13, 14; der 
ere sidsle liuc. 13, 30; der ere og mange andre ting Job. 
21, 25; zumal in den d;in. (nicht in den schwed.) Volks- 
liedern: der boer cu frue i Sielland 3, 209; der boer eu 
jarl i Engelland 3, 291; der var drik paa Heile 3, 225, 
und hier wird eigentlich angezeigt, daU an einem gewissen 
ort sich etwas ereigne. Ein solches daar (oder dafür er) 
gewahren auch häufig nnl. liederanfdnge : ^^rtrti-ging ceji jager uit 
jagen; daar voereJi drie zoldaten Hollm. 77. 15«; nicht aher 
hochdeutsche, es enlspiicht dem engl, there, Nvelches, gleich 
dem diin. der, gein bei umschreihungen lat. passiva ge- 
braucht wird; there are men (sunt ipii •, there is no devil 
(es gibt keinen teufel); dän. der siges (dicitur) u. s. vv. 

Die ältere spräche scheint dafür auch zeitpariikeln zu 
setzen: mhd. dö wuohs in TViderlanden Nib. 20, 1; alts. 
than was thar Hei. 2, 23; thaii habda thuo 2, 12; than 
was im Juliannes 26, 3. 

Unter den romanischen sprachen kennt bloß die fran- 
zösische solch ein vorgeschobnes prou., und lange in'cht 



verhiuii. porsoiien. hiipersojinlia. 227 

60 allgemein ^vie die unsrige, lediglich bei Impersonalien, 
hier verbindet sie es aber in der redensart il y a noch 
zugleich mit dem localadverb, so dali daun beide, das engl. 
it und ihere, nebeneinander ausgedrückt erscheinen. 

Die ital. und spau. spräche lassen die begleitung eines 
pron. nicht zu , wie seiner unsere ältere in vielen fallen 
entrieth. ist lilu mannö wuntar 0. V. 1,1; was liutu filu 
in llize 0. I. 1, 1 u. s. w. würden wir heute durch es ist, 
es war wiedergeben, indessen können wir luis des pro- 
nomens überall noch durch eine bloße Wendung der phrase 
überheben, sobald wir das folgende subject, oder auch den 
obliquen casus eines pei'sönlichen pron. vorausstellen, z.b. 
statt es ritt ein reiter, es verletzt mich sagen : ein reiter 
ritt, mich verletzt, hierzu werden die unpersönliclieu verba 
gleich noch eine menge von beispiclen liefern. 

Impersonalia. 

Gewisse verba werden nicht aniicrs als unpersönlich d. h. 
lediglich entw. im infiniliv, der keine person bezeichnen 
kann (s. 90), oder in der drillen person des sg. gebraucht, 
diese dritte person ist aber nur in dem unbestunmlen neulr. 
denkbar, daher ihr wiederum in den sprachen, wclclie, wie 
eben gezeigt wurde, ein unpci'sonliches Jieulralpron. vor- 
schieben, dieses vortritt oder wenigstens vorlrelen darf, 
granunalisch betrachtet ist die drille pers. sg. auch eine 
person und insofern schiene der naine unlreflend, logisch 
erwogen soll das unbestimmte neulr. hier alle wirkliche 
persönlichkeit ausschliefen, luid das rechtferligt ihn. 

Die unpersönliclicn verba beruhen also in dem begrif, 
nicht etwa in deicclivcn iormen; manche verlia können 
persönlich zugleich und unjiersönlich gebraucht werden, 
viele abei' gehen nur unpcrsönlicli. 

Entw. slehn sie völlig absolut, oder es tritt eine von 
ihrem begrif abliiingige be/.ichung, in ol)li«[ucm casus, hinzu. 

Jener art sind vorzüglich die impeisonalia , Nvelche na- 
turerehjnisse ausdrücken, der iillcren spräche waieii hiei* 
oll iukIi einfache verba eigen, welche die jüngere zu um- 
schieiben gedrungen ist. doch liilU sich der unzweifelhafte 
reichlhum des golh. dialecis hier gerade, ^^cil das N. 'l". 
wenig gelegcnheit dafür daibot, incht ermessen. 

Anbruch oder schlul^ des tagcs innschreilien wir heule: 
es wird morgen, abend, nacht, es wird spüle, hell, dunkel, 
iinster, doch wol auch es duhiell , und es tagt =z es 

r 2 



228 cl//J'acher seile. 

Avircl tng. inhd. ei laijeA Ms. 2, M^\ do cz lagcle INIar. 
77. Par/.. 70.'5, 10. 7'J'J, Ifi; ei dhemht Gudr. 106.5, 1; 
ei monilnul Diiit. 2, 2'J3; ezna/itet lilr. Trist. 2589. aiicli 
c/. Ijel.igot Gudr. U'Jl, 4; ez orlagel Iw. 5867. alid. li 
<f/;f/M(Z<*f (vcsperascil) T. 228, 2 (lliu i/. ahaiid worlan \vard 
212, l); und sicher auch iz utorUanet , takct , nahtet^ da 
alle solche verl)a driller scliw. cüiij. lolgeii ; zu inulinaUen 
sind goUi. dag;iilh, niaurgiiiuilli , nahtailli. inhd. unisclirei- 
bung: also Iz zuo deine abande seig Diut. .'J, 70. ags. hit 
duijadJi , hit (cfnadh :, engl, it tlaivns. ahn. thut datjarf 
kvüldar y ndtUn\ 

Jahrszeilen, nihd. es sumeret Gudr. 260, 3: ez ^vin- 
terel; ei ineujet JMs. 2, 84''. nhd. es wird sominer, hin- 
ter, herbsl , mal. alln. nu sinnrar (adest aeslas) , vtlrar 
(hieniat.) ahd. so heiz wirt ze suniere j\. ]>lh. 31. 

Luflcrschclnungen. nhd. es donnert, blitzt, wetter- 
leuchtet, ivittert, reijnet, hayelt ^ schneit, thaut, reiß^ 
in volksnuMularlen noch andeio, z. b. es ßssclt (regnet 
fein), rorimt (der ihau gefrierl), iihert (der schnee schmilzt.) 
nilid. ei sniet (ningit); ei regenet (pluil): ei woJhent 
(wölkt sich) Ülut. 3, 61 wo das prjit. Iz wolchenule. goth. 
ricfueith fj{ii''//J IMalih. 5, 45; ri(jnida ('ßoels Luc. 16, 
29, in der ersten stelle vielleicht nicht Inipersonell, 
doch läßt es sich auch so fassen; merkwürdig die erste 
sclnvaclie conj., wozu das ags. hit rindh und alln. that 
i'ignir slininit, man verband wol einen mehr transillven 
begrif damit, wenn Biürn ilic redensart beibringt: Jiann 
rignir i allan dag, so ist das ijcrsünllch, und auf das masc. 
himinn zu beziehen, ahd. aber reijauöt T. 32, 3, inul 
ebenso donarot; N. ps. 28, 3 hat j)ersönlich: got irdo- 
iierula; hingegen iz plecchazit (cortiscat.) ags. hit thun- 
radh (lonat) prat. thunrude. mlid. ei wittert Ms. 2, 37^^; 
persönlich 2, 31^. altn. that snioar (ningit"); ags. hit 
snivdh. engl, it thundcrs , lightens, raineth , snnws, 
tlrizles. nnl. het dundert, bliksemt, haijelt, sneeuwt, 
dooil, refjent. schwed. det nskar, ddu. det tordner u. s. w. 
Ebenso vom winde es xveht, es stürmt, nnl. het tvaait, 
engl, it hiows ; vom gewüsser es ebbet, ßiitet; nnl. het 
ebt , vloeitj mnl. het ghinc vloet Stoke 3, 137, wie nhd. 
es geht wind, nhd es ist (wird) kalt, warm, heiiS, kühl; 
es friert. 

Einige dieser Impersonalia können auch ein persönli- 
ches pron. bei sich haben, namentlich einen dat. comniodi, 
«. b. es tagt mir zu frühe, es regnel mir zu viel, es wird 



verhuin. pcrsuiien. iinpenivfudia. 229 

mir spät, es fiiert mir diesen wintei' iiiclit genug, aber 
CS friert mich (algeo), von der iunern cnipündung, wie 
altii. hell mik 1 liöiudh (alget mihi caput) Sfeni. 16S^. 

Ohne abhängiges pron. stehii auch gewöhnlich die Im- 
personalia, welche das bloL\e ereiejnis ausdrücken: es f/e- 
sc/tiefit, es he(je(j7iety es kommt vor, es ereiifiiet sich, 
träijt sich zu, heijiht sieh:, iinl. het (jeheiirt , was evenit 
bedeutet, wälireiul das iilid.' es gebülirl Cüuvenit, das ags. 
/«7//eiyro^?/t aber beides evenit und convenit, decel aussagt, 
ahd. kepiirit (coiitingil) K. 58"^, ohne sih , vgl. rdts, that 
giburida (das sicli zutrug) ifel. 67, 14. wahrscheinlich gab 
es ein goth. starkformiges tfadahilh GVf(ßuiv(i, prät. gadof, 
womit das. ags. schwache (jedafenudh (oportet, decet) zu 
vergleichen. Wiederum darf aber aucli der dat. oder acc. 
hinzutreten, jener in dem nhd. es begegnet, geschieht mir, 
und auch das mhd. mir ijeziuhet nehme ich hierher, dessen 
bedeulung wiederum schwankt zwischen evenit und con- 
venit (oder noch besser conducit) mihi, zwischen conlingit 
DÜhi und decet me: ez geziuhet mir also Iw. 4452; ez 
gezoch ir also Iw. 5446; iju geziehen sol kein ander Ion 
Ms. 2, 204''; ratt als ez geziehe nii (uli deceal, conducat) 
Parz. 7, 25 ; als sie an gezöch (sicut eos decebal) Wigal. 
9550. Der acc. steht bei dem golh. gadaban , denn aus 
ihöei habaidcdun ina gadaban ]Marc. 10, 32 scheint man 
ein mik gadabith l'olgern zu dürfen befugt. Nur bei 0. 
Ireiren wir ein ahd. mih (fiivirdit an , für contingil mihi, 
es wird mir zu theil : ob inan giwurli thaz er heil wujli 
(an ipsi contingcrel iit sanus evadejcl) lil. 4, 20 ; die übri- 
gen belege gel)en einen gen. der sache hinzu: giweidati 
mohla siu es Iho (evenire eis poluil) II. 8, 9; so sie ihes 
broles giward (dum eis panis cojilingebat) III. 6, 44; gi- 
werdan mohla sie thes IV. 9, 20 *). auch alts. einmal : 
thea gumon alle gitvard (islis vjris tontiglt) Ifel. 88, 12. 
eben dieses goth. und ahd. acc. bei gadaban \mu1 giwerdan 
lialben wollte ich s. 91. 115. 116 kein golh. unpcrscinli- 
i:]]i;ä misvalrlhith, mis varlh für ylverat und i^ytreio an- 
setzen, Sondern den dal. lieber auf den folgenden iiif. zie- 
hen; auch haben die gr. verba das pers, pron. ollenbar 
nicht neben^ sich, auf allen lall slehl varlh (accidii) im- 
personell. Übrigens können die meisten solcher verba auch 



•) der acc. bei ivola ward, z. b. tliili Itbeiiti (>. 1. G, 6 (inclir be- 
le-ie s. 175) scliciiit mit abliiiugig von «üla, da bei mc ward der dat. 
stellt. 



230 einfacher salz. 

persönlicli , z. b. in ilcr ■> \>\. liclHMiiclit wcnloii : es gc- 
achehea dinge, es tragen sicli begcbeiiLeilen zu n. dgl. 

IIIfT ist denn nun auch das seltsame nhd. es ißhl an- 
zurühren, dem i.iaii wc<ler in der alleren spiaclie begegnen 
wird, nocl» in den andern liouligen dialecleu ganz auf unsere 
weise, es enlsprlchl dem sinn des l'ranz. il y a, oder des 
span. !iai, und hat den acc. der Sache neben sich, was 
man also bloß im sg. masc, gewahren kann , z. b. es gibt 
einen wald namens Solling. wir frftgen aucli : was sibls':' 
qu'y a-t-il:* ^:^ was gescliielit? es gibt regenweller {\\ y 
aura phiie) : was arlieilest du dal* es gibt einen bunten 
rock, d. h. ich mache daraus einen 1). x. Ich liahe dem 
ältesten vorkommen dieses impersonale nachgespürt, die 
schriltsteller des 17 jh. bedienen seiner sich schon häufig: 
es gibt allerliand zu thun, Weises drei erzn. 133; nun gab 
es einen voi^lrenichen anblick das. 14,5; zu 31. gibt es 
unterschiedene gassen Gryphius im Squenz p. 728; gab 
es so ein wunderlich gelüne das. 776; gab es Phil. v. 
Slllew. 1677 p. 123; dal^ es bald einen arm gab (ein ai-m 
daraus wurde) das. 228; gibt es noch der verdammten 
kipper und wipper? Philand. dedication von 1650. Im 16 
jh. ersclieint es weit seltner, bei H. Sachs wollte sich kein 
beispiel finden, und Luthers bibel gewährte keines; doch 
Fischart liefert gewis noch andere als das folgende : es 
(jibls podagram (es wird das p. daraus) Garg. 98*^ und in 
gleicher bedeutung braucht ers auch pluraliler: welche nit 
gern spinnen, die (jeben gute wirtiu Garg. 95^. diese lialb 
futurische bedeutung halle ich liir die ursprüngliche, man 
sagt auch franz. cela donnera des allarmes, das wird lärm 
geben, cela donnera la fievre**), das gibt ein fieber. es 
gibt heuer einen guten wein, nicht viel anders als : die trau- 
ben geben vielen wein, das erklärt den acc. hinreichend, 
man wandte hernach aber die redensart auf fälle des blolieu 
Vorhandenseins, nicht des entstehns und h.ervorgebraclit- 
werdens, an: es gibt leute = sunt homines, sunt qui, oder 
wie die Juristen sagen, dantur, und so entspringt passiver 
sinn (s. 55.) Darum haben Schweden und Dänen, als sie 
iniser es gibt nachahmten, ihr sogenanntes passiv gebraucht: 
ilet {jifves , det gives (oder der gives, es gibt, der gaves 
es gab) , wobei jiatürlich der acc. wegfällt , dessen form 



') in Niederliessen hörte ich fragen : wöttii cii billhauer gäwen? 
(willstu ein Steinmetz werden?) 

") gewöhnlicli cela to«* donnera = cnusera, procureru. 



verhiun. pemuneti. inipersonaiia. 231 

in diesen sprachen ohnehin iiimuterscheidbar ^Yare. man 
sagt aber scliwed. richliger dtt ßns (es findet sich), wie 
nnl. 'f is oder ^t is 'er (il est = il y a.) im 16. 17 jh. 
verdeulsclite man auch das franz. il y a in es half z. b. 
Saslrow 1. 324. 345. das engl, give sieht nie auf diese 
nhd. weise, zu vergleiclien aber ist das vorhin (s. 229) 
erwähnte: es begibt sich (contingit.) 

Zu den impersonalien, bei welclien nolhwendig das ab- 
luingige pron., meist im acc. , zuweilen aber auch im dat., 
ausgedrückt wird, gehören vor allem die innerlichen em- 
pßndunijen des luingers iind dursles, des schlaferns, schwin- 
deis, der Ohnmacht, des ekels, verdrußes, der reue, des 
mitleids, aber auch der lust, des behagens und vei'laugens. 

golh. inik hiigyreith Joli. 6, 35; mik ffredöth Rom. 12, 

20, doch heiik es fast lieber persönlich gredags vas oder 
varlh. ahd. mih hungirit T. 15, 2. 68, 3; hungeret mih 
N. ps. 49, 12. ags. me hijnijradlt. mhd. nhd. iniclt hun- 
gert, alln. mik huugrar. 

golh. mik thaürseith Joh. 6, 35. 7, 37. Kom. 12, 20. 
ahd. viih dursiit T. 152; der dal. ihemo Uuirslit üiul. 
2, 382 sclieiul luisicher. auch mhd. nur der acc. in dürstet 
Ms. I, 102» Frcid. 71, 21; priit. in durste IS'ib. 919, 3. 
ngs. wie ihyrst. alln. mik thyrslir. volksmundarlen mich 
dürslert, auch wol mich trinkert, esserl (= esurit.) 

ahd. mih slaphöt (dormiturio) N. ps. 118. 28; niili 
slufeiot Diul. 3, 23. sonst steht lieber das nur persönlicbe 
nailez-an. nhd. mich scliläj'ert. nuil. mi vaect: hen (eis) 
vaect Floris 2491; alls. wol mi Jaköd? alln. mik doHar, 
mik syfjar. 

ahd. mir suintilot (verllginc circumagor) gl. mons. 396 
wo: uns suiulilul (nporiamur :') uU(\. mir schwindelt, noch 
stärker das ahd. mir gisuinlit (dcficio); mhd. mir geswin- 
det, gesivant blore 2178. 2241. Ms. 2, 186\ alul. mir 
zinmnhtet N. Bth. 131; in (eis) uninalila fore zailele N. 
ps. 106, 5. mhd. mir entsunchet; im entswoich vomc 
bluote Reinh. 564. ndul. mir entwichet^ ir enUveich von 
angest Flore 6301; oder ist eine der beiden lel/.len for- 
men fehlerhaft:* die eine hs. Rcinli. 564 gibt auch ent- 
weich: entweich. Alle impcrsonalia dieses bcgrifs fordern 
den dat. 

Auch wol die ekel und Unwillen bc/cichnen ; es ist 
richliger zu sagen mir ehell y als jhi<7» ekcll; früher liieU 
es mir erkelt Reinh. s. 105 j mhd. mir gdl über erklich 



232 ciitj'inlwr nutz. 

rioiiili. HO. r.liil. )Ji/r wlildt (nnosco) Diiil. 1, 189. mlifl. 
mir wüllet rmis. 1, 148; Arm luolite ^vo!lell allen den In;^ 
IMoroir !)7, vgl. nlul. %vulli<l<), willido fnaiisca.) a})t'r »mV 
nnwillot slainnil vom iiiiwillo: iiiio iiii\\illula N. lilli. 21"). 
ml. mi waiiel ?icocov. 1, 410; mir \valyt 15. AYahlis 276''; 
\<;1. ahn. vei^ia. das sonst dunkle niiid. mir (joUet stlieint 
lastidil: im bogiiiiict gi)IU-n Dint. 3, .53. jilid. mir stöM 
inij'; mir tvidersteht. nilid. mir smechet (male odoralj 
Trist. 12009. 1201.}. allii. mik hasar fnanscam inilii movet.) 
mild, mir (jriiset M. 2, 132« cod. \iiid. 1.59 iir. 20.5. 
nhd. mir grausety hess. es gnisell mir Km. 1, 14. man 
ßagl: aber beides: mir uud mich (jrauet (liorrescoj; mhd. 
mir (jrthvet iieinh. 81. Renn. 47.54; alid. mih hrüet , in 
griicl (abiiorrel) gl. lirab. 954''; mich (friulet ^Is. 1, 13 1\ 
in Albr. Til. ancb mich iiimct griide. das mlid. mir e/se< Amgb. 
43« setzt ein alid. i>ur e<//.sof voraus, nlid. mir schaudert. 
nlid. mich juckt (^pvuiii)), gCAvis ein altes ^vürl, da schon 
ahd. juhhido (priirigo) galt, es kitzelt mich (lilillat.) mhd. 
ez (trimmet mich zem herzen (coli doloribus laboro) cod. 
kolocz. 137. nlid, es reii\t mich im leib, vielleicht ein 
ahd. iz siiidii mir (urilur liiihi peclns)? ich kenne es nur 
personlich gebrauch l ans 0. V. 23, 149. 

Die vorslellimgcji von äiger, Verdruß, Überdruß, ini- 
willeu des gemiils haben stets den acc. bei dem imjjerso- 
uale und den gen. der saclie. artrdket (laedet) gl. hiab. 
975*^. mhd. mich betraget INIar. 69. 96. hv. 520. 6275. 
Parz. 554; 26. Ben. 332. ahd. mih pidriiizit^ sia (eam) 
hedriuzot dero herebirgun N. ps. 110, 6. 70, 13. mlid. 
mich verdrinzetlw. 470. 2875. 5990, 8158. Parz. 801, 18. 
Bari. 214, 10; nhd. m/t'/i verdriei\t. Lieblingsausdruck der 
meisten mhd. dichter (nicht aller, z. b. Ilartmann hat ihn 
iiiclit) ist mich hevllt (es ist mir dessen zu viel, ich bin es müde) 
Parz. 24, 28. 60, 12. 719, 10. 730, 12. 757, 20. 775, 24. 
AVh. 356, 24. Ms. 1, 29» 192» 2, 12'' 141'* 204» 206'' 252''. 
\Yigai. 166. 4045. 5636. Flore 2837. Bark 6. 72. 12, 26. 
168, 20. 233, 23. 246, 3; einige setzen vervilt Roth. 4678. 
Geo. 235. 1089. 3670. das Avort war weder ahd., so viel 
wir wissen, noch hat es sich im uhd. erhalten, auch ist 
es in Ivcinem der übrigen dialccle nachgebildet. ATie beviln 
von vil, stammt betüren von tiure , mich hetiiret \\e\\S\.: 
es ist mir zu kostbar, kostet viel Parz. 230, 7. 351, 25'. 
nhd. iJJit7i dauert (je regrette) oder ])ersönlich Ich bedauere, 
welche wir fehlerhaft mit D schrcll)e;<. diese falsche Schrei- 
bung sclion Flure 4412: in silbev nocli golt Kitzel düret. 
nhd. miiih ärgert (piget me) , es betrübt mich , schmerzt 



verhuin, personen. impersouaUa. 033 

mich, reiity gereut mich, das goth, idreiguii slk (s. 31) 
steht nicht uupersönlich, auch niclit das alid. riiiwan, eben- 
sowenig wciU ich ein inhd. enlschiednes iinpersonalc ez 
riuwet mich (poenitet nie) aufzuweisen, iihei'all steht ein 
subject dabei, z. b. si rou in also sere Bari. 328, 29; in 
rou ein sündc Bari. 60, 24. 343, 24; daz riuwet mich Iw. 
8103; doch wil micli (daz) nit riuwen Ms. 2, 190»; daz 
■was in du gcriuwen Troj. 16720; daz ist mich nu geriuwen 
Troj. 16872; daz gerou si \Yh. 321, 12. mhd. mich jam- 
mert^ mhd; vil harte in ämerot Diut. 3, 53. 75; mich jä- 
inert siner verte Parz. 101, 24; mich jamert Parz. 164, 
17. Iw. 48; nach einio dinge jamert in Iw. 3216. 

Für den begrif schämen enlhallen unsere meisten dia- 
leclo kein dem lat. pudet me gleichendes impersonale; man 
sagt golh. skaman sik (s. 31), ahd. scamen sih , nudau sili 
(s. 34) persönlich. nur die ags. prosa gewährt wje scea- 
inadh^ inonigue mon sccamadh (midlos pudet.) nhd. mich 
beschämt. 

Das golh. gaarman giU lusr personlich, z. b. gaai'iiialda 
tluik (miserlus est tui) JNlarc. 5, 19. ebenso das ahd. ir- 
paramen, mhd. nhd. erbarmen, mögen sie den dal, oilej* 
acc. regieren, z. b, ahd, mir irparmet diu menigi gl. Doc. 
225'^; iiihd. ja erbarmet im diu gäbe Nib. 2135, 2; be- 
gunde ime erbarmen Diut. 3, 85 ; luiz iz inie mab.t eibar- 
men Diut. 3, 56; wicz mir crl)armct Ben. 397; nu eibaiir.el 
in ir ungomach Iw. 6407; tlu erbainicsl mich Bari. 13, 
21; ich erbarme dicb Bail. 301, 28; daz ez erbainien miicse 
die Kr. man Nib. 806, 3. ein ez erbarmet mich (niiscrel 
me) n)il dorn gen. des objecis kenne ich nicht. 

lust und \erlangen nach etwas, ahd. mih hislit '^ luslida 
sie Is. 406; SU thih es wola luslit 0.1. 1, 14; tara luslot mih 
ze chomenne N. jis. 26, 4; iro consorlii lustet mih N. j^s. 
100, 6; den des libes luste N. ps. 33, 13; wie möble mt- 
ncn lip immer dos gelüslcn ]\ib. 1178, 1; do begundo in 
gelüsten Flore 6377. nhd. mich yelüstet. ahd. mich htu- 
(jet (desidero): thaz luisih heim lange 0. I. 18, 31; dia 
(quam) des erbes langet N. ps. 5, 2; darumbe langet mili 
lara N. ps. 26, 4; übe dih winebero langet IN. Blh. 36; 
tero langet tib N. Btli. 42; des si langeta N. ps. 106, 5; 
linde si (eos) dara langoe N. ])s. 86, 1, alls. lang()da ju- 
dcon llel. 163, 1. mhd. mich (jehtiKft't: i\cs enlät iuch 
lüht gelangen Nib. 2206, 1. nuil. bcnl langbel Rein. 1960. 
nhd. mich verlantjt. ahd. J»u7t pelanijcl N. ps. 34, 17; 
mhd. nu belangoten vil sere Trist. 18608 ; man sagtabcrauch 



234 eiiiJ'cicJwr Satz. 

|)crsü)ilicli ich blaiige Ijcii, l-lO und /weifcllian .sieht: ein 
JiLMze muo/- I)C'laiigtMi Iragiii. o5\ iiihd. j«ir,7t vfldinjel 
(laedet mc, mir wu\\ zu lange): su erlaiigcl iiich ih-s iinrres 
iiihl Trisl. 8'J05 ; in inac Jiie slens erlangen Parz.218, ;J0 ; 
wil iuch nii jiihl eilani;cn Paiz. 232, .5,; si mühl iedoch 
erlangen Parz. 327, 5. auch das alln. lenyiz mer hodcnicl 
taedct nie, es niaclit n)ir lange weile, es laiKfiveiU mich. 

Unlust, widoiwillc. alid. m/r .Sinft/zt-f (displicelj oll persön- 
lich: Ihaz tlicn ihiu buah nirsinah(;l?n 0. I. 1, 0; besinahela in 
displicuit vobis) N. ps. 13, 6. nihd. swie haz'le sie iu versniuhet 
INIar. 84; diu rede iu solde smahen Parz. 133, 26; im ver- 
sniühle scre Parz. 705, 20; iu solte versmahen daz gemeine 
nach gaben Ivv. 4651; daz vciysmahte in vasle l\v. 5185; 
ich fiirhl ez im versmiihe Trist. 3892; nu begunde/. in 
(eis) versmahen Trist. 7554; ob ez iu ndit versmahet ]\'ib. 
704, 3; iu versmahet daz? ]\ib. 1565, 1; lat iu uiht ver- 
smahen j\ib. 1659, 4. zu unterscheiden davon das transi- 
tive versmadien Nib. 309, 3. 1098, 3. Bari. 97, 3«. 101, 
13. 214, 19. 376, 17. mlid. mir leidet (mir ist leid): ez 
leidele Liudgasle Nib. 167, 4. juhd. mir ivirrct Trist, 11961. 
11988. 12086. 

lust, gelallen, vergnügen, beiViedigung. nilid. mir lie- 
bet: ich enweiz waz den phiilen an in liubet altd, bl. 1, 
236; im liebele üf die vart Flore 7658; du liebte in diu 
reise Nib. 40, 4*). nihd. mir behaget steht persönlich: 
min laut iu iiiht behagt Parz. 178, 10; mir behagt ir 
wüune baz Ms. 2, 190^; in behagte nie riter also wol 
Iw. 2384; er behaget im baz Iw. 7366. ebenso ahd. mir 
(jilichel: ist imo gelicliet (placuil) N. Cap. 82. golli. mis 
galeikäith : galeikaida mis Luc. 1, 3; ihatei leikailh imnia 
Job. 8, 29-, valla galcikaith gulha llom. 14, 18. mir fje- 
vellet: dem er wol gevalle Iw. 4565; diu in muose wol 
gevallen Iw. 2762. unpersönlich aber mit gen. der sache, 
und acc. der person. ahd. mih iiiotöt (^ine delectat): sines 
obezes nietet mih W. 14, 4, womit die im verfolg anzu- 
führende redcnsarl: mih ist niot verglichen werden muß; 
gewöhnlicher begegnet der persönliche ausdruck : sih nio- 
tön , und so auch mhd. sich nieten , einen beleg für die 
mhd. impersönliche construction kenne icb uiclit. nhd. 
mich freut , mich ergötzt (gaudio me afficit.) mhd. mich 
gemieget oder gemioget: des nu uiht wil genuogeu mangiu 
wjp Parz. 201, 22; des hele mich gcnüeget ie Parz. 202, 



') äliiilicli von andern adj, gebildete veiba: mir süezet (duice sa- 
pit}, uiir uHSuezt^i ; mir unmceret, sifctret , gavtet , u. s w. 



-m 



verhum. personen. iinpersonaUa. 035 

10; daz iuch des nilil genuoget Parz. 407,18; des in für 
war geuiieget Parz. 701, 14 ; der (cujus) in gniieget I\v. 
2746; mich ger.üeget reliter maze Iw. 4792; iucli des avoI 
güüegct Iw. 7651 ; ir lull des iuch geiuiegen sol Iw. 2799; 
der eren mich geuiieget \Tigal. 8951; des in hetjnüegen sol 
]*on. 25, 53; den beginioclc nie Bon. 88, 9. nhd. mir 
ijeniujl daran, ahd. subjecliv; tliaz niinna sie ginuage (zu- 
Iriedcn stelle) 0. V. 12, 68. 

Hierher auch das goth. ganahthuk (sufficit tibi): ganah 
iiiisis ciQüfl t'jfiiv Joh. 14, 8; ganah sipoui aov.i^Toi' tw fia- 
■1/ rTTJ INlalth. 10, 25; mit subjecl: ganah ihuk ansls nieina iIq- 
v.ü 00t ')] y/.ois polt llCor. 12,9. ahd. (janaJi inun (abun- 
dabil) fr. iheot. IVlatlh. 13, 12; kinah (sulikit) gl. jun. 225. 

Das nahverwandte hinah inik bedeutet o])orlet nie. 
livopan binah 'Auv'/ü.üdv.i ö'tl 11 Cor. 12, 1. ahd. auch mit 
(iein acc. (jidarf inih (nie oj^orlet): inan githarf T. 220, 5; 
gilharf Christ T. 227, 2. 232, 2; ein seilner ausdruck. 
nin!. aber auch kern hedaerf (oportet eum) Floris 2092; 
Lern bedorste (opus erat) Cbgn. 334. nhd. ich bedarf, er 
bedarf persönlich. 

An dieses unpersönliche genügen, müssen, dürfen schlie- 
ßen sich die begrille von geziemen, helfen, nützen, ge- 
lingen , angehen. 

ist ein golh. mis (jatiinith zu folgern aus Luc. 5, 36 
thaninia fairnjin ni galiniid ihata af thanima niujin? ahd. 
mir zimil (me decel): so iz zam 0. IV'. 11, 9; sös iz 
zam V. 18, 3; so zam V. 7, 14; so imo zam V. 6, 20; 
SU gutes sune zam 11.2, 34; persönlich der zimet niinemo 
trute W. 65, 22. mlid. mit dem acc. der person sobald 
ein gen. der sache ausgedrückt wird : weinens si gezam 
(cam decuit) Nib. 1101, 2; daz si des beidiu zrcme Iw. 
3757; in geziniet der arbeit Iw. 3079; der (cujus) in dö 
allerbeste gezam Iw. 64; uu beginnt gcnuoge des gezemen 
]'ar/.. 463, 27; SAves so si gezieme Trist. 7976; daz ir (gen.) 
IMarken (acc.) gezam Trist. 17594; so si des spils ie mer ge- 
zimt Trist. 17834; swen des gezimet Bari. 5, 1; la dich des 
gezemen Bari. 183, 25. sonst aber mit dem dat. der pcrs. 
und dann ist die sache subject (nom.): daz gczaMuc iuwcrm 
namcn wol Iw. 163; daz gez.vme miner froiiwcn baz Iw. 
1663; der ir wol gezam Iw. 4120; si ge/.;iMnen avoI dem 
riche Iw. 4376; als im daz wol gezam Aib. 24, 1; diu 
im niölite zenien Psib. 49, 3: im ziviiie wol ze ininnen der 
küniginne lip ]Nib. 50, 4; daz im wol gezinil ]\ib. 1112, 
2; als im wol gezam JNib. 1126, 3; der giirlel gezam der 



23Ö eiiij'iic/u;r an/z. 

wiKtc Wigal. 709; als im -;(;/.aiii ^^i,^al. 10.', l. 210.0; als 
ir gc/.ani Wi^al. G'.VJ'i ; da/, /.inict dir wol Jiarl. 04, fS ; 
der uns sol gc/cmcn liarl. 272, 2.) *). man liaKe also di»; 
wähl zwisclieii zwei Wendungen, zu sagen: weinens si 
gezani , oder weinen ir gezani ; la dicli des gezenicn, odei- 
lii dir daz gezenien ; fürstin (acc.) es iihele ztcme , oder 
rürslinne (dat.) ez iibele zicnie Parz. 133, 27; ohne zweifc! 
ist die erste ininier in)|)ei'?onelI, die andere meist |)ersoiiell; 
die bedcMilir.ig lauft au( eins li in aus '''''). vernuillich bestand 
die do|)j)elle redensait schon alid. , licute können ^^•ir hloU 
sagen es ziemt , geziemt mir. 

Audi die iibiigcn vorba desselben begrifs ziehen den 
dat. vor. alul. mir ijidiuplnl; horran diskin kelimfit Tau- 
dire discipuluin convenil) K. 20*'; gilimphil mir wesaii 
(oi)ortel nie esse) T. 12, 7; liniphit mir 0. I. 22, 54; mir 
limphil 0. 111.20, 13; uns limpliit 0. I. 2.5, 12; su limphil 

0. U. 12, 67; iz limphit ü. II. 23, 16; liarto limphit iz 
so 0. IV. 29, 2; so limplient imo quaedam stillicidia N. 
])s. 64, 11. ahd. iz sizit mir (decet nie): iz imo sazi 0. 

1. S, 12; sizit uns 0. 111. 26, 4; uns iz harto wola saz 
111. 26, 31, vgl. das franz. il mc sied bien und das nhd. 
aber nur noch sinnlich von kleidcrn ge])rauchte: es sitzt 
mir wol, dagegen wir die ähnlichen: es steht mir wol aii^ 
es kleidet mich wol auch abslract verwenden. 

ahd. mir girisit (decet nie): lerran nicistre kerisit (do- 
ccre niagislrum condecet) K. 26*; deisu kerisit diem (haec 
convenit eis) K. 24^^; geriset si wola dinero houbellialti 
(lua auctorilate est dignissima) N. Btli. 233; der in (eis) 
gerise N. ps. 9, 21; gnuda diu dir gerisct N. 24, 7; soli- 
chiu geriset imo N. 44, 12; diu imo gerlsen (quae eum 
deceanl) N. 95, 7, beinali überall persönlich, bemerkens- 
werth der acc. tlih kirisit lob, te decet laus K. 31^; ke- 
risit (oportet) R. 58*; er chirisla (oj)ortuit eum) Is. 386. 
mhd. nur noch: ime geriste Diut. 3, 67. 

mhd. ez vüeget mir (convenit mihi) : ez mir wol vüeget 
Iw. 7652. Ernst 5384; als ez mir vüege und tüge Trist. 
10354. 



•) Ben. 395 daz ir lip zaeme wol ze miniie eineji gräven; man 
lese einem, oder ir Uhes. 

**) Ben. vvb. zu Tw. s. 161. 586 nimmt für 'mich zimet es' den 
sinn an : icli finde es mir gemäß ; das sclieint mir aber in die worte 
zu Icjten, was nicht darin liegt, weinens si gezam kann nicht lieißen: 
Cot lind fand es angemessen zu weinen, sondeiu nur: es gebülute ihr 
wol, war ihr uiclit unanständig. 



vcrhuin. personen. impersonaUa. 237 

allii. her mer (decet nie, oporlet nie.) 

iilid. es (jeh'dhrl mir ^ es kommt mir zti ^ Avegen ge- 
bühren, geziehen und des golli. gadaban vorhin s.229., Ulf. 
verdeutscht iiQÜiei durch das adjcctivische gddof ist Eph. 
5, 4. Tit. 2, 1. 

goth. hoteith mih (juvat mo, prodcst mihi) IMarc. 8, 36. 
111 bolellh vailit Joli. 6, 63. alid. piderbit (expedil) K. 26^; 
mii* tone f prodcst niilil.) iidid. mir vrümet, nhd. es frommt, 
nützt, hilft mir; alle diese slehn meist persöiii'icli, iiiiper- 
sünlicli gebraucht hat iieHen gern den acc. es liilft mich 
nichts. Audi mhd. schwankt bei hellen der dat. uiui acc. 
ungemein: ezn hilfel /«« aher niht I\v. 6170 ; ^vaz hall' juic/i, 
daz ich golt vanl? I\v. 4251 ; waz mäht st gehelfen Nib. 2313,. 
4; alid. unsili hilpit Is. 372; Avaz hilfet sie iz N. ps. 87, 11; 
iii hilfit iuih thiu ila 0. IV. 13, 6; icli werde im folgenden 
abschnitt darauf zurückkommen, mhd. er. vervwt mich (ju- 
vat nie): daz si vil wenic doch vervie Ba]!. 58, 4; ez vervie 
micli niht Bari. 315, 17; kuniie uns niht vervahen daz 
Bari. 216, 3. ahd, iz ilihit mir (prodest, prolicil): nu iz 
fdu manno inlhihit 0. I. 1, 31 ; tlier douf uns allen thihit 
0. I. 26, 1; ahd. to imo des ne spitola N. Bth. 94; mhd. 
wole ime spuote (proccssit, successil) Diut. 3, 93. ndid. 
mir' zo(jet (succedil): in zogte avoI ir verte Nib. 681, 3; 
daz in (eis) so übel zogle Is'ib. 1261, 2; d() liezens zogen 
desto baz Aib. 1589, 3. nhd. mir tjeht es wol , voit stat- 
ten, (jelin(jt. mhd. mir misse<jät (male succedil) : daz mir 
an dir so missegie Trist. 3968; daz ir an im missegie l\v. 
4059; daz ez ir sus missegangen ist Iw. 4126. ahd. mir 
zaivct (succcdit): ni zawela imo es iiiawiht 0. II. 5, 12; 
tlies in (eis) zaweti 0. V. 13, 9; thaz in es wiht ni za- 
weta V. 13, 12; ihaz in ihannc zaweti V, 13, 14: weiz 
Ihemo ouh baz zawela V. 5, 5; man vergleiche das mhd. 
zouwe din! (spule dich) ol)en s. 35, um sich zu ülierzeu- 
gen , daii diesmal Schiltei-, und nicht Scherz, richtig über- 
setzt halte. Das ahd, und mhd. mir erschiuzet kann auUcr 
succedit mihi allgemeiner aussagen: evenit , conliiii^it mihi, 
jiediu ist mir rejito irscozzen (ist mir reciil ergangen) N, 
ps. 101, 4; sol min weihen niht erschiczeii mir (von sl.-iltpii 
gehn) Ben. 173; sol mir erschiozeii JMs. 2, S9^'; wivr ir 
lun gegen mir baz erschozzen IJen. 263; uns ist nicht wol 
erschozzen gclücke Troj. 12392. 

Ein ganz ähnlichei- ausch'uck leitet auf die un[iersün- 
lichen Vorstellungen von angehii, belrenVu , kümmern, ach- 
ten, die aber nun den acc, nicht den dat. erfortlern. ahd. 



238 euifiiclier salz. 

mih ist, waz isl lliili llios'i' (luid ad le? T. 4.5, 2. 239, 3. 
iuih haßct (special ad nie): alles tes mih liafKll N. lilli. 
4'J. mild, ez bftsclnuzet mich fmea refert , iiitorcsl) lioii. 
1, 7 ; vil kl(;incii in ein oi bcschuz Mon. 80, lö. aiid. m//t 
pitjnimtt (nie muvoi;: !)(>( hiimet tili ta/, iolitl' jN'. lilli. 1'). 
iilid. es rülirl viicli , li'iji mich , erficht mich an. iiiIrI. 
ez sldt , besldt mich: st» stiieiidez iuch alze verre (kostete 
euch zu viel) l\v. 4316; daz ez in (cum) hohe slat (iheiiei' 
zu slelin kommt) Nib. 329, 3; ez ensluont in niht verge- 
bene sin drüun (sein drohen hatte er niclit unisonsl) Vavz. 
443, 28; daz beslat uns wencc ihl (geht uns wenig an) 
IJarl. 147, 28; diu rede kleine mich bestut Bari. 401, 1,5; 
■v%'az beslc't iuch:* Kab. 389. Auch neben andere dieser 
Wörter werden gern die naher bestimmenden adv. hohe, 
ringe, wenec und dgl. gesetzt, mhd. ez tviget mich: swie 
luihuhe iuch daz wigt l*arz. 287, 24; min not iuch ie vil 
ringe wac l'arz. 292, 12; die zwene ez ringe Avac Nib. 
21.51, 3; des lere dir ie ringe wac Bari. 14, 25. mich he- 
bet: daz hebt mich unhö cod. kolocz. 29; daz huop den 
Christen (Chrislianum) vil iinho das. 225; sin gruoz der 
luiop mich vil unhö Frauend. 52; doch anderwärts zieht 
Ulr. von Liclitenstein den dat. vor: liüebe iu umbe suieu 
lip unliö 81; daz iu min huldc hebt gar unhö 82; daz im 
sin leben huop gar unhö 85 ; im huop umb frowen lo|) 
unliö 100. ez ahtet mich : daz hlt iuch ahten ringe Nib. 
158, 1 ; ez ahlet mich vil ringe Nib. 942, 4. \Tie nun 
auch ein transitiver gebrauch von ahleu und wegen vor- 
konunt, finde ich das mhd. ruochon (curare) immer tran- 
sitiv, und nie unpersönlich; mul. aber heißt es; so ne 
rocket hem Floiis 1368; Lern enroect Floris 2354; mi ne 
roek es niet (niea nihil refert) Rein. 1120, nemlich roek 
steht lür roekt, rocket, nhd.mich hiimmerts, srheeils \ie], 
wenig. nicht unverwandt ist es kostet mich ^iel, wenig 
doch mit etwas stärkerer bedcutung: es liegt mir an, 
kommt micli zu stehn , wie denn auch viele den dat. daxu 
conslruieren; mhd. daz kostet mich ein sterben ALs. 2, 21''. 
Die impersonalia der Vorstellung von mangel und ge- 
brechen begehren den dat. ahd. mir mengit: dien ne 
menget neheines kuotes N. ps. 33, 11; dar ne gemaugia 
suegelsanges N. Cap. 106; tir mangta N. Bth. 120; mir 
menget N. Bth. 158; mangalön aber, mhd. mangeln nur 
persönlich, nhd. es mancjelt mir. ahd. mii' prisiit: ni 
breste imo thes 0. ad Lud. 82; ni wAn ih , imo brusti 
grözara angusli 0. IL 4, 36 ; brast in (eis) thär thes wines 
0, IL 8, 11 5 thes bröles iu üi brislil 0. IIL 6, 32; imo 



verhuin. persojien. inipersonalla. 239 

tlics gisiunes glbrusli 0. III. 20, 84; in ni brislit min nier 

0. V. 16, 46; thes uns furdir ni brast 0. V. 23, 104; 
brosllnio thes V. -23, 139; niehtes ne bristet mir N. ps. 22, 

1. 121, 6; niebtes nc bristet in N. ps. 33, 10; mbd. siiezer 
rede in niht gebrast Parz. 405, 24; aller s.neiden mir ge- 
brast Parz. 688, 24; im des sinnes gebrast Iw. 3564; der 
gebrislet mir beider I\v. 3583; daz im nibtes gebrast \y\. 
3702; daz mir des Avunscbes niht gebrast Iw. 3991 u.s. \v. 
nhd. mir yehiicht. ahd. iz ziyentjit (es gebt aus , gebt zu 
ende): tbö zigianc thes lides 0. II. 8, 11. mhd. dö diu 
vreise zergienc I^v. 673, persönlich. alid. »»»■ 'zirinnil : 
ni zirinne (ohne iz) herrin noh berizobiii (non deliciet 
prlnceps nee dux) Is. 393; ähnlich das posilive: ni (jirhi- 
nit mih Ibero Avorlo (es strcimt n)ir nicht zu an ^vorlen) 

0. I. 18, 4. mhd. dö mir des grundes ceran cod. pal. 361, 
73^; des Itbes was mir cerunnen das. 73^^; des udmes im 
ceran das. 88^; in was des tages zerruunen Nib. 1540, 1; 
in doch der naht zeran Nib. 2057, 1 ; mirn zcrinne miner 
friunde Nib. 164, 4; daz mir des guotes ode der tage ode 
beider zerinne Iw. 7982; mir der sinne gar zerruntie INls. 

1, 191''; der spise was in zerrunnen ]Ms. 2, 14^; der früide 
ist mir zerunnen Ms. 2, 68»; des liöis ist mir zerunneu 
Ms. 2, 69^. noch bei H. Sachs: es ist mir der kunst zu- 
riinnen. Hierher gehört auch das seltne und dunkle wort 
mir zehrötet., das ich nur aus Diut. 3, 66 belegen kann: 
so ir des wazzeres zucr()le, als ihr, der ITagar, das was- 
ser ausgieng, mangelle. doch die bisher aus rechlsdenk- 
mälein späterer zeit bekannte bedeutimg von krot (hin- 
dernis, irrung, beschwerde) HA. 14. 16, Ilaltaus 1127. 1128 
ist damit nicht leicht zu vereinbaren, nhd. mir entstellt, 
geht ab. etwas anders das mhd. inieh venjet (nie praeterit, 
me fugit, a nie alienum est) \A igal. 8612; aller pris mich gar 
vergat IJlr. Trist. 1760. rjeachlenswcrlh ist, wie sich in 
einigen im[)eisoiialien die begriil'e des mangels und des 
miissens aus einander cnlwicUeln : was fehlt das niul\ her- 
bcigeschafl werden , wessen nolh ist, das hat man luithig. 
das IVanz. il me faut (me oportet) bedeutet eigentlich: es 
geht mir ab. vgl. mih githarf s. 235. die voi-stellimg des 
müsscns erwuchst also von zwei enigcgengcscizlen selten, 
ans dem mangel und iiherlluli (gaiiah, hiiiali.) 

Nirgends herschl griiliere Unsicherheit liir ileii arc. oder 
dat. des prouomens als bei den impersonalien der inneren^ 
(jeisliyen ewpßnduiKjen des scheuiens, düiiUcns, ahnens. 
zwoilelus, erinnerns, Iriiumens, wundcrns. nhd. es scheint 



210 eiiifuchar scitz. 

mir (inilii vitleliii), oft oliiie j)ioii. <^s scheint (vMetiir), 
liiiiilig aiu:li persönlich: Icli scheine dir, du scheinst mir, 
sie scheinen. nihd. iz schinil wole Rolh. 2061. Iw, 81.). 
3127; wie schinel da//;' Iw. 2511; meist hat dies wort 
noch die sinnliche hedeiilinig von klar wenleri, eiiikMichlcM, 
und vollends im ahd. kommt es unpecsönlich nirgends vor. 
golli. lluttjlieilii im d'oy.ovni IMattli. 6, 7; liva izvis llingkeitli 
Ti Vjutv fpuh'STui; IVlarc. 14, 64. 11 Cor. 12, 19; thulita 
im (videbalur eis) Lnc. 19, 11; aber auch persönh'cli ihng- 
kcllli Luc. 8, 18. Joh. 16, 2. liuigkjaiid Marc. 10, 42. 
ags. lue ihincdh (mihi videlur), me ihincdh selFnm (mihi 
ipsi V.), tliuhle him (iis viilehaUii); maiiegiim lliulile (multls 
visiun est.) alln. nier Ifii/cLir, hönuin ihyckir, mer thotri. 
ahd. mit dem acc, viih iluncliil: sos i/, ihih gilluinkit 0. 
111. 13, 26; bei N. aber mit dem dat.: luulda si mir den 
himel ruoren Bth. 8; jie duucliet lir mih haben gerecchet 
Bth. 22; waz tünchet tir is meislra'i' lilh. 24; ne dunchet 
in (eis) Bth. 29; mir dunchet Blh. 30; dar dunchet tir 
relilü Bill. 34; ne duohli in (eis) gnuoge Blli. 53 u. s. yy. 
einmal auch mit dem acc. mili tünchet Blh. 13 und viel- 
leicht oller. bei \V. 55, 21. 23. 56, 1. 3 schwanken die 
hss. zwischen acc. und dat. mhd. entsciiiedner acc: micli 
diinkit Rolh. 1083; duhte sie JMar. 68; die menige do zit 
dLihie JMar. 81; belege aus Iw. in Ben. wb. 84. 85; es 
dahle in (eum) mere denne gnuoc Parz. 12, 23; su dunket 
micli ir wilze kranc Parz. 115, 14; si diihle Parz. 103,28; 
mich dunket ]\ib. 102, 13; daz endnuket mich Jiiht guot 
Mb. 150, 1; daz diuhtes alle guot j\ib. 1192, 2; daz in 
daz dulile guot Nib. 1240, 3; diuhtez si uiht ze verre Nib. 
1344, 2; daz dunket si Bari. 10, 17; so dunkel micli Bari. 
111, 13; Gawunen des beduhte Parz. 400, 13. nhd. ist 
es ebenso unrichlig im pras. däucht zu sagen, als gegen 
unsere muudart statt des acc. wieder den dat. dazu zu 
setzen, was aber viele gute sclu-iftsleller thun. mnl. lassen 
die meisten pronominalfalle den casus nicht untersciieiden : 
dinket u Floris 361; persönlich uu dincli mi Fioris 3068. 
auch im schwed. mig tyckas , diin. mi(j ttjhhes fallen dat. 
und acc. zusammen, ebenso in dem gleichbedeuligen mig 
synas f mig synes. nhd. es kommt mir vor, was wir 
auch, von erscheiuuugen des traums redend, gebrauchen: 
es kam mir im träum vor. so ags. me metle (occurrit 
milii) mir träumte, wieder mit schwankendem casus, Lye 
hat him metle und hine metle. mhd. waz ime in troun»e 
zuo chome Diut. 3, 90 ; als nu'r in mime troume schei:i 
Iw. 3534. ahd. mir troumit: demo daz Iroumel N. ps. 



verhuui. persoiien. impersoiialia. 241 

72, 20; imo troiimda N. Blli. 51. nihd. inir trotimet z mfv 
troiiuiilo Roll). 3851; mir ist gelroumot Roth. 2339; ez trounirle 
Rrieiiiiiilde Nii). 13, 1; ir troumte jNib. 1333,2; mir gelroiiD t 
ein {rouin INis. 2, 209^; troiime in clanne ilit s^vit^e Isv. 828; 
SU mir mi troumte Iw. 3530; dem muose von eigern trounien 
Turl. Wh. 87^. nhd. wiir trimmt. ahn. mik dreijmir: 
dreymdlii jiiik Soem. 263^; thik dreymir 253^ ; haua dreymdhi 
Isl. sog. 1, 43. Auf die zukuuft gerichtet ist das unhhuiigc 
mild. iJjfV anet (ich selie voraus) : mir anet liarle groz 
leit Horl). 62''; oder mich (uiet: mich ouet sere Trist. 9359. 
iihd. mir iiluit , mundartlich auch mir sclnvant. altn. 
Viik (jrunar (suspicor.) Auf vergangnes aber beziehen 
sich nhd. mich (jemuhnt ^ mir erinnert, mir gedenkt. 
alln. mik minnir (recordor.) 

Das ahd. zueliön, zuivalon , mhd. zwiveln kenne icli 
nur persönlich gebrauclit, doch hätte ein linpersüuliches 
mir zuchot, mir zwivelt nichts gegen sicli, da man auch 
nhd.hürt: mir zweij'ell nicht daran; Ettner sagt häufig mir 
Ztveifelt nicht (hebamme 184. chymicus 827) vgl. das mlid. 
mir gezAvIvelt der muot Bit. 17'^ 78^^ 80^- ^' 106''. ags. me 
tvynudh (ihibilu) ; hini tvynodhe (dubilavit.) 

Ein ahd. mih ^vuntar6t hat Grad' 1, 903. 904 nicht 
beigebracht, es wäre dennoch müglich , da das mhd. und 
nhd. mich wundert ganz verbreitet sind: mich wundert Parz. 
49, 18. TMs. 2, 171^ 2\oi>; mich verwundert Flore 2261 ; oucli 
wundert mich Iw. 4062; es wundert mine sinne lw.2344; des 
wundert in l\v. 3586; des wundert mich Iw. 4959; si 
wunderte Troj. 16831; sie Avunderuie Mar. 177. 

Alle bisher angeführten Impersonalia sind einzelne verba; 
es gibt aber nun anch solclie, die aus subsl. oder adj. uml 
dem Substantiven so wie einigen andern verbis erzeugt 
werden, uml dann dieselben conslructloncn darbieten. 

üas verbum subst. hilft folgende bihlen. golh. mis ist 
vuJthrs (oder vullhr? wenn dies seltne wort neutral) tifiu- 
([(Qii. fioi , ni valhl mis vidlhris isl, ovd'iv fioi öiaiptQii 
(jal. 2, 6. die bcdeulung von vulthr, ags. vuldor, ahd. 
woldar, war splendor, glorla , spocies (vgl. lat. vuUus), nus 
ist vullhrs hielie hiernacli mir sciieinl , leuchtet ein, für 
mich hat schein? oder mir biiiigt rühm, ehre':' es bleibt 
mehr zu wünschen als zu hoH'en, daU sich für diese re- 
densart noch andere belege auffinden mögen, golh. xijjö 
mis ist 7ii(jioa<')V fioi icii II Cor. 9, 1, ufi'» scheint ein 
fem., und bedeutend überllui^, die ganze redensarl bildet 
i\Qn gegensalz der folgenden, golh. mis van ist VOTIQÜ 



242 ein jacher salz. < 

f{()i , iiiiii.s llms van isl (iimiin tibi tlcofit) Marc. 10, 21. 

Luc. 18, 22, iiiil doin gen, der saclie Nvic bei brislit (s. 238.) 

wenn al)cr alnJ. slolil: %vuz\%\. mir waji'i' (quid niilii deesti') 

T. Mallli. 19, 20, und nicht was ist mir wan, so eclieint 

\vau adjccllviscli gciioninion für deficicns , und die phrase 

wenigei- unpersönlich als bei dem golh. vau (dcfeclus.) 

darum (indel sich auüer wan isl (dcesl) auch waa siiit 

(dcsuiil) Crall 1, 854, was golli. unmöglich wäre, im ags. 

wie IS feos vana (dcest mihi pecuniaj sclieitil das subst. 

(und zwar ein schw. masc.) unverkennbar, doch ver- 

scliweige ich nicht, daß außer dem gen. (feos) sonst auch 

der nom. dazu gesetzt wird: an thing ihe vana is (una res 

tibi decsl) ; die couslruclion muß sicli verhärtet haben. 

nhd. mir ist rnaufjel^ uns ist mangel daian. goth. mik ist 

kara fit/.ti fioi, wie die iinpersonalia mich kümmert, mich 

wiget, nüch ahlel (s. 238) den acc. forderten: ni theei ina 

thizö tharbaue Ivara vesi ovy^ öti ^ciQc tojv iitiir/iav i'fiO.ev 

uviM Joh. 12, 6 ; ni kar *) ist ina thize lambe ov /iü.ti 

cwTV) nenl imv iiQoßt'.royv Joh. 10, 13; niu kara tluik? 

ov fUXiL coi; Marc. 4, 38; uiu kara thuk maushun, ov 

{üXti oot neoi ovöeröfS Marc. 12, 14; hva kara unsis? il 

nQog rj/Uii^ ; -Niatlh. 27, 3; bemerkeuswerlh die ellipse von 

ist in den drei letzten stellen (zu s. 132.) ein ahd. 

cliara in gleicher verweiiduug kenne ich nicht , wol 

aber steht mit dem dat. der pers. : nist tJiiv suorcja fon 

niheinigejno? T. iNIatth. 22, 16. alid. mih ist %vuntar: 

ist filu mannö wuntar 0. V. 1, 1 ; wuntar was thia nie- 

nigi 0. 1. 9, 27 ; ni si thih Ihes wuntar 0. I. 22, 13 ; was 

sie filu wuntar O. I. 4, 71; wunlar was sie liarlo 0. I. 

22, 35; sie wun'ar was Ihes thinges 0. II. 14,81; sie was 

es filu wunlar 0. IV. 7, 6; tili ne darf nehein wunder 

sin N. Blli. 16; nii ist mih liarlo wunder N. Blh. 37. übe 

dih wunder ist (si miraris) ; mih ist wunder N. Blh. 109. 

232; mhd. mich ist michel wunler Diut. 3, 91, aber nicht 

bei späteren, außer in einer eniendierten stelle (Reinh. s. 

377.) dafür wurde nun das ebenso mit dem acc. der pers. 

und gen. der saclie gesetzte mich wundert (s. 241) ü])lich. 

auf solche weise verhält zu dem einfacheren mih niotöt 

sich das zusammengesetzle mih ist tiiot (nie deleclal): 

thes thih mag wesan niol 0. V. 6, 14 ; thes ist sie iamer 

filu niot 0. V. 22, 7. ich nehme hier ein subslanlivisches 

niot an, und nacli N. ps. 139, 8 ist das unzweifelhaft: 

fore niete, a desiderio. bei W. aber steht es adjectivisch, 



%) dies kar für kara wie t/iat iit für tliatu ist. 



verbu/n. pcrsoiien. iinparaoTKilia, 243 

da er nicht bloli sagt: des ist uiisich niet 57, 25, sotulcrn 
auch: daz iiiisich desde nieter si 45, 27; daz iii (eum) 
allernielesla ist 20, 28. mhd. wedei* ein subst. niet, noch 
ein adj. niet (delectabilis, jiicundus.) alts. linde ich ein 
sübst. niud, wie im ahd., nur mit dein dat. der pers. 
verwendet: tvas im (eis) niud mikil Hei. 6, 3. 13, 8; was, 
im thero Nvordo niud Hei. 41, 22. 47, 19, sie vernahmen mit 
Freuden, begierig, die worle des hcilands. ahd. niih ist 
J'uriivizzi (iinportuna nie curiosilas movet) : in (eum) was 
furewizze N. Blh. 94. mhd. mih ist ßrwiz: si (eas) mi- 
chel lirwiz was cod. vindob. 653, alid. mih ist 6t ^ nur 
zweimal nachzuweisen: er zeinta, llies sie was ouh od, 
siues lichamen töd 0. IV. 19, 35 ; bizeinut hiar thaz selbA. 
grab, thur ther lichamo lag, thes thie liuti was filu öd, 
selben druhtines tod 0. V. 6, 10. beide stellen beziehen 
die redensart auf Christi tod: der den menschen heil 
brachte? durch den sie selig wurden? so habe ich den 
sinn schon Reinli. p. 377 gefaßt, öt, goth. auds, alln. 
audhr, ags. ead ist felicitas, beatitudo. oder soll die be- 
deulung sein: deß sie fi'oh waren, den sie begehrten? *) 

Ein ahd. mir ist not (opus est mihi, necesse est) habe 
ich nicht angemerkt, wol aber ein tes ist tiirft aus N. 
Blh. 2. mhd. erscheint jenes oft: des enwas nilit not Nib. 
69, 2; des ist not Iw. 1931; des was im ouch Jiut Ivv. 
6552; des im not was Iw. 1781; des in (iis) was not Iw. 
3343; nu ist iu lihte guoles not Iw. 6615; iu ist beiden 
ruowe not Iw. 7725 ; mir was not Ls. 1, 138 und auf der- 
selben Seite: wie not ist disem; den hundcn was niU Bon. 
56, 29. ahd. mir ist zorn (ira moveor): theiz imo zoru was 
0. IV. 19, 59. mhd. mir ist zorn (irascor) ]\ib. 2284, 4. Wh. 
118,14; ime was an mich zorn lvv.702; ir ist ilfniich vasle 
zorn Iw. 2225; diz ist dime vater zorn Bari. 27, 31; im 
was diu rede an im zorn Bari. 16, 28. ahd. mir ist anado 
(mir widersteht): der dir lilo ando was (([ui indignissinius 
tibi videbatur) N. Bth. 204. alts. mt iä ando: lölh was thnt 
suitlio, allon them ando Hei. 105, 14. mhd. mir ist ande 
(niilii repugnat) : iu ist ande iuwer arnuiol \\ igai 5948; 
daz was in allen ande "N'N igal. 1 1484 ; nu was im aber als 
ande daz spcr Trist. 8992; ir was das leben aiule Trist. 
11795; der troum was im sere ande Trist. 13543; diu läge 
was Trislande vil inneclichen ande Trist. 15164; iu was 

*) gleicli der {jotli. und alid. ronstrnicreii sIa\is(Iio spiaciien sub- 
slaiitiva mit sein und dem aec. des pcrsünl. pronomens, z. I). scrl). 
ft(f;a me je (lionesco , buclistäl>licli: mich ist scliaiider) ; sloven. mc 
Je z/iuda (oiicli ist wunder); i^a Je grösa (ibii sclinudert). 

(.) 2 



214 einfädle r salz. 

(16 ztio/ciiiniiilcr \il an^cr inul vil .uiilcr '] ritl. 1784.5; 
ioduch was im nilil 8o aiide Mar. 22; mir ist aiidf Kail 2iJ^ ; 
wa'rez iinscuii lienoii aiide iMs. 1, 174'^. inelircre ditlilcr 
bedienen dicserredensarl sich niclil. alls.iniisi /uirm (dolore 
jiie af(icil) : tlial Nvas allun llii-m liudlun iiaiiii, tliein niaiinwn 
an iio iiiude Hol. 83, G. ags. wje j5 sär: lliiil nie Js on nilmini 
mrulc svii sär ('.27, 30, mlid. mir ist tnujemach : ilii was 
ix iine ungeinacli. IJiiil. 3, 77. nilid. mir ist rdl : iu ist 
des nlclielM viil Jlii. 3989. nilid. mir ist erucst iw. 7902; 
nhd. mir isl es ornsl damit. 

Sclion bei einigen dieser ausdrücke habe ich das 
ficlnvankcn der siibslaiillvischen )>eueutung in die adjeclivi- 
sclie angemerkt, nameullicli bei van, niet :, eI)eiiso schei- 
nen not,) dürft, scr , zorn , ja selbst autle d;:rclj die vei- 
lührcrischf gleiclistellung solcher slructiii'en mit andern, in 
welchen cnlschiedne ndj. wallen, adjeclivisiert , wie sich 
bcsouders au der bildung comparaliver Junnen ergibt, oder 
man miisle, die Substantive ualur festhallend, jiach grie- 
cliischcr weise, coniparation der subst. annehmen, iencni 
nieter , uiclesta zur seile steht ein ags. superl. siiröst C. 
122, 19, ein mhd. comp, ander, dürjiter , nteter , wofür 
h«ruacli noch belege erfolgen sollen. auch mag den ad- 
jectivisch gewoidnen sinn bestärken, daÜ sich der allere 
gen. der «acli« in einen uom. wandelt, so gut W. zwi- 
schen des ist luih niet und daz ist xnih niet unterscheidet, 
darf neben daz ist »lir zorn , daz ist mir ande w enig- 
slens ein früheres : des ist mir zorn , des ist nur aude 
vermutet werden. indessen entscheidet hier nom. oder 
gen. weder für das eine noch für das andere, da sich 
sowol neben dem subst. der uom., als neben dem adj. der 
gen. verlheidigen liißt. wenn Ben. wb. zu l\v. s. 326. 588 
bei not und zorn überall nur den adjectivbegrif behaup- 
tet, scheint mir das zu weit gegangen. 

Von den fallen, wo cntschiednes adj. mit dem vcrb. 
subst. einen impersonalbegrif bildet, gebe ich hier nur 
einige beispiele an, da noch spater, bei der frage zwischen 
adj. und adv. , auf diese redensarten zurückzukommen sein 
wird. mhd. mir ist qer (mich gelüstet) ; mir isl leit (mich 
schmerzt); mir ist tiure (mich betürel); mir ist vremde 
(deest mihi): in waren aller hande cleit \remde Ivv. 4920; 
mtV is,t uniiuere ^ mir ist swwrej mir ist fj ach {ich eile); 
mir ist yewant Parz. 11, 8. Trist. 1657. 1874. 1908. 4072. 
4547. 11841; u. a. m. 

Außer dem verbi subst. hilft nun aucli werden ähn- 
liche imn^rsonalformen ex'zeugen. 



verhuin. personen, inipersonalia. 245 

merkwürdig ist die ahd. und nilul. forniel mir xvhdii 
■piuiz, mir ivivt hiioz (satfsraclioueni retipio , daiimuin 
i-esarciUir niiJii) deslialb, Aveil in ihr (und analogen Avei- 
teren auwendungen) niü das volle (wort puoza, nihd. 
buoze , immer jene Verkürzung gebraucht Avird; gchwer- 
lich laßt sich das gotli. kar für kara (s. 242) vergki- 
clien. ein masc. '*) oder neutr. puoz, neben dem fem. 
puoza zu vennutcn ist man nicht berechtigt, denn es 'svärc 
schwer zu begreifen, warum der impersonelle fall das fem. 
aussciilielien , sonst aber nie die einsilbige form erscheinen 
sollte. thes warlli imo sdr buoz (dafür ward er bald 
schadlos geliallen) Ludw. 6.; es wirdit mir buoz N. , . 
in den mhd. belegen reicht man besser nn't der erklärung 
aus: ich werde von etwas frei, komme davon los, ohne 
an ersalzleistung dafür zu denken, so w^irt iu des tuskens 
buoz ]Mar. 104', ime des niemer mere sol werden buoz 
Eu. 3526; iz en mac niht wesen buoz En. 3990; doch 
wart im selten kumbers buoz Parz. 12, 24; mir w'irt vil 
selten kumbers buoz JMs. 2, 26«^; als im des danach wir- 
det buoz Wh. 188, 28; der (ejus) wirt iu buoz Iw. 3412; 
der (lisl) sol uns leides werden buoz Wigal. 3785; daz 
im werde buoz siner schände "VVigal. 3836; mirn wirt 
niemer jAmers buoz Wigal. 8488; dem wirt selten sorgcu 
buoz Frcid. 83, 4; dem wirt ouch niemer sorgen buoz 
Freid. 87, 3; dir wirt der sorgen buoz Bari. 18, 1; sus 
wirt ir beider buoz Fieid. 127, 7 ; daz im wirt sinne 
buoz (er um seine sinne kommt) Ms. 2, 124^; es wirt dir 
Ithle buoz Bari. 17, 25; der 8Nv;v:re wirt mir niemer buoz 
Bari. 290, 2 ; dem ist genuden worden buoz (der hat nicht 
auf gnade zu rechneu.) **) weder ein ninl. boet noch boelo 



*) wenn der späte Siulienwirt 2, R wirklich setzt: wer mnclicl 
sorgen siiezen puoz, so liat er 3;i, 21 die iiuiosten leiden swrere puoz s 
unmuoz ! kaum ist lliiu .siic/.en scliwaeliö weil)l. form. 

**) liier jene anaJoj^ien, wobei kein eiiieiiUielior impersonnlbcrrrif 
waltet: alid. tö tela in (euni, den L'lysses, in» text: niisernns dnren» 
peste solvent) is Wercuiins puoz (Itel'reite ilin davon M.) N. litli. 200; 
mild, der tet uns (acc. ?) nianger sorgen buoz Freid. 12, 14; ioti 
sage iuclis iasters buoz (exsolvo vos a eriniine) Parz. 673, 27. iiacli 
diesen ace. des subjecls niöciite man ein adjectixisclies buoz, im sinne 
von frei luid ledig annehmen, al)er von dein gangbaren mir wirt buoz 
war es ein leichter scliriu auf: ich tnon dicii buuz, ich sage dich 
l)uoz, um so mehr, da ANoltVani auch den dat. des sul)j. dazu con- 
struiert: ir I • t mir site buoz Parz. 315, 17; einen» luot min dienst 
buoz Parz. 320, 2(5; zwcilellialt , wie in <ler slclle Krcidanks, ist <lcr 
casus iu folgender: die täten buoz des lebeus nianogcn kri^^lcn^lall 
(acc. sg. oder dal. pl.) Wh. .3i;ü, 20. den schaden buoz mache» 
(resarc'ire damnum) Martina 20H. 



2/1 () ei II Jacher Sdtz. 

in glelclier vo'wendiuig. Par.illt'l inil mir wirl Imoz lanfl das 
iiilid. mir tvirt int, und wie lin. 3989. 90 beide siibsl. 
vcrbiiiulcri werden, heißt es Ivv. 3412 der (nol) >virl in 
biioz linde r;U; ferner: des wirt danne giiot rat l\v. 944; 
CS ^virt gnot rat Iw. 4629; der andern wirl. guot rat Iw. 
.'>2!)0; ni?ner vrouwen (gen. oder dat.l') wirt -svol rat Iw. 
3107; so wiirdes dcsic bezzer rat Iw. 1643. nlid. etwa 
noch in der forniol : dafür wird ralli, dem kann geholfen 
werden, uilid. mir ivirt ernest : ob es iu ernest wirt 
oder ist Iw. 7902; daz im wart ernest Troj. 3554: nhd. 
CS wird mir ernst aus der sache. alls. nii wirdid luirm: 
tlio ward llial lievencuninges büdon liarm an is müde Ilel. 5, 
1 1. mhd. viir wirt dürft oder not, Par/. 35, 1 1 : adjeclivisch : 
nie rosses dürfler (al. nn'ler) wart \A \\. 42, 23 ; uns wart 
im nie niht so noles (: brutcs) Aw. 2, 236. m\n\. mir %virt 
Zorn Bari. 11, 20. Unverkennbar ist das adj. in dem alid. 
iz wirdit sein (apparet) : lliaz ward lilu scui 0. ad Lud. 
39; thaz wurli goles werk io sctnaz 0. 111. 20, 12; daz 
wirdit Silr demo skin N. Ar. 106. mhd. ez xvirt schinz 
daz wart wol schiii an in zwein Iw. 7369 ; daz wart 
wol an dem knappen schJn Iw. 5583 ; daz ist dicke wor- 
den schin Nib. 10 1, 4; daz wart vil balde sclii'n Parz. 27, 
14; auch mit dem dat. des subj. : ieslichem man wart nie 
so tlurlu gäbe sclun Parz. 786,25; ich wände daz mir solte 
ir Irust du werden schm ]\Is.2, 196^*). was scMnM\"\gn{ 10443. 

Beides sein und werden dienen zur umsclircibiing ein- 
faclier zeit und wetterverliaUnisse mit subst. und adj. nlid. 
e* ist (Avird) ta(f , nacht, morgen, abend ^ es ist (wird) 
spät, frühe, hell, dunkel, halt, warm, hei\S , kühl. 
goth. than seitliu varth oil'iag d'h y6V0jtiev7;g INlattli. 27, 
57; itli sve seilliu varlh oig ^h o'pia iyeraro Joli. 6, 16. 

Einigemal vertritt haben, und noch öfter nehmen oder 
fangen, zuweilen geben, thuu die stelle des mit einem 
nomen und dem acc. der person verbundnen sein. 

mhd. mich hat wunder (mlror, gleichsam: wunder liat 
mich eingenommen, sich meiner bemächtigt): michel wun- 
der si hOte fandgr. 147; deheiuen des wunder habe (nemo 
mirelur) das. 183; den künec hele wunder Nib. 110, 1 ; wun- 
der nach des hatjNib. 906, 1. 1521, 4; gröz wunder mich liAl 



•) hierzu veilialt sicli das Iiäufif^e scliiii tuon wie zu biioz werden 
l)noz tiioii : ich tiioii iu helfe stliin AVij;al. 7989; daz tuot or nlle ta{!;e 
scliin das. 10291 ; tAteii schin das. 10457; tit schiii Trist. 12714. Ganz 
substautivisch ist alier das nhd. c? hat den schein, dr.s ansehn, aussehn. 



verhiun. persojien. uiipeviionalia. 247 

Flore 1146; luicli nuioz wunder liuu RIs. 1,200^'; ei beide 
hut des wunder Bit. 4832; vil nvicliel wunder niicli des 
lial Bit. 10330; die ander Iiete *) wunder Bit. 11767. slalt 
des acc. den dat. der person nur einmal: inie des wunder 
Lete Alex. 3143. nlid. mich hals wunder. 

inlid. inxch hui hiula: si (eani) liet es vasto lifcle (rem 
penilus occulere studebat) Nib. 1311, 3, in welclier stelle 
aber auch si für den nom. genommen werden darf, und dann 
entspringt eine pei'sönliclie conslruction; und in (eum) des 
niht lirele hat (ncque celare cogilat) Freld. 70, 13, \vo mein 
bjuder die lesart vorzieht: luid des h;vle niht enhal, wie 
Bit. 2188 stellt: httlc het er des geiuioc. auch scheint der 
persönliche ausdruck: icli han es ]ii\;le fast naliijüclicr als 
der unpersönliche: n)ich hat es lucle, wie wir nhd. nur 
sagen können : icli habe es hehl, der hehlende wird nicht 
durch das geheimhallen (wie der sich wundernde dvu'ch 
das wunder) ergriffen, sondern er will auf andere einwir- 
ken, doch ist das impersonale gerechtfertigt in dem paral- 
lelen: mich niml es lüde. 

nhd. micli hat freuide : den rlltcj- iiet frembd , da er 
sah sein wesen. weiii riller StraUb. 1514, 10*^. 

mhd. mich niml ivunder: Abram wunder genam Diul. 
3, 64; michel wunler in genam üiut. 3, 74; nuchel wun- 
dei' si des nam Kolli. fi!i3. En. 9280; michel wuiuler mich 
nam Alex. 5110; nimit mich michel wiiiider Alex. 3155 vgl. 
5792; si na;me des michil wunder Alex. 2299. 2707; des 
mac u(h) nemen michil wunder Alex. 4896; den kunec 
nam dos wunder Aib. 81, 1; mich nimel des wunder PSib. 
1,53, 1; des lat iuch alle wunder nemen Ms. 2, 127*; die 

*) es stellt /lallen, was sicli in srliutz nuiiiueii \l\[\t , da die pei- 
sünliclie redcnsart innnlar liAn auch .sonst vorLomnif, •/.. 1). Alex. 5lö<> 
.si wunder liabeten. Mruschaeli tluilt mir ans Jen» 15. l(i jli. fol^etnli' 
helepe mit: das icli .ser wunder lia!). IJrants iianeiiscliir I5as. 1494 An ; 
das ich daran ein wunder lial). IMurncis narrenl)esehw. StralU». 1512 
Cii; wie wol ich lial) ein ^moIWs wunder. IN'nrneis niülle von Scliwin- 
delsh. 1515 Avh , f^eiicliiiiat Bas, 1519 in ; lia.s icli ein wunder lia!> 
darab. Murners lutli. narr Stra[\b. 1522 biiii ; di.-^c lierren !)esnndiT 
hellen dar ah ein <^\o[\ wunder. Lnrekers lli.^t. von TlioreÜe. SlralU>. 
(um 1500) AviTi; jict er wunder. Esopus lel)eii h'reil). l.'»39. KU» ; dinr 
ziikunllt ich gro|^ wunder hau. .Tac. RiiÜ' das \y\^\\ .lesii (^Inisti /iirirli 
1545 K lU»; das ander drunil) ich wunder, han. .Jac. Iliill's spil von 
Adamu.Heva Zur. 1550 T\ii; druml) llcva soll kein wuiulren han <ins. 
Tviii; ich liab wunder das. \j 2; des han ich wunder das. I.. 5''; ich 
liab kein wunder wailich druinb das. M 5; valter des soll iiit wnnrier 
han. .löifi; Wickrains Tobias Straj^b. 1551 Eiib. Zweidentifj ist «lic 
iiinl- conslrii« tioii : bedi eiKlaert nienicn hel)i)en wonder l''ioris 82, 
iiachdein iiiaii nienien l'iir den iioin. oder atc. hiill. 



248 einfacher salz. 

(illoa) iiani wuntlor Trist. ;>057; daz es den Jirn-plior \s\n\- 
dcr nam Trist. SfiTJ. iilid. »«/t/t nimmt wunder *). vgl. 
das lat. iniraii suhit. 

nilid. mich niintt Jirtvitze : gcnuoge iiiniel' liitr uDdur 
virwil/ uiulo \viimlti" Trisl. lüHll. 

mild, mich nitnt hiale (occido, tego?) des nani in ini- 
cliil li;ile Eu. 559'J-, des niinl dicli iniclicl li;ile Wn. 10418; 
des nain si miclicl lulle Kii. 10644; des nam si grCy/.a h/ile 
Ell. 8.53; des uam in nilit linele Tit.l.5S, 2; iiinils incli nilit 
liiul (wolll ihr nicht gelieim hallen) Parz. 467, 20. nlid. 
mich mimmt hehl: veiiraw vnder tanset kanni eiin , Avas 
dich hei niinpt (du lichlen sollsl) belialt in gheiiii. Tlioin. 
liircks conioedia von doppelspilcrn Tübingen 1590 p. .51. 

ndid. mich nimt äugest (angor) : niichel angest in nam 
Diut. 3, 83; K.rlniele(n) des lülzel angest nam Kcinli. 1781; 
daz e,z Brangnenen angest nam Trist. 12077. 

nihd. mich nimt J'reise (horreo): in nam der kurzen 
reise gröz angest unde freise Trist. 9120. 

nihd. mich nimt griiile (horreo): es nami ein armen 
griule Albr. Tit. 8, 46, in einer andern stelle aber persön- 
lich: manger niinet im griuleu ab der richeit *'"). 

mild, mich nimt tnr (aegre fero): Avaz tur nam in des 
(es war ihm nicht eben recht) Diut. 3, 108; des nam in 
Kitzel ture (: müre) En. 9169, er achtele darum keine kosten, 
häufiger steht: mich nimt untiir (aegre non fero): nimt siu 
vil initur altd. bl. 1, 223; den herren nam vil untur Parz. 
19, 10; die (quos) hoher tat nam iintur Turl. ^Vh. 44*; 
die (({uos) untur nimt das. 7.5^ mich nimt luitur das. 87^; 
des nam si vil unlure Giidr. 3160; mich nam des initure 
Bit. 6547: des mac iuch nemeii untüre Bit. 12668. 

nhd. mich nimt fremde (mich befremdet) Schm. 1, 613; 
kenst du mich nit, daz nimpt mich frempt; das den künig 
fremde uam; in noch fremder nam; in daz frojnde nam 
Decamoron (Ulm) 16^^ 45'^ 56^^ 111^; laß dich das nitt 
fremd nemen Reisersbergs poslill SlralUj. 1522. 2, 14. 4, 
16^': dcrhalben nimpt michs sehr frembd Tischarts biueu- 
korb 1588, 741^*-*). 



*) sich wunder iielimen := sicli wunHern: des soll sich Djeniant 
v^under iiemeii. decamcroii 23»; du soitest dicIi sein groß wunder ne- 
men da.=. ;^23d; sie namen des groU wunder "Weiß ritter 89a; mau 
nam wunder Keisersl)ergs postili 1522. 3. 51. 

") vgl. das franz. il nie prend envie ; envie lui en prend. 

"*) aber auch sicii eines fremde nelimrn: der aht sich des iniinches 
fremde nam. decameron l.^d; soliclier fieiintschafte Andreurzo sich 
fr(ia>de nam und sorc wundert das. \Q^>. 



verhum. persoiieti. i/npersoiialia. 040) 

alid. tiiih hifultit tviintar (mbor) : sie wunlar gifiang 

0. ]11. 16, 4; ni'ili kefaliet ^vunder N. Btli. 211. nhd. mich 
piiKjt verlanijen : uns lieng nacli dir scliier verlangen. 
Val. J3ollz ohuig Davidis Bas. 1554. C^ 

nlid. mich (jiht wiindtr. Siniplic. 2, 63. 285 und noch 
üflcr; CS gab niicli wunder, so gibt mich wunder. Spring- 
insf. 23. 77; daU mich nocb wunder gibt. Courage cap. 121. 

unl. het ijcf't mi vremd (miror) : in der aus Fischarts 
bienkorb angeiührlen stelle hat des Marnix original 1572 
s. 70: derhalvcn gceft het my seer vreemt. 

nhd. mich kommt die reue an, die (tnqst ^ die lust. 
die nolh heyreift mich. Simplic. 2, 166. 

nhd. mich sticht der Jurtvitz , die neunter, 

ags. nie hricdh Jyrvit (mich bricht der lürwitz^ ich bin 
neugierig): hine fyrvit briic. B. 463. 

iilid. mir thnt noth (egeo); vgl. das transitive: ther 
hungar duit hno es nut 0. IL 4, 33 ; mhd. es titot mir not 
Bon. 16, 17. 32, 25. 35, 10. 48, 43. 51, 6. 52, 42. 58, 
61. 72, 27. 72, 41. 85, 16. 89, 43. 

mild, mir (jet not (necesse est): des gie in wncrlichen 
not Nib. 71, 4; des gie dem beide not ]\ib. 460, 1; des 
get mir wecrliche nut JNib. 864, 4; der vrage get mir gruziu 
not Rl. 

Es ergibt sich, daß mit verschlediien ausdrücken für 
denselben impersonalbegrif abgewechselt werden konnte, 
z. b. mich wundert, mich ist wunder, micli liTit wunder, 
mich nimt wunder, mich gevtut wunder, mich gibt wunder, 
neben dem personalen ich liiin wunder. 

Nach aufzahlung sämllicber impersonalien, wobei ich 
freilich den hochd. dialect eher*) erschöpft liaben werde 
als die übrigen, ist noch zu bemerken 

1. das zusanmiengcscl/.le priit. wird meist mit haben, zu- 
weilen mit sein gebildel : es hat golngt, gedonnert, ge- 
blitzt, gescbiieit, geregnel; ez hat gesnigel Anigb. 1 1'' (vgl. 
Farz. 446, 4)-, in Albr. Tit. aber einmal: sam all ilie wochen 
Irunzen wtere gesniel; morgen dö cz wus erläget \\\. 5867, 
ganz wie andere mit er- componierle inlransiliva sein er- 



') nooli nianclie müssoii sicli n:\clitra p;oii lassen, für <lie es mir 
IVA pificntlicil iiniuTSÖnlichen bclefioii {rchriclit : mir heciiitotU-Lu niincs 
wiiies stimnia (iiülii iiinotcscit vox dilotti) W. 41, 2(!; mir fi;dt (nietuo) : 
ticri er c^öt ((jiios terrct, a (iiiilms tinietur) N. lUli. KU; mi/i ]>ruler 
(iiH)vet, turl)al): tiii sol.u ne hriilet nii-lit liii iiiij,'i'li:iril:« des men-s; 
in iie brütet ler sciiz N. lUli. 18; luih c/n-löt (aflli^jor): daz sie cliclot 
N. ps. lOiJ, 6; mich miicl : njüct iiicli dazV Nib. 121, 2. 



1>50 ciitf'civlur sdlL. 

iortlern (s. 162. 163.) die iinppts. dof, ckels iiml Unwillens 
nehinon haben: iiiii- liul gei'kcll, gt-giaiiscl ; ilic der olin- 
niaclil sein: ir iras gcswniideii l'rngtn. 42''; doil wirkt 
innere lll.ili^k(•il , liier liorl alle auf. rnicli ist geiiiiweii 
Troi. lf).S72; daz 7vas in du geriuwen 'J'roj. 16720, mich 
bevilt bildet das priit. niicli hat bevill: cz hele eiu armen 
man hevill Wh. 356,24; ebenso : mich hat belürct, mich 
hat gcniiegel. dagegen heilU es: mir ist erscliozzen; mir 
ist zerunncn; mir ist geKchel (geliehen Mar. 7'J; mir ist 
missegangen, bei träumen schwankt das anxiliare: mir ist 
getroumot llolh. 2339; mir ist getroumet Nib. 144'J, 3. 
Ben. 343; ist mir getroumet min leben':' Iw. 3577. W allh. 
124, 2; als ez im getroumet wicre Iw. 3568; al)er: mii- 
hat getroumet michel lugeiit 3517. der unterschied faUt 
sich so auf: wenn bloß das creignis des träuniens gemeldet 
wird, heißt es: mir ist getroumet, wenn aber der gegenständ 
des trdumes erzahlt werden soll: mir hat getroutnet. be- 
merkenswerth noch die redensarl: ^vaz iuwe ivära tjescu- 
inet Diut. 3, 96 (mythol. 667.) nhd. es hat mir geahnt, 
geschwant. 

2. in vielen fällen steht uns die wähl frei zwischen ])cr- 
sünlichcm und unpersönlichem ausdruck , z. b. ich friere 
= mich friert; du frierst =z dich friert; er friert = ihn 
friert; icli träume = mir träumt; ich bereue = es gereut 
mich, genauer genommen besteht aber eine Verschieden- 
heit des sinnes, das persünliche wort ist innerlicher, als 
das impersünliche, Avelches gleichsam erst ein unbestimm- 
tes drittes setzt, wodurch auf das subject eingewirkt wird. 
Findet dem reflexiven verbo gegenüber sich ein iniperso- 
uales , z. b. ahd. ih niotun mih = mih niotut, oder nhd. 
ich wundere mich, freue mich, ärgere mich = es wun- 
dert, freut, ärgert mich; so hat das mich der letzteren 
ausdrücke eine ganz andere beschalTenheit , als das der er- 
steren. dieses ist reflexiv, jenes lücht. daher auch dem 
Dichtreflexiven ich friere , ich träume docli ein luipersönli- 
cher ausdruck mit mich zur seite steht. noch deutlicher 
lehrt das die dritte person : er ärgert sich = es ärgert 
ihn 5 sie freuen sich = es freut sie. 

3. gleich den lat. oportet, taedet, piget, pudet, poenifet, 
nur impersonal gebräuchlich sind heutzutage wenig oder 
keine solcher verba. denn wir können nicht nur sagen : 
mich reut, mich verdrießt, mich erbarmt, mir scheint, son- 
dern auch: du reuest mich, diese schritte reuen, ver- 
drießen nüch, diese dinge scheinen mir abgethau ; wie ne- 



verhidii. personell, iinpersoiud'ui. 251 

bell dem lal. niiseret me noch niisereo und niisereor statt 
fanden, so begegnet auch das nihd. mich bevih persön- 
lich: ir betet iuch bevih Parz. 415, 28 ; von allen wart bevilt 
Parz. 174, 16; svvä im kumbers wftre bevilt Parz. 687, 19. 
die obne begleitendes pron. auftretenden Impersonalia es 
regnet, es donnert u. s. \v. können leicht persönlich ge- 
dacht werden: gott donnert, die wölke regnet, wegen 
dieses Zusammenhangs beider ausdrucksweisen habe ich 
kein bedenken getragen unter die belege einzelner unper- 
sönlicher verba auch persönliche fälle mit aufzunehmen, 

4. die unpersönlichkeit ist desto entschiedner, sobald ein 
gen. der sache oder ein prapositionenverlialtnis Iiinzutritt: 
es reut mich dieser liandlung , es verlangt mich nach dir. 
insofern es (= das) nominativisch stellt, ist eigentlich erst 
das neutr. der dritten person vorhanden, z. b. es freut, 
betrübt, wundert mich; daraus aber erwachst unmittelbar 
das impersonale. auf diese weise erscheint die zahl der 
unpersönlichen verba ganz unbeschränkt, imd fast von je- 
dem intransitiv und reflexiv lätU sich die dritte person 
des sg. unpersönlich gesetzt denken, z, b. es glüht, es 
brennt, es lauft über, es eilt, es hat eile, es versteht 
sich u. s. w. bei nicht wenigen aber hat der Sprachge- 
brauch sich gegen die inipersönliche anwendung entschie- 
den , niemand sagt z. b. es schämt mich, es erholt mich 
für ich schäme mich, erhole inich. 

5. streng genommen können die von s. 241 an aufge- 
führten, mit einem Substantiv und andern verbis gebilde- 
ten Impersonalia nicht für solche gelten, sie lunschreiben, 
ersetzen bloß eigentliche Impersonalia. In den sätzen : es 
ist tag, es wird nacht, es nimmt mich wunder ist ein 
prädicierles siibject vorhanden , das man sich sogar perso- 
nificlercn kann. da sie aber in der gewöhnlichen ab- 
stracllon den impcrsonellen sätzen: es tagt, es nachtet, es 
wundert mich völlig gleich stehn, so schien mir ihre ab- 
handlung hier unvermeidlich, wird mit einem adj. uin- 
schricbon : es ist kalt, es nimmt mich fi-enule , so leidet 
die Inipcrsonalltät keinen zweiFel; weil mm adj. und snbst. 
liier nicht selten schwaiiUcn, war die aiisscIilielWmg der 
substantivisch gebildeten redensarten noch weniger lluinlich. 

6. nach dem vom inipersonale abhängigen tlat. oder ncc. 
ließen sich die reihen nicht ordnen , Nveil beide casus dia- 
Icclisch wechseln. im "anzen zeigt die alul. mundarl 



'^S2 einfacher salz. 

auch hier grölk've iieli;ung /um arc. der eine oder der 
andere casus iu zusamnieiigesel/.tcn rcdensarlen sliiunit zu 
dem der einraclieii iini)er6onah'a ; so licilU es mich uiiiit 
lOlr wie mich beU\ret , und mich ist, lial, niinnil, fangt, 
gi!)l wumler, wie mich wundert. doch will ich den acc. 
in mik ist kara , inih ist wuntar, mili ist iiiot aus diesci- 
analogic allein uiclit erklaren, da "vvii- zwai- ein alid. inili 
■WMinlarul , mih niolut, aber kein golli. mik kar;iilh oder 
karulh aufzuweisen liabcn , und der acc. auch bei den» 
einfachen sein und werden: mih ist, mih wirdit auftritt. 
Von einem persönlichen gen. bei impersonalien kenne icli 
kein beispiel. denkbar wäre vielleicht ein ahd. min zilöt, 
tnin ilit, mhd. mhi zouwet (nach s. 33. 35.) doch alid. 
mir zawet (s. 237.) 

7. durch vorschiebnng dieses persönliclien pron. wird je- 
desmal das xinl)eslimnite neulral|)rnnonien iinnölhig: mir 
mangelt = es mangelt mir; mich dünkt = e^ dünkt mich, 
obgleich die Wiederholung nacli dem verbo zulassig (nicht 
erfordei'lich) ist: mir maugelt es, mich dünkt es. imper- 
sonalia, die kein persönl. pron. begleitet, müssen das es 
schon seit dem ahd. immer behalten: es tagt, es scheint 
(videtur). nur im goth. fehlt das ita überall: rigneilh, 
seitlui varlh , kara mik ist. Unter den romanischen spra- 
chen bedarf bloß die franz. des vorgesetzten t7: il pleut, 
il neige, il g«le, il fait chaud, froid , il est besoin ; auch 
wenn das persönliche pron. voran gerückt wii'd : il m'im- 
porte, il me suffit, ii me faut, il me tarde, il me parait, 
wie wir nicht sagen können. im ital. und span. unter- 
bleibt, wie im lat. , das pron. immer: ]>iove, gela, tuona, 
nevica, grandina, fa caldo , freddo ; llueve , hiela, uieva, 
amanece, anochece, aconlece, basta , es menester u. s. w. 

8. auch die III sg. fiass. kann im personell gesetzt wer- 
den, d. h. ohne beifügung des subjects im oblicjuen casus, 
doch kenne ich kein goth. cjvithada im sinn von dicitur. 
die späteren dialecte müssen umschreiben: es vrird gelau- 
fen (curritur), es wird gesungen (cantatur.) oft erhält hier 
die ausdrucksweise durch man (s. 220. 221) den vorzug. 



Der liiennit schließenden erörlcrung aller einzelnen perso- 
nen habe ich nur noch eine aunterkuug beizufügen über 
ihre gegenseitige Vertretung. 



verhum, persojien. 253 

die erste pcrsou kann nie au der ZNveiten oder dritten 
stelle gesetzt werden. 

die dritte lilugegen, nur aber in dem unbestimmten 
man, vertritt zuweilen die erste oder zweite (s. 221.) 

- wichtiger ist der gebrauch der zweiten person statt der 
ersten: lali uns gehn, laiU uns gelin! für eainus ! was ich 
s. 88 abgehandelt habe. 

im gr. und lat. epos wird die dritte ]jerson nicht sel- 
ten, durch förmliches anreden, in die zweite verwandelt, 
ohne daU dies den erzählenden ton stört, außer lat. dich- 
tem des JMA. (Reiuh. XCl. mythol. 185. 186) haben es 
auch neuere epiker nachgeahmt: also redetest du, ehr- 
würdiger pfarrer von Grünau! *) ; aber du sagtest indeß, 
ehrwürdiger richter, zu Hermann; aber du zaudertest 
noch, vorsichtiger nachbar, luid sagtest. 

Von dem liöllschen pron. der dritten person für die 
zweite im nächsten abschnitt. 



*) bei Voss oft bloße anrede und pron. zweiter person, ohne ver- 
bum: wann er im {Trauenden haar dir glich, miidredender Spener! 
Luise 3, 22; wo dicli, redlicher greis, uaischwebeten träume der 
aiiiidung das. 2, 4. 



254 eiujaclier sulz. 

ZWEITER AIJSCIlM'rT. 
NOMEN IN ElNl ACHEM SATZ. 

Was von ticin veibmn, in bcziig auf den eiiifachon 
salz, zu eioitcni Mar ließ sich alles unter die grundej- 
sclieinuiigen der verballorni Ijringen; iibeiall -wurde das 
verbuin (.labei als unal)li;iiii;ig yedailil. und die belratlituny 
seiner abhiiui^igkeit bleibt dem diillen abscbnill vorbehal- 
ten, der einlache salz gewahrt keine läge in welcher das 
verbuni regiert erschiene, den infin. abgerechnet. Anders 
beim nomen , dessen abhängigkeilsverhiillnissc sich meist 
schon im einlachen salz enllalten. 

Nach auseinandcrselzung des nominalbegrifs (cap. 1) soll 
die lehre von der einslininiung in geschlecht und numeius 
(cap. 11), dann aber die von dem })ronomen , insonderheit 
dem arlikel (cap. III. IV) und den beziehungen der llexions- 
form (cap. V) vorgetragen ^verden. Nun erst kann sich 
die belrachlung zu dem casus wenden. der casus ist enl- 
^veder ein regierter, abhängiger (cap. VI) oder ein abso- 
luter (cap. Vll) und hieran schließt sicli eine nähere er- 
wägung des nominalen adverbs (cap. VIII.) 

CAP. I. BEGRIFFE DES NOäIENS. 

Das Substantiv gibt den nanien, das adjectiv die be- 
schairenheit eines gegenständes an. sicher war auch ienes 
bei seinem Ursprung von einer eigenschaft des benannten 
dinges ausgegangen , deren bedeutung sich allmälich ver- 
dunkelte und in einen vielseitigeren begrif auilöste, Avährend 
der einseitige sinn des adjeclivs fester beharrt. aus dieser 
Ursache können einer spräche eher fremde sidjstantlva zu- 
gebracht werden als adjectiva, welche größere Verständ- 
lichkeit fordern, eben darum veralten auch adjectiva leich- 
ter, weil sobald ihre bedeutung ei'bleicht, ihre auweudung 
stockt. 

Obwol beide, subst. und adj., aus dem verbum ent- 
sprießen, so steht seiner durchsichtigeren bedeutung wegen 
das einfache adj. dem stamm noch näher als das einlache 
subst., und auch syntactisch wird dieses engere band zwi- 



nonien. begriffe. 255 

sehen verbiim uud aüj. zu erkennen sein. Die friiliere 
spraclie beclarl" -Nvenlger adjecliva je melir verba ihr noch 
eigen sind ; das verbuni selbst prädicierl was nachlier das 
adj. mit dem Substantiven verbo umschreibt: unser alles 
niac oder maket, das lat. >'iget, valet, pollet drücken un- 
gefah]- aus was: er ist stark, fortis est, aber die sonderung 
des adjectivisclien begrifs wurde nolhwendig^, weil er mehr 
das ruhige Verhältnis zu bezeichnen hat, das verbum mehr 
das thalige. in diesem sinn sind die salze: der bäum ist 
grün, das feuer ist heiß fühlbar verschieden von: der 
baura grünt, das feuer brennt, obschon sie oft ein luid 
dasselbe aussagen. 

Den verbis ist das eigne vermögen eines luimltlelbareu 
Übergangs in das nonien durch die purticipia \ erliehen, 
aber so lange im participium der verbalbegrit waltet drückt 
es das Verhältnis der handhaig immer lebhafter aus als 
das nomen , und in gi'üuend , brennend liegt darum wieder 
mehr als in grün oder heiß , ja die salze : der bäum ist 
grünend , das feuer brennend heben die continuität der 
ihällgkeit noch stärker hervor als der bloße verbalausdruck 
(s. 5.) veraltete, im nomen haftende parlicipia haben sich 
dem festeren nominalbegrif genähert; so sind unsere subst. 
freund, feind aus allen part. präs. liervorgegangen , in 
lieiland ist selbst die vollere endung bewahrt, während 
andere nur in elgennamen verhärtet fortdauern : Wigand, 
Wieland, Voland, Berend. ursprüngliche part. prät. sind 
unsere adj. eigen, kund und gewis (s. 167), inisere subst. 
macht, schuld, kunst, list ; vielleicht darf man andere no- 
nüna auf ganz verlorne participialformeu zurück beziehen. 

Wie sich das subst. macht, schuld mit dem älteren adj. 
mäht, sculd berührt, so sind noch viele andere Übergänge 
des subst. in das adj. und inngekekrt, nacli form und be- 
deutung , wahrzunehmen. 

Subslantiva, die den character oder die lebcnsart ei- 
nes menschen von übeler seile ausdrücken , nidiorn sich 
oft dem adj., z. I). der mann ist ein lügner, spülter, dieb, 
räuber, esser, fresscr, trinkei", wo die lat. spraclie sich 
gern der adj. auf ax bedienl , niendax, rajjax, cdax, vorax, 
bibax. die goth. Hebt in solchem fall scliwachformige masc. 
die sich zugleich subslanlivisch unil ailjeclivisdi auflassen 
lassen : /<'//(< Luc. 120, 20; //«<y«y<i Job. S. 44 ; t'Ji'tjn Matth. 
11, 19; ve.indriKjlja Luc, 7, o4; aßlnKjhjd ibid. Kor. .5, 11; 
manna ilane])en entscheidet fast für ilas adj. viKa (raptor) Ist 
der form nach eher subst., und noch entschieduer ihiubs (fnr) 



256 riuj'iiclter salz. 

hßrs(ailiillcf.) muh ille «lid. inlid. iilid. I'orm aiil' nri. :iT(>, 
er gcliörl tlem siibsl., l.ilU sicli aber jiiclil seilen diiicli ein 
adj. \vle diel)iscli, spöllisch erselzcn. 

Schwaclie adjccliva iiehnieii siibslanlivlsclie Itcdciilung 
au: der reiche ^ der blinde, der arme driicUt uns ans: 
der reicbe mann; die arme, die blinde: die arme, blinde 
f]"au ; das jniuje: das jimi^e lliier. JMaii vergleiche das 
golJi. nshüisla (^egenus); tinhullhu uui] nnhullhü (daeniün); 
alid. heiluiju (homo sanclus) , vielleiclit heidano (elhnicns) 
gramm. 1, lü7S; mhd. ein stumbe l\y. 4^1. 225'J; ein blinde 
Bar]. 37.S, 27; gotes dihjliije ßarl. 133, 11; ein zaye (lu- 
gax), dessen adj. form seltner isl : tie /^agusleu A. Blli. 'Jl. 
92; ein zager inuot ]Ms. 2, 246^*. die molion ^veibli(•ller 
aus solchen männlichen MÖrlern isl ^vIederum subslanli- 
viscli: mhd. heidenin (pagana), diirffecjin (egena) kaiserchi-, 
15^; dürjleijinne Iw. 6403; Iteilitjinne (sancla.) hierher 
gehören auch die comparalive und Superlative ahd. heriro 
nilid. lierre, nhd. herr (dominus); jnnijiro (discipulus); 
ajtaro (podex) aftero N. ps, 77, 66; eldiron (parenles) 
nhd. ehern; vordaron (majores); furislo ([)rinceps) mhd. 
fürste, nhd. fürst; ndliisto (proximus) nhd. nächste, goth. 
mit eigner ableitung nehvundja. 

Auch im freund und verwandtschaftsvei-hallnis steht 
einigen adj. subslantivbedeulung zu: der (jeliebte , die ge- 
liebte (früher friede), friedele); der liebste ^ die liebste. 
das gedieht von Dietrichs ahnen (sonst kein anderes) ver- 
■\vendet mehrmals das adj. zart (teuer, carus) für das subst. 
söhn: Bltorolfes zart! 6732; Dielmares zart! 4126; der 
höhe Dietmares zart 5406; Dietmares zart 6313 j des un- 
get^iu^ven Gibechen zart 8368. 

Andere zu Substantiven gewordne adj. findet man nach- 
her bei der ellipse unter 3 aufgezahlt. 

Einzelne masc. und neutra , seltner feminina starker 
form pflegen, voraus in mhd. spräche, umgekehrt adjectivisch 
verwendet zu werden, dahin zahle ich kint =z: kindiscli, mich 
. duuket des, ir sit ze kint "VYigal. 3384; swiget, ir Sit gar 
ze kint Frauend. 10; niemen ist su kinder Ben. 315; die 
alten süln sin desle kinder Ben. 437. scinn (splendor) = 
apparens , inanifestus, belege vorlün s. 246. licht (lux) 
:= lucidus , ahd. liohtu ziti (lucida tenipora) 0. V. 22, 5 ; 
mhd. diu liehte heide, der lieble tac Iw. 644. 1326; die 
liehten maget Trist. 10893; nhd. der lichte tag, an dem 
lichten galgen; Ulf. hat die adj. bildung liuhadeins. nhd. 
zier (decus) mhd. ziere, ahd. ziuri (decorus.) nhd. (jlcmz 
(splendor) = mhd. splendidus, fulgidus, einen hehuea 



iwinen. sub.st. imd adj. 257 

glänz Nib. 1779, 1; nacli glänzen bluomen ]Ms. 1, 3^: ein 
glaiizer engel Troj. 2926; ir gcreile ^vas von golde glänz 
\\ igal. 8888; der schilt ist im ze glänz Wigal. 8544; 
ez niaclilc ,^vibes ougen glänz Parz. 476, 8; des sper 
Avas Hellt von varwe glänz (glänzender färbe) YV'h. 86, 
4; anch alid. vermag ich bloI\ das adj. cufziuvcisen , 
glanzaru (nitidiiis) gl. nions. 350. mhd. hVic (splen- 
dor) = splcndidus , reht als ein siinnenblicker schür (re- 
genschaucr den die sonne beleuchtet) Parz. 514, 20; ein 
beleg für den adj. gc])raiich des einfachen vvorls geht mir 
noch ab*), mhd. j/e//>/ (snperbia , faslus) ]\ib. 409, 1 nr 
lucidus, superbns, (ragen gelpfen muot Nib. 621, 3; ein 
gelpler rublu I-w. 625 : liant ir gelpfen schm verlorn jNIs. 
2, 201''; gelpfer danne ein gluot Wigal. 10544; des lieb- 
ten meigeu bliiot gelpf in diu herze gltzet 'iioj. 15685; 
\on gelpler bliiete Troj. 16211; alts. und ags. ist gclp, gilp 
nur ein svdjst. (jaclantia, gloria) : spracun gelp micil llel. 
154, 7. jidid.diu^ej- (cupido)Parz. 29, 7. 32, 6. Trist. 196. 
242. 452. 1104. 1355. Bari. 9, 27. 21, 38. AMgal. 10499. 
11358 =:= cupithis, ahd. gerur (ardenlius) gl. mens. 388. 
ger Ware (cupiila esset) N. Cap. 88. in der mhd. nnper- 
snlichen redensart : mir ist ger kann man ein subst. oder 
adj. annelinien: in was zuo einander ger Ivv. 1013. J\ib. 
1548, 2; der frouvven v\'as zer verle ger Wigal. 5782; in 
beiden was ze samen ger A\ igal. 6629; was im ger Wig. 
6699 ; ze slnte was in ger Wigal. 7351. hierlier auch 
die s. 244 behandellen niet, not, ser , thirfi , zum. nbd. 
ist ernst bald sidjst. bald adj., und ebenso das engl, ear- 
nest. mhd. der vidsch (fraus) Trist. 9579. 17518 = falsus 
]\v. 199; ir sit vri valscher rede Iw. 2511; ane valsclien 
list Iw. 7901. Zuweilen gebraucht ein dialect das subsl., 
der andere das adj.; jthnar ist ahd. planclus, moeslilia, 
geomoi- ags. mocslus, (picrtihis. 

In gewissen lallen liebt tUc. allere spräche das subst. 
als pradicat zu setzen wo wir uns heute eines adj. be- 
dienen, mhd. daz heiz Ich sin (das nenne Icli verniinllig) 
Aw. 3, 24; daz ist sin Trisl. 11469; was daz wislulL unde 
sin Trist. 12383; daz sint sinne Ms. 2, 154'*; daz beiz ich 
giiote sinne Ms. 1, 161^; daz wrcren sinne !Ms. l, 39^: daz 
sint nnslnnc (das ist luiklug) INls. 2, 148'*; (hinkel dich daz 
ein guot slni' ^^ igal. 5517; dal sin obcle sliuie lulliarls 
Trist. 2705. daz was ein unifcntule Gudr. 153S, 2; so 

*) wnrimi wol gerade die ho^irilVe lielit , scliiii, zier, ;;Inn/, . Mio 
in dieser doppelbedeutuug zusammciistiiiiinciiV aiuli jjelpli {^eliört dnliiii. 

II 



2,55 ci.'ij'nclicr salz. 

wau' nun 1)0slrr sin ein luv I'arz. 37, 20. t]*Vsl ein rii//e'(las 
ist ausgcniaclil, darüber wallet kein zwcifcl) Wallli. 44, I«. 
73, 13; (laz ist ein ciidc Wallli. 74, 11. ez ist ein nit (os 
ist ärgerlich, gehüssig':') JMs. 1, 61''; war iimbc rede irli 
soIicIiL'M Uli? fso eiMlIeil) iMs. 1, 81". dnz sint sin rvc Mas 
ist ihm ohrciivoli) Ms. l, 83'^. Hierher nelime ich das ahd. 
iliiain, , das 0. bald iieiilral , bald niännlicli setzt: tliar ana 
ilaliin sie thaz diiaiu (etwas rühmliches, prciswerthes) J. 1, 
,5; gidali eiiian duam III, 15, 17; tii dalun snlili diiam JV. 
5, 46; sie wolliin diian In cinan duam IV. 6, 29; er wolla 
duan imo einan dnani IV. 8, 18; vgl. ihaz Avas allaz ihln 
duam IV. 1, 50 und bei N. luomheit (magnificentia), tuo- 
mcn (inagnificare.) Auch noch heute gebrauchen wir ein- 
zelne suijst. In ähnlicher weise: es ist ein riiinn , eine 
ehve = riihndich, ehrenvoll; ein wunder y ein jammev, 
eine freude^ eine last. 

Mancliou miserer jetzigen subslanllvzusammensefzungcn 
zog die frülierc spräche den adjeclivischen ausdruck vor, 
nanienllicli bei zeit luul Ortsbestimmungen oder angaben 
der slolVe. 

zi ihcn ostvujen gizitln 0. II. 11, 59; nilid. an den 
österlichen lagen En. 12609; der österliche tac Trist. 17559; 
an dem österlichen läge IVIs. 2, 230^; diu österliche zit 
IMar. 54; in den österlichen tagen Krolzcnburger weisth. v. 
1415; an dem pßiKieslJichen tage Lohengr. 50; ebenso diu 
suuterliche, winterliche zit. In der rillesten deutschen Ur- 
kunde von 1240 wird die lal. formel a die nativilalis do- 
miiii ausgedrückt: von unsors herrcn (jeburtl/chevi tage; 
geburllicher tac Flore 2263 ; an unser vrouwen geburtli- 
chem tage (urk. v. 1288 in Längs reg. 4, 384) ; an dem 
äbende des geburlllchen tages des heiligen licrren sand Jo- 
liansen des toufers Schreiber freib. iirk. n^ 280 (a. 1368); 
huntliche tage (hundstage) Wackern. Ib. 609, 16; die hei- 
lecl/cheu tage Parz. 447, 14; der xirteiliclie tac (dies ju- 
dicii) Geo. 5174; ein iirteillicher tac Dielr. 9702 vgl. daz 
iirleilliche wal Parz. 210, 28; von Iren (jedechiUehen tagen 
Günther cod. dipl. 4, 600; bis an seinen sterblichen tag 
(urk. bei Rindlinger.) Wir sagen heute oslerzeit, oster- 
tag, pfingsttag, hundstag, geburtstag, sterbtag, Sommerzeit, 
winterzeit, und iene formen könnten dem lat. dies pascha- 
lis, natalis, canicularis u. s. w. nachgebildet scheinen, ich 
finde aber auch: ein nieiijesch gras Trist. 2547 ; an einem 
meigescheii dinge (maigerichl) dreieicher weisth. p. 11. 

Die alle wirzburger grenzbesllmmung liefert : daz ha- 
(janind söl, zi dero haganlnün hulia ; diu /atriv/wa struot; 



noineii. .subsf. und in f. 259 

iji Jen w/d/non sco; In tlcn rorinon sco ; in den stehii- 
nou fürt; eine lianielbnrger grenznrk. lliaz steinlnd lioiig, 
tber eichino berg, tJien lintinon seo; Äleicbelbeck n" 
507 ad dorniKjin pab ; n° 716 ad potimiiiiiu cliircbün ; 
1059 stein/null cbiricbün, und äbniicbes viele andere urk. 
des 8. 9. 10 jb. bieraus erklären sicli beutrge Orts- 
namen, z. b. Weidensee, fiöbrenfurt (fürt im llnß, wo 
robr wäcbst.) indes darf ancb das adj. in eigentliclie com- 
posilion treten und statt der wMino seo , der eicbino berg 
gesagt werden der widiuaseo, der eicbinaberg (granim. 2, 
626. 647.) 

tvazerhie zasamen (wassertropfen) N. Cap. 115; mit 
der fjeizinuu milcbe Diut. 2, 270 (geißmilcb); in denio buc- 
chinen bluote (bocksblut) N. Cap. 69; alts. silo/'rin scat 
Hei. 105, 1; (juldine scattos Hei. 98, 19; erine scattos 
Hei. 115, 10. in pendeschen weren (im pTiuidbe sitz) 
liebben (urk. von 1456. 1475 in Spangenbergs arcb. 
1828. 2, 169. 178.) mbd. diu frihnvfne scbar Trist. 9349. 
11652; mit fröuwineu benden Trist. 6562. 

Neben diesen constructionen kommt aber aucb oft die 
zusannnensetzung vor, z. b. öslcrlac Amgb. 3^ 47^^ Trist. 
925; pfingesttac Turl. Wb. 8'^; sumertac Wigal. 987; gi- 
biirldag Dtut. 2, 284* ahd. kipurti dago gl. }un. 214; wo- 
raus sieb eben ergil)t, wie nah der adjectiviscbe ausdruck 
an den subslaiiliviscben grenzt. 

Außer in den participien berühren sicli verbum und 
nomen aucb in dem hijlniliv. es ist schon 3, 537. 538 
vorgetragen worden, daß der substantivisch gesetzte inf. 
die natur eines neutrums annehme : diz l)agen I\v. 4566 ; 
daz jagen Wigal. 185; scluxMiez striten Wig. 552; daz We- 
sen Wig. 730; langez bazzon Trist. 11389 und al'.onliial- 
ben so. der goth. und nord. S[)rache mangeln solche inf. 

Werden die infinitive rellexiver veiba sul)slaiuivisch, 
so pdegt gern das pronomen wegzufallen : iindt-r winden 
mich daz lerte Parz. 146, 25; du wart vll iiucbel,///:::ejt 
getan INib. 261, 4. 1593, 4; dö wart in dem laude ein 
michel nahen Nib. 1462, 2 ; obgleich es sonst lieiJU : sieb 
unterwinden , sich lltzen , sich uoben. liacbmann hat diese 
bemerkung zu Nib. 1462, 2 aju ersten ausgesprochen. 
Auch heute noch sagen wir wol ricbliger; freien und 
trauern hat seine zeit; erinnern ist süß; als: »ich freuen, 
sich erinnern, denn die subslanliviscben inf. bedürfen des 
verbalpronomcns beinahe so wenig als die eigentlichen 
substanliva freude und erinuerung. die nui disrheti sprachen 

11 2 



200 einfacher salz. 

I)ci ilircni siiljsl.uiliviscli \ erwaiuhcu pail. ])r;is. z. b. scliwcil. 
lalaiiilt' (das icilcii) lasseii Ueiii rellexives S zu. 

Nach T,a(;liiii.imi (/.ii Nib. 1, 3) isl die vt'rljiiidiiiig des 
siibslaiiliviscliL'i) iiil. iiiil andern subsl. in der nilid. sjuaclie 
sebi- seilen, nendieli in iler i)lirasc: von ^veinen und \()\\ 
klagen sebeinl lel/leres dal. j)l. des snbst. klage, ^vie Kl. 
273 Jj('. ^^einens und klagen (gen. pl.) indessen siebl Kl. 
702 der lu««»/' und daz hlinjen , und iiocii öCter wird sich 
hhen unde ///> l\v. 2422; Up und leben Trisl. 11973 au(- 
weisen lassen. zwei inGiülive nebeneinander fallen niclil 
auf inid linden sich oll: dilze AvüefcJi unde klagen Kl. 
725; weinen unile klagen Kl. 273. 975. 1683. 2Ü75 ; 
schowen unde klagen Kl. 333. 

In dein subslantivischen in f. slcckl also nocli innner 
ein kleiner lest seiner verbalnalur, der sich wider die 
giiuzliche gleiclisclzung mit dem uomen sträubt. 



Den im vorigen abschnitt s. 131 behandelten verbal- 
ellli)sen slehn folgende 

ISoniinaleUipsen 

zur seife, alle aber gehen bloß das snbst. oder pron. an, 
den ausfall des prädicierendcn , nicht die sache, bloß die 
eigenschaft angebenden adj. würde niemand errathen. 

1. es sclielnt, daß in gewissen redensarlen , gleichsam um 
ihn durch allzuhäufigen gebrauch nicht zu entheiligen, der 
name (jottes ausgelassen winde, statt des gr. 3, 74. 244 
erläuterten gott gebe wird nicht selten bloßes gebe gesetzt, 
Schweiz, gebwie Slald. 1, 433. 434; schwed. gifve! sv. vis. 
1, 2. 96; auch Burcai-d Waldis bedient sich bald der for- 
niel gottgeb, bald des geb allein. schon Vax. 9705 sclieint 
ein solches elliptisclies gebe enthalten. INicht anders heißt 
os: behüte! bewahre] für gott behüte! gramm. 3. 303; und 
sanunir, semmi! für gott helfe mir (3, 243. vgl. oben 135.) 
Das wichtigste beispiel liefert ims aber die goth. partikel 
vuitei (3, 243. 761), die sich nun auch I Cor. 16. 6 vorge- 
funden hat. sie wird völlig klar, wenn man (juth daneben 
versteht. 

2. das subst. felilt neben dem (jenit'iu , den es regiert, die 
begriffe von haus, geschlecht und Jamilie lassen sich nach 
solchen genitiven am leichtesten ergänzen. Viele alte, geniti- 



nonien. elUpseii. 2Ö1 

viscli gestellte Ortsnamen bezeugen uns die elllpse des Wor- 
tes haus, in der obergrafschaft Hanau liegen zwei döi-fer 
Herolz und Sannerls, in allerer zeit liießen sie: zum He- 
roldes, Sandrilles d. i. hüse, nacb des iiUesten gutsberrn 
oder anbauers wobnung *). Sanct Gallen bedeutet: ze 
sente Gallen büse. mnl. tote Ijamfroils bi den tiuie Kein. 
646; lote Lamfroils an der lieiden Kein. 879. statt des ei- 
gennamens kann aucli ein biolies appellativ slelin: volgbe- 
dcn\ al tole des bisscops (buse) int bof INlaerl. 2, 146; tote 
dos papen (buse) Kein. 1513. docb aus keinem der mbd. 
dicbter babe icb diese auslassung angemerkt, desto ölter 
kommt sie im altn. vor: at Oegis Saim. 52* SS''; til Oegis 
Sium. 53-'; til Hreidfimars Sn. 136. gotb. franj tbis iau- 
ramatbleis {(jarda?) Luc. 8, 49. 

es scbeint, daß bei dem gen. pl. der orts luul völkernameii 
zuweilen das sidjst. /«»f ausgelassen wird : kom er zeime lande 
mit micbilre mabt bundert langer raste und dannocb libte 
baz: daz biez Niblunge. Nib. 453, 4. bier gebt es zwar, 
aber durcb andere würter getrennt voraus. mit dieser 
ellipse läßt sieb auch der sg. des verbums bei Ki'iecben 
Parz. 563, 8 und öfter leicbt erklaren, vgl. gramm. 1,' 779. 
780. gotb. US allamma luduias (Jauda) laio ntxoi]s t/;i; 
'Jovdaias Luc. 6, 17; so: af Belbanias Job. 11, 1. 

Sk. 43, 17 konnte bei dem gotb. gen. pl. alamanne 
das subsl. kuni ausgelassen sein: onuüum bomiiuim genus. 
doch bat diese ellipse in dem zusammenbang der worle 
obne ein vorherstebendcs adj. oder pron. etwas scbwieriges. 
]Nib. 1694, 1: du von icb wol erkenne alloz llngnen sint, 
liißt sich zu allez Imune ergänzen, bingcgcn NiJj. 1303, 4: 
icb wicii man alle zite bl dem Kriembikle vant Dielricben 
würde sich \or dem gen. tue ellipse von ijtsinde fügen; 
Lacbm. vermutet ganz abweicbcnd. 

Deutlicher fehlt der pl. Hute oder mau nach d(>m gen, 
des eigennamens, docb mir in einigen beldenlledeiii , nicbt 
bei den boilscben dicbtei'ii. die Kijuriclies Hab. 255. Diel]-. 
6483. 7330. 9771; swaz ii- der Lrnuicbes (maniu') vindet 
Dietr. 6459; die Heimen Dielr. 3429. der den» iiamen 
vorbeigehende arlikel (wie vor jenem Magnen allez, und 
vor Kriembilde dem) verständigt den weglall. nlul. abiM- 
ist es ganz üblicb, obne artikel , zu sagen: iib wuluio bi-i 
Bbunes; icb gehe zu IMiillers, zu oberlorslci s u. ilgl. , und 
es wird darunler fanulie, liausgcnossonscliall gciiioiMt. 



*) \gl. zum (.iricnlciiis und spillcr («rieiilas Ihm Sclini. 2, 471, 



2(52 ein J'dclwr tmlz. 

l'liiie menge »inserer cigcnnnnien elclin im gen., das ab- 
8lainr)iungsv(Mli;illnis aus/.iidiiickon , ^va8 i\'u\ ellipcc von 
so/iu y lochlcr , ./'■"'« oder wilive voraiissetzl (heisju'elo 
i^ranini. 3, 340.) in der alleren spräche und in den ge- 
diclucn wird jedocli, meines wisscns, mit dem gen. des ei- 
geniiamcns und dem arl. der, diu niemals verwandlscliafl, 
freiindscliart oder iiherliniipl angeliörigkeit bezeiclinel, wie 
bei den Cricclien so liiiiifly niil 6, y und dem gen. '') Jiloß 
das alln. konia munu JMuspells (nendich synir) Srcm. 8'* 
darf ich noch anführen. 

Andere genilive deutet die eUipse von zit oder eines 
iiluih'clien subst. bi Rarion (zite ^ tafjen) Ben. 430 *•*=), 
od(>r will man sich mit der bloUen pnip. I)egniigcn, wie 
wir noch heute sagen: unter Karl;' auch die bekannten 
adverbia: vor tages, vor abendes (gramm. 3, 130), nach 
mittags, vor mittags; nach ezzcns Kab. 112. Dietr. 3060 
(wo es aber auf besserung beruht); nacli esseus Job. v. 
Soest (bei Fichard 1, 91) Kantzow 2, 434 und noch oft 
bis ins 18 ih. nach essens Ettners apolh. 158. 276. unw. 
doct. 543. 663. 832. vor essens imw. doct. 352. felsenb. 
3, 209; samt andern ähnliclien schicken sich zu dieser aus- 
lassung. inzwischen ist ihre erklärung zweifelhaft und icli 
Jialte 3, 130. 131. 143 eine abweichende versnclit. es 
wird, veranlassung sein später liierauf zurückzukonnnen. 

3. neben adjectivenf zu welchen es gehört, uemlich so- 
bald durch den adjectivischen begrif der substantivische 
augedeutet wird. 

Ulf. braucht die ad), talhsvu und hieidumel ohne haii- 
dns , wie der gr. text y (h^nc luid uQ/OTeoa ohne yato 
Mallh. 6, 3. ]Marc. 15, 27.' Eph. 1, 20; "nicht anders 



*) nachdem man sonst abgescl)mnclite und unnütliige elüpsen in 
der granimatik j;eliiiurt fiatte, ist die reaction gegen sie zu weit ge- 
gangen, wenn zwei eigennamen neben einander \iiid einer im gen. 
stelin, so kann dadurch die abhängigkeit auf das mannigfaltigste aus- 
gedrückt sein, z. b. Meiers Conrad den umständen nacli einen söhn, 
oder kneclit oder andern angeliorigen des Meier bedeuten, und hier 
ist nichts ausgefallen, ebenso wenig bedarf es einer ellipse bei 14//- 
h(vdQog o 'f>i/u:tnov, weil der gen, durch den nom. 'AXfiuvd noq regiert 
wird, und <ler sinn ergibt, da]^ riöi;, nicht etwa naOijTi'j^; oder <fD.o~ 
gemeint sei. steht aber bloß ö /iioq, bloß i] Aijiov:-, so muß noth- 
wendig ?'Io? und &i'yüi)jQ-, oder des sohns und der tochter eigenname 
iiinzu gedacht werden. voQ dem artikel allein kann der gen. nicht 
iibliängcn. 

**) einige declinieren Karle, Karlen (Ms. 2, 121») statt des übii- 
clieren Karl , Karies. 



nomcn. ellipsefi. 203 

slclin alid. zesawä und >viuislra , Dilicl. diu zes^ve und 
diu winsler; nlid. die rechte und die linke subsUuilivisch 
ohne haud. 

nsQißeßhji.lvoQ üivööva inl yv/nvov Älarc. 14, 51 Avird 
golli. ausgedrückt Ijivaibiths leina ana iiaqvadanaj zu yi'jii- 
l'ov nuil\ man coj/tdiTOi:, zu naqvadaua den acc. eines golh. 
jnasc. ergiinzen, etwa leikluanaii7 lieber haltj? y wenn balgs 
von der jnensclilicheu baut galt. 

die gr. ellipse nori'jQiov ipvyoov INIallb. 10, 42 ist in 
dem goth. stikls kaldis vatins verwiscbt, wie aucli die 
\ulg. calix atjuae frigidae. setzt, und nach ihr alle spateren 
\erdeutscluuigen. wie Jac. 3, 11 ro ylvy.v '/.cu ro Tir/oäv 
lauten würde, ist uns nicht ersichtlich, die Gjiechen lassen 
vd'oQ sonst auch bei ■d^eQftov aus, in der vulg. lautet jene 
stelle wiederum dulcem et amaram amiam. 

Luc, 3, 5 bei tarai tu oy.o}.ici ti's £vSeiar, vairthith 
ihatd vraiqvu du raiiilanuiia ist die gr. ellipse nicht gerade 
nachgealunt, raibtamma kann neutral gemeint und dem thata 
vraiqvu entgegengesetzt sein, obgleich sich auch der dat. 
masc. vüja ergänzen läßt *), wie zu dem acc. WifiJav das 
fem. ödof' vulg. prava in directa. noch in Tschachllans 
berner chronik s. 75: nu trug die brief ein bott luid wollt 
eneut nider den nächsten (we(f) gen Zürich, bei den adv. 
rehtes, gerades, siebtes, strackes, twerhcs, krumbes (gramn). 
3; 91) nehme ich lieber keinen ausgefallnen gen. xve(jes an. 

die redensarl: den kurzem ziehen erklärt sich aus der 
allen sillc des loosens mit släljcn oder halmon, welche 
Hallaus 782 urkundlich beschreibt; es ist also haha weg- 
gelassen. 

einen blozen legen Fichard 3, 274 fordert die ellipse 
arm und njag ein lechterausdruck gewesen sein für: sich 
bloß geben, aussetzen. Ilenisch hat 423 ein bloßen legen 
periclilari. anders scheint es nach dem von Frisch 1, 112 
niigcfiilirten spiichworl: ein escl meidet die Straßen, darauf 
er einmal einen l)loßen gelegt (hingerallen ist':') Frisch 
ci'kUirt einen blol^en schlagen: schändlich fallen, fehlen, 
daß die kleider über dem köpf zusammenschlagen, einen 
bloßen schlagen bedeutet sonst: übel aid^ommen, vorgeblich 
arbeilcu (lütners liebanuue 216), keinen bloßen schlagen: 
nicht vergeblich arbeiten (pedanl. irthunj p. 32.) 

den letzten (schlag) haben, einem den lolzlen geben. 

*) dafür slrcilel sugar daß iiiclit stellt: du llminina ruililin. 



'2C)\- einj'acher satz. 

in andcrm be/iig: 08 gelit auf die Iclzle (IkdkV/) • zu 
gulcr Iclzle. 

nilul. wird der ausdruck diu nicisle meiicge (Ssp. I, IS 
de iiieire inciiie) öfler I'üi' liccr, volk gebranclil, doch 
eiilsiiine ich mich dabei iiiclit der auslassuiig des subst. 
lunl, reicht aber das bloße adj. hin: daer die coiiiiic sat 
eiilie nieste {menujhc) IMaerl. 1, 263; eiis sat lii ende 
jncttcni die nieste 1, 306; daer lach hi ledich ende sin 
mesle 1, 33'->. 

die allfranz. poesle bedient sidi einiger weibbMien adj. 
subslanlivisch: ce est la voire (etwa chose ^ riausi ilen. 
17. 669. 1382. 1499 u. s. >v. ; cest la \nivc (vtrilc) Ken. 
14. 64.55. das zweite adj. gemahnt au chis lat. puraiu 
toUilo (herham) Liv. 1, 24. 

alle 2, 374 aufgezählten sclnvachen feminina der ab- 
leltung isk scheinen xirspriinglich adj., und beruhen auf 
ellipseii. namentlich bcnennungen nationaler sprachen und 
Avail'en : diulisca, frankisca, chriahhisca (rarta , sprücha) j 
mhd. diu welsche, nielisca (cantilena mellensis) Perlz 2, 
735. frankisca vernuUlich aJciis , (goth. acjvizi) securis, bi- 
pennis francica, den ags. dichtei-n genannt france C. 119, 
20. Thorpes anal. 123, 29. 125, 19; alln. frakka. 

einem ein volles (tjJcis) zubringen; icli habe bei der 
nord. und sächs. beneuuung füll (poculum) an das adj. ge- 
dacht (3, 457.) 

mhd. ein niuwez (spil?) erheben, etwas neues beginnen 
gr. Ilud. B^, 5. C^, 11; doch bestehe ich hier nicht auf 
der elllpse, da das unbestimmte nculr. an sich diesen und 
andere begrili'e ausdrücken kann, man vgl. ein niuwez vinden 
Ben. 351; ein niuwez briuwen Ben. 352; ein niuwez liehen 
Ben. 441, gerade wie man sonst sagt: ez ticlieu. 

selbst bei den redensarlen : das kalte (weh) j das weite 
{fehl) suchen kann man sich ohne die ellipse mit der bloßen 
Unbestimmtheit des neuii'. behelfeu. 

wenn wir sagen: auf allen vieren gehu, alle viere 
strecken, so sind hände und Jai\e gemeint, die alte spräche 
setzt aber das neutr. elliu vieriu in der zusammejibeziehung 
auf das w eibl. band und männl. fuß: bant im elliu vieriu 
AYli. 286, 13; üf allen vieren gen INIs. 2, 131^ Mooyer 
32. 34. dagegen hieß es wol schon mhd. alle uiune! (nem- 
ich hegel.) 

4. außer diesen beiden durch den gen. oder ein adj. bc- 
tlingten hauptfällcn der subslantivellipse gibt es noch ein- 



jiüineii. eUlpseji. 055 

zelne andere, mituuter nur für bestimmle sprachen, die 
altn. z. b, pllegt gern das subst. kostr (wähl, ausweg) nach 
dem art. sä wegzulassen : sä nuin nü gncnstr at segja satt 
(es wird der J)esle ausweg, das beste niillel sein, die Wahr- 
heit zu sagen); ok er sä til, at sigla undan (das einzige 
niiltel ist, davon zii segehi.) einige ellipscn sind euphe- 
niislisch, und von dem anstand geboten. 

5. die alle spräche kann bei der III. sg. und pl. des ver- 
bunis nicht nur das persönliclie pron., sondern zuweilen 
auch das substautivsubject unterdrücken, wenn es allgenjcin 
bekannt ist. so fehlt bei tonat eigentlich Jupiter, oder 
bei ßooviü '/jf^V'i vind erst aus der häufigen ellipse gieng 
der unpersönliche gebrauch solcher wtirler hervoi'. als 
ober das ahd. unbeslimnUe is donarot aufkam, \erlrat dies 
])ronomen die stelle des subjecls, und nun hört alle el- 
lipse auf. bei dem lat. dicunt mangelt homiiies. Die altu. 
spraclie selzt zuweilen segir (dicit) ohne subject, und dana 
ist zu verstehn skäld (der dichter) oder höfiindr (der Ver- 
fasser) Rask. f. 481. eines ähnlichen falls bei den verbis 
lieft upp und lykr wurde schon s. 54 gedacht. 

6. wie nhd. in den redensarten gott bewahre, behülo, 
helfe, lohne, segne! der oblique casus des pronomcns 
wesgelassen werden kann, so schon mlul. gut segene! 
Trist. 13674. 

7. wegen der ellfpsc bei adjeclivadverbicn verweise ich 
auf gramm. 3, 121. 



'2bb cu/Jac/ief nutz. 



CAP. II. GENUS UND NUMJTJIS. 

])as vorllcgciulc rapilol soll die vcilialliiisse von i^cniis iiiul 
minicriis heim Jioincii ziisainineiifasscii, Avcil iciicl und aus- 
jialiincii für beide sehr aualoy lauleu, auch auderc be- 
liihriiiigen cintrelcii. 



I. GENUS. 

Das grammallsclie gcschlechl des noniens Ist in unserer, 
wie in der lal. und gr. spräche ein dieiraches, inul davon 
liat schon das sechste caj). (h>s drillen bnchs näher gehan- 
delt. Den unberechenbaren \orlhcil dieser nalürlichen, 
die gesamte ilexion durchdringenden unlcrscheidung deckt 
aber die syntax vollsländiger auf. ohne den Wechsel der 
drei fornieii würde nicht nur der wollaut der worle , son- 
dern aucii die Sicherheit aller consü'uclionen der älteren 
Sprache großentheils verloren gehn. die einfachsten niitlel 
haben hier einen bewundernswerllien erfolg. 

Dem pronomen der ersten und zweiten person, so wie 
dem reflexivum , steht gar kein geschlecht zu , eben weil 
sie für alle dienen. das selbständige Substantiv bedarf 
immer nur eines der diei geschlechlcr , die aber für ein- 
zelne begriffe schwanken können, von diesem schwanken 
und von der austheilung des genus iniler die sidjslantiva 
liabe ich rechenschaft zu geben gesuclit. Jedes der übrigen 
pronomina und sämtliche adjectiva sind aber des dreifachen 
geschlechls theilhaftig, weil sie sich nach dem genus der 
Substantive zu richten liaben. 

Es gilt die bekannte regel, daß alle adjectiva und alle 
geschlechtifjen pronomina zu dem genus des subst. stim- 
men müssen, auf welches sie sich beziehen. 

Diese beziehung kann eintreten im Verhältnis des prä- 
dicats, oder im mehrfachen und namentlich relativen satz. 

Ein prädiciertes subst. braucht sich durchaus Jiirht 
nach dem genus seines subjecls zu richten, z. b. der künig 
ist die hülnung des reichs, die frau ist ein enge], dieser 
berc ist ein unübcrsteicliches hinderuis. 



iionieii. ^enus. 207 

Alle ausnalimen , die von dem aiifgestelllen geselz für 
adj. partic. und proii. eintreten, bedürfen l>ier der ent- 
Avickehing. ich bin gciiüthigt einzelne belege aus dem 
inehrfaciien salz mit in ansprach zu nehmen. 

Nicht selten darf von dem grammatischen geschleclit 
des subst. abgewiclien werden , wenn die bedeutung auf 
ein anderes natürliches führt. es wird in\oc. xo otj/iiaivo- 
/icvop construierl, der sinn überwiegt die form. 

Hauptfall ist, wenn aus der imbestimmlheit des iieu- 
ti'ums sich ein männliches oder weibliches geschlecht ent- 
faltet, das schon 3, 324 beigebrachte habe ich zu ergän- 
zen und zu berichtigen. 

unser ahd. parn , mhd. harn, ahd. citint , mhd. kint, 
nhd. kiiid sind neutral, d. h. es bleibt unentschieden, ob 
ein söhn oder eine tochter gemeint sei. den zweil'el löst 
der einzelne fall, und nun kann zu dem neutralen subst. das 
adj. oder pron. im masc. oder fem. gefügt werden, ist thiz 
kind iuer , tlier hlinter ward giborancr 0. III. 20, 82; 
eines kindes swanger, e si den gebare Diut. 3, 56; ein 
dinc daz ich von einem kinde sach , der sprauc Ben. 416; 
ich armer Dietmares kint Dielr. 102^; do gebaere du daz 
goles kint, der unsih irluste Hoffm. kirchenl. 25; daz kin- 
del/n , den ich iu genennet han Dielr. 480 ; der Adel- 
lieide harn Ernst 115, wo der kein zum gen. A. gehöri- 
ger arlikel ist; dirre kiiules parn \\ igam. 130; du allijri- 
ser harn! Moroll 1071; der listige harn JMorolt 1739; 
der vil reinen megede harn was zuo der golheit gevarn, 
diu in da her halte gesanl Bari. 5, 31. fürs fem. habe 
ich keinen klaren beleg: Ilonjö miner swester harn "•'), 
diu kan ir weinen wenec sparn Parz. 718, 25, auf swe- 
ster ist das relativ nicht bezüglich , aber doch mehr von 
Itonje abhängig als von harn. \'\ ichtig eine stelle bei Ulf. : 
barnilona meina , thanzei aftra hla Cal. 4, l'J, zwar nach 
dem gr. lexria fiov ^ or/\c 'in'O.iv oxh'i'io (vulg. lilioli mei, 
quos iterum partuiüo.) der Golhe halle die constiuclion 
nicht beibehalten, wenn sie der gewohnheit seiner spräche 
entgegen gewesen wäre. Nicht leicht wird die nhd. Syn- 
tax ein männliches adj. oder pron. bei dem neulr. kind 
zulassen. 

In dem grammalischen neulr. weih, so viel wir wissen, 
liegt iüuncr der begrif des femininums. 



*) uiadclicn, (ticlitcr werden lam aiij^cicdcl Ms. 1, 5öl\ 



26(^ einfacher uilz. 

die allere ßpiaclic liUU aber gern das weibliMie proiio- 
iiicii dar.lut" IoIi^l'U. alid. ein ivib ^ liu Adraslca lieizol N. 
('aj). 55; wdil» tvib habet zelien draginas, oba aiu forliu- 
sit T. 96; iügivvelili lliie thar gisibil wib sin zi gerönne 
T. Malth. 5, 2«; des ivihes , diu luh ira vahsen Iructbc- 
nuJa, des w/bcs ^ diu vooe derc beriiorida sines kewAlis 
keliellit ^vnrd , alle hoiiiiiie b. Kcc. Fr. or. 2, 947, 94« ; 
ails. eil w/J', lltiu liabda warn gefriiniid llel. 117. IH; eii 
lu//*, thiu eiias judeon was IIcl. 151, 9; lliat ii'//' spraU 
nud iro worduii llel. 124, 7. ags. ade ihiura ihe f //* ge- 
sylidh , and Iure gcvllnadh INIallh. 5, 28; thä väs suni v/f, 
seo fordielile Luc. 8, 43 ; lliii com an vff and liäfde hire 
seallbox Luc. 14, 3. nilid. sin w?/', diu liiez Scnuraniis 
Anno 149; ein wib , diu \\i\ mich freude ersterben üen. 
72; ein wtb , diu hat miih i^ebiinden Ben. 115: uml)e ein 
wfp , der er geliuret NViwre lien. 34.» ; ein «'»/>, diu lo.«Kch 
laclien kan Ms. 1, 6*; ein ifz/^, diecU e genennel han Farz. 
76, 1; im d?ihle aber Parzival an sin w/'p die lieht genial 
und an ir kiuschen süeze Parz. 732, 1 ; ein ivi'p, von der 
ich wart geborn Parz. 750, 24; für diu wip stoze ich disiii 
zil, swelliiu nun ralen merken wil , diu sol wizzen war 
si kere Parz. 2, 25; ein tvfp^ die man viiulet so, diu wPer 
vil Klite eins Schimpfes vrü Parz. 515, 5; ii'/'/> , diu ie stj 
kürlichen lip gehrere ^^h. 4ßl, 11; daz ander mer?i'/)>, 
diu hiez Sigelint Nib. 1479, 1: diu ie unvalschiu wort bete 
bi ir übe, siiiem werden wibe viel er an die brüste, ir 
wizen hende er kuste Kl. 405; stet als ein blcTcde iv/p, 
diu ir zuht und ir lip liiit gesent Kl. 511; dem wibe, diu 
im diu liebest ist Frauend. 36; ein daz allerschcensle w/'p, 
die man fant fragm. 32^; ein wip, diu sich ir geliche .\^ i- 
gal. 3766; munt von wibe nie gelas, diu genzlicher künde 
pflegen Wigal. 11571; ein tf/Z», der (cui) sin lip sich mac 
gesellen zuo IMs. 2, 194b; ez ist ein spmhev ivibes sin, diu 
sich vor valsclie hat beliuot jMs. 1, 75*; man siht vil dicke 
an manger stat , daz wfp gewaltes pdiget, und daz ir sei- 
len wibin man striles an gesiget ... ein 'ivip , diu guofe 
wilze habe, diu teile ir manne mite Ms. 2, 161^; ez eu 
ist niht ein biderbe U'?p , tliu ir ere diu'ch ir lip lat Trist. 
18001; ja gespi'ichet lihle ein iv/p des Si niht sprechen 
solde l\v. 7674; ezn mühte nimmer dehein w/p gelegen au 
iV selber lip von klage seihe swaire, tler niht eruest wane 
Iw. 1313; ern laze sich euch ein %V/p sehn, wan waz 
müht im von der gescliehn? Iw. 1401 ; deheinen man ze 
sclucncm wibe ziehe, der sf su sere vlielie Iw. 2265; vioii 
Laudine hiez sin ivfp , si kuude Iw. 2421 5 ein tvip , die 



nonien. geniis. OßQ 

man hat erkant Tw. 2890; von sincm wihe, Ir gebot liet 
er übergangen l\v. 308.5; ein tv/jt y diu sere sorget iinihir 
ere I\v. 4615; Avie selten ich daz tv/p , beide ir nmot 
imdir lip , innr.er geprise Ivv. 5471. Belege für den pl. 
des >veibliclieu pronomens: guoliu rv/p, hant die sin Parz. 
827, 25; ez -vvereu \vol nüt/iii iv/p , die ilisiii zwei geba- 
ren Parz. 187, 24; lat schellen iingezogeniu wip , die iie 
jiuigen nilit gevehten Iw. 5012. Auch noch nlul. lälU sicli 
sagen : ich sah nie ein weih^ die schöner wäre ; ich gieng 
zu den» weih, und handelte mit ?7jr; das weih enlelirt ih- 
ren mann (nnl. het wif ontert huren man.) *) im pl. ist 
der unterschied des geschlechls niclit mehr zu erkennen, 
gewohnlicher jedocli ändern wir auch im sg. das genus 
nicht, und coustruieren ein neutralpron, hinzu: ich sah 
nie ein weib , das schöner wäre, die ältere spiache darf 
gleicliCalls das neulr. beibehalten, z. b. xvip y lliaz thar 
tholeta T. Matlh. 9, 20; mhd. zumal beim pl.; ow ol diu 
wfp ^ diu dich suln sehn Parz. 749, 1; diu sclucnsten -u'/w, 
diu er ie me gesach Iw. 6852. 

Kühner ist wenn zu w^ip sich gleich schon das adj. im 
fem. gesellt: ein wip volliu iJcher sinne cod. viud. 428 
no. 154; ein ojfeniu , süeziu wirles wtp INls. 1, 147*; rei- 
ner tvihes giietc sint für Irüren guot Ms. 1, 7''; reiner 
tvihes güete kan l'röude leren lien. 51 '**). 

Am weitesten geht die altfries. spräche, welche zwar 
das wort xvtf neutral decliniert (wives Are, feniinae auris 
As. 179), auch den neutralen arlikel damit verbindet (thet 
olher wif As. 277); aber nicht nur das w^eibliche pron. 
daiauf folgen lalU : en wif tiucht tuene tamar, and hin 
steift Br. 116; en wif sd on efuchten and hin se mith 
berne As. 99; sa hweisama en ivij' nimi ovir wold and 
ovir willa and hin Ion hini kiasa As. 235; am! ther en 
wif Iv hla])t, aiul hiu sa iir on efuchten werlb As. 277; 
sondern auch beides, den bestimmten und unbestimmten 
arlikel, so wie das possessivum, in weibliclier form damit 
verknüpft: thä vif (feminam) Br, 181; there ivive (femi- 
nae) Br. 206. 208; there wjve liiri withirjeld As. 223; 
eure w/'ve (feminae) Br. ll.'i; milh s/'in-e wive \a. 181. 
in allen diesen stellen ist wivc dat., nicht gen. (der wol 
nur wives lautet.) 



') Götlie in den rüm. elegien : Penelopeia redet zu mir, diu treuste 
der weiher. 

**) Ben. 21 von der wibes ougcn biiciien bezioiic man den nrtilvcl 
auf den gen. |)l. ougcn. 



270 c.'inj'dr.ln'r sdiz. 

Analog Ix'liniidcll Nvcidcn nun die ncnira J'riiiilciiiy 
m'i'ujdh'in , liic Uteri ein , dif oin<Mi Avosentlicli Nvcibliclu'ii 
l)t'grif iMUhalten. in nlid. scliririspraclie setzen wir /war 
nur den nculralen ai'likcl liin/.ti, lassen iedoch ein j)I(im. 
feni. folgen: ich eihiicUle das Irünlein, und icdele mit ihr:, 
ich begegnete dem mridclicn , und sah sie genauer an; (Üm 
Volkssprache ^vagt aber bei IV.iulein auch den ■\veibli( h<ii 
artikel : die Iriiujein ; nicht bei den beiden andern, ndid. 
des burcgraven loliterlin diu sprach Par/,. 372, 15. 

Nicht anders dürfte nach diminutiven des männlichen 
begrifs ein pron. masc. stehn; docli wüste ich es nicht 
aufzuweisen nach mäiiiihin , herrlein, söhnlein, wir 
l)ediencn uns inuncr des iieulnims. nur jinl. heilU es: het 
vianneljen lachte dat hi/ schudde (das münncheu lächle, 
daÜ es scliütlerlc.) 

Da die golli. spraclie ihre diminutivform nicht auf das 
ncutr. einschränkt (3, 666) und es sich auch im ahd. frü- 
her ebenso wird verlialten haben; so war die construclion 
solcher subst. mit dem pron. und adj. viel geregeller, und 
die formen maijula oder mavilu entsprachen dem begrif. 
havnilo hingegen, wie wir salien (s. 267), konnte gleich 
dem einfachen barn ein männliches und wahrscheinlich 
auch ein weibliches pron. erlangen. 

Bei unsern heutigen verkleinerten eigennamen neutraler 
form und weiblichen begrifs schwankt der artikel, inileni 
sowol das als die jMariechen, Dortchen *) gehurt wird, 
diminutiva männlicher bedeutung leiden nur den neutralen: 
das Häuschen, das Rürdcheu (wie sühnleiu, männlein.) 

Was von weib **) , barn iind kind erörtert Avorden ist 
könnte auch auf die Unbestimmtheit einiger neutralen thier- 
benennungen (gramm. 3, 328. 329) anwendung finden, z. b. 
auf huon. Ls. 3, 407 finde ich nach dem grammatischen, 
freilich durch Zusammensetzung näher bestimmten neulr. 
sivin das vveibliclie pron.: ein rwuoXevswtn [gruz u.] schoene, 
diu was SU rehte hoene, daz si kein wolf erbeiz. 

Umgedreht richtet sich einigemal, wiewol selten, das 
pron. Statt nach dem vorausgehenden lebendigeren männ- 
lichen (oder weiblichen) geschlecht, nach dem allgemeineren, 



') dem gr. ij rXvy.iQiov vergleichbar. 

") auch wenn epitheta auf frauen angewandt werden, die anderes 
graniuiatisclies geschlechts sind, läßt sich ein weibi. pron. dazu con- 
struieren: niins herzen tröst (mnsc), an der vil gar iit niins libes 
zuovcrsiht Ms. 1, 35b; so nlid. nach mein engel, mein herz u. s. w. 



nomen. gcnus. 27 1 

jene mit umfassentleii nciilralbegrif. daz er Im bra'hle 
(Jririguljeleu (acc. sg. niasc. eines pferdeuamens), daz be- 
gunder leiscliieren Pärz. 678, 10; ez was ein siin , daz 
si gebar Hartin. Gregor 486; in jenem fall erklart sicli 
das neutrale pron. aus ors ^ in diesem aus kint oder harn. 

Ulfilas gestattet sich, auf einen weiblichen colleclivbegiif, 
nanienllich auf manatjei- ein männliches adj. pailic. oder 
pron. im pl. folgen zu lassen; es wird dann das bestimm- 
tere maus (homines) verstanden, wie ich schon s. 192 
bemerkte: alla rnanagei (jasaihvaiidans ina JMarc. 9, 15; 
vas nianagei heidandans i^v d /«d? -noogtJoy.iöp Luc. 1, 21; 
kühner ist die fiigung, wenn aucli nianageins im pl. steht: 
sildaleikidedun nianageins avilhandans iß^ai^Kccoav oi ö'/).nc 
XtyovTes INTatth. 9, 33 ; gasaihvands thos nianageins infei- 
nuda in izc (nicht izo) unle vesun afdäuidäi Aiatth. 9, 36; 
oder wenn das part. schon weiblich gesetzt ist imd docli 
ein männl. pron. folgt: thos nianageins fuithandeins laisti- 
dedun afar imnia, jah andnimands ins (nicht ijus) rodida 
du im Luc. 9, 11 , wo der text oyj.oi und amovg hat. 
im alid. und mhd. lassen sich solche structuren, bei größe- 
i'er abstunipfinig der llexionen, Aveder so leicht bilden noch 
erkennen. Matth. 9, 33 hat T. inti wunlarulun thiu me- 
nigi quedentu, nach der regel; 9, 36 gisehenti thu thiu (so 
für thie) menigl niillila in (dat pl.), dann aber folgt der 
freilich leichtere Übergang ins niasc. : wanta sie warun 
(jhveigite. 

Wie das golh. gcnus zwischen nnJniUho und iinliuUJia 
schwanke ist niytliol. 553. 554 gewiesen; ich halle das fem. 
für deutsclier, bei dem niasc. mochte Ulf. leicht an ahma 
denken, darum wird die an sich gewagte conslruclion : ?/.s"- 
dribans varlh iinhullhu IMatth. 9, 33 wenig befremden, 
und man darf weder usdribana noch unhullha cmciulieren. 
auch bei dem )>arl. niasc. neben dem neulr. ihö skuhski 
bedun ina avlthandans INlallh. 8, 31 schwebte ahnians 
vor, der text hatte öuiftoves Xiyovxes, wie T. thie iliuvala 
quedante, wie vorlicr uzarworphanemo diuvale. 

Ulf. übersetzt o? ;'07'f/'i: durch Ihäi fadrein .]oh. 9, 20. 22 
(acc. thans fadrein ,]oh. 9, 18) oder durcli h\oi\c>^ fad rein Iaic. 
8,56. 18, 2'J. Job. 9,2. 3, ja den pl. nouW. fad'rciiia UVor. 
12, 14. fadrein ist sg. ncutr. des substantivisch gesetzten adj.*), 
und es scheint wiederum synesis, daß dazu der männliche arl.. 



*) verschieden von dem fem. fadrcins (familia) gen. fmlroiiiais 
Luc. 2, 4. 



272 ciiißu-lwr fidtz. 

tlci' acr. ])). Zus., inul das vcrbiim im \)\. (iisgeisnotlrdiiii Liir. 
8, 56) Cüiislriiicrl ^viiul , vgl. giiinoiii jali (|viiit'iii {doai v 
VAU iffj/.v) i^larc. 10, 6. ein alid. valaiui Uciine ich niclil, 
ein ags. rudcrcii bloU aus zusaiiiniciiselzuiigeu. 

^^ Clin die lal. spraclie das gcsciz der congriieii/. Nci 
7.11111 i;c'ii. |)l. der swbsl. geslellleii superltilivtn slrengc Maliil, 
d. Ii. lolzlercii immer das geiius der ersten erllieill (virortiin 
lürlissiiniis, feniiiianim piilclierriDia , nialonini siimnMiiny; 
SU bietet /war die golh. syntax hiervon keine abweichnng 
dar, in andern ihaleclen aber, ol)gleith anch sie die legel 
anerkennen, ersclieinl eine doppeüe und sicli entgegenge- 
setzte ausnalune. Jüninal gcslallen jene allgemeineren neulia 
parii , cliint und \v*[j in solcher snperlalivisclien begleilnng 
den Übergang ins bestimmtere genus, und aus dem gülhi- 
sclien : die treuste der ueibcr folgere ich ein inltd.: diu 
gelriuwesle der wibo. einem ahd. \v?bo eristii (feminarum 
prima) ^viirde aber im nom. ?g. nicht an/uscliu sein, ob 
der supcrl. im fem. oiler neulj-. stehe, die übrigen casus 
könnten den zwcilel heben. ebenso gültig -wäre parno 
liopi'tslü (üliorum carissimus) statt des auch richtigen pai-no 
liopustii; Avie es nhd. von einem sehn lieilien dürfte, beides, 
der liebste und das liebste unter den kindern '•'). Ganz 
auf umgedrclite weise wird aber nun auch in der fiiihern 
Sprache dem gen. pl. statt des im genus congrucnlen su- 
j)erlalivs ein luibestimmt neulvaler , und zwar schwach- 
formig, zugesellt, und hierfür sind noch belege beizubringen. 

ahd. manno liohöstu 0. I. 22, 43 statt maimo liobuslo; 
tödo tvirsestu (morlium deterrima) N. ps. 33, 22. nihd. 
clö gaben si im zeleste aller rouche heste Ilolfm. fundgr. 
146 statt aller rouche besten; stei-kest aller recken (omnium 
lieroum fortissimum) iSib. 1671, 3 st. sterkesten. man sehe 
Lachm. zu dieser stelle, der auch die vorhergehenden be- 
lege hat. iu dem neutr. liegt gleichsam die Vorstellung: 
das beste oder schlimmste stück, beispiel. diese con- 
struction scheint vorzüglich auch alts. : thegno hesta (pugi- 
lum optimus) Hei. 95, 13 5 allero thegno hesla 151, 7; 
gumono heztn 74, 14. 153, 10; dago liohosta 14, 24; 
allero williuno mesta 174, 11 in welchen stellen die va- 
rlanteii nachzusehu sind, wenn es aber Hei. 23, 5 heißt 
Nilstrum, Iludo Jatjorosta (lluviorum pulcherrimus) , so 
steht iu^ zweifei, ob der dichter den superl. neutr. oder 

*) Bootes Jieroslo dero iiord/.eiclieno N. Cap. 85; zeiciien i.st 
neutr., dachte er beim masc. heiusto an sterao? 



iioiiieit. ireniis. 273 

weiblich nahm, dasselbe gilt von arabeito tneistd 0. II. 
14, 20. für das fem. (ich meine den gen. pl. fem. beim 
neulr. des siiperl.) habe ich sonst noch keinen beleg, und 
im mild, entscheidet nur der acc, , ^Yeil der nom. alle drei 
geschlechter gleich macht, es gälte also ein: aller frouwen 
scha'iiest (mulierum pulcherrlmam) aufzuzeigen, statt des 
gleich untadelichen : schcensten. 

Alan erwäge die mit allen drei graden des adj., haupt- 
sächlich aber des neutralen, gebildeten adverbia. 

Wenn zahhvörter mit einer präp. den begrif der thel- 
lung ausdrücken, so setzt sie unsere spräche, gleich der 
griech. , ins ueutrum. goth. faürhah alhs disskritndda in, 
tva , 10 'iiutiiTiixuöfia tov vaoO ioyiG&ij ei's ^vo Matth. 
27, 51. IMarc. 15, 38, und nur nach dem lat. ausdruck 
der viilg. scissum est in duas partes steht bei T. Matth. 
27, 51 in zuei teil, statt des deutscheren in zuei , dem 
kcii:e ellipse von teil unter liegt, wie schon daraus folgt, 
daU dies goth. subst. gar nicht neutral ist. auch lautet 
die ags. version : ou tvegen dadas. der alts. dichter sagt 
viel besser: that fehanlacan te brast an middion an tue 
Ilel. 169, 1 und so auch: gisuhun fuüstri an tue tehltan 
an lüfte 12, 7; tilet tliie liift an tue 96, 21; skcdid that 
werod an tue 136, 3. ahd. m zuei teilet N. Cap. 118. 138. 
lür die mlid. zahlen bedarf es der belege kaum , sie wei- 
sen sicher auf ahd. zurück: en zwei Trist. 5691. Troj. 
2025; en driu lleinh. 2243. fragm. 30^; en vieriu Parz. 
177, 18; en niuniu Ueinh. 2244. nhd. ist mit der pliiraleii 
neuiralform iliese ausdrucksweise verloren , und mir das 
verhärtete e'ntzwei geblieben. ahd. aiu-h : in maniyiu 
cheren N. Blb. 35. Ganz jenen pluralen ents|)richt der sg. 
en ein Parz. 57, 17. lien. 375. 425. 427. \YigaI. 9469. 
jNlan zählte schon ahd. einez, zuei, driu, ßeriu IS. Vn\). 155 
im neulr., wie wir heute sagen: es schlägt eins, z^vei u. s. w. 

An diese Verwendungen des neutralen adj. im blolWa 
nominalverliällnis reiht sicli nun eine des neutralen pro- 
nomens , welclies im förmlichen satz als sul)i(H:l oder als 
prädical die stelle euies andeiii geschlechts cinnclimen kann. 

von dem persönlichen pronomen es neben ilem verbo 
tler drillen person , auch wenn ein männliches oder weib- 
liches, otler gar ein plurales subject im satz erscheint, 
wurde s. 222 il". , luid von seinem gebra\ich vor imperso- 
nalien s. 227 IF. gehandelt. bei diesen letzteren war, der 
natur der Sache nach, idierliaupt kein wirkliches genug 
ausdrückbar, und nur die uiibesliMunlhoit des grammali. 
sehen neutrums konnte sich dafür eignen. hingegen da 



274 ei II fache r salz. 

wo ein bcsliimnlos snhiocl \orhaiHlen isl , sollte ihm da 
\iiil)cstiininle nciilriiiii ylciclisain noch zum yeleitc voraus 
güscliickl oder nacligcsoiidel werden. 

wenn CS iiilid. IkmIU : ez (iior ein biitlen.'crc vil verre 
in rreindiii lanl licn. 66; ez nain ein wilivve einen man 
Wallli. 106, 24; ei sproclienl gniioge linle ir selber sclia- 
den Freid. 121, 26; ez giengen küin'gcs kindelin zwei dar 
liit. 3333; so wird dadmcb nichts anders ausgedrückt als 
was In den salzen liegen würde: ein biillcnfere fuor i. fr. 
1.: ein wiliwe nani e. ni.; gnuoge liutc sprechenl i. s. seh.; 
zwei k. k. giengen. in der älteren spräche hatte frei- 
liah auch noch mit dem unbegleilelen nakten verbo 
begonnen werden mögen: fuor ein b. , nani einiu wili- 
wa, sprechant ginuoge (s. 227), fuar drulilin bredigunti 
0. II. 12, 1. allein man zog schon in der ahd. conslruclion 
vor, das anhebende verbum , wenn es nicht etwa duich 
eine parlikel aul" das folgende subject zurück gewiesen 
war (z. b. dar fuor e. b., iomer S|)rechaut, nü sprechant), 
mit einem unbeslimmten persönlichen pron. einzulüliren, 
welches das zu erwartende subject anzukündigen, nicht 
aber in genus und numerus nach ihm sich zu richten hatte, 
dies neutrum iz ist also auch ein nom., nicht etwa ein 
vorgeschobner adverbialischcr acc. , aber von tler leisesten, 
unmerklichsten bedeutung, die sich so fassen ließe: ehvas^ 
neniHch ein büllner, etwas ^ imd zwar eine witlwe , das 
subject empfängt dadurch oI)jective richlung. ein zugefüg- 
tes adv. hat schon festeren sinn : da (an diesem ort) fuhr 
ein b. 

die nonünativqualität des es erhellt luiverkennbar aus 
Sätzen, in welchen das verbum subst. aufli-itt, z. b. es ist 
ein mann, es ist wahr, ez was der voget von Sc wen 
Gudr. 1674, 1, und hier gebührt ihn» wieder stärkere be- 
deutung, obgleich es der älteren oder z. b. der lat. spräche 
immer noch entbehrlich wäre: vir est, verum est. man 
konnte umschreiben: das von dem ich reden will ist ein 
mann, etwas das ich sagen werde ist wahr. und in die- 
sem fall braucht denn auch das nnbestiiiimte neutrum aus 
dem umgestellten satz nicht zu verschwinden, sondern darf 
hinter dem verbo nochmals uachdrückllcherwelse wieder- 
liolt werden: Ih bin iz , wizit thaz ! 0. III. 20, 37; scal iz 
Krist sin, fro min 0. II, 14, 89; ich bin ez diu triuwe 
Stolle 147^; sit irz diu maget Ms. 2, 214^; ja ist ers, den 
ie min lip versprach Ben. 386; alsdann nimmt es die stelle 
eines fühlbaren prädicats im satz ein: Ich bin es, von dem 
die rede golit. auf gleiche arl kann es in abhängigen sätzen 



iioineii. genus. 275 

nadi coii)iinclIonen haften, z. b. wenn icli es bin; daz iz 
riiiloloyia was .\. Cap. 33; daz ez wrere SiIHl j\ib. 611, 4. 
jenes andern verbis als dem Substantiven sein oder werden 
vorgesetzte es laßt sich ihnen niemals nachstellen, sondern 
verschwindet jedesmal bei der Avendiing des Salzes : es fuhr 
ein büttner, aber: daß ein biiltner fuhr; hingegen: e* ist 
wahr, daU es wahr ist, es ist ein mann, ob es ein mann 
ist. Auch das es der impersonalien weicht bei der satz- 
w^eudung nicht, z. b. e* schneit, daß es schneie, schneit 
es? denn hier vertritt das pron. den Avirklichen nom. des 
subjects, während das neben dem subj. vorausgeschickte 
nur iiberilüssig begleitet. Bloß die Volkssprache gestattet 
sich dann auch zuweilen das es im umgeslelllen satz, z. b. 
sie sagt nicht nur: es geht ein mann ins heu, sondern 
auch fragend: geht es ein mann ins heui* el%va wie das 
dem es analog verwandte localadv. (s. 226) auch bei der 
satzwendung haftet. 

man achte, das begleitende nominative es nicht zu ver- 
mengen, weder 1. mit dem sich auf ein Avirkliches neutr. 
beziehenden ; ein solches es kann nicht verschwinden, son- 
dern muß auch bei der lunslellung haften, z. b. Berthold 
redet p. 186 von 'einem ding', das er naher beschreibt und 
fügt hinzu: ez heizet tugeiit, tugent heizet ez. noch 2. 
mit dem accusativcn , im satz bedeutsameren, welches auch 
wol vorausstehn (s. 225 not.) und mit dem begleitenden 
es zusammen vorkommen kann , z. b. wenn wir auf die 
ii-age: regnet es? bejahend erwiedern : es ihiits. hier steht- 
thun auxiliarisch (s. 94) und das zweite es accusallvisch 
fiii- den inf. regnen, die ältere spräche läßt (.las zweite es 
weg. njhd.: wir suln uns, sprach er, dicke sehen, si 
sprach , daz nuioz also geschehen, ez iuol , sprach er, 
suKvir leben lüi. 12711. engl, il does. 

Gleich dem neutr. des persönlichen pron. sieht inin, 
in ahnlich objectiver beziehung, mit enlscbiechierem nach- 
druck , aber nur bei dem subslantiven verbiim und Sub- 
stantiven, das neutr. demoustrativer pvonotuiiiti. tlas ist 
der mann, das ist die Iran von denen geiedel wurde; 
das hier sind meine kinder; dieses sind die leuie , jenes 
siiul die hiiuser; ist dieses nicht der berg, auf den wir 
steigen:* die lat. spräche richtet ihr ileiuoiislraliv nach dem 
subject des sat/.es in genus inul nuuu'rus: hie (ille, isle) 
est vir; islae sunt donuis. auch wir können das jiron. 
gerade zu auf das subject beziehen: der ist der rechte 
maiui , diese dort ist die fi-au ; aber die gewöhnliche rede 

S 2 



2 76 einfacher saiz. 

j^ohl gorn in tlou uiiljostinimlcn noutralausdruck ein, der 
aiiuli sclioM vollküiDiiiLii iii iiJiscrer allen sprarlie ^vallct. 
iiiliil. diz, ^Yas des huscs lierre Iw. 285; duz ist iiiwer 
jiiiigestc ztl l\v. 11.08; diz was sin ersle swerles slrit I'arz. 
197, 3; daz was einer Lazaliez Parz. 56, 15; duz was 
sin neve Kaylet Parz. 58, 2!); daz ist der stolze Hiuleger 
Parz. 32, 8 ; daz \va« von Troneje Hagene Nib. 9, 1 ; ja 
ein schon elngolclteles bestininiles geniis tritt unmittelbar 
wieder in das neutrum : der ni.'crc bringet daz bin ich 
Ms. 1, 119''; der des voresingcns pilac daz was Friderich 
Ben. 378; der ich gerne hege bi , duz ist diu wolgelane 
Ben. 427; der -\ierde daz si Dancwart iSib. 339, 3; der 
vierde daz was INuodunc Bit. 3337; oder das neutr. wendet 
sich wieder ins niasc. : ilaz ist den ir da meinet Parz. 98, 
28. alid. ihiz ist min liobo sun T. JMatlh. 3, 17, des lat. 
hie est filius mens *) ungeachtet; thiz ist ther fon tliemo 
gikundit was T. IMalth. 3, 3; tJiiz ist min sun diurer 0. 
I. 25, 17; thiz (s. 1. für this) ist ther selislc manod, thiz ist 
ther von tlicnio ili iu quadT. 3, 8. 13, 8; dhizs ist dliiu saclia 
Clu-istes cJiiburdi {^haec est causa) Is. 385 ; tlat was su friuntlaos 
man Hild. 24; thiz sint buali frunu , siu zeigunt filu scono 
0. I. 3, 1; thaz was David 0. I. 3, 17; thaz ist giwara 
mera (haec est major fides) 0. II. 19, 9; thiz was thiu 
iu inbant thaz ira fahs 0. IlI. 23, 11; taz sint duo meni- 
bra N. Bth. 114; iro beta daz wären suil'iagia ]\. Blh. 
128; une zuivel sint tiz liu N. Btli. 116; daz sint die ki- 
hielin (hi sunt matrimonio juncti) Ecc. Fr. or. 2, 944. 
alts. that was so sälig man Hei. 3, 2; ik selbo bium ihat 
thar saiu 79, 5 ; Salanas selbo is that thar said 79, 8. ags. 
thät väs vi'ajc (fem.) micel B. 338; thät väs Vendia leod 
(masc.) B. 694 ; thät is Ilrädlan läf B. 903 ; thät vas torn 
vere C. 60, 10 (wo keine noth ist zu lesen tliä): thät vas 
veallfaslenna a>rest C. 64, 30; hu nis this (neutr.) sc smidh 
Marian sunu? INlarc. 6, 3. solch ein ahn. that aus den 
eddaliederu aufzuweisen vermag icli nicht ; ich finde nur 
das bestimmtere gesclilecht: sä er ther makligr madhr Sa^m. 
145'*; var sü ein va^ttr das.; sä er varga vinr Sajm. 150^; 
aber in der prosa wird das neutr. üblich : that voro val- 
kyrjor Sa»m. 133 und oben s. 226 ist aus dem isl. N. T. 
die stelle beigebracht worden : thad eru icke allt Israels 
menn, und INlarc. 6, 3 steht: er thetta ecke eirn triesmidur? 
Indessen lauft in der isl. und neunord. spräche überhaupt 



*) die ags. Version, ä/c für das adv. nelimead, gibt //er. aber 
Mattli. 13, 55 stellt sovvol bei T. als ags. das iu;isc. theser, thes. 



nomen. genus. 277 

die bedeutnng unseres das und es zusammen , und diese 
liauiigere schwed. oder, däu. prononiinalforni dtt leidet nur 
dann vergleichung mit dem liochd. unbestimmten das, wenn 
sie sich neben dem verb. subst. findet, nicht aber sonst, 
X. b. in der redensart : det siito tvä kämpar. wir können 
nur sagen : es saßen , nicht : das saßen. 

Ulfilas , wiewol kein unbestimmtes ita kennend (s. 224), 
hat merkwürdige spuren des unbestimmten thata in den 
eben erörterten constructionen. niu thata ist sa timrja, sa 
sunus Marjins? ov/ ovrog ioTiv 6 Tizriov , o v/o? il7ti()/«.c; 
]\larc. 6, 3, vulg. nonne liic est faber filius Mariae':'; meina 
andahafls thai (=z thata) ist, 7; Ifiij unoXoyi'a uvti] iart 
(vulg. mea defensio haec est) ICoi-. 9, 3. *) könnten wir 
]>latth. 3, 17 nachsehn, würde sich vielleicht tJtata ist, viel- 
leicht aber auch sa ist {ovtög igti) sunus meins sa liuba 
darbieten. 

Die ahd. und mhd. spräche tluui aber nocli einen schritt 
■v\'eiter. mit ihrem auf solche weise unbestinmit gesetzten 
ueulnun des demonstrativs verbinden sie zugleich Ordinal- 
zahlen, in einer homilie (Ecc. Fr. er. 2, 945) Iieißt es: 
daz ander (s. 1. für andere) daz siiit die worltlichen wunne; 
daz dritte (tertii) sint die gotes irweliten magide. bei auf- 
zahlung von rittern : daz sehste (sextus) was Kalogreant 
Iw. 92; daz dritte was Pinel Wli. 45, 20; Karriax daz 
Jumjte was Wh. 32, 14 vgl. 32, 17. 151, 25. die nhd. 
Schriftsprache zieht den bestimmten ausdruck vor: der oder 
die erste, uiul auch die frühere war nicht nothwendig zum 
neulr. golialten , sondern durfle wühlen , oder gar aus dem 
beslinu»iten genus übergehn in das unbesliminte (s. 276.) 

Am deutlichsten, wie mir scheint, hat sich endlich bei 
dem interro<jativprononieu die objective bezichung entfal- 
tet; wir bedienen ims des %vas eingeschränkter als des 
das. dem tlas ist der kchüg (hie est rex) steht ein was 
ist der künig? nur insofern parallel, als darin das ob- 
}ective (päd est rex? liegt. wird persönlich gefragt, so 
mul^ gesagt werden: tver ist der köiüg';* quis est rex? 
wer ist die königin'i*, ia , tver list das kind ? die frage: 
ivas ist das kind ;* würde eine definition des kinds begeh- 
ren, hingegen bei süchlichcu fragen gilt was für alle ge- 



*) Philem. 12 tliat ist meinüs bnists toHt' tan rd i/nl anlüyxvu 
geliorl nicht lierlier, denn bnists wie o-iA. muß als nppoiiierter acc, 
zum vürauspelieiidtM» ina, cvun- peiioinmcii werdeii, und tlint ist hat 
(wie Marc. 7, 2) ilcn advcrbialisclien sinn von niniiruni, ucDipc, datier 
aucli die vul^. "t mea viscera. 



278 einj'iichcr scilz, 

schlecljler, in jedwedem nuinerus. %vns isl der erfolg da- 
von*:* weis die Ursache? was sind die wiiUiiiigcn ■' mlid. 
W(iz IV gewerp Wii-re':' Ivv. 5cS18. ahd. tf^i \vaii latlia 
iiMMul' (was wäre meine 8a_clie, d. li. wie stünde es um 
uiich?) 0. JII. 17, 61: waz siiil toh lui mine sculde ':' N. 
i>lJi. 24. alls. IViiguda Imal is namo scoldi wesan (was 
sein name sein sollte) llel. 6, 21. Auch das ])ersünli(he 
xver geht auf jedes genus und jeden numerus, aber nicht 
aus einem S) iitactischen grund, sondern dem hlol^ foiinol- 
len, dali das proiiomen delectiv ist: wer sind die irauen*:* 
xver ist das kind? xver sind die kinder? eine für diesen 
gpracligebraucli entscheidende alid. stelle iindet sich T. 59, '^ 
(Matlli. 12, 48): xver ist min muoler inti xver siut minc 
bruoder? das lat. auae est niater mea, et <nii sunt fralrcs 
meii* konnte nicht andcis verdeutscht werden, goth. würde 
tiier fürs fem. livö , für den pl. masc. vielleicht steha 
hvui? 

Ulfdas gebraucht ein unbestimmtes hva ganz in weise 
des lat. quid? und gr. tI ; für den objeclivcn bcgrif auch 
wenn ein masc. oder fem. oder ein pl. folgen : Jwa kara 
(ist) unsis? t/ tioos i^ftüg^ INIalth. 27, 4 und nicht hv() 
kara? Ebenso läUt sich lat, fragen (juid cura nobis? quid 
est femina? quid sunt reges? insofern objective , unper- 
sönliche antwort erfolgen soll, niemals aber dürfte jenes 
persönliche das ist mein söhn ausgedrückt werden hoc est. 

Auch ihr neutrales adj. vermag die lat. spräche nur in 
rein objectiver beziehung mit einem masc. fem. oder pl. 
zu verbinden, z. b. triste lupus stabulis, maturis frugibus 
imbres; tiirpe est senex miles: omnium rerum mors est 
extremum: der tod ist das letzte, der wolf im stall ist 
etwas (jefahrhrinijendes :, theist dages heizistd 0. 11. 14, 
10, der heißeste theil des tags (oder will man hier das 
adj. auf das vorhergegangue zit wenden?) 

Aber daß wir das neiitrum weit allgemeiner, auch da 
'WO solch ein sachlicher bezug gar nicht vorhanden ist, 
brauchen, daß wir gern alles subjective objectivisieren, 
scheint von frühe an ein grundzug unserer spräche, jin 
welchem vielleicht die reale gesinnung des volks sich sj)ie- 
gelt. von dieser eigenheit haben wir nun noch in den 
beziehungen auf ein mehrfaches subject die einleuchtendste 
bestätigung wahrzunehmen. 

Nemllch wenn adj. und pron. auf zxvei oder mehr sah- 
jede gehn, entgj)ringen folgende falle, die sich aber in der 



noineii. genus, 279 

jüngeren epraclie immer -weniger*), nur noch au proii. 
und Zahlwort, nhd. gar nicht mehr ermessen lassen: 

1. die subjecte sind desselben tjeschlechfs. hier Hellten 
sich adj. und pron. bei belebten dingen stets nach dem 
iiatiirliclien genus, z. b. ahd. müste jnan sagen: DIotrIh 
inti llilllpranl rilun pede j Cluuiigimd inli Sigilint quämun 
pedö^ daz hrint inti daz scaf lepent ki-ases pediu. Bei 
abstracten **) gegenstanden gestattet sich die mhd. vielleicht 
aucli die ahd. spräche aber den Übergang aufs nexitrmn : 
diu liebe stet der sclucne bi baz danne gesteine dem golde 
tuot: nu jeliet, -waz danne bezzer si, hiint disiii beide reh- 
ten nuiot \^'allh. 92, 25 ; der wise minnet niht so sere 
alsam die gotes hidde unt ere , sin selbes lip wip unde 
kint diu lat er, e er disia zwei Verliese Walth. 22, 27 ; 
mit der vreude wart versaut zuht und ere; disiii drin sit 
leider nienien vant Ben. 415; da was kunst luule kraft, 
srelde unde manheit, diuhel got an in geleit Wigal. 2894 ***). 
das sind niehrfache salze, deren letzter objectiv zusam- 
njenfaßt. 

2. Z7vei subjecte sind verschiednes geschlechts. 

a. ludsc. und fem. im S(}. hier gilt der uralle grund- 
satz, dal» ein auf beide zugleich bezügliches pron. adj. und 
parlic. in den pl. des neutr. zu slehn kommt, und gerade 
vorzugsweise bei personen. dieser pl. entspringt aus zu- 
sanMU(Mifassung des doppelten sg. Ulf. redet von Zacharias 
und Mlisabct: ba [v^maldra vesun ufirpöifgoi nQoßeßr^yj')- 
rfc ynuv liUc. 1, 7; vesun (jaraihla ba i^oav d'e <)'ixi(ini 
vcjurpmeQot Luc. 1,6; jah vas Josef jali ailhei is sildaleik- 
juudouu ijv \Io)mjrp v.ul o'j ftfjTT^Q uvrov •d-av/ia^ovres Luc. 
2, 33; sa alla theins jali ik viuiiandona sökidedum thuk 
o nutiiQ oov Huyo) fxhnnö/ifvot iyijrov/iifV oe Luc. 2, 48 ; 
lösef jah uilhei is hutjjandöna vo/tioavzeg Luc. 2, 44; ni 



•) (las beginnende abnehmen nlfer furmsrliärfc nnterpräbt nianclio 
.syiitactisclie tc<^c\. wenn bicli j;otli. no<Ii <:,cnn\i Sündern läßt veis all.'ii, 
allus, alla; alul. wir alle, allö, aüiu , so fällt s*iK>n seil N. iiiul nilid. 
in wir alle niasc. und fen\. znsaninien, nur wir elliu bleibt zu be/.eioli- 
nen; im nlid. wir alle liört jeder unterschied auf. (). von den zehn 
tliiirielitcn junj^'JVaiicn redend hebt l\^ 7, 65 mit l/iio finfi an, fälirt 
aber fort thie unj^iwarc wärun, st. tliiü ungiwarö, «lann folgt 67 wieder 
ein nachhelfendes l/uo. 

") wenn Ms, 2, 7r>l> der dicliter uns zu-fil auf »ich und den wintcr 
bezieht, so scheint mir das unerlaubte licenz fiir uns zw/'uc 

••') doch schreibt liarlmann nacli den vier fem. zunge, hant . bete, 
dro Iw. 508 das j)rün. die, uidit diu. 



280 einfacher salz. 

h'ujilandona Luc. 2, 45; jali //« nl (Vullmii v.lu anoi ov 
üVvPj'/.uv Luc. 2, 50; jali sijuiiia tliö Iva du Icika saiiiin 
nai i'aovxai ol ovo li^ oaoy.u /ilup Marc. 10. 8, uml so 
wird aucli I Cor. H, IG und llph. 5, 31 geslandcn liabcu. 
in allen diesen slellen abweicliung von der gr. conslruclion, 
die das niasc. setzt. alid. wärun siu hedii (Zach. u. 1",1.) 
gole filu dvülu 0. L 4, 5 ; siu wArun rthtiu heidu fora 
gote T. 2, 2; tholi waruii einstimmu 0. 1. 9, 2H; so siu 
(Jos. und INlar.) giwon wärun 0. L 22, 5; ni ^vurlun siu 
es anawait 0. L 22, 9; so siu ihu lieini qiianinn 0. L 
22, 19 '^')] thiu hiün (s|)onsus et sponsa) wärun lüu IVu, 
giwerdan mohla siu es ihö 0. IL 8, 9, "\%ill man liiun liii- 
den pl. eines neutralen subst. sclnvaclier form Jielimen , so 
laut sich kein sg. tliaz liia dazu auCzeigen, vielmehr tias masc. 
liio (sponsus) und das fem. liia (sponsa) vci'einigcn sich in 
dem neulr. thiu hiuu *'■'") und besliitigen unsern salz auf 
eine neue Aveisc; thiu selhun thiu nan barun fater inli 
muater 0. HL 20, 77; ir hedu 0. IIL 20, 83: ob er siu 
zuei (himil iiiti erda) gisceidit 0. V. 12, 76; inli sint (man 
inti quenä) zueim einemo lleisge T. JMallli. 19, 5***). mlid. 
■wir hediu (Scliionalulander ii. Sigüne) Tit. 70, 3; wir 
beidiu Tit. 166, 2; si mohtens hediu wesen fro (Gawan 
und die lierzogin) Parz. 624, 24; diu hediu (mann 
und frau) Parz. 446, 14: lat ir daz peidiu her ze nu"r 
Parz. 716, 8; wir waren kinder heidiu dö (Galimurct 
und Amphlise) Parz. 94, 27: sie entsliefen heidiu (der 
könig und die künigin) \\\. 85 ; schouwen die schocnen 
juncvrouwen (puellam), des erba^ren wirtes kint, diu 
heidiu also liövescli sint Iw. 929 (hier geht das relativ 
auf wirt und Jungfrau); daz si des heidiu (ilin und die 
frau) za;nie Iw^. 3757; heidiu (mann und frau) Inv. 6452. 
6533; do si heidiu swigen (Iw. luid die iungfrau) Iw. 2255; 
uns heidiu Iw. 351; wir heidiu Iw. 4336; ir zivei ^Gawän 
und Bene) Parz. 549, 4 ; si heidiu (W. und Larie) Wi- 
gal. 9484. 9743 ; si zivei (Gawun und die lierzo- 
gin) Parz. 643, 1 ; Heimricli u. Irmschart diu zwei "^Th. 
121, 20; Heiniris und ich (Irmschart) wir z^vei AYli. 168, 
19; wir ztvei (Calogreant und die Jungfrau) Iw. 331; diu 
zwei jungen Iw. 6524; ir zivei (Tristan u. Branga;ne) Trist. 
10887 ; wir zivei (Tristan u. Isöt) Trist. 12112; sl ztvei Trist. 



*) O. läßt aber einzelne fsie hier mit unterlaufen, vers 7. 21. 22. 
**) N. Cap. 132 hat ein neutr. /n'en =: mancipia. 
"*) N. verstüiU wider die rege!, wenn er von Merrur und Pliilo- 
iogia re<icu(l Caj . IIS' setzt: ir beide. 



uüinen. geiins. 281 

11722. 13681; si zxvei (zuiige und sinn) Trist. 4831; disiu 
zwei (Achilles und Deidanu'e) Troj. 17000; disiu zwei (kri- 
slentuom niasc, kristenlieit fem.) Wallli. 7, 3; uns zwei 
(manu und fiau) INls. 1, 28''; diu zivei Ms. 2, 88^ Ben. 
370; swa sich ztvei gebeut zesamen JNls. 2, 126^*); diu 
lAgeu (Anus und Ginover) Parz. 285, 17; guot spise luit 
dar nach senfler slaf diu ^vureu im bereit Iw. 4818; liier- 
lier darf man auch nelunen, "svenn auf man und wip das 
j)ron. diu folgt, insofern wip in der construction für ein 
fem. angeselui >vird (s. 268), z. b. Iw. 8139. 8146 **). nhd. 
liürt, mit dem Untergang der formen diu, zwei und beidiu, 
dieser regel anwendung auf; doch M'ird sich ohne zweifei 
aus H. Sachs und andern, die den unterscliied zwisciieu 
zwen, zwo und zwei beibeliallen , die beziehung des zwei 
auf ein masc. imd fem. nachweisen lassen. Luther schreibt 
IMatth. 19, 5. INIarc. 10, 8 vollkommen richtig die zwei^ 
das ist die letzte spur der uralten construction. alls. gi- 
witun im tbö thiu gudun tue Joseph endi Maria bediu foii 
Bethleem Hei. 14, 5; bediu Hei. 23, 16 ''''''*'). ags. sorgedou 
hälvd Adam and Eve C. 47, 23; \it her haru slandadli 
C 50, 20; vit thus haru ne magon hütii ät sonuie vesan 
('. 52, 3; hvurfon hie hdlvu C. 52, 8; hie on gebed feollon 
hulü ät somne C. 52, 21; Ihenden vit lifiadh hü (solange 
wir beide leben, Abraham inid Sara) C. 136, 11; lijg 
\<eron htWi rihtvise Luc. 1, 6; hi on hira dagum hiitü 
fordh eodon Luc. 1, 7 -f). alln. vidh (i-oki ok Freyja) 
scolom aka tvö Siem. 71^ 73^; ue vidh Frcyr (Gerdlir ok 



•) siis maclient iimbe «leii fliegen ic zwei und ztrei ein Iiopelrei 
Ms. 2, ~y\ je tänzer und tiinzerin gepaart, ie zwene l)ezeirliMt't niiinn- 
liclie. ie zwo weiWiclie paare (ie zwo und zwo Trist. I()47K), ie zwei 
geniiselito paare, oder liimler (l'arz. 23, iy.) um die aii.Miru<ks\olle 
untersclieidung zwischen zwene, zwo und zwei (man erwäjre nur .»tei- 
len wie: dö lieten wir zwo zwei gewant 'l'ri.st. 12810) i.st die nlid. 
.spraclie gehraelit, zwene und zwo .sind durch zwei verdrängt; den 
sieg des letztem eriiiärt uns eben das .»jntactiselie überwiegen der 
iieulralt'orm. 

") indes gestatten sich die nihd. diditer, noch öfter als O., von 
der neutralfoini abzuweielien: wir beide (Iwein und Lunete) Iw. 2279: 
leide; gesAzen beide (Iwein und Laudine) Iw. 2;!H7 ; weliselten beide 
(: besclieide) Iw. 2990; si beide (: lieide) Iw. COTS; iucii beide (; leide) 
Iw. 6H)ö; si /'t'iJe lw.6529. a.Heinr. 25;i, 1 1; (//<■ alten lw.(;.^)31. viele 
dieser ausnahmen mag der reim versciiulden so wie er die lesartx erbürgt. 

"•) dagegen; Avärun so gihönga Hei. 3, 6 und sie statt siti 3, 8 
U, 7. 23, IG. 

f) aucii liier steht das per.sönliche pron. nicht im neutr. : hie (statt 
lieo) C. 45, 22. 4H, 25. 49, 3. Luc. 2, 50; vit /ireorige C. 19, 29. 



282 eiiifiichcr .salz. 

I'reyr) byggiorn bo'dhi sainaii Sirin. 8-1''; ilcl^i (jk Svnva 
fi" sagt at viiM'i endfhotiit 8inii. 14.S''; er vidli /lörniuff 
Ivö liiiiqoiii al ruiioiii ((Midniii tiiul f)i('lri(li) Sii'iii. l'.JT''; 
vüUiiodlio vclhoria (üöi^iii ok Koslhora) .Sa>iii. L'ö.i'' ; rckkiii 
gönllui Tliiii'll ok Tliyr, büi-n uln ihü Sa;iii. 10 1'' "y. 

h. masc. oder ,/«^«i- mit dem neutr. im s(j. kömieii iii»'. 
so leicJiler ilii* [)ioii. oder adj. in das nculr. pl. stellen, da 
dies geschlerlit schon mit in einem (\ct beiden s»d)jecle 
vorhanden ist. Sk. 40, 20 scheint sv(''sa bezüglich anf 
die folgenden beiden subst. valö und aluna? inlid. der lac 
der da liiule schein, daz swert daz den slac truoc, diu 
iniiezen gunerel sin I\v. 7524; daz inz laster nniole nie 
da-iHie in der schade l;vte , diu er heidiu samt li.rte Amis 
2462; ir gebot und \v bete diu Jiel er übergangen Iw. 
3087; Gaweius swcsler und ir kint, diu mir ze herzen 
^eiide sint Iw. 4905; heidiu sin leben und sin tot Parz. 
112, 14. docli wird in diesem fall auch ein unneu- 
traler pl. constrniert: in iiie ros noch der niuot, wan 
die waren beide guot Iw. 2555; der sclucne bluot, "daz 
reine gras, die b;iren im vil siiezen sniac Iw. 6446; 
und was im vil sw.cre ir laster und ir arbeit, die si von 
sinen schulden leit Iw. 5164 (auch kann hier das relativ 
bloß von arbeit abhängen, und im sg. stehn); unser leben 
II. unser geburt, die sulu wir iu vil gerne sagen Iw. 6320. 

c. steht eins der subjecle, oder stehn beide int ■phiral, 
so fällt die regel weg; denn nun kann der adjectivische 
oder pronominalpl. unmittelbar auf einen der substantivi- 
schen bezogen werden. ahd. dhes tlheodhün (fem.) endi 
liudi (masc.) hidande warun Is. 394; fora dhemu sindiin 
dheodhiin ioh rilihi chineitjidiu (ubi ei subjugatae sunt 
gentes et regna) Is. 347; alliu riche u. alle andere gewalla 
(masc.) wesen sälige N. Bth. 20. in diesen drei stellen 
richtet sich das adj. nach dem genus des ihm zunächst 
stehenden letzten subst. mhd. bogen unde bülzelin die 
sneit er Parz. 118, 5; vreuden unde kleider die sint gestalt 
Iw. 2814; wa nu riller unde frouwen , die man man bi 
mir solle schouwen Walth. 25, 2; beide ir bwrde und ir 



*) daß in der auf zwei siil)jecte bezognen neutralform kein alter 
dual liege, ist schon .^, ?)17 gesagt; die eigenlieit der construotion 
bezieht sich bloß auf das genus, nicht auf den numerus, es ijeiiit 
wir zwene (hv. 7G95. Ernst 2303), wir zwo (Wh. 180, 15), und 
wir zwei (zwei iieutra, oder ein uiasc. usid fem.) gotli. vit tv;'ii, \it 
tvos, vit tva. aitn. idli tveir (vos duo ni. S;eni. (i2'i 63s); \idli bädiiir 
üos anibo ni. 87») vidli l);edlii (m. et f.) öia Büb, 



nuineii. gemts. 233 

site Parz. 115, 1; man iiiule wip die mitenz al geliche 
Parz. 116, 26, wo die siibst. plurale sind (niiiinit man sie 
für den sg. so würde diu folgen.) wenn es Wigal. 4216 
heißt; ir liabt mine sinne gevangen u. daz lierze min, diu 
müzen bi in iemer sin , so zöge ich die vor. 

3. drei oder ineJir suhjecle verschiednes gesclilechts. 

sind sie alle im sg. , so kann auch hier wieder die con- 
version in den pl. netitr. ergehn. ahd. kaiitas, reht, inli 
fridu . . . elhi tliiu ihriii 0. V. 23, 128, da ihre schwesler- 
scliaft ohnehin nicht für die deutschen würter recht und 
friede past; daz io ratio driu gescafut, ih meino aiiagenne 
linde mitli iinde ende N. Cap. 93; Beallurs, Pansamurs 
lurd daz kint elliu driu Parz. 88, 1 ; ir driu (zNvene knehte 
und diu magel) Trist. 12730; si driu (Isot, Tristan, Cur- 
vcnal) Trisl. 16683. Sind es plurale, oder stecken plurale 
daiiniler, so scheint das coniplexive neulr. unerfürdeilich ; 
dar rusä nnde ringelen (masc.) nnde violae wahsent, lie 
den garten brunent N. Blh. 3.5. docli mhd. dichter haben 
es nnladelhaft, weil die vielheit der gegenstände das zu- 
sammenfassen nüthiger macht, als bei bloß zwei subjectcn : 
knappe, swert inide sporn iintz ors, wuiden diu verlorn 
Parz. 648, 12, kranchcs hals, ebers uren , slrilzes ougcn 
diu driu JMs. 2, 131».; vgl. elliic vieriu (s. 264.) iw. 3214 
folgt auf viele vorausgeliende subsl. ein pronomen die. Ulf. 
Pioni. 8, 39 bezieht malileiga auf das leizlc gaskafls. 

Außer dem pl. neutr. in allen drei eben erörterten 
fällen kann aber, und noch objectiver, zuweilen der Sfj. 
neulr. gesetzt werden; die melirern gegcnslünde erscheinen 
dann, ohne eigenllichen bezug auf ihr geschlechl, hlo\.\ 
zusanuuengefaßt. mhd. tut der iwer friunde iinde och diu 
arbeit, ob ez in zieren recken besvvarl ihl den muot ]\ib. 
2268, 2; do teilt diu küniginne goU und ouch gcwant, 
silbcr linde gesteine, swaz si des über liin nnl ir zeii 
Rinnen brahle, daz muose gar zergehen sin Nib. 1324, 2; 
lieht gesteine, rolez golt, liule, wapen, ors, gewaiU , des 
nim sf3 vil Parz. 9, 6; kröne, zepler unde ein laut daz 
ist nücli an erstorben Parz. 77, 2; freude u. jamer daz 
was hie Parz. 99, 6; gewin und lUisl wie duz gcste J'arz. 
102, 24; het ich dienst od huhle, daz ich ui solle bieten 
Parz. 135, 28, wiewol man einigemal versucht sein konnte, 
das inon. mit einem einzelnen der vorausgehemlen subsl. 
zu consituieien. bei personen wird ein solches ez oder 
daz Stilen sein; aiil sie aber bezieht sich oll das iieulralo 
dewederz oder ieiivcderz: Artus unt diu künecin ir iel- 



234 ciiiJacJier salz. 

wedevz under in sidi uf ir .iIIl-i- \villcn vIcmz I\v. 5'»: unser 
icliuederz (Iwoiii mul J.aialiiie) l\v. 2;i.5ß; er viioile d;iz 
^Vl|J unl den man, wnl volgel inie dcxveddvz daii l\v. 2987; 
daz si dewederez env.'uil, den man noch diu n);i're Iw. 5763; 
ja das fragende wederz kann unbeslimnit fi'ir weder, in 
])e/iig auf zwei pcrsonen stelin : xvedevz (Kardeiz oder 
Loliciangrin) ist der knabel' Parz. 803, 2. aber aucli 
tias beslimnile gesclileclit ist zulassig: ir ietwederre Wigal. 
544; ir ielwedcr l\v. 2.575. Wir bedienen uns beulzulage 
des noulralen singularprononiens auf gleiche weise, zumal 
mit hinziigefügleni alles: silber, gold , edelsteine, alles das 
wurde ihm entrissen; schönlieit, ehre, reiclilhum, dies 
alles ist vergänglich; welches liat den vorzug, rülnnlicher 
tod oder ehrloses leben ? 

Die liauptverschiedenheit der deutschen syntax von der 
lat. und gr. liegt hier darin, daß diese ein mehreru sub- 
jecten beigelegtes adj. und pron. dann nur ins neulrum 
selzen, wenn von sacken die rede ist: pax et concordia 
vidis tttilia, vicloribus tantuin pnlchra sunt; nicht in be- 
zug auf personen. die deutsche spräche gestattet aber das 
neutr. a^lch für personen. 

jMhd. sieht das schwache adj. masc. subslanlivisch auch 
für die iveihliche bedeutung : der tote, der heili(jene[uh. 
1488. 1510; der sieche Flore 1921. 



II. NIJIMERUS. 

Bevor icli von der congruenz des numerus handle, ist zu 
untersuclien, welche sidjslantiva entw. nur im sg. oder 
nur im pl. gebräuchlich sind. 

der tlual gebricht hier unsrer S[)rache; er würde sich 
gerade für subslantiva eignen, die hauplsächlich in der 
zweiheit gedacht werden, wie z. b. äugen oder eitern, 
welche Homer auch im dual auszudrücken pflegt: öoo£ , 
'coy.j's. wir liaben demnach bloß die eiuheit oder die mehr- 
heit zu berücksichtigen. 

Nur des sij. fähiij erscheinen 
1. eiyennanien f die einem bestimmten gegenständ bei- 
gelegt sind, einzelnen menschen, thieren (in der fabel), 
llüssen, Wäldern, bergen, ländern , örtern : Sahsuut, Rein- 
hart, Rhein, SoUing, Brocken, Elsaß, Tii'ol. sobald aber 
derselbe eigenname auf mehrere übeitragen wird , kann 
er auch im pl. slchn: die Heinriche, die Ludwige. 



noinen. nitinerus. 285 

2. subsl. deren Vorstellung für das liulivlduuni zwar von 
der eiuheit ausgeht, -wie niund, nase, herz, können, von 
niehrern indiviiliicn gebrautlit, den pl. annehmen. die 
munde waren ungespart Parz. 100, 16. 

3. subst. des begrifs der niasse , wie fleisch, blut, milch, 
galle, schäum, schimmel, rauch, fett, sand, mehl, stroli, 
slaub , llachs , garn, gold , silber u. a. m. haben keinen 
pl.; auch nicht erde, wenn es pulvis (niolla) ausdrückt*). 

4. die heutige spräche versagt vielen ahstraclen würlern 
den pl. z. b. verstand, Vernunft, wille, zorn, glück, dank, 
trost, rühm, hunger, durst, besonders aber den aus adj. 
gebildeten fem. wie gute, liebe, rüllie, schwärze, obgleich 
von gröUe, hüIie der pl. grülicn, höhen statt findet, golh. 
alul. luid ndid. haben fast alle diese pl. kein bedenken, 
namentlich auch bei den mit i abgeleiteten fem.: thinö 
guati 0. V. 23, 13; sinu guati 0. V. 25, 46; sinu liubi 0. 
V. 7, 38; ir güeten (gen. pl.) Walth. 115, 21. der pl. 
hungera T. 145. 

5. dem suhstanlivischen inf. gebührt nhd. nur dann der 
pl., wenn in dem begrif die abstraction vermindert Ist 
(gramm. 3, 537) ; der ndid. pl. war häufiger. 

6. bei (jewicht, maß luid zahl gebrauchen wir heule 
einen sclieinbaren sg. für den pl. selbst solcher subst., die 
in andern fällen ihren pl. gehörig bezeichnen, drei plunil, 
zwölf mark, zwei band breit, sieben fuü tief, drei schuh 
lioch , vier zoll breit, neun rieß oder buch papiqr, zwei 
faU hier, drei mali wein, acht schritt lang, zwei acker 
lang, zehn stein wolle, zwei eiiner honig, zwanzig j)aar 
schuhe, luHuierl mann; die beiden letzten bleiben auch 
im gen. und dat. unverimdert: in ein paar lagen, ein haulen 
von lunidert mann. Von diesen formen urtheile ich so. 
in einigen, wie pfund, buch, faU , maU hat sich der alle 
dem sg. gleiche jjI. neulr. bewahrt, in andern der alle pl. 
masc. (acker statt des idid. acker), in man die mhd. ano- 
male form (i, 6S6.) fuli und band wurden fchlorhafl in 
die nendiche analogie gebracht, ndul. fuukM sich nur: drior 
heiide breit, siben vüeze lanc IMs. 1, 5)8^, niilil haiil oder 
\uoz. wohl aber ist das ludleclierle fem. mavc (^marca 
auri, argenli, altn. mörk) schon in ndiil. spräche herge- 
bracht: dri marc Freid. 132, 27. 15«, 15; tusenl marc: 



*) (lii! Italien, sprnclie sieht solrlie stoCartifrcn pef^eiistiinde viel 
roncreter an, und liililttt iinbeileiii^li^i iliicn |iiural: le cum), le arcne, 
le |iubeii, i latli , i Inrdi , i lini ii. s. w. 



286 einfacliai' salz. 

bare cod. kolocz. 158; zwo innre von golde Crcgor 8S0. 
1002- /.\vu niarc von rolein gokle* Trisl. 8217; /.olieii innre 
voü i^üUlo ^Nib. ~4l, 3; liiiiidcrl nmrc: starc \\ i;^nl. G0ß4; 
drill liuiidcrl innre inessinges Trisl. .5Ü.')1 ; niinet den j>rc'iiinc 
für die niarc Freid. 148, 3; niaelieiit von dem ijAiiide niarc 
Froid. 167,21; es isl ein aiionialcs fem., dessen iiotii. und ace. 
1)1. ilcm sg. gleichlaulct, der gen. pl. liat marke: tüsent 
marke W'ignl. 66. Freid, 170, 25. luancger marke Parz. 71, 
6- dal. 1)1. marken JNib. 316, 3. Jii keinem dieser siibst. 
lalUsielialso ein wirklieher sg. niierkenneii, dei- den pl. veilräle. 

Pluralui tan tum. 

1. jene iirspriinglieli im dual gebraueliliclicn nomina lei- 
den so gut Vereinzelung , als erälrcckiing auf dei\ plur. 
hcrnsjos bei Ulf. Lue. 2, 27. 41. 43. Job. 9, 23 neblet sieh 
naeb dem gr. yovels , ein beruseis mit der bedeutung von 
yovfvs , roKevg wäre slallbnlt, wie das Int. ])arenles iinbe- 
denklicb den sg. parens geslnllet. das alid. uUiron , eldi- 
7'on (GralF 1, 195) für parenles drückt eigeullicb aus seuio- 
res , und der sg. altiro giU bloßfür senior, nieht für parens. 
In den mbd. quellen begegnet der Substantive pl. gewis 
äußerst selten, es wird lieber gesagt vater unde ninoter 
als eitern (aueb Ssp. 1, 17); docli lint Freid. 174, 9: dinen 
aUern sollu ere bern. das ags. N. T. gibt parentes überall 
durch rtuujas d. h. verwandte, und engl, gilt das roman. 
nnrents. a\[n. Jorehlrar , scbwed. föraldrar, dän. foräl- 
dre; uns hat vorellern den weiteren begrif der ahnen über- 
haupt, goth. aber dient zur Übersetzung von yoveig, außer 
jenem b^rusjös, zugleich Jadrein wovon vorhin s. 271. 

2. die namen einiger jabrsfeste stehn im pl., weil sie 
mehrere tage begreifen: ostern , pßmjsten , Weihnachten j 
auf ähnliehe weise wird der pl. xvochen von der zeit des 
kindbeltes, das mehrere wocheu anhält, gebraueht. auch 
die ivehen M^lveg sagt mau von dem sich wiederholenden 
geburtsschmerz. 

3. die krankheilsbenennungen blättern , masern , röthehi 
liaben die mehrzahl, weil sich dabei eine viellielt von blät- 
tern und flecken äußert. 

4. aus demselben grund des gewöhnlichen Vorkommens in 
der mehrzahl gelten noch andere subst. im pl.: alpen, ho- 
sen (bekleidung der belne); uiehls aber hindert den sg. zu 
gebrauchen, von nisse (l^des) ist der sg. nur veraltet, 
wie von le te (homiues.) 



iiüineii. numerus. 287 

5. Ulf. iil)crse{zt den sg. rö GTi~dos Luc. 18, 13 mit ilcm 
pl. hrusts y A\ü auch die viilg. peclus hat; ebenso den pl. 
QiiUiyyyu IMiilem. 12. eine Variante zu letzlerer stelle he- 
l'ert hairlhra , wie viscera im pl. auch ahd. in herdanim 
(inteslinis) Diul. 1, 239. lierderen (visceribus) N. Cap. 17. 
sinalalierder (inguina) gl. Doc. 218'^. und so scheinen noch 
andere ausdrücke füj' den bcgrif \iscera, intestina, exln, 
ilia hauplsiichlich nur im pl. gewöhnlich, für pectus hat 
N. wiederum den pl. bniste z. b. Cap. 124. 

6. wie neben eldiron der sg. eldiro, neben wocheu, l)lnt- 
tern , alpen der sg. woclie, blatter, alpe besieht, und lür 
den pl. nur eine beslinuntere bedeulung sich entwickelt 
hatte ; so gibt es noch mehrere w^örter der alten spräche, 
deren pl. den begreif ds sg. abändert. Das golh. fem. buka 
bezeichnet y^üftfiu, litera II. Cor. 3, 6; der pl. 6üA.os aber 
(jifiXIov , }'()ü/ii/iiuTa , literae Matlh. 5, 31. JMarc. 10, 4. 
Luc. 3, 1. 4, 17. .loh. 7, 15. durch aneinanderreihung ein- 
zelner buclistaben wird erst die schrill, das geschriebne 
gebildet. Den gr. sg. (Ül,u , so oft sinnlich die wurzel der 
pllanze gemeint ist, überträgt der goth. i)l. vanrteis IMarc. 
4, 6. 17. 11, 20. Luc. 3, 9. 8, 13. 17, 6; (j/l,« , abslract 
genonunen, drückt aber der golh. sg. vm'irts (gen. vaurl- ^ 
sais, dal. vai'irlsai, acc. vaiuls) aus E.üm. 11, 16. 17. 19. 
15, 12. '*") auch das ahd. würz, ags. vyvt , altn. lU't be- 
deuten nie radix, sondern herba , wofür golh. aurls, des- 
sen wahres verhalten zu vaüits noch im dunkel liegt, wie 
diese mundarten den begrif radix wiedergeben habe ich 3, 
371 gezeigt. Älit dem sg. aviliiid verdeutscht Ijlf. '//(Qi^ 
11 Cor. 2, 14. 8, 16. 9, 15; mit dem pl. avUinda evyuot- 
gtIu (graliarum actio) II Cor. 9, 12. Eph. 5, 4. IThess. 3, 
9; nur einmal 11 Cor. 4, 15 ist auch letzteres durch den 
sg. aviliud ausgedrückt, nach dem eben ansls für '/jiQtC 
(wie sonst Luc. 1. 30. 2, 40 u. s. w.) vorausgegangen war; 
es mochte unschicklich scheinen , hier den sg. und pl. ne- 
beneinander zu verwenden. die im gr. yjiQic; vcreinlen 
begrille von gnade und dank unterscheidet das goth. anlsls 
und aviliud. 

Genau erwogen gibt (es also wenig oder keine subsl. 
die blol^ auf ilen sg. oder den pl. eingesdiriinkl wären, 
entw. ist ilie form des einen lunuerus >eralli't luul liiUl sich 
historisch nachweisen, oder es beslehn eigne inodiiicalloncn 
des sinnes für den pl. , die der bcgrif von mein heil und 



*) ilas S eingeschoben wie in veilis, vcilisiü oder in gnitsa. 



288 eilt fachet' sctiz. 

Avic'(lorlu)liing \\\v\ andere uns verliorgnc iirsaclicn vcran- 
JalWoii. Ich will iiorh einige piincle herühien, die den ge- 
hraiicli lies sg. und pl. angelin. 

Die alid. und nilid. spräche sel/.en {jevn die leininina 
woiiue ^ ehre, muine , ijuade ^ sa-lde , hiild, treue ^ reue, 
pjlcije im phir., so oft auch ihi- sg. vorkoninil. allu %vujuid 
thiu Sin 0. V. 2.'J, 209; mit wunnön 0. II. 9, 1.5; zi wun- 
iiun 0. II. I4, 2f) ; s* darbela ungerno dero irdiskun wunnuii 
N. Cap. 89; dcie Nvunnone besliez Diul. .3, 55; afler pa- 
raiKses wuniuMi Diul. 3, 51. ^vaid imo zi scunen eron 
gidan 0. II. 9, 39; zi thiues selbes cr»5ii 0. III. l, 28; 
mit eron N. ps. 8, 7; in eron -was N. ps. 48, 13; gote 
ze eron N. ps. 80, 2 ; dir zc eron gel)0i-ene N. ps. 44, 10; ze 
uneron N. ßth. 24; vil der dren Nib. 1321, 4; mit eren PSib. 
1327, 1; nu daz s?n iuwer ^re Iw. 2528; sui ei'e sin unstete 
Iw. 4564; sin ere sint breit JMs. 2, 59^; er ist der eren wirt 
das.; daz siu zil den eren tiige Jroj. 18301; daz er den eren 
wol gezeme Troj. 18329; nocli nlid. dir zu ehren, zeichen 
siner minnone Diut. 3, 61; snier miiniune gebe cod. vind. 
653, 118^; sin minne waren feste fundgr. 168, 10; »niser 
zweier minne gaben inide namen Parz. 109, 29; dicli inie- 
rent mannes minne Ben. 363; des minne sint niht heinlich 
misc. 2, 306; ze minnen joch ze ^i'en Diut. 3, 68; si ge- 
torste in der minnen niht bringen innen En. 1649; ze 
minnen NiJj. 1368, 1. 1499; 2; s\va der liaz wirt innen 
ernestliclier minnen Iw. 7035 ; ez ist von minnen kernen 
Iw. 3405; mit minnen Iw. 2886. 5731. 7294. 7702; mit 
iuwer aller: minnen Iw. 6118; scheidet er mit seihen iin- 
minnen Iw. 4576, mit tjitiädono ginuhti 0. II. 24, 22; 
ze ungniidon N. Bth. 26 ; bat kinädone fundgr. 63, 10. 
341, 16; die gnade waren stn Diut. 3, 43; ob ez iuwer 
gnade sm En. 11473; dir sint genade beschert cod. pal. 
361, 75^; genaden gert Parz. 87, 3; ichn han genaden 
niht Iw. 6001 ; von dinen genaden was icli frö "NYigal. 
4924; nlid. aus gnaden, von gotles gnaden. sdlidd in 
gilungun 0. I. 2, 36; zi salidon gizalte 0. J. 11, 28; zi 
salidou gizalter 0. I. 15, 1; saldä N. Cap. 153. Bth. 68. 
69. 72. 73 ; sinen soclden Nib. 300, 2 ; sich Sivlden verzech 
Parz. 488, 25; der hat der s.xlden niht Iw. 2778; aller 
siner Si^lden wän Iw. 7072. sani mir dinu huJdi ! thiu 
huldi 0. ad Sal. 14; ime sui des kuninges hidde lieb 
Roth. 2045; des gnadet er ir hulden Iw. 2730; keren im 
ze sinen hulden Iw. 4809 : mir was ze sinen hulden alze 
liep Iw. 4186; kum ich nu ze hulden Iw. 8111; icli bän 
wider iuNvern hulden niht get".n Iw. 726; daz ist nach 



iionien. numerus. 289 

iweru luilden getan Nib. 303, 4; mit liuldeu Nib. 1341, 2; 
iiiügez au imvern Luiden sin Bon. 54, 12. 57, 52. daz 
si ir gruzen triutven eugalt Iw. 2012; von nuuen triuwen 
Iw. 1979; mit triuwen hv. 2069. Nib. 302, 3; mit ir 
triuNven Iw. 5556; mit üiwen sin Wh. 122, 23; Iriwen 
jacli Parz. 101, 20; geborn von triuwen Parz. 140, 1; üz 
triwcn kraft Parz. 150, 26; genade unda triuwen mant 
iuch Nib. 1387, 1; mit untriuwen bcliben Iw. 1984. muo/. 
er mich ergetzeii ininer riutveil Iw. 2070; nach riuAveu 
Iw. 8107: Jane suhi dir duie riuwe wescn nilit ze veste 
cod. pal. 361, 72^1 ich muoz bi riwen sin Parz. 90, 17. 
die fiirsten lietens in ir ]]fletjen Nib. 4, 4; vil maiiegcn 
degen lieren het der kiiuic in sinen pflegen Bit. 4(!33 ; 
ich liez daheim in gotes pllegen zwei kindelin Bit. 4204; 
kocme mir daz ze miiien pllegen Bit. 8530. In allen diesen 
Wörtern, die sich noch durch andere vermelircn lassen 
werden, scheint der pl. keine vom sg. merklich al)weichende 
bedeutung zu gewähren. 

Bemerkenswerlh ist auf welche weise örtliche hegriße 
durcli den plur. anderer, und selbst persönlicher, würler 
ausgedrückt werden. 

ati den (jriezen Gudr. 1253, 3; zuo den griezen Gudr. 
424, 3. 1205, 3; iif den wilden griezen Gudi-. 847, 3. 905, 
3 bezeichnet das niceresufer, wo viel sand zusammen liegt; 
ze den süezen rielehen Bcrth. 221 gibt eine orlsbeslim- 
mung. wir sin her von seiven (laciMjus) Gudr. 1484, 4 
:=. von Selant; vgl. helt von Sewen 1257, 1; voget von 
SiSwen 1214, 1. 1674, 1; Herwic von Sewen 706, 1. 867, 
1. so lieiUen in lat. urk. ürlcr ad hiciis ;, ad vineas, 
ad auercus. 

aus dem wald wieder zen linlen bringen Iw. 5794 be- 
deutet: an einen von menschen bewohnlen ort, wie man 
sagt: zu den UrsuUnerinnen, zu den li'ranciscnnern 
bringen := ins nonncnklosler, mtincliskloster ; vor die sclioj- 
fen geliilul werden = zur gericlitsbank. so übersetzt schon 
IH. rji'i TQUiiei^av (zur wechslerbank) passend durcli du 
shalljaui (ad mumdarios) und I Cor. 10, 25 tr fiu ■/;).).(•) 
(zui" lleischbank) duich <tt sliiljaiiiy was apud laiiiiis, vicli- 
marios sagen nuil\, obgleich der ausdrurk skilja bisher 
völlig unbekannt ist. eine von lleiscliern, webern be- 
wohnte slraUe nannte die vorzeit einlach: zen nifizehoren 
(rue aux bouchers), zen webivren, vgl. rue «5 escrivains 
Meon 2, 241. 

nicht aiulers gewann man nan»en für ganze liinder, 



290 einj'aclur salz. 

wie schon iJ, 4l'0. 4Jl ei I.itiU'il wurde. Veujirä (Ravni-i) 
bezeiclinel ziif^lcicli das laiid, wo si wohnen, iiiul desto 
leichter kann hei dem iicn. pl. Pei^irö das woit lant aus- 
bleiben (s. 2ßl.) in fJ'itllnun^ in ß'rnnkum, zen Hes- 
sen =. in Welsc'hland, IranUreich, Ifesspnland ; v<ni tj'al- 
htn Ms. 1, 23'' iJen. 351; geia den Berleneijsen Paiz. 
142, 4. 214, 30; zen Sarrazin Parz. 98, 21; zen lliuuen 
Nib. 1322, 4. 1330, 4. so bei Marc Aiirel 1, 17 iv Korü- 
d'ais, a|)ud Quados, und bei Ulf. in niarktis Ti/re jah Sei- 
done (in fuies Tyriorum et Sidonum) wo der texl die 
];indernan)en setzt: etg T« fiedoQtu TvQOV '/mc ^ed'ujvoQ 
Marc. 7, 24; aikkl^sjum Galatie (ecclesiis Galalaruni rz: 
T)je FaXarlciS I Cor. 16, 1; in landa Akaje (in terra 
Achaeoruin) =: ri^c: ^ylyaiug 11 Cor. 11, 10, welclie beiden 
stellen ich 3, 784 nicht gehörig erklärt halte. 

Nach dieser erürterung des allgemeinen Verhältnisses 
zwischen sg. und pl. ist nun auch ihre syntactische ab- 
liangigkeit zu prüfen. 

Ein ■prädiciertes sahst, hat sich schon etw^as mehr nach 
dem numerus als nacli dem geuus des subjects zu richten. 

IMit einem subject im pl. mag unbedenklich ein unper- 
sönliches prädicat im sg. verbunden w erden : ihr seid das 
salz der erde; wir sind Gin sj)iel der winde, ein spoll der 
leute, aller weit ein beispiel; ihr seid ein leib; alle häuser 
"Nvaren ein feuer; wir alle sind ein olir; zwene sint eines 
her; hlauts gasatidai v^sum, ixX^joojO^tjjitep , sors fuimus 
positi Eph. 1, 11; inde genus durum sumus; Cereris su- 
mus onu)ia munus. von allen in der mehrheit cnthaltnen 
wird etwas gemeinschaftliches ausgesagt. Ein persönlicher 
sg. des prädicals würde aber dem pl. des subj. widerstrei- 
ten; es läßt sich nicht sagen: ihr alle seid ein löwe, son- 
dern nur: seid löwen. Noch weniger unangemessen kann 
für den pl. der liöHichkeit der beigelegte sg. erscheinen 
und er darf auch einen individuellen begrif ausdrücken : 
ir Sit ein kluoger fuhs cod. kolocz. 108; ihr seid ein narr! 
ein tapferer mann I 

Schwerer schon construiert unsere spräche den pl. zu 
einem sg. des subjects. lat. läßt sich sagen : tu es deli- 
ciae meae; Rein. 1, 1230 steht: vulnera totus erat; wir 
drücken uns nicht aus: du bist ganz wunden, sondern: 
eine wunde, vielleicht aber wagte die ältere spräche : du 
pist miuö wuuna? Wolfram sagt: briunde zäher (lacrimae 
ardentes) was sin §uz Parz. 104, 6. Zulässig wäre: du 



lionien. iiauieriis. 991 

bis meine eitern . meine kinder , im sinne von: du bist 
mir an eitern, kinder statt. 

man verwechsle niclit das voransgestellle pradicat mit 
dem subject, z. b. wenn wir erklären: das Avütliende meer 
sind die leidejiscliaften , oder wenn 0. sagt: tliaz gras sint 
äkusti 111. 7, 63; so bilden die pl. leidenscliaflen \\u{.\ aku- 
sli das subjert, wie aus dem pl. des verbums erhellt, das 
sich stets nach dem subj. richtet, die ahd. Übersetzung giu 
ustrün unsar Christ ist (jam pascha nostrum Christus est) 
hynin. 21, 4 verhält sich unrichtig; ist pascha das subjecl, 
so müste gesetzt sein: ustrun unsaru Chr. sint; ist Chri- 
stus subject : ostrun unsarö Cliiist ist, und das wäre ein 
beleg für das pl. pradicat zum sg. subject. 

Die alid. spräche, wenn sie bei dem bcgrif des habons 
und verwandelns das pradicat durch die priip. zi einleitet, 
drückt es dann gern im S(j. aus, obschon das dazu gehö- 
rige subj. im pl. steht. der lat. satz : die ut lapides isli 
pa)ies liant, lautet T. 15, 3 quid ihaz these steina zi brüte 
werden, luid ebenso: ([uid lliese steina thannc zi hröte 
werden alle 0. II. 4, 40; bat ernan, thie sleina «lnan zi 
brüte II, 4, 44 ; ags. cvedh tliät thas stäuas tö Iitdfe ge- 
vurdhon IMatlh. 4, 3, und nicht zi brötum , lö lilafum. 
got mag lhes(5 kisila joh these steina alle irquiken ioh zi 
manne 0. I. 23, 48; noch aullallender in folgemlen stel- 
len: thie dumbon dual ouh thanne zi xvisemo manne 0. 
I. 4, 44; thiu (quena) habeta zi harte sibuii biuadci- 0. 
IV. 6, 32; hier scheint wieder der pl. sleina, (hunbon, 
bruader ein zi mannun , karlun zu begehien. aiiein die 
phrasen zi bröte werdan , zi manne duan, zi karle haben 
sind abgesondert und (iir sich genommen, und dann ist 
der acc. bloU hinzu conslruiort. wir dürfen noch nlul. 
sagen: die steine werden zu lnot , sie liatle sieben briider 
zu mann, nicht aber: er macht die diunmen zu weisem 
mann, er macht die kiesel zu maiin, sondern hier ist uns 
der dat. pl. männcrn nolhwenchg. mhd. belege siiul mir 
nicht zur band, es wird sich wol ein ze wibe hau, ze 
wibe nenien, von mehrern ausgesagt, auf lassen weisen, 
ohne zweifei konnte schon ahd. statt des sg. der pl. stehn, 
vgl. Diul. i, IG2'^ za narr<)m werdanl (stuUi Hunt) statt zn 
narrin j sid tie zagusten ze amhahten. choment. IN. i)lh. 
92; nu ladunt in ze hiiön selljen die z?te (illum connubio 
ji'garier sundcnt saeda) J\. Cap. 82 ; wazeruie zasamcn ze 
trupj'öu worlenc N. Cap. 115. 

T 2 



292 e'uifacher salz. 

Soviel vom miiiifriu der .snhslaulivc. wti?, tlcti der lie- 
/ii^liclit'ii .'uljeclivf aiiuI |)i-oiioiniiia bclilft, so veislelil os 
sich, daU ilir |)1. niclil bloi) auf doii \i\. der snbst. crfolgl, 
sondern auch daiiu slall liat. wenn mehrere einzelne siihsl. 
zusanimengenomnien •werden, iiiervon ist schon vorliin bei 
dem geiuis geredet. 

Zu coHectivbcgrifren kann anlier dem verbo auch das 
]irädicierende adj. oder ))arl. in den pl. konmicn , \vährend 
(las begleitende adj. bei dem subj. im sg. steht. beispiele 
s. 192. 193: alla nianagei ijasaihvandans usgeisuödedun ; 
wurdun nialsca mödag folc. 

Der sg. des defectiven Interrogativs hat in der con- 
struclion zugleich den pl. zu vertreten: huer sinlun mine 
bruoder? (qui sunt fialres mei';') fr. tli. ]Matlli. 12, 4S ; 
ne -wiziut xver ir sint N. Bth. 227; xver sint die gesellen':* 
Nib. 350, 1; nhd. wir sagen nicht, wer wir sind. vgl. 
oben s. 278. 

Von viel eingreifenderen Störungen des natürlichen nu- 
merus bei dem pei-sönlichen prouonien soll sogleich das 
nächste cap. recheuschaft geben. 



iiüinen. prujiumeii. pers'öidicJies. 093 



CAP. III. PRONOMEN. 

EigeiUliche besliminuug des pronomens ist das nomen zu 
veiireleii, dessen besländige Aviederholung lästig fallen -würde. 
es ist die frühste und unenlbelirliclisle abstraction alier 
spiaclien, an die stelle der eigennanien und appellalive 
leichte und gefiige Nvöfter zu setzen, welche die lebendige 
bedeulung jener niäßi^^en und dadurch der Ireien rede den 
weg bahnen, ohne prononiina würde diese ganz unbehol- 
fen , und ohne hiutergrund bleiben , weil sich die näheren 
von den ferneren gestalten gar nicht sondern und hervor- 
hebexa könnten. die pronomina sind aber so alt als die 
Sprache eine geschichte hat, ja ihre ilexionen scheinen 
großenlheils nrfornien, die mit allen andern des nomens 
genieiuschariüch laufen oder ihnen selbst voran gehn. 

Auik'rdcni stellt nun dem prononien ein anderer beruf 
zu, den wir liistorisch verfolgen können: es ist allnialicli 
zum begleiter der llexion geworden , und zwar stützt das 
persönliche prou. die verbale , das demonstrative die no- 
minale. 

Aufweiche weise, und immer fester, das persönliche 
pron. sich an das veibum geschlossen hat, ist bereits im 
vorigen abschnitt s. 201 ff. untersucht worden. 

Im gegenwärtigen cap. wird die belrachtung dem per- 
sönlichen pronomen an sich selbst zugewendet werden ; in 
dem folgenden soll das demonstrative, voi/iiglicii dessen 
einduU aufs nomen zur spräche konnnen. das relative fällt 
iiiuncr dem melufachen salze zu, und geluhl eist in den 
dritten abschnitt. 



Das persönUche prononien erzeigt sich daiin noch sub- 
slaiitivisclier als die übrigen, daU es für die beiden 
ersten pcrsonen , wie für die dritte rellexive, der adjecli- 
vischen Spaltung in drei geschlechlcr nicht unterliegt, es 
läßt sich auch als subslanlivabstraclum lassen '*). 



'] diis icli, da.» liu, ein er, ein sie. ärauiin. 3, 312. 535. 



Oiji ei/ij\iclier f>(i/z. 

Es gibt nur drei pevsonen in der gianimatik, und iiiclil 
etwa noch eine vierte, aber tlic erste persou kann ßitb zu- 
weilen als zweite sel/.eii , die zweite als dritte gesel/l werden, 
jenes, wenn der mensch in gedanken sich gleiciisafji s|)altel, 
und ein gesprach mit sich selbst beginnt. daß schon bei 
den inhd. dichtem solche selbstanreden vorkommen, hat Ben. 
wb. zu Iw. 83 aus Iw. 3509. 6566 nachgewiesen. 

Des persünliclien pronomens nahes verliällnis zu dca 
eigennamcn erscheint noch recht frisch in der alln. pocsie. 
einigemal wird nachdrücklich der eigenname selbst, nicht 
das pron., gesetzt. Bragi sagt S;em. 61'^: mar oc ma'ki 
gef ec ther mins fiar, ok boclir thci^sva hangt Jiracji (ich 
gebe dir, und so büßt dir Bragi — so liüße ich dir.) 
Gerdhr sagt dem Skirnir: thar man ]\iardhar syni Gerdhr 
unna ganians (Gerdhr wird wonnc gewähren, d.h. ich) 
Sicm. 86'*. diese anwendung der drillen person statt der 
ersten wäre s. 253 anzumerken; sie ist aber noch heule, 
besonders unter dem volk, sehr im gang: nein, das thut 
Conrad niclit zz: das thue icli Conrad niclit; eli sich Mül- 
ler das gefallen laßt zzz eh ich M. mir das g. lasse, kommt 
wol in mild, gedichlen je diese redeweise vor? ich zweille. 

Umgekehrt verschweigt die altn. spräche bei dem dualis 
erster und zweiter person den namen des redenden und 
angeredeten, und drückt den des zw^eiten aus, der ge- 
meinscliaillich mit ihnen genannt wird. vidh Freyr be- 
deutet Siem. 84'': ich und Freyr. vidh llriintjnir = ich 
und Hr. Sfiem. 76'*. vidh Siijiirdhr = icli u. Sig. 229^. 
idh Gymir = du und Gyniir 84^*. thit Thiothrekr z= du 
mid Dietrich 237". So auch im obliquen casus : medh 
ockr Arna (mit nur und Arni); vinätta ochar Hdkonar 
konüngs stendr gruant (meine und H. freundschaft steht 
schlecht.) 

Da sich dieselbe art des ausdrucks aucli in der ags. 
poesie nachweisen läßt, so wird sie, meines erachtens, all- 
gemein deutsch gewesen sein, und sich erst mit der dual- 
form des pron. verloren haben, im travellers song 205 
ist zu lesen vit Scilling = ich und Scilling; Beov. 4000 
dteht der gen. uncer Grendles = mein und Grendels, so 
dürfte nun auch ein ahd. lied den Dieterich ausrufen las- 
sen: wiz Hiltipranl = ich und H. 

Altn. wird aber auch auf ähnliche weise mit dem phival 
der beiden ersten personen, und der dritten, die keinen 
dual hat, verfahren, hier darf neben der prononünalform 
ein eigenname im sg. oder im pl.stehn, z.b. ver JJnkon he- 



iiüinen. proiioinen. persö/iliches. 295 

deutet wir undllakon, verßaglar = ich und die Beglinge. 
lundr vor Bacjla = mein und der B. begegnung. their 
JIreidhar = er und Hreidliar; their Bell = er, nenilich 
.Freyr und Jjeli (Sn. 41); skildu Uieir iarl inedh vinatlu 
= er und der iarl trennten sich als freunde, kann, dem 
zusammenliang nach, das plural pron. dritter person nicht 
auf ein bestimmtes individuum bezogen werden, so pflegt 
es die hausgenosseuschaft, das gefolge des dazu gefügten 
singulareigennameus auszudrücken , z. b. their Karl =z 
Kari und seine leute (Nials saga p. 312); theitn Sifjtirdhi 
r= ilini S. und seinem gefolge *). 

Alle diese gedrängten ausdrucksweisen ist die spätere 
spräche in das singulare pron. und die conjunction aufzu- 
lösen gezwungen, in der alten forme) ist keine ellipse, denn 
so gut vit: ich und du, bedeutet auch vit Scilling: ich 
undScilling, oder wenn man will: ich und du Scilling. 

Eine andere altn., sehr eigonthümliche bezoichnung des 
persönlichen pronomens durch das possessivurn, beim 
ausrufe zumal dem scheltenden und sclnneichelndeny 
haben beide neunordische sprachen in lebhaltcsler Übung er- 
halten, das verbum pflegt dabei in dritter person zu stehn. 

Sfxiin. 76^ heiLU es: scylda cc launa köfforsveini thi- 
notn , ich sollte deinem kobold , deinem kneclil , lohnen, 
d. h. dir selbst, du kohold! wie auch die lat. Übersetzung 
richtig tibi pusio! wiedergibt. eine andere gleich merk- 
würdige stelle lindet sich forum, sog. 7, 127 : tliu rciddisl 
konüngr ok maelli , alUUarfr er thiojrinn thinn , er thi\ 
talar svu til vär, kühn ist dein dieb, daß du so mit uns 
redest, d. h. du bist kühn, du dich, so mit uns zu reden. 
daU die schelte wirklich so verslanden weiden muß, ergibt 
die antwort: ckki hefir ek ihal nafn hall iicrlil at heita 
thioir (nie habe ich bisiier ein dieb gelnilU'n.) es wird 
nicht an mehr stellen fehlen; noch hat sie niemand ge- 
sammelt oder zur erläulerung des schwcd. und dän. Sprach- 
gebrauchs verwandt. 

ich wähle beispielc aus vulkslictlorii , oder aus dichtem 
wie Ilallman und llolberg, die der lebeiuligen spräche an» 
niäclitigslen sind. 



*) (lies t/ieir Si^iirdlir ver\ve.«;lislf. mau iiiclit mit dem im simi, iilier 
ii'h.lit in der constnictioii zulrclVeiidi'H dir l'.nnrulids (s. 2(51); l'lrm 
riclies ist der gen., Si<;iir<llir der ikhii., und tlioir Si^iirdlir s!i|^t <;rii;iii 
gefalU: sie (^die Icute und) Si<^iirdlir. der untiMscIiied beider fülle 
cigil>L hielt aiicli ilaiaus, das unser die »lomon.^tiativ ei natur ist, da» 
altu. ///ff/ aber den |d. des personl. pron. erselzl. 



>2(jQ einfacher satz. 

gcliwed. min Rtakare! (ich armer!) min gamlc narr! 
(icli aller narr!) diu ganile tok ! (du alter narr!) din ganilc 
loilörarc ! (du alter verliilirer!) din stygga ! (du liiißliclie !) 
diu slyna! Ilallni. p. 100. Ihre s. v. shina.) din (jolla! (du 
gecUiii!) f//uut;icka! (du garstige!) r//u n.isp.'irla ! (du nascfi- 
perle!) dilt nüt! (du rind !) ditt doniedags nül! (p. 322.) 
dit fjcdl! (du geck !) dit ]iainpelroIl! (p. 317.) nlcrk^viil dig 
zuweilen mit boiliigung des pcrsnnl. jirononiens : dti din 
krinniül! (p. 132) du din pedant 1 (p. 153.) 

diin. din lille engel! (du kleiner eiigel!) fort din litnid! 
(fort du hund!) din dumme huiidl diii doviie slingcl ! gid 
du faaer en ulykke din slingel ! jpg kjcnder dig nok, din 
spotlcfugl! (du spollvogel!) ei din uforskammede ktiegtl 
meener dit beest, at du er paa landet';' din forlvivlede 
skielm! skain saa faae din skallede munk ! Dv. 1, 16'J ; 
skiilde jeg lijelpe din arrige höre! Dv. 2, 41. 

keine andere deutsche mundart zeigt die geringste spuv 
dieser conslruction. denn in die nordfriesische ist sie oll'en- 
bar eist aus Diinmai'k her eingedrungen; Hansens geizhals: 
din rakker! din tumperdt! din arem stakel ! din fenneu! 
din arem ding! din aalken! (p. 21. 22. 55. 56. 61. 88.) 

die mutmaßung (mylhol. 509), aus der Vorstellung von 
folgegeislern , auf die lob und tadel falle; sei die gramma- 
lisclie eigenheit zuerst entsprungen, hat mindestens den ed- 
dischen kögrsveinn für sich. und Nvie lieUe das verbuni 
dritter person sich sonst begreifen? es ^väre ein dem alter- 
tluini auch bei andrer gelegenheit nicht fremder eupliemis- 
mus. wie der geraden nennung eines gefahrlichen namens 
M'urde der unmittelbaren sdielte ausgCNvichen. daneben 
mangelt es auch nicht an beispielen des geraden und di- 
icclen ausdruckst thegi ihn , rüg "vaJttr! Saun. 68^; ligge 
du der, du fule spaakvinde! Dv. 1, 119; und Avahrschein- 
lich folgt das volk in Schweden und Dänmark noch heute 
einem unterschied in der anwendung von du und din ! 

Den mhd. dichtem ist dagegen eine andere, gleichfalls 
durch das possessiv bewirkte, verstärkende Umschreibung 
des persönlichen pronomens geläufig, das subst. Kp (corpus) 
wird zu 43m possessiv gefügt. 

beispiele: sl jähen, daz gesunder unser deheines lip 

nimmer ze lande kivme Nib. 1529, 2; Sifrides Up (Sige- 
fridum) Nib. 982, 3. 980, 4; Dietriches lip Nib. 1687,^2; 
niissetät, die vifn lip begangen hat (ich begangen habe) 
Freid. 13, 18; ez bekuHibcrte minen lip 1\t. 345; got 



tiomen. pronoinen, persönliches. 297 

hazze sinen h'p I\v. 2262; mir riet ez laiuwau min selbes 
Up Iw. 2348 (das folgende übe, oliiie possess. , bedeutet 
aber nicht dir); nu durch wen mülile ein frunier man 
geruer wirdcn shien lip? Iw. 2860; beiianien sime Übe 
VJ-eude und den sin l\v. 3214; ahle niuwau üf sin selbes 
lip Iw. 3226; min h'p w;ere des wol wert Iw. 3995; 
dnz er niemer sinen lip beslaitet ze holiernie werde Iw. 
4203; w.Tre si sime Übe gelich Iw. 4208; er wart sime 
l/bc ze dicneste gekeret Iw. 4401; daz als unwerliaft ist 
mi}i lip Iw. 5650; des was ir lip so ungewon Iw. 5789 ; 
ez ist an sime libe gar Iw. 5911; ir einer Übe (ihr allein) 
Iw. 6810; des oucli sin lip Aveiiec genoz Wigal. 1202: 
daz ir der lierre was liep alsani ir eiijen lip Wig. 1347; 
dar i\f was sin lip bereit Wig. 3430; iuivern niinuocltchen 
lip Wig. 8763; tlin selbes lip INIs. 2, 250»; iuiver lip 
ist ungeseit (ihr bleibt unvermeldet) Ben. 388. ninl. te 
dinen live (dir) Floris 1329; te minen live Floris 3444. 
auf ähnliche weise bedienen sich die allfiauz. gedichte 
des Wortes Corps, und mon Corps bedeutet ich, ton corps 
du , u. s. w. es mag aber eine viel allere , echtdeutsclie 
rcdensart sein , die auch sclion in aiid. quellen zu finden 
ist: ioli laz thcf::, Hb minaz in scuni riclii thinaz 0. IV. 
31, 20 *). 

einigemal dürfte man dem subst. hant verwandten sinn 
beilegen: sin hant (er) Iw. 743; nigen siner hende (ihm); 
ze buoze siner hende stän Troj. 18070 ; obgleich hier, 
aul^er der sinnlichen bedeutvuig, die von gewalt in an- 
sclilag kommt. seine tapfere band hat die that voll- 
bracht, vor seiner gewalligen band wird sich geneigt, in 
seine band soll die buUe entrichtet werden. 

Noch andere das einfache pron. verlrelende ausdrücke 
sind aus stolz, demut oder unterwürfigkeil hervorgegangen, 
und haben sich, luilcr verschiednen standen, zum tlieil als 
litel geltend gemacht. 

so verknüpfen sich nu't possessiven, oder auch mit ge- 
nitiven, die subst. mnjestiit, hoheit, dnrchlaiicht, erlaucht^ 
gnade, lieb de , heirlichkeit , streinje, feste u. a. ni. 
gnade sieht gern pluraliler: iuivern (juatlen si genigen! 
Gregor 1510; ebenso das span. merccd , mercciles, und 
aus vuestra merccd erwuchs die abkürzung usleil. ei/.^re 
iveisheil! euere wolweisheit! viil. ßil. 15^: des Ijilcrolfcs 



*) niirli im cliines. steht kong (Icil)) für das jiroii., w^o kong (nici 
corpus) = icli. 



298 einfacher aalz. 

Nvtsheit *). euer slrenij oder (jestreufjl goi griiik' des 
lieireii vesle ! 

beselieiden lioiUt es: meine weiiiffheit für irli. frlioii 

0. tinsii srnd/iH nidiri ad Lud. 26; lliiti m/nes selbes 
nidii'i ad Jlarliu. 155. 

Die Jil. nuiiidart pllegt dem persünliclicn proii. im \A. 
gern das subst. Uede , Heden (gr. 1, 693) als Verstärkung 
bpizufügen. da scliou iniil. hem Heden filmen) Floris 3778 
vorkommt, so ergibt sich mindestens, dali es nicht auf 
die zweite i)erson einzuschränken ist. allerdings unterscliei- 
det sich der dat. sg. hem (ihm) von dem oft gleitlilavilen- 
den pl. hem (statt lien, ihnen) durch ein Joizlerm beigegebnes 
lieden, M'ie das nnl. den sg. vertretende gij (tu), u (tibi) 
von qijHeden (vos) tiHedeii (vobis.) das war aber nicht 
der giund seiner ein Führung. eine gewisse analogie hat 
das span. nosotros, vosotros und fianz. uous autres, vous 
autres. 

Ausführlichere darsteUung fordert die gcschichte der in 
j;e wissen fällen an den platz des sg. eintretenden hijfischen 
plnrulformen (pronomen reverentiae.) 

Die goth. spraclie, soweit wir sie aus Ulf. kennen ler- 
nen, weit^ davon noch nichts; sie bedient sich, gleich der 
gr. luid lat. überall des naturgemäßen sg., aber auch in 
den ahd. Übersetzungen aus der heil. Schrift findet sich gar 
kein anlaß zur anrede vornehmer weltlicher. Dem hei- 
dcnthum genügte sicher in allen fällen der sg. erster und 
zweiter person ; das bezeugen auch die noch in späte zeit 
hinabreichenden acclamaliouen. 

dem könig oder beiden rief das volk einfachen gruft 
zu: hails thiudans! Job. 19, 3 (hails thiudan ! Marc. 15, 
18.) heil herro, heil liebo ! Pertz 2, 87; wola herro , hello 
gnadtgo! gl. trev. 19 **) ; hcl ves! Diut. 2, 193^'; heil sistu 
keiser here ! pf. Chonr. 711; ags. ves thü hal B. 808; ves 
hal hlaford cyuing! redet Hengests tochter den Vortigern 
beim schenken an, und er versetzt: driuc hal! alln. lillhu 
heill konuugr! Stvm. 174^; sittu allra konünga heilaslr! 

01. helg. cap. 78: komlhu heill! Sann. 146«; heill tiiu nü 
Sigurdhr! Sa^m. 189«; sit heil fru! Sann. 200; heill herra! 



") O. IV. 19, 41 thiu sin tliulti, vom duldenden Iieilaiid ; IV. 20, 
1 1 tlies argen willeii lierti (die böswilligen.) 

**) lierro! zwischen adj. in die mitte geuoiunieu; so im Renner 
18960 \rö lierre vrö! 



iioinen. prouoinen. persunlicJies. ogQ 

fornm. sog. 11, 276. Selbst uuter den unsterblichen galt 
dieser heih'uf: heilir lesir. heilar asynjor, ok üll ginnhei- 
liig godh! Saun. 61*; heill tliü farir, heiU tliü aplr koniir, 
lieill lliu äsyniom ser! Saun. Sl''; lieill tliü nü Vaflhrüdh- 
nir! Sa^ni. 31''; heill herra ! Vilk. saga cap. 100. man vgl. 
das bloi^e heilo ! (Zeuo 870) und heil alle! (gr. 3, 297. 
RA. 877.) 

für gott und göttliche wesen waren die ausdrücke 
truhtin und fru vorbehalten. dabei ist benierkenswerth, 
daß in der formel fro min !, auch wenn sie aus dem 
munde vieler kam , der sg. des poss. behalten und nicht 
durcli iinsar ersetzt vs^urde , gerade wie bei der anrede 
monsieur, madame ! kein notre nöthig wird, so oft sie im 
iiamen mehrerer geschieht, frö inhi the guodo! quedat 
sie Hei. 134, 15; quädun waldand fru min! Hei. 148, 
13 *). umgekehrt gilt dieselbe formel auch für den fall, wo 
mehrere angeredet werden: Jro min, s6 ih iu (vobis) re- 
dinun, sagt Maria zu den engein 0. V. 7, 35 statt fröhon 
mine! doch dies bildet nur eine ganz einzelne ausnähme. 

Die erste eingreifende verrückung des numerus beim 
pronomen kann nicht unserer spräche selbst zur last gelegt 
werden, sondern ist ihr von auUeuher zugebracht worden. 

In den canzleien der gothisclien , fräidvischen und deut- 
schen künige pflanzte sich der rünüsche oder byzantinische 
geschäflsstil fort. 

so wie Constantin, Theodosius, Justiuian ihre impera- 
toria majestas dadurch bezeichneten, daU sie von sich re- 
dend pron. und verbum in» pl. gebrauchten ''"), thaten 
Theoderich, Pipjjin , Carl luid alle nachfolgenden. ver- 
schieden , und noch älter ist der pl, der Schriftsteller, die, 
den leser in gedanken habend, sich gleichsam mit ihm zur 
mehrzahl vereinigen **'•'). schon imsere frühsten lateini- 
schen auloren , Jornandes und Grcgorius, pllegen dieser 
Schreibart, und seltsam ist es, wie der letztere mit dem 
sg. vmd pl. Tuimittelbar liintereinander wechselt, z. b. lii.^l, 
Franc. 9, 6: atque in loco , cpio ttjo stare eram suliUis, 



*) vergleicilbar ist: Gernöt iinde Gisellier sprächen: swoster /////// 
Wl). 990, 1. 

") man seile den tlieodos. codex , das proo^miiim iiK>titiit. , Tlioo- 
dericlis briete l)ei Cassiodor u. s. w. 

***) das rocer.senten wir folgt aber daraus, dal) sie im nnnien «ler 
redacti(»ii oder der bernusgebei sclireibcn, und das ich einzelner cii- 
tiker ist also keine besclieldenlieit. 



300 einfacher huIz. 

tiiit ac 60|)()re \iii(>f|iiü oppri-ssiis ohdoniiivil : hos vero 
itjiiari facti, media aunji'Hli's nocle ad red'lcmlas lUjiiiino 
yralias, inv(^iiiitms emu dorniiciitem .... sed ncc nus ... 
polueranuis ... dchiiic cxcusalmii rtddidi eaceidoli. AII- 
Dliilich drang diesei- pl. vor in die schreiben der biscJiöfe, 
übte, herzügc , liirslen, grafou und Ireiherrn *j. 

Mil der crslen person hat also der unnaliirliche pl. 
ant;olioben ; haiiptaiigeninork der unlersiicluing bleibt, wann 
sich ihm gegenüber ein enlsprecliender pl. der anrede ent- 
iallete i.' 

Da die köiiigc bloß in Ihren förmlichen ausferligmigen 
des pl. sich l)edieiilen , niclit leiclil miiiidh'ch **) , so wird 
auch die lebendige rede im gespräch mit ihnen langer des 
pl. überhüben gewesen sein. bei Gi-egor gilt nocli tu für 
köiiige und künigiiinen , Jornandes cap. 57 legt dem goth. 
Theodericlj in der i'ede mit Zeno , den er pietas vestra 
betitelt, bald den sg. bald i\c\\ pl. in den mund: diruje 
cum genta mea, si pruecipis ... expedit namqne, nt ego, 
qui sum servns vesler et lilius, si vicero, vobis donanti- 
bns regnnm illud possideam. Im neunten jh. scheint lat. 
S(hri(l?tellern das irzen der könige geläufiger, merkwür- 
dige beispiele an band gibt der monachns saiigallensis (zwi- 
sclien 884-887) in den gestis Karoli : donüne, lioc in dei 

nutu et polestate vestra situm est obsecro , doiniiie 

dnlcissime, nt detis episcopalimi illum fideli famiilo vestro 
(Pertz 2, 732j ; darauf aber: domine rex, teile fortiludi- 
nem tiiam, ne potestalem tibi a deo collatam quisquam 
exlonpieal (das.^ ; justum est donune , ut quocnnque vos 
veneritis , omnia expurgentur (73ß); domine, ila estis in- 
houorali y sicut nunquam anteriores veslri (749); obsecro 



*) nicIit gleichzeitig mit der anwendiing des pl. im contexl ist 
die eintülirung des pl. proiioiiieiis vor dem eigeniianieii gleich im 1)6- 
giiiii der Urkunde, die ältesten diplome der nieroviiigisrlien , cnroliii- 
gisclien, sachsisclieii, fränkischen kt/iiige lieben h\o'i\ an mit L)agü!)ertus, 
Carohis, Otto, Henricus. so viel ich sehe wird erst im 12 jli. ein 
no.'i vorgesetzt, ef^o, aucli in priraturkunden schon in der frühsten zeit, 
die älteste deutsche urk. von 12-10 fängt an: wir Cuoiirat. in Höfers 
samlung n° 2 von 1248 ich Arnold, u° 5 von 1261 ich Chuonrat; 
n° 6 von 1261 icir Engeihreclit, n° 8 von 1270 «'ir Rorich. bei 
Schöpflin Als. dipl. n° 24:$ von 1117 es:o Diepoldns ahbas, n° 247 von 
1120 ef^o Bertha, n^ 252 von 1125 ego Bnrcardiis, n" 637 a. 1266 
uir Heinrich bischof zu Stralii)urg; n° 65;> a. 1269 uds Henricus 
episcopus. neben dem ego des tltels kann aber sonst in der uik. der 
pi. gebraucht sein. 

**) in dem feierlichen eidsch-.vur von 842 reden beide küiiigc im sg. 



iwuieii. pronouien. persutiUches. 301 

domne Iniperalor, ut secuiuUun proniissioneni vestravi cau^ 
cedutis mihi unaiu pelicioncui parvulaiu (das.) 

Es verdient anfmerksamkeit, \vie sicli die lateinistlien 
zur zeit des 9. 10 und 11 jli. von Deutschen verfaßten ge- 
dichte in dieser beziehung verhalten. Ekkeliards \\ altha- 
rius lälU üspirn ihren köiu'glichen geuialil mit vos anre- 
den : idcircoquc meani peipeudite nunc rationem, cunique 
primuni veniat, haec illi dic/te vcrba (129. 130); quod si 
eonipletis , ilhim stabilire potestls (139); ATalthai-ius gibt 
dem Attila vos (304) , Hagano hingegen dem Guniharius 
tu (572. 615. 1067. 1094), und alle kämpfenden beiden 
duzen sicli. Im bruchslück von Ruollicp erhalt eine frau 
vos: in qua, si vultis , rithmos modulare ixdetis f34) ; 
Schmellcrs vollständigere ausgäbe \vird mehr beispiele lie- 
fern. Auirallend, daU die späteren Iseugrinus und Reinar- 
dus nur den sg. der anrede^ auch gegen den künig, ge- 
währen. 

Unter büilingen und gelelirt gebildeten -wurde nun der 
fremde pl. der anrede gewis schon frühe iu deutscher 
zunge versucht, zeuge dafür, statt aller, ist unser jejiem 
Sangaller noch um zwanzig jähre vorausgehender 0., des- 
sen Widmung an bischof Salomon bereits den pl. durch- 
führt, wie sich seine lat. vorrede an erzbischof Luilbeil 
des vos bediente. lekza ih tlierera buaclii, sagt er, iu 
senlu in Suaboriclii , Jhaz ir irkiasct ubar al , oba siu 
fruma wesan scal ; mir wanui ihio iö (vestrae) vvizzi iu 
ofto lilu nuzzi . . . oflo irhuggih muales tlies managfaltcu 
guales, lliaz iv mih hh'liit harlo u. s. w. zwar liaben 
Sladens und Schillers lal. Versionen diese pl. bcil)elialten, 
gleich als wäre nicht Salomon selbst, sondern die kostcnzer 
geistlichen gemeint; aber mit großem unrecht, wie schon 
die auf Salomon allein gehende Überschrift, und auch der 
übrige iiihall dailiiul, Otfried wendet sich bloß an seinen 
persönlichen lelirer. Aus Nolkers Schriften weiß icli kein 
gcgenslück, er übersetzt nur, eignet seine büclier nieman- 
den zu; da er aber in einem lal. briefe den abt von Sitten 
irzt *), warum hätte ers in deutscher spräche niclil gethan? 

Hieraus ergibt sich nun, daß die anrede mit dem pl. 
zweiter person wenigstens seil dem neunten ih. unter ge- 
wissen stäntlen in Deutschland ül)Iich war, uml nicht eist 
aus dem spätem cinlluß der romanischen poesie auf die 



*) gütt. aiiz. 1835 \K f)11. 



302 einfacher aal'^. 

unsrige erkliirl wcM-deii il.nf ^). iiiilci- dem f^aiizcri vülk 
halle sie sich ahcr schweilich sclioii vcrhroitel. f^eider 
reichen die üllVicdischen slelleu iiiclil aus, und von (k'id<- 
inälern des 10. 11 jh. in dieser hinsieht sind wir ganz 
vcilasscn, um uns über einen wichtigen unterschied auf- 
zuUl.ircn, welcher für die äUere und spätere synlacti^clie 
conslruction dieser anrede bestanden lial. icli niuU die>se 
verschiedenheil, eh ich weiter gehe, anzeigen. 

jene stellen aus Gregorlus luid den) monaclius sangall. 
weisen, dali zu dem [)l. pron. nicht allein das \erbuni, 
sondern auch das adj. und pari, im pl. gefügt wurde: nos 
i(inavi, vos eslis inhonoratl, und das erscheint dein gram- 
matischen gesetz angemessen, die liciilige romanische spräche 
verbindet aber mit dem den sg. verlielenden j)l. pron. der 
aurede zwar das verbum im pl., das priidicierende adj. oder 
part. hingegen im sg. , z. b. fi-aiiz. vous eles certain (cer- 
tus es), vous ötes certaine (certa es); vous avez ete aimc 
(amatus es) , v. a. ete aimee (amata es), ital. c|uando siele 
ritornato (quando reversus es?) quando siele ritornata? 
(quando reversa es?) hier wird nach der bedeutung. frü- 
her wurde nach der form conslruiert ; man gewann dadurch 
eine Unterscheidung von dem pl. pron. des wirklich plura- 
len begrifs: vous etes certains (cerli estis) vous etes cer- 
taines (certae estis); siete ritornati (reversi estis) siele 
riiornate (revei'sae eslis.) warum aber im prät. unterschei- 
den wollen, da das pras. es niciit kann:* da vous aimez 
so wol amas als amalis, voi riiornate sowol reverleris als 
revertimiui ausdrückt ? 

Das worauf es hier ankommt L^ßt sich weder am nhd. 
ilir seid (jelieht erkennen, noch am mhd. ir sit (jeminnety 
weil diese part. unveränderlich geworden sind, und ge- 
nus und numerus nicht mehr anzeigen (s. 1.59.) ahd. 
ist aber ein kiminuuler (amatus) kinnunutiu (ama- 
ta) kiminnut^ (amati) kiminnolu (amatae) ausdrückbar, 
,und nun fragt es sich, wie 0., was uns seine slelleu 
nicht lehren, ein hößsches vous ^tes aime, vous etes 
aimee gegeben haben würde? entw. ir Sit ginünnu- 
te , giminnolu , oder ir Sit giminnuter, ginünnoliu ? 
(wo er nicht schon, nacli mhd. art, überall ein abgestumpf- 
tes giminnut vorzog.) ich mutmaße den ersten dieser beiden 
fälle, da der sangaller niünch olfenbar amati, amatae estis 



*) noch Reinh. CXI setzte ich den Ursprung des irzens ganz 
falsch ins 12 jli. 



noineii. pronoiiien. persdnUcJies. 303 

halle sagen niüsseu, nicht aiiialiis, aniata estis. Im 10 jh. 
scheint aber schon jene romanische construclion aufzu- 
konunen. 

nur schwache imterslützung gewälirt dieser ansieht vor- 
erst die stelle eines (aus lat. und deutschen versen gemeng- 
ten) gcdiclils des 10 \\\. (Iloilm. fundgr. 341, 10): rvili- 
cumo sid gi nii (bene veiicrilis.) gl sid nehme ich für den 
liüfischen pl. , wobei schon der sg. wilicumo steht; der 
wirkhche pl. liatte wilicumon gefordert, vgl. Nib. 517, 1 
wo B liest: sIt willehoni, lier Sifrit. oder läiU sicli ein 
im pl. unveränderliches wilicumo erweisen? auch Alex. 2836 
steht der uiillcctierte acc. sg. : hiezen in 'ivillecome shi. 

Diese jüngere, für die ahd. spräche noch näher zu be- 
weisende, liir die romanische völlig erwiesene construclion 
nach dem sinn ist ein aulFallendes beispicl zu den aus- 
nahmen von dem grundsatz der congruenz des numerus. 

Ich kann nun fortfahren und die mhd. Verhältnisse des 
höfischen pron. entwickeln. 

Das majestätische wirzen ist In der poesle des 12. 13 
jh. überall gemieden, weder Günther und Etzel in den 
Nib., noch Nobel Im Reiiihart reden im pl. Einige ge- 
dichle des 12 jh. enthalten sicli aucli des irzens : die be- 
arbeitung des ersten und zweiten der bücher IMoses (in 
Diut. 3), Wernhers ]Maria und pf. Conrads Karl, jene 
beiden aber offenbar des Inhalts wegen: da alle lat. texte 
der lieiligen schrift nur den einfachen sg. gebrauchen, so 
Jieli sich hier nicht das gepränge welllicher höllichkeit an- 
wenden, im 13 jh. imd später wird es ebenso wenig einem 
dichter einfallen, den heiland oder die mutier goltes mit 
ir anzureden, auch Kudolfs Barlaam, und andere gedichle 
des 13 jh. von diesem schlag, sind olme ir , dem jedoch 
Keinbot in seinem riltemiäüigen Georg eingang geslattea 
konnte. Was den Karl belrift, so wird pf. Conrad sich hier 
genau an sein welsches original gehallen haben; der um- 
arbeitende Slrikcr durfte irzeu lassen, z. b. 12* 15**, wo 
der dichter des 12 jh. 425. 448. 711 du setzte. Allen 
übrigen diohlungen des 12 jh., wenn sie welllichen, ritler- 
lichen slof bchandehi, Ist das irzeu gemein, der kai- 
serchronik, tlem Alexander, der lüieil, dem Uothcr, MiU 
liarls 'l'rislan , u. s. w., obgleich sie es seltner luid un- 
geregelter verwenden, als die mhd. poesle des 13 jh. 

Die liau|itregeln für den damaligen gcbiaucli des du 
und ir nebeneinander *) scheinen nur folgende. 



*) 'iclia weiz ob kii dicli />- gder tiuz' ln:i[\t es in einiMii im- 



30 i eiiij'achcr salz. 

1. gogensciligos duzi'u gall uiilcr seitenverwandlen. 
Avie die si|)|>c oiii r(!cli( aii( Uns '•'), auf l7-aiicTlraclil , auf 
\Yoi-g('ld giiindelo, gaben und naiiinen gescliwislei' '.ind gc- 
schwistcrkiiidcr dn. Parz. 74'J, 17 .'verlangt Fcirefi/. \on 
dem wiedereikaiiuleii bruder: du soll nibt inere irzen 
niicli, Mir holen bed doch einen valer; Parzivai weigert 
sich ihm als dem alleren und reiclicren duzen /.u hieltn^ 
erst spiiler als Fciredz laufe bcgclirl, Paiz. selbst durch 
den gral reiclier geworden ist, sagt er: ich mac nu -wol 
duzen dich (Sl4, 19.) Albr. Tit. 13, 107: nein herr also 
iiiiit sprechent, si ez an iuwern liulden, dnz ii- an uns 
iiihl brechent jnil itzen nähe sifjpe, die \on schulden 
duzende iuwer imint liie solle bieten. als Pajzivjil auf 
8igune, seine niflcl, slölU, irzt sie den unerkannten, duzt 
i\on erkannten Parz. 250. 251. 2ö2. Iwein duzt seineu 
nofFen Calogreant l\v. 807 , die schwcsler ihre Schwester 
l\v. 5644, Gernöt und Gisellier die Iviicinhild JNib, 990, 2. 
1018, 3. die künigswiirde macht einen unterschied, Kriem- 
liild und Gernot bieten Giinlliern ir JNib. 287, 3. 346, 1. 
er aber Kriemhilden ir 351, 1. 986, 3, zumal als siegen- 
der künigin 2300, 1; sonst du 982, 1. Arlus und A\ iga- 
lois , obschon neuen, geben einander ir Wig. 11492: den 
jieH'en Gawein nennt Arlus du Iw. 7723, und den "\"\ ulf- 
liart Diclerich Bil. 8144. ähnlich ist wenn Willelialm seine 
Schwester, die künigin irzt Wh. 166, 28; Alisen aber, 
ihrer tochler seiner niftel gibt er du 156, 6 und sie ihrem 
üheim du 157, 10; auch die künigin ihm dem bruder du 
175, 1. W'illielm und Arnalt, die bruder, tltizen einander 
119, 17. 19. 

1. eitern gaben den kiuderu du^ der vater empfieng von 
Sühn und tochler ir , die mutler vom söhn ir , von der 
tochter gewühnlicli du, weil zwisclien muller und tochler 
grüßere Vertraulichkeit fortdauert. das gedutzlwerden der 
kiuder bedarf keines belegs. Alexander irzt seinen valer 
Alex. 403; Flore vater und multer 2663. 2520; Siegfried 
vater und multer Nib. 60, 3. 62, 3; die toclitei den vater 
arnj. Heinr. 248, 28. Wilhelm bietet seiner mutier Irm- 
schart ir 161, 11. 174, 26, sie ihm du 160, 26. die kü- 



Kednickten gedieht von der {];rasmeit; wie Iieiite: ich weiß nicht, wie 
icli ihn anreden, betiteln, wohin ich iiin thun soll. 

*) ähnlicli dem röni. jus osaili unter cofjnaten und affinen : die in 
mdga waren kustens au den munt iNib. 1233, l ; cognatum oscn latus 
est. Wippo p. 465. 



nomeii. pronomeTi. personUches. 305 

nlgiii ihizl Ihre mutter Wl). 168, 8; Alise ihre miilter 148, 
19. 174, 15; die tocliler ihre mutter, arm, Heiur. 249, 38. 
254, 9. fragiu. 22^ 2^^; tlo^h Kriemhild irzt fraii Uoten 
Nib. 15, 1. Diellieb als kiiabe irzt seine mutter Bit. 2078. 
2111, l)eim abschied duzt er sie Bit. 2265. -warum nennt 
Gyburg ihren vater du} Wh. 218, 2. 

3. ehleiite irzen sich. Marke und Isut Trist. 13687. 
13695; Iwein und Laudine I\v. 2935. 8122. 8133; Parziväl 
und Cundwiraniurs Parz. 223, 17; Mores eitern Flore 
893. 940. 1451. 1915; der französische künig und die kü- 
nigin Wh. 169, 21. 180, 8; \^ igalois und Larie Wig. 
9886; Etzcl und Rrienihilt Nib. 1341. 1342. 1344; selbst 
in der thierlabel Isegrln und Hersant. doch Wilhelm duzt 
Gyburg 90, 2. 92, 25. 233, 10 und sie ihn 103, 9. 104, 2. 
232, 16. 234, 24; einmal irzt sie ihn auch 91, 27. Helche 
und Etzel duzen im Bit. 1760. 1766. 

4. liehende , minneiverhende nennen sich ir, gehen aber 
leicht in das vertrauliche du über Flore 1075. 1107. 1119; 
Gudr. 661. 662. in minneliedern wird meistens du an- 
gestimmt: einer fraget Khte nu, war unibe ich dich heize 
du? dast von rehter liebe; frouwe S))rich , hab ich dar an 
iender missesprochenV daz laz ungerochcn, wau ich mac 
des lazen niht. Ms. 1, 58^ 

5. der tjeriiiijere gibt dem höheren ir und erhält du 
zurück, in der keiserchronik duzt der pabst den kciser - 
und wird von ihm (jeirzt. sonst gebührt allen königen 
imd fürslen pl. der anrede, auffallend duzt lUidiger Elzelii 
Nib. 1093. 1096. 1097, dann irzt er (1099.) war jenes 
noch älterer slil im epos? auch gegen T3ielrich gehl Rüdiger 
aus dem ir üljcr in du Dictr. 4763-73 u. s. w. Der konig 
mag jeden ihm untejgcbncn füislen und diLiislmann du' 
zen , z. b. Günther den Hagene Nib. 84. zwischen jedem 
fürslen und seinen leuten wiederholt sich dasselbe ver- 
liällnis. dicner werden vom herrn , dienende frauen von 
der herrin stets geduzt, z. b. Brangiene, Lunele von Isöt 
und Laudine. 

6. zwischen ^/reMJtr?en und gesellen gilt du^ Parziväl und 
Gawan unbekannlerweise irzen, sobald sie sich erkennen, 
duzen Parz. 303. 304.305. Nisus duzt En. 6532. 6537, als 
aber Euryalus tjeirzt liat 6562, irzt auch Nisus 6583. 
Ifnrlmann \\\\\\ Iwcin und Gawein überall irzen Iw. 7476. 
7570, ein zeichen hö/ischer riller. einer suchte dem an- 
dern es darin zuvorzuTliun : mit irzen si du beide ein an- 

U 



3()6 eiiif'aclicr satz. 

der hohen piis iiii wollen niören. 'I'it. I.'J, 108. I's glhl 
liiei' nianclic aljNveichiiii^^cn , iiacli jedes gcdiclils hc&oiidror 
art. die hmgiindisrheii helilcn, aulier ihrem ktini:: (Nib. 
82) iKul dem IitukUmi .Siegfried, (7(i. 10.5. 123. tl>r,j irzen 
keinen der genossen, das sclieinl tibenx'äl des volksin.ilWgeii 
elcinenls (vgk Wallharius ol>en s. 3ülj, mit welcliem sich 
hernach das höfische zu misclicn snclite , "svas luUerscfiei- 
dnngen crscliwerl. nacli Ladimanns Jjcnierkung irzen sicli 
Günther und Siegfried im echten lied , ihr duzen kündet 
Überarbeitung an (jAib. 312. 313. 331. 332. 33S-41.) Sieg- 
fried fallt gegen Giüilher aus ir in du (100. 112. 113); 
dem Hagene gibt er iv (121), dem Ortwiu du (117.) 

7. frauen , geistliche wnA J rem de erliallen ir. dafür sind 
frauen und geislliclie gegen geringere leicht hölliclier, als 
niiinner luid wehliche. (lüdigers tochter irzt den boten 
(Rl. 1590), auch Tilgriu (Ivl. r712. 1729); doch rHÜnhikl 
gibt ihm du (Kl. 1807.) Alexander irzt einen fremden 
mann des Dariiis Alex. 2396. 

8. personificierte wesen werden vom dichter fjeirzt, z. b. 
frau JMinne, trau Abenteuer Parz. 294, 21. 433, 1 ; sie aber 
duzen Iw\ 2974. Parz. 433, 2. ungelücke, waz ir mir lei- 
des tuot ! Alex. 3065. doch dem Tod wird der anruf dal 
Flore 2347, wie dem träum Iw. 3549. 

9. das geraeine volk hat noch gar kein irzen unter sich 
angenommen , sundeni bleibt beim duzen stehn. 

10. leidenschaftliche, bewegte rede achtet der sitte niclil, 
vind entzieht bald trauliches du, bald hüliiches ir. Si- 
gune, ihrem nelfen zürnend, iizt wieder, und behandelt 
ihn damit fremd Parz. 255. Ilildebraud, der seinen schwe- 
slersohn Wolfh.irl überall duzt, irzt ihn schellend Bit. 7892. 
10020; Dielrich im zorn nennt ihn gleichfalls /i- Bit. 8144. 
12443. Kriemhilt und Prünhilt, einander verwandt ge- 
wordeji, duzen (759. 760-773J, aber nach der enlzweinng 
irzen sie sich (789. 790), im zorn dtizt Kriemliilt wieder 
(792.) in gesteigerter stinnnung geht Dietrich aus dem ;ir, 
mit welchem er Etzeln anredet (Kl. 521. 575) in du über 
(526. 593); ebenso irzt Ilildebraud Dietrichen (Kl. 715), 
im alTcct duzt er ihn (Kl. 765. Bit.7959. 8067. 9301.) auch 
den königsbruder Geruot scheint Hagene im iirger zu duzen 
(Nib. 120, 2) und als sein lebenseud,e naht, duzt er Kriem- 
Lüden (2307, 3.) in heftigem zorn nennt die künigin den 
Keii du Iw. 137, den sie sonst irzt (^38.) Doch die schel- 



nomen. pronomen, personliches, 307 

tentle Cundrie und Lunete behalten gegen Parziväl und 
Iwcin das ir bei Parz. 315. 316. Iw. 3136-3200. *) 

\\\\ laufe des 14. 15. 16 jli. blieben die Verhältnisse der 
anrede ungefalir wie sie das 13 geregell halle, nur daß bei 
Königen , liirslen und andern trägem hoher würden im 15. 
16 }h. die titol majeslat, fürstliche gnaden, strenge, feste, 
Weisheit und dergleichen über band nalunen, und wenig- 
stens beim beginn der rede das uiuniltelbare ir verhinder- 
ten, zu jenen titeln wurde , nachdem sie im sg. oder pl. 
angewendet waren, das verbum in der dritten person des 
sg. oder pl. conslruiert : euer keJserliche majeslat hat be- 
lolen , euer fürstliche gnaden sind der nieijiung; aber schon 
das beigefügte possessiv euer zeigt, daß daneben immer 
noch geirzt wurde, aus der dritten person konnte im ver- 
folg der rede in das directe ir übergegangen w^erden. sol- 
che titel galten auch für den fall der wirkliclien dritten 
person, beim erzälden, und dann wurde das entsprechende 
possessiv damit verbunden: seine majestat (nemlich des 
keisers, künigs), seine (des fürsten) gnaden, wobei man 
aber irrig durch den pl. des verbums zu dem pluralen 
possessiv ire (iro) verleitet wurde , da doch das possessiv 
von dem ausgedrückten oder verslandnen sg. künig oder 
fürst, nicht von dem titel, abhieng. Schweinichen hat 
z. b. überall 11*' G (iro fürstliche gnaden.) 

Aus sogenannten 'relhoriken' jener zeit laßt sich lun- 
ständlich ersehn wie es mit dem irzen und duzen gehal- 
ten wurde. die Slraßb. 1311 gedruckte ertheilt unter rin- 
dern folgende anweisiuigen. der keiser duzt alle geistli- 
chen bis an den pabst. die geistlichkeit irzt sich in ihren 
Schriften; ebenso irzen sich gleiche wellliche fürsten und 
grafen; rilter werden von füislen geirzt, außer von hö- 
heren (gebornen) fürsten. alle edelleutc duzen einander, 
wen sie nicht für edel hallen den irzen sie, 'zu merken 
das er ein burger oder nit tuzens von inen gnoß sei.' 
keinem nnedeln (ungebornen) mann, wie hoch verdient 
oder verfreit er sei, geziemt es einen cdelmann zu duzen, 
er sei ihm deiui nahe verwandt, kinder irzen ihre eitern, 
doch die kinder der edelleule duzen. eitern duzen ihre 
kinder, solange sie nicht in einen höheren Stand treten. 

Daß ehleule sich irzten , zumal die frau den mann. 



*) für die (k'utsclie lielHeiisnge lial)e icli Iiior Lnriininnns unter- 
^snriiuiificii lniivitzt, ii'ir Jwei» BiMulics wl) s. H:?. vj;;!. gr. Rudolf 
p. 20. lleinliart CXI. 

U 2 



30(S c'iufdclicr salz. 

/.fiyl ScliNveliiu lieii , «Icii ficlii weih auf ileni ludbctic aii- 
i-edct: liebes Iror/,, »V sclicl, daß kein liiiiycr bleiljen mit 
mir ist, goU gesegiie euch (3, 251. 25.'i.) der herzog duzt 
seine gcni;ddin (l, 124.) Jm Unwillen ir/tc man den sonst 
gedu/.len: Svan er mich irsete und junl^er liielie, wüste 
ich -«01, das die Sachen zwuschen ime und mir übel gc- 
>vant weren.' Sastrow 1, 77. 

So stand es bis etwa In den beginn des 17. jh., um 
Avelche zeit, ^vahrsclleinlIl.h nach Iranzüsischem beispiel, 
die benoiiMiing herr iiml ,/)'«** nichl mehr wie früher eine 
\virkllchc superlorilril des angcroih-len üljer den anredenden 
zu erkennen gab, sondern y.n einem bloUen lnHIIchkeits- 
zeichen herabsank, in uumillelbarer anrede ließ sich nun 
freilich mll diesen titeln das pron. ihr verbinden; allein 
man fieiig an, sie gleich den übrigen höliejn titeln indirect 
in der drillen person zw verwcnilen, und als sie Immer 
weiter um sich grilfen , bald juil ausgelaßncm subst. das 
baare pron. er und sie, zu dem verbum dritter person 
coustrulert, statt der direclen anrede zu setzen. dieses 
er oder sie *) überbot denn nun die hüflicld^eit des ihr, 
welches fortan eine bloße mltlclslufe der Vertraulichkeit 
oder geringschalzung abgab, während du die unterste stufe 
ausdrückte. 

im Isac \'\'inkelfelder (Augsb. 1617) p. 185 beginnt 
einer so zu reden: 'wann es dem herrn nit zuwider were, 
oder er zu antworten nicht bedenkens, so müchl ich gern 
wissen, wo der herr dahcimb, wohin er zu raisen Vor- 
habens imd was ungefährlich sein thun inid lassen were':" 
lind so wird unzahllgemal in diesem buch der herr nnt 
dem pron. dritter person gesetzt, dazwischen aber unter 
denselben leulen geirzt. Goldast, in deutsclien briefcn 
an freunde, vom j. 1616 irzt (Senkenbergs sei. 1, 409.) 
Slmplicissimus (JMiimpelg. 1669) p. 276: Uler herr wird 
ihiu belieben lassen,' Uler herr wird ihm nicht zuwider 
sein lassen ,' anredend. aber aucli nüt ellipse des herr p. 
370: 'dieweil er ein junger fiischer soldat ist, ... will 
ich ihm ein Fähnlein geben, wann er will.' in Christ. 
\\ eisens erznarren haben alle hölHchen gespräche zwischen 
männern und Iraueu nichts anders als dieses er und sie, 
ohne dal^ erst die subst. herr und frau vorausgehn. als 
eine ehfrau ihren maiui scheltend duzt, antwortet er be- 



*) niclit (las ueutiuui es, da die unbestiiumilieit dieses genus keine 
würde darhoti 



nome:n» ijronomen. pernünliches. 309 

sänrilgond ihr (p. lo); eine adlldie ehfrau , freundlich 
tluicjid, erzt den mann (s. LS.) den abstand z^viscllen ihr 
und. er lehren slelleu aus der felsenburg und dem lelpz. 
avanlurier, büchern, deren meiste begebenlieiten Im letzten 
drittel des 17 jh. spielen, der allvaler Avird mit er an- 
geredet, gibt aber nur ihr zurück (felsenb. 2, 518); vater 
lind groüvater irzen solin und etdvel (das. 1, 5. 23.) 'auch, 
anstatt uns der rector zuvor ihr betitulte, so nennete er 
uns bei empfang des degens e»''; 'der rector und seine 
frau nennten uns nicht mehr ihr sondern e)', dieses machte 
uns doppelt stolz.' (leipz. avant. 1, 72, 75.) 

Hierbei blieb die verschraubung der natürlichen pro- 
nosninalverhältnisse aber noch niclit stelui : gegen den 
schhil^ des 17 jh. wurde eine neue Steigerung ersonnen, die 
mit der eben auseinandergesetzten beobachtung des er, ihr 
und du, eine zeillang zu kämpleu halle, endlich aber, un- 
gefähr zwischen 1730-1740 den sieg davon trug, und 
durch den jetzt mächtig elnlrelenden aufscluvung der prosa 
in unserer spräche, leider, befestigt wurde. 

ncmllch in jener zeit kam als die feinste liölllchkelt 
auf, das er und sie der dritten person aus dem sg. in 
den pl. zu rücken, wonacJi sich denn auch das \erbuni 
zu richten hatte, man war also von dem du auf das ihr^ 
von dem ihr ziuiick auf den sg. er und sie, von ihnen 
wiederum auf den pl. sie geinngl, und halte die zweite 
person statt du bist anzureden: sie sind! das alle ihr 
begreift sich als erwiederung auf ivir , das er und sie des 
sg. erklärt sicli aus dem subsl. lierr und frau ; das nhd. 
plural Sie, bei dem keine ellipse: die lierren, die frauen 
waltete, wird sich schwerlich aus einem weggefallenen pl. ihro 
gnaden *) rechtfertigen lassen, es scheint vielmehr baare Ver- 
sündigung Widersinn und geschmack , bei der man iKichstena 
gewann, dal\ nun beide, im er und sie gclrennlen, geschlech- 
ler wieder auf gleichen fuü kamen. die Wiederholung 
eines lilels ist freilich schleppend, wenn aber das blolie 
pron. gelten soll, wozu frommt uns statt des ihr ein noch 
seltsameres sie der drillen pluralperson'i* 

Die ersten einzelnen spuren des pluralcn sie mögen 
zwischen 1680-1690 aufzuweisen sein; Schmeller 2, 680 



*) diese formcl ist nur in Östreicli und IJair>rn, iiirlit in dem llieil 
von DeiiLscIiland /u haus, der mhi lüHO-lTÜO im slil Ion anj^ab ; muh 
niiiste eine zcitlan-i das ilire {^nadcii neben dem sie iu den hüchcrii 
erscheinen, was uicht der lall ist. 



310 einfacher salz. 

scheint füll bcisplol von 1GS3 zu kennen. Casp, Sllelcr (der 
spale) in der ■\vidnuini; seines spraclisclial/.es von 1691 
sitzt den kurfüisl von 6acliseii, in der ani^eliiini^len grani- 
malik erthcilt er keine auskiinft über die verliallnisse der 
anrede; i\och weniger der frühere SchoUel. in liödikers 
grundsiil/AMi (zuerst 1690, vcrm. von Irisch Berl. \12?i p. 
117) ist 'ich gebe ihnen^ (do tibi) sclion als etwas fest- 
stehendes angesehn. felsenb. 1, 17 wird ein vorneliniercr 
qesieztf der anlworlend irzt : 'mein lierr, sie belieben 
allzu vorlheilhallig von ihrem dieiicr zu sprechen;' und 
besonders im briefslil 1, 9: ^ ihnen werden diese zeilen 
\iele Verwunderung verursachen , sie werden zu begreifen 
■wissen' u. s. w. 

Neben diesem sie ließ man aber die beiden andern 
stufen der hüdichkeit auch nicht faiiren , sondern behieU 
sie bei, nur daß ihr und er, sie allnirüich ihre bedeutuug 
etwas änderten. 

um das jähr 1780 ungefähr beliauplcte noch das er, 
sie (sg.) seinen bisherigen rang vor dem ihr. 

der edelmann erzte seinen gerichtshaller und pfarrer *), 
der anitmanu den büllcl, der pCarrer den kiisler, der Schul- 
meister den Schüler , der Schwiegervater den eidam (herr 
Sühn), selbst der ehmann siezte (sg.) seine frau in ver- 
ti'aulicher laune (höre sie, bestelle sie mir), in der Schweiz 
redeten damals gel)ildelc mädchen den fremden mit er an 
(er tanzt wol gern?) ehrendes er wurde dem handwerks- 
luelster zu tlieil (plurals/e etwa nur goldschmieden, Uhr- 
machern, barbicin, wirlen.) 

t'/tr hingegen bekamen liandwerksgesell , fuhrmann, gärt- 
ner, soldat, bauer, knecht und magd; du Avar für alte 
dieustboten ein zeichen längerer Vertraulichkeit. 

sie erhielten alle , die vom anredenden weder abhängig, 
noch ihm näher vertraut waren*"). 

Heutzutage, seit wieder ein halbes ih. abgelaufen ist, 
hat sicli die läge von ihr und er verrückt, das er ist unter 
das ihr herabgesunken, die in der vorigen periode geerzt 
wurden, erhalten jetzt plui-ales sie, die damals geirzten 
aber er. ihr hat wieder eine edlere geltung, gleichstehende, 
in höhereu ständen, bedienen sich seiner nicht selten; man 
fühlt daß es weniger steif als das plurale sie ist, oder der 
blick auf den französischen und ensllschen gebrauch hat es 



*) Friedrich der große seine liölieren civil und miiitärbeaniten. 
**) Bertuchs modejourr.ai Weimar 1787 2, 363-374. 



nomeji, pronornen. persönliches. 311 

emporgehoben, aucli datlurch daß das siezen allgemein, 
bis in den bürgerstand , als gegenseilige anrede eingedrun- 
gen ist, liat das irzen einen uiisdruck des gesonderten und 
elirenwerlheren empfangen, bin und nieder, unter dem 
volk, dauert die frühere bedeulung des ihr fort. 

\vir besitzen also vier stufen der anrede : 

1. du wird von ellern gegen die kinder, von ebleuten, 
geschwislern , freunden und cameraden unter einander, von 
der herscliaft gegen vertrautere dienslboten gebraucht, voi- 
hei'schend duzen auch kinder ihre eitern, nach älterer 
weise gilt oft noch siezen (pk) 

2. in allen übrigen fällen waltet das sie, selbst gegen ge- 
ringere. 

3. nur die geringsten erhalten er oder sie im sg. ; ihr 
kommt ausnahmsweise, unter gleichen, vor. 

4. im affect kann, statt des sie, ein herabscizeudes du, 
nicht aber, statt des (\u , plötzlich ein entfremdendes ihr 
oder sie angewandt werden. 

5. in einigen gegenden, namentlich Tirol, hat das ganze 
volk an dem du festgehalten, luid sich zu keinem sie be- 
quemt, in Baiern und Ostreich wendet es seine dualfor- 
nien eß, <eß höllich an. 

6. in die ernste und edle poesie ist das sie nicht einge- 
lassen worden, wol aber das ihr und selbst er '''). Lich- 
tenberg (verm. Schriften 4, 182-185) hat zu gunsten dieser 
abslulungen geschiieben ; ich leugne nicht, daß aus ihrer 
wechselnden farbung die rede, der comische ausdruck ne- 
benvortheile ziehen kann**); aber die Unnatur des ganzen 
und der schade, den unsere grammatische construction 
überhaupt darunter leidet, sind mit nichts zu beschönigen, 
zumal führt das erzen und siezen Vermischungen mit der 
wahrliaflen dritten person , folglich Zweideutigkeiten herbei. 

übrigens steht das begleitende adj. oder partic. bei sie 
wie bei ihr im sg. , welches man zwar gewulmlich , d. li. 
in allen fällen nicht wahrnimmt, "WO auch die wirkliclien 
pl. personen unllcelierte form zu sich nehmen. nicrkbar 
ist es in lolgenden beispielen : tilücllieher ., der ihr seitl ! 
der sie sind! während im fall der wirklichen zweiten und 



*) Götlies IkTmaiiii irzt seine eifern; in Vossens Luise erzl der 
pfarier den scliwie-^ciholin. 

**) wie aus der <;csi:liniack.losesten niode die Iratlit, oder nus dem 
gtüi\sclireibcn der subst. ein uiibtiliuil'iier Vorleser. 



312 einfacher salz. 

drillen person gesagt wcrikn nuiii: (jUichlicIm , ille ihr 
seid! tjlüchliche , die sie sind! 

Die lueisleii übrigen europäischen volkcr, selhsl uns 
näher zugewandte , haben darin mehr gesunden sinn he- 
>v;ihil, dal^ sie bei zwei abslufungen der anjedc , dem du 
und dein |)!. der ziveilen person, slelui gehlielien sind. 

In der jnnl. poesie verhallen sicli du und (jhi kaum 
anders als das ndul. du inid ir. valer und iiuilter gebrau- 
chen du, der söhn ijhi Floris 1342. 1420. 1425. viele be- 
lege für sg. und pl. bietet Heiiiaert an hand. Auch der 
mutier gottes geben die dichter tjlii ]MaeH. 2, 214. 3, 142. 

die nnl. spräche slelit darin ini nachlhi'il . daß sie dem 
vertraulichen da ganz entsagt hat ") , und überall den pl. 
tjij verwendet, daher auch im veibuni die Jl sg. so gut 
wie ausgestorben ist. statt des nhd. Wechsels zwisclien 
vier stufen ist die holländische anrede gegen jedermann 
liüllich, und kommt dadurch der lat. einfacldieit wieder nahe; 
störend wirkt aber die völlige Vermischung des scheinbaren 
mit dem wahrhaften pl. nicht nur wird golt, dem wir 
nhd. nie das würdige du entzogen haben, (jij angeredet, 
sondern auch tliiere , ja abstraclc dinge: poes, (jij zult 
slagen hebben (katze, du sollst schlage haben); o tijd, wat 
zijd (jlj schraal ! (o zeit, wie schlecht bist dn !) 

Das engl, thou und you verhalten sich wie das franz. 
tu und vous. ob sich aus einzelnen ags. denkmalcrn in 
der anrede vornehmer schon statt des thu ein (je (ähnlich 
dem otfriedischen ir) aufzeigen lalU , weiß ich lücht. 

In den altn. sagen tvirzen köuige oder iarle mitunter, 
uncl werden (jeirzt. Laxd. saga p. 80: 'Olafr sagdi, that 
skal eJi ydhr kunnigt gera, at ver yttum af Noregi ... enn 
ydhr er that fra a-tt minni at segja.' forum, süg. 11, 103: 
'eigi nion ek svikja ydhr, herra , enn fara verdlii tlier nu 
jnedh oss.' 'that muno ver nu tliekkjast, segir konüngr.' 
das. 11, 151. 154 braucht Ilakon iarl ver von sich; man 
könnte annehmen, daß er darunter zugleicli seine leute 
verstehe. andere belege des irzeus liefert Vilk. saga z. b. 
cap. 77. 213. nicht zu iibersehn aber ist, daß mit diesem 
altn., die stelle des sg. vertretenden pl. zugleich auch das 
adj. in den pl. gesetzt Avird , ganz wie in den s. 300 bei- 
gebracliten lat. slelien. lißdh Iieilir , herra I (lebt wol 
heril) heißt es fornald. sog. 2, 366. 



') in der friesisclien und obensselschen Volkssprache dauert das 
du fort. 



nomen. proiiumen. persoidicJies^ 313 

Heule verwenden die Schweden In der vertraulichen 
lind würdevollen anrede du, in der hüOiclien ni (vorllieil- 
haft abweichend von dem wirklichen pl. j!) 

die Danen unterscheiden drei stufen , außer dem du 
lind j (ihr), ist bei ihnen auch der pl. dritter person de 
üblich geworden; dieses de setzen sie da, wo wir nhd. 
sie, es scheint eben erst durch den näheren einiluß der 
nhd. axif die dän. spräche herbeigeführt. 

nur in einem punct weichen die nennord. liöüiclikeits- 
prononiina von den hochd. nl. und französ. ab. mit dem 
schwed. Ml, dem dän. j und de wird das verbum hn S(j., 
nicht im pl. verbunden. es heißt schwed. ni hotutner 
(nicht: lü kommen), dän. j kommer, de kommer (nicht: 
j komme, de komme.) damit ist eine sichere Unterschei- 
dung von den wahrhaften pl. j kommen , j komme , de 
komme erlangt; die construction der pluralen pronominal- 
form mit dem sg. des verbums macht aber starke aus- 
nähme von der allgemein erforderlichen congruenz im nu- 
merus, nhd. würde ein solches : ihr kommst (venis) sie 
kommt (venis) so fremdartig klingen -wie ein franz. vous 
vieus St. vous vencz *). Daß es sich jedoch früher hier- 
mit auch im schwed. anders und ebenso wie bei uns ver- 
liielt lehrt schon der Ursprung des anredenden ni aus dem 
schließenden N der verbalform , d. h. der deutlichen II pl., 
in skolen i , troen i wurde das N dem verbo abgerissen, 
und mit dem vocal des pron. vereinigt. der altschwed. 
liertog Frederik hat auch beim höfischen pron. stets die 
pliu-alform des verbums, z. b. 223 i viiin (ihr wollt);, 265 
i skulin (ihr sollt), 512 görin (thul), 5S5 nu hiälpin (nun 
helft) u. s. w.; nicht anders schwed. bücher des 15. 16.17 
jh. seghin mik (sagt mir) , Uren i (seid ihr) und selbst äl- 
tere Volkslieder; hören j (hört ihr) 1, 106. 107; sägen j 
(sähet ihr) 1, 108; ni satten (setzt) 1, 96; ni bedjen (bit- 
tet) 1, 97 u. s. w. ganz xinunlerschicdcn von dem wahrhaf- 
ten pl., während die ncuschwed. höllichkeitsform lautet: 
ni skall , ni är, ni hörer, ni bedjer , ni süller. diese neue 
form scheint sich etwa erst im verlauf des 18 ili. niedergesetzt 
zu haben. Auf gleiche art wird man im dän. den Übergan 
aus dorn pl. des veil). in den sg. nachweisen können. 

Eine bemerkung über die romanlsclteu sprachen scheint 
hier an der stelle, sie alle, bei ihrem ersten auflx'elcu, 



•) ohne miterdrückiitijT «Irr clinrnrlorisi iicii (loNion der 11 s^. in 
allen iionl, sprachen würde dieser sg. gewis uuinöylicli geblieben sein. 



3i4 einfacher satz. 

besitzen den liofisclien plural der anrede, wie man nach 
dem oben (s. 300. 301) gesagten crwarlen wiid. im laleiii des 
MA. hieli di<"ses ir/.en vobisare (Marlene et Durand collecl. 
ampl. .S, 177'*); wie verbroilct es in iialien wai-, zeiyl das 
beispiel der glossaloren , die bei erkliiruiig des röui. iiiler- 
dicls Uli possidclis iinler anderm auch darauf veriielen, 
daß hier der gesetzgcber irze *). Gleich damals schon ver- 
banden Italiener mit ihrem voi , Provenzalen , Spanier, 
Franzosen mit ihrem vos zwar das verbum im pl., das 
adj. aber im S(j. (s. 302), und jenes alln. lifidli Iitilir darf 
nur in ein franz. vivez stihi, nidit vivez sains, übertragen 
werden, da docli auch in dem hülisclicn lalein gesagt wurde 
vivite sani , nicht sauus! Die absliilüiig der hödiclikeit 
zwischen tu und vos ^ nacli Verschiedenheit des Standes 
oder der slimmung , weiclit von den mhd. regeln wenig 
ab; doch wird in diesen welschen ländern, überhaupt be- 
trachtet, das vertrauliche du lange schon geringern iniifang 
behalten haben als in Deutschland, wie es denn auch die 
epische und dramatische dichlkunst der Franzosen bald 
gänzlich aufgab. Ludwig des heil, lebensbeschreiber mel- 
det, daß dieser könig (in der ersten hälfte des 13 jh.) 
bereils 'cuilibet in plurali' zugesprochen liabe (gesta Ludo- 
vici noni 395.) Niemals aber lastete s'ch eine romanische 
Sprache die bürde des anredens in dritter person auf, und 
die Spanier, welche am nächsten daran waren, haben es 
doch nie zur elUpse ihres häufig in die rede einJlieUenden 
serior und merced (jehracld. diese ellipse ist eben das 
störende, was den sinidiclien eindruck der conslruclion 
verletzt **). 

Nicht weniger zu den slavischeu sprachen drang im 
niiltelalter die sitte des irzeiis, und noch heut zu tage be- 
dienen sich gebildete Russen, Böhmen, Slovenen und Ser- 
ben des pl. VI/, tvy , vi (vos) in der anrede, nur dali der 
nom. prou. bei dem verbum gewöhnlich unausgedrückt 



*) gl. zu cod. 8, 6: vel die, quod erat unus, sed gratia honoris 
ei loquitiir in pliirali, vgl. Savigny reciit des bes. erste aiisg. p. 346. 
**) ancli in orientalischen spraclien wird ein sogenanntes j-roiio!ne?i 
reverejitiae angetrotlen, das sich mit der dritten person verijindet und 
an die stelle des pron. zweiter person tritt, z. b. das sanskr. adj. 
bhauat (excellens, praeclarus) , vgl. Bopps glossariuni 124^» Schlegels 
ind. bibl. 2, II. der unterschied von unsrer weise liegt darin, daß 
ein solches adj. als titel in dem satz wirklicii erscheint, das niid. sie 
aber selbst ein völlig abstractes pron. ist, daß jenes nur in gewissen 
fällen sparsame und desto bedeutsamere anwendung leidet, das uhd. 
sie aber die gesamte, gewülinlithe spräche durclidriugt. 



nomen. pronomen, persönliches^ 315 

bleibt; Im oblicpien casus wird das vam (vobis) vas (vos 
acc.) sichtbar. auch steht das verbum jederzeit in der 
II ph, das part. und aclj. zwar im pl. , allein nur im pL 
masc. , selbst wenn eine frau angeredet ^Y^rd; z. b. serb. 
redet man zu mannern und Frauen: jesie Tdobro spavali? 
(habt ihr wol geschlaieu) vi ste rauo iisUdi [\\iv seid irühe 
aufgestanden), während bei dem wahren pl. alle drei genera 
am part. unlerschiedeu bleiben, ja die Slovencn, wenn 
sie ihr vi an geringe leule (bauera und diener) richten, 
fügen adj. oder part. im sg. bei: Ite predrag (ihr seid sehr 
theuer), auf deutsche oder franz. weise. Kopitar p. 289. 

die städtischen Slovenen (denn das landvolk bleibt bei 
dem vi stehn) haben aber auch von den Deutschen die 
höilichkeit des pluralen oni (==: sie) angenommen, wozu 
sie das verbum der 111 pl. construieren, z. b. kaj oni po- 
vejo? (was sagen sie?) und wiederum stehn adj. und part. 
dabei zwar im pl., aber nur im männlichen*): fo predobri 
(sie sind gütig), i'o i'pali (sie haben geschlafen, dormivistis). 

hiergegen und gegen alle sla\ischen dialecte vortheilliaft 
ab sticht der polnische , in welchem sich die natürliche 
II S(f. für die anrede bis auf heute erhalten hat. ob frü- 
her auch ein poln. ^vy galt? ob es im 15. 16 jh., als das 
studiimi der classischen sprachen aufbliilite, von den ge- 
bildeten aufgegeben wurde? lasse ich hier dahin gestellt 
sein, reden die Polen mit pan (herr) oder andern titeln 
an, so folgt doch das verbum in der II Sij. d. h. pan gilt 
für den vocativ , und nur in der grüßten höilichkeit be- 
handelt man den litel als nom. und construiert die /// S(f. 
dazu. adj. luid part. stehn in jedem fall siugvdarilcr luid 
nach dem unterschied der gcschlechter. 

Endlich hat auch das nengriechische den höüichen 
plural nicht von sich ausgeschlossen, man merkt ihn we- 
niger an dem meist entbehrlichen nom. Geig, als an dem 
obliquen aüj,' und dem plur. der verbalform, z. b. ).('cßeTS 
tfjv Y.aloovv'i^v (liabt die gute), hymc {'yetav (bleibt ge- 
sund), d'lv oÜq i.y.uTiilaßa (ich habe euch nicht verstanden.) 
das hinzugeslcUlc adj. fordert gleicldalls den pl.: ftsime 
fiorov ^joi'yoi (bleibt nur ridilg, restez tranquille !^ ; partic. 
kommen niclit in lielratht, da kein tempus, weder acl. noch 
pass., mit dem verbum subst. innschrieben wird. in den 
Volksliedern (wie in den slavischen) gilt bloii duzen. 



*) das folgt liier scliou üus dciii iiuisc. oni (ii), nie oiie (eae) 
otia (ca.) 



3 1.6 ein jacher scilz. 

Aus tllescr verglcicliung der ^vichlisslen europäiscliea 
sprachen ergibt sich nun scIilieUlich 

1. dal\ durch den höfischen pliiral nrspriiiiglu h die con- 
gruenz in geniis und numerus nichl beeinlr.ichligt wuide. 
so im latein des JMA., im alln. luid neugriech., vielleicht 
im ahd. 

2. ani geiingslen ab Avelclicn lilervon die (nielslen) slavl- 
schen sj)raclien , indem sie zwar verbum und adj. in den 
phu\ setzen, letzleres aber bloß nuinidich ausdjiickc;n. 

3. einen scliritt Aveiler lliut die ilal. und franz. Sprache, 
die zum verbalplur. das adj. im sg. fügt, docli mit genus- 
bezeichnuug. 

4. nocl» weiter gebt die nilid. und jilid., die den pl. des 
verbums beliält , an dem beigefügten adj. aber genus und 
numerus uubezeicluiet liiUt. 

5 am allerweitesten die schwed. und dan., \velclie zum 
plur. des pron. schon das verbum im sg. construiert. 

^QVi wirklichen pl. von dem liüfischen unterscheiden 
1 und 4 gar nicht, 5 durchaus, 2 und 3 nur halb, nem- 
lich sobald adj. und part. in die construction kommen, 
nicht aber bei dem blolien präs. 

anfänglich gieng die liüfliclikeit gewis niclit auf Unter- 
scheidung der walirliaffen und scheinbaren mehrlieit aus; 
ein einzelner sollte durch erficbung in den pl. geehrt wer- 
den, und der pl. des pron. forderte auch den des verb. 
mid adj. auf gleichem fuü. dieses reale Verhältnis wurde 
allmälich immer formaler aufgefalU, inid der nicht durch- 
geführte pl. gieng seiner eigentlichen wirkung verlustig. 

Zuletzt will ich anmerken, daß vielfach abstufende far- 
hungen zutraulicher odei- frcmdlluiender . schmeichelnder 
oder verächtlicher anrede durch siihstunliva wie freund, 
gesell, vater, nuitter, veltcr , schwager, gevalter, lieber 
mann, liebe frau , juugefrau, kerl u. s. \v., durch dimi- 
nutive oder augmentative formen, ja durch verschiedne 
betonung solcher würter gewonnen ^verden. die verän- 
derliclie bedeutung der einzelnen ausdrücke läßt sich aber 
nur nach zeit luid ort angeben; manche sterben ganz aus, 
andern bleibt eine enge anwendung , wie z. b. schwager 
als vertraulicher name jetzt auf fuhrieute eingeschränkt ist. 
Dergleichen anreden sollen gar nicht das eigentliclie Ver- 
hältnis der freundschaftj Verwandtschaft ii. s. w. bezeich- 



jiomcn. pruiioineri. dritter persou. 31/ 

neu, sondern eine bloße hölliclikeit gewähren; sie sind 
lebendigere niul bestimmtere prononilna. die unlerschoidiuig, 
welche zwischen unserm er und iJir liegt, wird durch eitt 
solclies : mein freund, lieber freund, guter mann! treilcDdcr 
erreicht, nicht unriditig habe ich daher Reinh. XXVIII 
gesagt , daß in unsrer alten ihierfabel oheim irzt , ii(Jf'e 
duzt. die kosenden inid scheltenden anredewürter der 
älteren spraclie verdienten eine Zusammenstellung: liier sei 
nur an das nihd. und mnl. miune erinnert: siieze minne! 
gr. Rud. 1, 17; süeziu minne! Tit. 114, 4; Florls p. 116. 



Nocli folgenreicher für die deutsche syntax als die ebea 
abgehandelte verrnckung der persönlichen pronomina zwei- 
ter und dritter person ist eine andere aus dem \ermengea 
des Migeschlechtifjen und (jeschlechtujen proiiomens drit- 
ter person hervorgegangne , lief eingreifende Störung ge- 
worden. 

Dem geschlechtlosen pronomen erster und zAveitcr per- 
son zur Seite laufen eiinnal in ganz parallelen formen ein 
wiederum ungeschlechliges, dann aber in abweichenden 
formen ein geschlechliges pronomen dritter person. da 
die dritte person ihrem begrif nach der bezeichnung des 
genus viel weniger entrath als die beiden ersten; so er- 
kennt man leicht, daß unter jenen beiden das geschlechtige 
pron. eigentlich für den ausdruck dieser Verhältnisse be- 
stimmt sei, und obwol der form nicht, doch der bcdeu- 
tung nach dem pron. erster und zweiter person entspreche, 
eben die nothwendigkeit an ihm das genus zu bezeichnen 
führte die grundverschiedenheit seiner llexion herbei, denn 
diese ist ganz adjccllvisch, jene der belilen ersten p/crsonen 
abweiclienil unil nur hin und wüeder (namentlich dem noni. 
und acc. pl.) verwandt. 

Das andere, kein geschlecht ausdrückende, dagegen 
formell dem pron. erster und zweiter pers. vclllig analoge, 
pron. ist von dem spradigelst deutlich bloß für d(>n fall 
gesrhaden, in welchem die dritte person sich seihst ivie- 
der setzt, bezug auf sich zurück nimmt, darum heißt es 
das rejlexive pronomen *). 



') auch ajif <lcii bcjirif prr.ioii Ist liier prwirlit zu Iej;cn. so wie 
dns pron. erster und zweiter person nicht auf soclicn »rclit (wird ihnen 
rede und auredu verliehen , ao geschieht dns erst mittelst einer per- 



3i8 einfacher salz. 

oliiH? (llosc hosondcre rollexive form ^^iiI■(^e dio n'ick- 
bczieluiiig der drillen person iinverslandlich und iinklnr 
bleiben, deshalb, weil es der erslen und zweiten pej.son 
im salz nur eine (sei sie als cinlieit oder mchrheil aiifge- 
faiU), der drillen personen aber eine ganz luibeslimnile 
menge gibl. lieilU es: ieh sehe mich, du siclist dich, so 
licrscht über den sinn dieser worle kein zweifel. der salz 
abei-: 'ersieht iiin' würde, wenn uns die rcdexive form ab- 
gieiige, bedeulen können: der drille sieht den diillen (d.h. 
sich selbst), den vicrlcn ii. s. w. darum ist nun vollkommner 
entwickelten spi'achen das reflexiv nolh wendig, daß gesagt 
werden könne: er sieht sich; den ausdiuck dieser zurück- 
beziehung der dritten person würde der redende, ohne 
zweideuligkeit oder lästige imischreibung, kaum entbehren. 

gleichwol lehrt die geschichte unserer spräche, dali 
einzelne dialecte dieser rellexivform, w^enn sie solche auch 
früher besaßen, verlusiig gehn können und dann init dem 
hloi\en geschlechtiffeu pronoineii auch für die zurückbe- 
ziehendc bedcutuug aiisreiclien müssen, daliin geliört na- 
mentlich der ältere niederdeulsclie und noch lieute der 
englische luid friesische dialcct. soll in ihm die stalllin- 
deiide rellexion deutlicher gemacht werden, so bleibt nichts 
anders übrig, als das verstärkende wort selbst hinzuzufügen. 

Aus jenem wcsen der reflexiven form aber folgt wei- 
ter, daß ihr nur ol)lique casus zuslehn, niemals ein rectus. 
sie bietet stets defective formen dar, keinen nom. und 
voc; wir werden aber sehn, daß nocli andei-e defecte 
eintreten. 

für die bezieliende funclion dieses pron. reicht es nem- 
licli vollkommen hin, daß nur ein einziger numerus, der 
sg., ausgedrückt werde, dessen formen denn auch zugleich 
die stelle des dl. und pl. vertreten, der (nicht reflexire) 
casus rectus liefert allemal die erforderliche weitere be- 
stinunung, deren nochmalige bezeichniiug an den rellexiv- 
formen liöchst entbehrlich wäre. 

Es lierscht die auffallendste einstimmung zwischen der 
deutschen spräche und den ihr urverwandten übrigen in 



soniflcation) , schließt auch das reflexivum eigentlich Sachen von sich 
aus, was besonders an dem ahd. und nihd. gen. sin sichtbar wird, der 
rcilexiv oder unreiiexiv lediglicli von subjectcn gilt, zwar den acc. 
sich verwenden wir heute auch vöiiig objectiv, z. b. in der redens- 
art: es versteht sich^ ich bezweifle aber daß sich ein solches goth. 
sik darbiete. 



Uüinen. pronomen. dritter jper so n. 319 

der ganzen gestalt und einiiclitung des reflexivnms. man 
halle zum gotli. seina, sis , sik, das lal. sui, sil)i , se; das 
gr. oi', Ol, t; das liith. sa\v?s, saAV, sa^V5; das altslav. 
sehe, sebje , sja (serb. sebe, sebi j se ; polu. siebie, sobie, 
si? ; bülim. sebe, sobe , se.) 

alle diese sprachen zeugen bloß die angegebnen sg. for- 
men des pron., die denn auch für den pl. gellen. Avenn 
im gr. besondere ilexionen des dl. und pl, aul'lreten, so 
gehören diese olFenbar zu einem andern stamm als dem 
sg. , was ich hier niclit Aveiter ausführe. 

In der slavisclien spräche erfolgt nun aber auch eine 
bcträchlliche ausdehnuiig dieser reOexlvfoinien der bedeu- 
lung nach, sie sind alltjemein ziiriickbezithend und gehn 
nicht nur auf die drille , sondern eben wol auf die erste 
und zweite person. ich v/ill diesen slavismus deutsch aus- 
drücken, es heißt, wie bei uns, er sieht sich, dann aber 
aucli: ich sehe sich, du siehst sich, statt unseres: ich sehe 
mich, du siehst dich; im pl. nicht nur sie sehn sich, son- 
dern auch wir sehn sich , ihr seht sich. im zurückbezie- 
henden fall werden 'die oblic[uen casus der beiden ersten 
pron. gar nicht verwendet, unverkennbare analogie hat 
die nur weniger durchgedrungne construction des gr. iav- 
toi) lür das pronomen der beiden ersten personen. 

icli mochte feinen augenblick bei dieser alhjemeinheit 
des slav. rejlexivs verweilen, Avelcher schon oben s. 49 
gedacht wurde. sie scheint nicht ganz ohne anklang bei 
ims. wir haben s. 43 gesehn , daß das nord. reflexivsufiix 
der verba ebenfalls nur von dem drillen pron. cntnonmieu 
w^ird, und zugleich für die beiden ersten gilt. ferner 
kommt in hd. volksspraclie ein wir freuen sich st. freuen 
ims vor (s. 36. 37) und selbst in büchcrn werden sich 
spuren cheser ausdrucksweise zeigen lassen. Schweinichen 
schreibt 1, 268: gehe ich ia IFG. zImmer , sich (statt 
mich) mit IFü. zu unlcrreden. 

CS ist schon clwas mehr als volksspraclie, wenn einige 
Präpositionen, zur bezeichnung räumliclier riihlung, auch 
da mit dem acc. sicli verbunden w'erdcn, wo midi oder 
dich siehn sollte. man hört: ich gehe hinttv sich^ du 
must nicht unter sich sehen, ich sähe nudersich Phil. v. 
Sittew, 1677. p. 127. wan ich hintersich sech H. Sachs 
III. 1 . 6^, und bei ihm öfter. ich liel fursich , fieng Ich 
an nidsich gehen; da ich iiidsirh möchU' laufen, wohl Ich 
hintersich l'lalers leben p. 22. 28. 29. 23. im ackermann 
V. Böhmen p. 8 liest Ilagens ausg. hau nicht über dich, 



320 einfacher salz. 

eine lis. aber: liaw (lil über sich! I/iulier des IG. 1.5. 14 
jli. wcrilcti noch inaiiclie belöge licftTn kdiiiicii. wci- wcili 
ob niclit Wallliei-s o7, 24 wail iimbc sich! so zu iieliiueii 
wäre':* wenn gleicb man aucli mil dem herausgeber wait 
iiinbe, sieb! inlerpnngieren , und siel» für den imp. von 
seilen nebmeji darf. oder sind alle jene beis|)iele nielils 
als adverbiale verbiutnngen , deren sich, au der drillen 
persüu enlspiungen , bernacli iingefübll mit der piäp. auf 
andere falle erstreckt wurde? 

unserer ältesten spracbe indessen liißt sieb durcbaus 
nocb keine neigung zu solcber Verwendung des rellexivs 
für die beiden ershen personell beimessen , da Ulf. selbst 
wo ein gr. lavTov die stelle von i/tuvroü oder oauv- 
Tov vertritt, das gotli. pron. erster und zweiter j)ersou 
setzt, keineswegs aber mit dem rellexiv der diillen vor- 
sclireitel. so wird II Cor. 1, 9 ((f ic.vroJi; verdeutscbt du 
uns silbam; I Cor. 11, 31 laVTOVg silbans uns i, II Cor. 10, 
12 das doppelte iavTovg sebr wol unterscbieden in unsis 
silbans und sik silbans; Joli. 18, 34 ihf' iavrov gegeben 
abu thus silbin, Col. 3, 16 iavrovs izvis silbans; in wel- 
chen stellen allen aucb die lal. vulg. pronomiiia erster und 
zweiler j^ersou gewrdirt. 

Dies vorausgeschickt kann ich nun die verwlckellca 
Verhältnisse des reilexivums und des geschleclitigen pro- 
nomens dritter persou in uusferer spräche näher beliandeln. 

Die alhjemeine reyel lautet: wenn ein pionominalbc- 
grif dritter person sich auf den im satz ausgedriicklen oder 
verslandnen casus rectus bezieht, so niuU das rellexivum, 
geht er aber auf eine andere drille person, so nniii das 
geschlechlige pron. gesetzt werden, z. b. die erde bewegt 
sich, der blitz hat Hin erschlagen. 

dieser grundsatz erfährt nur dadurch einschränkungen, 
wenn aulier dem verbum des casus rectus noch eine an- 
dere verbalform im satz erscheint, und es sich um das 
,auf sie bezügliche pron. handelt. dann ist uemlich der 
einfache satz zusammongellossen aus einem mehrfachen 
und es kann widerstreit entspringen zwischen der bezie- 
hung auf das stehende oder auf das liegende verbum (s. 
91.) das liegende verbum ist entw. ein inf. oder ein part. 
präs. (da unsere spräche kein actives part. prät. besitzt 
und mit unserm part. prät. pass. kaum pronomina ver- 
knüpft werden.) die reclionskraft des liegenden verbums 
ist zwar durcli die des stehenden gedämpft, allein nicht 
völlig überwältigt und der alle zwischensalz wirkt gleich- 



nomen. pronomen. dritter persoji. 321 

8am nach, ist er durch aullüsuiig hergestellt, so hört aller 
einiluß jenes stehenden verbums auf^ das liegende wird 
selbst zum stehenden, und über die beziehung des pron. 
herscht kein zweifei. alles schwanken besteht also bloU 
für den unaufgelusten einfach gewordnen satz. 

Ich muß jedwede form, die reflexive und geschlechlige, 
obgleich sie in den meisten dialecten sich mengeu, be- 
sonders erwägen. 

A. reflexive form. 

Bei unsern Gothen hat sich alles am reinsten und ur- 
sprünglichslen erhalten, die drei reilexivcasus sehia , sis, 
sik gelten für alle (jeschlechter und für jeden numerus, 
ganz wie die lat. sui, sibi, se. 

beisjiiele in menge liefern die s. 29 - 32 aufgezählten, 
eben durch dies pron. erzeugten reflexiven verba; der an- 
merkung werlh scheint, daß zumal ihr particip gern das 
pron. ausstoße, vgl. idreigunds, sainjandans, fravaurkjan- 
dans, wiewol auch thagkjandans sis, nehvjandans sik. 

hier noch andere fälle des rcllexivs. sumai thize bokarje 
qvßlhun in sis silbam rivhg roiiP yQUfi fiuTtMV ainov iv 
iavTOig Matlh. 9, 3 ; qvathuh auR iii sik (besser wol 5is) 
i'Xeye yu.Q iv iuvrfj Matlh 9, 21; lesus ufkuntha in sis 
silbin thö us sis mäht usgaggandein o 'hjoovs iniyvovs 
Iv £'o:t;TW ir^v i^ aviov (%vapiv f-^slQovaav IMarc. 5, 30; 
ith vitands lesus in sis silbin iii)(<)<; öh 6 \h-aovQ iv luvriji 
•loh. 6, 61 5 ei habaina fahed melna usfulUda in sis Iva 
l'ywüt Tr^v yuQiiv T)]r ifd^v iis'Jih^QWHivi-v h' uvrols Job. 
17, 13; sva tliai niludodun sis *) ovtioq avTo) dialoyi^ov- 
rai iv iuvTOic INIarc. 2, 8 ; anthar antharana munands sis 
auhuman aXhjlovs t]yovfiBVoi iTieQtyovtciS iavTÖrv Phil. 2, 
3 ; gasaihvands thau Icsus managans hiidnnans bi sik iSoiV 
d'h 6 \f}jOOvg iiollovg öyXovs "^n^Qi avznr (Lachm. uvröv) 
Mallh. 8, 18; jabui ihiuilaiigardi vithra sik gadailinda iuv 
ßiWiXf.ia i(p iavrrjv jiteQiaü >'/ IMarc. 3, 24. durch uinslcl- 
lung passiver constrnclion in aclivo wii'd Marc. 5, 4 das 
reflexiv möglich: galuusida af s/s ihus naudibandjus i))(( to 
(iuonüü&cci vn avrov ras (xXvasts. 

Besondere aufmerksamkcit verlangen die golh. prono- 



*) dem gr. text näher in sis, wenn mich ein nllcvivcs niitün sis 
(wie tthagkjan sis s. 29) besteht, <in»n bliche tv inwotf; iiünnsgedriiekt. 

X 



322 euiJ'iicIiL'r salz. 

minalconslruclionen in Sätzen , die auch liegende verba 
haben. 

ji. inßn'div. grht der Inf. auf den casus rerfus, so ver- 
steht sich (las icllexivuni von selbst, z. b. in viilva lahnida 
visan sik galciko giiUia (laj)inan» rion arbitialiis est , sc 
esse siinihlei' doo) Phil. 2, ti ; niiinandans sik agiuns iir- 
ruisjan bandjum jneinaiiu (existiniantes pressurani se susri- 
tare vincuiis meis) Phil. 1, 16 j jabai hvas gatraiiailli sik 
silban Christaus visan (si quis confidit se ipsuni Christi 
esse) II Cor. 10, 7. Gelit der Inf. auf einen obliquen ca- 
sus, so entspringen für das pron. zwei falle 

u. es gehört zum subject des iuf. , nicht zu dem casus 
reclus. ich erfinde ein unbedenkliches beispicl , da ich 
keines antreffe: sahv niannazi stA; gavandjan (vidil homi- 
nem se vorlere.) 

ß. es liiingt zwar vom iuf. ab, wird aber auf den casus 
i'ectus bezogen, auch liier ist mir kein beleg zur band ; 
nach analogie selbst noch der mhd. spräche unterliegt es 
aber keinem zweifei zu sagen : bad iua kukjau sis (roga- 
vit ut se, i. e. rogantem , oscularetur.) 

b. bei dem oblifjiien part. präs, unterscheiden sich die- 
selben falle , ^ 

«. das rellexiv wird auf das ])art. , oder vielmehr das im 
part. enlhaltiie subject, nicht aber auf den casus reclus des 
Satzes bezogen, gasaihvandei Pailru varmjandan sik iö'ovou 
l6v JlizQOV '&tQftairo^iuvov Marc. 14, 67; insandidedun 
ferjans ihans us liulein taiknjandans sik garaihtaus visan 
untGzetluv (-y/Md-tTovs vnoy.Qivofilvovs iavrovg d'i- 
'/Miovg elvai Luc. 20, 20; ni gadaursum gadumjan uns du 
thaim sik silbans anafilhandam ov icXfiiöiifV cvyxoh'ai 
iuvToit^ Tioi TO)V luviovg GvviüTavovitov II Cor. 10, 12; 
galeikai sind barnam thaim vupjandain seina niissd ödoioi 
£101 naidloig roig nQog(p(jorovoiv u?.).yXois Luc. 7, 32. iu 
der ersten und vierten stelle braucht der gr. text gar kein 
pron., in der dritten hat er gleichfalls das rellexive; der 
lat. gibt: calefacientem se , c[ui se justos sinuilarent, lo- 
queutibus ad invicem. 

/?. das reflexiv bezieht sich auf den casus rectus des Satzes, 
nicht auf das subject des part. : gaf thaim mith sis visan- 
dam l'dtoxs roig oi'v cciiro) oi'ot Älarc. 2, 26. Luc. 6, 4; 
qvath du thaim galaubjandam sis ludaium €?.ey£ noog ne- 
iiiGxevyjnas uvT(ö lovö'ulovs Joli. 8, 31; \andjands sik 
du thizai afarlaistjaudeiu sis mauageiu cjvalh ozQuffelg Tio 



nomen. pronomen. dritter person. 323 

anolov&ovvTi avTÖi oylco «/Ve Luc. 7, 9 ; sipuniam seinulm 
qvilliandaiu sis , laiseith ins löhannes (discipulis suis di- 
cenlibus ei , docet eos J.) Sk. 43, 4 ; bisaiJivands bisunjan^ 
thans bi sik sitandans neQißXerpäfievos y.vzAcö Tot'.c vrfpt 
avTov na'dijfiivovg Marc. 5, 34 j saei sukeith hauhitha this 
sandjandins stA: ^r^tötv rrjV d'o^av tov ne/irpavTOS avTov 
Joli. 7, 18; iiisl apaüslaiiliis niuiza llianinia sandjandin sik 
oväh imoorolog fdi'Coiv tov nlfnliavTog avxov Job. 13, 16; 
habaid thana stujandan sik l'yei tov zoivovta aviöv Job. 
12, 48 ; qvath tbamnia bailandin sik eXsyE tio neKXrjxött 
avTov Luc. 14, 12; siäiu niabteigs ganiötjan tliamnia gag- 
gandin ana sik et dvvaios ioriv anarrijoai tw eQyofiivip 
EU avTov Luc. 14, 31; frauja gabigs in allans thans bid- 
jandans sik zvqioq uIovtmv eis nävTag tovs in r/.aXov-' 
fiivovs ct.VTOV Rom. 10, 12; ei tbui libandans ni thana- 
seiths sis silbani libaina ak ibamma faur sik gasviltandia 
l'va Ol ^o)VTes fii]zlTi iavioig ^cöoir, ukla toj virlg avzöJv 
UTioQ^civom II Cor. 5, 15. in diesen slellcn hat der Golhe 
das reflexive, der Grieche das nicht reflexive pronomen, 
und beides liißt sich rechtfertigen. das goth. verfahren 
ist der aufgestellten grundregel gemäß , das reflexiv richtet 
sich nach dem casus rectus und diese beziehung wird 
durch den obliquen casus des part. nicht gehemmt, das gr, 
uviög wird nach dem im obliquen part. euthaltnen subject 
gefügt, es ist so, als wiire die aullüsung des pari, in einem 
^wiscliensatz erfolgt. Die lat. vulg. löst in den meisten 
dieser stellen den participialnexus wirklich auf in relaliv- 
sälze und braucht dann natürlich das uni^eilexive pron.: qui 
cum illo erant, qui in circuitu ejus sedebant, qui credi- 
derunt ei, qui misit illiun, qui invocant illum, qui pro 
ipsis morluus est. nur in den stellen aus Ijucas setzt 
sie das reflexiv : sequentibus se lurbis dixit, dicebat ei qui 
se invitaverat, occurrere ei qui vcnit ad sej in (jer ersten 
auf goth. weise, in den beiden letzten vuibcfugtcr als der 
Gothe, der das parlicip nicht aufgelöst und keinen rela- 
tiven casus rectus zu scheuen halle '*). 

Hält man beides (« und ß) zu einander, so erscheint 
die auifassung des rcllexivs zweideutig, luid erst dei- gan- 
zen rede zusanuncnhang kann sie beslinuiien. sandiaiuiin 
sik heiiU den lunständeu nach sowol (pii mittil illiim, als 



') sobald Lir. das part. aHllöst, cntliält er sicli des reHexivs. Joh. 
18, i lesiis vitaiids alla tliüei qveniuu ana inn itdioq nioKt ru Iq/Ö- 
iiiva In uvTQv. er hätte sagen dürfen: alla thö qvimaudöna ana sik. 

X 2 



324 e'uifac/ier nutz, 

qiü nilltit se'y varnijamlan sik hnltl (|iii cnlofacit .se , halil 
illum. la keinem der beiden falle veihinilel alicr der 
(Jollic nüt dem parlieip sein gesclilecliligcs pron,, vielmehr 
wo er ihm dieses zufügt, findet weder ein beziig des pron. 
auf das siihjcct des Satzes nocli auf das im ])arl. cnlhallne 
statt, z. b. Marc. 1, 10 gasahv alimaii algaggandan ana 
ina iii uvrov, liier diirlle iiidit ana sik stehn (wie IjUC. 
14, 31), v%eil das pron. nicht auf den sehenden Johannes, 
noch auf alima geht, sontlern auf Christus; IMarc. 16, 10 
gataili thaim mith iuntui visandam rnlg fifi' uvtov yero- 
filvois, bier kann, Avie aucli das abweicliendc genus ver- 
rälh , imma iu keiner bezieluing slelin auf das verkün- 
dende weib , aucb nicht auf die jünger, sondern wieder 
auf den boilaud , also wäre sis unmöglich. 

das doppelsinnige golb. reflexiv rührt also bloß aus 
dem syniactiscben cinfluß des inf. und des parlicips, nicht 
aber aus niangelliaüigkeit oder vermengung der prono- 
minalformen her. 

2.^ Gaiiz anders im ahtl. hier hat das rcflexivpronomen 
große besclnänkung erfahren, ein casus nur, der acc. siA, 
besteht in der allgemelnlielt des golh. sik, d. h. er gilt 
für alle gencra in jedem numerus. ; der dat. hingegen (der 
nach der analogie f:ir lauten sollte) ist vüllig verschwun- 
den , der ^cn. sm zwar noch vorhanden, allein auf den 
Sg. masc. und neulr. eingeschränkt, in der bedcuiung aber 
ausgedehnt worden. folglich mangeln dem alid. rellexiv 
dat. sg. luid pl. in allen gcschlcchtern, gen. pl. in allen 
geschlechtern , gen. sg. im fem., und diese fehlenden casus 
müssen sämtlich durch das geschlechtige pronomen ver- 
treten werden, in ihnen allen steht also für die rellexive 
und nichtrellexive bedeütung bloß eine gcschlechligc form 
zu gebot und der Zusammenhang hat, welche gemeint sei, 
zu entscheiden. 

eine so auffallende abweichung von dem organischen 
Verhältnis wird sich nur alJmälich eingeschlichen haben; 
zur zeit der frühsten ahd. denkniäler aber steht sie schon 
fest, man kann theilweise cinwirkung des alts. dialects, 
dem das rpllexivum völlig fremd ist, annehmen, vielleicht 
ist aber auch die in dem lalein des JMA. staltfindcMide Ver- 
wirrung des rellexiven pron., von welcher ich hernach 
noch reden werde, nicht ohne einduß auf unsere spräche 
geblieben. 

die falle , in welchen das echte reilexiv fortdauert , be- 



jiüineii. pronoineji. dritter persoji. 325 

dürfen keines belegs ; eher die casus die sich an seiner 
stau des gesclilechligen pron. bedienen. für den dativ 
stelin überllüssige zu gebot. 

dat. sg. masc. susu noh Paulus imu eddeswaz kizelita 
(sicut nee Paulus sihi aliquid imputavil) K. 18*; cliortres 
inili pifolahanes (detrinieulum gregis sihi coninüssi non 
patialur) K. 22'; daz i^mi liuelili \vesan ni welle (quod 
sihi quis lieri non vull) K. 23'^; cule zua pifalde, nalles 
iuiu (deo applicot, non sihi) K. 23^'; angul imu tud far- 
slinte (hanium sibi mors devorel) bymu. 20, 7: galialut 
sibuni audre glieislu mit inio (assumit alios Spiritus secuni) 
fr. ih. Maltli. 12,45; antwurla denio za imo sprali (respon- 
dens dicenli sihi) das. Älallli. 12, 48; habet in imo (in se 
habet) das. jMatlli. 13, 21; fona imo (a se) fr. ih. 61, 1. 11; 
der sih fona imo selbenio gafulit unfeslan (qui se a se 
ipso sentit iiifirinum) das. 61, 19; imu selbamu (si6/met) 
Diut. 1, 516-' =■). 

dat. sg. fem. den iru eocowelih sanianimc erwelit (quem 
sihi oninis congregatio elegerit) K. 57^; cbilildicda irii (com- 
placuit sibi) Is. 45, 18 **); ni archeunit nibu daz eina daz 
mit iru durahwerct (charitas dei non cognoscit nisi quod 
secum pcrmanet) fr. th. 45, 4. 

dat. pl. die neowebt im fona Christe tiururin eowelit 
wännant (qui nihil sihi a Christo carius existiinaut) K. 24^; 
quhätun \nilar im (dixerunt inlra se) fr. ih. IVlatlh. 9, 3; 
daz folgclin iui (ut succedant sihi) hyuui. 8, 2; kaaucteiu 
im wuulon (ostensa sihi vulnera) hymn. 19, 10. 

den gen. sg. fem. uud gen. pl. aller geschl. vermag ich 
aus den ältesten (|uellen wenig anzuführen. Jeue gen. 
kommen in der coustruction selten vor, gleich dem lat. 
sui und goth. seina. vermuten aber darf ich, .schon nach 
analogie der possessiven ])ron., daß es heiUen ^Yiirde: diu 
frouwä farkizit ira (obliviscitur s«/); die liuli farkezanl 
h'o (obliviscuntur sui.) den pluralfall belegt Olfrieds iro 
zilötun (üben s. 33) wirklich. 

die frage wäre, ob für den reflexiven dativ hin und 
wieder lücht spuj-en des organischen pron. fortdauern soll- 
ten? R. 23^' hat fona sih (a se) , nicht fona inni, doch 
der lat. acc. könnte den ungeübten Übersetzer verführt haben, 



') das im gotli. «^anz klare: Iiäiilioilli tun in !<is «loidoff nvio» tv 
hämo Joli. 13, :i2 winde ali<!. iimlcutlKli wcrdrii : iiiaii in iniit ; man 
fügt also zu iiiiii ein seljcmu (clnrilicahit euin in scnietipso.") 
I*') ich citicrc von liicraii tiolzmanuä nll^g. iiacli den Seitenzahlen. 



326 einfacher salz. 

den tleutsclicn acc. zu gobraiiclien , der sonst der praj). 
loua nicht gebiilirl. in sih (in se) K. 23*» mag wirklicher 
act. sein. aiicli würde dem ällertn dat. ja die form sih 
widerstreiten und nur das gcnuitnialUe siv gerecht sein;^ 
Wenn eine glosse Diut. 2, 286^ hat: zu st'/i nenieiule (sus- 
cipienlcs); N. ps. 17, 17 nam er mih ze sih (assumsil 
me); ps. 45, 10 mtn ze sih nemo ist got (susceptor mens); 
W. 65, 12 ze sih lokchet, so erklare ich das lieber aus 
einer alten construclion von zi mit dem acc. (Grall prap. 
242), die in gewissen redensarlen anhielt, als aus einem 
dativischen sih, das hier statt inm , im, im Stande, für 
die spätere zeit muU dieser dat. freilich eingeräumt werden. 
\\ as nun jene infiniliv und particijjialconstructionen 
angeht, die im golh. das reflexiv begünstigen, so kann 
überall, w^o das pron. im dat. steht, ahd. keine rede mehr 
davon sein, es findet sich nur in imu, iru oder im, z. b.: 
quementan zi imo (venientem ad .se) T. 17, 4; imo fol- 
genten cpiad (sequentibus se dixit) T.47, 6uach INlatth. 8, 10. 

für den acc. unterscheide ich aber wieder die goth. fälle 
«. das pron. bezieht sich auf das subject des liegenden 
verbums : daz man Marcholfum saget sih ellejiun (oben 
s. 116); er ne w^olta filios dei sih misceluu (oben s. 117); 
thesan fundumes quedentan sih Crist wesan (hunc inveni- 
mus dicenlem se Christimi esse) T. 194, 2; nu bechennest 
tu daz analutte des sih pergententrugetieveles IS. Bth. 44. 
in der stelle T. 14, 4 gisah goles geist quementan ubar sih, 
venientem super se, wird IVIatth. 3, 16, nicht Job. 1, 32 ge- 
folgt, wonach es iuan, super eitm heißen sollte wie T. 14, 

6 gesagt wird, und wie auch Ulf. Marc. 1, 10 nimmt. 

ß. auch wenn das pron. auf den casus rectus des satzes 
bezüglich ist, sollte noch sih statt inan vorkommen, mir 
ist für den fall des inf. kein beispiel zur band , es dürfte 
aber wol heißen: er pat dia frouwun sih chussan, er bat 
die fran , daß sie ihn küsse, für den fall des part. finde 
ich wirklich inan und nicht mehr sih in folgender stelle: 
wio nühhiles mer iuwer fater gibet guot inan pitenten 
(quanto n)agis pater vesler dabit bona petentibus se) T. 40, 

7 aus IMatlh. 7, 1 {rolg uItovöiv uvtÖv.) der Übersetzer, 
von dem lat. text sich entfernend , constriüert hier auf gr. 
weis*;; Ulfilas würde sagen: bidjandam sili. 

Endlich ist nun die schon erwähnte ausdehnung des 
ahd. gen. sg. sin, was die bedeulung betrifl, zu criirlern. 
das goth. seinu gieng auf alle genei-a, auf jeden numerus, 



nomen, pronometi. dritter peraon. 327 

stand aber uie unreflexiv, das ahd. sin geht weder auf 
den pl. noch auf das fem., sondern bloß auf den sg. masc. 
\ind neulr. Da nun aber, wie liernach beim geschl. pron. 
tlargolhan werden soll, dessen gen. sg. masc. erloschen ist, 
der neutrale nur in absoluter, säciilicher Setzung fort- 
dauert; so muß für das masc. überall, für das neutrum, 
so oft eine subjective beziehung vorwallet, mit sui ausge- 
liolfen werden, das ahd. sin steht also bald reflexiv^ wie 
im goth., bald tmreflexiv für es (ejus.) die belege des 
unrellexiven gel>rauchs sind inihäufig, weil das von subst. 
abhängige ejus überall durch das possessiv ausgedrückt 
wird: huedhar ir iu quhanii , odho wir noh sculim sin 
(|uliemandes bidan (ulrum jam advenerit , au venlurus 
adhuc exspectetur) Is. 59, 9*); daz fona shi selbes mei- 
slerluam linicnte teiluemcn (ut ab ipsius magislerio dis- 
cenles participemus) K. 163. 

3. Das mhd. rellexivum verhalt sich gleich dem ahd., d.h. 
es vermag nur den gen. sg. masc. und neutr. «m, und den 
acc. sich für jeden numerus und jedes genus auszudrücken • 
alle übrigen casus ersetzt das geschlechtige pron. 

meilvNVÜrdig sind einzelne ausnahmen, welche, nach 
nhd. weise, einen dat. sich statt im gestatten, hierher ge- 
hört schon das mit sin, werden, sprechen und heizen 
rellexiv verbundne sich (oben s. 36), dem ein alls. im (s. 
37) entspricht, auch in Killiarls Trist. 292: was sich ]Mo- 
rolt genant (M. vocabatur.) bei demselben dichter 1941 
steht: liiez sich ein trinken geben (jussit sibi potum 
dari.) **) zumal aber wiid solch ein dativischos sich bei 
pra[)0S. getrollen : von dem liebten schine derzuct im ne- 
ben sie/t sin bcin Parz. 64, 6; alle sine recken der wirt zuo 
sich gewan Nib. 729, 2 Bt^D. Reinh. 596 ; im welschen gast 
195'' haben einige hss. an sich, andere an im, luul an der Seite 
von präp. erblickten wir (s. 319) jenes anomale die bedeutung 
der beiden ersten pcrsonen verlieleiule sich, ja, neben 
prap. sieht sich auch für den nichtrellexiven acc: si kuste 
mich, dd vielen hin ze tal ij- Irehonc lüdoi- sich (subler 
cam , also ^^i:: nider si) INls. 1, 56''; ilaz dem wilden 
voln (masc.) wirt ein zoum an geleit luid ein satel ikf sich 
(super eum, = uf in) Troj. 15066; ich nünne gol ein unib 

*) in dieser stelle kiinntc auf die parlicipialstiiiclur gewicht gelcgi 
weiden, in <lcr ro!}::('nden nirlit. 

") einige tliiiiiii;^i.sclic didiloi ;;cslalteii sich auch tnic/i für mir 
Anit^l). 12l>, 41)2; :$0, 1073; ja W\/.[m di (.til)i): l>i 29o und Hetz 
holt mi (mihi): si Ms. 2, \H'\ 



328 einfacher salz. 

sich (iiinbc in, um solnclwcgen) Ls. 3, 27. ^VcIllgcl• auf- 
lallcii kann das rcdcxiva und acciisalivisclie sich: iv iu 
lui'j)l('r sint in under sich clicicl Wackern. bas. Jiss. 25 ; 
sie llicllen mir ein neNVcn hiind mit beiden benden binder 
sich Wackern. Ih. 773, 8. vgb Nil). 887, 4. 

Ein r(!llexivcs sich bei ohli(juen parlicipien *) knnn 
icli niclU aullicibcn , zweifle aber an seiner gilligkeit kaum, 
es wird lianplsaclillcb in der jn'osa zu suclien sein, den 
diclilern sind solche redensarlen schleppend. Wol aber 
lälU es sich bei dem inj', nachweisen 

a. bezogen auf den oblltjuen casus: der wIrt in sich uz 
sloufen bat Parz. 166, 12; lut sich den haz verenden Gudr. 
522, 4. 

ß. bezogen auf den casus rcctus: ir gast (acc.) si (nom.) 
sich küssen bat; die sich der gral tragen lie (oben s. 118.) 
Auch das verliältnis des luirellcxiveu gen. sg. sin ist 
wie im ahd., nur daß seine anwendinig für das ueulr. 
darum liauliger geworden ist, weil der neutrale gen. es 
seltner als im ahd. vorkommt. belege fürs masc. : seint 
Anno wart slnis (des stuls) '"*) vili gemeit Anno 725; er 
wolde sin (der knappen) biten Iw. 956; daz sicli miu 
\rowe sin (ejus) underwant Iw. 4196; ir sIt mit im gecret 
luid endurfet iucb sin jiie me geschameu Iw. 2105; du ich 
sin rehte war genam Iw. 422 ; nune hau ich sin deheinea 
rat Iw. 5826; diu frouwe phlac sin wol Parz. 33, 14; sin 
iHiderwant sieb Gurnemanz Parz. 165, 8. Substantive, ab- 
gesehn von der formel 'sin selbes,' regiereu den gen. sin 
uiclit ***) , es tritt dann immer das possessiv ein; in den 
Worten 'der ougen süeze sin"* (seine augenweide, was sei- 
neu äugen siiü war) Parz. 186, 18 bezieht sieb das un- 
fleclierte poss. entw. auf den notn. süeze oder den gen. pl. 
ougen. belege fürs neutrum: du sin den vater belangete 
Diut. 3, 91; er hat sin iemer danc iw. 2138; geruochet 
sin unser trehten Iw. 4773; unde wil sin unser tr. plle- 
gen Iw. 5014; icb hän sin gesworn Wlgal. 6038; des tages 
waren sin zwei jar Wigal. 1218; gleubent sin W^ackern. 



') das zum snbject des part. geliörige sich scheint, wie im gotli, 
(s. 321) imd beim inf. (s. 259) gern wegzubleiben, eine nrk. von 
1321 (Kindlingers liürigk. 382) liat rvrande liave, d. i. bewegliclie, 
sicIi rülireude. 

") die form siiiis f. sin geht uns hier nichts an; reflexiven sinn 
darf man sciivverlich behaupten. 

**') die in Ben. wb. zu Iw. p. 383, auf der untersten zeüe, ange- 
fülirten beispiele lassen sich anders erklären. 



nortien. pronomen. drUier person. 329 

Ib. 535, 18 u. s. w. , hier Avürde ahd. und auch nihd. bei 
Wolfram ein es oder des vorgezogen worden sein. 

4. Nhd. ist die wichtigste Veränderung, daß für den dat. 
S(j. und />/., in allen geschlechteru, die accusalivforni sich 
gilt. damit wurde freilich die redexivform wieder in ihr 
alles recht gewiesen und das ihm, ihr, ihnen auf den un- 
leflexiven sinn eingeschränkt ; allein die vermengung des 
reilexiven dat. und acc. wäre ein größerer übelstand wenn 
nicht auch das siezen einen überlluß [von ihnen herbei- 
führte, derentwegen man dem sich gern mehr eingeräumt 
sieht. dies sich scheint, aber schon lange vorbereiteter, 
einlluß des nd. dialecls, der auch für die beiden ersten 
pei's. dat. und acc. zusammeurinuen läßt, 

einzelne hd. Schriftsteller haben noch bis in das 17. 18 
jh. das rellexivc ihm, ihr und ihnen festgehalten, z. b. 
der verf. des Simplic. und Eltner: hielt ihm (sibi) die sei- 
len, chymicus 430; manche bildet ihr (sibi) ein Simpl. 
476; da sie ihr (sibi) gutes thun soll. hebannne 796; 
welches sie ihnen (sibi) gefallen ließen das. 74; hießen 
ihnen (sibi) geben, chymicus 496 u. s. w. 

ienen mhd. präposilionalverbindiingen zu sich, neben 
sicJi, steht heute gar nichts entgegen. 

auch zu dem inf. oder obliquen part. präs. construle- 
ren wir imbedenklich ein auf ihr subject bezügliches re- 
llexives sich: lasset das feucr sich ausbreiuien ; wir sehen 
den himmel sich aufklären; er beobachtete den vom him- 
mel herab sich senkenden nebel ; den sich aufgebenden 
gab auch sie auf; er schaute der stf/i drehenden fahnezu; 
man gedachte der sich entfernenden freuiule. doch auf 
den casus rectus ein solches sich zu beziehen wagen wir 
nicht mehr , sondern gebrauchen das geschlechtige pron. : 
er bat seinen freund ihm zu sagen ; er bat sie ihn zu 
küssen; ihren freujul bat sie, sie (ipsam) zu küssen. 

der gen. sein '(oder seiner), auf pcrsonen bezüglich, 
vind von verbis abhängig, kann rellexiv oder unrellexiv 
gesetzt werden ; hängt das lat. ejus von einem subsl. ab, 
so wählen wir das possessiv. statt des ahd. und mhd. 
iieulralen es, gebrauchen wir die relative form dessen: 
er ist dessen fi-oh (ahd. er ist es fru '•''). 



*) mhd. auf dreifaclie weise: er ist es vro, er ist sfn vro, er ist 
des vrö, welcliein It'lztereii das nlid. üesa^:/i mdio koinint. des ver- 
wendet ziiuuil gern Wollram: wer lougciit des'.' Pnrz. 5Ö8, 15; d6 



330 c'uijciclier salz. 

5. Die alts. ags. und allfrles. spräche, wie In vielem an- 
dern, trelleii aiicli darin iil)ereiii , dali ilinen die lellexlv- 
forni des persöidiclien pron. völlig ahgclil, Mas aher nur 
ein liisloi'isclier kein organischer ahgaiig ist. sie müssen in 
frülierer zeit sämtlich ilieses pron. besessen hahen , Avie 
daraus unwiderspreehlich erwiesen ^vird , daß sie das ab- 
geleilele rellexivpossessiv nocli nicht gänzlich enlbeliren. 

von der alts. niundarl gilt jene behauptung nicht ein- 
mal für alle denkniälcr; eigentlich nur für den Ilel. die 
psalmen bieten 63, 5. 72, 27 siij in der bedeulung se und 
sibi dar; das jüngere wiggerlsche bruchstück 15, 9 Siu 
(ipsius) 9, 9. 20 sich (se) , aber sicher rührt dieses aus ei- 
ner ganz andern gegcnd als dem Vaterland des Hei. 

das geschlechlige |)ron. leiht also seine formen zugleich 
für die rellexivbedeutung her, d.h. sein gen. dat. und 
acc. können bald unredexiv bald reflexiv gesetzt sein. 

beispiele des rellexiven gebrauchs sehe man s. 37. 38. 

das alts. wendid iua würde dem Gothen sowol gavan- 
deith sik als gavandeilh Ina ausdrücken, der zusammen- 
liang muß alles regeln. geng imu heißt reflexiv nichts 
als ivit, 131, 2 thd genguu imu is jungoron tö bedeutet 
imu ei. höt ina ledian 124, 16 ist jussit se duci; h^t ina 
iipstanden 125, 9: jussit eum surgere. nicht anders ags. 
altengl. und engl. 

In den nd. cpiellen spaterer zeit ist, wie in Wiggerls 
psalmen, die reHexivform wieder zu hause. jenem s. 32<S 
aus Anno angeführten gen. sinis entspricht sfnes En. 6635 
und bei andern s/ner Zeno 1321. braunschw. ehr. 163. 
allenthalben steht sik, nicht bloß für den acc, auch für 
den dat. sg. oder pl. vgl. z. b. mit Sek (secum) Zeno 616; 
to sik Reinke 190. in der form dieses sik oder sek , die 
nicht mehr dem mi und di der beiden srsten personen 
gleich laufen (obwol das auslautende K wie in ek ich und 
gik euch ist) erscheint einwirkung des hd. sich , so wie 
die anwendung auf den dat. umgekehrt aus dem nd. in 
das hd. übergegangen sein mag. der cölner Hagen schreibt 
sich, wie ich, mich, dich. 

Aus dem mnl. blieb der reflexive dat. und acc. noch 



d^s want zit Parz. 166, 5; unt des mit triwen galien Parz. 580, 18; 

ich wil iucli baz besclieiden des Parz. 420, 9; willen icli des liAn Nib. 

1921, 2; wie wol ich iu des guiide ISib. 2118, 1; als ich dc's liete 

~wkn Nib. 2118, 3. von diesem des uiustäudliclier lieruach bei dem 
possessivuui. 



nomen. pronomen. dritter person. 331 

ferngehalten, nur der gen. sitis erscheint INIaerl. 2, 12. 
Stoke 2, 181. 3, 360. Rein. 3374 (: Belins) Floris 782. 
787 ; allein , gleicli dem mhd. sin auf den sg. niasc. und 
ueutr. beschrankt, die mangelnden casus werden also von 
dem geschlechtigen pron. entlehnt. 

]Nnl. gen. zins (nur für den gen. sg. niasc); dat. und 
acc. zichy für jeden num. und alle geschlechter. die re- 
llexivform ist also beinahe völlig hergestellt und besteht 
wie im nhd,, aus dem auch das zieh eindrang, da der 
auslaut CH neben dem mi (mich), der mundart hier nicht 
entsprach. 

Nur die engl, und fries. spräche gehen bis auf heute 
des rellexivs völlig verlustig und ersetzen es in allen fäl- 
len durch das geschlechtige pron. ich liabe weder in west 
noch nordfries. stücken, aller nahen einwirkung der hol- 
länd. hochd. und dän. spräche ungeachtet, eine spur von 
sein und sich angetroffen. 

6. Die altn. spräche erfreut sich des ungetrübten Verhält- 
nisses, gleich der golhischen. ihre drei rellexiven casus 
Siii, ser, sik entsprechen den goth. seiua , sis , sik in form 
und bedeulung, und es ist ganz unrichtig, daß Rask mit 
diesem , nur der [obliquen casus fähigen rellexiv den nom. 
sä, stj, sjä eines demonstrativen pronomens verbindet, 
sollte auch Verwandtschaft der stamme statt linden. 

beide beziehungen des sik nebeji dem iiif. sind auch 
liier zulässig, sowol auf den obliquen casus, z. b. ok huii 
leit Petrum verma sik (vidit Pelrum calefacientem se) JMarc. 

14, 67; als auf den rectus : badli hann SiHar ver ser 
foera hver (rogavit Sifa; maritum, ut sibi lebetem alferret) 
Ssem. 52'». 

In beiden ncunord. sprachen Ist der rellexive gen. außer 
gebrauch gerathen , und nur si(j übrig geblieben, das aber, 
wie nhd. sich, für den dat. und acc. jedes geschlechls und 
numerus gilt. 

B. (jeschlechtige form. 

Wie das goih. rcHexiv dem lal., entspricht auch das goth. 

15, St, ila dem lat. is, ea, id ; der form und der anwen- 
dung nach, alle casus sind vollständig erhallen, alle con- 
struclionen sondern sich klar und einlach von den re- 
llexiven. seina, sis, sik geiil auf eine nahe drille person, 
die im satz zu den» slehendon verbo gchörl, oder in einem 



332 eiiiJ'acJier satz. 

licgciulcn eiilliallon ist. i.?, imma, ina bezielil sich auf 
eine ferne, diillo jierson , dio mit keinem \eil)o des salzes 
ziisaiiimeiiliiiii^l. bi sik ist 'Jifol aviöv, Tift/i uinov Mallli. 
8, 18. Joli. 9, 22; bi ina 7ii()i umov Job. 9, 18. 

In der alid. spräche ist dem nicht mehr so, und ans 
düinxdleni grund. einmal ist der gen. sg. masc. des ge- 
schleclillgen pron. mangelnd und muß durch sin ersetzt 
werden, daiui fehlen dem rcllexiv melu-ere casus, iiir -welche 
nun das geschlechtige prou. einsteht (s. 325.) alle solche 
Vertretungen beeinträchtigen die syntaclische regel. sfn be- 
deutet nicht bloß s»ii sondern auch ejus (masc); in itnu 
nicht nur in eo, sondern auch in se. für die gesonderten 
formen dauert aber der golh. grundsatz nnd in inan (in 
cum) bleibt geschieden von in sih (in se) '■'). 

Mhd. verändert sich die läge der dinge insofern , als 
der gen. sfn für den neutralen gen. sg. es, in unrellexiver 
bedeutung, häufiger wird (obgleich nicht ganz durchdringt '"'"), 
auch schon einzelne spuren des rellexiven dat. sich (statt im, 
ir) erscheinen, von des für sfn hernach beim possessivum. 

Nhd. hat durch die vollige Zulassung des sich für den 
reflexiven dat. das geschl. pron. beinahe wieder seine na- 
türliche begrenzung erlangt; in sich (in se) steht ab von 
in ihm (in eo.) doch der gen. es (masc. nnd neutr.) bleibt 
verscherzt, und haftet nur unerkannt in einzelnen gen. 
consiruclionen , von welchen im verfolg gehandelt -vAerdcn 
soll, vertreten wird er bald durch sein , bald durch des- 
sen (s. 329.) 

Der hochd. dialect hat sich also bemüht, die Unter- 
scheidung zwischen dem rellexiven und unreflexiven pron. 
aufrecht zu erhalten, obgleich es nicht ganz damit gelungen 
und statt der organischen rellexivform des dat. zuletzt die 
accusalive aufgcgriU'eu worden ist. 

In der sächs. uiul fries. mundart hingegen Avaltete das 
geschlechtige pron. für beide bedeutungeu, mit gänzlicher 
beseiligung der reflexiven form*"*), wie diese jedoch, auf 
verschiedne weise, ins mud. mnl. nnl. wieder eingeführt 



*) die bloß in die formlelire, niclit iii die syntax, geliörenden ab- 
weichungen des ahd. gesclii. pron. von dem goth. bleiben Lier un- 
beriicksiclitigt. 

") es (ejus) steht noch ziemlicli oft, z. b. mi tuet is goume Diut. 
3, 90; si sint es frö Parz. 23, 13. 47T, 15. 564, 3. 568, 1. AVh. 21, 
25. 40, 5. Nib. 670, 3. 

'") strenger gegeusatz zu der großen ausdelniung des slavischen 
reflexivs (s. 319.) 



jioinen. pronomen. dritler persoii. 333 

worden Ist, habe Ich vorhiu gezeigt. das paradigma des 
mul. gesclilechligen prou. (gramiu. 1, 786) leidet die be- 
ricliligung, dal^ der gen. sg. fem. haers lautet, iinterscliie- 
deu von dem gen. pl. aller gesclilecliter haer. 

Einen hauptunterschied des nord. dialecls von dem goth. 
und allen übrigen deutschen bildet der gänzliche niangel 
des geschlechügen prouomens, das dem is, si, ita, abd. 
es, siu, iz entspräche. es wird dafür im sg. masc. und 
fem. ein anderes wort kann vmd hon (gr;imm. 1, 786) *), 
für den sg. neutr. und den plur. aller geschl. aber das 
demonstrative pron. thul u. s. w., their u. s. w. gebraucht. 
Nicht anders verhalten sich das schwed. hau, hon, detj 
däu. han , htm , det. Syntactisch aber lialten sie gleiche 
linie mit dem goth. geschlechligen pron. und stehn geson- 
dert ab von dem redexivum. 

Von dem auftreten dieses geschlechtigen pronomens drit- 
ter person neben der verbalilexion ist cap. 5 des vorigen 
abschnitts geredet worden. die besondere anwendung der 
neulralform ez im eingang unbestimmter sätze und bei 
Impersonalien wurde s. 222 ff. s. 227 ff. abgehandelt. 

Hier scheint es der ort auszuführen, auf welclie Aveise 
die nihd. spräche das nenüiche ez, zwar nicht wie dort 
Im noni. (224. 274), sondern im acc. mit acliven verbis 
zu verbinden pflegt, ohne daß es sich auf ein vorausge- 
hendes subst. bezieht, oder ihm noch eine bestimmte be- 
deulung beigelegt werden kann, folgende verba geliören 
dahin, und es ist besonders ihr Ursprung aus sinnlichen 
verrichtiUKjen wahrzunehmen : 

ex rümen (loco cedere.) Ysaac unde sin w?p niuosen 
IZ rumen Diut. 3, 72; daz err. schiere rumte En. 1964; die 
herrcn rümtenz. dar Pioth. 4736; smorgens vor der veste 
rümdenr. gar die geste Parz. 54, 7; iS irr. gcrumet hie jNib. 
1396, 1; beguudiz. dar rümen Alex. 6336. 6613; er rümdes 
im oucli SU l\v. 3314; ich rumez. nicmer hie Gregor 337.5; 
ir sults hie rümen Gudr. 1345, 4; winder hat ez hie ge- 
rümet Ben. 437; rüme ez winler! INls. 2, 82'; swcnuc 
CYZ hie mit scliaiulen rümet IMs. 2, 225^; du rüiucst ez 
hie Kall 57''; die boten rümtenz da Karl 97''; er nc 
woldis ime rümen Alex. 1709. u. s. w. *) sonst licilU es 



*) ob sich ctynioIon;iscli dieses Iiann , Iion mit is, si , brsoixiors 
durch verniiltc'luiig des ags. Iic, hco verciiibiucii lasse V bloilit hier 
bei seile. 

••) N. ps 101, 7: waiida nndere fii^ela rumcnt, sparo ist lieiiiie; 
hier hätte sich ein ;'~ rünicnt erwarten lassen. 



334 einfacher salz. 

oTl: den wcc, Jaz laut, den tau fVib. 887, 1) daz vaz 
rumen ; unsrc rcilcnsarl gierig, wie ich glaube, anfangs auf 
das gegenseitige ausweichen der tiinzer oder Fechter, ge- 
•Wühnlich bcslinunen es beigefügte localadverbia naher. 
• es scheiden: nuigct ir iz gesceiden pf. Chuonr. 589; 
mölilen six in beiden hun gescheiden l\v. 7275; wir suhi 
€Z hie iiiil handfii, wir zvvene under uns beiden, iu einem 
ringe scheiden Trist. 6450; su niuoz ez gut scheiden mit 
kämpfe under in Schwabens)). 219, wie auch sonst: tlaz 
scheide got, daz niuoz got scheiden Freid. 6, 10. 158, 27, 
die Vorstellung von gerichtlichem entscheiden liegt nahe, 
scheint aber doch jünger als eine sinnliche: das holz spal- 
ten, Nvitu sceidan (lignum findere, vgl. alln. skeid, holz- 
löllel)? lind dann wäre die bedeutung: zerhauen, den 
knoten lösen, etwa wie wir heute sagen: es klein kriegen. 
ez siienen: daz six suontiu HofFm. merig. 98; süene 
ez Nib. 2273, 4; ich bringe diesen ausdruck nur zweifelnd 
hierher, denn in der ersten stelle ließe ez sich auf das 
ein paar verse vorausgehende urliuge ziehen, suonan ist 
ahd. judicare und componere, versöhnen, dürfte man das 
ez deuten aus dem zeichen der sühne, dem sühnkus (os- 
culum pacis), so wäre ez süenen soviel als : den sühnkus 
zuerkennen und dann geben, nnl. ist zoenen gerade zu 
küssen, zoen , zoentje osculum. doch fordere ich noch 
weitere belege des scheinbar beziehungslos stehenden ez 
bei süenen. 

ez irren: ir irret iz pf. Chuonr. 1486; sonst den wec 
irren (RA. 633.) 

ez nemen y benemen: ne hete iz in diu naht benomen 
Diut. 3, 81; iz ne beneme ime der tut oder ehaft nut 
Roth. 4925 ; ehaftiu not hat irs benomen Iw. 6042 ; it ne 
neme ime echtnut Ssp. 1, 70; auch hier muß an eine 
sinnliche wegsperre gedacht werden, ohne ez Alex. 2585. 

ez rihen (molliter attrectare): du begunden si (di vide- 
laere) ez riben nüt kuusleclichen grilTen Wigal. 8479, künst- 
lich aufstreichen; er ist an dem tanze ein rehter treibel, 
mit dem fuoze evz walket imd r?bet IMs. 2, 57"^, mit dem 
fuß streicht der tänzer auf dem boden leicht einher *). 

ez walken (pulsare, tundere): die andern teiten rlter- 
schaft, daz sie:, wielken vaste unz an die naht Parz. 82, 7; 
die kameran-e bi der lur wielken ez mit starken siegen 
Wigal.- 9490; sie wielkenr. hin u. her (schretel u. her 254); 



*) liinter zispet muß ein comma stelin. 



nomeii. prononieii. dritter persoji. 335 

si begondeiii relite walken als dri Avilde falken under den 
kleinen vogelKn Geo. 142; nvi luz wir ez walken! Otloc. 512^ 

er. rvikisen, ein ähnlicher, noch unerklärter ausdruck 
erst in einer stelle bei Nilhart aurgefunden : wir siUn es 
üf den auger wol wikisen Ben ^41. dem verhiim liegt 
ein subst. zum gründe das ein eisernes geräthe ausdrückt, 
wahrscheinlich xvukistn , tvejisen (pflügen) ]N. ps, 64, 11. 

ez rüereiif ein gern von saiten und andern Instrumenten 
geltendes wort: si kundens anders rüeren mit den eckeu 
\Mi. 450, 26 ; die vinde hefßuidenz (so lese ich) rüeren 
Gudr. 701, 2; ahi wie er ez ruorte in deni strite ! Rab. 
558; wir sülu ez mit strite vaste rüeren Rab. 590; aller 
erest siez manlichen ruorten Rab. 741; ah* ^vies "VTolfhart 
dii ruorte ! Rab. 749 ; si sidnc mit llatschen rüeren den 
beiden üf den renden Bit. 8449 ; alii wie si ez ruorten uf 
die helme mit ir siegen Dielr. 3418; aln wie mans do 
ruorte nüt strite! Dietr. 8854; alu wie sies du ruorten 
mit den siegen! Dietr. 9136. lauter Übertragungen der 
redensarteu vom saitenspiel auf das spiel mit den schwcrten. 

ez strichen'} aufstreichen, aufspielen, wird vielleicht 
auch vorkommen. 

ez klengen? ich finde nur das intransitiv mit lan: der 
llez ez euch mit strite erklingen Rab. 730. jenes wäre 
schöner. 

ez tichen ; swer mir ez mit den vuiden liiule hilfet 
liehen Gudr. 1389, 3; wies Gtsel da mit tanze tichen sol 
Ben. 385. 2, 83^; da sis nüt jamer muosten tK-hcn JMs. 2, 
15^; wie sie ez tichen i\f dem wal Oltoc. 158^. schon 
wegen der, wie bei riben, walken, rüeren, hinzu con- 
struierten präp. mit mui\ auch für tichen eine sinnliche, 
von spiel, tanz, gesang oder einem andern geschaft aus- 
gehenile bedeutung gemutmaUt worden, wekhe hcrnacli in 
die a1)slraclion : es vcisuclien , probieren mit etwas? oder 
vielleiclit vollführen, zu ende bringen? übertrat *). 



•) stolze mnfide, ir siilt ein niiiwcz (s. 2fi4) tichen (neues spiel, 
lieH anflehen ?) IJen. 441; die vopcl went ir {lesnnr aber ticlirn den 
siinier laue, (wieder ersclinilcn lassen, anstimmen?) I5en. 4:Ui; da 
wider lAzent naiitifinl dar tiilien (ihre stimme erseiiallen, srlilapen anV) 
Ben. 440. Nun aber hei Her!). 51c: niit sieben und mit stiehen die 
lebenden daz liehen, dnz die töten waren tot; irli deutete 1, 9;<7 biil^len, 
imd wirklieli weist Schni. 1, .S.tI ein deieiien = biil^en, vergüten anf; 
kann man sa{,'en : den •lesanji bii|ieii, sieh satt sinj,'enV wie den linn- 
ger biil',en, .stillen V dazu stimmt das 'ein iiiuwez' nieht. \.s. 3, H'irt 
ticlict := geht langsam, schleicht, bei Schm. ein bair. deichen, tardo 



336 einfacher aalz. 

ez liehen: lal ez lieben die lliuncn Nih. 1824, 3; an 
der liehen briilcM-rmcn Imobez. Ijigoliuur IJeii. .'iOO; du 
liusl iz eihaben \)[. ('Iiiiour. 5505; daz ez erhalieii ^vlII•de 
Nib. 1817, 7. ^vahrscheinlich zuerst vom anheben bei 
spiel oder gelag, erliuop daz liet Pieinh. 249. 

ez enblandeii: wil ich iz mir enplanden fr. l)cll. 1382; 
wurde iz in enj)Ianden das. 1503; got eine niac in helfen 
hin, ob er imi enl)landen wil I\v. 6342; wir niüezcn ez 
slai'ke cublaudcu den armen unt den handen Iw. 6391; 
daz volc niohts den ougen nilit enblanden Parz. 231, 25; 
nu muose imr. enblanden Tnrl. Wh. 15^; si liezen inr, 
enblanden Pvab. 599. 662. Olloc. 255'^; er muozs enblanden 
an den liden JMs. 2, 254^; swer volget dem Schilde der 
sol ez enblanden dem Kbe, dem guole, dem herzen, den 
handen JMs. 2, 29^; der sol ez dem Kbe enblanden Ms. 2, 
37^; der werlde ze minnen eublienders saien sinnen Wigal. 
142; doch enblieudensz den ougen Flore 7729; ja em- 
plienden siz, ir banden Bit. 9120; statt des ez kann auch 
daz, oder ein bestimmtes subst. siehn; der knabe enplient 
dem rosse daz Bit. 2954; kint, laut in den reien wol en- 
planden! lAIs. 2, 81''. die abstracte bedculung ist: bemü- 
hen, anstrengen, sich kosten lassen *) , (nur Wolfram, in 
der angeführten stelle, scheint es abweichend für ei'sparcn 
zu nehmen.) es muß aber wieder eine längst verdunkelte 
sinnliche dahinter stecken, die vielleicht von der bereilung 
des getrankes hergenommen ist? plantan heißt niiscere 
(schon das golh. blandan 1 Cor. 5, 10. 11) und 0. IV. 12, 



passii incedere, bei Stalder 1, 280 tichen schleichea, lacern. galt 
das wort von einer langsamen, sclileifetiden , feierlichen bewegung des 
tanzes und gesanges? es ist ein ablautendes verbum, und doch lassen 
die übrigen dialecte dabei im stich. — Nur das erst neu wiedcrge- 
fundne goth. gadikis (nAüa/f«) Rom. 9, 20 konnte auf ein deika, 
däik leiten, zu welchem sich däigs (massa) Rom. 9, 21. 11, 16 ver- 
hielte wie zu tiche das subst. teic (gen. teiges) obwol ich nicht ver- 
stehe warum n?.i'.nnc durcli digands statt deikands oder wenigstens 
deigands gegeben wird. Zusammenhang dieser Wörter angenommen, 
würde tichen ursprünglich auf die bereitling des teiges, der brotmasse 
gelin, was ganz von der vorhin versuchten erklärung ablenkt und 
eine sehr kühne üliertragung auf den gesang voraussetzt. 

') ahd. kiplantan (confectus, abgearbeitet) Diut. 1, 493^ 496a; 
waren mir inhiandene (moiesti mihi erant) N. ps. '3i, 13. 54, 4; 
tiu inblandena (niolesta, adversa fortuna) N. Bth. 105; inblandeno (adv. 
«iifficulter, mit mühe, schwierig) N. Bth. 202; nist themo thar in laute 
tod io thaz iublante, tiiaz sinan frinnt biweinö (keiner ist in dem land, 
dem der tod die boschwerde zufüge, daß er seiaeu freund zu be- 
weineu habe) O. V. 23, 245. 



nomen. pronomen. dritter person. 337 

23 sagt von dem verräther : tLer tlilseu ecaden blianl 
(braute , stiftete.) 

er. hrimven folgere Ich aus: wiv siiln ein nIu^vez briu- 
wen Ben. 352, wie ein niuwez ticlieu (s. 264.) 

es. bieten, erbieten (laute tracfare): ich erbiuli iu, daz 
es AiiiplKse Gamurete nie baz erbut Parz. 406, 3 ; nu sol 
ein ieslich sa'lec wip erbietens guoten liuten wol Parz, 
660, 23; mit Avorten und mit sinne erbuten sis einander 
"wol Wigal. 3144; daz es nie Avirt niere sinem gaste baz 
erbut Iw. 6550; ir erbutet mir es liie su wol Trist. 1537; 
nie lieben gesten nians su giietlich erbut Nib. 734, 4; 
kan, als ein erber toliter sol, es iederman erbieten wol Ls. 
1, 383; unde bietes sime gaste so Amgb. 6^; ein biderber 
w^irt sol es wol erbieten dem biderben unde euch dem 
Schalke Amgb. 32^; empfieng in in sin hus und buls im 
W'ol Bon. 91, 9; er wolcls im bieten dennoch baz Bon. 91, 
24. die redensart stammt aus der bewirtuug der gaste 
her, und gilt vom darbieten des tranks. 

es bi'inijen , ursprünglich: einem das glas, den bechcr 
zubringen, propiuare, noch im 16. 17 jh. liäuflg : ich 
bring es dir, ich bring dir das *). doch ist mir kein mhd. 
ez bringen in diesem sinn erinnerlich, dagegen sieht ab- 
stract: sus het ers umbe si alle brüht Iw. 2652, es um 
sie alle verdient. 

es tiion : si hetens dicke wol getan an maneger riter- 
schefte Wigal. 9140; diu maget tcls da harte guot Wigal. 
11016. in beiden stellen ist von heldenarbeit die rede; 
so auch in der passiven redensart : du wart es w ol getan 
Gudr. 184, 2. vgl. Parz. 726. 9. 

es triben: ez hals getriben w^ol zehen jar Wigal. 4316, 
von einer gespenstigen erscheinung; ich tnbes kurz ode 
lanc Iw. 7792. 

Wahi'scheinlich noch andere. aus unserer hculigcn 
Sprache etwa: es aushalten, es ausliaden, es treiben, e* 
einrühren, es eintranken, es einbrocken , es brauen u. s. w. 

Mnl. het riimen ; si musteiif rumeu te hären scanden 
Stoke 3, 153; muslenf daer rumcn 3, 162; ic ue rumef 
dur ghene nut 3, 383. 

Diesem Itet rinnen inid dem mhd. es rinnen cnispricht 
das im franz. noch jetzt gellende /e ceder ; auch /'empörter 
gehört dahin , wofür ioH den parallelen deutschen ausdruck 



') woher das ital. far briiidisi. 



338 einfacher satz. 

niclil fiiule , (lonii unsor: es davon trogen wlrcl nicht XAiAS 
vom sk'ger gobiauclit. urs|)riingli(;li wol : die faluic, die 
rüstiing (spolia) davon tragen, aus dem feld als sicger 
lieimkehrcn *). 

Das in der spateren ahstraction bedeulungsleer gewordne 
es drückte also in dem sinnlichen begrif der vor/eil gerade 
etwas allgemein bekanntes aus, worauf es bei vollbringuny 
der Sache ankam, alle diese rcdensarten weisen auf ein 
frühes allerthum, das an kämpf, s|nel, tanz, gesang und 
trinkgelagen seine größte freude liatle. sehr hoch hinauf- 
reichen werden sie darum sclion, weil Notkers inblanden 
bereits ganz abstract erscheint, von den ahd. dürren Schrift- 
stellern lernen wir solche constructionen nicht, so verbrei- 
tet sie zu ihrer zeit gewesen sein müssen. 

Für etwas anders halle ich unser iihd. ebenfalls ac- 
cusatives es , das wir in redensarten wie : ich ziehe es 
vor, unterlasse es nicht, schiebe es nicht länger auf, zu 
sagen, ii. s. w. dem infinitiv voraussenden, das also in 
der folgenden construclion gleich seine beziehung faulet, 
nicht wie jenes es in etwas un ausgedrücktem , aber ver- 
stauduem. 



Possessives pronomen. 

Ans dem genltlv der persönlichen pronomina werden ad- 
jectivische abgeleitet, welche sich bec|uem zu Substantiven 
construieren lassen, während jener gen. selbst sich mit 
verbis verbindet, unentbehrlich waren die adjecliva nicht; 
man hätte auch bei subst. mit dem gen. ausgereicht. 

Die ältere spräche zeugt aber bloß aus dem iinge- 
schlechtlgen pron. possessive formen, keineswegs aus dem 
geschlechtigen uureilexiven pron. dritter person, dessen sechs 
genitive zur bezeichniing aller possessiven Verhältnisse ge- 
nügten, demselben organisnuis begegnen wir in der gr. 
lat. und in den übrigen urverwandten sprachen; auch die 



') das franz. le in diesen plirasea halte ich nicht für den acc. 
masc. (illiiin) sondern für einen Überrest des neutr. (illud); das foljjt 
klar aus je le suis == ich bin ez (s. 274), wo der acc. unstatthaft 
ist. aber aucli in il y a (s. 227), il pleut (s. 252) läßt sich il als 
jieutr. durciifiiliren, weil im beginn des siitzes die beiden anlautenden 
buchstaben ;71ud erhalten blieben , in dem zwischen' andere Wörter ge- 
sciiobneii le die beiden folgenden (il/ud.) 



nomen. proTiomen. possessives. 339 

ronianisclieu sind nicht davon abgewichen. Unter unsern 
imuidaiteu bleiben ihm treu die goth. ahd. sächsische, frie- 
sische, nordische, kurz alle außer der nhd. und nnl., deren 
abirrung sich aber schon auf die nihd. und iiiul., wenig- 
stens dem beginne nach, zurückführt. 

Hieraus ergibt sich schon im allgemeinen, daß Störungen 
der possessiven construction hauptsächlich für die drille 
person zu erwarten sind. 

Auf alle possessiva erstreckt sich folgende bemerkung: 
mit Substantiven verbindet unsere spräche, gleich der lat., 
und von frühster zeit an nicht den gen. des persönlichen 
pi'ononiens, sondern überall das adjectivische possessiviini^ 
erst für die dritte person, im unrellexiven fall, wird jener 
gen. gesetzt, so lange sich aus ihm kein unorganisches poss. 
erzeugt hat. demzufolge heißt es z. b. gotli. svera atlan 
meinana, sverais altan theinana , sverailh altau seinana, 
aber svera attan is (honoro patrem ejus.) Die gr. spräche 
zieht auch bei der ersten, zweiten, so wie der dritten re- 
ilexiven person den gen. des persönl. prou. dem possessiven 
vor: tifio) %6v naiioa fiov, Tifiäs t. n. oov, Tijitä t. n. 
iavTOV , so daß diese conslructlonen mit der unrellexiven 
iißiöi tov iiaTiQu uviov paralleler laufen. Ulf. löst aber 
jederzeit die gr. gen. (außer im unreflexiven fall) in goth. 
possessiva auf, wofür es kaum der belege bedarf, da sie 
sich allenthalben darbieten: [nov ftadr^rrjC , tneins siponeis 
Luc. 14, 26; ol fiuOr^Tai cov, thai siponjus theinäi JMarc. 
7, 5; iz 'Veöir^iös fiov , us jundai meinäi Älarc. 10, 20. 
liuc. 18,21; nuT£Q i'^/iüi\ atta iinsar ! JMaltli. 6, 9. dieses 
unsar ist klar das poss., denn der gen. pl. des persönlichen 
pron. würde inisara fordern, das ahd. fatar unsar könnte 
zweifelhaft scheinen , weil mit der possessiven foi'm hier 
der gen. pl. zusanuiienlrift, aber schon die Übersetzung 
aus dem pater nosler der vulg. hebt alles bedenken, weiui 
daher noch jetzt im lutherischen gebet gesprocheu wird: 
valer unser, so ist das kein gracisnuis, sondern allerlliüm- 
liche nachsetzung des posscssivs (IMatth. G, 9. Luc. It, 2 
stellt es Luther voraus: unser vater.) Die ndul. diciiler 
lieben, wie im verfolg gezeigt worden wird, unjleclierte 
U(1j. den subst. nachzusetzen; das gilt auch von den pos- 
sessiven , die zumal im reim haulig voikon)men : der biuo- 
dcr S/n ISil). 9, 1; der neve s/n iSib. 11, 1; vil liel)iu 
nuioter viin IN'ib. 15, 1; vrouwe vi/n TSih. 17, 1. I\v. 2162; 
vil lieber vater m/n JNib. 53, 1; lieber hcirc ml'n l\v. 
7528; durch den willen min j\ib. 62,3; vor allen vteudcn 

\ 2 



340 einfacher satz. 

sin Nih. 62, 4; ez isl iiilit von den ßcluilden sin ^ von 
den iinSii;lJcn uiin, Iw. 4067; al die üvenliure sin l^arz. 
3, 18; der «larlcr d/n Wli. 49, 12; den Inuioder min l'arz. 
6, 25; der valcr sfn Parz. 14, 14; und allcnllialben so- 
man liiile sich, diese dem sahst, iiacligeselzlon possessiva 
für gen. des ])ersünl. pron. zu hallen; das Aviire eine völlig 
iindeulschc liigung. liciile ist die poslposilion unslallhall, 
oder würde, selbst in liedern, aUecliert allerlhümlich 
klingen. 

Dies vorausgeschickt kann ich nun die possessiva der 
elritten person abhandeln. 

das golh. sein, seina, seiuata hczielit sich gleich dem 
pcrsünl. gen. seina, auf je'des genus und jeden niuuerus, 
aber nur im wirklich rellexiven fall, es geniigl n)ir belege 
für das fem. und den pl. niilzulheilen: jMarja bisvarb foluns 
is skufla seinamma ßluQ.-u i^tjiia^e ratg -if^oi'^iv avTiji; 
tovs nodas ccviov Joh. 12, 3; gabar sunu seinana iiexs 
lov vlov avT'ijS Luc. 2, 7 : (jvenes seinäim abnani uf huus- 
jaina ai yvvuutp Toig id'iofs drd'Quoi Eph. 5, 22 ; garun- 
nuu leikinuu saühte selndizö ovvi]Qyovto -O-taw^ifvcüitut- 
ano rojv aoOsveiMP aviüJv Luc. 5, 15; lel thans dauthans 
filhan seinans duulhans arpsg zovg vexQovg ■OüU'ut rovs 
iavTMV vexoovc Luc. 9, 60, so gut nemlich sik neben 
dem inf. steht, darf es auch das poss. seius. nicht anders 
bei dem obliquen particip : vaürkjandins bl muna viijins 
seinis IveoyovVTog tcaru rr/p ßov/.iv tov DiXijfturoQ uuxov 
Eph. 1, 11. Der noin. dieses reflexiven poss. ist nur dann 
denkbar, wenn zu dem nom. des subjecls ein andrer nom. 
prädiciert wird, z. b. in redensarten wie: er ist sein eigner 
feind, sein eigner ankläger, ille ipse suus fuit accusator, 
dürfte auch der gotli. nom. seins stehn. Überall wo 
keine reüexion statt findet, muß der gen. des geschlech- 
tigen pron. steliji. 

Weit beschrankter ist das ahd. sin auf der einen, aus- 
gedehnt auf der andern Seite. 

a. reflexiv gilt es ledigllcli im bezug auf ein männliches 
und neutrales subi. im sg. , nicht mehr aber im pl., und 
ebenso wenig für das fem. überhaupt, es heißt also z. b. er 
eret si'wrtu fatar, sinn m\io{nT\ hingegen: sie erent /»'o fatar, 
siu eret ira muotar; laz tute bigraban iro toton ]Malth.8, 22. 

b. unreflexiv auch für den sg. masc. , dessen gen. im ge- 
schlechligen pron. mangelt, sme ebanluzon (ejus discipuli) 
R. 16*. jenes (?ret sinan fatar kann außer colit patrem 
suum den sinn haben; palrem ejus ^ dea vater eines an- 



iLomeii. pronomen. possesswes. 341 

dcrn, da sich nicht mehr wie im golli. eageii ließ: sveraitli 
allan is. T. 2, 5 vocabis nonien ejus: iieinuis ihii sinun 
iiamou (golli. liaituis uamo is Luc. 1, 13.) 

dieser einscliränkuug und ausdelinung zur seile lauft eine 
gauz analoge des geschleclitigen prouoniens: 

a. iinreilexiv kann es auf alle gesclilcchler, nur niclit auf 
den sg. niasc. gehu, 

b. reflexiv aber aucli auf den sg. fem. und den pl. aller 
gescblecliler, z. b. filia colit patrem suum lautet: tolilar 
eret fatar im , filii colunt patrem suum : suni erent falar 
iro , in welchen beiden salzen, dem Zusammenhang nach^ 
aucii ejus verstanden werden kann. 

die entfernung vom goth. Sprachgebrauch ist so stark, 
daß oft gerade die un)gekehrten pronomina statt fuiden, 
z. b. jenes Marja bisvarb loluns is skufta seinmnma wäre 
ahd. ]Mar. gisuarp sine fuozi mit ira iahsü, 

Mhd. verhält es sich , der hauplsache nach , wie ahd., 
doch ist folgendes wahrzunehmen : 

1. das possessivum Sin läßt sich vielleicht noch bei ein- 
zelnen dichtem und als seltne ausnähme in seiner älteren 
alltjeineiiiheil nachweisen. ich habe nur eine stelle aus 
llerbort 15'^ angemerkt, wo es für den pl. fem. gebraucht 
stellt 5 es ist die rede von Venus, Juno und Pallas und heißt 
dann: ir iegeliche mir sine gift bot. Parz. 659, 24: diu 
fruht sinr muoter muoler wirt. 

2. gewöhnlich und in der rcgel hat es nur beziehung 
aufs tniisc. und neutr. , sowol für den fe/lexiuen als den 
unvejlexiuen fall, letzteres z. b. : des (cujus) vater hiez 
Sigenuuil, sin (ejus) muoler Sigelint Nib. 20, 2; in si'nen 
besten ziten, bi sinen jungen tagen man mühle michel 
wunder von Sifride sagen Nib. 23, 1 ; der künic klagte 
sere, sam tet ouch sin wip Nib. 2017 , 1; sin valer Parz. 
5, 25 ; sin eller sun Parz. 6, 2 ; daz er het e gesehen di- 
sen ritter oder sinen schin Parz. 18, 12; daz ir sigelus Sit 
gesehen, daz ist ^von siner kraft 'geschehen Wigal. 613; 
und damit reichen die meisten gedichte aiis. lun* nicht 
Wolfram, dessen slil schon so gedrängt und gedankenvoll 
ist, wie die bessere nhd. prosa; ihm wird, für die nicht 
rellexive bedeutung, neben dem ])ossessivum ein demon- 
stratives des ^ aber im sinn von ejus, ziun bediirlnis , und 
zwar, so viel idi sehe, in nachstehenden fällen: 

a. wenn in dem salz ilas poss. sin bereits enthalten isl 
luid beziehung auf ein weiteres djitles subjcct nOlliig wild: 



342 einfacher salz. 

nuiotor, bruotler, noch des laut sin ouge nlninicr ni(*r er- 
kus Parz. 12, 16; shis valcr fremle und des not l'arz. 
112, 13; sins valer helfe und des rat ^Vh. 'JS, 20; 
Sin ors von Iscr truoc ein dach, daz was für siege des 
gemach Parz. 36, 22; S/ii sweher u. fies wip Wh. 175,23. 
in allen diesen bcispielen würde sfn misverslaiid erzeugt, 
nemlich falsche beziehung auf das subject, dem sclion das 
erste sfn gehurt, veranlalU liaben. 

b. wenn , oline ein andres sin im salze, der bezug zwi- 
schen mehrern subjeclcn schwanken könnte: si enphien- 
gen von im ir laut u. des geniez Parz. 52, 5; der wise 
man enzelt dechelne sippe zwischen vatcr u. des kinden 
Parz. 752, 12; Tybaldes laut u. des w?p du liast ^A^h. 457. 
16; got halde iuch alle, benanm den künec vi. des wjp 
Parz. 148, 1 ; din niinne ist sluz unde baut miiis herzen 
und des fröude Parz. 76, 26; er dersach eins turnes gujifen 
tint des dach Parz. 161, 23; er enbut Artuse ii. des wil)e 
Parz. 625, 17. auch in solchen fügungen würde sin leicht 
Zweideutigkeit herbeiführen, das des ist gewöhnlich von dem 
ininiiltelbar vorliergehenden subst. abhangig. 

c. bei einfacher abhängigkeil, da, wo ohne misverstand 
auch sfn gebraucht werden könnte : der nieister j^onielras 
soll ez geworht han des haut Parz. 589, 14: Tybaldes 
räche u. des nit ist alrerst um den wurf gespilt Wh. 26, 2 ; 
den künec u. des kint verliez Wh. 102, 15; der regen u. 
des guz Parz. 603, 7; Tybalt und des gerich AVh. 44, 22; 
got selbe u. des kuust Tit. 104, 2; guol man u. des guot 
wip Parz. 740, 29; wie Tilurel u. des sun Frimulel den 
gräl braeht üf Amfortas Parz. 455, 17; nu kom Tibalt u. 
des sun Wh. 364, 1; zumal liebt Wolfram die phrase: 
luid des wip : da der wirt saz u. des wip diu burcrävin 
Parz. 34, 9; der künec u. des wip Wh. 129. 8; der künec 
Artus was alda u. des wip diu künegin Parz. 644, 17; ich 
vant den künec u. des Avip Parz. 653, 28; Artus u. des 
wip diu küngin Parz. 684, 17. hier würden alle übrigen 
dichter sagen sin wip ; doch einmal hat Wolfr. diu küne- 
gin sfn wip Parz. 671, 1 und mit nachgesetztem poss. : Ar- 
tus u. daz wip sfn Parz. 698, 17. *) er verwendet auch 
des^ voUkonuiien richtig, in bezug auf subst. eines voraus- 
gehenden Salzes: hie ist ouch Gäwan des sun Parz. 66, 
15; Clinschor, des ueve, Avarp alsus Parz. 656, 18; des 
tut schoup siufzen in diu wip Parz. 161, 3. 



') so aucli: icli bat den künec mit sine man Parz. 528, 11. 



iiomen. pronornen. possessit^um. 343 

(]. einigemal bezielit er shi und des nebeneinander auf 
dasselbe subjecl: sin herze und des sinne ranc nach wibe 
lune Wh. 22, 24 (oder des herzens sinne?); Amor der 
niinnen got und des bühse und sin ger Wh. 25, 14. Wenn 
Wh. «SO, 4 zweimal s/n von verscliiednen subjecfen ge- 
braucht wird : von welheni laut sin iiberval üf sinen scha- 
den wfiere getan? so war hier gar kein des statthaft, da 
sich das erste sin auf den gefragten, das zweite auf den 
fragenden richlet *). Überhaupt kann man annehmen, daß 
näheren subjccten sin, ferneren des gebühre; auf den casus 
reclus geht niemals des , nur si7i , aber dieses auch auf 
den obliquus, d. h. stn steht bald rellexiv, bald unrellexiv, 
des immer unrellexiv. 

2. der gen. ir gilt für den gen. sg. fem. und den gen. pl. 
aller geschlechter, d. h. für das goth. izus , ize, izu, für 
das alid. ira, iru (bei N. und W. schon iro , iro, im 11, 
zum theil 12 jh. ire, Ire.) er steht aber beides, in un- 
rcllexiver \md rellexiver bedeulung. dieses z. b. diu kü- 
lu'gin lie liegen den künec ir man Iw. 99; sus schieden 
si sich von ir valer \\ h. 6, 18. jenes: ir enschadet der 
winter an ir schrriie Iw. 579; daz ez ir keiner wart ge- 
Avar Iw. 102. reiche belege im wb. zu Iw. s. 106. 109. 
■Selbst mit dem arliUcl kann dies unveränderliche ir ver- 
bunden werden: ich laze iu iuwer guot luide iuwer swester 
habe daz, ir Iw. 7688; den luwern ])jis an den ereu, unt 
den ir anme guole Iw. 6058, wo wir heulo sagen: das 
ihre, den ihren. 

An die stelle dieser beiden possessiv gesetzten ir bildet 
nun die reine luid höCsche mhd. spräche eigentlich noch 
kein adjeclivischcs ir , irin , irz, und wenige slcllen da 
wo es abschrc'iher einschwärzten zwingen zu dessen bei- 
behallung. im ganzen Iw. kein beisplel. doch M olfrani 
bat iriu bein Wh. 25'J, 9; Wirnl: vor irre juncfrouwen 
Wigal. 4042 ; irre muoler (matri ejus) AA ig. 7440; ireni 
lobe Wig. 10473. bei Golfried, Rudolf, ('onrad und den 
meisten andern lauter unveränderliche gen. ir. eher ge- 
slallet der volksmäUige slil das possessiv: iren lip Nib. 
1473, 4; iriu (in der rasur) TS'Ib. 1290, 2; iren JNib. 1956; 
3 (in einigen hs.); iriu dinc Kl. 189. 



') solche sin in niiicni fcal/ :iMt' verscliiedncs subjecl bezogen sind 
frcllicli l)ci ancbrn (ridilcin weit liiiii(i<;er, ■/.. h. llarlninnii sa«;!: <lö 
antv.urt er uiit i>in wip beide giiol «incle b'p vil gar in ttne gewalt 
Iw. &097. 



344 einfacher satz. 

unlciigb.ir Avarcn solclio formen schon unter dfn JIcli- 
tern des 12 jli. zienilicli gangbar; 7Avar die gcncsis Diiit. 3 
liat jiiii' den gen., 7.. b. smiii chiiit und irc. bniii 3, 82; 
ininlu ^Vlb und ire ])arn 3, 83; mit allen ire cliindcn 3, 
83; so auch ire burchveste pf. Chuonr. 874; ire krapht 
das. 1216. hingegen: daz si ernie (so die hs.) lierrea 
vuren Roth. 144; iren ruof si du liuben Roth. 179; ich 
wil es gerne iren rat lian Roth. 531; zu iris vatcr keme- 
iiaten Roth. 2332; iren walt Alex. 662; an im Jibe Alex. 
1313; an im guolc Alex. 1315; di swesler im bruoder 
Alex. 3010; nurli iren holden Alex. 1853. 1905 und in 
diesem gedieht öfter; iria wort (ludes gehugde 205); iriii 
swert (das. 958); iriu tougeii fundgr. 130; im magetuom 
fundgr, 194; mit heiligem irin bluode Anno 89; bi im vater 
Diul. I, 9; in der kaiserchron. ohne zweifei verschiedentlich. 

man darf annehmen, daß dieses unorganische possessiv, 
welches die erhebung der spräche im 13 jh. nicht ganz 
niedeihalten konnte, im laufe des 14 und 15 vollends um 
sich grif. eine solche bezeichnung gebührt ihm, weil es 
sich weder in einer der luverwandten spraclien, noch ein 
paralleles aus dem männlichen oder neutralen gen. es ent- 
faltete, nicht einmal die sonderung einer weiblichen und 
pluralen form wird damit erlangt. für das melnmi und 
die deutlichere beziehung des in gleichem casus stehenden 
subst. mögen kleine vorlheile daraus erwachsen; das syn- 
tactische Verhältnis, welches wir hier erörtern; d. h. der 
reflexive oder nicht reflexive begrif bleibt unberührt, wo 
der iniveränderliche gen. ir stand, steht auch das flexible 
adj., in beiden fällen. 

Hier mag gefragt werden , warum Wolfram seinem fies 
= ejus (niasc.) zur Seite nicht auch ein der = ejus (fem.) 
und eorum, earum verwendet? warum er nicht, wie sia 
bruoder unde des sun, auch sagt: ir swester unde der 
loiiter, ir liufe unde der hus? ich erinnere mich keines 
solchen der bei ihm, und müste die stellen übersehn ha- 
ben; umgekehrt, sind mir andere zur band in welchen 
der passend gewesen wäre, und deiuioch ir gesetzt wird: 
Arntve, ir toblcr luide ir kint Parz. 670, 23, hier wird 
Arnivens tochter und die kinder dieser tochter gemeint (vgl. 
590, 19); Ginovcr in ir pflege enplienc Itonje und ir anus 
Parz. 731, 2, den geliebten Ilonjens; die manec sper c 
brachen durch ir (ejus, illius) minne gcr Parz. 730, 22. 
es läßt sich nun sagen, daß man mit dem ir für den un- 
reflcxiven sinn weiter reichen konnte als mit dem Ursprung- 



nomeii. -pronomen. possesshujn. 345 

lieh reflexiven sin , neben welchem ein des nolhwendiger 
erscheinen niusto; ferner, daß sich des für die construction 
günstiger absonderte als der ^ welches zugleich auch noch 
dat. sg. fem. uud nom. sg. masc. war. Wenn Iw. 1548 gesagt 
■wird: ez ist der wunde alsu gewant, so darf dies pron. 
zwar nicht als artikel auf wunde, vielmehr nur auf minne 
bezogen werden, ich halte es aber eher für hujus, als ejus. 

Was nun die nlid. läge dieser beiden pronomlna be- 
trlft, so merke man 

1. das possessivum sein behält den umfang bei, der ihm 
in der ahd. und mhd. periode angewiesen war. die Volks- 
sprache gibt ihm hin und wieder, im reflexiven fall, seine 
alte organische ausdehnung (Schm. bair. niundarten §. 742) 5 
selbst in einzelnen Sprichwörtern der Schriftsprache sitzen 
hiervon noch spuren fest: sein thor kennt jede kuh (Garg. 
50^) ; untreu schlug seinen eignen herrn (Schweinicheu 
3, 162), wofür H. Sachs II. 2, 38<i: untreu ihren herren 
schlug ; man dürfte freilich auch Untreu als männlichen 
eigennamen fassen, die redensart: es hat damit seine rich- 
tigkeit, wendet Etlner im iniw. doct. 791 auf ein fem. an: 
wenn die erste verdauung nicht seine richtigkeit hat. das 
sind aber geringe und gemeine ausnahmen , die der regel 
nichts anhaben. 

2. der mhd. gen. ir lautet ihrer (wie aus dem gen. mTn, 
din, sin meiner, deiner, seiner geworden ist) und dauert 
in verbalconstructionen fort: er ninunt sich ihrer (oius) 
an, oder neben adjoctiven : ihrer aller (eorum onuiium) 
wolfart u. dgl. bei subst. gilt überall das ileclierbare 
]>ossesslv. 

3. neben sein wird, nach Wolframs mhd. weise, auf 
enlfernlere subiecle der gen. des demonstrativums, jedoch 
nicht in der artikelform, sondern in der des rclativs, be- 
zogen, da wo sonst Zweideutigkeit oder uiisinn erwachse!* 
konnte : mir begegnete der gärlner mit seinem bruder inid 
dessen frau ; wir redeten von seinem toil und dessen, 
folgen. ist aber nur bczug auf ein drittes subject, so 
klingt dessen steif und Aviid sein vorgezogen, niiMuanil 
sagt: der maiui und dessen frau, aiiUcr etwa bei vor- 
nehmen pcrsonen: der künig mul dessen geinahlin ; der 
gewöhnliche natürliche ton fordert: der niaiui und seine 
JVau. in der pocsie können die dessen nu'isl gespart, in 
dem gellecht der i)rosa nicht ganz vciiniedcri werden; un- 
gebildete schriflslcllcr haben sie nicht selten geiuisbraucht. 



346 eiufacJier satz. 

4. wie zwisclieii sein uiul dessen darf nun aucli /.wisrlien 
ihr und deren nntcrscliiedcn ^verdon : die griiliii , ihre 
verwalleiin und deren locliler; die fürsloii , ihre unler- 
llianon und deren aI)ftal)(Mi ; dagegen gesagt ^vird : der graf, 
seine verwalleiin und ihre locliter; der fürst, seine »inter- 
llianen und ihre abgaben, l)ei ganz gleiclier ferne des 
subjecls, A,veil hier das erste ihr wegfallt. 
Überall kann, sobald im zusaninienliang der rede die Ver- 
hältnisse feslstehn , auch da sein und ihr gesetzt werden, 
wo die erste niclduug ein bestimmteres dessen und deren 
anzuwenden hätte. 

Soviel von der liochd. spräche in diesen bezieliungen. 
In der alts. und ags. dauert, obschon das reflexiv|)ronoinen 
und namentlich der gen. sin verschwunden ist, das davon 
hergeleitete possessive sfn fort; und zwar steht es, soviel 
icli weiß, immer nur rellexiv, aber wecliselnd mit dem 
gen. 1*5, während dieser mehr den unrellexiven fall zu 
vertreten hat. beispiele: so hie ihuo lunbi thena altari 
geng, mid is rukfatuu, fremida frohon sines jungarskepi 
Hei. 3, 22, hier hätte auch das erstemal stehn können 
mid rokfatun sfnun , oder das zweitemal is frohon, das 
organische poss. scheint lieber mit ])ersönlichen subst. sich 
zu binden als mit sächlichen; lie lobude im word godes, 
herron sfnes Hei. 29, 3; Johannes lobuda them liudiun 
lera Krisles, herron si'nes Hei. 30, 23; thu geng aftar tliiu 
Simon Petrus, weide it seggian thu lierron sfmimii Hei. 
98, 13; thö frägude Petrus tlieodan sfnan Hei. 99, 23; 
einigemal von Sachen gebraucht, bezeichnet es innigere ab- 
hängigkeit : Johannes slud *), dopte allan dag, liandun 
sfnun Hei. 29, 19, die bände sind dem menschen eigner 
als das rauchfaß; quad (goltes stinuiie) ihat he ina gicora- 
nan habdi selbo fon Siuun jikea Hei. 30, 4. Die ags. 
belege sind nocli seltnei', und gewöhnlich reicht bis, hire, 
hira auch für den rellexiven sinn aus. im ganzen }3eovulf 
nur: stnne geseldan 3963; to hofe Sinum 2472. öfter bei 
Cädmon: vidh /iis hearran , vidh drillten 5?"KHe 19, 22; Abra- 
ham tha andsvarode drihtne sinnm 131, 8; freonutg ofsluh 
brudhor sinne 60, 19; Abraliam sägde freondum sinuni 
122, 11; lieht him fetigean tu sprecan sfne 161, 18; neode 
Sine volde neosian 53, 1 ; vealdend scufedh folmum smiitn 
170, 14; brego engla beseah eagum sinuni 60, 6; handum 



*) wieder ein sfod, cUpfe zu den beispieleu s. 216; die alliteration 
mag diese structur begründet haben. 



nomeji. pronomen, possesshum, 347 

sinnm 34, 29 ; thüt \if thin heafod trededh fah nud fotum 
sinuni 56, 15; liet tliä tu sonme s/we leode 245, 27. einige- 
mal aucli iinreflexiv: myntedli in gethancum that me äfter 
sie eaforan sine yrfeveardas 131, 27(; agif Abrahame idese 
5^*116 160,23, docii in nächster beziehung auf das object. 

Im späteren englisch erlischt das possessivum, im mnd. 
hingegen kommt es, neben den reilexiven formen sines 
lind sig (s. 330) \vieder mehr in gang. außer ihm aber 
hat die mnd. mundart wahrscheinlich schon frühe, und 
früher als die mhd., ein adjectivisches er, ere, er (or, 
ore , or) gebildet. Auch alle mnl. quellen kennen ein 
possessivum haer, hare ^ haer , das sich wie jenes aus- 
nahmsweise erscheinende mhd. ir, iriu , irz überall ver-» 
hall; Sin aber hat ganz die mhd. luid nhd. bedeutung. 

Nnl. endlich ist zu dem poss. haar, Jiare, haar, ein 
neues noch mehr unorganisches hun, hunne, hun hinzu- 
getreten, das aus dem gen. pl. masc. neutr. hunner gebil- 
det wird, der selbst wiederum nach dem dal. pl. hun an- 
genommen ist. freilich wird damit der bogrif eorum und 
earum geschieden : de landbewoners zijn reeds Averkzaam, 
rook slijgt lüt hnnne daken (aus ihren dächcrn) ; de wöl- 
ken zenden hären zegen (ihren seegen) naar beneden ; an 
einer solchen Unterscheidung liegt aber eigentlich nur im 
luireilexiven fall. 

In den nord. sprachen fuidet sich alles nach dem nalur- 
gemäUen zustand geregelt, wie er bei der goth. spräche 
geschildert worden ist. sie besitzen für den reilexiven fall 
der dritten person nur das einzige poss. alln. sinn, shi, 
sitt, welches sich auf jeden num. und jedes genus bezieht, 
für den unrellexiven fall hingegen besieht mit recht kein 
adjectivisches possessiv, sondern alles wird duixh die gen. 
dritter i)ei'Son ausgedrückt : altn. hans, hennar, thess, pl. 
theirra; schwed. hans, hennes, dess, pl. derasj dän. 
hans , hendes , dets , pl. deres. folgende beispiele lehren 
den absland von der hd. nuindart: hon kallar barn sitt 
(sie ruft ihr kindj; their kalla barn silt (sie rufen ihr 
kind); ek kalla hans barn (ich rufe sein kind) ; ek kalla 
hennar barn (ich rufe ihr kind); ek kalla iheirra barn 
(ich rufe ihr kind.) scliwed. min bror, hans luistru och 
hennes sUigtingar (mein bruder , seine frau und ihre ver- 
wandten.) Indes wird dän. fast inuner der gen. pl. deres, 
statt sin, gesetzt, wenn der casus rectus im pl. stellt: der 
sloge de deres ijald (da sclilugen sie auf ihr zeit) Dv. 1, 
3; saae de deres (iender glandse (sahen sie ihre feinde 



34Ö e'uijacher salz. 

i>]aii7.cii) Dv. 3, 284, wo es scliwed. lieißl: ocli s3go sina 
ii(Mulcr gljinsa 1, 171; wieder eine cliaraclei islisclie »iiiler- 
sclieidwny heider iieunord. dialecte. /.iiNveileii veiliitl dei" 
scliwcd. gen. nenlr. dtss die stelle von haiis oder lieiuies : 
harnet med alla dess leivsaker (das kiiid mit allen sehic.u 
Spielsachen.) dieses dess , wie die Zuziehung des noiil. 
demonsirativs in das pron. der diitten pevsoii üherhaupl 
vergleicht sich dem mlid. des, uhd. dessen und deren in 
den erürlcrleu coiislruclioiieu. 



]Man muß bei anwendiing aller tibcr das reflexive oder 
nicht reflexive prononien gegebnen legeln liauplsiichlich den 
eindruck beachten, den das stärkere oder schwächere hervor- 
treten einer persou in der (janzen rede macht. Auf den lield 
eines gedichts kann selir leicht ein pron. bezogen werden, 
wenn er aucb nicht subject des vorhcrgelienden satzes war. 
Was daher s. 216 bei auslassung des pron. neben dem 
verbum gesagt wurde, daß der sinn sich leicht von selbst 
zu dem gemeinten subject zurückfinde, gilt aucb in uiisrer 
beziehung. hierfür voll von belegen sind die mhd. dicli- 
tungen, Avenn es z. b. Reinh. 351 beißt: Diepreht über 
die Valien spranc und gestuont ixn widerwanc, an shien 
neven stiez er sieb, so gebt dies sinen und er scbon nicht 
mehr auf Dieprebt, sondern auf Reinbart selbst; ebenso 
in folgender stelle : Isengrin begunde draben ze läge Reln- 
Larte; er (der fuchs) Iiuop sich au die warte. Reinb. 1062. 



Nach dieser auselnanderselzung de.? scbwierigen pronoml- 

nalverhaltnisses für die drille person folgen hier noch ver- 

schiedne allgemeinere bemerkuugen über das persönliche 
prononien. 

1. es wurde scbon s. 219. 220 angeführt, daß die iieu- 
nord. sprachen das pron. dritter person neben eigennamen 
und appellativen, selbst solchen, die schon ein pronomi- 
nalsuflix haben , gern iviederholen, so daß alsdann das 
subject zwei, drei oder gar viermal ausgedrückt scheint, 
z. b. schwed. äu fogeln han flog Sv. vis. 2, 70 ; den fogeln 
han flog sig 3, 175; när svanen han svartnar 3, 6; nar 
Rosen han kom 3, 137; Karin hon stär 3, 195; jungfiun 
hon sprang 3, 123; att blodet det raun 2, 146; hvar gul- 



nomen prouome/L. persönliches. 349 

dct det lag 3, 138; sä bergen de remna 3, 133. dän. 
Grimmer lian gaaer Dv. 1, 104; Alf hau bocr 1, 139; 
ravnen hau flyver 1, 195 ii. s. w. zuweilen wird das prou. 
sogar hinter das verbuni gesetzt: prästen er luirlig han 
(Hallman p. 333.) Altn. findet sich bloß bei der ersten 
person, neben ausgedrücktem pron., noch ein dem verbo 
anlehnendes: varca ec fiarri, nema €C daudr siac. er ec 
saddac, ef ec eilic sva (s. 219.) 

Ein so nachdrucksanies pron. würde sich nihd. eher 
sclion bei der zweiten person aufzeigen, z. b. liocrest 
duz du? (schretel und her 320. 321.) für die dritte per- 
son aber lassen jenen neunord. constructioncn sich nihd. 
vergleichen , in denen aber gewöhnlich das subst. nicht wie 
dort unmittelbar dem pron. vorausgehl, sondern erst, nach 
mehreru zwischen tretenden Wörtern, am schluU des satzes 
folgt: sin houbet er iif rihte der lobema^re wi'gant En. 223 ; 
in die phorteu sie do giengen Eneäs u. Sibille En. 3256; 
mit hurte vlouger undcr sie der valke Parz. 282, 15; daz 
ros, du er u( saz "^rurpin , Karl 85''; nu was er komeii 
über nier der groze künec das. 92^ ; nu erheizter nider an 
das gras der keiser das. 100^; wenn der eigenname voraus 
geht und das pron. folgt, ist die fügmig minder auffallend : 
Premunda diu künegin ze sinen füezen si sich bot Karl 
95* ; Cotfrit ein degen lobesam des keisers baner er do 
nam Karl 100*'. ]\lnl. hl den grave dit goet gaf Lodewlcli ; 
Jii slaerf, als ment bcscicven siet , Dideric; doe nam Jii 
orlof in Sirixe jonchere \\ illem ; doe ret hi vaste al over 
dwers Walcwein; doen word Iil onthöft die heie ; na dien 
winler ghcretlde hi die vaert Vcspasiaen; dat hl van do- 
gheden in dogheden gaet die mensche; in sinen tiden wa- 
ren si gheloglien die Nedersassen; ghinghen si scaven die 
Vricsen ; auch im ;obliquen casus : dat was /rem en blide 
U|)sien Waleweine ; dus was hein davonlure teghen den 
onsen. *,) In der ndid. inul mnl. fügung eilt die rede 
schnell zinn prädical des salzes und muU dann am ende 
das subjecl hervorheben; in der neunord. liatte sie umge- 
kehrt mit dem subjecl angehoben und will dann das pra- 
dicierende verbum noch durch ein prononien vcrdeulliclien. 

Ganz etwas anders ist, wenn dem persönlichen pro- 
nomen unmittelbar ein suhst. als prädicat heufejugt steht, 
zu tndel oder loh: nihd. ich gouch! ]Ms. 1, 72'; er gouch! 



•) bplepe bei Huyd. op St, 1,226. 227 und in Clisnolts Tciilün'usta 
LIX-LXIV; jeuer merkt eine analoge altfranz. stelle an. 



350 einfacher saiz. 

Wallli. 22, 31; er tore! Ben. 422; er gebAre ! Ben. 454; 
er schale! warll). kr. Jen. 2'J ; er bldoriie au niaimcs sclur-ncl 
Parz. 39, 22; ir gans ! Tarz. 515, 13; gewülmlich aber 
treten dabei adjeclive ins spiel, alid. ir goucha! N. ps. 
93, 8. diese constniclion ist auch noch heule vollkomnien 
üblich, s. 295. 296 aber wurde gezeigt, wie die nord. 
Sprache in gleichem fall gern das possessiv anwendet. 

2. die sinnliche alle spräche verwendet gern die subsl. 
leih, hand und fuV\ zu einem verstärkten und lebendigeren 
pronominalausdruck. von leih wurde schon s. 296 geredet, 
iu gescliihet von uihien lianden we (von mir) JNib. 614; 
4 ; ja sol si mit nur teilen maier lieben bruoder haut 
(meine lieben br.) NIb. 641, 4; daz sol Sifrides hinit (er 
Siegfried) underslän Nib. 827, 4; dö werlez sin haut (er) 
NIb. 625, 2; da sol din haut (sollst du) minen man be- 
hüoten Nib. 847, 2; guotcr beide haut NIb. 1451, 2; mir 
die liande inine (ich mir selbst) den tut ta;ten Diut. 1, 15; 
iu lult erworben imver haut (iiir liabt euch) ein scIkpuc 
wip Iw. 2781; iu hat verdienet iiiiver haut ein kiine- 
giiuie Iw. 2879; mir ervaht min eines haut ein schcene 
vrovven Iw. 3527 u. s. w. für iiiiver J'iieze (vor euch) 
Nib. 915, 3; daz ich dinen fiiozen (dir) also nahen bist^u 
IVIar. 39; dar nie ir ßioz (sie) an getrat Diut. 1, 8. 

3. die im possessiv bereits ausgedrückte beziehung pflegen 
besondere relativsätze noch hervorzuheben. ich thue der 
mehrfachen formein schon hier erwahnung. a. mit Jiahen: 
Sine liste, die er hat Relnli. 105; mune kumber, den ich 
hän Iw. 4732; daz ist sin bort, den er liät Freid. 56, 8; 
sin gewalt, den er da hat Freid. 23, 25; ir swarze varwe, 
die si hat Freid. 88, 20; iuwerme zorne, den Ir hat Flore 
942; iuwcr ungelouben, den ir liat Karl 17^; siu Stücke 
daz er hate Karl 40^; an sinen Hüten, die er hat Wlgal/ 
4735; sin fürbiiege, daz er häte fragni. 30*; von miner 
swfere, die icli hän Wigal. 1081; Ir voget, den si ha-ten 
Gudr. 875, 1. b. mit pflegen: bi sinein ambet, des er 
pilac Iw. 2571; si brach ir släf, des si pilac Parz. 553, 
28; Sin helllctuom, des er pilac Amis 931; mit siner rotte, 
der er pflac Orl. 688; sin fröude, der er pilac Orl. 4480; 
Siu meister, der sin pdac Trist. 2257. c. mit tlain: ir 
üf loesen, daz si tet Tit. 155, 3; umb ir scheiden, daz 
si tuont Parz. 242, 17; von sinem kerren , daz ez tet 
Wigal. 6891; sm toben, daz er tuot Troj. 8188. d. mit 
he(jehn: siner tugeut, die her begut Amgb. 14«^; shi gewalt, 
den er begie Wigal. 8577. e. noch andere formein: nach 



nojnen. pronomen. persönliches. 351 

siuem willen, als er wll Wigal. 8433; dur siuen willen, 
ob er wil IMs. 1, 21''; nach sinein willen, als er gert 
Wigal. 8998; fr varwe, diu von ir schein Herb. 107^; 
mit sinie lieble, daz er gap Wh. 377, 19; ir wut, die 
sie truogen Giidr. 605, 2; sin swert Schoyüse, daz er truoc 
Wh. 40, 17; sin keppel, daz ez truoc (schretel und her 
317); ir pfert, diu si rilen Iw. 4934; an ir bette, da si 
lac Eracl. 3394. 3509; ininiu leit , diu nun herze treit 
Bit. 46^'; sine stimme, diu get uz sineni munde Gudr. 
383, 3. Zuweilen fehlt auch das poss. : der wille, den. 
ich hän INls. 1, 108^; von weinen, daz si du begienc Flore 
1350; diu groeste swasre, der er pflac Bari. 7, 33; au dem 
bette da er lac Eracl. 3247 ; an dem bette, da si lac Kracl. 
279; an dem bette, da si lagen Eracl. 235; gruzen kum- 
her, den ich trage Ileinh. 425. 

4. in seltnen beispielen wird schon mhd. dem gen. der 
eigenheit, der bezug auf ein folgendes subst. enthält, noch 
ein gen. des persönlichen pron. oder das poss. nachdrück- 
lich hinzu (jejii(jt. durch zweier biscofle ir rat JMar. 5; 
noch scherpfer dan der bin ir zagel Parz. 297, 12; der 
zerfuert uns meigen siniii wunneclichen kleider Ben. 223, 
wenn nicht in beiden letzten stellen sich ein dat. b?ii und 
nieigen vertheidigen läUt *). luibedeuklicher steht auch 
mnl. der Sarrasine haer rike Maerl. 3, 7 und ich vermute 
in diesem dialect noch andere belege. Wenigstens bedarf 
es älterer stützen zur erklärung des heute zwar in der 
Schriftsprache geächteten, unter dem volk aber weit um- 
gehenden redcgebrauchs: des vaters sein buch, der muller 
ihr kleid, der kiiider ihr Spielzeug, in biichern des 17. 
18 jh. wird angelrollen: ich habe mich mit des grafen 
seinem koch verlobt; er gedacht ihm, wie des goldschnn'ds 
sein jung u. s. w. **). Ja, in Oberdcutschland wird der 
vorausgehende gen. in den dat. umgesetzt: dem valer sein 
buch, das kiiid schläft in der muller ihrem bell, dem 
Göllie sein gedieht ist doch schüner als dem >\'ioland seins ^ 
bair. im sein valer, der fr au ir kind, den eitern ire sorgen; 
alles gilt aber bloli liii- die drille |)ersün , oder die anrede 
der zweiten in der drillen, z. b. das ist ihnen ihr rock, 
nie kann es heißen: mir mein, dir dein. so auch in 



') <lic falsclie lesnrt Parz. llSfiS der «rircn ir bcjnc und 13')r»5 
ieslicluis steiii(3ii siii ^!;anc ist bei Lacliin. 3H7, 2ü in: den girea und 
454, II in: ///';;}^;inc l>criclitin;t. 

") ein zu Giofrau nnd IJssa 1829 gedrnckti's biicli fuhrt den titel: 
des alten scliüter Tlionia;s neinc knien an pferdc-n. 



352 einfacher salz. 

nacliliisslgcm bücliersill: dem verwaller Prcuscn sein wa- 
gen (Spiels archiv .'i, 145.) wenn in der prosa von 'l'rislau 
p. 12 sieht: lieflele sein scliif an, und slieU lierr 'Instanen 
seines fern liindan, so mag dieser dal. niiahliängiger ge- 
nommen werden: slieii dem Tr. das scliif fort (wie: gib 
dein valer sein buch.) Schm. §. 732 führt als osllechisclie 
mundart ein iner (ital. loro, franz. lenr) an, das er aus 
in ir (ihnen ihr) erklart, in einigen gegenden Nieder- 
deulschlands wird dem liödiclien äe (ihr) der anrede nocli 
ein se vorgeselzt: dat is se äe tiillel (das ist ihr panloilel, 
oder genau: sie ihr j^antoirel), liier vertritt nun gar den 
dat. der acc. (Rillers mekl. gr. p. 80.) dem dat. slatt des 
gen. vergleiche ich den allfxanz. la feme au j)reslre (dem 
priester seine frau) JMeon 1, 98, Avas aber noch nicht hier- 
her geliürt. 

5. wenn dasselbe possessivwn bei zwei unmittelbar auf 
einander folgenden durcji und verhundnen subst. gleiches 
geschlechts und numerus sich tviederholt , so kann seiner 
die mhd. spräche vor dem ersten subst. entbehren und 
braucht es bloß vor dem zweiten auszudrücken: balde 
komet naher, mäge ii. mine man! Nib. 438, 3; ez miiezen 
e bevinden milge und mine man Nib. 444, 2 ; daz sulen 
gerne dienen beide mäge unt mine man Nib. 1136. 4; kla- 
get gote dem riehen sorge und itver not Nib. 1793, 3; 
ddfe ennam in nieman ros noch iv gewaut Nib. 1434, 3. 
einigemal finde ich das ir vor dem ersten subst. gesetzt, 
vor dem zweiten mangelnd: des kan ich nicht bescheiden 
ir silber unde gewant Nib. 1369, 2; si besande ir friunde, 
inage unde man Nil). 445, 2, wie wir noch heute con- 
struieren dürfen. Häufiger steht das jjossessiv zweimal: 
Sin golt u. Sin gewant Nib. 1430, 3; diu sin u. ouch d/'n 
niuot Nib. 381, 3; min silber u. min golt Nib. 482, 2; ir 
ros u. ouch ir klcit Nib. 384, 2. wo verschiedne posses- 
sivflexionen eintreten , geht die auslassung nicht an , z. b. 
min wip und miniu kint Nib. 2103, 3; sin bürge und 
sfniu laut Nib. 2110, 4. Eine ganz analoge construction 
wird sich hernach beim artikel zeigen. 

6. Alle persönlichen pronomina können durch den zusatz 
von seih oder selbst verstärkt werden, die formen sind 3, 
5. 647 7A\r spräche gekommen. 

Ulfilas , der überall nur der schwachen flexion silba, 
sllbo, silbö sich bedient, verwendet sie für das gr. uviog, 
ciwy , ciVTo , 
a. neben subst. (eigennameu u. appellaliyen) vollkonmieu 



nomen. proiiomen. persönliches. 353 

adjectlviscli : silha auk Daveld qvatli avxoQ yciQ /jiaud 
eins Marc. 12, 36; silba Daveid quitliitb avTog /dav'ld 
Ityei Luc. 20, 42 ; iali silha vas lesus sv^ jerö thrijeti- 
give y.Ki avTOS '^v 6 ' ItjCovq (uoel liojv TQiay.ovTa Luc. 3, 
23; silha satana avrog yag 6 caravccs II Cor. 11, 14; 
silba atta fiijölh izvis uvxos yaQ b iiaT7]Q rpiXel v/iüg 
Job. 16, 27; silba fraiija atsteiglth avTog 6 y.VQiog y.uTCi- 
^yoerai I Thess. 4, 16; silbö auk alrllia akrau balrilh 
avTO/Ltdz't] yaQ y yy y.aQnocfOQec IVIarc. 4, 28. 

b. auf das verbum des Satzes bezogen, wird sie im casus 
rechts ohne heijleitendes peisönliches pron. gesetzt, aus 
dem selben gruud, der es beim verbum überbaupt entbebr- 
licb macbt (s. 201. 202.) ein ik silba qvinia , tbu silba 
qvimis, is silba qvimilb wäre ungotbiscb , es beißt: silba 
qvima, silba qvimis, silba qvimilb. belege: silba spnuitu 
qvima avTog rayioig (Xtvoofun Pbil. 2, 24; bigitanai si- 
]y\n\ S^ssilhaiis fravaurbtai evQidrjftv yai avToi <i/f«OTW- 
Ao/ Gab 2, 17; jali silba fauraqvimid in andvafrlbja is '/«i 
ciVTog 77 QoeXsuoerai ivomiov aviov Luc. 1, 17; silba bi 
sik rudjai avTog nsQi avrov XciXr^aei Job. 9, 21; tban gre- 
dags vas silba jab ibaiei milb imma v(5sun onore iireivaaev 
avxog yMi 01 fn% uvtov ovreg Luc. 6, 3; ith silba vissa 
thata babaida taujan awog yuQ j]öei ti tfielXe noieip 
Job. 6, 6; silba usvabsans ist, ina fraibnilb aviog rXi- 
'üiav ty^fi, cnnov njon^joa^re Job. 9, 21; tbaib gaslulbun 
fairratbru , )ali silbans iisbufun stibna 0? tOTi^oav 570^>^w- 
Sev nac av^oi f^Qav (pü)r!iV Luc. 17, 13. Nacbdriickli- 
cber ist: uiba tbatel ik silba ni kaurida izvis, wo aucli 
der gr. text das personlicbe pron. beiliigt ti pi^ öri ati- 
16 g iym ov v.aT£vuQy.r^Ga Vfiülv II Cor. 12. 13; jab sl 
silbo vidövu nai avit) yj'jQu Luc. 7, 12, weil dem satz 
das verbum mangelt, liätte der Gotbe gelesen xal uvtr^ 'tjv 
y. (Lacbm.) wie die vulg. bat: et liaec vidiia erat, so 
würde er übersetzt babeii : so vas v. ]Marc. 1, 8 nimmt 
er aviog de wie das bäufige d dl y und überträgt: itb 
is *). 

c. im obliquen casus gebt aber silba im (]eleit der per- 
sönlichen pronomina. liäufig sind die formelii : mis silbin 
Job. 7, 17. 8, 42. 10, 18. 14, 3 ; viih silban Job. 8, 14. 18 ; thus 
silbin Job. 18, 34; thuk silban ^lallb. 8, 4. INlarc. 1, 44. 



') vgl. Uli is o 6f Marc. 1, 45, 14, 61. Luc. 7, 43; itli .«' >/' Ji 
Marc. «, 24. 7, 28. Luc. 1, 29; Uli st tü'xf/ di Luc. 7, 44. 45. 46; 
is üiiis Miuos' h^yj'i Joli. 6, 15. 



354 einfacher satz. 

15, 30. Luc. 4, 23. Joli. 7, 4; sls sUhin Luc. 9, 25. Joli. S. 22. 
Kpli.2, 15; .«fc .si7/;awIMarc. 8, 34. 12,33. 15,31. Luc. 9,23. 
14, 11. Jol». 11, 34; für den gen. sg. nieina, theina, seiiia 
silbins oiilsitme ich mich keines belegs, auch nicht liir 
den pl. unsnra, i/.vara, seina silbane. dat. pl. uns silbam 
(s. 320), izvis silbam, sts sUhcnnUCoT. 5,15; acr. pl. MW5 
silbansU Cor. 5, 1 2 (s. 320), izvis silbans Luc. 16. 15 : sik sil- 
bans li Cor. 10, 12. aut" gleiche weise muß es sicli beim 
fem. und neulr. verlialteu. alle diese beisplele zeigen re- 
Jlexive bedeutung und in der Verbindung mit sis, sik nolh- 
wendig; für die beiden ersten personen ist unreflexive 
denkbar, z. b. rßdja bi tliuk silban (de tenietipso loquor) 
und auch zu dem ge-cblecbligen pron. Avird sich silba 
fügen lassen, z. b. saiiiva ina silban (video illuni ipsuni.) 
Lir. bat kein iinma silbin, ina silban, \veil der gr.lext 
imd die gr. spräche kein uvrainöi, avTUViöv kennt. Übri- 
gens geht das persönliche prouomeu dem silba meistentheils 
voraus; nur I Cor. 11, 31 hat silbans 7ins. niemals 
\vird , nach lat. brauch , das obliipie silba umgestellt und 
zu dem subject geschlagen , z. b. statt ik fram mis silbin 
rudja gesagt ik fram mis silba rödja. 

d. mit dorn possessiv wird noch kein silba verbunden 
^venu es ICor. 10, 29 heißt: thuhtu ni silbins ak antharis 
üvveid'i;Gi7> ovyl rr^v iaviov, dXXci iijV lov tTfoov, vulg. 
conscientiam nou tuam sed alterius, so ließe sich auch ein 
golh. ni theiiian silbins setzen, aber das bloße silbins ist 
einfacher, und vielleicht -würde der gen. theina silbins vor- 
gezogen worden sein? '/'(^log übersetzt sves , z. b. zTQoßara 
i'dici lamba svesa Joh. 10, 12, doch steht auch bloßes sein 
dafür Eph. 5, 22. 

Ungleich schwankender und verwickelter scheinen die 
ahd. constructiunen wegen des wechseis zwischen schwa- 
cher und starker flexion , dessen darslellung dem fünften 
cap. auheim fällt, hier genüge vorläufig, daß der casus 
reclus die schwache form feslliiilt, in den obliquus aber 
die stai'ke vorzudringen pflegt. 

a. adjectivisclies selpo, sclpii, selpu beim subst.: selbo 
druhlin Is. 27, 7. 0. IL 8, 35. IIL 10, 16; druhtin selbo 
Is. 87, 4. 0. IL 12, 64. 15, 15; selbo got 0. L 4, 72; 
selho Petrus fr. th. 25, 11; selbd thiu sin muater 0- IL 8, 
7; selhoH Krist 0. IL 8. 10. IIL 11, 25-, selbün Mariün 
0. I. 5, 7. 7, 25; fou selben gole 0. 1. 8, 23; mit sel- 
bomo geisle 0. I. 4, 39; goles selbes brediga 0. I. 1, 4; 



nomeii. pronomen. persönliches, 355 

seihen gotes IV. 15, 61; mit seihen Krisle 0. II. 14, 12; 
selhes clrulilnies, selhenm gotes sune, selhem angiluni, az 
selhem turim Is. p. 231. 

b. bei verbis -wird dem casus rectus selpo mm auch die 
begleitung des persönlichen pron. nolhwendlg: ih selho T. 
Maltli. 21, 27; ir selho Is. 17, 10. 41, 7. 47, 5. 53, 2; er 
5e/to K. 241' 0. II. 9, 79. V. 1, 8; se/6o er 0. 1. 3, 3; 
xvir seihe 0. II. 14, 65. nur da, avo überhaupt das ver- 
bum ohne pronomen stehn darf, mag dieses aucl» hier weg- 
bleiben, namentlich beim imperativ, z. b. lis selho l 0. II. 
9, 71 und nicht: lls ihu selbo. 

c. obliquer dat. und acc: hnu selhenm Is. 53, 18; fona 
imo selbemo fr. th. 61, 19; in Imo selbemo T. Matlh. 12, 
25. 13, 21; in im selhem (In Ipsis) Is. 81, 6; voiina in 
selpen gl. mons. 387; sih selhan K. 23» Is. 31, 15; sih 
selha (se ipsam) fr. lli. 45, 14; sih selhun (se ipsum) Is. 
55, 14; inan selhun Is. 67, 21; sih seihon T. Älalth. Iß, 
24. 0. III. 7, 15. alle diese belsplele sind reflexiv, bis 
auf iiuan selbiui (eiim ipsum) Is. 67, 21, wenn man hier 
nicht selbun für den noin pl. (eum ipsi) nehm.eu will *). 

d. besondere aufmerksamkelt fordert der gen. und sein 
Übergang in das possessiv, nendich ein von verbis abhän- 
gendes tnin selhes , din selhes u. s. w. Ist unbedenklich, 
diese formen stehn aber aucfi , gleich dem lat. mei Ipsius, 
tui ipsius u. s. w. , sehr häufig neben subst. , z. b. fona sin 
selhes melstertuam (ab ipsius magisterlo) K. 16*; in siii 
selbes kawallidu (in ipsius poteslate) K. 52^' ; In sin selbes 
sculdrum (propriis humei-is) Is. 55, 2 ; fona din selbes wor- 
tum (ex verbis tuis) fr. th. Mallh. 12, 37 ; ihiu sin selbes 
guati 0. II. 12, 76; sin selbes Icra 0. II. 14, 116; min 
selbes armuati 0. III. 20, 40; sin selbes sin N. Blh. 171; 
81U selbes eilen N. Cap. 82 ; und das ist der schon s. 327 
berührte einzige fall, in welchem unsere spräche den gen. 
des persönl. pron. neben subst. nicht in das possessiv ver- 
wandelt, auf gleiche weise im fem.: mi'ii selpera , din 
selpera, wofür ich keinen beleg habe, im selpera: enli 
SU huaz so siu in andrenjo guotes gasihit so sama so im 
selhem frumuno des mendil (per iioc quod rectum in aliis 
consplcit quasi de augmenlo proprii proveclus liilarescit) 



•) uni.scfzuiig in «li'ti casus dos siibjccfsi Msorgct sili srlho (stat 
sili selboii) T. Mattli. (>, n4: sollicidia crit sil)i ipsi. 

Z 2 



356 einfacher salz. 

fr. tli. 45, if». nicht andors würde im gen. |)1. slolin : vn- 
sar selpero, iinvav selperd, ho selptrö^ 

iiidcsseii k.inn aucli tlic vcrwaiullung in das poss. sl.nlt 
finden niul zwar auf doppelle arl. enlw. wird Moli der 
gen. des persönlichen pion. ins ad), umgosel/.l und selpcs 
im gen. gelassen, z. b. sineru selbes stinuui urchundid.i 
(propria voce leslalur) Is. 47, 2 ^:z sin selbes stininu, wie 
sich lal. sagen ialU sua ipsius voce r= sui ipsius \occ. 
oder auch selb wird in den casus des persönl. pron. ge- 
stellt, z. b. in selbaz gewi Sinaz 0. II. 14, 2 z=z in sin 
selbes gewi :=z in sinaz selbes gewi. also ein dreifaclier 
ausdruelv, doch so, daU der genitivische si'ii selbes über- 
wiegt, zuweilen kann es unsicher sein , ob nian min, din, 
sin für den gen. des persünl. pron. oder die uulleclierle 
adj. form zu uehmeu hat, z. b. ih bin selbes boto sin 0. 
II. 13, 7. 

0. und unter allen ahd. Schriftstellern er allein bietet 
nun aber noch eine vierte construclion dar, die ihm sogar 
die geliiufigsle ist: für nun selbes gebraucht er tnines sei- 
bes : thiu nunes selbes iiidiri llartm. 155 5 in niines selbes 
lienti III. 22, 26; mines selbes redina II. 18, 13; mit nii- 
nes selbes herie IV. 21, 24; hurit mines selbes stimmu 
IV. 21, 34; ihines selbes lantthiot IV. 21, 12; mit sines 
selbes huldi Sal. 35; in sines selbes lera Hartm. 88; sines 
selbes worto Hartm. 147; in sines selbes brusti Lud. 15; 
sf^ies selbes werkon Lud. 30 ; sines selbes dato II. 13, 17; 
Siues selbes guati IL 14, 50. IIL 20, 117; zi sines selbes 
gange IIL 9, 20; mit siues selbes bluate V. 1, 45; selten 
steht die schwache form: sines selben guati V. I, 5. Es ist 
nicht leicht diese formel zu fassen und zu rechtfertigen, 
in der ahd. wie in der goth. mundart steht der gen. des 
persönlichen pron. ab von dem gen. masc. des possessiv?, 
miu_, dai , sin von nunes, dines, sines, w^ie meina, theina, 
seina von meinis , theinis , seinis. wäre im otfriedischen 
^mines selbes- miues adj. , so niüste ein subst. daz selp 
(die selbheit) angenommen werden , wie wir uhd. sagen : 
mein selbst , mein eignes selbst ; hierfür zu streiten scheint 
iues selbes dato 0. Harlm. 152. IL 17, 20 *) , wo die 
nichtpossessive construclion fordern würde iuwar selbero. 
umgedreht einen gen. des pers. pron. mines, dines, sines, 
nach analogie und denkbarer einwirkung des lat. mei, tui, 
sui (wo gleichfalls pronominale und adjectivische form zu- 

') belege iär iues selbes, wen» er irzt, iu einer der folgenden DOten. 



iionien. pronomen. persdnliches. 357 

sammeiu'innenj zu vermiilen verbietet fast tler »inisland, 
daii dileiuslehend dieser casus bei 0. immer min, dm, sin 
lautet (IV. 11, 35. 36. 15, 28.) allein der annalinie des 
subst. selbst widerstrebt noch mehr die schwaciie flexioa 
iu dem angefülu-ten sines selben guati *). Entsclieideu da- 
gegen miisle ein fem. niiuera selbem , das sich nicht fin- 
det, aber ags. analogien (s. 360) für sich hat. 

In der mhd. spräche verhalten sich die unter a. b. c 
behandelten puncle wie im ahd. '*'*), was die genitivische 
construction betrift, so ist fürs niasc. min selbes regel : 
min selbes Kp Iw. 2348. 4758; min selbes swert Iw. 3996; 
in min selbes schöz Wh. 93, 28; nun selbes nul Wh. 217, 
17; von min selbes arebeit Wallh. 72, 38; mit min selbes 
guote ]Vib. 1093, 4; nun selbes siinde Freid. 37, 2; ze sin 
selbes ereu JMar. 18; von sin selbes munde Mar, 1 15 ; an sin 
selbes libe jMar. 149; sin selbes ubile Diut. 3, 59; sin selbes 
libe Diut. 3, 95 ; sin selbis suster Anno 863 ; doch was ir lip siu 
selbes Itp Parz. 29, 14; Artus mit sin selbes hant Parz. 118, 5. 
665,11; Sin selbes wip Wh. 8 1,30; sin selbes wer Wh. 2 11, 2; 
sm selbes llp Nib. 336, 3; sin selbes man Wallh. 106, 35; 
sin selbes sin, vient , schände Freid. 78, 15. 113, 26. 118, 
3; Sin selbes hulde Iw. 3221; mit sin selbes ereu Iw. 
7646; sin selbes tohter Iw. 5774. fürs fem. gilt nifn sei- 
her , din selber, wenn frauen reden oder angeredet wer- 
den: min selber herze Ms. 1, 181^; min selber zuht Parz. 
275,30. 369, 16; in dritter person ir selben an ir selber lip 
Iw. 1318; ir selber eren Iw. 2893; mit ir selber hant Iw. 
3425; mit ir selber trosle Iw. 7788. für den pl. gleich- 
falls ir selber: gesprechent von ir selber gelfit Iw. 2475 ^ 
die wurden beide ir selber spot Iw. 4706; ebenso unser 
selber, iiiwer selber, nur wenn geirzt wird, sieht im 
jnasc. bei iuwer nicht selber sondern selbes : nach iuiver 
selbes hulde Parz. 343, 14; vor iwcr selbes zuht Parz. 369, 
25i iuwer selbes leben Troj. 24339 ''"*'*). jenes ollriedische 



*) wir kennen also bei O. fiuilVrlti »iisdruck für (Ins niasc: mit sin 
selbes bluate, mit sines sell)os bluiite, mit sines selben blualo, mit 
siiienio selbes bliiate, mit sinemo .sclbcmo bluate. 
'*) belen;e im wb. zu Jw. s. ;5(>S-370. 

•*') und ebenso wird zu jedem andern casus des lii'ifisi-licn pron. 
das verstärkende selbe im s^. (UMisliuierf : wie sit ir srihe penantV 
Iw. 5495; in .sclhnm Iw. 2;)2 ; beim imp. fällt das |>ron. weg (s. 355"): 
rilltet selb,-! Iw. 2289; alitet si-!l>^! Iw. (JlSI ; ein soUlier sp. de» 
adj. bei dem irzen war gewis schon seit dem 10 jli. !ier<];ebrnilit (s. 
;U!3); der wahre pl. würde fordern ir selben, iu selben. Wie hätte 
aber (). geirzt: ir selbo, selbä; dat. in selboino, selboruV oder noch 



358 einfacher salz. 

iiic8 selbes scheint niclil zu verglcldieii , well dort ein 
wahrer pl. vorliegt uml iuwea (iiichl wie hier iuNver^ da- 
neben steht. 

Au O. gemahnen vielmehr die mhd. ausnahmen , wie 
sie bei cinzehioii dichlei-n des 12 jh., zumal solchen, deren 
niundarl ins nd. greift, gefunden werden, diese gewähren 
süwol vi/iies lür min , als selbes für selber, von niines 
selbis handeu Alex. 5937; niines selbes lip 2415; durh tli' 
lies selbis guolc 3508; sines selbes tohter 1061; in siaes 
selbes lande 1292; in sines selbes munt 1718; an stnis 
selbis siten alld. bl. 238; dur dinis selves frumicheit Roth. 
114 (so die hs.); mit m?nes silbes swerle Roth. 196. bei- 
sjjlole von selbes auf frauen bezogen: mines selbes Vip lüi. 
2258; in ir selbis palas En. 635; im pl.: mit ir selbes 
bluüte INlar. 221. einigemal suchen die Schreiber in ge- 
dichte des 13 jh. ein solches selbes für selber einzuschwar- 
zen, vgl. Parz. 275, 30. Walth. 12, 25, Troj. 571 *). 

Die nemlichen lormeln können auch vom bloßen verbo 
abhängen: Reiuhart sin selbes niht vergaz Reinh. 941; 
Siues selbes ist er gire Alex. 1270 ; ich min selber bat 
Parz. 369, 16. wenn En. 6635 steht: daz er selber sines 
vergaz, so braucht man nicht selbes zu emendieren, da 
selber auch der aufs subject gezogne nom. seiix kann. 

Da in denkmälern, welche mtnes, diues, sines mit sel- 
bes verknüpfen, jene form auch in andrer läge, ohne sel- 
bes, vorkommt, z. b. Diut. 1, 36. Roth. 4426; so hört 
aller schein eines subst. selp auf, und man muß minde- 
stens annehmen, daß aus dem älteren adj. mines um diese 
zeit ein gleichlautender gen. des persönl. prou. sich ge- 
bildet hatte. 

Nlid. verstärken wir zwar noch die persönlicheil pro- 
nomiua durch selbst (oder zuweilen selber)**), nicht aber 
die possessiven, man sagt; ich selbst, du selbst, er selbst, 



ir selbon, selbüii; dat. iu selben? auch zu Salomo sagt er 12. 15. 24 
iues nelhes worto, iues selbem guati , ii/es niuates, was für den sg. 
entschiede, gälte gerade diese forniel niclit ebenso von pluralsubjecten. 
eine menge von andern adj, liönnte den zweifei lösen , wenn die Zu- 
eignung ihrer darböte; sagt er: ir sit gisuiiter? oder gisunte? 

*) miner selbes, bei AVinli 2, 22^ von einem manu ausgesprochen, 
scheint bedenklich. 

") vielleicht sind weder seiher noch idhst comparationsformen, 
obgleich mir 3, 647 diese ansieht überwog, das selbst erklärt sich 
liiiireicheud aus dem frühem geo. selbes. 



nomen. pronomen. personliclies. 359 

sie selbst, es selbst; pl. tvir selbst ^ ihr selbst, sie 
selbst j und ebenso im obliquen casus : mir, dir, ihm, 
ihr ,• mich , dich , sich , ihn , sie selbst, diese liarte su- 
peilativische form sieht überall unverändert, der gen. lau- 
tet : meiner, deiner, seiner, ihrer selbst, doch kann die 
gebildete spräche noch mein, tlein, sein selbst gebrau- 
chen, nicht mehr ihr selbst f. ihrer, meiner, deiner, sei- 
ner gelten aber, gleich dem selbst, für alle geschlechter. 

den possessiven fügen wir das adj. ei<jen hinzu: mein 
eignes haus, seinen eignen söhn, aus ihrem eignen munde, 
niemand sagt mehr: meiner selbst haus, mit seiner selbst 
band. sclion einige mhd. dichter bedienen sich desselben 
eigen in gleichem sinn, besonders Wirnt: alsam sin eigen 
lip Wig. 1020; alsam ir eigen lip 1347; besazen du ir 
eif/en laut 11607 u. s. w. , wo Hartman gesagt hatte: sin 
selbes lip. die ahd. und alts. spräche würde das adj. sniis 
(proprius) gebrauchen, neben eikan, egan. 

Für die niederdeutsche und sächsische spräche verändert 
der gesichtspunct sich hauptsächlich darin, daß wegen ab- 
gang oder beschränkung der rellexivform das vei'Stärkende 
selb diese bei der dritten person zu vertreten hat. von 
den beiden ersten personen ist daher wenig anzumerken, 
sie verhallen sich wie im hochd. w'enn aber das goth. sik 
silban , das ahd. sih selpon immer reflexiv war und da- 
neben ina silban , inan seljion unrellexiv gesagt werden 
konnte; so muß das alts. ina selb an , ags. hine selfiie 
vorzugsweise reflexiven sinn annehmen, obschon es auch 
unrellexiv gütig blieb. es steht also damit inigefähr wie 
Diit dem ahd. gen. sin selpes, und dat. inui selpemu, die 
gleichfalls beider bedeuUmgcn fähig werden. 

folgende alts. beispiele sind rellexiv: god gibud that 
it Krisles gisid werdan scoldi is selbes sunies Hei. 4, 19; 
mid is selbes lidion (suis ipsius artubus) 46, 3 ; (Pelrus) 
is selbes word weo|) 152, 22; is selbes woid hrnvan 
153, 2; sie scoldin iro selboro sundea botean 34, 8. un- 
rellexiv hingegen: thurh is selbes word (ejus ipsius) 154, 
16; giungaro Kristes, is selbes (ejusque ipsius) gisid 151,21. 

Auch im ags. behält der casus rectus noch gern schwache 
form: thü selfa C. 36, 12; he selj'a B. 58. 1005; god 
selfa C. 22, 16; selfa dryhlen C. 83, 36; selfa sealde C. 
68, 4; selj'a oncvädh C. 53, 23. 63, 22; thu scealt selfa 
C. 57, 26; doch erscheint auch he seif C. 34, 10. 35, 18. 
41, 35; seif bcbead C 49, 31. Die obli(piea casus sind 
starkformig : thiti selfes bearn C 176, 34; his selfes liuAii 



360 einfacher salz. 

JJ. 2288, 4645; lils eelfes bearii C. 90, 12; lils sclfes sunu 
li. 4021; hire selj'ie siimi Ji. 2223; hlm selfum i. 18, 5; 
drylitne scHiim C. 37, 9; \iclh Itiua selj'ne C. 32, 5; Jiine 
»elfne B. 5746; gen. pl. hira sel/'ra feorh ß. 4076. die 
bcdeiiluiig bald iinreflcxiv, bald reflexiv, bemerkenswcrlh 
die aiislassung des his in dem gen. inasc: selfus niilitnin 
B. 1.VJ3. C. 4, 26; selfes dorne ß. 1783; seißs slol C. 
34,4; selfes heoroiicyniiigcs C. 52, 12; ^vic das lat. ipsius 
allein slclit. Ich linde aber auch im gen. fem. nihire selj're 
eidli Conybeare 246 ; im gen. pl, uncra selfva stdh C. 49, 
14 slatt niin selfre, nncer sellVa, und danach wäre im 
gen. masc. mines selfes f. nun selfes zu erwarten; man 
halle dazu das alid. nunos selbes bei 0,, wo gerade der 
gen. sg, fem. und gen, pl. niciit aufzuweisen waren. Die 
iimselztnig des selbst aus dem oblicjuen casus in den nom. 
des sujjjccts begegnet ziemlich oft: bim selfa sceaf reaf of 
lice (er schob sich selbst das kleid \oin leib) C. 94, 20 
?^i^tt him selfum; relc hine selfa begrindedh C. 91, 32; 
andere structuren sind zweideutig, z. b. tlun seif \ic the- 
cest C. 54, 15, wo seif der starke nom, oder der auf l*c 
bezogne adjectivische acc. sein kann. TVicht selten steht 
auch agen (proprium): thurh his ä(jen word C. 9, 30; his 
at/eu bearn C. 177, 16. 

In dem heutigen engl, hat sich diese läge der dinge 
geändert, für die erste und zweite person gilt im casus 
reqlus gar keine einfache und unmittelbare Verknüpfung 
des persönlichen pron. mit dem verstärkenden seif, sondern 
es wird jedesmal auch noch die possessive form hinzuge- 
iiommen. slatt des ags. ic selfa heii)l es: / inyself, slatt 
des ags. thü selfa: tlioic thyself^ gerade als wollten wir 
uhd. für ich selbst, du selbst sagen: ich meinselbst, du 
deinselbst; ebenso im pl, %ve onrselves (wir selbst), you 
yourselvcs (ihr selbst.) dieser anschein des possessivs und 
das dem engl. adj. nicht mehr zustehende plurale S hat 
die grammatiker dahin gebracht, seif für ein subst. zu 
erklären, wogegen aber von Tyrwhilt, der die spräche 
schon historischer betrachtet, mit recht die schwache form 
des altengl, / ^lyselven, ye youvselven eingewandt worden 
ist. da die engl, possessivform my, thy überhaupt durch 
abstumpfung aus dem älteren min, thin erwuchs luid ihre 
mischung mit den geniliven des persönl, pron, min, thin (die 
noch heute, absolut gesetzt, nüue, thine lauten) nahe lag; 
so muß auch jenes myself, ihyself entsprungen sein aus 
einem alleren minselves , llüuselves, das anfänglich zu 
subst. (minselves band u, s. w.) bald aber unabhängiger 



nomen. pronojnen. persunliclies. 36 1 

coustrulert wurde, das S gebührte zuerst dem sg. wie 
dem pl., und auch izi ours, yours ist es kein phirales, 
vielmehr das des gen. sg. (ags. üres, eoveres.) analogie 
gewährt das franz. moimeme, toimeme, soimeme, luinieme 
w^obei nur der dat. des pers. pron. ins spiel trat, im, 
engl, muste es eher auf den gen. hintreiben , da die dritte 
j)erson des adjectivisclien possessivs verlustig, für den re- 
flexiven und unrellexiven fall, ihren gen. verwandte: liis 
friend (amicum suum oder ejus), her fiiend (amicum suum 
oder ejus fem.) , tlieir friend (amicum suum vel eorum), dies 
their ist der ags. gen. pl. thdra des demonstrativs, das, nach 
nordischer weise, in den pl. des engl. pron. dritter person 
eingreift. die absolut gesetzten engl, formen hers und 
theirs sind dem ours, yours nachgebildet, unorganisch, da 
lier und their an sicli schon genitive waren, aucli schreibt 
man, in gleichem fall. Ins und nicht his's. 

die Verbindung mit seif ergieng jedoch nicht ohne neue 
anomalie, deren grund aber in der auflüsung der engl, 
casusllexionen zu suchen ist, für das neutr. blieb der alte 
nom. it seif (^as,s, hit seife), nur daß, wie bei den andern 
geschlcchtern, mit wiederholtem pron. gesagt Avird : it itself. 
da schon der ags. gen. und dal. sg. fem. in hire selfre 
zusammenfließen, so entsprang herseif. von dem ma&c. 
des pers. pron. he war überhaupt der gen. his nur noch 
in possessivem sinn üblich, der dat. hbn ungleich liäufiger, 
man zog also hunself (ags. liim selfum) vor und nicht 
hissclf (ags. liis selfes), wobei vielleicht das ronian. luimeme 
angeschlagen werden mag. beide wiederholen auch das 
persiinl. pron,: he himself, she herseif. hiernach richtet 
sich nun ganz der pl, Ihey themselveSf denn theni (ags. 
tham) ersetzt überall das ags. him. die anwendung dieser 
dalive him und them gemahnt an das nnl, posscssivum 
hnn (s. 347) und kann darauf eingedosscn liaben. im 
ob]i(|ucn casus geben himsclf, herseif luid themselves vor- 
zugsweise rellcxiven sinn. 

sehr gewöhnlich ist die lieifügung von oxvn für den 
possessiven nusdruck; im/ oivn child; zuweilen auch für 
den i)ersi)idichen noch neben seif: 'tis she lier oivn seif. 
wclclie Umschweife, das einfache ipsa est, golh. silbu ist, 
auszudrücken ! 

INInl. finde ich bei TNlaerlanl s/n selves scat 1, 182; 
Sin selves kemcnade 2, 245; sin seivos wil 2, 332, obgleich 
dem bein) verbum siehenden gen. sins gegeben n\ ird 1, 
'J7, 139; im Ueinaert liingegen mins selves lif 1408 j mins 



3G2 einfacher salz. 

sclfes hfts 1547; sins selvcs Lof 1428; slns g41fs lif 1656; 
»?iis solvcs mcsdael 254'J; iiiul so auch iiii diillL'ii bände 
.M.u'rlaiits : siris sclIs Ji.iür 112; eins selve» Iicrle212. fürs 
lein, haer aclß laiil iMaerl. 3, 4. lür den ],\.: bi huers 
selj's list inakedeii si FlüHs 'Jl4; hatrs saives ghemaecs 
si doe plaghea FJoris 1852. in diesen beiden fallen also 
nicht selver. beim irzeii ist selves in der Ordnung: dor 
hu selues ci-e Ileinh. 9'J2. Auch liier tritt eighen au den 
plalz von seif: haje eigliino kiiil Maerl. 2, 22.^. 

Nnl. werden, wie nhd., die conslructioncn gemieden, 
welche das possessiv durch ze//" erhöhen , und man setzt 
gleichfalls das adj. cujtn: \\\m eigen liuis etc. bei dem 
])ersönlichcn pron. aber sieht zolf, pl. zelvea: ik zelj", tvi 
zelveiiy hl zelj', zt selve. 

In den nord. sprachen lierscht , weil liier die reflexiven 
imd unrellexiven formen unvermengt bcstehn , die cinfach- 
licit der golh. fügungen. meines vvissens gebraucht die 
altn. niemals den durch sialls , sialfiar, sialfra verstärkten 
gen. der persönlichen pron., um damit das possessiv zu 
lunschreiben. noch weniger geschieht es im neunord., wo 
die gen. min, din erloschen sind, aber dem pei'sönliclien 
prou. selbst mag die Verstärkung hinzutreten. das poss. 
kann durch eujen erhöht werden, altn.: sitt tirjit lif; 
schwed. sit ecfet lif. 

Sollte nicht in die alid. alts. ags. mundart ieues ver- 
wirrende Sin. selpes, ii'a selpera u. s. av. , mit allen seinen 
Schwankungen, aus dem lat. sui ipsius gedrungen sein? 
der Golhe hat es nicht, und wurde durch das gr. iaVTOv 
nicht dazu verleitet. auch die nord. spräche erhielt sich 
frei davon, und die heuligen dialecle haben es, als un- 
deutsch, wieder fahren lassen. 

7. Heute nllcgen wir nach verbis, zumal imperativen, den 
datlv der pronom. heider erster personen nicht selten 
einzuschalten, ohne daii ihm überall eine bestimmte be- 
ziehung zukommt, z. b. ich habe mir eine rechte lust 
daran; ich habe dir da viel leute gesehn; du bist mir ein 
rechter held!; komm mir nicht wieder so!; habt ihr mir 
alles ordentlich ausgerichtet":'; ich lobe mir die rothe färbe; 
wir loben uns das schöne; das war dir eine lust; das ist 
euch eia jubel; das war rfjr der fremde, von dem ich eben 
sprach; höre dir!', Aeukcdir! glaube rftV nur nicht alles von 
der Sache ! ; der weiß dir viel dinge zu erzählen ; in diesem 
letzten fall könnte statt des dir ebenwol ein ganz uube- 



noTnen. pronomen, persunllcJies. 303 

sllninites einem gesetzt sein, einigemal ließen sich dative 
comniüdi auiiehnien, diese sind aber stärkerer bedeutuug; 
andereinal ellipsen, so dali ein solches dir etwa aussagte 
was die ganze redensart: das sage ich dir, 

ich linde schon ahd. beispiele: lis thir ! 0. III. 7, 75; 
lis thir IMatllieuses deil! 0. 111. 14, 65; mi chius tir ! (re- 
spice) N. Bth. 158; lose dir! das. 181. 

inhd. besonders nach dem wort hau: nu habet in ze 
rate Wigal. 6862; die habe dir von golde! Trist. 8218; 
liabetj IM von dem wibe! Trist. 5710; habet iu spil u. 
Verlust! Frib. Trist. 4186; nu habe dir daz din, ich viil 
behalten daz nun. Eilliart im Trist. 456 sagt: du enwas 
dir nieman under; sanc unti wunne ^vas dir gruz Anno 
717; lebe dir sanlte ! En. 12479. eingeschaltetes mir steht 
bei Berthold 195 : hal)t ir mir den hungerigen zezzen ge- 
ben? Amur 1302: daz bring m.ir dem hcrren din! und ge- 
wis noch öfter. 

Man könnte zunächst den dat. bei verbis medialer be- 
deulung hinzuhallen (s. 29. 33. 35) besonders das sich bei 
wesen , werden, sprechen, heizen (s. 36); wie auch nach 
haben ein solches sich eingeworfen werden möchte : sie 
sollen sich es haben! Auch das in relativsätzen auf das 
pron. folgende dir (gramm. 3, 21) hat eine gewisse ana- 
logie, von welcher im verfolg noch näher die rede sein wird. 

Sollte in der oben 8. 30 angeführten goth. stelle : iba 
ihank thtis fairluülis skalka jainamma ein solches encliti- 
srlies thtis liegen? die neusten herausgeber finden darin 
ebenfalls Umschreibung des mediums. 

mehrere slavische sprachen schallen die dative mi und 
ii ein (Vuks serb. gr. 56. 57.) 

8. Schwächling vmd anlehnung persönlicher pronomlna. 
ein golli. beispiel ist mir nicht vorgekommen, in der ahd. 
])oesie wird, nach erfordernis des metrums sie in 5e, sia 
iu sa geschwächt, z. b. irfultunse 0. llarlm. 102. V. 7, 32; 
SU 0. V. 7, 37. 55. für e*', imo, inan kann bloik'S s, mo, 
nan einlrelen, z. b. wol er imo.S lunut Tiudw. lied 2; lui- 
hdiiio, hewcmo 0. liud. 6; thiunaii 0. Lud. 54; sinflu 0. 
V. 7, 55; mannan 0. V. 7, 31. 33; die hs. trennen zwar 
mo und nan, es scheint mir besser, aiu;h in der Schrei- 
bung die inclinaliün auszudrücken. IMlid. werden st, es 
und cz, angelehnt , zu bk)ßom s, ä, s, z. b. bequndriis 
kann begunden si oder beguiulen es aussagen, bctjundciiz, 
ist b, c/. der nom. er incliuierl hauliii an verl * mil vor- 



304 einfacher satz. 

hist des toiis , z. b. van</er (: ander); baier f: vater) im, 
in, ir "Nvird geschwächt in e»n, en, er t begundem sagcMi 
u. s. w. belege im wb. 7Ai Iw. \). 101-105. du wandelt 
sich l)ei der aidehnung in l)lol^e8 li : hhlü, kansfu, (bei- 
S))iele ebendas. p. «4.) i'n, Vn, mVs, er^r luv ich in, ich in, 
«licli es, er ir sind in Jiaclini. Parz. zu Ired'cn. ]N'och weit 
geläufiger sind die mnl. anlehnungen , Iloüni .bat am schhil^ 
seines Floris sie lleiüig verzciciinel. Des altn. sullixes «Jf, 
mZf sc, z, at geschah s. 40 Jl". erwähnung. 

9. Die letzte anmerkung soll sich auf das Verhältnis der 
icflexiven und iinrellexiven formen in der lal. und roma- 
uischen spräche beziehen. 

auch im iatein geht das reflexiv auf das subject des 
Satzes, doch wird diese regel in lebendiger rede nicht 
ängstlich durchgeführt, sondern wenn im zusammenliang 
eine person hervortritt, selbst in Zwischensätzen, die an- 
dere subjecte einführen, das rellexive pron. nach ihr ge- 
richtet,, z. b. IMilo Ciceronem rogavit, ut se defenderet; 
hier gehört se zu Milo, obschon Cicero subject des zwei- 
ten Satzes ist. gerade wie in dem s. 322 aufgestellten ro- 
gavit,, ut se oscularetur. der Gothe kann bloß wenn der 
zweite satz in einen infinitiven aufgelöst wird sagen: bad 
ina kukjan sis , unaufgelöst würde es heißen: bad ina, ei 
kukidedi imma (und nicht mehr sis.) die golh. syntax 
meidet also die Zweideutigkeit; welche die lat. in diesenj 
fäll gestattet. 

ferner, die lat. spräche verbindet zuweilen das relle- 
xive possessiv mit dem luuinltelbar nachstehenden obliquen 
casus, statt mit dem rectus des subjecls, z. b. aquila passe- 
rem in nido suo oppressit , d. h. in des Sperlings nesfe. 
schwerlich würde man goth. sagen: ara usqvam sparvin 
in silla seinamma, das wäre zu zweideutig , sondern nur 
in is. sitla. ahd. müste es heißen in Sineino neste, aber 
weil sich ejus nicht mehr ausdrücken ließ. 

In lat. Sprachdenkmälern des IMA. *) stößt man nicht 
selten auf den dat. sibi nüt unreflexiver bedeutuug für ei,- 
eis, während der acc. se stets reflexive behält. erklärt 
sich das aus der mischung beider bedentuugeu in dem ahd. 
ilttu^ im, so wie in dem männlichen possessivum sin? 



' •*) z. b. dem gedlclit von Ruotliep, dessen bruclistück Haupt heraus- 
gegeben hat« 



nomen. * pronomen. persn/iliches. 365 

oder liat tlle venvimmg Im lalein begonoeii und auf das 
deutsche eingewirkt i' (s. 324.) 

Alle romanischen sprachen verfahren mit dem reflexi- 
ven possessiv ungleich freier als die lal. , und gebrauchen 
es in der ausdelniung des hochd. sein auch für den unre- 
flexiven sinn, ohne es jedoch auf den sg. niasc. einzu- 
schränken *). so heilU es z. b. franz. ses yeux brillent 
[seine äugen leuchten, oculi ejus micanl); on parle de sa 
mort {ejus morte) ; j'ai vu Pierre et 5« femme (ejus con- 
jngem); ital. vidi Pietro ed isuoi figli (filios ejus), span. 
vi Pedro y sus hijos. v\^o Zweideutigkeit entspringt , ist 
die itak spräche mit ihrem di lui, di esso, di lei sorgfäl- 
tiger, als die franz. mit anwendung ilires gesclilechligen 
pronomens : egli vide Pietro colla sorella di lui {P. mid 
dessen Schwester), weil colla sua sorella auf egli bezii^- 
lich wäre, franz. wagt man lieber das unsichere : il vit 
P. avec sa soeur fnhd. P. und seine Schwester,) und läßt 
vom Zusammenhang den zweifei lösen , wie sich insgemein 
die neuere syntax mehr dem ganzen zukehrt das einzelne 
vernachlässigend. 



*) in seiner ursprünglichen allgemeinlieit für sg:. «nd pl, aller ge- 
schictliter besitzen es jedoch nur die spanische und portugiesiscl)e; 
die ital. und iVnnz. entsagen ihm, wenn das suhject im pl. stellt, und 
setzen dann loro , hur (= lat. illoruni) für beide bedeutungen. alt- 
ital. galt noch suo. jenes loro, leur vergleicht sich dem alid. gen. 
pl. iro ^ nihd. ir und loro bleibt ebenso unverändert, leur, insofern 
es den pl. kurs bildet, darf ein unorganisches possessiv heißen, wie 
unser nhd. ihr, pl. ihre. 



366 einfacher satz.* 



CAP. IV. ÜBRIGE PIIONOMINA. 

Näclist dein persünliclien ])ronomen ziclil das demonslra- 
tive die aufnierksanikeit auf sich, vor allem der sosenannte 
artikel. ich Nverde in diesem cap. zuerst von iJim, lier- 
nach von den andern dcmonstraliven formen und endlich 
von den inlerrogativeu und sonsligen prouominalfiigungen 
handeln. 

A. Arllliel. 

Der artikel, in seinem Ursprung, ist nichts als ein demon- 
stratives pronomen, und nur allmälich zu einer fast bedeu- 
tungslosen gramnialischcn form herab gesunken, nicht hat 
die geschwaclite llexion des nomeiis ihn zuerst herbeige- 
führt, wol aber sich an ihm gestützt, ihn fest gehalten 
und vervielfältigt (s. 293.) gleich dem persönlichen pron. 
beim verbum steht er anfangs beim nomen, in besonde- 
ren fällen, als herzugerufner seltner geleiter nachdruck- 
sam; bald zur bürde geworden schleppt er sich fast allent- 
halben mit. der deutsche artikel ist meislentheils ungelen- 
ker form. Während in den ronianischeji sprachen durch 
günstige Verschmelzung mit präpositionen er schnell gefäl- 
lige , sogar den wollaut der rede erliöhende gestalten an- 
nahm , gibt der unsere ein bild schmuckloser gründlichkeit. 
wir sind zu unbeholfen, ein gebrechen zu bergen, das uns 
lästig wird, noch weniger wissen wir es so zu wenden, 
daß es wie ein vortheil aussehen konnte, wo sich gelegen- 
heit und neigung zu kürzender ausscheidung einzelner buch- 
staben zeigte wurde sie mit ängstlicher absieht bald wie- 
der gemieden. 

Die lat. spräche hat, gleich der slavischen, gar keinen 
eigentlichen artikel an sich entwickelt, desto entschiedner 
eingedrungen ist er In die romanischen, schon frühe eignet 
ihn sich die griechische an , und zwar entspringt er ihr 
aus demselben pronominalstamm , wie uns. doch haben 
wir ihn ihr nicht abgesehn, sondern von altersher besessen: 
der goth. artikel weicht eigenthümlich ab von dem gi'ie- 
chischen und wird anders angewendet. 



nomen. prouomen. arlilel. 307 

Man kann nie sagen, daß clor arllkel die nominnl- 
flexion vertrete, die kraft verlorne casus zu ersetzen beruht 
in präjjosiliüuen. aber der artikel, indem er die dem 
übrigen nomen ganz oder meist erloscliene flexion an sieb 
seilest festbält (wiewol auch das nicht nolhwendig geschielit), 
erleiclilert und regelt diesen ersatz. 

Zuerst von den formen, dann von dem gebrauch. 

Der artikel tritt sowol dem subst. hinzu als dem ad]., 
ja er kann auch andere prouomina näher bestimmen hellen, 
gewöhnlich aber erhält er seine stelle vor diesen Wörtern, 
unmittelbar, doch ohne anlehnung, die nur in seltnen 
fällen statt findet, der nord. überhaupt zu Suffixen nei- 
gende dialect besitzt hingegen einen nachgesetzten, mit 
dem nomen innig verwachsenden artikel. endlich versieht 
auch die cardinalzahl ein das amt eines unbestimmten 
artikels. 

Unser vorstehender artikel, wie ihn die meisten deut- 
sclien mundarten keimen, hat, zumal in der gothischen, 
die auilallendste analogie mit dem griechischen, sa , so, 
thata, gen. this , thizos , ihis u. s. \v. gleicht dem o, 7}, 
To, Tov, lijS, 7 0V vorzüglich dann auch, daß der männ- 
liche iMid weibliche noni. einem andern stamm folgen als 
der neutrale und alle übrigen casus, jenen beiden , man 
könnte sagen lebendigeren, subjectiveren fällen steht die 
hauchende oder sausende Spirans zu; den andern mehr 
objectiven genügt eine lingualmula. allein der gr. artikel 
scheidet auch ebenso im nom. pl. ot , ai imd tu, während 
hier im gotii. thui, ihus , thu jene nuita vorgedrungen ist. 
TJnter unserji übrigen dialecten tiiigt nur noch der ags. 
luid alln. das oigauische ehrwürdige geprage : se , seo, 
thät^ sä, Sil, thal; ahd. und alts., so weit hinauf unsere 
cpieUen reiclien, ist es verwischt und der muta ein vciUiger 
vordrang gestattet: der, diu, daz; thie , thiu, that. 

was die muta betrift, so muß man einräumen, daß 
für ein liäufig der rede einzufügendes wörlchen die gr. 
tenuis sich besser schicke, als die zischende goth. uml 
säcbs. aspirala; Avider die hochd. media ist, in diesem 
betracht, nichts einzuwenden, docli die auslautende aspirala 
des neulr. daz scheint luigünsliger als die golh. uiul sächs. 
tenuis an (hMselben stelle. ro steht nach dem gr. laut- 
system für t()(S\ dessen ausspräche früher so nühl gewesen 
sein muß. daß die auslautende nunlia bald ganz schwand, 
sämtliche llexioneu des gr. artikels liaben günstige einsilbig- 
keit und haulig vocalauslaul erreicht; in \\cn "formen des 



368 einfacher satz. 

iinsrigen erscheinen oft zwei sllben und häufig zwei con- 
eonanten. 

ich gelie darum In die laulelenicnle dieses prononiens 
ein, weil sie mir zu erklaren scheinen, wie wenig sicli 
luiser arlikel zu gewandter Kürzung, anleluiung und Ver- 
schmelzung hergab. ungleich vorllieilliafler für den wol- 
klang war die liquida des lat. demonstrallvs ille ^ aus 
•welclieni , durch manigfaclie Veränderungen und Verschmel- 
zungen, der romau. artikel erwuchs. 

Der goth. vollen arlikelform geschieht nirgend abbruch, 
obgleich dasselbe dejnonstraliv in einem andern fall (wo- 
von späterhin) kürzwng leidet. 

das ahd. ubar ix. wazzer (trans frelum) T. IMalth. 16, 
5 r= ubar thaz wazzer ist bemerkenswerlhe, gewis nlclit 
allein stehende spur, eines Sprachgebrauchs, der schon unter 
dem volk lebendig hcrschte, und liier einmal dem geist- 
lichen schriftsteiler entschlüpft; auch N. meidet ihn noch. 

Die mhd. dichter lassen ihn aus dem metrischen gesetz*) 
•viel genauer erkennen, in folgenden fallen ist die anlau- 
tende lingualmedia des artikels wegwerfbar und sein vocal 
erleidet zugleicli Schwächung. 

a. zwischen prapositlon und subst. , so daß jener der ge- 
kürzte artikel sich anlehnt 

ß. tlntiv: aume swerte Nib. 1898, 2; ame glase Parz. 
1, 20; inme lande Nib. 1892, 3; assimiliert im«ie lande 
Ulr. Trist. 2718; ime golde Parz. 3, 14; vonme Piine INib. 
794, 2, vonme dinge Iw. 2496; vonme lande Iw, 3707; 
vome gral Parz. 239, 7 ; vorne hove und vome lande Trist. 
15451; bime grabe Iw. 1438; bime se Parz. 340, 3; hu 
cim poume (baumes hocli) Anno 366; zem Kbe Iw. 1781; 
zem hellefiure Parz. 2, 8; vorem grale Parz. 236, 1; iifem 
esele Wh. 303, 25; ufern kle Trist. 4919; ebenso abem ,• 
uzem^ m'ütem leun Iw. 5263; mhleni swerte Iw. 6734; 
die Verschiedenheit der behandluug laßt sich leicht ermes- 
sen. . , in mittem f. mit dem ist nichts weggefallen, bloß 
med. der ten. assimiliert, mehrsilbige prap.: hinderm orse 
Parz. 596, 18; ebenso imderm 5 üloerm. dat. ])1.: abe»i 
ougen Parz. 692, 17; uze» ougen \Th. 242, 13; üzew 
schalen Wh. 120, 15; ein eriu (ze den eren) Anno 277; 



*) dessen findung und lierstelluug wir aber erst Laclimanns Scharf- 
sinne verdanken. 



nomen. pr onoinen, ariilel. 369 

>:iii Durlngiu Anno 334: cm ewigin glnädin 771; zen 
^venden Parz. 237, 25, zumal bei völkernanieu zen Salisen, 
zeu Hinnen; vonw gelouflen Wh. 255, 1; m'iüen oiigen 
Iw. 5189. Seltner lelint der dat. fem. an, am Läufigsten 
in der Formel zer :==. ze der, schon im Annolied cir hellin 
60. 257; cir Eilbin 331; zi?' erdin 747; dann in üzer 
niaze Iw, 6633, deutlich rz: iiz der niuze Iw. 3274; auch 
mit/er hant kommt vor. nie ein aner, iner, voner, noch 
anre, iure, vonre oder gar aire, irre, dem imme analog. 
Ahd. sind bloß bei 0. die fornieln zemo I, 9, 6. IV. 2, 7. Y. 1 1, 
5. 25, 67; zen I. 22, 5. IV. 34, 26, V, 7, 65. 8, 17. 25, 67. 
ß. acc. masc: umben stein Iw. 1203; umbeii tut Iw. 
1895; ul'en acker Parz, 379, 25; ufteti Iw. 5862; überu 
ronen Parz. 295, 19; iiberu gral Parz, 474, 22. 476, 16. 
acc, neutr. ans ende Nib. 205, 2; ans venster Parz. 437, 
19; ins münster Nib. 786, 2; üfes lant Parz. 544, 1; ufs 
ors Parz. 595, 29; hinderz ors Parz. 379, 25 u. s. w, im 
Anno ein einzignial auii lant 229. 

b. zwischen persünl. pron. und subst. , In welcliem fall 
jenes |)ron. den folgenden art. an sich zieht: warf erz. ors 
Parz. 437, 5; und wie erz harnasch gewan Parz. 170, 2; 
drang imz ors Parz. 295, 2; da mauz ambet tele Iw. 1409 
und ahnliches. 

c. zwischen verbum inid subst. in imperativisch gebilde- 
ten eigeiinamen , wie ScIiiuheMtac , Ltvrennapf, Hacken- 
tiuvel, Suocliendanc , Zerrezsluz und vielen solclien. 
außerhalb dieser Zusammensetzung, die dem Volksleben an- 
gehört, aber weder im imp. li«rcn napf, nocli weniger im 
ind. ich huren napf, indes sagt Waltli. 9, 15 ohne anleh- 
nung: setze en weisen uf! 

d. vor dem gen. masc. wird zuweilen tles in s gekürzt 
luul an das subst. gelehnt, gleichviel was vorhergeht, auch 
ganz im beginn des satzes: «morgens Parz. 32, 11. 54, 7, 
143, 16. 676, 11; «abenls Parz. 175, 19. 282, 24; «nahtes 
Parz. 272, 25. 376, 26; «künges Parz. 391, 23. 416, 13. 
524, 24. Nib. 1897, 3; shevs Parz, 786, 16; srichcs Wh. 
212, 17. 297, 10; shcldes Parz. 72, 14; «kriuces Wli. 332, 
29; ssclieliss Wh, 243, 1 d.h. des scliclis. Steht der gen. 
zwischen priij). luid ihrem casus, so lehnt sich jener das 
pron. an, z. b. zes küneges huldon =. ze des; eis >iaiiti9 
truwiu Anno 805. Ahd. ze« pu/.zcs 0. II. 14, 45. 

c. aphiiresis ohne anlehnen: iz, allermeiste cod. pal. 361, 
3''; da iz gestuole was bereilit Diul. 1, 11; ez swcrt er 
gein dem herzer« hui xMs. 2, 155^; Keie es ors liez in den 
walap Parz. 295, 10; er holt och an ir letze en tut Parz. 

Aa 



370 einfacher satz. 

205, 12. in der stelle: liet eis ors au siiiei' Imnl Wli. 
l.iO, 4 incliiiicii der arl. an die ])arükel et, wie: cinz 
iiiulz. ander muoz ich klagen Parz. 91, 9 an und. 

Nächst diesem wegfallenden aidaiit des artikels if^l die 
iinjgcdrelile apocopc der rönnen die und diu in bloßes d 
wahr/.unelinicn , wenn sich dieses tl einem folgenden vo- 
calanlaut inclinieren kann. schon im 12 jh.: untir t/an- 
dere Anno 571; rierda (lerram) merlg. 1. 2; unter Jerda 
das. 89; fioheran (die oberen) das. 107; häufiger nun auch 
bei Wolfram und sonst: f/aiidern l'arz. 434, 19. 613, 18; 
*Ziizer (die äui\cre) Par. 86, 25; </uzern (exteriorem) Parz. 
663, 21; Jrivenliure Parz. 101, 30. 115, 24. 210, 18. 400, 
1. 453, 8; fZerde Parz. 40, 30. 470, 15. 722, 22; rZerden 
Parz. 605, 12; rfougen Parz. 91, 14. 179, 22. 253, 10. AMi. 
55, 17; r/ungclriuwen Parz. 404, 13; al Jengele (omnes 
angeli) Wh. 454, 16; ffandern (alteram) Freid. 124, 6; 
rierslen (primam) Freid. 155, 2; <Zerde FVeid. 179, 10. 
Audi wül vor anlautendem H: über alle rfheidenschaft 
Wh. 434, 17. 

Endlich ergeht, oline aphärese und apocope, bloße 
Schwächung des vocals A im neutralen daz. sehr oft gibt 
das Annolied dafür diz '. diz eilen 305; dur diz (da er 
das) ulizui iutfieng 309 ; diz richi 327. 676 ; diz lieristi 
volcwfg 442 ; diz buocli 443 ; diz liüir ölei 524 ; diz olei 
856; diz liut 612; diz golt 648; auch nach prapositionen : 
in diz vingerlm 573 ; an diz hoibit 760. den dichtem des 
13 jh; dez: dez houbet Iw'. 460; dez maere Iw. 1836; dez 
ros Iw. 3668; dez isen Iw. 5379; dez ruoder ISib. 1493, 
4; dez ors Parz. 295, 20. 22; dez niinneclichste wip Parz. 
441, 7; dez minre Wh. 15, 9; dez herzeichen Walth. 12, 
2&; dez Heisch das. 22, 15. Parz. 191, 2; dez n)ez das. 27, 
4; dez bluot das. 37, 10; dez herze nun das. 72,30; nach 
präp. üf dez gras Parz. 37, 28. 

Auf solche weise strebte die lebendige und dichterlsclie 
spiMchc den arlikel zu scluneidigen. in den beiden letzten 
fällen liegt die artikelform am tage, bei der apharese des 
D hingegen könnte zweifei walten, ob nicht vielmehr ca- 
sus des pron. dritter person den artikel vertreten? mi- 
schungen dieses persönl. pron. luid des demonstrativs er- 
folgen vielfach ; jenes ahd. ubar iz sieht in der that mehr 
nach wirklichem iz aus als nach entstellung des art. dazl 
dazu kommt ein grund, den uns hernach die nl. spräche 
an band geben wird, auf der andern seite lebrt aber die 
Schwächung des daz ia diz und dez übergöinge des A in 



nomen, projiomen. artilel. 371 

I und E, aus an diz Loubit wurde an iz lioubet, aues h., 
anz, h. , diese formcln scheinen völlig identisch, -warum also 
ein mit dem neutr. des persönl. pron. gebildetes an iz li. an- 
nehmen i* noch weniger scheinen sich zem , zen, zer aus 
der präjf. im, in, ir zu deuten, am allerwenigsten zes, da 
kein gen. niasc. es statt findet (s. 332.) das I in dem cim, 
ein, cir, eis des Anuoliedes erklärt sich besonders aus 
der neiguug dieses gedichts auch in andern fällen diesen 
vocal für E zu setzen: dir ari 773, dir goltsmid 646, uze 
dir bürg 664 für der ave, der g. , uze der bürg; ich ver-r 
weise noch auf das dir beim relativ. 

llnseie heutige Schriftsprache läßt nun zwar die pra- 
posltionelleu anlehniuigen i»«, am, vom, zum, beim, un- 
term, überm, hinter«i gelten, kaum voi'm , gar nicht 
aufem, ausej/i, obgleich sie in aller munde sind, von den 
weiblichen besteht das einzige zur^ die pluralen sämtbch 
sind verschwunden uamenllich zu»t. luiter den accusati- 
ven dauern fort ans, in5, ums, fürs, aufs, durchs 5 iiiclit 
die männlichen, inilcrschieden von den acc. ans, ins, aufs 
(mhd. anz, inz, üfz) sind die genitivischen ans, ins, aufs 
(mild, ans, ins, üfs) rr: an des, in des, auf des. noch 
weniger ist von den übrigen fällen erhalten , außer etwa 
dem acc. e», der in eigennamen haftet, falscher anstand 
hat uns dieser behilflichen kiirzungen meistentheils beraubt. 

Alts. ags. anlehniuigen oder Schwächungen des artikels 
habe ich lücht anzuführen, durch die allileralion scheinen 
sie weniger veranlalU, als durch das rcimsyslem *). 

Höchst begünstigt werden sie aber in der mnl. poesie 
und noch baldiger angewandt als in der mhd., aber ganz 
analog ciUspringend ; für die hier unbeleglen beispiele gilt 
HoHmauns Verzeichnis der anlchuungen. 

a. nach präposItionen , 

ß. dativ niasc. : ulen =: ut den; melleu rrr mel den; 
teil :r= te den. dat. fem. ult'i*, mctle»", \er nr ul der, met 
der, tc der. ß. acc. neuti-. an<, iwt, op^, vorf n: an dat, 
in dat, op dat, vor dat, und nicht an het, in hei, op hct, 



•) selbst in der chkI. , sonst keine kiirznnp; selieucnden , spräche 
wcil\ ieli nielit (\n[\ sie der i\rtikel erleide anl^^r in /otlier für tlic 
otlier. aueli l)ei den Kn"nl>''>rsten i)rii|)ositi(.>iien unan^ielelmtes tlie, es 
lieilk: 011 the (ield , in tlic wntcr, of tlie man, U» tlie land , eher 
wird die |)rä|). {gekürzt: i' tlie air (ia der lul't), fall o' tlie milk statt 
of tlie. tu't i^t tu it. 

Aa 2 



372 eiiijuclier sutz. 

vorlict, wie HolVm. aiidosl; der iniil. artikcl hat dat, iiirlil 
lict , vgl. dal laiil l Iuris 7;J5, dal silver Floris 841, al dal 
hof Kaiii. 58, dal Icllc ilier Kein. 88, in dat gial Hein. 
451. nach niclrischer riicksicht leliiil sich nicht seilen die- 
ses T an das lolgcnde subst. , slalt an die vorausgehende 
pr.i|>. /.. I). /ghelal Hein. 410; an fgraf flein. 457 ; und so 
bei llollin. <seil , <S\vacit, fwater, <kint, fhout, frmglieiltn 
=::: dal seil u. s. w. diese lelzle art von anlehnung isl beim 
mhd. Z unlhunlich. 

b. nach persünl. pron.: hebbics :=: hebbic des; kl := ic 
dat. 

c. vor dem gen. masc. : smergliens; 5coninx Rein. 140. 
196; Aiils; nz des nieighens, des conincs , des |lifs. te5 
couinx liovc = te des Kein. 48. 

d. dalfi'e, cutie für dat die, en die. 

apocope des auslautenden le; fZammlracl, Jander, r/an- 
dre, Javenture, d^n , fZerde, fZoghen nz die amniüael, die 
ander u. s. w. (nicht de.) 

In der nnl. spraclie hat sich eine für unsere Unter- 
suchung besonders merkwürdige al)Nveichung von der nuil. 
eingefühlt, das neutr. des artikels lautet het, unterschieden 
von dem denionsfrativereu dat. statt des mul. dat graf, 
dat dier heilk es het graf, hei dier; die formel des arti- 
kels ist also de, de, het =z nuil. die, die, dat =z nhd. der, 
die, das. auf den gen. dat. 'sg. imd den ganzen pl. er- 
streckt sicli dieser eindrang des persönl. pron. nicht *). 
die imorganische ausdehnung des nnl. het ist nun oifenbar 
erst aus der häufigen inclination des ilat hervorgegangen ; 
wie das nhd. ins, ans den schein von in e*, an es hat, so 
nahm die nnl. mundart ihr int, ant entschieden für in het, 
an het, und setzte dann ein solches het auch im fall der 
nichtanlehnung, ohne sich daran zu stoßen, daß im dat. den, 
der nicht verdrängt wurden von liem und haar. Ob sich 
in mnl. gedichlen schon einzelne solcher unangelehnten 
het für dat nach lassen weisen? den Übergang des dat in 
het muß die geschichte der holländ. mundart näher aus- 
mitteln. die präpositionellen anlehuungen tew, ter dauern 



*) ich maclie aufmerksam auf die beim pron, mehrmals eintretende 
abweicliung des neutralen Stamms von ibeiden übrigen geschleclitern. 
wie neben dem goth. sa , so ein t/iata ; neben dem altn. kann, hon 
ein tliat , erscheint neben dem nnl. de, de ein het. der sächliche be- 
grif leidet eine andere l'assuug als die persönlicheren. 



nomen. pronomen. artiiel. 373 

fort; de (statt des friihereu die) erfährt, wenigstens in der 
prosa, seltner apocope. 

Viele eigenlhüniliche kiirzungen des allfries. artikels 
thiy thiu, thet erscheinen selbst in der spi'ache der reclits- 
bücher, sie uiüsseu darum sehr gangbar gcAvesen sein *). 

der dat. niasc. und neutr. thd verschmilzt mit präposi- 
lionen: üta, ela, milha z=: ixi thä , et thä, milh thä, z. b. 
ütu hüse, ahd. üz demo huse; ebenso der dat. fem. there : 
eler, milher r= el there, milh there; oppare r=z oppa there, 
z. b. oppare stede, ahd. üfan deru steti. acc. masc. </«ene ; 
oppane, unibene = oppa ihene, umbe theue; thrucliwe 
(durcli den.) die anlehnung des acc. sg. fem. tha. ist gleich 
der des dal. masc. 

anlehnung des arl. an andere pronomina : thett =:: thet 
thi (daß der); hine =:= hi ihcne (er den); thel/ff (daß das.) 
an verbalformen: istet , nistet 1= is thet (ist das) nis thet 
(ist das nicht.) des genitivs : wilhes erwa \vilia (mit des 
erben willen.) beiläufig erv\'ähne ich der haullgen kiirzung 
des advejbialen ther (da) in bloßes R: bariemar umbe = 
barie ma ther umbe; liuchtmar (licht man da.) 

dagegen lieißt es ohne inclination : thi other (der an- 
dere) thcs nachtes, namentlich steht bei in und an das un- 
angelehnte thet. in der heutigen nordCries. Volkssprache 
lautet dieses thet dit, in der weslfries. freilich r7, nach 
dem einlluß des holländischen het. doch auch in Dilmar- 
sen begegnet it , z. b. it land to Iladelen (Neoc. 1, 328), 
in den übrigen nicdersachs. nuindarten fast nur dal. 

Die ganze bisherige unleisuchung hat ergeben, daß un- 
ter allen deutschen dialeclen der nml, und allfries. den 
arlikel am freisten behandelt; zunächst steht der mhd., doch 
wendet er die ihm mit dem mnl. gemeinschaftlichen falle 
seltner an. 

Völlig eine verschiedne erscheininig gewähren aber die 
nordischeil sprachen, ihnen eigen ist ein doppelter artikel, 
und zwar ein voianlretendcr bei adjecliven , ein sujjujier- 
ler bei 8ul)slanliven; von lelzlerm rede ich zuerst. 

Das demonstrativ, welches diesen suhstanlivmtihA bil- 
den liilft, lautet in den frühsten alln. deid<mälern, für 
sich , so : 



') nuHaüeniler gegcnsatz zum ng;-. , fla sonst bciile dinierte so vie- 
les Kcmcin liabeii. 



374 einfacher saf: 



iiin 


in 


i(t 


pl. 


Inir 


Inar 


In 


ins 


innar 


Ins 




Innn 


Innn 


iiin.i 


IlUllU 


iniii 


In um 




Iniini 


Inuni 


IniMii 


In 11 


ina 


ilt 




Ina 


Inar 


in. 



slalt ilt wird i7 , fchlcrliaflcr auch ülh geschrieben, wie 
sonst im dual, des persünl. pron. vidli für das richtigere 
vIt. einige (Icxionen zeigen gern K slalt I, zumal die weib- 
lichen enar y enni , ena:, der dat. pl. enouf^ docli aucli 
enn und et im masc. und neutr. Spater wird überall die 
aspirala vorgeschoben und das ist die in altn. prosa übliche 
form: liinn ^ hin, hilt u. s.w. die unaspirierte sehe Ich 
für die ältere an, darum schon weil sie dem ahd. ener, eniu, 
enaz oder gener, geniu, gcnaz näher steht; das goth. jälns, 
juina, jainata weicht Im vocal ab, denn nichts berechtigt zu 
der annähme eines kurzen, dem golh. lautsystem wider- 
streitenden jains, wofür jins geschrieben sein würde, das 
N Ist der Wurzel wesentlich und assimiliert sich nur vor 
dem neutralen T, ilt für int, wie inilt für ni?nt, eilt für 
eint; darum hat auch dieses Itt, hilt nur zufällige, keine 
wirkliche ähnlichkeit mit dem golh. ita, ahd. iz, ags. liit, 
dem neutr. des pron. driller person. aus der nicht aspi- 
rierten form begreift die sulflxlou sich leichter. 

Suffigiert wird luin dieses pron. an alle casus aller de- 
clinatlonen , nach folgenden regeln 

a. die flexion des subst. bleibt tinbeeintrachtlgt, wenn sie 
vocalisch auslautet, Immer; wenn consonantisch, mit ein- 
ziger ausnähme des tun des dal. pl. , welches zu dem pro- 
nominalen inicni in iinuui (st. umiiium) verschmilzt. 

b. der wurzelvocal des pron. wird von dem vocalauslaul 
des subst. absorbiert, dieser mag nun A, I oder U sein, 
er haftet aber nacli den consonanten des subst.; ausgenom- 
men ist der nom. pl. masc. und nom. acc. pl. fem., deren 
ar, ir, ur wiederum den Wegfall des pronominalen vocals 
verlangt, statt arinir, irinir, arlnar, Irinar, iirinar wird 
stets gesagt arnir , irnir, arnar, iniar, urnar. im gen. 
sg. fem. bleibt hingegen arinnar, da sich vor dem NN das 
1 nicht ausstoßen ließe. 

c. im neulro '^ wandelt das pronominale itt überall sich 
in it. 

hieraus entspringen nun Avechselude und wollautige for- 
men, die ich nach Ordnung der einzelnen starken und 
schwachen decliuationen raittheile. 



sg. 



pl. 



sg. 



pl. 



pl. 



nomen. -pronomen. artikel. 


37 


dagrinn 


hirdiriiin 


sonrina 


belgriun 


dagsius 


Ilirdisius 


sonarins 


beigjarins 


degiiium 


hirdinum 


syninum 


belgiuum 


daginn 


Lirdinn 


souinn 


belgina 


dagaruir 


hirdarnir 


ßynirnlr 


belgirmir 


daganna 


hirdanna 


sonanua 


belgjanna 


dögunum 


hirdunum 


sonuuum 


belgimiui 


dagaua 


Lirdana 


sonuna 


belgina 


giöfin 


fesliii 


botiu 


ästin 


giafarinnar 


festarinnar 


butarinnar 


äslariunar 


giöfinni 


festinni 


butinni 


ästinui 


giöfina 


festiua 


bulina 


ästina 


glafarnar 


festarnar 


boetrnar 


astirnar 


giafanna 


festanna 


butanua 


ästanna 


giöfunum 


feslunum 


bölunum 


astununi 


giafarnar 


festarnar 


bcEtrnar 


Astirnar 


fatit pl. 


fötiu sg. 


rikit pl. 


rikin 


falsins 


fatanna 


rikislns 


rikjanua 


felinu 


fütunuin 


rikinu 


rikiununi 


fatit 


föliu 


rikit 


rjkin 


lianinn 


tungan 


augat 




lianans 


tuiiguiinar 


augans 




hananuiu 


lunguniii 


auganu 




lianann 


lunguna 


augat 




hanarnlr 


tuiigurnar 


augun 




hananna 


tungan na 


auganna 




liöiiunuiu 


tÜngUIHMU 


augunui 


1 


Iianana 


lüngurnar 


augun. 





Zu diesen paradigmen bemerke ich : 

1. die enlsprungnen formen haben den scliein einer flexion 
es Sinei aber nur zwei aneinander gerückte luid verwacli-» 
scne ilexionen. in der syntactischen wirkung kommen sie 
den subsl. bei, vor wclclie in den andern dialccten der 
artiUcl tritt; fatit bedeutet was das ahd. daz faz, fülin 
was diu faz ; bulin =r: diu [)UOza , butnrinnar ::= dera 
piioza ; wie viel gefälliger sind aber die altii. foiiiien! nur 
die seltneren aidehnungon , wie mlul. sküiicges, mnl. sco- 
nincs können es aufnehmen mit dem ahn. kunungsins. ei- 
nen Vorzug jener dialecte möchte die aidohnung an priipo- 
silionen geben, woraus ein gewisses ebenmaU zwischen 
priip. mit art. luul dem subst. erwuchst , w.iiuend die altii. 
einsilbii'c priip. absteht von der vi'Iglicdriukeit des siitVi- 



376 



einfacher salz. 



glerlcn subst. , man liallo z. b. das mlid. inie lande zum 
alln. t landimi; nilid. zcr buozc , allii. til bulariniiar. 

2. die siilügierlcii formen nnterscheiilen sicli von dem We- 
sen der stliwaclion decliiiation. der gen. liatians, acc. lia- 
nann eriimcrl obenhin an den gotb. uiisnirigierten gen. 
lianins, acc. lianan ; aber die gescbicble und das laulver- 
liüUnis beider sprachen, der nord. und golh., lelirt die 
grundverscbiedenlieit der falle, dem goth. hanins, banan 
eiilspi-icbt ein alln. liana, liana. dem noni. sg. sclnvacher 
form gebührt nie das N, liier aber bat der nom. masc. 
BOgar NN. 

3. man übersehe nicht die umlaute, sie bleiben genau 
Avie im llectierlen casus vor der suffixion ; anders ausge- 
drückt, das I und U des angebängten arlikcls äuiiert nicht 
den geringsten einlluß auf den ^vurzelvocal des siibst. so 
erklart sich wie die formen falit, fütin eintreten, und 
nicht felit, fetin. Daraus entnehme ich den späten Ur- 
sprung der suifixe, als sie aufkamen, war der einzelnen 
ilexionen laut oder umlaut lange geregelt, und konnte durch 
den vocal des noch so nah zutretenden pron. nicht anders 
bestinuut werden. 

4. auch die Verschiedenheit der denkmäler bestätigt diesen 
neueren und allmälichen beginn der sufTixe. in der edda 
erscheinen erst wenige spuren, und die altn. prosa bedient 
sich ihrer wiederum ungleich seltner als es die neunord. 
sprachen thun. näheres hiervon unten, wenn ich den ge- 
bi'auch des artikels erörtere. es verhält sich also damit 
nicht anders als mit dem vorgesetzten artikel , der früher 
sparsamer angewendet, der neueren spräche fast unent- 
behrlich wird; gleichzeitig sind aber beide erscheinun- 
gen nicht. 

Die schwedische spräche zeigt uns zwei lehrreiche ab- 
stufungen der sulFixe. Altschwedisch: 



pl. 



dagen 


solen 


fatet 


dagsens 


solens 


fatsens 


dagenom 


solenne 


fatenom 


dagen 


süleua 


fatet 


dagarne 


solarna 


faten 


dagarnas 


solarnas 


fatenas 


dagomeu 


solomen 


fatomen 


dagarna 


solarna 


faten 



nomen. pronornen. ariikel. 



377 



pl. 



lianen 
hanans 
hanaiiom 
hanaa 

lianarno 
lianarnas 
lianonien 
lianarna 



tungan 
tungones 
tungonne 
tuneona 



Ögat 
ögans 
üganom 
ögat 

oeonen 



tungorna 

tungornas ogonenas (?) 

tiingonien ogoinen 

tungorna ögonen 

die meisten dieser formen sind noch in der bibeliiber- 
selzung, der dat. sg. fem. auf enne, onne gründet sich auf 
ältere denkniäler, die bibel gibt dafür schon ene, oue; 
auch hat sie im pl. masc. arna statt arne. doch den merk- 
würdigen dat. pl. omen (ahn. iiniini) liah sie überall fest, 
im gen. sg. masc. und neutr. fehlt zuweilen schon das 
erste S. bedeutsam ist die abweichung des schwachen pl. 
neutr. von der ahn. form, ögonen, hiertanen von augun, 
hiortun ; sie wird aber durch eine Verschiedenheit der 
starken flexion in beiden dialecten begründet, deren erör- 
terung nicht hierher gehört. 



Neuschwedisch folgendergestalt : 



«S- 



pl. 



dagen 


solen 


fatet 


dagens 


solens 


fatets 


dagen 


solen 


fatet 


dagarne 


solarna 


faten 


dagarnas 


solarnas 


falens 


dagarna 


solarna 


faten 


hauen 


tungan 


ögat 


lianens 


tungans 


Ögats 


hauen 


tungan 


ögat 


Iianarne 


tungorna 


ögonen 


hanarnas 


tungornas 


ögonens 


hanarne 


tungorna 


ögonen 



pl. 



liier sind die formen noch mehr als im allschwcd. zusam- 
mengesunken, ohne au wollaut einzubüßen; dat. und acc. 
nirgend luiterschieden. das suilix als solclies unfülilbar, 
oder nur noch im nom., von welchem dann die obIi(HUMi 
casus auf gewöhnliche weise weiter gebihlct werikMi. für 
sich bestehend ist das demonstrativ hin (jener) lieule ganz 
imbiegsam, wie lielie sich aus ihm jene sull'ixion deuten? 

Die danische spräche kennt auch den schönen vocal- 
wechsel der schwcd. nicht, sie setzt überall einförmiges 
E, inuner aber bleiben die formen noch sehr behiillich : 



378 einfacher sutz. 

sg. (lagen Bolen faJct 

dageiis soleiis Tadels 

dageii solen fadet 

pl. dagenc solcne faden 

dagenes solenes fadenes 

dagene solene faden 

Sg. liarien tmigeii üjet 

liaiiens tiingeiis ojels 

lianen tungen ojen 

pl. liaiierne tungerne öjenen 

lianernes tungernes öjeiiens 

baiienie tungerne öjenen 

der pl. schwacher neutra scliwankt; aus älteren dan. Schrif- 
ten lassen sich einzelne anniiherungen an die altere vollere 
form gewinnen, namentlich der gen. sg. masc. und neiitr. 
mit doppeltem S, dagsens, lifsens; ja dies -sens wird selbst 
ursprünglichen femin. zu theil : iordsens (terrae) solsens 
(solis), siiilsens (animae), weil das gefiihl für den unter- 
schied des mannl. und weibl. geschlechts in der spräche 
auf hurt. 

Dieser angehängte und mit der casusnexion verwachsne 
arllkel bildet nun in den nord. sprachen die regel. "Wenn 
in der edda, nicht selten, ein dem subst. vorgesetztes sd, 
Sil, that erscheint, so ist es mehr als arlikel, wirkliches 
demonstrativ: sd ior 32^; sd vallr 33*; sd gardhr, sii 
grind 108^; that harr 109^; thcer meyjar llO''; und man 
niuU übersetzen ille equus, ille campus u. s. \v. Anders 
verhält es sich vielleicht in der alten spräche der gesetze 
und rechlsbücher, zumal der altschwedischen; in ihnen 
wird ungleich seltner der suffigierte artikel gesetzt, als in 
den Island, sagen, dafür aber das demonstrativ weit öfter, 
dem dann auch geradezu die minder nachdrückliche be- 
deulung des arlikels zukommt. Dieses demonstrativ liat 
außerdem im altschwed. und altdän. schon frühe eine ab- 
geänderte form empfangen und bildet den noni. sg. masc. 
thdn (tlien) , d. h. die ursprünglich accusative form ist in 
denn nom. vorgerückt ; das neulr. lautet thätj der pl. the - 
die obliquen casus haben meist noch ihre altere flexion 
bewahrt , fangen aber bald auch zu verhärten au. bei- 
spiele findet man in den glossaren der altschwed. gesetze 
oder im herzog Frederik (thäu skogh 78.) dieses thän, 
that wird nun, ganz in weise des hochd. und goth. ar- 
tikelö subslauliveu vorgesetzt. 



nomen. pronomeji. artUceU 379 

Schwed. und dan. gramniatlker nennen es den heslinx- 
nienden arlikel, gegenübei* dem hestininiten ^ durcli das 
Suffix. seine bedeulung mag demonstrativer lieißen , als 
die des bestimmten, allein sehr unmerklich, seine formen 
sind zusammengesunken , für den ganzen sg. niasc. und 
fem. gilt den ^ im neutr. det, für den pl. aller geschlechler 
de , und diese drei Avcirler gelten (im schwed. und dan.) 
als casus rectus und obliquus, z. b. schwed. den van (der 
freund) den ilicka (das mädchen) det lüfte (das gelübde) ; 
gen. den väns, den llickas, det lüftes; pl. de vänner (die 
freunde), de vänuers (der freunde.) 

Soviel vom nord. sidjstantivarlikel. Bei dem adjectiv 
verwendet die altn. spräche keinen angehängten, sondern 
einen vorantretenden : 

a. gew^öhnlich dasselbe hin, in, it, welches den Sub- 
stantiven suffigiert wmde , z. b. inn gamli thulr; in n5'^ta 
vigdrött; it aldua tre ; gen. ins gudlia hugar; dat. inoin 
niHcra brunni u. s. W. auf allen blättern der edda, wie in 
der späteren prosa, wo nur die aspirierte form hinuy hin, 
Int herscht. 

b. zuweilen wird diesem inn, In, it nocli das erste dem 
golh. .artikel entsprechende demonstrativ sä, sü, tJtat vor- 
angeschickt : sä inn storüdhgi iülunn Saem. 76*^; thess ins 
alsvinna iütuns 31''; thann inn alsvinna iütunn 31-^; a 
thann inn hcidha himinn T?**; thes iiins mtcra vidhar 
109?; theirri enni linhvtto mey 78^; that it eina 33^; 
thann inn hvita hadd 267^; thoer enar dückvu koiuir 
12.S'T; thcini inoni aldrcrnom 79^; börn thau in blidho 
240*. die bedeutung empfängt dadurch nachdruck, wie- 
wol keinen allzugroßcn. 

c. seilen erscheint, mit weglassung des inn, das bloße 
sä: eptir thann dapra dag Sa;m. 126»; der sinn wird 
dadurch demonstrativer, etwa wie wenn es vor subst. 
steht (s. 378.) Si);ilerhin nuiß es aber häufiger geworiien 
sein, Vilk. saga cap. 98 liest man z. b. sd fyrsti madhr 
statt des alleren hinn fyrsti. 

In der schwed. luul dän. spräche ist das pron. hin 
vor ailj. fast ausgestorben, inid fast überall gilt den und 
det, in deP s. 378 beim subst. angegebnen weise. so 
schon im hcrtog Frederik: tltän äillile forste 12; thän 
lille koMung 769 u. s. w. schwed. den blinde (coccus), 
den blinda (cocca) , det bliuda (coecum); dan. den blinde 



380 einfacher satz. 

Ccoecus, coeca), det bliiule (coeciim.) Audi dieser arllkcl 
lial sich also ^vieller dem hoclid. in form und aiiwciiduiiy 
genrilicrl. 

die Volkslieder liaheii noch sellne spuren des hin : 
Hainiiiar hin gra (lornsiuiger 1, 50. 51. 52. 53) *); Vidiicli 
hin Iromme 1, 52, wo die andere aufzeiclinung schreibl: 
then gia, ihen fromme 1, 61. 62, dän. Iiin unger svciid 
1, 59. 62; hin graa 1, 75. 78; hin fronnne 1, 78; Am 
unge llafbur 3, 15. 

Ungleich lianflger bieten aber dieselben lieder eine 
snj/ixion des adjectivs , die in der ahn. spräche iiiier- 
liuit, und in der neunord. schriflsprache ebenso wenig 
zu iiinlon ist , dar. 

schwed. vor eigcnnamcn : licrr Stollen Alf forns. 1, It; 
sloltan Villborg folkv. 1, l.il; stoltan Siguil 1, 143; slul- 
tan Adeluds 2,87. 110; üflei- vor Sachen: pä hvitan sand 
forns. l, 167; vid hredan bord 1, 163; öfver iredaii 
bord 1, 338; iiti hredan by 1, 132; pä höijan bar 1, 
136; hügan mur (die hohe mauer) 1, 151; ät högan loft 
1, 278; i liögan loft 1, 392; pä högan lofts bro 1, 385; 
pS högan liast 1, 282. 312; I snöhvitau band 1, 288; 
i hvitan lin 1,370; i tjulan lock 1, 309; \^^ jemnan niaik 
(auf dem ebnen feld) 1, 140. 417; med klaran vin 1, 345; 
pä hlekan kind 1, 355; i sallan sjö 1, 326; {övffijltan 
spiut 1, 157; i liiisan laga 1, 412 sä langan vag 1, 366; 
sä langan tid 1, 224; i längan trä 1, 269; i svai'tan iord 
1, 181; lüi Julian dus 1, 174. 282. 

dan. vor eigennanien : iin<jen Helmer 1, 139; ungcn 
Roland 1, 224; ungen Hammer 1, 75; iingen Ulf. 1, 72; 
ungen lierr Karl 3, 29; ungen hr. Axelvold 4, 4; yoden 
Hammer 1, 77; goden Ijurmand 1, 54; du fjoden Olger 
danske! 1, 51; stärken Diderik 1, 72; hüjen ßerner rise 
1, 36. 55; Sorten Bunnand 1, 51; stolten fru Grimhild 
1, 109. 117; slolten Brynhild 1, 133; stolten Mettelille 
3, 24. 29. 32; stolten fru Görild 3, 42. 43; slolten In- 
gefred 3, 64. 65; stolten Adelin 1, 93; (jodeu fargekarl 
1, 110, vor Sachen: hviden gaas (ein scliif) 1, 224; paa 
grönnen bord 3, 29; med höjen lioft og hreden bring 1, 
154; i Iiöjen lolt 1, 135; paa hviden sand 1, 138; yoden 
ieruaare (das gute eisenruder) 1, 111; til Sorten joid 1, 
119; mig tviuger haarden uöd J, 146 (mich zwingt die 
harte noth.) 



•) Adolf Ivar Arvidsson sveiiska loriisangcr d. 1. Stockli. ISöl. 



nomen. pronomen. arl'd-el. 33 J 

die scliwed. Unterscheidung zwischen dem niasc. stolten 
und fem. stoUun stimmt zu hanen und tungan; docli nicht 
reclit erklärlich ist mir, wariun im obliquen casus überall, 
ohne riicksicht aufs genus, der ausgaug an slatt findet? da 
man fürs masc. en erwarten sollte. wäre dieses an ein 
unsuffigierter acc. masc. (nach der allerthümlichen form 
blindan granun. 1, 755), so sind die beiden andern geschJ. 
nicht wol zu begreifen, aber nocli andere stellen nölhi- 
gen, unorganische ausdeluiung der suffigierten form anzu- 
erkennen: sä storan en qvida 1, 232; ena stolsan jung- 
fru 1, 415; liier scheint der unbestimmte arlikel das suf- 
fix des beslijnmten auszuscliliefJen. das einförmige dan. en 
fülirt auf keinen solchen anstol\. 

Von der form des iinheslbnmten arlikels ist wenig zu 
sagen übrig, er wird aus der cardinalen einzalil entnom- 
men; doch die gotli. spräche kennt ihn durchaus nocli 
niclit, und bedient sich für analoge, aber schwacliere und 
seltner vorkommende begriffe andrer unbestimmter prono- 
mina, die zum tlieil mit jener cardinalzalil gebildet wer- 
den (gramm. 3, 32.) Alid. ist, w^enigstens seit dem 9. 10 
jh. der artilvcl ein, nicht zu verkennen, obgleich noch in 
geringerem gebrauch, iingefalir ebenso verhalt es sich mit 
dem alts. en, ags. an. Allmälich greift dieser artikcl um 
sicli, und das mhd. ein, mnl. en sind schon so unentbehr- 
lich und häufig wie heutzutage; die form weicht von der des 
des Zahlworts nur in der schwächeren oder ganz mangeln- 
den belonung ab. Auch hier lauft der unbestinunte arli- 
l<el der romanischen sprachen, den die cai-dinalzalil gleich- 
falls liergibi, parallel. Schon im altengl. hat sich eine 
günstige sonderung des artikcis a von der zahl ow, one 
hervorgelhan , die im engl, fortdauert. Der altn. spräche 
war dieser unbestimmte arlikel, wie der goth., fremd; 
auch die neunordischen haben das en eingeführt. 



Diese erürterungcn der form des artikels muslen die müh- 
same und verllochtene Untersuchung seines gebrauchs ein- 
leiten. 

Sprachen die ihn nicht kennen legen der)i nomen noch 
überall einen individuellen sinn bei, iler keiner hervorhe- 
bung bedarf, ihre demonstralion durcli pi'onomina ist sel- 
ten, dafür aber emplundner. man kann diese aulVassung die 
lebendigste und älteste nennen , sie herscht z. b. im lalein. 



382 euijacher satz. 

Wenn die liervorgoliol)nc ])ezeicliining einzelner nomina 
forlscliioilciul si(;li so sehr liiinfl, daU sie regel wird, 80 
treten die iinliezeiclinel gelassenen nur in eine allgemeinere 
bedeulung, auf der andern seile verliert die eigentliche 
deniünslralion an kraft, der arlikel liält zwischen beiden 
die niille. auf solche weise zeigt er sich im grieclüschen 
und golhischcn , wiewol mit meiklicher abweichung. er 
bildet eine jüngere stufe der sprachent Wickelung, wie man 
schon daraus gewahrt, dali sein wachsthum sich historisch 
verfolgen liilU. der homerische artikel ist beinahe noch 
keiner, und kaum aus dem sclioße des demonstrativs her- 
vorgegangen ; ia der attischen prosa hat er sich vollends 
entfallet, späterhin aber, namentlich in der spräche des 
N. T. noch manche erweiterung angenommen. In der 
gricch. und goth. sjjrache empfangen nun die nomina durch 
den begleitenden artikel ihre bestiimntJteit, d. li. sie rücken 
der anschauuug des redenden oder hörenden näher, wäh- 
rend die davon unbeglciteten ferner stehn bleiben, und all- 
gemeinere geltung haben, bei seiner ersten nennung pflegt 
das wort noch ohne artikel, hernach aber als eingeführt 
und bekannt mit ihm aufzutreten. Älehrern Wörtern steht 
jedoch an sich eine so ausgezeichnete Individualität zu, daß 
sie des artikels entbehren, und dennoch beslinnnt genug 
erscheinen, sie sind aus jener frühem periode übrig, die 
neuerung hat sie nicht berührt. 

Die golhische syntax kennt also nur einen einzigen 
artikel, den bestimmten oder bestimmenden, dessen Wirk- 
samkeit bei dem adjectiv noch durch die beziehung auf die 
schwache flexion erhöht wird, dabei hat es aber unsere 
spätere spräche nicht bewenden lassen, sondern für einen 
fall des früher xuibezeichneten nomens jenen, aus der car- 
dinalzahl entnommenen unbestimmten artikel eingeführt, 
der jedoch, seiner nalur nach, auf den sg. eingeschränkt 
bleibt, für das nomen erwächst also in dieser dritten pe- 
riode ein dreifaches Verhältnis, entw. steht es ohne artikel, 
oder mit dem unbestimmten, oder mit dem bestimmten. 
Da der pl. keinen mibestimmten art. leidet, und auch, 
seinem weniger individuellen begrif nach, oft des bestimm- 
ten unfähig scheint, so erfreuen sich manche pluralcon- 
strucllonen uocli größerer ungebundenhelt. 

Auch die fortsctzungen der lat. spräche in den roma- 
nischen haben beide arlikel , den bestimmten und unbe- 
stnnmten erzeugt, imd der letztere hat sich im ueugriech. 
zu dem allen bestimmten eingefunden. 



Jiomen. pronomeji. ariikel. 383 

Es ist nicht zu leugnen, daß durch die verschiednen 
arllkel manche feine inul genaue Nvendung des ausdrucks 
erreicht wijxl ; wie andere vorlheile der neueren syntax 
erkaufen wir sie mit der ahnalime sinuliclier fülle und 
gediungenheit der rede. 

Noch das sei im allgemeinen erinnert, daß der artikel, 
wie eigentlich alle demonstration , auf die dritte person 
eingeschränkt hleibl; die beiden ersten enlrallien Avie der 
bezeichnung des geschlechls so auch jeder andern hervor- 
hebung: sie sind durch die gegenwart des redenden luid 
angeredeten hinhingllch bestimmt, der vocativ also ertragt 
keinen arlikel, inid wo er ihn in jüngeren sprachen an- 
nin)mt, da liegt eine Vertretung der zweiten person durch 
die drille zum gründe *). 

Golhischer arlikel, 
1. folgende subslaniiva schlagen ihn ganz aus: giith 
(deus), auch da wo er das gr. 'diös begleitet z. b. Maltli. 
5, «. 34. 6, 30. 8, 29. 9, 8 und in viel^en andern stellen. 
Jrdiija (dominus), den himmlischen herrn bedeutend, z. b. 
Matlh. 27, 11. Marc. 1, 3. 5, 19. 11, 3. 12, 29. 30. Luc. 
1, 25. 28. 32. 4, 8. 19, 31 obschon hier der Grieche häufig 
seinen artikel setzt; bezeichnet es aber einen irdischen 
lierrn , so darf auch der golh. sleliu: sa frauja Luc. 16, 
8. 20, 13. atla (pater), wenn darunter golt verslanden 
wird, man sehe Job. 5,' 21. 22. 6, 46. 47. 14, 10-16 und 
andere stellen mehr, in welchen der gr. text oft den art. 
beifügt; von einem menschliclien vater kann sa atla ge- 
sagt werden, z. b. Luc. 15, 22; thana allan Job. 14, 8. 
sunnö Luc. 4, 40. K|)h. 4, 26; acc. suniiun IMallli. 5, 45; 
der dat. von sanna luir in der forinel at sunnin unin- 
iiandin Marc. 4, 6. 16, 2; säml Marc. 1, 32. 13, 24; bei 
i'jXios sieht bald derart., bald unterbleibt or **). hiinius 
(coeluru) Mallh. 5, 18. Luc. 3, 21; 4, 25; hiniin acc. Luc. 
16, 17; himinis INlallb. 8, 20. Marc. 13, 25. 27. 14, 62; in 
lümin Luc. 2, 15; uml hiiniii ]Mallh. 11, 23; bi liimina 
Matth. 5, 34; us hiinina Marc. 8, II. Luc. 3, 22. Job. 
3, 31. 6, 31. 32. 33. 38. 41. 42. 50. 51. 58. 12, 28; du 
lilnüna Marc. 7, 34; ebenso bei den häuligen pl. formen: 



*) aiicli wenn Kur ersten oder zweiten pers. ein niideres iiomen 
prrwiicicrt wird, ist dies eine dritte ]>erxo)t , z. I>. {jotli. ik im liulind 
.lull. K, 12; ik im Idäifs .leih. 6, :>! ; tiiu is liiindiins INIntlii. 27, 11: 
tliiudans is tliilV Joii. IH, 37; und liier darf nueli der nrtikel stelin: 
ik im sa liiäifs .loh. (i, 48. 

•*) vgl. deutsche niytliol. p. 400. 



384 einfacher satz. 

acc. lilniinans Marc. 1, 11; gon. liinune ■Nlalth. 7, 21; in lil- 
iiiiiiam iMallh. 5, Ki. 4.5. 4«. Marc. 11, 2.5. 12, 2.5 u. s. w.; 
der gr. text entbehrt ileu art. zuweilen in der forniei tv 
ovQCiVoi^ , t^ nvonvoM oder nvouvojv ^ docli die ans Job. 
angegebnen stellen setzen ihn auch da. airlha (terra) 
INlatlli. .5, 18. JNlarc. 4, 28. 1 Cor. 10, 26, in welchen stellen 
immer das gr. rj yfj steht; acc. airtlia liUC. Ifi, 17; aiia 
airtha Malth. 10, 29. 34; fram andjam airthus un (<xpot; 
y7]^ Marc. 13, 27; dal. airlhai Matlh. 11, 24; ana airthai 
Mattli. 6, 10. 19. 9, 6; bi airthai Matth. 5, 3.5. faitufuni 
(nions) kommt im nom. nicht vor und der acc. pI. fairgunja 
1 (y'or. 13, 2 entspricht dem unbestimmten oorj , doch sonst, 
nach priip. , meidet Ulf. den artikel : in fai'rguni Marc. 3, 
13; ana fairguni Marc. 9, 2 ; af fairgunja Malth. 8, 1. Luc. 
9, 37. 19, 29; at fairgunja Marc. 11, 1; in fai'rgunjam Marc. 

5, .5, obgleich der gr. text überall ilarbot: fig lo öoog, ijon^ to 
ö()oc,', aiio Tov oooi's, tv jnl$ öoeoi. Marc. .5, 11 zog das jainar 
ixetden art. in thamma fairgunja 7tQoc: loj boei nach sich, Luc. 
4, 29 der folgende relativsatz, und Luc. 19,37 ist von dem 
nanihaflen ülberg die rede, halja (orciis), und halja 1'o)q 
iid'ov INlatlh. 11, 23. Luc. 10, 1.5; in haljai fV tw üd'tj 
Luc. 16, 23; der liier nichts beweisende voc. halja ud'tj 
1 Cor. 15, 55. däullms (mors), in allen folgenden stellen 
auch das gr. d-uvurog ohne artikel: acc. duulhu Luc. 2. 26; 
Joh. 8, 51; in dauthu II Cor. 4, 11 ; gen. dauthaus Marc. 
9, 1. Luc. 1, 79; dat. dauthau Marc. 7, 10. 14, 64. Luc. 
9, 27. dags (dies), wenn damit die er.scheinung am him- 
mel , als gegensatz der nacht, ausgedrückt wird: Marc. 

6, 21; varth dags Luc. 4, 42. 6, 13; dags atnehvida Rom. 
13, 12; unte dags ist Joh. 9, 4; dags naseinais II Cor. 6, 3; 
in daga uslauseinais Eph. 4, 30; der gr. text schwankt zwi- 
schen ?;/ff()« und »; v;/ff'()«. bedeutet es aber ein bestimmtes 
zeitnial^so kann der art. zutreten : 5« dags IThess.5, 4; thans 
dagans ivcs t'/t/gas Luc. 2, 43; in f/tamma daga iv Ttj t^/ifoci 
Luc. 9, 37. nicht anders nahts (nox): nahts framis ga- 
lailh Rom. 13, 12 ; C[vimith nahts Joh. 9, 4; vasuh than 
nalils (nom. nicht gen.) i^v öh vv^ Joh. 13, 30; in naht 
Joh. 11, 10 u. s.w. niaurgiiis : vas maurgins ?;j/ dh nounu 
Joh. 18, 28; in maurgin iMarc. 11, 20. 15, 1. 16, 9^; at 
maürgin Matth. 27, 1. In diesen beispielen, welche sich 
noch vermehren werden, meidet Ulfilas den artikel rein- 
licher als es die gr. spräche thut, obgleich auch sie hier 
zur auslassuög neigt; die goth. regel hängt also nicht von 
der gr. ab. alle vorgetragiien uomina bezeichneten aber 
dem heidentluun, wenn ich nicht irre, göttliche, mythische 



noinen. pronomen. artilel. 335 

wesen, deren besonderhelt fest stand und durch keinen 
arlikel belebt zu werden brauchte, in der späteren sprä- 
che , je mehr der alle begrif solcher ausdrücke schwand, 
wurden sie allmälich des arlikels fähig, und traten in die 
reihe der übrigen subst. 

2. vielleicht gehören noch einige dahin, in denen aber 
sclion der Gothe schwankt, ich habe hier zumal die aus- 
drücke unlmltha luul unhulUio im sinn, jenem, als dem 
seltneren, verleiht er bereits im nom. den artikel : sa uii- 
hultha Luc. 4, 35. 9, 42 ; tltäi unhultlians Luc. 8, 33 und 
oblique thamma unhullhin Luc. 8, 29, doch neben unhul- 
thin Malth. 25, 41. Eph. 4, 27. I Cor. 5, 5. das fem. aber 
enträlh seiner noch: unhullhö Marc. 7, 29. Job. 10, 21. 
JNIatlh. 9, 33;-ipl. unhulthuns Marc. 16, 9. Luc. 4, 41, 8, 
30. 35 ; und oblique im sg. unhuUluin Marc. 7, 30. Luc. 7, 
33. Job. 7, 20. 8, 48. 49. 52. 10, 20; gen. unhullhöns Luc. 
4, 33. acc. pl. unhullhuns Matlh. 7, 22. Marc. 1, 32. 34. 
39. 3, 15. 6, 13. 9, 38. 16, 9. Luc. 8, 27. 9,41; gen. un- 
hulthunu Mallh. 9, 34; dat. unhulthöm Luc. 9, 1. aus- 
nahmsweise mit arlikel : acc. sg. tho unhidtlu^n Marc. 7, 
26; nom pl.f/tos unhullhuns Marc. 5, 12. Luc. 8, 38. das vor- 
hersehende weibliche genus, ohne art., scheint die alte regel. 

3. eujeniKunen liabcn im golh. keinen arlikel, wo! aber 
im griechischen, o 'Jr^oorc:, TIItqoq, t] ^Eliaiißer ^ lov 
j^ayuQi'ut^ , 17"^ MuQiCiQ laulen bloU lesus, Paitrus, Ai'lei- 
sabailh , Zakarian , Marüns ; sie sind an sich hinlänglich 
individualisiert. nur bei besonderem nachdnick tritt ih*e 
demonstration hinzu: thamma luhanne Job. 5, 36; tJiana 
ludan Job. 6, 71; sa Barabba .loh. 19, 1; thaua Barabban 
Marc. 15, 15; ]Marja so Magdaleni* Marc. 16, 1; JMarjin 
hizäi Magdalcn(? Marc. 16, 9. Der llufUiame Jai'irdaniis 
ohne art., aber Job. 18, 1 ufar rinnön tho Kaidrun ntoav 

%0V )l€t/ili'i()()OV TOV KtÖQiOV. 

4. die unter 1-3 genanjilen nomina weichen dem ai-t. 
aus, weil ihre individualilät zu entschieden und bekannt 
war; aus dem entgegengeselzlen gnind nehmen atuleie ihn 
nicht an, deren begril" in der albjemeltihvil schwebt, nicht 
speciell gefalU wird, z. b. faihu uQyvQtov IMarc. 14, 11; 
drigUan vein Marc. 15, 23; vein usgutnilh (y olvoc: t/.- 
Jfcirta). Mallh. 9, 17; reiio jah uslilnuu tqÖ/ioc: y.at txnranis 
Älarc. 16, 8; augö luul augin, lunlhu unil lunlluiu Mallh. 

5. 38; slain ana staina liUc. 19, 44 und alles solches for- 
melhal'lo. nichts aber hiiulerl, anderemal diesen subst. 
beslinunlere bedeulung beizulegen. 

r.b 



386 euifacher salz. 

5. (ür die gc\v()liiillclicn , des nrlikcls nihigcii siihst. kommt 
luiii der nalüiliclic gnuidfialz in nmveiitliiiig, dali slo da« 
crsloiiial ohne ort. e'imjefVihrl , dann al)er dnn-h ihn be- 
slinnnl Nverdcn. einige bcispiele ^vel•den hiiirciclien : llia- 
rnli vas nianna in lairusaleni , lliizei uainu Svniainii , jali 
sa nianna vas garailils Luc. 2, 2.5; äimlicli Marc. 3, 1. 3. 
erst aggiliis Luc. 1, 11, hernach sa aggilus Luc. 1, 13. 19; 
thamma aggilau Luc. 1, 18; ebenso Luc. 2, 9. 10. 13. f/w 
Hiagalhai, hernach thizös niagadais Luc. 1, 27. in heitum, 
dauu so hello INIallh. 8, 14. 15. garda lanibe Joli. 10, 1; 
liernach thii lainba 10, 3. 9; thize lainbe 10, 7; thüiin 
lainbam 10, 12. in skip INTallh. 8, 23; thatu skip 8, 24; 
ebenso Joli. 6, 21. liairda IMaüli. 8, 30; in tho hai'rda 31. 
siponjani Mallh. 9, 10; thäiin sipunjani 11. brulhfatlis 
Malth. 9, 15; sa brulhfalhs. ana snagan ; af thamma 
snagin IMatlh. 9, 16. faura kindina; sa kindins Mattli. 27, 
11. 14. 15. hundafaths INlatth. 8, 5; 5« hundafalhs 8; 
thamma hundafatha 13. fareisuieis, hernach //uii fareisuieis 
Job. 7, 32. Ls gibt eine menge von niiinnern , engein, 
iungfrauen u. s. w. , von ilinen ^vinl ein einzehies, (oder 
aucli nieiirere zusamniengefalU) in die rede gebiaclit, und 
dann, durch beilügung des art. , als individuuni beliandelt. 
Das griechische stimmt meistens, nicht inuiier. einslimmung 
ist in ävOQomog und ö ih'i^gwnog^ uyyeXos i"id 6 i'cyye- 
Xog, 7i()og nuQdivov und ii^^ Tiuodtpov , uyth^ unil tig 
tfjV uyO.r^v , ini i/iuTup und u7io rot' i/t((Tioi>, iy.uxov- 
iciQyog und 6 i.vi,a'iov%(iQyng. genau treffen Übersetzung 
und text zusanuneu in folgender stelle: livas haldith ave- 
thi, jah niiluUs this avelhjis ui maljai? %!g noinulvei 
noifiVTjV , Hat tx rov yäXccuTog Tijg noi\nvi;g ovy. ia&ieif 
I Cor. 9, 7. liingegen steht der gr. artikel beidemal iu : 
eig TO nlolov und i6 nlaiov , avlrj züv TiQoSinoiv und 
TU, 'iXQÖßaTa, lolg fiad-ijtalg , 6 vVfKfiog^ o ryijiio'jv^ 'o* 
^agioaloi. mit feinem gefiihl läßt Ulülas den evangelist 
berichten: l;iil;iik barn Luc. 1, 41, Elisabet aber, die nocli 
bestimmter an ihr kind denken muste, selbst erzählen: 
lailiiik thata barn 1, 44; -Nvälirend der text zwei mal iayjgT7'0e 
70 ßQf(f<og hat. Es ist nicht nölhig, daß das durch den 
art. individualisierte nomen , wie in den gegebnen beispie- 
len , unarticuliert vorausgehe, seine bloße andeutung reicht 
Ijin : INLarc. 14, 14 kann alsoglcich gesagt sein thamma 
lieivafraujin , weil von dem eintreten in ein haus eljea die 
rede war; liausa jah sa thusundifaths, da sich der cliili- 
arch auf die liansa bezieht Joh. 18, 12. ebenso reicht hin, 
daß ein folgender beisalz oder i-elativer salz die beslim- 



nomen projiomeii. artikel. 387 

iming veranlasse: sa liuudafaths sa alstaiidands JMarc. 15, 
39; ni kann ihana mannan, thanei qvitlulh Marc. 14, 71; 
und ai'ihuniislu tliis fairgunjis , ana tlianiniei su baiirgs iz^ 
gatimrida vas Luc. 4, 29. Zuweilen unierläßt aber der 
Gothe den art. bei der zweiten nennung des subjecls , z. b. 
IMarc. 4, 12 sagt er: liaua lirukida, wie 4, 68, weil un- 
sicher ist, ob derselbe halui nochmals, oder ein anderer 
krähte; auch liat liier der gr. lext jedesmal uXixrioQ i(fo'i- 
Vi;o£, vgl. Job. 13, 38. 

6. da der casus rectus subjecliver und lebendiger ist als 
die uhlüjueii , so mangelt letzteren oft der art., wo ihn 
jener haben ^wüi'de, oder der gr. text ihn gebraucht. 

a. der auf das nomen, von welchem er abhängt, unmit- 
telbar foJijende gen. steht ohne artikel. Ulf. sagt überall 
sunus maus oder sa sunus mans , obgleich der gr. text d 
viog Tov av&Qi'inov gewährt; ferner: in andvaü-thja mannö 
tfin()oa&£V T(jjv uvi)Qomü)V Matth. 5, 16. 6, 1; sunum 
manne Toig vloig tojv ßVt9(JW57wr Eph. 3, 5; garda lambe 
y avXi] iö)V nQoßä'io)V Job. 10, 1; blömans luüthjös t« 
y.Qtrci TOV ayoov JMatth. 6,28; tbata havi luüthjus d yoQTOS 
TOV \ayQOV JNlatth. 6, 30; kaiirnö hvaiteis d nönxos tov 
ohov .loh. 12, 24; ana giblin alhs tTrl %6 mtQVyiov tov 
hQov Luc. 4, 9; hlaifs libaindis d uQTog 'T)']S C^ijs Job. 
6, 35; at vaürtim bagnn!; viQog ir^V ^[t,aV T^iV öivÖQiov 
Luc. 3, 9; malma mareins i) äjKjtiog Tijg 'd-aXaamjg Kons. 
9, 27; astans peikabagm^ rd ßa'ta tmv (potriHMV Job. 12, 
13; hallii gamarzeiiiais riö Xih-(p %ov iiQOOyMn ftaiog Koni. 
9, 33; frathi leikis rd (fQOVrjia Tijg GciQXog Rom. 8, 6; 
häubith qvcnais mrfah] t ij g ywamog Lph. 5 , 23; bi 
muna aivc y^aru iiQÖ&taiv riöv amvwv Lph. 3, 11; bi 
biuhtja dulthais v.ciTa, t6 i'&og t fj g eoo2i;g Luc. 2, 42 und 
in vielen fällen mehr. es künnen zwei solcher gcnitive 
hintereinander folgen : bi gibai anslais giilhs aard ti]v ^o- 
QSKv xijg yuQtrog tov -ötov Lph. 3, 7, wo drei griecb. 
artikel weggelassen sind ; ilu hazeinai vulthaus aiistais 
eig t'nciivov dn^rjg Tijg ydoirog Lpli. 1, 6; du fauragnggia 
usfulleiiiais mele fi'g oinovoftiav TOV 'Ji'h^QM/iiu'Tog T lö v 
'MiiQwv Kph. 1, 10; gasteis gabaite trausteis i,ivoi roii' ötu- 
■dr^yiMV Tfjg enayyeXiag Kph. 2, 12. Umso vielmehr fehlt 
dci- güth. art., wo auch der griechische: svam akeitis 
mioyyov o^ovg Marc. 15, 36; in vasljom lambc tv ivdv- 
fuwf viooßn'iiQV Matth. 7, 15; in slika mclis ri> OTiyjii?' 
y(i)Or(W Luc. 4, 5; suiijus liuhadis vio) ffiorog .loh. 12, 36; 
lamba slai'ihlais viQoiJUta oyjay/;^' Rom.«, 36; kasam tlivair- 

l'.b 2 



388 eiiifadiev salz. 

heiiis ay.fi'n; 0{>yt'i: l^om. 9, 22; ns v.'tuiblTaui vilotli» t'^ 
i'oyior vöfinv lioin. 'J, 32; aua ruliii asiluii» ioü ^ioj).ov 
övov Joh. 12, 15; kuni naclr^ yevvi'jfiura iytdviLv Ia\c. 3, 
7; liaitloiin allanc y.uQdiug nuTiQO)V Luc. 1, 17. Die uiit- 
gelhcilleii beispiele lassen nicht iiberseliu, wie auch das 
den gen. regierende vorstellende subsl. den arl. meldet, also 
eine gewisse analogie oder Nvecliselwirkung zwisciien bei- 
den snbst. in der arlikelaiislassuug eintritt, wahrend iiin- 
gckelut heule gr. subbl. gern den art. zeigen : blunian» 
haithjus, T« ■XQlva xov uyQOV; stana invindilhus o y.()i- 
tTJS ti}^ ild'iy.lcic; Lnc. 18, 6. ausnalinisweise liat ihn das 
erste goth. subst. : sa snnns nians, thana siin\i nianj Joh. 
8, 28; thata havi liulthjus. Nur selten (jeht der abhän- 
gige <Jtiit. voraus, und auch ohne ajl. : afslassais biikus 
(xnoOTiiCiov Matlh. 5, 31; dagis \ig, 7^fiio(cg o()öi> L\.ic.2. 44. 

b. auch der dallv, gleichviel wovon er abhänge, steht 
gern ohne art.: skula vairlhith stauai t^ y.oioei Malth. 5, 
21; algibai thuk sa andaslaua stauin tw »jo/Tj^ Matlh. 5, 25 ; 
sa slaua thuk algibai audbaiita tw vvoiqi'dj das.; usgibands 
andbahla T(Ö vTiyjQtJ)] Luc. 4, 20 ; thans canialvidans hair- 
tin ti)v 'AU()d\'ciV Luc. 4, 18; naniin oroituTi Luc. 1, 5; 
rathjon lov C'.Qi&pov Joh. 6, 10; handuni Luc. 6, 1; lö- 
iam sluhun JMarc. 14, 65; slahs lufiu Joh. 18, 22. 19, 3; 
rausa Kula/Lto) Marc. 15, 19; vaurda Xöytp INlatlh. 8, 8. 

c. vorzüglich nach präpositlonen : in ftjn li^ 77 ro Joli' 
15, 6; ana lukarnastathan v-rio T-i-v /.vyviuv oMatth. 15, 
15; bi staina itqos Xidov liUC. 4, 11; du Iraiva iis antnau 
Rom. 9, 8; af thaurnum d^o dxavdojv Matlh. 7, 16; us 
slepa Rom. 13, 11; fram urrunsa jah saggqva uno tcraio- 
Xmv 'Aal övoßtöJv IMatth. 8, 11; in runai fp tw fivarr^Qioi 
Eph. 3, 4; ana handum ml yeiQÖiv Luc 4, 11; bi kinnu 
enl rrjv aiayöra Liic. 6, 29 ; und niel ilyoi y.uioov Luc. 4, 
13. die hiiufige Verbindung der unter 1 angeführten subst. 
mit präp. konunt hier nicht in betracht. 

7. einige würler treten fast immer im (jeleit des artikels 
auf, weil sie einen ganz individuellen begrif bilden , der 
sicli aber nicht schon vor allers, wie bei denen unter 1, 
festgesetzt halte; darum bedürfen sie äußerer bestimmung. 
dahin so manaseths, Y.öaiiag: Joh. 7, 7. 12, 19. 14, 17. 
15, 18. 19; thizos niauasedais Joh. 1, 29. 6, 51; thhiii 
manasedai Joh. 6, 33. 7, 4. 1 Gox-, 4, 9; tho manased Joh. 
6, 14. 16, 8; nur ausnahmsweise gebricht der art.: mana- 
söths Joh. 16, 20; manased Joh. 12, 47; nianasedais Joh. 

8, 12; manasedai Joh. 18, 20. Eph. 2, 12. ebenso für 



nojjien. pronomen. artikel. 339 

tlen nenillclien gr. ciusdruck $a fairhvus Joli. 17, 5; this 
fairliviius Joli. 15, 18; in thainma fairhvau iig tov 
xoo^uov Joh. 12, 46; in thana fairhvu Joh.'lO, 36. 11, 
27; nur Joli. 18, 24 faür gaskaft fairlivaus ngo rMra- 
ßohrjs yoo/tov entweder nach dem gr. text oder in 
der genitivcoiistruction. beiden ausdrücken verleiht auch 
der gr. text beständig den artikel, ja erhöht ihn noch 
durch ovxog , was aber Ulf. nur mit seinem arlikel wie- 
der geben kann , wie wir im verfolg sehen werden. 
Hütte sich der beginn des goth. evang. Joh. erhalten , so 
wüsten wir sicher, wie das dem Gothen fremde ?.oyog 
übersetzt wurde? ich denke, durch thata vaurd, und halte 
liier den art. für inierlälUich, obschon die ahd. Übertragung 
liefert: in anaginne was wort, inti tliaz wort was mit 
gole T. 1, 1. bei Ulf. hat vaiird, auch sonst, den artikel: 
in ihis vaürdis dtcl tov loyov Job. 15, 3; andbahtus this 
vaürdis vTir^Qi-iai tov Xöyov Luc. 1, 4; thamma vaürda 
Luc. 2, 50; thize vaiirde Luc. 1, 4; thö vaurda Luc. 2, 
19. 4, 22; aber meist folgen relativsatze, die den bestimm- 
ten ausdiuck bedingen, sa reiks Joh. 12, 31. 16, 11; this 
reikis Matth. 9, 23; pl. thdi reiks Joh. 7, 26. Rom. 13, 3; 
thize reike Joh. 7, 48; der gr. begrif tcQyov war wieder 
luigothisch, und bei reiks wurde vielleicht ans lat. rex 
gedacht, geläufiger sein muste thiudans , w^as auch meist 
ohne art. steht, IMatlh. 27, 11. Marc. 6, 14. 22. Joh. 18, 
37 ; obschon ihn das gr. ßaoiXevs liat ; doch Matth. 25, 
40. Marc. 6, 26. 27 sa thiudans. 

8. wenn von zivci in gleichem casus auf einander fol- 
genden suhst. das zweite die bestiinmung des ersten ent- 
liält, so gebührt ihm der bestimmende arlikel. dahin ge- 
hören die unter 3 zuletzt genannten beispiele: Marja so 
Magdalene; ferner lesvis sa magus Tijoovc: 6 ticüs Luc. 
2, 43; löhannen thana daupjand Luc. 9, 19; Herudes sa 
taitrarkes Ijuc. 3, 19. 9, 7; ihivi so dauravard«^ Job. 18, 
17. doch licifU es: Chrislus sunus gulhs Luc. 9, 20; Mar- 
kus gadiliggs r»arnabiiis Col. 4, 10; in dagam Herudes 
thiudaiiis, töj) fjtxGtXiwg Luc. 1, 5, nicht this thiuilanis, 
sei es weil der gen., oder das wort thiudan.. lieber ohne 
art. stellt. 

9. werden zivei von einander unabhängige sahst, durch 
jah verknüpft, so ergeben sich folgende formeln, 

a. beide meiden den arlikel : and baürgs jah h.IiimVs Luc. 
8, 1; in baürg jah in veihsa Luc. 8, 34; baürg*' jah sladc* 



390 einfacher aatz. 

Luc. 10, I5 mahl jali valdufni Luc. 9, 1 ; af Baulillm joh 
slahim Luc. 7, l'l; skalkus )ah andljalil«*R Joli. IH, 18; 
nalitain jali ilagain Luc. 2, 37; at gutha jali inannain Luc. 
2,52; vitidani jali niarein Matlli. 8, 26. 27; ufaru vaurinö 
(all skaiiii)iuiiö Luc. 10, 19; in galv<*Mi8 jah staigos Luc. 
14, 21; atid vigans jah fallius liuc. 14, 23; frijönds jab 
garaznans IjUC 15, 6; (rijundjus jah garaznuns Luc. 15, 9; 
nials jah dragk iioni. 14, 17; gabauruin jah dragkameiin 
Rom. 13, 13; niilli agisa j^h reiruu II Cor. 7, 15; rcikja 
jah valdufnja Col. 2, 15; jah gudjain jah bukarjani Luc. 

9, 22 ; bukarjus ize jah fareisaieis Luc. 5, 30 ; fareisuieis 
jah bukarjus Luc. 15, 2; fareisaieis jah viludafasljus Luc. 
7, 30; gudjam jah sinistam IMallh. 27, 3. 

b. das erste subst. liat den arlikel: bi thö tlieihsa jah 
mdla 7t€Qi TÜv yoöriov y.ui twv y.aioäJv IThess. 5/1; thäi 
bukarjus jah fareisaieis Luc. 5, 21. 6, 7; thäi auhurnislans 
gudjans jali bukarjA» JMarc. 11, 27; thäi siiiistans jah bu- 
karjus JMarc. 14, 54; niilh thnim sinislain jah bukarjam 
Blarc. 15, 1; fram thäim gudjam jah sinistam IMallh. 27, 12. 

c. das zweite hat ilin: allai gudjans jali tlidi sinislans 
Malth. 27, 1 ; auhumistaus gudjans allui jah thdi sinislans 
IMarc. 14, 53. 

d. beide liabeu ihn ; thäi fareisaieis jah thäi bukaijus 
IMarc. 7, 5. 

Oifenbar ist die erste ■weise die häufigste und der spräche 
angemessenste, in den drei übrigen scheint der art. meist 
veranlaßt durch die fremden begrille fareisaieis, bukarjus, 
sinistans, gudjau», nemlich beide letzteren in jüdischem 
siun genommen, auch treten einigemal schon adj. ins spiel. 

10. die nähere darstellung des unterbleibenden oder ge- 
setzten artikeh vor adj. erfolgt im fünften cap., weil der 
hauplgesichtspunct dabei die anwendung der starken oder 
schwachen üexion ist. hier bloß einige bemerkungen über 
das Verhältnis des goth. zum gi'. arlikel iii dieser rücksicht. 

a. gehört das adj. zu einem subst., so entspricht der aus- 
gelassene art. sich häufig in beiden sprachen , z. b. ahma 
veihs ist nnv/ta ayior Luc. 1, 35. 2, 26. wird er gesetzt, 
so genügt es dem Gothen ihn vor das adj, zu stellen, der 
Grieche hat ihn aber auch gern vor dem subst. , z. b. ahma 
sa veiha, to nvevpa t6 Hyiov Luc. 3, 22; etwas analoges 
wurde s. 387 bei der gen. construction wahrgenommen. 
Nächstdem verwendet der Gothe oft die unarticulierte , wo 
der Grieche die articulierte form , namentlich nach der 



nomen. pronomen. artikel. 39 1 

unter 5 ausgeführteu Unterscheidung das erstemal , wäh- 
rend das zweitemal der art. folgt, ein beispiel gewährt Joli. 

10, 11, wo es heilU : iyo) ei/tn 6 noiftyv 6 itaXog. 6 
noi/in;v o yM?.6s i'tjv ipvyjijv aVTov %id^^]aiv vneQ tiöv ngo- 
ßä%o)V. goth. ik im hairdeis göds. hairdeis sa göda sai- 
vala seina lagjilh faur laniba *). mau vei'gleiche die übri- 
gen im cap. 5 gegebneu belege. 

b. größere übereinslimmung findet statt, wenn das adj. 
für sich steht, keinem subst. verbunden ist. ivcpXög \er- 
gleicht sich dem gotli. bh'nds, tvffXog dem goth. 5« 
blinda. blindai Tt;<^Aoi IMatth. 11, 5; thai blindans 01 rv- 
(pXoi Matth. 9, 28. 

11. einige <idj.^ deren begrif schon et^vas genau be- 
stimmtes ausdrückt, weigern sich dem artikel: all, voll, 
halb j mitte , obgleich unsere belege nicht ganz ausrei- 
chen, all schiebt, wie Tiüg , den art. jederzeit hinler 
sich, vor das subst. oder adj., nüt welchem e* sich bin- 
det: alla so halrda nüou t) ayely JMalth. S, 32; alla 
so baürgs näoit t) noXiS Matth. 8, 34; alla so gafaurds 
oXov t6 ovriiioiov Marc. 14, 55; allai thäl hausjandans 
nuvxes Ol axovoarreg Luc. 1, 66; allaiz^ thlz.e hatandanö 
navTMV \tmv fitoovvtiov Luc. 1, 71 ; allaizö thize veihane 
navTiov TOJV uyiiov l'^ph. 3, 8; nülh alliiim thdim veiham 
cvv nuai TOig uyi'oig Eph. 3, 18; allans thans unhailans 
wo der text bloi^ rovg cioO^tvovvxug Luc. 9, 2; umgekehrt 
ufar allaim unhulthum tn\ iiuvra ra öatfiovta^ weil vor 
unhulthu der art. nicht gern steht (s. 385.) wenn es JMatth. 
26, 70 heißt faura tlu'ilm alluini e/HTiQoaOsv ainoii' ijä.v- 
ro)V , so wird hier tiiaim für im gesetzt. tainjuiis fullos 
gabruk«* Korpivovg nXi'ofig nXciG/tccTOW Marc. 8, 19; ahnnns 
veiliis fulls nviv/i(nog ayiov nX'r]Qi;g Luc. 4, 1; nianna 
fulls thrulsfdlis m'tq viXi-QVjS XtnQag Luc. 5, 12; banju 
fulls f}Xxo)/itvog , vulg. ulceribus plenus Luc. 16, 20; sa 
gards fulls varlli d.iunais 9} oinia i'JiX^jQoyO-t] ex %};g oa/i-fig 
Job. 12, 3; fuUai vaurlhun hiXijod-rioav L. 4, 28. 5, 26; 
und halba ihiudangardja nicina t\»g i]fiioovg rrg iiuöiXtlag 
fiov IMarc. 6, 23; halbala aiginis nieinis 7« 'i^itiio')} iö)V 
VJiuQynviiDV f(ov Lvic. 19, 8. thai'rh midia Samaijan Sul 
jLtiOOV ^('./ia{)tu(g Luc. 17, 11; tluiiih midians ins diu fü- 
oov ciVTMV Luc. 4, 30; in midjaim laisajjam Luc. 2, 46, 



*) wenn Lutlicr ühcitin^jm liillt««, : i< li liiii </// hinter liirli , dir f;iite 
liiitc. lasset siiii Ulifii fiii' «lie Mliale, so »imic er iiiil bll. sliniiiitii ; 
allein er siif^t aiu li das ^woitonial : eui {^iittr ii. , im jjcytiisalz zum 
giiccli. tcxt, der btidcntnl iiat : der iiuU- li. 



392 einfacher satz. 

liieilicr geliört nhov vor/,iiiiIicli die i'lllptlsclie Toben 8. 263 
iiacli/.iiliülciiclc) redoiisarl in viidjnim (vairnm , innnnam:') 
Marc. 14, 60. Luc. 5, 19. 6, 8, die für etlit{;otliiscli gelten 
uuil^, da im gr. tig t6 /daov , in der viilg. in medium 
steht, dies erinnert an das ganz ahnlicli construierle us 
däuthäim, neben den verbis urreisan und urraisjan Matth. 
27, 64. Luc. 9, 7. Job. 12, 1. 9. Rom. 7, 4. Col. 2, 12, ^vo- 
bci allerdings das gr. in vex{)üv (auch ohne arl.), lat. o 
Diorluis nachgeahmt sein künnle. in andern fällen nimmt 
dies adj. den art. an, z. b. thaus duulhans rovg vettoovg 
INLillh. 8, 22. 

12. die possessiva werden auf doppelle weise mit andern 
8ubst. verbunden 

a. gewöhnlich ohne arlikelund nachgesetzt, wobei der 
nom. und acc. neutr. die llexion ablegt : bida theina Luc. 
1, 13; qvens llieina das.; iif hröt mein ^^attll. 8, 8; vitöth 
iiusar Job. 7, 51 ; vasljus seinus Marc. 14, 63; aithei meina 
jah brölhrjus meinai Luc. 8, 21 ; atlan theinana INlarc. 10, 
19; brutlir theinanima INIatth. 5, 23; brutlirs theinis Luc. 6, 
42; und so auf allen blallern. zuweilen geht das poss. 
voran: mein leik JMarc. 14, 8; in tlieiuamma Jiugin Luc. 
6, 42. 

b. seltner mit arllkel , und zwar 

a. Vor jilem subst. : tho giba theina INLilth. 5, 24; s6\ veit- 
vudllha theina Joh. 8, 13; so armahairlitha theina JMattli. 

6, 4; sa alta theins Luc. 2, 48. J. 8, 19; thata yamd thei- 
nata Joh. 17, 7; t/iana ligr theinana IMattli. 9, 7; thana 
sunu theinana Luc. 9, 41; tho vaürda nieiua Joh. 14, 24; 
thai siponjus theindi JMallh. 9, 14. 

ß. vor dem adj. : so meina laiseins r; ijinj diSayJj Joh. 

7, 16. 

y. concurriert zugleicli ein adj. , so kann ihm das po.ss. 
vorausgehn oder folgen ; augö thein thala ta/hsvö JMattli. 
5, 29; sunus meins sa liuba Luc. 9, 35; in thamma liu- 
hin sunau seinamma Eph. 1. 6 (wo die letzten worte dem 
gr, lext fehlen, nicht aber der vulg.) ; tailisvö theina han- 
dus Matth. 5, 30. INIan gewalirt in allen diesen fällen den 
einlluÜ des Originals auf die golh. construction, ohne dali 
sie dadurch entschieden geregelt wird. 

13. der gen. des geschlechtujen pron. steht liiuter dem 
subst., es mag ein art. voraus gehn oder nicht. 



jiomen. pronomen. artikel. 393 

a. ohne arlikel: vaurd is Luc. 4, 32; qv^ns is Malth.27, 
19; US niuntha is Luc, 4, 22; ana vlit is Marc. 14, 65; 
skuhis is Matlli. 3, 11; bi akranam ize Matth. 7, 16. 

b. mit artikel; 5« ihiumagus is Malth. 8, 13; so uithel is 
Luc. 1, 60. 2, 48; tliata thrulsfill is Malth. 8,3; thäi 
brulhrjus is Jph. 7, 5, 10; thai siponjus is Job. 6,'62; thäi 
börusjus is Job. 9, 23. Luc. 2, 41; bi tho laisein is Luc. 4, 
32; thans innakundans is IMatlb. 10, 25; bi thuna brulliar 
izu Job. 11, 19; tho liaiidu izus TMarc. 1, 31. 

diese nachsetzuiig des gen. stimmt zuiiv^gr^^c^i.. lext ;, nup, 
^venn ein adj. mit vorkommt, kann er.in die mitte gelan- 
gen: Ibaim veiham is apaüslauknu Epb. 3, 5. 

14. wie im grlecb. text siebt endlich der art. nicht selteiij 
vor einer präposition und deren casus ; er selbst bezieht 
sich auf ein vorausgegangnes .«• ')St. , neben welchem die 
gr. Sprache den art. meistentheils schon ausgedrückt liat, 
die gotli. aber meidet diese haufung und setzt ihn nur das 
zweitemal : atta izvar sa in himinani o natfjQ v/iöJv o Iv 
TO'is ovQttVo'iS Matth. 5, 48 ; attins izvaris litis in himinam 
tov naxQOQ vfiöJv rov iv ovQccroic: Malth. 5, 45. 7, 21; 
fram attin izvaramma thinnvia in blminam nuQU tw na- 
iq} Vfitiv TW tv lols ovQ. Matth. 6, 1; attan izvarana 
thana i. h. top narcQa v/imv tov e. t.' ovq. Matth. 5, 16; 
atta izvar sa ufar h. o ntnijQ vjiiöJv 6 ovoapios iNIalth. 6, 
14; du atlin theinamma thmnma in füllisnja roj nüTQi cov\ 
TW £v TW KQVnrw Matth. 6, 6; linhatli thata in thus to , 
(fd)^ TO er aoi Matth. 6, 23; gramsta thamma in augin' 
brothrs thoinis to ■aaQrpos to iv tw o^dal^iCi 7ov dd'tX- 
rpov aov Luc. 6, 42; du Filippau thamma Iram B. 0/- 
Xinnijj toj uno B. Job. 12, 21; garalfitein tho us galaubei-. 
nai dtyMioavvi^v dl ttjv in nloTdos liom. 9, 30; sa (nem-' 
licl» sunus) US thiujdi 6 ix rijg niiidiaHijs Gal. 4, 23. Ke- 
lative kraft liaben diese pronomina nicht, sondern demon- 
strative, arlikelhafte; man setze nur ein adj, statt der j)räp. 
mit ihrem casus, z. b. sa himinakiuids , wie Malth. 6, 14' 
o oVQunog steht , auch liilU sich durch ausgelassene parti- 
cipia die conslruclion erläutern: Sa in himinam visanda, 
thala in thus visando, sa us thiuiai gabaurana, wiewol 
die annähme der cllipse unnülhig ist. • ,' '' 

15. absolute constructionen haben den artikel gewöhnlich 
nicht, da sie eine allgemeinere, fast adverl)iale gcltung er- 
halten; docli kann er stattfinden: al ustauliaiiaim ihäint 
dagani Luc. 4, 2 ; at galeilhandani ihäim auum Luc. 7, 24. 



394 einfacher satz. 

16. das golli. zalilwort äinSy äina, üin vor PtiJ)9tantiven 
überselzl das gr. ;/",,•, /tlu., i'i\ sowol da wo es wiiklicli ziilill, 
z. b. ülns aliina, äina gal;iiil>ciii.s, ttin Icik V.\)\\. 4, 4. 5, 
als wo es eich der allgenieiiieien piüiiominalbedeulnng von 
quidam uähert; reiks äins iloyiov tis Malth. 9, 18; äins 
thiz^ synagogafade eic; Tcir uoyiovr((y('>yo)v Marc. 5, 22 
(Luc. 8, 41 l)Ioü qvani tair 7//.,'hi' ('»'/,'(/); dina thivi /da 
nai(J>(JXf; IMaUh, 26, 69; iiiagiila äins mciduoioy tV Joli. 6, 
9; in Nvelchen stellen allen mich die vnig. iinus , una, 
UHiim braucht, liiille es, in solchem xinbestirnmteren sinn, 
der gr. text ihm nicht dargeboten , Ulf. würde sein Zahl- 
wort dann gar niclit rorwandt liaben. niemals verdeutscht 
er %ig durch ;lins , «ondorn stets durcti sums, wol aber 
setzt er dies letzte zuweilen für das unbesliinnite eh z. b. 
Jöh. 7, 50. 12, 2 (12, 4 sums.) hieraus folgt, daß ihm 
sums in dieser bedeutung j^assender schien ; docli in den 
meisten stellen wagte er nicht von dem gr. fjg sich zu 
entfernen, bemerkenswert]! ist ains sums eig di ns ]M«'»rc. 
14; 47, ilg Tig 14, 51. 

''[[Md. artikel 

fie manigfaltigkeit der denkmäler erschwert den überblick. 

I. stets ohne art. gebraucht werden die benennungeu des 
höchsten wesens eot \ind tnihliu *), auch wo sie unmittel- 
bar nebeneinander stehn : druhlin got 0. II. 19, 15; gol 
ioh drulittn Is. 17, 11. 19, 5. he'i fatar hat sich oft schoii 
der art. eingeführt; zwar in dem alten glaubensbekenntiris 
liest man: gilaubiu in got fater, ci ceswi'm gotes fateres; 
ferner: almahtigo fater, truhtui fater, fater foua niuwihtu 
ist gilan (Ecc. calech. 68); alle stellen bei \s. (Holzm. p. 
191) meiden den art., und noch 0. II. 9, 97 sagt: fater 
ioh tlien sun , welcher art. aber genommen werden kann 
wäe hernach unter 9, c; anderwärts setzt er unbedenklich: 
belun then fater II. 14, 63. 72; ther fater, then fater IV. 
1.5, 26 11'.; noch unbedenklicher ist vom irdischen vatcr : 
ther fater Y. 20, 42. Bloßes siinnä im wessobr. geb.: 
noh sunna ni seein noh mäno ni liuhta; sunna ne skinet 
N. Bth. 14; sunna hymn. 3, 2 und sonst; merkwürdiger 
zu eiugang des cap. : sunna irbalg sih 0. IV. 33, 1 vgl. 1. 

II, 17. 49; mäno vallit IMusp. 58; N. Bth. 135 aber dia 
sunniin, f/eu maneu ; Bth. 11 dero sunnön, des manen. 
himil enti erda gaworahlus wessobr. geb.; scephiou himiles 



') Is. 21, 8 ist d/ier drutttia ilL- dominus. 



noiiien, pronomen. artikel. 395 

endi erda Ecc. cat. 65; der hiinll Musp. 57, wo aber den 
art. die critik tilgen dürfte; hiinilu Is. 11, 2. 39, 1. 57, 18; 
liimil Is. 45, 8; so wit su himil unibi warb 0. IV. 11, 7; 
den liimel N. Bth. 8; der hiniel N. Bth. 14; im beginn 
des cap.: erda bibinöta 0. IV. 34, 1; erda 0. V. 23,275; 
erda liialt uns scazzo diurislon 0. IV. 35, 41; sih scutita 
diu erda 0. V. 4, 23; thia erda V. 17, 21; fou ther erda 
II. 13, 19 neben: fon himile II. 13, 21. day inan ni 
rinit I. 11, 49. tod 0. V. 23, 245. 249; tud (niorlem) 
V. 14, 8; in tude V. 17, 15; ther tod IV. 5, 47; then 
tud II. 11, 50; thes tddes II. 12, 66; finstri des ttjdes K. 
17^ Bloßes hellia? ci lielliu cat. th. 65; in liellu 0. V. 
16, 3; aber thiu hella 0. V. 23, 265: dera hella K. 15»»*). 
Ich stelle auf, daß alle persönlichen masc. , die den acc. 
sg. au bilden können (granim. 1, 613), des art. sich ent- 
liallen , so wie aus seinem beslUndigen wegbleiben ein sol- 
cher acc. gefolgert wei-de« darf. 

2. wie das golh. diahulus den art. abstößt, so auch wol 
das ahd. tiuval in früher zeit, in der bekannten abren. 
heißt es: forsachislu diabolae? den gen.pl. diubilö gewährt 
Is^ 67, 23, bloßes diufal 0. V. 16, 43, hingegen der tiuval 
JVlusp. 74; ther diufal 0. II. 4, 101. IV. 8, 18. V. 2, 12. 
11, 2. 23, 154; themo diufele V. 20, 101. T. 15, 1. sa- 
tauäs liat eigennamenart , luid stellt ohne art.: satanäs 0. 
I. 11, 60; satanÄse 0. IV. 12, 39; satanasä V. 20, 114; 
doch pt denio satanase Musp. 49. 

3. alle eigennamen ohne artikel, z. b. Krist 0. II. 14, 1. 
IV. 11, 5; wol aber der aulichrislo Musp. 42. 48; ihes 
antikristen 0. IV. 7, 28; Ygl. iher Barrabas T. 199, 8. 
eigennamen deutscher llüsse, in lebendiger construction, 
bieten sich kauni dar, die fremden llüsse Tagus , Ilernius 
und Indus (lern.) führt N. Bth. 163 ohne art. auf, und 
T. 13, 12. 25. 14, 1 heißt es umbi Jordanen , in Jordane, 
ubar Jordanem, mit lat. llexion ; T. 180, 1 ubar tliaz waz- 
zar Cedron. 

4. (ilhjemeiu tjenonimene suhst. ohne art. : dhar honec endi 
niiliih springant Is. 73, 3; ardut wolf mit lambu Is. 89, 21; 
nidarsleic rcgan T. 43, 1; gold noh silabar T. 44, 6; re- 



') pecli lijnin. 19, 1; becli O. ad Hnrtni. 24; peclics hymn. 19, 4; 
in lieclies einuti O. V. 21, 2t; foiia pelilie Musp. 5; foii beclic O. 
111. 24, 1)9. V. 9, 2; in beclie O. 1. 5, 5H. V. 21, 5. Kl; innnn berlie 

0. I. 10, 25. V. 20, llö; diu pech liymn. 21, 5; des pclihcs Diut. 

1, 505b. 



396 euifacher satz. 

i1ati *) 8i> man korii in ßil)o diinl (J. IV. 13, 16; gnist ioli 
waxar ü. li. 11*, ^i l ; aiia seilt iiili aiia sper 0. IV. 17, 9; 
orl widar orle lliid.; goniinaii iiili ^v?l) ü. V. IG, 30; 
bliiat inli wazar 0. IV. .S3, .U ; tliar >va8 fiur 0. IV. 1«, 
11; tliurst inti Iningar 0. V. 23, 78; und unzaliligciiial. 
naiiientli«]i haben die snhsl. nie den arf. , \volclie inipcrso- 
iielle rcdoiisailcn bilden helfen, Avie sorga, "wunlar, niol, 
dürft s. 242. 243. 

5. Avenn von einem gegenstände das erstemal gespiochen 
wird, so kann der arl. mangeln, bei der zweiten erwah- 
iiung eintreten: welih iuwer habet frinnt (quis "vestriim 
liabebit amiciim) T. 40, 1; brulloufli gitunu warun , danii : 
zi thero briilloufti T. 45, 1; fiober habenta, liernach: thaz 
fiebar T. 48, 1. 2; in shef, in themo shcfe T. 52, 1. 3; 
rnlli suino, thaz cuüi ihcro siano T. 53, 9; steig in shifi- 
lin T. 54, 1; scalca, llne scalca 'F. 72, 4. 5; sterron, thes 
sterren T. 8, 1. 4; sterro, ilien slejron T. 8, 5. 6; thie 
knehl (puer) then knelit T. 8, 5. 9, 2. 3. Seltner schon 
bei 0. und JN. : boto, ther boto 0. I. 12, 3. 7; hirta 0. 
\. 12, 1. thie liirta I. 13, 1; dr liano kriihe, er tliaz huan 
singö IV. 13, 35; smiddt imo selbemo chetenna N. Btli. 18; 
imd noch seltner nntei-bleibt der art. I)ei Miederholung des 
Subjecls, z. b. engil iloug ze himile 0. I. 5, 71. In den 
meisten fällen %\ird aber bei der ersten einfiihrung dei" 
iinbeslimmte art. gesetzt, bei Wiederholungen der bestiminle: 
zi einem buig 0. II. J4, 5. in titia buig 85; ein ewarto, 
ther ewarto I. 4, 2. 18; et» wib , thaz ^^lh 0. III. 10, 1. 
16; sterron einan, ther sterro 0. 1. 17, 19. 23; nani eiiia 
snilun , thiu snitiin IV. 12, 38. 39; ein centenari, f/ier 
centenari T. 47, 1. 4; ein wib, thnz wib N. Blh. 7, 10; 
ein man 0. iV. 17, 1; eina klaga 0. II. 8, 21; bi einemo 
brunncn 11. 14, 8; in einan garlon IV. 16, 1; nbar ei«rtu 
klingon IV. 16, 2; ein csilin IV. 9, 9; in einnz hüs V. 
11, 2; bi einaz fisgizzi V. 13, 1; einaz dagathing V. 19, 1; 
einigemal, wiewol selten, steht er hinter dem sujjst. : kuning 
ein 0. IV. 6, 16; driit ein II. 8, 37. Das wichtigste scheint, 
den steigenden fortgang dieses artikels ein wahrzunehmen, 
bei Is. konunt es noch nie vor, sondern ein drückt entw. 
solus oder inius aus; auch bei T. hat es noch mehr die 
natur von quidani, der iibeisetzer schwankt zwischen ein 
lind sunt j ein lieri und daz andar IMusp. 4. 5 zahlen, 
mehr belege für diesen gegensntz gibt Graff. 1, 310; bei 



•) cribraie, sonst ritrOn T. 160, 4; ags. Iiridrian. 



nomen, pronomeii, ariikel. 397 

0. und N. scheint ein bereits lebloser und völlig artikelhaft 
geworden. daher verwenden sie es auch in der plural- 
forni , die dem ursprünglichen begrif der einheit Avider- 
slrebt (s. 382); eino zjli 111. 15, 5; eino brulloufti II. 8, 
3; in einew buachon I. 1, 87; bi einen libun V. 4, 36; 
bi einen ruachun IV. 1, 33; fora einen ustorun III. 6, 13; 
zl einen gihuglin III. 15, 9; zi einen duron IV. 18, 5; 
einen wjgniannen N. i)S. 36, 28 *). dieser pl. ist noch 
um ein Aveniges demonstrativer als der sg. 

6. ohliane casM5 lassen gern den artikel; 
a. beim yen. unterscheide ich zwei lalle : 
((. entw. steht der gen. hinten, wie gew öhnlich im gothlschen. 
comnian adales; stuchi Steines (fiagmen molae) Diut. 1, 511''; 
leps chelihes (labium calicis) 1,512*^; dionost hiniiles (niililia 
coeli) 1, 514''; leip prules 1, 515^; drupo cipres (botius 
cipri) 1, 525^; hus snialafiiilies 532^; lolo rosses 1, 528^; 
drost seres 0. IV. 13, 19; buoh thanatribes T. Matlh. 5, 
31; accar bluoles T. 193, 5; wehsal ziles N. Bth. 265; zit 
saniin N. ps. 36, 34; tal salzo (vallis salinarum) Diut. 1, 
511*; hus hirlo (caineram pastorum) 514^'; porta lisco 521*; 
crintila puriklo (vectes urbium) 524* ; lucchirum leuno (cu- 
bilibus leonum) 526*; erhabani auguno (extollentia oculo- 
rum) 528*; in giwiilin scäfo T. INlallh. 7, 15; thaz nezi lisgo 
T. 236, 7; zu?g ulibounio 0. IV. 3, 21; in folc sceolanlero 
Hild.; dal zaharo 0. V. 23, 103. bei fem. sg. : salz erda (sal 
terrae) T. 24, 1; in weg sibba T. 4, 18; ea sundo N. ps. 
84, 2; fou anagenge worolli 0. I. 3 , 35. 7, 11; scepheri 
Morolli 0. I. 5, 25; hörn belli T. 4, 14. N. ps. 17, 13. 
ß. oder vornen, was der alul. mundart besonders zusa^': 
liimiles fogala T. 51, 2; mitlelgartcs Hobt T. 25, 1; mannes 
sunu fr. th. JVlatlli. 9, 6. 12, 31; in M'ales Avambu ibid. 
12, 40; in hacrda brewc (in ten-ac corde) ibid.; in oppiie- 
res ^vjsun 0. II. 9, 34; weraldi alusnin Is. 69, 7; zeno 
stridimga T. 47, 7; geslo guati O. II. 8, 6; naUono chnoslcs 
fr. tli. Matlli. 12, 33; fou Itanlo hanton 0. V. 1, 4; cn- 
gilo nienigi I. 15, 39; sterröno slraza I. 5, 5; fon hellono 
thiole 0. 111. 24, 100; palmuno gerinn 0. IV. 3, 21. der 
vorsiehende gen. ninmil oll die millc ein zwischen dem 
uomen , das ihn regiert, und dem zu diesem geluirigoii 
artikel: dher goles fuiasago Is. 13, 6; dhazs goles lejnpil 
Is. 65, 1; dher Naues sunu Is. 73, 8; duz satanases ki- 
sindi IMusp. 9; ther diulelcs gisindo 0. IV. 12, .42;, tkie 

,■.■■' ' ■ '"" ^'•,' .'.y d imt .j 

■i'') vgl. den gen. pl. cincro bei giwelili (grniani. 3, 38.) >! 0>(<»i> 



398 einfacher saiz, 

gotes bolon 0. IV. fi, 7; ihm gotos liAs 0. IV. 4, fTS; 
Ihti'o tlnililiiics worto O. IV. 12, 14; wo zwei gen. glei- 
clies gesclileclits und niiin. auf cinaruler folgen, geliort der 
art. xii dem regiereiuleii , nicht zu dem abhängigen nomen: 
thes keisort'S zinses 0. IV. 6, 30 ; thes Kribtes grabes 
0. IV. 37, 2. 

Glelchwül findet sich aiicli schon genug der art. vor dem 
gen. ein, und in beiden fallen, 

«. vor dem nacligeselzlen : ahir des weizes (spicas tritici) 
Diut. 1, 510''; ioh des jierages (jugum montis) 512^; oba- 
nonliki des dornluhes (cacumina tribuli) 528''; clu'nd des 
hiwaskes 532''; sun des nialarres 521»; furisto des zim- 
baies 528b; kizimbii des cadaches 514''; thaz gras thes 
accares T. Matth. 6, 30; nianigi thes liulcs 0. IV. 8, 12; 
in ghirin dhes riclies Is. 79, 2 ; in liaubide dhes libelles 
Is. 31, 8; wexsal dhes neinin Is. 71, 12; scuala dem deo- 
nosti K. 15b; wec dera heilt K. 16*; chanzwagan dem 
sunnün (currus solis) Diut. 1, 515*; piladi dem epistulun 
(exemplarepislolae) 520*; porta rfer« mistinun 521*; suaridu 
dera erda (inolen» terrae) 531*; dhiu wurza dhem spaida 
Is. 13, 22; thiu diurt thera salba 0. IV. 2, 19; mit estin 
thero w aldo 0. IV. 5, 54 ; thaz bilidi thei'o nagalo T. 
233, 3; lilia dero telero W. 13, 10. 

ß. bei dem vorgesetzten, wiewol unhäufiger: fona thes 
baumes obaze fr. th. MallJi. 12, 33; thes accares lilia T. 
Malth. 6, 28; thes skefes nezi T. 236, 3; thes lanlllutes 
menigi 0. IV. 3, 19. 

ich bemerke ausdrücklich, daft in einüp'nen beispielen die 
we^lassung oder beifügung des art. andere gründe haben 
kann , als die in der genilivconstructiou liegen, in bezug 
auf den art. sind für die beiden subst. überliaupt sieben 
fälle denkbar: poum waldes , waldes poum, poum des 
■Waldes, der poum waldes, der waldes poum, des waldes 
poum , der poum des waldes ; unzulässige formein wären : 
waldes der poum, des waldes der poum, der des waldes poum. 

b. dative , ohne begleitenden art., lassen sich nur in ad- 
verbien nachweisen, die 3, 135-137 angegeben worden 
sind, aber auch in solche adverbiale redensarten hat sich 
schon der art. mitunter 'eingefunden: dem wortum , then 
nieinon, sar then sluntun ; ich füge hinzu: sär then ga.n- 
gon 0. IV. 22, 31; sar then wilon 0. V. 25, 62. 

c. nach pr'dpositionen pllegt liäufig der art. auszubleiben, 
desto lieber je fonuelhaiter die redensart ist. in huuf 0. 



nomen. pronomen. artikel. 399 

II. il, 15; In öru III. 17, 70; untnr fiiaz V. 14, 17; un- 
tar nuitti T. Älalth. 5, 15; in erda 0. IV. 7, 36; in liou- 
bile inti in bruslin 0. V. 1, 10 ; zi Stade ioh zi saiile 0. 
V. 13, 18; zi Stade V. 13, 31; in Stade V. 14, 1; zi zolle 
T. 20, 1; ze himele N. Blli. 17; föne himile N. Btli. 14. 
135; föne bodenie N. Bth. 18; in Lende (in manu) N. Btli. 
20; in lienti 0.1.7,22; zi Nvege 0. III. 11, 58; bi sewe fr. 
th. Matlh. 13, 1; bi manne 0. IL 14, 93; in banne IV. 8, 9; 
fon kunne zi kunne I. 7, 12; ur lante, ar arme, in lante, in 
bure, bi huldi Hild. ; in troume T. 5, 8; zi liuge 0. 1. 7, 1 ; 
zi scähclie (zum raub) Is. 31, 2; pricbet aba boume N. Ar. 
244, hingegen: slah ten ast aba detno boume N. Ar. tl; 
vor denio muspille IMusp. 62; zi themo grabe T. 221, 1; 
sar si themo Avipplie 0. IV. 16, 28; lu dero liillu Hild. 
üba wazsserum Is. 41, 3: oba dlietn \vazsscrum Is. 41, 
13; fon enlum lantes fr. th. INlalth. 12, 42; fon fiauton 0. 
V. 1, 3; zi then fnazoii, zSti houbiton 0. V. 7, 15; in 
then fertin 0. IV. 3, 1 ; in grehlen N. Bth. 106 ; in dien 
gereclien N. Bth. 94 ; in dem scilliin Hild. ; und in zahllosen 
andern beispielcn ; man vgl. die jjräpositionalen adv. im 
dritten band, allgemein betrachtet linde ich, daü, Avie beim 
bloUen dat., auch hier die plurale leichter den ai-t. anneh- 
men als die sg. 

7. Von subst. , die insgemein den art. bei sich haben, 
nehme ich folgende wahr, ther Hut 0. I. 1, 92. 4, 71. 9, 
26. III. 6, 31. 13, 16. 15, 20. 16, 61. IV. 3, 1. 6. 17. 8, 
28. 19, 59. 69; thes liules I. 2, 34. 4, 15; fora themo 
liute III. 20, 112. IV. 7, 21; thie liuti I. 3, 10. 10, 10. 
24, 1. 27, 1. 111. 14, 105. IV. 17, 25; thero liuto I. 3, 
20. IV. 5, 2. 12, 53; dhero liudeo Is. 93, 19: then liulln 
0. I. 23. 6. H. 1, 18. 2, 1. IV. 36, 12; zen liutin IV. 22, 
5; weil inmter bestinimte loule gedacht werden, nur wenn 
ganz allgemein davon die rede ist, mangelt der art.: liulo 
lilu (). i. 1, 1; liuti 1. 11, 19; dheodun endi liudi Is. 79, 
7; doch vor Iindi Is. 63, 14 hätte ich eher dliie erwartet, 
und Is. 93, 22 steht lludeo zeiline. Auf ähidiche weise 
verhalten wiid es sich mit diot, folc , monig* , deren be- 
grif auf die besonderheit gerichtet ist: elliu dhiu folc fr. 
th. Malth, 12, 23; za dem folchum 12, 46; dhero folcho 
Is. 57, 12. bei weralt liiulet sich bald derart, thtu woroh 
0. IV. 7, 8; thia worolt II. 12, 71. 22, 4. V. 15, 22; 
oder gar das strengere demonstrativ : ihesa worult 0. IV. 
2, 1; in thesa Mcralt T. 13, 4; in therro weralli 13, 5; 
bidd mangelt er: woroll 0, I. 3, 42. 4,32. 11, 59. 15, 18. 



400 euifaohar salz. 

JI. 9, 20. 12, 38; iii woroll 0. I. 3, 3. 4, 61 ; wcrolt T. 
172, 4. 17.5, 6. I)nig lial gern den art. , wie im golli,, 
dhiu l)iirc Js. 0.5, S; lUiaa biirc Is. 63, 22; in ihttra burgi 
T. 244, 1; in Una biiig O. IV. 9, 9. T. 3, 1. 222, 1; 
auch heilU es alid. immer thev lieilant, tlue jwngoron, ihn* 
^warlon 0. IV. 1, 1. IV. 16, 13, dher psalmscuf Is. 75, 
20. 9.5, 21. aiicli der substantivisch genommene inf. wird 
articiilierl : thaz weinuii 0. 1. 20, 10; ihm salbun 0. IV. 
2, 17; thaz drinkaix iV. 10, 13; in themo niinnönue IV. 
13, 9. 

8. 0. liebt es hinter dem arliculierlen subst. das pron. 
zu wiederholen: ther geist iher bläsit stillo (s]iirilus lene 
spirat) IL 12, 40; iher geist ther ist drulitm il. 14, 71; 
thaz kind thaz druag tbaz wilu mit (infans portavit lignum) 
II. 9, 43; thie muater thie '*) riiziin (inatres plorabant) 
I. 20, 9 ; thiu wib thiii giangun snntar (fiMiiinae seorsini 
incedebanl) 1. 22, 13; thiu kind thiu folgelun (infantes 
sequebanlur) I. 22,15; thiu wori thiu wiirtun muri (verba 
isla divulgabantur) IL 3, 31 j thie ungiloubige thie abaliont 
iz alle (inlideles id omnes perveiiunt) I. 15, 43 ; thiu faz 
thiu jiamun Hdes zuei mez (bydriae capiebar.t potns duas 
metretas) IL 9, 95; thiu nalit thiu quimit ubar tliaz III. 
20, 16; ther stank tlier blasil thar in miiat siiazi fihi nia- 
naga (odor spirat ibi niultam dulcedinem in nientes) V. 23, 
277 ; ther duali ther wirdit funtan zisan)ane biwuntan (hnteum 
solet convolvi) \. 6, 61. in diesen beispielen entspringt kein 
relativer satz , folglich kein melirfacher, das zweite pron. 
steht überllüssig, bleibt jedoch demonstrativ, wo! aber kom- 
men ganz äbnlich gebildete relativsiitze vor: thaz ser thaz 
thar ruarit mili (dolor qui me tanglt) V. 7, 25; thiu werk 
thiu ih wirku ( opera quae operor) III. 22, 17; thiu 
werk thiu si bigan (opera quae incepit) IV. 2, 31; thaz 
•wib thaz ihero duro sah (femina quae porlam custodiebat) 
IV. 18, 6; thia mihi thiu Davul druag (leuitatem, qua 
usus est D.) ad Hartm. 139; tJiia heili thia thu garolus 
(salutem, quam tu parasli) I. 15, 18; thie disgi thie thar 
stuantun IL 11, 13; tJier kneht ther thaz allaz druag III. 
7, 37 ; thia bluat, thia erda fuarit (üorem quem terra 
cmitlit) V. 23, 275. 



' *) daß O. versrliiedentlicii sclion thie für thlo setzt, wurde be- 
reits s. 279 angemerkt; da sicli dies vervrisclien der weiblichen flexioo 
vorziigS;Weise am artil^el zuträgt, so hätte es s. 368 aiudriicklich an- 
gegebei^ werdenj niögeii. 



nomen. pronomen. arlilel. 40j 

9. verbinden sich zwei suhst. , 60 stehen 

a. heide ohne tut.: leid odo smerza 0. V. 23, 254; 
harpha ioh rolla V. 23, 199; sulida inti heili III. 9, 12; 
fater endi simu Is. 35, 8. 19; sunu endi fater Is. 37, 17; 
dages inti nahtes 0. 1. 16, 13; fehes inti maunes V. 24, 6; 
gommanne loh Avibe I. 16, 18. IV. 31, 16; ser ioli smer- 
zün V. 21,24; licliamou ioh sela V. 23, 106. 116; engilon 
ioh manne II. 1, 26; hanton ioh ouh oiigon V. 20, 63; 
in eigan loh in erbi 11. 2, 22; in luige ioh In muate 11. 
24, 16; in munde ioh in henli 111. 6, 36; zi zuhte ioh 
zi >vjze II. 7, 76; in erdu noh iu himile II. 3, 10; in 
erdii ioh in himile V. 1, 28. 25, 95; in hinu'le int in erda 
V, 16, 19; mit engilon ioh mannon V. 25, 96. 

b. seltner heide mit artikel: thiu scäf ioh thiu rlndlr II. 

II, 16; thia sininün ioh theu nuuion V. 17, 25; thie 
rehlö ioh thie guale V. 22, 2; thero fisgo ioh thero leibo 

III. 6, 55. 

c. zleiidicli oft das erste nomen ohne, das ztveite mit 
artikel: mano ioh iliiu siinnu IV. 7, 35 ; Avazar ioh iher 
golcs gcist II. 12, 31; hoiibit ioh thio henti V. 3, 10; sela 
ioh thaz. herzu IV. 22, 42; ougun ioh thie fuazi V. 3, 7; 
fater ioli then sun II. 9, 97; erdun ioh tJies sewes IV. 35, 
16; scalka ioh thie riebe V. 19, 53; arme ioh thie richi* 
V. 16, 29; zit ioh thia regula I. 1, 42; intlieng brut inli 
sama then lisg T. 237, 5. 

d. für das erste nomen mit, das zweite ohne art. habe 
ich kein beispiel. 

10. adjeetiua. auch liier muft auf das fünfte cap. ver- 
wiesen werden. 

a. adj. zum subst. gehörig, bei der ersten, unbestimmten 
nennung subst. und adj. ohne arlikel: er was thiob hebi- 
ger (ein schwerer dich) 0. IV. 2, 29 ; Avart gifidlil heila- 
gcs geisles T. 4, 3; iii sagen iu mibhelan giCelion T. 6, 2; 
feliuian bruolihah T. 13, 11; scunen worlon 0. II. 8, 16; 
samo so folwassan nulno Is. 83,2; in liure uiiarleskcnlemo 
T. 13, 24. es kann aber auch der unbeslimmte arl. ein- 
treten : ein armaz wib 0. II. 14, 84. Bei wiederliolcnl- 
licher erwiihrunig nüt bestimmtem arlikel, uiul zwar 
«. gewöhidich das arlikuHerte adj. vorausgehend : i/^r b ei- 
lige geisl, des heiligin geisles; dero wihono pib(Uo K. 15'. 
fj. das sul)st. vorauslrelend und der arl. vor dem subst.: 
Iher sun gualer 0. II. 1, 1. III. 20, 78. 
y. subsl. vorausgehend und der arl. vor dem adj. : gimma 

Cc 



402 einfacher sutz. 

thiu wi/.a 0. I. 5, 21; allari then diiiron 0. IV. 33, 35; 

bounie themo thiirren 0. IV. 26, 52. 

(J. snbst. vorausgeliend , arl. vor siilist. und adj. zugleich: 

thiu tiiiiiclia thiu guata IV. 29, 15. 

b. adj. für sich gesetzt: pllut(5r, der plinlo; einan «Ilan 

III. 4, 15. 

11. adjpcliva, die dem art. und meist auch der schwachen 
form avisweiclien. liicrher gehört \viedcrum nl ^ das den 
art. hinler sich, auf das subst. zurück, Nvelst : olliu diu 
juanagi fr. th. INlallh. 13, 2; al thiu nienigi T. 13, 2; al 
thiu bürg T. 53, 12; alluz thaz gisidili 0. II. 11, 18. der 
art. kann aber völlig uulerbleibcn : er allem AVeraldini Is. 
11, 12; und «/ ganz zuletzt slehu : sinu kiut ellii 0. 11. 
14, 32; thaz Ion allaz II. 20, 13; thiu selbun tliiiig ellu 

11. 20, 5 '''). Auch dem golli. us daulliaim und in midjaini 
enlspreclien alid. formein: arsliiat ^oh« totem (cat. tli. 65 
nach der hs. boichtigt); doch T. 215. 3 und 220, 5 >vird 
das lat. surrexit a morluis verändert in: arsluont fon tude. 
stuaut er untar mitten 0. V. II, 4; sluant thar mitten 
untar in 0. V. 12, 14; vgl. in millemo iro ringe 0. IV. 
19, 8; in milt^ wolvä, in medios lupos T. 44, 11, wo der 
text hat in medium lupoiiun. T. 12, 4 untar mitten then 
lerariu (in medio doctoriunj, vvo das iheu besser fehlte. 

12. possessiva. 

a. ohne art., gewöhnlich vor, zuweilen nach gesetzt: si- 
ner scimo 0. II. 12, 93; sinan sun 0. I. 5, 36; mina worolt 
I. 5, 40; miner drüt II. 7, 38; sinaz gibut I. 4, 6; sine 
eldiron T. 12, 2; stnu lentin T. 13, 11; nanio lluner 0. II. 
21, 28; geist miner I, 7, 3; rjuenatliinu 1.4, 29; scalk tliiiinii 
I. 25, 7; anan mund minau I. 2, 3; sunnun sina II. 19, 21; 
giburt sunes tlunes I. 2, 6 ; ^Yort sinaz III. 18, 7; in thio- 
nost sinaz I. 26, 14. beide fälle gestalten, für alle ge- 
schlechler, meist nur im nom. (beim neutr. auch acc.) sq., 
selten im nom. acc. |)1. die llexion zu unterdrücken : thin (juenu, 
min queua T. 2, 5. 8; min kind 0. I. 6, 12; ubar thui 
houbit I. 6, 14; scalk tliin 0. 1. 2, 1. III. 17,59; bin ih 
smalier scalk thin I. 25. 5; thü ]»ist einego min I. 22, 50; 
eigan thiu ist st thm I. 2, 2; selba muater sui 1. 6, 10; 
muat mm I. 2, 29; jungoron siu (discipuli ejus) III. 20, 127. 



•) nur wenn al selbst substanti\iscli und unabhängig steht, leidet 
es den art. vor sieb: t/iaz allaa O. 11. 14, 87. 



nomen, pronomen, artikel. 403 

b. mit art. , und zwar 

«. vor dem subst.: thie forasagon stn^ 0. I. 10, 7; ihie 
juugoron sin^ II. 15, 18; zhi goimiöu sinen III. 7, 89. 

ß. luigleicli öfter vor dem poss.: thfiz minaz bluat IV. 
10, 14; thaz ihinaz lieruti IV. 36, 5; thiu stu giwalt V. 

12, 30; thm siu sllnina V. 12, 57; thiu sin muater II. 8, 
7; diu nun sela N. ps. 21, 31; ihen sinan geist II. 13, 32; 
then unsen altmagon I. 10, 11. 

y. sind auch noch adj. mit im spiel, so kann ihnen das 
poss. vorangehn oder folgen : in dheru sinerii lieilegiiu 
chiburdi Is. 11, 20; oba dheru dhtneru lieilegim burc Is. 
61, 1; thaz mInaz heilä miiat 0. II. 13, 15; thaz sinaz 
Üb niuwaz IV. 37, 24; ze denio duiemo heiligen hus N. 
ps. 5, 8; thaz suaza liabaz sin 0. V. 11, 30; thie selbun 
driita siJic V. 11, 34; thie selbun kunfll sine II. 12, 46; 
thie jungoron selI)on sine II. 13, 2. in beiden fällen hat 
der art. die vorderslelle , er kann aber auch unterbleiben: 
zeichan sin scunaz I. 17, 18; in selbaz gewi sinaz II. 14, 
8; emmiziger scalk thin III. 17, 66; mit liabeu drüton 
Ihinen III. 5, 19, 

c. unbesliinmler art. vor dem poss.: ein ihiii gisibbu 0. 
1. 5, 49, und ge^vis öfter. 

d. sleliu zwei subst. hintereinander, so kann 

ct. das poss. bloß vor dem ersten stehn : minu henti inti 
fiiüzi (manus meas et pedes) T. 231, 5; ihin thiota inti 
bi.*golla (gens lua et ponlilices) T. 195, 3; beidemal nach 
dem lat. text. auch T. 15, 4. 5. 

ß. deutscher scheint, daß es bloß vor dem zweiten ge- 
setzt wird: gisuaso ioh thin kiuido ist 0. V. 8, 30; nach 
der mild, analogie (s. 342) und gleich dem artikel (vorhin 
9,c.) 

13. gen. des geschlecht, pvon. ira (sg. fem.) und iro 
(pl. omn.) 

a. ohne artikel, in der rcgel vorgesetzt: Ira nama (nomen 
ejus) T. 2, 1; in ira dagun T. 2, 2; in iro samnunglio Is. 
65, 4; iro meghine Is. 39, 4 und so allcnlbalhcii. nur 
üulkMSt seilen nacligesclzt : si gole iro (ail deiun ipsoruin) 
T. 2, 6. =^0 



•) ich hätte s. 341 schreiben sollen: im fafar, ho falar, slalt 
fatnr ira , fatar iro. 

Cc 2 



401 einfacher satz. 

b. mit arlikel , (Innii iiinunt der gen. die iiiltle ein : tht^r 
ira snii 0. I. 14, IG; ihaz iia sör Jll. 10, 28; ihaz iia 
lib III. 10, 1; ihaz iro ruainisal IV. 5, 35; thio iro iieuli *) 
iV. 16, 56; dJievo iro lugiiio Is. 79, 15. 

diese alid. vürsel/.img des gcJi. ira, iro steht der golli- 
nachsclzung des is , izus, izc , izu (s. 393) luerklicli cnl- 
gegen. 

c. ein alid. daz ira, daz iro (\vie mlid. daz ir, s. 343) 
habe ich jiicht getroll'en, liahe diese cüiistniclion aber füi- 
zulassig. iilmlich ist: allu ira (oinnia sua) T. 60, 3 (es 
stellt: allu iru.) 

14. kein ahd. art. vor präposilionen , nach goth, -weise 
(s. 393); es lieilk inuner in» rclalivsatz : thcr in iiimile isl, 
thaz in thir ist T. Rlatth. 5, 45. 6, 23, freilich der lat. vulg. 
gemäß. 

15. absolute casus lieben den art. nicht, doch kommen 
genug beispiele seiner Zulassung vor: dlieru ewu zi Taren eru 
ioh dhein aldom gotes chibodum bilibenem Is. 71,14; dem 
pözu argcpaneru (pretio dalo) gl. mons. 402 ; ^vanenten1ü 
theino lolke T. 13, 9; ihemo heilante geloufiteino T. 14, 3 ; 
gienluleiii allcru therii coslungu T. 15, 6; dcmo chuninge 
Avizenteino N. ßlh. 22: demo dorne stechenlcnio \. ps. 31, 
4; dtmo \vinde diezenlemo N. Cap. 20; dien ächusteii 
waltesonlen N. Blh. 183. 

Mhd. artikel. 
1. subst. ohne ihn. got allenthalben **), ausgenommen 
wo es einem heidnischen beigelegt -wird: Kahün den got 
Wh. 441, 4; daher auch diu gülinne Bari. 246, 2. treh- 
ten und herre , von golt gebraucht, können nie den art. 
haben; es heißt gewöhnlich: unser trehten I\v. 4773. 5014 ; 
unser trehtui Trist. 2721; unser herre l\v. 4632. 5798. 
5910. 7889; unser herre got Iw. 1808. 5482. 7564; got 
unser herre Iw. 4854; doch außer solcher Verbindung mit 
dem possessiv, und außer der an sich arükeüosen anrede 
herre i Iw. 1382. 3511, werden diese wörter kaum vor- 
kommen, aus gleichem grund muß auch gesagt werden: 
got vater Bari. 3, 2, nicht got der vater; doch nur ver- 
bunden mit got, oder in der anrede, nie sonst alleinste- 



•) = sie, illi, vgl. oben s. 297. 350. 

•*) wol aber diu gotlieit Parz. 466, 20, obsclion auch ohne art. 
gotheit Parz. 467, 2. 



nomen. pronomeji. artikel. 405 

liend wird vater von gott gebraucht. Die übrigen : sunne, 
iiKine, himel, tac, tut, helle entrathen des art. nie, z. b. 
diu sunne Nib. 1564, 2; des niänen Parz. 490, 7 ; auch <?er 
liuvel heißt es überall Nib. 1930, 4. 1938, 4. 1988, 2. 

2. eujennamen ohne artikel. nur vor hinzutretendem 
atlj. mag er slehn ; wenn Gudr. 451, 3 der Wate; 1115, 4 
den Crist in der hs. gelesen wird, so liegt die besserung 
nahe: der alte Wale, den riehen Crist. das adj. kann dem 
eigennamen vorausgehn oder folgen : der küene Liudger 
Nib. 169, 1; der schocnen Siglinde Nib. 178, 4; Jer küene 
Sifrit Nib. 209, 3; der leidege Ilagene 1200, 4; r?er wilde 
Hagene Gudr. 447, 1; Rriemhilt diu scliccne Nib. 224, 2; 
W^^te der alle Gudr. 465, 1; Iwein der arme Jw. 4213; 
Rriemhilt diu arme Nib. 994, 1; Albrich der küene Nib. 
462, 2; Sifriden den starken 215, 3. auf gleiche weise 
darf der art. vor einem beigefügten appellaliv sicli einlin- 
den: der herre Sifrit Nib. 126, 4; der herre Riiediger 
Nib. 1288, 1; der herre Iwein Iw. 803; der künec Sifrit 
Nib. 635, 1 ; der künec Liudgast Nib. 139, 3 ; der künec 
Etzel 1290, 3; des künic Etzelen man 1276, 4; der hirz 
Handolt Reinh. 1105. *) 

Die conslruction des eigennamens im gen. zu dem no- 
men, von welchem er abhängt, will ich hier in beziig auf 
den art., vorzüglich nach dem stil des .heldenlieds, naher 
entwickeln. 

a. das regierende nomen hat gleichfalls keinen artikel : 
Sigemundes sun Nib. 123, 4. 227, 4; Sigmundes barn 637, 
2; Sifrides wip 967, 1; Sifrides Jip 982, 3. 989, 4; bi Si- 
iVides ziten 1208, 2; von Rüedigeres friunden 1233, 3; in 
Jiiiedigercs laut 1239, 3; an Etzelen man 2178, 2; in hove 
Sigemundes 35, 2. 

b. oder dieser art. wird gesetzt, und zwar 

u. vor das herschende siibst. , ohne den eigennamen zu 
berühren: der hört Niblunges 90, 1; der sun Signumdes 
640, 1 ; die