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Full text of "Deutsches Wörterbuch"



DEUTSCHES 



WÖRTERBUCH. 



VIERTEN BANDES ERSTE ABTHEILÜNG 



DRITTEE THEIL. 



DEUTSCHES 



-^ 



WÖRTERBUCH 



VON 



JACOB GRIMM UND WILHELM GRIMM. 



m 



L 




VIERTEN BANDES ERSTE ABTHEILUNG 

DRITTER THEIL. 
GETREIDE -GEWÖHNIGLICH 
Bearbeitet von Hkkmann Wumokrucu. ^ /> 31 






LEIPZIG 

VERLAG VON S. HIRZEL 

1911. 





^7 

Al,hl 




YORWORT. 



Fem dem akademischen leben, aus dessen mitte 
die ersten lieferungen zu Heidelberg entsprangen, 
schlieszt dieser band in Berlin, die befOrchtungen, 
die ich für die fortschritte meiner arbeit an den 
Wechsel von ort und beruf knüpfte, haben sich zu 
meiner freude nicht erfüllt, und ich glaube, dasz 
das werthvollste, das mir die lange lehrthätigkeit 
gab, auch auszerhalb des rahmens der hohen schule 
sich weiter entwickelt hat. 

Auch der universitas litterarum suchte ich in 
steigendem grade näher zu kommen, und die dar- 
stellung der worte gewissen, gewisz, gewohnheit, 
gewitter, gewaffen, gewappen, gewehr, geweih, ge- 
wild, getreide, gewänne, gewerk, gewicht, gewerbe, 
gewinn, gewirkt, gewebe greift in theologie und Philo- 
sophie, naturkunde und kriegskunst, jagd, ackerbau, 
bergbau und handel so tief ein, dasz die regungen 
und Wandlungen deutschen geistes und deutschen 
fleiszes in ihrer eigenart wie in ihrer abhängigkeit 
von fremdem an den Schicksalen der sprachlichen 
hülle abzulesen sind. 

Die innigste fühlung muszte ich mit der rechts- 
sprache nehmen, der worte wie gewähr, gewerf, 
gewette ganz angehören, während andere wie ge- 
walt, gewerbe, gewerk, gewinnen, gewohnheit in 
bedeutsamen zügen ihrer ent\vicklung darauf zurück- 
führen, hier wäre es verlockend gewesen, die reich- 
haltigen Sammlungen auszunützen, die als vorarbeiten 
für ein groszes deutsches rechtswörterbuch unter der 
leitung von ghr. Richard Schroeder in Heidelberg 
geordnet werden und die einzelnen anfragen bereit- 
willig geöffnet waren, wobei ich namentlich Eber- 
HARDT freiherm v. Könssberq zu dank verpflichtet 
bin. aber eine planraäszige ausbeutung meinerseits 
wäre doch nicht durchführbar gewesen und hätte 
überdies den zwecken des rechtswörterbuches un- 
gebührlich vorgegriffen, auszerdem hielt mich ein 
grundsätzliches bedenken davor zurück, meine eige- 
nen Sammlungen, die ich, namentlich bei gewohn- 
heit, gewohnheitsmäszig und gewohnheitsrecht, aus 
den quellen selbst ergänzte, durch solche anleihen 
ins ungemessene zu erweitem, die entwicktung, die 



die fachwörterbächer der deutschen spräche zur zeit 
nehmen, nöthigt den darsteiler der gemeinsprachc, 
die grenzen für sich selbst enger zu ziehen, um 
sich nicht auf fremden gebieten zu verlieren, wenn 
der Sprachforscher an dem einzelnen wort alles be- 
leuchtet, was thatsächlich in der form sprachlicher 
entwicklung zu tage tritt, dann hat er auch dem 
Wissensgebiet, dem diese entwicklung erwächst, 
einen dienst geleistet, und wenn bei den Vertretern 
der rechtswissenschaft im kämpfe um die begriffs- 
bestimmung von gewohnheit und gewohnheitsrecht 
die neigung durchbrach, von der Wortbedeutung 
selbst immer mehr abzusehen, so ist es jedenfalls 
dem Sprachforscher geboten, am worte festzuhalten. 

Die engeren fachgenossen werden bemerkt haben, 
dasz meine darstellung hauptsächlich in zwei rich- 
tungen neue wege einschlug. 

Mit dem worte getreide, das gegen fracM und 
körn sorgfältig abgegrenzt wurde, fand das be- 
streben schon ausdruck, die brach liegende Syn- 
onymik tiefer umzupflügen als früher geschehen, 
diesem bestreben sind auch die späteren lieferungen 
treu geblieben, vor allem bei gewinnen und bei ge- 
wohnheit war die gelegenheit gegeben, auf .dieser 
bahn weiter zu schreiten. 

Das eine vnirde mir bei diesen abgrenzungs- 
versuchen klar, dasz die Synonymik aus der bloszen 
begriffsbestimmung, mit der sich ältere darstellungen 
begnügten, nicht so viel nutzen ziehen kann, dasz 
vielmehr die Stilistik zu hülfe gerufen werden 
musz, die auch auf dem gebiete der deutschen 
Sprachforschung anzubauen ist. 

Einer tiefer greifenden deutschen Stilistik in die 
band zu arbeiten, das habe ich als eine der haupt- 
aufgaben des deutschen Wörterbuches betrachtet 
neben den neigungen einzelner Schriftsteller, ganzer 
landschaften und Zeiträume wurde daher der unter- 
schied zwischen festen und lockeren Verbindungen 
beim einzelnen worte sorgsam beachtet, wurden die 
bedingungen gekennzeichnet, denen die wortl)edeo- 
tung unterliegt, je nachdem sie in der form des 
hauptworts, Zeitworts u. a. aasdruck gewinnt daraus 



IV 



VORWORT. 



rechtfertigt sich die ausdehnung mancher meiner 
artikel; doch ist es mir nicht immer geglückt, dieses 
ziel so eindringlich vor äugen zu stellen, wie ich 
wünschte, in Heidelberg haben ungünstige äuszere 
Verhältnisse zuweilen die energie gelähmt, die zur 
beherrschung der massen nöthig ist, zumal wenn 
ein wort aus zwölf Jahrhunderten nie versiegender 
Oberlieferung belegt erscheint, wie gewalt. darum 
danke ich dem kgl. preuszischen ministerium der 
geistl. und der Unterrichtsangelegenheiten auch an 
dieser stelle dafür, dasz es mich 1902 an die kgl. 
bibliothek zu Berlin berufen und dasz es dort seit 
1905 für eine entlastung in meinen dienstgeschäften 
sorge getragen hat. durch die rücksichtnahme, die 
die generalverwaltung der kgl. bibliothek in dieser 
richtung bewies, war es mir möglich, meine arbeits- 
kraft zu einem guten theil dem Wörterbuch zu wid- 
men und hier den einzelnen fragen nachzuspüren, 
ohne auf den äuszeren ertrag sehen zu müssen. 

Dem reichsamt des innern, das mich schon 1898 
bei meinen bemühungen um die gewährung einer 
hülfskraft unterstützte, habe ich die mitwirkung bei 
einem vertrage mit der königl. preusz. akademie der 
Wissenschaften zu danken, der mir auch bei der neu- 
regelung der arbeiten am Wörterbuch die freie ent- 
scheidung über form und Inhalt meiner darstellung 
zusichert. 

Nicht alle, an die ich mich im einzelnen wenden 
möchte, kann mein dank erreichen. W. Wilmanns 
ist vor Vollendung seiner groszen deutschen gram- 
matik jäh aus dem leben gerufen worden, und dem 
Trübnerschen verlage, der mir die zur syntax hinter- 
lassenen vorarbeiten anbot, muszte ich mich um des 
Wörterbuchs willen versagen, so nahe mir auch in 
diesem falle die erfüllung der dankespflicht lag. 
E. Matthias, der die philologenversammlung zu 
Halle auf die nothlage des Wörterbuchs aufmerk- 
sam machte, hat die Wirkungen seiner rastlosen 
bemühungen nicht mehr erlebt. 



An seine stelle traten Ph. Strauch und Friedrich 
Kluge, der mich mit rath und that weiter unterstützt 
und in schweren stunden zur weiterarbeit ermuthigt 
hat. auch der eifer meines freundes Qaebel in 
Hohensalza, der selbstlos mit lesefrOchten aller art 
beisprang, spornte mich immer wieder an, wenn der 
gedanke niederdrückte, eigene arbeiten zu gunsten 
des Wörterbuchs zurückhalten zu müssen. 

Meinen herrn assistenten, Georg Schöpfe (bis 
1901), M. G. LüDTKE (bis 1904) und W. Nickel (bis 
1910) darf ich für treue und verständniszvolle mit- 
arbeit danken, aus den lesefrüchten, die sie auf- 
gespeichert haben, zehre ich und werden andere, 
die am G arbeiten werden, sich noch erfreuen, auch 
eines jungen freundes, Siegfried Treskow, soll da- 
bei gedacht werden, der mir mit fröhlichem arbeits- 
eifer in krankheitstagen zu hülfe kam. 

Die theilnahme weiterer leserkreise am Wörter- 
buch ist ebenso gewachsen, wie die arbeit auf dem 
weiten umkreise der wortkunde stärker einsetzte, die 
von Kluge herausgegebene Zeitschrift für deutsche 
Wortforschung bietet ernstern bestrebungen dieser 
richtung einen willkommenen mittelpunkt; dort habe 
ich über einzelne lieferungen dieses bandes genauere 
rechenschaft gegeben. Hermann Fischer, Müller- 
Fraureuth, Reinh. Steig berichteten in der presse 
über die fortschritte des Wörterbuchs, pfarrer Risch 
in Landau wies seine fachgenossen auf die Unter- 
suchungen zu gewissen, prof. Perels in Heidelberg 
die seinigen auf das rechtssprachliche gewähr hin. 
dr. Wilhelm Biltz in Göttingen hat den littera- 
rischen nachlasz seines vaters dem Wörterbuch zur 
benutzung überlassen, die centralsammelstelle, die 
das reich in Göttingen gegründet hat, wird später 
zu würdigen sein, allen, deren theilnahme meine 
arbeit begleitete, die durch beihülfe oder kritik sie 
förderten, sei herzlicher dank ausgesprochen, vor 
allem darf ich die sonne preisen, die mein heim 
durchleuchtet. 



Frohnau bei Berlin, october 1911. 



HERMANN WUNDERLICH. 



4453 



(iETRBIOE I (rormeo) 



GETREIDE I (b«deuluDgs«ntwiekluDg) 4454 



GETnEIDE, feln\At, »., t«rbaUub$Unla tu tra|eii (i. i.) 
geliArl iler neueren ijnaehe nur in (i/i#fii ttttt du themaUg*H 
bedtutungtumfangts an, in dtr vtrmtndung für frumtnlum, fruget. 
dtr um/üttendt ttnMndungikreis, dtr $ich in dUtrtr ztii auf dir 
gruxdliige dtt ttr\>al%uhilanlm entwickelt hat, Uitt tick uhon 
!■: den teOrterbüehern Uberbltcktn : allh. gdragide, potJOito GtArr 
, .Ol ; mhd. nftrf ►eile, gepdek, kdung, beuregltchfi gut, bentt- 
,um, lebrntmittel, klttJung, hautrat, bodenertrag, trdfrüchtt mlid. 
teb. 3, n'. Lkib« I, 91', nachtrag 204. leAon in den vocabu- 
larien itt jedoch der ganie umfang auf dU etnt parallele gelreide, 
/ri(w*ii<um tutammengescliruuipp. die vertcandten tprarhen ter- 
lialtin lieh nach beulen teilen ablehnend, für du aUgemeinert 
iedeulung verieichnH Schillbk-LOibcm 2, SO* einen eintigen 
beleg: für die engere bedeutung trttfn in nitderdeutiehen rocu- 
hiilaiitn dei l.%. jahrh. vertintelle rnllehnungen aui dem mtttel- 
i!euliehen ipraehgfbiete .luf. davon abgetehen halten die idmi- 
lifhen geimanisehen tpraehen an dem lynoni/men körn fest, dat 
im gotischen schon belegt, auf deutschem boden lange vorhrrrtchtt 
«nii noch heute m norden überwiegt, wie et auch anderwdrtt in 
len tutammensettungen wte kornhaus, kornmarkt u. a. als die 
inikitümlichere form sieh kennieiehnet. gelreide in dieser be- 
deutung gehört dtr uhrifttpracht an, in d>e es vor allem durch 
LiTnuR* «in/Zuis — allerdingt begünttigt durch gleiche neigungen 
der batrisch- fränkischen mundarttn — aus dem mitUldeiäscJien 
Sprachgebiete eingedrungen iU. 

I. erstes auftreten, formen, btdeutungsenlwicklung. 

1, d) die althd. penode Idsst das tubttanliv ettt in der jüngeren 
litleialur in den voidergrund treten, et durchkieuten sich hier 
anfangs verschiedenartige bildungen vom selben verbalslamme. in 
den btbtlglotsen begegnet als jüngere Variante lu grziucli das 
»bstracte femininum getregida, giiragida Steimibter^Sietkii 
I, 66&. bei NoTRBR ist das femininum nach analogie anderer 
mit dem prdfix ge gebildeter abstracto in die klasse der neutra 
abirgetreten : getrogeiie Hattemer 3,06' vgl. Wilmahss deutsch* 
gramm. II § 364, 3. dieses neutrum bildet die grundlage der 
mei4 veruendrten formen unseres Wortes, über das masculinum 
Iraid, getraid vgl sp. Wo». 

h) in der mittelliochdeutschen. periode sind die vollen formen 
auf oberdeutschem boden nur noch vereinziU, in mitlldeul sehen 
belegen dagegen herrschen sie vor. gelrugide begeynet in der 
Wiener genesis, getrrgede in den glossen, in der Ittanei, in dtr 
livldndischen reimehronik, in den predigten, die Lbtsbr heraus- 
gtgebtn, in Varianten <u Konrad von WCkzrurc. getreide tritt 
suerst in der jüngeren Judith auf, bildet du rci/W bei Kokbad 
von WCtrzBDRC und in den bairischen rtchtsdenkmdlern. auf 
mitteldeutschem boden erscheint geiri-ide er>t im \i. jalirh. in 
konkurrens mit gctroigede , getregede, so im Freiberger stadt- 
recht ; b<i JhRuscHiN und andern tst die dtphtoniiiertt form der 
eontraction durchgeführt, in anderen mitteldeutsi hen quellen stiebt 
diese nieder der monophthongierunij xu : grtrcdc. 

c) auch im tnlaul und auftaut machen sich gegensdtse swischtn 
oberdeulitcher und mittel! eutscher sprachwetse giilend. das prnßx, 
das in der oberdeutschen aussfirache verstummt, fehlt auch in ilen 
bairischen, ostfrdnktschen, ostschicdbischen dtnkmdlern xirong- 
losert* Stils tsp. 44ä7 ff.), dageqen entspricht es mitteldeutscher 
»tigung lur bretle, wenn dort das sufßx arb. ecb, ich, das m 
ülkn mundarten tu bestimmten swecken veruendet wird, in der 
form getrridich. );elreidig eine mundartliche concuirmsform für 
das i^chnftsprachUche gelreide biUen hilft, als solche ist sie jedith 
auf die mundarten nicht beschränkt geblieben, sondern sie hat 
sieh auch lilleraritch in späterer seit bethätint, weshalb sie tiiient 
iarsleUung beanspruchen darf, bei Lotbbb findet sii sich nur 
in den in/imi<rn regungen seines spraehlebens, in den eigtntikhin 
buchausgaben ist die schnftform an die stelle getreten. 

d) für die Schreibung des diplithongs lassen sich du aUgtmeinn 
beobachlungtn heransiehen, die an dem schrei'i)ebrauciie für altts 
ei gemoelit worden sind, im besonderen hat hier der tlymoto- 
güiChe gesichtspunkt, du xitrück/ührung des trortes auf das wtrkum 
tragen, tugunsten des ai ein ewirkt. in den mörterbürkem dtt 
17. und 18. jahriiundtrts triU die seJirribung mit ai, sofern tk 
nicht oberdeutschen Ursprungs vd, stets im susammenhang mit 
der etymotogisfhen erkläiung auf: traide, gelreide .. dintiir • 
tragen SriüLkB 23 0: getraid .. Iraid ist von trogen, getraid 
ist das ciillcctivum, ulles was Her acker von kOrnern tragt. 
Fbiscr i, 3»0. — dt« sciireibung mit ei flniet sttk bn Mtilia*ca 

IV. 



MI. ABitone S, «n. GaiMi dusttdu frMMMttl !■ Sil ttknBt 

getraide, bemerkt aber: man »clirtibl auch f«irei4e, web«, 
was Oberali gescbehen konnte, da wir ci^at aasspreclw«. 
die ntuttltm mtrttrbüchtr roa Hbtiib und P«ol but*9 im fmm 
gelreide 

t) iit aptkep« des autUttttnd«» • Imismt te •mttru wtrU 
nur in bair.-bütrr. queOtm^ imt tktr ii«/l| wU •amtutÜtk i» an- 
lammenutsungen vor, in dtm tlktrinttiktu dtnkmtttn itt «KrtTM 
verrdth sich auch am rollrn autlaul iai tchriftmitäft itt varfM. 

3) in dem urtpiUnglichen bedeutungtumftn§ itt MWteXtat 
lasten tich anknüpfungen an die manntijftUigtUn •mwaäMfr* 
des rerbumt tragen erkennen, wo^<i das mrMmtmtm <• in 
verschiedensten functionen auftritt. 

a) strittig ist die deutung des ältesten Meft, it» Ht ttgnt- 
liehe Ittteratur auftuweiten hat: sümelicbtr ist eböol ai« fist 
iieedele. tcmo iz aber iefd ist lürb «In irm fttriif*4e 
ihunc nobilitas notum factt. sed inctutut auguttia rei fawMttftt, 
maltet esse tqnolus). Notkeb [Boetiuut) t, 46* BtUemer. es lieft 
hier nahe, an ein nomtn actionit t* denken, um st mehr alt 
in anderen späteren brlegen für dat subst. der begriff der tebtnt' 
lührung deutlich hervortritt, andererseits lietu sieh die vertten- 
düng det wartet in unserem susammenhamie auch auf den all' 
gemeineren begriff für besitz, possessio turückfihren , der auf 
anderer grundlaije fustt {vgl. c). 

a) ein nomen actionis tritt deutlich hervor in ibtt1n§enen 
verivendungen der mittelhochdeutschen dichtung: 



e man beginne »uoclien in mit Isiteriiclier hleyda: 
len ereu vlielie er, tarn der «iliJe tiaburne s'eiaer 
dur ein krank geirrgtl« 
laia er sieb ichanile vahtn oibt {'ter biber). 



seyde : 



KoKRio T. Wiiaiauac minne*. r. ä, liagou t, SSy ; 
den reinen wibeo tprecbei wol, 
vor meide man »i krceoeo sol: 
wDrdt! ui dvr meide nilit ein wip 
so nOrile aucti nimmer mannes lip 
geborn von lielner meide . . 
wOrde UI der meide iiitii elo brut. 
so were ei l^rsnk getrelda« 

MiKi«rii'"<;»r ». li. Hat»n i, IIV. 
ß) weniger deutlich sind die folgenden, std ebenfalU kierker 
gehörigen beispiele: 

dax er gar lluierltchen rcbelo 
an der vil sclitünen meide 
vi! wOoneclicb geircide 
lac ao ir kbeiem lebeue. 

Ko<«a>D V. weRiaca« tngelkard »74; 
* dl mlie glene er rluwevar 
von der silitünen meide, 
da; maiteiliclie geirride 
da; mun d& lieiiet iittren 
da; liimde er tiefe mdren 
in eines edeln tierten gnint. tt40. 

b) in aUen anderen Verwendungen des substantirs treffen mir 
eine objectivierende tendem an. <i%geHitände, du mit dtf mt- 
bilbedeutung in irgendwelche betieliung gesrttt werden k4nnen, 
treten in den bedeutungtumfaug des sni>*lantimms ein 

in besonderem maasu fruchtbar kat tsek natk dieter teilt itr 
in dem verbum tragen ruhende begriff ier f-lbfwegmnn tr- 
witsen. aus ihm lasun sKh du wieiaten iUerm weTwmdmnf'n 
des subüantivums ohne swana erUirru. denn et tit fte^ti« ftr 
die ältere seit hier en lebendiger zn^emwtenkamf tmitikem ntr» 
bum und verbalsubüantie «i.«i<-Mick, wie tnk tcktm dornt <r- 
kennen lAsU, dast im WiUehalm tan ÖHerreik (IM* vft. Ult« 
I, 917) getreide noch für iragbabre {daß)entfe^ wmit feU>feu 
wird) gebraueilt wiid. so durje» wir die frnndUft tms ftit^i» 
darin erblicken, dass et olles sus^mm'^fasilf tut frtnsfr« «M, 
getragen werden kann. rgL antk Sciiatuia l% M«: «rf. lr«g«t, 
traget« f., was man auf einoMl tragen kann. Scwai» nkwtk. 
wb.s.\iy die weitere bedenlmn§ttmtwstkkin9 kingß ■«• d»nm 
ab, ob der aUgemeinere begfif net^ tef tb ÜH wi ■«|«f«ff 
wird, oder ob der ra dem «KfmrÖMm btfeig t wlkalk m mke» 
sonderfoimen altwtigL 

a) an itn wettteH'innttm iet aUftmuminm htrti** <••(• 
tick ttkkt mlirsdMMem ra ie^n ist mha^tdewlnt l i*^ *§ 
bUibty «Ml takktt t» iemem tk tm f mkn 
kinnt tnrkektnit, 

\)) a)) xm dm «ntertm darf ••■ mI M^ 
rrcknnk dort war fkr de* «/terra |l iai>Blsi^s<*wflif d*t to* 
l^fffjcAr imptnaat wsäiemna m i wtniek u t gctiiKb (v«l irsrnfl 
wiedergtftben traritn. jknfert koadt^infiim pmtknm im *»- 



; 



4455 GETREIDE 1 (ältere bedeutungen) 

stimmlem zusammenhange hiefür auch dem neueren worte gc- 
tregida eingang, so in der bibelstelle l. chron. 22, 5 et constituit 
ex eis latomos ad eedendos lapides et poliendos ut edißcaret 
domum dei. ferrumque plurimum ad clavos ianuarii . . et dixit 
. , . preparabo ergo ei necessaria. et ob hanc causam ante 
mortem suam omnes preparavit impensas (vnd vinb disse sach 
bereyttet er vor seinem tode alle lerung. bibel von 1483 bei 
Koburger; als schaffet David viel Vorrats vor seinem tod. 
Lütheb); vgl. Steimikveb-Sievers 1,462. die gleiche glosse 
findet sich wieder für Daniel 14, 5: vnd ein abtgott war bei 
den Babiloniern mit aamen Bei vnd in dem wurden verzert 
oder auszgeben durch einen iegkiichen tag zwelff masz 
semein. vnd viertzig schaff und sechs krüg weyns ... der 
könig sprach zu in. nur allein ir saget mir, wer der sei 
der da essze dise zerunge {impendebantur in eo per dies 
singulos simile artabe duodecim et oves quadraginta vinique 
ephorae sex ... quis est qui comedat impensas has) bibel von 
1483 Koburger. dieselbe Zusammenstellung von gezeug und ge- 
treide, nur mit dem unterschiede, dasz sie nicht als synonyma, 
sondern als ergänzende begriffe auftreten, 'findet sich auch später: 
item unsern herren den geczeug sehen lassen auch das ge- 
treid ob er wil sehen, d. städtechron. 11,464; vgl. unten. 

b)) ebenso gehört hierher die Schilderung einer plünderung, die 
Ulrich von Zazikhoven beschreibt und in der die beutestücke 
tusammengeti agen werden: 

er gap in silber unde golt, 

des er da guote State vant. 

swaz Jweret der wigant 

het Verlan, daz was da gar, 

unde was gesamenet dar 

vil getregdes üz der mäze. Lancelei 9221 Hahn. 

e)) im Zusammenhang damit steht der begriff packung, ladung, 
der für getreide in beispielen der mittelhochdeutschen dichtung 
verschiedentlich belegt ist. meist sind ts lastthiere oder lastschiffe, 
die das frachtgut hier von einem orte zum andern tragen: 

a)) michel was des hers schal. 

er vfirte olbenten ane zai. 

si mohten chume haben waeide. 

die trugen daz ir getreide. 

si vörteu vil waegene. 

mit spise geladene 

hyrze unde binden. 

si yflrten vil rinder; 

schar unde geize. 

tincbel unde waeize. jüngere Judith 136,14 Diemer. 
Pi) si tuot als diu Sirene 

der stimme ist also schoen« ; 

daz si mit ir gedoene 

die kiele au sich geziuhet 

und si dan under diuhet ' 

mit liute und mit getreide. 

Ko^RAD V. Wi^RZBURS Engelhard 2221 ; 

d6 sie ür daz mer quämen, 

ir rüwe sie da nämen 

mit allerleie getregede. 

man, wib und megede, 

linder unde pferde 

vürten sie vil werde 

gebunden und gevangen. Livländ. reimchr. 72S9, 

ebenso im passional, vgl. Bech. 

d)) auch in anderen Verwendungen, die sich nahe berühren 
mit einer weiter unten zu besprechenden gebrauchsform, liegt die 
verbalbcdeutung des herbeitragens an der Oberfläche: die purger 
habent gesetzet, swer wein, chorn, saltz, boltz, hän, oder 
ander gelreid zuo der stat füret, daz der selb der stat ge 
ieit bat., stadtrecht von München § 379 Auer. 

2)) die Vorstellung des beweglichen hat im besonderen in der 
Sphäre des eigenthumsbegriffes fortbildung erfahren: getregede 
(rt(( hier in den gegensalz ein, mit dem sich der bewegliche besitz 
vom gebundenen besitz scheidet, getregede erhält geradezu die 
bedeulung fahrende habe, wie nahe diese entwicklung lag, zeigt 
die interpretalion des letzteren begriffes im Schwabenspiegel: daz 
varende gfit beizzet daz soln wir iv sagen, goll vnde edel 
gesteine. vnde silber. vnde vihe. vnd ros. vnde allez daz 
man gctriben vnde gelragen mag. § 16S Laszberg. die parallele 
getregede = fahrnisz findet sich in der rechts- und verwaltungs- 
litteratnr, so im abschnitt de ferramentis vel rebus monasterii 
(§ 3j2. l) der Hohenfurter benedictinerregel : des clöstris getrei- 
gede in Isene oder in gwandin oder in den anderin sacbin 
besehe der abbit und bevelhe si ce beb6tene und widir ce 
saroende den brftderin des lebenis und des site er gwis si. 
ztitschr. d. nlterth. 16 Seherer. 

3)) von da ab bildet sich, unter abstreifung der besonderen form 
des besitzes, die allgemeinste bedeulung getregede, eigenthum 



GETREIDE I (ältere bedeutungen) 4456 

aus, die allerdings vereinzelt bleibt: posessio, getrt^gede im 
summarium Heinrici (5, 19) SiEifJüEYER-SiEVERs 3, 117. ebenso 
in den glossae Herradinae ebendort 3,407; die liezin als ir 
gut vnd ir getregede durch sine predige vnd volgetin im 
vnd trugin snode cleidere durch gotis Ion. predigten aus dem 
\i. jahrh. Leyser 78; des wart er so sere gebezzert daz er 
dachte, wie er sich berflvve. vnd wie er suliche böze ane 
gevienge. der gel geruchle vnd da mit er genesin mochte. 
ZV den selben stunt ging er vz allem sime getregede vnd 
ging vf einenen öden kirchof. ebenda 72. 

ß) die Verengerung des allgemeinen begriffes läszt die einzelnen 
formen, in denen der bewegliche besitz auftritt, nacheinander 
von dem worte besitz nehmen, wir finden getreide == hausrath, 
kleidung, nahrung und lebensmittel. 

1)) suppellex, getregede aus Heinrici summarium Steinheyer- 
SiEVERs 3,260; alle di vas des clöstris und alliz daz getreigede 
beselie er alse di beligin vaz des altaris (omnii vasa cunc- 
tamque substantiam). Hohenfurter benedictinerregel 31, 16 (de 
cellerario monasterii) vgl. substantia, getregede Steinmbyeb- 
SiEVKRs 3, 258; Silber und golt und ander getregete zu haben 
iz ist nicht sundc. predigten aus dem 14. jahrh. Liyttr 146. 

2)) daz si di gemeinen stöle 

entfän zu ir getregede. litanei 996; 
pis für in ritden in dem tan 
mer dann vier hundert man, 
auch alls da manigeü fraü. 
die pegünt er vast an schaQ, 
die fürten alleü reichew wat, 
die jmmer wol zeloben stat. 
kostleich waren ir getrait. 

erzälilnngpn nus alideutscheti handsehriften 
Kellbr 83, 33 (jod, von Wirtemberq). 

3)) ez mag chain frau an irs wirtes willen nichts hin- 
geben, wan was zerleichs getraides in irm bau» ist (Variante 
traiz). stadtrecht von München § 118i4uer; 

da begund er wahsen. 

manech wilt fahen. 

abe gescozze und ab jagede 

nam er sin getragide. iViener geneiis, Diuliska 3, 66; 

do sich wol gespiste 

daz pantier mit geiegde 

mit guotem getregde 

da Ieit ez sich vnde slief 

balde in sin hiuli tief 

gelichir wis der megde zart 

do er dur vns gesattet wart 

von menger spise weide. 

H. V. Langknstbin Marlino 98, 102 Keller; 
es sullen all käuffel, die gest sein, alles getraid, daz sie her* 
bringent, nur auf dem pücbel niden auf dem markt ver- 
kauffen .... und die käuffel, die purger sein, Süllen ir ge- 
traid bey der kapeilen vail haben, stadtrecht von München 440; 
waz die chäuffel getiaids chautfent auf dem land, daz Süllen 
sie ze Münichen auf dem markt hingeben. § 426. noch heute 
hält traid, troad im unteren Pusterthal an der bedeulung butter, 
käse u. a. fest. Schöpf tirol. idiot. 750. 

c) aus den letzten beispielen, in denen sich getre\Ari = nahrung, 
lebensmittel, aus der gruppe der im begriff 'fahrende habe' ent- 
haltenen gegenstände absondert, lassen sich Übergänge zu der 
haupiverwendung des Substantivs getreide, frumenlum, leicht ge- 
winnen, um so näher läge diese erklärung, als gerade die feld- 
früchte in den deutschen rechlssatzungen durch ihre eigenartige 
doppelstellung wiederholt die abgrenzung der falirenden habe vom 
liegenden gut veranlassen: unter der fahrenden liaab, so in das 
gläsz dienet, wird verstanden, nämlich wein, körn bafer, 
roggen, heuw, ämbd, vich, rosz, rinder, hausrath, bettgewaml, 
schulden, baarschaft. öfnung zu Rheinau Grimm wetsJ/i. 1, 291 ; 
wann auch ain herr ainen menschen erbt, der abgangen ist, 
hat er gelegen gut, das den fründten zugehört, ob darauff 
gebauwen ist, es sye höw oder körn, was denn den grundt 
nit mer begryfft, wann das körn an die wid kompt, und das 
höw an die birling, so ist es dann varendte haab. öfnung 
zu Tannegg 1432 Grimm weisth. 1,7.1b; item es soll auch der 
pluem (ertrag) aller frucht, die da wachset, gelegen guet 
heiszen und sin, dicwil si uf dem feld stond, untz uf s. 
Jobannstag des töfers im summer zu sunnwendi, und aber 
darnach vürint guet sin und genempt werden, erbrechtssatzung 
zu Altstetten 1475 Grimm weisth. 5, 205. trotz allem aber wird 
die erklärung der parallele getreide = frumenlum einen arideren 
ausgangspunkt suchen müssen, sie wird an die bedeulung von 
tragen = hervorbringen anknüpfen, hiefür spricht der einzige 
und anscheinend frcigebildete mittelniederdeutsche beleg gedracb, 
gedrag, ertrag ScuaLKn-LGsBEN 2, 30*. ebenso uugt hierfür 



4457 



r.ETRKIt)R n (fruraentutn) 



tint jüngtrt deuttche mrwendung, in der die nnnfifA« grund- 
b0dtvtung girad« naek dteur riehiung noek lebendig Ut: pillulte 
et galbtili «t cacbryei, dai getreydl oder zapffeD, lo etlicb 
bOum iiAbend der fnicbt babcml, aU die baiel und de« nuaz- 
baumei zapITen. Faiüiu» vgl. ScaiiBLLea l', Md. 

n) auch dte vereiHselUn biupteU, in denen getratde tm alt- 
gemftnsten sinne den ertrag der flur iantelU, »fUtke* /ftr ik 
tben angenommene bedeutung: 

iti «In «lnd«r. aeint dei war 

an dar lietian beide : 

die bii er gemeitel und den grOenco wall; 

bittoinen unda vögele tingen lel In gar tergin; 

tl tlnl beide miKevar. 

•ehi an Ir gsirelde: 

dat Itt allet von dem leiden rtreo kalu 

NRIBH4HT 3H, 6 Keim; 
aieder dem male daz der gilte berre aeal« Jobanne« dar 
quam «ü wart daz wilde lant gebezzirt. daz da nv von golit 
genuden ist wozzer vnd körn, akir vnd wiogartin vnd ander 
getregede vnd gerete. predigten aut dem U. jahrh. Leyter 78. 
ß) in der brdeutung von getreide im engeren linne tnt- 
$tamvun die dUesten belege des worlet titmlich gleiekteitig dem 
bairischen und dem mitteldeutschen Sprachgebiete. 

1)) dai geireid (trald varimiie} wart oucli »ö tiwer, 

dai die iiul vertagten darab: 

den mutte liorne> man gap 

umb vieriig und umb leben phunt. 

Ottokari ifimiiii. M.ih'i Sfemütlfr u.a.; 
item Juliua daz itt ein monet gentieg heiz und in dem monet 
so sneident die ieut vnd daz getreid des erdrrichs ze snm 
pringent. wiener arzneihandschr. det i!). jahrh. Haupt M8; item 
lasz aucb üfTenliicb berufen, daaz niemand kein getreid für- 
ban au4 unserni lande gebe, noch verkaufe bis auf andre 
unsre geschafTie, und dessen widerrufen, und dasz niemand 
den obfjenannten getreid nicbt anders kaufe noch verkauft- 
. . . dann in obgescbriebener maasz nachgehe, landgebot 
heriog Heimtchs von Landshut 1437 Krinxbr 4, 95 «. a. 

*'')) nu lebeot sie doch blütBt nie, 

wani nernt ilch an der weide 

von vruchte und von getreide, 

Albrxcut V. IIalrkkiit«dt (iiieiamorphoten 16,84) 
20U llarttchi 

ele, obi, getreide, hönic vnd wio, 

laub. gras, blumen vml kle, 

vnd manik wunder in dum se. 

11. V. Taiaatiio rtnner 117; 
dA kAmcD aä vil hSuscIirecken geflogen von Ungern durch 
Orsterreich und durch l'oiern auf Ober den Sant den Muin 
ah gegen dem Hein, daz si 96 vii getraides verderbten uuf 
dem veid, daz manich günman verdarb. Konrad v. MtctN- 
BKRC buch der natur 76, 1 Pfeiffer; welcbez mensch vil pluotei 
hAt, daz altet acbier, rehl sam daz getraid tuet, daz ze vil 
fQubten bAt. 1I6. 2; 

do der ouweat was Irgln 

und d! herbisiiii initlio 

und di dii geleide 

allls Ir getreide, 

dat io gewachsen was dai jir, 

In dai »eibe vorburtce gar, 

db quam der commentür vorgeseil 

i\ vorburc da grwiiiiiende 

und abir gar vorbrinnende 

•was auch di wa* loaende, 

beide gebuide und« koro. 

dai vrai gar da* vi^riü lorn. 

N. V. Jrroschin 23, IM. ^hrnt» 19, 114. 
II. getreid« tm eueren «inn«, abgnntung in gebrauch, 
formen und bedeulung. 

I) landschaflltche abgrenxung. tt sind bestimmte epraehgtbiete, 
die an dem Substantiv die engere bedeutung ton frumntum aus- 
geprägt haben, Jas südöstliche und das mtUlerr Deutschland, erst 
von hier aus und durch lilteransehe Übermittlung drang die ver 
Wendung in den weiten von Oberdeutschland und in niedtr- 
deutsehet Sprachgebiet ein. die rereimellen bnsjnele aus den 
vocabitlarien lassen tick in demselben sinne erklären, die be- 
treffenden oberdeutschen vocabulare weisen auf östliche beein- 
(lussung hin: getrade, /Vu^rt |iiKFE>a*CH-WCi.c(BK öl$; fruges 
Ketraid im vocab. rrr. rom an^an; des li, jahrk. OtirBNi. 249': 
getrejd, friicht, weitz gemma gemmarum von 1512 bei DicriKa. 
-i49'; annon.i, jarliche frucbt, getreyd oder fruchte BaAct vfi. 
DiHFKNBicH 36'. vgl. datu getreckty ebendoel M Dibfchbach 
nov. glots. lat. 25*. für die niederdeutsdi«* MC«hii«re ist ge- 
treide blosse lehnform, ein fremdling mu itr kockdt^ätcktn 
!Chrip$praeke , tgl. gheirede 6« DiBFExaAca- WOlckbb ets; 
ghetrryd, ghetreyde, ghelredde germ. sax. $ic»mhr. frumttntmm 
KiLiAN k s'. innerhalb det ureprünglitkeu §«U m n§iktm il m 



GETREIDE II (rrumeotum. baimdie belege) 4458 

UM$tre$ iubctanlnm ä»ä di» »kern t ni k al m mumiaethehem ««ir». 
formen tn e«neii/T««s mit itr k»mf$ftrm m bmtkln: m btmimkt» 
und frdnkitchen munimtm H$ mf iMtfUkm Mf« tituttkltt 
form treid neben in nkrißgtwtiim mMm fttm; Ml tririaifcsa 
Sprachgebiete allein neben dem n/iil/«m 4m ■■«ifiiänw lf«M, 
ia§ wielUtekl ton tornehetein ahme prißm ffNUH mar; mf 
mitttUtuückem Men das bieiU fUreMIc* 

«) iit ftrwun in bairiiekn 

«) iu mauultnum: iraid, getrau. 

I)) den Iraid. Traunüeintr ttraforinnuf om tSTt SainKLiM 
t*, e48; es «ollt aucb am jedlicber in all« miimnit iam 
iraid io kastn dienen, reehu des Utftet Aimoni (l4"IC)dhr(k.t 
i$terr. wtitth. I, 271 ; ao acbaff« irh ir all« lueia gtll ii* «ock 
bia auf St. (iergrntag acbirial verbaodicn ist . . fOlt, wUptll, 
geriebt, lehmgelt, dienst, ateur, allen tratet ao »ait, khorn, 
habern, geraten ; scbweine, biener, bnrigeld, pflegegeld. zebrol, 
gOll, darinn nichts auagenohiaeD, obngefehrlicb. dietclb fOh 
alle sol mein liebe bauafrau bis uf St. Georgtotaf ( 
und meiner seel darvon gedenken, als geirair. 
J. KuehUr montim. fioica 5, Mb; wer acbuldif ist itn IraM n 
dienen. HoUein i.s. jA. äster. weisth. 1. Hl; wollen den (raid wei- 
feil damit machen. L. Wid«a!«rs ekronik n« BrfWitiwf (IMI) 
i. ttädteehron. 15, 09. ebenso bei kiacMAta dnilatfidfaMlM 
(1519 — 33) vgl. Schöpf (ir«/. idtot. 760. jünger« ktnitjuttltu 
führen gern an stelle des einfiehen trald die ooUer» form ten, 
tgl. t. b. di« tu.*atu im stifltrecht des domcapileii pmi Saltkurg . 
den traid soll man anheben zu dienen, wann sich ain garbeo 
gegen der andern kert, damit umb den heiligen drei kAoig»- 
tagen aller in unserm casten aei Ijünfere kani: den getraid 
gleichfalls zu den angesetzten lAgen). iittrr. meittk. l, 7. «sa 
der lilti-ratur ist das maieiiÜRMm okne prd/Ls vielfach bti hanncken 
schnftttellern su belegen (roL auch traid, neutr.): aus lauter griU 
dürffen sie ir gelt nit angreiflen , verbergen Jreo treid und 
wollen jhne ehender nii verkauffen, bis er gar Ihewr worden 
aey. ALBhRTiiics tiusinan v. .Alfarehe iMUncktn 1615) 1. 25« ■. a. 
t» den mundarten des bairitchen tpraehitehietet herrscht dun foem 
noch heule vor, vgl. traed, trje' oberpfäliitek traid ^ei Sciatuta 
1*, 648; traid. Iroad, m. und n. getreide Scaöpr torol. idtiL IM. 
tb«nio in der Kärntner mundart, vgl. KaoanAN.'« 5, 24*. du formM 
nicht SU verwechseln mit trat, brach feU hei ScaacLLta eimke. 
wirterb. 240. 

2)) wir wollen auch, dasz du offentliib verrufen lassest, 
wer heuerigen getreid habe, ea sey koro, weitzeo oder gersien, 
der nicht ausgedro-icben sey, dasz den ein jeder zu stund 
an ausdreschen lasse, und dasx ein jeder denselben gelrri4, 
der vor ausgedrosehen ist, oder noch ausgedrosche« wird, 
einen jeden baumann, oder andern, die zu baue« fc ab ai , fato 
und verkauffe. hersog Heinrieht landgebot von 1437 tjuMni M 
Krbnnbr 4,93; wie in unserm furslenthumb ia soadarkMt 
der getraidt, aucb andere pfenntbei t memals auf porc ftt 
bober, dann um par gell verkauft wrrde. lanifat «s vkm" 
und Niederbayem 1516 1.46*; da«z sie den liebseiifMI fMnMl 
in die müntel jhrer kästen oder scbewren verapcrrca mai 
nicht «erkaulTen nucb bergeben, er werde dann sehr Icwr 
und werth. Alb^rtims Gutman r«« Alfarthe {Münektm iai5) 
«09; es soll niemand kein geweicht guet ■•ck p l— ti g gn- 
wand oder uogewunden getraid noch kein fcMigMwH Ia 
wissen des gerichts kaufen, itlerr. »eitth. (Wtniimk-Iltlrm 
n. jahrh.) 1,313. item als die landleut vermaioM, M aeOe 
allzeit tu dem mimsln ain jardenst getraid« hmmitn ia 
der ÜOffrogg in dem kästen bele.hen tu MliHfk 
und der geschlOs.ser, das nit besehe«, auch wie d« 
äussern leulen den getraid in bosaera kauf gebe, dan de« 
landleuten. eb«ndort 1, 914. 

3)) in der präfigierten form tH it asaMUUmm aack es* iem 
sehwibischen gebiete su verzrukntu: ain yaitr atOcr ««h . . ^ 

i rakrtafea «der k«««lk«a. 



einem jeden der im seinen gelrayd 
mit vieisz bewam, getreulich maln vnd 
mOlUrordnung, Hecixiiii opiunU« 24«; die khaw 
danindar, ao dan girb und malraAleo ( wMf I 
ainander gericht werden, das dar gHrajd ndcr 
sonst nyendert hin, dann eoanÜtcB 
loch, in den lauff fallen ni«>g. eikead* 
TiacLtn« lakntfitfd (ist« E 4*. 
fl) in »«atram Iraid. frtraid. n 

newlrmn sw la|« a« ArMa. ae ßkta 
Aimtat (14. - 1«. jukHLh ü* <<•• 



■nd Mffaa 



ii 4ir 



SM« 



4459 GETREIDE II (fränkische belege) 

von getreideabgabe verwenden (den traid in kastn dienen, 
Osten, weisth. l,27l), das neutrum an derselben stelle in der 
allgemeineren bedeutung auf: der aber in iiastn zu dienen biet 
und dient nit und das traid verkaufft, der selb ist unnach- 
lesziicber straff straßmässig. im allgemeinen läszl sich jedoch 
eine bedeutungsabgrenzung zwischen neutrum und masculinum 
nicht durch/ühren, um so weniger, ah in zahlreichen fällen das 
genus gar nicht ersichtlich ist. diese letzteren beispiele werden 
hier dem neutrum zugezählt, auch zwischen der vollen form mit 
jiräfix und der präfixlosen form besteht für das neutrum kein anderer 
unterschied, als dasz die letztere mehr auf der ausspräche, die erste 
mehr auf dem schreibgebrauche beruht oder, wie z. h. in der ge- 
bundenen spräche, anderen bedingungen unterliegt (vgL oben aus 
Ottokar und unten aus Hans Sachs. 

1)) und erscblug allez daz traid daz auf den veldern da 
was. 4. {bairische) fortsetzung der sächsischen weltrhron. monum. 
germ. vernac. II 3T2, 22. in den Österreich, weisthümern über- 
wiegt trait, vgl. 6, 12 ff., 7, 403. 235. 255 «. a., vor allen in den 
zahlreichen Zusammensetzungen wie traiddienst, tiaitmesser, 
traitiTiarkt u. a. vgl. getreidedienst etc. das gleiche läszt sich 
in bairischen Chroniken (vgl. d. städtechron. 15, 230) und bei 
AvEKTiN beobachten; daneben taucht jedoch gerade bei Aventin 
auch die schriftform auf: Trajanus Hadrianus römischer ge- 
weicbter kaiser, pabst zu Rom, zum andern mal burger- 
maister: durch beschlusz des rats, das kiiiserlich geiruid. 
werke l\^ 864 ichronik 2 cap. 149). in anderen beispielen beruht 
die schriftform auf späterer redaction, so riyi. die Chronik (buch 1) 
werke IV', 41 mit der Frankfurter ausgäbe (VM) 12'. 

2)) im bairisch-schwäbischen grenzyebiete. im rathsdecretenbuch 
von Augsburg findet sich anfangs nur kern, körn und rocken, 
erst in der zweiten hälfte des Jahrhunderts dringt — anscheinend 
von Baiern her — das allgemeinere traid, getraid ein: das 
ungeit dez wins und dez traids. s. i\6 (aut 14561; ufTsumstag 
vor dem sonntag Letare balbvasten . . haben Hans häniiart 
und J.icob Stimmier, als geschworen knrnmaister, auf ains 
rautg bevelcb der statt geiraid alles zu iiherscbliiben und 
ainem raute in schrifft übeizuantworten .. alles traid in scbrift 
ainem raute üherantwort, s. n' (1479); im \6. jahrh. werden die 
beispiiie für getieide dort häußger, vor allem in der Verbindung 
körn und getreid (vgl. unten), bei den Chronisten dieses ge- 
bietes überwiegt die mundartliche form treid : so lang der 
reich^tag hat gewert, ist das traid in disem kauff gewe^sen 
Senders chronik von Augsburg, d. städtechron. 23, 81; ebenso 
23, 95. traid in der Weissenhorner chronik bei Baümann quellen 
1, 46 u. a. traid 6« Sebastian Fischer in seiner Ulmer chronik 
vgl. Veesenmeyer s. 216. {andere belege aus Ulm mit der schuf t- 
gtmäsien form vgl. unter d.) in den Verhandlungen über 
Thomas von äbsberg sagt ein aus Donauwörth gebürtiger kneeht 
aus: dl gefangen in ainem casten, darein man ireid legt, 
gethan. litterar. ver. 114, 419. selnst Abraham a Santa Clara 
macht von dieser form noch gebrauch: ich förchte augenblick- 
lich, er wurde mit den sack zu boden sincken, der meinung 
war ich, es müsse trayd darinn seyn. Judas der erlzschelm 
(Kürschners nat.-litt. b. 4o) s. 68. noch KrOnitz 18, 19 belegt als 
oberschwäbische dialektform drait. 

b) die fränkichen mundarten nehmen an der kürzeren form 
ireid um so gröszeren antheil, je näher sie an der bairischen 
Sprachgrenze liegen. 

1) die meisten beispiele gruppieren sich um Nürnberg: rait 
er zu besehen der statt zeug, auch körn und treid. Tuchersche 
fortsetzung der Jahrbücher {Variante getreid) d. Städtechroniken 
11,464. Müscatblüt verwendet traitt, ebenso Hans Sachs treid; 
bei letzterem geben die hedürfnissf. des versmaszes auch gelegent- 
lich der volleren form einlasz ; tm ^roszdiebe zu Fünsing' (Kelleb- 
Götze 17) steht nebeneinander: 

sonder verzieht bi.<z nach dem schnit, 

so das treyd kooib vom veldt hinein, s. 98; 

wir mOssen vor den dieb drumb fragen, 

ob iliro sev dieser rhatschlag eben. 

thut er sein willen daizu geben, 

so lasz wirn lauITen u/cys/i (tus vurgprechpn, sieh tpäter 

tum yiviilvolltwi ei'ttiififlirn), mltler zeit 
ein ieder bein getreyd einschneidt. «. tuo. 

frumentum, aeher trayd. nomenclatura Nürnberg 1530 bei Diefen- 
BAr.B 249'. noch in Huhbergs adelichen landlebem {Nürnberg 1695) 
wechselt getrayd und trayd (vgl. 2, 66' «. a. mit 2, 38 u. o.J. 

.1) nordöstlich von Nürnberg: hierher gehören die belege der 
vorlulherischen bibel; vgl. 1 Mos. 31, 35: vnd allez daz traide werd 
bebalten, bei Eggestbin und ebenso bei Koburger (Luther : 



GETREIDE II (mitteldeutsche belege) 4460 

getraide). desgleichen 2 könige 4, 42 , 2 chron. 28 «. a. auch 
vereinzelte schlesische belege scheinen hierher zu weisen, gl. treid- 
land noch bei W. ScHfcRFFER gedieht^ 250. 

3)) westlich von Nürnberg: traid bildet in den eingaben der 
zünße von Rotenburg an der Tauber die regel, vgl. Baum an n 
quellen zur geschichte des bauernkriegs aus Rotenburg an der 
Tauber (litt. ver. 139)340; ebenso in der Rote nb. ehr. des Eisen- 
hart ebend. 602 u. a. vgl. das man Vürgemelt traid gleyclier 
masz soll austailen aim yeden burger so weyt es raicht . . . 
soll auch kain burger soliches traids verkaufen bey seim 
geschworen eide. zunftverhandlungen in Rotenburg ebenda 344. 
nur bürgeimeister und rat bedienen sich in iliren sehreiben der 
schriftgemäszen volleren form: das sie unsern guten freunden, 
burgermaistern und rat zu Windshaim wollen schreyben und 
beschaid geben , uns oder unserer gemaind das geiraid so 
geuielter unser commentur zu Windshaim iigen hat, voigen 
und sunst nyemand kains eingriffs darein zu tun gestatten 
wollen. 397. 

4)) in weisthümern aus der Rhön tritt früh die präßgierte form 
auf: item brengt einer das getredt selber dem moller, so 
sali der molier von dem achtel neraen 'la moimctzeo, holet 
es aber der moller, so sol er nemen ein molmeizen. ueis- 
thum zu Schontra (15. jahrh.) Gkimm weisthümer 3, 8S9 ; zu 
Michelawe auch so hat der schuithesz ein summeien gedreits 
vff den eckeren zu Neiizenborn, so der dregt, vnd wan er 
dregt, sali er ein sommeryn darvon nemen. weisthum zu 
Schonterfeld und Micheltu (1469) Grimm 3,538. 

4)) out fränkischen mundarlen wird tiüd noch heute belegt: 

wenn's träd g'räih in Sand, 

wird's theucr in land. 

fprichwörier uu-i Franken bei Fbohuakn 6,322 
nr. Z2i. vi/t. auch ebenda 4, bi'i.il; 6,129. 

e) für Thüringen und Sachsen gelten die volleren formen. 

a) wie schon erwähnt ist hier die mundartliche lieblingsform 
das verbreiterte getieidich , getraidig (s. d.). in der litterutur 
wird dieses vor allem in den rechtsau fzeichnungen verwendet, so 
in denkmalen aus Arnslein, Zeitz u.a. von Chronisten treten 
Stolle und Kantzow hier in den Vordergrund, während als 
Schriftsteller Luther und Zesen den bedeutsamsten antheil an 
dieser nebenform haben, aus den Wörterbüchern vgl, getraiileg, 
idem quod getraid Hemsch 158«; getreydig, hart vnd weich 
getreydig, frumentum F. M. Whbner pructicarum juris observat. 
(Francfurt 1624) 224. vgl. Stieler 2309. 

ß) getregede, getreigede, getrede, getreide: des seibin jares 
wart an deme phmgistage groz bail undc ungeweitere (hagel 
und Unwetter) in Doringen lande, also daz vil getredes unde 
vilies davon vortarb. thüringische fortsetzung der sächs. welt- 
chronik monumenta germ. vernac. II 292, 31 ; ist, daz die beckere 
oder kein man gebt vor daz thor oder uf daz velt unde 
koufet getreigede da, ee iz in di stat her kumil uf den marct, 
der sal zu rehte ein phunt geben an di stat, he si becker 
oder nielcer oder wer he si. unde nicheine underkoufer 
sullen hi sin zu dem getregide zu keiner zit. daz getreide 
sal kumen hi zu dem marcte und sal vri sin, daz ein iklich 
man selbe dazu gee unde koufe wol habe wol une under- 
koufere. Freiberger stadtrecht cap. 42 § 12 Ermisch; hat ein man 
sus ein nerswin, daz da billiche ledic ioufot, tut daz einen 
schaden, also an obze, an getreide oder woran iz ist. ebenda 
cap. 49 § 15; vorwär, vorwär sage ich üch: nur daz körn des 
gelreides valle an die erden und sterbe, oder iz hübet alleine ; 
stirbet iz abir, so brengit iz vile vruchle. Beheims cvangelien- 
buch Johannis 12, 24 (waitzenkorn bei Eggi-steyn, Koburger und 
bei Luthek); und schaffe, das er amptleute verordne im lande, 
und neme den fünfften im Egyptenlande, in den sieben 
reichen jaren, und samle alle speise der guten jare, die 
komen werden, das sie getreide aufschütten in Pharao korn- 
beuser zum vorrat in den stedten, und verwarens. Luther 
1 Mose 41, 37 ; da aber Jacob sähe, das getreide in Egypten 
veil war, sprach er zu seinen sönen, was sehet jr euch 
lang umb? sibe, ich höre, es sey in Egypten getreide veil, 
zihet hinab, vnd keufft uns getreid. l Afos. 42, 1; aber der 
weitze und rokken ward nicht geschlagen, denn es war spat 
getreide. 2 Mos. 9,32; zu der zeit wird die heirligkeii Jacob 
dünne sein, vnd sein fetter leib wird mager sein, denn 
sie wird sein, als wenn einer getreide einsamlete in der ernte, 
vnd als wenn einer mit seim arm die ehren einerndtet und 
als wenn einer ehren lese im tal Hepbaim. Jesaias 17,5; 
Ire (der hirschen) jungen werden feist und mehren sich im 



4461 GETREIDE II (oberdeuUche belege) 

getreide. Hieb SO, 4. in alltn falltn haltt du toi luth*riteht bihtl 
ändert iynonyma. Llth»*! vurlubt für uniti wori üt btkannt 
und trheUt auch aut ändert» beiipielen, die »pditr auftufuhrtn 
sind, ah gegentolt ivm oberdtultclier, worttchatu vurde dim 
ntigung ir/ion von den uilgrnoiien empfunden, dtnn gpirside 
gihärl tu dm worltn, d\e Pkthi im Batter naehdrwk dt$ ntutn 
leslamtntet {von ta23) leintn landtleuUn ttrdeutuht: getreydc, 
körn, frucht, vgl KnoMHAiR 0,4?. 

y) auf mitleldeutschem boden allein bat die präfigitrte form 
mundartUchen ehorakter: \etTäi'^, da$ schon tm ehrontkon Itltbienu 
erseht ini, bfUgt ItCHJ, wOrterb. dtr Montfrlder mundart (IH^h) i": 
all djaleclform neben jdrUde, getreide; für Brolteroät teiid 
geilrue btteu(it ton Hertel Sohungtr wörterb. (1803) 18, wo für 
Salzuiiyen ttlbit getreide ah nicht gewöhnlich hinter körn, fruclit 
suriickgcitelU wird, 

d) das vtrhaUeii det weslliehen Oberdeultehkndt kennxeiehnelt 
rieh tehon in den vocobuhrien, von denen nur tereinulte und 
nach asten weisende, das Substantiv buchen, vgl. dagegen Truge«, 
iiurn 0. fruchte int oberdeutschen dictionatiu$ des M. jahrh. 
bei DiEFBNBArH nov. gloss. 183'. wdhrrnd Petri das Lutherseht 
getreide aU fremdwort terdeutseht, fehlt es gam in den Wörter- 
büchern von Daiipodios und NUalir, ebenso noch bei Frisius 
(1616) und itiiiKiiuR. SchO.mlkder (1663) vtru-eist unter ge- 
treide auf körn; HuLStus, der in den ersttn ausgaben nur 
körn vtiuichnett, führt in der ausgabt von 16^0 t. 167 getreide 
ein. ebenso verfährt die ausgäbe des Frisiui von I7()0; Ürktzler 
(1677) verutchnet das wort 1I6, desgleichen Wriishann (1715) 156. 
den mundarltn dir Schweiz ist et noch heute fremd, hier hat sieh 
rruclit mit uusfchliesiUchkeit gehalten, vgl. im Schwtistrisehtn 
idiotikon: rriirht, f., 1. coli, getreide d. h. was die erde als 
baiiplnuhrung des menüchen bervorbriogl (also mit nusscbliiss 
TOD baumfrüchlen, beeren u. d. gl.) im gegensotz zum futter 
des Viehs (iiusgemminen bafer) und zwar nicht nur von 
dem (!eernieten und ausgedroscbenen geireide, sondern auch 
von dem noch auf dem felde stehenden (die frucbt steht 
•chOn). TüBLRR und StAua l, 1272. 

n) in Strassburger quellen leigt sich die mue tehriftform ver- 
höUnvmtisrig früh, indem touol der kamleistil alt dit eigentliche 
litterarische tradition dem «orte bahn brechen, et begegnet 
schon in denStrasib. sun/t- u. polizeirerordn.: es soll ouch debein 
brolliecker noch kornkoufer, noch nirmim in unner stat debeio 
körn küuTen, es sy «elher hande körn oder gediilgde es wolle, 
in ditem burghan, noch in der halben mite uf den slrussen, 
weder uf wiigen noch uf karchen, sunder se sollent sollich 
körn oder ^etriigrde olles uf dem kornninrckt koufen an 
ofTenem roerckte {Ib. jahrh.) ürdcker tOb; als dann vormiils 
in der stiit Struszburg nrlickelbuoibe verordenet und by buber 
pen verholen ist, das niemans weissen, habern oder sust 
einicher bände getrOgde, so noch uf den ackern . . stot, fürkoufen 
soll. :.8e u.a.; alle thir tunemuier., die bäum fruchtt)aren, 
<l;i8 feld getreyd trogen. Fiscbart Garg. neudr. 9i und öfters. 

ß) in den südwestdeutschen druekweiken vollzieht sich überhauit 
aUmählich eine einbiirgerung der schnflform, vgl. j.b. ItMCMAfi.Ns 
l'iifar, wo frucht überwiigt, in einzelnfn stellen jedoch gelieide 
eindringt: sogar danz die kriegszieut etliche tag kein getreid 
betten. 68* in der Frankfuiter ausf^abe von 1668; sobald die 
oheriten in Briltanien, die nach der schlecht zu dem keyser 
kommen waren, solch» erkaonien vnnd sahen, dasz den Hörnern 
schifT und frucht mangelt, . . tprucbi*a sie, es were wol, dasz 
man sich widert, dem keyser getreid versagt, vod oaruof 
wehret, 45'. 

y) et eröffntn sich in dtr Verwendung der Synonyma Ubhafle 
gegensatie zwischen dem westlichen und öMchen theile det schwä- 
bischen (lebietis. heimisch ist getreide in keinem dtr beiden 
theile. dagegen ist der öttlicht schon in der Umgangs- und gt- 
lehäftisprache stark durch das bairische wort beeinflusit und öffnet 
sich dahtr auch der lilteraritchen einbürgerung der neven sehrift- 
foim viel leichter, wie dit L'lmer drucke und i'lmer tchriflstelkr 
beweiten :ier vierdt orden derhandwercksleüt, die allealierley 
zß jrer bandticrung nOttige insirument machen, dise seind nitt 
allein von allen beschwerden frey, suoder entpfaben auch tod 
des künigs kästen gelreyd. S. Francs weltbuch 193'; von frucbtt- 
barkiiYit der in:<el Cipern bab ich, weil es sieb zu end des 
octuLers genaigit, und alle (rflchtten von getraydt, wein vod 
obs eingebaimsztt worden . . . nichtts suoders gesebeo. 
H. U. Kkafft rmen und gtfangentchaß 69. im wetten, am Ober- 
rhein dagegen hält sich wie in der Schweis das altt fruchL dort 
weicht (s autk in dtr rtcMU' »ni Hrwultungstpratht nitkl «o 



GETREIDE 11 (abgr«ato«§ gegea frudii) 4462 

bald: nimlicb als btliblr iia rrflcblto ioteh iaa fttrktoCtr 
. . . uir gek.iuft and biawef gtfOrt worden . . . daran . . . 
uffscblag de« frurblfcsaffs erslandro und erwschMn . . . iaC 
angesehen das «Her furkanf ipr (rfleh;ta, at »j kor«, «ejs«««, 
tesen, gersieo und babern . . abgeslelt sein . . rerordnuag fw 
(httnau (Mtb) uehr. geieh. Obtrils i», tm. am Ungtttn k4il «t/* 
dat im lebendigen gtbrautk auisUrbfnde mundartluHe fnicbi m 
den sutammemetiungen, du obtrdtulsehen tehrtpitettrr gehen tkrer 
alten gewohnhett hier auth in dtr gewäktUn sfettkt nark. in 
gegtntati wvd besondert dtuthck in den aiwserkwngeu, ist Jerri 
{\;'t'l)an eine (Aerdeutiche schrtfiühtr du %e{tt\i- odtrhuchU^titr 
knüpft: dort lusammenselsungen uu frucbtai.irkl, fruchlmag.zi' , 
frucbtpre;s, fruiblvurrutb;/iei Justi tetbtl du gleichen btUun^n. 
aitr «li getreide. dasu vgl aus de» ttrkMndUingen dertadiidum 
II. kammer (30. )uiii U3&I : die betcbrlnkoog des fracblhw«« 
wird davon eine natürliche folge sein und .iticb das getreide 
.nuf einem den anbau loboenden preis balteo (*. Oiksa). andire 
beispiele siehe unter den msammensetsungen mit geirride. 

2) abgiensnng gegen frucht und körn, die b-iden etneurrem- 
formen unseres Substantivs haben sidi bei der Und seh aflUchem tb- 
grtniung als in bestimmten i.egenden hnmisth geuigt. kors bat 
den grösjeren terwendungskreit, indem et dat gaau inütcka 
sprachgebiri umfasit, renn tt auch mar« luuftitüttfunit te 
niederdeutschen norden hat. frucht gehirt dem oherdrutttktm 
gebiete an; vgL getreide, das, ein allgemeiner autdruck der- 
jenigen pflanzen, welche in Ohren und rispen »acbseo, ond 
deren aame zur nabrung fOr menschen und Ibiere dirni. 
dieses sind alle grasarten und grasartige pflanzen, deren 
Samen zu brod oder mebNpeise t^iugen, und welche in^n in 
Niedersachsen körn, und in anderen gegenden auch nur 
xnt' i^oxiv, die frucbt zu nennen pflegt IrCritz is, il. 
diese landsrhuftUche abgientung beider iynonyma wird anitrtrteüt 
uiider durehkreust durch geqensdtu in dem btdeulun^fthaUit. 
a) mit fruciit tiinlt getreide den Charakter einet tawUtsH 
namens, et ist aber gegen diesen ecncurrenten xnsofe a btgfknttifß^ 
alt et seinen umfang deutlicher tingrentt. alleidi -gt hat fmekt 
frühteilig nei en setner aliitemeineren b deutung auch dit tnftrt 
entwickelt, die im lat. fruges autgeprigt ist, to wird tm nuamaHiim 
Heinriei fruges, frucbt alt tusammen fastender Itlet fkr 4m ver- 
schiedenen getreidearten tentendet (STEiitattis-SiLTiaa 9, llO). 
meist aber nimmt das wort ßr dittt engere bedeutung nocA (in 
besonderet beiwort an (frucht der erde), wogegen iat ktrter« 
getreide von vornArrein im toitheil itL einen anderen ftten- 
j(i<z twischen beiden synonymen hellt die t4rmeHiun§ t» ttUftfift 
auf. frucht, dat innerhalb des grösuren vrrrrndufiAreMa, 4tn 
i-t beherrscht, durch den gegensati ton frucbt nn^ btSte iritdtr 
eine btdeutungsveren'.erung erfHirt, vermag den tollen Icrfrstaift- 
umfang nur im plural lu behaupten, wahrend getreide umge- 
kehrt fast gam auf den ringular beschränkt itt. fruges, fiücble, 
getreid. aut allem dem ergeben tich begüntttgnngtn tJtr istmms- 
nitie für jedes der beiden »orte. 

o) aUgemeintte gleich iteUnng : getreid, /lniai«aiam ttt »imtn 
commune ad omnia blada, frucbt. roco^. incipitnt teut.; gelrejd, 
frucht, weytz. gemma gemmarum ton l'Ai DiKrtasAC« 249*; 
frumentum frucht, getreyd. ilmtr wb. ibei ileder 1813) U. 

ß) ylfichstellung bei umwandlun>f des numerus: daaz das g*> 
traide und die fruchte im felde verderben. Lcrait üttkndtn 
3, 63 töistemann; getreyd, allerley frOchten, j3rlicbe b§fktm, 
frumentum EntL N 3 ^: geireyde fruwuniumt fru§i» iiaeca 
17'/ u.a.; getreide, getraid, getreidig, iat Urn^ die ft^idte, 
curn. ttutuh-tngL wb. (1718) :6«: das getraid oder aller pXtaa% 
fruchte. Justi wttmoirtn X anhang, einleümnf !•; jcae Moat 
man wioler, diese sommerfrüchle, oder »inier aod loaair- 
getreide. Üiitricu naturhisL-öktmemu vt. (t Jm ISIft) MI. 

Y) bedeutmigsdiffiienzierunt) »atk 4er teite der faUmmg: «ad 
assen von den fracbten der erd. Jaenf k» U iei Efi«»*ttt« 
und Kobibcer; vnd assen vom gcU«i4« de« UmU, •■ tmittm 
lag Patsab, nemiicb, vngeseurrt brod «od a«o|eo, akta 4c*> 
selben tags, und daa man bürel auf des anders tafs, da 
sie des laudi gelreide assen, das die kiodcr Israel ke.o Maa 
mehr ballen, sondern sie aesea des getratds «oa Uad« 
Canaan. Lorasa Jana &, li «ad I3: getraid, alleriey fiacU 
der erden, koru, das« auff dna b»lai «Sckst, fn mäaim m far 
in generi HB!«tsca lU«; ein lacfckficlM »olfaile aMaecbUher 
narung ist dieser ze.t gewesea, das aaa ia ixn. j»r eia nck 



voll blosses geueids vmb viertibeftaa pbapart, diacM nak 
zwen, vod den babern vn aaderiMibra iaalK. aber im 
(ralinf de« UTt. jar« war scbr kalt vod Irwacig . ea bvseaa 



4463 GETREIDE II (abgrenzung gegen körn) 

auch die veidineuse die frucht ob, das kaum der dritte theil 
zu nutz l(ame. Ch. Wohstisen Basier chronik (1580) 139. 

S) die allgemeinheil des begriffes getreide, die nur specialisi- 
rungen nach der seile der gattung und der qualilät zuläszt {vergl. 
sp. 4471), veranlasile für beslimmle enlwicklungsslufen entlehnun- 
gen, so vgl. getreidefrucht. 

b) gegen körn grenzt sich getreide ursprünglich durch seine 
function als Sammelname und collectivum ab; es vertritt die ge- 
sammthcit im gegensalz zu der einzelnen gattung, die masse im 
gegensatz zu dem einzelnen beslandtheile. dieser ursprüngliche 
unterschied der bedeutung ist freilich durch den entwicklungsgang, 
den rjtrade körn genommen hat, vielfach ausgeglichen und ver- 
wischt, immerhin aber wird er doch noch heute im einzelnen falle 
wieder deutlich und fühlbar, 

n) die unterschiede im bedei.itungsumfang machen sich nament- 
lich in den colleclivbddungen gellend, die aus körn ein Substantiv 
entwickeln, das als sammelwort dem getreide zur seile tritt. 
gckOrne wird schon von Khümtz 18, 19 ah hessische nebenform 
dem oberschwdbischen drait, bairischen traid an die sielle gesetzt, 
aus der mundart von Zips belegt Schröer 54" gekurn. schwieriger 
sinddie mundartlichen formen zu erkennen, in denen abfall des prä- 
fixes eingetreten ist. sie treten schon in der althochdeutschen 
Periode auf {vgl. theil 5, 1813) und werden noch heute aus Schweizer 
mundarten belegt, vgl chiren als sammelwort für weizen und 
gcrste im Schweizer idioticon 3, 469. es liegt also in vielen bei- 
spielen, in denen getreide für körn gleichwcrlhig eintritt, solche 
eollectiventwieklung des lelzleren vor. übrigens hat dieses auch 
andere gebrauchsformen entwickelt, in denen es dem getreide 
nahe kam, so i.b. den fall, dasz die einzelne unterart — als 
meist verwendete — gerne für die ganze gattung gesetzt wird, 
speeies pro genere. hierher gehört z. b. : das sie getreide auf- 
schütten in Pharaos kornbeuser. Luther 1 Mos. 41, 35 (vgl. 
kornhaus, kornkauf unter getreidehaus, getreidekanf). 

1)) das getreide wird dem körn als allgemeiner begriff über- 
geordnet : und was doch sicher in rechter warhait so vil 
korens von alierlai getraid hie in der stat und alles ander 
ding, wes man bedürft. Augsb. ehr. des ß. Zink d. städte-chr. 
5, 256; körn und ander traid ward genueg und guet. ebendort 
326: vgl. auch Freiberger stadtr. cap. i2 $ 11 oben sp. 4460; es 
gebieten unnser herren vom rath, das kein peck oder beckin 
noch nymands von iren wegen mer weytzes, körn oder 
annders getraids fürkaufl'en sol. Nürnberger polizeiordnungen 
215 Baadeb; welcher beck oder beckin über das überfür und 
darum gerügt wurde, der soll von einem iclichen sumerein, 
welcherley getraid das were, domit er dits geboth überfaren 
bette, gemeiner stat zu puess geben ein pfund newer haller. 
ebendort 215 ; nachdem layder das getraid alles korns aus 
grosser Unordnung und sonderlich aus vil der kornfürkäufer 
in hochem kauf und werd gewesen . . . demnach gepieten 
meine gunstigen herren hurgermaister und rath der stat 
Überlingen und wellen das . . . auch alle die jhenigen, so 
den markt des getraids alhie zu Überlingen mit kaufen und 
verkaufen besuchen werden, solch nachgeschriben artickel 
vest und stett halten. Ordnung von 1534. zeitschr. gesch. Ober- 
rheins 19, 406; allerley getreyde, körn, weilzen, rocken, habern 
etc. LüTBEit über das erste buch Mose (1527) G3'; getraide, 
jährliche fruchte an körn und anderen dinge, darvon man 
lebt, provianl, cibaria, res frumentaria, annona, frumentum, 
quod ad annum reponitur, commeatus Hbmsch 1586; frumentum, 
allerley korngetreid. Calepinüs (1570) 613; vnd wenn vil 
würme im körn oder andern getreide sein, so spreng vmb 
den boden mit wasser. Coleb hausbuch (7. cap. 44) 245" (1616) ; 
rocken oder körn ist das gemeinste getreidicbt in diesen 
landen, vnd hier wird in der Cbur Brandenburg nur vber 
Winter geseet. ebenda 262 (8. cap. 3). 

2)) wo die bestimmte gattung des getreides gemeint ist, tritt auch 
im Verwendungsgebiete unseres Substantivs das synonyme körn ein, 
vgl. theil 5, 1816. beispiele bieten namentlich die bairischen rechts- 
aufzeiehnungen. ü/J. stadtrecht von München 412 Auer u. a. 

ß) die gleichttellung beider substantiva knüpft, wie oben dar- 
gelegt, an die eolleclivbedeutung an, die sich auch am einfachen 
körn für bestimmte zeiten und landschaften nachweisen läszt, 
vgl. theil 5, 1816. diese ist in der Schriftsprache heute nicht mehr 
üblich, den salz aus Ruprechts rechtsbuch: swer chorn oder 
gras sneidct (§ iO') führt schon Westenrieder {beitrage 7,211) 
im register unter getreide oder gras auf. die gleichsleltung der 
beiden worte prägt sich entweder in einer Verbindung der Syno- 
nyma aus oder in einer wechselweistn Vertretung, 



GETREIDE H (abgrenzung gegen Uorn) 4464 

l)) der erste fall zeigt je nachdem asyndetisehe oder syndetisehe 
form : 

a)) die asyndetische form dient der begriffsumschreibung und 
erscheint vorwiegend in Wörterbüchern: fruges , koren, getrede, 
alphabetisches Wörterbuch von 1421 Diekenbacb nov. gloss. ISS"; 
getreid, körn, frumentum Frisiüs (ausgäbe von I'M) 112; fru- 
mentum .. körn, getraide Biancard lexic. medicum (1777)544. 

ß)) die syndetische form wird unter anderem begünstigt durch 
den Verwaltungsstil, die kanzleisprache, die ja die doppelformen 
besonders liebt: die taub isst neur körn und getraid. K. v. ÄIegen- 
BERG buch der natur 180,4; rait er zu besehen der slat zeug, 
auch körn und traid. d. städlechron, 11, 464; kein zehenden von 
treit ode kurn. Schweizer urk. von 1526 bei Staub und Tobler 
3, 469. dazu vgl. die belege aus den Straszburger polizeiordn. oben 
sp. 4461. im Vordergrund stehen die kanzleien, in denen ein mund- 
artlicher austausch beider formen stattfindet, so in Augsburg an der 
bair. -Schwab, grenze und in norddeutschen hafenslädten, wo nieder- 
deutsche und mitteldeutsche einflüsse sich kreuzen : ain rat . . . 
bat eikant, das die burger wie die gest ir körn und getraid in 
die schrann zu Augspurg zu verkaufen wol füeren . . . mögen. 
AuQsburger rathsdecret über den kornkauf von 151" und so noch 
öfters; alles und jedes körn und getreidig, so hinfüro in 
dieser stadt verkaiifll und geliefert werden möchte. Hamburger 
kornordnung von 1609 in Schmollers forschungen 8, 5, 131. auch 
Luther giiM für diese doppelform beispiele ab: körn odder 
getreide. der prophet Sacbarja (1528) R4'; allerley körn und 
getraidig. briefe 4,8 de Wette, 

2)) der iweüe fall steht entweder im dienste stilistischer rück- 
sichten oder mundartlicher gewohnheiten. 

«)) schon bei Nicol. v. Jercschin wechseln die beiden formen 
getreide, körn je nach den bedürfnissen des reimes oder vers- 
maaszes. in 19114 stellt er inmitten des verses getreide unde 
gebuide für feldfrüchte und fruchtscbeuern zusammen, in 
23 16S dagegen: beide gebuide unde körn 

daj vraj gar des vüris zorn. 

ß)) getreid, vide körn Schönsleder (1663), auch Schedel im 
waaren-lexicon (Weiszenburg in Franken 1789) 1,398 verweist 
unter getreide noch auf körn, im teutsch-englischen Wörterbuch 
von 1716 ist namentlich unter den Zusammensetzungen auffallend, 
wie spärlich getreide als compositionselement auftritt (2 mal) 
gegenüber von körn, unter den neueren Stilisten verräth sich 
Bisharck auch darin als angehöriger des nordens, dasz er ge- 
treide nur gelegentlich und im stetigen rückstand gegenüber dem 
heimischen körn verwendet: ich glaube deshalb, dasz, wenn 
der preis des getreides durch diesen auszerordcntlich niedrigen 
zoll auf körn, der unter 5 procent des werthes bleibt, nicht 
afficirt wird. Bismarck reden (reichslag %i.maiiSi{>)S,i3; dasz 
der verbrauch von körn für andere Verwendung, also bei- 
spielsweise für hier, branntwein, zugenommen hätte, dasz 
weniger getreide im inlande gebaut sei wegen des rüben- 
und kartoCfelbaus. 8, S9. 

y) unterschiede im bedeutungsinhalt gehen von einer bestimmten 
bedeutung von körn aus, die sich namentlich im plural körner 
ausprägt, getreide stellt in diesem zusammenhange das ganze 
der pflanze dar im gegensatz zu dem einen bestimmten theil ver- 
körpernden concurrenzwort. vgl. das körn des getreides ob. fp. 4460 
aus Bebeims evangelienbuch ; dasz sein akker ihm mehr scbarffe 
dürner als getreidig kürner hervorbringen. Bütschry hohe kanzelley 
688 ; getraide, wachsend körn, dictionarium grammaticale (\S.jh.} ; 
unterdessen wird man finden, dasz die landwirthe, welche 
am meisten mit getreide und körn umgehen, noch diesen 
unterschied machen, sie brauchen nämlich das wort körn 
auch von demjenigen, was gesäet wird, aber das worl ge- 
treide nicht, man sagt Saatkorn, aber nicht saatgetraide. 
Stosch versuch in richtiger beslimmung einiger gleichbed. Wörter 
2 (1777), 141. auch dieser unterschied ist durch die ausbreitung 
des Wortes Saatgetreide (s. u.) verwischt. 

3) umfang und inhalt der bedeutung von getreide. 

o) der umfang der bedeutung erweist sich verschieden , je 
nach dem zusammenhange, in dem das Substantiv auftritt, es 
sind engere und weitere begriffe, mit denen getreide zu einer 
gruppe zusammentritt, und je nachdem erweitert oder verengert 
sich der umfang seiner bedeutung, 

et) ausz gold, getraid vnd wein, 

mag ohn sünd kein wacher sein. Henisch1587 aus Pktri; 

ich und meine brüder und meine knaben, haben inen auch 
geld gethan, und getreide, den wuchcr aber haben wir nach- 
gelassen. 80 gebt Jnen nur heuts tages wider jre ecUer« 



4165 GBTRKIDE II (lipdcutungsumfang) 

Weinberge, Diegarten, und b«>u«Kr, und den bundertetteo am 
gelde, oui gelreidr, nm nin<>t, und om Me, da* jr an joen 
gewuchert liubi. Liit*» AVArtnia &, 10 ; daaz etlirbe getreyd, 
iTerd, Kkiber, und dergleicben wabr an ein geld kauffwei» 
ürbLigen, und vil hölipr dann aulcbe wahr immtr nag 
. citb teyn, und durdurcb ein uirrkhcben grotten wucher, 
uU mlinniglicb Mietend, lu wegen bringen, kanerl. niajetUt 
Ordnung und rrfoimalion guter foittey. Auyiburg I5S0 rneh$- | 
abtehifdt 3, S«l. 

(i) lucti In gepirgen verr und nahen 

l«l «OKcl tinU «illfral iw fallen, 
•ui'h In den delern wun und wdIU. 
an* l'ayren prInRi man vil grireld, 
auch proi und fltUch, Oa» icti diri kOeri 
allerley ipectrey und wOeri 
dm man in reclitem kaufT. 

II. Sacu» lobnpmeh der ilat Sahburg 
31, 465 KMUr-CMtf; 
liai laotte laDd (Baitm) in der geineia ist fnst frucbtbor, 
icirb an aailt, getreid, vibe, vischen, hultx, weyd, wilprel 
und kurtz ulies was la der achnabelweyd dienet, tat allda 
uhrigs gnug. Atk.iti:i dironik Frankfurter ausgabt (tsne) 13' (in ! 
der älteren fattung (reid vgl. wirke IV' 41); und diia ist die 
erst spnicb. und umli daa alles geben sie in die vogtei 
gulrait, liüener air und pfenning mit aller gerecbtigkeit als 
die TOD Neinkircbeo bubvn. wei$thum von Gloggnitt (\i.jahrh.) | 
i'slerr. wetsth. 1, SOI ; wer nicht wein oder bier hat, die fnsz 
XII füllen, der wird sie mit getreydt, sallz, fletsch, kraut, 
kiimpost und ruhen einfüllen. Fiscbast aller praäiek groti- 
multer (1633) B; allein der berr setzt oder legt ihm jarlicb 
ein nigen tribut oder Schätzung auf, wi viel er ihm getrnids, 
wi viel schuf, wi viel klaider er ihm gehen sol. Mictilus 
rac<(uf {Germania 25) tSül. { 

y) an getreide, inehlkurn, malz, hrunntwein und futter- j 
srbrot wurden in Stettin verbraucht. Tb. Schmidt ge^chich^^ < 
dfs handeis und der schtfffahit Stettins 7; dns produclengeschaft 
in getreide, spiritus und ül gewann in diesem abschnitte ' 
eine erhöhte bedeutung. 84; die groszen iirtikel: getreide, { 
Zucker, spiritus und buumwolle erreichten einen so tiefen 
Preisstand wie nie zuvor, handelskammer tn Hamburg, berielit 
für it)91 ; die biirse zu Berlin hat zum zwecke die erleicbte- 
rnng des betriebes von bandelsgeschüflen in . . geireide und 
mebl, bnumalz, .stärke, zucker, saal, rübol, petruleum, spi- 
ritus, hulz und anderen producten und waaren (producten- 
lii')r«e). retidirte börsenordnung für Berlin (iSSä). seitscltrift ßr 
Handelsrecht '}t,383. 

8) als ob, je hiiher die getreidepreise wären, man mit um 
so grOszeren gelddpfern hrud und ge:reide bezahlen musz. 
E. HiCHTER deutscher reichstag n.yaniiarlSM. 

c) wer ainem grast oder grasen iist in ainea antern 
wüsen, rain oder getrait, den mag man darumben pfenten. 
itttrr. weislh. {Hohr- Schwartau) 7, 343 ; gras oder getreid. an- 
merkungen über den *getrtidbiiu Salsburg 1S90 s. 13; erstlich 
was Schwavghofen nun der hurger lieh bous vnd draydt- 
sladel das sy da ir lieh, trayd, bew, vnd strow betten. Sa- 
BASTun FiscBRB cAroni* von Ulm -216 Veetenmeytr ; hnbern 
und truidt Osterr, weisth. i,ibi; bew oder traidt 7, 403.33&; 
getrride und stroh. anmerkungen über den *getreidbau 43; 
brennendes getreide und stroh aus den stallen und speichern, 
\ua der macht der glutb emporgejagt, sank auf allen seilen, ' 
wie ein slernenregen aus der hübe. Zsciioisa {freihof von Aarau) ^ 
noteU. und dicht. 6, 146; alle die so fueter und schwUres ge- 
trait hingehen oder vrrkaufTen. treisthum von Stockerau 1500, ! 
• Urrr. weulh. 8, 447. j 

b) ebenso wie sich der umfang des Substantivs je nach dem 
:usammenhang, in dem das morl eisdieini, ntanntgfaitig abgrenst, 
so entwickelt sich auch der bedeutiingsinhalt bald reicher, bald 
knapper ii\ den auftiUilungm, die das Substantiv als erliuterung 
und erkldrung begleiten. 

n) nemlichen das bynnn fürler niemand deheinerley getreyde, 
als weissen, rocken, hebern, garste, erbissen, honen, lynsen, 
zuybelsot, senf, magesot, hanfsot, nusse und anders des- 
glichen fürkoufen soll, ulldiewile das noch in dem velde stat 
und noch nit in hnse oder schüren gefürt ist. Stras:burger 
poiisnveroTdnungen Bsuctia s. 588 {li. jahrh.). 

fi) allerley getreyde, körn, weilzen, rocken, geraten, habero, 
hirsen, reiss etc. Lotiieb über das ertit buch Mos« (1537) G 3*; 
alle gewfichse, welche zur faroilie der grSser gehören, deren 
saamen, wenn er reif, hart und rein ist, ru mebl gemahlen, 
Hud auf beliebige art veo manschtn ala «in gesunde und 



GETRßlDE II (b«deutungtinh«lt) 4466 



nahrhafte speise geneeat« «M, «trim na ptHnii» ge- 
rechnet. DieTRicN naiurUMtriwk üktmtm. l n km U t f .' *aW*i. 
{Um isio) 591; in dem «leiterea omfange 4er bedeutuog, 4tr 
aber nicht der ge«Obnlicbe ist, werden oft alle bola«»- 
frUcble, bobneo, crbseo etc. mt anter itm nabneo im 
getraides begriffen. KaOniTi 16, 30. 

y) die gebrduehltekste tketlumg in MMfüSflMdtot fHdH IM* 
bn HüNinCR durchgeführt; er umientMlM (UM) far <■ feaar«; 
dasz uir dem balm wichszt, frumentum, und ftr tm ifetit: 
diockelkurn, kern, der aügemetnrre begriff, M .m a/tr umf 
dem halm wachieiden arten trreinigl sind, mri Iher dem tnfrttn 
begriff gegenüber ge^eül, in dem dn bredfrntkt aü Ittmftmtkrmnp- 
mittel des mentehen im betonileren kervortrHL dem «nltfrteitm 
auch die meisten bettpiele aus älttrtr mnd neuerer uti. 

I)) die ordnnng de« gelraids des Nürnberger rthet mkritft 
gegen Älbrecht von Brandenburg befosit srek mit babem, kern 
und waitt. d. slidtechron. 3, S<>3; ao lang der reicbstaf bat 
gewert, ist das iraid in disem kaiilT gewesen: kaber 31 groack, 
geraten 30 groschen etc. d. stddteehron. 33, 61 ; so liel ich aber 
von einem dolmetscher hahe vernoroen, haben sie für einen ge- 
waltigen zag und streit wider weizen, grrtten, hafem, malz 
ond allerley körn und getreidig, und wird mancher hiter ki« 
werden, und groase ibaten thoiu LoTnit ftrtr/'« (3*. Cfril tun) 
4, 8 de WetU; getraidig, »dem quod getraid . . . M IrMaa«, 
hordeum, olytra, spelta^ ticia, avena. IIrnisci INI; m*rihu 
tamen nostru disltnguäur gelreydig ein hart odar «eickea. 
hart getreidig eontinet triiieiini, süiginem, horde%m «t cittrei, 
als rocken, weitzen, gersten, gemanck und weich kern vnd 
gelreydig compreliendit arenam habern. P.M. Wkskub p^ecHe. 
juris observat. 324 ; die bier werden, nach gelegenbeit des Lndes, 
aua unterschiedenen getraidem gebrkuel, aus waitzen, geraten, 
babern, dOnckel, jedem besonders, aber aurb wol bis» eilen 
gemischt. Hohbibc (7. eap. 93) 3, 1U6* ; wer habem oder ander 
getraid fürkauft und den wider verfüettert, der aol daran nil 
mehr gewinnen, dann was er über 10 ^ kauft dran soll er 
nur 1 ^ gewinnen, weistk. von Gars 15 jakrh. tslerr. wtttlM. 
H, 755. in der gaunersprache trilt ebenfalls der kaber im W- 
devtungsgehalte des getreides hervor, vgL Ckedkamer - Laadken 
s. 182 mit $. 119. anders getrendelte, gcrnlte gatraid ff«J!f* 
gerslenmusz. Hbmscb 1587. 

2)) auch neben der seelen speisz, bat er uns nicht allein 
mit leihlicher speisz zu dem allerbesten versorget, als mit 
weylzen, apeltz, rockcnkorn, und allerhand köstlichem getreyd, 
alau, dasz wir an gutem herrlichen brut keinen luangel haben. 
TABeBNAEBONTANUs wassersehots voriede 5*; das getreyd, kom 
und weylzen wflrd dem armen am kaufT alzeii zA tbeur und 
dem reichen zi^ wolfeil sein Fiscrabt alter praktik gfermulter, 
neudruek 33; zihet hinab, und keuffct uns getreid, das wir 
leben und nicht sterben. Lcrnaa i Mos. 4.*, 3 ; diaweyl aovil 
armer under uns sein, die dess notturftig «ein, so ist das 
durch uns allsampt beschlossen, das man das traid allea 
tailen soll, und ain yeder das se^n zu im nemen, und »eli- 
cher es nit bedarf, der geh es ainem, der sein notturftNl 
ist. besehlust der kürsehner bet BAOMAnn fiidl«« sw ftte k ie**e 
des bauernkriegs in Rotenbmrg a. d. Tauber 343 ■. a.; daa |«lraids 
halben, so liegt in beiden coneniureyen des deal«4-hen ordens 
und zun Hennsern, auch Barfusser und frawrncloaler und 
ander gaistlicber ort, ao ausserhalb etlich k rofc si t y t o 
chi>rherren, so hie in Holenburg ligen haben. 
der bültner und sehreiner; unser gesummter brol» md 
consum besteht aber doch nicht bloss an« den twi« 
16 und 3u millionen «ariirenden eiufabrungen von gtiraiif^ 
aondern im sehr viel grOszrren theil aas daaa M «M g»- 
bauten getreide, und unsere gesanrote grireManrndxHo« k»- 
trigt im durchschnitt jährlich znisrben tao oMtia ■ilüana « 
cenloer an brotgetreide, wobei ich bloss weitM 
rechne und von gerslenbrod und dergleicben 
kartoffeln, gänzlich absehe. Bis«aicb (14. ;«a< mSi 
reden 9,378. 

4) der geltungsberetck des saksaanliaa M mikäUimttml§ k»> 
sdsrdukL WH dn weni Umdnkaftätk mmfm fl M, » ftaiit e» 
•mtk m der wtUolktmlidUm ftrimstf der ifrieke keime tfddr; 
e**Ma M e$ dtr fs*afaMS apradk dm dm/Ummg fremd: dm 
4k tmttf- umi wnMttanfssprwAr , der 



tiftiUbtkt fekiit tUdtl «• raaM». mmd wnMttinfssprMAr . mr 
ämhdflmiim§t m im s akii ^ nnk « . 

«) t» iHiiMipilW* dm Atoaam «ntf sMAr /Mft dm nwvf 
ac*«>i ins l«. ftkrk. melfmk im mmmit^ ssr räcMM aü* ftpra die 
MrUkBevwnf de» felreidetf »md Mimr det §mm mä 



4467 



GETREIDE II (Verwendung) 



GETREIDE II (Verwendung) 



4468 



bis in unser Jahrhundert ; erst in diesem wird auch gegen dk ver- 
büUgung des getreides angekämpft; vgl, auch unter getreide- 
handel und getreidehandelspotitik. 

«) getreidelaxen: wer auch darüber getreid aus unserm 
lande gäbe oder höher im lande, dann eben begriffen ist, 
verkauft, der oder dieselben seycn uns zu pön verfallen. 
herzog Heinrichs landgebot 1437 KnENNER 4,93. ebenso die Mrn- 
berger Ordnung zum getreyde von 1449 d. städtechronik. 2, 302 
anm. i u.a.; wer da kauft oder verkauft getraid, er sei ge- 
sessen oder ain gast, der sol den metzen nemben bei dem 
richter. österr. toeisth. 8, 755 {Gars 15. jahrh.). 

ß) indirecte masznahmen: es haben dy herren von Paiern 
in irem land ein Ordnung im piersieden fürgenomen, nämb- 
lieh von Georgii pisz auff Michaelis ein masz umb l w. {weisze 
Regensburger Pfennige) und von Michaelis pisz auff Georgii 
umb 1 baller bey groszer straff, weiten den traid wolfeil 
damit machen, es geschach auch, das vil gersten gepachen, 
so sonst gesoten wer worden. Wibhaukb Chronik von Regens- 
burg (1529) d. städtechron. 15, 99; item lasz auch öffentlich 
berufen, dasz niemand solchen getreid, er sey heueriger oder 
fertiger {ferndiger) erhalte {zurückhalte) in keine weise, sondern 
in obgeschriebener maasz den verkaufe, ausgenommen so 
viel er dessen in seinem selbstigen hause bedärfend ist. 
landgebot herzog Heinrichs von 1437 6« Krenner 4,95; item 
lasz auch beruffcn öffentlich, wer in obgeschriebener maasz 
den getreid nicht verkaufet, und unserm gebot nicht nach- 
gieng, wo wir dann solchen getreid erführen, der verhalten 
würde, es sey bey priestern, edelleuten, burgern, oder bauer- 
mann, dasz wir dann diesen zu unsern banden nehmen 
wollen, ohne aller gnade, ebenda. 

y) ausfuhrverbote und sonstige Verkaufsbeschränkungen ; sie rich- 
ten sich gegenden fürkauf des getreides in den Nürnb.polizeiordn.: 
gebieten ernstlich, das hinfiiro nyraantz eynich getraid, das 
man here zu marckt bringet . . fürkauffen soll . . er wolte 
dann das selbs verarbeyten oder verpachen. Baader 214 u.a. ; 
es sol auch nyemand durch sich selbs, seinen gewait oder 
sunst yemand von seinen wegen eynichem getraid, das man 
her zu marckt zu bringen vermeint, für die thor unnd in 
der meil nit entgegen geen . . sunder man soll solich getraid 
frey on alle vorwort herein in die stat auff der vier märck 
einen . . kommen lassen. Baader 215; dasz sie in ihren landen 
und gebiethen dem erbfeind keine zum krieg diensame 
Sachen abfolgen lassen, ihro kayserl. majcstät aber die Ver- 
ordnung thun wollen, damit das getreyd nicht auszer dem 
reich verführt, die fremde heim- und öffentliche Werbungen 
verboten, reichsabschiede 4, 6 {reichsschlusz vom 7. febr. 1664) ; 
alle theile dieser allerhöchst-kayserlichen Verordnung zielen 
auf den nemlichen, sogar den mindesten reicbs-untcrtbanen 
erspriesziichen endzweck, womit nemüch einerseits aller 
noth und abgang vorgebeuget werden, andererseits aber das 
gelruid, oder aller gattung fruchte wiederum in ainem an- 
nemlichen preis . . zu haben seyn möge. Justi memoiren III 
anhang (einl. 10); nachdem der fürkauff des getrayds unter 
allen ungöttlichen wuchern der allerürgst . . so ordnen wir 
vnd wollen, dasz ein jeder unserer unterthanen unserer graf- 
schafft Hennenberg inner lands so viel getrayds, so viel er 
des ungeführlichen zu seiner gebührlichen haushaltung noth- 
durfft, und nicht mehr kaufen mag, aber auszerhalb landen 
soll er getrayd kauffen, in unser herrschaft führen, und 
wieder verkauffen, so viel ihm müglich. Hennenberg, landes- 
oränung (1539 resp. 1720) s. 202 vgl. auch Arnstädter stadtiecht 
unter getreidig. 

d) bestrebunnen für hebung der getreidepreise (s. dort) zum 
schütze des getreidebaues (s. durt): niichst dem landniann, als 
dem producenten der fruchte, verlieren aber die handwerker, 
kaufleute und fabrikanten in den stiidten . . wenn das ge- 
traide einen zu geringen prtisz hat. über den freyen gelraide- 
handel (Leipzig 1804) 36; bei dem freien verkehr mit den 
Vereinslanden, der künftig ein anderer, als der bisherige 
vielfach gehemmte sein wird, sind zwei hauptbedenklich- 
keiten aufgeworfen worden, die erleichterte fruchteinfuhr 
aus Würteniberg, die zollfreie weineinfulir aus Bheinbaiern 
. . . angenommen ein wohlfeilerer preis der fruchte würde 
auf die beschränkung unseres fruchtbaues wirken, so kann 
ich darin durchaus kein unglück sehen , sondern vielmehr 
einen vurtheil . . . die beschränkung des fruchtbaues wird 
davon eine natürliche folge seyn und auch das getreide auf 
einem den anbau lohnenden preis erhalten, v. Böcer über den 



deutschen Zollverein II badische kammer 30. jum 1835; wir sind 
heut im ganzen in der läge in der weit, dasz viel mehr ge- 
treide gebaut werden kann, als verbraucht wird, dasz schon 
jetzt das angebot im ganzen gröszer ist als der verzehr. 
Bismarck reden {reichslag 2t. mat 1879) 8, 68; ich glaube, dasz 
wir auf diese weise unter einer Überführung mit getreide 
leiden. 83; ich habe mich ausgesprochen . . um ihm nach- 
zuweisen, dasz ich unter umständen eine höhere Verzollung 
der landwirthschaftlichen producte gewünscht hätte — in 
bezug auf das getreide nicht viel höher, denn der zoll für 
getreide, namentlich für die getreidegattung, die am meisten 
als nahrungsmittel dient, für den roggen, soll meiner meinung 
nach kein Schutzzoll, sondern ein tinanzzoll sein. 35. 

b) privatrechtliche und allgemein ökonomische litteratur. 

a) hierher gehören die meisten der unter 11, 1. o angeführten 
beispiele aus den weisthümern ; ebenso: übrigens seint solchesz 
die unterthan schultig zu führen oder zu sämen und diszes 
umb so vill mehr, weilen ihnen anjetzo vüll voranfuhren 
auszbleiben; dan vor jähren gienge vill weniger gedrait auf 
im schlosz alsz anjetzo, wurde also der übeischusz in das 
stuft hinausz geführt, österr. weislh. 6,99 (Festenburg 1738); 
bei abrichtung des diensttiaids sollen die undertiianen nicht 
mit fleisz das schlechtere der herrschaft reichen, sondern 
gerecht, gleich doch, wie sie ihr anders gedrait selbslen haben 
und auszstauben. ebenda u. a. vgl. auch dienstgetreide sp. 4472. 

ß) die polemik gegen die getreidewucherer ist schon in der 
bibel vorgebildet: der do verbirgel daz getreyd, der wirt ver- 
fluchet vnder den völckern. aber der segen wirt auff das 
haubt des verkauffenden. sprüche Salomonis U in der vor- 
lutherischen bibel bei Koburger; eine grosse vnbarmherzigkeit 
ists, wann einer den traidt zur zeit der thewrung verbell, 
verschlegt vnnd ausz lauter geitz eine gantze gemaind begeret 
zu pressen vnnd auszuhungern. Abg. Albbrtinds Gusman von 
Alfarehe (München 1615) s. 258. 

y) zahlreiche Verwendung findet das Substantiv in den öconO' 
mischen handbüchern, die am ende des 16. jahrh. auftauchen: 
man musz auch bald im anfang fleiszig nachforschen, wie 
viel ein mandel oder ein schock garben getreides geben. 
Coleb hausbuch (8, cap. 3) 263' (1616); jedoch musz auch gut 
vnd gering körn durch einander gedroschen werden, denn 
sonst gibt gut getreide mehr, dann das geringe, ebendort; 
wenn einer dieses also in acht hat, so kan er anfengllch 
leiclitlich finden, wie reich er dasselbige jähr an getreide 
sein kann, ebendort; von rechtswegen soll das getreyde, das 
man verbrauen will, über ein jähr nicht alt seyn, dann 
würde man vierdiges und heuriges untereinander nehmen, 
so würde es ungleich weichen und wachsen und viel zurücke 
bleiben, also kein gut maltz werden. H(ihberg (7. cap. 71) 
2,93' u.a.; wenn das geträyde oft zu wenden sey? in der 
kornblüthe musz man das geträyde fleissig und offt weniien, 
damit es um diese zeit nichts verderbe, und ichadhafft werde. 
Bbcheu hauszvater 54 «. a. nach anderer richtuni] weist die 
Schrift von Wolf entdeckung der wahren Ursache von der 
wunderbaren Vermehrung des getreids 1718. sie steht im Zu- 
sammenhang mit ähnlichen bestrebungen jener zeit, die getreide- 
production auf künstlichem wege zu steigern. 

c) in Sprüchwörtern weisen die wenigen belege für unser Sub- 
stantiv auf die oben gekennzeichneten landschaflliclien Verhältnisse 
zurück: solche grosse, in der Christenheit, vntreuw, zwy- 
tracht und widerspennigkeit kompt ausz mutwillen des bapsts, 
voraus Jacobs von Baburck, die S'ch der Sachen, jn nicht 
gebürend, vnderstehen, vnnd mit ihrer sichel (als das gemeine 
spriciiwort in den geistlichen rechten lautet) anderen leuten 
jr getreyde wider alle billigkeit abschneiden, urtheil Ludiiigt 
des Baiern über den pabst Johannes bei Aventin chrvnik (buch 8) 
ausgäbe von Frankfurt 1566, s. 493* (traid in der alteren fassting 
vgl. werke b, HZ); hast du mir das getreide ersäuft, sagte der 
bauer, so hast du mir doch nicht die thaler ersäuft. Lutukr 
tischreden 253' vgl. Wander 1, 1640; wenn man das getreide 
wirft, verliert es die spreu. parömta/con 2269. Wander l, 1641; 
getreide säubert man mit dem winde, die lasier mit dem 
henicer. Winrlfr zwei tausend gute gedanken {Görlitz l(i85) 15,00. 

d) auch in der prosa der scliriftsteller überwiegt für den ge- 
brauch des Substantivs je nachdem der mundartliehe einflitst oder 
der geschäflsslil der spräche. 

a) in die erste reihe gehört Luther, bei dem das wort auch 
an stellen auftritt, wo die sentenz zum Vorschein kommt, oder 
volkstMmlidie anschauung durchbricht: dan Christus sagt Matlici 6 



4469 



GETREIDE II (Verwendung) 



(«, 25 jedoch andtrt fa$iung) ir «olt nicht lorgkfeltigk uio, 
wa« ir eisen adder trinckeo wolt, aoUibeo, wur mit ir euch 
becleidigen nioditei. lebet an die vogel de« hymmeli, die 
weJdrr iren adder einernen, ile lainmeln auch kein getreid 
in die iclieuren und ewei bymroeUcher vater neret tje. aut- 
Itgung dt$ votfruntert I&18 mtrkt 9, 141 Wtimar; wie HaggBua 
«tigt: ihr iioml)lrt Tiel, aber ich mache den beute! löcherig, 
und blute in* getreydig, dast ihr doch nichts behaltet (IM2). 
t>, 437 Jtna. ebento m zahlreichen stellen der tuchreden, vgl. auch 
oben $p. 8 und 9. auch G. FiavTAC tetgt eine verliebe für unter 
wort, di4 lichtbar auf mundartlicher grundlagt beruht: »o kamen 
■ie alle, jeder in seiner weise; manche, die kein geld halten, 
boten getreid^. aus einer kleinen stadt (1880) 277 u. a. 

ß) es wird deai getreyds so vil werden, dasi mans mit 
seitlern, mUiten, sQmmern, schnfTen, schBflein, maltern vnd 
Vierihein wird auszmessen. Fiscrart aller practick grosimutter 
(1623) B': Germanicus kam mit einem mUchtigKn beere in 
Punnonien, denn der kayser hotte nicht nur freygebohrne 
darzu geworben, sondern auch bey damabliger tbeurung viel 
tausend frey-gelassene um getreyde zu kriegs-dienslen er- 
bandelt. LoHKNüTBii Arminius und Thusnelda (I, 4) t, 401 (1«80); 
aber bald wird die gegend im gebirge rauher, wir aaben 
dtinneres gelreide, niebrentheils noch nicht in ihren geschossen. 
Stolbbrc reist in Deutschland ete. 79. brief; wir zogen weiter 
und fanden das land zuletzt wie im Saarbrückischen zwischen 
wilden und rauhen bergen wenig dürfer; man verlernte hier 
sich noch getreide umzusehen. Götbb {diehtuny und wahr- 
heil) 2i, 330; seht doch, wie schön das getraide steht! die 
bäume brechen fast unter ihrem segen — der weinstock voll 
boCTnung. Sciiiilcr (riuber 3,2) 2, lt&; durch herrliche felder, 
die eben jetzt mit glänzend grünem mais und banf bedeckt 
sind, nach Aversa. ein fortgesetzter garten bis Capua. das 
gelreide liegt bereits geschnitten auf dem felde. GaiLLPAtZKS 
(tagebuch auf der reist nach Italien) 19*, C3S. 

r) in der gehobenen spräche der poesie tritt das Substantiv nur 
stUen und dann vorvieyend im daktylischen versmaasit auf; 
mtist wirkt es störtnd, indem ts die ansehaulichktit aufhebt: 

so bewegte vor ilermann die liebliche blldung des mädcbeos 
sauft sich vorbei, und schien dem pfad ins getreide tu folgeu. 

GOtbr (Hermann und lloiolhea) 4U,30S; 

hieran sah Ich ein langet gewfihl imelten hinaurgehn, 
tragend Im wlntlgen munde die mächtige latt des geireldes 

Voss üvid (Ifyrmidonsn) 3. 43 (1798); 

'sprich, wie gehl es daheim, ist alle« noch flink und in Ordnung? 
stahl das getraide hoch, und sind die pdaumen gerathen?' 
'wohl ist alles noch fliuk und in Ordnung', entg<'gneie Hudolph, 
'das getraide steht hoch und die pnaumen tiod herilicb geraiheo'. 
Th. Körnkr 'iir terlubunfj, 1. gesany; 

solche düfie »Ind ronin leben. 

die verscheuchen all mein leid, 

bICihen aul dem berg die reben, 

blüht im ihale da« getreid. 

Unland gedichle 'wein und brol': 

feldwlnde schlingt sich um getreide 

in holdem leben, doch, o noih, 

die sichel rsITi tu bodeo beide 

in lieblichem tuiammeniod. 

K. Matss gedicitle* 226 'feldschrecken'. 

ß in metaphorischer Umbildung fügt sich das Substantiv auch 
der poetischen stilform der spracht: 'o drehe den ring Salomonis, 
dasz sein getreide sich mehre. — horch! das lied dei Schnitters 
nahet, schon fallen die Shren Ober den getreidekasten nieder, 
geschwind, beginne den kränz zu ilechten!' da sah ich hin- 
über und sah die sense des Schnitters durch die bahnen 
greifen und sie sanken über einen kästen nieder, gerade so 
grosz wie das büblein ; es war gemacht von fünf brettern 
und zwei brettrhen, und stand Ober einer grübe vor einem 
feldkreuz. BR8NTAi«o(bi<}((<r aus dem tagtbuch dtr ahnfrau) 4, l&S. 

III. dit gebrauchsformtn von getreide im engertn sinne. 

t) das abstractt in der bcdeutung des Substantivs bringt ts 
mit sich, dasz der pluralgelraueli fast ausgeschlossen ist. m 
mundartlichen gebrauch begegnen ansdtie sur pluralbildung, dit 
nnirre Schriftsprache bedient steh dafür dtr susammensttiung 
getreidearien {s. d.) vgl. auch oben sp. 10: die bicr werden, 
nach gelegenheit des Inndes aus unterschiedenen getraydern 
gebrSuet. Hobbbig 3, 108*. fiiuroi liegt auch vitUtxht vtr in: 
die halbreifen kOrner erzeugen die brandühren in den weitzen, 
und bringen auch unter dem andern getreiden keine voll- 
kommene fruchte (den und dem seheinen vertauscht), anmerk. 
über dtn getreidebau {SaU'urg 1790) s. 41 ; sicher ist dtr plur<il 
in: sei es, dasz unsere eigenen markte oder die benachbarten 
IV. 



GETBEIDE III (gebreuchiromwo) 4470 

Sehweiter markte mit den WartenberfiselMa |«lreMM AWr- 
fOhrt werden. .NBecmus 1 Miuk$ kammtr M. )«w ifU. 

3) im vordtrgrund aiUr ftbrtmik$f9rwu» lUkt im tAvtbsU 
gebrauch. 

a) sehr btlitbt ül dit tinfiknng tknt rnUktU 

a) bti maait- mnd vtrkJUnitkeitmmnngtn: ick OMtM hk 
auch mit wenig worten etlicbcr Hebräer aast crtckMW. 
Corua ist bey jnen ein maller (elreid, fnieferlicb >«bta 
Leiptziger scbeffei. das wort ,Car' ist noch ia CfcrlaM 
breuchlicb von einem treidmasz. Matbbsio« S«ripU IM*; 
einen scbeffei getreide. Bismabcb riitn 8, 1S> ; lausend latt«a 
getraide. Rbimabus frtii anifukrU; fuhren getreide. %btr 4t» 
frtytn getreidehandtl {Lttptig 1804) 91 ; von dem beym «obao« 
jeder besonderen gattung getreides ausfallenden outzea. 
anmerk. über dtn getreidbau {Salilmrg 1790) t. 43. 

ß) er igoU) kan auch «bernaturlicber weise wolfeila teites 
geben*, vnd getreid vom bimel regnen . . lassen. MATiaaica 
üaripUi 1&&*: aber aie haben ja einen guten bafen ia 
Uiga, und es gebt aocb getreide von dort lucb LObeck, ua 
hier gemitcht zu werden. Bismabcb rtdtn (31. m« It79) •, tt; 
wenn wir getreide zuerst in'a äuge faaseo. Ta. Scaaiof aar 
gtschiehlt des handels und dtr scht/ffahrt SUltins 84. 

y) bei prdposUionaherbindungen, du hauptsächlich dtr suutrtst 
lilttratur tntttammen: gezwang umb getreide difficutUt ••- 
nond« Hbriscb I5M: die einfuhr von getreide BisaAact. 
reden 8, 8t; bald ward aller bandrl mit getreide nur wenigen 
personen ausdrücklieb erlaubt. REiHAacs aus- und einfuhr 
des getraidtt (1771) 29; transitbandel mit getreide. Buaaaca 
reden b, 133; terminbandel mit getreide v. BiaLirsca dtuUdur 
reichst. 9. Jan. 189«; speculiert eine firma in gelreide. ektndmt; 
nachfrage nach getreide u. d. 

I) tinführung mü dem btiiimmttn nrltktl: den abkluffero 
das getraid darmessen. Hbmiscb I&86; hie redet er aocb 
von theurer zeit, darinn das getreide vmb den achten tbeil 
auffschlagen werde. Matubsios Sartpla lU'; kaum das 
getrSgde nun einkömmet, aoll man in dem panseo nicbt 
alles genau an die wand legen, auf daaz die olsa« aai 
der dampf über sich verrauchen mügen. BtcasB kam$94Ur 
(1754) 54; dasz nach gesperrter ausfuhr in die Schweiz 
nichts desto weniger das getraide achier noch um die helft« 
im preia gestiegen ist. Josti uMmotren III. ankang S3; 
eine andere kunst, das getrayd zu vermehren, bab ich voB 
herrn Johann Ehrenreich Geymann freyherrn, bekommen . . 
man nimmt eine art vom getrayd, was man will «. t. v. 
HoBBBRC (7. cap. 32) 3, 39*; denn auf den cantleo, ta 
wasser, kommt das getreide lange nicht iu den aauc tri« 
auf den eisenbahnen, und da ist es namentlich 4er wiatar* 
wo alle frachten billiger sind, und wo man in Rastlaod in» 
getreide gedroschen bat, da wird das getreide verfahren, 
und ich bin überzeugt, dasz zwischen januar und apnl 
die grOszten vorrStbe herankommen. BisaAaca rtdtn %, 7«. 

S) dtm relativen gebraucht duntn' mtstnüiek i*t ptai»$mn 
pronomina, entspreehendt adjeetirt gthörtn jingtrtr ntmilh 
lung an (ttr gleicht tp. Ul\)i welcher in der feiungsMit bd 
tag oder nächtlicher weil einem antem a«in trait von i«m 
acker trueg. itttrreiehisehe mei$tkümtr 7, S43 «. «., tfL ^4« 
«prirAvorl bti Avbmtir obtn $p. 44M %. •; dem nichstta t«a4- 
mann seinen kornvorratb zu rauben, oder diesen so n la^ 
stigen, daaz er ihm sein getreide gern za beliebicca k»- 
dingungeo Qberlasseu mOazte. HBUAata eaa- und mafkkr 
dtt gHrtidts (1771) 0; den moliodiscben provinieo wflrd« 
es aber tbeuer zu stehen kommen, wenn sie den hSvea 
ihr getraide zukommen lassen, und nacbmala von dort her 
sich wieder versorgen sollten. Atndort 31 ; wenn der bod- 
mann sein so mObsam erworbenes getraide . . aof «Im 
sichere . . aber auch belohnende art ao Bton btia|n n 
können weisz. übtr frtytn fitrMtUndtl (£#•% MM) a. M; 
der groszbSndler, der sein getreide, sdoM kaffc« kamU, M 
wohl potent genug, das risiko zu tragen, bis da« g^traMt 
und der kaffee in den konsum aberfchL Gaip itwtmim 
rrichstag 9. Januar 18M: denn die Russen könoM io UhM 
ihr getreide nicbt mischen und dazu nicht dcntachM §Htw»i» 
dorthin fahren, waa achennentrocken ist, aa M aK d«a 
russischen zu mischen. Bisiarcs rtdtn (r<«Asl.3t.aaJ ItT^^lk 

4) synfttittk$ mrUnämmftn. 

a) aijMlMttkt ülrAalf liain kmfMtklitk nf iet Imm- 
ititknunt itr ifd< i | a l l> nj 9itr itt e1midamn§$stmfii m»i dm 
tmUandts. vtrttnttU •erde» »mtk mtnt ttMtkt tifntdttfin a*- 

2S1 



4471 GETREIDE III (gebrauchsformen) 

laphorisch übertragen, der jüngsten enlwicklung gehören die 
mittel zur kennzeichnung der Herkunft an. 

a) 1)) was er jhnen von einer hüben allerley getreyde, vnd 
darnach von allen wiesen abzumeiben geben sol. Coleb hausb. 
(8. eop. 18) 276*, 1616); allerhand getreide, biadume Castelli 
(1730) 1308. 

2)) hart gefreydig, weich getreydig ; s. oben $p. 14. getraid, 
das schwer und fuhrlich ist, als dinckel, waitzen, garsten 
«. s.w. frumentum firmum, robustum Henisch 1587; zum vierten 
solle man den marktmetzen wie das panthäding vermag an 
dem schwären trait an dem mutth umb einen melzen dann 
zu Corneuburg grösser machen und denselben mit gemaines 
markt marktzaichen aufrichtig brennen und verzaichen. es 
soll auch alle die so fueter und schwäres getrait hingeben 
oder verkauffen, die sollen an dem gewöndlichen marktmetzen 
geben {Slockerau 1590). österr. weisth. 8, 447. 

3)) also ward geschlagen der flachs und die gerslen, denn 
die gersten hatte geschosset, und der flachs knoten gewonnen; 
aber der weilze und roggen ward nicht geschlagen, denn es 
war spat getreide. Lütber 2. Mos. 9,32. 

ß) Hamann im poetischen lexikon (I7l) führt als beiwörter 
auf: das ernährende, gelbe, eingeerntete, abgemeyhte, fette, 
wallende, gedörrte, eingeführte, gereinigte, nöthige, kräftige, 
nutzbare getreide. fast alle beziehen sich auf die entwicklungs- 
stufe oder den augenblicklichen zustand, in dem sich die gatlung 
darbietet : 

1)) das aufkeimende getreid. anmerk. über den getreidbau 
{Salzburg 1790) s. 27; ain ieder, der mit willen aines pflegers 
oder seines richters das kaufrecbt hat, der mag zu seiner 
hausznotdurft im gericht Altenthann wasz im erlaubt ist 
kaufen, ausgenommen angewundents getraid, ungesotnes garn, 
meszgewand und pluetige cleider. österr. toeisth. {Altenthann 
1625) 1, 23tt. a. ; wenn man sich eines regens befahret, so lege 
man balde das auffgebundene getreyde in die mandeln, so 
beregnets nicht so sehr. Coler 276'; gedroschen getraid. 
Henisch 1587. vgl. dazu getreid, wie es auff dem felde stehet 
spica et seges stans, recta, nondum demissa. ebenda 1587. 

2)) getrendelte gerölte getraid. Henisch 1587; gedörrtes, 
getrocknetes getreide. Eitzen Wörterbuch der handelsspr. 316. 

3)) getraid, das nicht sonders furlich, sundern gering ist. 
Henisch 1587 ; mülbiges getraid, frumentum cariosum; verdorben 
getraid frumentum vitiatum. ebenda; wurmstichigtes getreide 
du bled calandre Schwan (1782) 739; das aufsprossen eines 
schönern und gegen zwey zoll böhern getreides anmerk. iber 
den getreidbau s. 27 ; da das zinpsgetraide gegen andere fruchte 
jederzeit in geringerem preisze stehet . . so könnte, da zur 
zeit der noth auch dies geringere getreide ebenso gut ab- 
geht, von den rentkammern selbst durch dessen aufbewahrung 
bis auf höhere preise ein ansehnliches plus gemacht • . werden. 
über den freyen getrtidehandel 88. 

4)) feil getraid, eommeatus venalis Henisch 1587; ist es 
bey einer sperre freilich leicht möglich, auf eine kurze zeit 
wohlfeileres getreide zu erhalten, über den freyen getreide- 
handel 134. 

y) das liebe getraid. Mayb epitome (1604) 307*; wenn das 
körn sich wohl beraset hat, fett und grosz stehet, dasz man 
sich lager-getreydig zu besorgen, so mag man nach dem froste 
oder zu trockner zeit, gegen und in der fasten die schaafe 
auf dem körn wohl gehen lassen . . dieses ist solchem frechen 
getreyde mehr nützlich als schädlich. Becher kluger Haus- 
vater (1699) 17. 

S) das russische getreide — auf dem beruht der handel 
und den gönnen wir den Seestädten, früher führten unsere 
Ostseeprovinzen von ihrem eigenen getreide mehr aus als 
jetzt; jetzt können sie mit Rusziand nicht mehr concurriren. 
BisMARCK (reic/istap 1885) reden 11,32; wir verlangen eine fest- 
setzung von mindestpreisen für das ausländische getreide. 
Graf Kanitz deutscher reichstag 16. Januar 1896. 

b) verbindumjen mit Substantiven, zu den vereinzelten präpo- 
silionalverbindungen vgl. oben sp. 4470. von bedeutung werden die 
genetivverbindungen, die sich bei enger fügung bis zur Zusammen- 
setzung aneinanderschlieszen. 

a) unser Substantiv steht im genetiv : ich gibe rechten zehen- 
den allis minis getreides. Leyser predigten 146. vgl. getreide- 
zehent; bedaucht jhn dasz er dem gebresten des getreidts 
aller leichtst zu bül£f kommen möcht, so die legionen also 
zertheilt weren. Ring»ann Cdsar (1588) 5o'. vgl. getreidemangel ; 
das einführen des geiraydea ist eine von den sorgfältigsten 



GETREIDE 111 (gebrauchsformen) 



4472 



arbeiten. Hohberg (7. cap. 47) 2, 65. vgl. getreideeinfuhr; anno 
1529 war an getreyd und holtz ein grosser mangel zu Augs- 
purg. damit aber die burgerschaift in dieser noth bei häusz- 
licben ehren bleiben möchte, liesz der rath nach und nach 
eine ungemein grosse menge roggen abhacken, und das brod 
um einen gar leidentlichen preisz verkaufen, machte auch 
eine Verordnung wider die Verführung des getreydes aus der 
Stadt. Paul v. Stetten geschickte von Augsburg (1743) I, 3t0; 
der fiirkauf des getreides in der Henneberger landesordnung, 
auch oben sp. 15; gattung getreides. anmerk. über den getreidebau 
(Salzburg 1749) s. 6, 40, vgl. getreidegattung u. a. 

ß) bestimmende genelive stehen bei unserem Substantiv seltener : 
item Julius daz ist ein monet genueg heiz und in dem nionettso 
sneident die leut und daz getreid des erdreiches ze sam 
pringent. wiener arzneihandschrift (15. jahrh.) bei J. HaupI 508. 

y) um so häufiger sind die Zusammensetzungen, bei denen 
getreide den zweiten compositionstheil bildet; sie fehlen fast alle 
an der entsprechenden stelle im Wörterbuch. 

1)) ackergetreid in österr. weisth. 7,1015; bauptgetreide vpi. 
Ranke der mensch 1,321; halbgetreide Chohel 4,1022, vgl. 
Ih. 4,2, sp. 202 ; mischgetreide ebendort , vgl. th. 6, 2254 ; frucht- 
getreide, korngetreide, wintergetraid Henisch 1587; winter- 
und Sommergetreide Dietrich {Ulm 1816) 591. 

2)) afftergetreid Hohbbrg (7. cap. 72) 2, 94"; lagergetreide 
Becher hauszvatem \ Saatgetreide bet Jean Padl v^I. (/i. 2, 661. 

3)) dienstgetraid in den österr. weisth., so 7, 1015 u.a.; zins- 
getreide m. a. 

c) Verbindung mit verbis : 

a\ in der geringeren zahl der Verbindungen zeigt sich das Sub- 
stantiv als subjecl. 

1)) das getraid ist nicht wol gerathen. Henisch 1587; getraid, 
das ausfeilt, ebenda; getraid, wie es auff dem felde stehet. 
ebenda; getreide, so noch auf dem felde steht, gagnage 
Schwan (1782); 739 die felder stehen voll getreid, das getreid 
stehet schön. Bondeau-Bdxtorff253; das getreide stehet gut 
oder schön, the cofn hos a fair appearence. Hilpert 470. 

2)) das getreyde steiget, schlägt auf . . schlägt ab. Kirsch 
179". vgl. Schwan (1782) 739. 

ß) präpositionalverbindungen sind verhältnismäszig selten: vmb 
getraid ausziehen, frumentari Henisch 15S6; der mit getreyde 
handelt, frumentarius negotiator Kiksch 179"; die Städte mit 
gelraide versehen, über den freyen getraideh. {Leipzig 1864) 183. 

y) um so häufiger ist die objectverbindung des Substantivs. 

1)) nit . . das si neben dem kornfeld auch obsgäi te pflanz- 
ten, wisen zögen, oder sonst andere gärte baueten, sonder 
sie pflegen allein getraid zu sehen, Micyllus Tacitus (Germa- 
nia cap. 26) 1302; getreide bauen Stieler 103. über den freyen ge- 
treidehandel 154; getraide erzeugen, ebend. 167, ziehen 149; getreide, 
so man einerndet, the harvest. teutsch-engl. wb. (1716) 776; und 
jedes getraide, das er ihnen nicht weg erntet, verdanken sie 
ihm als gesät. J. Paul grönländische prozesse 67 ; man sammelt 
nie so reines getreide ein als man säet, les bkds bisenl tou- 
jours Schwan 739; das getreide schneiden, to cut the com 
Hilpert (1845) 466. 

2)) so yemand getraide her in die stat schüttet und der- 
selb nicht aygner schüt hie hat. Nürnberger polizeiordnung 
216 Baader; getreid . . beherbergen, behausen oder aufschütten. 
ebendort; getraid auffschütten, in die kornhäuser Henisch 
1586 (aus genesis 41, 35). Corvinüs 272. Rondeaü-Büxtorff 253. 
Schwan 739. noch in der einschlägigen litteratur an der wende 
des 18. jahrh. eine sehr belieble Verbindung: das volk kennt ins- 
gemein sehr gut, was ihm lästig ist, sehr schlecht kennt es 
die Ursachen davon, und am allerscblechlesten die mittel 
dagegen . . verhaszte kornjuden sind ihm alle, welche zu 
irgend einer zeit getreide aufschütten. Bauckiiausen die poli- 
zey des gelreidehandels (1804) 57; das getreide in die scheuern 
bringen, to house the com Hilpert 460; das getreid oder körn 
Türen, frumentum movere Henisch 1586; das getreid oder die 
garben ausdreschen frumentum aut fasciculos exculere Heniscb 
1587; früher als das getreide mit dem dreschflegel ausge- 
droschen wurde, wurde als lohn jeder zwölfte scheffel ge- 
geben. Herbert deutscher reichstag n. Januar 1896; getreide 
mahlen. Corvinos620; getreide schräptTen. «6enda 127. vgl. 
Heyne deutsches wörterb. 3,i'i9; das getreid gut putzen, tior- 
schlag zu einem städtischen getreidemagazin (München 1795) 144. 

3) das getreide erhallen (zurückhalten) s. o. das getraid 
halten, bis es giltig oder werth wirdt, caritatem expeciare 
Hem;>cb 1587; getreide steigern. Corvinus47; getreide aus- 



4473 GETHEIDEArKKR— CETnEinEAUSFUHH 

fuhren, (ibtr den frtytn gttTtidehandet \0 ; getreide ablaatfO. 
ebenda 119. 

GETitKIDKACKED, m., wtnig gebrduehUeht bildung : urhrtiUttr 
und Truchlacker {oben th. 4, 1 tp. 284), koroacker (6, 1870); vgl. 
dag0g*n getreidrfeld : im meyen wirt der meyer die neuge- 
pdantzte bilum beginnen . . wirt die gelreidfleker jellan und 
ertelben. Saiiz feldbau (IMo) 5&; gelreideacker, ager frumen- 
tariu» hNAFT dfuUch-lal. Itxtcon {Stutlgarl 1813) 1*, MM. 

GKTKKIDK-ACCISK, f. Cbomil 4, loM. 

(itlHKIItKAI.CHKN, n , infusionilhitrchen, dan tieh in auf- 
güi$en von brandtgem grtrtide findet, tgl. GaÄra in *dit notur', 
stitung lur vtibrrilung uaturwisientehafU. kenntmiu t (1853)011; 
thnlieh essicbalrhen vgl. (/ini 3,11*0. 

(^tTHtlDK-AiNKAUK, m.; mit »olcber unlerstUlzting wollte 
der knuftiiiinn gatreide-aniianre ausHibran, oder \i^tr gegen 
Tarpfilndiing bilden . . auf eigene kosten wagte er nicht, das 
getreide zu lagern. Tn. Schmidt geichichte des handelt und der 
ichiff fahrt Stetlint (I81.S) 81. 

GKTHKIDKAhT. f. eine tutammeniettung, dte dem bedürf- 
ni$te entspricht, den im grundworle iusummengefasiten bedeutungs- 
inhoU SU entwickeln und tu gliedern, die ersten belege ent- 
tlammcn dem IS. jahrhundnl und treten im plwal auf. der 
itngulargebrauch ist vtremtelt und jüngtr. 

1) G. H. KoRonsiT, die besten in- und aualSndischen getreide- 
arlen. fifrlin i'iGQ; die getreidearlen, Itt etpvcea de bled Scawkn 
(I78i) TM; es aullen gar keine steuern auf die gemeinsten und 
nuthwendigsten speisewaaren oder getrSnke gelegt werden, mit- 
hin sollen Heisch, gemflsze, alle getreidearlen sammt den 
daraus bereiteten speisen und getrSnken, von allen abgaben 
unter was immer für namen frei seyn. Ha«l vollständiges handb. 
der volkswirth. etc. (1811)275; auslttndisclie gelreidearten wurden 
zu ende des vorigen Jahrhunderts mit glücklichem erfolge 
auch bei uns angebauet. Dietrich (1810) 503; es knnnen, wie 
hei allen pllanzen, ao auch bei den getreidearten durch 
cHmatische einflitsse . . abweichungen von der ursprilnglicben 
form sich zeigen. WiTtürt Über höhere landescultur und den 
9<nUieilhafli-n anbau neuentdeekter getreidearten (1821) 84; bei 
allen in gleichem boiien, und tu einer zeit gesSelen getreide 
arten, die hinsicbts ihres wacbxthums nnd ihrer fruchtbar- 
keit, der farhe ihre iihre und der gei>talt ihrer saamen, in- 
sonderheit aber hinsichts der zeit ihrer blüthe, eine Ver- 
schiedenheit zeigen, ist man vollkommen berechtiget, eine be- 
sondere species anzunehmen, ebendort M; die getreidearten 
maszten aie {unsere vorfahren) gleichfalls mitbringen. F. L. Jahn 
2, IU87; so viele pUGTe nnd tritte ich auch von meinem vater be- 
kam: ich verarge es ihm durchaus nicht mehr, dasz er einen 
burschen nicht leiden konnte, der noch in seinem siebenten 
jabr die getreide-arten nicht kannte, und , als er aus dem capitcl 
exaininirt wurde, die gerste, trotz ihres langen barie<, mit 
dem waizen verwechselte. Hrbbrl vier nationen unter einem 
dache; wie fUr zahlreiche baustiere, so können wir auch für 
unsere wichtigsten gelreidearten: weizen, spelz, roggen, gerste, 
hafar, die Urheimat nicht mit voller sii-herheit angeben. 
Kanrb der mensch i,S2i: nehmen sie einmal den fall, dosz 
an der [berliner börse gewissa getreidearten viel billiger sind 
als in London oder anderen bOrsen. frafv. KANrrs äeutichti 
Ttiehtlag 9. ;anuar 18%. 

2) es ist indessen hierbey lu bemerken, dasz der preis 
der einen getreideart bey jeder theurung mit dem preise der 
andern sehr bald in das gewöhnliche verbültnisz tritt, zu 
mithl wenn bryde, wie die oben gedachten, fast auf einerley 
art zur speise dienen. Barckhadse.i die pottuy des gelretde- 
handels (iMi4) 42; in England, wo der roggen sich nur auf 
leichtes gebirgsland eingeschrünkt lindel, der weizen mehr 
und mehr die herrschende getreideart geworden ist. Wittin 
85; getreideart, frumenti ipeties Knsrt 1,1151; getreideart, 
kind of cum or i^rain HiLPiar 460; vgl. atuh Eitzbr »örHrb. 
der handelsspraehe SIT. 

GETKEIUEAUFKAUF, m,: da.<i aie aber Idie fi-üekte), zu- 
mab! wenn auch zugleich aller getraideaufkauf auf Spekulation 
verboten ist, lange nicht hinreichend gesucht werden, solches 
beweisen die vielen Übertretungen zur gnüge. über den fregen 
getraidehandel {Leiptig \H)i) 142. 

GETRKiÜEACFKAlFEH, m., /rtiinfii(<i(or KaArr 1, ll&l. vgl 
fnichtsufkaufer in der schrift «6rr den freyen getreidtkändel 
(Leipstq ls04) 98 ff. Ueimaros verwendet kornaufkäufer. 

GETKEinEAUSFUHH,^ bei Rsiharos von der freyen auf- nnd 
fxnfuhr des getrei4et{l-,i\) geht di* Verbindung nitlU Mar 4$$ bimu 



GBTREinEAU8SAAT<-GETRElDEBA0 4474 

mwigtßgt kintut; Htm wftkuU i^ftfin im in nkH/l *tl«r ttm 
frtytn fkrtiitkandet {l^vg iitf«) mil itr ftrm im mmftmm 
ab: England, wo man dia aoifabr des gatrai^M iMl MT 4arch 
primlen ao gar ermunterl«, tondern aack MfItM'ila ein- 
fuhr des fremden getraida« dabcy mit a« B<k«trtfl tkpkM 
belegte. 101; um nicht za «eitllullg zo aaya, will ick, 4a 0« 
ohnehin bekaont genug lal, Ober Eagland weder ein sckrtft«, 
noch der betrScbilichen auimnflo erwlboao, «alcbe 4it croa« 
jährlich fQr prSniien auf dia |«trcldeau<fubr bezahlt «Wa- 
dort. vgl. aiicJi 19. dit snsamwuniHtna§ war jedoch ukm Idmftr 
im gebrauche: unsere benacbbanen gefenlen. HoUlcia, Mark- 
lenburg u. a. f. mOgen aurb gewisz eine« so aeaeboliehan 
gewinoei als aie im vorigen in«, jähre durch dia Ibatn 
verstatlel» gelreideaasfuhr genossen biben , uagerse etu 
hehren. Albaln über F.ttlanis freitn geireidekaniet, aarkrridkl 
1.3; wo und unter welchen umstlnden kann denn nun «bA- 
licb ein verbot der getreideausfnhr ralb«am leyo? Baaca- 
iiAOaKH die politey det getreviehanieU (iMl) repUer; aofMT 
eine mSazIge gelreideausfuhr kann bedenklicbe folgen habet. 
vortrhhij tu einem stidt. getrddemagann {Küntken rw) ttT; 
Krkmner landtagih'imllungen 4, tS (1904) «mal in Uni- 
gebot hertog Heinrichs von Landthnt taa 1491 ih» fetraldeaua- 
fuhrverboi. KRO.'<rrz 18, 30 /f. verireist unter getreideao»- und 
einfuhr auf kornhandel. für frucht eitr kom nt nntere 
iutammenselsung nicht belegt, getreideaoefnhr, UforMie fru- 
menli Krapt tl5l; getreideausfubr, erpart of eem Eirzea 
»örterb. der handeltspracke 3\: ; alle weit im norden rief den 
weisen fiiedensstiflero betfall zu. bandel und wandel blühten, 
l'reuszens rbederei und gelreideausfuhr genossen die vor- 
theile der neutralen flagge, nahmen durch den allgemeinen 
Seekrieg einen ungeahnten aufschwung. TaEirscaii iemttekt 
geschielite 1,143; die getreideansfuhr war nar frei, wenn 
die königlichen magazine gefüllt, fOr die armuth landeaviier- 
lich gesorgt und überflusz vorbanden war. Ta. Scaaitr aar 
geschichte des handeis und der schifffakrl Stettins (ISTS)«; nnd 
die Österreichische regieruog glaubte durch die berahselzang 
der getreidezOlle eine vermehrte nnd gflnsligere getreideans- 
fuhr nach Deutschland für sich zu erlangen, fraf KA!«rrz 
deutscher rrichstag, tO. Januar 189& 

GETftEIDEAüSSAAT, /;: in einem gemeinen mitlelboden, 
dessen grund nicht zu kalt oder trocken ist. können gegen 
ein melzen gelreideaussaat bey to metzen; auf einen oasseo 
acker aber 12 bis 15 metzen von diesem dOnger aoagealrrart 
werden, anmerk. über die verbeuernng da fetreiibamts [Snlt- 
burg \-.9^^) s. 33. 

GETKEIDEAUSTHEILUNG, f., dem Utteinistken nackiMiH: 
ganz natQrlich wird hier Cicero . . darauf geleitet, von da« 
agrarischen gesetzen, von der versplilterung der doBlaen 
des Staats nnter colonislen, von der erschOpfung des ackatica 
durch getreide-austheilungen . . zu reden. Gabvr aaai. 8« 
ücrro offic. 2, 101; getreideaustheiinng, fmmentabo Ktarr llkt. 

GETHKIDEBAU,m.,t«*liiaf«rtfrf nilspreefteiiifa xmtmmen- 
tetsungen nur hinter dem allgemeintrn feldbau (1. i.) aariai, 
dagegen übertrifft es an terbrtünng in sfn t nf me frvckika« 
(t. d.), mährend ßr kornbau (s. d.) tiberhaupt nur sfirlkki mai 
ältere belege vorliegen. 

1) ta den mörtrrbüekem reichen die hekpii k bis in in 
il. Jahrhundert surück: es ist kein getreidehau ia den land«, 
kaec regio vaeat omni c«Aa /Vniiuiiiarta Stikler IOS. Stii«- 
BACR, FaiscB, Abelukc u.a. bieten keine belebe, etcrScawaa: 
der getreidebau fagrieuUure, le l aisa r a f» |im) n». MaMf* 
Camfe 3, S53; getreidebau, fmmenli tnitnm Eatn I, IMl; 
getraidcbau, cnltivation of frata, efrtnillar« fliipiar 4M. ff(. 
EiTZEN Wörterbuch der kantetupreghe SIT. 

3) He litteratur fUrt in die mUU ies IT. jnkrhnmiefU: in 
Nasaauischen, Burbacher grOnde, Witigenaietniacbe« etc. 
kommen dia sogenannten bauberge, nnd baine der aatertanea 
für, welche, unter andern, zum kolen- und eiaen-bandel oOslick 
zu gebraueben sind : darnebet zum fnicht- und gatraMekaa, 
als körn, heidlof, hafer etc. angewendet w irt aa. Caraa 
tentsehe rechlsgeUhrk III (n«7) s. rri. wenn er Man im |»> 
traidebaa weniger eintrSglich findet al« wein, oder aoJrre 
misaig lobaende gewichae, Aber deren rerkauf er berr kieiM; 
ao llazt man diese mit gewalt auazrriazeo. Raiaaara tfa /M> 
heU ies getrmdehenieis (t;«0) «3; der erdsthck uns 
besondere dea gebirgigen landes kat weoigen an da 
bau {über iie npokope be% geUeid tfL th. if.4454) pna fkackik««« 
bodea, nnd grftsstcntkeila kaltea klina. Mer aMeaaa alaa 



4475 GETREIDEBAUER— GÜTREIDEBEDARF 

der natur die erdfrüchte mit gröszerer mühe und vielem 
düDger abgezwungen weiden, nur setzet die Verbesserung 
des getreidbaues eine nützliche anwendung und Vermehrung 
des düngers in voraus, welche ich in zweyeriey gattungen 
abtheile, anmerkungen über die Verbesserung des getreidbaues 
überhaupt und vorzüglich im SaUburgischen (Salzburg 1790) 7; 
es wird wo! niemand mehr in abrede seyn können, dasz 
der getraidebau nicht ebenfalls als eine fabrlk anzusehen sey, 
bei welcher das getraide die waare, und die ackerleute als 
die fabrikanten zu betrachten sind, der getraidebau ist über- 
dies noch zugleich mehr als ein blosses leichtes handwerk 
— es ist eine wissenschaftliche manufaktur, wobey die natur, 
kunst und übung noch zu der erfahrung die mittel vereinigt 
darreichen müssen. Wahrheit ohne schminke über den freyen 
getreidehandel {Leipzig 1804) vorbericht 1; die überwiegenden 
vortheile einer unbeschränkten fruchthandelsfreyheit sind 
daher, dasz der getraidebau immer mehr zunimmt, so wie 
sich die allgemeinheit des handeis immer mehr verbreitet 
haben wird. 160; die fortschreitende Vermehrung des getreide- 
baues, mit der Vermehrung der verzehrer nicht im verhältnisz 
stehend, übt einen nachtheiligen eintlusz auf die getreide- 
preise. Rutschmann bad. II kammer, ZO.juni 1835 (vom regierungs- 
tische aus wurde ebenda stets das synonyme fruchtbau verwendet); 
diese kosten (arbeitslohn, ankauf und Vermahlung des getraides, 
disconto und speculalion des fruchthandels) waren im mittel- 
alter auf ein minimum fixirt, denn bei eigenem getraidebau 
hatte der consument nur die festbestimmten mahlkosten, 
und die gebühr in den bann- und gemeindebacköfen zu zahlen. 
MoNE zeitschr. gcsch. Oberrheins 19,385; wo ist also da die 
gleiche behandlung des Inländers und des ausländers, nach- 
dem man den inländischen getreidebau mit einer hohen 
Steuer belastet hat, die ja doch nothwendig auf die ver- 
theuerung des inländischen getreides wirken musz? Bismarck 
reden (4. febr. 1881, reichstag) 8, 231 ; so sollte man annehmen, 
dasz man damals anstatt der grundsteuer eher eine prämie 
auf den getreidehau im lande gezahlt hätte, und, wenn man 
keine prämie zahlte, es doch im höchsten Interesse der 
öffentlichen ernäbrung gefunden hätte, dasz der inländische 
getreidebau mindestens steuerfrei wäre, damit er recht wohl- 
feil den ronsumenten versorgen könne. Bismarck reden (2. mai 
1879 reichstag) 8,24; es ist eine pflicht gegen unsere nach- 
kommen, dasz wir den inländischen getreidebau nicht in 
verfall geralhen lassen. (l4. juni 1882 reichstag) 9, 381. 

GETREIDEBAUER, m., dem schon bei Stieler 104 belegten 
kornbauer nachgebildet. 

1) in dem zweiten kompositionstheil scheint nicht so sehr das 
nomen agentis hervorzutreten, als der abgellaszte begriff der 
stavdesbezeichnung. menschen, die mit feinerm Werkzeug 
hantiren, scheinen auch mehr mit hobel und feile ; be- 
arbeitet; im alten München waren tonangebende Werkzeuge 
die geiszel der getreidebauern und die axt des flöszers. da 
schallt's. Max Haushofer der Münchner im sozialen licht 1877; 
im Innviertel , wo die getreidebauern wohnen A. Meissner 
am Stein, ein skizzenbuch (1853) 173. die beispiele weisen auf 
Oberbayern, in die gegend, wo ackerbau und Viehzucht örtlich 
sich scheiden und wo somit auch für die bauern der einzelnen 
gegenden ein kennzeichen der tinterscheidung gegeben ist. doch 
vergl. auch getreidebauer, cornmaster FahrenkrCger 325. 

2) in vereinzelten beispielen kommt auch das nomen agentis zum 
ausdruck: getreidezölle einzuführen, welche . . die läge unserer 
getreidebauer schützen sollen. Bachem deutscher reichstag 
l\.jun. 1S96; welche vortheile und nachtheile wird nicht blos 
der getreidebauer, sondern der brodkäufer von dem antrag 
haben. Graf v. Schwerin deutscher reichstag 16. jan. 1896. 

GETREIDEBEDAKF, m., eine lusammensetzung, der das ent- 
sprechende adjectiv zeitlich vorangeht (vgl. getreidebedürftig); 
allerdings ist die letzte ernte tbeilweise ungenügend ausge- 
fallen; wenn aber einzelne lebensbedürfnisse im preise ge- 
stiegen sind, so genügt doch die freie thätigkeit des handeis, 
mit hülfe der erweiterten communicationsmittel den in einigen 
gegenden fehlenden getreidebau zu ergänzen, preuszische thron- 
rede zum \b. Januar 1866; es ist ja in der gesammten finanz- 
reform bisher nicht unsere absieht, dem getreidebedarf in seiner 
gesammtbeit eine höhere finanzielle leistung abzufordern, als 
bisher Bismarck reden (21.niatl879 deutscher reichstag) s, ih. 
an anderen stellen folgt Bismarck auch hier seiner, Vorliebe für 
das t)(i//(s{üm{tc/i«r( körn (kornbedarf 8, 65. 99 u.a.); in denen 
Deutschland so viel getreide geerntet halte, dasz es nach 



GETREIDEBEDÜRFTIG— GETREIDEBRENNER 4476 

der autorität unserer besten sachverständigen seinen getreide- 
bedarf allein hätte decken können t. Kardorff deutscher 
reichstag 17. januar 1896. 

GETREIDEBEDÜRFTIG,' ai;.: die einwohner groszer Städte 
und getreidebedürftiger gegenden aber werden nicht Ur- 
sache haben zu klagen, weil sie alsdann von den bereicher- 
ten landwirthen stärkere nahrung erbalten können, über den 
freyen getraidehandel (1804) 155. 

GETREIDEBLASENFÜSZ, m. Ihrips eerealium Tbiel land- 
wirthschafll. konversationslexik. 4, 409. vgl. blasenfusz. 

GETREIDEBLATTLAUS, /. aphis cerealis Thiel landwirth- 
schaftl. konversationslexik. 4, 409. 

GETREIDEBLÜTHE, f., vereinzelt neben dem gebräuchlicheren 
kornblüthe $. d. 

GETREIDEBODEN, m. von den drei bedeutungen, die der 
zweite compositionstheil in den Verbindungen frucbtboden (s. d.), 
kornboden(s. d.) annimmt, weist getreideboden nur die beiden 
in kornboden vereinigten Verwendungen auf. die ältesten belege 
lassen die an dem synonym als jüngere und seltener beobachtete 
bedeutung in den Vordergrund treten. 

1) und in dieser lastadie, längs dem wasser her, auch 
fürstliche und der bürgerschafft Speicher und kornhäuser 
sein, wie dann die statt und ganze Poromerland gar frucht- 
baren guten getraid-bodcn hat. Tb. Haimiofer reisetagebuch 
(ball. Studien 11,2)44; bat ein land keinen getreidboden, so 
kann es sich nicht eher bevölkern, und die bevölkerung in 
selben sich nicht eher mit kunstprodukten beschäftigen, bis 
nicht im auslande für selbes getreid . . hervorgebracht seyn 
werde, vorsehlag zu einem städl. getreidmagazin (München 1795) 
93; getreidboden, cornland Hilpert 460, ebenso Eitzen 317; 
solum frumentarium Kraft 1151. 

2) für granarium, horreum führt Stieler 208 nur frucbt- 
boden oder kornboden auf; dagegen getreid-boden a com 
loft, a granary. teutsch-engl. Wörterbuch (1716) 766; getreide- 
boden, Schüttboden, kornboden, getreidebehälter Cbohel 4, 1022, 
getraidhoden, Schüttboden allgem. ökonomisches wb. (Leipzig 1731) 
820; getreidboden, j;renterRoNDBAü-BoxTORrF253, ebenso Schwan 
(18U) 439; vgl. auch Jacobsson 5, 663'; getreideboden, ein dach- 
boden zur aufbewahrung des getreides. auch werden in ma- 
gazinen, wo mehrere etagen diesem zwecke gewidmet sind, 
diese so genannt, selbst wenn sie sich nicht unmittelbar 
unter dem dache befinden, man nennt den getreideboden 
auch frucbtboden. J. J. Helfft encyciopäd. wb. der landbau- 
kunsl (1836) 141; getreideboden, Speicher, granary, cornloft 
EiTZEN 316; andere wie KrüMTZ und Kraft verweisen unter 
dieser bedeutung auf kornboden. 

GETREIDEBÖRSE, f., junge bildung, bezeichnung einer Unter- 
art der productenbörse. in den börsenordnungen tritt gewöhnlich 
nur die letztere benennung in dm Vordergrund, dagegen musz 
das bedürfnis des täglichen lebens frühzeitig dazu geführt haben, 
den getreidemarkt (5. d.), sofern er eine unterabtheilung der börse 
bildete, auch nominell mit ihr in beziehung zu setzen, in die 
litteratur dringt unsere Zusammensetzung in Verbindung mit be- 
strebungen ein, die gerade den von ihr gekennzeichneten theil 
des börsentreibens in die öffentlichkeit zogen: doch auf den 
börsenspekulanten, auf den bandet an der getreidebörse kommt 
auch das wort vom kameel und dem nadelöhr zur anwen- 
dung. Treitschke deutscher reichstag 20. ma» 1879; die börsen- 
enquetekommission hatte zunächst nur ein register für waaren 
vorgeschlagen, wobei sie natürlich vornehmlich die Berliner 
Produktenbörse, also die getreidebörse im äuge hatte. Graf 
V. Kanitz deutscher reichstag 9. jan. 1896; getreidebörse corn 
or grain-exchange Eitzen317; vgl. kornbörse theil 5, 1821. 

GETREIDEBÖRSENORDNÜNG, /., in den börsenordnungen 
nicht verwendet, von Eitzen Wörterbuch der handelssprache zn 
wol in anlehnung an das englische corn exchange regulcUion 
aufgeführt. 

GETREIDEBOOT, n., vgl. getreideschiff: in den gelreide- 
büten und evern soll man nichts kaufen, sondern alles nur 
auf der marktstätte, die der rath erwählt hat. Naod6 deutsche 
städtische getreidehandelspolilik 76. 

GETREIDEBRAND, m. Chomel 4, 1023; getreidebrant m., 
serut Eitzen 317. 

GETREIDEBRANTWEIN, m. neben fruchtbrantwein (s. d.) 
und kornbrantwein (s. d.) nur vereinzelt verwendet, vgl. Thiel 
landwirlhschaftl. eonvers.-ltx. 4, 409. 

GETBEIDEBRENNER, m., hauptsächlich bei gegenüberstellung 
der vertretet vtrtchiedtntr brennmethoden verwendet: und so 



4477 OETREIDECONSUM—GETB EIDEERNTE 

der brennwrrtb derselben {der karto/ftl) auf l uod 3 gegen 
den des roggeni stieg, war der sieft der kartoOel Ober die 
getreidebrenner und der vorrang des ländlichen breimerrW 
betiiebes über den slfldlischen entschieden. Tb. Schmidt gt- 
tchiehk des Handelt und der teht/ffahrt Stellint 78. 

GETiiElDF.CONSlM, m., muehwort aut deuttehen und fremd- 
iprachliehen oeitandlheiUn. lote Verbindungen iJinlieher art tini 
alt: >lie von jnbr zu Jahr abwechselnde erzeugung und con> 
sumtion des getraides. 'über din freyen getratdehandel' (1804) 
M. dat compotitum begegnet bei IlisnAacs: bedenken sie, um 
einmal einen maszstab zu gewinnen, diejenige belastung 
unseres getieidecon<iums, welche jetzt an der grense auf das 
ausländische getreide gelegt werden soll, rerallgemeinert 
auch auf das inlündische getreide, w:is im inlande zu markte 
gf hriicht wird, denken sie sich, dasz der landwirth von jeder 
anderen auf der (letreidcpruduction lastenden Steuer befreit 
würde. Rishasck reden (27. tnai 1870 reiclistag) m, 63 ; der getreide- 
bedarf wflchst, je billiger das getreide wird, weil der getreide- 
consum sich steigert. K. Ricutkr deutteh, reichtt. 17. ;an. 16M. 

GETREIDKDAKHt, A° getreidedurre, Aruc/Krte^e Jacobsson 
b, 663: ähnlich Thiel landwirtJiseh. conversations-lex, 4, 409 /f. 
vgl. frurlitdarre th. 4, I, sp. 209. 

GKTIIKIDEDIENST, m., nur in den österr. weisth. und dort 
in mundartltclier form alt traiddienst 6Wc$(; item, der traid- 
dienst der do zilpünl meinem berren von Liiignveld, den 
8ol man an verziehen bringen vor sand (iiligentag in den 
cbasten gen VVeinczürel. rechte und banntaiding tu Badelbrunn 
{li, jahrbuiidert) Österreich, weisth. 8, 527; item, das sie mier 
icre jarliche schuldige zinsz und treiddienst jarlichen zu 
rechter zeit reichen und geben, und nicht so vill jar lassen 
ansieen ; wo sie es aber mit treid nicht bezallen muegen, 
das sie es mit gelt bezallen. banntaidingtartikel der herrschafl 
Fettenburg {\e.— \s. jahrh.) öst. wetslh. 6,93; item, wür melden, 
dasz wür seinen anwalt sein traiddienst am St. Georgentag 
bei dem obgemelten wandl entrichten, banntaiding zu Eggtn- 
dorf(\ril)M. weitth. 8,497. 

GETREIDEEINFUHR,/., vgl^ getreideausfuhr oben 5p. 21; 
vgl. korneinfuhr Iheil b, sp. 1822. auch fruchteinfulir teird 
gebraucht, so in den verhandlumjen der badischen II kammer 
vom 30. ;uni 1835; die freie getreideeinfuhr aus VVürtemberg 
die freie weineinfuhr ans Rhejnbaiern scheint ihm nicht un- 
bedenklich. V. BöcK badische II. kammer 30. juni 183ö; in 
welcher läge sind wir dann, wenn wir in kriegszeiten keine 
russische getreideeinfuhr haben und vielleicht gleichzeitig 
von der seeseite blockirt sind Bisharck reden (14. ;unt 1882, 
reichstag) 9, 3bl; praktisch allerdings möchte ich glauben, 
dasz unser Vorschlag einer Verstaatlichung nur der getreide- 
einfuhr vor dem monopol den vorzug verdient, gra/ Kanitz 
deutsch, reichstag 16. jan. 1896 ; getreideeinfuhr, ^rain importation 
ElTZSM 316. 

GETREIDEEINFUHRHANDEL, m.; ob die Verstaatlichung 
des getreideeinfuhrhandels ohne gleichzeitige Verstaatlichung 
auch des inländischen getreidehandels als ein monopol im 
sinne der vertrage anzusehen ist, mag dahingestellt bleiben. 
giaf Kanitz deutscher reichstag, 16. ;anuar 1896. 

GETitEIDEElNGANGSZüLL, m.; als man dort {im franxö- 
sischen parUiment) die frage erwog, ob die bisherigen getreide- 
eingangszölle nicht zu niedrig und durch entsprechend höhere 
Zölle zu ersetzen .seien, v. Hammkrstbin-Loxtbn deutscher 
reichstag 17. januar lh96. 

GETHEIDEEINKAUF, m.; bezeichnend fOr diese einfachen 
maiktverhaltnisse ist es, wenn verboten wird, dasz ein bOrger 
den andern beim getreideeinkauf überbiete, ihm 'in den kauf 
falle' Naud^. die deutsche städtische getreidehandelspolitik 9. 

GETREIDEENTWtUTHLNG, f.: was ist die Ursache der 
heutigen gelreideentwerlhung trotz alledem und alledem? 
FiscRBBCK deutscher reichstag 10. jan. 1896. 

GETREIDEERNTE, f. jüngere bildung; die älteren xutammtn- 
tetiungen mit ernte gehen mehr auf tpecialisierung aut, to bti 
Stikler, vgl. auch kornernde th. 5, tp. 1824 u. a. die erste an- 
führung unserer xusammensetzung itt noch ntcftt für eigentlichen 
gebrauch derselben beweisgültig: Chohel 4, 1023 vertreist unter ge- 
treideerndte auf erndle. dagegen erscheint sie in der litteratur 
xu ende des vorigen Jahrhunderts: zur rechten zeit den an- 
gebauten acker vom unkraute reinigen , bei der getreide- 
erndte eine menge ganz auszerordcntlicher mühseligkeiten 
ausstehen; bei der heuerndte nichts verabsäumen. Vorschlag 
tu einem städtischen gelreidcmagnin (München 1796) 144; m 



GETREIDEERTRAG— GETREIDEFRUCBT 4478 

den früheren thfile» Htm mdrttrhtthet miri fetrtiiMnH« m- 
UgentUeh iiir uwutkrtthung vttmendet, to hn koracraoe, 
körnerscbniti, feime, fruchleinieiung m. «. dte abblogig- 
keit der getreideernten von iuszerto D«(areiaaass«fl roh 
leicht eine theueraog ktrfor. Naosi H» imUiäm tHlktk$ 
getretdehanJeUpolüik l. im »wUt- und tniMrfd tffiptf tfu 
mort ebenfatlt: mit bezug anf f 41 der feMpoÜtrlordoaag 
machen wir die beeitzar vuo tauben daraof aofaerkaaiD, dasz 
die letzteren wahrend der reps- und gelreilMnl« $in»- 
sperren sind, auttehreiben des Heidelberger btr§mMtätnmll$ 
b. jvli 1897; getreideernle corn erop Eirzeii 317. 

GETREIDEERTRAG, m., tgt. fruchtertn| Ih. 4, t, ff . S7I : ia 
einer sogenannten markt-stsdt, deren es aber aiebt io jeJtr, 
oft weitläuftigen provinz, wenig«tens sehr selten nach vtr- 
haltnisz des herumliegenden platten landes und dessen rricb- 
lichen gelraide-ertrags, giebt. über den freytn getraiäekandet 
{Leiptig IS04) 22; getreideertrag proventut frumtuü KiArr IUI. 

GETREIDEERSTEIGERI NC, f.: getreyde-ersleigemog, fre- 
tium frumenli tmmensum Sticler 2137. 

GETREIDEESSICII, m., vgl. frucbtessicb (A. 4,1, fp.ri; ge- 
treideessig Thiel kndictrlhsehaflL eonrersationtleiKon 4, 41t. 

(iETREIDEE.XPORT, m. xur btldung vgl. gelreidecontniD: 
seit der erwerbung von Südpreuszen muszte man aber den 
polnischen getreide einen weg zur see auch Ober Stettin 
eröffnen, und so begann hiemit auch ein fa«t regelmisziger 
getreideexporl. Th. Scbhidt xur geschieht« det handelt und der 
tehifffahrt Stettint 7. 

GETREIDEE.XTRACT, m. unter iittem ttiehmtrt ftrwni 
Thiel 4,410 auf hier. 

GETREIOEFEGE, f., dauelbt wai komfege V9I. UM S, IUI: 
vgl. Triei. landwirthschafll. conversationsUz. 4, 410 

GETREIDEKEIME, m., entsprechend der mundartlithtn g^tung 
des iweiten compositionslheils nur im nördlichen theiU Dentttk' 
lands üblich, die Schreibung schwankt: getreidefeimen CKMIt 
4, 1023; getreidefehm stehe febm KrCmitz 18, 20; getrei4«- 
feimen sind leichte, auf dem felde erbaute gerOste, anter 
welche das gehauene getreide gebracht and während des 
ausirockoens auf dem felde gegen regen geschützt wird {vgL 
miethe, dieme). Hblfft Wörterbuch der landbaukuntt 142. 

GETREIDEFELD, n., vgl. kornfeld theil 5, 1824, frachtfeld 
theil 4, 1, tp. 272 ; getreydefeid tolum frumenlarium Kiiscm 17t*. 
Frisch 2,380; getreidefeld le ehamp aux bU't Scbwa<« (1811) 
439; getreidefeld, cornfield Hilpert 460, vgl Kraft I, Itsi. 
in der littiratur begeynet dat worl Iheüt in der verwallungttpratke, 
Iheils im Stile solcher Schriftsteller, die tieh entw«i*r mu «iiW- 
artlichen gründen oder aut Vorliebe für tehrißgemita» formen 
auch det einfachen getreide vorxugsweite bedienen. 

1) wegen vorgegebener verwflst- und verderbung ihrer (•- 
treidsfelder und Weingärten. Abblb künttl. Unordnung 3 (1671) 
255; den armen taglohnern, so den schweisi ihre* ange- 
sichts auf pflegung der getreid-felder and weingirten ao- 
und aufwenden. 257. , 

2) a) in dem getreidefeld kann man auf dreistig aekritU 
eine laus anhetzen(/.i<uiirn). Friscubier preustiuh* i/ fid t wti t tr 
und volksthümtiche redtntarten 2, 12&8: als sie zwisckM <•• 
getreidefeldern heimkehrte, lief die wachtet im kora 
neben ihr dabin und liesi ihren ruf erschallen G. Fbbttac 
(aus einer kleinen tladt) 13,130; ich schenkte Moskalellina 
ein schönes getreidefeld, wofür sie bei braut- und leichen- 
zügen ein ahrenhuhn zu entrichten hat. Brbhtaüo (nmtdem 
tagebueh der ahnfrau) 4, 73. 

b) getreidefelder siebt man selten (in E m f k mi ^ aai nir|M4* 
die sieben fusz hohen, wogenden hala« 4m MAMlcriaadM. 
Moltse [briefe] ges. tehrifUn 6, J9S. 

GETREIDEFLOTTE, f: als die hans* nichtsdestoweniger 
getreideschiffe nach der halbinsel sandte, liesz die kSoifia 
durch ihren admiral den Deutschen die getreidefloCt« u 4cr 
mündung des Tajo wegfangen. Nacd6 A» deutockt süAwAe 
getreidehandelspolitik bi. 

GETREIDEFRAGF;/..- ans allen theileo der RheioproviDt 
waren damals die landwirthe, grosz and klein, haaptsäehlick 
bauern, zu<aminengestrOint. ihrer 2000 betten sich ver- 
sammelt, um einmOthig zu beechliesseo, offen ra bnknBdno, 
dasi dte getreidefrage die lebnM&Ht <•* 4e fcl l«« kmun 
Standes ist. graf Karitb dnJMktr rricMaf 1«. jnsL im» 

GETREIDEFRUCHT f., ogL kornfmcht (keil S, in», «nsm 
SMaiiiM«iu(<niii;, ttkon frik verkcrnM, ye ktr l makr der dttertn 
ipracfte a«, leht aker nentrdinp witdir mf: 



4479 GETREIDEFUHRE -GETREIDEGRAS 



GETREIDEGRUBE—GETREIDEHANDEL 4480 



daz Egyptenlant 

ist sö l'ruhtpsere, 

swen den beiden niht enwsere 

des selben landes genuht, 

die ez hat an getreides i'rubt, 

86 wseren sie arm an getreide. 

Ottokahs öslerr. reimchr. 52884 SeemUller^ 

als die getraydfrilcht durch wirckung der mülen zöm brott 
und ander speisz gemaln vnd berayt. Tenglers laienspiegel 
Augsburg 1509 E 4 und andere ausgab.; getreifi- und bülsen- 
früchte. intelligenzblalt von Unterfranken und Aschaffenburg 
14. nov. 1850 (s. 880); der verkauf der getreidefrüclite da- 
gegen, die von unterhalb der Elbe zu schiff nach der Stadt 
geführt wurden, geschah in dem hause der brauergesellschaft. 
Nadd^ die deutsche städt. gelreidehandelspolitik 79. 

GETBEIDEFÜHRE, f., früh gebildetes wort; österreichisch 
traidfuhre: welche traid und mellfuhren ühnen anjetzo aus- 
bleiben. Protokoll der herrsch. Festenburg, öslerr. weisth. 6. 99; ge- 
treidefuhren Cbomel 4,1023; gelreidefuhre a waggonload of 

com HlLPBBT 460. 

GETREIDEGALLMÜCKE, /., wird von Thibi. landwirthsch. 
konversationslexikon 4, 410 unter verweis auf hessenfliege aufge- 
führt, vgl, gallmiicke th. 4, l, sp. 1198. 

GETBEIDEGANG, »»., vereinzelt in älteren denkmälern für 
die taglohnarbeit auf dem felde: denen tagwerchern allhier 
solle, in erwiigung des getraidsgangs, ain tag gegeben werden, 
als in sommer in des paurn speis 6 kr., in \vinter4kr. öster. 
weisth. 5, 1,234. 

GETREIDEGARBE, f., neuere und sehriftmäszige form für 
korngarbe theil 5, 1825 und fruchtgarbe. das wort wird nament- 
lich im Wörterbuch häufig zu Umschreibungen verwendet, vgl. 
harfe in theil 4, 2, sp. 4'6 «. a. 

GETREIDEGATTÜNG, /■., t)pl. getreideart, vp/. fruchtgattung 
th. 4, 1, sp. 272. ungeachtet der starken aber nach dem verbände 
Bayerns mit dem Teutschen reiche unvermeidlichen ausfuhr 
für die teutschen kriegsheere, ungeachtet der vielen durch- 
märsche, sey doch der preisz, wenigstens des korns, als 
der unentbehrlichsten geiraidegattung seit 2 jähren kaum 
merklich gestiegen, über den freyen gelraidehandel {l60i) 194; 
in England bauet beinahe eine jede grafschaft verschiedtme 
arten der getreidegattungen an, und eine jede belindet sich 
dabei wohl. v. Witten über höhere landesciillur (1821) 22; un- 
streitig hat man bis jetzt auf die Untersuchung der verschie- 
denen arten der getreidegattungen und deren auswahl für 
die verschiedenen bodenarten zu wenig mühe verwandt. 83. 
BiSHAiicK macht von allen drei möglichkeiten der Zusammensetzung 
gebrauch: frtchtgattung (reden 8, 86), korngattung (8, 87) und für 
unser wort: wir müssen dazu zurechnen die übereinfuhr, die 
sie auf 30 millionen angegeben haben in diesen beiden ge- 
treidegattungen {roggen, wetzen) ganz allein ohne die andern, 
das macht 250 millionen. {deutscher reichstag 21. mai 1879) reden 
8,89; jedenfalls wird in vielen gegenden an nicht berech- 
neten getreidegattungen, hafer, gerste, mindestens eben so 
viel zu menschlicher nahrung verwendet, sei es in brot, sei 
es auch nur in gestalt von grütze und suppen. 8, 88. 

GETREIDEGESCHÄFT, «. : eine wohlthätige Wirkung seiner 
{Friedrichs des groszen) getreidegeschäfte war es jedenfalls, 
dasz der getreidewucher keinen boden gewinnen konnte. 
der Ökonomist, vgl. deutscher reichstag il. jan. 1896. 

GETREIDEGESETZ, n. Kbug allgemeines handwörterbuch 
der Philosophie 5 führt das Stichwort getreidegesetze auf, sonst 
überwiegt hier im anschlusz an die englischen cornlaws die Zu- 
sammensetzung mit körn. vgl. theil 5, 1825. 

GETBEIDEGEWINN, tn. ; aus eben dieser ursach musz es 
ihm [dem landmann) auch frey stehen, toback, Cichorien, 
färbekrüuter und andere gewächse zu bauen, ohne dasz ein- 
schrünkungen, welche einige aus übel angewandter gutmüthig- 
keit zur Vermehrung des getreidegewinns vorgeschlagen haben, 
die allgemeine cultur verwirren dürfen. Barceuausen die 
polizry des getreidehandels (1804) 31. 

GETREIDEGRAS, n., jüngere bildung und vorwiegend im 
plural verwendet: da doch z. b. tritic. compactum . . nie aus 
gemeinem weitzen entstanden . . wenn auch die getreidegräser — 
so wie alle pflanzen — auf einem für sie nicht passenden Stand- 
ort einige Veränderung zeigen. Witten über höhere landescultur 
(1821)83; am wichtigsten sind darunter unstreitig die ge- 
treidegräser, aus deren körnern mehl bereitet wird. J. Bänke 
der mensch (1887) 1, 321 ; auszer den gctreidegräsern giebt es 
auch eigentliche getreidekräuter, welche in ihren fruchten 



mehl liefern, das wichtigste ist der buchweizen oder das 
heidekorn. 322. 

GETREIDEGRUBE, f., ältere bildung, die heute zurückge- 
treten ist. vgl. korngrube theil 5, 1825. 

ich freu mich zehen korngruop, 
die hiej Ich verstojen wol, 
vran sie sint getreides vol. 

Seifried Helbling 15, 114; 
in Hungarn, wo starcker leimichter und trockener grund ist, 
werden gruben für das getraid . . ausgegraben und zuge- 
richtet, sodann mit stroh oder rohrdecken sauber ausgefüllt, 
darein schütten sie ihr körn. Hohberg 7. buch cap. 53 traid- 
gruben; getreidegruhen allgemeines ökonomisches wb. {Leipzig 
1731) 821. ChomEL 4, 1022. CoRVlNüS 365. JacobssON 5, 663. 

GETREIDEGÜLTE, f., alte bildung, die namentlich in mund- 
artlichen formen auftritt, vgl. fruchtgülte th. 4, 1, sp. 273, korn- 
gülte theil 5, 1825; am mittwoch hat man de alte kirch zu 
s. Otten auf dem Preprun abgehrochen, ein ser alt gebew, 
gehöret dem hrobst zu Perchtesgaden, hat ein gestillte mesz, 
ein traydgült zu Nidrntraubling, waitz, khorn, habern und 
garsten. L. Widmann chronik v. Regensburg d. Städtechroniken 
15,230 u.a. ebenso bei Aventin: nam der könig ein mal ein 
das ungelt, von getreid güld auch nur ein mal, ein schaff 
weitz. chronik, Frankfurter ausgäbe 479", in den älteren aus- 
gaben {vgl. werke V 424) steht traidgült. die schriftform der 
Zusammensetzung begegnet auch in späteren Wörterbüchern, die 
dabei auf concurrenzbildungen verweisen: getreidegülte v. frucht- 
gülte Schwan (1811) 439; getreidegülte rent paid in com siehe 
fruchtgülte Hilfebt 460. 

GETREIDEHALLE, f., neue bildung, angelehnt an das ge- 
bräuchlichere fruchlhalle s. th. 4,1, sp. 273. belege bei Thiel land- 
wirthschaftl. konversationslexikon 4, 410. 

GETREIDEHALM, m., vereinzelt neben kornhalm {theil 5, 1825) 
gebraucht, halm, der gewöhnliche knotige, inwendig hohle 
Stengel der grasarten, besonders des getreides . . ein gras- 
halm, getreidehalm, Strohhalm. Campe 2,516. dasz die drei 
letzt erwähnten Zusammensetzungen jedoch nicht gleichermaszen 
gebräuchlich waren erhellt daraus, dasz Campe an entsprechen- 
den stellen seines Wörterbuches zwar grashalm und Strohhalm 
nicht aber getreidehalm aufführt, erst bei Tbikl 4, 410 wird 
auch dieses gebucht. 

GETREIDEHALMWESPE, f.: getreidehalmwespe vgl. holz- 
wespen. Thiel 4,410. 

GETREIDEHANDEL, m., reicht zwar nicht wie kornhondel 
{th. 5, 1826) in das 17. jahrh. zurück, wird aber in der litterutur 
des 18. Jahrhunderts und in neuerer zeit viel verwendet, vgl. frucht- 
handel th. 4, 1, sp. 273. 

1) in Wörterbüchern: getreidehandel s. kornhandel Chomel 
4,1023; der getreidehandel la grenHerie Schwan (I78i) 739; 
getreidehandel, der handel mit getreide. Campe 2, 353; getreide- 
handel, corntrade Hilpert 460. vgl. Kraft 1, 1151. 

2) in der litteratur. 

a) die fachlitteratur um die wende des 18. jahrh. führt das wort 
gerne auf büchertiteln: die freiheit des getraidehandels nach 
der natur und geschichte erwogen von J. A. H. Rkimarüs. 
Hamburg 1790; Wahrheit ohne schminke über den freyen ge- 
traidehandel. Leipzig 1804; die polizey des getreydehundels, 
aufs neue untersucht von H. L. M. Babckhauskn. Halle IS04. 
diese schrift schlieszt sich in der namengebung an einen Vorgänger 
an (briefe über die polizey des kornbandels 1773). 

b) innerhalb der litteratur selbst ist es vorwiegend der freit 
oder unfreie Charakter des handeis, der im Vordergründe steht, 
vereinzelt werden auch bestimmte formen gestreift. 

a) seit einigen jähren hat man die sache besser einge- 
sehen: der getraidehandel ist völlig frei, und die zolle davon 
sind aufgehoben. Reihabus a. a. o. 21; se. itzt regierende 
churfürstliche durchlaucht . . . foderten alle hohen lamls- 
kollegien, die löbliche landschaft . . auf . . zu untersuchen, 
wie die unbeschränkte freiheit des getreidhandels, so bald 
immer möglich ein unwiderrufliches fundamentalgesetz in 
Baiern werden könne. Vorschlag zu einem städt. getreidmagnzin 
(München 1795) 24 ; von den vielen Schriften, welche in jenen 
Jahren und nachher über diesen gegenständ heraus kamen, 
vertheidigten bei weitem die meisten eine uneingeschränkte 
freiheit des getreidehandels. Babckhausen 2; und dasz wir 
nur allein von dem ackeibaue, mithin von der freiheit des 
getraidhandels leben müssen. Jdsti memoiren III aiihang 45; 
der freie und unbeschränkte naturproductenhandel überhaupt, 
und der getreidehandel insbesondere ist dasjenige befürde- 



4481 GETRRIDBIiANDLER— GETKEIOEIIANDLUNG 

ruogimittel det okkcrbsuei, ohne welrhet alle Bbrigto nur 
palliativ itiod. J. I'. iUii voll»Unduia handb. d«r rttaUwirU^- 
tchaft (1811) 1,436. enlgtgtngt$ittU b*$lrtbungtn mtiurtr ttU 
vgl. unttr gelreidemünopol. 

ß) berr S. inriul Obrrdeoi, da» alle*, wai von begOniti* 
gung io bedeutrnder liandeUtweige ala bierbrauerelen uod 
braontweinbrennereycD getagt werdeo kOnne, noch mebr bei 
dem reinen getreidehandel lUU filnde, uod daii die blinde, 
welche zur verropinton Veredelung jener producte dienten, 
niltziicher bei dem ackeibau beicbttfligt werden kOnteo. 
IIarchrauskn dtf foltttt dtt gelTtidehandelt 46; rathoam icbeiat 
f* daber zu «ein, den inneren getreitiebandd eher tu er- 
nitiniern ala einzutcbrllnken, tumabi der hofTnung emei 
gruszen, oft daiaua entstellenden gewinnt ungeachtet, die 
eben fo grosze geTabr des verlnst*. verbunden mit den un- 
zeiligeo batse des volks gegen diese» gewerbe, mehr davon 
abtcbrecki, als datu einladet, ei. 

c) aut neumn quellen: Stettin batte . . vor der erwerbuog 
von Polen allerdiogti einen getreidebnndel mit dem inlande, 
aber die ausfuhr w:ir selten frei und das magazinsystem 
unter Friedrich dem groszen trat dem freien getreidehandel 
entgegen. Th. Schmidt zur geschiehte den handtls und der 
schifffahrt Stettins 84; beim gelreide- und aaatbandel sowohl 
vom verkAufer als vom kttufer . . vom kaufpreise *)« procent. 
gebithrentaxe für die handelsmdkler in Daniig (1866) letl- 
tehrtft für handelsrecht 10, 120; indem wir an der grenze 
südlich von Villingeo nur 4 — 8 kr. und nördlich dieser grenze 
50 kr. erheben Hetzen, haben wir die natürliche richtung 
des gctreidehaodels veröndert. Mkbenius //. badisehe kammer 
SO. ;unt 183%: wühl weisz ich, . . dasz in dem getreidehandel 
an der Weichsel sich mnnche bOse miszbräuche eingeschlichen 
haben. TRüiTscunt: deutscher reichstag 'iO. mai I8'9. dtr neueren 
(t/(era(ur gehören lahlreiche zusammensei tungen an, die das 
compositum getreidehandel uiederum als compositionstheil ver- 
wenden, bei tikvot die deutsche slädtinche getreidebandels- 
pulitik (SciiHOLLBRS foTschungen VIII, &) (re(en ausser der im 
titel vorliegenden susammensetiung noch folgende formen auf: 
eine fülle getreidehandelspoiitischer Schriften, diese umfang- 
reiche getreideliandelslitteratur, Übel der jeweiligen getreide- 
handelszust^nde {s. 2); eine getreidebandelsepoche {s. 3); ein 
steter gelreiitehandelsverkehr der Deutschen und Kümer (16); 
die getreidehandeismasznalimen von I4&8 (42); der grosze 
gclreidehandelsmarkt Deutschlands (54); die getreidebandels- 
verfassung beider stiidte (lü8); den getreidegroszhandel und 
die ausfuhr anlangend (79). 

tiETItEIDEIIANDLCK, m., vielfach in teörterbüchem belegt, 
die von dem eben behandelten getreidehandel üteine nolii nehmen: 
getraidhündler frumenturius Frisch 2, 3so; getreidehandler . . 
dessen vornehmste beschilffligung in dem liandel mit gelreide 
bestehet; im gemeinen leben ein kornhttndler. Adelung 2,038; 
geireidehündler, un grenrlier, marchand grenetier Schwan (i:82) 
'3B; com merc/ion( IIilpkrt 460 u.a.; das getreid findet obn- 
genclilet der sperre aus dem Innviertel einen weg ins Baiern 
und aus Schwaben in die Schweitz — nur mit ein bischen 
mehr wag und gefiihr des getreidliündlers. Vorschlag zu einem 
städt. getreidmagasin (München 1795)21; ist ein wirklicher mangel 
im lande, so wird demselben bei einer getraidesperre nie- 
mals abgeholfen werden können, da es doch hei ganz freier 
concurrenz ausländischer getraidebündler . . sehr leicht und 
ganz allein möglich ist. vahrhetl ohne schminke über den freytn 
getraidehandel 48; es weiden dann immer in Bayern die 
wichtigsten magazine von in- und ausländem angelegt werden, 
kein getruidehändler wird sein magazin in ein land jemals 
versetzen, das der getraidesperre unterworfen sein kann. 
ebenda; die geschöfle werden 30 gemacht, dasz die inländi- 
schen getreidehandler, wenn sie . . der roeinung sind, dast 
der bezug von getreide zu diesem preise lohnt, es kommen 
lassen. DblbrUck deutscher reiehstjg 21. mai 1879; es ist un- 
möglich, dasz die getreidepreise sich dauernd auf einem solchen 
tiefstand halten; im sommer, spätestens aber im herbst, 
werden wir eine beträchtliche Steigerung dieser preise er- 
leben, dasselbe sagte mir nucb ein anderer preuszischer 
minister, und er war in dieser seiner auffnssiing bestiirkt 
durch besprechung mit einem der gröszten hiesigen getreide- 
handler. graf Kanitz deutscher reichstag 16. jan. I89A. 

GETREIDEHANDLUMG, f. rte korobandlung Ihtü 6, 182« 
oIs älUre form für das jüngere kornbandel nackgemietim wird, 
so tritt auch in getreidehandlaog ursprünglitk nur diu nomem 



GETBEIIiEllARFE-GETBEtDKKlUPEB 4\M 



tetionis su (dp«; Toekana Ist demoach b«t 4mi 

gesetze dar freien g«treidliaDdlttO| eio 

traidougatiD gewetan furukkf t« «ta«« tUM. 

(Müntktn UM) 2t: vad »eoo erst (raia faMtAaailasf ab 

eio baierisches fundtmentalgeseiz eintritt, d«oo wird 4«r 
baierischa oatioDalreiehlbun, und mit diaaaaa die tolkaoMAfa 
schnell und unerscbuttarlick aowaeba««. IM. 

CETREIDEHAHFE, f., 1. g elreidebaafe« : la KlnMbM Mi 
Tirol ist barpfe und barpfeo «io scbatzlMB aaf ims faUa 
für die getreidegarben. lA#il 4, 2. «p. 47«. 

GETItEIDKIIAUFEN, ».: fOnfftaUa iat «l« 1 
die bauern ihr getrai4ciu«ffaD odar 1 
Sarepla 152 ; getraidabanfen, le Im ^ IM 8c««4» (l*ll) «Wt 
heap of com, cornheap Hii.riRT MO; geUeidekarfe, fatrtÜa» 
häufen Tiiil landwtrthtchaflL evntfrsmttomtttiKoei «, its. 9trfL 
frucbthaufe th. 4, 1, sp. 27S, kornbaufe Üuü », itM. 

GETBEIDEHAUS, n., nebenform n 4^ aUtimfiwurutItm 
kornhau« th. 5, 1826 und dtm vertinultn fmclitbau* tk, 4, 1, 
sp, 273. liniere htldung erseheint frtihsrttig m mundartUdur fmm 
in derselben gegend, in der das stmpUi hetmtsek ist, $9ntt f»> 
hört es mehr dem schriftsttl der spracht an : 

1) item in disem jsr I49i ward das iraidbaos iwisehM 
alt Nürnberg und Lugio«zlandt aogefangeo zu panen und 
im jar auszgepawen. Tuehtrsehe fortsetsumj der Hkrmb«rgtr ^ 
büeher. deutsehe slddteehroniken 11,504. 

2) das getreidebaus, U magatin Scawaii (ITM) IM {fdOt im 
der ausg. von 1811 weg); so befiehl ouo deinen knechteo, welche 
Ober deine getreidehluser gesetzt sind, dasz aie auf das arsia 
feld legen ein weitzenkorn, auf daa andre zwej, aof 4a8 
dritte vier, auf das vierte acht, und so immer aof das nlcbtt 
folgende noch einmal so viel als aof das vorhergcbeoi«. 
WiKiAND {älteste leilkürtungsspiele) 24, 101 inn w*sUren vtritmf 
wird nur das wort kornbsus gebraucht); getreidebaus, a esni 
magasin, granary Hilpert 460; getreidebaus 1. magazin. Tbibl 
4,412; die zinsfreie hergäbe von 3 millioDen, welcbe 4ar 
preuRzische landtag für die erbaunng vod getreidabluaara 
bewilligt hat. graf v. ScHweei!« 10. mdn 1M7. 

GETREIDEHÜLSENFRLT.HT,rgelreidehülseofrOchteMn<ra 
in den ausnahmelarifen der eistnbahnttrwaUungtn tstlfatä amf- 
geführt. 

GETREIDEKAMMEK, f., dem widttTvendeUm korokaoMMr 
{th. 5, 1827) stthen von getreide nur mundartluhe bildun^tu am 
seile: trädkammer tn der Windskenser mundart Froibarr 4^ 
553, 21. 

GETREIDEKASTEN, m., vgl fruchtkoste tt. 4, 1, 9. tl» : kf- 
kästen th. 5, 1827. schon AvEnTin kennt dw traidkasteo ; t bn m 
wird treidkasten in den voeabuUrien ttrstiekntL getraidkatteo, 
kornhaus, horrenm Hbriscr 1567; gott hat seine getreidkttteo la 
himmel und das brol wScbszat vod quillel jbm ioa aataco 
reichen milden bänden, ebenda ; getreidekasten auf. Uan. »t. 
{Leipsig 1731) 821; getreidekasten vgl getreidefeimeo JACoaasoR 
5,663*; es war einmal eio mäuschen, das 10 eioeo getrtida- 
kaslen sich durch eine kleine spalte bmeingetrblicheo ood 
sich dick und rund darin gefressen halte (in camera« fru- 
mentt). Wielard Horasens britft (1,7) 1, 151; die erbaaoag mmi 
Unterhaltung der getreidekästao. toricMay z« 
treidmagasin SS. vgl. sf. 17 getreidekaataa in 
bei Brbntano. 

GETREIDEKAUF, «k, aerrmieft uni mtkr ta den rnundmt- 
lichen formen neben dem altnnftwurwdten komkauf («pl. Atri 
5, 1829) verwendet ; vom gelraydkanff kandetl dai s. empätt det 
6. buehes der Henneberg, landesordnung, das btst>mmnn§tu ikir im 
ijftrndfhandfl enthiit. ihnltch in den isterr. reutk. : im tMI» 
ricbier solle .. bei denen pökeo visitieren , ob ja4M rntJÜ 
nach gestalt des iraitkaufs da» brott itm arfordcrlM |»> 
rechten gewicht und güete gemesz gebacken . . warda. tuärm» 
tion für die bärger su Gmünd 17»«, «tlirr. m ri äk. «»ai; MCh 
gelegenheit des draitkaufs. marktordnussf «an Kara« IMS. <*r»- 
dorl 116 N. 0. aus neuerer sett ist im wart m tum mrmämmm§ 
der bairiseken rtgiemng von ViUerfttukns fakMScM.' falraida 
milkler und getreideschiMatar Mrfa« Mk \m pttmUkJ^ 
auf den schranoeo nui fMnMMlrfclta akkt 
xtOeütgensklaU nom InttrfrmAtm mmi iaaftafMttatff M. 
1850 (t. 880). fir da» tkMmfodki ayL gdraidiichkMl. 

GETREIDEKÄUFER, «>., amtatdl mktm itm iMdkem 
komkiufer {th. s, 1817) nni dem seltnem frachtkaofcr (*. 4, t. 
$p. 275) : es kann fttr den Staat schlinDe folgen haben, wann 
man aich bei dem gatreidhandeJ gaas ian iataraaa« im 



4483 üETREinEKELLER— GETREIDEMAGAZIN 



GETREIDEMAISCHE— GETREIDEMARKT 4484 



getreidkäufer und Verkäufer überläszt. vorsehlag zu einem 
städlüehen getreidmagazin (München 1795) 114; der bauer hat 
das ganze jähr mit der natur, und allen elementea — dann 
mit., den förstern, Jägern, den getreid- und viebkäufern 
u. s. w. zu thun. 136. 

GETKEIDEKELLER, m. getreidekeller, kornkeller süo 
Rumpf technologisches wb, 1 (1869), 210. 

GETKEIDEKOR.N, s. getreidigkorn. 

GETREIDEKBAÜT, n., vgl. oben getreidegras; vgl. korn- 
kraut theil 5, 1828. 

GETREIDEKÜMMEL, m. Thiel landwirthschaftlhonversations- 
lexik. 4, 412. zu kümmel für küminelbrantwein vgl. theil 5, 2591. 
unsere Zusammensetzung ist vor allem durch den Rerliner ge- 
treidekümmel von i. A. Gilka in weiten kreisen verbreitet worden. 

GETREIDELAGER, n., vgl. fruchtlager Ih. 4, 1, sp. 275. hiervon 
getreidelagerhaus (vgl. frucbtlagerhaus a. a. o.) silo, vgl. den 
cntwurf über die errichtung von landwirthschaftUchen getreide- 
lagerhäusern in der Sitzung des preusz. landt. vom 6. mai 1S96. 

GETREIDELAND, n., vgl. fruchtland th. 4, l, sp. 275; kornland 
theil 5, 1828. der erste beleg für die einbeziehung von getreide 
in diese Verbindung stammt wiederum von Ldtber, und zwar er- 
scheint die Zusammensetzung dort in derselben bedeulung, die 
bei den schwesterbildungen im Vordergründe steht: land ist von 
der technischen seile aufgefaszl, die bodenbeschaffenheit wird her- 
vorgehoben, in neuerer zeit tritt gerade an den belegen mit ge- 
treideland mehr die politische seile hervor, getreideiänder sind 
landyebiete, in denen viel getreide erzeugt wird. 

1) Asser hat gut getreideiand innen gehabt. Luther (flössen 

zu 1 Mos. 49, 20 ; 

ihr Wirte, die ihr pflegt das treideland zu bauen. 

W. ScuERFFKR nedicitie '2öO, vt/l. Drechslsr 262; 

getreydiand (erro frugifera Stieler 1063; die gärten der Afri- 
kaner sind ohne methode und absieht, ein gemisch von Obst- 
bäumen, beeten und getreideiand: vor unnütze parterren 
ist ihr boden zu fruchtbar; ihn aber zu bedüngen, ordent- 
lich zu bepflanzen und zu verbessern, ist wider die Sitten 
ihrer vorfahren, und also unnütz. Herder (fierrn Thomas 
Schaws reisen) 1, 82/3. 

2) dasz ein getreidland, wie Baiern, zu allen Zeiten getreid 
ausführen werde und wegen seinem eigenen Wohlstand aus- 
führen müsse, vorschl. zu einem städl. getreidmag. {Münch. 1795) 
110; in einem von der natur gesegneten getreidelande ist 
für die erhaltung des Staates , so lange als nach der gött- 
lichen verheiszung saat und erndtezeit nicht aufhört, wenig 
zu besorgen, über den freyen getraidehandel (1804); 144 be- 
kanntlich ist Mecklenburg ein getreideiand, wo der ackerbau 
und die Viehzucht fast ausschliesziich alles liefern musz, 
was die einwohner . . bedürfen, ebendort 170. getreide-land. 
cornland Fahrenkrüger 325; ebenso Hilpert 460. Bisharck 
verwendet auch den ausdruck kornland (reden 8, 67), giebt 
aber doch hier der Zusammensetzung mit getreide den Vor- 
zug: ist in diesen groszen getreideländern eine miszernte, 
so wird es eben nicht kommen, ist es eine gute regelernte, 
so wird es uns trotz zoll doch kommen müssen. Bisharck 
reden (21. mai 1879 reichstag) 8,67; in der zeit, wo die ge- 
treidepreise höher waren wie heute, wo die eisenbahnent- 
wicklung der groszen östlichen getreideiänder noch nicht 
die Wirkung auf unseren markt erreicht hatte, wie jetzt. 8,59. 

GETREIDELAUBKÄFER, m. Thiel landwirlhschaftl. konver- 
sationtlexikon 4, 412'. zur erklärung ist kornlaube (theil 5, 1828) 
für kornboden heranzuziehen. 

GETREIDELAUFKÄFER, m., Thiel a. a. o. vgl. laufkäfer 
theil 6, 332. 

GETREIDELEGER, m., getreide sive fruchtleger, struum vel 
mergitum concinnator Stieler 1110. 

GETREIDELIEFERANT, m., vgl. fruchtlieferant theil 4, 1, 
sp. 276; vgl. kornlicferung th. 5, 1828. die poiicei muszte also 
abermals aus der noth eine tugend; und da alle quellen 
verstopft waren, den getraideiieferanten wieder selbst machen, 
und mit noch mehrern kosten, wie das jähr zuvor, fruchte 
kommen lassen, fiter den freyen getraidehandel 183. 

GETKEIDELIEFERUNG, f., vgl. Kraft 1151. 

GETREIDELOCH, n., vgl. kornlocli theil 5, 1828 ; getreyde- 
loch, grübe unter der erden, sirus Kinscii 179". 

GETREIDEMAGAZIN, n., vgl. fruchtinagazin <A. 4, 1, sp. 276 ; 
kornmagazin theil 5, 1828; alsdann musz für die ärmere 
klasse in städten durch ein wohlgeordnetes getreidmagazin 
gesorgt werden. Vorschlag zu einem städtischen getreidmaga- 



zin (München 1795) 5; man sagt zwar mit vielem gründe, 
magazine in einem fruchtlande, wie Baiern ist, oützen nicht 
viel, oder vielleicht gar nichts , weil das gaoze land Baiern 
selbst ein wahres getreidmagazin ist, sobal'i der ackerbau 
nicht muthwilllg unterdrückt wird. 6; verhindert man nun 
diesen in mehrern betracht blUKren und für die ganze ge- 
sellschaft ersprieszUchen gewinn . ^o wird leder sein 
Capital vom getraldmagazin negziehen, und es auf andere 
sichere bandelszweige anwenden, über den freyen getraide- 
handel {Leipzig 1804) 101 ; es wäre a'so allerdings zu wünschen, 
dasz man ein zuverlässiges und demnach v^emger heftiges 
mittel ausfündig machte, theue'ung zu verhüten, und schon 
glauben viele dieses mittel in der anlegung öffentlicher ge- 
treidemagazine gefunden zu haben Barcrhausen polizey des 
getreidehandels (ififH) 112; W7i(er getreidemagazin »Miccist Jacobs- 
son 5, 663' auf kornmagazin, Thiel 4, 4i3 auf getreidehaus, 
getreidehalle, kornhaile, koriispeicher; Strassburg soll aus 
seinem getreidemagazin 1501 ganz Schwaben mit körn ver- 
sorgt hahen. Nauoe die deutsche städt. getreidehandeispolitik 20. 

GETREIDEMAISCHE,/'. Thiel landwirthschaftl. konversations- 
lexicon 4,113; da schon maisch, meisch sowol als meische, 
maische an und für sich das angebrühte malzschrot bezeichnen 
{theil 6, 1945), so ist die Zusammensetzung mit getreide hier nur 
in bestimmtem zusammenhange üblich. 

GETREIDEMÄKLER, tn.jj'unjebiWun^. der zweite kompositions- 
theil ist in solchen gegenden heimisch, die an körn festhallen, daher 
ist kornmäkler früh belegt, unsere Zusammensetzung gehört der 
Verwaltungssprache an: die handelsmäkler werden angestellt 
als getreidemäkler, Wechselmäkler, waarenmäkler, Schiffs- 
makler, die als getreidemäkler angestellten handelsmäkler 
sind zur vennittelung aller geschälte, welche getreide und 
saaten betreffen, befugt, börsenordnung für Danzig (27. aug. 
1865), vgl. Zeitschrift für handelsrecht 10, 117; getreidemäkler, 
cornbandler Hilpert 460; getreidemäklerei, dealing in corn. 
ebenda, vgl. auch oben getreidekauf. 

GETREIDEMALZ, n., vgl. kornmalz theil 5, 1828. 

GETREIDEMANGEL, m., früher belegt als fruchtmangel 
th. 4,1, sp. 277 und kornmangel theil 5, 1828; getreydmangel 
inopia frumentaria Bayer (1733) 289; getraid-inangel rei fru- 
mentariae inopia Frisch 2,380; getreyd- und holtzmangel Stich- 
wort bei P. V. Stetten geschichte von Augsburg (1743) 310; der 
getreidemangel la rarete des grains, dissette, cherte des bleds 
Schwan (1782) 739; das verlheuren geschiehet unmerklicher 
(wenn man nicht den preis des brodes steigert, sondern das ge- 
wicht mindert) und erregt nicht so leicht murren unter dem 
Volke, und, welches kein geringer vortheil beim getraide- 
mangel ist, der käufer lernt seinen verbrauch nach und nach 
einschränken. Reimarus die (reiheit des getraidehandels (1790) 
146; bei der armuth der bauern hat also das land am ehesten 
einen wirklichen getreidmangel zu besorgen, verschlag zu einem 
städtischen getreidmagazin {München 1795) 11; woher hat man 
aber wohl jemals ein recht herzuleiten vermocht, gerade 
denjenigen für seine Sorgfalt zu bestrafen, welcher einem 
der grüsten übel, nemlich dem getraidemangel, und noch 
überdies nicht ohne mancherley eigenes risico abhelfen kann. 
über den freyen getraidehandel (1804) 6 ; getreidemangel, scareity 
of corn, exessiv high price of corn Ebeks 643; vgl. auch Thiel 
landwirlhschaftl. conversalionslexicon 4,4i:i; getreidemangel und 
hungersnöte wütheten in entsetzlichster weise das ganze 
niittelalter hindurch, nach einem miszwachs giengen alle 
preise ins ungemessene ; in fruchtbaren jähren gereichte der 
gewonnene Vorrat dem landmann häufig selbst zur last. 
NaüdIÖ die deutsche städtische getreidehandeispolitik 7. 

GETREIDEMARKT, m., jüngere und weniger verbreitete bildung 
als die Zusammensetzungen mit den synonymen, das volkstüm- 
lichste wort ist kornmarkt (theil 5, 1828), das im norden und 
Süden gebräuchlich ist und das, wie es schon mittelhochdeutsch 
belegt ist, so auch noch jetzt an straszennamen und platzen 
haftet, fruchtmarkt (th. 4, 1, sp. 277) schränkt sich mehr auf den 
Südwesten ein. für getreidemarkt sind es wiederum thüringische 
und bairisch- österreichische quellen, die das wort einführen, und 
aus den Leipziger Wörterbüchern erst stammt die Verbreitung in 
der litteratur, die dem Worte heute für den schriftlichen geschäfts- 
verkehr das übergewicht verschafft hat. in den älteren belegen 
überwiegt die bedeulung eines nomen actionis, daher die Ver- 
bindung markt halten, abhalten ; vielfach jedoch auch localisiert 
sich diese bedeulung in der örtlichkeit, in der die thätigkeit statt- 
findet, markt, marktplatz. vgl, getreidebörse. 



4485 GETREIDEMASZ— fiETREinEMENGE 

t) die gastgehera lüllen kein gelreydig-markl oiii auflailfo 
oud loiiiiten in iliren bofen bey itnlT eine« guldcoi ge- 
■latlen. itatuUn ton 'Itili {\y,i) \,'r,lSchoU\ der lliraitmarkt 
aher soll allwre>; zwai jubr auf dem uliero und zwai jabr 
uuf den undern |>lati zu bnlleri Terbleibeo. nachhannlatdtng 
von Slocktrav. hanischr. vun 1042, 6tl. wevth, 8, 44'; naiiend an 
einer grutfen ttudt, wo tiajdmilrckte gebalten werd«o. Hoh- 
■ kh6 7 rap. M. 

2) getieid marckt tht rornmarket. Uut$eh-engi »b, (1710) :M, 
ebmto $iaUr Mii pkrt 4SI ; gctteydeinarkt, forum frumenti 
KiNacM i'tt'; tlunto Co*vinu> 36'. Kriuch 2, %«0; gelreideroarckt 
(cornmai'ckt) ytrechtigkeit und platt Chuhki. 4, iu2&: getreide- 
marckt mareh^ aus bUt RoNDKAU-DoiTORFr 263, tbtnto Sciiwai« 
(I7h2) 739; KmCiuti IH, 20 und Ihcuttto» b, VH v*Tu tuen unter 
gelreidcmarkt auf kornmarkl; getreidrinarkt, forum frumm- 
tartum, mucatas frumentana Kraft I, tiM: auf den acbrannen 
und gelraidmSrkten. inteUigentblatt von Unterfrankin, 14. no- 
tembfr 1860; erit durcb niederkSinprung der benachbarten 
uiSrkli- baben «icb stfldle, wie iiainburg und Stettin, zu 
grü«zen getreidemarklen emporgescbwuagen. ^ikvoi die deutsche 
Mdt. gttrttdehandeLipolüik \h. die leituni/en haben eine ständige 
rubrtk für die berichte vom getreidemarkt. 

GKTHKIDKMASZ, «., früh belegte lusammimetzung, die hinte' 
kornmatz {theil &, IH29) an aiterlhümlichkeit niclU turüekbleibt 
und weit verbreiteter itt alt frucbtmasz (th. 4, 1, sp. 277); getreid- 
mesz metrela, calomentra, modtus idem. vncabul. ineipient teut. 
fben$o bei HuprorruS; in TenclI'.hs laienspiegel (ISOO) El' itt 
dit form Iraidmasz verwendet, ebento: item das in dem ge- 
riebt traidniasse gehalten werde und obn der herrschaft 
wissen kein grösat-r oder kleiner geniucbt, sunder die traid- 
masz soll in dem rourk bleiben, wie von aller berkomen ist. 
marktordnung von Vorau 160S, österr. weiath. 0, 114; es soll auch 
ain eigne truidmasz bei dem murklgericbt wie von olter ber- 
komen Torbantcii sein. Statuten von Schwanberg 1593, ebendort 
SM u.a.; wer getrrydigmoasz, viertel, ganz, halb oder vier- 
maasz bat, desgleichen saltz oder oelmuasz, damit er es 
einnimmt und ausgiebet, derselbe soll die lassen eichen nach 
der Stadt mansz. sliluten von Zeitz (1573) 1,272 Schott; ge- 
Ireidemaas medimnum Kihscii 170*; getreydmasz modius Bayer 
(1733) 289. vgl. all<iem. Ökonom, wb. (Let/nty 1731) 821. Chumel 
4,1023; das getreidemas, koriiinBS, le fienal, penault, la mesure 
Schwan (1:82) 739: a nien.viir« ^or eorn IIilpcrt 461; getreide- 
uiasz modus frumentarius Kraft Ifll.M. 

(iETRKIDEMÄSZLEIN, n. deminutivform tum vorigen: ein 
mSszIein baber, corbula, cvtell<i vtl quartarius arenae, alias ein 
getreidmU.«lein. Stiflkr 1284; davon die Grecken ihr Choenix 
aollen nemt-n, weirbes bei jneii ein metzen oder getreidmesz- 
lein war, das man zur Icglichen prebende oder voterhaitung 
einem leibeigenen knecht gäbe. Mathesids Sarepla 173*. 

GETHEIDEMASSE, /., nur tni pJura{ verwendet, neuere bil- 
dung : wer gesehen hat, wie die gitreidemassen auf den 
strömen beruntergellöszt werden, der glaubt ein grünes korn- 
feld zu sehen, das körn grünt aus. Uismarck reden (2i. mai 
1879 reiehstag) 8,76; die zweite halftc des 16. Jahrhunderts 
ist die zeit, in welcher Steitin in seiner bedeutung als nordf 
deutscher getreidemarkt zurücktritt, in welcher Hamburg der 
erste exporlbafen der mitteldeutschen getreidemasseo zu 
werden beginnt. Naud£ dir deutsche slädtuiche getreidehandelt- 
politik 37 ; pebmen sie an, an einer preusziscben bOrae spe- 
culirt eine iirma in getreide ä la baisse und bSuft an dem 
preusziscben bOrsenplalz nicht nur, sondern auch an einem 
börsenplatze, der austerhalb der preusziscben grenze liegt, 
riesige getreidemnssen. v. OsRiRPsm deutsch, reiehtt. 9. jan. 1896. 

GETKEIDEMEIIL, n., vgl. kornmebl theil 6,1839; getreide- 
mehl, farina frumentaria Kraft 1, 1169. 

GETKEIDEMEISTEK, m„ alle biidunQ, heute teraUel, vgL 
kornmeister (/(. 5, 1829. als getraidmaister vtrd Endret Tücher 
im Nürnberger amplbuchUn von 1610 auf<:eführt, deutsche tUdlt- 
rkroniken ll,S08. auch bei Atintin findet sich das Kort, alltr- 
iingt in späteren ausgaben: dem Clodio Marino, so getrrid- 
meister und kostner gewesen der sibenden legion. chronik 
Frankfurter ausgäbe 167* (in iUeren ausgaben traidmesser *. u.) ; 
diese heispiele folgten alsbald Sejus Strabo und der gr- 
treydemeister Cajus Turranus {praefettus annonae). LoiititsTKin 
Armin 2,944. 

GETHEIDEMENGE, f. junge lusammenselsung, in gtkrtuth 
und bildung mit gelreidemasse nahe verwandt, in der htdtutmng 
jedoch abstechend, während tu itm lettUrtn an dtr quantiltt 

IV. 



GETREinEMESSEB—nETREIÜEPOLIZEI 4486 



das umftuttiuU d*$ btfHgn ktntrtriU, er$dmnl 4itu M «i 
Worte i» der form der eimfrntmnt: M itt 4k fOtraUlHllMf 
ganz besondere in llamburf und SlfMla ftpkMH, w im 
rat, die tiadtiteben klOsttr, die kircbtpi«!« . . dit ItafltoU, 
liie backer, die brauer und die reicbeo mit genau «orgracbhe- 
benen getreidemrngen jederzeit sieb tu «ertebeo bat»eo. Naoti 
die deutsche slätitttthe gHTttdehandeltpoUltk 20; alle ditt« ff 
IreidemeDgea baben hier neben den g rireideoieoieo , if Is 
Deutacliland pruducirt worden sind, dock auch g«la|«t. 
V. Karourff deutscher reiehstag 17. ;aaiiar ikM. 

(;ETHEI|iEMESSKII, «., ällef«bMmn§, H$ itm bttr.-fr4uk 
iiebteU an(iehOrt und heutt wseitr trtmikn kt, «fl. (mclilaiMeer 
</i. 4, 1, tp. 277 ; kornmc*«er (A. 6, ts». Atchtiii t^tutH lfM4- 
metser an der ttelle, wo dte hankfurter aus,^tbe ftlrvt4MMitl4r 
tintelsl: Clodio .Uarioo, *o ein traidmesser ist g e we— ■ ■■4 
rastner. merkt 4,2, 70<.; alle amt aod buet so tum oarkt g»- 
bOren, ala weinkoater, nsitiber, traiiiDesMr «.i. «■. ftrtrk- 
Ugkftti-n tu Medling (164«) «sUrr. weulh. 7, STB; 9§L 4t% ahidftU 
vom getieuimetser in Nürnb. poUtetoidn. BAADta s. lM/67. 

GETREIOEMUNOPOL, n. tur bddung vgl. gereidecoosoia. 
name wie begriff itt etne ertcheinung der jümqfitn terftuftuktt : 
und so hat schliesziirh der rheinische hauerovereio in aeioer 
letzten generalversommlung am *. dezember v js lO Neust 
einen bescblust gefastt dahin gebend, dasz di« eiofokroog 
des getreidemonopols befürwortet werden mögt, ^ef *. RAiiirx 
deutscher reiehstag 16. jan. 189«. 

GETItEIDEMOTTE, A, «o« Tiirl landrirtksek. eomotn.-kx. 
4,413 aufgeführt, übliehtr sind die bildungen mit koro. otrfL 
kornmade, kornmoite, kornwurm. 

GETHEIDKMLHLE,^., vgl, kornmOble ik&, int; gtirtia«. 
lire mahlmühle, mala fannaria, frumentaria Stula* iMt; |t- 
treidemühle, kornmüble, le mouli» Schwah (ITM) TM (/SM 
i'i der ausgäbe von 1811). KaPüiTt 18,10 /f. untertektiiH aatai 
d<r allgemein verbreUeten bedeutung ton gelreidemSbl« iBkenH 
mühte im gcgensatu zu Ölmühle, papiermOlile mcA Wm W- 
sondere Verwendung: windfege, «ine romcAlun; tum rnai^ 
des gttrtiJes vom staub, letttere bedeutung tritt t* itu mvrter- 
büehtm niclii auf. getreidemühle, eommiU Hilpirt 4itO; mthU 
mühle Rumpf technol-^g. wb. (1869) 1,210. 

GETKEIÜEMEDERLAGE, /..■ 1.S98 lud da« domcapitel, den 
Magdeburg die buldigung verweigerte, die Hamburger geradezu 
ein, anstatt in Magdeburg, beim dorfe Derben eine gelrtidt- 
niederlüge zu errichten. NaudI^ deutuhe städt. getreidehandtts- 
politik 6u. 

GETREIDENUTZUNG, f. getreidenuUoog, sts« feldoatx, 
reditus agrorum Stibler 1366. tgL frucbtniester, fmckl- 
nieszung, frucbtnutt, fruchtnntzung th. 4, l, tp. 177. 

GETREIDEÖL, n. unter dutem tliehwort venttitt Tum km^ 
wirthseh. eonvers.-lex. 4, 413 auf fusel. 

GETHEIDEORnNUNG,A: die getreideordnangtn tiod cqid- 
promisse, Zugeständnisse bald nach der einen, bald Mch 
der anderen richtuog hin. NACDit ffeutseke ttddturki frtreH§ 
handelspolitik 63 

GETREIDEI'ACHT, m.: getreidepachl, ein pacbt, wo to 
statt des Pachtgeldes dem eigrnlbOmtr au«gedroscbeoe« ge- 
treide gegeben wird; welche arten von packt in der aärk 
Brandenburg üblich sind, wird der packt nock in de« slreh 
abgetragen, so beistt er daselbst ein gelreidezebend. Ao«icM 
2,638; der getreidepacbt, la ferme qui st p<m tn Nerf Scawaii 
(1782)739; getreidepachl rrnipaid in corn, r«mrr«l HiiPtar 4Mw 

GETREIDEPFLANZE,/, vgl. fruchtpHante (U. 4, i,»f.lTJ): 
C!« werden hauptsicblich diejenigtn frtter gttrMdtfOtaaw 
genannt, welche mehlreiche, zur sptiM 4tr ataaciMa 4il^ 
liebe aa-imen tragen, in weiterer bedtntoBf ttbll aaii himtm 
noch einige, nicht in die klasse der gri»er gekureode pnantea^ 
als: das baidekom, den mais, nod von den kalten frOcktca; 
die erbsen, linsen and lohnen. Witter A**r kikert I«n4i»- 
eultuT (1811) 66. 9gL auch Tbiel 4,4IS: die gtrate ist antra 
am weitesten nach norden vordringende gctrcidepAaat*. 
Bahre der mtntds 311. 

GETREIDEPOLIZEI, A errtJM« Mdiiaf , ^ m der fmk- 
Utttratur am endt des i<«. jaktkmm iuti amt raHe i^Mk. 4fr 
twette compontwnsüuü kam hier m(* $ei»t» Miea «erwnMb»- 
gen tum ausdruek, all umfatstndtr begriff n dar Meoteaf tarn 
Verwaltung, verwaltungtfmndsatte, regeiuog, (liatNlt umd 
alt tingtsdtrdmktar htpif m dtr ktmüfem htdeümmf timtr tlaatf 
licktu hekirde. 

1) ier ym fasmitr t lefnf (ra( ttr ains w Im 

283 



4487 



GETRBIDEPREIS 



sehen Verbindungen zu tage: gedanken, welche er in seinen 
Schriften über die polizey des getreides so gründlich aus- 
einandergesetzt hat. über den freyen getraidehandel (1804) 51. 
vgl. auch Barcrhausen die polizey des getreidehandels 1804. 
ebendort findet sich auch ein beispiel für die Zusammensetzung: 
unter den Deutschen haben Normann und Reimarus . . den 
Freien kornhandel vorzüglich zum gegenstände ihrer Unter- 
suchungen gemacht und als das sicherste mittel, theurung 
zu verhüten, angepriesen, insonderheit hat der erstere eine 
umständliche darstellung der bisherigen getreidepolizey, nicht 
nur einiger deutschen länder, sondern auch der republik 
Frankreich mitgetheilt. 75. 

2) das heiszt, dem bauer vorschreiben, wie viel er getreid 
bauen , welchen preis er dafür fodern , wohin er es führen 
und verwenden solle; — dem bürger in der sladt hingegen, 
wie viel er davon, und um welchen preis verzehren dürfe 
M. s. w. — eine andere Vorstellung läszt sich von einer ge- 
treid- und nahrungspolizey nicht maclien. Vorschlag zu einem 
städtischen getreidemagazin (1792 München) 153; bestätigt sich 
diese eründung • . so kann man erwarten, dasz wenigstens 
die getreidepolizey den brantweinbrennereien nicht mehr im 
wege sein werde. 49. 

GETREIDEPREIS, w»., vgl. fruchtpreis th. 4, 1, sp. 277, 
kornpreis th. 5, 1829. unsere Zusammensetzung taucht in der 
fachlitleralur zu ende des vorigen Jahrhunderts auf und hält 
sich im gegensatz zu dem vollisthümlicheren kornpreise vor allem 
in der einschlägigen Schriftsprache. Kinderling über die reinig- 
keit der deutschen spräche (Berlin 1795) 394 vermiszt das wort 
bei Adelung, die Verwendung im pluial ist die ältere und meist 
verbreitete. 

1) woher wäre sonst in den verschiedenen provinzen von 
Frankreich ein so entsetzlicher unterschied in den getreide- 
preiszen noch 1764 gewesen, da doch schon seit 1754 der 
verkauf von einer provinz zur andern erlaubt war. Reimards 
aus- und einfuhr des getreides 19 anm. ; diese künstelei würde 
also derbeförderung möglichst woifeilergetraidepreise, welche 
man doch, wenn die natur sie verstattete, gern annehmen 
mögte, entgegen würcken. Reimarus die freiheit des getraide- 
handels (1790) 42; die geführten aulscbreibungen über das 
aussäen und einärnten seit 2u Jahren, und über die jährlich 
höhern und mindern getreidpreise von einigen mittelmäszig 
fruchtbaren gründen inner des gebirgs verschafften mir ge- 
legen lieit, nachfolgende berechnungen zu entwerfen, anmerk. 
über die Verbesserung des getreidbaues {Sahburg 1790) 42 ; dasz 
der landbau und die schifffahrt bey diesem system gewonnen 
habe, kann man zugeben, nicht aber dasz die getreidepreise 
dadurch zum sinken gebracht worden sind. Barckhausen 
polizey des getreidehandels (1804)81; was man übrigens ge- 
wöhnlich von der nmthlosigkeit der landwirthe bei zu ge- 
ringen getreidepreisen und den schätilichen folgen derselben 
auf die landescuitur zu behaupten pflegt, ist gewisz über- 
trieben. 101; in vielen ländern — namentlich in England — 
sind die getreidepreise in der rege! um 80 bis lOO procent 
höher, als in Deutschland anzunehmen. Witten über höhere 
landescuitur (1821) 82; wenn überhaupt die getreidepreise nicht 
von viel gröszeren Verhältnissen des Weltmarktes als der 
gesammtheit unserer steuern und lasten abhängig wären. 
BiSMARCK reden (14. junt 1882 deutsch, reichst.) 9, 319; im allge- 
meinen aber hat der Vorredner in seinem ganzen plaidoyer 
gegen unsere vorläge hauptsächlich das argument geltend 
gemacht, dasz das getreide theuer wird, dasz die kornpreise 
steigen werden, er hat dies als eine calamität angesehen, 
die vor allen dingen vermieden werden müsse, nun, dabei 
drängt sich die frage auf: sind niedrige getreidepreise *in 
wirthschaftlicher beziehung an sich als glück anzusehen? 
(21. mat 1879 reichstag) 8,59; der herr abgeordnete Steininger 
sagte: es ist eine ganz unbestreitbare thatsache, dasz zwar 
die brodpreise in dem masze steigen, als die getreidepreise 
steigen; wir konnten uns aber auch bei den gegenwärtigen 
niedrigen gelreidepreisen überzeugen, dasz die brotpreise 
nicht in dum masze fallen, wie die getreidepreise fallen, 
jro^ v. Kanitz deutsch, reichst. 16. jan. 1896; getreid e preise, m. 
pl. prices of grain Eitzen wb. der handelssprache 317. 

2) bald hernach wurde auch verordnet, dasz den becken 
alle monat ein mit dem getreid-preisz übereinkommender 
anschlag gegeben, und im fall, da sie nicht backen wollten, 
denen fremden erlaubt werden sollte, brod in die Stadt zu 
bringen. P. v. Stetten geschichle v. Augsburg 1,459; hohe korn- 



GETREIDEPROBE— GETREIDEROST 4488 

preise sind aber auch nicht immer ein zeichen des misz- 
wachses; denn der getraidepreisz ist oft auch wohl bei 
reichen erndten gestiegen, über den freien getreidehandcl (1804) 
21 ; dasz ein allzuniedriger getraidepreisz für das sämmt- 
liche publikum äuszerst verderblich und nachtbeiiig werde. 
45; jedermann weisz, dasz notb, elend und Verwirrung nur 
nach angelegter sperre ihren wahren anfang genommen und 
erst dann der getraidpreis um wenigst '/s sich erhöhet habe. 
Jdsti memoiren HI anhang 27; getreidepreis Campe 2,353; Ihe 
price of com or grain Hilpert 461; annona pretium frumenti 
Kraft 1, 1152; die landwirtschaft erlebte eine zeit groszartiger 
fortschritte ; der getreidepreis stieg in den zwanzig jähren 
seit Friedrichs tode auf das doppelte. Treitsch&e deutsche 
geschickte 1, 158. 

GETREIDEPROBE, f. KrOmtz 18, a. a. o. verweist unter 
diesem stichworle auf kornprobe. Thiel landwirlhschaftliches 
eonversationslexicon 4, 414 führt die weitere zusammensetzumj 
kornproberaelze auf; für feststellung des gewichts von ge- 
treideproben durch das an der börse beündliche normal- 
gewicht von jeder seile 5 silbergr. gebührenordnung für die 
handelsmäkler in Danzig, zeitschr. f. handelsrecht 10, 120. 

GETBEIDEPRODUCENT,»). zur bildung »qi.getreideconsum: 
er sagt, diese getreideproducenten könnten mit groszer 
leichtigkeit andere käufer finden, wenn wir ihnen den preis 
nicht zu dank machten. Bisharck reden (21. mai 1879 reichs- 
tag) 8,67. 

GETREIDEPRODUCTION, f.: die getreideproduction ist 
viel zu hoch, die production der handelsgewächse viel zu 
nieder angenommen. Nebenius '2. bad. kammer 30.;unil835; 
seitdem die russische getreideproduction sich in dem masze 
gemehrt bat, dasz in den westlichen provinzen Rusziands 
eine Wohlhabenheit im augenblick besteht, die diese pro- 
vinzen sonst in Jahrzehnten nicht gekannt haben. Bisharck 
reden (24. mat 1879 reichstag) 8,97; gegenüber den Privilegien 
der Steuerfreiheit und anderen, deren sich die ausländische 
getreideproduction bei uns erfreut. 8,66; die summen, um 
die es sich bei der getreideproduction handelt, sind wirk- 
lich enorm, selbst bei dem heutigen niedrigen preise, graf 
Herbert Bismarck deutscher reichstag 16. jan. 1896. 

GETREIDEPÜPPE, f., vcß. puppe theil 7, 2246: im felde 
aufgerichtete . . . garben. man setzt puppen in feuchten 
sommern oder auch um den nicht völlig ausgereiften garben 
nachreife zu geben. 

GETREIDEPUTZER, m, vgl. Jacobsson 5, 663". Thiel 4. 414. 
mit körn wird das Substantiv kornputzerei (theil 5, 1829), mit 
frucht fruchtputzmühle (th. 4, 1, sp. 277) gebildet, vgl. getreide- 
reinigung. 

GETREIDERAÜPE, f. unter diesem stichworte verweist RRt5NiTZ 
a. a. 0. auf kornraupe, vgl. th. 5, 1829. 

GETREIDERECHNUNG, f., ältere bildung. der zweite com- 
positionstheil erscheint hier in der umfassenderen bedeutung von 
rechenschaft, vgl. th. 8, 355. gelraid- und weinrechnung als 
Überschrift der in einer Münchener handschrift des 17. auf 18. Jahr- 
hunderts (3351 bei Schmeli.eh handschriften 5, 365) überlieferten 
zusammenst<Uun,en. eingeengter erscheint die bedeutung in brot- 
rechnung und getreiderechnung rationarium cibariorum 
Stieler 1565. 

GETREIDEREICH, adj. bei Campe 2, 353 belegt, getreidereich, 
fertik in grain Hilpert 461; getreidereiche gegenden, loca 
frumentaria, ein getreidereicher ort, locus copiosus a frumento 
KitAFT 1,1152; die neue grenze am Bug und der Pilica war 
militärisch und wirthschaftlich sehr günstig, sie eröffnete den 
liäfen der provinz Preuszen freien verkehr mit dem hoiz- 
und getreidereichthum des inneren Polens. Treitschkk deutsche 
(leschiehte 1, 143. weit verbreiteter und manigfaltiger in der be- 
deutung ist fruchtreich (th. 4, 1, sp. 277), weniger ausgedehnt 
kornreich th. 5, 1829. 

GETREIDEREINIGUNGSMASCHINE, /., vgl. Thiel 4, 414; 
getraidereinigungsmaschine, cornmill Rompf technologisches wb. 
1 (1869), 210, cornwinnowing-maehine Eitzen 317. 

GETREIDEREUTER, m. Thiel 4, 414 verweist unUr diesem 
stichworte auf den getieiderüsseikäfer und auf kornwurm; vgl. 
auch kornreuter th. 5, 1829. 

GETREIDEROLLÜNG, f. dUere bildung: getreiderollung 
purgatio frumenti per incerniculum Stibler 1501. vgl. kornrolle 
th. 5, 1829. 

GETREIDEROST, m. Thiel 4, 414. vgl. rost th. 8, 1282: schon 
alt ist die Übertragung von rost auf den brand des getreides. 



4489 GETREIDESACK— r.ETRRIDESKWSE 

r.ETHFIliKSACK, m., vgl. korninrk th. s, IMO; der gi>tr#i«1«- 
•ack, korntack, U tae a bUd SrnwAN (17*3) 139. Jacüihoii 

6, 9«3'. HllPRHT 4M. 

riKTHKIDKSAMK, m. .- indem ein geipann von twei guten 
pfffnlen oHcr ilrei ilarken nchien mit liOlfe einei orun- 
nehanrigen fxtirputora tflglicli 6 bit 8 icbf^fTel gftreidenaameo 
in die erdf bringen kann. Wittir über höhtr» hndncuUur 
(iM^i) 71; der kleber macht den nihrendaten tbeil dea ge- 
ireiilraaamen ous. ftl. 

GKTHKIÜESAMMLUNG, f., altnt bildung, vgl. korntamm- 
lung th. b, IH3(): getrryd-ünmmiuog, frumentatio Batki MS; 
tbtnso KiRKCR l'tt'; der pfarrer bnt auch ain gereehtigkait 
auf den gielern, bat ain truitsainung und ain babrmambiung. 
banntaiding tu Stolunwert (16. jahrh.), östtrr. wei$th. 'i, 364; die 
getraidsamliiung lolle er {der pf<irmtt$nir in Sarvihein), wie 
von ulter», mit be«chnidenlieit zu suecbeii befuegt sein, aber 
ilip armuetei vertchoni werden, ötterr. wthth. 6,1,377. 

GKTHFIDKSCHATZ. m.; die obere laube barg nur ge- 
in-ideacbatze. von ibrero kreiiz-tork nua konnte man eiorn 
tbril (lea dorfea übeiaeben. liuc» eine obenehicabiiclte dorf- 
getehiehtf 21. 

(;ETKEIi)ESCHEUNE, f., i. Txikl 4, 414 vgL koroich«une 
Vieil 5. issn. 

GETHKIDKSCHIl-K, v. neben dem alteren koinacliilT {thtil 
b, tS'iii) tst unsere lusammensetiung erstmals bei dem von Leipiiq 
ausgehenden Corvinu« (603) Mu belegen: S. Aidegondr und 
llolieniuhe, anstatt ilurcb ihre persilnlicbe gegenwart den 
ileisx der arheiter anzufeuren, verlieszen gerade im ent- 
«cheidenden mumenl den «chnuplatz der handlnng, um mit 
' nem getreidesthifT nach der stadt zu fahren, und dort die 

lisprflche über ihre weiszheit und tnpferkeit in empfang 
zu nehmen. ScaiLi.ea {belagerung Anlicerpens) 9, 73; bei atei- 
gemlen preisen hatten zwar die preuszischen Ostseehafen 
wegen ilirer nahe besondere Vorzüge, da die getreidescbifTe 
den fallenden zoll am giückliciislen benutzen konnten. 
Th. ScnHinr geichiehte des handeis und der schilffahrt Stettins 
84; der ganze handel der hamburgischeo Ber^enfabrer achien 
iä&5 unterzugehen, als Danemark auf das kapern einiger hol- 
Bteiniücher getreidescbifTe hin die meisten bamburgischeii 
Privilegien in Bergen aufhob. NAunti die deutsehe stdJtiselie 
getreidehandehpolitik ix. 

r.ETHKIDESCHlNÜER, m., vgl. kornschinder {kornwucherer) 
th. h, J83U; frucht8chinder((/i. 4, l, sp. 378); körn-, frucht- und 
gelreydeschinder annonat flageilalor, dardaniriot Siiklbh 179S: 
ehendort (1799) auch getreydi-schinderey, vgl. Thikl 4, 414. m 
diesen lusammensetiungen tritt die für schinder (th. 9, 19«) be- 
leyte übertragene bedeutunq (einer der andere ausbeutet) tu tage. 

GETREIÜESCHLEMPE, /•. vgl. Thiel 4,414. 

GETREIDESCHMUSER, m., vgl. schmuser {theil 9, 1135) 
.schw/ltter, Unterhändler : gctreidemökler und getreideschmuszer 
dürfen sich in getreidekaufe . . . nicht einmischen, bekannt- 
maehiing der bairisehen regierung im inteUigensblaU von Unter- 
franken und Aschaffenburg 14. nov. 1850. 

GETREIDESCHMTT, m. i'ff/. kornschnitt th.h, 1*30: sthnitt 
quoqm est messis, alias getraideschnitt o. erndeschnitt. Sti8i.br 
I90t ; sollen sie auch auf bescbebene ansag zu Zeiten des 
Iraidsschnilt, hei- und graimatharbeit entweders selbslen 
kommen oder andere darzue taugliche l>'it, nihl aber klame 
buehen oder dienti acbüken. dorfordnung von St. Martin 
(1730), fmtnr. weisth. 6. 373 

GETREIDESCHOBER, m., vgl. schober th. 9, 1430. die su- 
simmensetiung steht weit hinter den xahlretehtn losen rerbtn- 
dunsten lurüek. vql.: dann der gantze haufT oder schober 
desz getreydigs musz unten breit aeyn, und darnach immer 
enger und enger werden, bisz er oben spitzig zugemacht 
wird, wie man sonsten auch heuscböber pfleget zu machen. 
CoLEHDS hausbueh 1, 162* u. a. ; ein solcher von garlien er- 
richieter häufen, wird ein getreidefehm oder fehmen . . in 
Hamburg ein dymen, in Pommern eine miethe, an anderen 
orten eine triste, ein schober . . genannt. KrOkitz 11,457. 

GETREIDESCHÜTTUNG, f., tubstanttvbildung i« der vtrbal- 
verbinduni] gctreide schütten, getreide iiafschütten. getreide- 
schüttung Site aufschüttung Stikler 1944. vgl. kornschülte 
theil 5, is3o. 

GETREIDESENSE, /"., schon im allgemeinen Monom. würHrb. 
{I^ipiig 17311 823 aufgeführt: die sense . . wird, ihrem ge- 
brauche nach, da man entweder gra« und gruminet von den 
wiesen, oder getreide von den leidem, damit abmähet. 



OETREinESlCHEL— r,ETREinE.^PEHRK 4490 

grastenie (wiekentrae«) nni gtHnU9»rMf geMant KaSam 
11, SM. 

GETHKIÜE.SICHKL, A vgL das vfrif, ; tOf. Mm. *•. (£4^iiy 

1711); man unteracbeidat sie idie iuMa) ... 1« griwltfcah 
and getreidesicbeln. KaCntTt ii, »^ vft. korn«ktet I*. &, t«l. 

GETREIDESOHTK. f. w bttdung vgl. gelreidecoataai : 
ao lange der laadmann nur mit eiaer rvt( gewordeara fß. 
Ireidesorte, als zum nrmpel dem wtnlergetrnda, za Ik« 
hat, wird es ibro nicht acbwer falten, die gtbftrift nMa 
einet jeden tlQckaa genau zu l>eobacbiea, nni allaa M 
rechter zeit abzubringen, da aber an vieUo ortrn, taa— 4ar. 
beit in Srhietien, Öfters alle getreide«orten, towobl iai vriotaT' 
alt aommerfelde zu gleicher zeit reif werden, to wetti «ia 
landwirth biaweilen nicht, zu welcher er zuerst greifea aoL 
kRl^niTz II, 3*t'i; datz . . der übericbotz der einfuhr ftkir 
die autfuhr vom jähre ir: sieb blotz bei weizen und rogga«, 
von allen anderen getreide<or1eo tebe ich voHitindig ab, MI 
17 millionen centner gesteigert bat. B t«*tct reden (ti. mai 
1879 rnehstag) 8, 84 : aber, meine berren. glaiibto ti« 4Ma, 
datt die betrflgeritcbe miachung verschiedener gelreMeecrUa 
verbindert werden könne durch gelreidezolle? Tacrrtcaai 
deutsch, reiehst.i». mai itt',9; dabei kann man die frage tabr 
wohl aufwerfen . . ob Oberbaiipt fOr einzelne gelrei.le«ort«n 
die th:itsBcblichen vorauttetzuogen für ein hArtenmlszigef 
termingeschaft vorliegen, ich mutz zugeben, data dieses fOr 
weizen im hOcbaien grade zweifelhaft i<U G*ar ämhdm 
reiehslag 9. ;aiiuar 1896. 

GETREIDESfARSPEICHEH, m. Tbikl 4. 414*. 

GETREIDESPECULAM m. ;»iig( bildung: denn eiua kl«*«e 
von leuten giebt es allerdings, denen dieaer aogenanni« ga> 
meingefahrliche anirag allerdings gef.thrlich werden wQrdt: 
das ist die hochachtbare gemeinschafl der gelreidespecnlanlee. 
dieses gewerbe der getreide<peculanien wird allerding« tu 
tode getroffen, graf v. SciwRam deuhrh. reichet, le. jan. tIM. 

GETREIDESI'ECULATIOiN, f.: der bunde^rath wirJ bald 
in die läge kommen, die Wiederkehr des antrags Kanitz za 
verhindern, er braucht nur demnächst von seinen grotzea 
ihm zugedachten befugnissen in bezug auf einfErifTe in Ver- 
hältnisse der prnductenbOrse vollen gebranrh zu roseben, ar 
braucht nur den getreidewucher, die getreide<peculation aa 
un.sereii bürsen zu beseitigen Likber8*n% v. SoRRKaaiac 
deutseh reichst. \6. jan. 1896; zwei der greulicbslen acbnrfcea, 
die die Levante je erzeugte . . ich mache mit ihnen gHni*- 
sperulationen in Odesseer weizen . . . fOr gerissene Zeit- 
genossen ein gutes ding. R. Stiatz die kleine KUe» 11895)3, in. 

GETREIDESPEICHER, m., vgl. kornspeicher Üt. &, tf. rnsi : 
alt eine wichtige maszregel zur berubigung der unlerea 
klaseen galt ferner die anlegnng von Offentlirben bom- 
magazinen, um aus ihnen bei mitzemten dem «olke kora 
verkaufen zu können, getreidespeicher finden sieh saf 
dOrfern, klOstern, liesonders aber in den tUdten. .NaodA 3a 

GETREIDESPERHE,/:, vgL frnchtsperre /*. 4. 1, »p.?:» kor»- 
sperre th. 5, I83t ; die landsehaflliche ahgrentung roii fruchlspefra 
gegen das schrt/hndstigere gelreide^perre tritt namenlkck la 4*r 
ItUtratur hervor, die tm Utsten dnttel des t«. yihrkunierts das 
getreideausfuhrverbot des schwäbischen krettet gegen die SrAmte 
hervorrief, in der schnft: Qbeneogender beweis daez eine 
etwas langer fürdauernde gelraid- oder frucbt-aperra gagea 
die Schweiz, den boehlobl. schwibiKben reicbs-kreia . . in 
kurzer zeit gänzlich zu gründe richten mdsae a«M «a/Iafe 1773 
(bei Joari deuUcke m<'moiret \l\ anhang) findet mä m Imtt ä«ti 
fruchtsperre, wie dort überhaupt die »ertindmnfen aMf frvekl 
überwiegen, tn den anmerkungen vom JosTi i t fe frm ttaltm äte 
Verbindungen mtt getreiile in lAr racMl. getraUleaparrt, ia$ 
verboth der ausführe des geirndes awa etaeat laai«. Aananc 
2,63«*; getreidesperre, fruchtsperre, fhlerdietmn de fnneHr>e 
ScawAi« (I7S3) 740; bei JtsToa Mö8er, der $emtt aa iieA l wii li f ft 
körn verwendet, sind uiu dem 1773 ertfkienenen amfvntar 'too 
der frucht.<iperre' $pdter 'gedanken flbar die grtraide«p«vre' 
geworden, vgl. werke (i"«) 2, 42 ff : der leUlbin auf rbarfdntl. 
höchsten befehl mit anmerkungen begleitete, gedmrkle. mai 
la bolehiung des puhlikums ausgegebene bericM da* staA- 
inagistrates in .München d d. «. july i:»j vtrbrtiial Sber 4ia 
freiheit des gelreidhandel«, und die scbSdlickkcil 4ar f»- 
traidtperren sehr viel licht, vaneklng n etnem tititmktm fa- 
treidmagatin (i:96) s; die grandtatze der getraMaafCfra w- 
halten sieb einzig und allem durrb vorurtbeilc, dorek ai' ' 
pflünzen sie sich auch von alter tu alter fort . . «ail 



4491 GETREIDESTADEL— GETREIDEUMSATZ 

die nachtheiligen folgen der getraidesperre weder genugsam 
eingesehen noch beobachtet, oder gründlich untersucht hat, 
noch sich dazu die mühe nehmen mögen, über den freyen 
getraidehandel 1 ; getreidesperre o •prohihüion of the corntrade 
Ebers 64;i; ähnlich Hilpert 461; interdiclum de frumento ex- 
portando aut impottando Kraft 1, 1152. 

GETREIDESTADEL, m., vgl. fruchtstadel th. 4, 1, sp. 219: 
darumb sy [die insel Cilicia) die Römer yr scheür und 
treydstadel oder casten genent haben. S. Fhanck weltbuch 19*. 

GETREIDESTAMPFMÜHLE, f., wird in ztschr. gcsch. dts 
Oberrheins 16, 381 als Übersetzung von pistrinus cum orto con- 
tiguo aufgeführt. 

GETREIDESTEIN, m.. vgl. fruchtstein th. 4, l, sp. 280. 

1) getreidestein saxum frumentale, ein glimmerichter Sand- 
stein mit flecken, welclie ohne bestimmte Ordnung unter- 
einanderliegen . . diese tleclven haben viele mit kornähren 
verglichen. Jacobsson 5,663*. ebenso Nemnich 3,192; getreide- 
stein s. bimsstein Thiel 4,415; die fabrikation des sogenann- 
ten getreidesteins {festen bieres) hat in Rühmen in den letzten 
Jahren eine grosze ausdehnung gewonnen. Weserzeitung 1853 
nr. 2939. 

2) Versteinerungen von gelreide. Nemnich 3, 192. 
GETREIDESTAPEL, m., GETREIDESTAPELRECHT, n. neue 

bildungen, deren erstere eine kürzung aus der zweiten darstellt: 
nicht lange danach, und auch an der Unterelbe konnte 
Hamburg sein getreidestapelrecht wieder festigen . . dasz sie 
jedes holsteinische schifT, unter umständen gewaltsam, zwang, 
in Hamburg zu stapeln, nur nach Hamburg das getreide zu 
bringen. Naud^ die deutsche städt. getreidehundelspolitik 42; 
die Magdeburger hatten gehofft, durch den vertrag von 1538 
ihren getreidestapel zu festigen. 50; aber so etwas konnte 
eine getreidestapelstadt wie Magdeburg sich nicht bieten 
lassen. 5i. 

GETREIDESTÜRZER, m. getreidestürzer, spolatort Castelli 
(noo) 139. 

GETREIDETAXE, f., vgl. korntaxe th. 5, 1831 ; Krü.mtz a. a. o. 

GETREIDETERMINHANDEL, m.. junge bildung, vgl. D. Kohn 
der getreideterminhandel, I8b9. der börsenmäszige getreide- 
terminhandel spielte in der presse und in den reichstagsver- 
handlungen von 1896 auf 1897 eine bedeutende rolle: es ist 
durch die beseitigung des getreideterminhandels allmählich, 
wenn auch erst in den anfangen, der lokale getreidebandel 
drauszen in den provinzen im erstarken begriffen, und in 
den provinzen bildet sich beute wieder ein zweckentsprechen- 
der markt für getreide. Paaschs deutsch, reichst, lo. man 1897. 

GETREIDETHEÜRUNG, ^. früh gebildete Zusammensetzung: 
getreyde-theurung annonae gravitas Bayer (1733) 289; vergl. 
fruchttheure, frucbttbeurung th. 4, 1, sp. 280. getrcidtheurung 
erscheint auch als Überschrift in P. v. Stettens geschichte von 
Augsburg 1,459 (1743); wer folgt aber dem natüilichen laufe 
der dinge in einem solchen falle, wo miszwacbs, oder ge- 
traidtheurung, und mangel zu besorgen wäre, am besten. 
vorschlug tu einem städtischen getreidmagazin (München 1796) 
16; ein jeder landesregent . . wenn er väterlich für seine 
unteithanen sorgen, und vermeiden will, dasz solche bei ein- 
brechender getraidetbeurung nicht ganz verarmen oder hungers 
sterben, über den freyen getraidehandel (1804) 52; getreide- 
theuerung dearness or dearth of com Hii.pkrt460; die groszen 
Preisschwankungen, denen das getreide infolge seiner unent- 
behiiichkeit in rascher abwechslung unterliegt, haben bis in 
die neueste zeit getieideteuerungen zu den furchtbarsten 
erscheinungen des vülkerlebens gemacht, alles, was an so- 
cialem Zündstoff in einem volke gährt, schlägt leicht in hellen 
(lammen hervor, wenn eine unerwartete teuerung hinzutritt, 
getreideteuerungen sind die Sturmvögel der revolutionen. 
N*ud6 die deutsche städtische getreidehandelspolitik 1. 

GETREIDETHURM, m. gebäude, welches zur aufbewahrung 
des gedroschenen getreides dienen soll, Thiel 4, 414. 

GETREIDEÜBERSCHUSZ, m.: und nöthigen ihn, mit seinem 
getraidüberschusz, auch was er oft zu eigenem gebrauch 
höchst nöthig hätte, ohne rücksicht auf zeit oder preis der 
waare zu verkaufen. Jüsti memoireü III anhang 29. 

GETREIDELMSATZ, m.: es wurde ein groszes beamten- 
personal geschaffen, das die formale regelung des getreide- 
umsatzes übernehmen, ein- und verkauf alles korns über- 
wachen sollte. Naudö die deutsehe städtische getreidehandels- 
politik 21; wenn der städtische getreideumsatz im anfang 
des 16. Jahrhunderts seinen gröszten umfang behauptete, so 



GETREIDEVEREIN— GETREIDEVORRATH 4492 

beginnt doch schon um die mitte des Jahrhunderts der nieder- 
gang des Oderhandels und damit auch der niedergang 
Stettins. 33. 

GETREIDEVEREIN, m.: getieidevereine, welche in zeiten 
der theueruDg zur beschaffung von getreide für die ärmeren 
klassen gegründet worden waren (1816 — 1817). Thiel landw. 
conversalions-lex. 4, 415. 

GETREIDEVERKAUF, m,, vgl. fruchtverkauf th. 4, l sp. 280 ; 
vgl. auch getreidekauf; vom trayd-verkauff betitelt Hohberg 
das 54. cap. des 7. buches, das im register als getreidverkauil 
aufgeführt wird; der getraid- und fruchtverkauf allerdings 
der einige gegenständ bleibet, woraus das land Schwaben 
sich alle übrige bedürfnisse verschaffen musz. Justi mem. 
III anhang (einl. 15); es ist vielleicht in ganz Europa kein 
land, wo ein solches monopol vom getreideverkaufe gegen 
die armen ausgeübt werden könnte, verschlag zu einem städt, 
getreidmagazin (1795) 128. 

GETREIDEVERKÄUFER, m., vgl. kornverkäufer th. 5, 1832, 
vgl. getreidekäufer oben: es soll auch nyemand ainicherlei 
vorrede . . . mit dem verkauffer des getraids treiben oder 
machen. Nürnberger polizeiordnungen 215 Baader ; in Baiern 
verkauft jeder bauer sein getreid selbst, und es gibet dem- 
nach in Baiern gewisz gegen 40 000 getreidveikäufer. verschlag 
zu einem slädt. getreidmagazin (1795) 128; niemand von billiger 
gesinnung kann es dem getraideverkäufer verübeln, wenn er 
auch die tbeuren preisze wahrnehmen . . will, über den freyen 
getraidehandel 106. 

GETREIDEVERKEHR, m. Thiel 4,415: in Berlin . . diesem 
hanptemporium des getreideverkehrs. Delbrück reichstag 25. mai 
1879; die erste ausbildung eines derartigen getreideverkehrs 
ist in der vollen Verfassung Karls des groszen zu erkennen, 
Naude die deutsche städtische getreidehandelspolitik 6; in den 
Städten bildeten sich feste markte aus, auf denen ein regel- 
mäsziger getreideverkebr sich abspielte. 7; wenn wir erfahren, 
dasz dieser zoll im 16. und 17. Jahrhundert der kurfürst- 
lichen kammer mit die gröszten einnahmen getragen hat, so 
können wir uns den regen getreideverkehr auf der Elbe vor- 
stellen. 51. 

GETREIDEVERWALTUNG, f, vgl. kornverwalter th. 5, 1832: 
wenn in einem jähre in groszen quantiläten weizen wächst, 
. . wie will es nun die getreideverwaltung anstellen . . dasz 
auch dieses getreide einen käufer zum normalen getreide- 
preise des antrags Kanitz findet? freiherr v. Marschall deutsch, 
reichstag 16. Januar 1896. 

GETREIDEVERWÜSTER, m. Thiel landwirthsch. convert.-lex. 
4, 415 verweist auf hessenfliege. 

GETREIDEVOLL, adj., vgl. fruchtvoll th. 4,1, »p. 280: 

Sturm erregt nur weiche wogen 
in getreidevollen Auren. 

K. Mayer gedichle (1839)2 263. 

GETREIDEVORRATH, fn., vgl. fruchtvorraih th. 4, l, sp. 280, 
kornvorrath th. 5, 1832. die Zusammensetzung ist früh belegt 
und wird nicht blosz in der einschlägigen litteratur, sondern auch 
bei anderen Schriftstellern gerne verwendet. 

1) getreidevorrath Cuomel 4, 1025; es mangelte daher nie- 
mals an geiegenheiten, seinen getraidvorrath in überaus vor- 
I heilhaftem preise an den mann zu bringen. Justi memoiren 
HI anhang s. 36; der sich zu der zeit, wo der preisz des ge- 
treides zu steigen anfängt, selbst einen kleinen, und seinen 
kräften angemessenen nöthigen getreidvorrath kauft, und all- 
mählig davon zehrt. Vorschlag zu einem städtischen getreid- 
magazin 16; die Vorsteher des magazins sollen demnach 
immer für den nöthigen getreidvorrath auf was immer für 
eine weise besorgt und bedacht sein. 57; dasz eben da, wo 
sich ein mangel einzustellen scheint, und zugleich eine be- 
schränkung im fruchthandei zu befürchten ist, sehr wenige 
. . kleine privatmagazine auf eigenes risiko aufheben, und 
dem in solchen fällen immer wachsenden mangel durch ge- 
treidevorrath . . abhelfen wollen und können, über den freyen 
getraidehandel b ; bedeutendere getreidevorräthe findet man nur 
auf den böden und speichern der gröszeren landwirtschaften. 
Barckhausen polizey des getreideh. (1804) 35; jeder städtische 
bUrger hatte erlaubnis, von den bereitstehenden getreide- 
vorräten sich zu kaufen, aber nur so viel körn, wie er für 
sich und sein haus nötig hatte. Naüdö die deutsche städtische 
getreidehandelspolitik 8; die Hamburger kreuzer enterten ein 
aus der Störe nach der Elbmündiing segelndes schiff, das 
ihnen getreide zu enthalten schien, man fand auf demselben 



4493 GETllEIOEVURSCHUSZ— GETREIDEZOLL 

statt der erliolTteü getraidevoritttlie deu kertzog Adolf von 
Gotturp, der nach Antwerpeo fahren wollte. 48. 

}) der berühmte Iheuloge C .Netiinunn sab aicb daher ge- 
iiOlbigt, gegen diese tborheilen in aeiner eigeneu kircbe . . tu 
predigen . . üherdieiz tage jeoea iaieio gar nicht, waa berr 
Acolutb darin lesen wolle, r» bieize (wenig>(ena in guleui 
latein) oicbi «owohl: ihr werdet hungere aterbrn, all vielmehr: 
ihr werdet euch an eurem gelreidevorrath zu tode fresten 
\$itht dinen gti. früchtt 'ji). LiCHTE.iKEac 5,286 (1844); 

ihr bietei oiir 
Sloillan und Sardinien: und ich lotl 
die lee berrnln von riabern ; toll nich Hom 

f:«tr«ld0vorralli leiulan und «odann 
n rrieilen xiolin mit »chariiolokeni ichweri. 

Voss Sliakfiii0a> f lAniiinius uinl i'lcuyatra 11,0) 
3,08 (BacMiNii'RO: gewiuen vorrath von gelralds.): 

'aber wer sind die guten leute da mit dir? giebte nicht 
müller, bilcker, icbuster und andere hund werker darunter? 
bat einer von ihnen getreidevorrath, mastvieh? ich kaufe 
ullf« für die armee auf.' Zchokki (Adirich im Moos 24) 4, 196. 

C.ETREinEVORSCHUSZ, m , vgl. Chomil 4. 1025. 

(iETRKlUKWAC.E, f., vgl. kornwage Ih. 5, 18S2. Jacobsson 
. b(i3'. Tniti. landwirthtchaftl. eonvas.-let, 4,415. 

(iETREIUEVN AGEN, m., früh btlegt, vgl. fruchtwagen tk. 4, 1, 
if. 280, kornwagen th. b, sp. 1832; ilem um plintztag nach 
Michabelis da hielten die von Scbwabacb und der markgraf 
Friedrich die getraidwegen auf, die gen .Nurmberg wolten 
Taren, und woltens in über Iren dank abkaufen. II. Übichslkr 
thronik »on Murnberg (1488— 150«I, d. städUchron. li,M^; ge- 
treidewiigen waggon loaJtd with forn Hilpekt 460; noch htule 
üblich. 

GETREIDEWAGER, m. , vgL getreidemesser. FaiscHBiER 
1,232 verweist unter unterm ttichworlt auf kurnmesscr. 

GETREIDEWESEN, n.; das (^etraidwesen res frvmenlaria 
Krisch 2,38ü, ebenso noch bei Khaft 1,1151. 

GETREIDEWEIN, m ; wein aus getieide, pgL Tbiil 4.416. 

GETREIDEWOLFEILE, f.: gelreydwolfeile annona* rilitas 
IIaYKH (1733) 289. 

GETREIDEWL'CHER, m., vgl. fruchtwurhcr /A. 4, t, tp. 281 ; 
knrnwucher Ih. 5, sp, »832; er braucht nur den getreide- 
wucber, die getreidespeculation an unseren börsen zu be- 
seitigen, dann wird vielleicht die Preisbildung für das ge- 
treide sich auf gesünderer grandiage als jetzt vollziehen. 
LiKRBRMAKN v. So.NKFKRbRG d. reichstog 17. Jan. tS96. unter 
gctreidewucherer verweist Mii.pkrt -Ifii auf kornwurherer. 

GETREIDEWUKM, m., vergl. fruchtwurm thttl 4, l, 5p. %^\, 
kornwurm Ih. 5, sp. 1K32. Ntimica 3, 192 verweist unter unserm 
sUehwort au^ kornwurm, das auch sonst vielfach belegt ist. dem 
steht für unser wart nur die anführung bei Till iL 4, 415 gegenüber. 

GETREIDEZEHEIST, m , vgl. fruchtzehenl th. 4, l, sp. 281. 
kornzehnte th. 5, 1833: der weinzebent vnd getraidzehent auf 
vir ganczen leben zu Ivezestorf bey Zisterstorf gelegen grosz 
und klein zu veld vnd zu dorlT. wird in einer Urkunde von 
1457 als erbvermachung von könig Ladislaus hesldltgl. vgl. Chnel 
Urkunden ifontes Austr. abth. 11,2,82): erstlicben, dem richier 
zu Haust die zwai tail traitzehent bei dreien gütern ob 
Aesiach. freiheiten von Haus (1594) österr. weisth. 6, 0; so lang 
der herrscbaft traitzehent zu velt ligt, soll keiner nicht ein- 
führen, banntaiding des Stiftes Hetligenkreus, öst. wtisth. 7, 481. 
ron ntueren Wörterbüchern belegt als erster Adeldnc 4, 604 das 
wort in der form getreidezeheod, ebenso getreidezehente la 
dime des bles Schwi^n (1811), th* HÜu of corn Ebebs 643; com- 
tithe HiLPtRT 461. 

GETREIDEZIN.S, m., vgl. fruchtzins th. 4, 1, sp. 281 , kornzina 
Ih. 5, 1833. *s wird schon im vocab. incipiens teut. ah traitzms 
belegt, vgl. auch DiEFKNSACR-WrLCKKR 876. aus spätertr xeit: 
eiei, Oaclis, Frucht, getreide. körn, hafer, hünerzins. Stieles 
2651; getreidezins la rtdevanc* cn grains Schwan (1811) 43»; 
corntax, tillt of corn Fict (1823) 177; rtnt paid m corn, evrii 
rent Hilpeit 4i>l. 

GETHEIDEZOLL, m. ; von getreidezoll ob man des in die 
stat fureU welcher pawer geireid in die stnt füret, es aol 
einem bUrger ader wem es sai, der pawer sol seynen wagen 
verzollen, stadtrecht von l.etitenberg ('5. jahrh.) Michelben 452; 
die kommission erkennt an, dasz der verein (der deutsche 
xoUverein) dem anbau der handelsgewScIise günstig sei, wSgt 
aber dagegen den nacbtheiligen einQuax ab, den, nach ihrer 
ansieht, die aufhebung unserer getreidezOlle auf die gelreide- 
preisf im gröazten theile unseres lande« ausQben werde. 



GETBElDBZUnJHfi -CeTRElDlCll 4494 

NtBRHiOB 2. baduekt kämmer 10. fu»i IIS6; io den MtUlarM 
gegeodeo aoaerM Uodes koaole daher der gctrcidtMll 
allerdiofs einige erbobung der («ireideprri*« henwrbnafts, 
da io woblfcilao laitco Fraokraicii aoMobl daa MtH>« 
als das wurteubergische gelrcide turOckweitt od«r Mb*« 
belastet, tbenäort; da fraiie ich denn: wota »oll 
Ireidezoll nützen I die motive raden die »prsclM 4*» _ 

aus der fremde, «eraprecbro jaden Mviaa. TaBliscMt« 

reiektt. lu. mai 1879; und nuo frag« kb mtUtt, ImIm bfrrM, 
soll dieser getreidezoll als kanpftoll dlMM, wm ich so 
oft andeuten gebort habe? tbendorl; •!« kd0|ra kti* 
deulsche« parlameoi zutummeo, das dk fKNiiMCBs Meli 
genug hinaufschraubt, um die productkniaktdiiifMftB flr 
das ruBSiBcbc und deut«cbe landr»gebiet auch nur »iieAhctsd 
gleich zu stellen, ebendott u. a. ebentc rrfikrl mmtrrt tm- 
sawmensettung auch in den retehstagsvtikanätuu^tn m« b. ja«. 
und II. mal lt>(»5 tiel fache vtr»tndmu§. in betdem fdlin kiU 
fürst biSNARci an dem synonymen und vMstüwtÜeluren hoff»* 
zoll fest, von meittrrn tusammemulsungen tst dte bektnnlmk 
getreidezolltarif : da«z . . unter gelreidezolliarif einen weMSl« 
liehen antheil daran haben muat. NHBRiua s. b*ä. kawsmtr 
30. juni IH35 u. a. 

GETREIDEZüFüHH,/:.- die michtige kriefsfloUe erreft« . . 
Mikuna bewunderuog . . 'mit ihr', sprach Agatbokles, 'will 
ich noch diesen sommer Afric« erschauern und das Ob«r> 
müthige Karthago demütbigeo . . ein theil davon reicht hin, 
den Phöniziern drüben alle getreidezufubr aus Sicilieo und 
Sardinien abzuschneiden'. ZtcHosti (Agalhokltt) 7. 205; die 
regelmttszige getreidezufubr nach der Stadt hin soll dadurch 
erreicht werden, dass der kauf vor den thoren verhoteo 
wird, und das körn allein auf dem ftUdlitchen markt f«|. 
geboten werden darL Nauo^ dtr dtuUche stddtucJu gHnid»- 
handel 67. 

GETREIDICH, GETREIDIG, GETHEIÜICHT, «., mmmdMt- 
liche bildung, die d<m milleldeutschen spraehgeHel* amg*ii6rt. frisk- 
seilig dort auflauchtnd, drtngt sie auch in die lilttratur (in iiad 
mtt dieser über die grenien des mitteldeutschen spraekfthittet 
hinaus, seit mitte des 18. jahrhunderl.t tritt sie medtr n du 
schranktn mundartlichen gebrauches surück. rgl. oben sp. 44a«k 

1) zur bildung vgL Wilmarns deutsche graminalik II t 27t, 2; 
I § 162, 2. XU gründe liegt das suffix ich (ach, abi), dem nckftrn* 
autlautender dental anuliliesst, vgl. getbiericht th. 4, 1, tp. 4Ssl, 
gesämich fA. 4, 1 tp.3785, ebenso rj^/. gestreucbicbt, gebirgichl «.«. 
in der sehlesischen mundart bei P. Dbechsler Wencel Sekerftr 
und die tprache der Schlesier (|8!«5) 42. da n dem suffis 
hauptsächlich eolUclive funclion liegt, so könnte dessen vtrhndunf 
mit einem an und für tich schon so sehr den ctUtttmktraettr 
ausprägenden wortt üfterroscA«*, ssr erUdrt ikk tttt ttkm Mi 
unaiogie, da bedeutungfvermandt* Worte densHben ■iisff seiffs. 
andererseits mag auch bald der sufmnunh»u§, fciid «i« Ar- 
deulungswandel des einfachen wartet die erneute tetominf det 
colleäivcharakters begünstigt haben. 

2) die meisten beispiele tauchen la thimnyttthen rttktidenk- 
mdlern auf, von wo aus sie auch in dse rechtttitteretmr der- 
jtnigen grgenden übergreifen, die tonst an kom fetthtUen. 

a) item auf den soonabent sol kein burger auff farkaoff, 
auch kein frembder gelreidich kaulfen auf dem markte, di«- 
weil der Stadt fehnlein oder zeichen «leckt . . so aber dat 
febnleio oder zeichen durch den marktnirisier abgenommen 
oder geworffen wird, als dao mögen die furkeaffer and auch 
der fremde wol keuffenn. Amtiddter ttadtrrchL neue sUtkten 
von 1543 bei Michblsbn 69; auch soll kein bnrger noch «o*- 
wirdiger auf den dienstag noch freitag zu abent vf des 
markte, in gassen, beusero und berhergeo, noch Tor 
thoren, keinerlei getreidich feilschen, betprcches, ' 
noch keuffen. ^9 und so alters i es soll auch «■ 
bauersinann, so im land-gericble wohnet, sich B«eh 
gelegenheit hetleiszigen, sey (Min) ^eireyüig und ao4Mi| M 
er zu verkaufen bat, io die Stadt Zeu, fAr aodan IM> 
liegenden örthern zu führen . . was nun auf tiocai tMftm 
marckt von gelreydig gebracht, and von dco U t mitm tmk^ 
leutben auf den marckt, aber bey den htriara M fctr«jdi( 
tu verkauffen baUin, aufgeladen und fOrto ftlthret wird, 
davon soll dem ratbe von jedem Yti. 1 pfeanicc to ooftM 
und nicht mehr gegeben werden, da aber ein bOrfer amm 
eigen, auf seinen feldem erwarhseneo getrevde vcrkastba 
würde, soll er dem rath« davon nichts tu geben «chaMif 
sejn. tUtuUn von ZritJ (1613) bet Scaorr 1,37«: nach itm 



4495 



GETREIDICH 



wische aber, da auch fremden alleiley getreydig zu kauffen 
nachgelassen wird, soll den burgern getreydig einzukauffen 
unverwebret seyn, jedoch mit diesem bescheide, dasz so viel 
ein jeglicher getreydig von körn und weizen kauffen thut, 
dem burgermeister bey seinen pflichten solches anzeige. 
ebendort 273; dagegen sollen auch unsere unterthane ihr ge- 
träyd nicht ausserhalb der herrschaft, sondern von ersten auf 
die märckl und flecken in unser herrschafTt zum feylkauff führen, 
oder dem das gelraydig feyl, unsern amtleuten und befehls- 
habern anbieten, und denen in unserm nanien, so wir desz 
nothdürfftig, in einem ziemlichen werth fo'gen lassen. Henne- 
berger landesordnung (1539) 202. 

6) es soll kein branndtweinbrenner einigerlei getreidig an 
waizen, rogken, gersten oder babern an sich kaufen und davon 
brandtweiri, sondern allein die berne und befe dazu gebrauchen. 
Slettiner kornordn. von 1604, Schmollrrs forschungen 8,6,120; 
von dem kauffmann der solch körn und getreidig liefert. 
Hamburger kornordnung von 1609 ebenda i;!6: auch münnig- 
lich, so in dieser Stadt einig gelreidig kaufft und veikauffl. 
ebendort. 

3) weiter ausgreifend ist die Verbreitung in der allgemeinen 
litteratur. 

o) im thüringischen Sprachgebiete : item (1497) alles getreidich, 
körn, rocken, gersten, haffer stunl gancz wol. alleyne der 
win und alles obesz leyd feie note, keyn fpphel noch bcern 
umme Erffort. Kokrad Stolle Thürivg. Eisenach. chronik {litt, 
ver. 32) 185. hierher Idszt sich auch wohl Luthers neigung für 
unsere form einreihen, die in seinen schriften nur verdeckt er- 
seheint: gewaltigen zug und streit, wider weitzen, gersten, 
haffern, maltz, und allerley körn und getreidig. Luther (1530) 
Jena 5,21"; der pfarrherr hat jährlich zweihundert gülden 
und sechzig scbeffel getraidig, so bat ihm der fürst noch 
sechzig gülden zutage gethan von wegen der lectur. tischreden, 
Erlangen 61,394; wie Haggai sagt: ihr sammlet viel, aber 
ihr macht den beutel locherich, und blaset ins getraidig, 
dasz ihr doch nichts behaltet, briefe 5,515 de Wette. 

h) weiter östlich, nach Ubetsachsen, weisen ebenfalls zahlreiche 
beispielt: so viel körner in den hülsen gefunden werden, 
so viel groschen sol das getreidig ein scbeffel dasselbe jähr 
gelten. Prätorius glück^topf 278; wenn ein hauswirt sein ge- 
treidicht lange gut behalten will, so sol er das kornhaus 
also bawen, das die fenster gegen mittage oder morgen, 
oder dem niedergange gehen, denn wenn die fenster nit 
also gehawet sein, das die lufft hindurch gehen kan, so ists 
mit dem getreidicht sehr gefehrlich. Coler hausbuch (Witten- 
berg 1616) buch 7 cap. 44 s. 244'; im lande zu Böhmen, Dü- 
ringen vnd andern örtern, da die leute ein mächtig getrey- 
dicht bawen, das sie es auch nicht alles in die scbeunen 
bringen können. (8, cap. 16) 274'; und sol sie mit . . gersten- 
sclirot, mit ein wenig wasser besprenget, speisen, oder mit 
einem müszlein, das gemacht ist von weitz, rocken oder 
einem andern getreidicht, wenn es nur erkület ist. (13, cap. 46) 
505'. und so noch oft getreidich neben getreide; und sie luien 
das getreidich auf die esel und zogen von äanuen. Zesev Assenat 
(1679) 448; die tauben sind sonst ein schädlich viebe, thun 
grossen schaden im felde am getraydig, wenn es gesäet, und 
denn auch, wenn es reif wird. Bkcher hausvater (1699) 157; 
wenn ein acker nicht bestellet wird, so traget er an statt 
des getreydigs dornen und disteln P. F. Sperling Nico- 
demut quaerens et Jesus respondens 2 (1719) 314; sollten 
wir auch gleich noch so grossen vorrath an getreydig 
haben, so kan ers doch so schicken, dasz auch bey dem- 
selben eine grosze bungers-noth entstehen kann; wie ich 
mich denn erinnere, dasz in einer vornehmen residentz-stadt 
einstens ein grosser vorrath am getreyde war, weil aber 
ein jählinger winter einfiel, so konnte man, weil die wasser 
plötzlich einfroren, nicht mahlen. 315; als etliche jähre 
nacheinander theuerung gewesen, will ein reicher geitzwanst 
nicht mehr körn auff den acker säen, damit ihn die hunge- 
rigen bettler nicht mehr umb getreydig ansprechen dürfften. 
310; mach es nicht wie jener haushalter von welchem er- 
lehlet wird, dasz ihn sein herr, der marggraff von Baden, 
betreten, dasz er vil getreydig untergeschlagen, und noch 
dazu die ducaten verfälscht und beschnitten hätte. 459. 

c) nördlich: im niederdeutschen Sprachgebiete: das getreidig 
gedroschen und ungedroschen weggefübret. brief J. Ernsts 
V. Dannembbkg vom 4. august \(>3\ {hannov. vaterl. archtv 1829 
3, pa;. 115; und darnach müste man sich mit einkeuffen, ver- 



GETREIDICHEINWEHRE— GETRENNT 4496 

keuffung und verwarung des gelreidigs wissen zu richten. 
Kantzow chronik von Pommern bei Gabel 104; dan ire getreidig 
und ander wahr khonnen sie selbstwol westwertz schiffen. 
163; verlurb also getreidig und wein und alle fruchte. 400. 

4) die Wörterbücher führen unsere mundartliche form erst spät 
auf. voran steht ein Wittenberger vocabular : getreidich /ruffes, 
voeab. r. n. (Wittenberg \bh8). dann folgt der vielseitige HE.«fiscH: 
getraidig, idem quod getraid 1586. vom ende des 17. bis in 
die mitte des 18. Jahrhunderts wird das worl reichlicher gebucht: 
traide, getreide it. getreidig Stiei.er 2309; getreidig aufschütten 
1943; getreide, getraid, getreidig das körn, die fruchte, com; 
corn or grain for bread. teutsch-engl. wb. (1716)766; gelreidigt 
(aus Coler) . . vulg. andere haben getreidig, frumentum Frisch 
2, 380. tn neuerer zeit führen nur noch die Wörterbücher thürin- 
gischer mundarten unser uort auf, so Kleehann vnd Sciiultze 
für Nordhausen, vgl. Hertel Thüringer Sprachschatz 105. 

4) aus dem bair.-österr. sprachkreise, dem ähnliche bilduvgen 
— nur mit der älteren form des sufßxes auf ach, ech — 
sonst nahe liegen, ist litlerarisch kein beleg vorhanden, dennoch 
weist vielleicht folgende noiiz auch auf diese gegend hin : ge- 
treydicht-felsen, ein felsen an denen sieben wegen bei Klein 
und Paul, unweit Harenberg in Cärnthen. Chomkl 4,1016. 

GETREIDICHEINWEHUE, Z'.; die uns ausgesetzte getreidig- 
einwehre (deputal). Prager Urkunde von 1597 Diefenbach- 

WÜLCKER 618. 

GETBEIDICHGEMESZ, n »j{. getreidemasz: alle getreidich, 
saltzs und rübengemesz, wein und biermas, dergleichen alle 
wage und gewichte hat der rath macht zurechti'erttigeii. 
stadtrechte von Arnstadt (löiZ) Michelshn 50. <?6endor( getreide- 
gemesz. 

GETREIDICHKAUF, m. : Verwarnung der gastbelder ire 
gesle des getreidichkaufs halber. Statuten von Arnstadt (1543) 

MiCHELSKN 59 

GETREIDICHRORN, n., vgl. fruchtkorn Ih. 4, 1, sp. 275: das 
seine äkker ihm mehr scharffe döiner, als getreidigkörner 
hervorbringen. Bütschky hnchd. kanzelley 688. 

GETREIDICHMESSER, m. in der Leipziger sla dt Ordnung von 
1544 für kornmesser. vgl. theil 5, 1829. 

GETREIDICHZINS, m.: sambt den getreidig und geld- 
zinsen. Prager Urkunde von 1597 6ej Diefenbach-WISlcrer 618. 
GETREIFT, ^ür geträuft, participales adjectiv zu träufen 
(s. d. vgl. Adelung 4, 1030. Heyne 3, !02ü); (das gestorbene kind) 
trinkt getreiit korelkonfekt, das ein enget selbst ihm rekt. 
BüTscnKY kanzl.SbQ; sie (die hunde) sollen auch ein gewallig 
geschrei mit bellen an ihnen haben und von färben schiltecht 
oder getreuft. Herr feldbau 154". 

GETREMPEL, n., vgl. getiampel sp. 4415, 
GETRENG, adverb., nebenform zu getrang (th. 4, 1, sp. 4416), 
gedrange (th. 4, 1, sp. 2034): da man getreng tabuliert. Fischart 
Garg. neudruck 65. 

GETRENNT, participiales adjectiv zu trennen, s. d isoliert 
sich in gebrauch und bedeutung vielfach vom verbalstamme, ob- 
wol es hauptsächlich attributive Verwendungen sind, die diesen 
Übergang begünstigen, steht das particip doch gerade in einem 
der ältesten belege als prädicat dem Substantiv frei gegenüber: 
denn wenn der anbeter herlzen getrennet und zwispaltig 
sein, so kann das gebet nit über sich. Mathesiüs Sarepta 214'. 
1) attributive Verwendung des particips. 
0) ausgehend von räumlicher trennung. 

n) bei trennung solcher substantiva, die organisch zusammen- 
gehören, ergiebt sich die bedeutung zerrissen, gespalten : ich . . . 
vergasz, dasz das messer geöffnet war, und griff durch das 
tuch in die schneide, so dasz ich mir das oberste glied von 
dem Zeigefinger der rechten band vollkommen spaltete, das 
blut wurde schwor genug mit wasser gestillt . . alier die 
getrennten teile standen in zwei hälflen auseinander. Grill- 
parzer (Selbstbiographie) 19^, 126. ähnliche Verwendungen haben 
frühzeitig zu einer adjectivierung des particips geführt, vgl. ge- 
trennt disjunclus, separatus Weissmann (1715) 155; getrennt 
adjectiv und adverb Schwan (1782) 740, fehlt in der ausgäbe von 
1811 ; getrennt, separated, dissolved, brocken Ebers 643. unge- 
wöhnlich ist jedoch der gebrauch bei Göthk für abgetrennt: 
das bell, es liege blinkend über dem silherrarid; 
die wasserkrüge füllet, abzuwaschen giebt's 
des schwarzen blutes gräiielvolle besudelung. 
den teppich breitet köstlich hier am staube bin, 
damit das opler niederknio königlich 
und eingewickelt, zwar getrennten baupts, sogleich 
anständig würdig, aber doub be.<itattet sey. 

GöTiiB (/,iH,v/ 8945) 41, 199, 



4497 



GETRENNT 



GETREPPEL— GBTBITni 



44M 



ß) wo dl* tubüanliva ulbMndig etnander gegenübtTtUhn, «r- 
$ehnnt dit trtnnung mehr in der jorm der enlfernunq ; das portictp 
nimmt du bedeulungen getcliieden, getündert an; geireanel, 
itparato HuLtiui (lOlH) I3&; wie der bililcade kllnitler die faltige 
fülle der gewander um seine llguieii breitrt, um die räume 
»e\ae» bilden reich und aninuthig uu<izufüllen, um die ge- 
trennten parihien desselben in ruhigeo maH«eo itetig zu 
verbinden. Schh lüa {über den gebrauch det chori) 14, U; die 
Griechen hatten diesen grad erreicht, und wenn sie zu einer 
hohem aunbildunK fortHclireiteo wollten, so muszttn sie, 
wie wir, die tuialittt Ihres wesens oufgeben, und die Wahr- 
heit auf getrennten bahnen verfolgen, (über du dilhetucke 
trtiehung. u. brief) 10, 2U2 ; 

und goit er darum nicht Ins herz mir lieb«? 
Iiaun er, der scliöpfer und gMchöpT verbindet, 
getranoie Daniiuen dulden auf dem altar? 

ZiCMAKu« WiBNi« Mnitin Luther 18S7 ; 
lu solchen menschen sind wort und that dem theatralischen 
dünner und blitze Ähnlich, welche beide, sonst im himniel 
gleichzeitig verbuniien, auf der btihne aua getrennten ecken 
und durch verschiedene arbeiter hervorbrechen Jkan Paul 
Tüan :<, 17 : diitinet, abgesondert, getrennt Hilpkbt 1, 224. viel 
gebraucht wurde das adjectit neuerdings in den berathungen 
det deutscheu reichstaget über das margarinegesett, das die fetl- 
utiung getrennter Verkaufsräume für butler und margurine 
enthdU. vgl. dte terhandiungen vom 6. mat istMi und die ein- 
gabt du centralverbandes deulteher kaußeute an den bundetrat 
um aufkldrung darüber, was unter getrennten Verkaufsräumen 
im sinne dieses geset/es lu verstehen sei (1897). 

b) dte Übergänge von der bedeutung tiner rdumhehen ent- 
(ernung zu übertragenen Verwendungen knüpfen hauplsdchlich an 
die bexithung det adjectivi auf den menschen oder auf dessen lebeni- 
dutxerungen an. der begriff dir entfernung wandelt tich hier 
im den der entfremdung um. 

a) dasz sich tausend kleine erscheiauogen an den ver- 
schiedensten orten, unler den getrenntesten stammen, wenn 
sie auf einerlei stufe der bildnng stehen, entsprechen. Geii- 
viNUS (Proberts ancienl laws of Cambria) hittor. sehriften 7, 492; 
so darf uuch heute noch kein deutscher chrisl die hofTnung 
aufgeben, es werde dereinst eine reinere form des christen- 
thums sich bilden, weiche die getrennten brüder wieder 
vereinigt. Treitschkb deutsche kämpfe (1896) &9. vgL. hitriu dit 
tubstantivbildungen. 

ß) so bleibt es von der grOszten erheblichkeit, dasz ein 
allgemeinea Volksbuch vorhanden sey, als band der begriITu 
swischeu hohen und niedern, menschen von den verschieden- 
sten fühigkeiten, von der ungleichartigsten cultur, den ge- 
trenntesten lebensweiseii. Ernst Brandks Göttingtr geU anzeigen 
(über Herder) 1806 (no. &i); so lange das protestantische 
Deutschland willenlos darniederiag, zerfiel Europa in zwei 
getrennte Staatensysteme, die einander selten berührten. 
TtEiTscBKK dtuttchi gctchichlt 1, :il; noch leben wir in ge- 
trennten Sphären und linden uns nur in einem gefühl herz- 
licher Zuneigung zusammen, zwar kenne icii deine weit, 
du aber noch nicht die meinige. Moltkk {an seine braut, 
mdrt 1842)6,67; ein seiner composilionsmethode eigenthüm- 
lichea mittel liegt in dem fluszeren umstände, dasz die, die 
getrennten epochen unserer geschiclite behandelnden einzel- 
nen bände jeder für sich ein besonderes buch mit eigener, 
innerer constructiun bilden. HEiia*NN Gbimm (über Treilschke) 
beitrage zur deutschen cuUurgetchiehte 65. 

/) in« ichöae Und, 

wo die gedrückten froh den nacken beben, 
wo an der ew'een liebe sanfter brusi 
der Unschuld thrSnen trocknen . . . 
wo dieser erde vorurthelle schwinden, 
und sich getrennte herzen wiederUnden. 

GaiLLrAsiia {Btanka von Aiultlien 4, 1) 10^,123; 
so treibt In fremdem alemente 
das herz, das einsame, getrennte. K. Matib gud.^tm. 

vgl. oben hertzen getrennet und zwispaltig aus MATiKioa. 
o) wenn art und stamm das eigne volk entzweien, 
getrennter iweck sie scheidet hin und iiar, 
sireitsucht'ge plaffen ihre gliub't;eD reiben 
um Ihren, nicht des vaierland« altar. 

GaiLLPABZaR (ii«< ^.aistr» UUätiHle) S*. 125. 

c) andere Übertragungen ergeben tich aut itr vtrwtndnng in 
der spracht bestimmter berufstweige und mituntgtbieU. 

a) getrennte beweguog (mouvement interompu), die durch 
pausen unterbrochene bewegung. Mbkdcl mut ie al is c het cea- 
versationslexwon 4, 229. 



fl) fatranoi« laacbieekUr der pBaosM aiod $»kk§, «• 
nicht die maonlieheo und weiblicbeo fof1pOao»nfat<>Hd« 
io einer bluthe «ereioigt, »oodaru gtsoadcit aiad aad tvar 
entweder auf einer pflanze oder auf zwei varaekiedeaMb 
liiiLKM reai- und verbaUtJ. dir (mü- Nid ;«yJAiiRif 1,1*1. »fl, 
getreonigeschlecbtif Taiti. 4.415. 

y) geachiedeoe und getrenoie LegriSe (ntU»ntt üt^ßtmäm 
tl diiparatae) werden von den logikero ao irnlrnrlTiH— t 
jene machen den uuifanf eioas dritten begriffe« aea, dar 
holier iat als sie beide . . diese oucbeo den mball eine« 
dritten begriffrs aus, durch welcbeo sie zwar verbundco aiod, 
jedoch so, dass sie kein paar von diogso, sondern nur cio 
ding ausmachen. Kaue eneyclopdd.-pktUt. Uxtk»n i,TU (laaj. 

2) dtm adverbium nähert sieh dat parlittp tu der vtrbtndung ge- 
trennt leben, vgl. die von ihrem manne getrennt lebende frao. 

3) iu6i<anfivifrun';(fi dtt adjecttti. 

a) in der neutralform: das wesen aller dicbtoag; sie UeaM 
das vereinte, vereint fest das getrennte. Wacseüsoata-Tiacatttt 

senkt lieblich der geist der «lotraclit stck aleder: 

von seiner band 

umschlingt «In band 

die wesan io lOften und feldera uod baloea 

und will das cetraDDi« mit li«b« var«ia«B. 

GaiLLPABita (Ireneiit muätrMtr) tl*, 33; 
doch tragen wir die tust des «lementes 
hinaus in stidt und land, 
verbunden ttetf, denn da* Ist k«la g«tr«0Bl«s. 
was lieb' und luti verband. 

G. ScuwAS gettlUekafttUti auf dsm U^drmtt*. 

b) in pertönlieher fattung: 
Primitlttun: und Ich 

soll dort dem ungertbr dich (ib«r(«b«D. 
das niemal» wohl uns mehr su>ammenrübrtT 
Libunsa: der mentcbeo weg« kreuzen sich gar «Ulfaeh. 

und leicht begegnet sieb getrennter (itrr iitirtmmtim) pfaJ. 
GaiLLPAazBB (LifrwM li •*. tlS. 
legt, ein lelcheotucb, dl« nacht sieb auf dl« siarbeadaa u«4 

tOtitCO. 

hOllt die kimpfer, dasz Im dunkeln freaad und felod «rllrgt 

den itreichsa: 
nur die gold'nen adler funkeln, der getranoiea fi«kb« 

zeichen. LtciaoLb rur Crtmmns, 
die getrennten, täel einer erzdhluug. 

GETREPPEL, n., i. getrappel tp. 4425. 
GETREPPERICH,m., voUtthümUche bttdung s« treppe (t.d.) 
in der berywerkstpracht beobachtet: treck werck, windfinfc, 
getrepperich, eine einrichtung, um io den Stollen den luft- 
wecbsel zu befördern und dem wettenDangel abzuhelfen. 
JacoBSsofi 4, 428 wo nähert bttchreibung tu jindtn ist. 

GETRET, GETRETT, n., colUcttvbiUung n dtm fem. trat, 
tritt, spur, weg, trift. vyL Scbubllkb l'^ 678. 

1) aber als sie die gesandten, uff den Wacbsenberg komen 
wern, betten sie ain getrett und gestuef von raisigem zeug 
uff dem Wachsenberg gleich furnen am Luginsland fundea 
und gespult, auch an aim bawrn .. derhalben arkondigt, h«- 
richt von ime empfangen, das es meine goedigen kerrao 
marggrafen hauptman Wolfatainer mit fünfzig pfarden geweat 
were. Bauhah.'« quellen {litt. vtr. l») 9S. 

2) und wo lütt getreit und traib zasaiseo kaiad, da sol 
des gerichtz knechi piiten an l ff. pfg , das dahin aieaMB 
me viehs usschlach, denn er uf dem guot mug wintren, daa 
tret und traib dar bat. weuth. von Hagenau Tvgftnkmrt i^fkrk. 
GaiMa weiith. 5, 189. dazu «9!. trelt, tret in Marr. wmUL 1,4S1*. 

GETRETE, n., vtrbaltubttantiv z« trelao. «fL Wiuajiaa 

deutsch« grammtttk 2, $ 1U,2. wrwkftni im mitliUt m l i d un 

quelUn belegt (vgL Lasta l,»t1 und nmtktmtU trirnft «s mttki 

weit aber dit anfing« dtr ntukockdemtttken ;<rW« ktmnmt: 

so xs ich (a/s voii'li oz ir liani. das wer' bUi ««it«. 

woli' si min dan pa«g«a vor g«tr«tt« {Uttt atu-* 4if mem ttkwm 

■icM U9Um), 

vor ll«b tru«g' «1 mich oabta« an ir betu. 

Min«««Mf«r t, tut t» d. Bt$mt 

si« mahtan «leb b«rvftr dl« saOer 

aein In. ob man die du mit g«tr«l Ikt r4«rT 

das wa;r g«*cb«h«n. dA Imica al« sakraakea. 

s« in Or «rd« «rk«ist«as aMar. Laa«««fM lail NMaH; 

da asaa aa«h 
vir prokkan ober *lah«D. 
da« wauar Ist. als »ir sabaa, 
aachso ganttar glefan ii«f: 
auf lader pruk man wenig sli«f 
von getr«t und von gadrancb. Sa caan wi a v 4. IM; 

■ff dal d«r tüSI mit s(me c«tr«l« 
d«Q lüihla aiclii grAsln »cbadea laia. 

J. HoTBB yasssan (G«rm. «.t^a). 
GETRETE.N. aer^ai, MTttdtktn tntm, irirnft mmr v«r«mHi 
ük«T dl« wüttelkoekiemtttke f fr ui« Maaw, «fL Dacraaaaca- 



4499 



GETRETEN— GETREU 



GETREU I. 



4500 



WüLMER 618; wenne yinant dovor getreten möge, ader was 
do recht sey. Magdeburger fragen 229 Behrend; vgl. auch roof 
und brand unde wat ghetreeden mach to hals unde to bände, 
aus 1375 bei Scbiiler-Lübben 2, 90. 

GETRETEN, partitipales adjectiv zu treten, isoliert tich in 
einzelnen Verwendungen frühieitig vom verbalstamme: 

1) per tritam viam duruh katretanan wec. Steinmeyer- 
Sievers 1, 363; ebenso 1, 35". die bibelüberselier haben für 
diese stelle (4 Mos. 20, 19) geebente Strasse (Ldtber), gebahnten 
weg (Eck, Dietenberger); in den würterbneliern des \&. Jahr- 
hunderts findet sich bei tritus vermerkt getribner wäg (s. «.), 
gängei- weg n. a.: mittelniederländisch getredene weghe. Ver- 
wijs und Verdam 2, 1753; 

und also gebui'tez in, 

nach dem getreten wildes spur, 

daz si quamen vor die tur. passional 169, 86 Köpke. 

die allertümliehkeit und Volkstümlichkeit dieser Verwendung des 
particips wird auch durch die Substantivbildungen bestätigt, auf die 
oben bezuq genommen war. die neuere spräche liebt Verstärkun- 
gen vor demparticip: j^^ hält 

in scliranken nur das deutliche gesetz 
und der gebrauche tief getretne spur. 

Schiller (Wnllenstnim: tod 4,2) 12,327, 
ebenso Grillparzkr 4^, 152; 
auch die Staatsbürger . . haben die breitgetieteoe strasze 
des herkommens nachgewandelt. F. L. Jabn {merke zum volks- 
thum) 2, 628. 

2) getretene arbeit: es zerfallen sonach die mustergewebe 
in zwei hauptgattutigen . . fuszarbeit, getretene arbeit {etoffes 
faconnis a la marche) . . . zugarbeit, gezogene arbeit. Kar- 
harsch 970. 

3) ein getretener rat über den fuchs, buch der Weisheit 1485 
pag. 161 bei Schmei.ler'' 1,679; dagegen so wurt euch offen- 
bar unter dem gemeinen volck iu den landen geret, das die 
zukunfft des bösen volks und die spenne der fürsten ein 
getretten rot und lange erdoht were über die stette. Schilter 
ausgäbe der chronik Königshofens (939) 17. anmerkung. 

4) myriaden Schmeichler krümmmten sich wie getretene 
Würmer vor ihm, und leckten staub. Sciiubart {macht des 
Plutus) 6,30; 

ach ! mein hofTen trieb im stürm 

auf dem letzten brette, 

und ward, ein geiretner wurm, 

auch ein ring der kette. Herwegb neujahr 1841 ; 

duckten sich wie getretne hühner. Zelter 2, 151*. 

5) auch drücket seines starren Schwertes wucht 
dag in den staub getretne volk nicht minder 
als seines königs schweres eisenscepier. 

Grillparzer {UUiiika von CasUUen 1,6) 105,27; 

ein UDheimlich groszailiger anblick: diese titanische über- 
kraft eines von den fremden getretenen volkes. Treitsckke 
deutsehe gesehichte 1,23; es wird nun immer eine stolze er- 
innerung unseres volkes bleiben, wie kühn und frei das 
getretene geschleclit des dreiszigjährigen krieges an dieser 
mächtigen bewegung sich betbeiligte. 1, 91. 

GETREU, adj. ältere bildung, der sich das synonyme treu 
(s. d.) erst mit den anfangen der neuhochdeutschen periode ent- 
gegenstellt, das erffebnis der neueren Sprachentwicklung ist ein 
zurückdrängen der volleren form, die dem lebendigen gebrauche 
entzogen und auf bestimmte stilformen der spräche, auf bestimmte 
Verbindungen und bedeutungsnüancen eingeschränkt ist. an die 
stelle der übrigen Verwendungen ist die einfache form treu ge- 
treten, der in den verwandten sprachen von anfang an parallelen 
zur seile stehen: gotisch triggws, angelsächsisch treowe, trywe, 
dem gegenüber getre6we (Leo angelsächsisches glossar 385, 33) 
vereinzelt steht, das mitlelniederländische hat reichlichere belege 
für die prdßgierte form (getrouwe bei Verwus und Verdam 
2,1759), wovon jedoch in das holländische nur wenig übergedrungen 
ist, vgl. woordenboek der nederlandsche taal 4, 1855. mittelnieder- 
deutsch bildet truwe die regel; die präßgierte form erscheint hier 
vorwiegend in werken, die im litlerarischen austausch mit mittel- 
deutschen und oberdeutschen quellen stehen, dahin gehören die 
vereinzelten beispiele im Heliand ; dahin vor allem die lexicalischen 
anführungen : ghctrouw, ßdus, (idelis. gemma gemm. Köln 1507. 
ebenso bei Kilian 3'. 

I. formen und erstes auftreten, bedeutungsabgrenzung, geschicht- 
liche entwicklung. 

1) unter den ableitungen vom Substantiv triuwa, triwa (Graff 
6, 466) stehen sich das verbum getrauen {th. 4, l, sp. 4429) und 
das adjectiv getreu mit unumgelauleter und umgelauteter Stamm- 



silbe gegenüber, der grund dieser gegensätze liegt, wie bekannt, 
in den ableitenden Suffixen ; die äuszere Verschiedenheit hat jedoch 
die bedeutungsentwicklung entschieden beeinfluszt, sie hat ganz 
deutlieh den Zusammenhang der beiden nahe verwandten formen 
gelöst, am längsten scheint dieser auf mitteldeutschem boden im 
bewusztsein geblieben zu sein, wo zu gleicher zeit die unumge- 
lauteten formen mit und ohne diphthongierung auftreten, vgl. ge- 
trau th. 4, 1, sp. 4428. 

2) es ist die geistliche übersetzungslitteratur, die tur wieder- 
gäbe des vielverwendeten lateinischen fidelis schon in der althoch- 
deutschen zeit zahlreiche belege für unser wort darbietet, dabei 
läszt sich jedoch erkennen, dasz das wort trotzitem nicht eine 
künstliche Schöpfung der geistlichen ist, sondern anscheinend dem 
volkstümlichen Wortschätze entnommen wurde, von den beiden 
hauptbedeutunqen, die im lateinischen fidelis ruhen und die sich 
durch die gegensätze infidelis = iniquus, injuslus und infidelis = 
non eredens, incredulus kennzeichnen lassen, ist nur für die 
ersterwähnte gruppe von den guten Stilisten innerhalb der deutschen 
geistlichen übersetzungslitteratur unser wort angezogen worden, 
es sind die sclavischen nachahmer des fremden Wortlautes, die 
auch für die zweite gruppe gelreu einführen. 

a) an der hand einzelner bibelstellen läszt sich die letztere 
beobachlung vom 9. bis zum 16. und 17. Jahrhundert verfolgen: 

a) {laim veiham {)aim visandam in Aifaison jah triggwaim in 
Cbristau Jesu bei Ulfilas £pAes. 1,1; und dien getrewen in Jhesu 
Christo {fidelibus omnibus in Christo Jesu) im codex Teplensis; 
dem gegenüber steht: den heiligen zu Epheso und gleubigen 
an Christo Jesu bei Luthek und den späteren Übersetzern ; bring 
thinan fingar bera inti gisih mino henti inti bring thina hant 
inti senti in mina siti inti ni curi wesan ungiloubl'ol oh ge- 
triwi (no/t esse incredulus, sed fidelis). Talian 233, 6; und nihten 
wellest sein ungeieubig, wan getrewe. Job. 20, 27 codex Te- 
plensis; und Salt niht ungloubic sin, abir gloubic. Bebeihs 
evangtlienbuch, ebenso Luther und die späteren. 

ß) ainen rechten, alnen heiligen, ainen enthebigen, um- 
fachent daz getrew wort, codex Teplens\s an Titus i, 9 ; (an- 
danemeigs bi laiseinai vaurdis triggvis) und halte ob dem 
wort, das gewis ist. Luther (fidelem sermonem); und s^^lich 
luna. diu des iemer getriuwe ürchunda si. wider allen dien, 
die urstende des lichamen loügenent {et testis in caelo fidelis). 
Notker psalm 89, 38; chitriuwi urchuniio in himiie. Isidor 
37, 3. ähnlich Windberger psalmen ; geziug in himele getruwe. 
Trierer codex; unde der gezuc in dem himele ist getruwe. 
Trebnitzer psalmen; wie der mond sol er ewiglich erhalten 
sein und gleich wie der zeuge in den wölken gewisz sein. 
Luther ; ain trewer zeug. Eck ; ein gewisser und treuer 
zeuge. Dietenberger. 

6) dem gegenüber bleibt für die parallele fidelis. justus durch 
alle Übersetzungen der einzelnen bibelslelle unser adjectiv gewahrt: 
ther dar gitriwi ist in minnisten, ther ist in themo meren 
gitriwi, ther dar in themo luzilen unrecht ist, ther ist in themo 
meren unrecht. Tatian 108,5 {qui fidelis est in minimo); wan 
wer getrftwe ist in dem minsten, der ist ouch in dem gröszten 
getrftwe; und wer in dem deinen ungetrüwe ist, der ist 
auch in dem gröszten ungetrüwe. Lmcus 16, lO, Beheims eran- 
gelienbuch, ebenso codex Teplensis (Ulfilas triggws); wer im 
geringesten trew ist, der ist auch im grossen trew, und wer 
im geringesten unrecht ist, der ist auch im grossen unrecht. 
Luther; wer im geringsten trew ist, der ist auch getrew im 
grossen. Dietenberger und Eck. — wer wanis ist getriuwi 
Scale inti wis spenteri, thende trohtin gisezzit ubar sin higisgi, 
Ihaz er in gebe muoz in ziti. Tatian 147, 10 {quis pulas est 
fidelis servus et prudens dispensator); wer wenstu, der da 
ist der getrewe knecht, und der wiczig. codex Teplensis; wer 
wfinistu der da ist ein getrCiwe knecht und klög, den der 
herre gesatzit bat ubir sin gesinde, daz her en gebe splse 
in der zeit? Bhheihs evangelienbuch Matlh. 24, 45 (ebenso 
Lucas 12,42); der getrew knecht. Eggesteyn; welcher ist aber 
nu ein trewer und kluger knecht. Luthe», ebenso die späteren 
Übersetzer; aber iro herza ne was rechtez wider in, unde 
mit iro zungon lügen sie fmo, noch ketriöwe ne wären sift 
an sinero 6o {nee fideles habiti sunt). Notker psalm 77,36; 
noh getriuwe gehabete sint si in wizzentuome sineme. Wind- 
berger psalmen Ti, 41; noh getruwe gehabet sind in Urkunde 
sineme. Trierer codex; ebenso Trebnitzer psalmen; aber ir hertz 
war nicht feste an im und hielten nicht trewiich an seinem 
bunde. Luther psalm 78,3"; und seind nit trew gewesen in 
seinem bund. Eck. ähnlich Dietenberger. 



4501 



GETREU I 



6ITUD I 



4503 



3) »«1» licli auch aut den let:ttru«ihnlfn beitpielen tin 
manigfalligir vfrwindung$krni trgiibi, itr aui der glttehuliung 
von Udelii und getriuwe abgilfilrl uitrden kann, to ut dtr aut- 
gangtpvnkl für die originaitn deuttchtn v*rw«ndungen doch »ol 
auf andtrem boden im $uchen. in getriuwe, fldelii Irüt »«ii 
tornthtTttn dtr absolut« gebrauch d*t adjtetin lu läge, dtr 
atitm nach erst auf Verkümmerung und Verwitterung de» relativen 
gtbrauthtt btruhl. dit ptrtönltcht beiteimng musi den grund- 
tug der ursprünglichen bedeutung ausijtinacht haben und duttftr- 
tönlicht beitehuug fustte auf rechtlicher grundlagr. wie in tnuwa, 
fidts und noch mehr im gotischen triggw«, vertrag, bund, 
bündnit das rechltvtrhäUnii twischen twei ptrtontn in den 
Vordergrund tritt, ib btruhin auch getrauen und getreu auf 
dtr grundlagt rechtlichtr btiiehungtn. »er $tintn verpfiichtungin 
gtgin einen andern nachkommt, wer die gewähr bittet, ioii tr 
ihntn gegehtntn fuUs nachkommen wtrd, dtr ut getriuwe. 

a) dtm enUprechen auch d\t dUesttn originalbiupitlt aut 
Htliand und OrrniKD. 

Uil lIiAr U Ki!>><I*)> t" lioti 

twelibi gaiigun, ihea Im gliriwitton 

•n Irö tnöil-ieton mannä wAruD. Heliand 4U8, «0^ S&19; 

loituD ntn tbo tb&uaiia thia iw^n« ricbun ib^gaoa {Joaeph 

und Nikodemu») 
tbia drAhllDaa gidriwon Job lelbcn Kriitet liubon, 

OrraiD 4, 35, 2-2 ,u(//. 1.3,46. 
auch dit manigfachen beispitlt, dit in NoTKiaa pMiiii«nö6«'- 
settung als tuthaten des erkldrtrs sieh erweisen, fallen mtitttns 
unttr diesen gebrauch: aber sin rät wdret i£roer sine ged&acba 
in 6wa. w^lee gedanclia? daz er i'ii gehalte, die (mo getriuwe 
aint. NoTKBR lu psalm 32, 13 u. a.; obe wir die sine minneslen. 
die sine deumAten. die sine getriwen vennanen. unde si 
•ntirea . . wir muzzeo ez Ane zwivel garnen. speculum eeclesiae 
m Kelte. 

h) vor allem ist es die rtchlssprache, ii$ illeri und jünger» 
beispiele für diese bedeutung darbietet, 

a) für das Verhältnis des ditntrs tu seinem herren : wende ha 
siine berren plichtich is getrOwe unde holt to wesene 
{Variante truwe). Sachsenspiegel, lehnreeht eap. 58 § 2 Homtyer, 
vgl. auch ScniLLKR-LCBBKN 2,90*; so sal der nechst .. die- 
selbe fautbei (voglei) entpbaben . . von dem dechent und 
capiitel des stiftes zu unser lieben frawen zu den greden 
zu Mentz zu leben, und soll geloben und schweren, dem 
vorgenanten slift getrewe und holt zu seine, weiithum zu 
NidJa, GRimi weisth. 1,529: welicber meins genadigen berrn 
von Adniund hold und hindernsass ist mit baotgelobtn treun 
on ains geswornn aides statt, sein gelreur und gewärtiger 
hold zu sein, seiner genaden frumen zu furdern und seinen 
schaden zu wentn , auch sein dienst getreulich zu geben 
nach iubalt seiner gnaden urbar, üsterr. weistlu 6,41 (St. Gallen 
anfang lü.jahrh.); daz sie von allen iren knechten gelubde 
nemen, daz er einem rrbarn rat, seinem baubtman und ge- 
meiner stat g«trew, geweere und gehorsam sein wolle. In- 
struction für die Nürnberger hauptkute von 1471. d. stdilteehron. 
11, 529; und besondern fronpoten haben, den si aus in er- 
wellen und nuz und guet sei und sezen sollen, der alsdann 
dem richter und comann schweren soll, der herrschaft und 
dem richter daselbs getreu, gwertig und gehorsam sein soll, 
als darzue gehört, rechte des gotteshauses Biixen in Fassa (1451) 
österr. weisth. 5,737; ain jeder müller soll seiner herrschaft 
aidspllicbt thun derselben mit seinem dienste vogtrechten, 
galten, Tod wes er . . schuldig, gehorsam getreu vnd gewartig 
zu sein. Württemberg, müllerordnung in Tinclbrs laienspiegel 
(1,95) tgl. Heuh4N!< opuscuh 'U9 ; also, das dieselben sechs 
geschworn und ire nachkomen . . dem obbemelten meinem 
gnedigen herin und seiner gnaden nachkomen getreu und ge- 
wartig zu sein in dem, und als geschwornen zu thuen ge- 
hört teeisth. von Lüsen 16t 1 österr. weisth. i,ili; wir . . ent- 
bieten dem gottesfürcbti^ien, keuschen und getreuen Joseph. 
AmBR Aiilor. proiei». ;urü (11, 1> 4M (1680); 
ti tworen eme uude dadan hulde. 
dat de siat getruwa ema wesen tulda. 

G. ilAeiN kölner du on„ 1044 (<<. nddtechron. 13. 69). 

ß) für das Verhältnis des herrn tu den untertkanen: 
swen dea nibt betilee, 
der beer de* landes klage, 
ey, kOnec Huodolf. sft Tr getria 
ruemlscbar erd, aö Itlag ich iu 
und iwero Sw&ben allen gllcb. Seifritd Helbtue t,y 

f) auf diesen vtrwtndungen baut sieh der gebrttuek «h/, itr 
in der schönen litteralur tu lag« tritt, 
a) mit ietug auf ptrsontn. 
IV. 



t» umfuttnd« mni » U§ «m tne urpßicktmn^n : 
dat andrr dsi da Ibl ««naurliaai 
daa ebenkrlMeo. d«r t« B»b««l 
4U SB daa galeuMB Im. 
wl* IM Bla A dir aalbea bin. 
gttriw« b«l« «ad« gt«»r*. Liuftan t. BaasMavtc 
i««*l«f MB Bfm 9. im Wtt»k*Ui 
wand« lai aaDl« gti«i haski 

waa («trlawa und« ImIi. 

sr gap In tllber uad« galt lAnMUt tM Ilahit 
wi« mOhta Ir alnem forsten getreuwe telo. A. f. Cft ^Hf*' t**i 
'o4o, Raluka'. tprak da koanlglaM. 
*nla ber« acbtl ju lataa ler«« 
uode ju Trualilkaa «orftvMi 
altosaaleD ainaa ovalan mdli 
gl aebolao Tortao waaro vrdi 
uoda Blaaaia heran all« ili gaintwe.* 
H»imU dt mt 1 
um den bals hieugeo sie eine goldene oder eUkem« 
nachher der Geusenpfenning gensnot, 4erea eise teil« im 
brustbild des knnigs zeigte, mit der inscbitfl: den kOolfi 
getreu . . . bisz zum bettelsack. Sciatas (ek/Ssfl itr f Utd t r 
lande) 7,201 {bei Bubcundos ktttorta BelfifttT: fUeUt rtfi); 
dasz Üeutschlands vOlker . . doch trott alledem, und IroU 
allen Versuchungen, an denen es (in den revolutunskriefn) 
nicht fehlte, gleichwohl ihnen (den fürsttn) und ihren ge- 
brauchen gelreu verblieben sind. Kliicks bttrathtunftu l, 114. 
2)) dt« vtrpßichtungtn sind aufbestimmtt Verhältnisse eingrfrentt : 
dient euern berrn gelreue. Schocb komidit vtm ämitwt t w i tk tm 
05 Fabricius; dann müssen sie (die bejden juafM n$lkmim 
eheleute) einander die bände geben, vn4 die kdpll M •)•• 
ander halten, also, dasz des mannes hlapl kAkär tlaa4 . . . 
in solher postür miisseu sie einander schweren, vtUt •!!«■ 
creutz einander getrew und bold so aeyn. OLiAtiat ftnmkt 
reite (4, eop. 40) i. 510 {ausgäbe vom 1663) ; 
dem giftck »eh alles trv\ I 
wenn leb aar dloh. aselo kind, leire« 
und Blr to bold ala «cbAo beflnd«. 

fhasaoi!« (<te« ghuk und MaHmd*) t.«: 
der grosse man zeigt uns alsdann, aaeer aller satter s«j 
auch die seine, und er bleibe ihr getrea. Ku^rcit lefrecAl. 
1, 174. an solche beispiele knüpfen jüngere fortbtldungeu dtt §«- 
birauches an, vor allem in der form der reßextrconstrudion s. • 
ß) Übertragungen setun hier schon frühseitig na ; die mann 
die du gesehen hast zwischen des tiers zenen dat waren twen 
risen die waren iren scheczen als getreuw das wenig bey irein 
leben funden ward iresgeleicben. die iiesicht Tundili {StrtttM. 
1476); io Spaoieo biiab, bei der liab« «inliaa, 

ein ^cipto dem «üsien w«Id getreu, 
und gab gar bald, ihn uniteatOri tu trinkea, 
das schÖDSie kiod der krieg»g«raBgaen frei. 

Utaaooaii {dtt hel<Un) l,gt: 
ich hoffe du bleibst meinem garten getreu. GOrai briefe %^m 
u. a. vergl. sp. 4516. 

4) untrr den bfispielen für abtthUtu §eimek dtt täjtttrts 
stehen solche Verwendungen voran, die ungeswungen mmf dtu 
relativen turückßhren; die person, dtr dte treut pU, ist mä- 
g«dacht, ohne sprachlichen aufdruck su ^ndtn; in tnitren f*- 
brauclis formen dagegen treten dtese 4etirA«nfra te dtn kinttr- 
grund; in manchen sind sie überhaupt niekt «fkr nttknttentn. 
a) verhäUniibeslimmungen stehen im vcritrfttait. itr ht- 
dtutungsumfang ist Wi dieser gmppt itr 
tthon ein weiterer, i/ocA stnd ihm in 
gesogen, der begriff der treue triU 
gefasU alt verldsslichkeit auf, btld nmwU tr htsondtrt fm 
an, jt nachdem er auf das verkdUnn tan *4rra mb^ 
auf die gefolgsthaft im kruge, die frnniitktft, tmf da* «Mskra 
im besondern sich betithl. den gruniusg ntk für Hut UtHtetn 
Verwendungen bildet der begriff der Stetigkeit^ da «i 
festhaltens. 

a) 1)) sl sprach : 'des »ett« kh ia «In pbaali 
Ir Mit rnleh haben bi der bani 
vll vatt«: das «rlouba icb lu. 
Ir mügt wol lin olbi gar gatrta, 
Sit Ir mir olhl geirüwaa weit. 

U. V. LiBcaTi:<>Tti)« ft aaead li BS l tsn 
so geirluw« ood aö gawcr« 
was diu guota Lüneir 

dai si daz wlllacitcben t«ia {wt* tit febM k»ttt\ 
2)) im jMrodwrrwira gArtncke: SinpUdeateM aaka «ac« 
mabler die Irew in gesUlt eines weikakiMaa ikl f «ad 
neben sie einen kund als dasz getrew Isla ihier. n itm 
sagte Simplicissiraus, er solle jhr vielmehr kopff ood kiajdMf 
voller lluse mahlen, dann selbige «Iren ao getrew, daat 
sie sich auch mit einem beocken lieaseo. GamaiuaAcsaa 
nri^«dAr«ad«r ktitniir 4, XU Lnrt, 

283 



fvetalMI. 



4503 



GETREU I 



GETREU I 



4504 



ß) 1)) wol erkand ich Aldriänen : waa er was min man, 

lop unde micbel äre er hie bi mir gewuD, 

ich machte in ze ritter und gap im min golt. 

durh daz er getriu was, des muos ich im weseu hoit. 
Nibelungen 1693, 4 Laclimann. 

ich weil wol daz si mir den rat 

niuwan durch alle triuwe tete. 

swä ich gevolget ir bete, 

daz enwart mir nie leit, 

und hat mir auch nü war geseit, 

ich erkenne lange wol ir muot: 

81 ist getriuwe unde guot. Iwein 2024; 
wer ist getreu vnder allen deinen knechten als David. 1 Sam. 
i2, U Eggesteyn. ebenso Koburger ; und wer ist unter allen 
deinen knechten als David, der getrew ist und des königs 
eidem, und gehet in deinem gehorsam, und ist herrlich ge- 
halten in deinem hause? Ldther. 

2)) und daz sie betten kein der wer 

sumelichen ungetrüwen man. 
ez wart in dicke schin getan 
so man die brddere da nider slAc, 
daz er sin houbt von dannen trüc. 
die geträwen bestünden in der not 
und hüben hie den brüderen tot. 

Uvländische reimckronik 4915 L. M eyer. 

8)) dö sprach er aber 'geselle min, 

nu solt du läzen werden schin 
ob du bist getriuwe. 
eine trüge niuwe 
wil ich an vähen, 

ob ich Ir müge genähen. Tristan al$ widnc/i 929 Paul. 
4)) alle meine freude ist mir ee der zeit verswunden, zu 
frue ist sie mir entwüschet, alzu schire hapt ir mir sie ent- 
zucket, die getrewen, die gehewren: wann ir mich zu witwar 
und meine kinder zu weisen so ungenedigclich hapt ge- 
machet, acktrmann aus Böhmen 17; 

zudem so wüst ich auch dasz du getreu im lieben, 
dasz du beständigkcit zum zwecke dir erziehlt, 
nicht wie manch grüner sinn, der nur von lust getrieben 
sich stellt verliebt zu sein, und nur mit eiden spilt. 

H. MÖHLPFORTH (1686J ItochteiUgedichte 43; 
80 einig, so getreu, so fruchtbar und 80 rein 
sei dieses neue paar, wie turteltauben sein. 

Fleming s. 8S Lafipenberg. 
5)) ist auch die erste ehre, die einer dem andern in be- 
suchen oder Zusammenkünften anthut, dasz man jhm tzarko 
wino eine vnd mehr schalen brandwein zu trincken dar- 
reichet, worbey dann der gemeine pöbel, sclaven vnd bauren 
sich so getrew finden lassen, dasz wenn mancher von einem 
fürnehmen manne die schale auff seiner band zum dritten, 
vierdten vnd mehr mahlen eingeschenckt bekömpt, er jmmer- 
fort ausztrincket. Olearios persischereise (3, cap. 6) 191 (1663). 
y) besondere Verwendungsformen bauen sich auf dem Verhält- 
nisse des menschen zu golt auf. beiden theilen wird das adjectiv 
prddieiert und in jedem falle ändert sicli der bedeutungsgehalt. 
])) ketriCiwe ist got der unsih ni Mzzet ferror irs&ocbit 
werden {fidelis deus). Notkrr lu psalm 32, 4; getruwe ist 
unse herre. Trebnitter psalmen, psalm 144, 14; der herr ist 
getrew bei Dietenberger (treu Eck); 

85 lobe ich dich, vil süezer got, 
daz aUö reine ist din gebot 
ftn allen spot, 

80 stxte und so getriuwe. Gottfried v. Straszburg 
lubgesang auf Maria 66, 4 (ztschr. d. allerlh. 4) ; 
wen got der ist getrewe, der euch nit liedt ze versuchen 
über daz, daz ir mugt. codex Teplensis 1 Cor. 10, 13 {ßdelis 
aulem deus) ; aber gott ist getrew, der euch nicht lesset ver- 
suchen über euer vermögen. Luther, ebenso die späteren Über- 
setzer; denn gott der ist getrüw und lasset uns nit ange- 
fochten werden, über das, das wir vermögen. Geiler v. Kbisers- 
BBRG seelenparadiet (1510) 32*. vgl. der getreue gott; vgl. auch 
spalte 4504 unten. 

2)) Sit getriwe fin allez wenken, 

Sit got selbe ein triuwe ist: 

dem was unmxre ie falscher list. Partival 462, 18: 
der h^re Meynhart was recht 
und ein getrüwe gutes knecht. 

livtäidische reimchronik ZW L. Meyer; 
sint Colne zairst Kirstene name intfeinc, 
deme stole von Rome it nei ave geinc {nie abfiel von Rom), 
it was Cristen und getruwe. 

Hagen (Kölner Chronik 607) rf. slädtechron. 12, 39; 
fürchte dich für der keinem, das du leiden wirst, sihe, der 
teufel wird etliche von euch ins gefengnis werden, auEf das 
ir versucht werdet, und werdet trübsal haben zehen tage — 
sei getrew bis an den tod, so wil ich dir die kröne des 
lebens geben. Lother Offenbarung Johannis 2, 10 {esto fidelis: 
bis getrew uncz an den tod. codex Teplensis). 



b) die beziehungen bleiben unbestimmt; der bedeutungsgehalt 
ist allgemeiner gefaszt und nimmt je nach dem zusammenhange 
des Satzes verschiedene formen an. 

a) auch hier hält sich der begriff der Stetigkeit, der nebenbei 
gerne durch synonyma besonderen ausdruck erhält: 
wärhaft mit sinen wortea 
er was an allen orten 
getruwe unde stSte. 

Uvländische reimchronik 705 L. Meyer, 
klopfan mein aller libster koab 
pistu der für den ich dich hab 
getrew stet frum still vnd verswigen 
vnd warst kein gewder nie gezigen. 

FoLZ (klopfan) /aslnaclUspiele 1243 Keller. 

ß) aus dem begriffe der verläszlichkeit entwickeln sich einige 
bestimmtere züge, die bedeutungen wahrhaft, rechtlich, ver- 
schwiegen. 

l)) getreu =* wahrhaft, ohne falsch : 
8i sprach zuo dem küoige 'vil lieber herre min, 
ich wolt iuch bitten gerne, möht ez mit hulden sin, 
daz ir mich gehen liezet ob ich daz het versolt 
ob ir den minen vriunden wxret inneclicheu holt', 
dö sprach der künic riebe (getriuwe was sin muot) 
'ich bringe iuch des wol innen swä liep unde guot 
den recken widerfüere, des müese ich vreude hän, 
wand ich von wibes minne nie bezzer vriunde gewan'. 

Nibelungen 1342 Laclimann; 
als getriu und also sieht, 
als der gräve Albreht 
in der jugent was erkant, 
6 im diu witze geswant. 

Ottokar reimchronik 34446 Seemtller; 
der mertze gantz, 
der april im schwantz, 
der mey new 
sind selten getrew. 

fprichwort aiu M. BöBH kirchenkalenäer (1608) 8. 
2)) getreu = rechtlich : 

hiemite so wart ouch gegeben 
dem kunige michel ruwe. 
er wart also getruwe, 
daz er dem bischofe uffer etat 
zu vuze viel unde bat 

vergeben, daz er im tet. passionat 460, 4 Köpke; 
der gute bischof Albrecht 
der was getruwe und recht, livldnd. reimchron. 810 Meyer; 

dasz . . man jhm die einnahm und auszgabe vnter die bände 
gab. worbey er sich auch eine Zeitlang getrew finden liesz, 
bisz er endlich sich zu liederlichen gesellen findet. Olearius 
persische reise (3, cap. 12) 236 (1663). 
3)) getreu == verschwiegen: 

wes er mit mir pQxge, 

niemer niemen 

bevinde daz, wan er unt ich, 

und ein kleinez vogellin: 
tandaradei, 

daz mac wol getriuwe sin. Waltueh 40, 18 Loc/tmann; 
wan der do ist getreüwe der verhält die niissitate des 
freundes. Sprüche Salomonis ii, iz Eggesleyn , ebenso Koburger; 
ein verleumbder verrhet was er heimlich weis, aber wer 
eins getrewen hertzen ist, verbirget dasselb. Luther. 

y) eine verblassuny und Verallgemeinerung der bedeutung 
liegt in der Zusammenstellung unseres adjectivs mit synonymen wi* 
gut u.a.; man hört hie alle ztte Kriemhilde klagen: 

des ir niemen tröste daz herze noch den muot, 

ez entaste Giselher: der was getriwe unde guot. 

Nibelungen 1039 Luckmann; 

er was getruwe unde gut 

und achte nicht üf ubermüt. livländ. reimchron. 7559 

Meyer. 
5) schon in der spräche Luthers stehen, wie sich oben zeigte, 
dem lebendigen gebrauche von getreu hemmnisse entgegen: aus 
mittelJeulschen denkmälern zuerst belegt, greift das einfache 
treu immer mehr um sich, wobei es im Süden von den bekannten 
neigungen der oberdeutschen mundarten begünstigt wird (vergl. 
zum getreuen Eckart sp. 4510 unten), das ergebnis dieses prozesses 
ist frühzeitig eine einschränkung der alten vollen form auf be- 
stimmte formelhafte Verbindungen und Verwendungen, die unter II 
dargestellt werden, daneben wird der gebrauch der präfigierttn 
form in der spräche der poesie festgehalten, die sich die möglich- 
keit nicht nehmen läszt, mit den doppelformen die bedürfniste 
des versmaaszes zu decken, von diesen beiden ausnahmen ab- 
gesehen ist der verwendungskreis unseres adjeclivs, soweit nicht 
einige Spielarten mit der mittelhochdeutschen \zeit abgestorben sind, 
ganz auf die einfache form übergegangen; namentlich in den 
intensiven bedeutungen dringt die letztere frühzeitig ein : wan got 
der ist getrewe. codex Teplensis, 2 Cor. 1, 18 (ßdelis; alp^ia 
trigws gu|). Ulfilas); ebenso noch bei Diktenbkrgkr; aber o ein 



1505 



GETREU I 



GRTnEU II 



4504 



treuer gott bei Lutrkh und ¥xt; tu gelieher weil di wclp te 
eein keuerh, nit binderredent, getempert uod getrew« ia allen 
diogen. 1 Timoth.i, 1 1 codtji Ttpltntit; quinoo* •amaleiko gario- 
do«, ni diabuloi, gafawrjut, triggvot in allamma. Uinua: d«a- 
selbigen gleichen Ire weibrr tollen erbar«eio, nicht leaterinne, 
nüchtern, trew in allen dingen. Loriia (DiBTanaiacRa und 
KcR tIelUn getrew »itdtr A«r); mtiiiu oftgen tint indAn. ze 
getriäwen inasidelingen d^ro rrdo (iii fidtlts Urrat). Noima 
fsalm 100,0; ougen ininiu ze den gelriimen der erde. Wind' 
bergtr psalmtn too, H; getruwen der erden. Tritrir eod*x, 
tbtnio Tribnitter psalmtn ; meine äugen sehen nach den trewrn 
im lande. LoTHia pialm tot, 6 (|^'et^ewen Kci : geirnwen 
DiiTiNRRiiCBa). vgl auch iprOrA« Salomot 14, V> bti LurnEa 
gegenüber der altern bibel u. a. — in dem britfwechul det Nürn- 
berger patriciert Paumgartner mit uiner braut findin sieh threuas 
hertz und gethretirs herz neben einander {litt, verein 204, 12 
und 15). 

6) von dem concurrentkampfe iwitchen der prdfigierten und ein- 
fachen form macht die gebundene spräche, wie erwähnt, den ihr lu- 
sagenden gebrauch, schon bei \l. Sachs Idssl sich beobachten, dast er 
in der prosa andere neigungen hier bethätigt, als im bannkreist 
des versmaasses. er liebt für di* Überschriften t. b. dit prdß- 
gterte form, während er innerhalb der gedichtt seiht im güiehen 
susammenhange die einfach* vorsieht, so in der historia die ge- 
trenen weiher: 

nun «chawei an die treten weibar 

die also jre zarte lelber 

all Iren adel, ehr und eut 

Im schsnti ichlugen mit trewem mut 

TQr jro verurteilte mann 

aulT das lie jn hOllTen ilnrvan. 8, 723 Ktllrr, 
tbenso in der historia der neun getrewen haiden , sampt jhren 
wunder getrewen thaten. 2, 299 Ktlltr u. a. ; spätere dichter 
netgen umgekehrt innerhalb des versmaasses zu der prdfigierten 
form, di* jambischen anlaul gewährt: ■ 

ein getreues herze wUsen 

hat des höchsten schätzet preit. 

der ist selig zu begrOszen, 

der ein treues herze welsz. 

mir Ist wol bei höchstem schmerze, 

denn ich welsz ein treues herze. 

Hüft das gincke gleich zu zelten 

anders, als man will und m^-lnt, 

ein getreues herz hilft streiten 

wider alles, wa!< Ist feind. 

mir ist wol bei höchtlem schmerze, 

denn ich weisz ein treues herze h. f. w. 

Plkmihg Eisgen treues Hers; 

als Ich . . ilier war, doch lilelner, 

als mein getreues schaTchen. 

da folgt ich schon der Chloris, 

wie mir mein treues tchafchen. 

ÜAOiDoan (Cfkfori«) 3,&9; 

der maier Hetz nicht nach; 
er bat, bis tie et ihm versprach, 
und schwur, sie recht getreu zu Tasten . . . 
das blld war treu, und schön, bis zum enizOckan. 
GzLizRT (Setiniie) I, 89. 

von d*n klassischen dichtem neigt GOthe mehr tu der toUertn 
form in den besonderen Verbindungen, die dieser noch erhalten 
sind. Schiller bevoriugt auch für letzlere das einfache treu, 
i'on den späteren dichtem wird die ptäfigiert* form namentlich 
im jambischen tersmaasie begünstigt: 

der königin Margrete 
von Österreich getreue kAmmerin. 

GaiLLPARZta tOitokar 5) ft>. 143; 
du keusche iiebesgötlln, 
getreue gatiin deinet holden gatten, 
di>h fleh' ich an: verleih mir deinen schütz. (2)48. 

^) wie in der gebundenen sprach* das geregelte versmaass, so 
macht sich ein ähnliches bedürfnis auch in der sonstigen 
spracht als forderung des Wohllautes geltend, in xusammen- 
sftiungcn mit unserem adjeetiv wird, sofern der erste eompositions- 
theil mit einer hebung schlieszt, die präßgi*rte form bevoriugt. 
so überwiegt pflichtgetreu übtr pflichttreu {vgL th. 7, 17(M und 
1768); 50 jind goltgetreu, naturgetreu {th. 7,4*1), wahrheits- 
getreu, sachgetreu {th. 8, 1603), wortgetreu u. a. uugniss* für 
das unbewusst wirkende rhythmische gefühi. einen beweis älttrrr 
stufe der composition w\rd man in den belegen für präßgitrtt 
form nicht erblicken dürfen, weil diese wortgtuppen erst su tintr 
uil in den Vordergrund tretet*, im dtr di* präfixlos* form schon 
begünstigt wird. 

8) di* Wörterbücher nehmen nur langsam wn dem gtgensalu 
kenntnis, der sich im gebrauche der beiden form*n tntsponnen hat. 

a) die älteren vtrzeichnen unsere form okn4 tisuckT4nku»§ : 



gedrouwa (ßdus, fiMt). 9*ethikr. ti f«« lt. /«IrAasd. lyl. 
UitrtNiacaWCicaia •!•: |«trta H*Ut^ kt *U flim». mmk 
tartpwM teut. bti Horror? H; ceUvw, /Um. ßiiim; ßdt fr«. 
ditus; qui fidtm iN«a prtital Hiaitc« IMI; 4k9ikk Dl«ratn 
(l«77) ite. Faitica (1700) iit. Wntaaaa (nu) im; fmnm 
fedeU, ßde, fidato atTKLii (1706) i»; fttrt« ßdtU, fA'^ 
dietionaire du toy«t*ur \U; |0(rt«, /hMr, Mai ••■••«•. 
IloxToirr 1&9. 

b) bei SriCLia rtrd gatrto «vr iMäk all «MteMlte M*n- 
^OTM i« treu aufgeführt Sil; «Am* M f$tim %,m, SvtM- 
BAcn (MI) dagegen beltft tinf f rUan tn tmwnimfikitk •mma 
form, ander* wirttrhüektr lasten — tlnu ik (lataarti «MW» 
sprechen — durch dit ort itr btl^ft «k JtHimmHu tmhta i mufi » 
erkennen, in dtnen galreu ncft kiU: Im »4m galrw m/n 
to be true, trusty, ftithfuH, ktnttl, ufri^ m»M tf ämmni 
ich befehl euch g«ll, und verbleib tacr |«lraa«r talor . . . 
rrtnein yo«r lovin; partnt. teiuek'*»fL mh. (171«) MIO, 
Sr.BWAlf (1782) 74U. 

e) bei Adiloitc, dem als grändltdum aa»«f«r wiU i 
dit grosM saht dtr ttrwtndungen tm gdraa lak/U «alfasfra 
ist, erseheint doch das terhäUnu smitditm iiittr fmm un4 «rat 
jüngeren treu in schiefer darstellung. dtm ktttreben ftlfttd^ 
die einfachere form stets für dit älUrt und mrtptUngtsikrrt s« 
halten, giebt er an: getreu . . dat verlingrrle wort trau, »alcii«« 
durch dasselbe, wenigafens in der edlen uod antliodifrii 
tprechart aua verschiedenen seiner bedruiungen terdraofet 
worden. 2, 63S. au^ dtr auffassmng Aoilchs« fmttt» »ntk 
neuere Wörterbücher: die richtigt darsUUung dt$ forMMMr* M 
bei Klogi und Paol gegeben. 

9) dl« Steigerungsformen sind für unser adjettit ve« uagtiiiker 
ergiebigkeit. 

a) der comparaliv tritt vereinuU c.uf «■« AM irtara *nßa$$ 
auf dit bedeutungtentwicklung aus: 

o! tklive, niebt getreuer. 

alt feile llebal — wis7 iriiut du surAcbT 

Vost Shakttii^ar» (Amtoniw m4 O tma i r» k. 1: 
tiave, of 00 more trat!) 3. IM, tkeutmtacmt^ata* 
(bei ScBtaeii, Mn>( Tuet: iiichi tr«aar 4«), 

des herzent klagen, brin und innig. 

die, liedgeworden Ihm eniklingeo, 

bai deine teele. tief und sinnig. 

getrauar alt mein lied empfiogeo. Laata tatttmmmt, 

b) dagegen ist dtr suptrlativ uiiyratrta btlitht: Ja ttimer 
formelhaften Verwendung nimmt das cdjtttie jt natk dem ta- 
sa;ntn«nAanp der tntrgie an bedtutung ab oder sm. 

n) daselbst irat ich mit etluhen meiner getreatato« aa«, 
und liesz die priester auch dahin leilrn. LoaR'«aTaM inat«. 
1,488 (I6!»9): von meinen getreuesleo, die sie raoden, alt fit 
hier ankamen, wie wenige sind noch Qbrig. (>. FaaiTAc (aas 
«tarr kitintn stadt) IS, too, vgl. III, d. 

ß) der ich bin und verb'eibe euer gestrengen . . . f^ 
treuester Tscherning. »idmaa; Ttuiia.iiaca aa Jf. Ap4kt 
von Löwensttin l«t2. vgl aller getreueale seele sp. tilt. 

II. die attrüutiven vtrbiniungem des aijtrütt. dt* unter 1, 4 
und I, 5 dargtltgUn bedeutungtn trltalten bti tngertr rrrliaiaaf 
mt( ft«j(imm(rn Substantiven thu neue rMMaaf rfsr leriiBlaafe 
«n/wicliJun^. sugUuh isl in ditat» mekr 



haften Verbindungen für dit priflfitrte faim gtllM ••• tmmt 
gegen das eindringen des /ftaferta (eaiarraalra fsfslra. aiÄ 
(ült attributiren Verbindungen gaUren kt erher , wmmtka eMa^ 
sind geUgentiieher und tufäUiger naimr; im iknem Mr* *r tm- 
sammenhang locker, und das adjertia erUH tstk «aOertM, ae 
(. b. ntbtn den aff^aüae» aeanatlas die dem Iraat« IIMi|«r 
IM KibtUtngtnUide ftgekem werden: 

mit irürigen «tuoio dar viel ftulw« ■••. 

den er daz reden bArta der keil der blici« In aa. 
M:s. I UdbaM««! 

der vll geiriwe recke barie jrmtrkllch* t^r»«*- !••.«; 

der gelriuwe man ist eine Verbindung, die nm ^emrkikitm 

der miUelhothdeuUcken ditktmng gektrt mad ä» mM #iMr 

wieder versehwindet: 

st sprich: Ich will dir blnU 

arzelgeo. lieber herre mia. 

dat ich dir wü geiriu«* »tn. 

tag an, bl«ii^ noch ttaeiaT 

d«t dO mich gesier baiu, 

das wll ich gerne volgea dir, 

aa wol af! wlldn sali air. 

es *t rticb oder >l«bi. 

Ich wil dir aitaa aia kaahi 

nad dta vll gairiuwer aaa 

iamcr dieaoa tw* ich kaa. 

Mft* 



4507 



GETREU II 



GETREU II 



4508 



nfi habent den gouch die hArreo sumtltoh* 

vil baz — ich mein ein smeichensere j 

der niht wan schände vähen kan — 

unt smäcbent den getriuwen man, 

Rbiiar V. ZwBTRR 1&4, 11 RöUiei 
iö sprach meiste.- Hiltebrant: 'sihst du daz EcJiehart? 
du getriuwer degen, nu bebe dich üf die vart, 
mit deme so solt du vehten, ein getriuwer man, 
du hast bl dtnen zUen gar grSzer dinc getan. 

rosenijarten A. 288 Holt. vyl. der getreue Ecliehart. 

vgl. auch Schwabenspiegel cap. 81, l Gengltr; für ändert allere Ver- 
bindungen, wie der getriuwe knabe u. s. w. vgl. mhd. wb. 8, 106*. 

1) Verbindungen mit Substantiven, durch die personen einge- 
führt werden. 

a) mannigfaltig und bedeutsam sind hier die bildungen aus 
dem rechtsleben und geschäflsverkehr : das adjecliv tritt damit in 
den dienst des litelwesens ein. 

a) altsessen und erbsessen und getrawen lavrten a)zo yü, 
alz sie ir czu rehte habin sal. Magdeb. fragen 228 Behrend; 
do spracli die iungiste: wenne wir ebenburlig seyn von vater 
und von muter und sieb is nicht czwischen swestern 
voriaren mag umb erblich gut, ab ich billichen altsessene 
und getrawe lewte man manen sulle wenne ymant do vor 
getreten möge, ader was do recht sey. 229; so gebe man in 
einen ir muoter mage. oder einen getriuwen iantman. 
FicKER deutscher leute spiegel 63; und wil iener bereden daz 
er getriwer man sei mag er in überzeugen mit siben mannen 
daz er sein triwe habe geprochen. 92; die vorgiftunge ist 
gesehen mit der erbhcrn wille und vor eime richler und vor 
der gehegitten bang (bank). dorobir had Mertin sein 
wizzebir gegebin den getrauwen nächebüren. Dresd. schöffen- 
streit (15. jahrh. 1. hälfie), Löhsch und Scürödbr Urkunden zur 
geschickte des deutschen privatrechts 2, 244; des so geslelte der 
borggreve den gefangen man vor gehegit ding unde spreche 
mit syme vorsprecbin: her vogt unde ir getruwen scheppin, 
wenne deser mann bosze unde falsche briile gefurt hat . . nu 
vorschouwet in uwerem rechte, ab her dorumme icbt lyden 
sulle adir was her dorumme vorfallen sey. Magdeburger fragen 
203 Behrend. 

ß) der getreuwe gezeug derlöst die seelen. Sprüche Salomos 
14,25 bei Eggesteyn und Koburger; 'ein trewer zeuge errettet 
das leben, aber ein falscher zeuge betreugt. Luther. 

y) erbdienstbarkeiten sind solche lasten einer liegenschaft, 
welche weder zum vortheil einer bestimmten person, noch 
zum vortheil einer bestimmten liegenschaft oder ihres be- 
sitzers, sondern zum vorllieil j«des getreuen rechtsinhabers 
bestehen, badisches landrecht (1809) § 7iu'; erbgült oder erb- 
zins ist eine abgäbe, welche ein eigentümer von dem genusz 
eines ihm gehörigen guts an jeden getreuen Inhaber des 
gültrechts zahlen musz. ebenda; getreue partei, party observant 
(im gegensatz zu der im verzug befindlichen) Eitze.n wb. der 
handelsprache 317. 

S) wir wollen auch und gebietten allen lauten, unsern 
getruwen fürsten, graven, frien, rittern, knechten, burgern 
und geburen. (Ludwig der Bayer 1323) oberrheinische stadirechte 
1, 1, 8 Schröder; wir Friderich von gotes gnaden burc- 
grafe zu NUrenberg, bekennen und tuon künt öffenllich . . 
das wir . . gelten schullen dem edeln unserm lieben getruwen 
Heinrich vogt zu Weyda . . zwei tausent geschoke und hundert 
gescboke preiter guter Freiperger grosen. Urkunde von 1373 
monum. zoll. 4,242; wir Albrecht und Friderich von gotes 
gnaden burcgrafen zu Nürnberg verleben und tun kunt an 
disem brif, daz wir . . haben geben unsern lieben getrewen 
Gelpfrat dem velern (etc.) die hernach geschriben gut. urk. 
von 1357. eft«ndo 3,313; dobey waren die edeln und wolgeboren 
. . getrawen her Virich von Falkenhuin, ritter, her Reinzke 
Domancz scolasticus czu Glogau . . her Bernhard von Grano- 
wilz, deme wir di Sachen haben empholen czu vorschreiben. 
Urkunde des herzogs Ladissla von Opel 1393 codex diplomat. 
Silesiae 2, 63' (in 63* Variante kegenwortig den edlen unsern 
getrewen mannen); Maximilian von gottes gnaden Remischer 
kinig unserm getreuen lieben Hans Kaspar von Laubenberg, 
unserm rath und ohristen veldhaubtman unser grafschaft 
Tirol, schreiben Maximilians von 1442 ösierr. weisth.2, 119; dem 
edeln unserm vicedom in niedern Baiern, und lieben getreuen 
Jobannsen von Stauf zu Ehrenfels, adresse eines briefes herzog 
Christophs von fiatern, Kuknnfr 6,129; demnach haben wir, 
als fürst und herr, aus fürstlicher macht und volkumenhait, 
auch mit rechter wissen und zeitigem ratt der wirdigen, 
wolgebornen, edlen und wolgelerten, unsern andechtigen, 



lieben und getreuen N. und N. unserer geistlichen und welt- 
lichen räthe . . ain gebUrlichs und notwendigs einsechen ge- 
than. gerichtsordnung des thals zu Evas (1550) österr. weisth. 
5,745; demnach gebieten wir dem edlen und ersamen, unsern 
getreuen, lieben Marthin von Pogmundtzu Payrsberg, unsern 
haubtmann in Evas . . das sie dise gegenwürtige neue ge- 
richtsordnung . . hanthaben und darnach geleben, fürstbischof 
von Brixen (l550) österr. weisth. 5, 745. 

e) datz uns unser lieber herr und getrewer vogt, der vest 
ritter herr Ulreich Torer von Eyraspurcke layder von todz 
wegen abgangen ist, und der uns und unserm gotzhaus, 
und unsern läuten und guten sein lebtag getreu und bilf- 
leich gewesen ist. probst und convent zu Beuerberg (1412) 
monum. boic. 6, 446; ich obgenannter Caspar Torer vergich 
. . daz ich . . der vorgenannten getrewer vogt , verantworter 
und Vorsprecher sein will, mit allen meinem vermügen und 
trewen. 446; ich N. gloh und schwer hiemit zu gott und 
allen heiligen, meim gnedigen berrn N. och der Stadt oder 
marckt und gantzer burgerschaft getrüer und fleisziger vor- 
geer zu sein, burgermaister aid ftetTeNGLER laienspiegel (1519) C5'. 
^) dazu haben die von unserer niederen landschafft mit 
uns geredet, wie ihnen als unsern getreuen landleuten solche 
Uneinigkeit zwischen uns getreulich leid als billig sei. herzog 
Albrecht an seinen bruder Sigmund (1467) Krenneb 6, 127; das 
wollen wir als euere getreue landleute untertbäniglich ver- 
dienen, rath von Deggendorf (1467) ebendoit; und wo wir als 
die getreuen unterthanen und inwohner des landes zwischen 
euer beiden gnaden reden, helfen und ralhen möchten, die 
landstände in Straubing (1467) Krennbr landtagshandl. 6, 125; 
ein getreuer knecht, unterthan, un serviteur, sujetfidelehovDEKO- 
Bdxtorff253; getreuer diener, unterthan. Scbwan (1782) 740. 
vgl. sp. 4509; 

wir müssen uns bei Zeiten tüchtig rubren, 

und können drum, trotz manchem schönen gülden, 

getreue unterthanen, nimmer dulden, 

dasz Franken eure pferde uns entführen. 

G. Hkrwkgh Pferdeausfuhrverbot. 

1]) im festen vertrauen auf seine alles umfassende gute 
solle die getreue burgerschaft . . durch treue gegen ihren 
sie liebenden landesfürsten . . gottes segen zu verdienen 
suchen. ChurpfaUbayerische oberlandesregierung. München 16. märx 
1795; soll dein getreues volk auf deinen mauern stebn? 

soll ihr getroster fusz dem feind entgegen gehn? 

J. E. SCHLBGEL 1, 123 ; 

dort taucht Wiener-Neustadt auf mit seinen zwei schwarzen 
türmen, diese wahrhaft gute und getreue Stadt der Öst- 
reicber. Grillparzer (tagebuch auf der reise nach Italien 1819) 
werke 19 ^ 195; 

rat und bürgermeister, herr, 

von eurer vielgetreuen Prager Stadt, (könig Ottokar) 6,26; 

alsdann begab er (Friedrich Wilhelm IV. in Berlin) sich auf 
den in gold und purpur prangenden anbau des Schlosses, wo 
der thron stand: gegenüber die flaggengeschmückten tribünen 
für die Vertreter der städte und des bauernstandes; da- 
zwischen tief unten die Innungen der getreuen hauptstadt 
mit ihren fahnen. Treitschke deutsche gesch. 0, 50. 

d") einzelne beruf sformen : l)) getrewe räthe vgl. sp. 4510. 

2)) also tuen die getrewen chauffleut hinder sich (iQ <lnc 
man), italienisch-deutsches sprachbuch 58* Brenner, 

3)) sol er ains getruwen artztes raut haben und das 
laxieren sol stulgang machen und harn. Steinhöwel regimen 
sa7ntatis 327 Ehrle. 

4)) aber es sindt yeczundt ettlicb, so bald ein kunstbuch 
im druck ausgaet, so kauffen sie das auff, das das selbe 
buch nicht für die einfeltigen solde komen . . als mit etlichen 
rechenbücher, die von getrewen [meistern an tag trewer 
meinung mit geteilt worden seiridt, der kann nun niemands 
schier keins uberkomen. Fabritius büchlein gleichstimmender 
Wörter, neudruek iS J.Meier; ein beschius dieses bücbleins an 
die getreuwen schreib schulers. 41. 

b) Verbindungen, die aus der geistlichen litleratur in die weU- 
liche übergreifen. 

a) gott der vil getruwe. passional 38, 91 Köpke; als ich 
solchen tag fortt zu reitten morgens früe an die band ge- 
nommen und den getrewen gott zu meiner vorhabende weytte 
raysz umb glücklichen heystand ersuchtt. H. D.KBAFTTretJ<n6; 
ach, du so mild getreuer goitl 
du Schöpfer der naiurenl 
warum verliesx ich dein gebot? 
wand mich zu creaturen? Spki Irultnaohtigall 

(anderer buttgesang) 112, ausgäbe von 1844; 



4509 



GETREU n 



QETBEO n 



aid 



vor tiolie roriten toll leb kObnlieb irtun: 

r [«treuer gou, hör' noch ainmal mala a«bo, 
BIX mich noch •Inmal uuihlK tu dir beian, 
dion will Ich frAblleh «elbii tum lode |<h'a. 

Tu. Koami Lutiitr> momaUg. 
ß) Itatriiiwe btrro ist er io älleo dneo worteo. waud« «r M 
);ele(ita iü er gehlcx (fidtUt dominut in omnthut vnbu $uu). 
NoTiia pialm U4, 13; getruwar berru ia alleu worteo linen 
linde heilieb in allen wercben ainea. Windbtrgtr ptalmtn 
(fehlt bti Luthkb; in anderen überultungen ander* Wendungen); 
dit icböiiite, woi die welle tchöpriing koniii. 
Iit eine« kOnlgt krun' auf eine« menicheu icheilel. 
rieht auf den icbwachern, halt im laum dao kübutro, 
dai gute thu und thu ei rasch und gern: 
sei ein getreuer heir emt deinen dienern, 
dann sind «le treue diener ibrei herro. 

Ubillpabib« vaiiiinte tu 'der treue diener leinee kerm' 
vijt. S*uia finleilung tu 1, &&. 

y) getreue cbristen; it waa Cristen unde getruwe. Hack 
Kölner ehronik 607; er irweite einin Abiare der crislen- 
beit uD(i niQcboti io zeinim gelriuwen cbristen. tpeeulum 
eecUtiae 05 KtUe; alle getreugen cbrittan, (vdiU/iJfli cArutani 
SCBHELLBB limbr. wb. 241. 
o) In iiigeiitllcher kere 

konde er wol tpreehen gotes wort 

allouibslben, hie und dort 

was er den knmken ein *tab, 

den er guten troüt gnti, 

als die getruwea hirien tuut. panional 11, 13 Kt^: 
dem selben getrewen hirien folgen seine scbeiTIein. Lutbib 
i«rmon von dem vucher 1520, 6 S*; der ander iat gwesen 
Jobann Eeoinmpady selig der löblichen slat Basal getreuer 
hiert und warlialTter leerer. Sbbästian Fiscbbb Vlmer dtronik 
17 Veesenmeyer; getreue scbüfer. Ulkim musenalmanach auf IVi, 
iwvdnieili 70; getreuer birt. W'iiland 18, 180. 

s) mit Onesymo, dem lieben und dem getreuen bruder. 
Kol. 4, (tbamma liubin jab triggwin brotbr. UiriLAa) codex 
TeplentiSf ebenso Lutber ; tiaer bftotare uiide diaer getriuwo 
brÄoder bebAotet iro s61a i'inde iro sinna ällero (Ate tutelator 
fidistimutque germanus). Notkbb {MareianusCapella)z^2'BatUmeT; 

d6 bcgundb och llAgen Uoie und Görndt 
und Ir getriwe mAge, sl b&tens d& best&n. 

Stiiel. tO'il, 3 Lachmann; 
darum sant ich zu euch Timotbeum, der da ist mein liebster 
sun, und gelrewe im berren. codex Teplentie 1 Cor. 4, 17 {ßdelis 
in domtno); aua derselben ursacbe habe ich Timotbeum zu 
euch gesand, welcher ist mein lieber und getrewer son in 
dem herrn. Lutbkb und die tpdUren überutter; da schrieb 
mir mein bruder Hannsz von Berlichingen seel. anbero gen 
Hornberg, ich solt zu ihm kommen, nachdem viel bauren zu 
Schöntbal ligen, solt ich ihm beiffen, damit sie ihn Dicht 
übereilten, das tbet ich nun als ein getreuer bruder. GOrt 
T. Bbblicbingbn lebensbeuhretbung neudruck 86 Bielmg. 

^) 1)) Cbyntiiius, der lieb bruder und der getrewe ambechter 
iro harren, den ich sant zu euch in disein selben, der mache 
euch kunt alle dink. codex Trplensis Ephet.i,H (lidelit minitter 
m domino; sa liubo bru^ar jab triggwa andbabts in fratijin. 
Ulfilas); Tycbicus mein lieber bruder und getrewer diener 
in dem herrn. Lutbkh und die tpdteren übersetser ; gißb, guol 
acalc inti getriwi : wanta thu ubar fobiu wari getriwi, ubar 
managu tbih gisezzu. Tatia» 149,4; sein her sprach tu im: 
frewe dich guter knecht vnd getrewer, wan du bist gewesen 
getrewe über luczela dink. codex TepUntis Matthdus U, 31 
(terv* bone et fidelis); genau lo EccEarBTH; vrowe dich, gfttir 
knecht und gelröwir, wan du ubir w^nic bist gelr^lwe gewest. 
Bbbkihs evangelwnbuch ; ey du fromer und getrewer knecht, 
du bist über wenigem gelrew gewesen. Lutbbr und die späteren ; 
wan der almSchtig gott erfüllet dus, das er seinem getrewen 
diener Beucdicto verbeissen hält. dta{o^ iuncfi Gregorii (147t) 
2, cap. 17; es ist ein grosz ding, sein ain getreuwer diener 
güttes. Kkisbrsberg predigten (l&io) 09'. 

2)) wie bald das bescheben, do bat «r vom fursten «in 
Urlaub genommen, mit vermelden, es sy uit mentscblich, vil 
weniger fürstlich gebandlet, ain getrewen diener on alle not 
an solliche greulirbe und unvernünftige tbier, an denen kaio 
lob oder er zu erlangen, zu wagen und in dodt zu schicken. 
Ztmm«rüeA« eArontifc 4, 413; es ist eyn burger vnd gSte penon 
di« bat eynen seinen getreuen diener . . kranrken auf die 
freyen Strassen tragen tbet Dekameron 605, li Eeler, r6««i« 
407, 16 u. a. ; Verachtung, welche in den bOsen scbelckeo v«r> 
borgen leigt, solch aber vff frum getrew diener, vnd vffhchlig« 
vndersassen allerley bantieruog {jeglichen berufs) nicht gericht 
sol werden. Rbiabard Loaicn v. Hadamab »m ^Mtf« /WsIm 






^tUKf» 



««< fTMwr ktnm kstsim ricAMUfm 
{im)m9i r m k ip.mmi «laftlrMNr 
•fl. •*«• i|k «Mt «• aMtUrilMt 
s«io« aatoritktttM gvlKllft«, ««ia* 
ikm nob«<llo|t feborcliea. Hbimb 4m 

*)) griUael Mir m«in kaaatrau Margwüt 
und scbwcgcr . . ito4 4m $titm 
26 Walü; PeU, dtf iBDfhog, hm 
den ich will ocnneB Klws; im 
lieb, die ar bell «od trAg« i4 4«r 
I« PkUognit i, 12«, || Uerwsn» ; tio §Hnm$r 
BosToarr SM, tfL •*•* tf. umt MkM jr tMtmm JM^fc* 
fraweo {ktmmtrfrn^ ktfla h Utrim) ti* Mck 4m kartM IsA 
•rlied. IIan» Sacm 3, I, ITt; BmmIAm, im §ttnm tlW 
liog des kunigs aus UmpartM. n. Ml ftflir Cllw; m ««bH« 
et a«iner getreuen Icibwache »coif dank, imt •!• Ika Jmb 
gefriszigen »cbwert aotrisseo halt«. HttJm mlttminkmwn» 

c) wihrend sieh in 4«n unter «) «ni h) tuffefUsrUm mt- 
Wendungen mehr der he^nff der pßickUrfktiumf § i$tn4 



Iw 



misehl steh bes denjemgen tubttantmut die 4mt ftkmU 4m 
freundsehaß, der liebe, dem rhelete» wlaa— »• ssa^ mitk 4m 
umfung^ im f ei u<«fa t « w «• ien k«iemmmtif0tä im täfMltm «a. 
et| w€9 wmif§mf 9ms wm mmmwmmmM ^svppr ms mmsb* 
rerlbdtriNfSM tu 4er itr freuuieektfl kiUen 4i$ nsM^siar «b^ 
saehwalkr. 

D) bit daruCr di gesanodteo unb goU will«, »«i«« gteMif 
getrau fürpieler b«y seinen gnedigalao umi fM^ifM kam, 
den gemeinen bundsstennden, zu sein arrt— <l, Mar 7% tmm 
von Absberg IM. wer. 114, 431. 

3)) man find! selten gelreu« ralftbcr. A. v. En tiitf4 Mk't 
wan ein ehrlicher gesöll in seiner I ' 

wOder vil gestudiert . . zo getrewM 
defenssion in fQrfallandtem scboUdtaHt 
sunsten . .uoderbaltten worden. II (J. IrafI frian 1. syl. ip»4M». 
2)) eine besondert berüJmtheU hol wUar im Irm m m rmkf$tmu 
der getreue Eckebari erlauft, sthem in 4er Iul4enm§$ m s di i i m 
dieser mit unserem beimorte gesthmfUkt (syt sf. 4M1) md memt 
der susammenkamg als die umieHkakmtm mi§m •«, iea« im 
lob hier wett liber 4m ge wikn ikk r 
dienstmannentreu» hinausfekt: 

du jprach geiogeDitcb« dar getriuwe Kckekart: 

-unter beider tuileo «owin oicbt langer gaepan*. 

den schilt begunde er vatxen. der geirlaw« mms. 

er sömte sich oicht langer, er iprauc i)f dan pH*. 

d6 wuot durch di« r6>«a der geirluw« Eclialian. 

dö begegeat« lose Bagena mit «laar »aall«« varv 

sie gruottSD dt aioaoüer. die reckea uovcrteit. 

ntcb dam guoten gruota der vrlda wan üf gaask. 
ro*Mlf«rt«« A. 3Nk 3M 

icAoR W. Gbim {deuttthe ktldema§e im «. 144) *at at I 
sam gefunden, dast und wie Stäekart hter 4e9 kku f^ smw 
tapferkeü, den ihm KriemhtU gemihren vtU, aUekm: iek tmliu 
mich nicht kU^seo eine ungalriBwt Meli, m, 1 
scheidende Wendung hat dute, all 
treue Eckeharis in 4»mm mrkUMt m im jmsfm 
erkalten, in dtetem aafealr«Me Irtt ttt thm l mmnt äk l 
dm Jugend auf; darum kmitpfen mf ~ 
der heldensage: und waz innen zu vögelte f«b«a w \mi l* 
beaorgend und zii eim z&btt meisier eia bar, 4ar »aa ata 
beild und waz genaot der getmwe Eckharth . . alaa MkidlM 
der keiser nach den jnogeo Harlaoga« aiaa hnim kla^ 
und bleasz sü «rbenkeo ; nnd das be*cka«fe. aaa Vaa äff 
den dag der gelruwe Eckbartb niU dokdBl ki taMSasi 
waz gertttao aia ralai wo kia, daa ar ia ir Iaa4 hrnrnf^t^ 
aUe mrrtit im Miiulutkn (tViaM.) •. 4. tafm «liLm 
Ml «a/«*fr pnfalt M< im traaa Eckart ia 4m «attMmfcAia 
MUmmurdet t&. iraä I«. iaMM*m MiMr, «• ift« «M 4<t aa^ 
mm VenutUerft •ertaipfl {m »dm m im arfirsa d as Haa aAaa 
V. Sacbsbshii« 38 «. «.): au der Ujretnfetm M im ^mm tkm- 
beferung dt pN/t« abgestreift : l»l aock eia «prtck wait; tik 
gewann dich ala dar ira« üaccarA. Avaarw «Ana* I, «i^t^ 
Mr*» 4,1 (»»*. efdltr Acaicota an ^pMkMrt): 

«in wallkmdar arall 

w«Q«i in «ln«B «ald 

J«a«aa«t dar traw Eckkart 
er aak bau otaakart 
vtl dtafs rar kartaaa tafaa 
4m fadacit Iah m ttufm 
wo vaa bham «a iaaakwa r * 
4«s kaia ira« wm aal ari. 
a. SAca a«fa | espr a sk ■*« 



TVot 90iltv%Mi miw viVBi ^Mnwvy 



«tMsaaa>liBiir.«<«f»a«i 
p*i fMralari wm !.■•'• 



4511 



GETREU II 



GETREU II 



4512 



die romantik, die auch diese gestaü wieder erweckt hat, gab ihr 
die mittelalterliche form zurück. Tieck knüpft unmittelbar an die 
vorrede zum heldenbuche an: ebensowenig kannte ich damals 
die Nibelungen, sondern nur das beldenbucb, in dessen vor- 
rede ein getreuer Eckhart erwähnt wird, der die jungen 
Harlungen beschützt und der nachher bei Hans Sachs und 
anderen dichtem oftmals sprichwörtlich vorkömmt und immer 
vor dem berge der Venus wache hält, werke i, 171 (Phantasus). 
an Tieck schlieszt sich dann Götbb tn seiner ballade 'der ge- 
treue Eckart' an und von da aus sind die heutigen Verwen- 
dungen beeinfiuszt: 

und der es euch aniqib und der es befiehlt, 
er ist es, der gern mit den kindelein spielt, 
der alte getreue, der Eckart. Götbb 1, 227; 

daher das sprüchwort: 'der getreue Eckart warnt alle leut'. 
F.L.Jahn toerüre 2, 2, 4S2 ; so blieb Lafayette sich immer 
gleich . . ein getreuer Eckart der freiheit, steht er noch immer, 
auf seinem Schwerte gestützt und warnend, vor dem ein- 
gange der Tuilerien, dem verführerischen Venusberge, dessen 
zaubertöne so verlockend klingen. Heine das bürgerkönigtum 
2. buch; alsbald nach dem thronwechsel muszte 'graf Anton' 
nach Charlottenhof übersiedeln, damit er dem könige als 
ein getreuer Eckart immer zur band sei. Treitscbke deutsche 
geschichte 5, IS. 

ß) das freundschaftsverhältnis. 

i)) 'ir sult zuo disen landen uns willekomen sin, 
mir und miner muoter. und allen die wir hän 
der getriwen vriunde'. dö wart da nigen getan. 

Nibelungen 54$ Lackmann; 

w& uu getriuwer friunde rät? 

waz tuen ich, daz mir liebet daz mir leiden solte? 

Rkinmar v. Hagenau minnes. frUhUng 166; 
swer mir ist slipflc als ein is 
und mich üf hebt in balles wis, 

sinewelle ich dem in sinen handen {in dessen Händen bin 
auch ich wie eirie kugel), 
daz sol zunstaste nieman an mir anden, 
Sit ich dem getriuwen friunde bin 
einlcetic urnle wol gevieret. Waltukr 79,37 Lachmann; 

ich han einen gelruwen vrunt, dat is ein goit geselle. Kölner 
handschrift von der seelen trost Fromm ann 2, 9; darum sol 
sich ein yeder mensch emsiclichen bei seinem leben für- 
sehen mit einem getreuen andechtigen freund oder gesellen, 
der im an seinen letzten Zeiten getreulich beistand, visio 
Tundali (1476); ich frey mich viel guter, lieber und getrewer 
freund, damit ich frewd vnd lust habe. Petrarca (trostspiegel 
1. buch, 50. eap.) 1596 Francf. 47'; getrewen und guten freunden 
ist man viel schuldig. Henisch 15S7; ein getrüuer freund, fidus 
amicus Steinbacb 841. Schwan (1782) 740. 

2)) was is nu din getruwe geselle? Kölner handschr. von der 
seelen trost Fbomhann 2,9; ein vornuSliger, de by getruwer ge- 
selschop gewant ys, schal ydt nicht darvör achten, dat he leve 
na vorlatinge syner truwen gesellen, jung, glosse zum Reineke de 
vos m Brandes; und als er solchs verrichtet, ist er (Heliseus) ]m 
(dem Heiisa) auff dem fuszstapffen nachzogen, und sein ge- 
treuer gefert und mithelffer allezeit gewesen und geblieben. 
JosKPHus jüdischer krieg (Frankfurt 1571) 145'; jene begeiste- 
rung dunkler thatkräftiger kriegerischer naturen von sich 
selbst, welche sie treibt, in sich den ausgangspunkt einer 
neuen weit zu sehen, eine begeisterung zu welcher sich dann 
die getreue beermannschaft bald hinzuzufinden pQegt. Ihmer- 
mann memorabilien 1, 359; seine erste manier zeigt ihn 
als garnichts; seine zweite manier zeigt ihn als einen 
getreuen Schildknappen der Schlegel; seine dritte manier 
zeigt ihn als einen nacbahmer Göthes. Heine (über Tieck) 
Deutschland l\, 2; Michelet und Quinet sind nicht biosz gute 
kameruden, getreue Waffenbrüder, sondern auch wahlverwandte 
geistesgenossen, parlament. periode d. bürgerkönigthums, 53. brief. 

3)) die oben erwähnte Verbindung getreuer gefert hat in der 
beiiehung auf Achates, den fahrtgenossen des Aeneas (ßdus . . 
Achates. Aeneis 1, 188) besondere Verbreitung erlangt, im 17. Jahr- 
hundert bildete diese Verbindung geradezu den titel für reise- 
handbücher: Martini Zeilleri 'fidus Achates' oder 'getreuer 
reisegelert'. Ulm 1661. 

4)) der Verwandtschaft nahe stehen die naehbarn: was beiszt 
denn täglich brot? . . fromme und treue oberberren, gut re- 
giment, gut weiter, friede, gesundheit, zucht, ehre, gute 
freunde, getreue naehbarn und desgleichen. Ldther kleiner 
katechismus, vgl. Mfr.LER die symbolischen bücher der evang.-luth. 
kirehe 360 ; da reit ich als ein getreuer nachbar ihro fürstlich 



gnaden zu ehren und gefallen. Götz v. Berlichingen lebens- 
beschreibung 85 Bieling. 

y) Verwandtschaft, liebes- und eheleben, die einzelnen grade 
der Verwandtschaft nehmen namentlich in der geistlichen ausdeulung 
das beiwort getreu an (vgl. sp. 4509). sonst ist die Verwendung 
des adjeclivs im besonderen für das liebes- und eheleben beliebt, 
sowol in lockeren Verbindungen, als in formelhafter erstarrung. 

1)) Tristandes wip Isöt. 

si sprach 'ouwe grözer not 
der ich hän vil armez wip . . 
Tristan herre, ich enkan 
noch enmac, getriuwer man, 
dich überwinden iemer m6. 

Tristan als manch 1296 //. Paul; 
zwo getrewe eheversipte hende förderen mehr als acht frembde. 
Fischart Garg. HO neudr.; neun getrewer weiber. H. Sachs 
2, ZOb Keller; 

mein freud hatt ich verloren 
mit kümmerlichem schmerz; 
die wird jetzt neu geboren, 
lieb trost mein betrübtes herz, 
weil mir gott wiedergiebet 
ein getreue weiblich zier. 

V. Hauszmann neue hockzeit- und brautlieder 9 (1602) 
bei Hoffmann 1, 111 ; 
getreuer liebhaber. Schwan (18U) 439; getreue gattin bei 
Grillparzbb vgl. sp. 4505; 

ich bin ein mann, und hab' 
als manu ein recht auf ein getreues weib ! 
und fass' ich dies mein recht und ihre pQicht 
in ein ^efühl zusammen: frei und stolz 
möcht' ich da sagen : wer so sprach, der log. 

Hebbel {Genoveva) l"-*, 167. 

2)) die formelhaften Verwendungen gehören dem briefstile an, 
der sich seil ende des 16. Jahrhunderts auch im privatverkehr 
der formen der kanzleisprache bedient : dein gethreuer herlzlieber 
preüttigam unterschreit sich Balthasar Paumgarttner der jüngere 
von Nürnberg (l582) in einem briefe an seine braut (litt. ver. 204) 
s. 6 u. a. er redet sie an: erbare, tugendreiche, gethreue, 
freunndliche, hertzliebe, verthrauhte braut, ebenda, vgl. auch 
s. 11 ; als ehemann unterschreibt er sich: dein gethreuer lieber 
hauszwyrth. ebenda s. 38 u. a. als braut redet ihn die Magda- 
lene Belieim mit du mein herzalerliebster getreuer breudigam 
an; für die Unterschrift begnügt sie sich mit ihrem namen. aber 
andere frauen jener zeit gebrauchen auch hierfür dieselbe formet : 
datumb den 16. marzi im 1566 jar Sabina Christof Scheurlin dein 
gedreue ehwirtin. vgl. Steinbadsen geschichte des deutschen 
brief s 167. ähnliche briefformein sind noch heute üblich: vgl. 
G. Keller 7, 213 u. a. 

2)) das adjectiv wird auch auf andere wesen übertragen, denen 
menschliche züge geliehen werden, 

a) in der thierwelt ist vor allem der hund ein oft belegter 
Vertreter dieses attributes: 

a) ein guter gelrüwer bunt der sinen herren gantz lieb 
bat, der vörcht gantz nieman. Geiler v. Keisersbehg christ- 
lich bilger (von dem hunt des göttlichen Opfers) 136'; die vierd 
eygeiitschafft die ein getruwer bunt an im het ist das er sinen 
herren warnet und billet, und in weckt. 138°; daz du nit 
an stat eyns bescheidnen cbristenlichen getrüwen hündlins 
eins götlichen ernstes, eynen unsinnigen wüttenden, schelligen 
rudden. 140' und and. ; der ritter mit dem getrewen hund. 
H. Sachs 2, 274 Keller; Simplicissimus sähe einen mahler die 
trew in gestalt eines weibsbildes mahlen und neben sie 
einen hund als dasz getrewiste thier. vgl. sp. 4502; 

wie dachs und Windspiel alle hunde heiszen, 

die eigne rasse aber unterscheidet 

den schlauen spürer, den getreuen Wächter, 

den nüchtgen Jäger, Schiller (Macbeth) 11, 72; 

mit lächelndem mitleiden . . . schaut es hinab auf die be- 
kannten kläffer, die mittelalterlichen rüden, die getreuen 
pudel und die frommen inöpse von 1814. Heine das bürger- 
königtum im jähre 1833, 9. brief, 
ß) in der thier fabel: 

o Reinke, getruwe vos, 
de hir sus gravede in dit mos 
dessen schat mit diner list, 
gott geve di ere, so wor du bist. 

Roinke de vos 2477 Lübben. 

b) übertragen auf die geisterweit: 

holfuung bleibt mit dem leben vermiiblt, die schmeichelnde göttin, 
angenehm vor vielen, die als getreue dämonen 
mit den sterblichen menschen die wechselnden tage durchwalleii, 

GöTUE (AcUiUeus) 4ü, 351. 

c) gebrauchsgegenstände werden fersonifidert : 



4513 



GETREU II 



GETBEU II 



4ftl4 



SulpitUl er«! (olUi du lehwaogar laiD? 
nun «oltfl du gar die bliiurn krlageoi? 
Ihr Int« fobwelgi, und gebt Ihr gir niehu «In, 
denn eioar muii ilcb doch b«trüg«n. 
nein. Oberlaiit ile der nnlur, 

und dum ihr lo Ketreuen bi-tie. (i»t.L*»l (äiskrankrfrau)t.i\h, 
3) talilrtieh vtrbreiM und m annig /alttg er art tind die Ubtt' 
tragungtn auf kOrperthtil* und orgunt des mtnuhen, auf mtnith- 
Uchi Ubimdutterungtn und einnchtungtn. 

a) unter den körperlheiUn tleht du band als lymbol dtt bt- 
titut {Ih. i, 2, 352) im mitlflpunklt weit ttriwngtrr formein d*r 
nehtsspraeht, andtre rn-ftiiiifuny«» bltibtn mthr vtrtintfU und 
beruhen auf poetiiehtr friihtü. 

n) in die hand vird betitt lu tigtntum übtrgtb*n, in die 
getreue band wird dir beiiti nur anvertraut: 

1)) by wolle wir sagen von gelde, das zcu getrauwer banl 
gegebin iil, wy man dorunib clagen aal. Magdtb. fragtn 175 
Bthrini; in einer Variante: gelt, das eyme zu getruer baot 
und ciu bebalden iat gegeben; 09 gülden, dy Jobannei 
Kuracboer rzu gptrawer baut und Ton bepbelunge wegen 
geantwort bette. 342 u. a.; unserm lieben getrüwen Heinrieb 
vogt zu Weyda und allen seinen erben und nacbkumen, und 
{tetnen bevollmächtigten) Ruczke von Swanberg, Heinrieb von 
Geracb . . Heinrieben Heussen von Ranberg zo getrewer hant. 
Urkunde des burggrafen Friedrieh von Nürnberg 1S"3 monum. 
Zoll, 4,242; das vor uns kernen ial Janko von Zackeraw, 
unser lieber getrawer . . und reicbt« uff reclit und redlichen 
dem vroltuchtigen Janen von Neuemdorffe oucb unserm lieben 
getravren, seinen georben, elicben nachkömen, und zu ge- 
trawer band den woltucbtigen Heinrichen Dzaluscha von 
Kobilitcz und Nieolayen Zwoysky von grossem Calinavr die 
dorffer und gutter seines teiles. urkund* von 1454, codex 
diplomat. Siletiae I, 127; von erlegen babe oder guter tu 
getruwer hand, genannt depositum. Worms üadtrechltreformation 
von 1499 5,2, litel 4 Überschrift; einem etwas zu getreuen 
bfinden vertrauen, däposer une chose entre Us maint de queleun 
KuNDBAU-BaxT0Brr238, ebensoScavikn (1782) 740; getreue band 
wird in den Hülliäcben saltzwerken genannt, wenn ein 
Hallischer bilrger die tbal-gUter auf seinen nahmen brachte 
ond sieb damit belehnen liesze, die doch nicht seine, sondern 
einea anderen Hllliscben bUrgers wflren, dem er auch die 
nutzung davon abTolgen Hesse, welches aber in des ertz- 
biscboffs Ernest regiments Ordnung gantziicb . . . verboten. 
HOBNBa na<ur-, kunst-, berg- . . lextkon (1717) 706. 

2)) im Ittsten beispiel tritt die volkstümliche neigung lu tage, 
die worlgruppe, die innerhalb des satsgefügts eine bestimmte 
Stellung einimmt, auch ausierhalb des satigefüges und ohne jeg- 
liche einschrdnkung zu verwenden, so geht der abstracte sach- 
liche begriff geradeiu auf die person über, mit der er gewohn- 
heitsmdssig sich verknüpft, neben gelreubander {s. d.) wird der 
mandatar auch kuriweg getreue hand ^«nannt.' des haben wir in 
und irn erben oder getrüwenhenden ala si obengeschribeo 
aten für die selben fUnftzig phunt beller zu kauf geben . . 
den aewe der nebst . . Ingelstadt gelegen. Urkunde von I34ft 
monum. Boiea 41, 187; getreu banl, manu/fedelis. vocab. incipient 
teut. HuPKUKr93 (in ilteren vocabularien manußdelis von tröwun); 
getreue hand, homo, cujus fidei aliquid tuto eommittitur Schbbz 
542. vgl. auch sp. 4521. 

3)) dieser formelhaften ausprägung gegenüber beruhen auf 
freierer grundlage Verbindungen wie: getreue band gebt durchs 
gantze land. Frisics handw.-ceremowen 63S; 

urplötzlich trug una feuriger ungestüm 
tum weiten obdach: und von geeichelteo 
laubliranien all. umhOllt die »cheitel. 
rOgteo wir bund mit getreuem bandsehlag. 

J. H. Voss (buHiltiteiche) rdml/. ged. (1925) S, 6. 
ß) l)) die feflehten getreuwen nasen werden vi! Schluckens 
vnd truckens hedörffen. Fischart praktik, neudruck 29. 

2)) wie mancher bat die heiligsten m&nner still an den 
winden hängen, und sie aeben ihn an mit ihren frommen, 
getreuen äugen, er aber flucht und achimpft und iflgt doch. 
AuKRBACH schatskdstUin 2, 80. 

')) und wirft, mit milder band, 

da« kern in den getreuen bueen {faithfHl botom) der 
erd' in daa gtbrochn« land. 
Rrociis 7a/ir«it<i^ri« {frUUing 48); 
so röhrt zu aeioer Jugend hOtten, 
lu seiner uuschutd reinem glück, 
vom fernen ausländ fremder siitea 
den OQcbllIng der geaang lurOck, 
In der natur getreuen armen 
vor kalten regeln lu erwärmen. 

ScBiLLBR {maoht in fMCNfM) tt, U. 



«)) 



00 weit Ml. awalck atocM wl», 

•k al Mt foiHwM Hf. ^ 

^ *»* mmn M««kr<&« atki 

4M al« jBtr afi «idMi flkt. 

lofc k—4« »|>- tf n tk f U*. m*u»Am Nn-Wt.^ 

^)wu initm ItUkm »ävM *r Hf^ a» mm4m mäk «» 

menukUeken m§9t f$nu im thtrtrwtmtm ikm» mHämi ' 

verbunden: nuot, gtmAlk, b«rt, atoo«. 

') und« mta kar GAwala, 

a* Um «IM IM ««aolMla 

«ni wart MtMck mi4« t—t, 

barro Iwala «lai« faaollaa. Iwttm tlW: 
•10 getreues gemOlb, mm im l0uU Roa»tA9-B«STMrr M- 
*b*nto ScawAN (nu) 74«. 

fi) allla gatriw« kertao 

prOevaa 4U«o arntttn 
uod de* gr«cMi ■■ca— ak. 

dar aa 4w hftaMakaii «Makaak. 

OnatAa «aterr. raiaMkrMtt tIM* fIgmUUr, 

•10 getrewes berU ist aller ehren wartk. HiaMca IM7: la 
aller eil schrieb ich an meioa ailargelreuesU «mI« ti» mm 
flüchtige teilen. F.LJabü werkt l, s. 4M; wftitaal . . i». 
neben doch deiner aelb auch nitt fargtaa«*« m4 «m air 
zu viel bundertthausennd maleo ioo data gctkrtftM Ikotts 
freunndlicb und fleytaig von mir, drin«i& vcrtkraolkao, §»- 
gruest sein. Balth. Paumgartner an setne brtut (UM) MMrar. 
verein 304, 11; waa mir in der stille zusetzt, 4m iM 4<r fW> 
lust an guten kameradeo ond getreuen benaa, 4<a ick ImI 
taglich erfahre. G. FaKTTAC (aiu eimtr Utkun statff) tJ, IMu 
y) hit gat gauiuw« ainna. 

iA lAi ar mira la frObte keaaa. WairaAa Nrs. IM. M. 
e) auch die tkaiigkeü, du von den kiefmtkäkm mai mfutm 
ausgeübt wird; iia wirku%§en, ite aaa Man «aafrfM«, aataM 
das altribut tu sitk. 

a) in poetischer überlragunf: die getreo« thrto« , tlkr«, «ia 
bild, das in der diehtung des 17. aufdts\%.)k. kffi§ oiiliiiäht. 
die teeilge. so wir aaitit tu grabe iragaa. 
der auch die ganisa audi gairaaa ikrtaaa aakaaifel. 
Meataroaat (IMi) MaM^aAMt 
lata olohl Jaaus. von walcban dar Sarapk oa allM «nkkllaT 
ach Ich weist «a noch wohl, wla ar ua< iabrfta^ilf aaaanau. 
wie er uni an die klopfende bruai mit tlrtlichkelt drficku. 
eine getreue tibre dar hold, die leb' leb noch lamar. 
natiia sein aoillti. IcU kttstie tie auf. die seh' Ick aa«k I 

KLOrataek Mtniat I. ( 
himmiiacba freunde, kein trftstander blick, und 



jener retreuan der goitbeli und meoicbbeit wAHIna «Mraiw 
soll mir nngeaahn in dam gflitilcbeo auga licb 11 ^aa, I^A. 

ß) 1)) katriwu minna, ßdus affecltu. glMttm aa ffwraafaMf 
Stbimmbtib-Sibvkrs 2,331; 

getriuwe minoe aueta birt. 
weit goi, uns wiban niemer wIrt 
eraettet dtn dienest und din inkl. 

7Vuf«a tU mtmek IIS1 Nat: 



teirewe lieb von bartiaa. 

Ean olcbi wol a«in obo lehaanaaa. 



H 



U«?} 



hier denk Ich dein, e vatarlandl 

wie. tief In barm varaanki, 

dei Jüngling«, der am klipp«ntiraa4 

aaln grao in •cbllTbruchitrummi _ J 

getreue liebe denkt. M«TTai(»o^ (dar /NaädNa«) l.ttl. 
3)) getriwer belnllcbe <ol ich dir waeaa ■■kerali. 

SiM. 7»s. 4 (.- 
wa getypt oder tus guot frflnd nii in getrtiwrr ainikak 
die milszen vergao, ala aoa dise fabel bcwyaec SrgnaOwtL 
Esopus [littertr. ver. 117, 171); von der getraflao waraa fr a aa l 
achaft. Decameron M2, 9 C<^i«r: blstoru dar gatrewta (raaai- 
achafl .\gathoeli. H. Sacr« 2, 182 itiltr. 

3)) als die, so getreuer maiauaf aa4 a«a K. M. mtA f. Qm. 
bevelch, auch beider Uil bit, M a ri — ali M4«feaa4tor kadk 
bemOt gewessen, entwurf itr ftaaiattoariea, 4b Ibi aa^raf 
der gläubiger des A««ms UocksidUer «a iafslari mk ui it n 
(1530) d. stddtechron. 3S, 332. s^er ial ftratfr Mrr <~ 
form beliebt: treuer meinang t.4.; aoa ial aM 
gnaden irre ein getreues leid. 4it I nm i i Umii im 
kntog Christoph, Kaiü^BB t, I3&. 

y) D) doch hatten vrir ein waoif wailer aiücfaoa lil 
profandi halb: aber i uoaarar gcaallca kaadea wir aH ar> 
halten, sonder logeo Ober nnstr gt<r«ka vataalMB Maria 
in denn flecken, ao verhiMt wir ioaaa, «Ir «alMM ir 
warten . . aber aia kSadea oit gar la 48ai 
wordenn aie aabpracki aad daraaall 
ScaaiDiia retae tvT i aag ai a al il ,- gatfw «ai §ikmmm» «al> 
tiebuog. M«rr. wriitk. I,»«: iat aa4ara 4ia i M iai t t aaja 
nit fSkod aio gatraw laiif oiat. S. Fbascs cim* (IMM % *f ■■ 



UeaHfiMm 
itliti t«. 



4515 



GETREU II 



GETREU III 



4516 



gleich jener in der Vesta tieiügthuma, ', 
erhielt getreue, rege Wachsamkeit 
die heiige lohe rein und schön 
und hoch vom anbeginn bis heut. 

BÜRGER (Georgia Augusta) 2, 139; 
wonnelohn getreuer huldigungen, 
dem ich mehr als hundert monden lang, 
tag und nacht, wie gegen stürm und drang 
der pilot dem hafen, nachgerungen. Iverlust) 2,123; 
nie friunden baz enbdt 
so getriuwe msere deheiner slahte man, 
als in der herre Sifrit und ouch sin vater hat getan. 
Nihel. 713, 3 Lachmann; 
ausz der tragedi hab wir sehr 
zu Warnung zwo getrewer lehr, 
die erst, das man vor krieg sie hüt, 
was man vertragen kan in gut, . , . 
zum andern vor der blinden lieb 
hüt man sich und vor ihrem trieb. 

H.Sachs {traqedia von Troja) 12, 315 Keller; 
der selben getreuen radt will ich gebrauchen. Ä. v. Eyb 
Spiegel 106*; und war sein getreuer rath, ich solle solches 
bedencken und nit abschlagen. Götz v. Beruchingbn lebens- 
beschreibung , neudruek 98 Bieling; dass jr soll wissen . . . 
das jr mit den verstorben in Christo werdet auffgezuckt und 
Christo entgegen kommen und stets mit dem herzen bleiben, 
ist das nicht ain mechtiger und getrewer trost. Kablstadt 
sermon vom stand der christgUuhigen Seelen a 2'; einfeldige 
aide und getrawe dienste di mir hat (gethan) Sczepan mein 
schultes des benanten dorffes Smeiiersdorff. Urkunde von 1418, 
codex diplomat. Siksiae l, 115. 

3)) daz der hochgeporn unser gnediger herre, her Friderich 
burgrafe ze Nuremberg, hat angesehen unser getreuwe dinst, 
die wir im und sin fodern oft getan haben und noch tun 
sullen. gelöbnis derer von Hirschberg (1361) monum. Zoll. 3, 413 ; 
den fürsichtigen, ersamen und weisen burgermaister, rate 
und gemainglich den schieszgeselien der stat Augspurg . . . 
entpieten wir schützenmaister und schieszgeselien gemaing- 
lichen der stat Nürmberg unser willig getreu dinst allzeit 
bevor. (1457) d. stddteehron. 10, 231 ; 

ach nu wol aulT! es mus geschieden sein, 
mein getreuer dienst ist mehr dann die helllt verlorn, 
ist gar verlorn. 

das las ich, schönes lieb, auf! ein anders hoffrecht staa: 
damit scheid ich davon. bergreihen (1531) «. 67 J. Meier; 
getrewen dienst belohnet gott. Henisch 1587; welche (beute) 
mir mein rittmeister, meiner getreuen dienste wegen, alle 
schenckte. Simplicissimus 1, 174; bei Götz v.Berlichingbn ü6«r- 
roiegX vertreulicher dienst neudruek 103 u. a. Bieling; 
ah! dies soll'st du thun, 

und nicht mir sagen! — von mir's wär's büberei; 
von dir getreuer dienst. 

Voss Shakespeare {.Antonius und Cleopatra 2, 7) ; ebenso 

bei Schlegel und Tibck; aber ein treuer dienst (a good 

strvice) bei Eschenbubg. 

4) eine Verengerung des bedeutungsumfanges hat unserem 

adjectiv für einen bestimmten gebrauch die lebensfähigkeit auch 

in der neueren zeit gesichert, anknüpfend an nomina und verba, 

die eine nachahmung, eine wiedergäbe, zum ausdruck bringen, 

erhält der begriff verläsziich, zuverlässig eine bestimmte prägung. 

wie unter III dargestellt ist, nehmen an dieser sonderbedeutung 

auch freiere und lockerere Verbindungen teil, als die attributive 

Verwendung des adjeetivs es ist. die ganze entwicklung gehört der 

neueren zeit an. 

a) a) gegenwärtiger aufsatz enthült in einer getreuen er- 
zählung alles, was mir von diesem auszerordentlichen manne 
bekannt geworden ist. Lichtenberg {lebensumstände von J.Cook) 
Schriften 4, 139 ; hätte die hiesige Schaubühne einen drama- 
turgisten, der ein getreues tagebucb über die gegebenen stücke 
führte, der mann möchte ehre einlegen. Sonnknfels briefe 
über die wienerische Schaubühne (1,4) Wiener neudrucke 7,30; 
aus demselben lehrreichen werke hätte Harnisch eine getreue 
darstellung jener zeit entnehmen sollen. F.L.Jahn werke 2, 378; 
wenn so etwas erlaubt ist, und solche Verfälschung als ge- 
treue berichterstattung gelten darf, worauf ein getäuschter 
und leichtgläubiger sein urtel baut: so ist der schamlosesten 
lüge und list thUr und thor geöffnet. 2,261. 
ß\ gleich liesz ich durch des künstlers band 

getreu den wohlbemerkten zügen 
ein drachenbild zusammenfügen. 

Schiller (<tam/// mit dem drachen) 11, 276; 
aber die bilder, die ungewisz wanken, 
dort aur der fluth der bewegten gedanken, 
in des mannes verdüstertem blick, 
klar und getreu in dem sanfteren weibe, 
zeigt sich der seele crystallene scheibe, 
wirft sie der ruhige spiegel zurück. 

[Würde der frautn) 11, 34; 



unter dem weitverbreiteten schirm einer pinie ward mir das, 
über jeden ausdruck erhabene» Schauspiel eines wüthenden 
seesturms gewährt, für dessen grösze der phantasie eben so 
wenig ein trefifender maszstab zu geböte steht, als für die 
grösze der Alpen, trotz der getreuesten darstellungen Vernets 
und Alberlis. Mattbisson (1825) 4, 142; gleich am ersten tage 
nach meiner*^ankunft stellte mir der oheim . . die aufgäbe, 
seine besitzung, haus, garten und bäume, genau und bedäch- 
tig zu zeichnen und ein getreues hild davon zu entwerfen. 
G. Kblleb {grüner Heinrieh l, 6) 1, 282 ; das ganze viertel war 
noch genau dasselbe wie vor 60 oder 60 jähren und lieferte 
ein getreues abbild des Paris des vorigen Jahrhunderts. 
G. Glasbnapp leben Richard Wagners 1, 287. bei anprtisungen von 
photographen wird noch im zeitungsstil der neueren zeit dit ge- 
treue ähnlichkeit gewährleistet. 

y) eine getreue abschrift. Schwan (1811) 439; so wie ich 
auch dabin gestellt seyn lasse, ob dieser abdruck {eines briefes 
von Rotteck) ein getreuer oder nicht getreuer sei. v. Bottbck 
Verhandlungen der II. bad. kammer, i. juni 1835; von meinem 
Innern und äuszern befinden folgt hier ein genauer und ge- 
treuer abdruck. frau rath an Göthe. Schriften der Göthegesell- 
Schaft 4, 354 (17. nov. 1786); die schwankende rathlosigkett der 
preuszischen poIitik fand in der Willensschwäche, in dem 
bedachtsamen zaudern des herzogs von Braunschweig ihren 
getreuen ausdruck. Treitschke deutsche geseh. 1, 128. 

b) nomina agentis: 

ein sujet, das der ganzen weit gehört, 
wird wieder eigenthum, wenn du dich weder 
auf einem plan, der zum gemeinplatz schon 
geworden, tummelst: noch, wie ein getreuer 
demfith'ger Übersetzer, wort für wort 
den Griechen nachtrittst (fidus interpres). 

WiKLAND Horazens briefe (2, 3) 2, 221 ; 

und nicht . . wie die lateinischen Übersetzer in Beizens aus- 
gäbe, oder . . wie sein getreuer nachtreter Massieu übersetzt. 
WtELAND Lukian (1798) 4, 341 anm. 

lil. formelhafte Verbindungen in freierer syntaktischer Verwen- 
dung, tntsprechend den unter I, 5 gegebenen darlegungen sind 
hier nur vereinzelte gcbrauchsformen zu erwarten, innerhalb derer 
die altüberlieferte form des adjeetivs, die in lebendiger Verwendung 
verdrängt wurde, ungeschwächt sich erhält. 

1) Verbindungen mit nominibus. einige formelhafte Verbindun- 
gen wurden schon oben (l, 8) auf mehr äuszerliche gründe zurück- 
geführt, dagegen scheint in der beziehung auf begriffe wie ver- 
sprechen, Vorsatz, Überzeugung u. a. die präßgierte form auf 
alter gewohnheit zu beruhen, die entsprechenden Verbindungen 
stehen meist in losem zusammenhange mit dem Satzgefüge : getreu 
seiner eignen Überzeugung, gebilligt von seinem eigenen 
herzen, bestätiget in beiden durch den prüfenden beifall der 
weisesten und besten seiner Zeitgenossen . . geht er seinen 
eigenen weg. Wieland {gedanken über eine alle aufschrift) 
13, 241 ; meinem versprechen getreu benachrichtige ich sie in 
dem ersten augenblicke, da ich festen fusz gefaszt habe, wie 
es mir geht und wie man mit mir umgeht. Gbillparzer (an 
J. V. Sonnleithner) briefe (1892) 25; ich selbst befand mich, 
meinem vorsatze getreu, nicht unter den zusebern, sondern 
auf der bühne {bei der ersten aufführung der ^Sappho'). Selbst- 
biographie, werke 19*, 74. 

2) Verbindungen mit verbis. 

a) vereinzelt und aus der altern spräche belegt ist die Ver- 
bindung mit dem verbum substantivum und einem dativ des 
Zielpunktes : 

darzu ist diese kunst (die alchymie) getrew, 

ausz gutem siiber machen rew. Schwartzenbero 120'; 

liebe mich ich bin dir herzlich getreu. Göthg briefe i, 155 ; dasz 
der mensch ihr so hündisch getreu ist. Lenz waldbruder W; 
dann schwuren wir . . getreu uns zu sein. Borger untreu* 
über alles, in der unter II, 4 erwähnten neueren bedeutung : 
meinen eigenen aozug hatte ich längst in Ordnung gebracht 
und denselben grün und jägermäszig gewählt, da dadurch 
eine grOszere einfachheit möglich war für meine geringen 
mittel, doch war er noch erträglich getreu, eine grösze 
zimmetfarbene decke . . verhüllte die unvollkommenheiten. 
G. Keller {grüner Heinrich) II, 13) 1, 363. 

b) ungemein beliebt dagegen und in der neueren spräche vor- 
zugsweise verbreitet ist die prädicative Verbindung mit bleiben, 
sie kommt meist mit einem dativ des nominalen objectes ver- 
bunden oder in reflexiver construction vor. 

a) bleiben sie meinem tbal getreu, und fühlen sie, dasz 



4517 



GETREU III 



GSTBEO in 



4518 



ich mich oft mit ilinfO unterball«. GümuhrUfti i.St4: leb 
bulTe ilii bleibst iiieineni garten getreu. 0, SW; 
wür' ober aucli der w«tili«r grOmia xelil 
au läutern noch >o reich, an tugeoü Doch lo kahl, 
dir, mein» einige au<crwlhlie, 
ilii, niitini-ii allitr« Iroti iinil meiner äugen licht, 
dir trau Ichi tu, du bllrbit getreu an deiner pflichl, 
und rehlieti nicht, wenn auch diu beiie relilin. 

WiKLAN» {Uberon (». 73) tl, 38S: 
ilaon viele der letzteren einen nur zu steifen klang haben, 
lieber dem nitpn hergehrocbten gebrancbe und den damit 
angecrbtfn virlinali(;en rehicrn gelreu zu bleiben, alt neue, 
nQlzlicbere erllndungcn aufzunehmen, anmirkungtn üb*r iii 
vtrliisttrung des grirtidbaues (Salib, IGOO) vorberichl; er bleibt 
noch immer der gcuolinbeit jener guten alten zeit getreu, 
wo mao ea fdr pdicht hielt, am ende einet briefes Ton 
einem freunde mit einer zierlii hen Verbeugung zu scheiden. 
üOtri {dtr somutltr) 3<), 6!); hatte er nun im leben einen 
wirklieb alterthümliclieii geist, so blieb ihm derselbe auch 
In seinen Studien getreu. GOtmk {übtr Wincktlmann) 87,22; 
man erwartet — ich wcisz nicht weiclies? ungeheuer, so 
bald von l'liilipp dem zweiten die rede ist — mein stück 
fallt zusammen, sobald m»n ein solches üarinn findet, und 
doch hoffe ich der geschichte — das beiszt der kette von 
begebenheiten — getreu zu bleiben. Schiller {vorwort zu Don 
Karlot) &, 3; der consequenleste von allen war, um mit einem 
recht grossen mann zu enden, der Verfasser des hamburgi- 
ichen politischen Journals, der seinen noteo zu der, lange 
vor der französischen revulution erschienenen Übersetzung 
des Plutarch getreu verblieb und ihren werth in diesem 
Journal erlUIrtele. Klinger betrachtungen 1,235; zahllose ge- 
malde enthalten die zimmer und sUle dieses weitlSoOgen 
gebaudes; aber ich wollte nur dies einzige betrachten, oder 
vielmehr anboten, und blieb meinem vorsatze getreu.MATTnistON 
(I82&) 4,217; auch blieb er unter strOmen bluts, die er flieszen 
liesz, im ruhigen be.sltz seiner herrschaft, so lange er dieser 
Staatskunst getreu blieb, und verscherzte diesen vortheil 
nicht eher, als bis ihn geldmangel zwang, der nation eine 
last aufzulegen, die jeden ohne ausnähme driickle. Scuillkr 
{abfall der Niederhnde n) 7. 320; 

da wird der niiith so lebendig und Trat 
und die grnzio bleibt der natur getreu. 

Th. KöR:<Ka fiinnerungen nn KarUbnd 18; 

im ganzen und groszen gicbt -es keinen dichter, der der 
Wahrheit des Icbens so getreu bleibt, und doch ist er durch- 
aus im gebiete der pbantasie mit seinen einzelheiten. 
0. f.UDwic {über Shakespeare) ges, Schriften &, 2TI. 

ß) angstlich aber ist es anzusehen, wenn ein starker Cha- 
rakter, um sich selbst getreu zu bleiben, treulos gegen die 
weit wird, und, um innerlich wahr zu sein, das wirkliche 
für eine lüge erklUrt. GOthe {geschichte der farbenUhre 5. abth.) 
M, 103; nur im innersten meiner plane und vorsatze, und 
Unternehmungen bleib ich mir goheimniszvull selbst getreu. 
briefe 0, »7; 

wjo du dir «elbst getreu bleibst, bist du'» mir, 

uns trennt das Schicksal, untre herzen bleiben einig. 

Scuillkr (Wultensliins tnct 3,2t) 12, 3t!>. 
3) das ausgesprochene adverbium erscheint mit dem mannig- 
faltigsten bedeutungsgehalte. in älteren belegen bringt es Vor- 
stellungen tum ausdruck, die heute mit Vorliebe durch dm ein- 
fache treu oder das vollere getreulich (<. d.) gedeckt werden, 
dagegen sind ihm für die neuere seit die unter II, 4 besproclienen 
fälle sugefaUen. 

a) a) einem lierrn geschicklich und getrew dienen. LEaM\nN 
flor. U4; dienet euerm herrn getreue. Scnocu komödie vom 
Studentenleben 9<s Fabricius; 

90 liebet ihn, ihr, die getrew 
euch gi\nizilch ihm ergeben ! 
ach liebet ihn ohn alle schew, 
als lieb euch ewer leben. 

G. It. Wkckiurli:« (/uu/m 31.34) 1,118 Finekeri 
gehl, fragt: was denkt wol Adelheido? 
sie denkt, mein mann liebt mich getreu. 

GiLLBRT (a<-r (•).«:« tranm) i, 71; 
wenn, spricht er, nur ein paar getreu verliebter seelea 
XU Ohcrons und Titaniens ruhe fehlea, 
so schwebt des Schicksals werk an der Vollendung raad. 

WiiLAND tObaro» 0. IU.S) 22,303; 
doch weiss Ich eins, das schafTl mehr wonne 
als jeder priani der morgensonne, 
als rosenblfiih' und liliaiireis: 
das i.>^t, gelreu im lierslen sinne 
Sil tragen eine rroinme minne, 
davon nur gott im hinimel weist. 

GiiRit. mimmWimI: 

IV. 



tmtm wftekMT. 41* tä— tumtin 
iU lleM tuA fMre« Uwecta, 
verfelfwa stell, ••• «lief tuscki. 
■«r allea Mer a*4 ^sa4i««takaak«s. 

Gaiiaat (dt* kmiUm wddttwt I* Wi 



der brUr ward foriMachMki, ««4 fir •■*■ 
ward auch der brltf getmi MMlM. 



ß) 



täar MMrte HeOatarf 1. 71. 

aus »alof« f itickea freaMS 
wird aur der w«b« alcM militlj 
wird er geneckt. «arfalM. firtitl. 
s« alaait «r ••la«n »lab. fiefci »ijuri 
der seti6prno( sablick aiaeftl ika ( 
nad (tbi getrau durch» lekaa ulL 
s«la ben bleibt Ibak bei |«4«ai schHn. 
ein streagar rkbter, treuer railMr. Cavrsa I. tlti 
doch bArei. w«|ehf n dank Ibai •!•• freaadlaa (ßikl 
gelreu «erwabrt« »la 41« »cbwicbvo >«ia«r )«faM 
uad tetii« sie dem r»«a aiaaa auf« grab, finaaa 
{uuf ü»Uttttmmam»lmM»a*kmifynis 



erlagst 4> 
wirklich eloaa. tebtide i»— «• k«Ue« 
vorderiAhn' Ibra au» oad kHag« dk*« 
aalr turOek: uad tooi gewiaa« jader 
Jagd bewahr Ich dir geuta dk balfw. 
l'LatRa (41 
bewahr« aslr's! 
and gibit du'» olcbt lurftclie. 
nicht mir. den onbaseltMigte«, 
sc trelTa dich dar gAuar i— arl 
der über dam rollt, der dl« irt«« iMlciH. 
nun lal mir laicht! aun räch«, racfce. raeMI 
er bat mein gut. verwahr« mir» («ueo. 

GRiLLrtaiia l9<j<Y'««w'> A*. W: 
dieses heft . . soll ein oolenbach metors bm«M Mb, Mirf 
diejenigen tOne, welche roeio herz angiebt, gttn«, n ■ H aer 
erbauung in künftigen setleo, tafbewabreo. Riatii l•f^• 
büehtr l,s. 

b) <i) sie weigert »ich: der malar II««» nicbi aseb; 
er bai. bis »le «» Ihm T«r»praeb, 
und »chwur, «la recht seuau sa faaiaa. 

CtLuav tiatfmd»} I. Mt 

die nackten und scbrecklicbeo rieseageklofle im S cWl a f , 
welche . . den Tartarus der alten eben eo Utttoi tmi §»• 
treu darstellen. Mattbissom (l»2i) 4,11; 

das ideal, was sela« brust ampfaagea, 
ertcbuf getreu dl« kuaslgeObl« baad. 

Ta. KöRKta St. Mt4a i 4mi 
vielleicht dürfte der aatz gellen: waa der dichter feirn 
bildet, das iit schön. HcaarL tagthfUhtr 1,61; Goizot . . iai 
ein wackerer, fesigesinnter mann, und Cslamalta hat ia ciMai 
vortrefflichen porlrait sein edles lu<zere «ehr getreu abkealar- 
feit. Hei7(| Parlament, perioät des b*r§tTtiaiflkmm$f S. thtf, 

ß) und doch soll •Ir'a alcbl «tbiaa. 

•ie wird die neuigkeh, so bald ala baaa. anAblaa, 

weil jene »i«. tu scbweigca. bai. 

sie Ihut «s »o g«tr«u. als ea frau Orgoa Ihat. 

GsLLiRT [Jit mui^iäH\ I. IM; 

aber da ich, wie du weiszt, gute quellen in Pari 
mannern verbunden bin, die die regierung nabe 
konnten, so war ich dadurch in den slaa4 ftaMily 4ia 
Schilderung dieses gefährlichen ounifes, «ia icb giaaba» tkm^ 
lieh getreu entwerfen tu kennen. Tiica {dtr p k it m t i u mt t ) 
2ti3; eine beillose bocbmacherei, da der at»ers«tiar der mf 
Schrift getreu allerlei greulicb« dioge nach der reib« a^ 
bandelt. F. L Jabm avr*« 2, 199: t%L t¥e9 (111. 1) ef. «l«; 

wer schaffet dl«*«a ocha aUr vaas bat*«, 
das j«de» «ort g»ir«a atlr wlaJa r gibc 

GaiLi.rARtaa (iMaaba aaa lasltfisa S, 41 I«, MOb 
y) Ich wollte, freund, aa sa b l tt e a 

eaucblO«*« Bir und I b a i aa 
»o scharf g«treu ima mm aa, 
wie di«*«m wackarn jtg«r 
•«In blick und »ein« fcug«l. 

4) dit tubttantinttuHg ßittU m 
g^ramtktformen its tUrtkuliwn täf$ltm. im 
steht der reUtnt febraaeft, dir ikk aiMf 
^edi^nl, der ebialaff ftkrtmA tritt aaHkk. 

a) der relaltae fthrtmtk ta der (trm 
ftittst iowel ««1 dn mntrt II, I, a, S dttfekf/k* r wbüriw br- 
SMAaayra, üt «ac* aas dn mnttr II, t, b. C. ka ftvtkrt m fsa4> 
kein» aaWralaaf««. 
a) f mt iscb e Ärateafr« 

Ibas will Ich biir riifiirn ftanw»« tm^m aiW«. 
so wir aa blar biginaca; wanaa INafcl«<a. 

Onata I. S 4B,: 
IftatsaoM Azf^rta tatet M 41a«a Naiibaa ^Mittwoa). 5of ata 
t« |H«lat »4, »: eiim» sa tt, s. r, iL IM, I ■.«.: <* • «<r 
die «ine minn«»tan, di« »ina JcaaMalaa, 4ia oiat gtifiaea 

SS4 



4519 



GETREU III 



GETREU III 



4520 



veimanen. speculum ecclesiae 122 Kelle; diesz ist nun der 
erste theil der oö'enbarung Jesu Christi, in welchem er 
allen seinen getreuen, von seinem hingang zum vater an 
bis zu seiner glorreiciien Wiederkunft, die für ihre zeit, Jage 
und umstände nöMiige anweisung giht. Stillinc {die sioges- 
gescliichte der christlichen religion) 3, 117 (1841). 
ß) rechtliche beziehungen. 

i)) Hiidolff von goltes genaden Römischer kunig zu allen 
Zeiten merer des reychs enbieten allen des Römischen reyclis 
getruwen die disen gegenwertigen briefe ansehent unser 
genad und allez gut. bestdligunijshrief Rudolfs zum Augsburger 
sladtrecht von 1276 m Meyer ; und darumh haben wir im und 
seinen erben unverseheidenlich zu bürgen geseczet die edeln 
unser liebe öheim und unser liebe gelrüwen, die hernach 
geschriben sten. Urkunde burggraf Friedrichs von Nürnberg 1373 
mnnum. Zoll. 4, 242; als wir die ersamen unser burgermeister, 
rad unde bürgere gemeinlichin zcu Mpzck unsere liebin 
getruwin vorsaczt unde vor uns globet habin gein der edeln 
frowen Jutten der VVendinnen von Ilburg, iren sonen, iren 
erbin unde iren getruwenliendern. Urkunde landgrafs Wilhelm 
in Thüringen 1379 Leipziger Urkunden 1, 44; unsern lieben ge- 
treuen, a nos amis et fiaux Schwan (1782) 740; to cur loyal 
fricnds Ebehs 6t3; indessen alle zusammen 

laute klagen erheben und nur zu deutlich beweisen, 
wie er mein sicher geleite verlelzt und wie er mit stehlen, 
rauben und morden das land und meine getreuen besch.^digt. 
GöTHK (liciiieke Pouchs) 40, 154; 

er (Louis Philipp) wird sich wohl eben so lange bei seinen 
lieben getreuen aufhalten. Hebbel briefwechsel 1,200; an dem 
nämlichen tage, da dem preuszischen könige das jauchzende 
ja seiner getreuen entgegen scholl, richtete in Paris ein 
mordgpselle ... die tödliche waffe gegen Ludwig Philipp. 
TREirscnKH deutsche geschichle 5,52. 

2)) eine schriftliche Werbung gelhan von dem fürsten der 
helle seinen lieben getreuen, titel eines pasquills bei Schade 
2,99; ob nun wohl jener ketzer gestorben und ein schröckl. 
ende genommen, so liat doch der teufl'el noch heutiges tages 
seine liebe getrewen, die hierinnen keinen fleisz nicht sparen, 
und groszon schaden anrichten würden, wenn nicht gott das 
loch, das der teuH'el durch seine dreckführer gerissen, wieder 
zunehen wollte. Creidis nuptialia oder hochzeitsprediglen {Augs- 
burg um 16)2); der teuffei ist ein betrii-gor, ein lügner und 
ein mörder von anfang gewesen und die Statisten sind seine 
liebe getreue. Schupp 2, ebenso 157 (Hiob). 

3)) und des selbenn nacbles ein Ire getreuen zu Nastasy 
sante. Dc/rameron 362, 30 Keller; alle meine getreuen haben 
gräuel an mir. Luther Hiob 19, 19 {ältere bibel: mein ratgeben); 
was für nacbrichten, Elisabeth, von meinen lieben getreuen? 
GöTHE {Götz 4, 1) 8, 116; seine gelreuen. Schiller {Fieskob,b) 
3,111; und vor ihm in blinkenden reihen 

die schaaran seiner gelreuen. 

Tu.KöiiNER yraf Hoyer von Mansfeld; 

die reichen gnaden und Privilegien, womit die hofburg ihre 
getreuen belohnte, sicherten dem kaiserhause auch an den 
protestantischen höfen jederzeit einen starken anhang. 
Treitschkr deutsche geschichle i, 16; feinsinnig errieth er 
{Friedrich Wilhelm IV) alle wünsche seiner getreuen und er- 
füllte sie mit königlicher freigebigkeit. 5, 13; 
l'iau Avcntiure, spröJe unholdin 
... wie trau Mallere von der schwarzen klippc, 
von der das lied der fcy Morgane s])richt, 
erfreust du die getreuen deiner sippe, 
mit kahlem haupt, mit narheuweh, und giclit, 

Scheffel Avenliure 189. 
y) syntalitiche besondcrheiten : 

1)) belastung des substantivierten adjeklivs: liebe gelreuen 
s.o.; der Kaiser nahm sich in Regensburg seiner verfolgten 
getreuen an. TREirscHKE deutsche gesch. 1,193; der betrogene 
monarch weisz nicht, dasz man ihn dazu braucht, den wirk- 
lichen diensteifer seiner noch getreuen zu erwürgen. Kli.nger 
betrachtungen 1, 12>. 

2)) singulargebrauch: und darumb senden wir zu euch den 
strenngen Friedericben von Flerssbeim, ritter, unnsern diener 
unnd lieben getreuen, schreiben kaiser Sigismunds. Flersheimer 
Chronik 15 Waltz; und haben derhalben den edlen iren und 
des reichs lieben getrewen, Philipbszen grafen zu Eberstein 
zu uns hie her gen Ulm, abgcferliget. S. Fischer Ulmer chron. 
2:t9 Veesenmeyer; vor dem 30jilhrigen kriege war auch noch 
jeder deutsche des Kaisers und reiclis mittelbarer untcrlhan 
und des kaisers uul reichs lieber getreuer. F. L. Jahn werke 



2, s. 526: für seinen lieben getreuen hallen, intimum aliquem 
habere. Kiiiscn cornucop. 178; 

die Schäferin erschrickt, dasz sie Damötens kusz 
so unvollkommen schmecken musz. 
du zürnest, ruft sie, mein getreuer? 

Gkllert {die vevchwiegenhe.il) 1, 109; 
er schwur «ich bei allem, was heilig und hehr, 
auf ewip zu ihrem gelreuen. 

liÜRCER (/es Pfarrers t lichter von Taubenheim; 
ergreif ihn, imd mit ihm das Steuer 
der Weltgeschichte, fass' es keck! 
ihr .schilT ist morsch, ihr schiff ist leck, 
sei du der weit erneuer! 
du hi-^t des heirn erwählter und getreuer; 
sprich, wann lodern wieder deutsche Teuer 
von jenes schilTes deck? 

G. Herwhgh die deulsclir polte. 

b) der relative gebrauch ohne bestimmte hervorhelmng der be- 
ziehungen findet vor alleminder anrede statt: getreuer, lieber, 
wir senden dir liierinnen . . schreiben Maximilians von 1442, 
österr. weisth. 2, 119; 

ir lieben getrewen, merckt mein sinn 
weil ich nun alt an jarcn hin 
und Ich hah nun zwen junge sön 
königklicli adelich und schön 
. . nun belilh ich euch an den enden 
beyd sön. küniy Kart zu Castitia hei II. Sachs 2,3, 58' ; 
ir üehn gelreun, nun ist mit wehr 
gerüst das gantz römische her 

gewaltig zu der Parthen krieg. Hans Sachs (köniqin 
CIropatra) 20, 189 Kcllcr-Cülze u. a.; 

liebe gelreuen, gut kayserisch. Henisch 1587; ebenso in den 
schreiben der bavischen herzöge: unsern grusz zuvor, lieber 
getreuer. Krenner 6,129; unsern grusz zuvor, weise, liebe 
getreue. 6, 132 «. a. ; 'lieber getreuer' ist der gewöhnliche 
titel, welchen fürsten ihren ministem und räthen in kanzley- 
schreiben geben, dagegen sie die minister und riitiie eines 
anderen fürsten lieber besonderer zu nennen pflegen. Adelung 
2, 638; und also ihr getreuen, lieben, 

willkommen aus der näh' und ferne. 

GöTHK (Faust 4761) 41, 10; 

'ch griisze die getreuen, lieben, 

versammelt aus dei- näh' und weite; 

den weisen seh ich mir zur seite, 

allein, wo ist der narr gehlieben? 

(Faust 4728) 41,8: 

ha sie rufen, meine lieben, 

suchend wo ihr hört gehlieben, 

hier getreue I hier der ort 1 

Grillpahzer (träum, ein lehen 2) 7^, 142. 

c) der absolute gebrauch: 
a) im Singular: 

der getriwe ist friundes firen vr6: 
der ungeiriwe wälenö 
rüefei, swenne ein liep geschieht 
einem friuode und er da^ siht. 

Wolfram Parzival 675, 17; 
nu beer dise äventlure 
der getriwe unt der geliiure: 
Ich enruochc urab d'ungetriuvven. 404, 12; 
dö bat diu dritte got, 
als noch ein getriwe tuot, 
daz er den im behuot 
und durch freuden gcniez 
des witihentums sl erllez. Otiokar 97690; 

das wort wird volent on die lüg. und die weysbeit wirt 
gepflanlzet in dem munde dez getrewen. Sirach ?H,^ in der 
vorlutherischen bibel (Eggestevn u.a.; man hat genug am wort 
gottes, wenn man recht leren wil. Luther). 
ß) im plural: 

Sit got ein rehter rihier beißet an den huochen, 
daj er soll üi siner mute des geruochen 
da; er die gar getriuwen üj den valschen bieje suochen! 
Walther 30, ".M iMchmann; 

darin soll uns keinerlei mühe, koslung, noch zerung zuviel, 
als wir dies ew. gnaden beiden als die getreuen wohl schul- 
dig zu thun seien, die landstände in Straubing (1467) Kren.ner 
landtagshandl. 6, 125; 

nun ewr giiad befelh, wir nach kommen 
als die getrewen und die frommen. 

II. Sachs (Otivier und Artus) 2, 3, 59; 

die gelreuen, Druidae, Druides, sacerdotes Gallorum Henisch 1587 ; 
und als er ihr das lebewohl gebracht, 
springt er zurück zum häufen der getreuen; 
er sammelt sich zu seines kaisers macht, 
und muihig blickt er auf der feinde reihen, 

Th. Körner treuer tod; 



4521 GETHEUK— r.ETHKU(iT 

'oUar liaU'ger IiiIk? Iieil'gir 

tit flu ichnner lliel— aber 

hl lleillii iiiclii paiieuü' - •rnllloh 

Kriibelii^niiiir iiaoiil' er «ich llllilr. 

uikI nur illo gelKiiuli wuilleii : 

lii dorn lllt/lg iteckt «la liairKer. 

II. lliiNi liuiuaucero Ufiiwla lien llairry 4); 
dann aber geh und blel auf diegeutuoii 
rloKü beriiiii Im uaniaii lomla. 
hei"! «I« •ich aiallan gewapuuel. bawehrt 
mit achild und panier, roll laiu' und •chworl, 
und floh varboiüvn Im nahen gaholi, 
bif Ich winke, bi« ich rufe. 

UaiLLr*»ziR ('/(tfl/reNniO S^ f; 
funkeln dir im haar die roten 
nicht wln blutig rolh« iropfcn, 
an* dem ht-rteu der getreuen 
auf ein TuUches haupt Keiraufett? 

Dif<c«L«TRDT {.-immKihe romantrn) 220; 
vgl mich die getreuen von Jever. 

(ItTHEUK, f. fidtt. veralUU verttdrUe biUung tum fem. 
treue {s.d.); altliorhdeulsch vertinuU gelnwa (iflArF 5, 4ßS. die 
mittelhoehdeuttche periodi btvonugte andere bildimgen, wiet.b. 
gelriuweclieit (Lkxbr l,94S), das sich in getrenheit (t.d.)fort- 
settt. das turäcklrvlen unserer form mug übrigens wehr in 
dem mangel litterariseher belege beruhen, denn aus dem 
14. Jahrhundert liegen vereinzelte belegstellen vor, die ihrriseitt auf 
tini grösieie beliebtheit der biUlung, namentlich auf eine gewisse 
Volkstümlichkeit sehliesten lassen, hierher gehört die Verwendung 
in der legende der heiligen '^t'ides': dis zeichen lel »ancte fie- 
Iruwe an Irin gotzhuse zu SIctzsIat, daz is' kunllicli und 
werlicli . . das mich saut Getruwe behüte \or dem ewigen 
fQre und das er die de^ler bas gelobe, so sage ime dise 
Wortzeichen, pergamenthiindschiift \\. jahrh. im klosler Neuburg 
bei Wien, übertetiung der tat. legende. Munk ameiger s, 5S2. .SS3. 
dazu vergl. die frau Treu bei il. Sachs. — aber du soll solicher 
gelreilw ingedenck sein. A. ?. E»b {Philoijenia) 2, 128 Herr- 
mann; wo hei ihm als viel nreyszheit und bOfligl\eit, als in 
mir getrewe erscheinet. i4ma(/J5 0, 371; 
wenn niemand« erTreuet mich 
wenn du allein, mein liöcliaier bort, 
gedonck und thu das williglicli 
und halt dich mein meiner getreuen bort. 

bcryrriiiun 33 Meier; 
wie mir jetzu ist vorgelesen, und ich mit worten gnugsam 
verstunden, daraufT mit getreuen geloht bähe. Ayrbr hislor. 
process. (1,6) 140 (I6S0). ein weiterer beleg liegt in der lusammen- 
setzumj gelreubrccher vor, vgl. gctruwebrecher, ^dcfraijus (dict. 
aiphabet, lat.-germ. \h. jh. Wiiribiirg) DiKrENRACR-WCLCKEi 618. 
GKTHKUtiN, verb. nebenform zu getrauen (s. ob«;» jp. 4420). 
der umlaut erklärt sich hier wol nidit aus unmiltelbarer ubkitung 
des verbums vom oben behandelten adjectiv getreu; eher maij 
die empfindung, dasi adjectiv und verbum einem und demselben 
tlamme angehören, ausgleichungen und Übertragungen veranlasit 
haben {vgl. getrau neben getreu sp. 4428). die umgeUiulete form 
ist neben deutlichen belegen für getrauen (gelruwen) aus reimen 
mittelhochdeutscher dichter tu erschlieszen. vgl. CiHinu deutsche 
grummatik 1 ', 195 ; 

wiff solt ich armer der 8wa>re getrluwen (vurinutr gptr\iwen) 

dai mir te leid» der kflnc wiero tut? 

des muoz Ich von ir duz elltuidu biuwen; 

dos wcrdeiit d& nach miniu ougon vil röt. 

dor mir zo l'üllo die liervart geböl, 

der wll mih «cheiilen von liebe in die ndt 

der ich gewinne vil miheliM) riuwen. 

lUR:<uEa V. lloRUBiH fiiiHiit>S(i'i(/5 p^Miling 114. 

ebenso bei Künbad v. WCbzburg; schwierig ist die frage in 
prosaaufieichnungen tu beurtheilen, wo auch graphische einlliust 
mitspielen: of die herre ok nicht gitriiwen ne wel dat dat 
kind to üinea Jaren komen si. Sadisenspiegel lehnrecht 2ü § 3, 
grundtext bei üomevkr; verhofTende, soliiche durch hilf des 
ullinechtigen, meiner herru und freundt und euch, wie ich 
euch dann getrewen will, wider die von Werdeaberg und 
meuigclichen unser widerwertigen zu behalteu. Zimmerische 
Chronik 2, 45. besondere ieachtung verdient der substantivierte 
tn^nifiv: aller böser bekorung anfang ist . . kleines getreuen 
SU gott. nachvolgung Christi {ll%1) 14'; wiszt ich, das du mich 
in lauter lieb und getreuen maintest. A. v. Evb (Philogenia) 
2,217 llerrmann. vgl, auch gelreue oben; fido, i. crtdo $t- 
trewen. mittellut.-hochd. böhv\isches wb. von I47ü Diefe.nbach 124. 
GETRELGT, participiales adjectiv zu treugen, frodknen (Wkis- 
HüLi) schUsisches wb. 100) ; getreugtc fruchte. Junker Harnisch -. 
gelreugte öpfcl, birn, pomi, mele, pere scecate, seccatelii Castklli 
(1730) 1308; getreugtc birn. Cubvi.m's 931; getreugte kirscbeo. 
ISO ; getreujjtü u:pfcl. 643. vgl. gelrückueU 



GETRKl'llAftüeR 



4532 



GETItKUIlANDEH, •., btUuf in ■•riprirff. 
fiAT äenjeiitgen, dtt la tttttttung und m ••fln§t M 
rechlsob)*cte i» tmpf4m§ uud Mrv4*ni«| nmmL ikt 
der wurtverbtmlung ist al>tm {»f. tin} umttt |«lrMM hMl fi- 
kenmetchnet morien^ duraui träUH Ulk vnk ät atktafUrm 
gilreuband, du i* toUeruehtm »*■■<« wad ««br» *•• 
gegnel. eint beUtbtt mtbnfmm tßnmik»mUi {f^ Umuktmia 
ScuMRLtBB l%037 •»» nkUit tkk mI dtrta*, dtitt k^r 4»t 
adjectiv nicht atttAutu, sondttn i» tmieiuntmntn fmm «ii 
genitiv zum bttugtitotte getreten m*r. du frmndke4twlmȤ mmtilM 
lieh je nach dem tuummenhtnfi und dem lUmdt dm «mfln$- 
gebers. grosu htrren lauen Jut gtuMdfU duttk ladmttm 
besorgtn; teslurendi ernennen UttnmnUfctUbttker ; piäütki, 
frauen und unmündige brddrftn einet tttkltt€titel4n, tiU§» im 
bestimmten füllen emer mitteliperton. 

1) wir l-ridench von gute* gnadrn burcgr«ft ta Utrwm- 
berg, bekennen und tun kunt ulTeolicb . . da* «ir . . gellMl 
scbullen dem edeln unserm lieben getrüwta Hcioricli fofl 
zu Wejda und allen seinen erben uod nirbNai, mA 
Itarzke von Sw:inberg, Heinrich voo Gerack dMl jtgfirg», 
Heinrich von l'Liben und ileinricbra Iteuaaca «ob BaaiWrf 
zu getrewehant, zwei lausen! gescboke und boodert |Mck«k« 
preiter guter Kreiperger grosen . . . und weon« «ir, odat 
unser erben in, oder «einen crbeo, oder •einco gcUMwc»- 
iiandern alsot bczalt haben, *o schulen wir . . 4i« . . fa4l 
ireu wegen mit dem gelt beleitro ungeverlicb uacs §mt fftU» 
iu die slat. Urkunde von 1373 moayai. /oU. 4, Sil; titr ak 
der vor^eschriben artikel einer, oiler »ie alle alao akltf f»> 
halden nürden, als üben gescbribeo siet, •« bat «r o4«r 
sein erben, oder sein getrewebandcr mabt oode (««all, 4m 
hernach geschriben biirgen manen zu leiilen. uekuadt burf- 
graf Friederiehs von yürnberg 1373 moaa«. ZolL 1, 143; da»» 
die edeln berren . . mit freyem willen und mit ittmmfikr 
hant vcrkauHen und gaben uf rebt und redlich den triMra 
mannen Lüpolt von llehenburg und Kberbarl «od llfnkors 
turoherren unseres sliftes zu Wirtzburg uod iraa «ritM m4 
nachk&men oder gelruwen henden oder WMl ü dn fßktM 
machen oder verkaufen, utk. won |}41 aMaiiai. Baka 41, IU 

2) wir Albrecbt und Friderich voa goia goadeo burcgiafM 
7.e Nürnberg, verleben und tun kunt an dUen bnf, dtt «ir 
. . verkauft und ze kanffen haben geben unsara IkWa g»> 
trewen Gelpfral dem vetern, Heinrich dem Suo4«r aad Cäm- 
nit dem ßebeim, burgern zu ünollzspacb, die ga tw wih e a d tr 
sind des ersaiuen hcrren, berrn Heinrich des Bckaia MfifM 
. . die bernacb gescbr.ben gut, mit allen iren gflHm. urtmad« 
von 1357 monum. Zoll. 3,313; also, wenn un«er einer voa 4rr 
Stift stirbet, er sei kurberr, vicaner, oder der plarrer «aar, 
die zu der stifl von alier gewnnbeit gebureo, djx sein g*- 
treubander, die er hat genommen bei sein labentige« loh^ 
oder an dem totbette, oder daz capilel, ob «r mm Uaaa« 
hander verfür, suln und mügeo sieb underwiaiea allct dm 
gutes, besucht und unbesucbl, das er lazzco bat, aa4 aala 
damit tun nach irn treweo, als io «inpfohlen isl. ctfiaBmak 
des St. Gumpert-sliflet zu Antbaek 135» BMca«. ItU. «,»•: fr> 
treuht-nder, ireubüuder, aMaa/iJeiii, taatuttt I rt^ m ta k, aei. 
der kirciie zu Herbur» 1369 bei Aa.iOLai MM|f« >• daa i 
glossaiien (179s) 36. tbenu m«rd*n dii flf ii 
pfalzgrdßn Klisabttk {BtidMetf lUt) ttr /n ik t m n amtaMrtm 
bischof Sici^us fo» Sftitr, ^uf ü. tu Sfuaktim umd dtt kW- 
schrexbtr Hermann tu Opp««Ama die letrAweoheadar mad itl- 
werter yenannl. ztitsckr. fuck. Ubttrlknmt tl, IM. 

3) das wir rebtir schult schuldig siu dar «üia fraaria 




genantir 
erin getruwenbcndern scu gebia und cta raicbia lar tdaasa 
vir und virzig »cbog btioiscbir groscbiB. mrkmmdt dtt «rv 
biichoftt von Magdeburg 140«, llOraa ttrfüuiß ßr anämkmada 
1,301. 302; »er es aber, da« der obgeoaal c«lnlt dar «k- 
genant seia erb« ait Tvrachen, als bUltch »er, aa«! ta * 
bau des erbe« suiuigk n urde fuodea aacli «rktalaaln r~ 
scbultheisen uod dem mertcil unser i 
wir den genanten crbca 
und erbeleil und 

iichan vergeben {dt hnta n a ttrnla ra y . aaranfasay itr pafta 
•ON Wtttktm (1323) uhtr dtt trimkL iktrHk. i l i t iii H i 1*1 
Stkridtr; das er uod alle »ia crbca adm um aod üaat «Wa 



B «ab bdiaMaafa «illaa irtr gatar 
aab «iacB galaa lal nuab aad ar te> 
ta ttatiriatanl. aarariaaam ^ f*/^ 



4523 



GETREUHEIT— GETREULICH 



GETREULICH 



4524 



vurmunt und gelruwenhender die vorgnanten veste Lyhental 
mit allen iren rechten eren gewalt nutzen und nulzlich sullen 
haben hesilzen und niezzen. Urkunde von 1350 monum. Boica 
41, 421. 

GETREIJHEIT, f. ältere bildung, die jedoch in Wörterbüchern 
bis in unser Jahrhundert hineinreicht, für treue {s. d ). die mittel- 
hochdeutsche zeit hatte hierfür das Substantiv getriuwecheitfnannij- 
fach verwendet, mhd. wb. 3, 10"'. Lexer 1, 948, nachtrag 204; 
mnl. getrouheid Verwijs und Vürda» 2, 1759; getrouwicheit 
2, 1765; holländ. getrouwheid tooordenboek der nederlandscke taal 
4,1855; getiouwigheid 4, 1859, vgl. unten. 

1) lalTent alle das wunder schouwen 
das got durch ir getruwekeyt 

an die kint bat geleit. 

H. T. BÜHKL üiocletian 9041 Kelter; 

uff daz daz die getruwe mildekeit und die milde getruwekeil 
des ediln furslin, lantgiavin Lodewigls, di lier dicke bewist 
hat gotisbusirn unde sunderlich dem wirdigin monstir zu ßein- 
bgsborn, deste baz ufünbar werde, so wirt hi beschrebin 
ein gescliichte daz wol zu merkene unde zu sagene stet. 
KöDiTZ leben Ludwigs von Thüringen; do der ricbter de groisse 
getruwecheit van in beiden sach, do vergaff he in beiden ir 
schoult und sehalt si quit. Kölner handschr. von der seelen 
trost Frommann II, 9. ebenso in der Kölner handschriß des 
Loher und Maller (15. ;aftr/i.) ll'; umb irer getrewkeit willen. 
Aimon bog. l, 5* (1535). dieselbe form wird auch in den vocabu- 
larien des ib. Jahrhunderts aufgeführt Diefenbach-Wülcker 618. 
am längsten erhält sie sich in niederdeutschen quellen: ghetrouweg- 
heyd fides, fideliLis Kilian K 3"; holländisch getrouwigheid 
neben getrouwheid Krahbb 1, 152. woordenboek 4, 1859. 

2) dos kürzere getreuheit erscheint zuerst in vocabularien aus 
dem letzten drittel des 15. Jahrhunderts, so im mittellat. hoch- 
deutsch-böhm. wb. von 1470: (idelitas getrewheil Diefenbach 124; 
ebenso im Nürnberger vocab. von 1482 und in zwei vocabular. 
ex quo Diefenbach und WCilcker 618; aus der litteratur sind 
die belege nur spärlich, doch darf nach den vielfachen anführun- 
gen in den lexikalischen quellen immerhin auch für sie auf ein 
reicheres vorleben geschlossen werden: getreuheit, la fidelitd, 
ßdelitas. didionaire du voyageur (i703) 144, fehlt in den späteren 
franz. wb. ; getreuheit, Ja fidelile, la fedelta Veneroni (1766) 
74 ; getreuheit, failhfulness, fidelity Hilpert 461 ; getreuheit 
6c» Cahi'E 2, 353. 

(iETREUHEBZIG, adj. neben treuherzig in der litteratur 
nur vereinzelt, bedeutsam ist die Verwendung des wortes in der 
lebensbeschreibung Götzens 6ei Steigerwald geworden, weV Götiie 
die stelle unmittelbar in seine eigene fassung aufnahm : so habe 
ich doch keinen gemerckt, der der kazen die schellen, wie 
man sagt, angehängt, oder die Sachen angriffen hett, dann 
der arm gelreuherzige Göz von ßerlichingen, der nalim sich 
beeder an. lebensbeschreibung des herrn Götens von Berlichingen. 
neudruck der ausgäbe von Steigerwald (1731); so ist doch jetzt 
da es zur suche kommt, niemand als der getreuherzige Gott- 
fried von Berlichingen, der der katze die schelle anhängen mag. 
GöTUE (geschichte Gottfriedens . . dramatisiert) 42, 72. auch im 
Schauspiel Götz von Berlichingen mit der eisernen hand, wo 
diese stelle wegfiel, wurde wenigstens unser adjectiv gerettet : und 
der getreuherzige ßerlichingen gab unerhört nach, wie er 
immer thut, wenn er im vortheil ist. werke 8, 6. 

GETREULICH, adjectiv und adverb. die adjectivische Ver- 
wendung blieb freilich immer vereinzelt und ist in neuerer zeit 
auf ausnahmefälle beschränkt, da für das adjectiv die einfachen 
formen getreu, trea vorgezogen werden ; der adverbiale gebrauch, 
der in der alleren spräche in besonderen formen und bildungen 
zxim ausdruck kam, beherrscht in der neuhochdeutschen periode 
den ganzen verwendungskreis unserer form, ähnliches ist in der 
niederländischen spräche zu beobachten; mittelnicderländisch ist 
getrouweiijc noch adjectiv neben dem adcerb getrouwelike. 
Verwus und Verdau 2, 1701; holländisch ist gedrouwelijk nur 
noch adverb, woordenboek der nederlandsche taal 4, 1858. 

1) das adjectiv. Graff 5, 4G5; mhd. wb. 3, 107". Lexer l, 948; 
getreöve-lic Lko angelsäclis. gloss. 3%b,ZQ; ih tuön imo ifiraer 
genada. unde min benfiimeda ist imo getriüwelih. Noteer 
psalm 88,29 (testamentum meum ßdele ipsi), ebenso Windberger 
psalmen; mein bund sol jin feste bleiben. Luther; mein 
bundt ihm treulich Eck; — der vil getriwelich geheiz der ist 
nu so crvullet über alle w6rlt, daz ouch wir suntare wir 
da geladet pirn ze dem heiligem gloubin. speculum ecclesiae 
18 Kelle; mit getrouweUcher besihte. genesis 77,21 Diemer; 



als tet diu kiinegin sin wip. 

diu enpfienc gfiwänes lip 

und ander sine geselleschaft 

mit getriulicher liebe kraft. 

Parzival 671, 4. älinlich 765,22; 
des ensol si nieraan schelten, solt er des engelten, 
der rehter trlwen künde pllegen, der hseie schiere sich bevvegeu 
daz er mit rehten dingen mehte nicht volbringen 
deliein getriwlichen muot. hlage 73; 

si gäben unde nämen 

mit getriuwelichem sinne 

in selben unde der minne 

willigen zins unde zol. 

GoTTFUiED V. Straszburg Tristan 12375, 
dö sprach der böte biderbe 'iu enbictet an den Rin 
getriwelichen dienest der gröze voget min, 
dar ZUG allen friuuden die ir muget hän : 
oucb ist disiu botscbaft mit grözen triuwen getan. 

Nibelungen 1133,2. ebenso 1321,1, 

ir gebet wart vil manecvalt 

und geiriulich der segen 

den si tele über den degen. 

IUrthann v. Aue Erec 5375; 

daz ir durch mich geruocbt 

die Siirherren bitten, 

daz sie getriulichen siten 

gegen uns iht entwichen. 

Ottokab reimclironih 227 Seemüller, vgl. 416- 

dö si ir sun niht langer sach 

. . dö vieT diu frouwe valsches lag 

üf die erde, aldä si jämer sneit 

so da; se ein sterben nibt vermeit. 

ir vil getriulicher tot 

der frouwen wert die hellenöt. Parz. 128, 23; 

ablr Maria nam ein pfund salbin tSres getrüwelichen nardi 
und salbile die fuze JhSsö und wischete sine füze mit iren 
lockin, und daz hüs ist irfullit mit dem ruche der salbin. 
Bedeims evangelienbuch Johannes 12,3; 

beschaid ich uns der msere 

getreullcher an gevere, 

unsere bort, werck, und gepaere 

mich Wolkenstainer vers6ret. 

0. v. W0LKEN.STEIN 24, 4, 6 Weber; 
mein getreulich dienen, dekameron 503, 19 Keller; getreulich, 
fiducialis, hoc e. inde adverbium. vocab. incipiens teut. ; gelrew- 
lich idem quod getrew Henisch 1587. der adjectivgebrauch 
wird von Heynatz Antibarbarus 2, 50 heftig getadelt, es liegt 
aber schon in der eigeaart unserer spräche, dasz sie die grenz- 
linie zwischen adjectiv und adverbiunt nicht scharf gezogen hält, 
in Verbindung mit verbis wie bleiben u. 0. werden auch solche, 
die den adjectivgebrauch meiden, an unserm worte keinen anslosz 
nehmen : dennoch blieb Sywald freundlich und getreulich bei 
seinem amt. FouQoi; ausgewählte werke 11, 29 {adler u. löwe). 
2) das adverb. Graff 6, 465. mhd. wb. 3, 107*. Lexer l, 948, 
nachtrag 204. 205. 

o) formen, catriulihho, fideliter Keronische glossen (triulihhu 
in den Hrabanischen glossen) Stein mever-Sievers 1, 156; con- 
fidenler l, 24; getriüwelicho fidelis bei Notker Ilattemer 2, 53l''; 
getriuwecliche Kon r ad v. Würzburg Engelhard 222 und and.; 
ghetrouwighlick Kilian K 3'; getruwentlik Reinke de vos 
2762 Lübben; getrüweliche Rolandslied 25, 25 W.Grimm; ge- 
triuwelichen speculum ecclesiae 10 Kelle, passional 204, 78 u. o. 
Köpke; getriulichen Nibelungen 808, 4; getreulichen Zimmerische 
chron. 2,473; getrüwelich passional 29,25 Köpke; getreuleich 
äst. weisth. (15. jahrh.) 6,18; getreulich Hupfuff 93. HtNisch 
1587. Castelli (l7üo) 139. dictionaire du voyageur (1703) 144. 
RoNDEAü-BüXTORFF 253. Bayer (l733) 288. Schwan (1782) 740 u. a. 
der Superlativ erscheint für das adverbium gerne in präpositional- 
verbindungen : auff das getreulichste. kynER l, \0 Keller ; dasz 
er {Josaphat) an mannlichkeit vnd gottseligkeit seinem uran- 
berrn, dem könig David, zum getreulichsten nachgefolgt. 
JüSEPHüs deutsch {Francfurt 1571) 143*. das einfachere treulich, 
das schon in den Hrabanischen glossen (Steinueyek-Sievers 
1, 150) neben der präßgierten form erscheint, wird von Luther 
sichtbar bevorzugt; es tritt bei ihm namentlich in den späteren 
redactionen der bibel an die stelle der präßgierten form, so z. b. 
von der ausgäbe von 1539 ab in 1 Macc. 8, 27 u. a. bei den 
Prosaschriftstellern des 17. und 18. Jahrhunderts läszt sich die 
abnähme des freien gebrauches des adverbiums und die ein- 
scliränkung auf bestimmte gebrauchsformen beobachten, Adelung 
(2,639) erkennt die präfigierte form nur noch für wenige be- 
stimmte Verwendungen an und Heynätz a.a.o, tadelt auch 
diese, der wirkliche Sprachgebrauch hat jedoch bis in die neueste 
zeit an einzelnen gebrauchsformen für die volle form festgehalten, 
und in anknüpfung daran den verwendungskreis derselben eher 
erweitert als verengert. 



4525 



GETnEULICH 



6CTKEDLICII 



4526 



fr) wie tben atigtdtutet, itekm hth im gtbrauehr dtt aitnbinmt 
Imere, vercinzrUe verbindungrn und gewoknkttltmäitujt, bii ivr 
formtUuiflen enturrung itch vfrengtnde morl§nifptn gtgenubtr, 
auch die bedtutung wird in dttstn gegentolt natürlich ktittn- 
geiugen, tonit ut für inte im tillgemtinen htTvorsuhtben, da$t 
$ie itarr bleibt und der enlwicklung sieh vtnehlittU: dU foralUlt 
mil fideltler bleibt durch alle iprachptrinden in geltung ; du 
flott* catriulihlio, eunfideultr der Ktronuchtn tipp* blnbt t(r- 
einnelt und ohne einßuti. 

a) di* losen, lockeren Verbindungen gehOm, wie tehon erwähnt, 
im wesentlichen der älteren spräche an. 

t)) vereinten nur ist die inlerjectionellt Verwendung; hier 
überwiegen adverbiale Weiterbildungen det tubitantivet, wie truuo 
(5. d.): 'tiiifli bald« uf uwar pTart 

und vlihet uf uwer »trat«. 

Kwax Ir det haldet maia. 

dat In gciruwalich mir l«it, 

wand Ir lu todai lamerkelt 

vallta mugei wol bl mir'. 

I>an. 364, 11 KOpke. vgl. dinu ß, 2)). 

])) losa Verbindung mit verbit. hier bleibt die grundbedeulung 
dtt adierbiums in voUtter frische erhalten. 

a)) bei intransitiven verbit ist die Verbindung lo(kerer, der 
eittßusi des tusammenhanges geringer als bei transitiven. 

a)) (lA lebte in BurfrunirSche 

vll iteiriuweclicbe 

ein Karre von gebnne Tri. Engelhard 3143; 

der gute blicbof Ilertolt 

dein wai dat volc gemeine holt, 

wan er was lugende rtclie. 

vil getrüwellche 

riet er vor den crUteotüm. livt.rtimehr.iyiL. Meyer; 

wax al freiuton triben 

in dnm hininirich, 

die dA gflirlulJch 

bellhen wortinTt 

au der 6 und konichan. 

Ottokar reimchr. 1890 SeomUter; 

den freund dir bringen tliut 

erbfal, geachenck und heyralguU 

hattu aber derselbnn kein», 

ao wll ich «eigen dir noch eins. 

fach an und arbeit enisiglich 

mit deiner hond gantx getrcwlich! 

oder treib einen kaiilTmanns-handel. II.Sacii« 

Utcriili'nnincj lier lieft freund) 'i\,ni hrtler-Göttr. 
ß)) dar tue kern euch GIselher, der achoinen Uoien kini. 

dö er Ir rede gehörte, er aprach gatriullchcn aini. 
Nibelungen MM, 4 , 

in eliioa jeden hauae 

sprach ich getreulich tot, 

biü In dos Tetxten klause 

mein geist »Ich gani verlor. 

HiRBKL {naclitlicher gmtt) werk« 7>, 05; 

auf dich, herr, dessen gnaden-thron 

atehts unaerm zuj^ang olTon, 

kau und will ich ohn forcht und bobn 

allxt'it getrcwlich holTen. 

(;. It. WKCKnaaLiN (;i.«(i/m 31,8) 3, 111 Fucher; 

ob ir le vetcrüche xuht 

gewunnei umle l'riundes muoi, 

so I4nt lurli kint, wip unde guot 

getriuweliche erbarmen 

und lasset mich tII armen. 

K.T. VVOaxRuao nchwanriiter \W>; 

Jr werdet einen oder den andarn error tu tadeln meiner 
gcirewiich verschonen. Krafft rtisen (M. ver. 01) 1. 

/)) dö niuiit engegen munde 

getriuwecliche strebete. 

K.T. WiJRXBtRe Eiioelhard 3113. 

b)) bei den transitiven verbis sind die factoren, die den be- 
deulungsgehalt des adverbiums beinflussen, vermehrt; hier liegen 
auch mancherlei ansätze sur forvielbildung vor: 

dai er ir wale und Ir spur 
wenie uf einen guten man, 
der sin lob al dar an 

?elruelich ?uchle an aller macht, pass. 9, 13 KOjßkti 
r lecljcher sin f<^h«i 
nAcli Im {(otrüwolSchen tet 
mil Tjl giUer andöcht. Iitl. reimchr. '."US I.. Meyer; 

gelreiilicben usxjeden, exstirpare radicitus. oberrrh. stadtrechte 
1, I, 10 Schröder; ain yeder möller soll . . . oinem jeden . . . 
seinen getraid . . . mit vieisz bewarn, getreulich maio und 
beraitten. württemberij. müUerordnung, Hkuhanii oputcula 249; 
von dem kayser Ottnil, was er bi;iz an sein ende erstntten 
und auszgrrichl, auff das getreulichste der byslori nach in 
6 actus gebracht mit 35 per^onen. regisler tu Aiacas dramen 
(I6IS) 1, 10 KelUr; sie sollten ulmlicb so viel «cbiüssel- 
biumen als möglich sammeln und solche getreulich mit sar 



BUdt bringeo. G«TSt (IT. IMiMn W4wätrf t krt l;n) ». m. 
jetzo geht wieder allM pn |it. 4tr Mrts«c IM »«W 
. . und wir fuhren aoa«r* wckM fllfMRdi «M artiiHii 

weiter. liOrBii brtefe 4,Wt; 

Klaub mir. Ich ffabl' dtia 1*14 f %Ut »U m 

Setreullcb i*tli«*i du de« «eliwef«« •«•<•. 
er rOek sieb rollend immtt MUderülHV 

Caitirsasaa (IfWta I, I) %*. IM. 
auf dieaem wege hat Preuaien scineo totkaO M fdM (•• 
treulich im schlepplaue gefahrt and Nm« fn$pm tm m- 
aittung und humamt^tl. W. Joa»*R «ai U. f»M tU$ h itr l 
kirche, Otnogr. berichte 3, IUI : roachlen al'en «afai {^ 
und labhaft ait. li. KriLia (^rAn^r neinrttk) l.m. 

fl) formelhafte terbindungm. 

1)) mit der prUpottlionatterbindung obn« gefihrd« (A, 4, l,Mn) 
geht da» adverbtum innerhalb des tamJfMis nfäl9 MMMMtS» 
hang ein: auch werden un^er herra tea Rtnrttrg In nli 
freund darxu geben zu unterm gtsckworfft tftr pai 4mi 
zil und gemainclich gleich und fMMto n Mto «sJ JMtktm 
sein gepQrlich recht tu geben gHTcaRch mmi oa anaa fr««r4 
und umb des willen, das die sack alle dester lOblkckcraM 
richtlicher gehalten werd. eintadung ier scAilanaMMr faa 
Nürnbeni an die schwäbischen stddte m einem futtlkimii» \W, 
d. ttddtethron. 10,293: dass dieselben ionoagaa alla 4«ctk 
zwen aus obgedachten kingklicber und forstOckcr |n4ia 
commissarien . . rechtlich und endtlich rnlsckcite w4as, 
und die partheien demselben entscheid on alle — lur— jaaBli 
komen und geleben, dawider auch weder aill Mck aa 
recht nichlt bandlen, noch fürnemen sollen, alle« falraaKck 
und ungefard, auch allen falsch and betraf bierio aasge- 
schlossen. Augsburger prolokM in stckn du knnktrtiu* itr 
brüder Höchtttitter 1590, d. Uddtechrn. 33, 333: aaJ tartcttta 
auch wissentlich mit dem brief, wa« wir in s« 
bestellen sQlIen oder mUgen, in solcher nuss, dsi 
dorfrecht binfflr under in gehalten werden, als «or 
s\aX and als die von allers her sint konwa gcCiwikk 
Ane geverd mil urknnd diti briefs. konßtwstUt» im 1 
und Wasser in l'artschins 1407, ötterr. wtistM. t, tl; itm mW 
ich also nachkommen, getreulich und obn alles gcfibrd«. 
Atrcb hittor. procets. (I, S) 140; getreulieb ohne gtflbrde, M. 
fidelüer oder bona fide abtque dole CaoviL 4, IM} 4aM ar 
alles getreulich und ohne gefährde eraehlct«. MaaipMMcM* 
Robert Pierots 3, 323 (1743 f.); 'getreulich und ohne gefihrd«', 
eine gewöhnliche clausel in allen TertrJgen. Aoatm« :,CM. 
'alles getreulich und ohne gefllv4«' M«bt oft an acblnsu 
der Terfanglichsten gerichUinstruMOta. Soiriuib' i, 741. 

3)) ebenfalls dem älteren kantltitia §Mrt äii 9trhm4mm§ 
mit leid sein an: wie ihnen .. soicka «Miaigkail » arli it aa 
uns getreulich leid als billig sei. hmr. In ä ip k t n iL «, ISI 
Krenner; soll er sieh fOrler der gesUlt fegeo andern »aai 
adel: wie gegen meinem lieben sun seligeo gex b acbea 
halten : were mir fflrwar fflr allen fn)m«a «M aM rÜlar* 
schalt getreulich laid. auuchrnben Ü.Wrifs «W mtimm 9m 
Butten gegen herxog Ulrich ^ ROchi<ic Hut$*n I, i». 

3)) bei den formrlhtfttn vtrbtndungen md ttrbit Ivfl «a trtttr 
linie eine handlmng, iit in das t n k Ok kt «itr 
eingreift, im gründe, jüngerer eaMeMMf «aApff^ 
die beziehung auf nßtk»hmmn§^ w iiitr Mnf aitr 
Wiedergabe. 

a)) für den trsUn fUt Hifen «tu* dllir« urhM afrw fsr, 
ii« $p4Ur wititr ansgtsteirhtn mi. 



a)) SU goit was tII rtlaa 

Ir andacbt vad Ir gebet. 
das ti nll alles viise lei 
aod dran geimlickeR «acht i 



ua.\\ 



rmM.\n,m ugket 




der TOD PrOxeo lel alsaa 
geirAweltcli. als es Isa geiaau 

Uvtdmi, nimdktm. mt» i.i 

ich wir! mit jm r«4en alt i«li ftmH wkt 
sein genoft tm, wasa 4ar aaa taal, »ai «r « 
itahen.-demltdm tfrmkkuk im ».Jaftr*. mt ArvMcr. 

ß)) dii ist diA iimifai falaaba aa«*4r «I il«i« aMa 
getrit'kwelicho ne klbal (/Ucttir aa fi mätr ) . Kanaa fßim 
ÄiheMotit) 3, ftsi' J?«ii«aMr: aba <aa »f tt iiMniiiM mi* 
dite betaituDge aolleot gatnur eB Biaa ttXUm 9mm aa4a baa«- 
haben. Lünek. «ri. M« itli» wia a m. §mws.wmmm»n, I, dtt.M 
u. a. : dast sie die obfedacklaa aaaar batgar ■• AllanM im 
mehr gemelien oriaaafea, baUacMaafaa aa4 ilaMia IM^ 
baai kain ibmaf aoch UataiMM ikato aack im ftna m 



4527 



GETREULICH 



GETREULICH 



4528 



thuen gestatten in kain weisz, sondern sie getreulich hant- 
haben, schiizen, schiirmen. ästen: weisth. 6,83 {Afflenz); männig- 
lich, so in dieser Stadt einig getreidig kaufft und verkaufft, 
gleichergestait derselben Ordnung in allen und jeden punklen 
und artikeln getreulich und ohnfehlbar, bei Vermeidung ge- 
bührender ernstlicher strafe nachzukommen. Hamburger korn- 
ordnung von 1609 bei Naude {Schmollers forscitungen 8, 5) s. 136 ; 
sein dienst getreulich zu geben nach Inhalt seiner gnaden 
urbar, österr. weisth. 6,41 (St. Gallen 16, jahrh.); item es sollen 
alle zehnl getreulich geben und geraicht werden. (Pürg 16. j/i.) 
österr. weisth. 6, %l; der zechend ist denen kirchen, Seelsorgern 
und anderen zechendherren getreulich alljährlich abzugeben. 
(Kufstein n. jahrh.) österr. weisth. 2,44; ich habe es ihm ge- 
treulich wiedergegeben. Adelung 2, 639. 

y)) so sollen auch die verpflichte gerhaben, curatoren und 
beistender auf ire verpflichte principalles guetes aufmerken 
haben, das selbige auch die übergebne narungs-personen ge- 
trulich und fleissig erbalten und inen das alles geben und 
geraicht werde, was ire brief und sigl in sich halten vnd 
vermügen. österr. weisth, 2, 33 (Kufstein 17. jahrh.) ; da ain 
mensch in ainem closter ist, der . . . seinen orden getreü- 
lichen haltet. Geiler v. Keisersberg has im pfejfer A a 3' 
(1510); schwur jr, er wolle sein trew und gelübd getrew- 
lichen halten, buch der liebe 264, 2; getreulich wort halten 
vgl. Hebbels briefwechscl 1,278; mitten im gewimmel fremden 
Tolksthuros bewahrten die tapferen stamme der Alpen und 
des Donauthales getreulich ihre deutsche art. Treitschke 
deutsche geschichte 1, 10. 

ö)) zum ersten hat Schilher geschickt fierczehen schock 
groschn und dy getreulich befolhen einem weisen rat zu 
ewigen zelten, stadtbuch von Falkenau (1488—1528) 38 Rietsch ; 
waren sie freudig und lustig, solchem bevehl getreulich 
nachzusetzen. Josephus 9. 

£)) dd würben sie ir botschaft gar 

getrüweiichen als in gezam. liuldml. chron. 317 Meyer; 

darnach er Hiziclichen bat 

etlich herii von Österrich, 

daz si geiriulich 

würben an die Stiraere, 

daz in ir gunst niht vcrbsere. 

Ottokar reiniohj'onih 1774, »3/. 2010 «. «.; 
sselich sit ir geborn. ob ir in riu (ihn aus reuigem herzen) 
so gelriwelichen zu iu geladet, daz er des geruchet daz er 
sih iu genabet. speculum ecclesiae 21 Kelle. 

5)) wand die iuncvrowe gut 

was von gote wol beluit, 

der getruwelich ir pflac. passional 29,25 liöpke; 
nym war wie gar getreulich ain gelid das ander begert zu 
beschirmen, und sein selbs nit schonet, sunder sich verachtet. 
Geiler v. Keisersberg pred. 112" (1510); wann unser richter, 
es wer zu Jrenigkch oder andersbo oder wellicher der der 
herschaft ainer ist von Gemnigk, so sol albegen ainer dem 
anderen gelreuleich bei besten und auch albegen gar veraint 
und geordent mit einander sein, österr, weisth. 6, \8 {Donners- 
bach Ib. jahrh.); der im an seinen letzten zelten getreulich 
beistand, visio Tundali (Ulii); ir zeit daz tragend kind czege- 
beren komen was, des ir des ritters mutter getreulich halff und 
nicht lang vergieng einen schönen knaben gebar, dekam. 604, 11 
Keller; aber man musz die unverstendigen und neidigen leut . . 
bei ihrem höchsten Unverstand und befurderung zu irem ent- 
lichen verderben bleiben lassen, auch zu zeiten darzu ge- 
trewlichen helfen. Zimmerische chronik 3,291; so die Juden 
krieg haben würden, sollen jneu die Römer gelrewiich helffen. 
Luther 1 Macc. 8, ll (in den ältesten ausgaben; von 1539 ab 
treulich s.o.); so sollen die Juden den Römern getreulieb 
hüllTe Ihun, darnach es die noth fordert. 8,25, ebenso 8,2' 
(sü soll daz volck der Juden in geholfen sein . . mit einem 
vollen hertzen in der älteren bibel); darumb bitten wir unsern 
lieben vater, das er uns wolle getreulichen hellTen streiten. 
P.Schultz katechismus (1527) neudruck 43; die gantze gesell- 
schaft (ward) fröhlich, der schaltkönig war ihr Vorgänger. 
seine liebe Assenat half ihm getreulich. Zesen Assenat (1679) 
420; getreulich helfen führt auch Adelung 2,639 noch an. 
T})) do wart von goie sin gedacht 

und er an daz rechte bracht, 

wand er mit guter andacht 

im davor manigeii tac 

gelruweliclieii dienen pflac. /misjoii«/ 204, 78 Köpke; 
daz wir von besundern genaden vnd gunst, die wir zu dem 
vurgenanlen burggraf Johann ze Nürnberg haben, vnd och 
durh der dienst willen, die er vns vnd dem riebe bis her 



getriwlich getan hat vnd och noch tun sol, vnd von vnserin 
keiserlichen gewalt, in, sin erben, sin selbscholn vnd och 
sin borgen ledig vnd los gesagt haben aller der schuld vnd 
des gellz. Urkunde kaiser Ludwigs von 1343 monum. Zollerana 
3, 109; daz ist im nun gehalten worden, und hat getrewlichen 
gedienet und wol gekochet. Zimm. cAron. 2, 473 ; darzö euren 
fründtlichen und guten willen, alles unsers Vermögens, fründt- 
lich und getreulich verdienen. L. v. Hotten bei Böcking 1,59. 

^)) allen heiligen zu lobe, 

uT daz si got vur uns dar obe 

getrulichen wohlen biten. 

pas^. 577, 3 Köpke, vgl. 546, 8'; 
SO ist hertzog Wilhelm von Bayern auch bei meinem hcrrn 
künig und auch andere viel hern, die wollen mir auch ge- 
treulich helßfen bitten, das mir der gefanngen werde. Fters- 
heimer chronik 21 Waltz (1429); 

nochtant stutit he unde bat se allen, 

dat se vor em bidden scholden 

also getruwentlik, alse se wolden. 

Iteinhe de vos 2762 Lübba» ; 

doch er stand und bat, sie möchten alle getreulich 

für ihn bitten, so gut sie vermöchten. Göthe 40,96; 

hat gute seidenwaar' euch stets gesandt 

und euch getreulich ins gebet geschlossen. 

Uhland Fortunat 2. 
()) di hern dar toe räden solden, 

räden und getrüweiichen wisen. Yeldekb tVieii/e 1795, 
Variante der Bertiner, Müitchener «. Wiener handsclir. ; 

do neigeie sich so hinzu 

\r eine die in des beschiet 

und im getrüweiichen riet, 

daz er nicht enbete. pass. 366,10 Köpke; 
eben dieser herr wird sich einmal erinnern, dasz seiner 
gnaden ich getreulich gerathen habe, dasz sie zu einem 
inspector der öconomi annehmen wollen, einen verdorbenen 
kaufifmann, der hiebevor grosse dinge gethan habe, und 
zurück kommen sei. Scuuppids 29 (Salomo 4); wo sie (die 
fürsten) aber einander getreulich meinten. Wilwolt v. Schaum- 
burg 107; secht bei solchen herrlein ist gut wohnen . . da 
gehts andechtig zu, die meinen einander getreulich. Fisciiart 
Garg., ueudr. 71; was wir auch täglich lesen und hertzlich 
glauben, das der eer gottes abprüchig, auch uns und den 
unsern im gwissen beschwerlich und der sciigkait geferlich 
sei, das doch nit desterweniger von e. f. g. oder iren geist- 
lichen Predigern allbie unentsetzt geprediget . . wirdct un- 
angesechen, das unsere predicanten Ire irthumb clarlich an- 
zeigen, meniglicli getreulich davor warnen, eingäbe des Augs- 
burger rallies an den bischof 1533, deutsche slädtechron. 23,315; 
dweil auch ainem jedem regenten oder obern durch das ampt 
seiner oberkait auffgelegt und eingepunden wirt, allen vieisz 
fürzukeren und darob zu sein, dasz sein unterthanen nit 
allein mit dem wort gottes getreulich gewaidet, sunder auch 
solhem . . gelebt, mandat des Augsb rathes 1534, ebend. s. 390. 
6)) die auf nachahmung und Wiederholung beruhenden Ver- 
bindungen. 

«)) nun das soll mein vrteyl durchausz vor jn sein, jefz 
wil ich sy mit jren fruchten vnd heiligen wercken all nach 
Ordnung getrewlich, sovil die chronick von jn zeugen, vnd 
man mir nachsehen mag, erzölen. S. Frakck chron. (1543) 2, 16'; 
er hat mir alles getreulich wieder erzählet. Adelung 2, 639|; 

stellt ein haujitmaiin ihm zur linken, 

und ein andrer ihm zur rechten, 

schildern ilim den ort getreulich, 

wo es gilt, den kämpf zu fechten. 

Lbnau Job. Ziska 4 ; 
und er trug mir auf, zum präsidialsekretär dieser hofkammer 
zu geben und ihm zu sagen, der linanzminister habe mir 
Urlaub erteilt; wenn er daran zweifle, möge er kommen 
und sich anfragen, wo er den mündlichen bescheid erhalten 
werde, ich setzte das getreulich ins werk. Grillparzer (selbst- 
bioijrapitie) 19'", 95; die landleute standen nicht etwa über den 
katholischen, als hinwegsehend über verdummte menschen, 
sondern sie glaubten alle mährchen derselben getreulich mit. 
G.Keller (grüner Heinrich) 1,73; erzählet mir nun denver- 
lauf dieser schlimmen geschichte recht getreulich. 212. 

ß)) zu übgcdachtem ende solle nit nur ein ordentliches 
waisenbuch bei der stadt verfast und alles getreulich mit 
allen umständen eingetragen. (Oberwelz 1715) österr, weisth. 
6, 253; ich weisz, der zustand seines geistes ist ihnen wichtig, 
und seine handlungen, weisz ich, sind ihnen nur wegen 
jenes wichtig, darum schrieb ich alles auch getreulich nieiler, 
was mir aus dieser Unterredung im gedächtnisz geblieben 
ist. SchiLLER (geisterseher) 4,312; von der ersten regung, durch 



4520 



GETREUSAM— fiETRIEBB I 



r.RTRIERE II 



4&30 



eine wacliHcndir ni-igung, bin zum uiiriilbebrlichen der (•• 
wobnbcil, war der ganze Icbeimlauf dieier leidensrbafl ge- 
Ireiilich aiifKt'teirhiiet. (SOtiik {gute »tiber) IS, 3S3; und uticb 
ich bitte meine leser um verzeibung, da»/ icb dem guten 
boron V , . . »o getreulich nachKeirJit leben habe. ScHiLiüa 
(geisterulur, onm.) 4, St3; ein aurfallenderei bt-iipiel dieser 
art iit mir icaum jcmaU vurgel^ommen, all die nrt , wie 
Ma^sieu dieie, getreulirh von mir übergetragene periodr, in 
»eine sproi-he überitetzt hat. Wikland iukian 4, 3lo (119*»): 
der lonst-rbeinbUndner licsz niclit loclter, (tltemettte anfangt 
tw,ir getreulich , machte ober zuletzt den wilz , danz der 
(rbwarze sich zugleich in zwei spanitcbe fraueu verliebt 
habe. V, L. Jahn l, MO; 

und man verliöri den goileiilrelter, 
goireiillcli ichr«lkt et der notar. 

I.KNAU (.Su vanaro/n) 3,209. 

y)) den pilger wird das bild seiner heimatb, su wie er eB 
in der scheiiieitunde mit tbriinendem aiiKC aulFuszle, getreu 
lieh auf seinen wiimtcrnngen begleiten — und diese« iüt e>, 
zu welchem der beiuikcbiende sehnüüchlig auTsiebt, dessen 
tthnlicbkeit er um so viel mehr vermissen wird, als sein 
äuge eine jugendliche filrbung festhielt. (iAunr {Ludmiga) i, I2i; 
ich l(opierte getreulich die ländlichen scbweinestUlle, holz- 
schuppen und derlei dinge. G. Killkn 1,271. 

GKTHKUSAM, adj, ttreinielte bildung: denn die tugend. 
wie erhaben sie auch das hanpt in den wölken trügt und 
nur in himmclsbetruchtuiigen verloren scheint, so l>ewabrt 
sie doch im getrcus;imstrn gedilcbtnisze jeden kleinen nadel- 
slicli, den man ihr jemals versetzt bat. H. IIbinü Lutetia 2. 
anhaug I. 

GbTHEDSCilE i. gedreusohe th. 4, 1, sp. 2089. 

GKTItlEitK, n., tuhttantivbildung, in der et schwer ist, das 
iterbalsubstantiv :u treiben (i. d.) von dem eoUecliv zu trieb 
(s. d.) zu Irentien. schon die geslalt des stammvocals, die sieh 
von ilem di/Mhongen des verbtims durch einfache Idnge abhebt, 
weist auf frühieitige iiolierung der substantivbiUlung hin, wie auch 
der bedeutungsijehalt eine selbständige enlwicklung innerhall) des 
satzgefüties voraussetzen lässt. ausserdem sind für unsere form 
bilduiigeu auseinanderzuhalten, die nach hedeutuiig und alters- 
grenzen von einander abstehen, gans auf die allere seit besdirdnkt 
und nur in mitleltletttschen quellen belegt, ist das verbalabsti actum 
tjetrip, getrib, das treiben, das die allgemeinste, verblassteste be- 
deutung aufweist und seinen eigentlichen gehalt nur aus dem 
susammenhange empfängt, in späterer teil wird seine enl- 
sehwtiiidene function durch das jüngere getreibe {theil 4, l, 
sp. 44Sü) wieder aufgenommen, in die althochdeutsche seit da- 
gegen reicht ein xmeües bis in das 18. Jahrhundert belegtes Sub- 
stantiv zurück, getrip, gclriebe, das an die übertragene bedeu- 
tung von triban, treiban= anregen, bewegen ebenso wie an die 
beileutungen des iu()5((</i<ii's trieb anknüpß: getrip. impetus, an- 
trieb, unser heutiges getriebe endlich reicht mit seinen ältesten be- 
legen ia das \i. fh. zurück, zu gründe liegt auch hier eine über- 
tragene bedeutung, nur dasx nielit das menschliche gemüth, sondern 
werkzeuije den gegenständ der thätigkett bilden, diese letztere sweigt 
sich nach zwei seilen ab, einer spärlicheren enlwicklung im berg- 
männischen betrieb und einer ausgedehnten ausbreilung in an- 
wendung auf das treibrad. getriebe istJiier alles, was von 
rädern gelrieben irird. daraus entspringen tcirderum Übertragungen 
alUr art, deren jüngste enlwicklungsslufcn sich neuerdings mit 
dem oben erwähnten getreibe berühren, die afiokope des e, die die 
beiden erst erwähnten veruendumien beherrscht, tritt auch m der 
dritten grupi^e hervor, ausser den zusammenselsungen weist sie 
auch der schriftstellerische gebrauch des einfachen wortes auf, 
so bei Ghillpabzbr, Scheffel, Chahisso. in der fachlitteratur 
übeiwiegt der volle auslaut, nur Karmarsch verwendet gelegent- 
lich die apokopierte form. 

1. mitteldeutsches getrib, getrip als abstraktes vcrbalsubstüntiv. 
mild. wb. 3,89*. Lkxer 1,948; naclitrag 2ü4: 

zu einem betelere er (*iiri(c Francisctu) quam, 

des bo$e kleit er an sich ntm, 

nach tugeiitlicher willckur 

üuam er vor die lilrcbtur 

l'e(ri de» xweirboten. 

da SOI er In den armen roten 

und nana doi almusen hin. 

nii wolde an im den be|;iu 

der tuvel gerne euch neigen . . 

'»leb', «pracb er, 'mir ist uf dich zorn. 

wilui oiclii abelaieu 

von den selben strazen, 

die dir brengen sulch gcirib'. pastional h\9, AT K6pke: 



li» 



de «1 itssacli Ir Itobes klai. 

*!• Her bis sl» •!• VM« lilkN 

uf CltmenuM In 4as »cMf. 

Ir «rttBitieker «saaMrir 

k«l>M tu «tcb el weki4« 

unde vll wel erMbaUitfe. 

in Ir •!■ rreude «m der «ml 

CUaaoil WS« f ar anbaiit. 

was an Ir ■•im« Mi ««iHk. M 

und dsriu man uod« «ik. 

diu uf der erden Ir atttik 

kartin von der «trlJ« tp*U 

nach iinfera berren |«l>«w. Mt. Mi 

und lim BSA »orfli ublr al 

wen man den kuni kixn »al, 

de« vuri ba blllicti mit •■ um «te 

uf burc. In iiai. durcli tulcli gtUip, 

dai kindir wtrdin tundlr b*«« 

dl nach em iragln dl liros«. 

mitirli,»htkt» .n»is>tos> »1, R at»v*rt. 
II. gctrtp •» impetut, amtruh. $ekm am ■ItteArfHitirtsi «n 
lieijt ein mittelbares teugnis v$r: tmpskts •Ufttrif« »* 4tu 
Kmmeramer glossen STKixeiiia-.Stivtat i, :«!. dwttt hettpiä 
spricht für die annähme einer veritdrkUn Mi«af (Hrip >« Iri^ 
nur wdr« es dann auffallend, dost du btupeU fit zrtrlp dJI/r 
und reidier belegt sind als fisr das etmfadu Uip. driimlh kmmm 
man auch hier von getribe ab der mm$§»npftrm mdU im ksekl 
abgehen, für die heutige form des ämmmPtämU kt im$ wkäti- 
deutsche Sprachgebiet in reehnung s« bringt», 
den spdteien belege angehören, beaehtung i» i 
dient auch die nebenform getrifl. die aus ei»tr na 
gäbe eon MKLA.NcaTBuNsieAn/l wider die artiikel 4er kswWMMk 
beUijt ist: das des teufeis getriCft ist. r«rgt ktUtmiatk g»» 
drift woordtnboek 4, 628, vergU engL drift. 

»leb äi Zeichen mit allen geirlbea. 

WtLTasa V. RaiistD 113.14. f^rurrt. Mt; 

er dancie vlltliche goia. 

wände ez wa» von >tme febote 

unde ai wa* gar >io ceirip. 

KaKaKAkD v. Cartar lleUr. m. immt>twmtt CI? ; 

do wart dem keltere alto tom 

durch des pabetto» getrib, 

das er den riiter und das wik 

mii dem pabette lies ertlaa. pmu. 4*9. M: 
solch alles ist em getiieb des Obersten schaicks in der well, 
des bapsts. Luthrr &,'i82' Jena {mmrnung am inmt tttb* üemtukem 
1531) ; wol wüsten sie (sage ich) das sie hierin «nt ail oi««- 
harlichen unverschampteo lügen fleiscbfresser vnd bloUewStr 
hiessen, aus des teufeis gelneb. {kmrU bekemlmu roa k. mtn' 
ment 44) 8, 175' iena. ebenso i,H* {Wifemtm); sonderlich we«a 
ein mensch betrübt ist und ingUet sieb, als heb er emf 
uognüdigen gotl, so ists gewisz de» teufeis werk und getnehi. 
tischreden (A. 309) S, t09 Försttmanm; denn das iel 4«r «^«l» 
da Adam und Heva den tod ao gefressen liabeo, MMflaliM 
ihren kindera, da sie auch wissen wolteo, it» ■£§ aklM 
wissen sollen . . so ist auch Sünde, mit tolcheai (oncWa 
umbgehen ; uod ist de« teufelt getricb, wie alle aa4«r tkM4%. 
briefi 5, 754 (8. auguü tMft) it V/iU«. «teaso 4,349; mmeim- 
geben und getrieb des leufels. thtatrmm iimMo nam 144*: fad 
gab gnad, dasz nit alle fursten und stand in »olcheo hrtek 
vorwilligten, ich bitt mich sonst deuls<hs laods i« toJ 
geschllmet, dasz es sich die pSpstischMi tjnaaca wm far 
gröblich liesz IfTen und narren, es war all— im Uimi mr iaty 
wie iedermann weisx. Lomca bruft %%x it WtOt; aaa i 
getrieb thut er solchs nit (AMaH<A 5, tt). Haa«ii 
des Ttrenz Uipxtg 1892 (aon facti hmme mst la y isa w ); ••• 
der soho gottes vorgebracht, habeo aos sttnc« mmJ« H» 
apostel uod evangelisten verzaicbnel aod iii«milal 4m 
kraftigen getriebt des b. geistes ihren »chriftea aiasa rfa ib H . 
ScRiviR gotdpredigteH 3t ; was ist besser, mU ui 
schleppen und durch deren getrieb ibm 
in allen gasseu machen, oder das ehrliche, 
deo ebütand oemlich, dawider ergretfea? 118; 
et tliegt« t« viel irikaea. 
to manche »eurtter, i» $o vieler lawaead sekae«. 

San himmel. dat lulcui der fOrtwa tekaar katcklii a 
urch göulicbeo getrieb: 
data ein gewitter fried' uata wftrd kerwMar brackl. 

Rist »entr umtmtktr ^rmau (tkMilarj litt) tUi 
da eahe man taii last mm» rtttll 
ackasll drlngea darth 41« im < 

tn dieser expe^itioo blicbto iim «o* StnAmmi i 
fetrieb aussen (Flkge mmr itr kk p iw n iä k i mm 
waren gleichwoi . . Doirrbandler, 4an PMHMr« wm4 MniMm 
barg in gtites «erlraaea wirdcrMR g aa Hal mwtL ■njalUM 
mntiqmitmUs PMmwstrmtmt (iTtS) 8,ti9; felriat^ ■. i 



4531 



GETRIEBE III 



GETRIEBE 111 



4532 



pulsus. didionaire du voyageur (no'i) 144; getrieb, der betrieb 
oder trieb m., drift, impulse, es ist nur eures bruders ge- 
trieb, das treibet niemand als er, thats nothiiig eise bat your 
brothers urging, pressing or drift. teutsch-engl. wb. (1716) 768; 
getrieb, antrieb, stimulalio, impulsio Bayeb (1733) 289; instinct, 
imptilsion, instinctus Veneroni (1766) 74. 

III. getriebe, getrieb = triebwerk. auch hier weisen die 
ältesten beispiele auf mitteldeutsches Sprachgebiet, das object der 
verballhätigkeit tritt in dieser letzten grvppe von Verwendungen 
derart in den Vordergrund, dasz die verbalthätigiceit selbst nur 
noch ganz allgemein auf den bedeutungsinhalt des Verbalsubstan- 
tivs einwirkt, das eigentliche bestimmungsmoment liegt in dem 
ergebnis dieser thätigkeit. dieses liegt allein den nachfolgenden 
entwicklungsformen zu gründe. 

1) getriebe in der bergmannssprache. obwol die beispiele 
hier etwas später einsetzen als für die zweite richtung der ent- 
wicklung unseres Wortes, ist es doch rathsam mit dieser Verwen- 
dung zu beginnen, weil sie auf den anfangsslufen der entwick- 
lung zurückbleibt. 

a) leicht verständlich ist die eine bcdeutung, die bei KbCnitz 
18, 22 folgendermaszen dargestellt wird : getriebe . . im bergbaue, 
das gerüsl, womit man einen brucb, d. i. eine eingefallene 
oder den einfall drohende stelle eines ortes unterbauet, um 
das nachfallen zu verhindern, mit getriebe anstecken, mit 
getrieben durch den brucb gehen, ebenso getriebe, eine abthei- 
lung, ein fach einer gewissen auszimmerungsart zur Verwah- 
rung von grubenbauen (der abtreibezimmerung) aus einigen 
starken hölzern und dahinter einer Verkleidung von schwarten, 
brettern oder pfosten bestehend. Gätzschma.nn Sammlung 
bergmännischer ausdrücke (1859) 36. 

o) die belege führen bis in das 16. jahrh. zurück, vgl. Veith 
deutsches bergwörterbuch (1870) 237: am schwartz wasser treibet 
man Stollen mit getriebe in solche {zinnstein) fletz oder 
seiffenwerck. Mathesius Sarepta 99'; so man durch brüche 
fahren und dieselben wieder auffmachen will, so musz es 
mit getrieb geschehen. Rössler bergbauspiegel (1700) 57*; ge- 
triebe: wenn man mit ortern durch brüche fahren will, 
musz man zuvor auff örter thürgen setzen, und auff denen 
kappen pfähle neben einander in bruch treiben, damit den 
bruch in etwas aulTzuhalten, dasz er nicht so starck nach- 
schieben und rollen kan, bis man weggefüllet und wieder 
ein thürgen setzen kan, su dann stecket wieder pfähle, das 
heist, mit getriebe anstecken, das neu-erö/fnete berg-werck 
(1704) 176; genau so Minerophilos {Vdi) 254', vgl. aucA Hübner 
kunst-, natur- etc. lexikon (1717) 707; getrieb ist, wann in 
gerolligem gestein man aulTbauet und mit pfälen das nach- 
riesseln oder nachschieszen des gebirges verhütet. Bhrwahd 
interpres phraseologiae metallurgie 14; pfallbeuschel ist ein 
eisern hammer von 40 pfund obngefehr, womit das getrieb 
gemacht und die groszen ertzwände ersetzet werden. 16; 
das getriebe {terme de mine) la charpente pour soutenir une 
place qui menace ruine Schwan (1811) 439; es ereignete sich 
öfter, dasz einzelne pfähle oder ganze getriebe in die höhe 
gedrückt wurden. Karsten archiv für bergbau 2, 157 ; das ge- 
triebe in bergwerken, drift Fahrenkrüger 325; props, schores 
or Supports Hilpert 460. 

ß) syntaktische Verbindungen. 

t)) man unterscheidet ganze und halbe getriebe; ein halbes 
getriebe, nämlich ein stollensulm mit der first oder auch 
nur die ürst allein mit getrieb verzimmern. Delius anleitung 
zu der bergbaukunst (1806) 259. ebenso werden Schachtgetriebe, 
Stollengetriebe, Streckengetriebe unterschieden. Veith 237. 

2)) Verbindungen mit verbis: treibet man Stollen mit getriebe. 
Mathesius o. a. o. ; später überwiegt in der älteren litteratur mit 
getriebe anstecken, wofür HIIbner 707 mit getrieben durch 
den bruch gehen einsetzt; anstecken heist solche arbeit (das 
getrieb) anfangen, die streck musz mit getrieb angeslecket 
werden, ist, dieselbe musz mit pfälen verbauet werden. 
Berward 14. 

b) fraglich ist, inwiefern mit dieser benennung die andere 
bergmännische Verwendung von getriebe zusammenhängt: auff 
ein schönen gang, der in einem guten getriebe sein streichen 
hat, ist wol zu bawen. Mathesius Sarepta 37 '; weil aber der 
stamm Äser in austbeilung des gelobten lands, die refier 
zwischen dem berge Carmcl bis an den Libanon, vnd an 
das miltelmeer, vnnd an die grosze Stadt Sydon bekommen, 
wie Josua am 19. zu sehen, vnd inn dem selben gelriebe 
oder ebne ist das iand Cabul gelegen. Mathesius Sarepta l' 



(1562). es scheint, als ob die einfache Übertragung der berg- 
männischen einrichtung auf die gebilde der natur vorliege, von 
hier aus erklären sich dann auch belege, die andernfalls auf 
parallelen mit getrieb = betrieb zurückweisen würden: getrieb 
ist am gebürg die sommerseite. der gang liget im guten 
getrieb d, i. der gang ligt an der sommerseite. Berward 
(16:3)8; am gebürge die sommerseite, oder, da es in flachen 
felde lieget, da man denn auch sagt: der gang lieget in guten 
getriebe. Minerophilos 25i' (1743); im bergbau wird die sommer- 
seite eines gebirges oder auch eine flache gegend das gelriebe 
genannt, vielleicht weil da die sonne die erze besser zur reife 
treibt, der gang liegt in einem guten getriebe. Krünitz 18, 22. 
ebenso Nemnich 3, 192; getriebe the summer or south side of 
mine Hilpert 460. 

2) getriebe im maschinenbetriebe. 

a) die ältesten beispiele weisen in das 15. Jahrhundert und 
auf mitteldeutsches Sprachgebiet, ISesselmann verzeichnet aus 
dem dcutsch-preuszischen vocabular vom anfang des 15. Jahr- 
hunderts getriebe (mühlyang) Lexer nachlrag 204. anschaulich 
zeigt sich, wie die aus dem nomen actionis flicszende bedeutung 
allmählich einer Verkörperung des objectes weicht, an das die 
thätigkeit anknüpft, oder das sie erzeugt, in einem schlesischen 
belege: och wer is Sachen daz dorre czeit wer, unde di 
kornmoel nicht genug wasser helle czu irem gange unde 
gelriebe, so sollen di meister die bretmcel Jossen feiern unde 
schützen alzo lange bis daz si beidersit czu iren gange unde 
gelrebe wasser mögen gehaben. Urkunde von 1448 codex diplo- 
maticus Silesiae l, 124. schon hier, noch mehr aber in den 
späteren beispielen macht sich die objectivierende tendenz bemerk- 
lich, gelriebe ist das triebwerk. 

a) es ist im besondern das zusammenhängende System des 
räderwerkes, bei dem eine umtriebsmaschine ihre bewegung erst 
durch eine Zwischenmaschine auf die arbeilsmaschine überträgt, 
die ältere spräche nannte dieses zwischenrad auch fürgelege 
oder fürgelegt getrieb: fürgelege, tympanum cum fusis constans 
(Agricola); ein auch gelriebe genanntes hölzernes rad aus zwei 
Scheiben bestehend, zwischen welchen ringsherum runde 
hölzer eingezapft sind, die durch eingreifende kämme eines 
rades umgetrieben werden, th. 4, 1, 736, vgl. gangbares zeug 
(4,1,1237); das man runde Scheiben und reder anrichtet mit 
iren Scheiben, spülen, kamredern, fürgelegen oder getrieben 
und leisten. Mathesius Sarepta 132* (1562); tympanum cum fusis 
fürgelegt getrieb. Frisciilin nomenclator trilinguis 354'; gelriebe 
franz. lanterne lat. tympanum ist in der mechanic ein rad, 
von zwey Scheiben, um derer rand släbe befestiget, die in 
ein kainmrad greiffen, davon entweder dasselbe umgetrieben 
wird, oder das gelriebe umtreibel. im ersten fall hat das 
getriebe den vortheil grosser kraft, im letzten aber grosser 
geschwindigkeil. J. B. Fäsch kriegs-lexicon (mb) Z62; getriebe, 
ein kleines rad in einer maschine von rädern, so von den 
Zähnen oder kämmen der eigentlichen räder bewegt wird, 
diese räder unter einander zur bewegung verknüpft, und zu- 
gleich die bewegung beschleuniget. Jacobsson technologisches 
wörterb. 2, 76*. 

ß) aus dieser umfassenden bedeutung erwächst bald eine noch 
umfassendere, verallgemeinernde, getriebe, triebwerk ; oder um- 
gekehrt schwindet für getriebe = triebrad der Zusammenhang 
mit dem ganzen des räderwerkes, und das rad wird als einzelnes 
für sich betrachtet. 

l)) getrieb, n. reder, of raderwerk Kbaher nieuw woorden- 
boek 2, 132; das getriebe der räder zusammen, l'engrenage 
Schwan (1782) 740 ; gelriebe, treibendes raaschinenwerk, trieb- 
werk, drehling, drilling, lantern, trundle Rumpf 1, 210, vgl. unten 
(6); das gelriebe, ein ding, welches vermittelst Vorrichtung in 
einander greifend umgetrieben wird ; das einer festen bestimmung 
gemäsze fortbewegtwerden oder fortbewegtsein zu oder in 
etwas als Sammelbegriff eines zusammenhängenden, inein- 
andergreifenden Wirkens, gleichsam eines triebwerkes. Kehrein 
onomat. wb. 921. vgl. unten (c). 

2)) ich habe euch deszhalben zu einem exempel in lig. 217 
dasjenige was ich in Hg. 213 mit dem kleinen slirn-rad I. m. 
dem getriebe oder kumpff, samt der kurbel D. C. inlendiret, 
daselbsten orthograpbice vorgerissen . . dann wann z. exempel 
der bär 1200 pfund betraget, und man wollte demselbigen 
durch ein geschirr, wie die zimmerleute reden, das ist, durch 
Stirnrad und getrieb, welle und kurbel, vermittelst vier per- 
sonen dergestalt bequem aufheben, dasz eine von den vier 
pei'sonen nicht mehr als 3:)'/-^ pfund krafft zu bewegen behält. 



4533 



GETniRBK III 



GETRIEBE III 



4534 



Scin«t-Ka timmermanntkuniHl'il) } 4sft, 4M. fgl aufk kompf 
tu th.ifWU; weil nioii uitu aut der grOize da« radi gegen 
der welle, und der grOaie der kurhel grgea dem gcliieb 
alle« berhublen mute, wann mau mit weoig krallt viel* laal 
beben wili. $ 407 ; das gelriabe, ittgrad, U If/mpant ScawAii 
(17Hi) 740; eo<ierilttl E>KKt M3; getriabe, kleioea taliorad, 
|iiRion, pignoH lluMpr l,l\o; getriabe an einer maicblnen- 
rolle. hüiiiiiK 315*: das gdrieb an der apindel, ruorto TIoiel 
burhdruek*ikuutt»örUr 1. anhang 97' (1805); galrieba . . ein 
jrdei rail, welcbe» vun einem andern herumftelrieben wird. 
AbKLu:<c 3, tS9; kleine getrielirUder erballen den namen ge- 
(ripbe. HaiCHTL UehnoL tncyelopidit ti,4M: melaliene zabn- 
rader »inil entweder aua einen uder aua metfing verfertigt ; 
au» stabi inacbt man nur die gelriebe {pignons, jnnions) bei 
kleinen unil feinen rUderwerken. Kabmarich handb. der meeh. 
ttehnoiogi* * ÜT ; Zahnstangen, in welcbe ein getrieb einzu- 
gn-ifi-n bestimmt ist, werden . . meist aus eisen gegossen. «21. 
b) der umfassendere begriff det worUs begüntligt deuen Ver- 
wendung in beidtnmien maschinellen betrieben; so von anfang 
iin für das rdäerwerk der mühle, ebenso für dasjenige des vhr- 
geluliises; seltener ist dies« Verwendung für die eigentliehtn 
masehtnin der neuuit. 

(*) eine niOhl und üia leb eucb bouen wll, 

hllir Rotl wem leb wtmital 
het Ich hanit Kereihe 
und wolTen scharlTI 

Inn Kulte» nnnion so wll Ich itla heben an. 
. . Mose«, du toll sein dabei 
den ersten »teln lubrettaa 
und das er leli gar feste, 
so tregi er schwer: 
daroii bedeut uns die alte ehe. 
die naue ehe den sudern stein, 
den legen wir sulT den allen 
und dss er laulT Ksr balde 
nach uiel«ieri kunst. 
daü geirteb bedeui uns das beiigen geisl gnnsi. 

hergreihen lies l^.jalirh. 11,31 J.SIeier; 

die pulirinuble, welcbe vermittelst eines am wasserrade an- 
gebrachten Betriebes die erfurderliuben Vorrichtungen in be- 
wegung setzt. Kohstek anstehten vom Nitderrhein (1791) 1,2S>6; 
getriebe absluszen, abtbeilen, onsto.szen, bei den blau-farb- 
mOhlen. Minerophilos (l'4S) 254'; das getriebe, der Irilling in 
einer müble, U lanternt, das getriebe in einer milhle, le moulage 
Schwan (i782) 740; das getriebe, der trilling in einer mühle, the 
lantern uf mill Ebers 043; zu verkaufen eine müble (in der 
Ostlichen Schweiz) mit ausgezeiibneter wassergerechtigkeit, . . 
mit allen zugehörigen getrieben, als koinputzerei, frocbt- und 
mehltransporten. ans. in der beiL zur allg. teil. IStW (no. 299); 
der mühleubesitzer K. gerieth in das getriebe der mühle und 
wurde zu tude gequetscht. leitungsnachricht aus dem jährt \b91. 
ß) getrieb in einem ubrwerk, oder in etwas anders, rt- 
forto, ingegno, piegamolla IluLSlua (1680) 167'; k ressort, elatt- 
rum. dtetionaire du voyageur (1703) 144; let ressorts d'une korloge, 
lemir« HoNDBAU-UuxTüRFF 263; getrieb, das treib- oder feder- 
werk in einer ubr, the spring within a tcaleh or dock, teutseh- 
engL »>. (1716) 766; getrieb in einem uhrwerk, korohgii elatt- 
rium Baykr 260; le ressort. elaterium Vkkehoni (1766) 74; das 
getriebe in den ubren, der Schneckenzapfen, lepignon de rentoi 
Schwan (isil) 439; die kleinen .stählernen getriebe in uhren 
werden aua triebstahl verfertigt. Karmarsch handbueh der 
mech. technologie 2. aufl. 621 ; und die gröszte kirchenuhr, 
die sich darin befand, hatte kaum die grCsze einer kflse- 
milbe, woran man recht die subtilitilt des menschlichen Ver- 
standes bewundern konnte, dasz dergleichen kleine Werk- 
zeuge doch ihr vollkommen eingeweide: r&der, getriebe, 
pllocke, Spiralen hatten, und gerade die zeit zeigten, die 
die tascheuubren der unterzeichneten auszen angaben. Bren- 
tano {wunderbare gesekichte von Bogs dem Uhrmacher) 5, 361 ; 

slCimperel des arinen menschenwiiies! 

de« Irtien.« hiiieru daii wollt ihr versiebo, 

der r&diT beiiulichstes getrieb berechnen, 

und wl»xt doch nicht, wie lang dss uhrwerk gabt. 

wlsit nicht, wann diese rtder stocken sollen. 

Th. Kösnsr Zrtnf |,t; 
und sieb, auf meinem leller, — lächelt nur — 
im moo* versteckt lag eine taschanubr. 
Bsein cbristis'eschenk, lammt einem »eldnen band, 
das prkehtig auf der sonntagswesie stand, 
der vatar liesi mich das getriebe sehn, 
er lOK sie aul. so, sprach er, mustt du drebn. 
Ich aber $ehrl« vor rreude. sprang und blickte 
sie urunken an und horchte, wie ale pickte. 

IV. 



holz zu gebina und getrleli« {d«r StkmirmäUUr dbrm). Abu*. 
BACH edrlweus M; 

koaaii k*r bub rrftbllngswaltl. Ihr glaitbeBtUM«. 

das !•! ein dum, drin pr«4'gen laoMarf saagaa; 

■abl dies« blüb'Ddea •Snleu. dl*«« r«MO. 

dia liebt« wdlbvof. grua In grUa «•rsckluagea. 

. . und dann iprecbl; oaiol •• !•! •!■ babl gauUka, 

ein ubrwark Ut'«, wir baaaaa |«4aa fa4aa, 

sprecht: nein! lu dissaa tUMraaai« 4m M^. 



und von der llppe weist den kalak 4m gsM« 
C.iaat. frttmtugi 



y) übertrogn auf im naUmtuht ifäm im ylwlnwifa« 

du%gt% : 

der Artaxersaa ward von Jhr (r.Uäi$^) aiii «urckea bUb. 
Argeui mit dam stost*. bla auff den sandt («ttrawat, 
in dem sie durchi gelaock. In w«|eb«w ibr gtvUk 
die band »onii bat, die fautt dem Jsmael sarbAwM. 
DisTBicN V. a. Waaaaa Haiifrüd »da 
JeiTM—Um (tut) t». U. 
0) der mechanischen «nie gleich, dl« mit leblose« gatriakt 
einige Bcheini>are lebensverricbtungeo hervor bringt. Vom 
kriiisekt bldller l,bl& {gtg«» bürger); hier findet «r uour 4«B 
bilde eine geheime tapetentbOr, hinter welchar «ut« wai^ 
liehe gestalt mit einem offnen suuvenir un4 ait 4ni rtilfM 
an der linken und mit einem crajon io der racklM flUL 
drückt er den ring des mittelOngers, ao richtet aich di« ge- 
atalt unter dem rollen des inneren getriebea auf, tritt io 
das Zimmer und daa aualaufende gebwerk stockt mit ibr an 
einer wand. Jhan Paol Tilan I, M: di« von zeit zu zeit 
(an ein land) angereihten stocke geben einen onbehalfltrben 
körper, der nur klumpenmSszig drOckt, wo er liegt, und wett 
unvollkommener als ein autunut wirkt, wo doch «in inneres 
gelriebe sogar au>zeilicb geschlfle verricbiai. K. L. Jahr 
1, 169 (natüriieke eintnlung des grundgebietes) ; diejenigen ge- 
triebe (m^cAaniscA« Webstühle) ^ welcbe man als tritt- oder 
acbaftmaschinen bezeichnet, lil. eentraiblait i(i»4 (sf. nt): von 
bestem eichen bolz sauber und solid gearbeitet, mit leicht- 
gebendem ketlenradgetriebe und bequeme, durch feder ein- 
fach regulirbare ausiOsung. die kurbel wirkt durch ketten» 
rflder in vortbeiihafteDter Qberaetzung auf daa *inoere getriebe. 
prospect einer butterwustckint (1691). 

e) un diese vtrwenäuuge» insgesamwsl knüpfen wsamnigfmk$ 
Übertragungen, das rdderwerk, das tneinandergretfl^ itt*m aiil- 
verwendetes biU für erschetnun<^en der natur, für 
handlungen und einrichtungen; vim boden des gttk 
nimmt die entwiekluug ihren gang weiter, es (rdra 
Züge hervor, die den anslosi tu a«KH gebroucksfonmen f«##«. 
hier ist es bald der gedauke du tiuamwstnkangende* 
das unter der Vorstellung eines getriebea rrfmat wvd, oder a \ 
tick dte wakrnehmung der i,erdusekrolkn, bewegtem tk4it§krt ftUni. 
tt) 1)) das leben war su kurs für mein« liebe, 

die weh xu klein, su arm an iu*t aai *«ba«n, 

die mbss'geu rtdsr »tocfcteu iai getriabe: 

da fand ieb liir*-. da fand ich deine Ueb«. 

und was die walt nicht gab. das gab ala hart. 
Th. KOBima qeit.: 'i>tim •jrwtU^'; 
ich habe eratlich die nothwendigkeit verehren Icrnco, iis4 
was ist mehr als die t:ethane tha^ daa geschehen« ntigtift^ 
ibr eigentbum ! dann bab' ich auch dieae uolbw«o4ifk«il als 
eine weise fügung verehren lernen, die durcb das (jßmmmt» 
grusze getrieb' webt, darin wir blos ala mitwirkäii«» f»> 
tricbene, treibeuJe rüder eingreifen. Chabisso [Peter ScUmmII *) 
4,296; weil aber blusz durch zuhörer, die ta jaogern beraiH 
gezugen sind, die lehre gleich werkthttig ins leben eiogretfca 
kann, so ist im hoben getrieb« der wiaaaaagbaft akbl »abr- 
heit die einzige feder. F.LJAaN (itm t s t k m ««ttiAaai) mmit 
I, tb9; die:>es princip bedingt auch die sorgsaiM acbulaag 
der komparseri«, dÜe nun nicht mabr wi« bi«b«r, «i« «ta 
rad auszerhalb der Iransmisaiua aabcobcr acbsrint aa4 4a* 
durch eher atört als fordert, aoodara 4«a kaaatiaUaa ge- 
triebe dea ganzen als mit magnihmim bktar äataftgt 
wurde. Litzbarii dos druai« . . 4v fiftaaarl ' U. 

2)) der menaeb ist am t u iB ai a i a n g«a «t » t «a gatriato. Ciwa 
2,259; ohne die federn abzuspannen, weirb« das galrieb« 
menscblicber atrcbsamkeit wirkend erbtlL WÄcaraa tind mt; 

gatsterralcb und k6rp«rweltgewAhl« 

waltet eines rades tcbwung saas slal«^ 

biar sah aa Bai« Kawtoa gaha . . . 

gaistar In nBaraandan sptaaea 

nach der groatta galstar««nna straBaa, 

wie toB Beer« bScka Uakn. 

war* nlcbt dies ailBicblln nirleb«. 

da« lUB «w'gaa jabelbaaa mm ttak« 

nasr« bereaa an «laand«r nraagf 

Scaiixaa fßt trwm»4teUtO I. «•} 



4535 



GETRIEBE HI 



80 Übt natur die muuerpflicht, 

und sorgt, dasz nie die Kette briclit, 

und dasz der reif nie springet. 

einstweilen bis den bau der weit 

piiiloäOi)hie zusammenhält, 

erhält sie das getriebe 

durch hunger und durch liebe, (die weltweisen) 11,B7; 

wie eine that der liebe. 

die still und dunkel reift 

und herrlich ins getriebe 

des groszen leben» greift. Tiedge vgl. C*iipe 2, 353; 
wann das getriebe des lebensquelles dir trocken blieb. 
TiiüiiUEL der heilige Kilian 45. 

3)) die beim liehen getriebe eines handeis, les ressorts secrets 
d'une afaire Rondeau-Büxtorff 253; nur halt' er leider aus 
den alten und aus seinem humor eine unleugbare Verachtung 
gegen das geld, dieses metallene rüderwerk des menschlichen 
getriebes, dieses zifferblattrad an unserem werüie geschöpft. 
JEiN Paul Siebenlcds 1, 25 ; ehrgeiz ist die achse des ganzen 
getiiehs. Gutzkow ritter vom geiste 1 **, 164; 

das ist ein schachern, ein erwerben, 
ein räderrasseln tag und nacht — 
ich möcht' in dieser Stadt (Paris) nicht sterben, 
die auf den gräbern hochzeit macht! 
welch glück, dasz ihr in dem geu'iebe, 
mein deutsches spinnrad nicht vermiszt, 
dasz ihr nicht ahnt, was deutsche liebe, 
nicht ahnt, was deutsche narrheit ist! 

IIekwbgh die e/iigonen von 1830; 
unerhörtes vollbringt die berechnete kraft der maschinen, 
aber die Schönheit flieht vor dem entseelten getrieb. 

Geibel 5, 78 (Stuttgart 1883). 
p) 0) denn was man so genie kurzweg genannt, 

nicht immer ist's, wenn man es braucht, zur band, 
auch wohl, wie das so geht, nicht grad im gange; 
die beiden aber froh und klug gewandt, 
in ihrer mitte wird mir gar nicht bange, 
denn stockt einmal der ernsten kunsi getriebe, 
dann wirkt natur mit ihrem eignen triebe. 

GöTUE ('was wir bringen^ fortsettung) 11, 343; 
bis alle kämpfe durchgekämpft die liebe, 
musz sie bewegen sich und tief erwägen 
des lebens vielgestaltige getriebe. 

Platen (prolog tu den lyr. blättern 1847) 1, 218 ; 
als dürfe er einen tiefen blick thun ins innerste getriebe 
des lebens. Hebbel {barbier Zitlerlein 13) 9*, 76; lehr-, 
nähr- und wehrstand haben im letzen menschenalter 
änderungen erfahren, neue gestaltungen und belebungen. 
alle getriebe des Staates wirken in neu geschaffener ein- 
tracht. F. L. Jahn (leuwagen für Leo) 2,787; durch Volks- 
feste musz es uns endlich auch wieder gelingen, Staat und 
kirche zum besten des volks in gemeinschaftliche Wechsel- 
wirkung zu setzen, jetzt ist das kirchliche wesen ein ver- 
einzeltes getriebe. {deutsches vollcsthum) 1,320; seit langem 
schon führte er (Friedricli Wilhelm IV. ats kronprinz) den Vor- 
sitz im staatsrathe wie im ministerium und glaubte daher 
das gesammte getriebe des Staats zu übersehen. Treitsciike 
deutsche geschickte 5,7; jene eigenschaft gewandter klugheit, 
die im oppositionsfalle gefährliche potenzen in das eigene 
getriebe aufzunehmen und nützlich zu beschäftigen vermag. 
H. V. Obelh an G. Keller bei Bächtold 2,319. 

2)) so bedeutend aber auch die Umwälzungen durch diese 
Wissenschaft sind und wenn sie auch wie ein polyp mit 
tausend fangen in das leben des einzelnen so gut wie in 
das ganze getriebe des völkerconnexes und Völkerverkehrs 
hineingegriffen hat. K. Hoffmann über wesen und bedeutung 
der vergl. sprachwissensch., archiv für neuere sprachen ao, 2 ; wer 
aber das innere getriebe unserer zeilungen etwas näher 
kennt, der weisz auch, dasz die redakteure ihren be- 
ricblerstattern keineswegs so selbständig gegenüberstehen. 
Tbeitschre deutsche kämpfe, neue folge 53; bei einem punkt 
scheint die einsieht in das kapitalistische getriebe den Ver- 
fasser verlassen zu haben: ich meine jene bestimmung 
{im entwurf eines handelsgesetzbuches) . . nach der der hand- 
lungsagent ohne Tollmacht nicht berechtigt sein soll, das 
geld eines künden anzunehmen. Stadthagen deutsch, rcichstag, 
10. febr. 1897; ja meine herren, diese abhängigkeit der makler 
von den Bankiers ist einer der dunklen punkte in dem ge- 
lriebe unserer börse. graf v. Kanitz 9. jun. 189ü. 

y) je mehr die Vorstellung einer bewegung, einer unruhe und 
geiäuschvollen thätigkeit in den weiteren entwicklungs formen 
hervortritt, um so mehr nähert sich getriebe wieder der funelion 
eines Verbalsubstantivs; um so mehr auch gewinnen die etymo- 
logischen verwandten treiben, getreibe einflusz auf den beäeu- 
tungsgelialt unseres Wortes. 



GETRIEBEACHSE— GETRIEBEARBEIT 4536 

l)) auf solchen berührungen beruhen die nachstehenden beispiele: 
a)) wie das getriebe, so das gezeige. Wander 1,1611; 
das leben also, liebe! 
scheint mir ein stetes treiben und getriebe, 
gleichsam aus lust und furcht zusammen blattgewebt. 

Baggbsen (Adam und Eva 10) 4, 151; 

alles der menschen gewühl 

nennt er getrieb ohne ziel. GRiLLPARZERyed. (inci/fcus). 
ß)) das getriebe der wellen, the agitation ofthe sea Hilpert 460. 
2)) entfernter stehen die allgemeineren Verwendungen, 
a)) so einmal aus dem gesurre des täglichen getriebes 
herauszukommen, ist äuszerst wohlthätig. Gotthelf Uli d. p, 
15. cap. ; in der ait, wie er das thätige getriebe des hauses 
darstellte, war etwas, als ob er eine frische luftströmung 
in die stube bringe. Auerbach Landhaus am Rhein 3, 33; das 
gelriebe menschlicher thätigkeit, the Springs of human activity 
Hilpert 460; das gelriebe der menschen, the restless or busy life 
of men.ebend.; auf der hochwarte standen die väler der insel 
truppweise beisammen und ergötzten sich am gelrieb der 
traubensammelnden leute. Scheffel Ekkeh. 70; auf dem platze 
unter der kirche, rechts und links wird den ganzen tag 
hindurch gehandelt und gelärmt, dasz kein mensch mehr 
etwas hört vom tosen der Aach, die sich hart neben dem 
platze . . dem Schnepfau«tr walde zuwälzt; die sagenumwobene 
Kanisfluoh und die stolze Liggsleinpyrainide schauen ernst 
und still auf das bunte getriebe herunter. Felder reich und 
arm (I8ü8) 151 ; es wird noch viel Sonnenschein brauchen, 
bis der schlämm unserer ästhetischen und literarischen zu- 
stände auftrocknet . . ich bin froh zu jeder stunde, dasz 
ich mich all dem gelriebe fern gezogen habe; ich liebe die 
frische luft der that, aber nicht die fäulnisz, wenn sie auch 
aufs prächtigste phosphorescirt. Pichler {an Hebbel) Hebbels 
briefwechsel 2, 403 ; etwas abseits von dem allgemeinen getriebe 
schaltete der schieszunleroflizier. R. Stratz dienst 16; ihr war 
es, als müsse sie Berlin in seinem gewaltigsten, mitleidlosen 
getriebe aufsuchen, die kleine Elten s. 312. 

ß)) freilich in dem groszen getriebe der weit ist der starke 
so leicht jenem irrtura unterworfen. F.L.Jahn werke 2, 563; 

das verworrene getriebe der zeit. Rückeri 88; 
selbst in der Stadt mitten im tollen getriebe hält ihn {den 
adel) die Stellung zur höheren gesellschaft und zum hofe in 
gewissen schranken. Auerbach landhaus 1, 145; 

ich hoffe, sie miszfiel, das edle mädchen! 

obgleich die lange zögerung mich martert, 

und ich in das getriebe dieser thoren 

mich ängstlich menge, gleich als wär's mein kind 

und ihr geschick, um das dte rotte würfelt. 

Gbillparzer (Esllier 2) 85,259; 
die grosse zeit, die er durchlebt, das sausen der hunnen- 
schlacht hallen schwung in seine gesinnung getragen und 
ihn das getrieb kleinen ehrgeizes verachten gelehrt. Scheffel 
Ekkehard 375; Ekkehard aber liesz sich vom diakon die stola 
umhängen und das meszbuch vortragen, er hielt einen Um- 
gang durch Stube und kammer, die wände weihte er mit 
dem zeichen des kreuzes, auf dasz das getriebe böser geister 
gebannt sei für immer. 129. 

/)) an die im obiijen festgestellten Verwendungen^ vor allem 
aber an die unter ß)) behandelten, knüpfen zahlreiche Zusammen- 
setzungen an, aus denen der häufige gebrauch unseres wortes 
am deutlichsten erhellt: alltagsgetriebe, flutgelriebe, lärmge- 
triebe, lebensgetriebe {bei Jahn), luftgetriebe, parteigetriebe, 
schandgelriebe, schiffsgetriebe, siadlgetriebe, volksgetriebe, 
Wechselgetriebe (Jahn), weltgetriebe u. a. 

&}) von hier aus wird eine poetische Verwendung erleichtert, 
in der gelriebe — wol auch des versmaszes wegen — als synonym 
mit dem verwandten Substantiv trieb im plural auftritt: 

ird'scher getriebe 

reinigerin. Uöckert ged. (auswahl) 120, 
GETRIEBEACHSE, f. technischer ausdruck, vgl. getriebe 
oben sp. 4532: die unterläge, welche verhindert, dasz die 
getriebachse sich durch den druck der fraise nicht federt 
oder biegt. Phechtl lechnolog. encyclopäd. 11, 420. 

GETRIEBEARBEIT, /'., eine Zusammensetzung, die in der 
bergmännischen spräche gebräuchlich ist, sie knüpft an die sp. 4531 
dargelegten Verwendungen an: getriebearbeit, abtreibearbcit in 
losem gebirge, piling through quicksand Rumpf 1,210; getriebe, 
getriebearbeit, Zimmerung im alten mann, völligen oder gar 
schwimmenden gebirge; es gehört diese getriebearbeit zu 
den allerschwierigsten und gefährlichsten des bergmannes; 
beim Schachtabteufen mit gctriebezimtnerung verfährt man 
wie gewöhnlich, folgt aber dem absinken mit der Zimmerung 



4537 



GETRIEBEN 



CITRIEBDI 



Iriimer auf dem tmii-, iiml verlieht binler il«rtell>fn sllri 
mit pfilhlcn, welrlie »tu liri-ilerii bedeben; <ii« Krlriebütrlieit 
III sirerken ist noch schwieriger, •!• die in trhllchten, be- 

H ler« wenn dio lohie nicht fett Itt; man verführt im 

allKeiiieinon wie bei tier IbürntuclizimmeninK. nur dott »obl- 
hOlier gfieftt werden und die zimnii-runK onf maocberiei ait 
Ter«t)lrl(t wird. ('. IIantvann hnndwU. d. mm. elr, (iH-i&) i, tm. 
ViKTl{lV,ü\i.?i,fttrticipiatet adjittiv tu treiben |i. d.). da$ vetium 
entwickelt mehrfache bedeutungen, die eine isotierung de% parti- 
et^um« begiinsligen; io kannte schon die oUhochileultche zeit 
adjeeliviichf Verwendungen det parlicipt, die aber im omatt 
itechen blieben, vgl. (inAir &, 4S3. die fnUteVuichdeultch» teil 
brachte einige gehrnutlnformen auf, unter denen die Verbindung 
gelribpncr weg -<> gebahnter weg lich am längsten erhalten 
hat; der renaiuaneeiHt und ihrer kuntt enlipringt endluh dte 
nun und meist verwendete gru/pe gelriebLMit; arbrit. 

1) vereinxelte Verwendungen, a) allhochdeultch für actu$; lo 
in den glouen :it Veryil Georg. 2, 331 {actum eaelo magni$ 
aiiuilonibus imbrem) gitripiinan. Stkihhrtir-Siivkr« 2, <134; 
kctribcniu chlaga. .Notkhk im Hoetliiut Graf»- &, 4b3 u.a. 

b) unt du8 ungetiibrnen liuten ist ein griuse das iat dem 
getribenen ein herzenfr()ede,v «s ist nieman gottes riebe, 
wanne der ze gründe tot ist. (sprücht diutsrher mysliker) 
WACKKRNACtL /esrfturA l*, bim; abgetrieben Schmüilbr l''', 6tl; 

' durchtrieben theil 2, 1704. 

( ) so man sie mit jrem getriebenen namen (gelähmte meev' 
kiilbrr) nennet, sollen sie schimpfliche antworl geben. Foibr 
ßsehbuch to'i'. 

d) es grilT ins rSdcrwerk meines ohnehin nicht mehr kraftig 
getriebenen iebens zu sti'irend ein. Mkbrri briefe t, V->. 

e) getriebene (übertriebene, gesteigerte) preise advanced, 
ei'iggt-rated prieet Eitzrn wb. der handehsp. 917. 

2) getriliene ban, gctribener pfad, weg: 

wan in was gegen llöme gAch. 

diu tirAie was getriben genuoc. 

geln einer tiat >1 sie truoc, 

diu was Nerden genant. Mai und Beaftor 207, 27; 

vor deine la|;e >o ichiei er dan. 

•r kam iir ein getriben ban 

diu truoc in hin le Berne. 

hcKeiiliet 41, '2 (iiflii^nbiich h). getriebene bahnen 
noc/i hei Lavatir ihysiorinom. fraomenle (17&&) 1, &3; 

der marl(N fuor »& an dax laut, 

die Iti'iueglnn« hat er an der hanl. 

er sprach: '.iDetiu, ir sit genesen I 

nu kan Ir nimmer 16 vil weten, 

dm si mich türrenbesiän. 

wir suln an daz gebirpe gdn 

... ich liiuse hie wol getriben wege. 

U.V. niaTÜRLi!» Wiltehalm I.M, 23 Sini/er; 

gein Oriente was der pTat 

wol getriben und gebent (i/eba'in(), 

HiinaiCHv.NsusTAPT ron gotes tuoltunfi \ül Slrobeli 

davon mein bortz ward frfiden satt, 

rOrbat in das gevilile ich irati 

und Icam iilT ain petriben pfai, ' 

der trfig mich lOrbas. IIAitterin t, )g, &9; 
so hab Ich gwall 

melns henzen gar, und mein gemHt 

das fei ergeben deiner gfli. 

auch tiln und lAn mit triuwer pllicht. 

melns herizen« pan die ist g>r(cht 

tu dir allnin. ain irlbner pfat. -i. 36, 7: 

wol getribenen weg zu aller gotlicher warbait. fl. v. Nördukcrn 
191 Strauch; der weg (tur höUe) ist nit vorkrumpt sunder gar 
siecht und wol getriben. handsehr. des i:<.jh. Scrmellrr l*,Wt; 
und kam ich an ain we^scliaiden, was ein getribnor gueler weg, 
der gieng auf die glinggen hant (gelinke, linke band); ich 
maint, der weg soll sich wider herumb schicken zu disem 
neg, und rait also demselben weg nach, r/iron. des ß. Zina 
<iitdterhroniken 5, 106 ; getribner wüg , via IriUi, Her tritum 
ALKR m*: tribner wäg, ein wolbewandlele stranss; tribne, 
breücbliche straasz, via eelebris. ebend,ViS': item es mag 
auch ain nachipar über den andern, wo sie an einander 
geniint sein, faren mit inist und was er zu seiner hausz- 
notdurft bedürftig, doch zu rechter weil und zeit on schaden 
der üat and frücbt; wann alter ainer ain rechte gelribne 
strasz bat, soll er seines nacbbarn und also ainer des 
andern verschonen so vil müglich. üst^rr. veutA. l,lM(Warl/ti- 
fels 1W5); getribner weg, tia trita Ftisios (1816) 751. «*fiu9 
bei Drntzlrr (1677) 1I6. 

3) getrieben eaelatus. mt dem 16. jaArA. belegt, wird es to« 
an fang an bis heute vorwiegend ah attribut zu arbeit tttwendet; 
daneben kommt <s in r*rbindung mü wtttalUn und gefisum vor. 




4ft38 



«) a) das goM «U «Snlrr ««4 1 
und erhabner arb«il, evimi 
177*: Iribenwrrek (rf««) «im MMfMlMfeM^ «Ml^pi«» •••• 

glifpit: inbn« <>4er «t«!«« mMc ■■■tia »L'\M*mA 

und darilelcbM «ffoftr« kt mt»; mM«« 4m IfikMlwIw 

erbebten arb«!l emkim, 4M*{ 4m 4ma kk 4m 

geschweige, die weil »U 

vnd tteyomelzen als far urtkuH |Mi Mini «4 

sehe man die |olUciiiaki, mÜ |f«r |MMkMlM 

erhabenen vnd |*trikea«i mMI, «te 4« 4t •!•• W 

pringen, datg scbwirfiek in mtiall bttacrt 

t;«braclil werden. Kuciiaar r«rlrricAi >• 

(*loi»«- 10, 910 .V*«>/*); gbedrewen wtrcl» 

lalum tonoi}ue fattum Kilur JS; jntrtiW, ßHmimmHtnt 

IM7; alle« was «on |eirib«ncr arMt nwitk «irdt, 

filkata t»s9; getrieben« erbeit von silber mute et 

argenti cuelati. W; getriebeM arbeit, Mierefr rt^m «a teMk 

dictionairt du toyaftur U4: getiiebeie «Ml, 

Drntzlkr (1077) US; getriebene arbeit, 

na(o C'asTRLLi (I700) 139: getriebene 

Schwan (I7«i2) 740; getriebene »rbeil, 

werk, dänisch dreved arbedje, ttkmHuk 4rif«el 

englisch embossed plate, cAaud wmk. IViaaic« (tn^ aA» Sfi 

HiiPRRT 461 tt. a. 

ß) die getriebene oder ziselierte arbeit hlt 1 
die auf der verkehrten seile hob! sind, 
sagen, im gründe betrachtet, einerlei, und 
eigeneren, wenn, die liguren vortOglich stark an 
sind; das treiben geschieht aber auf eine dreibck« art 
mit den bunzen . . mit der wmkiitben spilie 
eisent (venu der siselier mit den 'bumm' der w ut ih m näf 
nicht beikommen kann) . . . nit einer form . . . $hm MT M 
geringen waaren. Sprrncrl kandmerk «ai kimäa a, i 
(1769) 169; getriebene arbeiL diese war nicht alWa 
haben, sondern es wurden auch runde Ugnrea galtiekca. 
die alteren roeMer, unter denen CaradosM vonOfttek §»• 
nannt wird, machten erst ein orbild von «acbs, fnanaa 
dieaes in erz. Überzogen das en sodann au eisaa gebt 
blech und trieben nach und nach die gMUk kartar, bin 
sie das erzbild herausnahmen. i;öTaR (aulMf 
(>i/ini) 3.'>, 322; vorzOglich «ind es die «41m 
welchen getriebene arbeit ausgeführt wir4. obwolil elf 
hier, ihrer kostspieligkeit wegen, jetzt seltener ab 
sonst vorkommt. KaRBARSca hundb. dermedk. teekmeL (im)tMl 

j>) darOber bekommt sein {ietstngt) stück Ibniicbkrit mH 
einer getriebenen arbeit, in welcher die kanst oder vwlaekr 
künstlicbkeit den wert der materie weit übertrift wai iakm 
doch verschwendet erscheint, wahrend Shake ay en f « mmthm 
gold mit goldner kunst behandelt, l). Liawic $, TIS: «a Ml 
getriebene arbeit, em kleines körn tneiall 1*1 dank taaa4af^ 
bare kunst zu einem groszen and re^cbea «erk« aBaaiaaadar 
);etriel>en, dessen wert eben fast biaat kl d tiai C kaMi k^ 
•lebt. Shakespeares werke sind dagagaa MMah. K tm. 

b) a) schale, gieazkaaaa ta« ta triak m r afkÄ, kaaia, 
ai^iere bo$$u^ Ro^Dtao-BoiToavr I9S: «or ja^eai im rtdar 
stand ein goldener becber von getriebener arkcit,' 4m, «kt 
oft er geleert ward, immer fefdlll seia awiaale. laaiaa aa 
(freihof vcn iteren) noteüen und itekL 4, Bl: «aa «alnaai 
antheil an der flbrigen betri. bilichen bealc ackaakla t aapa H 
zwei grosze Spiegel mit rahmen von galnakaaer aJkaiaikeMI 
der kunigin von Treusien. VAiiBA«a« Mtgnpk. Aalak 1|, M. 

ß) von seinen getriebenen arbcitaa ia gaM 
mag wenig obrig gebHabaa aaia, «aaifaMM 
keine mit gewiszbeil aatagabaa. Gkfw (1 
OUini) 3», SM: erwibnong verd Bea ta aack ü» 
arbeiten, welche zuweilen von a akl aaaaia, ftaiM eA anr 
roh, ane eiaenblech gemacht wardaa. l*Ba«aac8 Hk 

t) gbedreven silver Kiuak J'; da fairiakcaaa kackaa» aa 

hasskm hmmi SoiwAn (1792) 74«; g al ri akaa«« rtw a kliik . Mb 

fer en ftvälm. ekemL: bis s>e im «nMM ka w aiaa k iia a^ 

nach geoaner kaarbeitang die ia iaa gaUbt a r k jelikkMMi 

Agaren tnlotbelea. GOma (eateag «a t e a tt a a te ' ' 

nun Mrfti ror 4«o eckaracli eer •41« »«IkM 

•niUltti die ccMkkiea uaptcl»« n4 4««kt 

damit den i>odra. slue, uUln. 

cerinic- und ItAMlickee v«nli«ilt 

bereitet platt teaM fkr viel« «I 



CaliH)»,»: 



bereitet platt 
vnd »ein 4\t 
aar «uitealMi anf 



vnd »eiii 4l\» k— «Ml ri abaaea 
a«r Ar« r a Rbt aa 



I gModite 

II» 



1. 1| M.1t 



4539 GETRIEBENDE— GETRIEBZIMMERUNG 

seine {Cannings) rede war damals kein schwert, sondern nur 
die siheide desselben, und zwar eine sehr kostbare scheide, 
woran das getriebene goldbliimenwerk und die eingelegten 
edelsteine aufs reichste blitzten. Heink das bürgerkönigthum 
im jähre 1832, 4; 
wenn rühmlichen Stamms letzter erbe den geist veihaucht, 
wild in die gruft ihm 
das Wappenschild des geschlechts, zierlichen schmuclis nach- 

geseiilit: 
dies erzgetriebene hildwerk des lieds, 
auf gleiche weise hinab versenk' ich's 
an schwankem seil, vormaligen ruhms im geist eingedenk. 

I'latkn (auf den toä den kaixers) 131. 
GETUIEBENDE, n. technischer ausdrucke vgl, getriebe oben: 
eine glatte konische Vertiefung, auf der jetzt freien seile 
des armes nimmt ... die beiden enden des getriebes auf. 
Fbechti. technolog. encyklop. 11,422, auch blosz kegelförmige 
getrieb-ende pressen sich auf diese art so fest an die kerben, 
dasz bei kleineren getrieben und nicht zu breiten schneid- 
rädchen kein verrücken während der arbeit zu besorgen 
wäre. 11, 421). 

GETHIEBEPFAHL, m., ausdruck der bergmännischen spräche, 
vgl. getriebe sp. 4531: getriebepfäle sind pfäle, so breit und 
forne straff zugerichtet werden und sind entweder von 
schwarten, oder gerissenen holtze. Mineropbilos (1743) 254'; 
vgl. Chomel 4, 1026; gelriebepfähle . . . pfähle, welche mit 
ihrem spitzigen ende in den bruch getrieben werden, mit dem 
andern ende aber auf einer art von thüren ruhen, den ein- 
gefallenen Schutt wegzuräumen und das nachfallen zu ver- 
hindern. Adelungs, 639; abtreibe-, getriebe- treibepfahl, ein 
langes, starkes und scharf zugespitztes holzstück bei der ab- 
treibezimmerung, mittelst dessen das gebirge von dem inneren 
des baues abgeschlossen wird. Veith deut. bergwörterbuch 363; 
getriebepfahl laUi, palplanche Rumpf 1, 210 ; prop, shm or support 
Hilpert 461. 

GETRIEBLEHRE, f., vereinzelte bildung: in der getrieblehre, 
besonders im mühienbaue versteht man unter laterne einen 
drehling oder drilling. Campe 3, 39; es ist die Verdeutschung 
des von Aoelung an entsprechender stelle (3, 71) gebrauchten 
fremdwortes nicchanik. 

GETRIEBMASCHINE, f., technischer ausdruck, vgl. sp. 4bi2: 
gröszere getriebe werden auf dem räderschneidzeuge oder auf 
eigenen getriebmaschinen (machine ä pignons) mit fräsen einge- 
schnitten. Kabmarsch 621 ; bei der unvoUkommenheit der be- 
schriebenen Vorrichtungen für getriebe ist es rathsara, sich 
entweder eines besonderen im schneidzeuge anzubringenden 
ansatzes oder eigner getriebmaschinen zu bedienen; von 
beiden sollen nun einige beispiele folgen. Prechtl technol. 
encyklop. 11, 413. 

GETRIEBRAD, n., technischer ausdruck, vgl. getriebe oben 
sp. 4533: jenes rad, durch welches ein in dasselbe eingreifen- 
des rad ibewegt wird, heiszt treibrad, und das bewegte ge- 
lrieb- oder Iriebrad; kleine gelriebräder erhalten den namen 
gelriebe. Precmtl technol. encyklop. 11, 466. 

GETRIEBSCHEIBE, /"..• getriebscheibe bei den Uhrmachern, 
die Scheiben oder platten, zwischen welchen das getriebe, 
das Iriebwerk oder räderwerk befindlich ist. Campe 2,354; 
die getriebscheiben les faces de pignon Schwan (1811) 439; 
one of Ihe plateft betwcen tahich is the wheelwork of a watch 
HiLPEllT 461. 

GETRIEBSFELD, n. interval, intervalle Rumpf 1,210. 

GETRIEBSTAß, tn., s. getriebstock. 

GETRIEßSTANGE, f.: die gelriebstange la barre du ressorl 
Schwan ((782) 740. 

GETRIEBSTECREN, n., s. getriebstock. 

GETRIEBSTOCK, m.: getriebslecken oder getriebstöcke, 
cylindrische Stäbe, die die peripherie eines kleinen rades 
bilden, was dazu dient, dasz zwei räder mit einander in 
Verbindung gesetzt werden. Krünitz 18, 23; der getriebstock, 
le feseau d'une lanterne d'engrenage Schwan (1811) 439; ge- 
triebstab, stock, the staff of a drundle Hilpert 461; vgl. 
drilling (l) theil 2, 1412; kumpf (6, c) tbeil 5, 2614. 

GETRIEB WELLE, f. dasselbe was gelriebachse (s. oben): der 
köpf . . wirkt ganz so wie der schon . . beschriebene und 
nimmt das eine ende der getriebwelle auf. Prechtl technol. 
encyklop. 11, 421. 

GETRIEBZIMMERUNG, /"., bergmännischer ausdruck, wird 
vielfach als synonym für das häußger gebrauchte abtreibe- 
zimmerung verwendet, vergl. Veith deut. bergwörterb. 590. Thiel 
landwirthschafll. konversationslex. i, 415. 



GETRIEFE— GETRINKEN 



4540 



GETRIEFE, n., Verbalsubstantiv zu triefen (s. d.), vereinzelt 
und im dienste der poetischen stilform gebildet: 
und wo sie sprangen, drückten tief 
sich in des feuchten sands getrief 
die spuren ein. Ihherhann Tristati 137. 
GETRIFT, nebenfoim zu gelriebe, vgl. sp. 4530. 
GETRILLER, n., Verbalsubstantiv zu trillern (s. d.), vergl, 
geträller sp. 4415: 

ist darum, weil von ihrem (der kanarienvögel) hellen 

getriller uns die obren gellen, 

dasz man sein eig'nes wort niclit hört? 

Schmidt v. Werneuchkn (almarinch von 1802) 125; 
horchst der küstenlerche (i. Th. Kosegarten in Greifswald) ge- 
triller und zählst die fusztapfen des spukenden schnüffel- 
geisles, wie er die Leipziger feuer auszutreten sich müht, 
der klingklang des böhmischen kesselflickers entzückt deine 
Schwerhörigkeit, weil er der Leipziger siegesschlacht ein 
lief und der Jenaer niedeilage ein hoch gebracht. F.L.Jahn 
{briefe an auswanderer 2) 2, 732; Rom, der Herkules unter 
den Völkern, wurde durch das jüdische gift so wirksam ver- 
zehrt, dasz . . . seine imperatorische schlachlstimme herab- 
siechle zu betendem pfaffengewimmer und castralengetriller. 
Heine 6, 22; das rosige frühlicht breitete sich über den 
himmel und die lerche sang in der höhe ; aber schreckhaft 
klang ihr das getriller des vogels. G. Freytag {aus einer 
kleinen stadt) 13, 158; allerorten haben die lerchen eingesetzt, 
und ihr ununterbrochenes getriller schallt bald näher, bald 
ferner her bis in den gulshnf herein. G.Hauptmann vor Sonnen- 
aufgang (1S92) 42. 

GETRILLT, «. gedrillt th.1, sp. 1410 und 1411. 
GETRINDELT, participiales adjectiv, vgl. getründelt Ih. i, t, 
sp. 4416: ain vierling ungetrindlet erbis um 40 pf., ain vierling 
getrindlel gersten um 40 pf. . . alles ops ist theur gewest. Variante 
zu Senders chronik von Augsburg, deutsche städtechron. 23, 327. 
GETRINKE, n., Verbalsubstantiv zu trinken (s. d.). vereinzelte, 
jüngere bildtmg: desselben abends waren die redouten be- 
suchter als jemals; übermüthiges gelächter überjauchzte fast 
die lauteste musik, man erhitzte sich beim chahut, einem 
nicht sehr zweideutigen tanze, man schluckte dabei allerlei 
eis und sonstig kaltes getrinke. Heine {das bürgerkönigthum) 
1S32, 6, die cholerazeit in Paris. 

GETRINKEN, verb., verstärkte bildung zu trinken (s. d.), die 
vor allem durch die bibelübersetzung aus der alten spräche in 
die anfange der neuern herübergerettet wurde, 

1) für die alih och deutsche zeit ist die präficjicrte form aus Notker 
vielfach belegt Giiafk 5, ö39: zuö chCifä iigen fülle, ünder 
Jovis türön. eina giiotes. ünde ändera libeles? wer ist. ^r 
negelrinche beidero. Boethius 3, 53* Hattemer. ähnlich 3, 276' 
u. a. die mittelhochdeutsche dichtung läszt das präfix ebenfalls 
oft zur Verwendung kommen, auch auszerhalb der fälle, in denen 
syntaktische function desselbm hervortritt, vgl. mhd. wörterb. 3, 92". 
Lexer 1, 948, nachtrag 204; 
an der ersten note 
daz wazzer begunde bluten 
vil harte begundez stinchen 

si ne mohten ez niht getrinchen. bücherMosisiOi Diemer 3S; 
sie woldeu des beginnen des wasseres gewinnen 
daz getrunche ir vihe; daz begunde in weren 
die hirte uasßzze, si wolden si verstozzen 
sine wolden in gunnen des selben brunoen, 

Milstädter exoilus 124, 2 Diemer; 
sus trinke ein iegeslicher man, da; er den durst gebüe^e: 
daj tuet er äne haubetsünde und äne spot. 
gwelch man so getrinket da; er sich noch got 
erkennet, so bat er gebrochen ime sin hoch gebot. 

Waltukr 30, 7 Laclimann; 
also Lanzelet enkunde 
von des kopfes gründe 
getilnken des lides. H.v.d. TBrun diu ordne 2129; 

so sint och sumeliche, die niht gernt, wan wie si wole 
getrinchen, und wie si huorlichen geleben, speculum eccles. 
163 Kelle; also komen si an ain slat diu hiez Marahl da fiinden 
si wazzer. diu waren aber als bitter daz si nieman getrin- 
chen noch geniezen moht. Grieshaber deutsehe predigten des 
13. jh. 1, 14. die syntaktische function des präßxes tritt in mannig- 
fachen formen des praeterit. zu tage , sie äuszert sich jedoch auch 

ampräsens:äea köpf sol iuwer schenke 
vollen tragen über al 
von tische ze tische in dem sal, 
rittern unde vrouwen, 
so muget ir wol schouwen, 
als sie da von getrinkent, 
weihe von valsche siukent 
oder weihe sicher bestänt. 

H. v. D. TÖRLIN diu crone 1 158 ; 



4541 



GETRIPPKL— GETROCHEN 



der briiiiin getiinchct. den güdurttet iiirniiiir m£re. vnne diu. 
daz er im alle sine aunti vertiliget. speculum eceltsiae 47 ; 
aUo Hiiiicre ho wir deü wines getrinken. so werden wir 
alle blucgende zuiiiegiden und da von sun wir ilen. daz 
wir des wincH getrinken. Wacrkr.nackl alt. prediiiten bS, 93. 

•i) in der Übergangszeil tind et Übergebungen, vereinult auch 
bearbeitungeu aus dem btblischen kreise, di» unure veraltende 
form noch fetthalten, gelegentlich irigen Varianten oder sjiattre 
Tednetionen die heuti/e form 

a) ind Jb£iiu$ aiitwort«' und sprach.' 'ir wizzet nicht waz 
ir bittet, mrrgit ir getrinken den kelch den ich trinken sai*. 
IIkiii'JMs evangelienbuch Matlh. 20, 22, ebenso Marc, tu, 38, ebento 
iioclt hei Egcbsteyn (Korurckr: trincken); und daz blAt 
ward in stninen und hUitzinen fassen ful und stnrbend die 
lisch und muciitend die nientsclien de.« wasscrs nit getrincken 
und wurdoul siech davon. Mbrzdorf historienbibel det \h. jh. 
{Variante triiickcn) 2t I; dar ist ein burne, der ist in dem 
tage also kalt, duz in nieman getrincken mag und nachtcs 
ist er so heiz, daz sin nieman geniessen mag. 625 {zweite 
historienbibel). 

ß) am längsten hält sich das präfix da, wo et durch eine 
sijnlaklische funclion geslülit wird; später must et auch hier der 
neuen form wnchin: bereite daz ich des abindes ezze, und 
schürcze dich und dine mir, biz ich gezze und getrinke: 
und dar nAch sultft ezzin und trinken! Bebeihs evangelienb. 
Lucas 17, 8; ebenso bei Eggesteyn (Koburgkr: eszz vnd 
trinck); er (Jacob) bracht jm auch wein, do er gedrnnk 
sprach er {Isaae) zu jm. neig dich her zu mir und gib mir 
deii\ kusz sun mein, ipiegel menschlicher behaltnusse (1492) 0&*. 
Luther, der für Lucas l", 8 die einfache form einsettt (bis ich 
esse und trinke) hält in anderen ähnlichen fällen ursprüng- 
lich an der präßgierten form noch fest: und da sie jm zu 
trincken gesehen hatte, sprach sie, ich wil deinen kamelen 
auch scliepffen, bis sie alle getrincken. 1 Mos. 24, l»; und als 
er (;etranck, kam sein geist wider und ward lebendig, richter 
16, I!) (in den älteren bibelausgaben); später, von 1539 ab, setzt 
LuTBER hier das einfache tranck ein. 

GETItliM'EL, n., verbaUubslanliv, das in swri vertdiiedenen 
bcdeutungen auftritt. 

1) der älteren spräche gehört das mit getrappel, getrüppel 
sp. 4425 verwandte wort an, dat eine mit kräftitjem geräusch ver- 
bundene bewegung kennzeichnet: dort das gedrippei, da die 
rheigen (reisigen) hingezogen seindt. Kirchhof milit. disciplin 
121; er hatte sie . . genommen «nd geraubt, aber in solchem 
petrippel des kriegs behalten und verbergen wolt. buch der 
Itche 1S7, 3; allwo ich im saal männer, weiber und ledige 
personen so sihnell untereinander herum haspeln sähe, ilasz 
es frey wimmelte; die halten ein solch getrippel und gejöhl, 
dasz ich vernieynte, sie wären alle rasend worden. Grimm els- 
iiAusEN Siniplicm. {l. cap. 34) neudruck S9 {Varianten getreppel, 
getrüppel Keller l, 178). 

2) die jüngere bildung, in der bedeutung mehr an das heutige 
trippeln (s. d.) angelehnt, hat weniger das geräusch, das mit 
der bewegunij verknüpft ist, als die art und weise im äuge: es 
war immer eine unendlich glückliche minute, wenn wir, die 
hünde reglementarisch auTdem rücken verschränkt, die knaben 
bei den iniidchen vorbeimarschierten und unsern soMati- 
schen schritt gegen ihr günsegetrippel hervorzuheben suchten. 
Ci. Keller (grüne Heinrich) 1,90. 

GETUISLET, parlicipiales adjectiv zu triseln , drehen, im 
kreise winden (vgl. Weikboiü beitrage su einem achtes, wb.2, 10<»): 
in der rechten hant forte ich einen swarzen getrisleten kluppel 
einer colnisihen illen lank mit roten und weisen schranilin, 
boni, gedrceht, mit guldin kernlin. buch Weinsberg i, 264. 

GETIUTT, adjectiv, s. gedritt theil 2, 2040. 

GETl\OClii.N, parlicipiales adjectiv zutrechen; für trechen, 
•lieglut auf dem herde mit asche bedecken, vgl. Stalder 1, 293. 
ScHMELLEB 1*, 042; Vgl. auch eintreehen theil 3, 327 ; das particip 
kommt schon in glossen des 10. auf lt. Jahrhunderts vor: an 
die stelle aus Vergils Aencis 

kl primum Herculeis .«opitas ignibus aras 
cxcuat (S, 542) 

dann zuerst den altar mit schlummerndem ilercules Teuer 

reget er auf (Voss), 

knüpft der Münchener codex die glosse gidrehanetun Stkih- 
MEYBR-SiKVBRs 2, 663; sonst ist das particip lillerariseh wenig 
belegt; auf volkstümliche gcltung und Verbreitung weisen jedoch 
einige beispiele hin: da lag di katz bim fuer das was ge- 



GETROCIlENLICIi ^GETRÖDEL 4542 

trocheo. G. Zoikl d*r roittämtektr (15. jahrhunJerl} Miimdhur 
codex 6M ScaiiBLLiB I*, M3: wer rtoeo UndrI bei nackt, 
bei gelrocbeoriD feuer in seiDem bau«, ikt verfalleo l«ib mn4 
gut. Gnim« weitth. 3,73«; zun 4. so mai 4ise zwitpalliinit 
und Bachen bievor in den geineiaen conciheo fenü|saai 
disputiert und eodthchen entscbideo. darumb bell«fl «ir Hr- 
bo(Tt, dasz verer vergleicbung oder t;e>prccb toa unnOU«« 
sein solle, zAdem . . das so langst ist geirocbeo an4 rrlft*!, 
widerumb aus der Iscben zu blauteo. .Sbmdb«« tkrtmä vra 
Augsburg, d. tlädteclironiken 23, 370. 

(iETHOCMEiNUCtl, adterh.: getrocbenlich odrr beimlicb. 
Geiler v. Kbiskrsiierc erneu (I5i6 anhang) '.o'. du >ri/r«l««y 
erklärt sieh leicht aus dtm vorstehenden. 

GETKUCHLINGEN, aäverb. mit derselben bedeutung mit in* 
vorige: das ist ein hart ding, münz icb all« diog in goC 
ordnen wirklieben oder gelrocblingen. Gbilk« v. KaisBatafac 
emeit (1516 anhang) 70*. 

GETHOCKNET, partiapialtt adjettit tu trochneo (t. i.), wfl, 
getreu(;t. attnbuttv uird dat particip huupUäehlieh wüt pflamitn 
und fruchten oder mit (leuehuaaren verbunden; gelrucknel, 
ituv^, getrocknet an der luft, lufttrocken Huarr 1,210. 

1) a) mit heimlicher Inst durchlief er die auf langer waai«w 
schuft gesammelten skizzen — getrocknete blütbeo, weidM 
vom thau der erinnerung befeuchtet, immer aufs neue kao«- 
pen und duften. Gaudt (Ludwiga) 5, ui; so «ine prutitor«- 
oder principals-seele, die eine wie die andere dOrr wi« ge- 
trockneter holiunder. Gotthblf Kathi, die grottmmUtr (i«M7) 
1, 90 ; sie war beglückt Ober jede neue dicbterpnanze, di« 
sie in ibr herbarium getrockneter dichter einlegen konnte. 
Th. Kerker das Kernerhaut 1,303; getrocknetes gemü»e. Tbikl 
landw. konvertattontlex. 4, 415; getrocknetes getreide, irud 
com EiTZEN wb. der hamleltsprache 3\t ; 

aus den Inseln riihren sie her willkommene nabrtiof. 

ZU dem Acliaiisclien beer, das lange vermiuie di« lufahr. 

weia und getrocknete Truclit und lirerdeo blökenden vieb««. 
UoTUI (AchltUu) 40. :i«>2. 
GOthb liebt hier sonst <fte ^orm aufgetrocknet; aufgetrocknete 
blumenerinnerungen früherer Spaziergänge. 17, tW; mit einen 
zierlichst aufgetrockneten blumenkranze. 47, 138. 

b) der stein, aus welchem sie {dte lichtmagnete) verfertigt 
werden, findet sich blosz am nahe gelegenen berge Faterou 
gewöhnlich in plattgedrückten nieren von der form getrock* 
neter feigen. Matthisson («rinn^run^en) 4, 175; zum frübstdck: 
frittuten \a oel gebacken, mit genebenem ka»e bestreut, 
süsziichen laudwein, elendes, schlechtgebackenes brol mit 
kUse, zum beschlusz getrocknete feigen. GsiLLPAszBa {tagt- 
bucli aus Italien) 19^, 207; äuszerst bübscb aind die laden 
der obstverküufer, die sehr grosz und su reicb mit aepleln, 
ponieranzen und getrockneten fruchten aller art besetzt 
waren, ebenda i99; ich . . giill endlich nach den vielgeliebten 
gewelkten pflaumen, versah mich mit einigen getrockneten 
apfeln, und nahm genügsam noch eine eingemachte poiiir- 
ranzenschale dazu. Götub {W. Meisters lehrjahrt \) 18, tl; ge- 
trocknete üpfel, schnittflpfel sundned applet Eitzbr «i. der 
handelsspr. 317 ; getrocknete pllaumen dried or eured prunts 317. 

2) a) das harte nahrungsmitlel, das im rauche getrocknete 
fleisch, das im Salpeter erhaltene rind, der gedörrte fisch 
wird den starken magen des arbeitenden landnumnes nicht 
belustigen. Gbllcrt (moraliieht vorlisungtn ti) 6, 2&3; 'ge- 
trocknet' hört man zuweilen für 'gerSucbert', z. b. getrock- 
netes schuafUeisch. tdmtikon der dtuttchen spratke, Ktga 17M; 
getrocknetes fleisch. Thiel landKirthsch. kontrna tm m iitr , 4y41&; 
der liandel mit 'gesaltzen gut d. h. geirocknelea, g«i« ll« a M 
und geräucherten seelischen, tk, 4,1, sp. 37M: (Ctrockncler 
cabliau, dried coil Eitzbx wb. der handeUtpr. SIS; der küfer 
hatte getrocknete aale in einer blecbbucbs« bei sich ond 
auch brod. das gab er den kindern alle* xn eesea. Acn- 
BACH landhaus am Rhein (lS69) I, 138. 

b) eine getrocknete fuchstunge getragen, scbflttt vor itr 
sogenannten rose. Cdbtzb volkidherhefermmgen aus WaUetäTH; 
getrocknete baute dry hides Eitzbn 317; faszie ihn eiM dcrk« 
faust an der gurgel, und es sausten die hieb« eines getrock- 
neten farrenscbwanzes hageldicht anf seinen rflcken kerab. 
M. fiucK eine oturukwdiüdi« iorfgeukitku 4. 

GETRODEL, n., Mrenitfr stm bildmngtn und funtütuen im 
sieh ; einmal ist es coUtctirhiUung s« trödel (s. d.K andtnntis 
Verbalsubstantiv s« trödeln. 

1) dtr colUciivgebrautk ist vtreinuU: irenn ick . . wci«!, 
jetzt ist das reckte und beete antervregs, sod «kd glekk 



4543 



GETROFFEN— GETROMMEL 



GETROMMELT— GETROST 



4544 



in die aufgeräumte putzstube meiner seeie anlangen — brlsch ! 
ist alles weg . . alles, was glänzte, liegt wie altes widerwärtiges 
getrödel in einer polterkammer durch einander. Tieck {der 
hexensabbath) novellenkranz 2, 240. 

2) das Verbalsubstantiv wird in der umriangssprache gern ver- 
wendet, litterarisch Idszt es sich seltener belegen : getrödel, slow, 
ledious way of doing o Ihing, a humming and hawing Hilpert 461. 

GETROFFEN, participiaks adjectiv zu treffen (s. d.). die 
attributive isolierung knüpft an die drei hauptverwendungen des 
verbums an. 

1) getroffener fried, pax inita, sancita pax Bayer (t"33) 289 ; 
daher entspringt der aufschub und endlich die völlige ent- 
sagung auf die eheliche Verbindung, oder, welches vielleicht 
eben so schlimm ist, eine grämische reue nach einer ge- 
troffenen wähl, welche die groszen erwartungen nicht er- 
füllet. Kant {beobaehtungen über das gefühl des schönen und 
erhabenen) »erm. sc/irj//en (1799) 2, 405; er zeigte unverhohlen, 
dasz er die getroffenen übereiniciinfte als ungültig und nicht- 
bestehend ansehe. Varnhagen biograph. denkm. 2,56; wäre 
es auf längere zeit, dasz ich diese stelle einzunehmen hätte, 
so würde icii verpflichtet sein, eine wähl zu treffen und die 
getroffene ihnen anzukündigen, denn ich fühle wohl, dasz 
weder mit meinen kräften noch mit den ansprüchen, die das 
Volk . . zu machen hat, die beibehaltung des amtes, welches 
ich in meinem Staate bekleide, neben dieser stelle verträg- 
lich wäre. H. v. Gagern in der Paulskirche, Stenograph, berichte 
1, n'. richtig nennen z. b. Ducange und Oberlin ihre werke 
glossare, die französischen academiker ihre getroffene aus- 
wahl dictionnaire. J. Grimm einleitung zu theil 1 sp. 9. 

2) man sah aufs bild; doch jedesmal 
noch längre zeit auf das original ; 
und jeder rief, sie ist getroffen ! 

! sprach sie ganz beschämt, wie könnt ich dieses 

hoffen? 
er hat mich viel zu schön gemalt. 

Gkllert {Selinde) 12,88; 

alz ich sie noch nicht sah und kannte, nur 
die Phantasie ihr schlecht getroffnes bild 
in graue nebel noch verdieszcnd malte. 

Grillparzer (Siifp/io 2. 1) 4», 157. 

S) neidgetroffen. Göthe 2, 72, vgl. theil 7, 558; und ich 
spreche auch jetzt nur davon, damit du nicht etwa glaubst, 
dasz der nur halb getroffene dich auffordert, deine wunden 
zu verbinden und dich zu fassen. Hebbel briefwechsel l, 183; 
eine erwiderung des getroffenen steht in nr. 160 {des Züricher 
intelligenzblattes). Bäcmtold Goltfr. Kellers leben 3, 14 anmerkung. 
vgl. betroffen. 

GETROFFEN, participiales adjectiv zu triefen (s. d.), ver- 
altet: getroffenes hartz resina stillatica Steinbach 862. 

GETROFFENHEIT, f., Substantivbildung zu dem oben unter 
getroffen 2 dargestellten adjectiv: aber die erdgestalt einer 
gegend sollte sich im bildnis abspiegeln und kenntlich sein, 
wie leute im gemälde. die feidschaftsbilder müssen niemals 
die ähnlichkeit verleugnen, nicht in unabsehbaren wellen 
dürfen sie unendlich und maszlos entwallen, nicht in gestalt- 
losigkeit von dünen fortreihen, in der genauesten getroffen- 
heit liegt die treffliclikeit. F. L. Jahn (vaterl. wander.) 2, 413. 

GETKÜL, n., Verbalsubstantiv zu trölen, trolen, drollen, 
drehen, wälzen, treiben, vgl. theil i, 1428; das Substantiv ist bei 
Maaler belegt, der auch das verbum in der entsprechenden form 
darbietet: mit getrül oder waltzung . . volutalim l"'. die 
Schweizer mundarten zeigen noch heute reich entwickelte gebrauchs- 
formen von trülen, so namentlich die Substantivbildungen ein 
tröhli wurst und das tröhl, ein langwieriger prozesz. vergl. 
Stalder 1, 308; 

da Wirt ein hader und ein fechten 
von wib und man, ein hefiigs troel. 

N. Manukl 257 Bäehtold. 

GETROMMEL, n., Verbalsubstantiv zu trommeln (s. d.), juuqc 
bildung: krieg! krieg! wiszl ihr auch, was ihr ruft? dasz 
es euch leicht vom munde geht ist wohl natürlich; wie lumpig 
aber unser einem dabei zu muthe ist, kann ich nicht sagen, 
das ganze jähr das getrommel zu hören ; und niclits zu hören 
als wie da ein häufen gezogen kommt und dort ein andrer. 
GöTHE {Egmont 1, 1) 8, 177; 

viel getrommel und wenig Soldaten. 

Wander 1, 1641 ; 

eine ähnliche erscheinung erzählt A. v. Humboldt in seiner 
reise: abends gegen 7 uhr am 20ten hornnng 1803 wurde die 
ganze Schiffsmannschaft durch ein auszerordentliches geräusch 



erschreckt, welches dem getrommel in freier luft glich. Oken- 
allgem. naturgesch. 6, 249 ; als ich erwachte, schien die sonne 
wieder wie gewöhnlich durch das fenster, auf der strasze 
ging die trommel . . . unterdessen ging das getrommel auf 
der Strasse immer fort, und ich trat vor die liausthür. Heine 
buch Le Grand cap. 6; in den Niederlanden und in Italien 
gab es dann zwischen den kriegenden parteien . . noch viel 
getrommel und geschiesze. J. Schkrr Hlücher 1,49; getrommel, 
das, drumming Fick 177; getromms n., das getrommel, le 
tambourinage Gangler lexicon der Luxemburger umgangsspr. 179. 

GETROMMELT, das particip praet. zu trommeln gelangt nicht 
leicht zu attributiver Verwendung; ein beispiel poetischer Über- 
tragung giebl Heine: ich hätte nie gedacht, dasz die alte, 
harte trommel so schmerzliche laute von sielt gehen könnte, 
wie jetzt monsieur Le Grand daraus hervorzulocken wuszte. 
es waren getrommelte thränen. buch le Grand cap. 10. 

GETHOMi'T, s. getränie sp. 4415. 

GETROMl^ETE, n., Dcr6aisubs<un<it) zw trompeten (s. d.) : ein 
wellgeschichtliches factum, unvergänglich eingeschrieben in die 
annalen der menschheit. zur zeit seines gescliehens freilich 
ganz dunkel und unbeachtet, nicht mit trompeten und pauken 
verkündigt, wenn schon später viel getrompete und gepauke 
in der weit verursachend. Schekr Blücher l, 79. 

GETROi'FE, n., Verbalsubstantiv zu tropfen (s. d.). das wort 
ist wie andere ableitungen von diesem stamme bei Voss belegt 
und wird in apokopierter form verwendet: 

dauernde zeit hat dem menschen gebändiget löwen der wildnis, 
zeit hat mit weichem getropf starrende felsen durchätzt. 

Voss Tibull {Priapus tehrc 18) 53; 
auch wol ein getropf des Kronion 
ahmete nach mit der stimme der rab', eh regen herabgosz 
{Zrjva axaXöoovra). 
Aralos (weiterzeichen 965) 171. 

GETRÖPFEL, n., Verbalsubstantiv zu tröpfeln (s. d.): 

auch unerträglich 
feuchtet der thau in den wüsten Arabia's, dasz mir getröpfel 
schon um gehörn' und obren und rings an den zotteri herab 

trieft. 
Voss [der bezauberte teufet) gedickte 2, 135 (1825). 

GETRÖPFELT, participiales adjectiv zu tröpfeln (s.d.): 

baumrinde verschlieszt die endenden werte, 
thränen fliessen hervor, und es starrt der getröpfelte bernstein 
gegen die sonn' am jungen gcbüsch; das empfangene kleinod 
sendet der lautere ström zum schmuck den latinischen töchtern. 
Voss Oviii (Vkaeton 396) 1, 95. 

GETROPFT, participiales adjectiv zu tropfen (j. d.). schon 
früh lassen sich gesonderte Verwendungen dieses parlicips belegen : 
in manega wls ketropfotiu ioh kefehtiu färewa, also in l<5nzen 
diu ^rda getan ist {muUicoloribus notulis variata pictura). 
Notken Marcian. Capella 299'. HatlemerZ; getropffet, stillatus 
Maaler 177''; massen von stalaktitischen d. h. zapfenfürmigen 
getropften gestallungcn. Karmarsch techn. wb. 2, 333. 

GETRüSCHE, nebenform zu gedresche, gedrösche, den oben 
(sp. 2039) angeführten beispielen ist noch hinzuzufügen : ein groszes 
getrösch. Am'jdis 24, 153; daher jener nicht unrecht gesagt, 
die viehische liebe der jugend, gleiche denen quellen, welche 
sich über die felsen und klippen mit schnellem getrösche 
herabstürtzen. Harsdörfer gesprächspiele 6,95. 

GETROSZ, n., verstärkte form zu trosz (s. d.) mit collectiver 
bedeutung: und thete aller getrosz heim hauffen bleiben. 
Aimon (1535)4'. ebenso getrosz in J.V. Andrea glaubenstriumph l'i • 

sie lagen wohl beid' unter riegel und scblosz, 
und der graf besohlte viel dienergetrosz. 

Heine buch der lieäer (junge lieder 7. 
in der ersten außage, später dienertrosz) 

GETROST, participiales adjectiv zu trösten (s. d.). neben der 
attributiven Verwendung treten hier vor allem adverbiale functionen 
hervor, wie schon die äuszerc form durch den mangel des Um- 
lautes auf eine frühzeitige isolierung vom verbalstamme hinweist, 
so machen sich auch in dem bedeutungsgehalte des adjectivs züge 
geltend, die am verbum eigentlich nur auf früherer sprachstufe 
zu bemerken waren, den ausgangspunkt aller dieser erscheinungen 
bildet die etymologische verwandtschaß von trösten, getrost mit 
getreu, trauen, getrauen. 

L ältestes auftreten, formen, bedeutungsentwicklung. 

1) a) die ältesten belege bietet Otfrid, der das particip noch 
durchaus als verbalnomen verwendet, in bestimmtem zusammen- 
hange jedoch mehr die nominalen functionen ausbildet, nach 
der Seite der bedeutung stehen sich bei ihm zwei verwendungs- 
gruppen gegenüber. 

a) allgemeiner gefaszt und der grundbedeutung näher stehend 



4545 



GETROST l 



GETROST I 



4546 



trtelitinl die bedeuiung verlrauentToll, ton der tick wiederum die 
londtrbtdeutung fiirchllos abtweigt: 

Ibaz wir to ytürdd«, Ton fitniOD irl6*ia 
üarorabteiiii »In Iroo thiooootl. Oifaio i. 10. It; 
nilieme« iliio dblll, iliiu liiuib B«ll itlar üblrl, 
ilemo« giilroni« ni himilrlclia Irlöit«. b, U, 75. 

hieran knüpft von althochdeultchen belegen (GiArr i, 4*8) noch 
eine Vergilylosse fretiu, kitroXer. STKiRiiitiiKi-SiKVK«! 2, Ml für 
Aeneis n, 143: 

to wird bflidar geicblecbt von einerlei blute getheilei. 
iteasen gniroit, hab' icti weder mil aurirag boien, ooch Irgend 
iclilau vorrOhleiide lißutte k'ailelll. Voi« n.n.o. 
ß) engn gefattt ist eine andere bedeutuny, die unter dem 
einflusie der verbalfunction steht, getrost, getrAitt-l, eniiuthigt. et 
macht sich hier die Vorstellung geltend, dasi die durch da* adjecliv 
beseichnete teelenstimmung alt Vorbedingung eitu Umwandlung 
det yemüthet voruutsettt: 

»0 tiu gi«ah ihen llubuu man, im Iru thai bärxa biquam, 
Iho »pruli hI li ilienio liinde mit gidröitemo ainne 

Utkrid l.n.ii. 

b) die psalmemberseltung bietet unter dem einflust der latei- 
nischen vorläge für frithzeitige tubttantivierung des participt {vgl. 
unten sp. 4652) ein beitpiel, das sieh bis in die spdlkatliolitehe 
btliel hinein erhält: gedaii sin wir also die gedruste. Trierer 
interlinearversion psalm 125, ( {facti tumus sicut consolati; do 
wurden wir suino so getröstet. Notker); ebenso Windberger 
ptalmen; geschaffen ai wiralse di getrustin. Tmbnitier psalmen ; 
sein wir wurden aU die getrosten. Kc»; da werden wir wie 
die getrosten. Dikthnhercer (6« Lutiihr andere fassung). aus 
der mittelhochdfutschen dichtung ergeben sich für die numinalt 
tnlwicklung des particips keine kennieichen fortschreitender ent- 
wicklung. die beispiele, die im mhd. wörteibuch 3, 116', Lbxkr 
'i, 1528 susammengestellt sind, lassen nur nach der formellen seile 
hin einen unterschied iwisclien bestimmten Verwendungen des par- 
ticips und solchen der sonstigen formen des verbums irkennen. die 
ausgleicJiungsbestrebungen, die <len Ihemavocal und den umlaul der 
kurzsilbigen stamme auch bei unserem verbum einbürgern, erscheinen 
eben bei diesen bestimmten Verwendungen des particips als gehemmt 
und zurückgehalten, belege für geirüst werden in diesem falU 
nicht nur von mitteldeutschen sondern auch von oberdeutschen 
denkmdliin geboten. 

"') nu vugeiei sicli in einen tagen, 

daz si quam so liinab 
bi des ||uten mannes grab, 
da manic mt-n^clio wart erlöst 
und mit helTo getrost, fiujs. 62,30 AOpke; 
wer niclit erstarb, der quam wider, 
daz er wart täliciicii getrost 
und von der lieidcnschari gelöst. 

tividnä. rcimclir. 10725 /.. Meyer, ebento 11888; 
ein griwer munlch wart in der ndt 
aidi vll anellich getrost. 11»32. 
ß) eines taget al würn frölicb, 

wand tl getraut wären, 
ex woit nilit säre väreu 
Ires lebetit der Kariot. 

Uttokar dstetT. reimchr. 3173, vi)l. 4313. 
y) von mittelniederdeutschen belegen weist nur einer antdtie 
sur isoUerung des particips auf: unde lach up sinen bedde 
i|ueiliiie getrost. Schiller-LObbkn 2, 90*; weiter geht das mittel- 
nteilerldndisehe, vgl. Vkhwijs und Vbrdam 2, 1755. 

c) IM der neuhochdeutschen j^eriode machen sich anfangs nach 
swei seilen hin Schwankungen geltend, einmal ertclieint die form 
gelrust — namentlich in mitteldeutschen quellen — immer noch für 
das ausgesprochene verbalnomen, und andererseits tritt für das 
tum adjectiv gewordene paiticip gelegentlich die umgelautete form 
ein, letxteres namentlich in oberdeutschen denkmdlern. 

n) ein stiiiiine ist gehört in Uami viie weinens und bAlins : 
Kachel weinete ire si'ine und wülde nicht getri^st sin. Beheims 
tvangelienbuch, Matth. 2, 18; und sie woit nit werden getrOst. 
vor/u(AeriscA« bibel, und woit sich nicht trösten lassen. Luther ; 
ähnlich Matth.i>,i. Luc. 16,25; gedecblic waz ich der urteil din 
von der werlde, herre, unde getrost bin ich. Trebn. psalmen 
psalm 118, 52 (consoi<ilu$ sum). getröstet bin ich. Wtinbergtr 
und Trierer version; ich bin eingedenck herr deiner urteil . . 
und bin getrost. Eck ; werde getröstet. Luther und L)irtb!<- 
BiRCKR ; und wurden nit ein iuczel getrosU codex Teplentis 
apostelgesch. 20, 12; bei Eggestett getrost, 6<t Kurcrcer, 
LuTBKR und den spdleren getröstet; item das gottes volk 
«lle zeit unter dein creutz gewesen und doch wunderharlick 
«rhaldcn und getrost worden. MEi.At<caTBON anrichtung der /et 
ic/iui, Bonn 1543 c 2*. 



fl) und Ibeiua ■land still, und Hm \km rdbes, «ai •!• 
rieffea dem blinden, und apneben sa ilua, Mi fttrö«!, tiaai 
auff, er ruffet dir. Ldtibb Mve. tO, « {wmamU gtUitti tfi 
RKirrKRBCBBio I. 5») rW«M MareuM «.M; ia dtr «tll mttien 
jr haben angst, aber »«it galrOat, ick b«b« dt« well thtr» 
wunden. Kci Joh. le, U, ebtnto UiBTBiiaBacsa (Lotibs: Mid 
lelrust) ; du wendet tkb IImmm «aik^ «ad aaka ■«• usd tfnek: 
•ei getrost docbter, dein ^§ak ImI 4ir fghlHw DiKTaiBBMU 
lfuUA.9,3}(LuTHBB: ari gtlroat). rWas« fmtm i», t di« f»- 
trösten bei Eci aud I)iktb>bbrcbr: er redt gewoolick keck 
vud getrost {Democnl). gefragt, wes «r sicli IrAtiBi, sBlwurt 
er, der vnscbuld vnd ••ma gwisscos. Sr». ('Rann dkr*Ml 
(1543) I, I24\ vergU auch gclröti fr« BacRAiiii f«#li#« l, Ul 
untern tp. 4548 ; getrOtl bn II. Sacas wgl. nndrutä« 9 «. « b. «.,■ 

ob mir daraiu nag werden 

gar ein rreundlicb gras. 

lu freudeo aull dieter crdaa 

ward mir mein berii g«ir»tl. btr^ rri km «1 JMtr 

{eariniiie geirOfI R^rUa - W«<a>«r^ 4ndk). 
in summa, wer sieb mil keiner ebgebuKflo tt«Ullbl, ok «r 
sclion der reichste wer, bat er doch nichts das recki acia 
ist . . bat niemand dem ert pring, d«r jbm betck«M UmI, 
das Bein verwaret, bescbliesel, verkramet, den «rt sicktr 
vertrawe, dem «rs auch zukUnfflig holTentlick aad BJaalkk 
kunn getrost verlassen. Fiscuabt Cargcnlua ntwärmtk IM: 
das weib und ihre kinder aber befanden sieb wol ||MbI 
und danckten gotl umb das empfangne geld. GaiBacuaMMa 
{dat vogelnett l, 11). 3, 357 äuri. HaTii*rs Anltbtrbmnu t, M 
tadelt noch den gebrauch von gelrOst an sielie rea getrost, 4tm 
tr in dllertn katholischen erbauungttchriften findtU 

2) 10 ist et — sumal bei dlteren belegen — a>cAl taMa«r Mdf- 
lich die grentlinie smiichen der verbalform und dem ansgetprodsneu 
adjecliv oder adverb zu stehen, bestimmte syntaktuche verlm^Uff«, 
wie sie unter II. dargestellt werden, begünstigen dte iiakinf , 
andererseilt wird in anderen der sutammenhamf md dem wtthmm 
um so lebendiger erhallen, in der mitte bleiben werwenimn^rm 
wie die folgende : kam jn ein ander hauptmaoa . . zu bOlS, 
und bracht mit jm fanOftzeheo hundert pferd, und dreistig 
tausend zA fuesz mit vil elephanten. von den wart Hanoibal 
also getrost, das er den Hörnern einen strtit gab. ScaörrB« 
Livius (2) 9t'. hier liegt der bedeutung nach dat aäjeetir, der 
Verwendung nach die verbalform vor, wfL auch die terte der 
bergreihen l,c,ßu.a. Hkriscb untertekeiiet gelrOst, getrüslel, 
tolatus eontolulus von getrost, ffarrit, fortit I5M. 

a) bei Luther, der die Verbindung mü dem frrhna siiM«a- 
(irum {vgl. sei getrost tp. 4547) auiierordetitÜcA fcM, «rfidf 
sieh in den bibelttellen aus der vergleirhung mit der aar t a f t «arf 
mit der sonstigen bibelübersetsung ein MrnteafSfdkall^ dtr aar 
dem adjecliv, nicht mehr aber der werMfmm «ahfiricil. «B ksBfa 
tick innerhalb dieser verw.ndungen xmei h anpifruff e n tm ie n : 

a) sei getrost meine lochter, dein glaube bat dir gekolffcti. 
Luther Matth.9,-n (eon/ide /Uio); locbtir, gelKiwe Btasias 
evon^e/ienfrucA ; bab zeversicht. codex TepUntit; vertra« tockUr. 
Eck; sei getrost. DiETENBRaGiR dirafstci |iuk Linus): Bokk* 
habe ich mit euch geredt, das jr«in mir friede babec Ia 
der weit habet jr angst, aber seid getrost, ich kab« die w«H 
überwunden. Luthbb Jok 10, S3 {ted CM/iitf<): akir gtUHwüL 
Beueims evangeltenbuth; wan veraecbt euch «a wkk. tadt* 
Teplentit; aber jr soll getraoen. MrinUenac*« MM; aber Bah 
getrost. Dibtkiibbrcer und Eca (^(alai^ iswia ÜLruAS). 
beispiele vgl. unter getrauen ip. 44aOL 

ß) sei getrost, sUnd auff. Iferc to, 49 Lcrata (< 
esto); Vit» baz gemAteU Bebsus rfangekenbmek : s«i Blarfcaa 
gemutz. cod.TepUnsis; sei gilts gemäta. Eca m^ Dutbubuccs 
(^rafstei :|>uk Ut.rii.As); seid fröhlich ond geUosI, ca «ird 
euch im himmel wohl belohnet werden. Lctbib MaUk. t, tt 
{yaudele et exuUete); vro«it Ach und irbebil ftcb. Biacns 
eranyWiMfriM*; frewet each und derhucht ruck, ttim Ti^- 
lensu. eWiue bei Cccibtbth; frewet euch und fralockaL Eca; 
frewet euch unnd seil frOlicb. Diktebbircbb; dar laaM 
fühlet seines reiches ende, danimh zappelt er alao. 4a 1m( 
uns getrost, starck und freudig sein im berm. Lvraia tfsdk» 
reden (1003) t50'. 

b) amck «u den aMaaif/WWyea BtrMaiaafra der ^Mtrra 
letl, t» wörterbickern und m 4er esfenlkekn Mennu, tntets 
immer wieder die beiden ktm f t ri tk lu n§en der b i dew Im m fBH imi ik 
Imng kervvr, die ttck eben M LoTVia be$kmkkm ÜBBaa B, mmd 
die tdum ScaoTTBL (o») la tetmer Aiftaüia iMaaMM^^iBtfB.* 
getrost, /UiuM H leUtt» pknn». 



4547 



GETROST I 



GETBOST I 



4548 



a) wol getrost, verlrauwende und auff etwas verlassende 
oder bauwende, con^dus, animalus Maaleh iTi'; gelvost fidenter 
De^tzler (1077) 116; getrost plenus /iducioe Weissmann (I71b) 
155. aus dieser allgemeineren bedeutung entwickeln sich dann 
Sonderbedeutungen, wie furchtlos, beherzt, keck, selbstver- 
trauend. 

1)) getrost, stark, fortis Hekisch 1588; getrost, gehertzt, 
animoso, inlrepido, corragioso Hüi.sius(l618) 135; getrost, gehertzt, 
animosus Frisius (1700) 112; courageux, qui a bon courage, 
dictionaire du voyageur 144; getrost sein to take heart . . seid 
getrost take courage, teutsch-engL wb. (1716) 766; getrost sein 
avoir bon courage Rondeau-Büxtoiiff 253; getrost, herzhafiflig . . 
der gefahr getrost unter die äugen sehen affronter le peril, 
dem tode getrost entgegen gehen braver la mort Schwan 740; 
dann nach dem dasselbig gesäng ein fröhlichen hellen oder 
ein traurigen vnd dunckeln schall geben hat, also selnd sie 
selber auch keck vnd getrost, oder aber hergegen verzagt 
vnd furchtsam. Micvllus Tacitus (Germania 3) 12b0. andere 
beispiele vgl. sp. 4552; 

man musz es nüchtern des morgens 
überlesen, so bleibt man des tags von nolli und gefahren 
völlig befreit, vor'm tode geschützt, vor schmerzen und wunden, 
tröstet euch, nelTe, damit, ich will es morgen bei Zeiten 
über euch lesen, so geht ihr getrost und ohne besorgnisz. 
GöTHi£(/fei/iefce/Ht7i«) 40,207 (hebbet guden trost. lieinkedevof). 

SO werden dreist und getrost von Eberhard versuch einer allgem. 
deutschen Synonymik 2, iS zusammengestellt; beide stimmen nach 
ihm darin überein, dasz sie einem Subjekt zukommen, dem 
wir muth und vertrauen beilegen, berührungen anderer urt 
ßnden mit getorst statt (s. d.). 

2)) auf solcher bedeutung beruhen Verbindungen des adjectivs, 
die an und für sich eher entsprechenden synonymen zukämen, 
oder die solchen nachgebildet sind: dessen getrost (his frelus). 
Voss Aeneis 8, 143 s.sp. 4445; ihrer Übermacht getrost eilten 
die Etrusker ihn {Qu. Fabius) anzugreifen ; er zog seine truppen 
auf die bügel, wo der mit steinen ühersäete boden selbst 
gescbosz gegen den unvorsichtig andringenden feind darbot. 
Niebuhr röm. geschickte 3, 325; ich bin getrost auf den aus- 
gang. J. V. Müller 13, 307; in diesem sinne mag der Verfasser 
denn auch mit einiger beruhigung auf seine arbeit zurück- 
sehen ; in dieser betrachtung kann er wohl einigen muth 
schöpfen zu dem, was zu thun noch übrig bleibt, und zwar 
nicht mit sich selbst zufrieden, doch in sich selbst getrost, 
das geleistete und zu leistende einer theilnehmendcn weit 
und nachweit empfehlen. Göthe (farbenlehre) 52, 374. 

ß) in der mitte zwischen der eben besprochenen gruppe und 
den Vertretern der bedeutung getrost = wohlgemuth hallen sich 
Verwendungen, in denen die Vorstellung der beruhigung im Vorder- 
gründe steht: getrost rassure. Roädeau-Büxtorff 253; sei er 
ganz getrost, lieher Miller; das geld hat er längst verdient, 
und gott bewahre mich, dasz ich mich mit seinem guten 
gewissen dafür bezahlt machen sollte. Schiller (kabale 5, 5) 
3, 491; lasz einem bemühten und geplagten ein wort von dir 
zu hülfe kommen, dasz er den rest des morgens getrost 
hinbringen könne. Göthe briefe6,l>; 

doch wie ihr mich verläugnet uud mein dichten, 
ich bin getrost, die nachweit wird mich richten. 

Geisel ijp.U. (Ptalens veniiäcklnisx) 213. 

y) in der anderen hauptgruppe ist es die Vorstellung der er- 
hetterung, die sich aus dieser Verwendung des begriffes getrost 
herausarbeitet, sie kommt namentlich in synonymen zu tage, die 
mit dem worte verbunden werden: 

1)) wol getrost sein, ein käch hertz, oder gi^te boffnung 
haben, confidere animo Maaleb 177"; getrost sein haver buon 
animo e euere Hulsius (1686) 167; getrost sein, bono animo esse 
Dbntzler (1677) 116; einen getrost machen to comfort . . das 
kan einen getrost machen that is comfortable. teutscli-engl. wb. 
(1716)766; getrost, wobigemuthet. Bayer (1733) 289; getrost im 
Unglück bonum habere animum in re mala Weissuanm (1715) 150. 

2)) darumb wollend getrost und frölich sein, wenn wir 
bald zu euch komen und euch geweltigklich retten wollen, 
dess solt ir kein zweifei haben. Bauuann quellen 2.431; da 
hiesz jn sein hauszlrauw getrost seyn, solchen vnmut vnd 
trauwrigkeit von jra ablegen, vnd seines leihs mit gewön- 
licher Wartung ptlegen. Josephos jüd. krieg (Francfurl 1571) 14ö''; 
sei getrost und lächle wieder, 
wag du trägst, o trag's gelaszt! 
konntest du doch nicht verlieren 
was du nie besessen hast. Platen (1847) 1, 44. 

e) dxe bedeutungsentwicklung geht nicht in allen syntaktischen 
Verwendungen dte gleichen wege. 



a) »n der Verbindung mit dem verbiim subslanlivum {$. u.) 
hält sich der bedeuiungsgehalt am ehesten in den grenzlinien, 
die oben gekennzeichnet worden sind, hier macht sich mehr eine 
syntaktische Weiterbildung bemerklich, -indem das adjectiv das be- 
gleitende lutlfsverbum abstreift, und für sich allein satzbildend 
auftritt : 

getrost, Jesmin, versiegle deinen briefl 

so wie das siegelwaclis am lichte niederlief; 

io wird der schönen htM'z, eh nacht und tag verflieszen, 

von deines briet'es giut erweicht zerschmelzen müssen. 

GuLLERT {iler erhörte tiehhaher) 1,78; 
bat über euch mehr leiden, 
Apoll im zoin verhängt, 
getrost! nicht nn die weiden 
die harte gleich gehängt. -i 

LöwKN nutsenatmanuch au/" 1771, ncudruck 70; 
und wähnt den Cäsar 
nicht einen kaufniann, der um trödelwaaren 
mit euch zu krämern lust hat! drum getrost; 
macht euer sinnen nicht zu einem kerker. 

Voss .S/tnkfsyiearc (AntoiiiuK utiU Cleopatni 5,2 
he chacred; sei also gutes muthes Eschknbubo 3,184), 
Amine, o l'reundin, konntest du mir meinen freund verführen! 
Egte. getrost, mein gutes k'uid! du sollst ihn nicht verlieren, 
ich kenn den Eridon und wei:Z wie treu er ist. 

GöTiig [lauiie des verliebten) 7,37; 
Reineke sagte heiter darauf: die gute vermahnung 
macht mich muthiger gehn. getrost! ich werde der kühnhoit 
und der list auch jetzt nicht vergessen. 

GöTHi! {lleineke fuchs) 40,214-, 

nur getrost, allons, courage Schwan (1782)740; getrost — ein 
gewöhnliches aufmunterungswort. Adelung 2, 639. diese intur- 
jeäionelle Verwendung ist in der poetischen spräche auch später 
noch beliebt: 

wohl blühet jedem jähre 
sein fiühling mild und licht, 
auch jener grosze, klare, 
getrost! er l'eblt dir nicht. 

ÜULAND künftiger frühling ; 

weih, sei deines sohnes wert! 
du hast ihn nicht für dicli geboren; 
getrost, wenn ihn der herr begehrt! 

Lknau (Savonarola) 2, 208; 
verzaget nicht, getrost harr aus! 227; 
doch getrost, du armer pilger, 
ruhig fort den dorneiilauf, 
auch dein vater naht und schlieszt dir 
einst die dunkle pforie auf. Hkbükl (das kind) 82,104; 
Golo, ich wälze meine that, wie einen stein, 

bergan, und mir ist's recht, wenn sie zuletzt, 
herunter rollend, mich zermalmt! 
liatharina. getrost! 

wenn du's nur klug machst, geht noch alles gutl 
Hebbel {Geiioveva 4,2) 1*, 163. 

ß) in attributiver Verwendung geht die bedeutungsentwicklung 
des adjectivs unter dem einftusz der verbundenen substantiva 
über die oben gekennzeichneten grenzlinien hinaus, weitgehend 
ist jedoch die entwicklung deszhalb nicht, weil die substantiva, 
die sich gewohnheitsmäszig dieses attributs bedienen und die allein 
auch den bedeutungsyehalt desselben beeinflussen, selbst nicht 
weit abstehen von den beiden hauptrichtungen, die wir feststellen 
konnten (vgl. sp. 4552). 

y) ganz anders verhält sich das adverbium getrost, hier ist 
der kreis der verba, mit denen es in Verbindung tritt, unbegrenzt, 
und in jedem falle erhält auch das begleitwort eine andere färbung 
der grundbedeutung : 

l)) war er nur unser edelmann gewesen, 

wir hätten unser leben wohl geliebt, 
doch er war unser eidgeuosz und Beriba 
ehrte das volk — so setzten wir getrost 
das leben dran, und stürzten in das feuer. 

Schiller (Teil ö,l) 14,406; 
aus vollen ädern schöpfen wir; 
metallc stürzen wir zu häuf 
mit grusz getrost: glück auf! glück auf! 

Göthe {Faust 5853) 41,56; 
es sollte stehn : im anfang war die kraft! 
doch, auch indem ich dieses niederschreibe, 
schon warnt mich was, dasz ich dabei nicht bleibe, 
mir hilft der geist! auf einmal seh' ich rath 
und schreibe getrost : im anfang war die thati 

(Faust 1230) 12,66. 
andere beispiele s. sp. 4553 ff. 

2)) innerhalb des syntaktischen gefüges unterliegt das adverbium 
bestimmten Verschiebungen, die wieder auf den bedeuiungsgehalt 
zurückwirken, es ist nicht immer klar, auf wen die eigenschaften 
bezogen werden, die mittelst des adverbiums zum ausdruck 
kommen, und auf grund dieser Unklarheit bauen sich ansütze zu 
einer activen ausprägung der bedeutung auf; diese ansalze werden 



4549 



GETROST I 



45&0 



jedoch nicht weiter ausgebildet und btichrdnken sieh auf das 
16. Jahrhundert, hierher gehört eine mit vielen ttxlsehwierigkeittn 
kämpfende stelle aus I.utiikr nach den älteren bibtl- undptalmen- 
ausgaben: icb will ein heil aulT richtL-ii, daH getrost darinn 
hundein soll, ptalm li, 0. (tm bettbüchlein von \UTi davon man 
Holl freidig widdcr sie handeln, ander* Varianten vergl. auf 
tp. AbfAff.). vgl. fiJucialiter agam in «o an iino wörchon ib paldo. 
NoTKBn ptalm 11; hufTelichen sai ich tun on ym. Trtbnitur 
ptalmen ; ich setze ain hail, in dem will ich tröstlich bandlen. 
Kci; und getröstlich mit jni handien. Diktbnbkrckh; ähnlich 
erscheint: du das Esopus murckt, sprach er jbm getrost zu, und 
sagt, lieber hcrr, seid zufrieden und bekümmert euch nicht, der 
sach ist wol ruth zu linden. Albkri s fabeln , neudruck 14. 
ei liegt hier switspaltige bezichung des adverbiums vor ; dem Wort- 
laute nach lielt es auf das subjecl, dem sinnt nach auf das 
object der verbalthätigkett, eint noch weitergehende versehithuug 
seigt sich in einem anderen beispiele aus L(jtbkr : jtzt aber 
mügen sie es getrost verlachen und ihren spot haben, wir 
wollen aber dennoch beide ihnen und dem teuffel, allein 
durch das gehete maus gnug sein, wo wir nur vieiszig an- 
halten und nicht iasz werden, deudsch katechismus 61', Witten- 
berg tS29; die bedeutung unbekümmert, ruhig geht nicht auf 
das subject des verbums, xu dent das adveib gehört, sondern 
fliesit aus dem gedankengang des darstellenden heraus. 

3) dit sleigerungsformen treten ebenfalls mit vorliebt am 
adverbtum auf; doch nimmt vereinitU auch die prädicative Ver- 
wendung daran thtil. die älteren belege teigen umlaut: weil 
nii dieser vnser fürst jrer lachet, weit ich nicht, warumb 
wir weinen sollen, jrenthalben. er lachet freilich nicht seiner, 
sondern vnserthulben, auff das wir deste getröster sein, jr 
nichtiges färnemen zu verachten. Lutbkr (an Spalatinus) 6, 43' 
Jena ; den feind desto getruster angreiffen. buch der litbe 207, 2; 
darunib mag jm wol zu zeiten ein medicus ein reuscblin 
trincken, nil alleine den bösen lufft und geruch minder ein- 
zulassen, sonder auch bossieriicher zusein: der wird ein 
krancken mutiger und getröster machen, alsz ein langweiliger 
laiigscbaubiger stirnruntzeiter fantast. Fischart Gargantua 
neudr. 12; dan erstlich hat diser Anicius innerhalb wenig 
tagen zu wasser vnd zu land, das wilde, grewllche, vnd mit 
vesten stUtten vnd andern orten bewarte, vnd derhalben auch 
desz getröster, land, die Illyrier bezwungen. Kihel Livius 
deutseh {Strasiburg 1598) S62 (45. buc/i); damit aber mein weib 
ihren anscblag desto sicherer und getruster angehen möchte, 
stellte ich einen kcrl an, der umb ein geringes trinckgelt 
in mein bausz gieng und sie überredet. Grihhkushausen 
{vogelliest) 4, 56 Kurs; 

ich bat den herrn, der alle tage 
noch unbemerkte wunder ttiui; 
ihn rier ich an bei meiner plage, 
da ward mein herze woiilgemulh; 

Setroster ward ich jede stunde, 
enn meine zuversiebt verliesx 
sich auf ein machtworl aus dem munde, 
der erd' und himuiel werden hiesz. 

Fa. Karscuin musenalmanach für 1770 neudruek 00; 

sagte icb endlich im diensie der Wissenschaft, der ein solches 
werk, so weit gediehen, nicht unvollendet hinterlassen werden 
durfte ... um so getroster zu, als icli schon damals der 
freudigen aussieht lebte, zu den vom s. Graff seit jähren 
angelegten grundbSnden . . die gleichzeitig und gleichmäszig 
von Schineller angelegten . . bünde zum gegenbalte dargeliehen 
zu bekommen. Massmamn einleitung sum 6. bände von Graffs 
althochd. sprachschatse, 

4) das vtrwtndungsgebiel von getrost engt tidi in der heutigen 
spräche mehr und mehr ein, wenn auch innerhalb dieser tngtren 
grenzen der gebrauch sieh steigert, vor allem in der volkstümlichen 
spräche zieht sich das wort immer mehr auf bestimmte adverbiale Ver- 
wendungen zurück {vgl $p. 45SC). bemerkenswerth i$(, dajiHuNZiKER 
im Aargautr wb. 103 das wort ah mundartlieh aufführt, wozu die 
form grtrusz (Honig wb. der Kölner mundart 75) eint nieder- 
rheinische parallele bietet, in der sehrißspraeht sind manche 
gebrauchsformen, deren sieh die kunstform der dichtung im be- 
sonderen bemächtigt hat, ungewöhnlich geworden {vgl. sp. 454S). 

5) auf die tntwicklungsgesehichti von getrost fällt auch einiges 
licht aus der parallelen und jüngeren tntwieklung von getröstet, 
das in neuerer zeit ersichtlich in einzelnen bestimmten fällen sieh 
einbürgert,in denen der bedeutungsgehalt von getrost ab zu sehr ver- 
blasit und verallgemeinert nicJit ausreicht: wie ich dann hierinnen 
nicht anders schreiben oder anzeigen will, als wie sich in wahr- 
heil alle Sachen und bandluogen von kindbeit uff mit mir 

IV. 



GETROST II (adjectif) 

verloffen, der getrösteten zu*«riicbl, es werde ul 
mitzfallen daran bab«n. Mtniitstkrttkung dt ktrm 
neudruek nach Sttigerwaid 4; ist keine lerle unter aot, ii» 
sich einer guten erbaulichen stunde des Unterrichts . . ermnara: 
keine seele, die sich erinnere, aus dicseoi leispel je tao alr 
mit gerührtem herzen, oiil Bb«rMa|tar Mtl«, aÜ ffortttlMi 
zur besseruiig, mit geUSettUm mallM ti|ui«M ta Mia — 
freilich so wSre mein amt vergebliek. Htaaaa (ahteki$itprtil§l 
tu Riga 1760) 81, 137; 

halb getrAtiet besilac darauf dar oschbtr den «affea, 
lasi wie siuer, der ilch tum weUlIctieii •pruof* btrelML 

GöTMt (//rrmaaii hikI Don^iHrt) 49. IM; 

Addrich und Aenneli entfernten sich geUötteter. Zacsecis 
{Addrieh im moot 19) 4, 166; 

oliue geroJK« beiriiKi du die wtit und ohne gelelu 
gelint du wledi-r hinaus: sei denn geuftsiat. o meoicb. 
wann dich Im herbile die freund« wie •patieo and ««bwalkea 

«•rlsMen. 
denn in der bliiarslen noth war noch «I« jeder alleie. 

iUsBBL (da biMt a/i«<a) ««.M. 
II. gebrauchtformen. 

I) das prädieat bei vfrften ttigt nur tu b4tlimnUfn fdlUu «tat 
Verwendung, mit der sich das partieip vom vtrbaläamwu «ntftrml. 
a) hauptsächlich handelt et sich um dit vtrbindumf etil dtm 
verbum substantivum, deren höhepunkt in der »pracktLnnnu Nfff. 
n) die beliebteste verwendum/ knüpft an die form im imftntkm 
an, und hier stehen sieh wiederum die beiden gegtnidHt tat ht- 
deutungsgehaltt des worttt gtgenüber: vertrauensvoll und wohl- 
gemuth. diese gegensätte kommen namentlidt in dtr hAeibhtr- 
Setzung zum ausdruck, wo Luther sttts unter wort, dt* übriftu 
Übersetzer dagegen ein erUtpreehendes jynonym verwenden. 

])) sei getrost und unverzagt, denn du soll diesem volck 
das land austeilen, das ich jren vetern geschworen hab, iaa 
ich jnen geben weit. Lothib Jos. l, u {eonforUsre et etto rokutU; 
tterckc dich und bis gar starck 6H Eccbstbti und KoeoBeta; 
sei gcsterckt unnd bisz starck. Eci ; sei getrost und wol 
gemät. Dietknbbrcer); seid getrost und frisch, fürrblel euch 
nicht und zaget nicht für dem könige von Assur, noch für alle 
dem haufTen der bei jm ist. Lotobr 2. cAron. 32. 7 (vrrüiler apU et 
eonfortamini; thut menlicb und wert gesterckt Eccbstbtii «. o.; 
Dietenbbrger hat hier Lulhert Wortlaut übernommen); rheto 
5. Mose 31, 6; 1. ehron. 2ü, 13; so sei getrost and sei ein mann. 
Lutbeb 1. kön. 2, 2 {eonfortare et etto vir fortit; sterek dich 
und bis ein starcker man. Ecgbstbyn, Kubobcbb, äknäck Eca); 
sei getrost meine tochter, dein glaube bat dir gebolffen. 
Luther Lue. 8,48 {gegen die vorläge) u. a.; seid getrost und 
unverzagt, alle die jr des herrn barreU ptalm 31. 2j {ttrtUter 
agile et eonfortetur eor vestrum ; kehibent iftb c6melIcho. unde 
hubent bald herza. Notibr psalm 90, 16; sterglichen tut und 
gesterkit wirt uwer bercze. Trebnitter psalmen; euch dapfer 
halt, seit änverdrossen. Mblissus ifropA« 10 [1572] neudr. s. tiS; 
seit getrost, so wird er euer hertze Sterken, Aenda m der 
prosaübersettung); und sprachen, es ist ein fespensl, ond 
schrien für furcht, aber als bald redete Jhesus mit jnen und 
sprach, seid getrost, ich bins, fürchtet euch nicht. Lornae 
Matth. 14, 27 (babit getrilkunge, habete fidueiam. BsiiBias «mb- 
gelienbueh; habt Zuversicht, eodex T^lensii ; seil getrOal. Eca, 
ebenso Dibtknbkrcbr); 
Sewiried. wo pin ich, und wie Ist mir gicbeben? 

Ich lan schir wader hörn noch selten. 
die junekfraw. mein SewfVid, seit keck und getrost, 
ich bin durch euer bant erlOsi, 
des habet danck und ewie praU! 

H.Sacms (harii«>nS«ii/iie1t2) nemimtk tt.i»; 
Ja, liebet ihn von henieo gniod, 
als der allein tu lieben, 
und seil getrost lu «Her stund. 
Dichu soll euch lang betrüben. . _ . 

G.R.Wbcmrrlis (ftuUm St. 34) 1,11« fWÄer: 

sei er gani getrost, lieber Miller. ScBiLi^B9,40l,ef<.eka ^4M7: 

bist du Christin? -sei getrost _ .... ..^ 

bau auf gott? bleib. MeLL:<iB(tO./«*r.m)ll«INMr. 
2)) sei nur getrost und »eer freidig, daa im kallMt ••• 



thust allen ding nach dem gesetz, das d^ MoM ■« 
geboten hat. Ldtber Jos. i,7 (eenfirtore K Mto reftusfe; atercke 
dich und bis gar siarck hei Ecsb»tbt« mwi Eomasaa; aä 
gesterkt unnd bisz fast sUrck. Eca; ad aar gctrOst ond sehr 
wol gehertzt. DiBTBRBBReBa): 

seit und da» glOck all ding varkart 

holfnung erhalt manch trawrig berts 

ermlliort inwendigen scbaarts 

daruBb seit getrast und wolgasB«! 

•• BBag all »ach noch werden nk _ ^ . .... 

H. SAcaa Ißrm C mt nii} !.«»•» 

186 



4551 



GETROST II (adjectiv) 



GETROST II (adjectiv) 



4552 



(las du abnambst an gut und ehr 

billich thu ich dir widerkher 

als denn ein guter freunde sol 

drumb sei getrost gehab dich wol 

wolaulT iiumb mit mir aulT den sal 

da wöll wir halten das frömal. (LucretiaV) 3,2,10'; 

sie werden jammern, in der nachte graun 

im träum uns schaun. 

doch sei getrost! bald bricht der bittre schmerz 

ihr treues herz; 

dann reicht die buhle dir bei Odins mahl, 

die goldgelockte, lächelnd den pokal. 

Uhland die sterbenden helden. 
vgl. auch getrost sp. 454S; 

dann wollt' ich dich umarmend zu mir ziehn, 

und, eine braut, die weib geworden ist 

und sich's noch selbst verhehlt, hinüber fliehn 

und denken: sei getrost, nun folgt er bald. 

Hkbbel Genoveva (1,2) 12,84. 
ß) für den dem imperativ nahestehenden jussiv bieten sich die 
ieispiele weniger aus Lvthhr, als aus anderen schrifststellern jener 
zeit dar. hier ist für die tweite der hauptverwendungen (getrost 
= wohlgemuth) wenig Spielraum: 

l))a)) und sibe es mit äugen, denn du wirst nicht über diesen 
Jordan gehen, und gebeut dein Josua, das er getrost und 
unverzagt sei. Lother 5. Mose 3, 28 {praecipe Josuae et corrobora 
eum atque conforta; und sterck in und mach jn manbafftig. 
Eck; ähnlich üietendbhgbb). 

b)) schreiben sie dem iiönig {der hülfe von ihnen begehrte) 
also wider: Dagobertus, könig in Franckreich, sol getrost sein, 
denn nach unserm vermögen wollen wir von hertzen gern 
jm und den seinen, zu hülfife kommen, buch der liebe 10,3; 
gott lebe noch in alter liebe und gute, habe uns nicht ver- 
gessen, wir sollen nur getrost sein und ausharren, es sei der 
herr, der in die hölle führe und wieder heraus. Gotthelf 
Käthi die groszmutter l, 23 (1847). 

c)) es söUent ouchalle die die vische herbringent zö merckete, 
es sy von Westerrich oder woher dann es ist, getrost sin, und 
wer in lasier oder leit döt, es sye mit worten oder wercken, 
gegen dem oder den söUent es meister und rat strenglich 
und unverzögenlich rihten. Straszburger verordn. (15. jahrh.) 
Brucker 184; und sollen . . ire lande lute und inhabende gut 
gein einander fehlig sicher und getrost sin. geschickte eh. 
Friedrich I. 294 Schebz 542; 

2)) wem er ein solches gut beschieden, 

der freue sich und sei getrost, 

ihm ward ein wunderbarer frieden, 

wie wild des lebens brandung tost. 

Geibbl minnelied. 

y) in der einfachen aussage, im bericht und in der eridhlung 
wird die Verbindung mit dem verbum substantivum zwar nicht 
selten verwendet; die bedeutung des adjectivs neigt sich hier 
jedoch ganz bestimmten entwicklungsformen zu. 

1)) der gottlose bestehet nicht in seinem unglück; aber 
der gerechte ist auch in seinem tode getrost. Lutheb Sprüche 
Salomon. 14, 32 (sperat autem justus in morte sua; der gerecht 
versieht sich an seim tod. Ecgesteyn ; aber der gerecht hofft 
in sein todt. Eck; aber der gerecht ist auch in seim todt 
getrost. Dietenbebger); 

'schaut, lieben leutP rieff er gar laut, 
'hie ist ein wunder heilsam kraut: 
das ein des nachts die flöh nit beissen, 
ja wer sich thut desselben fleissen, 
derseib ist frei von solchem bösen, 
und kans mit einem stüver lösen.' 
das voick drang zu und war getrost; 
in einer stund net gar gelost, 
eine gute summa gelts erwischt. 

B. Waldis Esopus 50, fabel 31 ; 

vgl. ich bin getrost bei Geisel {oben sp. 4547). 

2)) es hat herzog Carle zwey ding an jm, die denckwürdig 
seind, eins, das er vast arbeitsam, das ander, das er vber 
die masz hertzhafft, getrost vnd starckmütig war. Hedio 
Commines {von könig Ludwig I.) 11 (1566). 

3)) ich habe mit herrn B. einen theil deiner Übersetzung 
wieder gelesen; sie entzückt ihn, er findet in dem kapitel 
von Rom glänz, aber die simple majestät des kaiserthums, 
und ich selbst bin immer mehr getrost auf den ausgang, 
80 oft ich deine Übersetzung lese. J. v. Müller {briefe an 
Bonstetten) 13, 307. vgl. oben sp. 4547. 

S) vereinzelt taucht die negierte Verbindung auf: nicht getrost 
sein, so viel als nicht bei trost sein. C&hpb 2, 354. litterarische 
belege hierfür waren nicht zugänglich. 

b) die ältere spräche liebte auch die Verbindung getrost machen, 
wobei das prädicativt adjectiv auf einen persönlichen accusativ sich 



bezieht: der wird ein kranken mutiger und getröster machen. 
Fischabt Garg. neudr. 12; getrost machen, exsuscitare animum, 
exspectationem augere, spem injicere Stiklkr 2344; einen ge- 
trost machen, to comfort, hearten, animate, imbolden . . das kan 
einen getrost machen, that is comfortable. teutsch-engl. wb. 
(1716) 766. 

c) andere, gelegentliche Verbindungen: 
dann hob er die Blicke 
ruhig gegen sie auf, und sah ihr freundlich in's äuge, 
fühlte sich still und getrost, 

GöTHE (Hermann und Dorothea) 40,307. 

2) das attribut verbindet sich mit bestimmten Substantiven ge- 
wohnheitsmäszig , mit anderen nur vereinzelt und gelegentlich, 
aus der ersten gruppe ragen wiederum die zwei hauptrichtun- 
gen des bedeutungsgehaltes hervor: 

a) a) und in getröster hoffnung stunden. Josephus jüdischer 
krieg {Francf. 1569)143'; das ich ein preüttigam, waysz allhie 
niemand dann die gantze stad; des glückhwünschens khein 
ende, ich nimb das überal unnd von allen zu danckh ahn, 
darautf getröester hoffnung bin, das nymmermeiir bey uns 
nitt mangln soll. B. Paumgartneb an Magd. Behaim (1582) 
litt. ver. 204,4; getroste hoffnung esperance seure Rondeau- 
BüXTORFF 253; der getrösteten Zuversicht, vgl. oben sp. 4550; 
sodann lebe ich, ich möchte sagen, der getrosten erwartung, 
dasz, ehe noch 25 jähre ins land gegangen sein werden, und 
wenn einmal, um nur eins zu nennen, der Jesuitenorden in 
Nord-Amerika sich festgesetzt hat, ein gesetz über das jus 
circa sacra an das dortige repräsentantenhaus eingebracht 
werden wird. Stenograph, berichte über die Verhandlungen in der 
Paulskirche 3, 1683'. 

ß) und gott gab Salomo seer grosze Weisheit und ver- 
stand, und getrost hertz. Lutbeb t. kön. 4, 29 {sapientiam . . et 
prudentiam nimis et latitudinem cordis; braite des hertzen. Eck; 
ein weit hertz, mit der besserung frei gemütbe. Dietenbebger); 
ein getrostes herz. Schwan (1782) 740; 

mein söhn, mein eidam! Turandot ist dein! 
dreimal hat sie in dieser nacht zu mir 
gesendet, mich beschworen und gefleht, 
sie von der furchtbarn probe loszusprechen, 
daraus erkenne, ob du ursach hast, 
sie mit getrostem herzen zu erwarten. 

Schiller (Turandot 5, I) 13,475; 
ob ihr Ursache habt, euch zu beruhigen, und sie getrost 
zu erwarten. Werthbs {vedi, se devi rassicurarti, e intrepido 
aspetlarla bei Gozzi). 

y) wolan büchlein, du must es wagen, 

zeuch hinausz mit getrostem muht. 

Weckherlin {an mein buch) 1,88 FHscher; 

getrostes gemüth, coeur rassure Rondeaü-Buxtobff 253; der 
Wundarzt war die nacht über, ohne des mädchens wissen, 
in der kirche geblieben, und fand, als er sie des morgens 
besuchte, sie heiter und getrosten muthes. Göthe {Wahlver- 
wandtschaften 2, 18) 17,410; handeln sie aber ganz nach ihrem 
herzen, und wenn meine gründe nicht in ihr herz über- 
gehen, ihnen mit der Überzeugung nicht auch ruhe und ge- 
trosten muth in Jena versprechen, so bleiben sie in ihrer 
jetzigen stille. Göthb briefe 172. Scholl; mit getröstetem muthe. 
Hebder 31, 137. vgl. oben sp. 4550. 
o) wir sind getroster sinnen, 

was gilts, wir wollen noch der ehren lob gewinnen, 
dasz die Vergessenheit auch unser denken soll. 

Flkhimg (als die Hülslei», geselluchaft von 
.iairackan abreiseto) 173 Lappenberg, 
b) vereinzelte Verbindungen. 

a) soll dein getreues volk auf deinen mauern stehn? 

soll ihr getroster fusz dem feind entgegen gehn? 
befiehl und denke nicht, dasz unser muth verflogen. 
J. E. Schlegel (Dido 4, 5) 1, 123; 

aber als er fragt, ob er sie zu Charlotten zurückfahren dürfe? 
bejaht sie's mit einem getrosten neigen des hauptes. Güthe 
{Wahlverwandtschaften 2, 16) 17, 389. 

ß) der getroste ton, mit dem er sprach. Imhebhann epig. 
1, 94; die ersten erzeugnisse der Stotternheimer saline .. 
überreicht zum 30. januar 1828 mit getrostem glück auf. 
Göthe 47, 123. 

3) Substantivierungen sind ganz vereinzelt {vgl, oben sp. 4545) : 
wie glücklich sind diejenigen, die den Unfällen dieses lebens 
ein gutes gewissen entgegen setzen können! allein wie ge- 
ringe ist nicht vielleicht die anzahl solcher menschen ! und 
wird also die anzahl der standhaften und getrosten unter 
den siechen wohl grosz sein können? Geliert {von den 
trostgründen wider ein sieches leben) b\ 62. 



4553 



r.F/raoST ll (advcrbium) 



riBTROST II (Mivtfbiui) 



4554 



4) das adverbtum. wtilaui der grOnte Iheil der trrutnJuugtn 
fällt auf diett funclion du uoherlen parhcipi und m thr alUin 
int t$ auch heute noeli Uben$- unit entwuktutigtfdhi'j. du Itt- 
deulung$entu'kklung bewegt $ieh hier vor aücm dem titit wtit- 
gehender verblas$UTtg und veraUijemeinerung tu. 

a) getrost <» vertraiieusTull. 

a) vitlfatk wird dat advtrb in diestr bedeutung mit ttrhtn 
verbunden, die denielben linn schärfer tum autdruck bringtn: 
iiius er gewislirh ein lewen liertz hoben, vnd ein wunder- 
man in gutl «ein, der sein reich vnd hau« künne io die 
•chiinlz schlahen, und allein auff golt i;etroit pochen. Luther 
{m.ptatm t&u) 6, ms' Jena; 

dem wackern dibdd verirsut «Io welb gelroil. 

GöTiia (nutiiiliWictut/itcr 4,1) 0,345: 
sittet nur elu und eelroti vortraut mir den leib wie die leele; 
denn KuNchlcki Ini die haud «chon lange, den ziiitel xii rubren, 
und da« uiige geiiht, die kOnitllchale Wendung tu irelTeo. 

(Ilcrmann und Dorothea) 40,903; 
tag mir kein wori, die band nur reiche mir 
tum pfond uud telclien, dati du meinem arme 
gütroit vertraust und deiner guten sacbe. 

ScHiLLiK ijungfrauKAi) 13, SM. 
ß) du selbst musit richten, du allein, du kannst dich 

auf dieses uaiiet schwanke röhr {dat recht) nicht lehnen, 
dvr eignen niilile folge du getrost, 
nicht strenge legte gott In's weiche herx 
des welbes. (.Wurid Slutnl 2,3) 12,456; 

auf aolche leute kann man sich verlassen ! solciien lenteo 
darf man getrost nachrdgen. HsnE das buch I^ Grand cap. 14; 

dns leucbitliurms flamme seid dem Irren «chifTer. 
ersieht das uTer nicht, von nacht umfangen; 
doch steuert er getrost dem Schimmer lu, 
er weiss, dort, wo das licht, ist Und und rettung. 

GaiLLPASXKR (treuer dienert) ü°,211: 

hernach fuhr er getrost mit ihnen weiter auf der strnszr 
nach Petersburg, denn es wollte ilim nicht eingehen, dasz 
der ihm die kindlein anvertraut halle, könne ihn stecken 
lassen. Hbbkl (rheinl. hausfreund: herr Charles) 3, &ü2. 

y) der gtrtner deckt getrost das winterhaus 

schon der cltronen und orangen ab, 
der bloue himniel ruhet Ober uns, 
und an dem hurizonte lust der schnee 
der fernen berge sich In leisen duft. 

GöTUR (T.tssa 1,1) 9, 102; 
das kloster ist das bündnis guter herzen, 
dies mag getrost die strenge zeit erwarten, 
umrankt von einem immergrOnen garten, 
wo blumen biühn und frühliiigslieder scherzen. 

l^R;<iU auf eine goläiine hochteil. 

H) das vertrauen gründet sieJi gtrn auch auf tigentchaßen 
drs vertrauenden tubjectes selbst: 

Georda Augusts, schön und stark. 

voll lebensgeist und mark . . 

nun steht sie, lehnt sich ruhend auf den speer, 

und darf — das zeuge du, gereclitigl<eit! — 

getrost zurück auf ihre thaten schauen. 

liÖRCRR 2,141; 

mit einer bewundernswürdigen leichtigkeil extemporiert dieser 
nun dasselbe schmelzende adagio mit den glücklichsten Varia- 
tionen und allen Teinheiten eines virtuosen, der prinz, der 
ein kenner ist, wie sie wissen, behauptet, dasz er sich ge- 
trost in der besten capelle liören lassen dQrfe. Schiller 
igeisterseher) 4,278; der kutscher sagt, Ich konnte getrost 
tahren. Brbntako frühlingskranx 1, 297. 

b) enge mit den obigen Verwendungen tusammenhdngtnd bildet 
der in getrost ruhende begriff dtr furchtlosigkett den ausgangs- 
punkt zu neuer entwicklung. die furchlhsigkeit teigt sich in 
verschiedenen graden und Idstt sieh verschieden bturlheilen, alt 
vortug und als fehler., so machen sich i. h. an getrost auch 
die bedeutungen arglos, sorglos, gedankenlos bemerklich, neben 
dem negativen begriffe andererseits treten die positiven Vorstellungen 
dreist, keck in dert Vordergrund. alU dttse bedetitungen werden 
sodann für das adverbium unter dem tinfiusse des begleitenden 
verbums abgetönt, hier lassen sich activt und passiv* bethätigungen 
der furchtlosigkeit unterscheiden. 

a) aclive belhäligung. 

1)) handlungen. n) mit voller grundbedeutung des adverbiums : 
sei getrost und iasz uns getrost handeln, für unser voick 
und für die stedte unsers gottes, der herr thu, was jm ge- 
feit. Lothar l. rA ron. 20, 13 {confortare et agamus tiriliter; sei 
geslerckt unnd Iasz un« mannlich handien. Eci; männlich 
Üibtenbercbr); 

dir galt die erde, see, das (Irmament, 

fOr eine leiter einzig, dich tu steigern: 

da hals» es, was man demut nennt. 

Toilkommen uud entschieden tu verweifwr«. 



4U ■»••Mb«» iiali» und adkvtcfc t« to^ra. 
•rblnti dich talbei ttark and gtni. 

SetrusI lerpaüclicii du oatb allab «ladr« 
•r audacbi. lieb und «bre «olles krtni 
4ll Ibaui dM wie tto mann, du lbai>i da» «i« rlo bald, 
nod dir c«b6ri ein (ruiztt ,ituk der will 
^,, laataMM Mttm 1«4 kttk. 

ß)) Mit feritattUr hedntmng: i»n M» wmn irällctn 
kOnite einzig für dteae« wehrloM aückkhtt facMM, «It Mf 
dem srbacb alle ofütkre dco ««brloeeo kOot| ttitt— T 
überrumpelst du dicMB — OMlt ! aod wirf gclroat U» pu« 
breit durcheinander ScaiiiBR {Tttik» 4, 11) 3,1» 

y)) in der tadelnden uebenbtdtulunf ; fetruet, mmktktmmtrU 
gedankenlot: ne aaben auch zween juDg« |m«IIm, dto alirdil 
und «cbOa waren, und seer wol gekirid««, ii» t^nin itm 
Heliodoro zu beiden aeiten, und tcbiagra gMrotl Mf ^ 
da «r für onmarbt zur erdtn tanrk. Ural« % Mmt. t,» 
{fiagellabant tine intermittione ; und gab«D jai e« mtdttimt 
vil atraicb. Eci und DiiTiHiEactB); 

und aebl verschmtbu lieb« 
brich ihren wanderstab 
getroit entswej. und grab« 
sieb vor der lell los grab.— 
doch du hebst ihr im leiden 
das schwache haupt empor, 
und spiegelM ihr di« fl-aadeo 
der besaero sukuafl vor, 

KiNDLRRSK UudmilenUmUr («a die h»ffmmit} 
»eudnuk 9k. 

2)) reichltehe Verwendung findet das adverbium hei mhen der he- 
wegung; hier hält sich auch die grundbedeutung lebhafter aufretkl. 

ü)) Samuel aber sprach, laast her zu mir bringen Apg 
der Amalekiter künig. und Agag gieng zu jm getrost und 
sprach, also mu« man des tods bitterkeit vertreiben. LoTata 
1. Samuel Ib, 32 {vulgaia und ältere bibel haben hter die ent- 
gegengeutst* kennuicknung tremens, zitternd; ehent« hei Ec«; 
DiETENBERCBR lAsst die stflU gam aus); der gefabr grtroat 
unter äugen geben, affronter le penl KüRDRAC-BuiToarr V»; 
ähnlich teutseh-engl. wb. (1716) 766; 

Lampen rief er darauf, und Lampe taudtrt« bebend. 
Reineke rief: so komm nur getrost, der köoig begtbn ettcb. 
GAtii (Urinekr luekt) 40, M: 
ich litt viel in der stille, denn leb konnte aelbel ihre eio- 
wendungen nicht ganz für le«r oder eigennaizig ballen, ich 
war von jeher gewohnt, meine einsiebten unleriuordnea, 
und doch wollte dieszmal meine (Sberzeugung nicht oack. 
ich liebte zu meinem gott, auch hier mich zu warnen, so 
bindern, zu leiten, und da mich hierauf mein bea nidN 
abmahnte, so ging ich meinen pfad getroat fort. GArra 
(W. Meislers lehrjahre 6) 19,317; 

tretet immer getrost vor die berren und wahni nm kMla« 
eure sache, sie werden euch boren. 40.123; 

was scheren mich dlener und riegel und scblosa? 
ich stieg getrost auf die ieitersprost'. 
an iiebchens fensterleio klettr' icb getrost, 
da hör' ich es unten Ducben erbost. 

ilsiNi buch 4er tiefer {jumtelieder 7). 

ß)) mit verblastter bedeutung: geoDg, «Dcb am folftodco 
morgen nahm man mich nicht in'* haus auf . . . acht 
tage hatte man es so mit mir gelrieben, als mich endlich 
frau Elisabeth hereinrief, tretet sachte auf. mein freund, 
sagte sie: aber kommt getroat nlher. Gorac (>t. Metita» 
»anderjahre 1,2) 21,33; 

ein scbOnes weib Ut Imner scb6a. 
und beut«, well «s mirb nichu kostet, 
so wollen wir getrost spODsiron g«ha. 

(faasIbTi«) 41. U. 

3)1 den mannigfaltigsten einßust erftkrt d»$ «tfaaH itektn 
verbis der aussage und tchrifUttken miU keHm ng. 

a)) getrost in der grundbedeutung: fordert aar getroat voa 
mir morgengabe und gescbenk, ich wila geben, «Ic Jr 
heisscbet, gebt mir nur die dime zum «eib«. LxTaea i. Jfas« 
34, 12 {ebenso DiBTiRaiaciR ; t« der tnlfoi», drr ilteren ftiM 
und 5h Ect andere fattung); aber weil er gott i^l, «il «r 
auch die ehr« haben, das er viel mehr und reichlicher gibt, 
dennymand begreifTen kan..und widiierflmb tttriMt, ' 
nicht ^rtrost bittet und foddert. Lorasa deudtA 
[Wuienh<rg IS29) 64*; er thut «einen nund gctfwt mI^ mi4 
betet far de« ganien volk« atadte. Si nt k t$,1 (Jaa Mb«* 
gegen die rulfaU und ttaihft MMÜCTSitaiaf «tefcadMaal; 
rufe getrost, schone nichU Jet. 5S l (ektmftlk frei fsMdM) : 
weil denn die elenden ver*tOret »«nie«, «ad die nimm 
•euffzen, wil ich aoff, spricht der herr, ick wil 
•chaffeo, das man gelrott tereo «oll. fujm il, «, «M i 

SM* 



4555 



GETROST II (adverbium) 



GETROST II (adverbium) 



4556 



an den hebräischen grundtext (ich setze in Sicherheit, den man 
anschnaubt) gegen die vulgata und sonstige bibelübcrsetiung 
(vgl. daiu sp. 4549); hie haben wir das rechte urteil und 
gebot, das wir frölich sein sollen, wenn wir gelestert werden 
umb Christus willen, und sollen getrost sagen, das sie 
liegen, wider Hans Warst, neudruck 8 ; er redt gewonlich keck 
und getrost. Seb. Fbanck vgl. oben sp. 4546 ; 
'ob er auch 
denselben tag den zorn \erdauete, 
so nährt' er doch die tücke noch nachher 
in seiner brüst, bis er sie ausgeführt, 
sprich also ! wirst du mein Vertreter seyn?' 
und ihm erwiderte der rasche held: 
'getrost Terkünd' uns deine welszsagungl' 

BORGER (Homers Ilias 1, 124) 3,44; 
'schirmt euch selbst und kämpft für alle, 
ruft: 'es lebe die nationl' 
und der Jüngling, seine blut'gen 
locken von der stirne streichend, 
rief getrost: 'der könig lebe!" 
und der andre drückte los. Platen (1847) 1,232. 
b)) abgeschwächt ist die grundbedeulung bei meinungsäuszerun- 
gen oder schriftstellerischen leistungen, wo die sorge für leben 
und Sicherheit zurücktritt und nur gegen das gefühl der Verant- 
wortlichkeit angekämpft wird. 

«)) als nachher von der unhrauchbarkeit des dinges die 
rede war, behauptete der pudelnärrischc spaszvogel ganz 
getrost, dasz der fehler keineswegs dem instrumente . . . 
sondern lediglich der mangelhaften structur meiner äugen 
beizumessen sei. Matthisson (erinnerungen) 4, 165. 

ß}) ob ihr uns Deutschen über den mangel des lustsplels 
glück zu wünschen oder uns zu beklagen habt?— und bis 
dahin könnet ihr, Schriftsteller der comödie, getrost nach- 
ahmen; denn es gibt in Deutschland keine sitten dazu, 
aber Frankreich ist das magazin der narren. Hebder {haben 
wir eine französische bühne?) 2,221; 
auf einmal seb ich rath 
und schreibe getrost: im anfang war die that. 

GÖTBE 12, 66, vgl. oben sp. 4549. 

y)) mit dem nebenhegriff der leichtfertigkeit : und uns nicht 
wenig über den drolligen fehlgriff des französischen Über- 
setzers lustig machten, der, durch das im original ähnlich 
klingende wort irre geleitet, die Yamswurzeln getrost in 
Schinken verwandelte. Matthisson ierinnerungen 8) 2, 373. 

ß) getrost im leiden und erdulden. 

1)) am häufigsten bei sterben und bei dessen synonymen ver- 
wendet: und der Jugend ein gutes exempel hinter mir lassen, 
dasz sie willig und getrost um des herrlichen heiligen ge- 
setzes willen sterben. Luther 2. Maccab. 6, 28 (prompto animo 
ac fortiter; mit einem bereiten gemüte und stercklichen. 
Eggestbyn und Koburger; mit genaigtem willen und man- 
lich. Eck und Dietenbergbk); 

'die mörder kommen 1' 
'wolan lasz uns getrost dem, den sie uns genommen, 
nacliwandern.' Ä. Gbiphius (Leo) 1698 1, 77; 
hiXT uns getrost des leibes hülle räumen, 
dasz wir uns nicht aus schrecken selbst versäumen. .. 

S. Dach 164 Osterley; 

getrost sterben. Rondeaü-Bdxtorff 253. 

2)) also streb', o genosz, durch freud' und schmerz auf der 

laufbahn, 
nicht abwankend vom ziel, mit getrost ausharrendem 

eifer. 
endlich nah', ungeschreckt von dem lerm unholdes 

gevögeis, 
das aus dem schutt zanksüchtig emporschwärmt; steig 
in die felskluft. Voss (die weihe) 3,18; 

die grosze Unternehmung . . wo nicht zu stände zu bringen, 
wenigstens so fest zu gründen . . dasz er die gänzliche Voll- 
endung seines nerkes der zeit getrost überlassen könnte. 
Wielamd (Peregrinus) 27, 337 ; 

im schoosz der mitternacht geboren, 
worin das kind bewustlos lag, 
erwacht, zum leben jetzt erkoren, 
das jähr im ersten glockenschlag. 
an seiner wieg' ein engel sitzet, 
dem vom zwiefachen angesicht 
zwiefacher glänz des lebens blitzet, 
hier abendroih, dort morgenlicbt. 
. . . dort mit dem morgenantlitz wendet 
er sich erwartungsvoll zum ost, 
dem, was von dort die zukunfi sendet, 
entgegenbückend still getrost. 

RBcKERT (zum neujahr 1816) poet. werke 1, 115; 
das mochte Hafls wohl Im geist bedenken, 
und liesz getrost des lebens stürme rollen. 

Platen (1847) 1,225; 



ob ich die führer der bewegung, die sturer unseres friedens 
in Deutschland, die untergraber des Vertrauens in den neu 
erworbenen provinzen, — ob ich die verleumde, wenn ich 
sie als gegner und feinde des reicbs bezeichne . . darüber 
will ich den wahrspruch des geschworenengerichts der öffent- 
lichen meinung meiner landsleute und ihrer Volksvertreter 
getrost annehmen und mich ihm unterwerfen, sowie den 
wahrspruch der geschichle. Bismabck (deutscher reichst. 17. mal 
1873) reden 6,43. 

3)) abgeschwächt mit der nebenbedeutung sorglos, achtlos: 

läuft darauf alle Weisheit denn hinaus? 

ihr laszt den Schmetterling getrost verbrennen 

und löscht voll mitleid dann die kerzen aus! 

ÜERWRGU Sonette nr. 38. 
c) mit dem moment des Vertrauens und des muthes verknüpft 
sich beim adverbium gerne auch die Vorstellung der aufmunterung 
und der erheiterung, die sich jedoch auch ganz allein, ohne diese 
nebenbedeutungen einstellt. 

a) dasz er den stoltzen könig mit seinen mandaten ge- 
trost verachten, vnd freydig wider jn kriegen solte. Josephus 
jüd. krieg 146' (Francfurt 1571); doch richtet er sich getrost 
wider auff, hellt sich an die verheyszung der gnade, vnd 
glaubet, dasz er vmb Christus willen Vergebung der sündc 
hab. J.Jonas Verdeutschung der apologia (Js'); 

denn, was man schwarz auf weisz besitzt, 

kann man getrost nach hause tragen. 

Göthb (Faust 1967) 12, 97. 
ß) dichten ist ein Obermuth, 

niemand schelte mich ! 

bab getrost ein warmes blut 

froh und frei wie ich. 

GöTUE (westöstl. divan) 5, 22; 
aber wir, ganz anders gesinnt, verachteten oft eine leichte 
gelegenheit zur freiheit; andere plane wechselten wir im 
busen, und saszen lauschend und getrost indesz auf dem 
stängelchen. (die vögel) 14, 103; 

wer hat mich geliebt, wann ich mich gehärmt '{' 
wer, wann ich fror, hat mich gewärmt? 
wer hat mit mir, wenn ich hungrig gemurrt, 
getrost gehungert und nicht geknurrt? 

CuAHisso (der bettler und sein hund) 3, 256; 

so arbeitete Kätbi getrost an ihren erdüpfeln, verwand mehr 
und mehr den verlust, obgleich sie nicht wuszte, wie es ferner 
geben sollte. Gotthelf Kdthi die groszmulter (1847) 1,24; 
und ich soll dienen gehen? nein! 
ich will die freiheit nicht verkaufen, 
und wie ich die paläste mied, 
lasz ich getrost die liebe laufen; 
mein ganzer reichthum sei mein lied. 

Herwech leicht gepäck. 

GETROSTEN, verb., verstärktes trösten (s. d.). schon in den 
althochdeutschen glossen, sowie bei Otfbid belegt (Gbaff 5, 477), 
entfaltete die präßgierte form ursprünglich dieselben Verwendungen, 
die an der einfachen zu belegen sind, in der mittelhochdeutschen 
dichtunti ist der höhepunkt des gebrauches erreicht, vgl. mhd. wb. 
3, 117'. Lexrr 1, 949. dem gegenüber ist in der neuhochdeutschen 
periode eine starke einschränkung der vollen form zu beobachten, 
die sich allmählich auf die reflexivconstruction — und zwar in 
relativem gebrauch (meist sich gelrösten einer sache) zurück- 
zieht, während die entsprechende mittelhochdeutsche Verbindung 
hier stets in der bedeutung von einer sache sich entschlagen 
aufgetreten war, läszt sich an der neuhochdeutschen parallele 
durchgängig die bedeutung auf eine sache hoffen nachweisen, 
die von Schmelleb l*, 677 beigebrachten belege für trösten, ge- 
trosten, sich getrauen, gehören zu turrcn geturren (s. d.). 

l) subject und object werden von verschiedenen personen gestellt, 

a) das verbum wird ohne weitere bestimmungen eingeführt. 

a) hier sind in den althochdeutschen glossen zur bibel einige 
beispiele erhalten, für die in der späteren bibelübersetzung ent- 
weder andere fassung gewählt wird, oder wo von unserem verbum, 
falls es gewählt wird, die einfache form eintritt. 

l)) für si placueris populo huic, linieris eos verbis clementibus, 
wilstu diesem voick freundlich sein (und wirst sie handelcn 
gütiglich und Jnen gute wort geben. Lutheb, ähnlich die andern 
Übersetzer) 2. chron. 10, 7 setzen die glossen ein gitröstis. Stbin- 
«eter-Sievebs 1, 465; ähnlich für blanditiis labiorum protraxil 
illum (gewan in ein mit irem glatten munde. Ldthgb) sprüehe 
Salom. 7, 21. Steinheyeb-Sibyebs 1, 531. 

2)) refrigaberit matrem Sirach 3, 7 gitröstil. Steinmeyeb- 
Sievebs 1, 565 (an dem hat die mutter einen trost. Luther ; 
der wird sein mutter trOsten. Dietenbeber und Eck). 

3)) dazu gehört auch sublevare, gitrostan in den glossen zu 
Gregors dialogen Steinmeyeb-Sietebs 2, 2ö3 u.a. 



4557 



GETRÖSTEN 



ß) mitltlhoelideuttche bntpitle. 

I)) «u waran die Kriachln tlffll6a, 

n« wäre Alexandtr Ir trAii 

mii den blledto nlwli cuinen. 

Ii comei dicke ta rromeii, 

dti dur hdra «tiia nita 

le näie wol geirAiten kan 

und wllllgal mit dem güie. 

UaraicHT Atgxanier 4MW, 

■wer oucb dem tlnen kAmber klaget, 

der Im dehelnoi gAte« gan 

und in oucb nichi getroiton kan, 

der dunchei mich nlbi ein wUer man. 

WiaxT V. üatviNiiae Wigaloii 2781 { 
wan (md/i) toi sfn gedultio wider ungedull: 
da* Itt den ichamelöiea leii. 
iwen die birien liatxent ine ilne ichult, 
daz kuint von »hier rrOmekeit. 
trwstei mich diu guoie alleine, 
diu mich wol geiru-slen mag, *A ga:be leb umbo ir niden 

kleine. Wiilthbk 'li.i iMchmann, dltnlicli 120, 'il. 
3)) i>l wa* mir le gelioher mAie $6 der i!p. 

nie getrftete <l dor undar mir den muol. 

der ungeuiden muoi ich, und doiil mir noch geiuot, 

erbeiten alH Ich mnc. 

RiiNHAii V. llAOinAU minnei. fr*hl. 105; 

vil gerne wold ich von dan. 
üo gasBch ich »ilten einen man 
in almittou unüor in : 

dai geirdste mir den tin. HiaTiANi« /wetn 420; 
von ir schrlenne (der krähe) ich erichrao: 
wan dez d& niht «leinea lac, 
•6 wa:r et ir »uomac. 
wan ein wunderaitex wlp 

diu getr(\sio mir den llp. Waltui» 95, 9 Uchmnnn. 
y) die ntuhochdeutsehe perioät $ehrdnkt dieu Verwendung mehr 
und mehr ein: dui lion körne immer uervii-ien, ezii getroste 
nAcli diemuot; wan si ist ein eigniu dieiiaerinne oder ein 
armiii diern. üavio ». Augsborc mystiker 1,339; uf solchs 
wurl der arm jung uszgeruert. der gehieb sich innigclichen 
übel (gehabte sich jdmmerlicli), weit sich aucli weder den predi- 
canten oder ieut getriisten lasen. Zimmerische ehronik 4, 298; ge- 
trosten, trösten, nicht trawren lassen, solari, consolari HEttiscH 
158«; ist kommen auff den berg Cavariae, hat aildorl sein 
mögliche andacht crzaigl, weil er »or äugen stellt, dasz iliser 
berg das jummcrthal der well getrost. Abraham a S. Clara 
von dem heiligen riller Georgia (16*8) 23; und überreiche in 
billicher demutli ein kurtzes memorial oder bitlschriflt, so 
SU ehren deines heil, nahmens Georgii von lauter anfangenden 
buchstaben G. meine schuldige, andacht zusammengestellt: 
glorreicher Georgi, gelinde goltes groszen grimmen, getroste 
geoädig gegenwärtige gelubde. 27. wenn schon in diesem bei- 
spiel vereinteUer anlast die wähl des Wortes begünstigte, so kommt 
im folgenden belege überhaupt alterlhümelnder stil lum ausdruck: 
da sprach ihm der Laurenliurger ehrlich zu und gelröstete 
ihn, so gut er es vermochte. Urrntaro (aus der chionica 
euies fahrenden schülers) 4, 47. 

b) die verbalUiätigkeit wird näher bestimmt und eingi-grenit. 
in diesen Verbindungen, die der heutigen spräche ganz fremd 
gegenüberstehen, liebte es die ältere spräche, das mittel und werk- 
teug, mittelst dessen das verbum sich bethätigte, hervoriuheben, 
oder sie kennicichnele in einer ergämungsbestimmung — meist 
einem eigenen satte — die richtung, in der sich das verbum b«- 
wegte. 

a) ni iniu ih lull) wuison, ih iuer ivur wiion; 

gedröstu Ih iuih »cioro mit Träwidu alaiioro. 

OifRiD 4. 16, 48; 
ob nH got nftch dirre klag« 
und uAch disem unmuoie 
mit deheinem guotu 
immer wii getra^sien mich, 

defw&r «6 sOmet er sieb. llARTaAiiN 2. 6ficA<«>M595; 
der keiaer Enterben muox als ich, 
de» mac ich im wol genöten mich, 
«weich herre sterben niuoz als ich, 
wat möhto der geiroisten mich, 
«6 mich dai bievor (Aolier) ane glt, 
und in der xanswer oestAt. 

Freidank 74, 8 Grimm (Bettenbcrger liest wea). 
ß) so er thAra ii tho bibrihta, that sih thin t(t nähia, 

er ünslh tho gidrotti, Ton (lanion lrl6sli. 

OTraio 4, 2, 4, e6«<i«o 5, 25, 97 : 
sia Ab sämo so mit h6nbet-z1erdo U» xegetrAstenne. iix si 
ze-himrie s61t'i (« ttrris illam caelum pergere relut enigmata 
redimiculi perdoceret). Notkbr Marcianus CapeUa 3if>' Hatlemtr ; 
do sprach der appet: swer sine sunde nicht ane sieht, der 
wenet, das er rechte lebe; der aber; sine sunde ane siebet, 
den enmac sin hercse nicht getrosten, das er rechte sie. 
vetfrbuch 18 Palm; 



GETROSTEIf 4558 

gst«lla, 4ai gelob« leb dir. 
Ott »Itt« ni4«r, barpb« aiir: 

SatriCMei da dl« rrou««« aia. 
81 fl ir w«ln«o liiet «la. 
leb glk dir dl« allar b«aua w«i, 
4\9 dialn pavaldn« bil. 

tiOTiraia» Tiitia» I39IS Btekafim. 
7) die reßexnconslTutHon. im MUt it% •ut§tmf»fmmkt fkr 
Verwendungen, die auch in der nemem tfrttim Mtft let em 
fähig sind, die weniger entwitkbem§lfM§$ ><<W l Bl f M ii#> 
jentge, die nch mü 4er e^em §ikm»MkkatH» fn^f« tartkrf, 
in lAr suht das mowtent der mß/ämwag m' •■ ^ ■■i i niif im 
Vordergründe ; dagegen b*uen liek di0uemerfm vetwtw i umfem «if 
der Vorstellung des Vertrauens, der Hoffnung, der lukerkeit »mf. 
a) (ich getrO«trn ■> IrosI sehipfen, auffemunUrl werde*, 
et) die reflexitconstruUttn eh»e nikere (««{««raiwafrta mad 
eingreniungen : 

fio ilnar wan s5 v«*i«r 

dIcd tioar llabeo •w«*i«r 

dai er ieh«ln«r iiund« 

sich getriesten künde, iiABTaA<<ii 6r«vof SM Aral; 

wU kumet dai Ich §6 manegem man 

von tiner n6t geholfen bto, 

und leb mich ••Iben nicht «okao 

getrcBiten, mich «ntrieg« ein wta. 

Waltmbb IM, IT LtOtmunm; 

sich getrosten, se consoUr, tolarti. dteL du 9$j f» § » »r 144. 

ß) du reßexivconstruetion mtt ergäntungAettimmmwfe». gnud 
und Ursache der aufmunlerung wird in tattfarm oder na gemetm 
oder alt präpositionalbeslimmung angetdilotten. 

1)) daz sl . . sih niomer negetröste in fundrn haben (■«■i- 
quam conttnta sit eum inventre). Notirr JfarcMKVi C if ri fa » 
Hattemer; wxrest du doch dA beim« erslageal 

f6 roOhie leb dette bai verklagen 

dich und getnBaiaa mich, 

wi« leb Qberwind« dich, 

swAr« und wxre mir doch l«it. 

TriMtan mit mimek ItW Aral. 
3)) ein iegelicb man mac selbe wol klagen und anlwonra 
vor gerichte, oh er sich dea schaden wil getrosten, der im 
geschit, ob er sich Tersprichet Ane fürsprecben. wan so nus 
er oucb selbe den schaden haben, und bat er abrr einen 
fürsprecben, unde misücspricbet der, des aac er sick wol 
erholen mit einem andern. Se k m€k « » t f kg H cep. 7«, 2 üeufUr; 
das ir aber immer gedenken oder sprechea werdet: was Be- 
darf ich mich mit dissem scbriben ril bcmoben, ich kak 
kein lust darzu . . ei, gedenkt nit also, das were übel (•- 
dacht, nemans ist sieb selbst geboren, dan mit vur sin front 
und gesclecht, laist ach die tragheit, unacbtsainbeit nod 
faulheit nit so schendlich uherwinnen, dan gelroist ocb einer 
geringen arbeit, buch Weinsberg i, 13. 

3)) ich habe nur gar zu ein teutsch berx, den ich kan 
mich noch nicht getrösten über was in der armen l'fals 
vorgangen, darf nicht daran denken, sonsten bin ich d«a 
ganzen tag trawrig. Elisabrth v. Orleans 13. Mensel; akh tkmr 
einen verlusl getrosten, tig in etn verlies troosUn, ket ^edmlUt 
draagen, lyden Krahir 3, 133*. solche verbtndungeu mad im dir 
neueren spräche nur noeh herm einfachen ttrbum trtMcB iMMk. 
y) eine belubte Verwendung hat stA t* der illerem tptmekt 
an den genetiv angeknüpft, der in dwrr form der erfdnsmft- 
bestimmung den anlast tur wrMl Mftf*n < emfkhrU.' iich fl»> 
trösten einer sacbe, «c* Ä*«f fia« •«*« tr*elen, entwiekea» 
die weitere bedeulung Aber den verlnat einer sacke »kh trOst««, 
auf eine aache verxicbten. 

1)) in betuf auf ticUiche ohjerie: 

di nam der selbe knap« 

Ctant den bracken (J*« k»»4 TViatea«). 

von drm we);e er mit im reit. 

Im waa gruilicbe leii 

dai be in hengin sold«. 

h« gcdAcbt« dai be wold« 

«Ich de« lande» cir getrdttia 

•Ir wan he den bund irltet« (rerteaf« UM dea wmm 

erMaea) 

staes Übet: nra dl« scholl. 

wenn b« w«» Trlsiraad« holL ^^ 

Kita. T. OaBasB 1>M<«a 4IM iMMaasMa; 

do tat er als der biJerb« aaa 

4«r skh de* wol crtneficn kaa 

swa« «r mbt g«bak«B mt. _^__ __._ 

Wiairr ». itBATKHata« waia l aiB IWI. «faaa »• 
llABTaAira T. Ave X, i 



wi« aaon« im sin uncriuw« tuet 

4«r «A übt« Ui geaiuot 

das er aaafur daoaich 

lleke« mae Mir9«i«B sick. 

ob er orwirbei aitaa* . ... ,„ 

alaer llnilu«. UAataAaa X MaklaM «S; 



4559 



GETRÖSTEN 



GETROSTEN 



4560 



sumer, diner liehten ougenwelde 

tnuoz ich mich getroesten aber sunder minen danc. 

mich betwiuget drier hanüe leide, 

daz vor allem leide nie so sSre mich betwaac. 

Neiduart 52, 2 Keim; 
wir zwei) wellen zo deser zit 
mit unssern juncheren dis landes hie 
gedroisten, wat uns dar alT gesche. 

Karlmbinst 40, 30 Keller {(mit ausfall des 
reßexivpronotnens) ; 

hat ein man ein pfert, daz werde ledic unde loufe unde 
tu einen schaden ... ist der schade also groz, daz he sich 
des pferdes getrosten wil, so gestellit be iz vor daz dinc 
unde uzent sich sin unde wirdit ledic. ist aber, daz he 
davor entwerten wil, so beheldit he sin pfert unde antwertit, 
als recht ist. Freiberger ttadlreeht cap. 49 § 8 Ermisch; da 
meinte er, er hette schon fünf Portugalesen helffen fangen 
und essen, die alle gesagt hetten, sie weren Frantzosen, und 
betten doch gelogen; so viel das ich mich des iebens ge- 
tröstet, und mich in den willen gottes befalh. dann ich von 
inen allen niclit anders vernauie, dann ich solte sterben. 
Fedebmanns und H.Stades reisen in Sütlamerika (1529-1555) 
133 Kläpfel; darumb wolt in der pfaff nit absolviren, und 
muszt sich des gälden getrösten. Kirchbof wendunmuth l, 81' 
Österley. 

2)) auf personen bezogen : 

mir tuet min staete dicke wd, 
wand ich mich niht getroesien mac 
der ßuoien diu min schöne phlac. 

Harthann Ueder 16,23 Haupt, ebensoi.büchleinlb2; 

wan ez mir also niht enstät 

daz ich mich ir getroesten miige. F, v. Husrn minnes. 
frülilAi,22 (swie lihte si sich troeste min. 42,23); 

ich wil iemer da hin 
da ich ganze fröude vinde. 
ir hänt doch m^. kinde: 
diu länt iuwer Tröude sin 
und getroestent ir iuch m!n. 

Hartüan« armer Heinrich 840; 

vnd bat die bruder, das sie gerne von gote redeten, wan 
da von wirt der man lügenhaft vnd liebet sich den cngelen 
vnd gote; so man von der werlde reden wil, so muz man 
sich die wile vnsers berren getrosten, veterbuch 16 Palm. 

b) sich gelrösten in der bedeutung von vertrauen, hoffnung, 
Sicherheit gewinnen. 

a) die reflexivconstruction ohne weitere bestimmungen und ein- 
scliränkungen , sich getrosten, getrawen, ^dere Henisch 1588; 
getrösten, sich versehen consolarsi, sperare Hulsiüs (1686)167; 
getrösten sperare Stieler 2343; ich gelröste mich »pero, con- 
fido. ebendort; sich getrösten {als ungewöhnlich bezeichnet) se 
fier, se consoler, esperer Schwan (1782)740; 

Dämon, alsdenn wird der himmel für mich sorgen. 
Oronte. wer? wer? versteh er mich, wer wird für ihn sorgen? 
der bimmel? ja, getroste er sich nur. ja er wird für ihn sorgen, 
versteh er mich, wie für die Sperlinge im winter. der himmel 
will haben, versteh er mich, dasz wir^für uns selber fein 
sorgen sollen, dazu hat er uns verstand und klugheit ge- 
geben, versteh er mich. Lessimg (Dämon 7) 3, 196 Mancher; 

der ausdruck ist hart, allein die leser getrosten sich nur, ich 
will alles, alles beweisen. Lichtenberg 3,539 Kries. 
ß) ergänzungsbestimmungen beim reflexiven verbum, 
1)) im genetiv. 

«)) des libes gemach, 

der ist niht wan der sele dach, 
wan so diu sele üzvert, 
so lit er siner kraft behert 
rehte alsam ein füler stoc 
und schiuht man in als ein getroc. 
wer mac sich dan getroesten des? 

Lampr. V. Recensburg Franc, leben iSB Weinhold; 
ich wil den tisch dekchen, 
mich möcht leicht ein hunger wekchen, 
der mir tat we in meinem magen. 
würd mir ein würst in meinen chragen, 
der möcht ich mich getrösten wol; 
und war dar zi°i süsz weins vol. 

luUus triam mayorum Evlaucr spiele 2, 127 Kummer; 

auff das gab in der bapst antwurt, und wan Husz mir mein 
leiblichen bruder zutodt geschlagen hell, so welle er in kain 
weg gestatten das im eltwar laids oder schmach seile thon 
oder widerfaren so fil in seinem gwalt und vermigen war, 
so lang er zu Koslentz wer, darum seit er si {sich) nichts 
dan aller sicherhait gelresten und versehen. Sbbast. Fischer 
Vlmer chronik 181 Vecsenmeyer ; alsz welcher in dergleichen 
vorstehenden gefahren vnd nöten vilmals durch sondere war- 



zaichen (denen nach man sich gewlser hilff vnd der endl- 
lichen erledigung zu getrösten gehabt) sich habe, jrem für- 
geben nach, zu erkennen gegeben. L. Hauwolf reis . . in die 
morgenländer (1532) s. 469; mesz hin mesz her, spricht 
dr. Faustus, mein zusag bindet mich zu hart, so hab ich gotl 
routwillig verachl, und bin meineidig und trewlos an jhm 
worden, dem teuffei mehr gegleubl und verlrawt dann jme, 
darumb ich nit wider zu jm komen, oder mich seiner gnade, 
die ich verschertzel, getrosten kan. Faustbuch von 1590, neu- 
druck s. 140; dise mär hat jrer vil hoch erfrewl, dann sie 
sich groszes ding getrösteten, vom hertzog von Burgis. Hedio 
Commines {von könig Ludwig I.) s. 12 (i566); als er vermeinele 
sich mehrer gesundheit zu getrösten, wann er der beschwer- 
lichen widerwerligen regierung entlastigel werde, so danckle 
er zu Marienburg in gemeiner tagfarl, im december auff 
Nicolai tage ab SchCtze beschreibung der lande Preuszen (1599) 
145"; 

bey dem ärgsten bestes hoffen, geht wol keinen an, 
der sich seines wolbewustes (guten gewissens) nicht getrösten 
kan. Logau 2, 206, 66 (hoffnung); 

dieser anfang mich zu bewillkommnen, war der well noch 
nicht genug, sondern es kamen hencker und sleckenkneclile, 
mit grausamen folterungsinstrumenlen, welche mir, unan- 
gesehen ich mich meiner Unschuld zu getrösten halle, meinen 
elenden zustand allererst grausam machten. Grimiiielshausen 
Simplicissimus (l. cap. 2l) neudr. 56; {der sich) aller angenemen, 
wilfärigen freundschaft versicherlich, und vor gewls gelröslen 
mag. ßuTSCHKY kanzl. 415; das wellkind denket in seiner krank- 
heil nicht an gottes wort . . . weis sich weder seiner heil, 
taufe, noch des heil, nachlmals zu gelröslen. 788; ich halte 
mich keines kleides bei im zu getrosten, weil er selbst über 
und über zcrflickt daher gieng, gleichsam wie mein einsidel. 
Grimhelsbäüsen Simpl. (2. cap. 29) neudr. 182; wann sie aber 
allen hierin enthaltenen puncten lleiszig nachleben, so haben 
sie sich alle zeit desz obrigkeitlichen schuz zu getrösten. 
österr. weisth. {Priebing) 6,396; und darumb so musz ich be- 
kennen, dasz ich mich etlicher massen vor ihme fürchte: 
ich will mich aber nach bestem meinem vermögen, seiner 
wehren und auffhalten, und mich meiner guten und gerechten 
Sachen, die ich defendire, getrosten. Ayrer histor. proc juris 
(I, 5) 111 (1680); 

wenn ich nur nicht mein elend selbst verschulde; 

wenn ich als mensch, als Christ hier leid und dulde; 

so kann ich mich der hülfe der erlösten 

sichei' getrösten. Gbllrrt (gedulU) 2^, 157; 

dessen getroste ich mich denn auch und werde in posterum 
keinen prolestalionibus . . . mehr aurem faventem leihen. 
J. Gh. L. Haken der lüderliche {deutsche Utteraturdenkmale 66/f.) 84. 

ß)) gelröslen sich eines dinges, fiduciam, spem in aliquam 
rem collocare, ponere salulem in re aliqua, niti VVbissmann 
(1715) 156; sich gutes getrösten, bene sperare et bono animo 
esse; sich nichts getrösten, desperare Kirsch 179; gelröslen, 
sich eines dinges to trust in, upon or to a thing; to rely or 
depend on it, to trust, hope, or expect it, to take comfort or 
consolation by it. teutsch-engl. wb. (1716) 767 ; ich getroste mich 
eines guten ge Wissens, ebendort; er hat sich keines seiner 
kinder zu getrosten oder zu erfreuen, he gels no comfort or 
joy by any one of his children; das oder dessen habt ihr 
euch noch zu gelröslen, dessen könnt ihr noch gewärtig 
sein, that is a matter of hope to you. ebendort; ich getröste 
mich eines guten gewissens, je me console de ma bonne conscience 
RoNDEAu-BuxTORFF 253; ich getröste mich keiner antwort, je 
ne me flatte pas d'avoir une reponse Schwan (1782) 740; ge- 
trosten, so nur als ein reciprocum mit der zweiten endung 
der Sache üblich ist, mit Zuversicht hoffen. Adelung 2,639; 
sich gnädiger erhörung getrösten; ich getröste mich deiner 
hilfe, halte mich derselben versichert; sich der gewährung aller 
verheiszungen gottes getrösten, ebenda. 

y)) während Adelung a. a. o, bemerkt, diese Verwendung fange 
in der edlen Schreibart an zu verallen, läszt sich gerade um die 
wende des Jahrhunderts eine Steigerung im gebrauche beobachten. 
GöTHE liebt sie besonders im späteren Stile; und noch heute — 
vor allem in der gehobenen spräche — machen unsere schrift- 
steiler davon gebrauch: 

alt und wahr, herr Isegrimm! sagt' er, beweist sich das 

spriichwort : 
feindes mund frommt selten, so hat auch wahrlich mein 

oheim 
eurer werte sich nicht zu getrosten. 

GöTUB (lleineke fuchs 1) 40,9; 



4561 GETRÖSTET— r.RTROSTHEIT 

doch Hex er Ibn loi, lien kAiilg lu ehrent 
denn am leben zu ttiefm fehdn drm köalg tlleln«. 
aber wenigen dankt kann iWh mein obeim geiröaien, 
fO gerecht er auch lel. 40, ii- 

w«nn Dun der künttler in einer genauen, zum lauberileo aus- 
gefübrteo zeicbnung das aeinige geleialet zu haben hoffen durftf, 
•0 kann die arbeit des kupreralecbera «ich gleicbfallt einer 
geneigten aufnähme getrosten, (iwr kuntt) 41, 160; im november 
erstattete die lieh<^rde einen bauptbericlit, Melchrr »Ich des 
höchsten beifall« um lo mehr getrOgten sollte, als der um- 
sichtige fUr>t persfinlicb von dem ganzen geücbaftsgange 
•chriit vor schritt kenntiiisz genommen halte, (lag- und jahra- 
htfle) 31, 144 ; leider musz ich jedoch hei unserer oft uni- 
hülllen atmosphflre zugleich lickronen, üasz die Wirkungen 
sich oft umkehren und geraile das gegeotheil von dem ge- 
hoflten und erwarteten erfolgen könne; denn so wird z. b. 
bei den nebelmorgen die nnrdseite das weisze kreuz und 
also ein gutes lit ht geben und der mahler der hierauf achtete 
würde sich einiger guten .><tunden gelrOsten können, (nachtr. 
xuT farbentthrt) 55, 66; beide kamen aber zu spat; denn Fulko 
halt« bereits die bürg übergeben und sich zur Zahlung einer 
groszen geldsumme verpHicbtet. Ruimund konnte sich naiilr- 
lich, nach dem unglücklichen ausgangc dieser Unternehmung, 
keiner bedeutenden Unterstützung von selten Fulkos getrosten, 
er erbettelte daher in der noth die gnade des kuisers. ScsLossta 
wtUgtsch. 5*, 293: ich wage sie zu bitten, dasz wir diese be- 
rathung so «infach sachlich zu ende führen, wie sie dank 
der ruhigen Überlegung der groszen mehrheit des liauses be- 
gonnen worden ist, und uns des glaubens getrösten, dasx 
dieser so höchst unharmonische unsystematische gesetzent- 
warf, an dem ich als professor eigentlich nur herzensleid 
haben sollte, gleichwohl einen guten und gesunden kern in 
sich trögt. TiEiT.<CHiE (9. mdri 1878) reden IA9; sich getroste, 
mit dem genvtiv, sich getrösten, Hunzikkb Aargauer wb. 103. 

2)) die erganiuiigsbeslimt)iung wird mittelst einer prdposUion 
angeknüpft: gelröste mich also zu meinen hinterlassenen erben. 
ScBWElKlcBBN 1,13 Büfcliing ; 

nur in gou getrottet sich mein gaist, 

von ibm nur kommt mein heil. 

nur er ist Teis und rettung mir, 

und hobfa bürg. Mk!<oilssoiin psatm 6*2,3: 

wenn dieser edle sänger, wenn der herrliche Lessing, in ihrer 
zeit den niedrigsten Schmähungen nicht entgehen konnten . . 
und wir sie dennoch in ungetrübtem glänze sehen, so können 
wir uns an ihrem beispiel getrösten, dusz rutim und ehie 
der Schriftsteller nicht von solchen Vertretern der rohen menge 
ausgetheilt werden, wie stark sie auch schreien und sich sonst 
abmühen mögen. Varnrace!« denkwürdigkeiten 6, 376 (IS42): 
des iih mich auch auff disz mal meiner yetzgehapten bitte 
unnd begierde, uiind der sachen billicheit nach, zuo eüweren 
treüwcn, genaden und günsten als . . beschirmer desz Vater- 
lands gemeiner freiheit, und vorvolger alles Unrechts, schänden 
und lasier, versieh und getroste. U- v. Huttkn klagschr. an alle 
ttdnde 1520 B 5; man sagt zwar, 'sich einer sache getrösten', 
aber 'sich auf eine sache getrösten' ist nicht gut. ich habe 
geglaubt es sei blosz niedersSchsisch, aliein man findet es 
auch in Bodiners Milton s. 42: wir können uns weiter auf 
nichts getrösten, als die Verzweiflung. HiiY!«ATz antibarbarus 
iy 51; sich up wot getrösten, auf etwas rechnen, etwas trwarten 
WosaiB wb. der uestfdl. mundart :S. 

3)) erginsungsbestimmungen in inßnilivconslruction oi*r im 
tvibstantivsatu angeschlossen: wie es (metn vaierland) dann 
jetzunder sich getrost mit neuen menschen angefüllt zu wer- 
den B. Scai]ppius scAri/I. 717 (kunstreich xu werden); aber ich 
getröste mich, euch bald im Scharmützel oder treffen mit 
degen oder pistol zu renconlriren. Zscuoskb {Addrich im moos 
23) 4, 1S6 ; 

und ir euch des getrotten dOrstan 

dia got im himel wer gestorben 

und allea recht in grünt verdorben. 

Mc*!<ii l.mher narr 2907; 

dasz er Übrigens aber sich getrösten soll«, das sein bos- 
hafter söhn ihme künftighin in seinem leben keinen ver- 
drusz mehr miichen werde. Kdrz (sonnenwirth) 6, 18«. 

GETUÖSTET, participialet adjeetiv xu trösten, rgl. getrost 
sp. 4549 auf 50. 

GETHOSTHEIT, f.,}üngtre subtlantivbtldung sv getrost ($.4,) 
das miltelniederdfutscht hatlt ein substanti* ton getrostig, ge- 
trostich (jrbildit {vgl. getmsllicb) getrösticheit ScHitLH-LfMK'« 
3,'jo'; get^o^theit comfortabUness, courage, good chttr, ttout- 



4M2 



GETflSTLICH— GKTBCBT 

keartedneis. ttulKkengl. **.(ni«)7«7:|MroMliei«,*lwa«W,i. 

vastighrid, maamoedtflietd Kiabu 1, m*; frlnMlMl tamrtft, 
fermtu HoaoMu-HuiToarr US {^f Ut nr tmmU w BciToair)! 
Leo der viert«, welcher so( dat «taagtlhm KlMr«r<. 4k kaufl- 
Ogur ist das b«sl* im gsnteo; •«■ hasa gal«« g»«i««i 
nicht trefflieber ausdrOcken la grotzM, krflfüceo frriM 
ebarakter . . suazerdem sind oocb einige meiattrbafl« hOpr« 
darin ; scharfer vertUnd, gelrosibeil, ood verwuodmmf iio4 
aufmerksarokeit darum bw. Wttntm AtitmfktU» >,M: «r (9m 
ein höhet aUer wUn>chl\ . . gewOho« sich fr«h t« «teer |«> 
trustheit, die auch die nlh« des lodes oiehl tncbSIlrra 
kann Saci Kalo oder ühtr dnt atUr ihttltn iio») i»7: ni 
nun rief der kOnig (Friedruh Wühelm IV.): 'die« ja «ar i^ 
mich, das ist mein eigen, das last' kh nicht, da« «cfMMUl 
uns unauflöslich in gegenseitiger lieb« ood lr«M, iM |Ml 
muth, kraft, getrostheil, das w«rd« ich in acÜMr «tcrto* 
stunde nicht vergessen'. TaiiTtciai ir%ltth« fmtk. %, M. 

GKTR(iSTLI(:il,atfr«rft,r«rrtiiw// ««cA adjeettr. tknt liUaaf, 
dit jedoch bei LuTUfa m grgentolit i« anderen inlftnittudun 
schriftttfUfrn nicht belegt ist. 

1) dai Oilverb: weil dann di« elenden jsmer l«id«o, ««04 
die armen seuffizen, will ich auff, spricht der berr. ich will 
ein heil auffricbten, und getröstlicb mt jm handien. Ititvc«. 
BüacBB ptalm 13, 6 (irOsilicb Eci, bH Lirasa andtrt fannf); 
der zwerch als er ihn hört so gelröttlicb reden, brsab« «r 
jn eigentlich. Amadit (t50S) «, S7S; «. 1 sei fetrösilieh 4ea««a 
versichert, dasz die keiner sachen halben, wo die in ate.aca 
vermögen und gewall, soll ein «bscblag oder widertplnsti^ 
keit erfahren. 6, 807; da redet jnen Gurgcitlrozza galrOc^ 
lieh zu, ehe er sie auszfObret, nnd verbietz reich« kMiM 
Tun armen leuten, auch grosi verebruog denen dk «Ml 
mannlich erzeigten. Fiscbart Garg. tn »tmir. 

2) dat adjettiw, vergl. getr6stich, «eU tmtemtkt Sciill««- 
LCaBKM 2,90': vnd wo änderst ewer biti der billigkeit geroees 
vnd mir an mein ehrn nit schedlicb ist, soll jr der gclröet- 
lichen hoffnung gegen mir seyn, dasselb ewr beger ich «och 
nit abschlagen wiL Amadi$ (1, II) litt. ttr. 40, 118. 

liETKOTZE, n., verbalsubUantn Sit trotzen (». d.). 
GETROTZT, participiales ailjeeiiv zu trotzen (i. d.). swrKrln 
bedeutungen lassen sich an dem »tinkutiMm »ijttUm Mtft»: 

1) aus GRTpaiDs itt eint anffOnäe «enrrWwg im f»rl, 
prdl. belegt, di* sieh am pari, prdsemt tkm erUievs Utm^ ge- 
trotzt «trotzig, de* ausgangsiunkt bildet die inirdwMs» /WiadtSM 
det virbums, dit auch dem part. prdL ttnt actitt htdntmm^ «•/- 
iipin;< ; 

die Stadt wird umb und usab mit blaascm »traki umhgtben, 
man siht aulT weitem feld alt »cbwarie wolkm »cbwebeo 
der reuter lelcbie schar, to hlixt dat laod ticb »a. 
wenn ein geirotiirr feind, dem nicbit «otkomaeo ka«, 
mit tcbwerdi und Damme pocht. A. Caveaioa (Cütotwi Sin»rämt) 

tranertfUlt (t«3S) «M; 
obfieicb di« Themlt oicbt 
stracks hals und baupi abspricht, 
wenn der verlockte geltt 
durch alle sebraockea reitt, 

und miigetrotitem matb di« gAitar sebeiai sa yeeb— . 
A. tiavpaio* (tttrlundtr Pmitummm* X MTB MS) 
Uuhcht ttiHekU (1691) 4t4. 

2) der ntueren uit gthSrt eint atthhitirt amNWwif «•, 
dit sich in andertr nchtung von der $onttti*n «aMBsrUkaf da 
verbumt entfernt: getrotzt, mit tmuilitir Meiilwaf, aadk « ««Isfs t 
von ertrotzt; eine bis zd tmit §tHnM9 f W ll adwtrt — g . 
national-uitung 24. Jahrgang (lITl) Mk. 

GETKOBT, partieipiaUs adjedh m trtk««, g«tr«bea (s. d.\. 
dit dtuttcht spracht A«l 9uf swii sla/hi ikrer « aftinMa af isalir- 
Tungen dtt partictpt 9om airMsteaMM is|ias li | l . r w iaia i im 
dtr allhoduituttchtn ptriode in HrvtmduMfMt HttfdUr fHMra- 
tiieili durch das ttrwandU betrüben, betrtbl »ktnmmmn mtrdtn 
tind. die itrtit kmrfaiR; s«r iialisrMif g et lr f 4fr arwr*« 
xtü an, hält stt* «ter 4ndN(k immMb t i t m lk n MAara, 4ir 
fir dt* ilttm tntmitil» »§ i§t»9 n I shff ä»i. 

l) dta «M» «dU« fttr dk «MtodWeaftdk* sai ••• ciaer «4- 
jKtiniTvng dtt JMrfic^ ifrrch«B darf, inaa «arA aai ä mt dat u 
btispitlt di* «alseM4nf »idU immm «il |ü 4 l iai, dafür MtM 
iNoTiEB, dem dat *rst* htitpMl ftr %*ur kt*tt m Mwllai «4- 
jtctit angetrabt «*ln*mm** ül, dt* brwfit : ood« bia aagtlraMMt 
(et 8«a saai (arMw). pealai 1 1», 00 : 4» «Mgea t t tn t ittr itanr 
»ät SMffR 4srs« s«s«aiBwiiM<SB«f a«dk «tcM; 4ir i f U n t m, sa/Sms 
m *ieht an dtr traditim fMkatttu, wMn awitn d m ä i9 a mt$ 
reist*: nnde niht bia \k galraofcot Wia4l0f(r m9d TVimr 
«crstoa, *bt*t» frcMtacr ftaloMa; kh Mb karall wmd tä bairtM. 



4563 



GETRÜBT 



GETRÜBT 



4564 



Eck; ich bin bereitt und nit unlustig. Dietenberger; ich eile 
und seiiine mich nicht. Lutbbr psalm 119, 60. aus der grundbe- 
deutung des verbs ßieszen dem particip verschiedene bedeutungen 
zu, je nachdem es auf äuszerliche Veränderungen an sinnlich 
wahrnehmbaren objecten oder auf innerliche bewegungen im ge- 
müte des menschen sich bezieht. 

a) für den ersten fall ist aus den glossen die beziehung auf 
das Wasser belegt : corruptis (fonlibus) gitruopten. glossen zu Gregors 
cura pastoralis Stkinheybr-Sievers 2, 17S. aniuschlieszen ist 
auch ein zweites, allerdings mehr auf der lat. vorläge beruhen- 
des beispiel: unde wazzer tiefina würden getruöbot {et lurbalae 
sunt abyssi). Notrer psalm 76, 17; getruobet wurden die wage. 
Windberger psalmen; getrubet sint die abgrunde. Trierer Version; 
betrubit sint die abgrunde. Trebnilzer psalmen ; die abgründt 
seind bewegt worden. Eck; und die lieffen tobten. Luther 
77, 17, ähnl. Dietenberger. 

b) die überwiegende zahl der älteren, der biblischen litteratur 
entstammenden beispiele bezieht sich auf das gemülhsleben , vgl. 
Graff 5, 490. 491. hier knüpfen auch aus der miltelhochdeulschen 
zeit beispiele an. vgl. mhd. wb. 3, 120'. Lexer t, 1536. 37. 

a) unde bin getruobet f6re des fiendes stimmo, unde före 
dero binun des sündigen (conturbatus sum). Notker psalm 54,3, 
ebenso Windbergerund Trierer Version; betrubit bin ich. Treb- 
nilzer psalmen; betrübt worden. Eck, ähnlich Dietenbehger; 
wie ich so iiieglich zage und beule. Luther 55, 3; inti quad 
her zi in: waz sint thisiu wort thiudir bringet untar zwisgen 
gangenti, inti birut gitruobit (et cstis tristes)^ Tatian 224,4; 
und seit betrübt, codex Teplensis; und sit trüric. Beheims 
evangelienbuch ; was sind das für rede, die jr zwischen euch 
bandelt unter wegen, und seit trawrig? Luther Luc. 24,17; 
genau so Eck und Dietenberger ; ketru6bter sIlM ih (dormivi 
conturbatus). Notker psalm 56,5, ebenso Windberger Version; slif 
getrubet. Trierer Version; unde ich slif betrubit. Trebnilzer 
psalmen; bekümmert schlie£f ich. Eck; ich bin entschlaffen in 
angsten. Dietenberger, bei Luther andere fassung ; 

mSterliclien du in begienge, 

an dinen brüsten du in zue;e, 

in Egyptum du mit im vluhe . . 

gedrflbet du an im diche wurde; 

dö hulve du im die bürde 

wol tragen mit vollen 

magst urabewollen. Vorauer Sündenklage 95 Waag; 

da wart geträbet sin lip 

ein chunic nam ime daz sbone wip. 

bücber Mosis l, 6 Diemer. 

ß) des dinges ist min herza getruobet, wanda iz wiget 
mir {cor meum conturbatum est). Notker psalm 54,5, ebenso 
Windberger und Trierer version; das hercze min betrubit ist 
in mir. Trebnilzer psalmen; mein bertz ist in mir betrübet. 
Eck; mein hertz engstet sich in meinem leib. Luther 55,5, 
ebenso Dietenberger ; — tho quad her in : getruobit ist min sela 
io unzin tod: beitot hier inti wabhet mit mir {tristis est 
anima mea). Tatian 180, 5 (Matth. 26, 37) ; min s61e ist tröric 
biz in den tot. Beheims evangelienbuch; mein sei ist betrübt 
u-Dcz an den tod. codex Teplensis; meine seele ist betrübet 
bis an den tod. Luthek, ebenso Eck und Dietenberger; 

michel wart ir chlagc. 

si begunden in Torhten sere. 

ir gemrue wart getrubet ie mere unde mere. 

jüngere Judith 176 Diemer. 

y) in getruopten herzen {in turbatis cordibus). Notker canlicum 
Habakuk Wiener handschr. Graff 5, 491. 
2) neuhochdeutsche periode. 

a) das particip ist bezogen auf sinnlich wahrnehmbare objecte. 

et) asz wurzeln, schlürfte aus der band 

getrübtes wasser. 

ScHUBABT (wunderlhäiige crucifix) 4, 44; 

WO die hündlein sind, die von des herren tische mit brosamen 
gentthrt werden, für die abgefallene blätter des lebensbaumes, 
getrübtere wellen der ewigen ströme, heilung und labsal sind. 
Göthe briefe 6, 37. 

ß) deren wangen, wie durch die finsternisz eines getrübten 
himmels das morgenroth, glühten. Zschokke {pflanzer in Kuba) 
1, 237. 

y) getrübtes glas, undurchsichtiges glas, das in der glastedmik 
tine bestimmte Verwendung findet. 

b) das particip kennzeichnet gemüthsstimmungen: 

die uachtigall ruft: zurück! zurück! 

der knab schickt nur voraus den blick, 

•ein herz ist wild, sein sinn getrübt, 

vergessen alles, was er liebt. Ukibkl Tannhduser; 



ziehet nicht so schnell dahin, 
feuerkäfer, eure strasze, 
weil ich in getrübtem sinn 
dleszmal nicht so schnell erfasse, 
neu befreundet, all die alten, 
trauten lenz- und glanzgestalteu. 

K. Matbr (gram und frühling) geü.^^i; 

aber fürchte nicht für meine gesundheit; die wird dadurch 
nicht angegrififen, ich werde nur innerlich immer mehr ge- 
trübt. Hebbel briefwechsel 1, 177. 

c) die neuere entwicklung bleibt an den beiden hauplvtrwen- 
dungen der älteren spräche nicht stehen, sie bewegt sich vor allem 
in Übertragungen auf zustände und Ihäligkeiten des menschen 
weiter fort, 

0-) die Wohlgestalt des Jünglings, 

seines auges melancholische tiefe, 
seine Jugend, sein getrübtes aussehen 
schmolz der köuigin bewegten husen. 

Platbn (Abassiden 6) 87. 

ß) je weiter aufwärts er {der Sprachforscher in der deutschen 
spräche) klimmen kann, desto schöner und vollkommner 
dünkt ihn die leibliche gestalt der spräche, je näher ihrer 
jetzigen fassung er tritt, desto weher thut ihm jene macht 
und gewandtheit der form in abnähme und verfall zu finden, 
mit solcher lauterkeit und Vollendung der äuszeren be- 
schaGTenheit der spräche wächst und steigt auch die zu ge- 
winnende ausbeute, weil das durchsichtigere mehr ergibt als 
das schon getrübte und verworrene. J. Grimm einl. zu theil l, 
sp. 3; manches schwerfällige, verworrene, sich wiederholende 
erinnert allerdings auch an die getrübte ausdrucksweise 
düsterer stunden, wo er sich im kämpfe mit der krankheit 
müde gedacht hatte. M. Hbydrich nachlaszsthriften Otto Lud- 
wigs, einleitung 22. 

GETRÜCHE, n., colleclivbildung zu truhe, truche, welch 
letzteres {vgl. Lexer 2, 1541) in Tucuers baumeisterbuch der 
Stadt Nürnberg mehrfach in der bedeutung von hölzernes ge- 
rinne, in welchem ein bach über einen Stadtgraben geleitet 
wird, beUglist. die colleclivform begegnet in der nach Drescmbas 
vermuthung ebenfalls nach Nürnberg zuständigen Dekameronüber- 
stetzung: nicht ferre von dem caslel Gilielmo in einem tieffen 
gründe und getrüche, da durch ir wege ginge pei einem 
wasser. (2, 2) 60, 38 Keller. 

GETUÜG, n,, die ältere form für das heutige betrug, vergl. 
theil 1, 1721. in die neuhochdeutsche periode reicht getrug nur 
mundartlich und mit gebrochenem stammvocal herein, als getroc. 

1) in den althochdeutschen glossen und denkmälern {vgl. Graff 
5, 509 und 510) steht dem häufig verwendeten gilroc vereinzelt 
auch gitrugi gegenüber: fictio kitroc. glossen zur sapientia, 
Steinheyer-Sievers 1,560; thie thar ist gisawit in thorna, 
thaz ist ther thaz wort gihorit inti suorcfulli therro werolti 
inti gitrog thero wolono bitherapfit thaz wort. Tatian 75, 3 
{faUacia divitiarum suffocat verbum); di betrigunge der rkhtörae 
vordempfit daz wort. Beheims evangelienbuch ilfaf//i. 13, 22 ; di 
trugheit der reichthum. codex Teplensis; betrug des reich- 
thums. Luther und die späteren; fictum, gitrugi. glossen zu 
Gregors cura pastoralis, Steinmeyer-Sievers 2, 188. 

2) aus der mittelhochdeutschen periode ist nur die form getroc 
belegt, die in weltlicher und geistlicher dichtung mannigfach ge- 
braucht ist; mhd. wb. 3,106". Lexer 1,948. die bedeutung be- 
trüg, täuschung wird in bestimmtem Zusammenhang (des teufeis 
getroc) in der bedeutung blendwerk, gespenst vergegenständ- 
licht und personificiert. 

a) mit zorne karten sie dar; 

sie wolden nemen war, 
ob ieman dar an schuldec wxre. 
si säzen in grözer swxre 
mit klagewis ob ir getroge. 

kindheil Jesu 2001 linochendOrffer ; 
nu was sin ors verdecket, 
sin selbes not erwecket, 
euch het der degen wol getan 
lieht wiz isern harnasch an, 
tiwer an aller slaht getroc: 
sin kursit, sin wäpenroc 
was gehert mit gesteine. 

WoLFHAM Part. 333,5, ebenso 735,20; 
dus laich der buschof wail eicht dage 
up gedroich, dat was sin meiste clage. 

Hagen reimcUronilt von Köln 3902, 
(/. städtechron. 12, 133; 
eidoch anwerde der herzöge : 
'node geinge ich umb mit gedroge. 
sal ich de.ser dinge mit uch hegiunen, 
so mois ich ritterschaft gewinnen 
umb groisse have und dura schollt'. 5485, 



4565 



GETROGNrS 



GETRÜLT— GCTBCMMEB 



45M 



ß) fl ktn loubarlitia lougtn. 

(i Ui nir tao und ntbi vor mlaeii oufao, 

dam gullob •am leb al laba. 

(I Itt mir in dam aUfa niheo. 

•olde Ich li niii arman ufflbevtbao, 

iinil Uai niiiiaecllcb gaicbebal 

dax Ut allat ain gatroo 

daz niicb lu dam aUfa irlugai. 

MuoMABT •!, n faint; 

• lioita wir al gemalna 

un tioli vnd« an maliia: 

du/ was de» tiivilea talroo, 

nn lAili durh goi. fiiertr SUvt$ttr 419 Xraw; 

wir wellan lu gröi wuoder aagan, 

dui von ilar werlt lil uuvernoman: 

aln klui Im von ainar magad« gaborao. 

duo aprAchen Käniu)ie, 

dai li nlawan alii gotrocb w»ra. 

ktm$i Chronik 1M3 E.Stkradtrs 

da« libea gamach 

id diu tdlu üivart 

«A llt er ilnar kraft beben 

relite aliaiii ein füler «toc 

und liclilulii inun in aN ein galroo. 

I.Aai>R. V. lUiiiK-^DDRO Franc. Inben 1S9 Wtinholi. 
3) auch in dit frühneuhoclideutsrhe periodt reicht grtrog mit 
beiden bedtutungen herein; dir letiten belegt sind dem nieder- 
rheinischen sj>rachi)ebiete entnommen. 

a) daz liel Üarlaiim für ein getrocb. $piegel deut$eher kute 
$. U Ficker; doch zo lesien vanl man, dat tt Üpüler lüde ge- 
drücli was. Cölner Jahrbücher des U. und 15. jahrh. %u 1S7&, 
d. städtechron. 13,41; in dem selven jar quamen die dentzer 
. . id lichter lute gedroch waz. Vi; alle die lüde leifen us 
der kircben ind de lüde in dem veide leifen in de stal. 
ind der rait Coelne wurl gewar, dat it des duvels gedrocb 
was ind ai wistcn dat Tolk bdischlicben heim {tum jähre 
1431). 166. 

b) für die bibehtelU aus ilalth. 14,26 hatte schon Otfrid 
unser icorl verwendet: 

?:iang er afier in tho aar oba tbema wifare tliar, 
asio oba iber ündu. lu wir duen biar in 4rdu; 
. . nie mtir oiili liiniarqu&mun, <o ^ie nau tbo gisibun; 
llrn;iniun in glwnri, tboii ein gidrug wari. 3, 8, 24. 
diese (ibersetiung von *i]via Phantasma est' kehrt aiielt später noch 
wieder: und sl aähin en M dem mere wandernde und sint 
hetrt'ibit und sprAchin: 'wan iz ist ein getrok' und scrieten 
vor verebten. Kkhkims evangelienbuch , Matth. 14, 26, ebenso 
Mtire. 6, 40. der codex Teplensis und die vorlutherischen bibel- 
druckt haben hierfür: trugiuisz ; Iiiithbr und dit spilleren : ge- 
spenst. vi;l. unten .«p. 45<j6; kint leve, woullu dat gebot got'< 
uai! holden, su ensaltti neit geluuven an de guthoulden und 
an de elflnnen noch an de wichteline noch an geinreleie 
apoetnisse, wanl dat U allet des duvels gedrucb, da hei de 
lüde mit bedruget, de kranken gelouveo baint sower ganzen 
gelouven hait, dem mach dit gedroih neit schaden. Kölner 
handschrift von der sevlen trosl {i:^. jahrh.) l'rEirrKRbei Frommanr 
2, W2 {Variante der drucke trüf;nisse). 

GKTUCGNIS, f., verstärktes trilgnis , trugnns {s.d.). »dli- 
rend das in der alteren seit so beliebte fem. getrngida (Stkin- 
MRTtiB-SiKVERa 1, S'9. 2,50. Grafk 5, &to) nicht über die mitlel- 
kochdi'utscht xtit htrabreicht, vird unser, in der althochdeutschen 
uit nur vereinxelt belegtes vort noch lanije festgehalten. 
1) gitrocnissn deliramenta. glossen sur btbel Gurt 6, 5t0; 
ninn mar wundor schoweii 
ich bin vm eine Truwea 
bIüo sere verquolen 
dai ich dai muot dolen 
dai mine riiter aint ertlaugen 
vnd sei Ich et vertrageo 
durch ein getrueoiaae 

min minne ist gawlua. HRaaoar (ro/aa. ftriay 13833; 
ala st dO Ober al 
hdrtea dUea bornacbal. 
die vor dem boiimgartao 
des iiii;es solden marteo, 
ml »tiht'na alle ein ander aos 
wan d& was deheln man 
der das lieia deheinen wIn 
dai ei SU« wasre ergAn 
dai der riler M&bonagrln 
solde Obcrwunden sin; 
und rieten die burg,rre 
daii ein gctrOgenus wa<ro. 

llARTMAtM V. AOR luec %30. r^f. Lixi* 1.949; 
iti sprach diu küniginne 'Ich winde et wx>r din tpoL 
wes tritrest du so söre? nu bilTet dir din got: 
wie bin ich dem enlrunnen, der mich hit erlogen I 
ai ial ein trOgenwjse dat mich hit betrogen. 

(Viirtanle geirugnlsse) Ortnit 452 .4iHerHi<sr, e6«N*o 240. 
3) manchia getrognisd» der tüfel pllag. 

J. RoTua passion {Becti) litrmani» 9, 176; 

IV. 



nai aAkaa ia tt im» mm* w»»i ma4 » 
uod wordaB bairdbai tagaMa *vsaM 

da« bi aln |ai(0|BlMa'. mM»id. 0Ma$iUmlt*rmmtU, 
ilMir. I. d. mUrrtluum % r « (afl. •*•■ «p. 4Mft) . 

VCD geacboii« vllgiad« dtt Ufto, tOQ Hafß ■ — 4< lM if » m 
dem fioaiirnl«: foa loufao MMi« wM itm» fttracalM« |« 

Mi/iUa volunle in du, a »tgelso perimhnUuU tm Umtkriif «1 
inruriM rt daemnio mtndun»), Trehnilur f^lmun, f* M, •{ 
uode linvele deme mUt«rta««lteb«a. t» ilUnm f fkmtm mnkimn ; 
tbenso Eca und DiRTKütufiit; far der ixrin 4k»\mmilMHß 
verderbet. Lutmkr ; in d«a jarca uo« Imtm i«M 4m •. 4afM 
io dem mainde dcceuibi-r quam tla juok mao lo Corloc lad 
bracht einen atrop utub ainrn balu o( bat gabangva gt«et*l 
were, und apricb, dat ia de bilge s koniak «M 4mm pifM 
erloiat baJeo . . aito dal de g aaciaa lud« betfM Ia4 i 
wairn waluden (id werc wair). doch waa Ul «• _ 
nisse ind eine lugen. KUner jahrbütlur in 14. whI M» >dM. 
d. städtechron. 13, '>o. 

(iETHl'LT, participiales aijeclh n Iralen. dnillts. drollen, 
drehen, füden spinnen, vgl. theil 2, tIStjf.; Jobaas Koch kat 
einmal ein halb ein acbwurcx sammet »4 • l«tt utralUr 
seiden unnd 2 oder 5 lotl tcbwarcze alopaaid« M tot pkok. 
Frankfurter arehiv {aus 150«) Üicri^aaca-WricaH Ut. dir 
gegensatt su slopseide meist auf gedrehte «eide Ma. 

GETHliMM, n., colUetnbildung tu trumm (i. i. vgL Scaatiiaa 
1 ', eü3). in der Schweiser schrt/tspraeJit btUgt, brtn§t das 
eollectiv duselbt vorstfllung tum autdrutk, ist mnt*t« Mkrifl- 
sprache mit dem plurat trOnimrr kennutehnet, vgl jmimk in 
neubildung getrflmmer: was etwa sontt bloa auf die a«ilrD- 
DJierllliche der m.iase geatOnt ist, daa gerOll, daa er {ier 
gleUcher) mit achOn polirendem schliir, der oft die foaailt dra 
felsena scharf roitleo durrhsi bueidet, abgerieben, das ge- 
trOmm, die bäume und blocke, die an »cinea it«ilena(cra 
auf ihn hcrabgefallcD, daa trflgt er im lauf« der jabr« rubtg 
uuf seinem rücken in der form von gerOlllinieD, *oo aicl« 
naszfeuchten stein- und acbuttwaiieo (mortneo) milk »itk 
fort. TscBUDi das thierlebrn der alpentetlt* 417. 

GtTitCHMEL, n., verbalsubnantiv tu trumela, drvmmelo, 
vgl. theil 2,1457. vgl. drüniinel, sehieimiel Srautta l, 314; 
Iruuimel Schmiukr I', 6«&. vgL gedrünimel tk. 4, i, «^ a»M: 
dus wüten und das gelrOmel der weit. Gruir v. KiisRaaaSM 
geistliche spinne 5; ao .Keneaa wider die pot^cbafl geredl» hat 
sieb ein grosz getQmmel erhebt, (rojan. kritf {AHfthtr§ IM9) 
I5\ vgl. ÜiRUNCüR schmäb.-augsb. rb. 195*; 

doch fach man gar viel da« Pasaaaar aekwarl 

wol umb die köpIT her dringea. 

der ein flel hin. der ander ner: 

dem herren kamen gar bald dia mar, 

es hub «ich ein groi gadnuaal. 

tii'rgrtiken mr. 43, • i.Mi*0r; 
dabei die rasenden coryb.-inlen auch ein . . . gOilL da|M, 
dantzcD, getrQramel und gedOmmel musiten fOhr««. FtaauBT 
Garg. 154 neudrutk; well und bnnuiirl kelig, quodtib«t(8ch«r: 
darinnen da» itzigei zeit gegrnwrrttges IjraoDisirend« tauhe- 
rische weUgelQmmcl, gebammel und •gatrtaiMl, waten an4 
loben etc. vor äugen gestellei und er«{«s«a wird, dasx in 
Teutschland kein fried zu boSfen , ehe and t avor die krlter 
alle gut kat katholisch seien, t. L 1632. ta ien mmmdtrt- 
Ueh gefärbten quellen begegnen aUtrki Mracalsii «aatrar ^ana, 
10 getnimmer und getrunibe, dte htiit auf §rmm ft»ätä n 
itr ftstaltung des ableittnien sufßsts himm ei i t m : 

machten bulver tl\ der wer 

wider den edaian rikrataa (At 

aN gros« waa ir hb a i m iti 

«ich hAb ein graa« gairamh«: 

maoeger sack alah ««k« 

ut der «talTal var dam lim. 

Iu4 r.» »Iftrsaarfcr mätUMtf (ISn-IIW) 
Liltammms 4lllW; 

do hAb sieb grost gatrtaauaar 

und Hendliek gaiammar 

gein demtalkan fhimea aaa. 

MS kk« alt aar «aacbrlkea kaat 

ia* mvaaur llcrra •! alle 

mb «laam graeaaa ackall«. M&. 

GETROMMER, la., iiliUiliUni m itm ylaral t iliMii 
(s. d,). He hildunt W «Ma/br» » a if I taÜ rt , A tm am in 
plural aaJ nickt «a in itefaiar Iniaa («fl «tea gccrtaa) 
anknüpft: iotk ul ikmr itttHrt ja itt Mki fii f tulm mtmi§ 
fihrHuälkk m»i wunitrHkk tmf to iliRiml f htinimmfn m- 
gt$tliHukt; /Br ik tU f nuimm m wn i mm§ mmi im pimn i f m m 
i« grm ni tmtm awft 4« «ir fm f W i, •« im liHaaa f im «»> 
t lAi a«*e tafi: 



4567 GETRUNKEN 

und drei mal zwang er seinen kahn, 
trotz Wirbel, stürm, und wogendrang; 
und drei mal kam er glücklich an, 
bis ihm die rettung ganz gelang, 
kaum waren die letzten im sichern port, 
da rollte das letzte getrümmer fort. 
BBiiGER (rfds Herf »om braven mann) tüerAe (1814) 1,212 ; 

früh am andern tage bestiegen die drei freunde den Jetten- 
bühel und Leschuuten die trümmer (des Heidelberger schlosses) 
erst gemeinschaftlich . . 'hört', hub der Sendner an, 'der 
DeulscLe bat doch ein groszes vergesznis. dieses ganze ge- 
trümmer ist ein werk französischer veiruchlheit, und dennuch 
kriecht dort unten ein blackwurm um sein tintenfasz herum 
und schreiet und schreibt in die weit die schmachworte: 
'hier wo ich tagtäglich die blauen berge des schönen Frank- 
reich Tor äugen habe, musz ich mich wohl begeistert fühlen, 
über das französische recht zu lehren'. F.L.Jahn (die fahrt 
xum Jettenbühel) l, 516 ; 

zu (lirsau in den trümmern 

da wiegt ein ulmenbaum 

Trischgriinend seine kröne 

hoch überm giebelsaum. 

wenn in dem dumpTen, stummen 

getrümmer ich gelauscht, 

da hat ihr reger wipfel 

von windesllug gerauscht. 

Uhland die ulme tu Ihrsau; 

getrümmer, collectively , ruins ruhbish Hilpert 461; als der 
traurige zug, finster schweigende Volksmassen rechts und 
links, über den Vendömeplatz geht, fällt des entthronten 
königs blick auf ein getrümmer am boden. es ist die um- 
gestürzte und zerschmetterte statue seines ahiiherrn Lud- 
wigs des vierzehnten Scherb Blücher 1,327; der Engländer 
Rieh, resident der ostindischen compagnie zu Bagdad, war 
der erste, der vor etwa dreiszig jähren bei einer reise nach 
Kurdistan zu Mosul einige bruchstücke von Ziegelsteinen 
mit keilschrift beschrieben und ähnliclie kleine getrümmer 
sammelte. Stahb die Ninivemonumente des Louvre, d. museum 
1,2,95; überall sonst kamen die landtage in die neueren 
tage hinüber, ein seltsames getrümtner aus jenen alten 
Zeiten, da der deutsche norden noch in kleine territorien 
zerfiel. Treitschke deutsche gesch. 1,44; gegen das untere ende 
dieses abschnittes zu schiebt sich am linken ufer gewänd« 
heran, das thal wird wieder zur schlucht, unter einem wirren 
getrümmer schwindet die sohle {des thals). v. PaiELiiEitER ztschr. 
des deutschen alpenvereins 22,235. an Zusammensetzungen vgl. 
felsgetrüminer th. 3,1514; thurmgetrümmer Zschokre 5, 286. 
GETKUNKEN, parlicipiales adjectiv zu trinken, getrinken 
(s. d.). die isolierung vom verbalstamm bewegt sich nach zwei ent- 
gegengesetzten riclitungen; für beide setzt die frühneuhochdeulsche 
periode den endpunkt. 

l) die aciive bedeutung, die bei transitiven verbis gerne an 
dem zum adjectiv entwickelten particip präl. hervortritt (vgl. 
Grimm gramm. 4,71), hat hei unserm verbum im allgemeinen 
das präfix ge ferne gehalten, s. trunken, betrunken, es fehlt 
jedoch auch hierfür nicht an vereinzelten ausnahmen, so wird 
das präfix von der negierten form begünstigt : 
a) getrunken = einer, der getrunken hat: 
dö sprach von Troneje Hagne 'lieber herre min, 
ich wände daz pirsen hiute solde sin 
da zem Spehtsharte: den win den sand ich dar. 
gin wir hiut ungetrunken, wie wol Ich mere daz bewarl 

Ntbel. 908, 4 u. a. 
ebenso nun für die positive form: 

daz du uns muzis becleiden 

mit dinis tischis aleibin 

unde mit dinen keuche getrunken machen. 

iUanei 1445 Massmann; 
die aide vügerinne 
bescheinde dö ir sinne, 
dö sie entsüp daz Cynaras 
mit wine vol getrunken was, 
do gehiez sie im hclingen 
eine maget bringen 
an daz sine bette, 
die töte in minne wette. 

Albrbcht V. Halberstadi (metamorphos. 10, 438 
qravem vino) 22, 370 Bartsch; 
h) in der heutigen bedeutung von trunken, betrunken: 
ok de in der tollenbode 
scbolde hebben orer hode, 
unde se jo nicht beropen, 
wan se wolden teken kopen 

unde ein deel weren gedruncken. dal schtchtspfel lo 
Ihunswick AH}, (t.stwtlechron. 16,116; 

eine grobe dflck, einem gelruncknen bawren gelhan, von 
einem jungen gesellen begangen. Lisdk.neü raslbüchlein 127 



GETRÜSCH— GETÜCH 



4568 



(nr. 73); das getruncken hat oder getrunken ist, potus,parli- 
cipium activae et passivae signißcationis Däsvpodius R '^. 

•2) die passive bedeutung im sinne unseres heutigen ertrunken 
bleilit noch mehr vereinzelt: dar belef oc dot vile Indes ge- 
siagen unde gedrunken (ertrunken) in der Bese. sächs. welt- 
chronik 385 monum. vernaculj 11, 253. 

GETRÜSCH,«. vgl. gedrösche, gedresche <A. 4, 1 sp. 2038: 
daz sih iht ein getruesch hieb von den liuten, ne tumuUus 
fieret in populo. evangelienübersetzuny des 14. jahrh. Matth. 26, 5 
Schheller 1 % 676. 

GETUÜST, n. nur in elsässischen denkmälern belegt, viel- 
leicht an trust für trucht anzulehnen, insofern sich aus dem be- 
griff gefolge leicht die Vorstellung menge Volkes, gedränge ent- 
wickelt : die wil waz Cunradinus noch do in den gezelten. des 
kam ein getrüst der vinde über inen und woltent in vohen. 
Close.nehs chron., d. städtechron. 8, 40; und an dem andern 
tage dernoch, do wihet in der bischof von Kolle z& eime 
romeschen kunige wol umbe die mitte naht, und geschah daz 
darumbe daz deste minre getrustis wurde. 63; do zwüschent 
bette Hector einen künig gefangen von Kriechen, und das er 
den gefangen mühte us dem getruste bringen, do warf er 
den schilt an den rücken. Kümgsbofen ebenda 293. 

ÜETTEN, s. gäten , jäten, Ih. 4, l, sp. 1489. auch CtAiDS 
schreibt in seiner grammatik gelten, vgl. neudruck 112. 

GETTEN, verbum, in der jüdisch-deutschen mischsprache üblich; 
es ist vom hebräischen get (scheidebrief) abgeleitet und bedeutet 
'stc/i scheiden von dem weib oder dem manne'. Ave-Lallemant 
4, 318. 

GETTER, s. th. 4, l, sp. 1507 ff. tu den dort gegebenen bei- 
spielen sind noch einige nachzutragen: 

1) für die gilterthüre in kirchen und klöstern: item es ist 
ze wiszen, wie man die klosterfrawen zu sant Katherina 
gereformieret und basz verschloszen hat . . . macht in all 
mauren um das klosler hecher, als mans noch wol sieht, 
und prach man in die eisini getter, durch die sie vor geredt 
betten, mit den leuten, die prach man in ausz und verraaurt 
die und hüet ir etwan lang, dasz niemant zu in noch von 
in mocht gan. und sol man wiszen, als man in die gelter 
vermalen wolt, da wurden die frauwen so zornig und so un- 
richtig und luefen herfür mit Stangen und mit pratspieszen 
und schluegen und stachen zu den maurern und zu den 
Werkleuten und triben sie all ab mit gewalt. chronik des 
B. ZiNR d. städtechron. 5, 103. 

2) für das fenstergitter und ähnliche Schutzvorrichtungen: dann 
ich hab gesehen vom fenster meins hausz durch die geter: 
und ich sihe die kinder. Eck Sprüche Salomonisl,Q (6c« Luther 
und Dietenbehger gegltter, vgl. th. 4, 1, sp. 2305); ersprang 
ein wand, lieff sechs schritt ein maur auff, unnd erstig 
also ein laden und fenster eines spises hoch, also daz kein 
hund sicher am j^etter schlief. Fisciiart Garg. 281 neudr. 

3) gilterartiger verschlusz überhaupt: und als sie wider in 
die kirchen kamen, da gengen sie zu dem grab und detten 
santz Zimprechs hailtum in ain kupferen sarch auff ain stain, 
fein eingemacht, und detten ain starcks eisses getter über 
den sarch und Vergüssen das getter mit plei. fortsetzung der 
Chronik des H. Mißlich d. städtechron. 23, 416. 

4) gitterartiger zierrath: 

crützer (,lireutze) machens euch daran (an die kleidungtslücke) 

schlecht, burgunsch, und wie man kau; 

sieht dann ein lusz das heilig crütz, 

80 wicht sie bindersich besitz 

und loulTt in bSsen wider schlichen. 

der tfilel mQsz dem criitz doch wichen, 

warumb Oühe nit ein arme lusz 

und lieir zum hembde nit hinusz? 

noch sindt getter euch da bi 

und ein geler haber bri 

leitern vil so mancherlei, 

es beist der Tütschen dirdendei, 

die kein lusz bestigen kau. 

Tb.Mubner narrenbeschwörung nr. 34, 82 Spanier. 

GETTERN s. gätlern sp. 1510. 

GETTIN s. güd, güdin. 

GETÜCH, GETßCHE, GETUCH, n., sammelwort zu luch in 
der bedeutung von leinwand. das wart nimmt eine eigenartige 
Stellung zwischen mundart und Schriftsprache ein. die ersten bei- 
spicle flieszen aus denkmälern miltelrheinischer und oberrheinischer 
herkunft, daneben int es in der Umgangs- und geschäftssprache 
Baierns bezeugt, um die wende des 17. jahrh. dringt es in 
die allgemeinen Wörterbücher, schränkt sich aber in unserm 
Jahrhundert wieder auf mundartliche geltung und auf den ge- 



4569 



r. ETÜCU ELT— CETI JCK E 



OETL'CKaT— GETCmiEL 



4570 



hraurh hei obeTThtiniirhrn lehrifltUllern ein. unter dtn drei 
angrfiihilen formen nt die erste {umla*l mi/ upokope) du 
gfbräuchlirhtte. der umhiut ttl nur m den ältesten beisptelen 
unbezeiehvet, der klingende auigang itrhl gani vereinult m 
wöfterbüehern, der dental trschetnt in ob^-rdtultehtn quellen an- 
fangi alt media, vgl. oben ^educh ip. 2041. 

1) die friihntuhofhdeuttche )>eriode. 

a) und so er de>sliolhen anKercill, hat «r geiprochen : 
'ich muesz wnl npiniien, dann wer wolt mir ■oiiet geducb« 
grnug gelien'T Ztmmentche ehronik 1, 4'3: der kilwart noI ge- 
lulien . . illt-s dufigenigi', n» im überaiilwnrtt, triiwlich iii 
vrrnorgen, e^z Rieg k<*lcb, mcMtgcwand, alturdücher oder 
ander geducli. tvetitlium von Watterburg, <iRiiiii 1|409: aie ver- 
wahrt ihr kaileugerüht vor motten, henckt jSrlicht ir kleider 
in die niertzentonn, sallzt das gelhttch em, lovandelierti 
uniid einnpicknarilisiert!). Fiicrart Garg. Wi neudruck; wer 
bet Je gemeini, da»z man von allerhand r»rh wollen, ge- 
«punst, nUbetsfaden und seiden, sollt ein solch gelOch, plag, 
leck, Sergen, wondthiich, ninhhang, liitken oder tüpptch, 
Blicken, »tnckiMi u «. tr, Fii)CHARr vorbertchl zu emblematum 
tyroeinia {kloster 10,941 Scheible); den schaben, so nur die 
hnstlichsten getticb oder kleider angrcifTen. II. IIhat Gkasz 
gen. Vey, cyripaedia novo, deutsch {Fretburg 1506). vgl. IIiilingei 
Alemannia i%,'i!>; keine wanr, weder von gold, silber, edelge- 
sli'incn, geschweige des zinns, kupITer.«, getücba, der kicidung 
und was es sonst sein mugen. URiiiiieL>iiAi)8K!< simplicianiKhe 
Schriften (landstörtterin Courage t8) :i, 00 Kurz. 

b) {wir) hringen mit uns von seidnem und ondrrm gedücbe, 
ein grosze whare. Fien abrät (l.')33) G*; des uieyerH scbluff- 
knmmer lasset aufl* die andnr selten der kuchin ordenen, 
und gleich ein andere daran, für seine kiodrr und dienst- 
ni.lgd, und widerum eine hart dabei, für ein geriltskammer, 
für allerlei leinen und .«onsi getikh. M. Skuiz feldbau (IhSo) 
19; weinraule in die trugen zwischen die kleider und dus 
getüch gelegt, verhtitet, dasz sie nicht von den motten ge- 
fressen werden. Tabirnakvont. krduterb. 400. ebemo gctuch 
bei Hkiniiard vohlgegründeter gegenbericht in saehen Werlheims 
{Wtitheim t6l8) 2,'lS2. 185. 

c) für die bairische spräche: das getnech, leinwandteug, »eisj- 
teug, die getüechkammer, bei hofe m Mvnclnn. Scmmcli.rb 
t', 583. 

2) schrtftsprachlicbe belege des 17. und 18. jahrhundertt : nicht 
aber gehört zum buusgerliht: Silbergeschirr, kleinodien . . 
kleider, bücher, getüch, hemder u. 5. w. Schottül 491*: 
srbmutzige tischtflchcr. ungewa-^chenes getüch. Krämer ital.- 
teutscliis wb. (1693) 1128'; schwartz getQche, panni-ltni sporehi. 
deuL'ich-ital. dict. (1'02) 2, tl&9'; getüche, die tücher, das uug, 
the üothes Ludwig (t';65) 711; getUche, le Unge , la toUerie 
Schwan (ISII) 439. 

3) für dw neuere zeit: 

n) un btttiwerk, un geilüch. haiiiralh un kQchegeschirr. 
Aii>oi.ii /i/iii(;«(muiiln<; M ; 

gebt mir den tuchzipfel, sprach er, dasz wir das seitdach 
spannen, er stieg zum ahorn auf und befesligte die enden 
im geSst. gegenüber waren hohe Stangen eingeschlagen, von 
blauer bühnenblülhe umrankt, dahin trug l'raxedis das getflch 
an seinen andern enden; in kurzem hing die schattige decke 
Aber den Inlligcn räum. Scbbffbl Kkkehard 319; zu füszen 
stand Traxedis und hielt die enden eines schweren, langen 
zellgetUchs. 316. 

b) getüch, gelüchs (rhnnisch) tammelvort ton turh Kkhrki:« 
Volkssprache und volkssittt von Sassau 1,162; getüch in Pfali- 
Zwetbrückrn Schmbilkr 1*, 583. 

üKTÜCliELT, participiiiles adjectiv 2u tücheln, «i'ner verbal- 
aMettun; tu tuch: getüchlet, vittutus Frisics (1616) 751. vgl 
vitia . . ein wisz iQchel, ^o crines et capilli eolliguntur. MBLar.R 
vocahiiiir. predieanlium gS. 

GETCCIIKRT, participiales adjectiv tu tOchern, vgl. tücheln: 
also möchten sie auch jncn einen tüchern oder getOcherten, 
eingeuirckrten, eingeneeten gott, lestern, weil er in rock 
vnd kleider, geneet vnd gewirckt, gangen Ist. Luther {kurtt 
bekenntnis vom h. sacritment 4t) 8, 176* Jena. 

GETUCKE, n., Verbalsubstantiv tu tuckeii. vgl. ducken. 
reflexiv , tich bücken , netten, beugen , ichmiegen tkeil 2, $f, 
un. 14»4: 

leicht kumbt lA mir, dya mich erweckt 

mit gsntien Treuden trOttllcb kOn 

gelolTen durch die lucke 

»cboen mit geiucke. 0. v. WoiKi:<.<Ttii« 71,2, 11 Wc6«r. 



CETÜCSFLT. f»t,äfity$ mittih, m lorktls. «fC 4mI«1«, 
sieh ichnell nittUruim, nitierkun «ai dadwidk älk Miw 

bergen, tk. 1, if. I4ti : 

•McbrAeki der tckwekcad scbtu de* li*n*r4Uk*. 4m aelkM. 
die kOekleln UBftftlir «ms tt« («mkkeli t<lw«t«B. 

„..„ MsrtM »0» l.««saa*i.f Itl. 

GtTULKKN, Ttßnim nri, ttnUrtki tocbto. dutkn, «fl. 
tt. J, ip. 1499: dit iftr er takte 
iiai («ruki*, 
• r Kilukla 

•Icti *u |*r. aiiaaMteMT IUI' a. ^ A*iMi 
und so! ain paw von dem »mitrn (MMMM Nto «iwÄsMl 
perkkinfter oder sibeo maooeaklaricr iiBg«fl«rikk, Mr ifc«r, 
d.it niner ze weil gemesteo biet ain paw «oa des ••itna, 
wenn die vierdbalb klafler, weichet dann ko 4i« iBll kUM 
über die vierdbalb kLfter alt vil, dat «r Utk MÜ lillf 
mundloch getuken mag, der bat r«cbl iutik» mi wmtm te 
der erst weichen, iittrr. seeitth. {btrgretht m ür CuM») 1, MI. 
GETODEHT, partietpiaUs atlieetit : 

win raich h«ui all«« mli ktlnu*. 
blunien und malen ilch <iehl«>ppt, und dei frOhllnai bellifaai ra*i« 
kirch und wntiouoKeD «chniicki ! man rnbi doch tlaaial loai (rok»> 

komro. wir singan elo wenlic as klingi *o pracbiif das abaDd*. 
Lustig allein aebon beaai dia eeiftdariao pfarde vaa borarald. 
Voaa iilfllrm iiu- Uiknttatm V). 

Voss beiiekt tich in der anwurkung auf IQder, d«r strick, mit 
dem man, oaba an komfeldern, dat vieh auf 4er weide aa 
den eingeschlagenen pfähl bindeL idmU, t»L 1\%V>) 1, IM. 
d'it ttfbum. tüdern wird gewöhnlich in nndtrir Mftmf Mr- 
wendet: tüdern, vertüdern, fiden nermmn; vartOd4«r(«a 
iweern, verworrener twirn ScaOTt« htUlet». täwL 4,»«. 

GET(J(;EN, siehe getigeo unter gediegen U. 4, I, if. MO: 
gelügen, tolidus Kirsch eora. 2, im*. 

GETULLE, n. datulbe wüt gedill«, üiUnmeTk tt. 4, i, ^ IM* 
und gedalle tp. IMt beieuUt. untert form btftfmrt te tktr- 
diutsclien quellen, «o lir tick nnf die hefeit i §nn § en der hmwfem 
und Städte bezieht und mit der holtUeknik nersekwindeL tfL tAll 
ScamcLLKH t', 602. 

1) die ältesten beispiele reichen in die wsUleUiechdeiüuk» MÜ. 
m/u/. ir6. S, 123*. Lexkr 1,95«. gelullt an(r«Mrai«, faiaMMk 
glourn bei Mork 8,393; tallum. 397. r^ OurtatAca IM*. 

2) diu ttat diu verstört und verbergot wat, dcona 4u ti 
an etlichen orten hulsln getQll wider gemacbot biten. Ihr, 
Jahrb. 86; wenne die burgk widerumbe gebuwen w,rt mit gcluil« 
oder mit zinnen. jus aU». feud. c. 45, 2, ngl. ScBcax5i2 ; und oua 
halt es vil versucht, das man gem.iurt wolt babeo, «t btU 
aber chaio maur nie pleiben wollen, denn e* i»t gegca itm 
mer wSrts, das man et pasz behüten mag, daoo 4at aa 
gegen dem land würlt wer. und ich ban dat ga««bao, waoa 
an derselben Stadt ain tüll {vcrtanle zweier hendtehr. galtli) 
daruinb geet. Scbiltpkrcbr rette« 5t, S; welcher nur firkaa 
nachtes über die mur oder getflile in oder utzkliaei. lf<a>- 
mtnger reehttbuch bei ItiauiCEt tchriib.-'iuish. wh. 12«; weicher 
nachts über der statmur ald ubar getQll usz oder ja kUnmul 
ebendort; ugger, getüll oder ufTgeworffen huff oder nu odar 
grabe. Twiucer 3*. 

GETOLI'ET, partietpiaUs adjectiv, •uftauiu. retuuu Faiaaw 
(1616) 751; in der tpdteren nutgei>e *•■ I700 i. lit bl «Mar» 
litzt dafür eingesetzt . 

GETUNT, n., ostfrietiahe form: gtlaat, das Matra amf ekntm 
hörn : getont vOr de obren, laajea aar den ehren Sretiaavac 
ostfriet. üb. «19*. 

GETÜHMEi., a. egl. gedamoMl (*. 4, 1 «^ »ftl ; *»i. ga- 
dümpel ebendort. das suhsianttr wird eltfemem *U t tU eet tr- 
bitdung zu tumel {mhd. wb. 3. 1»'. Luta 3, IM«) aa/frfattf. 
dem stehen jedoch fel§enie thetithen entjeftn: 

1) doi einfache tonal, dnt nlt frunifnrm nmtmtetten «di«, 
LegegnH für die iUere teU nur im R tUn i i U i it , we et den 
mächtigen ton r«a RoUndt hern kenntetdtatL tehm hter, mnäk 
mehr aber in den tpilerm quellen, ra deara et Ma/Ifir emf- 
tritt, Ue(il dw anmhme UutÜcher eertthmmeUinf nn$ der f r iß 
gierten form nth*. 

2) MemlvnftMferenmnngen ItMeem t»th aa dea wetkml heider 
forwten aJkrdiaft anhnhffen, jtiotk wtit negntirem ergeH» fit 
unsen fmge. die vermgerte heieutmng, ite heteh inknȤ amf 
geriuMChwirhungen, tritt an der p eif tl tt en form eatidmita 
kerotr, m nicht nur Ha XaitadiNedt, i ta diT a tar tUtm 
in den wtrdemttchmngen det Prrai, der im aart d ia rt ata Lstataa 
aeaeai («slaaMal fatOaad arif u a n aÜP ih , aafrvar, iai 
einfache lüomel jedoik mM f ß ht m , laadwtl 

»7» 



4571 



GETÜMMEL I 



GETÜMMEL I 



4572 



vgl. Frommann 6, 42 und 44. diese feslstellung scheint aber 
ioillkürlich und mit rücksicht auf vereinzelte stellen gegeben 
zu sein, ähnliche Schwankungen begegnen überdies auch beim 
verbum. zwar überwiegt hier die alljemeinere und um- 
fassendere bedeutung, so in dem althochd. tumilön rotari Graff 
5, 421 {vgl. dazu unser taumeln), und die gleichen bedeutungen 
liegen auch unserm tiimmeln zu gründe, s. dummein th. 2, 1516. 
daneben macht sich mundartlich die Verengerung der bedeutung 
bemerklich: machten überaus ain grosz knellen und dumicn. 
Sendehs chron. von Augsburg, d. städtechron. 23,105; tumpeln, 
lärmen, schreien Weinhold schles. wb. 101. 

3) wenn also nach der seite der bedeutung der anknüpfung 
an das verbum nichts im wege steht, so sprechen für diese einige 
andere bildungen, die nur vom verbum ausgehen können, in 
den Städtechroniken und auch sonst, wo kampfschilderungen ge- 
geben werden, spielt der tumeier als Schleudermaschine eine rolle 
{vgl. Le.xer 2, 15C6), wobei die drehende bewegung in den Vorder- 
grund der begriffsbestimmung tritt, andererseits läszl sich an 
dem Substantiv, das von hause aus mehr auf das akustische mo- 
ment beschränkt ist, an dem nahe verwandten getummer (s. d.) 
der Charakter eines Verbalsubstantivs zu tummern gegen jeden 
zweifei sicher stellen. 

4) so ergiebt sich mit groszer Wahrscheinlichkeit als ausgangs- 
punlit ein Verbalsubstantiv mit der funclion eines nomens actionis. 
den bedeutungsgehalt bildet eine mit geräusch verbundene be- 
wegung. je nachdem das geräusch, je nachdem die nur sicht- 
bare bewegung hervortritt, ergeben sich sondergruppen, die ihre 
eigene entwicklung erfahren, auf der allgemeineren grundlage 
halten sich parallelen mit ungestüme, auffruor. das akustische 
moment tritt in der qläehsetzung mit getön, getöse, geschrei, 
in älterer zeit wuof, cradem hervor, das optische moment 
macht sich in der annäherung an gewülil, getreihe u. a. bemerk- 
lich, die Synonymik pflegt, wo sie sieh mit unserem worte be- 
faszt hat, dieses in einer gruppe vorzuführen, in der nur ge- 
räusche gekennzeichnet werden, zum unterschiede von getöse und 
geräusch wird dann aber gewöhnlich das zusammenwirken mehrerer 
menschen oder thiere als grundbedingung gefordert, vgl. Eberbärd 
3, 255. in dieser forderung tritt das zu tage, was man neben dem 
akustischen momente das optische nennen könnte, und was un- 
mittelbar wieder auf die grundbedeutung des verbums zurück- 
führt, auch dieses verbindet sich ja eigentlich nur mit lebenden 
subjecten. 

I. erstes auftreten, geltungsbereich, formen, 
l) die ältesten beispiele reichen nicht weiter als bis an den 
ausgang der mittelhochdeutschen periode zurück, sie uwen sämmt- 
lich auf bairisches Sprachgebiet und lassen schon hier das Verbal- 
substantiv zur geltung kommen neben einigen fällen , in denen 
auch collectivbildung vorliegen könnte, erst der frühneuhoch- 
deutschen periode gehören mitteldeutsche beispiele an, in denen 
das Verbalsubstantiv sich als solches ausweist, 

a) do warn samint die zwelf hotin in der stat da si der 
heilanl bitin hiez. und wartin des geheizzis des er in getan 
hete. do wart ailis gahis ein crAdim und ein getumele von 
himele also einis heijmutigin geislis. speculum eccles. 86 Kelle; 

here, hab guten müt, 

die salbe wert in der masze gut, 

da quam czu dem getummele von einer brücken 

daz smaicz von (einer; muclien 

und daz blut von einem schlegele, 

daz geherne von einer flegele 

und der groszen glociien klangk 

und waz der kucket bure gesanck. 

Innsbrucker auferstehung Christi (H.jh.) Mone 2, 742. 

das seltsame recept, dem in den entsprechenden krämerscenen 
anderer osterspiele gerade die stelle mit getümmel fehlt, findet 
sich genau so später im Gargantua des Fischart wieder, vgl. 
sp. 4587. viel belegt ist unser worl bei Aventin, der es stets in 
Verbindung mit gerümpel aufführt; die drucke zeigen die prä- 
figierte form, zu der die handschriftliche form tiinpi, timl 
sicherlich im Verhältnisse mundartlicher Weiterbildung steht : damit 
wir uns selhs nit trlegen mit unsern . . aufgeplasnen unnützen 
tili und nämen, lieblosem gefeit, lären plossen worten, un- 
andächtigem grimpl und timpl, ungotsforchtigem prangen 
und angenumer weis. Aventin {deutsche chron. I, 7) werke 4, 59. 
im druck getimpl; da ein solchs geiümel und tümel war, 
rumpleten die feind urheringira schlaf auf, hörten ein solch pu- 
saunen und plasen und geschrei. {chron, I cap. 81) werke 4, 178. 
Variante des drucks gerümpel und getümmel ; ruckten für und 
für mit einem grossen geschrai grümpel und lüml. {chron. I 
cap. 144) 320 «. a. die lautliche anlehnung an lumuUus be- 



günstigt die ausbreitung unseres worles in gelehrten kreisen: 
tumultus, getumel, timel. vocabular. predicant. 15. jahrh. Diefen- 
BACii 601'; getommil strepitus. mitteld. vocab. rer. des \%. jahrh. 
DiEFENBACii und VYt^LCKER 618; vgl. auch Kilian a. a. o. ein 
weiteres Zeugnis für den gebrauch des wertes im 15. jahrh. liegt 
in der Kölner handschr. des Loher und Maller vor. vgl. Lex er 
nachtrag 205. 

b] diesen spärlichen belegen aus dem 14. und 15. jahrh. steht 
nun bei Luther eine ganz auszerordentliche entfaltung des ge- 
brauches entgegen. Stade führt in seiner Zusammenstellung 
'der vornehmsten deutschen Wörter, deren sich dr. Mt. Luther in 
Übersetzung der bibel , , gebrauchet' auch unser wort auf. die 
bibelübersetiung ist ganz durchsetzt von Verwendungsformen unseres 
.Substantivs, und in keinem einzigen falle hatte die vorlutherisclw 
bibel das wort gebraucht, aber auch die späteren Übersetzer 
haben sich vielfach in der Verwendung des Wortes wieder einge- 
schränkt und so bietet uns Luthers Sprachgebrauch hier nach 
zwei Seiten belehrung. 

a) das beispiel Luthers wird von den späteren Übersetzern 
aufgenommen, die vulgata weist in diesen fällen substantiva wie 
tumultus, confusio; verba wie tumultuare, lurbari auf; vereinzelt 
macht sich das akustische moment allein geltend, das schon in 
beispielen für tumultus gelegentlich stark hervortrat und für 
das die lateinischen parallelen sonitus, strepitus zeugnis ablegen. 

1)) o)) zu der zeit wird der lierr ein gros getumel unter 
jnen anrichten, das einer wird den andern bei der band 
fassen, und seine band auff des andern band legen. Luthkr 
Sacharja 14,13 {tumultus), ebenso Dietenberger, ähnlich Ecu; 
genau so 2. Sam. 18,29, vgl. unten; und er kam in das haus 
des obersten der schule und sähe das getumel, und die da 
seer weinelen und beuleten und er gieng bin ein, und sprach 
zu jnen, was tummelt und weinet ir? Luther Marc. 6, 38 
{lumultum . . quid turbamini); und her sach daz geludeme 
(gelömede liandschr,). Beheins evangelienbuch; den wuf (daz 
geböfel) codex Teplensis ; auffrur imAugsb. nachdr.von Luthers 
Übersetzung bei Ramminger (1526), vgl. Reifferscheid Marcus- 
evangetium. Eck und Dietenberger folgen Luther. 

6)) als sie das böreten, wurden sie vol zorns, schrien und 
sprachen, gros ist die Diana der Epbeser. und die gantze 
stad ward vol getümels. Luther apostelgesch. 19, 28 {et impleta 
est civitas tota confusione) ; und di stat wart derfullt mit Ver- 
wüstung, cod, Teplensis, ebenso Eggesteyn und Kobürger. Eck, 
Dietenberger wie Luther. 

c)) und als er in des obersten haus kam, und sähe die 
pfeiflfer, und das getumele des voicks, sprach er zu jnen, 
weichet. Luther Matth. 9, 23. ebenso Eck und Dietenberger ; 
turbam Uimultuantem und sach di . . . ludemunde schar. 
Beheims evangelienb. ; und die gesellscbafft wussend (wuifend?) 
codex Teplensis; und da Joab der posaunen schall höret, 
sprach er, was wil das geschrei und getürael der Stadt. 
Luther i, könige 1,41, {quid sibi vult clamor civitatis tumul- 
tuantis). ebenso Eck und Dietenberger; was wil im der ruof 
der stat der wußenden. Eggesteyn und Kobubger. 

d)) Paulus aber gieng hinab, und fiel auff jn, unibfieng 
jn, und sprach, machet kein getumel, denn seine seele ist 
in jm. Luther apostelgesch. 20, 10 ; {nolite turbari) nichten weit 
werden betrübt, codex Tepl. ebenso Eggesteyn und Koburcer. 
Dietenberger und Eck folgen Luther. 

2)) a)) da aber Pilatus sähe, das er nichts schaffet, sondern 
das viel ein grösser getumel ward, nam er wasser, und wüsche 
die bend für dem voick. Luther Matth, 27, 24 {magis tumultus 
ßeret). ebenso Eck und Dietenberger; abir daz daz geschrei 
wart grözir. Beheims evangelienbuch; daz nier wuf wurde ge- 
gemacht {geschrei). codex Teplensis; einer aber rieff dis, der 
ander das, im volck. da er aber nichts gewis erfarcn kund, 
umb des getümels willen, bies er in in das lager führen. 
LmaKR apostelgesch. 2{,M {per tumultum); vordem wuf codex 
Teplensis, ebenso Eggesteyn; geschrei Kobürger. Eck und 
Dietenberger wie Luther. 

b)) das die leute werden schreien, und alle einwoner im 
lande heulen, für dem getumel jrer starken rosse, so daher 
traben, und für dem rassein jrer wagen. Luther Jerem. 47, 3, 
ebenso Eck und Dietenberge»; von der üppigen wispelunge 
der geweffenten und ir streitter. Eggesteyn; der hochvart 
der gewaffenten. Kobürger. 

c)) und Moab so! sterben im getumel und geschrei und 
posaunen hat. Luther Amos 2, 3 {in sonitu . . . in elangort 
tube), ebenso Dietenberger und Eck. 



{ 



4573 



GETOMMEL I 



GETOMMRL 1 



4&74 



ß) vertinielt sind dit beitfitele, in denen I.OTiiRiis mertgebraueh 
von einem der ubersetser nachgeahmt, vun andern terlauen wurdt. 

I)) weh der menge so grosses voicks, »le dae meer 
wird CS brouien, und dai gelUiiiel der leut« wird wüten, 
wie grosse wasser wüten. Lutiibs Jesaia {i, n {tumuUui (ur- 
barum). ebenso Eck; dein iingeslüincn voick. DiETeNinsciii. 
vgl. die menig der scbar als der don maniger wasser. Ecet- 
STKV.H und KuBURGER. — lind da Sau) noch redet mit dein 
priester, da ward das getümel und das lauften in der l'bilister 
iager grOszer. Luther I. Sum. 11, 19 (tn den alteiten aunjaben 
findet tich folgende fassung: da bub »ich der baulT inn der 
Philister Iager, liefT und \vard gros, tumuUus). ähnlich Ec>; 
du hüb sich ein geschrei. Dibtbhbrbckr; michel wäf. EccK- 
STEVif; do erbub sich ein grosses bOvel. koRUROER. 

2)) es ist ein geschrei einer menge uuff den bergen, wie 
eines grosseji voicks, ein gescbrei als eins gelümels der ver- 
samleten kOnigrciciie der beiden. Lutiibr Jet. 13, 4 (vox tonilui 
rtgum gentium eongregatarum). d/inifcA Uiktendercer ; stimm 
des geschrei. Eck; vgl. slm des dons. Ecgkstkyv un(iKoBURGBR. 

y) die fdlk, in denen die übersetter übeieimtimmend von 
LuriiKR abweichen, beliehen sich tntueder auf Verwendungen, 
wneritiilb deren das akustische moment einseitig hervortritt, oder 
auf Übertragungen, die auf der breiten grundlage des Verbal- 
substantivs ansetzen. 

1)) las fliehen die vOlcker für dem grossen getümel, nnd 
die beiden /ustrewet werden. Lvih^k Jis.Z3, '6 (in den Sonder- 
ausgaben der Propheten für dem getümel der stim); a voce 
angeli (vor der stim des engeis in den übtrtetiungen vor und 
nach Lutokr); und wer sie höret, der entsetzt sieb für dem 
grausumen getbime und der grossen menge und getbümel, 
das sie mit dein hämisch und eisen machten. Luther \.Macc. 
6, 41 (a voce mullitudinis et incessu lurbe et collisione armorum) ; 
erschracken von we)^en seiner grosse, unnd iingewoncten ge- 
thön der wafTen und des volckes. Eck und Dibtbndercer. 

2)) Übertragungen. 

a)) für die verbalthätigkeit wird ein abstracUs subject htran- 
geiogen: denn man wird bOien eine slim des gelümels in der 
stad, eine slim vom lempel, eine stim det> berrn der seine feinde 
liezalet. Lothbr Jes. C6, 6; vox populi, die stim des voicks. 
Eggesteyn, Koburgbb, Eck und 1)iktbnbkbgi.r; es verlacht 
das getümel der stad, das puchen des treibers hOrel es nicht. 
Luther Htob 39,7 {conlemnil multiludimm civitatis); er ver- 
schmäht die manige der stat. Eat^ESTtYN; veracbt die menge. 
Dietenbergi-r; vilc der stat. Koburcer und Eck. 

b)) erweiterungen des bedeutunytgehaltes. 

a)) weil du dich denn verlessest auff dein wesen, und auff 
die menge deiner beiden, so sul sich ein getümel erheben 
in deinem voIck, das alle deine festen zerstöret werden. 
Luther Hos. 10,14 (tumuUus); der wuGT ctet auff under dem 
voIck. Eggestbyn; geschrei Koburger; ain auflauff wirdt 
werden in deinem volck. Eck ; darumb wirdl under deim 
voIck einn rumur erwachsen. Uietenberger. 

ß)) da gicng eins jglichen schwert wider den andern, und 
war ein seer gros getUmel. Luther i. Sam. 14, 2u {eedes magna); 
niichel erschlachunge. Eggestbyiv und Kobubcbr; ain grosse 
Schlacht. Eck; ebenso Dietbnbbrger; mühet euch nicht, mich 
zu trösten über der verstörung der tOchter meines voicks. 
denn es ist ein tag des gelümels und der zutreltung und 
verwirruug vom berrn. Lutiibr Jes. 22,5; lag der erscblachung 
und dervertrettnng und des weinens. Eggestetn undKoitiRGFR. 
dhnlich DiBTKNBkRGKR und Eck. 

y)) darumb wird über dich ein unglUck kernen, das du 
nicht weisset, wenn es daher bricht, und wird ein unfal 
anll dich fallen, den du nicht sQnen kanst, denn es wird 
plötzlich ein getümel über dich komm, des du dich nicht 
versiebest. Luther Jes. 47, tl {calamitas); armut Eggbstkin und 
Koburger; ain schneller iainer. Eck; unfal Dibterbercki; 
denn es werden grosse getümel sein über alle die auff erden 
wonen. Luther 2. chron. 15, 5 (terrorts); forcht allenthalben. 
Eggestbyn und Koburger; es werden grosse schrecken sein. 
DiBTBNBERGER ; erschröckung. Eck. 

S)) das gelumel deiner widderwertigen nimpt iroer zu.Lothbb 
psalm 74,23 (in den autgaben von 1524 und 1b; später das loben 
deiner widerwertigen wird je lenger je grösser); tergisz nicht 
des getümmels deren die sich wider dich auflBhnen, welches 
staiiglich zi'inimt. I'iscator (1610) (superbia eorumqui teedtrunt^ 
ascendil semper); uhermuot Nutker und Windbtrgtr pttUmtn; 
bohvart Trierer ptalnun; stoicxheit Tr*bnitttr pidmn; hocb- 



vart Eccbbtitii, Kosobckb, Eck und DiirttiBtRcn. — b«r «k 
lange wiltu tutebrn? errette doch mein« sad« SM JrHB 
getUmel. Lothbr pt4lm ui, I7 {rntitut aMM« ■«•« • mak' 
gnitaU torum); argwill.gi NoTStR; ubilnillklMito mnMwpr 
ptalwten; boibeit TrihnUur f^»^m«u; tülmtai» aflÜM Mt 
von iren getOmlen. Mklissc* hw yfUlMl» (»ob inn brau* i« iir 
ttrophitektn btorbtitung) ; obellftiBf IsMtTtln und KokCBCta : 
boszbeit Eck und DiBTtnaBiei«. 

» a) i«r geUungihtreick uMrtt tmiftnUm kalW tMk Am* 
Lutrebs Vorgang ror allem i* itr MUtäUrn imtntm «u. in 
eisten wider tlund, den et hter an alfmnuiMk ttkuJhJKktu tf»*t^ 
geuohnhetlen erfuhr, ktnninehmti d«« ffiwcr tM Pirti «ad iu 
verhallen des Augil-urgrr narhdruekt. wk ntf tg ß nUmmni UMltt 
den katholischen ubrruttcin dtr tdUrr Diirniaiacsa mud in 
bdtriteh-tchwüb. Eck tieh verhalten, iM eben gttnfi mmiet. httä» 
lehnen nur weitgehende ermnlrrung iet hedfuluupftkaUm «t, 
vgl. unter IL über Lotiibb hinaus geht tn dtr ttrwtnduug im 
tubtlantws die htititeht bihelübnuttumg dtt l'itCAToa litw), 
vor allem im regitttr, uoi/ei dkttr alUrdingt um f^umtktfmmtm 
Lotbbrb anknüpß. 

a) als Heliodorus den lempel zu Jerutaleo beraubco «ulte, 
entstand ein grosz getnminel. I'iscatoB tu 2. Mate, i, t«; iit 
lente »her bin und wider m heuiern lieffen xossnimen. Lctubb 
(alii eltam congregatt de domibui eonfluehani); e« kamra aock 
die andern allentbalb ausz den hrüsern «ersanlel. Eck aad 
Dibtb.ibrrckr; aber nun bat er mit der stimm eines groosteti 
getümmels, ein feUr umb den»elbigen angetfiodet. Pimuto« 
Jerem. II, 10; mit einem grossen mordge»cbrel LoTasa (ad 
Vücem loqutla* grandit) ; zQ dem gescbrei der red. Cc8 «ad 

DlETENRERGER. 

ß) die zeit kommet, der tag das gatOnaela iat oak«. 
PiscATOR //m. 7, 7; der tag des jaroers ist nabe. Lrrvcs 
(diet occisionit). 

y) war des morgens nicht ein klain getflamel uoder dao 
kriegsknecbten die seiner gehütet ballen, was sich doch nil 
Petro zugetragen hätte. Piscator apotUlgetth. 12,18; «lard akkt 
eine kleine bekümmernis unter den knrgsknechtea. LcraB«. 
ebenso Ect u.a.; trubsal cod. TepUntit. ebenso KccKSTBfa «ad 
Koburger (non parva turbalio) 

b) doch uueh in der weltluhen läterultw ftrhrtiUt tkk i*t 
wort rasch, voran stehen fränkitche lekrifütelUr, iit itm hniinkn 
spracliijebrauche nahe stehen, wie H. Sacbs, dtr geuum sa asf 
Atemin gerüinpel und gedumpel xusamnunsUUl. iit Mkwihitk- 
alemannitchen belege telun etwas später na, ut ktft§»tm M 
S. Francs und später \\. V. KRArrr an der UiritAtm §itnt, 
in der limmeritehen chronik, ta Höniceis utrrtutdif aad hei 
FiscHART im tüdwetten. in dietem beitpielen Ititt iat » ht Üuk t 
moment besondert tkirk hervor, vgL IL 

c) unter den wörterbüehei n nehmen sehom iit fr^etteu, mtf 
alemannischer grundlagt getchritbenen {vgL lehon dtt S4ritxkmr§tr 
ausgäbe des vocab. prddieant. von Mst unter luinnlius) ktuulmu 
von unterem tubstantiv. 9tTtchiednartig itt der biitm l u» pf t k» l l t 
den tit ver:ticlintn; getümniel turba; geiüromel viel Mnilica 
tumultus. Dastpodius R 2'; getümmei (dm geriusck, aMrauv. 
Maalbr 17;'; getümmel, tumulltu, tirbu, beUum tmbaum, aaa- 
cur5ui rixantium trtpidantium. HBMsca i:>8». bt* Sriaiaa fM 
getümmel, doch wird (2361) mU aüm hterktr gcUr^fM Mra- 
tungtn dat tmfaehe tommel aufgtfükrt. dtt •drMrlMWr it$ 
IS. jahrhundtrtt dagegen wetten tUt im aoUr ftrm mf mmI 
führen unttr tummel aar dat tu tintm ititttn tar* §ttitttmi* 
tubtlantiv für erapula vor. 

d) betondtrt btyüntligt ttkttnl du verwtnimmg 4t» wA tta tOn t 
ta der tpratkt dtr iicMtung durch im rtmkadmm§ 
brauchUn tubsUnänn. H. Sacaa i m rigl i im ttm 
getümpel : unitre diekitr. taai lt. /alrftaa^rt aft Ms ia At < 
j„t _ ungehörige itr vtrtdntitnittn m mai tt U» — risaita f^ 
tümmel auf himmel 



«) 



von in beidsn ward tin faf^aBH' 
] peackan tl 

11. StCM (^1 



mit (lOI und D«nck«n •tu gadtepti 



I. il3* «.a. 



ß) 



ich b«rt furwar ala grMa gadtaal: 
ich woli, da* t«i war !■ daas hfaaal 
■•nu uad gar sa aial gss i a tt aaa, 
ich weil nil sala ta kait< 



PvBBAB» Walb» «irrflpaiialli^ m t mirmt k k «S( 

•it. rorcblend tinta muna, berailMa tkb dana. 
eouwlK'hen tilUa tick da« aM*r. dia lafl. der bia»«! 
mit grausimer fMckwalal. all Hagtl aad aarak. 
Dil dunder and gaitaaaL Wacaaaaua I, MI (^ It7. i») 
numri tkmt ia dar anlaa ads I.Wi 



4575 



GETÜMMEL I 



GETÜMMEL 11 



4576 



alsbald wiird e!n getümmel 

von ihrer kleinen schaar durcli den saphirnen himmel. 

Fleming (auf A. imtinqs hochzeii 1630) P"el. wäldcrVf, 

desgleichen (an Olearius 1636) ehendorl II und so auch sonst, ge- 
tiimmel .. himmel auch bei Günther 570. vgl. sp. 4586; 

nun rief er hoch im jubelton: 

'ich seh im otlnen himmol, 

zu gottes rechten, gottes söhn!" 

da stürmte das getümmel 

und brauste, wie ein wildes meer, 

und übertäubte das gehör. 
ßÖRSKR (Si.Steplia)i) werke (iSli) 1,252, vql.nuch'ihi; 

mein l(ind, versetzt der arme herr gemahl, 

wenn du mich kennst, so wciszt du, das getümmel 

der groszen weit ist niemabls meine wähl: 

mit dir allein in diesem schönen tlial 

bin ich, so lern ich dich zufrieden seh', im himmel. 
WiELAisn (PervimiK) 18,193; 
des dorfs getümmel , . . des volkes wahrer himmel. 

GöTbE Faust 937, vyi. sp. 4585; 

ich stand dir gegenüber 

in Sehnsucht aufgelöst. 

viel träume ziehn vorüber, 

nach dir schau' ich hinüber — 

und wo du bist und stehst, 

da webt ein klarer himmel 

um dich den lichten schein. 

und in dem bunten getümmel 

bin ich mit dir allein. 

Tu. KöRNRR iH der AuqusUnerlUrche zu Wien; 

vom thurme schlug es, dumpf und bang, 

sie schieden mit getümmel; 

die männer deuteten aufs grab, 

die frauen auf den himmel. 

[{bbbel (ueburUnachtxtraum) 7^, 121; 

erst das getümmel, dann folgt der himmel. Wandbr I,l6ll. 
d) für den allgemeinen gebrauch ist hervorzuheben, dasz ge- 
tümmel mehr der schrift- und gemeinsprache angehört, die mund- 
arten haben entweder nebenformen vgl. getumbe, getumere m. a., 
oder sie bedienen sich stärkerer ausdrücke, in der österreichischen 
mundart hält sich das wort zähe, und deutlich prägt es hier 
den Charakter des Verbalsubstantivs aus. 
3) formen. 

a) die formen mit und ohne präßx. aus den beispielen für 
AvENTiN oben hat sich das Verhältnis der ersteren zu den andern, 
als das der schriftfurm zur mundartlichen entwicklung gekenn- 
zeichnet; ahnlich zu beurtheilen ist: tumultus, getümmel, timmel 
vocab. 15. jahrh. Diefenbach 601*. ebenso setzen Adam Petui 
(1522) in Basel, Knobi.och in Straszhurg (1524) und Gutknecht 
in Nürnberg (1526) in ihren nachdrucken von Luthers bibel das 
einfache turael an stelle der präfigierlen form ein. noch in dem 
gedrehte des Vi. jahrh. '■die schmiede' (des knaben wunderhorn l'^) 
wechseln, sofern die herausgeber richtig aufgezeichnet haben, beide 
formen: ga, sa, sa. mein schimmcl 

mach nicht viel getümmel. 12,449; 

nachdem nun das eisen genugsam gelitten, 

kömmt Wagner Franz vor die schmiede geritten, 

er bringt mit sich der räder drei 

'die müssen flugs beschlagen sein !' 

giebt wieder ein rummel, gemummel und tummel. 

l 2, 441). 

Stieler führt, wie schon hervorgehoben, nur das einfache 
tummel auf s. 2361. von da ab herrscht mit der schrift form auch 
das präßx vor. die einzigen mundarten, die an unserem worte 
antheil behalten, schwanken auch in bezug auf das präßx, je 
nachdem das Verbalsubstantiv im Vordergründe steht oder nicht: 
tummel, tümmei m., getümmel, getöse; tummeln, schlagen; 
gatümmelach n., brato, balteria. Schheller cimbr. wb. 240; 
tummeln lärmen, tumult machen; tümmei m. getümmel. setti 
communi, vgl. Sciimeller 1-', 605; 

über a nieds getfimmaill 
do dakimmd der Lümmail. 

ged. im Tirol, ilial. 17, Schöpf 775. 

6) am lautkörper unseres Wortes selbst sind fast alle factnren 
Schwankungen ausgesetzt, so dasz die Schreibung eine ungemeine 
mannigfaltigkeil der formen aufweist. 

a) der stammvocal. der umlaut bildet die regel, setzt jedoch 
in einzelnen bildungen nachweisbar aus. für den umgelauteten 
vocal andererseits kommen Schwankungen der a*"svrache zur 
geltun g. 

1)) die Schreibung bei Lüthe«, der z. 6. für Marc. 5, 3S in 
der Septemberbibel und anderen ausgaben bis 1526 getümmel 
setzt, ist nicht kennzeichnend, da Luther überhaupt anfangs in der 
bezeichnung des u-umlautes zurückhält, die bairischen quellen 
lassen frühzeitig aus ihrer Schreibung (i) den umlaut erkennen. 
in der Zimmerischen chronik lueehselt in einem satze getumel 



und getimul vgl. sp. 4580. die unumgelatitelen formen scheinen 
aber nicht blosz der Schreibung anzugehören; gediimel in 
Baümanns quellen (vgl. sp. 4.581), noch mehr rummel, gemummel 
und tummel in des knaben wunderhorn l^, 446 weisen auf laut- 
liche geltung hin; vgl. tummel, tümmei bei Schmeller cimbr. 
wb. 240. bedeutuugsdifferenzierungen lassen sich nicht wol mit 
diesen Schwankungen verknüpfen, eher ausgleichungsbestrebungen 
und verschiedenartige anlehnung an verwandte formen, vgl. auch 
die nebenform tummeln neben tummeln. 

2)) die ungerundete anspräche: timel vocab. prädieant. Diefen- 
bach 60t'. ebenso Atkntin und Zimmerische chronik s. oben; 
gelimel Eck apostelgesch. 2\, ii u. a. ; gedimel B. Waldis n«u- 
druck 42. endlich vgl. die reime auf himmel. 

/9) Veränderungen an dem labial, der die Stammsilbe schlieszl. 
die Synkope des vocals der ableitungssilbe rückt in einzelnen mund- 
arten die liquida des sufßxes an den schlieszenden labial der Stamm- 
silbe, der übergangslaut, der hieraus sich entwickelt, läszt sich bei 
Aventin und bei H. Sachs in den formen titnpel, gedümpel 
beobachten, in Zusammenhang mit solchen beweguvgen steht teil- 
weise auch die quantitdt des stammvocals, die wiederum in der 
Schreibung des labials zum ausdruck kommt, schon früh über- 
wiegt die doppelsetzung, nur bei Luther neigen die bibeldrucke 
von 1534, 1540 und 1544 zum einfachen m, vgl. auch gedimel hei 
VVAi.nis. 

y) der anlautende dental erscheint als media in der miltel- 
deulschen nebenform gedummer bei jEROscnm (s. d), vgl. auch 
holländisch gedommel Kramer I, 135. ähnliche formen — ent- 
sprechend den oberdeutschen Schwankungen in der dentalbexeich- 
nung — im Süden: gedimel bei Waldis; gediimmel im Aimon, 
bei FiscHART Garg. neudr. 154, in der neuen zeitung aus Über- 
lingtn (1606) und in Haümanns quellen vgl. sp. 4ö8t ; anderer- 
seits gelhümel bei Fischart {aller praktik qroszm. 26. neudr.), 
in HöMGKiis narrenschiff [vgl. sp. 4580) und in Aristoteles proble- 
mata (1.585) 13l'. sonst bleibt dem dental die form der tenuis 
treu, wofür die schriftmäsziykeit des Wortes und die anlehnung 
an das lateinische tumultus wol auch von einflusz ist. 

c) die sufßxe: 

a) das auslautende sufßx ist fast durchweg der apokope ver- 
fallen ; ältere beispiele für getumele im specul. eccles. eine ver- 
einzelte bildung, die aber bei den eigentlichen collectivformen 
sonst gern verwendet wird, liegt in der form getummelt vor, in 
der Keil 255 aus einem briete der frau rath an Göthe die Ver- 
bindung unrulie und getümmel (vgl. sp. 4579) wiedergibt. 

ß) die hildungssilbe, die im verbum tumeln, im subslantiv 
tumel vorliegt, fehlt ganz in volkstümlichen bildungen oder wird 
durch entsprechende andere ersetzt. 

1)) her adler, ich swer bei meiner ere, 

ir dorft wol guter witz und weiser lere, 
her adler, secht euch umbe : 
und prlclit dem schimpf den boden ausz, 
so wird ein grosz getumbe. 

RosBNPLUT viin den Türken (1459) lAliencron 109,22. 
ebenso ßndet sich gethum in Varianten zu S. Francks chronik, 
vgl. unten sp. 4579. vgl. auch getrumbe unter getrümmel. 

2)) für die ältere zeit überwiegt im mitteldeutschen Sprach- 
gebiet die form gedumere, gethiimere, getumeie (s. d.), die erst 
durch Luthers einßusz zu gunsten unserer bildung verdrängt 
wurde. 

4) der numerus, entsprechend dem abstracten vorstellungsgehalt 
hält sieh das Substantiv ganz im singular. ausnahmen sind 
völlig vereinzelt: es werden grosze getümel sein über alle, 
die auff erden wonen. Luther 2. chron. 15,5 (terrores. vgl. oben 
sp. 4573); und wir Nimfen solcher ruh, solches friedens ge- 
niesen, dasz wir die angräntzenden feu^r der blutigen Bal- 
lonen, diese klägliche getümel der wallen bisz anhero zwar 
von ferren angeschaltet haben und gehöret, aber (welches 
zu einer guten stunde geredt sey) nie erfahren dürffen. Opitz 
(poet. Wälder 4) 2, 269. 

IL die bedeutungsentwicklung bewegt sich in zwei hauptrichtun- 
gen : auf der grundlage des gesamtinhalles, in dem sich die Vor- 
stellungen des geräusches und der bewegung vereinigen, bauen 
sich Weiterbildungen und Übertragungen auf. durch Verengerung 
des umfanges löst sieh die eine oder die andere Vorstellung vom 
inhalt ab. die wörlerbücher folgen, wie schon oben bemerkt wurde, 
in verschiedener form diesen beivegungen, die einen lassen den 
reichtum der begriffsbeslimmungen hervortreten, die anderen geben 
der Verkümmerung desselben ausdruck. für die letztere gilt das 
akustische moment als das entscheidende (vgl. 2, b). 
1) die umfassende bedeutung. 



4577 



GETÜMMEL II 



GBTOMMEL II 



4578 



a) die wörlerbiicher : l)ASTi'ODiut fuhrt tumuUut und turoa 
auf, vgl. oben; bei Ukhuch UtU dazu noch bellum tubitum, 
cnncurms rixanlium, Irepidanlium. noc/< autgtrbigtr ist Stikiki 
für äai einfache liiiniuel: gyrut, ciieumduelto, eireumllejut, 
cncumuclus, vexatiu, exagitatio, inteetatio, texamen ,2301. ändert 
anhalttpunkte gibt Khamer, der (iir t{e<loiiiiii«l (l,13&') nur 
geräiiichbeieichnutKien uuffahit, für gelUmiiiel dagegen (2, 133*) 
die beäeulungen Kfiuns, geticr, gebuar, gerugl, opioup aut~ 
itniinderlegt. die bedeutuiigen von itrepitui, lumultus, turbä 
Irtten bei ScHöNMLEUta (lüUS), De.ntzi.kh (1017) liu, Kiikiu» 
(nuu) 112, WeissMAM« (1'15) t&s, kiRRcu (l'i*i4) 1'9 hervor; 
dazu vgl. getümtnel, u tumuU, a tumuUuary noiu, a viol, a 
bustle. leulsch-engL wb. (1716) 767. 

b) getünimel, unge.-tiiiib, auCTrur. vgl. Pktii im Basler nach- 
druck von t.'>23. 

a) die dritte schult der kircb narren ist, ein tliumtilt und 
getbünimel in der ixirchen erregen uder machen . . ein aufTrubr 
erwecken oder ({i-schrui muchen uder süiist ein Ihumull un- 
fiihcn. iloMüER narrenschiff {Siheibtcs kluster) AM; /u derzeit 
wird der iierr ein grus geiümcl unter jncn aiiricliten, das 
einer wird den andern bei di-r band fassen, und seine band 
antT des andern band legen. Lithrr Sach. 14, 13; ist alsbald 
ein erschrecklich rumur und gelbümel gehurt worden, eine 
tvellische lügentehrift Wbi'o) A i* ; solch ein gcbeisse, getUuimel 
uml Unordnung ist drinnen gehalten, von den conciUit (1539) 
y 'i'. vgl. LuTHtiis übenetzuntjen des lat. tuniultus !>p. 4572; 

welch eil) gett'inimol ward uud ein uufsinnd ! pur|inrndu.s blutlief, 
mit dein weine vormisclit, gräulicti dem gegner vom hsupt. 

üÖTHK (dar neue l'auniui) 1,310; 
in der rerwirrung der heutigen nacht, 
da die pl'oria ulTeu, wir ullo vull angst, 
euikaui es dem stall und ward nimmer geisebn! 
. . niclil meine scluild war's l'nrwalir! der «chrecken beut nacbt, 
da:i getünimel, der lärm — du geschaht. 

Urillpaizkr (Argonauifin II) &>, 57. 

ß) auszerordentlich beliebt ist in tlieser bedeutuug die Ver- 
wendung für kämpf- und schlachtscenm ; gctüinniel verkörpert 
hier die mit gerdusch verbundene beweguny in einem krtegsheere ; 
und wie ein getOne des ullinächiigeii, wenn sie giengen. und 
wie ein getüminci in einem beer. Lutukr Hes. i,U (als ein 
dun einer meuig. als ein don der herbergen. tccKSTEVR. 
ebenso Kuiiuhükr); vor dem getümmel der waffen und des 
streitvulcks. Dietenbercür Jeiem. Al,.i; sobald sie das ge- 
tünimel bei des hertzogen von Alanzou gezUlt veroierckl. 
C. Hediü Commines (1566) 50; da nun die fuind in der statt 
Lülticb dise gelegeiiheit ersehen, seind sie an dem urth, du 
die maiiren abbrochen waren, herausz gerumplet . . haben 
die reutknecbt . . in grosser unzul erstochen, vnnd die vbrigen 
in die flucht triben. von den vnsern seind in dem getümmel 
bisz in die achthundert, vnder denen hundert kürisser waren, 
erschlagen worden. 47; die Griechen, wann sie jre pferd 
wollen gewänen, dasz sie zuknnlltig des wesens und ge- 
tümmels inn kriegen wem gewunt, so schallten unnd lütten 
sie jnen mit grossen cimbaln und glocken für den uru. 
FiscHAiiT Garg. neudr. 244; 

wann sie (ittr krieQsheldpn) nur bör'n die trummel, 

irommeien und getümmel. 

tliun sie vor freud aufspringen. 

mit ihrem feind xu ringen. tymi>anum miiitare 1015, 

lioFFBANN guseltschaltalieder 2,25; 

in dem getümmel der schlacht dans le tumuUe de la bataille. 
SCUWAN (1782) 740: 

kaum gesprochen, so geschah et: 
im getümmel, im getrappel 
flolin die Mauren zu den zelten, 
wer nicht fliehen konnte, blieb. 

HiRUiR (Od M) 28, 61«; 
die Huris schaut auf den herab, 
der im getümmel fallt, 
und trocknet seine wunde ab 
lo einer andern weit. 

Schubart {xcUlachtyesang eines russ. grenad.) 4, 253 ; 

weist lu fuss ihn lu taifzen. den tani des schrecklichen Are«, 

walii auch rasch im getümmel die fliegenden rosse lu lenken 

{ivi OTaSiri). Voss //•« 7,241: 

denkt ihr wohl gar mit den watTen noch durcbzuraisapD? 

schaut doch um euch, schaut doch um euch! das werdet 

ihr doch nicht denken, das wäre itzt kindische zuveraichU 

- oder schmeichelt ihr euch wohl giir als beiden zu fallen, 

weil ihr saht, dasz ich mich aufs getümmel freute? Scbillih 

(rduber 2, S) 2,107; wo am wildesten daa getümmel wathcl, 

wo in person mein Fiesko kämpft. (Fiesko b, 5) 9, 142; canonen- 

schläge und kleiugewebrfeuer sondern sich iod beiden »eiieii 



erkennbar ab, das orcbeaier arbeitet wie »lO KbUciilff*walil 
und getümmel, da» wirklich au« muaikatiKben aonnaoilef- 
h.'ingeiiden Kedaokeo besieht. ZtiriB •■ GtAt {tiktr t«eüumu 
sehlaciittj/mphann) 2, ?ti ; 

■ittlerwelta ward Amt «et 

ganz bedeckt «oa kaliaen, karkeu, 

•ebOlian »a>ien dria und »cbeN«« 

oacb den brbckaa. lAaaca. tfutkam. 

trafen rralllcb In fttOMa«! 

vlaU Ihrer elf ae« lir«4«r. 

doch tia trafen auch gtr gisnckaa 

bochvortreiriicben Hidalgo. lUiai VUtUpatM l; 

wo «le Glrulaoo bedraniaa, 

ist das getbmmal bIm dtehi, 

dasz kperread «icb die am« twlagaa 

und mancher mit den labaeo BeliL 

Lrrao f SrtMMrala) S. 1»t 

müh, «nKttschwaliz und Raibaa«! 4r*aff«a 

«ich In dar aeelan hiutera iroas. 

denn juder »uclii iilndurcb tu ayraagca 

den andern nach mli tritt uod aioat. tSt; 

wie sie, die rbcke bis zum knie aufgMtburzt, mit Atm 
Schrubber hin und her fuhr, als wi« ein retter iia ii*^Tfr^ 
mit der lanze. W. Albus die hosen det kenn von Btedomt. im 
von solcher bedeutung aus ßndtl das mort auch m iit kUsrntu- 
anweisunyen etngang. GtiiHK rerlangt für dm riazMv det ,KiUUn 
heeres' im Faust vtit &80I ff. getümmel und gesau|. tktmto uJuriU 
HsaRBL für dv ti öffnungstune der JuJuh (iMrte t', II) aar; 
zelte, kriegsvolk und getümmel. 

/) eigenartig U hier «in gebrauch bei BttafiKa, dir im mir 
personifieatwn vorschrtitet : 

und horch! ein dumpfer iBra erscholl, 
es knirschte da« getümmel. 
er aber ward dai geiste* voll, 
uud blickt' empor iiaa bimmal. 

BCabBR (.S<inr( iUfi>haii) werkt (ISU) I. ttl. 

ebenso es stürmte das getümmel. 252. vgl. o^ra tp. 457&. 

c) getümmel =3 lu'ba; die weisbeil ruffei foraea ao dco 
gassen, da ein getümmel ist. Piscatub ipr. Saltmomu l, 31 
(1610); LoTBEa: ,unter dein vulk' [sapientti foiu prttdicat. la 
plateis dal vocem tuam} ; ein getümmel oder gelüse auf einem 
marcktplatz, der vuller leute ist, a hurly-burly , hu ar dsm 
of people in a market place whert tktrt u a frtat crowd tr 
throng. teulsch-engl. wb. (1713) 767; mancher, der nicht raufen 
konnte, oder durch sonderbare urt etwas für sieb bekaa, 
hatte nuch keinen bissen gekost, die anderit biogetco» ü* 
fest am tische sassen, hatten ganze bübner, und kapaaa la 
ihren sacken, ich selbst sab ein frauenzimmer im (atflaBci 
mit einem geüügelstück in ihrem franzüsiscbeo sack hioatft- 
fahren. i/<fr huusbali (t7$i) Wiener ntuärueke 3,30; wm doo 
un beiden enden des corsu &icb bald da* gelfliamel verliert, 
destu unbändiger häuft sich's nacfa «Irr mille zu, uod dort 
entsteht ^n gedränge, das alle begriffe uberatei|L (^öma 
{der Römische earnetal) 29, 273; 

als wir nun aber den weg, der auer durch« thal gabt, arrelrbua. 
war gedr&ug und getümmel nocb groai der waudrar ua4 waf«». 
GoTHK llleriiiauii und Durothra) 40.239: 

und so gewann das ganze da drüben auf der kleinen Mkaa 
das ansehen eines Artusbufes, der freilick aus koolrasUra»- 
dcm rahmen, vergnüglich auf das getümmel unten ia Baal 
niederschaute. Ibbbbma.<«k aieflMra^iiifa 1. 177; sieb durck 4m 
getümmel drflngen to squeete ones' ttif llumt§k Uu 
Hilpbrt 461. 

3) die Verengerung dtr hedtutung. 
a) die bewegung alUtn tnlt » dtm vordtrgnnd. 
a) m hnnlicAer grundbedtutung : ich sab ein ktosb | 
da des königs knecht, Joab mich, deinen koecki, 
und weiaz nicht, was es war. Lotbeb 1 Saat. is2i: kaalt 
wird's gar nicht bell werden — ea kin|eo dicke 
wölken am himmel, da werden wir woki «arten bis 
eh wir weiter fahren, du sullleat aar dUa 
nehel sehen auf dem HheiD, uod was an itm 
zacken hangt! Bittima 6rw/< i, 2TS. na« dAaMa i 
(et Td. KCrneb vgl. sp. 4M4; 

der Oöie lispelo »cbaini mir loiearaag. 

weon l'adro* llpi>a nkbl die barveai« 

dar aüMan Ukne ia deai rabr« ««ckt. 

der tanz scbalot mir baebaatiM.lM> gat>» B Bal. 

wean nicht »o aeioas Pa*a feraai falebai 

Ich auf dam f laitea aaataiBftaiBa saiivraka. 

GaiLLr«*iRi (Blanka tm Omttäm 3.4} la^ i 

dadurch bersngelockL, drang eine neule i 
ein zahmes reb eracbien acunierif unter 
volle graue kalte fol|ta uud ackauagU aidl Jardi 4m f»- 



4579 



GETÜMMEL II 



GETÜMMEL II 



4580 



tömmel, die spielenden und zutäppischen bunde würdevoll 
abweisend. G. Keixfb {grüner Heinrich l, 18) 1,179; ,aber die 
maschine (die buUermaschine) ist gut. bringen sie mir einen 
löffel und das weiszbrot, ich fische heraus, was ich finde, 
man musz sich zu helfen wissen', der prinz fuhr mit dem 
löffel in das getümmel, holte in der bildung begriffene butter 
heraus und strich sie . . auf sein weiszbrot. G. Fbeytag 
(verlorene handschr.) 1, 18. 

ß) in übertragener bedeutung für unruhige thäligkeit, woran 
sich leicht die nebenbedeutung des planlosen, zwecklosen knüpft, 
vgl. getriebe sp. 4536: was er mit diesem getümmel und unruw 
vermein. Kirchhof wendunmut l, 514 Österley; 

ihr nachahtneade heerd, ihr lastvieb ! o wie so oftmals 
galle mir, oft ein gelächter, erregt bat euer getümmel. 

Voss Horaz; 

Schreyvogel halte bereits mit den schauspielern gesprochen, 
denen er die rollen zugedacht hatte . . Heurteur, der den 
Jaromir geben sollte, besuchte mich in meiner wohnung . . 
in diesem getümmel verlor ich ganz den überblick, ich mai hie 
die verlangten änderungen, durch welche mein stück (die 
ahnfrau) nicht besser wurde. Grillpabzer (Selbstbiographie) 
werke^ 19, 66; durch ihn erfuhr ich die innersten verhältnisze 
fast aller der vornehmen personen, deren äuszeres ich in 
der gesellschafl halte kennen lernen, und ich war froh, von 
meiner warte dem getümmel von weitem zuzusehen. Götbe 
(W.Meisters lehrjahre 6) 19,317; unruh« und getümmel war 
von jeher meine sache nicht, und ich danke der Vorsehung 
vor meine tage, frau rath an Göthe (n. nov. 1786) Schriften der 
Götliegesellschaft 4, 354 (vgl. sp. 4576); 

lang wälzt sie seufzend sich um, bis endlicb, vom Innern ge- 
tümmel 
der Seele betäubt, ihr haupt herab zum busen sinkt. 

WiKLAND Oberoi 5^1. 

diese übertragene Verwendung von getümmel liegt Wieland be- 
sonders nahe, vgl. sp. 4586. 

y) im besonderen ist es die unruhe des weltlreibens, die in 
dieser Übertragung schon frühzeitig gekennzeichnet wird, vergl. 
getriebe sp. 4635/6: er (Democrit) gab sich in einen garten bei 
der statt maur, züi betrachten die natur der ding, vnd (als 
Tullius sagt) das er dester höhere von allem getümmel er- 
heblere gedancken möcht haben. S. Frvnck chronik (1543) 
1, 124' (in älteren lesarten gethumm); die Sirer . . seind schwarz 
gerade starcke leüt, wie die Ethiopen oder Moren, leben 
ziemlich on überflusz, ir geschmuck ist nit also massig, seind 
stille leüt, haben kein freüd ab grossem getümmel. wellbuch 193' ; 

brich ab diesz erdenhaujz 
und führ' die seeT heraus, 
entreisz sie dem getümmel, 
bring sie zu wahrer ruh, 
und stell ihr nieder zu 
ihr Vaterland, den himmel. 

S. Dach (dhi pilgerland läszt keinen ruhig bleiben) 
s. 164 Oslertey. 

vgl. oben ous Wieland (sp. 4575) getümmel der grossen weit; 
das getümmel der weit, l'embarras du nionde Schwan (1782) 
740; das getümmel der weit, der Stadt. Hilpert 461. andere 
heispiele vgl. unter III (sp. 4585); erst das getümmel, dann folgt 
der himmel. Wander 1,1641; wenn ich einen gehaltvollen 
der einsamkeit getrauten, sich selbst kennenden köpf ge- 
funden zu haben glaubte und nur einen getümmel suchenden 
Strohkopf entdeckte. G. Keller bei Bächtold l, 64. 

b) das gerätisch bildet den einzigen inhalt der begriffsbestimmung. 

a) von Wörterbüchern gehören hierher: getümmel, murtnur, 
geräusch Maaler 177'; getümmel, rumore, strepilo FIulsiüs 
(1618) 135; getümmel, bruit, tintamarre, strepitus. dictionaire 
du voyageur 144; getümmel, bruit, vacarme, huie Rondeaü- 
Boxtorff 253. 

ß) ebenso ausschlieszlich wie in den eben verzeichneten Wörter- 
büchern des Südwestens so hält sich für frühere zeit bei bairisch- 
fränkischen Schriftstellern die beschränkung auf das akustische 
gebiet, so bei Aventin, wo grümpl und tüml; geschrei grümpl 
und tüml die ständige Verbindung bildet, s. sp. 4571. das gleiche 
gilt für H. Sachs s, sp. 458ü. 

y) im allgemeinen lassen sich auch hier verschiedene gruppen 
Lüden, die sich namentlich auch in den synluklischen Verbindungen 
unseres Wortes mit anderen Substantiven (vgl. III) gegen einander 
abheben, die akustischen Wirkungen scheiden sich, je nachdem 
sie rein dynamischer art sind, der musikalischen klangwirkung 
sich nähern oder die menschliche stimme ohne bezug auf die 
lonyebung im äuge haben. 



l)) das dynamisch wirkende geräusch. 
o)) elementare erscheinungen: crädim und getumele von 
himele. spec. eccles. Kelle; 

mit dundi2r und getümmel. Weckherlin 248. 

vgl. oben sp. 4574; das thonnern würd meh gethümmels han, 
dann der plitz, wann es regnet würd es weniger bestäubt 
schöch geben. Fischart aller praktik groszmutter, neudr. 26. 
vgl. noch heule in den setti communi: der tümmel, getümmel, 
donner. Schmeli.er l'-', 605; 

spornt die entzügelten ströme! 

jener gebot.« ; sie kehren zurück und lösen der quellen 
müiidungen und mit getümmel entrollen sie all in die meer- 
flut. Voss Ovid (Deukalion Ti) 1, 24. 

b)) gi'spenstererscheinungen : ein weib, die der teufel im hause 
mit gepolter und getümmel des nachts verirte und plagte. 
Luther tischreden 3,48 Förstemann; das des nachts ain solch 
getumel, klopfen und schlugen in tom urschaidenlicben ge- 
hört worden, als ob man alle schlosz und thuren uffbrech 
und ein grossen gewalt anlege .... so baldt man liinein 
trang, war alles getimul vergangen. Zimmerische chronik 4, 185; 
hiemil ward der Beutler bewegt, der gleichwol vorhin ain 
(an?) argkwon, sasz eilends wider uf sein rosz und kam un- 
versehens ins haus, der Maienbron bort gleichwol ein ge- 
tumel und wardt im grausen. 2, 547 ; man hat ein zeichen 
von im gefordert, ob er ein stummender geist sei, da hat 
er widerumb e.n getümmel und weseu angefangen, dieses 
war statt eines Zeichens. Kirchhof wendunmut 1, 513 Österley. 
c)) ausgehend von der tierweit: die andern all erwachtent 
von wegen des gedüminels, das der braun treib. Aimon bog. 6' 
(1535); etliche baten nichts zu thun dann mit eim grossen 
getümmel nachts und tags in den bienenkorb zu schwärmen. 
FisciiART bienenkorb (1586) 238*; 

sie stiegen in den faethon; 

drauf rasselten die schimmel 

stracks über stock und stein davon 

mit donnerndem getümmel. 

Holt» (Leander u. Ismene 1) uusg. von 1801 s.28. 

vgl. der ross getümmel sp. 4585. 

d)) geräuschc von menschen verursacht, dieselben sind entweder 
durch Werkzeuge oder durch organe des menschen hervorgebracht, 
oder sie entspringen einer zusammenwirkung beider. 

a)) da war ein sehr grosz geprässel und getümmel worden, 
gleich als wenn viel geharniscliter leute ein ander geschlagen 
hätten. Luther tischreden 3, bi Förstemann. vgl. 1. Macc. Q,i\.6 

sp. 4587; die magd die sprach: das ist nit war 

da platzet ir die fraw ins har 

von in beyden ward ein gerümpel 

mit stül und peiicken ein gedümpel 

zugen einander hinter thür 

inn der i>tuben wider herfür 

theten die zöpfT einander denen 

vnd griszgrambten mit den zcnen. 

H. Sachs (friu und magä) 1,512'. 
vgl. Keller-Götze 21,178; 17,13 u.a. vjJ. gelümmel machen 
unter IIL vgl. auch gelümel . . von spieszen, Schwertern und 
andern Instrumenten sp. 4587; wer ein voll macht, auch billich 
leid, dasz man jbm in den busen speit, man musz hie keine 
stillinett halten: sonder im getümmel als zerspalten: nun 
zuck den banck, nun wirf den stul. Fischart Gary, (trunckenen 
litanei) 147 neudruch; 

thet in ausz dem bethe ziehen, 

in der kamnier gleichfalsz: 

gar jämmerlichen aulT und ab, 

bisz dasz er thet erwoigen, 

und seinen geist aulf gab. 

ein magd, wie ich euch sage, 

hört das gedümmel im bausz. 

neue zeitnng (1605) Adrian mitlhnl. 391. 
ß)) nun het sein kamraer an dem end 

der reich becker, hört das gerümpel 

am dennen, ein ser grosz gedümpel 

von disem hohen schweren fall li. Sachs (der hecker 
mit dem bachendieb) Keller-Götze 21,15ü; 

wie Seneca lehrnet dein stimm soll sein ohn grosz geschrei, 
und dein gang oder tritt ohn ein gelhümel. Höniger narren- 
schiff, vgl. Scheible SSI; ein getümmel mit den füssen machen 
to rustle or stamp uith your feet. teutsch-engl. wb. (17 16) 767. 
y)) vnd auff dasz er sich dester mehr gegen den feinden 
argwönig macht, dasz er sich förchtet, hiesz er den läger 
mit grüszerm getümmel vnd getösz, dann desz Römischen 
volcks gewonheit war, befestigen. Hingmann Caesar (bell, gall.a) 
58; bald die feind durch das getümmel in der nacht, 
vnd durch die wachung ihren zukünfftigen auffbruch gemerckt 
betten. 52; singen, dantzen gelrümmel und gedümmel .. führen. 



4581 



GETÜMMEL II 



KiüCHART Garg. 154 neudruek; oiii ahenJtt ziiTor . . lOlitt (ich 
auft sail unser* schifTH ein kleine durtrliuuhen; die begrrll 
ich mit inciiieni bQrstrhor zu i(:liUe«!ten. über weil der palron 
besorgte, ich möditte dts rdII abichnelden, wollt er mir« 
nitt zulassen, befahl den scliütneitten, si sullteiis duribs 
getüniniel vertreiben. H. U. KnAFrr reuen t. W; und ob ra 
wol vil rcben und hasen in solchem schOneii waU soll ab- 
geben, so haben wir doch nicbtts gesehen, nacbtt, well wir 
ob unsere vil gewesen, haben sie unaer getOniel leillich 
vernomen und aich von una abaenttiert. TS; ist ein groaser 
lernten und gelüniinel entstanden. Kibchhüf wendunmul 1,;>S1 
Oi/erltfy; durch das verworrene gesehrei der rasenden doDOerten 
dumiife stOsze ffegeii verschlossene thüren, krachten zer- 
aobloKene vorlilden und Tensler, und fielen biichsenschüs^c. 
in diesem liöilisihen getüinmal erwachte die ganze Stadt. 
ZsciiossK (freihof von Aarau) 6,298; um so mehr jetzt, da 
das gut von tfl^'liciien durchintiritcbeD und eiiiquartierungen 
geplagt wurde, oft war das grusze haus so besetzt, dasz das 
getümuiel su gar bia in die abgelegene krankenstube drang. 
Tieci. (der geheimnisvolle) schriflen U, Si3; es drUngc sie nach 
einem orte, wo recht viel larni und getümniel sei. U. Strstz 
dit kleine ElUtt 312; ehe das uianOver mit seinem lUrm und 
getjlmmel begann. diet)st ^6. 

2)) mvsikalitchf klangwirkungen »erdin selUn mit unserem 
Substantiv gckenmciehncl, wie sich aus der stfUung desselben im 
krti$t tfiner Synonyma von selbst versteht, vgl. gatün ip. 4389/f.; 
getiise sp. 4400 /J'. die vereimelten vcrwendunijtn in dieser rich- 
tuny streifen daher das musikalische gebiet nur leichthin : khonien 
vier spilman, zwen mit schnluieien, einer mit einer grossem 
pfeilTen, der vicrtt mit einer hörbauckhen dem Aga für das 
hausz, maclitteo ein grosz uniieblichs getümel ungeschlacbtter 
niusica, welches den Türckhen und auch dem Aga wol gefüel. 
H. II. Krafft reisen 181 ; die.ser befehl ward wegen des In 
dem lusthause mit paucken und hiirnern verübten getümmels 
so unvermerckt vollbracht. Luhbnstkin Arminiut und Thus- 
nelda 1,401 (1689); 

sprecht, wie ein jedes kao, 

im laniz einander an. 

der grosse drang im relen, 

die seilen viid »challmvipn, 

vnd de.s getAmmels fug 

ertlieileii anlasx giiug, 

sucht rreundlichkeit vnd lacbeo 

das wort rur euch tu inaclieD, 

wer hie kein herlz xu hut 

dem weist ich Iteinen ralit, 

SiaoN l'ACii III H.AtbcrtB nnVn, tieudr. .».203; 
es hatte sich jeder 
tu den seinen gesellt, da ward getanzt und eesiingen, 
und man horte pleifun dazu und horte Schalmeien, 
riuundlicli Dchuuto der könig von seinem saale hernieder, 
Ihm behagte das groaze gel&ininol, er sah es mit Freuden. 

GöTUB {Heuieke fuchs 7) 40, tt:i (groete grael). 

3)) die menschliche stimme alt alleinige trägerin des ge- 
rdusches. die dynamische u'irkung steht im vorderqrunde, und 
»war auf der grundlage einer mehrheil von stimmerzeugenden 
subjeclen. mit dem lelUeren moment verbindet sich wiederum 
dte Vorstellung einer uiigeregeUen , ungeordneten slimm- 
gtbuny. 

a)) das dynamische moment steht woran, als Synonyma oder 
als vorgiiniier Jet Substantivs sind getOse, gesehrei, w&f :u 
ieobaciiten, vgL tümel, gethön, gesehrei bei Pktri; aber er 
hat ir sprach niit verstanden, und auch ettwa ir gesehrei 
nitt gehert, vor dem gedeüsz oder getimel des folcka, und 
ist für geritten. S. Fiscbkr Vlmer ehronik Ml Veesenmeyer ; 
waa will das gesehrei und getüiumel der Stadt. Lotubr 
't. kön. 1, 41 (waa wil im der ruf der stat dez wutTenden 
EcGESTKVN, fbenso Kobcrgkr); und da Eli da* laute schreyen 
hörete, fragte er: was ist das für ein lautes getümmcl? 
LuTHKR 1. Sdffl. 4, 14 (was ist der don des rlilTcs. Eccsstüt.n, 
«6(riio KoBURCKii); kennzeichnend ist aucli das verhalten Üieiuk- 
BRRCiRS, der in der stelle Jes. 13, 4 {vgl. oben tp. 4ä'3) /ur ge- 
■clirei bii LurHsn seinerseits getümmcl einsetsl und andererseits 
LoTBKRS getümmcl mit gesehrei wiedergibt ; und inainten die 
von der getnaind, man zug gleichdaher, dashalben ain grosz 
gedumel und geschrai under der geniaiud was, wie dann ge- 
melter Kitsch meius gnedigen herren hott, selbs gesehen und 
gehint hat. Bauhann que/lot (liUer. per. \Vi) 55; so sol sich 
ein getüuiel erheben. Lutiikr Hos. to, I4 (der wi'ifT stet miff 
under dein voick. Ecgbstbtn; das geschreL KoaoieEa); 
genau so aposUlgtick. 21, 34 «. a.; 
IV. 



6ET0MMEL 111 45g) 

!«■•■ kJaga« 
aus allen tagaDdan, 41« PbAbus sirakl«B«agea 

auf («Intm ewig uiifcriOeliiaa lauf 

"***"»». zum iliroa des w«|ir*g|«rara asf. 

dl« klag« wird gsscbral. itui das («saltfai — get*aB«l. 

Corrta (JwpiUr aarf «#«« trp,4*9miamH I.A. 

MI d4$ dynamistks mewunt tHU khUr 4er T-rfHInmj im 
tielköpfigkeit und der ummimuu., imrUk ; gelOasMl, im äto> 
men^rirtfT.- es war •llaolbatbeo ein |rast vs4 «rfifefMklWl 
geiümmel, dann jeder •eioea tbeil (»U baecMekl) ilipiiill 
vnd zürfiffle. C Htoio Cmbbhw* »t (iMS): iaf**» «n» kfc 
dawider aufTbrachte, ward mit tliattn, rtwrhw nmi §»- 
tümel verlacht und veraehl. LsTBia täirifi «■ Aarfsaf f. m 
.Sachsen {über die begegnung mit dim kf<tU* im Amfthmtf iftit) 
I, 120 Jena; di*e verroabaung des slaUvogis balle ml ei«M 
menschen gereitzt tu ratben, iMb kein geiumm«! 
murmelung einer so grossen «MrasalaDf , danno 4«c 
mancherlei voick zu bauff koaaen wt, nftgen b— . „__. 
HiBBL liviut deutseh {Strasiburg ISM) 4IS (92. kutJi); wanuafc 
mag ein baufTen w eiber unter einen baupimano oa grtbOa 
nit gefübrei werden? ArtstoUln proiL ili' (i&U) 

c)) dit Vorstellung ungeordntten, ungeregelten itmmife^iit 
Htet zur Verwendung für entsprechendt autternmfn dtt etmseimem 
individuums über. vgl. nur weit bin dao voa mir mit itm 
grimpl und timpl deinea plerren, dein geigen oni pfeife« 
wll ich oit boren. Avinim 4, 6ü. 

d)) an diese Verwendungen knüpfen ülmlragun§tn an: dtt »ptU- 
rede, die Verleumdung, das falsche gtrüekt falttn m dtn htdtn- 
tunysgehalt des Substantivs, hitrher gthtrl getflm«! ftr tuptikm 
bei LoTHBR vgl. oben tp. ib'.i ; ebento wtrd f%r dttitimtm M W«i- 
phemiam insultalionem (Lotbrb optrol. in pmlm Ulf— Si), dt 
von ItoTH mit die verspotuog, golteslestemag, dm MÜrackea 
wiedergegeben itt, in der Nürnberger dtulitktu tttnttmnf e*m 
Matb (1524) eingesetzt: dise verapotoof, toiUrikll iiUmmil 
I.UTHtR b, 618 arimerk. Weimar; dana 4m iMmmI (itr r«r- 
dacht, dat gerede) wollt auf sie fallen. WicsiaB nUm. M. 

III. gebrauchsformen. 

1) der absolute gebrauch dtt subüanttvt isl 9t\ktU*itmitti§ 
tahlreieh belegt; er begegnet nicht nur m prtponltonalvtrbimdmngtm 
und bei syndetischer lusammen Stellung mehrerer vtrwamältr W- 
griffe, sondern auch im freien oijta- und tnhje ttf ihrautä nehen 
dem verbum, 

a) von hierhergehörigen pripotitionalwtrhinimn^n find dm metU 
verwendeten : im getQuimel , dat vorwugtnd fkr kämpf- mni 
schlaehtszenen verwendet wird {tp. 4&77), und mit fiUmmt^ dm 
gerne in den fällen eintritt, wo es tieh um bletu tlummkkwm»§ 
von gerduschen handelt {vgL sp. 4&H0). der btUtmmH» «rtiM, 
der sieh mit der prdpotition 'in' verbindet, tritt auch hs den 
lockeren Verbindungen ein: sl aolllen* dorcb* getfiinmei ver- 
treiben. H. U. Krafft rnteii 29; das leb roicb anfa gelOaBmel 
freute. Schii.lbb 2, I07: aicb aus dem geiOmniel weg macbeo, 
(X turba disctdere Steiibacb H80. 

6) die syndetisehen Verbindungen wtä »nderfn nbttantiven tiai 
schon oben für die btgriffsbettimmun§ dtt Mrfr« *«f»n f»i » fw 
worden {vgl. II); et wurde dahti wol htmkletf imx im MvMII- 
riij zu diesen tuhüantinn m»fnigfaA wrtkttlt mni im» m aicM 
imm^r mdgliek ist, tu unlenduiitn, et es ssdk M* iy *n | i n 
handelt oder um wtruandit hegrilft, titr Ml erf ämm af t », Ht 
sich auf der vortlellung dtt gtftntutus aufhtmtn. 

r) all tymoNym« dürfen in lokktn ttrUn d uf tm fttttm: 
cridim, tgl. tp. 4671; gerflinpel sp.4&7i. 74 tu •.; (eirtmad 
tp. 4U0 ; gepoltrr tp. 4M0: geprasael tp. MM: fa l le» |^ 4M1 ; 
murmelung (o*ni); ta tintgtn htitpiilen autk g«ckr«i» *fL 
tp. 4&8I : getOmmel und wesen, rgL tp. ^i'',. Htm, iWMr wmi 
gelbümel (Lüthm) »p. 4577; lumult und gelOmel it^ tun-, 
uurobe und getümmei tp. 4ft7t; 'ich weisz gar aiaM*', m^u 
sie, ,aU dasz du den tag nachdem wir um 4m ItUl' mbI 
geaebeo beben, in der aonne bist gefangea fCMaMMC mmimt, 
und dast ea da wieder einen kämpf und •(■ §Mmmti fßkm 
hab'. il. KcBi {der stnnenwwih) 6, I4«: eine art wollti l if f 
getümmels und gewimmeis in der gaatea aeel«. Faaaru 
britfwtthstl {Th. Huhtr) 1,2»; waa aMKWrM ' 

und getümmei, gebeckei andgeplrkai! «kai« stell ai 
halten, aus inleresse und au* lobawkC atocr 4mn 
den sieisz beleuchten. F. Mfiisa (fiMMll Maa) %t*. 

fi] d*qtgtn sttktn m* fCMbrei md g a l — a l M Laraa« 
I. kin. 1, 41 und in andtren ftUtn aU trfdnitnde hegngt fSf**- 
fthtr: thtnta gelilmaael and itrm M GamMafca k*. »7: #»• 
MkmncI «ad gesaaf »es Üiim if. W»; §•«•■••* ••* «^ 

»8 



4583 



GETÜMMEL 111 



GETÜMMEL HI 



4584 



truppel sp. 4577; gebcisse, getürael und Unordnung. Luthek 
sp. 4577. 

y) vielfach enthält getümmcl den allgemeineren begriff, dem 
sich die besondere form, in der das geräusch zum ausdruck ge- 
langt, syndetisch anschlieszt : dunder und getümel sp. 4574; 
ti'oinmeten und getummel sp. 4577 ; zusehen, rauschen und 
getümel. Luther, vergl. sp. 4582 unten; rummel, gemummel 
und tummel. des knaben wunderhorn l'^, 446; getummel und 
gescbrei und posaunen hal. Luther Arnos 2,s; das geiümmel 
und das laufTen in der Philister lager. l. Sam. 14, 19. 

c) in den freien Verbindungen des Substantivs mit dem verbum 
als subject oder object tritt entweder der bestimmte oder meistens 
der unbestimmte artikel vor. ohne artikel führen höchstens Wörter- 
bücher das wort ein. getummel machen, sau.<ie», turbare, tumuUuari, 
strepere, strepitwn eiere Hüniscu 1588. 

n) mit dem bestimmten artikel: wie . . sich bald das ge- 
tummel verliert. Güthe 29,273. vgl. sp. 4578; das getummel 
wüthet. Schiller 3, 142; das getummel wächst im thal. 
Lenac 2, 239. 

ß) mit dem unbestimmten artikel. 

1)) wart ein getumele. spee. eccksiae. vgl. sp. 4571; alsbald 
ward ein getummel. Flehinc, v^I. sp. 4575; weszwegen sich 
ein getummel erhub und viele darauf stimmeten, man solte 
sich nicht weiter, an ihm, vergreillen, sondern ihn los lassen. 
anhang xu Widmanns Faust (77) 706 Keller; es erhebt sich 
ein getummel. Kirsch (1764) 179; es entstund ein getummel 
tumuUuantium fremitus exoriebatur; es erhebt sich ein getummel 
strcpitus ßt Steinbach 881. 

2)) ein getummel einem für den obren machen obstrepere 
auribus alicujus Hemsch 158S; si machen ein getummel edunt 
strepitum, tumultuantur Steinbach 88t; ein getummel machen. 
KiKscB (1764) 179; so ferr si nur still zügen und kein ge- 
tummel machten. D. Heoio Commines (I56i)) 50. vergl. auch 
sp. 4580; hat ein junger linab ein getummel angefangen. 
Kirchhof wendunmut I, 531 Österley; haben umb ihn ein ge- 
tummel, certatim ceteri circumstrepunt Scbünsleder (1663); ein 
gedümmel führen. Fiscuart Garg. 154 neudr. ; ein getummel 
hören strepitum audire Steinbacu 881; man höret ein ge- 
tummel. KlliSCH (1764) 179. 

2) der relative gebrauch. 

a) kennzeichnung durch pronomiiia. 

a) der sogenannte artikel erscheint als kennzeichnendes pro- 
nomen : 

ach junckbcrr, was ist da:i gedümpel? 
was macht ir allhie ein gerümpel. 

H. Sachs (der parleckensack) 17, ii Kelter-Götte : 

bei den sämmtlichen hausgenossen ward nun nachgeforscht . . 
aber auch hier wollte sich eben so wenig irgend eine spur 
linden; die gerichtspersonen waten schon im begriff sich zu 
entfernen ; als eine Strumpfstrickerin, die diesem hause gegen- 
über ihren laden hatte, durch das getummel herbeigelockt 
ward, und von dem Vorfall hörte. A. G. Meissner franz. Justiz- 
mord {d. litt, denkmale 66 /f.) s. 64. 

ß) das eigcntlidie demonstrativpronomen : mit diesem ge- 
tummel und unruw. Kirchhof wendunmut 1,514 Österley; nach 
dem aber dises getummel gestillt, hielten die fürsten ge- 
sprech mit einander. Hedio Commines 51 (1566); 

bald schwieg ich als ein stein, bald schrie ich überlaut, 
bald schlug ich an die brüst: ich lührt ein solch gctüramel, 
dasz jedermann erschrak, der mich schaut in der noht. 

Rist Parii. 449 (1562). 
y) Possessivpronomen: unser getummel (H. U. Krafft), vgl. 

ip. 4581; aus irem getümel. Luther psa/n» 35, 17, «ji. sp. 4574 ; 

euer getummel sp. 4579. 

b) attribule. 

«) das beliebteste und sciton in den obigen beispieleii meist 
verwendete attribut grosz läszt sich allerdings kaum unter den 
relativen gebrauch einreihen, weil es dem bedeutungsgehalt des 
Substantivs nicht eigentlich einen neuen zug beifügt, ihn viel- 
mehr nur allgemein steigert: ist ain grosz getummel erstanden 
in den zällen der Philister. Eck l. Sam. 14, 19; ich sah ein 
grosz getummel. Luther 2. Sam. 18,29 m. a.; auff den bergen 
höret ich ein grosz getummel als eins grossen volcks. Dieten- 
BERGER Jes. 13, 4 (gescbrei einer menge. Luther; stimm der 
mänige. Eck), vgl. Lutheh Saeh. 14,13. Jtfo«/j. 27,24 u. o. immer- 
hin tritt dieses attribut nur in bestimmten Verwendungen des sub- 
Mtantives auf und nimmt einen bescheidenen anlheil doch auch 
an der hegriffsbestimmung ; die umfassendere bedeutung in der 
ankhnung an tumultus, die engere bedeutung in der hervor- 



hebung des dynamischen momentes der geräuschwirkung nimmt 
das beiwort grosz an: ^roszer lermen und getünmiel. Kirch- 
hof wendunmut 1, 531 Österley; 

also gingen «ie hin mit groszem getummel, vor allen 
Reineke mit den Wärtern des kreises. 

GÖTUK (Reineke fuchs) 40, 223 (mit groteme schalle). 

in anderen Verwendungen, so für übertragene bedeutungen, ist 
das beiwort selten, vgl. groszes getummel für weltgetreibe 
sp. 4579; da wo klangwirkungen gekennzeichnet werden, findet 
das beiwort leichter eingang {vgl. sp. 45S1), während es bei der 
einschrdnkung des bedeutungsgehaltes auf die bewegung {sp. 4578) 
nur ganz vereinzelt eintritt. 

ß) dem eben behandelten beiwort stehen einige andere für die 
dynamische richtung nahe: und da der man in die stad kam, sagt 
ers an, und die gantze stad schrei, und da Eli das laut schreien 
boret, fragt er, was ist das für ein laut getümel. Luthhb 
1. Sam. 4, 14. ebenso Dietenberger; quis est hie sonitus 
tumuUus hujus. was ist disz für ain thon des gelümels {laut 
(jetchrai). Eck; den des ruffes. Korurger und EccESTEyN; 

umtönt von lautem geiümmel. Voss llias 10,185; 
donnerndes getummel. Höltv. vgl. sp. 4580. 

y) auch gemüthsempßndungen, die sich für den handelnden oder 
für den wahrnehmenden an das Substantiv knüpfen , werden 
gerne im beiwort angedeutet. 

1)) der wolgestirnte bimmel 

erschallte durch und durch vom frölichen geiümmel 
der gantzeu göttligkeit, als deiner mutter muud 
dir gab den ersten kusz. 

FLRiiiNG [poet. Wälder II an Olearius 1636) 95; 
die jauchzen um ihn her auf der und jener seit' 
und schreien in die luft. der gleich erl'reute himmel 
sieht mit ergöizung zu dem lustigen getummel. 

152 bei Luppenberg; 

mit der Treude liebten träumen 
sa-zen wir im muntern kränz, 
auf den wellen, auf den bäumen 
lag des tages milder glauz. 
wie ein freudiges getummel 
war ein glühen überall: 
dort im abendrot der himmel, 
hier im weine der pokal, 

Th. KöKNKR erinnerungen an Karlsbad 11. 

2)) grosz und erschröcklich getummel. sp. 4582; wie der 
erdboden von dem schrecklichen getummel der Stadt er- 
zittert. Kirchhof mititdr. discipl. 163; grosz unlieblichs ge- 
tümel. vgl. sp. 4581 ; 

mit grausem getummel 
verschwunden vom himmel 
sind wölken voll nacht. 

Matthisson früblingsbilder; 

das unselige getummel. F. H. Jacobi 5, 44. 

8) für die kennzeichnenden beiworte steht das moment der 
bewegung im mittelp unkte : 

1)) buntes getummel. vgl. oben sp. 4575 ; welch ein harmo- 
nisches getummel, welch ein göttlicher einzug! wie glänzt der 
thron des neuen königs von ferne. Wieland {psalnien 2, 5) 
Supplement 3, 265 ; 

fahr auf, du $iegesfür.st, in aller himmel bimmel, 
und lasz dich holen ein mit prächtigem getummel, 

Fleking 27 Lappenberg. 

2)) wir haben gehört ein grosz gerümpel 

oben ein bäderisch (liaderiscli) gedümpel, 
mein Calandrin, was ist dir geschehen? H. Sachs (die 
umicIUigen schwarten stein) 21, 178 Keller-Götze; 

duss nicht dem gaste die mablzeit 

durch das wüste geiümmel der trotzigen würde verleidet. 

Voss Odyssee 1, 134; 

seit der harte himmel, 
von Sünden aufgereizt, ein blutiges getummel 
auf unser Vaterland, das arme, bat erregt, 
das achtzehn jähre nun auf eine stelle schlägt 
und noch nicht höret auf. 

Flüming (poel. Wälder 4, h'i)iS2 Lappenlierg; 

höllisches getummel. Zschokkb. vgl. sp. 4581; da entstand ein 
unbeschreibliches geiümmel. Moltke briefe 92. 

3)) in dem ein plötzliches geiümmel, 

welches er unversehens hört, 

füllet den ahgrund und die himmel 

und seine sehl noch mehr bethört. 

Weckherlin (I. ode) 1,99 Fischer; 
ihr gewalligen hingegen (wind und siurtn), 
deren weil gehörtes blasen oft die erde will bewegen, 
hebet euren heftigen, fürchterlichen schall gen himmel! 
olVenbart mit lauten tönen und mit brausendem geiümmel, 
den, durch dessen macht ihr ras't. 

(inipeluous sunij) ßnociLiLa Jahreszeiten (lohyesainj 50); 



4585 



GETONMEL III 



mtOmmcl in 



4566 



glücklich durch den reinen einklaog der herzen, fflnden beide 
liehende dünn, nnheiauht Tom hrausenden grtitinroet und an- 
geblendet vom «chiiiitiierndeo moikenipiele dei weltlebeot, 
den höchsten nenwfi am treuen buiti*n der netur. MATTiitioii 
{irinntrungen R) 3, 3;0; 

In dem ichwArfnonden celOam«! 
Broiler aoRemilter «uidie lau, mit drängendem cawlromel, 
dnn lUDaniniriintiii von riicnaclii^n inil der org«! llitfrin klang, 
iilmni«, loii und «chall verbinden (i<i imarmtng cili'-i}, 

llaocKit Jahrettrilen (lobgtianii M); 
der taut acbalai atlr bacchanilucbeii Keifimmel. 

liaii.i rA«tia tgt, ip, V>'H. 

c) vtrhindung mil subttanliren, 

n) die iitnetivveibiiidungen «im/ eittteilig. d*t suitiantit $tlktt 
tritt nicht leicht in «in unleroidnungtrerhälliiii ju anderen; 
ffigungcn wie: der t. ig des gelüminels {rgl. ip. Vüi) $ind vtr- 
eimeU und entspringen auch für Litüfk den l>eionderen ter- 
lidUnisten der bibrlnberseltung. um to ausgtebiger ordnen lie/i 
fremde Substantive dem untrigcn unter in den mannigfaUiijtten 
formen der tusummengeliöngkeit, 

1 )) für subjecte des nomens actionit : 

a)) persönliche $ul<jecte: 

«)) getilmmel viel leulhen, tumuUus D*!>TPOüiut R 3*; ge- 
tflmmel der leiile. Luthkr Jei. 17, 12: getOmel der versam- 
melten konigreiche der beiden. 13, 4; ein geiümmel des voickes 
dominum turba Stiinbach üM; 

dei uiiiliiera, das aus dar woldung 
herkommt durch da« geblrg', unitönt von lautem getAmmal 
treiheiMler mAnner und liund" {nolvs OQv^aySbt). 

VOKS tliai 10, 185; 
den geschichten nach holTt Doiiiiiius Scipionrm zam streit 
tu locken, ... als dieselbigen hinauszgezogen, und schon 
für der ersten scharen haitstntl kommen waren, namen sie 
argwon ob der rosz getümniel, und hüben sich an wider zu 
den ihren zu thun. Rincmarn Ciliar (15S8) 120\ 

ß)) Im wogeiigetümmel, 

wie lioder im himinel, 

»o rauschte der chorl 

der lag, der l'.arln das leben 

zum ^egell des laudos gegeben, 

sting i'Aihllch ompor. 

. . unterm geiiinimel 

de« reitli(-hi-n clior 

(lieg es zum liimmel 

wieder empor. Schi'iiant I, I"; 
ich freue mich uuf ein süsses wort von dir im mnsken ge- 
tilmmel, freue mich aber nicht auf das gelümmel, was heute 
unser schönes ruhiges Zusammensein nnterbrochcn wird. 
(;rtTHH brii-fe 5, 2^D; diese lange lede würde vielleicht noch 
langer imd noch entscheidender für die sireilenden theile 
geworden sein ; wenn nicht das getümmel derer, die mil der- 
selben schlecht zufrieden waren, den gott unterbrochen, und 
mich sfibsl aufgeweckt hätte. Uz 2,246; und wer hier in 
Paris nicht mit dreisten bänden Zugriff, ward von den nach- 
dr.'ingenden unerbittlich under die füsze getreten . . . mitten 
im getümmel der bittenden und bietenden kleinen stand mit 
aelbstgcwisser gonnermiene der viel umworbene preusxische 
gesandte l.ucchesini, TntiTSCHKE deutsche geschickte 1,1h6; 
kein gelümmel von dienerschaft oder fremden, keine equi- 
pagen, und niemand kann ahnen, dasz hier (in Halmnral) der 
huf eines dennüchligsien Staaten residirt. Mui.tkb (ftri«/?) 6, 230. 
b)) das subjeet ist localisirrt. 

n)) getümmel der stadt. Lutukb //to6 39, 7; getümmel der 
Städte. Rrockbs. 9f)L oben; 

wie blinkt mir der hiromel 

im grünen so helirl 

der atadte gelummni 

iit rauschend und leer. 

Matthissom di« rimamkeil ; 
die wenigen wochen, die sie im getammel der residenz zu- 
gebracht halte, waren nicht hinreichend gewesen, ihr den 
gescbmack nn ihrer bisherigen stille zu verleiden. Ca. L Hbvni 
Antonie {litterar. deiikmalt 6« ff.) 18. 

ß)) man weis, dasi nie au leideu 

der heirabt was gebricht, 
es lelilt jlir auch an frewdan 
vnd sM-^.'icn seilen nicht : 
goii hat der well gclQmmel 
auch giiug mit rliue bedacht, 
nur dasi der men«cli den himmel 
jhm selbst iur hellen macht, 

SiHPi« Dach in II.Atberif trirn, nfuJrmek $. 144; 
sanrier schlummert aus der well gelümmel 
nicht der gotiversöbnie sich in's grab. 

Beacaa gtä. (HeloUt •« 4M«rd); 



•«eh alMiiaAkaea gab ••■ ail^er wUtr bla««l 
4«a «•ilea ralaliiliii« 4m Mi«r 

5ral**ti llia rer« vm 4«ai gt 
*r tHtftUtk»» wti. U.C ^. 

, mimamteik «•/ l'nt mtmdrmeA i. »L 

antirre bruptelt stehe »uf $p. W.t. 



y)) 



ich sehe 



leb b6re »eboa des derft gviA«»«!. 
bier l.i dt« velkaa wakrar Mms«!, 
tiirrleden tauckiei gnm «»d ll«tat 
bier bla Ich mea.cfc. lHar 4mt tek'e tata. 

CAraa tftmi «rt) lt. Mi 
sie, liebste, Ibruerste maller, zwei- drrlMtl 4on 
im getnmmrl des markte«, halte aber uUkl im mt^ ■*• 
unter den vielen fremden meoschen anmMi«, TMc« i 
naehtsabend) no9fUn &, im; allmakli| taratMMM 
KImroel des bafens and man harte anr —ck «en 
teil ia den achilTen daa dumpUfa l%nUo 
MATTNiasoi {ertnitermngen 7) 1,1M; 

die herrtcher ruhn Ia graberliallaa. 
die beiden ilad Im kaaifir gerallaa. 
verballei war der barg geiOaiaial. 
,,, , Data«» ««■ 4rH nkltfr. 

ä)) im getammel der sirasze, anf sietopflasler aa^ fnack 
beschUlleler chaoas^e i«l das nicht angenehm. Moitm (M»f«| 

6, 319. 

t)) Übertragungen 

a)) auftUuationen: das gelOmiBel de« b«Klilfligtea lab«Mw 
WiiLANO (Prregrinus) 27, WS; 

mit jubelton begrtkts leb rel4 aad blaaal. 
gebirg und tee 

and wies' und bain, enironnea daa («ilkaiaMl 
der as>embl4c. ÜATTaistoii di« ft«^r<ia«9 ; 
klar ist papisr und fedar; ick will geka. 
twei teilen, die ihr •chreibt. aaii teil aad art, 
genOgan mir. — wron heim dl« gltte kekrta. 
nah im geiOromel ich mich sack d«i aarknicki 
und lese, was ihr irhriebt. 

Ga'LLrAaiiR (.ia irntr di«a«r S) •*, IM} 
der fernen 
tcblacblen geiumroel erklingt vor Ibrea obraa. 
schon der stürm des gefechu am tie her. 

tidtaa (AeäiUfU) 4«, ! 

es war mein loa, anablassig Im gelAmme! des knage« 

geworfen xu werden. G. Kaivr ac («im ha«r kUtnn äsdl) 11, M. 
fl)) auf gemUtbsbeitegunffen tgL oktn $p. ii'.t: 
nie hat das tlQrmiirhe KelUmmrl 
der leiilenschari ihr hert aus «einer ruh geweckt, 
nie den entwoikien gelii mit ihrem duatl ktitckl. 

WitLAii» (fdrit 1.») ll.U; 
in dieser tiefen ferne vom getOmmel 
der leidenachafl. in dieser bell'gan nackt, 
die ihn umKhiiettt, erwacht der reinste aller alaaa. 

WiaLAiia ua«r«« •, n lhmf«ti 
mitten im getOotmei maacher fraadea. 
mancher sorgen, mancher herteaaaotk, 
denk ich dein, o Loiicben. ü6xnu (an Ijoitd^mi I. M. 

})) wtrkteugt itt mtmtiu tUMit: gttammd dar wafa«. 
OriTI tj 26». rfL tp. 457«. 

S)) er^aaaaftiatliiNaiMii^rN .- schlugen und 
sie (Ahie* nniAm^iu) one anderlast, aood oo« i 
dermaazeo, daaz man darcb das getümmel der «Iraicli |^ 
achtet, dasz mehr denn twentzig mil eio;i*drr kcaifAea. 
>4madu (1, to) /WL ter. 40, l»| : aaM^la« «ia graa« MboMiate 
(lelümel anKeschlachter ■■ Wl . KaArVT rtäMS. afL 1^ MM* 

ß\ compotttton auf gmnd itt fiwtlimttkiaimm§tm. 

1)) poltergeiatergelOmmel. Fiscmast Btintt t. 

1)) Ihm krOmoii, was ar alekt siekt aaak fcCtt. 

der todtenunt de« we 
kein haar. TaBaatt dba i 

Srschwinder als aia 
urchsrhwcir kk «H* Md 
und kille miek oaak 
aai toltaa walifaiftaa««!. 

Taao *>**% mU htdtt 1. 1. 

kell wftrdo atck des raiastta g lAekas »rm 
■Ir daaa entwuUan. fern veai «tltaet> f sl. 
«• NaiM. freundtckart wei«l>«ii g«d aakar 
Ia flraaiaer eiatracbt «aliB««. Im der klaaaal. 

Maiiaiaaap ^«* urmttt mt i 

verdrtngt eine «pock« 4«r Batllabacai »it MfbsUKkct 
achnelligkeil immer die andere, und di« mm— it» fnanafM 
bat sich aas dem lilerahsrheo marilgetoaMMl «rf kitBtr 
gawfllil zorflckgciofrn. maamiafca ». 
») erdgetanNMi apl. lh.a,;M; 



der aiaik »aispriagt «•■ biaaMi ; 
iebt d eser sonneascbeia. «o lasii skb jener saa; 
inregen bringt der süd ein finstres lurtgriumael. 
e Iriackt di« aaaatarfcait nach an d«r ackaeck' las kaaa. 
ihttt(t 1. l|kl»(llMi: 

SM* 



4587 



GETÜMMEL III 



GETÜMMELICH— GETÜNCHT 



4588 



so lächelt nach woeengctüramel und stürm 
dem nächtlichen schifTer der leuchtende thurm 
durth nebel, welche die auen 
der beimath umgrauen Mattuisson nlpenreise. 
4)) und ins wirre tanzgetümmel 

drangf^n sich die beiden tiinzer, 
und die lauten paul<en wirbeln, 
und es schmettern die drommeien. 

IIeinb (doii Ilamiro) romamen 9; vgl, Ih. 11,126; 
jagdgetümmel vgl. th. 4, 2, 2208 ; 

eniflohn dem kriegsgetümmcl 
trübt unniuth deinen blick; 
umgrämt vom alpenhimmel 

verklagst dn dein geschlck. Mknuissojidie kinderjnlirp; 
welche rasche Bewegung, welch wildes kriegsgetümmcl im 
ersten chore der Griechen (in Glucks Iphigenie in Aults). er- 
innerungen 2, »jl. t/i. 5, 2272 ; die ländliche musc . . blieb in 
den öden moorgegenden von Flandern, wie an den malerischen 
gestaden der Seine, in den friedlichen hirlenthälern der 
Hhäliscben aipcn, und zuletzt auch im heergetümmei des 
krieges, seine unzertrennliche gefahrtin. 9; scblachtgetUmmel 
vgl. th. 9, 247 ; 

so bald wir Achaier 
gegen die reisigen Troias' das scharre trefTen beginnen, 
wirst du sehn, so du willst, und solcher dinge dann achtest, 
wie Telemachos vaier sich mitten ins vordergeiiimmel 
Troischer reisigen stürzt. Borger (llias 4,355) 3,402 (1797); 

wann wir Achaier 
gegen die reisigen Troer die wuth des Ares erregen; 
wirst du schaun, so du willst, und solcherlei dinge dich 

kümmern, 
auch Telemachos vater, gemi;^cht in das Tordergetümmel 
Troischer reisigen dort Voss lUnt 4,356. 
5) freudengetümmei Ih. 4, i, sp. 149; 
aus raoor, 
gewimmel 
und Schimmel 
hervor 
dringt, chor, 
dein binimel 
getümmcl 

ins ohr. Voss hlingsonafe (verm. gpti. 16); 
donnergetümmel th. 2, sp. 1244; mordgetümmcl th. 6 sp. 2545. 
y) präposilionalverbindungen. 

1)) es erhebt sich wider ein grosz getümmel von schieszen, 
werffen, schlagen und schreien. Ailüeb (kaiser Olle) 451 Keller ; 
bald darnach wurd ein getümmel gehört von spieszen, 
Schwertern und andern Instrumenten, dasz in dunclite, man 
wolle dasz hausz mit stürmen einnemmen. historia von d. 
Fausten Spies 1587, neudr. 22. 

2)) den glockenklang, und was heur der guckgauch sang, 
das plo vom bimmel, und desz bösen gelts schimmel, von 
der prucken das getümmel. FiscuAitT Garg. 305 neudr. vgl. 
sp. 4571 im osterspiel; das gcdümmel im hausz. newe zeitung 
(1605) Adrian miltheil. ä9l ; 

nun stürzen sich ins beer der Streiter 
auf rossen: weisz, rot, schwarz und Tahl, 
die vier apokalyptischen reiter, 
und das getümmel wächst im tha). 

Lenau {Savaniirola) 2, 239. 
d) Verbindung mit verbis. der schon beim absoluten gebrauch 
des Substantivs beobachtete kreis von verbis erweitert sich beim 
relativen vor allem nach der seile engerer begriffsbestimmung. 
neben einzelnen verbis, die die umfassende bedeutung des Substan- 
tivs charakteristisch zur geltung bringen, zeigen sich solche, die 
die Verengerung des bedeulungsgehaltes deutlich hervortreten lassen, 
a) i)) am selbigen tag wirdt ain grosz getümmel des 
harren under in. Eck Sacharja 14, 13, vgl. auch sp. 4583 ; ist 
ein grosser lermen und getümmel entstanden. Kirchhof 
wendunmut 1, 531 Österley. vgl. Eck 1. Sam. 14, 19. 

2)) der entsetzte sich vor dem grausamen getöne und 
der groszen menge und getümmel, das sie mit dem harnisch 
und eisen machten. Luther l. Afocc. 6, 41 (vor der stimm 
ir menig vnd von dem gang der schar vnd von dem zu ein- 
ander ruren daz harnasch. Egcestevn); sie werden ein ge- 
tümmel machen wie ein herd in ihrem schaaffstall. Piscatob 
(1610) Micha 2, 12 (wie eine herd in seine hurten, das es 
von menschen dönen sol. Luther, ähnlich Dietgnberger, 
lumuUuabuntur a multäudine hominum); 

erwacht der strenge feiud, da bleibt nichts unversehret, 
gar kein gesetze gilt, kein recht wird mehr gehöret, 
weil Waffen und gewehr zu viel getümmel macht. 

Opitz, vjl. STgiNoAca 2,881. 
3)) sie werden ain grosz getümmel haben, vor vile der 
menschen. Eck Micha 2, 12. 

4)) wird der herr ein grosz getümmel unter in anrichten. 
LüTHEH Sacharja 14,13; des . . . mit paucken und hörnern 
verübten getümmel. LouiiNSTEiN, vgl. sp. 45sl. 



5)) ich fülirt ein solch getümmel. Rist Parnasz 449. 

ß) 1)) a)) das getümmel . . häuft sich nach der mitte zu. 
GöTBE vgl. sp. 4578; und so wogte das getümmel hin und her, 
so dasz am selbigen tage der beste theil der einwohnet, so 
viele deren in der Stadt waren, erschlagen wurden. EictiBN- 
DORFF Lucanor 170. 

b)) das getümmel des hafens verstummt, sp. 4586; verhallt, 
verklingt, ebendort; seine innere unrube wurde besänftigt, 
das kriegerische gelümmel verlor sich und es blieb nur eine 
klare bilderreiche Sehnsucht zurück. Novalis Heinrich von 
Ofterdingen l'", 71. 

c}) um welche das unselige getümmel sich wälzt und 
wirrt. F. H. Jacobi 5, 44. 

2)) a)) grosz getümmel hören, sp. 4683; getümmel stillen. 
ebendort. 

b)) grosz getümmel sehen, sp. 4583. 

GETÜMMELICH, veraltete adjectivableitung vom vorigen: grosz 
gctümlich tumuUuosus Dasypodiüs R 2". 

GETÜMMELMÜDE, adjectiv, vereinzelte Zusammensetzung, 
die Campe 4, 681 aus Kosegarten belegt: 

süsze, störungsfreie ruh 
lächelt dem getümmelmüden 
in der eintracht arme zu. 

GETÜMMELREICH, adjectiv, ebenfalls von Campe (2,331) 
aus Kosegahten 6«jc&rflc/i(; Tliames getümmelreiche gestade. 

GETÜMMELVOLL, adjectiv: aber es war bereits nacht, 
als wir in dem getümmelvollen gasthofe von den pferden 
stiegen, und kaum lag, als wir uns auch schon wieder davon 
machten. Matthisson (erinnerungen 17) 4,30; ruderten wir 
. . wieder nach Komo, wo vom getümmelvollen marklplulze 
muntre volksgesänge, begleitet von der pansdöte und dem 
tamburin uns entgcgenschallten. 52. 

GETÜMMER, GETUMMERE, mitteldeutsche Variante zu ge- 
tümmel, vgl. sp 4571 und 4576. mhd. u)b. 3, 128*. Lexer 1, 95u, 
nachtrug 205. die form ist im norden und süden des miltel- 
deutschen gebietes belegt unrf bringt sowol die allgemeinen be- 
deutungen zum ausdrnck, die für getümmel zu beobachten waren, 
als im besonderen die verengerte beziehung auf geräuschwirkungen. 

1) in demselben sumere 
ein niichil getumere 
hüb kein I'olönen sich. 

der marschalc brüder Diiherich 

vm Aldenburc ziisamne lüt 

eines michlen heris lüt. N. v. JeroscIiin 27710; 

und in sulchem uCflouftc hatte sich der eine Medici in der 
sacristen also verborgen . . bisz so lange das gethummere unnd 
ufTloufft usz der kirclien komen was. K. Stolle thüringisch, 
Erfurt, chron. {litt. ver. 32) 140. 

2) du wart in der seibin nacht 
wol in dem crslin slummere 
ein s6 grüwlich gedummere 
vornumin obin in der hift, 
recht als allir winde lult 
sich zusamen trüge 

und ein dunre sluge. N. v. Jeroschin 24781; 

nu sasz ein heiliger man in dem frenckischen walde unde 
horte das getummer von den geisten (den teufein), düringische 
Chronik des Johann Rothe 217 Liliencron; 

do hub sich grosz getrummer 
und fiendiich getiimmer 
gein demselben frumen man, 

dasz ichs nit gar geschriben kan. vom Würzburger slddtekrieg 
(1397—1400) 246, lAliencron 1, 168 (nr. 40); 

notandum. man empfeeht sin gnade darumb zum dritten 
male in der herberge, wand vor den trompeten, bosanen 
und anderm getommer man solichs im felde oder an der 
porten nach notdorfft nit getun oder geboren mag. Ordnung 
für den empfang könig Friedrichs (1442) Frankfurts reichs- 
correspondenz 2, 40 Janssen. 

GETÜNCHT, parlicipiales adjectiv zu tünchen (s. d.). schon 
die althochdeutschen glossen zeigen die attributive Verwendung 
des partitips, von der die isolierung der verbalform ausgeht, und 
zwar treten sclion hier die beiden grundformen einander gegen- 
über: gitunichotan. Steinmeyer und Sievers 1,673 als glosse 
zu Arnos 7, 7 (super murum litum, der herr stund auff einer 
klaibte inaur. Eck, bei Luther andere fassung; auff einer J 
beworffen maur. üiETGNBERGER)und giluncboto flösse zu /er^mias >] 
12,9 atiis tincta (vor. gimaler). SrEiNiMEVER tind Sievers 1,629 *" 
(mein erbe ist wie der sprincklicht vogel, umb welchen sich 
<iie vogel samlen. Lutheu; gspräckleter vogel. Eck; manig- 
ferbiger vogel. Dietenuebggr). 



4589 



GETCNCIIT 



1) du erste der beiden ferbindungen itl üui LoTRia Mannt, 
der iie in sinnlicher grundbedeutung und in üb*rlrafuiig geirauthl. 

n) in sinnlicher grundbeätulung : dos voick btwrl die wand, 
•0 tQncben lie dieselben mit loiem kaick . . aihe ao wird 
die wund einfüllen, wus giltt, denn wird man lu euch tagen, 
wu itt nu dus getOncble, dut jr getüncht babt. //«. 19, II 
(wo Ist die bealreicbe, die jr kluibt habt. Kci; wo ist nu 
der tnOrleil, mit dem jr gewurffen bnbt. DiiTanaBsoiR); eben 
siir selbigen Htumle giengen erfur Unger, ola einer menscben- 
hiiiid, die srhrirben gegen d«m leucbler ober, nulT die ge- 
tünchte wand in dem kOnlglirhcn s:ia!, und der kOnIg tvnrd 
gewiir der band die d.i schreib. Lutbch Dan. b, 5. ebenso 
DiBTKNBiR(.KR (flucbc Wand. KcK. pRTRi im Batirr nachdruck 
von \f>1\ führt getünchte wand im vertciehnis der iinversldnd- 
lichen Wörter auf und übeisctit es mit ^-eweis^te, bekicibte. 
FaoMHANN 0,4:); gelünchle wund. Coavmus 133; getünchte 
Sachen an den »enden crustae. -ar,; eine getünchte wand, 
HR« paroi bknchie Schwa^i (178.2) '140; da der ruth Meifrnstein 
in Ciiserla hei ihm wnr, so machte llackert einige versuche 
k l'encaiiHti(|iie; sutvuhl iiiif feine pnppendcckel als auf holz, 
und auch auf getünchte mauer, oder auf grosze taToiczze, 
die er tünchen liesi, da>z sie also wie eine iiiauer waren. 
(inTHK {llaekert) 37,288; um nun auch den h()hern kunst- 
»inn zu befriedigen, so hatle man schon, und wahrschein- 
lich in besundeien werkst.'ttten, sieb auf die fcrtigung kleinerer 
bilder gelegt, die, auf gctünchle kalklafeln gemahlt, in die 
weite getünchte wund eingelaasen, und durch ein geschicktes 
lustreicheo, mit derselben vOllii; ins gleiche gebracht werden 
konnten. GOtbi {Zahns omamente und gemdhlde aus Pompeji] 
44, 148. vgl. abgetünchle wand un(«r abtOncben th. l, tp. Mb. 

b) in übertragener bedeulung: der boliepriester aber Annnius 
befalh denen die umb jn stunden, das sie jn auffs maul 
schlügen, da sprach Paulus zu jui, f^oH wird dich scblahen, 
du getünchte wand. Ldtiikr aposlelgeseh. '23, 3 {paries incrustala, 
tolx» Ktxoviaftt*>t ; got niderslach dich du geweiste want. 
cod. Teplensis; du Tergleiszte wand. Eck, ebenso iliKrtNaERCKK). 
die anschauung, auf der dies« Übertragung beruht, geht noch 
deutlicher aus einer anderen liibelstelle hervor, in der Lutbrr 
das particip ültertiincht gebraucht: jr beuchler, die jr gleicii 
seid wie die übertünchte greber, welch auswendig hQhscb 
scheinen, aber inwendig sind sie voller totenbein, und alles 
unllats. AfuUA. '23, 27. hier knüpft der gebrauch bei Kiopstock 
an, der wiederum auf die spdtereft Schriftsteller von einßuss war : 

ich will niclii «hrr rtihii, alu bis ileiii liatser ciwiirgt Ist! 

als bis Ich von de« NaxarAeis vergossenem blute 

volle htiode xuui hohen aliar der dankenden bringe, 

und sie Qht>r mein liaupt, das Innge schon grau war, erhebe! 

al^o sagl' er, und leurifl »Ich an lu wAhnen, die goitheit 

decke geiönchie grtber nicht auf; doch nannte :iein beri ihn 

heucbler! Klopstock Mes$in§ 4, 173; 

tollen vielleicht dem eroberer nur Schandmale den lauten 

nuinen ewigen'/ niclit dein hochverrAtber der raeaschhelt,; 

iiirht dem sclieusal, dem heiichler auch, so der rreilieli opfernd, 

keueniiinrnssoltn l'reie würgt'/ 

iioin, so w&hirt ihr nicht, vergesset eh die eroborer, 

^ils da.>s Ihr nicht der rreiheit getünchte vergölierer hinstellt, 

wie sie waren, rfi/s denkmal '1, 170; 

indem er {der inquititor) zu dem getünchten Philipp sagte: 
ich weisz es, ich weisz es, was schuld ist, dasz die empörer 
nicht sind gedtimpft worden! die grosze geiindigkeit dea 
Alba itt schuld, gelehrtenrep. {werk« 13, 957); 

im stldtchen giobt es des jubeis viel, 
da hallen sie hochielt mit laut und mit spiel, 
dem rrohllcbeo blinkt der welo so roih, 
die braut nur gleicht dem gciOnchten tod. 

CHtaisto der spietmann; 
die kirche ist treulos geworden, 
denn ohne rOhrer, ohne licht, 
ll'-it sie verwildern ihre horden, 
entgegentaiimelc dem gericht. 
der klerus möchte gerne bannen 
den strahl des bimmels von der weit, 
er möchte um die erde spannen 
sein ichwarx getünchtes lügenieiu 

LiNAD ($a*anaro(«) 3,229. 

3) an getüncht, linclus knüpft an: 

wl(<? was? was willst du? Tlhrt 

der mohr ihn schnaubend an. 

ein kericheii mit geiOnchtan wangen, 

ein ding von marcipan, 

kommt und brgebri 

ich soll den laum ihm iangea? 

waoa ward so was erhört. 

WuLARB {,ä«t maulUiitn sann) 18,337; 



GETUimiGKEiT— GKTI'Rne^ 

Poaaitlaii füiirt mit rMt«B äuitk 41« wellen. 
••In dreliack nacbi dl« relMnkfttias k«k«a. 
•apor tick lat«ln a«t der tief« ' 
und 



4590 



«tmmen blnigetAncliu dl« Makl «fMI«. 

W. *. llean«t»T ««wtf* lAwÄWcn) Ut. 

GKTUNTZKAKIT, f., wkd «nn Rö«»iA«-BciToarr M fv 
ltueopU*tmMta iUeithmaimtnäU) ffftfürt. ti med mtl n 
eine tubstanlithüdmnf tu danil« :• iral#« w» t«r|i dsM 
lrttct>ii, gedunsen Scihbllm t*,»M. «fL dfsntem mtmmtmrtf 
aufuhwelUn theü 1, tu«, /tr ge4MBt«abtit (ttwrfarl) ikii 
ttVerdinQS knne «hnUtlun ht4«timfn btltfL 

(•KTCI'KKL, n, rerhaUubfUnU» tm lOpfela (t <.): in |». 
tüpfel le pointillage Scnwin (t7^) 140: « ^ntUmf, fkMag, 
stippling, ilolring Ksai« 11902) MS. 

UETÜl'KtLT, part,n,4aUs UietU» us tüfW*. /H 
grtüpITIet guttotus, nelatus MAtLtt l«|*s giJlf^, 
d« pointt RiBiti5i 390*; letApfell, fwtäi tifuht lioaca (iltf) 
170; es waren ibror ao viele |«woat«, 4a«iaM «IM aaai». 
lung in ein kabinet davoa blit« machen kaasM, mIImi, mkt, 
weitzgraue, . . bunte, gotOpfelte, getlrielMll«, flmmmii0§tf 
kurz Schmetterlinge von aiien färbe« ni mimh Wmutt 
{don Sylvia I, 3. cap. 8) II, 21«. vff. (CtSpfdl vtd fMpft C 
unten. 

GETUPKT, GETUPFT, partieipiaUs adjetU» m lapto (a. A); 
getupfter brucbstein, moüon ^hentM Scanran (im) i«; |^ 
tupft, pricked, tfMed, pxnktd Kaiai (IM») MS; |«ttf>>. |»> 
tüpfelte, die kleinen tOpfel oder flecken vil 
U mouehetute Scawaii (Uli) 43t; felupflM 
Karharsch 1409. 

GETOPPKLT, GETIPPELT, mUlHd»tl»«k$»m4\ 
nebenform zu getüpfelt: getüppell, |maf«ffMii, pmmutikial; 
puiiuUalo Castelli (1700) 190; gelippott fi4»t. imtM tkilm 
sprenklichl. Kaf <iiTz 18, 1 ; getippelt, gelUpfrll, tdpfelif, ptak* 
tiert, fleckig. Faisrnaika 1,232; mit einer wri«ira lefbftlif- 
pelten piqu6wesle. ScntOivBACt onpnaU [Hrttlau 1^53) 1, m. 

GETOKMEL, n., prrfrd/juklanli* im dOraeln, lOrmels. syt 
th. 2, 1733, vgl »uch getrümmel sp. VM und {«•■MMlif.^ltf..* 
dan da sind {der ^Ram-bienen') vil, di« b«l Mckl all öiai 
gctürmel nii(T .stehn, die achwirmen und ••aten j« eümm 
den andern zu. FiscHAar bitnenkmb (1&A6) 240*; aock tHvaib« 
ich es mitten vnder den feinden, mitten vader de« f«te4- 
^eeligen wafTen, mitten vnder dem gctürmel vnd 
der kriegsgurglen, hei welchen weder maaz aocb of4i 
iat; sondern alle« uberzwercb verirret und verwirrrl. 
aosrn tntomnü cura parenlum neudnuk s. 12. 

GETORRF.iN, vtrb., wagtn, amier«, itt mvrt ai««s im la- 
s^mmen/iany« mit dem einfachen turren Is. d., ff(. |«4orr«« 
th. }, sp. 17 13 /f.) betrachtet merif. emet lAaii k»t dit fNßfket« 
form die iUer« gttehickte, ind«m $i« «lleit in <iit »nkHääimladM 
zeit xurüdsreidU und in der goHschen bibel ihr« pnrnfirlea ßmdit; 
andererseits litgen in den jimgertn ferrendungm des t in fMk t m 
turren vielfach die UltUn idi«k$»le des ttrbumi Me rkawf l ftr. 
denn die ganu gnpp« itr fM «Mtmi itaMi eskfimilfk* 
einst reichlich rerieendilnt eMe iftmyn i rrMl nvimiit ea/ ia f e 
unterer neuen sprach« h«reim und ttitit md drm \'.. fakrkmmifH 
bis auf mundartliche rrtU aus {vgL auth unttm gelartt, fttaratii, 
geturstigkeit u a). das abätrbtn dmtr beUwm§tm' Um ädk 
namentlich in denjenigen ttxlen rtrftlftn, dk fa iftitnm ntfa^ 
(ionfn dtt(/er«n;en erfahrtn k»b«n, oitr dn, wie dte MM, ■§•»> 
schitdenen ttrsionen etntn ftUurtn tttlmum umf 



in das Melun/eniitd §rmft dna /tm /i ttrbwm «m, iM Ar «i/Up 
reichsU nebenbnkltr aaarrci verln Mrtfm adlta^ Ar •■ aadk- 
haltigstin su tttacr atrMnfaaf fcfMhiy, dtKca: 

lüsent stan itit ttrli« getatvaa niaaet um» 
>nnArtn/t A. L>«aki 

unt endarrcD ander tüaeal all aMUa ■!■■» ht 
»in<iiMJIC iUrm 
mit dürfen steht mnttr verf, aataWti «pra itr 
dental aü medsm eradMal, te in mtäukm | it | lii rtr i. ImI- 
Uchen und f«rmMm mtfnähtkmft mU p ia il iiily i t i ai «t« 
tt mit dttttm itu m n kt tt im «■■ii r ili to ** i f l«^ ■■' 
plmral itt «aacMaearfM yriam«.* tatt, <ar. Mrfn (iariiaK 
durrwi. aec» arter lii f ia ikk üt fimtm im 
ptMUrtkm»: inttU, darHaw Mt iii M i l l t I I iH iI k 
n k iit A a h el f y a rtt *n*«a Aae frnmn §mm <■ 1 
idkia Immn^ ü» «ktrieuittktm fai fc a eer 
irapWtdk, m f«r «0«» m itm Jbmkt^rm itr Amfdm t m 
in B. Znt : alao wsa der Siraat« selb driU aa4 «■ ft»- 
wichl ge(or»l«o Ira bOaeo willen aod ir potM^ ■■ •••• 
pringen and gicDgea 



4591 



GETURREN I 



GETÜRREN 1 



4592 



sehrifl B lorfften aufweist, deutsche städtechroniken 5, 316 u. a. 
genau dasi<:lbe findet in den handschriften und drucken der 
prosabearbeitungen älterer dichtungen und in den Volksbüchern 
statt vgl. Tristrant und Isalde bei Pfaff, die Haimonskinder bei 
Bachmann u. a. neben dieser äuszeren Übereinstimmung geht die 
weit wichtigere innere her, indem unser leilnmt in beslimmten 
Verwendungen dieselbe bedeutung gewinnt, die sich an dürfen 
in der mittelhochdeutschen zeit entwickelte, aus diesem gründe 
greift vor allem in der bibelübersetzung (vijl. sp. 4593 ff.) das nahe 
liegende dürfen in die stellen ein, in denen LuTHtR noch «n- 
bedenklich das veraltende tiiiren gebraucht hatte (vgl. oben th. 2, 
sp. 1744). die Umwandlung wird mit solcher consequenz durch- 
geführt, dasz auch die stellen, in denen turren ganz abweichende 
bedeutung entfaltet, ergriffen werden, so dasz der sinn völlig ent- 
stellt wird, vgl. sp, 4693. 

I. erstes auftreten, Verbreitung und absterben, formen. 

l) a) wie erwähnt, gehört die präßgierte form schon zu den 
lieblingsverwendungen der gotischen bibel {über die anderen ger- 
manischen verwandten und über die begriffsbeslimmung des wortes 
vgl. Ih. 2, sp. ilii): gadars hvas izvaia, vij)ra an|)urana slaiia 
habands, stojan fram invandaim jah ni fram veibaira. Ulfii-as 
1. Corinth. ü, 1 ; tar eur kainer babenl ain gescbeft wider den 
andern ze werden geiirtailt bei den ungengen und, iiit bei 
den heiligen, codex Teplensis; gelar Augsburger bibel von 14S7 
vgl. sp. 4593; erkübnt sich jemand unter euch. Beitz; e 
in izai gadaursjau, sve skuljau rodjan. ülmlas £'pAes. 6, 20; 
daz ich lurre gercilen, als es mir gezimt. cod. Teplensis; auff 
das ich darinnen freidig bandeln möge und reden wie sicbs 
gebürt. Luther, ähnlich noch häufig bei Ui.filas. vgl. auch sp. 4593. 

b) in der althochdeutschen periode, für die, wie oben hervor- 
gehoben worden, die präfigierlen formen ohne concurrenz stehen, 
flieszen die belege überaus reichlich, der gebrauch des Wortes ist 
bis in bestimmte einzelheiten ausgebildet. 

a) audet, catar. Hrobanisch-Keronische sippe der glossen 
Steinmeykr-Sievers 1, 24. 25. ebenso in den glossen zu Veryils 
Aeneis 8, 364 {aude hospes, contemnere opes; wag' o gast zu 
verachten das gut. Voss) glturris Stbinmeyeii-Sievkrs2, 602 u.a. 

ß) in der litteratur dieser epoche, in der unser verbum stets 
in der rolk eines hilfsverbums erscheint, stehen sich schon die 
beiden hauptverwendungen gegenüber, die beim gebrauch des Wortes 
auseinander zu halten sind, die positive Verwendung und die 
Verbindung mit negierten bestimmungen. 

l)) o)) er thu iiia mi giwisaii roohtis, 

frö min, ef ik tbik frngon gidorsii, ef thu inn hier an 

theson Tclise ginämis, 
wisi ina mi mid worden thinon. Ilcliandb92'i Iteliayhel; 

gidar ih löbon in an fram; er was sülih, so ez gizäm 
er was in sitin fruater joh beilig inti güater. 

Otfrid 1, 8, 9. ebenso 3, 7, 25; 
oba ili irbalden es gidär, ni scal ib firläzan iz oub äl, 
nub ih io bi iwib gerno ginada sina fergo. 

Otfrid an bischof Salomo 33. 

b)) daz leidet mih. daz ih dir änasehentemn sus ketörsta 
gelüon. NoTKRR zu psalm 50,J6. Haltenier 2, 17s', ebenso 438'; daz 
sie näh dincmo geböte mulua caritate sibi invicem cohäreant . . 
unte sie dine passionem wole geturren bilidan mit effusione 
sui sanguinis Wii.liram paraphrase des hohen liedes 132, 12 
Seem aller. 

2)) ni was iro so sikur enig, 

tbat he bi tbemu worde tbcniu wiCe gedorsti 
Sien an werpen. HelianU 3876 licltagliel; 
antsuok tbero manno gebuilic, 
wurdun alle an forbiun, Trägon ne gidorstun, 
ei' tban thö geböknide, barwiritig gumo 
Simon Petrus— ne gidorsie il selbo sprekan- 
te Jolianne tbemu gödon : he was tbemu godes barne 
an thcm dagun tbcgno lioliost 
. . began ina thö l'rägon. 4596//'.; 
wanta tbar saz, tbageta Petrus, so ib nu sngeta; 
oi gidörster spreelian lüto hcrosto tbcro drüto. 
Oifrib 4, 12,34. ebenso 3,14,46. dayt. 4,17,30; 

inli nioman ni gidorsla tbero sizzentero fragen inan : wer 
liislu? westun ihaz iz trohtin was. et nemo audebat discum- 
bentium interrogare. Tatian 237,4; und niniant totste en vregin. 
Beheims evangelienbuch Joh. 21, 12. ebenso codex Teplensis, Augs- 
burger bibel von 1487 und Eck ; niemand aber unter den Jüngern 
thurste jn fragen, wer bistu? Luther; niemand aber ur.nder 
den Jüngern dorfft jn fragen. Diütenberger ; durfte in den 
heutigen bibelausgaben, — kdoie ncgetiirren ftf erburren iro houbet. 
crbn'itle f(Sne minßn freison. jacere bonos prostratos tcrrore. 
IVotker Boeth. Hattemtr 3, 36'. 



y) an die eben gekennzeichneten hauptverwendungen knüpft die 
bedeutungsentwicklung in der weise an, dasz die volle grund- 
bedeutung in einzelnen formen derselben mehr festgehalten wird, 
in anderen sich rascher verflüchtigt, die ältere periode zeigt von 
dieser bewegung erst ansalze, der Heliand z. b. liebt gerade die 
negativen Verbindungen, die später in der verblassung der grund- 
bedeutnng bis zur rein foimelhaflen Verwendung fortschreiten, 
und er legt in diesen noch die ganze sinnliche frische der ur- 
sprünglichen bedeutung blosz: 

Judas . . that silubar warp 

an tbena alah innan — ne gidorste it egan leng — 
för imu thö so an Torhlun. 5lü2 Beliugliel; 
nl wolda im opaiilico allon cüdian 
.Tudeo liudeon, tbat liie was god seltio; 

bwand wissin sia tbat te wäron, tbat iiie sulica giwald batidi 
otiar theson middilgard, tbann wurdi im iro mucdsetio 
giblödit an Iro brioston; tbann ne gidorstin sia tbatbarn gode^ 
bandon antbrinan, 5398. 

dagegen macht sich die abschwächung der grundbedeutung hier 
schon bei Otfrid vnd noch mehr bei ISotrer geltend: 

sie sint filu redie sili Hunton zirrettine; 

ni gidtirrun sies biginnan (iliejeintie), sie {die franken) eigun 
se ubarwfinnan. Otfrid I, 1,76; 
so chi'int ward in min resurrectio (urstendida). daz sie iro 
neheinen lofigon getorston haben. Notker au psalm 3, 8. 
llatlemer 2, 29'. 

S) eine andere erscheinung dagegen setzt noch früher ein. 
aus dem Zusammenhang entwickelt sich für unser verbum in 
bestimmten fällen eine bedeiilung , in der es sich mit den 
hilfseerben berührt, im Vordergrund steht hier die annäherung an 
die gebrauchsformen von dürfen, diese wird für die positive Ver- 
wendung unseres verbs durch die hypothetische form [vgl. ß), I)), 
o))J begünstigt, noch näher liegt sie bei der Verbindung mit 
negierten bestimmungen, wenn sich dem wagemute des handeln- 
den subjectes gesetzliche bestimmungen oder der wille eines fremden 
subjecles in den weg stellen, hierher gehört schon ein beispicl 
aus dem Heliand, indem als Variante das hilfsverb niuszin steht, 
dem für die ältere zeit die bedeulungen zukommen, die wir lieute 
mit dürfen verbinden: 

sie ni niabtun an tbemu dage linden 
s6 wred gewitscepi, tbat sie imu witi betbiu 
adelien gidorstin eftha död frumraien, Heliand 5069 Bchayhel 
(nach lii'.m Cottonianus; varianle des Monacensis mostin); 

der aimo chit. wanda ih nieht ne habeta bcdift slal ih. 
der ricbo roftbot. unde ne wile daz is sär ieman geliirre 
gewänen. Notker zu psalm 72 Uatlemer 2, 253'; nieman 
negetär in sldhen unz ir ne weilen, zu psalm 81 ebenda 295'. 

c) in der mittelhochdeutschen zeit stehen sich zum ersten male 
die beiden formen giturren und das im angelsächsischen und 
friesischen herrschende turren gegenüber, allerdings in der weise, 
dasz die präßgierte form anfangs noch überwiegt, vgl. mhd. wb. 
3,15*. Lexer 1,951. 2, 15s6. bedeulungsdiffenzierungen lassen 
sich mit dem Wechsel zwischen beiden formen nicht verbinden, 
eher sind mundartliche und stilistische bcobachtungen damit in 
beziehung zu setzen, vor allem scheint, dasz die einfache form 
als alleinherrschende nur bei späteren schiiftstellern zu beobachten 
ist, die der mundartlichen sprachfärbung nahe stehen oder in 
prosa schreiben, die präfigierte form als alleinhenschend gehört 
den älteren dichtem und dem strengeren Stile der poesie an. bei 
Walther haUen sich beide formen die wage, bei Wolfram steht 
die präfigierte im Vordergründe, für Gottfriku v. STRAszBURfi 
erscheint sie als die herrschende, bei Haiitmann v. Ave scheinen 
sich einzelne werke mit dem alleinigen gebrauch der einen oder 
der anderen form gegenüberzustehen; doch wäre es nur auf 
grund eingehender Untersuchungen des handschriftlichen apparates 
möglich, hier entscheidunyen zu treffen, dies gilt namentlich auch 
für das Nibelungenlied. 

d) mit den anfangen der neuhochdeutschen periode ist der 
hühepuvkl der Verbreitung und bedeutungsentwicklung überschritten, 
es handelt sich hier nur noch um den letzten kämpf mit den 
neueindringenden concurrenzformen. 

2) das absterben des verbums, die präfigierte form schwindet 
rascher aus unserer spräche, weil sie der Schriftsprache solcher 
gegenden angehört, die mit dem 16. Jahrhundert ihren beherrschen- 
den einflusz auf die gemeine spräche verlieren, das einfache 
turren, das von den mitteldeutschen Schriftstellern eingebürgert wird 
und in oberdeutschen denkmälern die mundartliche färbung der 
spräche verrät, hält sich länger und reicht in mundartlichen resten 
noch bis in die heutige zeit, die haujilfactoren, die den ganzen 
stamm mit seinen abkitungen zurücktreten lieszen, sind abgesehen 



4593 



GETÜKREN I 



GETÜBBeil I 



4M4 



äaton, iat* der ganu tHtwieklungsgang in itr dUenm ptrioät 
schon vollitändigcn abschluis gt(unitn hat, du lynunyma, du für 
die liauptveiwtndungen btitit litgtn: dai lauUtch to nah* tUlunJt 
dürfen, uml für den noch übrtgtn Iheil des bcdtulung$gehalUM 
du* neu au/kummende ticli getrauen, tgl. $p. ttS'J. 

'<) Kl der btbeläbertttiuny $(>u-geU sich dat yetagU dtulluh 
Kteder. tu beiiuchl kommt hier das n<ur tetlament. denn in 
den luhlreiclien tUllfn dti alten Itttamenlet, in dfuin Luruk« 
das verbum tiirren verwendet {vgl, oben tkeil 7, $p. \:n), folgt 
die vurluUieruche biLel der laieinitchen vorläge und führt mo^en 
für pume «in; duz keiner mag redea i& iui. Kcgk<tet.'« und 
Kouuicea l. Ä'am. °ii, il; dem iiiemsDd etwas sagen thur. LuTHm 
und 10 6fl4n. ßr das n«v< leilument stehen sich nun sunächst 
die prdßgierte form und das einfache turreu gegenüber, das 
Ulslere herrsdit illem vor in ÜKakiM» evanj/elirnbucJi, im codex 
Teplensii und bei LuTUhH. es überwiegt in der Stiasiburgcr bibel 
des KcciitTKiN und erscheint verennrU in der Nürnbeiger btbel 
d'i kuHuicKi. das volle geturren biUel bn KuBUHUita und 
ebenso noch in der Augsfurger hibel vun I4S7 du- legel und hdll 
sich am längsten in der Schweizer bibeL die katholische btbel nach 
LuTHitn bevorsuyt in den ausgaben Ecks das l.ulhersche lurren, 
wdhreml sie in denjenigen Diktknikhcciih dürfen an die stelle seist, 
dieses jindet auch in die protestantische und in die refurmierte 
bibel etngang, bis Kkitz {ülfenbaeh I7u3) in solchen stellen, in 
denen der Widersinn xu deutlich wird, aicb erkühnen einsetit: 
und ibt^sus spracb ziicn: kiimit und inbizzet. und niuKinl 
turste en vregiii under den sitzenden: wer bistCi? wan si 
wliiten duz tz der berre vnu». tiiLUHiui evangflienbueh Joh. 'it, 12 
(rrseheinunj Christi nach der aiifeistehung: nemo audebal . . 
inteirogart); jab ainshun . . ni gadaursta ine frjibnan. Ulfilas; 
und keiner der siezenden trost in fragen, codex Tef,lensis; 
und keiner der sitzenden durst in fragen. Ecgkstey.n und 
KuHUHCük; niemund ;iber unter den Jüngern thur»te ja fragen. 
LuTBKi; tburste Eck; niinuud aber unuder den jungem 
durlTl jn fragen. DihTOBEactH ; ebenso bei Stade und 6(t 
fiscATua , desgUicJien in der holländischen übersetiung fon 
IttSl (durfde). eist iteirz (Offenbach 17U3) tetü dafür ein: 
aber keiner erkühnte sich, ihn zu cxaiii nieren. — und vurbaz 
tur.-ttia >i en iiicbtis nit geviegin. tituHiosevangelienb. Lucio, W ; 
und «i getursten in Ton des hin nit mer gefr;igeu. codex Tepl., 
Kgckstkts und Kobuhckh; und sie Ibursten in fürder nichts 
uiehr folgen. Luruha ; thorsten Kqi ; sie durUten in fürter nichts 
mehr fragen. ÜiaTKNBKHUKR. ebenso bei Staük und i'iscAToa; 
sie erkühnten .sich nicht mehr. KbiTZ; gelarr euer einer 
habend ein gescheOt wider den andern geurleilet ze werden 
bei den bösen. KuBuacKa 1. Cor. U, l. ebenso die Augsburger 
bibtl von 1487; tar Egcestetn und cod. Teplemis; wie ihar 
jemand unter euch, su er einen hundel bat mit einem andern, 
haddern fiir den unrechten und nicht für den heiligen. 
LuTMER. ebenso Eck; darf bei DiKrKNBKRcEa. Stade, i'isciiua: 
erkühnet sich jemand. Keiti. vgl data Rum.'o,' u.a. in manchen 
bibelslellen ist auch Luther sclion von der beihehaltung des alten 
veibums abgestanden; meist sind dies Verwendungen, in denen 
die grundbedeutunii besonders frisch und lebendig lum ausdrnck 
kam. daher Idsit stell aus den synonymen, die LuiUEa einsetit, eben 
jene ursprüngliche bedeutuiig erschliessen : daz ich lurre gereden, 
alz es mir gezimt. cod. Teplensis Ephes. 6, 2u: auff das iih 
daiiniien freidig handeln möge und reden, wie sichs gebort. 
Luther; kühnlicb handeln luAge. UiETE^BkRUEa und Eck; frei 
reden mOge. Tiscatur u. a.; Muyses verbarg sein antlutz, 
wann er getorsle nit sehen gegen dem herreo. KuauacEH 
3. Mos. 3, 6; er turst nit gesechrn gegen den herren. Ecuk- 
aTETN; denn er furchte sich gott an zu scbaHen. Lumea; 
dürft nit ansehen. Eck; ob die gerechtigkuil des ui teils wirl 
gesuchet, keiner getarr sagen zeugmsz für mich. KuauacEB 
/iio6 9, I»; kainer larr Eccebtetn ; wil man recht, wer »il 
mein zeuge sein. Lutheb; so darff nieinands für mich zeug- 
UU.SZ sagen. Eck; wer darff vor mich zeugnusz sagen. Hiktkn- 
laacER. 

ß) unter den Chronisten fällt in der Augsburger ehronik des 
B. /iNK {deutsche städUchron. i) der uuftrhiiltHitmästif reitkt 
gebrauch der prdliyierten form geturren dii^. dt< ibiigen Augs- 
burger Chronisten MOiica, Kia, SE^DKa, terwenden unser wort 
auch gelegentlich, dann jedoch gewöhnlich in der pri^xUsen 
foim Innen, dasselbe Idsit sich bei den Nürnbergens btiMektem; 
die mittel- und niederieulsehtn thronikeit schtinn wtdtr i*a eint 
noch das andere tii ti«6eii. 

y) um die Wimle des ib. jakrhunäerts tini es torrugend süd- 



we»tdtutuh$ dtnkmiltt, i« itnem |Maii«B a« Mnp«> M, m»m 
iteUt GaiLBa i. KBUeasBaac. mu itt Stkmnt, m itr 4** et*. 

f**ke lurrea mundttUsek smA Ami« meitttlM, mU »mä «« 
doj ende de$ lt. yiktkundeiU lUlefH»tk$ M^f« M/kMN^MS, 
to aut N. ManuKL (durrcu vgl. bei ^ ktM»). «• im mämtkttA- 
batrischen yrenu reieken im b m ftf ^ m» S. Ftasc« mAI M<f 
lAer den anfang de$ 16. jaMUnimU Aimm, «ad ebemt« m ftr 
Nürnberg nur aw U. Sacm nf$r$ wmttmiMf muä$ttmmn. ifi 
SciiMELLKa i*,»ta; im in Mmr, mäMk. Matf iM fMWIW aMM 
über dat I«. ;aArA«id«rl Aimw Mafia. irnttHrnkm ImIwiAI 
ßndet et sieh ntk Ite» tgL SoutWUU •.«.«. miHer im 
spätesten belege fkr grturren gekirm $tUk» m$ in U»mm—. 
ktndern. turren erseketmt ■•cA lai n. ftktkmmiert b«t S. Dtm. ayL 
oben Ihetl 7, 1744. 

d) die wirterbüeher nehwun mtsr MTiiaadl btamtmu Ma «Man« 
formen, die vocjbular» 9er:tiekntn IMttImeim iwnm afL Dm9M> 
BAcii-Wtu KkR Vsl. in uberdnlttlun jittrtJwwrfJMaw im lkji>r- 
hunderlt findet tick «inaial aiiiraiw, vir fßUtmi» 
BACH nov, gloit. 41. ebento tttkt m in tinmkmpr 
von i&iti: audei» gedoren. Iliiranaaca M*. #ia 
ifuynii liegt verborgen in Mrwraduiifr» »m dOrf«* aar; 
ich bin kühn, ich darffa underalebeo. Daairotioa C t. aft. i 
aud«r« dOrffeo Aei Kaiaioa (I7i«) M. ifiUr tU et i»e 
in ältere tchri/ten, die namentlith in arrAiadnnf nitf itr knmt- 
ntj mundattlicher nebenfoiwun die wdrterbuekttMreibrT rnil, 
dat räthtel zu lösen, dat tick im gtbrauck ron dOrfea tfarkaaM: 
he dOrsl dal mcb dehn , er darf das mtkt tku*. dsktr ia» 
hüchdeut'Cbe Ibürsliglich aiidartfr {geutsu 31, r>) tvti 4tnrig 
sein, dütatig liandeln, audenter agert (7. Cor. la, i. L). drr 
sälige Lutberus braucht in seinen scbnfleo gar oft tlur Itr 
darf, thursl oder durst für trotz und frevel {Je—*,%H: ai« 
thüren aicb nicht fürchten), und eben dieses ihar, oad Rsaar 
dören i«t das griechiacbe ^u^piif. RicaBi khtLHamhUfrwmt». 
SM difMn parallelen fügt Adblc5C, der (1, Itso) nur im fmm 
dürfen aneikennl, dat althoeinleuttcke gilarran, des A* MM 
ÜTraiD und aus UTTuKARt rnmcAroniA V'rtrtut uf. der ftkktl» 
SciiEBZ, der in den schitften des l j. und 16. jdtrkundfitt AMMadnl 
ist, stellt, namentltch fassend auf der tertttmlkhl mal Gauaa 
T. KEisERbBEBC die nebenfoimen dneratM (Oo) «ad diUrr« 
(Ut) auf, für die er bereits die paralleUm tut 4*% tkrifet firm»' 
nischen ipradien beibringt. 9<jl. dazu gctorrca, sscA getnmtn, 
dürfen bei Wauraf altdeult€k.,itpUm«t. wb. {IVT) tU tubem 
Gaians yrammafiA sind et in mtutrem jakrkuniett aar »thrm 
die mundartliehen wörterbücker, Ate dem tatkeeth^tt mnUr g*' 
klärt haben, düren, dOren, daran, dur^rn, ticA rrAnAn^n. Sfaiata 
(ISü«) l,iW; woltscb Oppis: so dlrat üppis, rWi«! d« Hms, 
so musU du auch etwas wagen, ebeniort; ich darf oi<bt, d. A. 
ich bin nicht so kühn. Toataa 14« (darf ist kttr nmr tk 
schriftform für das mundartlkk* tar «taffsrlal). mttten MfM* 
aut Khwabiscken, itterreiektstkn^ sWA—AAr fii aA r a nmi aiiJM- 
scAen idii>(ii«ri ttnd oAen Ikeü 1, tf. 1*13 da^raKrAI; i tflr aH, 
noit mi i ptrmeuo, a«a bij (ama « caala Scaaauu «mbAt. 

wb. 140. , 

3) die formen. 

a) die lautgestalt. 

a) der anlauUnde denUL im mtisu entkhml, wm im M*a« 
hei OTraiD tat gegens^z im anderen ^«rUra «laad, aiuk ^Mr 
namentlich la elsätsisckem deitkmiUtn, m kri ■•«MWVtS. 
r<lA<rad r.iosBNEB dM.raau r^meki; ietSgIntkn tm in iUofn 
Gregors. ftrnntfU fmiH ue nA 8mA An GcuBB t. KBiBta»- 
BBac, r;(. «Am sp. tMt. dir »ffirf ermkent bei GanM», tn 
LuTNBBS btbeUfrucken, AhS. FaA%a B*d H. Sacs«: im i 
den ckroniken basristkn «ad frinkmham anprvafs, lai i 
V. KBUEaaaiRC uad A<t Cioseab». 

ß) der slamm9oc*L der «Alaai grUr, |«tarrre, frlofBl« wiri 
durch autglekkmnfibetlrthtmgn imttbkrmi, dm hH i<m ••(- 
falUnden Aa« timn fNltnil t 9frimm M wkÜ Vkmt m ti 
kött 'luck d*t ti a ir i ifn itt iiws c a» / aa<la piar afc i 
den umVsutn in i*n ftuKtl in imiimim: ni ft 
recht braucban An Gbilbb. AAbIm-A A«i lftaica«ofT»: 
rrrAiAdrI sicA tmiftek rta ühnpttfr* in iem frH. 
focals in in plmrtl in frAtraj .• die gfldnaa Sit wyUr ipKkaa 
i.*i Call ■■. etttntm im in laiailir .- ndart« aatfm sai Dtessa* 



l>ri Gbilbb. ebnta in in imflatln: gvdaft« 
BAca 60*. rrTna:ra inngt auek ik 
itt präL la ia frimt: dArsUa, liraAra. 

v) dm meUttknk itr Uj mi», im Im 
arira awaaif^ai* Aclr«f M (rfL Ricni «. a. •. SfL 
MBitBBK ss iylaf » aa«. S, i:, 9) /•*»« a«/ ao ^ iAifca f md *• 



4595 



GETURREN II 



GETURREN II 



4596 



verbum sich.getrösten, das ja in der hedeulung verlrauen, koff- 
nung, Sicherheit gewinnen (v^I. oben sp. 4059) sich nahe mit 
unserem verbum berührt: getrost er mit seinem rechten dafür 
kommen, das sol er genieszen. Lori bergt. Scbmeller 1^,677. 

b) der gebrauch der verbalformen. 

a) die wenigst verwendeten formen sind die der 2. person : 
das du niemun gesagen . . getarst. G. v. Keisersberg chrisll. 
bilger 59'; geturt ir. B. Zink deutsche städtechronilien 5,412. 
der imperativ kommt überhaupt nicht vor. 

ß) die erste person erscheint im Singular gerne in der formel- 
haften Verwendung, die an die positive gebrauchsform anknüpft 
{s. unten). 

y) der hauptantheil der belege fällt auf die dritte person, 
und zwar entsprechend dem Stoffgebiet der erzählungslitteratur, 
das uns die meisten beispiele bewahrt hat, vorwiegend im Prä- 
teritum, die geistliche litteratur bietet mehr beispiele für getan. 

S) participia sind von unserem verbum nicht belegt, wenigstens 
kommen sie nur in der dem hVfseerb eigenen assimilation an 
den inßnitiv vor: er hat auch in nit türen ansehen. Tristrant 
und Isalde 29 Pfaff. der inßnitiv selbst wurde ebenfalls von 
der hauptverwendung unseres verbs nicht begünstigt; er erscheint 
gelegentlich substantiviert : 

kröne ob allen fursteii. mir lit hie tot gevellet, 
des menlich hoch getursten sich zu ritter nimmer mer 
geiellel. jüngerer Tilurel 5428 Hahn, 

IL bediutung und gebrauch. 

1) di* grundbedeulung, auf die sowol die germanischen als 
die indogermanischen parallelen hinweisen, ist: muth bähen. 
unser verbum unterscheidet sich jedoch von den verwandten seiner 
sippe wie: g«tniuen, getrost u. a. dadurch, dasz von vorn- 
herein eint tielbestimmung vorliegt, auf die sich die grundbe- 
deulung besieht und einschränkt, ganz ebenso wie das synonyme 
wagen erseheint geturren nur im relativen gebrauche und die 
wenigen älteren beispiele, in denen dies scheinbar nicht der fall 
ist, erklären sich aus ellipse: 

aldi wart under in beidan 

ein vil geiriulichiu ger: 

sia sach dar, und er sacb her. 

dar nach biet si schenken sän: 

getorste ii, dar wasre verlän. 

ez müete »\ delz niht beleip, 

wand ez die ritter ie vertreip, 

die gerne sprächen widr diu wip. Wolfram i'arz. 29, 10; 

'waz vveiilu\ sprach er, 'liebez kint, 

von wannen dise noten sint? 

kanstu ihles iht hier an?' 

'ja, schoener raeister' sprach Tristan, 

'ich haeto es hie vor meisterschart; 

nu hat ez aber so kleine kraft, 

daz ich vor lu niht engelar. 

GoTTFRiiD Tristan 3537 Beehstein; 
'ich kusie iuch, wxre ich kusses wert', 
'des het ich hiute sän gegert', 
sprach Parzirai 'getorst ich s^; 
wand ich bin iwors enpfähens vrd. Wolfram Par«. 306, 7. 

anderer art ist die ellipse eines verbums der bewegung bei Orts- 
bestimmungen wie X. b. : nun stuend es also, bisz man gen 
Nördilngen in die mesz soit füren, da getorsten die von 
Augspurg nit dahin, dann sie forchten den marschaik und 
die Onsorgen, darumb so pliben die von Augspurg ausz der 
mesz ; dann der Onsorg wartet zu allen zeiten auf der von 
Augspurg leib und guet. B. Zink d. slädtechroniken 5, 50. von 
diesen fällen abgesehen tritt das verbum nur in Verbindung mit 
infinitivis auf und es ist natürlich, dasz von der engeren oder 
lockereren art der Verbindung auch die Weiterentwicklung des verbums 
abhängt, in engerem Zusammenhang mit bestimmten verbis uird 
das verb in seinem bedeutungsgehalt von dem des inßuitivs be- 
einflustt, oder es verblaszt die intensität der l)edeutung, das verbum 
sinkt zum bloszen hilfsverb herab, da diese entwicklung ganz ver- 
schieden verläuft, je nachdem das verbum in positiver fassung 
oder durch negierende bestimmungen beeinfluszt auftritt, empßelilt 
es sich beide formen in der darstellung auseinander zu halten. 

2) dos verbum positiv fiefastt. 

a) lockere Verbindung mit dem inßnitiv; volle intensität der 
grundbedeulung. 

n) es bekundet sich der physische muth: 

iuwor engest ist ein teil ze grAz 
dar umbe daz ich sterben sei. 
deswär ir handslut ez niht woi 
mit iuwern grözen nieisierschart. 
ich bin ein wip und hdn die kralt: 
(returrent ich mich sntden, 
icb guiar ez woi erlideu. 

Hahthann v.AuK armer Heinrich 1129; 



ja ist der dinge vil geschehen; 
man hat des wunder gesehen, 
daz unrehtiu h&chvart 
mit kleiner kraft genidert wart: 
daz möhte ouch vil woi noch ergän, 
der ez gelörste besiän. 

Gottfried Tristan 6224 Bechstetn; 
daz ich von iu versmähet ie 
getorste werden sunder not, 
daz Wirt bi namen iuwer tot. 

Konrad v. Wdrzburg trojan. krieg 12063; 
Dacianus der vurste 

erschrac, daz er {ilcr heil. Georg) geturste 
tuvele nennen sine gote 
und also gar zu ges|)Ote 

mit Worten hienge sich daran, puss. 260, 10 Köpke; 
den vursten was uumazen zorn, 
daz dise mit vrier willekur 
aisus getorsten treten vur 
und von eime gote sagen, 
sie wurden grulich geslagcn 
mit knutteln und mit risen. 299,32; 

wan kaum sturb ymant umb den gerechten ; wan wer tar 
villicht sterben um den guten, cod. Teplensis Römer 5, 7 {vis 
enim pro justo quis morit: nam pro bono forsitan quis audeat 
morij. Augsb. bibel von I4S7 getur; nu stirbet kaum jemand 
umb des rechtes willen, umb etwas gutes willen thür^te 
vileicht jemand sterben. Luther; thörstEcK; dorffl. Dieten- 
r.ERGER und PiscATOR; für einen gutthätigen Unterstünde sich 
vielleicht noch jemand zu sterben. Heitz. 

ß) der moralische muth nimmt verschiedene formen an und 
unterliegt verschiedener beurtheilung. in unseren beispielen ist 
die rühmenswerte seile desselben spärlich bedacht, um so reich- 
licher flieszen die belege für solche Wendungen, in denen es zur 
aufiehnung gegen die geböte goltes, menschlicher sitte und ge- 
sellschaftlicher schicklichkeit sich umbildet. 
l)) a)) ie sult der rede .«in crlän. 

iwer lebn ist nutzer danne dez min, 

und möht ez ein wäge siu (wenn die aussichlen auf 
beiden seilen gleich wären) 

so torst ich iuch woi biten: 

ditz ist gar wider den siten 

daz ein kemphe dii man. Harthamn v. Auk iwf^tn 4325 
{iiiidi A. die übrigen handsckriflen liaben getorste); 

berre got, nu sende, 

ze schirmen ir, din erbarraecheit 

diu maniger sele ist bereit 1 

berre, geturre des lernen geren, 

so soitu si genaden weren 

daz si geniezze ir triuwel 

WiRMT V. Grafenbkrc Wigatois 8028. 

andere beispiele siehe unter den formelhaften ausgestaltungen. 

b) waer aber daz der herre den man irrete unde spraeche, 
er bete sin leben nicht gevordert als er ze rehte solle, 
getar der man danne bereden mit sinen zwain vingern, daz 
der berre ioan lundes niht waere do er ez vordem solle, 
oder er selbe inan lundes niht waere. Augsburger stadtbuch 
I8h, 26 Meyer; gitrost er mit seinem rechten dafür kommen, 
das sol er geniezen. Lobi bergr. 76. Schmei.leb l^, 677. 

2)) in übler nebenbedeutung. 

a)) übermuth gegen galt und göttliche einrichtungen : 

vil woi gelobter got, wie selten icb dich prise! 
Sit ich von dir beide wort hän unde wise, 
wie getar ich so gefrevein uuder dime rise? 

Waltuer 26,5 Lachmann; 
wir tun daz kunt allir der weilte daz nieman so frevelir 
oder so geturstic si der disi geschrift unserre gesezzede 
und unserre ordenunge getürri zerstorren oder getiirre frevel- 
lieben widersprechen, deutsche Franziscanerregel des 13. jahrh. 
IHrlinger (Germania 18, 194, 7); daz dö iemer getürrest leben, 
daz du unsen herren nennest in houbctsQnden durch giichsen- 
beit. vor der gllchsenheit beschirme alle die werlt der vater 
unde der sun unde der beilige geist. Rertiiold v. Hegens- 
BURG 1,62 Pfeiffer; der mensch ist torschtiger und köner 
(kühner) der da schlafen gethar in einer todtsünd, dann ainer 
der da fechten tar mit siben die auf seinen tod geschworen 
haben. G. v. Keisersdkrg granatapfel 1510 D 1*; 

herr bciiüet, herr behOet, ist das war, 
dass er sich darfür usgeben getar 
und sich ein gott uf erden schetzt? 

Niklaus Manukl (vom jiapst und seiner priesler- 
Schaft 1581) BäclUotd s. 90. 

b)) weltlicher übermuth: 

ich wiste gerne ob ir der sit, 

der durch mich getorste liden strit. 

daz verbert, bedurft ir ere. 

Wolfram Parifv«/ 511, 2. 



4597 



GETURREN II 



GETUBREN II 



4ft98 



c)) btiiehung auf iitstütchaflliilu rerpfiiehlungtn , auf iit 
ichicklichkeit uberhaupt: 

Kl «iiwait üle bot« «opliangcn d«liain«t Turtieu las. 
getorilo al In titn kbiaal, dai baio al Ina liai. 

Nibelungiin bUi, 'l iMcUmunn; 
Utrrt und llebar tctinim raln 
faiorat Ichi vor »cliaiu gi-iaj;i), 
min uiigelOcka Ich aoliie klagn. 

WüLiB»« t'arih'il l'i'', '■. 
min hell it vor der ha'chaion liaat 
le einer wArbeit d«a min pTani, 
dai Ich diu buocb geiiblal htu, 
dai mich« min vrowa nibi woU arlia. 
diu rein«, aOeie gebdi ei mir: 
hl« mit bio Ich gedUoei Ir. 
und geioMl loh ata T«rtlg«n btn, 
■0 wxr ei voo mir ungaiio. 

U. V. LiiCHTaNtTaiN fraueniiitntt IM7 liechtlti», 

«qL hitrtu die formelhn ften autiitUaltungtn unten $p. 46%; 
l'etier vun Argon, uns nimpt frcmLiie, nuchdriii ir «uch geu 
unüern lierrn lieii ralh(;ebeii . . . uiilnllicli verliundelt und 
darüber mit frenihden gericblen furgeiiunioii habt, das ir 
uns über du« alleü mit rruiitlichen wurlteo gclurt schreiben. 
icArci6(n d*r tunftmeisUr ron Augspuig (146S) ä. tUdltehron, 
6,412. 

J)) allgemrine anndherung an dm btgriff dtr frtchheit, un- 
vtnehdmtheil : 

>la das capitel ende nam 

und dea ge»precbea waa verilgeo, 

do aacb baihanaa dort llgen 

den luden under einer liaac, 

wand in die vorcliie betwnno 

vil grobelkh, die an Im wo«. 

do sprach der ubela Satbanas 

'al uu achowet, w«r der «I, 

dar un« getar hie wonen bl 

und in dem winkele dort lit'. paus. 286, 76 KSiike. 

b) abseliwdchuug der inUnsildt der bedeutung in btslitnmlen 
terbin Junge II. 

ft) »CO der inßnitiv eint handlung zum ausdruck brtngl, pflegt 
das vagnis, das damit verknüpft ist, stärker ins gewicht xii 
fallen als bei aussagen und behanptunyen. daher nehmen verba 
der mitlheilung bei engerer Verbindung dem hauytverb leicht die 
voltkiaß der grundbedeutung : 

relnei liene scefe du ireblen in mir 

das Ih geiure vone dir 

aagen um« aiogen. 

tohge$anij auf den heil, neiti S34 Diemer; 
mein got, wus grosser sorg und rett ich in meinem hertzen 
verbürgen trag umb disen iiebeii und leiden man ! wie getar 
ich über aprecben leiden? nun bin icli im doch so holde, 
und hub in so lieb. Tristrant und Isalde 46 Pfaff {Variante 
dor(Tt>) ; die alten schriben von ir (von Leuncio) sie wSre so 
hocb geleret in allen kOnsten, daz sie durch wipiiche ge- 
turstikait oder villicht usz besunderm basz truczlich wider 
den hOchüten natürlichen maister, zA den selben ziten leben- 
den Theofrastuni, straGTberlich schryben getorst. Stbinhöwel 
hoccaceio de cl-iris mulier. 2ü5 Drescher ; war ist der, der gethar 
sngen, die kinder Israel mAgind dem kunig Nebukadnezar 
und seinem volk widerston? Züridier bibel von I&30 Judith 
b, 25 (qut filios Israel passe dicut resistcre; wer ist der do spricht. 
KoBORCEi; wer ist dieser der solches sagen thar. Lutber; 
wer ist, der darlT sagen. Eck und Uiktbnbbrcbb). über die 
frageform vgl. unten c, a. andere beispiele sind in die hypo- 
tlietische form gekleidet, mit der ein neuer faclor der bed' utungs- 
dnderung einlrüL vgl e, ß sp. 46n5. 

fi) eine abschwächung der grundbedeutung bahnt sich auch in 
der syndetischen Verbindung mit anderen pidteritoprdsenlien an : 

es läret diu gewonheii 

einen lagelialteii man 

daz er guiar undu kau 

bas vehten Hanne ein kOener degn 

der ea nihi hat gepllegn. 

ilARTiANN T. Kvm Imein 70W; 

al gelorsieu unde künden, 

awax ae «trit gehört. 

ÜTTOKAa reimchronik 2131)3 Sermftlter. 
für die positive fassung unseres verhums ist, wie man sieht, die 
Verbindung mit kOnnen bevorzugt, die besiehungen stnschen 
beiden verben werden schon von der grundbedeutung aus nahe- 
gelegt: die armen er (taut Silvester) tu huse lut 

und pilac Ir lieblichen, 

doch armen unde riehen 

sageie er Immer goie» wort, 

ala vll er i;eior$ie hie und dort, 

doch muslea heimlich dicke »in, 

wand de.> un^eloutien schln 

wa« do au den vurateii breit tum. 63, Is hoiiLe, 

IV. 



in anderen fiün ftiMk M «« ftfntm$t Mrtnlwif ntu am» 

voikergtkendtr enfer mtia^saf wd am» 4»nm felfndtt ak- 
sekmdchuxg ihm ftdj^mr» erUitlUk: in» «lock ftUr Mck 
«idarrareo p«raoaco die eiucr kiao üni, Gauaa « KiMt«»> 
BKkC hell.ldw d •'. 

e) absckwithunf m »mM»«««» gArameiufmmn. 
a) die frageform fitbt der vmbait.dtntnnt fmt mtmir mm» 
bettmmie riehtunf; lü tU wuiet ttnkktdunf «ia« mmmrfk, »km 
turechtweisung, und so itolfeii ikk in ^ die «iiHr« *MpMf 
XU der gruppe der unter a, fl, 3» (»p, 4«M) MtndeMtu mt- 
Wendungen : 

wl« gatArti«! Ir faacikouwaa 

• Irli, den Ich werben sold«, 

ob iwer harte woldo 

mir diaoau oieb mIoM? Wouiaa fWrt. Mt, lt| 

ala. du vleoi dar warbalt, 

und de« rachion widaraaii. 

der umbe eiaao kleinen aekats 

variarbao «oldea drk« man 

wl« geiarttu mich a«bao >aT 

dar valacbelie bi«tu vol. intu. Ik, 48 K»pkti 

wie getarstu wider Christum also redco. »rletbuek ta Nim; 
er jaget die boeseo getvaltiglicb too ir uon «pracli tu ii: 
wie geduiret ir mein dieoerio alao vibal und ml frtfel ••- 
greiffen. pauional, vgl. Scaiaz 491; wi« getar da bin kuBM 
ain armes kuchenbueblio, da bi« vor «taod dt» eogliack«« 
kOr? wie gethar da reden ein verworfen« wOmlin, da aller 
bimliscber hoff sweigeo muss. iUiüBici t. PCOsBu^caa knef» 
an M. Ebner ^n Strauch; Tarquini, was dlogs ut das? ait 
wa« gedurstlikait gelarat du, di« wil ich l«bc, die vtUar 
berQffea oder minem kanglichao BtAI beaicxeo. SraiaiOwtL 
Bouaccio de claris mulur^us I6tt Drtstker; sprach er zu dca 
schauff: wie getarstu lOgoeo, da« du «opfangco kaaC 
Esupus 64. 

ß) die hypothetitekt form and»r»ruiU fükrt ftnittm aar 
formelhaften erstarrung ; in tkr sinkt da» nethum saai etnftektm 
umschretbenden hülfsverb herab. 

1)) nach der sette der bedeutung enlifrinftn /ir di» 
form hur die berührungen mit dUrfen: 

ich frowe iuch, ir beswasrai mich: 
de« achamt Iuch, ob icbt reden getar, 
lit luwer Wort niht valtcben «icb, 
und werdet guoi: «ö babi Ir war. 

WiLTMaa «3. n 
'nu frouw«, wa« Ut iuwar oH 
und iuwar kitgelicbes klagen?' 
'ei, irOi. getar icb dlr's gsaageor 
'ja, llebiu frouwe, apr«cb«i au '.' 

(jonraiBB v. StaaUBaa« Trietmm ItM; 

lieber herr, getOrst ich mit euch reden ood «Olt ir Btd 
uit vermeren, ich wult euch sagen, daa «ach in frxi— 
nutz und fromen gewandt wurd. B. Zias d. äidti»k»m, h, S9 
(varuint« torfft icb); hubescb« getorst icb iicb e« aageo, ick 
seile es uch, sprach TriaUo. «yLäciiaBi US; AA«r dt» Ver- 
bindung mit terbu duendi rgk »ken, tp. U/Iflm 

2)) ein« andere art dieser kypotheltstkm 
der rechtssprache: daruff sprechen und antachitJMl «k, frtMT« 
der egeoant Johann erwisao, als reciu ist, das tr 
len Friderich und Cuntiman und ir belfere 
noch mit wissen geheimet bab« . . ao «ulk «r 4m iaaff«dM 
ledig sin nach dem urbabc. retklufimtk kMf Bnftwäi» {mH 
GuuKH codex dsplomoL 4,14; «o aoU io 4ar pfeat« äniwmk 
mit recht aulaiigeu ao d«a «ood« ood «ur 
statt Amtierg oder Sulzbacb, do tr daaa i 
schworen oder versprochen haU getroat daaa ( 
maiater mit seinem rechten dafür Lünen, 
gafarlicb gekanndalt bell, ood nit aetaMi «Uka, i 
und gunst gescbebeu were, deas «oh «r g a n iiaaaa. km 
finigung der stddt» Ssä^atk und Amkerf 14*4, Loai n. 

i) m dieser f»rm»lk»ßen uwstekretkmn§ 4«yi Gaisa 
4, 171) wird das verkum t« der aiifliHM*<ialirtia dn * li ia| ■ 
den dienU der pottsstken stilfarm fmtitH « M/1 dim rrm- 
ufuf dadurtk *M*, doaa es i a^Mli«| f «i awa u m tp k t ä t : 

Ir «oh mMk habaa kaa k — . 
swi« leb gaiAnu kraabui 

lw«r wit ood iwer fnor. 

OrrotaB rttmekrem. IM SM«BiM«rf 

Tll ftb«llich las 48« *arvle 
As IMhotolaai *w tuen», 
das «r ia der gatarsi« 
I« g«t«r«w gaw«««a. tHL 

S) dM «rrhiai ta ««iliafcaj ai« n4§krtnd«n h täm mmn pn 
umfasU weiUtn» dk frtarr* fnrpp« d«r vatwendumpen. nm Okm 

2S9 



4599 



GETURREN 11 



GETURREN II 



4600 



ist für die grundbedeutung eine viel ausgedehntere manigfaltig- 
keit in der ausgestaltung %u belegen. 

a) die grundbedeutung ist in voller kraft und bringt die be- 
ziehung auf den physischen mut zum ausdruck ; zwei richtungen 
stehen sieh hier gegenüber, einerseits wird in der Verneinung 
des wagemuthes nur objectiv die richtige abschätzung der kräfle 
oder die einsieht in die Verhältnisse gekennzeichnet ; andererseits 
wird sie als mangel aufgefaszt und mit dem makel der furcht 
belegt. 

a) l)) der künec Artus wil 

zein brunnen komen mit her. 

enist dan niemaa der in wer, 

80 ist iuwer ere verlorn. 

habt ab ir ze wer erkorn 

von iwern gesinde deheinen man, 

da Sit ir betrogen an : 

und wäire ir aller vrümekheit 

an einen man geleit, 

dazn yfxr noch nicht ein vrum man. 

swelher sich daz nimet an 

daz er der beste si von in, 

dem tar niemer da hin 

dem brunnen komen ze wer. 

Habtmann V. Aue Iwein 1852 nach A; die meisten 
kandschriften haben ne getar; 

wan der wider schoene, 

den ich mit lobe crcene, 

wart vor leide also genert, 

daz nieman zuo im in den wert 

getorste ül' sinen schaden komen. 

KoNRAO V. Wdrzburg troj, krieg 6793. 

2)) wand die armen Christen 

musten sich dicke vristen 
und verslelen von den wegen; 
des getorsten sie nicht pllegen 
des munsiers als si woluen. pass. 70,70 Köpke; 
gib uns dinen gewalt 
zu helle, daz uns nieman 
geturre wider sin daran. 149, S6; 

do sattent sich die Engelschen zu gewer, also sQ wo! 
vehten kundent zä rosze und ze fusse, und erslögent der 
geburen uf 3 ''2 hundert zu lode und vingent ir etwie vil. 
es geturste ouch nieman gewandeln in dem lande one Ir ge- 
leite oder Wortzeichen. Königsiiofbn d. «<(id/«c/tron. 9,'816; ez 
ensi danne als verre, daz er an einer stat gesaezzen si, da 
cbein waibel hin geturre gan, so sol man im am gerichte 
furgebieten, daz ist reht. Augsburger stadlbuch 84, 1. Meyer. 

3)) ganz besonders gehören hierher masznahmen militärischer 
art, bei denen die abschätzung der kräfte den ausschlug giebt: 
do daz der hertzoge vernam, do zöget er gedursteclicb gegen 
ime. do kunig Adolf vernam die mäht die der hertzoge 
bette, do getorst er nüt zu velde bliben und für in die slat 
zii Ulmen. Closener d. städtechron. S,b9i darzu sint wir von 
in umbsetzet und belegen, das wir die porten nüt getürent 
uftun. 8,297; also gewan der künig von Frangrich me volkes 
denne der künig von Engenlant bette, und gedurste doch 
nüt US Farys kumen, Königsuofen d. städlechron. 8,474; sus 
koment wol vier tusent man in die stat, die vor nüt ge- 
turstent darin kumen. 326; aber sie getorsten für die stat 
nit kommen vor dem marggraGTen, der hett als man sugt 
bei 4000 mannen. B. Zink d. städlechron. 5, 192. in diesen Ver- 
bindungen berührt sich geluireü vielfach mit mögen und können; 
noch deullichei- tritt diesz hervor in: die stett lagen vor ainem 
scblosz, das allerpest in Scbwabenland , das ist genannt 
Hohenzor, darvor lagen sie lenger dann jar und tag mit ge- 
walt, sie getorst niemant von dünnen treiben ; wie oft man 
in draut und in grosze warnung kam, man wolt sie dannen 
schlahen, sie ketten sich daran nit, bisz sie das sciilosz ge- 
wunnen. B.Zink d. städlechron. 5, 230. zu dieser berührung 
mit können vgl. sp. 4ö<j7 und 4602. 

4)) und warn wol gewappent und stalten sich gar wer- 
licb, darumb getorst sie niemant angriffen. 2. Augsb. chron. 
d. städlechron. 4,30, {Variante dorffte); dar inne warent der 
herzog von Oesterich, der von Wirtenberg und vil ander 
herren . . getorst sie niemand angriffen. Berner chron. 185; 
nun merk ich bei dem beispil der reichs stett leben, das 
sie ietz in dieser gegenwUriigen zeit band: sie waren ge- 
waltig, mechtig, fraisani und wolgemuet dieweil sie bei ain- 
ander treulich in rechter freuntschaft waren und sich vestig- 
lich verpunden betten, ainander bei recht zu beheben und 
des rechten (zu) helfen . . da was kain lierr su mechtig noch 
so tüj'stig, der sie unpillich und zu unrecht getorst angreifen, 
dann sie betten iins nit vertragen, ß. Zink d. stddtechroniken 
6,230; nach den achtagen reilt der künig wider gen Burdias 



vast frölich von wegen der ee, dann er gedacht, Rengnold 
(sein neuer schuiager) wurde im behulffen sin. das beschach; 
dann sit der verroeblung was kein ritter in Gastgunnia, der 
das kinni getorst uff heben. Haimonskinder 73 Bachmann. 

5)) vnd also gedorst der alt veint nit mer in seinen ge- 
dancke herschen als ob im der schlag des straicbes selbs 
worden wäre, dialog. Gregorii 2 cap. 4; wann du hörst 
disz tüffelsch vertlucht hülen, daz dir der tüffel in git solche 
unseglicbe gedenck . . erzeig dich in frölicher hoffnung in 
got dem herren gegen im, wenn er daz sieht, so Hübet er, 
und getar dir nit genohen. Geileb v. Keiseksberc chrtstl. 
bilger 26*. 

ß) es wird die beschuldigung der furcht erhoben: 
1)) für getorste nit der bibel von 1483 in 2. Afos. 3, 6 hat 
LüTHEB furcht sich; ähnlich wird auch sonst dieses wort mit 
gebrauchsformen unseres verbums in Verbindung gesetzt: wer 
auch mit seinen übergenossen icht ze schaffen het, den er 
vor forchten nit gethar beklagen, bair. landrecht von 1588 
SciiMEtLER 1^,620; der knecht thet es von stund an, wann 
er getorst es nüt underwege lassen usz forcht. Haimonskinder 
244 Bachmann; ich gedar meinem herren die brot nit bringen, 
lauff bald heim und Wechsel mir die, ich wil dein hie 
warten. Pauli schimpf und ernst 359 Österley; 

drei sind, die allzeit förcbten sich: 
bei liechtem tag die Uedermausz . . 
in Caspia ein vogel, glaub! 
deckt nachts ein fusz über sein haubt, 
förcht, der himel lall auir ihn gar. 
das drilt die kröt, die selb gethar 
desz erdrichs nicht gnug essen ir, 
sorgt, dasz ir das zerrinne schir. 

H.Sachs (könig Sedras 6) 16,181 Keller-Götze. 

die stelle ist schon in ähnlicher form im Renner 4861 gegeben 
und kehrt in anderen fassungen bei späteren Schriftstellern wieder, 
vgl. th. 5,2416. 

2)) und die ez nicht geturren gereden, die schiibeot brlefe 
oder beizent si ander Hute scbriben, und selzent die selben 
mit namen dar an, und werfent sie an die strazen, daz si 
die Hute uf heben und si lesen : daz ist ein mort, und were 
ein tot noch wirser danne der ander, man sol im in tun. 
Schwabenspiegel cap. iS, 9 Gengier; also was der Strausz selb 
dritt und die pöswicht getorsten im bösen willen und ir 
poshait nit volpringen und giengen ausz; damit was der 
frum man genesen und wol behüet. B.Zink d. städlechron. 
51,316; antwürt im der hund: das konipt dar von, das ich 
hüter des buses bin, wider die dieb und uiürder, deren 
getaur kainer ainen tritt dem hus gen;ehen. Stkinhöwel Äsop 
162 Österley. 

3)) die uligen geturren zu dem wallenden haven nicht 
kumen. veterbuchZlPalm; daz sin bellen alle wolf erschreket 
und sin angesicht die wolf in Hucht wendet, darum kain 
wolf der heid nachnen getorst. Steinköwel Asop 232 Österley; 
und getorst in kain ander fraisam tier, weder leo, 
helfant, wolf noch peren noch kain ander tier nichts tuen 
und waren sicher überall, wo sie waidneten, und torst in 
niemant nichts getuen, dieweil sie ir treu und ainigkait mit 
ainander hielten. B. Zink d. städlechron. 5, 229; wan wenn 
einem ein wolff noch get, het er denn nümen ein stecken 
oder einen gürtel, und er den noch im zühet uff der erden, 
so getar im der wolff nit genohen, er förchtet er fall dar 
über, darumb kummet er nit dar. Geiler t. Keisersbebg 
Christi, bilger 26'. 

b) in der beziebung auf den moralischen muth gewinnt das 
verbum mehr die bedeutung von sich getrauen, die einzelnen 
Verwendungen stehen sich hier gegenüber, je nachdem die hinder- 
nisse für den wagemuth in äuszeren Verhältnissen oder in einer 
inneren gebundenheit des subjectes beruhen. 

a) aber den edeln und den riehen was es vaste wider, 
doch gedurstent sü es nit geanden, wan der hobest gar 
strenge gerichte bette und umb kleine sacheu die die ime 
nüt gehorsam worent, det ertrenken oder entboulieten. 
KöNiGSHOFEN d. städleclironiken '.t, 601. ganz ähnlich Closener 
ebenda 8, 56; der zehand anlieng zürnen und getorsts 
doch nit versagen. Terenz (1499) 65'; spollichs und schimpf- 
bares dinge, ist daz wir disem jungen unernieten kinde nit 
getörren begegnen und widersteen. N. v. Wvle translat. 147, 23 
Kdler; noch dann, umb ires hohen nams und adels wegen 
gedurst kein mensch zu Rom offenbarljch sich dessen mercken 
oder hören lassen. Kirchhof wenJunmut l,3''2 Österley. 



460t 



GETIIRREN II 



CETTRST 



460S 



ß) innere und duner* gebundinheit iurehkrtu:tn nth: 
1)1 in be^ltmmlen Verwendungen der reehtupracln : wer ge- 
ricbtri miidrl, der tul •'icliern, das er tin rlagr follenfiire, 
dem lol man rechten; gedortte oher nirmani gerichiet . . 
wir . . tollen . . dsrnarh foritcben. freiheihbrief der hnrgtr 
von Sarbrueken ISlt bei RiiKCiMKiit gtou. diplumat. I, SM; 
waere aber ilnz, dat er niht für getonte chonen, daz rr 
10 gefriunde liile georhadegot bete no ir inage, gert Im 
danne ein tin friunt gt-lrite« für uf rehie rede, daz aol im 
der Tugl geben. Augib. itodth. Sl,7& .l/<yrr. 

1)) niimenllieh gehört hierher dt* rüekticht auf braufh und title : 

'w|« mAhin wir il bringen' tprarh ilff kOnIc rlrh, 

'her xuo di*eM lande? dai wa>r UBniOKelkti. 

>l (llieni UD8 I« *«rr«: leb griariei nlht geblien'. 

Nibrt, 870,9 iMchmann; 

liir ku* Kol weten min, 

>itln tline hrirrn K^kunüei »In, 

»Ol kOnec oder ruriie ile» enbern. 

»ona getar ocli Ich» von In niht «ngorn. 

Woi.r*4M Pnrtivttl ^3,20; 
ilA I. lupoll iiptrt lU goie» vort, lU kOnfiige Are, 
ile behielten alle minit, »i volgeien »tnar lAre, 
si luhiro ür, »\ii»m »I nlht getoreien geben, 
dai wa» bllllch: wan »ol lemer nieh dem hove leben, 

Walthik SU,3 iMchmann. 
y) inner* gtbundenhtit. 

0) dö geiorsie llapne fOr »i nlht eegin: 

wo! wette er »ine tchiildc, er bete ir leide getin. 
NibeU 1063,3 Lachmunii ,- 

dehnin mennisk getnrste kernen under die Inte, wetsen »i 
ao imc daz ain gewizzen an im waiz. tpeeul. eceUt. ii Kelle. 

3)) die armen huren, die getörren nitt wiler gucken, denn 
Ir junrkbcrre wil. Geiiki t KtisiasaeRC potlilt. 3,23 (1633); 
sitzend darauf (auf den seitliehen gutem) wie «in hund auf 
ameni hüw häufen und er ittet nit hnw und inszt auch niemiin 
von dem liöwhaufen nemen. also tSnd tolcli geitig leut, 
sitzend auf dem gät und gelürens nit recht brauchen und 
gestattens auch andern nit zu brauchen, sieben haupttünd 
1610 ee4. 

3)) alles das, das widerwertiges dem menschen zu banden 
got . . es sien schmehe wort, Verachtung von den lüten, es 
si dar zu innerlicher truck und getreng des gemUts das du 
nieman gesagen kanst oder auch getarxt, und alles das dem 
glich ist, es si üblich oder geistlich. Geilkr v. KüiseasaüRC 
thrittl. bilger bu'; du gedarst es dem beichtvatter nit sagen, 
so es närrisch und hubiscb gedahken seind. tpinnerin {grunat- 
apfrl) nr. l\ 

r) iibschu-dchungen und Verflüchtigungen der grundbedeutung 
knüpfen wcfenllich an die eben unter b) gewonnenen grupfitn 
an. aus drm verhiltnu tu düsteren hemmnissen ergiebt steh 
für das negierte verbum die berührung mit dürfen, aus dem- 
jentgfn lu innerer gebundenheit die berührung mit können. 

«) drrselh walthawer getare kein ziromer noch bolz für 
die Ktot noch ansserballi der rinckmaur nn lauh des rats 
nit geben. Tuchkr bautnehterburh 71, G. der bedetttunq nach ist 
getiire hur überhaupt nicht mehr von darf zu /rennen, und et 
spielen die lautlichen und graphischen factoien hier herein, die 
sp. J5U0 lur bfsprechung kamen, in anderen beispielen dageqen 
lassen sich deutlich die übergdnge beobachten, mit denen das hn« 
rerb dem andern sich näher l: 

1)1 und wer koren hett, der muest so vil hingeben, als 
im dann die korenmaister gesetzt betten, und getorst sich 
des niemant setzen oder widersprechen, ß. Zink d, ttidte- 
chron. 6, 3.S7; der liapst gab im zu antwurt, er hett in ge- 
fangen mit des conciliums rat und on dasselb concilium getorst 
er in nit ledig lan. 5,61; das inennlia sprach: ich bah dir ge- 
schworen, ich wolle dich nit angrylTen uncz das wir zuo dynem 
vnter kninen, daruinb gctar ich dir nit belffen. SiüiRiOwaL 
Asop 332 Usterley; und dasz der berr auch verpotten hett, 
da«z man (voni Rairn nicht, weder eszrnt noch ander diug, 
in die stat fUern noch tragen getorst. B. Zi!<i d. stildtttkron. 
5,319. genau so 313; besunder ausz bertzog Ludwigs land, 
der hat es verspolten bei leib und guet überall in seinen 
landen, und in aller seiner berschaft getar niemant kain 
handel mit den von Augspurg lian (varianteH lOrfT und darf). 
U. Zink d. stddtechron. 5,337; da worent 4 meistere, iegelicher 
ein viertel Jores, und getorst ouch kein anderre bürgere, 
wie frumme oder biderb er waz, in dem rote gesin, es 
were denne daz in der ein der die kure bette des jores, 
bette drin gesetzet. CLOSBNsa d. stddtechron. 8, 133; nach d< m 
was uns von Augspurg herUog Ludwig von Bairn aognadig 



t. Im 



aad fe)o4 . . ae getont ata »ach •ickia fM 
die stat weder fB«rM aoeli IrafM 
d tlädleeMron. a, SSI (mWcmI* tutWi); 
polten, data nao weder |4lt, kMM, hm, ««eft kohi, 4m 
der von Aogipurg aigen gnet ia, m4 kaitMg Lad»>|ea all 
zugehört, da* getar man ml k«r fiere« •■4 «tte«! all kor», 
galt und was die von Angtparg la Rairlaad ka«4, 4«s a««t| 
mon zu Rairo lao aad getar •■ ■UaM»4 kMafkerM («v. 
darf, lorft) s, 399. 

3)) uo4 muetten fBrka't, iMrk4«a ra4 4« 4m krtef 
wider genommen band, allbeg io 4«r k«fWrg kl«ikM m4 
geiortten d.-iraasz nil bei gasck' 
Vogts, der ir gewalt kett B. ZiHa 4. »«i 4l t #rilre«, I, W 
toririen), genau le 394. IM. «kraae 1Mb%a: ■•4 
ieder partrn ein til, über 4aa «• M nMfMMi 
oock guo, daz tO Ol zunameoa ke«Ml> CUMSn i 
<kroR. 8, 133 : als dann gebet er mit Mm |iMlgle 
ausz der kammer, nimmer barbaupt, aaf 4m 4it acr gatläa 
auir ihren beuptern rAw, dann keio Ja4 Mmt Irtluk« 
jar getbar barhaupt geben. S. Faanca wetihtek i«4*: 4«r ■!« 
siben tag barffisz auff der erd sitzen bleiben v«a4 Mto 
vatier klagen, gelbar aucb inn dreistig tagen aii ba4M, k*> 
scheren, noch einieb eutterhrb freod habea. IM*; ■•4 4m 
si von flnf rossen, als vorgeti bnben iti, nicbl mrr, 4aMI 
von ainem fueder wein Rozner matt gefeilt, an den leliea 
am Lug und Paasejr flrnemoen und getoreo aafswiage«. 
Tasieter urk. det IS. jakrh , a>|wrkrnl«B kn IC /akrk., 4*rr. 
weistk. b,n; item, wer aber 41« stear akkl ktHlla *«r 4#ai 
heiligen sand Thomas abenl, so mag ein rickirr allaaMkl 
den zwain poten dem selbigen aein bantiftr aonkakta as4 
getar die nicht wider emheben oder marken In etat rkkt«ra 
Urlaub, leeisth. tcn Bmn*ck, copt* it* ifc. jtkrkunitrU, titm. 
weisth, 6, 474. 

ß) lehn kund« la Saltma 

•inen mei«ter niendtr vladea 
der »leb min anderwinden 
gelOrtie oder wollt. 

HtaTBAüo V. An »rmtr ffttvM IM; 
da gelortien aoch •amobiea 
die »In das nibi getcbaidtB. 

WoLTiiB n»rt. in.4 Lmd^mmmmt 
hievoD getar leb nlcbi behvaaeo 
In den gruwellcbta rinc 
beide aide unde lanrellac, 
Ist mir da gar tiu aogemacb. )mm. SM^t Ufäri 

Paulus wart vleisclxben geviiht in dithn ItMa ia 4m 
obriste bimelrich. dai er gotis loogio ersaek , 4ti 4ek*ia 
menniscbe gezellin getar. tp*cuL *etU*. Sfr ä*iU; 

da» Ich pin als berr« melaer taage«. 

to ist diet Ir alieii beiwnegea. 

da» »i nimmer grur »•■•■ 

cbaln gerecbiiktli aaa vea akragaa, 

Viimaa ^Imewum 4ar ttfmt MM (twr. tm% 

y) formelhafte v«neendunf*n iMiaira hii der fifHmim a $ mM 
negierten beslimmunge» nicht ror. 

CiETlRST, f., rtreinuü amek 
geturren. dat t dtt tubsiantttt tUtbtm tmätim t im 
IN ^amiiKi/isckfla wethulf §*»mt mti im imm sawa4ir. 
praWertIvia gelorste. aack hier timi f ti ff ki U mmi 
formen im mnUrtekeidtn ; dit IttUmm (thani, 4vil) »M*M Ml 
an die schrelU det Ih. ;aArkaa4«rth f/L 4ar«l M. S. Itm. 

\) dt* althoehdeutteht ptritir kaf T 
beleg* für dat tubtinntn, dtsaen geteafikr'ma n 4f« fliam 
wurtttt: Umtrilüt, katursl m< fravalt. Hr^nmki fiaatea 
Ikiturttida i« d«r Keronutken itfpe) Srttasttsa>tefaM I, IM: 
audacta ratursi, kidorst I, IM rf<. Oun l»«0. 
dem laaiaMhaai Hetnnm {ixjtlirk.)\ 
geturat saawrieSm 14*. 

3)4i<aiiBdkack4<ali€kr4fcklaaf | iilill < <waNk.4M<a<M 
fliximtfmmtm timm isy Ma i ea rüai aa/ «tnla, «tnlaaakp^enc 
la ikffa ip4lirM aHüapn iMff. MVMvMlaaM avtMaM Ma 
■Mtc ea/; <s ersdMalia 4ir liMi / kkr t la 4 t M aM TkMwyn 
(IM. «WK ta 4iai iliaiaaa l iil w pn Ufilkmdt 4m \ 
aa4 tfUir aaak kii Smita, 4<r fnaUk 
wm titit wutKmmmmmft. n eür« •■4arw 

gnu» tnkktmm, ktrmktiai f t iiaa aiL ail4. «I^ S, iT. 

Laxial.Ml.aaaklraf «ft. dit '^^ 

ttiltni tinwMu dk* tkfntHt fmmm^m§ 

j* aack dm mmmmnkutft mk 4ifemni«n, 

UdOade kraiiii iiU aiii 4as tkaraMaaai m magmm 

MS« 




4603 



GETURST 



GETURST (adjectiv) 



4604 



a) ohne weitere bestimmungen tritt das suhslanliv in formel- 
hafter Verwendung auf; hier überwiegt die neutrale fassung des 
bcdenluni/sgehaltes. 

«) der roemsche forste 

der streit mit getürste 
mit allen den sinen. 

Servalins 2040. vgl. tttchr. d. alterlh. 5, 138 ; 
der da hiesz goblümet hoch ob allen fursten. 
der vil nach prise gerümet. werben menlichen mit 

getürsten 
des vand er nu vil starke widerniete. 

jüngerer Titurel 6716, 2 Hahn; 
nu nemet den geist der wisheit, 
der uch von gode ist bereit, 
und gehet vor liern und fursten 
mit freuden und getursten 
und forte uch zu keiner stundt 1 

Alsfelder passionspiel 1949 Grein; 
wnz man von küngen fi'irsten hie, 
von graven freien sagt, wi si 
rengniren mit getfirsten, 
daz dünket mich so gar ain tant, 
dan ainez werk sind mir pekant, 
der tet geleich aim forsten. 
Michael Bbheim von äem kung Pladislau 6,3 Karojan. 

ß) nur scheinbar ohne bestimmungen eingeführt, in Wirklich- 
keit aber aus dem zusammenhange hinlänglich ergänzt und ein- 
gegrenzt, zeigt sich: 

swer uiider sinen henden 

het also wxhe sache, 

daz er von ungemache 

sich scheidet, ob er hat geturst, 

der lesche sines herzen durst 

an liebe zuo den ziten. 

K.v. WÖBZBUBC irojan. krieg 16576; 

sagt mir . . daz diu rede heimlich belibe: 

ir Sit so höh ein fürste,; 

ich weiz wol, ir habt die getürste — 

miiget ir der beiden mich erwern 

und vier fürsiinne mit mir ernern, 

ob wir iu folgen hinne? 

U. V. D. TÜRLiN WiUehalm 118, 14. 

b) mit näheren bestimmungen und ergänzungen. 
n) attributive bestimmungen. 

1)) die intenf:ität des bedeutungsgehaltes wird gehoben: 

in lerte sant Pgter, 
der zwelf boten forste, 
mit grözer getürste 
begunde er got da künden, 

Servalius 154, ztschr. d. alterth. 5,82; 

wol mugen nn daz sprechen wir, 

daz der irwelte Baldewin 

ein menlich helt ist gesin, 

veste gemut ein furste; 

in vollem getürste 

durch der viande laut er reit. 

kreuzfalirl Ludwigs des frommen 109 v.d. Hagen. 

2)) kennzeichnende attribute: 

was in manlichem getürste.' 

kreuzfahrt Ludwigs 2807 Ilagen; 
nü quam der künec von Jericho 
des menlich geturst stuont ie nach wirden hö. 

Loliengj-in 4365. 

ß) Possessivbestimmungen, in beiden zuständigen beispielen 
schlägt die beimischung eines tadeis vor: wer waer denne so 
tumber der von siner getürste oder von siner fravele sin 
selbes und aller geschephede schephaere ervinden wolle, specul. 
eceles. 27 Helle; • 

wu vernam ie dehein man 

daz ein so richer fürste 

von eins mans getürste 

wurd also sios lebens an? LAMPRecuT v.Regbnsbuiic 
Francisken leben 572 Weiiihold. 

y) pronominale hinweise auf bestimmungen, die im zusammen- 
hange liegen: 

Orllus der furste. die zwei (manheit . . . freuden Oust) gar 

ungesundert 
wol truc mit der getürste. des selben mih nu furbaz niht 
enwundert. jüngerer Tiiurel öOüö Huhn; 
daz was bischolf Uolrich, 
den er so frevellich 
vie. dö daz ergie, 
vil übellich im daz vervie 
üz Beheimlant der furste 
daz er in der getürste 
ie getorste gewesen. 

Ottoear reimchrontk 8242 Seemüller; 
üf min wärheit ich ez nim, 
däz si mit solhen getursten 
nie gedienten dheinem fursten 
Sit herzog Uolrich crstarp. 15131. 
S) nähere ausführung durch salze. 



l)) durch relalivsatz: 

der hciserin sie sunder dd 

und der vürstinne schancten durch daz kumende vrd 

des keisers unde des präbantischen vürsten 

von klarem golde riebe zwei vürspan 

dar üze manic edel stein mit kretten bran. 

diu prßsent rieh in wart von den getursten 

die in gein der Überkraft ir manheit het erziuget. 

Loliengrin 30i>6 Rückert. 

2)) durch substantivsälze : 

er ist ein höher fürste, 

ich wacn er habe die getürste, 

daz er al den beidentuom 

wol bestüende durch minne ruom. 

U. V. D. TÖRLiN Willehalm. 116, 10 Singer; 
daz si des muotes 
iinnicr wcrd und der geturst, 
daz si lesche Iren durst 
mit der gevangen bluot. 

Ottokar reimchronik 4995 SeemüUer; 
man wolt mich itht in den getursten, 
niht wizjen, daz ich darzuo tölite, 
daz ich ze Itöm enphühen niöhte. 13580; 
swer in den getursten 
wa;ro, daz er kgrle dar, 
die wurden allesamt bar, 
mangels unde armuot. 554; 
wan weder konig, grafen noch fursten 
leben nit in den getursten, 
das ir keiner nit vcrmug, 
das ein weih versuch und tug. 

Salomon und Markolf 1537 Bohcrlug; 

got gab in oucli dö dar zuo den geturst, daz si daz lieilige 
gutes wort cliunten. priester Konrads prediglbuch 4.Q' (l2. — 13. 
jahrh.) Birlinger. 

3) im 16. und 17. Jahrhundert ist das einfache durst, thursl 
noch vielfach belegt, die Verwendung zeigt aber deutlich den 
rüchgang der bewegliciikeil, sie ist an bestimmte formein gebunden. 

a) das lasf^e ich mir eine kühnheit und durst sein. Luther 
tischreden 96'; o wie eine grosse torst und vormesseiiheit. 
Weimar, ges. archiv 1523 üiEFENBACH-Wi5i.cKER 878; dennoclilt 
ßndtt man under sulchcn leuten zu czeitten vil! erwegener 
pei'sonen, die sicii woll einer durst ader boszheitt uuder- 
steiien dorlllen. 878; durst, der, desiderium, impulsus, facinus 
audax, conftdcns, conßdentia Stieler 281. 

b) a) dasz wir ihn mit ulier durst und freudi^keit loben, 
preisen und bekennen mögen. Luther briefe 2, 16H ; mit eitel 
durst und gewalt. Jonas in Luthbrs werken 6, 46l'. 

ß) rüuber und mörder die das schwert aus eigener dursl und 
frevel nehmen. Luther 2, 653, ebenso 3, 278; das er uns armen 
leutben über unser alt herkommen mitt ncwei unge bescbweret 
und das unsere mitt eigener durst nimmet. Weimarer ges. 
archiv (1559) üiefenbach-Wülcker 878; noch viel weniger von 
einigen seiner vorfarn des backens halben mit wehren im 
backhause uberdranget oder das unser mit eigener durst ge- 
nommen worden, ebenda. 

c) so wir doch gegen ihn gur nichts verschuldet noch 
solche ernstliche und geschwinde durst um ihn verdienet. 
LuiHKR briefe 6, 154; 

dasz ein weibesbild 

diese thurst begangen. T&cuerning ged. 216; 
hat niemand beistand dir zu dieser thurst versprociien? 

Gryphius Leo Armen. 2, 203; 
von beiden und ihrer durst. Logau, vgl. theil 2, 1747. 

GETURST, GLTÜRST, GETÜRSTE, adj. diese bildung ist später 
belegt als das subslanltv, hat aber um so zähere lebenskrafl. sie 
reicht mit zahlreichen Verwendungen in das 16. jahrh. herein, wo sie 
bei den Nürnberger schriflslellern, nicht aber bei Luther, beliebt 
ist, der seinerseits tliiirstig vorzieht (s. getürstig). mundartlich 
lebt unser wort mit abgeworfenem präßx noch fort. vgl. gedürsi 
sp. 2055 ; gedörst sp. 2032. 

1) die ältesten btispiele gehören der späteren geislltchen dich- 
lung an: Petrus der gröze vurste 

wart dö vil getürste. passional 169, 38 Hahn; 

die edeln unde die vursten, 

alsam die getursten 

an guten dingen sprachen do. passivnall9b,3i Köpke, 

2) die Verbindung mit dem verbum subslanlivum, die bei dem 
synonymen getürstig (s. d.) als früheste Verwendungsform in 
der Umschreibung des lateinischen ^audeo, ausus sum' auftritt, 
Idszt sich für geturst erst in der Übergangszeit zur neuhoch- 
deutschen Periode nachweisen, ste liegt verschiedenen belcgstelkn 
3U (/runde, bei denen eine mundartlicher färbung den Sachver- 
halt für den ersten blick verschleiert; dürr sein, andere voc. 



4605 



GETlinSTIG 



rn. von 1430 Scnaiiirii t', «30; für Matik. n, <e und keiner | 
mocbt im geantworten ein wort nocli gedortt in fragen an 
dem tag fnni bei Kuiurcri hat die alttrt bibel 9on Kcckititn : 
noch wa* iltirfTl in ze fragen an dem lag Tun deshin, »uch 
diete form isl jfden fallt mitiverttilnditeh aus diirst €nt$ttUl. in 
denulben lutummtnhang geliörl ttn beltg aut itr wlktlUmliehe* 
$praeht des in.jh.: \%l der icliifTman dan also gedorit, daat 
«r vor die Hctioldt tcliweren magb (»< iiir reefilen uit tu ft«- 
zahlen), to solle der kommrr {be$ehlafneknn teiuet uhiffn) 
damit entsclilagen sein, wtiith. 3, sie (»on der unteren lfos«0; 
von dem artiicel ist keiner ho torscb, Offantlicb davon lu 
reden, (.ükini^r Rn]ensburgiT ehron. S, M7. ScaaiLLia t*, 639. 
S) bei den iVärnirryern, vor allem bti H. Sacbb itt untere 
form ein btUebtes beimort, dai tieh beionJeri im retme gerne 
eintleUt; üakr Sachs gebraucht et ale adjeeti» und ndverbtum. 

a) er lawari mich Im heriiao main, 

er Ist gaweti ein iliawrer fOrii 

rOr all snder kOn und gadfirst. II. 8*ci* {fitrtt WU- 
hiilm von Urliantt) 16,61 K«(/«r-Gaite : 

schaw, da» lii unter junger rOrtt 

ganit wolRasiall, knn und gedOrtk *. 67. e6«Mo94; 

auch wie Wilhalm, der junge ITkrsi, 

so Treidig, kiilin und gar gedOrit. t, 07; 

da» Tort ein kelter oder fOnt 

wo der tu gich, kOhn und gadOrti. i. 304. aniler« 
lieiMpiele vgl, oben tp. MU; 

heut hab ich gute brleff eroprsngen, 

mein lierr weid kürixlicli her gelangen, 

vnd bringt mll jhm d(wi jiinKen räraten, 

rri>ch R.iund, ein Itecken viid gedOrsten 

weidlichen graden jungen herrn. JacosAtri* comedia 
t'uii tweyeii fUrullichnt idlhm 'i^ii Keller. 
in der form gelorst liegt hier die berührung und miichung mit 
getrost autzerordentlich nahe, vnd et ist wol möglich, dasz von 
den unter sj>. ib'A angeführten beispiekn einige hierher lu 
liehen wären. 

fi) Tatins, der Sabiner Tfirst. 

hnt mir geschriben gar gedfirst, 

und verheissen all gOlden spangen 

die an der Sobiiier arm hangen, 

dam ich in sol su nacht heint eben 

da* capitolium sulTgeben. il. Sachh (Romulu* und 
llemu») 20. 174 Keller-Götte ; 

als Ulys*e«, der thewer Türst 

TOr Trola bandelt gar gedürst. 21, 132; 

wo nicht Plllero der trew fOrat 

bett also weisxlicb und pi-dOr»! 

solche mein urteil unier>tanten. 10, 186; 

aios dages sie halmlichen Tragt 

den ain »tuilenten, das er sogt, 

wns er iloch geren essen wolt, 

derselbig sagt su ir, sie solt 

erbis kochen mit einem speck; 

ilas wer (ür in das pest geschleck. 

dnn andren fragt sie auch gethOerst, 

der sagtir: 'koch mir rAselwuarat'i 

(das prurdermues) 22,43S. 

4) zum mundartlichen fortleben des Wortes sind mitteldeutsche 
und oberdeutsche belege xu cfr:eicAnen. hierher gehört: diirst, 
tilrst, m., eine art vermeintlichen gespenstes in einem walde ; 
in Oeulsr.hland der wilde jSger genannt; Dorsten g'jig, 
Dürsten g'jeg, wilde jagd, wfllhnndes beer. Staldkr I, S29. 
gedorst »ird von KsroR der Teutschen rechtsgelahrtheil S. theü 
(1767) im nachtrag 1409 ais hessische redensarl aufgeführt. Ertor 
tt«A( in unjfrem wort eine nebenform von getrost, er belegt vor 
ollem die Verbindung gctorat gelten, JcAAne sein, vgl. Vilhar 76. 

GETORSTIG, adj. u. adrerb., die dUere und beliebtere adjectiv- 
(iMun; von unserem stamm«, das wort reicht weit in die nlthochd. 
ii it turüek; der höhepunkt seiner entuicklung und Verbreitung 
liegt in den anfangen der neuhochdeutschen yeriode, und auch 
unserer heutigen spräche gehört es in muniiarUir/irn resten noch 
an. viele beispiele, die hierher gehören, stnd entsprechend den 
mannigfaltigen formen an verschiedenen stellen des Wörter- 
buches verstreut, tgl. gedursiig, gedürstig oben tp. 2056; ge- 
dorstig sp. 2033; durstig (A. 2, 1752; turstig (s. d.). die prd fix- 
lose form erseheint in bairiseken quellen, soweit sie mundartück 
gefärbt sind {so bei Avkxtüi), sodann in miHeldeut$ehen ätnk- 
mdlern: bei Jkroschin, in ro<-abulaii<n uiiii vor allem bei LoTIll. 
ebenso fehlt das prdfix in den heutigen mundartlichen forme», 

I) die Verbindung mit dem rerbum substantivum {vgl. oW* 
geturst sp. 4604). 

a) 011^ diese führen die ältesten belege niHiri^, in denen es 
sich um eine wiedergäbe der periphrastischen formen von ändert 
handelt : audeo,, catar ; aiu«s est, caturalic ist ; kituriatilc iat. 
Keronitche glasten Stiinmitbr- Sutbm 1,14; «ut fuerint, katar^ 



OTTUBSTW 

sllk aint. jlM^en sm dem emmemei raafitf . t,W;t«|fil||gin 
2,tii;laa oloBtaBekUMUla|Mia*vact,Mfc||ta(«M|«w 
einig foD Umo Uf« teaaattar NfM (MfWMMw/M). hUm 
ISO, % ßr MMh.tt,Ui wai al—i Bi asackia Im da «aft 
gtnnlworten, noch nlnuai was *!, toratie vaa 4aai U§$ •• 
«erbat tö fragine. DiNtiaa eM«;,/Jm*iu:*; aa4 Maar «aabl 
im geantwurten eint »orts; onl noch keiner «at 4arMlf !■ 
zu fragen aa dem tag voa 4«a bla. r«4r» Teft : AmfÄwf» 
bibri von Ks: gedorst; und oiraiand knnrf )ai da v««t aal 
Worten ond tburst aueb nirai.>Dd «on dm laf» •• ktofaii 
in fragen. Lcrara {vgl, tp. 4MI aaler falant«) 

b) in der mittelhochdeniMktm MU a§ ämi ander« mm m - 
dungtformen des adycttvt MUU. nfL asM. ■*. », t€. tntn 
1, «.M. nacAfr. ?0V vgl auch Linien tp. 44*7 f. dte mmitket^mf 
tntt hier nur verdeckt, in Mrhindung mit laJiftaHaRiliw mmf 

so Ist da* «II froMar, wUs« Krla«, 
das leaiao so gaiaratlk Ist. 
das er »Ich setsat wldar Mt 
und ahiei wlhi ü( tlo labai. 
das ar mit gröien «raudan labet, 
so er «äste wldar goi sirabai 

StatCM« ia,M Hakmi 
sin enda bata dA ganoaiaa 
durrb in tII manie ritiar. 
4et argen tAde» bitter 
HSObt er dakeioa wji ganasaa, 
awer s4 gatOrsil« woii« wm««, 
dai ar den scbapar (rfw q»t4tmt vUen) «alM b«la 
Koaasa v. Wlataaaa ir^a. Arw^v ntvn. 

c) HIN SO reicher W ifi« fcrNatfanf ««s den tmßnftn der 
neuhochdeutschen periode hekgß. 

a) aut der bibeldbertrttung : und keiner «rat dftr»lig t*> 
murmeln wider die sün hrabel. EcciariTn Jatun I*,t1,i 
KoaoRcea (aiisaj eil in der rulgata); also kaoi allca 
wider ins lager gen Makeda mit friede, ond 
für den kindern Israrl seine tnngen regen. Laraaa: 
bei Eci und DiKTKNaracia. — und «lel brüder la 
aus meinen banden zuversicbt gewonnen, de«ta i%eMi§m 
geworden sind, das wort to reden on «chew. Lvrata ML 
1, 14 {auderent, roXfiär); toraten hegnoglicber reden daz «roit 
gotz. codex Tepl. ; gelorsten on forcbt reden dat wort goie«. 
Augsburger bibel von 149: ; durstiger Ecs; kQboar Ditra^asavta 

ß) aus dem älteren taasihslü.- oderdazwiraog«llrRti|wtrra, 
daz wir für dat «orgeacbriben geriebt te DoraaUUn ak kasMM 
nncb der ermanung. urkund* von nie, ttttkr. ftMkUk» itt 
Oberrheins is, 442; itrm wie kain fürst werd seia is iar «ah 
so inrcbtig der grtArstig sei tu hi-r<itrnen dit Hi serftrt 
maiestet und auch ber Maximinian. iRf/r«rfiea/a fmr die bmt- 
gundis^n Unterhändler (l4T3) momim. Ihhtkurg. 1, i, M. tbe nm 
s. 247. 

y) in 9ocakularien und frammatiken : gedurtlig . . lia, aW^ir. 
mitteldeutscher vocah. es quo (|&. joArA.) Diir««»Aca U 
pedürstig oder geberti sin, aienlicli «olkflaMn aia. 
nit fürchten, roraft. prr^eaaCtaai; «lulere daralig aeia. Afaart« 
grammal. vgl. ScnaiLLta 1 *. *>iX 

S) in der liUeialur: $6 wir des gedenken, s4 «>fr4«a «sir 
gelflrslig ze bittende, und mag ef ans draa« «aa 
zimelibeit niut «eraagen. Nicolai» v. ST&aataaas 
mysliArr ], 263 Pfetffer; gib« ar skh bA aaa !■ 4*f wis« al« 
er an dem kriute b eng, wer wolt« ab faNratif sla der la 
wolt« enpfibeo. dA «on bei «r «in ciocnrk« «rlaa faaaackM, 
in der wir getOrstig mögen alo (ia der knOtey. i m t itt 1,«»: 
do der kunig {Rudolf) alaus tt |MfMa aa«. im las <ia 
fremder kouiman fQr in und kbfrt toa «a« «!■ kar|Ha «•• 
Erlpfert und sprach, er bette im« 
eine summe, der burger leukat« 
den burgrr an . . und sprack: **l« kaMl« dnv 
«0 geiurstig sin, d.-it er dir »oll« lMiaek«a 4m er Ar atl 
beralcb'. Ci-osR^aa d. tlidtttktt m ik m I^M; Itkar saM, «4a 
warstn ao gedantig aolich« to ikSa. übim d; ab g« <tri t i f 
ebendorl b. vfL aken ifk M&S; 

Ist gdoratlf wonlea la »«laa ken«« (4eefa*m} 
aalt t*i glokli «ri« mit «aa ta aelMraea. 

Scbam tnt. und aas^ 1^ ttiL 



2) d4s ndjetäv ta der 
fmmelkaflfn v«r¥mimnf mH itm 
MS ftfntatu m nnent (gciaralif, «a i aa n aa y . «aMMt I^W 
«a« 1412 Diartaaaca-Weutia «t^KAr Mqp« timipm^^ ami 
es iknMii i mikm » dk taMhnf mf funaia 

«) fsa Msf ßK aaklaaMaRfraat «alMaaMri «iaar baati iat 
MMamaaÜato: 



4607 



GETURSTIG 



GETURSTIG 



4608 



dö sprach der Tiirste Giselher zuo dem degene 
'sit ir iiicli schuldec wizzet, vriunt Hagene, 
so sult ir beliben und iuch vil wol bewarn, 
und läzet die getürstigen zuo miner swester mit uns Tarn. 
Nibelungen 1403, 4 Lachtnann, nach, handsclir, A. 
in handschr. C die geturren. 

dazu vgl. audent, manlicher ... ein küner, ein durstiger. 
vocab. predicantium. 

b) das prädicat neben dem verbum substantivum, ohne dasz eine 
formelhafte Verbindung $ieh entwickelte i 

do hob sich micbel hochvart: 
zwene unde sibenzeh vursten 
si waren vile geturstic 
sie wolden wurchen einen turn, 
daz was deme schefTare zorn. 

biiclter Mosis 15 Diemer; 
Schyron der liez daz tinebelin 
diu grimmen tier niht vlieben. 
er wolte ez dar üf ziehen, 
daz ez geturstic waere, 
und ez niht diuhte swsere 
stritlicher sorgen bürde. 

K. V. WoRzanno trojan. krieg 6056; 
si nam daz wunder, daz der bunt 
wart also getürstec ie, 

daz er betwanc den beren hie. Partonopter 18407; 
wir hänt so mange stolze schar, 
daz wir ür sie geturstic sin, 
wenn uns ir zai mit rede schin 
und mit Worten ist getan, trojan- krieg 11653: 

sanguinei. die artent nach dem wazzir, unde sint gebinde, 
minnende, frolich, lachende, unde rotentbafter varwen, unde 
singent, unde feizet sint si, gelurstic unde guotmuotic. 
Mainauer nalurlehre 1 Wackernagel; der selbe her Gerlach 
was eben grosz, brun von antlitze unde scbarp von reden 
unde von rade, und hatte einen swarzen krulle {haarlocke) 
unde einen swarzen hart unde was rosch unde gedurstig 
ein ding zu dune. Limburger ehronik 60, monumenta german. 
vernac. IV, 1 {ib. jahrh.) ; du sihest das eins kuiniges bot- 
schafft gedürstiger unn manlicher ist dan eines fürsten bot. 
Geileb VON Keisgrsberg emeis, vgl. Scherz 492; der mensch 
ist torschtiger und köner der da schlafen gethar in einer 
todsünd, dann einer der da fechten tar mit siben die auf 
seinen tod geschworen haben, granatap/pj (1510) D l" ; do die 
naht kam, do hub grofe Gotfrit der gar frumme waz und 
petorstiger waz denne grofe Rudolf, wand er ouch jünger 
waz, mit sime gesinde . . zwo ackerlenge oder ein wenig 
fürbas von der stat gar heimeliche und wartete des Zeichens, 
wanne man die porte uf dete. Closener d. städlechron. s,'i9 ; 
und worent aJse gedurstig und alse snel, daz kein wasser 
so dief waz, sie rittent oder swemtent derdurch. 63; nu was 
Alexander gedQrstig worden und starg und greif mit sinre 
hant in den pferrich zä dem rosze. Künigsbofen d. städte- 
ehron. 8,303; do sprach Josue: sit daz si grosse beiden 
werent und so mechtig und geturstig werent in irem ge- 
siechte, historienbibel 790 Meridorf. 

e) das attribul: 

a) beziehung auf personen: daz hat uns got erzöuget an 
dem künige Alexander, der was gar ein geturstic man und 
ein wiser man, daz er daz mSrre teil der werlte betwanc 
mit manneheit unde mit witzen. Bertiiold von Kegensrurg 
1,398 Pfeiffer; unde regirte den stift zu Menze herlichen 
als ein kuner gedorstig furste. Limburger ehron, 68, 8, monum. 
germ. vernac. 4, 1 ; welche bilger also an der erste zu gehe 
sind, die selben sind zu dem ersten schedlich und scbad- 
bar, zu dem andern sind sie nersche bilger. zä dem dritten 
siiidt sie verwegenlich und gedürstig frevel oder vermessene 
bilgiT. Geiler von Keisersbbbg chvisll. bilger 155'; derhalb 
(L. S. Catilina) von Cicerone mit sampt etlichen edeis ge- 
schlechts und getürstigen raännern aus der statt Rom ver- 
trieben worden. Seb. Fkanck cAron. (1543) 1,94'; diser bapst 
was ein krieggirig gedürstig man. 314*. vgl. auch oben sp. 
2055; Lucius Sextius auch von der gemein, ein strenger man 
und gedürstig, der understand sich mit Licinio seinen gesellen, 
ein gemein vast wider die väter und den senat zu bewegen. 
Livius 64* Schöffer. andere beispiele, bis auf Gryphids, vgl. th. 
2, 1753. 

ß) beziehung auf sächliches object: auch damit in solhem 
irem getürstigen farnemen lenger zu verharren nit ursach 
gegeben werde, so gebieten wir eu allen und euer {glichen 
besunder von Romischer keiserlicher macht ernstlich und 
vestiglich mit disem brieve, daz ir den ytzgenanten Secken- 
dorffen und sein hellTer in euern landen . . ninndert ent- 



halltet noch darin hausen hofen etzen trennckhen mallen 
noch bachen lasset, kaiser Friedrichs IV. execuloriale. monum. 
Habsburg. 1, 2, 377. 

d) das adverbium : eine that durstig verüben, mit überlegtem, 
frevlem muth. aeten von 1550, Schmeller 1*, 625; so die kinder 
mit frävel, gewaltsam jr eitern schlagen und gedürstig band 
anlegen, ref. landr. von 1588 f. 156; habe so durstig angegriffen, 
dasz etliche zu rosz und fusz erlegt worden, histor. der von 
Frundsberg, vgl. Scbmeli.er a. a. o,; der marschalk nicht 
wenig schrecken von dieser rede emphieng, da er den mönch 
so durstig mit im reden hörte. Galmy 321. 

3) das fortleben unseres Wortes ist schon im 16. Jahrhundert 
fast ganz an die präfixlose form geknüpft, die auch in den Wörter- 
büchern fast ganz allein herrscht, sie wird noch bei Henisch und 
Stieler belfgl, vgl. th. 2, 1753. litterarisch läszt sie sich für 
das 17. Jahrhundert nur noch in solchen Stilgattungen nach- 
weisen, die der mundart nahe stehen, so bei Grypiiius und in 
duszerungen sorgloseren kanzkistils : soll eine jedere rotte {bei 
auflaufen) ... zu des bedrängten hause ... so diszfalls 
dürstiger und gewaltthätiger weise angefallen würde, eilen. 
der Stadt Leipzig Ordnungen 1701 f. 541. den besten beweis für 
das sonstige absterben des Wortes geben gelehrte und summier, 
die in Urkunden utid älteren sprachproben diesem begegnen, so 
führt schon Stade unter den auffälligen warten s. H'iQ an : ausus, 
getcerstig, vgl. Scherz 492. in der stelle des bairischen land- 
rechtes (s. 0.) wurde gedurstig von späteren interpretatoren durch 
mit ernst ersetzt. Schmid jus bavar. 35, 2 leitet es von durst sitts 
ab, und erst Scherz stellt das englische dare dazu in parallele, 
vgl. auch getorstig, kühn bei Wallraf altd. histor. diplomat. 
wh. 27. 

4) belege aus mundartlichen Wörterbüchern : därst, durstig. 
Staider 1,266; d's glück isch für de därstige, audaces fortuna 
juvat. ebendort; schles. turstig Weinhold lül'; deutsch-ungar. 
türstig Schröer 44'; siebenbürgisch getierschtig ebenda; ge- 
tierstich, dreist, kühn, verwegen. Haltrich 12. 

GETÜRSTIGKEIT, Z'., subslantivbildung zum eben behandel- 
ten adjectiv. die form ist in der späteren miltelhochdeutschen 
dichtung, vor allem bei Konrad v. Würzbürg, belegt, vgl. mhd. 
wb. 3,16*. Lexer 1,951. nachtrag 205. den höhepunkt erreicht 
die Verwendung im 15. auf das 16. Jahrhundert, um dann der 
j^räßxlosen form, die erstmals hei A. v. Halberstadt und Jero- 
sciiiN bekgl ist und dann bei Luthkr viel verwendet wird, platz 
zu machen, vgl. gedürstigkeit sp. 2055. 

1) aus der lilteratur des 13. bis Ib. Jahrhunderts : 

a) ohne ergänziingen und bestimmungen : 

kunst unde geliicke 
getiirsickeit und mnnnes muot 
ditz sint dem manne gewisse huot 
diu waren nü Gäweine mite. 

H. V. D. TÖRLiN kröne 20513 ; 

präsumptio getürstecheit Version der Benedictinerregel des IZ. jahrh, 
Käferbäck 12'. ebenso in den gloss. bibl. von 1418 Schneller 
1*, 626; 

von dirre christnin vaile 

di Littouwin alle . 

wurdiii sere gemeit 

und gewannen tursiikeit 

nach der geschieht verre mfi 

keyn den brüdren denne e. N. v. Jero.^chin 19279; 

und darumb ist si ain Torhtig tier, wan si hat w^nig hitz. 
nu ist die hitz uin anprunst der getürstichait und der kuon- 
hait. K. V. Megenberg 277,21; der gallen aigenkait ist un- 
stseticheit, tobung, behendichuit, scherpfen der sinn, neu- 
vindichait, höhvart, gir, unkäusch. 28,29; von ungeordenter 
vorchte und von getürstekeit und von ubermütikeit und 
von <;rgitikeit. cap. 73 des buclies der lugend. Luzerner hand- 
schrift von 1382, vgl. Germania 17,54; wen iclis wol gefugen 
inocht, so kem ich geren; s6 bin ich nit mein selbs, ich 
bin eins gantzen capitels und der besten pfarr, die ze i3asel 
ist, die labt mich nit geren von in. so het ich auch noch 
nit getürstgikeit ofTenlich in den lant zu wandeln, wan wer 
mir icht tet oder nem, da gieng nit klag über mich. Heinr. 
V. Nördlinger an Margaretha Ebner 22S. Strauch. vy{. Heümarr 
opuscula 361; 

der dritte sak ist giinstikait (geturstikait) 
der ist dir auch dar zuo bereit, 
daz du dich freilich machist her, 
nicht sam ein plauger winterper. 
der teste sak ist geduliichait, 
der all dein leiden ubertrait. 

H. V. Wittkn^bilbr ring (30", 2) 130 Pechtlein. 



4609 



tJETÜHSTIG 



onuRSTiGUca 



4610 



b) vtibtnduny mit ullributivtn adjecti»en: 

»o «1 iBukaii umb «iu Lü 
•ui |ia «in ü«ni •iiüero tu 
mll gröitr turtiekeli«. 

Almicut V. IUiti*>T*M 9V OarUtki 
•t In «In grdi KetOrtiakell 
dai ir Ulli red« grifaui an 
mich uiiüe niloeii warden man, 
dan ich muot triuien lamar io4. 

KoNNA» voK Wüaiauaa Iri^an, kritf 11510; 
und worl dar undar oia aA ball, 
dat er nAcb ainai henan glr 
aiu ieii (ai6raia ciagao ir. 
ar liai ö die «aiOriiteiieli, 
dai ar mll (rlmman löuwaa tiratl. 1&&M( 
wan awar die liule wll varjageu 
üi Ir vaterlande, 
der muoi vll manger band« 

fetärxvkeli arieigan. 
dal der man «iu eigen 
Terllena und ai «in die 
und üi dem lande ktra, 
lo dem »In rouoter In gebar, 
i wigel er ttn leban gar. 11078; 

die lolt du dicke unaeben, und aolt ein traben waaier* 
niut mit fribeit iinil vermessener gelOrstelieit gelurrea neiiiBieo 
deoiie mit temuetiger vurchte. nütze alle ding nocb noldurft 
diner Icraogbeit und niut nocb geuuegde. Tadlki predtgltu 
076 Waektrnagtl; wer dem ob(;«naQtea ubbt, und convente 
... au iren obgesibriben freibeillen, recblen und gnaden 
ingrilT tbct, mit frevenlicber dursliliait dazz der verfaliea 
und pIlicIitiK «ei zu geben funlTzig maicic. kaitirl. schuttbrüf 
für lltnediclbturen U&4, monutn. Aoica 7,208; durcli wipiicbe 
gelurstiicail vgl. $p. 4597. 

c) pronominale virweis* auf ergintungsbeslimmungtn, di* im 
tusammtnhang* gegeb*n sind: 

wan er ä ouch diu geturtiikait 
Iruog In 8ime herieu b&cb 
das er bi dam barie zAch 
einen keiser über tisch. 

KoNRAO T. WOaiauae Ott» 684; 
dart^flfe di von gestio 
was tII Liituwtchir rotin 
von andrin gogen&liu. 
den let lorn dl turstlkeii, 
dai In di< volk so iiihln reit, 
und voigtin ouch zuhaut 
In mit gewipinter baut 
als In ir vretdikelt gerii. 19692. 

t) au$ der liUeratur des 15. auf Jas lii. Jahrhundert: 

a) icb hub dir dis eiempel darumb gesagt, z& verston, 
das rilrsicbiiglieit und gescbidigkeit bei vilea besser sind, 
ein sacb zu volbringen, dann mit stercki uder getOrttigkeit 
des luannes. bueli der btisfAeU 66,21 Holland; kein ritter bat 
euch mit ijcdUrstigkeit mOgen verglichen werden. i4imon 9*. 

b) u) wie wol die buide grosse Übel sind, waisz icb ducb nit, 
weibes das grösser ist, ob das übel des ebrucbs grOsser 
sie oder die über grosz gedurstikait den durcblüchtigen kflnig 
unverschuldet zetöten. Stbinhöwhl Bouacio 'dt elaris mulitr.' 
133 Drescher. 

ß) da sprach zti im der ritter. o du ribalt mit welber 
getUrsticbait. torst du dich einen cbUnich genennen, gesta 
Homnnorum 65 Keller; mit was gedürstigkeit, allergnedigsle 
juncfraw, icb mich unterstehe euch zu schreiben, buch der 
liebe 236'; wo hast du so vil gedürstigkeit genommen, um 
solches mit mir zu reden. Wirsdnc Calislus K'. 

c) unaiigcsehen das alles und durch aigen mutwil frevel 
und getursligkait babn si ainen creftigen hertziig furgenomen 
hertzog Sigiuundn in seine lant getzogn du* Elsass und 
Sungkuw gannlz verberget, instructiontn für hersog Sigmunds 
fisandte, monum. Habsburg. I, 1,247 {tndt 15. juAr/i.) ; do der 
kunig des berizogcii geturstekeil {kampfbegttr, sehlachtbrrtil- 
tckaß) sacb, do besamet er alle die er muhte und filr gen 
Brisacb. Closknei d. städttchron, S,i\; do der legate gesach 
des bischofes getürstekeit und unlange mit im gekriegel 
helle, do lies er die sache ligen vor schäme und gesneig 
Ir mit gruszen schänden. 8,51; was ist dann sin getürslikeit ? 
frrenz (1499) 74'; dann ir Qbenuuth und gedOrstigkeil sich 
gar zu weit erstreckt. Huttkn 5, 282 ilünth, 

3) dit prd/ixloj« ^orm, dit für dit dlttr» stü diu AiailcaT 

VON llALIliRSTADT Mild NiCOLAUS VO.V JKROSCaiN SU hfUf*» VOf, 

erscheint auch in den wtahularien, tgL Üikfbmach 3S2. ebenso 
tritt sie in bairtschen quelUm auf: wer den ubgenanten irem 
gulsbaus und iren leuten an ireu obgeschriebeuen freibeiteu 
rechten und gnadeu ingriff tbel mit rrevelicbar duratikail ai^a. 



ttiu % m. ^MfMrtM •■ riiidnliailii a« Süliafra im, 
•VL M. 1, in&. «Ml Umw MtaM äti kkr mit tm »mittm 
filUm itr etmfuktm fmm: 4ot JBHWfcM UUar fü>t racM 
und nimm kcio grid Mv itt im «Icbl afaM groo« dttfa«<|. 
keil, WM kann maos layast Lnata bntft s, M tf« Wm»; 
teuffliacbe daraiigkeil titthndtn »*. »m mJeUrHdktn mttd 
dits4 form noch betSuniM» tuf§fi i tail imttitktH. fitit», 
utvilta, ftro€*Uu, tfrtnnu im. ehn$» n^ 4tllii|irfl. aMl, 
Uem andui». SttuiaMit l«M2. äi$ frift^rtt fim wird Mrib 
ton Kiaaaor Urf O tiM: M» H^ntifk«! im mtUiwmin 
riuber. mfäfumtsit im*. 

GET(:KSTI(;UCII. täm^ f^M>» MMMf «fc 4m $tmf 
nymt getuntlicb (i. i.). dm ftfatrl mdttmt tmtm Ui losiM 
VON WOazacBC und urar i» der 4lUrn «aOn ^eraa gelOratM. 
liehen ; in dtr bibtiübtruttung uvd u — »»tmnUitk md atf^ 
worftntm präfij! — mannitfaek termmdH; *m kkr mu «rlrH M 
lo^ar in dtr elauitchtn tUttratur da IIb j«ML am mr1lkm§rimtd» 
auffritehumj. 

I) a) er waa der jir« uamttan all 

und bete ledocb an im dl« salM, 
das er getür>te< Hcheu vabi 
und ai» «In bell ticU wart«. 

KoNiAD V. WOasaoa« tnfm. Map ItW; 
von im wart ar in all« wU 
(«rOeual ao dar selbaa sMl«, 
«wenn er gaiOrtiaelicbao taia. ItSIl; 

tgl. mhd. mb. 3, 16*. Laiaa I, »51. uMtAtrag DM; dea trackrackaa 

die erzbiscbßf und pischof vasl und getorslen dowidar nickt 
gcredeo, wan einer, der war pischof ze Culients, . . der ituoi 
getürsticbiichen uf den heiligen taufslein und apcll.ert für at 
alle. t. bauristhe forttettung dar tddu. mtiUkrtmM, aioaManto 
gtrm. wtrnacuL II, 329. 

ß) tint art ton übtrtragung liegt M KoRaa» voü Weazacac 
vor, der die im adverb. gtkenmtiduut» m§nMknß nmf äaa 
deiiücunytari des freigebigen bemU: 
sich hit min bort 



und l>t gewabsen laaga ah, 

awiT untlar iu den allen |1l 

|«türiti«i'lichen «Juan w«e. 

der dunkel mich Trum uode qM« 

und in mtn kint von rechter art: 

«wer aber miue gülte tpart 

und er belibet milt« vrl, 

der wizze, dai er oihi «mi 

m!n aan von kOnicIicher t. 

Kos(A» V. Wcazaoi« ttoja». Mef ItUt. 
S) ttudaeler getOrsledicb. müleld. tocmbuUr. ex qmedet Ik >A. 
DieriiiBACH 60; icb loben dich daz du mit dinen iDwao^igr* 
triben und jagen mit diner süssen goad bflU dia forcklaaaM 
berczeu gedUrsieclich us lufent und os rftffUol dea ktilfa« 
globen. heiliggeistgrisu {kanJstk. 15. jährk.] Hoider Mtwmamm 
4, 96; dannan atal er sich heimelicb und für wider kaia, 
und l8t do den bischof von Tele für daa bobaaC dm kaa 
dar und ferentwQrte sich getorsteciich tot tai bcWll, wmi 
satte sich wider den legalen zu kiiegeatff. Cimumb d, 
stddtechruniken 8, 51 ; do daz kunig Adolf vernaa, 4o IMMl m 
ein here . . and wolt den hartiog Obrebt {ilkndd} «««•, 
daz er gen Menize nOt enkem« uf «^en besprochen iag^ m4 
begegent ime zu Ulme bi der TSnowe. do daa der htinfa 
veruam, do zöget er gedurstecUchgegeu im«.a,M: Alänadar.« 
für in eines holten wise s&m kOnige ftaifo tmd aarsdl sl 
im: 'ich bin Ailexaadara oberster boite und bin tl ^ g»^ 
sant, du ich dir aai«, 4m du einen dat besprrcbe«! mit 
ime zA slrilende.' do apncb Darioa: 'da ndml tm fadi r al w 
liebe'. KöRic»Bore:< J. ifiiMferMilfa SMk: dtm hM kmü 
dia loren und die knakt«, te aia ak fa4anl|glafc n»> 
darsunden sc iaohen di« vrjaan «n4 O» atcriMdk S t a ialw tt 
Attop m ö$letUy. 
3) die pri^xhse form, 
a) in der bikelikbtrsettunf : d6 qaaa 
riu edriir decuriä, dtr auch s«lbir «»• 
und her ginc In tor»teclirben zA PiUlü 
JhcsA. BKaaia« f«««|idi«n>art ifar«. U^O i 
und er geng in tanikk. «aite T^/Itmki mU m |iam «la 
darsliglich zu hlataai ««4 i««cb das Mb Jbaaaa. lacaattt», 
ebenso Kuacacta; dürstigklich 4«fiABrf«r Mal e«a IW; dm 
gicng thurslig bioein an Pilalu. ürtnaa n dem dtknm «■•• 
gelben {$p4ter im «agto mA ffmH kiMi*); Uafcb Eaa ani 
DiaTsnaaecta. — ai« giMtM Mnti^tA \m Aa awk uMmt 
34, 2S bt» EcciaTBia, 
sein Schwert, uad gieafas ia te alai 
wargeleaalle»«a«Bi«al««fcMC Lanaa. Aiir «ia ia Ja« < 




4611 



GETURSTLICH— GETUSCHT 



GETÜTE— GETZE 



4612 



entipreehenden bibelstellen {vgl.theil2, ilbh) folgt ihm aue/iDiETEN- 
BERGEB; Eck verwendet andere Synonyma, je nach dem zusammen- 
hange, fraiJiglicb in l. Mose 34, 25 , freventlich in Uiob 12, 6. 

b) in den Wörterbüchern : iürst\g\ich, hehevit,animose, magno 
antmo Henisch 718; dürstiglich audacule, präcipitanterSn&iE.R'lhO. 
die Sammler des li. Jahrhunderts gruben das adverbium wiederum 
aus den lectüren alttr schriftsteiler aus, so knüpft schon Pez 
an die oben angeführte stelle aus Konbad von Würzburg an 
{trojan. krieg 61212) vgl. Scherz 542. näher lag noch Luthers 
bibelüber Setzung, von der namentlich die stelle i. Mos. 34, 25 weiter 
wirkte, hiezu kam, dasz sich auch von iarslig =^sitiens bedeu- 
tungen ableiten liesien, die mit derjenigen unseres adverbiums 
zusammentreffen, hieran knüpft Wieland, der das adverb tm 
Oberen (6, 32 sie kQszten sich . . so rasch, so durstiglicli) 
verwendet und dazu bevMrkt: Luther gebraucht das wort 
dürstiglich in seiner Übersetzung der bibel mehrmals, um 
den höchsten grad einer leidenscbaftlicben begierde auszu- 
drücken, glotsarium über die im Obeion vorkommenden ver- 
alteten oder fremden, auch neu gewagten Wörter u, s. w, werke 
23, 521. 

GETURSTLICH, adj. und adverb., ältere bildung als die vor- 
hergehende ; sie hatte jedoch nicht dieselbe nachhaltige Wirkung. 

1) als adjectiv ist die bildung nur in den glossen belegt : 
temulenlus kitursliher. Hrabanische glossen Steinmeyer- Sibvers 
1, 256. 

2) sonst herrscht dort die adverbialform vor, die sich spdler 
abschwächt, bis sie ganz abgeworfen wird : audenter, caturstlibho, 
caturslihclio. Keronische sippe; audenter katrustlihho. Hra- 
banische Sippe Steinmeyeii-Sievers 1, 25; audacter caturstlibho, 
kidursdiihho 1,156; 2,9S; demerile kidurstlibho,kiturslibo. Ä'cro- 
nische itppe 1,256; getürstlichen Athis C, 45; 

swaz er gelobte und gehiez, 
daz er des lutzel stsete liez. 
wie geturstliche 
verbrach er dem riebe, 
daz er bi sinem eide lobt! 

Otiokar üsterr. reimchron. 17009 Seemüller. 

vereinzelt begegnet unsere form auch in der bibelübersetzung : 
bewegent dQrstlich got: so er selb gibt alle ding in ir hende. 
Eggesteyn Hiob 12, 6, wo Luther tbürstiglich zeigt, während 
KoBURGBR mit küniich. Eck mit freventlich abweicht, vgl. 
Amailich adv. audacter. vocab. incip. teut. g4; und woll iemant 
getürstlich wider euch reden, euer boshait und sünd offen- 
baren (das doch niemant thön dar) den selben sollen ir als 
ain kätzer und ungläubigen in den ban thän und verdammen, 
auch mit euerm gewalt angreifen und sagen, er bah wider 
die christenlichen kirchen gethan, man sol in verbrennen, 
das alles sollent ir unverschempt thun, trutzlich und ge- 
türstlich also durch drucken und euch nichts bindern noch 
irren laszen. *fürst der hellen genant Lucifer ... an bäpst, 
bischoff, Cardinal' (1521) Schade satiren und pasquille 2, 91, 14. 

GET{itiSTLlCüyiElT,f.,substantivbildungzumvorhergehenden: 
mit was gedurstlikait getarst du, die wil ich lebe . . minem 
künglichen stfil besiezen. Steinböwel de claris mulieribus 168 
Drescher. 

GETUSCHEL, n., Verbalsubstantiv zu dem erst spät auf- 
kommenden tuscheln {s.d.): aber ich will ihnen sagen, um 
was es sich handelt bei all dem diplomatischen gethue und 
getuschel. Blücher bei Schere 3, 810, vgl. sp. 43^3. als mund- 
artliche form berührt sich in bildung und bedeutung sehr nahe 
das niederdeutsche getustere, vgl. getustere, n., das gezwitscher, 
gezischel. Schambach 63, vgl. tustern, leise ins ohr sagen, 
flüstern, zischeln, wispern. 237. fraglich ist, ob gedüsch, ge- 
rdusch, geplauder Woeste «b. der westphäl. mundart 74 zu 
duschen, tuschen gehört. 

GETUSCHT, participiales adjectiv zu tuschen (s. d.). wie 
am verbum, so sind auch am adjectivierten particip zwei ver- 
schiedene Worte gleicher lautform auseinander zu halten. 

l) getuscht zu tuschen, beschwichtigen, das schon in den 
äüeslen Wörterbuchaufzeichnungen schwer von vertuschen zu 
trennen ist, dem compositum, dem es weichen muszte: tuschen, 
ein auffrur tuschen. Maaler F. f. 3', vgl. aber vertuschen eben- 
dort unter auffrur. bei Stieler 2266 ist die begriffsbestimmung 
unseres verbums sichtlich von dem bestreben geleitet, dieses mit dem 
unter getuscht 2) zu behandelnden verbum in einklang zu bringen; 
trotzdem ist auch aus ihm aufkldrung für das unsrige zu ge- 
winnen. Frisch geht au/' Maalek zurück: tuschen, einen au f- 
ruhr tuschen. 1, 395, vgl. tüssen, eirükoU thun, verbieten it. 
schwicIiHgen. Richey idiot. Hamburg 317; auf dieser umfassenden 



bedeutung fuszt die attributive Verwendung: nach getuschten 
bürgerlichen kriegen begab er sich auf das ballen und auff- 
geblasen balgsspiel post bella civilia ad pilam folliculumque 
transiit. Garzom schauplalz aller künst (Francfurt 1641) 742'; 
kleinere und gröszere daraus entspringende Widerwärtigkeiten 
waren kaum, nicht ohne Unbequemlichkeit der oberen be- 
börden getuscht und geschlichtet, als uns dessen (Fichtes) 
äusserungen über gott und göttliche dinge . . von auszen 
beschwerende anregungen zuzogen. Göthb {tag- und jahres- 
hefle) 3), 32 ; 

und dieses schlaue volk sieht einen weg nur offen: 
so lang die Ordnung steht, so lang hat's nichts zu holTen, 
es nährt drum insgeheim den fast getuschten braod, 
und eh' wir's uns versehn, so flammt das ganze land. 

(Jahrmarkts fest zn Plundersweilen) 13, 24. 

im gegensatze zu diesem particip hält sich am verbum selbst — 
in mundartlichen formen — die beschränkung auf das gebiet der 
rede, die vermuthlich den ausgangspunkt überhaupt kennzeichnet : 
schon bei Maaler tusch dich, schweig still. Ff 3'; düschen 
still sein Stalder 1,329; tuschen, tuschen, tm reden einhält 
thun, jemand beschivichtigen, durch sanfte mittel ihn veranlassen, 
nicht weiter zu reden Danneil wb. der altmärkisch-plattdeutseben 
mundart 229 u. a. 

2) getuscht zu tuschen von dem fremdworte tusche, vgl. 
tuschen (in arte pictoria) signißcal coloribus pallidulis, tremulis, 
ac fugientibus aliquid adumbrare. Stieler 2266; ein getuschtes 
gemälde. Adelung 4,1107; 

im fernen horizont, wo die azurne luft 

die see zu küssen scheint, glaubt er im morgeuduft 

ein leicht getuschtes land zu sehen; 

bald macht darin die mächtigste der feen, 

die fantasie, ein schimmernd schlosz entstehen. 

WiBLAHD (Idris 4, 8) 17. 205. 

bei Wieland begegnen noch weitere Übertragungen: 

er schnallt den hämisch ab. legt heim und lanze nieder, 
und überläszt der lauen flut 
den frischen reiz der jugendlichen glieder. 
ihr unheflecliter schnee, getuscht mit rosenbiut, 
scheint aus den spiegelwellen wieder. (Idris 1,19) 17,22. 
vgl, auch 11, 102 {don Sylvio von Rosalva 2, 2). 

GETUTE, n., Verbalsubstantiv zu tuten (s. d.); vgl. dute, 
duten th. 2, 1767: 

auf des altars stufen kauern 

auch die tempelmusici, 

Paukenschläger, kuhbornbläser — 

ein gerassei und getute — 

ein gerassei und getute, 

und es stimmet ein des chores 

mexikanisches tedeum — 

ein miaulen wie von katzen. Hkink Vitzliputzli 2. 

GETWANG s. gezwang, ebenso ist zu gelvrerg, getwingen 
und anderen in der mittelhochdeutschen periode mit t anlautenden 
präßgierten formen auf das entsprechende neuhochdeutsche *gez' 
zu verweisen. 

GETWEINDE, participiales adjectiv, mansuetus, auf die Über- 
gangszeit beschränkt: inphaende di getwende unse herre, abir 
demütigende di sunder bis czu der erdin. Trebn. psalmen 
146,6; der herr richtet auff die elenden. Luther (psalm 
147,6); die senfftmütigen. Eck. die form beruht jedenfalls 
auf mundartlicher lautgestaltung. Fietsch a. a. o. Idszt die 
wähl zwischen anlehnung an getwenge (Lexer 1, 952, nachtrag 
205) und getwede (Schiller-LGbben 2, 90'); die letztere an- 
nähme wird unterstützt durch : 

ei, süzir got vil höre, 

durch dtnes namin ere 

bis den dinen gnedic 

und mache si getwedic (einqnschüchtert, znhm). 

N. v.Jeroscuin 9154, vgl. Pfeiffer a. a. o. 

GETZ, n., nebenform für gäz zu dem colleclivum geäz, 
geäze, vgl. Lexer 1, 747. Schmeller l ^, 157 (dz), vgl. gast 
oben sp. 1473. das wort erscheint in der eingeschränkten be- 
deutung viehfutter: unser gwin, gwerb unnd handtierung 
ist dem vogler oder vogelrichten allerdings gleich, wann 
ein voller einen vogelplatz oder vogelherdt zugerichtet hat, 
so strewet er hin und wider getz, die vögel werden haimb- 
lich. B. Hbupold Plautus redivivus {Augsburg 1628) 10 (offundit 
cibum). 

GETZ, ncbenfoim zu götz, gotz, gottes, tn bestimmten Ver- 
bindungen zur interjection umgebildet, s. unter golU 

GETZE, GETZEN, schwaches m., nebenform zu gätz (s. oben 
sp. 1515), vgl, auch gOtze (s. d.). xu den unter gätz gegebenen 
belegen vergleiche auch Weinhold beitrage zu einem schlesischen 
wb. 1,27. für die jüngere form getzen vgl. Frommann 2,81. 



4613 



ÜETZEN— UEÜÜEN 



OB0im«-<ll0tT 



4614 



und AobLUKC ], buu: 'gerxen' ... in einigco gegrinten, ein 
Ijericbl vun lucbl, eieru und luilck, welches in der pfanoe 
gebucLeu wird, und wotu aiuic ieute nur gcrtlennicbl lu 
neliiuen plU-gen, wuber e« den oauicu zu babrn tcbeiuet. 
es wirduucb 'gemling', in <U-r Lau«iU und Met«xen 'geUto'i 
und im Wendiscben 'jexcmen' Kiuannl. 

(.KTZt.N, V€rb., nebtnform im (;ntten (i;>. i:>l«), gAtien 
{tp. Vor.). 

I) lu dem unliT gatien I) b) oben gegebenen beüpitl üt 
aniufugen: wie es unuiüfslicb i«t, dasx die «glasler ir bupffen 
und (jelxen Ussel. Lutiik« titehreden 433'. 

•i) tu gUlzen: geUe <c/im). verb., Iiexvlcbiiel dus scbreien 
des bubnes nach gelegtem ei. Klkicma.'«!« bettrige xu «inrm 
nordthüring. idtutikon 7. 

3) lu gatzen (mit btiug auf den meHtekm) » «cbwulzen itl 
Wül jenes geizen tu itellen, in wvlchem ». ISiste« I. ergin- 
tungikeß tu Vilmah i. li dat grundwuii tu crgelien vermuthit: 
luriiin geizen, schäkernd nach ctwat austdiiiutu oder tehn- 
nhttij horchen (vgl. auch getzmaon v l'nsTKR naehtrig* i« 
\iuiAK ~H). hierher gehört anscheinend auch: 

»\e kuni uns weilur geueii nocli siugea, 
»u ubul wiir ille hur erscliiockeii. 

Fiii*citLi<« .SNimiin» 309. 

QV.TZLIC», udj.: frftllcb oder gctzlkb sin. Kölner handsehr. 
det loher und Mauer (ib. j/t.) Lkxkr naehtrag 206, vgL gctz- 
licbkeit. 

GKTZLICUKKIT, A, nebtnform zu ergelzlicbkeil, vgl. <Ä.3, 
ip. 822. et ist sehr fraglich, ob in der präßxlosen form das 
grundwort, und ob nicht vielmehr eine seeunddr« enlwteklung 
dann zu erblicken ist: 

1) die (narren) wurden auf ein zeit, daniil man dem 
bapst ein getzlicbkeit macble, auT dro palast berufea. Bkbel 
(libU) 16*; 

we dem sin wUuach all werden wor, 

vil wuntcheu da» sie leben lang 

und dflnt iler sei üocb aUo Iraiig 

mil schlummeu, »rasten im winhiisz 

dat sie vor xii mnsz faren u>z, 

dar lA ob »io scliun werden alt 

kind nie doch bleicb, siech, uugeslull 

ir backen unil hfii sind «o l&r 

als ob ein uir ihr milter wAr, 

vii geiillcbuil die jugent bat 

das aU<T iu eim wesen siai 

in(en) zittern glider, siim und liirn. efe; 

. S. UsANT nuirentcUiß 26, 21. 

2) aut den oben behandelten Verwendungen Idttt sieh auch 
das folgende beispiel erklären, dat tich in der bedeutung lugleieh 
mit gälzen, ätien, füttern (sp. ibi'i) berührt: 

ob Ich ein :fchaalT sld sunsi ein ihler 

lind uni zuo'r «pysz, ouch Tal xuo'n rocken, 

damit wir küiidUid uns bedecken, 

ouch andre frücht mit uuderscbeid 

zur uotturn, untrer getiligkeii. 

Ilurr Adam und lleva 18(K>. 
GF.TZMEK, m. ahUUung von gatz, vgl. «i^Uuffl earnificum 
'gezzmcr' dtctorum, tnschrift auf dem siegel der WürtbMrj/er 
mettger. Lbxtii naehtrag 205. hieraus erklärt sich wol auch 
getzmann Vilmah 13& Mnd PrisTta 78. 

GKU, nebenform tu gäu, vgl. oben tp. I&IH. 
Gt%KtN, vrrfr., s. geibea oben tp. 2568, vgU auch geuen, 
genpen, geuwen. 

GECüCN, verstärktes üben (5. d.); der erste beleg stammt 
aus den Prudenttusglosten, exera't giuopit. STtinHEYEi-SiKVias 
1, 4.S& ; 5on5( bietet weder die althoehdeuttcht no«k die mitttl- 
kochdeulsche litteralur viel beispiele: 

owö. ow(5, her TrUian, 

daz ich iuwer le gewalt gewaa 

so Kuoten, aUe ich ieiuo hiiu, 

und der al.sö niht i^t gotAn, 

dai ich In also geüben mOge, 

alt ez mir wege und tilge. 

UoTTrsisD Trulan 10353 BtckUeiit; 

tweon ich min zouber geübe 

und mSrnr arzente dinc, 

sA wirt ein vrechrr jungelloc 

vil schiere i'lz im gemachet. 

KoNSAD T. Waststsa (rq/ac. kritg 1<NM: 
daz wir dem almebtigen gote disiu fünf pfunt widentcheo 
unde reiten, . . zum andern ludle tod uoserm amle, das 
wir daz also durch got geilben und durch uns selben; und 
unser xU und unser guot aUA angelegen, daz et gote lobe- 
licli st. BEaiHOLD T. UKCBNSBuac 28, 11 Pfeiffer; pei der 
turtcitauben verstön ich aia rain pider weip, diu allain im 
waigen liep Uew hell und ist geJullig mit allen weipleicbeo 
IV. 




(ttblea . . dia fra» nag »ibl ftflir|M. 4m bl, ai »ag aM 
uibi frubeo aa «le« «lad gegta mMmi tat, ^* *** l 
der bin der MBllktall. ft. f. Mmumm bwtk im mim 
•i (dK h«,L OiaaMli «M M(t fva, 4m rf dlMlikdl « 
wtle laubea MMhU, vMM ai M dtalM «Ibm frtvM 
■aoul aot «04 aiaa« rak m4 |Im n wm aaÜM mJ 
bot brfit bi( ir dicke karWa bilpfaMUM kr4l mA Mf»- 
sinecket und uogeaalMO. II. f. ^aiiaiaa iMiMki mfitikm 
l,2tt Pfeiffer; das aim dk ttagrr aia laU •4ar all« aÜ äs 
ander, oder der daam, die f-irdrrttM «dar 41a MaJafHM 
lam werden «ud aie oil |es(reckaa aiar 
oben mOcbl. BasoMacavaic (*<r«/fi« (UM)ir. 
hierher autk: 

druiiib Ist 4ar ttum gar effi Mirabt. 

dab) dl well In» {tkmtm f) frsU gsaM. 

H<«w>eTfa«M8« W. 
GEH Bin, m^ tkmdtui$»kt nthnfmm n kiakiu, efL tt. 
»,«M: 

•In weluer pfab credeniter war 

• uUng «ad atz der lugrl schtr 

titchdieiier warso der Wooiit. 

Roikroptr, KifllMr «ad der ««enMia. RsMfacae (4m 
reviM««! 4rr — dar rt al* tnmämt 9h^ I. «M^- 
et scheint auch, iatt das füftni« M«fM mit im fmm | — ai Mi 
hierher gehört: auo4, dae ir ewere kinder also sart rlrliM, 
so werden nichts dann eitel göwilzen darsoat, timi far mtd 
für stetig furtzfrllig, kraock and slerbeot ^0 uM. 
lassend euch eine warnung sein, so akarfeei 
halten ihr auch slarcke junge kioder, waaa ihr i 
giite slarcke hoiterbrei zA essen geben. I'asi 
tchaft {eap. ttei 131 Bolle, tgl a*€k geibilz tp. 

GEÜBT, perlietpia/ri adjecttv zh üben. 4u moh m tf 
paitieips von teinem verUalstamme, du 1« H«s«rer knUftn 1 
weit vorgeschiitten ist, beginnt frükt, 

I) a)seAon aus Notskbs kberttitnngttprnek« rnni Ar «stM»- 
dungen ter genobto liat (beizet pugilialona) und geaoylar 
licbamo, cxrreifuiN corpus, belegt, vgl. GaArr 1,11. aas 4*r ati$M- 
hoehdeuttehen periode trete* nur fHikttm sufeWaa fW 
det partieips hervor, an denen die isali«r a a | 
punkte findet: dat der guute von im warda fatakel te i 
wercben. aliä. predigten 2,3» Urtetkaim; 

Ich tibe das ir >lnt ter« b«ir«l»«i, 
Awar beriae bi aiii uaaiAi geukei 
darumb so tagent salr den gruai. 

IHoctrtUm va MUt. 

dagegen tiegt für $oUk* ittkenng ein ImpsW ta itr /Wa 
ungeübct vo', die aut Suso btltgl isf, efL mi Ue lkotk i . mSrink. 

3, I9i*. im 17. Jahrhundert ventkäntu «Mft mirttibidbir, Ü» 
die parlidpialformen tonst b*im err^aai brinftu, aassr 
für steh: geübt, gebraucht, cxrreilai Fai«ic» (leiec*!; 
exercUalus, prriclilatus HaMsca IS*»; geübt, palbr«, 
pratticalo Casulh (l73u) I30>«; geübt Scawa^ (iTW) '.m. Am> 
LUNC irrani dat partidp nkkl um werh, wol eWr Caer«, ngL % 
354; wer kenntniase von einer Sache besiut, ial ka»^ mm 
sieb fertigkeiten in etwas erworben bat, iat §»tk%, wm 
unternebmnngen gewagt, anrechtu«(aa aad gaiakrM 
standen hat, der ist versucht. W. PvraMia 
deutsche worle (I79i) scknfXn der kmrf. ftadlasta/l im 
heim 9 t. 7. vgL daz« EaeaBaaD rersac* «««v 

4, 321. 

b) ein weiterer b*9tit fkr O» n titg ik t m it i mämmt im pm- 
ticipt liegt in der rtitUiektn aaiMd«^ 4v Mfmwmtt^fmmt 
unter denen der nperUtn ftWiwiap t i 

a) geilbter und gewisser. Ume •, *n\ fitbiar Www 
ertnarren {neudmtk) 202 ; torwIrU : Ul dasWdMara, saÜaMl 
und rOckwSrU nur fOr gertbleia, oad «Mb mm ml 4aM 
blachfelde, auf dem wirrfcldc iat'a aaOMkk. f. L Jaa* 
uerke 2,S0; die interpunrtion, «• 
fanger sein must, tat fOr den _ 
wertb, zumal in itMM ae lekhlea gadkkt. I. LacBMBa 
{»her IhgeMt Viti i aa i iBaa ^ fal r ) kma imtnL mtL tm^ m- 
ginnngtbnnd «r. II. _.^ 

ß) den wulgeObtiatM krtafaaMaa. Sraan Vi ß imtmtm 
OMler, geObleetea kaaaar, ffl. s^«ti«(dM MthlaMt •*§>» |»> 
fibiceta obr, gtAktaaU Mbaa- ••4 N ^i^^ ^rl»^ |alM«Mr 
mecbaaiaMa, tfL tf. «Uli ptUaeta «Im v> M»> 

e) ik liiMiraM M u niä mkmuk i» ien 
parttet{4*k<t ^iieiHwi. 




t) unter w^kmng w e t a iir /hMüaaea: Maraaaa awMa mm 
Mkm, ba^Mil 4k niM ||M> 



aeioen gezeicbnelM nallarlwfcM, 



Stt 



4615 



GEÜBT 



GEÜBT 



4616 



lliicht', selbst mit einiger gefiihr, als der erste zu beschreiten, 
unter den liausgenossen Tanden sich viele zu höchster leichtig- 
keil geübte; denn dieses vergnügen ward ihnen fast jedes 
jähr. GöTHC {W. M. wanderjahre 2,5) 22,100. 

ß) mit abstreiftmg des verbalcharaklers : zwei tausend gutte 
gedunkcn zusammengebracht von dem geübten Padl WI^CKLER 
{Göiiitz I6S5); 

man soll euch mädchen auf dem lande 
wie mädchen aus den städten, (liehn, 
so lasset doch den l'rau'n vom stände 
die lust, die diener auszuziehn ! 
doch seid ihr auch von den geübten 
und kennt ihr keine zarte pilicht, 
80 ändert immer die geliebten. 
doch sie verratlien miiszt ihr nicht. 

GöiHB ('.'flc miälerin verrath) 1,213; 

nicht mit unrecht ist selbst von unterrichteten und geübten 
über das ermüdende nachschlagen . . geklagt worden. Mass- 
HANN einleitung zu Ghaffs althoclid. Sprachschatz 6 theU. vyl. 
der geübtere sp. 4614. 

2) in dir bedeutungsentwicklung sind keine weilgehenden unter- 
schiede zu beobachlen. wenig entwicklungsfähig ist ein älterer 
gebrauch geblieben, bei dem das particip an Verwendungen an- 
knüpfte, die wir heute mit ausüben, verüben zum ausdruik 
bringen geübt berührt sich hier mit gethan {vgl. sp. 4366); nach 
vielen geübten und fürtrefflichen thalen, die er in den kriegen 
gethan und begangen. Fronspebg kriegsbuch 3, t4$'; geübte 
künsten. Hknisch 1588; dasz wir nicht können überhaben 
sein, ermeiten Jesum von Nazareth umb solche turbation, 
geübten gewalt, raub und spolii vor goit dem allmächtigen 
. . mit orv'lentlichen rechten zu besprechen. Ayrkr Ats/or. pro- 
cess. juris {eap. l) ', ausgäbe von IG80. ebenso bleibt eine jüngere 
entwicklung vereinzelt, in der die in üben ruhende Vorstellung 
der Wiederholung für sich allein den ausschlug giebt: meine ge- 
übtesten arien vorzusingen, in allen übrigen Verwendungen 
macht sich die beziehung auf das subjecl der verballhäligkeit 
geltend, ihm kommt das eryebnis derselben zu nutze; die Ver- 
vollkommnung, die durch die Übung bei thni eniell wird, steht 
im Vordergründe, es ist dabei zu unterscheiden zwischen prädi- 
cativen und atlribuliven fügungen des particips, 

3) das participiale adjectiv tritt als prddical zum verbum. die 
isolierung ist hier desto mehr vorgeschritten, je mehr sich das 
particip aller einschränkenden ergänzungen und bestimmunytn 
entledigt : 

a) mit näheren bestimmungen. 

a) I)) nachdem ein ider alt oder geadelt, oder im kriege 
geübt und verdient {prout decus bellorum) oder auch mit 
wolredenheit begabt ist. Micvllüs Tacilus {German. li) 12S9; 
geschickte archivare sind im lesen alter Urkunden geübt. 
Petersen schriflen der kurfürstlichen gesellschaft in Mann- 
heim 9, 7; 

auch bin ich hier aus dem land, 
im klettern gut geübt an steiler alpenwandl 

WiRNKB (24. febr. 263) Minor; 

er ist in seinem fache sehr geübt. Campe 2,354. 

2)) dan die leibliche Verfolgung war zu grosz, dadurch die 
rechten Christen nur geübter und gewisser im glauben wurden. 
Luther 6, 47S' Jena; 

am körper alt und jung an jähren, 

halb siech und halb gesund zu sein? 

das giebt so melanchoTsche laune, 

und ihre pein 

würd ich nicht los, und hätt' ich sechs alraune. 

was nützte mir der ganzen erde geld? 

kein kranker mensch genieszt die weit. 

und dennoch wollt' ich gar nicht klagen, 

denn ich hin schon im leiden sehr geübt. 

GöTHK an muiiemoiselle Oeser tu lyciptig (1768). 

ß) ain iegelicher sünder. der lebt ain weder darumbe. 
daz er werde gcbüezet alda gebezzerot. alder er lebt darumbe 
daz der gSte und der rebte von im werde geübet zc guten 
werben, altd. predigten 2, 39 Grieshaber; auf diese weise 
wurden die Sachsen zu den waffen geübet. Haller Alfr.69; 
die durch gewonhait haben sinn, die do geübt seien zum 
underschaid des guten und des bösen. Eck Hebräer 5, 14, 
ebenso Dibtenberger, vgl. sp. 4616; 

ist . . das äuge geübt, die künstliche weudung zu treffen. 

GÖTBB (Hermann und Uorolhcn) 40, 303. 

y) der lautenist präsentirte ihm also bald seine laute, und 
sagte: ,moDsieur, ich mache profession von diesem instru- 
ment, ob ich nun gleich geübter darauff bin, so ist es doch 
keinem eine schände, der seine profession in anderen suchen 



sucht'. Weise die drei ärgsten erznarren (neudruck) 202; in 
der hildergalerie fand ich mich nicht einheimisch ; ich musz 
meine äugen erst wieder an gemäbide gewöhnen . . im antikcn- 
saale konnte ich recht bemerken, dasz meine äugen auf 
diese gegenstände nicht geübt sind. Göthb {italienische reise; 
bericht aus München) 27, 10. 

8) also hab ich ein hertzlichs betauren empfangen, dasz 
solcher Alpländer und völcker alter art, wesen, sitten, . . so 
gar verligen, und denen, so frömbder spraachen nit geübt, 
noch der alten lateinischen bücher verständig sind, vcrlialten 
sein söltcn. Stumpf Schweizer chronik (1606) Vorwort. 

b) einführung ohne weitere bestimmtmgen : 

der maister sprach : 'ich piii geübt, 
das ich pin am hcrre meiner zuugen.' 

Vi.NTLKR pliiemeii der tiuient 5231 ; 
ein wolgeübter man verstehet viel; und ein wolerfahrner kann 
von wurbeit reden, wer aber nicht geübt ist, der verstehet wenig 
{qui non est expertus). Luther Sirach 34, 9; welcher nit erfaren 
ist. Eck; der nit ist versucht in der vorlulherischcn bibel; alle 
Züchtigung aber, wenn sie da ist, dünckt sie uns nicht freude, 
sondern tiaurigkeit sein — aber darnach wird sie geben eine 
friedsame frucht der gerechtigkeit, denen, die dadurch geübt 
sind. Luther brief an die Ebreer 12,11 (den geübten durch 
sie. codex Teplensis; exercitatis per eas). ebenso Eck und 
Dibtenberger und die späteren; 

zwar ist um U'ost dir itzo bange ; 

denn alle züciitigung, so lange 

sie da ist, scheint uns hart. 

doch nachmals wird sie friedsam geben 

frucht der gerechtigkeit und leben 

dem, der durch sie geübet ward. 

Gellebt (irost eines schwermiUhigen Christen) 22, 215. 

4) als attribul tritt das adjectiv enlwedtr an nomina agenlis 
an oder es verbindet sich mit Substantiven, die das ausiibende 
Organ kennzeichnen. 

a) für die nomina agentis sind enger eingegrenzte und um- 
fassende Vorstellungen zu unterscheiden. 

a) l)) deren oberster war Johann Katziuner ein Carbat, den 
man für den wolgeüblislen kriegsmann achtet. Stihps Schweizer 
Chronik (i6C6) 43"; wolgeübte Soldaten Castelli (l73ü) 1308; 
geübte Soldaten Adelung 4, lli6; gutgeüble kriegsvülker 
Schwan (1782) 740; 

das kriegesheer trotzt auf die treu 
geübter tiegerschareii; 
das leichte birschvoik dient dabei 
statt streifender husaren. 

Hagedorn (Mftendore) 3, 38. 

2)) Belial aber ein lang geübter practicus im rechten, und 
darzu ein sehr verschwatzter geist. Ayrer histor. process 
juris (1680) 4 {capitel 1); ein geübler geschaflsmann, sach- 
führer, redner u. s. w. Campe 2, 354 ; er ist ein geübter ge- 
schäftsmann he is well versed or experienced in Business Hilpbkt 
461; wer die regierung des feuers wol weisz, oder ein geübter 
probierer ist. Ercker (16:3) 8; ein geübter clavierspieler. 
W. Petersen schriflen der kurf. gesellschaft in Mannheim 9, 7 ; 
blicke man alsdann niedergebückt durch die füsze, oder 
lehne sich über irgend eine erderhöhung hinterwärts und 
schaue so, in beiden fällen gleichsam auf dem köpf stehend, 
nach der gegend, so wird man sie in der allerhöchsten farben- 
pracbt erblicken, wie nur auf dem schönsten bilde des ge- 
übtesten trefflichsten mahlers. Göthe {zur uaturwissenschaft) 
50,37; bald hätte ich das noihwendigste zu sagen vergessen, 
die aktricc, der Bälhelys rolle zugedacht ist hat einen schönen 
umfang von stimme und ist eine geübte sängerinn, die beiden 
mannsleute sind tenore. Göthe (an Kayser) briefe 4, 170; 
frau Tillsen, als vorzügliche klavierspielerin, . . sowie ein 
jutifjer veiter ... als sehr geübler sänger . . . trugen die 
kosten des musikalischen Vergnügens. £. Mürike (maier Nolten) 
i*, 108; ein geübter Jäger, schütze. Camph 2,354. 

3)) geübte Schwimmer n. a.; ein geübler Spieler. Campe 2, 3.i4; 
es giebt untrügliche kennzeicben, wodurch sich der geüble 
trinker von dem angehenden unterscheidet; wenn dieser, 
während er das süsze flüssige feuer hinuntergieszt, die äugen 
wollüstig zukneift und in innigem behagen noch mit dem 
letzten tropfen die zunge erquickt, so spitzt jener blos ein 
wenig den mund, trinkt mit offenen äugen und ignoriert 
den tropfen, da er die erfabrung gemacht hat, dasz dieser 
nachzügler den durst, statt ihn zu loschen, nur aufs neue 
weckt. Hebbel {Schnock} 9^, 14. 

ß) man liesz ihn^daher in frieden gehen, wohin er nur 
wollte, nur verleitete man ihn zuweilen zu einem spiele, und 



4617 



GEÜBT 



4618 



da alle aeine bercchnungen gegen die feinen flnger aeioer 
geQbten gegner niclit sticli lialleii kunntrn, lo hatte roao die 
frcudc, ihn . . oft zienilicb rein oussuplünilern. K. Gaoaaa 
du dame vom iehlout (d. lÜteraturdtnkmaU 0« /f.) 1(7 ; nirgend 
aind alle diese neike volltttlndig verieichnel, nicht einmal 
den geühle*(«n kennern brk.innl, noch weniger irgendwo to- 
■ammen aiifbewuhrt. Jacob (^riiim einUUung lu Ihiü i, ip. 54; 
aber leine offenen dunkeln ougeu . . Oberilogm tuweileo 
»o herrisch den ganzen ladi-nranni, dasz ein geübler be- 
ohiirhler leicht die seele iles );anzen geKchSfles in iliesaiu 
buckligen errulen konnte. (\ W'KiTBaücRr Phaldna 10. 

6) Verbindung mit subilantittn, iti die organe und krdfle det 
mnisehen ktnnitielmtn. 

it) den Volkomen aber geliert «larckf speise, die durch ge- 
^v Allheit haben geObete sinnen, tum unteritcheid des guten 
und des bOsen. LurniR Ebrttr &, ii (der die um di gcwon* 
huit habcnt geübt ir sin. codex TepUnsh; qui per eontuetudmem 
eiercilatos habeiit tt-niut; ebento Ecclstitn und Koburckr ; 
•inne, die da gcilbet seien bri Eck un(< Diktknhkrcrr vgl. 
tp. 4615); so meldfl uns Homer, dusz Nestor, der weiseste 
unter allen Grieclien seiner zeit, den er uns iiberull in seinem 
gedichte als einen monn von den geübtesten Iribes und 
reelenkrtirten darslrlll, sein leiten auf drei menschenalter er- 
streckt habe. Wiki.a np /.«ütian 5,8&l (1798); wenn nun eine 
ligiir im ganzen gut xnsamineii gezeichnet ist, so erinnert 
der Verfasser nunmehr on die nuslührung, die nicht dem 
ganzen schaden, sondern dasselbe vollenden möge, wir sind 
mit ihm Oberzeugt, dasz die höchsten geisteskrafle so wie 
der geübteste mechanismns des künstlers hierbei aufgerufen 
werden müssen. GOtbb {Üiderott venuch über die maierei) 
iß, 243. 

fi^ euer «tatui gerad und Inng, 

euer ilerllrl)<-r dann und (;aiig 

mit gnnii >iAriicli-ge>eiiien sclirltten, 

mit gontx lölillcli-geObten sitien. 

WscKiisRLiN {H. wlt) 1,227 //. Fheher. 

y) t)) alsdann ist die geübt band gehorsam A. DOrkr 230, 2i 
Lange; geflbte gelenke, geübte tinger. Campk 2,126; mit ge- 
übter band rt(/i a practised luittd IIilpbrt 461. 

2)) (der ^lirit) schien, oder war vielnielir gerad und offen; 
suchte zu gefallen und die herzen zu gewinnen, ohne es 
mcrklieli zu machen .. dieses alles war mit so viel würde, 
feinheil und anstand umhüllt, dasz es dem geübtesten äuge 
schwer Üel, das erlernle, erkünstelte und erworbene von dem 
natürlichen zu unterseheiden. Klinrer (Faust 3, :i) 2, \16; 
der andere, stille, nur für ein paar Stationen geschaffene 
mann, dessen elend nicht gcschwUtzig ist, der mehr denkt, 
und wo er auch immer an der gemeinen last angespannt 
wird, besaer zielit, ist schwerer zu erkennen, es gehört ein 
geülitcs äuge dazu, seine ungekünstelte bescheidenheit von 
heimlichem stolz und seine kürze in allem vom trotz zu 
unterscheiden, (i. C. I.ichtbnberc vrrm. seJiriften (i80u) l,2Ui; 
geübte äugen Ckurt-. 2, S&>; mit geübtein äuge wilh a prac- 
tiud eye Hilpert 461 ; und obwohl sie mehr hörte als redete, 
so sab doch sein geübter blick tief hinunter auf den gold- 
grund einer lauteren mitdcbenseele. C Wbitbrkcbt rhaldnal\h. 

3)) aber auch die ausiübrung der sflnger kann nicht genug 
gelobt werden durchaus genau und rein, kann das geübteste 
obr bei all den ausweichungen undauflösungen keinen falschen 
ton bemerken. Crillparzer {tagtbuch auf der reise nach 
Italien) 19^,223; er hob einen jodelgesang an in so unmudulirl 
gröblichen naturlauten, dasz auch das geübteste obr einen 
mit wort oder schiiftzug darzustellenden tun vergeblich darin 
zu entdecken vermocht hlitte. Scheffkl Ekkehard 428; 

4)) ducli i^tait der wolirheli stehn geübte, heitre nileiieD, 

bereit, mll liorK«recliieni wjii 
und .«chnieichelirii); dem herrn tu dienen, 
iimlier an .«einem riir«iensilt. 

TliDOa (ir<iilrferHnj7en) A, 101. 

l) tahlreidt sind die lusummtnsrttniigen, in denen sieh eben- 
falls dte nominale entwieklung det portieipt deuUteh bekundet: 
bogengeubt theil 2,220; kunsigeübt Uieil &, 2700; 

dai ideal, was »eine b.'u$t einprangcn, 
erschuf getreu die kunrtgeObie band. 

Th. Kö*:ikr i><. MeHardm*; 
laniengeübt theil 6,190; scblachtgeQbt Ikeil 9,247; Heraiaan, 
klein, trocken . . auf den ersten blick ein deutscher gelehrter; 
sein blick ist ober scharf, sein round redegeflht, der gaas^ 
gesichtsausdruck heiter, klug, seihstbewuazt. Vashiacbr v. 
Eksb tagebächer l,tS3; hoffentlich ist bis dabin (1869) aack 



GEOrrnEIT— GIDDI 

in fdfar im iiiiMiHi mttut fvtcki, ••* iU 

joftai, »lUr MUm tonifMM, kl tMk m4 Inmä^ Um- 
atcv toUtkalnder (imi) IM; «MlMI M MMk itf itttuk», 
und so war Ihm ita tnäM» ptMit MdM iiMlii, tmi 

weit sie sich ans eiM« Mh«ren iüitan4« iMrMVMkk i^^ 
sant. man findet lo ihr 4«rch«aa »imb |rws«^ t$lM$m 
wetlgeOblen «erttand, ein litfea aarira geaük «.a. ■. Gtn» 

(dicht und »ahtk. IS. bud») 2«, 111; •afftofMM «. «. 

(iEÜRTlIEIT, f., $ubii*nHtbiUu»f im mH§m: Ut m- 
nbtheit, der zustand, die eigentchall rinaf fM«M 94m MfM, 
da sie geObi i<t. tkurt t.v,t. dir ftllMMl 4m ai««ln>w 
Organe, die geUbtbeii «einer Irafte. eUtd* ; §9äUMittf«nime», 
tktU, ejpertneit, dexterUy, adioUneu HitrtKT Ml; 4lr i«i«clwa- 
rflitme richten sich nach dar gaOblhcil im tlftipi1«Mr 



K. L Jahr werke 2,54; wenn er ta fam«r 
gewissen geObifaeii in der anwendong gebftcki bat, ao «IhW 
er sich . . irgend einen prakti«chen redoar tMl v«rli4l4 «ad 
zur nacbfuiga ItKuacaBa die teJ%inKk$ awß9imm% —ek aaldea 
grundtdt-.en (IS22) 91. geistesgeObtb«!! M G*iib, ffL st«« 
»p. 2761. 

GEUCili!:, f. ffL gSiiehe ip. IVKL 

GF.liCHKN, terb. tgL glucben if. im. a«« reßegimn 
gehrautk vgl. noch: es aeindt die liebhaber Ut weit, Ae t^ 
geitzge, die holferligen, dise genchto »Ich a«lh«r «to 4k 
volle trunckene menschen. OiCASsia prtäifUu {ttttmeü l«k) 
147*; r^I. niRLincB:) Alemannia 10,161. 

GKUCHEKEI, f., vgL glucberei tp. lUS; tm 4tm a^ §t- 
gebcnen beispielen tind noch einige hin:usnßfn: Item al« m 
ainsmals tu der Scher kam, ward er in ein lasigarte« «oni 
schloss, den herr Wilhalm uf die welsch minier mit broasM 
und ander tnrislen lasaen, gefurt, spricht «r : '4aa ial turwm 
ein hupsche geucherei*. '/.imwuritdu ckmtii i^Wt, m atia 
nit allein die bauren zu Wiltershaustn aolcber fatteracbwcsk 
und bendel also rerseumpt gewesen, annder dit b awr w i m 
Gaienhnfen haben sich der gleichen geucherei auch betl a w . 
1,3)3 9gL 2,355, vgl. 3,00. 52». W; itt 4laana llofaaiaiar 
muestc tu Sigmaringen der e««l warten nai das wasarr 
hinauf ina schlost fleren; sodann di« essel Iragendl wardta, 
wont er, es were seine kQnder, und lief der afler um 
edelleulen, laigt inen an, der ««sei weren schwanger, 
und bal, sie wellten gefeltrig sein, dergleichen gevchrrri 
trib er tu, dann die leut »chanklen ime gefeltrig gell. 4a« 
gefiel ime wol. 2,955; welche belrieger and grucbcrei man 
mit .solcher furcht angenommen. Joac*. Gaarr Lutrw$ 
(Wittenberg 1545) i4 3. 

GEL'CHELEN, rrr6., mundartUtke reH^biliumg tm inchf, 
gaueben, verhöhnen, rfi. liORM mb. der KUmer muaimt 
(1877) 75. 

GEUDAKZT, m., suiammenseitung «tf ibw in geode, groiea 
SM tage tretenden ttamm {t. d.): so hat er (Maeir) acioe kua«l 
zusammengelesen, eltlichs iheils von alten «cibera. cUlicka 
theils von vaganten, eltlicba ibeila von den gea4AnlMU fktti- 
CKLsos op. (1500) 7,420. 

(;EI'DE, f. tur beieutHüi und abttkmmung tfL im mUm 
geiiden wie ditfet iit aiuk ia$ $mbsU»lie ertt la derifHirnmlM- 
hoehdeuUchen diehtung keWgl : et tritt lOfar naek sf4tV amfmmi 
hilt tieh andi-rerttHt ta der neukaehieuHeken peritit mcA 
incAr im hinter gründe alt tat Mrteai. «s ttni imrriti Mr> 
Wendungen tu beobachten: 

I) geude ^ rukmredifktilf frakl>rei 



Tfftrlu die allen s^ftr 

Dil la«! ror 

fand nnd bsKI mii wttlen Ihr. 

Ü«WAi» v. WeLaamr«» 41, Mi 

mit ruroes gend. M»ntk«mr k m t i i tk r. n\ Scnatiiea i*,«:«. 

21 die rerstWhmy der t yp igleit knn mtdk am wrH« (s. 4.) 
d<e bedeulmng 'freude, übermilkftr lekert' h<r**rra/hw. amf- 
fillig ist jedoch, dost am lakteatrra« dmt \*i ft m» % n |M8 
Alfrreadkmfor sMrte kermrtn». saftM < i*iiii mtr4 äk m- 
nahme timr krtknnf in «OalMMM §mim im artiter f»r. 
MWnaf mä itm l i lil ni w kin §nMm mA« «a^pl, afl iit 
gandi, gedi ScaaBuia l,tn; efL im ffsai-, fitmie. «rf«t- 
keiMt STSL^ta i, 4.*«: im |M4i, 4er fmk. «knie. ^ 
gaudiereo Ih. i^l, tf. Is». 

a) MC* iri»mn4er «W ikt «aaahaw ■aMrUlM <wdk 4b 
wtrh4ünitse n der mlKtfnUadka Wi lli < *• i^t iti*l fm 4m 
tmktt^mtn, das die mnUr t) 4mmMk»49 bt4twtmag 's 
d*»9 mm tmänmk krimtß^ O» ■ fmli iili I fm 

SM* 



4619 



GKUDEL 



GEUDICLN— GEÜDEN 



4620 



genau dem mittelhochdeutschen giude entspricht, während für 
"■übermüthiger scherz' der diphthong überrascht, goude, goide: 

si schuf ir dUe goude 

in geislliclier Iroude. Elisabeth 6399 /ljeö«r w. a, ; 

daz mil hoher IVoide 

mii wunneclicher goide 

an der Croudon riehen vart 

min sele ieso hegozzen wart. 5196, ebenso 4317. 
b) so darf man wol auch für andere belege von geiide = 
scherz , übermülhige freude ähnliche berührung nicht von der 
hand weisen; nur musz man im äuge behalten, dasz geude 
schon von sich aus die bcdeutungen entwickeln konnte, die es mit 
dem lateinischen gaudium in berührung brachten: 

do mich diu vrouwe sagen hiez 

äventiur durch vröude. 

der reden ich harte sere erschrac, 

wan mir daz dinc so nähe lag. 

ich wart ir aller göude. Vinjinal 402,6; 

die bäten mich in sagen 

von äveuiiure, ich l(unde ir nibt: 

ich wart ir aller göude (kandschr. gcidc). 

so \ve mir niemer me geschiht, 

als mir d6 wart von leide. 1014, b; 

göud ist ein hunt ungonge, 

er machet mangen allen, 

swä er hin jeit in die lenge. 

Hadamah V. Laber Jagd 389; 

vil grozer freud 

zierlicher geud. 0. v. Wolkenstkin 12, 1, 25; 
so khumbi der todt unnd nimbt uns dann die freydte 
die wir hoffen haben lannge 
also zergeht der argen weite geide. 

Pdtterichs ehrenbrief 55 ztschr. d. allerth. 6, 42. 

3) geude = überflusz, Verschwendung : verkotf des du die 
gudi hiist, üb du das unverkafl'et last, so verleit es dir und 
wird unwert. Münchener handschr, (379) Schhelleb 1% 873; 

sie woldc sich erbarmen 

me gein den godes armen 

dan ir bevolhen were; 

wi in di lobebere 

gäbe uzen banden lengete, 

obe si des icman drentjete: 

an dirre almüsen gude 

si bedu ir ander lüde 

di almusen reichen dar. Etisabeih 7957 Hieger; 

wenc alle Troude bette 
der al zu male begette 
sinne unde ouch gemiid 
woliusi und alle gude. 9421. 

4) es blähen noch einige Verwendungen übrig, in denen die 
bedeulung des substantivums unter abstreifung der eben dar- 
gelegten besondcrheilen der veralljemeinerung zustrebt, eine 
solche liegt S(hon vor in: 

was hilft mein gier 

zA grossem gut, und nach der eren geude, 

was hilft mich silb^r oder golt, 

was hilft der fratien minne, 

seid wcnlich freud pald ist entwicht. 

0. V. Wolkenstein 118,5,8. 
noch mehr in dem frauennamen Geut, der bei den Nürnberger 
dichtem des I5. Jahrhunderts beliebt scheint: 

von einer pulschad't die ich bet 

gen einer paurn meit die was stet 

als ich euch will bescheiden recht 

ich hei mit ir ein grosz geprecht 

die weil sie iren kelbern streut 

Ich sprach 'got giüsz euch junckfraw Geut'. 

li.FoLZ (sprüc/ie) ituchr il. alterth. 8, 510; 

lieber, haisz sie mir her gan, 

die Geuien! sprich, ich hab sie gepeten, 

daz sie mir bell den reien treten. 

fdslnucluspiete 582, 14 (der alte hannetUanz). 

5) im 18. Jahrhundert taucht das wort wieder an der ober- 
flache der litterarischen belege auf und zwar in der bedeutung 
^überflusz': wenn die reiciie natur einem individuo solch eine 
niasse von laienten {wie bei Byron) aufladtt, so ists ein 
wunder und kein wunder, wenn das gefasz überläuft und die 
schönsten guben in die geude flieszen. Zeltes an Gölhe, 
briefwechsel 4, 70. 

GEÜDEL, m., ältere Substantivbildung zu geuden; dient zur 
kennzcichnang des nomens agentis. vgl. geuder sp. 4629. die mittel- 
hochdeutsche form ist giudei. vgl. mhd. wb. 1,539*. Lexer 1025: 

du lieblich früutlich angesicbt 

lYowet mich von miner frowen basz 

denn ain gantzes win glasz 

das durch dich fliisset als ain tich 

mich machet basz frödenrich 

wann sich min minicklich lieb 

zu mir versiilt recht als ain dieb 

. . so bistu güdel eren plosz 

erlalVen an sinnen 

so pilig ich boclier minuen. minner und trinker 

(ludrer; Laszberos liedersaal i, 329 ; 



so bistu gfidel wines vol 

und lebest in ludrio 

so freut mich min amie 

und gii mir hoch gemüte. 2,331; 

die argen und die kargen 

und die snudel und die gudel 

und die snnfler und die juffer 

und die abreiszer und unrecht zoller. 

teuf als iii'tz 427 Tiarack. 
die weiteren geschicke dieses wortes lassen sich durch lilterarische 
belege nur andeutungsweise verfolgen, auf ein nachhaltiges fort- 
leben im volksmunde weisen jedoch mehrere spuren hin. so 
taucht geudel vorübergehend in der fachsprache der ärzte auf 
in einer bedeutung, die das volkstümliche gepräge deutlich be- 
kundet: von dem geüdel, netzlin oder scliinerfellin des 
understen bauchs. der geüdel das nelzlin oder scbmerfel 
ist ein fcllin von weissem geäder, von vilen blut und bcrz- 
äderiin gemacht, allenthalben mit feistigkcil erfüllet, ana- 
tomie des G. H. Hyff, 1541 fol. 20"; wann der geudel oder 
schmerfellin herabsteigt, wirt solcher brück von lateinischen 
ürzten omenti ramex, von Avicenna zirbi ramex genannt. 
chirurgia (1545) 65' {von gebrechen der gemächt), auf andere 
bahnen weist das schweizerische gäielm'äindig hin: güdelinündig, 
fastnachttag, wo man schweigt und praszt, zunächst vom 
letzten montag in der fastnacht oder dem ersten montag in 
der fasten. Stai.der 1, 4S8. 

GEÜDELN. verb., nebenform zu geuden (s. d.) : 

und iszst da aiiff eins andern teller, 

dasz es dich kost kein scherff noch heller. 

man spricht, und ist auch gwisziich war, 

es ist gut schneiden ins andern ohr. 

derhalben denn ein jederman, 

solchs fals milt sein und geudeln kan.' 

Dedekind Grobianus 140\ 
geudeln, prodigum esse sive largüorem, vgl. Frisch 1, 346"; in der 
schlesischen mundart godeln, vgl, Drkchsler 119. 

GEUDEN, verb. das wort gehört mit der ganzen sippe der 
vom gleichen stamme abgeleiteten bildungtn wie geudel, geuder, 
geudig, geudung, geudarzt u. s. w. zu dem Wortschätze, der sich 
erst in der nachblute der mittelhochdeutschen zeit entfaltet, das 
vorleben liegt im dunkeln, aus der laulform und aus der muth- 
maszlichen grundbedeutung läszt sich jedoch der schlusz ziehen, 
dasz geuden auf das engste sich mit geuen (s. d.) berührt, das 
seinerseits wieder mit althochdeutschem gewön Graff 4, 107 und 
auch mit dem neuhochdeutschen gähnen in Verbindung steht 
{vgl. oben sp. 1148 /f.). denn für die begriffsbeslimniung von geuden 
darf man nicht von dem heute fast allein übrig gebliebenen com- 
positum vergeuden ausgehen, sondern musz sich an die alleren 
und mannigfaltigen Verwendungen des giundwortes halten, die 
übereinstimmend auf die Vorstellung der ruhmredigkeit zurück- 
gehen, erst von hier aus hat sich der allgemeinere begriff ,grosz 
Ihun, üppig sein' entwickelt, der unserem vergeuden zu gründe 
liegt, ursprünglicli stand die rede als ausdrucksmittel der prahl- 
sucht im Vordergrunde des bedeulungsgehaltes und von hier aus 
erklärt sich auch die Verwandtschaft mit geuen, gienen, gähnen, 
geuden, den mund weit auflhun, den mund voll nehmen. 

1) allgemeiner überblick, bedeutuugsentwicklung, gellungsbereich, 
formen. 

a) n) die ältesten beispiele entstammen Hartmanks Krec; 
mannigfaltigere Verwendung zeigt sich jedoch erst bei Thomasin 
VON Zerclaehe und den späteren: 

schallen und geuden sint mir sw%re: 

man seit des phlegen tavernatre; 

ja phlegents leider ouch diu kint 

die in guoten boven »int. 

si schallent unde geudent mere 

dan schiEnin hovpzuht si lere. 

. . swenn si von bove komen sint 

ze herberge, daz unedel kint 

schallet 'win und met her! 

seht, ich gib daz, so vil geh der, 

und min geselle ouch also vir, 

und üherget geudent dnz zil 

daz sin geselle leistend ist, 

und müei in also zaller vrist. welscher gast 297. 

schon in diesem beispiel treten bestimmte linien der Verwendung 
hervor, die sich auch sputer immer wieder bvmerklich machen: 
der begriff der ruhmredigkeit, der sich zur Verschwendung ent- 
wickelt; die Verbindung des verbums mit synonymen, wobei sich 
hiir gleich das vielverwendete schallen einstellt, das ebenfalls 
das mundwerk in den Vordergrund rückt, und endlich die Vor- 
liebe für den substantivierten inßnitiv, vgl. unten. 

ß) die ruhmredigkeit beherrscht zunächst die älteren Verwen- 
dungen, wie sie auch in den vocabularien {s. u.) als alleinige 
begriffsbestimmung hervortritt : 



4621 



r.EUDEN 



GCUDBlf 



4621 



er (Svir'inp) tprieb : 'wxrilcbt dir diu kDncgln albl MM*> 

(In/: ilu UiiK« lebait, Uai Itl mir wortUii kuni, 

d«z »i (lieb hallet T«bl«n mit *urk*n heldco FrMinl. 

wii;r«i <llr diu kniiHgliiD« lu ganton irliiwon holt, 

iin icu'lie dir in deoi ipitel tllber und« goll 

lind liiaiA illii »cliöne pnegen, aUA man vor bll gaittt 

Uli dnii >piteliii«clieil : 

. . iiiii dun iielben Worten brAhie RIenoll einen alte, 

dat im Slk'Ksiap der junge vor »Inrn viieien gelae. 

Itionult Miiacli Hill zorne: 'wA na. ein junger degeot 

wie Ux din iirbt gliiden lila >A balde geIngen'. 

iiihriiii'iHiii (0 Itl, II.Si I3& Hill: {innlerc lirüiiMf *.».). 
in npiUertr entieicklung durch dtt vonUltungn dtr üppigkeH, dtr 
vencliwendung, du tieh hnuplMtchlttli auf >ergi-u<leii ttültr*, 
bednimil und vodrdniil. Übt die urtprungHeht bfdtulung doth 
noch heule in der ötterreichifelien mumtart fort, vgl. gruden, 
■ mlnpii, $tch rühmen, prahlen Scnop»' IH8. 
/) die uppujkeU, du' vrrschwendung tittt tich schon in dem 
fluten heisiiirle du.i Thomasin leicht von der ursprungtbtdiutung 
abUtlen, vijl. auch : 

l:U daz ein ninii liähvorllc al, 
leliaiit gedenket er wie or *ol 
die andern OliurKeuden wol. 
awen er don aihi >iai «In hAlivait 
in i(Uol mit geudeu niht wol vari, 
•0 wlri er gir««ch n&ob dem kuoi, 
üai er vOrbrIiig »In Abermuoi. 

TiiOHtfim wfitchr (;<!«/ 11044 u. n. 
stünde dtr begriff der Verschwendung allein im bedeulungsgehalte 
von geuiieii du, so böte die vermuthung von Sciimi-li er (1^,802) 
eine anitprechende erkidrung, insofern dieser an altnordisch eydsla, 
prodtgclitas, cydi soMudo, ddnisdi (nie, Adsle verschwenden, an- 
knüpft, daiu würde auch die parallele stimmen, die Stiki.kk i:ih4) 
twtschin der bedeutung von vergeuden und veruilen aufstellt. 

^) eine von geudea gloriart und geuilen prodigere ijleich ueit 
absiehende bedeutung leigt sich versteckt schon m rtiiem beispiele 
aus iNKiORAHT T. Kruk.ntral: 

diu acliult diu lit iil Watkcn unde üf jenem Utegäre, 

dal (i aUÖ dicke mir ao loubei öre tuet. 

geiiden gieiigen si gelich 

Tiiwer an einem taiixe. 

d4 mUDHten drie vor im gigen und der vierdn phelf. 

>iiii-r vreiideii was er ricli 

under siiiein kränze. 

er niim im dii diu »cha-ne ^-lo vll manegen urobe«wdr; 

lürkenviit allpz mit vaale an »iut'm diolie. 

er wunscliie dai er mir an ir daz belmel vor geziehe. 

NKiniuaT l), iS A>int. 
aus der bedeutung der ruhturediiikeit und des üppigen grostlhuns 
kann sich hier die nebenliedcutung des iibi-rmüthigen scherz's, der 
fröhlichkeit entwickelt haben, für die jedoch auch das femininum 
geude — yauJittm (//i. 4, I, >f. 4ut8) in betraciit xu liehen ist: 
^— man leite ir von dem (;ai'ten, der wa-re schöne bereit, 

B duriune waire iinch wünsche manec juncvrouwe vll gemeii 

B~ ale «eilen Ir von dem giuden. daz an dem Hine wa«, 
Uf «ie selten Ir von dem gevügel, dax üf der linden >az, 

H^ ale tt'iten ir von den nu-idi-n, die wahren schiene und glänz, 

H[ ex tiueg iagllcliiu i^l Ir houpie von röten einen kranx. 

H, rofrngarieii (i> 4, 134 j 91 HuU; 

^^ Ciaritten tarc gcheren. wart altam Rlcbaudeo. 
^HL WBizers vll gereret vz ougen wart; sie pOagen keinet geuden. 
^^H jung, Tilurrl Vil. 

^^PbeA diese bedeutung, wenn si- freilich unter den herrschenden 
Verwendungen nicht eigentlich durchdringt, lebt doch mundartüch 
weiter, vgl. geudeln, geidcin, sehdkern, schenen. Weinrulo 1,27. 
b) der geltungsberetch. 

a) reichlichen gebrauch ron geuden machen Ko;«r*d v. WCrz- 
BURC, iiocA mWir Hadamar v. Labkr und die spdtere volkufiik. 
aus der spruchdichtung sind der Tkichneh und Sucbbmwiit, 
aus der geistlichen lüterntur Hbkthold v. Kegkksruhc amit- 
führen. die Chroniken schreiber und die bibelübersetsung treten 
für unser wort turüek, dagegen nimmt die unter dem einflusu 
des humanismus aufblühende prosa, ebenso Maus Sachs und das 
fastnachlsspiel regen antheil. tm ganien reiht das verbum noch 
weil über das n. Jahrhundert hinaus. 

ß] die Wörterbücher, die das verbum ausserordenÜick tahlreieh 
veruichnen, lassen die Wandlung in der bedeutungtentwicklung 
sciiarf hervortreten, in den roiabularien wird gant tUeim der 
bcgiiff der ruhmredigkeil verieichnet, der auf die grundbedtulung 
zurückgeht: güden yloriari vocab. von 141» Scbmbllbr l*, 872; 
yluriart, uberherrsclien oiler rübroen oder gailden. rocabular 
von UM, vgl. Frohmaü» 2, 199; geudnen, geidnen ghriari. Mcafr. 
incipiensteut. DiüFE^tBACB-WCLCRBR 925. vgl auch die belege fkr den 
substantivierten in/intfiv in der bedeutung von arrof»ntM $f. 49X1, 
von Wörterbüchern hat Dastpudius (F 2) nur die ntmiiulfmrmtn 
(geiutig, grudigkeil), während er für d*s verbum nur iat «am- 
positum vergeuden anführt, der überfang tu der bedemtumf 
von prodigere vollzieht sich andererseits sekan im vocab. prddican- 



tium: prodifut: e^n gUrmim im i» koMlkk m^A ««». 
licbtii 4ai a#in tentn. Mnila 14: i«i fMf*« I« Maaim: 
geud aatt dem deinr«, bi»B baalffM »m*s 4e«aMi i«cM 
UrqUmr da k futr; |ta4«a, rmklttk ami^btn, k/ftn \Vf, 
Siao^ Rot (Uli) leM |m<Im vm gw4«t« •». M Cucmw 
(Ift70) im, ebento bH Uiam (Kl«), ifittr U% Cmtsuj «. «. M 
fkr pradifera nur 4— tem p ml f m {nt^mU») m p t ß krt. if 
gegen geuden, iurtk dt» ftfil >«fM, wipuMW, fnäfm^ 
profundere Hrniscn imW; $ewdf, 99r§ n4n , f ra^ Am, 
prodigere HiRBiiot: |m4, gMitM, nuhlet fatete SoMTttt 
kaubtepraeke (ia«S) is:»: t—*n, durtk dtt pngei ifen. ote- 
prassen, prodtgere, tuet peodif, ipendtr nnhimemle Hbkic« 
(I6M) 167; geudtn frodifere U»»iu.ta (i«77) ll«; itmdwm 
prodiftur, prodigere dkhonlG«nftt»)\ni§tmd9mHftt 
tergeiiden Stirlür 7U; |cad«a, v m e § iit d t m Fu»iM 
gäbe von i;oo) l ll ; geuilco, frodtfutr, frodtffr«. dkt. dti i 
(1*03) 144; giMidi-n (vm;* mat) fair« bvmna tkere, m Hmttae, 
goinfrer Ro^orAU- Kuirotr? 3M (M Sc«»a« faktl da$ Mrl|; 
geuden verschwenden Vehriohi {l'm) 1i: van deubeken 
Wörterbüchern fuhren Strirmch t,M8 uml Fbik« l, SI« ia$ 
verbum noch auf. 

y) im IS. ;a/ir*iinrf«il tii M» naue» kOtraruekn aufblkkn 
des verbums lu verseichnen, W. v. Homrol»?, Vota, Hftin m^ektn 
davon gebrauch, der ausgangspunkt mag Iketiwrtt« tm «i««^ 
artlichen fortleben des verbumi /MfM, weHbailmmaamd wtr fidaak 
wol auch das uhriftmAs»fe tomfmUnm, 

S) in den mumiarlen Stklemtnt, OetlerrtUkt mwd irr Stkmu 
lebt das grundwort weiter fort: geuden (wfjrfl mnikwtmiin^ 
verthun, durchbnngen. verturk xu einem mUniatkin MMÜa» 
{Stendal I7:t7) 45; geudro, geideln stMwaekti atrb, uktkerOf 
scherun. das gegeidle, die geidle tubtL kirrm Wrirboi* 
1,27; vgl. geudeu bet URRCiitita, H'raerl Stkerffer und dtt 
spräche der Schlesier 119; sntwort gOden, gauden, »ekweifem, 
prassen, das auch bei uns lo Obuog itt. Sraiaia r«m«k 
eines sehweiurisehen idtotikon 1,48-; giida, largAda. Stiiaa 
Hasler mundart I.S3. ßr die diternie kU eke m u n dv ri itd ntktm 
der neueren bedeutung des verbutu tuk ttaät dk «Ite «nprtMf- 
liche belegt: geu<len im den Alpen fkr »ohlldwa, tckWoMK«. 
LoRiTZER idiutikon Yiennense (1S47) ftl; faadt«, gMdaM «. 
{Unterinnihal) steh rükmen, prakien. ScuOrr IM. 

e) die formen: 

a) eigenthiimlieh verkdU tiek kier das abtetltnd» »uf**, dtt 
verba geudnen, geubeo, geuinen •. «., dt« icA ii aiar Mif mm 
einander abstehen, «rvmra stek bei Atbrtir ab «ammrram»' 
formen, die in <i«it verstkiedenen drucken vttd MHfakra fkr 
einander eintreten: du geomest dich hoch nod baiAHifat Ädi 
ser, du seist bieher kommen Bu hm, dta raub«r aad ■flwiw 
zu straffen. 4, »57 ««tarteii; nfli MMt, gtjdMl, btUMal): 
eb.nso 429. 439. t« der milUlkttkiiWlukM Uä «TfifM lUt /» 
glicren, garten, gusen und giuden tut f« ktker §rad mm **• 
deulungsgleichkeit, dass m ^ t|raMy«M ffini Usatr« (s. m\ 
so muts man siA dann bei der dartleUutsf van gtora (• 4.), 
geufen (s. d.), geumeii (t. d.), geuaen («. i.), gc«*«« (t. d,t 
u. a. sUts die berikkrungen mit nmm««^ gMKlta mtf tf nwd l i| w ; 
ja man könnte sie alle als partlM ^ m tm mffmm mmi wmtte 
einer stammmtirtrl varrtntftm. «i «aiffMMl äal itd^k^ d«m 
sonderbed»»fnf«Ut dm km imuO tf ia» alliüia rf i imfl^ m *• 
geschieht des etnsrtnen verbum« getrafe m M, gttukt m timdtm. 
dagegen muss atUrdtngs grodiieo, tUt M A»Ba»i» kaMrll M 
und in österr.-bair. mundarim natk ktwU ^ttltU, alt 
nebenform kterker gttleUt irrrdtm. ebenta fek*tt da« 
geudeln t« unteren ttuammeitkamf, vraa aacA dt« 
par«U«U gfldela (STAiaia l, 4»») Mü Mcr ' 
greift. 

ß) it 
1)1 •'* 
und im ttkinturtitktm fl4M> 

2)) /»r d*m ii^bikmin bmmam to dt« iiiiliBiil i» H il f 
dtthiung UnfMtkIkik mtk i tmibim Um^n im hittatM. mä 
terhis rrimt giuden mtkiMtmtdiwif aiir*» metit ilM dm 
f«rla« m ettter fUttHm/^ftm, üt Mriaal btdmfß, die 
antetl der reim« daftftm fM m/ «• Ma*ia| •« 
r«<i (reoda: 

■■4 «ilal nm M«a« aaai «Im M 

4m tima $mn M aAka b* 

■ad aa(**«lt«kaa a lw^at 

dat 4b «4 vil g««la4«i. 

«art BiU ir «c4arti« aad mit W iaka. 

K. «. «(aaaaaa itr^a». oiimg 



4623 



GEUDEN 



GEUDEN 



4624 



durch gulTen und durch geuden 
wären mit gr&zen freuden 
beide en und dis 
in al der stat ze Paris. 

Ottokars reimchron. 75463 «. a.; 
daz ti an froudin wurden laz, 
daz 81 lebt dorftin goudin 
mit unmezigin vroudin. 

mUleld. schachbuch (U. j7i.) tUchr. d. allerth. 17,346. 

der Schreibung eu, die sieh frühzeitig am diphthongen festsetzt, 
stehen für mundarlliehe quellen der Übergangszeit sum neuhoch- 
deutschen die formen äu und ei zur seile. 

2) bedeutung und gehrauch, die beiden gegensälze innerhalb 
der gebi auch s form, der absolute und der relative gebrauch, stehen 
in bestimmtem Verhältnisse zu den oben festgestellten bedeutungs- 
gruppgn. 

a) das lärmende, geräuschvolle moment innerhalb des bedeu- 
tungsgehaltes begünstigt den absoluten gebrauch: 

a) ez wart üf ai der erden 

so tiimp kein Ingesinde nie, 
sö diz volc, daz hinacbt hie 
BUS üppeciiche wachet 
und ein gcdoene machet 
mit tobelichem schalle, 
waz soi diz göuden alle, 
daz diz gesinde hat erliorn? 

Konrad v. Wörzburc Irojan. krieg 8576 Keller; 
daz sie iclit dorftin goudin 
mit unmezigin vroudin (i^^ oben). 

ztschr. d. alterlh. 17, 316. 
ß) beliebt sind hier die Verbindungen mit synonymen, 
l)) die älteste Verbindung zeigt sich schon in dem ersten aus 
Tbomasin (oben sp. 4620) gegebenen beispiel geuden und 
schallen: 

wie möht der l<ristenheit geschehen 

grcezer laster dun dar an, 

daz in (den heiden) daz lant ist undertftn 

dft daz heilige grap ist. 

. . uns sol daz rent des roanen wol 

daz uns ir unreht missevalle 

und ir geuden und ir schallen. 

Thomasin welsche gast 11376; 
es mag einer sagen was er wil 
von reien und aucli von neuen siten, 
ich rum micii nit da mite, 
das ich weder gout noch schall, 
ich kann abei' mar tanzen, denn sie all. 

fastnaclUfpiele 682 (d«r alt hannentam). 

andere beispiele siehe unter dem particip präsentis und dem 
substantivierten inßniliv, sp. 4627. 

2)) die Verbindung mit güefen, güften, güslen s. o.: 

dö man der höchzit phlac . . 

durch gutlen und durcii geuden 

wären mit grozen freuden 

beide en und dis 

in al der stat ze Paris. Ottokar 75463; 

wo chumpt dein frecher stoltzer müt, 

dein schallen. gülTten, geuden, 

dein tantz in holien freuden. 

SücuKNwiRT von dem jüngsten gerichle 39; 

äne kummer 
wil ich tummer 
als ain frummer 
geuden und gülTten, 
grüner klee 

jagt den snee. 0. v. Wolkhnstein 35, 1, 40; 
ha hei, du tummer lei! verlasz du dein gespei, 
dein gifTten geuden dein geschrei, es hilft dich nit 
so teur alz um ein ei. 
meisterlieder des ib.jli. (Beueiu) Germ. 3,311 
Holczmann; 
wer . . stets einher geht In guter waih, 
ein Wochen dreimal gebt in's bad, 
guCTet vnd geudet aulT der Strassen, 
viel gelts wil in der herberg lassen. Eyring 1, 150; 
ein tambur oder ein puden, etwo heizzet mans ein summcr, 
durch gusten und durch güden ez im gelichet, wan daz vil 

grozzer kummer 
daruf lit von richeit hoch gezieret. 

Albrkcht V. Schar FENBERG Titurcl 3SSü. 
S)) mit geuden und mit schrien 

tribcns al ze grozen braht. 

Ottokars reimchronik 44.34. 
6) auch in derjenigen gruppe, in der das moment der fröhlich- 
keit sich von den nebenbedeutungen loslöst, überwiegt der absolute 
gebrauch : 

«) Salomon spricht auch davon: 

'wer do vindt das guet weib, der geud, 

wann er vindet alle l'reud. 

das guet weib treibt von ir all poshait.' 

ViNTLBR pliiemen der ItioenlTn Zingerle (spr, 18,22: 
der flnd was guts, und kan guter ding sein im 
,_. . herrn. Luther); 



es isch besser güde [fröhlich sein, feiern) -n und spare 
as gäng z'chesle -n und t'chare (twecklos arbeilen und aeiten), 
Schild der grostdlli aus dem Ijeberherge (Solothurn 
1863) vgl. Wandse 1, 1641. 
ß) im gesange man vindet da mit man bindet 
got in ewigen freuden, 

daz er sich wandelt in ein brolt von priesters geboit, 
der halt ^ewalt gar manchfalt 
daz er mit gesange di'it gewden (hnndschr. gewerden). 
MuSKATPLüT 51, 30 Groote. 

y) der relative gebrauch läszl die ergänzungen vorwiegend in 
präpositionalverbindungen folgen : 
1)) beim intransitiven verbvm: 

vor allen ist die magenfrewd 

die peste frewd, von der ich gewd. 

Salomon und Markholf iOl Bobertag; 
des was ich frö und lie ouch zuo im fröuden, 
belib diu bi der verie, 
sö möhte ich wol von sQezem jagen göuden. 

Hadamar v. Labbr j(igd 102; 
ir helfet in bi fröuden zit ze fröuden. 
wxr wesenlichez leben 

nach wünsche, d& wasr doch wol von ze göuden. 232; 
anzeigen die dreierlei art, 
welche die lieb zsamm halten hart 
krefTtig in allen wunn und freuden, 
darinnen sie frolockend geuden. 

Hans Sachs {hisloria Venus) 20, 300 Keller-GOlze. 

2)) beim reflexiven verbum: 

so sehen wir noch nit vi! der freuden, 
do von wir uns haben zu geuden. 

Pfarrer vom Kaienberg 1069 Boherlau, 

3)) auffällig ist der accusaliv des objects bei dieser Verwendung 
des verbums : 

los, freud, 

zwar dein stimm ich geud, 
ich hör lieb und tröst, 
der mich dick erlöst. 

0. v. WOLKENSTKIN 43, 8 Weber. 

c) das verbum in der älteren, bis zu Paracelsüs reichenden 
bedeutung von rühmen, prahlen erscheint zwar auch absolut 
gefaszt, seine cigentliclie entwicklung erfährt es jedoch erst im 
relativen gebrauche : 

«) seht, wie er nu vliuhet, von Herne her Dietrich, 

vor Sivride dem küenen sö rehte vorhieclich ! 
twingct er den von Berne, den özerwelten helt, 
sö ist min lieber Sivrit vQr alle man gezelt'. 
dö sprach diu von Irlant, diu berzogin wolgetän: 
'swigct, min vrou Kriembilt, lät iuwcr giuden stän 1 
sö daz der voget von Berne ze rehte erzürnet wirt, 
dan sieht er liefe wunden, daz darnach lange swirt'. 
rosengarten (D* 18, 53) 211 Holz. vgl. a«c/»,s. 150; 
wä sit ir nü vrou Krierahilt? iuwcr giuden wil zergän. 

(l) IS, 530} s. 152; 
du solt sein veischwigen pas 
wann mancher thut geuden. 
wie wol er hat wenig freuden, 
und thut es i'iber al kunt, 
wa er ist zu aller stund, 
und nit verschweigen mag, 
was im die rainn in lieb sag. 

faslnachlspiele (diu sirben varb) 2, 781. 

vgl. oben die beispiele für gloriari aus den vocabularien. 

ß) vil sint der Ubeiinüligen menschen, die güdent und 
sich hoch seczent und in stolczen sinn erfaren wollen, das 
inen ze wiszen nit not ist, und wellen maister gesechcn 
werden ee sie schuoler sint. Steinhövvel Aesop 193 Oesterley 
(qui multa iactanter interrogant) ; darnach sciienckten unserr 
herin des ratz einem ieden erbern, er wer von Francken, 
von Peirn, von Miichszen, . . an gelt, darnach er sich in dem 
krieg gehalten und vil oder wenig knechl gehabt hotte, also 
(laz sie sich gar vast lobten von einem rate, und schieden 
gar frölich von hinnen (Variante geudten und lobten). ISürnbergs 
krieg mit Albrecht d. städlechrouiken 2,310; so hab ich gegailct 
und unnüczlich gegüdet (quod non dcbet, parabolat). Steinhöwel 
Aesop 202; ebenso 231; es ist also anhin, es ist weder zu 
geuden noch zu klagen, lieb mit leyd gemischt. S. Franck 
Sprichwörter 1541 1, lo'. 

y) in der Verbindung mit dem synonymen rühmen stehen sich 
absoluter und relitiver gebrauch gegenüber : 

1)) und die den tiuvel an belend, unde die da spotent undc 
giuclent unde rüement unde swernt von gevvonhcit. Berthold 
T. Regensborc I, 83 Pfeiffer; die gemainen einfältigen ticrlin 
geloubten dem froscb nach sinem güden un<l rümcn. Stein- 
höwel Aesop 266 Oisterley. 

2)) das noch vom Höiiiischen reich vnd keyserthumb nit 
mehr vorbanden ist dann ein bloszer nam, damit sich die 



4626 



GEUDEN 



OEUDBN 



46S6 



Teuticbeo rümea viitl gi-udnen, viiJ ist docb damit gar nicbtt 
•uitgerlcht. Atkntin chronik {Frankfurl l&M) 16* (in ätr ntu- 
autgt^t [wtrkt 4,430] geuiiirn); 

b«ld ■bflr dar buck •mpfttod, tut 

•r von dam mtoKT geranreo »•« . . 

*leh bagar drinrr DarmTiartiIgkali: 

Ich liab gtiruncksii da nli fiaudan, 

ilirt mlcli tiiiw<i|<<||cti ihünioii und caudaB 

de-i mitiiicii buri*, '•cliaiickal und boio, 

halt ilaüureh dtch bawngt In lorn. 

II. Sii:iii (ilo wul/fniil titm hockt 17, ViSXW/ar-CMi« 

•)) Ich hob ir ellicbe geiallicb« gehnrt, die i'lch geuAeUu 
und rhdineten, nie wlfixlen und lictteii aülebs erfahren. 
AvKNTi<i ehronik {Frankfurt i:M) tmltitung i. Sl. 

4)) 10 pe<clilftii4«t David laln (manf 

gar niii alm lioli(alli;<tii klanv 
und lohat goiia« wrick mit dawden, 
thuet ilia Kar hoch iiioiupii und geuden, 

II. S»e:iii {'.>:. }itiilm Darii') 1»», MX Kriler-nHir. 

9) ttilnndunfi des intransitivtn rtrbunu mit prdpo^ilionll^- 
teititnmungen: 

>)) «0 mOg wir von dir gaudan 

ddin mu dir i«! mit irruilaii 
gaporn, dra liab Ininior danrh. 

SuniiicMniiiT ( it' 1 in-uJtm Uariaf) 41. W5; 

d.i<« man von im gUuilrn iiiiies/. iinz an den nrtnrghciien tag. 
Tkiciinkr SthOpf i%<*; das sclircib ich darumiii, daa niemand 
zu \il geüde vüo leinco sllvurdera, daa aie Hüiner gaweaeo 
aeind. SciiOrFKa l.itiu$ 5*. 

2)) und wirii du Immar japani, 

dA von mit nivman guuda 
und bit nucti iiiemiiu kageal 
wat dir laii miig lirlnvan odar frOuda. 
bahali« «i «lni< und rlhi« dicb la harrao. 
luo*l du da> nilii, au wiua, 
dai dl) dich talbe macbat tue alnem narran. 

lUoiBia V. LAaaa Jagd 49; 
bl« Itl ela anv.inc allar miliar Tiöudau. 
nu »uiiM'lii'i, giiüi gcialUii, 

dat von di'in mila rrixllcli ward le gOuden. ebtudorl Ij 
von ungriiii'kc- ^'(iiulen 
mac ich wo! r-wicjiclian, 
wan loh iach wunna und fiönden 
rillchea .-tj)n an einem bile (bii mUl0lltochd0ulichtr 
jäi/frausdiiuk: tiie letUe gmjniwthr, mit der Mich 
iln» ijehrttt« wild gegen ilit huiiile Ucllt. ri/l, bei! 
th.\. s,'. 1376) rieben, 
lu.H( nllle, glide lift «Ich Un ergAhci 
aldi min lel)ndic leben : 
dA von mir nü ein biiter sterben iiAhet. 9Rt; 

umh das er ein gOder ist und wil von fremder rede und lere 
gildiMi. handtelirift von 1447, ScnOrr IM; de actu ftnerio 
factandtr glonando. i.e. giiuden. Schmillbr l^813; 

ich kan dir nit vi! geuden von) gesuni, 
mala krnnkheit meeri sich tu allvr stund, 
bot iicli motu aiiherr neur de.s gedisaen 
und wer mit dem arzi pliben unbe«chU!<eD, 
Ich achitx dem arzi und »eim kuehi In Im niiini. 
fattnneiilfpirle 6M, i'j. 

darumb ist nit zu guuden von «pil so einer gewunnen bat. 
Aiaa. v. Kia tpiegel n'; das m;in davon geudet, nenn man 
jemand betreiigt oder betiogeu iiat. Acricüla sprichirörttr 
nr. nS; vil gint der menschen, die vun gruszer wysliait gUdent 
foo icren hoben ainnen, von ierer kluoghuit, und leczent 
ander Itit mit spottworten (qui iaelant tt tu» $apitn(es). 
Stkinhöwkl Attop 162. OttUrUy; wie der vorig von dpm, duaz 
er hegerete zu sein, aiao aucb dieses von d(>ni, dasx er 
vermeinte gewesen zu sein, zu viel ungescbirkt und ruhm- 
rSszig geudete. kiacHHor rcndunmui i, ita Oesttrlty. 

S)) wan sie von warlioit was geuaot 

diu kiusche luid diu klire EisAny von rrftbant. 

mit disoni iiamen Ir lanivolo woi mobt geuden: 

sie betten «it« liop uode wert. 

dA von ir keiner wnnkciis von ir gart. 

ir kiuscbe geba,'rde in allen quam la vraudaD. 

LoAaiHrriN 903. 
')) dannoch her Philippe Ireip 

Dftt und anKa't data Salipurc. 

er dilht sich frOlirb unde k\iVe 

und geudet harte rreTellich. 

dai a!u biuodar benog Üolrich 

atn frum bei sA gescbaffan. 

Orroata Merr. reimchr. ii'O SeemMer. 

a) dk rtflexiHonsiruction dtt terbunu htiingl fast imm<r 
tint wnltri- trgdnsungsbistimmung ; ditst tritt vonritgtnd in dtr 
form dtt gtiutits tin: 

1)) diser plOckler und hulzachuecber, auch der predlger- 
munich, so die beiiigslen wellen sein, die cbristlichen kirchen. 



wie al aalen und sieh leudueo, •!• two aeul aufbaltto . . 
taigeii oiibts «ndera an, daa das »i aiolt, ungelert, afier- 
glaubig, |>luetduratig teul (lad. Avtunii (ttrudun dti Türken- 
kntgtt) 1, 186; du aia daher fon dem genaineo böfel ainea 
t&nanao habao fardtauat, walcbM aia »ich a« gar ail 
achlinaa, das sie sich auch fftrormlieh leodao. S. KaAaca 
war. racoai. •'. 

1)) ich hab dao bailtuaea lautaa aaia lahao lang kalo laid 
lao; noeb babao «i mich In ir aebiboech geachribeo, air 
zu entboten, ai wellen nich g<o Hon citiro, babeo aorg, 
ich beschreib ir bOeberci und brioft an deo tag, geadoen 
ticb solcbea. droeo öffentlich dao leatao, aa<co, ai wellea 
lieber an die l.,ulariachen sircben dao an den TOrken. 
AviNTin (unaehtn dtt Türktnkritgtt) i, la«. dAai. Itt; nun 
hOrU, OMD aieht«, ai geudnen aichs. I, im. tat; da aull dich 
dea moroigeo laga nit grudeo, daoB du waittl nit waa dir 
beut zufallen mag. buch dtr mtühtü |I4(^) i. lU. Scaaauta 
1*, 873: rin lehr ist, dasx du dicb weder auff dein bupaeba, 
geaundheil, noch stflrck verladen oder verirOaleo sollest, 
dann sie nit dein, noch in deiner willkura »aind, noch stai^dea. 
ea atebet nicht wol, daaz du dicb dieser geudeil. pLia/tacA 
(rnt<<pt<>;f| (I5se) 4* (I, «ep. u); du und er geudet euch frrmbdra 
rbumbs, jhener rbflmel, er habe gelehrte koecbt. er aber 
ungelehrte, du ihOmest dich du habest riel bOcher, auch 
ungeiehrt, was gebet die kunsl der knecht, oder daiocf 
biichar dich oder Janen an. 41* (l,cef. 43); ein so streitiger 
ductor, dar sich aeiner kOnat gcjdt. Ulm gtwutin aiuMktttbtu 
ton I.V3I, bti Scuaio uhrib. «^. }!•, fft itrt begeuden, 
ergeudig; 

da* alter sprach: wi« gar vergeagklich 
siad diese dein tböricbie rreadeo. 
der du dirb ibust rrolaekead gaudaaT 

H. StCNj I. 370* {kmmpffiifuriek: da* tittr mil der 
Jig»n4l). 

»)) mein volk, das sieh von mir nent and geudoet, Ist nit 
mein volk, und da-« volk, das nichts von mir weiaz, aicb 
mein nit rüembt, ist mein volk. Atr!iti5i {urtacktn de* Türken- 
krvijet) \,Vh. 

4)) und wie wol sich Pfefferkorn geudri und gioriert . . er 
bab die hebräische sprach von seiner muler brusi gesogen, 
so bab ich doch roer bflcher in hebruiscber sprach, die 
l'feiTerkora nit kan le.^en. Kkuchlis augempitgel 37,6. 

<i) dtt jüngste bfdtutuny dts werbumt, im der $kk gaudeo 
fliü vergeudeil 6erüAr/, geuden. prodigtrt, htgümüft de» ab- 
soluten gebrauch, gtrnt trschemt tt hier la tfttittmrhrr tethn- 
dungmü synonymen, Kobei nur tereinuU autk priftiilunilewer- 
hindungen außreien denn ertt der jingsten und »tmeiUm rnlmitk- 
lung geliM der relatiM gebrauch an; die et ginxHngsbettimmmnft» 
»rtekeinen dann in der form de* objecttaceutatm : 

«) zur nolturfi spar, tebr von dem gwiaa. 

nicht gaude, dasi dir oicbi lerrioo. 

Haaiaai I5M, al* «f>rie*«ori mmck *•« ScaOTt a t 
H*r anft/Urt; 

wie weit dar elnracb frohe veaa wbatllag 
abatebo mag, und wie weit sirh iler aparsaae balle voat geisbals. 
viel Ja varschllgts. ob du geudesl vertcbwandarlKb. und ab da 

weder 
aufzuwendeu dich atrlubai. oocb mehr sa erwarben dieb abaftbat. 
Tosa llorat (nM'lWa 11. 1) 2. 34«. 

ß) tu dem kamen in den reichen ordaa der Rrickenau 
fast Tom adel, die triben gro.tzen bracht aoa kam ra d^bm, 
daa durch ir brasaen und geiden baidr klaster, die Reickan 
und Bebenhausen, wie an gaiat al.^o auch an gut abnarorn. 
SKaasTUM FiscHKa cAroaiA rea flos 111; prasai'St and fOdeal. 
S. Fbanck 2, tt*. 

y) I)) der liste wart man ou gawar: 

dat gell man ir tu mal verbot. 

ai baue loube (nlnuhm-t dock aa brat 

ta gebaoe armen ladca. 

hl mide sl aa gadaa 

glicber wii alte a begaa. 

so dat erfur dar werde maa. 

der frouwra aber er verbot. 

dat si dekeioa gaoian br«t 

gebe armea Ia4e« aie darch gel. ni$akftk wtsa. 

i) mit vielem geudet naaa, mit waaiiem «pait maa. S4aa«>ca 
sprithtrörUr (ISSI) »'. 

J) die trnntilm ttmtlnulitmwirdimitr / i tg m tktmi finit m ffu/- 
aauis T Hqiboi »raa/isaya mM t^m^tknim yn^aaüJaüada d a n tt r a 
eingeUHet: dahin gaadjaa. altaaa hrt UHrf. 
SM akr a«cA »Ihn ima i>frfanfsarifrif. 



4627 



GEUDEN 



GEUDEN 



4628 



1)) und doch der dichter das vereinzeln meidet, 

die fülle hin der phantasie gern geudet 
und wo die gränzen in einander gelten, 
am freisten seines geistes hauche wehen. 

VV. V. iluHBOLUT Sonette 233; 
traun! nach dem sühnopfer des sturnis 
beischei begier heftig das recht, 
grausam das jungfräuliche bltit 
geudend dahin; drum heil bringsl 

W. V. liüiiBOLDT (metrische überscltung von AescUylos 
Aiiamemnoii) 3,4U; 
jeder kommende tag knüpfte das seelenbaud 
unauflöslicher fest, geudete für und für, 
aus der goldenen schale, 
neu« freuden auf uns herab. 

llÖLit (an meine lieunde) 94, uusgabe von lfeü9. 
2)) gewaltsam fortgetrieben stets 

von strömen gleich entstammten bluts, 
wird. WO er geht, sie neu der schwarze Ares 
des blutmahles entsetzen geudeu. 

W. V. lIimnoLiiT (Aijamemnon) 3,86; 
ihm ihre urnen gieszen alle quellen, 
die ströme willig ihm die wasser geben, 
und die schwarzbusig in den lüften schweben, 
ihm regen geudend seiae lluten schwellen. 

Sonette (Poseidon) 112. 

3) Sonderentwicklung der nominalformen. 

o) das parlicipium prdsentis leigt, absolut gebraucht, bestimmte 
aus seiner adjeclivischen natur entspringende besonderlieiten der 
bedeutung : 

t') uü komen zuo im sä 

die BSheimherren alle 
mit geudundem schalle. Ottokar 91054; 
gröz was der Unger schale 
von den Tiutschen euch erhal 
manic geudenz ruoftn. Ilü60. 

ß) prodigus, ein güdender der do boszlich und wüstlichen 
das sein verzert. vocab. prddicantium x 4; also ward der 
güdend übermütig Benedictulus von den hirteu gefangen und 
getötet. Steinhüwel Aesop 231 Osterley. 

Y) wirf, leichtsinniger Rolf, geudendes röhr, wirf die 

gigantischen 
meerschaumköpfe hinweg, die wie Averu Schwindel 

dem hirn und pest 
dick aurschmauchen. J. H.Yoss 3,24 (an Uulf). 

b) der inßnitiv entwickelt sich gani und gar zum Substantiv 
und nimmt in dieser function fast breiteren räum ein als die 
sonstigen formen des verbums miteinander, in glossen des 13. — 15. 
Jahrhunderts tritt er geradezu für arrogantia ein: arrogantia, 
gauden vel goSen. Handschrift des iZ. Jahrhunderts ; arrogantia, 
gauden {handschrift des 15. Jahrhunderts). Schmeller 12, 873; 
arrogantia, geuden oder guffen. And. 48,142. ebendort. 

a) der absolute in/initiv, ohne jede Verbindung mit syno- 
nymen : 

M) daz er beliben ruchte. bi richer massenie 

die üiht wan geuden suchten. 

Albrecut V. ScuARFKNBBRe Titurel 1334. 
2)) nu hörte ich wunne und fröuden 

mit jagen schöne ab rihten. 

nieman hab ez für göuden. 

IUdamar t. Labkr jagd 341. 
3)) swaz sich so lät ergäben, 

dem wellent si durch göuden 

jagen also nähen, 

daz si durch lust ez scheiden gar von fröuden. 38S; 

zu guter arbet bisz nit trä^, 

gewinnen gfit, sQcht zimmlich weg. 

vnd rechte mit zä not vnd eer, 

du Dar durch geuden nit verker. 

Scuwartzknbbrc 154, 1. 

v^{. unten durch ein geuden. 

4)) es musz alles erarnet werden, glück koinpt nit von 
schlaffen, gut nit von geuden. S. Fiianck sprichw. (1541) 2,163'; 
reichthuinb konipt uit von geuten, suader von kargen leuten. 
Agricola spriehm. 214'. 

5)) swcn er dan siht daz sin höhvart 

äo guot mit geuden niht wol vart. 

TuoMASiN T. CtiRCLAERK welsche gast 11941; 
jauchzet dem herrn alle weit mit geuden, 
und dienet dem harren mit freuden. 

H. Sacus (hunderte psalm) 18, 388 Ketter-Götze. 
ß) Verbindung mit synonymen inßnitiven: 

l)) schallen und geuden sint mir swüure. 

TuoMAsiN wetsche gast 297. 
2)) darumb so wil ich bei dir bleiben, 

zu Alexandria vertreiben 
allhie mein zeit in wenn und freuden, 
mit höchstem frolocken oud geuden. 

11. Sacus (liönigin Cleopatra) 2U, 201 Keller-Götic; 



der lieb anfang angeht mit freuden, 
mit frolocken und hohem geuden, 
doch sie leichtlich verschwelcken thut. 

(Idsloria Venus) 20,298; 

sitzt ob dem tisch frödenrich 
mit fchalkez Worten frevenlich 
gedenckt er kaiiier frowen wol 
daz best so man erdencken sol 
daz nimpt er im ze fröden 
mit ruemen und mit geuden. 

Laszbkrg ticdersaal (der wledertnit) Z, 58. 

3)) gelobt mag werden on sein selbs geuden und rümeu. 
Albrkcht v. Eybe 38'; 

er sprach: 'all, die sich pletten aulf 
in holfart und in ucbermuet. 
mit dem bar mau abpueffen thuct 
ir ruemen, geuduen und prenckiren.' 

Hans Sachs das höllenbad 375. 

ihr sollet euch auch nit lassen verfüren die gemeinen arlzt, 
scherer, bader, platterer, die brauchen grosze red und ge- 
schwetz, nichts als eitel bcrühmen und geuden und ist doch 
nichts daran. Paracelsüs opera (1589) 2, 80; ausz ihrem übrigen 
geuden und berühnien eröffnen sich die lügen, chirurgische 
Schriften (I618 Straszburg) 169 G; geuden und berühmen ist 
ihr beste nieisterschafft. 367 U. 

y) Verbindung mit synonymen substantioen : 

0) sin uame ist vür niht anders guot 

niwan daz er mit grözem schalle 
und mit geudu ze helle valle. 

TuOHAsiN welsche gast 3G96; 
grözlich erten si in, 
mit geudeu und mit schalle 
freuten si .-ich alle, üttokar reimohronik 87888. 

2)) sich huop dö giuden unde braht 

in den herhergen über al. 
si tribeu hovelicheu schal, 
die werden geste en widerstrit, 
biz gein der 8choeni.ii tagezit. 

K. v. WÜKzuuRG turnei von Naniheiz 242. 

3)) von gttikeit und von güden {vergeuden des Vermögens), 
handschrift von der lügende buch (1382 Luzern) cap. 71. vgl. 
Hofmann Germania 17, 53. 

ä) pronominale und aUributive bestimmungen beim substan- 
livierlen inßuiliv: 

1)) sag welches büsser sei, das geitzen oder geuden. 

V. Dirken nslläud. lorbeerliain (Nuntb. 1657) 142; 

luxuriam fugilo, das geuden meid. Morterius (Neisze 1578), 
vgl. ÜRECHSLER Wenzel Scherffer s. 119; 

man pllac da kurzcwile vil, 
singen harplen unt mit maneger bände spil, 
als man in hoven tuot da man pfligl vreuden. 
als uns diu üventiure seit, 
die vrouwen anderweide wurden schone gekielt 
ie eiuiu vür die andern durch ein geuden. 
ein tanz da gemachet wart von ritteru und von frouwen. 
Lukengiin 975 ; 

durch ein geuden aus prahlerei. Schmeller 1^,873; wann du 
zu vil kosten an ein ding legest, also das es ein güden darusz 
würl. Geiler v. Keisersberg brösaml. 1,96". 

2)) ir geuden wert nicht lange. 

Heinrich v. Neustadt uü« gotes luokunft 5759; 

min truren ist gcmani, 
sust gepfant ist min wan, 
den ich bete ze vröuden: 
min göuden ist gar hin getan. 

Otto zkh Turne minues. 1, 345' v. d. Itagen; 

der frouwen er zu male verbot 

beide penninge unde brot 

zu gebeiie armen luden 

daz si nu lieze ir guden. Elisabeth 8046 Rieger. 

2)) iur touwec vart mir vreude kan erlluhten 

baz danne al der bluomen schin in meieu lufies 

. ,, „ geudeu 

und aller vogelin suezer sanc. Lohengrin 3687 ; 

ja ich kam zQ der getlinge geuden, 
da riemet sich der Giudewein 
wie daz er einig wolte drei bestan. 

Neilhart Fuchs 2015 BobertaQi 
der frawen gut 
pracht sein gemüt 
allda in grosses gewden. 
wann er si iruckt 
und si in schmückt 

das mert in baiden fräden. Uatzlerin 1,27,261. 
t) rection des substantivierten inßnitivs: 



4629 GEUUENUKICH— GELUER 

Rrec herbcrgl« dort 

von den anJirn ao ein ort. 

delieincn «cbtll«! «r tii-|io: 

•r lubt« ■!• «In wol kar||«r man 

uiiuiiiileclichao 

und woli »Ich nihi fallcboa 

olnciu |{uu>*n kii«hle, 

und von all«m rabt«. 

5ludeiii urluup niöbi «r bin 
ert dirke fOr In bete aaUn. 

lUaTBANi« T. Aoi Rrt» UM: 
vil geudeoi wart *od diaciu buot gelriboo (iikih tohU ihn ukr), 
Mändintr kand$tkrift (Ml) Ul'. -a', SCMMiusa i', i>^3; waa 
geu<lenN iat dea. Bulti Tertni (l53») l&l*. 

(iKUOEMiEICII, adjttUt, vertinttUe tuummniMtltung mit 
geiide {$. 0.) und »war m daten btdtulung von Freude, Qberiiiulli : 
tt ertclitmt geradtiu tynonym mit freudenraiik: Irul unde fru 
wiia iili vurinola zu aller atuni, kurli uod liialaaio wa« mir 
olle M«il tag und iiacLl, in glriclier oiaai TreudeDreich geuden- 
reicb »ic beide, ein iglich Jare waa mir ein geiiadeiireicbfi 
Jare. AcnuHtiAMii am höhmen &. vgL giudeollcb Lsxti 1, 1026. 
(iKL'DKR, UEUDNKH, m., nomen agtntis tu geudeo, 
gcudiicii (I. d.). das subttantiv gthörl zu den jüngeren ablei- 
tungen von ditttm stamme; «i erscheint erstmals im 14. Jahr- 
hundert in gloisen unW 6fim Tkk hnkb, vgL Lmii.% nachlrag 2\:i. 
dir Höhepunkt der entwicklung fdUt in das 15. und 16. johr- 
liundrit, wo es die ältere suOstanttvbil'tung geudcl (s.d.) ver- 
iitiiiigt umt Ko es im ipiiehvorti' eingang findet, von da aus 
ist ihm Ulterariiehe erwuhitung auch in der späteren seit su Iheit 
ijewordt», als es dem lebendigen gebrauche längst abgestorben 
rar. entsprechend den btdeutungtschtrankungen des verbums stehen 
stell auch für das <u6«(an(if äte bedeutungen prabier und ver- 
Kcliweuder gegenüber, die erster« als die altere tcird uol auch 
dem famtliennamen Ueuder im gründe liegen, der schon in einer 
Urkunde von li^ erscheint (Albrcbt und lierb(old die GUder 
tseh. gesch. Oberrheins 12, &2) und spater vielmals su belegen ist. 
ton diesem namen ausijehend darf man das vorleben des litte- 
rarisch erst im U. Jahrhundert belegten Wortes früher ansetun. 
I) formen, aufuicknuiig in den vocabularien und wirter- 
bächern u. s, w. 

a} die form giuder ist die seltenere, rie kommt mehr für 

die dllesten belege in betracht, schon in den voeabulurien tritt 

tuender, anfangs gi.üder hervor, die neben form geudner gehüit 

oleri (ichischen quellen, ebenso auch dem schwabischen Ukhkl an. 

0) i\\iler,prodigus. Salmannsweikr gli>ssen des 14. Jahrhunderts. 

ji MoNt anieiger 4, 235, h6; geuder, prodigus {vgl. gufter). 

KCibular von Us2 Lkxkb 1, lu26; proiligus güder. vocabular 

des Nie. LituiNGKR v. niM l)iEFK>BAr,ii no». yloss. 304'; geuder, 

gufier vocabular 4 linijuarum {Augsburg 1516); geuder mit 

Bclionckeu largitor MAAi.ea I7S', geuder, verprasser, prodigus, 

profusus, effusus, nepos, dissolulus HkNiscH i589; geltgeuder 

'hendort; vgl. oben sp. iyri; geuder Schottkl 333. Stiklei:!»; 

riider, rerprasser, prodigus Khisiüs (noo) 112. Faiscii l,34(i'; 

^.•iider, prudigue, debauche, goiiifre UoROBAu-BuxTüBFr 253; 

[ehlt bet Seil MAN. 

2) bedeutuugsenlwicklung. 

o) geuder =» prahler: um das er ein guder ist und wil tod 
frOnider rede und lere güdeii. handsehrijt von 1447 Schöpf 168 ; 
klopf an ineiu nllur llb»ter kiiab 
pistu der lür den ich dich hab 
getrow (let Trum Hill und verswigeu 
und warül kein geuder ole geilgeu. 

FoLi {.klopfan) faUnachlsiiiele 1243 KetUr; 
diese fabfl ist wider die ungostümmrn zanner, haderer und 
uiinUlze güder von den dingen, die scheuilich sind. SrkiN- 
iiöwtL Aesop (iT) litterar. ver. 117,131; under wülcben wnr 
ein raumsicbliKer (ru/inuiir/iliijfr) und ein geudner, der da 
sogt, er wer in einem jabr mebr duon vierhundert nücbt, 
dieselben auch vinster, durch weld und feid geritten Bbbel 
(I55S) L6' (die ausgäbe von M»'^ setU dafür ein: rubmsicbtiper 
und ein lUgner [glonosus et jactabundus]); damit du uiicii nicht 
für einen unwissenden narren und vertüonen geuder haltest. 
l'AaACKLstia op«ru [Strasiburg 1606) 1,Ö22A; 
dniin wie der geuder wIrt erkennt, 
wenn all sela «ach nach wündscbsa gebot 
also 00 matten irauwrlg »evn 
Ist klelnmOhtlges herUen scbelo. 

KiRCUHor mendunm. 40' (1,61 Osfert^): 
wie gabst du schöne wort' und «cbiiledasi weidlich auf, 
dem lügen grösser war, alsi dein gescbwindsiar lauff. 
was hast ilu mir alda, du geider, nicht entwendet, 
bei dem vollbrSii^keli »ich keinmal Immer endet. 

WiNcsL ScuKHrrKR gut. !ti>l (fenieit der mrmuUfiHm 
ltitek*9U§9ti»gii 
IV. 



GEUDERIN— GEUDIG 



4630 



dem klamaer(iftnii«r) inues ■■■• ■«••o, 4mm fßaitt (frakltr) 
luues loan» geben. AUgJutr i^riikm. SoMaixa 1*. b7S. 

ß) für riM tubtUntivbildung i« H«<M, t**^^^**'^ ****t fidd 
Simon Hot (i»7I), der m äeutttktm rfirtjawama gMia«r wm 
gaadere abltilet, 

Y) %enAtrmmftoi,gus: 

\)) vier meuBcbrn koinen foa got In armaot: 4tr Trat, 
der unkauscb, der gauder uod d«r krieg er Moiib «as. 1, iM; 
so Uli die Maulcbalt •■■iiiaa. 
bis Ist dar couder, don der karg; 
der irouder Ist «In iOltcb «aa. 
dar nlcbii nli Im babalien kaa. 
dar karg «eriilrgt •• all«. samM 
uod mag nIcUt gaben aus der band. 

lUiia. V. WiTtaawaiLaa rim>i 30*. 4t ; 
brutlof uod gastung köstlich gebept, briogeot cottea ood 
acbadeo an grosz eere; cost uod zerung uab ritlertcbaft 
i«t eeriich, umb hillT der friludeo veroQnflig, aber urob bilff 
der gOdern and vertügero ganlz verluren. tNiciaa v. Wiic 
(raniiofionfii 152,211 Keller; weiche für lustharlicbe kOttlicb« 
geoeschige speiaz, auch zu deo apilen oder mummere.eo, de« 
weidwerck und aodero dingeo, die ein kurize oder ganU 
kein gedcchtnus hinter io verlatseo, jr gelt und gAl ab«r- 
oiflszig auszgiessen uod verscbweodea, dieselbeo betaseo 
geuder. J. v. SciiWABTSKnatac Cicrro (d* off. 2, i6 iv>) ib31 
bl, 54*; aber aie thuD ea oit, dus kuropt etwao her, das der 
«elb also ein guder ist und inili, gibt reilicb osz, so er gero 
wult widerkereo, ao bat er ee nit uod bat es verthan. Paou 
schimpf und ernst 133 Oesterley; denen, so über secbzebeo jar 
und unter fOnfundzwainzig jarn, aber ire gOeler xu tcrwaltro 
oit geschickt, auch precbbafieo ainoiosen lauten, verlbuern 
und geudnero, stumendeo und ungehOreodeo alleo leuieo uod 
Weibspersonen, die oit mann babeo, deuen allen aollta ao- 
M eiser gegeben werden, die verpllicbt aeio su baodleo, wi« 
von den gerbuben liie vor gescbriben aleet. ösUrmtk. vrtitk. 
&, 060 (Tkurn) ; geuder der Verschwender in der Ttroler laa^ca- 
ordnung von 1603 ScnaüiLCR 1*, S73; zum fall ouo der also 
zu dem andernnial erinnerte Verschwender sieb noch nicht 
bessern noch dea zugeurdnelen abeisebern ratbs gebrauchen 
würde, soll dei selbige uod ein Jeder mitnacbbar, bei »emeo 
pflichten schuldig sein, eio solches unsern verordneten obrig- 
keiteu . . vorzubringeo, die auf aolchen fall . . pOicbtig teio 
solleo, alier verloffeoeo baodlung, zum ersteo oder aoden»- 
inal gelhaoer warnung uod alraff, uod dasi noch, uod dar- 
über desselbigen geuders vertbuoischeos weseos ond böser 
hauszhaliung kein end sein wolle, bestflodiglich und uoler- 
schiedlich unscro landricbterxu verstiodigeo, auch denselbigeo 
geuder auf daa nechst kuinmende landgericbt . . schicken. 
landgerichtsordnung des heriogUiums Franken III 27 i5(!6l>t); da- 
mit folgends, dasz suicber geuder io prodigum erkeooel 
seie, mannigjichen offenbar uod kund geioacbt werde, eben- 
dort § 6. 

2)) nachhaltige Wirkung ertielU ein tpritkmmtt das «ralawis Im 
Haks Sachs belegt erscheint: 

ein Sparer mius eio tebrar babea. 

also gescbach gleich disem kargea 

der spart »ein gut eim andern argao, 

lo«en prasser. lüller un'd scbleBBiar, 

•in Spieler, buler und vardamotar. 

unoruling geuder und verscbwandar. 

blss er des galdes war eio ander. 

II. Sacus (dm- karg und mild) 17. 4« ätUer-OMt«; 

es ist ein gemeines spiichwurt, es musz alUegcn eio sparer 
ein geuder haben. I'auli schimpff und ernst e, 154. aus l'aou 
führt denselben Spruch auch Lassinc im ttintu kn/rdfeu i« «larai 
deutschen glossahum an, vgL werk« II, OC muk «lu Lmum 
wird noch von Wamokb 1, 1641 kUgt: der güder MHUa e sparer 
het. vgL auch bei SciLia Basier mundart 153: a bu»«r aaes 
e güder ha. aad^s gewendet erscheint itr sfnuh hei Staaoca 
522: der vater eio aparer, der soho eio gtuder. 

3)) für die volkstüwsUche i^-erUtgung, dtt aira M gtmM ms 
belichten wr, eracActaM amt4tu auch bei unserer fmm: er 
[der chirurgus) soll aocb nicht sein aio geuder oder aia wci»- 
schlaucb. Hiiao't. BaaoNscawKi« chirurgM {Augsburg iSJt) f. 

GElüEKIN. ^ femininmm t« d««i 99nfen: Joda« hielt dit 
frau so Christum sa!bte für eioe geodeno. UiiLts v. Ktiaaa»- 
asBC p^ille 170; ffi. Kaiaca 1.34«'. 

GEl IIKKISCH ndj. vereimselU Mdaa« aU mkemfmm m iem 
viel gebrauchUn geudisck {».d.). ngL SriaLaa Tia^ 

GEI'DK; aJ;rfltv aaJ nJverh, tfitert Md«*,-, dit mhaali ia 
wvtabulassen, m im kttettimr eist bei ViatLaa 

291 



4631 



GEUDI6 



GEU DIGKEIT— GEUDISCH 



4632 



hauptverwendung fällt hier der paralkU mit prodigus zu, die 
namentlich auch das adverb beherrscht. 

1) belege in vocabularien und Wörterbüchern: 

a) güdig prodigalis. vocabular von 1429 Schhbllbr 1^,873; 
geudiger, guffter, unnutzer, auszgeber. vocab. von 1433; pro- 
digus, geudig. Brack vocab. ver., vgl. Diefenbacii 462'; nepos 
.. kinder sun; güdiger oder unküscber. auszug aus einem 
lat. hochd. aiphabet, wb. des 15. jahrh. ebenso in dem vocab. 
alpkabelicus Diefenbach nov. gloss. 263*. 

b) geudig, verschwendig, prodigus Dasypodids (1537); geudig, 
ergäbig, ein kostfreier oder freigäber mensch, largus, prodigus, 
damnosus, nepos Maaler 178"; geudig, verthuig, verschwendig, 
profusus Calepin (1570) 1229; prodigus, profusus, nepos, disso- 
lulus germ, geiidig, der das sein durciihinreibt oder durch 
hin richtet, belgisch verdoenlich. ebendort 1225. vgl. Riheliüs 
(1590) 126; geutig oder geuter Frisius (1616) 751; geudig, 
verschwenderisch, verthuig Hemsch 1589; prodigus, geudig 
Dasypodius redivivus (1653); geudig, prodigus, nepos Fusms 
(1700) 112. Dentzler (1677) 116. diction. {Genf 1695) 14-2. dictio- 
naire du voyageur (1703) 144 (in den späteren franx, wb, fehlt 
es). Sieinbach 1,593; geudig sein, prodigere Wkissmann (1715) 
156; geudig, prodigus Frisch 1, 346', vgl. auch Veneroni (1766) 74. 

c) von neueren Wörterbüchern sind es mundartliche, die das 
wort aufführen: geudig.. gehört jetzt selbst in der Volks- 
sprache von Oberhessen, wo es noch in der vorletzten gene- 
ration in vollem gebrauche sich befand, zu den absterbenden 
ausdrücken, in den älteren hessischen Schriften erscheint es 

häufig. ViLMAR 125. 

2) litlerarische belege für das adjectiv. 

a) schon die ältesten beispiele lassen die bedeutung prodigus 
in den Vordergrund treten: 

zu dem andern mal ist der geudig man 

mit seinem tadel (durch seinen fehler) nützer iedermau, 

wann der ^eilig {geizige) immer mag gesein. 

zu dem dritten ninl is das wol schein, 

dass der geudig man hat grösser er 

in seinem tadel, wan der 

geitig mit seiner geililieit 

wan er hat da von nur alles lait. 

ViNTLER pluempn der ingent 1908; 
darumb thunt sie {die weisen pilger) des gelts ein teil in den 
seckcl, und das ander vernegent sie {nähen sie ein), uff das 
sie nit von dem zu lützel gelts für arm geschetzt werden, 
und von dem zu vil gelts für güdig und rieh geschetzt werden. 
Geiler v. Keisersberg chrisli. bilger 8l'; die gerichtlich ober- 
keit sol trager und curatores geben .. den tobsichtigen, auch 
geudigen und Verschwender irer guter. Tengler laienspiegel 
(1518) 12*; der sonst güdig und verthügig was. Diogenes {Zürich 
1550) G7*; geudig das ist gar zerig oder auch verschwendig. 
Hblber syllabierbüchlein 33,5 neudruck; ein geudiger wirdt 
darben müssen. Hemsch 1589; keiner hat auf sein haus oder 
auf sein äcker oder auf seine andere ding unnd gescheft 
etwas acht oder sorg, sonder zu wem si den nechsten kommen, 
mit demselben behelffen si sich, essen und Irincken mit ihm 
und seind also der andern und freinbden guter geudig, ihrer 
selber aber und ihrer aigencn guter Verächter. Micyllds Tacilus 
{Germ. 31 prodigi alieni, contemtores sui) 1307; arbait-geudig, viel 
arbeit in anspruch nehmend {Ober-Innthal). Schmeixer l-*, 873. 
ß) es sind nur wenig belege, in denen die Vorstellung der 
ruhmredigkeit oder die der übermüthigen laune zu tage tritt: 

l)) wie hat er dich so grosz aufl'blasen 
hochmütig gemacht vbermassen 
stoltz, vppig, eigensinnig vnd prechtig 
rümisch, geudisch, .".amb seist du mechtig 
nicht wunder wer und wilt du es wissen 
er heu dir langst deu bauch zerrissen. 

H. Sachs (fattiiaclilspiel narrenschneiden) 1, 467*. 
2)) iedoch liesz der apoteker, war ein geutigs, alts roendle, 
das gell und dieses jungen herren doriieit und unverstandt 
überwinden. 'Zimmerische chronik 3, 322; Cyrus desz vorigen 
Siegs sehr geudig, folgte ohnfürtrechtig der konigin nach. 
Kirchhof wendunmut l, 13 Oesterley. 

3) das üdverfciwm; geudig, verschwenderisch, Terthuig,pro%«, 
effuse Hkniscu 1589; 

das (pfenl) nemlich hengt das maul hinein 
aufs liatb, saufend gar geudig ein. 
er (der esel) aber rührt es au allein 
das Wasser, thut gemächlich fein. 

von des esels adel (Sirastburg 1617) 39; 
gleich als wuchs das geldt in der kist 
darausz es geudig genommen ist. 

AcHicOLA heriiwerck-lmch uherseltt von üechius 
.. , (Hasel 1621) 18. 

vgl. geudiscu sp. iiiii. 



GEUDIGKEIT, f. diese substanlivbildung erseheint fast nur 
in Wörterbüchern, die litlerarischen belege sind sehr spärlich: 

1) Salomon von der geudichait spricht: 
'du seit dich loben nimmer nicht, 
las dich loben ander leut zung, 

so hastu aiu rechte lobung'., 

H. ViNTLER piuemen der tugent 4600 Zingerle. 

2) geudigkeyt, unnützer kost, prodigalilas, proluvies et pro- 
luvium, profusio Dasypodius (1537) F. 2 ; geudigkeit, prodigentia 
Maaler 178' ; geudigkeit, veithuung, Verschwendung, prodigentia 
Calepincs (1570) 1225; geudigkeit prodigalitas Hbniscu 1589; 
prodigalitas, geudigkeit Dasypodius redivivus (1653). vgl. Schö.ns- 

LEDEa (1663). SriELBR 719. DeNTZLER (1677) 116. FhISIL'S (l'OU) 

112; Steinbach 1,593; geudigkeit, /a prodigalüc, prodigalilas. 
dictionaire du voyageur (1703) 144 {fehlt in den späteren franz. 
Wörterbüchern); geidigkeil und geudigkeit bei Fkisch 1,346'; 
vgl. Veneroni (i766) 74; die geudigkait, besonders in Franken 

üblich. SCUMELLBR 1=', 973. 

GEUDIGLICH, adj. und adverb. die hauptverwendung ent- 
fallt auf das adverb, für das die mittelhochdeutsche zeit die 
formen giudecliche, giudeclichen verwendet, vgl. mhd. wb. 1,539. 
Lexer 1, 1025. 

1) das adverbium: 

0) her gast, daz ir min ungemach 

so geudeclichen duldet (für geweldeclichen, t» so prahle- 
rischer, herausfordernder weise) 
daz hän ich unverschuldet, 

wau ich geiet iu nie kein leit. K. v. Wörzbuiig schwan- 
riuer IbOjf. v<jl. Ilau/jt tum Engelhard s. 221 
wer bat des mordes s&men 
so giudeclich 

geworfen in der vürsten rät 
wan die sich wider daz riebe valsches rämen? 
seht üf, seht üf, ein stolzer künic. Fraubnlob 341,3; 
mit sinem wib er ze huse zoch 
und lebet güdiglicher noch 
denn er hett gelept vor 
du herren trugent in enbor 
ulf ir acbsel bisz der kuab 
verzert mit in all siu bab. 

von der freundschaft, Laszbbros liedersaal 2, 619; 

{frage dich) ob du das gemein gut deiner herschaiTt oder 
eitern zu vil geidekllchen in dein eigne bruchung verzert hast. 
Geiler v. Kbisersbbrg dreieckecht Spiegel (in den sieben traetaten 
1514) t.2'. 

b) geudigklich j)ro%e Maaler ns' ; prodigaliter, geudigiich 
Dasypodius redivivus (1653); geudigiich, prodige Uihelius; 
ebenso Frisius (1016) 751 {fehlt aber in der ausgäbe von I7(i0); 
geidiglich prodige Frisch 1, 346'. 

2) das adjectiv ist bei Ottokar belegt, der sonst hierfür geud- 
lich verwendet, nährend sich andere mittelhochdeutsche dichter, 
wie I. b. Hauahar v. Laber des ähnlich gebildeten geudenlich 
bedienen: 

iu geudiclicbem schalle 

wolde sich der bischolf rechen, üttokar 28829. 

GEUDISCH, adj. und adverb., junge coneurrenzbildung 
lu geudig {s. d.). das wort ist erstmals im vocabular von 1482 
belegt, wird bei Hütten und Luther als adverb verwendet und 
erscheint bei Hans Sachs, der es oft gebraucht, in der form 
geudniscb. in der bedeutung überwiegt die parallele mit prodigus. 
in Wörterbüchern ist geudisch wenig belegt. 

1) das adjectiv. 

a) nepos, geudischer. vocab. theutonicus (1482 Nürnberg) 
Diefenbach 378'; 

weil er ist ein karg geitzig mann 
oder zu geudniscb vnd veithan 
dasz er ist in der narren zunfl't. 

U. Sacus (drei arlliche lehr Chilonis) 2, 2, 91'; 

die miltigkeit hat kein ende, wann was mag bei den geu- 
dischen gehalten werden, so andere von in zii nemen all- 
wegeu begirig sein? J. Sghwartzenbkrg Cicero. . verteutschet 
(1531) 53' (de offic. 2,15 §55); CS wird aber ein Vormünder 
pro suspeclo, und verdächtig gelialten, wan sich belindt, dasz 
er in seiner Verwaltung unfleiszig ist, nichts recht auffschreibt 
. . eigennützig mit der kiudere guter handelt, zu viel geudisch 
sein will, auch liederlich der kinder guter hingibt. Frank- 
furter reformation 7, 4 § 19 {ausgäbe von 1751) band 5, 313; 
wir wollen auch hiermit männiglichen, deme es gebühret, 
ausserhalb jetzt gehörten wegs, wie sich dem rechten nach 
eignet, gegen der geudischen person zu verfahren, und die- 
selbe prodigum zu erklaren, zu bitten und zu erlangen, frei 
gelassen haben, landgerichtsordnung des herzogth. Franken III, 
27, § 7. 



4633 



GEUDISCIIliEIT— GEUOUNG 



^) <lar(«geii wia «ulwlobl iiud tobtodlleli 

Im ein lunir. die nur lucbst «ndillcli 
baiter iioJ i«dcIi, mll argen dOoben, 
uniraw, varjogeo In allen alAckea, 
uiivarichwiegen, tciiiiulicb, iinfuclilaebt, 
die ledtrmann lebaadi und verachi. 

H.84CMI (ilte ijuli-n und böten tunif»») 17,294: 

nnd biet «Ich vor dfrii verrller, ocb vor dem eeOdifcben 
und faulen (jefrrten. (iKiLHi t. KEiaiaaimc frtdigltn 41' 
(l.MO). 

i) da$ aivtrhxum. 

•) Feuer: Ui rr nll bei wellen fctrf? 

HMen: nein iiinder aitlT* reuUi>cbl relcbllch (profuiiiiime 

/46«rii/|.>. lluTTKN i, iü luenjniuhe: februpnma)H/U:mi»g; 

t'tbtr: würuei er auch mit pfeffar, lymedrAren. Ingber *Dd 

nfgollii? 
Hutltn: ganli geOdlacli (tanjMimr), ihetulorl , 

buben sie nlitu geadiscli, und nur dünn nutz und billicb 
Keueat, von dein jrcn zu den kiiclien geben, ilurrici 4, 'Jtt»; 
zum eraten, wero bocb nut, ein gemclD gebul und bewilii- 
guag deutscber nuiiun, widder den ubirscbweuglicben ubir- 
lluaz, und kost der kleiilung, da durch szoviel odel und 
rricbs voiki vorornid. hiil doch got uns, wie andorn landen 
gnug gehen, wolle, hur, llacbsz, und allia das tu ziuilicber, 
erlicber kleiduug einem iglichen standt redlich dienet, daa 
wir nit bedurlTleii, azo grewlicben grossen schätz, für seiden, 
•ammet, guldenstuik, und was der ausziendiacben wahr ist, 
•z» geudiach vorschütten. I.LiBKa an i. chrütl. adil ntu- 
druck'i; 

bleibt er on alolli, boITnrt viid rlium 
■ar kein ühig gew<lnl-cli vberniarlu 
in gepaw. kleiJuiiK. i«l>i on prachi. 

11. Sacu4 (ärey ailiuht' lehr Cltilonu) 2, ), 91 *; 
Belli unnfiiz biw, gros gasierey , 
und uroiien praclK, holTari darbel. 
lu Vit l.«t allnial uiiKetutid, 
Ihui uns das olle spiichwori kund: 
wann wer hie wil lu geudnl.Hch leben 
dein luriot. 

{iter Pfenning der bett freund) 21,229 Keller Gölte ; 
wer hie wil lu geudnUch leben, 
bub gut acht, sei fürdchtlg eben. 

NUrnbeiyer autgabe b, 399*. 
') die (liegen zeigt rns an ein man 

hochmuiig der im niii.>4|ggang 
rbumreliig und cewdnii'cli vnibrang, 
wll jiu «olb niHcliii einen grofsen namen 
lat doch nicht von adel noch ttainnien 
on alle wirde, kunsi und ampi. 

ifabel 'omeist mU der fliegen') 2,4,S6'. 

GEODISCHHblT, /. vereintell nur belegt : geudischeit prodi- 
gntilas. vorab, von MSi, vgl. I.exhr 1, 1026. 

(ibüDiNAiUt, m. tusammensetiung, bei der das momtnt der 
ruhhiTtdigktil m vorderg: und bleibt , wenn auch die paralUl* mit 
prodigus vfretnielt sich gellend macht. 

II geudnnrr, ein gudender, der da böslich und wunstlich 
(w(lsllichen) veneret. vocab. variloquus Uikfbnbacb 462". 

■1) geudnarren, die da heim reich sindt, aber ferr haim. 
S. KsANc« mor. eneom. 4o'; wie ilerostrotus den teiij|)cl Diane 
zö tpbesü anzündet, auch sich selba darinnen verbrennet, 
odei, nisz ettlich wollen, dasselbig selbs ansagt, nur allein, 
das man von dem rümsichtigen geitnarren zusagen bett. 
S. Fbanck chrontk(mz) 1,111"; wider dise geidnarren klingen 
die sprichwürter: er macht sich breit u. i. «•. Acbicola tprieh- 
wörUr 3ÖS."; gcuiinarren, die sich breit machen, brüsten, weil 
heraus lassen, ttutsche iprichwörter 350. Kbisch l, 316". 

i;KlJI)NKiS m. bairisch-öiltrrtiditsciu nebtnform zu geuden 
(i. d.). 

GblJDiSEH «. geuder. 
(itUÜMSCIl j. geudiscb. 

(itUDLNG, /. die subttantivabltilung für da$ nomtn adionis 
trtll erst »;hK auf, bei Vi.Mtia, bei dem st* allerdings reieliltch 
belegt ist. in wöiterbüchern wird sie auch noch über das M.johr- 
hundtrt, mit dem das htterarisihe fortleben erlivht, hinaus geführt. 
1) das Substantiv mit der bedfutung der nihmrtdigkeil: 
die nudei eitel er i!<i geudung, 
wer sich le vil lobt mit seiner zung 
von etleicher tacb, die er an im bau 

H. ViNTLBR plmmeH der twjent 4&70; 
•nogantia, güfflung, geudung. Münchener handsthrift {gtrm. 
8»8i| ScHBhLLKR 1'^, 873. vgL das mundariliche lynonym aus 
der Oüerj'fals gnd (gegeude) ebendorL vgl. gegeude bei Jbboscbin 
(rsiscH 1,346'). 

a) du paralUU mä prodigalilas: 



GEUEN 

wann war da aer telt, das er m»a k»m. 
dar Ulli aiek von dar niMiikaii in dl« seiiaaa 



4634 



■ad «eilst In drr gcuduog urtpring. 

H. VmtLta plitrme'i <ltt tn-ir»i^ IMt( 

wa man aar *erteri. wann «s darst bat, 

nnd da rbatn ma^ oocb «Nanag tat. 

der wll der geudung wobaaa fai. |B»1| 

daa am l>i. da« der udal der gandaaf 

alcb gelelLlii «il Mtr mll Ir lugaHi 

gen der mlltikaii. I»i>j: 
M seind tweierlti gracblerbi der freiea MMtcckcr, das ela, 
geudung und da« ander miliigkeit genant wirtlM.f Jcaw*arxB«- 
BK«c Cicero verteuiseht (li3i) t,\' {de afk. 3, !• f M); ceaduog, 
piolutium, *ffutio, prodigolitas Masibb n«C; datulbt bei 
Kaisitjs (ISIO) -.ii (fehlt aber in der ausfcb« a«n 1700): geodung. 
veiuhwendung, esser prodtga, tonsomoi' U luUe llci»it;s (I«IB| 
ISO {fehlt bei Ca-tblii Hüo); K'udung und Vergeudung dst 
vergeuden, die gnidigkeil, prodigenlu, piodigaliUs, tffum, larvs, 
luxuria STiBi.BR7l9(^^Att»riSTBiNBAca); geudung, prUitaklu 
I RISCH 1, 34»'. 

GEUEN, GEUWEN, m»., fikm in du gruppe der asana^- 
falliijen vrrhulfurmen. die oben utUtr gluen lUiawsmnftfoMt 

und behandelt worden sind. rfl. tf. l-M ff , rgl. SciaiLtia 
iS Stil. d<n dNi^an^ifiMnirr für die günn sippt btidel dt aU- 
lunhdeulselie gewön osalare, g^ihnen (GB\rr 4, !ü7. vgL tutk 
27«), »ni«rlA.«/)rfi-ii/if/i giwen. vgL mhd. »b. l, u»'. Lazta 
I, lu'iG. du veischieden.irliyen formen, die sich durch aUnUnd« 
Suffixe ergeben haben, lind unter geuden {vgl. sp. 4««;) zas<inMii#n- 
gestellu tgl. auch geufrn, geulen, geuinen, geuiien, geualeo. 
hier handelt es sich um die geschicke und Wandlungen, du 4er 
halbvocal 'w' durcAxHinarArn halU. dteu sind Ikeib btmt 
graphischer nntur, thetls stnd sie beschränkt auf das farmeu- 
syslem innerhalb des verbumi, Iheils führen tie über dsesn *»««! 
lur anutsung einer sonderfoim innerhalb der gruppe aul be- 
stimmter landschaftlicher ahgrcnsung und mit esgenarliger hedeu- 
lungsenlwtcklung. es empfiehlt sieh daher, der tetUrn fottung 
gesonderte stichworle anzuweisen. e$ ist nun tu untiTirkndm 
swiichen vollkommener rocalisierung (genea, gluen) und sdll» 
kommener labialisierung (geben, gepen;; in der mHte stehen 
gauwen, geiiwen, göwen, geupen, forwseu, in denen der halb- 
vocal in twiifaeher hinsieht steh bethdtip. für gesonderte dar- 
ttellung kommen von diesen formen nur geaen (geowen), gcul>«n, 
geupen in betrachU vgL aber auch geuwern, und spater vfL 
gOuwen, gOuben. 

1) in formeller heiiehung ist für die formen gewen, geaeo, 
geuwen, die oben sp. I&40 eingehender behandelt sind, tu be- 
merken, dast hier vor allem graphische Schwankungen norlkgeu, 
die allerdings exn allmdliUchet tuniekwnehen des m halhvaml 
vorliegenden hbtalen momentes chronologisch btgiciten, in eintdmem 
fdllen spielt die Verschiedenheit der flesionsfurmen mit herem, 
to in dem gegensatte twuchen der 3. ting. det pritens geuwel 
und iwischen den formen det prUerituwu si« gauten ^«r 
geweien. 

2) bedeulungsenimicklung. 

a) sinnliche grundbedeutung.-gtmbaoetitare in aMsfMrfirtn 
glossen. vgl. Gbaff a.a.O.; zu dem sechsten aalla qvaa cia 
grfti sterben zu HAme über alle di stat, aisA das vd b&s«r 
wAste wurden: wan der mensche gewete oder oois %& vAr 
ima die sile enwec, und dise plage was in dirr« >U der 
vasten und was bt sancte Gregorius geziten. Haa«. v. Fairsua 
dtuUche mytiikei 1,109 Pfeiffer; ahbald eines gen et sA was 
es lAt. ItosaiTAL 189; geuen ikiare. tocahsUr ra« 1429: griwca 
oberdevttthrr vocab. rer. anfang det li. jahrkundert; gbeaen 
nicderdeutschervoeab.es fao {li.jahrh.); gewen im Tkruionitlu, 
vgl. ÜiBrBNBAca-VVilLCSBB 625; gauen vel geewen hi4re. so««*. 
prdd.; die sä der stunde des geheles weder spuwtanl aocli 
gewtcnt. GiiLBa v. Keiseb<»krc irrig scharf 20. aZi beleg für dve 
pnruUele von eil und i in bttlimmten ferwttu wiri gaaa« s« 
ginen gesUlU bei IImieb rai lyAaMerMcftMa U^h meuiimtk. 
icb gew, otci<o Albertus üstrofiuutut gnmmulik «0« 1979; i& 
kam er mit ir tu dem kind und leit den stab uff dat kind 
und leit sin antliti uff des kindes aiilliit und aine glider af 
des kindes leib. dA erwamat es und lel sine ougea off a«d 
gilwrt {Variante gewel) und ward «ider lebendig, histmsem- 
bsM 460 Mertdorf. 

I) aasdis« tu Übertragungen: 

a) Übertragung auf andere »fnungen : «in grab offaoct — 
fiwentet {fueus) ist cbela ira. Wimdherfer faaJaiM, pttim 
b,tl (ir racben ist ein offenes grab. LcfTasa. ehenta Kotim 
•.•.); Boh na vers walke aib der gnioi, dia lief«, Mk m 

291* 



4635 



GEUER— GEÜKEL 



GEÜKELEl— GEUMEN 



4636 



gewe, bedwinge, über mih diu buzce munt ire. Windiierger 
psalmen, psalm 68, 19 (das mich die Wasserflut nicht erseuffe, 
und die tiefife nicht verschlinge, und das loch der gruben 
nicht über mir zusamen gehe. Luther psalm 69, 16). 
b) bedeulungsdifferenzierung : 

«) so giwen wir nach deme himilskin liehte. 

nahe* lied 30, 7. vijl. oben sp. 1541; 

der hund gßuwt n&ch Jem O^lsch. Schmeller 1^861; geuje 

Zeitwort, gierig, glottij dreinschauen Kunzikbr i4ryauer wb. 103; 

gäuen, geuen, ga/fen Stalder 2, 517. 

ß) suTzen, gewen, 'acha mich' 

mich selten zit verlassen mag. nit. bl. 1,31; 

stridere gewen vel gischen, vor sehmerz oder zorn knirschen. 

DiKFENBACB 556*. Vgl. </j. 4, 1, Sp. 1541. 

GEUEH, GEUWER, m., substantivbildung zum vorigen, bei 
der zweierlei funclionen zu unterscheiden sind. 

1) nomen agentis: geuer, clev. bataclator im ThcutonistaDiETE^i- 

BACH-WÜLCKER 625. 

2) nomen actionis: der geuwer, das aufsperren des mundes, 
schnappen mit dem munde; den letzten gäuvver thuen, sterben 
ScHJiiii-LEB 1^,862 {vgl.gxeh); davon geuwern uHd geuweriäch, 
welch letzteres adjectiv ebenfalls wieder an die bedeutung prahle- 
risch streift. 

GEUFEL, f., mitteldeutsche nebenform zu gaufei, pupillus 
s. th. 4, 1, sp. 1546. 

GEUFEN, verb., vgl. geifen th. 4, 1, sp. 2664. nachzutragen 
ist aus Geiler v.Keisersberg: so dir das herlz nach gut gaiffet. 
sieben scliaid 5. 

GEüFER, m., collectivhildung zu ufer (s. d.) : hier am genfer 
lauschen zvvcen fischer im kleinen nachen, ihr segel, eine 
binsendecke, dient ihnen jezl zum schirm wider die sonne. 
Veit Weber sagen der vorzeit 4 (1792) 39. 

GEüFEREi, f. zu gaufen, scherz treiben, vgl. th. 4, 1, sp. 1547: 
doch, das er nit aber tzornig werde und klage, sein ding 
sei ein geuckerei und jewfferei. Luther {ein Widerspruch Luthers 
1521) 8,251,30 Weimar. 

GEÜFLER, GEÜFFLER,;m. siehe gäufler th. 4, 1, sp. 1547. 

GEUFLICH, vgl. gäuflich th. 4,1, sp. 1547: 

göuflichez birsen, schiezen 

muoz ich ouch undeikumen, 

des nimer wil verdriezen 

mangen, ez geh schaden oder frumen. 

Haoahaii V. Labbr jaqd 46; 
vnnd also fasteten sie auff die fladen vergeblich, vnnd machten 
das speis genung uherich bleib, dadurch angezeigt, das ge- 
melter künig ein gesprechlicher geufflicher künig gewest sei. 
LoRicHios wie junge fursten (l537) neudruck s. 127. 

üEUFZEiN, verb. im gegensatz zu den unter geuden (s. d.) 
so viel belegten synonymen wie güften, giifler, guftung (s. d.) 
weist das vorliegende, zur selben gruppe gehörige verb die 
neuhochdeutsche diphlhongierung auf. die bedeutung hält sich 
hier auf der sinnlichen grundlage: den mund aurHiuu. vgl. 
gifzen (s. d.), giepsen (s. d.), gapsen th. 4, 1, sp. 1371: 

((Up. weibrr) Tragen nichts nach dem bücken, knippen 

und knappen, neigen und wincken: 

bekümmern sich nicht umb das aul'sehen: 

tragen nichts nach dem seulTtzen, geuflzen und klutzen. 

MiiSSERSciiMiD liisUge narrlieit {der buler) 174 (1615); 
wer wil dir danken doch 

und denken deiner ehr' in jenem finstern loch, 
in welches du mich wirfst? das herzenswehe seuTzen 
macht mich so lasz und malt, dasz ich auch kaum kan geuTzen. 
der angstschwei^^z schwemmet mir durch manche ganze nacht 
mein müdes lager aus. 

Fleming (6. psalm. poet. Wälder I, 1) 4 Lappenberg. 

diese verse, die seufzen auf geufzen reimen, sind nachher von 
TsciiEiiNiNG wörtlich in anderem zusammenhange wiederholt 
worden: 

des berizens wehe seufTzen 

macht mich so lasz und matt, dasz ich auch kaum kan geufzen. 

ich bin bei leben tod. was hast du doch gethan? 

was fechtet dich so grosz ein armes kinüiein an. T~ 

(Höhet klagt über den kindermord Herodis) 
frühting, Rostock 1612; 

hieraus ist die stelle von Lessing im wb. zu Logau unter gieben 
citiert. vgl. 5, 321. 

GEÜKEL, m., nebenform zu dem unter gaukel (nr. 4) sp. 1519 
besprochenen masculinum. bei Gotthelf wird geuggel in der 
bedeutung: einer, der am eiteln hängt, ein verblendeter, kurz- 
sichtiger gebraucht, vgl. Rotte erkldrung der schwierigen dialect- 
ausdrücke bei Gotthelf 29; geuggel tändelnder, etwas närrischer 
mensch. Seilbb Basler mundart 134. 



GEUKELEI, nebenform zu gaukelei, »gj. th. 4, l, sp. 1550. 
diese umlaulsform ist schon vor Luther belegt: 
das das an zaubern mochte gescheen, 
das wel ich vor wsere gehen, 
und an geuckelij. AUfelder pasgionsspicl 1576 Grein. 

GEüKELMANiN, nebenform zu gaukelmann, vgl. th. 4,1, sp. 1552: 

nemmet zangen und liamer 
und slat en an dag crucz an allen jamer! 
hie ist unmechtig der geuckelman : 
hie enmagk das crucz allein nit getran. 

Msfeldcr passionsspiel 5382 Orein. 

GEUKELN, verb., nebenform zu gaukeln, vgl. th. 4, 1, sp. 1553: 

ach du lorechtiges wipp, 
loib also den trogener nicht! 
want alles des liie beginnet zu thun, 
da!" brenget hie mit geuckeln zu. 

MsfeUlor juissionsspiel 1717 Grein, 

dazu gehört begeukeln, vgl. begaukeln th. 2, sp. 1278: 
vorwar es ist gros siind und schand, 
das solche laut in manchem land 
anrichten mord vnd schwermeroi, 
begeuckeln auch die herreu frei, 
das sie jhr büberei nicht merckn. 

der po.sl-reulter 1591 Dilij (6), 

GEÜKELTASCHE, f., nebenform zu gaukeltasche, vgl. th. 4, 1, 

sp. Ih^l: 

da lag jlir (der cryiitocnlviniichen) kunst und geuckel taschn 
allsampt zu hautfen in der aschn. 

der poU-rentler 1591 E iiij (b). 

GEUKEREl,/'., nebenform zu geukelei, gaukelei, vgl. gaukeren 
unter gaukeln th. 4, 1, sp. 1555. ein beispiel aus Luther für 
geukerei siehe unter geuferei sp. 4635; also ward die muler 
arm und IJlenspiegel weit kein handtwerck lernen, und was 
da bei sehzelien jar alt, und dumelte sich, und lernt 
mancherlei geuckerei. Eulenspiegel 7 neudruck. 

GEUKLER, m., nebenform zu gaukler, vj/. <A. 4, 1, sp. 1563: 

ganck fort, du rechter geuckelere! 

was hilllet dich nu die falsche lere? 

ganck fort, dasz din der tufel waldel 

ich slage dich, gehe&tu nit balde. 

Alsfelder passionsspiel 3442 Grein; 

phl dich, du rechter zeubererl 

eia du rechter geuckeleie ! 

du bist uns zu eim konige eben, 

du hübest an dem krucz kleben. 5804; 

ach du torechter man, 

wie schricstu ein geuckeler an? 

was hulff magk hie dir gelhun? 

ich musz des minen spot hon. Iö56. 
GEÜKLERIN, f., nebenform zu gauklerin, i'jt. th. 4, l, 
sp. 1566: 

ir herren, bot er nicht gebort, 

wio die aide geuckelern dort 

hol gerulfen so sere 

von einer nuwen lere. 

Alsfelder pnssion.<!i>fiiel 4577 Grein. 
GEüLEN, nebenform zu geilen, plural des substantivierten 
adjectivs geil, vgl. th. 4, 1, sp. 2593: geulen, geilen, tesliculus, 
genilura Hemscii 1589. 

GEULEN, verb. unter dieser form werden mehrere verba 
dargeboten, die sich als nebenformen zu verschiedenen gruppen 
ausweisen : 

1) als nebenform zu geilen, betteln wird th. i, 1, sp. 2698 an- 
geführt: sie werden gedrungen, sag ich, alles zu thun, damit 
sie von dem überlast und geulen der betler sich entledigen 
können, exil melanch. 18. 

2) geulen, den mund aufsperren, schreien, heulen, vgl. angel- 
sächsisch gylian Bosworth-Tolleb 494. dieses woil liegt in der 
stelle aus H.Sachsens wolfsgrub zu gründe, wo Goedkke an 
schlingen, fressen denkt: 

wer mit Wolfen wil geulen 

der musz auch mit in heulen (es war vorher davon die rede, 
dasz der dichter in der wolfagrube meislerlieder gesungen 
hat, von denen die wölfe uiclii erbaut waren) 
gunst tun sie sich halt meulen 
und ist bei in unwert. H.Sachs, 1,42 Gocdekn. 
vgl. geulen, laut weinen, piangere {heulen?), gäulach n. 
pianto gaülachos piangevolmente. Schmeller cimbr. wb. 186. 

GEÜMEL, m., nebenform zu gaumel, gaumer. vgl. th. 4, i, 
sp. 1576, 1582 /f.: sweih herre aber oder chorhetre oder dinst 
man ainen hof hie in der stat und darinne niemon hat wan 
ainen geumel der des hofes hütet und niht gescha;ftes hat. 
Augsburger stadtbuch 68, 21 Meyer. 

GEUMEN, verb. nebenform zu gaumen, gäuinen, beobachten, 
wahrnehmen, sehen; auf etwas achten, nach etwas lüstern sein, 
vgl. th. 4, 1, sp. 1579 /f. ; 



4637 GEÜMEN— GRUnSACIlT 

dti inode galt 

moht weicn oUo ward* 

dai manehem llbel baa dan foi 

vnd 1>I dar lA der warli aln »pol, 

er brIiiKt »Ine aal In croua uol 

de will« ii(T duter erden 

feiimen nn de« llbn* nar 

mit got vnd oiich mll aren 

lin herii lit nu araiockn gar 

Tnd leil Im iilamant «eran. UvtUkJfitn W,t Oroele. 

GEUMKN, verb., ntbtnform zu gUumen {hiart, o$atart rgl. 
tf. 1681)) lUUl lieh als abintung von gfliien, geticn in di» obtn 
gektnnteifhntU ißuppe etn. in un$trtr form tnehtinl dat kotI 
b*i Atkntir, wo tt vollkommen übiTtragtn» bedeutung aufwtist 
und lynuni/m >u geiiiieii (i. o.) itt: Ich bali it ethch gi-iitiich, 
auch geirrt grliiirl, dit; aich geiimclen, al wlalen und hiclrn 
aolclis erfarcu, dem ich doch kain glauben gib (rbOmeten i>i 
andfTin U$arUii).*, \06{chron. 1,20); diae bideTniker, die Trieri-r 
und Nerviaer, wie dan Curneiiua Tacitua anzaigt, haben aicb 
vor Zeiten f^rcaz geumet von ireni) herkunimen, haben die 
eratrn TeutHchen wollen sein. 4, 97. (ekronik 1,21; in d>r 
Frankfurler ausgabt von i:>Ud Vi*: haben aich vorzeiten groiz 
gerübmpt, ebenso U8); der geiwnit auf! der geiwmt «l! der 
niues si orlin gain, der is gwia ncks nutz. Schmkllkh i', Mi. 

(;EUMtil.l.lUK.N verb., verstärkttt unbilligen (>. d.), erteheint 
im allem kmiliistile : und haben das auch umbe drr stele 
erc und besten Milien ^ethau und unHcrn eigen nutze, ere 
oder gut darinne nit furgnoniuian oder gesucht, als wir 
truwen, wir mit gute und eren wule verantworten, und das 
un!« dus nieniaot geonbilligeu oder verkeren könne aolleoder 
nmge, un geverde. Mainier chronik, d. städtechrontken 17, l&l. 

litilNKtN, trift., nfbenform lu gäunen. r;(. oben ip. i:>>>3, 
geiucn fp. .'Oou. dit gann gruppe dieser formen iil mit drm- 
ulben n- su/fts, das in dem synonymen gitlmen (grnen) xu 
tage tritt, von dem stamme (vgl. geuen) abgeleilH. auch hier 
treten suh die oft beobachteten bedentungen gegenül>er, je nachdem 
die grundbrdeutung (eütjthalten ist, oder Übertragungen vorliegen. 

1) ich geune, sperrt das maul auf. vgl. gienen HaNiscn 
1580; geyneu oder geüwcn belg. gieuwen, oseitart Calkfirus 
(l&7u) 1060 ; gewen, geynen oscilare. Itxicon trilingue (ItiriKLius 
1&90). vgl. gilenen, lüstern luschauen, lechun, betteln SüiLia 
Basier mundarl \h.\. 

2) geineu in Österreich, mundarttn ^praliltn' : und so g'geiiit 
lind so b'riiehmt zwie-r-i bi, is go nieind. Stklziiammkr 
117. St.HM8Li.8a t', 873; geunen, rühmen, preisen LoaiTZBR idiot. 
\ lenense 51. 

IjtllNIC, adj., mundartliche abkitung zum vorhergehenden: 
gcunig gerin;!, gUiig ScHNELLea l', sOi. 

(iEUt'EN, GbUBEN, vtrb., ntbtnform zu geuwen, geuen, 
güucn {$. d.) vgl. geiben sp. 2r>^s, geipen sp. 2606: gflepen, 
auch geipen gesprochefl, den mvnd aufsperren {maulafftn 
ftü halten), gähnen [in diesem .tiritie rii<i\( gtpen ausgesprochen) 
Oierhessen. ViLMAa Ul. beide Wörter sind schon von Rstor (. r. g. 
:t, MIO aufgeführt, viell icht gehört hierher im gtMippe, im ge- 
sprach, im gemurmel [Schiralefeld) bei Curtzk volksüberlUftrungtn 
<iuj dem fürstenthum Woldcck 467. 

GK.LtMMUKN vtrb., verstiirkles üppigen (i. </.), ftrtinvltt 
biUung der kanüeisprache, die dit jusammtnsetiungen mit dem 
)>r(j/ix länger festhält, rgl. geuubilden: ich verzihe mich . . 
aller dinge vnd gedinge, da mit ich disen brief, aide dehain 
dink, daz daran geschribeu »tat, geierren, geüppigon, aide 
\Mdcr tribcn möhti. urkundt von t3IO, Uschr. giteh. Obir- 
rheins \l, 229. 

(•bliULMIKT, particif>iales aiijectiv tu Urlauben (s.d.). das 
morl ist in der jetzigen spräche durch brurhiubt ersetst: geur- 
laubte krifgsleut, umb eehiifle Ursachen causarii niilites 
Maalsr 178' ; dasulie bti Kaisioa '(|«I6) 751 {fthUin dtr autgobt 
fon 1700). 

GEl RTHEILT, participiaUs adjectiv xu urtbeilen (s. d.). dit 
bildung gehört ebenfalls mehr dtr älteren spracht an und dient 

1) der nbersetiung des particips in rts judicat»: geurlbrilt, 
judicatus. Maalkii r,n'. 

2) tint anäi-re verwtndung ist heule durch beurlbeilt gedeckt: 
in solchen geurtbeiltcn krauckheiten. Paracclscs Chirurg. 
Schriften 1,358. 

CiEl'KSACHT, participialts adj. lu Ursachen (s. d.), rhenfaUs 
veraltet und heute durch veiursncht erutU: (dasz ihme) geur- 
sachien kosten und schaden vertheilet werde. Avrer prottssus 
}uris t, II; und doch nicht aust eigner boszheit, aonder aua 
einem geursachten handel. Paa&cKLaos cMrur. stkriften 1,333. 



flEÜ.S— GEUSEN 



4638 



I nms «. gAtck. fffJ. BoBkii nauUtehft mörltihsek 3l*i'. 

r.EllSCIlEL, Qt\:->CHllf.,nebeHfomtn tu (auaclwl,(lu*cb«l, 
9fL eben tf. Ibt',. ip. vm, dis ktkU ft«ai, «Jl ptrtid«' Itm4 
futtermaatt. vgl. g«ua«, geuspa u. ».: gip si iem plcrd« tu 
easeii . . ie ein geiscbel vol. miUelalieilithet hautiutM tt, tl; 
em geiacbel foul gerihena broli. 21, vt. aU wutstkfttiekaii9§ 
streift dai mtrt je nttk iem t*$ämwtenlt4nge it» uriprtimfliiln 
betithung auf die k»ni ab und ndkeit ütlt anderen Urftt- 
maaiun, $a nimmt tt i» der anwt»dun§ auf heu, ttrak, 41$ 
bedeutung armrM an : and aol nemeo aiao vll bowia »Im «r 
under einer geisehelen gelragen mag. din§hafn€kt VM tlM^ 
vgL olitn sp. 2<u7. 

(iEUSCIiPEL, GEISCilPEL, ntbenfotmem m |MMp«l (ß. d.h 
vgl. Spiim heUräga lu eineiii Htnnel-erg. idi'dtken 7X 

(iEL'SE f., nebenfurm tu gnu»«, gaufe, dit kakle kanJ. ffL 
oben sp, 1587 ff. I5U .' (nimm) mirrea eine geaae vol. fund' 
gruben 1,374* aus einer mitteldeutschen kanästkrift. kierker %»' 
hören wol einige strittige und dunkle belege, die auf ventkUdent 
stufen der bedtutungstntuicklung hinmttten: 

tlu wll der lenr tctiAnen, 
»lu enhit Ir oiui der glu«a. 

II IM den fioquieHian m MvLLsaa Sammlung ileuUentr 
qedlchte 3,38M33, vit. I.iiia I, lOM; 

es Ul ein grosser berr unser goli, daroob niui er toch solch 

edle buchgeburne, reiche hencker und bOlel haben , und 
wil, das sie reichthum, ehre und furcht von jederman die 
geu^se und die menge haben sollen. Lutaia von melttteher 
oberkeü, wie weit man ir gehorsam schuldig sei 2, lou* (Jena). 
vgL ein gute gewazel vul unter geusei. vfl, auch geuape und 
geuspcl. 

GEISEL, (iEISKL, f., ntbenformtn xu gausei, gafliei. vgL 
tp. I58S: SO das nie! durch den millner geredenn wirt, ao 
aol der mOlner macht habenn, von einem vierte:! melb ein 
gute gewazel vul kielen za nemen. Bayreuther miklordnunf 
von 1514, ScnasLLKB l', 917. geisel alt maastbeteieknuag wird 
von ScHMKLlKR tbtnda aus regitrungsrtrardnua§am flr Ims- 
btrg vum jähre 1811 btlegL dazu vgl. stktHbiak gaiaMi f., 
tint hand voll Schvid schwäbtschts wb. 221, wo bereilt auf 
gaufel und auf tlsdssiiclits guuschel verrieten wird. vgl. auds 
gusel vola aus Golius bei Dikfi.xbach «28*. 

GEUSEN, plural. dtr btkanntt name für die niederländiedm 
adelspartii, der von dem frantötisehen gueux [bMler) «lUftMf 
und im holländischen Geuzen lautete, vgl. raardeabaek der 
nederlandsche taal 4, 1S8I. in die deutsche läteralmr kat rar 
allem tlie laltinitthe niitlelform Gheusii (10 bet Stbaoa de btUa 
belgico \M0, 225 ff. u. a.) kinübergevirkt. die tinburgerung is 
unsert Sprache bekundet sich, abgesehen ton der deutuken endung, 
namentlich an tutammensttxungtn und ableitungen. 

I) und erstlich zwar, weil der hcrr auch von allerlei 
milntzen und deren geprega darinn handelt, so venneiaia 
ich, dasz es sich nicht Abel schicken solle, wann auch g»- 
meldet dabei wurde, dasz im Jahre 15M, als viel vom adel, 
in dem ISiderland . . eine bitischrifTl abergaben, und her- 
nach sie und andere, so nicht gut lümisth-calhulitch, 4ia 
Geusen oder betler, genannt wurde;i, der bertzog von Arschel 
. . die h. junglrnu .Marien . . autT etliche silberne maoU«a 
pregen lassen. ZuLLaa 667. tpisttl (I66I); sie [regtntin) dorfia 
sich nicht berärcbten, denn es wlre nur ein baulTen geti*«« 
oder bettler, wonulT sie aich diesea nabmeoa seil dem ao 
wohl in ihrer kleidung ala tiluln gebraucht. Ziicijn i«*««- 
platz (1695) 10^7' «. a., ao dem nämlichen tag, vio die twaÜ* 
biltschrifi eingereicht wurde, traklirte Brrderode die ver^ 
schworenen im Kuilemburgiscben hause . hier nun er.aoerlca 
aich einige, dasz sie den graten von Barlaimont der ragentio, 
die .«ich bei der ikberreicbuug der biUschrifl to coittrWa 
schien, auf französisch hatten zoflaslarn hören: *aia aolla 
sich vor einem häufen bettler (gueni) nicht fArrbtea'. wirk- 
lich war auch der grOszIe theil unter ihnen durch ciaa 
schlechte wirlbschaft so weit herabgekoromen, da>< er diaae 
benennung nur zu sehr rechtfertigte . . sogleich trank mau 
einanderunter diesem namen zu. und *aa iahen die Geitsco' 
wurde mit allgemeinem ge»cbrei ita WMia grmfen. Scaaita 
{ab fall der ytedtrUinde 3) 7,200; 'aktr', «arSKherte nachher 
Egroont in seiner vertbeidigvagaaakrifl, 'wir tranken nur ein 
einziges kletnea glas, und daM sckrian sie 'as khe dar 
könig und ea leben die Geusen*, e« war dies« zam 
mal, da<i ich diese baneonung hörte and gewist »ia 
fiel mir. ebem d aeL 



4639 



GEUSEN— GEUSZEN 



GEÜSZKR— GEVATTER 



4640 



2) zahlreiche lusammenstltungen mit deutschen Worten knüpfen 
hieran in unserer litteratur, und im besonderen bei Schiller : 
dem jungen grafen von Mansfeld, der gleichfalls bei dieser 
Versammlung erschien, winkte sein vater, dasz er sicli 
eiligst wieder unsichtbar machte, und durch eine schnelle 
flucht dem verderben enigieng, das über ihn, als einen 
ehemaligen theilhabcr des Geusenbundes, verhängt war. 
ScRiLLKR iabfall der iSiederlande 3) 7, 316; alle, die die 
insignien der Geusen getragen, Geusenliedcr gesungen oder 
sonst auf irgend eine weise ihre i'reude darüber an den tag 
gelegt . . alle, ohne unterschied, seien in die strafe verfallen, 
die das gesetz auf majestülsverletzung und hochverrath lege. 
3t9; um den hals hiengen sie eine goldene oder silberne 
münze, nachher der Geusenpfenning genannt, deren eine 
Seite das brnstbild des königs zeigte . . auf der andern sah 
man zwei zusammengefaltete bände, die eine provianltascbe 
hielten, mit den worlen 'bisz zum bettelsack'. 201 ; weil die 
statthalterin den pallast inne hatte, bezog er (Alba) einst- 
weilen das Kullemburgische haus, dasselbe, worin die 
Geusenverbrüderung ihren niunen empfangen hatte, und vor 
welchem jet^t durch einen wunderbaren Wechsel der dinge 
die spanische tirannei ihre zeichen aufpflanzte. 311. 

3) auch ein adjectiv wird davon abgeleilel : und solche er, 
und die jenige vom adel, deren viel gewesen, so es mit 
jhme gehalten, in ihren hutscbnüren gar schön eingemacht 
haben, damit sie hiedurch der besagten Geusischen geseil- 
schaft sich entgegen setzten. Zeillbr Ctn. epistel. 

GEUSEIS, verb. geuse, versehwenden, indem man etwas ver- 
schenkt, oder liederlich verprasit Schmidt westertväld. idiotilton 
(1800) 68; geusen, geusten, versehwenden Kehrein Volkssprache 
und volkssilte in Nassau 162. 

GEUSEN, verb, siehe unter geussen. 

GEUSER, m. fischname {siehe unter geuster): geuser, hat 
einen kurzen köpf, ist ein dick und kurz flschlein und ein 
guter bratfisch. Albinus 3/(r/szner cAronifc (l580) 634. der nome 
dieses Elbfisches gehört wol in die sippe, die oben unter dem 
femininum gase (th. 4, 1, sp. 1432) behandelt worden ist. vgl. 
auch das masculinum gcsen sp. 406S. 

GEUSPE, GEISPE,^. nebenform zugauspe. «(/I./A.4, 1, sp. 1589, 
güspe, Ih. 4, 1, sp. 1434: so nim vier geuspen voll dürre rosen. 
CoLKRus hausapothek 24; wil man einen ochsen in vier 
Wochen so fett machen, das man jhn vor fettigkeit kaum 
essen kan, so nimm wickenkörner, eine halbe geuspe voll 
unnd gehle rüben klein geschnitten, auch eine geuspe voll. 
CoLER hausbuch I (ll. buch, cap. 7") s. 412' (1016). bei geuspe 
läszt sich auch die gellung des hohlmaaszes genau bestimmen: 
gespe, geuspe, gauffe, heist eine doppelte hohle band voll, 
das ist soviel man mit beiden an einander gehaltenen bänden 
von trockenen sacben auf einmahl fassen kann. allg. Ökonom. 
wb. (Leipzig 1731) 817. es ist also nicht der hohlraum der 
einzelnen hand, sondern die beim natürlichen griff von selbst 
gegebene Verbindung der beiden hände, die dieser maaszbestim- 
mung zu gründe liegt, der begri/f 'handvoll', sofern er über- 
haupt an diese formen anknüpft, hat sich wol erst secundär 
enltoickelt. 

GEUSPEL, GEISPEL, f., nebenform zu gauspel, gäuspel. vgl. 
th. 4, 1, sp. 1589. vgl. auch geispel, geischpel, geschpel th. 4, 1, 
sp. 1Ö14: und nehmen drei geuspel oder bandvoll sand und 
Wasser. Coleb hausbuch 94; gebt dem pferd drei geuspel 
voll geschrotener gerslen, menget darunter eine geuspel 
voll des obgemeldeten pulvers. IloHBEnc (3. th., 2. abth.) 156'. 

GEüSZ, GÜSZ, m. schweizerisch der schrei, vgl. geussen, 
geusz, güsz, einzelner schmerzenslaul Stai.üer 1,441; geusz 
der schrei, er het e geusz usgl'o. Honziker Aargauer wb. 103. 

GEUSZE, GEUSZEN, wi., nebenform zu giesze, gieszen (s.d.). 
vgl. Staldeii 1,444. vgl. althochdeutsch giozo Gr äff 4,285, m/(d. 
gieze 7nM. üb. I, 54l'. Lexer 1, 1011. nachlrag 211: als sie 
{die Phönicier) nun reich worden ausz jrem werben, seind 
sie vsserhalb der säulen Herculis in Occeanum hinausz ge- 
Bchiffet, vnd doselbst an den Chersoneso, oder vszlauffenden 
geussen Europae, nit weit von den dencksäulen, ein statt 
gepauwen, die si Gadiram hiessen. Herold heydenweldl 
{Diodor Sicul. 5. buch schlusz) 250 (1554). 

GEUSZEN, GEUSEN, verb. vgl. th. 4, l, sp. 1589. vgl. geüen 
und geuftzen, jiäusze ejulare more canino. Fhommann 3, 83'; 
geuszen, güszen, einen hellen laut des schmerzens auslassen, 
zunächst von einem hunde. Staldkb 1,441; geusz, güsz, einzelner 
schmeizenlaut, ebenda; geusze, stoszweise schreien, Hunzikkk 



Aargauer wb. 103; geuszen, vor schmerz aufschreien, wimmern. 
HiJTTE erklärung der schwierigen dialectausdrückc in J. Golthelfs 
ges. Schriften 29; geusze, kreischen, heulen {vom hund); durch 
weinen zu erxuwgen suchen, vgl. auch ganzen, ganzen sp. 1593. 

GEUSZER, m., nomen agentis zum vorigen : der geuszer . . 
wer leicht aufschreit. Seiler Basler mundart 134. 

GEüST, m., nebenform zu jasl, jest, gest, gischt. vgl. th. 4, 1, 
sp. 1351 und sp. 4174: blictrum, geust, in einem mitlelrheinischen 
vocahular Diefenbach 77*. 

GEUSTE, f., nebenform zu gauste. vgl. th. 4,1, sp. 1589; 
gauspe, geuspe s. d. ; in Berlin geiste, in der Zips geist, e geist- 
voll vgl. th. 4, 1, sp. 1588 im thüring. geisten ; enne geisten 
vull, die beiden mit der untem seile aneinander gelegten hände 
voll. Kleemann beitrage zu einem nordlliür. idioticon 7. 

GEUSTER, m., fischname: geuster, gusterin, ptscts in Albi; 
)Iysenis nubis, prick, neunaugen. Henisch 1589. vgl. oben geuser. 

GEUSTERN, verb., mundartliche {schlesische) nebenform su 
geusern (s. d.). geustein, gestern, tr, verb., übergieszen, über- 
füllen; sich den magen übergestern, vgl. V/virnwiD schles, wb. 

GEUSTIG, adj., s. Hünziker Aargmer wb. 103. 

GEUSUCHT f., Zusammensetzung des femininum sucht mit 
dem oben behandeilen geuen (s. d.) oscedo, germ. geüsucht, das 
anliisler, da einer stäts musz geuwet haben. Calepin (1570) 1060. 

GEUTSCHEN, verb., nebenform zu gautschen, vgl. sp. 1590. 

1) atcÖQtt, oscilla, das geutschen, als auf einem holz, auf 
und niller. Frisciilin nom. c. 177. 

2) von hier aus übertragen auf die beuegungen des wassers, 
des weins und anderer flüssigheiten : geutschen, wasser verschütten, 
in einem gefäsz voll wasser platschen, schwanken. Seiler Basler 
mundart. 

a) um! c leget voll wi, gib achtig, asz es nit g&utschet, 
's isch kei bunte drut'. 

Hebel slalthalter von Schopfliexm. 

b) es scheiteret ufern cliilchedach, 

uuil vorcin hus, wie gnuischl's iin,bach. 

IrBBEL das gewillpy. 

GEUTSCHEN f., substantivbildung zu dem vorigen, aus anderem 
mundartlichen gebiet belegt: geutschen die lache Schwkllbr 
1^, 965. dazu Dp/. gautscli,göulsch oben sp. 1590 (un/cr gauischen 4). 
in der Basler rnundart ist belegt: g'geutschede, verschüttetes 
wasser Seiler 131. 

GEUTSCHLEIN, n., nebenform zu gaulschlein, vgl. ih. 4, 1, 
sp. 1592; geutschle, leclulus Maaler 178*. ebenso Frisius (1616) 
751 { fehlt in der ausgäbe von 1700). 

gEuUNG, f., nomen aclionis zu geuen (s. d.); gewung, ge- 
hung, hialus, oscedo. vocab, primus ponens dictiones Iheutonicas 
(Straszburg 1515) DiErENBACii-VV'DLCKKR 625; gauing Pincianos 
(Augsburg 1521) vgl. ebendort; das geinen oder geüwung, oscitatio 
Calepin (1570) 1060; gewung, oscitatio. lexicon trilingue (['o9d). 
hierzu liegen nebenformen mancher art vor, so gübung, göwung, 
göubung (j. d.): hütfende jetzun, so die forcht hin würd ge- 
legt under den göwung nider getruckt werden. Terenz (lio;») 
u'. glosse ebendort: göwung ist daz also wann einer ligt 
gantz und gar on sorg und gint das ist ein spruch, unnd 
ist gezogen von der rüterey oder kriegsart. 

GEUWE, Substantivbildung zu geuen (s. d.): den grimmen 
lewen mit seinen weilen gewen (rächen). Iwain s. Schmkli.er 
1^,862. vielleicht gehört hierher auch: becher, vasen, bilder- 
rahinen, körbe, ovale geuven, gcsimse, pokale. Netto hand- 
buch der zusehneidehunsl für gewerbtreibende (lS)39), litelblalt. 

GEUVVEN, verb., s. geuen oben sp. 4634. 

GEUWER, GEUVVERN u. s. w. s. Schmeller 1^,869. 

GEUWOCIIE, f: geuwoche, die letzte woche im jähr, in 
welche kein feiertag fällt, und wo die weiblichen baiisgeiiossen 
um die welle spinnen, welche von ihnen am meisten werde 
gelobt werden. Schmeller 1^,862. sofern die htzteren angaben 
von SciiMELLKR auf thatsachen beruhen und in den Vordergrund 
gerückt werden dürfen, wäre auch hier Zusammenhang «li/geuden 
möglich, vgl auch das schweizerische güdelmontag unter geudei. 

GEVATTER, m., mit dem das aus gevatera (Graff 3, 37S) 
entwickelte femininum lautlich zusammengefallen ist (s. d.). das 
wort ist in anlchnung an das lateinische compater gebildet und 
erweist sich als wirkliches compositum, bei dem die partikel 
ge nicht als bloszes präfix, sondern mit intensiver bedeutung 
erscheint, es sind zweierlei arten von Zusammensetzungen, 
an denen die partikel in der grundbedeutung sich bethdtigt: 
einmal Verbindungen, wie gebrüder, geerben, geteilen, gewerkcn 
{zunftgenossen) u. o., in denen eine mehrheit gleichartiger 
personen unter dem gesichlspunkt der gruppenbildung zu- 



4641 



GEVATTER 



GEVATTER I 



4«43 



tammengiiltlU wiid, andtrnuitt toUk0, tM itn** du tndttiduum 
alt triigtr rinfi btUimmUii verbaltninet :u andtrm tndindutm 
dargtittlU wird: ginuilil, geführte, genclle u.a. uitttr »ort 
gehört ditur Utitrn gruj.pe du umi til th. 4, I, ip. IHIl t'r- 
thümlick den trti enrähnttn eompontU ung>iehlouen. dat 
eoUtetivi motnenl wird zwar auch an gevaICer geitgentlieh htraui- 
gtatbeitit, über et Itruhl auf tecunddrtr tiitieiiklung, dtn omi- 
gang$punkt btUet die »erhilttutbeitimmung einer p4rtoH lu einer 
andenn. namen und brauch wutult in den einrichlungen der 
chriillichen kirche und :war in der kindtauf* im gegentutt lU 
dtn anfangs üblichen taufen der erwuchienen. dii taufteugen, 
die $chon im l. Jahrhundert erwtlhnt werden, bilden itch im an- 
ichlutt daian vom b. Jahrhundert ab zur stänJtgen linnditung 
•MI und werden ror allem im M. und jahrhunärrt von «in- 
schntiäenden bestimmungm Jet kirchenregunenlet getroffen, an 
solche bcitiminungen knüpfen für unter wort wtt für stine ver- 
wandten in den anderen germanitehen tprachen Jit ertten beltu* 
an. denn die altheimitcht dichtuiig bot hier lo wenig alt dit 
auf der bibel beruhende getitlich« litleratur anlait :ur Verwen- 
dung det wartet, die nngeltichiitcht litterutur hat einige be- 
lege für geradere «- compater (i. auch unter gtrMtr, fem. — 
commater) aufzuweiten, vgl. ItuswuRTHruLi.f • 3>-l). daneben 
macht uch schon die dem heutigen englischen eigentümliche vtr- 
drAn^uni durch godfatlier bemerklich. v<jL gudfcder UuawütTR- 
TüLLi'.n 403: godeTader, gotfadjre bei WnieiiT anglotajon 
and old englith tocabularies ttuo. dauelbt wort itt auch \in 
nordliehen sagas alt eimige benennung d*$ laufuugen tu bt- 
obachten vgl. gii<ir»dir bei Ci.eamt- VicrustOM 219. während 
diese engliiche und noiditcJie beieichnung sich gant auf dat ver- 
hältiiii des paten tum titufling linsthrdnkt {vgL auch dule 
th.i,\2nif, |in(*> (A. 7, 1400 /f. und giide s. unten), tritt in 
gevalter die heiiehung tu den laufeitern — in btuhrdnkterem 
maatte diejenigen tu den anderen taufteugen — in den voider- 
grund. die>et wr/idi/nii, beruhend auf einer gemeintchaft väter- 
licher p/lichten und rechte gegenüber dem taufling, wurde als 
geistliehe Verwandtschaft vun der kirche in bestimmt» lormen 
gekleidet, und vor allem unter dem gesteht spunkte des ehehinder- 
nisses ausgebeutet, die unnatürlichen folgerungen, dit daraus g>- 
logen irurdcn, kommen jedoch für die geschichte unseres wortis 
weniger in beliacht, diese ist enger mit gesunden regungen det Volks- 
lebens verknüpft, unter der Vorstellung einet gegenteiligen freund- 
sckaftsdienstes, der wiedervergeltun'i erheischte, enlwickelten sich 
geiadt diese betiehungen tum träger vun Ireundschallsverhdltnusen 
aller art. so erklärt sieh eineisetts dit weitgehende verblassumj 
iet ursprüni,liehcn begriffes, andererseits die wettvenweigle eiiliur- 
geschichtlieht bedeutung unseres wartet beides erscheinungen, 
die an den synonymen nicht m beobacht n sind, gerader folgt 
in allen diaen sügen den Wandlungen, denen dat spdtlateinischt 
Computer autgttetst war. selion dieses woil nimmt im 9. Jahr- 
hundert die verblastte bedeutung amicus an, und es ist nicht 
immer auf das bestimmte geistliche Verhältnis tu sehliesun, wenn 
hochstehende lerfonen sich mit compater anreden V(,L Oucarck 
2, 4iis'. noch deutlicher uigen tieli analoge verhäUnis'it bei dem 
frantösisehen compi're. wie sehr hier die entuicklung der unseriijen 
nahesteht, teiyen die französischen wöileibüeher des 18. jahr- 
hunJertt, die noch einen reielilichertn gtbraueh dts Wortes bt- 
Itgtn können: uo hoinine, dunt j'aurai tenu l'enfunt, dira, 
Uli tel e>t mon compeie. tine Alle ou une fenime, avcc qui 
Uli gur(,'un (lu un boinme aura lenii un enfant, dira. un tel 
fsl mon i-uin|u^re. ilicHkiRT dictionnuire de la langue franfoise 
{\;m>) 1,443; le pape Etieune I\ apelle souvcnt dans le« 
leltres le roi Philippe I sun coiup^re et la reine Rertrande sa 
connuire et les ileux princes lenr« lils, ses enTans spiritnels, 
c« qui fait croire qu'il fut leur parraia. dictionnaire unitersel 
(I7S4) 1,53. auch die Umwandlung dts ursprünglich gchtlichtn 
nrhältnisses in eint allgemeine gesellige Institution knüpft wie im 
itiitschen so auch im framösischtn an dat uort an, das die bt- 
sithungen swiscJien taufteugen und tauftÜern vtrköiptrt : cump^re 
8« dit en diacours ordinaire, de ceux qui sunt boos aniiü et 
familiers enscmble, amiei, familiara . . la pläpart des bourgeoi:» 
se nommenl coiup^res et rieu plus n'est ordinaire entr'eux que 
ces lermes d'ülliancf. dictionnaire univertel 1,63. tu einem 
punkte geht die d<-utsche benennung andere wege, als die fran- 
sösische, in der beieichnung für den wetbLchen taufuugen. 
uährend hier in den romanischen spraeJien dem lompaler. coo- 
p^re, dl« roinuiater, comint;re, gegtnübei tritt, letlet die denttck» 
sprathe üire weiblidie form ron gevalter ab : tt» bedient siek sur 
ablettung nur der weiblitken tuffitt : gevalcra (<. gevalter f.). 



|«vallerio (i. 4.) ; da Mr^csf , der j« »mtk t« fwl», paiio 
(f. (/.) IM keu^aäsln hI. 4k trogweiit dietn IktikmUnde» miti 
kaum termiadmi äisnk h akttk i ungen, du «■ i^ilmm rM«*»- 
lanen »m «mAm jM, •• dem weibUehen gudUtekt «uk «• 
woitstamm ulkst rteknung getrtgen wvd: mvmuiar, n.UcU 
müder, luiddetnullrr im muteldtulicktn tetahulaittn ia IS. )akr- 
kundertt für tommater, vgl. Durantaca m*, wreinteit autk 
gevaillr frauwe. ebenda, im dieun fotmun darf man *«l nnen 
tpälertn überteltangt- und hnierumgmirmik nUkktn, der ekne 
erfolg blieb, wie auch 4a$ koHtuMulu ttmmitr vraif anklang 
fand, vgl. uaatiemkMk im %tim\imMkt ImI i, 1441. dm 
nieder ländufcka %wi whitritrOMkt tfndm Miara allei» Matar 
drn übrigen garwsanit^un fratlun dtn thßua det deultektu 
worlts auch auf ihren gebrauch auf: wuttelniederl glMtsdrr« 
ViNWiJi und ViaoAM 1, I710, kolUnd, M*a4tr wardtnhork der 
nederUndsehe laal 4, IM4. ßr dat mtltelniedetdeuUeke briufl 
ScHiLLia-LOiaRii 2, 33 einen keleg aut glosun tum SaehieMtf-iegH 
bei ; dte neuere niederdei-ltekt spracht katdai frä^x abgeworfen, mit 
auch tchon i« Reinke dt vot vaddeien die bedeutung ?•• !•• 
Taller nennen aufweist, vgl. LCati» 329. 

I. geltungsbtreich und bedeutunguntteitklung; fmmm. 

I) dit veranlassung, dat wart i* der grundbedentung m |f- 
brauchen, liegt nach den iben gegebenen tndeutungen in drr 
lilteralur verhäUniimdttig telttn wr. der althaekdeutteken litieta- 
lur towol wie der mittelhoekdeulsehen diehtung war wenig ge- 
legenheit gegeben, und wir finden unter den belegen nur gtouen, 
einigt rechts- und predigtdenkmäln, samt einige dui>tungen dt» 
späteren miltelalttrs, m denen auch taufhandlungen beschrieben 
werden, für die übtrgangstetl sur neuhochdeutschen {■eriodt tnU 
datu die potemik gegen mittbrducke m der ausdehnung der 
geittliehen terwindtschaß, nodi mehr gegen lakkt m den tauf- 
gewtknheiten. an dit>e knüpft auch der giknntk bei LoTlka und 
kei tpättren schnilstellern an. duntlen iomml dat auf der ge- 
Tutler^cbaft beruhende freundiehafU9arkdU»it turgellung; diMM 
zeigt sich schon bei li. Sachs, notk »ekr aber im IT. und lt. 
Jahrhundert, in sehr veraUgemetnertrr form und hetiikt sM 
nam^n^ii'cA auf die narhbarschaft. für die neuhothdeutttk« poriadt 
im allgemeinen darf man behaupten, datt gevalter nur in dieum 
linne noch m lebtndi',tn gebrauche sttht, während du rerttn- 
düng in der eigentlichen grundbedeutung sieh mehr nur ia ftrwul- 
haflen Verbindungen wie gevaller sieben, xu gevalter billen 
erhalten hat. die neuere spräche im b*sond<ren Idtit das w«rf 
übeihaupt allmdhiich abtkrben. 

1) der uUette beleg enstammt den glatten tum kanonittken 
recht und führt die weibliche form auf: commatrem sfintalem 
givataruD. Monteer glosun det 9. jakrk. tu den detreten GrekfOet 
Stiinmetiii-Sikvers 2, 137. die kieraus alt ttkan linger im 
gebraiteJi befindlteh tu ersehUesunde männliche form itt rrU im 
li. Jahrhundert Ulterarisch belegt: gevalter, temfoUr. Heinriä 
summarium bei STtiMiiTiR-SiKVEas 3, M. 

a) hier tritt die ursprünglich scharf abgegrenzte bedeutussg^ 
die beiiehung auf die taufeitern und die taufuugen, durch den 
grgentatt zu dm anderen bentnnungen, tntt denen ittk ffnUer 
spater vermischte, deutlich hervor, dat einitkUgi§t tofäei det 
summarium handelt 'de affinitatibut et gradSbun' und ktir iif der 
compater, gevatero dem adpiterrel patiinusUAegegauklar getielU. 

n) dergUichen gegensätzliche und aut:tUietunde tntamm^n- 
ttellungen tind auch später üblich : et solleo des Liodra UAleu 
dax Ikint den geloubcn und dax pater auster l^rro, »A et 
siLen jlr alt würde, wan sie sini ex Im schuidir, «ao st« 
sint geistliche vater unde muultr. ai« sttlleol »precbco x« 
sinem valer oder inuutrr: 'gevater ir soll mir m\tn tolle« 
daz paler noslcr ua>!e den gslouben l^reo, oder ir lll lo tue 
mir g^n; so \tra ich ex.' Bitii. v. iticCüsacBS l, «4 tfesfer; 

di« kri»l«n mit al irr« mahl sesamsn k«fiiad«a krt«f«a. 

»6 quam i« tio gsruoilu rot«. 

di TOD sieh gavaMf aaMel, mm mU 4er lei«. 

I.«*«iifr<a »1» meiert (es hrndaä »kk Utr wm 4tm 
kawtff tmiadktm laniiltwlm mmd mrmmmteu}; 

ex sl sin mac oder ain gevalter oder sla lole. iufdbmger 
ttadtbutk bei ScnüEiita t, 4M: fUialus dotBo, fUMa dMla; 
timpattr geraler: reiB n l er gedtlra. tndu germ. 
ScankiiMM l', 893; 

f«T*iPr min. »6 hl et wir, 

aam mir dss ksilif« jir. 

iiaJ il'r luo sile uad« li^ 

Bin kinl. diu lol«. «od nie «Ip 

niirirn an lloicU «ifta tie. 

tf Mir eUl der back« kia. mtea mm 

(14.-U.i«*HL| tuetkr, d. •. 1. IM. l 



4643 



GEVATTER I 



GEVATTER 1 



4044 



ß) in anderen beispielen geht aus dem Zusammenhang deutlich 
hervor, dast mit dem worle gevaler beziehungen gekennzeichnel 
werden, die nur zwischen den eitern des täuflings und den tauf- 
zeugen gedacht sind, hierher gehören die verschiedenen belege aus 
dem Wolfdietrich: 

dur nnch in kurzen stunden diu muoter von Ir gie. 

diu junge küniginne lenger nilit enlie, 

si sprach 'walusere, trut gevaterti min, 

sag mir durch ai diu tugeut, wie stät ez umb min kindelin'? 

er spjach 'ez gehabt sich wol, vil liebiu frouwe min. 

ich hän ez getouTet iur liebez kindelin. 

Wolfdielrick (ß 1) 180 Jäincke; 
'Hiltburc, iuwer frouwe, hat einen schcenen üin' . . 
'wenue genas si des kindes, diu liebe fiouwe min?' 
'ez ist wol ein halbez jär, vil lieber lierre min.' 
er sprach 'got von himele, wer mac min gevaiere sin?' 
'daz bin ich und der ritter' sprach gräve Wülfin. 
dö wart llugdietricb der gevateren also l'rö: 
bi ieiweder hende gevie er einen dö. 

221 («unante» gevatreit, gevatern, gevätherit); 

der sol dutz (da zu) dem wein nicht mer geben, dann zwelf 
Pfenning seinen gevatteren und wer bei im ist- Münchner 
stadtrecht § 429 Auer; uucli findestu daselbs in bayerischer 
cronick, dasz Otto zu Nurenberg gesamell hab volk ausz 
Franken, Tiiuiingen . . und mit dem sant Ulrich, der sein 
gevatler was und von den schnöden Ungern belegt zu Augs- 
purg, hilf wolt thun, als auch beschach. Nürnberger chronik 
des S. Meisteblin d. städtechroniken 3,69; 

bab auch noch kein geTattern nit. 
ich musz selten, das ich ein bit, 
das man das kind gen kircben trag. 

J, Atrer (hauer und geuatiir todt) 247Ö Keller; 
bei der weisz gwiustu mich auch nit; 
wolt sonst ein guter glatter sein, 2477; 
mein Trau ia heut glegen die nacht, 
bat mir ein jungen söhn gebracht: 
. . nun jetzt musz ich ein gfattern hau; 
so weisz ich je nit, wen ich gwinn. 
aber ich glaub, eur seind vil hinn, 
die gern meine gefattern wem. 
so sagt man aber, jhr schenckt nicht gern 
vnd habt eines theils selbst nicht gar vil. 
drumb ich ein glattem gwiuneii will, 
der meim wtib auszhelt das kindbet. 24ö7; 

yVotijand, der könia: der aber das kind beben tbet, 

der ist ein heiliger riitersmann, 

thut dort von lein gleich her gan, 

sambt der marggräün von Galitzn, 

die hubu das kind mit grossen wiizn 

vnd haben es Wolir Dietrich gnendt. 
rtUer Sl, Georij: eur majestatt hab vor nicht kend 

vnd bin dennoch eur gTaiier worn. 

bitt, uembi das nicht aulT in zorn. 

{HneudielericU) 996; 

nun wolan mein lieber gevatler nun stet auff und enphuhet 
mein gab aber ich gib euch nicht euer hin geworden weib, 
sunder mein liebe schöne gevätlerin mit samt irem schönen 
vnd euerem kind . . ich zu der taufe getragen vnd geballen 
hab. Dekamerone 607, 9 Keller (X, 4). 

y) das so begründete verhällrtis wird dem verwandtschafts- 
verhällnis analog geachtet und bringt bestimmte rechte und 
pflichten mit sich. 

1) es ßndet in die rechtsbücher und rechtssatzungen eingang: 
wete, wen under twen echten luden er eines mannes gbe- 
vadder wert, dat denne ock sines gegaden gevadder wert. 
Sachsenspiegel 3, 27 glosse (Stendal i4S3) bei Scbii.lkr-Ubben 2, 38. 

2) es begründet auch in der sonstigen litteratur eine ausnahms- 

stellung: 

dö sprach der kunic Walgunt 'lieber gräf Wülfin, 
ir und der ritter Jörge sult mine boten sin. 
ir sit sin gevateren, des hän ich iuch erweit: 
nu bringet mir von Kriechen Uugdielrich den helt.' 

Wolfdietrich (B 1) 212 Jäincke. 

S) hier knüpft die weitere entwicklung in erster linie an. 
ein engeres Verhältnis zwischen bekannten und nachbarn wird 
im gegensatze zur Verwandtschaft mit dem namen der gevatter- 
schaft gekennzeichnet: gevatler wird zum titel und zur anrede- 
form unter gleichstehenden, als solche wird es auch in fällen 
verwendet, wo die gemeinsamen beziehungen lu einem täufling 
nicht mitgedacht werden, ja selbst da, wo sie gani fehlen: 

ez wftren zwdne zimberman, 
den an ir künste niht zeran, 
sin wxre harte meisterlich, 
gevatern hiezen sie sich 
und warn gesellen dar zuo. 

Stbickbi kleine erzälUungen 6,4 llalin; 



dö gie sie balde von dan, 

und dnlite vaste dar an, 

wie sie ir gevateren beide 

erlöste von ir leide; 

sie muete ir beider uni;emach. 

zuo dem wibe sie dö sprach, 

dö sie hin wider heim kwam: 

min gevater ist iu vil gram. 

ijesammtabeiiteuer 2, 179 v, d. Ilagen; 

ze sim gevater genc er dö 

und sprach 'ach, gevater min 

lä dir min leit geklagut sin: 

der bache ist geslolen mir.' 

'gevaler, also riet icli dir, 

daz du das jelien sollest, 

ob du in behalten wollest. 

äa>i märe vom bachen, tlschr. d. a. 7, 101; 

'lieber gevater, lat daz sein', 

sprach ein beer zu einem Stade], 

'ja habt ir nindert chainen tadel, 

ir leull'et wol die wette'. 

SucHBNWiRT fln red von hübscher lug (45) 80. 
6) diesen beispielen, in denen überall die beziehungen zwischen 
taufzeugen und taufeitern den unleryrund der bideutungsenlwick- 
lung bilden, stehen schon für die mittelhochdeutsche periode 
andere gegenüber, in denen auch die beziehungen zum taufkinde 
mit in das Verhältnis verwoben werden: 

sö läz dir sin enpliolhen die jungen künigin. 
und si daz si gewinne ein kleinez kindelin, 
so soltu gevatere werden und soU ouch daz verdagen. 
WulfdietricU (li i) 113 Jänicke; 
sie stüpfent etewenne daz man heile unz ein gevater kume 
der daz kint heben soi. ez welleni eteliche zwelf gevatern 
haben zuo einem kinde, eteliche niune, eteliche sibene, ete- 
liche fünfe. an eime hdslii gnuoc, an zwein gar vil, an drin 
gar unde gar ze vil. Berthüld v. Hkgensuubg i,'.it Pfeiffer , 

der gemein ein michel gesind 
enphienc die chuuigiu und ir chind 
gar liepleich an der selben stat 
darnach man gevateren put 
das man tauft das chindlein 
der clioler niue^i auch gevater sein 

das er hueb den fuerslen iunge. DiuUska 3, 397 {herzoti von 
O'lerreich und königin von Frankreich); 

euch sal ycklich man czu einem sinem kinde czu loulin 
nicht mer habin wenne dri gevaltirn, wer abir des breche 
und dorobir mer gevatlirn helle, alz manch gevallir, alz 
manche mark czu buze dornnime zu gebin, und der bricht, 
halber^ des geldis nicht, her sal durimmc lidin der stat 
czucht. breslauer hleider- und hochzeitsordnung von 1374 Korn, 
c) so ist der Übergang zu einer weiteren bede.utung des Wortes 
gegeben, gevatler übernimmt auch die beziehungen des taufzeugen 
zum täufling und tritt in die gruppe der worle pale, dote, göd aU 
synonym ein. 

a) am frühesten läszt sich das in derjenigen epik beobachten, in 
der heidentaufen geschildert werden, wo es sich also um die taufe 
erwachsener handelt, die vorlellung eines gegenseitigkeitsverhält- 
nisses zwischen erwachsenen, die dem worte vor allem angewachsen 
is-t, wird hier noch am ehesten erhalten : 

Aiabel der künegin 

sich underwant dö Irmeuscliart 

und diu keisei'in, von den si wart 

vil reine zuo dem touf bereit 

. . wer nii mer gevater si 

der herzog Beonet 

und von Kanar gruve ilüsinet. 

ü. v. 1). TÖRLiN yVillthalm 274, 26 Singer; 

ei, guole, sage sunder spot, 

von Durne lieber Reinbot: 

wer wart gevater da, 

da Alexandrinü 

den heiligen touf empfle? 

daz sage ich iu. wie ez ergie. 

Reinbot V. Durne Georg 2851 Vetler; 

ez wiri ouch von mir Reinbot 

genant gevater unde tot. 28G6; 

aldha Karl der koninc 

vrolichen sin gevaiere wart 

nach kristeliches louphcs art. 

Widekint wart dho genant 

herzöge uz Saxeulaut. 

braunsciiweig. reimchr. 291 monum. germ, 
vernac. II, 462. 
ß) in anderen fällen tritt gevatler in dieser weiteren bedeutung 
zuerst in niederdeutschen denkmäkrn auf, erscheint aber später 
auch in anderen quellen: de koning Godefrid hadde enen sone, 
de was gebeten Swen; des gevadere wart de koning Olle 
unde gaf ime sinen nanien lo jenes namen, unde v>art gebeten 
Svenotto, sächsische weltchronik monum. germ. vemacula ling. 
2, 136. hierher gehört vielleicht auch: ua ime wart puves de 



4645 



GEVATTER I 3) a (oompater) 



GEVATTER I 3)a (conipater) 



4646 



grote GregoriiiB mit des keiierei willen, wtnde be tio ge- 
vaddere was [kaiser Mauririus). tbtndort; bttriehnrnd für ii* 
fertehiebung dtr veThnllntsu ist auch die varianle in Wolfdiftridi, 
«0 die handuhriflen dem luiammenhange nach richtig gOten, «in« 
einiige, überein$timmtnd mit den «ben bttprochtnen belegen, ge- 
valern aufweiti: 

'man »ol ai baliie biden, dix klnlDi kladella. 

Ich wll ui lidliea loiiren, vll liebln rrouwa min.* 

do sewan er Im le Rftien den grAven Wblfln 

unile ouch von Galliieii ein eitel raarcfrtvln. (B) 173. 

genau fo verhält sich einiitelle der Magdeburger fragen^ »o die Thorner 
handsehrift gcrnltpin, andere handsehriflen vetlern und die Dres- 
dener da$ sonst iibliche pulhen einuttt: da* kiiil ist neber icti 
licwiscn sioe iarczul mit siner inuter gezUgnissa, ab is di 
bat, odir mit sinon vettern udir mit rtwen andern vromen 
lüten 114. RKnaKND. ähnliche gleichtetiungen auch tonti: aber 
der nmler gfetler oder gijlter des jungen herreii, Wulf na- 
hem, der ist nie vcrbcirnt gewest, sonder gar nabe selQ 
lehenlon^' ain liofman brühen, '/immeiisehe ehronik 3,376. 

y) in die vocabularien iü nur tneinult diese bedeulungiver- 
tehiebunij Ubenjrdrungen, voran tlchen hier niederdeutsche iiuellen, 
9gl. putriniis, gevmlder bei DiKrKNiiAcii 417*. ebenso wird auch 
bei Kti.iAN (k S*) für glievador snwnhl der begriff eompater als 
auch der begriff parens tmtinlis angeführt. 

3) die neuere ent\eicklung bewegt sieh wesentlich in den fftrn 
gtkennifirhneten bahnen, engere und weitere bedrvtungen gehen 
neben einander her. in den Wörterbüchern macht sich das be- 
streben gellend , der engeren bedeutung die alUinherrschaß im 
sichern; die lüteralur dagegen seigt neigung, den bedeulungs- 
gehalt nach miiglichkeil tu erweitern, von besonderem einfluss 
lind Ai^r die formeUiaften Verwendungen (siehe unter II), denen 
in der neuhochdeutschen periode der hauptantheil am morte 
sufiilU. 

a) deutliche abgrentung des begriffes gevatter, eompater^ von 
pate, pa<rini/s. 

a) in den Wörterbüchern ist das verhalten verschieden, manche 
wie ÜASTi'ODius, Stkinbach, Fniscn nWim^n überhaupt keine 
nolit. andere, die hier theilweise einer neigung tu breiter und 
mannigfaltiger inhaltsangabe folgen wie Hkmscb, führen die 
biiden bedeutungen eompater und patrinus auf oder bevorsugen 
sogar das lelitere (sp. 4650) ; einige — und lu-ar vorwiegend 
oberdeutsche - - schränken sich auf die erstere ein: gefatter, der 
eiin ein liind ansz taufT halt. Maalkr IGl'; im Vlmer voca- 
bular (A 7) werden eompater gevülter, patrinus gtittel, filiolus 
gottei einander gegenübergestellt, dazu vgl. eompire gpv:itler, 
parrain petler, patt, filleul petteriein. fi. Uvkz franiösischt 
grammalik (|69j) 207; gevatler, compere, suseeptor ex sacro 
fönte, eompater. dictionaire du voyageur 144 ; er ist mein gevatler, 
er hut mir ein kind gehoben he was godfather to a child 
ofmine. teutsch-engl. wb. (1716)766; gev;ilter, compete Kondeau- 
ituxTuarF 253. eindringlich wird von Aublunc ('2,640) die be- 
siehung auf die taufcltern und der gegensats ton gevatler und 
pate bervorgehohon, und von hier aus wird diese eingreniung 
mehr oder mindrr nachdrücklich auch in die neueren Wörter- 
bücher übernommen, so schränkt t.b. IIilpbiit (II, >, 4Cl), wenn 
er gevalter mit godTiitber gUichsetst, die bedeutung des deutschen 
Wortes ein: gelitten godfalhtT, Sponsor jet it dos not cspress 
this rclalion lo the child , biit eilher to its parenia or to 
those who wcre Sponsors npon the same occasion. 

/?) in der litteratur macht sich iiinächsl die alte, auf die besieh- 
ungen zwischen den taufseugen und den eitern des täupings ein- 
gegrenzte, bedeutung unseres Wortes immer wieder geltend, sie hält 
sieh deutlich bis auf den heuligen tag, wenn auch natürlich die 
belege, in denen die einschränkungen verhüllt oder ganz abge- 
streift werden , mit der zeit immer reichlicher werden, es sind 
bestimmte Schriftsteller, die den gegensatz twischen gevattcr Niid 
patt» schärfer hervorheben und ebenso sind es einzelne gebraucks- 
formen, die dieses beharren auf der alten engeren bedeutung be- 
günstigen. 

I )) vor allem ist es LoTRia, dtr offen rintr bestimmten reftl 
folgt, wo die beziehung auf den tilufting in den mannigfaehcm 
taufvorscliriften, die Luther giebt, den anknüpfungspunkt bildet, 
wird patb, pathe eingeführt (vgl. werke 14,42^. u. a.). wo dn- 
gegen die beztehungen zwischen den erwachsenen im Vordergründe 
stehen, herrscht ausschliesslich unser wort: der halben es auch 
wol billiob unnd recht ist, das man nicht truncken uniid 
rohe pfulTen ttMilTen liciszc, auch nicht leutt tii gerallero 
noine, sondern feine, sittige, ernste, frum«, pritater aai 
IV 



gerallero t8 den nao tieb varseh«, i»t ti» Ü» Mcb wü 
ernst und rechteio glaben bandello. LontB, dmt Im/IMUMb 
verdeutscht (i:,z)) Cij.', vgl. werke 12, «• Wämv. 4m dU Am 
auch new gelicd ertichlet babenn, gwiaelMa if fablt«ra, 
dülten und iran kindern und «e*cbwklara, 4m hat ii« aifrat- 
lieb der teuffei gelarel. Lorata, m(kkt ftntm iwyatw $imi 
s% eelifhen (i&n) A}*: auffs erst, tar e« t8 grelffen, »oll., 
frei dabin nainen aia patb den andern, am gefatter den 
andern, und der patb den gerattem und widerunb. Ijiinun 
sendbnef an J.v.Sthltinüt (IM3) A »'; aolcb« aolerrirhl aria 
lieber er Aasa, aoli ick langeat habaa ftfmtigl, et bat sieh 
aber lo lange vertiogeo blakar, daa wir bo laa gefallero 
worden aind von gutta gnadea. Uraia, e* kritfänU •ath im 
seligem stände sein künden (l&fi) Fi*; ettn$» ntUntämirt 
KiscHAar. gevatter bezieht steh («t ihm auf 4*$ vtrkäUmin in 
laufzeugen tu dm taufeitern; in betultung auf den UiufUn§ 8er> 
wendet er dagegen du ahleitung ton patrinus, pfetter (vgl. IM 
7, t6»4), während der Utufling ulbtt pfetlrrmann odtr gOlleU 
kindlein keisit (s.d.): aber disx geht euch gevallero an: aackt 
daaz jbra (das kind) hoch genug aulThrbl, dasi a« aacb hoch 
wachaz, ziehet hOndsibucb an, da<iz ee kein CoproatMiadMr 
tauffscheisscr werd. hehts ihr lieben patin, wie die froBnea 
cheihen die eidgnossen ircn lieben pfelterman kOnig lleinricli, 
welcher wol bat ein grosser baine müssen werden . . . aber 
botz chAwundera es kost disz göttelkindlein manchen feinen 
Abhezeller cbnaben, und manch wiidlichen pfetlrm: ao gebta 
wann bauren der edelleut gevatlern m Ollen sein. Fiaca*ar 
Garg. neudruck s. 167. 4An/ieA wird der gegntttt Mcft Ma i» 
unser Jahrhundert tum autdruek gebrtekt: 

bat er funriig ihm gevaiiern. aelnaa kinda uaoa pnum 

L.OCAO 3,4.91. 

denn wie unter diesen [barbtrisehen und rtktu fUktn] hi« 
und da der mann sich gerade zu der zeit to« aaioer lieb«n 
ebeliülfte sich pllegen ISsst, wenn er ibr fanfflfek aufwarten 
sollte, so scheint es bei uns silte lu weHea, 4aae der patbe 
den gevatler beschenkt, anstatt dasz sonst das ungekehfta 
herkömmlich war. Göthk briefe 16,0 (|5. januar ivn). fltr 
die neuere zeit ist hierbei freilicli der unter a) erwdknU einftmst 
der lexikographen xu berücksichtigen, ebenso spielt deu nack- 
denken über die etymologie des Wortes mit, das vereinseU sckon 
frühe einsettl: es ist ein ubraller gebrauch in der cbriil- 
lichen kirchen, dasz man bei der kinder taufe etliche 
gottselige personen zu zeugen und gevattern, das Ist mil- 
vUt*>r oder niit-mOtter erbittet. Scaivsa andachlen (1731) 7]0. 

2)) un(^ den gcbrauchsfuimen des Wortes faOen seldke m^, 
die eine bedeulungsverschiebung begünstigen ; diesen äeken »nien 
gegenüber, in denen die alte enge der hedeutun§ he$»niers sSke 
festgehalten wird. 

a)) liieher gehört vor allem die anrede, de hat freibtk in 
formelhafter Verwendung das meiste dazu heigetragen, die *U- 
gemeinsle und verblaszte bedeutung unseres wuries (i;evatter-aaii- 
cus) hervorzurufen, doch vollzieht sich gerade diese entuvekbsng 
durchaus auf der grundlage der heziehung sriscken laufetlerm 
und taufzeugen, 

n)) für die anrede fomH ergehen tick aus Haas SaducM 
fastnaclitspiel 'die zwen gefattero mit den aom' {meninik» M. 
s. too ff.) einige bezeichnende Variationen, »dkrend der l*mf»em§e 
stets mü gevatter angeredet wird, tdtwankt ßr dem lamflmler dk 
anrede twiuken dieser kurun form und der Uafirtm gatallar* 
mann (s. d.), die den ftfeueati tue gevalierla hertaehehL atri- 
bu;«, so namentliek da$ tarn der awsganfttfratke a» ftsftaal^ 
Possessivpronomen, keßen sieh vor aliem an die hartem farase» 
sind jedoch auek kier msekt uneHdstliek: 

der yvfalter gH ein und ifrietit : 

ein gvetten abent, ifauerwoo. 

wan IhAi Ir also trawrlg goa? v. 7. 

•i gfater man. wa* mI das salat 

warAab »«h lacht ir die glaiar ■«!■ •. 147. 

gfatarmaa. ich p««i «acba racbt. 

leb pll euch, all an aiir v«rt*chi t.llli 

aieln gfaiarsaaa, leb pll aock ab««, 

Ir woli ssir «wrea seraa f»b— , 

■ad mala gfaiarla t« IHm laaaa. r. MX 

el liaber gfaiar vaa «Ir teti 

mein sorea aach gar all saa i a b t t.l7l>, 

[vgL auek lieber gavalter aJi anrede ta heiafm if> mtk) 
f fanar, i«b riai awfe aliar dhat n. M. 

der ffaleratam iprMf: 

fftaiar Ir habt «a «•! p a i aabl. 
fck r«l( «warta gaa u aa seh 



4647 GEVATTER I 3) a (compater) 

mein welb darfT meins zoren von mir, 

mein lieber gfater, pas den ir, 

die weil sie den verdienet liat 

paide mit worten und der that, 

aulT das icli sie züeclitig darmit, 

das sie las ire böse sit. 

mein gTater, ir habt mir Icain leid thon, 

mein zorn ich euch nit geben l(on. 

vers 15S, ehenno 167. 175. 

nicht verwendet sind Mir zwei formen, die den eigentlichen aus- 
gangspunkt für die Verwendungen von gevatler in der bedeutung 
amicus bieten, die namensnennung in der anrede oder als er- 
satz des namens der berufstitel des angeredeten, das bedürfnisz, 
der anrede eine bestimmte richtung zu geben, wird beim tauf- 
vater rege, der sich zum einzelnen im kreise der gevattern wendet, 
die berufsstellung als anrede weist uns in die unleren vollisschichlen, 
wo die allen triebkrdfte der namengebung noch lebendig sind: 

gevailer Claus, ich bring es dir, 

es leben unsre gaste 

Cur. Rkuter des Uarlrquins kindbettennschmaust 
ineudruck) 358. 

gevalter grobschmietl vgl unten sp. 4660. 4061. nach anderer 
seile vollzieht sich eine erweiterung des gebrauches, wenn dritte per- 
sonen, die in das verhällnisz zwischen taufeitern und taufzeugen 
irgendwie eingreifen, die beteiligten von dieser seile aus erfassen, 
so redet der richter, der in Hans Sachsens fastnachtspiel den 
streit der gevattern schlichtet, diese mit der formel an, die eigentlich 
nur ihnen zusieht; 

ir gfatern, ich peut euch frid, 

pei dem häubt und dem höchsten gliedl 

ir lieben gratorn, sagt mir eben, 

wie hat der hader sich pegeben, 

die weil ir vor so lange zeit 

t'reuntlich gfatern gewesen seit? 

H. Sacus die iwen (jefaitern {neudrueke 63) lOS. 

weil nun die schneid ist ewer peden, 

wie ir den paid thuet selber reden, — 

der gfater het ghrett unpedacht, 

mit wortn sein meinung nIt her pracbt, 

und du sachst sein meinung nit on, 

sfinder nach seinen worten ihon, — 

des uriail ich nach weisem sin, 

pleibt freuntlich gfatern wie vorhin. 279. 

vgl. dazu die polizeionlnungen auf sp. idbo. 

ß)) diese und ähnliche formen der anrede kehren im volksthüni- 
lichen gebrauche der neueren zeit immer wieder, bei Hebel findet 
sich gevalter so ohne jedes beiwort: also nahm er den einen vor 
dem essen auf die seile und sagte: 'gevatler, Unit mir den 
gefallen, und iielft mir den apolheker (das war der andere) 
unter den tisch trinlien, wir wollen gelbgeliirbtes wasser 
trinken, und ihr müszl ihm flcissig anstossen, auf den Zyriak, 
allemal ex pleno.' das war dem gevatler reclit. drauf nahm er 
den apolheker auf die seile und sagte: 'helft mir heule meinen 
gevattermann zudecken' und thut ihm den nämlichen vorsc h!ag. 
liEiRL die betrogenen zecher. oü! gevalter! gevalter! Hamlet eine 
farce ! ! ! ! frau rath Götbe an Schauspieler Groszmann 170 Heine- 
mann; hierher gehören auch littenirische Verwertungen rolksthüm- 
licher rede: wenn man das so erwägt, gevatler, und gehörig 
bedenkt Hebbel {Agnes Bernauer) i'^, 14. wahr wort, gevalter. 
die pfuscherel isl erstaunlich nur aliein in meinem handvverk; 
der rat ist viel zu nachsichtig, gevalter. Otto Lunwic {Agnes 
Bernauerin) 4, 263 ; ei waren wir nicht auch so, gevalter?... 
nun so dreht sich die weit, gevatler, lag für tag, und bleibt 
doch dieselbe. 264. andererseits macht sieh gerade im volks- 
thüT)ilichen gebrauche auch das bedürfnisz nach beiworten gellend. 
'vetter g'vatter' nennen die eitern die palen ihier kinder (in 
Schwyz und Zürich) Schweiz. idioUkon 1, 11-28. auch soziale Un- 
gleichheit hat von jeher bestimmte Verbindungen hervorgerufen: 

Märten: heir gevalter! 

richter: bin ich einmal wieder gevatler? 

Rose: seid ihr nicht mein pathe? 

richter: seit der zeit hat sich vieles geändert. 

GÖTiiE ihürgeryeneral) 14,299. 

drum nur getrost herr gevatler, denn ich sehe im geiste bei 
aufziehung des Vorhangs im neuen hause, herrn Schmidt 
hervortreten, und an uns samt und sonders eine gar herr- 
liche rede lialten. frau rath Götbe an Groszmann 172; da ich 
üljerzeugt bin, dasz mein lieber herr gevatler schweigen 
kann. . . . fi:au rath Götre. ebenda 178. 

y)) von der eigentlichen anrede aus werden die entsprechenden 
formen auch in diejenige redeweise übernommen , die sich der 
dritten person bedient, empfehle mich doch auch einmalil 
wider deinen durchlauchten zu gnaden — auch freulein Thus- 
nelde — ferner gevalter Wieland, frau rath an Göthe (1. oel. 
1796) Schriften dtr GöthegeseUsch. 4,116; und verschlucke den 



GEVATTER 1 3) a (compaler) 4648 

teufel (nach dem weisen ralh des gevatters Wieland, ohne ihn 
erst lange zu begucken), frad rath Göthe an Fritz von Stein 109 
Heinemann; der herr gevalter Wieland isl ganz slo'z über ihr 
liebes andenken ... Anna ähalie an frau Rath Göthe. es ist 
schwer, jeweils festzustellen, in wie weit die anredeformel Ihatsdch- 
lichem gevalterverhällnisse entspricht, schon die oben {unter «)) am 
Schlüsse) erwähnte ausdehnung auf beiheiligte dritte gab die mög- 
lichkeit zu erweiterungen des gebrauches, in dem Übergang von 
der anredeformel zum titel liegen noch weitere Überleitungen, vgl. 
dazu unten sp. 4650. 

b)) die beziehungen zwischen tauftllern und laufzeugen werden 
im possessivverhältnis erfassl: 

«)) die do als ein schöne fraw was als man In tausent 
hetc eine finden rnügen, und wie noch er ir gevalter was, 
doch darumb nicht ansähe, Dekameron 462, 9 Keller. 

nun in dem doilT ein reicher hecker 
gerad gegen im über satz, 
welcher auch sein gefaiter was. 

H. Sachs (der hecker mit dem bachendieh) 
Keller-Götze 21,148. 

ein man sein frawen schlueg, 
pei dem har .sie umbzueg, 
die schrir, als w^er sie löret. 
als das ir gfater höret, 
da kam er zugeloffen, 
fand gleich die haustuer offen, 
er loli' ein durch den gattern 
und pat seinen gefatern, 
seiu zoren im zu geben. 

H, Sacu» 'die zwen qefallern mit dem zoru' 
Keller-Götze 22,495. 

als er solches noch lang getrieb, 
auf das ich nlt verlüer sein lieb, 
so ihet ich mein gfatern gewern, 
wiewol Ichs endllich thet nit ^ern. 

II. Sachs lUe twen raupenden iifatlern nchwank, 
Keller-Götze 21, 2. 

vnter andern gehet er zu einem Schreiber selbiger Fricas 
Vasili Gregoriwitz Spilki, welcher sein gefaiter (so in Muszcow 
hoch gehalten wird, vnd jhm offlmahls viel gutes erwiesen . . 
bat er jhn als seinen gefalter vnd zuverlässigen freund. 
Oleaiuus persische reise (3, cap. 12) s. 237 (1663) ; dem ehren- 
veslen und grosz achtbaren, herrn Jost Brand» ... menem 
hochgeehrten herrn gevattern und werthen freund. Schupp 
Schriften 603; diesen abend aber, nachdem die kindtaufe ge- 
endigt war, stopfte herr Friedenberg seine lange pfeife und 
fragte seinen neuen gevattern. Stilung Wanderschaft (1778) 
117; er ist mein gevatler. Ich habe eins von seinen kindern, 
er hat eins von meinen kindern aus der taufe gehoben 
j'ai tenu un de ses enfanls Schwan (181 1) 439; er ist mein 
gevatler, wir sind gevatler, he has stood godfather to one of 
my children, I have stood gudfather to one of his children, he 
and I have stood godfather together to a child. Hilpert 2, 1, 461 ; 
Kaspar Bernauer kommt mit seinem gevalter zurück, bühnen- 
anweisung in Otto Ludwigs Agnes Bernauerin werke 4, 263. sein 
gevatler Melchior im personenverzeichnis. ebendort. 

ß)) nachdem nit lang vergieng als got es gefallen was das 
Tinglioczo eines genant Ambrosii Anselini, der von seiner 
frawen einen sun gehabt het, gevatler ward. Dekameron (Keller) 
462, 9, wenn baiiren der edelleut gevattern wollen sein. Garg. 
(neudruck) 167. 

y) im allgemeinen ist jedoch (,erade für die engere bedeutung 
der gebrauch des wertes heule nicht mehr recht lebendig, für 
das allgemeine Sprachgebiet isl er auf formein, Sprichwörter, 
redensarlen eingeengt; die freiere Verwendung ist mehr auf ein- 
zelne mundarten beschränkt. Freytag macht gelegentlich reicheren 
gebrauch, erweckt jedoch hier mehr den eindruck lilterarischer hon- 
servierung eines veraltenden Wortes: kaum vor gericht verglichen 
und auf der stelle gevatler, kein mensch kann dafür stehi-n, 
dasz nicht morgen der Strohmann von drüben zu mir kommt 
und mir brüderschaft anbietet, verlorene handsehrift U, cap. i> ; 
'das kommt von eurem vergleich, ihr schwachen weiber', 
rief er grollend, 'hier hängen sich die amme und die 
hebarame und der herr gevatler an euern hals', ebendort. er 
nahm die platte vom tisch und trug sie eilig in die fabrik, 
von dort ging das blaue paket mit vielen empfehlungea für 
den herrn gevatler in das haus der feinde, ebendort. 

1)) zu den formein vgl. unter il. unter den Sprichwörtern ist 
das bekannteste das gevatler über den zäun und hinflber. hier 
wird das gevatterstehen als eine dienstleistung dargestellt, die der 
nachbar dem nachbar mit der aussieht auf wiedervergellung dar' 
bringt ; . - ■ / 



4G49 GEVATTHR I 3) b ([inirinus) 

darum, min liebar birr dacao, 

Dil laoii Och alU dln( bckümreo: 

min kücliiii, kini) Um beb nll blndrcn. 

die «li KHwoiibalt büliaii mir 

aai;;licli«n wil lob haliait lilr: 

•rfraiit Ulcb roK mli einitin klad, 

dariA du knUiao gfaiiBr lind. 

ao dien leb <llr und gdaiik daran. 

dat ir mir (lad «In (uaülg roao. 

Ilabar (falter grlaaiaol mlcb. 

dea gllcban wiT aucb irrletioa Ich; 

graliar librrn xun liinlibar, 

ao dank Icli buhl geraum widere 

dann hör Ivb liwer kocliln liiclit, 

dar mluao tOui Ir aucb daiglicb. 

HuaNaa iiaiitnb«$ehmdrMng 19,39. 

'laiidatur pfceator in dttidctin m/i, «( impiui bentdiettur,' 
KeluUer iiliir dan zun und rmidrr. Lothku optrationtt in 
ptalmos. (lliu- 1521) V, I8i, 32 Wnm.; Refaltcr über den zäun, 
prfuUfr wid«r bcrilher, nüral widcr »Ural. S. Flaut ipitch- 
wöiltr (IMI) l,3ä\ 

wla man denn apricbl; ein gfaller ubar 
deo saun und graiter wider rObar. 

II. S*cua {LuereHt) <,}.|0*. 
gfTatier oder nacbbaur ub«r den z:iuo ÜKKiüca UIB. auch 
andere tfrichwOrttr, die niehl dieselbe l)tterarische Verbreitung 
erlangt haben, gewihren einblicke m die antrhaitungen und ge- 
brauche, die der volkunund mit der engertn beteutung verbindet : 
lieber getaner. *laa sulireibeo wii dartiin.- wer ein gerattern 
bat, der bat gereclitigkeit zu der bulscbuIVi, der das kind ge- 
iinben hat. AiiaKCHT Aciiaii« an buehof Friedrich ton Lebut 
(7. mui Uhu) bet Stetniiausen, pnvatbriefe t, 215; ein gevalter nuII 
III) daaz anderen gevuttereii buuss iikbta arges sehen. Hknisch 
UI8: nun »ihet inon, das es nit eines jeden werk geweaen 
ist, und ein jeder bat sichs enthalten, bis jemand . . vielleiibt 
der pfarrberr, oder jeuiaud grusscs. die leut darzu geriiffen 
b;ii, gieiHl zu, jr solt gevatter werden, ungclordcrt, unge- 
ruITeu ist oiriniind hinzu gt-trelten. driimb ist ein vermanung 
zu denen, ilif sich eins dings entsclilaben, das t<ie sollen 
lugreiffen, es »vi wolgcthan und jn kein Unehre. AcaicotA Wl; 
er triumi von gevattern, hat ailierne eiulalle, huOnungeo u.t.m. 
AiaRKcaT Leipztner munJart t22\ 

2)) innerhalb der mundarten fallen die niederdeutschen mit ihrer 
prdfixUsen form (vodder) au$ dem rahmen unserer dar Stellung, 
dte oberdeutschen weisen eine gienslinie auf, die den oslen vom 
Westen schetdel aus östericiehischen mundarten wird gevatter 
mehrfach belegt, vgl. llörKR etymologisches wb. der österreichischen 
«i«iidorl(lsia) i,2»5; Schöpf 786| ScH^Ktna l',9fi2. die P filier 
mundart hat an stelle uitsers worles susammensetiungen und er- 
meüerunqen eintreten lassen: so verzeichnet Lk>z [wb. der neu- 
hochdeutschen spräche und des Handtchuhsheimers dtalektes 2S) ge- 
vatteruiann {pate tn setnem Verhältnis lu den eitern des hindes) 
»U ersals des schrifldeutschen gevalter. damit stimmen beobaeh- 
tungen aus der Schireii i'üierein: g'later, in der formel 'z' g'fater 
slö, pathe aein. die beiden |iiithen (göli und golc) heissen 
coliecti* g'faterscbaft oder gTalerlül. Hunziker Aaigauer teb. 
104; müge das kind florieren und urwaldskraflig werden zu 
ehren seines merkwürdigen paten, un<i mOge das aipbabet 
(orlgeaeizt werden, bis du den ka ke ki ko kuh, namlicb meine 
Wenigkeit, zu geralter bitten wirst, bis dann werde ich ein 
ordentlicher und solider gevattersmann sein. U. Kmle* (an 
Freiligratht bei Bdehlold 2, ISO. 

h\ Übergange «on der bedeutung gevatter, compaltr tu der 
gteichsetsung mit jiate patnnus. 

n) die fuctoreit, dte diese Übergänge begünsHgtn, sind in der n<ii. 
hoihdeulschen spiachperiode thetlweise andere, als in der älteren, 
die iiusnahmeslellung der heidenlaufen tritt lurück, ebenso läsU sich 
auch der niederdeutsche einfluss nicht mehr so durchsicJilig ver- 
folgen, dagegen macht sich die geslaltung des susammenhanges 
in den eimtlnen belegen bemerklich, meist liegt gar kein moment 
vor, das gerade den gegensats terischen gevatter und pate her- 
toriuheben geeignet ist, die berührung iwischen den beiden nahe 
verwandten worUn wird also ex sileotio gefördert, oft auch 
mieht sich in «in^m zu.«(imm/nAan^, wo sundrhst die besiehungen 
zwischen taufeitern und taufseugen im Vordergrund standen, das 
verhiiltnisi sum läufling nebenbei nnd nacJiträglich geltend, der 
bedeulungsgehalt des worUs wird alio durch den tusammenhang 
ulb>t erweitert. 

I)) die bepslische biscboll haben wol edler fornieo di« 
weniger mube kosten, wilche aind die? nemlicb nichta 
wissen ... die gefattern fruntlich auff die backen schaben, 
szu es anders babscb glatt« meUlin sind, dock ob ki«h(- 



GEVATTER I 3) b (pairioiu) 4650 

rertigcktil, it$ ait iMitrvMB Ucbc. Uraia »Mfr den falsik 
tnannln ititläeheu steni (im) BQ. «t '••t Bao feratier, ab 
MHM M 4«r teDir eine» kiUm («bnocbeo aolle, kann aaa 
aoeh tiMt ien l. cap. desz propbeten KaaiM trmmma, 4m 
der pruphet, als er einem »oho atitz g'tilicbea tgliikfc, ciwa 
besundern natnen, in der beachueidut.| gegebeo, t«9C« te«fta 
dorzu genomaieo bat. Maann Zcillu tenlurU tfuttUtum 
miscellanearum (isas) lu. 

3)) ez aol auch ze kainer kintaaffe oibt acr §n 4mm 
vier frawen unde die gevatero, und such albt wmr mmm 
denn« vier man und di« ge*at«ra; awer dai bricht, dar 
gibt fünf pfunt and der da nit get, dar grit ein pfuot 
Nfirnberger poliieiordnunijen i9. Baader (||. u. u. jahrhmndetf)', 
das nacbhausschukcn für grfattcrn und andere prr-onrn toll 
unterbleiben; der palbeopfenning darf in den vor<!eraM 
stünden nicht über 2 ducaten . . . betragen. Sitatüteia -^tfr 
riakin tur Nürnbergischen geschieht» t,3:e; kein thuraer «•■ 
mehr bbücn, und nur derjenige, so zunlchtt bei des g*- 
vattera haus wobne, sich ein« freiwillige gäbe erbitten durleo. 
22«; item es aoll aucb fürbat kain wana pcrson nit sioicber 
kindtauf geen noch dabei aein, auazgeoonmea aioe« kindes 
vater oder der oder die gefatter. ordnan^ des i«. j^rhuiderl» 
Z.hälftt. SiiBKiKEia 1,133. 

8)) als aprflcben die gevattern, wenn «ie dat kind aus im 
tauf heben: »iehe, dein sünd seiad nun ertrankt, Mir empfabM 
dich in gotte^ namen, in das ewig, unschuldig hbeu. Luvan 
ri'i urmon vom sakrantent der taufe. UrL 2i,2Jl: item dM 
auch kein gevater einem kindt mer einbinden soll dan zw«». 
unddreisitig pfening gewonndlicber werung zu Nürnberg bei 
einem pfundt neuer heller. Nürnberger ktndtaufordnung (zml< 
hitlfte XU. jahrh.) M SimriiBERS mattriaütn 1,1*4; wenn dae 
kind getaufln ist, so will mancher gefatter werden ; ««r «ol 
regieren will, der musz den teulTel zu geraiieren kab«a. MIS. 
Hkxihcr. es ist besser, dasz der vatter gefatter «crd«, dcM 
das kind ungetaudt bleibe. Hrnisch 1418; ao «• (das kiod) 
aber gesund, wird es durch die danu gebetene gevattern, 
deren nur zweeiie sein müssen, in die kirch« gebracht. 
OLEAaius pei sisthe reis« IS. cap. 23) TS\ (10*3). 

ß) di» besiehung des taufseugen auf den IdufUuf sieht im 
Vordergrund: nachdem der priester viel über di« müiuia g^ 
lesen, so hat sieb die möhrin nacket ausgethan und eia 
weiss leüach umb sich gewickelt und ist in ein gro»s berkeo 
gestanden und bat sie der priester getauffet und eine silbern 
kandten voll tauffs über ihr haupt gegossen, und teindt ge- 
vattern gewest meine gnedigen herrn beide rm^nrA des heiL 
lands 1,80 (von u»j); es soll fürbar kain maonsbilde mit 
ainicher kindtauf geen oder dabei sein, ausgenomeo der 
vater des kinds, das getaufft wirdet, und der gefatter dem- 
selben kinnds. Nürnberger poUteiordnungen {\i. jahrh.} Baader; 
die gevatter zu denen S kinderen waren her Hjeroajmaa 
Harter, br. Chr. Schmidt, beede kaufleuth, und S. Haissin, 
meisier C Heis>en weih. Selbstbiographie H. Holu (Chr Mcjer) 
10; es artet sich ein kind desz dritten tbeil nach den ge- 
valteren. Hemsca 1418. 

y) völlige gleichutsung der vewU gevatter und pal«. 
I)) in mörterbüchern: mit dinen patlen und gefaderen («es 
klAnisdiem vortsehats) Pfeiffer bei FaoenAiiii £.43»*; fcfailer, 
gevatter, arbiter ini^iotioni«, pureuM inilKilis, ee« 
parms myttteut, vulga compaltr, tivt commtiau f 
HkRiscB 1413; patt. der daa kind hebt, ge«ati«r Aiaiaca 
diet. b 3*; gavatter folrinut HuprorrSS; Kaisica (t*oe) 113; ge- 
vatter, susctptor üi.iTiLia (107:) HC: gevalter, ttmfittr, 
iponsor^ tuscepttr Wiissaai«!« (ITIk) IM*; gevatter s<< vsUer, 
compater, paUr spirilaUs i>aioTTiL •»&* ; gevatter, le«/se«fr, f«^ 
father, Uutsth-ngl. mb. (t7l«> 36); gevauer, Itmf^tu Martia wmi 
Lienbart «bdss. mb, tu. 

2» isdrr btltratmr: gefeiter oder gMU Iin.dtoMA %UL 
er [der pabU Higious) hat die gefatter ud detkM ta der 
lirmung und tauff auffgeselzl, dae oienaot oo bArgca oder 
fürinund solt getaufft »erden. S. Fbarr ckrvm. i, !•*; die daa 
kind zur lauff tragen, die heiaaeat «tr OaalsdMa jaeaiar, daa 
ist, die geistlich veiter aiad daa kiada. Aaawaii iprtähfcdM. 
gevatter, ^«i eiwaa i<f«l aal aeaiiae aMM P«ILWiian 
pratticarum jum etecreal. (lOl) ttb; im» m MB ^lar 
(fevaiiern oder palkM, «ia «mm aaaaal» apfMk) Snpikaiiai- 
■IM 3, a&4, 19. 

ka i/ f etMlim vi t : gtaica aiargea. H<kcfeeal 
ff««a nert««. berr («vaiterl 

(iiffwa leraaaar) g*.*. 



4651 



GEVATTER 1 3(1) (amicixs) 



GEVATTER 1 3) d (amicus) 



4652 



c) Übertragung des Wortes gevatter auf die zeugenschaft bei 
Vorgängen und gebrauchen, die nach analogie des taufaktes ge- 
halten oder erfaszt sind. 

a) der brauch der glockentaufe (s. d.), den schon Karl der 
grosze durch capitularc bekämpfte, hatte im 10. auf 11. Jahr- 
hundert die Sitte hervorgerufen, auch paten zu bestellen, die dann 
geschenke an die kirche zu geben hatten, ein miszbrauch, gegen 
den später Luther eifert: die stucke, so inn der gleissenden 
kirchen inn ubung und braucii sind gewest. 22. glockenteuffen, 
mit 200 gevaltern an einem strick. Luther vermanung an die 
geistlichen (1530) Gl'; glücken teuffen, altarstein teuffen und 
gevaltern dazu bitten, die dazu gaben etc., welches teuffen 
ein spot und höhn der heiligen tauffe ist. werke 6, 521*. Jena, 
ß) aus den gebrauchen der meistersinger : wann dann nun 
derselbe thon bewehrt, und gut gesprochen wird, all- 
dieweilen sonderlich dadurch in keines andern thons melo- 
dei mit 4 silben eingegriffen wird, alsdann soll der lichter 
seinem thon, zum unterschied, anderer, einen ehrlichen und 
nicht verächtlichen nahmen geben und zween gevaltern da- 
zu bitten, hernach drey gesätz, aus der ihm von den mercken 
fürgegebenen mateire, in bemeldtem thon machen und in das 
hierzu verordnete meistersinger buch . . einschreiben. Wagen- 
seil Nürnberg (1697) 533. 

y) in der formelhaften Verbindung gevatter stehen (vgl. II) 
entwickeln sich verschiedene noch weitergehende Übertragungen, 
die richtung, in der sich diese entwicklung bewegt, zeigt sich in 
belegen, wie: Joggeli stand noch mancher schuld als bürge 
zu gevatter und ganz besonders bei seinem söhne.. Gott- 
HELF Uli d. Pächter cap. 23; einen Verleger könnte ich ihnen 
wohl verschaffen , jedoch nur für ein fertiges werk . . . 
haben sie erst ein manuscript, so werde ich, wie ich glaube, 
den gevatter leicht auftreiben. Hebbel (an Bamberg) brief- 
wechsel l, 330. 

(i) erweiterung des bedeulungsgehalles, gevatter = verwandter, 
freund, nachbar. die Übergänge dazu liegen in den oben an- 
geführten erscheinungen vor. die geistliche Verwandtschaft, die das 
gevatterverhältnisz begründete, und die sich auf der grundlage 
des kanonischen rechtes so einschneidend geltend machte, führt 
andererseits zur anknüpfung an das verwandtschaftsverhältnisz 
überhaupt, der freundesdienst, die nachbarliche gejälligkeil, die 
in der übernähme einer gevallerschaft sich bekundet, schlägt durch 
den bedeutungsgehalt des wortes ebenfalls durch. 

a) gevaltern, nomen afßnitatis spiiiluaiis P. M. Wehner 
practicrum juris observat. (1624) 225: schicket ihr nun euern 
gefälligen Weislingen herum zu vettern und gevaltern, laszl 
mich anschwärzen. Gothe (Götz) 8,9; 

'ich werde zahlen, wenn ihr bürgen stellt. 

es fehlt euch nicht, faszt ihrs am rechten hefte; 

er hat verwandte, die ihm hellen können; 

der könig selber wird ihm gutes gönnen.' 

Andreas eilt zu vettern und gevatiern 

(sie sind die reichsten auf der reichen insel) . . . 

vergeblich; alle kunst ist hier verschwendet. 

'der könig helfe! der hat ihn versendet.' 

Uhland joiluiiut und seine saline 2_ 

ich hafte ja mit unserm vettcr und gevatter Ulrich als 
amlsbürge für beide söhne. G. Keller (il/arfin Saiander) 8, 280. 
ich weisz den lag da ich so viel schwäger, so viel ge- 
vatter, so viel freund, so viel blutsverwandte und pffegkinder 
zehlele, dasz kaum mein hausz ein solche mich freundlich 
grüssende schaar, fassen mochte. Schupp (kunst reich zu 
werden) 156; sie heiszen jeden schwäger und gevatter. Müsäds 
phys. reise 2, 90. 

ß) l)) in solichem seinem hin unnd her faren er grosse 
kunlschafft name eines schlechten armen maus genant Peter 
von allen heiligen, der als der domine Johannes auch mit 
einem seinen eselein auf unnd ab füre sein narung ze suchen, 
ir freundschaft beidenthalben also grosz warde das sie ein- 
ander gevatter hiessen. De/tomcron 583, 9. Keller; er (Wenzel) 
enlhlöszle also seinen hals, band sich die äugen zu, knieete 
nieder und befahl seinem gevatter, so pflegte er den nach- 
richter zu nennen , er möchte ihm den köpf abschlagen. 
Petzel lebcnsgeschichte des römischen und böhmischen königs 
Weneslaus IT, 493 (1790), vgl. dazu Lindner das deutsche reich 
unter kötiig Wenzel 2, in,vgl. F.L.Jahn unten sp.idlb; ich habe 
einen lieben gevaltern, ein rechtgelerten, dieser ward zu 
einem anipt gefordert an etlicher fürslen hoffgerichle. Acni- 
coLa sprüchw. (1582) 304; lauf nur zu, Susen, ich will zum 
gevatter hinauf. Götiie (fischerin) U, 105; unser gevatter, der 
Clemens, der hier in Saint Germain wohnt, auf der matte, 



der reiche geldwechsler, kommt zurück, er ist schon über 
die brücke, er musz gleich hier sein. Tiecr (kaiser Octavianus) 

1, 151; 

es wird sich zeigen, dasz es nützlich ist, 
zuweilen bei dem flscher vorzusprechen, 
und mit dem herrn gevatter zu verzehren, 
was er sich selbst gönnt, weil es niemand kauft. 

IIebuel {Herodes und Mariamiic II, 1) 3,40. 

der kommerzienrat, unser nachbar, geht niemals über die 
strasze, seinen gevatter zu besuchen, der stock musz 
mit. E. MöRicKE (novellen) 2, 380; dem ehrenhaften und wol- 
achtbaren herren Joachim Herb, burgern zu Straszburg, 
meinem gönstigen herren, freund vnd vertrauten lieben ge- 
valtern. FiscHABT eezuchtbüchlein (Hauffen 3) 117; 

doch gut war es geraeint; ich danke dir, aber noch mehr euch 
sagen wir herzlichen dank, willkommene freund' und gvattern 
(anrede an die musikcr, die das Uändclwn bniclilcu) 
Voss Luise 3,363. 

nach einiger zeit kam mein freund . . er rief mich ganz leise: 
gevatter! denn so nannten wir einander, im scherze; erbat 
mich, um goltes willen, und sagte fast weinend: lieber ge- 
vatter, thue doch dem armen mädchen nichts zu leide, Göthe 
[Benvenuto Cellini 1,6) 34, 93 ; vgl. auch die anredeformeln unter 11, 1. 
2)) ain spinn oder rockenstub, da die gevaltern, nachbarn 
und gespielen, wann sie lang von ernsthaften sachen geredt 
haben . . so schreiten sie darnach per digressionem zu den 
märlin und kunkeipiedigen. Fischart podagr. trostb. Hauffen 
3, 86; aber trotz aller erbitterung in der politik und trotz 
bösartigem klatsch in den familien verkehrten die gegner 
als landgenossen, als gevaltern und nachharn ehrlich mit 
einander im geschäfl und beim wein. G. Fheytag (K. Mathy) 
22, 115; er bat alle seine nachbarn und gevaltern zu gaste, 
he invited all his gossips and neighbours to dinner. Hilpert 2, 1,416, 
y) von hier aus gesellt sich zu unserem Worte die nebenbe- 
deutung der engherzigkeil und beschränktheit , mit der sich ein 
kreis von verwandten v,nd gleichgesinnten gegen andere abschlieszt: 
die weit wird von gevaltern und gevatterinnen regiert. Herder 
X. Philosophie 10, 374. es ist eine ähnliche entwicklung, wie sie 
in süddeutschen mundarten an die Verwandtschaftsbezeichnung 
vetter anknüpft (vetterleswirthschaft), vgl. nepotismus. 

die deutschen sind ein gut geschlecht, 

ein jeder sagt: will nur was recht: 

recht aber soll vorzüglich heiszen 

was ich und meine gevaltern preisen; 

das übrige ist ein weitläufig ding, 

das schätz ich lieber gleich gering. 

GöTUE (laÄme, «enieiOS, 265. 

4) formen, d) das präfix. die mundarten scheiden sich in 
der bchandlung des präfixes. 

o) die oberdeutschen mundarten weisen synkope des vokals 
auf: gvattr Münchener handschrift von Heinrici summarium 
des \b. jahrh., vgl. Steinmeier-Sievers 3,68; g'fater, g'fatler 
bei Ayrhr, H. Sachs, Murneb, zimmerische Chronik, ja noch 
bei Abele k. Unordnung (1670) 1,304, ebenso bei Hünziker, Aar- 
gauer wb. 104 «. a. 

ß) die niederdeutschen mundarten lieszen das präfix ganz 
abfallen, schon die niederdeutschen vocabulare des 15. jahrh. 
weisen entsprechende formen auf: valter vel medevader Dikfen- 
bach 136', petter of vader ebendort; ebenso liegen zu der oben 
(sp. 4644) belegten stelle aus Reinbot v. Durne für gevater die 
Varianten valter und got vor. den gegensalz spiegelt auch 
ein lied vom ende des 16. jahrh, wieder, wo der dichter, der 
sich selbst schriftdeutscher formen bedient, die personen des ge- 
dichtes plattdeutsch reden läszt: 

ein einfalt zu dem pfairherrn sprach: 
'herr karkher, 'k schal hütt vadder stau' . . 
die gevaltern verfügten zur kirchen sich 
Peter kam auch und säumt sich nicht. 

vgl. Hoffmann geuMschnflslieder nr. 344. 

gevatter, vel vatter, compaier Schottel 635 ; zur mitteldeutschen 
ausspräche des präfixes vgl.: die hochdeutschen heissen den 
javatter einen lodl, zum zeichen, das er das kind aus der 
tauff hebt, ein zeuge sei des, das das kind sterben so!, 
auch das des kinds fleisch jetzt als bald anhebe zusterben 
und getütet zu werden, mit allen seineu gelösten. Acricola 
461. die Volksetymologie hat auf diese form einßusz gewonnen: 
et dicitur quasi „javater" i. pater spiritualis, qut infantis 
loco diabolo renunciel et confessionem fidei edat, cum ad 
interrogata baptistae „Ja" . i . „ila" dicere iubetur. Clajus 
(neudruck) 28. 



4653 



GEVATTKR I 4. (formen) 



GEVATTER II (funnHo) 



4654 



b) dtr anUuUndt ^uMaJ« ifiraul wtitt die b€ka»nt«n uhwn- 
kungin in dtr uhreibung auf: u, v, f ; nur gthört ntytUir mk 
vulei' lu der mtnderhtU von worlen, in denen dit ntuhochdeuliek« 
niigung für '(' nicht obyi$ttyt hat. aufuhlüiu /ftr du aut- 
tyrache dürfltn sieh aus dustn $chm»nku»gtn w'eAl trftbtn. 
K<!ii!itero gevaUru STaiNMKViiii'SiiivtM 3, W; gtialere, gevaler 
mild. wb. 3, 'Mu; gcvodilere tächt. weUtlironik ; getater in milltl' 
deuhchen vocabularitn dt» ib. jahrh. Uik>Ki«a*cii 136'; geviiller 
im voeab. tx quo {\ini) Nürnbtrg tyL DiKKrusAcn. im Ih. Jahr- 
hundert taucht dit uhreibung mit '[' auf, du durch da$ \n,jahi- 
hutidert hindurch üb«Twitgt. gefalnr im miltetd. tucab. tx quo 
de» \:>. jahrh. bei DiirKNiAcii ISO': gefuler eodtx MoHacennt 
U4a 6ri SciiNRLLim l', 633; gefatter, gbllcr in Nürnberger Ord- 
nungen det lü.jahrk. tbento bei Airih, 11. Sachs; deiyUichen bei 
MuRNKB, S. FaANCK Und LuTiita. der gefatler de Lopi (Bologna 
I c;») Uj'; geriiticr Maalkr iüi'; geraltrrnen '/immerKhe chronik 
:i, 323; gcfatter Ulkarius I2I neben gutatlero (U4). die heute 
übluhe Schreibung mit 'v' ldi:( das 17. jahrh. im allgemeine» 
durchdringen, freilich unter schwinkungen {vgl. oben $p. 2133), 
für die auch Stiklkr (&:tl') noch ein bei$piel giebt: gevatler, 
ijuod etiam gffatlcr muUi piobant, at indifferent est haec scriftio. 
ebenso noch später. 

c) die quantiUt des Stammvokals und die tchrribiing des inlau- 
tentlin dcntals. diu kompotilum gevatler hat bekannllicli die 
kiirzi- des Stammvokals bewahrt, die für das grumlwort in der 
ichriflspi achf verloren gegangen ist. dem tntsprechend macht 
sich in der Orthographie für den dental die dopi)flkonsonans geltend. 

n) die Wiener handtchriß des tummarium iicinrici (13. jahrh.) 
Stkinhkvkr-Sikvriis 3,08 führt die form geuAlero auf; alle 
anderen schrexbungen der illeren teil weisen auf kürte des Stamm- 
vokals hin. dagegen liegen für die länge in der öslerr.-bairisehen 
mundurt belege vor: da gvnlil Lindermati 6n Schmillkr 1*, 002. 

f{) am denliil, der in niillel- und niederdeutschen queUen als 
media erscheint, teigen sieli tWt der mitte det N. Jahrhunderts 
die verdoii/ielungsersrheinungcn. erst nach langen Schwankungen 
»etil sich im lt>. Jahrhundert die doppelkonsonant fest. 

I)) a)) geiiattro, gcvalero Srt inhev8R-Siktkr8 3, OS. mhd. wb. 
3, 2S0; gevatcr, gefnier in vocabulaiien det \1>. jalirh. Dibfbr- 
BACH 130'; ebenso im voeab. vpt. 1,Ab. gevater in Nürnberger 
Verordnungen bei IIaaokr und SlBBüiiKaBS; vereinuU neben 
gt>r.iUer auch bei H. S\crs. 

b)) gevadre Darmstadter handschriß des tummarium HitiriRia 
SrBiNMBYBR-SiKTBRS 3,08; gcvadere sächsische weltchronik; g»> 
vader, gevadere mitteld. wocabular des IS. jahrh. Dukhrbach 136', 
grfaderen {Kölner quelle des Ib. Jahrhunderts) Krummann 2, 4S&'; 
gbevader Kilian. 

•1)) a)) gcMtlHT Breslauer hochieitsordnung von 13*1; gevatler 
im Augsburger ttadtbucli. Schhei.lkr t,-i6&; Münehenet stadt- 
recht ii» Aüer ; Nürnberger Chronik desS. Mcisterlin (d. cAr. 3, 09) ; 
gvattr Münchener handschrift des tummarium Heiorici vom 
i.'i.jaArA. (STEiNMEYER-SiBVBRSSyOS); gcvatter vocab. ex quo \i&i 
[Siimberg) Dikfenrach ISO'; gefatler, gevattcr im Dekameron, 
hri MoR^Bn, LuTiiKR, Atrbr, Zkiller, Holl, Fischart u. a. ge- 
fatler überwiegend neben gefnier bei H. Sachs. 

6)) gevaililer S<:hillrr-L0br8!i 2, 3S. Dief(:Nracb 417'. die 
niederdeutsihe präfixlose form ist zuerst in der form vatter öft#r- 
l/r/rrC vntler ivi modevadcr DiKrRNBACH 130'; vgl auch talter 
in der Variante su Kkinbot v. Dorn (cers 2t>00). 

d) umliiutserscheinungen sind für den plural auf dem ganun 
Sprachgebiet wahriunehmen. der sinyular weist im tchwäbischen 
vereiniell nmlaut auf. in beiden fällen ist es schwer, unser 
wort von dem nahe verwandten gevetter (i. d.), der abUHung von 
Vetter, tu sondern. 

(i) gorcttrrn Bauman!« queUen 1,169; gevStlrrea Stumpf 
SrAif«iwr c/ironi* (1600) "ICo"; gfviitler Schupp schrtflen 340. 

ß) der Umlauf im lingular führt auf die kvlleklivbildung ge- 
veltcrig (5. d ) surück, der gegenüber dann der einselne alt ge- 
vrlter erscheint: compater, gefetter Dibf. nov. gloss. 104*. vgL 
oben tp. 213«. aber der ander gfetter oder gölte der jungen 
horren, Wulf Beheui, der ist nie verheirat geweüt, sonder 
gar oalie sein lebcolang ain hofiuan beliben. 2ia»wnTtcha 
chronik 2, 370. 

e) die flexion. das wort gehört ursprünglitk der sehmachfn ßexion 
an: gevntero STkiMiEYEn-SiKVERs 3,68; gevatere mhd. mh. 
;t. 280; gevndere sächs. weltchronik; geradere miUtfU. focabulurt 
des ib, jahrh. Dirfenbach 130' H.a.; mU itr •pakef« dtt uiu- 
loutenden 'e' setzen bewegungen ein, die das «ort ta ist tiarki 
ßexioH überfuhren. 



a) (Mf aptitp* <Htt «Am im in tfdUm miUetkttkitutukm 
teil auf, toftrn man 4t% knänkriflm fttft, ät tnäuint M 
U. r. D. TCRLiR, Hrinbot f. Ora«i, im Ltkmtria, M BiSTwi« 
M. «. in i«r Br4un$thie*if«r rei mthr t uik titke» geralcf« mmt f^ 
Vater nthru tisuaätr. Mm 14. iohrhunJrtt ab sehemt du oftkift 
durthgeführt, 

fl) du tthmathrn flexionsforuun lekmndm tueru t» in «(tt- 
quen tatui det Mnynieri. gevateru fiaäei mk km n in 
Nürnberger «krnmk, bei Avrkr, et hält steh naek im Mmfämämm, 
bei Scnopp, telbsl bei STlLLl^c. tm pUrai MtaapM äik ik 
tthwache form bit in du nntrtU bmI, li« M m» Vm«, G*ra«, 
Krrttac und anderen tu beltftu. 

y) die starken ßexionsfmwseu MMm im tinguUr «in. im im 
mUtelhochdeultche tett reicht dmiaäft» »im croirr (:i(*. d.«. 
7, 104) lurüek; du slaike flemm m iativ wnd ubttdum mm 
dt» formelhaften verbtndun'.en wie lu gi-taler bitten 
begünstigt, dtr aceutätiw gefotler ist l>ri Oleanut 
vatter bti (Iöthr, Hbbbrl, MARictr, Hrli.«*. irr ftntth fß- 
vattcrs findet tick in de» Nürnberger politttterorimunftn (SiiMn- 
RBRs). im plural wird die starke form bei S. Framci, E. Hotx, 
Zkiller, also auf tehwäl isthem boiitm $ek»» im li. jahrh., b«»m- 
sugl, vgL gevfilter bei Scmupp. 

II. die formelhaßen ferbindunqen. 

I) für die anwerbung der taufzeuft» ftend urtprfm§Utk eint 
amnhl von vrrbinJunijen lur autwakl, üt äUmdhli§ |«n* in der 
einen wendung zu gevatler liiltcn auffinftn. 

t) ältere und ttreinultt Verbindungen: 



•aca in. sl lül von ir oM 
scnlere werden «nbandeo. 
dA iolt oucb an den stand«« 
umb« gevaier«n werben, 
des li olbi verderben. 

Mai und Bemßmr, lM.Mr. 



«) 



ß) miller leit begab aich, das ain armer lagloMr 
dem dorf Lübertingen die grefln von ilennenberf, h«rr G<Mi- 
fridt Wernbers geinaiil, zu gefatler ober ain kindl gewaa 
{vgU gevalter fem. tp. 4063). Mer gewan der guel man, wie 
dann prcucblich bei den Schwaben, das man vil gefpilrrig 
SU aim liindl liat, das bufgrHindt zu Wildenstein. Ztmmtr. 
chronik 2, &J3; 

da muüt ich sein ein rechter thor. 
Je«um hab ich nicht gwinnen «ölla 
vnd toll dich tum graitern betialln. 
der ich von dir hell gar oichu guu? 

Jacob. Avrbr laur mit tetm gefuUtr ledl. t4*4 
KrUer. 

zwei gevaltern an einem kinde gewinnen. WAnaiR I , IMI. 

y) wer wol regieren will, der musz den leuffel zu ge- 
falteren haben. Hbnisch 1418; nun soll ich ja vor allen dingen 
drauf dcDcken, wie ich des jungen heidens los werde, and 
einen neuen Christen davor kriege, aber ihr herren, ihr wiat 
es selber, das werck list sich nit thun, ich motz ehrliche 
leute zu gevaltern haben. Weise di« drei drpUn ennarrtn 
(neMdriici) 9T. 

8) zu gevatler nehmen, exorare aliquem sutttftorrm. DBRTt- 
LER (1077) tlO; Heinrich der 2. ikOnig in Franekreicb, aack- 
dem er an statt Franci^ri seine« abgestorbnen rntter« kftaigi 
in Frankreich auf den letzten lag roertzeos erweli, and dar> 
nach zu Rheims nulT den 15 tag joli bekrCot worden, warft 
er angehnds an gemeine eidgnosseo, die freCodKkafk vad 
pflndnusB, von seinen nller vorroalen ■nJ^wif M , ti «r> 
neQweren vod lA bestätigen, vnd als jkn MT mM|MI Utk 
ein tochter grboren, nam er din eidgnnMM tl ftiMlHM. 
Stronpf Scltweiter ehrtnik (l«N) T9h'; imn Iftr aidl fMH |»- 
vatter nähmet, darauf hielt ich cncb nkkl «ini Md Mck iW 
weniger, als ich hOrt«, dass «Hn Iwtria M« tei fH«l«k 
GoTTBELF Uli d. piddtr mf. St. Mi a«MMhm M <■ I w sn 

atm auf sawwsanvwnvwi ^^w ^wwe^n, ^vv oti^^h^ivi^b^ ^hp* 
liibn (I, tl«) kfafl tfiitkmMkki nr r » anJ anf w mmi % f 4 m 
tungstrwtiUrmngtn der fmws d : dar thaan de ktrdM« aadi i' 
gniter aehoMQ (*rr sdka im Üt kmHu fdW); wer «er dar 
holl woni, aaess den Iflfel t' gvaiter neoMa; s' gvailer ae — « 
unafrHktm ««1 tt»as, >■ 8«Ai«nj<rn «nAattna. die u h ufh fsm k t 
bitUt /Sr Üt f r wdtrdsa iaf mmk lumm bmifitt 
und Broker «rWall kk aiaaa M«^ la imm aia 
sie dich and aiicli ta feraitar ftai ikm 
lielmine genommen. Moiria (krit/k «• ama* /Vdb) 1^ ISI. 

a) zu gevatler einladen : die sHitIa brachla flsa JaBfH tmt 
weit aad beas dea (acte ta |enUcr «inlAd««. aa. Qvmm 



4655 GEVATTER II (zu gevaller bitten) 

kinder- und liausmärehen 1, 446 {der fuchs und die frau ge- 
valterin), 

b) zu gevaltern bitten, zu gevatter bitten, dai fortnelhaße 
verrith sich hier wie in zu gevattern stellen darin, dasz 
der arlikel in diese geschlossenen Verbindungen nicht eingreift, 
auch das schwanken zwischen der form gevüUern und gevatter 
unterliegt hier anderen bedingungen als im freien gebrauch. 

a) die ältesten belege gehören dem 15. Jahrhundert an: wir 
fugen eur lieb zu wissen, das die hochgebornne furstin, eur 
lieb gemahel, unser freuntliche, liebe frau unnd mutier, inn 
dieser naclit zwuschen zehen und aillT born irer swangerbait 
der kindsgeburt durcb verleihen des almechtigen glucklich 
geledigt unnd eurn gnaden aincn jungen son bracht bat, 
doraulf wir auch inn abwesen eurer gnaden zu stund an dein 
abl zu Ilaylsbrun, dem abt zu Stainach unnd der mai:;terin 
zu Sulz geschriben unnd zu gefater gebeten haben, brief 
markgraf Kasimirs von Brandenburg (l. Juli 14ö8). Stkixhausen 
deutsche privalbriefe des mittelalters 11, 331; 

Jrniis: weislu wer dein erlöser Isi, . . . 

der wird dir allliie fi'irgestellt 

und dich (den vater des lUnden) gleich selbst zu grattern bitt. 
J. Airer (6o«r mil ceim gi'faller lo<ll) 24ü9 Heller. 

denn es wird ohn das dennoch unfriedes genug «ein, und 
kriegs allzuviel sich finden, man darf den teufel nicht über 
die tbür malen , noch ihn zu gevaltern bitten. Luvuer (an 
kur fürst Johann 18. mai 1528) de Wette 3, 322; denn da er 
den teuffei so weit zu gevaltern gebeten hatte, das der pofel 
on oidenliche gewalt, die bilder sollt stürmen, als durch 
gottes gepot geheissen, da muste er fort, und das neben 
gepol, das dran bieng, auch treiben, und beissen die leute 
morden, wider die himmlischen propheten (l526) E. 2*; er ant- 
wortete, als sie dergestalt kindbellerin worden, bat sie mich 
zu gevaltern, und dass ich das kind ehistuns zu der tauffe 
fördern wolle, sagte mir auch ihres manns und ihren nameii, 
damit sie möchten in das taulTbuch geschrieben werden, des 
teulschen simplicissimi redi-vivi tust- und lehr-reicber schriften- 
marck l, 481. die formet bleibt sich im weiteren verlaufe bis in 
unser jahrliunderl gleich, nur dasz die neigung für starke formen 
im Singular, die sich schon im ersten belege ankündigt, mit der 
zeit durchdringt, ganz vereinzelt tauchen auch andere konstruk- 
tionen neben bitten auf: alsdann soll der tichter seinem thon 
. . . einen ehrlichen . . . namen geben und zvveen gevattern 
dazu bitten. Wacknseil (1697) 533; 

Pätus liesz iiim neulich taufen einen lieben jungen erben; 
diesen wolt er bald von Jugend lernen handein, lernen werben; 
aufzubringen erste schanize (heilig geld musz wohl gerathen!) 
bat er funirzig iliin gevaltern, seinem liinde treue paten. 

LoGAU 2,4,91. 

ß) in den Wörterbüchern ist die Verbindung zwar nicht so regel- 
mässig belegt, wie die formet „gevatter stehen" (s. d.). sie wird 
jedoch ebenfalls gern verzeichnet: zu gefatteren bitten rogare sus- 
ceptorem FIenisch 1417; zu gevatleren bitten pregar d'esser 
compare Hutsius (1686) 167; zu gevatter bitten exorare aliquem 
susceptorem Weissmann (1715) 156"; zu gevatter bitten, prier 
quelcun d'elre parrain de son enfant Rondeau-Büxtobff 253; 
jemiinden zu gevalter bitten (eigentlich zum gevatter) bitten, 
ihn bitten, einen taufzeugen abzugeben. Adelung 2, 64ü; einen 
zu gevatter bitten, to ask or desire one to be, or lo stand, god- 
father to one's chilJ Hilpert 2,1,461; zu gevalteren beten 
Martin und Lienhart Elsäss. wb. 155. 

■y) in der litteratur hält sich die formet bis auf die neuest« 
zeit : 

Bassenge: ich komme, sie zu meinem kinde zu gevatter zu bitten. 
Körner: gehorsamer dienerl gehorsamer diener! — ein junge 

oder ein mädchen. 
Vassenge: ein mädchen vor diszmal. 
Körner: meine frau ist drinnen. 

Schiller iliörners vormillan) 4, 190. 

ein armer mann halte so viel kinder, dasz er schon alle 
menschen zu gevatter gebeten hatte, und als er noch eins 
bekam, so war niemand mehr übrig, den er bitten konnte. 
üR. GitiMM kinder- und hausmdrchen (1850) 1, 248 (der herr ge- 
lalter); der Schulmeister im dorf läszt heute taufen, da sind 
wir zu gevatter gebeten und müssen gleich fort. E. Möiucke 
(novelleti) 2*, 27; viel gebraucht ist die formet bei J. Gotthelf 
vgl. sp. 4656; vgl. auch werke i, 132, 133. der kleine junge, der 
zu Johannas kummer Wilhelm heiszt, nach dem prinzen von 
i'reussen, de* ihr beslralter ehrgeir zu gevatter bat, gedeiht 
an ihrer brüst. Bismarck an seinen bruder i\/ii 52; sollte ich 
das vergnügen bab^n^ mit ihnen bei irgend einer kindstaufe 



GEVATTER II (zu gevaller bitten) 4656 

zusammenzutreffen, so werde ich dazu einen neuen frack 
machen lassen : sorgen sie nur dafür, dasz uns bald jemand 
zu gevatter bittet. G. Keller bei Bächtold 3, 352 (vgl. eben- 
dorl 2, 130). 
8} Sprichwörter und gebrauche, die sich an die formet knüpfen: 

1) ja so gehet es zu, unnd so mus es zugehen, wenn 
man den teuffei über die tbür malet, und zu gefattern bittet. 
Luther wider das babstum (1545) Giij^ man bittet nicht eher 
zu gefattern, bis man ein kind hat . . h. est nullum negotium 
gerendum ante illius existentiam. eodem illud recidil : man ver- 
kaufft die haut nicht eher, als bis der bär gefangen ist. 
[MsTORius teutsch-juristischer sprichwörterschalz (1716) 410, das- 
selbe Sprichwort auch bei Wandeb 1, 1642; ja, wie mancher 
wird zu gevaltern gebeten, von dem oder jenem, gott aber 
weisz, wo der rechte kindesvater sich aufihalt. rockenphiloso- 
sophie 2, 298 /f. 

2)) wenn man zu gefattern bittet, so soll man allezeit 
eine ledige und noch unverheurathe persohn, mit zum wercke 
nehmen; sonsten had das kind kein glücke zu freien, und 
bekömmt auch keine kinder. Pisturius glitckstopf (1669) 109; 
hier bei dem volke ist es eine alte sitte, dasz derjenige, 
welcher jemand zum gevatter bittet, mit einem knie sich bis 
zur erde neiget, und um das christliche werk ansuchet, sein 
ncugebornes kind zur taufe zu halten. Höfer etymolog. wb. 
der Österreich, mundart (1815) t, 295; 

J. 'an l'ucsrall hat ä' than {der tu gevatter bittende) 
und hat von Itristligen werk 
langmächli äppas gstrodell.' 
//. 'waist not da» wölli knie 
da gvatä z'orst liat bog'n? 
beim rcohten is's ä göth, 
beim denken is's ä goth'n.' 

Lindannayr 6Z bei Schmellkb 1^,962. 

aber Uli trat schon ein und die base sprach : „du hast mich 
noch nicht zu gevatter gebeten, und die leute sagen doch, 
ich solle pale sein; lasz doch sehen, wie kannst du das? 
und was für ein gesiebt machst du dazu? Gottbi^lf Uli d. 
Pächter cap. 6; gefressen hätte er mich allweg nicht und einen 
verwandten zu gevatter bitten, ist noch lange nicht gebettelt. 
ebendort ; 

nein, der küsier kommt geschritten 
ganz im schweren Testornat, 
will mich zu gevatter bitten 

J. F. Kind gedickte. 
so sah sie einmal den führer der radikalen in Mann- 
heim feierlich in schwarzem frack eintreten, und sie wusste 
doch, dass der mann gar keine häusliche veranlassung 
hatte, ihren hausherrn zu gevalter zu bitten. G. Fbbytag 
(K. Mathy) 22, 240. seilen, dnsz auch die pflichten, die der ge- 
betene auf sich nimmt, in diesem Zusammenhang erwähnt werden 
(vgl. darüber unter gevatter stehen); es dunkeh und ich musz 
in die Stadt, um eine kalte pastete und eine torte für die 
nächsten tage zu bestellen, sowie confekt für zwei patenkinder. 
denken sie sich die Schändlichkeit: erst in den letzten jähren 
bin ich wiederholt zu gevalter gebeten worden; ich muszte 
in der kircbe herumstehen, knixe machen und jetzt alljähr- 
lich auf geschenke denken, Schaumünzen oder sparbüchsrn- 
geld einwechseln u. s. w. G. Kelleii (20. dez. 1880) bei Bächtold 
3, 462. 

s) bedeutungserweiterung und Verschiebung : zu gevatter bitten, 
an jemand eine populäre gastladung ergehen lassen, „bleiben sie 
mir gewogen" oder „erhalten sie mir ihr wohlwollen". 
Albrecht Leipziger mundart 122*. 

t,) Substantivierungen siehe unten: vgl. gevatterbitte, gevatter- 
bitlen u. a. sp. -1603. 

2) formein für die annähme und ausübung der gevatterpflichten, 
a) vereinzelte Wortverbindungen: 

a) gevatter werden. 

swer aber gevater wirt durch guot, 
durch vriuntscliaft und durch liebe, 
als dicke ein vrinnt geiu vriunde tuet, 
duz wallet grözer tiiuwen, 
als ich von Karies pheter bewfset bin. 

Reinhar V. Zweier 168 Roelhe. 

dieselben nacht genasz des kastners weib aines kinds im 
scbios (in Weissenhorn), der bat kaiserliche und kunigliche 
mayeslat, das kind zu heben und gereltern zu werden. Bau- 
KA^N quellen I, 169; das wir inn des gefattern worden sind. 
Luther vpJ. sp. 4010); jei/.t schliesse ich ihn hei licht, und ich 
weisz, es isl besser als im dunkeln zu sitzen oder gar einen 
augenschirni. der dadurch, dasz er schatten und liciil schroff 



4657 GEVaTTEK II (gevalier itelieo) 

trennt, am meiden iibailet, zu tragen, eiai too beiifea 
wilrden iinicre ar/.ie, die jet/.i alle fevailrrn gewordeo, deriU 
lionlieiit(?ltlicilctien-|)ollien oiler apotbekerplund-patlirn rin- 
lifehlen. (iiABiK an Immnmann i\. fihr. ihii, tint üi*rlra/«in 
vtrwtndiing dtr formtl vgl. unUr gevaltrr »Iphco ip, 4»», 
ß) well ileninach tiaiile Ich norli inii«i |nvillnr ••!■, 
M> iriiKi* nur den miil bahl niolerum tiloeln. 
Icti iiiu'x Keim und kl«lil«a mlcli, 
«lamll Ich faln arbtrllcb 
und feine 
•reoheina 
In ilarleiiiiliieni bau». 

Cai. UkL't» rfi>t llartequin$ UnribeUtrtiutkmaMii SM 
ttirwlruckl, 

bei einrni kind grvaller *ein, to be a godfatktr to a chitd. 
Itulseh-tngl. wb. (I7tfl) 7M. 

I>) m KPvallern Hlclien, zu grvallrr »tehrn, «cvallfr «lelien. 
ouek hier maehl lich innrrhalb der formtlhafUn vtTbinäung du 
oben beobaehltte neigung für ilarki fltxion %ni kuru formtn 
gtUtnd. 

n) die frittn btUgt für ru ge*allern stehen reichtn in dat 
18. jahrhundet turtitk , der tehrtflfprnehe tnlschwimlen •>> mit 
diesem Jahrhundert, in muudarttn haU tieh dt* alle form Unger, 
vgl. sp. 40M. 

hab dir elQck neben tu vlehiuehi, 
üa« du dich kan.oi mit ahrrn n< hrn. 
wie hat! du illch dvnn dl»i lu wahro 
da« ich dir »olt tu graitern aiehn. 

i. Aiaia (ftitir mU »i»« gefaiitr lodi) )469 K^lUr. 

wie kb zum rrtlen mahl zu gevatlern itand. rotktnphiloio- 
pki* (n^)^) t. hundeit t. i^; ibento vgL Hvmsc«: IIuliios; 
KitficR: GOntmi« m. a.; wohl sehr gerne mOcht ieh, I. Hr., 
vüo euren schOnrn bhiuen und M-pi<aea Iranben eanen, und 
wenigsten« eben ao girn dcuj billiscben jungen, der eucb 
im nflrbaien no». gtholiren werden soll, zu geraltern sirhen. 
VViEiAMO an Urrek {n. nov. IT,;) 1 I07. mtl der starken flexion 
für den dnliv be egnei die Verbindung luersi bei KiKCiiAaT: 
wenn er zu gevaiter ttpbt. btenenkorb (l!VSQ)6&', grOaure aui- 
dehnung i;«riinn $ie in neuerer uit. /um preisz gotles, ja, die 
familie peileihl. der Kertrand hat seine Susanne geheiruthel, 
sie wird bald nieilerkummi-n . und hnft, der herr veiter 
wird zu gevnlter stehen. Schii.ikr {pararil II,:) t4, ri); ebenso 
J. l'\tiL (.«. M.); kaum hatte kOnigio Victoria in der eignen 
fumiie taufen la'«sen, so stnnd sie am is. mal bei dem 
töchtcriein ihrer schOnen bofdiime, der her/uKin von Siither- 
land /u gfViittrr. allgemeine leitung 21. mai \i>i'< beilage ; eine 
der tOchlern und Mareilis bruder waren zu gevalier gestan- 
den. J GuTTueir I, U.s (batiemtpiegel); z' gfnter sto', pathe 
iein. HuNziccsa Aurgnuer vb. lOi. die formet gevulter stehen 
hat swei tertchiedene wurieln. einerseits führt sie auf prädi- 
kativen gebrauch unseres wnrles turück, und hieraus mag da$ 
niedei deutsche vaddt-r slan tu erklären sein (llurrMAnri gesell- 
sthaflsUeder 2, t6.s). hierauf führen wohl auch die uiesten be- 
lege xurüek, die dem nnfani) des n. Jahrhunderts angehören: 
brrr richter konimi fein bald, ich man uach hau«e gehn, 
uud böten, wer noch inohr »oll heut gevaiter atehn. 

Cur. Hkutir Itirlniums kiiiUhriieiiHschmnu»» 
iiituiiruck) r. Vfl. 

nebenbei macht sieb jedoch allein uhoii die neigung tur küru gel- 
tend, die iliisu beiträgt, die illlrren formen tu verdrängen, schon 
AoKio.NC bemerkt: gevatter stehen, bei einem kinde gevulter 
{nieJit zu gcvalttr) stehen, i, 0«0. die neueren schitftsteller 
halten sich durchweg an die kurze form: der pastor in Wands- 
beck, durch den allen Schütze dazu vrranlaszt, wird mir 
den gefallen thun, mdnen söhn in die christliche gemeinde 
aufzunehmen und iiim meinen namen beizulegen . . Schütze 
allein habe ich es zu danken, er hat den pastor beredet 
und mir für den act sein haus angeboten, auch steht er 
gevatter. HsBUKitagebfuher l,29>: Irot: dem formelhaften charakltr 
unserer Verbindung und es dem dichter doch möglich, die ttnn- 
liehe ticdeutiing der einselnen bestandtheiU wieder tu beleben: 
nun war nichts schwerer, als zu gevatter zu — stehen auf 
einem schwankenden scbiiT, das alles umwarf, was nicht an- 
gebunden war. Jkau Fahl Siebenkät s. 113. 

fi) die konstruktioH der Wortverbindung ist mannigfach, dtr afr- 
toiMte gebrauch ist bei Ulttraritcher verv^adaRf ia der «igtmt- 
Itehen bedeutung selten: 

seht, hin ich nicht abscheulich ichAn, 
als sollt loh tu aevantm stehn, 
und bei der biniit die »piiia fuhren. 

tid.MiKii (T7icu'/uMN.< rifertmeht S,U 
»uhimg tnr li. «Hft. «. ItX 



GEVATTen II (gevatter liehen) 4668 

beunt mutz leb tu gvatlara tleben Aaeis tu. (!•:•) l,aM. 
»0i. S<H.LL«a l«,}n: IM frrttM daUt wtrd Md der ItmfPtUr, 
bald d*r läufbmf als ti Ipunkt der Ptt^alik4t>fkid ««ff/Bfl, 9fL 
oben Avaaa UM und Miaia«» htt Merck },i»t: «• uitfipln 
jedoch ia dt» eiufkhrung sUchrn dtltn durth dtt fHfmitU* 
bei, di» teho» tu beginn dn |7. jtkrk. ttattUt. tu ikr mttdm 
die mannigfaehtUn betimmisntn »n§tfhfL 

1)) ai fordart aaaloa pllicbl. dstt teil «li ta ««ek gtk, 

uad bei dam harl«<|uln nerb b«ui favaner asak, 

■achai nur In auran hauti 

aoatalt tu des kladee oebaaui. 

Ich »11 micli. 

wie bitllf. 

bei auch Oadan ata. 

CuB. Ilitfia i(M llnrtf^utn» UmMheUtrimithmamH ttt 
(»rnitTmet). 

i)) oi« batie Sie bei einer Judenlaufe gevatter ge«'sA4ea, 
obgleiib sie gern bei rbrislenkindern dieses patbeoamt ttb«w 
nahm sie drängle sieh recbl tu gevatiersiaadrn lliepii 
Ubenilduft 4, Ol. 

S)) bei einem kinde gevatter sieben Aacitjao %,**»; UurttT 
3, 1, 4«l. 

'drum komml, Ihr barrn, r**cii«lada, 

laut uns zur taufa sehn : 

bal aloen fchouen kinda 

sollt ihr gevaiier stebii! 

wollt Ihr den namsn wlatea? 

einhall, dar soll sa sein: 

Ihr blodei Ia die kitssn 

Ibm wol die rrcihelt eis?* 

Ilaawaea «erfirAfe tine* lt^tmä$»n f. in. 
diese Verbindung ul heute die htrruhendt. 

4)) mit einem gevatter sieben, mit ihm tufleieh fufurnft 
um. Aoiiio«c 7,610. da im Vidksiihmltehen pt^nutk nur twH 
taufieugen üblich sind, so herrteht la die$rr fripmHknaUrtbtn. 
düng der stngular vor: 'ir vezieit, baae/ tagt« Oli, *iu aull 
ja der grOszIe unflst sein, und mM itm «aNat ihr akhC 
begehren, zu gevailer zu stehen. GoTTniir Dk dtr fdekUr 
top. 6. ^aiH dat kompositum niilgavalter ufL FaiTUC arr- 
iorrne hundschrift II, eap. 6. 

y) belege aus wörUrbüehtrn : tu gelalteren stehen ßtri tm$- 
reptorem Hsnisca 1417; xu gevaileren stehen frn«at<tr «a *<tas- 
bino Hoisius(l8&6| 167; tn gevaltern stehen tasripere ta/ealrfli 
Kirsch l'.S; gevailer stehen to auitl at §od falhrr. teuluh- 
engl. rb. (1718) 7««: gevatter sieben Aorlorc }, «M; Scawaa 
|i>:<) 74U; HiiPKRr 3, 1,461; tu gevatteren stehen MsaTia 

und LiBXHART Eltäst. wb. I&&. 

d) Verwendung in Sprichwörtern : dtr scbafer ist terdlchlif, 
der beim wolfe gevatter stehu t^L ScanAD^a i/r hii/erscAaia«* 
der deutschen spräche 131 : wer beim wulfe gevattar steht, antaa 
einen hnnd unter dem manlel haben. tbendorL wgL Siaaoca IM» 

t) bedeulungsentwicklung der formeL 

\)) allgemeine er Weiterungen det bedeutungtfthaitt» (UfL tktm 
4651) er bal dabei nicht tu gevaltern gestanden. WA^aia 
I, i64i; von allen professoren in (iOitinfien, die noch lebca, 
ist keiner, bei dessen berufung und anselzung ich nicht {•• 
valier gestanden und als niiilelsperson gebraucht gaweaa« 
wäre. IIbvnb iiieft an J. v. Mt)lltr,6&. 

•l)) das moment der pflege ntrwuuälukuflätktr ArsM*«af«a 
macht tii-h geltend: gevulter sieben, bttm eaM, hti dtr laalr, 
beim tetler mn. AiBaKrar Letptkgrr mundtrt iti*. 

n)) dat moment der dienstlnUumg tnit htrnr^ sa gcvallar 
stehen aiMml in stkneittriithtn tedtntatttn dht timfttkt btd^n- 
tuuii ton beistehen, hälfet an: mii des kiM ta geraiicr 
stehen rtartn sieh etkrttktuitm btiUehtn. ttkwtia. UnMm i, MX, 
besi-nderi im geidvttktkr frd§t tkk Htm htdtuiunf aas.* t* §^ 
vulter stehen, ia ftid mt t MsMra. «teaisrt 

4)) rteltetthl führt auf dnu ttuitel auch dit i 
arl turick : gevatter sieben la betu§ mtf [ 
die amefzi, vtrpfindtt und, dia ahr alakl psaMar« itr ki^ 
haßen phantaut dtt in dn ttudt n UaAt m mmtmk9ftu*%f ta 
tage ttiU, enltpricU et tUtrdkift wuär, sMaa dtt er ii ir aa f Aarr 
aa dat moment det laa w Aei, ilar aerfnrfaaf aakalf^, dm ia 
brauch und formet gavaltar Mahaa tarüfff. 

«)) dte aliesUn in dtr hWfrarar Mrflea 
sIemRie» den gediehltu GO^iTtaa«, dtr aadi mtf dm i 
noch nitht eugttchrinki iä, itarfsra dm stasrtaea 
aecA in freier reis* utrHudtL 
der stieffei laafi i 



{iim I9i. 




4659 GEVATTER II (anredeformel) 

der schweisz der eitern wird verkocht, die sich daheim mit 

sorgen quälen, 
der hauszrath wandert zu gevatiern : der pursche lärmt, fährt 

aus nud hauszt 
mit wirthen, pferd und jungen mägdgeu. 

J. C. GÖNTHBB ('las tüuier viele unheqrundele vorwürfe 
verlheiiUi.ite frauemimmer) 5. aiisg. 433. 
was der und jener thut. was dem und jenem paare 
der hochzeitgast geschenckt, woher das siräuschen sei, 
das Amaryliis trägt, wie oft das conterlei, 
so Clandesiin versatzt, doch schon gevatler worden. 

GÖNTHEH {Theoilusms 11,1) 5. auß. 979. 

schon vor dem druck von Günthers gedichten tear unsere redens- 
art in der form gevatler stehen von Picandkr verwendet worden: 
und als sein Schuldner kam 
und alles, was er sah, statt seiner Zahlung nahm, 
so laiid er weiter nichts als schabichie periiqwen 
..der Schlafrock muszte gleich damahls gevalter stehen. 

yediciUe l,a41. 

den andern will das hausz erdrücken, 
er musz zum Merseburger gehn, 
und will der vater nichts mehr schicken, 
so musz das kleid gevatler stehn. 2,5U1, 

vgl. auch unter gevatterschaft (4). 

b)) die form zu gevattern stehen ist die seltenere und, 
was wol zu beachten ist, jüngere: mein rock, den ich tags 
vorher versetzt hatte, weil ich in der äuszersten not war, 
steht noch zu gevattern. R. Lenz hofmeister II, 3 ; zu ge- 
vatter stehen verzeichnH Vollmann im burschikosen Wörter- 
buch (1846); in allen anderen belegen erscheint die ktirze formet 
'gevatter stehen': deruhaiben nothwendig . . . die bücher, 
weisse wasche, kleider und andre mitgebrachte schöne 
mobilien das gevatterstehon eingehen musten. Mei.issus 
galante Salinde (1744) 167; gevalter stehen in» hospittum von 
1747 vgl. Klugk deutsche Studentensprache 92; gevatler stehen 
KiNDLKBEN Studenten lexikon (1781); die kleider stehen vei- 
niutlich gevatler F. L. Schröder beitrage zur deutschen Schau- 
bühne (1786) 1,1,3; meine uhr, mein kleid steht gevalter, 
Bia montre, mon habit sont engages Schwan (1811) 439 ; ^gevalter 
stehen in 'der Göltinger Student' {[SiZ); 'der flotte bursch (Leipzig 
1831) vgl. J. Meieu Hallische Studentensprache 59. anmerkung ; 
studentisches konversalionslexikon (1825), vcrgl. Kluge a.a.O., 
meine uhr, mein ring steht gevatler (in familiär und jocose 
language) my waich, my ring is at my uncle's, is pawned. Hilpert 
2,1,461. 

^) eine seltsame idenlißcirrung hat die furmel in der ursprüng- 
lichen bedeutung bei den bürgern des aUcn Halle gefunden : sonst 
heisst auch auf dem breiten steine gehn bei dem Haliischen 
biirger soviel als gevatler stehen. Kindleben idiottkon der 
hurschenspr. {neudruck) 31. 

3) die anredeformel in ihrer ausdehnung auf freunde und 
bekannte. 

a) in unmittelbarer anrede 

a) die einführung ohne beiwort: 

waerleicli, gevalter, du hast war, 

wol au, ir herreu an die schar. . ,. „ „ 

faslnaclilsiiivtH 428 {Netdiiartsptel) Keller. 

gesundheit, gevatler, gönnt mir's, das essen schmeckt und 
bekommt mir Tieck {kaiser Oclavianus) 1,156; aber gevatler, 
gevalter, iiir bald fünfzig, und das junge mädchen. ebendort. 

zu mittag! gut, gcvatter! jetzt gilts freundschaft. 

ihr wissi, 'wie sich zwei liande waschen können. 

ihr wollt auch gern, ich weisz, dorfrichter werden, 

und ihr verdicnts, bei gott, so gut wie einer. 

Kleist zvrbruckeiier krug 1. 

ebendort bevorzugt Kleist sonst die koseform gevatterchen vgl. auch 
szene-,; wenn man so den süiuitiig hinüberging nach Deutz, 
seinen Schoppen zu trinken im Marienbildciien, dann hiesz 
es rechts und links: gevalter, geht ihr auch nach Deutz? 
Immermann der carneval und die somnambule (werke 8 s. 110); 
der fischer sagte zu dem Blase: auf solche weis', gevalter, 
mücht' ich mein handwerk nicht das ganze jähr treiben. 
MöRiKE das Stuttgarter hulzelmdnnle in (ges. schriften l^fl'i^); 
'guten abend, Ilans', rief der Schlosser mich an, 'bist du 
auch da?' 'ich sollts denken, gevalter', sagte ich. Freytag 
(soll und haben) 4, 180. 

ß) beiworte allgemeiner art, 

1)) jezo sprach der papa zu des chors tonkundigem meister: 

bravo f hier ist kraft in dem saz, und. lieber gevatler, 

auch in dem vortrug kraft. Voss Lnisi^ 3,530. 

2)) gern sah solches der freund und sprach mit erlogener stimme 

kommt ihr vom raihaus heim, nerr gevalter? Ihr bringet 

ein kluges 
Protokoll mit nach haus, da unter dem but, wie ich nieiKe. 
MöRiKs (.iäylle vom bodensee) !,;>&(>. 



GEVATTER II (anredeformel) 



4660 



3)) lieber gevalter und getreuer. Markgraf Friedrich von 
Brandenburg an einen anonymus. 8. febr. 1485 bei Steinhausen, 
privalbr. 1,240 'hochgeborner fürst, freundlich lieber vetter 
und gevalter' Friedrich Wilhelm I an Herzog Friedrich Ludwig 
von Holstein- Beck. Varnhagen biographische denkmale 2, 51 ; her- 
zenslieber gevalter, landsmunn, gönner und freund Hamann 
(an Herder 20. april 1782) 6, 237. UoUi. 

y) individualisierung. 

1)) ich und die geselle mein 

wellen den vortrit vor im pehalten; 
es well dann ungelück walten, 
so komen mir auch und springen cnpor. 
gevatler Englmair, nun tritt aber vor ! 

fasUiachUidelo (Noiitharlspiel) 419. 

was mag wohl Carlstad in diesen unverschamblen lügen ge- 
sucht haben? ich acht die zwei, das erst, das der pofel 
sol dencken, o es ist nichts das der Luther oder ander an 
dem babst gethon haben, sie heucheln im alle, hie ist der 
man. d. Carlstad wins thon, der weisz den babst recht auf- 
zunesteln, wie dünckt dich neibcr (nachbar) Kndres, und lieber 
gefatter Peter? das ander, das er den Luther mit dem babst 
einwickel. Luther das ander teil wider die himmlischen pro- 
pheten (1525) H2'; 

gevatler Bürger! sagt einmahl, 
sind wir nicht brave ihoren, 
dasz wir, durch selbst gemachte quäl, 
den schönen mai verloren? 

GöCKiNG an ISürger hei Borger werke (1814) 1,224. 
mein! sage mir, warum die lürslen fechten? „ . . , 

fragt Gregel den gevatler Hein (Hein koseform von Heinrich), 
der lacht und spricht: wenn sie, wie wir, gedächten; 
sie stellten alle händel ein. 
wenn sie, wie wir, nur oft zusammen zechten; 
sie würdöu l'reuud und hrüder sein. Hagedorn 3,35. 

dieser (sc. mein vater) durch meinen aufseher benachrichtigt, 
dasz ich mich nach und nach in meinen zustand finde und 
besonders mich leidenschaftlich auf das zeichnen nach der 
natur geworfen habe, war damit gar wohl zufrieden, tlieils 
weil er selbst sehr viel auf Zeichnung und mahlerei hielt, 
theils weil gevalter Seekaz ihm einigemal gesagt hatte, es 
sei schade, dass ich nicht zum mahler bestimmt sei. Götiie 
(dichtung und wahrh. 6) 25, 17; da heisst es immer: mein 
lieber herr gevatler Schulz und lieber herr confrater und 
socius nialer Müller l, 276; die band her, eingeschlagen, 
gevatler Clemens. Tieck (kuiser Octav.) 1, 156; 

ei, was zum Denker, sagt, gevalter Adam! 
was ist mit euch geschehn? wie sehi ihr aus? 

Kleist zerbrochener krug 1. 

Erster Bergmann: Ei das geleier da, es stört mich nur! 
Steiger: Sag's nicht, gevaltter Klaus! das liederwesen, 
ich meine so der ton, die inelodei, — 
das thui uns, mein ich, not, wie brol und wasser. 
denn schau' - wenn loh recht viel zu tag gelördert 
und sitze abends so bei meiner Gertraut, 
und meine buhen spielen um mich her, 
und's jüngste mädel schlummert mir im arme — 
dann schau, gevalter! —wenn ich auch nicht sing', 
so ist mir's doch, als sang mir was im herzen, 
als ob mir, gott verzidh's, der liebe herrgott 
ein liedlein selber spiel in meiner brüst. 

Zacharias Webner, Martin Lullier. (Minor 26.) 

2)) erster liüiger: gevatler giobschmied, seht ihr wohl? der 

kaiser, 
den hammer in der band! vivat Uudolfusl 

Grillpakzkr (liönig Oltoknr 65,83. 
3)) Zimmermeister i du bist ein verwegener laugenichis. 

Hansen: gevalter tropf! lasz du den herzog nur gewahren 1 
Göt»e (t'i//)io»i 4, IJ 8,243. 

b) von der anrede aus geht der gebrauch auch in die form 
der d'itten person über, hier treten die eigennamen zurück, um 
so giöszcre ausdehnung gewinnen die berufsbezcichnungen. das 
schlosz glich einem kloster; jedem war vergönnt an seiner 
pforte zu klinken und bescheiden einzutreten; niemand aber 
durfte hoffen, mit gevalter Hinz und Kunz wie in einem 
gaslhofe zusammenzutreffen. Immerhann der neue Pygmalion 
(werke 8 s. 29). ich hab ein paar nichten und einen gevalter 
schenkwirth, wenn sie von denen gekostet haben, und wer- 
den dann nicht zahm; so sind sie ausgepichte wölfe. Göthb 
(EpmonMV, 1) 8, 247 ; gestehe ich dies also nur: mit dein 
gevalter maurer, mit dem vetter Zimmermann ist schon abrede 
genommen. Göthb (was wir brauchen) 11, 276; 

der meisler keilner auch ist keine memme, 
gevalter koch ist keiner von den feigen; 
selbst der noch jüngst den bratspiess niusste wenden, 
er Buriugt heran, deu lanzenschaft in bänden. 

Uhland fiirtunat und seine saline l. 



4661 



CEVATTEH 11— CKVATTER fem. 



GEVATTEB tem. 



4662 



leulc im rotkfn ruck mit blauen ouftcItlSgen rouiülen «be- 
msU . . . vur iler IbQr «teben bleiben und bftclieiJen Jeo 
hat ah^ielirn, wenn der wirlb ihnen den trunk reicht«; 
wenn ate aber ein geiUoteu trugen, mit jemandent ao^uttoiten, 
«o warteten *ie, bin der gcvatter f.iflineiiier Idtr ubdftker) 
Türflbrr kam. IImiiiki {Maria MagJaltna) 2 118; wenn du för 
doinu gro^'cn biine keine «tiefeln linJent, lo mutt der ge- 
V iU)T künclincr dir nuch in der nacht Ober deine fUiM 

en |i«;l/ niihcn. G. Khkitac (iuU und hohtn) &, 907. 

fl) du üben lehnn brteiiU urdditluhe nebenbtdeuluiig maehl 
tiek auch in duten Verbindungen gtUend, vor allem in unknüp- 
fung an Jat sehneidergeweibe, iai ScaiLLKi in du$tr viel witier- 
hotten Verbindung eimicfuhrt hat: 

last «iu i;eli<ii! lintl Tierenlitiher, 

fevatler icliiii<liler udiI handtchulimacbtri 
■Ktin In fcorniioii tu HiieK, 
wUian vl«l, wat der brauch Ut Im krieg. 

ScHiLLiR {Wiiltrn^leiiit Imjtr) H. 41. 

flOji/.er »ogar und gieazer, gevatler Schneider und handscbuh- 
mat'her J. Cutthülf 4, tio; was geht es den Peter und den 
Christoph an, uli Fonck oder ein anderer den Conen umg«> 
bracht, man übeigebc mir die sache, ich züode mir die pfeife 
an, lese die akten dureh, referiere darüber, bei verxchlusseneo 
thilren urtheilt darüber das kollegium und schreitet zum sprurh, 
und spricht den kerl frei oder verurlbeilt ihn, und es kribt 
kein bahn darnach, wo/u diese jury, die gevaiter Schneider und 
handschuhmucher. IIkinb IS, 118 (britft aut Berlin) ; sie wollen 
wühl neue kombinatiunen im spiel , aber keine neue regel, 
sie . . «eben sich nach dem gevatler handwerker um, der die 
blutter Hub! anders mischt, auch wohl hin und wieder, 
denn abwechselung miisz sein, einen neuen trumpf einsetzt, 
aber im übrigen die altclirwürdige erßndung des ur-ur-grosz- 
Vaters, wie das nalnrgesetz selbst, respectirt. HüsaKi. (vorwmt 
lu Maria MatjdiUna) lo, 47. toller als wie damals nacb 
kiosterZuveo ist ^^ol nur selten um eid und ebre deutschen 
kriegsvulks und deutscher ritterschaft von munsieur Arlequin 
mit der diplumatischen pritsche und gevatler hanswurst mit 
dem puliiischcn plunisack berumgelanzl und tugehaucn wor- 
den. W. Uaabe llastenbeck, i. lOI. 

v) eine alte Verbindung ist gevatler todl: der baur mit seim 
gelatter tudt, ein fastnachtspiel von i. Avata Keller iWff.; 
tudt gevatler. SiuiinsiKDüR Gg'; der gevaiter lud. br. Grihm 
kinder- und liausmdrchen I, 253 /f. (I^M), v*rgL anmerkungen 
3, 69 — 71 : gcvallir lud, eine dichtung von 0. Roqiktte. diese 
tusammenstellung ist allerdings nicht so verbreitet wie die syno- 
nyme ,, freund Mein", die oben {sp. 885) xh spät angeseilt wurde, 
auch sie nicht in dltere seit surück. 

GKVATTEU, fem., entspricht dem allhoehi. fem. givatara 
(linirr 3, s:s) : coinmatrem spiritalem givatarun. ylosten su den 
decreten Gregor (lü. auf II. jahrh.) Steinmbykr Sikvbrs 2,137. 
wie die geschichte des maskulinums seigt (vgl. gevatler sp. 4&40/f.), 
steht für die bmennung der taufieugen das männliche elemenl 
so sehr im Vordergründe, das die weiblielien xeugen nur in den 
ableitenden Suffixen, nicht abrr ttn Stammwort silbsif su ihrem 
rechte kommen, das su/fix, dessen sich untre ableitung bedient, 
verliert sehr fnVu- die charakteristische form, trotsdem gelingt es 
der kunkurrenzform gevatlerin (sf. 4ü67) nicht, sich ganz an die 
stelle >u settert. das bedürfniss der kenmeiehnung des weiblichen 
gtschlechtes wird beim gebrauch unseres Wortes vielfach durch be- 
gleitende bestimmuni,eH befriedigt, noch hdußger jedoch wird die 
nolhtrendigkeit einer hervorhebung des gesdilechiet gar nicht em- 
pfunden. 

1) illtcste belege, geltuiigsbereich, formen, 

a) ausser in den allhochd. glofsen ist das frmininum auch 
in den alldeutschen gesprdchen belegl U'id tvar in einer rerren- 
dung, die auf Ungeren entuicklungsgang siirücilvrü<; gevathere 
lalz mcr 8erle(seitan, stuprare) nUJ. gesprädte 10t. loIcArn Über- 
gang von der erweiterten bedeutung des wertes bis su obscöner Ver- 
wendung Idsit sich in mitteiilterlichen quellen schon für commater 
deutlich verfolgen : cummatres nppcllalae nmlieres, qnae una 
in domo cum episcopis et clericis maoebant, interdum et 
sorores vocatae. chrun. (aiill. Burdini ad ann. I3u3: queri- 
monlae camerae populi hae erant quoJ dommi episcopi et 
alii cleriri . . . feminas nimis juvenes in domiciliis suis 
haberent, quas commalres vocanU Ducakcb II, t. 440* de- 
teiiore sensu ire ad commalres ebendori (la Monnoie gUu, 
Burgund. IS4). für die mittelhochdeutsche seil, die die lt»m- 
kurreniform gevatlerin nocA nidit belegt, Ueg<n wettere Ver- 
wendungen vor: 
IV. 



•4 «itt gavaur gel« ir fetaitra 

Ngtaoei »aaierfl Hb*t *t» %n*m. IU»m$r Ittn. 

losr« le eiioer gevaierea 
«■de rar Ir nter itn gaiera. 

fmeäi0 dm gifrri, ttätm itk 

*ia, Hab« g*«sur 

jeatli dar gaUr 

wie U4 ueb gaMbalMaf ek ni* ISI. 



dA sprach Uaogrln 

vrags ill« covaierto din. 

Ob sie Uli liab« bebalun. d«t k «an. 

J. Cai^e, lUiiAmn Faekä OL 

dt«« rada dA varnla. 

dar bAi «io manflaebl ghin, 

dl««r bll «io iIppabAr blgta. 

}ar Ist Olli «loer gevaiern gsrAgei . . 
RS bint ki ntl ir pbanningaa 
vil woi underitandtn 

llsmaica v. Nils iirUtUrMe» 9n Ueimtei. 

46 sich Ir udt soll' «ndtn 
und sin gr<l wolda waiidaa. 
6h lion «In ir «««siar dar, 
diu wart Ir isidei wol ga«ar, 
diu iprarb: 'gevaier, tscai mir, 
durch goi, war umb« irarai ir .' 
Ifi lu nilD irevaler gram, 
leb mache in lu th gaborsam'. 

te^iimmtaltentemer 1, 118 •. d. /lafM. 

d6 il die vrsi von im gawan, 
dl mit gl« tie von dan. 
di *i ein ir gevatern vant. 
dar l«l fi« tchicra bokaoi. 

geiiammlabeHieu.r 2, IV» r. ä. HagmL thenn S,US. 

b) im 1&. und 1«. Jahrhundert ist die fetm uUreiek Megl, 
sie erscheint in Chroniken, bei Miansa, Lcri-a •. a, Muekdm 
grammatiker jener uü führen sie auf: quae ruoveniant tiria 
ac mulieribus, non mulata lerminatione, »ont commaol« g*> 
neris, ut der gev.itter, compater, die gevaiter, commater. CLues 
(neudrKii 28. sp/tter rinU unur mori mehr in die epkit« de» 
vMsmdstigeu herab, die mitterbiicher neAm/n immer teitner 
noiis; »^evatler, komatert. deutsch-preuu. rorot^er ro« tnftmg 
\b. Jahrhunderts. NsssEiaann i. 11; gemalter, ^Iriniu, patriaa. 
HuPFOFF M. Kaisios (I700) il«; „die gevaiter" ßr „die ge- 
vatlerin" ist schlecht, kommt aber im gemeinen leben SÄ4> 
obersachsens hfluHg vor. Hi!T<<atz Antsbarbanu 1, M>; tai 
gemeinen leben einiger gegenden wird gevaiter in beiden f»> 
schlechtem gebraucht, meine frau gevaiter. AoBLonc t, MI. 

c) formen, die alte endung ist noch im vocab. opltm*$ kr- 
wahrt: commater gevatra i, 45, r^ DiBrcnaaci ia&*. im 
andern voeabulare weisen gevaier, gevader, gevadir msf, tgL 
DiBrERaAcii a. a. o. vgl. auch die mtttelhoehieutteken hel^, die 
die apokope schon durchgeführt setgen, im iuutwtwsenktmg mti 
diesem Verluste des für die gesckledilAestimmung entsekeUtudt» 
Suffixes stehen die neubtldiingen wie gevatlerin {s.d.). fMSlMr- 
frau, (s.d.) gevatterscbe (s d.). 

2) gebrauch des Wortes, a) absoluter gebrauth: ilem am •••• 
tag ao man singt invncavit gelag mein bausfrauw DorotbM 
ainer tuchter, ward KHsabel genannt, gott sei geiopi. ai« 
ward getauft im &«. [vgL anm.) jar. .Margarela mem kciMB 
ward gerillter. cAronüc des B. /.nk. d. sUiUektem. *, Itk 

6i Verbindung mtl posaeutvbeüsmmungtn : 

a) diu vrouwa gj«, 

dA si« in Mch 80*1 mii«d«a hi«. 
bin in dan bof, und bat «in wip. 
der (<<<-reM) gevat«r wa» ir ü». 

gtusmmtahtnurur t.Stt e. C »«fm. 

und darzu inn der kinndipel, ta «iner fart WUÄ ait mm% 
mag aio kiondlprllerin oder jeisandl von Ire* «tflra aaik 
tischzeit zu ir laden oder ungeladen in ir kaiK«, ir aaltr, 
aofrowen, ewiger, awesler, gescbwriea oand ikr f effniler 
unnd sunst niemand ander«. .ViimWrfer fsiiansiisvrfHmail 
72; es ist wahr, aie ateckt taglich iito da, «M M^ Ml ick 
dafür, gar ihr gevaiter. C RBi:;aa, der sfcst ii i A— S$M&m- 
ptmpe krtmkkät mmi Iti %, IM ; nun mar M afd Mi taf, 
dasz sie dess legt aickl Bit ihrer gevaUer m rwl kaaMM« 
mocbL aber gleich aorgta (r«h fiesf •*• ra ihr. Im* der 
U< « sol, 4. 

ß) ob ein man ein kind ea« der lanff hcM o4ar m im 
firmung hell «la er «irt grtallcr dea ki»4e ««kr »der ■MMr 
und des kind« göt, also wirt aacli a« 
die vor mil im leiplich vennlachl iat, geoltar 
and mueler und dea \mM f««. Mta<*eair lanJliir, «fL 

ScUkLLKB 1% ^u 

m 



4GG3 GEVATTER fem.— GEVATTERBRIEF 



GEVATTERBRIEF 



4664 



c) Verbindung mit adjektiven und Substantiven. 

n) in der anrede: 1)) o mein liebe gevatter ich sagt euch 
gern ein grosze heimlichkeit. buch der liebe 302, 4; daiumb 
soll man die weiber und weibische gepieppere weit von den 
krancken und sterbenden menschen treiben, die do sagen 
„liebe gevatter und lieber Hans, es hat noch nit notli, ir 
werdeih wol wider gesund, selig und reich". Lüthfr ausle- 
gumj deutsch des Vaterunsers {\b\a) i9'4'; das broth sterckt des 
menschen hertz. darumb Sprech icb, wider, liebe gefatter, frest 
ewren faulen brel selbst, ich warth des teglichen brotes, 
das mich stercke. ebendort. 

2)) nei luegei doch das spinnli a, 

wie's zarii lade zwiina cha! 
bas gvatter, raeinsch, cha'schs au ne so? 
de wirsch mers, traui, blibe lo. 

11 EHRL (las spiiinlcin. 
3)) liebe gevater Sellenfridt, 

solt esi mich vei-schmohen nlt, 
das mich der ode sclieiiilicli man 
hell zi°i den schelmen heissen sian? 
ach heil'fendt mir, ich kan so vil, 
das Ich in wol verzoufTren wil! 

Murner schelmcnzunfl, neudruck 31. 

ß) dein alte Günczel gl'ater hastu, 

die dir lieimlich tragt ab und zu. 

du mainst vileicht, ich kenn dich nicht? 

II. Sachs die twm gpfallern [neudruch) 63, 104. 

d) in den Verbindungen zu gevatter bitten, gevatter stehen 
M. a. macht sich das genus unseres Wortes am wenigsten be- 
meiklich. in solchen Verbindungen hält sich das femininum bis 
auf die heutige zeit: 

fing ihre freundin an: was schwimmt dort auf dem meere? 

ein kastchen I wie, wenn's voll Juwelen wäre? 

ach, Doris, wäre das nicht schön? 

allein ich sag' es dir, ich hab's zuerst gesehn, 

und liömmt es an den Strand geschwommen, 

so ist das glück des schill'bruchs mein; 

doch du wirst ja bald niederkommen, 

und das versteht sich schon, ich musz gevatter sein; 

dann bind' ich dir drei schnüren perlen ein. 

Gellert fabeln und erzWUnniien : iias neue ehepnar. 

andere belege unter zu gevatter gewinnen sp. 4654; zu gevatter 
bitten sp. 4655, 4607 ; zu gevatter stehen sp. 4657. 

GEVATTERBITTE, /., nomen actionis zu der oben (sp.4665) be- 
sprochenen Verbalkonstruktion: anfänglich marschierte er, wie 
ein pfarrer, der seiner predigt noch nicht recht sicher ist und 
sie auf dem kirchweg noch einmal probiert, halblaut und mit 
händeverwerfen. er studierte seine gevatterbilte ein, sagte die 
Worte bald so, bald anders und war er hinten aus, so wusste 
er nicht, wie er angefangen hatte. Gotthelf Uli der pdrhter 
cap. 6. 

GEVATTERBITTEN, n., substantivierter inßnitiv zum obigen. 
da der Wohlstand unter uns oft das gevatterbilten abwesen- 
der persunen so nothwendig macht, dass dessen Unterlassung 
zuweilen beleidigung ist. KOnitz 18, 45; „aber base" sagte 
Vreneli „wer soll ihn zu gevatter bitten?" „Uli, versteht 
sich" sagte die base. „nein, base", sagte Vreneli, „dies 
darf ich Uli doch wirklich nicht zumuthen ; er könnte mich 
dauern; das gevatterbitten ist ihm ohnehin schrecklich zuwider. 
GoTTUELF Uli der Pächter cap. i; dasz das gevatterbilten nicht 
eben die angenehmste Verrichtung sei, hatte er immer gehört, 
aber sich doch nicht vorgestellt, dass man dabei wie ein hund 
behandelt werde, ebendort. 

GEVATTERBITTER, m., nomen agentis zum vorhergehenden : 
heunt musz ich zu gevaltern stehen, hingegen musz mir der 
gevatter-bitter 100 fl. auf nimmermehr bezahlung darleihen. 
Abele k. Unordnung (lü70) 1, 304; kinder hatten beide., auch 
nicht . . Firmian hatte schon in seiner phanlasie die scherz- 
haften proberollen eines ernsthaften kimisvaters und go- 
vatterbitters durchgemacht — aber es kam nicht zum auf- 
trelen. J. Paul Siebenkäs 3, 13., erstmals angeführt bei Campe 
2, 354. 

GEVATTERBRIEF, m. wort und brauch entstammen den mit 
dem gevatterbilten verknüpften förmlichkeiten. gevati erbrief ist 
dasjenige höflich geschriebene oder auch oft gedruckte schrei- 
ben, worinnen der kindtaiiffenvater derjenigen person, so er 
zum tauffzeugen erkiesset, die glückliche entbindung seines 
weibes entdecket und mit benennung des tages , orts und 
stunde sie freundlich ersuchet, solches amt und heilige werck 
wilüg auf sich zu nehmen, wird insgemein von der amme 
oder muhme herumgeschicket. an etlichen orten bittet der 
kindtaufenvater die gevaltern mündlich. Amaramhes frauen- 
zimmerlexikon (1715) 666. 



1) der erste beleg gehört der zweiten hälfte des 17. jahrh. an, 
weist jedoch bereits auf längere Übung des brauches zurück: wie 
ich denn cxempel weisz , dasz . . sich andere so gestellct 
haben, wie mit denen erlogenen brand-brieffen, und haben fal- 
sche gevalter-briefe geschrieben, und solche vornehmen leuten 
in der Stadt hingebracht . . da seind die leute froh gewesen, 
dasz sie sich mit einem thaler oder was, abgekauffet . . das kind 
mag gleich nimmermehr dazu gebohrcn werden. Prätorios 
gtückstopf (1669) 145. die übrigen beispiele gehören dem 18. Jahr- 
hundert an: 

a) ich bin ja 8 jähr alter alsz Caroline war; den ich er- 
inere mich noch gar woll, dasz wie ich dasz erste mahl in 
Hollandt war im winler, schickte mir i. g, der churfürst 
einen gevatterbrief, um Caroline patte zu sein. Elisabeth Char- 
lotte (28. febr. 1711) litterar. verein 107, 273; da ist ein kcrle, 
dem hab ich in diesem gasthoffe wohl sechstausend gläser 
bier eingeschenckt, den wolt ich bei diesem ehrenwerke 
gerne haben, wegen der alten bekandscbafft, aber er hat mir 
den gevatterbrief zurückgeschickt, ausz Ursachen , weil Ich 
ihn nicht edler, wohlehrenvester titulirt. Weise die drei 
ärgsten erznarren (neudruck) 97; also kan man gar wol 
in omnem eventum die gevalter-briefe schreiben, und die 
Veranstaltung zum kind-bett machen , ob man gleich noch 
nicht weisz, wie es mit der gebührt ablaufen werde, wenn 
nur die wirkliche hoffnung zu einem söhn oder tochter da 
ist. PiSTORius teutsch-juristineher sprichwörterschatx (1716) 411; 
auch ihr, meine liehen freunde und gönner, gewannet Zu- 
sehens mit jeder Station, die ich zurücklegte, in meiner nei- 
gung und achtung. ihr erscheint mir in der entfernung in 
einem viel wohlthätigern lichte, als da ich noch euern, manch- 
mal ungelegenen besuchen, euern launen, euern schmausen, 
euern gevatterbriefen ausgesetzt war. ThCmmei. {reise l) l, 106 
(1853); ein söhn war glücklich zur weit gekommen, und die 
frauen versicherten sämmtlich, es sei der ganze leibhaftige 
vater. . . alle meldungsschreiben und gevaiterbricfe übernahm 
Mittler; sie sollten gleich ausgefertigt sein; denn ihm war selbst 
höchlich daran gelegen, ein glück, das er für die familie so 
bedeutend hielt, auch der übrigen . . weit bekannt zu machen. 
GüTHE {wahlverwandtsch.) 17, 300. 

b) die Wörterbücher verzeichnen das worl nur spärlich : gevatter- 
brief, literae luslrales. Kirsch cornucop. 179 (l"64) und in 
früheren ausgaben ; der gevatterbrief, derjenige brief, in welchem 
man jemand zu gevatter bittet; niedersächs. fadderbrcef. 
Adelung 2,640; gevatterbrief, la priere par ecrit de tenir un 
enfaul sur les fonts de bapteme. Schwan (1782) 740; gevatter- 
brief, a letter, by which any one is desired to stand godfiither. 
Ebers 643. Hilpert II, 1, 461; vaddernbrev, gevatterbrief, auch 
alle grosze und breit gefaltete briefeScHürzE/io/s<fin. id/'ot.4, 295. 

2) an das wort knüpfen bestimmte gebrauche an. 

a) form und inhalt des briefes ist am besten im frauenzimmer- 
lexikon beschrieben (vgl. sp. 4663); in komische beleuchtung ist 
der „gevatterbrief" in Göthes „mitschuldigen'' (III, 4) gezogen. 

die viele güiigkeit, 

die mir so manchen fehl verziehen hat, verzeiht 

mir, hoff ich, dieszmal auch ... 

ich weiss es, gnäd'ger harr, dass sie sich mit mir freuen. 

. . . der himmel hat mir heut' ein glück geschenkt, 

wobei ein dankbar herz an sie zum ersten denkt 

er hat vom sechsten sehn mein liebes weib entbunden . . . 

und ihre nachsieht macht mich armen mann so kühn u. s. w. 

GÖTHK 7,94. 

b) zweierlei gruppen von personen werden mit dem worte in 
besonderer eigenschaft verknüpft: solche, die die erfahrung und 
geschicklichkeit besitzen, um einen richtigen gevatterbrief zu schrei- 
ben, und andere, die ihn in der hergebrachten form übergeben 
können. 

n) in der ersten gruppe spielen die Schulmeister einerolle: wie 
wärs, wenn ihr den berrn Schulmeister (uls drfensor) ansprächt? 
er kan so hübsche gevalterbriefe schreiben. Chr. Weise 
freim. redner 880; und obwohl diese schui-bediente ordent- 
licher weise auf denen dörlTern die hochzeit- und gevalter- 
briefe zu fertigen, auch zu bestellen pflegen, so sind doch 
selbige nicht berechtiget, denen bauren solche arbeit aufzu- 
dringen, oder ihnen zu verbieten, dasz sie dieselben nirgend 
anders fertigen oder bestellen lassen dürften. Klingner dorf- 
rechte 1, 41; gevalterbriefe und hochzeitsbriefe, das ist mein 
werk, die kann ich schreiben trotz zehen andern. Rabenek 
Satiren (1755) 3, 41. 

ß) in der zweiten gruppe tritt vereinzelt auch der kindes- 
valer auf: 



4665 GEVATTEUBHIEF— GEVATTKRGELD 

veriaibl, berr rlchtar, 4ai< leb «ucb leiii muu baoiObn, (gitbl 

ili-m I iiliUr einm i/i-miii'rbrf/f.t 
ilor slorcb hol uiir bt>cli«M «Ina jungtu birlcqulu. 
latai uur dm *i'hr«ibau lu«. 
ko werilt Ihr veroebmeo drtu«, 
weiio Ihr >olti, 
und uur wollt 
lu mduuiu hau*« lelu. 

Cu«. HiUTia tiM llart^uim kiitdbtllirituekmaiut. 
< (neuUiHcb) 3&3. 

loni< überu-iegen mitleUpenontn, vgl. obtn frauemimmtrUsikon 
und KLl^cN^R l, 41: da»z lie bei niedeikuoffl ihrer weiber 
die gewöliiilicben gevuiicr-briefe an die lauf-patlieu durcb di« 
Heliuiütter bestellen iiiücblfo. Klincnki dorfrtehn i, sei (ton 
n-iu); daiu vyt.: die Unterredung, welcba ■ich in den garten 
liinuingespunneD butte, wurde durcb eineu ecbwarsea feier- 
liclien niuiio uoierbrucben , welcber einen grusieu brief in 
bunter hülle durbul, eich vur berrn liuniuiei aufitelUe und 
di'uiitelbeii lür Meine abwesende tocbter die aulTurderung Uber- 
br.icbte, |iuthi'n>telle bei einem k.ode tu übernehmeo. G. 
FatuAC vnlorint hand$chrifl II cap &. 

cl tpricJiteörltr : gcTulterbriere und blitz« ziebeo aicb gern 
nuch buhen getieiisttlnJeu WARUEa I, I(V14. 

3) (/« obtit btifirochene brdtutungunlwicklung von gefaller 
ttehen gewinnt auek auf unser kompo$itum einßutt: tr bat einen 
guv.iltcrbrief {mahnbnef) hekonimen. WACHta $f richte, und 
»piichwörH. rtdfiisarttit in Rudolttadt (1892). 

ütVATTKUBlUE, f., in dtr Hallisehen ttudtnUnipraek* mm 
ub»thuJa (vgL unter gevalteriii). Kiuck 92. 

GtiVATTLIiCHKN, n., kostform ßr gevutter, in KLBiar* 
„urbroehenem krug'* als anrede form gern vtrtHnJtt: 

Ääam: «1, war tarbracb den lirug? 
Uchi: wer ibu lerbrocbeo? 
Adam : ja, geTauerchau. *t«ii« 7. 

GEVATTF.IlKI, f., kolUktivhildung für die gttammthtü der 
gtvatttr Bleute . die iUere spracht hat hitrfiir gevutreid, gcvAtierde, 
gevüllrede (s. d.)\ die neuere schnfttpracht xieht für dentelben 
sweck gevjtterscbaft (s.d)vor. unsere bildungUiuehtveremzelt früh 
auf: als <lic gefüttrei un einander zu der ee nicht nünieu 
uiügen. py/. ScHNKLLEa I*, SSI. ändert belege ijehönn der neueren 
uit an : geTotterei für gevatteiscbaft ist nur bin und wieder 
im gemeinen leben gehriiurblicb, wenn es Ja in scbrifti-n 
vorliöuimt, steht es in verUcbtlichem verstände. Hetkatz unti- 
barbarus 2, &u; frauen und iiinder sind hier (auf Gölhes klei- 
nem freigule Rostla) in ihrem elcmeute, und die in stüdten 
unertrSglicbe gevatterci ist hier wenigstens an ihrem einfach- 
sten Ursprung ; seibat nbneigung und miszwollen scheinen reiner, 
weil sie aus den unmittelbaren bedilrfniitsen der menscbheit 
hervursprini;en. Götbk (tag und juhreslufte) 31, 143. 

GtVATTEüESSEN , ». , gevatter-essen, oder, scbmausz 
heisset diejenige gastcrei uder luahUeit, soderkindtaaffen-fater 
nebst seiner frau, an etlichen orten, wu man keine gevatterstflclt- 
chen berunischicket, denen gevatlern, su das neugebohrne 
kindlein aus der tautTe gehoben, statt des gratials giebet, 
und selbige darbei unsehnlich bewirtbet. Amabartbes frautn- 
nmmerlexikon (I7is)ti66; an einigen urten bat ein junggesell von 
der Jungfer, mit welcher er zugleich gevatler gestanden, bei 
dem gevatteressen ehe noch das erste geriebt tranchiret 
wird, ein sclinupfiuch zu furdern, daher das gevatter-scbnupf- 
tuih genannt wird. KarMTS 18, 3t. 

GtVATTEllFUAU, f., schon ein mUteldeutscher vocabul. rtr. 
des 15. jahrli. veruicliuet gcfader frauwe für eommattr. üiefen- 
BACH 13o*: in neuerer teil taucht dieselbt bildung in anlehnung 
an gevatternian, gevatlersmann vird^r auf, mit eingeichubenem 
„»": gefallersfrau, commere. Schwan (1811: fehlt in der aus- 
gäbe von l'si, wo gn'ittersmann steht) 439: am dritten tag 
endlich, nflmlich gestern, als er eben wieder auf dem wege 
war, traf er eine hübsche gevattersfrau an, die dem alten 
um den hart su gehen pflegte. G. Kbllbb, Uute von SeldvyU 
1, 306. 

ÜCYATTEKGELD, n., gevattergeld, arrAa compaterniiatis. 
Weissnanm (1715) 156, ebenso Kiasca rorn. 2,160* {fehlt in den 
späteren ausgaben); und haben falsibe gevatterbriefe ge>chrie- 
ben . . darüber hat dieser . . bald 50 bald mehr tbaler 
prusperirel, das kind mag gleich nimmermehr dazu gebühren 
werden: gnug dasz ers gevattergeld zeitig '.^eim kuplfe ge- 
krigt halte. PaATuBius y/ü«l>tlup/'(iMO) t<5; der Würfel ist ein 
werfet, wunnit du zu Zeiten dein hab und gut« und auch 
zugleich deiner armen kinder grOssam — tauff und gevalter'» 
geld verwürfest. Alelb k. Unordnung 2, 9* ; auf der andern 



GEVATTEnCBLO— CEVATTKBIOfiELD 4666 

•eite ial v« aocti «io« gioat« suapbe bei luodMnii wiitk«, 
oft zu gevatiar geb«teo tu w«r4«u und, nach 4«l ■toifcrMcl 
virler gegeodtfo, dt« llaOinge ein ao»ebi>l.cbH fwrkMk (f»> 
Taller- oder p8tbco|eacli«ok, welcbei, «eun r* i« fßiit f*- 
•cbieht, daa fefalter- oder patbeogeld oder der palkMpfMak 
genannt wird) zu nacben. kaOairt l«,SI. vgL aueh gevtiler g g«l4. 

GEVATTfcllGESCHKMi, ■., dMieOe wy geiaiitrgeld; g«. 
vattirgescbenk suueiiueum mmmiufU, Srittaa UM. 

GEVATTEItGltCSZ, •.. fMftMft, Ui $Ut Ht Inftntn 
gegenseitig machen, mdkrend gtt«ll«rgtl4 mW g«ttller|MdbMk 
von den taufuugen an den tdufling genchiet maden. im Mrl 
i^ vem G. Kbbuac mehrfach verwendet an einer tUUt, ••iler- 
haupl absterbende: taufjekrauche lnteran»ek falfekatlen merien : 
ijelzt lauft der Humbuld von droben ia «flfMfl gUcekauA- 
schuhen bis in dieies zinimer, um dich'tur kircke abzukolM, 
und ich traue ihm ubendrrln die unteVacbAmtbril tu, 4an 
er dir den gevatiergrusz schickt" . . . „dag^geu dOrfen «ir 
nicbU sagen, {verstlue du gattin) er wird ihr den blusM** 
korb schicken mit den patbenh.inilscbuhen, und Laura tnitl 
ihm dagegen das tascbentuch. wie •« in unserer bekaaslMkaft 
brauch ist. du weiszt ja, dasz Lauras paibe auf •• •(••• 
halt." verlorene hanJsehriß ||, cap. &. 

GEVATTEUIIAFT, adjecliv. 

dar ardbewoboar, dar iai blaiBBelsbeer 
gevailerban jadwadeo Oxaiara oanau 

Tm« bkake»!,. Xit», 

GEVATTEKHANOSCHUH, m, vgl gevatiergrusz. 

oacb ainem llaban aargaa jabr 
giag'» wieder au ein laufeu; 
iocb durn' leb dittmal Ibr kein paar 
gevaliarbaudtcbub kaufau. 

laiaaiAün gedUhte (markt It «. 231 . 

GEVÄTTEHICII, GEVATTEKIG, ■., eolUrtivhiUung s« g«. 
vatter, ein sammelmort, das nur dk taufuugen umfatst. dia 
form ist haupttächlieh aus der Zimmatthen ckrontk Letegt umi 
vertrat dort d>e stelie, die in der älteren ieit gevalreid, g». 
TÜtlerte (i. d.) eingenommen hatte, vgl. oben $p. 21M gefettefick. 

1) für die frage, ob der stngnlar oder der plural vcrltegt, tiäH 
der tutammenhaug keine sicheren anhotttpunkte : es waren to g^ 
fettrig erbeten. Zimmcrsche chronik 4, 155; dos verbum altadtngs 
tritt gerne in den piural : das früle ward zu Wildenstam auch in 
der capell vun herr Jacob Drehern, caplan von MOsskirch, noch 
setbigs tags geteuft und genennt Apollonb. gefetlerig waren 
frawr Apollonia gretin von Henneberg, graf Gotfridi Merobera 
gemahl, und dann der castellan su Wildeostein , Jokaaa 
Dntsch. Zimmersche clironik 4, 17, (6nuo 3, W». «52, 4, aft; 
sind gevatlerich gewesl der N. N. und die N. N. (ScAms im) 

SCHHKLLEB 1% 8&1. 

2) sunt koUektiv treten attribute, die den plmral tieker steBe»: 
wie dann preuchlich bei den Schwaben, d,is man vil gefetirr.g 
su aim kind hat. Zimmersche chronik 2, 543. das debeiner 
mi^r dann 4 gfatterig zuo einem kind nemmen sdlle aiu I54S 
{Glarus) ; das man nit mir gfatterig soll g'wflnnen zum kind 
denn drie personen. 1595. (EutUbuch) schmeix. i^mIiAmi t, ||29: 
dieses frOlin ist noch de^selbigen tags umb ain nkr nack 
mittag SU sU Martin geteuft und' Johanna geoeool «ordco. 
die gefetirig sein gewesen apt liebhart vun i'rliersiiaaaca 
und jungfraw liestei, ein schenkio «oa Staafaakarg, 4la 
vorhin von kindswesen Ton der allen frawaa aalfM, 
der greün von Hennenberg, ersogeo worden. Zimmttmkt 
ckrontk 4, 105; ebenso IM; auO; 4o4; ekema :, 375; aa itt 
das v.ert kindt in der sali gewesen, saio« gefettrig »ata« 
..Wilhelm Arusper^er . . und die abti»a>n too WaMt 4« MI. 

3) am vorle selbU uird die ßenau da ftmrtk imtkfißkrt: 
es soll auch dumals graf Jos .N clAseoa geiikl ack«aafir 
sein, het man sich mit bebammeo, aaacaaMara m4 gcfal» 
lerigen versehen, aber ea wardi zu leUt aicka <Ura«a. J^«tt: 
und sein dte gafettr gen gewesen. 2, «M. 

4) Abergang tmr h e t t it knu mf aimtämtr ftn am n : imwmk |ik 
er im eine von Bargkarf aa aiai «aik, vaa 4mm Migl er 
ain »un, desseo «ar4 gaCatlatkk 4«r j«ag k«tr Wanikar b«i> 
berr su Zimbaro, derbalkaa er Mck ioa« aack Warakar ge- 
nannt ward. Zimmendu eknmik I, XU. 

GkVATTERICGELD, s., ii tall i i rtr tkenfaem sa feraUar- 
gald. aodann die esaal tragaad vaar4ca, woot er, aa w«r« 
aein« künder, und lief dor after saa aiaUaalca. taig» iara 
an, dia atacl wereo schwaoger. aa4 kal, aia ««Ihca falal^ 
rig sein, dergleicbaa geuckcrei trik ar vU, daaa Aa laal 
scbaoktea iia« gafcUiig galt. Z i a iBi iTackf dknmdk % mn. 

2»* 



4667 



GEVATTERIN 



GEVATTERIN 



4668 



GEVATTERIN, f., jüngere bildung zur ersetzung des im genus 
unkenntlich gewordenen fem. gevatter; sie ist erfolgreicher ge- 
wesen als das oben besprochene gevatterfraii. 

1) die ältesten beispiele gehen in das 15. Jahrhundert zurück, 
die eigentliche entwicklnng beginnt im 16. jahrh., wo oft, wie bei 
H. Sachs, alte und neue formen neben einander stehen; im 
18. Jahrhundert beherrscht das wort bereits die Schriftsprache, in 
der es auch heute noch beliebt ist. 

a) aber ich gib euch nicht euer hingewovffen weih, sun- 
der mein liebe schöne gevätterin mit samt irem schönen und 
euerem kind . . ich zu der taufe getragen und gehalten hab. 
Dekameron 607, 9 Keller; und zu Zeiten als der gevattern ge- 
wohnheit ist sein gevLitterin zu haus sehen gieng. ebenda 
s. 462; dann Tinghoczo im stäts sein gevatlerin, ob allen 
anderen frawen lobet, ebenda; sein pfarrer vnd costherr zum 
heiligen creuz, der vvardt oftermals von seinen gefatternen 
und pfarrkindern besucht, gleichwol das mcrmals zu unzeiten 
beschach. also zu zpiten do schickt er etliche dersclbigen 
gefatternen zu diesem jungen herren über das bet. Zimmer- 
sche Chronik 3, 323; 

mein graterinan, ich pit anheben, 
ir wolt mir ewren zoreii geben, 
und mein gl°eterii) zu Tiidea lasen. 

H. Sachs 'zwen jicfaUein" {neudruche 63) vers 155. 
nun kumet paid mit mir zum wein 
. . und nemnt die graterin auch mit, 
das sie auch darmit wert befrit (befriedet) 

ebendort vers 317. 

dan eh sie ein halb stund gelachten, 
und scheren schlitTen eine stund 
da jn nit gstehet band noch mund, 
eh sie ihm gf'ätrin betten gseit 
wie viel jhr hennen hüben gleit, 
und wie viel mäi'isz ihr katze fleug, 
und wie es ihr iiachpäurin gieng. 

Fischart ftiihult 335. netidruck. 

da sie bei ihrer gevätterin den teig knettef. bienenkorb 
(1586)64*. sie liett eine gefetterin, deren wolt sie es zeigen. 
WiCKßAB rollw. 119; selbst in die zur formel erstarrte Ver- 
bindung zu gevatter bitten dringt vereinzelt das neue fem. ein : 
ßerta wurde auf ein zeit zu gevatlerin gebetten, und wurde 
ihr, wie auch gar billich, bei der kindstauff und hierauf 
weiter erfolgten kinds-schmausz die oberstell eingeräumt. 
Abclb künstliche Unordnung 3 (167t) 121. 

6) die vocabulare kennen das neue femininum noch nicht, 
einzige ausnähme die gefättrin , la comare. De Lapi {Bologna 
1479) 65" ; ebenso voc. theut. von 1482 ; auch die ältesten Wörter- 
bücher halten sich zurück, während vom 17. Jahrhundert ab fast 
keines mehr unterldszt, unsere form zu buchen: commaler 
gevätterin. Ulmer vocab. A. 7; gevätterin commater, Horatio 
arbitra, quam voeem etiam viro attribuere videtur. Henisch 
1417; gevatlerin commare. Hulsids (1618) 135; commire ge- 
vatlerin DüEz franz. gram, (l695) 207; gevattere susceptrix. 
Denzler (1677) 116; gevätterin susceptrix, commater Frisids 
(1700) 112; gevätterin godtnoiher. teutsch-engl. wb. (1716) 766; 
gevätterin la commere, commater, susceptrix. dictionaire du 
voyag. 144; gevätterin commere Rondeau-Boxtorff 253; ^e- 
yalletm peetemoy. Kbaher 2, 133'; gevätterin, commater, pro- 
maler. Kirsch com. 2, 179; Adbldng 2,640; Hilpert II, 1,461; 
g'valterin. Schöpf 786. 

c) die formen halten sich in denselben liniert, die oben für 
gevatter festgestellt wurden, nur der Stammvokal ist hier von 
der endungssilbe her mit einem umlaut bedroht, der in den ältesten 
belegen überwiegt, im dekameron, bei H. Sachs, in der Zimmer- 
schen chronik und bei Fischart zeigen sich daneben auch un- 
umgelaulele belege, die bei den weitgehenden neigungen dieser 
quellen für die synkope sich von den formen fi^ir gevatter kaum 
mehr unterscheiden, vgl. mit meiner gfattern. H. Sachs 17, 158 
Keller-Goelze (ähnlich später bei Geibel); gefatternen iji der 
Zimmerschen chronik, vgl. die gevaltern als nom. sing, bei Günther. 
in der Schriftsprache schwindet der umlaut mit dem ende des 
16. jahrh. die Wörterbücher weisen keinen beleg mehr dafür auf. 
mundartlich wird das genussufßx im Schweizerischen verkürzt: 
gevattere. DK^TZLER 116, während es in bairisch-österreichischer 
mundart sich hält: g'vatterin Schöpf 786. 

2) die litterarische Verwendung bestätigt und ergänzt die be- 
obachtungen, die am maskulinum gemacht worden sind. 

a) in der eigentlichen bedeutung, mit beziehung auf einen 
taufakt. 

a) daher ich ^rsache zu vermuiben habe, meine frau ge- 
vätterin (d. i. bei deren kind ich zu gevatter stehen sollte) sei 



eine wittwe gewesen, welcher noch nie kein mann gestorben 
ist. rockenphilosophie 2, 298 ^5.; ein kleines töchlerchen ist 
angekommen und hat uns alle in grosze freude versetzt . . 
damit es nun recht gut und sanft und liebenswürdig werde, 
so haben wir ihm eine pathe ausgesucht, die es in allen 
stücken zu seinem muster nehmen kann . . sie sind also 
meine theure freundin, auch künftig meine frau gevätterin. 
Schiller (an Friederike v. Holleben 15. october 1799) briefe G, 
97 Jonas; leben sie wohl und grüszen mir die liebe gevätterin 
nebst dem kleinen pathen. Göthe briefe 21, 2i6 (an Sartorius); 
der fuchs und die frau gevätterin. br. Grimm kinder- und 
hausmärchen 1,445/'.; von eines mannes munterer zeugungs- 
kraft getroffen, trügt die gute Sappho neun monate ihre 
bürde, kommt sodann, mitunter sehr schwer, nieder und 
empfängt die glückwünsche der gevatterinnen zu dem wohl- 
gestalteten kinde. Immebmann die papierfenster eines eremiten 
(werke 9 s. 105); auch fräulein Laura hat als meine gevätterin 
mir ein tuch bestimmt und übersandt, das tuch ist nicht 
in meine bände gekommen. G. Frevtag verlorene handschrift 
II, cap. 5. 

ß) die anredeformel bedarf keiner weiteren belege, wie sehr 
sie den gesprdchstil früher beherrschte, zeigt z. B. Reuters frau 
Schlampampe, wo in der ersten szene zwischen frau Schlampampe 
und Camille, der Schlampampe gevätterin, diese anrede 13 mal 
wiederholt wird: Schlamp, nun sie glaubt mirs auch nicht frau 
gevätterin, wie ich froh bin, dasz ich keine Studenten mehr 
in meinem hause habe. Camille. sage sie mir doch frau ge- 
vätterin, was es mit den hüpel-jungen gewesen ist, ich habe 
es noch keinmahl recht erfahren können «. s. w. neudrucke 
90, 91 ; vgL auch jetzt aber wäre das predigen angegangen . . 
es scheine ihm, die frau gevattterin könnte es noch besser, 
als mancher halbsturme pfaff. Gotthelf Uli der pächter cap. lO; 
hielt er ihr unterm lisch die band hin und sagte: „machen 
wir friede, böse frau gevätterin; reichen sie mir ihre band". 
G. Fiieytag verlorene handschrift II, cap. 5; 'frau g'vatterin, 
nehmt wieder euer iieb's kindel', sagt der taufpat, wenn 
sich's übel bei ihm aufg'führt hat. Anzengrüber (dorfgänge) 
ges. werke 3, 256. 

2)) übertritt der anredeformel in die dritte person: wie er- 
götzte ich mich (frau Unzelmann), wenn die frau gevätterin 
(frau rath Göthe) bei mir am kleinen klimper kleinen lisch sasz. 
bei DoBow s. 166 {Reminiscenzen, Leipzig 1842) «. a. 

b) in der erweiterten bedeutung. 

rt) in titeln und anredeformeln. meine verehrungswürdige 
freundin, gevätterin und gönnerin. Hamann (oprij 1782) 6, 245; 

des morgens kapa ich (Cwiercniund, die wölßn) zum brunnen, 
fragte : wer bracht' euch herein? Ihr (lleincke fiiclis) .sagtet: 

kommt ihr doch eben, 
liebe gevätterin, recht! ich gönnt' euch jeglichen vortheil; 
steigt in den eimer da droben, so fahrt ihr hernieder und esset 
hier an fischen euch satt. Göthb (lieineke fuchs) 40,195. 

."^chon sieht sie wieder ihre nachbarinnen 

und merkt es sich, was eine tröstend sprach. 

sie sprach: '0 lasst euch eine witwe sagen, 

wie ihr des todien manns euch l<önnt entschlagen P 

. . . Camilla drauf: 'gevätterin, bei leibe! 

sollt Ich vergessen meines liebsten herrn?' 

UiiLAND fortunat ttnd seine söhne. 2. Iiuch. 

kam nicht eben mutter Unscblitt, des schlächters frau, 
herein und nannte mich gevätterin Hurtig (and call me 
gossip Quickly)^ . . und befahlst du mir nicht an, wie sie 
die treppe herunter war, ich sollte mit so geringen leuten 
nicht mehr so familiär thun? und sagtest, in kurzem sollten 
sie mich madam nennen? Schlegel Heinrich IV, 2. Iheit, \, 
ebenso Eschenburc u. a. 

ß) von hieraus, in die berichtform der dritten person über- 
gehend, nimmt das wort eine Wendung zur bczeichnung des 
weibliehen geschlechles überhaupt. 

nächst, als die finsternisz den anfang hat genommen, 
fing die gevattern an: woher mag disz doch kommen? 

GÖNTiiBR (Tlieodosio 2,1) 5. atiß. 979. 

in Pyrmont habe ich ihrer viel gedacht und es ist mir bei- 
nahe anschaulich geworden, wie es möglich sei dasz dieser 
ort so wundersam artige gevatterinnen hervorbringe und bilde. 
GöTMB briefe an S.Sander 16 s. 7; dies war nun die ge- 
schichte, davon die Spinnerinnen damals plauderten, doch 
ihnen war das beste daran unbekannt, eine gevätterin, so 
auch mit ihrer kunkel unter ihnen sasz , hätte noch gern 
gehört, ob wohl die schöne Lau das lot noch habe. E. Mürickb 
(novellen) 2, 150. 



4«C0 r.EVATTERIN— (iEVATTERKLATSCHEN 

y) im bttonieren ist n dii »eiblicht frtude am plavdtrn und 
klatschen, die in ditier begrilftbeilimmung tith tordringl (tgl. 
das eiigli$eht goitip): obna die alberno weiberUültcherei 
difücr gevotterin bSIien vieltficbt 'noch jabre verlieben 
können, ehe ich geirgrnbeil bekommen bStie, dienen letzten 
blick in das innerate deines hertene und weten« tu Ihiin. 
WiKiAND an Uettk (IS. jvU \11M) l, 127; im geteiligen und 
Ibfltigen leben entwickelie sie (moiam* it Tencia) dir grOsz- 
len vurtügc: sie verbarg unter der a(>>zern uiit( hriiib.iren 
hnlle einer gutniüihigen gevatterin die tiefste meoscbenkcnnt- 
nisi und ilu>* griiszie geschi< k in weltlichrn dingen su wir- 
ken. (!Otiik (anmtrkungtn zu Ramtaut nifft) V>, Vih; 

Hdiferin- gotl Im hlmni«! negne tl«! 

eur gnaJen ihun iiichi wohl, sie so tu echellen. 
Capulel: warum, Trau weidieli? hallsi eurca numl, 

piopheiini Kliuaiierl mti geTaiiariopen {»matUr mitk 
%cmr Qouipi) 
ScMLSbSL ttomeo *>ul Julia 3,5 «6eiiM Etchtnburg u. a. 

10 baue die sonn' eine zungs nun, 

der Trsuen lunttoo ja nimmer ruirn. 

'gevailerin, um Jeiui ClirUil 

la*si euch nicht merken, waz Ihr oun «IttU' 

nuo brlngu die sonne an den tag. 

CiiAaisso XV4. 

•Ine geTatierin nach der andern, die sich sonst nie sehen 
los»en, ist beute eingedrungen, um »ich an der scbaode tu 
weiden. (•. Kiurr {grüntr //hnricA 3) }, 3^ 

glaubt, das tcbriftenthum wird gleichen bald den trgsten 

rockensiuben: 
dl* gaTattcrlnoen schnacken, und es bAren zu die buben. 
laataiANN •julichte VI (»erkc 11 >. 3:M). 

denn wer eine «ellge liebe will tragen, 
dar darf es den allen junerern nicht sagen: 
die dornen, dio dl<ieln, die .«lecben gar xehr, 
doch siechen die altjungrernzungeo noch mehr. 

sie irsgen's zur bat' hin und zur fniii eevatlern. 
bi« dait es die gAns' auT dem markte bctchnatluin, 
bit datz ei der entrich berrd't auf dein *ee 
und der kuckuk Im walüo, und das thut doch weh. 

GitasL tirder eintt fahr. $chülen S. 

e) aus dem torhergekenden trklArt sieh auch dl* Verengerung 
des bedcutungtgehaltes in der idtniifizierung mit tiner eintehen 
ptrion. gevatterin ist eine obsthflndlerin, welche nuf dem 
markte in Hülle sitzt, wo die Studenten im wintrr und snminer 
stundenliing sitzen und übst essen, sie pflegt die studenteu 
berr gev^tter und diese sie frau gefatterin tu nennen, jetzt 
giebt es deren zwei, welche zum unterschiede die junge und 
alte genannt werden, beide haben viel applausum, kredi- 
tiren nnrh mit unter und man findet bei ihnen tugleich das 
beste, aber auch das Iheuerste obst. Aogustim tdio<iilron der 
burschensprache (i:95) mudruck s. öl. inlxprechende noiit war 
schon 1761 bei Kimdlkbkn und vor diesem im reisenden avn- 
lurier (l740) 11,482. 83 gegeben. Kluce a. a. o. 92. auch in Arnims 
sludentenspiel 'Hall« und Jerusalem' »ird diese gevatterin auf- 
geführt: 

Was koiict wol ein schock von diesen klrschen, liebe TrauT 
(ietaXeriii. Zwei groschen. AsNia 16,3. 

('■evallirin. das sind mir liebe herrn gevaiiern, 

hat wieder keiner hier bezahlt. ebenda 12. 

uj.u vgl. noch: vater kann dir am besten erzählen, wie die 
Studenten hier leben, . . . wie sie mittags beim traiteur für 
wenige groschen ihre mahlzcit halten, dann bei der frau ge- 
vatterin in obst sich bene thun. A. MCllbi 6rt«^« aus der 
tiniveriiMI in die heimat (Leiptig 1874) t. 4. 

GEVÄTTKRKANiNLEIN, n., ainc spinn- oder rockenslub, 
da die gevattern, nachbarin und gcspielen, wann sie lang von 
ernsthaften Sachen gercdt haben, so schreiten sie darnach 
per disgresslonem zu den niiirlin und kunkelpredigten, wer 
da die best und klaglichst sagen kan, die trinkt das gevatter- 
künnicin aus und m1rd auf morgen wiederum geladen. 
fisiBART poäogr. troslbl. (I&77) K'i'; vgl. Hauffen 3, 86. es 
scheint, dasx im ersten theil die oben beaprcchene nebenbedeulung 
von gevatter, t;evatterin zur ^rKiin; kommt. 

GEVMTEIIKINÜ, n., vgU i. GoTTHttr IS, 193. 

GEVATTKItKLATSCHEN {vgl. gevatter zp.46&2: gentlerio 
tp. 4668). als das Dicht half, sagte er, er hoffe doch nicht, 
dass ein weibergewSsch auf ihr herz eindruck gemacht habe? 
sie antwortete: sie sei sonst, wie er wisse, darüber hinweg: 
aber diese erlludung sei zu berznagend . . . mürrisch aol- 



GEVATTeRKLATS(:ilEN--CEVATTBRLBN 4670 

worlele er: .ot Ist uoertri(Mch, MfM Jskrt tiatr parsM 
den besten verstand . . tugeiraut m kahm, «oi 4ano M 
Silin, dati sie duinin i»i, wi« der Mittrat« päbti. Beie«M 
getcblecbt ist io itr weit nichts so vorliMtt al* soielM« ge- 
vaiterklatsrhea'. Sepkient räu h, «91. ayL k\»Uck$ivMet 
Iheil i, iui'>. 

(;EVATT£llfcLEID, ■.. mt ein »itar ««ttM^b^rfiMK *• 
einige der albern meinung seiod, e« kOat« i»» klii, •• f^ 
laullet werden «ull, dadur.li verwabriottt worits, «MS SM 
in denen grtalteikleidrro, ehe man diat worck vrtrkkUt», 
sein waater ahtcblugr. AnAaiarats frautmsimmerUnkm 91$, 

GEVATTCHKLCilKN, ■., vergL vadden.kookeo, ItacbM. 
womit in Hamburg, Altuna um wtiliiiaciU gevatior ihn 
lluflinge zu bearbenkon pOe«len. ScaOrzi ktUm. UitL 

4,29». 

GEVATTERKUTSCHE, A, meio« rtiM kat bi« jttit tiar 

Perioden gehabt: die naturper.ode, die bSuslicbe, die kuosl- oaJ 
litcralur- und die cholerapenode. nun siehe ich in der fanden, 
in der periide de<t amtmano-» Wanmann. wie dieser oialicb 
einst zur messe nach Braunschweig, ao fahre irb durch 
das bannövertcbe land in einer schweren, etw»« biuflllifen 
gevatterkutsche. lNHaa«*Nii reitejourtl III britf* (merkt u 
$. 213). 

GEVATTERI.EN, GEVÄTTERLEN, verb., mmndvibtke W- 
dung, deren luterarisehe rerwendung auf den älemnnnmken tfeaai 
beschrankt tst, trogegen mundartUehe anklänge ulbtt aus nieder- 
deutscher gegend vorliegen {tgL unten), die formen mit «Mi«al 
überwiegen, diejenigen ohne solchen und (iiu dem bsntns WtMti 
belegt; vgl schueit. idiofikon I, lllo. «s et/ieintn kitr MriluBfn 
von vater und soUhe won gevatter imrckemander m tpirkn, 
vgl. gevattern, gevattern sp. 4073 

l) die httuptsdchliehsU Verwendung geht r»ai tpiele der kinder 
aus und lässt sich als nackakmung des gehahrens der erwachsenen 
unmittelbar an valer anknüpfen, ohne dost die «bUUung vn 
gevatter jeweils ausgesclilosun wäre. 

a) g'vSIterlen wie die kmder pulchralikut luder«, Diatta« 
1677; kinderspiele treiben, vorzQglicb vom apielea der kio4«r, 
wenn sie die Verrichtungen der erwachsenen nacbabata. 
SriLOKB 1,357, gans ähnlich Hkki^l in den worlerkUrungen n 
den olUmann. gedichten; vgl. vaiterlen dem vater n-iekarten, steh 
betragen wie der vater, patrissare. Staloir I, U7, vgL vaterleo 
dem vater gleich sehen. ScnOrr 786. in denelbets hedeutung «I 
das verbum auf oberrheinischem baden sthon tat 1&. jaJukundert 
belegt: da erschien jn der berr Jesus in eines kiodleio« 
gcstalt und gevetterlet und sciiimpfT mit in. I'aou schimpf 
94 ; da die kint cefettrriin mit einander, da maibea sie ulTroa 
und das ist geferbte würz, das ist iinber . . und ist aÜM 
zegimel; und inarhen liQslin und kochen. GiiLta v. Kaisaaa- 
BKRG schweig, idiotikon I, 1131. norA heule wird von der »iere» 
Donau und von Wiesenihal dieser gekraiuh als totkiUUitk ftU- 
giUgl, vgl. RiRLiKGER in iuknt teHtekrifl ta^U; i ^t ndm t mkd 
auch auf die stelle im nsederdeuUtUn ThttfldtuM umnmim 
{\b. jahrh.) nu sp^ld hei gerne d;it vadderapel, ves« HorfSMl 
bemerkt: gevetterspiel spielen. 

fr) verallgemeinert, die zeit vertflndeln {in fem, SL CoXrta, 
SoioMurn); sich mit einer leichten arbeit betcblfligeo (fcrw); 
das ist nur g'vfltteried nOt g'scbalTet {Zirieh). leävets. idiiUktm 
1, 1131; ilass sie ihr oafllcbtn m tineo feoerspeieaJM b«ff 
verwandeln können, gegea wolchen ier Vesuv oor f(lu«ri«a 
tut. kaUnder vtm l»u. vckmeit. idittihm l. Ii3i: gsttlarkr 
in kleinigkeiUn titk nerUereuder p t d a n üMk n menstk. t Und ttt; 
gevüllerla mit rtwat tindeln, tpielt» vms den ti nden ; A« goCa 
gv.llierlid mitenand, i^ie kinder tfi tln mi tt inan de r. Teom 
/(pf«iij«ilise*er vpratkHktt» m': |fllicrl« tat* mu spxtowf 
die teH terkürten itra Ita^rra). i^ «tl leiHHer «rWrf tctcMT- 
/i;eii . ., die teit tttUndeln. UCrra zw GeOhetf rt; »in {mensg 
mutter) muszie alle tag« hürm: dat sei wa« aogar«, ala f«r 
em lade hnrke-n-o g'vailerle. J GoTTattr I,» (tawaräipisiill; 
je seltener ich anfingl rh zu ihnen koOMMl kMMli^ Jaito 
starker wurde die«« heb«. dt4io glacklickar ««r iak^ «mm 
ich einmal eine stunde Bit iborn g'vjtilari« keati« «li»- 
«forl I«: gfiiterl«. HcMiRaa loi; din gviUarlcta, dteläadiki. 

ToaLEt 347*. 

2) «B übertragen« »«nt«ndmnf«n asa fcraller, 
dat /Haniaii«, *«Ay/l dat verbrnm «• ta; 



0» weiht • Iwtiig« aaelMlaft. 
g'viuerlei «iUM» taafc» aad 



4671 GEVATTERLEN— GEVATTERMANN 

coire, mit einem weib gfätterlen. Fbisius (1568) 239; coitus, 
das gefälterlen mit einem weib. ebendort; gvätterle, tineigent- 
lich und scherzhaft, ein unehelich kind zeugen. Tobleb 247*; 
sie bat mit-em gevätlerlet, bis ere in latze schiugg (t» un- 
rechten hals) chum ist (St. Gallen). Schweiz, idiotikon 1, 1131. 

GEVÄTTERLESZEüG, m., schweizerische bildung; gevällerles- 
züg {allgem. Schweiz.) Spielzeug für kinder. Appenzell, idiotikon 
(1788), vgl. TomEvt 247*; gesälerleszeug (appenzellerisch) Klein 
deutsches provinzialwb. (1799) 1,144; gevätleiiizeug. Stalder 
1,357; der gevätterlizeug, die Spielsachen. Tobler 247'; vgl. 
gcvälterligescbirrli. Schweiz, idiotikon 1, 1131. 

GEYATTERLEÜTE, gevaltersleute, sammelwort für die an 
einem gevatterverhältnisz betheiliglen , wobei namentlich die an- 
gehöiigen der taufzeugen mit umfaszt werden, das wort ist 
hauptsächlich auf mundarten beschränkt, in der alemannischen 
ohne, in der österreichischen mit eingeschobenem ,s*. in die 
Schriftsprache dringt es von der mundart aus ein. 

1) g'faterscliaft oder g'faterlüt. Honziker Aargauer wb. 104. 
in dem nämlichen garten sasz damals an einem andern tisch 
auch der hausfreund mit seinen gevatterieuten, und waren 
auch lustig und honnelt für geld, nämlich für das geld der 
gevatterleute, und einer davon ist ein goldschmied, der's 
versieht. Hebel der falsche edelstein (rheinl. hausfr,); Uli fasste 
sein Vreneli bei der band und wanderte mit ihm der kirche 
zu . . . wie sie auf den kirchhof kamen, schaufelte eben 
der todtenmann an einem grabe . . . vor der kirche stunden 
gevatterleute, eine gotte mit einem Kinde auf dem arme. 
,das bedeutet einem von uns ein kindbett' flüsterte Uli, um 
Vreneli zu trösten. Gottbelf Uli der knecht cap. 26. 

2) g'vattersleut die beiden gevattern samt ihren angehörigen. 
Schöpf 786. 

3) die thränenreiche mutter umarmte ihren söhn mit froher 
wehmuth, richtete ein groszes mahl aus an ihre freundschaft 
und gevaltersleute und iheilte ihren ganzen hellervorralh 
unter die armen. MosXus Volksmärchen 2,29 Hempel; d' g'- 
vaternhunde beissen a, die hunde der gevaltersleute beissen auch. 
Wander l, 1642; dazu machte er, was ihm unter die finger 
kam, sonst noch, taufscheine mit taufstein und gevatters- 
leuten, grabschriften mit trauerweiden und weinenden genien. 
G. Keller (grüner Heinrich 2,5) 1,265; gevaltersleute, 'per- 
sons that have stood godfather or godmother to a child'. 
es sind meine gevaltersleute ,they have stood godfather or 
godmother to my children'. Hilpert II, 1,461. 

4) als plural zu gevattermann erscheint das wort bei Kleist: 

Adam: ihr seid ein freund von wohlgesetzter rede, 
und euern Cicero habt ihr studiert 
trotz einem auf der schul' in Amsterdam, 
drückt euren ehrgeiz beut hinunter, hört ihr? 
es werden wol sich fälle noch ergeben, 
wo ihr mit eurer kunst euch zeigen könnt, 
Licht: wir zwei gevatterleute: geht mir fort. 

Klbist zerbrochener krug. szene 1. 

GEVATTERLICH, adject. und adverb, abgeleitet von gevatter, 
selten belegte bildung, die aber mit ihren wenigen beispielen einen 
ausgedehnten Zeitraum umschlieszt : 

daz si dl beldeclicher 
di me verhundenlicher 
gevaterlicher wise 
den armen brecbte ir spise 
in godelicher minne. 
wa arme vrouwen inne 
kindeibetten lageu, 
Dach den began si vragen. 

Elisabeth 2366 llieger. 

dö sprach er: 'trüt gevater min, 

ichn' mag niht än(e) wip gesin; 

nü machet aber niuwe 

die gevaterlichen triuwe, 

und helfet mir, dasz ich iuwer kunst 

und iuwerfn) vriuntlichen gunst 

dar an genieszen mueze. 

gesammtabentauer, v. d. llugm 2, 183. 306. 

gevatterlich Treder Dädalus (l675) 2, 635; gevatterlich, jjro- 
palrius affectu compatris. Stiele« 532. 

GEVATTERMANN, gevatlersmann, m., erstmals bei H. Sachs 
belegt, wo es den ehemann des weiblichen taufzeugen bezeichnet; 
sonst wohnt ihm dieselbe bedeutung bei wie gevatter: gevatter- 
mann, compater. Stiei.er 1235; gevattersmann, le compcre. 
ScuwAN (17S2) 1, 740. die meisten beispide gehören dem 18. aufs 
19. Jahrhundert an und begegnen bei Schriftstellern, die der mundart 
nahf stehen, die form gevattersmann ist die jüngere, sie wird 



GEVATTERMANN 



4672 



von der neueren Schreibung bevorzugt: gevattersmann ist hin 
und wieder im gemeinen leben für gevatter gebräuchlich. 
Lessing legte es einem bauer in den mund: kann sein, kann 
sein, gevattersmann. Hehnatz Antibarbarus 2,50. 

l) der gfalcr: ei, gfaier mau, was sol daz sein? 

warümb Schlacht ir die gfater mein? 
der gfatterman spricht: umh den koplT, ars und umb die lent, 
wo sie eraichen meine heut, 
da schlag ichs die weil ist mein zorn 
von meinem weib ergrimet worn. 
der gfater siirlcht: mein gl'ateiman, ich pit euch eben, 
ir woli mir euren zoren geben, 
und mein gl'eierin zul'riden lasen. 
der (jfaterman trinket wider mm weib. der qfaler hell fücr. 

H. Sachs zwen gefailern mit lieni zorn 
OiLnulruck 63) 147 ff. 

der reich die tliür beschliesseu thet 
und leget sich wider zu beth, 
und diser sach ernstlicli nachsan; 
frü schickt er seim gefatterman 
noch einn bachen in sein hausz. 
ü. Sachs (der reich liecker mit dem bachendieh) 
Keller-Götze 21,151. 

weisz nun die gescbichte sehr genau, mir hat's eben mein 
gevatlerraann, der Schulmeister von Waldthal, der mich heute 
besucht, sehr umständlich erzählet, maier Müller 1,294; 

beut sleir ich einen feirtag an, 

den lieben gott zu preisen ; 

dort kommt ja mein gevaitermann, 

der singt nach allen weisen. 

gelt, Weibchen, gelt, du singst mit mir? 

ihr hüben, lohet gott! 

nun, g'vattermann. so singt uns für: 

nun danket alle gott! 

Chr. f. D. Scuubart der bauer in der ernte. 

wenn der bodenbauer vermag, dir bürge zu sein, so vermag 
ich vielleicht, dir das gut ohne bürgen zu verpachten; bin 
ich doch ja sogar gevattersmann und habe meiner kleinen 
pate noch gar nichts gegeben, nicht einmal einen einbund. 
Gotthelf Uli der Pächter cap. 26 ; wir wuszten, der gevatlers- 
mann wollte früh fort J. Gotthelf (bauernspiegel) 1, 145; und 
waren auch lustig und honnett für geld , nämlich für das 
geld der gevaltersleute, und einer davon ist ein goldschmied, 
(ler's versteht ... zu dem gevattermann kommt der Jude. 
,herr*, sagt er, ,sol! dieser kein ächter edelstein sein?* . . 
der gevattermann, der auch ein halber sternseher ist, sagte: 
,er glänzt wie am hinunel der Aldebaran.' Hebel der falsche 
edelstein (rheinl. hausfreund); drauf nahm er den apolheker 
auf die seile und sagte: 'helft mir heute meinen gevaiter- 
mann zudecken', und that ihm den nämlichen Vorschlag. 
dem apolheker war's auch recht . . , unterwegs sagte 
der gevatter des Zyriaks: ,apotheker, heut habt ihr eur 
meisterstück gemacht, ich kann nicht begreifen, wie ihr 
noch auTrecht gehen könnt', der apolheker sagte: ,mich 
wunderts, dass ihr nicht blindhagel voll seid.' ,so' sagte 
der gevattermann 'drum hab' ich wasser getrunken.* da 
gingen dem apolheker die äugen auf, und sagte: ,ich auch'. 
Da gingen dem gevattermann auch die äugen auf. die betro- 
genen zecher. 

3) die mannigfaltigkeit der bedeulungen von gevatter spiegelt 
sich auch in der Zusammensetzung tvieder: du bist der rechte, du 
holst den reichen wie den armen ohne unterschied, du sollst 
mein gevattersmann sein. br. Grihm kinder- und hausmärchen 
1, 254 (der gevatter tod). von hier ausgehend hat B. Auerbach 
seinem kalender, dem er eine volkstümliche Wirkung sichern 
wollte, den dem süddeutschen volksieben entstammenden titel 
gevattersmann gegeben, der Jahrgang 1845 knüpft in der ein- 
leitung an die verschiedenen bedcutungen des wortes an: be- 
sinnst du dich hin und her, herüber und hinüber, liclicr 
leser, was das für ein gevattersmann ist, der da zu dir ins 
haus kommt, und was ihm ein recht giebt, sich so zu heiszcn. 
— es lassen sich siebenerlei gründe dafür denken, fünf 
kannst du dir selber machen und zwei will ich dir sagen, 
also: 6. will ich dein gevaitermann sein bei manchem recht- 
schaffenen gedanken, den du zur weit bringst, wenn du 
das da liesest, was ich jetzt schreibe, und es geht dir etwas 
gutes dabei durch den köpf, und du spürst es in allen gliedern, 
dass du ein braver mann und ein guter Deutscher sein willst, 
so steht einer in gedanken dabei und freut sich — und das 
ist der gevattersmann. 7. will ich auch noch einmal ge- 
vatter sein bei dem schönsten und liebsten kinde, das holTcnl- 
lich nicht mehr zu lange auf sich warten läszt. und weiszt 
dl} wie e« bei^zt? die deutsche einheit. lasz dann dem ge- 



4673 GEVATTKRN— fiEVATTEUrFENMG 

Totiertmann die frfiide, ein «anx klein ilpfelchen »on leinem 
kniücrmanlel xii halten um! ihm etwn« gani gole« In dat 
kiisen lu himlen. $ehaltkdstUin det gevnUerimanns 2, I. 

4) in anderem tinnt knüpft bei Hkbkel geTattenn.inn an dit 
oben betproehene trmeiterung f on gefatlar an, fgU ip. 4MI. 

wenn ilti ein rreuml. ein bewunil'rer let. 

•o glotii er, wie g«n himmel d«r chrl*L. 

er wißt um goiie« willi>n kein worl, 

er nlcki «inil nieki und ichlelehi ileh forU 

ila denk' Ich: den r&lli Ja gar nirhia ein. 

*o blieb dein Jupiter wol ein stein I 

Int'» aber der herr grvattermnann. 

der allea welm, well rr itar nirhl« kann, 

«o bin ich gewl«x. da«i der enidnckl, 

•In Cupido habe Im block ge<teokl. 

lUaaiL iitiehel AngeM 8,107. 

nEVATTEIlN, ««rft., ahU-itung lu rattr: dn «ind beide mrtlen 
unter iweier «chwealcrn hertzen gelegen, darnach der atlel 
untereinander gevettert, geachwiateit, geacbweiet, gefreundet, 
ja faat gelirndert, getattert, gesönet. LoTHta {vtTmaknung 
tum fritdtn tS42) n,4i' Jena. tgl. hieriu angtlt. gefaedrinn, 
to odopt or to aierihe to any on« a$ a $on or daughter. Oüb- 
noRTii-ToLLB* 3^0. 

GKVATTEKKN, GEVATTEREN, verb., abUitung lu gevalter 
(i. d.). dit reich$te bedeutungsentwicklung hat da» mort in den 
fehiteistritchen mundarten entfaltet, vo auch die formen mit 
umlaut {im kanton Ohrrralden, aus äUererer seit auch in ober- 
rheinischen denkmiUrn wie bei Paoi.i) tu belegen sind. rgl. 
sehteeii. idiottknn l.liaii. 

i) das rerrandtsehaftsterhältnist, das in begetatttm {tk, I, tU2) 
i« Vordergrund steht, kommt notk in der mundart ton Zürich 
tum ausdruck. 

1) kriftiger dagegen hat sieh das verhalten und t^nfÄmen 
dieser art ton tervandlen untereinander lur geliung gebracht, 
a) dieses liegt schon dem von Ltit» i,9&9 angeführten bei- 
spieU t« gründe: 

don «trh Irhub her hertlgliob. 

mit den dl wirln nbir geTOrt, 

den wart Ir iiikiinTt da befflrl, 

• dat Ir her künde übir kernen, 

do haiiln >l Tirlutl genomen, 

alt al «ich do virgadirten 

Tnaanfie fl »Ich geTadlrten, 

der greTe quam von dem ro«*e nidder, 

otwene rilter Im urhiillTi-n wIdder. 

E. T. KiacHBiao cfironiron UreUenbmrg. 
Wvniphal IV «19,9. 

h) dasselbe rnoment kommt in den mannigfachen späteren ba- 

ntungserwciteriingen zur geltung. 

■ <) petnttern, jVmind einen dienst erweisen. Bemer mundart. 
Miiu-eis. idintikon 1, 1130. 

ß) mit jemand tertraulieh sehwatsen: ea knmen uff ein mal 
Her iiinrkfrawcn zi^^iiraen und gefetterten einander nnd 
achimpITten mit einander nnd waren guter ding. Pkvu sehimpf \l 
{litt, verein); g'fatere vertntulieh schwatzen. Hunziibr Aargaiier 
wb. 104; ebenso in der mundart von Wallis, sdiweiz. idiot'kon 
I, Ii;i0. dieselbe bedeuliing Übt aber auch in der Schriftsprache: 
zo Worte liesz er'« aber nicht kommen, denn der andere ge- 
ntlerte ihn mit allerhand fragen und aolchen tcrtraulichrn 
reden, wie es sich schickt, wenn einer in eine acbenke 
tritt. W. Alexis, Isegrimm 2?0. 

<o geTfltterin da« wpjiar. 
und die halbe aiadt l>ald wuiaie, 
in dei bürgermeiütera keller 
(Uli der satan in getialt 
•Inea riaa'gen rattenknüneU . . . 

t. Wotrr rnttenfäniter ISO. 

e) auf die Schweiz beschränkt find bedeutungen, wie mit Spiel- 
zeug kuriweiirn; tflndeln, ohne ernat arbeiten {Bern, Ober- 
wttlden) fchweis. idiMikon t, IISO. hier könnten auch anlehnungen 
an valer mitspielen, vgL gevStlerlen. 

GEVATTEBPOST, f., knirachesl, frissest dir die n«gel, 
erstaunst, dasz deine g(\ttin auch gehflren soll wie andere 
weiher. — sieh, da, well' Ich, kommt eben eine getatterposti 
narrpl maier MCilkr {Golo und Genntefa 8,») }, MS. 

GEVATTEIU'KENNK., m., .tW^nrr fär patenpfennig ((Mi 7, 

1601) gebraucht; vgl. gevattergeld oben ap. 4666. 

der aller besten «ptne, 

diu an dem mniket veila ktam. 

ale wa^re wllt oder lam, 

der koulte diu meisiirinne genuok; 

wen sie in dem liliiiel iruok 

Irire) Rerateren pTennlnge, 

diu dOhten »la v|| ringe, ne». abenleutr II« Itt. 

vgL Ttddernpennig ScbOtss kolslein. idiotika» 4, IM» 



GEVATTEnnEOE— GEVATTERSCIUn' 4674 

GCVATTERREDE, f., vgl gtftIterMll« (epL ap. tm). Ah 
ge*8llerrede war tbfäribaa, tai tvar kan: die plagt« 
Cli nicht mehr auf itm kdiavac «akl tkcr irr Irger. flr 
«ein rosdchen einen aalcbM ^taa ta kakaa. GoriaiL« VU dm 
fitkUr täf, %. 

GEVATTERRORE, letatlerrflbal, f., <igL pr»lterrflbl«ia 
thril 7, ip. |«0I. wie uhem die kerrtdmtii fmm fflkal «adnM, 
ist dat wart bairiseker herkunft mni et itt vaAncAWalk*, ims 
auch für den ertttn the\l des compontumt iu form pfetier di0 
ursprüngliche ist. S'RaRLiBR t', ^^^ Intet itr am PfSier, Har« 
bei Regensburo in die Donau mündendtn ßtuuken a>, »• dif 
betreffenden rhben urtprünglieh tm kimߧ»ln prke«! und ta den 
handel gebracht werden seien. uns«r» form wdr« dtmmttk äurtk 
schrißmiisiiije deulung des ersten k»mp«eäiem$ÜieOs nlitetudfn, 
sie itt mehrfach beltgl: gfStlerrnhI. IMa# $ch»rf$dm Mk* » d« 
rüben {Hslerr.). KltlR 1.14%; geTitterrAbelQ krutttm U»pu ttltm 
Naanicn 3, lOI; gevalterrObeln. Ilörta etfmid»§. wt. itt ttitf- 
reich, mundart (mi5) t,20.V 

GEVATTEnsrHAFT.A. <«''«<« »«»«iiMaewWtiiaf la« fttalter, 
die schon in du mittelhoehdeuttche seit surüekreieht, «yl. mki» 
wb. 8, 7<t0': l.Ktta \,9'A. narhtrag Vth: rgL gevaddenckspi. 
ndd. rechtihücher bei Scnii.LiB-Lraar.i 2,32; ibevadereekap. 
KiiUN Ks\ 

l) die umfassendste bedeulung bringt das gnatttTttrhUtaitt 
x«m ausdruck. 

a) dir meiüen beleg* der mitUlkockdeul$chen p irk d » frMrta 
hierher : 

«) ein angabeten gaTataraebafl 

diu wert wen tlben naht unt «Arbai hit tl keine rraft: 
a6 man den teuf At flutet. d& mit i6 !•! ravaier.chari dt lilii. 
KBi!ia*a T. ZwiTia, l&V (ii-H-iiir). 

vgl anmerkung hiertu. lIsA tnnnt diae ^brecber nnd diaa 
ne«cber, nnr In das belscbe (Iwer in den mnni wird g*nde. 
sie bAt sA gar obernhsnt genommen din aelbe «Onde, das 
sippebrechrn un.l gevateracbaft all ein laU BsarioLe v. Rbcb«»- 
BOBO 1,81; 

da bl waa tl genende. 

dai sl tu Ir doufe quam: 

dl kinde tl t'i gölten nam. 

dai *l in von geTadenehan 

IQ druwen war« ima bebaft. 

tJi'ohoA tSH 



ß) in dn ffik drängt sich hier ein formelkafitr gebruuck det 
wartet in den rordergmnd. kampfessehUderungn gewinnen an 
eindringlichn Wirkung, wenn durch den emstktmff freuMdetkaps- 
oder veiwandtschaflibande serrisun werden, daher liehen et die 
mitleiaUerlichen dichter ihre darstellung mit der nenkkerumg »m 
beleben ^ dast alte geralerschafl durch den kamff uufgehchem 
wird, oder dasz sich die kämpfer ohne an geraterscbafl gebunden 
tu sein, gegenüber treten, vgl. oben geTüttern )) a. 

1)) wflrde genomen eia tarnet 

von den ottcrherren uf dat lant; 
da wflrda gaTaiertchan leiraat. 
«o lieh die poinder naehten 
und nach gewinne daehten. 

Wia!<T T. Gi)*ra!<8Baa, Vfigaltit MM. 

ai »olden ijottieren. 

dort mit rotten punkren. 

»i geloubtan tieb dar »lieh« 

die man ballet n-iwendra »liebet 

bainileb gevateraebaft 

wart d* teftoort mit torna» kraft. 

WoLfaAi Nrtt9»l :1t. 7. 

dai rou«ie wol gerallen. den dit da In gearenga mabiM w«#«. 
(i Irret niht die »or»a an mWaegrifen. , . ■ _^ 

iadoch aln alt gevateracbafl tur glaae alaam l« Mluer •••■• 

rifen. 
/taf. IWarW im (»«*•). 

die wll dar kaoie d« lae 
mit dar ber«« kraft. 
d4 wart dia gevateracbafl 
twiteiien den Tint<cb«« eairaai. 
und dl« dar knnic vo« Uagerlael 
mit im dar hat« kriku 
twar dea andara tkanaalM 
dar lei Im Mhaaaa aB4» Mk . ^ ^ ._ ., 
OneBaa M«m4t*. rttmeknalm IWM 
{SermUlerl. 

Stt dat Tiar at «M kalmea laat 

laiBlaaM all kMka dat «•• rat. 
Slakarbell 4a ateaaaa bat. 

4a «aa aehala gavateracbaft. , . 

Wiaat V. «aAvaaaaaa RVaMt 



4675 



GEVATTERSCHAFT 



GEVATTERSCHAFT 



4676 



von Kizzingen ein turnei 
het unböhe aldä gewegn: 
man muoses dort anders pflegn 
mit den ekken bluotrar. 
ze bdder sit die beide gar 
ans gevaterscbaft da sint. 

Wolfram Willehalm 3S6, 1. 

y) es treten auch rcchtsfragen auf, die auf das gevatterver- 
hällnisz bezug nehmen: von kindern, di in gevalterschaft sint 
geboren {wo die frau vor der ehe die gevatterin ihres späteren 
mannes gewesen). Magdeburger fragen \\&. Behbknd; nach der 
aufsatzung der heiligen väter ist gewonbcit, wan czwai menscli 
zu einander in di beilige chonscbaft tretten wellen, das 
scholl mau melden drei suntag nach einander, ob das wer, 
das zwiescben den zwaien leuten eine irrung wer, es wer 
von freunlschafl wegen oder von gevalterschaft oder welcherlai 
das wer, do mit binfür di beilige chonscbaft inocbt gestört 
werden, priesterliche eheverlöhiiisformel aus Graz. Germania 22,4;n ; 
anno domini 1423 sind die ratismeistere von dren refen unde 
der siezende rad ein wurden, daz kein wip geczuge mach, 
geczug sin sal in icheinen Sachen, sundern die e, die touffe 
unde gevatterschafft. Johann Friedrich's des groszmüthigen stadl- 
oidnung für Jena s. 61, viii. ed. Michelsen. 

b) aus der neuhochdeutschen pcriode. 

n) als der gevattern gewohnheit ist sein gevatterin zu haus 
sehen gieng die do als ein schöne fraw was als man in tausent 
liete eine finden miigcn, und wie noch er ir gevatter was, 
doch das darumb nicht ansähe alle gevatterschaft czeruck 
liget und von ganczem freien willen zu ir in liebe enczündet. 
Vekameron 462. Keller; 

nun kiimet paid mir zQm wein, 
da wöll wir wider richten ein 
eur gfatetsohart auT dieses mal, 
freuntscliaft und gselschai't uberal. 

H. Sachs die zwen geinttern 315 (neudruck). 

item es sol auch der schullhoisz mit den zwölffen einen 
ernstlichen eidl zu gott tbun, dusz sie wollen urtheilen und 
recht sprechen, dem armen als dem reichen, dem reichen 
als dem armen, dem grossen als dem kleinen, und nicht 
gedcncken freundlschafft, Sippschaft, gefatterschafft. Ueuther 
v. Speier kriegsordnung (1594) 36. 

ß) die reformationsbewegung richtete sich vor allem auch gegen 
die feslsetzungen des kanonischen rechtes, die die gevatterschaft 
zum ehehindernisz gestempelt hatten: kein bindernüsi soll an 
der ee sein von wegen der gevatterscbafft, was im gsatz 
Molsi nit hindert die ee, soll si unsz auch nit hindern. 
Eberlin V. GüNzuuRG 10. bundesgeuosz (neudruvk s, 113); dar- 
nach hat der bapst noch eins erdacht, wen man gefatterschaft 
anrichtet, so darf die gfatter die ballen nicht zcu der ehe 
nemen. si sagen : es kumet do das sacrament darczwischen, 
ist do ein geistlich fruntschafft, sein geistlich valter und 
mutter, bruder und Schwester, luther predigten {\. jan. 1521) 
9,542; zum neuntzehenden, das die grad odder gelid wurden 
geendert, in wiichen der ehlich stand wirt vorpotten, als da 
sein gevalterschaften, der vierd und dritte grad, das wo der 
bapst zu Rom drinnen mag dispensieren umbs gelt, unnd 
schendlichen vorkcufft, das auch daselbs, mug ein iglicher 
pfarrer dispensieren, umb sonst unnd der seelen selickeit. 
Luther an den christlichen adel (l520) neudruck s. 53; denn 
so das sacrament der tauff sollt hindernusze bringen müste 
kain christenman , ain christenweib nemen, seit mal alle 
geteuffte weiber, aller getaufften menner, gaistlicbe schwesler, 
sind, als die ainerlai sacrament, gaist, glaube, gaistlicbe 
gaben und gütter haben, damit sie vil neher im gaist freund 
werden, denn durch euszerlich gefatterschafft. wilche person 
verpoten sind zu eelichen (1522) Aij'; ich wil wider zu dem 
artickel der gefatterschafft kommen , und mein mainung 
datzu sagen , die ich vorhin auch habe lassen auszgeen. 
Auffs erst, zur ee zu greiffen, soll man weder gefatterschaft 
noch pattschaft ansehen , auch weder bapst noch bischoff 
drumb ansuchen, sonder frei dahin nemen ain patt den 
andern, ain gcfalter den andern, und der patt den gefattern 
und widerumb. Luther sendbrief an Jhan von Schleinitz. Aiij' 
(1523); gevatterschaft trennt die ehe. Fischart titenen&orii (1581) 
I.i4\ 

y) die Wörterbücher verzeichnen alle das wort in der allgemeinen 
und umfassenden bedeutung. gevatterschaft patricin. vocab. 
incipiens teut.; gevatterschaft compaternitatem ; vgl. zsch. gesch. 
Oberrheins 3,140; gevatterschaft compaternitas. Hcpfuff 93; 
gevattcrscliuft lustrica cognatio, initialis necessitudo, propinquitas 



in baptismo conlracta, vulgo eompatratus. Heniscii 1417; com- 
paratico. Hülsios (Uiis) 135; le comparage, necessitudo lustrica. 
dictionaire du voyag. 144; necessitudo lustrica. Dentzler (l677) 
116; comperage. Duez. franz. gram. (1695) 207 ; initialis vel 
lustrica necessitudo. P'risius (1700) 112); godfathership or god- 
mothership. teutsch-engl. wb. (1716) 766; gevatterschaft gevader- 
schap RitAMER 2,133'; comperage. Rondeaü-buxtorff 253; vgl. 
Adelung 2, 61S. 

S) in dieser umfassenden Verwendung macht sich vielfach die 
bedeutung von gtiVültcr = am\c»s geltend: der Carmeliten ge- 
mahelscbafft und gefatterschafft mit Maria ist inen ein schirm, 
ob sie schon weder in küscbeit, noch armut, noch demut, 
noch weit Verachtung nach volgen Marie, saf;en si doch, 
Maria und si sind geschwisteiige kindt. Eberlin v. Gü.nzburg 
14. bundesgenosz (neudruck s. 160); so wir dan nun eine 
merkliche zeit her einander nit anders, als inn aller Ver- 
traulichkeit, liebe und freundschaft erkant haben, will ich 
. . . solche durch unaufhörlichen freundlichen willen und 
treue gevatterschaft bestätigen und fortsetzen. Fischart 
chezuchtbüchlcin. Hauffen 3,124; gevatterschaft, gespielschaft 
(die verleutschte Arcadia des herrn Philippi Sidner). Schottel 
SSo'; ein armer edelman, so . . . oft und manchesmal mit 
einer milchsuppen an statt desz fleisches, und an statt 
desz weins mit einem kletzenmost verlieb nehmen, auch mit 
denen ochsen, kühen und dero Säuglingen kälber, dero exe- 
cutions und groszherrn vattern (nach platz), darunier der 
stier begriffen, item denen nächsten collateral-befreundten, 
als bocken, rocken, schafen, äffen und gaffen, säuen frauen 
und Schweinen, sChwäger- und gevatterschaft machen rausz. 
Abele k. Unordnung 3 (lüTl) vorrede s"; unsern kerkerlüsternen 
hätte gewisz Wenzel der gevatterschaft gewürdigt, und Lud- 
wig XI dem läcbler und dem weiner zum aushelfer erkoren, 
F. L. Jaun 2, 836, vgl. sp. 4651. 

und sage ihm, 

du seist des sandwirts Ilofer arme waise; 
der vater aber lasz' ihn bitten, dasz 
um alte freundsohart und gevatterschaft 
er deiner walten möge, als ein vormund. 

Immermann trauerspiel in Tyrol (5,7). 

s) in diesen bedeutungserweiterungen lebt das worl vor allem 
im Sprichwort; 

1)) kuche über den zäun, kuche erwidder, bellt gute ge- 
fatterschaft steht in Luthers handschriftlicher sprichwörtersamm- 
lung; vgl. werke 5,182 Weimar; vgl. oben gevalter über den 
zäun, sp. 4ß49. 

2)) wenn das kind todt ist, so ist die gevatterschaft ans. 
Hemscu 1418; lieber mensch, lass die gevatterschaft nit grad 
aus sein, wenn das kind (wie man spricht) tod ist. es 
heisse nit: ab äugen, ab herze. F. Wvsz (I601)) ; vgl. Schweiz. 
i'Jiotikon 1,1129; das kind ist gestorben, die gevatterschaft 
ist aus. Abraham a S. Clara Lauberhütt 1,421; das kind ist 
lod: die gevatterschaft bat ein end, contemnunt spinas cum 
cecidere rosae, Bayer (173:!) 289; sprtchw. wenn das kind todt 
ist, so hat die gevatterschafft ein end, ßlio mortuo putris 
lustrici affectus expirat. Kirsch com. 2, 150*, fehlt in den späteren 
ausgaben; die gevatterschaft hat ein ende, tesscra hospitulitatis, 
familiaritatis confracta est. Serz teulsche idiotismen 54*. wenn 
't kind dod is, is de vaddeiscbopp ut: die Verpflichtung hebt 
der tod. SciitJTZE holstein. idiolikon 4, 294. 

2) in annäherung an ein nomen actionis wird die sonderbe- 
deulung des pßichtenkreises vorgeschoben, der sich an das ver- 
hältnisz knüpft , gevatterschaft, gevattcramt, ausübung der ge- 
vatterpflichten. 

0) die ältesten beispiele gehören den rechtsordnungen an, die 
den aufwand bei kindstaufen bekämpfen, hier zeigt sich die neue 
bedeutung in ihren ersten anfangen: 

«) wer ain gevatterschaft bat, der sol datz (da zu) dem 
wein nicht mehr geben, dann zwelf pfenning seinen ge- 
vattern, und wer bei im ist; und sünst weder frau noch 
man sullen cbainein gotteit mar geben dann zwelf pfenning, 
oder der stat ain halb pfund pfenning. das stadtrecht von 
München, art. 429. umb gevatterschaft Aueü. es sol och ze 
wihennechten nieman dem andern senden dehainerlaie ding, 
als widersenden, von deliainer gevatterschaft wegen und wer 
diser vorgeschribnen ding dehaines brichet der git j ^, unser 
phenning ze biisze als dik es beschiht. stadtbuch von Schaff- 
hausen, (ii. jahrh.) Alemannia 5,218. 

ß) auch in ausgabenverzeichnissen und in kostenberechnungen 
gewinnt das wort frühe diese bedeutung: item gefaterscliaft, 



4677 



GEVATTERSCHAFT 



zw onfern, zw peicbten unnd cxu aller R«Uiliclten ordouDg 
3/^.9. aufzeieltnungen eintr Wuntr handichhfl dts U. jakr- 
hunätrt$: 'was em man und »ein wuib und <lirn zu Pmisu 
oin jar beduifTeu.' anitiger für kunät der dtuUcheit ttwuU 7, 
11. f. Mi. 

b) rnchlicktr und ma*nigfuUtg4r und dit Mtft «M dtr *t%- 
hochdtuUehin jurioä«, 

a) livi betteltig dir dein ebr lieber auo, d«t weioacbencken 
aUbt dir wul an, daa dui lang mit frrudcn ireibtl, wie dai 
kindbeben zur geviittcracbaOTl. FiicHiar Gargantua {ne%druek) 
14«. da wur rin vornebmer bolTralli mit am titcbe, wclcber 
•ich der ferien zu cebraurhrn, etliche meilcn von da auf 
eine gevattencbaft begclirn wollte. VVitui die drei irytttn 
trznarren {ntudiuck) IHI; wa« die gevatlertchaft betrifft, 10 
weiiz ich nirbt recht wuh ich dazu aagen sull, wenn ich 
auch gleich dabei ihre freundlichen gesinnungeo nicht v«r> 
kenne. GUthb biuft i&, ^0. 

(«valiertcbari U e ehr' 
macbl ab«r den beuiel leer. 

TiNOLAO iprich»Arttr ileuiieh-jMiieher 
vorteil, tgl. Wanobb 1, t64S. 

ß) die vfr(<rftOe/i«r nehmen nur langsam von der neuen 
Meutung notis: gwulterscbart imtialts nrussiludo, officium 
tponsorit WtiBtaknn (1713) \M' ; zu gevatlerschaft bitten ad 
officium inittal« tocare KmiCH com. 1, IM)' [fehlt in den tpA- 
teren ausgaben); gevatterscbaft the circumstance of being Sponsor 
(0 a ehilä and this rrlation io the fHirtnts etc. Hilpkbt II, 1,461. 
das ist meine erste gevatlerstliaft thal is the (int fime Ihav« 
stood godfather vr godmother. cbtiida. 

e) bestimmte gebrauchsformen sind in erster Unit mit dieser 
bcdtutung Vfiknüjift. 

n) der piural, der sonst nur einmal bei LuriiER belegt ist 
{vgl. sp. 4'm5): Mindensche poÜ/eiurdaung, wie es mit klii- 
diiDgcn, veriubnissen, burb/ciicii, kindtaiifvn, gevattcischnfti-n 
und bngrüliniüsen zu hallen. Mikdkn 1034 (>fi I'. Wie iNodeni; - 
vüidije beitrage (ISis) '23i; zur einschrUnlcuDg des groszrn 
aufwandes bei kindluufen und gevatterschaften ist in unsenn 
neuesten gesetz (8. drz. i;S5) verordnet. SiEBüNKKhS matn-taiiVii 
sur Nürnbergisehcu geschichte 1,226; gevatterschaften, hoch- 
zeitsschmause , Icicbenuiahle waren vornehmlich in reichs- 
slädtcn piivilegirte vchikel, licbscbaften anzuspinnen und 
chetraktate zu betreiben. MusÄus Volksmärchen 1, 52 Hempel, 

ß) der objektsaccusativ neben bestimmten verbis: gevatter- 
scbaft anrichten aus [.uriiün r^i. tp. 4075; die gevatter- 
scbaft abschlagen, teulsch-engl. «b. (1710) 766; eine gevatter- 
•chaft abschlagen, Ubrrnehincn, annehmen. Schwan (I8lt) 
4396; und lüszt gdtt es zu, nimmt er die gevatterscbaft an, 
•0 weisz niemand, für was das gut ist; vielleicht, dasz 
t* ilagclhans berumfühit und zum frieden bringt. GoTTBKLr 
Uli der pdchter eap. 6. 

3) das sammeltcort für die an dem gevatterverhältnist oder der 
handlang betlieilijtcn personen, vgl. gevatterei, gevalterleute, 
gevütterte. 

a) der ältrste bvleg liegt schon aus dem 13. jahrh. vor, er 
steht jedoch vereinielt : so ir vi! gevatern habet unde sb ir 
iuch danne gefriunden seit mit iuweim kinde, s6 uiac ez 
ein gevaterschafl irren, daz ez iu iemer schadet an iuwerm 
kinde und kflnncl ez halt oiemer s6 wol bestaten als ir hie 
getAn hivtet, unde milezet ez elwennc verre von iu geben in 
ein ander gegene oder in ein ander lunt: alles von gevater- 
schafl. UbrTHOLD T. BKGEriSBURG 1,33. 

b) aus späterer uit ist die mundartlieht ftrwendung bezeugt : 
g'futterschaft oder g'faterlQt. HunzikkR i4ar;auer rt. 104. noch 
ehe der zweite Icheuzin.-t gegeben werden sollte, erhielt 
Vrencli das zweite kind, und diesmal einen munteren 
buhen . . die gevatterscbaft gab auch diesmal viel redens . . 
CS handelte sich absonderlich um die beiden paten, die palin 
ward einhellig erwSblt in der schmiedin. Gottuklf Vli der 
Pächter cap. li); aber strenge sei es doch, dachte das Weibchen, 
dasx es an keiner gevatterscbaft so eine rechte vollständige 
freude haben solle. r(/ndor<; Ich htV doch, er halt' schon 
frQlier a oefteo all's drang'setzt, und nie mehr stimmen wie 
von seiner g'vatterschafl g'habt wie is denn dOs hilzt 
anderschtl wirt: jo, d" g'valtersrhalt is mittlerwcil' unver- 
sehens gröszer word'n. Anzkhcrubkr stahl und stein l, t {ges, 
»eike 8, l2Ji). 

c) do>h auch der seliriflmästige gebrauch ist neuerdings be- 
legt: er hatte auf der stelle weg, wo das hiuaua tielte, 

IV. 



GEVATTERSCHAFT— GEVATTEB$CHIfüPm]C114678 

zumal er ao dein»clb«n nclwÜUi ia JSaMi« ait 4«r f». 

vattcrschafl vom »cblosz luaamneo getroffen. E. MOaisg 
(notellen) 3, IM»; ja ein sehr trgicbigcr pflaumeitbauia , der 
nicht nur uns selbst, soudeio uo«.li ubeodretn des halbcu 
ort und wcnifsieot uDser« tiealtch wettlaofige ftvsttcfacluft 
IU vertorgeo pflegte, «rar sogar ua d«a rakktlea s^otr Asi« 
gekxmuten. Hibbrl {metmt ktmUuiti 9^, i^l; ilMiburf. 4m 
uu» BUkzerürdeiitlicb gefAili, tat io dr« tafeo abgenucht 9a4 
in llerlin nag ich such okht lAM*r bUibea um den ltl«r»> 
riechen nevatlertcbsfU« aoiUWtklMa. GauLrAt/ia («■ iMlb«- 
nna Fiöhlich 19. stpL 1K47): eioeo btMOdara «urMbaHai kM» 
die Leipziger allgemeine lettung seit eiaigea ahfiul«« §ß- 

nomine da» bluU nahm ... eine sebr tat^biedfo« hai- 

tuug an ; es behielt sein« fall« von Dcuigkeilrii ui.d fa* 
rUchlen bei und blieb dadurcb nocb immer das cigeotJicto 
lieblingiblall der iibaralea ftiaUaraabad. Paon i« ftkre 
3, SS9; um gewählt tu «crdea bei daa diractes wabirrcbl«, 
musz man in weiteren kreisen eia bedeutenderes aosebea 
haben, weil das gewicht der localen gevatterscbaft bei 
dem wählen nicht so zur bebung kommt io den auigedcbotea 
kreisen, auf die es bei dirccter wabl aokumuiu bMiABCi 
reden 3, 350. 

4) gant vereinuU ist d*$ eindringen iit mmttt im iit «aiar 
gevatter (ip. 4061/f.) besprochenen formet»: 

a) tu gevatterscbaft bitten. Kiaacu com. 3, IM*. 

b) meine grosse bibel und alles waa bei nir oicU allta 
mangelhaft, steht, wie ein puracha sagt, Jetit aor gavalier- 

achafU PlCAHOBB (1733) 1, »05. 

GEVATTEHSCHAKT-IIA.NDWKRKSI.ADE, f.: in beut« dar 
ladenvater oder die gevatterscbaft • bandwerksiade lo aMia 
Diogenea-fast einkriecbt, so bitte ich viersizzig, oder lo «aaa 
original mit drei kopieen, oder in einer besseren roelapbar 
ala aonne mit den nächsten drei planelen, oder ohne all« 
metaphcr mit ihren kindrrn in meinen borst und grftnes ge- 
wOlb« tu «eben, wo heute mehr gaste als mObla« aiad. 
Jban Paul ((ir Herold 8. januar \;v>) Utt. nnchUts 4, XU. 

GEVATTKttSCIllN, /., mUtei- und nttderdtiUuMt nehenfmm 
tu gevatterin, epi. gevattar (tp. 4661. 4663) und gevalterfrau 
(sp. 460&): e«ai«aler gevadersche fimma franumai (A'Ma 
1507). DiKriHBACH 135*: ich hab euern brief, liebe frao 
doctorin und gevatterschin gelesen. Lotibb briefe (an i. Jonas 
hausfrau 3t. oprii 1530) 4, 3; ist aber sein gescbwatt keia 
tüdelde tAd oder gevatterschen plaudern, sondern mit aller 
hofflichkeit bitten und begehren, aut p«» bi bi bt ät, pum 
piim pum . . gedruckt tu Boxlehut in dtr vätdaiAAiM, ias jaAr ICM. 
vgl, vaddersch ScbOtzb holslem. idiotik. 4,394. 

GEVATTEltSCHMAUS, »., fna so frühe belegt, mit der tmtiU 
tlieü des kompositums (s. scbmaua Iheil 9, 956) ; kindlaaf - fiar 
gevatterschmaus, lustrieum. SruLaa 1^69; gevattcreaaco, oder, 
schmaust heisset diejenige gasterei oder roahlteit, ao der 
kindtanffen vaier . . denen gevattern . . statt de« graiiala g>ebct, 
und selbige darbei ansehnlich bewirtbeU A«ABA\THta frtutm- 
ttmmerlexikon (1715) 6«0; 

darsur lass auch in lior ua4 haus« 

die freude voll und aCicbllg *«ia, 

und lade tum («vatter-scbaiauM 

die aurgertuiaiaa brOdtr «ia. Glimua (int) llMl 

(da unter kitiit und maatrer Wül 

die wttt ä** rrU* mal ItHrill.}; 

still doch aliei »asckaiaall 
spart eure piediat iura gevaiiersckaiau: 
hier brauchen wir st« akfel. 

Squaeai Jiaiii msd JalM III. K 
(mller fmr frmwilt tmt • >««i tpt taaU 

ein gevatierschmaus, «■ repo* mt Hftl dt btptM f . Scawaa 
(1782) 740: gevattcrscbmauat, a tkmUmtnf feeuL Laaa« aO{ 
HiLPiar II, 1. 161. 

GEVATTtHSCHNACK, g«Tatt«rascbaack. ai gcvaticradMMtk, 
le eaquH itt tt mm ir et . Sc8waR(iaii) 43»: geraUcrscbaack, Ae 
prettir «f f s si s pa. Hiltibt II, I, «61: dte« form g«TaU«fi|- 
scboack ; wenn das frauentiouacr . . «isa 
bAlt .. da must bald bOrger aad rath» 
bald diese oder jene witib« Ober ihr« aaaga 
rergL vadderoaoacfc , oaafttaae fMlacka ScaCna 

uttoL 4,395. 

GEVATTERSCHMPmai, • .• gevitiar. 
beiaset dasjeoifa »choopffluch oder thchltia, •• aia Jaag |»> 
seile an etlichen ortco, voa 4«r jaaffar, mH *«lclMr «r 
Bogleicb gcvaticr gestoadco. aha aach das ervt« frnchi« 
Uaochiret wicd, ta fad«ra hal: ar ■■« aalUpa aach aw 

SM 



4679 GEVATTERSTAND— GEVÄTTERTE 

Zergliederung und zerschneidung der speisen einfodern, denn 
wo er selbiges mit stillscliweigen übergehet, oder vergiszt, 
wird ihm selbiges nachher von der Schuldnerin disputirlich 
gemacht. Amaba.nthes frauenzimmerlexikon (1715) 667. 

GEVATTERSTAND, m., substantivbildung »u gevatter stehen 
(s.d.)* nie hatte sie bei einer judentaufe gevatter gestanden, 
obgleich sie gern bei christenijindern dieses pathenamt über- 
nahm, sie drängte sich recht lu gevatterständen. Hippel 
lebensläufe 4,94; an hohen fest- oder sonnt;igen, in der 
kirche, bei gevatterständen und zumschemelführen (trau- 
leiten) paradirl der spiesz und stadtbürger im bratenroclc. 
Schütze holstein. idiotik. 1, 146. 

GEVATTERSTEHEN, n., substantivierter infinitiv : aus dieser 
Ursache ist das gevatterstehen der kinder sehr unschicklich. 
KbCnitz 18, 45. vgl. sp. 4659. 

GEVATTERSTELLE,/:: hernach mag etwa Göschen, wenn 
er sich einzulaszen lust hat, gevatterstelle vertreten dusz wir 
mit dem mechanischen der ausgäbe, sie geschehe nun wie 
sie wolle, nichts zu tliun haben. Göthe briefe 8,243. 

GEVATTERSTÜCK, n. erscheint in zwei hauptverwendumjen. 
1) mü sinnlicher grundbedeutung des zweiten kompositions- 
theils: gevatterslücke ist entweder ein mit vielen confituren 
und candirten zierralhen ausgeputzer marcipan, mandel- oder 
krafft dorte, oder auff vielerlei art schmackbar und wohl 
gebackener kuchen, so den gevaltern nach vollbrachter taufife, 
vor ihre gehabte bemühung in das hausz nebenst etlichen 
Pfannkuchen geschickt wird. Ahabanthes frauenzimmerlexikon 
(1715) 667. vgl. auch oben gevalteressen. zugleicben sollen 
{hei kindtaufen) auch alle zuckerbilder, muszken und gevatter- 
stücke, woferne gespeiset wird, ebenmässig gäntzlichen hier- 
mit abgeschafifet sein, kursächs. poliieiordnungen (1i. juni l(i6l) 
titel XVII 2. Verordnungen des Leipziger rathes «enden sich 
im jähr 1701 gegen die marzipanschmausereien bei taufen, es 
sollte entweder ein marzipan oder ein kuchen zum 'gevatter- 
stück' gegeben werden dürfen, der marzipan sollte jedoch auch 
bei den vornehmsten nicht über zwei, der kuchen nicht über einen 
thaler kosten, gevatterstück p/HÄgi/^, pe«<s<ucL Khamer 133'; ge- 
vatterstück bateme. Rondeau-Buxtorff 253; gevatterstück, n. 
present sent to the inlended godfathers and godmuthers before 
the christenings. FAHRENKRiJcER 325. ebenso Hilpert U, 1, 461. 

2) mit übertragener bedeutung : gevatterstück a friendltj turne 
or Office done lo a person, that has stood godfather etc. Hilpert 
II, 1, 461. das ist kein gevatterstück, e'est un vilain tour que 
vous me jouez li. Schwan (1811) 439; das ist ein gevatter- 
stück, gevatterstückchen , that's an ugly trick. Hilpert II, 
1,461. 

GEVÄTTERTE, f., kollektivbildung lu gevatter {vgl. Wilmanns 
d. gr. II § 264), vgl. gölide (s. d.) ; in der mittelhochdeutschen periode 
aus oberdeutschen quellen vielfach belegt, schränkt es sich in der 
neuhochdeutschen zeit allmählich mehr auf die schweizerische 
mundart ein, in der es noch heute fortlebt, mittelhochd. geveterde 
s. mhd. uib. 3, 280'. Lexer 1,961'. neuere belege bei Schbklleb 
1^, 850. Schweiz, idiotikon 1, 1129. 

l) und ir sult sie nihl ze lange ungetoufet län: alse sie 
geborn werden, s6 sult ir sie toufen. ir sult weder 6touf 
biten noch gevetriden {nicht auf die feierliche taufe warten noch 
auf die erwünschten taufzeugen), weder diz noch daz. Bebthold 
V. Regenshurg 1, 127; unde siniu {des pulhenkindes deiner frau) 
gevetride sint als wol diniu gevetride als sine unde dCl mäht 
niemer deheine 6 mit im gewinnen. 1,314; was ein band ge- 
luot, das hat die ander getan, also stßt es umb zwei ge- 
mechte. ist Jens enhalb mers, und hebt das ander dishalb 
ein kind: Jens ist als6 wol sin geistlicher vatter als das es 
da huob; und des kindes vatter und mutter sind als wol 
sine gevettrid als des kind er selb erhaben hat. Schwaben- 
spiegel, herausg. von Wackernagd 345, 114; von unkiuschekeit 
koment drizehen 8iunde...du zwelftiu heizit unkiuschekeit 
began mit e liuten, oder mit gesipiden, oder mit gevetirden, 
oder mit goetiden, oder megeden, oder mit wittewen, oder 
mit geistlichen liuten. bihtebuch, herausg. von Oberlin, Strasz- 
burgllBi, ».35; 

dö wart Hugdtetrich der gevateren also fro: 
bi ietweder hende gevie er einen dö. 

Wolfäietrick (B, 1) 221 Jänicite; Varianten: 

gevatreit, gevatherit (do ward Haugdieterich der gevätterit 
vil fro vgl. zeitschr. d. a. 4, 42G). 

2) man sol aim kind nit mer dann ein gefatreid haben ; 
dasselbig soi dem kind über 12 dn. nit einbinden; zu der 



GEVATTERWEIN— GEVIECH 



4680 



kindtaufe sollen mit dem gefatreid nit mer geen dann 4 mann 
und 4 frawen. Münchner handschr. wpj. Sciimellkr i**, 8»0; und 
nachdem ain pot was neulich gangen von pischolf Sixlen 
von Freising das man nun ain gefäterten zu dem kind heben 
haben soll, so schickt Albrcclit iv. (1496) hinab zu dem 
pischolf umb erlauben das sein gnad albei mecht zu einem 
kind drew gefötert nemen. ebenda, ebenso noch zahlreiche 
belege aus bairischen quellen. 



3) 



Ir gefätierte, nun nemmends kind. 

ÜABKRKR Abraham 1592 E6* 



üch fürgeliebten grossen fründen, eid und puntsgenossen und 
guoten gevälterde. IbiS abschied ; fürohin soll keiner mfir ge- 
fäderden dann 2 anstellen zuo aim kint. aus 1550 {Obwalden). 
ebenso belege aus 1580 (Entlibuch), 1628 {Berner mandate); es 
sei keine abstufung der strafe für fleischliche vergehungen 
zwischen blutsverwandten, verschwägerten, gevätterten. 1032 
abschied, u.a. Schweiz, idiotikon 1,1129; g'vätterti g'winnen 
{Graubünden. Chur). den fenfbätzer, wo d' ching öppe von 
den g'vätterti uberchommen. {Emmenlhal) ebendort. 

GEVATTERWEIN, m. gevatterwein, gevatterwein, le vin 
de commire. Schwan (1782) 740. christening wine, godfatherwine. 
Faiirenkrüger 326. 

GEVATTERWESEN, n.: bei allen kleinen angelegenheiten, 
bei allen schlechten geschichten, eitlen Vergnügungen und 
dummheiten, bei allem gevatter- und geschnatterwesen be- 
fleissigt man sich der gröszten Pünktlichkeit; aber alle vier 
jähre ein mal sich pünktlich und vollzählig zu einer Wahl- 
handlung einzufinden ... das soll langweilig, unausstehlich 
und lacherlich sein! G.Keller {leute von Seldwyla) 4,204. 

GEVETTER , m., ableitung von vetter (s. d.). das wort ist 
nur im plural belegt und wird apposilionell an personen ange- 
lehnt, die als nahe verwandt bezeichnet werden, zur bildung 
vgl. das angelsächsische gefädere vetter. Leo 23; mittelnieder- 
deutsch geveddere. Schiller-Lürbbn 2,32. die deutschen belege 
reichen in das li. jahrh. zurück: wir Wilhelm und Albrechl 
von gottes gnaden, gevettere herzog zu Oestei reich u. s. w. 
aus 1396 bei Huber. Austr. ex archivo Mellicensi 9t. Frisch 2, 400. 
Stellung und gebrauch sind hier dieselben, wie sie üben {sp. 1875) 
für gebrüder beobachtet wurden, das worl wird meist nachge- 
stellt: darum haben sie hertzog Berndt von Sachsen und 
Wartislaff und Barnim der junger, geveltern, vertragen im 
velde zu Cummerow. Kantzow chronik von Pommern 2Sü u. ü. 
vereinzelt findet sich auch die vorausslellung : aus der von den 
gebrüderen und gevetteren Ernst, Eberhard Chunradt, Herman 
Adolph, Hanns George und Otto grafen zu Sohns unterm 
1. novembris anno 1583 ergangenen erklärung. Klingneb dorfr. 
3, 323. wie gebrüder geht auch gevetter vom urkundenverkehr 
der vornehmen in den geschäftsverkehr des bürgerstandes über, 
so steht unter der Frankfurter ausgäbe von Aventins chronik von 
1580 gedruckt zu Francfort am Mayn durch Johann und Sig- 
mund Feyerabendt, gevetlern. in solchen geschäftsformeln scheint 
dies wort, das im allgemeinen ausstarb, sich noch länger erhalten 
zu haben, eine mehr litterarische auffrischung ist aus Immehmann 
zu belegen: keineswegs versetzte der rechtsgelehrte: indem 
man jene abgekommnen ansprüche herstellte, ging man, 
wenigstens hiesigen landes, nicht so weit, auch die Verbin- 
dung zwischen lehnsherrn und vasallen aufs neue erstehen 
zu lassen, nur die persönlichen rechle der gevettern {agnaten) 
sind restaurirt. {epigonen II, 3. cap.) werke 5, 93. 

alt bin ich: bald kommt die stunde, 
wo der Terne lehngevetter 
pflaazen wird auf diese mauer, 
ach, sein Wappenschild, das fremde. 

IniiBRiiANN Tuliläntchen 1,1 {werke 12 s. 17). 

GEVERT, GEVERTE, n., vgl. geführte, oben sp. 2089. ebenso 
gevelle unter gefäll, gevider unter gefieder u. o. 

GEVIECH, collectiv zu vieh {s. d.) mundartliche bildung, die 
noch heute aus Österreich und aus Schlesien belegt ist. 

1) die schlesische bildung beschränkt sich auf die kollectivbil- 
dung mittelst des präßxes : siches schines gevieche. Weinhold 
beitrage zu einem schles. wb. 102. 

2) in der österreichischen mundart ist schon frühe die vollere 
bildung mit dem beliebten suffix bezeugt: gevihede, geviecht; 

das federspil hat sör verzagt, 

die adler, falcken, häbich, späaber smieren 

. . . des Wirt vil manig edl gevieclit 

von ainer groben gans ze töd geslagen. 

0. V. Wolkenstein 18,2,5. Weber, 



4681 



GEVIELT— GEVIERE 



CEVIEHT 



4683 



ebenso alknorUeh eiW gMecht der kristcnlialt IH, 4, 1. aut der 
heutigen mundart (StelzliuiiMncr 102) beleiß Schmüllkr I*, HSe 
die formen ß'vililiat, g'vigat. 

I>KVIELT, parlicipialet adjtktiv, fertimelU vtrhalabkitung n 
viel (i. d.) 

bt»> Plaalui aliar bäum 

wlodsr klimm in ertiaa raun, 

da» «r mit Kovialian iwalgan 

miiK« bisz zun iternen stelgan, 

ila<i er uniar Innd bebreita 

Ulli da»! tchaiAn« grüner weita. LooiO 1,1, S. 

r.EVIEHK, GEVIKK, n. subslanlivnbleitmg xu vier (i. i.). 
während in der heuligen spräche für den begriff des vierecki, 
insbesoiiilert des quadrals, das substantivierte particip geviert 
(f. d.) durchgedrungen ist, hat sich das anfangs allgemeinere ge- 
viere auf die hergmannssprache lurdckgeiogen. besüglich der 
form neigen die altern belege im singular zu dem apokopierten 
pevier, erst seit Auelung (2, 640), der die erste wörlerburhnolit 
beibringt, ist als grundform uHederum geviere festgesetit. 

t) alt xeugnisi für eine allgemeinere Verwendung des »ortet 
tst SU betracJiten: die gemeinen proliir-uercn , darinnen <lle 
ölten die gemeine proben probirt haben , die sein also ge- 
macht worden: sie haben von starckem eisern blech ein 
gelier lassen zusammen niai hcn, welches dieses strichs 1,'lngc 
(-.— ) unten belflulTiiK fünfTzehen weit, und sechzehen 
borh gewesen, hat sich von unten aufT bisz oben an, also 
gescbmugeu, dasz das gelier oben dieser Idnge zehen weit 
blieben, und dns gelier hat keinen boden gehabt, son- 
dern vorn nm ofen hat es ein mundloch. L. Ercker probier- 
buch (Frankfurt IU72) S. 8; so man aber an einem orth ist, 
da man keinen probir-orrn haben kon, und gleicbwol in 
einer eil eine prob, oder etliche versucht sollen werden, 
so kan man einen probirofen von Ziegelsteinen, in ein gcvier 
zusammen setzen. Ercker S. 0; nimb die obgesetzte ISng, 
darnach der erste probirofen ausgetheilt ist. und misz in 
gevier eillT lang in die weitte, und in die boh sechzehen 
IdngS. 9; nachmahls werden auch gleich in solcher form 
probirofen gemacht, die auszwendig ins gevier, wie jet/.t ge- 
dachter probirofen formirt. S. to. Frisch (2, 40l') führt aus 
einer spricliwörtersammlung die redensart an: einen um haus, 
hof, ehre und gefler brin;:en, omnibns bonis aliquem privare, 
ejicert a domo et pofsessioiibus habitaculo annexis. die er- 
kldrung ist hier iwar durch die Zwischenstellung des uortes ehre 
mitten unter den vom lat. text geforderten materiellen gutem er- 
schwert, es seheint aber, dasi gevier hier das vieretk bedeutet, 
das den gutshof umschliesxt. man sagt so woll das geviere 
als auch das gevierte dafOr {für quadrat). jenes bat Heynat/., 
dieses ist aber gebrtiuchlicher. Campb (1801) 2, 569V 

2) der bergwerkspraehe gehören an: geziramer in den ge- 
schSchten und gruben: rüsIbHume. sind höltzer so im an- 
fang des Schachts gelegt werden, woranf das gefier gesetzet 
wird. Derward erklarung der fümembsten terminorum und rede- 
arten (1673) 13.; gelier sind die Oberste jöcher im Schacht. 
S 14. (jörhei . . sin höltzer so quer auff die tragstempel geleget 
werden); schrot ist, wo viel geviere auf einander gelegt werden, 
ein geviere aber ist von zwei jOchern und zwei kappen zu- 
samniengemacht. HIJbnrr kunst, nalur-lexikon (noi) 1454; ge- 
fiere auftragen heisst die jöcher und kappen In einander 
legen 707; geviere, ist von zwei jöchern und zwei kappen 
susammen gesetzet; oder es sind die nach abiBnglichter vie- 
rung in einonder geschnittene vier schacht-holtzer, so zur 
auszimmerun;; der schachte gehraucht werden, und wird 
immer eine solche vierung auf die andere, wo es von nöthen, 
geleget, und endlich daraus ein gantzer schrot oder aus- 
gezimmerter Schacht. Minerophilos (1743) 255*; geviere legen 
ist ebensoviel als auftragen, ebendort; gevier {terme dt mine), 
Ut traverses Schwam (1782) 740 {fehlt 1811); gevier a figuri, 
thal contisl of four alike sides and amples or cornert. Ebers 643. 
geviere quadriparlition Hilpert 4()1 ; geviere bei der schacht- 
zimmerung, ein nach der länge und breite des Schachts, 
aus zwei jöchern und zwei kappen bestehendes längliches 
Viereck. HARTMANr« handwb. der mineralogie etc. (IS2.S) t,298; 
aus den gevieren setzt sich die schachtzimmerung zusammen. 
Skrlo leitfaJen sur bergbaukunde (1S69) 237; geviere auftragen, 
jöcher und kappen an ihren ort bringen HAaraAMif a.a,o.; 
ein halbes geviere nennt man: welches nur aus einem joche 
und den zwei kappen besiebet, welche ebenfalls ouf der einen 
Seite mit dem joche zusammengeplattet, mit dem andern 
ende aber in die bahnlöcher gesetzet werdeo. mefuziN /Br 



die bergbaukunde (abdruek det allen iergbüehUint VM tIM) W9. 
Lkmpk; ist bei einem ichachie der eine lange slosz fest, der 
andere gebrach, so ver/immert man nur letzteren und die 
beiden kurzen »tOsse und nennt dies mit halben gevieren ver» 
zimmern. \ViRCKKNS4ca btrgmdnnudut w6. (IMI) 238. 9*r^L 
die tusammtntetiungen: bsupigevier thtil (4,1, «14); ansleck- 
geviere, baspelgeviere , bilfsgeviere, nittelgeviere, schacbt- 
geviere, ibOrstockgeviere bei Vcira dtuttchet btrgwi. t,W. 131. 

GEVIEHT, partieipialei adjekliv tu dem »rst miMkttkdnlKk 
(vgl. mhd. tcb. 3, 308') bele(jten terbum vieren (i. d.), 9fL fßäot 
tp. 2139. die Verwendungen sind mannigfaltig und lu$en fa l#> 
stimmten fällen {vgl. 40S3 ; 1684) dte mugltchketl einer trU4nt»§ 
zu, die über das partieipium von vieren hiaautgretft. ftr it 
partieipiale adjeetiv lasten sieh drei gruppen auftttlUn. im 
mitlelpunkl der einen gruppe steht der tihlbegn/f alt abttrakit 
grosse, für die andere bietet die fliehe, für die dritte dtr kirper 
den Spielraum der bethätigung. ton lateinischen ignonywun 
tteht für die letzten beiden gruppen quadratus, für dit erste 
quaternus {gelegentlich auch quatuor) im vordergrund4. 

I) die mittelhochdeutsche zeit hat die erste grupp* nur ipdrlith 
entwickelt, am reichsten hat sie die dritte auigestaltet. vgl. 
Graff 3,673; mhd. wb. 3,308*. Lexik 3,340. 

a) das älteste beispiel bringt Jen abstrakten zahlbegriff tum Mtu- 
druck: et habetur quadratus, nnde ist er gcflerot. Noticb {Mar- 
eianus Capella) 3, 323' Uattemer. dat gltieh* gilt für iai soAirs- 
rälhsel über dat jähr: 

ein «neller wol gevierter wagen 

der gtt or zweier schiben unl bil lang« her getragen 
iwö unt rOnrzic vrouwen. die tint dar üi geieizet nich ir zai. 
HiiHiAi VC!« Zwiri« li>8, 1 (Hdthr). 

an diesen zahlbegriff knüpfen aueli vertnndungen der köfitthen 
terminologie det mittelaltert an : gevieit ^ mit vier aboea be- 
gabt: 

ichn weit, wes ich ander* jech. 

die Hut wol halp »Int alttervich, 

daz mOelich lernen vinden kan 

einen rebt gevlerten man 

her von einem kbnne. 

SiiraiKD UiLBLiNo («ct. SeemtOer) 8,388. 

du sieh auch auf anderer grundlaije durch Übertragung Ver- 
wendungen entwickeln, die geviert zu einem beliebten beiworl 
der mitteViochdeuttchen epik autyebildel haben, to itt et nicht 
immer möglich, die belege mit bestimmtheit der einen oder andern 
gruppe zutuweisen, vgl. unter c. 

b) in der fidehenausdelinung stehen tieh vierfach und vier» 
getheilt gegenüber. 

a) für das erstere itt lu belegen: 

wir hän mit wirbelt dai vernumo, 
daz kriuce was mit drien drumn. 
»wie mangi dernich gevieret tt, 
da der meide sun unsanfte bl 
was iinz daz sin menniicheit 
durch uns den tdt dar an erteil. 

WoLFMa Willeholm 4A7. 1. 
ß) ßr viergelheilt l&tst sich das folgende btitpiel heranziehen, 
wenn a nicht nach e) y) zu beurtheiün itt: 

nu atuont der schild g«vierel 
nach koetbaeriicbem'iiize 
mit röte und euch mit wtze 
und underbriien swarz unde goli. 
Ko^rao V. WCRzburg (srHci ron Nantkeit SM. 

t) die reichere entwicklung geht von der körperMen «u- 
dehnung in drei dimentionen aus: 

a) mit beziehung auf steine wird namenlUck itr fijnM a ft 
SU sioewei {rund) herausgearbeitet: 

M einer linden er do each 

llgeii einrn breiten itrio 

des lügende Im in iln hert« tckela, 

levieret und niht »inewel 

WiBNT V. GBirinaite WifltU 148«. 

also ruortt «r ti daa . . . 
io ein ti tchoeo« pala« . . 
ai wa* Til wol ceiieret, 
sinwel. nIht geTieret, 
guot undo rfine. 

von edelm marmeUteinr. 

UtaTiAiN T. Aei Bnk 8309. 

Silar dann« Ai iriiea. 
i« sack besander bitea 
ir ba»U aad ir capiiti, 
f«fi«r«i Ba4« aiaewel. 
■it ioubera aieltterlleli darcbfrabea, 
Drr geatamprei und erhakaa, 
lintwara vit und adelar, 
vU asaager band« koaae spar. 

MHitmtsia». Scrtsc*. 

294* 



4683 



GEVIERT 



GEVIERT 



4684 



er hot ein burch von tuche. mit listen sam sie wer vur alle freise 
uf einen hohen velse wo! gevierel. 

swer uzzen was die sehende, der wand ez wer ein mermcl rieh 

gezieret. 
jung. Tilurel 1562. 

Deu stat was mit gevierte stainen, 
mit vil gro^^en und niht chlainen 
umb und umb alumb gegeben 
ze allen seilen, schon und eben 
mit gejierd, mit viel;, darzQ 
paide spat unde frü 
was jeder man, als er mohte 
\on zierd gcwandes, als im tohte. 

Kavi der nroste und die schottischen heiUijcn, 
Bächtold (/. handfclir. im brit. museum 4,30, 

ß) der oben besprochene gegensalz wird auf das ethische ge- 
biet übertragen; lateinische Vorbilder sind hier von einflusz: 

swer mir ist slipfic als ein is 
und mich üf heut in balies wis, 
sinewell ich dem in sinen banden, 
das sol zunstaete nieman au mir anden, 
Sit ich dem getriuwen friunde bin 
einloetic unde wol gevieret. 

Waltber 79,38 Lnchmann. 

ähnlich schon Horaz episteln 1,1,100. vgl. Schönbach zlseh. d. a. 
39,353; vgl. Vierecke bei Thomasin 1856. 

al diu creätiure die der himel hat bedaht 

und dar zuo diu erde treit 

hat niht höher werdekeit 

danne ein reine wip; vor ir ein wol gevieret man 

Neiduabt 50', 108 Heim. 

vgl. dazu ongeviert in: 

üz sinnewellem muote ein man 

zu swem der walgt, von dem so walget er ouch wider dan : 
nü walge hin, nü walge her, eins ungevierten mannes muot! 
Reinhar von Zwetkr erf. iiöt/ie 61,3. 

y) wie sich aus quadratus die bedeutung proportioniert, woJ- 
gefiigt, entwickelte, so konnte auch aus dem ebenmaasz der vier 
seilen eines steines, namentlich eines edelsteins der begriff des 
schmuckes, der zierat hervorgehen. 

der edel do von dannon schiet 
mit tziichten, als dem adel tzam, 
trew, milt, manhait unde schäm 
versigelt in sein bertze was, 
gevieret recht als ein adamas 
was er an allen orten 
mit werchen und mit worteo. 

Suchenwiri t3,l«i2. 

hierin berührt sich geviert mit dem participialen adjektiv zu 
lieren (Lexer 3, 340) : 

vil manic höher palas 

stuont dar inne schöne enbor, 

an dem die louben wären vor 

und der wende müre 

mit golde und mit läsüre 

geverwet und gezieret. 

die steine wol gevieret 

von bilde wären schöne ergraben. 

K. V. IVÖRZBURG Iroj. krieg 17440. 

gevieret gehört, wie oben angedeutet, zu den gern verwendeten 
beslandtheilen des mittelalterlichen Wortschatzes, es bildet nament- 
lich im reim mit gezieret eine beliebte formet der mittelhoch- 
deutschen epik: 

also was daz hüs zerbreit 
mit den turnen; nach ir zai 
8Ö was ir drizic über al 
sus was daz hüs gevieret: 
die tüne gezieret. 

n.v.AüB Erek 7867 vql. 4636 /f. 

ein ieglich man mac wünschen min: 

dem aver min schappel werden sol, 

der muoz vil wol gevieret sin. Winsbekin 16,10. 

S) von dem ebenmäszig behauenen stein, der sich leicht in 
das mauerwerk einfügt, gvhen noch weitere bedeutungen aus, die 
erst in der neuhochdeutschen xeit lebendig werden, der Über- 
gang läszt sich belegen in: 

wann ein bafen durchel Ubchervj) wirt, 
daz verstreicht er so geflert, 
daz ez nieman chiesen kan. 

Teichner in Pfeiffers altd. Übungsbuch Kil. 

nu gedacht der abt, es war ain man, 

der da west der weite laur, 

wie man trieb allen chauf 

wann die andern manich waren nicht poliert, 

DUt auf soleich sach geviert. 

H. YiNTLER die pluemen der tui)ent 3901 Zingerle. 



l) brdeutungsentwieklung in der neuhochdeutschen periode. die 
Wörterbücher lassen nur vereinzelt, die mannigfalligkeit der be- 
deutungen erkennen, sie begnügen sich meist mit der allgemeinslcn 
inhaltsangabe : zu quadratus gnviert in den vocabul. vgl. Diifen- 
BACH475'; geviert, quadratus Henisch 1589; gevierd, quadrato 
HüLsius (1618) 136; geviert, quadratus Dentzler (1677) 116; 
geviert quarrd, quadratus. dictionaire du voyag. (i703) 144. 

«) vielgestaltig sind die Verwendungen, in denen der abstrakte 
zahlbegriff auftritt, es ist hierbei zu beachten, dasz für andere 
Zahlvorstellungen die formen gedritt {sp. 2039), gefünft (sp. 2191), 
gesechst (sp. 4014), gesiebent (sp. 4106), geneunt (sp. 3391) erst 
mit der neuhochdeutschen periode belegt sind, und dasz in diesen 
bildungen kein participiales adjektiv, sondern eher unmittelbare 
ableitung vom Zahlwort vorliegt, daher könnte man den vor- 
liegenden Verwendungskreis auch formell von den anderen bedeu- 
tungsgruppen von geviert {b und e) trennen, dies ist jedoch 
schon deszwegen nicht ratbsam, weil eine reinliche Scheidung 
nicht möglich ist, und weil für das Sprachgefühl wol niemals ein 
unterschied bemerkbar war. manche Verwendungen von gedritt, 
gesiebent u. s. w. lassen sich sogar mit Wahrscheinlichkeit auf 
den einflusz des mannigfaltigeren geviert zurückführen, ja man 
könnte versucht sein, die ganze reihe dieser jüngeren bildungen 
(gedritt, gefünft u.s.w.) aus der analogie von geviert zu vr- 
lilären , wenn nicht ein eigenartiger kollektivierender zug gerade 
diesen jüngeren beispielen gemeinsam wäre. 

n) geviert als einfache adjeklivbildung zu vier. 

1)) t>or allem treten hier Verbindungen entgegen, in denen der 
zahlbegriff eine Vorstellung abschlieszt und ihr dadurch das eigent- 
liche gepräge giebt. Überlieferung oder gewohnheit können hier 
soweit wirken, dasz der eigentliche subslanlivbegriff gar keiner 
kennzeichen mehr bedarf und dasz die blosze zahl genügt, in 
diesen Zusammenhang gehören das gedritte, gefünfte, gesiebente 
(lied) in der terminologie der meistersinger, ebenso das gesiebente 
haben im piquetspiel oder die geneunle zahl der musen. auch 
von geviert lassen sich hier entsprechende Verwendungen an- 
reihen: 

ufT dreiem und geflertem spil 
vor siben, als ich sagen wil, 
ob mir der wurlT wöU glücklieb sein. 

lied von der giasmelzen; llältlcrin 2,72,7. 

ein geviertes in manchen karlenspielen, eine folge von 4 blättern 
in einer färbe (quarte); ein grosses geviertes, wenn diese 
folge vom dause anfängt, zum unterschiede von einem kleinen, 
wenn es bei einem andern niedrigeren blatte anfängt. Campe 
2, 354 ; ein geviertes. (eine quarte), a sequence of four Cards, 
as in tbe game of piqiiet, a quarl. Hilpert II, 1, 461 ; schöne 
anmerkungen, von gedritten und gevirdten, Überschrift eines 
briefes in Butscbkys kanzlei (410), worin 3 und 4 gute und 3 
und 4 schlimme dinge aufgezeichnet sind. 

2)) gevierte zahl == die zahl 'vier' vgl. gedritte, gefünfte, 
gesiebente zahl a.a.O.; gevierdte zahl, quateinarius Bayer 
(1733) 289; die gevierte zahl, le nombre quaternaire Schwan 
(1782) 740; die gevierte zahl, eine zahl von vieren Adelung 
2,640; aber hier hätte herr Newton aufmerken und sehen 
sollen, dasz die färben nur erst in gevierter zahl aus dem 
prisma hervortreten, sich dann aber vermischen, um sieben 
hervorzubringen, zwölfe wenn man will, ja eine unzahl. Görne 
(gesch. der farbenl.) 54,155; gevierte zahl (die zahl vier) qua- 
ternary, {the number ^four) Hilpert II, 1,461. eine andere be- 
deutung von gevierte zahl vgl.sp. 4685. die übrigen zwei, Marcus 
und Lucas, sind vermuthlich hinzugekommen, weil sie gleich- 
suni die klufl zwischen beiden füllten, welches ohne Zweifel 
eine mehr schicklichere Ursache von der gevierten anzahl 
der evnngelisten ist, als die, welche Irenäus angiebt. Lessing 
(theses aus der kirchengeschichte) 11, 598. 

3)) für das lateinische quaternio der vulgata liegen eigenartige 
Übersetzungsversuche vor. statt eines substantivierten adjectivs oder 
ähnlicher Substantivbildungen erscheint auch hier das attributive 
adjeäiv, das aus syntaktischen gründen überrascht, für die 
stelle der vulgata (aposlelgesch. 12, 4) tradens quatuor quater- 
nionibus militum custodiendum (reaoapai rer^aSiois) hatte 
schon Koburgers bibel: do er in het begriffen, er legt in den 
kercker und antwurt in zebehOten vier vierem der ritter {bei 
Eggstein 'vier vier nemer'). Luther übersetzt bis 1527: da er 
in nu greiff, leget er in ins gefengnis, und überantwortet 
in vier gevierden kriegsknechten. das gleiche auch in der 
Schweizer bibel: do er jn ouch fieng leget er jn in die ge- 
feocknus, und überantwortet jn vier gevierten kriegszknechlea 



4685 



GEVIERT 



GEVIERT 



4686 



jil z«iiewar«n. (Frotchautr, Zürich 1625.) iptf/rr ttU Liiiber 
«in.* ulicranlworlet in vier vierteilo krifgtknecbleD; pgL 
und {ilerodti) Ulieruntwort jn vier i|iiar(iren tildnarn, die jo 
bewtren tollen hti Eck (I6&H). thtnto \)\ui¥.nn\i%cit* (l&n). 
die frkidruny dir tltUe macliU auch nach der eimtlsung de$ 
tubtlaniivi noch :u ichafftn. I.iitber htmurkl am rande tu 
,Tierteiln': ein liaiifT knechte ward in vier teil Releilet, da ja 
ein teil niuHte dan vierdc teil der nacht wachen, eia umhs 
ander. Diktenukhckr fügt aU randbtmtrkung htntu: vierem da« 
iil 16. ähnlich du Schwrizer bibel vgl. Schttm. idiotikon I, Kb. 
4)) hiethti gthörtm auch die vrrbinduiigtn K<'V>''rte weit, ge- 
vicrtcr kreii. in denen do% lahUrurl auf die einlheilun§ ki»- 
uiusl, durch dir der tubitantitb»gnlf gegltrdert wird {dii 4 mtlUhtilt 
vor der enUcchunif Australiens: Kuropa, Aiitn, Afrika^ AmirilM). 
iler niaiitch, da« violi, das mter, 
der li>'r' und liliimen beer 
und alle«, win r« huiaxi, 
wai< die gevlerte weit 
In Ihien nrroen huli, 
lirieei ninen oeuao seltu 

FLKamo tili, vertln 83,379, (mm tO. mai KKM). 
bli bleher und an uns batt du nur einen prel«, 
grou«» voterland, data man lo weil der erden 
(•vierter krel« bithar gewuMi hat kAniion werdeo, 
»0 rilterlicbe« nicbla, al< dich tu nuiuicu wclix. 

FLaaiNo toneti an üeMt.^chland, nuch trmehmung de* 

toHrtfallet Herrn Oiuttenn. tili. 9er. 82, v. 452. 
waloh oprar «olleo wir doch hrlnRcn? 
«fthnopner der gcvterdten weit? MüiiLProoT p. 53. 

ß) «N geviert madU $ich dat motnent der *ervielfdUigung 
ftlUnd : I)) und mache aus jglichem gebot ein gevierdex, oder 
ein vierfachen grdrehetet krent/lin, als ich neine ein jglich 
gebot an, zum ersten alt eine lere, wie es denn an jm 
selber ist, und dencke, was unser berr gott darin so ernst- 
lich vuo mir foddcrt, tum nndern mache ich eine dancksagung 
draus, zutn dritten eine boicht, tum vierdten em gebet.... 
I.UTHea tinfellige weise zu beten für einen guten freund. 6,3lo'/(fia. 

'.')) iicune ist eine gevierte zahl, die da entspringt aus drri 
mahl dreien. ¥. Wrta 1650. schweii. idiotikou 1,925; eine ge- 
tierle lahl, d. i. das ergebnist einer tabi, die mit sich selbst 
d. h. SU viel mahl als sie einheilen enthält, vermehrt worden 
ist; eine geviertzahl ((juadratzaAi) Cahpk 2,354; gevierte labl, 
muUiplied by ilself, square or quadrate number. Hilpbbt II, 1,461. 

9)) die ionne r&lli vor ihr mit tsmmi dem throne nieder, 
wir, auf der erde, scbn die himmeUsonne wieilor, 
so au« der erden »leigt. deüz, unser« l'höbus, xier 
umfSngt, wie l'höbon dort, die Magdalenn hier, 
der Seraphinen nnar, lO in dem grabe halten, 
die haben dich, Merkur und Venu.», lu verwalten, 
die dieigevicrte schaar, dl« thierkrei«, bleibt davon, 
bU ihr Apollo kommt. 

A. ScuLTBTi's 6*terliehe triumpkpo$aunfn 
hei LexHii!) 113,185. 

y) an geviert kommt das motnenf i*T Iheilung xum autdruek. 
I)) quadratus, geviert, in vier gedeilt vocab. laL germ. 
DiBrKNBALH 475'; geviert, quartered Ebbrs 643. 

2)) vor allrm macht sich diese btdeutung in der Verbindung ge- 
vierte würzet geltend: die geviert wurzel ist dieselbe zahl in 
einer in sich selbst gevielfeltigten zahl, damit die in sich 
selbst f;evieireltigte zahl ist in sich seihst gevielfeitigt wur- 
den. Kkyhers landreehntn C4*. vgL geviertwurzel tp. 4694. 

3)) der gevierte schein vgL gedrilte, gesechste schein: 
(juadratum oder tetragonum, den gevierten schein, so ihre 
{der Planeten) cntfernung 90 grad von einander ist (aspecten- 
khre). vialhemat. lextkon (1734) tl2; der gevierte schein im 
calender, in der astrologie, adip«äu$ quadratus. Faisci 2, 4ot': 
der gevierte schein, l'aspeet quarrt. Sciwaü (t7S2) 740; vgl. 
Adelung 2, 641 ; gevierter schein, quadratschein (tetragonum), 
ein aolcher stand zweier plaocten, da sie im ihierkreisc 
90 grad von einander entrernl sind, alsdann pllegt die Witte- 
rung sich zu vertlndern; in den calendcrn und bflcbern der 
aternkilndiger bemerkt man den gevierten schein mit Q. 
Jabionskt allgemeinet itxicon der künsit und wisittuckafUn 
(1748) I. 393*; 

glückseliger atpectl so »teilt «ich endlich 

die grosse drei verblDgnitivoll tusammen, 

und beide segentsteme. Jupiter 

und Venus, nehmen den verderblichen, 

den tück'schen Mars In Ihre mitte, xwingen 

den alten «chadcnsiirter mir tu dienen. 

denn lange war er reindlich mir gesinnt, 

und sehest mit senkrecht — oder .«chräger airablang, 

bald im gevierten bald im doppel.'cheia 

die rothen blitte meinen Sternen tu, 

und störte ihr« tegenvollen krtrte. 

ScuiLLta (Watlmultim) ia.30& 



ein phnniastiscbe« anlo|oo 4ar wkkt&mktH wntrm tfracteB 
und obliquen widancbMW late iHr mIm iü 4$r Mlr»- 
logie, doch mit den antencbied«, dut veo il 
wrihten der direcie wuiirtche