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Full text of "Deutsches Bäderbuch"

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LIBRARY 

OF THE 

University OF California. 



Class 



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The General Library 




Deutsches Bäderbuch 

bearbeitet unter Mitwirkung des Kaiserlichen Gesundheitsamtes 

von 

Dr. F. Himstedt, o. ö. Professor, Direktor des Physikalischen Instituts an der Universität Freiburg i. B.; Dr. E. Hintz, 
Professor, Mitinhaber des Chemischen Laboratoriums Fresenius zu Wiesbaden, und Dr. L. Grünhut, Abteilungs- 
vorsteher und Dozent im Chemischen Laboratorium Fresenius zu Wiesbaden; Dr. C. Jacobj, o. ö. Professor, 
Direktor des Pharmakologischen Listituts an der Universität Göttingen; H. EavLGfmann, Generalsekretär des Ver- 
eins der Kurorte und Mineralquelleninteressenten Deutschlands, Österreich - Ungarns und der Schweiz in Berlin; 
Dr. K. Keilhack, Königlich Preußischer Landesgeologe, Professor an der Königlichen Bergakademie zu Berlin; 
Dr. H. Eionka, a. o. ö. Professor, Direktor des Pharmakologischen Instituts an der Universität Jena; Dr. P. Exaus, 
Geheimer Medizinalrat, o. ö. Professor, Direktor der 2. Medizinischen Klinik an der Universität Berlin; Dr. V. Kremser, 
Professor, Abteilungsvorsteher im Königlich Preußischen Meteorologischen Institut zu Berlin; Dr. P. Nicolas, 
Direktionsbadearzt in Westerland auf Sylt; Dr. Th. Paul, Geheimer Regierungsrat, o. ö. Professor, Direktor des 
Laboratoriums für angewandte Chemie an der Universität München; Dr. P. Böohling, Hofrat, dirigierender Kur- 
arzt in Misdroy, Generalsekretär des Allgemeinen Deutschen Bäderverbandes; A. Soherrer, Ingenieur in Ems; 
Dr. C. Schütze, Badearzt in Bad Kosen; Dr. A. Winckler, Sanitätsrat, Königlicher dirigierender Bnmnenarzt in 
Bad Nenndorf; sowie von Dr. B. Rost, Regierungsrat, Mitglied des Kaiserlichen Gesundheitsamtes, Privatdozent an 
der Universität Berlin, Dr. G. Sonntag und Dr. P. Auerbach, Hilfsarbeiter im Kaiserlichen Gesundheitsamt und 

unter Beihilfe von 

Dr. K. von Buchka, Geheimer Oberregierungsrat und vortragender Rat im Reichsschatzamt; Dr. B. Dietrich, Greheimer 
Obermedizinalrat und vortragender Rat im Königlich Preußischen Ministerium der geisthchen, Unterrichts- und Medizinal- 
angelegenheiten; Dr. O. Lassar, a.o. ö. Professor an der Universität Berlin; Dr. Rvon Leyden, Geheimer Medizinalrat, 
0. ö. Professor, Direktor der 1 . Medizinischen Klinik an der Universität Berlin ; Dr. E. A Merck, Medizinalrat in Darmstadt. 



10t 13 Tafeln graphischer Darstellungen von Quellenanalysen, einer Übersichtskarte \md der Hellmann sehen Begenkarte. 



VERLAG YO'S J. J. WEBEE, LEIPZIG 1907. 



OF THE 

UNIVERSITY 

OF 



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Inhaltsübersicht. 



Vorwort. 

Verzeichnisse der Mineralquellen, Seebäder und Luftkurorte: Seite 

a) nach Gruppen geordnet I 

b) nach Bundesstaaten geordnet IX 

Einleitung. 

1. Geologischer Teil Von K. Keilhack XIX 

Anhang: a) Über die Fassung von Mineralquellen. Von A. Scherrer XXVIII 

b) Über die Trink- und Badeeinrichtungen in den Kurorten. Von A. Winckler XXXI 

c) Über die Abfüllung und den Versand von Mineralwasser. Von H. Kauf f mann .... XXXIII 

2. Chemischer Teil. 

A. Allgemeines über die Chemie der Mineralwässer. Von Th. Paul X X XVII 

Anhang: Über Radioaktivität. Von F. Himstedt XLVI 

B. Besondere Grundsätze für die Darstellung der chemischen Analysenergebnisse. Von E. Hintz 

und L. Grünhut L 

C. Einteilung der Mineralwässer. Von E. Hintz und L. Grünhut LXV 

3. Pharmakologischer Teil. Von C. Jacobj LXVIII 

4. Khnischer Teü. Von F. Kraus LXXXII 

5. Khmatologischer TeU. Von V. Kremser XCII 

6. Volkswirtschaftlicher Teil. Von H. Kauffmann CI 

I. Mineralquellen. 

(Die chemischen Analysen in jedem der nachstehenden Abschnitte sind bearbeitet von E. Hintz und L. Grünhut.) 

1. Einfache kalte Quellen (Akratopegen). Von C. Jacobj 3 

2. Einfache warme Quellen (Akratothermenj. Von C. Jacobj 24 

3. Einfache Säuerlinge. Von C. Jacobj 41 

4. Erdige Säuerlinge. Von C. Jacobj 48 

5. Alkalische Quellen. Von A. Winckler 82 

6. Kochsalzquellen. Von C. Schütze 119 

7. Bitterquellen. Von C. Schütze 275 

8. Eisenquellen. Von H. Kionka 286 

9. Schwefelquellen. Von A. Winckler 379 

Anhang: Moor-, Schlamm- und Sandbäder. Von H. Kionka 422 

II. Seebäder. 

Einleitimg. Von P. Nicolas und F. Eöchling 431 

A. Nordseebäder. Von P. Nicolas 442 

B. Ostseebäder. Von F. Eöchling 452 

III, Luftkurorte. Von H. Kionka 483 

Nachtrag 521 

Alphabetisches Verzeichnis der Mineralquellen und Kurorte 529 

Übersichtskarte. 

HeUmannsche Regenkarte. 

Graphische Darstellungen von Mineralquellenanalysen, gezeichnet von E. Hintz imd L. Grünhut. 



Vorwort. 



Die im Kaiserlichen Gesimdheitsamte unter Mitwirkung des Universitätsprofessors Dr. Lassar zu Berlin 
bearbeitete und auf der Pariser Weltausstellung im Jahre 1900 in der deutschen Abteilung für Gesundheitspflege, 
Wohlfahrtspflege und Arbeiterversicherung verteilte Druckschrift „Deutschlands Heilquellen und Bäder" hat 
dem Allgemeinen Deutschen Bäderverband Veranlassung gegeben, an das Gesundheitsamt mit der Bitte heran- 
zutreten, diese Schrift neu herauszugeben und insbesondere durch die Aufnahme einheitlich berechijeter Analysen 
der Mineralquellen zu einem auf wissenschaftlicher Grundlage aufgebauten Nachschlagewerk zu gestalten. In einer 
gemeinsamen Besprechung im Gesundheitsamte, zu der außer dem Allgemeinen Deutschen Bäderverband der Verein 
der Kurorte und Mineralquellen-Interessenten Deutschlands usw., der Verein Deutscher Chemiker und der Verband 
selbständiger öffentlicher Chemiker Deutschlands Vertreter entsandt hatten, wurde unter dem Vorsitz des damaligen 
Präsidenten des Gesundheitsamtes Dr. Köhler über die zweckmäßigste Ausgestaltung des Werkes beraten und eine 
Kommission gebildet, die, durch Zuwahl weiterer Sachverständiger nach und nach ergänzt, schließlich die auf dem 
Titelblatt genannten Mitglieder umfaßte. Im Laufe dieser Beratungen, deren letzte unter Leitung des derzeitigen 
Präsidenten des Gesundheitsamtes Bumm stattfand, erwies es sich als erwünscht, von der Anlehnung an die ein- 
gangs erwähnte Bäderschrift ganz abzusehen und dafür ein balneologisches Werk zu schaffen, das die Schilderung 
der Mineralquellen Deutschlands und seiner sonstigen natürlichen Heilmittel sowie der zu ihrer sachgemäßen Aus- 
nutzung bestehenden Einrichtungen in rein wissenschaftlicher Form zum Ziel hat. 

Außer kurzen ELoführungen für die einzelnen Gruppen der Mineralquellen, für die Seebäder und für die 
Luftkiu-orte wurde beschlossen, dem Buche eine Einleitung zu geben, in der die Bedeutimg der natürlichen Heil- 
schätze Deutschlands vom Standpunkte der verschiedenen in Betracht kommenden Wissensgebiete, der Geologie, 
Chemie, Quellentechnik, Pharmakologie, klinischen Medizin, Klimatologie und Volkswirtschaftslehre, in einzelnen 
Abschnitten beleuchtet wird. Ferner wurde angestrebt, die Mineralquellen möglichst vollständig aufzunehmen, 
während aus den Seebädern und Luftkurorten diejenigen ausgewählt wurden, die nicht eine rein örtliche Bedeutung 
haben. Die Auswahl der Luftkurorte bereitete bei der großen Anzahl der Orte, die sich als solche bezeichnen, 
nicht unerhebliche Schwierigkeiten. 

Die für die Wiedergabe der Analysen ursprünglich vorgesehene Anlehnung an eine der bisher üblichen 
Berechnungsarten nach Salzen wurde später auf Anregung des damaligen Direktors im Gesundheitsamte, Professor 
Dr. Paul, verlassen und dafür die Berechnung auf Metalle und Säurereste (Ionen) gewählt. Nur diese Darstellimgs- 
form erscheint frei von jeder Willkür in der Wiedergabe der analytischen Ergebnisse, ist geeignet, den Arzt die 
Zusammensetzung der Mineralwässer eindeutig erkennen zu lassen, und steht mit den neueren Anschauungen über 
das Wesen der Salzlösungen im Einklang. Die Gründe für die Wahl dieser Darstellungsform sowie dafür, daß 
daneben die Analysen ergebnisse noch in Form von Salztabellen wiedergegeben wurden, sind in dem chemischen 
Teil der Einleitung ausführlich erörtert. Die Einzelheiten der für die Darstellung der Analysen maßgebenden 
Grundsätze wurden vom Gesundheitsamt und von den Verfassern der chemischen Teile der Einleitung gemeinsam 
aufgestellt. Gleichzeitig wurde die Beigabe von farbigen graphischen Darstellungen der Analysen beschlossen, die 
ein anschaulicheres Bild von der Zusammensetzung der Mineralwässer geben als bloße Zahlen. 

Die Ausführung des für die Gestaltung des Werkes festgelegten Planes wurde unter Mitwirkung des Kaiser- 
lichen Gesundheitsamtes von sämtlichen Bearbeitern ehrenamtlich übernommen. Nur die Kosten für die Umrechnung 
der Analysen wurden durch Beiträge von Bäderverbänden und anderen Vereinen gedeckt. Die umfangreiche 
Rechentätigkeit ist unter der verantwortlichen Leitung von Professor Dr. Hintz und Dr. Grünhut von den Chemikern 
Dr. W. Tetzlaff, W. Hartmann, A. Lob, A. Möllinger, Dr. F. Große und Dr. M. Mitreiter ausgeführt worden. ' 

Das durch Erhebungen mittels Fragebogen und durch einen ausgedehnten Schriftwechsel mit Badeverwaltungen, 
QueUenbesitzem, Ortsbehörden und Regierungen gewonnene, sorgfältig gesichtete Material wurde zu einer möglichst 
objektiven Schilderung der bestehenden Verhältnisse verarbeitet. Als zweckmäßigste Fassung der einzelaen Be- 
schreibimgen erschien die gedrängte Aneinanderreihung der tatsächlichen Angaben ohne verbindenden Text. 



Da es insbesondere für die Wiedergabe der Analysen wichtig war, sich aiif einwandfreies Material zu stützen, 
80 mußte versucht werden, ihre Urschriften zu erlangen. In sehr vielen Fällen gelang dies leider nicht Es wurde 
dann, soweit möglich, wenigstens die ursprüngliche, vom Analytiker herrührende Veröffentlichung verwertet. Vielfach 
mußte aber — mangels anderer Quellen — auf den Abdruck der Analysen in Prospekten und Badeschriften 
zurückgegriffen werden. Bei der Beschaffung des Analysenmaterials wurde das Gresundheitsamt durch Professor 
Dr. Hintz und Dr. Grünhut in ausgiebiger Weise unterstützt 

Die von den Bearbeitern der einzelnen Abschnitte zusammengestellten rund 500 Bädertexte sind im Gesund- 
heitsamte einer Überarbeitung unterzogen worden, um eine einheitliche Form und eine gleichmäßige Durchführung 
der vorgezeichneten Grundsätze für die Darstellung zu erreichen. Die in den einzelnen Texten enthaltenen geo- 
logischen Angaben über den Ursprung der Mineralquellen sind auf Veranlassung von Professor Dr. Keilhack in 
dankenswerter Weise von einer Reihe von Fachmännern, die mit den geologischen Verhältnissen der betreffenden 
Landesteile vertraut sind, soweit möglich, überprüft und ergänzt worden. Über das Klima der einzelnen 
Orte lagen brauchbare Beobachtungsergebnisse nur von einem kleinen Teü der Kurorte und niu" hinsichtlich der 
Lufttemperatur und der Niederschläge vor. Durch das dankenswerte Entgegenkommen der meteorologischen Zentral- 
stationen im Deutschen Reiche (Berlin, München, Dresden, Stuttgart, Karlsruhe, Darmstadt, Straßburg) und der 
Deutschen Seewarte in Hamburg ist es möglich gewesen, diese Angaben zu ergänzen. Andererseits mußte aber 
auf Grund des Urteils der Zentralstationen eine Reihe von unsicheren oder unwahrscheinlichen Angaben weg- 
gelassen werden. Die Angaben über Windschutz stammen meist von den Badeverwaltungen. 

Vor der Drucklegung sind die Texte den Badeverwaltungen, Quellenbesitzern usw. zur Anbringung etwaiger 
tatsächlicher Berichtigungen übersandt und auch den Landesregierungen, meist durch Vermittelung von Mitgliedern 
des Reichs-Gesundheitsrates, vorgelegt worden. 

Während in dem die einzelnen Kurorte beschreibenden Teile des Buches eine möglichst gleichmäßige Be- 
handlung des Stoffes angestrebt wurde, ist den Bearbeitern der einzelnen Abschnitte der Haupteinleitung dagegen 
völlige Freiheit gelassen worden, ihre wissenschaftliche Auffassung zum Ausdruck zu bringen, gleichviel ob diese 
Auffassung auch von den Badeärzten in jeder Hinsicht geteilt wird. 

Bei den vorbereitenden Arbeiten vmrde die Kommission unterstützt durch eine Reihe von Gebirgs-, Touristen- 
und Verschönerungs vereinen, die für die verschiedenen Gegenden Unterlagen für die aufzunehmenden Luftkurorte 
beschafften; für das Königreich Sachsen hat der Oberbürgermeister a. D. am Ende in Dresden umfangreiche 
Angaben gesammelt imd zur Verfügung gestellt 

Dr. E. Ruppin in Kiel hat während mehrerer Beobachtungsjahre fortlaufend seine Feststellungen des Salz- 
gehaltes und der Temperatm- des Wassers der Nord- und Ostsee für das Werk überlassen. 

Durch das Entgegenkommen des Lihabers des Dietrich Reimerschen Verlags, Konsul a. D. E. Vohsen in 
Berlin, ist es möglich gewesen, die im Jahre 1906 von dem Abteilungsvorsteher im Königlich preußischen meteoro- 
logischen Listitut zu Berlin, Geheimen Regierungsrat Professor Dr. G. HeUmann, herausgegebene Regenkarte im 
Einverständnis mit dem Verfasser dem Buche neben der bereits vorgesehenen geographischen Übersichtskarte 
beizugeben. 

Das Buch enthält drei Verzeichnisse der Mineralquellen und Kurorte, das erste nach Gruppen, das zweite 
nach Bundesstaaten, das dritte am Schluß des Buches nach dem Alphabet geordnet; dieses letztere Verzeichnis 
berücksichtigt auch den Nachtrag und die graphischen Darstellungen der Quellenanalysen. 

Die beschreibenden Texte der Kurorte sind in den einzelnen Gruppen alphabetisch geordnet Orte mit 
Mineralquellen, die verschiedenen Gruppen angehören, oder Seebäder und Luftkurorte, die zugleich Mineralquellen 
besitzen, sind in derjenigen Gruppe abgehandelt, der sie auf Grund ihres wesentlichsten Kurmittels angehören. 
Li dem Verzeichnis dieser Gruppe ist bei solchen Orten durch eine in Klammer gesetzte Bemerkung auf die 
anderen in Betracht kommenden Gruppen hingewiesen worden, während in den Verzeichnissen jener anderen 
Gruppen der Ort nur in Klammem aufgeführt ist. 

Die Einwohnerzahl der Orte bezieht sich — soweit dies zu erreichen war — auf die Ergebnisse der Volks- 
zählung am 1. Dezember 1905. 

Die Eisenbahnverbindungen sind nach dem Reichs-Kursbuch angegeben. 

Die Bezeichnung „Provinz- Regenkarle" bedeutet daß die zugehörigen Zahlen den von Professor Dr. Hellmann 
bearbeiteten, im Verlag von D. Reimer in Berlin erschienenen Regenkarten der einzelnen Provinzen ent- 
stammen. 

Die im Text gegebene Charakterisierung der einzelnen Mineralquellen und Zuweisung zu den einzelnen 
Gruppen entspricht den für die Einteilung der Mineralquellen aufgestellten Grundsätzen (vgl. Seite LXV). 



Für die graphischen Darstellungen der Mineralquellenanalysen mußten wegen der sehr verschiedenen Kon- 
zentration der Wässer zwei Maßstäbe gewählt werden, die durch den Farbenton unterschieden sind (vgl. Seite LXI). 

Wenn die am Schluß jeder Analyse zitierten älteren Analysen in ihren Ergebnissen von der ausführlich 
mitgeteilten wesentlich abweichen, so ist dies jedesmal besonders vermerkt worden. 

Heilanzeigen für die einzelnen Quellen und sonstigen Kurmittel sind nicht angeführt, es erschien vielmehr 
zweckmäßig, lediglich die Krankheiten namhaft zu machen, die an den Kurorten nach Angabe der Badeärzte oder 
Verwaltungen vorzugsweise zur Behandlung gelangen. Für Mineralquellen, deren Wasser nicht zu Heilzwecken 
an Ort und Stelle Verwendung findet, sondern nur versandt wird, sind daher entsprechende Angaben nicht auf- 
genommen worden. 

Die Angaben über Beseitigung der AbfaUstoffe beziehen sich, sofern anderes nicht vermerkt ist, nur auf 
die Fäkalien. 

Angaben über Apotheken finden sich nur bei kleineren Orten, bei denen das Vorhandensein einer Apotheke 
nicht ohne weiteres vorauszusetzen ist. 

Das im Auftrage des Königlich Preußischen Herrn Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten von 
dem Badeinspektor Dr. Stern in Langenschwalbach bearbeitete „Album der domänenfiskalischen Bäder und Mineral- 
brunnen im Königreich Preußen" erschien erst während des Druckes des vorliegenden Buches, so daß die darin 
enthaltenen wertvollen ausführlichen Mitteilungen und Zeichnungen von geologischen Verhältnissen und technischen 
Einrichtungen der domänenfiskalischen Bäder leider nicht mehr verwertet werden konnten. 

Die endgültige Auswahl der Mineralquellen und Kurorte für das Buch wurde in der abschließenden gemein- 
samen Beratung der Kommission im Februar 1906 getroffen und im übrigen sein Inhalt auf den Stand der 
Verhältnisse im Frühjahr 1906 gebracht. 

Möge das mit vereinten Kräften geschaffene Werk den vaterländischen Zweck erfüllen, dem zu dienen es 
bestimmt ist! 

Den 1. Dezember 1906. 

Die Herausgeber. 



Verzeichnis 

der 



Mineralquellen, Seebäder und Luftkurorte 

nach Gruppen geordnet. 



m — 



OFTME 



UNIVERSiTY 



OF 



I. Mineralquellen. 



1. Einfache kalte Quellen 

(Akratopegen): 

Abensberg 

AdeLholzen (s. auch unter „Moor- 
bäder") 
(Augustusbad) s. unter „Eisenquellen" 
Bibra 

Bukowine (s. auch unter „Moorbäder") 
Chieming (s. auch unter „Moorbäder") 
Coburger Mariannenquelle 
(Eberswalde) s. unter „Luftkurorte" 
(Flinsberg) s. unter „Eisenquellen" 
Freienwalde an der Oder (s. auch 

unter „Moorbäder") 
Jordanbad (s. auch unter „Moorbäder") 
Kainzenbad (s. auch unter „Schwefel- 
quellen" und „Moorbäder") 
KeUberg 
Kirnhalden 

Krumbad (s. auch unter „Schlamm- 
bäder") 
Lauchstädt 

(Linda) s. unter „Eisenquellen" 
Mölln in Lauenburg 
(Reipertsweiler) s. unter „Eisenquellen" 
(Ronneburg) s. unter „Eisenquellen" 
(Bad Salzbrunn) s. unter „Alkalische 

Quellen" 
(Schachen) s. unter „Luftkurort«" 
(Schandau) s. unter „Luftkurorte" 
(Soden bei Salmünster) s. unter „Koch- 
salzquellen" 
(Teinach) s. unter „Erdige Säuerlinge" 
Bad Tölz (s. auch unter „Moorbäder") 
Traunstfiin mit Wildbad Empfing 

(s. auch unter „Moorbäder") 
Wattweiler 

2. Einfache warme Quellen 

(Akratothermen) : 

Badenweiler 
Bodendorf 
Schlangenbad 

Warmbad bei Wolkenstein 
Warmbrunn (s. auch unter „Moor- 
bäder") 
Wiesenbad 
Wildbad 
Wildbad Trarbach und Wildstein 



3. Einfache Säuerlinge: 

Bad Brückenau (s. auch unter „Moor- 
bäder") 

Charlottenbrunn 

Ditzenbach 

(Flinsberg) s. unter „Eisenquellen" 

(Göppingen) s. unter „Erdige Säuer- 
linge" 

(König Otto -Bad [Wiesau]) s. unter 
„Eisenquellen" 

(Langenau in Schlesien) s. unter „Eisen- 
quellen" 

(Niedemau) s. unter „Erdige Säuer- 
linge" 

(Reinerz) s. unter „Eisenquellen" 

Sinzig (s. auch unter „Erdige Säuer- 
linge") 

4. Erdige Säuerlinge: 

(Alt -Heide) s. unter „Eisenquellen" 

Altreichenau 

Bellthal 

Biskirchen 

(Driburg) s. unter „Eisenquellen" 

Geismar bei Fritzlar 

Göppingen (s. auch unter „Einfache 
Säuerlinge" und „Alkalische Quel- 
len") 

Großkarben 

Imnau (s. auch unter „Eisenquellen") 

(Langenschwalbach) s. unter „Eisen- 
quellen" 

Malmedy (s. auch unter „Eisen- 
quellen") 

(Bad -Nauheim) s. unter „Kochsalz- 
quellen" 

Niedemau (s. auch unter „Einfache 
Säuerlinge" und „Eisenquellen") 

Obershausen 

Probbach 

(Pyrmont) s. unter „Eisenquellen" 

Rehburg 

(Reinerz) s. unter „Eisenquellen" 

Reinhardshausen 

Römerbrunnen bei EchzeU 

Schwalheim 

Selters bei Weilburg 

(Sinzig) s. unter „Einfache Säuerlinge" 

Teinach (s. auch unter „Einfache 
kalte Quellen") 



Tönnisstein (s. auch unter „Alkalische 
Quellen" und „Moorbäder") 

Überklugen 

(Vilbel) s. unter „Eisenquellen" 

Wildungen (s. auch unter „Eisen-' 
quellen") 

Zollhaus (Johannisbrunnen) 

5. Alkalische Quellen: 

Apollinarisbrunnen 

Arienheller Sprudel 

Bertrich 

Birresbom 

Daun 

Ems (s. auch unter „Eisenquellen") 

Fachingen 

Geilnau 

Gerolstein 

Godesberg 

(Göppingen) s. unter „Erdige Säuer- 
linge" 

Honnef 

Hönningen 

Namedy 

Neuenahr 

Niederselters 

Oberlahnstein 

Oberselters 

Offenbach am Main 

Rhens am Rhein 

Roisdorf 

Bad Salzbrunn (s. auch unter „Ein- 
fache kalte Quellen") 

Salzig 

Sulzbach in Baden 

Sulzmatt 

(Tönnisstein) s. unter „Erdige Säuer- 
linge" 

(Weilbach) s. unter „Schwefelquellen" 

6. Kochsalzquellen: 

(Aachen) s. unter „Schwefelquellen" 

Alstaden 

Arnstadt 

Artern 

AJJmannshausen 

Badbron n - Kestenholz 

Baden (Baden-Baden) 

Bentlage 



— IV 



(Berchtesgaden) 8. unter „Luftkur- 
orte" 

Berg 

(Berg- Die veno w) s. unter „Ostsee- 
bäder" 

Berlin (Admiralsgartenbad) 

Bernburg 

(Bodenwerder - Kemnade) s. unter 
„Luftkurorte" 

Bramstedt 

Cammin (s. auch unter „Moorbäder") 

Cannstatt 

Carlshafen 

Crefelder Sprudel 

Bad Dürkheim 

Dürrenberg 

Dürrheim 

Eickel-Wanne 

(Eisenach) s. unter „Luftkurorte" 

Ebnen 

Bad Essen 

Frankenhausen 

Grandersheim 

Gebolsheim 

Greinhausen 

GoczaJkowitz 

Grreif swald (s. auch unter „Moorbäder") 

Hall (Schwäbisch Hall) 

Bad Hamm 

Bad Harzburg 

Heilbrunn (s. auch unter „Moorbäder") 

(Heringsdorf) s. unter „Ostseebäder" 

Hermsdorf in der Mark 

Hohensalza 

Homburg vor der Höhe (s. auch unter 
„Eisenquellen" und „Moorbäder") 

Jagstfeid 

Inselbad bei Paderborn (s. auch unter 
„Moorbäder") 

Kiedrich 

Bad Kissingen (s. auch unter „Moor- 
bäder") 

(Kolberg) s. unter „Ostseebäder" 

Königsbom bei Unna 

Königsdorf-Jastrzemb (s. auch unter 
„Moorbäder") 

Bad Kosen 

(Köstritz) 8. imter „Sandbäder" 

Kxeuznach 

Blronthal am Taimua 

LiebenzeU 

Louisenhall 

Bad Münster am Stein 



Bad -Nauheim (s. auch unter „Erdige 
Säuerlinge") 

(Bad Nenndorf) s. unter „Schwefel- 
quellen" 

Neuhaus bei Neustadt an der Saale (s. 
auch unter „Moorbäder") 

Niederbronn 

Niederkontz 

ölheim 

Oeynhausen 

Oldesloe (s. auch unter „Schwefel- 
quellen" und „Moorbäder") 

Orb 

(Ost -Die veno w) s. unter „Ostseebäder" 

Flaue in Thüringen 

(Pyrmont) s. unter „Eisenquellen" 

Rappenau 

Bad Beichenhall 

Rilchingen 

Rosbacher Brunnen 

Bad Rothenfelde 

Rothenfels in Baden 

Säckingen 

Salzderhelden 

Sakdetfurth 

Salzgitter 

Bad Salzhausen (s. auch unter „Eisen- 
quellen" und „Schwefelquellen") 

Salzhemm endorf 

Salzschlirf (s. auch unter „Schwefel- 
quellen" und „Moorbäder") 

Salzuflen 

Salzungen (s. auch unter „Moorbäder") 

Sassendorf 

Schmalkalden (s. auch unter „Moor- 
bäder") 

Schöningen 

Schwartau (s. auch imter „Moorbäder") 

Seeg 

Segeberg (s. auch unter „Moorbäder") 

Soden am Taunus 

Soden bei Salmünster (s. auch unter 
„Einfache kalte Quellen") 

Sodenthal 

Sooden an der Werra 

Suderode 

SuU 

Sulz am Neckar 

Suiza 

Sulzbad 

Sulzbrunn 

Sülze (s. auch unter „Moorbäder") 

(Swinemünde) s. unter „Ostseebäder" 



(Thale am Harz) s. unter „Luftkur- 
orte" 

Werl 

Westernkotten 

Wiesbaden 

Wilhelmsglücksbrunu bei Creuzburg 
an der Werra 

Wimpfen 

Wittekind 

Bad ZoUem 

7. Bitterquellen: 

BoU in Baden 

Bünde 

(Driburg) s. unter „Eisenquellen" 

Eyachsprudel 

FriedrichshaU 

Grenzach 

Hersfeld 

Hüsede 

Lippspringe 

Mergentheim 

Rappoltsweiler 

Windsheim 

(Wipfeld) 8. unter „Schwefelquellen" 

8. EiseuqueUen: 

Alexandersbad (s. auch unter „Moor- 
bäder") 

Alexisbad (s. auch unter „Moorbäder") 

Alt- Heide (s. auch unter „Erdige 
Säuerlinge" und „Moorbäder") 

Antogast 

Augustusbad (s. auch imter „Einfache 
kalte Quellen" und „Moorbäder") 

Berggießhübel 

Bocklet (s. auch unter „Schwefel- 
quellen" und „Moorbäder") 

Doberan (s. auch unter „Moorbäder") 

Driburg (s. auch unter „Bitterquellen", 
„Erdige Säuerlinge" und „Moor- 
bäder") 

Bad Elster (s. auch unter „Moor- 
bäder") 

(Ems) 8. unter „Alkalische Quellen" 

Flinsberg (s. auch unter „Einfache 
kalte Quellen", „Einfache Säuer- 
linge" imd „Moorbäder") 

FVeiersbach 

Goldberg 

Gottleuba (s. auch unter „Moorbäder") 

Griesbach (s. auch unter „Moorbäder") 



— V 



Herrn sdorf an der Katzbach (s. auch 
unter „Moorbäder") 

Höllensprudel 

(Homburg vor der Höhe) s. unter 
„KochsalzqueUen" 

(Imnau) s. unter „Erdige Säuerlinge" 

Kohlgrub (s. auch unter „Moorbäder") 

König Otto -Bad (Wiesau) (s. auch 
unter „Einfache Säuerlinge" und 
„Moorbäder") 

Kudowa (s. auch unter „Moorbäder") 

Lamscheider Stahlbrunnen 

Langenau in Oberfranken 

Langenau in Schlesien (s. auch unter 
„Einfache Säuerlinge" und „Moor- 
bäder") 

Langenschwalbach (s. auch unter 
„Erdige Säuerlinge" und „Moor- 
bäder") 

Lausigk (s. auch unter „Moorbäder") 

Liebenstein 

Linda (s. auch unter „Einfache kalte 
Quellen" und „Moorbäder") 

Lobenstein (s. auch unter „Moor- 
bäder") 

(Malmedy) s. unter „Erdige Säuerlinge" 

Marienborn (s. auch unter „Moor- 
bäder") 

(Mumau) s. unter „Luftkurorte" 

Muskau (s. auch unter „Moorbäder") 

Naumburg am Bober (s. auch unter 
„Schwefelquellen") 

(Niedernau) s. unter „Erdige Säuer- 
linge" 

Oppelsdorf (s. auch unter „Moorbäder") 

Petersthal 

Polzin (s. auch unter „Moorbäder") 

Pyrmont (s. auch unter „Erdige 
Säuerlinge", „Kochsalzquellen" und 
„Moorbäder") 

Reinerz (s. auch unter „Einfache 
Säuerlinge", „Erdige Säuerlinge" 
und „Moorbäder") 

Reipertsweiler (s. auch unter „Ein- 
fache kalte Quellen") 

Rippoldsau 

Ronneburg (s. auch unter „Einfache 
kalte Quellen") 

(Bad Salzhausen) s. unter „Kochsalz- 
quellen" 

Schwarzbach (s. auch unter „Moor- 
bäder") 

Stehen (s. auch unter „Moorbäder") 



Tharandt (s. auch unter „Moorbäder") 

Überlingen 

Vilbel (s. auch unter „Erdige Säuer- 
linge") 

(Wildungen) s. unter „Erdige Säuer- 
linge" 

9. Schwefelquellen: 

Aachen (s. auch unter „Kochsalz- 
quellen") 

Abbach 

Bentheim (s. auch unter „Schlamm- 
bäder") 

(Bocklet) s. unter „Eisenquellen" 

BoU in Württemberg 

Dützen 

Elisen (s. auch unter „Schlammbäder") 

Faulenbach 

Fiestel (s. auch unter „Schlammbäder") 

Gauting 

Gögging (s. auch unter „Moorbäder") 

Grünthal 

(Haßfurt) s. unter „Luftkurorte" 

Höhenstadt (s. auch unter „Moor- 
bäder") 

(Kainzenbad) s. unter „Einfache 
kalte Quellen" 

(Wildbad Kreuth) s. unter „Luftkur- 
orte" 

Landeck (s. auch unter „Moorbäder") 

Langenbrücken 

Langensalza 

Ledde 

Limmer 

Nammen (s. auch unter „Schlamm- 
bäder") 

(Naumburg am Bober) s. unter „Eisen- 
quellen" 

Bad Nenndorf (s. auch unter „Koch- 
salzquellen" imd „Schlammbäder") 

(Oldesloe) s. unter „KochsalzqueUen" 

Rothenburg ob der Tauber 

(Bad Salzhausen) s. unter „Kochsalz- 
queUen" 

(SalzschUrf) s. unter „Kochsalz- 
queUen" 

SebastiansweUer 

Sulz am Peißenberg 

Tennstedt 

Tiefenbach 

Weilbach (s. auch unter „Alkalische 
Quellen") 



Wemding 

Wipfeld (s. auch unter „BitterqueUen" 
und „Schlammbäder") 

Anhang: Moor-, Schlamm- 
und Sandbäder. 

a) Moorbäder: 

(Adelholzen) s. unter „Einfache kalte 

Quellen" 
Bad Aibling 

(Alexandersbad) s. unter „Eisen- 
quellen" 
(Alexisbad) s. unter „EisenqueUen" 
(Alt -Heide) s. unter „EisenqueUen" 
(Augustusbad) s. unter „Eisenquellen" 
(Berg-Dievenow) s. unter „Ostseebäder" 
(Berka an der lim) s. unter „Luft- 
kurorte" 
(Bocklet) s. unter „EisenqueUen" 
(Braunlage) s. unter „Luftkurorte" 
(Bad Brückenau) s. unter „Einfache 

Säuerlinge" 
(Bukowine) s. unter „Einfache kalte 

Quellen" 
(Cammin) s. unter „KochsalzqueUen" 
(Chieming) s. unter „Einfache kalte 

Quellen« 
(Cranz) s. unter „Ostseebäder" 
(Doberan) s. unter „EisenqueUen" 
(Driburg) s. unter „EisenqueUen" 
(Eberswalde) s. unter „Luftkurorte" 
(Bad Elster) s. unter „EisenqueUen" 
(Flinsberg) s. unter „Eisenquellen" 
(Freienwalde an der Oder) s. unter 

„Einfache kalte QueUen" 
(Gersfeld) s. unter „Luftkurorte" 
(Gögging) s. unter „SchwefelqueUen" 
(Gottleuba) s. unter „EisenqueUen" 
(Greifswald) s. unter „Kochsalz- 
queUen" 
(Griesbach) s. unter „Eisenquellen" 
(Haßfurt) s. unter „Luftkurorte" 
(Heilbrunn) s. unter „KochsalzqueUen" 
(Heringsdorf) s. unter „Ostseebäder" 
(Hermsdorf an der Katzbach) s. unter 

„EisenqueUen" 
(Höhenstadt) s. unter „Schwefel- 
queUen" 
(Hombiu-g vor der Höhe) s. unter 

„KochsalzqueUen" 
(Inselbad bei Paderborn) s. unter 
„KochsalzqueUen" 



VI — 



(Jordanbad) 8. unter „Einfache kalte 
Quellen" 

(Kainzenbad) s. unter „Einfache kalte 
Quellen" 

(Bad Kissingen) s. unter „Kochsalz- 
quellen" 

(Kohlgrub) s. unter „Eisenquellen" 

(Kolberg) s. unter „Ostseebäder" 

(König Otto-Bad [Wiesau]) s. unter 
„Eisenquellen" 

(Königsdorf- Jastrzemb) s. unter 
„KochsalzqueUen" 

(Kudowa) 8. unter „Eisenquellen" 

(Landeck) s. unter „Schwefelquellen" 

(Langenau in Schlesien) s. unter 
„Eisenquellen" 

(Langenschwalbach) s. unter „Eisen- 
quellen" 

(Lausigk) s. unter „Eisenquellen" 

Liebenwerda 

(Linda) s. unter „Eisenquellen" 

(Lobenstein) s. unter „Eisenquellen" 

Luckau 

(Marienborn) s. unter „Eisenquellen" 

Meiuberg 



(Misdroy) s. xmter „Ostseebäder" 
(Mumau) s. unter „Luftkurorte" 
(Muskau) s. unter „Eisenquellen" 
(Neuhaus bei Neustadt an der Saale) 

8. unter „KochsalzqueUen" 
(Oldesloe) s. unter „Kochsalzquellen" 
(Oppelsdorf) s. unter „Eisenquellen" 
(Ost - Dievenow) s. unter „Ostsee- 
bäder" 
(Polzin) 8. unter „Eisenquellen" 
(Pyrmont) s. unter „Eisenquellen" 
(Reinerz) s. unter „Eisenquellen" 
(Salzschlirf ) s. unter „KochsalzqueUen" 
(Salzungen) 8. unter „KochsalzqueUen" 
(Schmalkalden) s. unter „Kochsalz- 
queUen" 
Schmiedeberg in der Provinz Sachsen 
(Schwartau) s. unter „KochsalzqueUen" 
(Schwarzbach) s. unter „Eisenquellen" 
(Segeberg) s. unter „KochsalzqueUen" 
(Stehen) 8. unter „Eisenquellen" 
(Sülze) s. unter „KochsalzqueUen" 
(Tharandt) s. unter „EisenqueUen" 
(Bad Tölz) s. unter „Einfache kalte 
QueUen" 



(Tönnisstein) s. unter „Erdige Säuer- 
linge" 
(Traunstein mit Wildbad Empfing) 
s. unter „Einfache kalte Quellen" 
(Warmbrunn) s. unter „Einfache warme 

QueUen" 
(Wcsterplatte) s. unter „Ostseebäder" 
(Zinnowitz) s. unter „Ostseebäder" 
(Zoppot) s. unter „Ostseebäder" 

b) Schlammbäder: 

(Bentheim) s. unter „Schwefelquellen" 
(Eilsen) s. unter „Schwefelquellen" 
(Fiestel) s. unter „SchwefelqueUcn" 
(Krumbad) s. unter „Einfache kalte 

QueUen" 
(Nammen) s. unter „SchwefelqucUen" 
(Bad Nenndorf) s. unter „Schwefel- 
qucUen" 
(Wipfcld) s. unter „SchwefelqucUen" 

c) Sandbäder: 

Köstritz (s. auch unter „Kochsalz- 
queUen ") 



II. Seebäder. 



Amruin mit ■ 



A, Nordseebäder: 

Altenbruch 

iWittdün (mitSatteldüne) 
Norddorf 
Baltrum 
Borkum 
Bü8um 
Cuxhaven 
Dangast 
Döse 
Duhnen 
Eckwarden 
Helgoland 
Juist 
Lakolk 
Langeoog 
Nordemey 

St. Peter mit Ording 
Spiekeroog 

Westerland 

Wenningstedt 

Kampen 

Keitum 



Sylt mit 



Wangerooge 
Wilhelmshaven 
Wyk auf Föhr 



B, Ostseebäder: 

Aarösund 
Ahlbeck 
Ahrenshoop 
Alt-Gaarz 
Alt -Heikendorf 
Apenrade 
Arendsee 
Augustenburg 
Baabe 

Seebad Bansin 
Bauerhufen 

Berg -Dievenow (s. auch imter „Koch- 
salzqueUen" und „Moorbäder") 
Binz 

Boltenhagen 
Borby - Eckernförde 
Breege 



Brösen 

Brunshaupten 
Carlshagen 

Cranz (s. auch unter „Moorbäder") 
Dahme 
Deep 
Devin 
Dierhagen 
Georgenswalde 
Glowe 
Glücksburg 
Göhren 
Graal 

Graven stein 
Groß-MöUen 
Haffkrug 
Heidebrink 
Heiligendamm 
Heiligenhafen 
Heia 

Henkenhagen 

Heringsdorf (s. auch unter „Koch- 
salzqueUen" und „Moorbäder") 



vn 



Heubude 
Horst 

Jershöft 
Kahlberg 

Kappeln - Schleimünde 
Kloster 

Kolberg (s. auch unter „Kochsalz- 
quellen" und „Moorbäder") 
Kolberger Deep 
Koserow 
Labö 

Lauterbach bei Putbus 
Leba 
Lohme 
Lubmin 
Memel 

Misdroy (s. auch unter „Moorbäder") 
Müritz 



Nest 

Neuendorf 
Neuhäuser 
Neukamp 
Neukuhren 
Niendorf 

Ost-Dievenow (s. auch unter „Koch- 
salzquellen" und „Moorbäder") 
Ostemothhafen 
Prerow 
Putzig 
Rauschen 
Rewahl 

Rügenwaldermünde 
Saßnitz 
Scharbeutz 
Schönberg 
Schwarzort 



Sellin 

Sorenbobm 

Steinberghaff 

Stolpmünde 

Swinemünde (s. auch unter „Koch- 
salzquellen") 

Thießow 

Timmendorfer Strand 

Travemünde 

Vilm 

Vitte 

Warnemünde 

Westerplatte (s. auch unter „Moor- 
bäder") 

Wustrow 

Zingst 

Zinnowitz (s. auch unter „Moorbäder") 

Zoppot (s. auch unter „Moorbäder") 



Altenau 

Altweier 

Auerbach in Hessen 

Augustusburg im Erzgebirge 

Ballenstedt 

Berchtesgaden (s. auch unter „Koch- 
salzquellen") 

Bergzabern 

Berka an der Um (s. auch unter 
„Moorbäder") 

Bemeck 

Blankenburg im Schwarzatal 

Blankenhain 

Bodenwerder-Kemnade (s. auch unter 
„Kochsalzquellen") 

Bollendorf 

Boppard 

Braun f eis 

Braunlage (s. auch unter „Moor- 
bäder") 

Buckow 

Bühlau 

Carthaus 

Deggendorf 

Donaueschingen 

Drei Ähren 

Eberswaldo (s. auch unter „Einfache 
kalte Quellen" und „Moorbäder") 

Eisenach (s. auch unter „Kochsalz- 
quellen") 

Eisenstein 



III. Luftkurorte. 

Elend 

Elgersburg 

Falkenstein 

Frauensee 

Freiburg im Breisgau 

Freudenstadt 

Friedrichroda 

Friedrichshafen 

Füssen 

Garmisch 

Georgenthal 

Gernrode 

Gersfeld (s. auch unter „Moor- 
bäder") 

Gohrisch 

Görbersdorf 

Goslar 

Grund 

Hartha 

Haßfurt (s. auch unter „Schwefel- 
quellen") 

Heidelberg 

Heiligenberg 

Hermsdorf am Kynast nebst Giers- 
dorf, Saalberg und Hain 

Herrenalb 

Herrenwies 

Hindelang 

Höchenschwand 

Hohegeiß 

Hohenschwangau 



Hohwald 

Hornberg 

Jannowitz im Riesengebirge 

Ilmenau 

Ilsenburg 

Immen Stadt 

Jonsdorf 

Jugenheim an der Bergstraße 

Kipsdorf 

Klosterlausnitz 

Klotzsche -Königswald 

Königsfeld 

Konstanz 

Wildbad Kreuth (s. auch unter 

„Schwefelquellen") 
Krummhübel 
KyUburg 
Langebrück 

Lauterbach im Schwarzwald 
Lauterberg im Harz 
Lindenfels 
Linz am Rhein 
Loschwitz 

Malente - Gremsmühlen 
Mittenwald 

Münden in Hannover 
Murnau (s. auch unter „Eisenquellen" 

und „Moorbäder") 
Nideggen 
Oberhof 
Obernigk 



— vni 



Oberstaufen 

Oberstdorf 

Olsberg 

Oybin mit Hain 

Partenkirchen 

Plön 

Prien 

Batzeburg 

Roda 

Rosenthal 

Bad Sachsa 

Sand nebst Plättig, Hundseck und 

Wiedenf eisen 
St. Andreasberg 



St. Blasien 

Schachen (s. auch unter „Einfache 

kalte Quellen") 
Schandau (s. auch unter „Einfache 

kalte Quellen") 
Schierke 
Schliersee 
Schreiberhau 
Stamberg 
Stolberg am Harz 
Tabarz 
Tambach 
Tegernsee 



Thal 

Thale am Harz (s. auch unter „Koch- 
salzquellen") 
Todtmoos 
Triberg 
Tutzing 
WeUen 
Weißer Hirsch 
Wernigerode 
Wildemann 
Wilhelmshöhe 
Wölfeisgrund 
Zellerfeld 



Verzeichnis 

der 



Mineralquellen, Seebäder und Luftkurorte 

nach Bundesstaaten geordnet. 



XI 



I 


PrenRen. 






Homburg vor der Höhe 


Salzgitter 


St. Peter mit Ording 


Mineralquellen. 


Honnef 


Salzhemmendorf 


Spiekeroog 


Aachen 


Hönningen 


Salzig 


Wenningstedt 


Alstaden 


Hüsede 


Salzschlirf 


Westerland 


Alt-Heide 


Imnau 


Sassendorf 


Wilhelmshaven 


Altreichenau 


Inselbad bei Paderborn 


Schlangenbad 


Wittdün (mit Satteldüne) 


ApoUinarisbrunnen 


Kiedrich 


Schmalkalden 


Wyk auf Föhr 


Arienheller Spradel 


Königsbom bei Unna 


Schwarzbach 




Artern 


Königsdorf -Jas trzemb 


Segeberg 


b) Ostseebäder. 


Aßmannshausen 


Bad Kosen 


Selters bei Weilburg 


Aarösund 


BeUthal 


Kreuznach 


Sinzig 


Ahlbeck 


Bentheim 


Kronthal am Taunus 


Soden am Taunus 


Ahrenshoop 


Bentlage 


Kudowa 


Soden bei Salmünster 


Alt-Heikendorf 


Berlin (Admiralsgartenbad) 


Lamscheider Stahlbrunnen 


Sooden an der Werra 


Apenrade 


Bertrich 


Landeck 


Suderode 


Augustenburg 


Bibra 


Langenau in Schlesien 


Suhl 


Baabe 


Birresborn 


Langensalza 


Tennstedt 


Seebad Bansin 


Biskirchen 


Langenschwalbach 


Tönnisstein 


Bauerhufen 


Bodendorf 


Lauchstädt 


Warmbninn 


Berg-Dievenow 


Bramstedt 


Ledde 


Weilbach 


Binz 


Bukowine 


Limmer 


Werl 


Borby-Eckernförde 


Bünde 


Lippspringe 


Westemkotten 


Breege 


Cammin 


Malmedy 


Wiesbaden 


Brösen 


Carlshafen 


Mölln in Lauenburg 


Wildbad Trarbach und 


Carlshagen 


Charlottenbrunn 


Bad Münster am Stein 


Wildstein 


Cranz 


Crefelder Sprudel 


Muskau 


Wittekind 


Dahme 


Daun 


Namedy 


Bad Zollern 


Deep 


Driburg 


Nammen 


Zollhaus (Johannisbrunnen) 


Devin 


Dürrenberg 


Naumburg am Bober 




Georgenswalde 


Dützen 


Bad Nenndorf 


Moorbäder. 


Glowe 


Eickel-Wanne 


Neuenahr 


Liebenwerda 


Glücksburg 


Ebnen 


Niederselters 


Tiiiokan 


Göhren 


Ems 


Oberlahnstein 


^J \X\jO-Oi\JL 

Schmiedeberg in der Provinz 


Gravenstein 


Bad Essen 


Oberselters 




Groß-MöUen 


Fachingen 


Obershausen 


VJ Oi\j11.id dJ. 


Heidebrink 


Fiestel 


ölheim 




Heiligenhafen 


Flinsberg 


Oeynhausen 


Seebäder. 


Heia 


Freiemvalde an der Oder 


Oldesloe 


a) Nordseebäder. 


Henkenhagen 


Geilnau 


Orb 


Altenbruch 


Heringsdorf 


Geismar bei Fritzlar 


Polzin 


Baltrum 


Heubude 


Gelnhausen 


Probbach 


Borkum 


Horst 


Gerolstein 


ßehburg 


Büsum 


Jersböft 


Goczalkowitz 


Reinerz 


Helgoland 


Kahlberg 


Godesberg 


Rhens am Rhein 


Juist 


Kappeln-Schleimünde 


Greifswald 


Rilchingen 


Kampen 


Kloster 


Bad Hamm 


Roisdorf 


Keitum 


Kolberg 


Hermsdorf an der Katzbach 


Bad Rothenfelde 


Lakolk 


Kolberger Deep 


Hermsdorf in der Mark 


Bad Salzbrunn 


Langeoog 


Koserow 


Hersfeld 


Salzderhelden 


Norddorf 


Labö 


Hohensalza 


Salzdetfurth 


Nordemey 


Lauterbach bei Putbus 



xn 



Leba 


Schwarzort 


Lohme 


Sellin 


Lubmin 


Sorenbohtn 


Memel 


Steinberghaff 


Misdroy 


Stolpmünde 


Nest 


Swinemünde 


Neuendorf 


Thießow 


Neuhäuser 


Vüm 


Neukamp 


Vitte 


Neukuhren 


"Westerplatte 


Ost-Dievenow 


Zingst 


Osternothhafen 


Zinnowitz 


Prerow 


Zoppot 


Putzig 




Rauschen 




"Rewflhl 






Luftkurorte. 


Rügenwaldermünde 




Saßnitz 


Altenau 


Schönberg 


Bodenwerder-Kemnade 



Bollendorf 

Boppard 

Braunfels 

Buckow 

Carthaus 

Eberswalde 

Elend 

Gersfeld 

Görbersdorf 

Goslar 

Grund 

Hermsdorf am Kynast nebst 

Giersdorf, Saalberg und 

Hain 
Jannowitz im Riesengebirge 
Ilsenburg 
Krummhübel 
Kyllburg 
Lauterberg im Harz 



Linz am Rhein 

Münden in Hannover 

Nideggen 

Obernigk 

Olsberg 

Plön 

Ratzeburg 

Bad Sachsa 

St. Ajidreasberg 

Schierke 

Schreiberhau 

Stolberg am Harz 

Thale am Harz 

Wernigerode 

Wildemann 

Wilhelmshöhe 

Wölfeisgrund 

ZeUerfeld 



Bayern. 



Mineralquellen. 

Äbbach 

Abensberg 

Adelholzen 

Alexandersbad 

Bocklet 

Bad Brückenau 

Chieming 

Bad Dürkheim 

Faulenbach 

Gauting 

Gögging 

Heilbrunn 

Höhenstadt 

Höllensprudel 

Kainzenbad 



KeUberg 

Bad Kissingen 

Kohlgrub 

König Otto-Bad (Wiesau) 

Krumbad 

Langenau in Oberfranken 

Neuhaus bei Neustadt an 

der Saale 
Bad ReichenhaU 
Rothenburg ob der Tauber 
Seeg 

Sodenthal 
Stehen 

Sulz am Peißenberg 
Sulzbrunn 
Tiefenbach 
Bad Tölz 



Traunstein mit Wildbad 

Empfing 
Wemding 
Windsheim 
Wipfeld 

Moorbäder. 
Bad Aibling 

Luftkurorte. 

Berchtesgaden 

Bergzabern 

Bemeck 

Deggendorf 

Eisenstein 

Falkenstein 

Füssen 



Garmisch 

Haßfurt 

Hindelang 

Hohenschwangau 

Immenstadt 

Wildbad Kreuth 

Mitten wald 

Murnau 

Oberstaufen 

Oberstdorf 

Partenkirchen 

Prien 

Schachen 

Schliersee 

Stamberg 

Tegemsee 

Tutzing 



Königreich Sachsen. 



Mineralquellen. 

Augustusbad 

Berggießhübel 

Bad Elster 

Gottleuba 

Grünthal 

Lausigk 



Linda 

Marienbom 

Oppelsdorf 

Tharandt 

Warmbad bei 

Wiesenbad 



Luftkurorte. 

Augustusburg im Erzgebirge 
Bühlau 
Wolkenstein Grohrisch 
Hartha 
Jonsdorf 
Kipsdorf 



Klotzsche-Königswald 

Langebrück 

Loschwitz 

Oybin mit Hain 

Rosen thal 

Schandau 

Wehlen 

Weißer Hirsch 



— xin 





Württemberg. 




Mineralquellen. 


Göppingen Niedernau 


Luftkurorte. 


Berg 


Hall (Schwäbisch Hall) Sebastiansweiler 


Freudenstadt 


BoU 


Jagstfeid Sulz am Neckar 


Friedrichshafen 


Cannstatt 


Jordanbad Teinach 


Herrenalb 


Ditzenbach 


Liebenzell Überkingen 


Lauterbach im Schwarzwald 


Eyachsprudel 


Mergentheim Wildbad 

Baden. 




Mineralquellen. 


KJrnhalden Luftkurorte. 


Konstanz 


Antogast 


Langenbrücken Donaueschingen 


Sand nebst Plättig, Hunds- 


Baden 


Petersthal Freiburg im Breisgau 


eck und Wiedenfelsen 


Badenweiler 


Rappenau Heidelberg 


St. Blasien 


BoU 


Rippoldsau Heiligenberg 


Todtmoos 


Dürrheim 
Freiersbach 


Rothenfels Herrenwies 
Säckingen Höchenschwand 


Triberg 


Grenzach 


Sulzbach Homberg 




Griesbach 


Überlingen Königsfeld 

Hessen. 




Mineralquellen. 


Römerbrunnen bei Echzell Vilbel 


Luftkurorte. 


Großkarben 


Rosbacher Brunnen Wimpfen 


Auerbach 


Bad-Nauheim 


Bad Salzhausen 


Jugenheim an der Bergstraße 


Offenbach am Main 


Schwalheim 

Mecklenburg - Schwerin . 


Lindenfels 


Mi n eralquellen. 


Ostseebäder. Brunshaupten 


Müritz 


Doberan 


Alt-Gaarz Dierhagen 


Warnemünde 


Goldberg 


Arendsee Graal 


Wustrow 


Sülze 


Boltenhagen Heiligendamm 

Großherzogtnm Sachsen. 




Mineralquellen. 


Wilhelmsglücksbrunn bei Luftkurorte. 


Eisenach 


Louisenhall 


Creuzburg an der Werra Berka an der lim 


Frauensee 


Suka 


Blankenhain 

Oldenburg. 


Ilmenau 


Mineralquellen. 


Seebäder. b) Ostseebäder. 


Luftkurorte. 


Schwartau 


a) Nordseebäder. Haffkrug 


Malente-Gremsmühlen 



Dangast Niendorf 

Eckwarden Scharbeutz 

Wangerooge Timmendorfer Strand 



Braunschweig. 



Min eralquellen. 
Gandersheim 
Bad Harzburg 
Schöningen 



Luftkurorte. 
Braunlage 
Hohegeiß 



— xrv — 
Sachsen - Meiningen. 

Mineralquellen. 

Friedrichshall 

Liebenstein 

Salzungen 

Sachsen - Altenburg. 

Mineralquellen. Luftkurorte. 

Ronneburg Klosterlausnitz 

Roda 



Sachsen - Coburg - Gotha. 

Mineralquellen. Luftkurorte. Georgenthal Tambach 

Coburger Mariannenquelle Elgersburg Oberhof Thal 

Friedrichroda Tabarz 



Anhalt. 

Mineralquellen. Luftkurorte. 

Alexisbad Ballenstedt 

Bemburg Gemrode 



Schwarzburg- Sondershausen. 

Mineralquellen. 
Arnstadt 
Flaue 



Schwarzbui^- Rudolstadt. 

Mineralquellen. Luftkurorte. 

Frankenhausen Blankenburg im Schwarzatal 

Waldeck. 

Mineralquellen. 
Pyrmont 
Rei nhardshausen 
Wildungen 

Reuß j. L, 

Mineralquellen. Sandbäder. 

Lobenstein Köstritz 



Schaumburg - Lippe. 

Mineralquellen. 
Eilsen 



— XV — 

Lippe. 

Mineralquelleii. Moorbäder. 

Salzuflen Meinberg 



Lübeck. 

Ostseebäder. 
Travemünde 



Hamburg. 

Nordseebäder. 
Cuxhaven 
Döse 
Duhnen 



Elsaß - Lothringen. 



Mineralquellen. 


Niederkontz 


Sulzmatt 


Luftkurorte, 


Badbronn-Kestenholz 


Rappoltsweiler 


Wattweiler 


Altweier 


Gebolsheim 


Reipertsweiler 




Drei Ähren 


Niederbronn 


Sulzbad 




Hohwald 



Einleitung. 



ff OF THE 

( UNiVERSITY 

\ OF 

— xrx — 

^ 1. Geologischer Teil. 

Von Dr. K. Keilhack, 

Königl. Preußischer Landesgeologe, Professor an der Königl. Bergakademie in Berlin. 

An zahlreichen Stellen entspringen dem vaterländischen Boden entweder aus natürlichen Öffnungen oder aus 
Schächten, StoUen und Bohrlöchern Quellen, die teils durch ihre mineralischen oder gasförmigen Beimengungen, 
teUs durch ihre erhöhte Temperatur oder durch beides den Charakter von Heilquellen besitzen. Wir begegnen ihnen 
sowohl in den ausgedehnten Flachländern des nördlichen und östlichen Deutschlands als auch im mitteldeutschen 
HügeUande, in den Mittelgebirgen und den deutschen Alpen. Sie brechen hervor aus Gesteinen aUer Formationen, 
von den jüngsten Quartärbildungen bis zu den ältesten Gesteinen unserer Erdrinde, und sie finden sich in gleicher 
Weise an Sedimente wie an Eruptivgesteine geknüpft. Aber bei genauerer Betrachtung der geographischen Ver- 
breitung ergeben sich alsbald gewisse Gesetzmäßigkeiten sowohl rücksichtlich der Häufigkeit als auch in der chemi- 
schen Zusammensetzung und der Temperatur. Sparsam nur begegnen sie uns in den von ausgedehnten Glacialschutt- 
ablagerungen erfüllten Gebieten Norddeutschlands. In auffälliger Häufung dagegen sehen wir sie an solchen 
Stellen unseres Vaterlandes, wo entweder in verhältnismäßig wenig weit zurückliegenden Zeiten vulkanische Kräfte 
ihr Spiel trieben, oder wo größere Bruchlinien die Ränder imserer Gebirge begrenzen. Während der Mineralgehalt 
der im norddeutschen Flachlande sich findenden Mineralquellen im wesentlichen auf Calcium-, Magnesium- und 
Eisen-Hydrokarbonat sowie auf Alkalichloride sich beschränkt, finden wir wieder andere Gegenden reich ausgestattet 
mit Quellen, in denen Kohlensäure und Karbonate, Sulfide oder Sulfate die wesentlichste RoUe spielen. 

Vom geologischen Standpunkte aus ergeben sich für eine Betrachtung der Mineralquellen hauptsächlich fünf 
Gesichtspunkte, nämlich 

I. die Herkxmft des Wassers, 

II. die Herkunft der in ihm in Lösung enthaltenen festen und gasförmigen Bestandteile, 
HI. die Ursachen seiner Temperatur, 
IV. die Ursachen seines Zutagetretens, 
V. das gegenseitige Verhalten von Mineral- und Grundwasser. 

I. Die Herkunft des Wassers. 

Ein sehr großer Teil der Mineralquellen verdankt sein Wasser demjenigen Teile des flüssigen Elementes, 
welcher in dem bekannten luralten Kreislaufe zwischen der Atmosphäre und der Erdoberfläche oder dem oberen 
Teile der Erdfeste sich befindet. Diese Wässer dringen bis zu größerer oder geringerer Tiefe in den Boden und 
erzeugen in der Hauptsache die Wassermenge, die wir als Grundwasser bezeichnen; sie liefern auschließlich das im 
menschlichen Haushalte zur Verwendung gelangende Wasser. Nur durch besondere, später zu erörternde Umstände 
können diese Wassermassen in die Lage kommen, sich auf ihrem unterirdischen Wege so mit Salzen oder Gasen 
der verschiedensten Art zu bereichem, daß sie als Mineralquellen oder Mineralwässer bezeichnet werden können. 

Dieses in ewigem Kreislaufe befindliche Wasser aber bildet nicht die einzige Speisung für die an der Ober- 
fläche auftretenden Quellen. Aus der Erforschung der vulkanischen Erscheinimgen wissen wir, daß die aus den 
Vulkanschloten zutage geförderten Massen ursprünglich aus einem glutflüssigen Gesteinsbrei (Magma) bestehen, 
welcher neben den Mineralien der Lava große Mengen von Gasen und Salzlösungen enthält, und zwar so, daß Gase, 
Salze und mineralische Massen in innigster Durchtränkung und Vermischung sich befinden, zusammengehalten 
durch den in der Tiefe auf ihnen lastenden gewaltigen Druck. 

Steigt dieses Magma im Vulkanschlote empor und erreicht es höher gelegene Teile der Erdrinde, so vermindert 
sich der Druck, die Gase werden zum Teil in Freiheit gesetzt und entweichen, die Salze werden zu einem großen 
Teile der Sublimation unterworfen und in Gasform verflüchtigt, und es wird auf diese Weise während des 
Kristallisationsprozesses der aufsteigenden Magmen eine weitgehende Entgasung und Entsalzung derselben herbei- 
geführt. Daher sind die erstarrten, als Lava bezeichneten Gesteine relativ arm an solchen flüchtigen Bestandteilen. 
Unter den vulkanischen Gasen spielt der Wasserdampf die quantitativ am meisten in die Augen fallende RoUe. 
Die ungeheuren Wolken, die während vulkanischer Ausbrüche dem Krater entströmen, bestehen zum weitaus größten 
Teile aus Wasserdämpfen, mit denen die übrigen flüchtigen Bestandteile gemischt sind, und es gelangen auf diese 
Weise große Mengen von Wasserdampf aus den Tiefen der Erde in die Atmosphäre und tragen zur Bereicherung 
der Wasserschätze der Erde bei. Für solche Wässer vulkanischen Ursprungs ist in neuester Zeit von E, Sueß 



_ XX — 

der vielfach mißbrauchte Name „juvenil" in Anwendung gebracht worden, während derselbe Gelehrte die seit alters 
her im Kreislaufe befindlichen Wässer, unsere Grundwässer, als „vadose" bezeichnet. Da über die Unterscheidung 
beider Arten von Wässern und der dazugehörigen Gase und Salze noch vielfach Unsicherheit herrscht, so werden 
wir im folgenden die den vulkanischen Tiefen der Erde entstammenden Stoffe nach ihrer Herkunft als vidkanische 
bezeichnen. 

Die vulkanischen Wässer gelangen an die Erdoberfläche nicht nur während der vulkanischen Eniptionen, 
sondern sie kommen auch als Vorboten vulkanischer Erscheinungen und in noch viel höherem Maße als Nach- 
wirkungen solcher auf den die Erdoberfläche mit dem Erdinnern verbindenden Spalten noch während außerordentr 
lieh ausgedehnter Zeiträume an die Oberfläche. Vulkanische Wässer haben wir infolgedessen vor allen Dingen 
in solchen Gebieten zu erwarten, wo in der jüngsten geologischen Vergangenheit vulkanische Prozesse in größerem 
Umfange sich abgespielt haben (Island, Neuseeland, Yellowstone-Park, Eifel), oder da, wo tief in diis Erdinnere 
hinabreichende Spalten zu einer Druckentlastung der magmatischen Massen und zu einem Freiwerden der in ihnen 
enthaltenen Gase führen (Taunus, Schwarzwald, Südrand des Erzgebirges). 

Eine dritte Gruppe endlich bUden die gemischten Wässer, also diejenigen, in denen aus der Tiefe empor- 
steigende vulkanische Gewässer mit den gewöhnlichen Grundwässern der oberen Erdschichten in quantitativ selir 
mannigfaltiger Art sich vermischen. Über die Beziehungen beider vergleiche unter V. 

n. Die Herkunft der in den Mineralwässern enthaltenen Salze und Gase. 

Von solchen kommen, wenn man von den seltenen Elementen absieht, im wesentlichen in Betracht: 

a) gelöste feste Bestandteile: Chloride, Bromide, Jodide, Sulfate, Phosphate und Karbonate von Natrium, Kalium, 
Lithium, Calcium, Magnesium, Baryum, Strontium, Eisen imd Mangan; Borsäure, Kieselsäure. 

b) gasförmige: Kohlensäure, Schwefelwasserstoff, Stickstoff, Kohlenwasserstoffe, Wasserstoff. 

a) Feste gelöste Bestandteile. 

1. Chloride, vor allen Dingen solche der Alkalimetalle imd des Ammoniums, sowie freie Salzsäure finden sich 
zwar auch als vulkanische Sublimationsprodukte und Aushauchungen und spielen zweifellos unter den im Magma 
gelösten Salzen und Gasen eine wichtige RoUe, können demnach auch in vulkanischen Quellen auftreten. Der 
weitaus größte Teil der in den Mineralquellen enthaltenen Chlorverbindungen entstammt aber unzweifelhaft den in 
verschiedenen Sedimentformationen in außerordentlicher Menge sich findenden Lagern von Steinsalz und den in 
ihrer Begleitung auftretenden sogenannten Abraum-, Edel- oder Mutterlaugensalzen. In ganz Nord- und Mittel- 
deutschland ist die älteste, Salz liefernde Schichtengruppe diejenige des mittleren und oberen Zechsteins. Von 
Franken bis Schleswig-Holstein und von den Rheinlanden bis nahe an die Weichsel (Hohensalza) ist die imter- 
irdische Verbreitung der Steinsalzlager der Zechsteinformation an außerordentlich zahlreichen Stellen durch Bohrungen 
nachgewiesen worden. Mit Steinsalz zusammen finden sich vielerorts mächtige Ablagerungen von außerordentlich 
mannigfach zusammengesetzten Salzen (Abraumsalze), unter denen Chloride und Sulfate des Kaliums, Calciums 
und Magnesiums in mannigfaltiger chemischer Gruppierung sich finden. Untergeordnet finden sich darin ferner 
Borate und Bromide, letztere zum Teil in so großen Massen, daß sie gewonnen werden können. 

Eine dritte Gruppe bildet in dieser Gesellschaft von Salzen das Calciumsulfat, teUs als Gips, noch häufiger 
als Anhydrit ausgebildet. In unseren Meeren findet weder Gips- noch Steinsalzbildung statt, geschweige denn 
Ausscheidung der außerordentlich löslichen Mutterlaugensalze. Wir müssen vielmehr annehmen, daß das deutsche 
Zechsteinmeer ein ausgedehntes Becken darstellte, welches mit dem offenen Ozean nur an wenigen Stellen über 
flache Barren hinweg in Verbindung stand, ähnlich wie das über 4000 m tiefe Mittelmeer mit dem über 6000 m 
tiefen Atlantischen Ozean nur durch die 250 m tiefe Enge von Gibraltar in Verbindung steht. Dieses Zechstein- 
meer lag wahrscheinlich in einem heißen Wüstengebiete, verlor durch Verdunstung enorme Wassermengen und be- 
saß kerne oder geringe Zuflüsse von süßem Wasser. Infolgedessen mußte für das verdunstende Wasser über die 
Barre hinweg Salzwasser als Ersatz zufließen, so daß eine zunehmende Konzentration der Salzlösung eintrat. So- 
bald für die einzelnen in dieser Lauge gelösten Salze der Sättigungspimkt erreicht war, begann ihre Ausscheidung, 
bis schließlich, nachdem alles Calciumsulfat und alles Natriumchlorid sich niedergeschlagen hatten, der Absatz der 
leichter löslichen Salze, des Polyhalits, Kieserits, Camallits, Tachhydrits usw. erfolgen mußte, wobei die chemische 
Konstitution der einzelnen sich abscheidenden Salze einerseits von der Zusammensetzmig der Lösung, andererseits 
von der Temperatur des Wassers abhängig war. Nur so läßt sich die Entstehung dieser merkwürdigen, auf Deutsch- 
land beschränkten ,^Kali8alzlager8tätte" (nach dem technisch nützlichsten Stoffe benannt) erklären. 



— XXI — 

Es wird heute allgemein angenommen, daß die weit überwiegende Mehrzahl der im Verbreitungsgebiete des 
Zechsteins auftretenden Solquellen aus diesen gewaltigen Salzschätzen herrührt, daß die leicht löslichen Salze da, 
wo keine schützende Decke den Zutritt der Grundwässer verhindert, von diesen aufgenommen werden, und daß die 
so in Sole umgewandelten Wässer auf natürlichen oder künstlichen Wegen an die Oberfläche emporsteigen. So 
dürfen wir mit eiaem gewissen Rechte auch die zahlreichen in der Tertiär- und Kreideformation Norddeutschlands 
auftretenden und die an den Gestaden der Ostsee erbohrten Solen auf die gemeinsame Quelle des im Untergrunde 
sich findenden Zechsteinsalzes zurückführen, ja es können sogar, wie unter IV gezeigt werden wird, aus dem Zech- 
stem stammende Solen außerhalb des Verbreitungsgebietes dieser Formation auf- und zutage treten. 

Der außerordenthche Reichtum der Abraumsalze des Zechsteins an mannigfach zusammengesetzten Salzen 
vermac auch zu einem Teile das neben dem immer überwiegenden Odornatrium auftretende Chlorkalium, Chlor- 
magnesium, Chlorrubidium und den Gehalt an Bromverbindungen zu erklären. 

Eine weitere, Salzlager führende Schichtengruppe ist diejenige des Oberen Buntsandsteins, der beispielsweise 
bei Schönebeck mit seinem Salze eine Sole speist. In Thüringen, in noch höherem Maße aber in Süddeutschland 
liefert sodann der Mittlere Muschelkalk in den in ihm enthaltenen Salzstöcken das Material zur Umwandlung der 
in ihm zirkulierenden Gewässer in Solen. Die SaJzlager der Tertiärformation, die m Österreich, Ungarn, Italien 
und Spanien große Bedeutung besitzen, kommen für Deutschland kaum in Betracht, da nur in dem aus Galizien 
nach Oberschlesien hineinreichenden Miozän bislang solche bekannt geworden sind. 

2. Sulfate. Für die Herkunft der Sulfate in den Mineralwässern darf man in allererster Reihe die zahl- 
reichen Gips Vorkommnisse in Anspruch nehmen. Teils in ausgedehnten derben Lagern, teils in Schnüren, 
Knollen und Adern oder einzelnen ausgeschiedenen Kristallen findet sich der Gips in einer ganzen Anzahl unserer 
Sedimentärformationen. Schon das deutsche Tertiär führt, wenn auch keine zusammenhängenden, ausgedehnten 
Gipslager, so doch in zahlreichen seiner Gesteine einzelne Gipskristalle, so z. B. in gewissen Tonen der miozänen 
Braunkohlenformation und in dem mittelohgozänen Septarienton. Bedeutend größer wird der Gipsreichtum in den 
mesozoischen Schichten ; hier sind es vor allen Dingen der Mittlere Keuper, der geradezu als Gipskeuper bezeichnet 
wird, der Mittlere Muschelkalk, der Obere Buntsandstein (das Röt) und wiederum die Zechsteinformation, die zum 
Teil außerordentlich ausgedehnte und mächtige Gipsmassen enthalten. Wenn der Gips auch nicht die leichte Lös- 
liehkeit der Chloride besitzt, so gehört er doch immer noch zu den verhältnismäßig leicht löslichen Gesteinen, und 
welche imgehem-en Massen davon im Laufe der Jahrtausende durch den Kreislauf des Wassers der Auflösung an- 
heimgefallen sind, das zeigen am besten die zahlreichen Erscheinungen, welche auf das Schwinden großer Gips- 
massen im Erdinnem zurückzuführen sind, nämlich das Auftreten sogenannter Residualbildungen, der bei der 
Auflösung der Gipsstöcke übrigbleibenden, unlöslichen Bestandteile einerseits, imd die Erscheinung der sogenannten 
Erdfälle und Gipsschlotten, die auf den Zusammenbruch der über ausgelaugten Gips- (und Salz-) Stöcken lagernden 
Gebirgsmassen ziu^ckzuführen sind, andererseits. 

Da vielfach in denselben Formationen, in welchen Gipslager auftreten, auch dolomitische, also an Magnesium- 
karbonat reiche Gesteine sich finden, so gelangen gleichzeitig Magnesiumverbindungen in Lösung imd können 
so die durch gleichzeitige Anwesenheit von Magnesium xmd Schwefelsäure gekennzeichneten Bitterwässer erzeugen. 
In den Gipslagem haben wir aber nicht die einzige Ursache des Schwefelsäuregehaltes unserer Quellen zu 
erblicken. Hier kommt als zweiter wichtiger Faktor die leichte Zersetzlichkeit gewisser Sulfide, nämlich des Doppelt- 
schwefeleisens in Betracht, welches als Schwefelkies und Markasit in vielen, namentlich tonigen Gesteinen eine große 
Verbreitung in Form von Einzelkristallen, Knollen oder selbst Lagern besitzt. Diese Verbindungen sind bei Zu- 
tritt von Wasser und Sauerstoff in hohem Maße zersetzbar und liefern einerseits Eisenvitriol, andererseits freie 
Schwefelsäure. Letztere vermag alsdann weiter auf die vom Wasser berührten Gesteine einzuwirken und neue 
Stoffe in Lösung überzuführen. Die in manchen Quellen (Sour Spring in Canada) und vor allen Dingen in 
vielen Moorschlämmen (Schmiedeberg, Prov. Sachsen) auftretende nicht gebundene Schwefelsäure dürfte im wesent- 
lichen auf derartige Zersetzungsprozesse zurückzuführen sein. 

3. Sulfide. Die in vielen, namentlich schwefelwasserstoffhaltigen Mineralquellen auftretenden Schwefel- 
verbiadungen (Sulfide) der Alkalien haben denselben Ursprung wie die Schwefelsäure; sie entstammen zum größten 
TeUe dem Gips, aus dem sie durch Einwirkung organischer Substanzen unter Verlust von Sauerstoff entstanden 
sind; sie sind ihrerseits sehr leicht wieder zersetzlich. 

4. Karbonate. Eine außerordentlich wichtige und weitverbreitete Gruppe der in den Mineralquellen avif- 
tretenden Salze bilden die Karbonate der Alkalien, der alkalischen Erden und des Eisens. 

Am leichtesten zu verstehen ist der außerordenthche Reichtum an Calciumkarbonat, das nicht nur in zahl- 
reichen Mineralquellen sich findet, sondern auch in den gewöhnlichen Trinkwässern eine weite Verbreitung besitzt, 



— xxn — 

zu ihrem Wohlgeschmacke erheblich beiträgt und wesentlich die Eigenschaft des Wassers bedingt, die wir als 
„Härte" bezeichnen. Es leitet sich in einfacher imd ungezwungener Weise ab aus den in zahlreichen Sedinient- 
fonnationen in ungeheuren Massen sich findenden Kalksteinen. Das Calciumkarbonat ist zwar in chemisch reinem 
Wasser so gut wie nicht löslich, wohl aber m einem Wasser, welches Kohlensäure enthält. Die von der Erd- 
oberfläche in die Tiefe eindringenden Gewässer führen ausnahmslos eine, wenn auch geringe Menge von Kohlen- 
säure mit sich. Dieselbe entstammt entweder der Atmosphäre, aus welcher das als Regen oder Schnee nieder- 
fallende Wasser sie aufnimmt, oder sie rührt her aus der Zersetzung organischer Substanzen in den obersten 
Schichten der Erde. Das in den Boden eindringende Wasser nimmt beim Hindurchgehen durch die mit orga- 
nischer Substanz mehr oder weniger versehenen obersten Erdschichten diese Kohlensäure in sich auf und vermag 
nun, mit ihr beladen, den Kalkstein anzugreifen und ein der mitgebrachten Kohlensäure entsprechendes Quantum 
Calciumkarbonat als Calciumhydrokarbonat in Lösung überzuführen. Dieses bleibt so lange im Wasser in Lösung, 
bis es beim Zutagetreten mit atmosphärischer Luft in Berührung kommt und besonders bei energischer Bewegung 
wieder einen Teil seines Kohlensäuregehaltes an die Atmosphäre abgibt. Bei diesem Spaltungsprozesse fällt das 
unlöslich gewordene Calciumkarbonat aus und bildet die bekannten Kalktuffablagerungen, welche als Absatz zahl- 
reicher Mineralquellen uns entgegentreten. Es gehören in diese Gruppe von Quellbildungen nicht nur die völlig 
porösen Kalktuffe, wie sie in zahlreichen Kalkgebieten die Quellen und Bäche begleiten, sondern auch imter be- 
sonderen Umständen in anderer Form ausgeschiedene Kalkmassen, die uns in Form von Erbsensteinen, Rogen- 
steinen und schaligen Kalktuffen an der Mündung vieler Quellen (Karlsbad) begegnen. Die meisten Kalksteine 
sind nicht rein, sondern enthalten neben dem Calciumkarbonat auch mehr oder weniger große Mengen von Magnesium- 
karbonat, das in ganz analoger Weise in Lösung übergeführt wird. Besonders solche Formationen, in denen, wie 
im Keuper, Mittleren Muschelkalk und Zechstein, Dolomite auftreten, liefern gewöhnlich auch magnesiumhaltige 
Wässer. 

5. Eisen. Außerordentlich mannigfachen Ursprungs ist der Eisengehalt der Mineralquellen. Unter den 
gesteinsbildenden Mineralien sind eine große Reihe von Süikaten reich an Eisenoxydul- und Eisenoxydverbindungen 
(Augit, Hornblende, Granat, Glimmer); ferner finden sich in zahlreichen Gesteinen, besonders solchen eruptiver 
Herkunft, in feiner Beimengimg Partikelchen von Eisenerzen (Schwefelkies, Magneteisen, Titaneisen), und drittens finden 
sich EisenverbLndimgen, zumeist in der Form von Limonit imd Brauneisenstein, in feinster Verteilung in den weitaus 
meisten kalkigen und tonigen Sedimentgesteinen. Die meisten eisenhaltigen Mineralien sind der Verwitterung in 
hohem Maße ausgesetzt. Das Eisen spaltet sich aus den Verbindungen ab und geht neue Verbindungen mit der 
im Wasser gelösten Kohlensäure oder Schwefelsäure ein, imd so finden wir in außerordentlich zahlreichen Quellen 
einen mehr oder weniger großen Eisengehalt. Selbst in den jüngsten Schichten unserer Erdrinde, in den diluvialen 
und alluvialen Bildungen finden derartige Ausscheidungen von Eisensalzen in umfangreichem Maße statt. In zahl- 
reichen gewöhnlichen Grundwässern sind sie enthalten, kommen mit ihnen an die Oberfläche und werden in der 
Umgebung der Quellen und in den vom abfließenden Wasser benetzten Bachrmnen zum Teil unter Mitwirkung 
winzig kleiner Algen (GaUioneUa ferruginea) in Gestalt eines flockigen, rötlichgelben Niederschlages wieder aus- 
geschieden. 

Deshalb bedürfen auch alle aus eisenhaltigen Gesteinen stammenden Trinkwässer einer Enteisenung, deshalb 
macht es so große Schwierigkeiten, das in den Mineralwässern gebundene Eisen nach der Flaschenfüllung vor 
dem Ausfallen zu bewahren, deshalb auch sieht man im Austrittsgebiete vieler Mineralquellen die durch ihre 
Färbung kräftig in die Augen fallenden Eisenabscheidungen (Wiesbadener Kochbrunnen). 

6. Mangan. Mit dem Eisen außerordentlich nahe verwandt ist das Mangan, und in den eisenhaltigen 
Mineralien finden sich fast immer kleinere oder größere Mengen von Mangan mit dem Eisen vergesellschaftet, 
die gleichfalls in Lösung übergeführt und außerhalb der Quelle zusammen mit dem Eisen wieder abgeschieden werden. 

7. Lithium, Strontium, Baryum, Phosphate, Borsäure, Arsen. Die übrigen in den Mineralquellen 
sich noch findenden Beimengungen spielen ihrer Menge nach eine untergeordnete Rolle, während sie andererseits 
in bezug auf die medizinische Wirkung oftmals von großer Bedeutung sind. Dahin gehören die Phosphate, die 
Salze von Lithium, Strontium, Baryum, die Arsenverbindungen und die Borsäure. Die letztere wird in den Mineral- 
wässern als frei angesehen, sobald, was fast immer der FaU ist, merkliche Mengen freien Kohlendioxyds vorhanden 
sind. Die sorgsame Untersuchung der Gesteine hat gelehrt, daß in vielen von ihnen von allen diesen Elementen 
und sogar von noch viel selteneren, wie dem Cäsium und Rubidium, sich sehr häufig zum TeU sogar zahlenmäßig 
ausdrückbare Mengen finden. So besitzt Baryum und Strontium, wenn auch in minimaler Menge, eine große Ver- 
breitung, ersteres in gewissen Teilen des deutschen Buntsandsteins, letzteres in Schichten der Kreideformation und 
des Muschelkalks. Auch Rubidium imd Cäsium sind spektroskopisch in vielen Gesteinen nachgewiesen, in denen 



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man früher von ihrem Vorkommen keine Ahnung hatte. Die natürliche Phosphorsänre ist im wesentlichen an das 
als Apatit bezeichnete Mineral geknüpft, das hauptsächlich aus Calciumphosphat besteht, und an die in vielen marinen 
Gesteinen als knollenförmige Konkretionen sich findenden Phosphorite. Da diese Verbindungen dem mit Kohlensäure 
beladenen Wasser gegenüber sich angreifbar erweisen, so darf es uns nicht wundernehmen, wenn die in den 
Gesteinen zirkulierenden Wässer auch von diesen seltenen Mineralbestandteilen geringe Mengen auflösen und mit sich 
an die Oberfläche bringen. Das Arsen kommt in der Natur zumeist an Metalle gebunden vor (Arsenkies, Fahlerz). 

Daß die in manchen Quellen als wichtiger Heilfaktor angesehenen Verbindungen des Broms in den Mutter- 
laugensalzen des Zechsteins enthalten sind und aus ihnen in die zirkulierenden Gewässer übergehen können, ist 
bereits oben angeführt worden. Ein Jodgehalt ist stellenweise im Kieselschiefer nachgewiesen und aus ihm in 
Quellen übergegangen (Ronneburg). 

8. Kieselsäure. Heißes alkalihaltiges Wasser vermag zahlreiche SUikate unter Bildung löslicher Kieselsäure 
zu zersetzen. Bei der Abkühlung des Wassers scheidet sich diese ab, und es entstehen so bereits im Quellschachte, 
besonders aber um die Mündung der Quelle herum mächtige Ablagerungen von Kieselsinter, dessen phantastisch 
geformte Terrassen, Kaskaden, Quellbecken und kraterartige Gebilde in den an vulkanischen Quellen reichen 
Geysirgebieten Islands und Nordamerikas die Bewunderung der Besucher erregen. 

b) Gasförmige Bestandteile. 

Von den in den Quellen enthaltenen flüchtigen Bestandteilen, der Kohlensäure, dem Schwefelwasserstoff, den 
Kohlenwasserstoffen, dem Wasserstoff und dem Stickstoff, darf man bezüglich des Stickstoffes wohl annehmen, daß 
er der atmosphärischen Luft entstammt und aus ihr vom Wasser absorbiert ist. Auch die freie Kohlensäure, 
die in vielen Mineralquellen in geringfügigen Mengen sich findet, ist, wie wir schon oben gesehen haben, auf den 
Kohlensäuregehalt der atmosphärischen Luft und auf die in den obersten Bodenschichten durch Zersetzung organischer 
Substanzen sich bildende Kohlensäure zurückzuführen. Dagegen entstammen die Kohlensäuremassen, welche in 
unseren Säuerlingen einen der wichtigsten Bestandteile bUden, sehr wahrscheinlich ganz ausschließlich dem Erd- 
innern und sind demnach als vulkanisch (juvenil) zu bezeichnen. Wenn die Periode des aktiven Vulkanismus in 
einem Gebiete vorüber ist, so stellen sich als Nachwirkungen noch durch viele Jahrtausende hindurch Ausströmungen 
von Gasen ein, unter denen die Kohlensäure und der Schwefelwasserstoff eine außerordentlich bedeutsame RoUe 
.spielen. Wohin wir auf Erden unseren Blick richten, sehen wir in den Gebieten, in denen die gewaltigen Basalt- 
eruptionen der Tertiärzeit erfolgten, noch heute allenthalben Kohlensäure, zum Teil in gasförmiger Gestalt (Brohltal) 
oder mit Wasser gemischt imd zum Teil von ihm absorbiert (ebenda und an zahlreichen anderen Punkten der 
Eifel, des Westerwaldes und Vogelsberges) zutage treten, und das Gleiche ist der Fall mit dem Schwefelwasserstoff. 
Diese mit den Namen „Solfataren" (Schwefelwasserstoffexhalationen) und „Mofetten" (Kohlensäureausströmungen) 
bezeichneten Erscheinungen sehen wir überall an den gegenwärtigen oder erst in jüngster Vergangenheit erloschenen 
Vulkanismus geknüpft. So lang nach menschlichen Begriffen auch die Dauer dieser Nachwirkung ist, so sind diese 
Gasexhalationen doch nur vorübergehende Erscheinungen in der Geschichte unserer Erde, und wie von den 
vulkanischen Ereignissen der paläozoischen und der mesozoischen Zeit heute nirgends mehr sich derartige Nach- 
wirkungen bemerklich machen, ebenso müssen wir auch annehmen, daß die heute noch vorhandenen Aus- 
strömungen von Kohlensäure und Schwefelwasserstoff mehr und mehr zurückgehen und verschwinden werden, um in 
anderen Gebieten neu aufzutreten. Wohl hat man Versuche gemacht, das Ausströmen der vielfach ganz imgeheuren 
Mengen von Kohlensäure durch chemische Prozesse in den oberhalb der vulkanischen Herde gelegenen, erstarrten 
Erdschichten zu erklären. Durch Einwirkung von aus zersetzten Schwefelkiesen stammender Schwefelsäure auf 
Kalkstein soll sie erzeugt werden, oder durch Vorgänge, welche an der oberen Grenze des vulkanischen Erdinnem 
in der Art sich abspielen, daß Kalksteine durch die große Hitze einen natürlichen Zersetzungsprozeß erfahren, durch 
welchen Kohlensätu'e in Freiheit gesetzt wird; aber alle diese Erklärungsversuche erscheinen bei genauerer Be- 
trachtung als wenig wahrscheinlich, und wir werden am besten tun, diese gewaltigen Gasmengen als direkte Aus- 
scheidungen aus dem im Entgasungsprozesse begriffenen vulkanischen Magma aufzufassen. 

III. Die Temperatur der warmen Quellen. 

Vor einem näheren Eingehen auf die Frage nach der Ursache der erhöhten Temperatur von Quellen ist 
es erforderlich, den Begriff „warme Quelle" etwas genauer zu definieren. 

Nach geologischer Auffassimg ist als eine „Therme" jede Quelle zu bezeichnen, deren Temperatur höher ist 
als die mittlere Jahrestemperatur des betreffenden Gebietes. Mit der mittleren Jahrestemperatur ist in den meisten 



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Gr^enden identisch eine Bodentemperatur in der Tiefe von 20 — 30 m unter der Erdoberfläche. Infolgedessen ist 
der geologische Begriff „Therme" abhängig von dem Jahresmittel der Temperatur des betreffenden Gebietes, und 
swar in so weitem Umfange, daß in Polargebieten mit einer mittleren Temperatur von 0° ein Wasser als Thermo 
zu bezeichnen ist, welches eine konstante Wärme von 1° besitzt, während in Äquatorialgebieten Quellen von 22° 
noch nicht warme Quellen genannt werden können, sobald die mittlere Jahrestemperatur diesen Betrag noch übersteigt. 

Wesentlich anders ist die Auffassung des Begriffs „Warme Quelle" in der Balneologie. Hier hat man sich 
daran gewöhnt, nur solche Quellen als warm zu bezeichnen, welche dem Gemeingefühle diesen Eindruck erwecken. 
Für die Zwecke des vorliegenden Werkes war es notwendig, diese zu allgemeine Fassung des Begriffes der balneo- 
logischen Thermen genauer zu präzisieren, und es wurde beschlossen, alle Quellen, deren Temperatur 20° übersteigt, 
als „warme Quellen" zu bezeichnen. Da in diesem Werke nur die Mineralquellen Deutschlands Berücksichtigung 
finden, so sind die aus dieser Begriffsbestimmung sich für Polar- oder Tropengebiete etwa ergebenden Anomalien 
belanglos. 

Die meisten Trinkwasserquellen, welche unserem Boden entfließen, stammen aus solchen Tiefen, in denen 
die mittlere Jahrestemperatur zugleich diejenige des durchflossenen Gesteins ist, und sie treten infolgedessen mit im 
Sommer und Winter gleichbleibender, je nach der örtlichen Lage zwischen 7 imd 9° schwankender Temperatur 
zutage. Beobachtet man an einer Quelle, daß sie erheblichen Schwankungen ausgesetzt ist, daß sie zur Winterszeit 
imd im Frühjahre sehr niedrige, im Spätsommer imd im Herbste dagegen hohe Temperaturen besitzt, so darf man 
annehmen, daß sie einer Bodenschicht entstammt, welche noch durch die Bestrahlung der Sonne und die jahres- 
zeitlichen Schwankungen in ihrer Temperatur stark beeinflußt wird. Grund wässer, die sich in Tiefen von 3 — 4 m 
unter der Erdoberfläche bewegen, können in ihren Temperaturen Schwankungen von jährlich mehr als 10° besitzen. 
Naturgemäß wird die höchste auf diese Weise erreichbare Quellen temperatur noch nicht genügen, um eine warme 
Quelle im oben festgelegten Sinne zu erzeugen. Die Sonne kann also als Wärmespender für unsere Thermen in 
keiner Weise in Frage kommen. Wir kennen vielmehr drei andere Ursachen, durch welche eine erhöhte Temperatur 
des Wassers eine Erklärung findet. 

a) Die erste Ursache kann eine durch chemische Umsetzungsvorgänge erzeugte, den Gesteinen mitgeteilte 
imd von ihnen auf das Wasser übertragene Temperaturerhöhung sein. Es ist bekannt, daß viele chemische Vorgänge, 
namentlich Oxydations- und Hydratbildungsprozesse, mit dem Freiwerden erheblicher Wärmemengen verbunden sind. 
Es ist aber nicht wahrscheinlich, daß diese Vorgänge in den oberen Teilen der Erdrinde in solchem Umfange statt- 
haben, daß sie einen nennenswerten Beitrag zur Temperaturerhöhung des unterirdisch zirkulierenden Wassers zu liefern 
vermöchten. Zu diesen wärmeerzeugenden Vorgängen gehören auch die im Gebiete der Braun- und Steinkohlen- 
formation gelegentlich auftretenden unterirdischen Flözbrände, durch die naturgemäß eine starke lokale Temperatur- 
erhöhung herbeigeführt wird, die selbstverständlich auch die in der Nähe solcher brennenden Gebirgsteüe zirkulierenden 
Wässer beeinflußt 

b) Eine außerordentlich viel wichtigere Ursache erhöhter Quellentemperatur haben wir in denjenigen Wärme- 
mengen zu erblicken, welche uns, je tiefer wü* uns in das Erdinnere hineinbewegen, in um so höherem Maße als eine 
der Erdkruste innewohnende Eigenschaft begegnen. Beim Abteufen von Schächten, beim Bergbaubetriebe, beim 
Durchbohren großer Gebirgsstöcke, wie der Alpen, mittels Tunnels imd bei der Niederbringung von tiefen Bohrlöchern 
hat man die Beobachtung gemacht, daß die Temperatur von der Erdoberfläche nach dem Innern zu eine nicht 
überall gleiche, aber im allgemeinen gleichmäßige Zunahme erfährt Man bezeichnet die senkrechte Strecke im Gestein, 
innerhalb deren von oben nach unten die Temperatur um 1° zunimmt, als die geothermische Tiefenstufe des Ortes; 
im Mittel einer großen Anzahl von Beobachtungen ergibt sich diese zu etwa 30 m, so daß wir also in einer Tiefe 
von 3 km unter der Erdoberfläche bereits eine Gesteinstemperatur finden, welche dem darin zirkulierenden Wasser 
eine Wärme von 100° verleiht. Kommen nun auf einem der verschiedenen Wege, die wir im nächsten Abschnitte 
kennen lernen werden, die Grundwässer von der Oberfläche her auf durchlässigen geneigten Schichten oder Klüften 
in große Tiefen, so nehmen sie die Temperatur des daselbst befindlichen Gesteins, bzw. der entsprechenden geo- 
thermischen Tiefenstufe an, und wenn sie auf einem möglichst raschen Wege wieder die Oberfläche erreichen können, 
so ist der Wärmeverlust während dieses Aufstieges in den meisten Fällen kein vollständiger, so daß das betreffende 
Wasser mit einer die Temperatur gewöhnlicher Quellen mehr oder weniger überschreitenden Temperatur an die Ober- 
fläche gelangt 

Dieses einfach beim Durchstreichen geothermisch erwärmter Gesteinsschichten sich erhitzende Grundwasser 
wird demnach um so höhere Temperaturen annehmen, 

1. je tiefer es sich von der Erdoberfläche entfernt, 

2. je kleiner die geothermische Tiefenstufe des Gebietes ist, 



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3. je rascher die aufsteigende Bewegung bis zur Oberfläclie sich, vollzieht, 

4. ein je schlechterer Wärmeleiter das bei dieser Aufwärtsbewegung passierte Gestein ist. 

c) Die wichtigste Ursache aber für die Temperatur der warmen Mineralquellen liegt in großer Tiefe des Erd- 
innem und ist zurückzuführen auf die noch im Glutflusse befindlichen vulkanischen Massen daselbst. 

Wir haben bei der Besprechung der Herkunft des Wassers gesehen, daß eine große Menge desselben dauernd 
aus den vulkanischen Tiefen der Erde zur Oberfläche emporsteigt. Dieses Emporsteigen aber kann in den tieferen 
Schichten sich im allgemeinen nur in Dampfform vollziehen. In höheren Schichten werden die Wasserdämpfe 
kondensiert imd gelangen, getragen und gestoßen von dem fortgesetzt nachdrängenden Ersätze aus der Tiefe, 
schließlich an die Oberfläche mit Temperaturen, die unter Umständen (wenn auch bei uns in Deutschland heute 
nicht mehr vorkommend) den Siedepunkt erreichen oder ihm doch sehr nahe liegen. Die Abkühlung, welche diese 
vulkanischen Wässer auf ihrem Wege erfahren, und die Temperatur, mit welcher sie an die Oberfläche treten, sind 
von einer ganzen Reihe von Faktoren abhängig: 

1. von der Geschwindigkeit, mit welcher das Wasser aus der Tiefe sich emporbewegt, also mit anderen 
Worten von der Menge und Stoßkraft der treibenden und vorwärts drängenden Wasserdämpfe; 

2. von der Gestalt der Wege, die es passiert (Quellröhren mit kreisförmigem Querschnitte erhalten die Tem- 
peratur des Wassers besser auf der Höhe als enge Spalten mit langausgedehnten abkühlend wirkenden Wänden); 

3. davon, ob das heiße Wasser unvermischt an die Oberfläche gelangt, oder ob es auf seinem Wege weniger 
warme Grundwassermengen antrifft und diu-ch Vermischung mit ihnen an Wärme einbüßt. 

rv. Die Ursachen des Zutagetretens der Mineralquellen. 

Wenn wir die physikalischen Vorgänge betrachten, durch welche das Wasser aus der Erde wieder an ihre 
Oberfläche gebracht wird, so erkennen wir drei dabei wirksame Faktoren, nämlich 

1. die Schwere, 

2. den hydrostatischen Druck, 

3. den durch Gas vermittelten Auftrieb. 

1. Die Schwere. Alle in den oberen Erdschichten zirkidierenden Wässer folgen dem Gesetze der Schwere 
insofern, als sie bestrebt sind, von höher gelegenen Gebieten tieferen zuzufließen. Ist die Neigung der Erdoberfläche 
nun größer als diejenige der Schicht, in welcher das Wasser sich abwärts bewegt, imd kommt diese mit der Erd- 
oberfläche zum Schnitt, so treten die Grundwässer als Quellen zutage. Dieser Mechanismus ist außerordentlich 
verbreitet bei den gewöhnlichen Quellen, spielt aber bei den Mineralquellen eine verhältnismäßig untergeordnete 
RoUe. Eine Bereicherung des Wassers mit Salzen und Gasen kann auf diesen meist kurzen Wegen nur dann 
erfolgen, wenn die von ihm durchwanderten Gesteine leicht lösliche Substanzen enthalten. Wenn beispielsweise 
das Grundwasser klüftige Dolomite mit Gipseinlagerungen durchwandert oder dolomitische Gipsmergel durchzieht, 
so kann es sich mit Sulfaten des Calciums und Magnesiums bereichem und als Bitterwasser zutage treten. Eine 
zweite Gruppe von Mineralquellen, die auf diese Weise erzeugt werden, sind kalk- und eisenreiche Quellen, denn 
wie wir oben gesehen haben, sind eisenhaltige Gesteine nicht nur weit verbreitet, sondern auch der Verwittenmg 
und Zersetzung sehr zugeneigt, so daß fast alle Grund- und Quellwässer des nordeuropäischen Glazialgebietes einen 
gewissen Eisengehalt besitzen. Häuft sich der Eisengehalt in bemerkenswerter Weise, so können solche Quellen 
als Heilwässer Verwendung finden. Auch die Durchtränkung mancher Torfmoore mit Salzen und ihre Bereicherung 
mit Schwefelsäure, Eisensalzen und Alaun erfolgt in vielen Fällen dadurch, daß in das vom Moore eingenommene 
Becken gips-, eisenvitriol-, eisenkarbonat- und alaunhaltige Gewässer eintreten und bei der Verdunstung ihren Salz- 
gehalt an das Moor abgeben. 

2. Erheblich wichtiger für das Zutagetreten der Mineralquellen ist der hydrostatische Druck. Nehmen 
wü- den einfachen FaU an, daß in einem muldenförmig gebauten Schichtensysteme durchlässige und undurchlässige 
Lagen miteinander wechseln, so bewegen sich die in diesen Gesteinen versinkenden Wässer naturgemäß nur in 
den durchlässigen Schichten, der Schwere folgend, nach unten. Sobald sie nach oben und unten von undurch- 
lässigem Gestein begrenzt werden, können sie sich nicht mehr frei bewegen, sondern stehen unter dem Drucke 
der darüberliegenden Wassersäule und müssen wie in kommunizierenden Röhren sich, den Biegungen und Windungen 
der Schichten entsprechend, bald aufwärts, bald abwärts bewegen. Wird ein solches Schichtensystem von der Erosion 
angeschnitten, so werden in den tieferen Teilen des Geländes, da, wo solche Druckwasser führende, durchlässige 
Schichten zutage treten, die Wässer sich als sprudelnde QueUe ergießen. Wenn die tieferen TeUe einer solchen 
Mulde durch Bohrungen angeschnitten werden, so wird das Bohrrohr sich bis zu einer dem hydrostatischen Drucke 



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entsprechenden Höhe mit Wasser füllen. In vielen Fällen reicht dieser Druck aus, um das "Wasser hoch über die 
Erdoberfläche emporsteigen zu lassen. Es ist aber durchaus nicht nötig, daß ein muldenförmiger Bau der Schichten 
vorliegt: auch die in Form einer Flexur (knieförmige Abbiegung) gebauten Gebirge besitzen naturgemäß die gleiche 
Eigenschaft, auch sie vermögen sowohl natürliche Quellen zutage treten zu lassen, als auch aus Bohrlöchern Wasser 
bis über die Oberfläche zu führen. 

Noch viel häufiger ist der Fall, daß auf geneigten Schichten das Wasser in die Tiefe wandert und seinen 
Weg so lange fortsetzt, bis das Schichtensystem durch eine Verwerfungslinie abgeschnitten wird, oder bis undurch- 
lässige Eruptivgesteine es seitlich begrenzen. In solchen Fällen dienen die Spalten oder die Grenze des undurch- 
lässigen Gesteins als anderer Schenkel der kommunizierenden Röhren, durch den das Was.ser dann unter Zurück- 
legung eines viel kürzeren Weges und in viel kürzerer Zeit, als es zu seinem Absinken gebraucht hat, wieder an 
die Erdoberfläche gelangen kann. Durch einen solchen Aufbau der Schichten sind auch eine sehr große Anzahl 
von Mineralquellen zu erklären. Naturgemäß hängt der Grad und die Art der Mineralisierung auch wieder durch- 
aus ab von der Beschaffenheit der vom Wasser durchwanderten Gesteine. Reine Quarzsandsteine, Tonschiefer, 
Gneise und andere kristallinische Gesteine bieten dem Wasser verhältnismäßig wenig Gelegenheit, mineralische 
Substanzen in größerer Menge in sich aufzunehmen. Werden dagegen Kalksteine, Mergel, tonige Sandsteine, Gipse 
und Dolomite passiert, oder gar salzführende Schichten durchwandert, so erfolgt eine Aufnahme sehr großer Mengen 
von mineralischen Substanzen. Die Temperatur solcher Quellen ist naturgemäß abhängig einerseits von der Tiefe, 
bis zu welcher das Wasser auf dem absteigenden Aste in die, wie wir gesehen haben, nach der Tiefe zu immer 
wärmer werdende Erde hinabsinkt, anderseits von dem Querschnitte der Spalte, auf welcher es wieder zutage strebt. 
Die Zerlegung der Erdrinde durch Spalten in einzelne gegeneinander bewegliche Schollen ist für die Entstehung 
von Mineralquellen von größter Bedeutung. Der Zusammenhang zwischen dem Reichtum an Mineralquellen und 
dem häufigen Auftreten von Erdbeben, die gleichfalls zum größten Teile an spaltenreiche Gebiete geknüpft sind, 
in einem und demselben Gebiete ist dafür der beste Beweis. Diese Spalten kommunizieren miteinander in vielen 
Fällen über weitausgedehnte Gebiete hin und ermöglichen eine seitliche Bewegung des Wassers, durch die es 
erklärlich wird, daß z. B. Solquellen, die unzweifelhaft den Salzen des Zechsteins ihre Entstehung verdanken, in 
älteren Gesteinen, die keinesfalls von dieser Formation und deren Salzschätzen mehr unterlagert sein können, zutage 
treten. Hier erfolgt die Sättigung des Wassers innerhalb des Verbreitungsgebietes der Zechsteinformation, aber die 
Sole bewegt sich alsdann oft meilenweit in den Spaltenfugen seitwärts und gelangt oft erst nach langer Wanderung 
außerhalb des Zechsteingebietes wieder an die Oberfläche. So erklärt sich beispielsweise das Auftreten der Sole 
in den Melaphyren von Kreuznach, in dem Porphyr von Sennewitz bei Halle, im Karbon Westfalens, in den 
silurischen Quarziten von Gommem bei Magdeburg, in den devonischen Gesteinen des Taunus, im Stringocephalen- 
kalk von Nauheim, alles Gesteine, die ein höheres geologisches Alter besitzen als der Zechstein selbst Anderseits 
gestatten die Spalten den Salzlösungen den Übertritt in jüngere Gresteine, z. B. in die Kreideschichten bei Oeynhausen 
und in der Münsterschen Bucht, in den Buntsandstein bei Kissingen und selbst in die jüngsten Tertiär- und 
Diluvialgesteine des norddeutschen Flachlandes (Swinemünde, Dievenow, Kolberg). 

3. Die bisher genannten Fälle betreffen ausschließlich solche Wässer, welche nach den oben gemachten Aus- 
führungen als Grundwässer zu bezeichnen sind, also sich seit alters her in dem Kreislaufe zwischen Atmosphäre, 
Greosphäre und Hydrosphäre bewegen. Dagegen kommt die dritte Kraft, welche wir oben als Ursache des Zutage- 
tretens von Quellen anführten, die Auftriebkraft der Gase, fast nur den Quellen vulkanischen Ursprungs zu, 
nämlich aUen denen, bei welchen Wasserdampf und Kohlensäure die Stoß Wirkung ausüben. Nur das dritte hier 
noch in Betracht kommende Gas, Kohlenwasserstoffe, kann sowohl vulkanischen Ursprungs sein, als auch in der 
erkalteten Erdrinde seinen Ursprung haben. 

Betrachten wir zunächst die mechanische Seite des Quellenauftriebes durch stoßende Gase. Die durch Ent- 
gasung der vulkanischen Magmen frei werdenden Wasserdämpfe bewegen sich zunächst in Gasform in den Spalten, 
durch welche die vulkanischen Herde mit der Erdoberfläche in Verbindung stehen, aufwärts, und zwar so lange, 
bis der Druck und die Temperatm-verhältnisse eine Kondensation des Wasserdampfes zu flüssigem Wasser gestatten. 
Dieses flüssige, weit über 100° heiße Wasser würde naturgemäß wieder, der Schwere folgend, sich auf der Spalte 
abwärts bewegen und seinem Ausgangspunkte wieder zustreben, wenn es nicht durch die immerfort nachströmenden 
Dampf- und Gasmassen daran verhindert würde. Wenn wir eine Selterswasserflasche öffnen, so sehen wir, daß 
durch die in der Flasche sich entwickelnden Gase eine gewisse Menge von Wasser mit großer Gewalt aus dem 
Flaschenhalse herausgetrieben wird. In derselben Weise vollzieht sich die Aufwärtsbewegung des Wassers in den 
Spalten unter der Einwirkung der nachdringenden Wasserdämpfe oder der Kohlensäure, nur mit dem Unterschiede, 
daß die Wirkungen hier unendlich viel großartiger sind, und daß bedeutende Wassersäulen Tausende von Metern 



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emporgehoben werden können. Allmählich gelangen die Wasserdämpfe vollständig zur Kondensation, aber die 
stoßende Kraft der von unten her nachdrängenden Wasserdämpfe wirkt natürlich immer weiter, stellenweise noch 
unterstützt von der im Wasser enthaltenen Kohlensäiu-e. Wir sehen die Wirkungen der letzteren da, wo durch 
Bohrungen Kohlensäure führende Spalten angeschlagen werden. Sind die Spalten wasserfrei, so entströmt die Kohlen- 
säure mit ungeheurer Gewalt und mit einem viele Atmosphären betragenden Drucke der Mündimg der Bohrlöcher. 
Haben von der Seite her Grundwässer zu der Spalte Zutritt gefunden, so werden sie mit derselben Gewalt empor- 
gerissen, und mit lautem Getöse entsteigen stoßweise mächtige Wasserfontänen, mit Kohlensäure untermischt, der 
Röhre. Diese, in gewissem Sinne künstlichen Kohlensäurequellen (Brohltal, Sondra) bilden eine vollkommene Ana- 
logie zu den natürhchen Säuerlingen. Die bei der Entgasung der vulkanischen Magmen frei werdenden Gase 
sind aber nicht ausschließlich Kohlensäure und Wasserdampf, sondern es treten dazu auch, um von unter- 
geordneten Gasen (Borsäure, Fluorwasserstoff u. a.) zu schweigen, vor allen Dingen noch Salzsäure und Schwefelwasser- 
stoff. Beide werden bei der Kondensation des Dampfes vom Wasser aufgenommen und vermögen nun ihrerseits und 

■ in Verbindung mit der Kohlensäure in außerordentlich energischer Weise selbst auf sehr widerstandsfähige Gesteine 
einzuwirken. Es vollzieht sich in den feldspatreichen Gesteinen der Erde, die von solchen sauren, heißen Wässern 
passiert werden, ein Umsetzungsprozeß der Feldspate, als dessen Endergebnis wir gelöste Alkalien, alkalische Erden 
und Eisenverbindungen sowie gelöste Kieselsäure erkennen, während als Rückstand ein Gemenge von Quarz und 
wasserhaltigem Aluminiumsilikat, dem Kaolin, übrigbleibt. Die primären Kaolinlagerstätten unserer Erde sind 
wahrscheinlich zum größten Teile nichts anderes als stumme Zeugen einer ehemals in ihrem Verbreitungsgebiete 
vorhanden gewesenen energischen Tätigkeit heißer vulkanischer Quellen. Die Salze, welche von solchen heißen 
Quellen zutage gefördert werden, bleiben auch an der Oberfläche zunächst in gelöster Form in ihnen enthalten, 
während die Kieselsäure schon bei mäßiger Abkühlung nicht mehr gelöst bleibt, sondern sich als Kieselsinter abscheidet. 

Wie bereits bemerkt, können auch Kohlenwasserstoffe aus den vulkanischen Tiefen empordringen. Ihre Ent- 
stehung ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, daß im Magma Verbindungen von Kohlenstoff und Metallen 
von der Art der Karbide vorhanden sind, die bei der Berührung mit Wasser sich unter Bildung von Kohlenwasser- 
stoffen zersetzen. Die weitaus größere Menge derjenigen Quellen aber, die durch die Stoßkraft von gasförmigen 
Kohlenwasserstoffen an die Erdoberfläche geführt werden, verdankt dieses Gas wenigstens unmittelbar nicht den 
vulkanischen Tiefen der Erde, sondern den in zahlreichen Formationen, vom Silur bis zu den jungen Tertiär- 
bUdimgen sich findenden Kohlenwasserstoffen von der Art des Petroleums und der Naphtha. Zu dieser Art der 
Quellen gehört beispielsweise der brennende Geysir von Kane in Pennsylvanien, ferner die durch Kohlenwasserstoffe 
erzeugten Schlammvulkane der Naphthagebiete bei Baku und Kertsch. 

V. Beziehungen zwischen Mineral- und Grundwasser. 

Wohl nur wenige Mineralquellen würden mit dem ihnen eigentümlichen Mineralgehalte die Oberfläche erreichen, 
wenn die Natur sie nicht in den Stand gesetzt hätte, sich selbst gegen das seitliche Zufliessen von Grundwasser 
mehr oder weniger vollkommen zu schützen. Bei der außerordentlichen Verbreitung, welche bis zu gewissen 
Tiefen der Erde das Grundwasser vornehmlich in allen klüftigen Gesteinen und in den großen Verwerfungsspalten 

■ besitzt, würde es in den meisten Fällen die aufsteigenden Mineralwässer im höchsten Maße verdünnen und ent- 
werten. Daß in der Tat viele Mineralquellen solche Zuflüsse von Grundwasser erhalten, geht aus den Schwankungen 
ihrer Wassermenge und Zusammensetzung auf das deutlichste hervor und ist an und für sich durchaus kein Grund, 
sie als mindenvertig zu betrachten. Anderseits aber sehen wir viele Quellen mit einer so auffälligen Gleichmäßigkeit 
der Temperatur, der Ergiebigkeit, des Gasgehaltes und der chemischen Zusammensetzung die Oberfläche erreichen, 
daß jeglicher Zufluß gewöhnlichen Grundwassers bei Omen ausgeschlossen sein muß. Man beobachtet sogar, beispiels- 
weise in Neuseeland und Island, daß siedende Quellen inmitten eines Flusses mit eisigem Wasser oder im Meere, 
oder mineralische Quellen wie bei Ems im Bette des Flusses zutage treten. Alle diese eigentümlichen Erscheinungen 
erklären sich aus der chemischen Zusammensetzung des Mineralwassers, die es der Quelle ermöglicht, den Kanal, 
auf welchem sie aus der Tiefe zur Oberfläche emporsteigt, selbsttätig zu dichten und damit den Zutritt des Gnmd- 
wassers zu verhindern. 

Wir haben schon oben gesehen, daß das Calciumhydrokarbonat unter Abspaltung der Hälfte der Kohlensäure 
unlöslich wird. Eine solche Abscheidung braucht nicht erst über Tage zu erfolgen, sondern kann auch schon in 
gewisser Entfernung vom Austrittspunkte der Quelle in der Erde eintreten. Das sich abscheidende Calciumkarbonat 
schlägt sich alsdann auf den Wandimgen des Quellkanals nieder und überzieht dieselben unter gleichzeitiger Ver- 
kittung der einzelnen Gesteinstrümmer mit einer undurchlässigen Kalksinterschicht. In ganz ähnlieher Weise kann 



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auch das Eisenhydrokarbonat ausgefällt werden, und es entstehen dann gewissermaßen natürliche Verrohrungen der 
QueUröhre mit Brauneisenstein. Das wichtigste Dichtungsmittel für viele Quellen und insbesondere für die Thermen 
bildet die Kieselsäure. Wir wir oben gesehen haben, ist dieselbe in heißem alkalischen Wasser löslich, aber ihre 
Löslichkeit vermindert sich mit der abnehmenden Temperatur. Infolgedessen fällt schon, wenn das Wasser sich 
bei abnehmendem Drucke bis auf 100° abgekühlt hat, ein Teil der Kieselsäure aus, und diese Abscheidung dauert 
fort bis zum Erreichen der Quellmündung und darüber hinaus. So entsteht tief in der Erde eine richtige Ab- 
dichtung der Quelle mit Kieselsinter, und so erklärt sich nicht nur die erfolgreiche Absperrung des Grundwassers, 
sondern auch der Umstand, daß gewöhnliches Wasser und Mineralwasser, unmittelbar nebeneinander, unvermischt 
der Erde entspringen. Es erklärt sich ferner daraus, daß hart nebeneinander mehrere Mineralquellen mit ver- 
schiedener Temperatur und Zusammensetzung zutage treten ; die einzelnen Wasserstränge haben verschiedene Gebirgs- 
schichten durchwandert, dabei verschiedenartige Mineralien in Lösung übergeführt und ihre Kanäle gegeneinander 
abgedichtet. Es ist deshalb einleuchtend, daß alle Eingriffe in den außerordentlich zarten und empfindlichen 
Mechanismus der Mineralquellen mit größter Überlegung und imter Berücksichtigung aller dieser Möglichkeiten 
ins Werk gesetzt werden müssen, wenn man nicht die Ergiebigkeit und die Gleichmäßigkeit der Zusammensetzung 
der Quelle gefährden wUl. 



Anhang: a) Über die Fassung von Mineralquellen. 

Von A. Scherrer, 
Ingenieur in Ems. 

Jede Mineralquelle ist ein Individuum für sich: im Entstehen, im Hervortreten aus dem Gebirgsinnem, im 
Verhalten beim Austritt an die Erdoberfläche, in der Verwendung zu Trink- und Badekuren, in der Behandlung 
als Versandwasser und ebenso auch in den Maßnahmen, welche für eine Fassung der Quelle erforderlich sind.i) 

Die jetzt vorhandenen Quellen sind teils natürliche Ausflüsse, die einer besonderen Fassung nicht 
bedurften, teils sind sie bereits mit künstlichen Fassungen versehen. Entweder sind die Mineralquellen da gefaßt, wo 
Mineralwasser sich an der Erdoberfläche bemerkbar machte, oder sie sind durch Bohren oder Schürfen erschlossen 
worden. Der Zweck einer Fassung ist, das Benutzen der Quelle mittels Schöpfens usw. zu erleichtern, den Ausfluß 
des Wassers vor Beschädigung, Vermischung mit Grund- und Oberflächenwasser und Verunreinigung zu schützen 
und gegebenenfalls die Menge des ausfließenden Wassers zu steigern. Wenn z. B. schon vor über 2000 Jahren 
die Römer in einzelnen ihrer deutschen Niederlassungen viele Meter tiefe Schächte gegraben haben, um Mineral- 
quellen zu fassen, so waren auch diese Quellen, wie heute noch, an der Erdoberfläche kenntlich, und die Römer 
haben die tiefen Schächte nur deshalb gegraben (z. B. in Bertrich a. d. Mosel), um das reine Mineralwasser in 
eine geschlossene Röhre zu bekommen und unvermischt durch das darüberliegende Grundwasser hindurchzuführen. 

Ob man beim Aufsuchen von Mineralquellen schürfen oder bohren soU, hängt von verschiedenen Umständen 
ab. Die Schürfung hat den großen Vorteil, daß man alle Vorgänge in ihren Einzelheiten beobachten kann. Beim 
Bohren ist der Erfolg von Zufälligkeiten abhängig. Hierbei sind zunächst die Alluvial- und Diluvialschichten zu 
durchteufen, bevor man auf den festen Felsen anlangt. Die Felsenschichten haben eine mehr oder weniger ge- 
neigte Lage; je nachdem die einzelnen Schichten hart oder weich sind, weicht der Bohrer aus, das Bohrloch wird 
somit nicht gerade, sondern zickzackförmig. Wenn dann in einer Tiefe von vielleicht mehreren hundert Metern 
die reine Mineralquelle mit dem Bohrloch auch erschlossen wurde, so sind die in den durchsunkenen , hängenden 
Schichten zirkidierenden gewöhnlichen Wässer im Bohrloch zusammendrainiert und vermischt mit dem Mineralwasser. 
Durch eine sogenannte Verrohrung, d. h. durch das Hineinsenken einer möglichst an die Bohrlochwandungen an- 
liegenden Röhre von entsprechend widerstandsfähigem Material, welche bis auf die Mineralquelle hinunterreicht, ver- 
sucht man die gewöhnlichen Wässer vom Mineralwasser abzuhalten. Weil das Bohrloch jedoch eine Zickzacklinie 
beschreibt, kann nur eine bedeutend engere Röhre eingeführt werden, als der Durchmesser des Bohrloches beträgt, 
und es entsteht dadurch ein Ringkanal zwischen Verrohrung und Bohrloch, der, mit Sand ausgefüllt, der Vermischung 



') A. Scherrer sen., „Mechanismus der Quellenbildung und die Biliner Mineralquellen"; Vortrag, gehalten auf der Haupt- 
versammlimg des Vereins der Kurorte und Mineralquelleninteressenten usw. in Kissingen. Balneol. Ztg. 1905 8. 113. 
A. Scherrer jun., „Über moderne Quellfassungen". Balneol. Ztg. 1905 S. 65. 



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der verscWedenen Wässer einen gewissen Widerstand entgegensetzt. Eine vollständige Trennung der Wässer, wie dies 
bei der Schürfung ermöglicht ist, kommt nicht zustande. Anderseits bietet die Bohrung allerdings den Vorteil, daß 
dabei Quellen aus einer Tiefe aufgeschlossen werden können, welche mit einer Schürfung nicht zu erreichen wären. 
Die Neufassung einer Mineralquelle kann aus verschiedenen Gründen notwendig werden, so z. B. wenn 
Schwankungen in der Zusammensetzung des Wassers oder im Ertrag der betreffenden Quelle in verschiedener 
Jahreszeit oder bei verschiedener Witterung vorhanden sind. Derartige Schwankungen weisen in der Kegel auf 
mangelhafte Abdichtung gegen das Grundwasser hin. Bei trockener Jahreszeit tritt in solchen Fällen Mineralwasser 
in das Grundwasser über; bei atmosphärischen Niederschlägen und damit steigendem Grundwasser wird gewöhn- 
liches Wasser im Erdinnern dem Mineralwasser sich beimischen können. 

Entsteigen in der Umgebung einer Mineralquelle dem Boden Dampf- oder Gasblasen, so ist dies ein Beweis, 
daß außerhalb der Fassung warmes oder gashaltiges Wasser den Untergrund durchdringt. Bei einem gashaltigen 
Wasser verraten also die aufsteigenden Gasblasen die Kichtung, aus welcher die Quelle herkommt. 

Angenommen, es werde zum Zweck der Neufassung einer Quelle eine Grube aufgeworfen um den Quell- 
austritt herum, bis auf der ganzen Sohle der Grube Wasser erscheint, und es steigen an einzelnen Stellen in der 
Grube Gasblasen auf, so ist die Quelle in der Tiefe da zu suchen, wo die Gasblasen erscheinen, und dabei wird 
sich bald herausstellen, ob diese Blasen auf einer Linie erscheinen, das Mineralwasser demnach aus einer Schicht- 
fuge oder aus einem RIß des Gebirges emporquillt, oder nach allen Richtungen zerstreut das Felsengebirge ver- 
läßt, ob die Fassungsgrube demnach eine längliche oder mehr runde Form größeren oder kleineren Umfanges an- 
zunehmen hat. 

Mineralquellen, welche kein freies Gas enthalten, muß man mit HiKe des Thermometers oder durch Be- 
stimmimg der gelösten festen Bestandteile verfolgen. Entfernt man z. B. eine alte Fassung, und es treten in der 
hierdurch entstehenden Grube oder dem dabei entstehenden Graben verschiedenartige Wässer zutage, so kann man 
durch Titration binnen weniger Mmuten feststellen, welcher Zufluß der gehaltreichste ist und welchem daher nach- 
gegraben werden muß. Ähnlich verhält es sich mit der Temperatur. Eine wenn auch niur um wenige zehntel 
oder hundertstel Grad höhere Temperatur gegenüber gewöhnlichem Wasser zeigt ein Entströmen des Wassers aus 
tieferen Schichten der Erde an. 

Um eine rationelle Fassung einer Mineralquelle bewerkstelligen zu können, ist vor allen Dingen eine Basis 
im Gebirgsinnern aufzusuchen, auf der man eine Dichtung anbringen kann. Die beste Basis bilden natürlich 
Felsen, jedoch auch diese können so vom Mineralwasser zersetzt sein, daß eine vollständige Abdichtung nicht her- 
zustellen ist. Von den Römern hergestellte Fassungen, die mehrfach aufgedeckt wurden, haben jeweils darin be- 
standen, daß über die Quellaustritte eine große Steinplatte auf die vorher entsprechend hergerichtete Felsenoberfläche 
gelegt wurde. In die Steinplatte wurde ein rundes Loch gemeißelt, und am Rande der Steinplatte wurden zwischen 
diese und die Felsenoberfläche genau eingepaßte Holzkeüchen, eines dicht an das andere, getrieben, bis das Wasser 
zwischen Felsen und Platte nicht mehr austreten, sondern durch das Loch in der Platte aufsteigen mußte. In 
dieses Loch sind nachher metallene oder hölzerne Steigröhren eingeschlagen worden, um das Wasser nach oben zu 
führen. Je nach der Eigenschaft des Wassers, derjenigen der Felsen und derjenigen der Steinplatte hat eine derartige 
Fassung kürzere oder längere Zeit vorgehalten, i) 

Kohlensäurehaltige Wässer, vornehmlich Thermal wässer , haben diese Holzkeile und Holzrohre bis zu Brei 
erweicht, so daß das Mineralwasser durchbrechen konnte; auch die Steinplatten sind durch das Wasser zerstört 
worden. Bei Ausgrabungen wurden über 2000 Jahre alte Bleiröhren vollständig erhalten vorgefunden, da aber, 
wo sie ursprünglich mit Traßmörtel eingemauert waren, vollständig zerstört. Bei Quellen anderer Zusammensetzung 
sind umgekehrt die Bleiröhren im Traßmörtel erhalten und vom Erdreich umgebene zerstört worden. Ähnlich ver- 
hält es sich mit dem Zinn und anderen Metallen. Ein im Krauchen von Ems gefundener Zinnbecher, der 
zweifellos mehrere Jahrhunderte in einem früher unzugänglichen Felsenloch der Quelle gelegen hat, war inkrustiert, 
römische Kupfermünzen bis auf ein dünnes Gerippe aufgelöst, andere daneben liegende, mit Tonschlamm bedeckte 
Kupfermünzen vollständig erhalten geblieben. Bronzegegenstände, alte Schmucksachen, Münzen, die in der Vorzeit 
den Quellen geopfert wurden, sind fast durchweg erhalten geblieben. 

Man kann also nicht sagen, daß es ein Metall gäbe, das sich für alle MLneralquellenfassungen eigne. Um 
festzustellen, welches Metall sich für eine Quellfassung am besten eignet, sind an Feilspänen der in Betracht 
koramenden Metalle Untersuchungen über ihre Widerstandsfähigkeit gegen das betreffende Mineralwasser anzustellen. 



') A. Scherrer, „Schicksale einer deutschen Mineralquelle während 2000 Jahren". Bericht über die Hauptversammlimg 
des Vereins der Kurorte und Mineralquelleninteressenten usw. in Coblenz 1903 S. 104. 



— XXX — 

Bei der Befestigung der Metallfassung auf den Felsen ist möglichst wenig Kalk, Zement oder Traßmörtel 
zu verwenden. Viele Quellen machen den Zement porös und wasserdurchlässig; ganz unlöslich ist nur Ton (Lette). 
Da dieser jedoch, künstlich eingebracht, sehr leicht Trübungen im Mineralwasser herbeiführt, ist es zweckmäßig, 
die Felsenoberfläche, in welcher das Mineralwasser zirkuliert, aufs peinlichste zu reinigen, einen möglichst wenig 
dicken Zementüberzug auf die Felsen aufzutragen und mit diesem die Metallfassung auf die Felsen festzukitten. 
Wenn der Zement erhärtet ist, soll darüber eine möglichst große Letteschicht aufgestampft werden zur vollständigen 
und dauernden Abdichtung. Die dünne Zementschicht wird zwar im Verlauf der Jahre undicht, inzwischen hat 
jedoch der eingestampfte Ton eine derart feste Lagerung angenommen, daß eine Trübung des Wassers nicht mehr 
zu gewärtigen ist. 

Die meisten alten und viele Fassungsversuche der neueren Zeit sind an der Schwierigkeit der Wasserhaltung 
während der Arbeiten gescheitert In die Baugrube dringt nicht nur von unten Mineralwasser, sondern von den 
Seiten und von oben herunter gewöhnliches Wasser. Man bringt deshalb gleichzeitig außerhalb und innerhalb der 
Fassung je eine Pumpe an, um außen das gewöhnliche und innen das Mineralwasser auszupumpen, bis die Dichtung, 
der Zement oder die Lette, zwischen den beiden Wässern eingebracht und wasserdicht geworden ist. Unterbrechungen 
der Sümpfung, wenn auch nur von wenigen Minuten, sind aber unvermeidlich, und ein Steigen des betreffenden 
Wasserspiegels genügt, um das eine oder andere Wasser durch Haarrisse in den Felsen, unter dem noch nicht er- 
starrten Zement hindurch, nach dem andern Wasser hinüberzudrängen. 

Während des Fassens einer Quelle imd der Entsümpfung der Baugrube sind andere Wasserzirkulations- 
verhältnisse in der Umgebung der Baugrube und unter derselben vorhanden, als wenn die Fassung vollendet, 
das Grundwasser seinen normalen Stand und das Mineralwasser seine natürliche Überlaufhöhe wieder angenommen 
hat Es gehören also besondere Erfahrung, geübte Arbeiter und entsprechende Aufsicht dazu, um das bestmögliche 
Resultat zu erreichen. 

Die Größe der Fassung, d. h. die Größe des Hohlraumes, in dem das Mineralwasser sich sammelt, um nach 
der Erdoberfläche aufzusteigen, richtet sich nach der Beschaffenheit imd Menge des Mineralwassers, das den Felsen 
entspringt. Ist der Fassungsraimi zu groß und die Steigröhre zu weit, so hält das Mineralwasser sich darin zu 
lange auf, Thermalwasser wird gekühlt, gashaltiges Wasser gewinnt Zeit, Gas abzuspalten, Wasser ohne Gasüber- 
schuss nimmt zirkulierende Bewegung im Hohlraum an, wodurch Trübung und Entwertung entstehen kann. Zu 
enge Fassungsräume und zu enge Steigröhren setzen dem durchfließenden, nicht stark gashaltigen Wasser zu großen 
Widerstand entgegen und geben Veranlassung, daß das Mineralwasser an imbekannten Stellen wieder verloren geht 
Bei stark gashaltigen Wässern können infolge zu enger Steigröhren Sprudel erzeugt werden dadurch, daß das aus 
dem Wasser freiwerdende Gas mit größerer Geschwindigkeit nach oben treibt als das Wasser, wobei das letztere 
mitgerissen wird, weil die Röhre zu eng ist, lun Gas und Wasser nebeneinander vorbeizulassen. Bei dem gewalt- 
samen Herausschleudern des gashaltigen Wassers aus der Quelle wird dasselbe so stark erschüttert, daß das Wasser 
nur in gasarmem Zustande nutzbar gemacht werden kann. Anderseits können tiefliegende kohlensäurehaltige Quellen, 
die von selbst nicht an die Oberfläche aufsteigen würden, dm-ch sachgemäße Konstruktion der Steigröhren zur 
Sprudelbildung und damit zum Auftrieb bis über die Erdoberfläche gebracht werden. Fast immer sind aber der- 
artige Quellen Schwankungen in der Zusammensetzung und im Ertrage unterworfen. 

Mineralquellen, die nicht an die Erdoberfläche aufsteigen, in Brunnen gesammelt und mittelst Pumpen gehoben 
werden, erliegen dem Einfluß der Störungen im hydrostatischen Gleichgewicht, wenn die Pumpen nicht ununter- 
brochen arbeiten. Solche Quellen, besser gesagt Brunnen, in denen sich unterirdisches Wasser sammelt, haben nur 
so lange einen Zufluß, als das Wasser im Brunnenschacht eine gewisse Höhe noch nicht erreicht hat. Der Erguß 
von Mineralquellen ist stets gleichmäßig; wenn also das Mineralwasser in den Brunnen nicht mehr einfließen kann, 
muß dasselbe anderswohin abfließen, es verliert sich in das Grundwasser hinaus und vermischt sich mit diesem. 
Während das Wasser aus den Brunnen mittebt Pumpen oder sonstwie gehoben wird, fließt zwar anfangs verhält- 
nismäßig reines Mineralwasser dem Brunnen zu, bei gesteigerter Wasserentnahme tritt aber auch auf demselben 
Wege, auf dem sonst das Mineralwasser hinausgeht, gewöhnliches Wasser, mitunter verunreinigtes Grundwasser, in 
den Brunnen hinein, bis nach und nach durch die Wechselwirkung des Zu- und Abfließens der Brunnen völlig 
entwertet ist Diesem Übelstande hilft man dadurch ab, daß am Boden des Brunnens die Mineralquelle gefaßt 
und ein Steigrohr eingebaut wird, durch das die Quelle, stets auf die gleiche Überlaufhöhe aufgetrieben, in den wasser- 
dicht gemachten Brunnen überläuft und aus demselben nach Bedarf gepumpt werden kann, während ein Rohr das 
nicht gepumpte Wasser ableitet Selbstredend sind derartig gewonnene Wässer nicht denen gleichwertig, die un- 
mittelbar aus der fließenden Quelle entnommen werden, weil das Wasser bei seinem Aufenthalt im Brunnen 
chemische Veränderungen erleiden kann. 



— XXXI — 

Für die Verwendung des Wassers von nicht genügend aufsteigenden Quellen zu Trink- und Versandzwecken 
ist eine wasserdichte Grube herzustellen, welche etwas tiefer ist als der Mineralwasserüberlauf, und in der die Ver- 
sandgefäße oder die Trinkgläser gefüllt werden. Früher hat man derartige Quellen (und es bestehen noch eine 
ganze Anzahl solcher Eiarichtungen) in einem Brunnen angestaut und in diesen besondere Schöpfgefäße oder auch 
die Trinkgläser und Versandgefäße eingetaucht. Abgesehen von der Veränderung, welche das Mineralwasser in dem 
oben offenen Brunnen erleidet, ist ein derartiger Betrieb hygienisch zu beanstanden. 

In einwandfreier Weise begegnet man all diesen Übelständen damit, daß auf dem Quellenstandrohr ein Gefäß 
von entsprechender Größe aufgebaut wird, in das das Wasser überläuft. Dieses Gefäß ist mit einer aufgeschraubten 
Glasglocke hermetisch oben abgedeckt, in einer Form, die das Spiel der Quelle beobachten läßt. An der Seite 
sind eine entsprechende Anzahl Hähne zur Füllung der Trinkgläser vmd ebenso Überlaufröhren mit Siphonver- 
schlüssen für Gas und Wasser angebracht, um das nicht durch die Hähne abgelassene Wasser und das Gas ohne 
Verunreinigung der Quelle abzufüliren. Dieser Quellenauslauf ist in einer entsprechend architektonisch ausgestalteten, 
treppenförmigen Grube angeordnet, in welcher das FüUpersonal hantiert. Überall darf nur widerstandsfähiges 
Material verwendet werden. Marmor, Zement, also auch in Zement gelegte Kacheln, Schiefer, sogenannter belgischer 
Granit usw. werden von Mineralwasser allmählich angegriffen; dagegen halten sich polierter Granit, Porphyr, 
Serpentin u. dgl. vorzüglich. Je glatter die Wandflächen und je sauberer die Ausführung, desto leichter und rein- 
licher die Instandhaltung; Reinlichkeit allerwegen ist erste Bedingung für alle Mineralquellenbetriebe. 



b) Über die Trink- und Badeeinrichtungen in den Kurorten. 

Von Dr. A. Winckler, 
Sanitätsrat, Königl. dirigierender Bnmnenarzt in Bad Nenndorf. 

Zum Trinken kann das Mineralwasser nvur dort unmittelbar in Trinkgläsern aufgefangen werden, wo es in 
Gestalt eines gebundenen Strahls frei am Fuße eines Berges oder als Überlauf aus der aufgestauten Quelle oder 
als ein aus einem Bohrloch über die Erdoberfläche aufsteigender Sprudel zutage tritt. 

In manchen Fällen muß das Mineralwasser auf künstliche Weise zutage gebracht werden, nämlich wo die 
Mineralquellen als Brunnenschächte mit tief hegendem Wasserspiegel und entsprechend tiefem Ablauf gefaßt sind. 
Zum Schöpfen aus solchen Brunnenkesseln bediente man sich ehemals einer Stange, an deren Ende die Trinkgläser 
befestigt wurden. Neuerdings ist das Schöpfen durch reinlicher und bequemer arbeitende Schöpfvorrichtungen 
(Pumpen) ersetzt worden. 

Zur Erwärmung des Mineralwassers werden die gefüllten Trinkgläser meist in gemeinsam zu benutzende, in 
den Trinkhallen oder Wandelgängen aufgestellte Kästen mit heißem Wasser gestellt, bis sie die gewünschte Tem- 
- peratur angenommen haben. Diese Wasserkästen werden auf verschiedene Weise geheizt (Dampfheizröhren, Holz- 
kohlenfeuer). Unter Umständen wird dem Mineralwasser heißes Süßwasser oder heiße Milch zugesetzt. Man hat 
auch vereinzelte Versuche gemacht, das Mineralwasser in Leitungsröhren durch umgebendes heißes Wasser vor der 
Entnahme zu erwärmen. 

Das Spülen der Trinkgläser soll nicht im Wasser der Quelle erfolgen; vielfach (z. B. in Ems) werden die 
Gläser nach dem Gebrauch mit Wasser unter Zusatz von Salzsäure gereinigt und mit Süßwasser nachgespült. 

Während das Mineralwasser zum Trinken in den meisten Fällen an der Quelle selbst Verwendung findet, 
erheischt die Verwendung zum Baden meistens, daß es in großen Mengen von der Quelle zu den Badeeinrichtungen 
geführt und dort erwärmt werde. Dabei erwächst die Aufgabe, das Mineralwasser auf dem Wege bis zur Wanne 
möglichst unverändert zu erhalten. 

Wenige Mineralquellen haben eine so starke Schüttung, daß sie bei großer Nachfrage nach Bädern in der 
Hauptkurzeit die erforderliche Badewassermenge unmittelbar liefern können. Daher werden häufig neben den 
Quellen unterirdische Behälter angelegt, die so geräumig sind, daß sie diejenigen Mineralwassermengen, die während 
der Nachtstunden ungenützt aus den Quellen abfließen würden, aufsammeln. Ein solcher Behälter wird aus sehr 
hart gebrannten Backsteinen mit Zement gemauert, steht mit dem Brunnen durch ein Rohr in Verbindung imd 
soUte gleichwie dieser nach Bedarf gründlich gereinigt werden, wenn das Mineralwasser Sinter oder Schlamm 



— XXXII — 

ubsetzt Unter Umständen wird auch das Wasser mehrerer Mineralquellen in einem gemeinsamen Behälter ver- 
einigt. Die Fortleitung des Mineralwassers aus diesen Behältern in die Wannen gestaltet sich einfach, wenn das 
Badehaus so tief liegt, daß das natürliche Gefälle des Wassers benutzt werden kann; anderenfalls muß das Wasser 
hochgepumpt werden, sei es unmittelbar in die Wannen, sei es in besondere Hochbehälter. Man sollte Pumpen 
von großem Zylinderdurchmesser mit langsamem Gang benutzen, damit der Austritt von Gasen aus dem Mineral- 
wasser beim Emporsaugen möglichst bescliränkt werde; das gilt namentlich für Säuerlinge und Schwefelwässer. 
Die Saug- und Druckröhren soUten ebenfalls verhältnismäßig großen Durchmesser haben und keine scharfen 
Biegungen und Knickungen aufweisen. 

Auf das Material der Leitungen für Mineralwasser muß größere Sorgfalt als für die von Süßwasser gelegt 
werden. Röhren aus Eisen sind nur ausnahmsweise zu gebrauchen, da sowohl schmiedeeiserne als gußeiserne 
Röhren trotz Asphaltierung von den meisten Mineralwässern angegriffen werden, wobei das Wasser verunreinigt 
wird. Als Röhrenmaterial hat sich Holz bewährt, das von Mineralwasser nicht wesentlich angegriffen wird 
(Oeynhausen, Abbach mit einer 500 m langen, Levico mit einer 1000 m langen, Vichy mit einer 3000 m 
langen, Ragaz-Pfäffers mit einer 3750 m langen und Gastein mit einer 8000 m langen Leitung). Die Holzröhren 
sind meistens ausgebohrte Fichten-, Erlen- oder Buchenstämme. Bei geringem Gefälle benutzt man mitunter die 
aus Stäben von lufttrockenem, splintfreiem Erlenholz zusammengesetzten amerikanischen Holzröhren, die mit 
asphaltierten Stahlbändern spiralförmig umwunden sind und ineinandergekeilt werden. Für höheren Druck werden 
holzgefütterte eiserne Röhren mit Flanschenverbindung oder holzgefütterte Mannesmannröhren mit Muffen ver- 
wendet, die leicht ausgewechselt werden können. Dem Einfrieren sind Holzleitungen weniger ausgesetzt als andere, 
da Holz ein schlechter Wärmeleiter ist. Außerdem sind noch Röhren aus Kupfer, Blei, Aluminium, Ton 
und Zement im Gebrauch. Aluminiumröhren wurden neuerdings in Nenndorf für Schwefel wasser angewendet. 
Endlich hat man auch Eisenrohre, in die Glasröhren mit HUfe von Zement eingesetzt sind und die einen lichten 
Durchmesser von 18 mm bei nur 25 cm Länge aufweisen. Es gibt also bei derartigen Rohrleitungen verhältnis- 
mäßig viele Stöße, doch entsprechen sie im übrigen ihrem Zweck. 

Auch die Vorrichtungen zum Erwärmen des Badewassers erfordern besondere Sorgfalt. In manchen Bädern 
erwärmt man selbst gasreiches Mineralwasser so als wäre es Süßwasser, entweder in Kesseln über dem Feuer oder 
in Bottichen durch direkt einströmenden Dampf, und leitet das so erhitzte Wasser in die Wannen, worin man 
kaltes Mineralwasser beimischt, oder das Mineralwasser wird in den Wannen selbst durch direkt einströmenden 
Dampf erwärmt. 

Diese Erwärmungsarten verändern das Mineralwasser, da sie den größeren Teil der Quellengase entweichen 
lassen und bei einströmendem Dampf das Mineralwasser durch das Kondensationswasser noch verdünnen. Diese 
Fehler werden teilweise vermieden durch das Schwartzsche Verfahren, wobei das Mineralwasser in MetaUwannen 
mit einem Doppelboden, durch dessen Hohlraum Dampf geleitet wird, erwärmt wird. Nach dem Verfahren von 
Reinitz bringt man ein Kupferrohr mit anderthalb Windungen im Winkel zwischen Wand und Boden der Wanne 
an und läßt Dampf durch diese Heizschlange strömen, während die Wanne mit dem Mineralwasser gefüllt wird. 
In drei bis vier Minuten ist das kalte Badewasser bis auf Badetemperatiu- erwärmt. Dabei ist der Gasverlust 
gering und außerdem besteht der Vorteil, daß Wannen aus Holz benutzt werden können. Daher ist dieses Er- 
wärmungsverfahren sehr verbreitet. In Schwefelbädern muß man die kupferne Heizschlange mit Holzrosten bedecken 
(Weilbach), da sie durch das Schwefelwasser geschwärzt wird und bei unmittelbarer Berühnmg auf die Haut des 
Badenden abfärben würde. 

Da die Heizschlangen die Reinigung der Wannen erschweren, hat man sie neuerdings in Vorwärmer ver- 
legt. Als solcher dient ein liegender eiserner Zylinder von 75 bis 800 Liter Inhalt; im Zylinder befindet sich 
die kupferne Heizschlange, durch welche Dampf strömt. Das zu erwärmende Mineralwasser läßt man mehr oder 
minder rasch durch den Vorwärmer in die Wanne fließen. 

Ein anderes Erwärmungsverfahren besteht in der Anwendung transportabler Heizschlangen. Diese 
Schlangen sind aus Kupfer (Misdroy), für Schwefelquellen aus Aluminium (Nenndorf) hergestellt und werden zur 
Erwärmung des Badewassers in die Wanne eingestellt und mit Storzschen Kuppelungen und dicken Gummi- 
schläuchen an die Dampfleitung angeschlossen. 

Übrigens werden auch Heizschlangen hergestellt, die fest montiert, aber in Grelenken drehbar sind. Sie werden 
in die Badewannen zum Erwärmen des Wassers eingetaucht und sodann durch eine Drehung wieder entfernt und 
an der Wand festgelegt (Pyrmont). 

Zur Abkühlung heißer Mineralwässer auf Badetemperatur dienen große, flache, mit Träufelapparaten kom- 
binierte metallene Kästen. 



— XXXIII — 

Für die Wahl des Materials, woraus die Badewannen hergestellt werden, kommen hygienische und wh-t- 
schaftliche, aber auch ästhetische Gesichtspunkte in Betracht, die sich schwer vereinigen lassen. Eine Wanne soUte 
nicht nur eine glatte, fugenlose, leicht zu reinigende Innenfläche haben, sondern auch ein gefälliges Aussehen 
bieten, widerstandsfähig gegen das Mineralwasser, haltbar und billig sein. Holz hat wie bei den Rohrleitungen 
auch hier seine Vorzüge; Holzwannen erhalten die Wärme des Badewassers länger als alle anderen Wannen, 
kühlen die Haut des Badenden nicht und sind sehr billig; leider haben sie keine glatte Oberfläche, lassen sich 
daher nicht leicht reinigen und desinfizieren. Metallene Wannen (Kupfer- oder Zinkwannen) werden von 
Schwefel wässern, zum Teil auch von Solen, angegriffen. Emaillierte Eisen wannen haben sich nicht bewährt; 
Email bekommt mit der Zeit Risse und Defekte, die sich nicht ausbessern lassen. Steinerne und stein- 
ähnliche Wannen haben den gemeinsamen Übelstand, daß sie ein unangenehmes Kältegefühl auf der Haut 
hervorbringen. Von den verschiedenen Sorten ist verschiedenes zu bemerken: 

Marmor wird von den meisten Mineralwässern angegriffen und bedarf häufig der Aufpolierung; eisenhaltige 
Wässer färben überdies den Marmor braun. Englische Steingutwannen aus einem Stück, fast ebenso teuer 
wie marmorne, bleiben zwar länger glatt, jedoch hat ihre Glasur nicht die nötige Härte, sie bekommt leicht Haar- 
risse und Schrammen; auch sind sie so glatt, daß man darin ausgleiten kann; die gegen diesen Übelstand 
gebräuchlichen Holzrosteinlagen sind schwer zu reinigen. Glasierte braune Tonwannen aus einem Stück 
sind zerbrechlich und sehen schlecht aus. Zementwannen, entweder aus einem Stück oder in Terrazzomanier 
ausgeführt, sind von langer Dauer und verursachen wenig Reparaturen, sehen aber bald unfreundlich grau oder 
schwarz aus; auch wird ihre Oberfläche so rauh, daß Reinigung und Desinfektion schwer werden. Gewöhnliche 
weiße Tonkacheln, mit Zement zusammengefugt, sehen anfangs hübsch aus, haben aber eine zu weiche Glasur, 
und einzelne Kacheln zerspringen leicht, wenn bei Frostwetter die in den Fugen zurückgebliebene Feuchtigkeit 
gefriert. Schwefelwasser schwärzt solche Kacheln wegen des nie fehlenden Metallgehalts der Glasur. Sehr hart 
gebrannte weiße Porzellankacheln sind haltbarer. Graue und blaue Mettlacher Platten sind recht brauchbar, 
aber manchmal ist ihre Glasur nicht hart genug. AUe aus einzelnen Tafeln, Platten oder Kacheln zusammen- 
gefugten Wannen haben den Übelstand, daß der Zement der Fugen durch die Flüssigkeit aUmäUich angegriffen 
wird. Namentlich Sole zerstört den Zement bald und unterspült das dahinter oder darunter liegende Mauerwerk, 
so daß die Wanne schließlich zusammenfällt. Traß hält nicht besser als Zement Neuerdings umhüllt man 
Kachelwannen mit einem Mantel aus Beton mit Drahteinlage, wodurch die Haltbarkeit der Wanne 
wesentlich erhöht wird. Wannen aus einem Blechmantel, Zement und Kacheln bestehend haben sich nicht 
bewährt, ebensowenig die Glaswannen aus einem Stück. — 

Duschen wurden früher entweder mittels Druckpumpen oder aus Mischkesseln verabreicht, die aus hoch- 
liegenden Behältern mit kaltem und heißem Mineralwasser gespeist wurden. Jetzt erwärmt man vielfach das 
Duschwasser bis zu dem gewünschten Grade innerhalb eines stehenden zylindrischen eisernen Kessels, worin sich 
eine Dampfheizschlange befindet, und treibt den Duschstrahl mittels Preßluft unter beliebigem regulierbaren Druck 
— 1 bis 2Y2 Atmosphären — aus. Ein Handgriff reguliert die Erwärmung, ein zweiter den Druck. Das Dusch- 
wasser tritt durch einen beweglichen Gummischlauch aus. 



c) Über die Abfüllung und den Versand von Mineralwasser. 

Von H. Kauffmann in Berlin. 

Wenn auch viele deutsche Mineralquellen schon seit Jahrhunderten bekannt und geschätzt waren, einzelne 
im Rheingebiet sogar schon den Römern bekannt gewesen und von ihnen benutzt worden sind, wie bei den Neu- 
fassungen in Bertrich, Homburg, Ems usw. durch Münzfunde und aufgedeckte alte Holzfassungen festgestellt ist, 
so war doch der Versand von Mineralwasser in größeren Mengen erst möglich geworden durch den Bau der Eisen- 
bahnen, die schnellen und billigen Transport im In- und Auslandsverkehr sicherten; seit Mitte vorigen Jahrhunderts hat 
sich dann auch in immer zunehmender Steigerung der Versand entwickelt und ist dauernd im weiteren Wachsen 
begriffen, wie die Zahlen in dem Abschnitt über die wirtschaftliche Bedeutung der Mineralquellen zeigen. Wie 
früher die Einrichtungen für die Besucher an den QueUorten nach heutigen Begriffen oft mehr als primitiv, wie 

m 



— XXXIV — 

die Fassung der Quellen, ihr Schutz vor äußeren Einflüssen und Schädigungen noch bis in die Neuzeit herein 
vielfach recht dürftig waren, so waren auch die Maßnahmen für das Abfüllen meistenteils mangelhaftester Art; 
erst mit dem Steigen der Nachfrage, besonders aber seit dem Erkennen der Gefahren, welche durch schlechte 
Fassungen der Quellen, durch Spülen der Flaschen mit nicht einwandfreiem Süßwasser usw. hervorgerufen werden 
können, hat sich auch dies geändert, und in durchweg besserer, vielfach mustergültiger Art wird an den großen 
VersandqueUen jetzt das Füllgeschäft betrieben. 

Die Bedingungen für einen einwandfreien Füllbetrieb sind im wesentlichen folgende: 

1. Sicherer Abschluß des Mineralwassers vor jedem Zutritt der Luft mit ihren Verunreinigungen von seinem 
Austritt an bis in das Versandgefäß; 

2. die Benutzung von Zuleitungsröhren, Füllapparaten und Versandgefäßen aus einem Material, das Ver- 
änderungen des durchfließenden bzw. eingefüllten Mineralwassers ausschließt; 

3. Einrichtungen, die jede Berührung des Mineralwassers mit der Hand des Arbeiters unmöglich machen; 

4. Spülung der Versandgefäße mit einem dauernd auf seine Reinheit zu kontrollierenden Süßwasser und 
eventuell Nachspülen mit dem Mineralwasser selbst; 

5. Verschluß der Versandgefäße mit einem Material, welches fest abdichtet, damit einen Verlust von 
Kohlensäure verhindert und eine Verunreinigung durch Korkstaub, Metall- und Gummiteilchen (Patent- 
verschlüsse) nicht zuläßt. 

Die Einrichtungen zum Kurgebrauch an Ort und Stelle und zum Füllen in Versandgefäße werden sich 
bei jeder Quelle nach ihrer Eigenart richten müssen. Wässer, die nur zum Versand gelangen, wie Fachinger, 
Friedrichshaller, viele Tafelwässer, haben andere Anlagen nötig als Ems, Kissingen, Hombiu-g usw., die lebhaften 
Fremdenverkehr und großen Wasserversand daneben haben. Bei allen neugefaßten und modern umgebauten Quellen 
sind die Einrichtungen so getroffen, daß durch räumliche Trennung jede Störung des Kurbetriebes dMch das Füll- 
geschäft und umgekehrt ausgeschlossen ist, und auch bei älteren Anlagen, wie z. B. in Kissingen, ist Trennung 
der beiden Betriebe durchgeführt Mustergültig sind die Gesamtanlagen in Ems: die durchweg neu gefaßten 
TrinkqueUen ergießen ihr Wasser in neusilbeme Schalen, die mit hermetisch schließenden Glasglocken abgedichtet 
sind und damit Verunreinigungen und Gasverlust verhüten; aus einer Reihe von Hähnen wird das Wasser der 
Quelle an die Kurgäste glasweise abgegeben; ein Rohr, dessen Weite der zuströmenden Wassermenge angepaßt ist, 
leitet das nicht zum Kurbetrieb verwendete Wasser in den daneben liegenden Füllraum. Ähnlich sind die Anlagen 
in Langenschwalbach, Bertrich und Homburg; anderwärts sind sie im Entstehen. Daß auch bei weiteren Entfernungen 
solche oberirdischen Zuleitungen ohne ungünstige Beeinflussung des Wassers möglich sind, zeigt eine interessante 
Anlage in Tarasp: die etwa 3 km vom Kurhaus entspringende, neu gefaßte BonifaciusqueUe wird zur Trinkkur 
und zum FüUbetrieb durch Röhren dahin geleitet, eine Steigung von einigen Metern dabei durch den Druck der 
eigenen freien Kohlensäure, die an 3 Stellen das Wasser hebt, überwimden, und trotz der großen Entfernung ist 
das Mineralwasser nicht nachweisbar verändert. 

Es dürfte wenig Quellen geben, die nicht durch geeignete Fassung ziun selbständigen Springen gebracht 
werden können, womit jedes Pumpen, das leider heute noch an einzelnen Quellen ausgeübt wird, unnötig würde; 
es ist unmöglich, Pumpanlagen zu schaffen, die der Luft den Zutritt vöUig verwehren, mit Luftzutritt ist aber eine 
Veränderung des Wassers stets verbunden und auch Verunreinigung ermöglicht. Bei allen Heilquellen wenigstens 
muß eine Quellenfassung, die den heutigen wissenschaftlichen Forderungen entspricht, ohne Brunnenschacht und mit 
luftdichtem, selbsttätigem Austritt, sicherem Schutz vor Verunreinigungen jeglicher Art, trotz der hohen Kosten 
verlangt werden; durchzuführen wäre sie fast überall. 

Als Material für Zuleitungsröhren bewährt sich hauptsächlich reines Zinn, das die Herstellung von nahtlosen 
Röhren ermöglicht, jedoch nicht für Schwefelquellen; manche Legierungen, ebenso Kupfer, glasierte Tonröhren, 
emaillierte Metallröhren, Holz aller Art sind probiert und auf die Dauer untauglich für Mineralwasser mit 
größerem Kohlensäuregehalt befunden worden. Für Leitungen von einfacher Sole bis zur Badewanne (wie 
in Reichenhall) oder von einfachen warmen Quellen (wie in Ragaz-Pfäffers, 4 — 5 km lang) wird meist Holz ver- 
wendet, ohne daß Veränderungen des Wassers sich herausgestellt haben. 

Die Füllapparate sind sorgsam der Eigenart der betreffenden Quelle anzupassen: einfache kalte Quellen, gas- 
haltige Quellen (Säuerlinge), Tafelwässer, die mit Kohlensäure imprägniert sind (sogenannte doppeltkohlensaure 
Füllung), können nicht durch Füllapparate eines und desselben Systems in die Versandgefäße gebracht werden. 
Ebenso erfordert die Abfüllung von Heilwässern („Kurbrunnen") andere Behandlung als die von Tafelwassern. Bei 
Heüwässem sollte Grundbedingung sein: Füllung des Mineralwassers, wie die Natur es gibt, ohne „Ausscheidungen 
oder Zusätze". Mit ganz vereinzelten Ausnahmen wird auch in Deutschland danach verfahren; in Österreich 



— XXXV — 

ist es durch gesetzliche Bestimmungen verboten i), auch einfache Tafelwässer irgendwie zu verändern. Während 
nun einfache kalte Quellen, Bitterquellen und andere kohlensäurearme Quellen aus gewöhnlichen Hähnen in die 
Gefäße eingelassen werden können, müssen aUe gashaltigen Wässer so abgefüllt werden, daß das Wasser nicht 
einfach von der Mündung auf den Boden der Flasche fällt und dadurch Gas verliert, sondern durch Röhren, die 
bis auf den Boden der Flasche reichen, die Flasche von unten her bis zum Überlaufen füUt. 

Tafelwässer mit Kohlensäure-Überdruck bedürfen anderer und meist viel komplizierterer Füllapparate, die sich 
der Art der Manipulationen, die mit dem Wasser vorgenommen werden, und auch der Verschlußart der Gefäße 
anschließen. Es gibt im Rheinland nur wenige einfache Säuerlinge, deren Wasser so abgefüllt werden kann, wie es 
die Natur spendet; Eisen, auch Kalk müssen ausgeschieden werden, damit es als Erfrischungsgetränk verwendet 
werden kann. In den meisten Fällen wird das Wasser in Behältern der Luft ausgesetzt, wobei infolge des Ent- 
weichens von Kohlensäure und des Zutritts von Sauerstoff Kalk und Eisenhydroxyd ausfallen; in anderen Fällen 
fließt das Wasser durch aufrecht stehende Zylinder, in welche künstlich ein starker Luftstrom eingeführt wird. 
In beiden Fällen muß die entwichene Kohlensäure erst wieder durch die Füllapparate in beabsichtigter Menge 
dem Wasser im Versandgefäß eingepreßt werden (Imprägnierung mit Kohlensäure). Einigen Quellen entströmt 
so viel Kohlendioxydgas, daß seine Menge, am Quellschacht aufgefangen, genügt, das Versandwasser durch Impräg- 
nation damit auf den ursprünglichen oder auch noch höheren Kohlensäuregehalt zu bringen. Bei anderen Quellen 
ist man genötigt, das erforderliche Kohlendioxyd in komprimiertem Zustande zu beschaffen, sei es, daß es aus 
den Mofetten der Eifel gewonnen oder künstlich hergestellt ist. 

Derartig behandelte Tafelwässer, besonders wenn ihnen künstlich noch Salz zugefügt wird, ^vie es in einzelnen 
Fällen, um sie schmackhafter und haltbarer für die Ausfuhr zu machen, geschieht, soUten auf ihren Etiketten, in 
den empfehlenden Schriften und Anzeigen deutlich gekennzeichnet sein durch Deklaration aller Veränderungen, 
die mit ihnen vorgenommen sind. Die sogenannten Frankfurter Bestimmungen *) haben für solche Deklarationen 
feste Grundlagen geschaffen. 

Die Frage, ob solche Behandlungsweisen bei Tafelwässern überhaupt zulässig sind oder nicht, muß wesentlich 
nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten beantwortet werden. Im Interesse der Ausnutzung aller dieser, meist sehr 
reichlich fließenden Quellen ist sie zu bejahen, mit der Einschränkung der Deklaration. Mehr als 100 Millionen 
Gefäße im Jahr, von denen 50 — 60 MUlionen einen großen Ausfuhrgegenstand Deutschlands bilden, können nur 
durch Eisenausscheidung und Kohlensäurezupressung, die besonders für heiße Klimate verlangt ^vi^d, verkaufs- 
fähig hergestellt werden; die rheinische QueUenindustrie mit Tausenden von Arbeitern, die Flaschenfabrikation, das 
Transportgewerbe und nicht zuletzt die Konsumenten würden leiden, wenn, wie in Österreich, jede Veränderung an 
allen Mineralwässern, auch den nicht Heilzwecken dienenden, gesetzlich verboten und die rheinischen Säuerlinge 
dadurch unverwertbar gemacht würden; mehren sich doch dauernd die Stimmen, die in Österreich im Interesse der 
Ausfuhr Aufhebung dieser Verordnungen verlangen. 

Die Abfüllung von Eisensäuerhngen (sogenannten StahlqueUen) bietet besondere, bisher noch nicht völlig über- 
wundene Schwierigkeiten. Vielfach ^vird die Flasche vor dem FüUen mit Kohleudioxyd beschickt, um die Luft 
zu verdrängen imd der Ausscheidung des Eisens vorzubeugen, und dann unter dem Wasserspiegel der Quelle ge- 
füllt; dies Verfahren hat jedoch Unzuträglichkeiten und führt zu dem Verdacht der künstlichen Kohlensäure- 
zuführung. Andere Verfahren, die „Nadelfüllung", das Zusetzen eines Tropfens Säure und vieles andere ist versucht 
und mit Recht wieder verworfen worden. 

Als zweckentsprechendes Material für Versandgefäße kann nur Glas angesehen werden. Tonkrüge werden 
durch Salzglasur undurchlässig gemacht, dabei kommt es häufig vor, daß nicht unerhebliche Mengen des zur 
Glasur verwendeten Salzes zurückbleiben, die sich dann mit dem eingefüllten Mineralwasser mischen (sogenannte 
„versalzene Krüge"); das Wasser erleidet dadurch eine erhebliche Veränderung. Anderseits kommt es vor, daß die 
Glasur nicht vollständig ist; es bleiben durchlässige Stellen, Risse, sogenannte Haarrisse, durch welche Wasser und 
Gas entweichen imd Luft zutreten kann. Aus diesen Gründen sind Tonkrüge für Heilwässer ungeeignet. Bei Tafel- 
wassern kommen diese Übelstände weniger in Betracht, jedoch ist die noch weit verbreitete Ansicht, daß sich in 
Krügen das Wasser besser erhalte, irrig. Überdies sind Krüge auch wirtschaftlich ungeeignet, weU sie schwer sind 
und Transport und Preis, besonders auf größere Entfernungen vom Ursprungsort, deshalb verteuern. 

Größe und Gestalt der Flaschen sind bisher sehr verschieden gewesen, wodurch dem Arzt die Dosierung 
des Wassers erschwert wurde; jetzt ist in Deutschland und auch in Österreich vielfach eine Normalflasche 

') E. Ludwig, Der Verkehr mit Mineralwässern. En Gutachten an den k. k. obersten Sanitätsrat. Internat. Mineral- 
quellenzeitung 1904 Nr. 85—92. 

') Balneologische Zeitung 1905 S. 30. 



— XXXVI — 

von *|^ Liter Inhalt und von einer Form im Gebrauch, die leichte Reinigung und dichten Korkverschluß er- 
möglicht 

Sehr sorgfältig muß die Spülung aller Versandgefäße bewirkt werden. Die Herbei schaffimg genügender Mengen 
von Spülwasser, daa von schädlichen Keimen völlig frei ist, ist oft schwer und mit großen Kosten verknüpft. 
In jedem Fall muß das Spülwasser auf seine Brauchbarkeit dauernd geprüft werden. In großen Betrieben sind 
vielfach automatisch arbeitende Spülmaschinen in Gebrauch, die das Einwässern der Flaschen und Wiederentleeren 
des Spülwassers in gründlicher Weise besorgen; die viel-, oft 7 — 8 fache Nachspülung mit immer fließendem kalten 
Wasser, Sandscheuerung durch Spritzhähne oder Schrotspülung, besonders des Flaschenbodens, erfordern sehr viel 
Wasser, so daß viele Quellenverwaltungen zu großen Landkäufen gezwungen sind, um sich dauernd die genügenden 
Wassermengen zu sichern. Wo reichliche Mengen von Mineralwasser die Nachspülung der Flasche mit diesem 
vor der Füllung ermöglichen, ist dies sehr angebracht, aber nicht oft ist diese Möglichkeit gegeben. Wo Flaschen 
auf Vorrat gespült werden, muß ihre Öffnung bis zum Gebrauch verschlossen werden und ist streng darauf zu 
achten, daß das Eindringen von Staub vermieden wird. 

Als gutes Verschlußmaterial der Flasche kann bei Heilwässem zur Zeit nur der Kork angesehen werden. Das 
Rohmaterial, die Rinde der Korkeiche, ist aber sehr imgleich und in guter Beschaffenheit sehr teuer; da ein Kork- 
stopfen an der imteren Fläche, dem Spiegel, keine Risse zeigen darf, hält es schwer, den außerordentlich großen 
Bedarf völlig korkstaubfreien Materials in genügender Menge zu erhalten. Die verschiedenen Versuche, die Korke 
zu sterilisieren, sie mit einer Paraffinschicht zu überziehen u. dgl. haben zu befriedigendem Ergebnis noch nicht 
geführt. Die Korke werden vielfach vor der Verwendung gebrüht; dabei bleibt aber stets etwas Flüssigkeit im 
Kork, die dann beim Einpressen in den Flaschenhals ausgepreßt wird und sich mit dem Inhalt vermischt. 
Deshalb sind die Korke nach dem Brühen noch in das betreffende Mineralwasser einzulegen. Bei dem bisweilen 
geübten Verfahren, in die Korke den Firmenstempel einzubrennen, können Teilchen verkohlten Korkes an diesem 
haften bleiben und sich dem Wasser beimischen. 

Bei Tafelwassern finden sich vielfach andere Verschlußarten, die ein leichteres öffnen der Flaschen als 
Korkverschlüsse ermöglichen; für Großbetriebe in Hotels, auf Schiffen usw. sind sie vorteilhaft und haben sich 
zum TeU selbst für Versendung in die Tropen, wo die Ausdehnung der Kohlensäure durch die Wärme hohe An- 
sprüche an die Haltbarkeit auch der Verschlüsse stellt, gut bewährt Sofern diese Kapsel- und Deckelverschlüsse 
mit Korkplättchen usw. beim öffnen der Flaschen unbrauchbar werden, läßt sich gegen ihre Verwendung bei 
Tafelwassern wohl nichts einwenden. Vom hygienischen Standpunkte sind dagegen alle sogenannten Patentverschlüsse, 
besonders solche mit Gummiabdichtung, bedenklich. 




— XXXVII — 

2. Chemischer Teil. 

A. Allgemeines über die Chemie der Mineralwässer. 

Von Dr. Theodor Paul, 
Geheimer Eegierungsrat, o. ö. Professor, Direktor des Laboratoriums für angewandte Chemie an der Universität München. 

Unter Mineralwässern versteht man vom chemischen Standpunkte aus im allgemeinen solche Quellwässer, 
welche sich durch einen hohen Gehalt an gelösten Stoffen auszeichnen oder gewisse seltener vorkommende Stoffe 
enthalten, oder deren Temperatur höher liegt als die mittlere Temperatur ihrer Umgebung. Femer haben sie die 
Eigentümlichkeit, daß ihr Gehalt an gelösten Stoffen und ihre Temperatur nicht nur unabhängig sind vom Wechsel 
der Jahreszeiten und den dadurch auf der Erdoberfläche veranlaßten Veränderungen, sondern, daß diese Eigen- 
schaften auch durch Jahrzehnte und Jahrhunderte hindurch erhalten bleiben können. Es sei in dieser Beziehung 
an die zuverlässigen Beobachtungen von R. Fresenius i) erinnert, welcher den Kochbrunnen zu Wiesbaden, dessen 
Temperatur zwischen 68° und 69° liegt und dessen Wassermenge in einer Minute 380 Liter beträgt, im Jahre 
1849 analysierte und in 1000 Gewichtsteilen Wasser 8,262 Gewichtsteile fester Stoffe fand. Als er die Analyse 
dieses Brunnens im Jahre 1885 nochmals ausführte, betrug die Menge der in 1000 Gewichtsteilen Wasser ent- 
haltenen festen Stoffe 8,241 Gewichtsteile. Diese beiden Zahlen weichen nur um 0,26 Prozent voneinander ab, und 
es muß die Beständigkeit der Zusammensetzung um so mehr Verwunderung erregen, wenn man bedenkt, 
daß der Kochbrunnen in diesem Zeiträume von 36 Jahren 59 640 000 Kilogramm feste Bestandteile, darunter 
49 000 000 Kilogramm Kochsalz zutage förderte. Wenn auch die Mehrzahl der Mineralquellen größere Schwankungen 
in der Zusammensetzung zeigt — R. Fresenius neigt zu der Ansicht, daß die Gehaltsschwankungen eines 
Mineralwassers um so geringer sind, je höher die Temperatur der Quelle ist — , so dürfen die Schwankungen 
doch ein gewisses Maß nicht übersteigen, wenn die Quellen zu Heilzwecken benutzt werden soUen. 

Die physiologischen Eigenschaften und damit auch die medizinische Anwendung eines Mineralwassers werden 
bedingt durch seine chemische Zusammensetzung und durch seine Temperatur. Um die Zusammensetzung kennen 
zu lernen, haben wir folgende drei Fragen zu beantworten: 

1. Welche Stoffe sind in einem Mineralwasser enthalten? 

2. In welchen Mengen sind die Stoffe darin enthalten? 

3. In welchem Zustande sind die Stoffe darin enthalten? 

Je vollständiger wir diese Fragen beantworten, je genauer wir die Zusammensetzung eines Mineralwassers 
angeben können, desto zweckdienlicher vermögen wir seine medizinische Anwendung zu gestalten. Die Beantwortung 
jener Fragen ist schon seit langer Zeit Gegenstand der Bemühungen der analytischen Chemiker gewesen, und 
zwar ist sie in bezug auf die beiden ersten Fragen um so vollständiger gelungen, je besser die analytischen Arbeits- 
methoden ausgebildet wurden. So konnten z. B. E. Hintz und L. Grünhut im Großen Sprudel zu Neuenahr 
eine so geringe Jodmenge noch quantitativ bestimmen, welche in 1000 Litern Wasser nur 3 Müligramm entspricht, 
während andere Elemente wie Thallium, Rubidium und Cäsium in noch geringeren Mengen spektralanalytisch 
nachgewiesen werden konnten. Andererseits ist den analytischen Chemikern die Anwesenheit von radioaktiven 
Stoffen in Mineralwässern bis in die neueste Zeit entgangen. 

Die umfassende Beantwortung der dritten Frage nach dem Zustande der Stoffe im Mineralwasser konnte 
der analytischen Chemie allein nicht gelingen, da die Deutung der analytischen Ergebnisse vielfach von den 
jeweilig herrschenden chemischen Theorien abhängt. In erster Linie betrifft dies den Zustand der qualitativ 
und quantitativ ermittelten Salzbestandteile, also der wichtigsten der hier in Frage kommenden Stoffe. Bekanntlich 
findet man bei der Mineral wasseranalyse nicht eine gewisse Menge Kochsalz, sondern dessen ELnzelbestandteile 
Chlor und Natrium, nicht Bittersalz, sondern Magnesium und Schwefelsäure. In welchem Zustande diese Einzel- 
bestandteile im Mineralwasser enthalten sind, darüber gibt die Analyse keine Auskunft. Nach den früheren An- 
schauungen glaubte man annehmen zu müssen, daß diese Stoffe zu Salzen verbunden in der Lösung vorhanden 
wären. Fand man daher in einem Mineralwasser Chlor und Natrium, so nahm man das Vorhandensein von 
Kochsalz an, bei Gegenwart von Magnesium und Schwefelsäure das Vorhandensein von Bittersalz. Allerdings 
entstand bei diesem Vorgehen die Schwierigkeit, in welcher Weise man beim Vorhandensein mehrerer Salzbestand- 
teile, wie dies beim Mineralwasser die Regel ist, zwischen den verschiedenen möglichen Salzkombiuationen ent- 

') E. Fresenius, Über die Schwankungen im Gehalte der Mineralwasser. Wiesbaden, J. F. Bergmann 1894. 



— xxxvm — 

scheiden sollte. Im Falle man also, um bei dem oben gewählten Beispiele zu bleiben, in einem Mineralwasser 
äquivalente, d. h. ihren Verbindungsgewichten entsprechende Mengen Natrium, Magnesium, Chlor und Schwefelsäure 
gefunden hatte, so hatte man die Wahl zwischen der Annahme von Natriumsulfat neben Magnesiumchlorid oder 
von Natriumchlorid neben Magnesiumsulfat, oder man koimte auch die gleichzeitige Anwesenheit aller vier Salze 
annehmen. Da in den Mineralwässern in der Regel weit mehr Bestandteile vorhanden sind, so ist eine mehr 
oder weniger große Zahl von Kombinationen dieser einzelnen Bestandteile möglich. Für die Annahme bestimmter 
Kombinationen gaben die chemischen Theorien keine sicheren Anhaltspunkte. 

Infolgedessen beschränkten sich einige Analytiker bei der Darstellung der Mineralwasseranalysen auf die 
Angabe der experimentellen Ergebnisse, d. h. sie teilten z. B. mit, wie viel Clilorsilber sie bei der Bestimmung des 
Chlors in 1 Kilogramm Mineralwasser erhalten hatten. Diese Methode hat zwar den Vorteil, von jeder Hypothese 
frei zu sein, und sollte infolgedessen in einem Analysenberichte niemals fehlen, jedoch gibt sie keinen anschau- 
lichen Überblick über die Zusammensetzung des Wassers und ist deshalb für die Praxis unbrauchbar. Deshalb 
war man darauf angewiesen, bestimmte Grundsätze für die Gruppierung der Salzbestandteile, die natürlich nicht 
frei von WiUkürlichkeiten sein konnten, aufzustellen, um eine einheitliche Darstellung der Analysenergebnisse, be- 
sonders auch zum Zwecke der Vergleichbarkeit verschiedener Analysen desselben Mineralwassers oder der Mineral- 
wässer untereinander zu ermöglichen. So schlug R. Bunsen*) im Jahre 1871 vor, „Säuren und Basen in der 
Weise zu Salzen gruppiert anzunehmen, wie diese Salze bei der Konzentration ihrer Lösung durch freiwillige Ver- 
dunstung bei einer ein für allemal angenommenen Temperatur je nach dem Löslichkeitsgrade aller denkbar vor- 
handenen Salze der Reihe nach für sich auskristaUisieren würden". Andererseits stellte R. Fresenius das Prinzip 
der Stärke der Säuren und der Basen in den Vordergrund, indem zunächst die stärkste Säure der stärksten Base 
zugeteilt wurde, dann die nächste in der Folge der Säuren usw. War so die stärkste Base vollständig verteilt, so 
wurde mit der zweitstärksten Base in derselben Weise fortgefahren usw. Sowohl der Vorschlag von Bunsen als 
auch derjenige von Fresenius sind theoretisch nicht einwandfrei und erwiesen sich in der Praxis schwer durchführbar. 

Mit Rücksicht auf derartige Schwierigkeiten und in der Erkenntnis, daß nicht einzelne bestimmte, sondern 
alle theoretisch möglichen Salzkombinationen in den Mineralwässern vorkommen, schlug Karl Than*) im Jahre 
1864 vor, von einer Gruppierung zu Salzen ganz abzusehen und die unmittelbaren Analysenergebnisse nur auf die 
Einzelbestandteile umzurechnen. So rechnete er die Menge des gewogenen Chlorsilbers auf Chlor, die des Baryum- 
sulfats auf den Sulfatrest (SO4), die des Magnesiumpyrophosphats auf Magnesium um. Diese Methode bot den 
Vorteil, daß sie ohne Zuhilfenahme imsicherer Annahmen eine übersichtliche Darstellung der Analysenergebnisse 
und einen direkten Vergleich der Zusammensetzung verschiedener Mineralwässer ermöglichte. Zu einer ähnlichen 
Darstellungsmethode hat schließlich die moderne Theorie der Lösungen geführt, auf welche wir hier wegen ihrer 
großen Bedeutimg für die Chemie der Mineralwässer näher eingehen wollen.^) Mit Rücksicht auf den hier zur 
Verfügung stehenden Raum ist indessen eine Beschränkung auf das Allemotwendigste geboten. Wer sich ein- 
gehend über dieses Wissensgebiet unterrichten will, welches in den letzten Jahren dank der Arbeiten von 
J. H. van 't Hoff, W. Ostwald, S. Arrhenius, W. Nernst und ihren Schülern eine außerordentliche Bereicherung 
und Erweiterung erfahren hat, findet Näheres in den in der Anmerkung*) verzeichneten Werken, deren Aufzählung 



') Zeitechrift für analytische Chemie Band 10 Seite 420 (1871). 

') Sitzungsberichte der mathematisch -naturwissenschaftlichen Klasse der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in 
Wien 1865, Seite 347. Vergleiche auch Tschermaks mineralogische imd petrographische Mitteilungen. Neue Folge, Band 11 
Säte 487 (1890). 

") Die folgenden Darlegungen lehnen sich zum Teil an einen Vortrag an, den der Verfasser im Jahre 1904 in Geisen- 
heim a. Rh. hielt. Vergleiche auch: Arbeiten aus dem Kaiserhchen (Jesundheitsamte Band XXIII, Seite 189 (1905). 

*) Größere Lehrbücher: W. Ostwald, Lehrbuch der allgemeinen Chemie, 2. Aufl., 2 Bände, Leipzig, W. Engebnann, 
1891—1906. W. Nernst, Theoretische Chemie, 4. Aufl., Stuttgart, F. Enke, 1903. J. H. van 't Hoff, Vorlesungen über 
theoretische und physikalische Chemie, 2. Aufl., Braunschweig, Ft. View^, 1901 — 1903 (3 Hefte). Kleinere Lehrbücher: 
W. Ostwald, Grundriß der allgemeinen Chemie, 3. Aufl., Leipzig, W. Engelmann, 1899. W. Ostwald, Grundlinien der 
anorganischen Chemie, 2. Aufl., Leipzig, W. Engelmann, 1904. J. Walker, Einführung in die physikalische Chemie, deutsch 
von H. von Steinwehr, Braunschweig, Fr. Vieweg, 1904. Werke über besondere Gebiete: W. Ostwald, Die wissenschaft- 
lichen Grundlagen der analytischen Chemie, elementar dargestellt, 4. Aufl. , Leipzig, W. Engelmann, 1904. M. Le Blanc, 
Lehrbuch der Elektrochemie, 3. Aufl., Leipzig, 0. Leiner, 1903. E. Abegg, Die Theorie der elektrolytischen Dissoziation (aus 
„Sammlung chemischer und chemisch- technischer Vorträge"), Stuttgart, F. Enke, 1903. W. Herz, Über die Lösungen. Ein- 
führung in die Theorie der Lösungen, die Dissoziationstheorie und das Massenwirkungsgesetz. Nach Vorträgen. Leipzig, Veit 
u. Co., 1903. H. J. Hamburger, Osmotischer Druck und lonenlehre in den medizinischen Wissenschaften. ZugleichLehrbuch 
der physikahsch-chemischen Methoden, 3 Bände, Wiesbaden, J. F. Bergmann, 1902—1904. E. Cohen, Vorträge für Ärzte über 
physikalische Chemie, Leipzig, W. F.ngelmann, 1901. 



— XXXIX — 

jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit macht. Im Hinblick darauf, daß die Anwendung der neueren physi- 
kalisch- und elektro- chemischen Lehren, die scheinbar nur theoretischen Interessen Rechnung tragen, sich für ver- 
schiedene praktische AVissensgebiete sehr nutzbringend erwiesen hat, und daß zahlreiche alte, viel umstrittene Probleme 
durch diese neue Anschauungsweise mit einem Schlage gelöst wurden, kann das Studium jener Werke auch den 
Baineologen und den praktischen Ärzten nicht dringend genug an das Herz gelegt werden. Sind doch in erster 
Linie unsere Kenntnisse vom Zustande der Stoffe in Lösungen — und um solche handelt es sich fast ausschließlich 
in der Bäderlehre — durch jene Lehren sehr erweitert und zum Teil in vollkommen neue Bahnen gelenkt worden. 
Ja, wir sind überzeugt, daß ein großer Teil der zahllosen Widersprüche, denen man in der Bäderliteratur begegnet, 
zurzeit nur auf Grund der neueren Anschauungen beseitigt werden kann. 

Bringen wir Kochsalz (NaCl) mit Wasser in Berührung, so verschwindet das feste Salz allmählich, es löst 
sich auf, d. h. es entsteht ein flüssiges homogenes Gemenge von Wasser und Kochsalz, welches wir mit dem Namen 
wässerige Kochsalzlösung bezeichnen. In dieser wässerigen Lösung, so nahm man bisher an, sind neben den 
Wassermolekeln (Hg O - Molekeln) die Kochsalzmolekeln (NaCl- Molekeln) enthalten. Ein ganz ähnlicher Vorgang 
spielt sich ab, wenn wir an Stelle des Kochsalzes eine organische Verbindung wie z. B. Traubenzucker (CgH^jOg) 
in Wasser auflösen. Auch hier erhalten wir ein flüssiges homogenes Gemenge von Wasser imd Zucker, und auch 
in dieser Traubenzuckerlösung nahm man die Existenz von Wassermolekeln neben Zuckermolekeln (CgHi 2 Oß -Molekeln) 
an. Demnach könnte es scheinen, als verliefen die Vorgänge bei der Bildung dieser beiden Lösungen voUkommen 
gleichartig. Untersuchen wir jedoch diese beiden Lösungen näher, so bemerken wir zwischen ihnen ganz charak- 
teristische Unterschiede. 

Es ist eine bekannte Tatsache, daß eine wässerige Kochsalzlösung einen niedrigeren Gefrierpunkt hat als 
reines Wasser. Während letzteres bei 0° gefriert, kann man Salzlösungen, wie z. B. das Meerwasser, unter 0° 
abkühlen, ohne daß sich Eis ausscheidet. Die gleiche Beobachtung können wir auch an der wässerigen Trauben- 
zuckerlösung machen. Eine wässerige Lösung von Traubenzucker, welche 1 Mol, d. h. so viel Gramm dieses Stoffes, 
als sein Molekulargewicht (CgHjjOg = 180) angibt i), also 180 Gramm auf 1 Kilogramm Wasser gelöst enthält, hat 
einen Gefrierpimkt von — 1,85°. Man hat nun durch Versuche festgestellt, daß der Gefrierpunkt einer Lösvmg, d. h. 
die Temperatur, bei welcher sich Eis ausscheidet, im allgemeinen proportional dem Gehalte an gelöstem Stoff sinkt. 

180 
So liegt der Gefrierpunkt einer Traubenzuckerlösung, welche nur halb so konzentriert ist, also nur -— = 90 Gramm 

\ 85 

Traubenzucker in 1 Kilogramm Wasser enthält, bei — -^ — = — 0,93°. Ja, man fand, daß die Eigenschaft, 

den Gefrierpunkt eines Lösungsmittels in gleicher Weise zu beeinflussen, vielen Stoffen eigentümlich und unabhängig 
ist von dem sonstigen chemischen Verhalten dieser Stoffe. Danach ist es im allgemeinen ganz gleichgültig, welchen 
Stoff man auflöst: Der Gefrierpunkt der Lösung bleibt immer annähernd der gleiche, wenn nur die molekulare 
Konzentration dieselbe ist, d. h. wenn in 1 Kilogramm Wasser die gleiche Anzahl von Molekeln des Stoffes gelöst 
wird. So liegt z. B. der Gefrierpunkt einer wässerigen Lösung von Harnstoff (CONjH^ = 60), die ein halbes 

Mol= — =30 Gramm Harnstoff auf 1 Kilogramm Wasser enthält, bei — — ' — = — 0,93°, ebenso wie der G«- 

fri erpunkt jener Traubenzuckerlösung von der gleichen molekularen Konzentration. Es besteht ganz allgemein das 
Gesetz, daß aUe wässerigen Lösungen, die in einer bestimmten Menge Wasser die gleiche Anzahl von Molekeln 
eines Stoffes gelöst enthalten, den gleichen Gefrierpunkt besitzen. Vermehrt man die Anzahl der gelösten Molekeln 
durch Auflösen weiterer Stoff mengen, so erniedrigt sich auch der Gefrierpunkt in entsprechender Weise. Das 
gleiche, was hier in bezug auf den Gefrierpunkt von Lösungen gesagt wurde, gilt auch für deren Siedepunkt. 
Ein Unterschied besteht nur insofern, als der Siedepunkt eines Lösungsmittels durch das Auflösen eines Stoffes 
nicht erniedrigt, sondern erhöht wird; denn es ist eine bekannte Tatsache, daß wässerige Lösungen von Kochsalz 
oder Zucker auch in offenen Gefäßen weit über 100° erhitzt werden können. 

Eine Ausnahme von dieser Gesetzmäßigkeit machen jedoch anscheinend gerade diejenigen Stoffe, welche 
vorwiegend in den Mineralwässern enthalten sind, nämlich die Salze, ebenso auch die Säuren und Basen. Löst 



') Ein „Mol" ist also eine Gewichtseinheit, welche gestattet, die Eigenschaften der Stoffe mit Kücksicht auf ihre 
molekularen Mengen zu vergleichen. Ein „Millimol" ist die tausendfach kleinere Gewichtseinheit. Ahnlich bedeutet ein 
„Gramm-Aquivalentgewicht" so viel Gramm eines Stoffes, als sein Aquivalentgewicht angibt, ein „Milligramm-Äqui- 
valentgewicht" die tausendfach kleinere Einheit. Da bei zwei- oder dreiwertigen Elementen und Verbindungen das Aqui- 
valentgemcht die Hälfte oder den dritten Ted des Molekulargewichtes ausmacht, so beträgt bei solchen Stoffen die in Gramm- 
Äquivalentgewichten ausgedrückte Menge das Doppelte oder Dreifache der in Mol ausgedrückten Menge. 



— XL — 

man z. B. 1 Mol == 58,5 Gnunm Kochsalz (NaCl = 58,5) in 1 Kilogramm Wasser auf, so erhält man eine Lösung, 
welche nicht wie die äquimolekulare Traubenzuckerlösung bei — 1,85°, sondern erst bei — 3,42° gefriert. Die 
Kochsalzlösung verhält sich demnach so, als wenn die Zahl der gelösten Molekeln größer, ja beinahe 
doppelt 80 groß wäre als in der Traubenzuckerlösung, welche doch auch 1 Mol Traubenzucker auf 
1 Kilogramm Wasser enthält. Ähnliche Abweichungen von der oben ausgesprochenen Gesetzmäßigkeit werden 
auch bei anderen Salzen sowie bei starken Säuren, z. B. Salzsäure, Salpetersäure und bei starken Basen wie Kali- 
lauge und Natronlauge beobachtet. Alle diese Stoffe zeigen in wässeriger Lösung einen abnorm tiefen Gefrierpunkt 
und einen abnorm hohen Siedepunkt. 

Wie hat man sich dieses merkwürdige Verhalten zu erklären ? Den Weg, auf welchem man zur Beantwortung 
dieser in der Folge so wichtigen Frage gelangt ist, hat uns die moderne Elektrochemie gezeigt. 

Zwischen einer wässerigen Traubenzuckerlösung und Kochsalzlösung besteht nämlich ein grundlegender Unter- 
schied auch in bezug auf ihr Verhalten zum elektrischen Strom. Tauchen wir in eine Lösung von reinem Trauben- 
zucker in reinem Wasser zwei Platinplatten, die mit den Polen einer galvanischen Batterie leitend verbunden sind, 
so gibt ein in den Stromkreis eingeschaltetes Galvanometer keinen oder doch nur einen ebenso geringen Ausschlag, 
als wenn die Platinplatten in reines Wasser eingetaucht werden. Der Traubenzucker, wie auch der Harnstoff und 
viele organische Stoffe, gehören zu den Stoffen, deren wässerige Lösungen den elektrischen Strom nicht leiten, und 
welche wir deshalb Nichtelektrolyte nennen. Das Kochsalz dagegen ist ein Elektrolyt, seine wässerige Lösung 
leitet den elektrischen Strom. Die Beobachtung, daß die wässerigen Lösungen von Salzen ebenso wie diejenigen 
von Säuren und Basen den elektrischen Strom leiten, hatte man schon kurze Zeit nach der Erfindung der gal- 
vanischen Säule gemacht und gleichzeitig auch bemerkt, daß bei dem Durchgange der Elektrizität stets eine 
chemische Zersetzung der Lösxing, eine Elektrolyse, stattfindet. Wie der Transport der Elektrizität in einer 
solchen Lösung vor sich geht, und in welchem Zusammenhang damit die beobachtete Zersetzung der Lösung steht, 
darüber konnte man zunächst keine einwandfreie Erklärung geben. Später nahm man an, daß z. B. in einer 
Kochsalzlösung die Molekeln des Salzes unter dem Einflüsse des elektrischen Stromes in ihre Atome zerlegt werden, 
die, mit positiver oder negativer Elektrizität geladen, als Ionen ') den Transport des elektrischen Stromes von 
einer Elektrode zur anderen vermitteln. Die nach der positiven Elektrode — Anode — sich bewegenden, mit 
negativer Elektrizität geladenen Chlor-Ionen (Cl-Ionen) werden Anionen und die mit positiver Elektrizität 
geladenen Natrium-Ionen (Na -Ionen), welche nach der negativen Elektrode — Kathode — wandern, werden 
Kationen genannt. Nach dieser Vorstellung geben die Ionen bei der Berührung mit den Elektroden ihre Ladung 
ab, indem sich die ihnen anhaftende Elektrizität mit der entgegengesetzten der Elektroden neutralisiert. 

Mit dieser Elektrizitätsabgabe nehmen die Ionen ihren gewöhnlichen elementaren Charakter an, das Chlor 
entweicht als grüngelbes Gas, und das Natrium zersetzt da? Wasser unter Wasserstoffentwickelung ^). Es fragt sich 
nun, ob der Zerfall der Elektrolyte in Ionen, also, um bei dem von uns gewählten Beispiele zu bleiben, der 
Zerfall der NaCl-Molekeln in positive Natrium-Ionen (Na-Ionen) und negative Chlor-Ionen (Cl-Ionen) erst unter 
dem Einflüsse des elektrischen Stromes entsteht, oder ob dieser Ionisation svorgang schon beim Lösen des Salzes in 
Wasser, also ohne äußere Zufuhr von Elektrizität, eintritt Im letzteren Falle müßte jede Kochsalzlösung Natrium- 
Ionen und Chlor-Ionen enthalten. Die Überlegung, daß zur Spaltung der neutralen NaCl-Molekeln in ihre Ionen, 
falls diese erst durch den elektrischen Strom zustande käme, eine gewisse Arbeit seitens des elektrischen Stromes 
aufgewendet werden müßte, machte das Vorhandensein von Ionen in jeder wässerigen Salzlösung auch ohne die 



') Die Bezeichnung „Ion" {Iwv, Grenitiv lönos, gehend), wie auch viele andere in der Elektrizitätslehre gebräuchlichen 
Ausdrücke, hat Faraday um die Mitte des vorigen Jahrhunderts in die Wissenschaft eingeführt. 

*) Die Erscheinung, daß die Stoffe im lonenzustande , d. h. wenn sie mit einer mehr oder weniger großen Menge elek- 
trischer Energie behaftet sind, andere Eigenschaften besitzen als im gewöhnlichen elementaren Zustande, daß also das Chlor im 
lonenzustande farblos aussieht, während es sonst eine grüngelbe Farbe hat, und daß das Natrium -Ion nicht auf AVasser zer- 
setzend einwirkt , während metallisches Natrium aus dem Wasser mit großer Heftigkeit Wasserstoff freimacht , steht in der 
(ühemie nicht vereinzelt da. Ja, es ist ein ganz allgemeines Naturgesetz, daß die Stoffe nicht nur andere sinnlich wahrnehm- 
bare Eigenschaften, sondern auch ein anderes chemisches Verhalten zeigen, wenn sie mit wechselnden Energiemengen behaftet 
sind. So unterscheidet sich der gewöhnliche gelbe vom roten, sogenannten amorphen Phosphor durch seine niedrigere Ent- 
zündungstemperatiu', seine Giftigkeit, seine Farbe, sein Verhalten zu Lösvmgsmitteln, sein spezifisches Gewicht, seine reduzierenden 
Eigenschaften usw. Trotzdem sind die beiden sich verschieden verhaltenden Stoffe das gleiche Element Phosphor. Beide liefern 
bei der Oxydation die gleiche Phosphorsäure. Die Verschiedenheit jener Eigenschaften wird durch den verschiedenen Gehalt 
an Energie bedingt. Dies sehen wir daran , daß der gelbe Phosphor beim Verbrennen mehr Wärme entwickelt als der rote, 
obgleich sie beide die gleichen Verbrennungsprodukte (P, Oj) geben. Ähnlich verhalten sich die zahlreichen verschiedenen 
Modifikationen der übrigen Elemente und ihrer Verbindungen. 



— XLI — 

äußere Anwendung von Elektrizität sehr wahrscheinlich. Man hatte nämlich beobachtet, daß ein elektrischer Strom 
unter gewissen Umständen durch eine Salzlösung, z. B. durch eine Silbernitratlösung unter Verwendung von Elektroden 
aus Silberblech, geleitet werden kann, ohne daß ein meßbarer Verlust an elektrischer Energie nachzuweisen ist. 
Ein solcher Energieverlust müßte aber eintreten, wenn die Spaltung der elektrisch neutralen AgNOg- Molekeln in 
positive Silber-Ionen (Ag-Ionen) und negative Nitrat-Ionen (NOs-Ionen) erst unter dem Einflüsse des elektrischen 
Stromes vor sich ginge. Infolgedessen war man gezwungen anzunehmen (Clausius 1857), daß beim Lösen euies 
Elektrolyten, also z. B. des Kochsalzes, in Wasser ein Teil der elektrisch neutralen Molekeln in positive und 
negative Ionen zerfällt, und daß demnach in jeder wässerigen Kochsalzlösimg das Chlomatrium zum Teil als 
Na Cl- Molekel 11, zum Teil als negative Chlor-Ionen (Cl-Ionen) und positive Natrium -Ionen (Na-Ionen) ent- 
halten ist. 

Eine fundamentale Erweiterung dieser Anschauungen verdanken wir S. Arrhenius, welcher darauf hinwies, 
daß diejenigen Stoffe, deren wässerige Lösungen den elektrischen Strom leiten, auch ausnahmslos in wässeriger 
Lösung einen niedrigeren Gefrierpunkt und höheren Siedepunkt besitzen, als die Rechnung unter Zugrundelegung 
ihres normalen Molekulargewichtes erwarten läßt. Nach seiner Auffassung lassen sich die Eigenschaft der Salz- 
lösungen, den elektrischen Strom zu leiten, und ihr abnorm tiefer Gefrierpunkt und hoher Siedepunkt, die, wie wir 
oben sahen, zu der Vorstellung Anlaß gaben, als ob sich die Zahl der Molekeln des gelösten Stoffes beim 
Lösungsvorgange vermehre, durch die Annahme zwanglos erklären, daß beim Lösen eines Salzes, einer Säure 
oder Base in Wasser eine Spaltung der Molekeln dieser Stoffe in Teilmolekeln oder Ionen stattfinde. Danach 
üben diese Teilmolekeln oder Ionen in bezug auf den Gefrierpunkt der Lösung denselben Einfluß aus wie die 
übrigen intakten Molekeln, und die an der Lösung eines Elektrolyten beobachtete Gefrierpunktserniedrigung und 
Siedepunktserhöhung setzt sich additiv aus der Wirkung der Molekeln und Ionen zusammen. Den Vorgang der 
Spaltung der Molekeln eines Elektrolyten in elektrisch geladene Ionen, z. B. des Kochsalzes in das positive 
Natrium -Ion (Na -Ion) und in das negative Chlor -Ion (Cl-Ion), welcher stets mit dem Auflösen des Salzes in 
Wasser verbunden ist und ohne jede Zuführung von Elektrizität von außen vor sich geht, bezeichnet man mit 
dem Namen „elektrolytische Dissoziation". 

Auf Grund der von S. Arrhenius (1887) aufgestellten Theorie der elektrolytischen Dissoziation können 
wir ims die Zusammensetzung einer wässerigen Kochsalzlösung durch folgendes Schema versinnbildlichen. 

Schematische Darstellung der Zusammensetzung einer wässerigen Kochsalzlösung 
(Na Cl-Lösung) nach der elektrolytischen Dissoziationstheorie: 

+ 
(b) Na Cl (c) 




Na Cl 
(a) 

In diesem Schema bedeutet: 

a = nichtdissoziierte Chlomatriummolekeln, 
b^ positive Natrium -Ionen, 
c = negative Chlor -Ionen. 

[Anmerkung: Der Anteil der Kochsalzmolekeln, welche in Ionen gespalten sind, richtet sich nach der Konzentration der 
Salzlösung: Je mehr man die Lösung verdünnt, um so mehr Salzmolekeln zerfallen in Ionen. So sind z. B. in 1 Kilogramm 
der Kochsalzquelle zu Wilhelmsglücksbrunn Chlor und Natrium in einer Menge enthalten , welche 9,7 Gramm Kochsalz ent- 
spricht. Von dieser Kochsalzmenge sind in der Quelle nur etwa 13 Prozent in der Form von Kochsalzraolekeln enthalten, die 
übrigen 87 Prozent des Salzes sind als (Dhlor- Ionen und Natrium -Ionen vorhanden.] 

Die Bedeutung der elektrolytischen Dissoziationstheorie liegt nicht nur darin, daß sie uns über das Wesen 
der wässerigen Lösungen von Salzen, Säuren und Basen aufklärt und die innigen Beziehungen scheinbar so weit 
auseinander liegender Eigenschaften wie der elektrischen Leitfähigkeit, der Gefrierpunktserniedrigung und Siede- 
punktserhöhung lehrt, sondern daß auch die qualitative und quantitative Analyse wie alle anderen Zweige der 



— XLU — 

Chemie und der Medizin, welche sich mit den wässerigen Lösungen der Stoffe beschäftigen, wie z. B. die Balneologie, 
auf Grund der neuen Anschauungen eine epochemachende Förderung erfahren haben. Hierzu war es aber vor 
allem erforderlieh, die Vorgänge bei der elektrolytischen Dissoziation nicht nur ihrem "Wesen nach aufzuklären, 
sondern auch quantitativ zu verfolgen. 

Dazu bieten sowohl die Bestimmungen des Siedepunktes und namentlich des Gefrierpunktes der wässerigen 
Lösungen dieser Stoffe, als auch die Messungen der elektrischen Leitfähigkeit genügend Anhaltspunkte, auf deren 
Ausführung wir hier nicht eingehen können. Es genüge, auf die oben besprochene Gesetzmäßigkeit hinzuweisen, 
daß z. B. die Gefrierpunktsemiedrigung einer Lösung der Summe der gelösten Molekeln und Ionen entspricht. 
Ist nun die Gesamtmenge des gelösten Stoffes durch die Analyse bekannt, so kann man aus der beobachteten 
Gefrierpunktsemiedrigung die Menge der Ionen und damit der in Ionen zerfallenen Molekeln berechnen. Auf 
diese Weise findet man, daß in der oben als Beispiel gewählten Kochsalzlösung, welche 
1 Kilogramm Wasser und 58,5 Gramm Salz enthält und einen Gefrierpunkt von — 3,42° statt — 1,85° 
zeigt, 84,9 Prozent der Kochsalzmolekeln in positive Natrium-Ionen und negative Chlor-Ionen 
zerfallen sind. Da man den Bruchteil der Molekeln eines Elektrolyten, welcher in Ionen zerfallen ist, als 
elektrolytischen Dissoziationsgrad bezeichnet, so beträgt in der genannten Kochsalzlösung der Dissoziations- 
grad 84,9 Prozent. Je verdünnter eine Lösung ist, desto größer ist der Dissoziationsgrad des gelösten Stoffes. 
In einer Kochsalzlösung z. B., die hundertmal verdünnter ist als jene, die also in 1 Liter etwa 0,6 Gramm 
Kochsalz enthält, kann man für praktische Berechnungen das Salz als vollkommen elektrolytisch dissoziiert annehmen. 

Wie wir gesehen haben, hängt die elektrische Leitfähigkeit einer Lösung im allgemeinen nur von der Zahl 
der Ionen ab. Sie ist also ebenfalls ein Maß für den Dissoziationsgrad, wenn die Gesamtmenge des gelösten 
Stoffes bekannt ist. Man kann demnach mit HiKe elektrischer Leitfähigkeitsmessungen den aus der Gefrier- 
punktsbestimmung einer Lösung berechneten Dissoziationsgrad kontrollieren. Tatsächlich stimmen die auf so ver- 
schiedenen Wegen gefundenen Werte befriedigend überein, und diese Übereinstimmung erbringt einen schönen 
Beweis für die Stichhaltigkeit der angestellten Überlegungen. 

Wenden wir diese Überlegungen auf die Chemie der Mineralwässer an, die in der Regel nur verhältnis- 
mäßig geringe Salzmengen in 1 Kilogramm Wasser enthalten, so finden wir, daß weitaus der größte Teil der 
gelösten Salze nicht in der Form von Salzmolekeln, sondern als Ionen in diesen Wässern enthalten ist. So enthält 
z. B. die Kochsalzquelle zu Wilhelmsglücksbrunn bei Creuzburg an der Werra nach einer von E. Hintz 1903 
veröffentlichten Analyse in 1 Kilogramm Mineralwasser Chlor und Natrium in einer Menge, welche 9,7 Gramm 
Kochsalz entspricht. In dieser Verdünnung ist das Kochsalz zu etwa 87 Prozent in positive Natrium -Ionen und 
negative Chlor-Ionen zerfallen. Die übrigen in den Mineralwässern vorkommenden Salze sind ebenfalls mehr oder 
weniger weitgehend dissoziiert, je nach der Natiu: des Salzes und je nachdem das Mineralwasser wenig oder viel 
davon gelöst enthält 

Wie wir oben ausgeführt haben, machte es große Schwierigkeiten, die in den Mineralwässern analytisch 
ermittelten ELnzelbestandteile zu Salzen zu gruppieren. Die elektrolytische Dissoziationstheorie zeigt uns nun, daß 
diese Schwierigkeiten tatsächlich in dem Zustand der gelösten Stoffe begründet sind; denn die Einzelbestandteile 
sind zum weitaus größeren TeUe in der Form von Ionen, und nur der Rest ist in der Form von Salzmolekeln, 
und zwar, wie wir berechtigt sind anzunehmen, in allen theoretisch möglichen Kombinationen im Mineralwasser 
enthalten. Daher trägt man den tatsächlichen Verhältnissen am besten Rechnung, wenn man, wie es Than aus anderen 
Gründen schon 1864 vorgeschlagen hatte, die Analysenergebnisse nicht in der Form von Salzen, sondern 
in der Form ihrer Ionen zur Darstellung bringt. Die Vernachlässigung der Tatsache, daß ein kleiner Teil der 
Salze in der Form von nicht dissoziierten Molekeln im Mineralwasser enthalten ist, rechtfertigt sich dadurch, daß 
wir über die Menge der einzelnen Salzkombinationen mit Rücksicht auf die sehr verwickelten Verhältnisse zur 
Zeit nichts Sicheres aussagen können. Auf Grund all dieser Überlegungen sind im vorliegenden Werke bei der 
Darstellung der Mineralwasseranalysen die Salze in der Form ihrer Ionen aufgeführt worden. Da man bei einigen 
Anioneii mehrbasischer Säuren im Zweifel sein konnte, welche Formel man Urnen zuschreiben sollte, so mußte 
hierüber besondere Entscheidung getroffen werden, deren Begründung im folgenden speziellen Teile dieser Einleitung 
ausführlich mitgeteilt wird. 

Außer den Salzen sind nach den obigen Darlegungen auch die Säuren und Basen in wässeriger Lösung 
der elektrolytischen Dissoziation unterworfen. Da diese Stoffe mit Ausnahme der Kohlensäure in den meisten 
Mineralwässern nur eine untergeordnete Rolle spielen, so soll hier nur kurz darauf eingegangen werden. Unter 
„Säuren" versteht man im Sinne der elektrolytischen Dissoziationstheorie Stoffe, die in wässeriger Lösung Wasser- 
stoff-Ionen (H-Ionen) abspalten. So zerfallen z. B. die Salzsäure- Molekeln (HCl -Molekeln) in Wasserstoff -Ionen 



XLin — 



(H-Ionen) und Chlor-Ionen (Cl-Ionen), die Salpetersäure -Molekeln (HNO3 - Molekeln) in Wasserstoff -Ionen und 
Nitrat-Ionen (NOg -Ionen), die Kohlensäure -Molekeln (HjCOg -Molekeln) in Wasserstoff -Ionen und Hydrokarbonat- 
lonen (HCO3 -Ionen) und die Schwefelwasserstoff -Molekeln (HjS-Molekeki) in Wasserstoff -Ionen und Hydrosulfid- 
lonen (HS-Ionen). Der Dissoziationsgrad der Säuren hängt ab von deren Stärke, und zwar sind die starken 
Säuren, wie z. B. die Salzsäure und Salpetersäure, ähnlich den Salzen sehr weitgehend dissoziiert. Die äußerst 
schwachen Säuren, Kohlensäure und Schwefelwasserstoff, gehen dagegen nur zu einem sehr kleinen Bruchteile in 
den lonenzustand über. So ist z. B. in einer wässerigen Lösung, welche auf 1 Liter Wasser 1 Liter Kohlen- 
säuregas (CO2) enthält, nur Y4 Prozent der Kohlensäuremolekeln in Wasserstoff -Ionen und Hydrokarbonat- Ionen 
(HCO3 -Ionen) dissoziiert. Deshalb ist es zweckmäßig, diese beiden Säuren, soweit sie im freien Zustande im 
Mineralwasser vorkommen, als imdissozüerte Molekeln, und zwar mit den Formeln aufzuführen, welche sie im 
Gaszustande besitzen, also als COj und HjS. Soweit die Salze dieser beiden Säuren im Mineralwasser vorkommen, 
werden sie in gleicher Weise wie die Salze der starken Säuren in lonenform angegeben, da zwischen den Salzen 
starker und schwacher Säuren ein wesentlicher Unterschied in bezug auf den elektrolytischen Dissoziationsgrad 
nicht besteht. Die Borsäure und die Kieselsäure, welche noch schwächere Säuren sind als die Kohlensäure und 
der Schwefelwasserstoff, kommen in den Mineralwässern fast niu- im freien Zustande vor und werden infolgedessen 
nur als undissoziierte Molekeln angegeben. In den Mineralwässern finden sich ferner noch Gase gelöst wie z. B. 
Stickstoff, Sauerstoff, Wasserstoff und Methan. Für diese Stoffe, welche zu den Nichtelektrolyten gehören, kommt 
eine elektrolytische Dissoziation ebensowenig in Betracht wie für die zuweilen beobachteten indifferenten 
organischen Stoffe. 

Da die neue Darstellung der Mineral wasseranalysen auf Grund der lonentheorie für manchen im Anfange 
vielleicht etwas Fremdartiges hat, so wurde im vorliegenden Werke, um den Übergang zu erleichtem, neben dieser 
Darstellung noch eine zweite der bisherigen Gewohnheit angepaßte in der Form von Salzen gegeben. Die Grundsätze, 
nach welchen hierbei die Gruppierung zu Salzen vorgenommen wurde, werden ebenfalls im speziellen Teile dieser 
Einleitung erläutert werden. Nach obigen Ausführungen ließen sich hierbei viele Willkürlichkeiten nicht vermeiden. 

In den Analysentabellen finden sich ferner noch Angaben über das spezifische Gewicht und die Temperatur 
der Mineralwässer sowie über den Gefrierpunkt und die elektrische Leitfähigkeit, soweit darüber zuverlässige 
Messungen vorlagen. Diese Angaben sollen dazu beitragen, die physikalische und chemische Charakteristik der 
Mineralwässer zu vervollständigen. Was den Gefrierpunkt und die elektrische Leitfähigkeit anbetrifft, so geben 
sie uns gleichzeitig ein Mittel an die Hand, den mittleren Dissoziationsgrad der gelösten Salze annähernd zu 
berechnen. Wie M. Roloff, dem wir eine Reihe von Arbeiten über die Chemie der Mineralwässer verdanken, 
zeigte, kann man anderseits diesen mittleren Dissoziationsgrad eines Mineralwassers schon aus seiner Zusammen- 
setzung annähernd berechnen, so daß die experimentelle Bestimmung und die theoretische Berechnung sich gegen- 
seitig kontrollieren. Die Übereinstimmung der beiderseitigen Ergebnisse bietet einen weiteren Beweis für die 
Anwendbarkeit der modernen Theorien der Lösungen auf so kompliziert zusammengesetzte Gemische, wie sie in 
den Mineralwässern vorliegen. Die Gefrierpunktsbestimmung, die sich in dem von Ernst Beckmann konstruierten 
Apparate sehr schnell und genau ausführen läßt, gibt ferner einen unmittelbaren Anhaltspunkt für die Bestimmung 
des osmotischen Druckes des betreffenden Mineralwassers. Da der osmotische Druck in neuerer Zeit vielfach 
zur Beurteilung der Mineralwässer in therapeutischer Beziehung herangezogen wird, so sei darüber an dieser Stelle 
kurz folgendes bemerkt: 

Bringen wir ein Stück Zucker in ein Glas mit Wasser, so löst sich der Zucker allmählich auf, 
entsteht, wie schon oben bemerkt wurde, ein flüssiges, homogenes Gemenge von Wasser und Zucker. 
Zuckerlösung spezifisch schwerer ist als Wasser, so bleibt erstere eine Zeitlang am Boden des 
Gefäßes. Allmählich aber verteilt sich der Zucker, ohne daß wir nötig haben umzurühren, 
gleichmäßig im Wasser, so daß die Lösung an allen Stellen die gleiche Konzentration besitzt. 
Diesen Vorgang, bei welchem sich der gelöste Stoff von Stellen höherer Konzenti-ation zu Stellen 
niederer Konzentration bewegt, bezeichnet man mit dem Namen Diffusion. Diese Diffusion 
findet aber nicht nur innerhalb einer Flüssigkeit statt, sondern sie geht auch vor sich, wenn wir 
die in einem Gefäße befindliche Flüssigkeit vermittels einer durchlässigen Scheidewand von un- 
glasiertem Ton, Pergamentpapier oder Schweinsblase in zwei Abteilungen trennen. Der gelöste 
Stoff wandert dann so lange durch die Scheidewand (Membran) hindiurch, bis die Lösung in 
beiden Abteilungen die gleiche Konzentration besitzt Den Vorgang der Diffusion durch eine 
Scheidewand bezeichnet man mit dem Ausdruck Osmose. Figur 1 stellt eine solche Vorrichtung dar. In dem 
äußeren, mit Wasser gefüllten GefäJäe A befindet sich der ebenfalls mit Wasser gefüllte Zylinder B aus un- 



d. h. es 
Da die 




Figur 1. 



— XLIV — 



glasiertem, also durchlässigem Ton. Bringen wir in den inneren Zylinder ein Stück Zucker, so entsteht dort zu- 
nächst eine Zuckerlösung. Allmählich aber wandert der Zucker durch die Tonwand hindurch, und zwar so lange, 
bis er sich im Wasser innerhalb und außerhalb des Tonzylinders gleichmäßig verteilt hat, bis also die Konzentration 
des Zuckers an allen Stellen der Flüssigkeit innerhalb und außerhalb des Tonzylinders gleich groß ist. 

Eine eigentümliche Erscheinung tritt ein, wenn wir die Scheidewand so verändern, daß der Zucker nicht 
mehr hindurchwandern kann. Dies läßt sich dadurch erreichen, daß wir in der porösen Scheidewand einen 
schwerlöslichen Niederschlag, z. B. von Ferrocyankupfer erzeugen. Hierzu tränkt man den Tonzylinder zunächst 
mit einer wässerigen Lösung von gelbem Blutlaugen salz und legt, ihn dann in eine wässerige Kupfervitriol- 
lösung, Eine solche Scheidewand, die nur das Wasser (das Lösungsmittel), aber nicht den Zucker (den gelösten 
Stoff) hindurchtreten läßt, bezeichnet man mit dem Ausdruck „halbdurchlässig" oder „semipermeabel". 
Wiederholen wir nun mit einem solchen halbdurchlässigen Tonzylinder den obengeschilderten Versuch, indem wir 
das äußere Grefäß und den Tonzylinder mit Wasser füUen und in letzteren ein Stück Zucker bringen, so wird in 
diesem sich zwar auch eine Zuckerlösung büden, in den äußeren Behälter kann der Zucker aber nicht übergehen, 
denn er wird hieran durch die „semipermeable" Wand gehindert. In diesem Falle findet eine Osmose nur in der 
Weise statt, daß Wasser von außen in den halbdurchlässigen Tonzylinder eintritt und die Zuckerlösung verdünnt. 
Es wird also gewissermaßen von der Zuckerlösung ein Zug auf das außen befindliche Wasser ausgeübt, der in 
folgender Weise sichtbar gemacht und gemessen werden kann. 

Wir verschließen den mit Zuckerlösung vollkommen angefüllten Tonzylinder B mit einem 
Stopfen, durch den ein Glasrohr gesteckt ist, wie dies in Figur 2 abgebildet ist, und hängen den 
Tonzylinder in das mit Wasser gefüllte Gefäß A. Infolge der einseitigen Diffusion (Osmose) 
dringt das Wasser aus dem äußeren Gefäß A in den Tonzylinder B ein, und da dieser schon 
vollkommen mit Flüssigkeit angefüllt ist, so entsteht im Tonzylinder ein Überdruck, der ein 
Aufsteigen der sich allmählich mit Wasser verdünnenden Zuckerlösung in dem Steigrohre zur 
Folge hat, und der durch die Höhe der Flüssigkeitssäule in dem Glasrohre gemessen werden 
kann. Hat diese Flüssigkeitssäule eine gewisse Höhe erreicht, so hört das Eindringen von 
Wasser in den Tonzylinder auf. Der im Innern des Tonzylinders herrschende hydrostatische 
Druck ist dann gleich dem von der Zuckerlösung auf das außerhalb des Tongefäßes befindliche 
Wasser ausgeübten Zuge. Diesen Druckwert, der also die Kraft mißt, mit welcher die Osmose 
durch die halbdurchlässige Wand vor sich geht, nennt man den osmotischen Druck. 

Etwas anders gestalten sich die Verhältnisse, wenn wir mit einer pflanzlichen oder tierischen 
Zelle experimentieren, deren Protoplasmahülle ebenfalls eine semipermeable Membran darstellt, 
da sie für viele gelöste Stoffe undurchlässig ist, dem Wasser dagegen den Diu'chtritt gestattet. 
Infolge ihrer Elastizität behält diese Protoplasmahülle bei Druckschwankungen ihre Form nicht 
bei wie der Tonzylinder, sie kann ihr Volumen vermehren oder vermindern. Bringt man daher 
eine pflanzliche oder tierische Zelle in eine wässerige Lösung, deren osmotischer Druck größer 
ist als der des Zellinhaltes, d. h. in eine hypertonische Lösung, so gibt das Protoplasma 
Wasser ab, und die ZeUe schrumpft zusammen. In einer Lösung von geringerem osmotischen Druck dagegen, 
d. h. in einer hypotonischen Lösung, nimmt das Protoplasma Wasser auf, und die Zelle schwillt an. Haben 
schließlich Zellinhalt und die umgebende Lösung gleichen osmotischen Druck, d. h. sind sie isotonisch, so findet 
kein Wasseraustausch statt, und das Volumen der Zelle bleibt unverändert. 

Die ersten exakten Bestimmungen des osmotischen Druckes von wässerigen Lösungen wurden von Wilhelm 
Pfeffer (1877) in dem oben beschriebenen TonzeUenapparate ausgeführt.. An Stelle eines Steigrohres benutzte er 
ein Quecksilbermanometer, da die beobachteten Drucke ziemlich bedeutend waren. So ist z. B. der osmotische 
Druck einer zweiprozentigen wässerigen Rohrzuckerlösung bei Zimmertemperatur ungefähr lYs Atmosphären, der- 
jenige einer sechsprozentigen Lösung ungefähr 4 Atmosphären. Nach den von van't Hoff (1886) aufgefundenen 
Gesetzen ist der osmotische Druck einer Lösung gleich dem Drucke, den der gelöste Stoff ausüben würde, wenn 
er sich im Gaszustande und in demselben Räume befände, welchen er im gelösten Zustande einnimmt. Für den 
osmotischen Druck gelten demnach bei nicht zu konzentrierten Lösungen, zu denen die meisten Mineralwässer 
gehören, die Gasgesetze. Infolgedessen ist der osmotische Druck der Lösung eines Stoffes ihrer Konzentration 
proportional, und andererseits ist der osmotische Druck äquimolekularer Lösungen gleich groß, unabhängig von der 
Natur der gelösten Stoffe. So ist z. B. der osmotische Druck einer Traubenzuckerlösung, welche in einem Liter 

180 
:-^ = 90 Gramm Traubenzucker enthält, der gleiche wie der einer Hamstofflösung, welche in 




Figur 2. 



ein halbes Mol 



— XLV — 

einem Liter ein halbes Mol = — ^30 Gramm Harnstoff enthält, da in beiden Lösungen die Zahl der Trauben- 

u 

Zucker molekeln und Harnstoffmolekeln die gleiche ist. 

Die wässerigen Lösungen von Elektrolyten machen auch hier insofern eine Ausnahme, daß ihr osmotischer 
Druck größer ist, als ihrer molekularen Konzentration entspricht. Die Ionen verhalten sich auch in dieser Be- 
ziehung wie die nichtdissoziierten Molekeln. Da die Gefrierpunktserniediigung einer Lösung ein Maß für die Kon- 
zentration der in Lösung befindlichen Molekeln und Ionen ist, so ist sie auch ein direktes Maß für den osmotischen 
Druck der Lösung. 

Schließlich sei noch erwähnt, daß es auch Lösungen gibt, bei denen keine Gefrierpunktserniedrigung und 
Siedepunktserhöhung und auch kein osmotischer Druck zu beobachten sind. Diese Pseudolösungen, welche den 
Namen kolloidale Lösungen führen, stellen Aufschwemmungen fester Stoffe in höchst feiner Verteilung dar. Ob 
kolloidal gelöste Stoffe in den Mineralwässern eine Kolle spielen, ist noch nicht sicher festgestellt. 

Es sei zum Schluß nochmals darauf hingewiesen, daß die lonentabelle gegenüber der Salztabelle große 
Vorteile bei der Beurteilung eines Mineralwassers bietet, und daß es infolgedessen jedem, der sich mit Balneologie 
beschäftigt, angeraten werden kann, sich mit diesen lonentabellen vertraut zu machen. Wer in das "Wesen dieser 
neuen Dai'steUungsform eingedrungen ist, wird daraus am schnellsten nnd sichersten die Antwort auf jene drei 
eingangs gestellten Fragen ablesen können, welche Stoffe in einem Mineralwasser enthalten sind, in welcher Menge 
und in welchem Zustande; damit wird er zugleich eine gesicherte Unterlage für die Beurteilung der physiologischen 
Wirkungen dieses Mineralwassers gewinnen können. 



— XLVI — 

Anhang: Über Radioaktivität. 

Von Dr. F. Himstedt, 
o. ö. Professor, Direktor des Physikalischen Instituts an der Universität Freiburg i. B. 

1. „Radioaktiv" nennt man diejenigen Körper, welche die Fähigkeit haben, spontan, ohne vorausgegangene 
besondere Anregung, Strahlen auszusenden, die ähnlich wie die Röntgenstrahlen durch mehr oder weniger dicke 
Schichten undurchsichtiger Substanzen (Papier, Holz, Metall) hindurchzugehen vermögen, und deren Vorhandensein 
durch zwei Wirkungen nachgewiesen werden kann: 1. Sie wirken auf die photographische Platte (die stärkeren 
Präparate sind imstande, viele Substanzen, wie z. B. das Barj'umplatincyanür des Röntgenschirms zum Leuchten 
zu bringen). 2. Sie vermögen Gase (Luft) zu ionisieren und elektrisch leitend zu machen, so daß z. B. ein ge- 
ladenes Elektroskop, das in gewöhnlicher Zimmerluft seine Ladung längere Zeit behalten würde, diese schnell ver- 
liert, wenn die dasselbe umgebende Luft von solchen Strahlen getroffen wird. Dieses zweite Verfahren, das Vor- 
handensein radioaktiver Substanzen nachzuweisen, ist allen bekannten physikalischen und chemischen Untersuchungs- 
methoden weit überlegen. Es gestattet mit Sicherheit Mengen nachzuweisen, die selbst, wenn sie tausendmal größer 
wären, der Spektralanalyse oder der chemischen Analyse noch entgehen könnten. 

Die Erscheinungen der Radioaktivität wurden zuerst von H. Becquerel') im Jahre 1896 an verschiedenen 
Uransalzen beobachtet. Zwei Jahre später fand G. C Schmidt'), daß auch das Thor und seine Verbindungen 
radioaktiv sind. Frau Curie, welche in Verfolg der Becquerelschen Entdeckung alle bekannten chemischen 
Elemente auf Radioaktivität untersuchte, konnte außer beim Uran und beim Thor bei keinem derselben eine solche 
nachweisen, machte aber bei dieser Untersuchung die wichtige Beobachtung, daß von allen untersuchten Substanzen 
die Pechblende (Uranpecherz) die stärksten radioaktiven Wirkungen ergab. 

Das Ehepaar Curie ä) unternahm es darauf, aus dem Uranpecherz diejenige Substanz zu isolieren, welche der 
Pechblende diese wunderbaren Eigenschaften verleiht. Durch eine mustergültige Untersuchung gelang es ihnen, aus 
der Pechblende ein neues chemisches Element zu gewinnen, dem sie den Namen Radium gegeben haben. Bald 
nach ihnen gelang dem deutschen Chemiker Giesel die Lösung der gleichen Aufgabe. Die Schwierigkeit der Dar- 
stellung des Radiums liegt einmal darin, daß es in der Pechblende nur in ganz minimalen Mengen vorkommt, so 
daß aus Tausenden von Kilogrammen kaum ein Dezigramm zu gewinnen ist, sodarm diuin, daß das Radium bei 
allen chemischen Prozessen mit dem Baryum geht und von diesem nur getrennt werden kann durch einen geringen 
Löslichkeitsunterschied der Chloride bezw. Bromide in Wasser. Der Fortschritt in der Trennung läßt sich nur daran 
erkennen, daß der eine Teil an Radioaktivität zu-, der andere abgenommen hat. 

Bei diesen Arbeiten fanden die Curies in der Pechblende noch eine zweite radioaktive Substanz, die in 
chemisch-analytischer Beziehung sich zum Wismut verhält wie das Radium zum Baryvmi. Die Curies glauben, hier 
ein weiteres neues Element gefunden zu haben, dem sie den Namen Polonium gaben. 

Marckwald*) hat aus 2000 kg Pechblende 4 mg einer stark aktiven Substanz gewonnen, die er Radio- 
tellur genannt hat. Das Präparat stimmt in seinem radioaktiven Verhalten so nahe mit dem Polonium überein, 
daß es nicht ausgeschlossen erscheint, daß es sich in beiden Fällen um denselben Körper handelt. Diesen so rein 
darzustellen, daß man sein Spektrum hätte untersuchen können, ist bislang nicht gelungen. 

Von Debierne*) ist noch eine radioaktive Substanz in der Pechblende nachgewiesen worden, das Actinium, 
das nach diesem Forscher dem Thor chemisch sehr nahe stehen soll. Nach neueren Untersuchungen von Giesel 
wäre das Actinium identisch mit dem von letzterem dargestellten Emanium, lasse sich vollständig von Thor, fast 
vollständig von Cer imd Didym, jedoch bislang nicht von Lanthan trennen*). 

2. Die fünf Radioelemente: Uran, Thor, Radium, Polonium, Actinium (Emanium) unterscheiden sich von- 
einander durch die abgegebene Emanation, durch die induzierte Aktivität, durch die ausgesandten Strahlen. Thor, 
Radium und Actiniiun geben eine Emanation, ein radioaktives Gas ab; aber die drei Emanationen sind voneinander 



*) Comptes Bendus de l'Acad^mie des Sciences 122, 1896. 

*) Wiedemanns Annalen 65, 1898. 

") Comptes Rendus de TAcad^mie des Sciences 1898. 

*) Ber. d. deutsch, ehem. Ges. 1902 mid 1903. 

') Comptes Rendus de TAcad^mie des Sciences 1899, 1900, 1903. 

•) Nach den neuesten Untersuchungen Eutherfords (Le Eadium No. 11 vom 15. Novbr. 1905) erscheint es nicht aus- 
geschlossen, daß Polonium und RadioteUur Umwandlungsprodukte des Radiums sind. Nach diesem Forscher lassen sich die 
Wandlungen, welche mit dem Eadiiun vor sich gehen, durch das folgende Schema veranschaulichen: 



— xLvn — 

verschieden und bieten dadurch ein bequemes Mittel, zu entscheiden, mit welcher der drei Substanzen man es zu 
tun hat. Leitet man über einen dieser Stoffe einen Luftstrom, so wird durch diesen die Emanation mit fortgeführt, 
und die Luft erweist sich dann als elektrisch leitend. Stellt man in einem geschlossenen Gefäße zwei isolierte 
Metallplatten in einem Abstände von 1 — 2 cm einander gegenüber, verbindet die eine mit einem empfindlichen 
Elektroskop oder besser Elektrometer, die andere mit dem -)-- Pol einer Batterie von 50 — 100 hintereinander ge- 
schalteten Akkumulatoren, deren anderer Pol mit der Erde verbunden ist, und bringt in das Gefäß die Luft mit der 
Emanation, so beobachtet man, daß die mit dem Elektrometer verbundene Platte mehr und mehr geladen wird. Die 
Schnelligkeit, mit der die Ladung wächst, gibt ein Maß für die Leitfähigkeit, welche der Luft durch die beigemischte 
Emanation erteilt worden ist. Man beobachtet nun, wenn man die Emanation in dem Gefäße eingeschlossen läßt, 
daß diese Leitfähigkeit der Luft mit der Zeit abnimmt. Bei der Ra-Emanation dauert es etwa vier Tage, bis die 
Leitfähigkeit auf die Hälfte abgenommen hat, bei der des Thors etwa eine Minute, bei der des Actiniums nur 
wenige Sekimden. 

Die von reinem Radium abgegebene Emanation ist so stark, daß man sie im vollständig verdunkelten Zimmer 
direkt an dem schwachen Leuchten der Luft, welcher sie beigemischt ist, erkennen kann. 

Jeder Körper, der mit der Emanation in dh-ekte Berührung kommt, wird dadurch selbst auf kürzere oder 
länsrere Zeit radioaktiv: „induzierte Aktivität". Diese induzierte Aktivität läßt sich bedeutend verstärken bezw. 
in kürzerer Zeit herstellen, wenn man den zu aktivierenden Körper, während er sich in Emanation befindet, negativ 

elektrisch ladet, also etwa mit dem Pole einer Elektrisiermaschine oder einer vielzelligen Batterie verbindet, so daß 

man ihn auf ein Potential von 1000 und mehr Volt bringt. Das Abklingen der induzierten Aktivität bietet wieder 
ein Mittel dar, zu entscheiden, welche Emanation benutzt wurde. Die induzierte Thor- Aktivität fällt in 1 1 Stunden, 
die des Radiums in 28 Minuten auf die Hälfte ab. 

Die Strahlen, welche von radioaktiven Substanzen ausgesendet werden, hat man in drei Gruppen einteilen 
können und bezeichnet sie, geordnet nach ihrer Fähigkeit, andere Substanzen zu durchdringen, als a-, ß- und y-Strahlen. 
Nach Rutherford wird die Wirksamkeit der Strahlen auf die Hälfte herabgesetzt bei den a-Strahlen beim Durch- 
gang durch ein Aluminiumblech von 0,0005 cm Dicke, bei den /S-Strahlen von 0,05 cm, bei den /-Strahlen von 
8 cm Dicke, und angenähert umgekehrt proportional hiermit geht die Fähigkeit der drei Strahlenarten, die Gase 
zu ionisieren und leitend zu machen, so daß, wenn man diese Fähigkeit bei den a-Strahlen mit 10000 bezeichnet, 
die der /^-Strahlen gleich 100, die der y-Strahlen gleich 1 gesetzt werden muß. Die drei Strahlenarten zeigen 
aber noch einen wesentlichen Unterschied: Die a-Strahlen werden durch einen Magneten oder ein elektrisches Feld 
so abgelenkt wie ein -j- galvanischer Strom oder wie die Kanalstrahlen Goldsteins, müssen also aus -}- geladenen 
fortgeschleuderten Teilchen bestehen. Die /3-Strahlen verhalten sich unter dem Einflüsse des Magneten genau wie 
Kathodenstrahlen, sind also — geladene Teilchen, und endlich die y-Strahlen verhalten sich wie X-strahlen, d. h. 
man kann keine Ablenkung durch einen Magneten erzielen. 

Uran, Thor, Radium senden alle drei Strahlenarten aus, Actinium scheint keine y-Strahlen zu haben, Polonium 
hat sicher nur a-Strahlen. 

3. So wie die Röntgenstrahlen vermögen auch die Strahlen des Radiums am lebenden Gewebe Verände- 
rungen hervorzurufen. Giesel, Becquerel und andere, die sich mit Radiumuntersuchungen viel beschäftigten, 



et OL, 






öC 




Eadium Emanation Ead. A Ead. B Ead. C Ead. D Ead. E Rad. F 

(Eadioaktives Blei) (Polonium) 

1300 Jahre 4 Tage 3 Min. 21 Min. 28 Mm. 40 Jahre 6 Jahre 143 Jahre 

schnelle Umwandlung langsame Umwandlung 

Das soll heißen: Radium sendet a-Strahlen aus vmd verwandelt sich dadurch in Emanation, diese sendet a-Strahlen aus und 
bildet das Radium A usw. Die darunter geschriebenen Zeiten geben an, innerhalb welcher Zeit die Menge eines bestimmten 
Produktes auf die Hälfte abnimmt. Mißt man z. B. bei Radium C, das identisch mit der später zu erwähnenden „induzierten 
Aktivität" ist, auf irgend eine Weise (durch Photographie oder Leitfähigkeit der Luft) die Stärke der Strahlung, so findet man, 
daß dieselbe nach 28 Minuten auf die HäUte abgenommen hat. 



— XLvm — 

haben unfreiwillig an sich die Beobachtung machen müssen, daß an Stellen des Körpers, die längere Zeit den 
Radiumstrahlen ausgesetzt waren, Entzündungen, Ekzeme und Geschwüre sich bildeten. Bei Versuchen an kleinen 
Tieren, z. B. Mäusen, ließen sich starke Wirkungen auf das Nervensystem, Lähmungserscheinungen usw. konsta- 
tieren, und bei stärkerer Bestrahlung trat meist schon nach wenigen Stunden der Tod ein. Diese Beobachtungen 
müssen den Gredanken nahelegen, die Radiumstrahlen in älinlicher Weise wie die X-Strahlen zu Heilzwecken zu 
verwenden. In der Tat scheint man in neuerer Zeit bei der Behandlung von Krebs und Lupus mit Radium- 
strahlen gute Erfolge erzielt zu haben, doch läßt sich ein abschließendes Urteil bei der Kürze der Zeit sicher 
noch nicht fällen. Ebensowenig läßt sich schon jetzt über die Versuche urteilen, die Tuberkelbazillen durch Inha- 
lationen von Radium- sowie von Thoremanation zu bekämpfen. 

4. Sella und Pocchettino^) haben zuerst die Beobachtung gemacht, daß, wenn man Luft durch Wasser 
perlen läßt, dieselbe dadurch an Leitfähigkeit zunimmt. J. J. Thomson") und F. Himstedt^) haben, ohne 
hiervon zu wissen, die gleiche Beobachtung gemacht. Ersterer hat gezeigt, daß Wasserproben verschiedener Herkunft 
sich verschieden verhalten; letzterer hat nachgewiesen, daß das Wasser aller Quellen sowie frisch heraufgeholtes 
Grundwasser die Fähigkeit besitzt, hindurchgepreßte Luft leitend zu machen, daß hingegen Wasser, welches 
längere Zeit an freier Luft gestanden hat, das Wasser der Teiche und Seen sowie Flußwasser, diese Fähigkeit 
nicht mehr besitzen. Es konnte nachgewiesen werden, daß diese Wirkung des Wassers darauf zurückzuführen ist, 
daß in demselben ein radioaktives Gas, eine Emanation, in ähnlicher Weise wie Sauerstoff oder Kohlensäure absorbiert 
enthalten ist, welches von der durchgepreßten Luft mitgenommen wird. Wurde ein größeres Luftquantum, z. B. 
50 1, durch 1 1 Wasser in einem Kreisprozesse wiederholt hindurchgepreßt, so konnte hierdurch die Emanation dem 
Wasser so gut wie vollständig entzogen werden. Die darauf bestimmte Leitfähigkeit der Luft liefert dann ein Maß 
für den Emanationsgehalt des Wassers. 

Von den Quellen, welche der Verfasser damals untersuchte, zeigten die Thermen von Baden-Baden sich am 
wirksamsten. Inzwischen sind in allen Weltteilen Wasserproben auf Emanation untersucht worden, und ausnahmslos 
hat sich der obige Satz bestätigt: Quellwasser enthält Emanation, Fluß- und Seewasser nicht mehr oder nur in 
minimaler Menge. 

Daß die Emanation der QueUwässer, wenigstens der bei weitem größte Teil derselben, identisch ist mit der 
Radiumemanation, wurde nachgewiesen: 

1. dadurch, daß beide das gleiche Abklingen zeigen: in etwa 4 Tagen Abfall auf die Hälfte; 

2. daß die mit der Wasseremanation induzierte Aktivität das Abklingen der induzierten Radiumaktivität 
zeigt: in etwa Y2 Stunde Abfall auf die Hälfte; 

3. daß Wasser- und Radiumemanation den gleichen Kondensationspunkt haben: etwa — 150°; 

4. daß verschiedene Flüssigkeiten für beide Emanationen denselben Absorptionskoeffizienten besitzen: 1 1 
Petroleum absorbiert von beiden Emanationen etwa 20 mal so viel wie 1 1 Wasser; 

5. daß man mit Wasseremanation an einem Sidotblendeschirm die Erscheinung des Scintillierens in der- 
selben Weise hervorrufen kann, wie dies Crookes zuerst mit Radiumemanation getan hat. 

Himstedt hat aus seinen Versuchen den Schluß gezogen, daß sich in unserer Erde weit verbreitet, vielleicht 
überall, radioaktive Stoffe finden, von denen eine gasförmige Emanation ausgeht, die vom Wasser absorbiert wird, 
mit diesem an die Oberfläche kommt und dann aus dem Wasser allmählich sich in die Luft verbreitet. Diese 
Anschauung hat bald darauf eine wertvolle Bestätigung gefunden, indem die Herren Elster und Geitel^) bei 
verschiedenen Erdarten und Quellsedimenten radioaktive Wirkungen nachweisen konnten, am stärksten beim 
Fangoschlamm. 

Später 5) haben dieselben Physiker, veranlaßt durch die obigen Angaben über die Badener Thermalquellen 
auch deren Quellsedimente untersucht imd das Vorhandensein von Radium in denselben in überzeugendster Weise 
dargetan. 

Himstedt hat in der zitierten Arbeit darauf aufmerksam gemacht, daß der hohe Emanationsgehalt der 
Thermalquellen die Vermutung nahelege, daß die Radioaktivität dieser Quellen in Zusammenhang stehe mit ihrer 
Heilkraft Es ist bekannt, daß diese Wässer, frisch an der Quelle benutzt, entschieden kräftiger wirken, als wenn 
sie verschickt imd erst Tage oder Wochen nach ihrer Abfüllung ziu- Verwendung kommen. Das Abklingen der 



') Read. K. Acc. dei Lincei 1902. 

') Phil. Mag. 1902; Naturw. Eundschau 1903. 

») Ber. d. Naturf. Ges. Freiburg i. B. Bd. 13 u. 14, 1903. 

*) Physik. Ztschr. 5. 1904. 

») Physik. Ztschr. 6. 1905. 



— XLIX — 

Emanation würde diese Tatsache, deren Erklärung bislang Schwierigkeiten bot, ganz selbstverständich erscheinen 
lassen. Ob dem wirklich so ist, ob bei den Heilquellen die Radioaktivität eine Rolle spielt, kann natürlich nur durch 
eingehende und der Natur der Sache nach längere Zeit in Anspruch nehmende Versuche entschieden werden, und 
es ist dringend zu wünschen, daß sorgfältige Versuche hierüber angestellt werden. Denn sollte es sich bestätigen, 
daß die Radioaktivität der Quellen mit deren Heilwirkung zusammenhängt, so hätte uns die Natur hier gewisser- 
maßen schon einen Weg gewiesen, wie mit der Dosierung und der Applikation radioaktiver Heilmittel zu beginnen 
ist, um schädliche Wirkungen auszuschließen. Man hätte vielleicht die Minimaldosis, und könnte die Maximaldosis 
suchen. Dringend erforderlich würde es dann aber auch werden, die verschiedenen Quellen, ebenso wie sie chemisch- 
analytisch nach denselben Gmndsätzen jetzt untersucht sind, nun auch in einwandfreier Weise auf ihren Gehalt an 
radioaktiver Emanation untersuchen zu lassen; andernfalls stände zu befürchten, daß die Reklame sich dieses 
Punktes noch mehr bemächtigt, als das schon jetzt zum Teil geschehen ist. 



IV 



B. Besondere Grundsätze für die Darstellung der chemischen 

Analysenergebnisse. 

Von Dr. E. Hintz, 

Professor, Mitinhaber des Chemischen Laboratoriums Fresenius zu Wiesbaden 

und Dr. L. Grünhut, 

Dozent imd AbteUungsvorsteher im Chemischen Laboratorium Fresenius zu Wiesbaden. 

Der vorangehende Abschnitt A dieser Einleitung wird jedem unbefangenen Leser die Überzeugung vermittelt 
haben, daß für die Darstellung der Ergebnisse chemischer Analysen im vorliegenden Buche keine andere Grund- 
lage gewählt werden konnte als diejenige, welche die moderne Theorie der Lösungen bietet. Da aber von den 
etwa 650 aufzunehmenden Analysen noch nicht 10 auch nur annähernd den Bearbeitern in der Form vorlagen, 
in der sie hier wiedergegeben sind, so war eine umfassende Neuberechnung nötig, für welche die in der wissen- 
schaftlichen Literatur, in Badeprospekten, Flugblättern und teilweise auch im Manuskript vorliegenden Original- 
mitteilungen der betreffenden Analytiker gewissermaßen nur als Rohmaterial gedient haben. Wie wir mit 
diesem Material geschaltet haben, nach welchen Grundsätzen wir bei seiner Verwertimg vorgingen, davon soll in 
erster Linie in diesem Abschnitte Rechenschaft abgelegt werden. Wenn dies mit einer gewissen Ausführlichkeit 
geschieht, so ist es darum, daß jederzeit einwandfrei festgestellt werden kann, wie jede hier mitgeteilte Zahl aus 
derjenigen — oft scheinbar abweichenden — der ursprünglichen Veröffentlichung gewonnen wurde. 

Die Herausgeber dieses Buches hoffen, daß mit seinem Erscheinen auf Grund des darin veröffentlichten 
analytischen Materials die neue Form der AnalysendarsteUung endgültig angenommen werden wird, und es erscheint 
deshalb am Platze, hier noch einmal eine kurze historische Darstellung der bis jetzt angewendeten Prinzipien 
zu geben, zumal eine derartige Zusammenfassung in der Literatur völlig fehlt, andererseits aber zum Verständnis 
älterer Veröffentlichungen um so notwendiger wird, je mehr man sich in der Praxis von den seither benutzten 
Grundlagen entfernt 

1. Bisherige Form der Darstellung. 

Die Unsicherheit und Willkür, mit der jede der bislang üblichen Berechnungsweisen von Mineralwasseranalysen 
verknüpft ist, hat, wie bereits in Abschnitt A erwähnt, von jeher eine größere Anzahl Analytiker veranlaßt, in 
ihren Veröffentlichungen die direkten Wägungszahlen mitzuteilen, also unmittelbar die experimentellen Er- 
gebnisse, frei von jeder theoretischen Einkleidung, anzuführen. Sie ermöglichten so jederzeit eine Neuberechnung 
nach neuen Gesichtspunkten, imabhängig von jener Berechnungsfonn , welche der erste Autor der Analyse für die 
Darstellung wählte, die er vielleicht im Anschluß an seine Originalzahlen gab. 

An Stelle der direkten Wägungszahlen, zuweilen auch neben denselben, findet man namentlich in 
älteren Analysen vieKach die basischen Komponenten der Salze in Form der Oxyde, die sauren Komponenten, 
sofern es sich um Sauerstoffsäuren handelt, als Säureanhydride, sofern Halogenwasserstoffsäureu in Betracht 
kommen, als Halogene aufgeführt Auch diese DarsteUungsform ist bis zu einem gewissen Maße ein direkter 
und unbeeinflußter Ausdruck der experimentellen Ergebnisse und bietet in diesem Sinne die gleichen Vorzüge 
wie die soeben erwähnte. Immerhin steht sie hinter derselben doch in zweifacher Beziehung zurück. Einmal, 
und dies ist der schwerer wiegende Einwand, bedarf es zur Ableitung dieser Werte aus den direkten Wägungs- 
zahlen der Kenntnis der Atomgewichte. Wir sind heute noch in einzelnen Fällen auf die Benutzung von Analyst^ 
angewiesen, deren Ausführung um 60 bis 80 Jahre zurückliegt. Diesen Analysen gegenüber ist naturgemäß unsere 
fortgeschrittene Kenntnis der Atomgewichtswerte nicht bedeutungslos, und sie tragen, sofern sie ausschließlich in 
der erwähnten umgerechneten Form auf uns gekommen sind, Fehler in sich, die sie lediglich der Berechnungs- 
weise verdanken. Dies gut sogar für manche Analysen aus neuerer Zeit, da auch bei solchen zweifellos mehr- 
fach an Stelle der genauen Atomgewichtswerte die sogenannten abgerundeten zur Ausrechnung benutzt ^vurden. 
Sofern wir für die Zwecke dieses Buches auf die Verwertung eines derartigen Analysenmaterials angewiesen waren, 
ist, wie weiter unten näher ausgeführt wird, versucht worden, die gröbsten Unrichtigkeiten zu beseitigen, die von 
der Anwendung älterer Atomgewichtswerte herrühren. 

In bei weitem den meisten Fällen hat man den erwähnten Darstellungs weisen eine Umrechnung auf Salze 
hinzugefügt, ja häufig nur diese gegeben. Letzteres gilt insbesondere für die in Brunnenschriften mitgeteilten 
Analysen. In Abschnitt A dieses Teües der Einleitung ist bereits erwähnt, daß für diese Salzberechnung zwei 
verschiedene Grundsätze herangezogen wurden, daß sich R. Bunsen auf die Löslichkeitsreihe der Salze stützte, 
während R. Fresenius die Stärke der Säuren und Basen in den Vordergrund stellte und nur nebenher 



— LI — 

Löslichkeitseigenschaften in Betracht zog. Diese letztere Berechnungsweise ist von der Mehrzahl der Autoren bisher 
bevorzugt worden, gestaltete sich im einzelnen jedoch verschieden, insbesondere je nachdem das betreffende Mineral- 
wasser ein alkalisches war oder nicht. 

Bei nicht alkalischen Wässern versuchte man eine Trennung des in Form von Hydrokarbonaten vor- 
handenen Calciums und Magnesiums von den anderen Salzen derselben Metalle vorzunehmen, indem man neben 
der Bestimmung des Gesamtkalks noch eine besondere Bestimmung des beim Kochen nach Austreiben 
der Hydrokarbonatkohlensäure in Lösung bleibenden Kalks vornahm. 
Die Berechnung geschah nun folgendermaßen: 

Zunächst wurde Salpetersäure an Nati'on gebunden und ferner Brom und Jod, und zwar in früherer Zeit 
an Magnesium, später jedoch meist an Natrium. Dann folgten Basen und Säuren zunächst in folgender Reihenfolge: 
Phosphorsäure Unlöslicher Kalk 

Gebundene Kohlensäure Eisenoxydul 

Manganoxydul 
Magnesia. 
Hier unterbrach man nach Abbindung aller Kohlensäure und fuhr alsdann in folgender Eeihenfolge fort: 
Schwefelsäure Baryt 

Chlor Strontian 

In Lösung bleibender Kalk 
Oben verbliebener Rest Magnesia 
Kali 
Natron 
Lithion 
Ammon. 
Beispiel: Analyse des Kissinger Rakoczy von J. von Liebig'^). 

Je nachdem man bei der Berechnung nach diesem Schema die Löslichkeit des einfach kohlensauren Kalks in 
Wasser berücksichtigt oder außer acht läßt, also eine entsprechende Menge Kalk von dem in Lösung gebliebenen 
abzieht oder nicht, ergeben sich wesentliche Differenzen im Schlußresultat 2). 

E. BohligS) hat wohl als erster auf die Unzuverlässigkeit der Grundlage dieser Berechnungsweise hingewiesen, 
indem er zeigte, daß gefälltes Magnesiumkarbonat beim Kochen mit Calciumsulfatlösmig sich zu Calciumkarbonat 
und Magnesium Sulfat umsetzt. Das beim Kochen ausfallende Calciumkarbonat ist also durchaus kein Maß für 
das ursprünglich im Mineralwasser vorhanden gewesene Calciumhydrokarbonat. Diese Bedenken sind durch die 
heutige Forschung nur noch verstärkt worden. Lehrt sie uns doch, daß durch jeden dynamischen Eingriff, 
wie ihn auch das Wegkochen der Kohlensäure darstellt, das chemische Gleichgewicht derart verschoben wird, daß 
aus dem Zustand nach dem Eingriff nicht mehr auf denjenigen vor demselben zurückgeschlossen werden darf. 

Man hat hieraus Anlaß genommen, das soeben auseinandergesetzte Schema zu verlassen, und in einer 
späteren Periode wurden daher von R. Fresenius und anderen die nicht-alkalischen Wässer in folgender Weise 
berechnet, bei welcher das Prinzip der Bindung nach der Stärke von Basen und Säuren teilweise durchbrochen 
wurde. In allen den Fällen, in denen die Menge der Halogene mehr als ausreichend war, die Alkalien zu binden, 
wurde nämlich, irni der Schwerlöslichkeit des Baryiun-, Strontium- und Calciumsulfats Rechnung zu tragen, zunächst 
die Schwefelsäure, die ja damals noch als stärkste Säure galt, nicht an Alkalien, sondern an Baryt, Strontian 
und Kalk gebunden und ferner noch Phosphorsäure, Arsensäure und Borsäure an Kalk. Dann erst fuhr man in 
folgender Reihenfolge fort: 

Salpetersäure Natron 

Brom Kali 

Jod Lithion 

Chlor Ammon 

Kohlensäure Rest des Kalkes 

Magnesia 
Eisenoxydul 
Kieselsäure wurde als freie Säure aufgeführt. Manganoxydul. 

') Liebigs Annalen der Chemie 1856 Bd. 98 S. 159. 

') Vgl. R. Fresenius, Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse. 6. Aufl. Band 2 S. 236, Braunschweig 1877 — 1887. 

") Zeitschrift für analytische Chemie 1878 Bd. 17 S. 301. 



— LH — 

Beispiel: Analyse des Wiesbadener Kochbnmnens von R. Fresenius i). 

War hingegen bei dieser Berechnungsart ein Überschuß der Alkalien über die Halogene vorhanden, so nahm 
man nur die Bindung von Phosphorsäure und Arsensäure an Kalk vorweg und hielt im übrigen von vornherein 
folgende Bindungsfolge inne: 

Chlor Lithion 

Jod Ammon 

Brom Natron 

Salpetersäure Kali 

Schwefelsäure Baryt 

Kohlensäure Strontian 

Kalk 
Magnesia 
Eisenoxydul 
Manganoxydul. 
Kieselsäure wurde als freie Säure aufgefülirt 

Beispiel: Analyse der SalztrinkqueUe zu Pyrmont von E. Hintz und L. Grünhut^). 

Bei der Berechnung der alkalischen Mineralwässer fielen alle die eben erörterten Besonderheiten fort, 
die bei den nicht-alkalischen Wassern berücksichtigt wurden. Dort waren sie dadurch bedingt, daß man ein Neben- 
einander von Natriumsulfat und Calciumchlorid vermeiden wollte, weil dies unwahrscheinlich erschien. Hier war 
das auch bei konsequenter Durchführung des Prinzips der Stärke von Säuren und Basen unmöglich, und so geschah 
die Verteilung direkt in nachstehender Reihenfolge: 

Schwefelsäure Kali 

Salpetersäure Natron 

Chlor Lithion 

Brom Ammon 

Jod Kalk 

Phosphorsäure Magnesia 

Arsensäure Eisenoxydul 

Borsäure Manganoxydul. 

Kohlensäure 
Kieselsäure wurde auch hier als freie Säure aufgeführt. 

Beispiel: Analyse des „Großen Sprudels" zu Neuenahr von E. Hintz und L. Grünhut^). 
Die in den vorstehenden Abschnitten erörterten Verschiedenheiten sind nicht die einzigen, die man bei der 
Berechnung der Mineralwasseranalysen findet. Bei einer Durchsicht der vorliegenden Veröffentlichungen wird man 
vielmehr noch zahlreiche Abweichungen feststellen können. Die hier besprochenen Modifikationen dürfen jedoch 
als die Haupttypen gelten, denen sich die sonstigen Berechnungsweisen mehr oder minder nahe an.schließen. 
Neben diesen Verschiedenheiten, die sich auf die Gruppierung zu Salzen beziehen, finden sich dann noch andere, 
welche die äußere Form der Darstellung betreffen. So werden die Bestandteile in Gramm in 1 Kilogramm 
(bzw. Gran in 1 Pfund) oder in Gramm in 1 Liter aufgeführt. Die kohlensauren Salze werden bald als einfache 
Karbonate (z. B. Na^COs), ^^<^ ^^ Bikarbonate im alten dualistischen Sinne, sogenannte „wasserfreie doppelt- 
kohlensaure Salze" (z. B. Na^O, 2CO2), und schließlich als Hydrokarbonate (Bikarbonate) im heutigen Sinne, also 
als sogenannte „wasserhaltige doppeltkohlensaure Salze" (z. B. NaHCOg) in Rechnung gestellt Ähnliche Unter- 
schiede bestehen in Beziehung auf die Sättiguiigsstufe der Arsensäure und Phosphorsäure. 

Besonders bedauerlich ist es, daß manche Veröffentlichungen nicht erkennen lassen, welche dieser Darstellungs- 
formen ihnen zugrunde liegen, so daß eine richtige Deutung der mitgeteilten Zahlenwerte unmöglich ist Nimmt 
man dies zu der Verschiedenartigkeit der Grundlagen der Berechnung auf Salze hinzu, so wird man zugeben müssen, 
daß unter bisherigen Verhältnissen eine Vergleichung und Klassifikation der Mineralwässer ernsthaften Schwierig- 
keiten begegnet. Wenn mit der Herausgabe dieses Buches der Versuch unternommen wird, zur einheitlichen 
Darstellung der Analysenergebnisse auf Grund der lonentheorie überzuleiten, so gewinnt man, falls diesem 



') Jahrb. d. nassauischen Vereins f. Naturkunde 1886 Bd. 39 8. 1. 

») Wiesbaden 1905. 

") Jahrb. d. nassauischen Vereins f. Naturkunde 1902 Bd. 55 S. 205. 



— Lni — 

Streben Erfolg zuteil wird, nicht nur Anschluß an den Standpunkt, der heute wissenschaftlich allein zvJässig 
erscheint, sondern man verbindet damit auch praktische Vorteile, indem die soeben erwähnte chaotische Ver- 
schiedenheit ausgeschaltet wird. 

Man muß sich darüber wundem, daß solchen sichtlichen Vorzügen gegenüber nicht bereits der erste in dieser 
Richtung zielende Vorschlag K. von Thansi) (vgl. Abschnitt A. dieser Einleitung S. XXXVIII) erfolgreich war, aber er 
wurde nur in einigen Arbeiten E. Ludwigs^) und seiner Schüler aufgenommen und fand dann in R. Rosemanns, 
im übrigen verdienstlichem Buche 5) bekanntlich mißverständliche Anwendung. Es bedurft« erst eines abermaligen 
Anstoßes durch W. Ostwald*), um der lonentheorie auf dem besprochenen Gebiete endgültig Bahn zu brechen. 
Auf ihn folgten H. Koeppe«) mit einigen entsprechend dargestellten Analysen sowie unsere eigenen Untersuchungen^), 
durch welche wir das Schema in der Hauptsache begründeten, das in diesem Buche durchgeführt ist. 

Diese alsbald näher auseinanderzusetzende Form der Analysendarstellung schließt sich insofern nicht ganz der 
Wirklichkeit an, als sie eine vollständige elektrolytische Dissoziation der Salze voraussetzt. Tatsächlich sind aber 
neben Ionen in allen Fällen auch ungespaltene Molekeln in nicht zu vernachlässigender Menge in den Mineralwässern 
vorhanden. Man kann dai-an denken, bei der Berechnung der Analysen auch dies zu berücksichtigen und mit 
Hilfe des Gesetzes der Massenwirkung für jedes Wasser die wahre lonenkonzentration und die Konzentration der 
einzelnen ungespaltenen Salzmolekeln zu ermitteln. Grundsätzlich steht der Lösung einer solchen Aufgabe nichts 
im Wege, in Wirklichkeit wird sie sich jedoch außerordentlich schwierig gestalten. 

Li der Pyrmonter Salztrinkquelle haben wir z. B. 10 verschiedene Kationen und 8 verschiedene Anionen 
aufgefunden. Diese Ionen müssen im Mineralwasser nicht nur im freien Zustande, sondern auch in sämtlichen 
möglichen Kombinationen zu Salzen vereinigt sich finden, d. h. es werden neben 10 -(- 8 ^ 18 verschiedenen 
freien Ionen auch 10 . 8 = 80 verschiedene Salze vorkommen. Um die Konzentration eines jeden einzelnen dieser 
98 Bestandteile zu ermitteln, hätte man also ein System von 98 Gleichungen mit 98 Unbekannten aufzulösen. 
Wir geben zu, daß durch einige naheliegende vereinfachende Annahmen diese Zahl herabgemindert werden kann, 
aber auch dann wird die zu lösende Aufgabe in rechnerischer Beziehung immer noch ziemlich verwickelt und auf 
alle FäUe sehr langwierig sein. Hierzu kommt, daß die erforderlichen Konstanten der einzelnen Massenwirkungs- 
Gleichungen durchaus nicht alle mit hinreichender Sicherheit bestimmt, ja zum Teil noch völlig unbekannt sind. 
Schließlich wissen wir noch nicht, ob in komplexen Lösungen dieselben Konstanten Gültigkeit besitzen, die wir 
an einfachen Lösungen ermitteln. 

So stellen sich der Ausführung derartiger Berechnungen in der Praxis sehr erhebliche Schwierigkeiten ent- 
gegen. Für die Zwecke dieses Buches konnte um so eher davon abgesehen werden, als ein Bedürfnis nach derartig 
berechneten Analysen nicht anerkannt werden kann, da die heutige Medizin besondere Schlüsse darauf nicht auf- 
zubauen vermöchte. 

2. Grundlagen der Neuberechnung. 

a) Allgemeine Prinzipien. 

Als Grundlage der Darstellung der Mineralwasseranalysen in diesem Buche ist das Prinzip angenommen, 
alle Bestandteile, die einer praktisch in Betracht kommenden elektrolytischen Dissoziation fähig sind, als Ionen, 
alle übrigen hingegen als Molekeln aufzuführen. 

Bei den erforderlichen Umrechnungen älterer Analysen wurde nach Möglichkeit auf die Originalwägungszahlen 
zurückgegriffen. Wo diese nicht zu beschaffen waren, wurde, wenn irgend möglich, die Ausrechnungsform auf Oxyde 
und Säureanhydride benutzt. Diese Werte stehen zwar an Qualität hinter den Originalwägungszahlen zxu-ück, weil 
sie als umgerechnete Werte einmal durch die benutzten Atomgewichte beeinflußt sind, und weil anderseits die 

') Wiener Akademie. Sitzungsberichte d. mathemat.-naturw. Klasse 1865 Bd. 51, II S. 347. — Vgl. auch Tschermaks 
Mineralogische und petrographische Mitteilungen 1890 N. F. Bd. US. 487. 

') Vgl. beispielsweise E. Ludwig, Hauptquelle von Gastein. Tschermaks Mitteilungen N. F. Bd. 19 S. 470. — 
Derselbe, Therme von Monfalcone. Ebendas. N. F. Bd. 20 S. 185. — E. Ludwig imd Panzer, Quelle von Deutsch-Alten- 
burg. Wiener klinische Wochenschrift Bd. 12 S. 708. 

') Die MineraltrinkqueUen Deutschlands. Nach den neuesten Analysen verglichen. Greifswald 1897. 

*) Die wissenschaftlichen Gnuidlagen der analytischen Chemie 2. Aufl. S. 199, Leipzig 1897. 

'■) Archiv der Bahieotherapie und Hydrotherapie 1898 Bd. 1 Heft 8; 1900 Bd. 2 Heft 4. — Physikalische Chemie m 
der Medizin S. 122, Wien 1900. 

*) Zeitschrift für angewandte Chemie 1902 S. 643; 1903 S. 842. — Balneologische Zentralzeitung (Beilage zur medi- 
zinischen Woche) 1903 S. 81. — Analysen des Rhenser Sprudels, der Rhenser Kaiser-Kuprecht-Quelle, des Großen Sprudels 
zu Neuenahr, der Pyrmonter Salztrinkquelle, der Birresborner Lindenquelle. SämtUch bei C. W. Kreideis Verlag, Wiesbaden. 

IV* 



— LIV — 

Möglichkeit eines Rechenfehlers nicht ausgeschlossen ist^). Dieselben belastenden Momente ergeben sich, und 
zwar in verstärktem Maße, auch für die nur in Form der SalztabeUe vorliegenden Analysen, bei welchen häufig 
noch die Unsicherheit hinzutritt, was eigentlich unter den mitgeteilten Zahlen zu verstehen ist (vgl. S. LH). Manch- 
mal konnte die Entscheidung darüber, was die angeführten „doppeltkohlensauren" Salze, was „kieselsaure Tonerde" 
zu bedeuten habe, in der Tat nur auf Grund recht unsicherer Erwägungen über das, was ziu- Zeit der Ausführung 
der Analyse allgemein üblich war, entschieden werden. In jedem Einzelfalle wurde angegeben, aus welcher ursprüng- 
lichen Darstellungsform (Originalzahlen, Einzelbestandteile oder SalztabeUe) die umgerechnete Analyse hervor- 
gegangen ist. 

Für alle Neuberechnungen wurden die von der internationalen Atomgewichtskommission ausgewählten Atom- 
gewichte benutzt, und zwar diejenigen, die sich auf die Einheit 0=16 beziehen. Um Ungleichmäßigkeiten zu 
vermeiden, welche durch die Änderungen einzelner Werte zufolge der jährlichen Neuausgabe der Atomgewichts- 
tabelle bedingt werden, ist die ganze Arbeit einheitlich auf die zu Beginn derselben veröffentlichte Tabelle, d. h. 
auf diejenige des Jahres 1904 2) aufgebaut worden. 

Wo bei älteren Analysen keine direkten Wägungszahlen vorlagen, wurden zur Zurückrechnuug der angegebenen 
Verbindungen auf die ursprünglichen Wägungsformen diejenigen Atomgewichte benutzt, mit denen der Autor seiner- 
zeit gerechnet hat, und von den so ermittelten Zahlen aus wurde dann mit den Atomgewichten von 1904 weiterge- 
rechnet Um dies völlig genau durchführen zu können, hätte man in jedem Einzelfall wissen müssen, welche Wägungs- 
form und welche Atomgewichte der betreffende Autor benutzt hatte, und da sich dies nur in einzelnen Fällen mit einiger 
Sicherheit feststellen ließ^), war in dieser Beziehung öfter eine gewisse Willkür nicht zu vermeiden. Wir haben 
uns diesfalls mit Beziehung auf die Atomgewichte für eine generelle Regelung in dem Sinne entschieden, daß wir 
für Analysen aus der Zeit vor 1883 die bekannten „abgerundeten Atomgewichte" voraussetzten. Wir glaubten 
uns für diese Zeitgrenze entscheiden zu sollen, weil in dem genannten Jahre das Buch von L. Meyer und 
K. Seubert^) erschien, das zum ersten Male weiteren Kreisen von Analytikern Veranlassung gab, von dem 
Gebrauch der abgerundeten Werte abzugehen, und so den Arbeiten von Stas erst zum praktischen Erfolge verhalf. 
Wir haben dann weiter für die Jahre 1883 bis 1897 die Zahlen von L. Meyer und K. Seubert und für die 
Jahre von 1898 an die jeweiligen „internationalen" Atomgewichte zugrunde gelegt. 

Was die Wägungsform betrifft, so haben wir, wenn nicht zu gegenteiligen Annahmen Veranlassung war, 
stets folgende Voraussetzimgen gemacht: 

Kalium-Ion: Kaliumplatinchlorid 

Natrium-Ion: Natriumchlorid 

Lithium-Ion: Lithiumorthophosphat 

Calcium-Ion : Calciumoxyd 

Baryum-Ion: Baryumsulfat 

Magnesium-Ion: Magnesiumpyrophosphat 

Ferro-Ion: Ferrioxyd 

Aluminium-Ion: Aluminiumoxyd 

Chlor-Ion: Silberchlorid 

Brom-Ion: Indirekte Bestimmung nach Fehling 

Jod-Ion: Titrierung mit Thiosulfat 

Sulfat-Ion: Baryumsulfat 

Hydrophosphat-Ion: MagnesiumpjTophosphat • 

Kohlendioxyd: Kohlendioxyd 

Schwefelwasserstoff: Titrierung mit Jod 

Kieselsäure: Siliciumdioxyd. 

Für einige andere Bestandteile, wie Ammonium-, Strontium-, Mangano-Ion, Borsäure usw., für welche die 
Wägungsform äußerst schwankend ist, mußte in den Fällen, in welchen direkte Anhaltspunkte fehlten, von jeder 
Umrechnung abgesehen werden. Es ist hierdurch ein praktisch in Betracht kommender absoluter Fehler nicht ver- 
anlaßt worden, da die Mengen, in welchen die genannten Bestandteile vorkommen, fast immer nur sehr gering sind. 



') Unsere Erfahrung lehrt, daß Rechenfehler in Analysen veröffentlichimgen sich durchaus nicht so selten finden, als man 
eigentlich erwarten dürfte. 

») Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft 1904 Bd. 37 S. 7. 

*) Z. B. für die Analysen Bunsens mit Hilfe der Abhandlung in der Zeitschr. für analyt. Chemie 1871 Bd. 10 S. 435. 

*) Die Atomgewichte der Elemente, Leipzig 1883. 



— LV — 

Nicht ganz einfach war die Entscheidung zu treffen, auf welche Konzentrationseinheit die Analysen zu 
berechnen sind. In der bisherigen Literatur bezogen sich die Angaben meist auf die Gewichtseinheit (7680 Unzen 
in früherer Zeit, später 1 kg), in vielen Fällen aber auch auf 1 Liter Mineralwasser. Den physikalisch- 
chemischen Gnmdan schauungen entsprechend, hätte man sich entweder für die Angabe des Grammgehaltes eines 
Liters Mineralwasser (Arrheniussche Konzentration) oder für die Angabe, wieviel Gramm Substanz in 1 kg Lösungs- 
mittel gelöst enthalten sind (Raoultsche Konzentration), entscheiden müssen. Gegen die letztere sprach nicht nur, 
daß sie der Praxis bisher völlig fremd geblieben ist und dem ärztlichen Benutzer der Analysen voraussichtlich 
unbequem bleiben wird, es war auch gegen sie anzuführen, daß für eine entsprechende Umrechnimg hinreichend 
sichere Daten fehlen, da der Hydratationszustand der gelösten Molekeln und Ionen nicht bekannt ist. Somit hätte 
es aus theoretischen Gründen nahegelegen, die Arrheniussche Konzentration zu wählen, wenn dem nicht gleich- 
falls praktische Gründe zurzeit noch widersprächen. Es wäre nämlich, da weitaus die meisten Analysen durch 
Einwage des Mineralwassers ausgeführt sind, eine Umrechnung auf Volumenkonzentration nur mit HUfe des 
spezifischen Gewichtes möghch, und dieses ist für einen großen Teü der älteren Analysen nur mit sehr geringer 
Genauigkeit bekannt (vgl. weiter unten). Da ferner die Angabe von Gramm in 1 kg des Mineralwassers den 
Vorzug hat, von der Temperatvu unabhängig zu sein, entschieden sich die Herausgeber dieses Buches, es dabei 
zu belassen. 

In einigen wenigen Fällen, wo die vorliegenden Originalanalysen auf die Litereinheit bezogen waren und bx 
Ermangelung der Angabe des spezifischen Gewichtes nicht auf 1 kg umgerechnet werden konnten, ist jedesmal 
durch eine Anmerkung ausdrücklich auf diese Abweichung von der Norm aufmerksam gemacht worden. 

Ist hiemach für die einzelnen Bestandteile angegeben, wieviel Gramm eines jeden derselben in 1 kg Mineral- 
wasser vorhanden sind, so sind diese Angaben für die gelösten Gase durch die Hinzufügung des Volumens der- 
selben in Kubikzentimetern, gemessen bei QueUentemperatur und 760 mm Druck, ergänzt. Für die Ausführung 
dieser Berechnungen siad die folgenden Konstanten zur Anwendung gebracht worden, welche den Bestimmungen 
entsprechen, die zurzeit als die sichersten gelten. Es beträgt bei 0° und 760 mm Druck das Gewicht eines Liters 

Kohlendioxyd 1,9594 g 

Methan 0,7139 „ 

Sauerstoff 1,42900 „ 

Schwefelwasserstoff 1,5177 „ 

Stickstoff 1,2505 „ 

Für die Ausführung der soeben besprochenen gasvolumetrischen Berechnung sind außer den erwähnten Kon- 
stanten noch die Ausdehnungskoeffizienten der Gase erforderlich. Es ist im allgemeinen hierbei an dem 
üblichen Wert von a = 0,00366 festgehalten worden. Unter den bei Mineralwässern in Betracht kommenden 
Gasen hat allein das Kohlendioxyd einen Ausdehnungskoeffizienten, der von dem genannten Durchschnittswert 
so weit abweicht, daß hierauf Rücksicht genommen werden muß. Für diesen Bestandteil wurde bei der Rechnung 
der von Ph. Jelly ^) ermittelte Wert a = 0,0037060 benutzt, der auch von den früheren Ermittelungen von 
Magnus (0,0036936) und Regnault (0,0037099) sich nicht wesentlich entfernt. 

Wenn in Übereiustimmimg mit bisherigen Gepflogenheiten auch in diesem Buche die Volumina der gelösten 
Gase auf Quellentemperatur bezogen werden, so darf man hierbei nicht vergessen, daß derartige Angaben, sofern 
sie verschiedene Quellen betreffen, nicht miteinander verglichen werden können, weU sie sich auf verschiedene 
Temperaturen beziehen. Der Gedanke erscheint deshalb verlockend, den betreffenden Angaben noch die auf 0° 
reduzierten Volumina ergänzend hinzuzufügen. Wir haben jedoch von der Ausführung derartiger Rechnungen ab- 
gesehen, einmal weil der gewünschte Vergleich sich ohne weiteres mit Hufe der vorhandenen Angaben in Gramm 
durchführen läßt, und zum anderen Mal, weil vrir die Mitteilung von zweierlei Kubikzentimeterwerten nebeneinander 
für den Ausgangspunkt von Irrtümern halten. Wo Angaben über die QueUentemperatur fehlen, mußten die Um- 
rechnungen der Gasbestandteüe auf Volumen xmterbleiben. 

Das spezifische Gewicht der Mineralwässer ist, wo es überhaupt ermittelt wurde, leider nicht nur bei 
sehr verschiedenen Temperaturen bestimmt, sondern auch auf sehr verschiedene Einheiten bezogen, in einzelnen 
Fällen auf Wasser von 4°, in vielen auf Wasser von der Beobachtungstemperatur. Häufig läßt sich über die 
zugrunde gelegte Einheit gar nichts ersehen, oft fehlt auch jegliche, wie immer geartete, Temperaturangabe voll- 
ständig. Wissenschaftlich zulässig sind allein die auf Wasser von 4° bezogenen Angaben, und wir haben deshalb 
nach Möglichkeit diese Werte wiedergegeben bzw., soweit dies anging, aus den Angaben der Autoren mit Be- 



^) Poggendorffa Annalen 1874, Jubelband 8. 94. 



— LVI — 

nutzmig der bekannten Ausdehnungkoeffizienten des Wassers umgerechnet'). Wo dies nicht möglich war, mußten 
wir uns mit einer imveränderten Wiedergabe der unzulänglichen Originalangaben begnügen. 

Wir möchten bei dieser Gelegenheit darauf hinweisen, daß es dringend empfehlenswert erscheint, in Zukunft 
in diesen Angaben größere Gleichmäßigkeit walten zu lassen und eine bestimmte Normaltemperatur einzuführen. 
Wir schlagen vor, hierfür die Temperatur von 15° zu wählen und die Dichten auf Wasser von 4° 
zu beziehen. 

Für alle Einzelgehalte sind die Zahlenangaben auf höchstens 4 geltende Ziffern beschränkt worden, 
gleichgültig, um welche Dezimalstelle es sich handelt. Die in der balneologischen Literatur eingebürgerte Ge- 
pflogenheit, durchweg 5 bis 6 Dezimalstellen auszurechnen, entspricht nicht dem sonst anerkannten Grundsatze, 
nur soviel Stellen anzugeben, daß die vorletzte noch ganz sicher, die letzte nicht mehr ganz sicher ist. Tatsächlich 
ist auch bei den hier in Betracht kommenden analytischen Bestimmungen eine Unsicherheit in der vierten geltenden 
Ziffer unvermeidlich. Selbst bei Doppelbestimmungen beträgt der durchschnittliche Fehler des Mittels 0,5 bis 
1 Promille des Wertes. Dazu kommt noch der Auftrieb der Luft bei den Wägungen, der bei Mineralwtisser- 
analysen fast niemals berücksichtigt wird, obwohl er gerade hier, wegen des großen Dichteunterschiedes zwischen 
dem Mineralwasser als Einwage und den Wägungsformen der Bestandteile, erhebliche Fehler, bis zu 1 Promille 
des Wertes, verursacht. Eine Korrektur dafür in jedem Einzelfalle nachträglich anzubringen, erscheint nicht ratsam. 
Auf alle Fälle ist also die vierte Ziffer als unsicher zu bezeichnen, so daß die Regel, in den Endergebnissen keine 
weiteren Stellen anzugeben, berechtigt ist. Bei der Ausführung der Berechnungen wurde natürlich für alle Zwischen- 
rechnungen mit einer Ziffer mehr (also mit 5 Ziffern) gearbeitet, die dann im Resultat gestrichen wurde. Bei der 
Addition der Einzelgehalte wurden in der Summe die Dezimalstellen so weit gestrichen, als sie nicht in sämtlichen 
Addenden vorkommen. 

Da der Gehalt an Hydrokarbonat-Ion aus dem Überschuß der Kationenäquivalente über die Anionen- 
äquivalente gefunden wird (s. weiter unten), so wurden für diesen Zweck die letzteren Werte zunächst auch mit 
5 Ziffern berechnet, deren letzte nachträglich gestrichen wurde. 

Für die spezifische GewichtsbestLmmung durch Auswägen, die nur auf 3 Wägungen beruht, ist eine etwas 
größere Genauigkeit erreichbar, zumal auch der durch den Auftrieb der Luft bedingte Fehler hier häufig eine 
wesentlich geringere RoUe spielen wird. Es erschien aus diesen Gründen zulässig, das spezifische Gewicht bis 
zur fünften Dezimale anzugeben. 

Unter Umständen mußte die Zahl der anzugebenden Ziffern noch weiter eingeschränkt werden, als es der 
vorstehenden generellen Festsetzung entspricht, und zwar immer dann, wenn sich die Neuberechnung auf Werte 
aufbauen mußte, die schon ihrerseits nicht mehr bis zur vierten ZiffemsteUe als sicher gelten konnten. 

b) Die lonentabelle. 

In der lonentabelle sind alle Verbindungen, die einer praktisch in Betracht kommenden elektrolytischen 
Dissoziation fähig sind, als Ionen, imd zwar unter der Voraussetzung vollständiger Dissoziation, angeführt, die 
übrigen als ungespaltene Molekeln. Zu letzteren gehören freie Borsäure, freie Kieselsäure, freie Titansäure usw., 
femer gelöste Gase, wie Kohlendioxyd, Schwefelwasserstoff, Stickstoff, Sauerstoff, Methan usw., die als HBO3, 
H^SiOg, HjTiOg, CO2, HjS, Nj, Oj, CH^ in Rechnung gestellt sind. 

Die lonentabelle enthält in drei Vertikalspalten die Menge der einzelnen Bestandteile des Mineralwassers, 
ausgedrückt in Gramm pro Kilogramm, femer in Milli-Mol (Milligramm -lonengewicht) pro Kilogramm und 
in Milligramm-Äquivalentgewichten pro Kilogramm. Diejenigen Bestandteile, die als ungespaltene Molekeln 
aufgeführt werden, sind nur in Gramm und Müli-Mol ausgedrückt, imd für sie kamen die Angaben der dritten 
Spalte in Wegfall. In den beiden ersten Spalten ist die Summe aller Ionen gezogen, femer erfolgte nochmalige 
Summierung hinter den ungespaltenen, nicht gasförmigen Molekeln (Summe der gelösten festen Best£indteile, 
„Gesamtfixa"), und schließlich am Schluß der ganzen Reihe (Summe der gelösten festen und gasförmigen Bestand- 
teile). In der dritten Spalte wurde die Summe der Kationen-Milligramm-Äquivalente und der Anionen-Milligramm- 
Äquivalente jede für sich gebildet. Beide Summen müssen einander gleich sein. 

Es war nunmehr zu entscheiden, auf welche Ionen die Angaben zu beziehen sind. Für die Kationen 
liegt die Frage sehr einfach. Da in diesen verdünnten Lösimgen komplexe Ionen nicht anzunehmen sind, so 



') Bei der Einheit „Wasser von 4°" können sich naturgemäß, insbesondere bei „einfachen kalten Quellen" und „einfachen 
warmen Quellen", Bpezifische GJewichte ergeben, die kleiner als 1 sind, sofern diese spezifischen Gewichte bei höheren Tem- 
peratiuren als 4° bestimmt sind. 



— Lvn — 

müssen die einfachen Metall-Ionen bzw. das Ammonium-Ion aufgeführt werden. Ebensowenig besteht ein Zweifel 
über die Anionen einbasischer Säuren: sie müssen als Cl', Br', J', NO3' eingestellt werden. Dagegen erfordert 
die Wahl der Anionen, auf welche die Salze mehrbasischer Säuren zu beziehen sind, insbesondere die Phos- 
phate, Arsenate, Karbonate und Sulfide (letztere bei Schwefelquellen), eine nähere Erörterung. 

Weitaus die meisten Mineralwässer reagieren in frischem Zustande gegen Phenolphtalein nicht alkalisch, 
gegen Methylorange nicht sauer. Sie enthalten also Hydroxyl-Ion (OH') und Wasserstoff-Ion (H-) in annähernd 
derselben Menge wie reines Wasser. Daher sind unter den möglichen Anionenformen diejenigen anzunehmen, 
welche unter solchen Umständen am stabilsten sind, d. h. deren Alkalisalze, in reinem Wasser gelöst, der Neu- 
tralität am nächsten kommen. Das trifft zu für die Formen: 

SO,", HPO/', HAsO,", HCO3', HS'. 

In den seltenen Fällen, wo bei gänzlichem Fehlen freier Kohlensäure em Mineralwasser gegen Phenolphtalein 
alkalisch reagiert, die Hydroxylionenkonzentration also etwas gi-ößer ist, wird diesem Umstände E«chnung getragen 
(s. weiter unten). 

Ferner war in den wenigen Fällen (vgl. z. B. Lausigk, Oppelsdorf), in denen saure Reaktion des Mineral- 
wassers auch nach Entfernung der freien Kohlensäure besteht, die Existenz von Hydrosulfat-Ionen (HSO4') neben 
Sulfat-Ionen (SO4") in einer dieser Acidität entsprechenden Menge in Rücksicht zu ziehen. 

Durch die vorstehend begründeten Annahmen kommen auch die Unterschiede in Wegfall, die die meisten 
Analytiker zwischen „alkalischen" und „nicht alkalischen" Wässern in Beziehung auf die Sättigungsstufe der 
Phosphorsäure und anderer mehrbasischer Säuren konstruiert hatten. Eine Berechtigung dafür, nur in den ersteren 
Hydrophosphate, in den letzteren aber normale Phosphate anzunehmen, ist von unserem heutigen Standpunkte aus 
nicht mehr anzuerkennen. 

Einer Prüfung bedurfte nur noch die Frage, inwieweit die schwachen Säuren (Kohlensäure, Schwefel- 
wasserstoff, Borsäure, Kieselsäure, Titansäure) als Salze, bzw. Ionen, oder aber in freiem Zustande anwesend sind. 

Was zunächst die Kohlensäure betrifft, so verfuhr man in Beziehung auf diese bisher bekanntlich so, 
daß man, nach Verteilung aUer übrigen Säuren, den Rest der Basen an Kohlensäure zu einfachen Kar- 
bonaten band und so die „fest gebundene Kohlensäure" erhielt. Der Überschuß der Gesamtkohlensäure über 
diesen Betrag entsprach der „halbgebundenen" und der „freien Kohlensäure", von der für die erstere natürlich ein 
der Menge der fest gebundenen gleicher Betrag in Anspruch genommen wurde. In derselben Weise kann man 
auch bei der Darstellung der Analyse in Ionen verfahren. Die Summe der fest und der halbgebundenen Kohlen- 
säure entspricht dem Hydrokarbonat-Ion HCO3', der Rest, wie bisher, der freien Säure. 

Gegen diese Darstellungsweise könnte nur der Einwand erhoben werden, daß sie die Möglichkeit außer acht 
läßt, daß neben Hydrokarbonat- Ionen HCO3' und freier Kohlensäure auch noch Karbonat -Ionen CO3" zugegen 
sein könnten. Eine nähere Prüfung dieser Frage an der Hand der von G. Bodländeri) studierten Gleich- 
gewichte zeigt, daß selbst in extremen Fällen die eben angegebene abgekürzte Berechnungsweise von der strengeren, 
auf die Karbonat -Ionen CO3" Rücksicht nehmenden, Abweichungen nur innerhalb der analytischen Fehlergrenzen 
ergibt, daß ihre Anwendung also allgemein zulässig ist. Einen solchen extremen Fall bietet die Kaiser Friedrich- 
Quelle zu Offenbach, und man findet für dieselbe in 1 kg Mineralwasser 

Abgekürzte Berechnungsweise Strengere Berechnungsweise 

Gramm Milli-Mol Gramm MiUi-Mol 

Karbonaten (CO3") 0,00155 0,0258 

Hydrokarbonat-Ion (HCO3') . . . 2,071 33,94 2,068 33,89 

Freies Kohlendioxyd (COj) . . . 0,0823 1,87 0,0823 1,87 

Zuweilen, namentlich bei „einfachen kalten Quellen" und „einfachen warmen Quellen", ist die Menge 
der „fest gebundenen" Kohlensäure mehr als halb so groß wie die Menge der GesamtkohlensäOTe 2). Solche Wässer 
reagieren gegen Phenolphtalein alkalisch, denn in ihnen ist nicht nvir keine freie Kohlensäure vorhanden, sondern es 
müssen sich außerdem in Betracht kommende Mengen von Karbonat-Ion (CO3") neben Hydrokarbonat- 
Ion (HCO3') finden. In einem solchen Fall darf man diesen Bestandteil nicht nur nicht vernachlässigen, sondern 



») Zeitschrift für physikalische Chemie 1900 Bd. 35 S. 23. 

') Vgl. z. B. F. Hulwa, Journal f. praktische Chemie 1880 N. F. Bd. 22 S. 292. — E. Fresenius Chemische Analyse 
der Antonienquelle zu Warmbrunn in Schlesien. Wiesbaden 1890. 



— Lvm — 

es ist auch auf den Gehalt an Hydroxyl-Ion (OH') Rücksicht zu nehmen, welcher infolge Hydrolyse auftreten 
muß. Diese Hydrolyse vollzieht sich nach der Gleichung 

C03"4-HjO :^ HCOg' + OH' 
und das hierin zum Ausdruck gebrachte Gleichgewicht wird beherrscht durch die Formel*) 

[HC03T.[0H'] _ 

[C03'T -^'^- 

Hierin bedeuten [HCOg'], [OH'], [COg"] die Konzentrationen an Hydrokarbonat-Ion, Hydroxyl-Ion und 
Karbonat -Ion in Milli-Mol pro 1 kg Lösung. Nennt man ferner die analytisch gefundene Konzentration der 
Gesamtkohlensäure in Milli-Mol pro 1 kg G, und bezeichnet man schließlich mit d die Differenz zwischen der 
Summe aller analytisch ermittelten Kationen einerseits xmd aller Anionen ohne Einrechnung der der Kohlensäure 
entsprechenden anderseits (ausgedrückt in Milligramm-Äquivalenten), so ergeben sich die weiteren Gleichungen 

[HC03'] + [C03"]=C 
_ [HC03']-l-2 [CO,"] + [OH'] = «^ 
Löst man vorstehende drei Gleichungen auf, so findet man für die drei Unbekannten 

[CO3"] = i(d + 0,8) -iy((f+ 0.8)«- 4 G(d- CT) 
[HC03'j = C-[C03"] 

[OHT^d— c— [cOg'T 

Auf Grund dieser Formeln sind in allen einschlägigen Fällen die Neuberechnungen durchgeführt worden. 

Den in Mineralquellen sich findenden Schwefelwasserstoff hat man schon früher in freien und gebundenen 
zu trennen versucht. Die analytischen Methoden, nach denen man die Trennung dieser beiden Bestandteile vor- 
nahm, bedingen dynamische Eingriffe, und es muß folglich gegen ihre bindende Schluß kraft derselbe prinzipielle 
Einwand erhoben werden, den wir bereits oben (S. LI) bei der Besprechung der Kalkbestimmung im ausgekochten 
Wasser geltend machten. 

R. Fresenius«) hat als erster schon vor Jahren darauf hingewiesen, daß der Zustand des Schwefelwasser- 
stoffs in den Mineralquellen in erster Linie von der Menge der Kohlensäure abhängig ist, die sich neben ihm 
vorfindet. Erlaubte unser damaliges Wissen nur diese qualitative Feststellung, so ermöglichen heute die mittlerweile 
gemachten Fortschritte auf physikalisch-chemischem Grebiete eine exakte quantitative Trennung. Hierauf bezügliche 
Betrachtungen sind in jüngster Zeit von Fr. Auerbach^) angestellt worden. Zunächst ergibt sich aus seinen 
Untersuchungen qualitativ, daß bei Gegenwart freier Kohlensäure neben Hydrosulfid- Ionen auch freier Schwefel- 
wasserstoff vorhanden sein muß, daß aber bei Abwesenheit freier Kohlensäure auch kein freier Schwefelwasserstoff 
anwesend sein kann. 

Quantitativ leitet Auerbach aus der von Walker und Cormack*) abgeleiteten Dissoziationskonstante der 
Kohlensäure und der von ihm bestimmten Dissoziationskonstante des Schwefelwasserstoffs die grundlegende Be- 



[H,S] "' [H^COg] 

Auch hier bedeuten [HS'J, [HjS], [HCOj'] und [H^COg] die Konzentrationen an Hydrosulfid -Ion, freiem 
Schwefelwasserstoff, Hydrokarbonat-Ion imd freier Kohlensäure in Milli-Mol pro Kilogramm. Versteht man wieder 
imter C die analytisch gefimdene Gesamtkohlensäure, unter S den analytisch gefundenen G«samtschwefelwasserstoff 
in Milli-Mol pro Kilogramm und endlich unter d die Differenz aller Kationen einerseits und aUer Anionen (ausschl. 
Kohlensäure imd Schwefelwasserstoff) anderseits in Milligramm -Äquivalenten pro Ealogramm, so findet man mit 
Auerbach: 



^^^^^JlS±C-Oßd_^^^^S^^ 



S{S-\-C—d) 



[HST^Ä— [H,S] 
[HC08'] = d— [HST 
[HjCOg] = C— d + [HS']. 



•) Die Konstante obiger Gleichimg ergibt sich als Quotient der Dissoziationskonstante des Wassers und der Konstante 
für die zweite Dissoziation der Kohlensäure. W^en letzterer vergleiche man G. Bodländer, Zeitschrift für physikalische 
Chemie 1900 Bd. 35 S. 25. 

') Anleitmig zur quantitativen chemischen Analyse. 6. Aufl. Bd. 2 S. 192 u. 229. Braunschweig 1877—1887. 

•) Zeitschr. f. physikalische Chemie 1904 Bd. 49 S. 217; Bahieologische Zeitung 1904 Bd. 15 Nr. 29. 

*) Joum. of ehem. society 1900 Bd. 77 8. 5. 



— LIX — 

Die Neuberechnung der Analysen von Schwefelquellen ist mit Hilfe dieser Formeln erfolgt. 

Die Borsäure ist eine so schwache Säure (ihre Dissoziationskonstante ist nur 1/180 von derjenigen der 
Kohlensäure), daß man keinen irgendwie in Betracht kommenden Fehler begeht, wenn man, wie es in diesem 
Buche durchweg geschehen ist, bei Gegenwart von freier Kohlensäure die gesamte Borsäure als frei 
berechnet. Eine Experimentaluntersuchung des einen von uns^) hat dies auf Grund von Leitfähigkeitsmessungen 
bestätigt. 

Der Borsäure reihen sich die noch schwächeren Säuren Kieselsäure und Titansäure an, die ebenfalls 
als undissoziiert anzunehmen sind. Da über den Hydratationszustand dieser Säuren in wässeriger Lösung nichts 
Sicheres bekannt ist, so wählte man der Einfachheit halber die Meta-Formeln; 

HBO2 HjSiOg H^TiOg. 

Auch für die freie Kohlensäure wäre es berechtigt, die Metaformel H^COg in Rechnung zu stellen, da 
man annehmen muß, daß sich beim Auflösen von gasförmigem Kohlendioxyd in Wasser mindestens teilweise eine 
Säm-e dieser Formel bildet. Dennoch ist aus praktischen Gründen hiervon abgesehen worden. Einmal würden 
die Ziffern für diesen Bestandteil im Verhältnis von 44 : 62,02 in die Höhe gehen und die Analysen dadurch 
ein ganz anderes Bild gewähren als bisher, was zu wesentlichen Irrtümern führen könnte. Dann aber hieße es 
auch mit dieser Maßnahme den ganzen unglücklichen Streit aufs neue heraufbeschwören, der wiederholt an die 
unbewiesene und ganz unhaltbare Behauptung anknüpfte, nur die natürlichen Mineralwässer enthielten HjCOg, 
die künstlichen jedoch COj. Demnach wurde der jetzige Brauch beibehalten, und die Analysen sind auf Kohlen- 
dioxyd berechnet. Man kann dies auch noch damit motivieren, daß tatsächlich wesentliche Mengen CO2 während 
des Genusses gasförmig in dieser Form entweichen. 

Um jede Verwechslung, insbesondere eine solche der Anionen mit den Säureanhydriden oder mit den Säuren 
auszuschließen, sind die Ionen, wie auch übrigens alle anderen Bestandteile, mit ihren Namen bezeichnet imd 
die chemische Formel in Klammern beigefügt. Die Nomenklatur ist die übliche. Nur wurden die sauren 
Anionen mehrbasischer Säuren, für die verschiedene Vorsilben (hydro-, bi-, mono-, primär usw.) in Gebrauch sind, 
einheitlich durch „hydro-" gekennzeichnet. Es wird also geschrieben: 

KaUum-Ion (K-) Hydrophosphat>Ion (HPO4") 

Ammonium-Ion (NH4") Hydrokarbonat-Ion (HCO3') 

Ferro-Ion (Fe-) Karbonat-Ion (CO3") 

Chlor-Ion (Cl') Hydrosulfid-Ion (HS') usw. 

Sulfat-Ion (SO/0 
An die Ionen schließen sich in der AnalysendarsteUung die ungespaltenen Molekeln an, und zwar zu- 
nächst: Borsäure, Kieselsäure, Titansäure, organische Substanzen, dann die gasförmigen: Kohlendioxyd, Schwefel- 
wasserstoff, Stickstoff usw. 

Anschließend an die Angaben über die quantitative Zusammensetzung des Mineralwassers sind nun noch alle 
jene Bestandteile mit Namen angeführt, die nur in Spuren nachgewiesen sind. Man muß sich hierbei dessen er- 
innern, daß der Begriff „Spur" ein relativer ist und daß namentlich in älteren Analysen Bestandteile nur deshalb 
als Spuren angegeben sind, weil sie damals nicht quantitativ bestimmt werden konnten, daJä aber unsere heutigen 
analytischen Hilfsmittel häufig die Gewichtsermittelung gestatten würden. 

Schließlich sind auch etwa vorliegende Angaben über den Gefrierpunkt und die spezifische elektrische 
Leitfähigkeit (bezogen auf reziproke Ohm pro cm- Würfel) des Wassers angeführt, letztere unter Angabe der 
Beobachtungstemperatur. Hierbei ist mitgeteilt, ob diese Bestimmungen unmittelbar an der Quelle und in Verbindung 
mit der chemischen Analyse, oder ob sie unabhängig von derselben, eventuell an Versandwasser, ausgeführt wurden 

c) Die Salztabelle. 

Um den Übergang von der bisherigen Ausdrucksweise zu der neuen zu erleichtern, ist noch die auf Salze be- 
rechnete Analyse als Ergänzung der lonentabeUe hinzugefügt worden (vgl. Abschnitt A dieser Einleitung S. XLIII). 

Keinesfalls darf man vergessen, daß diese Salztabelle nicht der Ausdruck der wahren Zu- 
sammensetzung des Wassers ist, ja daß sie in manchen Stücken, und zwar viel mehr als die lonen- 
tabeUe, auf willkürlichen Annahmen beruht, die nur Zweckmäßigkeitsgründe für sich besitzen. Um jedes 
Mißverständnis in dieser Beziehung auszuschließen, ist deshalb jedesmal ein entsprechender Vermerk vorangeschickt 



') L. Grünhut, Zeitschr. f. physikalische Chemie 1904 Bd. 48 S. 569. 



— LX — 

worden, der lautet: „Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung ungefähr einer Lösung, welche in 

1 Kilogramm enthält: " 

Bei der Berechnung auf Salze mußten selbstverständlich alle jene Verschiedenheiten beseitigt werden, welche 
in dieser Beziehung bisher obwalteten. Also auch hier war eine vollständige Neuberechnung auf einheit- 
licher Basis erforderlich, über deren Grundsätze nunmehr berichtet wird. 

Es ist ein unabweisbares Gebot der Konsequenz, dieselben Ionen als Komponenten der Sfdze erscheinen 
zu lassen, die zuvor in der lonentabeUe als freie Kationen und Anionen angeführt worden sind. Demnach muß 
alles, was oben über die Sättigungsstufe der mehrbasischen Säuren ausgeführt wurde, auch bei der Berechnung der 
Salze berücksichtigt werden. Das bedeutet bereits für die Phosphate, Arsenate und Borate teilweise eine Änderung 
der bisherigen Gepflogenheiten, die allerdings das Gesamtbild der Analyse nicht wesentlich beeinflußt. In dieser 
Allgemeinheit gilt das letztere nicht für die kohlensauren Salze, die man bisher in sehr zahlreichen Analysen als 
sogenannte „wasserfreie" doppeltkohlensaure Salze angegeben fand, während sie nunmehr nicht anders denn als 
echte, das Ion HCOg' enthaltende Hydrokarbonate berechnet werden können. Hiermit ist aber in den betreffenden 
Fällen eine merkliche Erhöhung des Zahlenwertes verknüpft, denn das Verhältnis zwischen dem sogenamiten 
„wasserfreien" und dem „wasserhaltigen" doppeltkohlensauren Salz ist 

für das Natriumsalz 1 : 1,120 

für das Calciumsalz 1 : 1,125 

für das Magnesiumsalz 1 : 1,140. 

Man darf aus der Unbequemlichkeit, die hieraus, namentlich in der ersten Zeit des Gebrauches umgerechneter 
Analysen, erwachsen kann, nicht das Verlangen ableiten, etwa hier eine Ausnahme zugunsten des Bestehenden 
zu machen. Hiergegen spricht nicht niu* die Tatsache, daß die sogenannten „wasserfreien" doppeltkohlensauren 
Salze heute theoretisch überhaupt nicht als existenzfähig erachtet werden können, es kommt auch noch hinzu, daß 
bei einer solchen Berechnungsweise die SalztabeUe einen kleineren Wert für die Summe der gelösten festen Be- 
standteile geben würde als die lonentabeUe. Das wäre aber nur geeignet, ungerechtfertigtes Mißtrauen in die Zu- 
verlässigkeit der Analysen zu erwecken. Schließlich ist noch zu beachten, daß doch tatsächlich manche der vor- 
liegenden Analysen bereits auf wirkliche Hydrokarbonate (also „wasserhaltige") berechnet sind, und daß andererseits 
nicht wenige die betreffenden Angaben in der Form einfacher Karbonate enthalten. Hier ist also eine Ver- 
einheitlichung dringend nötig, und für diese kann dann nichts anderes als das theoretisch Richtige in Betracht 
gezogen werden. 

Da die SalztabeUe in hohem Grade Willkürlichkeiten enthalten muß, kommen für ihre Aufstellung im 
wesentlichen Zweck mäßigkeitsgründe in Betracht. Zunächst ist es angebracht, die selteneren Elemente stets in die 
gleichen Salze hineinzunehmen, um verschiedene Mineralwässer besser vergleichbar zu machen. Daher sind 

Brom und Jod immer als Natriumsalze 

Strontiimfi und Baryum immer als Hydrokarbonate^) 
Ammonium immer als Chlorid 

berechnet. Auch für das Lithium wäre das letztere am einfachsten. Indessen ist es eingebürgert, ob mit Recht 
oder Unrecht, läßt sich schwer beweisen, einen Unterschied zwischen der therapeutischen Wirkung des Lithiums in 
„alkalischen" und in „nicht alkalischen" QueUen (z. B. Aßmannshausen und Wiesbaden) zu machen und auf 
die Anwesenheit von Lithiumhydrokarbonat im einen, Lithiumchlorid im anderen FaUe zurückzuführen. Nach 
imseren heutigen Anschauungen ist ja das Lithium zum größten TeUe als imabhängiges Ion vorhanden; die ge- 
ringen Mengen undissoziierter Lithiumsalze werden aber in der Tat durch die Massenwirkung der gleichzeitig vor- 
handenen Hydrokarbonat- imd Chlor -Ionen beeinflußt, so daß man sich damit einverstanden erklären kann, wie 
es hier geschehen ist, in den „alkalischen" Wässern das Lithium als Hydrokarbonat, in allen übrigen 
als Chlorid zu berechnen. 

Der „gebundene" Schwefelwasserstoff ist der Gleichmäßigkeit halber stets als Natriumhydrosidfid (NaHS) 
berechnet. 

Als zweiter Grundsatz für die SalztabeUe durfte gelten, diejenigen Ionen, die zu schwerlöslichen Salzen 
zusammentreten können, von vornherein zu solchen zu kombinieren. Theoretisch ist dies aUerdings ganz 
unberechtigt. Schwerlösliche Salze sind in Wasser ziemlich voUständig ionisiert. Kommen sie nun in einem 
Mineralwasser in größerer Konzentration vor, als ihrer Löslichkeit in reinem Wasser entspricht, so liegt das daran, 

*) In einigen Solquellen, die Hydrokarbonat-Ion überhaupt nicht oder doch nicht in ausreichender Menge enthalten, mußten 
Strontium und Baryum als Sulfate, teilweise auch als Chloride berechnet werden. 



— LXI — 

daß ein Teil ihrer Ionen mit fremden Ionen zu undissoziierten Salzen zusammengetreten ist und daher für das 
Löslichkeitsprodukt nicht mehr in Betracht kommt. Nach den älteren Anschauungen aber geht dem Ausfallen 
eines schwerlöslichen Salzes eine Reaktion zwischen den Komponenten voraus, und daher widerstrebte es dem Ge- 
fühl, zwei Salze, die miteinander einen Niederschlag geben können, sich auch nur in geringen Mengen neben- 
einander in Lösung vorzustellen. Um diesem Gefühl Rechnung zu tragen, wurde in der Salztabelle der genannte 
Grundsatz befolgt. 

Hierfür kommt zuerst Aluminium-Ion in Betracht. Es besteht zwar der Verdacht, daß in manchen Fällen 
die zur Wägung gebrachte Tonerde nur aus dem Porzellan, beziehungsweise Glase der zur Analyse benutzten Ge- 
fäße hen-ührte, aber etwaige derartige Fehler lassen sich nachträglich nicht ausmerzen, um so weniger, als in ge- 
wissen Quellen Aluminium-Ion zweifellos nachgewiesen ist. Wo es also in quantitativ bestimmten Mengen vor- 
kommt, wird es als Phosphat gebunden gedacht, und zwar in Übereinstimmung mit der lonentabelle als Aluminium- 
hydrophosphat [Al5(HP0^)g]. Daß ein Salz dieser Zusammensetzung in festem Zustande nicht bekannt ist, spricht 
ebensowenig gegen seine Annahme in Lösung wie bei den Hydrokarbouaten der alkalischen Erden. Reicht das 
Hydrophosphat-Ion hierfür nicht aus, so wird der Rest des Aluminium-Ions gleichmäßig als Aluminiumsulfat 
[A1.2(S04)3] verrechnet. Bleibt dagegen noch Hydrophosphat-Ion verfügbar (oder ist AI- gar nicht vorhanden), so 
wird der Rest des Hycbophosphat-Ions (bezw. seine ganze Menge), ebenso wie Hydroarsenat-Ion mit Calcium-Ion 
zu CaHPO^, bezw. CaHAsO^ kombiniert. In einigen Fällen war übrigens nichts anderes möglich, als das Aluminium- 
Ion an Chlor-Ion zu binden. 

Für die nach den genannten beiden Grundsätzen noch nicht versorgten Ionen wurde nun noch eine ein- 
heitliche Reihenfolge gewählt, in welcher sie zu Salzen kombiniert werden. Wollte man hierfür die tatsächlich 
vorhandenen geringen Mengen undissoziierter Salze zugrunde legen, so müßte man die Massen Wirkung sämtlicher 
Einzel-Ionen und die (nicht bekannten) Dissoziationskonstanten sämtlicher möglichen Salze berücksichtigen. Da 
dies praktisch nicht angeht (vgl. oben S. LIII), so bleibt die Reihenfolge ganz willkürlich, und man kann daher 
in Anlehnung an die älteren Darstellungen die Ionen nach ihrer Stärke ordnen. 
Die Bindung erfolgt daher nach dem Schema: 

NO3' K- 

er Na- 

SO," Ca- 

HCO3' Mg" 

CO3" Zn- 

OH' Fe- 

Mn- 

sonstige SchwermetaU-Ionen. 
Bei Gegenwart von Karbonate imd Hydroxyl-Ion sind, abweichend von dieser Reihenfolge, Fe- und Mn-, 
sowie sonstige Schwermetall-Ionen im voraus an HCO3' gebunden. 

Wie die Ionen, so sind auch die Salze mit Namen und Formel bezeiclmet, um Irrtümer in der Deutung voll- 
ständig auszuschließen. Die Nomenklatur ist unitarisch, entsprechend derjenigen der Ionen gewählt, also z. B. 

Kaliumchlorid (KCl) 
Calciumhydrophosphat (CaHPO,) 
Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03)2]. 
Diese Benennung empfiehlt sich im Gegensatze zu der bisher in der balneologischen Literatur üblichen 
dualistischen Bezeichnungsweise. Auch eine Verwechselung mit den bisher berechneten, sogenannten „wasserfreien" 
doppeltkohlensauren Salzen erscheint so ausgeschlossen. 

d) Die graphische Darstellung. 

Graphische Darstellungen der Ergebnisse von Mineralwasseranalysen sind bereits wiederholt veröffentlicht 
worden, so namentlich in dem Sammelwerke von H. Quincke i) sowie später in einem kleinen Schriftchen von 
M. Bottier 2). In kleinerem Umfange findet man sie zuweilen auch in Brunnenschriften zur Anwendung gebracht. 
Während diese älteren Arbeiten fast durchweg ein graphischer Ausdruck der auf Salze berechneten Analysen sind, 



') Bahieologische Tafeln. Berlin 1872. 

') Graphische Tafeln zur Vergleichung der Mineralquellen deutscher und deutsch-österreichischer Kurorte. Kissingen 1891. 



— LXII — 

haben wir es unternommen, eine Form aufzusuchen, die sich der jetzt in den Vordergrund gestellten lonenberechnung 
anschließt. Vorläufige Mitteilungen hierüber haben wir bereits bei früheren Gelegenheiten veröffentlicht '). 

Unsere graphische Darstellung gestattet nicht nur, gleich den älteren, einen bequemen und übersichtlichen 
Vergleich verschiedener Mineralquellen untereinander, sondern sie erfüllt gleichzeitig noch die Aufgabe, die Zugehörig- 
keit des betreffenden Wassers zu der entsprechenden Klasse der üblichen Einteilung auf den ersten Blick erkennen 
zu lassen. Um deswillen ist sie also eine notwendige Ergänzung zur lonentabelle, die ja in dieser Beziehung nicht 
ohne weiteres Auskunft zu erteilen vermag, wie in Abschnitt C noch etwas näher ausgeführt werden soll. 

Die graphische Darstellung stützt sich auf die dritte Spalte der lonentabelle, also auf die Milligramm-Äqui- 
valente. Gerade diese mußten herangezogen werden, da nur sie, und nicht die Milli-Mol- oder die Gramm- 
werte, uns Aufschluß darüber gewähren, in welchen Mengen die einzelnen Bestandteile zu Salzen zusammen- 
gefügt gedacht werden können. Die Darstellung schließt nicht alle Bestandteile ein, sondern beschränkt sich auf 
die hauptsächlichsten, imd zwar in der Regel auf die Ionen Na", Ca", Mg"', Cl', SO4" und HCO3' sowie auf 
das freie Kohlendioxyd. In einzelnen Fällen, in denen noch andere Bestandteile in beträchtlicher Menge sich finden, 
waren auch diese mit zu berücksichtigen, so z. B. bei der graphischen Darstellung der Analyse der Herrmannsquelle 
zu Lausigk oder der MoorstichqueUe zu Linda die Ferro-, Fern- und Aluminium-Ionen. 

Kationen und Anionen sind, je für sich, hintereinander und fortlaufend in Gestalt zweier farbiger paralleler 
Streifen aufgetragen, in welchen die einzelnen Ionen je in der soeben angegebenen Reihenfolge, von links nach 
rechts, geordnet sind. Beide Streifen sind untereinander gesetzt, und sie sind, wegen der Gleichheit der 
Äquivalentsummen, gleich lang. Der Streifen, welcher dem freien Kohlendioxyd entspricht, ist rechts an den 
Anionenstreifen angefügt. Wo das freie Kohlendioxyd nicht quantitativ bestimmt ist, ist seine Gegenwart diu"ch 
einen unscharf abgebrochenen Streifen angedeutet. 

Da bei der graphischen Darstellung nicht alle Bestandteile berücksichtigt werden, so kann die Übereinstimmung 
der Länge beider Streifen nur annähernd sein. Meistens sind jedoch die Abweichungen nur so gering, daß sie im 
Rahmen des gewählten Maßstabes praktisch nicht in Betracht kommen. In einigen Fällen, wo dies nicht mehr 
zutraf, weil die Nebenbestandteile in nicht mehr so unerheblicher Konzentration vorkommen, wiu"de, um die theo- 
retisch geforderte Gleichheit beider Streifenlängen im Bilde nicht verschwinden zu lassen, diese Gleichheit durch 
entsprechende Abrundung der Einzelwerte hergestellt. In noch anderen Fällen etwas größerer Abweichungen rech- 
neten wir den Gehalt an Kalium-, Lithium- und Ammonium-Ion dem Natrium-Ion, Baryum- und Strontium-Ion dem 
Calcium-Ion, Brom-Ion dem Chlor-Ion hinzu, derart, daß wir die gefundenen Milligramm-Äquivalente der betreffenden 
Bestandteile addierten. 

In den auf den beigefügten Tafeln enthaltenen Zeichnungen ist die Konzentration der einzelnen Bestandteile 
in erster Linie dm-ch die Länge der Streifen ausgedrückt, und zwar bedeutet jede Längeneinheit (im gewählten 
Maßstab fast genau 0,9 mm) 1 Milligramm-Äquivalent in 1 kg Mineralwasser. Für Quellen mit hohem Gehalt 
an gelösten Bestandteilen erwies sich jedoch dieser Maßstab als zu groß, weil die Streifen alsdatm unübersichtlich 
lang geworden wären. In solchen Fällen sind die Streifen in ihrem Längenmaß reduziert und es ist dafür ihre 
Breite in demselben Verhältnis (von 2,5 mm z. B. auf 5 mm oder 7,5 mm) vergrößert worden. Streng genommen 
ist demnach in unserer graphischen Darstellung nicht die Länge der einzelnen Streifen der MUligramm-Äquivalent- 
Konzentration der betreffenden Ionen proportional, sondern ihr Flächeninhalt. Für die Solquellen würde auch 
diese Darstellung noch zu großen Raum beansprochen. Daher ist für die Solquellen der Flächenmaßstab 
auf Yj des bei den übrigen Quellen angewandten reduziert worden. In den betreffenden Tafeln ist 
jedesmal durch eine Anmerkung hierauf hingewiesen worden; außerdem sind die in verkleinertem Maßstab gezeich- 
neten Streifen durch tieferen Farbenton gekennzeichnet. 

Man erkennt leicht, daß in die gewählte Darstellungsform auch das Ergebnis der Berechnung auf Salze mit 
eingeschlossen ist. Die Länge, in der z. B. der Na"-Streifen mit dem HCOg'-Streifen sich deckt, muß der Menge 
der bei der Salzberechnung sich ergebenden Milligramm-Äquivalente Natriumhydrokarbonat entsprechen. Mit Hilfe 
einer in dieser Richtimg durchgeführten Betrachtung erleichtert also die graphische Darstellung die, wenigstens 
in ihrer bisherigen Fonn, sich auf die Salzberechnung stützende Klassifikation der Mineralwässer. Wie das 
im einzelnen zusammenhängt, das erkennt man am leichtesten, wenn man die im folgenden Abschnitt C dieser 
Einleitung gegebenen Charakteristiken mit den beigegebenen farbigen Tafeln vergleicht 

Die Darstellung in Milligramm-Äquivalenten läßt keinen Schluß auf die Gramm-Konzentration des Mineral- 
wassers zu. Um auch hierüber durch die graphische Abbildung zu orientieren, wird für jedes Mineralwasser oben 

') Vgl. L. Grünhut, Balneologische Zentralzeitung (Beilage zur medizinischen Woche) 1903 8. 87. — E. Hintz und 
Ij. Grünhut, Balneologische Zeitung 1904 Bd. 15 Nummer 26. 



— Lxm — 

eine schwaree Linie hinzugefügt, deren Länge der Summe aller gelösten Salze und sonstigen festen Bestandteile, 
wie Kieselsäure, organische Substanzen usw., ausgedrückt in Gramm pro Kilogramm, proportional ist. Der Maßstab 
wurde so gewählt, daß 10 Längeneinheiten 1 g entsprechen; bei hohen Konzentrationen mußte die Linie in 
mehrere Parallellinien zerlegt werden, bei Solquellen erfolgte außerdem eine Reduktion des Maßstabes auf Ys- 
Diese Linie gestattet femer die Ausdehnung der graphischen Darstellung auf diejenigen Bestandteile, die nur in 
kleinen Mengen vorkommen, aber therapeutisch wichtig sind, also z. B. auf Li', Fe", Mn", Br', J', sowie auf den 
Gesamtschwefel (d. h. den in Form HS' und HjS vorhandenen). Ihre Mengen, ausgedrückt in Gramm pro Kilo- 
gramm und berechnet als Ionen, sind in 100 fach vergrößertem Maßstab auf dieser schwarzen Linie abgetragen; es 
bedeutet für diese Darstellung eine Längeneinheit 1 mg in 1 kg. "Wir fügen hinzu, daß wir hierfür nur solche 
Mengen berücksichtigt haben, die 1 mg in 1 kg übersteigen, und bemerken femer, daß in einzelnen Fällen, nament- 
lich bei Eisenquellen, das Ende dieser Abschnitte wegen des 100 fach vergrößerten Maßstabes jenseits des Endes 
der schwarzen Linie zu liegen kommt. Für diese Nebenbestandteile ist auch bei den Solquellen der Maßstab derselbe, 
wie bei den übrigen Quellen. 

Die Auswahl für die graphische Darstellung trafen wir so, daß für jeden Badeort für jede Art der dort vor- 
kommenden Quellen je eine als Beispiel herangezogen wurde. Wenn möglich, griffen wir hierbei auf die 
bekannteste und meist benutzte Quelle des betreffenden Ortes zurück und wichen hiervon nur dann ab, wenn die 
Analyse hinter der einer anderen Quelle desselben Ortes an Sicherheit oder Vollständigkeit wesentlich zurückstand. 

Von der graphischen Darstellung der einfachen kalten Quellen, der einfachen warmen Quellen und der ein- 
fachen Säuerlinge wurde abgesehen, da eine solche bei der geringen Konzentration dieser Wässer kaum praktische 
Bedeutung besitzt. 

e) Analysen von Abscheidungsprodukten der Quellen. 

Außer der Analyse des Mineralwassers selbst sind, wenn die nötigen Unterlagen dafür vorhanden waren, An- 
gaben über die Zusammensetzung der gasförmigen oder festen Abscheidungsprodukte der Quellen aufgenommen 
worden. Für das der Quelle frei entströmende Gas wurden die Einzelbestandteile in ccm auf 1000 ccm 
Gesamtvolumen des Gases berechnet. 

Bei der Darstellung der quantitativen Zusammensetzung fester Stoffe (Sinter, Schlamm, Moor) sind 
die Bestandteile möglichst in derjenigen Verbindungsform angegeben, in welcher sie durch die 
Analyse direkt nachgewiesen wurden. Vielfach werden das dieselben Atomgrappen oder elementaren Bestand- 
teile sein, die in wässerigen Lösimgen die Ionen bilden. Hier sind sie jedoch nicht als solche, sondern als „Reste" 
(Sulfatrest, Karbonatrest u. s. w.) bezeichnet; bei einzelnen Atomen konnte auch der Zusatz „-rest" wegfallen, und 
es genügte der Name des Elementes, event. unter Angabe der Wertigkeitsstufe. Auch hier ist der wörtlichen 
Bezeichnung die Formel in Klammem beigefügt, um Mißverständnisse zu vermeiden. 

Die Anwendung des eben aufgestellten Gi-undsatzes für die Darstellung der Analysenergebnisse fester Sub- 
stanzen ist nicht immer ohne weiteres gegeben. Bei einer Eisen- oder Calciumbestimmung geht aus der Analyse 
nicht hervor, ob ursprünglich Oxyde, Sauerstoffsalze oder Haloide vorhanden waren; daher ist es logisch, auf die 
Metallreste zu berechnen. Andererseits kann bei einer Baryumsulfatfällung durch Baryumchlorid kein Zweifel 
herrschen, daß in der Lösung und somit auch in der ursprünglichen Substanz Sulfate vorhanden waren, mithin ist 
auf SO4 zu berechnen; ebenso bei einer Silberchloridfällung auf Cl. Auch bei Phosphaten und Arsenaten wird 
eine kritische Beachtung der qualitativen Reaktionen in den meisten Fällen die Entscheidung zwischen den möglichen 
Formen der Säurereste erlauben. Bei Silikaten dagegen ist eine solche nicht möglich. Die verschiedenen Kiesel- 
säuren lassen sich zur Zeit weder in Lösung noch in ihren unlöslichen Salzen durch Reaktionen unterscheiden, 
und nur so viel ist sicher, daß es sich um SiOj -Verbindungen handelt: folglich muß auf SiOj berechnet werden. 
In Wahrheit ist aber eben nicht SiOj vorhanden, sondern es handelt sich um die Gegenwart von SiUkatresten oder 
Polysilikatresten, in denen das Verhältnis O : Si größer ist als bei SiOg. Berechnet man, wie hier vorgeschlagen, 
auf SiOj, so fehlt in der Zusammenstellung der Analysenresultate naturgemäß jenes Plus von Sauerstoff. Daß in 
solchen Fällen die Summe der gefundenen und in Prozenten ausgedrückten Bestandteile nicht 100 ergibt, ent- 
spricht aber andererseits nur der Tatsache, daß die fehlenden Prozente in der Tat durch keine einzige analytische 
Operation nachgewiesen worden sind. Bei einfachen Mineralien aus der Gmppe der Silikate würde es ja möglich 
sein, die Differenz mit dem gefundenen SiOg durch stöchiometrische Rechnung zu einem bestimmten Silikat- oder 
Polysilikatrest zu kombinieren und diesen in der Analysendarstellung aufzuführen; bei Gemengen, wie Sintern, 
Schlämmen, Mooren, kann aber davon nicht die Rede sein. WiU man hier dennoch die vollen 100 "/^ in Erscheinimg 



— LXIV — 

treten lassen, so ist der Fehlbetrag als „Sauerstoff" einzusetzen und gesondert neben Siliziumdioxyd (SiOj) anzuführen. 
Darin liegt jedenfalls eine geringere Schwierigkeit für das Verständnis, als wenn bei der bisher üblichen Darstellung 
nach Oxyden, Säure-Anhydriden und Chlor zum Schluß das Sauerstoff-Äquivalent des Chlors abgezogen werden nmß, 
um auf 100 */o ^^u kommen. In gleichem Sinne, wie soeben von den Silikaten auseinandergesetzt, war auch bei der 
Analyse von Substanzen, die nicht Salze, sondern Metalloxyde enthalten, neben dem analgetisch bestinnnten Metall der 
aus der Differenz gegen 100 "/^ ermittelte Sauerstoff aufzuführen. 

Im einzelnen erforderte diese Art der Berechnung eine individuelle Behandlung und scharfe Kritik des vor- 
liegenden Analysenmaterials. Sind z. B. die wasserlöslichen und säurelöslichen Anteile eines Gemenges besonders 
analysiert, so wird auch die Umrechnung in jedem Anteile unter Umständen auf verschiedene „Reste" erfolgen müssen. 
Die neue Art der Darstellung hat aber den Vorteil, eine von Willkür möglichst freie Wiedergabe der tjitsäehlicheii 
Analysenergebnisse in übersichtlicher Form zu bilden und auch hier ein bisher sehr verschieden redigiertes ^Material 
in einheitlicher und mithin vergleichbarer Form darzubieten. 

3. Schlnßbemerknng. 

Mit der einheitlichen Durchführung des hier auseinandergesetzten Schemas werden die zurzeit vorliegenden 
chemischen Analysen der vaterländischen Heilquellen zum ersten Male auf eine den theoretischen Anforderungen der 
Gegenwart entsprechende, vergleichbare Form gebracht 

Um auch bei zukünftigen neuen Analysen diese Vergleichsmöglichkeit herbeizuführen, erscheint es wünschens- 
wert, daß sich die Autoren entschließen, sie gleichfalls in der hier eingehend begründeten Gestalt mitzuteilen. Nach 
wie vor bleibt es jedoch erforderlich, in der Originalveröffentlichung die Angabe der direkten Wägungszahlen nicht 
zu unterlassen. Dann können wir einer zwar heute nicht vorauszusehenden, immerhin aber in der Zukunft nicht 
unmöglichen Umgestaltung imserer Anschauungen ruhig entgegensehen, weil wir auch nach dieser immer noch mit 
einem unbeeinflußten Zahlenmaterial ausgerüstet sein werden. 

Es darf die Hoffnung ausgesprochen werden, daß auch die Quellenverwaltungen bei der Veröffentlichung 
ihrer Analysen in Brunnenschriften und Anzeigen sich der Darstellungsform des Deutschen Bäderbuches bedienen 
werden. 



— LXV — 

0. Einteilung der Mineralwässer. 

Von Dr. E. Hintz, Professor, Mitinhaber des C!hemischen Laboratoriums Fresenius zu Wiesbaden 
und Dr. L. Grünhut, Dozent und Abteilungsvorsteher im Chemischen Laboratorium Fresenius zu Wiesbaden. 

Die Einteilung der Mineralwässer gründet man, abgesehen von den Temperaturverhältnissen, einmal auf 
den allgemeinen chemischen Charakter derselben und des weiteren auf den Gehalt an bestimmten Einzelbestand- 
teilen, denen man eine spezifische Wirkimg zuschreibt. Im ersteren Sinne unterscheidet man Wildwässer, alkalische, 
erdige, muriatische und Bitterquellen, im letzteren spricht man von Lithion-, Eisen-, Jod- und Schwefelquellen sowie 
von Säuerlingen. 

Die Anwendung des ersten Prinzips baut sich, wenigstens in der bis heute üblichen Form, auf den Ausdruck 
der Zusammensetzung des Mineralwassers in Form einer Salztabelle auf. Sie entspricht also nicht den Ergebnissen 
der modernen physikalisch -chemischen Forschung, die vorstehend auseinandergesetzt wm-den. 

Der Übergang zu der neuen, auf die lonentheorie basierten Form des Analysenberichtes bereitet demnach in 
einer Beziehung scheinbar eine gewisse Schwierigkeit. Denn wenn wir in Zukunft von der Berechnung auf Salze 
absehen, so lassen wir damit gewissermaßen das bisherige Einteilungsprinzip verschwinden, und die Zugehörigkeit 
eines Wassers zu einer bestimmten Gruppe läßt sich, wenigstens an Hand der bisher übUchen Definitionen, nicht 
ohne weiteres feststellen. 

Hiernach erscheint es erforderlich, die Begriffsbestimmungen der einzelnen Klassen von Mineralwässern so um- 
zugestalten, daß sie sich nicht mehr auf Salze beziehen, sondern der lonendarsteUung anpassen. Ein Versuch in 
dieser Richtung, gestützt auf die graphische Darstellung, ist von uns bereits an anderer Stelle i), auf die wegen 
aller Einzelheiten verwiesen werden muß, unternommen worden, und die dort gegebenen Definitionen wurden mit 
wenigen Abänderungen auch hier zugi-unde gelegt. 

Für die Einteilung der Mineralquellen ist das grundlegende Klassifikationsprinzip von den Anionen 
hergenommen. Man bezeichnet Wässer, unter deren Anionen vorwalten die: 

Hydrokarbonat-Ionen (HCO'g) als alkalische, bezw. erdige Quellen, 

Chlor-Ionen (Cl') als muriatische Quellen, 

Sulfat-Ionen (SO4") als Bitterquellen. 

Der Begriff „vorwalten" bezieht sich nicht immer auf die Quantität. Meist wird dies freilich der Fall 
sein, aber es kann sich doch ereignen, daß ein Anion an Menge hinter einem anderen zurücksteht und es dennoch 
an pharmakologischer Bedeutung übertrifft. Dann wird es trotz der geringeren Quantität als das vorwaltende gelten 
müssen vmd für die Klassifikation maßgebend sein. Dies trifft für das Sulfat-Ion bei den alkalisch-salinischen 
Quellen und bei den Bitterquellen zu. 

Die eben genannten Hauptklassen zerfallen in Unterabteilungen je nach den Kationen, welche die Anionen 
begleiten. Wir nennen Wässer, welche in wesentlicher Menge enthalten die: 

Ionen des Natriumhydrokarbonats (NaHCOg) : alkalische Quellen, 
Ionen des Calciumhydrokarbonats [Ca(HC03)2] \ ,. n 11 
und Magnesiumhydrokarbonats [Mg(HC03)2] J s ^ ' 

Ionen des Natriumchlorids (NaCl) : muriatische Quellen im engeren Sinne, 
Ionen des Calciumchlorids (CaCl^) 
und Magnesiumchlorids (MgClj) erdmuriatische Quellen, 
neben denen des Natriumchlorids (NaCl) 

Ionen des Natriumsulfats (Na^SOJ : salinische Quellen, 
Ionen des Calcium sulfats (CaSO^) : sulfatische Quellen, 
Ionen des Magnesiumsulfats (MgS04) : echte Bitterquellen. 

Die meisten der aufgestellten Gruppen lassen sich noch in die Unterabteilungen kalte und warme Quellen 
trennen, was wir hier ein für allemal erwähnen. Eine weitere Unterteilung ist durch den größeren oder geringeren 
Gehalt an freiem Kohlendioxyd bedingt („Säuerlinge"). 

Indem wir die knapp gefaßten Begriffsbestimmungen nunmehr folgen lassen, empfehlen wir, mit der Lektüre 
der in Worte gefaßten Charakteristik jeder einzelnen Gruppe die Betrachtung der zugehörigen graphischen Dar- 



') Balneologische Zeitung 1904 Bd. 15 Nr. 26. 



— LXVI — 

Stellungen zu verbinden. Dann wird sich nicht nur die hier vertretene Auffassung leicht xmd rasch dem Gedächt- 
nis einprägen, sondern man wird auch bald lernen, das, was die graphische Darstellung lehrt, auch ohne ihre Hilfe 
aus der Analysentabelle selbst herauszulesen. Es ist vor allem die dritte, die Milligramm-Äquivalente enthaltende 
Spalte, die in dieser Beziehung eine vollständige Orientierung leicht gestattet 

Endlich muß noch bemerkt werden, daß, wie jedes System, so auch das folgende etwas Gekünsteltes besitzt, 
und daß in der Natiu- Übergänge und Grenzfälle vorkommen, deren Einreihung in eine bestimmte Klasse unsicher 
ist und oft rein willkürlich entschieden werden muß. In gewissem Sinne ist überhaupt jede Quelle ein Individuum, 
das aber doch zu anderen Individuen in verwandtschaftlichen Beziehungen steht, die in der Klassifikation ihren 
Ausdruck finden. 

I. Einfache kalte Quellen (Akratopegen)^) sind Quellen von gleichbleibender, die mittlere Jahres- 
temperatur des Ortes übersteigender, andererseits 20° nicht überschreitender Temperatur und von gleichbleibender 
chemischer Zusammensetzung, arm an freiem Kohlendioxyd und an gelösten festen Bestandteilen. In 1 kg des 
Wassers beträgt die Menge des freien Kohlendioxyds weniger als 1 g, die der gelösten festen Bestandteile eben- 
falls weniger als 1 g. Sie stehen den gewöhnlichen Brunnenwässern am nächsten; von den einfachen warmen 
Quellen sind sie durch die niedrigere Temperatur, von den Säuerlingen durch den geringeren Gehall an freiem 
Kohlendioxyd, von den übrigen Gruppen durch den geringeren Gehalt an gelösten festen Bestandteilen abgegrenzt. 
Auch die sonst „einfach erdig" genannten Quellen, bei denen die Menge der gelösten festen Bestandteile 1 g 
überschreitet und unter diesen Bestandteilen Hydrokarbonat-Ionen einerseits, Calcium- imd Magnesium-Ionen anderer- 
seits vorherrschen, die also in ihrer Zusammensetzung sich von harten Brunnenwässern nicht wesentlich unterscheiden, 
können zu dieser Gruppe gerechnet werden. 

Unter den Quellen dieser Gruppe befinden sich auch solche, deren Eisengehalt zwar hinter der in diesem 
Buche für die Eisenquellen angenommenen Grenze von 10 mg in 1 kg Wasser zxmickbleibt, die aber vielfach als 
Eisenquellen bezeichnet imd um ihres Eisengehaltes willen zu Trinkkuren verwendet werden. 

n. Einfache warme Quellen (Akratothermen*), Wildbäder) sind Quellen von gleichbleibender, 20° 
übersteigender Temperatiu-, arm an freiem Kohlendioxyd und an gelösten festen Bestandteilen. In 1 kg des Wassers 
beträgt die Menge des freien Kohlendioxyds weniger als 1 g, die der gelösten festen Bestandteile ebenfalls weniger 
als 1 g. Auch die sonst „einfach erdig" genannten warmen Quellen (vgl. bei den einfachen kalten Quellen) können 
zu dieser Gruppe gerechnet werden. 

m. Einfache Säuerlinge sind reich an freiem Kohlendioxyd, wovon sie mehr als 1 g, und arm an gelösten 
festen Bestandteilen, von denen sie weniger als 1 g in 1 kg des Wassers enthalten. 

Auch unter den Quellen dieser Gruppen befinden sich solche, deren Eisengehalt zwar hinter der in diesem 
Buche für die Eisenquellen angenommenen Grenze von 10 mg in 1 kg Wasser zurückbleibt, die aber vielfach als 
Eisenquellen bezeichnet und um ihres Eisengehaltes willen zu Trinkkuren verwendet werden. 

IV. Erdige Säuerlinge enthalten in 1 kg des Wassers mehr als 1 g freies Kohlendioxyd und mehr als 
1 g gelöste feste Bestandteile, unter deren Anionen die Hydrokarbonat-Ionen, unter deren Kationen die Calcium- 
und Magnesium-Ionen vorherrschen. (Bei der Salzberechnung ergeben sich daher neben freiem Kohlendioxyd als 
vorwaltende Bestandteile Calciumhydrokarbonat und Magnesiiunhydrokarbonat.) 

V. Alkalische Quellen enthalten in 1 kg des Wassers mehr als 1 g gelöste feste Bestandteile, unter deren 
Anionen die Hydrokarbonat-Ionen, unter deren Kationen die Alkali-Ionen vorherrschen. (Bei der Salzberechnimg 
ergibt sich daher als vorwaltender Bestandteil Natriumhydrokarbonat.) Wird ein solches Wasser gekocht, so gehen 
imter Entbindung von Kohlendioxyd die Hydrokarbonat-Ionen in Karbonat-Ionen über, die zum Teil mit den Erdalkali- 
lonen zu Niederschlägen zusammentreten ; dabei bleibt aber ein Überschuß von Karbonat-Ionen, der durch Hydrolyse 
eine gewisse Menge Hydroxyl-Ionen, d. h. alkalische Reaktion des Wassers entstehen läßt. 

Überschreitet die Menge des freien Kohlendioxyds 1 g in 1 kg des Wassers, so spricht man von alkalischen 
Säuerlingen. 

Je nachdem der Grehalt an Chlor- oder Sulfat- oder Erdalkali-Ionen mehr in den Vordergrund tritt, spricht 
man im G«gen8atz zu den rein alkalischen von alkalisch-muriatischen, alkalisch-salinischen, alkalisch- 
muriatisch-salinischen oder alkalisch-erdigen Quellen. 

VI. Eochsalzquellen (muriatische Quellen) enthalten in 1 kg des Wassers mehr als 1 g gelöste feste 
Bestandteile, unter deren Anionen die Chlor-Ionen, unter deren Kationen die Natrium-Ionen bei weitem überwiegen. 
(Bei der Salzberechnung erscheint daher Kochsalz als stark vorwaltender Bestandteil.) 

') äxßazos = ungemischt, Tnjy^ = Quelle. 
*) axgaxot = imgemischt, 6tQfi6s = warm. 



— Lxvn — 

Man spricht von einfachen (schwachen) Kochsalzquellen oder von Solquellen, je nachdem in 1 kg 
des Wassers die Menge der Chlor-Ionen sowie diejenige der Natrium-Ionen weniger oder mehr als 260 mg-Äquivalente 
(bezw. bei der Salzberechnung, die Menge des Kochsalzes weniger oder mehr als 15 g) beträgt. 

Überschreitet die Menge des freien Kohlendioxyds 1 g in 1 kg des Wassers, so spricht man von Koch- 
salzsäuerlingen. 

Je nachdem der Gehalt an Hydrokarbonat- oder Sulfat-Ionen oder beiden mehr in den Vordergrund tritt, 
spricht man im Gegensatz zu den reinen Kochsalzquellen von alkalischen, salinischen oder alkalisch- 
salinischen Kochsalzquellen; je nachdem der Gehalt an Erdalkali-Ionen oder diesen und Hydrokarbonat-Ionen 
oder Erdalkali- und Sulfat-Ionen mehr in den Vordergrund tritt, spricht man von erdmuriatischen, erdigen oder 
sulfatischeu Kochsalzquellen. 

VII. Bitterquellen enthalten in 1 kg des Wassers mehr als 1 g gelöste feste Bestandteile, unter deren 
Anionen die Sulfat-Ionen vorwalten. Die Gegenwart von Sulfat-Ionen prägt dem Wasser einen so ausgesprochenen 
Charakter auf, daß man nicht nur ihr relatives Vorwalten zu berücksichtigen hat, sondern daß schon jedes Mineral- 
wasser, welches, bei Abwesenheit alkalischen Charakters, Sulfat-Ionen in erheblicher Menge enthält, als Bitterquelle 
zu bezeichnen ist. Namentlich die Chlor-Ionen-Konzentration kann diejenige der Sulfat-Ionen wesentlich übertreffen, 
ohne dem Wasser die Zugehörigkeit zu den Bitterquellen zu nehmen. (Bei der Salzberechnung ergeben sich daher 
erhebliche Mengen von Sulfaten, eventuell neben großen Mengen von Kochsalz.) 

Je nachdem unter den Kationen die Natrium-, Calcium- oder Magnesium -Ionen eine wesentliche Rolle 
spielen, und je nach der Menge der Chlor-Ionen spricht man von salinischen Bitterquellen, sulfatischen 
Bitterquellen, echten Bitterquellen, bezw. muriatisch-salinischen, muriatisch- sulfatischen oder 
muriatischen echten Bitterquellen. 

VIII. Eisenquellen sind im allgemeinen solche Quellen, die mehr als 0,010 g Ferro- oder Ferri-Ionen 
in 1 kg des Wassers enthalten, und für welche es dargetan ist, daß ihre auffälligste Wirkung durch den Eisengehalt 
venu"sacht wird. 

Enthält das Wasser Sulfat-Ionen, aber keine Hydrokarbonat-Ionen (erscheint daher bei der Salzberechnung 
das Eisen als Ferrosulfat oder Ferrisulfat), so spricht man von Vitriolquellen. 

Enthält das Wasser Hydrokarbonat-Ionen und Ferro-Ionen (erscheint daher bei der Salzberechnung das Eisen 
als Ferrohydrokarbonat), so spricht man von Eisenkarbonatquellen (bisher vieKach „Stahlquellen" genannt). 

Überschreitet die Menge des freien Kohlendioxyds 1 g in 1 kg des Wassers (wie es bei Eisenkarbonatquellen 
meist der FaU ist), so spricht man von Eisensäuerlingen. 

Im übrigen können die EisenkarbonatqueUen nach ihrem Gehalte an sonstigen Bestandteilen, entsprechend 
den früher definierten Hauptgruppen der Mineralwässer, in Untergruppen eingeteilt werden: reine Eisenkarbonat- 
quellen, erdige Eisenkarbonatquellen, alkalische Eisenkarbonatquellen, muriatische Eisenkar- 
bonatquellen, Eisenkarbonatbitterquellen usw. 

IX. Schwefelquellen sind solche Quellen, die Hydrosulfid-Ionen, gegebenenfalls daneben auch freien Schwefel- 
wasserstoff enthalten, und für welche es dargetan ist, daß ihre auffälligste Wirkung durch den Gehalt an diesen 
Bestandteilen verursacht wird. Je nachdem sie freies Kohlendioxyd imd folglich auch freien Schwefelwasserstoff 
enthalten oder nicht, kann man von Schwefelwasserstoffquellen oder von Schwefelquellen im engeren 
Sinne sprechen. 

Im übrigen können diese Quellen nach ihrem GehtJt an sonstigen Bestandteilen, entsprechend den früher 
definierten Hauptgruppen der Mineralwässer, in Untergruppen eingeteilt werden: reine, erdige, alkalische, 
muriatische Schwefelwasserstoffquellen, Schwefelwasserstoffbitterquellen usw. 



— Lxvin — 

3. Pharmakologischer Teil. 

Von Dr. C. Jacob j, 

o. ö. Professor, Direktor des Pharmakologischen Instituts an der Universität Göttingen. 

Die moderne Pharmakologie hat als eine biologische Wissenschaft die Aufgabe, die durch chemisch-molekulare 
Kräfte bedingten Veränderungen der normalen Lebenserscheinungen festzustellen und auf ihre physiologischen Gnind- 
lagen zurückzuführen. Hierdurch fördert sie ein klares Verständnis und eine gesicherte Anwendung der als Arznei- 
mittel benutzten Substanzen und wird durch Übertragung der Ergebnisse der Forschung auf das Gebiet der praktischen 
Medizin zur wissenschaftlichen Arzneimittellehre. Eine zielbewußte, individualisierende Arzneibehandlung, wie sie 
entsprechend der sich stetig vervollkommnenden Diagnose angestrebt werden muß, ist nur auf pharmakologischer 
Grundlage möglich, und auch für eine zweckentsprechende Ausnützung der einen Teil des Arzneischatzes dar- 
stellenden Mineralwässer wird dieselbe nicht entbehrt werden können. 

Die Mineralwässer stellen natürliche, zumeist sehr verdünnte wässerige Lösungen der in der Erdrinde vor- 
nehmlich vertretenen, löslichen, anorganischen Bestandteile dar. Sie werden von der Pharmakologie in der Regel, 
je nach dem Überwiegen des einen oder anderen wirksamen Bestandteils, unter den Wirkungsgruppen des Koch- 
salzes, der Alkalien, abführenden Salze, des Eisens usw. gesondert behandelt. Es lassen sich dieselben indessen 
auch zu einer pharmakologischen Einheit zusammenfassen, wenn man sie unter dem Gesichtspunkt der allen 
gemeinsamen und für ihre Wirkungsart zweifellos vor allem wichtigen Wasserwirkung betrachtet. Diese Art der 
Betrachtung erscheint in der Balneologie als die gegebene, nicht nur weil das Wasser als solches in den Mineral- 
wässern der Menge nach den überwiegenden Bestandteil bildet, sondern auch, weil es bei allen Arten der An- 
wendung stets in so großen Mengen zur Wirkung gelangt, daß die von ihm abhängenden Wirkungen vor allem 
sich zunächst geltend machen. Die jeweils im Wasser der einzelnen Quellen gelösten Bestandteile werden zwar 
bei entsprechender Menge und Anwendung spezifische Wirkungen entfalten, vielfach aber auch nur die Grund- 
wirkungen des Wassers und seiner Temperatur modifizieren. 

Die für die Therapie bedeutsamsten Wirkungsfaktoren der Heilquellen und ihre Wirkimgsgrundlagen in kurzen 
Umrissen darzustellen, soU auf den folgenden Seiten versucht werden. Auf die Frage einzugehen, wie sich aus 
der Wirkungsart der einzelnen Bestandteile die mit den Mineralwässern erzielten Heilerfolge bei den verschiedenen 
Krankheiten eventuell erklären lassen, wird bei dem einer Einleitung zufallenden, begrenzten Baum nur in be- 
schränktem Maße möglich sein, und ebenso werden die Ausblicke, welche sich für die Erklärung der Heilerfolge, 
eventuell auf Grund der neueren Ergebnisse der durch die moderne physikalische Chemie angeregten, physiologischen 
und pharmakologischen experimentellen Forschung eröffnen, nur angedeutet werden können ^). 

Der sich für diese Fragen interessierende Leser sei vor allem auf die in der Anmerkung genannten neueren 
Sammelwerke hingewiesen ^). 

Im Interesse einer kurzen, Wiederholungen vermeidenden Darstellung werden wir, von der für die Praxis 
maßgebenden Gruppeneinteilung besser absehend, zunächst entsprechend dem Gesagten, die in allen Mineralwässern 
in Betracht kommenden wichtigen Faktoren der Temperatur-, allgemeinen Wasser- und Salzwirkung sowie die 
ebenfalls in den verschiedensten Gruppen bedeutsame Kohlensäurewirkung betrachten imd im Anschluß hieran 
einen Überblick über die spezifischen: Wirkungen der festen gelösten Bestandteile geben, welche in den als erdige, 
alkalische, Bitter-, Eisen- und Schwefelquellen bezeichneten Wässern den diese besonders charakterisierenden "Faktor 
darstellen. 

Die Wirkung der Temperatur des Wassers 

kommt bei allen Mineralquellen und bei jeder Form ihrer therapeutischen Anwendung in Betracht. Die Temperatur 
als solche beeinflußt in weitem Maße die für das Leben wichtigen physikalischen, physikalisch -chemischen sowie 
die rein chemisch-reaktiven Vorgänge. 



') Eine in diesem Sinne etwas eingehendere Darstellung liegt in einem als Manuskript gedruckten Entwurf zu dieser 
Einleitung vor, welcher dem sich für denselben interessierenden Leser nach Erscheinen dieses Werkes in den Universitäts- 
bibliotheken, sowie pharmakologischen imd klinischen Universitätsinstituten zugänglich sein wird. 

') Vgl. Hamburger, Osmotischer Druck und lonenlehre in den med. Wissenschaften I — III (Wiesbaden 1902 — 1904). 
Nagel, Handbuch der Physiologie des Menschen. (Braunschweig 1906). Abderhalden, Lehrbuch der physiologischen 
Chemie 1906 (Berlin-Wien). Ergebnisse der Physiologie, Asher und Spiro, Jahrgang I— IV (Wiesbaden). Schmiedeberg, 
Pharmakologie (Leipzig 1906). Aufl. V. 



— LXIX 



Für den normalen Ablauf der Leben serscheinungen unseres, einen sehr regen Stoffwechsel verlangenden Körpers 
ist eine zwischen 36° und 38° liegende Temperatur unerläßlich. Die einzelnen Gewebe erfahren in ihrer Assi- 
milisation und Dissimilisation und die funktionellen damit in ihrer Funktion und Leistungsfähigkeit eine Erhöhung 
oder Erniedrigung, je nachdem ihre Temperatur über die Norm gesteigert oder unter dieselbe herabgesetzt wird. 

Trotz der in weiten Grenzen schwankenden Temperatur der umgebenden Luft erhält sich unser Organismus 
seine Eigentemperatur konstant, und zwar durch Einrichtungen, welche die Wärmebildung, WärmeverteUung und 
Wärmeabgabe vor allem auf Grund der die Oberfläche treffenden Temperatureinflüsse unter Zusammenwirken des 
Nerven- und Gefäßapparates reguheren. Bei dieser Regulierung kommt der Zirkulation die wichtigste RoUe zu. 
Durch wechselnde Veränderung der Weite der Arterien der verschiedenen Stromgebiete kann die Zufuhr des die 
Wärmeverteilung im Körper vermittelnden Blutstromes, je nach Bedarf, bald mehr in die den Wärmeabfluß be- 
günstigende (über der als Wärmemantel wirkenden Schicht des Panniculus adiposus hegende) Oberfläche der Haut, 
bald in die vor Wärmeverlust geschützten, selbst die Wärme produzierenden, inneren Teile (Muskeln und Drüsen) 
verlegt werden. Eine vermehrte oder verminderte Zufuhr des warmen Blutes ändert aber nicht nur die Temperatur 
und die mit dieser wechselnde chemische Reaktionsfähigkeit der durchströmten Teile, sondern auch einerseits die 
Zufuhr von Nährstoffen, andererseits die Beseitigung des Ausscheidungsmaterials in den betroffenen Geweben, je 
nachdem sie zu Anämie oder zu aktiver oder passiver Hyperämie führt. Durch Verstärkung des Blutstromes In 
der Haut werden die in ihr gelegenen Teile, bei Verlegung desselben in das Körperinnere aber die Muskeln und 
die in den Körperhöhlen gelegenen Organe bessere Bedingungen, sei es für die Aufnahme von Sauerstoff oder Aus- 
scheidung von Kohlensäure und Abbauprodukten (arterielle Hyperämie) oder für die Aufnahme des ihnen nötigen 
Nährmaterials (venöse Hyperämie), d. h. für ihre Dissimilisation oder Assimilisation, für ihre Funktion oder Er- 
nährung finden. Welche Bedeutung therapeutisch einer Veränderung der Zirkulation im Sinne dieser verschiedenen 
Möglichkeiten zukommt, hat Bier in seinem Werk „Hyperämie als Heilmittel" eingehend erörtert. 

Auch die Tätigkeit des Herzens (Pulsfrequenz; Langendorff, Martin u. a.) kann sowohl direkt durch 
Veränderung der Temperatur des Blutes als indirekt durch die Veränderung des Widerstandes im Gefäßsystem 
und auf reflektorischem Wege durch den in der Peripherie gesetzten sensiblen Temperaturreiz beeinflußt werden. 
Eine Veränderung der Herztätigkeit zusammen mit der an den Gefäßen, sei es direkt oder durch Vermittelung 
der Gefäßnervenzentren, bewirkten Verengung oder Erweiterung ihres Gesamtquerschnitts wird zu einem Steigen 
oder Fallen des Blutdruckes und damit zu einem Wechsel des Gefälles des Blutstromes in den Kapillaren der 
verschiedenen Gebiete führen, von dem dann wiederum der in die Gewebe übergehende Lymphstrom sowie der 
aus diesen in die Gefäße eventuell in Frage kommende, rückläufige Resorptionsstrom mit abhängt. 

Die folgenden, den Kurven einer Arbeit von O. Müller (Deutsches Archiv für klinische Medizin Bd. 1902 
S. 74) entnommenen Zahlen mögen diesen Einfluß der Temperatur auf die Zirkulation im Bade, das hier vor 
allem für uns praktisch in Betracht kommt, zeigen. Die angewandte Methode der Blutdruckmessung war dabei 
allerdings eine indirekte (Sphygmomanometer nach von Recklinghausen). 



Es bewirkte ein Bad nach 15 Minuten bei 


42.3° 


41,2° 


40,0° 


38,7° 


37,5° 


36,2° 


35,0° 


33,7° 


32,5° 


31,2° 


30,0° 


28,7° 


eine Verändenmg des Pulses um etwa . . 


+35 


+20 


+12 


+17 


+8 


—5 


—4 


—7 


—12 


—15 


—24 


—24 


und eine Blutdrucksteigerung um etwa m m Hg 


+20 


+10 


+7 


±0 


+4 


+5 


+7 


+8 


+7 


+8 


+9 


+19 



Nimmt der Gesamtstoffumsatz im Körper infolge veränderter Wärmeabgabe an die Umgebung merklich zu oder ab, 
so wird es auch zu einer sich dem Stoffwechsel und mit ihm dem wechselnden Bedürfnis der Sauerstoffaufnahme 
und Kohlensäureausscheidimg anpassenden Steigerung oder Verminderung der Atmung kommen. 

Die folgenden Zahlen zeigen die Änderung der Kohlensäureproduktion bei verschiedenen Lufttemperaturen 
am Meerschweinchen nach Rubner („Biologische Gesetze", Marburg 1887). 



Lufttemperatur 


0° 


11,1° 


20,8° 


25,7° 


30,3° 


34,9° 


40,0° 




Temperatur des Tieres 


37° 


37,2° 


37,4° 


37,0° 


37,7° 


38,2° 


39,5° 






Gramm CO, per Kilogramm und Stunde 


2,9 


2,15 


1,76 


1,54 


1,31 


1,27 


1,45 



Durch Beeinflussung der an der Wärmeregulierung, eventuell durch Veränderung der Verdunstungsbedingungen, 
mitbeteiligten Tätigkeit der Schweißtlrüsen gewinnt die Temperatur wie auf diese, so auch durch diese indirekt auf 
den allgemeinen Wasserhaushalt und die Funktion anderer Drüsen einen Einfluß, vor allem auf die der Niere, 



— LXX — 

deren Bekretioa aber auch indirekt durcli eine Veränderung der Hautzirkulation, welche ihrerseits die Blutzufulu- 
SU den inneren Teilen beeinflußt (Dastre-Moratsches Gesetz), sowie durch Veränderung des Blutdrucks gesteigert 
oder herabgesetzt werden kann. Die verschiedensten wichtigen Funktionen sind demnach durch die den Organismus 
treffenden Temperaturwirkungen beeinflußbar. Infolge der Dichte seiner Masse, des flüssigen Aggregatzustandes 
und seiner großen Wärmekapazität wird das Wasser als vorzüglicher Wärmeträger und Wärmeleiter besonders 
geeignet, solche Temperaturwirkungen, und zwar auch lokalisiert hervorzurufen, und eine große Zahl der mit den 
Mineralquellen, zumal den Bädern erzielten Heilerfolge ist auf eine Temperaturwirkung zurückzuführen. Die seit 
alters übliche Trennung der Quellen in warme und kalte, mit 20° als Grenzwert, dürfte auf der Temperatur- 
schätzung mit der Hand beruhen, bei welcher ein Gegenstand von 20° als thermisch indifferent erscheint, offenbar 
weil bei der mittleren Lufttemperatur von 15° die der Haut unmittelbar anUegende Luftschicht die Temperatur 
von etwa 20° besitzt, so daß bei kurzer Berührung eines Körpers von dieser Temperatur es in den die Wärme 
empfindenden Teilen nicht zu einer die Empfindungsschwelle überschreitenden Temperaturschwankung kommt. Als 
der therapeutisch-wichtige Lidifferenzpunkt des Wassers eines Bades, in das der ganze Körper taucht, wird zumeist 
eine Temperatur von 34 bis 35° angesehen, da bei einer solchen, ohne daß der Wärmeregulierungsapparat um- 
fänglicher in Aktion tritt, die Wärmeabgabe des Körpers in Summa weder nennenswert eingeschränkt noch gesteigert 
wird. Ob solchen Bädern stets jegliche Temperaturwirkung fehlt, kann bezweifelt werden, da die Temperatur ver- 
schiedener Hautgebiete eine verschiedene ist und auch die der Gesamtoberfläche individuell wechselt, sowie bei dem 
gleichen Individuum unter verschiedenen Bedingungen, infolge wechselnder Wärmezufuhr, Schwankungen unter- 
worfen ist. 

Hypothermische, d. h. unter dem Indifferenzpunkt liegende Bäder, werden bei mäßiger Intensität und Dauer 
der Wirkung infolge der direkt und reflektorisch durch Verengerung der oberflächlichen Hautgefäße herabgesetzten 
Hautzirkulation zunächst, ohne einen gesteigerten Wärmeverlust des gesamten Körpers herbeizuführen, auf die in 
der Haut gelegenen Teile reaktionsvermindemd wirken. Eine Herabsetzung des Stromes in der Peripherie wird 
in tiefer und zentraler liegenden, aus den gleichen großen Arterien versorgten Teilen den Blutstrom eventuell ver- 
mehren und so hierdurch günstigere Gestaltung ihrer Durchblutung und damit ihrer Ernährung und funktionellen 
Tätigkeit bedingen. Es sei erinnert an die geistig- erfrischende Wirkung des kalten Bades und das gesteigerte 
Gtefühl der MuskeUeistungsfähigkeit, den vermehrten Appetit usw. nach einem solchen. 

Auch läßt sich im Sinne einer Gymnastik des gesamten Hautgefäßapparates die systematische Apphkation 
kalten Wassers auf die Haut benützen (Abhärtung gegen Temperatiu-einflüsse, Beseitigimg der Neigung zu Blut- 
kongestionen nach inneren Teilen, Gehirn, Lunge, Bauchorgane, welche auf insuffizienter Reaktionsfähigkeit der 
Hautgefäße beruhen). 

Ist die Temperatimiifferenz oder Dauer der Blältewirkung derart, daß die Kemtemperatur durch die reg^- 
latorische Verlegung des Blutstromes nach innen (physikalische Regulation Rubners 1. c.) nicht mehr vom 
Körper aufrechterhalten werden kann, und kommt es nach der anfänglichen Verengerung der Hautgefäße zu einer 
Erweiterung derselben und damit zu gesteigerter Wärmeabgabe, so erhöhen solche Bäder entsprechend dem ein- 
tretenden Wärmeverlust den Stoffwechsel unter Heranziehung zunächst des stickstoffreien Materials, vor allem des 
Fettes (chemische Regulation Rubners 1. c). Nach dem Bade tritt dann eine ausgesprochene kompensatorische 
Gegenregulierung seitens der Hautgefäße und der Wärmeproduktion mit den sich hieraus ergebenden Folgen ein. 
Diese Nachwirkimg fehlt auch nach geringerer hypothermischer Einwirkung nicht imd ist imter anderem auch die 
Ursache des nach dem kühlen Bade auftretenden Wärmegefühls. Als Beispiel für den quantitativen Verlauf solcher 
K&ltewirkungen auf den Stoffwechsel mögen die folgenden von Bubner (Leydens Handbuch der Ernährungs- 
therapie Bd. I S. 63) berechneten Zahlen dienen. 



Ein halbstündiges Baden von 


... 15° 


20° 


25° 


30° 


35° 


bedingt eine die Norm überschreitende Wärmeproduktion, berechnet m Kalorien von . 


. . 81 Cal 


57 Cal 


34 Cal 


12 Cal 


OCal 




. . . 43 g 


31 g 


18 g 


8g 


0,7 g 




von 9 g 


6g 


4g 


1 g 


0,0 g 



Hyperthermische Bäder werden, infolge der regulatorisch vom Körper angestrebten Erhöhung der Wärme- 
abgabe, zu einer Erweiterung zunächst der oberflächlichen Hautgefäße und vermehrter Blutzufuhr zur Haut und 
peripheren Teilen führen, welche im Sinne einer Begünstigung resorptiver und regenerativer Vorgänge bei Haut- 
krankheiten usw. eventuell von Nutzen sein kann (Bier). Längere und energischere Einwirkung hyperthermischer 



— LXXI — 

Temperaturen im Bade und ihre unter entsprechenden Bedingungen zunächst im gleichen Sinne wirksame Nach- 
wirkung nach demselben wird auch, zumal an den Extremitäten, zu einer Erweiterung der Gefäße tieferer Gebiete 
führen können und hiermit eine bessere Ernährung und gesteigerten Stoffwechsel derselben zu bedingen vermögen. 
Bei Erhöhung der Temperatur kommt es in den betroffenen Geweben nach anfänglichem Zerfall von stickstoff- 
freier Substanz auch zu vermehrtem Zerfall stickstoffhaltigen Materials und kann dieser sowohl lokal beschränkt, 
als bei Steigerung der Kemtemperatur sieh allgemeiner geltend machen, wie die Vermehrung des Stickstoffs im 
Harn, eventuell im Schweiß zeigt (Pflüger, Voit, Winternitz). Dieser Zerfall scheint an pathologischem, einer 
Rückbildung fähigem Gewebsmaterial früher imd leichter sich einzustellen als an dem normalen Gewebe, so daß 
es damit möglich erscheint, das erstere zum Schwinden zu bringen, ohne die letzteren zu schädigen (Schmiedeberg). 

Es weisen die experimentellen Untersuchungsergebnisse im allgemeinen darauf hin, daß mäßige Temperatur- 
erniedrigung auf quergestreifte wie glatte Muskulatur im Sinne einer Steigerung, Erhöhung der Temperatur im 
Sinne einer Verminderung des Tonus wirkt. 

Beim Trinken etwas größerer Mengen Wassers kann sich dessen Temperatur auf die motorische Tätigkeit des 
Magens und der oberen Dünndarmabschnitte, eventuell auch noch an den diesen anliegenden Darmteüen, z. B. auch 
an dem Querdarm geltend machen. Es scheint auf die Bewegungen dieser Teile Kälte begünstigend, Wärme die- 
selben herabsetzend zu wirken, was, je nachdem, eine Beschleunigung oder Verzögerung der Entleervmg des Inhalts 
der betreffenden Abschnitte mit ihren Folgen für die Resorption nach sich ziehen wird. Im allgemeinen gilt der 
kalte, nüchtern genommene Trunk als den Stuhlgang befördernd, Aufnahme warmer Flüssigkeit und Wärme- 
applikation auf die Bauchdecken als den Stuhlgang anhaltend und schmerzhafte Kontraktionen des Darmes be- 
schränkend. Als indifferente Temperatur im Magen und sonstigen Körperhöhlen wird eine solche von 36 — 38° 
anzusehen sein. Zu berücksichtigen ist aber, daß auf dem Wege in den Magen die Temperatur des Wassers der 
des Körpers angenähert wird. Bei der Aufnahme wu-d als heiß erst ein Wasser von 65° empfunden, während ein 
solches von 50 — 60° als angenehm warm erscheint. Das Übergehen des Wassers aus dem Magen in den Darm 
wird indessen weniger von der Peristaltik als von der durch seine Stellung bedingten Niveaudifferenz zwischen 
Pyloras und tiefstem Punkt der großen Kurvatur abhängen. Die Entleerung des Magens kann durch die Bewegimg 
des Gehens während und nach dem Trinken, eventuell mechanisch auch durch vertiefte Atmungsbewegung des 
Zwerchfells unterstützt, durch ruhige, zumal linke Seitenlage verzögert werden (Moritz). Wie an der äußeren Haut, 
so kommt es auch an den aufsaugenden Schleimhäuten bei Änderung der Temperatur zu einer Veränderung des 
Tonus der Gefäße, welche sich unter dem Einfluß erhöhter Wärme erweitem, unter dem der Kälte aber zunächst 
zusammenziehen. Es bedingt dies im ersten Falle eine Verstärkung, im letzteren eine Verminderung des Blutstroms. 
Die Strömungsgeschwindigkeit, das Gefälle des Blutes in den kleinen Arterien und Kapillaren ist aber, wie bereits 
erwähnt, von Einfluß auf die Vorgänge der Resorption (Bier, Hamburger), aber auch auf die motorische Tätigkeit 
des Magendarmkanals. Es wird eine beschleunigte, mit erhöhtem Gefälle einhergehende Zirkulation, d. h. arterielle 
Hyperämie auf die Resorption begünstigend, eine durch Gefäßverengerung bewirkte Herabsetzxmg der Geschwindigkeit 
und Masse des durchströmenden Blutes auf die Aufsaugung verzögernd wirken. Wie am Magendarmkanal, so wird 
sich auch bei Resorptions Vorgängen in den Geweben und Körperhöhlen in solchem Sinne die Temperatur durch 
Veränderung der Zirkulation geltend machen können, was für die Rückresorption von Exsudaten in der Therapie 
nicht ohne Bedeutung ist (Bier). Ebenso stellt Erweiterung der Arterien der Drüsen ein, eine umfänglichere 
sekretorische Tätigkeit derselben diu-ch bessere Zufuhr des Ausscheidungsmaterials zu den Drüsenzellen begünstigendes 
Moment dar, wenn schon die Bildung des Sekrets als solches erst unter besonderem Nerveneinfluß erfolgt. 

Die osmotischen Wirkungen des Wassers 

sind nicht minder wichtig für die Balneologie wie seine Temperatur. Alle lebhaften Stoffwechselvorgänge, ohne welche 
unser Leben nicht denkbar ist, verlangen eine ununterbrochene Umsetzung von Atomen und Atomkomplexen in der 
lebenden Materie und deshalb eine entsprechend leichte Beweglichkeit der hierbei aufeinander wirkenden Teile (Pflüger, 
Pflügers Archiv 1875 Bd. 10 p. 300, Verworn). Das Wasser bildet infolge der mechanischen Bewegungsmöglich- 
keiten, die ihm als Flüssigkeit zukommen, und durch die wichtigen, seinen Teilen innewohnenden Kräfte, welche es 
befähigen, die Mehrzahl fester Substanzen wie bei der Vergasung unter Lockerung des mechanischen und chemischen 
Aufbaues ihrer Teile (Dissoziation) und Aufnahme der entstehenden Molekeln zwischen die eigenen ebenfalls flüssig 
und beweglich zu machen, zu lösen und ihre chemische Reaktionsfähigkeit zu steigern (Ionisierung), die wesentlichste 
Grundlage aller einfach mechanischen wie auch der feineren physikalisch-chemischen imd chemisch reaktiven Bewegungen 
in imserem Körper. In allen einen lebhafteren Stoffwechsel für ihre Funktion verlangenden Geweben bildet deshalb 



— Lxxn — 

das Wasser den Hauptbestandteil. Die Bewegung und Verteilung der Wassermassen im Körper -wird, abgesehen 
von den, den Blut- und Lymphstrom unterhaltenden mechanischen Triebkräften, durch das Wirksamwerden jener 
molekularen Kräfte bewirkt, welche eine gleichmäßige Verteilung zwischen den Molekülen des Wassers und denen 
des in ihm gelösten oder von ihm durchdrungenen festen Materials anstreben. Sie führen unter den Erscheinungen 
der als Imbibition, Quellung und Osmose bezeichneten Vorgänge zu räumlichen Bewegungen der sich gleichmäßig 
zu durchdringen strebenden kleinsten Teilchen. Wenn man zwei, ungleiche Mengen gelöster Molekeln enthaltende, 
wässerige Lösungen z. B. durch Übereinanderschichtung oder auch durch eine Membran trennt, welche für die 
Molekeln des Wassers wie für die Molekeln der gelösten Substanz gleich durchlässig ist, ohne jedoch Filtration zu 
gestatten, so kommt es zu einer Bewegung beider Arten von Teilchen durch die trennende Fläche. Diese Bewegung 
verläuft derart, daß nach der Seite der höheren Konzentration ein überwiegendes Überwandem von Wassermolekeln, 
nach der Seite der niederen Konzentration aber ein solches der gelöpten Molekeln so lange stattfindet, bis die 
molekulare Konzentration auf beiden Seiten die gleiche ist, d. h. bis der Zustand des Gleichgewichts der wirkenden 
osmotischen Kräfte der lösenden und gelösten Teile in der Gresamtmasse eingetreten ist, den man als Isotonie 
bezeichnet. Ist die Durchlässigkeit der trennenden Schicht für die gelösten Molekeln eine geringere als für die 
des Wassers, so wird bei dem Streben nach Erzielung der Isotonie ein entsprechend größerer Übertritt von Wasser 
nach der konzentrierteren Lösung hin erfolgen müssen und somit diese eine entsprechende Volumensvermehrung 
erfahren. Wenn diese Lösung sich in einem geschlossenen Räume befand, der eine Volumensvermehrung nicht 
erlaubt, so kommt es zu einer der wechselseitigen Kraftwirkung der Teile entsprechenden, eventuell sehr erheblichen 
Erhöhung des Drucks (osmotischer Druck), welche z. B. für 1 Mol Zucker (d. i. 1 Grammolekül Rohrzucker = 342 g 
Zucker gelöst in 1 kg Wasser) 22,4 Atmosphären beträgt und ebenso wie die Siedepunktserhöhung und Gefrier- 
punktserniedrigung der Lösungen von der in der Einheit des Lösungsmittels befindlichen Zahl gelöster Molekeln 
abhängt, wobei diese als in Gasform in der Lösung enthalten betrachtet werden können (Ostwald, Pfeffer). 
Es ist klar, daß solche osmotische Kräfte an den von wässerigen Lösungen umspülten Zellen unseres Körpers 
neben den rein chemischen in Wirkung treten müssen und eine wichtige Grundlage für den Austausch der Bestand- 
teile zwischen ZeUinhalt und umgebender Flüssigkeit bilden. Auch werden die Zellen durch diesen osmotischen 
Druck in der für ihre Funktion nötigen Spannung erhalten. Bewegungen der verschiedenartigen Molekeln durch 
die Zeilbegrenzungsschicht, auf Grund osmotischer Gleichgewichtsstörungen, werden die Möglichkeiten für immer 
neue, gegenseitige chemische Einwirkung und Umlagerung der Teile im Protoplasma der Zellen, sowie mit solchen 
aus der Umgebung erhöhen und damit für den inneren, chemischen Stoffwechsel der Zellen von größter Bedeutung 
sein. Bei der Dissimilisation muß z. B. unter Zerfall von größeren Molekülen in kleinere die Zahl der osmotisch 
wirksamen Teüe in der Zelle wachsen, und es wird infolge der so entstehenden höheren osmotischen Konzentration 
in derselben einerseits zu Eintritt von Wasserteilen in die Zelle kommen, soweit nämlich die Spannung der Zell- 
membran und der Wassergehalt der umspülenden Lösung es erlaubt, andernfalls aber zum Austritt gelöster Teile, 
d. h. zur Ausscheidung der dialysefähigen Abbauprodukte der Zelle. Bei der Assimilisation dagegen werden die 
in die Zellen eingetretenen Molekeln, indem sie sich zu größeren Molekülen vereinigen oder solchen angliedern, 
ein Absinken der molekularen Konzentration in der Zelle bedingen und einerseits durch Herabsetzung des osmotischen 
Druckes neuen Molekeln der Umgebung den Eintritt durch die Membran ermöglichen, andererseits Wasser aus den 
Zeilen austreten lassen. Mit steigender Dissimilisation wird also der Wassergehalt der Gewebe steigen, mit über- 
wiegender Assimilisation aber abnehmen. Wie durch den Stoffwechsel in der Zelle, so werden auch durch Zufuhr 
von Wasser und festen löslichen Substanzen in den Körper, wie sie bei der Nahrungsaufnahme erfolgt, Ver- 
änderungen im Gleichgewicht dieser osmotischen Kräfte bedingt werden, unter deren Einfluß sich ebenso wie unter 
obigen Bedingungen die normale innere Nahrungsaufnahme der Gewebe sowie die Ausscheidung der wertlosen und 
eventuell für das Leben nachteiligen Abbauprodukte mit vollzieht Man bezeichnet den unter den gewöhnlichen 
Lebensbedingungen eines gesunden Organismus bestehenden Quellungs- und Imbibitionszustand der Gewebe und 
den unter solchen Verhältnissen in engen Grenzen schwankenden osmotischen Druck der die Zellen umspülenden 
Lymphe und des Blutserums als den normalen. Eine in diesen Grenzen mit dem Serum des Blutes im all- 
gemeinen gleiche osmotische Konzentration zeigende Lösung wird dementsprechend als normal isotonisch, eine 
einen höheren osmotischen Wert zeigende als hypertonisch, eine solche, welche eine niedere osmotische Konzentration 
besitzt, als hypotonisch bezeichnet (Hamburger). Den normalen osmotischen Zustand seiner Gewebe und zirku- 
lierenden Säfte ist der Körper bestrebt, in engen Grenzen, soweit möglich, aufrecht zu erhalten, einerseits durch 
Regelung des Aufnahmebedürfnisses für feste und flüssige Bestandteile (Gewebehunger und Durstgefühl) und deren 
Resorption, andererseits durch regulierende Anpassung der Ausscheidungsvorgänge. Eine das normale Bedürfnis 
überschreitende Wasserzufuhr wird ,deshalb nach einer über die Gewebe des Körpers sich verbreitenden Isotonie- 



— LXXIII — 

Schwankung zu vermehrter Wasserausscheidung und damit auch zu Vermehrung und eventuell zu Verdünnung der 
Sekret«, vor allem des Harns führen, durch welchen sich der Organismus von den dem Blutserum fremden und 
in Übermaß in ihm enthaltenen leicht löslichen Bestandteilen und auch des überschüssigen Wassers entledigt 
(Bunge). Eine so bewirkte Verdünnung des Harns kann bei den verschiedensten krankhaften Veränderungen des 
Hamapparates von Nutzen sein (z. B. durch Herabsetzung der Reizwirkung des Harns, verminderte Konkrement- 
bildung durch erhöhtes Lösungsvermögen des verdünnten Harns usw.). Bei gleichzeitig begünstigter Blutzufuhr zur 
Haut (z. B. durch Wärme) kann auch die Tätigkeit der Schweißdrüsen nach vermehrter Wasseraufnahme gesteigert 
werden. Auch die Zellen anderer Drüsen werden, unter den Einfluß hypotonischer Wasserwh-kung gebracht, ihre 
Wasserausscheidung vermehren können, und es mag dies für den Nutzen der lokalen Behandlung, z. B. der 
Schleimhäute mit wässerigen Lösungen in Form von Gurgelung, Inhalationen usw. mit in Betracht kommen. 
Trotz der den Wassergehalt des Gesamtkörpers in einiger Zeit auf die Norm im wesentlichen wieder zurück- 
führenden, vermehrten Ausscheidung wird bei reichlicher akuter Wasserzufuhr eine vorübergehende Isotonieschwankung 
der Gewebe im allgemeinen zustande kommen, da das ins Blut aufgenommene Wasser aus diesem zunächst sofort 
in die Zellen der verschiedenen Gewebe infolge der Störung ihres osmotischen Gleichgewichts eindringt, imd zwar 
eventuell unter gleichzeitigem Austritt gelöster Bestandteile aus denselben ins Blut. Bei der schnellen Verteilung 
des Wassers über die verschiedenen Gewebe des Körpers wird die Konzentrationsänderung des Blutes selbst nur 
eine vorübergehende und in ihrer absoluten Größe ebenso wie die an den Geweben entstehende nur eine verhältnis- 
mäßig geringe sein können und imi so weniger ausgeprägt hervortreten, je langsamer die Aufsaugung des Wassers 
in den Körper erfolgt und je besser die Ausscheidung mit ihr Schritt zu halten vermag. Eine regelmäßig in 
entsprechenden Zwischenräumen bewirkte akute umfänglichere Wasserzufuhr wird bei günstigen Resorptionsbedingungen 
nach dem Gesagten im Sinne einer Steigerung der Bewegungen des Wassers und der in ihm gelösten Teile in die 
Zellen und aus den Zellen so zu sagen wie eine stärkere Durchspülung der Gewebe wirkend, die Bedingungen für 
ihren Stoffwechsel günstiger gestalten und die Ausscheidung der in den Zellen sich befindenden oder entstehenden 
Stoff Wechselprodukte , z. B. Harnstoff (Genth) sowie fremder Stoffe (Gifte) begünstigen können. Diese Wirkung 
wird lokal an den Schleimhäuten sowie nach der Resorption allgemein im Körper relativ am energischsten zustande 
kommen nach reichlicher Zufuhr reinen Wassers, da bei diesem die osmotische Spannungsdifferenz die großmöglichste 
ist, wenn schon sie sofort nach Einführung des Wassers in den Körper durch die Aufnahme löslicher Bestandteile 
eine entsprechende Herabsetzung stets erfährt, die aber ihrerseits die Konzentration der zirkulierenden Lösung 
(Serum imd Lymphe) doch entsprechend vermindern wird. Diese, eine Quellung der Gewebe zunächst bedingende 
Wasserwirkung kann auch lokal äußerlich an von der Oberhaut entblößten Teilen erzeugt werden und wird hier, 
entsprechend lange Zeit hindurch unterhalten, pathologische, einem solchen Einfluß gegenüber weniger widerstands- 
fähige Gewebe unter Steigerung der Regeneration der normalen Teile zum Schwinden bringen können. 

Eine solche Wirkung durch die intakte Oberhaut hindurch auf unter ihr liegende Teile kann sich aber nicht 
entfalten, da das Wasser, wie es scheint, nicht über die wasserundurchlässige, sogenannte Schleimschicht vorzu- 
dringen vermag; zudem das oberflächliche, dichte, verhornte, normale Epithel einer Quellung nur in geringem Maße 
zugänglich ist. Auch die normale Magenschleimhaut ist für Wasser, wie aus der geringen, im Magen erfolgenden 
Wasserresorption (von Mering) zu schließen ist, im Gegensatz zu den Schleimhäuten des Darms schwer durch- 
gängig, dennoch dürften die oberflächlichen Epithelschichten der Magenschleimhaut einer Wasserwirkung im eben 
erwähnten Sinne, zumal bei katarrhalischen Zuständen derselben, zugänglich sein (Schmiedeberg). 

Die Salzwirkung*) 

schließt sich der im vorhergehenden geschilderten Wasserwirkung eng an, da es sich auch bei ihr zunächst nicht 
lun das mögliche Wirksamwerden chemisch reaktiver Umsetzungen der gelösten Teile, sondern niur um den Effekt 
handelt, welchen die gelösten Teile durch die, die normale molekulare Konzentration der Gewebe und Körperflüssig- 
keiten überschreitende Hypertonie der Lösungen durch Störung des osmotischen Gleichgewichts der Gewebe bewirken. 
In relativ reiner Form kann diese Wirkung im Körper nur bei den, wesentlich Cl- und Na-Ionen im Ver- 
hältnis des Kochsalzes und die Molekeln dieses enthaltenden, hypertonischen Lösungen hervortreten, da die NaCl- 
Molekeln, wie auch die aus ihnen durch Dissoziation entstehenden Cl- und Na-Ionen es sind, welche vor allem 
bei ihrer Wanderung durch den Körper den normalen isotonischen Zustand der Gewebe vom Blutsenmi und der 
Lymphe aus beherrschen, so daß eine die Grenzen des normal Physiologischen überschreitende, durch dieselben 
bedingte fremdartige, chemisch reaktive Wirkung zunächst nicht in Frage kommt (Schmiedeberg). 

*) Bchmiedeberg, Pharmakologie S. 376. 



— Lxxrv — 

In welcher Weise die normalen Cl- und Na-Ionen des Kochsalzes in die physiologischen chemischen Vorgänge 
des Stoffwechsels eingreifen, läßt sich zur Zeit noch nicht übersehen und ebensowenig der Einfluß, welchen die 
bei Aufnahme der Mineralwässer immerhin relativ nur geringe Vermehrung dieser im Salzverhältnis des ClNa 
stehenden Ionen und der Kochsalz-Molekeln im Körper auf chemische Vorgänge in den Geweben auszuüben ver- 
mag. Daß ein solcher Einfluß von nicht unwesentlicher Bedeutung für die Lebensvorgänge besteht, lassen die 
neueren Untersuchungen erkennen. Es zeigte z. B. Loeb, daß schon geringe Veränderungen in dem Gehalt einer 
Lösung an Kochsalz resp. Cl- und Na-Ionen genügen, um die Lebenserscheinungen am Muskel sowie die Ent- 
wicklung niederer Embryonen wesentlich zu verändern. Die Salzwirkung in dem oben gedachten allgemeinen Sinne 
wird ebenso zu einem Austausch der Teile in den Zellen mit denen der Umgebung führen wie die Wasserwirkung; 
nur wird hier zunächst der Übertritt von Wasser aus der Zelle und von gelösten Teilen in die Zelle überwiegen, 
so daß die Zellen im allgemeinen eine Anreicherung an gelösten Teilen erfahren, daneben aber Wasserverlust erleiden. 
Damit ist nicht gesagt, daß es die Cl- und Na-Ionen sein müssen, die infolge der Isotoniestörung in die Zellen 
eintreten. Welche der gelösten Ionen oder Molekeln die Membran passieren und in welcher Richtung, wird je nach 
den Umständen und der Art der Zellen großen Schwankungen unterworfen sein. Es läßt sich dies schon daraus 
ersehen, daß z. B. die ihrer Menge nach im Serum die K-Ionen überwiegenden Narlonen in den Blutkörperchen 
und in dem Inhalt der Zellen überhaupt hinter den ersteren sehr erheblich zurücktreten, mithin nicht bloß den 
osmotischen Kräften folgend sich in den G«weben verteilen (Abderhalden). Die Wirkung der Hypertonie kann, 
in geringen Graden hervorgerufen, im Sinne eines funktionellen, nutritiven, vielleicht zunächst assimilisatorischen 
Reizes sich geltend machen mit den sich je nach Art des Gewebes hieraus eventuell ergebenden nützlichen Folgen. 
In höheren Graden erzeugt, wird sie aber schließlich das Leben der Zellen und Gewebe schädigen und zerstören 
(entzündlicher Salzreiz; antiseptische Wirkung konzentrierter Salzlösungen). Da die molekulare Konzentration des 
Blutserums in ihrem osmotischen Druck und dementsprechend in ihrer Gefrierpunktsemiedrigung von 0,52 — 0,56° 
etwa der einer 0,86 — 0,93 prozentigen Kochsalzlösung gleichzusetzen ist (vergl. Hamburger, Osmotischer Druck 
uflw. I S. 456, 472), so wird im fillgemeinen erst eine Salzwirkung von einer Lösung zu erwarten sein, deren 
Gefrierpunktsemiedrigung über 0,56° liegt. Ist die molekulare Konzentration der einer 0,8 — 0,9 prozentigen Koch- 
salzlösung gleich, so wird eine solche Lösung als isotonisch, d. h. physikalisch-osmotisch indifferent, ist sie niederer, 
als hypotonisch anzusehen sein und entsprechend dem Absinken ihres osmotischen Drucks sich nach Stärke und 
Art ihrer osmotischen Wirkungen der des reinen Wassers nähern. In diesem Sinne werden bei Berücksichtigung 
nur der festen Bestandteile nahezu alle zu den ersten 4 Gruppen der diesem Werk zugrunde gelegten Einteilung 
gehörenden vmd eine große Zahl der übrigen Mineralquellen als hypotonische Wässer anzusehen sein. Nur eine 
verhältnismäßig geringe Zahl, zumeist der Gruppe der Kochsalzwässer angehörender Quellen wird als isotonisch, 
resp. hypertonisch in Betracht kommen. 

Dabei darf aber nicht übersehen werden, daß die größere oder geringere Durchlässigkeit der Zellmembranen 
schon der resorbierenden Schleimhäute, aber auch der übrigen Gewebe und einzelnen Zellen für die verschiedeneu 
in einem Mineralwasser neben Cl- und Na-Ionen, sowie ClNa-Molekeln vorhandenen Molekeln die osmotischen 
Verhältnisse weitgehend verändern kann, und ebenso können dies chemisch reaktive Änderungen in der Zusammen- 
setzung der Lösungen bei ihrer Einführung in den Körper; femer chemische Affinitäten der Bestandteile der Lösungen 
zu denen des Zellinhalts sowie auch die pseudoosmotische Kraft der Kolloide in den Zellen bewirken (Hamburger, 
Abderhalden). Außerdem werden aber auch noch die im Körper zur Wirkung gelangenden osmotischen Kräfte 
eines Mineralwassers mannigfaltigen Wechseln unterworfen sein, sofern Kohlensäure in der Lösung mit in Frage 
kommt, welche unter Entweichen als Kohlendioxyd die osmotische Spannung fortlaufend ändert. 

Im Falle die Permeabilität der Membranen gegenüber den sie umspülenden Ionen und Molekeln eine 
herabgesetzte ist, wie es z. B. bei den Schwefelsäure-, Ca-, Mg- und Fe-Ionen der Fall zu sein scheint (Cushny, 
Hoeber), wird der Wasseraustritt aus der Zelle gegenüber dem Eintritt solcher gelöster Molekeln in dieselbe über- 
wiegen können und sich die Salzwirkung einerseits mehr im Sinne einer lokalen Wasserentziehung geltend macheu 
(vergl. S. LXXIX), andererseits wird bei einem behinderten Vordringen jener Molekeln durch die Zellschichten auch 
mit infolge von Bindung derselben an die Kolloide (vergl. S. LXXII), die Resorption solcher Bestandteile beeinträchtigt 
und eine über die Gewebe sich allgemeiner verbreitende Salzwirkung damit erschwert sein, so daß die letztere cineji 
mehr oberflächlich lokalisierten Charakter annimmt. Hinsichtlich ihrer Resorbierbarkeit im Magendarmkanal werden 
im allgemeinen den Cl- imd Na-Ionen die HCOg-, Br-, J- sowie die K- und Li-Ionen als einander nahestehend 
angesehen werden können (Hoeber, Schmiedeberg). Hinsichtlich der Aufnahme in die Gewebe aber werden 
die jeweils durch chemische Affinität bedingten Verschiebungen gewisse Unterschiede bedingen, die auch mit abhängen 
von der gleichzeitigen Gegenwart anderer Ionen, z. B. COg- und HCOg-Ionen und deren Mengenverhältnissen 



— LXXV — 

(Hamburger). Im allgemeinen als isotonisch werden nach dem Gesagten solche Mineralwässer angesehen werden 
dürfen, bei welchen der wesentlich aus Kochsalz bestehende Trockenrückstand nahe bei 9 g pro kg Wasser liegt 
oder besser gesagt, welche eine bei 0,52 — 0,56° liegende Gefrierpunktserniedrigung aufweisen. Solche Mineral- 
quellen werden an den Geweben osmotische, auf der physikalisch molekularen Konzentration beruhende Effekte 
weder im Sinne der Salzwirkung noch in dem der "Wasserwirkung bedingen, und es werden bei ihnen deshalb jene 
Reizwirkungen fehlen, welche bei den ausgesprochen hypertonischen Wässern als ein ihre Wirkungsart vor allem 
charakterisierendes Moment anzusehen sind. 

Bei den hypertonischen Wässern vor allem der Kochsalz- und Bitterquellen nimmt der Salzreiz mit der 
Konzentration derart zu, daß von 4 — 5 prozentigen Lösungen an es schon zu entzündlichen Veränderungen an der 
Darmschleimhaut kommen kann. Man pflegt für den inneren Gebrauch deshalb in der Regel nur Kochsalzwässer 
entsprechend einer Lösung von l'/^ — 2 Prozent Kochsalz (oder 15 — 20 g Kochsalz in 1 kg) direkt zu verwenden. 
Der Salzreiz mäßigen Grades führt auf dem Wege des Reflexes zu einer Erweiterung der Gefäße, welche an den 
Schleimhäuten des Magendarmkanals imter Erzeugung arterieller Hyperämie die Resorptionsvorgänge zu begünstigen 
geeignet ist. Für die Funktion des Verdauungsapparates kann dieser Reiz auch noch dadurch Bedeutung gewinnen, 
daß er reflektorisch auf die Bewegungen desselben und auf die Sekretion der ihren Inhalt in den Darmkanal ent- 
leerenden Drüsen fördernd einzuwirken vermag, wobei für die in der Darmwand gelegenen Teile noch die Hyperämie 
als unterstützendes Moment mitwirken kann. Es werden deshalb einfache hypertonische Kochsalzlösungen, und 
zwar kalte, sofern sie nicht zu schnell resorbiert werden und in die tieferen Darmabschnitte gelangen, eine gelinde 
stuhlbefördernde Wü-kung zu entfalten vermögen, warme bei verschiedenen Störungen der Funktion des Magens nützlich 
werden können, wobei der nutritive Charakter des Salzreizes auf die tieferen Gewebe der Schleimhäute mit in 
Frage kommt (Schmiedeberg). 

Auf der gleichen Grundlage der Wirkung kann die Anwendung hypertonischer Kochsalzlösungen auch auf 
anderen Schleimhäuten als Gurgelungen, Ausspülungen, Inhalationen z. B. bei katarrhalischen Affektionen der 
Luftwege heilsam werden. 

Beim Übergang hypertonischer Lösungen ins Blut wird eine, wenn auch absolut nur gering ausfallende, 
molekulare Konzentrationsschwankung in diesem zustande kommen, da im Magen zwar zunächst vornehmlich Salze, 
nicht aber Wasser resorbiert werden, aber hier wie im Darm das Bestreben besteht, die Lösungen durch vermehrte 
Sekretion zu verdünnen und dem Isotoniepunkt zu nähern. Dennoch scheint die im Blut entstehende Isotonie- 
schwankung zu genügen, um zu einem wirksamen Austritt von Wasser aus den Geweben in das Blut zu führen. 
Diese Wasserentziehung bedingt das Gefühl des Durstes nach reichlicher Salzzufuhr und drängt zur Wasseraufnahme 
und Ausgleichung der Isotoniestörung. 

Bei Erkrankungen, in welchen ein primärer übernormaler Quellungszustand der Gewebe eine Rolle spielt, 
scheint der Gebrauch solcher Kochsalzwässer geeignet, diesen herabzusetzen (Schmiedeberg). Wie drach die Wasser- 
wirkung, so werden wohl auch durch die Salzwirkung beim Zustandekommen einer etwas umfänglicheren Isotonie- 
schwankung und Gelegenheit ihres Ausgleiches an den Geweben die Bedingungen für den Austausch der in der 
Zelle befindlichen gelösten Teile mit denen der Umgebung (d. h. für den Stoffwechsel in die Zellen und aus den 
Zellen) günstiger gestaltet und dabei, wie es scheint, der Zerfall von Eiweiß begünstigt. Hierauf wie auch auf 
der mit- oder nachfolgenden Ausspülung dürfte die, wie bei der Entfaltung einer allgemeinen Wasserwirkung, so 
auch bei der Salzwirkung unter entsprechenden hierfür günstigen Bedingungen auftretende vermehrte Aus- 
scheidung von Stickstoff im Harn (z. B. Voit, Über den Einfluß des Kochsalzes usw. München 1860) und ebenso 
eine vermehrte Kaliausfuhr nach Kochsalzaufnahme beruhen (Buchheim). Man hat allerdings auch in manchen 
Fällen eine Verminderung der Stickstoffausscheidung beobachtet (Straub), die sich dann eventuell durch eine 
infolge Steigerung der molekularen Konzentration in der Zelle überwiegende Assimilisation erklären ließe. An der 
Niere kommt es infolge der nach Resorption hypertonischer Lösungen auftretenden Veränderung der molekularen 
Konzentration des Blutes, aber wohl auch nach Ausgleich derselben auf Grund der aus den Geweben in das Blut 
übergegangenen harnfähigen Bestandteile zur Bildung vermehrten (bei Hunden alkalisch reagierenden) Harns 
(Falck, Gürber), in welchem mit den Salzen auch Wasser den Körper reichlicher verläßt (diuretische Salzwirkung). 
Auch die Schleimdrüsen scheinen sich unter Verdünnung ihres Sekretes an der Ausscheidung der Salze zu be- 
teiligen (Buchheim). Da die gelösten Bestandteile der Salzlösungen über die Schleimschicht der Epidermis offenbar 
nicht vorzudringen vermögen, so ist es wiederum nur der in und nach dem Bade an der äußeren Haut erzeugte 
sensible Reiz, welcher durch die von ihm bedingten Reflexwirkungen zumal am peripheren G«fäßapparat in Betracht 
kommt. Die auf diesen Reiz hin erfolgende, wenn auch wohl nur geringe Erweiterung der Hautgefäße, und die 
durch diese sowie reflektorisch am Blutzirkulationsapparat bedingten Veränderungen bilden somit wohl die wesent- 



- LXXVI — 

liehe Grundlage der durch Sol- und Seebäder erzielten Heilerfolge. Es scheint eine merkliche Beeinflussung des 
Blutdruckes im Solbade nicht zu erfolgen, wohl aber läßt sich eine Veränderung der Pulsfrequenz (Herabsetzung) 
sowie gesteigerter Sauerstoffverbrauch und Kohlensäureausscheidung nachweisen (Winternitz, Müller). 

Den nach dem Bade in der Haut zurückbleibenden Salzen auch verdünnter Salzwässer kommt aber noch 
eine besondere Bedeutung dadurch zu, daß sie die Verdunstung der in die Haut oberflächlich eingedrungenen 
Lösung verzögern und so die durch diese bedingte Temperaturerniedrigung der Haut nach dem Bade abmildern, 
gleichzeitig den mit der steigenden Konzentration sich verstärkenden lokalen, die Gefäße erweiternden Salzreiz 
längere Zeit unterhalten und hierdurch die Gefahr der Erkältung nach dem Bade wesentlich herabsetzen. 

Für die Stärke des Hautreizes in und nach dem Bade ist vor allem die molekulare Konzentration der an- 
gewandten Lösung maßgebend. Es können deshalb außer den Molekeln und Ionen des Kochsalzes auch die anderer 
Salze, wie z. B. die des Calciumchlorids, Magnesiumchlorids usw. im gleichen Sinne wirkend jene ersetzen oder 
neben ihnen Verwendung finden, wie es bei den sogenannten Mutterlaugen der Fall ist. Die Hervorrufung des 
Keizes durch Lösungen neutraler Salze bietet gegenüber anderen Hautreizmitteln den Vorteil, daß, da diese Salze 
die Haut nicht nennenswert verändern, man den Reiz lange Zeit hindurch täglich im Bade zur Wirkung bringen 
kann; auch kann neben dem Salzreiz eventuell noch der mechanische Reiz, z. B. in Form des Wellenschlages am 
Meere als die Wirkung unterstützend zur Verwendung gebracht werden. 

Die Wirkung der Kohlensäure 

darf ebensowenig wie die der schwefligen Säure (Ostwald, Grundlinien der anorganischen Chemie S. 402) als eine 
einheitliche aufgefaßt werden. Sie umschließt die Wirkungen mehrerer, sowohl chemisch als physiologisch differenter 
Wirkungsfaktoren. In wässerigen Salzlösungen, auf welche man Kohlensäure in Form des Kohlendioxyds einwirken 
läßt, und ebenso an den Geweben des Körpers, welche man diesem Gase aussetzt, wird, wie aus der chemischen 
Einleitung ersichtlich, bei dem Lösen des gasförmigen Kohlendioxyds (COj) aus demselben entstehend das Kohlen- 
säurehydrat (COgH^) und die aus diesem sowie aus den sich bildenden Salzen durch Dissoziation sich abspaltenden 
Karbonatr (COg") und Hydrokarbonatrionen (HCO3') vorhanden sein können. Beim Lösen des Kohlendioxyds im 
Wasser wechselt mit dem Druck des ersteren die Menge des vorhandenen Kohlensäurehydrats, welch letzteres, 
entsprechend seiner zwar geringen, aber doch physiologisch in Betracht kommenden Dissoziation in HCOj, -|- H die auf 
Gegenwart von H-Ionen beruhende, wenn auch nur schwach saure Reaktion solcher Lösungen imd deren physiologische 
Säurewirkung bedingt, die wie auf die Geschniacksorgane, so auch auf andere Nervenendapparate sich geltend macht 
Andererseits können die Karbonat - Ionen der Salze unter Hydrolyse (CO3-I-H2O) zum Teil in Hydrokarbonat- 
lonen (COgH-l-OH) übergehen, und es kommt dabei zu der der OH -Konzentration entsprechenden sogenannten 
alkalischen Reaktion mit den durch diese bedingten, der Säurewirkung gegenüberstehenden und sie aufhebenden Wir- 
kungen. Diese verschiedenen möglichen Formen, in welchen die Kohlensäure auch im Körper auftreten kann, hat 
man hinsichtlich der Betrachtung ihrer Wirkungen, so verschieden dieselben auch offenbar sind, bisher unter dem 
gemeinschaftlichen Begriff der Kohlen säure Wirkungen zusammengefaßt Es bietet auch eine Trennung insofern 
einige Schwierigkeiten, als das Auftreten des einen oder anderen dieser Wirkungsfaktoren von den jeweils in 
Wechselwirkung zueinander tretenden Mengen der verschiedenen sonstigen gelösten Teile, Alkali-, Erdalkali-, H-, 
OH-Ionen sowie organischen, z. B. Eiweißmolekülen usw., femer von dem COj-Partialdruck, der Temperatur u. a. 
abhängt und die im Organismus in dieser Hinsicht jeweils in Betracht kommenden, wechselnden Konstellationen 
zu übersehen zurzeit nicht möglich ist, wenn auch in einzelnen Fällen ein gewisser Einblick neuerdings ermöglicht 
wurde (Bohr, Hamburger u. a.). Daß die im Körper als Endprodukt der Oxydationsvorgänge sich bildende 
Kohlensäure keineswegs bloß als ein zu beseitigender Auswurfsstoff angesehen werden darf, sondern daß ihr, zumal 
bei den Stoffwechselvorgängen durch Beeinflussung der Bewegung der Ionen und dadurch der osmotischen und 
chemischen Reaktionsvorgänge in den Zellen sowie durch ihre Reizwirkung als Säure und ihre Lähmungswirkung 
als Ion wichtige Aufgaben zukommen, darauf weisen die älteren und neueren Untersuchungen hin. Es sei nur 
z. B. erinnert an jene Untersuchungsergebnisse von Bohr, welche die im Blut imter Vermittelung der Kohlensäure 
verlaufenden, für die innere Atmung so wichtigen Vorgänge der Sauerstoffbindung und -lockerung kennen lehren, 
sowie an die Versuche von Hamburger, Koeppe, Gürber u. a., welche zeigen, daß unter wechselndem Kohlen- 
säurepartialdruck sich die Verteilung verschiedener in Blutkörperchen und Blutserum enthaltener Bestandteile ändert, 
z. B. der Gehalt an Alkali- und Chlor-Ionen, und daß es infolge solcher Vorgänge mit steigendem Kohlensäure- 
partialdruck der die Gewebe umgebenden Flüssigkeiten zu einer Steigerung der molekularen Konzentration in den 
Zellen und damit zu Eintritt von Wasser in dieselben, d. h. zu Quellungsvorgängen ■/.. B. der Blutkörperchen, 
aber auch anderer Gewebe wie der der Leber, Nieren usw. kommt 



— LXXVII — 

Auf die sich aus diesen neueren Untersuchungen für die Erklärung der "Wirkung der Kohlensäure ergeben- 
den Gesichtspunkte einzugehen, ist an dieser Stelle nicht möglich. Wir können hier nur kurz die Wirkungen 
derselben in dem bisher üblichen Sinne zusammenfassen. 

Vor allem sind es die lokalen Wirkungen der Kohlensäure, auf die man für die Erklärung ihrer therapeu- 
tischen Effekte Wert legt. Sie bestehen in einer Beeinflussung der peripheren Nervenapparate, vor allem der 
sensiblen Nervenenden und der Gefäße der betroffenen Teile. Beim Einwirken von Kohlensäure auf die äußere 
Haut kommt es infolge Erregung der sensiblen Nerven in derselben zunächst zu prickelnden, stechenden Empfin- 
dungen, verbunden mit erhöhtem Wärmegefühl. Dies gesteigerte Wärmegefühl scheint mit von einer vermehrten 
Blutzirkulation in den Hautgefäßen abzuhängen, für welche, yne die auftretende Kötung, so auch eine bei bloßer 
Einwirkung des Gases sich häufig einstellende vermehrte Schweißsekretion spricht. Die veränderte Zirkulation 
kann ihrerseits indirekt von dem sensiblen Reiz abhängen, welcher auf dem Reflexwege eine Erweiterung der Ge- 
fäße bewirkt; es kann sich aber auch um eine direkte Lähmung der Gefäßmuskulatur handeln. Infolge des 
erhöhten Wärmegefühls wird subjektiv das hypothermische und isothermische Kohlensäurebad wärmer, als seiner 
Temperatur entspricht, erscheinen. Es ist zu erwarten, daß solche Bäder durch die infolge der Hautgefäßerweiterung 
begünstigten, vermehrten Wärmeabgabe, soweit diese nicht durch die, die Haut im Bade bedeckende Gasschicht ein- 
geschränkt wird (vgl. klinische Einleitung), hinsichtlich der Wärmeabgabe des Körpers und ihrer Folgen wie ent- 
sprechend kühler temperierte Bäder wirken. Hinsichtlich der sich aus der Gefäßerweiterung für die Zirkulation 
ergebenden Folgen werden sie sich aber ähnlich wie entsprechend höher temperierte verhalten, indessen ohne deren 
von der Temperatursteigerung des Körpers abhängende Wirkungen zu entfalten. Da der Kohlensäuregehalt des 
arteriellen Blutes durch die Atmung auch bei großen Schwankimgen im Kohlensäuregehalt des venösen Blutes im 
wesentlichen konstant erhalten wird, so ist nicht anzunehmen, daß bei Ausschluß einer Steigerung des Kohlensäure- 
partialdruckes in der eingeatmeten Luft dxu-ch bloße innerliche Zufuhr von in Wasser gelöster oder durch im Bade 
die Haut durchdringende Kohlensäure eine über den Charakter der lokalen wesentlich hinausgehende AUgemein- 
wirkung zustande kommen kann, welche die Grenzen überschreitet, die unter normalen Lebensverhältnissen z. B. 
bei Muskeltätigkeit durch die im Körper gebildete Kohlensäure bedingt werden. Immerhin ist innerhalb jener 
normalen Grenzen eine gewisse Wirkimg möglich (Winternitz), und es wird hier der Einfluß der von außen 
zugeführten Kohlensäure sich dadurch von dem der im Körper gebildeten imterscheiden, daß bei ihm die mit der 
Entstehung der letzteren verbimdenen Nebenerscheinungen des gesteigerten Stoffwechsels und der vermehrten Wärme- 
bildung in Fortfall kommen und nur der erregende Einfluß auf Atmung, Herztätigkeit und Gefäßzentrum mit 
den sich hieraus ergebenden Folgen sich geltend macht. Bei innerlicher Aufnahme gewinnt der an den Schleim- 
häuten erzeugte Reiz der Kohlensäure praktische Bedeutimg. Im Munde bedingt derselbe den angenehmen säuer- 
lichen Geschmack. An der Magenschleimhaut kann er als nutritiver Reiz nützlich sein (Schmiedeberg), auch 
die Sekretion imd Bildung der Salzsäure steigern (vgl. Theorie Koeppe), vielleicht auch Bewegungen des 
Magens auslösen (Kußmaul u. a.), sei es durch Reflex, direkte Erregung der Muskulatur oder Beeinflussung der 
Zirkulation. Ein solches Auftreten von Bewegungen vermißte Moritz freilich. Die zur Wirkung gelangende Menge 
der Kohlensäure wird dabei von Einfluß sein, da bei höherer Konzentration sie die Muskulatur zu lähmen scheint. 

Vor allem wichtig ist die an den Schleimhäuten durch die Kohlensäure bewirkte Hyperämie, welche die 
Resorption des Wassers und wohl auch die der in ihm gelösten resorbierbaren Bestandteile begünstigt und so, wie 
die Allgemeinwirkungen des Mineralwassers, vor allem den diuretischen Effekt desselben steigert (Quincke). 

Die zweiwertigen Erdalkali-Ionen Ca und Mg, 

ebenso wie die mehrwertigen MetaUionen, haben die physiologisch beachtenswerte Wirkung, koUoide Moleküle wie Eiweiß 
imd ihnen nahestehende Verbindungen in ihrer Löslichkeit und QueUung zu beeinflussen, indem sie die, wie man 
annimmt, auf Zusammenlagerung (Polymerisienmg) imd Verdichtung der Moleküle beruhenden verschiedenen Grade der 
Ausflockung und Koagulierung bedingen (Hamburger). Diese Kondensierung führt man darauf zurück, daß die unter 
der Alkaliwirkung im Organismus im sogenannten Solzustand sich befindenden negativ elektrisch geladenen Kolloid- 
teUchen durch die positiv geladenen, mehrwertigen Ionen des Calciums, des Magnesiums sowie der Metalle entladen werden 
und sich nach Verlust ihrer elektrischen Ladung unter Bildung größerer Molekülkomplexe zusammenschließen (Hardy). 
Die Bedeutung des Kalks für die Blutgerinnung, in der Ringerschen Nährlösung, sowie dessen gelinde Adstrin- 
gierungswirkung dürften mit diesen Vorgängen an den Eiweißmolekülen in Beziehung stehen. Diese Verdichtung 
der KoUoide, wenn sie sich, vne man wohl annehmen darf, auch als Allgemeinwirkung auf das lebende Protoplasma 
verschiedener Gewebe im Körper geltend macht, verspricht, näher gekannt und in ihren Folgen überblickt, für die 



— Lxxvm — 

Erklärung mancher auf eine Wirkung der Erdalkalien bisher bezogener Heilerfolge einmal von Bedeutung zu werden. 
Auf die in dieser Richtung sich eröffnenden Möglichkeiten der Erklärung der Heilwirkung erdiger Wässer näher 
einzugehen ist hier nicht möglich. Für eine adstringierende lokale Wirkung der Ca-Ionen spricht die gebräuchliche 
Anwendung der Aqua Calcariae als äußerliches Adstringens in der Therapie; auf eine gleiche Wirkung an den 
Schleimhäuten, zumal des Darmkanals, weist femer die Beobachtung einer stuhlanhaltenden Wirkung kalkreicher 
Wässer hin (Buchheim, Binz). Auch die vielfach angenommenen heilsamen Wirkungen der erdigen Quellen 
bei gewissen Erkrankungen der Hamwege könnten mit einer solchen Adstringierung in Beziehung gebracht werden, 
da ein wenn auch wechselnder Teil des resorbierten Kalks, zumal bei der durch reichlichere Wasserzufuhr ver- 
stärkten Diurese, durch den Harn zur Ausscheidung kommt (vgl die Zusammenstellung von Tigerstedt, Nagel 
Handbuch der Physiologie HI S. 532, v. Noorden, Rumpf). 

Da die Resorption der Eiweißkörper und auch der Nukleoproteide offenbar erst nach einer weitgehenden 
Spaltung ihrer großen Kolloidmoleküle bei der Verdauung erfolgt (Abderhalden), so erscheint es nicht aus- 
geschlossen, daß reichlichere Gegenwart von Calcium-Ionen im Darm durch ihren, eine Lockerung der großen 
Molekülkomplexe erschwerenden Einfluß auch deren Resorption hinderlich sind, was zumal im Hinblick auf die 
Nulkleoproteiide, die ja neuerdings in nächste Beziehung zur Hamsäurebildung gebracht werden (Abderhalden), 
für die Therapie der Harnsäure- Diathese und Harnsäure -Konkremente vielleicht von Interesse sein könnte. Be- 
achtenswert ist mit Rücksicht hierauf auch die Beschränkung der Phosphorsäureresorption aus der Nahrung durch 
Kalk (Albu); für die, wie es scheint, ebenfalls durch Kalk beschränkte Resorption der Fette (Albu, Neuberg) 
dürfte die geringere Löslichkeit der Erdalkaliseifen mit in Frage kommen, welche auch die Ursache der sich häufig 
an der Haut unliebsam geltend machenden Wirkung der sogenannten harten Wässer ist. 

Auch die gegenüber den einfachen Alkali-Ionen entschieden geringere Resorbierbarkeit der Erdalkali- und 
Metall-Ionen (Voit) ließe sich auf Grund der gedachten Wirkimg auf das Protoplasma vielleicht derart erklären, 
daß die Calcium-Ionen, indem sie die Verdichtung der KoUoidmoleküle bewirken, zum Teil von denselben gebunden 
werden (Hamburger, Abderhalden) und so ihr Vordringen durch die von ihnen selbst bewirkte Adstringienmg 
der Schleimhaut und ihre gleichzeitige Fixierung in derselben erschwert wird. 

Über den Umfang der Resorption zugeführter Kalksalze im Magen und Darm gehen die Ansichten nicht 
imerheblich auseinander (Forster, Schmiedeberg), seitdem sich ergeben hat, daß neben der Kalkausscheidung 
durch die Nieren auch eine solche in den Darm stattfindet (Hungerversuche, Müller-Sedelmaier; isolierte 
Darmschlinge, F. Voit), welche das im Kot gefundene Calcium nicht mehr in seiner Gesamtmenge als unresorbiert 
in Rechnung zu setzen erlaubt Über den zeitlichen Verlauf und Umfang dieser Ausscheidung in den Darm mit 
Rücksicht auf den in den Magen eingeführten Kalk dürften aber zurzeit gesicherte Daten fehlen. Die Ergebnisse 
der über die Resorption unternommenen Versuche, welche meist an Hunden angestellt wurden, können zudem auf 
den Menschen, der nicht gewohnt ist, mit seiner Nahrung reichliche Knochenmengen aufzimehmen imd zu ver- 
arbeiten, nicht wohl ohne weiteres übertragen werden. 

Daß ein Teil des zugeführten Kalks, sei es in Form löslicher Salze in dem unter saiu^r Reaktion stehenden 
Magen und Duodenum (Raudnitz), sei es an Eiweiß gebunden im Dünndarm, resorbiert werden kann, ist durch 
die der Aufnahme folgende gesteigerte Kalkausscheidung im Harn sichergestellt (Neubauer, Bertrams, 
Rudel u. a.), in welchem etwa 5 bis 10 Prozent des per os aufgenommenen Kalks der Nahnmg erscheint (Albu, 
Neubauer). 

Praktisch von Interesse ist die Kalkausscheidung in den Darm vor allem dadurch geworden, daß dieser 
Anteil als an Phosphorsäure gebimden sich im Darm nachweisen ließ und v. Noorden darauf hinweist, daß, 
indem die letztere dem Harn entzogen wird, in diesem für die Lösung der Harnsäure günstigere Bedingungen 
entstehen, was einer Bildung von Hamsäurekonkrementen vorbeugen würde. 

Die alkalischen Wässer 

verdanken, wie aus dem chemischen Teüe ersichtlich, die sie charakterisierende Bezeichnung „alkalisch" dem nach- 
träglichen Entstehen von Hydroxyl-Ionen bei der hydrolytischen Dissoziation der aus Hydrokarbonatrlonen hervor- 
gegangenen Karbonat - Ionen. Es hängt demnach die erst unter besonderen Bedingungen auftretende alkalische 
Reaktion dieser Wässer von der Kohlensäurekomponente ab. 

Da nach den Untersuchungen von Hoeber, Fraenkel, Schulz u. a. die Konzentration der OH- und 
H- Ionen im Blutserum die gleiche ist imd dasselbe deshalb elektrochemisch als neutral angesehen werden muß, 
so werden freie OH -Ionen auch kaum bei Zufuhr solcher alkalischer Wässer in den Geweben in Wirkung 



— LXXTK — 

treten können, und überhaupt wird das, was man bisher als alkalische Wirkung in Blut und Geweben Organismus 
bezeichnete, nicht von freien, sondern nur von mehr oder weniger leicht dissoziierbaren und dementsprechend auch 
bei der Alkalimetrie in Reaktion tretenden OH-Ionen abhängen. 

Über den Einfluß einer eventuellen Vermehrung dieser letzteren in Blut und Geweben ist Gesichertes bisher 
nicht festgestellt. Jedenfalls besteht aber hinsichtlich des Alkalis ein Unterschied zwischen dem an Eiweiß ge- 
bundenen und dem in leicht dissoziierbarer anorganischer Bindung vorhandenen. Während das erstere schwer 
diffundierbar ist, diffundiert das letztere leicht (Loewy und Zuntz, Gürber), was z. B. bei Einwirkung von 
Kohlensäure auf das Blut sich geltend macht (Hamburger). 

Man weiß auch, daß bei Zufuhr von Säiu«, wenn diese das disponible fixe Alkali zu binden vermag, der 
Tod eintritt, ehe die vollständige Bindung desselben erreicht ist, und daß man den Eintritt des unmittelbar bevor- 
stehenden Todes hier durch Injektion von kohlensaurem Natron verhindern und volle Restitution sofort wieder- 
hersteUen kann (Walter, Schmiedeberg), was die große Bedeutung der Gegenwart einer bestimmten Menge leicht 
in Reaktion tretender OH-Ionen im Organismus erkennen läßt. Man könnte nach den Darlegungen Hamburgers 
daran denken, daß es sich hier um einen der Ausflockung entgegengerichteten Einfluß der OH-Anionen auf die 
Kolloide handle, welcher diese vor einer Kondensierung schützend in kleineren Molekülen getrennt erhält, womit 
dann eine Steigerung der Reaktionsfähigkeit des Protoplasmas gegeben wäre, die für die verschiedensten Stoff- 
wechselvorgänge von Bedeutung sein würde. Es sei erinnert z. B. an die Steigerung der Oxydationsvorgänge 
mit wechselnder Alkalität (Hamburger), an die Wasseraufnahme des Muskels unter dem Einfluß von OH-Ionen 
(Loeb), auch an die für die Spaltung und Verdauung der Eiweißmoleküle offenbar wichtige alkalische Reaktion 
im Darm. Für die Wirkungen der kohlensauren Alkalien in der Therapie kommen zur Zeit neben ihren all- 
gemeinen Salzwirkungen ihr Neutralisationsvermögen für Säuren, ihr die Gewebe erweichender und lockernder, 
schleimlösender, sowie Fette emulsionierender Einfluß vor allem in Betracht. Das Säurebindungsvermögen kann 
bei innerlicher Aufnahme mit Rücksicht auf die Salzsäure des Magensafts sowie durch Gärung entstandene Säuren 
im Magen und Darm therapeutisch von Nutzen werden, ebenso die durch die kohlensauren Alkalien begünstigte 
Lösung des von der Schleimhaut in unvorteilhafter Menge und Konsistenz abgesonderten und die Verdauungsvor- 
gänge behinderten Schleims. Die günstigen mit alkalischen Mineralwässern erzielten Erfolge bei Erkrankungen 
und Störungen des Verdauungsapparates werden hierauf zurückzuführen sein, und dabei kommt vielleicht auch die 
neben der Salzwirkung sich geltend machende leichte Lockerung der Schleimhäute als Reiz in Betracht. Die letztere 
Wirkung sowie die Verflüssigung des Schleims kann auch bei katarrhalischen Zuständen anderer Schleimhäute, 
z. B. der Luftwege, nützlich werden, auch in den Hamwegen ist eine solche Wirkung nach innerlicher Aufnahme 
entsprechender Mengen der alkalischen Wässer durch die vermehrte Ausscheidung kohlensauren Alkalis mit dem 
Harn möglich und wird hier durch die diuretische Wirkung der Alkalien noch unterstützt. Ob auf Grund des 
gesteigerten Alkaligehalts des Harns eine Lösung harnsaurer Konkremente erfolgen kann, erscheint sehr zweifelhaft. 
Wohl aber kann dem Ausfallen der Harnsäure bei gleichzeitiger reichlicher Zufuhr von Wasser und Verdünnung 
des in seiner Acidität herabgesetzten Harns vorgebeugt, auch der Zerfall durch Schleim zusammengehaltener 
Konkremente und die Entleerung der voneinander gelösten Teile derselben erzielt werden. An der Haut ist es 
die, das Hautfett emidsionierende, sowie die oberflächliche Epidermisschichten lockernde und zur Abstoßung 
bringende Wirkung, welche dem alkalischen Bade seinen therapeutischen Wert verleiht und die Wasser- und 
Kohlensäure- sowie eventuell in Betracht kommende Salzwirkung des Bades zur besseren Entfaltung bringt. 

Die Wirkung der sogenannten Bitterquellen 

stellt sich vor allem als eine den Stuhlgang befördernde dar, mit den sich hieraus für die Funktionen des Darm- 
kanals, die Ernährung und Blutverteilung ergebenden weiteren Folgen. Der beschleunigte Durchgang des mehr 
oder weniger flüssig erhaltenen Darminhalts beruht vor allem einerseits auf dem durch die gelösten Bestandteile 
bedingten Salzreiz, andererseits auf einer Wasserretention im Darm. Beide Effekte treten erst bei einem entsprechend 
höheren Gehalt der Lösung an den spezifisch wirkenden Bestandteilen voll hervor (vergleiche auch Salzwirkung). 
Bei Aufnahme größerer Mengen konzentrierter Lösungen kann es zu entzündlichen Reizerscheinungen an der Schleim- 
haut mit Transsudation kommen, es werden deshalb in der Regel nur Lösungen bis Sy^ Prozent Trockenrückstand 
verwendet. Als im obigen Sinne wn-kende Salzbestandteile werden die Sulfat- und Mg-Ionen vor allem angesehen, welche 
der Resorption vermutlich aus den gleichen Gründen wie die Ca- und Fe-Ionen (vgl. S. LXXVIII und LXXX) 
weniger zugänglich sind, daneben aber auch als Salze einem Teil ihres Lösungswassers den Übergang aus dem 
Darm ins Blut erschweren. Über die Wirkungen dieser Ionen nach der Resorption ist, wenn man von den all- 



— LXXX — 

gemeinen Salzwirkungen absieht, nichts bekannt, was mit den Heilwirkungen der entsprechenden Mineralwässer 
in gesicherte Beziehung gesetzt werden könnte. 

Das Eisen 

ist für unsem Organismus einerseits von Bedeutung als der die Sauerstoffübertragung im Hämoglobin ver- 
mittelnde Bestandteil, andrerseits findet es sich wie im Blutfarbstoff in einer, gegenüber den einfachen Salzen 
schwerer dissoziierbaren Bindung in Form der Ferrialbuminsäuren (Ferratin) als normaler Bestandteil verschiedener 
Grewebe wie Leber, Milz, Muskel (Marfori, Schmiedeberg). Seine physiologische Bedeutung ist hier 
noch nicht sichergestellt. Es kann sich handeln um eine Art der Deponierung als Reservestoff oder vne 
beim Hämoglobin um die Sauerstoff Übertragung: Schmiedeberg nimmt für diese Eisenverbindungen einen be- 
sonderen direkten Einfluß auf die Ernährungsvorgänge der Gewebe an. In ionisiertem Zustande kommt dem Eisen 
jedenfalls eine Eiweiß koagulierende Wirkung zu, welche offenbar mit der die Kolloide kondensierenden Wirkung 
des MetaUions in Beziehung steht. In geringsten Graden würde diese Wirkung entsprechend dem bei den Erd- 
alkalien Gresagten (S. LXXVII) an den lebenden Eiweißmolekülen der Zellen einen Einfluß im Sinne Schmiede- 
bergs darstellen; in etwas höherem Grade zeigt sich die Verdichtung der Gewebe zunächst als gelinde nutritive 
und sensible Reizung z. B. an der Magendarmschleimhaut, dann als Adstringierung und in den höchsten Graden 
bei den leicht löslichen und dissoziierenden Verbindungen unter Abtötung der ZeUen als Atzung. Auch eine kata- 
lytische Wirkung ist bei dem ionisierten Eisen wie bei anderen Metallen nachgewiesen, und zurzeit wird von 
manchen Seiten auch dieser eine Bedeutung im Organismus zugeschrieben. Direkt ins Blut eingeführtes, ionales 
Eisen bedingt schon zu wenigen Milligrammen per Kilo Tier dem Arsen ähnliche Vergiftungserscheinungen. Diese 
beruhen offenbar auf einer Veräüderung der Kapillarwand, die, vor allem an den Schleimhäuten des Magendarm- 
kanals hervortretend, zu vermehrter Transsudation mit Abhebung des Darmepithels führt. Es kann diese Ver- 
änderung der Kapillaren auch hier in Zusammenhang mit einer allgemeinen Wirkung der Metallionen auf die Pro- 
toplasmakoUoide stehen. In geringstem Grade hervorgerufen, ■wird aber eine erhöhte Durchlässigkeit der KapiUar- 
wand, zu einer Steigerung des Lymphstromes und damit zu besserer Ernährung der Gewebe führend, eine heilsame 
Wirkung darstellen können, welche bei der therapeutischen Anwendung des Arsens und wohl auch anderer 
Metalle, z. B. auch des Eisens in Frage kommen kann. Eine umfänglichere Resorption des ionisierten Eisens vom 
unverletzten Magendarmkanal ist bisher nicht nachgewiesen, im Gegenteil spricht alles für eine nur sehr geringe 
Resorbierbarkeit desselben*). Dagegen können die komplexen Eisenverbindungen (Ferratin) zum TeU recht umfänglich 
zur Aufnahme gelangen (vgl. Schmiedeberg, Pharmakologie 1906 S. 499). Nach Aufnahme in die Zirkulation 
erfolgt keinesfalls, weder aus den komplexen Eisen Verbindungen noch aus ionisiertem Eisen unmittelbar eine um- 
fänglichere Bildung von Hämoglobin, vielmehr findet zunächst eine Deponierung des Eisens oder seiner Verbindungen 
in verschiedenen Organen, vor allem in Leber, Milz und Knochenmark statt und scheint erst von hier aus je nach 
Verhältnissen und Bedarf die weitere Umbildung in Hämatin und Hämoglobin sowie die sonstige Verwertung 
in den Geweben zu erfolgen (Abderhalden). Durch innerliche Zufuhr von Eisen ist die Möglichkeit einer all- 
mählich eintretenden vermehrten BlutbUdung zweifellos gegeben. Therapeutisch kommt aber auch die für die Er- 
nährung wichtige, an der Schleimhaut des Darmkanals gesetzte, gelinde, lokale nutritive Reiz Wirkung mit 
Adstringierung mit ihren direkten und indirekten Folgen in Betracht (Schmiedeberg). Die kohlensauren Salze 
des Eisens bieten bei der innerlichen Anwendung den Vorteil, daß bei ihnen die Schädigung der Magendarm- 
schleimhaut durch Ätzung nicht so leicht zustande kommt. Durch die in den Eisensäuerlingen gleichzeitig zur 
Wirkung gelangende freie Kohlensäure wird die Resorption sich noch günstiger gestalten, zumal wenn die Bildung 
komplexer Eiseneiweißverbindungen, z. B. beim Trinken der Eisensäuerlinge mit Milch, begünstigt wird. Beim 
Eisensulfat tritt die Adstringierungs- und Ätzwirkung auf die Schleimhäute mehr hervor, weshalb die sogenannten 
Vitriolquellen bei innerlichem Gebrauch leichter zu Verdauungsstörungen führen. Im Bade winl diese Wirkung des 
Sulfats als Adstringierungs- und Reizwirkung, welch letztere noch durch andere Substanzen wie freie Säuren 
(Schwefel-, Essig-, Ameisensäure) sowie durch mechanische Reize im Moor- und Schlammbad unterstützt werden 
kann, selbst entferntere Teile, z. B. die Unterleibsorgane, zumal bei Frauen, reflektorisch in ihrer Zirkulation usw. 
beeinflussend, nach den verschiedensten Richtungen von Nutzen sein können. 



*) Anmerkung. Der mikrochemische Nachweis von Schwefeleisen in den Geweben kann hinsichtlich des Umfanges der 
Eesorption ionalen Eisens leicht zu Täuschungen führen, darauf weisen die Versuche (Archiv für experimentelle Pathologie 
imd Pharmakologie 1891 Bd. 27 S. 257) hin, in denen der in einer Stunde abgesonderte eisenhaltige Harn intensive Grün- und 
Schwar2färbung mit schwarzem flockigen Niederschlag zeigte und doch nicht einmal 2 mg Fe enthielt. 



— LXXXI — 
Die Schwefelalkalien 

werden in der Therapie zurzeit ausschließlich mit Kücksicht auf ihre lokale Wirkung verwendet. 

Diese besteht bei mäßigem Grade in einer der gewöhnlichen Alkaliwirkung ähnlichen Auflockerung der Ge- 
webe, führt aber gesteigert unter Zerstörung und Auflösung der betroffenen Teile zur Ätzung, welche hier insofern 
noch energischer als die der einfachen Alkalien ist, da selbst verhornte Gewebe durch sie gelockert und zerstört 
werden können. Auf dieser Wirkungsgrundlage beruht in der Hauttherapie vor allem die Verwendung der Schwefel- 
alkalien und des Schwefels, welcher bei der Anwendung zum Teil in solche übergeht. Am Darm, in kleinsten 
Mengen zur Wirkung gebracht, bedingen die Schwefelalkalien durch gelinde Reizung der Schleimhaut eine gesteigerte 
Peristaltik, welche zur Entleerung eines zwar nicht dünnflüssigen, aber weichen Kotes führt. Hierauf ist die An- 
wendung des sublimierten und feingepulverten Schwefels als gelindes, stuhlbefördemdes Mittel zurückzuführen. 
Entsprechende in Mineralwässern vorkommende Mengen von Schwefelalkalien werden ähnliche Wirkungen erzeugen 
können. Die nach Resorption der Hydrosulfidionen oder des Schwefelwasserstoffes experimentell beobachteten 
Erscheinungen haben bisher niu- ein Interesse als Giftwirkungen gehabt; gesicherte therapeutische Indikationen für 
sie zu finden, ist bis jetzt nicht gelungen. 

Ob bei der Behandlung von Metallvergiftuugen an den Schwefelquellen den Hydrosulfidionen eine spezifische, 
die Heilung günstig beeinflussende Wirkung zukommt, ist nicht sicher erwiesen. Es könnte sich vielleicht hier 
um eine Begünstigimg der Ausscheidung des Quecksilbers im Darm irnd um ein Unwirksammachen der MetaUionen 
durch Überführung in schwer lösliche Schwefelverbindungen handeln und ließen sich hiermit eventuell die guten 
Erfolge der mit Schwefelbädern kombinierten energischen Schmierkuren, bei welchen Quecksilbervergiftungs- 
erscheinungen weniger leicht auftreten sollen, und zwar derart erklären, daß sich durch Bindung des überflüssigen 
Quecksilbers in der Haut an Schwefel und Entfernung desselben mit dem die Epidermis lockernden Bade eine 
gleichmäßigere Dosierung des zur Wirkung gelangenden Quecksilbers erzielen läßt. 



VI 



— •- LXXXII — 

4. Klinischer Teil. 

Von Dr. F. Kraus, 

Geheimer Medi2dnalrat, o. ö. Professor, Direktor der 2. Medizinischen Klinik an der Universität Berlin. 

Die Klinik ist die Vermittleriu zwischen Theorie und Praxis. 

Die ärztliche Erfahrung beweist den Nutzen der MLneralbrunnenkuren fast täglich. In der Therapie ent- 
scheiden im letzten Grunde weder die theoretische Überlegung noch das Experiment, sondern vor allem die Empirie. 
Den Praktikern ist deshalb in diesem Werke auch der breiteste Raum gewährt. 

Aber die Erfahrung in der ärztlichen Praxis ist etwas stark Subjektives. Physiologie und Pharmakologie 
und im Verein mit ihnen die Klinik müssen der empirisch bewährten Heilwirkmig eine exakte Erklärung geben 
und der Therapie auch auf diesem Gebiete neue gi-undsätzliche Anschauungen und neue Wege weisen. 

Die bisher vorhandenen ziemlich spärlichen Untersuchungen reichen zu einem endgültigen und umfas.sendeii, 
praktisch verwertbaren Urteil über sämtliche Heilfaktoren der Mineralquellen nicht aus. Vor theoretisch 
konstruierten Systemen müssen wir ims hier aber hüten, denn sie sind vielfach hypothetisch und verlieren 
nach kurzer Zeit jeglichen Wert. Ebensowenig dürfen sich auch unsere Erklärungsversuche einseitig auf ganz 
bestimmte Momente versteifen. Wenn die Forschung augenblicklich auf dem Wege ist, den bisherigen Zweifeln 
gegenüber, ob Milligramme und Dezimilligramme eines Natrium-, Magnesium-, Lithium-, Eisen- usw. Salzes im 
Organismus in chemische Verbindungen eintreten und chemische Wirkungen darin ausüben könnten, durch die 
Lehre von der Osmose und der elektrolytischen Dissoziation der Salze manches Rätsel aufzuklären, 
wenn also die Balneologie von der Anwendung der physikalisch -chemischen Untersuchungsmethoden voraussichtlich 
reiche Fördenmg zu erwarten hat, so werden die hier sich bietenden Probleme doch nur durch Anwendung der 
gesamten biologischen Forschungsmittel zu lösen sein. 

Aus ärztlichen Gesichtspunkten reflektieren wir auf zwei wesentliche Heilfaktoren der Mineralquellen: a) die 
Bäder in den Heilquellen (Heilbäder, Badekur), b) die Quellentrinkkur, sowie ausserdem auf den unterstützen- 
den Einfluß: 1. suggestiver Wirkungen, bezw. anderweitiger Momente auf psychischem Gebiet, 2. verschiedener 
diätetischer Maßnahmen [a) Ernährungskuren, ß) Regelung von Ruhe und Bewegung usw.], 3. des Klimas 
und endlich 4. besonderer Heilmittel in den verschiedeneu einzelnen Badeorten (TeiTain-, Massage-, gymnastische, 
Inhalations-, pneumatische, medikamentöse usw. Kuren). 

Der Angelpunkt ist natürlich in die Bade- und Trinkkur selbst zu verlegen. Dabei ist aber doch wenigstens 
auch die Berücksichtigung gewisser spezieller Beziehmigen zwischen der Trink -Bade -Kur und bestimmten unter- 
stützenden Einflüssen, vor allem z. B. gerade dem Klima geboten, weil diese Einflüsse vom Badeort nicht 
zu trennen sind. 

In Bezug auf die klimatischen Verhältnisse lautet die wissenschaftliche Fragestellung: Ist es möglich, auf 
Grund vorliegender meteorologischer Beobachtungen einer- und mit Hilfe experimentell gewonnener und 
•sonstiger physiologischer Werte andererseits sich ein Bild zu machen, in welcher Weise die atmosphärischen 
Faktoren: Licht, Sonne, Wind und Feuchtigkeit, Wärme und KiÜte, Zonen und Jahreszeiten eines gegebenen 
Ortes auf den gesunden und kranken Menschen wirken? 

Was wir hier Exaktes wissen, verdanken wir vor allem den Schulen von Rubner imd von Zuntz. Ausreichend 
sicher ist bisher allerdings bloß die Beeinflussung des Stoffhaushaltes und der Wärmeregulierung untersucht; 
diese müssen als Paradigma für alles übrige dienen. Was zunächst das Licht betrifft, wurde die uralte ärztliche 
Erfahrung von dem gesundheitsförderlichen Einfluß desselben früher so ausgelegt, daß die Besonnung den Stoff- 
wechsel direkt erhöhe. Schon Speck fand aber, daß die Tätigkeit der erregten Nerven durch Wirkung von Licht 
auf die Augen an sich eine Steigerung der Oxydationen in meßbarer Größe beim Menschen nicht verursacht. 
Wenn eine Besonnung des ganzen Körpers beim Hunde nach Rubner und Gramer eine innerhalb des 
Gesamtumsatzes zum Ausdnick kommende Wirkung auf den Stoffwechsel besitzt, ist dieselbe wohl mehr eine Folge der 
zustande gekommenen Erwärmung des Körpers. Nicht so verhält es sich beim Menschen, welcher in erhöhter 
Temperatur anders reguliert: nach Wolpert stellt sich in unbewegter Luft von 20° beim bekleideten, von 25 bis 
36° beim nackten Menschen der Sauerstoff- und Kohlensäure -Umsatz unter starker Besonnung nicht wesentlich 
abweichend dar von demjenigen im Schatten. Dessenungeachtet wirken Licht und Besonnung „stoffwechselbeschleu- 
nigend", allerdings bloß indirekt, indem die Bewegungstriebe, wahrscheinlich in Abhängigkeit von sensoriellen 
Momenten, gesteigert sind. Auf diese mittelbare Weise werden dann wohl auch Appetit, Resorption, Herz, Lungen 



— LXXXIII -.• 

und Haut beeinflußt Leider sind aber gerade diese letzteren Wirkungen hier und anderswo genaueren Messungen 
kaum zugänglich. Ebenso scheinen andere atmosphärische Einflüsse direkt ohne Einfluß auf den Stoffhaushalt zu 
sein. Starker Wind z. B. erhöht die Kohlensäure -Ausscheidung nach Wolpert bei niedrigerer Temperatur nur, 
insoweit er abkühlend wh-kt, vielleicht bloß durch Vermittlung von gröberen oder feineren Muskelbewegungen, iu 
höherer Temperatur nicht. Bei hohem und niedrigem Feuchtigkeitsgehalt verhalten sich die Kohlensäure-Aus- 
scheidung, der Stickstoff- und der Fettumsatz des Menschen nach Rubner und Lewaschew vollkommen gleich. 

Kalte und warme Luft bewirkt beim Menschen keine so bedeutenden Stoffwechseländerungen wie bei den 
gewöhnlichen kleinen Laboratoriumstieren. Die Schwankungen der Kohlensäure- Abgabe übersteigen nicht das Drittel 
der Norm: der Mensch schwitzt und ist durch seine Kleidung an stärkere Abkühlung angepaßt. Weit größer ist 
dagegen der Einfluß des heißen uud kalten Wassers. Im kalten Wasser erhöht sich der respiratorische Gas- 
wechsel um 50 — 200, im heißen um 50 — 100 Prozent (Rubner, Loewy, Winternitz). Bekanntlich nennt 
man die Regelung der Körpertemperatur durch Änderungen der Wärmeabfuhr physikalische, diejenige durch 
Änderungen der Wärmcbilduug chemische Wärmeregulation. Daß sehr stark erhöhte Umgebungstemperatiu: die 
Oxydation in den tierischen Zellen steigert, darüber ist man einig. Rubners Definition der chemischen Regulation als 
Inbegriff derjenigen biologischen Vorkommnisse, bei welchen die Erhaltung der Eigentemperatur durch Vermehrung 
der Wärmeproduktion bei Muskelruhe erzielt werde, steht besonders in der Anwendung auf kühle Umgebungs- 
temperaturen im Widerspruch mit Angaben und Annahmen von Frank und Fr. Voit sowie von Johannson. 
Es steht aber fest, daß ein Mensch bei 35 — 40° stündlich 2 — 4 g weniger Kohlensäure exspiriert als bei 
mittleren Temperaturen, und daß bei Abkühlung der respiratorische Gaswechsel als Maß der Oxydationen im Körper 
wachsen kann und wächst ohne sichtbare Muskelbewegungen und dergleichen. Die von anderer Seit« gemachte 
Aufstellung eines „Grundumsatzes", welcher überhaupt nicht einschränkbar sein soll, bei welchem die chemischen 
Prozesse völlig unabhängig wären vom Erfordernis der AVärmebildung, welcher nur zur Erhaltung des Lebens da 
sei und wobei die Wärmebildung nur eine Nebenwirkung darstelle, diese Aufstellung besagt tatsächlich nichts anderes, 
als daß bei mittleren Umgebungstemperaturen der Stoffwechsel beim Menschen ein Minimum zeigt, unter 
welches er nicht leicht sinkt. Innerhalb dieser Breite erfolgt die Steigerung der Wärmeabfuhr zum Schutz gegen 
Überwärmung durch Leitung, Strahlung und Wasserverdunstung in sehr weitbegrenzter Ausdehnung. Der Ver- 
minderung der Abfuhr sind viel engere Grenzen gesteckt: unter Einwirkung der Kälte sinkt die Eigenwärme leicht. 

Aus empirischen Gründen kann es aber gar keinem Zweifel unterliegen, daß auch in unseren Breiten, in 
den Gegenden, in welche wir gerade imsere meisten Patienten hinsenden, subjektiv schon ganz wesentliche 
Unterschiede der bisher in ihrer objektiven Wirkung gekennzeichneten klimatischen Momente empfunden werden. 
Nach Darlegungen von Frankenhäuser scheint es nun, als ob innerhalb der Breite der physikalischen Wärme- 
regulation unser „Behagen" ganz besonders abhängig sei von speziellen Bedingungen der Wärmeabgabe seitens der Haut 
(Erwärmung der umgebenden Luft, gebundene Wärme: Bildung von Wasserdampf) und den atmosphärischen 
Wärmefaktoren (Temperatur, AVasserdampf druck). Die tatsächliche Geschwindigkeit des Verdampf ens von 
Wasser seitens der Haut ist in erster Linie mit abhängig vom Wasserdampfgehalt der Atmosphäre (dem physika- 
lischen Dampfdruck). Es gibt aber auch (bei steigender Lufttemperatur) ein vikariierendes -Eintreten der Abgabe 
gebundener Wärme (Wasserdampf). Die Energie, mit welcher die Haut bestrebt ist, Wasserdampf zu entwickeln 
(„Dampfdruck" der Haut), ist desto größer, je wärmer und je mehr befeuchtet die Haut wird. Der „physio- 
logische Dampfdruck" wächst mit steigender Lufttemperatur. Je mehr der von der Haut entwickelte Dampf- 
druck denjenigen der umgebenden Atmosphäre übertrifft, desto lebhafter geht die Verdampfung von der Haut vor 
sich. Treffen hohe Temperaturen und hohe Dampfdrucke der Atmosphäre zusammen (schwüle Hitze), so wird die 
Wärmeregulierung des Körpers erschwert. Im Hochsommer ist z. B. in Städten mit rein kontinentalem Klima 
(Berlin), ebenso aber auch in gewissen Kurorten, welche speziell bei Rheumatikern beliebt sind (Baden-Baden, 
Wiesbaden), die Wasserverdunstung ungemein stark und die Abgabe freier Wärme erschwert. An Orten hin- 
gegen, deren Klima durch Höhenlage, durch Wälder, durch die See beeinflußt ist, tritt wiedeiaim die Wasser- 
verdunstung stark gegen die Abgabe freier Wärme zurück. 

Daß die ältere Annahme einer Herabsetzung des Stoff Umsatzes in den Tropen an Bedeutung verloren hat, 
bedarf nach den bisherigen Auseinandersetzungen kaum eines weiteren Beweises. Gregenüber den Temperaturen derEiszone 
wird die chemische, dem Willen entzogene Wärmeregulation in der Kälte leicht unzureichend; hier dient zur Er- 
haltung der Eigenwärme sicherlich auch grob gesteigerte Muskeltätigkeit. Mit Rücksicht auf die großen Temperatur- 
imterschiede, denen wir in den verschiedenen Zonen ausgesetzt sind, gilt übrigens Rubners hübsche Auseinander- 
setzung: Wir leben überall in einer Atmosphäre von 32°; so hoch ist nämlich die Lufttemperatur zwischen 
Körperoberfläche und Kleiderhüllen. 



— LXXXIV — 

Von Zuntz, A. Loewy und Durig ist in jüngerer Zeit auch der Einfluß des Höhenklimas genauer 
studiert worden. Nach diesen Untersuchungen sind hier Sauerstoff -Verbrauch und Kohlensäure-Ausscheidung schon in 
der Ruhe gesteigert, und zwar in einem solchen Maße, daß die verstärkte Atemtätigkeit zur Erklärung niclit ausreicht. 
Allerdings ergeben sich dabei große individuelle Unterschiede. Bei manchen Personen tritt die Steigerung der 
Oxydationsprozesse bereits bei 1600 m Höhe ein, bei anderen erst auf einer solchen von über 3000 m. Auch 
die Dauer dieser Steigerung ist eine sehr wechselnde. Manchmal kehren die Werte schon nach Tagen wieder zur 
Norm zurück. Bei anderen Menschen wiederum dauert selbst nach Rückkehr vom Hochgebirge in die Ebene die 
Steigerung noch eine Zeitlang an. Dementsprechend ist auch der Nahnuigsbedarf im Hochgebirge größer, speziell 
findet sich eine beträchtliche Mehraufnahme von Kohlehydraten und Eiweiß, während die Fettzufuhr in dem frei- 
gewählten Kostmaß keine Änderung aufzuweisen pflegt. Der veränderte Luftdruck ist nicht schuldig an 
dieser Wirkung. Bei künstlicher Luftdruckerniedrigung, iu der pneumatischen Kammer z. B., fand A. Loewy 
keine Veränderung des Stoffumsatzes; imd auch im Luftballon vermochten Zuntz und v. Schrötter keine meß- 
bare Erhöhung festzustellen. 

So interessant diese Steigerung des Stoffumsatzes im Hochgebirge vom theoretischen Standpunkt ist (um so 
interessanter, als dieselbe hauptsächlich auf Kosten des Körperfettes stattfindet, während Eiweiß dabei sogar 
angesetzt werden kann): praktisch ist sie doch quantitativ zu gering, um z. B. bei Entfettungskuren mehr als 
ein wertvolles Unterstützungsmittel bUden zu können. Selbst in einer Höhe von 4500 m überschreitet die Steigerung 
der Qxydationen nicht 15 Prozent des normalen Umsatzes. Li anderer Beziehung ist aber wiederum natürlich 
gerade diese maßvolle Wirkung bedeutsam! Zum Beispiel bei Behandlung der Tuberkulose, gewisser Neu- 
rosen usw. 

Über den Einfluß des Seeklimas wissen wir leider noch außerordentlich wenig, wenigstens was exakt 
meßbare Faktoren des Stoffumsatzes usw. betrifft Die Untersuchungen von A. Loewy und F. Müller haben 
kein bestimmtes Ergebnis gehabt So sind wir denn hier noch vorwiegend auf die ärztliche Erfahrung angewiesen. 

Wenn wir nunmehr auf die beiden wesentlichen Heilfaktoren der Mineralquellen näher eingehen, müssen 
wir zunächst verweilen bei der Wirkung der Bäder. 

Hier wären wiederum zuerst die Badeprozeduren als Heilfaktor zu erwähnen. 

Durch diese fällt die Badekur unter ähnliche Gesichtspunkte wie die gewöhnlichen Wasserkuren: als das 
Maßgebende stellt sich der thermische Reiz dar. Für einen Teil der Wirkungen der Heilbäder ist dies wohl 
auch sicher zutreffend (Moor-, Fangobäder, protrahierte Salzbäder usw.). Nach Maßgabe von am gesunden 
Menschen ausgeführten Untersuchungen der Körpertemperatur sowie der Atem- imd Pulsfrequenz (in 
Wirklichkeit handelt es sich bisher nur um vorläufige, gröbere, nicht sehr exakte Feststellungen!) würden aber 
auch Chlomatrium-, Chlorkalium- und Chlorcalciumbäder von verschiedener Konzentration und indifferenter 
Temperatur nach keiner Richtung untereinander verschieden sein und ebenso keinen wesentlichen anderen 
Effekt üben als entsprechende Süßwasserbäder. Eine Resorption von Salzen überhaupt durch die unversehrte 
Haut darf ja wohl als ausgeschlossen gelten. 

Dem das ärztliche Bedürfnis nicht sehr befriedigenden Resultat, zu welchem bisher die Experimentalkritik 
gelangt ist, sind gewisse empirische Gründe und verschiedene Überlegungen gegenübergestellt worden: 

1. Die Badekur verzichtet auf zahlreiche Hilfsmittel der Wasserkur im allgemeinen und scheint trotzdem 
Erfolge zu erzielen, welche letztere nicht zu bewirken imstande ist. 2. Tägliche Bäder in dem Wasser der Mineral- 
quellen werden erfahrungsgemäß häufig auch von solchen Patienten gut ertragen, welche zu täglichen Süßwasser- 
bädern zu schwach sind. 3. Die Patienten versichern, bei günstiger Badekur anhaltend ein eigentümliches 
behagliches Wärmegefühl zu besitzen. 

In bezug auf das letztere Moment hat Frankenhäuser eine ansprechende Hypothese aufgestellt, die wenig- 
stens einen Gegenstand weiterer Forschung abgeben könnte. Die Badekiu" wird aufgefaßt als methodische Im- 
prägnierung der Epidermis mit hygroskopischen Solen; alle Solen sind hygroskopisch. Die Solen üben auf die 
Wasserdampfabgabe von der Haut eine hemmende Wirkung aus, und die veränderte Geschwindigkeit der Wasser- 
verdampfung wirkt auf den Wasser- und Wärmehaushalt des menschlichen Organismus zurück. Diese Hypothese 
beleuchtet also den fraglichen therapeutischen Effekt als Dauer- und Nachwirkung, indem sich der Körper all- 
mählich mit einem Mantel von Salzen überziehe, welcher die Temperatursch wankungen mildert, eine bessere 
Durchblutung der Haut begünstigt usw. 

Frankenhäusers Hypothese einer thermischen Wirkung der Salze auf die Haut ist nach meiner Meinung 
emer Experimentalkritik zugänglich: erstlich im Pettenkoferschen Apparat; weiterhin durch Bestimmung des 
elektrischen Widerstandes des Körpers der Patienten, im wesentlichen bekanntlich eines Haut Widerstandes. Der 



— LXXXV — 

elektrische Widerstand der Haut aber richtet sich vor allem auch nach Zahl und Beschaffenheit der Ionen, die 
sie beherbergt. 

Ein weiterer, hier in Betracht kommender Heilfaktor ist die charakteristische Wirkung von Kohlensäure- 
imd anderen gashaltigen Bädern. Das Eigentümliche derselben macht ein sehr intensiver und zweck- 
mäßig verteilter Hautreiz bei wenig differenter Badetemperatur aus. Die üblichen Begriffe der all- 
gemeinen Hydrotherapie dürfen hier wohl vorausgesetzt werden. 

Klinisch stellt sich der Effekt dar zunächst als eine Empfindung von Kühle bis zum Frösteln. Ursache 
hiervon ist eine Anämie der Haut, eine Kontraktion der glatten Muskulatur derselben. Darauf bedeckt sich die 
Haut mit zahllosen Bläschen, welche teils haften, teils aufsteigen xmd durch neue ersetzt werden. Gleichzeitig 
schlägt der Frost in ein prickelndes Wärmegefühl um, es tritt Hyperämie der Haut ein. Werden die CO2- Bläschen 
abgestreift, stellt sich ein neuerliches Kältegefühl ein. Nach dem Bade erfreut sich der Patient zumeist einer 
sehr kräftigen Eeaktion: Wärmeempfindung, Hautrötung, Behaglichkeit (ähnlich wie nach kurz dauernden Kälte- 
reizapplikationen). 

Das ausschlaggebende Moment bildet auch hier ein eigenartiger thermischer Faktor, welcher in letzter 
Zeit besonders von Senator und Frankenhäuser studiert worden ist. Ein Kältereiz wird bekanntlich durch 
einen voraufgehenden Wärmereiz meist verstärkt, und umgekehrt (thermische „Kontrasf'erscheinungen). Der Indifferenz- 
punkt, d. h. der Wärmegrad, welcher die Temperatur der wärmeperzipierenden Organe der Haut in ihrem thermischen 
Gleichgewicht beläßt, liegt aber für verschiedene Medien in verschiedener Höhe, je nach ihrem Wärmeleitungs- 
vermögen und ihrer Wärmekapazität. Insbesondere liegt derselbe für die Gase bei viel niedrigeren Tempera- 
turen als für Wasser. Was das Kohlensäure-Gas betrifft, so ist, abgesehen von seiner geringeren Wärmekapazität, 
besonders sein Wärmeleitungsvermögen auch noch viel niedriger als das der Luft, so daß Kohlensäure unter sonst 
gleichen Bedingungen eine Empfindung größerer Wärme hervorruft. Besteigt man also ein kohlensäurehaltiges Bad 
von 28°, so empfängt man zunächst vom Wasser einen Kältereiz. Die sich mit Kohlensäurebläschen bedeckenden 
und hierdurch vom Wasser getrennten Hautstellen erhalten im Gegensatz dazu einen Wärmereiz. Somit findet im 
kohlensauren Bade ein häufiger Wechsel zwischen Kälte- und Wärmereizen statt, auch bestehen beide Reize gleich- 
zeitig dicht nebeneinander an zahllosen Stellen. Dadurch ergeben sich ebenso eigentümliche wie intensive ther- 
mische Kontrastwirkungen. Dazu kommt die überaus milde Art der Applikation dieser Reize. 

Der Kohlensäure scheint übrigens auch noch ein chemischer perkutaner Reiz eigen zu sein; nach 
H. Winternitz vermag sie tatsächlich die Haut zu durchdringen. 

Endlich käme noch der mechanische Reiz im strömenden Bade in Frage. 

Ein solcher kann nicht völlig in Abrede gestellt werden. Denn während die Versuchsperson im indifferenten 
ruhigen Bade weder das Gefühl von Wärme oder Kälte noch sonst eine besondere Wirkung verspürt, bemerkt 
sie im indifferenten strömenden Bade ein Prickeln der Haut, welches ein gewisses Wohlbehagen hervorruft. Ob 
Luftbläschen die Ursache sind, ist ungewiß. Die einschlägigen Verhältnisse wurden von Goralewitsch imd von 
Theo Groedel untersucht. 

Was nun femer die interne Darreichung der Mineralquellen, die Quelltrinkkur anbelangt, so ist die- 
selbe durch die neue physikalisch -chemische Betrachtungsweise, vorläufig wenigstens programmatisch, in den Ge- 
sichtspunkt einer Mineralstofftherapie gerückt, bei der es sehr vorwiegend um die Verwendung von lonen- 
wirkungen sich handelt. Diese Wirkungen werden also hauptsächlich verlegt in den Gehalt der Mineralwässer 
an verschiedenen neutralen, nicht gespaltenen Molekeln einer- und der Zahl und Art der (bis zu 80 Prozent) 
dissoziierten Ionen andererseits und bezogen auf den von unzähligen Strömen und Gegenströmen, die sich in über- 
aus vielfachen Variationen verstärken oder aufheben, durchsetzten Körper, in welchem jederzeit das Bestreben 
herrscht, osmotisches Gleichgewicht zu erreichen, wobei jedoch der osmotische Druck der verschiedenen Anteile der 
Säftemasse keineswegs vollkommen der gleiche wird, ja, wobei der Druck in derselben Flüssigkeit innerhalb aller- 
dings enger Grenzen schwankt (Winter-Koeppes „Gesetz" des osmotischen Gleichgewichts im Organismus). So 
wünschenswert es von dem eben gekennzeichneten Standpunkte ist, eine Einteilung der Mineralquellen nicht nur 
nach der Art ihrer Bestandteile, sondern auch nach der Zahl der Molen und Ionen, nach Gefrierpunkt und spezifischer 
Leitfähigkeit vornehmen zu können, so reicht doch das zur Zeit vorliegende experimentelle Material hierzu bei weitem 
noch nicht aus, insbesondere deshalb, weil die Bestimmung des Gefrierpunktes in den meistens freies Kohlendioxyd 
enthaltenden Mineralwässern durch das während der Arbeit stetig fortschreitende Entweichen von Kohlendioxyd 
methodisch mit den größten Schwierigkeiten verknüpft ist. Konnten deshalb physikalisch-chemische Gesichtspunkte 
nicht als Grundlagen der Einteilung der Mineralwä-sser benutzt werden, so war es Hintz imd Grünhut doch 
möglich, für das vorliegende Werk wenigstens die Darstellungsform der Analysenergebnisse auf die lonentheorie 

VI* 



— LXXXVI — 

aufzubauen und in einer von ihnen schon früher kurz angedeuteten Weise die Zusammensetzung der Mineralwässer 
graphisch darzustellen, derart, daß aus den Tafeln der Gehalt an Na--, Ca--, Mg"-, Gl'-, SO^"-, HCO3 '-Ionen, sowie 
der Gehalt an freiem COj entnommen werden kann. Wir Ärzte müssen uns nunmehr bequemen, solche Tabellen 
deuten und dadurch einen tieferen Einblick in die molekulare Konstitution der Mineralwässer gewinnen zu lernen. 
In biologischer Beziehung war es besonders H. Koeppe, welcher die Mineralwässer aus dem Gesichtspunkt eines 
hauptsächlich das osmotische Gleichgewicht im Organismus störenden Momentes betrachtet hat. 
Abgesehen von der Ausfuhr von Wasser oder Salzen, abgesehen vom dissimilatorischen Stoffwechsel scheint 
in der Tat kaum etwas mehr geeignet, eine Änderung des osmotischen Druckes im Körper hervorzurufen, eine 
Verschiebung der osmotischen Gleichgewichtsverhältnisse im Organismus zu bewerkstelligen, als gerade die Zufuhr 
von Nahrung, Wasser und Salzen. 

Das Hineintragen physikalisch-chemischer Anschauungen in die Darstellung der Resultate von Mineralwasser- 
Analysen, die Berechnung der analytischen Ergebnisse auf Ionen statt der willkürlichen Berechnung auf Salze, die 
jeder gesicherten Grundlage entbehrte, kann nie wieder verschwinden. Hoffen müssen wir, daß sich diese Anfänge 
weiter ausgestalten lassen und daß wir dahin gelangen, in Erweiterung der bisherigen Versuche, die osmotische 
Konzentration und die mit ihr zusammenhängenden physikalisch-chemischen Konstanten als Einteilungsmomente für 
die Klassifikation der Mineralquellen mit zu verwerten. Auch der erwähnte Koeppe sehe Versuch, der Balneo- 
therapie eine biologisch -wissenschaftliche Basis zu geben, hat sich unzweifelhaft in gewissen Grenzen bereits 
heuristisch wertvoll erwiesen, und voraussichtlich haben wir von dieser Forschungsrichtimg noch mannigfache Förderung 
zu gewärtigen. Aber Koeppe selbst schon hat ganz richtig erkannt, daß auf diesem Gebiete erst ein Programm 
gegeben ist, aber noch keine abgeschlossene Theorie. Vor allem möchte ich selbst gegen eine Auffassung, 
welche zu einseitig die bloße osmotische Druckdifferenz zwischen Mineralwasser und Geweben gegenüberstellt, ein- 
wenden, daß es (prägnant scheint es z. B. für Seetiere nachgewiesen) bei der Aufnahme von Mineralstoffen (für die 
Ernährung) durchaus nicht immer bloß auf ein bestimmtes Verhältnis der Konzentration ankommt, 
sondern mit Rücksicht auf die Durchlässigkeit der Zellen und auf gewisse spezifische Vorgänge im 
Organismus (Reizbarkeit von Muskeln, Nerven, Drüsen etc.) ein (geringfügiger) Gehalt ganz bestimmter Ionen 
(z. B. Ca, Mg) nötig ist. 

Zunächst müssen wir uns darüber klar sein, daß gewisse Heilfaktoren der Quellentrinkkur hier von vorn- 
herein völlig oder doch in bestimmter Beziehung ausgenommen sind. 

Einen solchen Faktor steUt vor allem die Temperaturwirkung der Mineralwässer dar. Wie vielfältig dieser 
Reiz aber auch im Darmkanal und dem gesamten Körper sich geltend macht, etwas Wesentliches bei der internen 
Darreichung der Mineralquellen bedeutet er kaum. 

Es wird ferner gar nichts anderes übrig bleiben, und es ist auch wissenschaftlich durchaus berechtigt, die Mineral- 
stofftherapie überhaupt und die Quellentrinkkuren insbesondere zum Teil auch auf Grund von Stoffwechselunter- 
suchungen im älteren Sinne zu begreifen. Denn der Mineralstoffwechsel erfolgt zunächst nicht ausnahmslos 
durch lonenreaktionen. Besonders bei den in ganz geringer Menge im Organismus vorkommenden Elementen, z. B. beim 
Jod, beim Eisen, findet eine Entionisierung statt, und erst die resultierenden Eiweißverbindungen sind die Ver- 
mittler lebenswichtiger chemischer Funktionen. Aber auch die Salze sind im Körper durchaus nicht immer bloß Träger 
von Energie, welche in Bewegung umgesetzt wird. Calcium, Eisen, Phosphorsäure zum Beispiel haben unter anderm 
bestimmte Resorptions- und Ausscheidungsverhältnisse gemeinsam, sie machen einen bestimmten inter- 
mediären Stoffwechsel durch; die Hauptmasse der entsprechenden Verbindungen wird z. B. durch den Darm 
abgegeben, sie haben innige chemische Beziehungen zum Darmkanal, aber auch physiologische (chemische) 
Affinität zu manchen anderen Organen. Je nach der Zeit der Einwirkung tritt, z. B. beim Muskel, der Einfluß 
des osmotischen Druckes hinter dem spezifischen Einfluß des gelösten Salzes zurück, die Zellen sind, entgegen 
dem Traubeschen Schema der Halbdurchlässigkeit, nicht völlig impermeabel für Salze (spezifische Art der Wirkung 
von K-, Na-, Ba-, Ca-Salzen auf den Muskel (J. Loeb), der Bariumsalze auf die Darmdrüsen- und Nierensekretion 
(Mc. Callum) usw.). Aus den geringeren Mengen an Mineralstoffen, welche die Gewebe und die Gewebssäfte entr 
halten, schließen wir heute nicht mehr auf deren geringe Bedeutung für den Körperhaushalt; wir wissen jetzt, 
daß gerade die kleinsten Mengen von Metallen und Metidloiden charakteristische physiologische und pathologische 
Wirkungen auf den Stoffumsatz hervorzurufen vermögen. 

Auszunehmen ist weiterhin das Vorhandensein radioaktiver Substanzen in zahlreichen Quellen. Eine 
prägnante Zusammenfassung des physiologischen Einflusses derselben ist gegenwärtig nicht gut möglich. Ich 
erinnere hier nur zunächst an die von C. Neuberg imd Wohlgemut gefundene spezifische Wirkung auf 
enzymatische Vorgänge, an die von Bickel festgestellte Aufhebung des die Eiweiß Verdauung hemmenden Einflusses 



— LXXXVII — 

des Wiesbadener Kochbrunnens durch die Radiumemanation desselben und die von letzterer erzeugte Aktivierung 
des Pepsins usw. Auf Grund eigener klinischer Erfahrungen muß ich der Emanation eine sehr ausgesprochene 
Einwirkung auf Schmerzen (rheumatische Prozesse) und auf bestimmte Zellen, vor allem des lymphadenoiden Ge- 
webes, zusprechen. 

Ferner fällt noch aus diesem Rahmen die gelöste Kohlensäure: ihr Anteil am osmotischen 
Druck einer Mineralquelle ist (besonders im Magen) von Anfang an mehr oder weniger vollständig aus- 
zuschalten. 

Bekanntlich geht die Kohlensäure überhaupt bloß zu einem sehr kleinen Bruchteil in den lonenzustand 
über. Schon deshalb ist dieselbe besser als undissoziierte Molekel, und zwar mit der Formel zu führen, welche 
sie im Gaszustand besitzt. Ein großer Teil des Gases entweicht im Magen durch Ructus. Die Kohlensäure ver- 
schwindet für sich sehr rasch durch die Magenwand hindurch. Von Kohlensäurewirkungen im Darm kennen wir 
solche auf dessen Muskulatur und eine verstärkte Blutströmung in der Mucosa. Ahnliche Überlegungen kommen 
auch beim Schwefelwasserstoff in Frage. 

Einzubeziehen hingegen in die Wirkung der Mineralwässer als das osmotische Gleichgewicht im Organis- 
mus störender Faktoren ist die sogenannte „allgemeine Wasserwirkung" und die „Salzwirkung". Bei der all- 
gemeinen Wasserwirkung handelt es sich in der Balneotherapie um eine Verschiebung der osmotischen Gleich- 
gewichtsverhältnisse des Organismus durch reichlich zugeführtes Wasser mit mehr oder weniger Salz, also einfach 
um eine hypotonische Komponente. Selbst wenn die gelösten Bestandteile z. B. der einfachen kalten und 
warmen Quellen sowie der einfachen, erdigen und Eisen-Säuerlinge auch noch im beschränkten Umfang zur Resorption 
gelangen, wird doch, mindestens sehr häufig, auf den Magen -Darmkanal Einfluß geübt, und schon dadurch ist 
ein Anstoß zur Verschiebung des Gleichgewichtes des osmotischen Druckes für die dahinter liegenden Systeme 
gegeben. Die aprioristische Trennung der Wirkungen eines Mineralwassers nach zwei Komponenten: der des 
Wassers und derjenigen der gelösten und resorbierten Salze und Gase ist sonach weder nötig noch über- 
haupt streng durchführbar. Damit soll natürlich nicht gesagt werden, daß die einzelnen mineralischen Bestand- 
teile pharmakologisch irrelevant seien: es ist ja auch hier schon darauf hingewiesen worden, wie außerordentlich 
verschieden untereinander der Stoffwechsel derselben sowohl qualitativ wie quantitativ sich darstellt, offenbar weil 
sie auch ganz verschiedenen Zwecken in dem Körperhaushalt zu dienen haben. Nochmals sei ausdrücklich betont, 
daß diese Unterschiede nicht nur in chemischer, sondern auch in physiologischer Hinsicht sehr bedeutsame sind. 
Es soll damit auch keineswegs behauptet sein, daß der Organismus nicht das Wasser von den Salzen trennen 
kann. Ebensowenig soU endlich damit die Wichtigkeit des Wasserhaushaltes für den Stoffwechsel des gesunden 
und kranken Menschen im allgemeinen herabgesetzt werden. Eine „allgemeine Wasserwirkung" soU aber doch 
streng genommen nicht auf die Waschung der Organe mit annähernd isomolekularen Lösungen, sondern vielmehr 
auf eine Verdünnung des Zellprotoplasmas und der Säftemasse, auf eine vorübergehende (oder dauernde) lokale 
oder allgemeine Wasserretention im Organismus, abzielen. Wenigstens in bezug auf dauernde Verhältnisse 
hat aber gerade die klinische Pathologie festgestellt, daß Wasserretention im innigen kausalen Zusammenhang 
steht mit der Salzretention, besonders des Chlomatriums, ohne daß es freilich bisher gelungen wäre, absolut sicher 
zu entscheiden, worin eigentlich das Primäre liegt. Und was man weiterhin bisher als Dynamik der Salz- 
wirkung bezeichnete, ergibt sich bei näherer Analyse immer mehr als lonenreaktion: die Wirkung eines jeden 
Salzes ist gleich der Summe der Wirkungen seiner Ionen. 

Die therapeutische Verwendung der lonenreaktionen in der „Mineralstoffbehandlung", welch letzterer im 
Lichte der physikalisch -chemischen Auffassung der Salzwirkung, wie schon erwähnt, auch die Balneotherapie der 
Hauptsache nach zufallen würde, muß vorläufig allerdings ihre eigentliche Voraussetzung, nämlich eine physiologische 
und pathologische Chemie der Ionen, großenteils noch antizipieren, denn bisher reicht, wie ich im folgenden 
wenigstens andeutungsweise zeigen möchte, unser Wissen in betreff der Bedeutung der einzelnen Ionen, ihres 
gegenseitigen Austausches einer-, ihrer Gegensätzlichkeit andererseits durchaus nicht dazu. Aber auch jetzt schon 
kann eine solche therapeutische Verwendung von lonenwirkungen in methodisch verschiedener Weise ver- 
sucht werden. Von vornherein dürften die allgemeinen und lokalen Effekte einer lonentherapie nicht völlig 
gleich sein, je nachdem z. B. die Ionen auf elektrolytischem Wege von der Körperoberfläxjhe her eindringen, oder 
per OS und durch Substanzinjektion inkorporiert werden: im Falle der Resorption gesellt sich Chlorlithium 
zunächst den Alkalichloriden des Organismus hinzu, bei elektrolytischer Zuführung verdrängt es von vorn- 
herein die Alkalimetalle des Körpers. Rein methodisch wird dadurch wenigstens auch die Möglichkeit einer 
Elimination toxischer Ionen aus dem Organismus diu'ch elektrolytische Therapie nahegerückt. Dagegen ist 
wohl, und zwar immer auch nur aus demselben methodischen Gesichtspunkt, die Unterscheidung von allgemeinen 



— Lxxxvm — 

und lokalen lonenwirkungen bisher nicht diskutierbar: das Ziel einer „lokalisierenden" lonentherapie wäre die 
Einführung der gesamten lonenreihe in die Zellen ganz bestimmter Gewebe. 

Eine Synopsis der wichtigsten überhaupt in Betracht kommenden lonenreaktionen ist, wie bereits betont, 
höchstens in den ersten Ansätzen möglich. Es handelt sich hier zunächst um Arbeitsleistung in Form von 
Strömungen der miteinander in Berührung tretenden Flüssigkeiten, die Ionen sind Träger von Energie. Besonders 
wichtig ist im Sinne des Gesetzes des osmotischen Gleichgewichtes innerhalb des Gesamtorganismus die Konstant- 
erhaltung des osmotischen Druckes in Zellen imd Körperflüssigkeiten, vor allem aber des Blutes für die Er- 
haltung des Lebens. Femer ist hier anzuführen die Regulierung der chemischen Reaktion der Säftemasse und 
die Beeinflussung von Fermentwirkungen, besonders im Darmkanal. Nur anzudeuten brauche ich an dieser Stelle 
noch die Rolle der Osmose an den resorptiven und sekretorischen Vorgängen. 

In zweiter Linie wirken die Mineralstoffe als Katalysatoren für viele chemische Prozesse des Organismus. 
Grerade mit bezug auf die Mineralwässer ist neuerdings die Reaktionsbeschleunigung der Oxydationsprozesse im 
kranken Körper durch die reichlich in derselben enthaltenen freien Metall -Ionen stark betont worden. 

Einen weiteren sehr wesentlichen Faktor bilden die Beziehungen der (freien) Ionen zu den Kolloiden. Von 
einschlägigen allgemeinen Zusammenhängen führe ich an: die kolloidalen Zustandsänderungen der Zellen infolge 
von Veränderungen in der Verteilung der Ionen (Hardy, Pauli), ferner das Verhältnis der Ionen speziell zu den 
EiweLßkörpem, den Antagonismus der drei- und zweiwertigen gegenüber den einwertigen Ionen, die eiweißfällende 
Wirkung der Kationen, die fällungswidrigen Eigenschaften der Anionen (Pauli hat eine Reihenfolge der An- und 
Kationen in dieser Beziehung aufgestellt), den Zusammenhang der abführenden Wirkung der Salze mit Eiweii^fällung 
(Hofmeister, Pauli), weiterhin die Widerstände der Kolloide gegen lonenbewegungen (die lonenbewegung erfolgt mit 
verschiedener Geschwindigkeit beim Passieren von Scheidewänden im entgegengesetzten Sinne; z. B. Bittersalzwirkvmg 
im Darm und Sulfat-Ion; auch der Einfluß dieses Faktors auf die Änderung der Reaktion der Gewebsflüssigkeiten und 
auf die Absonderungen springt in die Augen), femer die Wechselbeziehungen der Kolloide zur Lösung schwerer 
löslicher Salze, z. B. der Kalksalze, sowie zur Übersättigung und zur Abscheidung solcher Salze gerade in ge- 
wissen Geweben (die Lösung geschieht, indem die Kolloide die Salz-Ionen unter Bildung von Komplexen mit Beschlag 
belegen, ohne ausgeflockt zu werden; beim chemischen Umbau der KoUoide tritt Übersättigung und Abscheidung 
kiistalloiden Materials ein; Beispiele: Organisation der Stützgewebe, der Knochen, pathologische Verkalkungen, gich- 
tische Hamsäureablagerungen), endlich die Verarbeitung der Eiweißkörper mit Hilfe der Salze im Stoffwechsel. 

Aber auch für eine ganze Reihe spezieller vitaler Funktionen ist die lonenzufuhr zu den Organen unbedingt 
notwendig. Es wurde bereits mehrfach angedeutet, daß die Elektrolyte im lebendigen Gewebe nicht ausschließlich 
als solche, sondern teilweise in Verbindung mit Eiweißkörpern vorhanden sind. Durch Substitution eines Ions 
dimjh ein anderes werden physikalische und physiologische Eigenschaften dieser Eiweißverbindungen geändert und 
die Zellfunktionen variiert (Loeb). (Einschlägige Beispiele geben ab: die normale Leistungsfähigkeit des Muskels 
in Gegenwart und bei einem bestimmten Mengenverhältnis der Ionen: Na, K, Ca, ähnliche Verhältnisse im Nerven- 
system, z. B. in der Großhirnrinde, das verschiedene Verhalten der Chloride und Phosphate in der Diurese). Weiter 
gehört hierher die Giftwirkung und die Entgiftung gewisser Ionen, die Mitwirkung der freien Calcium-Ionen bei 
der Blut- und Labgerinnung, der sehr wichtige Einfluß der lonenverschiebung in bestimmten Geweben auf den 
Wassergehalt, z. B. im Muskel, bei Zusatz einer Spur von Säure oder Base (Loeb). 

Wiederholt wiwde schon hervorgehoben, daß die physikalisch-chemische Auffassung der Salzwirkung für die 
Balneotherapie zunächst ein Programm bedeutet Welche greifbaren Untersuchungsresultate hat mm aus diesem 
Gesichtspunkte bisher speziell die klinische und experimentell -pathologische Forschung in betreff der 
Wirkung der Quellwässer auf die physiologischen Vorgänge im Organismus des Menschen zu gewinnen vermocht? 

Leider ist selbst die Fragestellung hier noch recht unsicher. Man hat vor allem gefragt: Gestatten die bei 
gewissen pathologischen Zuständen festgestellten oder angenommenen Abweichungen im Umsatz von Mineralstoffen 
(Wasser, Salzen) bestimmte klare Indikationen für eine Mineralstofftherapie überhaupt und für die Balneotherapie 
insbesondere? Die naivste Betrachtungsweise sah und sieht dabei das Wesentliche der Verwertung anorganischer 
Substanzen in der Deckung eines Defizits von ganz bestimmten Mineralstoffen, welches auf pathologische 
Prozesse zurückzuführen ist, durch vermehrte Zufuhr. Gläubig vertraut man hierbei auf das Prinzip der 
unerschütterten selektiven ZeUenfunktion, nach welchem die Gewebszellen aus dem Darm bzw. aus dem Säftestrom die 
genannten Substanzen auch immer in der chemischen Form und in ausreichender Menge an sich zu reißen imstande 
Bind, wie sie zm- Bestreitung des spezifischen Stoffwechsels dort nötig scheinen. 

Ob zwar auch dieses Deckungsprinzip von vornherein in der Balneotherapie nicht gerade völlig von der Hand 
zu weisen ist — spielt doch z. B. in den Kropfgegenden wirklich die Jodannut des Wassers eine gewisse RoUe — 



OF THE 




— LXXXIX — 

80 zeigt ebensowohl die experimentelle wie die klinische Erfahrung und Überlegung, daß dasselbe höchstens mit 
sehr starker Einschränkung für die IndikationssteUung mit herangezogen werden kann. Daß keine Krankheit 
auf dem Mangel oder dem veränderten Umsatz eines einzelnen Mineralstoffes allein beruht, ist doch wohl über allen 
Zweifel feststehend. Leider besitzen wir bisher von keinem Mineralbestandteil eine genaue, vollständige und abschließende 
Kenntnis des Umsatzes unter normalen und besonders unter pathologischen Bedingungen. So viel muß allerdings 
zugegeben werden, daß die Aschenzusammensetzung des Körpers durch Stoffwechselstörungen und Krankheiten sicher 
quantitative und qualitative Veränderungen erfährt, und daß es unrichtig ist, zu glauben, der geringe Bedarf an 
Mineralstoffen werde durch die freigewählte Nahrung jedes Menschen gedeckt oder überboten. Gerade das aber, was, 
abgesehen von der alten, wenigstens empirisch zureichend begründeten Behandlung mit Eisen, Quecksilber, Arsenik, 
Jod und vielleicht auch mit Phosphor und Silber, in neuerer und neuster Zeit speziell die Therapie auf diesem Gebiete 
hervorgebracht hat: die demineralisation de l'organisme A. Robin s, das „Antisclerosin", die Anwendung des „sal 
physiologicum" oder gar der „Nährsalzpräparate", entbehrt fast gänzlich einer wissenschaftlichen Grundlage. Auch 
wo sich endlich vielleicht noch Indikationen für eine Substitutionstherapie im oben angedeuteten oder in ähnlichem 
Sinne rechtfertigen lassen, wird speziell eine Mineralwassertrinkkur nur in beschränktem Maße in Betracht kommen. 
Wenn hier eine der experimentellen Kritik zugängliche Hypothese erlaubt ist, so möchte ich glauben, daß die Wirkung 
der Trinkkiu- immerhin nicht exklusiv auf die osmotische Druckdifferenz zwischen Mineralwasser und Geweben, sondern 
auch auf eine durch sie ermöglichte, für die Regulation mannigfacher Lebenserscheinungen wichtige physikalische 
Zustandsänderung in den Zellen zu begründen ist. Durch fortgesetztes reichliches Trinken eines Mineral- 
wassers kann die Flüssigkeit, welche die Zellen umspült, hinsichtlich ihrer anorganischen Bestandteile qualitativ ge- 
ändert werden. Für das chemische Leben der Zellen ist es notwendig, daß nur wenig Salze in dieselben eindringen, 
bezw. dieselben verlassen, eine Zunahme der Durchlässigkeit ist entschieden schädlich. Nun gibt es in verschiedener 
Beziehung antagonistisch wirkende Salzlösungen (Hoeber, Loeb). Die Salze der zweiwertigen Metalle verringern 
z. B. die Geschwindigkeit der Diffusion der Salze mit einwertigem Metall, sie „entgiften" eine „giftige" Kochsalz- 
lösung. Auch das durch eine Trinkkur neugewonnene flüssige Milieu der Zeilen könnte Spuren gewisser Salze auf- 
genommen haben, welche nicht so sehr nötig sind für die Synthese der lebendigen Substanz, wie sie als „Schutz- 
stoffe" jene abnorme Durchlässigkeit aufheben, bezw. nach früheren Darlegungen als solche für spezifische 
physiologische Vorgänge besonders wertvoll sich erweisen. Schwierig therapeutisch zu beeinflussen ist wohl 
auch die Größe des Umsatzes eines bestimmten Mineralstoffes, wiewohl hier die Aussichten immerhin 
günstiger zu stehen scheinen. 

Ganz besonders auf die Balneotherapie zugeschnitten wurde die Erklärung der empirisch bewährten Heil- 
effekte von Metallen und Metallsalzen auf der Basis der Wirksamkeit durch kolloidalen Charakter. Ins- 
besondere unter dem Einfluß von Schade wird den natürlichen Mineralwässern infolge ihres großen Gehaltes an 
freien MetaU-Ionen eine große katalytische Kraft zugeschrieben. Ohne grundsätzliche Zweifel auszusprechen, 
möchte ich demgegenüber bloß betonen, daß ein exakter Nachweis für diese Wirkungsweise irgendwie einverleibter 
Mineralstoffe im einzelnen bisher doch wohl nicht erbracht ist. Die „Beschleunigung der trägen Oxydations- 
prozesse im kranken Körper" muß der direkten oder indirekten Untersuchung zugänglich gemacht werden; mit 
einer bloß rückschauenden, wenn auch ansprechenden Hypothese ist uns wenig gedient, um so weniger, als doch 
auch andere Erklärungsmöglichkeiten existieren. 

Die speziell von klinischer Seite vorliegenden und auch die einschlägigen experimentell- patho- 
logischen Untersuchungsergebnisse sind bisher spärlich, zum Teil widerspruchsvoll und recht einseitig ge- 
wonnen. Zahlreich sind deshalb auch noch die Kontroversen. 

Eine Reihe solcher Untersuchungen wiu-de angestellt, indem einfach das Blut als der Repräsentant der Körpersäfte, 
und die Salzlösung als das das osmotische Gleichgewicht störende Moment geprüft und Änderungen des ersteren 
mit der Einverleibung der letzteren in ursächlichen Zusammenhang gebracht wurden. Da Salz- bzw. Wasserzufuhr 
zum Organismus aber nicht allein auf Variationen des osmotischen Drucks von Körperflüssigkeiten Einfluß üben, 
sondern gleichzeitig die Ausscheidung (Nieren, Haut, Lungen) sich geltend macht, so erklärt es sich, daß derselbe 
Versuch unter den nicht beherrschbaren anderen Bedingungen wechselnde Ergebnisse hatte. 

Dann goß man Lösungen von bekanntem osmotischen Druck in den Magen eines Versuchstieres oder einer 
Versuchsperson, von deren Blut gleichfalls dieser Druck bestimmt werden konnte, und hob nach bestimmter Zeit 
den Mageninhalt wieder aus. Einige einschlägige Experimente sind auch mit der Pawlowschen Versuchsanordnung 
gemacht worden. Bei der Resorption im Magen schien neben der Diffusion auch der osmotische Druck des Magen- 
inhaltes eine besonders wichtige RoUe zu spielen. Nach Einführung konzentrierter Lösungen in den Magen findet 
keine Aufsaugung von Wasser aus dem Magen statt, es erfolgt vielmehr ein Erguß von Flüssigkeit ins Innere 



— xc — 

des Magens, während von den gelösten Substanzen ein mehr oder minder großer Teil zur Resorption gelangt. 
Lebhaft wurde nun die Frage diskutiert, ob diese Flüssigkeitsabscheidung in die Magenhöhle ein physikalischer 
Vorgang ist oder eine Folge der vitalen Tätigkeit der Drüsenzellen. Die Angabe von Strauß, betreffend das 
Schicksal der hypertonischen Lösungen, nach welcher die osmotische Konzentration des Mageninhaltes stark unter 
den Gefrierpunkt des Blutes sinken würde (zur „Gastroisotonie" unter dem Einfluß einer „Verdünnungssekretion"), 
ist vielfach bestritten worden. In der Tat scheint die Erniedrigung des osmotischen Druckes hypertonischer Lösungen 
im Magen selten auch nur bis zur Blutisotonie zu gehen, noch weniger unter diese Grenze; hypotonische Lösungen 
erfahren eine Steigerung der molekularen Konzentration. Vielleicht spielte in manchen Versuchen mit dem Ergebnis 
starker Verdünnung des Mageninhaltes der Einfluß des stark hypotonischen Speichels eine RoUe. Dem Magen 
fällt wohl überhaupt bloß in imtergeordneter Weise die Aufgabe zu, Blutisotonie herbeizuführen. Das ist haupt- 
sächlich Darmarbeit. Wenn also auch der mechanischen Regelung des Ausgleiches der Druckdifferenz zwischen 
Magen wand und Mageninhalt eine größere Bedeutung zukommt, als es früher schien, so lassen sich doch nur 
ziemlich bescheidene praktische Schlußfolgerungen daraus ableiten. 

Die Fragestellung muß, wenn wir weiterkommen woUen, hier in gleicher Weise ausgedehnt werden nicht 
bloß auf alle Faktoren, welche für Änderungen des osmotischen Druckes der Körperflüssigkeiten von Bedeutung 
sind, sondern auch überhaupt auf alle dem Versuch irgendwie zugänglichen Bedingungen des Umsatzes von 
Wasser und Salzen (Ionen) im Organismus. Allgemeine Vorschläge lassen sich da nicht leicht machen. Am besten 
illustriert vielleicht ein oder das andere Beispiel, wie direkt aus klinischen Bedürfnissen heraus durch 
Untersuchung am Krankenbett und daran sich anschließende geeignete Experimente der Gegenstand gefördert 
werden kann. 

Seit dem Wiener Internistenkongreß galt bei Kranken, welche an parenchymatöser Nephritis leiden, 
eine möglichst reichliche Flüssigkeitsaufnahme unter dem Gesichtspunkte als besonders nützlich, daß sie 
den Organismus auswäscht und die kranken Nieren von den dort haften gebliebenen Stoffwechselschlacken reinige. 
Diese starke Flüssigkeitszufuhr befürwortete man in der Form der Milchdiät, vor allem auch der Mineralwässer. 
Dagegen fürchtete man bei Schrumpfnieren, durch bloße Flüssigkeitsaufnahme eine überstarke Belastung der 
erhöhten Herztätigkeit zu verursachen. 

Es hat sich nun zimächst herausgestellt, daß die Frage der Flüssigkeitszufuhr sich hier wie auch sonst 
nicht trennen läßt von derjenigen der Salzzufuhr. Neuere klinische Untersuchungen, betreffend den Salzstoff- 
wechsel bei Nierenkrankheiten, machten es wahrscheinlich, daß namentlich bei parenchymatöser Nephritis, allerdings 
nicht konstant, eine Neigung des Körpers zur Kochsalzretention besteht. Diese Retention von Kochsalz ist 
speziell bei Patienten mit Ödemen und Hydrops eine größere als bei solchen, wo Wassersucht nicht vorhanden ist. 
Entstehung und Schwinden der Wassersucht können zusammen vorkommen. Abschwellen der Ödeme ist von über- 
mäßiger NaCl- Ausscheidung begleitet usw. Daraufhin vertraten Achard, Widal, H. Strauß die Anschauung, 
daß die (nicht kardialen) Hydropsien der Nephritiker durch Kochsalzretention verursacht sind, wobei die letztere 
als renalen Ursprungs gedeutet wiu-de. Die therapeutische Konsequenz einer solchen Auffassung waren 
diätetische Maßnahmen zur Verhütung einer Kochsalzüberschwemmung. P. F. Richter hat aber experi- 
mentell gezeigt, daß bei künstlicher (Uran-) Nephritis erst reichliche Wasserzufuhr zur Ansammlung beträchtlicher 
Ergüsse in die Körperhöhlen führt, und daß Salze nur im Verein mit größeren Flüssigkeitsmengen ihre 
hydi'opsiensteigemde Wirksamkeit entfalten. In der klinischen Praxis muß demnach gerade der Flüssigkeits- 
zufuhr größere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Man wird jetzt besonders bei parenchymatöser Nephritis 
mit der Spülung der Nieren durch Mineralwässer vorsichtig sein. Der Wasser-Stoffwechsel ist in den Nieren be- 
kanntlich eine Funktion zweier funktioneller Apparate: der Bereitung des GlomerulusfUtrats und des wasser- 
resorbierenden Faktors der Kanälchen. Richter hat aber experimentell wahrscheinlich gemacht, daß die Wasser- 
abgabe der Nephritiker auch noch auf anderen Wegen als durch die Niere vermindert ist Es ist also (gerade 
übrigens wie auch bei der Salzretention) verkehrt, den renalen Hydrops bloß auf Insuffizienz ausschließlich eines 
jener beiden TeUapparate der Nieren beziehen zu wollen. Man denke nur an die Zustandsänderungen im Muskel 
nach dem Eindringen von Säuren und Alkalien und deren Verbindung mit den EiweLßkörpem des Grewebes, wo- 
durch die Bedingungen der Wasserabsorption und Wasserabgabe gewaltig beeinflußt werden (J. Loeb). Auch daraus 
ergeben sich verschiedene Korrekturen bisheriger therapeutischer Anschauungen. Für eine starke Herzbelastung auf 
bloße Wasserzufuhr hin bei Schrumpfniere ist hingegen ein exakter Beweis nicht geliefert 

Wenn die Angaben E. Meyers, daß beim Diabetes insipidus die spezielle Fähigkeit der Nieren, einen 
konzentrierten Harn zu liefern, geschädigt ist, Bestätigimg findet, ergibt sich allerdings als unmittelbare thera- 
peutische Konsequenz: Zufuhr einer salzarmen Kost. 



— XCI — 

In Fällen von Nephritis mit nachweislicher Retention der Phosphate ist v. Noordens Vorschlag plausibel, 
relativ phosphorreiche Nalirungsraittel mit kalkhaltigen Mineralwässern (z. B. Wildunger) zu verabfolgen. Bei Zufuhr 
von Kalk in der Nahrung nehmen nämlich erfahrungsgemäß die Phosphate mit Umgehung der Nieren ihren Weg 
aus dem Köi-per durch den Darm. 

Vollständig wird, das läßt sich wohl schon jetzt übersehen, die physikalisch-chemische Betrachtungsweise und 
auch die reia chemisch -physiologische Analyse zu einer Erklärung der Wirkungen der internen Darreichung der 
Mineralwässer gewiß nicht ausreichen; wir werden in vieler Beziehung auf bewährte anderweitige biologische Forschungs- 
mittel der Pharmakologie und auf die Ergebnisse derselben, wie sie von fachmännischer Seite in diesem Werke um- 
fassend dargestellt sind, rekurrieren müssen. 

Da die Gruppeneinleitungen reichliche Hinweise in betreff der Auswahl der Kurorte imd der Bestimmungen 
der Heilmethoden auf wissenschaftlicher und empirischer Grundlage enthalten, wird, um Wiederholungen 
zu vermeiden, an dieser Stelle darauf verzichtet, eine allgemein gehaltene Übersicht über die gegenwärtig üblichen 
balneo - therapeutischen Indikationen bei konstitutionellen Erkrankungen, sog. aUgemeiaen Ernährungsstörungen, 
chronischen Infekten und Intoxikationen und den verschiedenen Organkrankheiten zu geben, wie man sie in den 
Einführungen balneologischer Lehrbücher findet. 



— xcn — 

5. Klimatologischer Teil. 

Von Dr. V. Kremser, 

Professor, Abteilungsvorsteher im KönigL Preußischen Meteorologischen Institut zu Berlin. 

Allein von allen organisierten Wesen kann die Gattung Mensch in jedem Klima der Erde existieren. Je 
nach Rasse, Alter und persönlicher Eigenart sind indessen der Anpassung Grenzen gesetzt. Die Daseinsniöglichkeit 
des Individuums ist daher in hohem Grade von klimatischen Faktoren abhän^g, und sein Befinden wird schon 
von scheinbar geringen Witterungsunterschieden wesentlich beeinflußt. 

Wo alle sonstigen für Leben und Gesundheit maßgebenden Verhältnisse Berücksichtigung finden, dürfen 
demgemäß die klimatischen Zustände nicht unbeachtet bleiben. In diesem Sinne sind in dem vorliegenden 
„Deutschen Bäderbuche" meteorologische Angaben für die einzelnen Bäder mitgeteilt. 

Wenn auch noch keineswegs feststeht, ob und in welchem Maße im Einzelfalle das eine oder andere meteo- 
rologische Element allein für sich oder in Verbindung mit anderen Ursachen auf Empfinden imd Befinden des 
Menschen von Wirksamkeit wird, so muß eben doch jeder Forschung und praktischen Nutzanwendung die Kenntnis 
der tatsächlichen klimatischen Verhältnisse vorausgehen. Diese Kenntnis kann aber nur dann zweckentsprechend 
und ersprießlich sein, wenn sie aus einwandfreiem Beobachtungsmaterial gewonnen ist imd wenn die Daten selbst 
richtig bewertet werden. 

Inwieweit die erste Bedingung bei den Angaben über das Klima der einzelnen Badeorte erfüllt ist, kann 
hier nicht erörtert werden. Zu ihrem besseren Verständnis aber, d. h. um bezüglich der zweiten Bedingung einen 
kleinen Anhalt zu geben, mögen hier über die Art der Einwirkung der klimatischen Faktoren im allgemeinen 
und über ihre Größe innerhalb Deutschlands im besonderen einige zusammenfassende Erläuterungen Platz finden, 
aus denen schließlich auch die Grundzüge des Klimabildes von Deutschland erkennbar sein dürften. Bei 
dem beschränkten Räume kann es sich aber der Regel nach nur um Hervorhebimg von Tatsachen ohne eingehende 
physikalische Begründung handeln. 

Das Klima eines Ortes wird im wesentlichen durch folgende Momente bedingt: 

1. Geographische Breite, 

2. Lage zum Meere, 

3. Erhebung über dem Meere, 

4. Besondere topographische Lage, 

5. Organische Einflüsse. 

1. Die geographische Breite, nach welcher die großen Klimazonen klassifiziert werden, imd nach der 
Deutschland der nördlich gemäßigten Zone angehört, bewirkt im Lande selbst verhältnismäßig geringe klimatische 
Unterschiede. Am deutlichsten zeigt sich ihr Einfluß bei der Luftwärme. Infolge des höheren Sonnenstandes ist 
es unter sonst gleichen Verhältnissen im Süden wärmer als im Norden. Die Temperatur nimmt im Jahresmittel, 
das im ebenen Deutschland zwischen 10° im Südwesten und 6° im Nordosten schwankt, nordwärts um durch- 
schnittlich 0,4° auf einen Breitengrad ab; im Juli sogar um 0,5° auf einen Grad, z. B. von etwa 20° in der ober- 
rheinischen Tiefebene auf 16° an der Nordsee; im Winter aber ist die Abnahme nach Norden durch andere Ein- 
flüsse fast ganz unterdrückt 

Bei der Bewölkung zeigt sich die Beziehung zur Breite insofern, als der Norden im allgemeinen trüber ist 
als der Süden, aber die Verteilung ist im einzelnen infolge anderer Ursachen so unregelmäßig, daß eine zahlen- 
mäßige Festlegung nicht geraten ist Gleiches gilt von der Sonnenscheindauer, die — von besonderen Störungen 
abgesehen — im Jahresdurchschnitt Innerhalb Deutschlands zwischen 4Yj und 5 Stunden den Tag schwankt Im 
Sommer nimmt sie nordwärts etwas zu, im Winter merkbarer ab; dies hängt aber zum größten Teile von der 
astronomischen Tageslänge ab, die von den Alpen bis an die Küsten zur Zeit des höchsten Sonnenstandes im 
Juni von 16 auf IT'/j, Stunden anwächst und zur Zeit des tiefsten Sonnenstandes im Dezember von 8Y2 auf 
7 Stunden abnimmt 

Ohne jede Beziehung zur geographischen Breite scheint der Niederschlag zu sein, seine unregelmäßige Ver- 
teilung über Deutschland wird nur durch die anderen klimatischen Faktoren verständlich, desgleichen die der anderen 
meteorologischen Elemente. 

2. Viel deutlicher und gesetzmäßiger tritt der Einfluß des Meeres hervor, der auf die Küsten am stärksten 
ist imd sich mit zunehmender Entfernung allmählich abschwächt Infolge der wannen Meeresströmungen an den 



— xcm — 

Westküsten wird die Lufttemperatur allgemein erhöht; außerdem aber wirkt das Meer mäßigend auf deren 
Schwankungen; es erhöht ferner den Feuchtigkeitsgehalt, die Bewölkung, den Niederschlag und die Bewegung der Luft. 
Am auffälligsten ist die Beziehung zur Lufttemperatur. Auf dem Wege von der Nordseeküste ostwärts zur 
russischen Grenze iu gleicher Breite nimmt die Temperatur im Jahresdurchschnitt von über 8° bis fast auf 6°, 
also um etwa 2° ab, im Jauuarmittel von -|- 2° auf — 4°, also sogar um 6°. Im Sommer aber ist es in der Nähe 
des Meeres kühler, und so sinkt die Julitemperatur der Niederungen auf dem Wege vom Binnenland zur Küste 
von etwa 19° bis auf 16°. 

Infolge der höheren Temperatur des Winters und der tieferen des Sommers ist die Jahresschwankung iu der 
Nähe des Meeres gering, sie wächst mit zunehmender Kontinentalität. Der Unterschied der Temperatiu- des wärmsten 
und kältesten Monats beti-ägt, wie aus den obigen Zahlen hervorgeht, an der Nordsee kaum 15°, im äußersten 
Binnenlande aber 23°. Noch ausgesprochener zeigt sich der moderierende Einfluß des Meeres — am meisten am 
offenen Meere, aber auch an der Ostsee — in den extremen Werten der Temperatur und vor allem beim Minimum. 
Im Mittel vieler Jahre beti-ageu: 

an der an der im mittleren im äußersten 

Nordsee mittleren Ostsee deutschen Flachlande Binnenlande bis zu 
die höchsten Temperaturen 27° 29° 32° 33° 

„ tiefsten „ —8 —13 —17 —22 

„ Gesamtschwankungen 35 42 49 55. 

Am stärksten endlich ist der Gegensatz bei den absolut höchsten Hitze- luid Kältegraden, die überhaupt 
je beobachtet wm'den; da hierbei der Zufall sehr mitspielt, eignen sie sich nicht zu Vergleichungen , doch sei er- 
wähnt, daß als absolutes Maximum auf Helgoland 31°, im äußersten Binnenlande 38°, als absolutes Minimum 
auf Helgoland — 11°, im äußersten Binnenlande — 36° beobachtet sind, die absolute Temperaturschwankung also 
dort 42°, hier aber 74° betragen kann. 

Außer der Abstumpfung des jährlichen TemperatuiTerlaufs macht sich mit Annäherung an das offene Meer 
auch eine Verzögerung des Eintritts der Wendepunkte bemerkbar: im Binnenlande fällt allgemein das Maximum 
auf Juli, das Minimum auf Januar; an der Nordsee sind Juli und August bzw. Januar und Februar gleichwertig, 
ja auf den Inseln selbst sind August und Februar die extremen Monate. Durch diese Verschiebung und infolge 
der Abschwächung der Amplitude ist an der Nordsee nicht bloß der Winter, sondern schon der Herbst wärmer 
als im ganzen Binnenlande, während außer dem Sommer auch das Frühjahr kühler ist — natürlich mit Ausschluß 
der Gebirge. 

Wie der jährliche Gang, so wird auch der tägliche Verlauf der Lufttemperatur infolge der physikalischen 
Eigentümlichkeiten des AVassers abgestumpft. Je weiter vom Meere, desto höher wird das Tagesmaximum und 
desto niedriger das nächtliche Minimum und also um so größer die tägliche Schwankung. Letztere beträgt durch- 
schnittlich: 

an der im mittleren im äußersten 

mittleren Ostsee deutschen Flachlande Binnenlande 

61/8° 7° 81/2° 

41/2 5 '-6 

8V2 91/2 10V2- 

Endlich hält sich auch die Veränderlichkeit der Temperatur, für die man als Maßstab den mittleren Betrag 
der Verändeningen von Tag zu Tag gewählt hat, nahe dem Meere in viel engeren Grenzen. Sie beträgt im Jahres- 
durchschnitt an der Nordsee etwa l^/i°, an der mittleren Ostsee 1^/2°, im deutschen Tieflande 1^4°, im äußersten 
Binnenlande 2°. 

Den angedeuteten Unterschieden zwischen Meer und Festland entspricht es, daß sowohl die Zahl der Hitze- 
tage wie die der Frosttage von der Küste ins Innere zunimmt. Erstere nennt man solche, deren Temperatur- 
maximum 25° oder mehr beträgt, letztere solche, deren Minimum unter dem Nidlpunkt ist. Im Jahresdurchschnitt 
kaim man gewöhnlich erwarten: 

an der an der im mittleren im äußersten 

Nordseeküste mittleren Ostsee deutschen Flachlande Binnenlande 
Hitzetage 10 20 30 40—50 

Frosttage 60 90 70—120 130—140. 

Hitzetage nehmen besonders schnell nach Süden hin zu, Frosttage aber nach Osten hin. 





an der 




Nordsee 


im Jahre 


5° 


„ Januar 


3V2 


„ Juli 


6 



— XCIV — 

Selbstverständlich und doch weniger ausgesprochen als in den Wärmeverhältnissen ist der Einfluß des Meeres 
auf die Luftfeuchtigkeit. Die stete Verdampfung macht die Luft über dem Meere imd nahe den Küsten natur- 
gemäß feucht und leicht zur Nebel- und Niederschlagsbildung geneigt, aber die Abnahme der Feuditigkeit auf 
dem Wege ins Binnenland geht infolge der Winde und wegen der nicht unbeträchtlichen Verdunstung vom Erd- 
boden nur langsam von statten. Die relative Feuchtigkeit, die für hygienische Fragen allein in Betracht kommt, 
beträgt an der Nordseeküste im Jahresdurchschnitt 83 "/q des Sättigimgswertes und verringert sich nach Osten 
längs der Ostseeküste nur auf 80 "/o! ^^»er auch die Abnahme ins eigentliche Festland ist nur mäßig, indem der 
Jahresdurchschnitt selbst im äußersten Falle nur auf 75*/o zurückgeht. Im Winter ist der Unterscliied zwischen 
Meer und Kontinent noch geringer, ja vielfach, besonders zur Zeit strenger Kälte, umgekehrt. Im Sommer ist er 
dafür wesentlich stärker: im Juli sinkt die mittlere relative Feuchtigkeit von mehr als 80*'/o über der Nordsee 
längs der Ostsee auf 75% und im Innern des Landes bis etwa öS^/o. Demgemäß ist, wie bei der Temperatur, 
die Jahresamplitude an der Küste schwächer (etwa 10 "/g) als im Binnenlande (bis 20 "/q). 

Im Zusammenhange mit der Verteilung der Luftfeuchtigkeit steht es, daß die Bewölkung vom Meere nach 
dem Kontinent abnimmt; die Abnahme erfolgt jedoch unter anderen, offenbar meist örtlichen Ursachen sprungweise, 
so daß sich keine allgemein gültigen Zahlenwerte für die Übersicht geben lassen. Der jährliche Verlauf ist in 
seinen Grundzügen im ebenen Deutschland wenig verschieden: im Winterhalbjahre herrscht trübes, im Sommer- 
halbjahre heiteres Wetter; Mai und September sind durch geringe Bewölkung besonders bevorzugt, der erstere mehr 
au der Küste, der letztere mehr im Binnenlande. 

Wie die Bewölkung, so wechselt auch Menge und Häufigkeit der Niederschläge ziemlich scliuell von Ort 
zu Ort, doch ist im ganzen der Einfluß des Meeres wohl zu erkennen. Betrachtet man nur das Flachland, so 
sieht man die normale Niederschlagshöhe des Jahres von der Nordseeküste, wo sie über 70 cm hinausgeht, im 
Binnenlande bis unter 50 cm abnehmen. Demgemäß ist im allgemeinen der Westen uiederschlagsreicher als der 
Osten, und das ausgedehnteste Trockengebiet findet man in der Gegend der unteren Weichsel und der östlichen 
Warthe. Im Laufe des Jahres haben die Nordwestküsten am meisten Niederschlag im Herbst und Winter, das Binnen- 
land im Frühjahr (Süden) und besonders im Sommer (Norden). Demgemäß ist die Badesaisou (Mai — September) 
an der See relativ regenärmer (unter SO"/,, der Jahresmenge) als im nichtgebirgigen Binnenlande (50 — 60 "/o der 
Jahresmenge). Ähnlich verhält es sich mit der Häufigkeit der Niederschläge. Sie nimmt von der Nordseeküste 
nach Osten und besonders nach Südosten schnell ab. Im ganzen Jahre kann man dort nahezu 200, hier kaum 
150 Tage mit Niederschlägen zählen. Auch in dieser Beziehung ist im ebenen Binnenlande der Sommer die 
Hauptregenzeit, an der Küste der Herbst und Winter. Trotz dieser Verschiebung der Maximalzeiten und trotzdem 
die Gewitterhäufigkeit von der Küste nach dem Binnenlande zunimmt, wird doch auch im Sommer die Niederschlags- 
häufigkeit von der Nordseeküste nach dem Festlande geringer. Mai bis September kann man durchschnittlich an 
der ersteren mehr als 70, im ebenen Schlesien, Rheinhessen usw. aber kaum 60 Tage mit meßbarem (über 0,2 mm) 
Niederschlag erwarten. Im Winter ist die Abnahme, dem obigen entsprechend, stärker. 

Die Schneehäufigkeit aber zeigt ein umgekehrtes Verhalten, da die milden Winter der Nordwestküsten häufige 
Schneefälle ausschließen. Dort gibt es im Jahre durchschnittlich nur etwa 20, im östlichen Binnenlande aber bis 
zu 60 Tagen, an denen Schnee fällt. 

Ebenso ist die Zahl der Tage, an denen der Erdboden mit Schnee bedeckt ist, nahe dem Meere ziemlich 
gering (auf den Nordseeinseln etwa 20, an den Küsten etwa 30 im Jahre), während sie in den Kontinent hinein 
schnell anwächst (mittleres Binnenland 50, östliches ebenes Binnenland bis zu 100 im Durchschnitt). 

Bezüglich der Windverhältnisse endlich sei hervorgehoben, daß die Geschwindigkeit der Luftbewegung auf 
dem Meere am größten ist und sich auf dem Wege ins Innere schnell verringert. Nahe der Erdoberfläche, d. h. 
einige Meter darüber, beträgt sie durchschnittlich nahezu 5 m in der Sekunde im mittleren Deutschland, mehr als 
6 m in der Sekunde an den Küsten. Die größere Unruhe der Atmosphäre auf und nahe dem Meere beruht auf 
dem geringeren Reibungs widerstände, den seine Oberfläche der Luftbewegung entgegensetzt, vor allem aber auch 
darauf, daß die großen Luftwirbel vorwiegend auf dem Meere nahe unseren Küsten wandern. Die Hauptwind- 
richtungen an den Küsten unterscheiden sich von denen im Innern nur wenig, sie liegen überall zwischen SW 
und NW, im Frühjahr auch zwischen SO und NO; größere Abweichungen werden nur durch die vertikale Gliederung 
des Landes hervorgerufen. Meer und Festland beeinflussen den Charakter der Winde in verschiedener Weise: in 
Deutschland ist es bei Winden vom Meere her, also von NW, im Sommer vorwiegend kühl und im Winter mild, 
dagegen bei Winden aus dem Festlande, also den östlichen, im Sommer warm und im Winter kalt. 

Diese Eigenschaften des Windes machen sich am Küstensaume auch schon im täglichen Gange bei 
ruhigem Wetter oft recht fühlbar: an warmen heiteren Tagen bringt die Seebrise Erfrischung, und während der 



— xcv — 

Nacht sowie am frühen Morgen weht vom Lande her kalte Luft über die Küsten nach dem Meere (See- und 
Landwind). 

Schließlich darf hier noch eine Eigenschaft der Meeresluft nicht unerwähnt gelassen werden: ihre Staub- 
reinheit. Die Zahl der Staubteilchen beträgt nach Messungen mit dem Aitkenschen Apparate auf dem offenen 
Meere nur einige hundert im Kubikzentimeter, selbst in höheren Gebirgen ist sie schon wesentlich größer, und 
in der Nähe großer Städte steigt sie auf mehrere Hunderttausende an; der Seewind hat also auch in dieser Be- 
ziehung einen besonderen Charakter. 

Alle vorangegangenen Erörteiimgeu imd Zahlenangaben bezogen sich auf die klimatischen Unterschiede 
zwischen meeresnahen und meeresfernen ebenen Gebieten Deutschlands, im folgenden soll nun 

3. der viel größere Einfluß der Erhebung über dem Meere besprochen werden. 

Während der mittlere Luftdruck im Niveau des Meeres sich in ganz Deutschland nur um wenige Millimeter 
unterscheidet (763 im Süden, 761 im Norden), nimmt er mit der Höhe sehr rasch ab; er verringert sich um 1 mm 
in den unteren Schichten bei lim Erhebung, in 1000 m Höhe bei 12 m Erhebung, in den größten Berghöhen 
Deutschlands (etwa 3000 m) bei 15 m Erhebung. Demgemäß hat man in letzteren Höhen bereits den dritten Teil 
der ganzen Luftmasse unter sich. 

Da mit dem Luftdruck auch der Wasserdampf gehalt, und zwai- noch viel schneller, kleiner wu-d, so nimmt 
die Sonnenstrahlung, die auf dem Wege durch die Atmosphäre zu einem großen Teile von ihr absorbiert wird 
(bis an die Erdoberfläche gelangen im günstigsten Falle nur drei Viertel, bei 10° Sonnenhöhe nur noch ein Drittel 
aller Strahlenmengen), nach oben schnell zu. Die Wirkung der Sonne auf die Haut bei Hochgebirgswanderungen 
ist sonach erklärlich und ebenso, daß in windgeschützten Hochtälern an sonnigen Tagen auch im Winter ein 
Aufenthalt im Freien ohne dickere Bekleidung möglich und angenelim ist. Die einzelnen Strahlengattungen werden 
aber beim Durchgange durcli die Atmosphäre in verschiedener Weise geschwächt, am meisten die violetten, am 
wenigsten die roten, denn die Durchlässigkeit nimmt ab mit der Wellenlänge der Strahlen; mit zunehmender Er- 
hebung über dem Erdboden werden daher auch die chemisch wirksamen Strahlen sehr viel stärker zunehmen als 
die Wärmestrahlen und ganz besonders bei tiefstehender Sonne. Leider fehlen genaue Beobachtungsreihen über 
die Sonnenstrahlung, die naturgemäß nicht bloß von der Dichte, sondern auch von anderen Eigenschaften der Luft 
abhängt, noch fast überall; exakte Vergleichimgen hochgelegener Orte miteinander und mit denen des Tieflandes 
sind daher vorläufig nicht möglich. 

Im Gegensatz zur Stärke der Sonnenstrahlung sinkt die Temperatur der Luft — da sie sich ja wie jedes Gas 
mit abnehmendem Drucke abkühlen muß — mit der Höhe sehr schnell. Für die deutschen Gebirge beträgt im 
gesamten Durchschnitt die Abnahme auf 100 m nahezu 0,6°; im Laufe des Jahres zeigt sie periodische Änderungen, 
und zwar wächst sie von 0,4° im Januar auf 0,7° im Frühsommer, um dann wieder langsam zurückzugehen. 
Die mittlere Lufttemperatur eines Ortes ist also in hohem Grade und zwar in gesetzmäßiger Weise von seiner 
Höhenlage abhängig; kennt man seinen Höhenunterschied gegen einen nahegelegenen Ort, dessen Temperatur- 
verhältnisse bekannt sind, so kann man mit großer Annäherung auch seine Temperaturmittel angeben. In Nord- 
deutschland ist der kälteste Punkt die Schneekoppe (1600 m), deren Jahresmittel gerade 0° — gegenüber 8° der 
schlesischen Ebene (150 m) — beträgt, in Süddeutschland die Zugspitze (3000 m), deren Jahresmittel etwa — 6° 
— gegenüber 7° der bayerischen Hochebene (500 m) — beträgt, imd deren Monatsmittel selbst im Sommer kaum 
über 0° hinausgehen. 

Da die vertikale Temperaturabnahme im Sommer groß, im Winter klein ist, so werden mit der Er- 
hebung die Sommer wesentlich kälter, die Winter relativ milder und somit die Jahresamplituden geringer (nämlich 
um etwa 0,3° auf 100 m). Letztere beträgt sonach auf der Schneekoppe 16° (gegen 20° der schlesischen Ebene), 
d. i. ungefähr ebensoviel wie an der Nordseeküste; auf der Zugspitze vermindert sie sich auf etwa 12° (gegen 20° 
der bayerischen Hochebene). Die Erhebung über dem Meere wirkt also, ähnlich wie die Annäherung an das Meer, 
mäßigend auf den normalen Temperaturverlauf. Auch in den extremen Werten ist das gleiche Verhalten zu er- 
kennen. Im Durchschnitt beträgt z. B.: 

in der 

schlesischen Ebene 

(100—200 m) 

das Jahresmaximum 32° 

„ Jahresminimum — 18 

die Gesamtschwankung 50 



am Nordhange 

des Eiesengebirges 

(900 m) 


auf der 

öchneekoppe 

(1600 m) 


27° 


21° 


—20 


—21 


47 


42. 



— XCVI — 

Die Ähnlichkeit mit der Einwirkung des Meeres zeigt eich auch in der Verspätung des Eintritts der Jahres- 
extreme mit zunehmender Höhe; die Verspätung des Maximums ist nicht so deutlich wie an der See, um so mehr 
aber die des Minimums, die schon auf den Gipfeln der deutschen Mittelgebirge erst auf den Februar fällt. 

Das Höhenklima ähnelt dem Seeklima endlich auch insofern, als der tägliche Unterschied der Wärmeextreme 
mit zunehmender Erhebung sich abstmnpft. So beträgt z. B.: 

in der am Nordhange auf der 

schlesischeu Ebene des Eiesengebirges Schneekoppe 
die mittlere Tagesschwankung 8° 7^/2° 6°. 

Dagegen zeigen die Gebirge einen wesentlichen Gegensatz gegen das Meer in der mittleren Veränderlichkeit 
der Temperatur; an diesem hat sie den geringsten AVert in Deutschland (V/i% in jenen aber den größten (2 bis 21/2°)- 
Im Mittelgebirge sind also die Temperaturveränderungen von Tag zu Tag etwa doppelt so groß wie an der Nordsee. 

Die rasche Temperaturabnahme nach oben bedingt endlich auch eine schnelle Verringenmg der Hitzetage 
imd Vermehrung der Frosttage. Auf der Schneekoppe gibt es Hitzetage überhaupt nicht oder höchstens nach 
mehreren Jahren einmal, während die Anzahl der Frosttage auf durchschnittlich 220 im Jahre anwächst 

Die kurze Skizzierung der durch die Höhenlage hervorgerufenen normalen Temperaturverschiedenheiten darf 
nicht abgeschlossen werden, ohne eine gar nicht so seltene und wichtige Anomalie hervorzuheben: die Temperatur 
sinkt wohl im Durchschnitt rasch mit der Höhe, bei bestimmten Wetterlagen und Zeiten aber, besonders in stillen, 
klaren Nächten und an ruhigen, heiteren Wintertagen nimmt sie mit der Erhebung bis zu einer gewissen Höhe zu. 
Diese Zunahme kann sehr beträchtlich sein (sind doch schon 20° auf 1000 m beobachtet worden) und kann so 
lange anhalten, daß selbst die Monatsmittel in der Höhe größer sind als im Tale. Für Höhenkurorte ist diese 
Erscheinung von großer Bedeutung. 

Wie das Meer als Hauptquelle der Luftfeuchtigkeit anzusehen ist, so gelten von jeher die Gebirge als Haupt- 
kondensator der Feuchtigkeit. In der Tat werden durch sie die herangeführten Luftmassen gestaut und zum Empor- 
steigen gezwimgen; die hierdurch bedingte Abkühlung muß aber naturgemäß die Luft dem Sättigungspunkte näher 
bringen und schließlich Kondensation veranlassen. Darauf deutet ja das häufige Vorkommen von Nebel hin. 
Das Gebirge zeichnet sich also wie das Meer durch größere Feuchtigkeit aus; während aber über letzterem deren 
Schwankungen gering sind, ist durch das Spiel der auf- und absteigenden Luftströmimgen für die Höhen ein 
schnellerer Wechsel zwischen Feuchtigkeit und Trockenheit charakteristisch, so zwar, daß die gewöhnlich vor- 
herrschende hohe Feuchtigkeit oft unvermittelt durch exzessive Trockenheit abgelöst wird. Im Durchschnitt nimmt 
im Gebirge die relative Feuchtigkeit mit der Höhe zu — allerdings nur bis zu einer gewissen Grenze, denn über der 
Zone häufigster Sättigung oder Wolkenbildung muß notwendig wieder Abnahme eintreten. In welcher Höhe diese 
Zone gelegen ist, wird von der Jahreszeit abhängen und bei den einzelneu Gebirgen, besonders je nach ihrer Ent- 
fernung vom Meere, verschieden sein. Im Harz erfolgt die Zunahme des Jahresdurchschnitts der relativen Feuchtigkeit 
andauernd bis zum Brockengipfel, nämlich von 80 7o "" Vorlande bis 90 "/o am Brocken; im Riesengebirge scheint 
die Maximalzone schon unter der Schneekoppe zu liegen, denn die mittlere relative Feuchtigkeit = 84 "/j ist nicht 
größer als am mittleren Gehänge, 700 m tiefer; in größeren Alpenhöhen wird sie bereits deutlich zurückgegangen 
sein. Dies rührt besonders von der winterlichen Trockenheit in größeren Höhen her. Schon die Gipfel der Mittel- 
gebirge ragen dann häufig über das Wolkenmeer. Die Schneekoppe hat im Winter geringere relative Feuchtigkeit 
(80 7o) als die Ebene (85 7o). im Sommer freilich aber mn so größere (85 bis 90 gegen 65 bis 70 7o)- I'" 
allgemeinen haben die Landschaften in den deutschen Mittelgebirgen, niedere wie höhere, eine größere relative 
Feuchtigkeit als das Tiefland. 

Demgemäß haben sie auch der Regel nach eine stärkere Bewölkung, ohne jedoch den Betrag der Nordsee- 
inseln zu erreichen. In größeren Höhen kehrt sich dem oben Gesagten entsprechend der jährliche Gang der Be- 
wölkung um: der Sommer ist ebenso trübe wie der Herbst, während der Winter am meisten heitere Tage aufweist. 
Am heitersten ist es in letzterer Jahreszeit um Mittag, was den Kiu-orten in den Hochalpeu wegen der Besonnung 
so sehr zum Vorteil gereicht. Aber schon die Schneekoppe hat im Winter mehr Sonne als das benachbarte Tief- 
land; es werden im Winter durchschnittlich 200 Stunden Sonnenschein beobachtet gegen 170 in der schlesischen 
Ebene, während letztere freilich in den anderen Jahreszeiten viel günstiger steht. 

Mit dem Einflüsse der Gebirge auf die Wolkenbildung hängt ihre große Bedeutung für die Niederschlags- 
verteilung zusammen, nicht bloß auf ihnen selbst, sondern auch in ihrer näheren und weiteren Umgebung. Auf 
ihnen selbst wird mit zunehmender Höhe die Niederschlagsmenge immer größer — bis zu einer gewissen oberen Grenze — , 
am meisten auf der Seite der häufigsten imd feuchtesten Winde, die in Deutschland die Westseite ist. Aber die 



— xcvn — 

Tendenz zur Vermehrung zeigt sich auf der Luvseite schon weit im Verlande, wo ja die Luft bereits eine auf- 
steigende Bewegung annehmen muß. Auf den anderen Seiten ist die Menge weniger groß, und auf der Leeseite, 
wo die Luft wieder allmählich herabsinkt und trockener wird, ist das Nachlassen so stark, daß die Niederschlags- 
mengen sogar geringer werden als sonst im Flachlande. Wie die Höhen und Tiefen, so wechseln daher feuchte 
und trockene Gebiete, aber das Verhältnis zwischen Niederschlags- und Höhenunterschieden ist nicht überall das- 
selbe, sondern je nach der besonderen Lage verändert. Wie im Flachlande, macht sich übrigens auch im Gebirge 
in allen Meereshöhen eine Abnahme der Niederschlagsmengen mit wachsender Kontinentalität, also von Westen 
nach Osten geltend; je weiter im Binnenlande, um so höhere Regionen muß man aufsuchen, um gleiche Mengen 
anzutreffen. So findet man z. B. eine jährliche Niederschlagshöhe von 70 cm, wie sie im Meeresniveau an der 
Nordseeküste vorkommt, in Thüringen und in der Rhön erst in 300 m Seehöhe wieder. 

Die mittlere jährliche Niederschlagshöhe ist in Deutschland am größten in Teilen der Hochvogesen und des 
Watzmanngebirges mit mehr als 200 cm, aber auch einzelne Punkte des Schwarzwaldes und der bayerischen Vor- 
alpen haben etwa 200 cm aufzuweisen. In Norddeutschland ist am regenreichsten das Brockenmassiv mit etwa 
170 cm Niederschlagshöhe, während es das Riesengebirge trotz der größeren Meereshöhe kaimi zu 150 cm bringt. 
Gebiete mit 100 bis 150 cm finden sich in höheren Lagen mehrfach, in größerer Ausdehnung besonders in den 
westlichen Bergländern. In den Tälern und Ebenen der Leeseite nimmt überall die Menge schnell ab, mehrfach 
bis auf die Minimal werte innerhalb Deutschlands; auf der Ostseite des Harzes z. B. gibt es schon Gebiete mit 
kaum 50 cm jährlichem Niederschlag, die also zu den trockensten Deutschlands gehören. Es wird so verständlich, 
daß die Regenmenge in bergiger oder hügeliger Gegend sich mit Sicherheit imd Genauigkeit nur durch Beobachtung 
an Ort und Stelle ermitteln läßt. 

Den besten Anhalt über die Verteilung der Jahreswerte des Niederschlages gibt die Regenkarte von 
Deutschland, welche Geh. Regierungsrat Hellmann seinem soeben (1906 Berlin, D. Reimer) erschienenen Werke 
„Die Niederschläge in den norddeutschen Stromgebieten" beigefügt hat, und die auch dem „Deutschen Bäderbuch" 
beigegeben worden ist. Diese im Maßstabe 1 : 1 800 000 gezeichnete Karte, die auf den Beobachtungen von rund 
3000 Stationen während der Jahre 1893 — 1902 beruht, läßt unter Benutzung zweier Farben (Blau und Braun) mittels 
12 Farbenabstufungen die Gebiete mit 40—50, 50—60, 60—70, 70—80, 80—90, 90—100, 100—120, 120—140, 
140 — 160, 160 — 180, 180 — 200 cm und mit mehr als 200 cm Niederschlagshöhe deutlich hervortreten. Um das 
Bild der Regen Verteilung klar zu gestalten, enthält sie nur das Hauptflußnetz und die größeren Orte; mit Hilfe 
einer Spezialkarte kann aber jeder leicht die Lage seines Ortes eintragen und ermitteln, welchem Regengebiete 
dieser angehört. Alle die voraufgegangenen allgemeinen Erörtei-ungen über die Niederschlagsverteilung werden 
durch sie in anschaulichster Weise und zahlenmäßig bestätigt. Mit einem Blicke übersieht man, wie die großen 
Regenmengen der Gebirge — insbesondere der südlichen imd westlichen — der Trockenheit des Flachlandes 
— insbesondere des östlichen — schroff gegenüberstehen, wie mit der Seehöhe, zumal der relativen, der Nieder- 
schlag wächst und wie die Niederschlagsmengen von Westen nach Osten abnehmen; man erkennt deutlich, daß 
die Lage zum Gebirge je nach den vorherrschenden Winden auf den Niederschlagsbetrag von entscheidender 
Bedeutung ist usw. 

Wie im Flachlande fällt auch in größeren Höhen der Niederschlag am reichlichsten während des Sommers, 
doch macht sich in allen deutschen Gebirgen mit Ausnahme der Alpen im Sommer eine relative Abnahme mit 
zunehmender Höhe bemerkbar, indem die Wintemiederschläge verhältnismäßig stärker werden — besonders in den 
küstennahen Gegenden und auf den Luvseiten. Auf dem Plateau des Oberharzes sind z. B. die Sommemieder- 
schläge nur etwa doppelt, die Wintemiederschläge aber viermal so groß wie im niederen Vorland. 

Mit der Menge nimmt auch die Häufigkeit der Niederschläge in der Höhe zu. Man kann in den nord- 
deutschen Mittelgebirgen jährlich nahe an 200 oder auch mehr Tage mit meßbarem (über 0,2 mm) Niederschlag 
zählen. Auf die Jahreszeiten verteilen sie sich ziemlich gleichmäßig, doch scheint im Osten auch in höheren Lagen 
der Sommer, im Westen der Winter bevorzugt zu sein. Während der Saison, Mai bis September, muß man in 
den Bergen mit 70 — 80 Niederschlagstagen und stellenweise sogar noch mit mehr rechnen. 

Mit der schnellen Temperaturabnahme nach oben hängt es zusammen, daß im Gebirge ein großer Teil der 
Niederschlagstage Schneetage sind. In den westlichen Bergländern kann man im Durchschnitt jährlich bis zu 80, 
in den südlichen bis zu 90, in den östUchen bis zu 100 Tage mit Schnee (s. oben) zählen. Auf den Nordseeinseln fällt 
der erste Schnee der Regel nach Anfang Dezember, in mittleren Gebirgslagen im Oktober, auf den höchsten Spitzen 
schon im August, so daß hier also eigentlich kein Monat ohne Schneefall ist. Es darf wohl aber in hygienischer 
Beziehung als ein Vorzug der Gebirge angesehen werden, daß infolge des häufigen Schneefalls und der niederen 
Temperatur der Schnee lange liegen bleibt und so die Luft ziemlich staubfrei hält. Den wenigen Tagen mit Schnee- 

vn 



— xcvm — 

decke an der Nordsee (s. oben) stehen im Grebirge ganze Monate mit dauernder Schneelage gegenüber; schon in 
den Mittelgebirgen, wenigstens in deren höheren Lagen, gibt es durchschnittlich beinahe ebensoviel Tage mit 
Schneedecke wie ohne Schneedecke. 

Was endlich die Luftbewegung betrifft, so wird sie in freier Höhe ein wenig von ihrer Richtung nach rechts, 
d. h. im Sinne des Uhrzeigers, abgelenkt und — was am merkbarsten ist — stark beschleunigt. Frei emporragende 
Punkte im Gebirge werden daher immer windig vmd rauh erscheinen. Meist bietet jedoch das Gebirge seinen 
Wohnstätten, die ja gewöhnlich im Tale oder am Hange liegen, einen Schutz, besonders wenn seine Streichungs- 
richtung den vorherrschenden Winden entgegensteht; der Windschutz ist gleichzeitig ein Kälteschutz, wenn durch 
Gebirgsketten die nördlichen und östlichen kalten Luftströmungen abgehalten werden. Größere Gebirgszüge be- 
einflussen auch die Luftbewegung im benachbarten Flachlande; so ist das starke Hervortreten der Nordwest- 
imd Südostwinde in der schlesischen Ebene auf die Richtung des Sudetenzuges zimickzuführen. Ln Gebirge selbst 
aber wird je nach der Bodengestaltung der Wind unregelmäßig abgelenkt sowie in seiner Stärke beeinflußt, und 
die abwärts oder aufwärts gerichteten Strömungen werden bald reine Höhenluft, bald aber auch die staubhaltige 
Luft der Niederungen den G«birgsorten zuführen; nur durch Beobachtungen an Ort und Stelle lassen sich alle 
diese Windverhältnisse einwandfrei feststellen. 

Die schnellere Luftbewegung haben die größeren freien Höhen mit dem Meere imd den Küsten gemein; 
sie wirkt hier wie dort auf die Verdunstung im allgemeinen und insbesondere auf die des menschlichen Körpers 
beschleunigend. Während aber der gleichmäßig hohe Feuchtigkeitsgehalt der Luft am Meere die Verdunstung 
doch in ziemlich engen Grenzen hält, wird sie an Höhenorten infolge des verminderten Luftdrucks, der erhöhten 
Sonnenstrahlung und der nicht seltenen großen Trockenheit noch weiter vermehrt — und dies ist für die Wasser- 
dampfabgabe des Körpers bei der niederen Lufttemperatur in der Höhe um so mehr von Belang. 

Wo die Verdunstung aufgehoben oder stark verringert ist, kann sich leicht das Gefühl der Schwüle ein- 
stellen. Aus den angeführten Gründen wird es in freien Höhen wohl nie vorkommen; auch auf unseren Meeren 
und an unseren Küsten dürfte es niu- eine seltene Erscheinung sein; dagegen wird im eigentlichen Binnenlande, 
vor allem aber in windgeschützten, wasserreichen Tälern bei warmer und feuchter Luft stets Schwüle herrschen. 
Lidessen läßt sich der Begriff Schwüle, wenn man auch die begleitenden oder bedingenden Luftzustände zumeist 
kennt, nicht streng definieren. Es spielen sicherlich nicht bloß physiologische, individuell wechselnde Einflüsse 
dabei mit, sondern es sind wahrscheinlich auch noch weniger beachtete oder bekannte physikalische Zustände der 
Atmosphäre von Belang, die vielleicht einmal das Gefühl der Schwüle wie manche andere Empfindungen er- 
klären werden. 

Dahin gehören in erster Linie wohl die elektrischen Zustände der Luft, von denen hier wenigstens einige 
Momente hervorgehoben werden mögen. Über Entstehung, Wechsel imd Verschwinden der Luftelektrizität hat 
die moderne lonentheorie die plausibelsten Aufklänmgen gebracht Danach ist die Spaltung der neutralen Luft- 
molekeln in positiv und negativ geladene bewegliche Ionen durch radioaktive Strahlung als Ursache der Luft- 
elektrizität anzusehen. Die Ionisierung schreibt man der idtravioletten Sonnenstrahlung und neuerdings besonders 
der Bodenluft (Quellen und deren Sedimenten) zu. Je größer die Zahl und Beweglichkeit der Ionen, desto größer 
wird die elektrische Leitfähigkeit der Luft sein. Auf dem Meere und an den Küsten ist sie, abgesehen von 
Störungen (Brandung, Sturm), im Diu-chschnitt viel geringer gefunden worden als im Binnenlande und hier geringer 
als auf den Bergen. Wind, Wärme, Luftklarheit und Sonnenstrahlung erhöhen die Zerstreuung, Luftruhe dagegen. 
Kälte, Lufttrübung, Feuchtigkeit und insbesondere Nebel verringern sie. Luft aus der Höhe bedingt starke Zer- 
streuung; besonders reich an Ionen scheint die schnell herabsinkende Föhnluft zu sein, und darauf sind wohl z. T. 
die mannigfachen Krankheitssymptome bei Föhn zurückzuführen. 

In der freien Atmosphäre und in größeren Höhen nimmt die elektrische Spannung, d. h. das Potentialgefälle 
schnell ab imd wird schließlich in wenigen Kilometern Höhe gleich NulL In geringen Höhen und nahe der Erd- 
oberfläche aber spielt nicht die Höhe, sondern die Formation des Geländes die Hauptrolle; alle Spitzen imd besonders 
auch die Bergspitzen weisen ein starkes Potentialgefälle auf. Nach Ort und Zeit schwankt so die Leitfähigkeit 
und das PotentialgefäUe; wiU man daher Beziehungen zu hygienischen Fragen feststellen, dann werden längere 
Beobachtungen an den in Frage kommenden Punkten nicht zu umgehen sein. 

Es spielt eben 

4. die besondere Lage des Ortes eine nicht zu unterschätzende RoUe, da sie das gesetzmäßige Verhalten 
aller klimatischen Elemente nennenswert abzuändern vermag. Dem Kundigen geben schon die Vegetationsverhältnisse 
hierüber unmittelbar Aufschluß. Oben waren bereits einige Modifikationen des Klimas infolge besonderer Lage 
zum Gebirge gelegentlich gestreift. Zur Ergänzung möge nun noch auf andere wichtigere Momente hingewiesen werden. 



— XCIX — 

Während das Klima der Gipfel und Kämme sich dem Seeklima nähert, und insbesondere der Temperatur- 
verlauf auf ihnen abgestumpfter als im Flachlande ist, neigen Bodensenkungen und Einschnitte wieder mehr zum 
Kontinentalklima. 

Allseitig umschlossene Täler sind trockener, heiterer und bei dem durch die umgebenden Berge gebotenen 
Windschutze der Ein- tmd Ausstrahlung stärker ausgesetzt; die Maxima der Temperatur werden erhöht, die Minima 
bedeutend vertieft und so die Schwankungen beträchtlich vergrößert. In den Riesengebirgstälem beträgt z. B. trotz 
der größeren Seehöhe (300 bis 600 m) das mittlere Jahresmaximum 31°, das mittlere Jahresminimum — 24°, die 
Jahresschwankung also 55°, xmd femer die mittlere tägliche Schwankung im Jahresmittel 10° — das sind (vgl. 
oben) alles so ziemlich die größten Beträge in Deutschland. 

Infolge der starken täglichen Temperaturschwankung stellen sich in den Tälern am Tage aufwärts, in der 
Nacht abwärts gerichtete Luftbewegimgen (Berg- und Talwind) ein, die ziemlich heftig werden können imd gerade 
dann mit Regelmäßigkeit auftreten, wenn allgemeinere atmosphärische Störungen nicht bestehen, die Ebenen Wind- 
stille haben. 

Läuft das Tal nordsüdlich und ist es nach Norden geschützt, so kann die Tagestemperatur, zumal im Winter 
(Winterkurorte), wesentlich erhöht werden. Ist der Talzug westöstlich, also in der Hauptwindrichtung, dann ist die 
Aspiration lebhafter und der Temperaturverlauf mäßiger. 

Täler und Vorland auf der Leeseite der Gebirge sind wegen der vorwiegend herabsteigenden Tendenz der 
Winde niederschlagsärmer, trockener imd ruhiger als die Umgebung; bei stärkeren Luftdruckdifferenzen aber werden 
sie gelegentlich von um so heftigeren, warmen Fallwinden (Föhn auf der Nordseite der Alpen, aber auch der Mittel- 
gebirge) heimgesucht. 

Gebirgshänge liegen auch in klimatischer Beziehung zwischen Talgrund und Gipfel. An den charakteristischen 
Unterschieden zwischen Luv- und Leeseite nehmen sie entsprechend teil. Nach Süden geneigt und seitwärts geschützt, 
können sie den Vorzug größerer Sonnenstrahlung und hoher Tagestemperaturen ohne den Nachteil zu tiefer Nacht- 
temperaturen haben. Nach Norden gerichtet, erleiden sie mit dem Verlust an Sonnenschein auch eine Erniedrigung 
der Lufttemperatur. So erkennt man schon nach den wenigen Hauptzügen, daß jede Lage im Gebirge gewisser- 
maßen ihr besonderes Klima hat 

Auch die geringfügigeren Unterschiede der Lage im Tieflande sind nicht ganz ohne Bedeutung für die 
klimatischen Verhältnisse. Auf den flachen Bodenwellen spiegeln sich die Eigentümlichkeiten der Gebirge deutlich, 
aber freilich geschwächt wieder. Die Binnenseen vermögen die Witterungszustände der Ufer, besonders infolge der 
leichteren Luftbewegung, ebenfalls zu beeinflussen; die Nordufer können sogar, wenn sie etwas steil ansteigen, 
durch die Wärmespiegelimg vom See eine bemerkenswerte Erhöhung der Temperatur (z. B. Bodensee) erfahren. 
Zwischen dem Luftzustande am Strande und in den Dünen besteht ein fühlbarer Unterschied, und es erweist sich 
nicht als gleichgültig, ob Sand oder Humuserde den Boden bildet usw. 

Zu diesen Einflüssen der natürlichen Lage auf die Beschaffenheit der Atmosphäre treten endlich noch 

5. die Beeinflussungen durch die Vegetation und durch die Kultur. Besonders schreibt man den 
Wäldern eine maßgebende Bedeutung zu, die wohl aber sehr überschätzt zu werden pflegt. Sicher wirken die 
Wälder als Windschutz, nicht bloß für ihr Inneres und für Waldblößen, sondern auch für das benachbarte Gelände. 
Ferner mäßigen sie den Temperatur verlauf; allerdings wird in Urnen die mittlere tägliche Schwankung der Luft- 
temperatur kaum um 1° herabgedrückt, aber durch ihr Laubdach hemmen sie exzessive Sonnenstrahlung und er- 
. wecken so das Gefühl größerer Kühle. Endlich vermehren sie die relative Feuchtigkeit und die Niederschlags- 
menge in veränderlichem, noch nicht genau angebbarem, aber wahrscheinlich geringfügigerem Maße. 

Wie den Wäldern, so kann man auch anderen Vegetationsformen, den Mooren, Wiesen usw. gewisse Be- 
ziehungen zu den örtlichen Witterungserscheinungen beimessen, ebenso den durch höhere Kultur hervorgerufenen 
Eingriffen der Menschen. Es sei hier nur auf den Einfluß umfangreicherer Ansiedelungen, der Großstädte, ver- 
wiesen. In letzteren sind, wie festgestellt, die Dm-chschnittstemperaturen bis zu 1°, die Temperaturminima um 
mehrere Grade höher als im Freiland, die Feuchtigkeit aber und die Windgeschwindigkeit nicht unbeträchtlich 
geringer; man könnte von einem günstigeren Klima reden, wenn nicht die Verunreinigungen der Luft und die 
sonstigen durch das Zusammenwohnen der Menschen veranlagten Übelstände wieder alles wettmachten. 

AUe solche örtlichen Beeinflussungen des Klimas, die hier nur nach einigen Gesichtspunkten beleuchtet 
werden konnten, der modernen Forschung aber noch ein weites Feld bieten, sind sicher gerade für gesundheitliche 
Fragen sehr von Belang. Sie können aber in exakter und zu sachgemäßen Vergleichen geeigneter Weise nur auf 
Grund einwandfreier, langjähriger Beobachtungen an Ort und Stelle ermittelt werden. Die Beobachtungen 
sollen einwandfrei sein, d. h. sie erfordern gute geprüfte meteorologische Instrumente, wissenschaftlichen Ansprüchen 

vn* 



genügende Aufstellung und gewissenhafte Bedienung derselben, endlich einheitliche Leitung und Beaufsichtigung durch 
Fachleute. Sie müssen auch langjährig sein, denn es lösen sich im Laufe der Jahre warme und kalte, 
feuchte und trockene Perioden von wechselnder Dauer miteinander ab, und je nachdem die Beobachtunj^sergebnisse 
eines Ortes aus der einen oder anderen Periode gewonnen sind, werden sie nach der einen oder anderen Richtung 
hin das normale KlimabUd verschieben und leicht zu unzutreffenden Schlußfolgerungen führen. 

Wie sehr es aber an solchen als Unterlage zur Beantwortung wissenschaftlicher und praktischer Fragen 
brauchbaren Beobachtungen fehlt, kann man an den dürftigen und vieKach unsicheren Angaben erkennen, die das 
vorliegende Buch zu bieten imstande ist. 

Die staatlichen meteorologischen Ämter haben die Aufgabe, allgemeinen Landesinteressen zu dienen. Be- 
sondere Interessen aber erfordern besondere Veranstaltungen seitens der Beteiligten. Es wäre daher wohl zu 
wünschen, daß die Bäder oder deren Verbände, die oft so eindringlich auf die Wichtigkeit des besonderen Klimas 
hinweisen, zu seiner speziellen Erforschung tatkräftig selbst beisteuerten. 



— CI — 



6. Volkswirtschaftlicher Teil. 

Von H. Kauffmann in Berlin. 



Die Mineralquellen und Kurorte haben für Deutschland einen erheblichen wirtschaftlichen Wert von dauernd 
wachsender Bedeutung, wie die folgenden Zusammenstellungen erkennen lassen. In gleichmäßiger Steigerung ver- 
(Tößern sich sowohl die Besucherzahlen in den Kurorten als auch die Ziffern für den Versand von Mineralwasser, 
von dem ein großer Teil zur Ausfuhr, besonders nach überseeischen Ländern gelangt. Vergleichszahlen für andere 
Länder fehlen, doch dürfte Deutschland in der Gesamtbesucherzahl an führender SteUe stehen, auch wenn man 
die Seebäder außer Betracht läßt; der Heilwässerversand ist in Österreich-Ungarn und auch in Frankreich erheblich 
größer als in Deutschland, dagegen überragt die deutsche Produktion an den aus Mineralquellen gewonnenem Tafel- 
wasser sehr erheblich die aller anderen Länder. 

Bei der folgenden Zusammenstellung, für welche die in den einzelnen Texten mitgeteilten Zahlen als Unter- 
lagen dienten, sind die Besucher der Luftkurorte nicht berücksichtigt, sondern nur die der QueUenkurorte und 
Seebäder. Einzelne Kurorte und Mineralquellen, für die die erforderlichen Zahlenangaben nicht vorlagen, mußten 
bei der Zusammenstellung unberücksichtigt bleiben. Für das Jahr 1905 fehlten bei einigen, meist kleineren Orten 
die Angaben; dafür sind die Zahlen des Vorjahres eingestellt. Passanten sind nicht mitgerechnet; nur bei den 
beiden größten deutschen Kurorten Wiesbaden und Baden-Baden war eine Trennung nicht möglich, da für Wies- 
baden die Zahl der Gäste zu längerem Kvu-gebrauch im Jahre 1905 mit 63 445, zu kürzerem Kurgebrauch mit 
93 070, für Baden-Baden nur die Gesamtzahl der Besucher mit 77 555 angegeben ist. Da bei einzelnen Ostsee- 
bädern nur die Zahlen einschließlich der Passanten vorlagen, wobei die letzteren meist auf ein Drittel der Ge- 
samtziffem geschätzt wurden, sind in solchen Fällen stets ^/j der Gesamtzahl in Rechnung gestellt worden. 

An der Spitze der deutschen Bäder stehen der Besucherzahl nach Wiesbaden und Baden-Baden mit den 
oben vermerkten Ziffern. Bezüglich der Bäderzahl ist in Nauheim mit 883 748 abgegebenen Bädern die Höchstzahl 
erreicht; dann folgt Kissingen mit 278 879 verabreichten Bädern. Fachingen und Ems haben den größten Ver- 
sand an Heilwässem mit 8 259 526 und 2 884 000 Gefäßen, Apollinarisbrunnen mit rund 30 Millionen und 
Rhens mit 7 Millionen Gefäßen die Führung unter den Tafelwässern. Von den Nordseebädem weisen die höchsten 
Besuchsziffem auf Nordemey, das seine Besucher einschließlich der Passanten auf 87 874 angibt, und Helgoland 
(ohne Passanten 26 707); von den Ostseebädern meldet Swinemünde 32 928 Besucher einschließlich der Passanten 
(so daß also 21952 hier in Rechnung gestellt sind); danach folgt Ahlbeck mit 18 479 Kurgästen. 



Auf die einzelnen Bundesstaaten verteilen sich die Orte mit Mineralquellen und die Seebäder wie folgt: 



Bundesstaat 



Preußen 

Bayern 

Königreich Sachsen . . . 

Württemberg 

Baden 

Hessen 

Mecklenburg-Schwerin , 
Großherzogtum Sachsen 

Oldenburg , 

Braunschweig 

Sachsen-Meiningen . . . . 
Sachsen-Altenburg . . . . 



Orte mit 
Mineralquellen 



QueUen- 
kurorte 



102 

34 

12 

16 

17 

4 

3 

2 

1 

3 

2 

1 



Versand- 
quellen 



23 
1 



Seebäder 



Nord- 
seebader 



19 



Ostsee- 
bader 



73 



10 
4 



Bundesstaat 



Sachsen-Coburg-Grotha 

Anhalt 

Schwarzburg-Sondershausen. . 
Schwarzburg-Eudolstadt . . . . 

Waldeck 

Keuß j. L 

Schaumburg-Iiippe 

Lippe 

Lübeck 

Hamburg 

Elsaß-Lothringen 

znsamineii: 



Orte mit 
Mineralquellen 



Quellen- 
kurorte 



216 



Versand- 
quellen 



34 



Seebäder 



Nord- 
seebäder 



25 



Ostsee- 
bäder 



88 



cn — 



Besucherzahl, Bäderzahl und Versandziffem in den Jahren 1903, 1904, 1905. 



Jahr 


Qaellenkurorten 


Zahl der Besucher Ton 
Kordseebädem 




1 

Zahl der verabreichten 
MineralbOder 


Zahl der versandten Gefäße 

HeilvSaser { lUelwüsaer 

... 1 


1903 
1904 
1905 


567 096 
618 196 
670 846 


112 202 
130 662 
146 323 


195 596 
220 697 
255 832 


3 370 930 
3 601 346 
3 818 920 


11 438 HO 
11813 604 

12 539 551 


90 619 368 

99 120 549 

108 064 489 


zusammen: 


1S56138 


389187 


672 125 


10 791 196 


36 791 266 


297 804 406 



Besucherzahl in den 


Kurorten der einzelnen Bundesstaaten in 


den Jahren 1903, 


1904, 1905. 






IJuellenkurorte 




STordseeb&der 






Ostseebäder 


Bundesstaat 




















1903 


19W 


1905 


1903 


1904 


1905 


1903 


1904 1905 


"Prpiißpn 


313 656 
58 340 
14 769 


350 340 
60 429 
15 946 


374 555 
63 831 
17 729 


97 595 


112 158 


124 937 


158 744 


178 132 205 596 


ß&y6m 




_ 


Königreich Sachsen 


— 




15 263 


16 915 


18 552 




















ßa^gn 


88 388 

26 763 

2 247 


88 355 

26 644 

2 273 


100 156 

28 878 

4 038 


— 


- 




25 634 


29 032 





TTwwpTi 





Mecklenburg -Schwerin 


35 328 


Großherzogtum Sachsen .... 


2 357 


3 316 


3 843 


— 


— 


— 


— 


— 


— 




2121 
10128 


2 087 
15 258 


2 319- 
15 409 


5 710 


7 504 


8 404 


5 018 


5 705 


6 965 






Sachsen -Meiningen 


5 456 


5 814 


6 892 


— 


— 


— 


— ■ 


— 


— 


Sachsen -Altenburg 


20 


15 


26 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


Anhalt 


2 041 


2 521 


785 
2.521 


I 


— 


z 


— 


— 


. 


Schwarzburg -Kudolstadt .... 


— 


Waldeck 


14 936 


16 542 


17 882 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


Reuß j. L 


1271 


1110 


1250 


— 


— . 


— 


— 


— 


— 


Schaumburg -Lippe 


1536 


1619 


1680 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


lippe 


6 384 


7 041 


8103 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


Lübeck 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


6 200 


7 828 


7 943 


Hamburg 


— 


— 


— 


8 897 


11000 


12 982 


— 


— 


— 


Elsaß -Lothringen 


1420 


1971 


2 397 


— 


— 


— 


— 


— — 


zusammen: 


567 096 


618196 


670846 


112202 


130662 


146323 


195696 


220697 


266832 



Bäderzahl und Versandziffem in den einzelnen Bundesstaaten in den Jahren 1903, 1904, 1905. 



Bundesstaat 



Zahl der verabreichten Minerslbäder 
1903 1904 1906 



Zahl der versandten Gefäüe Heilwässer 
1908 1904 ! 1905 



Zahl der versandten Gefäße TafelwHsser 
1903 1904 1905 



Preußen 

Bayern 

Königreich Sachsen 

Württemberg 

Baden 

Hessen 

Mecklenburg-Schwerin . . . 
Großherzogtum Sachsen . . 

Braunschweig 

Sachsen-Meiningen 

Sachsen-Altenburg 

8achsen-Ck)burg-Gotha . . . 

Ajüialt 

Schwarzburg-Kudolstadt . . 

Waldeck 

Iteuß j. L. 

Schaumburg-Lippe 

Lippe fc 

Elsaß-Lothringen 

zusammen: 



1 493 280 

470 404 

144 656 

244 235 

309 695 

363 988 

12157 

21908 

19 849 

42 847 

1655 

5 292 

21 202 

114 236 

8 419 
10 726 
77 881 

8 500 



1 629 745 

489 757 

150 116 

247 662 

322 737 

374 686 

12 929 

22 304 

23113 

49 765 

1978 

6160 

22 842 

126 634 

7 477 

12 280 
87 961 

13 200 



3870930 3 601346 



1704 711 
507 703 
177 332 
261 813 
353 920 
402 265 

12 934 

22 711 

23 037 
51907 

2 007 

5 369 

23 013 

140 184 

9 420 
11785 
95 759 

13 050 



3818920 



8 746 643 

700 129 

22 400 

27 640j 

118 645! 



8 898 180 

742 613 

23 500 

31530 

123 650 



420 OOO! 440 000 



1000 



1 393 653 



1000 



9 447 227 

774 472 

26 000 

35 000 

124 515 



440 000 
1000 



72 772 489 



76 516 247 



5 236 760 6 952 000 

332 530| 402 230 

9 930 297!ll977 694 



855 652! 1183 836 



82 046 455 



8 175 000 

462 500 

13 384 400 



1 203 618 



1504 131 1626 337 



80001 49 000 65 000| 1 491 640| 2 088 542 2 792 516 



11 438 llOlll 813 604ll2 639 &6l||90 619 368|99 120 649| 108 064 489 



cm 



Übersicht über die Besitzverhältnisse von Mineralquellen. 

Anzahl von Kurorten, an denen sich Mineralquellen im Besitz des Fiskus, eines Domaniums, von Kommunen, 
Gesellschaften oder Privatpersonen befinden. 

(Orte, deren Mineralquellen verschiedenen Besitzern gehören, sind hier dementsprechend mehrfach gezählt, 
ausgenommen, wenn es sich um Quellen handelt, die nur in einzelnen Häusern benutzt werden, wie in Wiesbaden.) 



Bundesstaat 



Preußen 

Bayern 

Königreich Sachsen 

Württemberg 

Baden 

Hessen 

Mecklenburg-Schwerin . . . 
Großherzogtum Sachsen . . 

Oldenburg 

Braunschweig 

Sachsen-Meiningen 

Sachsen-Altenburg 

Sachsen-Coburg-Gotha . . . 

Anhalt 

Schwarzburg-Sondershausen 
Schwarzbiurg-Rudolstadt . . 

Waldeck 

Reuß j. L 

Schaumburg-Lippe 

Lippe 

Elsaß-Lothiingeu 



zosanunen: 



Fiskalischer Besitz 
Eigener Betrieb Pachtbetrieb 



12 
3 
1 
1 
3 
2 



25 



Domanialbesitz 



12 



Kommunal- 
besitz 



Aktien- u. andere 
! Oesellschaiten 



Privatbesitz 



20 
2 
2 
4 
2 
1 

1 
1 
1 



44 


51 


4 


23 


1 


8 


5 


8 


— 


11 


1 


5 


— 


1 


2 


— 


1 


2 





1 


1 


1 


1 





— 


2 


— 


1 


2 


6 



62 



120 



Die Seebäder gehören fast durchweg den betreffenden Kommimen, nur Nordemey ist in fiskalischem Besitz 
und Betrieb. 

Nimmt man an, daß ein Kurgast für einen Kuraufenthalt einschließlich Reisekosten, Ärztehonorar, Bäder usw. 
in den Quellenkurorten 400 M., in den Nordseebädern 250 M., in den Ostseebädern 200 M. ausgibt, so berechnen 
sich aus den oben mitgeteilten Zahlen folgende Summen, die im Jahre 1905 für den Besuch der Kurorte aus- 
gegeben wurden: 

Quellenkurorte 670 846 X 400 = 268 338 400 M. 

Nordseebäder 146 323x250= 36 580 750 „ 

Ostseebäder 255 882 X 200 = 51166 400 „ 

zusammen: 356 085 550 M. 

Der Wert der im Jahre 1905 zum Versand gebrachten Mineralwässer berechnet sich, wenn man den durch- 
schnittlichen Verkaufswert am Quellenorte für Heilwässer mit 30 Pf., für Tafelwässer mit 16 Pf. für das Gefäß 
einstellt, wie folgt: 

Heilwässer.... 12 539 551 X 30 Pf. = 3 761 865 M. 
Tafelwässer .... 108 064 489 X 16 „ = 17290318 „ 

zusammen: 21 052 183 M. 

Für den Gebrauch der natürlichen Heilmittel im Deutschen Reiche wurden danach im Jahre 1905 von den 
Heilungsuchenden ausgegeben: 

356 085 550 M. 

- f 3 761865 „ 
zusammen: 359 847 415 M. 

Rechnet man dazu noch den Wert der Tafelwässer 17 290318 M., so ergibt sich die Summe von 377 187 733 M. 



CIV 



Von dieser Summe entfällt auf die einzelnen Bundesstaaten: 

Preußen 238 



Bayern 

Königreich Sachsen . . 

Württemberg 

Baden 

Hessen 

Mecklenburg-Schwerin . , 
Großherzogtum Sachsen 

Oldenburg 

Braun schweig 

Sachsen-Meiningen . . 
Sachsen-Altenburg . . . 
Sachsen-Coburg-Gotha . 

Anhalt 

Schwarzburg-Rudolstadt 

Waldeck 

B>euß j. L 

Schaumburg-Lippe . . . 

Lippe 

Lübeck 

Hamburg 

Elsaß-Lothringen ... 



25 
7 
8 
40 
13 
8 
1 
4 
6 
2 



137 051 M, 

764 742 
099 400 
739 300 
173 754 
692 704 
680 800 
537 200 
421 600 
356 179 
888 800 
10 400 
300 
314 000 
008 400 
640 701 
500 000 
672 000 
241 200 
588 600 
245 500 
425 102 



377 137 733 M. 

Für Pastillen, Quellsalze, Mutterlauge und Mutterlaugensalze kann man noch 1000 000 bis 1200 000 M. 
jährlich dieser Summe hinzurechnen. 

Die vorstehenden Zusammenstellungen und Berechnungen geben ein Bild von der wirtschaftlichen Bedeutung 
der Mineralquellen und Bäder für das Deutsche Reich, für das sie auch nach dieser Richtung hin einen Schatz 
bilden, der sorgliche Pflege verdient. 



I. Mineralquellen. 




— 3 — 

1. Einfache kalte Quellen (Akratopegen). 

Von Dr. C. Jacob j, 
o. ö. Professor, Direktor des Pharmakologischen Instituts der Universität GöttLngen. 

(Chemische Analysen bearbeitet von Professor Dr. E. Hintz und Dr. L. Grünhut.) 

Einfache kalte Quellen (Akratopegen) sind Quellen von gleichbleibender, die mittlere Jahrestemperatur des 
Ortes übersteigender, andererseits 20° nicht überschreitender Temperatur und von gleichbleibender chemischer Zu- 
sammensetzung, arm an freiem Kohlendioxyd und an gelösten festen Bestandteilen. In 1 kg des Wassers beträgt 
die Menge des freien Kohlendioxyds weniger als 1 g, die der gelösten festen Bestandteile ebenfalls weniger als 
1 g. Sie stehen den gewöhnlichen Brunnenwässern am nächsten; von den einfachen warmen Quellen sind sie 
durch die niedrigere Temperatur, von den Säuerlingen durch den geringeren Gehalt an freiem Kohlendioxyd, von 
den übrigen Gruppen durch den geringeren . Gehalt an gelösten festen Bestandteilen abgegrenzt. Auch die sonst 
„einfach erdig" genannten Quellen, bei denen die Menge der gelösten festen Bestandteile 1 g überschreitet imd 
unter diesen Bestandteilen Hydrokarbonat-Ionen einerseits, Calcium- und Magnesium-Ionen anderseits vorherrschen, 
die also in ihrer Zusammensetzung sich von harten Brunnenwässern nicht wesentlich unterscheiden, können zu 
dieser Gruppe gerechnet werden. 

Bei den „einfachen kalten Quellen" handelt es sich lediglich um die Wirkungen des Wassers und dessen 
niederer Temperatur (vgl. pharmak. Einleitung), da die gelösten Bestandteile Sonderwirkungen wegen ihrer 
geringen Menge nicht hervortreten lassen. 

Bei innerlicher Aufnahme kommt die allgemeine Wasserwirkung im Sinne einer Wasserdurchspülung des 
Körpers therapeutisch vor allem in Betracht (vgl. pharmak. Einleitung). Die örtliche spezifisclie Wasserwirkung auf 
die Schleimhaut des Magens wird aber bei der durch den Kältereiz begünstigten Peristaltik und schnelleren Ent- 
leerung des Magens eine geringere sein. Wo eine solche beabsichtigt wird, müssen diese Wässer erwärmt getrunken 
werden. Der Kältereiz regt wie im Magen so am oberen Dünndarm und den diesen Teilen anliegenden Darm- 
abschnitten, vor allem am Dickdarm peristaltische Bewegungen an, welche zu einer Beförderung des Stuhlgangs 
führen, zumal wenn etwas größere Mengen des kalten Wassers morgens bei leerem Magen getrunken werden und 
gleichzeitig durch entsprechende körperliche Bewegung (Gehen) für eine schnelle Entleerung des Magens gesorgt 
wird. Eine solche Trinkkur läßt sich bei der Behandlung zahlreicher, durch eine unhygienische Lebensweise ver- 
verursachter Gesundheitsstörungen zu einer therapeutisch sehr vorteilhaften Maßnahme gestalten, indem sie ohne medi- 
kamentöse Reizung eine regelmäßige morgendliche Stuhlentleerung zu erzielen und die gesamte Lebensweise zur 
Norm zurückzuführen ermöglicht. 

Bei äußerlicher Anwendung dieser Quellen kommt die spezifische Wasserwirkung auf die Haut und von 
ihr entblößte kranke Gewebeteile (vgl. pharmak. Einleitung) wegen der kurzen Dauer des kalten Bades kaum wirksam 
zur Entfaltung. Sie läßt sich aber erzielen, wenn bei genügendem Wechsel des künstlich erwärmten Quellwassers, 
wie in den sogenannten Wasserbetten, ein entsprechend langes Verweilen des Kranken im Bade ermöglicht wird. 

Im anderen Falle handelt es sich bei der äußeren Anwendung unserer Wässer nur um die Wirkungen nie- 
derer Temperatur auf die Haut, welche die Grundlage der Kaltwasserbehandlungen bilden. 

Während man aber bei diesen im allgemeinen keine Rücksicht auf die Herkunft des kalten Wassers nimmt, 
vielmehr neben Quellwasser auch beliebige Brunnen- und Oberflächenwässer benutzt, welche Schwankungen der 
Temperatur, wohl auch Verunreinigungen ausgesetzt sind, ist es bei den Akratopegen ein reines, in seiner Tempe- 
ratur sich immer gleichbleibendes Quellwasser, was zur Verwendung gelangt. 

Der heilsame Einfluß der Kaltwasserbehandlung beruht einerseits auf dem durch die niedere Temperatur an 
der Haut verursachten sensiblen Reiz, welcher auf die Funktionen des Zentralnervensystems nach verschiedenen 
Richtungen erregend wirkt und auf dem Wege des Reflexes auch die Blutgefäße, Herztätigkeit und Atmung zu 
beeinflussen vermag, andererseits kommt aber wohl auch noch eine direkte Beeinflussung der Hautgefäße und 
die durch eine solche bedingte veränderte Blutverteilung mit in Frage. 

Unter kurzer, mäßiger Kältewirkung, wie sie bei Anwendung unserer Quellen meist nur in Frage kommt, 
ziehen sich die Hautgefäße zunächst zusammen, so daß der Blutstrom sich mehr den tiefer liegenden und inneren 
Körperteilen zuwendet. Nach Entfernung des Kältereizes erschlaffen die Hautgefäße sehr bald wieder, und es 
kommt damit unter erhöhtem subjektiven Wärmegefühl zu vermehrter Blutzufuhr zur Haut bei gleichzeitiger 
Herabsetzung des Blutzuflusses zu den inneren Teilen. 



— 4 — 

Diese durch vorübergehend wirkende niedere Temperaturen in der Zirkulation bewirkten Veränderungen können 
in ihrer Stärke, Dauer sowie räumlichen Ausdehnung durch die verschiedene niedere Temperierang und die Form 
der Anwendung des Wassers als VoU- und Teilbad, Wickel und unter Hinzuziehung des mechanischen Reizes als 
Guß oder Duschen verschiedener Art in mannigfaltigster Weise den durch sie erstrebten Heilzwecken angepaßt 
werden, sei es zur Beseitigung einer bestehenden unvorteilhaften Blutverteilung oder im Sinne einer Gymnastik 
des Hautgefäßapparates. In letzterem Falle können auch sog. Frei-, Luft- und Lichtbäder als in ähnlichem Sinne 
die Haut reizende und ihre Gefäße beeinflussende, unterstützende Maßnahmen mit herangezogen werden. 

Entsprechend diesen Wrrkungsgrundlagen lassen sich an den Akratopegen wie in den Kaltwa.sserhcilanstalten 
solche Gesundheitsstörungen erfolgreich behandeln, die durch Verweichlichung, d. h. künstliche Abhaltung der nor- 
malen Temperaturreize, sich als Folge einer unzulänglichen Hauttätigkeit und dadurch bedingten unvorteilhaften 
Blutverteilung entwickelt haben. Die betreffenden Kurorte empfehlen sich deshalb einerseits für Kranke, die zu 
den verschiedenen sog. Erkältungskrankheiten neigen, auch für Rekonvaleszenten, andererseits für die unter Blut- 
andrang zum Kopf an nervösen, neurasthenischen, hypochondrischen Beschwerden Leidenden, bei denen eine tiefere 
organische Erkrankung nicht vorliegt. 

Da bei längerer Kälteeinwirkung mit dem eintretenden Wärmeverlust der Organismus gezwungen ist, seine 
Wärmeproduktion zu steigern, um seine Temperatur konstant zu erhalten, imd hierbei zunächst als wärmeliefem- 
des Material das im Körper abgelagerte Fett herangezogen wird, so können bei längerem Einwirkenlassen des 
Wassers der einfachen kalten Quellen auch Fettentziehungskuren erfolgreich betrieben werden. Entsprechende 
Diät- und Bewegungskuren werden die Wirkung unterstützen. Bei Kranken, deren Wärniehaushalt und Fettdepots 
einer Schonung bedürfen, wie es bei Nervösen und Rekonvaleszenten häufig der Fall ist, sollte man dagegen eine 
längere Einwirkung niedrig temperierten Wassers und die durch eine solche bedingte umfänglicliere Wärmeent- 
ziehung tunlichst vermeiden. 

Unter den Quellen dieser Gruppe befinden sich auch solche, deren Eisengehalt zwar hinter der in diesem 
Buche für die Eisenquellen angenommenen Grenze von 10 mg in 1 kg Wasser zurückbleibt, die aber vielfach 
als Eisenquellen bezeichnet und um ihres Eisengehaltes willen zu Trinkkuren verwendet werden. 



Einfache kalte Quellen (Akratopegen). 



Abensberg. 

Adelholzen (s. auch unter „Moorbäder"). 

(Augustusbad) s. unter „Eisenquellen". 

Bibra. 

Bukowine (s. auch unter „Moorbäder"). 

Chieming (s. auch imter „Moorbäder"). 

Cüoburger Mariannenquelle. 

(Eberswalde) s. unter „Luftkurorte". 

(Flinsberg) s. unter „Eisenquellen". 

Freienwalde an der Oder (s. auch unter „Moorbäder"). 

Jordanbad (s. auch unter „Moorbäder"). 

Kainzenbad (s. auch unter „Schwefelquellen" und 

„Moorbäder"). 
Kellberg. 
Kimhalden. 



Krumbad (s. auch unter „Schlammbäder"). 
Lauchstädt. 

(Linda) s. unter „Eisenquellen". 
MöUn in Lauenburg. 
(Reipertsweiler) s. unter „Eisenquellen". 
(Ronneburg) s. unter „Eisenquellen". 
(Bad Salzbrunn) s. unter „Alkalische Quellen". 
(Schachen) s. unter „Luftkurorte". 
(Schandau) s. unter „Luftkurorte". 
(Soden b. Sabnünster) s. unter „Kochsalzquellen". 
(Teinach) s. unter „Erdige Säuerlinge". 
Bad Tölz (s. auch unter „Moorbäder"). 
Traunstein mit Wildbad Empfing (s. auch imter „Moor- 
bäder"). 
Wattweiler. 



— 5 — 



G6G6C^G6föC;6ÖSG6G6G6G6G6C;6G6 Abensberg ^^^^^^^^iSO^^^iiO^ 



Stadt mit 2202 Einwohnern im Kreise Niederbayem, liegt 
am rechten Ufer der Abens, eines Nebenflusses der Donau, in 
einem 2'/,— ö km breiten Tale, 370 m ü. M. Station der 
Bahn Regensburg — Augsburg. 

Heilquellen. Die „BabonenqueUe" oder „Schwefelquelle", 
3 m tief gefaßt, wurde seit dem 15. Jahrhundert bis gegen 

Analyse Analytiker: A. 

(aus der Salztabellc berechnet). Temperatur: 11 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Milli- Milligramm- 
Kationen'). Gramm Mol Äquivalente 

Natrium-Ion (Na-) 0,091 4,0 4,0 

Calcium-Ion (Ca-) 0,0ri2 1,3 2,6 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,0094 0,39 0,77 



Anionen'). 

Chlor-Ion (Cl') 0,055 1,6 

Siüfat-Ion (SO/') 0,0088 0,092 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') . 0^34 5,6 



7,4 

1,6 

0,18 

5,6 



Kieselsäure (meta) (H,SiOs) . 



0,56 
0,017 



13,0 
0,22 



7,4 



Ende des 19. Jahrhunderts zu Trink- und Badekuren benutzt. 
Die Quelle kommt neben einem oberjurassischen Kalkstein- 
buckel im Alluvialgebiet zum Vorschein. Die Spuren von 
Schwefel sind wie bei der Abbacher Quelle zu erklären. 

Das Badehaus, 6 Zellen enthaltend, ist nicht mehr in 
Betrieb. 

Vogel. 1826'). 

o 

Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Natriumchlorid (NaCl) 0,091 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,013 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOj) 0,19 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCO,),] 0,21 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HCO,),] .... 0,057 

Kieselsäure (meta) (H,SiO,) 0,017 

0,58 



0,57 13,2 

Daneben Spuren von Ferro- und Hydrosulfid-Ion. 
Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 



•) Die Mineralquellen des ZSnigreichs Bayern S. 36. MDnchen 1829. 
■) Vgl. ehem. Einleitung Äbscbn. Ä. *) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 

0,6 g; die Quelle ist eine „einfache kalte Quelle". 



G6C25föG6DSG6föG6QSG6GJSG6QSC6 Adelholzen ^^^^^iSO^^^^^iSO^^ 



Dorf mit 42 Einwohnern im EJreise Oberbayem, hegt am 
Rande der Bayerischen Alpen am südwestlichen Abhänge des 
Reitner Berges, 656 m ü. M. in einem von Nordost nach Süd- 
ost streichenden Tale von '/j bis 1 km Breite, an welches 
Höhen bis zu 1700 m anstoßen, unmittelbar am Walde. — 
Nächste Eisenbahnstationen: Bergen (Wagenfahrt 12 Minuten) 
an der Linie München— Salzburg, und Siegsdorf (Wagenfahrt 
25 Minuten) an der Linie Traunstein — Ruhpolding. 

Analyse 

(aus der Salztabelle berechnet). 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten'): 

Milli- Milligramm- 
Kationen"). Gramm Mol Äquivalente 

Natrium-Ion (Na-) 0.009394 0,4075 0,4075 

Rubidium-Ion (Rb-) 0,002414 

Calcium-Ion (Ca") 0,07552 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,02604 

, Ferro-Ion (Fe--) 0,01290 

Mangano-Ion (ikln--) 0,003096 



Anionen "). 

Chlor-Ion (CT) 0,01206 

Sulfat-Ion (SO/') 0,009341 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') . 0,3102 

Karbonat-Ion (CO,") 0,0360 

Hydroxyl-Ion (OH') 0,00161 



Klima. Durch die vorgelagerten Berge ist der Ort be- 
sonders gegen Ost-, Nord- und Nordostwinde geschützt. 

Heilquellen. Drei Quellen: „Alaunquelle", „Salpeter- 
quelle", „Schwefel-" oder „Fieberbrunnen", um das Jahr 300 
n. Chr. entdeckt, seit dem Jahre 800 etwa zu Badezwecken 
benutzt, liefern zusammen tägUch etwa 170 hl Wasser. Die 
Quellen dürften der Grenzregion von Molasse imd Nummuliten- 
schichten entstammen. Ihr Austrittspunkt fällt in die Ver- 
längerung einer ost-wesüich streichenden Verwerfungslinie. 

Analytiker: R. Kayser. 1881'). 
Temperatur: 9,4°. 

Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
imgefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält')''): 

Gramm 

Natriumchlorid (NaCl) 0,01825 

Rubidiumchlorid (RbCl) 0,003416 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,006790 

Calciumsulfat (CaSOJ 0,006736 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03)j] 0,2973 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HC08)2] 0,06173 

Magnesiumkarbonat (MgCO.,) 0,0506 

Magnesiumhydroxyd [Mg(ÖH)j] 0,00276 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03),] 0,04105 

Manganohydrokarbonat [Mn(HC03)j] 0,009966 

Kieselsäure (meta) (HjSiOj) 0,01039 



Milli- 
Mol 

0,4075 

0,0283 

1,883 

1,069 

0,2307 

0,0563 



0,0283 

3,767 

2,138 

0,4614 

0,1126 



6.915 



0,3403 

0,0972 

5,085 

0,600 

0,0944 



0,3403 

0,1945 

5,085 

1,20 

0,0944 



Kieselsäure (meta) (H^SiOg) 
Freies Kohlendioxyd (CO,) 



0,4986 
0,01039 



9,892 
0,1324 



6,91 



0,5090 
Freies Kohlendioxyd (CO,) 



0,5090 




10,024 




Ältere Analysen: A. Vogel. 1824 — 1826 (Die Mineralquellen des 
Königr. Bayern S. 80. München 1829). Buchner (bei F. Easpe, Heil- 
quellen-Aniilysen 8. 7. Dresden 1885). 



') Repert. anal. Chemie 1882. Bd. 2, 8. 97. Alle drei Quellen sollen iden- 
tische Zusammensetzimg besitzen. Im Original wird nicht mitgeteilt, an welcher 
derselben Probe genommen wiu-de. ^) Die Angaben beziehen sich nicht 
auX 1 kg, sondern auf 1 1, was jedoch praktisch im vorliegenden Fall keinen 



Unterschied ausmacht. Eine Umrechnung war in Ermangelung der Angabe des 
spezifischen Gewichtes nicht möglich. ') Vgl, ehem. Einleitung Abschn. A. 
') Vgl, chem, Einleitung Abschn, B,2.c, ■ 



6 



Die Siunme der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
0,5 g; freies Kohlendioxyd ist nicht vorhanden. Die Quellen 
sind „einfache kalte Quellen". 

Die Quellen sind mit Sandsteinplatten gefaßt. Ihr Wasser 
wird teils (mit oder ohne Zusatz von künstlicher Kohlensäure) 
getnmken, teils zu Badezwecken 100 m weit unterirdisch in 
Metallröhren in das Kurhaus geleitet (20 Badezellen mit 
Wannen aus Zinkblech, aus emaiUiertem Eisen und Holz). 
In zwei Zirkulationskesseln wird das Badewasser er^värmt. — 
JährHch werden 5000 — 6000 Bäder verabreicht. Das Wasser 
kommt auch nach Zusatz von künsthcher Kohlensäure unter 
dem Namen „Primus-QueUe" als Tafelwa-sser zum Versand. 

Sonstige Kiirmittel: Künstliche Kohlensäurebäder, Moor- 



bäder (mit Moor aus einem eine Stunde entfernten Torfstich), 
Solbäder (der Ort liegt an der SoUeitung Berchtesgaden-Rosen- 
heim), Fichtennadelbäder, Massage, Elektro- und Hydrotherapie. 

Behandelt ■werden: Nieren- und Blasenleiden, harnsaure 
Diathese, Gicht, Rheumatismus, Schleim- und Säurebildung. 

1 Arzt. — Kurzeit: 1. Mai bis 1. Oktober (Kurhaus das 
ganze Jahr hindurch geöffnet). — Kurtaxe: 5 M. — Zahl der 
Besucher (ohne Passanten) 1903: 1107; 1904: 513; 1905: 912. 

AUgemeine Einrichtungen: Als Trinkwasser dient das 
Wasser der Heilquellen. — Beseitigung der AbfaUstoffe durch 
SchwemmkanaUsation. — Apotheke in Siegsdorf. 

Quellen und Bad sind im Besitz von Wilhelm Mayr. 



c;6G?sgjsg3SC3Sdsg6G6G6c;jsc;6C6G6G6C^c;js Bibra ^^^^^^^^^^^^^^^^ 



Stadt mit 1524 Einwohnern im Regiemngsbezirk Merse- 
burg der Provinz Sachsen, liegt 125 m ü. M. in einem 2'f, km 
breiten von Süden nach Norden streichenden Tale. Laubwald 
in unmittelbarer Nähe. Omnibus Verbindung ('/i Stunden) mit 
Laucha a. d. U., Station der von der HauptUnie Frankfurt a. M. — 
Halle— Berlin abzweigenden Nebenbahn Naumburg— Artem. 

Klima. Jährliche Niederschlagshöhe nach 10 jährigem 
Durchschnitt 560 mm*). 

•) ProTinz-Begenkarte. 



Heilquellen. 3 Quellen: „Gesundbrunnen", „Schwestem- 
quelle", „HeUandsquelle", von denen nur die beiden ersteren 
zu Kurzwecken benutzt werden. Der Sage nach war der Ge- 
simdbrunnen bereits im 13. Jahrhundert bekannt; seit 1686 
wurde er nachweislich zu Heilzwecken benutzt. Die Quellen 
entspringen aus Sandstein der Buntsandsteinformation und sind 
mit Steinquadern in 6 m tiefen Schächten gefaßt. Der Ge- 
sundbnmnen liefert tägUch 70 hl, die Schwestemquelle 30 hl 
Wasser. 



Analyse des „Gesundbrunnens" (aus der saiztabeue berechnet). 

Analytiker: F. L. Sonnenschein. 1874'). 
Temperatur: 10—12,5°. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen"). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,006014 

Natrium-Ion (Na-) 0,01288 

Calcium-Ion (Ca-) 0,07727 

Strontium-Ion (Sr-) 0,000851 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,006891 

Ferro-Ion (Fe-) 0,007346 

Mangano-Ion (Mn-) 0,000540 

Aluminium-Ion (AI-) .... 0,000401 



Milli- 
Mol 

0,1536 

0,5590 

1,927 

0,0097 

0,2829 

0,1314 

0,0098 

0,0148 



Anionen*). 

Chlor-Ion (Cl') 

Sulfat-Ion (SO/O 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 
Hydrokarbonat-Ion (HCO,') 

Kieselsäure (meta) (H,SiO,) . 
Organische Substanzen . . . 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



Milligramm- 
Äqtiivalente 

0,1536 

0,5590 

3,854 

0,0194 

0,5657 

0,2628 

0,0197 

0,0444 

5,479 



0,005944 
0,03554 
0,001404 
0,2771 



0,1677 0,1677 

0,3700 0,7400 

0,0146 0,0292 

4,.541 4,.541 



0,4322 

0,01558 
0,04175 



8,182 
0,1987 



5,478 



0,4895 
0,1002 



8,380 
2,277 



0,5897 10,657 



Daneben Spuren von Fluor- und Hydroarsenat-Ion. 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält"): 



Altere Analfte: B. Trommsdorff (bei J. F. Simon, Die Heil- 
quellen Europas B. 28. Berlin 1839). 



Gramm 
0,01146 
0,000823 
0,03873 
0,01225 
0,2978 
0,002035 

0,04140 
0,02338 
0,001739 

0,001668 

0,000862 

0,01558 

0,04175 

0,4895 

{53,5 com bei 
12,5° und 
760 mm Druck. 



<) Prospekt: Das Stahlbad zu Bibra am Tage der 200iahrigen Jubel- 
feier (1886) S. 8. Ohne Ort und Jahr. >) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 
^) Vgl. ehem. Eiuleitimg Absclm. B.2.C. 



KaHumchlorid (KCl) 

Natriumchlorid (NaCl) 

Natriumsulfat (Na,SOJ 

Calciumsulfat (CaSOJ 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCO,),] . 
Strontiumhydrokarbonat [Sr(HCOj),J 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HCO,>J 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCO,),] . . 
Manganohydrokarbonat [Mn(HCOj)j] 
Aluminiumhydrophosphat 

IA1,(HP0,)J 

Aluminiumsulfat [A],(S0,)3] 

Kieselsäure (meta) (HjSiOj) 

Organische Substanzen 



Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



— 7 



Analyse der „Schwesternquelle" (aus der saiztabeue berechnet). 

Analytiker: Unbekannt'). 
Temperatur: 8°. 

Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösimg, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Kationen'). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,004980 

Natrium-Ion (Na-) 0,004383 

Calcium-Ion (Ca-) 0,03581 

Strontium-Ion (Sr-) 0,000003 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,005590 

Ferro-Ion (Fe") 0,000181 

Mangano-Ion (lln-) 0,000013 

Anionen '). 

Chlor-Ion (Q') 0,007503 

Sulfat-Ion (SO,") 0,007777 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,000206 

Hydrokarbonat-Ion (HCOj'). 0,1337 



Milli- 


Milligramm- 


Mol 


Äquivalente 


0,1272 


0,1272 


0,1901 


0,1901 


0,8930 


1,786 


0,00004 


0,00008 


0,2295 


0,4589 


0,0032 


0,0065 


0,0002 


0,0005 




2,569 


0,2117 


0,2117 


0,0810 


0,1619 


0,0021 


0,0043 


2,191 


2,191 



Kieselsäure (meta) (H^SiOj) . 
Organische Substanzen . . . , 



0,2001 

0,01688 

0,04200 



3,929 
0,2152 



2,569 



0,2590 



4,144 



Freies Kohlendioxyd (CO,) nicht bestimmt. 

Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt beim 
„Gesundbrunnen" etwa 0,49 g, bei der „SchwestemqueUe" etwa 
0,26 g. Die Quellen sind „einfache kalte Quellen". Be- 
merkenswert ist beim „Gesundbninnen" der Eisengehalt von 7 ,3 mg. 

Der „Gesundbrunnen" wird zum Baden und Trinken, die 
„SchwestemqueUe" nur zum Trinken benutzt. Zum Baden 
wird das Wasser des „Gesundbnmnens" in eisernen Röhren 
etwa 15 m weit in das Badehaus (10 Zellen mit Wannen aus 
verzinktem Kupfer und aus Mettlacher FUesen) geleitet, wo es 
in Behältern durch Einleiten von Dampf erwärmt wird. Im 
Jahre 1903 wurden 2521 ; 1904 : 2628 ; 1905 : 2705 Bäder verabreicht. 



KaHumchlorid (KCl) 0,009489 

Natriumchlorid (NaCl) 0,004942 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,007510 

Calciumsulfat (CaSO,) 0,003829 

Calciumhydrophosphat (CaHPO,) 0,000292 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03)2l 0,1399 

Strontiumhydrokarbonat [Sr(HC03)j] 0,000008 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HC03)2] • • • • 0,03359 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03)j] 0,000575 

Manganohydrokarbonat [Mn(HCOsX] 0,000042 

Kieselsäure (meta) (H^SiOg) 0,01688 

Organische Substanzen 0,04200 

0,2591 
Freies Kohlendioxyd (COj) nicht bestimmt. 



») Das Stahlbad zu Bibra am Tage der 200jährigen Jubelieier (1886) 
S. 9. Ohne Ort und Jahr. «) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. ') Vgl. 
ehem. Einleitimg Abschn. B.2.c. 

Sonstige Kurmittel : Sol-, Schwefel- und Fichtennadel- 
bäder. — Massage und Elektrotherapie. 

Behandelt werden: Bleichsucht, Nervenschwäche, Exsu- 
date und insbesondere chronischer Rheumatismus. 

1 Arzt. — Kurzeit: 20. Mai bis 15. September. — Kurtaxe: 
1 Person 3 M., Famihe 5 M. — Zahl der Besucher 1903: 
103; 1904: 167; 1905: 172. 

Allgemeine Einrichtungen: Trinkwasser - Versorgimg 
durch Quellen. — Beseitigung der Abfallstoffe teils durch Ka- 
nalisation, teils durch Abfidir. — Apotheke. — Das Bad ge- 
hört der Stadt; Auskunft durch die städtische Badedirektion. 



DSCÄSG6G6DSDSG6G6G6G6föföDSC;6 Bukowine ^^^^iSOiSO^^^^^^^iSO 



Dorf mit 225 Einwohnern in der Provinz Schlesien, Kreis 
Groß- Wartenberg, 200 m ü. M. Die umliegenden Höhen steigen 
bis 272 m an. Laub- und Nadelwald in der Nähe. Nächste 

Analyse des „Louisenbrunnens" 

Analytiker: F. L. Sonnenschein'). 
Spezifisches Gewicht: 1,00035 bei 14 
Temperatur: 12°. 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

_. ^ j. Milli- Milligramm- 

iKatlOnen ), Gramm Mol Äquivalente 

Kahum-Ion (K-) 0,0029 0,075 0,075 

Natrium-Ion (Na-) 0,00994 0,431 0,431 

Calcium-Ion (Ca--) 0,0161 0,402 0,803 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,00006 0,002 0,005 

Ferro-Ion (Fe-) 0,00521 0,0932 0,186 

Mangano-Ion (Mn--) 0,0038 0,070 0,14 

Aluminium-Ion (AI-) .... 0,0011 0,039 0,12 

1776 
Anionen*). 

Chlor-Ion (Ci') 0,0055 0,16 0,16 

Sulfat-Ion (SO,") 0,0226 0,235 0,470 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,00001 0,0001 0,0003 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') . 0,0207 0,340 0,340 



Eisenbahnstation Großgraben-Festenberg (16 km, Wagen verkehr) 
an der Strecke Öls — Gnesen. 

Heilquellen. 2 Quellen: „Louisenbrunnen" imd „Agnes- 
brunnen", 1786 entdeckt und seitdem zu Heilzwecken benutzt. 

(aus der SalztabeUe berechnet). 
,5°, bezogen auf unbekannte Einheit. 



Milli- Milligramm- 

Moi Äquivalente 

0,182 0,363 

0,428 0,428 



Gramm 

Karbonat-Ion (CO3") 0,0109 

Hydroxyl-Ion (OH') 0,00728 

Kieselsäure (meta) (H,Si03) 
Organische Substanzen .... 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 
Freier Sauerstoff (O,) .... 

Freier Stickstoff (N,) 0,00217 

0,1572 2^5^ 

Daneben Spuren von Lithium- mid Hydrosulfid-Ion. 



0,1061 
0,0026 
0,0462 


2,46 
0,033 


1,76 


0,1549 


0,000101 
0,00217 


2,49 


0,0032 
0,0774 





') H. Hager, Manuale pharmaceuticum. Ed. tertia. Vol. altenmi p. 378. 
Lipsiae 1876. ') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 



— 8 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält:') 

Gnunm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,0056 

Natriumchlorid (NaCl) 0,00471 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,0249 

Calciumsulfat (CaSOJ 0,000180 

Calciumhydrokarbonat[Ca(HC03),] 0,00114 

Calciumkarbonat (CaCO.) 0,0182 

Calciumhydroxyd [Ca<OH),] 0,0157 

Magnesiumhydroxyd piIg(OH),J 0,0001 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCO,),J 0,0166 

Manganohydrokarbonat [Mn(HCO,),J 0,012 

Aluminiumhydrophosphat [Al,(HPOj),] 0,00002 

Aluminiumsulfat [AljCSO^),] 0,0067 



Gramm 

Kieselsäure (meta) (HjSiOj) .... 0,0026 

Organische Substanzen 0,0462 

0,155 
Freies Kohlendioxyd (CO,) .... 

Freier Sauerstoff (0.) 0,000101 = 

Freier Stickstoff (N,) 0,00217 = 

0,157 



0,1 ccm bei 

12,0° und 

760 mm Druck. 

1,8 ccm bei 

12,0° und 

760 mm Druck. 



Ältere Aoalyse: Lachmund (bei J. F. Simon, Die Heilquellen 
Europas S. 38. Berlin 1839). 



') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 



Analyse des „AgnesbrUnnenS" (aus der SalztabeUe berechnet). 



Analytiker: F. L. 
Temperatur: 12°. 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Milli- Milligramm- 
Eationon^. Oimmm Mol Äquivalente 

KaUum-Ion (K-) 0,00699 0,179 0,179 

Natrium-Ion (Na-) 0,0198 0,857 0,857 

Calcium-Ion (Ca-) 0,0150 0,373 0,746 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,0112 0,461 0,922 

Ferro-Ion (Fe-) 0,00767 0,137 0,274 

Mangano-Ion (Mn-) 0,0039 0,071 0,14 

Aluminium-Ion (AI-) .... 0,0027 0,10 0,30 



Anionen'). 

Chlor-Ion (CT) 0,0132 0,371 

Sulfat-Ion (SO/') 0,0353 0,368 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,001 0,01 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') . 0,0320 0,524 

Karbonat-Ion (COj") 0,0300 0,501 

Hydroxyl-Ion (OH') 0,0130 0,764 



Kieselsäure (meta) (HjSiOj) 
Organische Substanzen . . . 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 
Freier Sauerstoff (O,) ... 
Freier Stickstoff (N,) . . . 



0,192 

0,0013 

0,0125 



4,72 
0,017 



U,206 


0,000148 
0,00232 



4,73 


0,0046 
0,0825 



3,42 

0,371 

0,735 

0,03 

0,524 

1,00 

0,764 



3,42 



0,208 4.82 

Daneben Spuren von Lithium- und Hydrosulfid-Ion. 



Sonnenschein'). 

Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

KaHumchlorid (KG) 0,0133 

Natriumchlorid (tiaCl) 0,0113 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,0328 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOa) 0,00897 
Natriumkarbonat (Na^COa) .... 0,00515 

Calciumkarbonat (CaCOä) 0,0373 

Magnesiumkarbonat (MgCO,) . . . 0,00666 
Magnesiumhydroxyd [Mg(OH),] . 0,0223 
Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03^] . 0,0244 
Manganohydrokarbonat 

[Mn(HC03),J 0,013 

Aluminiumhydrophosphat 

[A1.,(HP0A] 0,001 

Aluminiumsulfat [A],(S0<)3] . . . 0,016 
Kieselsäure (meta) (HjSiO,) .... 0,0013 

Organische Substanzen 0,0125 

0,206 
Freies Kohlendioxyd (CO,) .... 



Ältere Analyse: Lachmnnd 
Europas 8. 38. Berlin 1839). 



(bei J. F. Simon, Die Heilquellen 



Freier Sauerstoff (0,) 0,000148 = 

Freier Stickstoff (NT,) 0,00232 = 

0,208 

<) H. Hager, Manuale pharmaceuticum. Ed. tertia. 
Lipsiae 1876. *) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 
leicung Abschnitt B.2.C. 



0,1 ccm bei 

12,0° und 

760 mm Druck. 

1,9 ccm bei 

12,0° und 

760 mm Druck. 

Vol. alterum p. 378. 
') Vgl. ehem. Ein- 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
0,2 g; die Quellen sind „einfache kalte Quellen". Be- 
merkenswert ist der Eisengehalt von 5,2 bezw. 7,7 mg. 

Die Quellen sind 2 — 3 m tief in Holzschächte gefaßt; sie 
werden zum Trinken („Agnesbrunnen") und Baden benutzt. 
19 Badezellen mit Badewannen aus Zink. Das Badewasser 
wird in eisernen Kessein erwärmt. Im Jahre 1903 wurden 525; 
1904: 541; 1905: 669 Bäder verabreicht. 

Sonstige Kurmittel : Moorbäder mit Moor aus der Nähe 
der Quellen. — Massage, Elektrotherapie. 



Behandelt werden: Rheumatismus, Gicht, Nervenleiden, 
Hautkrankheiten, Frauenkrankheiten, Blutarmut, Bleichsucht. 

Ärzte in Groß -Wartenberg (13 km) und in Festenberg 
(10 km). — Kurzeit: 15. Mai bis 15. Oktober. — Kurtaxe: 
10 M. — Zahl der Besucher (ohne Passanten) 1903: 67; 
1904: 76; 1905: 74. 

Allgemeine Einrichtungen : Trinkwasserversorgung durch 
die Quellen. — Beseitigung der Abfallstoffe durch Abfuhr. — 
Apotheke in Neumittelwalde (5 km). — Die Quellen sind im 
Besitz des Grafen Fr. von Strachwitz. — Auskunft durch die 
Badeverwaltung. 



9 — 



Q5G6asföföDSföföC2Sc;6G5SG6G6G6G6 Chieuiing dOisO^^^^^^^^^^^^^ 



Dorf mit 828 Einwolinem im Kreise Oberbayem, liegt 500 m 
ü. M. im Chiemseetale auf einer 300 m vom See entfernten 
Anhöhe. Die umgebenden mit Laub- und Nadelwald be- 
standenen Höhen steigen etwa 100 m an. Nächste Bahnstation 
Traunstein (l'/. Stunde) an der BahnUnie München — Salzburg. 
Durch Chiemseedampfer ist der Ort auch von der Station Prien 
(an derselben Bahnlinie) zu erreichen. 



Analyse 

(aus der SalztabcUe berechnet), 



Klima. Gegen Ost- und Süd^vinde li^t der Ort ziemlich 
gut geschützt. 

Heilquellen. Eine Quelle, „FrauenqueUe", seit 1869 mit 
Unterbrechungen zu Heilzwecken benutzt, entspringt 2 m tief 
auf einem kleinen Hügel von kiesiger Bodenart. (Das Gelände 
gehört dem Glacialdiluvium, und zwar dem Gebiet des Inn- 
gletschers an.) 



In 



Analytiker: G. C. Wittstein 

Spezifisches Gewicht: 1,00036 bei 12°, bezogen auf unbekannte Einheit. 

Temperatur: 7,5°. 

1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Milli- Milligramm- 



Kationen'). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,003974 

Natrium-Ion (Na-) 0,003222 

Lithium-Ion (Li-) 0,000037 

Calcium-Ion (Ca--) 0,06304 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,006248 

Ferro-Ion (Fe--) 0,000430 

Anionen'). 

Chlor-Ion (CT) 0,003546 

Brom-Ion (Br) 0,000287 

Sulfat-Ion (SO/') 0,004864 

Hydrophosphat-Ion (HPO^") 0,002838 
Hydrokarbonat-Ion (HCOg') 

Kieselsäure (meta) (HjSiOj) 
Organische Substanzen . . . 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 

' 0,3762 



Moll 


Äquivalente 


0,1015 


0,1015 


0,1398 


0,1398 


0,0053 


0,0053 


1,572 


3,144 


0,2565 


0,5129 


0,0077 


0,0154 




3,919 


0,1000 


0,1000 


0,0036 


0,0036 


0,0506 


0,1013 


0,0296 


0,0591 


3,655 


3,655 



Das Mineralwasser entspricht in 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 



0,2230 


3,655 


3,655 


0,3115 

0,001513 

0,04998 


5,922 
0,0193 


3,919 


0,3630 
0,0132 


5,941 
0,299 





6,240 



Daneben Spuren von Ammonium-, Nitrat-Ion, Borsäure. 

Die Simune der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
0,36 g; die QueUe ist eine „einfache kalte Quelle". 

Das Wasser der in 2 m tiefen Holzschacht gefaßten QueUe 
wird ohne Zusätze zum Trinken und Baden benutzt. In dem 
etwa 4 m von der QueUe entfernten Badehause (5 Zellen) wird 
das Wasser in einem kupfernen Kessel erwärmt imd in ver- 
zinkten Bohren in die hölzernen Wannen geleitet. Jährhch 
werden etwa 100 Bäder verabreicht. 

Sonstige Kurmittel: Moorbäder (mit Moor aus einem 



Kaliumchlorid (KCl) 

KaliumsuKat (K,SO,) 

Natriumbromid (NaBr) 

Natrium suHat (Na^SO^) 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOj) . 
Lithiumhydrokarbonat (LiHCOg) . . 
Calciumhydrophosphat (CaHPOJ . 
Calciumhydrokarbonat [Ca^HCO,),] 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03),] 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03),] . . 

Kieselsäure (meta) (HjSiOj) 

Organische Substanzen 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 



seiner Zusammensetzung 
Kilogramm enthält'): 

Gramm 
0,007461 
0,000129 
0,000370 
0,007093 
0,003060 
0,000358 - 
0,004024 
0,2501 

0,03754 
0,001369 
0,001513 
0,04998 



0,3630 

0,0132 = 
0,3762 



6,9 com bei 
7,5° und 
760 mm Druck. 



') Zeitschr. d. allgem. Bsterreich. Apothekerrereins. 1879. Bd. 17 Nr. 11. 
") Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. ») Vgl. ehem. Einleitimg Abschn. B.2.C. 

V, Stimde entfernten Moorlager). Gelegenheit zu Bädern im 
Chiemsee. 

Behandelt -wrerden: Eheumatismus, Gicht. 

Arzt mit Hausapotheke in dem Va Stimde entfernten 
Sonderennig. — Kurzeit: 1. Mai bis 1. November. — Zahl der 
Besucher (ohne Passanten) etwa 50 jährhch. 

Allgemeine Einrichtungen : Trinkwasserversorgung durch 
die Quelle. — Abwässer werden in den Chiemsee geleitet, Fä- 
kalien durch Abfuhr beseitigt. — Besitzer des Bades ist Karl Huber. 



G6G6C6G6c^c6c;6c^G6 Coburger Mariannenquelle ^^^iso^iso^^^ 

Die QueUe entspringt auf dem Besitztume der Frau HaUo von Cannenburg in Coburg und wird seit dem Jahre 1886 atü 
Heilzwecken benutzt. 



Analyse 

(aus der SalztabeUe berechnet). 



AnalytUcer: R. Fresenius 1886'). 

Spezifisches Gewicht: 0,99954 bei 17,5°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 13,5°. 

Ergiebigkeit: 288 hl in 24 Stunden. 



In 1 KUogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Milli- Milligramm- 
Mol Äquivalente 



Kationen'). Gramm 

KaUum-Ion (K-) 0,006083 0,1554 0,1554 

Natrium-Ion (Na-) 0,01918 0,8323 0,8323 



Gramm 

CaIcium-Ion (Ca-) 0,1077 

Magnesium-Ion (Mg--) 0,05551 



MilU- 


Milligramm- 


Mol 


Äquivalente 


2,687 


5,373 


2,-279 


4, .5.58 



10,019 



') Die Coburger Mariannenquelle. Berlin-SchBneberg 1903. S. 10 u. 16. 
*) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 



— 10 



Anlonen*). 

Nitrat-Ion (NO,') 

CMor-Ion (O') 

SuKat-Ion (SO/') 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') 



Kieselsäure (meta) (H,SiO,) 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 



Oramm 

. 0,05905 
. 0,03318 
. 0,06727 
. 0,4656 


MilU- 
Mol 

0,9517 

0,9361 

0,7003 

7,631 


MiUigramm- 
Äquivalente 

0,9517 

0,9361 

1,401 

7,631 


0,8136 
. 0,01829 


16,173 
0,2333 


10,920 


0,8319 
0,0352 


16,406 
0,801 





0,8671 17,207 



*) Vgl. cbem. Einleitung Abschnitt A. 
schnitt B.3.C. 



•) Tgl. ehem. Einleitung Ab- 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält:') 

Gramm 

Kaliumnitrat (KNO,) 0,01572 

Natriumnitrat (NaNOj) 0,06776 

Natriumchlorid (NaCl) 0,002100 

Calciumchlorid (CaCL,) 0,04996 

Calciumsulfat (CaSOJ 0,09535 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03),] 0,2491 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HCO,),] 0,3336 

Kieselsäure (meta) (H^SiOs) .... 0,01829 

0,8319 

{18,9 ccm bei 
13,.5° und 
760 mm Druck. 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
0,8 g, wobei Calciimi-, Magnesium- imd Hydrokarbonat-Ionen 
vorwalten. Freies Kohlendioxyd ist nur in sehr geringer Menge 
vorhanden. Die Quelle ist eine „einfache kalte Quelle". 



Das Wasser wird versandt (jährlich etwa 1000 Flaschen). 
— Auskunft durch die Verwaltung. 



G6G6C6asG6G6G6DSG6 Freienwalde an der Oder ^^^üo^iso^^iso 



Stadt mit 8341 Einwohnern in der Provinz Brandenburg, 
li^ 10 m ü. M. am Abhang von etwa 70 m erreichenden 
Höhenzügen. Nach Osten die weite Ebene des Oderbruchs, 
nach Süden und Westen ausgedehnte Waldungen. Station 
der Bahn Frankfurt a. 0. — Eberswalde imd Freien walde — 
Angermünde. 



Heilquellen. 6 Quellen: „Königsquelle", „Johannis- 
quelle", „Kurfürstenquelle" und die 3 „BadequcUen", schon 
im 17. Jahrhundert benutzt, entspringen aus stark mit Eisen- 
ocker durchsetztem Sandboden und entstammen den Schichten 
der miozänen Braunkohlenformation. 



Analyse der „Johannisquelle" (Ausfluß) (aus der saiztabeiie berechnet). 

Analytiker: E. Mitscherlich. 1851'). 

Spezifisches Gewicht: 1,00035 bei 15", bezogen auf unbekannte Einheit. 

Temperatur: 11,5". 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Kationen'). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,002012 

Natrium-Ion (Na-) 0,007670 

Calcium-Ion (Ca-) 0,07956 

Magnesimn-Ion (Mg-) .... 0,006932 

Ferro-Ion (Fe-) 0,003402 

Mangano-Ion (Mn-) 0,000660 

Anlonen'). 

C!hlor-Ion (CT) 0,007361 

Sulfat-Ion (80/') 0,02185 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,000253 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') 0,2684 



Milli- 


Milligramm- 


Mol 


Aqui Talente 


0,0514 


0,0514 


0,3328 


0,3328 


1,984 


3,968 


0,2846 


0,5691 


0,0609 


0,1217 


0,0120 


0,0240 




5,067 


0,2077 


0,2077 


0,2274 


0,4549 


0,0026 


0,0053 


4,400 


4,400 



0,3981 
0,02386 



7,563 
0,3043 



5,068 



Kiesebäure (meta) (H,8iO,) 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 

0,4527 8,567 

Daneben Spuren von Kupfer-, Hydroarsenat-Ion, Quell- 
säure, QueUsatzsäure. 



0,4220 
0,0307 



7,868 
0,699 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält : °) 

Gramm 

Kaliiunchlorid (KCl) 0,003834 

Natriumchlorid (NaCl) 0,009141 

Natriumsulfat (Na,S04) 0,01255 

Calciumsulfat (CaSO,) 0,01895 

Calciimihydrophosphat (CaHPO^) . 0,000359 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCO,),] 0,2987 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HCO,),] 0,04165 

Ferrohydrokarbonat [Fe<HC03),] . 0,01083 
Manganohydrokarbonat 

[Mn(HCO,),] 0,002124 

Kieselsäure (meta) (H,SiO,) . . . . 0,02386 

0,4220 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 0,0307 

0,4527 



16,4 ccm bei 

11,5° und 
760 mm Druck. 



1) Manuskript. *) Vgl. ehem. Einleitung Abscha. A. 
Einleitung Abschn. B.3.C. 



•) Vgl. ehern 



11 — 



Analyse der „Johannisquelle" (Reservoir) (aus der saiztabeue berechnet). 

Analytiker: E. Mitscherlich. 1851*). 

Spezifisches Gewicht: 1,00037 bei 15°, bezogen auf unbekannte Einheit. 

Temperatur: 11,5°. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen'). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,001661 

Natrium-Ion (Na-) 0,007911 

Calcium-Ion (Ca-) U,07979 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,007117 

Ferro-Ion (Fe-) 0,001071 

Mangano-Ion (Mn") 0,000670 



An Ionen ^. 

Chlor-Ion (Cl') 0,008200 

Sulfat-Ion (SO/') 0,02278 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,000228 

Hydrokarbonat-Ion(HC03') . 0,2625 



MiUi- 


MiUigramm- 


Mol 


Aqui Talente 


0,0424 


0,0424 


0,3432 


0,3432 


1,990 


3,980 


0,2922 


0,5843 


0,0192 


0,0383 


0,0122 


0,0243 




5,013 


0,2313 


0,2313 


0,2371 


0,4743 


0,0024 


0,0048 


4,302 


4,302 



Kieselsäure (meta) (H^SiOa) 

Freies Kohlendioxyd (COj) 
Freier Stickstoff (N^) . . . 



0,3919 
0,02684 



7,472 
0,3422 



0,4188 
0,0111 
0,02068 



7,814 
0,252 
0,7365 



0,4505 



8,803 



Daneben Spuren von Kupfer-, Hydroarsenat-Ion, Quell- 
säure, QueUsatzsäure. 



Das Mineralwasser entspricht 
ungefähr einer Lösung, welche in 

KaUumchlorid (KCl) 

Natriumchlorid (NaCl) 

Natriumsulfat (Na^SO^) 

Calciumsulfat (CaS04) 

Calciumhydrophosphat (CaHPO^) . 
Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03)2] 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03)J 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03)j] . 
Manganohydrokarbonat 

[Mn(HC03),] 

Kieselsäure (meta) (HjSiOg) . . . . 



in seiner Zusammensetzung 
1 Kilogramm enthält'*): 

Gramm 

0,003165 

0,01105 

0,01097 

0,02178 

0,000324 

0,2963 

0,04276 
0,003409 



5,012 Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



0,002155 
0,02684 
0,4188 
0,0111 = 



Freier Stickstoff (N,) 0,02068 = 



0,4505 



5,9 ccm bei 

11,5° und 

760 mm Druck. 

17,2 ccm bei 

11,5° und 
760 mm Druck. 



Ältere Analyse: 
Bd. 63 S. 852). 



W. Lasch 1850 (Journ. f. prakt. Chemie 1854. 

^) Vgl. ehem. 



•) Manuskript. ') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 
Einleitung Abschn. B.2.C. 



Analyse der „Königsquelle" (aus der SalztabeUe berechnet). 



Analytiker: E. Mitscherlich. 1851'). 

Spezifisches Gewicht: 1,00038 bei 15°, bezogen auf unbekannte Einheit. 

Temperatur: 10,6°. 



In 1 Eälogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen'). Gramm 

KaUum-Ion (K-) 0,002381 

Natrium-Ion (Na-) 0,007942 

Calcium-Ion (Ca--) 0,07652 

Magnesium-Ion (Mg--) .... 0,007458 

Ferro-Ion (Fe-) 0,003739 

Mangano-Ion (Mn-) 0,000655 

Änionen'). 

Chlor-Ion (CT) 0,006871 

Sulfat-Ion (SO/ ) 0,01852 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,000333 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') 0,2688 



Kiesekäure (meta) (HjSiOj) . 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 
Freier Stickstoff (N,) .... 

0,4472 8,779 

Daneben Spuren von: Kupfer-, Hydroarsenat-Ion, Quell- 
säure, QueUsatzsäure. 



Milli- 


Milligramm- 


Mol 


Aquivalente 


0,0608 


0,0608 


0,3445 


0,3445 


1,908 


3,817 


0,3061 


0,6123 


0,0669 


0,1338 


0,0119 


0,0238 




4,992 


0,1938 


0,1938 


0,1928 


0,3855 


0,0035 


0,0069 


4,406 


4,406 



0,3932 


7,494 


4,992 


0,02102 


0,2680 




0,4142 


7,762 




0,0122 
0,02078 


0,276 
0,7399 





Das Mineralwasser entspricht 
ungefähr einer Lösung, welche in 

Kaliumchlorid (KCl) 

Natriumchlorid (NaCl) 

Natriumsulfat (Na^SO^) 

Calciumsulfat (CaSO^) 

Calciumhydrophosphat (CaHPO^) 
Calciumhydrokarbonat[Ca(HC03),] 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03),] 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC08)j] . 
Manganohydrokarbonat 

[Mn(HC03),] 

Kieselsäure (meta) (H^SiOj) .... 

Freies Kohlendioxyd (CO,) .... 



in seiner Zusammensetzung 
1 Kilogramm enthält^): 

Gramm 
0,004537 
0,007781 
0,01504 
0,01185 
0,000473 
0,2947 

0,04481 
0,01190 



0,002109 
0.02102 
0,4142 
0,0122 = 



Freier Stickstoff (N,) 0,02078 = 

0,4472 



6,4 ccm bei 

10,6° und 

760 mm Druck. 

17,3 ccm bei 

10,6° und 

760 mm Druck. 



Altere Analysen: V. Rose 1794 (bei J. F. Simon , Die Heilquellen 
Europas S. 80). W. Lasch 1850 (Journ. f. prakt. Chemie 1854. Bd. 63 S. 350). 



') Manuskript. ') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 
leitung Abschn. B.2.c. 



^) Vgl. ehem. Ein- 



— 12 



Analyse der „BadeqUellen** (aus der SaktabeUe berechnet). 

Analytiker: E. Mitscherlich. 1851'). 

Spezifisches Gewicht: 1,0003 bei 15°, bezogen avtf unbekannte Einheit. 



Temperatur: 10,5° 
In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen ^). Onunm 

KaUum-Ion (K-) 0,001463 

Natrium-Ion (Na-) 0.006952 

Calcium-Ion (Ca-) 0,08003 

Magnesium-Ion (Mg-) 0,004900 

Ferro-Ion (Fe-) 0,003049 

Mangano-Ion (Mn-) 0,001793 

Anionen*). 

C!hlor-Ion (ß.') 0,008944 

Sulfat-Ion (SO;') 0,02143 

0.2568 



UiUi- 


Milligramm- 


Hol 


Äquivalente 


0,0374 


0,0374 


0,3016 


0,3016 


1,996 


3,992 


0,2012 


0,4023 


0,0546 


0,1091 


0,0326 


0,0652 




4,908 


0,2523 


0,2523 


0,2231 


0,4462 


4,209 


4,209 



0,3854 
0,02855 



7,308 
0,3641 



4.908 



0,4139 
0,0024 



7,672 
0,055 



Hydrokarbonat-Ion (HCO,') 

Kieselsäure (meta) (H,SiO,) . 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . . 

~074163 7,727" 
Daneben Spuren von: Kupfer-, Hydroarsenat-Ion, Quell- 
säure, Quellsatzsäure. 

Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
0,4 g. Die Quellen sind „einfache kalte Quellen". 

Das Wasser der „JohannisqueUe", der „Königsquelle" und 
der „KurfürstenqueUe", die in Stein gefaßt sind, wird zum 
Trinken benutzt. Das Wasser der in Holz gefaßten Bade- 
quellen wird 20 — 50 m weit durch eiserne und Tonröhren in 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,002788 

Natriumchlorid (NaCl) 0,01257 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,006163 

Caleiumsulfat (CaSOJ 0,02448 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCO,),] 0,2944 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03),] 0,02944 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC08X] • 0,009705 
Manganohydrokarbonat 

[Mn(HCO,),] 0,005772 

Kieselsäure (meta) (H,SiO,) .... 0,02855 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 



0,4139 

0,0024 = 
0,4163 



1,3 ccm bei 

10,5° und 

760 mm Druck. 



Ältere Analyse: W. Lasch 1850 (Journal fOr praktische Chemie 1854. 
Bd. 36 S. 353). 



1) Manuskript. *) Vgl. chem, 
Einleitung Abschu. B.2.C. 



Einleitung Abschn. A. ») Vgl. chem. 



das Badehaus geleitet, das 33 Zellen mit kupfernen Wannen 
und ein Schwimmbad enthält. Das Badewasser wird in den 
Wannen durch Einleiten von Dampf erwärmt. Im Jahre 1903 
wurden 8526; 1904: 9058; 1905: 9031 Bäder verabreicht. 

Sonstige Kurmittel: Moorbäder mit Moor von einer 
Wiese am Oderbruch. 



Analyse der Moorerde. Analytiker: zi 

I. 1000 Teile der frischen Moorerde enthalten: 
bei 100° getrocknete Moorerde .... 222,1 
Wasser 777,9 

1000,0 
Femer lieferte 1 kg beim Austrocknen: 

Kohlendioxyd (CO,) 0,073 g, entspr. 37 ccm bei 0° und 
760 mm Druck, daneben Spuren von Methan. 

n. 1000 TeUe der bei 100° getrockneten Moorerde enthalten: 
A. In Wasser lösliche Bestandteile: 

1. Organische 

Huminsäuren 8,255 

Indifferente organische Substanzen. 1,114 9,369 

2. Anorganische 

Natrium (Na) 1,362 

Calcium (Ca) 1,132 

Magnesium (Mg) 0,285 

Eisen, zweiwertig (Fei) 1,117 

Mangan, zweiwertig (MnD) 0,004 

Chlor (a) 0,930 

Sulfatrest (SOJ 5,440 

Phosphatrest (POj 0,072 

Karbonatrest (CO,) 1,121 

Siliciumdioxyd (SiO.) 0,341 11,804 

21,173 



ureck'). 

In Wasser löshche Bestandteile: 

B. In Wasser unlösliche Bestandteile'): 

1. Organische 

Wachsartige Substanzen 15,11 

In Salzsäure lösUche Substanzen 43,11 

Huminsäure 320,1 

Pflanzenreste, Humussubstanzen 302,1 

2. Anorganische 

a) in Salzsäure löslich 

Calcium (Ca) 6,888 

Magnesium (Mg) 1,014 

Eisen (Fe) 17,45 

Mangan (Mn) 0,219 

Aluminium (AI) 4,100 

Sulfatrest (SO^) 15,21 

Phosphatrest (POj 2,062 

Karbonatrest (CO,) 3,303 

Differenz = Sauerstoff (0) . . . . 9,86 

Siliciumdioxyd (SiO.) 13,12 

b) in Salzsäure unlöslich*) 



21,173 



680,4 



73,23 

224,7 
999,5 



>) Manuskript. *) d. h. praktisch unlSslich. 



13 — 



Medizinische Bäder. Elektrische Lichtbäder. Massage. 
Gelegenheit zu Flußbädern. 

Behandelt werden: Blutarmut, Schwächezustände, Re- 
konvaleszenz, ßheumatismus, Frauenkrankheiten. 

6 Ärzte. — Kurzeit: 15. Mai bis 30. September. — Kur- 
taxe: 1 Person 6 M., Familie 12 M. — Zahl der Besucher 
(ohne Passanten) 1903: 1231; 1904: 1222; 1905: 1365. 



Allgemeine Einriehtiingen: Trinkwasserleitung. — Be- 
seitigung der AbfaUstoffe durch Abfuhr. — Krankenhaus mit 
Desinfektionseinrichtung. — Apotheke. — Freibäder an Be- 
dürftige. — Das Bad gehört der Stadt und wird von der 
städtischen Badedirektion verwaltet. 



DSföGssöSDSföföföosG^c^c^Göfö Jordanbad öoöoöoöo&^öoöoöoöoödöoödöo^ 



Badeort mit 144 Einwohnern bei dem Dorfe Bergerhausen 
im Donaiikreis des Königreichs Württemberg, liegt 540 m ü. M. 
in einem von Nordwest nach Südost sich erstreckenden Tale, 
dessen einschließende Höhen noch etwa 100 m ansteigen. Laub- 
imd Nadelwald angrenzend. Nächste Bahnstation Biberach 
(3'/2 km) an der Strecke Ulm— Friedrichshafen. 

Klima. Durch die vorgelagerten Höhen ist der Ort gegen 



Analyse 

(aus der Salztabelle berechnet). 



In 



Analytiker: Strecker. 
Temperatur: 11,0°. 
Ergiebigkeit: 2000 hl in 

1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

^ Milli- Milligramm- 

Kationen). Gramm Mol Äquivalente 

Kaliimi-Ion (K-) 0,005042 0,1288 0,1288 

Natrium-Ion (Na-) 0,001864 

Calcium-Ion (Ca-) 0,07708 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,01718 

Fcrro-Ion (Fe-) 0,009307 



Milli- 
Mol 

0,1288 

0,0809 

1,922 

0,7054 

0,1665 



0,0809 
3,844 
1,411 
0,3330 



Anionen -). 

Chlor-Ion (Cl') 0,009571 0,2700 

Sulfat-Ion (SO,") 0,000334 0,0035 

Hydrokarbonat-Ion (HCO3') . 0,3368 5,521 



5,798 

0,2700 
0,0070 
5,521 



Kieselsäure (meta) (HjSiOj) 
Freies Kohlendioxyd (COj) 



0,4572 
0,02817 



8,798 
0,3593 



5,798 



Nord- imd Nordwestwinde geschützt. — Mittlere jährliche 
Niederschlagshöhe 857 mm*). 

Heilquellen. 5 Quellen , genannt „JordanqueUen" , die in 
den Ajmalen des Hospitals Biberach bereits 1470 als „Spital- 
bad" erwähnt sind imd seitdem als Heilquellen benutzt werden, 
entspringen aus Kiesgeröll imd Moorboden. 
*) Beobachter : Stadtschultheiß Müller in Biberach. 

1861 '). 

24 Stunden. 

Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
imgefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält*): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KO) 0,009607 

Natriumchlorid (NaCl) 0,004731 

Calciumchlorid (CaCl,) 0,003349 

Calciumsulfat (CaSOJ 0,000473 

Caiciumhydrokarbonat [Ca(HC03)2] 0,3062 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03)J 0,1033 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03)2] . . 0,02962 
Kieselsäure (meta) (HjSiOj) .... ■ 0,02817 

0,4855 



0,4853 
0,1559 



9,157 
3,543 



Freies Kohlendioxyd (CO^) .... . 0,1559 = 
0,6414 



82,8 com bei 

11,0° und 
760 mm Druck. 



0,6412") 12,700 



Ältere Analysen: Chr. Gmelin, 1825 (bei Sigwartund Leipprand 
8. 23). G. C. L. Sigwart (G. C. L. Sigwart und M. F. Leipprand, Die 
Mineralwasser in dem Königreiche Württemberg S. 23. Tübingen 1831). 

Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
0,5 g. Die Quellen sind „einfache kalte Quellen". Be- 
merkenswert ist der Eisengehalt von 9,3 mg. 

Das Wasser der etwa A'-/^ m tief in Holzschacht gefaßten 
Quellen wird zu Bädern benutzt. Es wird in einen großen 
Behälter gepumpt imd dort durch Dampfheizschlangen erwärmt. 
In 32 heizbaren Badezellen, deren Wannen aus Marmor, Zink 
oder Fayence bestehen, wurden 1903 etwa 5400; 1904 etwa 
6000; 1905 etwa 6000 Bäder verabreicht. 

Sonstige Kurmittel: Künsthche Kohlensäurebäder, Moor- 
bäder mit Moor aus benachbarten Lagern. Fichtennadelbäder, 
Solbäder, elektrische Bäder, elektrische Lichtbäder, Luft- imd 
Sonnenbäder. Waßmuthsches Inhalatorium. Massage, Vibra- 



1) Prospekt ,, Jordan-Bad". Ohne Ort und Jahr. 2) Vgl. ehem. Einlei- 
tung Abschn. A. ^) Die Analyse gibt noch einen Gehalt von 0,18 Milli-Mol 
Aluminium-Ion an, eine Menge, die neben den nachgewiesenen Anionen kaum 
beständig ist und daher außer Berücksichtigung blieb. Der gewogene Nieder- 
schlag stammt wahrscheinlich aus den bei der Analyse benutzten Gerätschaften. 
*) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 

tionsmassage, Heilgymnastik, Elektrotherapie, Wasserheilver- 
fahren. Heizbare Wandelbahn. 

Behandelt werden : Blutarmut, Bleichsucht, Frauenkrank- 
heiten, Nervenleiden. 

2 Ärzte. — Das Bad ist das ganze Jahr hindurch geöffnet. 
Kurtaxe wird nicht erhoben. Zahl der Besucher (ohne Passan- 
ten) 1903: 619; 1904: 684; 1905: 685. 

Allgemeine Einrichtungen : Trinkwasserversorgung durch 
Hochdruckquellwasserleitung. — Beseitigimg der Abfallstoffe 
durch Kanalisation. — Desinfektionsapparat. — Apotheken in 
Biberach. — Das Bad ist im Besitz der Kongregation der barm- 
herzigen Schwestern von Eeute. 



G6G6föG6G55G6C^C5SDSG6C;6G6G6G3S KainZenbad ^^iSO^^^^^^^^^^ÖO 



Bad bei Partenkirchen in Oberbayern, liegt 750 m ü. M. 
am Fuße des Wettersteingebirges. Nadelwald unmittelbar an- 
grenzend. Nächste Bahnstation (30 Minuten) Garmisch-Parten- 
kirchen an der Bahn München — Garmisch-Partenkirchen. 

Klima. Vergl. Partenkirchen. 



Heilquellen. 3 Quellen: die vereinigte „Kainzen-" und 
„St. Antonsquelle", die „GutiqueUe" imd eine unbenannte Quelle 
entspringen aus Partnachschichten des alpinen Muschelkalkes 
nahe der nördlichen Grenze dieser Schichten. 



14 



Analyse der „Kainzen- (St. Antons-) Quelle" (aus den Emzelbestandtdlen berechnet). 



Analytiker: F. Hulwa. 1880'). 

Spezifisches Gewicht: 1,00074 (ohne Temperaturangabe). 

Temperatur: 8,0°. 

Ergiebigkeit: 120—150 hl in 24 Stunden. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen''). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,004092 

Natrium-Ion (Na-) 0,2326 

Lithium-Ion (Li-) 0,000011 

Ammonium-Ion (NH/) . . . 0,000417 

Calcium-Ion (Ca--) 0,003736 

Strontimn-Ion (Sr--) 0,000036 

Magnesium-Ion (Mg--) .... 0,003013 

Ferro-Ion (Fe-) 0,00052 

Mangano-Ion (Mn-) 0,00006 

Blei-Ion (Pb") 0,00005 

Cupri-Ion (Cu") 0,000066 



Anlonen'). 

Nitrat-Ion (NOj') 

CMor-Ion (CT) 

Brom-Ion (Br) 

Jod-Ion (J') 

Sulfat-Ion (SO/') 

Hydrokarbonat-Ion (HCO3') 
Karbonat-Ion (CO,") .... 
Hydroxyl-Ion (OH') 

Kieselsäure (meta) (HjSiOj) 
Organische Substanzen . . . 

Freies Kohlendioxyd (COj) . 



0,00143 

0,007462 

0,00002 

0,000045 

0,03169 

0,104 

0,196 

0,0262 



Milli- 
Mol 

0,1045 

10,09 

0,0015 

0,0231 

0,0932 

0,0004 

0,1237 

0,0094 

0,001 

0,0002 

0,0010 



0,0231 

0,2105 

0,0002 

0,0004 

0,3299 

1,70 

3,27 

1,54 



Milligramm- 
ÄquiTalente 

0,1045 

10,09 
0,0015 
0,0231 
0,1863 
0,0008 
0,2474 
0,019 
0,002 
0,0004 
0,0021 

10,68 

0,0231 

0,2105 

0,0002 

0,0004 

0,6597 

1,70 

6,54 

1,54 



0,611 

0,01297 

0,01199 



17,52 10,67 
0,1654 



0,636 




17,69 




Daneben Spuren von Baryimi- und HydrosuMd-Ion. 

Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
0,6 g (vorwiegend Natrium- imd Karbonat-Ionen); freies Kohlen- 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält): 

Gramm 

Kaliumnitrat (KNOj) 0,00233 

Kaliumchlorid (KCl) 0,006075 

Natriumchlorid (NaCl) 0,006200 

Natriumbromid (NaBr) 0,00003 

Natriumjodid (NaJ) 0,000053 

Natriumsulfat (Na^SOJ 0,04689 

Natriumhydrokarbonat (NaHCO,) 0,141 

Natriumkarbonat (Na,C09) 0,347 

Natriumhydroxyd (NaOH) 0,0442 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCOa) 0,00010 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) 0,00124 

Calciumhydroxyd [Ca(OU.\] 0,006905 

Strontiumhydrokarbonat [Sr(HCOj)j] 0,000085 

Magnesiumhydroxyd [Mg(OH)j] 0,007220 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC08)j] 0,0017 

Manganohydrokarbonat [Mn(HC03)j] 0,0002 

Bleihydrokarbonat [PbCHCO,),! 0,00007 

Cuprihydrokarbonat [Cu(HC03)j] 0,00019 

Kieselsäure (meta) (H^SiOg) 0,01297 

Organische Substanzen 0,01199 

0,636 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 



1) Joum. f. prakt. Chemie 1880. N. F. Bd. 22, S. 290. ') Vgl. ehem. 
Einleitung Äbschn. A. *) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C, 



dioxyd ist nicht vorhanden, 
kalte Quelle". 



Die Quelle ist eine „einfache 



Analyse der „Gutiquelle" (aus der Salztabelle berechnet). 

Analytiker: G. C. Wittstein. 1873*). 

Spezifisches Gewicht: 1,00067 (ohne Temperaturangabe). 

Temperatur: 6,6°. 

Ergiebigkeit: 29 hl in 24 Stunden. 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: „ Mim- Miiiigramm- 

° Gramm Mol Äquivalente 

_. .. ,. Miiii- Milligramm- Hydrosulfid-Ion (HS') . . . 0,0174 0,527 0,527 

Kronen ). Gramm Mol Äquivalente Thiosulfat-Ion (S^O,") 0,000347 0,0031 0,0062 

Kal.um-Ion (K-) 0,01968 0,5027 0,5027 Karbonat-Ion (CO,") . . . . 234 3,90 7,81 

Natnum-Ion (Na-) 0,1871 8,118 8,118 Hydroxyl-Ion (OH') 0,0159 0,933 0,933 

Ammomum-Ion (NH,-) . . . 0,002476 0,1370 0,1370 J J- V ; _^^ ^^ ^ 

Calcium-Ion (Ca--) 0,08372 2,088 4,176 ,,. , . , , , ,„ c^-r. ^ ^'^?L„ l.Ln 

Magnesium-Ion (Mg--) 0,01688 0,6930 1,386 Kieselsaure (meta) (H,8iO,) . 0,01558 0,1987 

Ferro-Ion (Fe--) 0,000791 0,0142 0,0283 Oi^anische Substanzen . . • 0,04844 

14348 0,924 21,54 

j^onen'y Freies Kohlendioxyd (CO,) . 

Chlor-Ion (Cl') 01499 4227 4227 Daneben Spuren von: Lithium-, Baryum-, Nitrat-, Brom- 

Sulfat-Ion (SO/') 0^06105 0^6355 l!271 Ion, Borsäure . 

Hydroph<>sphat-Ion(HPO;;) 0,001446 0,0151 0,0301 .) Chemische, Zentralblatt 1873. [3]. Bd. 8, 8. 621. ^ Vgl. ehem. Ein- 

Hydrokarbonat-Ion (HCO, ) 0,204 3,35 3,35 leitung Abschn. A. 



— 15 — 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefäir einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält:') 

Gramm 

Kaüumchlorid (KCl) 0,02132 

Kaliimisulfat (K,SOJ 0,01891 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,07493 

Natriumhydrokarbönat (NaHCOj) 0,279 

Natriumkarbonat (Na^COg) 0,170 

Natriumhydrosuliid (NaHS) 0,0296 

Natriumthiosulfat (Na,Sj03) 0,000490 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) 0,007332 

Calciumhydrophosphat (CaHPOJ 0,002050 

Calciumkarbonat (CaCOg) 0,207 



Gramm 

Magnesiumkarbonat (MgCOg) 0,0191 

Magnesiumhydroxyd [MgCOH),] 0,0272 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03),] 0,002519 

Kieselsäure (meta) (H^SiOa) 0,01558 

Organische Substanzen 0,04844 

0,923 ' 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 



Ältere Analyse: A. Vogel 1823 — 26 (Die Mineitilquellen des König- 
reichs Bayern. München 1829. S. 98). 



^) Vgl. ehem. Einleitimg Abschn. B.2.G. 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
0,9 g (vorwiegend Natrium- und Karbonat-Ionen). Durch die 
Gegenwart von Hydrosulfid-Ionen ist die Quelle als Schwefel- 
quelle gekennzeichnet und daher als „reine Schwefelquelle" 
zu bezeichnen. 

Die Quellen werden an Ort und Stelle zum Trinken und 
Baden benutzt, die „KainzenqueUe" auch versandt (etwa 1000 
Flaschen jährlich). 

Sonstige Kumüttel: Moorbäder mit Moor aus eigenen 
Lagern. Fichtennadelbäder. Inhalationskuren. Mechano- und 



Hydrotherapie. Massage. Gelegenheit zu Bädern in einem 
Weiher. Milch- und Molkenkuren. Gedeckte Hallen. 

Behandelt werden : Chronische Katarrhe der Eespirations- 
organe, Hautkrankheiten, chronische Metall Vergiftungen , chro- 
nische Exsudate aller Art, Frauenleiden, Gicht, chronischer 
Gelenkrheumatismus. 

1 Arzt. — Apotheke in Garmisch. — Kurzeit: 1. Mai bis 
1. Oktober. — Kurtaxe: 1 Person 10 M., FamUie 15 M. — 
Zahl der Besucher (ohne Passanten) 1903: 300; 1904: 450. 

Das Bad ist im Besitz von Dr. Th. Behrendt. 



G6G6G6G6G6G6G6G6G6G6G6G6G6G6G6 Kellberg ^^^^^iSO^^^^^^^^^ 

Bei dem Dorfe Kellbei^ in Niederbayem (Station der Bahn Passau — Hauzenberg) entspringt aus Gneis in einer Tiefe von 
3 m eine Mineralquelle. 



Analyse (aus der Salztabelle berechnet). 

Analytiker: Crawford'). 

Spezifisches Gewicht: 1,00157 (ohne Temperaturangabe). 

Temperatur: 8,8°. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen ^). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,000709 

Natrium-Ion (Na-) 0,003295 

Calcium-Ion (Ca") 0,07788 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,004461 

Ferro-Ion (Fe") 0,009037 

Aluminium-Ion (AI"-) .... 0,007849 



Anionen '). 

Chlor-Ion (Cl') 

SuKat-Ion (SO/') 

Hydrokarbonat-Ion (HCOa') 

Kieselsäure (meta) (H,SiOs) . 
Organische Substanzen . . . . 

Freies Zohlendioxyd (CO,) . 



0,002429 

0,04483 

0,2808 



0,4313 

0,01740 

0,02312 



0,4718 
0,4178 



Milli- 
Mol 

0,0181 

0,1430 

1,942 

0,1831 

0,1617 

0,2896 



0,0685 
0,4667 
4,602 



Milligramm- 
Äquivalente 

0,0181 

0,1430 

3,884 

0,3662 

0,3233 

0,8689 

5,604 

0,0685 
0,9333 
4,602 



7,875 
0,2219 



8,097 
9,495 



5,604 



Das Mineralwasser entspricht 
ungefähr einer Lösung, welche in 

Kahumchlorid (KCl) 

Natriumchlorid (NaCl) 

NatriumsuKat (Na^SO^) 

Natriumhydrokarbönat (NaHCOg) 
Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03)2] 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HCO,),] 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03)2] . 
Aluminiumsvdfat [AL,(S0^)3] . . . 
Kieselsäure (meta) (HjSiOj) .... 
Organische Substanzen 



in seiner Zusammensetzimg 
1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 
0,001352 
0,002948 
0,004580 
0,002365 
0,3149 

0,02680 
0,02876 
0,04958 
0,01740 
0,02312 



Freies Kohlendioxyd (CO,) . . . 



0,4718 

0,4178 
0,8896 



220,2 ccm bei 

8,8° und 
760 mm Druck. 



0,8896 17,592 



') Liebigs Jahresbericht über die Fortschritte der Chemie. 1857. S. 722. 
■) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. *) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
0,5 g, die Menge des freien Kohlendioxyds 0,4 g. Die Quelle 
ist eine „einfache kalte Quelle". Bemerkenswert ist der 
Eisengehalt von 9 mg. 



Die Quelle wird in der Heilanstalt „Bad. Kellberg" 
Trink- imd Badekuren benutzt. 



— 16 



cjSG6c;iSC6G?sG6CiSC6G6C6G6c;jsasc6 Kirnhalden ^^isj^^öo^^^^^^^^so 



Badeort, 8 km von Kenzingen im Oberrheinkreise des Groß- 
herzogtums Baden, liegt 300 m ü. M. in einem von Süden nach 
Norden verlaufenden 100—250 m breiten Tale, dessen b^renzende 
Höhen 120 — 150 m ansteigen. Ausgedehnte Buchen- imd 
Fichtenwaldungen in »mmittelbarer Nähe. Kenzingen ist Sta- 
tion der Bahnlinie Heidelberg— Basel. 



Klima. Der Ort ist gegen Nord- und Ostwinde geschützt. 

Heilquellen. Die „Mineralquelle zum heiligen Kreuz" war 
wohl schon zu Römerzeiten bekannt und ist — später im Be- 
sitze des Paulinerklosters in Kindialden — seit mehreren Jahr- 
hvmderten zu Heilzwecken benutzt worden. Sie entspringt 
einer Trennungsschicht zwischen Gneis und Buntsandsteiii. 



Analyse 

(ans der Salztabclle berechnet). 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers 

Kationen'): Gramm 

KaUum-Ion (K-) 0,00171 

Natrium-Ion (Na-) 0,00108 

Calcium-Ion (Ca-) 0,01239 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,000531 

Ferro-Ion (Fe-) 0,00002 

Anionen *). 

Chlor-Ion (Q') 0,00205 

Sulfat-Ion (SO/') 0,00173 

Hydrokarbonat-Ion (HCO3') . 0,04019 



Analytiker: Unbekannt'). 
Temperatur: 10,4°. 



d enthalten: 


Milli- 
Mol 


Milligramm- 
Äqulvalente 


0,0436 
0,0467 
0,3089 
0,0218 
0,0004 


0,0436 
0,0467 
0,6178 
0,0436 
0,0009 




0,7526 


0,0579 
0,0180 
0,6587 


0,0579 
0,0360 
0,6587 



Kieselsäure (meta) (HjSiOj) 
Freies Kohlendioxyd (CO,) 



0,05970 
0,01362 



0,07332 
0,00175 



1,1560 
0,1737 



1,3297 
0,0397 



0,07507 1,3694 



0,7526 



') H. Oef f inger, Die Kurorte mid Heilquellen des Großherzogtums Baden. 
9. Aufl., 8. 152. Baden-Baden 1908. ») Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
imgefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält"): 

Gmmm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,00325 

Natriumchlorid (NaCl) 0,000836 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,00230 

Calciumsulfat (CaSO^) 0,000248 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03),] 0,04979 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03\] 0,00319 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCO,)j] . 0,00008 

Kieselsäure (met^i) (H^SiOj) .... 0,01362 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 



0,07331 

0,00175 
0,07506 



■t 



0,9 ecm bei 

10,4° und 
'60 mm Druck. 



Ältere Analyse: Ton Babo. 1866. 



') Vgl. ehem. Einleitung Abschn, B.2.C. 



Wegen des geringen Gehaltes an gelösten festen Bestand- 
teilen (0,07 g), ist die Quelle als „einfache kalte Quelle" 
zu bezeichnen. 

Das Wasser wird an Ort imd Stelle getnmken , außerdem 
zu Bädern, Duschen, Nasenduschen und zum InhaUeren be- 
nutzt. Die Quelle ist in einen 5 m tiefen, in Gneis endigen- 
den Steinschacht gefaßt imd wird in einer Eisenrohrleitung 
dem Badehause zugeführt. Durch Einleiten von Dampf wird 
das Wasser erwärmt. In den 14 Zellen des Badehauses befinden 
sich teils emaiUierte, teils hölzerne, teils aus Kacheln her- 
gestellte Wannen. 1903 wurden 702; 1904: 807; 1905: 642 Bäder 
Terabreicht. 

Sonstige Kurmittel: Kohlensäurebäder (mit aus Hön- 
ningen am Rhein bezogener Kohlensäure), Moor- und Moor- 



extraktbäder (mit Franzensbader Moor), Ma.ssage, Vibrations- 
massage. Gelegenheit zu Milch- imd Traubenkuren und zu 
Terrainkuren (ohne besondere Einrichtung). 

Behandelt werden: Nervenleiden, Zuckerhamnihr, Gicht, 
Fettsucht, Bleichsucht, Lues, Khachitis, Skrofulöse, Herzaffek- 
tionen, Nieren- und Blasenerkrankungen. 

Während der Kurzeit, die vom 1. Mai bis Ende Oktober 
dauert, ist ein Arzt im Orte tätig. — Kurtaxe wird nicht er- 
hoben. — Zahl der Besucher (ohne Passanten) 1903: 286; 
1904: 331; 190,'.: 3:.,"). 

Allgemeine Einrichtungen: Als Trinkwasser dient Quell- 
wasser. — Beseitigung der Abfallstoffe durch Kanalisation. — 
Krankenhaus. — Nächste Apotheke in Kenzmgen. — Besitzer 
der Quelle und des Badehauses ist F. Huse. 



c;6C6C6gjsg6c;6G6G6C6G6G6C6G6G6G6 Krumbad ^^^^^^^so^üo^üo^^^^ 



Bad bei der Stadt Krumbach (Postverbindung) im Kreise 
Schwaben des Königreichs Bayern, liegt 550 m über dem Meere 
in einer Mulde zwischen dem Mindel- und Kammeltale, mitten 
in Buchen- und Fichtenwäldern. Krumbach ist Endstation 
einer von der Linie Ulm -München in Günzburg abzweigenden 
Nebenbahn. 

Heilquellen. 3 Quellen („St. Adelheidsquellen"), seit dem 



15. Jahrhundert zu Heilzwecken benutzt, entspringen dicht 
nebeneinander aus dem Felsen eines Bergrückens, der aus dilu- 
vialer Nagelfluh mit untergelagerten tertiären Schichten besteht. 
Über letzteren findet der Austritt der Quellen statt. Sie sind 
gemeinschafthch in einen 2 m tiefen in Stein und Lehm 
endigenden Steinschaeht gefaßt und liefern täglich 1 J,4 hl 
Wasser von 6". 



17 — 



Analyse 

(aus der Salztabelle berechnet). 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Kationen '). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,0007 

Natrium-Ion (Na-) 0,004 

Calcium-Ion (Ca-) 0,057 

Magnesium-Ion (Mg") 0,01 

Ferro-Ion (Fe-) 0,006 



Analytiker: A. Vogel. 1823—1826'). 



Milli- 
Mol 

0,02 

0,2 

1,4 

0,5 

0,1 



Milligramm- 
Äquivalente 

0,02 

0,2 

2,9 

0,9 

0,2 



Anionen'). 

CMor-Ion (Cl') 0,007 0,2 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') . . 0,245 4,01 



4,2 

0,2 
4,01 



0,33 

Organische Substanzen 0,001 

0,33 



6,4 



4,2 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
0,3 g. Die Quelle ist eine „einfache kalte Quelle". 

Das Wasser wird zum Trinken am Ort, zum Baden und 
Duschen benutzt. Dem Badehause wird es in einer etwa 15 m 
langen Metallrohrleitimg zugeführt, dort in großen Kesseln 
erwärmt und in die Badezellen (16, mit Wannen aus Marmor, 
Zinkblech, Email oder Holz) geleitet. Zahl der Bäder 1903: 
6000; 1904:6200; 1905:6200. Aus dem Quellwasser imd dem 
sogenannten Badsteine, einer tonartig aussehenden halbharten 
Erde (Einlagerung im Tertiär), werden Schlammbäder bereitet. 

Sonstige Kurmittel: Russische imd irisch -römische 
Bäder. — Milchlmren. 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösimg, welche in 1 Kilogramm enthält:') 

Qramni 

Kaliumchlorid (Kd) 0,001 

Natriumchlorid (Naa) 0,01 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03),)] 0,23 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HC03)3] 0,07 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03),] 0,02 

Organische Substanzen 0,001 

0,33 



V Die Mineralquellen des Königreichs Bayern 8. 61. München 1829. 
') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. ») Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.O. 

Behandelt werden: Rekonvaleszenz nach schweren Er- 
krankimgen, Gicht, Rheumatismus im chronischen Stadiimi, 
Gelenksteifigkeiten, Exsudate, Nieren- und Blasenleiden, Rücken- 
marksleiden. 

Arzte in Krumbach (2 km). — Kurzeit: 1. Mai bis 
15. Oktober. — Kurtaxe wird lücht erhoben. — Zahl der Be- 
sucher (ohne Passanten) 1903: 400; 1904: 470; 1905: 550. 

Allgemeine Einrichtungen: Trinkwasserleitung. — Be- 
seitigung der Abfallstoffe durch Kanalisation und Versitzgrube. 
— Desinfektionsapparat. — Nächste Apotheke in Krumbach. — 
Quelle und Badehaus sind im Besitz der St. Josephs -Kon- 
gregation in TJrsberg (Bayern, Schwaben). 



G6ÖSC2SC^G6G6DSG6G6G6G6C5SföG6 LaUChstäcLt ^^iSO^ÖOiiOiSOiSOÜO^^^iSO^ 



Stadt mit 2034 Einwohnern in der Provinz Sachsen, hegt 
in der Ebene 122 m ü. M. Station der Bahnen Schiettau — Lauch- 
städt und Merseburg — Schaf städt. 

Klima. Mittlere jährUche Niederschlagshöhe nach lOjäh- 
rigem Durchschnitt (1891—1900) 475 mm*). 



Heilquellen. Eine Quelle, „Gesundbrunnen" genannt, 
1710 entdeckt, im 18. Jahrhundert viel besucht, entspringt aus 
eisenschüssigem kalkhaltigen Bvmtsandstein. 



*) Provinz-Regenkart«. 



Analyse 

(aus der Salztabelle berechnet). 



Spezifisches Gewicht 
Temperatur: 10°. 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Kationen'). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,00920 

Natrium-Ion (Na-) 0,06789 

Calcium-Ion (Ca-) 0,09904 

Magnesium-Ion (Mg") 0,0389 

Ferro-Ion (Fe-) 0,00798 

Aluminium-Ion (AI—) 0,0046 

Anionen'). 

C!hlor-Ion (Ol) 0,0222 

Sulfat-Ion (SO/') 0,4845 

0,08540 



Analytiker: Marchand. 1843*). 

1,00184 (ohne Temperaturangabe). 



Hydrokarbonat-Ion (HCO,') 
Kieselsäure (meta) (HjSiOj) . 
Freies Kohlendioxyd (COj) . 



MilU- 


Milligramm - 


Mol 


Äquivalente 


0,235 


0,235 


2,945 


2,945 


2,470 


4,939 


1,60 


3,19 


0,143 


0,285 


0,17 


0,51 




12,10 


0,626 


0,626 


5,044 


10,09 


1,400 


1,400 



0,8197 
0,0221 



14,63 
0,282 



12,12 



0,8418 
0,2358 



14,92 
5,359 



1,0776 20,27 



') Joum. f. prakt. Chemie 1843 Bd. 32 S. 463. 
tung Abschn. A. 



') Vgl. ehem. Einlei- 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

KaUumchlorid (KCl) 0,0175 

Natriumchlorid (NaQ) 0,0228 

Natriumsulfat (Na^SOJ 0,1816 

Calciumsulfat (CaSOJ 0,3363 

Magnesimnsultat (MgSOJ 0,125 

Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03),] 0,0816 



Ferrohydrokarbonat [Fe(HCO,),l 
Alimiiniumsultat [A1,(S04)3] 
Kieselsäure (meta) (H,Si03) 



0,0254 
0,029 
0,0221 
0,841 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 0,2358 = » 

1,077 



124,8 com bei 

10,0° und 
760 mm Druck. 



Ältere Analyse: Stolze (bei J. 
S. 136. Berlin 1839). 



F. Simon, Die Heilquellen Europas 



') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 



18 — 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
0,8 g, die Menge des freien Kohlendioxyds 0,2 g. Die Quelle ist 
eine „einfache kalte Quelle". Bemerkenswert ist der ISisen- 
gehalt von 8 mg. 

Das Wasser der mit Sandsteinquadem gefaßten Quelle 
wird zum Trinken und Baden benutzt (4 — 6 BadezeUen mit 
Wannen aus Kacheln und Kupfer) imd auch versandt (Ver- 
sandfirma: Dr. Fritz Lauterbach). 

Sonstige Kurmittel: Massage. 



Bebandelt wrerden : Blutarmut, Bleichsucht, Neurasthenie, 
Frauenkrankheiten , Rheumatismus. 

3 Ärzte. — Kurzeit: Mitte Mai bis Mitte September (auch 
beschränkter Winterbetrieb). — Kurtaxe: 1 Person 3 M., 
Familie 6 M. — Zahl der Besucher einschließlich Passanten 
1903: 81; 1904: 108; 190.^: 150. 

Allgemeine Einrichtungen : Trinkwasserversorgimg durch 
Brunnen. — Apotheke. — Die Quelle ist im Besitz der preußi- 
schen Provinz Sachsen. — Auskunft durch die Badedirektion. 



G6C6G6G6C5SG6G6C2SDSG6QS Mölln in Lauenburg ^^^^^^^^iso^iso 



Stadt mit 4470 Einwohnern in der Provinz Schleswig- 
Holstein, Kxeis Herzogtimi Lauenburg, 18 m ü. M. Aus- 
gedehnter Laubwald immittelbar angrenzend. Station der Bahn 
Lübeck — Buchen und Endpunkt der in HoUenbeck von der 
Bahn Hagenow — Neimiünster abzweigenden Nebenbahn. 

Klima. Mittlere jährliche Niederschlagshöhe nach lOjäh- 
rigem Durchschnitt (1892—1901) 641 mm*). 

Analyse 

(aus der Salztabelle berechnet). 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers 



Heilquellen. Die „Hermannsquelle'' entspringt aus dem 
oberen Sand der südlichen baltischen Endmoräne, der etwa 
18 m mächtig auf den oberen Geschiebcmergeln aufgeschüttet 
ist, und liefert täglich etwa 70 hl Wasser von 9 — 10°. 



Kationen '). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,003210 

Natrium-Ion (Na-) 0,007422 

Calcium-Ion (Ca-) 0,06700 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,005120 

Ferro-Ion (Fe-) 0,001103 

Mangano-Ion (Mn-) 0,000609 

Aluminium-Ion (AI-) .... 0,000103 



Analytiker: A. 
sind enthalten: 

Milligramm- 
Äquivalente 



Anionen^. 

Nitrat-Ion (NO,') 

C!hlor-Ion (a') 

Sulfat-Ion (SO/') 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 
Hydrokarbonat-Ion (HCO3') . 

Kieselsäure (meta) (HjSiOj) . 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



0,000356 

0,01294 

0,01332 

0,000582 

0,2183 



Milli- 
Mol 

0,0820 

0,3220 

1,671 

0,2102 

0,0197 

0,0111 

0,0038 



0,0057 
0,3652 
0,1387 
0,0061 
3,578 



0,0820 

0,3220 

3,341 

0,4203 

0,0395 

0,0221 

0,0114 

4,238 

0,0057 
0,3652 
0,2774 
0,0121 
3,578 



0,3301 
0,001855 



6,414 
0,0237 



4,238 



0,3319 
0,1431 



6,437 
3,253 



0,4750 



9,690 



•) ProTinz-Begenkarto. 



Hilger. 1882'). 

Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

KaUunmitrat (KNO3) 0,000580 

Kahumchlorid (KO) 0,005688 

Natriumchlorid (NaQ) 0,01690 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,002351 

Calciumsulfat (CaSOJ 0,01663 

Calciumhydrophosphat (CaHPO,) . 0,000049 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC08X] • 0,2510 
Magnesixmihydrokarbonat 

[Mg(HC08),l 0,03076 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCO,),] . . 0,003510 

ManganohydrokarbonatpknCHCOj),] 0,001960 
Aluminiiunhydrophosphat 

[A1,(HP0J8J 0,000650 

Kieselsäure (meta) (H^SiOJ 0,001855 

0,3319 

f 75,7 ccm bei 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 0,1431 = { 10,0° und 

1760 mm Druck. 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
0,3 g. Die Queue ist eine „einfache kalte Quelle". 

Das Wasser der Quelle wird zum Trinken benutzt und 
auch versandt, teils in natürUchem Zustande, teils mit künst- 
Ucher Kohlensäure versetzt (1903: 56185; 1904: 57 979; 1905: 
etwa 72 000 Flaschen). Eine zweite Quelle, die „Wiesenquelle", 
wird nicht benutzt. 

Sonstige Kurmittel: Gel^enheit zu Bädern in einem See. 



0,4750 
Einleitung Abschn. A. 



") Vgl. ehem. 



<) Manuskript. ') Vgl. ehem. 
Einleitung Abschn. B.2.C. 

Behandelt werden: Bleichsucht, Blutarmut. 

4 Arzte. — Kurzeit: 15. Mai bis 15. Oktober. — Kurtaxe 
wird nicht erhoben. — Zahl der Besucher (ohne Passanten) 
1903: 1300; 1904: 1500; 1905: 1650. 

Allgemeine Einrichtungen : Trinkwasserversorgung durch 
Brunnen. — Beseitigung der Abfallstoffe durch Abfuhr. — 
Formaldehyddesinfektionsapparat. — Die Quelle ist im Besitz 
der Stadt. Auskunft durch den Magistrat. 



C5SG6C6G6G6G6GJSC6C6G6G6G6G6G6G6 Bad TÖlZ ^^^^^^^^^^^^^^i^ 



Marktflecken mit 5200 Einwohnern in Oberbayem, liegt 
657 m ü. M. am Austritt der Isar aus den Alpen. Laub- und 
Nadelwald in der Nähe. Ikidstation der Bahn München— Holz- 
kirchen — Bad TöIz. 

Klima. ^Mittlere jährliche Niederschlagshöhe 1328 mm*). 



*) Angabe der Badedirektion. 



Heilquellen. 7 Quellen: die „Bemhardsquelle" (entdeckt 
im Jahre 1846), „Johann-Gteorgen-Quelle"(1851), „Anna-Quelle" 
(1856), „Karls-Quelle" (1858), „MaximiUansqueUe" (1868), 
„Marien-Quelle" (1870), „Neue Jodtrinkquelle" (1900) ent- 
springen etwa 5 km vom Orte entfernt am Sauersberge aus 
rotem Ntmimulitenkalk imd liefern zusammen täghch etwa 
243 hl. 



— 19 — 



Analyse der „Beriihä'rdSqUelle" (aus den Orlginalzalilen berechnet). 

Analytiker: R. Fresenius. 1852 •). 

Spezifisches Gewicht: 0,99832 bei 23°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 7,5°. 

Ergiebigkeit: 22 hl in 24 Stunden. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen'). 

Kalium-Ion (K-) . 
Natrium-Ion (Na-) 
Calcium-Ion (Ca") 
Magnesium-Ion (Mg" 
Ferro-Ion (Fe") . . 
Mangano-Ion (Mn") 
Alumiuium-Ion (AI"- 



Anionen '). 

Chlor-Ion (Cl') 

Jod-Ion (J') 

Sulfat-Ion (SO;') 

Hydrokarbonat-Ion (HCO^') 
Hydrosulfid-Ion (HS') . . . 



Kieselsäure (meta) (H,SiOa) 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 
Freier Schwefelwasserstoff 
(H,S) 





MiUi- 


Milligramm- 


Gramm 


Mol 


Äquivalente 


0,004401 


0,1124 


0,1124 


0,2214 


9,605 


9,605 


0,02832 


0,7062 


1,412 


0,005663 


0,2325 


0,4649 


0,000087 


0,0016 


0,0031 


0,000067 


0,0012 


0,0025 


0,000386 


0,0142 


0,0427 
11,643 


0,1800 


5,076 


5,076 


0,001355 


0,0107 


0,0107 


0,008785 


0,0915 


0,1829 


0,3862 


6,330 


6,330 


0,00146 


0,0441 


0,0441 


0,8381 


22,225 


11,644 


0,01445 


0,1842 




0,8526 


22,410 




0,0148 


0,336 




0,000266 


0,0078 





0,8676 22,753 

Daneben Spuren von Lithium-, Ammonium-, Strontium-, 
Baryum-, Brom-, Hydrophosphat-Ion, Borsäure, organischen 
Substanzen. 



Das Mineralwasser entspricht 
ungefähr einer Lösung, welche in 

Kaliumchlorid (KO) 

Natriumchlorid (NaCl) 

Natriumjodid (NaJ) 

Natriumsulfat (Na^SO^) 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOg) 
Natriumhydrosulfid (NaHS) . . . 
Calciiunhydrokarbonat[Ca(HC03)2] 
Magnesiuinhydrokarbonat 

fMg(HC03),] 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03\] . 
Manganohydrokarbonat 

[Mn(HC03),] 

Aliuniniimisulfat [AL,(S04)jl . . . 
Kieselsäure (meta) (H^SiOj) . . . 



in seiner Zusammensetzmig 
1 Kilogramm enthält^): 

Qramm 
0,008387 
0,2904 
0,001601 
0,009964 
0,3738 
0,00247 
0,1145 

0,03403 

0,000278 

0,000217 
0,002439 
0,01445 
0,8525 



Freies Kohlendioxyd (CO,) .... 0,0148 = 

Freier Schwefelwasserstoff (H,S) 0,000266 =^ 

0,8676 



7,8 ccm bei 

7,5° und 

7 60 mm Druck. 

0,2 ccm bei 

7,5° und 

760mmDruck. 



Ältere Analyse: Th. Wittatein 1851 (Liebigs Jahresbericht über die 
Fortschritte der Chemie 1853 S. 709. 



') Chemische Untersuchung der MinersUquellen zu Krankenheil bei Tölz 
in Oberbayem S. 2. Ohne Ort u. Jahr. -) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 
^) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 



Analyse der „Johann-Georgen-Quelle" (aus den orfginaizaUen berechnet). 

Analytiker: R. Fresenius. 1852*). 

Spezifisches Gewicht: 0,99824 bei 23°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 7,6°. 

Ergiebigkeit: 15 hl in 24 Stunden. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen'). 
Kalium-Ion (K-) . . 
Natrium-Ion (Na-) . 
Calcium-Ion (Ca") . 
Magnesium-Ion (Mg' 
Ferro-Ion (Fe") . . 
Mangano-Ion (Mn-) 
Aluminium-Ion (AI"-) 



Anionen'). 

Chlor-Ion (CT) 0,1421 

Jod-Ion (J') 0,001317 





Milli- 


Milligramm- 


Gramm 


Mol 


Äquivalente 


0,005627 


0,1437 


0,1437 


0,1957 


8,490 


8,490 


0,02545 


0,6347 


1,269 


0,005671 


0,2328 


0,4656 


0,000065 


0,0012 


0,0023 


0,000042 


0,0008 


0,0015 


0,000526 


0,0194 


0,0583 
10,430 


0,1421 


4,010 


4,010 


0,001317 


0,0104 


0,0104 



') Chemische Untersuchung der Mineralquellen zu Krankenheil bei Tölz in 
Oberbayem 8. 16. Ohne Ort u. Jahr. '•') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 



Gramm 

Sulfat-Ion (SO/') 0,01487 

Hydrokarbonat-Ion (HCO3') 0,3705 
Hydrosulfid-Ion (HS') . . . 0,000950 



MiUi- 
Mol 

0,1548 

6,073 

0,0287 



Milligramm- 
Äquivalente 

0,3097 

6,073 

0,0287 



Kieselsäure (meta) (H^SiOj) 



0,7628 
0,01412 



19,800 
0,1800 



10,432 



0,7769 
0,0187 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 
Freier Schwefelwasserstoff 
(H,S) 0,000228 



19,980 
0,425 

0,0067 



0,7959 20,411 



Daneben Spuren von Lithium-, Ammonium-, Strontium-, 
Baryum-, Brom-, Hydrophosphat-Ion, Borsäure, organischen 
Substanzen, 



— 20 — 



Das MineralwaBser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilc^ramm enthält:") 

Gramm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,01072 

Natriumchlorid (NaQ) 0,2262 

Natriumjodid (NaJ) 0,001556 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,01787 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOs) 0,3643 

Natriumhydrosulfid (NaH8) 0,00161 

Calciumhydiokarbonat [Ca(HC03),] 0,1029 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HC08),] 0,03408 

Ältere Analysen: A. Barth (Joum. f. prakt. Chemie 1849 Bd. 47 
S. 404). Wittstein 1851 (Liebigs Jahresbericht Über die Fortschritte der 
Chemie 1858 8. 709). 



Gnunm 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCOj)j] • 0,000206 
Manganohydrokarbonat 

[MnCHCOj),] 0,000134 

Aluminiumsulfat [AljCSO^^] . . . 0,003324 
Kieselsäure (meta) (H,SiO,) . . . 0,01412 

0,7770 

Freies Kohlendioxyd (CO^) .... 0,0187 = 



Freier Schwefelwasserstoff {H,8). 0,000228 = 

0,7960 



9,8 ccm bei 

7,6° und 

760 mm Druck. 

0,2 ccm bei 

7,6° und 

760 mm Druck. 



«) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.c. 



Analyse der 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

. Milli- Milligramm- 

Eationen^. Gnunm Mol Äquivalente 

Kalium-Ion (K-) 0,008263 0,2111 0,2111 

Natrium-Ion (Na-) 0,2243 9,731 9,731 

Caleium-Ion (Ca-) 0,02393 0,5967 1,194 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,005043 0,2070 0,4140 

Ferro-Ion (Fe-) 0,000084 0,0015 0,0030 

Aluminium-Ion (AI-) .... 0,000333 0,0123 0,0369 



Neuen Jodtrinkquelle" (aus der SalztabeUe berechnet). 
Analytiker: M. Hobein'). 

Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält"): 



Asionen '). 

Chlor-Ion (Q') 0,1703 

Jod-Ion (J') 0,001054 

Sulfat-Ion (SO/') 0,01309 



Hydrokarbonat-Ion (HCO,') 
Hydrosulfid-Ion (HS) .... 

Kieselsäure (meta) (HjSiOj) . 



0,3948 
0,00111 



4,804 

0,0083 

0,1362 

6,471 

0,0337 



11,590 

4,804 

0,0083 

0,2725 

6,471 

0,0337 



0,8423 
0,01299 



22,213 
0,1656 



11, .590 



0,8553 
0,0202 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 
Freier Schwefelwasserstoff 
(H,S) 0,00027 



22,378 
0,459 

0,0080 



1 

Gramm 

Kaliumchlorid (KO) 0,01575 

Natriumchlorid (NaO) 0,2687 

Natriumjodid (NaJ) 0,001245 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,01675 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOg) 0,4086 

Natriumhydrosulfid (NaHS) 0,00189 

Calciumhydrokarbonat [Ca(IIC08).j] 0,09674 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(IIC02);J 0,03030 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC08)j] 0,000267 

Aluminiumsulfat [Al,(80i)s] 0,002105 

Kieselsäure (meta) (H,SiOj) 0,01299 

0,8553 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 0,0202 

Freier Schwefelwasserstoff (H,8) 0,00027 

0,8758 



0,8757 22,845 



>) Prospekt: 
Jahr. ') Vgl. 
Abschn. B.2.C. 



Bad Tau -Krankenheil in Oberbayem S. 7. Ohne Ort und 
ehem. Einleitung Abschn. A. ^) Vgl. ehem. Einleitung 



benutzt. In 100 Badezellen mit Wannen aus emailliertem 
Eisen wurden 1903: 27 833; 1904: 27 974; 1905: 28 569 Bäder 
verabreicht. Das Badewasser wird in kupfernen Pfannen durch 
Dampfheizschlangen erwärmt. Zum Inhalieren (in einem be- 
sonderen Inhalationsraimi) , Gurgeln und zu Nasenduschen 
dienen die aus der JodtrinkqueUe durch Mndampfen gewonnenen 
Quellsalzlaugen. 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile bei diesen 
drei Quellen beträgt etwa 0,8 g. Die Quellen sind „einfache 
kalte Quellen". Bemerkenswert ist der Gehalt an Jod (etwa 
1 mg), an Hydrosulfid-Ionen (etwa 1 mg) und geringen Mengen 
freien Schwefelwasserstoffs. 

Die Jodtrinkquelle ist 52 m tief, die übrigen Quellen 
3 — 10 m tief in Stein gefaßt; sie werden in verzinkten Eäsen- 
röhren nach Tölz geleitet und dort zum Trinken und Baden 

Analyse der Quellsalzlauge Nr. 1 (aus der saiztabeue berechnet). 

Analytiker: M. Hob ein'). 

Spezifisches Gewicht: 1,037 (ohne Temperaturangabe). 

In 1 Kilogramm der Quellsalzlauge sind enthalten: 

Kationen*). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 1,313 

Natrium-Ion (Na-) 18,26 

Anionen '.) 

Chlor-Ion (Q') 13,69 

Jod-Ion (J') 0,1053 

Sulfat-Ion (80/') 2,120 

Hydrokarbonat-Ion (HCO/) 0,742 



Milli- 
Hol 
33,54 
792,1 


Milligramm- 
ÄquiTalente 
33,54 
792,1 




825,6 


386,2 
0,8298 
2-2,07 
1-2,2 


386,2 
0,8298 
44,14 
12,2 







Milli- 


Milligraram- 




Gramm 


Mol 


Äquivalente 


Karbonat-Ion (CO3") . . 


. . 11,10 


185,1 


370,1 


Hydroxyl-Ion (OH) . . 


. . 0,207 


12,2 


12,2 




47,54 


1444,2 


825,7 



*) Prospekt: Jodbad und Höheoikurort Tölz - Krankenheil in Oberbayem 
S. 11. Ohne Ort und Jahr. — Die in dieser Druckschrift mitgeteilten Zahlen 
besdehen sich nicht, wie dort angegeben, auf 100 g, sondern auf 1000 g Quell- 
salzlauge , vie aus dem spezifischen Gewicht sich ergibt. Ferner beziehen 
sich die dort für ,, kohlensaures Natron" und für ,, schwefelsaures Natron" 
angeführten Werte auf kristall wasserhaltige Salze. -) Vgl. chem Einleitung 
Abschn. A. 



21 — 



Die Quellsalzlauge entspricht in ihrer Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösimg, welche in 1 Kilogramm enthält:') 

Gramm 

Kaliumchlorid (KCl) 2,502 

Natriumchlorid (NaCl) 20,63 

Natriumjodid (NaJ) 0,1244 

Natriumsulfat (Na,SOJ 3,138 



Gramm 

Natriumhydrokarbonat (NaHCO,) 1,02 

Natriumkarbonat (Na^COs) 19,64 

Natriumhydroxyd (NaOH) 0,487 

47,54 



3) Vgl. ehem. Einleitung Äbschu. B.2.C. 



Analyse der Quellsalzlauge Nr. 2 (aus der saiztabeiie berechnet). 

Analytiker: M. Hobein') 

Spezifisches Gewicht: 1,062 (ohne Temperaturangabe). 



In 1 Kilogramm der Quellsalzlauge sind enthalten: 



Kationen -). 
Kalium-Ion (K-) . 
Natrium-Ion (Na-) 



MilU- 
Gramm Mol 

2,200 56,19 

30,60 1327 



Anionen^). 

CMor-Ion (Cl') 

Jod-Ion (J') 

Sulfat-Ion (SO/') 

Hydrokarbonat-Ion (HCO3') 
Karbonat-Ion (CO3") .... 
Hydroxyl-Ion (OH') .... 



Milligramm- 
Äquivalent« 

56,19 

1327 

1383 



22,94 
0,1764 
3,553 
0,968 

18,88 
0,270 



647,2 
1,390 

36,99 

15,9 
314,7 

15,9 



647,2 
1,390 

73,97 

15,9 
629,3 

15,9 



79,59 2415,3 1383,7 



') Prospekt: Jodbad und HBhenkurort TöIz-KrankenheU in Oberbayem 
S. 13. Ohne Ort und Jahr. — Die in dieser Druckschrift mitgeteilten Zahlen 



Die Quellsalzlauge entspricht in ihrer Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KCl) 4,192 

Natriumchlorid (NaCl) 34,57 

Natriumjodid (NaJ) 0,2084 

NatriumsuUat (Na,SOj 5,258 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOg) 1,33 

Natriumkarbonat (Na^COa) 33,39 

Natriumhydroxyd (NaOH) 0,636 

79,58 



beziehen sich nicht, wie dort angegeben, auf 100 g, sondern auf 1000 g Quell- 
salzlauge, wie aus dem spezifischen Gewicht sich ergibt. Ferner beziehen sich 
die dort für , ,kohlensatu'es Natron" und für ,, schwefelsaures Natron" an- 
geführten Werte auf kristallwasserhaltige Salze. ^) Vgl. ehem. Einleitung 
Abschn. A. ^) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.c. 



Durch Eindampfen der Quellsalzlaugen wird Quellsalz ge- 
wonnen, aus dem Pastillen und Seifen hergestellt werden. Außer 
diesen Erzeugnissen kommt auch das Wasser der JodtrinkqueUe 
selbst zum Versand (1903: 4371; 1904: 4030; 1905: 5295 
Flaschen). 

Sonstige Kurmittel: Moorbäder mit Moor aus benach- 
barten Lagern, künstliche Kohlensäurebäder, Sol- und Fichten- 
nadelbäder, Gelegenheit zu Bädern in mehreren Weihern, Sauer- 
stoffinhalationen, Massage, Elektrotherapie, Milchkuren. — Ge- 
deckte Wandelhalle. 

Behandelt werden : Skrofulöse, Frauenkrankheiten, Lues, 



chronische Hautkrankheiten, Drüsenanschwellungen, Katarrhe 
der Luftwege, Arteriosklerose, Augenkrankheiten. 

5 Arzte. — Kurzeit: 15. Mai bis 1. Oktober. — Kurtaxe: 
1 Person 10 M., 2 Personen 15 M., 3 und mehr Personen 18 M.; 
in Tölz rechts der Isar die Hälfte. — Zahl der Besucher (ohne 
Passanten) 1903: 2718; 1904: 2923; 1905: 3208 (207» Ausländer). 

Allgemeine Einrichtungen : HochdruckqueUwasserlei- 
tung. — Schwemmkanalisation. — Krankenhaus mit Formalin- 
desinfektionsapparaten. — Apotheke. — Das Bad ist im Besitz 
der „A.-G. der Krankenheiler Jodquellen". 



osföföGjsc^os Traunstein mit Wildbad Empfing ödöoöoödödöo 



Stadt mit 7445 Einwohnern im Kreise Oberbayem, li^ 
598 m ü. M. in dem von S mit östlicher Krümmung nach N 
sich erstreckenden Tale der Traun, in den Vorbergen des Baye- 
rischen Hochgebirges, von Laub- und Nadelwaldungen umgeben. 
Etwa '/j Stunde entfernt liegt, ebenfalls im Trauntale, 570 m 
hoch mitten in Laub- und Nadelwald das Wildbad Empfing. 
Traunstein ist Station der Bahn München- Salzburg imd Aus- 
gangspunkt der Nebenbahnen nach Ruhpolding, Waging und 
Trostberg. An der letzteren liegt auch das Wildbad Empfing. 

't?"l-ima. (für Traimstein). Mittlere Monatstemperaturen 
nach 30 jährigem Durchschnitt (1851—1880) ün April 7,1°, Mai 
11,3", Juni 15,0°, Juli 17,1°, August 16,4°, September 12,9°, 
Oktober 7,9°, November 1,0°. — Mittlere jährliche Niederschlags- 
höhe nach 26jährigem Durchschnitt (1879—1904): 1434 mm; 



davon im April 110, Mai 146, Juni 179, Juli 191, August 177, 
September 141 nun.*) Das Wildbad Empfing ist durch seine 
Lage besonders gegen Nord- und Westwinde geschützt. 

Heilquellen. 5 Quellen in Traunstein, 4 im Jahre 1844 
entdeckt, eine im Jahre 1892 erbohrt, entspringen 8 m tief aus 
Kieslager imd hefern insgesamt tägHch 625 hl Wasser von 
8°. — 3 Quellen im Wildbade Empfing, im 14. Jahrhundert 
entdeckt und seitdem in Gebrauch, entspringen 10 m tief in 
Kalktuffstein; sie kommen aus älterem Diluvialschotter und 
verdanken einer lettigsandigen tertiären Unterlage ihr Dasein. 
Sie Uefem zusammen tägUch 130 hl Wasser von 7°. 



*) Angaben der Königl. Bayer. Meteorologischen Zentialstation München. 

2* 



22 



Analyse der Mineralquelle zu Traunstein (aus der saktÄbeUe berechnet). 

Analytiker: Buchner. 1844'). 
Temperatur: 8,0°. 

Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, weldie in 1 Kilogramm enthält:") 

Qramm 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten 

Qnunm 

Kationen'). 

Kalium-Ion (K-) 0,0057 

Natrium-Ion (Na-) 0,015 

Calcium-Ion (Ca-) 0,021 

Magnesium-Ion (Mg") 0,0075 

Anionen '). 

Chlor-Ion (Q') 0,016 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') . 0,121 



Milli- 


MiUisnunin- 


Mol 


AquiYalent« 


0,14 


0,14 


0,63 


0,63 


0,52 


1,0 


0,31 


0,62 




2,4 


0,44 


0,44 


1,99 


1,99 



Kaliumchlorid (KCl) 0,011 

Natriumchlorid (NaO) 0,018 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOj) 0,028 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCOs\J 0,084 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HCOa),] 0,045 

0,186 



0,186 



4,03 



2,43 



1) Manuskript. ') Vgl. ehem. Einleitung Absdui. A. 
Einleitung AbBchn. B.2.C. 



>) Vgl. ehem. 



Analyse der Quelle des Wildbades Empfing (aus der saiztabeue berechnet) 

Analytiker: A. Vogel. 1823—1826'). 
Temperatur: 7,0°. 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



MilU- 

Katlonen'). Gramm Mol 

Kalium-Ion (K-) 0,005 0,1 

Natrium-Ion (Na-) 0,02 0,7 

Calcium-Ion (Ca--) 0,073 1,8 

Magnesium-Ion (Mg") 0,008 0,3 

Anionen*). 

Nitrat-Ion (NO,') 0,008 0,1 

Chlor-Ion (CT) 0,02 0,4 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') .... 0,27 4,5 



Millignuum- 
Äquivalente 

0,1 

0,7 

3,6 

0,6 

5,0 

0,1 
0,4 

4,5 



0,40 7,9 5,0 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt bei 
der Mineralquelle zu Traunstein etwa 0,19 g; bei der Quelle 
des Wildbades Empfing 0,40 g: beide sind „einfache kalte 
Quellen". 

Die Quellen sind in Steinschächte gefaßt. Ihr Wasser 
wird zu Trink- imd Badekuren verwendet; das Empfinger 
Wasser kommt in beschränktem Umfange auch zum Versand. 
Den Badezwecken dienen im Kurhaus Traunstein 15, im Wild- 
bad Empfing 16 Badezellen mit hölzernen Wannen. Im Kur- 
hause T>aimstein wird das Wasser durch Niederdruckdampf- 
heizung, im Wildbad Empfing in einem großen Heißwasserkessel 
erwärmt. Im Kurhause Traunstein wurden 1903: 2200; 1904: 
2300; 1905: 2500; im Wildbade Empfing jährlich etwa 3000 
Bäder verabreicht. 

Sonstige Kurmittel: Sol- und Moorbäder; die Sole wird 
von Reichenhall hergeleitet und findet Verwendung zu Bädern, 
zum Inhalieren imd zum Guigeln. Das Moor stammt aus den 
Hochmooren der KönigUchen Saline. Künstliche Kohlensäure- 
bäder. — Massage, Elektrotherapie, Milchkuren. Terrainkuren 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
imgefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält:") 

Qramm 

Kaliumnitrat (KNO,) 0,01 

Natriumchlorid (NaCT) 0,03 

Natriimihydrokarbonat (NaHCO,) 0,02 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCO,),] 0,30 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HCO,),] 0,05 

0,41 



>) Die MinerslqueUan des Königreichs Bayern 8. 114. München 1829. 
>) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. >) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 

(ohne besondere Einrichtung). 200 m lange Wandelbahn im 
Kurhause Traunstein; gedeckte Hallen im Wildbad Empfing. 

Behandelt ■werden: Nervenkrankheiten, Gicht, Nieren- 
imd Blasenleiden, Katarrhe der Atmungs- imd Verdauungs- 
organe, Herzkrankheiten, Bleichsucht, lUieumatismus, Skrofu- 
löse, Fettsucht. 

In Traunstein sind 9 Arzte, in Empfing ist 1 Arzt tätig. 
— Kurzeit: 1. Mai bis 30. September, im Wildbad Em- 
pfing April bis Ende Oktober. — Kurtaxe: 3 M. für den Ein- 
zelnen, 5 M. für die FamUie. — Zahl der Besucher (ohne Pas- 
santen) in Traunstein 1903: 1512; 1904: 1507; 1905: 1453; 
im Wildbad Empfing etwa 150 jährlich. 

Allgemeine Einrichtungen : Trinkwasserversorgung durch 
Hochdruckquellwasserleitung, im WUdbade Empfing durch die 
Quellen. — Beseitigung der AbfaUstoffe im Wildbad Empfing 
durch Schwemmkanalisation, in Traunstein außerdem auch zum 
Teil durch pneumatische Abfuhr. — Krankenhaus imd zwei 
Apotheken in Traunstein. — Besitzer des Kurhauses Traunstein 
ist Dr. med. G. Wolf; des Wildbades Empfing Hans Seywald. 



(5SG6GjSG6CäS(5SCÄG6G6C6G6C6GJSC6 WattweÜer iSO^^^iSO^iSOiSOiSD^ÖO^iiOiSO 



Stadt mit 1260 Einwohnern im Ober-Elsaß, li«^ 350—380 m 
ü. M. am östUchen Abhänge der Vogesen. In unmittelbarer Nähe 
Laub- und Nadelwald. Nächste Eisenbahnstation Sennheim (5 km, 
Postverbindung) an der Linie Mülhausen — Wesserling — Krüt. 

Heilquellen. 2 Quellen: „Schwefelbrünnlein" (Zusammen- 
fluß von 3 Quellen), seit alter 2Seit benutzt, „Gohr- Quelle", 



1865 entdeckt, entspringen unter diluvialem Sandstein und 
Grauwackenschutt in einer Tiefe von 5 m aus unbekannten 
Schichten. Das „Schwefelbrünnlein", dessen einzelne Zuflüsse 
verschieden warm sind, hat eine mittlere Temperatur von 15°, 
die „Gohr-Quelle" hat eine Temperatur von 14,8°. 



23 — 



Analyse des „SchwefelbrÜnnlein" (aus der Salztabelle berechnet), 

, Analytiker: A. Chevalier. 1851'). 
f Temperatur: 10,0°. 

Ei^iebigkeit: 3000 hl in 24 Stunden (aUe 4 Quellen zusammen). 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen '). Gramm 

Natrium-Ion (Na-) 0,0756 

Calcium-Ion (Ca-) 0,142 

Magnesium-Ion (Mg") 0,0641 

Ferro-Ion (Fe-) 0,0096 

Anionen^). 

CMor-Ion (Gl') 0,089 

Sulfat-Ion (SO/') 0,179 

Hydrokarbonat-Ion (HCOs') . . 0,594 



Milli- 


Milligramm- 


Mol 


Aquivalente 


3,28 


3,28 


3,53 


7,06 


2,63 


5,27 


0,17 


0,35 




15,96 


2,5 


2,5 


1,86 


3,72 


9,73 


9,73 



Kieselsäure (meta) (H,SiOg) . 



1,153 
0,162 



23,70 
2,07 



16,0 



Daneben Spuren von: Kalium-, Ammonium-, Mangano-, 
Aluminiimi-, Hydroarsenat-Ion, organischen Substanzen. 

Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält:") 

Gramm 

Natriumchlorid (NaCl) 0,15 

Natriumsulfat (Na^SOJ 0,0553 

Calciumsulfat (CaSOJ 0,200 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCOj)j] 0,334 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HC08),] 0,385 

Ferrohydrokarbonat [FefHCO,),] 0,031 

Kieselsäure (meta) (H^SiO,) 0,162 

1,32 



1,315 25,77 



>) Prospekt: Bad Wattweiler S. 21. Ohne Ort und Jahr. >) Vgl. ehem. 
Einleitung Abschn. A. ') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.3.C. 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt 1,3 g; 
da aber Hydrokarbonat- und Calcium-Ionen vorwalten, so ist 
die Quelle zu den „einfachen kalten Quellen" zurechnen'). 
Bemerkenswert ist der Gehalt von 9,6 mg Eisen. 

Das Wasser der in Steinschächte gefaßten Quellen wird 
zum Trinken und Baden benutzt. Zu Badezwecken wird es 
120 m weit in Tonröhren nach dem Badehaus (20 Zellen mit 
Zinkwannen) geleitet. Im Jahre 1903 wurden 2500; 1904: 
3000; 1905: 2800 Bäder verabreicht. 

Sonstige Kurmittel: Hydrotherapie, Elektrotherapie, Mas- 
sage, Milch-, Obst- und Traubenkuren. Terrainkuren ohne 
besondere Einrichtimg. 



Behandelt -werden: Blutarmut, Nervenschwäche, Rheu- 
matismus, Hautkrankheiten, Nieren-, Blasen- imd Leberleiden, 
Gicht. 

1 Arzt. — Kurzeit: Das ganze Jahr hindurch. — Zahl der 
Besucher (ohne Passanten) 1903: 120; 1904: 250; 1905: 217. 

Allgemeine Einrichtungen : Trinkwasserversorgung durch 
Quellwasserleitung (Laufbrunnen). — Beseitigung der Abfall- 
Stoffe durch Abfuhr. — Nächste Apotheke in Sennheim. — 
Quellen und Bad gehören der Familie Beizung. — Auskunft 
durch die Badedirektion. 



>) Vgl. 8. 3. 



— 24 — 

2. Einfache warme Quellen (Akratothermen). 

Von Dr. C. Jacobj, 
o. ö. Profeasor, Direktor des Pharmakologischen Instituts an der Universität Göttingen. 

(Chemische Analysen bearbeitet von Professor Dr. E. Hintz und Dr. L. Grünhut.) 

Einfache warme Quellen (Akratothermen, Wildbäder) sind Quellen von gleichbleibender, 20° übersteigender 
Temperatur, arm an freiem Kohlendioxyd und an gelösten festen Bestandteilen. In 1 kg des Was.'sers beträgt die 
Menge des freien Kohlendioxyds weniger als 1 g, die der gelösten festen Bestandteile ebenfalls weniger als 1 g. 
Auch die sonst „einfach erdig" genannten warmen Quellen (vgl. bei den einfachen kalten Quellen) können zu 
dieser Gruppe gerechnet werden. 

Die Heilwirkungen der einfachen warmen Quellen werden obiger Charakteristik entsprechend nur auf der Wirkung 
des Wassers und seiner Temperatur beruhen. Bei den erdigen Thermen tritt die Wirkung der Erdalkalien noch 
hinzu (vgl. pharmak. Einleitung). 

Wirkungen, welche durch Aufnahme fester Bestandteile oder von Wasser aus dem Bade in den Körper be- 
dingt sind, dürfen bei der Undurchlässigkeit der Haut für wäßrige Lösungen, wie bei allen gewöhnlichen Mineral- 
bädem, so auch im Thermalbade nicht erwartet werden. Die Wirkungen, welche diese Bestandteile erzeugen können, 
sind deshalb nur auf eine örtliche Beeinflussung der oberflächlichen Hautschichten ziu-ückzuführen. 

Die Temperatur des Wassers dagegen vermag hier auf der gleichen physiologischen Grundlage wie bei den 
kalten Quellen sowohl örtliche Wirkungen an der Haut als auch entferntere Wirkungen im Organismus zu erzeugen, 
unter welchen den die Zirkulation betreffenden wieder die gi-ößte Bedeutung zukommt. 

Im allgemeinen sieht man eine Temperatur des Bades, welche zwischen 34 und 35° liegt, als thermisch 
wirkungslos an. Wenn man ein solches Bad als isothermisches, indifferentes bezeichnet, so soll damit nur 
ausgedrückt sein, daß in demselben die gesamte Wärmeabgabe des normalen Körpers keine wesentliche Veränderung 
erfährt, so daß der allgemeine Wärmeregulierungsapparat wie unter den gewöhnlichen Lebensbedingungen imverändert 
seine Einstellung beibehält. Trotzdem werden in solchem Bade an einzelnen Teilen der Haut stets geringe örtliche 
Temperaturdifferenzen sich geltend machen und zu geringen örtlichen Regulierungsvorgängen im Gefäßapparat 
führen, denen doch ein gewisser therapeutischer Einfluß zukommen kann. Auch der mittlere Indifferenzpunkt für 
die gesamte Körperoberfläche wird bei verschiedenen Individuen und bei demselben Individuum unter verschiedenen 
Bedingungen je nach der zeitweiligen Einstellung imd Reaktionsfähigkeit der Hautgefäße, der verschiedenen Mächtig- 
keit des Fettpolsters, der verfügbaren Blutmenge des Körpers usw. in gewissen Grenzen Schwankungen unterworfen 
sein. Liegt die Temperatur unter dem absoluten individuellen Indifferenzpunkt, so werden sich ihre Wirkungen 
denen des kalten Bades entsprechend abgemildert anschließen, liegen sie über dem Indifferenzpunkt, so wird es, 
je nach der Höhe der Temperatur xmd der Dauer der Wirkung, zunächst zu einer mehr oder weniger erheblichen 
Steigerung der Hautzirkulation kommen imter Herabsetzung des Stromes in den tieferen Teilen. Bei weiterem 
Vordringen der Wärme in die Tiefe wird indessen auch die Temperatur dieser Teile selbst erhöht und dann auch 
in ihnen der Blutstrom wieder wachsen und bei Steigerung der gesamten Körpertemperatur selbst die Herztätigkeit, 
der Gesamtstoffwechsel imd die Atmung eine Veränderung mit den sich aus ihr ergebenden Folgen erfahren (vgl. 
pharmak. Einleitung). 

Die Temperaturen der einfachen warmen Quellen Deutschlands sind: 

Warmbrunn 43,1 — 24,5 

WQdbad 39,5—34,5 

Wildbad-Trarbach und Wildstein 35,0 

Bodendorf 32,0 

Schlangenbad 31,0—28,0 

Warmbad 29,0 

Badenweiler 26,4 

Wiesenbad 20,2 

Die längere gleichmäßige Unterhaltung der Wirkung einer bestimmten Temperatur wird für den therapeutischen 
Erfolg von Bedeutung sein. Bei den warmen Quellen kann eine solche Gleichmäßigkeit dadurch erzielt werden, 
daß aus der Quelle stetig das gleichtemperierte Thermalwasser in das Bad nachströmt und so die Temperatur- 
konstanz auch in den verschiedenen Schichten desselben dauernd sichert. Durch das Einsenken der Badebehälter 
in den durch die Quelle selbst erwärmten Boden lassen sich die Wärmeverluste weiter herabsetzen. 



— 25 — 

Einrichtungen für solche Bäder im strömenden Wasser (Piscinen) bestehen in Warmbrunn, Wildbad und 
Badenweiler. Bei den gewöhnlichen künstlich erwärmten Wannenbädern ist eine örtliche und zeitliche Gleichmäßigkeit 
der Temperatur des Badewassers dagegen nicht zu erreichen. Wohl aber können hyperthermische Quellen durch 
Kühlvorrichtungen bei regelmäßigem Zu- und Abfluß auf beliebige niedere Temperaturen gebracht werden. 

Neben der Temperaturwirkung kann im Thermalbade auch noch die Wasserwirkung bei Hautkrankheiten und 
oberflächlichen Verletzungen von Bedeutung werden. 

Neuerdings ist in manchen einfachen warmen Quellen das Vorhandensein von radioaktiven Stoffen fest- 
gestellt worden. Ob diesen Stoffen im Bade eine besondere Wirkung zukommt, ist zurzeit nicht zu übersehen; 
doch würde dieselbe wohl nach den bisher darüber bekannt gewordenen Mitteilungen als eine den Stoffwechsel der 
Zellen beeinflussende Reizmrkung, welche auch in die Tiefe vorzudringen vermag, aufzufassen und dementsprechend 
in ihrem therapeutischen Werte zu beurteilen sein. 

Bei den Thermalbadekuren kann die Temperaturwirkung auf die Gefäße wie die sensiblen Apparate der 
Haut noch auf mechanischem Wege imd zwar auch in örtlich begrenzter Weise gesteigert werden dm-ch die Art der 
mechanischen Applikation des Wassers, als Duschen verschiedener Temperatur, Form und Stärke sowie durch 
Frottieren der Haut und Massage nach dem Bade, eventuell auch während der Wasserwirkung selbst, wie es in 
der Form der Duschenmassage an einzelnen Quellen neuerdings geschieht. Läßt man die Frottierung von dem 
Patienten selbst ausführen, so wird durch die dabei herangezogene Tätigkeit seiner Muskeln und Steigerung des 
Blutstroms in diesen noch eine weitere Veränderung der Blutverteilung und Zirkulation nach dem Bade erreicht 
werden können. Wo es sich darum handelt, die Hautgefäße in einem möglichst erweiterten Zustande zu erhalten 
und die an sich vorhandene Nachwirkung in diesem Sinne nach dem Bade nachhaltiger zu gestalten, wird man 
dagegen durch sofort an das Bad angeschlossene Bettruhe, eventuell sogar ohne vorhergehendes Abtrocknen und unter 
Verhinderung von Wärmeverlust durch entsprechende Bedeckung dies erreichen können. Sache der ärztlichen 
Kunst ist es, durch derartige die Wärmewirkung des Bades auf die Zirkulation und Blutverteilung unterstützende 
oder modifizierende, dem jeweiligen Krankheitsfalle entsprechend angepaßte Maßnahmen den therapeutischen Effekt 
zu steigern. 

Neben der äußerlichen Anwendung finden die einfachen warmen Quellen auch zu Trinkkuren therapeutische 
Verwendung. Dabei tritt die Bedeutung der Temperaturwirkung mehr ziuiick und kommt höchstens in der in der 
pharmakologischen Einleitung erwähnten Weise in Betracht. Vor allem sind es die dort eingehender besprochenen 
Wasserwirkungen, welche, sich nach der Resorption des Wassers im Organismus entfaltend, den Thermalwässem 
ihre therapeutische Bedeutung verleihen. 

Neben den unmittelbaren Wirkungen des Thermalwassers kommt an den einzelnen Kurorten noch eine ganze 
Reihe in ihrem therapeutischen Wert« nicht zu unterschätzender Heilfaktoren wie Bewegungskuren, Mechanotherapie, 
Elektrotherapie usw. in Betracht 

Einfache warme Quellen (Akratothermen). 

Badenweiler. Warmbrunn (s. auch unter „Moorbäder"). 

Bodendorf. Wiesenbad. 

Schlangenbad. Wildbad. 

Warmbad bei Wolkenstein. Wildbad Trarbach und Wildstein. 



26 — 



C6CJSG6G6C6C6G6G6C5SC6G6C6C6G6 Badenweüer ^^^^^^^^^^^^^^ 



Dorf mit 732 Einwohnern im Kreise Lörrach des Groß- 
herzogtmns Baden, liegt 425 — 450 m ü. M. am nordwestlichen 
Abhänge des 1170 m hohen Blauen im südlichen Schwarzwalde, 
teUs dem Ellemmbachtale, teils dem Bheintale zugewendet. 
Nächste Bahnstation MüUheim (Kleinbahnverbindung 7,5 km), 
Station der Linie Karlsruhe— Basel. 

Klima. Mittlere Monatetemperatur nach 20 jährigem Durch- 
schnitt (1886^1905): Januar —0,5°, Februar 0,8°, März 4,3°, 
April 8,7°, Mai 12,3°, Juni 16,2°, Juli 17,9°, August 17,2°, 
September 14,2°, Oktober 8,8°, November 4,5°, Dezember 0,6°. 
Mittlere jährliche Niederschlagshöhe: 870 mm. Durch die gegen 
Norden vorgelagerten 600 bis 1000 m hohen Berge ist der Ort 
vor Nordwind geschützt. Die Lage an einer Berghalde bedingt 
verhältnismäßig hohe Abend- und Nachttemperaturen*). 



Heilquellen. Eine warme Mineralquelle, schon in frühester 
Zeit bekannt. Im 2. Jahrhundert n. Chr. bauten hier die Römer 
ein großes, prunkhaft eingerichtetes Bad mit Einrichtungen für 
kalte imd warme Bäder, Dampfbäder und mit Frottierräumen. 
Im 4. Jahrhundert wurde dieses Bad von eindringenden Ale- 
mannen zerstört. Die Ruinen sind gut erhalten und gehören 
zu den größten derartigen Ruinen Deutechlands. Erst im 
16. Jahrhundert findet Badenweüer wieder Erwähnung als Bad. 
Die Quelle entspringt am Ende eines 100 m langen Stollens 
aus verkieseltem Muschelkalk an der Grenze des Keupers nahe 
dem Urgebirge, in einem 12 m tiefen Schachte. 



*) Angaben des Zentnübureaiis f&r Meteor, u. Hydrogr. in Karlsruhe. 



Analyse (aus der Salztabelle berechnet). 

Analytiker: Hygienisches Institut der Universität Freiburg i. B. 1899'). 
Spezifisches Gewicht: 1,00175 bei 15°, bezogen auf unbekannte Einheit 
Temperatur: 26,4°. 
Ergiebigkeit: 16 000 hl in 24 Stunden. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers 

Kationen»). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,003274 

Natrium-Ion (Na-) 0,03112 

Lithiimi-Ion (Li-) 0,000624 

Calcium-Ion (Ca--) 0,04929 

Strontium-Ion (Sr-) 0,000695 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,008031 

Anionen»). 

Nitrat-Ion (NO,') 0,009969 

Chlor-Ion (Cl') 0,007368 

Sulfat-Ion (80/') 0,07046 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') 0,1721 



sind enthalten: 


MiUi- 


MiUigramm- 


Mol 


Aqui Talente 


0,0836 


0,0836 


1,350 


1,350 


0,0888 


0,0888 


1,229 


2,459 


0,0079 


0,0159 


0,3297 


0,6594 




4,657 


0,1607 


0,1607 


0,2078 


0,2078 


0,7335 


1,467 


2,821 


2,821 



Kieselsäure (meta) (HjSiO,) 



0,3529 
0,02655 



7,012 
0,3386 



4,657 



0,3795 
Daneben Spuren von Ferro-Ion. 



7,351 



Altere Analysen: C. F. Salier, Flachsland, Schmidt, W. L. 
KSlrenter (sämtlich bei Hejfelder, Die Heilquellen des QroBherzogtoms 
Baden S. 99. Stuttgart 1841). y. Babo (bei B. M. Lersch, Einleitung in 
die Mineralquellenlehre Bd. 2 8. 1231. Erlangen 1860). B. Bunaen (Zeit- 
■chiUt f. analyt. Chemie 1871 Bd. 10 B. 437). 



Das Mineralwasser entepricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Kaliumnitrat (KNO,) 0,008463 

Natriunmitrat (NaNO,) 0,006557 

Natriumchlorid (NaCl) 0,006965 

Natriumsulfat (Na,80«) 0,08201 

Lithiumchlorid (LiCl) 0,003772 

Calciumsulfat (CaSO<) 0,02132 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCOg),] 0,1739 

Strontiumhydrokarbonat [Sr(H:CO,),] 0,001664 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HCOa),] 0,04826 

Kieselsäure (meta) (HjSiOj) 0,02655 

0,3795 



1000 ccm des der Quelle frei entströmenden Gases 
bestehen aus: com 

Stickstoff (N,) 938,1 

Sauerstoff (O,) 61,9 

1000,0 



') Prospekt. Ohne Ort und Jahr. 
>) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 



*) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt 0,38 g, 
die Temperatur 26,4°: die Quelle ist danach eine „einfache 
warme Quelle". 

Das Wasser der Quelle wird in erster Linie zum Baden, 
femer zu Brausebädern und Nasenspülungen, zum Gurgeln und 
zum Trinken benutzt. Den Badehäusem wird es in einer 150 m 
langen gußeisernen Rohrleitung zugeführt. — Im Besitze des 
Staates befinden sich zwei Bassinbäder, die mit fortwährendem 
Zu- und Abfluß des Wassers versehen sind (Marmorbad nüt 
18 und offenes Bad mit 26 Ankleide- und 2 Brausebäderräumen). 
In 4 Hotels noch insgesamt 18 Thermal-Einzelbäder. Jährlich 
werden 10000—15000 Bassinbäder und 4000—5000 Emzelbäder 
verabreicht. 

Sonstige Kurmittel: Moorbäder (Kaiserslautemer und 



Wunsiedder Moor), Schlammbäder, künstliche Kohlensäure- 
bäder, Schottische Brausebäder, Sole- und Fichtennadeldimst- 
inhalationen. Massage, elektrische Behandlung. Milch- und 
Traubenkuren. Waßmuthsches Inhalatorium. — Mitten im Orte 
li^ der etwa 11 ha große alte Kurpark, unmittelbar daran 
schließen sich ausgedehnte Laub- und Nadelholzwaldungen, 
welche mit ihrem 66 km langen Netz von W^en Gel^enheit 
zu Terrainkuren auf Grund einer Terrainkurkarte bieten. Ge- 
deckte Wandelbahnen. 

Behandelt ■wrerden: Funktionelle und organische Nerven- 
krankheiten, Stoffwechselerkrankungen (Blutarmut, Bleichsucht, 
Fetteucht, Gicht, Rheumatismus, chronische Frauenkrankheiten), 
Hautkrankheiten (Altersprurigo, chronische Ekzeme), Erkran- 
kungen der Atmungsorgane. 



27 — 



6 Ärzte. — Kurzeit: Anfang April bis Ende Oktober; 
Winterkuren Ln einigen Hotels. — Kurtaxe: 1 Person 15 M., 
jede weitere Person 6 M. 

Zahl der Besucher (ohne Passanten) 1903: 5019; 1904: 
5245; 1905: 5711 (darunter etwa 25 Prozent Ausländer). 



Allgemeine Einriclitungen : Trinkwasserversorgung durch 
Quellwasserleitung. — Beseitigung der Abfallstoffe durch Ab- 
fuhr (Grubensystem). — Apotheke. — Die Quelle gehört dem 
badischen Staat. Auskunft durch den Großherzoglich Badischen 
Amtsvorstand in MüUheim. 



G6C2SG6C6G6G6C;6G6G6G6G6GjSG6G6 Bodeildorf ÖDÖ0dÖÖDÖ0Ö0Ö3ö0öDÖDÄ?Ö0<^eO 



Dorf mit 564 Einwohnern im Kegierungsbezirk Coblenz 
der Kheinprovinz , liegt 75 m ü. M. in dem von Westen nach 
Osten sich erstreckenden Ahrtal. Wald in der Umgebung. 
Station der Ahrtalbahn Eemagen — Adenau. 

Klima. Durch vorgelagerte Berge ist der Ort gegen Nord- 
wind, zum TeU auch gegen Ostwind geschützt. 

Heilquellen. Der jetzt „Ahr-QueU" genannte Sprudel war 



unter dem Namen „Matthäus-Sauerbrünnchen" bereits mehrere 
Jahrhimderte bekannt und wurde auch von den Umwohnern 
in früherer Zeit zu Heilzwecken verwandt. Im Jahre 1900 ist 
die Quelle neu erbohrt worden. Sie entspringt in 65 m Tiefe 
aus einem Quarzgang im Unterdevon (Siegener Schichten) und 
liefert täglich etwa 4000 hl Wasser von 32° und reichliche 
Mengen Kohlendioxydgas. 



AnälySG (aus den Einzelbestandteilen berechnet). 
Analytiker: Städtische Untersuchungsanstalt für 
In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Müli- Milligramm- 
Kationen^. Gramm Mol ÄquiTalente 

Kalium-Ion (K-) 0,00963 0,246 0,246 

Natrium-Ion (Na-) 0,1657 7,188 7,188 

Calcium-Ion (Ca-) 0,08263 2,061 4,121 

Magnesium-Ion (Mg-) 0,09796 4,021 8,043 

Ferro-Ion (Fe-) 0,0004 0,008 0,02 

19,62 
Anionen''). 

CMor-Ion (d) 0,05034 1,420 1,420 

Sulfat-Ion (SO/') 0,03612 0,3760 0,7519 

Hydrokarbonat-Ion (HCO3') • ■ 1,064 17,44 17,44 

1,507 32,76 19,61 

Kieselsäure (meta) (H^SiOj) . . 0,0197 0,252 

1,527 33,01 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . . . 0,2 5 

1/7 38 

Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
1,5 g; da aber unter diesen Magnesium- und Hydrokarbonat- 
lonen vorherrschen imd nur 0,2 g freies Kohlendioxyd vor- 
handen sind, so ist die Quelle mit Rücksicht auf ihre Tem- 
peratur zu den „einfachen warmen Quellen" zurechnen*). 

•) Vgl. 8. 24. 



Nahrungs- und Genußmittel, Nürnberg. 1901') 

Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,0184 

Natriumchlorid (NaQ) 0,06868 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,05345 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOs) 0,4423 

Calciumhydrokarbonat[Ca(HC03),] 0,3341 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HCO,),] 0,5886 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC08),] . 0,001 

Kieselsäure (meta) (HjSiOj) .... 0,0197 

1,526 

{114 ccm bei 
32° und 
760 mm Druck. 

1) Manuskript. — Ergänzt durch eine Gesamt -Eolilensäurebestimmimg 
von Pauly (1901). -) Tgl. ehem. Einleitung Abschn. A. ') Vgl. ehem. Ein- 
leitung Abschn, B.2.C. 

Die Quelle ist 5 m tief in Stein gefaßt, dann folgen eiserne 
Eohre, die auf dem Quarz in 60 m Tiefe endigen. Einrichtungen 
für die Verwendimg des Wassers sind in Aussicht genommen. 
Die Quelle ist im Besitze der Firma Bodendorfer Sprudel G. m. 
b. H. (Geschäftsführer Dr. Herzfeld, Fürth). 



C5SG?sg6G6G6G6G6G6G6Cäsg6G6G6 Schlangeiibad ^^^^^^^^^^^^^ 



Flecken mit 380 Einwohnern im Eegierungsbezirk Wies- 
baden der Provinz Hessen-Nassau, liegt 300 m ü. M. im Taunus 
an der Vereinigung des WaUuftales mit dem Tale des warmen 
Baches. Bis zu 600 m hohe, aus Quarzit bestehende Berge 
mit Laub- und Fichtenwald umschließen beide Täler dicht. 
Kleinbahn Verbindung (7,8 km) mit Eltville a. Rhein, Station 
der rechtsrheinischen Linie Frankfurt a. M. — Cöln imd der 
Eheindampfschiffe; auch von der Station Chausseehaus der 
Linie Wiesbaden — Limburg ist es mit Wagen in '/« Stunden 
zu erreichen. 

Klima. Mittlere Monatstemperatur im April 8,3°, Mai 11,5°, 
Juni 15,7°, Juü 18,0°, August 15,8°, September 13,9°, Ok- 



tober 9,3°*). Mittlere jährliche Niederschlagshöhe nach lOjäh- 
rigem Durchschnitt 730 mm**). Das Tal des warmen Baches, 
in dem die Kurhäuser hegen, ist gegen Winde geschützt, am 
wenigsten gegen Westwinde. 

Heilquellen. Die Zeit der Entdeckung der Thermen ist 
nicht festgestellt, doch werden sie bereits im Jahre 1640 er- 
wähnt. 1657 wurden sie nachweishch bereits zu Heilzwecken 
verwendet; das erste Badehaus baute Landgraf Karl zu Hessen- 
Kassel 1694 — 1697. Die Kriegsjahre im Anfange des 19. Jahr- 
himderts führten in der Entwickelung des Bades eine Unter- 

*) Angaben des Königlichen Badeinspektors. 
••) Provinz-Regenkarte. 



— 28 — 



brechung herbei, doch gelangte es schon frühzeitig wieder zur 
Blüte. Es sind 9 Quellen vorhanden: Die „3 Quellen des 
oberen Kurhauses", die „SchlangenqueUe", die „neue Quelle", 
die „Pferdebadquelle", die „Schacht- oder Marienquelle" („Stollen- 
quelle"), die „Duschequelle", die „EömerqueUe" (letztere ist 
der Zusammenfluß dreier in einem dreiteiligen Qewölbe zutage 



tretenden Quellen). Sie entspringen sämtlich im Schutt des 
unterdevonischen Taimusquarzites in der Nähe einer Verwerfung 
zwischen Quarzit und Tonschiefer. Die Temperatur der Quellen 
beträgt 28—31°, mit Ausnahme der Duschequelle, die zwischen 
16,8° und 22,5° warm ist. Die täglich gelieferte Wassermenge 
beträgt im ganzen etwa 8680 hl. 



Analyse der „Römerquelle"*) (aus den Oiglnalzahlen berechnet). 



Analytiker: R. Fresenius. 1852') 

Spezifisches Gewicht: 0,99828 bei 21°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 30,5°'). 

Ergiebigkeit der drei vereinigten Quellen: 417 hl in 24 Stunden. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Kationen*). Onumn 

Kalium-Ion (K-) 0,008516 

Natrium-Ion (Na-) 0,09825 

Calcium-Ion (Ca-) 0,01308 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,001802 

Anionen'). 

Chlor-Ion (CT) 0,1471 

SuHat-Ion (SO/') 0,006523 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,000446 

Hydrokarbonat-Ion (HCOj') 0,06020 



Milli- 


ACUigramm- 


Mol 


AqiuTalente 


0,2175 


0,2175 


4,263 


4,263 


0,3263 


0,6526 


0,0740 


0,1479 




5,281 


4,149 


4,149 


0,0679 


0,1358 


0,0046 


0,0093 


0,9868 


0,9868 



Kieselsäure (meta) (H,SiO,) 
Freies Kohlendioxyd (COj) 



0,3359 
0,04235 



10,089 
0,5401 



5,281 



0,3783 
0,06547 



10,629 
1,488 



0,4437 12,117 
Daneben Spuren von Lithium-, Aluminium-, Fluor-Ion, 
Borsäure. 



1) Die Analyse bezieht sich auf die hinterste der drei in einem dreiteiligen 
Gewölbe zutage tretenden Quellen ; das Wasser aller drei fließt in ein gemein- 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Qramm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,01623 

Natriumchlorid (NaCl) 0,2300 

Natriumsulfat (Na^SO^) 0,009654 

Natriumhydrokarbonat (NaHCO,) 0,01644 

Calciumhydrophosphat (CaHPO^) . 0,000632 

Calciumhydrokarbonat fCafHCOg),] 0,05214 
Magnesiimihydrokarbonat 

[Mg(HCO,),] 0,01083 

Kieselsäure (meta) (HjSiOj) .... 0,04235 



Freies Kohlendioiyd (CO,) 



0,3783 



0,06547 
0,4437 



= 1 



37,2 ccm bei 

30,5° und 
760 mm Druck. 



Ältere Analyse: Kastner etwa 1830 (vgl. Die naasauischen Heil- 
quellen, beschrieben durch einen Verein von Ärzten S. 162. Wiesbaden 1851). 
Weicht von den vorstehenden Ergebnissen wesentlich ab. 

sames Reservoir und wird als „RSmerquelle" bezeichnet. ') Jahrb. d. 
nassauisch. Ver. f. Naturk. 1852 Bd. 8 Abt. 2 8. 97. ') Eine spatere 
Messung (1877) ergab 30,0°. «) Vgl. ehem. Einleitung Absehn. A. ') Vgl. 
ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 



Analyse der „SchaChtqUelle" (aus den Onglnalzahlen berechnet). 

Analytiker: E. Fresenius. 1877.') 

Spezifisches (Jewicht: 0,99926 bei 16,5°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 31,0°. 

Ergiebigkeit: 806 hl m 24 Stunden. 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: Miiu- Miiiigramm- 

GxBmm Mol Äquivalente 

Kationen'). Gramm ^ol" ÄqÄn"" l"'?*"^"'^ (^°''? " •,••••„; °'°°^«25 0,0794 0,1588 

Kalium-Ion (K-) 0,01096 0,2799 0,2799 ^^^^T^T^^^^"" /H^V^ °'*^'^^^^^ ^'^'^^^ "'°°^^ 

Natrium-Ion (Na-) 0,1073 4;655 4;655 Hydrokarbonat-Ion (HCO,') 0,06588 1,080 1,080 

Lithium-Ion (Li-) 0,000499 0,0709 0,0709 0,3788 11,402 5,987 

Calcium-Ion (Ca--) 0,01539 0,3837 0,7673 Kieselsäure (meta) (H,Si03) 0,04330 0,5522 

Strontium-Ion (Sr-) 0,000197 0,0022 0,0045 / v"> s.« ' ' — 

Magnesium-Ion (Mg--) .... 0,002541 0,1043 0,2086 0,ii2l 11,95j 

5.98Ö Freies Kohlendioxyd (CO,) . 0,0421 0,958 

■^°^''^^**> Freier Stickstoff (N,) .... 0,0123 0,437 

CTilor-Ion (CT) 0,1682 4,745 4,745 Freier Sauerstoff (0.) .... 0,00409 0,128 

Brom-Ion (Br') 0,000087 0,0011 0,00 U TlsÖÖ 13479 

>) Jahrb. d. nassauisch. Ver. f. Naturk. 1878 Bd. 31/32 8. 49. ») Vgl. Daneben Spuren von Cäsium-, Rubidium-, Baryum-, 

ehem. Einieituiig Abachn. A. Ferro-, Nitrat-, Jod-Ion, Borsäure. 



— 29 — 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält): 

Gramm 

KaKumchlorid (KQ) 0,02088 

Natriumchlorid (NaO) 0,2612 

Natriumbromid (NaBr) 0,000112 

Natriumsulfat (Na,SOj 0,01128 

Natriumhydrokarbonat (NaHCO,,) 0,002555 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCOä)' 0,004826 

Gefrierpunkt: —0,030° (besondere Probe; H. Fre- 
senius. 1902). 

Ältere Analysen: Kastner etwa 1830 und 1839, Buignet 1844 
(sämtlich abgedruckt in : Die nassauischen Heilquellen, beschrieben durch einen 
Verein von Ärzten S. 162—165. Wiesbaden 1850). Weichen von den vor- 
stehenden Ergebnissen wesentlich ab. 



Calciumhydrophosphat (CaHPOj) 
Calciumhydrokarbonat[Ca(HC03)j] 
Strontiiimhydrokarbonat 

[SrCHCO,),] 

Magnesiumhydrokarbonat 

[MgCHCOs),] 

Kieselsäure (meta) (HjSiOj) .... 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 



Gramm 

0,000128 
0,06205 

0,000471 

0,01527 
0,04330 
0,4221 

0,0421 = 



') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 



Freier Stickstoff (N^) 0,0123 = 



Freier Sauerstoff (O,) 0,00409 = 

0,4806 



24,0 ccm bei 

31,0° und 

760 mm Druck. 

10,9 ccm bei 

31,0° und 

760 mm Druck. 

3,2 ccm bei 

31,0° und 

760 mm Druck. 



Sonstige Angaben. 

K. Fresenius') fand 1877 bei der orientierenden Untersuchung einiger der anderen 
Schlangenbader Quellen folgende Resultate: 

Temperatur Ergiebigkeit Chlor-Ion(Cr) 

hl in 24 St. g in 1 kg 

Quellen des oberen Kurhauses 28,0—28,8" 1488 0,1753 

Schlangenquelle (= Röhrenbruimenquelle) 28,4° 233 0,1687 

Pferdebadquelle 28,6° 1488 0,1698 

Kästner") hatte etwa 1830 wesentlich abweichende Werte gefunden. 



') Jahrb. d. nassauisch. Ver. f. Naturk. 1878 Bd. 81/32 S. 49. ') Die nassauischen Heilquellen, 
leschrieben durch einen Verein von Ärzten S. 162. Wiesbaden 1851. 



Die Zusammensetzung der einzelnen Wässer ist, soweit 
Analysen vorliegen, nur wenig verschieden. Bei der „Schacht- 
queUe" und der „RömerqueUe" beträgt die Summe der ge- 
lösten festen Bestandteile etwa 0,4 g (hauptsächlich Chlor- 
und Natrium -Ionen). Die Quellen sind „einfache warme 
Quellen". 

Die Quellen sind da gefaßt, wo sie im Quarzitschotter 
der Ufer des „warmen Baches" zutage treten. — Das Wasser 
der „Schlangen-" und der „MarienqueUe" wird unverdünnt 
zu Trinkkuren am Ort, das der letzteren wie das aller 
übrigen Quellen auch zu Thermalbädern und Duschen benutzt. 
In verschieden langen Leitungen (obere Kurhaus-, Römer-, 
Schacht- vmd Schlangenquelle 8 — 19 m, Duschen-, neue imd 
Pferdebadquelle 80 — 130 m) von emaillierten gußeisernen Röhren 
werden die Quellen in die 3 Badehäuser geleitet. Das obere 
Bad besitzt 11, das mittlere 18, das untere 21 BadezeUen, deren 
- \Vannen aus Kacheln gefertigt sind. Thermalbäder von höherer 
als Quellentemperatur werden durch Zusatz künstlich (durch 
direkte Feuerung) erwärmten ITiermal Wassers hergestellt. 1903 
wiu-den 14 952; 1904: 14 240; 1905: 15 956 Bäder verabfolgt. 



Daneben kommt das Wasser auch in natürlichem Zustande zur 
Versendung (etwa 3000 Krüge jährlich). 

Sonstige Kurmittel: Massage; Elektrotherapie; Milch-, 
Molken-, Traubenkuren; Terrainkuren. Ausgedehnte, gegen die 
Westseite mit Glas geschützte Wandelbahnen verbinden die 
Kurhäuser. 

Behandelt werden: Nervenkrankheiten, Frauenkrank- 
heiten (besonders Menstruationsbeschwerden), Rheumatismus, 
Hautkrankheiten, chronischer BronchiaLkatarrh, nervöse Herz- 
beschwerden , Altersgebrechen. 

3 Arzte. — Kurzeit: 1. Mai bis 30. September. — Kur- 
taxe: 1 Person 15 M., jedes weitere FamiUenmitglied 9 M. — 
Zahl der Besucher (ohne Passanten) 1903: 2092; 1904: 2162; 
1905: 2329. 

Allgemeine Einrichtungen : Trinkwasserversorgung durch 
QueUwasser. — Beseitigung der Abfallstoffe durch Wasser- 
klosetts mit Klärgruben, Senkschächten und Überlauf in die 
WaUuf. — Dampfdesinfektionsapparat. — Apotheke. — Quellen 
imd Badehäuser sind im Besitz des preußischen Staates und 
werden durch einen KönigUchen Badeinspektor verwaltet. 



c;6G6G6G6C6G6G6G6 Warmbad bei Wolkenstein ödöd<»öd^öoöD(» 



TeU der Dorfgemeinde Gehringswalde, Amtshauptmannschaft 
Marienberg, Königreich Sachsen, mit 592 Einwohnern, liegt 
458 m hoch in einem Nebentale des Zschopauflusses in einem 
Talwinkel, dessen einer Schenkel nach Südwesten, der andere 
nach Westen verläuft. Nach Nordwesten, Norden und Osten 
wird das Tal durch umuittelbar beim Orte ansteigende mit Laub- 



und Nadelwald bestandene Anhöhen abgeschlossen. Nächste 
Bahnstation Floßplatz -Warmbad an der Linie Chemnitz — 
Annaberg — Weipert, 2 km vom Bade entfernt. 

Klima. Mittlere Monatstemperatur (aus den Isothermen 
abgeleitet): Mai 10,9°, Juni 14,7°, Juh 16,5°, August 15,7°, 
September 12,8°. Mittlere jährUche Niederschlagshöhe (aus 



30 — 



den Niederschlagskurven abgeleitet) 780 mm*). — Gegen Nord- 
und Ostwinde ist der Ort durch seine Lage geschützt. 

Heilquellen. Die Wannbader Mineralquelle soll ums Jahr 
1300 beim Abbau eines Eisensteinganges entdeckt worden sein. 
GSegen Ende des 14. Jahrhunderts genoß das Bad schon hohes 
Ansehen. Nachdem es im 30 jährigen Kri^e in Verfall geraten 
war, wurde es durch den damaligen Besitzer Dr. med. August 
Hauptmann bald wieder zu dem alten Ansehen imd hoher Blüte 
gebracht. Verschiedentlich trat eine vorübergehende Zerstörung 
der Quelle durch Bergbauwasser ein, bis durch eine Verfügung 



im Jahre 1661 ein ausreichender Schutz gegen die nachteiligen 
Folgen des Bergbaues erreicht wurde. — Die Quelle entspringt 
etwa 10,5 m tief aus festem, mit Quarz durchsetzten Gneis. 
Sie entsteht durch den Zusammenfluß von etwa 30 Quellen 
verschiedener Ergiebigkeit und Wärme in ein gemeinschaftliches 
Bassin, auf dessen Grunde diese dicht benachbart entspringen. 
Die Temperaturen der 1 2 stärksten EinzelqueUen liegen zwischen 
25,7 und 31,2°. 



Analyse 

(aus den EinzclbestandteUen berechnet). 



Analytiker: H. Fleck. 

Temperatur: 29,0<"). 

Ergiebigkeit: 2160 hl in 24 Stunden. 



*) Angaben des KSnigl. Sachs. Meteor. Inst, in Dresden. 
1889») 



In 



1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten''): 

.. Milli- Milligramm- 

Kationen ). Gramm Mol Äquivalente 

Kalium-Ion (K-) 0,00529 0,135 0,135 

Natrium-Ion (Na-) 0,0734 

Ldthium-Ion (Li-) 0,00070 

Calcium-Ion (Ca-) 0,0184 

Magnesium-Ion (Mg") 0,0027 



Milli- 
Mol 
0,135 
3,19 
0,10 
0,458 
0,11 



3,19 
0,10 
0,916 
0,22 



Anionen'). 

Nitrat-Ion (NOj') 0,0069 0,11 

Chlor-Ion (Ol') 0,0315 0,888 

SuMat-Ion (SO,") 0,0251 0,261 

Hydrokarbonat-Ion (HCOj') . . 0,145 2,38 

Karbonat-Ion (COj") 0,0168 0,280 

Hydroxyl-Ion (OH') 0,0016 0,094 



4,56 

0,11 

0,888 

0,522 

2,38 

0,560 

0.094 



0,327 8,01 

Kieselsäure (meta) (H^SiOg) . . 0,0362 0,462 
Organische Substanzen 0,0045 



4,55 



Freies Kohlendioxyd (CO^) . 



0,368 




8,47 




') Prospekt : Warmbad bei Wolkenstein im sächsischen Erzgebirge S. 16. 
Ohne Ort 1901. >) Durchschnittstemperatiu' des Wassers. ') Die Angaben 

Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
0,37 g (darunter hauptsächlich Natrium- und Hydrokarbonat- 
lonen). Die Quelleist danach eine „einfache warme Quelle". 

Das Wasser der in 3,4 m tiefen Steinschacht gefaßten 
Quelle wird benutzt zum Trinken am Ort, zum Gurgeln, zu 
Nasenduschen, Duschen und insbesondere zum Baden, in ge- 
ringem Umfange auch zum Versand in natürlichem Zustande. 
Nach der 50 m entfernten Trinkhalle wird das Wasser in ver- 
zinntem Bleirohr geleitet; dem Badehause wird es in etwa 30 m 
langem Kupferrohr zugeführt. Soweit erforderlich, wird das 
Wasser in einem großen Behälter erwärmt. Das Badehaus 
enthält 28 Badezellen mit 36 Wannen aus Vitritkacheln, Zink 
und Holz. Verabfolgt wurden 1902: 15382; 1903: 16571; 
1904: 17 412 Bäder. 

Sonstige Kurmittel: Kohlensäurebäder mit künstUcher 
Kohlensäure, elektrische Mineralbüder, Einpackungen und Ab- 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält')'): 

Gramm 

Kaliumnitrat (KNO^) 0,011 

Kaliumchlorid (KCl) 0,0018 

Natriumohlorid (NaCl) 0,0506 

Natriumsulfat (Na,SO<) 0,0371 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOj) 0,151 

Liihiumhydrokarbonat (LiHCOa) 0,0068 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03>J 0,0390 

Calciumkarbonat (CaCOg) 0,0218 

Magnesiumkarbonat (MgCOj) 0,0053 

Magnesiumhydroxyd [Mg(OH)j] 0,0027 

Kieselsäure (meta) (H^SiOa) 0,0362 

Organische Substanzen 0,0045 

0,368 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 

Ältere Analysen: A. Seylerth 1862 (Liebigs Annalen 186B Bd. 85 
8. 373). StOckhardt etwa 1861 S. 16. 



beziehen sich nicht auf 1 kg, sondern auf 1 1, was jedoch praktisch im Tur- 
liegenden Fall keinen Unterschied ausmacht. Eine Umrechnung war in Er- 
mangelung der Angabc des spezifischen Gewichtes unmöglich. *) Vgl. ehem. 
Einleitung Abschn. A. ^) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 

reibungen. Massage, Heilgymnastik, elektrische Behandlung. — 
GJedeckte Wandelhallen. 

Behandelt Tverden: Eheumatismus, Gicht, Qelenksteifig- 
keiten, alte Narben, Skrofulöse, Blutannut, Bleichsucht, nervöse 
Herzerkrankungen, Erkrankungen des Nervensystems, Ver- 
dauungsstörungen, Frauenkrankheiten, Krankheiten der Nieren 
imd Blase, Bronchialkatarrh, Influenza. 

Während der Kurzeit ist ein Arzt am Orte tätig. — Kur- 
zeit: Mai bis September. — Kurtaxe: 5 M. 

Allgemeine Einrichtungen : Trinkwasserversorgung durch 
Hochdruckquellwasserleitung. — Beseitigung der Abfallstoffe 
durch Abfuhr. — Staatliche, kommunale und private Stiftungen 
für Minderbemittelte. — Apotheke in dem 2 km entfernten 
Wolkenstein. — Das Bad ist im Besitze von Friedrich Wilhelm 
Uhligs Erben, die Verwaltung leitet der Badedirektor Louis 
Uhlig. 



c;6G6c;jsc5SC5SC6G6cjsg6C3SG6G6G6C6 Warmbrunn ^isoo!>^^^^^^isoiso^^^ 



Marktflecken mit 4233 Einwohnern in der Provinz Schlesien, 
liegt 345 m hoch am Fuße des Riesengebirges. Wald in einiger 
Entfernung. Station der Nebenbahn Hirschberg— Grünthal ; 
elektrische Bahn nach Hirschberg. 

Klima. Mittlere jährliche Niederschlagshöhe nach zehn- 
jährigem Durchschnitt 718 mm*). 

Heilquellen. 6 Quellen, zum Teil schon im 13. Jahr- 



hundert bekannt, entspringen aus dem Granit, der unter dem 
Alluvium der Hirschberger Talsohle ansteht, und zwar: das 
„Große Bad" 6 m, das „Kleine Bad" 7 m, die „Neue Quelle" 
60 m, die „Ludwigsquelle I" 167 m, die „Ludwigsquelle II" 
25 m und die „Antonienquelle" 14 m tief. 



*) Provinz- Begenkarte. 



31 



Analyse der Quelle des „Großen Bades" (aus der saiztebeue berechnet). 



Analytiker: F. L. Sonnenschein. 1877'). 
Spezifisches Gewicht: 1,00102 (ohne Temperaturangabe). 
Temperatur: 36,2°. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

. Milli- Milligramm- 
Kationen''). Gramm Mol Äquiyalenta 

Kaliimi-Ion (K-) 0,005727 0,1463 0,1463 

Natrium-Ion (Na-) 0,1527 6,625 6,625 

Lithium-Ion (Li-) 0,000103 0,0147 0,0147 

Ammonium-Ion (NH^-) .... 0,000053 0,0029 0,0029 

Calcium-Ion (Ca") 0,01018 0,2538 0,5075 

Strontium-Ion (Sr-) 0,000526 0,0060 0,0120 

Magnesium-Ion (Mg--) 0,000055 0,0023 0,0045 

Ferro-Ion (Fe-) 0,000063 0,0011 0,0022 

Mangano-Ion (Mn--) 0,000006 0,0001 0,0002 

7,315 

Anionen '). 

C!hIor-Ion (O') 0,04125 1,164 1,164 

Sulfat-Ion (SO/') 0,1676 1,744 3,489 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') . 0,000128 0,0013 0,0027 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') . 0,1614 2,645 2,645 

Karbonat-Ion (CO3") 0,00041 0,0069 0,014 

Hydroxyl-Ion (OH') 0,00004 0,002 0,002 

0,5402 12,615 7,317 

Kieselsäure (meta) (H^SiOg) . . 0,1096 1,398 

Organische Substanzen 0,01368 

"076635 14,013 
Freies Kohlendioxyd (CO,) . . 

Daneben Spuren von Nitrat-, Hydroarsenat-Ion, Borsäure. 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,01091 

Natriumchlorid (NaG) 0,05934 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,2480 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOj) 0,1784 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCOa) 0,00100 

Ammoniumchlorid (NH^a) 0,000156 

Calciumhydrophosphat (CaHPO,) 0,000181 

Calciumhydrokarbonat [Ca(llCO^\] 0,03999 

Calciumkarbonat (CaCOj) 0,0006 

Strontiumhydrokarbonat [Sr(HC03)2] 0,00126 

Magnesiumkarbonat (MgCOj) 0,00010 

Magnesiumhydroxyd [Mg(0H)2] 0,00006 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03X] 0,000199 

Manganohydrokarbonat [Mn(HC03)2] 0,000020 

Kieselsäure (meta) (H^SiOj) 0,1096 

Organische Substanzen 0,01368 

0,6635 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 

1000 com des der Quelle frei entströmenden Gases 
bestehen aus: i;,^^ 

Kohlendioxyd (CO,) 329,1 

Stickstoff (N,) 652,0 

Sauerstoff (O,) 18,9 

1000,0 
Daneben Spuren von Schwefelwasserstoff. 



Altere Analysen: Tschörtner (bei J. F. Si mon , Die Heilquellen 
Europas S. 248. Berlin 1839). Fischer 1836 (bei B. M. Lersch, Ein- 
leitung in die Mineralquellenlehre Bd. 2 S. 1607. Erlangen 1860). 



') Prospekt. Ohne Ort und Jahr. ^) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 
8) Vgl. ehem. Einleitimg Abschn. B.2.C. 



Analyse der Quelle des „Kleinen Bades" (aus der saiztabeue berechnet). 

Analytiker: F. L. Sonnenschein. 1877'). 
Spezifisches Gewicht: 1,00092 (ohne Temperaturangabe). 
Temperatur: 36,8°. 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: ^ Mj",'- MiUigramm- 

" Gramm Mol Äquivalente 

Kationen'). Gramm Mol' Äqm>Xn"L" Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,000431 0,0045 0,0090 

KaUum-Ion (K-) 0,005948 0,1519 0,1519 Hydrokarbonat-Ion (HCO3') 0,1437 2,355 2,355 

Natrium-Ion (Na-) 0,1456 6,316 6,316 Karbonat-Ion (CO3") .... 0,0002 0,003 0,005 

Lithium-Ion (Li-) 0,000076 0,0108 0,0108 Hydroxyl-Ion (OH') 0,00002 0,0009 0,0009 

Ammonium-Ion (NH^-) . . . 0,000008 0,0005 0,0005 0,5087 11,914 6,916 

Calcium-Ion (Ca") 0,008343 0,2081 0,4161 

Strontium-Ion (Sr-) 0,000526 0,0060 0,0120 Kieselsäure (meta) (H2Si03) 0,1176 1,500 

Magnesium-Ion (Mg--) .... 0,000082 0,0034 0,0067 Organische Substanzen . . . 0,02601 

Ferro-Ion (Fe--) 0,000052 0,0009 0,0019 0,6523 13,414 

Mangano-Ion (Mn--) 0,000019 0,0003 0,0007 Freies Kohlendioxyd (CO,) . 

. . j. ' Daneben Spuren von Nitrat-, Hydroarsenat-Ion, Borsäure. 

Chlor-Ion (CT) 0,04113 1,160 1,160 

Sulfat-Ion (SO4") 0,1626 1,693 3,386 ») Prospekt. Ohne Ort und Jahr. ■') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 



32 



Dae Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 KUograinm enthält:') 

Gramni 

Kaliumehlorid (Ka) 0,01133 

Natriumchlorid (NaCl) 0,05895 

Natriumsulfat (Na,SOi) 0,2407 

Natriumhydiokarbonat (NaHCO,) 0,1616 

Lithiumhydrokarbonat (LLHCO,) 0,000734 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) 0,000025 

Calciumhydrophosphat (CaHPOJ 0,000610 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC08X] 0,03300 

ßtrontiumhydrokarbonat [Sr(HC08),] 0,00126 

Magnesiumhydrokarbonat [J^fHCO,),] 0,00004 

Magnesiumkarbonat (MgCO,) 0,0002 

Magnesiumhydroxyd [Mg(OH),] 0,00003 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCO,]^] 0,000166 

Manganohydrokarbonat [Mn(HC0,)5] 0,000062 



Ciramm 

Kieselsäure (meta) (HjSiOj) 0,1176 

Organische Substanzen 0,02601 

0,6523 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 



1000 com des der Quelle frei entströmenden Gases 
bestehen aus: 

ccm 

Kohlendioxyd (CO,) 325,3 

Stickstoff (N,) 658,2 

Sauerstoff (O,) 16,5 

1000,0 
Daneben Spuren von Schwefelwasserstoff. 



■) Vgl. cbem. Einleitung Abschn. B.2.c. 



Ältere Analyse: Fischer 1836 (bei J. F. Simon, Die Heilquellen 
Europas S. 246. BerUn 1839). 



Analyse der „Neuen Quelle" (aus der SalztabeUe berechnet). 



Analytiker: F. L. Sonnenschein. 1877'). 
Spezifisches Gtewicht: 1,00105 (ohne Temperaturangabe). 
Temperatur: 43,1°. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen'). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,005587 

Natrium-Ion (Na-) 0,1578 

lithium-Ion (Li-) 0,000069 

Calcium-Ion (Ca--) 0,008166 

Strontium-Ion (Sr-) 0,000526 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,000055 

Ferro-Ion (Fe-) 0,000066 

Mangano-Ion (Mn--) 0,000003 



Anlonen*). 

Chlor-Ion (CT) 0,04236 

Sulfat-Ion (SO/') 0,1656 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,000218 

Hydrokarbonat-Ion (HCO, ) 0,1685 

Karbonat-Ion (CO.") .... 0,00041 

Hydroxyl-Ion (OH') 0,00003 



Milli- 


Milligramm- 


Mol 


Aquiralente 


0,1427 


0,1427 


6,845 


6,845 


0,0098 


0,0098 


0,2036 


0,4073 


0,0060 


0,0120 


0,0022 


0,0045 


0,0012 


0,0024 


0,00006 


0,0001 



Kieselsäure (meta) (H,8iO,) 0,1141 1,455 

Organische Bubstanzen . . . 0,003116 



7,424 



1,195 


1,195 


1,724 


3,448 


0,0023 


0,0046 


2,761 


2,761 


0,0068 


0,014 


0,002 


0,002 



0,5494 12,902 7,425 



0,6666 14,357 
Freies Kohlendioxyd (CO,) . 

Daneben Spuren von Hydroarsenat-Ion und Borsäure. 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungerähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält:") 

Gramm 

Kaliumchlorid (KG) 0,01065 

Natriumchlorid (NaCl) 0,06155 

Natriumsulfat (Na,S04) 0,2451 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOj) 0,1971 

Lithiiunhydrokarbonat (LiHCOg) 0,000664 

Calciumhydrophosphat (CaHPO^) 0,000310 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCO,),] 0,03174 

Calciumkarbonat (CaCO,) 0,0006 

Strontiumhydrokarbonat [Sr(HCO,),] 0,00126 

Magnesiumkarbonat [MgCOg] 0,0001 

Magnesiumhydroxyd [Mg(OH),] 0,00006 

Ferrohydrokarbonat [FeCHCO,),] 0,000210 

Manganohydrokarbonat [MnOHCOg),] 0,00001 

Kieselsäure (meta) (H,SiO,) 0,1141 

Organische Substanzen 0,003116 

0,6666 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 



1000 ccm des der Quelle frei entströmenden Gases 
enthalten: 

ccm 

Kohlendioxyd (CO,) 418,4 

Stickstoff (N,) 571,2 

Sauerstoff (0,) 11,4 



Daneben Spuren von Schwefelwasserstoff. 



1001,0 



Ältere Analyse: C. Lewig (bei B. M. Lersch, Einleitung in die 
Mineralquellenlehre Bd. 2 S. 1607. Erlangen 1860). 



') Prospekt. Ohne Ort und Jahr. ■) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 
») Vgl. Einleitung Abschn. B.2.C. 



33 — 



Analyse der „LudwigSqUelle I" (aus den Originalzahlen berechnet). 

/ Analytiker: Th. Poleck. 1884 »). 

! Spezifisches Gewicht: 1,00047 (ohne Temperaturangabe). 

Temperatur: 26,0" an der Mündung des Bohrlochs. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

. Milli- Milligramm- 
Kationen ). Gramm Mol Äquivalente 

Kalium-Ion (K-) 0,004769 0,1218 0,1218 

Natrium-Ion (Na-) 0,1571 6,815 6,815 

Lithium-Ion (Li-) 0,000161 0,0229 0,0229 

Calcium-Ion (Ca-) 0,009034 0,2253 0,4506 

Magnesium-Ion (Mg--) .... 0,000211 0,0086 0,0173 



Anionen '). 

Chlor-Ion (O.') 0,04095 1,155 

Brom-Ion (Br) 0,000175 0,0022 

Jod-Ion (J') 0,000024 0,0002 

SuMat-Ion (SO/') 0,1562 1,626 

Hydrokarbonat-Ion (HCO3') 0,1467 2,404 

Karbonat-Ion (CO,") .... 0,0158 0.263 

Hydroxyl-Ion (OH') .... 0,00149 ^0,0876 



7,428 

1,155 

0,0022 

0,0002 

3,252 

2,404 

0,526 

0,0876 



0,5326 
0,1148 



12,732 
1,464 



7,427 



Kieselsäure (meta) (IljSiOj) 

Freies Kohlendioxyd (CO^) . 
Daneben Spuren von Nickel-, Fluor-, Hydrophosphat-, 
Hydroarsenat-, Hydroantimoniat-Ion, Borsäure. 



0,6474 




14,196 




1) Die Thermen von Warmbrunn. Breslau 1885. ^) Vgl. ehem. Einleitung 
Abscbn, A. ') Vgl. ehem. Einleitung Abschu. B.2.C. 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösimg, welche in 1 Kilogramm enthält*): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,009087 

Natriumchlorid (NaCl) 0,06046 

Natriumbromid (NaBr) 0,000226 

Natriumjodid (NaJ) 0,000028 

Natriumsulfat (Na,S04) 0,2312 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOa) 0,2002 

Natriimikarbonat (Na^COg) 0,00772 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCOg) 0,001555 

Calciumkarbonat (CaCOj) 0,0190 

Calciimihydroxyd [Csi{OB.X] 0,00260 

Magnesiumhydroxyd [Mg(0H)2] 0,000505 

Kieselsäure (meta) (H,SiOa) 0,1148 



0,6474 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 



1000 ccm des der Quelle frei entströmenden Gases 
bestehen aus 

ccm 

Stickstoff (NJ 993,4 

Sauerstoff (0^) 6,6 

1000,0 



Analyse der „LudwigSqUelle II" (aus den Onglnalzahlen berechnet). 

Analytiker: Th. Poleck. 1884'). 

Spezifisches Gewicht: 1,00047 (ohne Temperaturangabe). 

Temperatur: 24,5°. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

__ ^ «. Milli- Milligramm- 

Kationen-'). Gramm Mol Äquivalente 

Kahum-Ion (K-) 0,004728 0,1208 0,1208 

Natrium-Ion (Na-) 0,1529 6,633 6,633 

Lithium-Ion (Li-) 0,000169 0,0241 0,0241 

Calcium-Ion (Ca-) 0,008994 0,2243 0,4486 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,000164 0,0067 0,0135 

Ferro-Ion (Fe--) 0,000524 0,0094 0,0188 

7,259 
Anionen '). 

Chlor-Ion (CF) 0,04286 1,209 1,209 

Brom-Ion (Br) 0,000175 0,0022 0,0022 

Jod-Ion (J') 0,000024 0,0002 0,0002 

Sulfat-Ion (SO/') 0,1568 1,632 3,265 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') 0,1183 1,938 1,938 

Karbonat-Ion (CO3") 0,0210 0,350 0,700 

Hydroxyl-Ion (OH') 0,00246 0,144 0,144 



Kieselsäure (meta) (HjSiOj) 



0,5091 
0,1119 



12,294 
1,427 



7,258 



0,6210 13,721 
Freies Kohlendioxyd (COj) . 

Daneben Spuren von Nickel-, Fluor-, Hydrophosphat-, 
Hydroarsenat-, Hydroantimoniat-Ion, Borsäure. 

^) Die Thermen von Warmbrunn. Breslau 1885. *) Vgl. ehem. Einleitung 
Abachn. A. ») Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.c. 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,009010 

Natriumchlorid (NaCl) 0,06367 

Natriumbromid (NaBr) 0,000226 

Natriumjodid (NaJ) 0,000028 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,2320 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOg) 0,1593 

Natriumkarbonat (Na^COg) 0,0203 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCOg) 0,001639 

Calciumkarbonat (CaCOg) 0,0159 

Calciumhydroxyd [Ca(0H)2] 0,00485 

Magnesiumhydroxyd [Mg(0H)2] 0,000393 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03)2] 0,001669 

Kieselsäure (meta) (H^SiOa) 0,1119 



0,6209 



Freies Kohlendioxyd (CO^) o 



1000 ccm des der Quelle frei entströmenden Gases 
bestehen aus: 

ccm 

Stickstoff (N,) 988,8 

Sauerstoff (0,) 11,2 



1000,0 



— 34 



Analyse der „AntOnienqUelle" (aus den Onginalzailen berechnet). 



Analytiker: R. Fresenius und H. Fresenius. 1889^). 

Spezifisches Gewicht: 0,99967 bei 16,5°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 26,7° im Quellschacht, 28,0° auf der Sohle des 16,3 m tiefen Bohrloches. 

Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen'). Gramm 

KaUum-Ion (K-) 0,008802 

Natrium-Ion (Na-) 0,1718 

Lithium-Ion (Li-) 0,000172 

Calcium-Ion (Ca-) 0,02516 

Strontium-Ion (Sr-) 0,000409 

Magnesium-Ion (Mg--) .... 0,003109 

Ferro-Ion (Fe--) 0,000257 

Aluminium-Ion (AI-) .... 0,000063 

Anionen*). 

Oüor-Ion (CT) 0,05958 

Brom-Ion (Br) 0,000222 

Jod-Ion (J) 0,000005 

Sulfat^Ion (SO/') 0,1918 

Hydrophosphat-Ion (HPO,") 0,000258 

Hydroarsenat-Ion (HAsO,") 0,000144 

Hydrokarbonat-Ion (HCO/) 0,1388 

Karbonat-Ion (CO,") 0,0326 

Hydroxyl-Ion (OH') 0,00325 



MiUi- 


MilUgramm- 


Mol 


Aquivalente 


0,2248 


0,2248 


7,454 


7.454 


0,0244 


0,0244 


0,6275 


1,255 


0,0047 


0,0093 


0,1276 


0,2553 


0,0046 


0,0092 


0,0023 


0,0070 




9,239 


1,681 


1,681 


0,0028 


0,0028 


0,00004 


0,00004 


1,997 


3,993 


0,0027 


0,0054 


0,0010 


0,0021 


2,275 


2,275 


0,544 


1,09 


0,191 


0,191 



0,6364 
0,09831 



15,164 
1,254 



9,24 



Kieselsäure (meta) (HjSiO,) , 

0,7347 16,418 
Freies Kohlendioxyd (CO,) . 

Daneben Spuren von Baryum-, Zink-, Mangano-, Kupfer-, 
Fluor-Ion, Borsäure, organischen Substanzen. 

Die Summen der gelösten festen Bestandteile betragen 0,6 
bis 0,7 g; freies Kohlendioxyd ist nicht vorhanden. Da die 
Temperaturen der Quellen zwischen 24° und 43° liegen, so sind 
die Quellen als „einfache warme Quellen" zu bezeichnen. 

Die Quellen sind teils mit Stein, teils mit Kupferrohren 
gefaßt. Ihr Wasser wird zum Baden imd zu Duschen, auch 
zu Nasenduschen, zum Gurgeln und — zum Teil imter 
Zusatz von geringen Mengen Kochsalz — zum Trinken ge- 
braucht. Das Wasser der „LudwigsqueUe II" kommt nach 
Zusatz von Kohlensäure als Tafelwasser zum Versand (jähr- 
lich etwa 50 000 Flaschen). Die Quellen des Großen und 
Kleinen Bades speisen 3 Marmorbassins, in denen im fUeßen- 
den Wasser gebadet wird. Die übrigen Quellen werden in 
69 BadezeUen mit Zinkwannen geleitet. Aus dem Thermal- 
wasser werden durch Evakuieren imd Sättigen mit käuflicher 
Kohlensäiire auch Kohlensäurethermalbäder bereitet. Im Jahre 
1903 wurden 75 980 ; 1904 : 77 983 ; 1905 : 7 1 465 Bäder verabreicht. 



Kaliumchlorid (KQ) 0,01677 

Natriurachlorid (NaCl) 0,08517 

Natriumbromid (NaBr) 0,000286 

Natriumjodid (NaJ) 0,000005 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,2837 

Natriumhydrokarbönat (NaHCO,) 0,1684 

lithiurahydrokarbonat (LiHCO,) 0,001660 

Calciumhydroarsenat (CaHAsOJ 0,000186 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC0j)2] 0,01851 

Calciumkarbonat (CaCOs) 0,0513 

Strontiumhydrokarbonat [Sr(HC03)jl 0,000978 

Magnesiumkarbonat (MgCOg) 0,00270 

Magnesiumhydroxyd [Mg(OH)J 0,00558 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03),] 0,000819 

Aluminiumhydrophosphat [A1,(HP0J,] 0,000307 

AluminiumsuKat [A1,(S0<)3] 0,000092 

Kieselsäure (meta) (HjSiOJ 0,09831 

0,7348 

Frdes Kohlendioxyd (CO,) 



1) Chemische Analyse der Antonienquelle zu Warmbrunn in Schlesien. 
Wiesbaden 1890. ») Vgl. ehem. Einleitimg Abschn. A. •) Vgl. ehem. Einleitung 
Abschn. B.2.C. 

Sonstige Kurmittel: Moorbäder mit Moor aus den Hoch- 
mooren bei Schreiberhau. Hydrotherapie. Elektrotherapie. 
Massage. Milch-, Molken- und Kefirkuren. — Gedeckte 
Hallen. 

Behandelt werden : Gelenkrheumatismus, Gicht, Nerven- 
leiden, Rückenmai'ksleiden , Gtelenksteifigkeiten, Hautleiden, 
Frauenleiden. — 

5 Ärzte. — Kurzeit: 1. Mai bis 1. Oktober. — Kurtaxe: 
1 Person 16 M., jede weitere Person 5 M. — Zahl der Besucher 
(ohne Passanten) 1903: 3744; 1904: 3738; 1905: 3516. 

Allgemeine Einrichtungen : Trinkwasserversorgung durch 
artesische Brunnen. — Beseitigung der Abfallstoffe durch Ab- 
fuhr. — Krankenhaus. Dampfsterilisator. Mehrere Kuranstalten 
für Bedürftige. — Apotheke. — Das Bad gehört der Reichs- 
gräflich Schaffgotschen Famüie. Auskunft durch die Bade- 
verwaltung. 



G6G6G6G6G6G6G6G6C5SG6DSG6G6C6 WieSenbad ^iSO^iSOisOiSOisO^^^iSO^^^ 



Badeort mit 789 Einwohnern, zvun Dorfe Wiesa, Amts- 
hauptmannschaft Annaberg gehörig, hegt im Sächsischen 
Erzgebirge, 435 m hoch im Zschopautale , das hier einen 
Kessel von 300—600 m Breite bildet. Mit Laub- und Nadel- 
wald bestandene, 150 — 200 m ansteigende Berge mngeben 
das Tal. Bahnstation der Linie Chemnitz — Annaberg — Weipert. 

TTiimH- Mittlere Monatstemperatur (aus den Isothermen 
abgeleitet): Mai 10,9°; Juni 14,7°; Juli 16,5°; August 15,7°; 



September 12,8°. — Mittlere jährHche Niederschlagshöhe (aus 
den Niederschlagskurven abgeleitet) 780 mm*). 

Eeüquellen. Die „St. Jobsquelle", eine seit 1501 be- 
kannte und seitdem auch zu Heilzwecken benutzte Therme, 
entspringt 14 m tief auf einem an der Nordostflanke eines 
kleinen Granitstockes im zweigUmmerigen Gneis aufsetzenden 
Homstein- vmd Quarzbrecciengange. 

*) Angaben des Königl. Sachs. Meteor. Inst, in Dresden. 



35 



AnalySG (ans den Einzelbestandteilen berechnet). 

Analytiker: F. Renk. 1901'). 

Temperatur: 20,2°, 10 m unter dem Quellenspiegel. 

Ergiebigkeit: 3240 H in 24 Stunden. 

Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 

ungefähr einer Lösung, welche in 1 KHogramm enthalt^)''): 

Gramm 

Kaliumnitrat (KNO3) 0,00412 

Kaliumchlorid (KCl) 0,0299 

Natriumchlorid (NaCl) 0,00215 

NatriumsuKat (Na^SOj) 0,0250 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOg) . 0,336 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCOj) . 0,0041 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03)J 0,0520 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03)2] 0,0203 

Kieselsäure (meta) (H^SiOg) .... 0,0484 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten:-) 

Kationen '). Gramm 

KaHimi-Ion (K-) 0,0173 

Natrium-Ion (Na-) 0,101 

Lithium-Ion (Li-) 0,00042 

Calcium-Ion (Ca--) 0,0129 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,00338 

Anionen^). 

Nitrat-Ion (NO3') 0,00253 

CMor-Ion (a') 0,0155 



SuKat-Ion (SO/') 

Hydrokarbonat-Ion (HCO3') 

Kieselsäure (meta) (H^SiOj) 



0,0169 
0,304 



MilU- 


Milligramm- 


Mol 


Äquivalente 


0,441 


0,441 


4,39 


4,39 


0,060 


0,060 


0,321 


0,642 


0,139 


0.278 




5,81 


0,0407 


0,0407 


0,437 


0,437 


0,176 


0,352 


4,98 


4,98 



0,474 
0,0484 



10,98 
0,618 



5,81 



0,522 

0,0333 

0,002 



11,60 

0,757 
0,06 



Freies Kohlendioxyd (CO,) . 
Freier Sauerstoff (O^) .... 

0,558 12,42 
Daneben Spuren von Hydrophosphat-Ion. 



Ältere Analyse: 
Europas S. 110 und 250. 



Lampadius (bei J. 
Berlin 1839). 



F. Simon, Die Heilquellen 



0,522 
Freies Kohlendioxyd (CO,) 0,0333 = 

Freier Sauerstoff (OJ _0^002_= 

0,557 



18,3 ccm bei 

20,2° und 

7 60 mm Druck. 

2 ccm bei 

20,2° und 

7 60 mm Druck. 



1) Manuskript. •) Die Angaben beziehen sich nicht auf 1 kg, sondern 
auf 1 I, was jedoch praktisch im yorliegenden Fall keinen Unterschied aus- 
macht. Eine Umrechnung war in Ermangelung der Angabe des spezifischen 
Gewichtes unrnSglich. ^) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. ') Vgl. ehem. 
Einleitung Abschn. B.2.C. 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
0,5 g (darunter hauptsächlich Natrium- und Hydrokarbonat- 
lonen). Hiernach und da die Temperatur ein wenig oberhalb 
der Grenze von 20° liegt, ist die Quelle als „einfache 
warme Quelle" zu bezeichnen. 

Das Wasser der in 14 m tiefen Steinschacht gefaßten 
Quelle vrird in natürUchem Zustande an Ort und Stelle ge- 
trunken, femer zum Baden, Duschen imd Inhaheren benutzt. 
— In das Badehaus, das 14 Badezellen mit Wannen aus Zink 
und Kacheln, einen Inhalationsraum und ein kleines Thermal- 
schwimmbassin enthält, wird es durch Kupferrohre geleitet; 
es wird in Behältern durch Dampfheizschlangen envärmt. Im 
Inhalationsraum -mid das Wasser mittels einfachen Dampf- 
zerstäubers zerstäubt. Die Zahl der verabreichten Bäder be- 
trug 1903: 929; 1904: 1114; 1905: 1393. 

Sonstige Kurmittel: Künstliche Kohlensäurebäder, Moor- 



extraktbäder mit Franzensbader Extrakt, elektrische Bäder, 
elektrische Lichtbäder und Dampfkastenbäder. — Wasserheil- 
verfahren, Massage, Mechanotherapie , Elektrotherapie. — 
Gedeckte Wandelhalle. 

Behajidelt Tverden: Skrofulöse, Schwächezustände, Dys- 
pepsie, Exsudate von Brust- und Bauchhöhle, Menstrua- 
tionskolik und Blutstockungen, Nervenleiden, Gicht und 
Rheumatismus. 

1 Arzt. — Kurzeit: 1. Mai bis 30. September. — Kur- 
taxe: wöchentlich 1 M. — Zahl der Besucher (ohne Passanten) 
1903: 203; 1904: 147; 1905: 256. 

Allgemeine Einrichtungen: Triukwasserversorgimg durch 
drei Quellwasserleitungen. — Beseitigung der Abfallstoffe durch 
Abfuhr. — Nächste Apotheke in dem etwa 3 km entfernten 
MUdenau. — Quelle und Badehaus sind im Besitze der Firma 
Mechanische Flachsspinnerei Meyer & Co. 



G6G6G6G6G6C;6G6G6C^C2SG6G6G6G6GjS Wildbad ÖDdJOÖDÖDÖDÖDÖOÖDÖDÖOÖDöDÖDÖDÖD 



Stadt mit 3734 Einwohnern im Schwarzwaldkreis des 
Königreichs Württemberg, liegt 430 m ü. M. am Nordrande 
des Schwarzwaldes in dem von SW nach NO streichenden, 
scharf eingeschnittenen Enztale. Die umliegenden bewaldeten 
Höhen steigen 300—400 m hoch über den Kurort an. End- 
station der von der Bahnlinie (Wien— )Mühlacker — Karlsruhe 
( — Paris) in Pforzheim abzweigenden 23 km langen Nebenbahn. 

Klima. Mittlere Monatstemperatur nach 75 jährigem Durch- 
schnitt (1826—1900): Januar — 1,5°, Februar —0,1°, März 2,2°, 
April 6,6°, Mai 10,9°, Juni 14,6°, JuU 16,3°, August 15,3°, 
September 12,3°, Oktober 7,7°, November 3,0°, Dezember 
— 0,4°. — Mittlere Niederschlagshöhen nach 15 jährigem Dureh- 
Bchnitt (1888—1902) im Januar 84, Februar 81, März 102, 



April 88, Mai 104, Juni 121, Juli 114, August 103, September 
81, Oktober 110, November 67, Dezember 104; im Jahre 
1159 mm*). Gegen Ost- und Westwinde ist der Ort durch 
vorgelagerte Berge geschützt. 

Heilquellen. Die alte Quelle rechts der Enz wird im 
Jahre 1367 zum erstenmale erwähnt. Nach und nach sind 
auch die übrigen Thermen des WUdbades erbohrt worden, tmd 
bereits im Mittelalter blühte das Bad schnell auf. Die Quellen 
brechen auf beiden Seiten der Enz aus Verwerfungsspalten im 
Granit hervor und liefern zusammen täglich 10 000 hl Wasser 
von 34,5°— 39,5°. 



*) Angaben der ESnigl. Wfirttemb. Meteor. Zentralstation in Stuttgart. 



— 36 — 

Analyse des Wassers aus den Bohrlöchern 5, 6, 7, 11, 12, 14 bis 17 

und 25 gemischt (aus den OngmalzaMen berechnet). 

Analytiker: H. v. Fehling. 1859'). 

Spezifisches Gewicht: 0,99920 bei 18°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 36° im MitteL 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Kationen'). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,006444 

Natrium-Ion (Na-) 0,1502 

Calcium-Ion (Ca-) 0,03957 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,002938 

Ferro-Ion (Fe-) 0,000174 

Aluminium-Ion (AI—) .... 0,000372 

Anionen'). 

Chlor-Ion (ö') 0,1473 

SuKat-Ion (SO^") 0,03516 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') 0,2473 



MilU- 


MilligTBmm- 


Mol 


Aquivalente 


0,1646 


0,1646 


6,515 


6,515 


0,9869 


1,974 


0,1206 


0,2412 


0,0031 


0,0062 


0,0137 


0,0412 




8,942 


4,156 


4,156 


0,3661 


0,7321 


4,054 


4,054 



0,6295 
0,08186 



16,380 
1,044 



0,7113 
0,0288 



17,424 
0,655 



8,942 



Kieselsäure (meta) (H^SiO,) 

Freies Kohlendioxyd (COj) 

0,7401 18,079 
Daneben Spuren von lithium-, Ammonium-, Strontium-, 
Baryum-, Mangano-, Zinn-, Nitrat-, Hydrophosphat-, Hydro- 
arsenat-Ion, Borsäure, organischen Substanzen. 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, wdche in 1 Kilogramm enthält '^: 

Gramm 

Kalimnchlorid (KCl) 0,01228 

Natriumchlorid (NaQ) 0,2335 

Natriumsulfat (Na,80J 0,04911 

Natriumhydrokarbonat (NaHCO,) . 0,1540 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03)j] 0,1600 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03),] 0,01765 



Ferrohydrokarbonat [FefHCOa),] 
Aluminiumsulfat fAL,(S04)3] 
Kieselsäure (meta) (H,SiOs) 



0,000555 
0,002349 
0,08186 
0,7113 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 0,0288 

0,7401 



16,7 ccm bei 

36,0° und 

[760 mm Druck. 



V Jahi«shefte des Vereins für vaterländische Naturkunde in Württemberg 
1860 Bd. 16 S. 118. >) Vgl. ehem. Einleitung Alöchn. A. 3) Vgi. ehem. 
Einleitimg Abschn. B.2.C. 



Analyse der Trinkquelle Nr. 10 (Eberhardsbrunnen) (aus den originaizauen berechnet). 

Analytiker: H. von Fehling. 1859*). 

Spezi&ches Grewicht: 0,99930 bei 18°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 34,5°. 



In 1 Küogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen^ 

Kalium-Ion (K*) . . . 
Natriimi-Ion (Na-) . . 
Calcium-Ion (Ca-) . . 
Magnesium-Ion (Mg") 
Ferro-Ion (Fe--) .... 
Aluminium-Ion (AI—) 



Gramm 
0,006352 
0,1525 
0,03848 
0,002981 
0,000182 
0,000289 



Milli- 
Mol 

0,1623 

6,614 

0,9597 

0,1224 

0,0032 

0,0107 



Milligiamm- 
Äquivalente 

0,1623 

6,614 

1,919 

0,2447 

0,0065 

0,0320 



8,979 



Anionen*). 

Chlor-Ion (Cl') 

SuHat-Ion (SO^') 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,'). 

Kieselsäure (meta) (H^SiO,) . 

Freies Kohlendiorfd (CO,) . 



0,1429 4,030 4,030 
0,03348 0,3485 0,6970 
0,2594 4,252 4,252 



0,6366 16,503 
0,08119 1,035 



0,7178 
0,0289 



17,538 
0,656 



0,7467 18,194 



8,979 



Daneben Spuren von Ammonium-, Lithium-, Strontium-, 
Baryum-, Mangano-, Zinn-, Nitrat-, Hydrophosphat-, Hydro- 
arsenat-Ion, Borsäure, organischen Substanzen. 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Küogramm enthält '): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,01210 

Natriumchlorid (NaCl) 0,2263 

Natriumsulfat (Na,SO<) 0,04727 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOj). . 0,1750 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCOs),] . 0,1556 
Magnesiumhydrokarbonat 

CMg(HCO,),] 0,01791 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCO,),] . . 0,000578 

Aluminiumsultat [A1,(S0<)3] 0,001826 

Kieselsäure (meta) (H,SiOj) 0,08119 



0,7178 
Freies Kohlendioxyd (CO,) 0,0289 



0,7467 



-I 



16,6 ccm bei 

34,5° u. 

760 mm Druck. 



Ältere Analjse: 
Bd. 9 S. 420). 



Degen 1837 (Pharmanatisches Zentralblatt 1838 



V Jahreshefte des Vereins fOr vaterljlndische Natnrkimde in Württemberg 
1860 Bd. 16 8. 112. ») Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. ») Vgl. ehem. 
Einleitung Abschn. B.2.C. 



37 



Analyse der Quelle Nr. 19 im Katharinenbad (aus den ongmaizaMen berechnet). 

I Analytiker: H. v. Fehling. 1859'). 

Spezifisches Gewicht: 0,99927 bei 18°, bezogen auf Wasser von 4°. 
Temperatur: 39,5°. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Kationen. ^). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,006305 

Natrium-Ion (Na-) 0,1525 

Calcium-Ion (Ca-) 0,03917 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,002980 

Ferro-Ion (Fe") 0,000184 

Aluminium-Ion (AI-) .... 0,000312 

Anionen ^). 

Chlor-Ion (CI) 0,1498 

Sulfat-Ion (SO/') 0,03578 

Hydrokarbonat-Ion (HCO3') 0,2467 



Milli- 


Milligramm- 


Mol 


Äquivalente 


0,1610 


0,1610 


6,614 


6,614 


0,9769 


1,954 


0,1223 


0,2447 


0,0033 


0,0066 


0,0115 


0,0346 




9,015 


4,227 


4,227 


0,3724 


0,7449 


4,043 


4,043 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält '): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KQ) 0,01201 

Natriumchlorid (NaCl) 0,2379 

NatriumsuUat (Na^SOJ 0,05049 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOs) . 0,1545 

Calciumhydrokarbonat [Ca(KQO^\] 0,1584 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03),] • • 0,01791 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03)2]. . 0,000587 

Aluminiumsuifat [Al,(S04)3] .... 0,001973 

Kieselsäure (meta) (H^SiO^) .... 0,08058 



Kieselsäure (meta) (HjSiOg) 
Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



0,6337 
0,08058 



16,531 
1,028 



9,015 



0,7144 
Freies Kohlendioxyd (CO5,) 0,0234 



0,7143 
0,0234 



17,559 
0,533 



0,7378 



13,7 ccm bei 

39,5° und 
760 mm Druck. 



0,7377 18,092 
Daneben Spuren von Ammonium-, Lithium-, Strontium-, 
ßaryum-, Mangano-, Zinn-, Hydrophosphat-, Hydroarsenat-Ion, 
Borsäure, organischen Substanzen. 



Altere Analyse: G. G. L. Sigwart und Weiß (bei G. C. L. Sig- 
wart und M. J. Leipprand, Die Mineralwasser im Königreiche Württem- 
berg S. 27. Tübingen 1831). 



') Jahresheite des Vereins für vaterlandische Katurkunde in Württemberg 
1860 Bd. 16 S. 115. «) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. ») Vgl. 

ehem. Einleittug Abschn. B.2.c. 



Analyse des Wassers aus 5 Bohrlöchern am linken Enzufer gemischt 

(aus der SalztabeUe berechnet). 
Analytiker: H. v. Fehling. 1865'). 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Kationen 2). Gramm 

Natrium-Ion (Na-) 0,1488 

Calcium-Ion (Ca--) 0,0374 

Magnesium-Ion (Mg--) 0,00292 

Anionen ^. 

Chlor-Ion (CI) 0,1481 

SuMat-Ion (SO/') 0,0202 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') . . 0,2417 



0,5991 
Kieselsäure (meta) (HjSiOj) . . 0,0824 
Sonstige Bestandteile 0,0262 



MilU- 
Mol 

6,456 
0,932 
0,120 


Milligramm- 
Äquivalente 

6,456 

1,86 

0,240 


4,178 
0,210 
3,962 


8,56 

4,178 
0,420 
3,962 


15,858 
1,05 


8,560 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Natriumchlorid (NaCl) 0,2444 

Natriumsulfat (Na^SO^) 0,0299 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOg) 0,156 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03y 0,151 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HC03)2] 0,0175 

Kieselsäure (meta) (H^SiOg) 0,0824 

Sonstige Bestandteile 0,0262 

0,707 ■ 



0,7077 16,91 



V Jahreshefte des Vereins für vaterländische Naturkunde in Württemberg 
1866 Bd. 22 S. 131. «) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. ») Vgl. ehem. 
Einleitung Abschn. B.2.C. 



Analyse der Trinkquelle Nr. 35 (Gartenbrunnen) (aus den onginaizahien berechnet). 

Analytiker: H. v. Fehling. 1865'). 

Spezifisches Gewicht: 0,99932 bei 18°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 37,7°. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

fr- i^ 2\ Milli- Milligramm- 

Jiationen ). Gramm Mol Äquivalente 

Kalium-Ion (K-) 0,006556 0,1675 0,1675 

Natrium-Ion (Na-) 0,1508 6,542 6,542 

Lithium-Ion (Li-) 0,000832 0,1183 0,1183 

Calcium-Ion (Ca-) 0,03877 0,9667 1,933 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,003646 0,1497 0,2993 

Ferro-Ion (Fe-) 0,000169 0,0030 0,0060 

Aluminium-Ion (AI-) .... 0,002184 0,0806 0,2418 

9,308 
Daneben Spuren von Cäsium-, Rubidium-, Ammonium-, 
Strontium-, Baryum-, Mangano-, Zinn-, Nitrat-, Hydrophosphat-, 
Hydroarsenat-Ion, Borsäure, organischen Substanzen. 



Anionen'). Gramm 

Chlor-Ion (CI) 0,1503 

Sulfat-Ion (SO/') 0,03562 

Hydrokarbonat-Ion (HCOg') . 0,2640 

Kieselsäure (meta) (H^SiOg) 

Freies Kohlendioxyd (COj) 
Freier Stickstoff (N,) . . . 
Freier Sauerstoff (0,) . . . 



Milli- 


Milligramm- 


Mol 


Äquivalente 


4,239 


4,239 


0,3709 


0,7417 


4,328 


4,328 



0,6529 


16,966 9,309 


0,07900 


1,007 


0,7319 


17,973 


0,0125 


0,285 


0,02252 


0,8020 


0,000077 


0,0024 



0,7670 19,062 



') Jahreshefte des Vereins für vaterländische Naturkunde in Württemberg 
1866 Bd. 22 S. 132. ») Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 

3* 



— 38 — 



Das Mineralwaaser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält*): 

Giamm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,01249 

Natriumchlorid (NaCl) 0,2382 

Natriumsulfat (Na^SOJ 0,03554 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOa) 0,1656 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCOs) 0,008052 

Calciumhydrokarbonat[Ca(HC03),] 0,1567 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HC08)2J 0,02191 

Ferrohydrokarbonat [re(HCOa),] 0,000537 



Aluminiumsulfat [A]5(SO<)8] . 
Kieselsäure (meta) (HjSiO,) . 



Freies Kohlendioxyd (COj) 



Gr&tnm 

0,01380 
0,07900 
0,7318 

0,0125 



*) Tgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 



7,3 ccm bei 

37,7° und 

|7 60 mm Druck 

20,5 ccm bei 

37,7° und 
760 mm Druck. 

{0,06 ccm bei 
37,7° und 
760 mm Druck. 



Freier Stickstoff (N,) 0,02252 



0,7669 



Analyse der Trinkquelle NO. 36 (aus den Originalzahlen berechnet). 

Analytiker: H. v. Fehling. 1865'). 

Spezifisches Gewicht: 0,99931 bei 18°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 39,3°. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

EatiOIieil'). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,008584 

Natrium-Ion (Na-) 0,1500 

Lithium-Ion (Li-) 0,000832 

Calcium-Ion (Ca--) 0,03689 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,003368 

Ferro-Ion (Fe-) 0,000190 

Aluminium-Ion (AI-) .... 0,000270 

Anlonen'). 

Chlor-Ion (Cl') 0,1500 

Sulfat-Ion (SO/') 0,03614 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') 0,2449 



Milli- 


Milligramm- 


Mol 


Äquivalente 


0,2193 


0,2193 


6,506 


6,506 


0,1183 


0,1183 


0,9199 


1,840 


0,1383 


0,2765 


0,0034 


0,0068 


0,0100 


0,0299 




8,997 


4,230 


4,230 


0,3763 


0,7525 


4,014 


4,014 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 

ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,01636 

Natriumchlorid (NaCl 0,2346 

Natriumsulfat (Na^SO^) 0,05136 

Natriumhydrokarbonat (NaHCO,) 0,1490 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCO,). 0,008052 
Calcimnhydrokarbonat 

[Ca(HC03)J 0,1491 

Magnesiimihydrokarbonat 

[Mg(HC03),] 0,02024 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCOa),]. 0,000605 



Kieselsäure (meta) (HjSiO,) 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 
Freier Stickstoff (N,) ... 
Freier Sauerstoff (0,) ... 



0,6312 

0,07886 



16,536 8,997 
1,006 



0,7100 17,542 



Aluminiumsulfat [AL,(S04)3 
Kieselsäure (meta) (HjSiOj) 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 



0,001709 

0,07886 

0,7099 

0,0269 = 



0,0269 

0,02327 

0,000806 



0,612 

0,8288 

0,0252 



0,7610 19,008 



Daneben Spuren von: Cäsium-, Kubidium-, Ammonium-, 
Strontiimi-, Baryimi-, Mangano-, Zinn-, Nitrat-, Hydrophosphat-, 
Hydroarsenat-Ion, Borsäure, organischen Substanzen. 



Freier Stickstoff (N,) 0,02327 = 



Freier Sauerstoff (O,) 0,000806 = 

0,7609 



15,8 ccm bei 
39,3° und 

760 mm Druck. 

21,3 ccm bei 
39,3° und 

760 mm Druck. 

0,6 ccm bei 

39,3° und 

760mmDruck. 



y Jahresheite des Vereins für Taterländische Naturkunde in Württemberg 
1866 Bd. 22 S. 140. >) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. «) Vgl. ehem. 
Einleitung Abschn. B.2.C. 



Analyse des Wassers aus Bohrloch Nr. 38 (aus der saiztabeue berechnet). 



Analytiker: H. 
In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Kationen'). Gramm 

Natrium-Ion (Na-) 0,1479 

Calcium-Ion (Ca-) 0,0381 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,00301 

Anionen'). 

Chlor-Ion (Q') 0,1498 

Sulfat-Ion (SO/') 0,0198 

Hydrokarbonat-Ion (HCOs') 0,2394 



MiUi- 


Milligramm- 


Mol 


Äquiralente 


6,417 


6,417 


0,949 


1,90 


0,123 


0,247 




8,56 


4,226 


4,226 


0,207 


0,413 


3,924 


3,924 



Kieselsäure (meta) (HjSiO,) 
Sonstige Bestandteile . . . . 



0,5980 
0,0792 
0,0293 



15,846 
1,01 



8,563 



Fehling. 1865'). 

Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält"): 

Gramm 

Natriumchlorid (NaCl) 0,2472 

Natriumsulfat (Na,SOj 0,0294 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOj) 0,149 

Calcimnhydrokarbonat [Ca(HC05),] 0,154 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HC0j)2] 0,0181 

Kieselsäure (meta) (HjSiOj) 0,0792 

Sonstige Bestandteile 0,0293 

0,706 



0,7065 16,86 



V Jahreshefte des Vereins für Taterländische Naturkunde in Württemberg 
1866 Bd. 22 S. 131. ') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. ') Vgl. ehem. 
Einleitung Abschn. B.2.C. 



— 39 



Die untersuchten Wässer sind von annähernd gleicher Zu- 
sammensetzung. Die Summe der gelösten festen Bestandteile 
beträgt etwa 0,7 g. Danach sind die Quellen als „einfache 
warme Quellen" zu bezeichnen. 

Die Quellen treten frei aus 5—56 m tiefen Bohrlöchern 
unmittelbar in die Badebassins und Wannen hinein. In erster 
Linie ^\ird das Wasser zu Thermalbädern benutzt, denen es 
ununterbrochen mit natürlicher Temperatur zufließt, so daß 
eine Abkühlung während des Bades ausgeschlossen ist. Die 
Bäder sind zum Teil aus dem Urgestein ausgesprengt, mit 
Fayence und Marmor verkleidet und auf dem Boden mit einer 
Lage von feinem Sand bedeckt, durch den das Wasser hervor- 
quillt. Kechts der Enz befinden sich drei Badehäuser. Das 
große Badgebäude mit 9 Fürstenbädem, 8 Bassinbädem, 
40 Einzelbädem und den nötigen Duschevorrichtungen wird 
von 18 Quellen gespeist. Das kleine Badehaus mit 12 Einzel- 
bädem und das Katharinenstift mit 5 Bassin- und 4 Einzel- 
bädern erhalten ihr Wasser aus je 3 — 4 Quellen. Links der 
Enz im König-Karlsbad werden auch abgekühlte Thermalbäder, 
kalte Duschen usw. verabreicht. An Vollbädern wurden ver- 
abreicht: 1903: 130147; 1904: 137 360; 1905: 144890. Da- 
neben wird das Wasser, wenn auch in geringerem Umfange, 
in natürhchem Zustande zu Trinkkuren gebraucht. 



Sonstige Kurmittel: Elektrische Bäder, Dampf-, Heiß- 
luft- und Warmluftbäder. — Heilgymnastik. — Gelegenheit 
zu Flußbädern. — Drei geräumige geschützte Wandelhallen, 
von denen eine heizbar ist. — Parkanlagen an der Enz, die 
unmittelbar in Nadelwald übergehen. 

Behandelt werden: Eheiunatismus, Gicht, Knochen- imd 
G«lenkleiden, Skrofulöse, Ehachitis, Nervosität, Lähmungen, 
Krampfleiden, Katarrhe der Luftwege, Frauenkrankheiten, 
chronische Verdauungsstönmgen, Harnbeschwerden, Schwäche- 
zustände, Verletzungen, Metallvergiftungen. 

7 Ärzte. — Kiu-zeit: 1. Mai bis 1. Oktober, doch können 
auch im Winter die Thermalbäder benutzt werden. — Kurtaxe: 
in der Hauptkurzeit eine Person wöchentlich 4 M., 2 Personen 
7 M. — Zahl der Besucher (ohne Passanten) 1903: 8757; 
1904: 9258; 1905: 10110. 

Allgemeine Einrichtungen : Trinkwasserversorgung durch 
Quellwasserleitung. — Beseitigung der Abfallstoffe durch 
Schwemmkanalisation. — Städtisches Krankenhaus. — Apo- 
theke. — 4 Stiftungen für Unbemittelte. — Die Quellen imd 
Badehäuser sind Eigentum des württembergischen Staates. — 
Auskunft durch die Badeverwaltung. 



G6DSföG5G6G6 Wildbad- Trarbach und Wildstein öoöd^öd&:3öo 



Das Kurhaus WUdbad- Trarbach liegt 1 km, Wildstein 
4 km von Trarbach an der Mosel, im Kreise Zell der Khein- 
provinz in dem von SSO nach NNW gerichteten, etwa 50 bis 
200 m breiten Kautenbachtale, inmitten ausgedehnter Laub- 
imd Nadelholzwaldungen, Kurhaus Wildbad 127 m, Bad Wüd- 
Btein 175 m hoch. Die imihegenden Berge steigen bis zu 436 m 
an. Traben-Trarbach ist Station der in Pünderich von der 
Linie Coblenz — Trier abzweigenden Nebenbahn der Bahn 
BuUay — Trier und der Moseldampfschiffe. 

Klima. Als mittlere Temperatiir wird angegeben im Friih- 
1mg 10,1°, im Sommer 16,6°, hn Herbste 9,9°*). Jährliche 



Niederschlagshöhe (nach 4iährigem Durchschnitt) 675 mm**). 
Gegen Ost- und Nordwinde liegt das Bad geschützt. 

Heilquellen. Die „Trarbacher Felsenquelle" (Wüdstein- 
Therme) wird von 2 Quellen gebildet, die aus einem 3 — 4 m 
dicken, fast senkrecht im derben Schiefer stehenden Quarz- 
gange, am Ende eines 400 m langen Stollens entspringen. Die 
Quellen liefern zur Zeit täglich 8760 hl Wasser, wovon 5310 hl 
gefaßt sind. Seit 1883 wird die Quelle zu Kurzwecken benutzt. 



*) Nach einem Siteren ftospekt. 
*•) Regenstation Trarbach, Beobachter: Apotheker Mallmann. 



An fl.IvSfi Analytiker: H. Mertitsch. 1883*). 

/ j c 1 * u 17 u i, *^ Temperatur: 35,0°. 

(aus der SalztabeUe berechnet). Ergiebigkeit: 9600-12000 hl in 24 Stunden. 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 

MiUi- MiUigramm- ungefähr einer Lösung, welche in 1 Küograimn enthalt °): 

Kationen ). Gramm Mol Äquivalente Gramm 

KaHum-Ion (K-) 0,04012 1,025 1,025 Kalimnchlorid (KO) 0,03588 

Natrium-Ion (Na-) 0,05555 2,410 2,410 Kaüumsulfat (K,SOJ 0,04174 

Calcium-Ion (Ca-) 0,007863 0,1961 0,3922 Kaliumhydrokarbonat (KHCO.) . 0,006504 

3>827 Natriumhydrokarbonat (NaHCO,) 0,2026 

■Ä^°'i®'i )• Calciumhydrokarbonat[Ca(HC08)2] 0,03179 

Chlor-Ion (CT) 0,01705 0,4809 0,4809 Kieselsäure (meta) (H^SiO,). . . 0,04544 

Sulfat-Ion (SO/') 0,02300 0,2394 0,4788 ^ i \^ n ' — 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') 0,1749 2,867 2,867 ' 

0,3184 7,218 3,827 ^^^ Kohlendioxyd (CO.) .... 0,06724 = 1 35,0° und 

Kieselsäure (meta) (H^SiOj) . 0,04544 0,5795 "04312 — l760mmDruck. 

0,3639 7,798 ' 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 0,06724 1,528 .^ Manuskript. ») Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. ») Vgl. ehem. 

0,4312 9,326 Einleitung Abschn. B.2.C. 

Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt 0,36 g; abreicht), daneben auch zu Trinkkuren, \md gelangt auch, teils 

die Quelle ist eine „einfache warme Quelle". in natürlichem Zustand, teils mit käuflicher Kohlensäure im- 

Das Wasser wird vorzugsweise zu Thermalbädern benutzt prägniert, zum Versand (1903: 943800; 1904: 947 600; 1905: 

(1903 wurden: 9515; 1904: 10035; 1905: 10957 Bäder ver- mehr als 1 Million Gefäße). Dem neuen Kurhaus Wildbad- 



— 40 — 



Trarbach wird das Wasser in dner 2600 m langen, aus asphal- 
tierten Eisenröhren bestehenden Leitung zugeführt. Bad Wild- 
stein verfügt über 8, das Kurhaus WUdbad über 27 Badezellen 
mit ständigem Zu- und Abfluß des Thermalwassers. Die 
Wannen bestehen aus Zement und sind mit Porzellanplatten bel^t. 

Sonstige Kurmittel: Dampfbäder, künstliche Kohlen- 
säurebäder. — Gelegenheit zu Terrainkuren (ohne besondere 
Einrichtungen). Milch-, Obst- und Traubenkuren. Massage, 
Elektrotherapie. 

Behandelt werden: Rheumatismus, Gicht, Erkrankungen 
des Nervensystems (Neurosen, Neuralgien, Migräne, Neu- 
rasthenie usw.), nervöse Magen- imd Darmstörungen, Blasen- 
und Nierenleiden, Schwächezustände, Hautleiden, Frauen- 



krankheiten (Menstmationsanomalien, chronische Metritiß, 
Endometritis usw.), Gfelenkleiden. 

Arzte in Trarbach. — Kurzeit: 1. Mai bis 1. November. 
— Kurtaxe wird nicht erhoben. 

Allgemeine Einrichtungen : Trinkwasserversorgung durch 
Quell- und Thcrmalwasscr. — Beseitigung der Abfallstoffe 
durch Kanalisation. — Krankenhaus, Dampfdesinfektions- 
apparat luid Apotheke in Trarbach. — Die Quellen und Bade- 
häuser sind im Besitz der Trarbachcr Immobilien -Gesellschaft 
G. m. b. H. Das Bad wird von Wilh. Weiekardt verwaltet. 
Der Versand des Wassers ist an die Firma „Trarbacher Felsen- 
quelle G. m. b. H." in Trarbach verpachtet. 



— 41 — 

3. Einfache Säuerlinge. 

Von Dr. C. Jacobj, 
o. ö. Professor, Direktor des Pharmakologisclieii Instituts an der Universität Göttingen. 

(Chemische Analysen bearbeitet von Professor Dr. E. Hintz und Dr. L. Grünhut.) 

Einfache Säuerlinge sind reich an freiem Kohlendioxyd, wovon sie mehr als 1 g, und arm an gelösten festen 
Bestandteilen, von denen sie weniger als 1 g in 1 kg des Wassers enthalten. 

Mit den einfachen kalten und warmen Quellen haben die einfachen Säuerlinge also den geringen Gehalt an gelösten 
festen Bestandteilen gemein, unterscheiden sich von ihnen aber durch den größeren Gehalt an Kohlendioxyd. Dieser 
Beschaffenheit entsprechend, werden die mit ihnen zu erzielenden therapeutischen Erfolge auf eine hypotonische 
Wasserwirkung, welche der des reinen Wassers gleicht, wie sie bei den einfachen kalten und warmen Quellen 
bereits besprochen wurde, sowie auch auf die Wirkung des Kohlendioxyds, die vor allem im Sinne eines lokalen 
Reizes sich geltend macht, zurückzuführen sein. 

Wie die einfachen kalten und warmen Quellen finden auch die einfachen Säuerlinge äußerlich in Form von 
Bädern als Heilmittel Verwendting; indessen ist bei ihnen die innerliche Anwendung die bei weitem überwiegende. 
Einige solcher Quellen gelangen ausschließlich als Tafelwasser zum Versand, ohne daß sich an Ort und Stelle Ein- 
richtungen für eine kurgemäße Verwendung finden. 

Wo ein geregelter Kurbetrieb besteht, können sie im Sinne der einfachen kalten Quellen in den bei diesen 
erwähnten Anwendungsformen benutzt werden; bei Herstellung von Bädern wird wegen ihrer niederen Temperatur 
eine künstliche Erwärmung des Wassers auf die dem einzelnen Krankheitsfalle angepaßte Temperatur, sei es auf 
die indifferente von 34 — 35° oder eine etwas höhere oder niedere, in der Regel nötig sein. 

Um bei dieser Erwärmung den Verlust an Kohlendioxyd möglichst zu beschränken, sind vielfach besondere 
Einrichtungen vorhanden, die eine vorzeitige Berührung des Wassers mit der Luft verhindern sollen (vgl. den 
Abschnitt der Einleitung über die Trink- und Badeeinrichtungen). Je nach der künstlich hergestellten Temperatur 
des Bades werden sich auch Temperaturwirkungen, wie sie bei den einfachen warmen Quellen besprochen wurden, 
erzielen lassen, allerdings mit den dort erwähnten von der meist üblichen Art der künstlichen Erwärmung ab- 
hängenden, zeitlichen und räumlichen Schwankungen der Temperatur. Zu dieser Temperaturwirkung tritt aber noch 
die örtliche Reizwirkung des Kohlendioxyds auf die Haut hinzu, welche die Temperaturwirkung verändern kann. 
(Vgl. pharmak. Einleitung.) 

Eine Resorption von Kohlendioxyd aus dem Badewasser durch die Haut findet vielleicht in geringem Maße statt, 
doch sind allgemeine Wirkungen von demselben nicht zu erwarten. Bei ungenügender Ventilation der Baderäume 
kann zumal unmittelbar über dem Wasser in der Wanne der Kohlendioxydgehalt der Luft soweit steigen, daß 
hierdurch die Atmung behindert und unter Rückstauung der Kohlensäiu-e im Körper dyspnoische Beschwerden und 
Benommenheit unbeabsichtigt eintreten können (Baderausch). 

Nach innerlicher Anwendung der einfachen Säuerlinge werden zunächst die Wirkungen des Wassers, d. h. 
die hypotonischer Lösungen in Frage kommen, dabei können die Säuerlinge durch ihre meist niedere Temperatur 
am Magen die Peristaltik und damit beschleunigte Entleerung seines Inhaltes, des aufgenommenen Wassers be- 
günstigen. Gleichzeitig wird der örtliche Reiz des Kohlendioxyds zur Erweiterung der Schleimhautgefäße imd so zu 
vermehrter Sekretion und beschleunigter Resorption des Wassers, event. auch der aufgenommenen Nahrung führen. 

Mäßige Mengen solchen Wassers, bei oder besser nach der Mahlzeit getrunken, befördern also die Verarbeitimg 
der Nahrung im Magen und lassen auch das bisweilen belästigende Gefühl der Völle nach reichlicher Mahlzeit 
verschwinden. Auch nimmt man an, daß dem Kohlendioxyd eine nutritive Reizwirkung auf die Schleimhaut des 
Magens zukommt. 

Diesen Verhältnissen und dem angenehm säuerlichen Geschmack dieser Quellen ist ihre Verbreitung als 
Tafel Wässer zuzuschreiben. Bei dieser Verwendung sollten aber nur mäßige Mengen getrunken werden, einerseits 
weil bei Aufnahme größerer Wassermengen die Verdauungssäfte zu stark verdünnt werden, andererseits weil das 
Kohlendioxyd zu Belästigungen führt, wenn es den Magen auftreibt, und hierdurch auch seine Verrichtung stört. 
Aus dem gleichen Grunde ist ein übermäßiger Gehalt an Kohlendioxyd, wie er in manchen künstlich mit Kohlen- 
dioxyd überladenen Tafelwassern vorkommt, wenn dieselben nicht verdünnt getrunken werden, unzweckmäßig. 

Aber auch therapeutisch zur Erzeugung der allgemeinen Wasserwirkung in den oberen Darmabschnitten 
sowie im Gesamtorganismus lassen sich diese hypotonischen kalten Säuerlinge verwenden. 



— 42 — 

Sie können, kurgemäß getrunken, sowohl bei leichten Verdauungsstörangen, Atonie, Dyspepsie, Katarrhen 
des Magens und der oberen Darmabschnitte, aber auch im Sinne der Wasserdurchspülung und Harn Verdünnung 
wegen ihrer schnellen Resorption und osmotischen Wirkung auf der gleichen Grundlage wie die einfachen kalten 
und warmen Quellen bei Krankheiten der Hamwege, Nieren- und Blasenleiden sowie bei Stoffwechselstöningen, 
Gicht, harnsaurer Diathese, Vergiftungen usw. als Heilmittel herangezogen werden. In der Wirksamkeit der Durch- 
spülung übertreffen sie infolge der oben geschilderten, die Resorption des Wassers beschleunigenden Wirkung des 
Kohlendioxyds von den einfachen Wässern jedenfalls die kalten, vielfach wohl aber auch die warmen. 

Unter gleichzeitiger, zweckentsprechender Verwendung anderer Heilfaktoren, wie sie bei den einfaclien kalten 
und warmen Quellen erwähnt wurden, lassen sich auch die durch die Quellen zu erzielenden Heilerfolge wiederum 
wesentlich fördern. 

Von diätetischen Heilmitteln kommt vor allem die Milchkur bei chronischen Katarrhen der Luftwege in Betracht. 
Bei dieser wird zweckmäßig erwärmte Milch mit dem Wasser der Quellen vermischt getrunken. 

Auch unter den Quellen dieser Gruppe befinden sich solche, deren Eisengehalt zwar hinter der in diesem 
Buche für die Eisenquellen angenommenen Grenze von 10 mg in 1 kg Wasser zurückbleibt, die aber vielfach 
als Eisenquellen bezeichnet und um ihres Eisengehaltes willen zu Trinkkiu'en benutzt werden. 

Einfache Säuerlinge. 

Bad Brückenau (s. auch unter „Moorbäder"). (König Otto-Bad [Wiesau]) s. unf«r „Eisenquellen". 

Charlottenbrunn. (Langenau in Schlesien) s. unter „Eisenquellen". 

Ditzenbach. (Niedemau) s. unter „Erdige Säuerlinge". 

(Flinsberg) s. unter „Eisenquellen". (Reinerz) s. unter „Eisenquellen". 

(Göppmgen) s. unter „Erdige Säuerlinge". Sinzig (s. auch unter „Erdige Säuerhnge"). 



— 43 



asG6G6G6föG6G6asG6föCÄSGjsG6 Bad Brückenau ^^iso^^^^^isoisoiso^^ 



Bad, 3 km von der Stadt Brückenau (1627 Einwohner) in 
Unterfranken entfernt, liegt 300 m hoch am südwestlichen Ab- 
hänge der Rhön, umgeben von 500 m hohen mit Buchen und 
Fichten bewaldeten Bergen. Endstation der in Jossa von der 
Bahn Gemünden— Elm abzweigenden Nebenbahn. 



Elima. Gegen Nord- und Nordost- Wind liegt der Ort 
geschützt. 

Heilquellen- 3 Quellen: „Stahlquelle", „WemarzerqueUe" 
und „Sinnberger Quelle", seit der Mitte des 18. Jahrhunderts 
bekannt, entspringen aus Buntsandstein. 



Analyse der „Stahlquelle" 

(aus den Originalzahlen berechnet). 



Analytiker: Scherer. 1855'). 
Spezifisches Gewicht: 1,0004 bei 
Temperatur: 9,8°. 
Ergiebigkeit: 82 hl in 24 Stunden 



15°, bezogen auf unbekannte Einheit. 



In 1 Kilogranun des Mineralwassers sind enthalten: 

Milli- Milligramm- 
Kationen^). Gramm Mol Äquivalente 

Kalium-Ion (K-) 0,008676 0,2216 0,2216 

Natrium-Ion (Na-) 0,003534 0,1533 0,1533 

Calcium-Ion (Ca") 0,06346 1,583 3,165 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,02486 1,020 2,041 

Ferro-Ion (Fe-) 0,004288 0,0767 0,1534 

Mangano-Ion (Mn-) 0,001799 0,0327 0,0654 



Asionen '). 

Chlor-Ion (CT) 0,002569 0,0725 

Sulfat-Ion (SO;') 0,06715 0,6990 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,000489 0,0051 

Hydrokarbonat-Ion (HCO/) 0,2635 4,319 



5,800 

0,0725 
1,398 
0,0102 
4,319 



Kieselsäure (meta) (H^SiOj) 
Organische Substanzen') . . 

Freies Kohlendioxyd (COj) . 



0,4403 

0,01772 

0,06610 



8,183 
0,2260 



5,800 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzimg 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält''): 

Gramm 

KaUumchlorid (KG) 0,005405 

KaUumsulfat (K,SOJ 0,01300 

Natriumsulfat (Na^SOJ 0,01090 

Calciumsulfat (CaSOJ 0,07458 

Calciumhydrophosphat (CaHPOJ . 0,000694 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC0g)2] 0,1669 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03)J 0,1494 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC0s)j] . . 0,01365 

Manganohydrokarbonat[Mn(HC03)2] 0,005791 

Kieselsäure (meta) (H^SiOa) 0,01772 

Organische Substanzen") 0,06610 

0,5241 



0,5241 
2,260 



8,409 
51,37 



Freies Kohlendioxyd (COJ 2,260 



2,784 



1195 com bei 

9,8° und 
760 mm Druck. 



2,784 59,78 

Daneben Spuren von Ammonium- und Nitrat-Ion. 

Ältere Analysen; A.Vogel 1823 (Die Mineralquellen des Königreichs 
Bayern S. 3. München 1829). Kastner 1837 (Liebigs Handwörterbuch der 
Chemie Bd. 5. Tabellarischer Anhang. Braunschweig 1851). 



1) Liebigs Annalen 1856 Bd. 99 S. 274. ') Vgl. ehem. Einleitung 

Abschn. A. ^) Hienmter befindet sich Ameisensäure -Anion, das in Form 
des Barynmsalzes aus dem Destillat des angesäuerten Mineralwassers erhalten 
wiu-de. Daneben sind anscheinend auch die Anionen anderer flüchtiger 
organischer Säuren zugegen, *) Vgl. ehem. Einleitung Abschn, B.2.C. 



Analyse der „Wernarzer Quelle" (aus der saizubeue berechnet). 

Analytiker: Kgl. Untersuchungsanstalt für Nahrungs- und Genußmittel in Würzburg. 
Spezifisches Gewicht: 1,0004 bei 15°, bezogen auf unbekannte Einheit. 
Temperatur: 10,3°. 
In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



1903'). 



Kationen ^). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,00440 

Natrium-Ion (Na-) 0,004514 

Calcium-Ion (Ca-) 0,01693 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,006697 

Ferro-Ion (Fe-) 0,000699 

' Mangano-Ion (Mn-) 0,000075 



Anionen'). 

Chlor-Ion (Cl') 0,00291 

Sulfat-Ion (SO/') 0J00967 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,00054 

Hydrokarbonat-Ion (HCO3') . 0,08757 



Milli- 


Milligramm- 


Mol 


Äquivalente 


0,112 


0,112 


0,1958 


0,1958 


0,4222 


0,8444 


0,2749 


0,5498 


0,0125 


0,0250 


0,0014 


0,0027 




1,730 


0,0822 


0,0822 


0,101 


0,201 


0,0056 


0,011 


1,435 


1,435 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 

ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

KaUumchlorid (KCl) 0,00613 

Kahumsulfat (K^SOJ 0,00263 

Natriumsulfat (Na^SOJ 0,0122 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOj) . 0,00208 

Calciumhydrophosphat (CaHPOJ . 0,00077 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03),J 0,06753 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC0g)2] 0,04024 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03)2] . . 0,00222 
Manganohydrokarbonat 

[Mn(HC03)2] 0,000243 

Kieselsäure (meta) (H^SiOa) 0,01999 



Kieselsäure (meta) (HjSiOa). 
Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



0,13401 
0,01999 



2,643 
0,2549 



1,729 



0,1540 
Freies Kohlendioxyd (COj) 2,239 ■■ 



0,15400 
2,239 



2,898 
50,89 



2,393 



{1186 ccm bei 
10,3° und 
760 mm Druck. 



2,393 53,79 

Daneben Spuren von Aluminium- und Nitrat-Ion. 



Altere Analysen: A. Vogel 1823 (Die Mineralquellen des Königreichs 
Bayern S. 5. München 1829). Scherer 1855 (Liebigs Annalen Bd. 99 S. 264). 

•) Balneologische Zeitimg 1904. Bd. 15 S. 39. ■) Vgl. ehem. Einleitung 
Abschn. A. ') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.0, 



— 44 — 



Analyse der „Sinnberger Quelle" (aus den OngiaalzaHen berechnet). 

Analytiker: Scherer. 1855'). 

Spezifisches Gewicht: 1,00008 ohne Temperaturangabe. 

Temperatur: 9,5°. 

Ergiebigkeit: 173 hl in 24 Stunden. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Milli- Milligramm- 
Kationen^ Gramm Mol Äquivalente 

Kalium-Ion (K-) 0,004151 0,1060 0,1060 

Natrium-Ion (Na-) 0,003999 0,1735 0,1735 

Calcium-Ion (Ca-) 0,01584 0,3950 0,7900 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,005319 0,2183 0,4367 

Ferro-Ion (Fe-)') 0,000379 0,006 8 0,0136 

1,5198 
Anionen'). 

Oilor-Ion (Q') 0,006405 0,1807 0,1807 

ßulfat-Ion (SO/') 0,002583 0,0269 0,0538 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') . 0,07842 1,285 1,285 

0,11710 2,392 1,520 

Kieselsäure (meta) (HjSiO,) . 0,02162 0,2757 

Organische Substanzen*) . . . 0,0230 

0,1617 2,668 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 1,831 41,62 

1,993 44,29 

Daneben Spuren von Ammonium-, Mangano-, Alumi- 
nium-, Nitrat-, Hydrophosphat-Ion. 

Ältere Analyse; A. Yogel 1823 (Die Mineralquellen des Königreichs 
Bayern S. 6. Manchen 1829). 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zugammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält:') 

Gramm 

KaUumchlorid (KCl) 0,007910 

Natriumchlorid (NaCl) 0,004367 

Natriumsulfat (Na,SO^) 0,003823 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOs) . 0,003788 
Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03),] 0,06404 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03),] 0,03196 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03),]'') . 0,001207 

Kieselsäure (meta) (Il,Si0,) 0,02162 

Organische Substanzen*) 0,0230 

0,1617 

{967 5 ccni bei 
9,5° u. 
760 mm Druck. 



') Liebigs Annalen 1856 Bd. 99 S. 278. ') Vgl. ehem. Einleitung Äbschn. A. 
^) Der Wert ist nicht ganz genau , da der gewogene Niederschlag Mangan, 
Aluminium und Phosphatrest neben Ferrioxyd enthielt. ') Uienuiter be- 
finden sich die Anionen der Ameisensäure , Essigsäure , Propionsäure imd 
ButtersStu'e , die aus dem Destillat des angesäuerten Mineralwassers in Form 
ihrer Baryum-, bezw. Silbersalze erhalten wtirden. *) Vgl. ehem. Ein- 
leitung Absclm. B.2.C. ') Vgl. Anm. 3. 



Die Smnmen der gelösten festen Bestandteile betragen 0,15 
bis 0,5 g, die Mengen des freien Kohlendioxyds 1,8 bis 2,3 g: die 
Quellen sind „einfache Säuerlinge". Bemerkenswert ist 
bei der „Stahlquelle" der Eisengehalt von 4,3 mg. 

Die Quellen werden zum Trinken und Baden benutzt. 
Badehaus mit 32 BadezeUen. Das Badewasser wird in den 
Wannen durch abnehmbare Dampfheizschlangen erwärmt. Im 
Jahre 1903 wurden 16 651; 1904: 18969; 1905: 19 594 Bäder 
verabreicht. Das Wasser der „Wemarzer Quelle" und der 
„Sinnberger Quelle" wird auch als Tafelwasser versandt (1903: 
321728; 1904: 326333; 1905: 354386 Gefäße). 

Sonstige Kurmittel: Moorbäder mit Moor aus Gersfeld. 
KünsÜiche Solbäder. Hydro- und Elektrotherapie. Milch- und 



Molkenkuren. Massage. Inhalationen mit pneumatischem Appa- 
rat. Terrainkuren (ohne besondere Einrichtung). 

Behandelt ■werden: Blutarmut, Bleichsucht, Frauen- 
krankheiten, Krankheiten der Hamorgane, Gicht, Rheuma- 
tismus ,__Krankheiten der Atmungs- und Verdauungsorgane. 

4 Arzte. — Kurzeit: Anfang Mai bis 15. September. — 
Kurtaxe: 1 Person 15 M., jede weitere Person 5 M. — Zahl der 
Besucher (ohne Passanten) 1903: 2951; 1904: 3405; 1905: 3609. 

Allgemeine Einrichtungen : Trinkwasserversorgung durch 
Quellwasserleitimg. — Beseitigimg der AbfaUstoffe teils durch 
Kanalisation, teils durch Abfuhr. 

Quellen und Bad gehören dem bayerischen Staat. Aus- 
kunft durch die Badeverwaltimg. 



GSQSG6C;6G6G6G6G6G6G6aSG6 Charlottenbrunn ^isOisO^iSOisOÖOÖOÖOiSOiSJiS) 



Marktflecken mit 1500 Einwohnern im Regienmgsbezirk 
Breslau der Provinz Schlesien, liegt 476 bis 544 m hoch in 
einem nach Norden geschlossenen, 40 bis 100 m breiten Tale, 
auf drei Seiten von Wald, haupteächhch Nadelwald umgeben. 
Station der in Dittersbach von der Hauptlinie Breslau — Görhtz 
abzweigenden Bahn nach Glatz imd Endstation der Bahn Bres- 
lau — Schweidnitz — Charlottenbrunn. 

Klima. Mittlere jährhche Niederschlagshöhe nach lOjäh- 
rigem Durchschnitt (1888—1897) 842 mm.*) Durch seine Lage 
in dem engen Tale ist der Ort gegen Nord-, Ost- und West- 
winde geschützt. 



Heilquellen. 5 Quellen: „CharlottenqueUe", seit 1697 be- 
nutzt, 1724 gefaßt; „TheresienqueUe" (früher „Elisenquelle"), 
1837 erbohrt; „Abb^-Richardquelle", 1864 erbohrt; die jetzt 
nicht mehr benutzten „Tix-" imd „Beinert-"Quellen. Die 
Quellen entspringen aus Klüften des Felsitporphyrs und Koh- 
lensandsteinschichten. Sie sind als Schachtbrunnen in Quader- 
sandstein gefaßt. Die „CharlottenqueUe" hefert täglich 230 hl, 
die „TheresienqueUe" 640 hl Wasser. 



•) ProTinz-B«genkarte. 



— 45 



Analyse der „OharlOttenqUelle" (aus der SalztabeUe berechnet). 

Analytiker: Beinert'). 
I Spezifisches Gewicht: 1,0016 (ohne Temperatnrangabe). 

Temperatur: 7,6°. 



MiUi- 


Milligramm- 


Mol 


Äquivalente 


4,33 


4,33 


3,01 


6,01 


0,854 


1,71 


0,225 


0,450 


0,059 


0,18 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Kationen -). Gramm 

Natrium-Ion (Na-) 0,0998 

Calcium-Ion (Ca") 0,121 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,0208 

Ferro-Ion (Fe") 0,0126 

Aluminium-Ion (AI-) .... 0,0016 

Anionen -). 

Chlor-Ion (Cl') 0,0077 

Sulfat-Ion (SO/') 0,0130 

Hydrokarbonat-Ion (HCOg') 

Kieselsäure (meta) (H^SiOg) . 
Organische Substanzen .... 

Freies Kohlendioxyd (CO2) . 



0,7436 


12,19 


12,19 


1,020 


21,02 


12,68 


0,0367 
0,0242 


0,468 




1,081 


21,49 




0,968 


22,0 





Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Natriumchlorid (NaCl) 0,013 

Natriumsulfat (Na^SOJ 0,00667 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOs) . 0,338 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03)2] 0,487 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03),] 0,125 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCOg)j] . . 0,0400 

Aluminiumsulfat [Al,(804),] .... 0,010 

Kieselsäure (meta) (H^SiOs) 0,0367 

Organische Substanzen 0,0242 



1,081 
Freies Kohlendioxyd (CO,) 0,968 = 



2,049 



508 ccm bei 

7,6° und 
760mmDruck. 



2,049 



43,5 



^) H. Hager, Manuale pharmaceuticum. Ed. tertia. Vol. alterum p. 363. 
Lipsiae 1876. ') Vgl. ehem. Einleitung Äbschn. A. ') Vgl. ehem. Ein- 
leitimg Abschn. B.2.C. 



Analyse der „Theresienquelle" (aus der saiztabeue berechnet). 

Analytiker: Beinert'). 

Spezifisches Gewicht: 1,0016 (ohne Temperaturangabe). 

Temperatur: 7,6°. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers 

Kationen '). Gramm 

Natrium-Ion (Na-) 0,0520 

Calcium-Ion (Ca-) 0,0986 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,0304 

Ferro-Ion (Fe") 0,0038 

Aluminiirm-Ion (AI—) .... 0,0002 

AninnwTi') 

Chlor-Ion (a') 0,0240 

SuKat-Ion (SO/') 0,0129 

Hydrokarbonat-Ion (HCO3') 0,5418 



sind enthalten: 


MiUi- 


Milligramm- 


Mol 


Äquivalente 


2,26 


2,26 


2,46 


4,92 


1,25 


2,49 


0,067 


0,13 


0,008 


0,02 




9,82 


0,677 


0,677 


0,134 


0,268 


8,880 


8,880 



Kieselsäure (meta) (HjSiOj) , 
Organische Substanzen . . , 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



0,7637 
0,0254 
0,0214 



0,8105 
1,04 



15,74 
0,323 



16,06 

23,7 



9,825 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 

ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält"): 

Gramm 

Natriumchlorid (NaCl) 0,0396 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,0174 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOg) . 0,112 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03).J 0,399 
Magnesiumhydrokarbonat 

[MgCHCOe),] 0,183 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03),] . . 0,012 

Aluminiumsulfat [Al5,(S04)5] .... 0,001 

Kieselsäure (meta) (H^SiOj) .... 0,0254 

Organische Substanzen 0,0214 



0,811 
Freies Kohlendioxyd (CO,) 1,04 



1,85 



{548 ccm bei 
7,6° und 
760mmDruck. 



1,85 



39,8 



') H. Hager, Manuale pharmaceuticum. Ed. tertia. Vol. alterum p. 363. 
Lipsiae 1876. =) Vgl. ehem. Einleitung Abscka. A. >) Vgl. ehem. Ein- 
leitung Abschn. B.2.C. 



Die Smnme der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
1 g bezw. 0,8 g, die Menge des freien Kohlendioxyds 1 g. 
Die Quellen stehen an der Grenze zwischen „einfachen kalten 
Quellen" und „einfachen Säuerlingen". Bemerkenswert 
ist der Eisengehalt von 12,6 mg bei der „Charlottenquelle" 
und von 3,8 mg bei der „Theresienquelle". 

Das Wasser der „Theresienquelle" wird zum Trinken, das der 
„Charlotten-" und ,,Abb^-Richard-Quelle" zum Baden benutzt. 
Dem Brurmenhause und dem Badehause (24 Badezellen mit 
Zinkwannen) wird das Wasser der Quellen durch MetaUröhren 
zugeleitet. Zur Herstellung der Bäder wird ein TeU des Bade- 



wassers durch Heizschlangen erwärmt. Im Jahre 1903 wurden 
4360 ; 1904 : 5827 Bäder verabreicht. Das Wasser der „Theresien- 
quelle" wird auch nach Zusatz natürlicher Kohlensäure (aus 
Grafenort) versandt (1903: 7450; 1904: 7776 Flaschen). 

Sonstige Kurmittel: Kohlensäurebäder mit natürlicher 
Kohlensäure aus Grafenort. Medizinische Bäder. Inhalatorium für 
Fichtennadeldampf und Medikamente. Massage. Kefir-, Molken- 
und Müchkuren. Gedeckte Wandelbahn. 32 ha großer Kurpark. 

Behandelt -werden: Krankheiten der Respirationsorgane, 
Herzkrankheiten, Blutarmut, Nervenleiden, chronische Ver- 
dauungsstörungen, Gicht, Rheumatismus, Frauenkrankheiten. 



— 46 — 



2 Ärzte. — Kurzeit: Mai bis Oktober, doch wird das Bad 
auch im Winter besucht. — Kurtaxe: 1 Person 12 M.; 2—3 Per- 
sonen 16 M.; 4 und mehr Personen 20 M. Bei Aufenthalt bis 
zu einer Woche ein Viertel, bis zu 1 4 Tagen und vom 1 5. August 
ab die Hälfte. — Zahl der Besucher (ohne Passanten) 1902: 
1520; 1903: 1517; 1904: 1581. 



Allgemeine Einrichtungen: Trinkwasserversorgung im 
Badeliause durch Leitung, sonst durch Brunnen. — Beseitigung 
der Abfallstoffe durch Abfuhr. — Formalin-Desinfektionsappa- 
rat. — Apotheke. — Freikuren für Bedürftige. — Quellen und 
Bad gehören der Gemeinde und werden vom Gemeinde- und 
Badevorsteher verwaltet. 



föG5SC6asc6G6c;6G6C6G6a5C6G6fö Ditzenbach ^isoiso^^^^iso^o^^^^^ 



Dorf mit 444 Einwohnern im Donaukreis des Königreichs 
Württemberg, liegt in einem '/j bis 1 km breiten, von js^orden 
nach Süden streichenden Tale, dessen umgebende Höhen bis 
zu 800 m ansteigen , 509 m ü. M., umgeben von ausgedehnten 
Laub- imd Nadelwaldungen. Station einer von der Haupt- 
linie Stuttgart — Ulm in Geislingen abzweigenden Nebenbahn. 

Klima. Mittlere Monatstemperatur im Mai 12,8°, Juni 
16,2», Juli 17,8», August 16,8°, September 13,3», Oktober 8,2». — 



Mittlere jährUche Niederschlagshöhe 950 mm.*) Durch vor- 
gelagerte Höhen ist der Ort gegen Nordwinde geschützt. 

Heüquellen. Der Ditzenbacher „Sauerbrunnen" wird be- 
reits 1576 urkimdhch erwähnt; nachweislich zu Heilzwecken 
benutzt wird die Quelle seit 1755 mit verschiedenen Unter- 
brechungen. Sie entspringt wahrscheinUch aus Schichten des 
mittleren braunen Jura. 



Analyse 

(aus der SalztabcUe berechnet). 



•) Angabe der KSnigl. Württemberg, meteorolog. Zentralstation. 

Analytiker: Königl. Zentralstelle für Gewerbe und Handel in Stuttgart. 

Temperatur: 9,8°. 

Ergiebigkeit: 403 hl in 24 Stunden. 



1902'). 



In 1 Kilogramm') des Mineralwassers sind enthalten: 

Kationen') Gramm 

Calcium-Ion (Ca-) 0,153 

Magnesium-Ion (Mg-) 0,00833 

Ferro-Ion (Fe-) 0,0012 



Anionen '). 

C!hlor-Ion {C[') 0,0068 

Sulfat-Ion (80/') 0,0119 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') . 0,482 



Milli- 


Milligramm- 


Mol 


Aquiralente 


3,81 


7,62 


0,342 


0,684 


0,021 


0,043 




8,35 


0,19 


0,19 


0,124 


0,248 


7,91 


7,91 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält*): 

Gramm 

Calciumchlorid (CaCl,) 0,011 

Calciumsulfat (CaSOJ 0,0169 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCOa)j] 0,582 
Magnesiumhy drokarbon at 

[Mg(HC03),] 0,0501 



Kieselsäure (meta) (HjSiOj) 
Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



0,663 
0,0083 



12,40 
0,11 



8,35 



Ferrohydrokarbonat [Fe(HC08),; 
Kieselsäure (meta) (HjSiOj) 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 



0,672 
1,92 



12,51 
43,7 



0,0038 
0,0083 
0,672 

1,92 
2,59 



1017 ccm bei 

9,8° und 
760 mm Druck. 



2,59 



56,2 



') Manuskript. ') Die Angaben bezdeben sich nicht aiil 1 kg, sondern 
auf 1 1, was jedoch praktisch im vorliegenden Falle keinen Unterschied aus- 
macht. Eine Umrechnung war in Ermangeliuig der Angabe des spezifischen 

Die Siunme der gelösten festen Bestandteile beträgt 0,67 g, 
die Menge des freien Kohlendioxyds 1,9 g: die Quelle ist da- 
nach ein „einfacher Säuerling". 

Die Quelle ist in einen 5 m langen Holzschacht gefaßt, 
der in einen in das Innere des Berges gehenden Zeraentkanal 
mündet. Ihr Wasser wird zum Trinken und Gurgeln unver- 
mischt, zum Baden mit und ohne Zusatz gewöhnlichen Wassers 
benutzt tmd kommt in natürlichem Zustande zum Versand. 
Zum Badehause wird es in 30 m langen Kupferrohren geleitet, 
in einem Kessel erwärmt und den 12 Badezellen (mit emaillierten 
Wannen) in verzinkten Röhren zugeführt. Im Jahre 1905 wurden 
2200 Bäder verabreicht. Zum FüUhause führt eine 120 m lange 
Leitung aus Zinnrohr mit Bleimantel. Der Versand betrug im 
Jahre 1904: 350 000 ;_1 905: 700 000 Gefäße (Vertrieb durch die 
Brunnenverwaltung Überlangen - Ditzenbach - Imnau in Geis- 
lingen-Steig). 



Altere Analyse: C. G. Gmelin 1824 (bei Heyfelder, Die Heil- 
quellen und Molkenkuranstalten des KSnigreichs Wfirttemberg ä. 129. Stutt- 
gart 1840). 

ehem. Einleitung Abscbn. A. *) Vgl. 



Gewichtes immöglich. ») Vgl. 
ehem. Einleitung Abschn. 6.2.C. 

Sonstige Kirmüttel: Gelegenheit zu Flußbädern, Milch- 
und Obstkuren. 

Behandelt werden: Magen-, Darm- und Nierenleiden. 

Badearzt in Wiesensteig (7 km), 2 Ärzte in dem 10 Min. 
entfernten Deggingen. — Kurzeit: Mai bis Oktober, doch ist der 
Ort auch Winterkurort. — Kurtaxe wird nicht erhoben. — Zahl 
der Besucher (ohne Passanten) 1903: 300; 1904: 350; 1905: 420. 

A llgemeine Einrichtungen : Trinkwasserversorgung durch 
Quellwasserleitung. — Die Abfiülstoffe werden in die verschie- 
denen Wasserläufe geleitet. — Im Kurhaus Krankenpfl^e durch 
Schwestern. — Apotheke in Deggingen. 

Quelle und Badehaus sind im Besitz der Kongregation der 
Barmherzigen Schwestern vomUntermarchtal(Vinzentinerinnen). 



G6G6C;25C6C;iSG6G6G6G6G6G6G6G6G6G6C6 Sinzig iS)^^^^iSO^^i$0^^^^^iSOiSO 



Bei Sinzig, einer Stadt mit 3155 Einwohnern im Regierungs- 
bezirk Coblenz der Rheinprovinz am Ausgange des Ahrtales 
(Station der linksrheinischen Bahnlinie Frankfurt a. M.— Cöln) 
entspringen 2 Quellen, deren eine zu B^inn des 10. Jahr- 



hunderts als Versandwasser und von 1857 — 1860 an Ort und 
Stelle zum Baden und zum Trinken benutzt wurde. Die zweite, 
der „Fontinalissprudel", wurde im Jahre 1905 erbohrt. 



— 47 — 



Analyse der älteren Quelle (aus der SalztabeUe berechnet). 

Analytiker: Grouven. 1857'). 
■ Temperatur: 13°. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Kationen'). Gramm 

Kahum-Ion (K-) 0,00675 

Natrium-Ion (Na-) 0,0802 

Caicimn-Ion (Ca") 0,0444 

Magnesium-Ion (Älg-) .... 0,0344 

Anionen'). 

Chlor-Ion (CT) 0,030 

Sulfat-Ion (SO;') 0,019 

Hydrokarbonat-Ion (HCO^') . 

Kieselsäure (meta) (H^SiOj) . 
Organische Substanzen . . . 

Freies Kohlendioxyd (CO^) . 

2,244 49,55 

Ältere Analyse: F. Mohr (bei Lersch a. a. 0. S. 1552). 



Milli- 
Mol 


Milligramm- 
Äquivalente 


0,172 


0,172 


3,48 


3,48 


1,11 


2,22 


1,41 


2,82 




8,69 


0,84 


0,84 


0,20 


0,40 


7,46 


7,46 



0,455 


7,46 


7,46 


0,670 
0,031 
0,026 


14,67 
0,40 


8,70 


0,727 
1,517 


15,07 
34,48 





Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösimg, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,013 

Natriumchlorid (NaCl) 0,039 

Natriumsulfat (Na, SO«) 0,028 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOg) . . 0,203 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03)2] . 0,180 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03),] 0,207 

Kieselsäure (meta) (BLjSiOj) 0,031 

Organische Substanzen 0,026 

0,727 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 1,517 = 

2,244 



811,7 ccm bei 

13,0° und 
760 mm Druck. 



') B. M. Lersch, Einleitung in die Mineralquellenlehre. Bd. 2 S. 1562. 
Erlangen 1860. ^) Vgl. ehem. Einleitimg Abschn. A. ') Vgl. ehem. Ein- 
leitung Abschn. B.2.c. 



Analyse des „FontinaliSSprUdelS" (aus den Originalzahlen berechnet). 

Analytiker: E. Hintz und L. Grünhut. 1905'). 

Spezifisches Gewicht: 1,00177 bei 15,0°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 14,7°, gemessen im Sprudelbassin. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Kationen % Gramm 

Kahum-Ion (K-) 0,02125 

Natrium-Ion (Na-) 0,2819 

Lithium-Ion (Li-) 0,000495 

Ammonium-Ion (NH^-) . . . 0,000453 

Calcium-Ion (Ca") 0,1377 

Baryum-Ion (Ba") 0,000099 

Magnesium-Ion (Mg--) .... 0,1874 

Zink-Ion (Zn-) 0,000147 

Ferro-Ion (Fe--) 0,007405 

Mangano-Ion (Mn--) 0,000671 

Allionen '). 

Nitrat-Ion (NO3') 0,001184 

Chlor-Ion (CT) 0,05482 

Brom-Ion (Br) 0,000156 

Jod-Ion (J') 0,000001 

Sulfat-Ion (SO/') 0,02619 

. Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,000452 

Hydroarsenat-Ion (HAsO/') 0,000024 

Hydrokarbonat-Ion (HCO3') 2,031 



Milli- 


Milligramm- 


Mol 


Äquivalente 


0,5427 


0,5427 


12,23 


12,23 


0,0704 


0,0704 


0,0251 


0,0251 


3,433 


6,866 


0,0007 


0,0014 


7,694 


15,39 


0,0022 


0,0045 


0,1325 


0,2650 


0,0122 


0,0244 




35,42 


0,0191 


0,0191 


1,547 


1,547 


0,0020 


0,0020 


0,00001 


0,00001 


0,2726 


0,5452 


0,0047 


0,0094 


0,0002 


0,0004 


33,29 


33,29 



Borsäure (meta) (HBO^) . . . 
Kieselsäure (meta) (H^SiO,) . 

Freies Kohlendioxyd (COj) . 



2,751 

0,000718 

0,01349 



59,28 
0,0163 
0,1721 



35,41 



2,766 
1,804 



59,47 
41,01 



4,570 100,48 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt bei 
der älteren Quelle 0,7 g, beim „Fontinahssprudel" 2,8 g, wobei 
Hydrokarbonat- und Magnesium-Ionen vorwalten. Da 1,5 bezw. 
1,8 g freies Kohlendioxyd vorhanden sind, so ist die ältere 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Kaliumnitrat (KNO3) 0,001931 

Kaliumchlorid (KQ) 0,03906 

Natriumchlorid (NaCl) 0,05837 

Natriumbromid (NaBr) 0,000201 

Natriumjodid (NaJ) 0,000001 

Natriumsulfat (Na^SOJ 0,03876 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOj) . 0,8981 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCOg) . . 0,004789 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) 0,001343 

Calciumhydrophosphat (CaHPO^) . 0,000640 

Calciumhydroarsenat (CaHAsOJ . . 0,000031 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03X] 0,5558 

Baryumhydrokarbonat [Ba(HCOs\] 0,000186 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03),] 1,126 

Zinkhydrokarbonat [Zn(HC03)2] . . 0,000421 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03)J . . 0,02357 

Manganohydrokarbonat[Mn(HC03),] 0,002159 

Borsäure (meta) (HBO,) 0,000718 

Kieselsäure (meta) (HjSiOg) 0,01349 



2,766 
Freies Kohlendioxyd (CO,) 1,804 ■■ 



4,570 



') Bisher 
Abschn, A. 



nicht veröffentlichte Analyse. 
^) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. 



') Vgl. 
B.2.C. 



{971,1 com bei 
14,7° und 
760 mm Druck. 

ehem. Einleitimg 



Quelle als „einfacher Säuerling", der „Fontinalissprudel" 
als „erdiger Säuerling" zu bezeichnen. 

Die Quellen werden zurzeit nicht benutzt. Die ältere Quelle 
gehört Gustav Brake in Sinzig, der Fontinalissprudel G. Müller 
in Wiesbaden (Nerobergstraße). 



— 48 — 

4. Erdige Säuerlinge. 

Von Dr. C. Jacob j, 
o. ö. Professor, Direktor des Pharmakologischen Instituts an der Universität Göttingen. 

(Chemische Analysen bearbeitet von Professor Dr. E. Hintz und Dr. L. Grünhut.) 

Erdige Säuerlinge enthalten in 1 kg des Wassers mehr als 1 g freies Kohlendioxyd und mehr als 1 g ge- 
löste feste Bestandteile, unter deren Anionen die Hydrokarbonat-Ionen, unter deren Kationen die Calcium- und 
Magnesium-Ionen vorherrschen. (Bei der Salzberechnung ergeben sich daher neben freiem Kohlendioxyd als vor- 
waltende Bestandteile Calciumhydrokarbonat und Magnesiumhydrokarbonat.) 

Die erdigen Säuerlinge lassen sich auf Grund ihres Gehaltes an freiem Kohlendioxyd wie die einfachen 
Säuerlinge zu Kohlensäure-Bädern verwerten, wenn das Badewasser vor Kohlensäureverlust beim Erwärmen ge- 
schützt wird. 

Ihr Gehalt an Erdalkalien wird ihnen aber auch noch eine gelinde adstringierende Wirkung verleihen, welche 
sich bei der Behandlung mancher Hautkrankheiten als nützlich erweist. 

Bei der innerlichen Verwendung zur Trinkkur tritt zu den Wirkungen des Wassers und der Kohlensäure, 
welche wie bei den einfachen Säuerlingen zur voUen Geltung kommen, ebenfalls noch die Wirkung des Calcium- 
und Magnesiumhydrokarbonats hinzu. In der pharmak. Einleitung sind die Gresichtspunkte, welche zur Erklärung 
der Wirkungen der erdigen Wässer bei chronischen Durchfällen, Gicht, Hamkonkrementen und Katarrhen der Harn- 
blase und Harnwege herangezogen werden können, angedeutet worden. Bei den erdigen Säuerlingen kommt dem 
freien Kohlendioxyd wohl durch seinen, die Resorptionsbedingungen günstiger gestaltenden Einfluß eine die Erd- 
alkaliwirkung unterstützende Rolle zu. 

Vielfach wird das Wasser der erdigen Säuerlinge nur versandt, und zwar sowohl zu Heilzwecken als auch 
als Tafelwasser. Wo Kureinrichtungen an der Quelle bestehen, gelangen neben dieser noch allgemeine Heüfaktoren 
wie Diät, Bewegung, Massage, Mechanotherapie zur Anwendung. 



Erdige Säuerlinge. 



(AltrHeide) s. unter „Eisenquellen". 

Altreichenau. 

Bellthal. 

Biskirchen. 

(Driburg) s. unter „Eisenquellen". 

Geismar bei Fritzlar. 

Göppingen (s. auch unter „Einfache Säuerlinge" 

und „Alkalische Quellen"). 
Großkarben. 

Imnau (s. auch unter „Eisenquellen"). 
(Langenschwalbach) s. unter „Eisenquellen". 
Malmedy (s. auch unter „Eisenquellen"). 
(Bad-Nauheim) s. unter „Kochsalzquellen". 
Niedemau (s. auch unter „Einfache Säuerlinge" imd 

„Eisenquellen"). 
Obershausen. 



Probbach. 

(Pyrmont) s. unter „Eisenquellen". 

Rehburg. 

(Reinerz) s. unter „Eisenquellen". 

Reinhardshausen. 

Römerbrunnen bei Echzell. 

Schwalheim. 

Selters bei Weilburg. 

(Sinzig) s. unter „Einfache Säuerlinge". 

Teinach (s. auch unter „Einfache kalte Quellen"). 

Tönnisstein (s. auch unter „Alkalische Quellen" und 

„Moorbäder"). 
Überkingen. 

(Vilbel) s. unter „Eisenquellen". 
Wildungen (s. auch unter „Eisenquellen"). 
Zollhaus (Johannisbrunnen). 



49 



G6G6G6G6G6G6G6G6G6G6GJSG6G6G6 AltreichenaU ^^^^^^iSO^iSOiSO^iSO^^ 



Dorf mit 1850 Einwohnern im Kreise Bolkenhain, Ee- 
gierungsbezirk Liegnitz, in der Provinz Schlesien, liegt am 
Striegauer Wasser 363 m ü. M. in einem Tale, das sich parallel 
dem nördlichen Abhänge des Sattelwaldes hinzieht. Laub- mid 
Nadelwald ia der Nähe. Mit Freiburg i. Schi., Station der 
Bahnlinie Breslau— Hirschberg, hat es Postverbindung. 



Heilquellen. 4 Quellen: „Alte Quelle", neue „Sankt- 
Anna-KurqueUe", „Altreichenauer Niederbnmnen" imd „Bohr- 
brunnen", entspringen aus Grauwackensandstein und Kon- 
glomerat der Kuhnformation in 2 — 10 m Tiefe. Sie hefem täg- 
hch 165 hl Wasser. 



Analyse der „St. Anna-Kurquelle" (aus der SalztabeUe berechnet). 



/ 



Analytiker: B. Kosmann. 1888'). 
Spezifisches Gewicht: 1,00234 bei 14° 
Temperatur: 10°. 



bezogen auf unbekannte Einheit. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen '). 
Kalium-Ion (K-) . . . 
Natrium-Ion (Na') . . 
Lithium-Ion (Li-) . . . 
Calcium-Ion (Ca") . . 
Strontiimi-Ion (Sr") . 
Magnesium-Ion (Mg") 
Ferro-Ion (Fe") . . . 
Mangano-Ion (Mn") . 
Aluminium-Ion (AI"-) 





MiUi- 


Milligramm- 


Gramm 


Mol 


Aquivalente 


0,01415 


0,3614 


0,3614 


0,2506 


10,87 


10,87 


0,00114 


0,163 


0,163 


0,2893 


7,214 


14,43 


0,008988 


0,1026 


0,2052 


0,04615 


1,894 


3,789 


0,00287 


0,0513 


0,103 


0,00219 


0,0397 


0,0795 


0,004853 


0,1791 


0,5372 



An Jonen '). 

C!hlor-Ion (CT) 

Sulfat-Ion (SO/') 

Hydrokarbonat-Ion (HCO3') 

Kieselsäure (meta) (HjSiOj) 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



30,54 

0,01365 0,3851 0,3851 

0,1122 1,168 2,335 

1,697 27,82 27,82 

2,443 50,25 30,54 

0,05899 0,7523 



2,502 
1,623 



51,00 
36,88 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gianun 

Kaliumchlorid (KQ) 0,02696 

Natriumchlorid (NaO) 0,001385 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,1278 



0,7607 
0,0111 
1,170 
0,02151 



Natriumhydrokarbonat (NaHCOj) 
Lithiumhydrokarbonat (LiHCOj) . . 
Calciimihydrokarbonat [Ca(HC05)2] 
Strontiimihydrokarbonat [Sr(IIC03)2] 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03),] 0,2773 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03),] . . 0,00912 
Manganohydrokarbonat [Mn(IIC03)j] 0,00703 
Aluminiumsulfat [AL,(S0J3] .... 0,03066 

Kieselsäure (meta) (HjSiO,) 0,05899 

2,503 

Freies Kohlendioxyd (00^) 1,623 = 

4,126 



858,8 com bei 

10,0° und 
760 mm Druck. 



4,125 



87,88 



1) Chemisches Zentralblatt 1888. 
leitung Abschn, A. ^) Ygl. ehem. 



[3] Bd. 19 S. 62. 2) Vgl. ctem. Ein- 
EinleituDg Abschn. B.2.C. 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt 2,5 g, 
wobei unter den Anionen Hydrokarbonat-, unter den Kationen 
Calcium-, daneben Natrium- imd Magnesium-Ionen vorwalten. 
Da die Menge des freien Kohlendioxyds etwa 1,6 g beträgt, so ist 
die Quelle als „erdig-alkalischer Säuerling" zu bezeichnen. 

Das Wasser wird an Ort und Stelle zum Trinken und 
zum Baden verwendet. Das Badehaus enthält 4 Zellen mit 
Wannen aus Mettlacher Fliesen. In einem Heizkessel wird das 
Wasser erwärmt. — Das Wasser des „Altreichenauer Nieder- 
brunnens" wird nach Zusatz von käuflicher Kohlensäure als 
Tafelwasser versandt (1903: 32000; 1904: 46000; 1905: 58000 
Flaschen). 



Behandelt -werden: Chronische Nieren- und Blasen- 
leiden, Gicht, Rheumatismus, chronische Katarrhe der Atmungs- 
und Verdauungsorgane. 

1 Aizt. — Kurzeit: Mai bis Ende September. — Kurtaxe: 
6 M. — Zahl der Besucher: etwa 100 Kurgäste jährhch. 

Allgemeine XUnrichtungen : Einige Gebäude haben ge- 
meinschaftUche Wasserleitimg. — Besitzer des Bades und 
Pächter der beiden erstgenannten Quellen ist E. StUler in 
Breslau, Breitestraße 15. Der „Altreichenauer Niederbnmnen" 
und der „Bohrbrunnen" gehören der Firma E. Maetze. 



G6C;jSG5SG6C;^G6GiSG6G6G6G6C6G6G3SG6 Bellthal ^iSOi^^iSO^iSOiSOiSOiSO^^^^^ 



In der Nähe des Dorfes Kobem an der Mosel (Eheinpro- 
yinz, Eegierungsbezirk Coblenz) entspringt aus Tonschiefer 
und Quarzit der unteren Coblenzschichten eine Mineralquelle, 
von der umwohnenden Bevölkerung schon seit langer Zeit als 
Haustrunk benutzt. 

Das Wasser der Quelle wird in glasierten Tonröhren etwa 
100 m talwärts geleitet und dort nach Abscheiden des Eisens 
und Einpressen eigener Kohlensäure in Krüge und Flaschen 



gefüllt imd unter dem Namen „Moselsprudel BeUthal" als 
diätetisches und Erfrischungsgetränk zum Versand gebracht. 
(1904: 1500 000; 1905: 1750 000 Gefäße). 

Im Jahre 1905 wurde eine zweite Mineralquelle erbohrt, 
die demnächst zur Bereitung des Versandwassers benutzt werden 
soU (Analyse umstehend). — Die Quellen sind im Besitz der 
Firma „BeUthaler Mineralbrunnen" in Traben. 



— 50 



Analyse der neuen Quelle (aus der 

Analytiker: H. Fresenius. 1906 
Spezifisches Gewicht: 1,00043 bei 
Temperatur: 11,5°. 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

^UlU- MiUigramm- 
Kationen *). Gnunm Mol Äquivalente 

Kalium-Ion (K-) 0,005678 0,1450 0,1450 

Natrium-Ion (Na-) 0,1364 5,917 5,917 

Lithium-Ion (Li-) 0,000450 0,0639 0,0639 

Ammonium-Ion (NH^-) . . . 0,000262 0,0145 0,0145 

Calcium-Ion (Ca--) 0,1142 2,849 5,698 

Strontium-Ion (Sr-) 0,000089 0,0010 0,0020 

Baryum-Ion (Ba--) 0,000131 0,0010 0,0019 

Magnesium-Ion (Mg--) .... 0,06243 2,563 5,125 

Ferro-Ion (Fe") 0,01510 0,2701 0,5401 

Mangano-Ion (Mn--) 0,002150 0,0391 0,0782 

17,586 

Anionen'). 

Chlor-Ion (Cl') 0,01111 0,3133 0,3133 

Brom-Ion (Br') 0,000147 0,0018 0,0018 

Jod-Ion (J') 0,000003 0,00003 0,00003 

Sulfat-Ion (SO/') 0,01370 0,1427 0,2853 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,000124 0,0013 0,0026 

Hydrokarbonat-Ion (HCOa') . 1,036 16,98 16,98 

1,398 29,30 17,58 

Kieselsäure (meta) (H,SiOa) . 0,03420 0,4362 

1,432 29,74 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 2,487 56,53 

3,919 86,27 
Daneben Spuren von Nickel-, Aluminium-Ion, Borsäure. 

Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt 1 ,4 g, 
wobei Erdalkali-, Natrium- und Hydrokarbonat-Ionen vorwalten ; 



Salztabelle berechnet). 

17°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Das Mineralwa-sser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogranun enthält'): 

Onmm 

KaUumchlorid (KCl) 0,01082 

Natriumchlorid (NaCl) 0,008993 

Natriumbromid (NaBr) 0,000189 

Natriumjodid (NaJ) 0,000004 

NatriumsuKat (Na^SO^) 0,02028 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOj) . 0,4603 
Lithiumhydrokarbonat (LiHCOa) . . 0,004351 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) 0,000776 

Calciumhydrophosphat (CaHPOJ . . 0,000176 
Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03)j] 0,4617 
Strontiumhydrokarbonat 

[Sr(HC03).,] 0,000213 

Baayumhydrokarbonat [Ba(HC03),] 0,000247 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03),] 0,3751 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03)J . . 0,04805 
Manganohydrokarbonat 

[Mn(HC03)2] 0,006921 

Kieselsäure (meta) (H^SiOa) 0,03420 

1,4323 

11323 ccm bei 
11,5° und 
760 mm Druck. 



1) Manuskript (Priratmitteilimg). •) Vgl. ehem. Einleitung Absclm. A. 
*) Vgl. ehem. Einleitung Absehn. B.2.e. 

da die Menge des freien Kohlendioxyds 2,5 g beträgt, so ist 
die Quelle ein „erdig-alkalischer Säuerling". 



gjsg6c;6C6G6gjsg6C5SG2SG5SG6C2SG6C3S Biskirchen ^^iso^^^^^^^^^^^ 

Bei dem Dorfe Biskirchen a. d. Lahn im lU^erungsbezirk Ulmbaches aus von BasaltgeröU überdeckten Schichten des 

Coblenz der Eheinprovinz (nächste Bahnstation Stockhausen, Oberdevonschiefers. 1874 wurde die Quelle neu gefaßt. Ihr 

Station der Bahn Gießen— Coblenz) entspringen drei Quellen : Wasser wird teils in natürlichem Zustande, teils enteisent und 

die „St. Georgsquelle", der „Gertrudisbrunnen" imd der „Karls- mit Kohlensäure imprägniert, versandt (1903: etwa 402000; 

Sprudel". 1904: etwa 473000; 1905: etwa 505000 Gefäße) und dient 

Der „Gertrudisbrunnen", seit alten Zeiten bekannt, vorzugsweise als Tafelwasser, 
entspringt 350 m nördlich von Biskirchen am linken Ufer des 

Analyse des Tafelwassers aus der „Gertrudisquelle" (aus den onginaizaMen berechnet). 

Analytiker: E. Fresenius und E. Hintz. 1889') 
Spezifisches Gewicht: 1,00347 bei 13°, bezogen auf Wasser von 4°. 
Temperatur: 11,8°. 

Ergiebigkeit: 36 hl in 24 Stunden bei freiem Ablauf (1875). 
186 „ „ „ „ unter Abpumpen (1890). 

In 1 Küogramm des Mineralwassers sind enthalten: ^^^ ™;- f^^^^Z 

Kationen'). Gramm S" ÄqSS; Baryum-Ion (Ba-) 0,000121 0,0009 0,0018 

KaUum-Ion (K-) 0,04524 1,155 1,155 Magnesium-Ion (Mg--) 0,1242 5,099 10,20 

Natrimn-Ion (Na-) 1,050 45;56 45;56 Mangano-Ion (Mn-) 0,000572 0,0104 0,0208 

Lithium-Ion (Li-) 0,001371 0,1951 0,1951 Aluminium-Ion (AI-) 0,000149 0,0055 0,0164 

Ammonitun-Ion (NH.-) . . . 0,001774 0,0981 0,0981 '^2,11 

Calcium-Ion (Ca--) 0,2977 7,424 14,85 ,) chemische Analyse des Wassers der Gertrudisquelle bei Biskirchen im 

Strontium-Ion (Sr-) 0,000514 0,0059 0,0117 Lahntale. Wiesbaden 1890. 2) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 



51 — 



Anionen '). Gramm 

CMor-Ion (O!) 1,337 

Brom-Ion (Br) 0,000809 

Jod-Ion (J') 0,000005 

Sulfat-Ion (SO/') 0,02074 

Hydrokarbonat-lon(HC03'). 2,070 



MiUi- 
Mol 

37,73 
0,0101 
0,00004 
0,2159 

33,94 



Milligramm- 
ÄqiüTalente 

37,73 
0,0101 
0,00004 
0,4319 

33,94 



Kieselsäure (meta) (HjSiOg) , 
Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



4,950 
0,02418 



131,45 
0,3083 



4,974 131,76 
nicht bestimmt. 



Daneben Spuren von Cäsium-, Rubidium-Ion, 
Stickstoff. 



72,11 



Borsäure. 



Altere Analyse: E. Fresenius 1875 (Chemische Analyse der Mine- 
ralquelle bei Biskirchen im Lahntale. Wiesbaden 1876). 



^) Vgl. ehem. Einleitung Abschnitt A. 
schnitt B.2.C. 



') Vgl. ehem. Einleitung Ab- 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
5 g, wobei unter den Anionen Chlor und Hydrokarbonat, unter 
den Kationen Natrium, Calcium und Magnesimn von^'alten. 
Das Wasser steht daher auf der Grenze zwischen erdigen 
SäuerUngen und KochsalzsäuerUngen ; den ersteren eingereiht, 
ist es als „erdig-muriatischer Säuerling" zu bezeichnen. 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält"): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KQ) 0,08620 

Natriumchlorid (NaQ) 2,134 

Natriumbromid (NaBr) 0,001042 

Natriumjodid (NaJ) 0,000006 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,02953 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOj) 0,7279 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCOj) 0,01327 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) 0,005253 

Calciumhydrokarbonät [Ca(HCO,).,] 1,204 

Strontiumhydrokarbonat [Sr(HC03)2] 0,001229 

Baryimihydrokarbonat [Ba(HC03)j) 0,000229 

Magnesiumhydrokarbonat [MgfHCOä),] 0,7464 

Manganohydrokarbonat fMn(HC03),] 0,001840 

Aluminiumsulfat [A1;(S0J3] . . . .' 0,000938 

Kieselsäure (meta) (HjSiOj) 0,02418 

4,976 
Freies Kohlendioxyd (CO^) nicht bestimmt. 

Der „Karlssprudel" ^vurde im Jahre 1897 erbohrt. 
Sein Wasser wird in natürlichem Zustande versandt (1903: 
65 000; 1904: 95 000; 1905: 131000 Gefäße) und zu Heil- 
zwecken benutzt. 



Analyse des „Karlssprudels" (aus der SalztabeUe berechnet). 

Analytiker: T. Günther und E. Berg. 1898'). 
Ergiebigkeit: 2750 hl in 24 Stunden. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

, Milli- Milligramm- 

Katxonen''). Gramm Mol Äquivalente 

Kalium-Ion (K-) 0,04157 1,062 1,062 

Natrium-Ion (Na-) 1,101 47,76 47,76 

Lithium-Ion (Li-) 0,002096 0,2982 0,2982 

Ammonium-Ion (NH^-) . . . 0,002989 0,1654 0,1654 

Calcium-Ion (Ca") 0,4492 11,20 20,40 

Strontium-Ion (Sr-) 0,001864 0,0213 0,0426 

Baryum-Ion (Ba-) 0,000069 0,0005 0,0010 

Magnesium-Ion (Mg--) .... 0,1424 5,846 11,69 

Ferro-Ion (Fe") 0,008460 0,1513 0,3027 

Mangano-Ion (Mn--) 0,002038 0,0371 0,0741 

Aluminium-Ion (AI-) .... 0,000045 0,0050 0,0149 



Anionen'). 

Nitrat-Ion (NO/) 0,002626 0,0423 

Chlor-Ion (Cl) 1,579 44,53 

Brom-Ion (Er) 0.000311 0,0039 

SuUat-Ion (SO/') 0,02368 0,2465 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,000653 0,0068 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') 2,363 38,73 



83,81 

0,0423 

44,53 
0,0039 
0,4930 
0,0136 

38,73 



5,721 
0,02381 



150,11 
0,3036 



83,81 



5,745 

2,577 



150,41 

58,57 



Kieselsäure (meta) (H,8iO,) . 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 

■ 8,322 208,98 
Daneben Spuren von Jod-Ion und Borsäure. 

Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt 5,7 g; 
die Quelle ist aus denselben Gründen wie die „Gertrudisquelle" 
als „erdig-muriatischer Säuerling" zu bezeichnen. 



Das Mineralwasser entspricht 
ungefähr einer Lösung, welche in 



in seiner Zusammensetzung 
1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Kaliumnitrat (KNO3) 0,004283 

KaMumchlorid (KQ) 0,07606 

Natriumchlorid (Naö) 2,536 

Natriumbromid (NaBr) 0,000401 

NatriumsuKat (Na,SOJ 0,03495 

Natriumhydrokarbonat (NaHCO,) 0,3289 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCO.) 0,02029 

Ammoniumchlorid (NH.Cl) 0,008852 

Calciumhydrokarbonät [Ca(HC08),] 1,816 

Strontiumhydrokarbonat [Sr(HC0,),] 0,004460 

Baryumhydrokarbonat [Ba(HC0,),] 0,000130 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HC0j),] 0,8557 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03),] 0,02693 

Manganohydrokarbonat [Mn(HC03),] 0,006559 

Aluminiumhydrophosphat [A1,(HP0J3] 0,000776 

Aluminiumsulfat [A1,(S0J,] 0,000075 

Kieselsäure (meta) (H,Si03) 0,02381 

5,744 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 2,577 

8,321 



') Manuskript. 
Einleitung Abschn. 



') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. 
B.3.C. 



A. ») Vgl. ehem. 



Der „Gertrudisbrunnen" wird von der Fürstlich Solms- 
Braunfelsschen Bnmnenverwaltimg, der „Karlssprudel" von 
Karl Broll in den Handel gebracht. 



OF THE * 

l^N/VERSITY 

Of 



52 



CiSG6G6G6C6CisasG6G6G6c:6 Geismar bei Fritzlar isoisoiso^^^^isoiso^^ 



Im Kmse Fritzlar der Provinz Hessen-Nassau, 2 km von 
Gteismar, entspringt in einem von bewaldeten, 340—360 m 
hohen Bergen (Bunteandstein mit überliegendem Basalt) einge- 



schlossenen Tale, 260 m ü. M., eine Mineralquelle, die bereits 
ums Jahr 1700 als heUkräftig bekannt war. 



APflilySG (aus den Einzelbestandteilen berechnet). 



Analytiker: Uf feimann. 1901'). 
Temperatur: 7,6—10,0°. 
Ergiebigkeit: 180 hl in 24 Stunden. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen'). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,001978 

Natrium-Ion (Na-) 0,1280 

Ammoniimi-Ion (NH,-) . . . 0,000083 

Calcium-Ion (Ca-) 0,2723 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,1530 

Ferro-Ion (Fe-)' 0,01249 

Mangano-Ion (Mn-) 0,000372 

Aluminium-Ion (AI-) .... 0,00054 

Anionen*). 

Chlor-Ion (Cl') 0,1704 

Sulfat-Ion (SO/') 0,02550 

Hydrophosphat-Ion (HPO,") 0,000030 

Hydrokarbonat-Ion (HCOg') . 1,643 



MiUi- 


Milligramm- 


Mol 


AquiTalent« 


0,0505 


0,0505 


5,553 


5,553 


0,0046 


0,0046 


6,791 


13,58 


6,279 


12,56 


0,2234 


0,4467 


0,0068 


0,0135 


0,020 


0,060 




32,27 


4,807 


4,807 


0,2654 


0,5308 


0,0003 


0,0006 


26,93 


26.93 



2,408 
0,04793 



50,93 
0.6113 



32,27 



Kieselsäure (meta) (H,SiO,) . 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 

4,483 97,60 

Daneben Spuren von Lithium-, Baryum-, Nitrat-, Brom- 
Jod-Ion, Titansäure, organischen Substanzen. 



2,456 
2,027 



51,54 
46,06 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält*): 



Kaliumchlorid (KQ) 

Natriumchlorid (NaCl) 

Natriumsulfat (Na,SOJ 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOj) . 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCOj),] 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HCO,),] 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03),] . 
Manganohydrokarbonat [Mn(HCO,)," 
Aluminiumhydrophosphat 

[A1,(HP0A1 

Aluminiumsulfat [A1,(S04),] .... 
Kieselsäure (meta) (H,SiOj) .... 



Gramm 
0,003769 
0,2780 
0,03354 
0,02770 
0,000246 
1,101 

0,9191 

0,03974 

0,00120 

0,000035 
0,003365 
0,04793 
2,456 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 2,027 = 

4,483 



1073 ccm bei 

10,0° und 
760 mm Druck. 



1) Manuskript. <) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. ') Vgl. ehem. Ein- 
leitung AbBchn. B.2.C. 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
2,5 g, wobei Calciiun-, Magnesiimi- und Hydrokarbonat-Ionen 
vorwalten; da die Menge des freien Kohlendioxyds etwa 2 g 
beträgt, so ist die Quelle ein „erdiger Säuerling". 

Die Quelle ist seit 1901 in einen Schacht neu gefaßt. 
Ihr Wasser wird in natürlichem Zustande, und zwar, um eine 



Eisenabscheidung zu vermeiden, imter möglichstem Luftabschluß 
abgefüllt. Es wurde bisher unter dem Namen „Donarquelle'' 
von einer gleichnamigen G. m. b. H. versandt. Im Jahre 1906 
ist die Quelle in den Besitz des Fürstlich Waldeckschen 
Domaniums überg^angen. 



G6G6G6G6G6G6G6G6G6G6G6G6G6G6 Göppingen öOÖDÖDeOdOÖOeOÖOdOöOdOÖDdOdO 



Stadt mit 20812 Einwohnern im Donaukreis des König- 
reichs Württemberg, liegt 315 m ü. M. an der Bahn Stutt- 
gart — Ulm. 

EHma. Mittlere jährliche Niederschlagshöhe 875 mm*). 

Hellquellen. 5 Quellen: „Sauerbrunnen" („Christofs- 
queUe", „HauptqueUe"), „Verwaltungsquelle", Kesselhausquelle", 
„Neue Quelle", „Staufenbrunnen". Die Giöppinger Quellen 
finden bereits 1404 urkundlich Erwähnung; in der Folgezeit 
standen sie als Heilquellen in hohem Ansehen. Seit 1850 ist 
das Badehaus in eine Irrenanstalt imigewandelt und damit der 
Kurbetrieb eingestellt. Der „Staufenbrunnen" wurde im Jahre 



1898, als man nach weiteren Wassennengen zur Versorgung 
des städtischen Wasserwerkes suchte, erbohrt. Die vier erst- 
genannten Quellen entspringen in etwa 10 m Tiefe, der „Stau- 
fenbnmnen" in 28 m Tiefe aus dem Angulatensandstcin des 
Schwarzen Jura (Lias). Die täglich geheferte Wassermenge 
beträgt bei dem „Sauerbrunnen" etwa 50 hl, bei der „Ver- 
waltungsqueUe" etwa 30 hl, bei der „Kesselhausquelle" etwa 
40 hl, bei der „Neuen Quelle" etwa 220 hl, beim „Staufen- 
brunnen" etwa 30 hl. 



•) Angabe des Köaigl. WOrttemb. Statist. Landesamts. 



— 53 — 



Analyse des „Sauerbrunnens" GChristofsquelle" „Hauptquelle") 

(aus den Originalzahlen bereclinet). 

Analytiker: H. Fehling und C. Hell. 1880'). 

Spezifisches Gewicht: 1,00172 bei 9,2°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 9,2°. 

Ergiebigkeit: 43 hl in 24 Stunden. 



In 1 Kilogramni des Mineralwassers sind enthalten: 

Eationen '). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,01150 

Natrium-Ion (Na-) 0,04388 

Lithium-Ion (Li-) 0,000018 

Caicium-Ion (Ca") 0,4016 

Strontium-Ion (Sr-) 0,000033 

Baryum-Ion (Ba-) 0,000154 

Magnesium-Ion (Mg--) .... 0,04712 

Ferro-Ion (Fe") 0,000126 

Mangano-Ion (Mn--) 0,001570 

Aluminium-Ion (AI-) .... 0,000011 

Anionen'). 

Chlor-Ion (Cl') 0,004458 

Brom-Ion (Br) 0,000010 

Jod-Ion (J') 0,000004 

Sulfat-Ion (80/') 0,03638 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,001621 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') 1,540 



MilU- 


MiUigramm- 


Mol 


Äquivalente 


0,2937 


0,2937 


1,904 


1,904 


0,0025 


0,0025 


10,02 


20,03 


0,0004 


0,0008 


0,0011 


0,0022 


1,934 


3,869 


0,0022 


0,0045 


0,0285 


0,0571 


0,0004 


0,0012 




26,17 


0,1257 


0,1257 


0,0001 


0,0001 


0,00003 


0,00003 


0,3787 


0,7575 


0,0169 


0,0338 


25,25 


25,25 



Borsäure (meta) (HBO^) . . 
Kieselsäure (meta) (HjSiOj) 



2,088 

0,000290 

0,01172 



39,96 
0,0066 
0,1495 



26,17 



2,100 
2,136 



40,11 
48,54 



Freies Kohlendiosyd (COj) . 

4,236 88,65 

Daneben Spuren von Cäsimn-, Eubidium-, Ammonium-, 
Nitrat-, Hydroarsenat-Ion. 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Giamm 
0,009381 
0,01465 
0,000013 
0,000005 
0,04190 
0,1105 
0,000171 
0,002216 
1,621 
0,000079 
0,000290 



Kaliumchlorid (KCl) 

Kaliumsulfat (K^SOJ 

Natriumbromid (NaBr) 

Natriumjodid (NaJ) 

Natriumsulfat (Na,SOJ 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOj) . 
Lithiumhydrokarbonat (LiHCOg) . . 
Calciumhydrophosphat (CaHPO^) . 
Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03)2] 
Strontiumhydrokarbonatl Sr(HC03),] 
Baryumhydrokarbonat [Ba(IIC03)2] 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03)J 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCOs),] . . 
Manganohydrokarbonat [Mn(HC03)j] 
Aluminiumhydrophosphat 

[A1,(HP0J3] 

Borsäure (meta) (HBOj) 

Kieselsäure (meta) (H^SiOj) 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 



0,2831 

0,000400 

0,005052 

0,000069 
0,000290 
0,01172 
2,101 

2,136 = 
4,237 



1127 ccm bei 

9,2° und 
760 mm Druck. 



^) Der Sauerbrunnen zu Göppingen. Stuttgart 1881. 
leitung Abschn. A. ^) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. 



') Vgl. ehem. Ein- 
B.2.C. 



Ältere Analysen: C. F. Kielmeyer 1786 (bei J. F. Simon, Die 
Heilquellen Europas S. 90. BerUn 1839). G. C. L. Sigwart 1831 (bei G. C. 
L. Sigwart und M. F. Leipprand, Die Mineralwasser in dem Königreiche 
Württemberg S. 13. Tübingen 1831). 



Analyse des „StaufenbrUnnenS" (aus den Originalzahlen berechnet). 

Analytiker: H. Fresenius. 1902'). 

Spezifisches Gewicht: 1,00348 bei 19,0°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 11,5°, gemessen am Auslauf. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers 

Kationen'). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,02406 

Natrium-Ion (Na-) 1,469 

Lithium-Ion (li-) 0,000928 

Ammonium-Ion (NH,-) . . . 0,000787 

Calcium-Ion (Ca--) 0,09336 

Strontium-Ion (Sr--) 0,000400 

Baryum-Ion (Ba--) 0,000549 

Magnesium-Ion (Mg--) .... 0,07988 

Ferro-Ion (Fe--) 0,005029 

Mangano-Ion (Mn--) 0,000059 



lind enthalten: 


Milli- 


Milligramm- 


Mol 


Äquivalente 


0,6145 


0,6145 


63,75 


63,75 


0,1320 


0,1320 


0,0436 


0,0436 


2.328 


4,656 


0,0046 


0,0091 


0,0040 


0,0080 


3,279 


6,558 


0,0900 


0,1799 


0,0011 


0,0022 



75,95 



') Chemische Untersuchung des Slaufenbrunnens zu Göppingen, 
baden 1903. ^ Vgl. ehem. Einleitimg Abschn. A. 



Wies- 



Anionen^. 

Nitrat-Ion (NO,') 

Chlor-Ion (Cl') 

Brom-Ion (Br') 

Jod-Ion (J') 

Sulfat-Ion (SO/') 

Hydrophosphat-Ion (HPOj") 
Hydrokarbonat-Ion (HCOg') 

Kieselsäure (meta) (H^SiO,) 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 





Milli- 


Milligramm- 


Gramm 


Mol 


Äquivalente 


0,009552 


0,1540 


0,1540 


0.3455 


9,746 


9,746 


0,001073 


0,0134 


0,0134 


0,000030 


0,0002 


0,0002 


0,1902 


1,980 


3,959 


0,000034 


0,0004 


0,0007 


3,788 


62,08 


62,08 


6,008 


144,22 


75,95 


0,009589 


0,1223 




6,018 


144,34 




1,561 


35,47 





7,579 



179,81 



Daneben Spuren von Aluminium-Ion und Borsäure. 

4* 



54 



Das Mineralwaaser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gnuum 

Kaliumnitrat (KNO,) 0,01558 

Kaliumchlorid (KCl) 0,03436 

Natriumchlorid (NaCl) 0,5407 

Natriumbromid (NaBr) 0,001382 

Natriumjodid (NaJ) 0,000035 

Natriumsulfat (Na^SOJ 0,2814 

Natriumhydrokarbonat (NaHCO,) 4,248 

Lithiimihydrokarbonat (LiHCO,) 0,008979 

Ammoniumchlorid ((NH^Cl) 0,002331 

Calciumhydrophosphkt (CaHPOJ 0,000048 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03),] 0,3774 

Strontiumhydrokarbonat [SrCHCOs),] 0,000958 



Gramm 

Baryumhydrokarbonat [Ba(HC03)j] 0,001037 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03),J 0,4800 

Ferrohydrokarbouat [Fe(HCO,),] . . 0,01601 
Manganohydrokarbouat 

[Mn(HCO,),) 0,000191 

Kieselsäure (meta) (HjSiOj) 0,009589 

6,018 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 1,561 = 

7,579 



830,4 ccm bei 

11,5° und 
760 mm Druck. 



0) Tgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.c. 



Sonstige Angaben: 

Neben der Analyse des Sauerbrunnens haben H. Fehling und C. Hell') noch einige orientierende Bestimmungen 

an anderen Göppinger Quellen ausgeführt. Sie fanden: 

Verwaltimgs- Kesselliaus- 

quelle quelle Neue Quelle 

Spezifisches Gewicht bei 9,2°, bezogen auf Wasser von 4° 1,00103 1,00074 1,00069 

Trockenrückstand, ginlkg 0,7560 0,5357 0,5266 

Hydrok^bonat-Ion (HCO ') 1 Milli-Mol 

Freies Kohlendioxyd (CO,) ) m 1 kg ' ' ' 



») a. a. 0. S. 9. 



Sämtliche Quellen sind auf Grund ihres Kohlendioxyd- 
gehaltes „Säuerlinge". Der „Sauerbrunnen", in welchem 
den Hydrokarbonat-Ionen im wesentUchen Calcium- und Mag- 
nesium-Ionen gegenüberstehen, gehört zu den „erdigen Säuer- 
lingen", der „Staufenbrunnen", in welchem die Natrium- 
Ionen vorwalten, zu den „alkalischen Säuerlingen". Die 
„Verwaltungsquelle", „Kesselhausquelle" imd „Neue 
Quelle" sind wegen der geringen Menge gelöster fester Be- 
standteile „einfache Säuerlinge". 

Der „Sauerbrunnen" ist in Stein gefaßt imd steigt in 
eiuem in den FüUimgsschacht eingesenkten Kupferrohre an die 
Oberfläche. Er dient als Trinkwasser an Ort und Stelle und 
kommt außerdem in natürUchem Zustande als Tafel- und 
diätetisches Wasser zum Versand (jährlich etwa eine Million Ge- 
fäße). Das Bohrloch des „Staufenbrunnens" trägt eine mehr- 



fache schmiedeeiserne, zum Teil noch durch Zement geschützte 
Verrohrung, in der das Wasser bis zu 4,80 m unter der Ober- 
fläche aufsteigt; zum Zwecke der völligen Hebung ist ein 
Pumpwerk mit galvanisch verzinkter Saug- und Förderleitung 
eingebaut. Es wird hauptsächhch zu Trinkkuren verwandt. 
Das Wasser der „Kesselhaus-" imd der „Neuen Quelle" wird 
zu Badezwecken — hauptsächlich für die Insassen der Irren- 
anstalt — benutzt. Für den allgemeinen Gebrauch sind acht 
BadezeUen, teils mit kupfernen, teils mit emaUUerten Eisen- 
wannen, vorhanden. Sie werden in erster Linie von den Orts- 
bewohnern benutzt (etwa 1000 Bäder jährUch). Die 4 erst- 
genannten Quellen sind im Besitz der Firma Dr. Landerer 
Söhne, Heilanstalt Christofsbad; der „Staufenbrunnen" gehört 
der Stadt. 



G6G6G6G6G6G6C6G6C:;6C2SG6G6C;6G6 Großkarben ^^^^iSO^iSOiiO^^^^^^ 



In der Nähe von Großkarben, einer Station der Bahn 
Frankfurt a. M.— Cassel, entspringen 4 Quellen: der „Selzer- 
Brunnen" (früher „Leonhardiquelle" genannt), der „Ludwigs- 
brunnen", die „BismarckqueUe" („Kappes-Ludwigsquelle"), der 
„Taunusbrunnen" („Neuer Seiserbrunnen"). Der Selzer-Brunnen 
ist, wie ein 1895 aufgedecktes Eömerbad beweist, schon in 
ältesten Zeiten bekannt gewesen und, wie zwei aus den Jahren 



1564 und 1724 stammende Schriften über den Brunnen zeigen, 
seither stets von den Anwohnern benutzt worden, die sich 
auch jetzt noch das Eecht bewahrt haben, „von dem Ge- 
sundheitstnink kostenfrei was einer tragen kann" zu holen. 
SämtUche Quellen entspringen unter Letten aus Sauden des 
älteren Tertiärs. 



— 55 



Analyse des „Selzer- Brunnens" (aus der SalztabeUe berechnet). 

;' Analytiker: E. Fresenius*). 

Temperatur: 13,4°. 
Ergiebigkeit: 1150 hl in 24 Stunden. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen''). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,04228 

Natrium-Ion (Na-) 0,5241 

Lithium-Ion (Li-) 0,000348 

Ammoniimi-Ion (NH^-) . . . 0,002008 

Calcium-Ion (Ca-) 0,5148 

Strontium-Ion (Sr-) 0,002274 

ßaryiun-Ion (Ba") 0,000023 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,07821 

Ferro-Ion (Fe--) 0,004648 

Mangano-Ion (Mn-) 0,000752 

Aluminium-Ion (AI-) .... 0,000022 

Anionen^). 

Nitrat-Ion (NO3') 0,000915 

Oilor-Ion (d') 0,7855 

Brom-Ion (Br) 0,000133 

Jod-Ion (J') 0,000010 

Sulfat-Jon (SO/') 0,03638 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,000434 

Hydrokarbonat-Ion (HCO3') • 2,036 



MilU- 


Milligramm- 


Mol 


Äquivalente 


1,080 


1,080 


22,74 


22,74 


0,0496 


0,0496 


0,1111 


0,1111 


12,84 


25,67 


0,0260 


0,0519 


0,0002 


0,0003 


3,211 


6,421 


0,0831 


0,1663 


0,0137 


0,0274 


0,0008 


0,0024 




56,32 


0,0147 


0,0147 


22,16 


22,16 


0,0017 


0,0017 


0,00008 


0,00008 


0,3787 


0,7574 


0,0045 


0,0090 


33,38 


33,38 



Kieselsäure (meta) (H,SiOj) . 
Suspendierte Ockerflöckchen 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



4,029 

0,01749 

0,001295 



96,10 
0,2231 



56,32 



4,048 
2,177 



96,32 
49,49 



6,225 145,81 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält °): 

Gramm 

Kaliumnitrat (KNO,) 0,001492 

Kaliumchlorid (KQ) 0,07946 

Natriumchlorid (NaQ) 1,228 

Natriumbromid (NaBr) 0,000072 

Natriumjodid (NaJ) 0,000012 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,05383 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOj) . 0,08347 
Lithiumhydrokarbonat (LiHCO,) . . 0,003371 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) 0,005947 

Calciumhydrophosphat (CaHPOJ . 0,000449 
Calciumhydrokarbonat [Ca(HCO,),] 2,081 
Strontiumhydrokarbonat[Sr(HC03),] 0,005441 
Baryumhydrokarbonat [Ba(HCOs)j] 0,000043 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HCO,),] 0,4700 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCO,),] . . 0,01479 
Manganohydrokarbonat[Mn(HCO,),] 0,00242 1 
Aluminiumhydrophosphat 

[A],(HP0J3] 0,000139 

Kieselsäure (meta) (H^SiOa) 0,01749 

Suspendierte Ockerflöckchen .... 0,001295 

4,049 

{1166 ccm bei 
13,4° und 
7 60 mm Druck. 



Altere Analyse: Einck(bei Ph. Joehheim, Die Mineralquellen des 
Großherzogtums Hessen 8. 105. Erlangen 1858). 



i)*Manu8kript. >) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 
Einleitung Abscbn. B.2.c. 



') Vgl. ehem. 



Analyse des „Ludwigsbrunnens" (aus der saktabeiie berechnet). 



Analytiker: W. Hallwachs'). 

Temperatur: etwa 10°. 

Ergiebigkeit: etwa 240 hl in 24 Stunden. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers 

Kationen^. Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,03319 

Natrium-Ion (Na-) 0,8563 

Lithium-Ion (Li-) 0,000284 

Ammonium-Ion (NH^-) . . . 0,007074 

Calcium-Ion (Ca") 0,6049 

Strontium-Ion (Sr-) 0,000831 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,1941 

Mangano-Ion (Mn-) 0,001708 



sind enthalten: 


MiUi- 


Milligramm- 


Mol 


Äquivalente 


0,8478 


0,8478 


37,15 


37,15 


0,0405 


0,0405 


0,3914 


0,3914 


15,08 


30,17 


0,0095 


0,0190 


7,969 


15,94 


0,0311 


0,0621 



84,62 



*) Der Ludwigsbrunnen bei Großkarben (Hessen). Prospekt von Laurenze 
& Co. Ohne Ort xmd Jahr. ') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 



Anionen'). 

Nitrat-Ion (NO,') 

Chlor-Ion (CI) 

Brom-Ion (Br) 

Sulfat-Ion (SO/') 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 
Hydrokarbonat-Ion (HCO,') . 

Kieselsäure (meta) (H,SiOg) . 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 





MiUi- 


Milligramm- 


Gramm 


Mol 


Äquivalente 


0,01337 


0,2156 


0,2156 


1,312 


37,00 


37,00 


0,000185 


0,0023 


0,0023 


0,06626 


0,6898 


1,380 


0,001050 


0,0109 


0,0219 


2,806 


46,00 


46,00 


5,897 


145,44 


84,62 


0,01130 


0,1440 




5,909 


145,58 




1,254 


28,51 





7,163 174,09 



— 56 — 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 KUogranun enthält "): 

Gramm 

Kaliumnitrat (KNO.) 0,02181 

Kaliiunchlorid (KCl) 0,04717 

Natriumchlorid (NaCl) 2,102 

Natriumbromid (NaBr) 0,000239 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,08608 

Lithiumchlorid (LiCl) 0,001719 

Ammoniumchlorid (NH^Ca) 0,02095 

Calciumsulfat (CaSOJ 0,01151 

Calciumhydrophosphat (CaHPO J 0,001488 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCOs),] 2,430 

Strontiumhydrokarbonat [Si^HCOs),] 0,001988 



Gramm 
Magnesimnliydrokarbonat 

[MgCHCO»),] 1,166 

Manganohydrokarbonat 

[MnCHCO,),] 0,005497 

Kieselsäure (meta) (HjSiOj) 0,01130 



5,908 
Freies Kohlendioxyd (CO,) 1,254 = 



7,162 



663,8 ccm bei 

10,0° und 
760 mm Druck. 



Ältere Analysen: J. TUnnermann. G. Osann 1836 {beide bei 
Ph. Jochheim. Die Mineralquellen des Großherzogtums Hessen ö. 99. Er- 
langen 1868). 



') Vgl. ehem. Emleitimg Abscim. B.2.C. 



Analyse der „BismarCkqUelle" (aus den EinzelbestandteUen berechnet). 



Analytiker: G. Popp und H. Becker. 
Spezifisches Gewicht: 1,0046 bei 15,0°, 
Temperatur: 9,0°. 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Milll- Milligramm- 
Gramm 

0,3514 

0,6779 

0,003601 

0,5944 

0,1342 

0,001158 



Kationen*). 

Kalium-Ion (K-) . . . 
Natrium-Ion (Na-) . . 
Ammonium-Ion (NHi') 
Calcium-Ion (Ca-) . . 
Magnesium-Ion (Mg") 
Ferro-Ion (Fe-) .... 



Am'onen'). 

Chlor-Ion (CT) 1,413 

Sulfat-Ion (SO/') 0,06058 

2,329 



Hydrokarbonat-Ion (HCO,') 
Kieselsäure (meta) (H,SiO,) 
Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



Mol 


Aquiralente 


8.976 


8,976 


29,41 


29,41 


0,1993 


0,1993 


14,82 


29,65 


5,511 


11,02 


0,0207 


0,0414 




79,30 


39,85 


39,85 


0,6307 


1,261 


38,18 


38,18 



5,565 
0,02440 



137,60 
0,3111 



79,29 



5,590 
1,014 



137,91 
23,04 



1900'). 
bezogen auf unbekannte Einheit. 

Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
imgefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,6696 

Natriumchlorid (NaCl) 1,721 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) 0,01066 

Calciumchlorid (CaCl,) 0,07032 

Calciumsulfat (CaSO^) 0,08587 

Calciumhydrokarbonat [Ca(IICO,),] 2,198 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HCO,),] 0,8067 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC08),] . . 0,003687 

Kieselsäure (meta) (H,SiO,) 0,02440 

5,590 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 1,014 



6,604 160,95 
Daneben Spuren von Lithium-, Strontium-, Baryum-,Man- 
gano-, Al umin i um -, Nitrat-, Brom-, Jod-, Hydrophosphat-Ion. 



6,604 



4 



534,6 ccm bei 

9,0° und 
7 60 mm Druck. 



1) Prospekt. Darmstadt 1900. ") Vgl. ehem. Einlettnng Abscim. A. 
*) Vgl. ehem. Einleitung Abscim. B.2.C. 



Analyse des „Taunusbrunnens" (aus den onginaizahien berechnet). 

Analytiker: E. Fresenius. 1873'). 

Spezifisches Gewicht: 1,00265 bei 18,5°, bezogen auf Wasser von 4°. 
Temperatur: 13,1°. 

Ergiebigkeit: 369 hl in 24 Stunden (1873). 1874 soll die Ergiebigkeit auf 519 hl gestiegen sein. 
In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen'). Gramm 

KaUum-Ion (K-) 0,03964 

Natrium-Ion (Na-) 0,6249 

lithium-Ion (Li-) 0,000375 

Ammonium-Ion (NH^-) . . . 0.001784 

Calcium-Ion (Ca-) 0,5800 

Strontium-Ion (Sr-) 0,001962 

Baryum-Ion (Ba-) 0,000017 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,08688 

Ferro-Ion (Fe") 0,007963 

Mangano-Ion (Mn-) 0,001118 



») Analyse des neuen Selser Brunnens bd Fiankfurt a. M. 
*) Vgl. ehem. Einleitung Abschs. A. 



Milli- 


Milligramm- 


Mol 


AquiTalente 


1.012 


1.012 


27,11 


27,11 


0,0534 


0,0534 


0,0987 


0,0987 


14,46 


28,93 


0,0224 


0,0448 


0,0001 


0,0003 


3,567 


7,133 


0,1425 


0,2849 


0,0203 


0,0407 




64,71 


a.M. Wiesbaden 1874. 



Anionen*). Gramm 

Nitrat-Ion (NO,') 0,000543 

Chlor-Ion (Q') 1,040 

Brom-Ion (Br) 0,000245 

Jod-Ion (J') 0,000010 

Sulfat-Ion (SO/') 0,03622 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,000642 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') 2,110 



Milli- 


Milligramm- 


Mol 


Äquivalente 


0,0088 


0,0088 


29,34 


29,34 


0,0031 


0,0031 


0,00008 


0,00008 


0,3770 


0,7540 


0,0067 


0,0134 


34,59 


34,59 



Kieselsäure (meta) (H,SiO,) . 
Freies Kohlendioxyd (CO,) , 



4,532 
0,02097 



110,81 
0,2674 



64,71 



4,553 
2,417 



111,08 
54.93 



6,970 166,01 
Daneben Spuren von Cäsium-, Aluminium-Ion, Bor- 
säure, Schwefelwasserstoff, Stickstoff, Methan, organischen 
Substanzen. 



— 57 — 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält"): 

Gramm 

Kahumnitrat (KNOj) 0,000886 

Katiumchlorid (KO) 0,07487 

Natriumchlorid (NaQ) 1,586 

Natriumbromid (NaBr) 0,000316 

Natriumjodid (NaJ) 0,000012 

Lithiumchlorid (Lia) 0,02268 

Anmioniumchlorid (NH^a) 0,005284 

Calciumchlorid (CaO,) 0,05966 

CalciiunsuHat (CaSOJ 0,05133 

Calciumhydrophosphat (CaHPOJ 0,000910 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCOs),] 2,196 

Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt bei 
den einzelnen Quellen 4,0 — 5,9 g, die Menge des freien Kohlen- 
dioxyds 1,0 — 2,4 g. Unter den Anionen walten Hydrokarbonat 
und CMor, unter den Kationen Natriimi, Calcium und Magnesium 
vor. Die Quellen sind daher als „erdig-muriatische 
Säuerlinge" zu bezeichnen. 

Die „BismarekqueUe" ist nicht in Benutzung; das Wasser 
der übrigen Quellen wird versandt und zwar teils in natür- 
lichem Zustande, teUs nach Enteisenung imd Übersättigung 
mit den Quellen selbst entströmender Kohlensäure. 



Gramm 

Strontiunihydrokarbonat[Sr(HC08),] 0,004694 

Baryumhydrokarbonat [Ba(HC08),] . 0,000033 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HCO,),] 0,5221 

Ferrohydrokarbonat [TefHCOaX] . . 0,02534 

Manganohydrokarbonat[Mn(HC08),] 0,003600 

Kieselsäure (meta) (H,SiO,) 0,02097 

4,554 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 2,417 = 

6,971 



[ 1293 ccm bei 

13,1° und 
760 mm Druck. 



°) Vgl. ehem. Einleitaiig Abschn. B.2.C. 



Versandt wurden vom „Seizerbrunnen" 1903: etwa 2,7; 
1904: etwa 3; 1905: etwa S'/j Millionen Flaschen und Krüge. 
Vom „Ludwigsbrunnen" 1903: 45000; 1904: 70000; 1905: 
70 000 Flaschen. Vom „Taimusbrunnen" 1902: 1645 300; 
1903: 1630 000; 1904: 1900 000 Flaschen und Krüge. Die 
Wässer sind in erster Linie Tafelwässer; daneben werden sie 
zu Heilzwecken empfohlen. 

Der „Selzer-" und der „Ludwigsbnmnen" werden von der 
Firma Laurenze & Co., der „Taunusbrunnen" von F. Krug 
& Co. in den Handel gebracht. 



G6G6G35C;JSG5SG3SG55G55G5SC6G6G6G6G6G6G6 ImnaU ^^^iSO^iSO^^iSOiSOiSO^iSOiSO^^ 



Dorf mit 483 Einwohnern im Eegienmgsbezirk Sigmaringen 
(Fürstentum HohenzoUern-Hechingen), hegt in einem Talkessel 
der Eyach, 396 m ü. M. Gemischter Wald in der Nähe. — 
Station einer in Eyach von der Bahn Stuttgart — Tübingen — 
Horb abzweigenden Kleinbahn. 



Heilquellen. 8 Quellen: die „Fürstenquelle", die„Casper- 
quellen I— V", die „Annaquelle" und die „Talquelle". Die 
Quellen wurden zuerst 1677 erwähnt und seit Anfang des 18. Jahr- 
hunderts zu Heilzwecken benutzt. Die „Annaquelle" wurde 
1892 erbohrt. Die Quellen entspringen den Zellendolomiten 
des mittleren Muschelkalkes. 



Analyse der „Fürstenquelle" (aus der Salztabelle berechnet). 

Analytiker: Strecker. 1864^). 

SpezÖisches Gewicht: 1,0026 (ohne Temperaturangabe). 

Temperatur: 6,3°. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



TT- « ^ Mii"- 

Kationen '). Gramm Mol 

Kalium-Ion (K-) 0,06888 1,760 

Natrium-Ion (Na-) 0,03266 1,417 

Calcium-Ion (Ca-) 0,4095 10,21 

Magnesiimi-Ion (Mg-) .... 0,09085 3,730 

Ferro-Ion (Fe-) 0,0018 0,033 

Mangano-Ion (Mn-) 0,00346 0,0629 

Anionen ^). 

Chlor-Ion («') 0,1126 3,177 

Sulfat-Ion (SO4") 0,0489 0,509 

Hydrokarbonat-Ion (HCO3') . 1,650 27,05 



Milligramm- 
Äqui Talente 

1,760 

1,417 
20,42 

7,459 

0,065 

0,126 
31,25 

3,177 
1,02 
27,05 



Kieselsäure (meta) (H^SiO,) 
Organische Substanzen. . . . 

Freies Kohlendioxyd (COj) . 



2,419 

0,0095 

0,1450 



47,95 
0,12 



31,25 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetztuig 

ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält "): 

Gramm 

KaUumchlorid (KCl) 0,1313 

Natriumchlorid (NaQ) 0,08290 

Calciumchlorid (CaCl,) 0,000022 

Calciumsulfat (CaSOJ 0,0694 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCO,)j]. 1,573 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HCO,),] 0,5459 

Ferrohydrokarbonat [FeCHCO,),] . . 0,0058 

Maiiganohydrokarbonat[Mn(HC08),] 0,0111 

Kieselsäure (meta) (H,SiO,) 0,0095 

Organische Substanzen 0,1450 

2,574 

(1196 ccm bei 
6,3° und 



2,573 
2,290 



48,07 
52,06 



4,864 



I 760mmDruck. 



4,863 100,13 



') Archiv der Pharmazie 1866 Bd. 177 S. 187. •) Vgl. ehem. Einleitung 
Abschn. A. ') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 



Ältere Analysen: C. F. Kielmeyer 1805 (bei Sigwart und Leipp- 
rand S. 7). G. C. L. Sigwart 1831 (bei G. C. L. Sigwart und M. F. 
Leipprand, Die Mineralwasser in dem Königreiche Württemberg 8. 8. 
Tübingen 1831). Ch. Gmelin (bei B. M. Lersch, Einleitung in die Mine- 
ralquellenlehre Bd. 2 S. 1854. Erlangen 1860). G. C. L. Sigwart 1838—1839 
(bei Heyfelder, Die Heilquellen und Molkenkuranstalten des Königreiclis 
Württemberg S. 64. Stuttgart 1840). 



58 



Analyse der „Casperquelle Nr, 

Analytiker: G. C. L. 
Temperatur: ungefähr 

In 1 Enogramm des ACneralwaasers sind enthalten: 

^ «. MiUi- Milligramm- 

Kanonen"). Gramm Mol Äqmralente 

Natrium-Ion (Na-) 0,0037 0,16 0,16 

Calcium-Ion (Ca-) 0,3703 9,235 18,47 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,0168 0,689 1,38 

Ferro-Ion (Fe-) 0,00545 0,0974 0,195 

20,21 
Anionen'). 

Chlor-Ion (CT) 0,0057 0,16 0,16 

Sulfat-Ion (SO/') 0,103 1,07 2,14 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') 1,093 17,91 17,91 

1,598 29,32 20,21 

Kieselsäure (meta) (H,SiO,) . 0,0440 0,560 

Organische Substanzen .... 0,0706 

1,713 29,88 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 1,557 35,39 

3,270 65,27 

Ältere Analyse: Klaproth 1793 (Crells Chemische Annalen Bd. 1). 



1 (aus der Salztabelle berechnet). 

Sigwart. 1838—1839'). 
9°. 

Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 KUogramin enthält'): 

Gramm 

Natriumchlorid (NaCl) 0,0094 

Calciumsulfat (CaSOJ 0,145 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCO,),] 1,324 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HCO,),] 0,101 

Ferrohydrokarbonat [re(HCO,),] . . 0,0173 

Kieselsäure (raeta) (H,8iO,) 0,0440 

Organische Substanzen 0,0706 

1,711 

! 821,1 ccm bei 
9,0° und 
7 60 mm Druck. 

<) Heyfelder, Die Heilquellen mid Molkeiikiiranstalten des Königreichs 
Württemberg 8. &4. Stuttgart 1840. >) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 
•) Vgl. ehem. Einleitimg Abschn. B.2.C. 



Analyse der „Casperquelle Nr. 2" (aus der saiztabeiie berechnet). 

Analytiker: Strecker. 1864*). 

Spezifisches Gtewicht: 1,0023 (ohne Temperaturangabe). 

Temperatur: 8,7—9,2°. 



In 1 Elogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen»). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,00648 

Natrium-Ion (Na-) 0,02046 

Calcium-Ion (Ca--) 0,4094 

Magnesiiim-Ion (Mg") .... 0,04648 

Ferro-Ion (Fe--) 0,0184 

Mangano-Ion (Mn-) 0,0111 

Anionen'). 

Chlor-Ion (Q') 0,0123 

Sulfat-Ion (80/') 0,0633 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') . 1,506 



Milli- 
Mol 

0,166 

0,8875 

10,21 


Milligramm- 
ÄquiTalente 

0,166 

0,8875 

20,42 


1,908 
0,329 
0,203 


3,816 
0,657 
0,405 




26.35 


0,346 
0,659 
24,69 


0,346 
1,32 
24,69 



Kieselsäure (meta) (H,8iO,) , 
Organische Substanzen . . , 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



2,094 

0,0151 

0,0715 



39,40 
0,192 



26,36 



2,181 
1,948 



39,59 
44,27 



4,129 



83,86 



>) Archiv der Pharmazie 1866 Bd. 177 S. 187. >) Vgl. ehem. Einleitung 
Abschn. A. •) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.c. 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KO.) 0,0124 

Natriumchlorid (NaQ) 0,0105 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,0503 

Calciumsulfat (CaSO,) 0,0416 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCO,),] . 1,606 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HCO.),] 0,2793 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCO,),] . . 0,0585 

Manganohydrokarbonat [MnCHCOj),] 0,0358 

Kieselsäure (meta) (H,SiO,) 0,0151 

Organische Substanzen 0,0715 



2,181 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 1,948 : 

4,129 



1028 ccm bei 

9,2° und 
760 mm Druck. 



Ältere Analysen: Klaproth 1792 (Crells Chemische Annalen Bd. 1). 
G. C. L. Sigwart 1838—1839 (bei Heyfelder, Die Heilquellen und Molkcn- 
kuranstalten des Königreichs Württemberg S. 64. Stuttgart 1840). 



Analyse der „Casperquelle Nr. 3" (aus der saiztabeue berechnet). 

-1839'). 



Analytiker: G. C. L. Sigwart. 
Temperatur: ungefähr 9°. 



1838- 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



MilU- 
Mol 



Millignimm- 
Äquiralente 



Kationen'). G„u„„ 

Natrium-Ion (Na-) 0,0051 0,22 0,22 

Calcium-Ion (Ca-) 0,3982 9,930 19,86 



Gramm 

Magnesium-Ion (Mg--) .... 0,0394 
Ferro-Ion (Fe--) 0,0054 



Hilli- 
Mol 



Milligramm- 
ÄquiTalentc 

3,23 

0,19 



1,62 

0,097 

23,50 

<) Heyfelder, Sie Heilquellen uad Molkenkuronstalten des K8nigi«ichs. 
Württemberg S. 65. Stuttgart 1840. «) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 



59 



Anionen ■). Gramm 

CMor-Ion (Cl') 0,0155 

Sulfat-Ion (SO/') 0,106 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') . 1,273 



MUIi- 


Milligramm- 


Mol 


Äquivalente 


0,437 


0,437 


1,10 


2,20 


20,86 


20,86 



Kieselsäure (meta) (HjSiOg) . 
Organische Substanzen . . . , 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



1,843 

0,0453 

0,0750 



34,26 
0,578 



23,50 



1,963 
1,521 



34,84 
34,56 



3,484 



69,40 



Ältere Analyse: Klaproth 1792 (Crells Chemisclie Annalen Bd. 1). 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält^): 

Gramm 

NatriumcMorid (NaCI) 0,013 

Caiciumchlorid (CaCI,) 0,0120 

Calciumsulfat (CaSOJ 0,150 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCOs)jl . 1,414 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03),] 0,237 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCOa),] . . 0,017 

Kieselsäure (meta) (Bt,SiO,) 0,0453 

Organische Substanzen 0,0750 



2) Vgl. ehem. Einleitung Abschnitt A. 
schnitt B.2.C. 



3) Vgl. ehem. Einleitimg Ab- 



1,963 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 1,521 = 



3,484 



802,0 ccm bei 

9,0° und 
7 60 mm Druck. 



Analyse der „Oasperquelle Nr. 4" (aus der Salztabelle berechnet). 

Analytiker: Strecker. 1866»). 
Temperatur: 7,0°. 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen -). 
Kalium-Ion (K-) . 
Natrium-Ion (Na-) 
Calcium-Ion (Ca-) 
Magnesium-Ion (Mg' 
Ferro-Ion (Fe") . . 
Älimiiniimi-Ion (AI' 

Anionen'). 

Chlor-Ion (Cl') 0,0171 

Sulfat-Ion (SO/') 0,0733 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') . 



Gramm 

0,0222 
0,00686 
0,4477 
0,03160 


MilH- 
Mol 

0,568 

0,297 

11,16 

1,297 


Müligramm- 
Äquivalente 

0,568 

0.297 

22,33 

2,594 


0,00794 


0,142 


0,284 


0,00626 


0,231 


0,693 
26,77 


0,0171 
0,0733 
1,510 


0,483 
0,764 
24,76 


0,483 
1,53 
24,76 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält °): 

Gramm 

KaUumchlorid (KCl) 0,0360 

KaliumsuUat (K,SOJ 0,00742 

Natriumsulfat (Na^SOJ 0,0211 

Calciumsulfat (CaSOJ 0,0308 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC08)J 1.773 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03)J 0,1899 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC08)ä] . . 0,0253 

Aluminiumsulfat [A1,(S0J,] 0,0395 

Kieselsäure (meta) (H^SiOg) 0,0186 



Kieselsäure (meta) (H,SiO,) . 
Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



2,123 
0,0186 



39,70 
0,237 



26,77 



2,142 



2,142 
1,993 



39,94 
45,29 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 1,993 = 

4,135 



1043 ccm bei 

7,0° und 
760 mm Druck. 



4,135 85,23 

Daneben Spuren von Nitrat-Ion und organischen Säuren. 



i)Th. Valentiner, Handbuch der allgemeinen und speziellen Balneo- 
therapie S. 602. Berlin 1873. -) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 



Altere Analysen: Klaproth 1792 (Crells Chemische Annalen Bd. 1). 
G. C. L. Sigwart 1838—1839 (bei Heyfelder, Die Heilquellen und 
Molkenkuranstalten des Königreichs Württemberg S. 65. Stuttgart 1840). 



') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 



Analyse der „Oasperquelle Nr. 5" (aus der saiztabeUe berechnet). 



Analytiker: G. C. L. Sigwart. 1838—1839') 
Temperatur: ungefähr 9°. 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Milli- Milligramm 



Kationen'). Gramm 

Natrium-Ion (Na-) 0,00636 

Calcium-Ion (Ca--) 0,2231 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,0273 

Anionen'). 

Chlor-Ion (CT) 0,0232 

Sulfat-Ion (SO/') 0,0540 

Hydrokarbonat-Ion (HCO3') 0,7237 



Mol 

0,276 
5,564 
1,12 


Äquivalente 
0,276 
11,13 
2,24 


0,655 
0,563 
11,86 


13,65 

0,655 
1,13 

11,86 



Kieselsäure (meta) (HjSiOj) , 
Organische Substanzen ... 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 



1,0577 
0,0347 
0,0810 



20,04 
0,442 



13,65 



1,1734 
2,028 



20,48 
46,08 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält *): 

Gramm 

Natriumchlorid (NaCl) 0,0161 

Caiciumchlorid (CaCI,) 0,0210 

Calciumsulfat (CaSOJ 0,0766 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC08)2l 0,7801 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03),] 0,164 

Kieselsäure (meta) (II,Si03) 0,0347 

Organische Substanzen 0,0810 

1,174 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 2,028 



3,202 



1069 ccm bei 

9,0° und 
760 mm Druck. 



3,201 



66,56 



Ältere Analyse: Klaproth 1792 (Crells Chemische. Annalen Bd. 1). 



1) Heyfelder, Die Heilquellen und Molkenkuianstalten des Königreichs 
Württemberg S. 06. Stuttgart 1840. -) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 
') Vgl. ehem. Einleitung Abschnitt B.2.c. 



60 — 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt bei 
den einzelnen Quellen 1,2—2,6 g, die Menge des freien Kohlen- 
dioxyds 1,5—2,3 g. Unter den Anionen waltet Hydrokarbonat, 
unter den Kationen Calcium vor. Die Quellen sind daher 
„erdige Säuerlinge". Die „Casperquelle Nr. 2" kann w^en 
ihres Grehaltes von 18 mg Eisen unter die Eisenquellen einge- 



reiht und als „erdiger Eisensäuerling" bezeichnet werden. 

Die Quellen sind in Stein gefaßt. Ihr Wasser wurde zum 
Trinken und Baden (zum Teil unter Zusatz von gewöhnlichem 
Wasser) benutzt und auch versandt. 

Das Bad ist wegen Todes des früheren Besitzers (Dr. H. 
Vopelius) geschlossen. 



G6G6C6G6C6G6G6G6G6C5SG6C6G6G6GJS Malmedy ^iSOiSO^^iSO^ÖOiSO^^iSO^isO^ 



Stadt mit 4680 Einwohnern in der Rheinprovinz, 330 m 
ü. M. Endstation der von der Linie Aachen — St. Vith in 
Weismes abzweigenden Nebenbahn. 

Klima. Mittlere jährliche Niederschlagshöhe nach lOjäh- 
rigem Durchschnitt: 997 mm*). 

Heilquellen. 3 Quellen: „Inselquelle", „Pouhon de 



Geromont" und „Pouhon de Bemister", von denen nur die 
erste benutzt wird. Sie entspringt 17 m tief aus roten Konglo- 
meraten des Oberrotli(^enden imd ist mit verzinnten Kupfer- 
rohren gefaßt. 



») ProTinz-Eegenkarte. 



Analyse der „Inselquelle" (aus der SalztabeUe berechnet). 

Analytiker: A. Classen. 1871»). 

Spezifisches Grewicht: 1,0023 bei 5,1°, bezogen auf unbekannte Einheit. 

Temperatur : 9,4°. 

Ergiebigkeit: etwa 360 hl in 24 Stunden. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Kationen'). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,002994 

Natrium-Ion (Na-) 0,06893 

Ammonium-Ion (NH^-) .... 0,000047 

Calcium-Ion (Ca-) 0,3411 

Strontium-Ion (Sr-) 0,000019 

Baryum-Ion (Ba-) 0,000032 

Magnesium-Ion (Mg"') .... 0,04654 

Ferro-Ion (Fe-) 0,02326 

Mangano-Ion (Mn-) 0,004951 

Aluminium-Ion (AI-) .... 0,000014 

Aiüonen'). 

Nitrat-Ion (NO,') 0,000017 

(Mor-Ion (CT) 0,02723 

Sulfat-Ion (SO/') 0,04917 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,000051 

Hydrokarbonat -Ion (HCO,') 1,411 



MilU- 


Milligramm- 


Mol 


Aquiralente 


0,0765 


0,0765 


2,990 


2,990 


0,0026 


0,0026 


8,505 


17,01 


0,0002 


0,0004 


0,0002 


0,0005 


1,910 


3,821 


0,4162 


0,8323 


0,0900 


0,1800 


0,0005 


0,0016 




24,91 


0,0003 


0,0003 


0,7680 


0,7680 


0.5118 


1,024 


0,0005 


0,0011 


23,12 


23,12 



Kieselsäure (meta) (H,8iO,) 
Freies Kohlendioxyd (COj) , 



1,975 
0,01441 



38,39 
0,1838 



24,91 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 

ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält"): 

Gramm 

Kahumnitrat (KNO,) 0,000028 

Kaüumchlorid (KCl) 0,005684 

Natriumchlorid (NaCl) 0,04032 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,07273 

Natriumhydrokarbonat (NaHCO,) . 0,1074 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) 0,000138 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCO,),] 1,379 

Strontiumhydrokarbonat [Sr(HCO,),] 0,000047 

Baryumhydrokarbonat [Bs(RCOM ■ 0,000061 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HCO,),] 0,2796 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCO,),] . . 0,07404 

Manganohydrokarbonat [Mn(HCO,)j] 0,01593 
Aluminiumhydrophosphat 

[A],(HPOJ,] 0,000061 

Aluminiumsulfat [A],(SOJ,] 0,000030 

Kieselsäure (meta) (H,SiO,) 0,01441 

1,989 



1,990 
2,057 



38,58 
46,74 



Freies Kohlendioxd (CO,) 2.057 = 

4,046 



1086 ccm bei 

9,4° und 
760 mm Druck. 



4,047 85,32 

Daneben Spuren von Lithium-, Cäsimn-, Kubidium-, 
Brom-, Jod-, Hydroarsenat-Ion, organischen Substanzen, 
Schwefelwasserstoff. 

Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt 2 g, 
wobei Calcium- und Hydrokarbonat-Ionen vorwalten; da 2 g 
freies Kohlendioxyd vorhanden sind, ist die Quelle als „erdiger 



Ältere Analyse: 
die Mineralquellenlehre. 



Monheim 1821 (bei B, M. Lersch, Einleitung in 
Erlangen 1857). 



>) Manuskript. ') Vgl. ehem. Einleitung Abschnitt A. 
Einleitung Abschn. B.2.G. 



1) Vgl. ehem. 



Säuerling" zu bezeichnen, 
beträgt, wird entfernt.) 



(Das Eisen, dessen Qdialt 23 mg 



Analyse des „Pouhon de Geromont" (aus der saiztabeue berechnet). 

Analytiker: Monheim. 1824'). 
In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen'). Gramm 

Natrium-Ion (Na-) 0,2253 

Calcinm-Ion (Ca-) 0,1289 



Milli- 
Mol 

9,776 

3,216 



Milli|;ramm- 
Äqui Talente 



9,776 
6,431 



Gramm 

Magnesium-Ion fMg") .... 0,0314 
Ferro-Ion (Fe--) 0,1099 



MiUi- 
Mol 


HiUigramm- 
Aquivalente 


1,29 


2,57 


1,967 


3,934 



22,71 



>) J. F. Simon, Die Beilquellen Europas 8. 160. Beriin 1839. 



*) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 



— 61 



Anionen'). Gramm 

Chlor-Ion (Cl') 0,0100 

1,369 



Hydrokarbonat-lon (HCOg') 
Kiesdsäure (meta) (HjSiOj) . 
Freies Kohlendioxyd (COj) , 



1,875 
0,0588 



1,933 
1,281 



Milli- 
Mol 

0,283 

22,43 



Milligramm- 
Äquivalente 

0,283 

22,43 



38,96 
0,750 



22,71 



39,71 
29,11 



3,214») 68,82 



2) Vgl. ehem. Einleitimg Absclm. A. °) Die Analyse gibt noch einen Gehalt 
von 0,6 Milli-Mol Aluminium-Ion an, eine Menge, die neben den nachgewiesenen 
Anionen kaum beständig ist imd daher außer Berücksichtigung blieb. Der 
gewogene Niederschlag stammt wahrscheinlich aus den bei der Analyse be- 
nutzten Gerätschaften. *) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.c. 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogram m enthält*): 

Gramm 

Natriumchlorid (NaCl) 0,0166 

Natriumhydrokarbonat (NaHCO,) 0,7979 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCO,),] 0,5213 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HCO,),] 0,188 

Ferrohydrokarbonat [FeCHCOa),] 0,3499 

Kieselsäure (meta) (H,SiO,) 0,0588 

1,933 
Freies Kohlendioxyd (CO,) 1,281 

3,214 



Die Simmie der gelösten festen Bestandteile beträgt 1,9 g, 
wobei Hydrokarbonat- und Natrium-, daneben Calcium- und 
Ferro-Ionen vorwalten. Da 1,3 g freies Kohlendioxyd vor- 
handen sind, so ist die Quelle als „alkalisch-erdiger Eisen- 
säuerling" zu bezeichnen. Das Wasser der „InselqueUe" 



wird nach Enteisenung und Zusatz von natürKcher Kohlensäure 
aus Gerolstein versandt (1903: 20 840; 1904: 17 500 Flaschen), 
in geringem Umfange auch am Orte getnmken. 

Die Quellen gehören der Stadt und sind an die Firma 
A.-G. Mahnedy- Werke verpachtet. 



g6G6c^(^gjsg6dsg6G6Gjsc^c^g6c^ Niedemau ^iso^^^^^^isoiso^^^^ 



Dorf mit 422 Einwohnern im Oberamt Eottenburg des 
Königreichs Württemberg, liegt 355 m hoch in einem engen, 
etwa 100 m tief eingeschnittenen, von S nach N streichenden 
Tale. Nadelwald in tmmittelbarer Nähe. Station der Bahn- 
strecke Stuttgart — Tübingen — Horb. 

Klima. Mittlere jährliche Niederschlagshöhe 695 mm*). 
Durch seine Lage ist der Ort gegen die hauptsächlich herr- 
schenden Westwinde sowie gegen Ostwinde geschützt. 

Heilquellen. 6 Quellen: „OlgaqueUe'' („Vordere Berg- 
quelle"), „(Mittlere) BergqueUe", „Hintere Bergquelle", „Stahl- 
quelle" („Hausquelle"), „EasenqueUe" („Schwefelquelle"), 
„Römerquelle". Bei der Wiederentdeckung der „Römerquelle" 

*) Angabe des Königl. Württemb. Statist. Landesamts. 



1836 im Quellschacht in großer Menge gefundene römische 
Münzen lassen darauf schließen, daß das Bad bereits den 
Römern bekannt gewesen ist. Sicher war es bekannt im 
Jahre 1489, wo bereits der „Sauerbrimnen" von Niedemau 
(wahrscheinlich handelt es sich um die „Olga"- und „Berg- 
queUe") als österreichisches Lehen erwähnt wird. Von der 
„StahlqueUe" findet sich bereits aus dem Jahre 1814 eine 
Analyse, und die „Schwefelquelle" wurde 1833 entdeckt. Alle 
Quellen entspringen im Muschelkalke, teils auf der Grenze 
zwischen oberem und mittlerem, teUs auch in den Zellendolo- 
miten des mittleren („Olgaquelle"). Sie treten in geringer Tiefe 
zutage (1,5—3,25 m). 



Analyse der „Olgaquelle' 



(aus den Einzelbestandteilen berechnet). 
1898*). 



Analytiker: J. Denzel 
Temperatur: 15,0°. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten^: 



Kationen'). Gramm 

Natrium-Ion (Na-) 0,0037 

Calcium-Ion (Ca-) 0,0942 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,0264 

Ferro-Ion (Fe-) 0,0020 

Anionen'). 

Chlor-Ion (Gl') 0,0057 

Sulfat-Ion (SOi") 0,0377 

Hydrokarbonat-lon (HCO3') • ^>^^^ 



Milli- 
Mol 


Milligramm- 
Äquivalente 


0,16 
2,35 
1,08 
0,036 


0,16 
4,70 
2,16 
0,073 




7,09 


0,16 


0,16 


0,392 
6,15 


0,784 
6,15 



0,545 
0,0154 



10,33 
0,197 



7,09 



Kieselsäure (meta) (HjSiOg) . 

0,560 10,53 
Freies Kohlendioxyd (COj): das Wasser ist damit „gesättigt". 
Daneben Spuren von Kalium-, Lithiimi-, Aluminium-Ion. 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzimg 
imgefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält')*): 

Gramm 

Natriumchlorid (NaCl) 0,0094 

CalciumsuKat (CaSOJ 0,0534 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCO,),] 0,318 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HCO,),] 0,158 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCO,),] 0,0065 

Kieselsäure (meta) (HjSiOj) ■ 0,0154 

0,561 
Freies Kohlendioxyd (CO,): das Wasser ist damit „gesättigt". 

Ältere Analyse: G. C. Gmelin 1827 (bei Heyfelder, Die Heil- 
quellen und Molkenkuianstalten des Königreichs Württemberg S. 82. Stutt- 
gart 1840). Werte ziemlich weit abweichend von vorstehenden. 



^) G. Ströhmfeld, Bad Niedemau im württembergischen Schwarzwald 
S. 42. Niedemau 1899. ') Die Angaben beziehen sich nicht auf 1 kg, sondern 
auf 1 1, was jedoch praktisch im vorliegenden Fall keinen Unterschied ausmacht. 
Eine Umrechnung war in Ermangehmg der Angabe des spezifischen Gewichtes 
nicht möglich. ') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. ') Vgl. ehem. Ein- 
leitung Abschn. B.2.C. 



62 — 



Analyse der „Mittleren Bergquelle" (aus den Einzelbcstandteilen berechnet), 

Analytiker: J. Denzel. 1898'). 
In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten'): 

Kationen'). 



Milli- 

Gramm Mol 

Natriimi-Ion (Na-) 0,00592 0,257 

Calcium-Ion (Ca-) 0,326 8,12 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,0339 1,39 

Ferro-Ion (Fe") 0,0024 0,044 

Anionen^. 

Chlor-Ion (Q') 0,0085 0,24 

Sulfat-Ion (SO/') 0,0514 0,535 

Hydrokarbonat-Ion (HCOj'). 1,10 18,1 



Milli^ramm- 
ÄquiTalente 

0,257 
16,3 

2,78 

0,087 
19,4 

0,24 
1,07 
18,1 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält^)'): 

Gramm 

Natriumchlorid (Sa.Cl) 0,014 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,00123 

Calciumsulfat (CaSOJ 0,0717 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03),] 1,23 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HC08),] 0,204 

Ferrohydrokärbonat [Fe(HCO,)J 0,0078 

Kieselsäure (meta) (HjSiO,) 0,0169 

1,55 

Freies Kohlendioxyd (CO,): das Wasser ist damit „gesättigt". 



Kieselsäure (meta) (H,SiOj) 
Freies Kohlendioxyd (CO,): 



1,53 
0,0169 



28,7 
0,215 



19,4 



Ältere Analyse: Georgi 1814 (bei H. Hager, Manuale pharmaceu- 
ticum. Vol. alterum pag. 330. Lipsiae 1860). 



Daneben Spuren von Kalium - 
Aluminium-, Hydrophosphat-Ion. 



1,55 28,9 

das Wasser ist damit „gesättigt". 
Lithium-, Mangano-, 



')G. StrShmfeld, Bad Niedemau im irfirttembergiscben Schwarzwald 
.S. 42. Niedemau 1899. ^) Die Angaben beziehen sich nicht auf 1 kg, sondern 
auf 1 1 , was jedoch praktisch im Torliegcnden Falle keinen Unterschied aus- 
macht. Eine Umrechnung war in Ermangelung der Angabe des spezifischen 
Gewichtes nicht möglich, *) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. *) Vgl. 
ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 



Analyse der „StahlqUelle" (aus der Salztabelle berechnet). 

Analytiker: Strecker. 1862'). 

Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche iu 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

, MilU- Milligramm- 

Eationen^. Gramm Mol Äquivalente 

Kalium-Ion (K-) 0,03574 0,9130 0,9130 

Natrium-Ion (Na-) 0,01970 0,8547 0,8547 

Calcium-Ion (Ca--) 0,2938 7,327 14,65 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,05802 2,382 4,764 

Ferro-Ion (Fe") 0,04960 0,8873 1,775 



Anionen'). 

Chlor-Ion (Cl') 0,03690 1,041 

Sulfat-Ion (SO/') 0,1702 1,771 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,'). 1,121 18,38 



22,96 

1,041 
3,543 
18,38 



Kieselsäure (meta) (H,SiO,) . 
Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



1,785 
0,0201 



33,56 
0,257 



22,96 



KaUumchlorid (KCl) 0,06811 

Natriumchlorid (NaCl) 0,007476 

Natriumsulfat (Na,SO,) 0,05166 

Calciumsulfat (CaSOJ 0,1917 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCO,),] 0,9596 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HCO,)j] 0,3486 

Ferrohydrokärbonat [Fe(HCO,),] 0,1579 

Kieselsäure (meta) (H,SiO,) 0,0201 

1,8051 
Freies Kohlendioxyd (CO,) „großer Gehalt". 

Ältere Analyse: Georgi 1814. 



1,805 33,81 

„großer Gehalt". 



Analyse der „Rasenquelle" (aus der 

Analytiker: K. 
In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

__ ^ ^ MiUi- Milligramm- 

Kanonen'). Gramm Mol Äquivalente 

Kalium-Ion (K-) 0,1439 3,675 3,675 

Natrium-Ion (Na-) 0,1115 4,836 4,836 

Calcium-Ion (Ca-) 0,2832 7,063 14,13 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,06118 2,512 5,023 

Mangano-Ion (Mn--) 0,0010 0,018 0,037 



Anlonen '). 

Chlor-Ion (Cl') 0,1858 6,240 

ßulfat-Ion (SO.") 0,1772 1,845 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,0148 0,154 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') 1,126 18,46 



27,70 

5,240 
3,690 
0,308 
18,46 



') G. StrShmfeld, Bad Niedemau im wilrttembergischen Schwarzwald 
8. 44. Niedemau 1899. ') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. ») Vgl. ehem. 
Einleitung Absclm. B.2.c. 

Salztabelle berechnet). 

Binz. 1897'). 

Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KO) 0,2741 

Natriumchlorid (NaCl) 0,09157 

Natriumsulfat (Na^SO,) 0,2325 

Calciumsulfat (CaSOJ 0,02857 

Calciumhydrophosphat (CaHPOJ 0,0209 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCO,),] 1,086 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HCO,),] 0,3676 

Manganohydrokarbonat [Mn(HCO,),] 0,0032 

2,104 
Freies Kohlendioxyd (CO,) nicht bestimmt. 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 



2,105 43,80 

nicht bestimmt. 



27,70 



•) G. Ströhmfeld, Bad Niedemau im wilrttembergischen Schwarzwald 
S. 44. Niedemau 1899. «) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. >) Vgl. ehem. 
Einleitung Abschn. B.2.c. 



63 



Analyse der „RÖmerqUelle" (aus der SalztabeUe berechnet). 

Analytiker: J. Denzel. 1898'). 



In 1 liter des Mineralwassers sind enthalten^): 



MiUi- 

Kationen'). Gramm Mol 

Natrium-Ion (Na-) 0,0037 0,16 

Calcium-Ion (Ca-) 0,3683 9,184 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,0887 3,64 

Ferro-Ion (Fe-) 0,0027 0,048 

Mangano-Ion (Mn-) 0,0019 0,034 

Anionen ^. 

CUor-Ion (Cl') 0,0106 0,299 

Sulfat-Ion (SO/') 0,0194 0,202 

1,542 25,27 



Hydrokarbonat-Ion (HCO^') 
Kieselsäure (meta) (HjSiOg) . 
Freies Kohlendioxyd (CO^) . 



Alilligramm- 
ÄquiYalente 

0,16 
18,37 

7,28 

0,095 

0,068 
25,97 

0,299 
0,405 
25,27 



2,037 
0,0182 



38.84 
0,232 



25,97 



2,056 39,07 

„damit gesättigt". 



Daneben Spuren von Kalium-, Lithium-, Aluminium-Ion. 

Ältere Analysen: B. Ritter 1838 (bei Heyfelder, Die Heilquellen 
und Mollcenkuranstalten des Königreichs Württemberg S. 83. Stuttgart 1840). 
Scheffer 1860 (bei B. M. Lersch, Einleitung in die Mineralqueilenlehxe 
Bd. 2 S. 1488. Erlangen 1860). 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Liter enthält^)*): 

Gramm 

. . 0,0093 

. . 0,00773 

. . 0,0276 

. . 1,445 

. . 0,533 

. . 0,0085 

. . 0,0060 

. . 0,0182 



Natriumchlorid (NaCl) 

Calciumchlorid (CaCl^) 

Calciumsulfat (CaSOj) 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCO,)j] . . 
Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HC0,)2] 
Ferrohydrokarbonat [Fe(HCO,)J .... 
Manganohydrokarbonat [Mn(HC03)j] • 
Kieselsäure (meta) (H^SiOä) 



2,055 
Freies Kohlendioxyd (COj) „damit gesättigt". 



1) G. Ströhmfeld, Bad Niedemau im württembergischen Schwarzwald 
S. 46. Niedernau 1899. *) Die Analyse ist im Original auf die Litereinheit bezogen 
und konnte in Ermangelung der Angabe des spezifischen Gewichtes nicht auf 
1 kg umgerechnet werden. Bei einer derartigen Umrechnung würden sich 
schätzungsweise sämtliche Zahlen um etwa 0,1 Prozent ihres Wertes erniedrigen. 
3) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. *) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.3.C. 



SämtUche Quellen sind auf Grund ihres Kohlendioxyd- 
gehaltes zu den „Säuerlingen" zu rechnen. Die „Olga- 
quelle", die nur etwa 0,5 g gelöste feste Bestandteile enthält, 
ist ein „einfacher Säuerling". Die „Mittlere Berg- 
quelle", die „Rasenquelle" und die „Eömerquelle", bei 
denen unter den gelösten festen Bestandteilen (1,5 — 2,1 g) 
Calcium-, Magnesium- und Hydrokarbonat-Ionen vorwalten, 
sind „erdige Säuerlinge". Auch die „Stahlquelle" wäre 
ihren Hauptbestandteilen nach zu dieser Gruppe zu rechnen, 
ist aber wegen ihres Eisengehaltes von nahezu 50 mg als 
„Eisenquelle" („erdiger Eisensäuerling") zu bezeichnen. 

Das Wasser der in 2^|^ — 4 m tiefen Steinschächten ge- 
faßten Quellen wird zum Trinken am Ort und zum Baden 
benutzt. Die „Eömerquelle" kommt auch als Tafelwasser zum 
Versand (70 000 — 75 000 Flaschen jährUch), teils in natürHchem 
Zustande, teils auch nach Zusatz von käuflicher Kohlensäure. 
Am Ort werden besonders „Bergquelle" und „Stahlquelle" (auf 



Wunsch auch unter Zusatz von Kohlensäure) getrunken. In 
13 Badezellen mit Wannen aus Holz, Zinkblech und Email 
werden jährlich etwa 1200 Bäder verabreicht. Das Wasser 
wird durch eingeleiteten Dampf envärmt. 

Sonstige Kurmittel: Künstliche Kohlensäure- und Sol- 
bäder, Fichtennadelbäder imd Schwefelbäder. 

Behajidelt ■werden: Blutarmut (besonders Anämie nach 
Geburt), Bleichsucht, Skrofulöse, Frauenkrankheiten, Nerven- 
leiden, Blasenaffektionen, Bronchitiden. 

Kurarzt im 4 km entfernten Eottenburg. — Kurzeit: Mai 
bis September. — Kurtaxe wird nicht erhoben. — Zahl der 
Besucher (ohne Passanten) 1902: 425; 1903: 445; 1904: 450. 

Allgemeine Einrichtungen : Trinkwasserversorgung durch 
Brunnen. — Beseitigimg der Abfallstoffe durch Abfuhr. — 
Apotheke in Eottenburg. — Besitzerin der Quellen ist Franz 
Eaidt Wwe. 



G6G6G6GJSC3SG6G6G6föCÄSG6G6fö ObershaUSen ^^iSO^^iSOiSOiSOiSOiSOiSO^^ 



Bei dem Dorf Obershausen bei Weilburg im Oberlahnkreis, 
Eegieningsbezirk Wiesbaden, Provinz Hessen -Nassau (Bahn- 
station Löhnberg der Linie Coblenz— Gießen) entspringen vier 
Mineralquellen. Von diesen wurden die „Prinz Heinrichquelle" 



1901, der „Bismarcksprudel" 1902 erbohrt, beide in devonischen 
Schichten. Beide Bohrlöcher sind mit Kupferrohren verrohrt. 
Sie sind 101 und 20 m tief und liefern tägüch 400 und 250 hl 
Wasser. 



Analyse der „Prinz Heinrichquelle" (aus der saiztabeue berechnet). 

Analytiker: T. Günther. 1902'). 

Spezifisches Gewicht: 1,00192 (ohne Temperaturangabe). 

Temperatur: 9,7°, gemessen etwa 15 m unter dem Wasserspiegel. 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen ''). Gramm 

Kahum-Ion (K-) 0,004726 

Natrium-Ion (Na-) 0,1880 

Lithium-Ion (Li-) 0,000623 

Anmionium-Ion (NH^-) . . . 0,000596 



Milli- 


Milligramm- 


Mol 


Aquiralente 


0,1207 


0,1207 


8,158 


8,158 


0,0887 


0,0887 


0,0330 


0,0330 



Gramm 

Calcium-Ion (Ca--) 0,1533 

Strontium-Ion (Sr") 0,000579 

Baryum-Ion (Ba-) 0,000035 



MiUi- 


Milligramm- 


Mol 


Äquivalente 


3,823 


7,646 


0,0066 


0,0132 


0,0003 


0,0005 



*) Prospekt ohne Ort imd Jahr. ') Vgl. chem, Einleituug Abschn. A. 



64 



Magnesium-Ion (Mg**) . . . . 

Ferro-Ion (Fe-) 

Mangano-Ion (Mn") 

Aluminium-Ion (AI—) . . . . 

Anionen*). 

Chlor-Ion (ß") 

Brom-Ion (Br) 

Jod-Ion (J') 

Sulfat-Ion (SO;') 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 
Hydrokarbonat-Ion (HCO,') . 

Kieselsäure (meta) (H,SiO,) . 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



Gramm 


Mllli- 
Mol 


Milligramm- 
Äquivalente 


0,04942 
0,009036 
0,001351 
0,000034 


2,029 
0,1617 
0,0246 
0,0013 


4,057 
0,3233 
0,0491 
0,0038 
20,493 


0,004339 
0,000026 
0,000001 
0,001796 
0,000024 
1,240 


0,1224 
0,0003 
0,00001 
0,0187 
0,0002 
20,33 


0,1224 
0,0003 
0,00001 
0,0374 
0,0005 
20,33 


1,654 


34,92 


20,49 


0,01770 


0,2257 




1,672 


35,14 




2,150 


48,87 





3,822 



84,01 



>) Vgl. ehem. Einleitmig AbschniU A. 
gchnitt B.2.C. 



*) Ygl. ehem. Einleitimg Ab- 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt 
1,67 g, wobei Hydrokarbonat-, Natrium-, Calcium- und Magne- 
sium-Ionen vorwalten. Da 2,15 g freies Kohlendioxyd vor- 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzimg 
imgefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält"): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,006672 

Kaliumsulfat (K,SOJ 0,002725 

Natriumbromid (NaBr) 0,000033 

Natriumjodid (NaJ) 0,000001 

Natriumsulfat (NbjSO,) 0,000201 

Natriumhydrokarbonat (NaHCO,) . 0,6855 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCO,) . 0,006034 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) 0,001764 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03)J . 0,6198 

Strontiumhydrokarbonat[Sr(HC08)j] 0,001386 

Baryumhydrokarbonat [Ba(HCO,)j]. 0,000067 
Magnesiumhydrokarbonat 

tMg(HCO,),] 0,2970 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCO,),] . . 0,02876 

Manganohydrokarbonat[Mn(HCO,)s,] 0,004350 
Aluminiumhydrophosphat 

[A1,(HP0,),] 0,000028 

Aluminiumsulfat [A1,(S0J8] .... 0,00019 

Kieselsäure (meta) (H,SiO,) 0.01770 

1,6722 , j^3^ ^^^ ^^ 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 2,150 = | 9,7° und 

3 822 1^60 mm Druck. 

banden sind, so ist die Quelle ein „erdig-alkalischer 
Säuerling". 

Besitzer der Quellen sind: Heinr. Wilh. Müller in Algringen 
und Friedr. Theis in Leim. 



G6G6G6G6G6G6G6G6C;6G6G6G6G^G6aS Probbach ^^^^ÖOiSO^^^iSO^^^^iSO 



Bei Probbach, einem Dorf im Oberlahnkreise der Provinz 
Hessen-Nassau, entspringt eine bereits am Anfang des 18. Jahr- 



hunderts bekannte Quelle, der „Probbacher Mineralbrunnen", 
etwa 4 m tief aus devonischen Schichten. 



Analyse 

(aus den Original zahlen berechnet). 



Analytiker: C. Pistor. 1885'). 
Temperatur: 12,5°. 



In 1 Liter des Mineralwassers sind enthalten*): 



Kationen^. 

Kalium-Ion (K-) 

Natrium-Ion (Na-) 

Calciimi-Ion (Ca") 

Magnesium-Ion (Mg") . . . . 

Ferro-Ion (Fe-) 

Aluminium-Ion (AI"-) . . . . 

Anionen °). 

Chlor-Ion (CT) 

Sulfat-Ion (SO/') 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') . 

Kieselsäure (meta) (H,SiO,) . 
Organische Substanzen. . . . 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



Gramm 
0,00168 
0,0287 
0,2217 
0,02231 
0,01539 
0,00133 



MUU- 
Mol 

0,0430 

1,24 

5,530 

0,9159 

0,2754 

0,0489 



Milligramm- 
Äquivalente 

0,0430 

1,24 
11,06 

1,832 

0,5507 

0,147 
14,87 



0,006428 0,1813 0,1813 
0,00411 0,0428 0,0857 
0,8913 14,61 14,61 



1,1929 

0,03441 
0,01738 



22,89 
0,4387 



14,88 



1,2447 
2,034 



23,33 
46,23 



3,279 



69,56 



Daneben Spnren von Nitrat- und Hydrophosphat-Ion. 



Das Mineralwasser entspricht in 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 



Kaliumchlorid (KQ) 

Natriumchlorid (NaCl) 

Natriumhydrokarbonat (NaHCO,) 
Calciumhydrokarbonat [Ca(HCO,),; 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HCO,),] 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCO,),] . 

Aluminiumchlorid (AlCl,) 

Aluminiumsulfat [A1,(S0J,] .... 

Kieselsäure (meta) (H,SiO,) 

Organische Substanzen , 



seiner Zusammensetzung 
Liter enthält *)*): 

Gramm 
0,00321 
0,00452 
0,0981 
0,8964 

0,1341 

0,04899 

0,00272 

0.00489 

0,03441 

0,01738 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 



1,2447 

2,034 ■ 
3,279 



{1086 ccm bei 
12,5° und 
7 60 mm Druck. 



') Analyse des Mineralbnmnens von Probbach. Gießen 1885. •) Die 
Analyse ist im Original auf die Litereinheit bezogen und konnte in Ermange- 
lung der Angabe des spezifischen Gewichtes nicht auf 1 kg umgerechnet werden. 
Bei einer derartigen Umrechnung würden sich schätzungsweise sämtliche Zahlen 
um etwa 0,1 Prozent ihres Wertes erniedrigen. ') Vgl. ehem. Einleitung 
Abschn. A. ') Vgl. ehem. Einleitung Absclm. B.2.C. 



— 65 — 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt 1,2 g, 
wobei Hydrokarbonat- und Caicium-Ionen vorwalten. Da 2 g 
freies Kohlendioxyd vorhanden sind, so ist die Quelle als 
„erdiger Säuerling" zu bezeichnen. Bemerkenswert ist der 
Eisengehalt von 15 mg. 



Die Quelle ist in Marmor gefaßt und wird von den nächsten 
Anwohnern als Trinkwasser benutzt. Sie gehört dem preußischen 
Staat und wird von dem Königlichen Domänenrentamt zu Weil- 
burg verwaltet. 



föföG6GJSG6G6G6G6föG6föG6föG6fö RehbUFg ^iSO^iSOiSO^^iSO^iSOiSO^ÖO^^ 



Dorf mit 456 Einwohnern, 4 km von der gleichnamigen 
Stadt entfernt im Kegierungsbezirk Hannover, liegt 80—100 m 
ü. M. im Hügelland, von Laub- und Nadelwald eingeschlossen. 
In der Nähe der Binnensee das „Steinhuder Meer". Station 



der in Wimstorf von der Bahn Hannover — Cöln abzweigenden 
Kleinbahn nach Uchte. 

Heilquellen. 2 Quellen, 1690 entdeckt, entspringen in 
der mittleren Schicht der Wealdenformation. 



Analyse der „Trinkquelle" (aus der SalztabeUe berechnet). 



Analytiker: Westrumb. 1838'). 
Temperatur: 11,8°. 



In 1 Kjlogramm des Mineralwassers 

Kationen ') : Gramm 

Natrium-Ion (Na-) 0,0460 

Calcium-Ion (Ca-) 0,239 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,021 

Ferro-Ion (Fe-) 0,0023 

Aluminium-Ion (AI-) .... 0,0035 

Anionen'). 

Chlor-Ion (Cl') 0,027 

Sulfat-Ion (SO/') 0,350 

Hydrokarbonat-Ion (HCO3') 0.492 



Kieselsäure (meta) (H,SiO,) 
Organische Substanzen . . 

Freies Kohlendioxyd (CO,) , 



1,181 
0,013 
0,0055 



1,199 
1,299 



sind enthalten: 


Milli- 


Alilligramin- 


Mol 


Aquivaleute 


2,00 


2,00 


5,97 


11,9 


0.86 


1,7 


0,040 


0,081 


0,13 


0,38 




16,1 


0,77 


0,77 


3.64 


7,28 


8,06 


8,06 



21,47 
0,16 



21,63 
29,51 



16,11 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 

ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält"): 

Gramm 

Natriumchlorid (NaCl) 0,045 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,087 

Calciumsulfat (CaSOJ 0,386 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03),] 0,508 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HCO,)J 0,13 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC0,)2] . . 0,0072 

Aluminiumsulfat [Al2(SOj3] .... 0,022 

Kieselsäure (meta) (H^SiOg) 0,013 

Organische Substanzen 0,0055 



1,20 
Freies Kohlendioxyd (CO,) 1,299 



2,50 



f 691,7 ccm bei 
11,8° und 
760 mm Druck. 



2,498 



51,14 



>) K. Michaelis, Bad Eehburg S. 63. Hamioyer 1897. ") Vgl. ehem. 
Einleitung Abschn. A. ^) Vgl. ehem. Einleitung Abscltn. B.2.C« 



Analyse der „Badequelle" (aus der Salztabelle berechnet). 



Analytiker: Westrumb. 1838'). 

Spezifisches Gewicht: 1,002 (ohne Temperaturangabe). 

Temperatur: 12,5°. 



In 1 Ejlogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Kationen '). Gramm 

Natrium-Ion (Na-) 0,024 

Calcium-Ion (Ca-) 0,244 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,0473 

Ferro-Ion (Fe--) 0,0019 

Aluminium-Ion (AI-) .... 0,0043 

Anionen'). 

Chlor-Ion (Cl') 0,028 

Sulfat-Ion (SO/') 0,394 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') 

Kieselsäure (meta) (HjSiOj) 
Organische Substanzen .... 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



Milli- 
Mol 


Milligramm- 
Äquivalente 


1,0 


1,0 


6,08 


12,2 


1,94 


3,88 


0,035 


0,070 


0,16 


0,47 




17,6 


0.78 


0,78 


4,10 


8,20 


8,65 


8.65 



0,528 


8,65 


8.65 


1,272 
0,034 
0,0047 


22,7 
0,43 


17,63 


1,310 
1,12 


23,2 
25.6 





Das Mineralwasser entspricht in 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 

Natriumchlorid (NaCl) 

Natriumsulfat (Na^SO^) 

CalciumsuKat (CaSO^) 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCO,)j] 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HCO.),l 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCOs),] 
Aluminiumsulfat [A1,(S0J.,] . . 
Kieselsäure (meta) (H^SiO,) . . . 
Organische Substanzen 



seiner Zusammensetzung 
Kilogramm enthält"): 

Gramm 

0.046 

0,018 

0.509 

0,381 

0,284 

0,0062 

0,027 

0,034 

0,0047 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 



1,310 

1,12 
2,43 



601 ccm bei 

12,5° und 

760 mm Druck. 



2,43 



48,8 



') J. F. Simon, Die Heilquellen Europas 
ehem. Einleittmg Abschn. A. *) Vgl. ehem. 



S. 198. Berlin 1839. «) Vgl. 
Einleitung Abschn. B.2.C. 



— 66 — 



Die Summen der gelösten festen Bestandteile betragen etwa 
1,2 und 1,3 g, wobei Hydrokarbonat-, Sulfat- und Calcium-Ionen 
vorwalten. Mit Rücksicht auf den Gehalt an freiem Kohlen- 
dioxyd sind die Quellen als „erdige Säuerlinge" zu be- 
zeichnen. 

Das Wasser der Quellen wird im Gebirge aufgestaut und 
etwa 200 m in Metallröhren weitergeleitet. Es dient lediglich 
zu Bädern. In 2 Badehäusem mit 19 Zellen (Wannen aus 
Mettlacher Fliesen und Sandstein) wurden 1903: 1476; 1904: 
1557; 190.'): 1609 Bäder verabreicht. 

Sonstige Kurmittel: Medizinische Bäder. Inhalationen. 



>Iilch-, Molken- und Kefirkuren. Gedeckte Wundelbahn. — 
4 Lungenheilanstalten. 

3 Ärzte. — Kurzeit: 1. Mai bis 1. Oktober. — Kurtaxe: 
1 Person 10 M., 2 Personen 16 M., jetie weitere Person 1 M. — 
Für weniger Bemittelte 6 M., 10,U) M. und 3 M. — Zahl der 
Besucher ohne Passanten 1903: 6,^i0; 1904: 646; 1905: 681. 

AUgemelne Einrichtungen : Trinkwasserversorgung durch 
Brunnen. — Beseitigiuig der Abfallstoffe durch Abfuhr. — 
Dampfdesinfektion. — Apotheke. — Armenbadeanstalt. — 
Quellen und Badehäuser gehören dem preußischen Staat. — Aus- 
kunft durch den Könighchen Badekommissar. 



G6G6G6G6G6D5G6C6CJSG6C6G6 ReinhardshaUSGIl ÄPÖDÖDöDöDöDÖOÖDÖDÖDÄPÖO 



Dorf bei Wüdimgen mit 232 Einwohnern im Kreise der 
Eder des Fürstentums Waldeck, liegt 318 m hoch in einem 
2 km breiten Talkessel. Waldungen in der Umgebimg. Nächste 
Bahnstation ist Wildungen, Endstation der von der Linie 
Frankfurt a. M.— Cassel in Wabern abzweigenden Nebenbahn. 

KLima. Durch vorgelagerte, bis zu 532 m hohe Berge ist 
der Ort gegen Nord- und Ostwinde geschützt. 



Heilquellen. Eine Quelle, die „Keinhardsquelle", ist 1894 
gefaßt worden und dient seit 1895 zu Heilzwecken. Sie ent- 
springt in dem WUdunger Quellengebiet an der Westseite des 
bewaldeten Homberges auf einem der staffelfönnigen Rand- 
brüche des Kellerwald-Horstes im Wissenbacher Schiefer. In 
ihrer Umgebung noch 6 andere Quellen. 



Analyse der „Reinhardsquelle" (aus der saiztabeue berechnet). 

Analytiker: Th. Dietrich. 1894'). 

Temperatur: 9,6°. 

Ergiebigkeit: 108 hl in 24 Stunden. 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

. MiUi- Milligramm- 

Eatloneil^. OiHmm Mol ÄquiTSlente 

Kalium-Ion (K-) 0,003308 0,0845 0,0845 

Natrium-Ion (Na-) 0,01647 0,7144 0,7144 

Lithium-Ion (Li-) 0,000075 0,0106 0,0106 

Calcium-Ion (Ca-) 0,2061 5,139 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,09986 4,099 

Ferro-Ion (Fe--) 0,004828 0,0864 

Mangano-Ion (Mn--) 0,001014 0,0184 

Aluminium-Ion (AI-) .... 0,000053 0,0020 



Anionen'). 

Chlor-Ion (Gl') 0,003048 0,0860 

Sulfat-Ion (SO,") 0,01949 0,2029 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,000534 0,0056 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,'). 1,159 19,00 



10,28 
8,199 
0,1727 
0,0369 
0,0059 

19,50 

0,0860 
0,4058 
0.0111 
19,00 



1,514 



29,45 19,50 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 


ungefähr einer Lösung, welche in 1 


Kilogramm enthält *): 




Gramm 


KaUumchlorid (KCl) 


0,006303 


Natriumchlorid (NaCl) 


0,000086 


Natriumsulfat (Na,SOJ 


0,02884 


Natriumhydrokarbonat (NaHCO,) . 


0,02582 


Lithiumhydrokarbonat (LiHCO,) . . 


0,000722 


Calciumhydrophosphat (CaHPO,) . . 


0,000356 


Calciumhydrokarbonat [Ca(RCO,),\ 


0,8327 


Magnesiumhydrokarbonat 




\Mg(aCO,\] 


0,6000 


Ferrohydrokarbonat [Fe(HCO,),J . . 


0,01537 


[MnfHCO.ll 


0,003264 


Aluminiurahydrophosphat 


[A1,(HP0J,] 


0.000336 


Kieselsäure (meta) (H,SiO,) 


0,008244 



Kieselsäure (meta) (H,SiO,) . 0,008244 0,1051 
Freies Kohlendioxyd (CO,) 



1,522 
2,597 



29,55 
59,01 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 



1,5220 
2,597 = 



1372 ccm bei 

9,6° und 
r 60 mm Druck. 



4,119 88,56 



') Prospekt ohne Ort und Jahr. ') 
') Tgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 



4,119 
Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
1,5 g, wobei Calcium-, Magnesium- und Hydrokarbonat-Ionen 
vorwalten. Da etwa 2,6 g freies Kohlendioxyd vorhanden sind, 
ist die Quelle ein „erdiger Säuerling". 

Die „Reinhardsquelle" ist 5 m tief mit Zementschacht ge- 
faßt. Zwei 156 und 150 m tief neuerbohrte Quellen sind in 
schmiedeeisernen Röhren gefaßt. Das Wasser der „Reinhards- 
quelle" wird in natürlichem Zustande an Ort und Stelle ge- 
trunken und auch versandt (1903: 142 034; 1904: 168 266; 
1905: 195 986 Flaschen). Das Wasser der einen neu erbohrten 
Quelle wird getrunken, das der anderen zum Baden benutzt. 
Dem Badehause, das 7 Badezellen mit Porzellan wannen ent- 



hält, wird es in geschlossener Leitung, in der es durch Dampf 
in Gegenstromapparaten erwärmt wird, zugeleitet. 1904 wurden 
1676; 1905: 2181 Bäder verabreicht. 

Sonstige Kurmittel: Sonnenbad. — Gedeckte Wandelhalle. 

Behandelt werden: Nieren- und Blasenleiden. 

Arzte in Wildungen. — Kurzeit: April bis Oktober. — 
Kurtaxe wird nicht erhoben. — Zahl der Besucher (ohne 
Passanten) 1904: 56; 1905: 72. 

Allgemeine Einrichtungen : Trinkwasserversorgung durch 
Gebirgswasserleitung. — Die Quellen sind im Besitze von 
G. Gömer. 



67 — 



föföföföföföföc^fö Römerbrunnen bei Echzell ^^^^^^^^^ 



Mineralquelle bei EchzeU, im Kreise Büdingen, Oberhessen. 
(Eisenbahnstation ist Grimd-Schwalheim der Nebenbahn Fried- 
berg — Nidda). Die Quelle ist vermutlich schon den Kömern 



bekannt gewesen. Späterhin erwähnt sie Tabemaemontanus 
1584 als heilkräftig. Das Wasser der im Basalttuff gefaßten 
Quelle wird seit 1884 zum Versand gebracht. 



Analyse Analytiker: R. Fr 

(aus der SalztabeTle berechnet). Temperatur: 12,3°. 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

, Milli- Miiligramm- 

Kationen-j. Gramm Mol Äquivalente 

Kalium-Ion (K-) 0,0352 0,899 0,899 

Natrium-Ion (Na-) 0,6533 28,34 28,34 

Calcium-Ion (Ca-) 0,4320 10,77 21,55 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,4370 17,94 35,88 

Ferro-Ion (Fe-) 0,0211 0,378 0,756 

87,43 

Anionen^). 

Chlor-Ion (CI) 1,157 32,63 32,63 

Sulfat-Ion (SO;') 0,09693 1,009 2,018 

Hydrokarbonat-Ion (HCOj'). 3,220 52,78 52,78 

6,053 144,75 87,43 

Kieselsäure (meta) (H^SiGj) . 0,114 1,45 

6,167 146,20 

Freies Kohlendioxyd (CO^) . 1,933 43,94 

8,100 190,14 

') Prospekt. Natürlich kohlensaures Mineralwasser Römerbrunnen bei 
Echzell (Oberhessen). Antwerpen. Ohne Jahr. ') Vgl. ehem. Einleitimg 
Abschn. A. ') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 



jsenius. 1884*). 

Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält^): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,0671 

Natriumchlorid (NaCl) 1,658 

Calciumchlorid (CaCl,) 0,1880 

Calciumsulfat (CaSOJ 0,1374 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC0,)2] . 1,309 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03),] 2,626 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC0j)2l . . 0,0673 
Kieselsäure (meta) (HjSiOj) 0,114 

6,167 

{1032 ccm bei 
12,3° und 
760 mm Druck. 



Sonstige Analysen: J. von Liebig 1827 (bei Ph. Jochhelm, Die 
Mineralquellen des Großherzogtums Hessen S. 127. Erlangen 1858). C. Pistor 
1884 (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft 1884 Bd. 17 S. 2894). 
Eine neuere Analyse von C. Bischoff, 1901 (Prospekt) beschrankt sich auf 
die Ermittelung weniger Hauptbestandteile. 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
6,2 g. Unter den Anionen waltet Hydrokarbonat, daneben 
Chlor vor, unter den Kationen Magnesium, daneben Natrium 
und Calcium. Da ferner 1,9 g freies Kohlendioxyd vorhanden 
sind, so ist die Quelle als „erdig-muriatisoher Säuer- 
ling" zu bezeichnen. 



Das Wasser wird nach Enteisenimg und Kohlensäurezusatz 
als Tafelwasser, daneben auch in natürlichem Zustande zu Heil- 
zwecken versandt (1903: 685 000; 1904: 830 000; 1905: 1000 000 
Gefäße). Besitzer der Quelle ist A. Osterrieth, Antwerpen, Eue 
de CMne 15. 



Ö5C;6C;^G6G6C6G6DSG6G6G6GJSC6C;?S Schwalheim ÖDeö(^dO&3ÖO(^&3(!0(X3ÖOÖDö3Ä) 



In Schwalheim bei Bad-Nauheim entspringen aus torfigen 
Sauden, die über basaltbedecktem Tertiär liegen, drei Quellen: 



der „Schwalheimer Brunnen" 
die „Löwenquelle". 



der „Gfermania-Brunnen" und 



Analyse des „Schwalheimer Brunnens" (aus den Einzeibestandteiien berechnet). 

Analytiker: W. Sonne. 1903/1904'). 

Spezifisches Gewicht: 1,0010 bei 15°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 10,3°. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen 2). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,04817 

Natrium-Ion (Na-) 0,5914 

Lithium-Ion (Li-) 0,001455 

Calcium-Ion (Ca-) 0,2256 

Strontium-Ion (Sr--) 0,000638 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,07638 

Ferro-Ion (Fe-) 0,004542 

Mangano-Ion (Mn--) 0,004085 



») Manuskript (Privatmitteilung). 



Milligramm- 
Äquivalente 

1,230 

25,66 

0,2069 

11,25 

0,0146 

6,271 

0,1625 

0,1485 

44,94 

') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 



Milli- 
Mol 

1,230 

25,66 
0,2069 
5,625 
0,0073 
3,136 
0,0813 
0,0743 



Anionen'). Gramm 

Chlor-Ion (Cl') 0,9349 

Brom-Ion (Br) 0,00064 

Sulfat-Ion (SO/') 0,05343 

Hydrokarbonat-Ion (HCOg') 1,065 



Kieselsäure (meta) (HjSiO,) 
Freies Kohlendioxyd (COj) . 



3,006 
0,02438 



3,031 
2,236 



Milli- 


Milligram- 


Mol 


Äquivalent 


26,37 


26,37 


0,0080 


0,0080 


0,5563 


1,113 


17,45 


17,45 



80,41 
0,3109 



44,94 



80,72 
50,83 



Daneben Spuren 
Hydroarsenat-Ion. 



5,267 
von Ammonium- 



131,55 

, Hydrophosphat-, 



68 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält*): 

Gnunm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,09178 

Natriumchlorid (NaCl) 1,459 

Natriumbromid (NaBr) 0,00082 

Natriumsulfat (Na^SO«) 0,05089 

Lithiumchlorid (LiCl) 0,008790 

Calciumsulfat (CaSOJ • . . . . 0.02698 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCO,)jl 0,8798 

Strontiumhydrokarbonat [Sr(HC0,)5l 0,00153 

Magnesiumhydrokarbonat [\Ig(HCO,),l 0,4590 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCO,)j] . . 0,01446 



Gramm 

Manganohydrokarbonat[Mn(HCO,),] 0.0)315 
Kieselsäure (meta) (K^SiO,) 0,02438 



3,031 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 2,236 = 

5,267 



1185 ccm bei 

10,3° und 
760 mm Druck. 



Ältere Analysen: Würger 1819 (bei J. F. Simon, Die Heilquellen 
Europas S. 216. Berlin 1839). J. v. Liebig (Liebigs Annalen 1839 Bd. 31 
S. 59). Chatin (bei B. M. Lorsch, Einleitung in die Mincralquellenlehre 
Bd. 2 S. 1546. Erlangen 1860). W. Sonne 1900 (in: Bad-Nauheim, seino 
Kurmittel, Indikationen und Erfolge. Verlaßt Tom Ärzteverein. 3. Aufl. S. 16. 
Nauheim 1904). 



') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 



Analyse des „Germania-Brunnens" (aus den originaizahien berechnet). 

Analytiker: G. Popp und H. Becker. 1892'). 

Spezifisches Gewicht: 1,00115 bei 14°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 10,5°, gemessen im Brunnenschacht. 

Ergiebigkeit: 3600 hl in 24 Stunden (einschließlich von drei anderen Quellen, die nur zur Kohlensäuregewinnung dienen). 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen '). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,03652 

Natrium-Ion (Na-) 0,5716 

Lithium-Ion (Li-) 0,001073 

Calcium-Ion (Ca--) 0,2278 

Strontium-Ion (Sr-) 0,000539 

Baryum-Ion (Ba") 0,000015 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,07402 

Ferro-Ion (Fe-) 0,006003 

Mangano-Ion (Mn--) 0,000578 

Anlonen'). 

Chlor-Ion (Cl') 0,9399 

SuMat-Ion (SO/') 0,06208 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,'). 0,9617 



MilU- 


Milligramm- 


Mol 


Äquivalente 


0,9327 


0,9327 


24,80 


24,80 


0,1527 


0,1527 


5,680 


11,36 


0,0062 


0,0123 


0,0001 


0,0002 


3,039 


6,077 


0,1074 


0,2148 


0,0105 


0,0210 




43,57 


26,51 


26,51 


0,6462 


1,292 


15,76 


15,76 



2.882 77,64 

Kieselsäure (meta) (H,SiO,) . 0,02512 0,3203 



43,56 



2,907 77,97 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 2.675 60,79 



5,582 

Daneben Spuren von Aluminium-, 
Titansäure. 



138,76 
Hydrophosphat-Ion, 



Das Mineralwasser entspricht in 
ungefähr einer Losung, welche in 1 

Kaliumchlorid (KCl) 

Natriumchlorid (NaCl) 

Lithiumchlorid (LiCl) 

Calciumchlorid (CaCl,) 

Calciumsulfat (CaSOJ 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03),] . 
Strontiumhydrokarbonat 

[Sr(HCO.),] 

Baryumhydrokarbonat [Ba(HCO,)j] . 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HCO,),] 0,4448 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCO,),] . . 0,01911 
Manganohydrokarbonat 

[Mn(HC0,)2] 0,001860 

Kieselsäure (meta) (HjSiO,) 0,02512 



seiner Zusammensetzung 
Kilogramm enthält"): 

Gramm 

0,06958 

1,451 

0,006487 

0,03502 

0,08799 

0,7650 

0,001290 
0,000029 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 



2,907 
2,675 



5,582 



1418 ccm bei 

10,5° und 
760 mm Druck. 



Ältere Analyse: W.Thörner. 1889. (Zeitschr. f. angewandte Chemie 
1889 8. 309). 



») Manuskript. ») Vgl. ehem. Einleitimg Abschn. A. 
Einleitung Abschn. B.2.c. 



") Vgl. ehem. 



Analyse der „LÖWenquelle (aus der SaktabeUe berechnet). 

Analytiker: "W. Sonne. 1903/1904'). 

Spezifisches Gewicht: 1,0025 bei 15°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 10,4°. 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: . . .,> 

„.„. „.,,. Amonen'). Gramm 

Kationen'). Gramm "wir äÄ"*; Chlor-Ion (Cl') 1,467 

Kahum-Ion (K-) 0,05429 1,387 1,387 Sulfat-Ion (SO.") 0,09039 

Natnum-Ion (Na-) 0,9118 39,56 39,56 Hydrokarbonat-Ion (HCO,'). 1,348 

Calcium-Ion (Ca--) 0,3069 7,654 15,31 T293 

Magn^ium-Ion (Mg--) 0,1079 4,430 8,859 Kieselsäure (meta) (H,SiO.) . o",0195 

Ferro-Ion (Fe--) 0,00661 0,118 0,236 ' y^ >' __ — 

65,35 Freies Kohlendioiyd (CO.) . $1533 

») Manuskript (PriTatmitteUniig). •) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 7,845 



Milli- 
Mol 

41,37 

0,9410 

22,09 



Milligramm- 
Äquivalente 

41,37 

1,882 

22,09 



117.55 
0,248 



65,34 



117,80 
80.29 



198.09 



— 69 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält^): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,1035 

Natriumchlorid (NaCl) 2,314 

Calciumchlorid (CaCl,) 0,02398 

Calciumsulfat (CaSOJ 0,1281 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCO,),] 1,053 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HC03)j] 0,6484 



Gramm 
Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03)J . . 0,0210 
Kieselsäure (meta) (HjSiOs) 0,0195 



4,311 



Freies Kohlendioxyd (CO^) 3,533 = 

7,844 



1872 com bei 

10,4° und 
760 mm Druck. 



8) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 



Die Summen der gelösten festen Bestandteile betragen 2,9 
bis 4,3 g, wobei Chlor- und Natrium-, daneben Hydrokarbonat-, 
Calcivim- und Magnesium-Ionen vorherrschen. Da 2,2 bis 3,5 g 
freies Kohlendioxyd vorhanden sind, so sind die Quellen „er- 
dig-muriatische Säuerlinge". 

Das Wasser der Quellen dient im natürlichen Zustand (das 
des „Germaniabrunnens" auch nach Enteisenung und Kohlen- 
säurezusatz) zu Trinkkuren und als diätetisches und Erfrischimgs- 



getränk; es wird teUs im benachbarten Bad-Nauheim getrunken, 
teUs durch das Brunnenkontor in Bad-Nauheim nach auswärts 
versandt (vom „Germaniabrunnen" etwa 300 000, von der „Löwen- 
quelle" und vom „SchwaJheimer Brunnen" etwa 89 000 Gefäße 
jährlich). 

Die Quellen gehören dem hessischen Staat, ihre Verwal- 
timg ist der Großherzoglichen Badedirektion in Bad-Nauheim 
unterstellt. 



GJSG6G6C6G6G6G6G6G6C6C3S Selters bei Weilburg ^^^i$o^^^i^^^^ 



Dorf mit 272 Einwohnern im Oberlahnkreise, Regierungs- 
bezirk Wiesbaden der Provinz Hessen -Nassau, liegt unweit 
WeUburg. Nächste Bahnstation Löhnberg an der Strecke 
Gießen — Coblenz. 

Heilquellen. Bereits im 18. Jahrhundert war in Selters 
bei Weilburg eine Mineralquelle bekannt, die von den Ein- 



wohnern vielfach benutzt wurde. Bei Gelegenheit der Lahn- 
regulierung im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts ver- 
schwand sie jedoch. Die jetzt „Selterser Mineralbrurmen" 
genannte Quelle ist im Jahre 1887, der ,,Augusta- Viktoria- 
Sprudel" 1897 erbohrt worden. Sie entspringen beide in 
geringer Tiefe aus schiefrigem Diabas oder Schalstein. 



Analyse des „Selterser Mineralbrunnens" (aus den originalzahlen berechnet). 

Analytiker: H. Fresenius. 1897'). 

Spezifisches Gewicht: 1,00243 bei 20°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 13,0° im Brunnenrohr, in 10 m Tiefe. 

Ergiebigkeit: 290 bis 480 hl in 24 Stunden, je nach dem Wasserstande der Lahn. 



In 1 Ejlogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Kationen'). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,02082 

Natrium-Ion (Na-) 0,8319 

Lithium-Ion (Li-) 0,001924 

Ammonium-Ion (NH^-) . . . 0,001407 

Calcimn-Ion (Ca-) 0,3123 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,1040 

Ferro-Ion (Fe-) 0,004238 

Mangano-Ion (Mn-) 0,001490 

Anionen ^). 

Chlor-Ion (Cl') 1,152 

Brom-Ion (Br') 0,000662 

Jod-Ion (J') 0,000014 

Sulfat-Ion (SO;') 0,01568 

Hydrophosphat-Ion (HPO^") 0,000204 

Hydrokarbonat-Ion (HCO/) 1.736 



Milli- 


Milligramm- 


Mol 


Äquivalente 


0,5317 


0,5317 


36,09 


36,09 


0,2737 


0,2737 


0,0778 


0.0778 


7,787 


15.57 


4,269 


8,539 


0,0758 


0,1516 


0,0271 


0,0542 




61,29 


32.50 


32,50 


0.0083 


0,0083 


0,0001 


0,0001 


0,1633 


0,3265 


0,0021 


0,0042 


28,45 


28,45 



4,183 
0.02620 



110,26 
0,3341 



61,29 



Kieselsäure (meta) (H^SiO^) . 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 

6,797 169,41 
Daneben Spuren von Strontium-, Baryum-, Aluminium- 
Ion, Borsäure. 



4,209 
2,588 



110,59 

58,82 



Das Mineralwasser entspricht in 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 



KaHumchlorid (KCl) 

Natriumchlorid (NaCl) 

Natriumbromid (NaBr) 

Natriumjodid (NaJ) 

Natriumsulfat (Na^SO^) 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOs) 
Lithiumhydrokarbonat (LiHCO,) . 
Ammoniumchlorid (NH^Cl) .... 
Calciimihydrophosphat (CaHPO^) 
Calcimnhydrokarbonat [Ca^HCOj),^ 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HCOJ,l 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC0,)2] . . 
Manganohydrokarbonat [Mn(HCO,)j 
Kieselsäure (meta) (H^SiO^) . . . . , 



Freies Kohlendioxyd (COj' 



seiner Zusammensetzung 
Kilogramm enthält^): 

Gramm 
0,03967 
1,866 
0,000853 
0,000016 
0,02321 
0,3250 
0,01862 
0.004167 
0.000289 
1,262 

0,6249 
0,01349 
0,004794 
0,02620 



4,209 

2,588 = 
6,797 



1384 com bei 

13,0° und 
760 mm Druck 



^) Jahrbuch des nassauischen Vereins für Naturkunde 1898 Bd. 51 S. 1. 
') Vgl, ehem. Einleitung Abschn. A. ') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 



70 



Analyse des ,^UgUSta- Viktoria-Sprudels" (aus den Onginalzahlen berechnet). 

Analytiker: H. E. Beyer. 1896')- 

Spezifisches Grewicht: 1,0036 bei 15°, bezogen airf unbekannte Einheit. 

Temperatur: 11,5°. 

Ergiebigkeit: ungefähr 24 000 hl Wasser und 36 bis 43 cbm Gas in 24 Stunden. 



In 1 KUogranun des Mineralwassers sind enthalten: 

Kationen'). Gnmm 

Kaüum-Ion (K-) 0,04700 

Natrium-Ion (Na-) 1,592 

Lithium-Ion (Li-) 0,001728 

Ammonium-Ion (NH^-) . . . 0,003108 

Calcium-Ion (Ca-) 0,3477 

Strontium-Ion (Sr--) 0,002768 

Baryum-Ion (Ba") 0,000126 

Magnesium-Ion (Mg--) .... 0,1531 

Ferro-Ion (Fe") 0,01043 

Mangano-Ion (Mn") 0,000928 

Aluminium-Ion (AI-) .... 0,000408 

Anionen '). 

Nitrat-Ion (NO,') 0,000003 

CUor-Ion (Cl') 1,835 

Brom-Ion (Br) 0,000586 

Jod-Ion (J') 0,000029 

Sulfat-Ion (SO/) 0,02139 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,001911 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') . 2,981 



MiUi- 


Milligramm- 


Mol 


Äquivalente 


1.200 


1,200 


69,07 


69,07 


0,2458 


0,2458 


0,1720 


0,1720 


8,672 


17,34 


0,0316 


0,0632 


0,0009 


0,0018 


6,286 


12.57 


0,1866 


0,3732 


0,0169 


0,0337 


0,0151 


0,0452 




101,11 


0,00006 


0,00006 


51.77 


51,77 


0,0073 


0,0073 


0,0002 


0,0002 


0,2227 


0,4454 


0,0199 


0,0398 


48,86 


48.86 



Kieselsäure (meta) (HjSiOg) , 
Organische Substanzen, . . , 



6,999 186,78 101,12 
0,01704 0,2173 
0,000521 



7,017 
2,382 



186,99 
54,14 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 

9,399 241,13 
Daneben Spuren von Cäsium-, Eubidium- 
Borsäure. 

Spezifische elektrische Leitfähigkeit (in reziproken 
Ohm pro cm-Würfel) x = 0,005750 bei 18°. H. Koeppe*). 



Fluor-Ion, 



Die Summen der gelösten festen Bestandteile betragen etwa 
4,2 g bezw. 7,0 g, die Mengen des freien Kohlendioxyds 2,6 g 
bezw. 2,4 g. Da unter den Kationen Natrium , Calcium und 
Magnesium vorherrschen, unter den Anionen Chlor und Hydro- 
karbonat in annähernd äquivalenter Menge, so stehen beide 
Quellen nahe der Grenze zwischen „Kochsalzsäuerlingen" 
und „erdigen Säuerlingen". Wegen ihrer vorwiegenden 
Verwendung als Tafelwässer sind sie der letzteren Gruppe als 
„erdig-muriatische Säuerlinge" eingereiht worden. 

Das Wasser des in einem 11 m langen verzinnten Eisen- 
rohre gefaßten „Selterser Mineralbrunnens" wird enteisent, mittels 
Pumpwerk durch ein Berkefeld-Filter in einen MischzyUnder 
gedrückt, hier mit der Quelle entströmender Kohlensäure 
imprägniert, durch Kohlensäuredruck den Füllmaschinen zu- 



Das Mineralwasser entspricht in 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 



Kaliumnitrat (KNO,) 

KaUumchlorid (KCl) 

Natriumchlorid (NaCl) 

Natriumbromid (NaBr) 

Natriumjodid (NaJ) 

Natriumsulfat (Na^SO^) 

Natriumhydrokarbonat (NaHCO,) . 
Lithiumhydrokarbonat (LiHCOj) . . 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCO,)j] 
Strontiumhydrokarbonat 

[Sr(HCO,y 

Baryumhydrokarbonat [Ba(IICO,)j] 
Magnesiumhydrokarbonat 

|Mg(HCO„),] 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCO,),] . . 
Manganohydrokarbonat 

[Mn(HC03)J 

Aluminiumhydrophosphat 

[A1,(HP0J,1 

Aluminiumsulfat [ALj(SOj),] 

Kieselsäure (meta) (HjSiOj) 

Organische Substanzen 



Freies Kohlendioxyd (COj) 



seiner Zusammensetzung 
Kilogranmi enthält^): 

Gramm 
0,000006 
0,08954 
2,948 
0,000755 
0,000035 
0,03128 
1,532 
0,01673 
0,009206 
1,406 

0,006624 
0,000238 



0,9201 
0,03320 

0,002986 

0,002270 
0,000307 
0,01704 
0.000521 

7,017 

2,382 = 
9,399 



1268 ccm bei 

11,5° und 
760 mm Druck. 



1) Chemische Untersuchung des Wassers des Selters-Sprudels Augusta- 
Viktoria zu Selters a. d. Lahn in Nassau. Gießen 1900. ') Vgl. chem Ein- 
leitimg Abschn. A. ^) Vgl. chem. Einleitung Abschn. B.2.C. ') Physikalische 
Chemie in der Medizin 8. 131. Wien 1900. 

geführt und unter dem Namen „Mineralbrunnen Selters-Nassau" 
zum Versand gebracht. 

Das Wasser des „Augusta- Viktoria-Sprudels" wird mittels 
Pumpwerk durch verzhinte Eisenrohre etwa 1200 m weit nach 
Löhnberg geleitet, in Klärbecken enteisent und mit der Quelle 
selbst entstammender Kohlensäure imprägniert zum Versand 
gebracht. 

Versandt wurden vom „Augusta -Viktoria-Sprudel" 1903: 
1154000; 1904: 1477 487; 1905: 1884 117 Gefäße. 

Der „Selterser Mineralbrunnen" ist im Besitz von Dr. 
J. Rosenthal, Berlin, Behrenstraße 1 (Versandfirma „Selterser 
Mineralbrunnenversendung in Selters bei WeUburg a. d. Lahn"); 
der „Augusta- Viktoria-Sprudel" gehört der G. m. b. H. „Selters- 
sprudel Augusta Viktoria" in Selters bei Weilburg a. d. Lahn. 



G6G6(:6G6G6föG6G6G6G6G6C6G6G6G6 Teiliach ÖOÖD^ÖOÖDÖD^^^ÖOdSPöO^ÖOÖO 



Dorf mit 440 Einwohnern im Schwarzwaldkreis des König- 
reichs Württemberg, liegt etwa 400 m ü. M. in einem von W 
nach O streichenden, 150—300 m breiten, von etwa 600 m 
hohen Bergen umgebenen Tale. Ausgedehnter Nadelwald in 
unmittelbarer Nähe. Station der Bahn Pforzheim— Horb. 



Klima. Mittlere jährliche Niederschlagshöhe: 830 mm*). 
Durch die Lage in der Krümmung des Tales ist g^en die 
meisten Winde Schutz geboten. 



*) Angabe dea KOnigl. Wfirttemb. Statist. londeaamts. 



— 71 — 



Heilquellen. 6 Quellen, von denen 4 in Gebrauch sind: 
„DächleinsqueUe", „Tintenquelle", „Hirschquelle", „Baehquelle". 
Die beiden ersten sind seit alter Zeit bekannt (Teinach wird 
bereits 1345 als Wildbad urkundlich erwähnt), die beiden 
letzteren sind in den Jahren 1839 bis 1841 erbohrt worden. 



Die Quellen entspringen aus GteröU des mittleren Buntsand- 
steins. Die beiden ersten treten frei zutage; das Bohrloch 
der „Hirschquelle" ist '25 m, das der „Bachquelle" 36 m tief. 
Die „Hirschquelle" hefert tägUch etwa 38,9 hl, die „Baeh- 
quelle" etwa 115,2 hl Wasser. 



Analyse der „Tintenquelle" (aus den Onglnalzahlen berechnet). 

Analytiker: H. v. Fehling. 1858^). 

Spezifisches Gewicht: 0,99873 bei 18,0°, bezogen auf Wasser Ton 4°. 

Temperatur: 11,7°. 

Ergiebigkeit: 10 hl in 24 Stunden. 



In 1 Küogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Milligramm- 
Äquivalente 

0,1699 

0,3037 

0,7896 



Kationen -). Gramm 

KaUum-Ion (K-) 0,006653 

Natrium-Ion (Na-) 0,006999 

Calcium-Ion (Ca-) 0,01583 



Magnesiiun-Ion (Mg-) .... 0,004512 

Ferro-Ion (Fe-) 0,008506 

Aluminium-Ion (AI-) .... 0,000378 

Anionen '). 

Chlor-Ion (Gl') 0,002956 

SuKat-Ion (SO/') 0,009521 

Hydrokarbonat-Ion (HCGj') . 0,1036 



Milli- 
Mol 

0,1699 

0,3037 

0,3948 

0,1852 

0,1522 

0,0139 



0,0834 
0,0991 
1,698 



0,3704 
0,3043 
0,0418 
1,9797 



0,0834 
0,1982 
1,698 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält*): 

Gramm 

KaHumchlorid (KCl) 0,006220 

Kaliumsulfat (K,S04) 0,007546 

Natriumsiüfat (Na^SOJ 0,004966 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOj) 0,01965 

Calciumhydrokarbonat[Ca(HC08)2] 0,06400 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HCO.),] 0,02711 



Kieselsäure (meta) (H^SiG^) 
Freies Kohlendioxyd (CG^) 



0,1590 
0,01363 



3,100 
0,1739 



1,980 



Ferrohydrokarbonat [re(HCG3)j 
Aluminiumsulfat [A]j(SG4)j] 
Kieselsäure (meta) (H,SiO,) 



Freies Kohlendioxyd (CO^) 



0,1726 
0,05981 



3,274 
1,3.59 



0,02707 
0,002387 
0,01363 
0,17258 

0,05981 = 
0,23239 



31,8 ccm bei 

11,7° imd 

760 mm Druck. 



0,2324 



4,633 



Daneben Spuren von Lithium-, Ammonium-, Strontium-, 
Baryum-, Mangano-, Kupfer-, Zinn-, Blei-, Antimon-, Nitrat-, 
Fluor-, Hydrophosphat-, Hydroarsenat-Ion, Borsäure, organi- 
schen Substanzen. 

Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt 0,17 g. 



Altere Analyse: Federhaff 1826 (bei G. C. L. Sigwart und 
M. F. Leipprand, Die Mineralwasser in dem Königreiche Württemberg 
S. 22. Tübingen 1831; vgl. femer die abweichenden Werte bei Heyfelder, 
Die Heilquellen imd Molkenkuranstalten des Königreichs Württemberg S. 112. 
Stuttgart 1840). 



') Jahreshefte des Vereins für vaterländische Naturkunde in Württemberg 
1860 Bd. 16 S. 141. ») Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. ») Vgl. ehem. 
Einleitung Abschn. B.2.C. 



Die Quelle ist eine „einfache kalte Quelle", 
wert ist der Eisengehalt von 8,5 mg. 



Bemerkens- 



Analyse der „DächleinsqueUe" (aus der SalztabeUe berechnet). 

Analytiker: G. C. L. Sigwart. 1840^. 
Temperatur: 7,8 bis 10,6, im Mittel 9,4°. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers 

Kationen'). Gramm 

Natrium-Ion (Na-) 0,1737 

Calciiun-Ion (Ca-) 0,1898 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,0326 

Ferro-Ion (Fe--) 0,00069 

Anionen'). 

Chlor-Ion (Cl') 0,0181 

Sulfat-Ion (SO;') 0,0604 

Hydrokarbonat-Ion (HCGg') . 1,094 



sind enthalten: 


Milli- 


Milligramm- 


Mol 


Aqtiivalente 


7,536 


7,536 


4,734 


9,468 


1,34 


2,67 


0,012 


0,025 




19,70 


0,510 


0,510 


0,629 


1,26 


17,93 


17,93 



Kieselsäure (meta) (HjSiO,) , 
Freies Kohlendioxyd (CG,) . 



1,569 
0,0095 



32,69 
0.12 



19,70 



1,579 
1,291 



32,81 
29,34 



Das Mineralwasser entspricht in setner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält"): 

Gramm 

Natriumchlorid (NaCl) 0,0298 

Natriumsulfat (Na^SOJ 0,0894 

Natriumhydrokarbonat (NaHCG,) . 0,4849 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCG,)2] 0,7674 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HCG.),] 0,196 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCGs)2] . . 0.0022 

Kieselsäure (meta) (H^SiGg) 0,0095 

1,579 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 1,291 = 

2,870 



681,9 ccm bei 

9,4° und 
760mm Druck. 



2,870 



62,15 



') Jahreshefte des Vereins für vaterländische Naturkunde in Württemberg 
1860 Bd. 16 S. 151 u. 162. ■■') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. ») Vgl. 
ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 



Sonstige Analysen: Federhaff 1830 (bei Heyfelder, Die Heil- 
quellen und Molkenkuranstalten des Königreichs Württemberg S. 112. Stutt- 
gart 1840). H. V. Fehling (Jahreshefte des Vereins für vaterländische Natur- 
kunde in Württemberg 1860 Bd. 16 S. 147) führte später (1858) einige orien- 
tierende Bestimmungen aus. 



— 72 



Analyse der „HirSChqUelle" (aus den Ongmakahlen berechnet). 



Analytiker: H. v. Fehling. 1858'). 

Spezifisches Gewicht: 1,00042 bei 20°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 9,0°. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Eationen'). Gramm 

Kahum-Ion (K-) 0,009019 

Natrium-Ion (Na-) 0,2203 

Lithium-Ion (Li-) 0,000852 

Caicium-Ion (Ca-) 0,2702 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,06344 

Ferro-Ion (Fe--) 0,001132 

Aluminium-Ion (AI-) .... 0,000671 

Anionen '). 

Chlor-Ion (Cl') 0,03262 

Sulfat-Ion (SO/') 0,08137 

1,592 



Hydrokarbonat-Ion (HCO,') . 
Kieselsäure (meta) (HjSiO,). 
Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



Milli- 


Milligramm- 


Mol 


Äquivalente 


0,2304 


0,2304 


9,559 


9,559 


0,1211 


0,1211 


6,738 


13,48 


2,604 


5,209 


0,0203 


0,0405 


0,0248 


0,0743 




28,71 


0,9201 


0,9201 


0,8471 


1,694 


26,10 


26,10 



Das Mineralwasser entspricht in 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 



Kaliumchlorid (KCl) 

Natriumchlorid (NaCl) 

Natriumsulfat (NajSO^) 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOj) . 
Lithiumhydrokarbonat (LiHCO,) . . 
Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03)j] 
Magnesiumhydrokarbonat 

LMg(HCO.),] 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03),l . . 

Aluminiumsulfat [Al,(SOj),l 

Kieselsäure (meta) (HjSiOj) 



2,272 
0,07081 



47,16 
0.9030 



28,71 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 



seiner Zusammensetzung 
Kilogramm enthält'): 

Gramm 
0,01719 
0,04035 
0,1151 
0,6093 
0,008242 
1,092 

0,3812 
0,003604 
0,004241 
0,07081 



2,342 
1,912 



48,07 
43,44 



2,342 
1,912 = 

4,254 



1008 com bei 

9,0° und 
7 60 nun Druck. 



4,254 91,51 

Daneben Spuren von Ammonium-, Strontium-, Baryum-, 
Blei-, Zinn-, Nitrat-, Fluor-, Hydroarsenat-Ion, Borsäure, or- 
ganischen Substanzen. 



1000 ccm des der Quelle frei entströmenden Gases 
bestehen aus: 

Kohlendioxyd (CO,) 

Stickstoff (N,) 

Sauerstoff (O,) 



com 

831 bis 853 
169 bis 146 
0,7 



1) Jahreshefte des Vereins für Taterlfindische Naturkunde in Württemberg 
1860 Bd. 16 8. 133; 1866 Bd. 22 S. 163. «) Vgl. ehem. Einleitung 

Abschn. A. >) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 



Ältere Analyse: 
Bd. 16 8. 162). 



G. C. L. Sigwart (bei H. t. Fehling a. a, 0. 



Analyse der „BaChqUelle" (aus den Originalzahlen berechnet). 

Analytiker: H. v. Fehling. 1858'). 

Spezifisches Gewicht: 1,00102 bei 18°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 9,8°. 

In 1 KDogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen *). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,01463 

Natrium-Ion (Na-) 0,3328 

Lithium-Ion (Li-) 0,000875 

Calcium-Ion (Ca--) 0,2866 

Magnesium-Ion (Mg--) .... 0,05263 

Ferro-Ion (Fe-) 0,003698 

Mangano-Ion (Mn-) 0,000555 

Anionen '). 

Chlor-Ion (Cl") 0,04478 

SuKat-Ion (SO/') 0,1155 

Hydrokarbonat-Ion (HCO/) 1,833 



Milli- 


Milligramm- 


Mol 


Äquivalente 


0,3737 


0,3737 


14,44 


14,44 


0,1245 


0.1245 


7,148 


14,30 


2,160 


4,321 


0,0662 


0,1323 


0,0101 


0,0202 




33,71 


1,263 


1,263 


1,203 


2.406 


30,04 


30.04 



Kieselsäure (meta) (HjSiOj) 
Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



2,685 
0.07492 



56,83 
0,9554 



33,71 



2,760 
2,119 



57,78 
48,16 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
imgefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,02788 

Natriumchlorid (NaCl) 0,05204 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,1710 

Natriumhydrokarbonat (NaHCO,) . 0,9367 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCO,) . . 0,008471 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCO,),l 1,159 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HCO,),] 0,3162 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCO,),l . ■ 0.01177 

ManganohydrokarbonatlMn(HCO,),] 0,001788 

Kieselsäure (meta) (H,SiO,) 0,07492 

2,760 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 2.119 =■ 

4,879 



1121 ccm bei 

9,8° und 
760 mm Druck. 



4,879 105,94 
Daneben Spuren von Ammonium-, Strontium-, Baryum-, 
Kupfer-, Blei-. Zinn-, Nitrat-, Fluor-, Hydrophosphat-, Hydro- 
atsenat-Ion, Borsäure, organischen Bubstanzen. 



1000 ccm des der Quelle frei entströmenden Gases 
bestehen aus: ccm 

Kohlendioxyd (CO,) 895 bis 913 

Stickstoff (N,) 105 bis 87 

Sauerstoff (O,) 0,1 



■) Jahreshefte des Vereins für vaterländische Naturkunde in Württemberg 
1860 Bd. 16 8. 137; 1866 Bd. 22 S. löi). ») Vgl. ehem. Einleitung 

Abschn. A. •) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 



Bd. 



Altere Analyse: 
16 8. 152). 



G. C. L. Sigwart (bei H. v. Fehling a. a. O. 



73 



Die Summen der gelösten festen Bestandteile betragen bei 
diesen 3 Quellen 1,6 g, 2,3 g und 2,8 g, wobei Hydrokarbonat-, 
Calcium- und Natrium -Ionen vorwalten. Da 1,3 g bis 2,1 g 
freies Kohlendioxyd vorhanden sind, so sind die Quellen als 
„erdig-alkalische Säuerlinge" zu bezeichnen. 

Das Wasser der Quellen wird zum Baden und Trinken 
benutzt. In 25 Badezellen mit hölzernen und emaillierten 
Wannen wurden 1903: 2150; 1904: 4680; 1905: 5020 Bäder 
verabreicht. Das Badewasser wird in einem Vorwärmer durch 
Heiß Wasserrohre erwärmt. Zum Versand gelangt hauptsäch- 
hch das Wasser der Hirschquelle nach Imprägnierung mit 
Kohlensäure (1903: 2386000; 1904: 3415000; 1905: etwa 
4 MUlionen Gefäße). 



Sonstige Kurmittel: Künsthche Sol-, Mutterlaugen- und 
Moorbäder. Massage. Hydrotherapie. Elektrotherapie. Milch- 
kuren. — Gedeckte Wandelbahn. 

Behandelt werden: Blutarmut, Bleichsucht, Katarrhe der 
Schleimhäute, Verdauungsstörungen, Zuckerkrankheit, Gicht, 
KonkrementbUdungen , Nervenkrankheiten, Frauenkrankheiten. 

2 Ärzte. — Kurzeit: 1. Mai bis 30. September. — Kurtaxe: 
10 M. — Zahl der Besucher (ohne Passanten) 1903: 916; 1904: 
1015; 1905: 1270. 

Allgemeine Einrichtungen: Trinkwasserversorgung durch 
Hochdruckwasserleitung. — Beseitigung der Abfallstoffe teils durch 
KanaUsation in die Teinach, teUs durch Abfuhr. — Apotheke. — 
Stiftung für Armenbäder. — Das Bad gehört EmU Bossart. 



asföCÄSG6G?sD5asc?sföG55föG6C6G6 Tönnisstein ^^^^^^^^^^^^isjiso 



Tönnisstein oder Tönistein, in alten Brunnenschriften 
Dünstein, Dönnstein, Dönnigstein, Dingenstein oder Antonius- 
stein genamit, Bad zum Dorfe Kell gehörig, bei Brohl a. Rhein 
im Regierungsbezirk Ctoblenz der Rheinprovinz, liegt 130 m 
hoch in einem waldigen Seitental des Brohltales der vulka- 
nischen Vordereifel, in der Nähe des Laacher Sees. Station 
der in Brohl von der linksrheinischen Eisenbahn Cöln— Frank- 
furt a. M. abzweigenden Brohltalbahn. 

Klima. Durch vorgelagerte Berge ist der Ort nach allen 
Seiten, besonders gegen Ostwinde geschützt. 

Heüquellen. 3 Mineralquellen : die „Natron - Lithion- 
quelle", früher „Stahlquelle" genannt, und der 2 km davon 
entfernte „Tönisteiner Sprudel", früher „Heübrunnen" genannt, 
waren schon im 17. Jahrhundert bekannt; der „Heübrunnen" 
war damals unter dem Namen „Dünsteiner Wasser" oder 



,,Tillebom", „Tyllerbor" berühmt und wurde weithin versandt. 
Später gerieten die Quellen in Vergessenheit, bis sie in den 
letzten Jahren des 19. Jahrhunderts wieder in Aufnahme 
kamen. Eine dritte Quelle, die „Angelikaquelle", wurde 1888 
erbohrt und wird seit 1899 als Heilquelle benutzt. — Die 
„Natron -LithionqueUe" entspringt 37 m tief im Liegenden 
einer Schichtungskluft des unterdevonischen Tonschiefers und 
der Grauwacke, die „Angeükaquelle" in 87 m Tiefe. Der 
„Tönisteiner Sprudel" kommt aus einer Tiefe von 307 m; er 
fließt ohne Unterbrechung, jedoch tritt periodisch alle vier- 
zehn Minuten stärkeres Aufwallen und Ausfließen ein, das 
einige Minuten anhält. Die „Natron - LithionqueUe" Uefert 
täghch etwa 650 hl, die „AngelikaqueUe" etwa 100 hl, der 
„Tönisteiner Sprudel" etwa 800 hl Wasser. 



(aus der SalztabeUe berechnet). 



Analyse der „Natron-Lithionquelle 

Analytiker: W. Thörner. 1893'). 

Spezifisches Gewicht: 1,0056 bei 15°, bezogen auf unbekannte Einheit, 

Temperatur: 11,5°. 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen^). Gramm 

Kahum-Ion (K-) 0,0428 

Natrium-Ion (Na-) 0,4189 

Lithium-Ion (Li-) 0,00240 

Ammonimn-Ion (NH^-). . . . 0,0021 

CaIcium-Ion (Ca-) 0,1299 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,1433 

Ferro-Ion (Fe") 0,00507 

Aluminium-Ion (AI-) 0,00696 

Anionen'). 

Chlor-Ion (CT) 0,2249 

Sulfat-Ion (SO/') 0,0622 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,'). 1,908 



MilU- 


Milligramm- 


Mol 


Äquivalente 


1,09 


1,09 


18,18 


18,18 


0,342 


0,342 


0,11 


0,11 


3,239 


6,477 


5,881 


11,76 


0,0906 


0,181 


0,257 


0,771 




38,91 


6,345 


6,345 


0,648 


1,30 


31,27 


31,27 



Kieselsäure (meta) (H^SiOj' 
Organische Substanzen . . 



2,947 

0,0403 

0,0067 



67,45 
0,514 



38,92 



2,994 
2.343 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält"): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,0815 

Natriumchlorid (NaCl) 0,3006 

Natriumsulfat (Na^SOJ 0,0373 

Natriumhydrokarbonat (NaHCO,) . 1,052 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCOg) . . 0,0233 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) 0,0061 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03)2] 0,5250 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HCOj)J 0,8609 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCO,)J . . 0,0161 

AluminiumsuKat [A],(SOJ,] .... 0.0440 

Kieselsäure (meta) (H^SiOj) 0,0403 

Organische Substanzen 0,0067 

2,994 , ^246 ccm bei 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 2,343 =| 11,5° und 

5 337 [760 mm Druck. 



67,97 
53,24 



Freies Kohlendioxyd (CO,) . 

5,337 121,21 
Daneben Spuren von Rubidium-Ion. 



Ältere Analysen: Funke (bei J. F. Simon, Die Heilquellen Europas 
8. 236. Berlin 1839). G. Bischof (Archiv der Pharmazie 1867 Bd. 181 
8. 169). R. Fresenius 18(i8 (Analyse des Tönnissteiner Heilbrunnens und 
des Tömüssteiner Stahlbnmnens im Brohltale. Wiesbaden 1869). 



1000 ccm des der Quelle frei entströmenden Gases 
bestehen aus: ccm 

Kohlendioxyd (CO^) 949 

Stickstoff (N,) 42 

Sauerstoff (Oj) 9 

1000 



V Chemiicer-Zeitung 1893 Bd. 17 S. 1411. ') Vgl. ehem. Einleitung 

Abschn. A. ') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 



74 — 



Analyse der „Angelikaquelle" (aus der Salztabelle berechnet). 



Analytiker: W. Thörner. 1893'). 
. Spezifisches Gewicht: 1,0042 bei 15° 

Temperatur: 11,5°. 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen^). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,0385 

Natrium-Ion (Na-) 0,3346 

Lithium-Ion (Li-) 0,00209 

Ammonium-Ion (NH/) . . . 0,0014 

Calcium-Ion (Ca") 0,1181 

Magnesium-Ion (Mg--) .... 0,1295 

Ferro-Ion (Fe--) 0,00629 

Alimiinium-Ion (AI-) .... 0,0030 



Anionen'). 

Chlor-Ion (CT) 0,1618 

Sulfat-Ion (SO/') 0,0415 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') 1,679 



MiUi- 


Milligramra- 


Mol 


AqiÜTalente 


0,984 


0,984 


14.52 


14,52 


0,298 


0,298 


0,076 


0,076 


2,946 


5,892 


5,317 


10,63 


0,113 


0,225 


0,11 


0,33 




32,96 


4,563 


4,563 


0,432 


0,864 


27,53 


27,53 



Kieselsäure (meta) (H,SiO,) . 
Organische Substanzen. . . . 

Freies Kohlendioxyd (CO,) , 



2,516 
0,038 
0,0075 



56,89 
0,48 



2,561 
1,919 



57,37 
43,62 



4,480 



100,99 



Daneben Spuren von Kubidium-Ion. 



32,96 



bezogen auf unbekannte Einheit. 



') Chemiker-Zeitung 1893 Bd. 17 S. 1411. ') Vgl. ehem. Einleitung 

Absclin. A. ») Vgl. ehem. Einleitung Absclin. B.2.c. 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
imgefähr einer Lösmig, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Kaliimichlorid (KCl) 0,0734 

Natriumchlorid (N&Ci) 0,2049 

Natriumsulfat (Na,SO^) 0,0381 

Natriumhydrokarbonat (NaHCO,) . 0,8806 
Lithiumhydrokarbonat (LiHCO.,) . . 0,0203 

Ammoniurachlorid (NH^Cl) 0,0041 

Calciumhydrokarbonat fCa(HC03)j] 0,4776 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HCO,),] 0,7783 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03),] . . 0,0200 
Aluminiumsulfat (A],(80J3] .... 0,019 

Kieselsäure (metaj (HäSiOj) 0,038 

Organische Substanzen 0,0075 

2,562 

{1021 ccm bei 
11,5° und 
760 mm Druck. 



1000 ccm des der Quelle frei entströmenden Gases 
bestehen aus: 

ccm 

Kohlendioxyd (CO,) 952 

Stickstoff (Nj) 42 

Sauerstoff (O,) 6 

1000 



Analyse des „Tönisteiner Sprudels" (aus den ElnzelbestandteUen berechnet). 

Analytiker: B. Lepsius. 1887'). 

Temperatur: 10,8°. 

Ergiebigkeit: 49 hl Wasser und 0,65 cbm Gas in 24 Stunden. R. Fresenius. 1868. 

In 1 Liter des Mineralwassers sind enthalten*): MiUi- Miiiigramm- 

Gnunm Mol Äquivalente 

TToH^r,«,, 3^ MiUi- MiiUgramm- Hydrophosphat-Ion (HPO.") 0,000158 0,0016 0,0033 

Kationen). Gramm Mol AquiYalentfi tt j i u ^t Vcrnr\ '( o r-7-. raaA ro o^ 

T^ V T /T^x ^„ „„ ™ Hydrokarbonat-Ion (HCO.) 3,577 58.64 58,64 

Kahum-Ion (K-) 0,03221 0,8227 0,8227 ' V . ; __^ ^ ^^ 

Natrium-Ion (Na-) 1,335 57,91 57,91 *^'^^^ ^^"^'"^ ^^'^"^ 

Lithium-Ion (Li-) 0,000574 0,0816 0,0816 Kieselsäure (meta) (tt,SiO,) 0,03195 0,4075 

Ammonium-Ion (NH^-) . . . 0,001702 0,0942 0,0942 6,270 154,26 

Calcium-Ion (Ca-) 0,1124 2,802 5.605 Freies Kohlendioxyd (CO,) . 2,821 64,12 

Strontium-Ion (Sr--) 0,000028 0.0003 0,0006 ~9JÖ9i 21838 

Baryum-Ion (Ba-) 0,000007 0,0001 0.0001 ' ' 

Magnesium-Ion (Mg--) .... 0,2302 9,451 18,90 ■ 

Ferro-Ion (Fe--) 0,01404 0,2511 0,5022 Altere Analysen: G. Bischof 1826 (Archiv der Pharmazie 1867 

Mangano-Ion (Mn--) 0,000072 0,0013 0,0026 Bd. 181 S. 169). Funke (bei J. F. Simon, Die Heilquellen Europas S. lOO. 

Aluminium-Ion (AI—) .... 0000038 00014 00042 Berlin 1839). R. Fresenius 1868 (Analyse des Tönnissteiner Heilbrunnens 

' ' '■ und des Tennissteiner Stahlbrunnens im Brohltale. Wiesbaden 1869). 

83,92 

Anionen'). 

Nitrat Ton fVO '^ AnnnF.iQ n nnao a aaoo ') Bericht» der deutschen chemischen Gesellschaft 1888 Bd. 21 8. 563 (unter 

riii T rii' 0,000518 0,0083 0,0083 Verbesserung eines aus der .SaUtabelle ersichtlichen Druckfehlers beim Natrium). 

Chlor-Ion (Cl ) 0,7902 22.29 22,29 ') Die Analyse ist im Orig nal auf die Litereinheit benogon und konnte in 

Brom-Ion (Br') 000555 0.0069 0069 Ermangelung der Angabe des spezifischen Gewichtes nicht auf 1 kg umgerechnet 

Jod-Ion (J'1 n ftOAnOO c\ onno n t\nno werden. Bei einer derartigen Umrechnung würden sich schätzungsweise alle 

a 1« * T ,aW-'\ ^': .^ 0,OUO<: U,UUU.: Wahlen um etwa 0,5 Prozent ihres Wertes erniedrigen. ») Vgl. ehem. 

Sulfat-Ion (80^ ) 0,1433 1,491 2,983 Einleitung Abschn. A. 



— 75 — 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzvmg 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Liter enthält'')*): 

Gramm 

Kaliunmitrat (KNO,) 0,000845 

Kaliumchlorid (KCl) 0,06075 

Natriumchlorid (NaCl) 1,251 

Natriumbromid (NaBr) 0,000715 

Natriumjodid (NaJ) 0,000034 

NatriumsuKat (Na,SOJ 0,2120 

Natriumhydrokarbönat (NaHCOa) 2,819 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCOs) 0,005552 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) i),005039 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03),] 0,4543 

Strontiunihydrokarbonat[Sr(HCOs)2] 0,000067 

Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt bei 
der „Natron-Lithionquelle" etwa 3,0 g, bei der „An- 
gelikaquelle" etwa 2,6 g, beim „Tönisteiner Sprudel" 
etwa 6,3 g. Bei den beiden ersten Quellen walten unter den 
Anionen Hydrokarbonat-Ionen, unter den Kationen Erdalkali- 
und Alkali -Ionen in nahezu äquivalenter Menge vor. Mit 
Rücksicht auf den Gehalt an freiem Kohlendioxyd sind diese 
Quellen demnach als „erdig-alkalische Säuerlinge" zu 
betrachten. Im Wasser des „Tönisteiner Sprudels" treten 
unter den Anionen neben Hydrokarbonat- noch Chlor- Ionen 
hervor, während unter den Kationen die Natrium -Ionen die 
ErdalkaU - Ionen überwiegen. Da auch diese Quelle reichlich 
Kohlendioxyd enthält, so ist sie als „alkalisch-erdig- 
muriatischer Säuerling" zu bezeichnen. — Bemerkenswert 
ist der Eisengehalt der drei Quellen (5 mg, 6 mg, 14 mg) und 
der Lithiumgehalt der beiden ersteren (etwa 2 mg). 

Die „Natron-Lithionquelle" ist in einem 3 m tiefen Stein- 
schacht, die „AngelikaqueUe" mit verzinntem Kupferrohr, der 
„Tönisteiner Sprudel" in Marmor gefaßt. Die beiden erstge- 
nannten Quellen werden an Ort und Stelle zu Trinkkuren in natür- 
lichem Zustande, zu Bädern (jährlich etwa 600) und Duschen 
benutzt. Das Wasser der „Natron-Lithionquelle" wird in 50 m 
langer Messingrohrleitung dem Badehause zugeführt, das zehn 
BadezeUen mit hölzernen Wannen enthält. Dort wird es durch 
Einleiten von Dampf in die Wannen erwärmt. Das Wasser 
dieser Quelle kommt auch in natürlichem Zustande zum Ver- 
sand (1904: 15 430; 1905: 14 994 Flaschen). Der „Toni- 



Qramm 

Baryumhydrokarbonat [Ba(HC0j)2] 0,00001 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03),] 1>383 

Ferrohydrokarbonat [FeCHCO,),] . . 0,04467 

Manganohydrokarbonat[Mn(HCO,)s,] 0,00023 
Aluminiumhydrophosphat 

[A1,(HP0,),] 0,000187 

Alunomiumsulfat [AL,(S04)3] .... 0,000054 

Kieselsäure (meta) (H^SiOa) 0,03195 

^'^^^ f 1497 com bei 

Freies Kohlendioxyd (COj) "2,821 =| 10,8° und 

9 090 [7 60 mm Druck. 

') Vgl. ehem. Eiiileitimg Abschn. B.2.C. 

Steiner Sprudel" wird nach Enteisenung als Tafelwasser ver- 
sandt (1903: 884264; 1904: 1154712; 1905: 1554118 Gefäße). 

Sonstige Kurmittel: Eisen -Mineral -Moorbäder (jährlich 
450) aus der Moorerde der ausgedehnten Wiesengründe des 
benachbarten Jakobstals, die von zahlreichen, nicht gefaßten 
Eisensäuerlingen durchströmt werden; auch Moorbäder mit 
Zuleitung freier Kohlensäure. Sandbäder. — Massage. Wider- 
standsgymnastik. — Terrainkuren (ohne besondere Einrichtimg). 
Diätetische Kuren verschiedener Art. 

Behandelt werden: Gicht, Harngries, Blasen- und Uteri- 
nalkatarrh, Blutarmut und Bleichsucht, Herzleiden, chronische 
Exsudate bei Frauenkrankheiten, chronischer Gelenkrheumatis- 
mus imd Neuralgien, besonders Ischias, periphere Lähmungen, 
beginnende Impotenz, hochgradige Abspannung, Skrofulöse und 
Menstruationsanomahen . 

1 Arzt. — Kurzeit: 15. Mai bis 1. Oktober. — Kur- 
taxe wird nicht erhoben. — Zahl der Besucher (ohne Passanten) 
jährlich etwa 300. 

Allgemeine Einrichtungen : Trinkwasserversorgung durch 
Quellwasserleitung. — Beseitigung der Abfallstoffe durch Kana- 
hsation und Wasserspülung; z. T. sind noch Düngergruben 
vorhanden. — Apotheke in dem 20 Minuten entfernten Burg- 
brohl. — Das Bad ist von der Firma Thyssen & Co. in Mülheim 
a. d. Ruhr an Jacob BeU in Tönnisstein verpachtet. Der „Töni- 
steiner Sprudel" ist im Besitz von Dr. C. Kerstiens in Brohl, 
der auch die „Natron-Lithion-QueUe" zum Versand bringt. 



G6C3SÖ5föG6G6C6C3SG6G6G6C;6G6G6 tJberkingen ^^^iSOÜO^iSO^^iSO^^^^ 



Dorf mit 696 Einwohnern bei Geislingen an der Steige im 
Donaukreise des Königreichs Württemberg, hegt 440 m hoch in 
einem 300—500 m breiten von SW nach NO gerichteten Tale, 
das von 300 m hohen mit Laubwald bestandenen Bergen ein- 
geschlossen wird. Station der von der Hauptbahn LTm— Stutt- 
gart abzweigenden oberen FUstalbahn GeisUngen— Wiesensteig. 



•) Angabe des Königl. Württemb. Statist. Landesamts. 

Analyse Analytiker: 

(aus der Salztabelle berechnet). Temperatur: 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Klima. Mittlere jährliche Niederschlsigshöhe: 930 mm*). 
Gegen Nord- und Nordwestwinde ist der Ort durch seine Lage 
geschützt. 

Heilquellen. Die Überkinger Quelle wird bereits um das 
Jahr 1200 erwähnt; schon im 16. Jahrhundert stand das Bad 
in hohem Ansehen. Die Quelle entspringt aus dem Personaten- 
sandstein des unteren braunen Jura und liefert tägUch etwa 
100 hl Wasser. 

Leube*). 

10,0°. 



Milli- Milligramm- 
Mol Äquivalente 



Kationen ^. Gramm 

Natrium-Ion (Na-) 0,0337 

Calcium-Ion (Ca-) 0,357 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,0108 

Ferro-Ion (Fe-) 0,00452 



Milli- 
Mol 



Milligramm- 
Äquivalente 



1,46 1,46 

8,89 17,8 

0,442 0,884 

0,0809 0,162 



Anionen'). Gramm 

Sulfat-Ion (SO/') 0,032 0,33 0,66 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') . 1,198 19,63 19,63 



1,636 30.83 20,29 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 0,9263 21,05 



2,562 



51,88 



20,3 



1) Hey felder, Die Heilquellen und Molkenkuranstalten des Königreichs 
Württemberg S. 126. Stuttgart 1840. ^) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 



76 — 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Natriumsulfat (NajSOJ 0,047 

Natriumhydrokarbonat (NaHCO,) 0,0671 



Ältere Analysen: Ade 1821 (bei Hejfelder a. a. O. S. 126). 
KnauB (bei J. F. Simon, Die Heilquellen Europas S. 240. Berlin 1839). 



•) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 

Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
1,6 g, wobei Calcium- und Hydrokarbonat-Ionen vorwalten. 
Da die Menge des freien Kohlendioxyds den Betrag von 1,0 g 
nahezu erreicht, so ist die Quelle unter die „erdigen Säuer- 
linge" eingereiht worden. 

Das Wasser der in 2 m tiefen Steinschacht gefaßten Quelle 
wird zum Trinken am Ort, zu Bädern, zum Inhalieren, Gur- 
geln imd zu Nasenduschen benutzt, auch kommt es in zwei- 
facher Form („QueUfüllung" in natürlichem Zustande und 
„SprudelfüUung" unter Zusatz natürücher Kohlensäure) zum 
Versand (1903: 1372 760; 1904: 1850 000; 1905: 2 250 000 
Gefäße). Dem FüUgebäude und dem Badehause wird das 
Wasser in 145 m bezw. 33 m langen verzinnten Kupferröhren 
zugeleitet. Das Badehaus enthält 10 Badezellen mit Marmor- 
bädem und Wannen aus emailliertem Gußeisen. Das Wasser 
wird durch Heizschlangen erwärmt. 1903 wurden 2483; 1904: 
3351; 1905: 3400 Bäder verabreicht. 

Sonstige Kiinnittel: Künstliche Kohlensäurebäder. Moor- 



Gramm 
Calciumhydrokarbonat [Ca{HC03),] 1,44 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HCO,),] 0,0647 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCOa)j] . . 0,0144 



490,3 com bei 

10,0° und 
760 mm Druck. 



1,63 

Freies Kohlendioxyd (COj) 0,9263 = 

'2;56 

bäder mit Franzensbader Moor. Diätkuren, Milch- und Molken- 
kuren. Die unmittelbar an die Parkanlagen des Waldes sich 
anschließenden ausgedehnten Laubwälder bieten Gelegenheit 
zu Terrainkuren (ohne besondere Einrichtungen). — Luft- und 
Sonnenbad. 

Behajidelt •werden: Gicht, Eheumatismus , Herz- und 
Nen^enleiden, katarrhalische Affektionen, Verdauungsschwäche, 
Frauenkrankheiten, Blutarmut und Bleichsucht. 

Ärzte in Geislingen (472 ^^)- — Kurzeit: 1. Mai bis 
30. September. — Kurtaxe wird nicht erhoben. — Zahl der 
Besucher (ohne Passanten) 1903: 161; 1904: 350; 1905: 380. 

Allgemeine Einrichtungen : Trinkwasserversorgung durch 
Quellwasser. — Die Abwässer werden durch Kanalisation be- 
seitigt, für Fäkalien besteht das Grubensystem. — Nächste 
Apotheke in Geisüngen. — Besitzer des Bades ist Kommerzien- 
rat C. Haegele in Geishngen. Auskunft durch die Brunnen- 
verwaltung Überkingen-Ditzenbach-Imnau in Geishngen-Steig. 



G6G6G6G6G6G6GJSC2SG6G6C;6G6G6G6 Wildungen ^iSOiSO^^iSO^ÜOiSO^^iSO^^ 

Bad bei der Stadt Niederwildungen (3717 Einwohner) im Heilquellen. 8 Quellen: „Georg-Viktor-QueUe", „Helenen- 
Fürstentum Waldeck, liegt etwa 300 m hoch zwischen be- quelle", „BadequeUe", „Grottenquelle", „Talquelle", „Stahl- 
waldeten Bergen, die bis 600 m ansteigen. Endstation einer quelle", „KönigsqueUe" , „Schloßquelle". Die meisten der 
in Wabern von der Linie Frankfurt a. M. — Cassel abzweigen- Quellen sind schon seit Jahrhunderten bekannt; nachweisüch 
den Nebenbahn. zu Heilzwecken benutzt sind sie seit 1540; die „Grottenquelle" 

KUma. Mittlere jährliche Niederschlagshöhe nach zehn- und die „KönigsqueUe" wurden 1869, die „SchloßqueUe" 1877 

jährigem Durchschnitt (1892—1901): 590 mm*). Durch seine entdeckt. Die meisten Quellen treten etwa 2 bis 4 m tief aus 

Lage ist das Bad gegen Nord- imd Westwinde geschützt. Tonschiefer zutage, die „Königsquelle" ist 15 m, die „Eichloß- 

•) ProTinz-Eegenkartc. I^^Ue" 25 m tief erbohrt. 

Analyse der „Helenenquelle" (aus den Originalzahlen berechnet). 

Analytiker: E. Fresenius. 1859'). 

Spezifisches Gewicht: 1,00246 bei 19°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 11,5°. 

Ergiebigkeit: 76 hl in 24 Stunden. 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: . . ,s Miiii- Miiiigramm- 

...... «,.,.. Anionen'). Gramm Mol Äquivalente 

__ ^ 5. Milh- Milligramm- 

Kationen'). Gramm Mol Äquivalent« Chlor-Ion (Gl') 0,6332 17,86 17,86 

Kahum-Ion (K-) 0,01260 0,3220 0,3220 Sulfat-Ion (SO/') 0,02477 0,2579 0,5157 

Natrium-Ion (Na-) 0,6754 29,30 29,30 Hydrokarbonat-Ion (HCO,') . 3,079 50,47 50,47 

Ammonium-Ion (NH,-) . . . 0,001948 0.1078 0,1078 -J^q ^7;^^ ^^ 

Calcium-Ion (Ca-) 0,3533 8,811 17.62 .,,. , „ „.^ 

Baryum-Ion (Ba-) 0,000398 0,0029 oioOSS Kieselsäure (meta) (H,SiO,) ■ 0,04033 0,5143 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,2587 10,62 21,24 5,087 118,39 

Ferro-Ion (Fe-) 0,006550 0,1172 0,2344 Freies Kohlendioxyd (CO,) . 2,551 57,99 

Mangano-Ion (Mn-) 0,000448 0,0081 0,0163 7 gas 176 38 

68,85 
Daneben Spuren von Lithium-, Strontium-, Aluminium-, Gefrierpunkt: —0,230° (Probe nicht identisch. Versand- 
Nitrat-, Brom-, Hydrophosphat-Ion, Borsäure, organischen Sub- wasser). v. Kostkewicz. 
stanzen, freiem Stickstoff, Schwefelwasserstoff. Spezifische elektrische Leitfähigkeit (m reziproken 

>) Chemische Untersuchung der Mineralquellen zu Bad WUdungen S. 51. O^l™ P^O Cm- Würfel) x = 0,004965 bei 18° (Probe nicht iden- 

Anlsen 1860. *) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. tisch. Versandwasser). H. Koeppe. 



77 — 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
imgefähr einer Lösimg, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Kahumchlorid (KCl) 0,02402 

Natriumchlorid (NaCl) 1,020 

Natriumsulfat {Na,SOJ 0,03666 

Natriimihydrokarbonat (NaHCO,) 0,9543 

Ammoniumchlorid (NH.Cl) 0,005769 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03)J 1,428 

Baryimihydrokarbonat [BalHCO^).,] 0,000751 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HCO.,),l 1,554 

Ferrohydrokarbonat [FeCHCO^),] . . 0,02085 



ManganohydrokarbonatIMnfHCOa),] 
Kieselsäure (raeta) (HjSiOj) . . . . 



Gramm 

0,001441 

0,04033 

5,086 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 2,551 



7,637 



1358 ccm bei 

11,5° und 
760 mm Druck. 



Ältere Analysen: Ä. Wiggers 1835 (bei J. F. Simon, Die Hell- 
quellen Europas 8. 250. Berlin 1839). Stucke (Liebigs Handwörterbuch 
der Chemie Bd 5. Tabellarischer Anhang. Braunschweig 1851), 



8) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 



Analyse der „Königsquelle" (aus den ElnzelbestandteUen berechnet). 

Analytiker; Th. Dietrich. 1895'). 
Spezifisches Gewicht: 1,003 (ohne Temperaturangabe). 
Temperatur: 9,5°. 

In 1 Küograimn des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen 2). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,0122 

Natrium-Ion (Na-) 0,6040 

Lithium-Ion (Li-) 0,000527 

Calcium-Ion (Ca-) 0,2683 

Magnesium-Ion (Mg--) .... 0,1773 

Ferro-Ion (Fe-) 0,0026 

Mangano-Ion (Mg") 0,0002 

Aluminium-Ion (AI—) .... 0,0005 

Anionen'). 

Chlor-Ion (Cl') 0,5639 

Sulfat-Ion (SO/') 0,0447 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0^0017 

Hydrokarbonat-Ion (HCOg'). 2,307 



Milli- 
Mol 



Milligramm- 
Äquivalente 

0,312 0,312 

26,20 

0.0750 

6,691 



7,-280 
0,046 
0,004 
0,02 



15,91 
0,465 
0,018 
37,81 



26,20 

0,0750 
13,38 
14,56 

0,092 

0,008 

0,05 
54,68 

15,91 
0,931 
0,036 
37,81 



Kieselsäure (meta) (H^SiO^) . 
Freies Kohlendioxyd (CO,) , 



3,983 
0,0555 



94,83 
0,708 



54,69 



4,038 
1,767 



95.54 
40,17 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzimg 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,0232 

Natriumchlorid (NaQ) 0,9123 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,0650 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOj) . 0,8149 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCO,) . . 0,00510 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCb3)2] 1,085 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03)J 1,066 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCOs),] • - 0,0081 
Manganohydrokarbonat 

[Mn(HC03)J 0,0007 

Aluminiumhydrophosphat 

[A1,(HP0JJ 0,0021 

Aluminiumsulfat [Ai,(S04)J .... 0,0009 

Kieselsäure (meta) (H^SiOj) 0,0555 

4,039 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 1,767 = 



5,805 135,71 
Daneben Spuren von Strontium-, Baryum-, Nitrat-, Brom-, 
Jod-Ion, Borsäure, Titansäure, organischen Substanzen. 

Gefrierpunkt: —0,140° (Probe nicht identisch. Versand- 
wasser), von Kostkewicz. 



5,806 



933,7 ccm bei 

9,5° und 
760 mm Druck. 



Ältere Analyse: C. Neubauer. 
Analysen S. 503. Dresden 1885). 



1869 (bei Fr. Easpe, Heilquellen- 



') Eörig sen., Die Königsquelle zu Bad Wildungen S. 2. Ohne Ort und 
Jahr. ') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. ') Vgl. ehem. Einleitung 
Abschn. B.2.C. 



Analyse der „Badequelle" (aus den Origlnalzahlen berechnet). 
Analytiker: R. Fresenius. 1859'). 

Spezifisches Gewicht: 1,00022 bei 19°, bezogen auf Wasser von 4' 
Temperatur: 10,2°. 
Ergiebigkeit: 190 hl in 24 Stunden. 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen'). Gramm 

Kahum-Ion (K-) 0,007412 

Natrium-Ion (Na-) 0,06485 

Ammonium-Ion (NH^-) .... 0,000391 

Calcium-Ion (Ca--) 0,2525 

Baryum-lon (Ba") 0,000173 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,1235 

Ferro-Ion (Fe-) 0,009769 

Mangano-Ion (Mn-) 0,000783 



Milli- 
Mol 



Klilligramm- 
Äquivalente 

0,1893 0,1893 

2,813 2,813 

0,0216 

6,298 

0,0013 

5,069 

0,1748 

0,0142 



Anionen'). Gramm 

Chlor-Ion (Cl') 0,004499 

Sulfat-Ion (SO/') 0,05233 

Hydrokarbonat-Ion (HCO3') 1,520 



Milli- 


Milligramm- 


Mol 


Äquivalente 


0,1269 


0,1269 


0,5447 


1,089 


24,92 


24,92 



0,0216 
12.60 

0,0025 
10,14 

0,3495 

0,0285 



Kieselsäure (meta) (HjSiOj) . 
Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



2,036 
0,02776 



40,17 
0,3540 



26,14 



2,064 
2,445 



40,53 
55,56 



26,14 



') Chemische Untersuchung der Mineralquellen zu Bad Wildungen S. 83, 
Arolsen 1860. ') Vgl. ehem. Einleitimg Abschn. A. 



4,509 96,09 

Daneben Spuren von Strontium-, Aluminium-, Nitrat-, 
Brom-, Hydrophosphat-Ion, Borsäure, organischen Substanzen, 
Schwefelwasserstoff, Stickstoff. 



— 78 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusanuuensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,007855 

Kahumsulfat (K,SOJ 0,007326 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,07147 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOj) . 0,1520 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) 0,001158 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCOa),] 1,021 

Baryumhydrokarbonat [Ba(HC03),J 0,000327 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HCOJ,] 0,7419 

Ferrohydrokarbonat [FeCHCO,),] . . 0,03109 

ManganohydrokarbonatpHnCHCO,),] 0,002518 

Kieselsäure (meta) (H,SiO,; .... 0,02776 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 



2,064 
2,445 



4,509 



1295 ccm bei 

10,2° und 
7 60 mm Druck. 



1000 ccm des der Quelle frei entströmenden Gases 
bestehen aus: 

ccm 

Kohlendioxyd (CO^) 996,3 

Durch Kalilauge nicht absorbierbare Gase 3,7 

1000,0 



Zusammensetzung des Quellsinters: DerroteOcker 
aus dem Ausflußkanal der Badequelle enthielt viel dreiwertiges 
Eisen, Calcium, Magnesium und Karbonatrest, geringe Men- 
gen SUiciuradioxyd , etwas zweiwertiges Mangan, sowie Spuren 
Baryum, Aluminium. Phosphatrest, organische Substanzen und 
geringe Spuren Strontium. Arsen und Titansäure waren nicht 
nachzuweisen. (R. Fresenius.) 



Ältere Analyse: Stucke (bei J. F. Simon, Die Heilquellen Europas 
S. 250. Berlin 1839). 



') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 



Analyse der „SchlOßqUelle" (aus den Emzelbestandteilen berechnet). 

1899'). 



Analytiker: Th. Dietrich. 
Temperatur: 10,5°. 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Kationen '). Gramm 

Kaüum-Ion (K-) 0,0108 

Natrium-Ion (Na-) 0,1192 

lithium-Ion (Li-) 0,000080 

Calcium-Ion (Ca-) 0,1249 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,1209 

Ferro-Ion (Fe-) 0,0120 

Mangano-Ion (Mn-) 0,0005 



Milli- 


Milligramm- 


Mol 


AquiTalente 


0,276 


0,276 


5.172 


5,172 


0,011 


0,011 


3,114 


6,228 


4,963 


9,926 


0,216 


0,431 


0,01 


0,02 




22,06 


2,32 


2,32 


0,0020 


0,0020 


0,00008 


0,00008 


0,317 


0,635 


0,001 


0,003 


9,10 


19,10 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KO) 0,0206 

Natriumchlorid (NaCl) 0,120 

Natriumbromid (NaBr) 0,00021 

Natriumjodid (NaJ) 0,00001 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,0451 



Anionen '). 

Chlor-Ion (Cl') 0,0823 

Brom-Ion (Br) 0,00016 

Jod-Ion (J') 0,00001 

Sulfat-Ion (SO«") 0,0305 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,0001 
Hydrokarbonat-Ion (HCO3') 

Kieselsäure (meta) (HjSiOj) 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 

3,742 82,21 

Daneben Spuren von Ammonium-, Strontium-, Baryum-, 
Aluminium-Ion, Titansäure, organischen Substanzen, Schwefel- 
wasserstoff. 



1,165 


19,10 


19,10 


1,666 

0,0462 


35,50 
0,589 


22,06 


1,713 
2,029 


36,09 
46,12 





Natriumhydrokarbonat (NaHCOa) • 0,2093 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCOs) • • 0,00077 

Calciumhydrophosphat (CaHPO<) . 0,0002 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03)J 0,5046 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03)J 0,7264 

Ferrohydrokarbonat [Fe(IIC03)2] . . 0,0383 

Manganohydrokarbonat[Mn(HC03)j] 0,002 

Kieselsäure (meta) (HjSiOj) .... 0,0462 



1,714 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 2,029 = 

3,743 



1076 ccm bei 

10,5° und 
760 mm Druck. 



') E8rig sen. , Die Königsquelle zu Bad Wildungen 8. 3. Ohne Ort und 
Jahr. ') Vgl. ehem. Einleitimg Abschn. A. •) Vgl. ehem. Einleitung 

Abschn. B.2.C. 



Analyse der „Georg -Viktor- Quelle" (aus den originaizahien berechnet). 

Analytiker: R. Fresenius. 1892'). 

Spezifisches Gewicht: 1,00021 bei 19,4°, bezogen auf Wasser von 4°. 
Temperatur: 10,4°. 
Ergiebigkeit 192 hl in 24 Stunden. 
In 1 Kilogranun des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen'). G„u^ 

Kaliimi-Ion (K-) 0,004169 

Natrium-Ion (Na-) 0,04528 

Lithium-Ion (Li-) 0,000092 

Ammonium-Ion (NH,-) . . . 0,000129 

Calcium-Ion (Ca--) 0,2036 

Baryum-Ion (Ba--) 0,000009 



MilU- 


MiUignmm 


Mol 


AquiTalente 


0,1065 


0,1065 


1,964 


1,964 


0,0131 


0,0131 


0,0071 


0,0071 


5,078 


10,16 


0,00007 


0,0001 



Gramm 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,1051 

Ferro-Ion (Fe-) 0,01048 

Mangano-Ion (Mn--) 0,000754 

Aluminium-Ion (AI-) .... 0,000069 



MilU- 


Milligramm- 


Mol 


Äquivalente 


4,313 


8,626 


0,1874 


0,3748 


0,0137 


0,0274 


0,0025 


0,0076 



21,29 



') Chemische Untersuchung der Georg-Viktor-Quelle in Wildungen, 
baden 1892. ') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 



Wies- 



— 79 — 



Anionen'). Gramm 

Chlor-Ion (CT) 0,004593 

Sulfat-Ion (SO/') 0,05139 



Hydrophosphat-Ion (HPO/) 
Hydrokarbonat-Ion (HCO,'). 

Kieselsäure (meta) (H^SiO,) . 

Freies Kohlendioxyd (COj) . 



0,000051 
1,225 



MiUi- 


Milligramm- 


Mol 


Äquivalente 


0,1296 


0,1296 


0,5350 


1,070 


0,0005 


0,0011 


20,08 


20,08 



1,651 
0,02814 



32,43 
0,3589 



21,28 



1,679 
2,552 



32,79 
57,99 



4,231 90,78 

Daneben Spuren von Nitrat-, Brom-, Jod-Ion, Borsäure, 

Titansäure, organischen Substanzen, freiem Stickstoff. 

Gefrierpunkt: — 0,067° (Nicht identische Probe. Ver- 

sandwasser). v. Kostkewicz. 

Spezifische elektrische Leitfähigkeit (in rezi- 
proken Ohm pro cm-Würfel) x = 0,001369 bei 18° (Nicht iden- 
tische Probe). H. Koeppe. 



Altere Analysen: A. Wiggers 1835 (bei J. F. Simon, Die Heil- 
quellen Europas S. 250. Berlin 1839). Bauer (bei B. M. Lorsch, Einleitung 
in die Mineralquellenlehre Bd. 2 S. 162i. Erlangen 1860). L. Fi guier und 
Lefort (bei H. Hager, Manuale pharmaceuticum. Vol. alterum p. 361. 
Lipsiae 1860). E. Fresenius 1859 (Chemische Untersuchung der Mineral- 
quellen zu Bad Wildungen S. 18. Arolsen 1860). 



^) Vgl. ehem. Einleitung Abschnitt A. 
schnitt B.2.C. 



•) Vgl. ehem. Einleitung Ab- 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält"): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,007944 

Natriumchlorid (NaCl) 0,000934 

Natriumsulfat (Na^SOJ 0,07560 

Natriumhydrokarbonat (NaHCO,) . 0,07438 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCOa) . • 0,000890 

Ammoniumchlorid (NH,C1) 0,000381 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCÜ3)J 0,8232 

Baryumhydrokarbonat [Ba(HC03)J 0,000018 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03),] 0,6313 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC0.,)5J • • 0,03334 

Manganohydrokarbonat [^^(HCOj),] 0,002426 
Aluminiumhydrophosphat 

[Al,(HPOJ,] 0,000060 

Aluminiumsulfat [Al,(S04)3] 0,000374 

Kieselsäure (meta) (H^SiO,) 0,02814 

1,6790 i 1352 ccm bei 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 2,552 = | 10,4° und 

4 231 [760mm Druck. 

1000 ccm des der Quelle frei entströmenden Gases 
bestehen aus: jcm 

Kohlendioxyd (COj) 997,5 

Stickstoff (Nj) 2,3 

Sauerstoff (Oj) 0,2 

1000,0 



Analyse der „Talquelle" (aus den OnginalzaMen berechnet). 

Analytiker: E. Fresenius. 1859'). 

Spezifisches Gewicht: 0,99951 bei 19°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 9,4°. 

Ergiebigkeit: 22 hl in 24 Stunden. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers 

Kationen^). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,003478 

Natrium-Ion (Na-) 0,008206 

Calcium-Ion (Ca-) 0,1597 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,07718 

Ferro-Ion (Fe-) 0,01386 

Mangano-Ion (Mn-J 0,005665 

Anionen"). 

Chlor-Ion (Cl') 0,004663 

Sulfat-Ion (SO4") 0,02126 

Hydrokarbonat-Ion (HCOj') 0,9074 



sind enthalten: 


Milli- 
Mol 


Milligramm- 
Äquivalente 


0,0888 


0,0888 


0,3560 


0,3560 


3,982 


7,964 


3,168 


6,336 


0,2480 


0,4960 


0,1030 


0,2060 




15,447 


0,1315 


0,1315 


0,2213 


0,4426 


14,87 


14,87 



1,2014 23,17 
Kieselsäure (meta) (H^SiOg) 0,01250 0,1594 



15,44 



Freies Kohlendioxyd (COJ 



1,2139 
2,011 



23,33 
45,70 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,006627 

Natriumchlorid (NaCl) 0,002499 

Natriumsulfat (NajSOj) 0,02227 

Calciumsulfat (CaSO^) 0,008804 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03),] 0,6350 
Magnesiumhydrokarbonat 

LMg(HC03),] 0,4637 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03)J • • 0,04412 

Manganohydrokarbcnat[Mn(HC03 ),] 0,01823 

Kieselsäure (meta) (H^SiOg) .... 0,01250 



1,2138 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 2,011 : 

3,225 



1062 ccm bei 

9,4° und 
760 mm Druck. 



3,225 



69,03 



Ältere Analyse: A. Wiggers 1835 (F. Dreves und A. Wiggers, 
Die Mineralquellen bei Wildungen 1835). 



') Chemische Untersuchung der Mineralquellen zu Bad Wildungen S. 40. 
Arolsen 1860. 2) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. s) Vgl. ehem. Ein- 
leitung Abschn. B.2.c. 



1000 ccm des der Quelle frei entströmenden Gases 
bestehen aus: 

ccm 

Kohlendioxyd (CO,) 992,3 

Durch Kalilauge nicht absorbierbare Gase 7,7 



1000,0 



— 80 



Die Summen der gelösten festen Bestandteile betragen bei 
diesen 6 Quellen 0,1 g, 4,0 g, 2,1 g, 1,7 g, 1,7 g und 1,2 g; 
die Mengen des freien Kohlendioxyds 1,8 g bis 2,55 g. Unter 
den Anionen sind Hydrokarbonat-, daneben bei der „Helenen"- 
und der „Königsqudle" auch Chlor-Ionen vorherrschend; imter 
den Kationen Calciimi- und Magnesium-, daneben bei der 
„Helenen-" und der „Königsquelle" auch Natriiun-Ionen. Der 
Magnesiumgehalt (auf Äquivalente berechnet) kommt dem Cal- 
ciumgehalt nahe, übertrifft ihn sogar bei der „Helenenquelle", 



der „Königsquelle" und der „Schloßquelle". Danach sind die 
„Helenenquelle" und die „Königsquelle" als „erdig-muria- 
tische Säuerlinge", die „Badequelle", die „Schloßquelle", 
die „Georg -Viktor -Quelle" und die „TalqueUe" als „erdige 
Säuerlinge" zu bezeichnen. Bemerkenswert ist bei der 
„TalqueUe", der „Schloßquelle", der ,,Georg -Viktor- Quelle", 
der „Badequelle" und der „Helenenquelle" der Eisengehalt von 
13,9 mg, 12,0 mg, 10,5 mg, 9,8 mg und 6,6 mg. 



Analyse der „StahlqUelle" (aus den Originalzahlen berechnet). 

Analytiker: R. Fresenius. 1859'). 

Spezifisches Giewicht: 0,99897 bei 19°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 9,9°. 

Ergiebigkeit: 32 hl in 24 Stunden. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Milli- Milligramm- 
Kationen'). Gramm 

KaUum-Ion (K-) 0,003177 

Natrium-Ion (Na-) 0,004616 

Calciura-Ion (Ca-) 0.03864 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,03418 

Ferro-Ion (Fe-) 0.02666 

Mangano-Ion (Mn-) 0,003142 

Anionen^. 

Chlor-Ion (CT) 0,004267 

Sulfat-Ion (SO/') 0,01488 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,'). 0,3449 



Mol 


Äquivalente 


0,0811 


0,0811 


0,2003 


0,2003 


0,9637 


1,927 


1,403 


2,806 


0,4770 


0,9539 


0,0571 


0.1143 




6,083 


0,1204 


0,1204 


0,1549 


0,3098 


5,653 


5,653 



Kieselsäure (meta) (H,SiO,). 
Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



0,4745 
0.01430 



9,111 
0,1824 



6,083 



0,4888 
2,353 



9,293 
53,48 



2,842 



62,77 



1) Chemische Untersuchimg der Mineralquellen eu Bad Wildungen S. 46. 
Arolsen 1860. ') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. ') Vgl. ehem. Ein- 
leitung Abschn. B.2.C. 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt 0,5 g, 
der Eisengehalt 26,7 mg, die Menge des freien Kohlendioxyds 
2,35 g. Die Quelle ist ein „reiner Eisensäuerling". 

Die Quellen sind teils in Klinkern, teils in Beton, teils in 
Holz gefaßt. Das Wasser der „Georg -Viktor -Quelle", der 
„Helenen-", „Tal-", „Stahl-" und „Königsquelle" wird zum 
Trinken und zu Bädern, das der „Bade-", „Grotten-" und 
„Schloßquelle" ausschließlich zu Bädern benutzt. Die „Helenen- 
queUe", die „TalqueUe" imd die ,.Stahlquelle" entspringen in 
einem Tale 2—3 km vom Bade entfernt; sie werden teils an 
Ort und Stelle getrunken, teils in gußeisernen, asphaltierten 
Röhren nach dem Badehause an der „Georg -Viktor -Quelle" 
geleitet Die „KönigsqueUe" und die „Schloßquelle" ent- 
springen in dem Tale zwischen Alt- und Niederwüdungen 
etwa 2 km vom Bade entfernt. Das Wasser der „Königs- 
quelle" wird an Ort und Stelle benutzt, das der „Schloßquelle" 
427 m weit in eisernen Röhren zum Badehaus der „Königs- 
quelle" (Sanatorium) geleitet. — Die beiden Badehäuser ent- 
halten 75 bezw. 26 Zellen mit Wannen aus Fayence, Holz 
und emailliertem Eisen. Das Badewasser wird teils durch 
Zumischen heißen Süßwassers, teils durch Dampfheizschlangen 
erwärmt. Im Badehause an der „Georg-Viktor-Quelle" wurden 
1903: 37 389; 1904: 40308; 1905: 43 550; im Badehause der 
„Königsquelle" 1903: 4499; 1904: 4435; 1905: 5181 Bäder 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KO) 0,006053 

Natriumchlorid (NaCl) 0,002295 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,01145 

Calciumsulfat (CaSO,) 0.01013 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC05)j] 0,1442 
Magnesi umhydrokarbonat 

[Mg(HC03),] 0,2054 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC08),] . . 0,08486 
Manganohydrokarbonat 

[Mn(HCOJ,] 0,01011 

Kieselsäure (meta) (H,SiO,) 0,01430 

0,4888 

{1245 ccm bei 
9,9° und 
760mm Druck. 

1000 ccm des der Quelle frei entströmenden Gases 
bestehen aus: ccm 

Kohlendioxyd (CO,) 997,6 

Durch Kalilauge nicht absorbierbare Gase 2,4 

1000,0 

verabreicht. Das Wasser der „Georg -Viktor- Quelle", der 
„HelenenqueUe" und der „Stahlquelle" wird in natürlichem 
Zustande versandt (1903: 1210060; 1904: 1339 905; 1905: 
1383 589 Flaschen), ebenso das der „KönigsqueUe" (1903: 
27 269; 1904: 26 044; 1905: 30 477 Flaschen). 

Sonstige Kurmittel: Hydrotherapie, Elektrotherapie, 
elektrische Lichtbäder, Fangobehandlung. Massage, Vibrations- 
massage. MUch- und Molkenkuren. — Gedeckte WandelhaUcn. 
Parkanlagen. 

Behandelt werden: Krankheiten der Hamorgane, hani- 
saure Diathese, Gicht, Diabetes. Frauenkrankheiten. 

16 Ärzte. — Kurzeit: 15. April bis 15. Oktober. — Kur- 
taxe: 1 Person 20 M., jede weitere Person 10 M. — Zahl der 
Besucher einschließhch der sich einige Tage aufhaltenden 
1903: 8079; 1904: 8930; 1905: 9433. 

Allgemeine Einrichtungen: Hochdruck - QueUwasser- 
leitung. — Beseitigung der AbfaUstoffe durch Abfuhr. — 2 Kran- 
kenhäuser. Sanatorium „KönigsqueUe". Desinfektionsapparat. 
Apotheke. — Verschiedene Stiftungen für Unbemittelte. 

Die „Georg- Viktor-QueUe", „HelenenqueUe", „BadequeUe", 
„GrottenqueUe", „TalqueUe" und „StahlqueUe" gehören dem 
„Fürstlich Waldeckschen Domanium" und sind an die „FürstUche 
Wildunger MineralqueUen A.-G." verpachtet. Die „Königs- 
queUe" und die „SchloßqueUe" gehören Sanitätsrat Dr. Rörig. 



81 



föcjsföosföföföc^ Zollhaus (Johannisbrunnen) ^^^^^isoiso^ 



Gasthaus und Bahiiliof Zollhaus, zur Gemeinde Hahn- 
stätten gehörig, iin Regierungsbezirk Wiesbaden der preußischen 
Provinz Hessen -Nassau. 



Im Jahre 1882 wurde hier der „Johamüsbrunnen" er- 
bohrt, eine in beträchtlicher Tiefe aus Grauwacke entspringende 
Queüe, die täglich etwa 400 hl Wasser von 10° liefert. 



Analyse (aus der Salztabelle berechnet). 

Analytiker: Th. Kyll. 



18971 



In 1 Liter des Mineralwassers sind enthalten*): 



Kationen^). Gramm 

Xatrium-Ion (Na-) 0,1173 

Calcium-Ion (Ca-) 0,2051 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,05105 

Ferro-Ion (Fe-) 0,00053 

Anionen "). 

Chlor-Ion (Gl) 0,0106 

Sulfat-Ion (SO;') 0,0297 

Hydrokarbonat-Ion (HCO3') 1,136 

Kieselsäure (meta) (H^SiOä) 



Milli- 
Mol 

5,090 
5,115 
2,096 
0,0095 



0,299 
0,310 
18,61 



Milligi"amm- 
Äqui Talente 

5,090 
10,23 

4,192 

0,019 
19,53 



0,299 
0,619 
18,61 



1,550 
0,0171 



31,53 
0,219 



19,53 



Freies Kohlendioxyd (CO^) 



1,567 31,75 

nicht bestimmt. 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
1,6 g, darunter hauptsächlich Calcium- und Hydrokarbonat- 
lonen. Die Menge des freien Kohlendioxyds ist nicht bestimmt 
worden, ist aber erheblich: die Quelle ist danach ein „er- 
diger Säuerling''. 

Die Quelle ist in einem 2,5 m tiefen Schacht aus Zement- 
beton und Holz gefaßt. Das Wasser wird ausschließUch zimi 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Liter enthält')*): 

Gramm 

Natriumchlorid (NaCl) 0,0175 

NatriumsulFat (Na^SO^) 0,0440 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOg) 0,3507 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCO,,)j] 0,8292 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HC03)j] 0,3068 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03)2] 0,0017 

Kieselsäure (meta) (HjSiOg) 0,0171 

1,5670 
Freies Kohlendioxyd (CO^) nicht bestimmt. 



1) Manuskript. 2) Die Analyse ist im Original auf die Litereinheit be- 
zogen und konnte in Ermangelung der Angabe des spezifischen Gewichtes 
nicht auf 1 kg umgerechnet werden. Bei einer derartigen Umrechnung würden 
sich sämtliche Zahlen schätzungsweise um etwa 0,1 Prozent ihres Wertes er- 
niedrigen. 3) Vgl. ehem. Einleitimg Abschn. A. *) Vgl. ehem. Einleitung 
Abschn. B.2.C. 

Versand gebracht. Es wird durch Pumpen gehoben imd in 
einer etwa 250 m langen Metallrohrleitimg dem FiUlhause zu- 
geführt. Es erhält dort einen Zusatz von Kochsalz, 1 g auf 
1 kg, wird mit der dem Wasser entströmenden Kohlensäure 
imprägniert und auf Flaschen gefüllt. Der Versand betrug 1902: 
870 000; 1903: 965 000; 1904: 830000 Flaschen. Die QueUe 
ist im Besitz der Aktiengeschaft Johannisbnimien zu Zollhaus. 



— 82 — 

5. Alkalische Quellen. 

Von Dr. A. Winckler, 
Sanitätsrat, König!, dirigierender Brunnenarzt in Bad Nenndorf. 

(Chemische Analysen bearbeitet von Professor Dr. E. Hintz und Dr. L. Grünhut.) 

Alkalische Quellen enthalten in 1 kg des Wassers mehr als 1 g gelöste feste Bestandteile, unter deren 
Anionen die Hydrokarbonatrionen, unter deren Kationen die Alkali-Ionen vorherrschen. (Bei der Salzberechnung 
ergibt sich daher als vor\^■altender Bestandteil Natriuinhydrokarbonat.) Wird ein solches Wasser gekocht, so gehen 
unter Entbindung von Kohlendioxyd die Hydrokarbonat - Ionen in Karbonat- Ionen über, die zum Teil mit den 
Erdalkali-Ionen zu Niederschlägen zusammentreten; dabei bleibt aber ein Überschoß von Karbonat-Ionen, der durch 
Hydrolyse eine gewisse Menge Hydroxyl-Ionen, d. h. alkalische Reaktion des Wassers entstehen läßt. 

Überschreitet die Menge des freien Kohlendioxyds 1 g in 1 kg des Wassers, so spricht man von alkalischen 
Säuerlingen. Je nachdem der Gehalt an CMor- oder Sulfatr oder Erdalkali-Ionen mehr in den Vordergrund tritt, 
spricht man im Gegensatz zu den rein alkalischen von alkalisch-muriatischen, alkalisch-salinischen, 
alkalisch-muriatisch-salinischen oder alkalisch-erdigen Quellen. 

Übersteigt die Temperatur der Quellen 20°, so spricht man von warmen alkalischen Quellen (alka- 
lischen Thermen). 

Die erste deutliche Erkennung des Natriumhydrokarbonats als „sal alkalinus" in Mineralwässern geschah 
gegen Ende des 17. Jahrhunderts bei den Quellen von Karlsbad und Vichy (siehe Lersch, Hydro-Chemie S. 342, 
Berlin 1864). 

Angewendet werden die alkalischen Wässer hauptsächlich zu Trinkkuren und Inhalationen, die 
schwächeren meistens als Tafelwässer. Seltener findet ihre Anwendung zu Badekuren statt. 

Über die physiologischen Wirkungen kurmäßig getrunkener alkalischer Wässer sind die Theoretiker in vielen 
Punkten noch uneinig, während die Praktiker bezüglich der therapeutischen Wirkungen übereinstimmen. Daß das 
in den Magen gelangende Alkalikarbonat dort vorhandene freie Säure bindet, ist sicher, ob aber die Blutalkales- 
zenz durch die Trinkkur vermehrt werde, wie von einigen behauptet wird, ist sehr zweifelhaft; zu der rein chemischen 
Säuretilgung im Magen treten komplizierte physiologische Gegenwirkungen, über deren Ablauf und Endergebnisse 
nichts Sicheres bekannt ist. Die unmittelbare Wirkung auf den Magen ist je nach den Nebenbestandteilen des 
alkalischen Wassers etwas verschieden: ein rein alkalisches Wasser wirkt säuretügend und erregend, die Motilität 
des Magens steigernd und die Magenverdauung beschleunigend; ein alkalisch-erdiges Wasser wirkt säuretilgend und 
sekretionsbeschränkend, ein alkalisch-muriatischer Säuerling säuretilgend, sekretionserregend und schleimlösend. Bei 
den alkalisch-salinischen Wässern tritt die AJkaliwirkung hinter der Wirkung des Glaubersalzes zurück; häufig steht 
die abführende Wirkung ganz im Vordergrunde, und merkwürdig ist es, daß sie sich im Verlaufe der Trinkkur 
nicht abzuschwächen, sondern zu steigern pflegt. Die Angaben über die Wirkungen dieser Art von alkalischen 
Wässern auf die Darmtätigkeit und auf die Gallenabsonderung widersprechen einander; man muß sich mit der 
allgemeinen Anschauung begnügen, daß die darin vorhandenen Sulfate den ganzen Stoffwechsel umstimmen. Wirksam 
erweisen sich alle Arten von alkalischen Wässern bei Magenkrankheiten, die mit übermäßiger Säurebildung 
einhergehen; 1 — 2 Gläser morgens, nach Bedarf erwärmt getrunken, beseitigen beim chronischen Magenkatarrh der 
Trinker die Übelkeit und das Erbrechen zäher Schleimmassen. Ebenso wirken sie bei gewöhnlichem Magenkatarrh 
mit Hyperacidität, bei saurer Dyspepsie, Sodbrennen und ähnlichen Zuständen, wobei man mehrmals täglich, aber 
nicht beim Essen, je ein Glas voll trinken möge. Beim runden Magengeschwür wird eine Trinkkur mit 
einem alkalisch - salinischen Wasser besonders empfohlen: hierbei ist morgens nüchtern Ys ^ *^^^ erwärmten 
Wassers in drei Portionen während eines Spsizierganges zu trinken. Auf die erkrankten Schleimhäute der 
Atmungsorgane wirken die alkalischen Wässer, besonders die alkalisch-muriatischen, vorteilhaft. Vom Magen 
und Darm aufgenommen scheinen die Salze teilweise durch die Schleimdrüsen ausgeschieden zu werden, wobei sie 
deren etwa stockende Sekretion anregen und den in Absonderung begriffenen Schleim verflüssigen und lösen. So 
sieht man unter dem Einflüsse einer solchen Trinkkur bei Katarrhen der Nase, des Rachens, des Kehlkopfes, der 
Bronchien die Sekretion alsbald vermehrt und den zähen Schleim dünner werden, was zu einer Abschwelhmg der 
katarrhalischen Schleimhäute führt. Daher gelten die erwähnten Mineralwässer als antikatarrhalisch. Ihre Wirkung 
kann durch örtliche Anwendungsarten, nämlich durch Gurgelungen und besonders durch Inhalationen des zerstäubten 
Wassers noch unterstützt werden. Zu diesem Zwecke sind an vielen alkalischen Quellen Inhalationseinrichtungen in 
Gebrauch, die bezwecken, das aufs feinste zerstäubte Mineralwasser nicht nur in die oberen Atemwege, sondern bis in 



— 83 — 

die Bronchien und Bronchiolen gelangen zu lassen. — Strittig ist die Erklärung für die empirisch festgestellte Wirkung 
der alkalisch-salinischen AVässer auf die Leber bei Leberanschoppungen und bei Gallensteinbeschwer- 
den. — Die Tätigkeit der Nieren wird durch die alkalischen Wässer lebhaft angeregt, die Alkalikarbonate wirken 
schon an sich diuretisch und steigern noch die harntreibende Wirkung der getrunkenen Wassermengen. Bezweckt 
man aus irgend einem Grunde, z. B. wegen Neigung zu Konkrcmentbildung in den Harnwegen, eine „Schwemm- 
kur", so sind diese Mineralwässer sehr brauchbar; desgleichen zum Zwecke einer kräftigen Durchspülung des 
ganzen Organismus. In gleichem Sinne sind diese Wässer auch bei einigen konstitutionellen Erkrankungen 
brauchbar, vornehmlich bei der Gicht. Hier kommt aber nicht bloß eine Steigerung des Stoffwechsels neben der 
Vermehrung der Harnmenge in Betracht, sondern auch die Fortschaffung der Harnsäure aus dem Körper. Nach 
Kionka tritt bei Patienten mit harnsaurer Diathese infolge des Genusses von alkalischen, beziehungsweise alkalisch- 
mmiatischen Wässern meistens eine beträchtliche Steigerung der Harnsäureausscheidung auf, die mit dem gesteigerten 
Lösungsvermögen des Urins für Harnsäure in Beziehung gebracht wird. Ob das gesteigerte Lösungsvermögen durch 
Natriumkarbonat oder einen anderen Bestandteil des Mineralwassers, z. B. das Lithium, wie man eine Zeitlang 
annahm, hervorgerufen wird, ist ungewiß. Es ist nicht ohne Interesse, daß Kionka und seine Schüler durch reine 
Fleischfütterung bei Hühnern Harnsäureablagerungen erzeugen konnten, die jedoch ausblieben, wenn dem Fleische 
kleine Mengen Alkalikarbonat beigegeben wurden. Bei der Zuckerharnruhr, namentlich wenn sie bei Fettleibigen 
und Gichtkranken auftritt, sind alkalische Wässer nützlich; unter dem Einfluß der Trinkkur pflegt der Zucker des 
Harns abzunehmen oder zu verschwinden. Der Erfolg währt zwar meistens nur einige Monate, diese Monate relativer 
Gesundheit sind aber doch ein erheblicher Gewinn, und wenn die Brunnenkuren jährlich wiederholt werden, kann 
das Leben des Patienten lange gefristet werden. Eine befriedigende Erklärung dieser Wirkung läßt sich zur Zeit 
nicht geben. Wohl zu beachten ist, daß sehr schwache, blutarme und hinfällige Zuckerkranke die alkalischen 
Wässer schlecht vertragen. — Bei Fettleibigkeit sind die Erfolge zweifelhaft. Man nimmt jetzt an, daß nur 
alkalisch-salinische Wässer gegen Fettsucht wirksam seien, und zwar vermöge ihres Gehalts an abführenden Sul- 
faten, nicht vermöge ihres Gehalts an Alkalikarbonaten. Indessen ist zu beachten, daß bei Trinkkuren in den 
Badeorten strenge Diätformen eingehalten werden, die das Ihrige zur Kur beitragen. 

Mit den Trinkkuren pflegt man, wenn die nötigen Mineralwassermengen und Badeeinrichtungen am Kurorte 
vorhanden sind, nach alter Überlieferung eine Badekur zu verbinden. Über die Wirkungsart dieser Bäder ist 
nichts Sicheres bekannt. Wenn das Wasser reichlich Kohlensäure enthält, reizt es die Haut ebenso wie einfache 
Säuerlinge, und die Badewärme kann bei katarrhalischen Zuständen der weiblichen Unterleibsorgane nützen. 

Als Gegenanzeigen der Trinkkur gelten Schwächezustände aller Art. Die Zufuhr alkalischer Getränke 
schadet, wenn wenig Säure im Magensaft vorhanden zu sein pflegt und Neigung zu Katarrhen des Magens und 
Darms besteht, wie bei der atonischen Dyspepsie der Blutarmen, der Bleichsüchtigen und Genesenden. Bei Lungen- 
schwindsucht, bösartigen Neubildungen und jeder Art von Kräfteverfall sind die stärkeren alkalischen Wässer unbe- 
dingt zu vermeiden. Es wird behauptet, daß energischer und lange fortgesetzter Gebrauch eines solchen Mineral- 
wassers sogar bei gesunden Personen Abmagerung, atonische Dyspepsie und endlich Kachexie verursache (die von 
Trousseau geschilderte „cachexie alkaline"). Die Gewohnheit vieler Gichtkranken, stark alkalische Wässer viele 
Monate und Jahre lang als diätetisches Getränk zu genießen, ist gefährlich, da infolge der beständigen Neutralisation 
großer Mengen von Magensäure die für die Verdauung notwendige Säuremenge teilweise unwirksam gemacht, 
also der normale Verdauungsvorgang und schließlich auch die Säureabsonderung des Magens beeinträchtigt wird. 
Folglich sollte die Bemessung der zu trinkenden Wassermengen und die Dauer der Kur nicht dem Belieben der 
Kranken anheimgesteUt, sondern von einem erfahrenen Badearzte geregelt werden. Man bedenke, daß in Vichy, 
einem Kurort mit rein alkalischen Quellen, selten über 2 Gläser Mineralwasser täglich ärztlich gestattet werden. 
Kurz: ein stark alkalisches Wasser darf höchstens sechs Wochen lang und nur in mäßigen Mengen getrunken 
werden. Jedoch ist es zulässig, eine solche Trinkkur zweimal jährlich zu gebrauchen. 

Anders verhält es sich mit schwach alkalischen Quellen, von denen die Säuerlinge als Tafelwässer, d. h. 
als tägliches Getränk für Gesunde, in steigendem Umfange Verwendung finden. Die Beliebtheit solcher Wässer 
ist erklärlich. Ihre freie Kohlensäiu-e entweicht beim Trinken teilweise infolge der Erwärmung im Munde, in der 
Speiseröhre und im Magen; im Magen wird außerdem unter dem Einfluß des sauren Magensaftes ein Teil der 
gebundenen Kohlensäure frei; die sich entwickelnde Kohlensäure erzeugt aber nicht nur das bekannte angenehme Prickeln 
auf der Zunge und im Schlünde, sondern befördert auch im Magen die Aufsaugung der getrunkenen Flüssigkeit, 
wodurch sich die ausgesprochen durstlöschende und erquickende Wirkung dieser Tafelwässer erklärt. 

Aber Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage, wenn ein solches Mineralwasser für die Verwendung als Tafel- 
wasser künstlich mit großen Mengen Kohlensäure imprägniert wird. Die besten Wässer dieser Klasse führen in 



— 84 — 

natürlichem Zustande kaum ihr anderthalbfaches Volumen an Kohlensäure; wenn nun drei bis vier Volumina 
Kohlensäure den Wässern künstlich hinzugesetzt werden, damit die Flaschen beim öffnen laut knallen und das 
Wasser als schäumender „Sprudel" erscheine, so muß solches Erzeugnis als gesundheitsschädlich angesehen werden. 
Der Magen des Trinkenden wird aufgebläht, und bei gewoluiheitsmäßigeni Genüsse dieser mit Kohlensäure über- 
ladenen Wässer entsteht schließlich eine dauernde Magenerweiterung. Bedenklich ist auch der künstliche Zusatz 
von Natrium bicarbonicum, aus den oben angegebenen Gründen, die gegen eine gewohnheitsmäßige Zufuhr größerer 
Alkalimengen sprechen. Enteisenung und Kochsalzzusatz sind andere zum Zwecke des Korrigierens geübte Kunst- 
griffe, die zwar in sanitärer Hinsicht unbedenklich sind, aber vermuten lassen, daß das betreffende Mineralwasser 
so beschaffen sei, daß es erst mundgerecht gemacht werden müsse. In natürlichem Zustande wohlschmeckende, ohne 
irgendwelche Zusätze und absichtliche Veränderungen abgefüllte Mineralwässer verdienen allemal den Vorzug. 



Alkalische Quellen. 



Apollinarisbrunnen. 

Arienheller Sprudel. 

Bertrich. 

Birresbom. 

Daun. 

Ems (s. auch unter „Eisenquellen"). 

Fachingen. 

Geilnau. 

Gerolstein. 

Godesberg. 

(Göppingen) 

Honnef. 

Hönningen. 

Namedy. 



s. unter „Erdige Säuerlinge". 



Neuenahr. 

Niederselters. 

Oberlahnstein. 

Oberselters. 

Offenbach am Main. 

Rhens am Khein. 

Roisdorf. 

Bad Salzbrunn (s. auch unter „Einfache kalte Quellen"). 

Salzig. 

Sulzbach in Baden. 

Sulzmatt. 

(Tönnisstein) s. unter „Erdige Säuerlinge". 

(Weilbach) s. unter „Schwefelquellen". 



— 85 



föG6C6C6G6Q5föföG6CÄSG6 Apollinarisbrunneii iso^^^^isj^^^^^ 



Zwischen Neuenahr und Heppingen im Ahi'tal in der 
Ehcinprovinz wurden im Jahre 1852 15,4 m tief in Grauwacke 
2 Quellen, zusammen als „Apollinarisbrunnen" bezeichnet, er- 
bohrt. Das Wasser steigt wahrscheinlich auf einem mächtigen. 



das AJu'tal dort durchsetzenden Quarzgange auf. Das Bohr- 
loch ist verrohrt und mündet oben in ein Zementbassin. Das 
Wasser wird durch Pumpen gehoben. 



Analyse 



n- 



Analytiker: Th. Kyll. 1901 ^ 
, o, , , , ,, , , .s Spezifisches Gewicht: 1,0034 (ohne Temperaturangabe), 
(aus der Salztabelle berechnet). Temperatur: 21 2°. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Milli- 

Kationen -). Gramm Mol 

Natrium-Ion (Na-) 0,8051 34,93 

Calcium-Ion (Ca-) 0,0989 2,47 

Magncsiimi-Ion (Mg-) .... 0,143 5,86 

Ferro-Ion (Fe-) 0,0026 0,047 



Anionen'). 

Chlor-Ion (Gl') 0,265 7,48 

Sulfat-Ion (SO/') 0,167 1,74 

Hydrokarbonat-Ion (HCO3'). 2,484 40,72 



Milligramm- 
Äqmvalente 

34,93 

4,93 
11,7 

0,094 
51,7 



7,48 

3,48 

40,72 



Kieselsäure (meta) (H^SiCj) 
Freies Kohlendioxyd (CO^) . 



3,966 
0,030 



93,25 
0,38 



51,68 



3,996 
2,042 



93,63 
46,42 



6,038 



140,05 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt 4 g, 
wobei Natrium- und Hydrokarbonat-Ionen vorwalten. Da 2 g 
freies Kohlendioxyd vorhanden sind, so ist die Quelle ein 
„warmer alkalischer Säuerling". 

Ihr Wasser erhält nach der Enteisenung Zusätze von 1 
pro MUle Kochsalz imd von Kohlensäure aus der eigenen 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähi' einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält^): 

Gramm 

Natriumchlorid (NaCl) 0,438 

Natriumsulfat (Na^SO^) 0,247 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOg) . 2,015 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03)2] 0,400 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03),] 0,858 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03)2] • • 0,0084 

Kieselsäure (meta) (H^SiOg) .... 0,030 



3,996 
Freies Kohlendioxyd (C0„) 2,042 = 



6,038 



1124 ccm bei 

21,2° und 
760 mm Druck. 



Gefrierpunkt: 
Kostkewicz. 



-0,240° (Probe nicht identisch), von 



') Manuskript. — Die Analyse bezieht sich auf das natürliche Wasser. 
2) Vgl. ehem. Eiuleitimg Abschn. A. ') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 

Quelle imd wird alsdann versandt (im Jahre 1903 etwa 2874; 
1904: 29; 1905: 30 Millionen Flaschen). Es wird hauptsäch- 
lich als Tafelwasser getrunken, jedoch daneben zu Heilzwecken 
empfohlen. 

Die Quelle ist im Besitze der „A.-G. ApoUinarisbnmnen" 
in Neuenahr. 



c^(^föasfööSG6cssG55G6G6 Arienheller Sprudel ^^^^^^^^^^^ 

Bei dem Dorfe Arienheller in der Nähe von Eheinbrohl in 390 m Tiefe in unterdevonischen Tonschiefern ein Sprudel, 
am rechten Eheinufer in der Eheinprovinz wurde im Jahre 1897 die ,,Dreikömgsquelle", erbohrt. 

AnalySG Analytiker: E. Hintz. 1897'). 

(aus den Originalzahlen berechnet). Spezifisches Gewicht: 1,00309 bei 15,5°, bezogen auf Wasser von 4°. 

^ Temperatur: 22,4 . 

Ergiebigkeit: 8640 hl in 24 Stunden. 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: Miiu- Miiiigramm- 

iw-ir Afir Gramm Mol Äquivalente 

Kationen'). G^„„ ^^{ i^^T; Sulfat-Ion (SO/') 0,1466 1,526 3,052 

Kaüum-Ion (K-) 0,03989 1,019 1,019 Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,000717 0,0075 0,0149 

Natrium-Ion (Na-) 1,024 44,43 4443 Hydroarsenat-Ion (HAsO/') 0,000480 0,0034 0,0069 

Lithium-Ion (Li-) 0,001031 0^1466 0^466 Hydrokarbonat-Ion (HCO3') 2,666 43,70 43,70 

Ammonium-Ion (NH,-) . . . 0,001787 0,0989 0,0989 ~4ß8Ö l2(V74 66^29 

Calcium-Ion (Ca-) 0,1242 3,097 6,193 Borsäure (meta) (HBOJ . . 0,003724 0,0846 

Magnesmm-Ion (Mg") .... 0,1708 7,012 14,02 Kieselsäure (meta) (H,Si03) 0,01885 0,2404 

Ferro-Ion (Fe-) 0,009909 0,1773 0,3545 -J^? jJTÖe 

Mangano-Ion (Mn-) 0,000458 0,0083 0,0167 freies Kohlendioxyd (CO,) i:846 4i:96 

Anionen^). ^^'^^ 6>'?48 163,02 

Nitrat-Ion (NO3') 0,004302 0,0693 0,0693 Daneben Spuren von Zink-, Kupfer-, Aluminium-Ion, 

Chlor-Ion (Cl') 0,6887 19,43 19,43 Titansäure. 

Brom-Ion (Br) 0,000959 0,0120 0,0120 — ,, „. . ^ ,, , ^ . . • . „ o 

Jod-Ion rT"> nnAnnn7 n nnnna a nnnric ') Chemische Untersuchung des Anenheller Sprudels, Dreikönigsquelle, zu 

doa xon (.J j 0,000007 0,00006 0,00006 Bad Arienheller. Wiesbaden 1898. ») Vgl. ehem. Einleitung Absehn. A. 

6* 



— 86 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gmmm 

Kaliumnitrat (KNO,) 0,007017 

KaUumchlorid (KCl) 0,07083 

Natriumchlorid (NaCl) 1,075 

Natriumbromid (NaBr) 0,001236 

Natriumjodid (NaJ) 0,000009 

Natiumsidfat (Na,SOJ 0,2170 

Natriunihydrokarbonat (NaHCO,) 1,932 

Lithimnhydrokarbonat (LiHCOs) 0,00997'» 

Ammoniumchlorid (NH.Cl) 0,005292 

Calciumhydrophosphat (CaHPOj) 0,001016 

Calciiunhydroarsenat (CaHAsO.) 0,000618 

Calciumhydrokarbonat [Ca(aCOs\] 0,5002 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HC03)j] 1,026 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCOs),] 0,03154 



Gramm 
jVIanganohydrokarbonatfMn(HC03),] 0,001474 

Borsäure (meta) (HBOJ 0,003724 

Kieselsäure (meta) (HjSiOj) .... 0,01885 



4,902 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 1,846 = \ 22,4° und 



6,748 



1021 ccm bei 



760 mm Druck. 



1000 ccm des der Quelle frei entströmenden Gases 
bestehen aus: 

ocni 

Kolüendioxyd (CO.,) 997 

Stickstoff (N,) . ." 3 

Daneben Spuren von Sauerstoff. 



') Vgl. ehem. Einleitung Absctm. B.2.C. 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt 4,9 g, 
wobei Hydrokarbonat- und Natrium-, daneben Chlor- und 
Magnesium-Ionen vorwalten. Da 1,8 g freies Kohlendioxyd 
vorhanden sind und mit Eücksicht auf ihre Temperatur ist 
die Quelle als „warmer alkalisch-erdig-muriatischer 
Säuerling" zu bezeichnen. 

Die Quelle ist in kupferne Kohre gefaßt, die durch kon- 
zentrische Lagen von Eisenrohren geschützt sind ; sie sprudelt, 



sich selbst überlassen, 22 m über die Erdoberfläche empor. 
Nach Enteisenung und Imprägnierung mit Kohlensäure aus 
der eigenen Quelle wird das Wasser als Tafelwasser in den 
Handel gebracht; der jährliche Versand betrug 1904: 2 Mil- 
lionen; 1905: 2^/^ MUlionen Flaschen. Ein Badehaus (mit 
9 Badezellen) ist nicht mehr in Betrieb. Die Quelle gehört 
der „Arienheller Sprudel- und Kohlensäure-Aktiengesellschaft". 



G6C;6G3SG6C6G6föC6G6CJSföG6C6C;iSG6 Bertrich ^(ÖÖDdÖ^ÖOÖOöOdOdÖdO&PdsD^ÖÖO 



Dorf mit 505 Einwohnern im Eegierungsbezirk Coblenz der 
Eheinprovinz, liegt 165 m ü. M., in dem 200_bis 250 m breiten, 
von SO nach NW streichenden Tale des Usbaches, das von 
100 — 170 m hohen, steilen, mit Laub- und Mischwald be- 
standenen Bergen eingefaßt ist, von Parkanlagen umgeben. — 
Nächste Bahnstation BuUay (11 km, Postverbindung) an der 
Linie Coblenz— Trier. 

Heilquellen. Zwei Quellausflüsse desselben Urspnmgs, 



„Bergquelle" und „Gartenquelle", etwa 32° warm, entspringen 
aus unterdevonischen Quarziten und Tonschiefern und liefern 
zusammen täglich etwa 4460 hl Wasser. Die Quellen wurden 
schon von den Römern zu Heilzwecken verwendet, waren dann 
wieder seit dem 14. Jahrhundert in Gebrauch und sind jetzt im 
Besitz des preußischen Staates. 1904 ist die „Bergquelle" neu 
gefaßt worden. 



Analyse der „BergQ.Uelle" (aus den Originalzahlen berechnet). 

Analytiker: E. Fresenius und E. Hintz. 1890'). 

Spezifisches Gewicht: 1,00027 bei 20°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 32,7°, gemessen am Ablauf (32,9°, gemessen im Steigrohr). 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: Miiii- Miiiigramm- 

Gramm Mol Äquivalente 

■B-o««^«^ n *""'- Milligramm- Jod-Ion (J') 0,000008 0,00007 0,00007 

^fr P- ^, «TT nTo ^r^-r Sulfat-Ion (SO;-) 6154 6 406 12 81 

Kahum-Ion (K-) 0,01430 0,3652 0,3652 Hydrophosphat-Ion (HPO/') 000088 0009 0018 

Natamn-Ion (Na-) 0,5985 2o,97 25,97 Hydroarsenat-Ion (HAsO" 000161 0011 0023 

Lithmm-Ion(Li-)^^. 0,000220 0,0312 0,0312 Hydrokarbonat-Ion (HCO ') 8874 14 55 14 55 

Ammomum-Ion (NH<-) . . . 0,000188 0,0104 0,0104 ■' v 3 y ' ' —1— 

Calcium-Ion (Ca-) 04660 1162 2 324 •-i,3^90 53,4« 31,13 

Strontium-Ion (SrV ..:. oJoSs Ä Ifilm T'r ^TV^mioV o'ZT.' T.Z 
Magnesium-Ion (Mg--) .... o;02888 l,m 2;371 Kieselsaure (meta) (H^SiO,) . 0,06375 0,8129 

Ferro-Ion (Fe-) 0,000897 0,0160 0,0321 ^ . „ ^, ,. , ,„^ , ^'^^'*^ ^'^'^^ 

Mangano-Ion (Mn-) 0,000081 0015 0029 ^"'"'^ Kohlendioxyd (CO,) . 0,07458 1,695 

-YTli 2,4686 56,02 

Anionen'). Daneben Spuren von Baryum-, Aluminium-Ion, organi- 

Nitrat-Ion (NO,') 0,002549 0,0411 0,0411 ^*®° Substanzen, freiem Stickstoff. 

Chlor-Ion (Cl') 0.1320 3 723 3 72^ 

„ T }fy.'. wjiöiu 0,1 CO 0,1 i.a 1) Chemische Untersuchung der Trink- oder Bergquelle des Königlichen 

Urom-ion (at ) 0,000465 0,0058 0,0058 Bades Bertrich. Wiesbaden 1891. ») Vgl. ehem. Einleitmig Abschn. A. 



— 87 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält^): 

Gramm 

Kaliumnitrat (KNO,) 0,004158 

KaUumchlorid (KCl) 0,02418 

Natriumchlorid (NaCl) 0,1982 

Natriumbromid (NaBr) 0,000599 

Natriumjodid (NaJ) 0,000010 

Natriimisulfat (Na,SOJ 0,9107 

Natriumhydrokarbonat (NaHCO,,) 0,8204 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCOs) 0,002125. 

^\jnmoniiunchlorid (NH.Cl) 0,000558 

Calciumhydrophoshat (CaHPO^) 0,000124 

Calciumhydroarsenat (CaHAsO,) 0,000207 

Calciumhydrokarbonat [CaCHCO,),] 0,1881 

Strontiumhydrokarbonat [Sr(HCO:,).,] 0,003034 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HCÖ,).>] 0,1735 

Ferrohydrokarbonat [FeCHCüj).,! . .'." 0,002854 

Manganohydrokarbonat [Mn(HC03)2] 0,000260 



Gramm 

Borsäure (meta) (HBO,) 0,001261 

Kieselsäure (meta) (H^SiOJ .... 0,06375 



Freies Kohlendioxyd (CO2' 



2,3940 

0,07458 
2,4686 



42,7 com bei 

32,7° und 
760 mm Druck. 



1000 ccm des der Quelle frei entströmenden Gases 
bestehen aus: cmm 

Kohlendioxyd (CO,) 77,5 

Stickstoff (N,) 922,5 

Daneben Spuren von Methan. 



Ältere Analysen: Mohr sen. 1821 (bei J. F. Simon, Die Heil- 
quellen Europas S. 28. Berlin 1839). Funke 1825 (bei H. Hager, Manuale 
pharmaceuticum. Vol. alterum. p. 279. Lipsiae 1860). F. Mohr jun. 1845 
mid 1878 (bei Fresenius und Hintz a. a. O. S. 22). 



ä) Vgl. ehem. Einleitung Absehn. B.2.C. 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
2,4 g, wobei Natrium-, Hydrokarbonat- und Sulfat-Ionen vor- 
walten. Danach und mit Eücksicht auf ihre Temperatur ist 
die „Bergquelle" als „warme alkalisch-salinische Quelle" 
zu bezeichnen. 

Beide Quellen, die durch MetaUröhren miteinander ver- 
bunden sind, dienen zu Trinkkuren, zu Thermalbädern, zu 
Duschen, zum Inhalieren und zum Gurgeln. Zwei fiskalische 
Badehäuser enthalten 28 Zellen mit Badewannen aus Mett- 
lacher Kacheln, worin hauptsächlich naturwarme Thermalbäder 
verabreicht werden, auch solche mit fließendem Thermalwasser. 
Das Wasser wird in einen Hochbehälter gepumpt, zur Ver- 
meidung von Kohlensäureverlust in geschlossenem Kessel unter 
Druck erwärmt und durch Steigröhren in die Badewannen 
geleitet. (Auch für das zum Trinken benutzte Wasser sind 
Einrichtungen zur Vermeidung von Kohlensäiu-everlust vor- 
handen). Verabreicht wurden im Jahre 1903: 16 369; 1904: 
18840; 1905: 19351 Bäder. Auch ein Inhalations- und Gurgel- 



raum ist vorhanden. Versandt wurden im Jahre 1903: 3996; 
1904: 5939; 1905 etwa ebensoviel Flaschen zu 1 Liter. 

Sonstige Kurmittel: Massage. Terrainkuren (ohne be- 
sondere Einrichtung). — Wandelbahn. 

Behandelt werden: Magen- und Darmkrankheit«n, Er- 
krankungen der Leber und der Gallen wege, Krankheiten der 
Harnorgane, Gicht, Rheumatismus, Fettsucht, Frauenkrank- 
heiten, Neurasthenie, Zuckerkrankheit. 

4 Arzte. — Kurzeit: 1. Mai bis 1. Oktober. — Kurtaxe: 
1 Person 10 M.; 2 und 3 Personen 20 M.; jede weitere Per- 
son 3 M. — Zahl der Besucher (ohne Passanten): 1903: 2724; 
1904: 2881; 1905: 3082; darunter etwa 5 Prozent Ausländer. 

Allgemeine Einrichtungen: Wasserleitung. — Kanali- 
sation mit Kläranlagen. — Krankenhaus. Für Arme freie 
Verpflegung, Behandlung und Bäder im Wühehnsbad. — Apo- 
theke. — Das Bad wird von einem Königl. Preußischen 
Badekommissar venvaltet. 



G6G6G6GJSG6föG6GJSC55föföG6G?SC^ Birresbom ^i^^iSO^iSOiSO^^iSO^iSJ^lSO 



Bei Birresbom, einem Dorf in der Eifel (Rheinprovinz), 
Station der Bahn Cöln— Trier, entspringen aus den Coblenz- 
schichten des Unterdevons drei Mineralquellen: „Lindenquelle", 



„Felsenquelle" und „Fischbachquelle" (letztere nicht in Be- 
nutzung). Die „Lindenquelle", die schon im 17. Jahrhimdert 
bekannt war, hefert tägüch 600 hl Wasser. 



Analyse der „Lindenquelle" (aus den Originakahlen berechnet). 

Analytiker: E. Hintz und L. Grünhut. 1904^). 

Spezifisches Gewicht: 1,00328 bei 20,2°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 10,2°, gemessen im Brunnenschacht, 2,6 m unter dem Wasserspiegel. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



K!ationen '). Gramm 

Kaüum-Ion (K-) 0,02373 

Natrium-Ion (Na-) 1,113 

Lithium-Ion (Li-) 0,000472 

Ammonium-Ion (NH^-) . . . 0,001576 

Calcium-Ion (Ca-) 0,07085 

Strontium-Ion (Sr--) 0,000038 



Milli- 
Mol 


Milligramm- 
Äquivalente 


0,6060 
48,26 
0,0671 
0,0872 
1,767 


0,6060 
48,26 
0,0671 
0,0872 
3,534 


0,0004 


0,0009 



Milli- Milligramm- 
Mol Äquivalente 

8,691 17,38 

0,0020 0,0040 

0,0609 0,1218 

0,0044 0,0087 

70,07 

>) Chemische imd physikalisch-chemische Untersuchimg der Lindenquelle 
zu Birresbom in der Eifel. Nebst Untersuchungen über deren Badioaktivität. 
Wiesbaden, C. W. Kreidel, 1906. ') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 



Gramm 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,2117 

Zink-Ion (Zn--) 0,000129 

Ferro-Ion (Fe-) 0,003405 

Mangano-Ion (Mn") 0,000239 



— 88 



Milli- Milligramm- 
Anionen'). Gramm Mol Äquivalente 

Chlor-Ion (Cl') 0,2567 7,241 7,241 

Brom-Ion (Br') 0,000405 0,0051 0,0051 

Jod-Ion (J') 0,000006 0,00005 0,00005 

Sulfat-Ion (SO/') 0,1205 1,254 2,508 

Hvdrophosphat-Ion (HPO/') 0,000035 0,0004 0,0007 

Hydroarsenat-Ion (HAsO/') . 0,000033 0,0002 0,0005 

Hydrokarbonat-Ion (HCO3') . 3,680 60,32 60,32 

5,483 128,37 70,08 
Borsäure (meta) (HBO,) . . . 0,001784 0,0405 
Kieselsäure (meta) (HjSiOj). 0,03063 0,3906 

5,515 128,80 
Freies Kohlendioxyd (CO,) . 2,555 58,06 

8,070 186,86 
Daneben Spuren von Baryum-, Kupfer-, Nitrat-Ion, 
Titansäure. 

Gefrierpunkt: —0,226° (identische Probe). E. Hintz 
und L. Grünhut. 

Spezifische elektrische Leitfähigkeit (in reziproken 
Ohm pro cm- Würfel) x = 0,003674 bei 10,2° (identische Probe). 
E. Hintz und L. Grünhut. 



Ältere Analysen: V. Monheim 1835 (Archiv der Pharmazie 1875 
Bd. 207 8. 135). Schmitz imd Vehling (bei J. F. Simon, Die Heil- 
quellen Europas 8. 30. Berlin 1839). G. Bischof (bei B. M. Lerach, 
Einleitung in die Mineralquellenlehre Bd. 2 S. 1339. Erlangen 1860). R. Fre- 
senius 1875 (Analyse der Mineralquelle bei Birresbom in der Eifel. Wies- 
baden 1876). H. Vohl 1876 (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft 
1875 Bd. 8 S. 611; 1876 Bd. 9 8. 20). 



*) Vgl. ehem. Einlcitimg Abschn. B.2.C. 

Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt 5,5 g, 
wobei Hydrokarbonat- und Natrium-, daneben auch Magnesium- 
Ionen vorwalten. Da etwa 2,6 g freies Kohlendioxyd vorhanden 
sind, so ist die Quelle als „alkalischer Säuerling" mit 
bemerkenswertem Magnesiumgehalt zu bezeichnen. 

Die „LindenqueUe" ist in einen runden, 5 m tiefen Stein- 
schacht gefaßt ; ihr Wasser wird in natürlichem Zustande abgefüllt 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Küograram enthält'): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,04521 

Natriuinchlorid (NaCl) 0,3831 

Natriumbromid (NaBr) 0,000522 

Natriumjodid (NaJ) 0,000007 

Natriumsulfat (Na.,SO,) 0,1783 

Natriumhydrokarbönat (NaHCOJ . 3,295 
Lithiumhydrokarbonat (LiHCO,) . . 0,004568 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) 0,004666 

Calciumhydrophosphat (CaHPOJ . 0,000050 
Calciurahydroarscnat (CaHAsO^) . . 0,000042 
Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03).,] 0,2863 
Strontiumhydrokarbonat 

[Sr(HC03).J 0,000091 

Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03),] 1,272 

Zinkhydrokarbonat [Zn(HC03)J . . 0,000371 
Ferrohydrokarbonat [F^HCOa)^ . . 0,01084 
Manganohydrokarbonat 

[Mn(HC03)J 0,000770 

Borsäure (meta) (HBO,) 0,001784 

Kieselsäure (meta) (H^SiO,) 0,03063 

5,514 

fl353 ccm bei 
10,2° und 
760mm Druck. 

1000 ccm des der Quelle frei entströmenden Gases 
enthalten : ccm 

Kohlcndioxyd (CO,) 975 

und zu Trinkkuren versandt. Außerdem wird aus dem Wasser 
der Birresborner Quellen durch Enteisenung in Klärbassins und 
Zusatz von Kohlensäure aus einer benachbarten Mofette ein 
Tafelwasser hergestellt und als „Birresbom-Tafelwasser (Doppcl- 
kohlensaure Füllung)" in den Handel gebracht. 

Die Quelle gehört der Firma „Birresborner Mineralbrunnen 
H. Löhr & Eylert" in Düsseldorf. 



Stadt mit 1200 Einwohnern in der Eifel (Eheinprovinz), liegt Heilquellen. 7 Quellen: „Daimer Becher", „Burgbrunnen", 

400 m ü. M. auf einer Anhöhe. Laub- und Nadelwald in der Nähe. ,,Laurentiu8brumien", „VulkanqueUe" (früher „Frauendreis" 

Station der von der linksrheinischen Bahn Frankfurt a. M. — Cöln genannt), „Mühlendreis", „Kolverather Dreis", „Darscheider 

abzweigenden Nebenbahn Andernach — Gerolstein. Sauerwasser". — „Burgbrunnen" und „Laurentiusbrunnen" 

Klima. Mittlere jährUche Niederschlagshöhe nach zehn- wurden schon 1664 von Tabemaemontanus erwähnt. Die 

jährigem Durchschnitt (1893 — 1902): 743 mm*). Quellen entspringen aus Coblenzschichtcn des Unterdevons 

•) FroTinz-Begenkarte. Und aus VuLkansand mit einer Temperatur von 6 — 8°. 

Analyse der „Vulkanquelle" (aus der SalztabeUe berechnet). 

Analytiker: J. Samelson'). 

. i.»r. 1 .1 ti Milli- Milligramm- 
in 1 Liter des Mineralwassers smd enthalten'): Anionen'). Gramm Mol Äquivalente 

Milli- Milligramm- Chlor-Ion (Cl') 0,0602 1,70 1,70 

Kationen). Gramm Mol Äquivalente SuUat-Ion (SO,") 0,07548 0,7857 1,571 

Natnum-Ion (Sa-) 0,9114 39,54 39,54 Hydrokarbonat-Ion (HCO,'). 3,385 55,49 55,49 

Calcium-Ion (Ca") 0,1350 3,367 6,733 ^„24 TTypr^ ^0-76 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,1486 6,099 12,20 ' , ' ' 

Ferro-Ion (Fe-) 0,00812 0,145 0.290 ^''•^'^ Kohlendioxyd (CO,) . mcht bestimmt. 

58,76 Daneben Spuren von Lithiiun-Ion. 

') Manuskript. •) Die Analyse ist Im Original auf die Litereinheit be- sich sämtliche Zahlen schfltjnmgsweisc um etwa 0,6 Prozent ihres Wertes er- 
zogen und konnte in Ermangelung der Angabe des spezifischen Gewichtes niedrigen. *) Vgl. ehem. Einleitimg Abschn. A. 
nicht auf 1 kg umgerechnet werden. Bei einer derartigen Umrechnung würden 



89 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung un- 
gefähr einer Lösiuig, welche in 1 Liter enthält*): 

Gramm 

Natriumchlorid (NaCl) 0,0993 

Natriumsulfat (Na^SOJ 0,1117 

Natriumhydrokarbonat (NaHCO^) 3,049 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC0,,)2] 0,5458 

Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt 4,7 g, 
wobei Hydrokarbonat- und Natrium-, daneben auch Mag- 
nesium-Ionen vonvalten. Die Menge des freien Kohlendioxyds 
ist nicht bestimmt worden, ist aber erheblich. Die Quelle ist 
ein „alkalischer Säuerling" mit bemerkenswertem Mag- 
nesiumgehalt. 

Das Wasser sämtUcher Quellen wird in natürUchem Zu- 
stande an Ort und Stelle getrunken; das der „Vulkanquelle" 
kommt teils in natürlichem Zustande, teils nach Enteisenmig 
(durch Stehenlassen in Klärbottichen) und Zusatz von Kohlen- 
säure (aus den Eifeler Kohlensäurewerken) unter dem Namen 
„Dauner Sprudel" zum Versand (1903: 42 000; 1904: 68 000; 
1905: 100 000 Gefäße). 



Gramm 

Magnesiiunhydrokarbonat [Mg(HC08)2] 0,8927 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03)J 0,0258 



4,724 
Freies Kohlendioxyd (CO,) nicht bestimmt. 



*) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 

Sonstige Kurmittel: Gelegenheit zu Bädern im Gemün- 
dener Maar. 

Behandelt werden: Bleichsucht, Blutarmut, Nervosität, 
Hysterie, Krankheiten der Verdauungs- und Atraungsorgane. 

2 Arzte. — Kurzeit : Mai bis Ende September. — Kurtaxe 
wird nicht erhoben. — Zahl der Besucher (ohne Passanten) 
schätzungsweise: 1903: 2000; 1904: 3000; 1905: 3800. 

Allgemeine Einrichtvingen : Trinkwasserversorgung durch 
Wasserleitung. — Beseitigung der Abfallstoffe durch Abfuhr. — 
Krankenhaus. Desinfektionsapparat. Apotheke. 

Eine der Quellen gehört dem Staate, drei der Stadt (Aus- 
krnift durch den Magistrat), die übrigen sind Privateigen- 
tum (die „VuIkanqueUe" gehört der G. m. b. H. „Columbus, 
Dauner Sprudel"). 



C;6C;6G55C6C;6CÄC?SG6G6C35G6DSC?SG6DSC6 E m S ^ÖOÖO(»ÖOÖDÖ3ÖOÖDÖD(SP(!0&5ÖDÖDÖD 



Stadt mit 6792 Einwohnern im Regierungsbezirk Wies- 
baden der Provinz Hessen-Nassau, hegt 80 m ü. M. in dem 
etwa 500 m breiten, von NW nach SO streichenden Tale der 
Lahn zwischen 300 — 400 m hohen, steilen, mit Laubwald be- 
standenen Bergen. Station der Eisenbahn Coblenz — Gießen. 

Klima. Mittlere Monatstemperatur nach 20 jährigem Durch- 
schnitt (1881—1900): April 9,8°, Mai 14,1°, Juni 17.4°, JuU 
18,8° August 17,7°, September 14,4°, Oktober 9,2°.*) 

Heilquellen. Zahlreiche Quellen, von denen die wichtigsten 
sind: „Kränchen I" (das frühere „Kränchen"), „Kränchen II'' 
(früher „Fürstenbrunnen" genannt, mit „Kränchen I" unter- 
irdisch zusammenhängend), „Kaiserbrunnen", „Kesselbrunnen", 
„Viktoriaquelle", „König- Wilhelms-Pelsenquelle", „Eisenquelle", 
„BubenqueUe", ,.NeuqueIle", ,,Eömerquelle". 

Die beiden letztgenannten Quellen entspringen am Unken 
Ufer, die übrigen am rechten Ufer der Lahn. Schon die Römer, 

*) Angabe der meteorologischen Station Ems. 

Analyse des „Kränchen I" 



die hier ein Kastell hatten, benützten einige dieser warmen 
Quellen, wie darin aufgefundene römische Münzen und die an 
der Stelle des heutigen Römerbades ausgegrabenen Reste eines 
antiken Bades erkennen lassen. Urkundlich wird das „warm Badt 
by Eumetze" zum erstenmal im Jahre 1352 erwähnt. 1900 — 1904 
wurden sämtliche Heilquellen des rechten Lahnufers, 1905 — 1906 
die „Neuquelle" am linken Lahnufer durch Ingenieur Scherrer 
neu gefaßt. Die Quellen entstehen in großer Tiefe in einem sehr 
harten, in Quarzit übergehenden Sandstein, dem sogenannten 
Spiriferensandstein (Grauwackenschiefer) und treten in verschie- 
dener Höhe aus den Schicht- oder Bankfugen zutage. Sie sind 
unmittelbar auf dem Felsen in zinnernen und bronzenen Glocken 
gefaßt und steigen in 1 — 5 m langen metallenen Röhren empor. 
Die Ergiebigkeit der Quellen ist je nach dem durch den 
veränderKchen Wasserstand der Lahn ausgeübten Gegendruck 
Schwankungen unterworfen, ohne daß hierdurch die Zusammen- 
setzung des Wassers beeinflußt wird. 



„.M^.!. UIU.V.U.WU. .1. (aus der SalztabeUe berechnet). 
Analytiker: H. Fresenius. 1903'). 

Spezifisches Gewicht: 1,00280 bei 11,2°, bezogen auf Wasser von 4°. 
Temperatur: 40,1°. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen'). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,02125 

Natrium-Ion (Na-) 1,013 

Lithium-Ion (Li-) 0,000444 

Anmionium-Ion (NH^-) . . . 0,000486 

Calcium-Ion (Ca--) 0,06507 

Strontium-Ion (Sr-) 0,000937 

Baryum-Ion (Ba--) 0,000603 

Magnesium-Ion (Mg--) .... 0,03946 

Ferro-Ion (Fe-) 0,001271 

Mangano-Ion (Mn--) 0,000057 

Anionen '). 

Chlor-Ion (Cl) 0,6217 

Brom-Ion (Br) 0,000378 

Jod-Ion (J') 0,000017 

Sulfat-Ion (SO/') 0,04222 



Milli- 


Milligramm- 


Mol 


Äquivalente 


0,5429 


0,5429 


43,95 


43,95 


0,0632 


0,0632 


0,0269 


0,0269 


1,623 


3,245 


0,0107 


0,0214 


0,0044 


0,0088 


1,620 


3,240 


0,0227 


0,0455 


0,0010 


0,0021 




51,15 


17,54 


17,54 


0,0047 


0,0047 


0,0001 


0,0001 


0,4395 


0,8790 



Hydrophosphat-Ion (HPO^") 
Hydrokarbonat-Ion (HCO^') 

Kieselsäure (meta) (H^SiO,) . 

Freies Kohlendioxyd (CO^) . 



Gramm 

0,000914 
1,995 



Milli- 
Mol 

0,0095 

32,71 



Milligramm- 
Äquivalente 

0,0190 

32,71 



3,803 
0,06141 



98,57 
0,7831 



51,15 



3,864 
1,100 



99,35 
24,99 



4,964 124,34 
Daneben Spuren von Cäsium-, Rubidium-, Aluminium-, 
Fluor-Ion, Borsäure. 

Gefrierpunkt: —0,213° (identische Probe). H. Fre- 
senius^). 

Spezifische elektrische Leitfähigkeit (in reziproken 
Ohm pro cm-Würfel) « = 0,006110 bei 38,3° (identische Probe). 
H. Fresenius^). 

>) Ems. Überreicht den Teilnehmern der 3. ärztlichen Studienreise 1903 
S. 42. Ohne Ort und Jahr. — Femer Manuskript (Privatmitteilung). ") Vgl. 
ehem. Einleitung Abschn. A. 3) Zeitschr. f. d. ges. Kohlensäiue-Industrie 
1908, Bd. 9 S. 660. 



90 — 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,04000 

Natriumchlorid (NaCl) 0,9926 

Natriumbromid (NaBr) 0,000487 

Natriumjodid (NaJ) 0,000020 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,06248 

Natriumhydrokarbonat (NaHCO,) 2,194 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCOJ 0,004302 

Ammoniumchlorid (NH^CS) 0,001438 

Calciumhydrophosphat (CaHPOJ 0,001296 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCOs),] 0,2615 

Strontiumhydrokarbonat [Sr(HCO,),] 0,002243 

Baryumhydrokarbonat [BaCHCO,),]' 0,001138 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HC03)j] 0,2371 



Gramm 
Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03)2] • • 0,004045 
Manganohydrokarbonat 

[Mn(HC03),] 0,000185 

Kieselsäure (meta) (H^SiOa) 0,06141 

3,865 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 1,100 = 

4,965 



644,7 ccm bei 

40,1° und 
1 760 mm Druck. 



') Vgl. ehem. Einleitung Abscbn. B.2.C. 



Ältere Analysen: Struve 1832 (bei J. F. Simon, Die Heilquellen 
Europas 8. 70. Berlin 1839). Bauer 1837 (bei B. M. Lorsch, Einleitung 
in die Mincralquellenlehre Bd. 2 S. 1292. Erlangen 1860). Kastner ISiS 
(Pharmazeutisches Zentralblatt 1841 Bd. 12 S. 391). W. Jung 1839 (Pharma- 
zeutisches Zentralblatt 1843 Bd. 14 S. 775). R. Fresenius 1851 (Jahrb. 
d. nassauisch. Vereins i. Naturk. 1851 Bd. 7 S. 170; hier auch Abdruck 
einiger älterer Analysen). Ter r eil 1858 (bei Lersch a. a. O. Bd. 2 S. 1292). 
K. Fresenius 1871 (Jahrb. d. nassauisch. Vereins f. Naturk. 1873/1874 
Bd. 27/28 8. 115). 



Analyse des „KränClien II" (aus der SaktabeUe berechnet). 

Analytiker: H. Fresenius. 1903'). 

Spezifisches Gewicht: 1,00233 bei 15,7°, bezogen auf Wasser von 4° 

Temperatur: 35,3°. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

_. ^ -, Milli- Milligramm- 

Katacnen'). Gramm Mol Äquivalente 

KaUum-Ion (K-) 0,02144 0,5477 0,5477 

Natrium-Ion (Na-) 1,004 43,56 43,56 

Lithium-Ion (Li-) 0,000456 0J0648 0,0648 

Ammonium-Ion (NH,-) . . . 0,000494 0,0273 0,0273 

Calcium-Ion (Ca-) 0,06949 1,733 3,466 

Strontium-Ion (Sr--) 0,000984 0,0112 0,0225 

Baryum-Ion (Ba-) 0,000585 0,0043 0,0085 

Magnesium-Ion (Mg--) .... 0,03744 1,537 3,074 

Ferro-Ion (Fe-) 0,001925 0,0344 0,0689 

Mangano-Ion (Mn--) 0,000070 0,0013 0,0025 

50,84 
Anionen *). 

Chlor-Ion (CT) 0,6579 18,56 18,56 

Brom-Ion (Br') 0,000363 0,0045 0,0045 

Jod-Ion (J') 0,000020 0,0002 0,0002 

Sulfat-Ion (SO/') 0,03802 0,3958 0,7915 

Hydrophosphat-Ion (HPü/') 0,001042 0,0109 0,0217 

Hydrokarbonat-Ion (HCO3') 1,920 31,47 31,47 

3,754 97,96 50,85 
Kieselsäure (meta) (H,SiO,) 0,06233 0,7948 

3,817 98,76 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 1,097 24,92 

4,914 123,68 
Daneben Spuren von Cäsium-, Rubidium-, Aluminium-, 
Fluor-Ion, Borsäure. 

Gefrierpunkt: —0,217° (identische Probe). H. Fre- 
senius'). 

Spezifische elektrische Leitfähigkeit (in reziproken 
Ohm pro cm-Würfel) x = 0,006432 bei 36°( identische Probe). 
H. Fresenius*). 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält"): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,04085 

Natriumchlorid (NaCl) 1,052 

Natriumbromid (NaBr) 0,000468 

Natriumjodid (NaJ) 0,000024 

NatriumsuKat (Na^SO,) 0,05626 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOa) . 2,083 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCOs) • - 0,004410 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) 0,001462 

Calciumhydrophosphat (CaHPO,) . 0,001478 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03),] 0,2792 

Strontiumhydrokarbonat[Sr(HCO,),] 0J002354 

Baryumhydrokarbonat [Ba(HCOs),] 0J001104 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03),] 0,2250 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03)J - • 0,006126 

Manganohydrokarbonat[Mn(HC03),] 0,000225 

Kieselsäure (meta) (H,Si03) 0,06233 

3,816 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 1,097 = 



4,913 



632,8 ccm bei 

35,3° und 
760 mm Druck. 



Ältere Analysen: W. Jung 1839 (Pharmazeutisches Zentratblatt 1843 
Bd. 14 S. 775). E. Fresenius 1851 (Jahrb. des nassauischen Vereins für 
Naturkunde 1851 Bd. 7 8. 180). R. Fresenius 1871 (ebendas. 1873/1874 
Bd. 27y28 8. 130). 



*) Manuskript (PriTatmitteiliuig). •) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 
*) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. *) Zeitschr. f. d. gesamte Kohlen- 
süure-Indusuie 1903 Bd. 9 S. 660. 



91 — 



Analyse des „Kaiserbrunnens" (aus der saiztabeue berechnet). 

Analytiker: H. Fresenius. 1903'). 

Spezifisches Gewicht: 1,00133 bei 19,8°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 35,0°. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Kationen ''). ■ Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,02003 

Natrium-Ion (Na-) 0,9779 

Lithiimi-Ion (Li-) 0,000626 

Ammonium-Ion (NH^-) . . . 0,000330 

Calcium-Ion (Ca-) 0,06494 

Strontiimi-Ion (Sr--) 0,000900 

Baryum-Ion (Ba") 0,000474 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,03664 

Ferro-Ion (Fe") 0,002282 

Mangano-Ion (Mn") 0,000096 

Anionen'). 

Chlor-Ion (Cl') 0,5907 

Brom-Ion (Br) 0,000314 

Jod-Ion (J') 0,000021 

Sulfat-Ion (SO/') 0,03344 

Hydrophosphat-Ion (HPÜi") 0,000892 

Hydrokarbonat-Ion (HCOj') 1,954 



Milli- 


Milligramm- 


Mol 


Äquivalente 


0,5115 


0,5115 


42.43 


42,43 


0,0891 


0,0891 


0,0183 


0,0183 


1,619 


3,239 


0,0103 


0.0205 


0,0035 


0,0069 


1,504 


3,008 


0,0408 


0.0816 


0,0017 


0,0035 




49,41 


16,66 


16,66 


0,0039 


0,0039 


0,0002 


0,0002 


0,3482 


0,6963 


0,0093 


0,0186 


32,02 


32,02 



Kieselsäure (meta) (HjSiO,) 
Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



3,684 
0,05902 



95,27 
0,7527 



49,40 



3,743 
1,0.58 



96,02 
24,05 



4,801 120,07 
Daneben Spuren von Cäsium-, Eubidium-, Aluminium-, 
Fluor-Ion, Borsäure. 

Gefrierpunkt: —0.213° (identische Probe). H. Fre- 
senius*). 

Spezifische elektrische Leitfähigkeit (in reziproken 
Ohm pro cm- Würfel) x = 0,005971 bei 32° (identische Probe). 
H. Fresenius*). 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält °): 



Kaliumchlorid (KCl) 

Natriumchlorid (NaCl) 

Natriumbromid (NaBr) 

Natrium Jodid (NaJ) 

Natriumsulfat (Na^SO^) 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOj) . 
Lithiumhydrokarbonat (liHCOj) . . 

Ammoniumehlorid (NH^Cl) 

Calciumhydrophosphat (CaHPO^) . 
Calciumhydrokarbonat [CalHCOg),] 
Strontiunihydrokarbonat[Sr(HC03y 
Baryumhydrokarbonat [Ba(HC03)j] 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HCO.,)J 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03)j] . . 
Manganohydrokarbonat[Mn(HC03)2] 
Kieselsäure (meta) (HjSiO,) . . . . 



Freies Kohlendioxyd (CO,) , 



Gramm 
0,03816 
0,9438 
0,000405 
0.000025 
0,04950 
2.151 
0,006062 
0,000978 
0,001265 
0,2610 
0,002153 
0,000895 

0,2202 

0,007262 

0,000309 

0,05902 

3,742 

1,058 = 
4,800 



610,0 ccm bei 

35,0° und 
760 mm Druck. 



Ältere Analyse: R, Fresenius 1878 (Jahrb. des nassauischeu Vereins 
für Naturkunde 1878/1879 Bd. 31/32 S. 32). 



') Manuskript (Privatmitteilung). ') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 
*) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.3.C. *) Zeitschr. f. d. ges. Kohlensäure- 
Industrie 1903 Bd. 9 S. 660. 



Analyse des „Kesselbrunnens" (aus der saiztabeue berechnet). . 

Analytiker: H. Fresenius. 1902*). 

Spezifisches Gewicht: 1,00188 bei 19,5°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 44,3°. 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers smd enthalten: Gramm Mol" Äqif^teSe 

^ , MiUi- Milligramm- Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,000456 0,0048 0,0095 

K-ationen ). Gramm Mol Äquivalente Hydrokarbonat-Ion (HCO3') 1,948 31,94 31,94 

Kaüum-Ion (K-) 0,02177 0,5561 0,5561 -3^68 98;28 50^9 

Natnum-Ion (Na-) 1,011 43,87 43,87 Kieselsäure (meta) (B^SiO,). 0,05587 0,7125 

Lithium-Ion (Lr) 0,000700 0,0995 0,0995 TMi 98'99 

Ammonium-Ion (NH,-) . . . 0,000607 0,0336 0,0336 ^^^ Kohlendioxyd (CO,) . l',174 26168 

Ca)cium-Ion (Ca--) 0,06476 1,615 3,230 ' ^ " -^-^ :r^r^ 

Strontium-Ion (Sr-) 0,000788 0,0090 0,0180 T-.ua ^.. • t, ,., ' ,, . . 

Baryum-Ion (Ba--) 0,000678 0049 0099 Daneben Spuren von Cäsium-, Rubidium-, Alumimum-, 

Magnesium-Ion (Mg--) .... 0,03640 1*494 2*989 Fluor-Ion, Borsaure, freiem Schwefelwasserstoff. 

Ferro-Ion (Fe--) 0,002269 0,0406 0,0812 Gefrierpunkt: -0,221° (identische Probe). H. Fre- 

Mangano-Ion (Mn--) 0,000089 0,0016 0,0032 Genius ). ,,.., t -.,,.•,■ .• 

bpezifische elektrische Leitfähigkeit (in reziproken 

Amonen'). ^*™ P''° cm- Würfel) x = 0,006106 bei 41° (identische Probe), 

/-ii., T ' ,^/, H. Fresenius'). 

Chlor-Ion (Q ) 0,6477 18,27 18,27 ^ 

Brom-Ion (Br) 0,000483 0,0060 0,0060 ') ^^^- überreicht den Teilnehmern der 3. ärztlichen Studienreise 1903 

Jod-Ion (J'l 000009 0001 0001 ^'^^' °*"'' *^" ""'' ''''^- ~ ^*™" Manuskript (Privatmitteilung). >) Vgl. 

Sulfat Toi. /sn-'i fi'nqon n'a^^a n'ßßQ« ehem. Einleitung Abschn. A. ») Zeitschrift f. d. ges. Kohlensäure-Industrie 

öuUat-Jon (bO^ ) 0,03211 0,3343 0,6686 1903 Bd. 9 s. 660. 



— 92 — 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusanunensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 KUogramni enthält*): 

Gnuntn 

KaUumcMorid (Ka) 0,04148 

Natriumchlorid (NaCl) 1,034 

Natriumbromid (NaBr) 0,000622 

Natriumjodid (NaJ) 0,000011 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,04752 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOj) 2,145 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCOs) 0,006773 

Ammoniumchlorid (NH.Cl) 0,001798 

Calciumhydrophosphat (CaHP04) 0,000646 

Calciumhydrokarbonat [CaCHCOa),] 0,2611 

Strontiunihvdrokarbonat [Sr(HCOjj 0,001886 

Baryumhydrokarbonat [BaCHCOa),] 0,001280 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HC03)2] 0,2187 



Gramm 
Ferrohydrokarbonat [Fe(HC08)j] . . 0,007222 
Manganohydrokarbonat 

[MnlHCOa),] 0,000286 

Kieselsäure (meta) (H,SiOj) 0,05587 



3,824 
Freies Kohlendioxyd (CO,) 1,174 = 



4,998 



697,6 ccm bei 

44,3° und 
760mm Druck. 



Altere Analysen; Struve 1832 (bei J. F. Simon, Die Heilquellen 
Europas S. 70. Berlin 1839). Kastner 1838 (Pharmazeutisches Zenlralblatt 
1841 Bd. 12 S. 391). W. Jung 1839 (Pharmazeutisches Zcntralblatt 11^3 
Bd. 14 S. 775). B. Fresenius 1851 (Jahrbücher des nassauischen Vereins 
für Naturkunde 1851 Bd. 7 8. 145 ; hier auch Abdruck der älteren Analysen). 
Terreil 1858 (bei B. M. Lorsch, Kinleitung in die Mineralquellenlehre 
Bd. 2 8. 1290. Erlangen 1860). R. Fresenius 1871 (Jahrbücher des nassau- 
ischen Vereins für Naturkunde 1873/74 Bd. 27/28 S. 142). 



') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 



Analyse der „ViktOriaqUelle" (aus der SaktabeUe berechnet). 
Analytiker: H. Fresenius 1905'). 

Spezifisches Grewicht: 1,00210 bei 17°, bezogen auf Wasser von 4°. 
Temperatur: 30,0°. 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen'). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,01971 

Natrium-Ion (Na-) 1,021 

Lithium-Ion (Li-) 0,000873 

Ammonium-Ion (NH^-) . . . 0,001872 

Calcium-Ion (Ca-) 0,06294 

Strontium-Ion (Sr-) 0,001275 

Baryum-Ion (Ba") 0,000194 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,03811 

Ferro-Ion (Fe-) 0,001304 

Mangano-Ion (Mn-) 0,000107 

Anionen'). 

Chlor-Ion (Gl') 0.6161 

Brom-Ion (Br) 0,000382 

Jod-Ion (J') 0,000010 

SuHat-Ion (SO/') 0,03684 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,000276 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') . 2,026 



Milli- 


Milligramm- 


Mol 


Äquivalente 


0,5036 


0,5036 


44,29 


44,29 


0,1242 


0,1242 


0,1036 


0,1036 


1,570 


3,139 


0,0146 


0,0291 


0,0014 


0,0028 


1,564 


3,129 


0,0233 


0,0466 


0,0019 


0,0039 




51,37 


17,38 


17,38 


0,0048 


0,0048 


0,0001 


0,0001 


0.3835 


0,7669 


0,0029 


0,0057 


33,21 


33,21 



Kieselsäure (meta) (H,SiO,) . 
Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



3,827 
0,06323 



99,18 
0,8063 



51,37 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
imgefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,03757 

Natriumchlorid (NaCl) 0,9811 

Natriumbromid (NaBr) 0,000492 

Natriumjodid (NaJ) 0,000012 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,05451 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOj) . . 2,248 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCOj) . . 0,008452 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) 0,005545 

Calciumhydrophosphat (CaHPO«) . . 0,000391 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03),] . 0,2540 

Strontiumhydrokarbonat [Sr(HC03)5] 0,003050 

Baryumhydrokarbonat [Ba(HC03)2] . 0,000365 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HCO,),] 0,2290 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCOa),] . . 0,004149 

Manganohydrokarbonat [Mn(HC08)j] 0,000345 

Kieselsäure (mete) (H,Si0,) 0,06323 

3,890 



3,890 
1,050 



99,98 
23.86 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 1,050- 

4,940 



595,4 ccm bei 

30,0° und 
760mm Druck. 



4,940 123,84 
Daneben Spuren von Cäsium-, Kubidium-, Aluminium-. 
Fluor-Ion, Borsäure. 



Ältere Analyse: R. Fresenius 1869 (Jahrbücher des nassauischen 
Vereins für Naturkunde 1871/1872 Bd. 25/26 8. »47). 



1) Manuskript (PriTatmitteilung), *) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 
*) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 



Anfilyse öbt „König-Wilhelms-Pelsenquelle 

Analytiker: H. Fresenius. 1905*). 
Spezifisches Gewicht: 1,00269 bei 17' 
Temperatur: 29,9°. 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



(aus der Salztabelle berechnet). 



bezogen auf Wasser von 4°. 



Kationen'). Gramm 

KaUum-Ion (K-) 0,01998 

Natrium-Ion (Na-) 0,9882 

lithiimi-Ion (Li-) 0,001483 

Ammonimn-Ion (NH^-). . . . 0,000895 

Calcium-Ion (Ca--) 0,06335 



MiUi- 


Milligramm- 


Mol 


Aquivalente 


0,5103 


0,5103 


42,87 


42,87 


0,2109 


0,2109 


0,0495 


0,0495 


1,580 


3,160 



Gramm 

Strontium-Ion (Sr--) 0,001467 

Baryum-Ion (Ba--) 0,000341 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,03752 

Ferro-Ion (Fe--) 0,004639 

Mangano-Ion (Mn--) 0,000080 



>) Manuskript (PriTatmitteilung). 



Milli- 
Mol 

0,0167 

0,0025 

1,540 

0,0830 

0,0015 

50,09 

*) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 



Milligramm- 
Äquivalente 
0,0335 
0,0050 
3,081 
0,1660 
0,0029 



— 93 



Milli- Milligramm- 

Anionen ). Gramm Mol Äquivalente 

Chlor-Ion (Cl') 0,6041 17,04 17,04 

Brom-Ion (Br) 0,000380 0,0048 0,0048 

Jod-Ion (J') 0,000022 0,0002 0,0002 

Sulfat-Ion (SO/') 0,03631 0,3780 0,7559 

Hydropliosphat-Ion (HPO/') 0,000300 0,0031 0,0062 

Hydrokarbonat-Ion (HCO/) 1,969 32,28 32,28 

3,728 96,57 50,09 
Kieselsäure (meta) (H^SlOj) . 0,0.')815 0,7415 

3,786 97,31 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 1,344 30,53 

5,130 127,84 
Daneben Spuren von Cäsium-, Rubidium-, Aluminium-, 
Fluor-Ion, Borsäure. 



Altere Analysen: F. Mohr (Archiv der Pharmazie 1867 Bd. 177 
S. 186). R. Fresenius 1887 (Jahrb. des nassauischen Vereins für Natur- 
kunde 1887 Bd. 40 S. 1). 



^ Vgl. ehem. Einleitung Abschnitt A. 
schnitt B.2.C. 



') Vgl. ehem. Einleitung Ab- 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,03807 

Natriumchlorid (NaCl) 0,9642 

Natriumbromid (NaBr) 0,000490 

Natriumjodid (NaJ) 0,000026 

Natriumsulfat (Na,SO,) 0,05373 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOg) . 2,154 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCOJ . . 0,01435 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) 0,002649 

Calciumhydrophosphat (CaHPOJ . 0,000425 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03).,] 0,2556 

Strontiumhydrokarbonat [Sr(HC03)2] 0,003509 

Baryumhydrokarbonat [Ba(HC03)2] 0,000644 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03)J 0,2255 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03),] . . 0,01477 

Manganohydrokarbonat[Mn(HC03),] 0,000257 

Kieselsäure (meta) (H^SiOj) . . .". 0,05815 

3,786 r 761,6 ccm bei 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 1,344 == \ 29,9° und 

5 130 1760 mm Druck. 



Analyse der „Neuquelle" (aus den originalzahlen berechnet). 



Analytiker: E. Fresenius. 1871'). 
Spezifisches Gewicht: 1,00184 bei 17,0° 
Temperatur: 50,0°. 



bezogen auf Wasser von 4°, 



In 1 E[ilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen 2). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,01985 

Natrium-Ion (Na-) 1,010 

Lithium-Ion (Li-) 0,000659 

Ammonium-Ion (NH«-) . . . 0,002146 

Calcium-Ion (Ca-) 0,06159 

Strontium-Ion (Sr-) 0,000694 

Baryum-Ion (Ba") 0,000558 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,03990 

Ferro-Ion (Fe") 0,001394 

Mangano-Ion (Mn-) 0,000117 

Aluminium-Ion (AI-) .... 0,000046 

Anionen '). 

Chlor-Ion (CI) 0,5619 

Brom-Ion (Br) 0,000372 

Jod-Ion (J') 0,000003 

Sulfat-Ion (SO4") 0,05235 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,000411 

Hydrokarbonat-Ion (HCOj') 2,074 



Milli- 


Milligramm- 


Mol 


Äquivalent« 


0,5069 


0,5069 


43,80 


43,80 


0,0938 


0,0938 


0,1187 


0,1187 


1,536 


3,072 


0,0079 


0,0158 


0,0041 


0,0081 


1,638 


3,276 


0,0249 


0,0499 


0,0021 


0,0042 


0,0017 


0,0051 




50,95 


15,85 


15,85 


0,0047 


0,0047 


0,00003 


0.00003 


0.5450 


1,090 


0,0043 


0,0086 


34,00 


34,00 



Kieselsäure (meta) (H^SiO^) 
Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



3,826 
0.06163 



98,14 
0,7859 



50,95 



3,888 
0,7362 



98,92 
16,73 



4,624 115,65 
Daneben Spuren von Cäsium-, Rubidium- 
Borsäure, freiem Stickstoff, Schwefelwasserstoff. 



Fluor-Ion 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 



Kaüumchlorid (Ka) 

Natriumchlorid (NaCl) 

Natriumbromid (NaBr) 

Natriumjodid (NaJ) 

Natriumsidfat (Na^SO^) 

Natriumhydrokarbonat (NaHCO,) . 
Lithiumhydrokarbonat (LiHCOj) . . 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) 

Calciumhydrophosphat (CaHPOJ . 
Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03)2] 
Strontiumhydrokarbonat[Sr(IIC03),] 
Baryumhydrokarbonat [Ba(HC03)2] 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03),] 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03),] . . 
Manganohydrokarbonat[M n(HC03 ),] 
Aluminiumhydrophosphat 

[A],(HP0,)3] 

Kieselsäure (meta) (HjjSiOg) 



Gramm 

0,03781 

0,8906 

0,000480 

0,000004 

0,07748 

2,310 

0,006380 

0,006355 

0,000233 

0,2487 

0,001660 

0,001053 

0,2398 

0,004437 

0,000376 

0,000293 
0,06163 

3,887 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 0,7362 = 

4,623 



445,4 ccm bei 

50,0° und 
760 mm Druck. 



') Jahrb. d. nassauischen Vereins f. Naturk. 1873/1874 Bd. 27/28 S. 155. 
') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. ») Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 



Ältere Analysen; K. Stammer (in: Die nassauischen Heilquellen, 
beschrieben durch einen Verein von Ärzten S. 282. Wiesbaden 1851). 
B. Fresenius 1851 (Jahrb. des nassauischen Vereins für Naturkunde 1851 
Bd. 7 S. 190). 



94 



Analyse der „RÖmerqUelle" (au« den Originakahlen berechnet). 

Analytiker: H. Fresenius. 1904*). 

Spezifisches Gewicht: 1,00264 bei 20,0°, bezogen auf Wasser von 4°, 

Temperatur: 43,8°, gemessen am Ablauf der Pumpe. 



In 



Kationen '). Gramm 

KaUum-Ion (K-) 0,02097 

Natrium-Ion (Na-) 1,036 

Lithium-Ion (Li-) 0,000364 

Ammonium-Ion (NH^-) . . . 0,000674 

Calcium-Ion (Ca-) 0,06116 

Strontium-Ion (Sr-) 0,000511 

Baryum-Ion (Ba") 0,000498 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,03663 

Ferro-Ion (Fe-) 0,001282 

Mangano-Ion (Mn-) 0,000083 

Anionen '). 

Chlor-Ion (CT) 0,6433 

Brom-Ion (Br) 0,000339 

Jod-Ion (J') 0,000035 

Sulfat-Ion (SO/') 0,03868 

Hydrophosphat-Ion (HPO,") 0,000343 

Hydrokarbonat-Ion (HCO3') 1,996 



Milli- 
Mol 



1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Milligramm- 
Äqmvalente 

0,5357 

44,93 

0,0518 

0,0373 

3,051 



0,5357 
44,93 
0,0518 
0,0373 
1,525 
0,0058 
0,0036 
1,504 
0,0229 
0,0015 



18,15 
0,0042 
0,0003 
0,4027 
0,0036 

32,71 



0,0117 
0,0073 
3,008 
0,04.'-)9 
0,0030 
51,68 

18,15 
0,0042 
0,0003 
0,8053 
0,0071 

32,71 



Kieselsäure (meta) (H^SiOg). 
Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



3,837 
0,05912 



99,89 
0,7539 



51,68 



3,896 
0,9576 



100,64 
21,76 



4,854 122,40 
Daneben Spuren von Cäsium-, Rubidium-, Aluminium-, 
Fluor-Ion, Borsäure. 

Die Summen der gelösten festen Bestandteile betragen bei 
diesen Quellen 3,7—3,9 g, wobei Natrium-, Hydrokarbonat- und 
Chlor-Ionen vorwalten. Die Menge des freien Kohlendioxyds 
bleibt bei den beiden letztgenannten Quellen imter 1 g, während 
sie bei den übrigen Quellen diese Grenze etwas überschreitet. 
Die Temperatur der Quellen beträgt 30 — 50°. Daher sind 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 

ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

KaUumchlorid (KCl) 0,03997 

Natriumchlorid (NaCl) 1,028 

Natriumbromid (NaBr) 0,000437 

Natriumjodid (NaJ) 0,000042 

Natriumsulfat (Na,SOj 0,05724 

Natriumhydrokarbonat (NaHCO,) . 2,231 

Lithiunihydrokarbonat (LiHCOa) . . 0,003522 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) 0,001995 

Calciumhydrophosphat (CaHPOJ . 0,000486 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCOa)j] 0,2467 

Strontiumhydrokarbonat[Sr(HCO,)J 0,001224 

Baryumhydrokarbonat [Ba(HC03)5] 0,000940 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC08)J 0,2201 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC0j)5] . . 0,004079 

Manganohydrokarbonat[Mn(HC05)j] 0,000268 

Kieselsäure (meta) (H^SiOg) 0,05912 



3,895 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 0,9576 ■= 

4,853 



568,0 ccm bei 

43,8° und 
760 mm Druck. 



Altere Analysen: F. Mohr 1865. R. Fresenius 1870 (Jahrb. d. 
nassauiseh. Vereins J. Naturk. 1871/1872 Bd. 25/26 S. 301). 



*) Chemische Uutersuchimg der Rdmerquelle in Bad Ems. Wiesbaden 1905. 
') Vgl. ehem. Einleitmig Abschn. A. ') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 

„Kränchen I" und „II", „Kaiserbrunnen", „Kesselbrunnen", 
„Viktoriaquelle" und „König- Wilhelms-Felsenquelle" als „ w a r m e 
alkalisch -muriatische Säuerlinge", „NeuqueUe" und 
„Römerquelle" als „warme alkalisch-muriatische 
Quellen" zu bezeichnen. 



Analyse der „Eisenquelle" (aus der Salztabelle berechnet). 



Analytiker: K. Fresenius'). 
Temperatur: 21,3°'). 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Kationen'). 

Natrium-Ion (Na*) .... 
Calcium-Ion (Ca") .... 
Magnesium-Ion (Mg") . . 
Ferro-Ion (Fe") 



Anionen'). 

Chlor-Ion (Q') 

Sulfat-Ion (80/') 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') . 

Kieselsäure (meta) (H^SiO,). 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 





Milli- 


Milligramm- 


Gramm 


Mol 


Äquivalente 


0,06115 


2,653 


2,653 


0,05128 


1,279 


2,557 


0,01963 


0,8058 


1,611 


0,01346 


0,2408 


0,4817 


' 




7,303 


0,05683 


1,603 


1,603 


0,02796 


0,2910 


0,5821 


0,3123 


5,119 


5,119 


0,5426 


11,992 


7,304 


0,02155 


0,2749 





0,5642 12,267 
„nicht große Menge". 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält''): 

Gramm 

Natriurachlorid (NaCl) 0,09378 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,04137 

Natriumhydrokarbonat (NaHCO,) 0,03933 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCO„)J 0,2073 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HCO,),] 0,1179 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03),] 0,04285 

Kieselsäure (meta) (ILSiO,) 0,02155 

0,5641 
Freies Kohlendioxyd (CO,) nicht große Menge". 



1) Großmann, Die Heilquellen des Taunus S. 284. Wiesbaden 1887. 
') jetzt 14» (nach Angabe des Kfinigl. Preuß. lAndwirtschafts-Ministeriuras). 
") Vgl. ehem. Einleitimg Abschn. A. ') Vgl. ehem. Einleitung Ab- 
schnitt B.2.C. 



— 95 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt 0,56 g. 
Wegen der Gegenwart von 13,5 mg Eisen und des Vonvaltens 
von Hydrokarbonat-Ionen ist die Quelle als „reine Eisen- 
karbonatquelle" zu bezeichnen. 

Das Wasser der beiden „Kränchen'', des „Kaiserbrunnens", 
des „Kesselbrunnens", der „ViktoriaqueOe", der „König-Wil- 
helms-Felsenquelle" und der „EömerqueUe" wird zum Trinken, 
Inhaheren, Gurgeln und Nasenduschen, das der „Bubenquelle", 
„Neuquelle" und ,,Röraerquelle" zu Bädern und Duschen, das der 
„Eisenquelle" zum Trinken benutzt. 

8 Badehäuser (darunter 6 fiskalische) enthalten zusammen 
162 Zellen mit Wannen aus Porzellankacheln und Marmor. 
Das Thermalwasser wird zum Teil in gußeisernen emaillierten 
Eöhrcn zu den Bädern geleitet, zum Teil vorher in großen 
Behältern abgekühlt. In den fiskalischen Badehäusern wurden 
1903: 33715; 1904: 33934; 1905: 34301 Bäder verabreicht. 
Zum Gurgeln und Inhalieren dienen 3 Gurgelkabinette und 
9 nach verschiedenen Systemen eingerichtete Inhalatorien. Ver- 
sandt wird das Wasser des „Kränchens", des „Kesselbrunnens", 
des „Kaiserbrunnens" und der „ViktoriaqueUe" in natürlichem 
Zustande, (im Jahre 1903: 2792851; 1904: 2889910; 1905: 
2834000 Krüge und Flaschen); in geringem Umfange auch 
das Wasser der „Römerquelle". Durch Abdampfen des Thermal- 
wassers werden „Quellsalze" gewonnen und hieraus „Emser 
Pastillen" fabriziert; (von dem Besitzer der EömerqueUe werden 
„Emser Tabletten" hergestellt). 



Sonstige Kurmittel: Pneumatische und medikamentöse 
Inhalationen. Künstliche Kohlensäurebäder. Dampfbäder. 
Elektrische Lichtbäder. Kaltwasserbehandlung. Massage. — 
Gedeckte Hallen und Wandelbahnen. 

Behandelt virerden: Chronische Katarrhe der Luftwege, 
Folgen von Influenza und Pleuritis, Lungenemphysem, Bron- 
chialasthma, chronischer Magen- und Darmkatarrh mit ver- 
mehrter Säure- und Schleimbildung, Katarrh des Nierenbeckens , 
Blasenkatarrh, Frauenkrankheiten und dadurch bedingte Sterili- 
tät, Gicht und Rheumatismus. 

20 Ärzte. — Kurzeit: 1. Mai bis Anfang Oktober. — 
Kurtaxe: 1 Person 18 M., jede weitere Person 9 M. — Zahl 
der Besucher (ohne Passanten) 1903: 9964; 1904: 9787; 1905: 
10052, davon etwa 25 Prozent Ausländer. 

Allgemeine Einrichtungen : Trinkwasserversorgung durch 
Grundwasserloitung. — Beseitigung der Abfallstoffe durch 
Schwemmkanalisation (im Bau). — 2 Krankenhäuser. Dampf- 
desinfektionsapparat. — Stiftungen für Minderbemittelte: 
Hospitalbadeanstalt und Kurasyl für Lehrerinnen. — Die 
„RömerqueUe" und das zugehörige Badehaus gehören Carl 
Rücker, die übrigen Quellen und Kureinrichtungen sind im 
Besitz des preußischen Staates und werden von der König- 
lichen Regierung in Wiesbaden venvaltet. Auskunft durch 
die Könighche Bade- und Brunnendirektion oder durch die 
Kurkommission. 



föföG6Ö5GiSG6G6G6G6G6föG6C6G6 Fachillgen ÖD(^dOÖ0dO(»dÖ&:)<!ÖÖD(^&3dÖÖD 

Bei dem Dörfchen Fachingen unweit der Stadt Diez im Schächte, denen das Mineralwasser entquoll, so daß es je nach 
Regienmgsbezirk Wiesbaden der Provinz Hessen - Nassau ent- dem Lahnwasserstande bis 6 m hoch im Brunnenschachte stieg, 
springt eine Mineralquelle dicht am Ufer der Lalm. In der Zur Beseitigung der damit verbundenen Schwankungen in der 
nächsten Umgebung stehen an den beiden Talabhängen Ton- Ergiebigkeit und der Zusammensetzung der Quellen wurde in 
schiefer des Unterdevon und südlich davon mitteldevonische den Jahren 1905 und 1906 eine neue Fassung hergestellt: die 
Schalsteine an. Der alte Brunnen, der urkundlich zum ersten QueUenadern wurden landeinwärts auf den gewachsenen Felsen, 
Male in der Mitt« des 18. Jahrhunderts erwähnt wird, war in die etwa 10 m unter der Erdoberfläche anstehen, in weitem 
einem runden Brunnenschacht von etwa 5 m Durchmesser und Umfange aufgedeckt, dort, wo sie aus den Schichtfugen des 
7 m Tiefe gefaßt; ein Teil der Außenwand dieses Schachtes Tonschiefers zutage treten, gefaßt und durch Metall-, Zement- 
sprang mehrere Meter ins Bett der Lahn vor und die Sohle imd Tondichtungen geschützt. In geschlossenen Röhren fließt 
lag 3 m unter dem niedrigsten Wasserstande des Flusses. Auf das Mineralwssser nach dem neuen, über den Quellen erbauten, 
dem Grunde dieses Brunnens waren drei kleine Gruben oder FüUhause. 

AnSJLySG (aus den Originalzahlen berechnet). 

Analytiker: R. Fresenius. 1861*). 

Spezifisches Gewicht: 1,00282 bei 24°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 10,1 bis 11,2, im Mittel 10,7°. 

Ergiebigkeit: wechselnd, je nach den Entnahmeverhältnissen. 

Milli- Milligramm- 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: Gramm Mol Äquivalente 

Milli- Milligramm- Jod-Ion (J') 0,000008 0,00007 0,00007 

Kationen'). Gramm Mol Äquivalente SuUat-Ion (SO/') 0,02631 0,2739 0,5479 

Kahum-Ion (K-) 0,04243 1,084 1,084 Hydrokarbonat-Ion (HCO3') . 4,009 65,71 65,71 

Natrium-Ion (Na-) 1,348 58,50 58,50 6^121 146,02 77,62 

Lithium-Ion (Li-) 0,000863 0,1227 0,1227 Borsäure (meta) (HBO.,) . . . o',000355 o',0081 

Ammonium-Ion (NH,-) . . . 0,000519 0,0287 0,0287 Kieselsäure (meta) (ILSiO,) . 0,03310 0,4222 

Calcium-Ion (Ca-) 0,1740 4,338 8,676 "eTöi 14645 

Strontium-Ion (Sr-) 0,001843 0,0210 0,0421 j^^i^, Kohlendioxyd (CO,) . i;784 40^54 

Baryum-Ion (Ba-) 0,000171 0,0012 0,0025 ' . t^^ 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,1095 4,493 8,987 r> v, a t, v,- j- v u il xt- 1 1 a 1 

TA T /t:- ^ «nn.nn/, «^^.,f■r, /^^^Q-., Dauebcu Spuren von Rubidium-, Kobalt-, Nickel-, Alu- 

Ferro-Ion (Fe-) 0,001826 0,0327 0,06o3 . . ^, tt 1 1. i, ^ t • 1. o 1. i. 

,, T Ar > ^nr^^r^n- Jn^.- n i - nn miuium-, i< iuor-, Hydrophosphat-lou, organischen Substanzen, 

Mangano-Ion (Mn--) 0,003031 0,05ol 0,1102 ^^.^^ Stickstoff. 

Anionen'). ^^'^^ Gefrierpunkt: —0,155°. (Probe nicht identisch. Ver- 
Nitrat-Ion (NO3') 0,000704 0,0113 0,0113 sandwasser). v. Kostkewicz. 

Chlor-Ion (Cl ) 0,4022 11,35 11,35 ,j j^^^ ^ nassauisch. Vereins f. Naturkunde 1864/1866 Bd. 19/20 

Brom-Ion (Br) 0,000189 0,0024 0,0024 S. 488. >) Vgl. ehem. Einleitung AbscUn. A. 



96 — 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogranuu enthält"): 

Gramm 

Kaliumnitrat (KNO.) 0,001148 

Kaliumchlorid (KCl) 0,08001 

Natriurachlorid (NaO) 0.5994 

Natriumbromid (NaBr) 0.000244 

Natriumjodid (NaJ) 0,000010 

Natriumsulfat (Na,SOj) 0,03894 

Natriumhydrokarbonat (NaHCO,) 4,010 

Ljthiumhydrokarbonat (LiHCOj) 0,008351 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) 0,001537 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03),] 0,7033 

Strontiumhydrokarbonat [Sr(HC03),J 0,004410 

Barymnhydrokarbonat [Ba(HC08),] 0.000322 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HC08)5] 0,6577 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03),] 0,005813 

Manganohydrokarbonat[Mn(HCO,),] 0,009756 



Gramm 

Borsäure (meta) (HBO,) 0,000355 

Kieselsäure (meta) (HjSiOj) .... 0,03310 



6,154 
Freies Kohlendioxyd (CO^) 1,784 



7,938 



946,5 ccm bei 

10,7° und 
760 mm Druck. 



1000 ccm des der Quelle frei entströmenden Gases 
bestehen aus: 

ccm 

Kohlendioxyd (CO,) 980,4 

Stickstoff (N,) 19,6 



') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 



Altere Analysen: G. Bischof 1826 (bei J. F. Simon, Die Heil- 
quellen Europas S. 74. Berlin 1839). Kastner 1839 (Pharmazeutisches 
ZentralbUtt 1841 Bd. 12 S. 394). R. Fresenius 1857. Sämtlich abgedruckt 
bei R. Fresenius a. a. O. 

Außerdem liegen noch aus dem Jahre 1886 kurze, lediglich orientierende 
Analysen von C. Meineke (bei E. Pfeiffer, Das Mineralwasser von Fach- 
ingen. 4. Aufl. 8. 3. Wiesbaden 1900) vor, welche die einzelnen Hauptadem 
des Brunnens gesondert berDcksichtigen. 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt 6,15 g, 
wobei Natrium- und Hydrokarbonat-Ionen vonvalten; da die 
Menge des freien Kohlendioxyds etwa 1,8 g beträgt, so ist die 
Quelle als „alkalischer Säuerling" zu bezeichnen. 

Das Wasser der Quelle wird zu Heilzwecken sowie als 
Tafelgetränk benutzt; es wird in natürlichem Zustande ab- 
gefüllt und unter der Bezeichnung „Königlich Fachingen" 



versandt (1903: 4003841; 1904: 4164801; 1905*): 3259526 
Flaschen). 

Die Quelle ist im Besitz des preußischen Staates und an 
die Firma „KönigUche Mineralbrunnen, Siemens Erben, Berlin", 
verpachtet. 



*) Wegen der Neufassung ruhte der FOUbetrieb 6 Monate. 



C35G6C3SGjsg6C5SC5SC6G6C3SC5SG6G6c;6C3S Geünau ^^iSO^^^^^^&O^^^^^ 



Bei dem Dorfe Geilnau an der Lahn im Eegierungsbezirk 
Wiesbaden der Provinz Hessen-Nassau, entspringt aus Ton- 



schiefer der unteren 
Quelle. 



Coblenzschichten eine kohlensäurereiche 



AndilySG (aus den Originalzahlen berechnet). 

Analytiker: ß. Fresenius 1857'). 

Spezifisches Gewicht: 1,00141 bei 13,5°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 10,0°, gemessen am Auslauf. 

Ergiebigkeit: 50 hl Wasser und 2,5 cbm Gas in 24 Stunden*). 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: Miiii- 

Gramm Mol 

ir«««r,o„ 8^ MU'i- MiUigramm- Kieselsäure (meta) (H,8iO.) . 0,03212 0,4096 

Kationen"). Gramm Mol Äquivalente ^ J \^ bJ ' ^^ 

KaUum-Ion (K-) 0,007930 0,2026 0,2026 „ . ^ ^, ,. ^ ,^^ , „ „„^ Z'J! 

Natrium-Ion (Na-) 0.3427 14 87 14 87 ^®'^ Kohlendioxyd (COJ . 2,787 63,35 

Ammonium-Ion (NH,-) . . . 0,000337 0,0186 o'oi86 ^"'^"^ Stickstoff (N,) 0-015 O.M 

Calcium-Ion (Ca-) 0,1364 3,403 6,805 ^'100 113,84 

Baryum-Ion (Ba") 0,000111 0,0008 0016 Daneben Spuren von Lithium-, Strontium-, Aluminium-, 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,06910 2 836 5.673 Fluor-, Nitrat^Ion, Borsäure, organischen Substanzen, Schwefel- 

Ferro-Ion (Fe-) o'oi340 0^2397 0,4794 Wasserstoff. 

Mangano-Ion (Mn-) 0.001602 0,0291 0,0583 ,,^, ^^ jes der QueUe frei entströmenden Gases 

28,11 bestehen aus: ^^^^ 

J^orxen'). Kohlendioxyd (CO,) 985,3 

Chlor-Ion (Cl') 0,02193 0,6186 0,6186 Stickstoff (N,) 14,7 

Sulfat-Ion (SO/') 0,01547 0,1611 0,3221 

Hydrophosphat (HPO/') . . 0,000253 0,0026 0,0053 

Hydrokarbonat-Ion (HCO ') . 1 657 27 16 27 16 '' Jahrb. d. nassauisch. Vereins f. Naturkunde 1858 Bd. 13 8. 1. •) Die 

' ' Ergiebigkeit wechselt je nach dem Wasserstande der Lahn. *) Vgl. ehem. 

2,266 49,54 28,11 Einleitung Abschn. A. 



— 97 — 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält^): 

Gramm 

KaUumchlorid (KCl) 0,01511 

Natriumchlorid (NaCl) 0,02325 

Natriumsulfat (Na.SOJ 0,02290 

Natriumhydrokarbönat (NaHCOa) 1,189 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) 0,000997 

Calciumhydrophosphat (CaHPOJ 0,000358 

Calciumhydrokarbonat [CaCHCOJ,] 0,5512 

Baryumhydrokarbonat [Ba(HC0,)2] 0,000209 

Magnesiumhydrokarbonat [MgfHCOaX] 0,4152 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03)j] 0,04265 



•) Vgl. ehem. Eüüeitung Abschn. B.2.C. 

Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
2,3 g, wobei Hydrokarbonat- und Natrium-, daneben Calcium- 
und Magnesium - Ionen vorwalten. Da 2,8 g freies Kohlen- 
dioxyd vorhanden sind, so ist die Quelle als „alkalisch- 
erdiger Säuerling'' zu bezeichnen. Bemerkenswert ist der 
Eisengehalt von 13,4 mg. 

Das Wasser der in einen gemauerten Schacht gefaßten 



Manganohydrokarbonat Gramm 

[Mn(HCO,),J 0,005157 

Kieselsäure (meta) (H^SiOg) 0,03212 

2,298 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 2,787 = 

Freier Stickstoff (N^) 0,015 <= 

5,100 



1475 ccm bei 
10,0° und 

760mmDruck. 
13 ccm bei 
10,0° und 

760mmDruck. 



Ältere Analysen: Ämburger 1792 und 1794. G. Bischof 1825 
(Chemische Untersuchmig der Mineralwasser zu Geilnau, Fachingen und Selters 
im Herzogtum Nassau. Beim 1826). B. Fresenius 1857 (aufbewahrtes 
Mineralwaskr aus dem Jahre 1833; a. a. 0. S. 22). J. v. Liebig 1841 
(Liebigs Aimalen 1842 Bd. 42 S. 88). J. v. Lieb ig 1852 (bei Fresenius a. 
a. 0. S. 22). 

Quelle ist seit 1894 nicht mehr in den Handel gebracht wor- 
den, doch soll nach Ausfühnmg von Änderungen in der 
Fassung der Quelle der Versand des Wassers zu Trinkkuren 
und als Tafelgetränk demnächst wiederaufgenommen werden. 
Die Quelle ist im Besitz des preußischen Staates und an 
die Firma „Königüche Mineralbrunnen, Siemens Erben, Berlin", 
verpachtet. 



G6G?SföÖSG6G?SG6G6G55GJSC6C^G6G6 Gerolstein (^ÖOÖD(SPÖDÖDÖO&)(!0<»(^ÖDÖ3ÖD 



Bei Gerolstein, einem Flecken mit 1600 Einwohnern im 
Eegienmgsbezirk Trier der Rheinprovinz, 370 m ü. M. in der 
Eifel gelegen (Station der Bahnen Cöln — Trier, Gerolstein — 
Andernach und Gerolstein — St. Vith), entspringen mehrere 
Mineralquellen: „Schloßbrunnen Gerolstein" in der Gemarkimg 
Pelm, 4 km von Gerolstein, 46 m tief aus devonischen Schichten 
kommend, schon zur Kömerzeit bekannt, seit 1876 zum Ver- 
sand gebracht; „Florabrunnen", 1882 erbohrt; „Gerolsteiner 
Sprudel", drei in den Jahren 1889 bis 1897 in devonischen 
Schichten 80 — 325 m tief erbohrte Quellen; „Hansaquelle" imd 
„CharlottenqueUe", 80 m tief aus mitteldevonischem Dolomit 
entspringend, 1889 erbohrt, seit 1891 in Benutzung. Die früher 
benutzte, schon zur Bömerzeit bekaimte „Sidinger Quelle" ist 
neuerdings versiegt. 



Das Wasser der Quellen*) wird in korrigiertem Zustande 
zum Versand gebracht, vom „Schloßbrunnen" 1903: 3100 000; 
1904: 3900 000; 1905: 4100 000 Gefäße, vom „Florabrunnen" 
1903: 1250000; 1904: 2000000 Gefäße, von der „HansaqueUe" 
1903: 320 000; 1904: 490 000 Gefäße. 

Die „Hansaquelle" und „Qiarlottenquelle" gehören den 
Bouch&chen Erben („Hansa- und Charlotten-QueUen Mineral- 
brimnen und Kohlensäure- Werk") ; der „Gerolsteiner Sprudel" 
der „G. m. b. H. Gerolsteiner Sprudel in Cöln a. Kh.", der 
„Florabrunnen" der Firma Mickhn & Buse, der „Schloß- 
brunnen" der „G. m. b. H. Schloßbrunnen Gerolstein". 



*) Die Veröffentlichung der Analyse des ,, Gerolsteiner Sprudels" wird 
von den Besitzern verweigert. Auch von den übrigen Gerolsteiner Quellen war 
authentisches Analysenmaterial nicht zu erlangen. 



Analyse des „Schloßbrunnens" (aus der saiztabeiie berechnet). 

Analytiker: Th. Kyll. 1878i). 

Temperatur: 9°. 

Ergiebigkeit: 960 hl m 24 Stunden. 

In 1 Liter des Mineralwassers sind enthalten'): Mim- Miiiignunm- 

Gramm Mol Äquivalente 

Kationen»). Gramm Moj" äÄ"^; Jod-Ion (J') 0,000002 0,00001 0,00001 

Kalium-Ion (Ka-) 0,001291 0,0330 0,0330 Sulfat-Ion (SO,") 0,07087 0,7378 1,476 

Natrium-Ion (Na-) 0,4892 21,22 21,22 Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,000149 0,0016 0,0031 

Lithium-Ion (Li-) 0,000196 0,0278 0,0278 Hydrokarbonat-Ion (HCO^') . 2,304 37,76 37,76 

Calcium-Ion (Ca--) 0,2287 5,704 11,41 3,379 75,20 43,54 

Baryum-Ion (Ba") 0,000062 0,0005 0,0009 Kieselsäure (meta) (H,SiOo). 0,1080 1,378 

Magnesium-Ion (Mg--) .... 0,1320 5,418 10,84 3,487 76,58 

Ferro-Ion (Fe-) 0,000152 0,0027 0,0055 Freies Kohlendioxyd (COJ . nicht bestimmt. 

Mangano-Ion (Mn--) 0,000080 0,0015 0,00-29 

43,54 ') Manuskript. ') Die Analyse ist im Original auf die Litereinheit be- 

Anionen'). zogen und konnte in Ennangelimg der Angabe des spezifischen Gewichtes 

Olilnr Tnn (CV\ f> 1 Fk99 4 OQPi 4 9Q''. nicht auf 1 kg umgerechnet werden. Bei einer derartigen Umrechmmg würden 

v^mui-±uu y^i ) v,ijcc i,^i>o 'i,i.yo gj^^ samtliche Zahlen schätzimgsweise um etwa 0,3 Prozent ihres Wertes er- 

Brom-Ion (Br) 0,000163 0,0020 0,0020 niedrigen. =) Vgl. ehem. Einleitmig Abschn. A. 

7 



— 98 — 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusanunensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Liter enthält''): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,002460 

Natriumchlorid (NaCl) 0,2493 

Natriumbromid (NaBr) 0,000210 

Natriumjodid (NaJ) 0,000002 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,1049 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOj) 1,301 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCOs) 0,001893 

Calciumhydrophosphat (CaHPO^) 0,000211 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCOs),] 0,9245 

Baryumhydrokarbonat [Ba(HC03),] 0,00012 

Die Summe der gelösten Bestandteile beträgt 3,5 g, wobei 
Hydrokarbonat-, Natrium-, Calcium- und Magnesium-Ionen 
vorwalten. Die Menge des freien Kohlendioxyds ist nicht be- 



Giumm 

Magnesiumhydrokaibonat [Mg(HCOa),) 0,7931 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03),]. . .' 0,000485 

Manganohydrokarbonat [Mn(HC03)„] 0,000257 

Kieselsäure (meta) (H^SiOg) 0,1080 

3,486 
Freies Kohlendioxyd (CO,) nicht bestimmt. 



Ältere Analysen: H. Vohl 1878 (Bericlite d. deutschen ehem. Gesell- 
schaft 1878 Bd. 11 S. 605 u. 877). F. Winter 1879 (Archiv der Pharmazie 
1879 Bd. 211 8. 550). 



') Vgl. ehem. Einleitung Abschn, B.3.C. 

Stimmt worden, ist aber erheblich. Die Quelle ist daher als 
„erdig-alkalischer Säuerling" zu bezeichnen. 



g6G6c;6G6G6Gjsg6C2SG6G6C6G5SC2SG6 Godesberg ^^^^^^^^^^^^^iso 



Landgemeinde mit 13831 Einwohnern im Eegierungs- 
bezirk Cöln der Kheinprovinz , liegt 70 m ü. M. im Eheintal. 
Laub- und Nadelwald in der Nähe. Station der linksrheini- 
schen Eisenbahn Cöln — Frankfurt a. M. imd der Rheindampfer. 
Straßenbahnverbindung mit Bonn und Mehlem. 



Heilquellen. 1 Quelle, „Draischbrunnen", schon zu Kömer- 
zeiten bekannt, entspringt etwa 35 m tief aus den Siegencr 
Schichten des Unterdevons. (Eine zweite, früher ebenfalls 
benutzte Quelle ist wieder zugeschüttet worden.) 



Analyse 

(aus der Salztabelle berechnet). 



Analytiker: H. Fresenius. 
Spezifisches Gewicht: 1,00144 
Temperatur: 12,0°. 



1904'). 

bei 16,3°, bezogen auf Wasser von 4°. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Eationen'). 
Kalium-Ion (K-) .... 
Natrium-Ion (Na*) . . . 
Lithium-Ion (Li-) .... 
Ammonium-Ion (NH,*) 
Calcium-Ion (Ca-) . . . 
Strontium-Ion (Sr-) . . 
Baryum-Ion (Ba") . . . 
Magnesium-Ion (Mg") . 

Ferro-Ion (Fe") 

Mangano-Ion (Mn-) . . 



Anioneii'). 

Chlor-Ion (O!) 

Brom-Ion (Br ) 

Jod-Ion (J') 

Sulfat-Ion (SO;') 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 
Hydrokarbonat-Ion (HCO/) 

Kieselsäure (meta) (H,SiOa) 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



Gramm 
0,01943 
0,5270 
0,000234 
0,000286 
0,08654 
0,000520 
0,000541 
0,08630 
0,005907 
0,000074 



0,3072 

0,000331 

0,000016 

0,1091 

0,000097 

1,470 



MilU- 
Mol 

0,4964 

22,86 

0,0333 

0,0158 

2,158 

0,0059 

0,0039 

3,543 

0,1057 

0,0013 



8,665 
0,0041 
0,0001 
1,136 
0,0010 
24,10 



Milligismm- 
Äquivalente 

0,4964 

22,86 
0,0333 
0,0158 
4,317 
0,0119 
0,0079 
7,085 
0,2114 
0,0027 

35,04 

8,665 
0,0041 
0,0001 
2,272 
0,0020 
24,10 



2,614 
0,01782 



63,13 
0,2273 



35,04 



2,631 
1,876 



63,36 
42,64 



4,507 106,00 



Daneben Spuren von Aluminium-Ion und Borsäure. 

Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt 2,6 g, 
wobei Hydrokarbonat- und Natrium-Ionen vorwalten; da 1,9 g 
freies Kohlendioxyd vorhanden sind, so ist die Quelle ein 
„alkalischer Säuerling". Bemerkenswert ist der Eisen- 
gehalt von 5,9 mg. 



Das Mineralwasser entspricht ir 


1 seiner Zusammensetzung 


ungefähr einer Lösung, welche in 1 


KilogramiTi 
Gramm 


1 enthält''): 


KaUumchlorid (KCl) 


0,03703 




Natriumchlorid (NaCl) 


0,4770 




Natriumbromid (NaBr) 


0,000426 






0,000019 




Natriumsulfat (Na,SOJ 


0,1615 




Natriumhydrokarbonat (NaHCO,) . 


1,045 




Lithiumhydrokarbonat (LiHCO,) . . 


0,002264 




Ammoniumchlorid (NH^Cl) 


0,000846 




Calciumhydrophosphat (CaHPO^) . 


0,000138 




Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03)5] 


0,3497 




Strontiumhydrokarbonat[Sr(HC03),J 


0,00124 




Baryumhydrokarbonat [Ba(HC03).J 


0,00102 




Magnesiumhydrokarbonat 






[Mg(HC03),] 


0,5186 




Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03),] . . 


0,01880 




Manganohydrokarbonat[Mn(HC03)2] 


0,000237 




Kieselsäure (meta) (EL^SiO,) 


0,01782 
2,632 


[ 1000 ccm bei 


Freies Kohlendioxyd (CO,) 


1,876 = 


12,0° und 




4,508 


[760 mm Druck. 



Ältere Analysen: Pickel (bei J. F. Simon, Die Heilquellen Europas 
S. 90. Berlin 1839). Unbekannter Analytiker 1861 (Manuskript). 

I) Manuskript (Privatmitteilung). ') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 
*) Vgl. ehem. Einleitimg Abschn. B.2.C. 

Das AVasser der im Jahre 1902 neugefaßten Quelle wird 
in Zinnrohren 900 m weiter geleitet und in natürlichem Zustande 
zum Trinken benutzt. Badezwecken dient an der QeUe selbst 
ein Badehaus (12 Zellen mit 15 Wannen aus Fayence und 
emailliertem Eisen). Das Badewasser wird unmittelbar vor 



— 99 



Eintritt in die Wannen durch Gegenstromapparate erwärmt. 
Im Jahre 1903 wurden 3642; 1904: 4795; 1905: 5348 Bäder 
verabreicht. Nach Enteisenung tmd Sättigung mit natürlicher 
Kohlensäure wird das Wasser auch versandt (1903: 125 000; 
1904: 250 000; 1905: 411000 Gefäße). 

Sonstige Kurmittel: Flußbäder im Rhein. 

Behandelt -werden: Blutarmut, Bleichsucht, Störimgen 
des Nervensystems, Frauenkrankheiten und chronische Katarrhe 
der Atmungsorgane. 



20 Ärzte. — Kurzeit: 1. Mai bis 1. Oktober. — Kurtaxe: 
1 Person 9 M., jede weitere Person 3 M. — Zahl der Besucher 
(ohne Passanten) 1903: 2522; 1904: 2708; 1905: 2573. 

AUgemeine Einrichtungen : Trinkwasserversorgimg durch 
Wasserleitung. — Beseitigung der Abfallstoffe durch Kanali- 
sation. — 2 Krankenhäuser. Formalin- und Dampfdesinfektion. 
Apotheke. Kinderheilanstalt. — Quellen und Bad gehören der 
Gemeinde. Auskunft dxrrch die Kurverwaltung. 



G6G6G6CJSC^C6G6G6G6föC5SGJSG6GJSC5S Honnef Ö0(^(X3(»d$D^(^Ö0dOÖ0ÖD(^dOÖ0dÖ 



Stadt im Eegierungsbezirk Cöln der Rheinprovinz, mit 
dem benachbarten Ehöndorf zu einer Gemeinde von über 
6000 Einwohnern verbunden, hegt in einer mäßig ansteigenden 
Ausweitmig des Rheintales 55 — 90 m ü. M. am Fuße des Sieben- 
gebirges. Von diesem wird es im N und NO, von anderen 
Bergen im O und SO in einem großen Bogen umspannt und 
geschützt; die Sehne dieses Bogens bildet im W der Rhein. 
Auf den umliegenden Bergen ausgedehnte Nadel- und Laub- 
holzwaldungen. Station der rechtsrheinischen Eisenbahn Cöln — 
Frankfurt am Main. Omnibusverbindung mit Königswinter 

All3;lyS6 (aus den Einzelbestandteilen berechnet). 



und Fähre noch Rolandseck; diese beiden Orte sind Stationen 
der Rheindampfer. 

Klima. Mittlere jährliche Niederschlagshöhe im Jahrzehnt 
1893—1902: 672 mm*). 

HeiloLuellen. Am Fuße des Drachenfelsens entspringt die 
„Drachenquelle" aus Schichten des Unterdevons (Siegener 
Grauwacke). 



•) ProTinz-Eegenkarte. 



Analytiker: W. Sonne. 1899*). 

Spezifisches Gewicht: 1,Ü052 bei 15,0°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 18°. 

Ergiebigkeit: 9600 hl in 24 Stunden. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers 

Kationen'). Gramm 

Kahum-Ion (K-) 0,0650 

Natrium-Ion (Na-) 1,709 

Calcium-Ion (Ca-) 0,1422 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,3201 

Ferro-Ion (Fe-) 0,0052 

Aluminium-Ion (AI-) .... 0,0010 

Anionen'). 

Chlor-Ion (CT) 1,176 

Sulfat-Ion (SO/') 0,2819 

Hydrokarbonat-Ion (HCOj') . 4,298 



sind enthalten: 


Milli- 


Milligramm- 


Mol 


AquiTalente 


1,66 


1,66 


74,16 


74,16 


3,547 


7,094 


13,14 


26,28 


0,093 


0,19 


0,037 


0,11 




109,49 


33,17 


33,17 


2,935 


5,870 


70,45 


70,45 



Kieselsäure (meta) (H,SiOj). 
Freies Kohlendioxyd (COj) . 



7,998 
0,0261 



199,19 
0,332 



109,49 



8,025 
1,843 



199,52 
41,89 



9,868 
Daneben Spuren von lithium-Ion. 



241,41 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KO.) 0,124 

Natriumchlorid (NaCl) 1,843 

Natriumsulfat (Na^SO^) 0,4093 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOj) . 3,101 
Calciumhydrokarbonat [Ca(HCOj)j] 0,5750 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03)J 1,923 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC08)j] . . 0,016 

Aluminiumsulfat [A1,(S0J3] 0,0063 

Kieselsäure (meta) (H^SiOs) .... 0,0261 

8,024 

{1003 com bei 
18,0° und 
760mm Druck. 



') Manuskript. •) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 
Einleitung Abschn. B.2.C. 



») Vgl. ehem. 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
8 g, wobei unter den Kationen Natrium und Magnesium, imter 
den Anionen Hydrokarbonat und Chlor vorwalten. Die Menge 
des freien Kohlendioxyds beträgt etwa 1,8 g. Die Quelle ist 
danach als „alkalisch-muriatisch-erdiger Säuerling" 
zu bezeichnen. 

Sie wird seit 1898 als Tafelwasser und gelegen tUch auch 
zu Kurzwecken benutzt. Versandt wurden im Jahre 1902: 
608493; 1903: 1479636; 1904 (bis Ende November): 1227209 
Flaschen. 

Auch Badeeinrichtungen sind vorhanden; im Jahre 1902 
wurden 160; 1903: 1220; 1904: 1675 Bäder verabreicht. 

Sonstige Kurmittel: Traubenkur. Terrainkuren (ohne 



besondere Einrichtimg). — Da Honnef als Luftkurort für 
Brustkranke benutzt wird, haben einige Hotels und Pensionen 
Liegehallen. 

Behandelt ■werden: Erkrankungen der Atmimgsorgane. 

Kurzeit: während des ganzen Jahres. — Kurtaxe wird 
nicht erhoben. — Zahl der Besucher (ohne Passanten) im 
Jahre 1904: 2822. 

Allgemeine Einrichtungen: Trinkwasserversorgung durch 
Quellwasserleitung. — Kanalisation. — Krankenhaus. 

Etwa 150 m höher liegt das Sanatorium Hohenhonnef. 
Die Quelle ist im Besitze der Firma „Drachenquelle, 
G. m. b. H.". 



— 100 



GiSG6C6G6C6G6G6G6G6G6G6G6föG6 HÖnningen ^^^^^^^^^ÖOiSOÜO^^ 



In dem Dorfe Hönningen im K^eruiigsbezirk Coblenz der 
Eheinprovinz ist im Jahre 1895 150 m tief aus Grauwacke eine 
Quelle, der „Hubertu88prudel", erbohrt worden. Das Bohrloch 



ist bis zu einer Tiefe von 85 m verrohrt. Die Quelle fließt 
periodisch: nach einer Minute der Ruhe springt sie bei offenem 
Eohr 7« Minuten lang steigend bis zu 16 m Höhe. 



AnflilySG (aus den Originalzahlen berechnet). 

Analytiker: E. Fresenius imd H. Fresenius. 1896'). 

Spezifisches Gewicht: 1,00427 bei 14,5°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 32°, gemessen im Zementrohrschacht (38°, gemessen in einer Tiefe von 149,6 m). 

Ergiebigkeit: schätzimgsweise 7200 hl in 24 Stunden. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen'). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,06187 

Natrium-Ion (Na-) 1,256 

Lithium-Ion (Li-) 0,000876 

Ammonium-Ion (NH^-) . . . 0,000419 

Calcium-Ion (Ca-) 0,2201 

Strontium-Ion (Sr-) 0,002311 

Baryum-Ion (Ba-) 0,000168 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,2293 

Ferro-Ion (Fe-) 0,007364 

Mangano-Ion (Mn--) 0,000232 

Anionen *). 

Nitrat-Ion (NO,') 0,008381 

CMor-Ion (Gl') 0,8321 

Brom-Ion (Br') 0,001222 

Jod-Ion (J') 0,000008 

Sulfat-Ion (SO«") 0,2138 



Hydrophosphat-Ion (HPO/') 
Hydroarsenat-Ion (HAsO/') 
Hydrokarbonat-Ion (HCO/) 

Borsäure (meta) (HBO,) . . . 
Kieselsäure (meta) (H,SiO,) . 



0,000538 
0,001131 
3,553 



MiUi- 
Mol 

1,580 

54,48 

0,1247 

0,0232 

5,489 

0,0264 

0,0012 

9,413 

0,1317 

0,0042 

0,1351 

23,47 
0,0153 
0,00006 
2,226 
0,0056 
0,0081 

58,24 



Millignimm- 
Äqui Talente 

1,580 

54,48 
0,1247 
0,0232 

10,98 
0,0528 
0,0024 

18,83 
0,2635 
0,0084 

86,35 

0,1351 

23,47 
0,0153 
0,00006 
4,451 
0,0112 
0,0162 

58,24 • 



6,389 

0,000880 

0,02322 



155,37 
0,0200 
0,2961 



86,34 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 

ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält-'): 

Gramm 

Kaliumnitrat (KNOj) 0,01367 

Kaliumchlorid (KCl) 0,1078 

Natriumchlorid (NaCl) 1,287 

Natriumbromid (NaBr) 0,001574 

Natriumjodid (NaJ) 0,000009 

Natriumsulfat (Na^SOJ 0,3164 

Natriiunhydrokarbonat (NaHCO,) . 2,354 

lithiumhydrokarbonat (LiHCOa) . . 0,008481 

Ammoniumchlorid (NH,C1) 0,001241 

Calciumhydrophosphat (CaHPO«) . 0,000763 

Calciumhydroarsenat (CaHAsO«) . . 0,001455 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCOs)J 0,8877 

Strontiunihydrokarbonat[Sr(HCOj),l 0,005530 

Baryumhydrokarbonat [Ba(HC03)2] 0,000317 
Magnesiumhydrokarbonat 

tMg(HC03)J • 1,378 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC05).,] - - 0,02344 

Manganohydrokarbonat[Mn(HCO,),] 0,000746 

Borsäure (meta) (HBO,) 0,000880 

Kieselsäure (meta) (H,SiO,) 0,02322 



6,412 



6,413 
0,9998 



155,69 

22,72 



7,413 
Rubidium-, 



178,41 
Cäsiiun- 



Kupfer-, 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 

Daneben Spuren von 
Aluminium-Ion, Titansäure. 

Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt 6,4 g, 
wobei Hydrokarbonat-, Chlor- und Natrium-, daneben auch 
Magnesium- und Calcium -Ionen vorwalten. Der Gehalt an 
freiem Kohlendioxyd beträgt 1 g. Danach und mit Rücksicht 
auf ihre Temperatur ist die Quelle als „warmer alkalisch- 
muriatisch-erdiger Säuerling" zu bezeichnen. 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 0,9998 ■ 



7,412 



570,8 com bei 

32° und 
760 mm Druck. 



') Chemische Untereuchtmg des Hubertus-Sprudels im Hönningen a. Rh. 
Hönningen 1897. ') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. •) Vgl. ehem. 

Einleitung Abschn. B.2.C. 

Das Wasser der Quelle wird nach Enteisenimg und Koh- 
lensäurezusatz als Tafelwasser versandt (1903: 853 699; 1904: 
586 97 1 Flaschen). Die Quelle gehört der G. m. b. H „Hubertus- 
Sprudel, Erben Teilenbach". 



G6C6C^c:;6G6G6G6c;6G6G6asG?SG6C3SG6 Namedy iSO^^^^^^^^^^isO^^isO 

Bei Andernach im Regierungsbezirk Coblenz der Rhein- * " 
provinz li^ im Rhein die Insel Namedyer Werth, auf der 
im Jahre 1904 in 340 m Tiefe eine Mineralquelle, der „Namedy- 

Analyse (aus der SalztabeUe berechnet). 

Analytiker: W. Lohmann. 
In 1 Kilogramm des Mineralwassers smd enthalten: 



Inselsprudel", erbohrt wurde. Der Sprudel springt in regel- 
mäßigen Zvrischenräumen von etwa 3 Stunden 30—40 m hoch. 



1904'). 



Kationen»). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,1059 

Natrium-Ion (Na-) 1,926 

lithium-Ion (Li-) 0,00042 



Milli- 
Mol 

2,706 

83,58 

0,060 



Milligramm- 
Äqui Talente 

2,706 

83,58 

0,060 



Gramm 

Ammonium-Ion (NH/) . . . 0,00382 
Calcium-Ion (Ca-) 0,07213 



Milli- 
Mol 

0,211 

1,799 



Milligramm- 
Äqui Talente 

0,211 

3,597 



*) Prospekt, Die Mineralquelle Namedy-Inselsprudel bei Andernach a. Rh. 
Ohne Ort und Jahr. — Ergänzt durch PriTatmitteilungen Ton W. Lobmann. 
*) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 



101 — 



Strontivun-Ion (Sr-) . 
Magnesium-Ion (Mg-) 
Ferro-Ion (Fe-) .... 
Mangano-Ion (Mn") . 
Aluminium-Ion (AI—) 



Anionen"). 

Chlor-Ion (CT) 

Brom-Ion (Br) 

Jod-Ion (J') 

Sulfat-Ion (SO;') 

Hydrophosphat-Ion (HPO^') 
Hydrokarbonat-Ion (HCO,') . 

Kieselsäure (meta) (H^SiOj) . 

Freies Kohlendioxyd (COj) . 



Gramm 
0,00004 
0,2766 
0,0022 
0,0002 
0,003928 



1,516 

0,00085 

0,00008 

0,2591 

0,01392 

3,960 



MiUi- 

Mol 

0,0005 
11,36 
0,039 
0,003 
0,1450 



42,78 
0,011 
0,0007 
2,697 
0,1450 

64,91 



Milligramm- 
Äquivalente 

0,001 

22,71 

0,079 

0,007 

0,4349 

113,39 

42,78 
0,011 
0,0007 
5,394 
0,2899 

64,91 



8,141 
0,05401 



210,45 113,39 
0,6887 



8,195 

2,747 



211,14 
62,43 



10,942 273,57 



2) Vgl. ehem. Einleitimg Abschnitt A. 
schnitt B.2.C. 



•) Vgl. ehem. Einleitung Ab- 



Die Simime der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
8,2 g, wobei unter den Anionen Natrium- und Magnesium-Ionen, 
unter den Kationen Hydrokarbonat- und Chlor-Ionen vorwalten; 
da 2,7 g freies Kohlendioxyd vorhanden sind, so ist die Quelle 
als „alkalisch - erdig - muriatischer Säuerling" mit 
einem bemerkenswert hohen Magnesiumgehalt zu bezeichnen. 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzimg 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,2019 

Natriumchlorid (NaO) 2,332 

Natriumbromid (NaBr) 0,0011 

Natriumjodid (NaJ) 0,0001 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,3731 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOj) 3,232 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCOj) 0,0041 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) 0,0113 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03)5] 0,2916 

Strontiimihydrokarbonat [Sr(HC0s)2] 0,0001 

Magnesiumhydrokarbonat p\Ig(HC03)2] 1,662 

Ferrohydrokarbonat [re(HC0s)2] 0,0070 

Manganohydrokarbonat [Mn(HCOa).j] 0,0006 

Aluminiumhydrophosphat [Al5(HP04)3] 0,01654 

Aluminiumsulfat [A1,(S0J3] 0,008272 

Kieselsäure (meta) (H^SiO,) 0,05401 

8,196 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 2,747 

10,943 

Das Wasser wird vorläufig nur versandt; es dient sowohl 
zu Trinkkuren als auch als Tafelwasser, außerdem wird es 
zur Herstellung von Namedy-PastiUen und Namedy-Sprudel- 
salz benutzt. Versandfirma: „Namedy-Sprudel, G. m. b. H.", 
Andernach am Ehein imd Berlin, Quitzowstraße 56. 



GjSG3SC2SG6C6c;iSC;jsG6G6G6G6c;6G6G6G6 NeuenaJir ^^^^^^^^^iso^^iso^iso 



Dorf mit 3388 Einwohnern im Regierungsbezirk Coblenz der 
Rheinprovinz, hegt 95 m ü.M. in dem von W nach O verlaufenden, 
2 — 3 km breiten Ahrtal, das von 300 — 400 m hohen Bergzügen 
begrenzt wird. Station der von der linksrheinischen Bahn Frank- 
furt a. M. — Cöln abzweigenden Nebenbahn Remagen — Adenau. 
Laubwald mit Nadelholz gemischt in der Nähe. 

Klima. Mittlere jährliche Niederschlagshöhe nach zehn- 
jährigem Durchschnitt (1893—1902): 591 mm*). 



Heilquellen. Fünf Quellen, aus einer Verwerfungszone 
in unterdevonischen Grauwacken und Tonschiefern entspringend : 
„Augustaquelle", „Viktoriaquelle", „Kleiner Sprudel", „Großer 
Sprudel", „Willibrordus- Sprudel". — Der ehemahge „Marien- 
sprudel" ist abgeschlossen worden. 

Die ersten vier Quellen wurden in den Jahren 1855 — 1861 
erbohrt, der „WiUibrordus-Sprudel" 1903—1905. 

*) ProTinz-BegenJotrte. 



Analyse der „Augustaquelle" (aus der Salztabelle berechnet). 

Analytiker: F. Mohr. 1859'). 
Temperatur: 33,8°. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



ationen'). 


Gramm 


Natrium-Ion (Na-) .... 


. . 0,3949 


Calcium-Ion (Ca") .... 


. . 0,08840 


Magnesium-Ion (Mg") . . 


. . 0,06634 


Ferro-Ion (Fe-) 


. . 0,0301 


Almniniimi-Ion (AI"-) . . 


. . 0,00965 



Anionen '). 

Chlor-Ion (Q') 0,0567 

SuUat-Ion (SO/') 0,0518 

Hydrokarbonat-Ion (HCOg'). 1,614 



Milli- 
Mol 

17,13 

2,204 

2,723 

0,538 

0,356 



1,60 
0,539 
26,45 



Milligramm» 
Äquivalent« 

17,13 

4,409 

5,446 

1,08 

1,07 
29,14 

1,60 

1,08 

26,45 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösimg, welche in 1 Kilogramm enthält '^: 

Gramm 

Natriumchlorid (NaCl) 0,0936 

NatriumsuKat (Na,SOJ 0,000689 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOg) . 1,305 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC08)5,] 0,3574 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03)J 0,3986 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC08)2] . . 0,0957 

Aluminiumsulfat [A],(S0J3] 0,0610 

Kieselsäure (meta) (H,SiOa) 0,0299 



Kieselsäure (meta) (HjSiOj) . 
Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



2,312 
0,0299 



51,54 
0,381 



29,13 



2,342 
1,262 



51,92 
28,68 



2,342 
Freies Kohlendioxyd (CO,) 1,262 



3,604 



(724,7 ccm bei 
I 33,8° und 
(760mmDruck. 



3,604 80,60 



>) Llebigs Jahresbericht Ober die Fortschritte der Chemie 1868 S. 10S6. 
*) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. ') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.c. 

7* 



— 102 



Analyse der „Viktoriaquelle" (aus der saktabeue berechnet). 

Analytiker: F. Mohr. 1859'). 

Spezifisches Gewicht: 1,00144 bei 17,5°, bezogen auf unbekannte E^inheit. 

Temperatur : 36,3°. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers 

Kanonen'). Oramm 

Natrium-Ion (Na-) 0,3860 

Calcium-Ion (Ca-) 0,07639 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,06634 

Ferro-Ion (Fe-) 0,0014 

Aluminium-Ion (AI-) .... 0,0003 

Anionen *). 

Chlor-Ion (a') 0,0556 

Sulfat-Ion (SO/) 0,0526 

Hydrokarbonatrlon (HCO,') 1,429 



lind enthalten: 


MiUi- 


Milligramm- 


Mol 


Aqui Talent« 


16,74 


16,74 


1,905 


3,810 


2,723 


5,446 


0.025 


0,050 


0,01 


0,03 




26,08 


1,57 


1,57 


0,548 


1,10 


23,42 


23,42 



Kieselsäure (meta) (H,8iO,) . 
Freies Kohlendioxyd (COj) . 



2,068 
0,0257 



2,093 
1,374 



46,94 
0,328 



47,27 
31,22 



26,09 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Natriumchlorid (NaCl) 0,0918 

Natriumsulfat (Na^SOJ 0,0758 

Natriumhydrokarbonat (NaHCO,) . 1,186 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCOj)j] 0,3088 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03)J 0,3986 



Ferrohydrokarbonat [Fe(HCOs)j 
Aluminiumsulfat [Al,(SOi),] 
Kieselsäure (meta) (H,SiO,) 



0,0045 
0,002 
0,0257 
2,093 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 1,374 ■■ 

3,467 



f 795,3 ccmbei 
36,3° und 
760 mm Druck. 



3,467 



78,49 



') Liebigs Jahresbericht Dber die Fortschritte der Chemie 1868 S. 1036. 
•) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. ') Vgl. ehem. Elnleitmig Abschn. B.2.C 



Analyse des ,,Eleinen Sprudels" (aus der saiztabeue berechnet). 



Analytiker: F. Mohr. 1861»). 
Temperatur: 29,2°. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers 

Kationen '). Gramm 

Natrium-Ion (Na-) 0,3907 

Calcium-Ion (Ca--) 0,07405 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,08819 

Ferro-Ion (Fe-) 0,00728 

Aluminium-Ion (AI-) .... 0,00933 

Auionen'). 

Chlor-Ion (Q') 0,06265 

Sulfat-Ion (SO/') 0,0616 

Hydrokarbonat-Ion (HCO/) 1,594 



nd enthalten: 


Milli- 


Müiigramm- 


Mol 


Aqui Talente 


16,95 


16,95 


1,847 


3,693 


3,620 


7,241 


0,130 


0,260 


0,344 


1,03 




29,17 


1,767 


1,767 


0,642 


1,28 


26,13 


26,13 



Kieselsäure (meta) (H,SiO,) 
Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



2,288 
0,0084 



2,296 
0,4586 



51,43 
0,11 



51,54 
10,42 



29,18 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Natriumchlorid (NaCl) 0,1034 

Natriumsulfat (Na^SO^) 0,0178 

Natriumhydrokarbonat (NaHCO,) . 1,255 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCOs)J 0,2994 
Magnesiumhydrokarbonat 

LMg(HC03),] 0,5299 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCOj)J . . 0,0232 

Aluminiumsulfat [A1,(S04)8] .... 0,0590 

Kieselsäure (meta) (B^SiOg) 0,0084 

2,296 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 0,4586 — 

2,755 



259,4 ccm bei 

29,2° und 
760 mm Druck. 



2,755 



61,96 



i)LiebIg8 Jahresbericht Ober die Fortschritte der Chemie 1868 S. 1036. 
») Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. ') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.c. 



Analyse des „Großen Sprudels" (aus den Origlnalzahlen berechnet). 

Analytiker: E. Hintz und L. Grünhut. 1901'). 

Spezifisches Gewicht: 1,00141 bei 15°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 34,2°, gemessen im Bassin. 

Ergiebigkeit: 4693 hl in 24 Stimden. 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: Muu- 

Gramm Mol 

Kationen'). Gramm mÜi' 'äÄ'^i^ Magnesium-Ion (Mg--) .... 0,09566 3,927 

Kalium-Ion (K-) 0,02566 0,6555 0,6555 Ferro-Ion (Fe-) 0,006639 0,1188 

Natrium-Ion (Na-) 0,3553 15,42 15,42 Mangano-Ion (Mn--) 0,000293 0,0053 

Lithium-Ion (Li-) 0,000523 0,0745 0,0745 

Ammonivim-Ion (NH.-) . . . 0,001085 0,0600 0,0600 ,^Tvu.>,. .. -t. tr- «,»^1..^ 

« , . T //~. s ^/,^/v>^^/ v,v/uvv/ n jahrbOcheT des nassomschen Verems für Naturkunde 

Calcium-Ion (Ca--) 0,08444 2,106 4,212 s. 205. ») Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 



Milligramm- 
ÄquiTalente 

7,853 

0,2375 

0,0106 

28,52 

1902 Bd. 66 



— 103 



Anlonen'). Gramm 

Chlor-Ion (Cl') 0,06590 

Brom-Ion (Br) 0,000188 

Jod-Ion (J') 0,000003 

Siüfat-Ion (SO/') 0,06165 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,000594 

Hydroarsenat-Ion (HAsO/') . 0,000203 

Hydrokarbonat-Ion (HCO3') . 1,547 



Milli- 


Milligramm- 


Mol 


Aquivalente 


1,859 


1,859 


0,0024 


0,0024 


0,00002 


0,00002 


0,6418 


1,284 


0,0062 


0,0124 


0,0015 


0,0029 


25,36 


25,36 



Borsäure (meta) (BDBO^) . . . 
Kieselsäure (meta) (HjSiOg) . 

Freies Kohlendioxyd (CO^) . 



2,245 

0,001498 

0,02756 



50,24 
0,0340 
0,3514 



28,52 



2,274 
1,150 



50,62 
26,14 



3,424 



76,76 



Daneben Spuren von Strontium-, Baryum-, Zink-, Alu- 
minium-, Nitrat-Ion, Titansäure. 



Zusammensetzung des Quellsinters in bei 100° ge- 
trocknetem Zustande: 

Calcium (Ca) 2,314 

Baryum (Ba) 0,042 

Magnesium (Mg) 0,179 

Zink (Zn) 0,033 

Kupfer (Cu) 0,012 

Blei (Pb) 0,004 

Eisen, dreiwertig (Fe™) . . 52,11 

Mangan (Mn) 0,037 

Aluminium (AI) 0,283 

Sulfatrest (SO j 0,048 

Phosphatrest (POJ 5,174 

Arsenatrest (AsO^) 0,411 

Karbonatrest (COj) 3,559 

Differenz = Sauerstoff (0) 21,36 
Siliciumdioxyd (SiO,) . . . 1,460 

Titandioxyd (TiO,) 0,121 

Wasser (H^G) ■ 12,85 

100,00 
Daneben Spuren von KaUum, Natrium, Strontium, An- 
timon, Chlor. 

(E. Fresenius und E. Hintz 1894.) 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KQ) 0,04890 

Natriumchlorid (NaCl) 0,06690 

Natriumbromid (NaBr) 0,000242 

Natriumjodid (NaJ) 0,000003 

Natriumsulfat (Na^SOJ 0,09124 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOa) . 1,092 
Lithiumhydrokarbonat (LiHCOg) . . 0,005065 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) 0,003213 

Calciumhydrophosphat (CaHPOJ . 0,000842 
Calciumhydroarsenat (CaHAsO^) . . 0,000262 
Calciumbydrokarbonat[Ca(HCOj)J. 0,3401 
Magnesiimihydrokarbonat 

[Mg(HC03)J 0,5748 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC08),l . 0,02113 
Manganohydrokarbonat 

[Mn(HC03)J 0,000942 

Borsäure (meta) (HBO,) 0,001498 

Kieselsäure (meta) (H^SiOa) 0,02756 

2,275 

{661,3 com bei 
34,2° und 
7 60 mm Druck. 



Gefrierpunkt: — 0,115° (identische Probe). E. Hintz 
und L. .Grünhut. 

Spezifische elektrische Leitfähigkeit (in reziproken 
Ohm pro cm-Würfel) x = 0,002800 bei 34,2° (identische Probe). 
E. Hintz und L. Grünhut. 



Das der Quelle frei entströmende Gas besteht aus fast 
reinem Kohlendioxyd. 

(E. Fresenius und E. Hintz 1894). 



Ältere Analysen: F. Mohr. 1861, 1863, 1865, 1868 (Liebigs Jahres- 
bericht über die Fortschritte der Chemie 1868 S. 1035). E. Fresenius und 
E. Hintz. 1894 (Untersuchung des Großen Sprudels zu Bad I^euenahr. 
Wiesbaden 1894). 



>) Vgl. ehem. Einleitung Abschnitt A. 
schnitt B.2.C. 



') Vgl. ehem. Einleitung Ab- 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt 2,1 bis 
2,3 g, wobei Hydrokarbonat- und Natrium-Ionen vorherrschen. 
Die „AugustaqueUe", die „ViktoriaqueUe" imd der „Große 
Sprudel", bei denen die Menge des freien Kohlendioxyds 1 g 
übersteigt, sind mit Eücksicht auf ihre Temperatur als „warme 
alkalische Säuerlinge" zu bezeichnen. Der „Kleine Sprudel" 
ist eine „warme alkalische Quelle". Der „Wüllbrordus- 
Sprudel" kommt nach einer vorläufigen Analyse von E. Hintz 
imd L. Grünhut m seiner Zusammensetzung dem „Großen 
Sprudel" sehr nahe. 

Das Bohrloch des „Großen Sprudels" ist 89,7 m tief und mit 
Eisenröhren, worin Erlenholzröhren eingelassen sind, verrohrt. 
Das Bohrloch des „WüUbrordus-Sprudels" Ist 376,6 m tief, von 
der Erdoberfläche bis In 180 m Tiefe mit dichten, von dort bis 
zur Sohle mit durchlöcherten Kupferrohren ausgekleidet. 

Das Wasser der „AugustaqueUe", der „Viktoriaquelle", 
des „Großen Sprudels" imd des „WUIibrordus-Sprudels" wird 
zum Trinken, das des „Großen Sprudels", des „Kleinen Spru- 
dels" und des „WüUbrordus-Sprudels" zum Baden und Duschen, 
das des „Großen Sprudels" auch zum Inhalieren, Gurgeln und 
zu Nasenduschen benutzt. 



Zu Badezwecken wird das Wasser der Sprudel aus den 
Steigrohren der Quellen durch gußeiserne Eöhren nach dem 
Badehause (100 Zellen mit versenkten Zementbetonwannen, die 
nüt Mettlacher Platten ausgekleidet sind) In luftdicht ge- 
schlossene Behälter geleitet und fließt von hier, ohne mit der 
Luft In Berührung zu kommen, in die Badewannen, worin es 
nach Bedarf mit erhitztem Sprudelwasser vermischt wird. Die 
Erhitzung des letzteren (auf 75°) geschieht in einem großen, 
in die Eohrleitung eingeschalteten, luftdicht geschlossenen 
Kessel mit Dampf -Heizschlangen. Außerdem werden auch 
Bäder In fließendem Sprudelwasser, das vom Wannenboden 
oder von emem Ende der Wanne her stetig zufließt, verabreicht 
(„Wellenbäder", „Strombäder"). Zahl der Bäder Im Jahre 1903: 
54971; 1904: 64101; 1905: 66560. 

In Inhalatlonsräumen für gemeinsame und Elnzellnhalation 
wird das Wasser In Waßmuthschen und Heyerschen Apparaten 
zerstäubt. 

Versandt wird das Wasser des „Großen Sprudels" In 
natürUchem Zustande (1903: 182067; 1904: 191383; 1905: 
195395 Gefäße). 

Sonstige Kurmittel: Heißluft-, Dampf- und Sandbäder, 



— 104 — 



elektrische Bäder, elektrische Lichtbäder, Fangopackungen, 
Heilgymnastik, Massage, Wasserheilverfahren, Milch- und 
Traubenkur. — Wandelbahn. 

Behandelt -werden: Magen- und Dannkatarrhe, Leber- 
anschoppungen, Gallensteine, Zuckerkrankheit, Nierenleiden, 
Blasenkatarrh, Gicht, Rheumatismus, Katarrhe der Atmungs- 
organe. 

19 Arzte. — Kurzeit: 1. Mai bis 30. September. — Kurtaxe: 
1 Person 24 M., jede weitere Person 14 M. — Zahl der Besucher 



(ohne Passanten) 1903: 10046; 1904: 11059; 1905: 11000 
(darunter 14 Prozent Ausländer). 

Allgemeine Einrichtungen : Trinkwasserversorgung durch 
Wasserleitung. — Beseitigung der AbfaUstoffe durch Abfuhr. 
(Schwemmkanalisation soU eingerichtet werden.) — Zwei Kranken- 
häuser und ein Haus für Infektionskrankheiten. Apparate zur 
Desinfektion mit Dampf, mit überhitzter Luft und mit For- 
malin. — Zwei Stiftungen für Minderbemittelta — Apotheke. 
— Quellen und Bad gehören der „A.-G. Bad Neuenahr". 



dscäg6G6C6(5sg6qs(5sg6G6G6G6 Niederselters öOöoeoöDdOöDdOöDöOöDöOöOöD 



Oberhalb des Dorfes Niederselters im Emsbachtal, Re- 
gierungsbezirk Wiesbaden der Provinz Hessen -Nassau, ent- 
springt eine schon im 9. Jahrhimdert erwähnte, im dreißig- 
jährigen Kriege verschüttete, 1681 neu gefaßte Mineralquelle 
ungefähr an der Grenze von Mitteldevon (Orthoceras-Schiefer) 



und ünterdevon (Tonschiefer imd Grauwacken der Ober-Cob- 
lenzschichten). Sie war in einem quadratischen, gemauerten, 
3,7 m tiefen, mit Holz ausgekleideten Schacht von 85 cm 
Durchmesser gefaßt. Mit einer Neufassung der Quelle in 
derselben Art wie in Fachingen ist 1906 brennen worden. 



AnSlySC (aus den Originalzahlen berechnet). 

Analytiker: R. Fresenius. 1863'). 

Spezifisches Giewicht: 1,00125 hä 21,5°, bezogen auf Wasser von 4° 
Temperatur: 16,0°, gemessen am Ablauf (24. August 1863*). 
Ergiebigkeit im Mittel: 268 hl in 24 Stunden. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Kationen "). Oramm 

KaUum-Ion (K-) 0,03010 

Natrium-Ion (Na-) 1,302 

Ijthium-Ion (Li-) 0,000594 

Ammonium-Ion (NH^-) . . . 0,001800 

Calcium-Ion (Ca-) 0,1235 

Strontium-Ion (Sr-) 0,001298 

Baryum-Ion (Ba-) 0,000115 

Magnesiimi-Ion (Mg") .... 0,05845 

Ferro-Ion (Fe-) 0,001456 

Mangano-Ion (Mn-) 0,000254 

Aluminium-Ion (AI-) .... 0,000099 

Anionen"). 

Nitrat-Ion (NO,') 0,004529 

Chlor-Ion (Q') 1,425 

Brom-Ion (Br') 0,000708 

Jod-Ion (J') 0,000028 

Sulfat-Ion (SO/') • 0,02549 

Hydrophosphat-Ion (HPO/) 0,000504 

HydrokarbonaHon (HCO,') 1,688 



MiUi- 


MUligramm- 


Mol 


AquiTalente 


0,7689 


0,7689 


56,47 


56,47 


0,0845 


0,0845 


0,0996 


0,0996 


3,079 


6,158 


0,0148 


0,0296 


0,0008 


0,0017 


2,399 


4,799 


0,0260 


0,0521 


0,0046 


0,0092 


0,0036 


0,0109 




68,48 


0,0730 


0,0730 


40,19 


40,19 


0,0088 


0,0088 


0,0002 


0,0002 


0,2653 


0,5306 


0,0053 


0,0105 


27,67 


27,67 



Kieselsäure (meta) (H^SiO,) 



4,664 
0,02758 



131,16 
0,3517 



68,48 



4,692 131,52 



2,238 
0,004070 



50,87 
0,1449 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 
Freier Stickstoff (N,) . . . 

6,934 182,53 
'• Daneben Spuren von Cäsium-, Rubidium- 
Borsäure, freiem Sauerstoff, freiem Methan. 



Kobalt-Ion, 



1000 ccm des der Quelle frei entströmenden Gases 
bestehen aus: 

ocm 

: Kohlendioxyd (CO,) 969,6 

Stickstoff (N,) 30,4 

Daneben Spuren von Sauerstoff, Methan. 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 

ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält*): 

Gramm 

Kaliumnitrat tKNOj) 0,007386 

Kaliumchlorid (KCl) 0,05191 

Natriumchlorid (NaCl) 2,304 

Natriumbromid (NaBr) 0,000912 

Natriumjodid (NaJ) 0,000033 

Natriumsulfat (Na^SOJ 0,03769 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOj) 1,390 
lithiumhydrokarbonat (liHCO,) . 
Ammoniumchlorid (NH,C1) .... 
Calciumhydrokarbonat[Ca(HC03),] 
Strontiiunhydrokarbonat 

[Sr(HCO,),] 0,003105 

Baryumhydrokarbonat[Ba(HCO,),] 0,000217 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HCO,),] 0,3512 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCO,),] . 0,004634 
Manganohydrokarbonat 

[MnCHCO,),] 0,000816 

Aluminiumhydrophosphat 

[A1,(HP0A] 0,000599 



0,005750 
0,005331 
0,4992 



Aluminiumsulfat [A1,(S04),] 
Kieselsäure (meta) (H,SiOj) 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 



0,000024 

0,02758 

4,690 

2,238 = 



Freier Stickstoff (N,) 0,004070 = 

6,932 



1210 ccm bei 

16,0° und 
760 mm Druck, 
ccm bei 
imd 
mm Druck. 



{3,4 ccB 
16,0° 
760 mm] 



Ältere Analyaen: T. Bergmann 1770. J. Fr. Westrumb 1794. 
G. Bischof 1826. T. A. A. Struye (bei J. F. Simon, Die Heilquellen 
Europas S. 218. Berlin 1839). Kastner 1838 (Fharmazeutisches Zentral- 
blatt 1811 Bd. 12 B. 391). Stmtlich abgedruckt bei Fresenius, a. a. O. 



») Jahrb. d. nassauisch. Vereins f. Naturk. 1864/66 Bd. 29/30 8. 453. 
*) Temperatur und Ergiebigkeit schwanken etwas je nach der Jahreszeit. 
*) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. ') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 



— 105 — 



59,82 



Zusammensetzung des Quellsinters in bei 100° 
getrocknetem Zustande. 

In Salzsäure löslich: 

Calciiun (Ca) 0,61 

Baryum (Ba) 0,05 

Magnesium (Mg) 0,48 

Eisen, dreiwertig (Fe™) 32,33 

Kupfer (Cu) 0,02 

Zink (Zn) 0,03 

Phosphatrest (PO^) 0,05 

Arsenatrest (AsO^) 0,02 

Karbonatrest (COg) 1,66 

Siliciumdioxyd (SiO,) 0,83 

Differenz = Sauerstoff (O) 13,59 

Chemisch gebimdenes Wasser (HjO) 10,15 

Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
4,7 g, wobei Natrium-, Chlor- und Hydrokarbonat - Ionen 
vorwalten. Die Menge des freien Kohlendioxyds beträgt etwa 
2,2 g. Die Quelle ist danach als „alkalisch-muriatischer 
Säuerling" zu bezeichnen. 

Das Wasser wird vom geschlossenen Bnmnenschacht in 
Eöhren nach den Zapfstellen im FüUhause geleitet, in natür- 



In Salzsäure praktisch imlösUch: 

Calcium (Ca) 0,09 

Magnesium (Mg) 0,19 

Eisen, dreiwertig (Fem) 0,33 

Aluminium (AI) 1,89 

Sihciumdioxyd (SiO,) 35,54 

Differenz = Sauerstoff (0) 1,95 



39,99 



99,81 

Daneben Spuren von Strontium, Kobalt, Nickel, Antimon, 
organischen Substanzen. R. Fresenius. 



Uchem Zustande abgefüllt und unter dem Namen „Könighch 
Selters" versandt. Es dient als Tafelwasser und zu Trinkkuren. 

Die Quelle gehört dem preußischen Staate und ist ver- 
pachtet. Versandfirma: „Königliche Mineralbrunnen, Siemens 
Erben, Berlin". 

Eine minder ergiebige Nebenquelle, das „Börnchen", tritt 
unweit von der Hauptquelle in dem Wiesengrunde zutage. 



G6G6C6C;6C6C3SG6G6C^G6C;6C^C25 OberlahüSteill ÖDÖOÖDöOdOöOÖDöD(^ÄPÖDÖOdO 



Bei Oberlahnstein im Eegierungsbezirk Wiesbaden der 
Provinz Hessen-Nassau, an der Mündung der Lahn in den 
Rhein, entspringt etwa 200 m tief aus einer sattelförmigen 

AHalySG (aus den Originalzahlen berechnet). 



Heraushebung von Coblenzquarzit aus Grauwacken imd Ton- 
schiefem der Obercoblenzstufe der „Viktoriasprudel". 



Analytiker: R. Fresenius. 1892*). 

Spezifisches Gewicht: 1,00270 bei 17,5°, bezogen auf Wasser von 4° 

Temperatur: 24,8°. 

Ergiebigkeit: 4320 hl in 24 Stunden. 



In 1 Kilognunm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen'). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,02319 

Natrium-Ion (Na-) 1,216 

Lithium-Ion (Li-) 0,002269 

Ammonium-Ion (NH^-) . . . 0,002201 

Calcium-Ion (Ca--) ...... 0,1414 

Strontium-Ion (Sr-) 0,000213 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,07371 

Ferro-Ion (Fe-) 0,006117 

Mangano-Ion (Mn--) 0,000419 

Anionen'). 

Nitrat-Ion (NOg') 0,003189 

Chlor-Ion (Cl') 0,7949 

Brom-Ion (Br) 0,001262 

Jod-Ion (J) 0,000009 

Sulfat-Ion (SO/') 0,5788 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,000659 

Hydrokarbonat-Ion (HCO3') 1,987 



Milli- 


Milligramm- 


Mol 


AquiTalente 


0,5923 


0,5923 


52,75 


52,75 


0,3228 


0,3228 


0,1218 


0,1218 


3,527 


7,055 


0,0024 


0,0049 


3,026 


6,052 


0,1094 


0,2189 


0,0076 


0,0153 




67,13 


0,0514 


0,0514 


22,42 


22,42 


0,0158 


0,0158 


0,0001 


0,0001 


6,025 


12,05 


0,0069 


0,0137 


32,58 


32,58 



Borsäure (meta) (HBO,) . . . 
Kieselsäure (meta) (H^SiOj) 



4,831 121,56 
0,005139 0,1168 
0,02814 0,3589 



67,13 



4,865 
Freies Kohlendioxyd (CO,) . 1,513 

6,378 
Daneben Spuren von Rubidium-, 



122,03 
34,38 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 KUograimn enthält'): 

Gnunm 

Kaliumnitrat (KNOg) 0,005201 

KaUumchlorid (KQ) 0,04035 

Natriumchlorid (NaQl) 1,273 

Natriumbromid (NaBr) 0,001626 

Natriumjodid (NaJ) 0,000010 

NabiumsuKat (Na^SO^) 0,8566 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOg) . 1,590 

Litiiiumhydrokarbonat (LiHCOs) . . 0,02196 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) 0,006520 

Calciumhydrophosphat (CaHPOJ . 0,000934 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03)J 0,5707 

StrontiumhydTokarbonat[Sr(HC08)j] 0,000510 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC0s)2] 0,4429 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03)J . . 0,01947 

Manganohydrokarbonat[Mn(HC03)2] 0,001350 

Borsäure (meta) (HBO^) 0,005139 

Kieselsäure (meta) (H^SiOs) .... 0,02814 

4,864 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 1,513 



6,377 



f 842,9 ccm bei 
24,8° und 
760mmDruck. 



156,41 
Cäsiimi-, Aluminium-, 
Hydroarsenat-Ion, organischen Substanzen, 



') Jahrb. des nassauisch. Vereins für 
•) Vgl. cliem. Einleitung^Absctan. A. ') Vgl. 



Naturkunde 1893 Bd. 46 S. 1. 
ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 



— 106 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
4,9 g, wobei Natriimi- mid Hydrokarbonat- , daneben Chlor- 
und Sulfat-Ionen vorwalten; da die Menge des freien Kohlen- 
dioxyds etwa 1,5 g beträgt, so ist der Sprudel ein „warmer 
alkalisch -muriatisch-salinischer Säuerling". 



Unter dem Namen „Viktoria brunnen" wird von der 
„Gesellschaft zum Betrieb des Viktoriabrunnen zu Oberlahn- 
stein" ein Tafelwasser versandt (jährlich etwa 4 Millionen Ge- 
fäße), dessen Zusammensetzung von der des Viktoriasprudels 
vöUig verschieden ist. 



G6G6G6CJSG5SG5SC6aSC6C6CJSG6G6C;6 OberSelterS ÖD^^(X9^ÖDÖ0ÖD(»ÄPÖDÖDÖDÖD 



Bei dem Dorfe Oberselters im K^erungsbezirk Wies- 
baden der Provinz Hessen-Nassau (Post- imd Bahnstation Nieder- 
selters), etwa 1 km südöstlich von der Niederselterser Quelle, 
entspringen 2 Mineralquellen, von denen eine, kurzw^ der 
„Oberselterser Mineralbrunnen" genannt, benutzt wird. Diese 



Quelle wurde 1731 (nach andern Angaben 1785) entdeckt, auf 
Veranlassung der Kur-Trierschen Regierung jedoch mit Rück- 
sicht auf die in nächster Nähe entspringende Niederselterser 
Quelle mehrmals gewaltsam wieder geschlossen. Seit 1870 
wird sie wieder verwertet. 



Analyse 

(aus der Salztabelle berechnet). 



Analytiker: E. Niederhäuser. 1899'). 

Spezifisches Gewicht: 1,00193 bei 21,1°, bezogen auf imbekannte Einheit 

Temperatur: 13,7°. 

Ergiebigkeit: 1200 hl in 24 Stunden. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers 

Kationen'). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,01753 

Natrium-Ion (Na-) 0,6846 

lithium-Ion (li-) 0,001092 

Ammonium-Ion (NH^-) . . . 0,001212 

Calcium-Ion (Ca-) 0,08208 

Strontium-Ion (Sr-) 0,001174 

Baryum-Ion (Ba-) 0,000134 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,03759 

Ferro-Ion (Fe-) 0,000032 

Mangano-Ion (Mn-) ...... 0,000121 



sind enthalten: 

WIU- Milligramm- 
Mol Äquivaleiite 

0,4477 

29,70 . 



Anionen*). 

Nitrat-Ion (NO,') 

C!hlor-Ion (CT) 

Brom-Ion (Br) 

Jod-Ion (J') 

SuHat-Ion (SO/') 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 
Hydrokarbonat-Ion (HCO,') 

Kieselsäure (meta) (H,SiO,) . 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



0,004386 

0,6209 

0,000024 

0,000004 

0,01519 

0,00003* 

1,201 



0,4477 
29,70 
0,1554 
0,0671 
2,047 
0,0134 
0,0010 
1,543 
0,0006 
0,0022 



0,0707 

17,52 
0,0003 
0,00003 
0,1582 
0,0004 

19,68 



0,1554 
0,0671 
4,094 
0,0268 
0,0020 
3,086 
0,0011 
0,0044 
37,58 

0,0707 

17,52 
0,0003 
0,00003 
0,3164 
0,0007 

19,68 



2,667 
0,01710 



71,41 
0,2181 



37,59 



2,684 
0,9824 



71,63 
22,33 



3,667 



93,96 



Ältere Analysen: F. Mohr, etwa 1874 (bei J. Hirschfeld imd 
W. Pichler, Die Bäder, Quellen und Kurorte Europas Bd. 2 8. 163. Stutt- 
gart 1876). 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 

ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält '): 

Gr&nun 

Kaliunmitrat (KNOg) 0,007154 

KaHumchlorid (KCl) 0,02813 

Natriumchlorid (NaCÜ) 0,9987 

Natriumbromid (NaBr) 0,000031 

Natriumjodid (NaJ) 0,000005 

Natriumsulfat (Na^BOO 0,02249 

Natriumhydrokarbonat (NaHCO,) . 1,035 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCOj) . . 0,01057 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) 0,003590 

Caiciumhydrophosphat (CaHPO^) . 0,000048 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HCO,)j] 0,3318 

Strontiumhydrokarbonat[Sr(HC08),] 0,002808 

Baryumhydrokarbonat [Ba(HCOj),] 0,000253 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HCO,),] 0,2259 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCO,)j] . . 0,00010 

Manganohydrokarbonat[Mn(HC08),] 0,000390 

Kieselsäure (meta) (HjSiOj) 0,01710 



2,684 

Frdes Kohlendioxyd (CX),) 0,9824 = 

3,666 



526,9 ccm bei 

13,7° und 
760 mm Druck. 



>) Manuskript. •) Vgl. «hem. Einleitung Abschn. A. 
Einleitung Abschn. B.2.C. 



') Vgl. ehem. 



1000 ccm des der Quelle frei entströmenden Gases 
bestehen aus: ccm 

Kohlendioxyd (CO,) 912 

Stickstoff (N,) 79 

Sauerstoff (O,) 9 

(F. Mohr, etwa 1874.) 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
2,7 g, wobei Natrium-, Hydrokarbonat- und Chlor-Ionen vor- 
walten. Da der Kohlendioxydgehalt nahezu 1 g beträgt, so 
steht die Quelle auf der Grenze zwischen „alkalisch-muria- 
tischen Quellen" und „alkalisch-muriatischen Säuer- 
lingen". 

Sie entspringt aus einer nahezu 1 m mächtigen, gänzUch 
gebleichten und tonig zersetzten Lage der Untercoblenzschichten 



und ist in einen Zementschacht gefaßt. Das Wasser wird nur 
versandt; zur Füllung wird es mit Kohlensäiu-e aus der eigenen 
Quelle imprägniert. Versandt wurden im Jahre 1903: etwa 
1600 000; 1904: 1675 000; 1905: 1825 000 Flaschen. 

Das Wasser dient in erster Linie als Tafelgetränk, ge- 
legentlich wird es auch zu Trinkkuren benutzt. Die Quelle 
ist von der Gemeinde Oberselters an die „Nassau -Selterser 
Mineralquellen- Aktiengesellschaft" in Oberselters verpachtet. 



107 — 



c;6G6C6C5SC6GiSCjsG6DSGjsG6 Offenbach am Main, ^^^iso^^^^is^^iso 



Bd. der Stadt Offenbach am Main in der Provinz Starken- 
burg des Großherzogtums Hessen wurde im Jahre 1888 die 



„Kaiser -Friedrich -Quelle" erbohrt. Sie entspringt in 275 m 
Tiefe aus grauem tonigen Sandstein im Eotliegenden. 



AHälySG (aus den Originalzahlen berechnet). 

Analytiker: G. Popp. 1902 1). 

Spezifisches Gewicht: 1,0027 bei 15°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 18,2°, gemessen an der Entnahmestelle hinter der Pumpe (die früheren Analytiker geben 18,8 bis 19,2° an). 

Ergiebigkeit: 1440 hl in 24 Stunden bei freiem Ablauf, wenn dieser in der Höhe des die Quelle vungebenden Bodens erfolgt. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Mini- Milligramm- 
Eationeu^). Gramm Mol Äquiralente 

Kalium-Ion (K-) 0,01502 0,3837 0,3837 

Natrium-Ion (Na-) 1,363 59,11 59,11 

Lithium-Ion (Li-) 0,002383 0,3389 0,3389 

Ammonium-Ion (NHJ . . . 0,001299 0,0719 0,0719 

Calcium-Ion (Ca--) 0,005738 0,1431 0,2862 

Strontium-Ion (Sr--) 0,000023 0,0003 0,0005 

Baryum-Ion (Ba-) 0,000022 0,0002 0,0003 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,004992 0,2049 0,4098 

Ferro-Ion (Fe-) 0,000336 0,0060 0,0120 

Mangano-Ion (Mn--) 0,000268 0,0049 0,0097 

Aluminium-Ion (AI-) .... 0,002857 0,1054 0,3163 

60,94 

Anionen'). 

Nitrat-Ion (NO/) 0,01064 0,1715 0,1715 

Oüor-Ion (Gl') 0,7251 20,45 20,45 

Brom-Ion (Bf) 0,001013 0,0127 0,0127 

Jod-Ion (J') 0,000132 0,0010 0,0010 

SuHat-Ion (SO/') 0,3051 3,177 6,353 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,000256 0,0027 0,0053 

Hydroarsenat-Ion (HAsO/') 0,000245 0,0017 0,0035 

Hydrokarbonat-Ion (HCO3') 2,071 33,94 33,94 

4,509 118,13 60,94 

Borsäure (meta) (HBO,,) . . . 0,01169 0,2657 

Kieselsäure (meta) (H^SiOj) 0,02203 0,2810 

Titansäure (meta) (H^TiOs) . 0,000058 0,0006 

4,543 118,67 

Freies Kohlendioxyd (CO2) . 0,0823 1,87 

4,626 120,54 

Ältere Analysen: B. Fresenius 1888 (Chemisclie Analyse der 
Kaiser-Friedrich-Quelle [Natron-Lithion-Quelle] zu Offenbach am Main. Wies- 
baden 1889). Th. Petersen 1888 (Über die neue alkalische Mineralquelle 
zu Offenbach am Main. Offenbach a. M. 1889). R. Fresenius und E. Hintz 
1889 (Chemische Analyse der Kaiser-Friedrich-Quelle [Natron-Lithion-Quelle] 
zu Offenbach am Main. Wiesbaden 1889). C. Rüger 1892 (Chemiker-Zeitung 
1892 Bd. 16 8. 1124). ■ • 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält"): 

Gramm 

KaUumnitrat (KNO^) 0,01735 

KaUumchlorid (KCl) 0,01583 

Natriumchlorid (NaCl) 1 ,180 

Natriumbromid (NaBr) 0,001305 

Natriumjodid (NaJ) 0,000155 

Natriumsulfat (Na^SOJ 0,4295 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOj) . 2,764 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCOa) . . 0,02306 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) 0,003847 

Calciumhydroarsenat (CaHAsO^) . . 0,000315 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03)2] 0,02292 

Strontiumhydrokarbonat[Sr(HC03y 0,000056 

Baryumhydrokarbonat [Ba(HC0sy 0,000041 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03)j] 0,03000 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCOs)J ■ ■ 0,001071 

Manganohydrokarbonat [Mn(HC0s)2] 0,000861 
Aluminiumhydrophosphat 

[A1,(HP0J3] 0,000304 

Aluminiumsulfat [A1,(S0J3] .... 0,01774 

Borsäure (meta) (HBO,) 0,01169 

Kieselsäure (meta) (HjSiOj) 0,02203 

Titansäure (meta) (H,TiOs) 0,000058 

4,542 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 0,0823 = 



4,624 



[ 44,9 com bei 

18,2° und 
760 mm Druck. 



Gefrierpunkt: —0,220° (Probe nicht identisch, Ver- 
sandwasser). V. Kostkewicz. 



\ 



1) Chemische Analyse der Kaiser-Friedrich-Quelle (Natron-Lithion-Quelle) 
zu Offenbach a. M. Frankfurt a. M. 1902. ') Vgl. ehem. Einleitung Ab- 
Bchnitt A. ') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 



Die Summe der gelösten festen Bestandtdle beträgt etwa 
4,5 g, wobei Natrium-, Hydrokarbonat- und Chlor-Ionen vor- 
walten. Bemerkenswert ist der Gehalt an Sulfat-Ionen (0,3 g) 
und an Lithium (0,0024 g). Die Quelle ist eine „alkalisch- 
muriatische Quelle". 

Das Bohrloch ist bis zu 232 m Tiefe mit Eisenrohren 
verrohrt, in die von der Erdoberfläche bis zur Sohle Kupfer- 
rohre, die imtersten 25 m durchlöchert, eingeschoben sind. 
Das Wasser wird durch Saugpumpe gefördert und in Zinn- 



röhren nach dem 38 m entfernten FüUhause geleitet. Es wird 
nur versandt, und zwar in natürUchem Zustande oder mit 
geringem Kohlensäurezusatz als „Medizinalwasser" zu Trink- 
kuren; mit stärkerem Kohlensäurezusatz (2 — 4 Atmosphären 
Druck) als „Tafelwasser". Im ganzen wurden versandt im 
Jahre 1903: 2916900; 1904: 3891500; 1905: 4625400 
Flaschen. 

Die Quelle ist im Besitz der „Kaiser Friedrich Quelle 
Aktiengesellschaft" in Offenbach a. M. 



— 108 



G6G6C6C3SG6G6G6G6C6G5SG6ÖS Rhens am Rhein ^^^^^^isoisö^iso^^ 



Bei Rhena am Khan im Regierungsbezirk Coblenz der Rhein- 
provinz entepringen 2 Quellen aus den oberen Coblenzschichten 
des Devon, der „Rhenser Sprudel", im Jahre 1894 337 m tief 



erbohrt, und die „Kaiser -Ruprecht -Quelle", 1901 375 m tief 
erbohrt. (Die alte Quelle im Rheinbett ist aufgegeben.) 



Analyse des „Rhenser Sprudels" (aus den Onginalzahlen berechnet). 

Analytiker: E. Hintz und L. Grünhut 1901'). 
Spezifisches Gewicht: 1,00275 bei 17,5°, bezogen auf Wasser von 4°. 
Temperatur: 23,2°, gemessen am FüUapparat in der FüHhalle. 
Ergiebigkeit: 2705 hl in 24 Stimden. 



In 1 Kilogramm des MineralwasBers sind enthalten: 

Kationen^. Orsmm 

KaUum-Ion (K-) 0,01913 

Natrium-Ion (Na-) 1,016 

Lithium-Ion (Li-) 0,001212 

Ammonium-Ion (NH^-) . . . 0,002508 

Calcium-Ion (Ca-) 0,1285 

Strontium-Ion (Sr--) 0,000146 

Magnesium-Ion (Mg--) .... 0,06524 

Ferro-Ion (Fe") 0,008023 

Mangano-Ion (Mn-) 0,000510 

Anionen'). 

Chlor-Ion (CT) 0,7597 

Brom-Ion (Br) 0,001131 

Jod-Ion (J') 0,000014 

SuUat-Ion (SO/') 0,5373 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,000667 

Hydroar8enat-Ion(HAB04"). 0,000112 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') . 1,482 



Milll- 


Milligramm- 


Mol 


Aquiyalente 


0,4887 


0,4887 


44,06 


44,06 


0,1724 


0,1724 


0,1388 


0,1388 


3,205 


6,409 


0,0017 


0,0033 


2,678 


5,357 


0,1435 


0,2871 


0,0093 


0,0185 




56,93 


21,43 


21,43 


0,0141 


0,0141 


0,0001 


0,0001 


5,594 


11,19 


0,0069 


0,0139 


0,0008 


0,0016 


24,29 


24,29 



Borsäure (meta) (HBOj). . . 
Kieselsäure (meta) (H^SlOj). 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 

Spuren von 



4,022 102,23 
0,008580 0,1950 
0,02206 0,2814 



56,94 



4,053 
3,106 



102,71 
70,59 



7,159 
Baryum- 



173,30 
Zink-, 



Aluminium-, 



Daneben 
Nitrat-Ion. 

Gefrierpunkt: —0,334° (identische Probe). E. Hintz 
und L. Grünhut. 

Spezifische elektrische Leitfähigkeit (in reziproken 
Ohm pro cm-Würfel) x = 0,004845 bei 22,1° (identische Probe). 
E. Hintz und L. Grünhut. 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 

ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält"): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,03646 

Natriumchlorid (NaCl) 1,217 

Natriiunbromid (NaBr) 0,001457 

Natriumjodid (NaJ) 0,000017 

Natriumsulfat (Na^SO«) 0,7952 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOä) • 1.013 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCOa) . . 0,01173 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) 0,007427 

Calciumhydrophosphat (CaHPOJ . . 0,000945 

Calciumhydroarsenat (CaHAsO^) . . 0,000144 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC08)2] 0,5183 
Strontiumhydrokarbonat 

[SrCHCOj),] 0,000350 

Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03)J 0,392to 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCOa)jj • • 0,02554 
Manganohydrokarbonat 

[Mn(HC03)J 0,001641 

Borsäure (meta) (HBOj) 0,008580 

Kieselsäure (meta) (H^SiGJ 0,02206 

4,052 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 3,106 



7,158 



1722 ccm bei 

23,2° und 
760 mm Druck. 



Ältere Analysen: F. Mohr 1864 (Archiv der Pharmazie 1866 Bd. 177 
8. 186). Q. J. Mal der 1867 (Archiv der Pharmazie 1867 Bd. 179 8. 213). 



') Chemische nnd physikalisch-chemische Untersuchung des Rhenser 
Sprudels. Wiesbaden 1902. — Betr. Borsäurebestimmung vgl. Balneologische 
Zeitimg 1905 Bd. 16 Nr. 8. ») Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. ») Vgl. 
chom. Einleitung Abschn. B.2.c. 



Analyse der „Kaiser-Ruprecht-Quelle" (aus den Originalzahlen berechnet). 

Analytiker: E. Hintz und L. Grünhut. 1902'). 
Spezifisches Gewicht: 1,00326 bei 14°, bezogen auf Wasser von 4°. 
Temperatur: 22,1°, gemessen am Rohrmundloch der Pumpe. 
Ergiebigkeit: etwa 1200 hl in 24 Stunden. 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: Miiu- Miiiigramm- 

Min- vcu' Gramm Mol Äquivalente 

Kationen«). Gramm Mol" Äqu^raS^ Magnesium-Ion (Mg") .... 0,07784 3,195 6,390 

KaUum-Ion (K-) 0,02034 0,5195 0,5195 Ferro-Ion (Fe--) 0,008841 0,1582 0,3163 

Natrium-Ion (Na-) 1,269 55,07 55,07 Mangano-Ion (Mn-) 0,000632 0,0115 0,0230 

LiÜiium-Ion (Li-) 0,001739 0,2473 0,2473 70,31 

Ammonium-Ion (NH^-) . . . 0,002986 0,1652 0,1652 

Calcium Ion fCa--^ Ol^ilR ^l 7ft7 7 fi7^ '' Chemische und physikalisch-chemische Untersuchung der Eaiser- 

a*„ ^ T /□ N ^„„„:„„ ' ' Ruprecht-Quelle zu Ehens. Wiesbaden 1904. ») Vgl. ehem. Einleitung 

Strontium-Ion (Sr-) 0,000187 0,0021 0,0043 Abschn. a. , k u^ 



— 109 



Anionen'). 

Chlor-Iou (Cl') 

Brom-Ion (Br) 

Jod-Ion (J') 

Sulfat-Ion (SO;') 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 
Hydroarsenat-Ion (HAsO^"). 
Hydrokarbonat-Ion (HCOj') . 

Borsäure (meta) (HBOj) . . . 
Kiesel8<äure (meta) (H^SiOg). 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 





MiUi- 


Milligramm - 


Gramm 


Mol 


Äquivalente 


0,9734 


27,46 


27,46 


0,001745 


0,0218 


0,0218 


0,000012 


0,0001 


0,0001 


0,7733 


8,051 


16,10 


0,000783 


0,0082 


0,0163 


0,000102 


0,0007 


0,0015 


1,629 


26,71 


26,71 


4,912 


125,41 


70,31 


0,01019 


0,2316 




0,02377 


0,3031 




4,946 


125,94 




3,203 


72,79 





8,149 



198,73 



Daneben Spuren von Baryum-, Zink-, Aluminium-, Ni- 
trat-Ion. 

Gefrierpunkt: —0,332° (identische Probe). E. Hintz 
imd L. Grünhut. 

Spezifische elektrische Leitfähigkeit (in reziproken 
Ohm pro cm- Würfel) » = 0,005735 bei 20,6° (identische Probe). 
E. Hintz und L. Grünhut. 



^ Vgl. ehem. Einleitung Abschnitt A. 
schnitt B.2.C. 



*) Vgl. ehem. Einleitung Ab- 



Daa Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält^): 

Gramm 

KaUumchlorid (KCl) 0,03876 

Natriumchlorid (NaCl) 1,566 

Natriumbromid (NaBr) 0,002248 

Natriumjodid (NaJ) 0,000014 

Natriumsulfat (Na,SO,) 1,144 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOJ . 1,023 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCOg) . . 0,01683 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) 0,008844 

Calciumhydrophosphat (CaHPOJ . 0,001110 

Calciumhydroarsenat (CaHAsOj) . . 0,000132 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03),J 0,6124 
Strontiumhydrokarbonat 

[Sr(HC03)j] 0,000447 

Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC0g)2] 0,4677 

Ferrohydrokai;bonat [Fe(HC03)j] . . 0,02814 
Manganohydrokarbonat 

pyin(HC03)2] 0,002034 

Borsäure (meta) (HBO,) 0,01019 

Kieselsäure (meta) (HjSiOj) 0,02377 

4,946 

{1768 ccm bei 
22,1° und 
7 60 mm Druck. 



Die Summen der gelösten festen Bestandteile betragen 4,1 g 
imd 4,9 g, wobei Natrium-, Hydrokarbonat- , C!hlor- imd 
Sulfat-Ionen vorwalten. Die Mengen des freien Kohlendioxyds 
betragen 3,1 g und 3,2 g. Danach und mit Rücksicht auf ihre 
Temperatur sind beide Quellen als „warme alkalisch-muria- 
tisch-salinische Säuerlinge" zu bezeichnen. 

Das Bohrloch des „Sprudels" ist bis zur Tiefe von 285 m 
mit verzinnten Kupferröhren verrohrt, das der „Kaiser-Ruprecht- 
Quelle" mit Messingröhren. Die letztere ist zudem in den 
oberen 74 m zwischen den zum Schutze der Messingröhre 
stehengebliebenen Eisenröhren und der Gebirgswand abzemen- 



tiert. — Der „Sprudel" springt kontinuierlich, die „Kaiser- 
Ruprecht- Quelle" ist mit einer Tiefpumpeinrichtung versehen. 
Das Wasser des „Sprudels" wird teils in natürüchem ZustEinde 
als Heüwasser, teUs nach Enteisenung und Filtration in 
geschlossenen Apparaten und Übersättigen mit der Quelle 
entstammender Kohlensäure als Tafelwasser versandt (1903: 
4 931524; 1904: 5 721813; 1905: 6 904 835 Gefäße). Daa 
Wasser der „Kaiser- Ruprecht -QueUe" kommt seit 1904 aus- 
schüeßUch in natürlichem Zustande zum Versand (1905: 
12481 Flaschen). Die Quellen gehören der Firma „Rhenser 
Mineralbrunnen Fritz Meyer & Ctomp." 



G6GJSG6G6G6G6QSG?SG6aSG6föG6G6G6 Roisdorf iSOiiOiSOisO^^iSO^^iSOiiO^iSD^^ 

Bei Roisdorf im Regierungsbezirk Cöln der Rheinprovinz Dissertation 1774). Im 18. Jahrhundert wurde dieses Wasser 

(Station der linksrheinischen Eisenbahn Cöln— -Frankfurt a. M.) schon in großen Mengen nach Holland imd Rußland versandt, 

entspringt im Diluvium des Rheintales eine Mineralquelle, die Die QueUe ist in einem 4— 5 m tiefen Steinschacht mit 

tiefliegenden, unterdevonischen Schichten entstammt und ver- KieseinfüUung aus dem 18. Jahrhundert gefaßt und liefert 

muüich schon den alten Römern bekannt war (Dr. KauMen, täghch etwa 384 hl Wasser. 

Analyse Analytiker: Th. Schumacher 1901^). 

(aus den Einzelbestandtcilen berechnet). Spezifisches Gevncht: 1,0037 bei 11,8°, bezogen auf Wasser von 4°. 
^ ' Temperatur: 11,8 . 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: . . ^ Miiu- MUiigramm- 

,,.,,. -,.,,. ATlI OIieil ). Gramm Mol Äquivalente 

-rw Ä* •>\ Mim- Milligramm- ^, , ^ ,,^.. 

Kationen^). Gramm Mol Äquivalente Chlor-Ion (Cl') 1,118 31,52 31,52 

Natrium-Ion (Na-) 1,230 53,36 53,36 Sulfat-Ion (SO/') 0,3141 3,270 6,540 

Calcium-Ion (Ca-) 0,1118 2,788 5,576 Hydrokarbonat-Ion (HCO^') 1,748 28,66 28,66 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,08782 3,605 7,210 ' ^;615 123;4Ö 66772 

Ferro-Ion(Fe").. 0,00078 0,014 0,028 Kieselsäure (meta) (H,Si03). 0,012 0,16 

Aluminium-Ion (AI-) .... 0,0049 0,18. 0,55 ' ' ^ " 4627 12356 

' Freies Kohlendioxyd (CO,) . 1,919 43,61 

») Manuskript. ») Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 6,546 167,17 



110 



Das ÄOneralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Natriumchlorid (NaO) 1,844 

Natriumsulfat (Na,SO,) 0,4261 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOa) 1,332 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03),] 0,4520 

Magnesimnhydrokarbonat []Mg(HC03)j] 0,5277 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC08),] 0,0025 

*) TgL ehem. Einleitaiig Abschn. B.2.C. 



Gramm 

Aluminiumsulfat [Alj(SOJ„] .... 0,031 
Kieselsäure (meta) (6,810,) 0,012 



4,627 
Freies Kohlendioxyd (CO,) 1,919 



6,546 



1 022 ccm bei 

11,8° und 
7 60 nun Druck. 



Ältere Analysen; G. Bischof 1824 und 1825 (bei B. M. Lersch, 
Einleitung in die Mineralquellenlehre Bd. 2 S. ir)2fl. Erlangen 1860). M. 
Freitag 1876 (Roisdorfer Mineralquelle. Ihre Bestandteile und Heilkräfte. 
Roisdorf o. J.). 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
4,6 g, wobei Natrium-, Chlor- und Hydrokarbonat-Ionen vor- 
walten, letztere beiden in annähernd äquivalenter Menge; da 
etwa 1,9 g freies Kohlendioxyd vorhanden sind, so ist die 
Quelle als „alkalisch-muriatischer Säuerling" zu 
bezeichnen. 

Das Wasser wird nur versandt, im ganzen ungefähr 
3500 000 Gefäße jährlieh, und zwar zum kleineren Teile un- 
verändert zu Trinkkuren, zum größeren Teile korrigiert als 



Tafelwasser, nachdem es der Enteisenung (in einem Riesol- 
zylinder mit Koksfüllung), der Filtration (durch ein Berke- 
feld-Filter) imd der Imprägnierung mit Kohlensäure (in NoU- 
schen Rieselapparaten) teils aus der eigenen Quelle, teils 
mit Mofettenkohlensäure aus Burgbrohl, unterzogen worden 
ist. — Die Quelle ist im Besitz des Fürsten Sabn-Eeiffer- 
scheidt-Dyck zu Schloß Dyck bei Grevenbroich und ist an die 
Firma „Roisdorfer Brunnenverwaltung, W. Custor" verpachtet 



G6G6C;6G6G6C6G6C6C5SC:6C6G5SC6 Bad Salzbrunn öo^^^^^^^^^^^^ 



Bad, zum Dorfe Ober-Salzbrunn (6996 Einwohner) gehörig, 
im R^erungsbezirk Breslau der Provinz Schlesien , liegt an den 
Ausläufern des Waldenburger Gebirges 407 m ü. M. in einem 
langgestreckten, 350 m breiten, von 8W nach NO streichenden 
Tale, umgeben von bewaldeten Bergen, die im „Hochwald" 
mit 834 m ihre höchste Erhebimg erreichen. — Station der 
Bahnlinie Breslau — Halbstadt. 

Klima. Mittlere Morgen-, Mittag- und Abendtemperaturen 
nach sechsjährigem Durchschnitt (1899 — 1905 ohne das Jahr 
1902): 



Mai 


10,9° 


16,2° 


9,9° 


Juni 


15,1° 


19,4° 


13,2° 


Juli 


17,6° 


22,7° 


15,5° 


August 


15,5° 


21,3° 


14,1° 


September 


11,8° 


17,0° 


11,1° 


Oktober 


7,0° 


11,3° 


6,9°*) 



Mittlere jährliche Niederschlagshöhe nach zehnjährigem Durch- 
schnitt (1888—1897): 656 mm"). 

Heilquellen. 1. „Oberbrunnen", 2. „Mühlbrunnen", 3. 
„Luisenquelle", 4. „Kronenquelle", 5. die Quellen des „Kramer- 

*) Angaben der Badedirektion. 
*•) ProTini-Eegenkarte. 



bades" (Laubenbrunnen, Wandbrunnen, Badehausbrunnen und 
Kellerbrunnen), 6. „Heilbnmnen", 7. „Wiesenbrunnen", 8. die 
drei „Sonnenbrunnen", 9. „Wilhelmsquelle", 10. „Marthaquclle". 
Der „Oberbrunnen", seit ältester Zeit als „Salzbrunnen" bekannt, 
woher der Ort seinen Namen empfangen hat, wurde als Heil- 
quelle 1621 von dem Arzte Kaspar Schwenkfeld erwähnt, geriet 
jedoch später in Vergessenheit; von 1776 an begann der Ver- 
sand des Wassers. Später wurden die andern Quellen bekannt, 
nämlich 1704 der „Heilbrunnen", 1750 der „Sauerbrunnen", 
1790 der „Mühlbrunnen", 1811 der „Heinrichsbrunnen" und 
der „Wiesenbnmnen", 1817 die vier Brunnen des Kramerbades, 
1818 die „Kronenquelle", 1820 die „Sonnenbrunnen", um 18.^33 
die „Wilhelmsquelle" bei Kolonie Sandberg, 1867 die „Luisen- 
quelle", 1904 die „Marthaquelle". 1812 kam der erste Kurgast 
nach Salzbrunn. „Sauerbrunnen" und „Heinrichsbrunnen" 
werden seit 1820 nicht mehr verwendet. 

Die Quellen entstehen in ungefähr 150—200 m Tiefe. 
Der „Oberbrunnen" entspringt aus Grauwacke, die Quellen 2, 
3 und 4 aus Grauwackensandstein, 5 und 10 aus rotem Kon- 
glomerat; 6, 7 und 8 kommen von Felsen der Kulmformation 
durch das Alluvium. 



Analyse des „OberbrUimenS" (aus den Origlnalzahlen berechnet). 

Analytiker: R. Fresenius. 1881'). 

Spezifisches Gewicht: 1,00138 bei 22,5°, bezogen auf Wasser von 4°. 
Temperatur: 8,5° (R. Fresenius), 8,5—9,5° je nach der Jahreszeit (E. Dathe»). 
Ergiebigkeit: etwa 45 hl in 24 Stunden (R. Fresenius 1881). 
„ 72 „ „ „ „ (Büttner'). 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: Miiii- MiUi^mm- 

Gramm Hol Äquivalente 

Kationen'). Gt«mi. Mol' ^ÄqÄS^ Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,08992 3,691 7,383 

Kalium-Ion (K-) 0,02373 0,6062 0,6062 Ferro-Ion (Fe-) 0,001996 0,0357 0,0714 

Natrium-Ion (Na-) 0,8816 38,25 38,25 Mangano-Ion (Mn-) 0,000296 0,0054 0,0108 

Lithium-Ion (Li-) 0,001553 0,2209 0,2209 52,68 

Ammonium-Ion (NH.-) . . . 0,000174 0,0096 0,0096 

Ooloiiim T^n /■r>«..\ r\inin o /\;i/\ o /vo< ') Chemische Analyse des Oberbrunnens m Salzbrunn in Schlesien. 

^aicium-ion i^a ) 0,1219 3,040 6,081 Wiesbaden 1882. •) E. Dathe, Die Salzbrunner MineralqueUen in ihren 

Htrontium-lon (Sr-) 0,002020 0,0231 0,0461 geologischen Bedehungen. Berlin 1901. ') Vgl. ehem. Einleitimg Abschn. A. 



— 111 



Anionen '). 

Nitrat-Ion (NO,') 

Chlor-Ion (Gl') 

Brom-Ion (Br) 

Jod-Ion (J') 

Sulfat-Ion (SO;') 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 
Hydrokarbonat-Ion (HCO3') . 





Milli- 


Milligramm- 


Gramm 


Mol 


Äquivalente 


0,004429 


0,0714 


0,0714 


0,1071 


3,020 


3,020 


0,000607 


0,0076 


0,0076 


0,000004 


0,00004 


0,00004 


0,3390 


3,530 


7,059 


0,000043 


0,0004 


0,0009 


2,594 


42,52 


42,52 



4,168 



95,03 



52,68 



Kieselsäure (meta) (H^SiOg) . 0,03992 0,5091 



4,208 95,54 

Freies Kohlendioxyd (CO^) . 1,877 42,67 



6,085 138,21 

Daneben Spuren von Baryum-, Aluminium-Ion, Borsäure. 

Gefrierpunkt: — 2,30° (Probe nicht identisch). 
F. Jüttner'). 

Spezifische elektrische Leitfähigkeit (in reziproken 
Ohm pro cm- Würfel) x = 0,004012 (ohne Temperatiirangabe). 
(Probe nicht identisch.) F. Jüttner"). 



Ältere Analysen: Struve(l)ei J. F. Simon, Die Heilquellen Europas 
8. 208. Berlin 1839). Fischer 1821, 1828, 1850 (bei B. M. Lersch, Ein- 
leitung in die Mineralquellenlehre Bd. 2 S. 1535. Erlangen 18G0). W. Valen- 
tiner 18ÜU (Journal f. prakt. Chemie 1866 Bd. 99 S. 91). Ziureck 1869 
(bei Th. Valentiner, Bahieotherapie S. 142. Berlin 1873). 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält*): 



Kaliumnitrat (KNO,) 

KaHumchlorid (KCl) 

Natriumchlorid (NaCl) 

Natriumbromid (NaBr) 

Natriunijodid (NaJ) 

Natriumsulfat (Na^SO^) 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOg) 
Lithiiunhydrokarbonat (LiHCOj) . 
Ammoniumchlorid (NH^Cl) .... 
Calciumhydrophosphat (CaHPOi) . 
Calciumhydrokarbonat [Ca(HC0,)2 
Strontiumhydrokarbonat 

[Sr(HC03)J 

Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03),] 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03),] . 
Manganohydrokarbonat 

[Mn(HC03),] 

Kieselsäure (meta) (HjSiOj) .... 



Freies Kohlendioxyd (CO^) 



Gramm 
0,007224 
0,03990 
0,1448 
0,000782 
0,000005 
0,5018 
2,413 
0,01503 
0,000516 
0,000061 
0,4928 

0,004834 

0,5403 
0,006354 

0,000953 

0,03992 

4,208 

1,877 = 
6,085 



!8,3 ccm bei 
8,5° und 
7 60 mm Druck. 



') Vgl. ehem. Einleitung Abschnitt A. *) Vgl. ehem. Einleitung Ab- 
schnitt B.2.C. =) Der Oberbrunnen in Bad Salzbrunn 1601—1901 S. 22. 
Breslau 1901. «) a. a. O. 8. 27. 



Analyse des „MÜhlbrUnnenS" (aus den Elnzelbestandteilen berechnet). 

Analytiker: B. Wagner. 1903'). 

Spezifisches Gewicht: 1,00282 bei 7,5°, bezogen auf unbekannte Einheit. 

Temperatur: 8,0°. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen^). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,00739 

Natrium-Ion (Na-) 0,632 

Lithium-Ion (Li-) 0,000748 

Calcium-Ion (Ca-) 0,139 

Strontium-Ion (Sr--) 0,00118 

Magnesium-Ion (Mg--) .... 0,0960 

Ferro-Ion (Fe-) 0,00155 

Mangano-Ion (Mn--) 0,00294 

Aluminium-Ion (AI-) .... 0,000318 

Anionen'). 

Nitrat-Ion (NOg') ....... 0,000689 

Chlor-Ion (CF) 0,0560 

Sulfat-Ion (SO/') 0,216 

Hydrokarbonat-Ion (HCOs') 2,24 



Milli- 


Milligramm- 


Mol 


Äquiyalente 


0,189 


0,189 


27,4 


27,4 


0,106 


0,106 


3,48 


6,95 


0,0135 


0,0270 


3,94 


7,88 


0,0278 


0,0556 


0,0535 


0,107 


0,0117 


0,0352 




42,7 


0,0111 


0,0111 


1,58 


1,58 


2,25 


4,50 


36,7 


36,7 



Kieselsäure (meta) (ILSiOg) 
Freies Kohlendioxyd (COj) 



3,39 
0,0389 



75,8 
0,497 



42,8 



3,43 
1,40 



76,3 
31,7 



4,83 108,0 

Daneben Spuren von Ammonium-, Brom-, Jod-, 
phosphat-Iou. 



Hydro- 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Kaliumnitrat (KNO3) 0,00112 

Kaliumchlorid (KCl) 0,0133 

Natriumchlorid (NaQ) 0,0820 

Natriumsulfat (Na^SOJ 0,317 



Natriumhydrokarbonat (NaHCOg) 
Lithiumhydrokarbonat (LiHCOj) . . 
Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03)2] 
Strontiumhydrokarbonat[Sr(HC03)2] 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03),] 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03),] . . 
Manganohydrokarbonat[Mn(HCOj),] 
Aluminiumsulfat [AL,(S04)3] .... 
Kieselsäure (meta) (HjSiOg) .... 



1,81 

0,00724 
0,564 
0,00283 

0,577 

0,00495 

0,00947 

0,00201 

0,0389 

3,43 



Freies Kohlendioxyd (COJ 1,40 



4,83 



4 



734 ccm bei 

8,0° und 

760 mm Druck. 



Altere Analysen: Fischer 1814, 1828, 1850 (bei B. M. Lersch, 
Einleitung in die Mineralquellenlehre Bd. 2 S. 1536. Erlangen 1860). W. 
Valentiner 1866 (Journal f. praktische Chemie 1866 Bd. 99 S. 91). 



J) Manuskript. ') Vgl. ehem. Einleitung Abschu. A. 
Einleitung Abschu. B.2.C. 



s) Vgl. ehem. 



112 — 



Analyse der „Liiisenquelle" (aus der 

Analytiker: Ziu 
In 1 Kilogramm des Mineralwassere sind enthalten: 

Milli- Milligramm- 

Eationen '). Gnunm Mol Äquiralente 

Kalium-Ion (K-) 0,0011 0,029 0,029 

Natrium-Ion (Na-) 0,5659 24,55 24,55 

Lithium-Ion (Li-) 0,00099 0,14 0,14 

Calcium-Ion (Ca-) 0,1521 3,793 7,587 

Magnesium-Ion (Mg--) .... 0,1166 4,788 9,575 

Ferro-Ion (Fe--) 0,0107 0,192 0,384 

. . ^ 42,27 
Amonen ^. 

Chlor-Ion (Cl') 0,06216 1,754 1,754 

Sulfat-Ion (SO«") 0,2726 2,838 5,677 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') . 2,125 34,84 34,84 

3,307 72,92 42,27 
Kieselsäure (meta) (HjSiOj). 0,0508 0,647 

3,358 73,57 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 1,264 28,74 

4,622 102,31 
Daneben Spuren von Strontiimi-Ion. 



SalztabeUe berechnet). 

reck. 1869'). 

Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,0021 

Natriumchlorid (NaCl) 0,1009 

Natriumsulfat (Na,SO<) 0,4035 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOs) 1,442 

Liihiumhydrokarbonat (LiHCO,) 0,0096 

Calciumhydrokarbonat [Ca^HCOjlj] 0,6150 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HC03)j] 0,7008 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC08)j] 0,0342 

Kieselsäure (meta) (H^SiO,) 0,0508 

3^9 

Freies Kohlendioxyd (CO.) 1,264 

4,623 



») Th. Valentiner, Handbuch der Balneotherapie 8. 142. Berlin 1873. 
*) Vgl, ehem. Einleitung Äbschn. A, ') Vgl. ehem. Einleitung Absehn. B.2.C. 



Analyse der „Kronenquelle" (aus den OrfginalzaMen berechnet). 

Analytiker: Th. Poleck. 1880'). 

Spezifisches Gewicht: 1,00216 (ohne Temperaturangabe). 

Temperatur : 1 ,5°. 

Ergiebigkeit: 120 hl in 24 Stunden. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers 

Kationen'). Gnunm 

KaUum-Ion (K-) 0,01836 

Natrium-Ion (Na-) 0,3212 

Lithium-Ion (Li-) 0,001170 

Calcium-Ion (Ca--) 0,1754 

Strontium-Ion (Sr-) 0,001180 

Magnesium-Ion (Mg--) .... 0,06732 

Ferro-Ion (Fe--) 0,002601 

Mangano-Ion (Mn--) 0,000567 

Aluminium-Ion (AI-) .... 0,000330 



Anionen "). 

Chlor-Ion (O!) 0,03582 

Sulfat-Ion (SO/') 0,1441 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,000284 
Hydrokarbonat-Ion (HCO,') 

Kieselsäure (meta) (HjSiOj) 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 

3,909 85,56 

Daneben Spuren von Baryum-, Nickel-, Brom-, Jod-Ion, 
Borsäure, organischen Substanzen. 

Gefrierpunkt: — OjlS.")" (Probe nicht identisch, Versand- 
wasser). v. Kostkewicz. 



sind enthalten: 


MilU- 


Milligramm- 


Mol 


Äquivalente 


0,4690 


0,4690 


13,93 


13,93 


0,1664 


0,1664 


4,374 


8,748 


0,0135 


0,0269 


2,764 


5,527 


0,0465 


0,0931 


0,0103 


0,0206 


0,0122 


0,0366 




29,02 


1,010 


1,010 


1,500 


3,001 


0,0030 


0,0059 


25,01 


25,01 



1,526 


25,01 25,01 


2,294 
0,04497 


49,31 29,03 
0,5735 


2,339 
1,570 


49,88 
35,68 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 


ungefähr einer Lösung, welche in 1 


Kilogramm enthält"): 




Gramm 


Kaliumchlorid (KG) 


0,03499 


Natriumchlorid (NaCl) 


0,03167 


Natriumsulfat (Na,SOJ 


0,2111 


Natriumhydrokarbonat (NaHCOg) . 


0,8762 


Lithiumhydrokarbonat (liHCOs) . . 


0,01132 


Calciumhydrokarbonat [Ca(HCO,),l 


0,7091 


Strontiumhydrokarbonat[Sr(HCO,),] 


0,002823 


Magnesiumhydrokarbonat 




[Mg(HC08)j] 


0,4045 


Ferrohydrokarbonat [Fe(HCO,),] . . 


0,008279 


Manganohydrokarbonat[Mn(HCO,),] 


0,001825 


Aluminiumhydrophosphat 




[Al,(HP04)a] 


0,000338 


Aluminiumsulfat [A1,(S04)5] - - - - 


0,001750 


Kieselsäure (meta) (H,SiO,) .... 


0,04497 




2,3389 




f 832,5 ccm bei 


Freies Kohlendioxyd (CO,) 


1,570 = 1 10,5° und 




3 909 l ' ö" nun Druck. 



Altere Analyse: Ziureck 1879. 



') Chemische Analyse der Kronenquelle ni Salibrunn in Schlesien. 
Breslau 1882. «) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. ») Vgl. ehem. Ein- 
leitung Absehn. B.2.e. 



Bei diesen vier Quellen betragen die Summen der gelösten 
festen Bestandteile 4,2 g bis 2,3 g, die Mengen des freien Kohlen- 
dioxyds 1,9 g bis 1,3 g. Unter den Anionen waltet Hydro- 
karbonat, unter den Kationen Natrium, daneben auch Calcium 



und Magnesium vor. Die Quellen sind danach „alkalische 
Säuerlinge" und nähern sich (insbesondere die drei letzteren) 
den „alkalisch -erdigen Säuerlingen". Bemerkenswert ist bei 
der „LuisenqueUe" ein Gehalt von etwa 11 mg Eisen. 



113 — 



Analyse der „Marthaquelle" 

Analytiker: H. Erdmann. 
Spezifisches Gemcht: 1,0032 bei 17' 
Temperatur: 8,3°. 
Ergiebigkeit: 62 hl in 24 Stunden. 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Kationen '). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,0366 

Natrium-Ion (Na-) 0,6917 

Lithium-Ion (Li-) 0,00174 

Calcium-Ion (Ca") 0,1574 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,09145 

Ferro-Ion (Fe") 0,00694 

Anionen'). 

CMor-Ion (G') 0,0248 

Brom-Ion (Br) 0,00072 

Sulfat-Ion (SO/') 0,2425 

Hydrokarbonat-Ion (HCOj') 2,504 



MiUi- 


Milligramm- 


Mol 


Aqiiiraleute 


0,936 


0,936 


30,01 


30,01 


0,247 


0,247 


3,924 


7,849 


3,754 


7,508 


0,124 


0,248 




46,80 


0,701 


0,701 


0,0090 


0,0090 


2,525 


5,050 


41,04 


41,04 



(aus der SalztabeUe berechnet). 

1905'). 

bezogen auf unbekannte Einheit. 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält"): 

Gramm 

Kaiiumchlorid (KCl) 0,0523 

KaHumsuKat (K^SOJ 0,0205 

Natriumbromid (NaBr) 0,00093 

NatriumsuHat (Na,SOJ 0,3422 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOa) . . . 2,117 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCOa) ... 0,0168 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03)j] . . 0,6362 

Magnesiumhydrokarbonat [MgfHCOj).,] 0,5495 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03)2] . .'. 0,0221 

Kieselsäure (meta) (H,SiOs) 0,0446 

3,802 



Kieselsäure (meta) (H^SiOg) 
Freies Kohlendioxyd (CO,) 



3,7.58 
0,0446 



83,27 
0,568 



46,80 



3,802 
0,9507 



83,84 
21,61 



4,753 105,45 

Daneben Spuren von Mangano-Ion. 

Gefrierpunkt: — 0,185° (identischeProbe).H.Erdmann. 

Spezifische elektrische Leitfähigkeit (in reziproken 
Ohm pro cm- Würfel) >; = 0,002986 bei 18° (identische Probe). 
H. Erdmann. 



Freies Kohlendioxyd (COJ 0,9507 

4,753 



500,1 ccm 

bei 8,3° u. 

760 mm 



1000 ccm des der Quelle frei entströmenden Gases 
bestehen aus: ccm 

Kohlendioxyd (COJ 983,3 

Stickstoff (Nj) 16,7 

Daneben Spuren von Edelgasen. 

^J Gutachten von Professor Dr. Hugo Erdmann über die Marthaquelle 
auf dem Gnmdstück Wühelmshof zu Ober-Salzbrumi (Bad Salzbrunn) in 
Schlesien. Salzbrunn (ohne Jahr). ^j Vgl. ehem. Einleitung Äbscbn. A. 
*) Vgl. ehem. Einleitimg Abschn. B.2.C. 



Analyse der „WillielniSquelle" (aus den Onginalzahlen berechnet). 

Analytiker: Th. Poleck. 1887 '). 
Temperatur: 7,5°. 
Ergiebigkeit: 208,6 hl in 24 Stunden. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

Kationen^). Gramm 

KaUum-Ion (K-) 0,006575 

Natrium-Ion (Na-) 0,3176 

Lithium-Ion (Li-) 0,000792 

Ammonium-Ion (NH^-) . . . 0,000212 

Calcium-Ion (Ca") 0,07243 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,02592 

Ferro-Ion (Fe--) 0,004480 

Mangano-Ion (Mn--) 0,000900 

Aaionen'). 

Chlor-Ion (C!) 0,03149 

Sulfat-Ion (SO/') 0,1957 

0,9179 



Hydrokarbonat-Ion (HCO3') . 
Kieselsäure (meta) (HjSiOa) . 
Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



Milli- 


Milligramm- 


Mol 


Äquivalente 


0,1679 


0,1679 


13,78 


13,78 


0,1126 


0,1126 


0,0117 


0,0117 


1,806 


3,612 


1,064 


2,128 


0,0801 


0,1603 


0,0164 


0,0327 




20,01 


0,8882 


0,8882 


2,037 


4,074 


15,05 


15,05 



1,5740 
0.0331 1 



35,01 
0,4222 



20,01 



1,6071 
0,5553 



35,44 
12,62 



2,1624 48,06 
Daneben Spuren von Ammonium-, Nickel-, Nitrat-, 
Brom-, Jod-, Hydrophosphat-Ion, organischen Substanzen. 

Die Summen der gelösten festen Bestandteile betragen bei 
diesen beiden Quellen 3,8 und 1,6 g, wobei Natrium- und Hydro- 
karbonat - Ionen vorwalten. Der Gehalt an freiem Kohlen- 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält^): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,01253 

Natriumchlorid (NaCl) 0,04145 

Natriumsulfat (Na^SOJ 0,2895 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOj) . 0,7564 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCOg) . . 0,007663 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) 0,000627 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03)2] 0,2928 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03)J 0,1558 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03)2] . . 0,01426 
Manganohydrokarbonat 

[Mn(HC03)J 0,002896 

Kieselsäure (meta) (H^SiOs). . . . . 0,03311 

1,6070 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 0,5553 : 

2,1623 



291,3 ccm bei 

7,.5° und 
760mmDruck. 



') Analyse der Wilhelmsquelle in Ober-Sal^brunn. Breslau 1888. ') Vgl. 
ehem. Einleitung Abschn. A. ■) Vgl. chera. Einleitimg Abschn. B.2.C. 

dioxyd liegt unter 1 g; beide Quellen sind daher „alkalische 
Quellen-', doch steht die „Marthaquelle" den „alkalischen 
Säuerlingen" noch sehr nahe. 

8 



— 114 



Analyse des „Kramerbrunnens" (aus der saiztabeue berechnet). 

Analytiker: Heller. 1831'). 



In 1 Kilogramm des Mineralwassere sind enthalten: 

Milli- Milligramm- 
Mol Äquivalente 

1,92 



Kationen ^). 

Natrium-Ion (Na-) 

Caleium-Ion (Ca") 

Magnesium-Ion (Mg") .... 

Ferro-Ion (Fe") 

Aluminiiun-Ion (AI"') .... 

Anionen '). 

Chlor-Ion (CT) 

BuKat-Ion (SO/') 

Hydroph08phat-Ion (HPO/') 
Hydrokarbonat-Ion (HCOj'). 

Käeselsäure (meta) (HjSiOa). 

Freies Kohlendioxyd (COj) . 



Gramm 
0,0442 
0,06597 
0,06897 
0,0192 
0,0236 

0,0418 
0,0472 
0,0537 
0,6641 



1,0287 
0,0318 



1,0605 
0,218 



1,92 

1,645 

2,831 

0,343 

0,870 

1,18 
0,491 
0,559 
10,89 



20,73 
0,406 



21,13 
4,96 



3,290 
5,662 
0,685 
2,61 
14,17 

1,18 
0,983 
1,12 
10,89 



14,17 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält*): 

Gramm 

Natriumchlorid (NaCl) 0,0392 

Natriumhydrokarbonat (NaHCO.,) 0,105 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC0,,)3] 0,2667 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HC05),] 0,4144 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HCO.,),,] 0,0610 

Aluminiumhydrophosphat [Al,(HPOJj] 0,0638 

Aluminiumchlorid (AlCL,) 0,0227 

Aluminiumsulfat [ALj(S0j3j 0,0561 

Kieselsäure (meta) (H^SiO,) 0,0318 

1,060 

Freies Kohlendioxyd (CO^) 0,218 



1,278 



1,279 



26,09 



') B. M. Lersch, Einleitung in die Mineralquellenielire Bd. 2 S. 1B35. 
Erlangen 1860. *) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. ») Vgl. ehem. Ein- 
leitung Abschn. B.3.C. 



Analyse des „Heilbrunnens" (aus der saizubeue berechnet). 

Analytiker: W. Valentiner. 1859'). 



In 1 Kilogramm des Mineralwassera sind enthalten: 



Kationen '). Gramm 

Natriimi-Ion (Na-) 0,113 

Calcium-Ion (Ca-) 0,0917 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,010 

Ferro-Ion (Fe") 0,011 

Anionen '). 

Chlor-Ion (Cl') 0,017 

Sulfat-Ion (SO/') 0,044 

Hydrokarbonat-Ion (HCO/) 0,566 



MiUi- 
Mol 


Milligramm- 
Äquivalente 


4,90 


4,90 


2,29 


4,58 


0,42 


0,83 


0,19 


0,38 




10,69 


0,49 


0,49 


0,46 


0,92 


9,28 


9,28 



0,853 18,03 

Freies Kohlendioxyd (COj) . 0,364 8,28 



10,69 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält '): 

Gramm 

Natriumchlorid (NaCl) 0,029 

Natriumsulfat (Na,SOj) 0,065 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOJ 0,293 

Calciumhydrokarbonat [Ca(aCoX] 0,371 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HC03),] 0,061 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03).J 0,034 



0,853 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 0,364 



1,217 



1,217 



26,31 



') Die Heilung der Limgenkrankheiten chronischen Verlaufes zu Obcr- 
Salzbnmn in Schlesien. S. 6. 1869. ') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 
5) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 



Analyse des „Wiesenbrunnens" (aus der saktabeiie berechnet). 

Analytiker: W. Valentiner. 1859^). 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen '). Gramm 

Natrium-Ion (Na-) 0,127 

Calcium-Ion (Ca--) 0,0850 

Magnesium-Ion (Mg--) .... 0,012 

Ferro-Ion (Fe-) 0,0063 

Anionen '). 

Chlor-Ion (Cl') 0,018 

8uIfat-Ion (SO/') 0,055 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') . 0,569 



Freies Kohlendioxyd (CO,) 



0,872 
0,246 



MiUi- 


Milligramm- 


Mol 


Aquimlente 


5,53 


5,53 


2,12 


4,24 


0,49 


0,99 


0,11 


0,22 




10,98 


0,51 


0,51 


0,57 


1,1 


9,33 


9,33 



18,66 
5,58 



10,9 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

Natriumchlorid (NaCl) 0,030 

Natriumsulfat (Na,S04) 0,081 

Natriimihydrokarbönat (NaHCUJ 0,326 

Calciumhydrokarbonat [Ca(iiC0S-i] 0,343 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HC03)jJ 0,072 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03)j] . . ." 0,020 

0,872 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 0,246 

1,118 



1,118 



24,24 



*) Die Heilung der Lungenkrankheiten chronischen Verlaufes zu Ober- 
Salzbrunu in Schlesien. 8. 6. 1869. ') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 
') Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 



— 115 



Analyse des „Sonnenbrunnens" (aus der saiztabeiie berechnet). 

Analytiker: Fischer. 1825'). 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 



Kationen -). Gramm 

Natrium-Ion (Na-) 0,0253 

Calcium-Ion (Ca-) 0,0625 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,0047 

Ferro-Ion (Fe-) 0,0258 

Anionen -). 

Chlor-Ion (Cl') 0,0157 

Sulfat-Ion (SO/') 0,0237 

Hydrokarbonat-Ion (HCO/) 0,2800 

Kieselsäure (meta) (H^SiOg) 
Organische Substanzen . . 

Freies Kohlendioxyd (CO.J 

" 0,621 



Milli- 
Mol 

1,10 

1,56 


Milligramm- 
Äquivalente 

1,10 
3,12 


0,19 
0,461 


0,39 
0,922 




5,53 


0,444 
0,247 
4,590 


0,444 
0,494 
4,590 



0,4377 


8,59 


5,528 


0,0659 
0,010 


0,841 




0,514 


9,43 




0,1072 


2,436 





Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält^): 

Gramm 

Natriumchlorid (NaCl) 0,0260 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,0351 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOj) 0,0136 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03).,] 0,253 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HC03)2] 0,028 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03)2] 0,0820 

Kieselsäure (meta) (H^SiO,) 0,0659 

Organische Substanzen 0,010 

0,514 

Freies Kohlendioxyd (CO.^) 0,1072 

0,621 



') J. F. Simon, Die Heilquellen Europas S. 210. Berlin 1839. ») Vgl. 
ehem. Einleitung Abschn. A. ^) Vgl. ehem. Einleitimg Abschn. B.2.C. 



11,87 



Bei den letzgenannten vier Quellen beträgt die Summe 
der gelösten festen Bestandteile etwa 1 g und weniger; sie 
sind daher als ,, einfache kalte Quellen" zu bezeichnen. 
Bemerkenswert ist ihr Eisengehalt von 6 — 26 mg. 

Die Quellen sind als Schachtbrunnen gefaßt. Zu Trinkkuren 
am Ort werden hauptsächlich der „Oberbrunnen" und die „Kronen- 
quelle" gebraucht. Vom „Oberbrunnen" wurden versandt 1903: 
1 237 000 ; 1904 : 1 277 000 ; 1905 : 1 291 790 Flaschen ; von der 
„Kronenquelle" 1903: 602493; 1904: 598672; 1905: .583261. 

Zu Bädern dienen ,, Luisenquelle", „HeUbrunnen" „Wiesen- 
brunnen", „Sonnenbrunnen" und die Quellen des „Kramer- 
bades"; zu Inhalationen (mit Apparaten für gemeinschaftUche 
und EinzeUnhalationen nach verschiedenen Systemen) „Ober- 
brunnen" und „MarthaqueUe", zu Nasen-, Rachen- und Kehl- 
kopfspülungen (in 2 Gurgelhallen mit 88 Abteilungen) der 
„Mühlbrunnen". 

Das alte Badehaus enthält 21, das neue 44 Zellen; weitere 
Badezellen befinden sich im „Kramerbad", im „Sonnenbad" 
und in verschiedenen Logierhäusern. Das Badewasser wird 
in den Wannen durch Vermischen mit heißem Süßwasser er- 
wärmt. Zahl der verabreichten Bäder, Duschen und Packungen 
1903: 27 979; 1904: 35 075; 1905: 31250. 

Sonstige Kurmittel: Künstliche Kohlensäurebäder. Moor- 
extraktbäder. Dampfbäder. Elektrische MehrzeUenbäder. Elek- 
trische Lichtbäder. Pneumatische und medikamentöse Inha- 
lationen (pneumatisches Kabinett mit 8 Einzelabteilungen). 



Sauerstoffinhalationen. Wasserheilverfahren. Mechanotherapie 
(Zander-Institut). Milch-, Molken- und Kefirkuren. Terrain- 
kuren (ohne besondere Einrichtungen). — Gedeckte Wandel- 
bahn. — Ausgedehnte Promenadenanlagen. 

Behandelt -werden: Katarrhe der Atmungsorgane, be- 
ginnende Lungentuberkulose, Emphysem, Bronchialasthma, 
Magengeschwür, chronischer Magen- und Dannkatarrh, Er- 
krankungen der Leber, Gallensteine, Nierenleiden, blennor- 
rhöische Zustände der Harnwege, Gries- und Steinbüdung, 
Gicht, überhaupt Harnsäure -Diathese, Zuckerharnruhr. 

11 Ärzte. — Kurzeit: 1. Mai bis Anfang Oktober. — 
Kurtaxe: 1 — 2 Personen 20 M., jede weitere Person 5 M., 
die Kur nicht gebrauchende FamiUenmitglieder 3 M. — Zahl der 
Besucher (ohne Passanten) 1903: 7272; 1904: 8234; 1905: 7613. 

AUgemeine Binriohtimgen : Trinkwasserversorgung durch 
Hochquellwasserleitung. — Beseitigung der Abfallstoffe durch 
Abfuhr (teils Gruben-, teils Tonnensystem). — Döckersche Baracke 
für 8 Kranke. Dampfdesinfektionsapparat. Formalindesinfek- 
tion. — Apotheke. — Stiftungen zur Unterstützung bedürftiger 
Kurgäste. — Die Mehrzahl der Quellen und die beiden Bade- 
häuser gehören dem Herzog von Pleß und werden von der 
HerzogUchen Brunnen- imd Badedirektion venvaltet. Die 
„KronenqueUe" gehört den Scheumannschen Erben, die „Sonnen- 
brunnen" dem Besitzer des „Hotels zur Sonne", Alfred Beyer, 
die Quellen des „Kramerbades" der Logierhausbesitzerin Frau 
Riedel (Vüla National), die „Marthaquelle" Fritz Bergmann. 



G6G6CjSG6DS(5SDSC5SCjSC:6G6G5SG6G6G6G6 Salzig ^^^^iSO^iiOiSOiSOiSOiSO^^i$0^^ 



Dorf mit 1503 Einwohnern im Regierungsbezirk Ctoblenz 
der Eheinprovinz , hegt 5 km oberhalb Boppard am Rhein. 
Station der linksrheinischen Eisenbahn Cöln— Frankfurt. 

Heilquellen. Eine Mineralquelle, welche salziges Wasser 
lieferte, wonach der Ort seinen Namen hat, versiegte im Jahre 



1882 infolge eines StoUenbaues. Nahe diesem Orte, 1100 m 
vom Eheinufer entfernt, wurde 1902 in einer Tiefe von 263 m 
in unterdevonischen Quarziten und Tonschiefem der „Salz- 
bom" erbohrt. Die Quelle ist mit Kupferrohren gefaßt imd 
fließt frei aus. 



116 



Analyse des „SalzbOm" (aus den Einzelbestandteilen berechnet). 

Analytiker: W. Sonne. 1903'). 

Spezifisches Gewicht: 1,0036 bei 15°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 18° (in 261 m Tiefe 31°). 

Ergiebigkeit: 350 hl in 24 Stunden. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers 

Kationen '). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,0700 

Natrium-Ion (Na-) 2,114 

Lithium-Ion (Li-) 0,0011 

Calcium-Ion (Ca-) 0,1957 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,0463 

Ferro-Ion (Fe-) . 0,0051 

Anlonen'). 

Chlor-Ion (Cl') 1,573 

Sulfat-Ion (SO/') 1,217 

Hydrokarbonat-Ion (HCO,') . 2,300 



sind enthalten: 


Milli- 


Milligramm- 


Mol 


AquiTalente 


1,79 


1,79 


91,72 


91,72 


0,15 


0,15 


4,881 


9,761 


1,90 


3,80 


0,092 


0,18 




107,40 


44,37 


44,37 


12,67 


25,34 


37,70 


37,70 



Kieselsäure (meta) (HjSiOg). 
Freies Kohlendioxyd (CO,) . 



7,522 
0,0236 



195,27 
0,301 



107,41 



7,546 
0,9639 



195,57 
21,91 



8,510 217,48 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
7,5 g, wobei Natrium-, Chlor-, Hydrokarbonat- imd Sulfat- 
Ionen vorwalten. Danach ist die Quelle als „alkalisch- 
muriatisch-salinische Quelle" zu bezeichnen. 

Eine zweite, 447 m tief erbohrte, zu Badezwecken be- 
stimmte Quelle ist in Kupferrohren gefaßt und liefert täglich 
etwa 3000 hl Therm alwasser, das am Ausflusse 30°, imten im 
Bohrloch 40° warm ist. 

Der Versand des „Salzboms" betrug im Jahre 1903 etwa 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält"): 

Gramm 

Kaüumchlorid (KCl) 0,133 

Natriumchlorid (NaCl) 2,491 

Natriumsulfat (Na^SOJ 1,801 

Natriumhyilrokarbonat (NaHCGj) . 2,000 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCOj). . 0,010 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03)2] 0,7912 
Magnesiumhydrokarbonat 

[Mg(HC03)J 0,278 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03)2] . . 0,016 

Kieselsäure (meta) (H^SiOg) 0,0236 



7,544 
Freies Kohlendioxyd (CO,) 0,9639 = 



>) Prospekt. ') Vgl. 
Einleitung Abschn. B.2.C. 



8,508 
ehem. Einleitung Abschn. 



524,7 com bei 

18,0° und 
760 mm Druck. 

•) Vgl. ehem. 



5500; 1904 etwa 10 500; 1905 über 150 000 Flaschen. — Kur- 
haus und Badeeinrichtungen sind im Bau. 

Behaxidelt werden: Katarrhe des Rachens, des Kehl- 
kopfes imd der Lungen, Magenkatarrh mit vermehrter Säure- 
bUdimg, Krankheiten der Nieren, der Blase und der Harnröhre, 
der Leber imd der Gallenwege, Gicht und Rheumatismus, 
Zuckerhamruhr. 

Die Quellen gehören der „Gewerkschaft Salzbom für 
Bergbau und Salinenbetrieb". 



c;6föC6C6C2SG6G6G6G6G6G6 Sulzbach in Baden iso^^iso^^öo^^^iso 



Bad bei Oberkirch im Kreise Offenburg im Großherzogtum 
Baden, nahe der Station Hubacker der Renchtalbahn Appen- 
weier— Oppenau, liegt 320 m ü. M., umgeben von Laub- imd 
Nadelwald, in einem sich von 8W nach NO erstreckenden, 
beiderseits von 500—600 m hohen Beigen des Schwarzwalds 



umschlossenen, gegen Nord-, Ost- und Westwinde geschützten 
50 — 150 m breiten Seitental des unteren Renchtals. 

Heilquellen. 2 Mineralquellen, seit dem 15. Jahrhundert 
bekannt, 1768 und 1780 neu gefaßt, entspringen an der Grenze 
des Granits gegen den Porphyr. 



Analyse der Hauptquelle (aus der SabtabeUe berechnet). 

Analytiker: R. Bunsen. 1863'). 

Spezifisches GSewicht: 1,0024 bei 14,1°, bezogen auf unbekannte Einheit. 

Temperatur: 20,0°. 

Ergiebigkeit: 360 hl in 24 Stunden. 

In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: , . ,, MUii- Miiiigramm- 

Anionen'). Gramm Mol Aqmvalente 

Kationen»). Gnmun Mo^" Ä^Si^' Chlor-Ion (CT) 0,09101 2,567 2,567 

KaUum-Ion (K-) 0,02186 0,5583 0,5583 Sulfat-Ion (SO/') 0,5581 5,810 11,62 

Natrium-Ion (Na-) 0,4788 20,77 20,77 Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,002408 0,0251 0,0502 

Ammonium-Ion (NH/) . . . 0.000378 0^0209 o',0209 Hydrokarbonat-Ion (HCO,') 0,8034 13,17 13,17 

Calcium-Ion (Ca-) 0,07426 1,852 3,704 2,0608 45,95 27,41 

Magnesium-Ion (Mg-) .... 0,02711 1,113 2,226 Freies Kohlendioxyd (CO,) . 0.311 7,07 

Ferro-Ion (Fe-) 0,003499 0,0626 0,1252 2,372 53^02 — 

— ^i,w Daneben Spuren von Lithium-, Mftngano-, Aluminium-, 

') Zeitschr. f. analytische Chemie 1871 Bd. 10 8. 436. >) Vgl. ehem. Hydroarsenat-Ion, Kieselsäure, organischen Substanzen, freiem 

Einleitung Abschn. A. Stickstoff. 



— 117 



Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält"): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KQ) 0,04165 

Natriumchlorid (NaCl) 0,1163 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,8259 

Natriumliydrokarbönat (NaHCOs) 0,6022 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) 0.001120 

Calciumhyclrophosphat (CaHPOJ 0,003414 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03)2] 0,2962 



Magnesiumhydrokarbonat Gramm 

[Mg(HC03),] 0>1629 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03)J . 0,01114 



Freies Kohlendioxyd (CO^) 



2,0608 
0,311 = 

2,372 



171 com bei 

20,0° und 

7 60 mm Druck. 



Ältere Analyse: W. L. Kölreuter 1836 (bei Heyfelder, Die Heil- 
quellen des Großherzogtums Baden S. 94. Stuttgart 1841). 



*) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. B.2.C. 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
2 g, wobei Natrium-, Hydrokarbonat- und Sulfat -Ionen vor- 
walten. Die Quelle ist danach eine „alkalisch-salinische", 
und zwar steht sie auf Grund ihrer Temperatur an der Grenze 
der warmen Quellen. 

Das Wasser wird teils an Ort und Stelle getrunken, teüs 
durch Holz- und Tonröhren 100 m weit ins Badehaus geleitet. 
Das Badewasser wird in einem großen Kessel erwärmt. Das 
Badehaus enthält 12 Zellen mit emaillierten Eisenwannen. 
Verabreicht wurden im Jahre 1903: 860; 1904: 765; 1905: 
680 Bäder. 

Die Mineralbäder werden auf Verlangen auch mit Dürr- 
heimcr oder mit Rheinfelder Sole vermischt gegeben. Außer 
zu Bade- und Trinkkuren wird das Wasser zu Gurgelungen 
gebraucht. 

Sonstige Kurmittel: Fichtennadelbäder. — Massage. — 



Terrainkuren (ohne besondere Einrichtung). — Milch-, Obst- 
imd Traubenkuren. — Gedeckte Halle. 

Behandelt vsrerden: Erkrankimgen des Nervensystems 
(Neurasthenie, Neuralgien, Hysterie, Hypochondrie, nervöse 
Schlaflosigkeit), Rheumatismus, Anämie und Chlorose, Kehl- 
kopf- und Bronchialkatarrhe nicht tuberkulöser Natur, Magen- 
und Darmkatarrhe mit Neigung zu Verstopfung, Erkrankungen 
der Leber und der Gallen wege, Stoffwechsel erkrankungen ; 
Schwächezustände nach erschöpfenden Krankheiten. 

Arzt in Oberkirch. — Kurzeit: Mitte Mai bis Mitte Ok- 
tober. — Kurtaxe wird nicht erhoben. — Zahl der Besucher 
(ohne Passanten) ijn Jahre 1903: 390; 1904: 520; 1905: 450. 

Allgemeine Einrichtungen : Trinkwasserversorgimg durch 
Quellwasserleitung. — Beseitigung der Abfallstoffe durch Ab- 
fuhr. — Apotheke 6 km weit entfernt. — Das Bad ist im 
Besitz der Frau L. Boersig Ww. 



G6G6G6C6GJSDSC2SG6C?5G6föG6G6föG6 Sulzmatt ^^^^^^^^^^^^^^^ 



Marktflecken mit 2619 Einwohnern bei GebweUer im Ober- 
Elsaß, liegt 285 m ü. M., in einem engen von W nach O streichen- 
den Tale; tlie lungebenden Höhen steigen bis 450 m an. 

Heilquellen. Mehrere Quellen, im Jahre 1272 in der 
Chronik der Stadt Thann erwähnt imd 1617 in der Abhand- 



limg eines Dr. Schönk als Heilwasser gepriesen, entspringen 
in der Talsohle in 2 — 7 m Tiefe aus alluvialem GeröU, unter 
dem Vogesensandstein durchzieht, und sind mit Haustein- 
fassungen versehen. 



Analyse der „Quelle Nessel I" (aus der SalztabeUe berechnet). 

Analytiker: H. Fresenius. 1903*). 

Spezifisches Gewicht: 1,00076 bei 14,7°, bezogen auf Wasser von 4°. 

Temperatur: 11,6°. 



In 1 Kilogramm des Mineralwassers sind enthalten: 

_. Milli- Milligramm- 
Kationen'). Gramm Mol Äquivalente 

Kalium-Ion (K-) 0,04809 1,228 1,228 

Natrium-Ion (Na-) 0,2947 12,78 12,78 

Lithium-Ion (Li-) 0,001384 0,1968 0,1968 

Ammonium-Ion (NH^-) . . . 0,000200 0,0111 0,0111 

Calcium-Ion (Ca") 0,1148 2,863 5,725 

Strontium-Ion (Sr") 0,000569 0,0065 0,0130 

Baryum-Ion (Ba") 0,000490 0,0036 0,0071 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,05361 2,201 4,401 

Ferro-Ion (Fe-) 0,001837 0,0329 0,0657 

Mangano-Ion (Mn-) 0,000064 0,0012 0,0023 

24,43 



Anionen^. ' 

Chlor-Ion (CT) 

Sulfat-Ion (SO;') 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 
Hydrokarbonat-lon (HCO3') . 

Borsäure (meta) (HBO,) . . . 
Kieselsäure (meta) (H^SiO^). 

Freies Kohlendioxyd (COJ . 



Gramm 


Milli- 
Mol 


Milligramm- 
Äquivalente 


0,03870 


1,092 


1,092 


0,07140 


0,7433 


1,487 


0,000668 


0,0070 


0,0139 


1,333 


21,84 


21,84 



1,960 

0,009219 

0,07460 



43,01 
0,2095 
0,9513 



24,43 



2,043 
1,835 



44,17 
41,71 



3,878 



85,88 



Daneben Spuren von Alu mini um-, Nitrat-, Brom-, Jod-Ion. 



') Manuskript (Privatmitteilung). 



') Vgl. ehem. Einleitung Abschn, A. 
8* 



— 118 



Das MineralwasBer entepiicht in seiner ZuBammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält'): 

Gramm 

KaUumcMorid (KCl) 0,08061 

Kaliumsulfat (K,SO,) 0,01289 

Natriumsulfat (Na,SOJ 0,09516 

Natriumhydrokarbonat (NaHCO,) 0,9621 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCOa) 0,01339 

Ammoniumchlorid (NH^Cl) 0,000594 

Calciumhydrophosphat (CaHPOJ 0,000947 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC03),] 0,4630 

Strontiumhydrokarbonat [SrCHCÖ,),] 0,001362 

Baryumhydrokarbonat [Ba(HC03),] 0,000924 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg{HC03)2] 0,3221 



Grmnin 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03)j] . • 0,005846 
Manganohydrokarbonat 

[MnCHCba),] 0,000205 

Borsäure (meta) (HBO^) 0,009219 

Kieselsäure (meta) (H^SiO^) 0,07460 

2,0429 jg„gg ^^^ ^j 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 1,835 = | 11,6° und 

3 878 [7 60 mm Druck. 

Ältere Analysen: Coze uiid Persoz (bei Heyfelder, Die Heil- 
quellen des Großherzogtums Baden 8. 151. Stuttgart 1841). B^champ 
1853 (Prospekt S. 12. Colmar 1899). 

^) Vgl. ehem. Einleitung Äbsclinitt B.2.c. 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt etwa 
2 g, wobei Hydrokarbonat- und Natrium -Ionen vorwalten; 



da etwa 1,9 g freies Kohlendioxyd vorhanden ist, so ist die 
Quelle ein „alkalischer Säuerling". 



Analyse der „Gemeindequellen" (aus der saiztabeiie berechnet). 

Analytiker: Barth und Mai. 1886'). 
In 1 Kilogramm des Mineralwassers 



Kationen'). Gramm 

Kalium-Ion (K-) 0,09572 

Natrium-Ion (Na-) 0,3072 

Lithium-Ion (Li-) 0,003095 

Calcium-Ion (Ca--) 0,1393 

Magnesium-Ion (Mg") .... 0,05022 

Ferro-Ion (Fe--) 0,0011 

Aluminium-Ion (AI—) .... 0,0011 

Anionen'). 

Chlor-Ion (Cl') 0,0481 

Sulfat-Ion (SO/') 0,07720 

Hydrophosphat-Ion (HPO/') 0,0135 
Hydrokarbonat-Ion (HCO3') . 

Kieselsäure (meta) (H^SiOg). 

Freies Kohlendioxyd (CO,) . 

2,592 



sind enthalten: 


Milli- 


Milllgrainm- 


Mol 


AquiTalente 


2,445 


2,445 


13,33 


13,33 


0,4403 


0,4403 


3,473 


6,947 


2,062 


4,123 


0,020 


0,040 


0,041 


0,12 




27,45 


1,36 


1,36 


0,8036 


1,607 


0,140 


0,281 


24,20 


24,20 



1,476 


24,20 


24,20 


2,213 
0,1146 


48,31 
1,462 


27,45 


2,327 
0,2645 


49,78 
6,011 





Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammensetzung 
ungefähr einer Lösung, welche in 1 Kilogramm enthält^): 

Gramm 

Kaliumchlorid (KCl) 0,101 

Kaliumsulfat (K,SOJ 0,09478 

Natriumsulfat (Na^SO^) 0,03696 

Natriumhydrokarbonat (NaHCOj) 1,076 

Lithiumhydrokarbonat (LiHCOj) 0,02995 

Calciumhydrophosphat (CaHPO^) 0,0107 

Calciumhydrokarbonat [Ca(HC08)j] 0,5503 

Magnesiumhydrokarbonat [Mg(HC03).J 0,3018 

Ferrohydrokarbonat [Fe(HC03),] 0,0036 

Aluminiumhydrophosphat [A1,(HP0JJ 0,0070 

Kieselsäure (meta) (HjSiOs) 0,1146 

2,327 

Freies Kohlendioxyd (CO,) 0,2645 



1) Manuskript. *) Vgl. ehem. Einleitung Abschn. A. 
Einleitung Abschn. B.2.C. 



2,591 

3) Vgl. ehem. 



55,79 



Die Summe der gelösten festen Bestandteile beträgt 2,3 g, 
wobei Hydrokarbonat- imd Natrium -Ionen vorwalten. Mit 
Rücksicht auf den geringen Gehalt an Kohlendioxyd ist die 
Quelle als „alkalische Quelle" zu bezeichnen. 

Das Wasser der Quellen wird in natürlichem Zustande 
als Tafelwasser und zu Trinkkuren versandt (von den „Nessel- 
quellen" 1903: 935 725 ganze und 226621 halbe Literflaschen; 



1904: 1003 267 ganze und 266 458 halbe; 1905: 1019 570 
ganze und 311002 halbe Literflaschen; von den „Gemeinde- 
queUen" 1903: 436 605; 1904: 484 996; 1905: 493 445 Flaschen). 

Die frühere Kur- und Badeanstalt wird seit dem Jahre 
1891 nicht mehr betrieben. 

Die „Nesselquellen" sind im Besitz von Bnm & Co., die 
„Gemeindequellen" gehören der Gemeinde. 



119 



6. Kochsalzquellen. 

; Von Dr. C. Schütze, 

Badearzt in Kosen. 

(Chemische Analysen bearbeitet von Professor Dr. E. Hintz und Dr. L. Grünhut.) 

Kochsalzquellen (muriatische Quellen) enthalten in 1 kg des Wassers mehr als 1 g gelöste feste 
Bestandteile, unter deren Anionen die Chlor-Ionen, unter deren Kationen die Natrium-Ionen bei weitem überwiegen. 
(Bei der Salzberechnung erscheint daher Kochsalz als stark vorwaltender Bestandteil). 

Man spricht von einfachen (schwachen) Kochsalzquellen oder von Solquellen, je nachdem in 1 kg 
des Wassers die Menge der Chlor-Ionen sowie diejenige der Natrium-Ionen weniger oder mehr als 260 Milligramm- 
Äquivalente (bezw. bei der Salzberechnung die Menge des Kochsalzes weniger oder mehr als 15 g) beträgt. 

Überschreitet die Menge des freien Kohlendioxyds 1 g in 1 kg des Wassers, so spricht man von Koch- 
salzsäuerlingen. 

Je nachdem der Gehalt an Hydrokarbonat- oder SulfaHonen oder beiden mehr in den Vordergrund tritt, 
spricht man im Gegensatz zu den reinen Kochsalzquellen von alkalischen, salinischen oder alkalisch- 
salinischen Kochsalzquellen; je nachdem der Gehalt an Erdalkali-Ionen oder diesen und Hydrokarbonat-Ionen 
oder Erdalkali- und Sulfa^Ionen mehr in den Vordergrund tritt, spricht man von erdmuriatischen, erdigen oder 
sulfatischen Kochsalzquellen. 

Übersteigt die Temperatur der Quellen 20°, so spricht man von warmen Kochsalzquellen (Kochsalz- 
thermen). 

Die Kochsalzwässer kommen auf der ganzen Erde vor und haben auch geologisch keine durchaus bestimmte 
Lage, da man sie schon in fast allen Gesteinsarten erbohrt hat. Die gewaltigen Steinsalzlager, die sich von der 
Grauwacke bis auf die Tertiärgruppe größtenteils nachweisen lassen, werden durch hinzutretende, teils aus dem Erd- 
innern stammende, teils von der Oberfläche die durchlässigen Schichten oder Spalten durchdringende Gewässer 
ausgelaugt, und diese salzhaltigen Wässer treten dann durch natürliche Erdöffnungen oder künstliche Bohrlöcher 
als Solquellen aller möglichen Temperaturen imd verschiedenen Kochsalzgehaltes zutage. 

Unter den Bädern mögen die Solbäder wohl die älteste Geschichte haben. Wir hören aus allen Völker- 
geschichten, aus der Kulturgeschichte sämtlicher Erdteile, daß die dort vorhandenen Solquellen, besonders aber die 
warmen und die sprudelartig aus der Erde steigenden kohlensäurereichen, zu Heilzwecken benutzt wurden und sogar 
göttliche Verehrung genossen. Die Solquellen in Deutschland sind bis zur Grenze des römischen Eindringens 
frühzeitig entwickelt gewesen und haben vortreffliche und bequeme Einrichtungen gehabt, von deren Vollendung 
noch die heutigen Überreste Zeugnis ablegen. 

Einige Solbäder zwischen dem Rhein und dem „Limes" werden schon von Tacitus erwähnt, und zwar 
schon mit einem gewissen historischen Rückblick, so daß man mit Sicherheit annehmen kann, daß einige der be- 
deutendsten Solquellen bereits in vorhistorischer Zeit zu Heilzwecken benutzt worden sind. In Zeiten kriegerischer 
Unruhen oder Jahrhunderte sich hinziehender politischer Wirren sind einzelne Solbäder in Vergessenheit geraten; 
während großer Epidemien (Pest, schwarzer Tod, pandemische Lues) haben die Solbäder wie andere Badeorte 
schwer zu leiden gehabt, da sie aus Furcht vor Ansteckung gemieden wurden. Die Entwickelung der Hygiene 
und der Wettlauf in der Verbesserung hygienischer Einrichtungen in den Kurorten sowie die staatlichen Absperr- 
maßregeln gegen Einschleppung epidemischer Erkrankungen sichern unseren Kurorten hoffentlich auf Jahrhunderte 
hinaus ihren ungestörten Entwickelungsgang. 

Die Zahl der Kochsalzquellen macht etwa ein Drittel der Mineralquellen Deutschlands aus. Der hohe Salz- 
gehalt der Solquellen hat wohl zunächst zu einer Verwendmig derselben zu Bädern geführt, doch hat man die 
Solen nach Verdünnung mit Süßwasser, ähnlich wie die schwächeren Kochsalzquellen unverdünnt auch zum Trinken 
benutzt. Frühzeitig hatte man auch, besonders in Frankreich, die Duschen in ihren vielseitigen Formen angewandt, 
während Gurgelungen, Spülungen und Inhalationen neuere Anwendungsformen sind. 

Über die Wirksamkeit von Solbädern herrschten und herrschen auch heute noch verschiedene Ansichten. 
An dem Bestehen physiologischer Wirkungen auf den menschlichen Körper kann aber nicht gezweifelt werden. 

Das Kochsalz ist ein wichtiger Bestandteil der menschlichen Grewebe imd macht allein mehr als die Hälfte 
der Mineralbestandteile des Blutes aus. In den Solbädern haben wir nxm je nach ihrer Konzentration vermöge 
der physikalischen Eigenschaften des Kochsalzes ein Mittel in der Hand, den Salzgehalt des Blutes wesentlich zu 



— 120 — 

beeinflussen. Es ist bekannt, daß nach Solbädern auf der Haut, vor allen Dingen in den Furchen derselben Salz- 
lösung zurückbleibt, feine Salzkristalle sich ausscheiden und lange haften bleiben können. Hierdurch können 
vielleicht bei längerem Gebrauche auch schwacher Solbäder noch therapeutische Erfolge erzielt werden. Die 
Vol Im ersehen Untersuchungen scheinen mir von besonderem Werte zu sein, da sie die einzelne Zelle unter 
dem Einfloß von Salzlösungen betrachten. Ausgehend von dem bekarmten Versuch an Amöben in destilliertem 
Wasser, in physiologischer (d. h. etwa 0,6-prozentiger) und in hypertonischer Kochsalzlösung, wo den osmotischen 
Druckverhältnissen in den Zellen und in der Außenflüssigkeit entsprechend die Zellen entweder platzen, unver- 
ändert bleiben oder schrumpfen, stellte er Versuche mit destilliertem Wasser im Teilbad und im Vollbad an. 
Nach gründlicher Reinigung und folgender Abspülung des Körpers der Versuchsperson mit destilliertem Wasser 
ergab sich eine Auslaugung der Epithelzellen. Das Wasser hatte dem gebadeten Körper 0,66 g Kochsalz ent- 
zogen. Vollmer hält bei einem Bade von höherem Kochsalzgehalt als der Salzgehalt der Körpersäfte die Wirkung 
bedingt durch die Summe der Anstrengungen, die von den Hautzellen gemacht werden, um sich und die zen- 
tralen Zellen gegen die Einwirkungen anderer osmotischer Verhältnisse zu wehren, und erklärt mit dem verschieden 
hohen osmotischen Druck auch den verschiedenartigen Reiz der verschiedenen Solbäder. 

Die Kochsalzbäder steigern nach Untersuchungen mit dem Hämatokriten den osmotischen Druck des Blutes. 
Von Bedeutung für die Beurteilung der physiologischen Wirkung der Solbäder sind die Kellerschen Untersuchungen 
mit Bädern von hohem Kochsalzgehalt. Solbäder von 12 — 20 Prozent Salzgehalt bewirkten bei einer Temperatur 
von 30 — 40° und 10 — 50 Minuten Dauer nie unangenehme Störungen und hatten keine nachteiligen Folgen. In 
Salis de Beame werden schon seit 20 Jahren Bäder von 12 — 25 Prozent Salzgehalt unter der Anleitung des 
dortigen Arztes verabfolgt Die bei Bädern von 2 — 4 Prozent Kochsalz beobachtete Erregung verschwindet nach 
Kellers Ansicht bei höherer Konzentration. Ebenso will er, wie auch Robin bei 1 2 - prozentigen Solbädern eine 
bedeutende Steigerung der Harnsäureausscheidung im Harn gefunden haben; auchsoU die Gesamtstickstoffausscheidung 
erheblich vermehrt werden. Die Solbäder von hohem Kochsalzgehalt zu empfehlen, liegt jedoch eine zwingende Ver- 
anlassung nicht vor. Demgegenüber will Frankenhäuser auf Grund von allerdings nicht einwandfreien Versuchen 
die Wirkung der Salzbäder allein auf thermische Einflüsse durch den Salzüberzug der Haut und deren dadurch ver- 
änderte Wasserdampfabgabe zurückführen. Die Winternitzschen Arbeiten haben m. E. in wissenschaftlicher Weise 
dargetan, daß bei allen Hautreizungen thermische Effekte ausgelöst werden. Solange aber nicht einwandfrei nachgewiesen 
ist, daß eine Resorption von in Wasser gelösten Stoffen durch die unverletzte Haut nicht stattfindet, ist die 
Anschauung von der Aufsaugung der gelösten Stoffe durch die Haut nicht von der Hand zu weisen, zumal nach 
den Untersuchungen von du Bois-Reymond, Rosenthal, Engelmann, Hermann, Biedermann u. a. die Haut 
und die Schleimhäute von Zunge, Rachen, Magen und Darm gewöhnlich einen einsteigenden elektrischen Strom zeigen, 
d. h. einen positiven Strom, der von der Hautoberfläche durch die Gewebeschichten hindurch nach dem Körper- 
innem gerichtet ist. In der Richtung dieses Stromes kann kataphoretisch Wasser bzw. eine wässerige Lösung 
befördert werden (nach Höber in Pflügers Archiv Bd. 101). Unsere eigenen Erfahrungen und Untersuchungen 
zwingen uns, die Wirkimg der Solbäder bis zu 6-prozentiger Konzentration als eine Steigerung der gesamten Lebens- 
prozesse aufzufassen, die sich in erhöhter Oxydation und Assimilation geltend macht. Aus dieser letzteren folgt 
eine Vermehrung des Gesamtstickstoffes und besonders des Harnstoffes im Urin. Unbestritten bei allen Autoren 
ist der Einfluß der Solbäder auf die Zirkulation und die Hamabsonderung und vor allen Dingen die Beeinflussung 
von Stauungen im lymphatischen System durch die Kochsalzquellen. 

Aus diesen physiologischen Wirkungen ergeben sich die Indikationen für die Anwendung der Kochsalzbäder 
von selbst. Mit KochsalzqueUen von 0,5 bis zu 25 Prozent Koch Salzgehalt lassen sich folgende Erkrankungen er- 
folgreich behandeln: herabgesetzte Ernährung, Erkrankungen des Blutes und der Lymphe, Erkrankungen der 
Knochen und des Knochenmarks, Schwellungen der Milz und der lieber, Exsudatbildungen, kompensatorische Stö- 
rungen des Zirkulationssystems, habitueller Abortus, Gicht, Rheumatismus, allgemeine Fettsucht, Zuckerkrankheit, 
eine große Zahl von Hautkrankheiten und Narbenbildungen. 

Vielfach wird in Solbadeorten, vor allen dort, wo das Kochsalz in technischen Betrieben gewonnen wird, die 
sogenannte „Mutterlauge" zu Badezwecken venvendet. Sie ist eine dicke, meist braunrote Flüssigkeit, die beim 
Sieden der Sole in den Pfannen zurückbleibt. Die Mutterlauge enthält Kochsalz und vor allen Dingen die in der 
Sole vorhandenen leichter löslichen Chlorverbindungen der Erdalkalien neben Eisen und sonstigen Bestandteilen 
der Sole. Die Mutterlaugen werden zur Verstärkung der Solbäder diesen in größeren oder geringeren Mengen zu- 
gefügt Außerdem wird die Mutterlauge auch gewöhnlichem Badewasser zugesetzt Die Mutterlaugen - Bäder 
haben große Verbreitung gefunden als Hauskuren. Die Wirkung derselben ist mehr oder weniger die gleiche wie 
bei den Solbädern, 



— 121 — 

In den meisten Solbadeorten befinden sich auch Einrichtungen zum Trinken der Sole. Viele solcher Kur- 
orte sind im Besitze einer Kochsalz-Trinkquelle, andere Kurorte wieder helfen sich damit, daß sie neben einer Leitung 
für Sole auch eine Leitung für Süßwasser anbringen, sodaß Sole mit Süßwasser vom Kranken selbst gemischt und je 
nach ärztlicher Verordnung angewendet werden kann. Bei den warmen Kochsalzquellen erzielt man durch lang- 
sames Abkühlenlassen die gewünschte Temperatur; bei den kalten Kochsalzquellen müssen Einrichtungen zur Er- 
wärmung angewendet werden. 

Für die Trinkkuren kommen m. E. auch die Nebenbestandteile wie Lithium, Eisen, Glaubersalz usw. mit 
in Betracht, selbst wenn sie sich nur in Spuren nachweisen lassen. Diese Nebenbestandteile beeinflussen auch die 
Indikationsstellung der einzelnen Kurorte. Jedoch hat der Hauptbestandteil, das Kochsalz, den bei weitem ein- 
greifendsten Einfluß auf den Organismus, und zwar zunächst unmittelbar auf die Sclüeimhäute des Mundes, der 
Speiseröhre imd von Magen und Darm, mittelbar auf die Verdauungsdrüsen, die Blutflüssigkeit, die Lymphe und 
das Nervensystem. Die KochsalzqueUen, die sich zum Trinken eignen (etwa bis zu 2,5 Prozent Kochsalzgehalt), 
haben einen anregenden Einfluß auf die Sekretion des Magensaftes und wirken beschleunigend auf die Eiweißver- 
dauung. In gleicher Weise wird auch die Motilität des Magens angeregt. Auch wird das Kochsalz sehr leicht 
resorbiert und wirkt dann harntreibend. Auf den Darm hat kochsalzhaltiges Wasser eine die Peristaltik leicht 
erhöhende Wirkung. Auf die Gallensekretion scheinen die Kochsalzwässer nur anregend zu wirken; sie erweisen 
sich daher günstig bei GaUenstauung in der Leber. Bei seinen Untersuchungen fand Grobe, daß der regel- 
mäßige Genuß warmen Wassers eine Abnahme des Salzgehaltes des Blutes sowie eine Abnahme des osmotischen 
Druckes zur Folge habe, daß dagegen der regelmäßige Genuß eines warmen Kochsalzwassers eine Abnahme 
des Wassergehaltes des Blutes und eine Zunahme des osmotischen Druckes hervorrufe, Wirkungen, die sich auch 
noch einige Tage, nachdem der Gebrauch des Wassers wieder aufgehörth atte, nachweisen ließen. Fr. Engelniann 
konnte während seiner neunzehntägigen Trinkkur (Kreuznacher Elisabethquelle) feststellen, daß der osmotische 
Druck des Urins immer bedeutend höher war als der des Blutplasmas, und das dreifache, manchmal sogar das 
vier- bis fünffache betrug und selbst bei Zufuhr großer Flüssigkeitsmengen nicht unter das doppelte sank. Er fand 
femer, daß der Puls um acht Schläge sank, die Temperatur um fast 0,5° herunterging. Es stieg dagegen der 
Hämoglobingehalt um 0,03 Prozent, die Gefrierpunktserniedrigung des Urins um 0,18° und der osmotische Druck 
des Blutplasma um 0,3°. 

Hiernach sind die Kochsalztrinkquellen angezeigt bei herabgesetzter Ernährung, Stönmg der Motilität und 
Sekretion des Magens, bei verlangsamter Darmtätigkeit, ferner bei einer großen Anzahl Stoff Wechselerkrankungen, 
bei welchen vermutlich auch die jeweiligen Nebenbestandteile wirksam sind. Außerdem dürften die Trinkkuren 
angezeigt sein bei Schwellung der Leber, der Milz, bei entzündlichen Erkrankungen des Pankreas und vor allen 
Dingen auch bei Exsudatbildungen innerhalb der Leibeshöhle. 

Ein weiteres Heilverfahren an den Kurorten mit Kochsalzquellen bildet die Inhalation. Zur leicheren 
Verdunstung des Wassers bei der Kochsalzgewinnung ba