(navigation image)
Home American Libraries | Canadian Libraries | Universal Library | Community Texts | Project Gutenberg | Biodiversity Heritage Library | Children's Library | Additional Collections
Search: Advanced Search
Anonymous User (login or join us)
Upload
See other formats

Full text of "Deutsches Wörterbuch"

This is a digital copy of a book thiat was preserved for generations on library shielves before it was carefully scanned by Google as part of a project 
to make the world's books discoverable online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 
to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 
are our gateways to the past, representing a wealth of history, culture and knowledge that's often difficult to discover. 

Marks, notations and other marginalia present in the original volume will appear in this file - a reminder of this book's long journey from the 
publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken steps to 
prevent abuse by commercial parties, including placing technical restrictions on automated querying. 

We also ask that you: 

+ Make non-commercial use of the file s We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain fi^om automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machine 
translation, optical character recognition or other areas where access to a large amount of text is helpful, please contact us. We encourage the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attribution The Google "watermark" you see on each file is essen tial for informing people about this project and helping them find 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are responsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can't offer guidance on whether any specific use of 
any specific book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search means it can be used in any manner 
anywhere in the world. Copyright infringement liability can be quite severe. 

About Google Book Search 

Google's mission is to organize the world's Information and to make it universally accessible and useful. Google Book Search helps readers 
discover the world's books while helping authors and publishers reach new audiences. You can search through the füll text of this book on the web 



at |http : //books . google . com/ 




Digitized by 



Google 



.Cr 9^ 



Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 



DEUTSCHES 

WÖRTERBUCH 



VIERTEN BANDES ZWEITE ABTHEILUNG. 



Digitized by 



Google 



\ 



V 



Digitized by 



Google 



DEUTSCHES 



WÖRTERBUCH 



VON 



JACOB GRIMM UND WILHELM GRIMM. 




VIERTEN BANDES ZWEITE ABTHEILUNG. 

H. r. J. 

Bearbeitet von Mohiz Heyne. 



LEIPZIG 

VERLAG VON S. HIRZEL 

1877. 



Digitized by 



Google 



Druck TOD l. B. Hlriehfeld In Ltipilg. 



Digitized by 



Google 



VORWORT. 



deit 1867 ist meine thätigkeil dem GniMM'schen 
Wörterbuche gewidmet, anfangs neben eigenen arbeiten, 
später derart ausschlieszlich, dasz eigenes volisländig 
zurückgetreten und auf unbestimmte zeit hinaus ge- 
schoben ist. nach einem Zeiträume von zehn jähren 
lege ich nunmehr einen abgeschlossenen band vor. 
es ist schmerzlich zu empfinden, dasz die treuesten 
äugen, die auf dem werke geruht und es mit war- 
mem inleresse begleitet haben, sich schlieszen rauslen, 
hart bevor dieser band vollendet war. Salomon Hirzbls 
anlheil an ihm ist ein über gelegentliche beisteuer von 
citaten weit hinausragender. 

Anfangs hatte ich nur den buchstaben H zur 
bearbeitung übernommen, während die buchstaben I 
und J herm professor Lucae in Harburg zugefallen 
waren, als dieser jedoch, nach ferligslellung der 
arükel I bis ICH (sp. 2003—2024), sich leider ge- 
nöthigt sah, von der arbeit zurückzutreten, habe ich 
dieselbe weiter geführt. 



Die in diesem bände enthaltenen arlikel sind das 
ergebnis verschiedener Stimmung, verschiedenen kön- 
nens und Wissens, und ich kann nur wünschen, dasz 
das gebotene gute ausreichend genug befunden werde, 
um das weniger gelungene nachsichtig beurtheilen zu 
lassen, im ganzen bin ich bestrebt gewesen, mich 
von jenem umfang der arbeit nicht zu weit zu ent- 
fernen, den die briider Grimm seil dem zweiten bände 
des Wörterbuchs selbst festgesetzt haben, und nicht 
zu vergessen, dasz dasselbe nach Jacob Grimms Worten 
(vorrede zum 1. bände s. XllI) auch ein familien- 
buch sein soll. 

Ein quellcnverzeichnis wird diesem bände nicht 
beigegeben, weil andere bücher, als die welche in 
den bisher zusammengestellten aufgeführt sind, kaum 
benutzt wurden. 



Basel den 16. april 1877. 



HORIZ HEYNE. 



Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 



H. 



Jjer dckte budulab* da lattinisdien, towie des goOiüchen alpha- 
beU (m leltterem auch mit dem zahlwerte 8), der liebente des alt- 
nordisehen rwienalpluAets ; in dem erwalerltn ags. rmunalphoMe 
nimmt er die neunte stelle an. das b ist der jetiigen hächdeul- 
sthen spräche Uieib der reiru hawMaut (das h ist ein scharpffer 
athein, wie man in die hende haucht Icielsaiieb gramm. B 1*), 
Uieils hat es gar keinen phon^chen wert mehr, insofern es (z. b. 
m sehen, weben, ziehen, blfibeo, bober, floh) <iumm geworden 
ia , theils steht es ȧ nur ob seichen der dehnung eines tocals, 
nicht einmal mehr mit etymologischem teerte, der buchstabe ist 
nach seiner entwickelung und geltung kurz vorzuführen. 

1) reiner hauehlaut von den ältesten seilen her ist vorhanden 
in den mit h anlautenden echten interjecHonen, also in ha, haha, 
ho, hu, huss, bum, in aba, ah! ti. a. auch das aUindische zeigt 
die gleichen naturlaule auf: bft , habt , ahahft , ah£, abft ; der 
Grieche lacht ä a und der Lateiner ha ha he ; unserm oho gleicht 
bei den rümisdien komikem ebo und unserm hm, bom der-- 
sdben bem. 

Fantr ist h ursprünglicher hauehlaut da, <ro er überflitssig voca- 
Ssehan anlaute vorgetreten ist. wie diese erscheinung schon in den 
ältesten hochdeutschen seilen auftaucht (buDS, za babande für 
nos, za abande Hymn. 17,3. 18, l; rdchUcht andere beispiele 
bei Weinbold alem. gramm. 193. ftotr. gramm. 193), so zeigt sie 
sich auch, obteol im ganzen selten, in der nhd. Schriftsprache, 
für mhd. eiseben hat sieh schon seit dem 14. jahrh. heischen 
ergeben; heltenbein für elfenbein ab eine bereits im mhd. ge- 
brauchte und bis ins 17. jahrh. dauernde form ist 3, 413 ange- 
führt; haberraule ütaiu abrotanuin geworden, neben aberltlaue 
ist baberklaue gebräuchlich, wie für eidechse auch heidechse 
gilt; und dasz hSckel und heikel von ecket, ekel nicM-iu (ren- 
nen ist, wird unter diesen Wörtern besprochen, die mundarten 
teeisen mehr der fnlle auf. so sagt der Baier benchel, henkel 
für enkel knOehel, der Schwazer beigen für eigen haben, und 
in vielen theilen Deutschlands lautet der fremde abschiedsgrusi adieu 
ade hadjes, badje; 6« Haupt 1,25 ist darauf aufmerksam ge- 
macht, dasz eine im friesischen vorkommende nebenform zu alba 
«ofer mit anlautendem hauche beilha heita dem jetzigen hessischen 
heile, bäte vater gleicht; aus Mecklenburg : bi'n poblsches bulah- 
nen-regiment Redter festungstid 10; andere beispiele aus WeU- 
falen bringt Woeste bei in Fromm. teHsehr. 5, 345. — In einem 
falle ist dagegen h an einem eingebürgerten fremdworle gewichen, 
an nbr aus tat. bora, s. unter bor. vgl. femer das 3, &2. 692 zu 
ehr, er für btr, her dominus und er für die partikel her bemerkte. 

Dasz der hauehlaut h ein ursprüngliches s vertritt, wie der grie- 
chische Spiritus asper, ist eine wul nur auf die bairischen mund- 
arten eingeschränkte und wenig häufig vorkommende erscheinung: 
bSot sie sind aus Niederüsterreich und andere verzachnst FnoiiM. 
6,106. 3,10*. Weinhold (otr. jrofflm. 192. 

21 unMr h n< ju dem jetzigen hauMaule aus einem reibelaute 
geworden, welcher aus dem indogermanischen k entstand, wahr- 
seheinKeh durch die aspirata kh hindurch gieng und schon im go- 
iMschen als b sich zeigt, doch uU, wie auch später noch, mit 
dwas anderer ausspräche als bei uns, die unserm ch näher kam. 
möglicherweise ist die aspirata kh ■= goth. h noch den merovingi- 
schen Franken gerecht gewesen, die dafür die Schreibung ch ge- 
währen ; man vergl. Cbildebert ~i Hildebert, chrio-mftsido leichen- 
diebstahl der mdbcrg. glosse mit goth. brair, ahd. brto eadaver; 
cbengislo hengst iüd. mit ahd. bengist; flcho vieA ibid. mit 
goth. faibu, ahd. Abu. 

Der verlauf dieses h iu nach seiner Stellung im anlaut, inlaut 
und auslaul tu ermessen. 

IV. II. 



a) anlautendes ii^^golh. b, indogerm. k. die ousspradie die- 
ses lautes musz je nach ort und zeit schon im allhochdeuLiehen 
geschwankt haben, auf einen Aorlen rtibetaut weist es hin, wenn 
b ßr cb stellen kann, wenn also breftt für chreftl, harag für 
charag geschrieen wird, der name eh, den der buchstabe h in 
Psmer glossen führt (enis magis per h scribitur, maer darub 
eh sertpan Ghaft 4, 683) bestätigt diesz, denn nur wer den laut 
mit rasura gulae sprach, konnte ihn eb nennen, wer ihn hauchte, 
brauchte den namen ba. auf der andern Seite sprechen für schon 
frühen Übergang des reibeUnUes in den haueUaut der umstand, 
dasz h o/t einem mit voeal anlautenden worte überflüssig vor- 
trat (>. oben), so wie der, dasz die anlautenden Verbindungen bl, 
br, bn, bw iteA icAon frühe in einfaches 1, r, o, w wandeln, 
so wird bladan nt ladan, laden, bros nt ros, rosa, bntgan zu 
ntgan, ntgen, haSr zu wEr; nur in einem sichern faBe hat sich 
von der letztem rerjiindun^ das h erhalten, «eil der folgende 
labial sieh frühsaüg voeaUsierte: ags. bTAsta ist ahd. bnosto und 
unser basten. 

b) im in- und auslaut laudien seit den ilteäen historischen 
seilen unserer spräche zweierlei h auf. etymologisch einem indo- 
germanischen k entsprechend ist es in ahd. zehao, goth. talbun, 
lat. decem, in ziohan, goth. tiuhao, lat. dftcere, alid. skaob, 
goth. akftbs scAtiA u. a. die frucht einer astimilation ist es in 
der Verbindung ht, trenn dieselbe nidit indogermanischem kt enl- 
<prieA< (ivie in ahd. naht, goth. nabt-s, altind. naktam), sondern 
aus gutturale und dentale geworden ist, so in goth. inahta, aA<<. 
mohta, welches für mag-da, mog-ta steht, in goth. [lahta, ahd. 
d&hta für |iak-da, dak-ta; ahd. starhta Märkte für starkta, 
starchta u. a. dieses assimiUrte bt besteht ebenso wie das echte 
in Reicher Schreibung durch das mittelhochdeutsche hindurch, ist aber 
seit dem 15. joArk. zu cht geworden. — Zu diesen beiden arten 
von b tritt nun noch im alid. ein drittes in mibil gross, zeihan 
zeichen, pouban Signum, job joch, welches indes nur mehr ver- 
einst Schreibung für mihhil michil, zeibhan zeichan, poubban 
poucban, jocb ist, in der rauheren ausspräche des h, die dem cb 
noAe kam, seinen grund hat, und etymologisch nicht auf indogerm. 
k, sondern auf golh. niederd. k, indogerm. g zeigt, dieses h für 
ch, icie es itcA nie allgemeisier hat festsetzen können, geht zu gun- 
sten des- letzteren bald wieder unter, trenn aueA noch spät spuren 
davon anzutreffen sind, s. b. steht gmahet für gemacbet bundsch. 
ii; es hat aber noch in einem beispiele in der nAd. spräche nach- 
gewirkt, in geruhen, ahd. ruohhan curare, welches wort im alt- 
sdchs. rAkjan, ags. r^can lautet, wo also das h ein ursprüngliches 
cb, niederd. k twrtrill. 

Das inlautende echt», nicht aus anderm laute assinuHerle h ist 
nun im nhd. theils geblieben, theils zu einem andern laute gewan- 
delt, geblieben, der «ttirnm geworden zwischen zwei voealea und 
vor r, I, m, n : nahe, scbwtber, zebe, sehen, geschehen, leihen, 
ziehen, geOohen, schuhe, fihre, ztibre, stahl, zehn, trShne ; in 
obeim tönt es noch, in der verkürzten tubenform obm nicAt. vor 
s und l ist, gerade entgegen ahd. mhd. brauche, für h Schreibung 
und laut cb eingetreten: ahd. naht — nacht, ahd. nibist — nächst, 
ahd. dehsala beil— dechsel, dlhsala — deicksel ; goth. aäbsus, ahd. 
obso, mhd. obse — ochse ; alts.ahd. lioht, mhd. licht — liecht, liebt; 
goth. leihts, ahd. liht — leicht. — Beachtung verdienen Übergänge 
eines allen ecAten b in g, die ntcAt mit einer gewissen regelmäsiig ■ 
keit erschauen, sondern sich auf einzelne worte oder Wortfamilien 
beschränken, aber alt sind. goth. gan6b-s genug mit stintm ver 
bvm ganftbjan »i ags. sdaeanhend gen6b und genAg; oAd. ga- 
nuog, ginuogan, docA IiJicAt das alle b nocA AindurcA in der 
sdireibung ginuoch (Gkatf 2, lOOe), toie es (ich in dem von Aner 



uigitized by 



Google 



H 



H 



vunel tlamme»den «trbum gaDah et genii/l, gotii. ganah, agt. 
geneah irhalUn hat. mhd. nur genuog, genuoc, genaegeo, nhi. 
genug, genflgcD. flüssigtr als in dietem «ortt ia das ttiMUnis 
twisehen h und g gAUibm in schwSher, ahd. swEhur, mhd. 
snCher {tat. socer) und schwieger, ahd. swigar, mhd. swiger; 
fcbnager, mhd. swtger. einige starke verben mit MmridauslaiU h 
i<usen dentetten bald mehr, bald tceniger häufig in g vandeln: 
gegenüber golh. slaban, pröel. slAh, slÄbuin, pari, slaban-s itt 
im ahd. sowie im allniederd. swar noch in den prduntformen b 
erkalten in slaban jcftjojen, slah plaude, arslabit oeeidsl, irslahe 
inier fiaat, aber die präteritalformen haben g angenommen; sluog, 
tni^tlr nach den auslautsgeselien auch sluoc {nriien sluocb) gitt, 
sIuoguD, part. gislagan ; uns ist da> g auch int prätens gedrungen: 
schlagen, ich schlage, schlug, geschlagen ; oier prdsentiale formen 
mit b halten ach noch bis im n. jahrh. Lotbes gewährt den 
inf. scUaben 1 Mos. 8, 21. 2 Jfot. t, 15. 12, 11 ti. «., die form 
ich scblabe 2 Mos. 12, IS neben schlage l Sam. 17, 9 ; du schlechst 
i Mos. 7, 2 im6<s schlegst f*. i, 8, scblegt 1 Mos. 21, 12. 15. 
imp. schlag 2 5a«. 1, l(; B. Wald» wiltu dich schlaben III, 
S,13, art schlecht nicht von art IV, 3, 2b; doi h fällt aus: xu 
boden schlao (: abe Un oUosses) Opel u. Cobr 344, 207 ; selbst 
in dtr participialform geschian {ibid. 262, 64), mos auf frükerts 
geschlaiien fir geschlagen Mnieeise* kann, der weeksd imschen 
h und g in diesem verbum ist a%uh den heuligen mundarten noch 
eigen: osltrliadisth sehlaben und schlio, imper. schlag und 
scblt; so muh scJMtiick schlag tcMdge und scblt, schlechst 
dtt schlägst oder scblaist, inf schlage und schlä FioaH, 2,113. 
weniger dur«Agedrungen als bei diesem terbum ist der gleiche »eck- 
sH bot ziehcD, goth. tiuhan, pratt. taub, ta6bum, port. taAban-s ; 
im oAd. entspricht ziohan, priet. zbh und ibg, zugum, part. zogan 
gaiogan. vir haben das h in den |ird«en</orme» jerttM ziehen, 
ia den präterilalformen hat sich g fest gesHst zog, gezogen, «ic- 
der nida ohne ausnähme ; in dem sludenlenliede 'das jähr ist gut, 
braunUer ist geraten' begegnet 

dt tbu ich Tor freuden die müue ibtiegen (: TergBOgen), 
und M B. Walsis steht zoh fIr zog UI, 2S, 1, zobe II, 27, &0. 
111,8,10; auch später noch: durch diesen discurs der sich weit 
auf ein mehrers erstreckte and auseinander zobe. Simpl. 2, 
22t Kurt. LonEK hat die form zocb ifare. 12, l. 13, 34 «. v., 
in einigen enien dructen findet sich auch zog; ich zucb meine 
schuh wieder an. Sinpl. 3, 328 Kurs, nominalablälungen haben 
teils h teib g: ziehe educatio, ein kind in die ziehe geben, 
öfter zeug, zeugen, zug, Zügel, wetcAei iHstereworl ahd. schwankte : 
znbil und zugil. — Gegen diese verben hat Sieben, ahd. fiioban 
sein b rein su erhallen gemust, ungleich dem ags. braudi auch 
Uer in den präterHalfarmen den »urselauslaul zu g s« «andein, 
«odvreA die formen Ougoo, geflogen formell denen von fie6gan 
/liegen gUicA werden, nur mundartHeh erscheinen «on geschehen 
formen mil g: es is tmal gescbegen sogl man im Osterlantk; 
und da« da* gesebege Stolle Mir. thron. U5. gedeihen Ikal 
sein wurxelhttflis h ineder hergestellt, wir sagen es gedeiht, es 
gedieh, gediehen, was dem mhd. dtben, d(ch, digen, gedigen 
gegenfihr iteU; rtsle des mhd. brauches reiten sich in das nhd. 
htnüber: welches ihn darum nicht besser machte oder ihm 
zur Warnung gedige. SimpL 2, 154 Kurs; das alle pari, gedigen 
verwenden wir als gediegen Aeide als adjediv und trennen es vom 
part gediehen aueft der form nach. 

Auslautend duldete das mhd. kein b, sondern sHste es in cb 
um, »odureA dos Mzlere sowol derverireter eines goM.h (dsauck 
eines gotk. k wurde, das nhd. hat gesIrM, das ausbulende h 
wieder in sein alles redtl su setsen; es ist ihr meist, nicht immer, 
gelungen: niekt in hoch, goM. bauh-s, ahd. hAh, mAd. hAch, 
gegen hober, mAd.b6ber; in doch, golA. t>aAh, noch golA. naAh ; 
die prip. nach steht neben dem adj. und adcerbium nahe, nah, 
goM. nChva. auch Uer lange schwankendes nachklingen des mhd. 
braudu: Doch Ifioh) iSam. 4, lO; der imper. fleuch findet sieh 
noch bei Gottk» (1,13 gegen Oenh Wecibbiliii 815); ond sieb 
(sirik) das niemand zu dir kumb B. Wiivis I, 24, 9, rauch 
rauA III, 14, 9, schuch scAiiAe IV, 6», 95, handschnch Garg. 
28t' gegen scbuh i6id. ; dasz ihm die scbucbsohlen hatten herun- 
ter fallen mögen. SimpL 3, 72 Kurs, in durch haben wir die 
mhd. form behalten (goih. |>atrb, aAd. durub) , in mahre eguus 
ist das sdUiessend» h unlergegangen .■ aAd. marah, age. mearb, 
mAd. mareb. 

Wo nun im nAd. ausiau/end dos alle etymologisch bereehtigle b 
wieder erscAeint, ist es stumm; sieh, sah, geschah, der zeh, 
verzeih, neb, floh, schob , raub, die voUaspradu lästl jedoch 
hier gewihnUch, in fortselsung der mhd. gewohnheil, das h ab cb 



laufen und sogt sich, er sach, es gescbach u. s. w., und auch 
die spräche des gebildelen verschmäht die form viech nicAt, wenn 
sie damit eine komische Wirkung ersielen will. 

Aus- oder abfall hat h eWiUen in scheuen, mhd. scbiuhen, 
gegen das transilive scheuchen, welches sein h zu ch gewat^dett 
zeigt; in scheu, abscheulich, Scheusal; femer in befebl, be- 
fehlen, golA. bifllhan, aAd. bifelahan, für welche beide wOrter 
bis ins 17. jahrk. die form befelch, befelchen gebräuchlich war 
(1. 1251 — 55, das im Inlaute beider wirter stdiende b Aann für 
nichts als ein dehnungsieichen genommen werden), in scheel und 
schielen , alid. scelaü und scilahan , 6air. nocA scbelch und 
schilcheo (Scbm. 3, 352). mSbre eguus wurde scAdn genannt. 

c) iesonders häufig hat sich h im nhd. in bildungssHben an 
stelU anderer spirantischer laute ergeben ; meist des j :- mAd. biejen, 
blüejen, brOejen, brOeje, drcjen, TrQeJe, glQejen, krsjen, 
miejep, müejen, nojen, wcjen ist nhd. su blähen blühen 
brühen brühe drehen frühe glühen kriben mShen mühen 
nahen wehen geworden, dieser Übergang aber von j i» b islAe- 
reifs «on lange Aer, scAon seit ahd. seit totbereilä: neben ahd. 
biajan geAl blihan in arpl&bant (Graff 3,235), neben blAjan 
blAUan, bluoban, neben muojan muoht mdAe (2, 602), mAd. 
wecAseln müejen, müehen, müeweo mit einander und für vrüeje 
^nde< sicA aucA TTüebe, wie OberAaupl der wecAsel der biläungs- 
laute j h w weit durch die deutschen dialede grdft. das nAd. 
iennl diesen wecAsel nicAt meAr, iAm isl, wie eben gezeigt, nur h 
gereeAt oder der bildungslaut ist ganz ausgefallen wie in sBen gegen 
aAd. sAjao s&hao slwan. Vertreter eines w ist ahd. b in ruhe 
ruhen, mAd. ruowe ruowen ; femer in früh, mAd. vrO, vrOwer, 
neben welcAer letzteren form sich doch auch schon mhd. dtr acc. 
frohen findd (Sek. 3, 414*). swafdhaß ist es ob in ehe tnalri- 
monium dos b AierAer geAvrt und Vertreter eines alten w ist, ahd. 
iwa, wofür Notzei die form ihi aufwäd; 3, 39 ist dies vtr- 
hällnis geläugnd und das Ik des Wortes nur als dehnungsseiehen 
genommen worden, nhd. webe ist vielleicht doch von dem mhd. 
subst. w4we schmers nicht su trennen, wofür md. die form wtbe 
gdiraucht wird. — Im U.jahrh. finden sidi noch mehrere <äti w 
durcA b, und swar im auslaute vertreten: Ldtbei scAreibl kalh 
calrus, mAd. kal kalwer ( JficAa 1, 16) ; falb, aAd. falo, falawer, 
docA neben falb, in weleAer form sich das alle ii su b erhärtd 
rellet {offenb. t, S) ; melh, mAd. mel, melwes: ein epha unge- 
seuerts melbs richler 6, 19 ; das ungeseuert melh 21 ; bei die- 
sen würlem tritt das h spdler nur ob de/inungsieicAen in den In- 
laut, gerade wie bei befebl, befehlen, s. oben, umgekehrt findd 
sich ein alles ableitendes h in b gewandeil, was aus w verhärld 
ist; für scheel (scbelh Auic spr. 29' ausg. *. l56o) scAreibl 
MiALEi scbalb, uberzwercb 345', scbelb ansahen 349'. 

3) b ob deAnungszeicAen. seil den dlleslen hochdeutschen seilen 
kommt es bisweilen vor, dasi Schreiber einem worte ein h einfügen, 
welches kein» elymologiscAe berechligung hat. manchmal steht es 
ganz oAne ersicAllieAen grund, lAeib nocA einem unswdfelhaft küs- 
sen voeale wie in magaht-heiti, kiduhlt (Weibbold alem. granim. 
199), lAeib sogar sunsehen zwei eonsonanlen, z. b. in Liutmuoht 
für Liutmunt («erbrdderungsbueA von St. Peter 43, 3); öfter er- 
kennt man die absieht, durch den AoucAlaut die deAnung eines vo- 
cab anzuzeigen; deohmuatt, bfths (Weinb, a. a. o.). dieses 
überflüssige b ist bis zum 14. und 15. jaArA. nocA nicAt häufig: 
erst im 16. wird es seAr gewOAnlicA in der lAsithl verwendet, die 
länge des vocals dadurch anzuzeigen, die Stellung des h ist hier- 
bei oß wUlkäHieh, teilt vor, teils Unter dem voeale, dessen deh- 
nung angezeigt werden soll; es beg^en die scAreibungen nehmen 
und nbemen, jbar und jähr, raht, rhat und rath, nuhr und 
nhnr für nur. tebm im 16. jahrh regelt sich der gdnauch die- 
ses dtimungsseiehens, das übrigens nicAl mit consejuenz, sondern 
nach der laune des Schreibers ebenso gebraucht wird, wie die Ver- 
doppelung eines consonanten um dodurcA die kürte des vorher- 
gdünden votals anzuzeigen, dergestalt, dass et Unter dem bdref- 
fendtn gedeknttn vocoie sein« stelle erAdil. ein res! des frühern 
brauche, tt vor denselben zu stellen, ist uns bis auf heult ge- 
blieben in der seAnibung tb, dos, wie man wdss, mit dem nieder- 
deutschen und englischen th nicAls zu lAun Aal, sondern einfach 
willkürlich die hochdeutsche tenuis t «ertriU; unser that itl gleicA 
labt und soll nur tit ausdrücken, ebenso wie tbun, tfaor, thüre 
nur für tun, tAr, tore sIeAen. es wdre heiser, wenn wir diese 
Schreibung gant fallen Hessin, um so mehr, als sie ohne allen 
sinn auch in den fällen einrisi, wo iAr dipAtAong folgte, also ein 
vocal, dessen länge nicht besonders beseichnd zu werden brauchte, 
in tban, theuer, theil, tbier, oder wo urspringUcAe kürse blieb, 
z. b. in thurm, oder zwiscAen twei consonanim, wie in tbran. 



uiyiiiztJU uy 



ö^' 



^«C- 



H— HA 



HA— HAAR 



thrtne (wo die $ehrtämng trSbne «tgen der elj/mchgie, altiidu. 
trahan, berechtigt tii), oder endlich im in- und auüttUte nach 
toraufgegangenem consonanlen, in wirtb, bewirthen, wirtbicbaft 
man hat ^eichlaulende teörler vertehiedener Meutung, die, von 
rerscMedener abslammung, erst im lauft tpdterer tfrtehmandbing 
lautlich iusammen ßouen, pedantischer wette durch die Schreibung 
geschieden: thau roi schreiben tm mit Ih (mhd. tou), das aus 
dem niederdeutschen aufgenommene tau funis mit einfachem t; 
IboD argilia mit Ih, ton sonus ohne solches; und doch hat noch 
niemand geßrchlet ein tbor slultus werde mit tbor porta ver- 
vechselt werden können. — Das in- und auslautende th dieser 
arl scheint sich eher (AschStteln xu lassen als das anlautende, be- 
reits seit längerer tat machen sich schreümngen wie mut, miete, 
Wirt, Wirtschaft m bichern und seitungen geltend; die idtrei- 
(itnsro bluth (sanguis) geblüthe, die in Schriften des vorigen 
Jahrhunderts m^faeh begegnen, haben nie fetten fust fassen können. 

In einigen fällen hat dieses dehnungs-h eine eigentliche tilben- 
terddtnung herbeiführen können; in den terben gehen, iteben, 
fliit ihren präsentialformen ich gehe, du gebest, wir geben, ich 
stehe, du stehest, wir stehen, gegen das ahd. gia, stin, mhd. 
gia, 8|£q, ich g(, sti, wir g£n, sttn; femer in ehe prius, 
mhd. {, nergl. 3, St. 38. ehe «nolnmonunn und webe dolor sind 
sweifelhaft, s, oien. solche silbenserdelmung scheint von Mittel- 
deulschland ausgegangen xu sein, und Lutbes, der sie gewöhnlich 
anwendet und sie in die nhd. ühriftsprache eingeführt hat, fiisst 
hierbei augenscheinlich auf düringischem brauche; es finden sich 
hierfftr betspiele aus dieser landschafi bereits aus dem 1&. jaftrh., 
meist twar nur vor t: die Statuten von fhrdhausen gewähren äne 
Tabere oAne gefohr, zeitschr. des sächs. Ihür. altertumsvereins VI, 
2, 56; Stolle hat: die «ile der werder gewonnen wehere 
(trdre) t. tt ; wehere geldes und gatis gnug in der stad Ndsz 
ibid.; sie hellen mehir {mehr) gewonnen ibid.; wollen nicht 
neber stonne {sUtrmen) 73; aber auclt anderweit: alle bliben 
stehen ti ; noder dem wasser gegeben 67 ; lissen die doratnb 
gehen 71; das stehit 104, gegen das stet gleich darauf; nu 
merket mebe (: sehe) 112. da nun derselbe chronist auch wehe 
schreibt: tbad on {ihnen) also webe 68, hatte on gar wehe 
getbon 87, so giebt diesj freilich eine Vermutung ab, dost auch 
hier eine toicAe silbtnterdehnung vorliege. 

HA, ausruf, der in gröster allgemeinheit einem plölsliehen aus- 
bruehe menschliehen gefühls ausdruck leiht, alles uns bewegende 
unerwartete, ein jiölslicher ein fall, freude, schreck, absehen, Un- 
willen, ausbruch des stolses oder des hohns, lässl nach «inem 
momentanen anhalten des atems den hauch scharf aus unterm 
munde entströmen, meist unter voller Öffnung der mundhöle, welche 
den vocal a erseuql. andere vocale treten dem hauchlaute Uniu, 
wenn sie das unerwartete, plötiüche, näher characterisieren ; so 
malt ha den Schauder, hei das scharfe eindringen auf den gegner 
bei streit und kämpf, he und ho den grobem, meist unwilligen 
ruf. das hertliche, volle lachen wird durch das redupUnate haha, 
babaha gegeben, während das feine kichern hihi bezeichnet, mäd- 
ditnhafUr schreck aber oder weibische Verwunderung in dem ein- 
fachen hi feinen ausdruck findet, oller oder grobes bäurisches 
Wesen dem der räne laut a schwer wird, mmmt für ha hl 
und lacht hi ha oder he be. — >n den patlikeln aba, abi 
(1, liO. Itt), bei denen der ton auf der zweiten sübe liegt, ist 
das anlautende a nur ab reiner vorsMag aufzufassen. 

ha gilt 1) ob a%emeiner ausruf bei etwas plotslieh auf uns 
eindringendem, uns überraschendem, sowie bei einer plütilichen 
idee, einem ^iitzlichen entschlusse, wobei, um den verstärkten ein- 
druck zu sMIdem, auch die redupli^erle form erseheint: ba 
vatter, was tbut ir! ititnon bog. g; ha dachte ich bei mir 
Selbsten. /u<un(iin.209 ; bal'nun fSIlt mirs ein ! Wieudd 11, 219 ; 

ha ! meckerte der bock, nichts kann gescheldter sein I 
bei meinem bani mir flel der streich nicht ein. 

Hacsdosr 2, 20; 
wu seb' itb, ha! Konisoi dram. spiele 2, 305; 

ha ba ! nun besinn' ich mich, rief Pedrillo. Wiburo II, 221 ; 

was hetstt es denn, sprach drauf der knabe, 
dasx ich rast nichts erkennen kann? 
ba ha, nun fsllt min ein, was ich vergessen habe, 
mein raier nngt es anders an. GnxsKT 1, 211 ; 
sie schweigt and gribt getrost — ha ba, nun klingt es hohl. 

1, 314. 

als interjeäion gegenüber einer unerwarteten oder auch unverstande- 
nen frage oder anrede kommt ha und hi vor; bS, be, gleicl^- 
sam: was sagten sie? in schlesischer mundart Holtsi sehles.ged. 
147; ha in Kimthen und Baien Leier 120, ScBiiEUBa2, 127; 



Se. ach! ioetor: hl? Sc. (mit »erstarkter ttlmme) acht 
ilocior. was war das? Göthi U, 17(. 

2) alt ausdrudt einet freudigen gefdhls: 

ha! spricht er {der fuchs) sei gsgrflsil! HAsnem 2, 121; 
hon Ton meiner auserwtbllen, 
boret an mein schönstes Uedl 
ha! ein lisd des neubeseeltsn 
Ton dtr tOMsn aoTermahlten 
die Ihm endlich golt betcbied. Busen 2, 7t. 

so giebt ha tchon in einfacher, meist aber in wiederholter stettung 
das tacken wieder: 

ha I lachte der kaiaer, Tortrellicher haber I 

Bfiacsa aOl s. Sl. Gallen. 

ha hat, hahaha inlet^. gaudiüva. liber ordinit rerum von 
1429, 31 '; baha da geht es Tolle wol. Garg.si'; Crotut: ha 
ha be! Witzel: wes lacht irT Alberus irider Witzeln Lo'; 
da fieng der tflSel an lachen ha ha ba und sprach . . Kiisebs- 
BGRG Sünden d. m. 24'; gelt mein guter herr Barlhold, ich 
habe sie einmal rechtschaffen angeführt, ha! ha! ha! MOsui 
9, 132 ; ba ha ba ! ich lache ja. Lsssinc 1, 577 ; ha ! ha ! ha ! 
zum kranklachen. Fa. MOlleb 2, 112; hababaha! die arme 
gnadige frau. Eugel Diamant 131. auch hs! hs! ha! mit dem 
teufel nehmen wir es auch auf. KonesuE dram. spiele 2, 330 ; 
hi! ha! ha! ha! warum so hitzig. 1,23. 

Die interjection in dieser anwendung schon früh; to allfriet.: 
dt spreeck di koningh Kaerl : ha ba, dat Und is myn, ende 
hiackade. RicarBorEi« 439, 16. 

mhd. Munt, ich erkenne oueh dat, btbl, hihi, hihi. 
WALTBSa 38, 4. 

3) asudrudt det stolzes, telbstgefidiU, afert, mutet: 

les ich aber deine briefeben 

und gesinge, 

hal wie werd Ich stolt nnd stammt 

GOctis« lieder tweier lieb. (1779) 103; 

ba. Ich bin der herr der weit I mich lieben 

die edlen die mir dienen. GOns 2, SD; 

hal eher musi sich dei tjrannen stahl 

In dem su lange ichOD gesparten blute rOthen. 

Alxincis DooUn 9, 63; 
bat brummt er, dir will Ich das handwerk zeitig legen) 
gescbmeisie, wisit ihr, wer ich bin? tlAozooan 2,88. 

4) des Spottes, hohnes: 

hal wie will ich dann dich höhnen 1 ScaiLLit 10*; 
auf Ihren btuchen lagen sie, 
und baten leben, hal GLsn. 

5) lehr häufig sehrecken, abscheu, zom, Unwillen malend: die 
andern teufela laufen all ans der belle und scbreient 'ha ha 
ha*, fastn.-sp. 492, 13 ; sprach er im gantzen zom 'ha vatler 
was thut ii'. ^mon bog. e; ha! sollen sie mir die fOrchter- 
tiche stunde ankündigen. Götter ), 29; ha* barbar 87; 

ba, ihr hunde, Ihr wihntet Ich kehrcie nimmer tur helmat. 

OdffieeK.3»i 
ba. Ich bofte tu strafen an Alexandroa die unthat. IHat 3, 366 ; 

ha sieh t ha sieh I im augenbliek, 

huhu! ein gristlich wundert 

det reilers koller, stOck fOr Stack, 

Qel ab, wie mflrber tunder. Bfisoia Lenore. 

vergl. mhd.: 

sl (die bauem) riefen alle : ha ha hl. 
jt du TerOnochter basewiht, 
du trelst des kindes hinnen nibt. 

Jteintar« /keks s. 352; 
ir roofen ist allej ha ba hA I 
dat 'st gein mir sA iteotlicb. 353. 

e) die interjection ba verbunden mit der präp. Ober oder nul 
nachfolgendem genitiv: ba Aber die wonne!; ba Ober den bose- 
wicht der mich terliesz!; Iia des liebevollen barmherzigen 
Taters, der seinen aohn wOlfen und ungeheaem prebgibi. 
ScBiLLEB niuier 1, 3; 

ha, der frechen I Btacia 56>. 

HAAR, m. flachs, ahd. harn, peil, harawes, mhd. bar, all- 
friet. her (RicnTHorEN 808), o/In. norwei;. hor. dos wort lebt 
nur noch in Oberdeulsddand , basr. österr. hir Senn. 2, 224. 
Le»r 134, schweiser. baargarten fiaehsfeld Stalder l, 425 ; doch 
hat es in niederdeutschen Fleeten spuren seines riumaligen da- 
seins hinterlasten, in der AUmark b3rl 'ein fäserchen, z. b. flacht 
Oarheil 75, nordfries. hÄrl gehechelter flacln Odtzek 123 (Ricnr- 
HOFEN 808), wrIcAe ableUung sich enj an das kärnlisdie hirl 
gleicher bedeutung (Lexer a. a. o.) ansc/iüetzt. die etymologischen 
bezüge des »ortet sind dunkel, ob dieses haar, ahd. harn mit 
dem folgenden ha»t crinit, ahd. bir zu vermitteln ist, irie3,170« 



HAAS 



HAAB 



8 



angedaM wurde, to daa btide wortt ableilungtn enMr tpurici 
bar seien , in ätr etwa der btgriff des fadmßrmigm beiMoisen 
war, muti um to mdr dalungeilelU bÜben, alt uns riekerever- 
gleiclu aus den urverwanten tprachen entgehen und «ir Ober den 
autlaut des stammschtuszenden consonanten beider tiorle im un- 
klaren sind; et erhellt nitAl ob das r bei beiden oder einem ton 
beiden ursprünglich oder aus s gewanddt ui,- die mangelnden 
gotlütchen formen würden darüber aufschluss geben. 

Fon baar flaehs zeigen das im ahd. hani, barawea vorfanden 
jfevetene w der ableüungen noch bairische formen, jedoch zu b 
verhärtet, genilive me barbes, horbs bei Scbmeixei 2,224; das 
adjettiv bSrweo, herbeo ftiehsen {ibid. 225) hat sogar theilweist 
den ableitenden consonanten rein erhalten. gemShnUeh aber ist 
derselbe, schon im mhd., abgefallen, das wort bOtst bald die ur- 
tprüngUdie kürte seines toeals ein und lautet dadurch gleich mit 
haar erinis: bar linum, tmlgariler flachs voc. ine. Uieut. i l'; 
da kraat, ruben, haar, breia, und dergleichen gebaut würde. 
HoHBEic 1, 41';, mit Viehzucht, baar und leiDwatbaodel. &3'; 
mao soll im jalio auf dem felde . . baar fangen (dmten) und 
pollen riOeln {die Samenkapseln dbüopfen). 12$'; das weiblein 
{des hanfes) gibt den subtilesten baar. 2,40*; der winterhaar 
mosz in ein sommerland geslet werden. 47'; ein papier/Wzen 
erzaliU von seiner Jugend, da er ttoch (lanfstengel war: wir ge- 
dachten nunmehr ko'nne nichts mehr ersonnen werden, uns 
Srger zu peinigen, vornehmlich weil wir dergestalt von einan- 
der separirt und hingegen doch mit einander also conjugirt 
und verwirret waren, dusz jeder sich selbst und das seinige 
nicht mehr kante, sondern jedweder haar oder hast gesteben 
musle, wir waren gebrachter banf. Simplie. 2, 17t Kurt; nahm 
drei riedel haar. ZmeetiE Aausmdreken aus Säddeulschl. 2, 18 ; 
da hat nun ein jedes von euch einen riedel haar, den mOgt 
ihr zu euren madlen tragen und wer seinen riedel am schön- 
sten gesponnen zurQck bringt, dem gebort unser boHein zu 
eigen, ibid. ; auch spinnen die weiber der waldfrau ein stOck 
haar am rocken und werfen es ihr ins feuer, um sie zu ver- 
söhnen. Grimii d. tagen no. ist (aus Tirol). 

HAAR, n. paus, erinis, coma, caesaries. 

I. Form und verwantschaft. 

Ahd. mhd. alls. altnord. hir, ags. her, engl hair, niederL 
ddn. baar, sdmed. hSr; dem golhischen dialecte fehlte, aie es 
scheint, das wart, er ersetzt et durch skuft oder tagt, ob eine 
vorauttusHtende golh. form hSr oder bis tu lauten hätte, listt sich 
nicht entscheiden, für das letztere könnte das serb. kosa haar, 
wend. kosamaty behaart, und das latein. cssaries sprechen, «renn 
diese Worte urverwant sind, das neutrale geschlecht des »ortes im 
nhd. ist zwar überwiegend, aber nicht ausschliestlich ; wir finden 
in gewissen fdUen baar aucA weiblich gebraucht, und twar in 
soldken, «o das einselne haar hervorgehoben wird im gegensalte 
tu baar ois dem ganzen haarwuchse, in welchem lästeren falle 
das wort alt mengenbegriff vom neutralen gesMeehte nicht weicht: 
darum scheren sie sieb nicht eine haare um mich, frau 
Schlampampe leben 8 ; nicht eine haar anders, ehe eines man- 
nesll; in Düringen hört man sehr häufig t. b. bei einer haare wSre 
ich gefallen. — Der plur. haar, bar hält tich fast uneingeschränkt 
im 16. jahrh., doch findd ach die form hare alt ausruAme tchon 
früh, X. b. bei der Hättlerin so', bei Lctbki {Matth. 10, 30, 
Luc. 12, 7), eine form, die im laufe des 17. jahrh. die Oberhand 
gewinnt, von Opitz x. b. ausschliesslich angewant, während auch 
spätere noch, wie GiTVaios, sviscAen baar und haare seAvan- 
ken; zu ende des Jahrhunderts überwiegt jedoch durdiaus das 
letztere, so dati Stiele« nur nocA den pUtr. bare verieichnet 
(sp. 766). die seltene plur. form hSr (wan sie meinen namen 
hören nennen, das ihnen dafflr die bar zu berg stehen sol- 
len Albeids wtdder Jörg Witzeln Ml'; htr fadnachlstpiele UO, 
17) erklärt sich als umgelautd aus ahd. hSrir neben hlr GiAFr 
4,981, mhd. herer BENEctE-MOLLEa 1,634*. 

II. Bedeutung. 

I) haare am menschen; gewöhnlieh wird ohne nähere beseich- 
nung nur das kapfhaar verstanden, und et wol dann auch dem 
hart entgegen gesettl: ich liesz mir baar und hart scheeren; 
haar und hart waren ihm bereift; manner mit wilden haaren 
und harten, preusz. Jahrbücher bd. 18 (1806) s. 58; und der 
rfdensart vom köpf bis zum fusz sieht die minder gewühnkche 
vom baar bis zu den sohlen zur seile: 

doch von den sohlen bis lu dem haar 

nord leb an euch kein reis gewahr. Tkci kait. Oclav. I. 

vergl. eine ähnliehe Wendung unter haarspitze, beschaffenheit, färbe 
und form des haaret wird viäfach durch adjectiva näher be- 



ttimmt, weiches, seidenweiches, krauses, borstiges, slruppich- 
tes, wirres, dSnnes, spärliches baar; rauch, scbeulzlicb haar 
horrida caesaries Haileb 202', straubicble haare lartutae et 
intonsae comae Steinbicb 2, 730. vgl. mhd. dtn bir was dir 
bestroubel. Helmbrechl 025; 

lose sind die wirren haare, 

blutig sind die larten hinde. Lt«kV Klara Hebert VI. ; 

eure seidoe baara und dunkle csstanienloclien. 

Ztcuui! (oifess. 34. 

zerstreute haare, ein bild des Jammers, der Verzweiflung (vgl. 
UI, 6): 

sie liefeD mit lersireutan haaren, 

mit äugen, die von thrtnen roth . . . Geilbbt 4, 127. 

fliegendes haar, solckes dos «ieM in flechten fällt (zerspreitet 
haar passi capitti Dastp.): Amatia mit fliegenden haaren. 
SCBIUEB 141'; 

schon steht, mit Üiegendem haar um ihren weissen nackeo 

die tochler Bambos bolTnungsvaU 

Im magischen kreise. Wibland n«B«r ilmadts 2, 2t; 

er schlang ihr fliegendes haar um die Taust 

und hieb sie mit knotigen riemen. BSbcbb 61', 

was Mattbue deutsch-lat. lex. (1701) 2, 204 frei zu felde ge- 
schlagenes baar, capillus passus, solutus, ventis permissus nennt, 
nach KiBSca eomuc. 2, 162*. vergl. flugbaar 3, 1846. 

Für vorzfi^fiefe scAOn gilt dem Deutschen goldnes, gelbes haar: 
(^lumbine, die mein verliebtes herz schon lang mit ihren 
goldenen haaren bestricket und mit ihren liebreizenden äugen 
entzündet hat. dos bärtig frauens. 94; an der einen gefielen 
mir nur die schwarzen äugen, an der andern die goldgelbe 
haar. Simplie. v. Kurt 1,323; in Schwaben und Franken wün- 
schen die bauren-magde einander zum neuen jähr einen 
jungen gesellen in gelben haaren. Fbiscr 1, 337 ; er beschäf- 
tigt sich bestandig mit der erbaltung seiner glatten haut, er 
lockt seine gelben haare sorgfältig . . RAaenEa satiren 4, ist ; 

komm Cynthius, lass frische krinie binden 

umb deiner gelben haare lier. OriTi 1, 72; 

mit deinen buttern will ich lApollu) allseit, o mein liecbt, 

diss gfildne haar mir siereo. 1, 82; 

der weisse bals, das goldgemengle haar, 

der roten lippen zier, 

so muss man innen werden, 

dass nichts sieh ihnen gleicht ... 1, 80; 

die safranblune stirbt Itkr Ihrer haare sier. Flbbins 183; 

und achl das gflldne haar! so soll 

ein paar der schönsten gotterknaben 

(sie Diesien Bacchus und Apoll) 

es einst getragen haben. C. F. Wbiszb (yr. gedickte 2, l&t; 

die schönste jungfhiu sitzet 

dort oben wunderbar, 

ihr goldnes gescbmeida blitsst, 

sie kämmt ihr goldenes haar. Hbihb Loreiey. 

es sind die mtilae comae, die ne6eii den tnices et caerulei 
oculi (TAcrnis Germ. 4) einen Aaup(ies<and(Aeil germanischer na- 
tionalsehüiJteit bildeten, und die Akgilbebt in seinem lobgedichte 
auf Kart den grossen nicht vergisxt an dessen töchlem ausdrück- 
lich hervor zu heben: 

185. fülgida colla nitent roseo simulala eolore, 

cedit opimum etenim redimitts crinibus ostrum; 
233. voi, facies, crines radianti luce coruseant; 
251. Interea ingredltur vulra Theodrada corusco. 
It'onte venusta nitens, et cedit crinibus aurum. 

Anciubbti Carmen da Harolo Üagno, bei 
Pbbts monum. 2, 391—403. 

»ena aber auch dem leufel im märchen goldne haare beigelegt 
werden (wer meine tochler will haben, musz mir aus der 
holte drei goldne haare von des leufels haupt holen ünder- 
uiid AausmdrcAen no. 2t), so geht diese ansehauung auf den ge- 
witlergolt Donar zurück, der rot von antlitt, von haar und bart 
war und an dessen stelle auch sonst vielfach dermitufel getreten 
ist {mfthoL 151 /f.). auclt hängt hiermit zusammen die im 
mitleküter aufkommende ansehauung, dasz der träger rotes haares 
ein böses herz habe: 

im was der bart und da; hdr 

beidiu rOt, viurrar; 

von den selben hoere ich sagen. 

da; si valscbiu bene tragen. Wigatoit 70, 17 ; 

role haare und ellem holz wachsen auf keinem guten boden 
sagt das Sprichwort in Düringen, vergl, auch Danneil 77; 

ellernholi uo fosSli; har 
sind up gueden gründe rar. 

FnOBB. 6, 425 (ans dem JlOnsferlande) ; 



uiyiiiztJU uy 



ö" 



9 HAAR 

rotli baar ist entweder gar froinm oder gar bOs, Sprichwort 
bei KöRTB 2497, üeldm andrtrseilt noch die alttutionale antidit 
wn der uhünlieH dieses haares vertrilt. das volk schimpft einen 
Tolkopf einen rothaarigeo leufel, auch rolbaarigen spitzbub. 
etnnu rotbaarigen traut man nicht. 

Sonst wird nach der färbe von bellem, duoklcm, UoDdem 
(bcllblonUem, ascbbloodem, gemroelbloodcm, dunkelblondem), 
falbem, braunem (ouszbraunem, kastanienbraunem), scbwarzem 
(stu btr ist alaA palmae uuipreli, suarz samo ein raban 
WiLLEnAü 87), grauem und weiszem baar gesprochen, ine das 
haar ein erixnnunysieichen des metischen ist {vergl. Itl tp. 14) 
und wie, mie vir eben sahen, vom roten haar auf böses herx ge- 
schlossen wurde, so xeigl falbes haar auf farblosen, nMgen, in- 
differenten sinn: durch falb baar wird das falb berz erkant. 
Pabacelsus 2,390*; Götbe verfocht die ansieht, dast der ener- 
gielose, pasate Hamlet notwendig blond tron Aaar gewesen sein 
«lüsle 19, 178. 179. graues, greises haar ist das seichen des 
Otters: graw bar ist der alten schmuck, sprüche Sal. 20, 29; 
wenn im ein unfal auf dem wege begegnete, da ihr auf 
reiset, würdet ihr meine grawe bar mit berzeleide in die 
grübe bringen. 1 Mos. 42,38; mein Karl! mein Karl! und er 
hatte noch keine graue haare (vor noch hieht alt}. Schiuei 130'; 

ihr kOoiK stoli, ihr rller Tiel, 
ihr jOogliog grün Ton lahreD, 

i'a auch liomt her zu meiern spiel, 
hr «Iteo greis tod haaren. Sptt Initzn. 174; 

Tor sfind 
uod schänden mich bewahr, 
auf dast Ich tragen mag 
mit elirea graues baar. 

Usimahn 'o galt du frommer gott; 
seit mir das alter hat mein schwarzes haar beschneit. 

OriTZ 1, 194; 
hat er denn nicht (Tinf ganter Jahre 
mir treu und redlich gedient als knechl? 
als söhn geehrt meine graue haare? 

KoTZsacK dramat, spiele 1, 295. 

■und im hohen alter werden graue haare weist, oder eisgrau: eis- 
graue haare. Bdtscbzt Kanil. 866; 

was kOmmerts den, 
wenn Philipps. graue haare weist sich llrben? Sceiuia 2U'. 

aber graue haare sind auch teiehen nagender sorge: 

i sant Frldelin kom mit wlss und hlaw {tur terstdrkung einer 

tmpptnmachl), 
ich bot kein hir, es whrd mir graw. 

LmnicaON hui. volksL 2, 77* «. aole data; 

und da er ihn als ein jQogling firagte, warum doch der liebe 
geistliche valer ein graueres bauplhaar habe als er seinem 
alter nach sollte, erwiederte ihm dieser: dieses sei ihm von 
den beien gekommen, die er zum Scheiterhaufen begleitet 
habe., vorrede su Spees trulznaditigali (IS17) s. n. 

Das lange, lockichte haar werden iptr als ein seichen der freir 
heil im oitertutne gietcA nocAAer näher berühren, sunOchst wird 
dasselbe im Sprichwort dem kurzen mute oder sinne, namenl- 
Uch bei frauen gegenüber gtMU: 

si sagent: wip hlot kurzen muot, 
dl hl doch ein Tlt langet htr. 

tnasteckta 19, 1 •. noti das»; 
da biet Mittel langes bar 
und kurzen mui, ja das ist war. WinsawuLaa ring 42; 

yU manigerlei ist Trauen sid, 

sie bant Tangs har und kurzen mul. ttältterin 13S, 114 ; 

IVauwen haben laoges hare, 

das merke recht, wer es merken wil. 

u{ den äugen und u% den herzen. 

das selbe das Ist ein gewarei spij. 

Hasziann denJim. 1, 136; 
die Trouwen haben langii hir 

und korze gemdte, da; Ist wir. Haopt tts<^r. 13, 333 ; 
kurzen mut und langes har 
habend die maid sunder war. fatlnachtstplele 1375. 

mulieres et virgines debiles emnt et brevis memoriae , sed 
proliziorum crinium. IlErtaicHiiAiii« prognost. 15. nacA Scbhid 
Schwab, «b. wird von unbesonnenen vergesslichen mädclien gesagt : 
lange' haare und kurzer sinn , vergl. auch Köbte 1498. die 
susammenslellung ist weit verbreitet: so serbisch: frauen sind 
langhaarig, doch kurzsinnig. Taltj 1,79; türkisch: worte der 
n eiber verdienen nachsieht; sagt nicht das Sprichwort: lang 
ist ihr haar, kurz ihr verstand? LaTiri übers, von Chalert >.285; 
ossetisch: dem weihe ist die flechte lang, aber der verstand 
kurz. Pelersb. buUetin y (1863), 440; esthnisch: der weiber haare 
reichen bis ans knie, aber ihre gedanken kaum bis uns 



HAAR 



10 



kinn. Eeiiani* orcUa 14, 23. «erjt. noeft Reiksberc - DCbircs- 
nu> frau im Sprichwort 27. im englischen heiszt es ohne beson- 
dem bexug auf die frauen : more hair tban wit. — Andrerseits 
wird der träger von kurzem, krausem, struppichtem haar als ton 
kurzem sinn und ungefüge hingeslellt: kraus haar, krausen 
sinn brem. wb. , Scbabbacb 115; sein kurzes aufgelaufenes 
(in die höhe stehendes) baar gab iodesseo seinem gesiebte . . 
ein unerschrockenes ansehn. Gellmt4, 406; aber freilich sagt 
auch das Sprichwort: kurze haare sind leicht zu bttrsten. 
FaiscBBiEa (1865) no. 1407. 

Man sagt: das haar ordnen, machen, kämmen, kSmpeln, 
zOpfea (sie . . kampelte und zGpfte ihre haare Simpl. v. Kurz 
3, 278), richten (Maaler 203), strahlen, barsten, winden, flech- 
ten, binden, aulbinden, knOpfen, frisieren, fassen (die haare 
waren in ein durchbrochenes casquet, mit perien und edel- 
steinen besetzt, gefaszt Faub trachten- u. modenwell 1858, sto), 
zunicknehmen , d. h. nach dem kinlerkopfe xurüdatreichen (in 
dem blonden , an den schlafen zurtick genommenen baar 
modenxeitg. 1866 s. 147), scheiteln (das haar auf verschiedene 
weise zu scheiteln Happel acod. roman s. 50), baffen (t. 2, 492), 
früher auch pflanzen, d. h. aufputzen, ordnen, das zieren, 
pflanzen und baffen des baars crinoiit euUus MAAt.Ea 203; 
betrachte diese alten narren dort, welche damit sie in allem, 
insonderheit bei dem arteilßlligen frawenziffer, einem jungen 
manne gleich geachtet wurden, ihre haare und härte mit 
schwarzer färbe uod bleiioen «trfthlen bUfl'en. Puilamdeb 1, 65 ; 

* si pHaott Ir gelbes hare, 

von gold hat es ein färb. Ublabd voüisI. 105; 

das haar ziehen, streichen, pflegen, glatten, kräuseln {cala- 
miärati crines kraus haar Dastp.), locken, wickeln, krümmen, 
brennen, sengen; salben, färben, pudern, bestreuen: 

doch wirst du wol so klein, die jensche iracbi zu indem, 
die haare tu hestreun, den degsn tu behindern? 

ZACvaiAB renomm. 2, 369. 

beizen, ausbeizen; lOsen, aullöseo; raufen, ausraufen, aus- 
reiszen ; stutzen, abnehmen, scheren, schneiden, verschneiden, 
abschneiden ; in der technischen spräche der friseure haare backen, 
sie auf dem haarboden der perücke außltbcn. 

Da im deutschen aUertum langes locUchles haar seichen des 
freien, mündigen mannet irar {rechlsall. 146. 239. 283), so ist d(ü 
abschneiden desselben symbol der Unfreiheit: es wird versdinitten 
dem der ■ an kindes statt angenommen wird , dem knechte , und 
dem, der in den stand der knechtscliaft tritt: 

du solt dir an dirre naht 

din htr helten tniden abe 

und soll alfe dine habe 

von dir legen und dlniu kleil . . . 

des Dlmt in [den künig) mlchel wunder 

und vriget dich besunder 

WB{ dUlu rede bediute. 

si sprich : Ich wil dir blute 

erzeigen, Heber herra min, 

da| ich dir wil getriuwe sin. Barbuim 18, 5. 

das abscheren des haupthaares ist femer entelirende strafe (rechts- 
aU. 702) aticli 6et gefallenen weibern, s. III, 2 (tp. 13) , toitfalen 
im kriege schnitten miigelaufenen dimen, deren sie müde waren, das 
haar ab und jagten rie fort. Wenden, als unfreie, tragen ge- 
schnittenes haar: 

sl pllagen auch tu den selben stunden 

dast ir hir {ptur.) nach windischen sitien 

ob den oren ahgescbnilten. faslnadustp, 440, 18, 

aucA der narr ist aus Reichem gründe beschoren: 

den sol man acbwerten als ein mom 
und sol in beschern als ein toro. (aslnadussp. 810, 16; 
s! nam des bares ctwen lOck von den slalT blndann. 
si macht in zu einen toren, den tugenthaften mann. 

Wolfiielr. bei Haupt 4, 438, 318. 

t. bescheren 2, 1562. mSnche und nonnen geben rieh mit 
dem Verluste ihres langen haares gotte tu eigen: dA erschein 
der heilige engel sente Petro in einis pfaflen bilde mit 
umme geschorencme bftre mit einer platten und sprach zu 
imc: alse du mich ou sihest geschom, alsA sollu dich 
Sehern und nach dir a6 sulo sich alle die schern, die zu 
gotes dineste gewthet suln werden. Letseb pred. 85,40; 

Ins Uoster, Ins kloster, 

da kom ich nicht hinein, 

da schneidt man mir die bar ab, 

das bringt mir schwüre pein; 

Sott geh dem klilTer unRlOck vil 
er mich armes migdlein 
ins kloster haben wD. Ublakb 

uiymzed by 



^TGbogle 



11 



HAAR 



HAAR 



12 



endücA sdart man auch aiu Inuur dat haar: 

and bellen Ar alme grabe 
Ir btr geechorn alli{ abe 
Ton den grisen leiden. HtaBon 168M; 

las dir die bar abscheren and gehe kalh «her deine xarle 
kinder, mach dich gar kalb wie ein adeler, denn sie sind 
Ton dir gefangen weggefDret. Micha 1, 16 ; schneid deine bar 
ab und wirf sie von dir und heule kleglich auf den höhen. 
ier«fn. 7, 29. 

Eigenes baar tragen,, im gegensatu tum tragen von b-emdem 
haar oder einer perüdu, wat «cAon frühe im gebnmehe ist: 

Trtmdes htr du pindesi ein. Sdcbi!iwi«t 120>, 56. 

er trSgt sein eignes haar, comam propriam nutrü, caesarie sua 
omalur. Faiscn 1,3S8; im Obrigen sollen die Studenten auch 
feine ehrbare kleider tragen und nicht xa viel mit ihren 
eigenen oder falschen haaren prangen. Happbl acad. raman 863 ; 

irtgt denn der Borger eignes haar? 

bat er schon tnu und lünder? Gicirasi bei Birser 39*. 

man spricht femer von lebendem haar, solches das im leben- 
digen wacAsIum begriffen ist, im gegensats ni totem haar, dem 
abgeschnitlenen und xu kunsliuecken rerarbeitHen : damit aber ist 
die frage nicht gelöst, ob der haarparasit auch am lebenden 
haare lebender menschen und thiere gedeihen könne, nordd. 
allg. xeilung v. 30. tndrz 1867. 

ITaare an andern Iheilen des menschiichen kürpers ab dem haupte 
erfahren meist eine nähere beieichnung, vielfach auch durch com- 
positum : haare an der nase vibrissae StEmiAcn 1, 699 ; bart- 
haar: ohne dasz ich noch ein einzig hSrIein hart . . aobu- 
weisen gehabt hStle. SimpUe. v. Kurs 3, 213 ; der neue rent- 
meister, so des alten söhn war, bat so viel haar imibs maul 
als ein laubfroschlein. 3,325; kinnhaar: 

die damen alle lieben ihn 

nod rufen wie besessen: 

bitt' er nur auch haar ums kinn, 

er w&r' ein mann tum It^ssen. BLomim 1, 139, 

veü der bort teichen der mannheit iä (III, 10). das keimende 
haar des hartes heiszt milchhaar lanugo, auch staubhaar, gauch- 
haar, kukukshaar, bungerhaar. schamhaar, auch bei den 
heimlichen haaren, pubelenus DiEFERBtcn 470; in folgender 
stelle sind diese haare nicht näher beseichnel: frisch in't hir, 
sSd de deem, 't giwt krüskOppke Jungs. HSfer wie das tollt 
spricht (1866) no. 298. 

2) haar an Heren; mhd. und s& ze bant, s6 diu kalzc die 
kroten als6 gelecket, sA beginnet sl alzchant dorren und gSt 
ir daj bir ftj. I>r. Bertiiold in Wackernagels leseb. (1869) 
721, 1 ; nhd. wann ein pferd von einem watigen hund ge- 
bissen, desselbigen hnndes eigener haar aufgelegt BOciler 
kriegsschule 950; halshaar an den tbieren, als an IOwen, 
pferden u. s. w. juba Dastpodius; der wolf ISszt wohl seine 
haare, aber nicht seine tflcke . Pisroains viii, no. 29 ; Spitz- 
buben, die wie die fflchse wol die allen haare, aber nie die 
alte tUcke lassen. Feloeb sondert. I, 206 ; 

also ein kobner Itir, in dem sein hene brennet 
(Qr gunsl su seiner tncht, der sorget stets und wacht, 
schleicht Ober allen frost und scfanee bei stiller nachl: 
sein haar ist ihm bereirt, es hangen an den obren 
die zapfen Ton crystall. Orni 1, 3. 

haar heissl teol auch beim rosse nur die mahne und wird dem 
schwänz entgegen geseist, wie beim menschen haar toriugsweu^ 
das kopfhaar beteichntt; eine rosshaut ersihlt: 

der strigelt und putiet mich auf, 

er kempl mir bar und schwani sum kauf. 

II. Sachs 1 (1590) 375^ 

Bei den kSrsdinem und gerbem beseiehnet haar die seile des fei- 
les, wo die haare stehen, aas die seile, wo das fleisch gesessen 
hat. Fiiscn 1, 388; auch die wolle der sdiafe heisst techniseJt 
haar: das gewalkte und ausgespOlle tuch wird gerauhet und 
geschoren, indem man das gefilzte haar etwas auflockert . . 
nachdem das tuch einigemal ganz gerauhet ist, oder einige 
trachten erhallen bat, wird dieses ans den haaren gearbei- 
tete . . tuch unter die schere gebracht. Becsnanh lechnologie 
(1777) >. 26; haar und grund bei den tucbscberem, ganz, 
Tollkommen, durcbgehends , links und rechts, auf beiden 
seilen. Friscb 1,388; in Diringen das tuch nicht gegen die 
haare barsten (frans, contrepoil), wofür sonst auch gilt gegen 
den strich; wan ich vil soll dnrch barsten kriechen, und 
Ober zSun und Stauden klimmen, so laszt mein kutt das 



baar and maaszt sich gar. Gor;. 244' ; melonymisA steht dann 
haar aucft fttr das aus haar gewebte klad, s. u. baren: 

he levet also ein MAsenJr 

unde liastiet ainen licham e6r, 

negest alneme live drechl be hir. Brineek« fkdu 2S1. 

haare heisxen auch die ersten flaumfedem junger vOgel. Stieler 767. 

3) die Sorten fäserchen an der Oberfläche der blätter, bUUen, 
Stengel und fruchte: haar an den kotten und Opfeln, lanv^o 
Dasttodids, tergl. haarbeere ; auch die langen fasern des fiaÄ- 
ses: Ton werg oder Hachshaaren. Aharantbes /i-auensinifflef^ 
lestteon 3. ati/I. (1773) 1, 1246, vergl. ein guter flachs musz sch&n 
langhaarig, rein, linde und thatig anzugreifen sein. 1044, und 
die der böumwoUenblate: es wird die erlesene oder gereinigte 
baumwoUe . . gekardet, wodurch der staub daTon geht und 
die haare der baumwolle einerlei richtung erhalten. GOtse 
23, 52 ; der haarfeine faden der rohen seide heisst bei den seiden- 
webem haar, vergl. haarseide ; femer die jrannen oder der bort 
der ihre: baar am kom oder Sri aristo Maaler 292', Nek- 
niCR 1, 456; endlich auch der kurie haarfSrmige sdiimmel, der 
auf etwas faulendem wächst, frans, la barbe; s. haarbant, 
haarnetz. 

4) die feinen faden, in denen bisweilen das gediegene säber im 
geslein lie^, heissen haare des Silbers, >. haarsilber, in gleidier 
weise wird von baaralaun, haarerz, haargold, haarkies, haar- 
salz, haarstein, baarritriol geredet. 

5) dichterisch heissl das laub haar der bSume, ein noAe lie- 
gendes und schon classisches bild: 

diO^gere Dlres, redeunt jam gramisa campis, 
arboribusque comae. Horst, carm. IV. 7. 

übersettt von C, F. Weisze: 

der schnee lerechmilit, das gras spriesit auf den Itven wieder, 
den biumen keimt ibr neues haar. lyr. ged. 2 (1778), 82; 

da sieh ein wind anOeng, 
die erde stürm erhub, die tranrigkeit der Ionen 
stiess in der btume sier, zerstreute durch die kiOften 
der wilder grOnes haar. Opits 1, 176; 

tanit dem schönen mai entgegen, 

der des waldes haar Temeut. BftiTT, *. IVuehlbanm. und 
vgl. Moral, od. I, 21, 5 nemorum coma; 
— Tom haare der bSume 
troff feuer auf mich. Scbcbast der euige juie; 
zartes eis bedeckte die fliehe 
schioimemder landseen, 
und es kräuselte sich auf ihm der buche goldnes haar. 

Stolbirs ged. 303; 
kAnni ich dir die mrrthen zeigen 
und der leder dunkfes haar! Notaus 1, 95; 
die stflrme brausen, dass die eichen selbst 
■ aus schrecken littern und die haare schfltteln. 

ÖHunscBLÄGH ^tflddiii (1806) i. 537; 
mag sieb der zweig dem iweige wild Terflechten, 
der birke hangend haar den boden schlagen, 
der junge buscb zum bäume sich erheben. GtiBi 9, 322; 
welch ein morgennölkchen schwebet 
durch der tannen schwankend haar. 41,335; 
und liest daraus ein dringendes beschworen, 
dasz rauschend sich des waldes haar' empören. 

LisAD Faust 23; 
und das gelreide haar des ackerst 

des ackere gelbes haar war auch schon abgeschoren. 
WicKHtauH 771; 
scheint das bimmeiwasser teuer, 
ist der erden haar gerAst. 

HAasDORriR gesprächnp. 1 am scMiitse, 

nach RoRSARDS lei cheveux de Ceres, gräser und gestrduch, mit denen 
ein hägel bewachsen ist, werden haar des hageis genannt ; 

du dnrch die lasier selbst so weil berufner hOgel, 
dem Fobus alles haar bat um sein btupt Tersengt. 

Ftsnino «onelt« 2, 40. 

und im forstwesen heisst ein wald oder ein berg steht ganz 
Toll in haaren, er ist mü holt und bäumen bewachsen, Adeli)II6. 
vergi. frauenhaar. 

6) das gerinnen der muttemiilch su haarfürmigen fäden, in 
folge dessen sie stockt, wird haar genannt: Ton dem gerinnen 
und stocken der milch, insgemein das haar oder der käs 
genannt. Mauriceau sufälle und krankh. der schwängern weiber, 
verdeutscht (1687) >. 492; da sich denn jemalen begibt, dasz 
dieselbe (die milch) gerinnet und stocket, so dann die krank- 
heit Terursachet, welche die weiber das baar oder den käs 
nennen. 493. 

III. Spridmürter und redensarlen, deren einielne schon oben 
unter II, 1 (sp. 8. 9) erwähnt werden musten, haben sich um das 
wort haar eine grössere ansahl angetetst: sie fassen die bedeu- 



uiyiiizfciu uy 



ö" 



13 



HAAR 



HAAR 



.14 



tun; U, 1 dn wvrUs IhäU in ihrtm notirUcken, Ihtät i* kUtt- 
Udüia mne. 

i) auf der Khönheit des gelben Haares (II, 1 ip. 8) fustl dat 
«prieAvort; das geschieht nicht am deiner gelben haare willen. 
Fbiwh 1, S37; scJacib. um deiner geelen haare wegen ge- 
schieht es nicht. Scamo tehicib. wt. 226; nd. das scbut nig 
um diner gelen hare willen, brem. «b., ScuCne holst, id.; et 
will tauen, dasi die geKdhmng einet uuntclm oder einer gunit 
nidit die gewinnende fersOnUdikeit des biltslellert atr ursaeke hat, 
sondern aut andern gründen geschieht: das deine sfinde nimer 
süiide, und vergessen sind, ist nicht deiner gelen haar schuld, 
sondern der gnaden. LumEa 4,460*; es wjire dann, dasz es, 
ut ajunt, seinen gelben haaren wegen nicht geschehe, int^- 
rtiR 406 ; t» elieat anderer fattung : aber ich, ich sage, ich habe 
sie helfen wehren, und trewlich widerraten, nicht e. c. f. g. 
schönes haar angesehen, sondern arme leute. Lm'sEa 4, 471*. 

2) der Jungfrau kommt langes,. frei herabfaUendes haar zu 
(die haare liesz sie um den köpf fliegen wie eine junge dime 
ÜArrEt acad. roman 783), während die verheiratete frau das haar 
in die haube aufbindet, daher beteichaet im haar gehen so viel 
alt Jungfrau, unterheiratd sein; tchon lex Uutpr. 6, 11 filia in 
cspUio Ivergl. reiMsall. 286); gleichwie im deadschen magd 
beiszt ein solch weibsbild, das noch jung ist, und mit ehren 
den Icranz tregt und im haar gehet, das man spricht, es ist 
noch ein magd und keine frau. Luthes 2, 242*; eine Jung- 
frau oder magd, die noch in baren und im kränze gebet 
und keine fraw worden ist. 8,129*; wenn ein mSdcbeo ge- 
schwängert wird, und, wie oftmals geschehen, bis auf die 
luszersle zeit der geburt in haaren gebt, sollen ihr die haare 
durch den bültel abgeschnitten und an den kak genagelt 
werden, iltere holiteinitche Verordnung bei KaDmtz 20,498; 

•i rueften gMter ainem junkling 

lin maid, die fiir ain juDltfrau gieng; 

noD Ut >r heut der pauch geswollen. 

der will Ich wol raten, wil sl mir folgen, 

wie si das yertreib 

und daoaactat maid Im bar belalbt. 

fatlnaektt^iele 495, 33; 
Ihr tichter auch noch unrersagt, 
noch blo« iD gOldeo haaren. Srai Iruttn. 143. 

ipdter hefstt et, wie auth noch jetü, im kraute gehen (s. kränz), 
und wo untere redensart in niederdeutiehen gegenden noch lebt, 
da ist ae verbl^ti: in baren gaan, keine bedeckung auf dem 
köpfe haben, wird insonderheit von den frauenzimmem ge- 
sagt. Dähkeit 176; aber Heotei braucht es auch von mdnnem 
in der bedeutung wie baarbaupt: de paslor kam in boren 
awer den kirchbof rSwer lau gabn. ut mine stromtid 1,58. 

3) graue haare entstehen wie vor aller, so auch aut hanmer 
und targe (II, 1 ip. 91, daher etwas macht graue haare, macht 
sorge, sich um etwas kein graues haar wachsen lassen, sich 
einer saehe wegen keine sorge machen: lasz dir kein graw bar 
darum wachsen, sorge nicht, Irawre nicht, du wirst sonst 
graw. AcaicoLA no. 163 ; ich habe dir doch schon gesagt, 
Sanizscho, sprach don Kichote, du solst dir deszwegen keine 
grawen haar wachsen lassen. Junker Hamiseh 118; die un- 
glücklichen ßlle ... die mir noch bevorslehen, machen mir 
nur vergeblich graue haare. Simflie, ton Kurt 1, 206; und 
war mir nit anders zu sinn, als es wörde aus jedem winkel 
noch eins (ein kind) herfttr kriechen, welches mir nit wenig 
graue haar machte. 2, 42 ; lasset euch kein grau haar wach- 
sen. 2, 297; daraber lasz ich mir kein einzig graues ha<r 
wachsen. Kanne com. hum. 46; Wohlsein eines jeden! dasz 
sie sich nur dämm graue haare wachsen lieszen. GötbsS, 31; 
und mU verindertetn auidruek: dasz sie nur darum ein graues 
haar anflöge. 42, 272 ; 

dasselb bstriibet mir den leib 
DDd macht mir graue bare. Hditlerin 80*; 
on glOekt'a ihm; kQhn betrog er die gefahr, 
• docE auch ein bock macht lom kein grauet haar. 

GöTSI 13, 138; 
ond dir, wie manchem seit hundert jähr 
wtetast darober kein graues haar. 56, 98. 

4) Misefsen, sdtreei und angst machen, dast das haar ton ite 
topfhaul eich emporhebt; es wird meiM gesagt, das haar geht zn 
berge, steht tu berge, zu den bereits i, 1504 gegebenen beispiele» 
noch einige andere: so würden euch die haar gen berg« 
stehen. LtrraEB 5, 90*; das haar gadt te berg, rigent copiUi 
melu. HsALKi 203; meine haar steigen mir gen berg, ich 
mag nicht mehr von solchem jammer horeo. getprSek dreier 
guter freunde (1592) M. D 4; ich will ihnen etwas rertrauen, 



etwas das ihnen jedes haar auf dem köpfe zu berge strtu- 
ben soll. Lbssino 2,169; wenn ihm jetzt über der Beschrei- 
bung die haare tu berge fliegen. Scbu.ix« 199; was war es, 
das mir den angstschweisz ausgepreszt und die haare tu 
berge gelrieben hatte? d«r deutsche Gilblas 140; ihre haare 
str&ubten sich zu berge. Gbimm deutsche tagen no. 312; tergl. 
mkä. vor uovilt gie le berg min b4r. Frauend. 336, 4 ; 
da; iu te berge gtn elliu hir. LS. 1, 146. 

andere vendungen drücken tick ähnUck aus: wie mir alle meine 
haar aufsteigen, fioccocc. (1580) 1,5*; mord! mord! und wenn 
ichs denke, stebn mir die haare nicht Klingbb 1, 59, bleiben 
nicht in Ordnung, sträuben sick; 

mir gand schier alle har tu bor. 

HiBiaiK tpil tum Abraham (1592) JUj'; 
die bahr kribelten unterm hut. 

frotehmeteter II. 2, 14 Ddjj>, 

woxu XU tergleitken iit: mi krupen de haare up'n kopp, iek 
bin voll tekrecken und angst. DisNEBT, and; ich . , merkte 
gleich, dasz es ein gespenst war, dann meine haar regten 
sich meinem bedunken nach auf dem köpf, als wollen sie 
lebendig werden, oder als wann mir ein häufen wfirm da- 
rauf herum krochen. Smplie. von Kurt 2,291; 

vom blossen gedankco empirt sich jedes haar 

auf ihrem köpfe. Wuund 4, 15 ; 

wie wol sich jedes haar 

an Ihm dagegen sträubt. 18, 158; 

•ntseiian ttrtubi sein graues haar empor. Com« 2, 174; 
die stund da sie gestorben war, 
wird baog dem. buben, kraust sein haar. 

GOthb der untreue knabe; 
nasse schauer schauern (ürcbterllch 
durch sein gramgetchmoiteoes gerippe, 
seine silberbaare biumen sich. ScaiiLsa 1*. 

5) Jammer erieugt die gebtrde det haarautraufent (tgl. 5, 917) : 

mU. von Berns der vii tumbe 
k4rl sich weinende umbe 
und vie sich selben in dat htr. 

Dietrichs flucht 4281 (tfartin). dkniieh 9901. 

da ich solches bOret, tureis ich meine kleider und meinen 
rock, und rauft mein heuptbar und hart ans und säst ein- 
sam. JEira 9,3; an allen orten da sie zuvor frOlich gewest 
war, rauft sie ir har aus. ttOcke inEtther 3,2; wir alle wor- 
den noch heute die haare ausraufen Ober euerm sarge. 
ScniLLEB 103*; soll ich mir das haar ausraufen T KonesoE 
dramal. spiele 2,306; frau Humbrecht (kommt geloflTen, rauft 
sich die haare) Martin! Harlin! ach du lieber gott! Evchen 
ist nirgends zu finden. H. L. Wagne« hndermirderin 83; da 
raufte der treue diener sein haar, weinte und schrie : o wehe 
mir, wehe! Ivvebharr Uänehk. 2,93; 

man schreibet sieh den schimpr gani sachte hinters obr, 
o! warum rauft man sieh die osare nicht invorl 

Siorri bei Sltinbach 2, 228; 

die traurige Sion, 

die bis In den tod betrflbte 

die litt walse. vor gellebte 

reisit ihre lorbeerkrou 

von dem turauften haar. A. GarPHiut (1663) t. 519; 

ach Thiibe, was hast du gethan? 

die haar will ich ausraufen mir. Peter Sfitsns <. 37; 

und nun! — ums haar sich autiuraufen 

und an den winden hinauf tu laufen ! GAtbs 12, 192. 

t. haarausraufen, haarraufend. 

6) einem gegner mit man ins haar, wie knaben beim raufen 
oder balgen thun: da denn dieselben {die pochjungen) nicht er- 
mangeln, Ober dem auflesen {längeworfener kleiner manzen) 
einer dem andern die haare mit denen flogern auszukäm- 
men. Bebbens Bereynia euriosa 180; endlich kriegten sie einan- 
der bei denen köpfen und lieszen ihre binde mit beiderseits 
haaren csmcradscball machen. Darbennime 223 ; vil hend im 
haar raufen hart. Assic spr. (1560) 97'; 

mhd. si viel der hAchvart In da{ hlr 

und warf sie üf die «rd >e tal. S. Hetbling 7, 982. 
nhi. eh loh euch in das haar eins fall. H. Sscss 6, 2, 44*; 
eh ich dir plats los baar dabei, ibid.; 

Dennemark woll was gewinnen, 
Tillv greift ihm ins haar. 

KOBXBB hitt. volktl. 310; 

und wird oftmals «Ine nrsach« von dem taune gebrochen, 
dast man einem Lutheraner in die haare kommen mOge. 
Ebnst gemaihiergeltl. 557; fällt ihm seine frau in die haare, 
(0 wird er sich darüber nicht entrüsten. Raieneb sotiren 1, 



Digitized by 



Google 



15 



HAAR 



HAAR 



16 



(1761) 106; einem in die haare falleo, «iMtai« altem m» ta- 
pillos. STEiiraicH 1,699; er wollte ilim gerne in die baare, 
fiiatRÜM enm iUo titanA quaril eaiimm. Md. — hierher ge- 
härt auch: die hohe oherkeit . . sonsten die hinde alleat- 
halben nn haar hat. Pbiiandei S, 484, d. h. sie sucht die 
unlerUmen m bedrängen. 

Feinde und gegner liommen, geraten, Tallen, legen sich in 
die haare, liegen, sind einander in den haaren: hie wfillen 
wir uns auch nicht in die har legen und fechten. Ldtber 
4,426'; ein Christ sol das wissen, das er mitten unter den 
leufeln sitze, und das im der teufel neher sei, denn sein 
rock oder hembd, ja neher denn sein eigene haut, das er 
rings omb uns her sej, und wir also stets mit im zu har 
ligen, und uns mit im schlahen mOssen. 5, 334'; kommen 
wir mit einander zim haaren und reuffen uns. lisehreden 403'; 
der mit eim vollen zu har ligt, der zankt mit eim der nit 
da ist. S. VtiKin sprichv. I, 64'; sie lagen einander für und 
far im haar. Wicira« rollv. 23 ; aber ehe man diesen strengen 
process mit mir ins werk setzte, gerietben die Banieriscbe 
den uDserigen ins haar. SimpUc. v. Kurz l, 216 ; jene kehr- 
ten bald um, und also kamen sie einander in die haare. 
Hafpel ttcad. roman 960; dem Hioh wollte der satan gern 
in die baare, imi seines unsträflichen wandeis willen. Scai- 
VE« setUnseh. 2, 14 ; und seid euch einander in die haare ge- 
fallen. GOtrb 14, 299; dort unten gehen die hindel schon 
los! sie sind einander in den haaren. 42,343; ich und der 
hausherr hatten uns Aber die ersten principien der moral 
blosz moralisch bei den haaren. J. Padi uniicMt. löge 1, 111 ; 
Tolk und adel liegen nicht blosz in' Rom, sondern anch in 
heutigen dfirfem einander in haaren und zOpfen. 4,15; hier 
pragelten sich ein paar, dort lagen sich zwei in den haaren. 
RiEBL euUurgeseh. norellen 251; 

die htuser beiderselu, Hagant und Ciaramonte, 

die haszlen sich, dast man den basi nicht aüllen konnte, 

sie hatten sich gar oft gezogen dnun die haar. 

D. T. D. WiRDia ArioU H. 61,3; 
es ibeilet Mumm sein reich mit seinem lieben weihe, 
tags liegt sie ihm im haar, nachts er ihr auf dem leibe. 

LocAD 1, 9S, 5; 
■lels sich in den haaren liegen, 
wie zwei bahne dazusiehn. COni 57, 233. 

vie auch im mhd.: 

der einem wirft sin laster vAr 
mit dem namen und olTeoblr, 
danimb edt man dicke ze bir 
und ist de n liuten unm<{en sweer. 

TucaHn bei Kariyan (1855) *. (1 ; 
swt Ich s«cb mit zAhten zechen 
dt TerdrOs mich nimmer zwir, 
aber swi man gM ze bär, 
da ist ein kurzlu zit ze snxr. s. 65. 

Enisjireehend diesen redensarten gehen neben ihnen andere, wMie 
bedeuten feinde machen, gegner auf einander helten, m manm;- 
fath vediseinder fassung : nach dessen {hersag TifUhelms) abgang 
on mSnIich erben hat sein brudcr Dankred das land ange- 
nommen: welchem bald band ins haar za pringen, nam 
papst Celestinus der 3. des oflgedachten herzog Wilhelms 
einige tochter Constantiam, so ein nonn, ausz dem klosler 
und gab sie zur ehe kaisern Heinrichen dem sechsten, eim 
herzogen ton Schwaben, mit befehl, an statt des heurbat- 
guts, die reich beider Sicilien zu holen. FiscBAiiT6ieiieni.l2S'; 
das er den adel und die bflrgerschaft aneinander verhetze 
und zusammen in die bare bringe. Bdtscbzt Patmos 903; 
tgl. denn er kriegt bald fremd bind ins haar, 6efeimm( tank. 

H. Sachs 4, 2, go*; 
wo man ein solebs wird beginnen, 
mftcbl man fremd bind in baam finden, 
wird sich beben ein blutTergiesien. 

Wolf hittor. toVut. 110. 

/irrner die baare zusammen binden, zusammen knöpfen: er 
verliesz ein unglOckhaft testament hinder im, in welchem er 
der stat ZQrych und beiden lendem Schwyz und Glarisz die 
haar zusammen kofipfet ond darmit in ein langwierigen töd- 
lichen krieg (ttrderet. SmNrr chronik (1586) p. 362'; hiemit 
ward dem herzogen und den eidgenossen das haar zesam- 
men knQpfet. 55t'; wie graf Friedrich von Togkenhurg beiden 
orien Ztlrjch und Schwytz die haar zcsamen strickt. 688*. 
et fällt anf, dass Scrertlik diese redensart in vOlfig entgegen' 
geseiltem sinne brasuht: ich bin guter hoOTnung, ich wöll . . 
inen beiden, chnr- und forsten, die h.i:ir zusamem binden, 
sich mit einander zu rerainigen. briefe 38, es ist die rede von 



grindung'des tdanaUaliStthen bundes, fOr den Screitlin in Unter- 
handlungen eifrig warb. 

Haar auf haar machen, eommtUere inier se Dastpodios ; ver- 
klappem , verschwatzen , verligen , har uf bar machen, und 
wirre werre under den freunden machen. Keisersberg sünden 
det m. 46*; krieg anrichten, das haar uff jhenes haar reizen. 
S. Frahi 11,103';' 

mancher der bat gross ft-eOd daran 
dasz er verwirret jederman 
und machen kfinn dl» hör ulT das 
daniss unlTänlscbalt spring und hasz. 

BaAüT narrentdi. 7, 3. 

haar auf haar richten, welcher den sig gewänne, amtendere 
duot Maaleb 203. — unter den geteUtchafUsfielen in Fiscbarts 
Gargantua vtrd aufgezählt haar auf haar, katzenhaar. 167' ; daher 
kompt auch balgen, walgen und bellum, dasz man den fuchs 
umb den balg und feil jagt, davon ist noch das spiel umb 
den barchat jagen und haar auf haar. 194', und Pistoriss 
thesaur. foroem. (1716) no. 38 fihrt,an: 

haar um haar, , 

wer vom andern betrogen Ist 
wirds wol werden gewahr, 

mit der erUdrung : pilus pro jiilo (sc. detur) , {ut deeeplus est ab 
allero, ille damnum persenliscet. 

7) machen die gegner friede, so lassen sie die hjtnde aus 
den haaren: geschieht aber vielmal mehr und ehe danns gut 
ist, dasz sie kaum die hündt ausz den baren gelassen, rOp- 
set ihnen der krieg widcrumb auf. Kibcbbof muH. ditctpL 20«. 

8) der und das widerspdnstige srird hei den haaren herbei- 
gezogen: so ist gott kein zwinger, dasz er die unwilligen 
beim haar gen himmel ziehe. Acricola spr. (1560) s. 72'; es 
geschieht, das alles gebogen, abgenagt und auf sein deller 
beim har gezogen wird, was er im famimpt. S. Fra!» i^- 
bueh, vorr.; zu befestigung desselben {der auslegung einer UM- 
strile) so holen sie den teit Salomonis mit den haaren herzu. 
FiscoABT bienenk. (1588) 150'; ach! ich elender mensch, der 
so oftmal hei den haaren in das unglack gezogen wird. 
Happel aead. rotnan p. l; diese auslegung würde bei den 
haaren gezogen sein. Wikieimann 1, 636; niemals that er 
es aber ohne Widerwillen und nur wie von einem bosen 
geiste an den haaren hingezogen. GOtbe 15,187; 

we liebes mediin nim in (den «nfreiien liebster) beim har. 

Ubuhd viiktt. 667; 
muBZ sie beim bar zu mir ziehen. H. Sacbs 3, 1, 242*, 

nämlich gott die oMrUnnii; geicorilnien menschen; 
musz im als seine sache lieren, 
solt ers auch bei den baam tuHibren. B. Waivis 2, 8, 45. 

9) auch das fiüditige gläck, die schnHI sich daiiielende geUgen- 
heit ergreift man beim haar: 

ein jed' gelOst ergrilT ich bei den haaren, 

was nicht geoDgte, liesz ich fahren. GOtbi 41, 315, 

feie Opitz sagt: 

kompt dir was gntes fhr, so nimm alsbald sein war, 
dann die geiegeobeil die hat nur fomeo haar. 1, 307, 

nacft dem distidton ton Cato: 

rem tibi quam nosces aptam dimittere noii: 
n-oote capillala, post est occasio calva. 

«Oiu man erlangt hat, hat man beim baari so der bergmann 
das gefundene ers: das mancher oll hart und lang pfiffen und 
schlagen musz, bisz er den abraum und des eizes dach 
durchsinket und das erz bertlret und bei den haaren hat. 
Matbes. Snrepla 40'; aber oucft die unruhe den menschen: ich 
musz nur noch nach einem pferd schicken, denn die un- 
robe hat mich heute wieder an allen haaren. Gotbe an 
freu V. Sein 1,71. 

10) i«ifer haarmiehs an köpf und barl ist seichen der kraft, 
und als mann wird im deutschen rechte der erkannt, der haare 
am bort, unter den armen und an den schamtheilen hat: swil- 
cbes mannes alder man nicht en wei;, hit her htr in deme 
harte und nidene und under tclichme arme, sü sal man 
wijjen, da; her zu stnen tagen komen ist. Sadtsenspiegel ed. 
Weisie 1. 1 Off. 42 {1 (ed. GOscbex s. 20). doAer ist drei- 
hsarig eigentlich so viel, als mit manneskraft ausgerüstH, aus 
dieser bedeutung entwickelt sich die torslellung gewitzt, durchtrie- 
ben; wonach das, was 2 sp. 1383 über dreihaar, dreihaarig 
geuigl worden, su berichtigen iM. — Die folgenden beispiele fas- 
sen die mannheil unter dem bilde der haare: er ist mir zn 



Digitized by 



Google 



17 



HAAR 



HAAR 



18 



haare gewachsen, par ttt mäa carporit mibus, tuptricr «mM eä. 
Steihbach 1, 699 ; aber der leufel hätte mit ihn) fechten mOgen, 
den er auch, wie mir gesagt ward, in haaren sitzen hatte. 
&mflic. V. Kurz 1, 436, d. h. er hatte to «tri krafi me der leufH. 
herlier atich: lasz mich machen, ich hab haar im arsz, buy 
buf , dem ofen zu, zur stub hinausz. Garg. 94' ; zUod mirs haar 
' im arsz an. 94*. Er hat haare auT den zShnen, er üt ein 
starker, ganzer mann (däniseh at bäte haar paa tendeme, vere 
klog, erfareo KaisTiAtisEN tl&): einer zeigt sich etwa so in 
einer Wissenschaft, dasz selbst seine neider mUssen einge- 
stehen, er habe haare auf den zahnen. KLorsToci 12, 79 ; dasz 
sie gleich merken sollen, dasz ich nicht mit mir spaszen lasse 
und dasz sie einen burgermeister gekriegt haben, der haare 
auf den zthnen hat. Piorz UolbergliS; haar an den zlhnen 
haben. Eiseieir 266. in Iheiten des Osterlandet bedeutet das 
hat haare auf den zShnen es ist schieierig, verzwickt, gerade 
«IM vir torhin sahen, dasz dreihaarig aus dem hegri/f minnlich, 
manneskräßig in die torsteUung durchlri^en, schlau auswich, — 
Jtfan sagt auch haare auf der zunge haben : du bist ein ent- 
schlossener kerl — soldatenherz — haar auf der zunge. 
ScBiLLEX 113; und auch Uer ist es interessant zu sehen, uiie 
diese redeweise aus dem sinne krdflig, stark, den nebensinn 
schwierig, schwer zu finden entwickelt, wie aus folgendem hervor- 
geht: denn man flodet gar seilen einen getreuen schkfer, 
so gar, dasz auch das Sprichwort daher entstanden: der 
beste schsfer hat haare auf der zungen. Döpler der getreue 
und ungetreue rechnungdieamte 1, 120. ihnUch ist: der müller 
ist fromm, der haar auf den zahnen hat. PisToaii Ihes. par. 
Cent, y, no. h, d, h. es giebl keinen frommen müller. — Es ist 
hierbei folgendes zu berücksichtigen, wir müssen den sinn bei 
den redensarten haare auf den zahnen, auf der zunge haben 
durchaus hyperbolisch fassen und dabei nicht an das barthaar 
denken, das ja nicht auf und an Zähnen und zunge, sondern 
über denselben wichst. vergL 

mir liebet mein allerliebaie frau 

für scbwimen Ober die Tbuoau; 

>ie iiept mir mer, denn steigen ai^ den luginslaot, 

und liept mir mer. denn ain lausiges gewant, .... 

mir ist von ir so vil gelüclis beschert, 

als mir bors auf der zungen steel. fattnachttsp. 633, It, 

d. k. kein glück, wie die zunge kein haar hat. wir müssen bei 
Würdigung jener reden vielmehr unter ausgang ton dem starken 
haarwuehse als zeichen der kraft und stärke das behaartsein an 
ungewöhnlichen stellen, an solchen wo sonst kein haar wächst und 
wachsen kann, als zeichen einer ungewOhnUdKn manneskraft neh- 
men , wie die Griechen ihr läoiov x^(i (Was 2, 8M) Und ihre 
Xäauts fQives (Alexander Aetolta bei Athen. 15,699'). 

11) aucA für reich sein gilt haare haben: wenn wir einen 
heller setzen, so mOssen sie einen gülden dran setzen, denn 
sie haben har, wir sind blosz. Luther lischreden 149*. 
% 12) haare lassen, lassen müssen, heiszt daher zu schaden 
kommen, verlast leiden, wie man ähnlich, das bild vom vogel 
genommen, sa^ federn lassen (3, 1393), "und venn in den ersten 
der folgenden beispiele der ursprüngUche sinn vorwaltet, so steht 
er doch nicht oAne rücksieht auf die übertragene bedeutung : wo 
sich der esel walzet, da musz er haar lassen. Leuhamn flor. 
pol. 1630 s. 127; es ist besser einige haar lassen als den 
ganzen balg verlieren. Serz 60; 

die süsie liebeskrimerei, was fQhret die ntr wahren ? 

sie macben ihren kaufmann glat und tnien Ihn von haaren. 
LosAD 3, 30,42; 
ich achte kein heuslein so geringe, wo man sieb draus weh- 
ren wolle , die feinde mfislen har drtlber lassen. LoTBEa 4, 
481*; wenn biirger und bauer mit forsten undherren wollen 
gehen, so müssen sie gelt oder haar lassen (werden an gut 
oder leib ^geschädigt). I.EHiiAii.f 12»; der gerechte wird um- 
gehen mit falschen zeugen uud arglistigen rSuken, dasz er 
nicht weisz wo aus oder ein, er musz haar lassen, er musz 
unrecht haben und leiden. Sceiveb seelensch. 2, 344; wenn 
sich grosze herren raufen, müssen die untertbanen die haare 
lassen, deUrant reges, pledunlur Achivi. Friscb 1, 38S ; gleicb- 
wol wollt' er nicht einmal hier haare lassen. J. Padl komet 2, 111 ; 

vil befen, krfig giengen lu grund, 
und vas under den nenden stund, 
das selb musi alles lassen bar. U. Sacbs 1, 514*. 

solche bedeutung klingt auch an in: die (rieten Ainder) aszen 
ihm die haare vom köpfe, bis er zuletzt so arm war. Sm- 
aoct deutsche märchen 279. gesteigert ist der sinn in den /Öl- 
Lenden stellen zu dem begriffe gelötet werden: disz ist die ur- 
sach, die alle schUmmer und Verschwender in allen raube, 
IV. u. 



dieberei und Schinderei getriben und gejagt bat und endlich 
ellich dahin, dasz sie darob haar lassen haben gemQszt. 
Petrareha Irostb. 96'; wenn die hasen den Iowen predigen 
wollen, so gehet es <tie Aristoteles gemeide zeuget, so müs- 
sen sie har lassen. HATassiosSarrpfall*; ein kalb and junges 
bOckel hieng allbereit dorten, dit haar gelassen hatten. Simpl. 
3,298 (Kurz); 

sechs hundert hat er leben lan, 

sie mOsten mir all har hon glan. Somu 1, 201 ; 

wanns einer Im jar darvor hett gsail 

und beiu ein ranzleischer gebort, 

so mOest er warlicb haar hon glon. 2, 176; 

der woir fiel in die arme heerde 

und mancher bock gab haare ber. 

LiCBTw» fabeln I, na. 23. 
JVoAe liegt es übrigens auch, die redensarl haare lassen auf 
den bekannten Vorgang beim gerben zu beziehen, und KEisEssiEac 
hat diest ausdrücklich gethan : so nirapt man si [die haut) ausz 
dem Wasser und legt si auf ain holz und schapt dj (das) har 
barab . . . ; du bangest im wasser |d. h. du bist im klosler) . . ; 
du m&st dj har lassen, was ist d; barT es ist weltliche 
freUd. Aas im pf. 6*. 

13) an die fülle des haars setzt sich auch die redeniart an.' 
mehr schulden haben, wie haare auf dem köpfe, jedenfalls 
unter anflusz der bibeisprache entstanden: es haben mich meine 
Sünde ergriffen, das ich nicht sehen kan, ir ist mehr denn 
har auf meinem beubt. p$. 40, 13 ; die mich ohn tu'sacb has- 
sen, der ist mehr, denn ich har auf dem heubl habe. 69, 5; 
und an den immer sidt erneuenden Wachstum da haares: 

nocb der alten spruch und sag 

Unglück und bor, das wecbsl all tag. 

Bsaht «arrenseh. 109, 8 ; 
andere jar, andere bar. andere zeit, andere freud. Frans 
sprichw. 1, 5o'; haar tmd schaden wachsen alle tage. KObte 
2502 ; Unglück , Wlz und haare wachsen Aber nacht. «151 ; 
was in der haut ist kann man nicht abstreifen wie ein paar 
hosen, steckts in den haaren, so kann mans wol abschnei- 
den, aber es wSchst doch Ober nacht wieder. Lebiianii 197. 

14) den vogel erkennt man an den federn, ßr mensdi und 
Säugetier gibt das haar ein erkennungszeichen ab; daher: andere 
des gleichen haars {derselben arl). Garg. 143*. gewöhnlich steht 
aber hier haar im plural: bistu d^r haar, lieber, so greif dir 
selber an deine obren. LoraEal, 7'; bistu der bare, so trolle 
dich aus meinem lande. 3, 47 ; des dank euch gott , seid ir 
der har, und so frome redliche Icute. 360'. holla bist du 
der haar. Simpl. 1,51 Kurz; oho, bist du der haare, sagte 
hertzbruder. 1,218; war hierauf augeoblieks mit der fuchtel 
heraus, und kam anf mich zu marschieret ; da ich nun sähe, 
dasz er der haare war, o sapperment. wie zog ich meinen 
rOckenstreicher auch vom leder. Schelmufsks 1,40; im Sie^er- 
lande sa^ man noch: hei ess der buar, man kann tieft einer 
solchen that von ihm versehen. ScuDtz 2,15; 

' denn der har ist der leidig neid, 

dasi er den seunt, mit sporen reit, 
' wenn em tum ersten uberwigt. 

B. Waldis Esoput IV. 77, 105; 
ihr seid der vtter haar? ihr htuft noch ihre schuld. 
* P. Fluuic 13; 
mein mann, wir ich der haar, 
so sag Ich euch kflbniich vorwar, 
leb wollts euch macben so kraus und bund 
das ibr nicbt kempt binder den gruud, 

ioi.. T. Braunscbw. 560; 

der hrautigam sprach: seid ihr der baar? 

SOLTAD voUaU 512 (1638); 

die jungen sind itzund von gar viel andarm baar. 

HoFniAiinswALSAO u. a. i, gei. 4, 263 ; 

ich wüste wol was bessers, so gleicher haar mit mir. In- 
terim 85 ; was sich von auszen zeiget, ist nicht gleicher baar 
mit dem inwendigen. 468; so bringt auch die dieberei und 
mancherlei abtrag einen mangel und abgang, so von den 
suppen-fressem , näschcm, schQssel-spühlem , teller-leckern, 
Schmarotzern und was dergleichen mehr gesindlein sich auf 
dem gut einfindet, sonderlich wann die maicrin auch gleicher 
haar ist tmd darzn hilft. Hobberg 3,1,45'; und war diese 
alte etwan ein weih von dergleichen haaren, welche die 
jungen konte zum danz abrichten. Staudacber Genovefa 130; 
einer haare sein, von eben der art sein, ejusdem farittae esse. 
Friscb 1,338; 

— dein mitcompan, 

der gleicher baar wie du. Koaein Iimoeanl. 40; 

— der es mit dir htli, 
Ist gleicher haar. 65; 

uiymztid by ' 



. Google 



19 



HAAR 



Aaar 



20 



was? der ist leichter haar, denn alle« was er mir saget, das 

ist erlogen. en{)l. komOd. I, Bbl; 

drum lieber man, aeid nicht so toll, 
du ir eueb wolt tieheo in den lino, 
alt ob leb auch leichter baar bin. 

UiiK«. Jdl. t. BtiDNScaw. 605; 

ist sie dann gnter haar so wird sie es nicht versitzen. 409 ; 
vermeine nunmehr ohne das dem Simplicissimo zu ewigem 
spott genugsam' geoffenbart zu haben , von wasserlei haaren 
«eine beischlaferin im Sauerbrunnen gewesen. Simplie. i, 
140 Km; 

idffl wahr, was fDr baar, 

diäter kauf bat gron gafabr. Wimer itammlmdi 1830 ; 

toller haare sein. KOarB 2508 ; avck im BolHeimsehen tagt man 
noek er ist duller haar. 
Bemerkenswert id im englischen die gUieht anaendung von hair : 

the qualit; and hair of cur attempt 

brooks no division. SaAua?. UeiaridilV, 1 Iheil, i, 1 

(Taiiekiiitt edit. 3, 61); 
a lad; of mr bair eannot waot pitrlng, 

BiAtiaoin and Flitch» nie« voloiir 1, 311. 

Deutsche mundarten HUen in diesem sinn« itiiamfn«n$ete<3<e ad- 
jecliva, so in Holslein dullhaarig, von 6Sier ort, böse, xomig, 
liettelhaarig, kitttieh, wedderbaarig, «iderspensiu; ScbOtze. in 
Baem schindbSrig, schinderbSirig , sehindermisiig Scbhbluk 
2, 226, tind in der tteansen-mundart leichtbtrig, d. i. in leich- 
ter ort und weise Fboüha^i« 6, 336. 

So Hehl audi haar tiaceiien geradem für den träger desselben: 

80 bald sie von der allen 
berichtet ist, das Reibe haar (Nfton) sei da. 

WituND Oberen 4, 63, tgt. 47 and 49; 
der bursche war ein Dottes baar, 
Terioren bald ibr krlnilein war. 

Waloao in PnUtt mut. 1, 1, 141. 

15) die haare umschlagen, soviel wie seine ort oder seinen 
stand wechseln: solchem gewerb {dem ochsenhandel) bedaucbt 
in aber das rosstauscben noch überlegen zu sein, schlug die 
haar wider umb, ward ein rosskam. Kiscbhcf iwndunni. 514*. 

16) man findet ein haar in etwas, hat gegen etwas einen 
Widerwillen oder doch eine bedenididikeit , 'wie gegen eine speise, 
in welcher man ein haar gefunden' (ScnvEUER 1, 225), auf 
welche erHdrung durch die folgende stelle erwOnscIUes licht fällt: 
ein spebvogel rufte Simpl. auch herzu und sagte, weil er 
auch in einem ei ein haar finden kOnte, so solle er sagen 
was dieser tafel mangele, oder worin der maler gefeblet 
hstle. Smplic. 4,23'! Kurt: da er aber merkte, dasz ich nicht 
viel trinken wohe, weiln in dem gestrigen rausche eine haare 
(s. ofren I. sp. 7) gefunden, welche mir alle die andern auf 
dem köpfe verwirret, ja mein ganzes gemüthe in tiefe traner 
gesetzt hatte. in.<el Felsenb. 1,120; ich dachte er hatte ein 
haar drinn gefunden. Kotzebde dram. sp. 2, 36 ; wenn es der 
fall sein sollte, dasz die prinzessin irgend ein misfallen oder 
wie man sagt, ein haar finden sollte in meiner geringen 
person .. Kakke comoedia Aumono 15. 

17) das einielne haar, ein n'nnWU des kleinen und wimigen, 
wird terwant, um da» unMeulende, eine kkinigkeit xu bezeich- 
nen, mit ««Millionen verbunden als bildliche Verneinung, wie schon 
im mhd. niht ein hir, «oriier erschöpfende beispiele bei Zirgerle 
dt« bildL Verstärkung der negotion xusammengestellt sind. 

a) jeder theil der sich ein haar vergäbe, hatte unrecht. 
GOtie 56,218; 

at feblw kaum ein haar, so hättet ihr verreiset 

den lieben tebönen lag. Fi.>«me 5t ; 

tta wOndscbt eh flammen, pfähl und höchste not zu leiden, 

alt dats sie wolt ein baar von ihrer ehr abschneiden. 

A. Garraioa 125; 
bab ich ein baar dir in den weg gelegt? Lbhi 1, 234. 

elwas ändert bei Scnai.BR, der die locke baar alt bitd des ge- 
ringsten braucht: entvriscbt mir eine locke haar, so sollt ihr 
meine zwei äugen in eine windbflchse laden und sperlinge 
damit schieszen. Fietet 2,15. 

b) ob du mich wol zu verschrecken meinst, achte ich doch 
solches kein haar. engl. kom. I, Bvij' ; so fragte ich doch kein 
haar darnach. Jueundiss. lt9 ; ich armer stern kam und wüste 
kein haar von diesem schlusz. Simplie. 2,230 Kars; welche 
alle kein baar schöner als die vorige waren. 2, 2St; aber 
danmi hektlmmert. ich mich kein haar. 3, 303; indem ich 
allen euren Worten nunmehr kein haar mehr traue. Pierot 
2,39; genug, mit all euren wenns wird die weit kein haar 



besser oder schlimmer. Lenz 1,97; dasz es naturmenschen 
sind, die unter pracht und wOrde der religion und der künste 
nicht ein haar anders sind, als sie in hohlen und waldem 
auch sein worden. GCtbe 27,232; 

so ligt mein bandwerli nider gar, 

und wQsta nicht lu liriegeD ein hlr. 

P. RziauBK Uag de* armen manne« 11 ; 

wie et denn auch dem berren Christ 

nicht ein haar better geworden ist. Gitai 2, 221 ; 

aber, aber, keine lehren! 

lehren nützen mir kein haar! II, 82; 
und es schadet euch mehr, als euer leicbttinn gedacht hak 
nicht ein haarl verseute der schelm. 40, 131. 

{nach nin, schtt, aprak Relnke, nicht ein hlr. Reineke fischt 3841) ; 

es ist nicht in schellen, 

man last es gelten; 

ich aber bin kein haar 

weiter als ich war. 56, 94. 

AierAer klingt audi an: wenn nämlich die knnstrichter mit 
Staupbesen . . in zeitungpacketen ankommen , nm ihm {dem 
autor schlechter bücher) kein lebendiges baar, ja kein graues zu 
lassen, i. Padl Nepomuk-kirche 132, d. h. ihm nichts m lassen, 
ihn vollständig m vernichten. — Wir sagen auch: der knabe hat 
kein baar von seinem vater, er ist ihm nicht im geringsten 
ähnlieh, wo die bedeutung von kein haar ztear AierAer fälU, doch 
auch an no. 14 ankUngf. 

c) ein haar breit: mhd. 

geriuwet e{ dich eins bires breit, 

s6 btn ich mtn arbeil 

unde du den lip verlorn, armer Beinrieh 1101. 
sag es deinen mitbrOdem von mir, vriewol sie mich ein beuch- 
ter und abtrinnigen heiszen und- halten werden, da ligt mir 
nit ein har breit an. H. Sachs dial. 75,18; den widerspen- 
stigen bauern auch nur ein haar breit nachzugeben. GOtbb 
15, 34 ; ich . . fflhlte den ganzen werth meines entschlustes. 
ich wich nicht ein haar breit. 19, 299. ungewöhnlicher tagt 
das werk ist gerückt kein haar lang RtJciEar Makamen i, 47. 
vgL mhd. ^ 

sl schämte sieb nibt btrat gTt{. arm. Aeiar. 1196. 

d) aufs haar, auft Ueintte genau: vgl. und unter allem die- 
sem Volk waren sieben hundert man auszertesen, die link 
waren and künden mit der schlewder ein bar treffen, das 
sie nicht feileten. ricUer 2o, 16; ich will ihnen aufs haar 
hin sagen, ob sie ein mann fflrs Orchester sind. Schiller 183* ; 

dast alles diesi bnchstsblich und »ata haar 

sich so begab. WiiLiXB 6, M; 

das weisz ich auf ein haar. 10, 163; 

doch da sie gar tu lieblich war, 

so glich sie mir wohl auf ein haar. GOrat 5, 263. 

dann aucA bis aufs haar, Mi aufs Ueinste, in allen theilen : die 
Prophezeiung ist bis aufs haar eingetroffen; indem sie doch 
sonderlich eines jedweden mitgliedes nutzliche gaben . . bis 
auf ein haar ausrechnen. Happel aead. roman 81; weil er 
vom geiz bisz aufs Suszerste haar eingenommen und besessen 
war. SimpHc. 1,348 Kurs. 

e) nm ein haar, und zwar ätht hier die präp. imi in veile- 
r«m sinne Iheils zum ausdruek der beiiehung auf den gegenständ, 
um ein haar also in beiiehung auf nn« kleimgkeit, wie mhd. 

diu tugenl nie geminnert 

wart gegen mir als umbe ein hir. Engelhart 1497; 

ob man sA tiure als umbe ein hAr 

valtoheiie drunter mischet. MSH. 2, 230*. 

wolt von seiner meinung nmb einiges haar nicht weichen. 
WicuAH rollw. 93'; ich farcht die predigermfincb nit umb 
ein haar. Schaob sat. u. pasqu. 3, 173, 19 ; 

aber In Christi Jubeljar 

mag nieman irren umb ein bar. 1, 40, 74; 

des Luthers tach 

itt noch nit schwach, 

wiewol vil gwall 

gani maniglalt 

widr in wird gäbt, 

das in nit btrübt 

als umb ein har. 1, 161, 1/f.,- 

das unser niemant umb ein har 

achtel. HuRNta schelment. 9^; 

beseufite da nicht umb ein har 

was . . . RmewAui irewr £dkarl D8>; 

besserst dich nicht umb ein bar. LI'; 

die entlich kunst der alchamel 

ist Stelen, liefen, trieirerei. 

und aiiweg IUI es nmb ein har, 

diweii du legest Silber dar. ScHWAattiano 120' 



uiyiiizeu uy 



,ogle 



2t 



HAAR 



HAAR 



22 



mein lieber ton Aleiaoder! 
alls wu die gtller mil eioander 
bescIiliesieD, febh alt umb eia bar. 

B. Sacu 3, 2, Vlfi 

ea feblt mir oit umb ein bar. 1. Atur 177*; 

im fibrigen aas ich euch diett (Qrwahr, 

es soll nicht fehlen umb ein haar, 

wo ihr das lachen nicht werdet lauen, 

so werd ich euch achlagen aur die laacbea (dos maul). 

A. Gairaios Peltr Spinnt p. It; 

voßr auch tUU über ein haar: 

und Itessen die »elf das vlcb gar, 

das acht ich lUain, als über ein bar. faUnachlstp. 484, &. 

dem angegtbenen ttnne ftlU nun auch um eia baar vor com- 
farBlicm lu: dasz .. kein theil um eio haar besser sei als 
der ander. SJtnptic. 3, 142 (Kürzt ; sie ist nicht um ein haar 
schlechter. Wieland 8,265; ich bin Dicht um ein baar breit 
höher. GGtbe 12, 91 ; dasz der sogenaonte lazarone nicht um 
ein haar aothstiger ist als die Obrigen classen. 28, 266; so 
beschUmt er sie und wird verlasseo, ja vernichtet, ohne um 
ein haar schlimmer zu seia, als jetzt. 49, 182. 

Tbäl» hol hier um einen bestimmteren, ursächlichen sinn wegen, 
indem ein haar, eine kleinigkeit das motiv ist, dost etwas ge- 
scIüeU oder nicht gescUehl: einmal entkam er nur um ein haar 
einer sein leben ernstlich bedrohenden gefabr. daheim 1367, 
sp. 92, welcher «mn sich mm prohibHiven wendä, indem ein haar 
etwas verhindert: um ein haar war die Zeichnung verpudelt. 
GOtbe an frau v. Stein 1,53; vji. das folgende. 

f) bei einem haare; t^ Ollere spräche verwendet es im ^eiehen 
sinne mtt aofs haar (d): 

di (oMraiofte) fast mit lag und pbantasei 

will eben wissen bei eim bar 

wi es Stil* ghM das gante jar. ScawiiiiHtus 120*; 

und, wie man spricbt, bei einem bar 

dem berren Jesu ehnlich war. RiNswtu) tr. EAarl C5'. 

die jüngere spräche in wesentlich anderm sinne; hier zeichnet bei 
einem haar die grosie nähe der ausfüjirung von etwas, das den- 
noch nicht geschieht: bei einem haare bitten sie mich bCse 
gemacht. Lessing 1, 420 , d. h. sie waren so nahe bis auf haares 
breite daran mich böse «t machen; er hätte bei einem haar 
das bein gebrochen. Hippel lebensL 2, 27 ; 'ach, der handlungs- 
bursche ist' . . bei einem haare hält' er ein kraftwort heraus- 
gestoszen. Excel 12,324; um beweguog und ruhe zugleich 
hätte mich bei einenr haar die ehrenpforte . . gebracht. J.Paol 
uns. löge 1, 2(; woßr atieh der ausdruck platt greift es hängt 
an einem haar: es hing an einem haar, so wurden die vor- 
fahren der Catoneo und sie in ihnen vertilgt. Niebdui 3,231. 
zu vergjleiehen sind auch ausdr&cie wie mein leben hängt an 
einem haar, die ganze sache hängt noch an einem haar, 
s. auch faden 6,a (3,1233); 

wenn die rebe hängt an einem haar, 

so OTgl aie noch ein ganies jähr. Biomu 76. 

g) kein haar anrühren oder krümmen, nicM das geringste tu 
leide thun: dasz i. f. gnaden kein haar angerObret werde. 
ScgwEimcBEii 2, tl8; nicht ein haar krümmen. ISO; Wilhelm. . 
versicherte, dasz er ihn gegen jedermann schützen werde, 
dasz ihm (dem harfner) niemand ein haar krümmen, viel 
weniger ohne seinen willen abschneiden sollel GOtbe 19, II. 
vgl. die bibelsprache ; und ein haar von eurem heubt sol nicht 
umbkommen. Lue. 21,18; darumh ermane ich euch speise 
zu nemen, euch zu laben, denn es wird euer keinem ein har 
von dem heubt entrallen. apostetgesch. 27, 31 ; nun aber sind 
auch eure bare auf dem heubt alle gezeblet. Matth. 10, 30. 

h) ea ist kein gutes haar an ihm, er ist nicht das geringste 
wert: wann je eins das ander ausschreiet, es sei kein gut 
haar an ihm. Simplic. l, 330 iKurt), wann er selbst aber nobel 
oder sonst ein gut baar an ihm gewesen wäre . . 3, 123 ; 

dem meucben treu lu sein, an dem kein gutes haar. 

G4TU 7, 69. 

ist an dir abscheulichem menschen nun wol irgend ein ech- 
tes haar? GotziowIom ti. söhne (1855) s. 5; sie {die hrche) 
küDdigt euch Versöhnung vom himmel an und ihr seid wirk- 
lich verdammt «s ist kein haar an keinem unter euch, das 
nicht in die bölle ilthrt. Scbilur 123'. — Der ausdruck im 
posiliten rinne gebraucht: so dasz dieses fest ein eigentliches 
frauenfest ist, weil es den frauen das zeugnis gibt .. dasz 
an ihnen ein gut haar ist, diuz sie etwas wert and. J. Gott- 
Bur schuUenbouer 32. 



t) da bt ein baar vor, «in klänes Hindernis. FaiscBBiE* (I86&) 
no. 1406; niederdeutsch sagt man auch: he het noch te bär 
im nacken, dat em torugge holt. 

k) haare klauben, haare spalten, Ucin^fatlen peinlich sorg- 
fältig untersuchen, franzüs. couper iln cheveu en quatre; 

mW. du spaltest als ein milwe ein bär, 

dir Wirt üt «inem orte ein pfUnt. MStf. 2, 169>. 

er kan das baar spalten. S. Fbami i, 7l'; 

ich wU Ach nun kein bar spalten (nieht Ater Ueiniftnlen sor- 

wftrfe machen). 
EouniH rydhetag bei Sdteibte 8, 846. 

t. haarklauber, baarspailer. — auf die haar spilen, ver- 
lengeren, proleiare, auf die baar gespilt, verzogen, protatalus 
Haileb 202'. 

18) man sagt es gleicht wie ein haar dem andern, was man 
sonst gewöhnlich von den eiern behauptet (3, 76) : leicht mOglicb, 
dasz der Staatskanzler darauf rechnete, Humboldt werde den 
antrag, der einem eiil ... ao ähnlich sah wie nur immer 
ein haar dem andern, unmutbig ablehnen. Paoiz deutsches 
museum 1867 t. 458. 

19) oft fügt sieh aUilterierend haar tu baut: 

bär und hat si abe slei{. Hubort 9755; 
mit leib und seel, baut und haar. Sin^lie. 3, 282 Kurt, mhd. 
bär und h&t, büt und här, wovon tahlreiehe beispiele Zimgerle 
alUUeration bei mhd. äiehtern p. 24. 26 gesammelt hat. das nähere 
aber diese aUitlerierende formel wird erst bei haut tu terAan- 
deln sein. 

20) ein« venritnschungsformel, deren raffinierte grausamkeil nicht 
erst des näheren auseinander gesätt werden kann, ist dasz du 
haare kackst! (noch jetst mit kräftigerem verbalen ausdrucke im 
Dessamsehen lebend): Jtiek. ag fort is der Wechsler Goidschmid, 
dem de Faust all sei geld geschosze, ich war in sei haus, 
all all leer — au wäy! mei hundert fufzig ducate. Mauschel. 
dasz de hoor kakst — de goidschmid fort — mei verzig 
duplonen! krieg die krenk — 's reiszt mich in mei bauch 
ganz kalt. Friedr. MOller Fausts leben (1778) 38. ähnlich im 
SimpUdssimus : was? sagte hierauf der bauer, soll ich eio kind 
haben, das mir nicht folgte? es musz mir den kerl wider 
meinen willen nicht kriegen, und «oll es baar scheiszen wie 
eio woK! 3,319 Kurt. 

21) noch twei redensarten, die defgewerbesprache entnommen sind. 

a) haare in die wolle schlagen, unredlich sein, betrügen, wie 
der wollenscbläger (t. d.), der nur feines tuch bereitet, es durch 
einmiscimng von haar fälscht: dafür hilft weder witzling noch 
spitzling: darumb nur haar in die woll geschlagen, besser 
ein ungerechter fried, als ein gerechter krieg. Fiscbart Garg. 209' 

wer achlagen lian bor under woU 
derselü <u hoff gern hüben sol. 

BainT narrensdk. 100, 19. 

nodi jettt wird gesagt hundshaare unter wolle schlagen. Eise- 
LEiN 331; haare für wolle geben, das ist, einen ungleichen 
tausch thun. Friscblin nomencl. 174. 

b) bei den tuehmaehem heistl zu halben haaren scheren des 
tuches haare nur halb abscheren und die länge halb stehen lassen, 
bis es nach andern proceduren erst fertig geschoren wird. Frisch 
1, 388. Mervon die namentlich in Schlesien gebräuchliche redens- 
art: eine sache zu halben haaren machen, nur halb und «n- 
voUsUndig machen, die dennoch auch eine andere deulung tu- 
Idstt: hunde werden oß nur halb geschoren, ihr vordertheil unbe- 
tcboren gelassen, daher sagt ein schlesisches Sprichwort auch halb 
und halb, wie man hunde schirt. man könnte bei diesem tu 
halben haaren machen demnach an die procedur beim hunde- 
scheren gedacht haben, vgl. Fromiiarn 3, 25t. 

Die manigfachen composita von haar aufiuführen , erscheint 
überfiOssig , da sich namentlich in der bedetUung II, 2 das worl 
mit den namen aller haarlragendert tiert verbinden kann. 

HAAR, f höhe, berg: 

schweift leb wieder, wo ein bursch ich war, 
Ruf meiner heimat waldbewacbaner haar. 

FaiiLicaATU glauiensttkenntnis 19; 
es singt ein vOglein auf der haar, 
am Elbsirom und am Haine, 
da liegt, der hier ein i)Oüger war, 
erschlagen auf dem raine. 
er war der seinen siolt und tust, 
ein bruder tchosz ihn durch die brusi: 
ich rausche leis im winde, der«., wettfät. sommerliti. 

Diett alte und vielfach dunkle wort ist nur noch in gegenden 
Westfalens lebend. Wokste 6ei Frommann 5,348 /kennt es nur 
als name eintelner anhöhen einer hügelieihe, die sich im Süden 



23 



HAARADER — HAARBAND 



HAARBAND — HAARBEUTEL 



24 



der Ruhr hintiehl, neben hir erscheint das häufigere hird, u>d- 
ches auf denselben stamm surückgdit; FOrsteiiinii namenb. S,688 
gevährt den Ortsnamen in Harun (Hamm, Haran, Haren), Haaren 
im Süden von Paderborn, der möglicher weise hierher fäUl. nur 
zweifelnd setze ich notisen zur dymologie her: auf der einen seile 
bietet sieh zur vergleichung dar griech. uoX-otvos, tcoXoiitj hOgel, 
Kol-Ofiov gipfti, lat. cal-sus, ex-cel-lo, col-urana, cul-men, 
col-Iis, das nelleichl für col-nis steht, litt, kel-u hebe, kal-naa 
höhe, kil-nas hoch, s. Curtius griech. etgmol. 1, no. 68; auf der 
andern seilt schein! noch näher zu stehen griech. xif-tjvov berg- 
gipfet, haupt, welches ober wieder auf skr. firas köpf und damit 
in eine völl^ andere verwantschaftsreihe fährt, die an Unsicherheit 
zu vieles bietet, alsdasz man weitere betrachtungen anknüpfen könnte. 

HAARADER, f schwed. hSräder, vena cafillaris. 

HAARALAUN, n. auch federalaun, olaun in feinen haar- 
oder federförmigen crystallen. Nemricb. 

HAARAMETHVST, m. ein amethyst mit blutroten, haarfeinen 
streifen auf blaszblauem gründe. Nemnich. 

HAARANKE, f. in der WeUerau bei weiblichen personen der 
bug der unter die hatibe aufgeschlagenen langen haare, welcher, 
unter dieser hervorstehend, den nacken bedeckt (i. anke occipul 
I, S78). damü dieser bog voller aussidU, dehnen jene personen 
ihn dadurch aus, dasz sie von beiden Seiten die Zeigefinger innen 
hindurch stecken und wieder herausziehen: das mädchea hat 
eine schöne breite haaranke; sie musz sich bei ihrem vollen 
haar eine bessere haaranke machen. 

HAARAUFSATZ, m. die künstliche anardnung des haart, ver- 
zügtich am frauenitopfe (s. aufsatz 2, 1 tp. 718): beide kOpre 
haben einerlejr haaraufsatz. Wineelkann 6,279; wollt eben 
einen aofsatz probieren, sah einen frauenkopf auf einem ge- 
schnittenen steine, der haaraufsatz gefiel mir. Fa. MOixei 3, 139. 

HAARAUSFÄLLEN, n. defhmum cafiUorvm, ahpecia. Faisca 
t, 389. 

HAARAUSRAUFEN, n. : nachdem ich lang mit jämmerlichem 
geschrei hin und her gelolTea und mich mit baarausraufen 
abel gebürdet. Simplic. l, *b Kurz ; meine klagen sind ja nicht 
das haarausraufen am sarg, es sind ja nur die thrinen am 
grabstelne. Leisewitz Jul. v. Tarent, S.act i.te.; 

was schligal du deine brüst, o du betrübter häufen, 
ihr Pbrrger weiberrolli, was «oll diesz baarausraufen? 
• Orni 1,223. 

<)iricA»ir<iich: das ist zum baarausraufen, zum verzire^eln. 
s. haar III, s, sp. U. 

HAARAUSREISZEN , n. wie das vorige: in Vorstellung der 
betrübois gebt er bis anf das haarausreisztn. Winieliaiin 
1, 28L 

HAARBALG, m. 1) ein mit Aoaren verseAener balg (t. balg 6) : 
man hat ebenmlszig gefraget: ob Mjrons kuh mehr gefallen 
wflrde, wenn man sie mit haaren bekleidete? und es scharf- 
sinnig verneinet, weil sie dann einer kuh zu ähnlich wäre . . . 
weil sie sodann für die kunst nicht mehr kuh, sondern ein 
ausgestopfter haarbalg wäre. Herdes 19, 57 (anii^n. aufsälze). 
i) wissenschaftlich heiszt so die flaschenfürmige hautverliefung, 
in welcher die haarwursel steckt: in unmittelbarer Verbindung 
mit dem haarbalge. KOrte das deutsche merinoschaf (1862) s. 8«. 

HAARBALLE, m. aegagropilus , balle von haaren im magen 
von widerkduem: oft findet man, sowol in der kiihe als in 
der ochsen in primo et secundo ventriculi loculo runde 
kugeln, so genannt werden haarballen, sind sehr leicht an 
gewicht, und von unterschiedlicher grOsze, etliche glatt, et- 
liche rauchlicbt und höckericbt, theils schwarzglünzend, tbeils 
gelb, grau und grUnlicht, scheinen von lauter haaren zusam- 
men gepackt. HoBRERG 2, 28&'. auch liaarball genannt , holt. 
haairbal, ddn. haarbold, schwed. härboll Nem^mcb 1,85. die 
haarballen aus dem magen der gemsen waren bis ins vorige Jahr- 
hundert officinell, s. gemsenkugel. 

HAARBAND, n. vinculum capiUorum, Crinale, mhd. hirbant 
(Benecse-MDller 1, 132') und zwar sowol um das haar geordnet 
zusammen zu halten, als auch, in reicherer ausstattung, es zu 
schmücken: ein schOn weib on zucbt ist wie ein sau mit 
einem gülden harband (gegen den griech. texl äonep iviäxtov 
iv ^ivl vös). Sprüche Sal. 11,22; die ringe, die harband. ks. 
3, 21 ; und gab dir barband an deine slirn und obrenringe 
an deine obren. Hesek. 18,12; das wort harbant reden etlich 
das b 80 waich das es lautet harwant, ja etlich nennens har- 
wet. wer nu nit waist die significalion und bedeutung dises 
Worts, nttmlich das gesagt ist von ainem band da man das 
har mit bindet, wie kao ers recht schreiben oder reden? 



IcaEUAMER B4'; harbant ni«eiRe<oriuni, redimieulum veJ vitta 
capitis, voc. ine. teul. ; reticulum tel retiaeulum, i e. partium rete 
vel hairbant. voc. ex (pio 1469; harbant t>iUa Diefenr. 624'; 
bald hatte sie keine rechten baarbänder, bald hatte sie alte 
schuhe an, bald taugten die strumpfe nicht«. Scbvppids 
(1701) «.444; i 

von eim Und ich {ein krämer) int ander lauf 

und nacL dem dutzel mir einkauf 

nestel, barpant und schlötterleln, 

preifeo, leekkucben und prentenweio. 11. Stcas 2, 4, 4'; 

ach Dein! was kontrarail, was bitten, singen, Oehen? 

was brief und hahrenband? er han nu laglicb sehen 

sie selber, nicht das bild. Rjst Parnasg. C*. 

haarbänder, wie andere gegenstände der toiläte, schlafen, hand- 
schuhe tt. t. w. wurden i>or dornen des 17. jahrh. als liebeszeichen f 
ifaveurs) verschenkt, worauf die stelle Risrs anspielt. — fn der 
Augsburgischen traclU hat das liaarband, reich mit perlen gestickt, 
lange und noch durch das vorige Jahrhundert hindurch einen hervor- 
ragenden theil der grossen toilette gebildet; im' Altenburgischen ist 
der name hornit {aus h6rbant) auf einen kopfschmück junger 
mädchen übergegangen. 

HAARBÄNDLEIN, n.; allein mögen ire {der kaufleute) doch- 
ter und jungfrawen ein harebcndlin von seiden tragen, kaiserl. 
reformalion guter polizei (1530) Bij'. 

HAARBAÜM, m. querbalken, der das Wasser vor dem gerinne 
einer mühte in der höhe erhält. Schmeller 2, 226; sonst fachbaum. 

HAARBEERE, f. rubusidacus, Himbeere: das dritte geschlecht 
der erdbeereo wird zu teutscb lastbern und barbern genannt, 
von wegen der weiszcn, wollechügen und baarechtigen blet- 
tern. TABraitAEion-. 430. 

HAARBEIZE, f 1) das aud>eizen der haare. 2) eine Aaor- 
auz6eizen<fe fiüssigkeil oder salbe, enthaarungsmittel , franz. ii- 
pilatoire. 

HAARBENDEL, m. vitla crinaKs; ahä. fahspendcl Graft 3, 138. 

HAARBEREIFT, adj. mit reif in den haaren; von dem an- 
gehenden greise gesagt, dessen dunkles haar sdion weisse stellen 
zeigt, als ob reif darauf gefallen sei: 

ibr, ihr süsien luckermitgdchen, ihr, ihr lirtslen Pinduslöchler, 
seid nicht wie die andern jungrern. die da treiben ein gelachter, 
wann ein haarbereirtcr buhler, wann ein gichtgekränkier rreier 
ihnen anzeigt seine llammen, Ihnen anstimmt seine leier. 

Loctu 3, tl no. 77. 

HAARBEREITER, m. wie flachsbereiter, tuchbereiter, der 
haare zu gewerblichen zwecken zurichtet. 

HAAKBESEN, m. iesen mit langen oorsten. 

HAARBEUTEL, m. beutet in den die hinterhaare des kopfes 
gesteckt wurden; erst nach dem jähre 1720 als Iheil der männer- 
toilette aufgekommen, der erste deutsche lexicograph der ihn kennt, 
ist Frisch (1,388)', welcher ihn (2,140) auch haarsack, sacculus 
in certice quo conduntur capUU longiores nennt: der galante 
Franzose half auch dir noth ah {nämlich die flatternden hinter- 
haare unterzubringen), aber sein auskunftsmittel wurde also- 
bald wieder eine zierde der eleganz: er steckte die Ober- 
Oflssigen haare in ein zierliches, flaches, seidenes sückchen, 
versah es mit schöner schleife und erfand so den haarbeutel. 
Falke trachten- und modenwelt (1858) 2, 235 ; es waren die be- 
dienten mit laternen, welche die auf der schnellen flucht 
verlornen hiite, perücken, haarbeutel, degeo, schuhe, shawls, 
zusammen suchten. E. T. A. Hoffmanr S, 28 ; trug eine sehr 
saubere weisze perücke mit einem breiten haarbeutel. 8, 108. 
der haarbeutel kommt zu anfange dieses Jahrhunderts wieder au< 
der mode und lebt nur noch in der redensart einen haarbeutel 
haben, sich einen haarbeutel trinken, einen kleinen rausch haben, 
auf welche redensart auch das bekannte HebeucA« rätsei hindeutet : 

rathet lieber leter, was bab' ich im sinn? 
einer bats am köpf, ein andrer bats darin. 

der Lammfell-hnsar wird sich einen haarbeutel trinken zum 
heiligen abend. Holtei Chr. LammfeU 164; niederdeutsch aus 
Westfalen hai bettd en härbil. Frobh, 5, 72, ebenso bei ScuOtze, 
Däbkert. nacft Adeiurg sowol wie nach Körte (s. 185) toll 
diese redensart im siebenjährigen kriege entstanden sein und sich 
an einen major der alliirten anlehnen, der nadi einem rausche 
statt des ordonnanzmäsiigea zopfes den leichten haarbeutel trug; 
ohne diesem direct widersprechen zu können, musz doch darauf 
aufmerksam gemacht werden, wie leicht solche anecdoten über dem 
Ursprünge nach nicht verstandene redensarien erfunden werden, 
wenigstens lieht einen haarbeutel haben parallel dem toniligen 
unter trinkern üblidien er hat einen zopf, ist leicht trunken; tt 



uiyiiiztJU uy 



ö" 



25 



BAARBINDE — HAARBÜRSTE 



HAARBUSCH — HAAREN 



26 



bat einen am ohr, er bat einen baken, nelche viendungen alle 
na iKsehteHsein des köpfet venchimt beuichnen. 

HA ABBINDE, f. ein bratet Haarband, die haupthaare damit 
nrtidt zu binden. Adelung. 

HAARBINDEN, n. viUalio, Ugatura erinium. voe. inc. tent. i l'. 

HAABBIRKE, f. beluta alba. NeNmcn 1, 5»7. 

HAARBLATT, n. capUloria (aUa, baarblaiter, haardanne 
blitter. Neihich 2,841. 

HAARBLEICHE, f. \) das bleichen der haare m geweiitidien 
mchen. 1) ort, vo dktz getchieht. 

HAARBLEICHER, m. 

HAARBLEICHEKEI, f. dat handmtk dtt haare blei<Aeni. 

HAARBLUME, f. trichotanthet, blume denn UätenbUtter mtl 
härchen bewachsen tind. Nenhicb. 

' HAARBODEN , m. die kopßavt , leorauf die haare aaduen. 
FaiscR 1, 388 : oder hastu sonst keinen guten haarboden, 'so 
setze eine banique auf und sage so sei es die mode. Simpt. 
2,311 l£urz); ich sähe sonderlich einer veralteten groszmut- 
ler zu, .. wie sie aus mecl, «ierklar, hirn, blut und grUn- 
span eine miliar zuricblet und einem knaben einen erbgrind 
daraus machte, nachdem sie ihm zuvor den alten bis auf die 
gesunde haut abgewaschen und den haarboden auf ein neues 
der gehOrde nach abgeschoren hatte. 3, 30S. 

HAARBÖGEN, m. pfttr., die locken der perücke: die baar- 
bDgen zu rasten. Pbilikdei (Lugd.) i, 287. 

HAAHBOLLE, f. fladuknoten {t. bolle 2, 232): feuchter 
grund ist ihnen {den feigenbdumen) sehr zuwider, sie hassen 
die dünge und werden ungescbmack davon; aschen, kalch 
und baarbolen daugen ihnen besser. Hohbesc 1,605*; har- 
oder leinbollen, die samenbebaltnisse des Bachses. Scbxelleb 
1, 169. im KdrnOmiichen das verbum bär pOllen, den flacht lur 
gtminnung des sament atuklopfen. Leier 35. 

HAARBOLZEN, m. ein kleiner ambot itim schärfen der tente; 
niederd. bärbollen. Danneil 77. vgl. unter haaren tchdrfen. 

HAARBRATEN, in. der liemer eines wilden tchuieint. Aoelonc. 

HAABBREIT, 1) adj. und adv. die breite eines Haares habend: 
ein kaum baarbreiter spalt; eine haarbreite lücke; er wich 
nicht baarbreit von seiner stelle. 2) neben diesem adj. er- 
scheint auch ein subslantives neulr. baarbreit: rSumt uns nur 
ein baarbreit ein. Klinge» 11,91; 



ja solilest du auch den tlomer 

In Jamben Dbersetten, 

drob werden dich kein baarbreit mehr 

die herm minister scbltten. 

{Cöckingk an) BSasii 39'. 



indes wird man dieses mbilantitum nicht alt neutrum des unter 
1) genannten adjecUvt in tubttanlivem gebrauche auffasten dürfen. 
et itt nur eine enge grajMsche anrickung zweier su formelhaftem 
gebrauche Häußg terbwulener würier , wie fuszbreit, handbreit, 
handvoll. das gescIilecHt richtet tich demnach nicht nach dem 
tveilen Worte, sondern wird nach dem ersten bestimmt: eine 
handbreit erde, eine handvoll leute; um jeden fuszbreit erde. 
Schiller 456*; Kinkels jedes eroberte fuszbreit erde {gedicIUe 
1850 t. 364) scheint aut gelehrter reflexion entsprungen, man 
ichriebe besser um ein haar breit, wie eine band voll leute. 

HAARBREITE, f: werd' ich nicht um den zehnten theil 
einer haarbreite Ober die scbOnheilslinie hinausfahren. Wie- 
LARD 30,452. >. haaresbreite. 

HAARBUCHE. f. carpinut betulut. Nemnicb 2,895. 

HAARBUF, m. plur. haarbUfTe: baarbufle beiszen bei dem 
frauenzimmer diejenigen abgelheilten, über die stime hoch 
hinauf gezogenen und über gewisse dazu besonders verfertigte 
Wülste oder haardrShler geschlagenen und angesteckten haare, 
worauf der haubendraht gesetzt wird. Abarantbes frauentimmer- 
ler. (1773) 1, 1246. t. buf no. 4 bd. 2 sp. 491. — fn lAei/en Uittel- 
dentsrhlandt ist dat wort fem.: die haarbuffe, plur. -buffen. 

HAARBOFFEN, n. dat frisieren und außamchen des haaret: 
so einer mit haarpüffen umb gat {ist er weichlich). Diogenet 
(ZürwAl550) Go'; fortes, darunter müsse man nicht befehls- 
baber verstehen, welche sich in gaullummeln, degenslreifen, 
haarbüffen, bartstrüuben, tbrasoniscben federn, ketten, stolzen 
gebehrden, kleidcm und Worten auszeichneten, aiusup aus 
des landgrafen Mariti darüeUung seiner reform der hessischen 
Volksbewaffnung v. j. 1600, bei Robbel Hess, geschickte 4, 2 <p. 751. 

HAARBULL, m. tcolopax gaUinula. Nebnicb 4, 1253. t. baar- 
schnepfe. 

HAARRCRSTE, f sdtwed. hSrborste, womit die kopfhaare 
gebürstet werden, auch kopfbürste genannt. 



HAARBÜSCH, «n. nnl. baarbos. 1) capiUUmm, diditet haar 
das wie ein husch auf dem köpfe steht: er bat einen wahren 
haarbusch. i) capillalio , haarbusch, baanierde, haarscbmuck, 
corymbus haarbusch der weiber. Mattbiae lat.-deutschet lex. 
(1761) 1, 214', 366*. dieser haarbusch, ein hoch Hinauf gdiämm- 
tet gewirt sowol naiHrüeher alt künstlicher locken, ist der frauen- 
toilrtte des 17. wie des 18. Jahrhunderts eigen, auf ihn beliehen 
tieh die 2, 559 angeführten verse : 

nmbiunst ist dieser pracbt, 
nim doch hinweg den buscb, laai ab von deinem prangen. 

WiCXHtRUN 715. 

die mdmertoHeUe zu anfang des 10. jtArh. kennt den naifir- 
lichen haarbusch, den lituskopf, ein wild tlber Haupt und süm 
slarrendet haar: jabot heraus und den haarbusch des Titns seit- 
wärts aufgebarslet. H.Koenic kinig Jeromet cameval (1855) 1,292. 

HAARBÜSCHEL, in. capillitium: mit inrücklassung eines 
haarbUscbels in seiner band. Imberbann Münchhauten 4,77; 
an den extremitäten sind dir überflüssige haarbüschel ge- 
wachsen. 2,108; eapiUHium ein haarscbopf, ' haarbüschel auf 
dem köpfe verschiedener vierfttsziger thiere. Nebnicb 2,842; 
beim tchafe: jedes vKesz besteht aus einer menge mit einan- 
der verbundener haarbüschel , Stapel genannt. Körte dat 
deutsche merinasehaf (1862) s. 90. 

HAARCOLLATiON, /. .- derowegen dieses die beste revange 
ist, wenn er (ein reisender) zur lust etwas, kleine münze, 
dasz es die jungen sehen, auf die erde wiKet, da denn die- 
selben nicht ermangeln , über dem auflesen einer dem an- 
dern die haare mit denen fingern auszukämmen, zumahl 
wenn etliche darzu laufen, denen vorhero schon etwas mit- 
getheilt worden, indem dieselben nicht mit aufraffen sollen, 
welcher zank denn ohne baarcollation und scblSge nicht ab- 
gebet. Bebrens Bereynia cariosa (1703) s. 190; secuodum po- 
culum est litigium, die baarcollation und scbrammschlagen. 
GoflPELSBAiBER gymnoima de exercitiit academicorum 434. niederd. 
under den godlosen ebelüden erhevet sick oft grol twist 
unde strid . . . kratzebalgen und strevekatten sick tho bope, 
holden haarklatzien Iho sameode. N. Grise bei Schiller, mecJc- 
lenb. tMerb. 3, 7' ; barklazien, harkollatschen, Schlägereien, da 
man sich bei den haaren zauset. Därnert 176'. das gegen- 
teilige haarraufen wird alto hier unter dem bilde einer gatterei 
gefastt, zu der ein jeder seinen aniheil steuert, t. collation. 

HAARDECKE, f. 1) jede mit haaren vertdiene hülle oder decke; 
to dat haarbekteidete feil einet tieret, z. 6. det tchafet: der 
gröszcre umiaog der iuszern baardecke (vliesz). KOrte 
merinoschaf 125. — 2) dlicium, gewebe aus gröberen oder feine- 
ren tierHaaren. Scbeoel waarenlex. (1834) 1, 486 ; auch haar- 
tuch genannt. 

HAARDICHT, adj. heisit in den sehafzächtem dat dicht mit 
wolle bestandene tchaffeü. 

HAARDRAHT, m. droht worüber nach dar mode det 18. jahr- 
Hunderlt datkopfhaar getcHlagen und aufgetleckt wurde. Abaran- 
tbes frauenz.-lex. (1773) 1, 1246. 

HAARDRÜSE, f. capUlarit ^ndula. Nebnicb 2, 841. t. drus. 
druse 1, bd. 2, 1458. da druse beim bergmann auch eine mit 
krystallen ausgefüllte natürliche Höhlung in gesMn beseichnel 
(Gätzscbbann 21), M wird baardruse der kryslallinische flusz- 
spalh genannt, der in feinen fäden solche HiMungen erfüllt. 

HAARDÜNN, adj. capillarit, hoUdnd. haairduo, schwed. bSr- 
tunn : haardünne niiern (blätler, pflanzen). Nebnicb 2, 841. 

HAAREFLECHTEN, n. das flechten der haare: welcher ge- 
schmuck {der weiber) sol nicht auswendig sein mit harflechtrn 
{i/mkoxijs r(sxtöv) und gold nmbhengen oder kleider an- 
legen. 1 Pelr. 3, 3; 

der schmuck dor larten frauen sieht nicht im baareflecbten, 
drum lassen sie sie Oiegen lur Unken und tur rechten. 
Lostu 2, 60, 39, 
nul beziehung auf die title nach 1630, die Haart det hinlerhaupis 
in locken über naeken und tcHuUem fallen zu lasten. 

HAAREISEN, n. 1) cajaniitlrutn. Friscb 1, 38^, sutn kräuseln 
der haare, tonst krtiuseleisen , mhd. krUlltsen. 2) beim gerber 
das eiten, mit dem er Se Haare rom feile ttreieHt. 

HAARELOS, adj. depilatut, ealvus: der Spiegel, den ich 
balle, ist nur der der eitelkeit, und doch kann ich nicht 
vergessen, dasz ich zSbne-, nilgel- und baarelos bin. freih.- 
büehl. 74. s. haarlos. 

HAAREN, verb. in ntehrfacher bedeulung. 1) trantitiv depUare: 
baren erniuare t. depilare. voc. inc. Iheut. i l'. jelzt noch in der 
technischen spräche der gerber : haaren , die haare abschaben 
depHare Friscb 1,388. doAer raufen, sich in die haare ne-lry 

uiyiiiztJU uy ■^^j V--' ^^-' ~i Iv^ 



27 



HAAREN— HAARESSPITZE 



UAARFADEN — HAARGEMENGE 



28 



raten (sp. 14. is): crimmr« harea, raufen, bar usz raufen. 
DuLFEimACu 168'; haaren, beim haar ziehen, impUcare corku» 
mtnu. Haaleb 203; 

ein meer ist «ie, de« wellen nimmer sclilafen, 
drauf ewig sich die tollen (türme haaren, 
ein Islacbea meer. Uhlans yeif. &17. 

M mundttrttielt in Kärnten ko hiren, einem die haare ausraufen. 
Lexe« 134, abgeblas^er in Baiern und Tirol: hiren tanken, 
streiten, wortieeelueln Scuüellei 2, 22S. Fbomiianii 6, 14». 2) tn- 
trannt» und meist reflexiv sich haaren, die haare verlieren: das 
wildpret haaret Adelung; die hatze, der buod haart sich, 
«o/iBr auch die umgelauteie form giU: 



Im Winter wuchst sein peli, im sommer bin er sich. 
Röcuat veish. des brukm. (Ib3«) 1, 



194. 



HAAREN, «eri. schärfen, namentlich die sense scharf machen ; 
ein durchaus von dem vorigen verschiedenes wort, mit ur^irüng- 
lich kurzem voeal, nur in KederdeutscUand üblich. MHNEaT 176'. 
Danneil 77. das verbum ist ßr die ältere spraclie nicht nach- 
tmceisen, vol aber subäantivbüdungen aus seiner wurzel: goth. 
baini-s, alts. heru, ags. heoru, altn. biarr schwert als die 
scharfe, schneidende vaffe führt zurück auf sanskr, 9r-nJlinii spalte, 
verletze, griech. xtlQta für tuf-jot; auch laL cul-ter nieuer ist 
dieser würzet entsprungen, dasz das goth. bar-du-s, ahd. her-ti, 
ags. bear-d, unMr bar-t ihr zugehört, wird am betreffenden orte 
darzulegen sein. — Es musz haaren, trran wir seine bedeutung 
als denominativum genau in 'schärfe geben' fassen, auf ein subst. 
bar schärfe scitlieszen lassen, was erhallen scheint in dem eompo- 
tttum haregge scharfe schneide der sense. DiiNEZT 17t'; MrjL 
avcft baarbolzen, baarbaniiner. 

HAAREN, n. 1) das haareverüeren der liett. 2) m oierdeut- 
seken mundarten (Faoiii. 6, tl8) das raufen. 

HAAREN, HÄREN, adj. dHcinus: hariu ennetu, est alifäd 
factum de crinibus; beren cleit ciüäum, silicium, est vestis de 
pilis caprarum contesta. voc. ine. theut. il*, wie es mOnche und 
einsiedler des gdübäes der armul wegen, auch zur kastetung 
trugen, die sonne ward schwarz wie ein barin sack and der 
mund ward wie blut. o/fenb. 6,12; er als ein Terschmitzter 
weit- und eisvogel. Dick auf stück und tQck, der etwan auf 
dem eis, wann der Rhein ubergefroren, gemacht was worden, 
halb wUllen und halb hario, wie des Juden grama. Garg. 2ll'; 
sie {die ketzer) geben nicht einen pOCTerling um der kiauszner 
und eiosidier bannen kleid {plur.). bienenk. 199 ; Ober die- 
sem abgegangeneu und doch zu vielmalen Terbesierten rock 
trug ich das hären bembd (des einsidlers). Simpl. 1, 6& Kurz; 
ein bSrinea (ieb, ein blrines tuch. Hobbeic 3,1,167*. 161'; 

si« sprach, mein lieb die wer ir fremd, 

icli trug dann an ein herein bemd 

durch Iren willen wol zwei jar 

und luge das nimmer ab furwar. fasln, sp. 122, 2S; 

fi ist mir lieber als ein berer (/Sr beriner) strick 

den ich nacliet gOrtel umb mich. 633, 2; 

musz hart erfrieren in der matten, 

in Don, Tesper und der completen, 

ein heren bembd ich auch anirag 

am leib, die nacht und auch den lag. H. Sachs 4,3,62'; 

denn es deckt die edeln glieder 

htrenes gewand. Scbill» »t* (ri'Uer Toggenburg); 

als ein minch in haamem tuch. l. H. Voss 6, 197. 
aus torztdtenden beispiden erhellt zugleich, dasz die umgdautele 
form des Wortes und die nicht umgelauteie bis auf die Jetztzeit 
herab neben einander geraucht werden, nur wenn das adj. den 
letzten Iheil von compoäten bildet (kameelhaaren , rosthaaren, 
Ziegenhaaren) ist der umlaut ungewöhnlich. 

UAAKEKZ, n. eri in dünnen haarförmigen faden; vgl. haar 
H, 4 und haargold, haarsijber. 

HAARER2EUGUNG, f. : pomade zur haarerzeugung intrd bei 
der zunehmenden kahlkOpßgkeit unserer männerweit in Zeitungen 
jetzt besonders häufig angekündet. 

HAARESBREITE, f.: der dreiszigste tbeil einer haares- 
breite. Kant 9,71; gerücble, die so vollständig aus der luft 
gegriffen sind, dasz mit keinem buchstaben jemals der mio- 
desle anlasz gegeben ist, der einer solchen erllndung auch 
nur die haaresbreile räum darböte, auf der eine lOge fusz 
fassen konnte, ca. BisiAaci in der reiihstagssitsung v. IS. mdrz 
1867. s. haarbreite. 
HAARESDICKE, /.; ein drittel einer haaresdicke. Kant 9, 71. 
HAARESSPITZE, f : der beweis ist so auf einer baares- 
spitze gestellt. Kant 2,325; das gleicbgewicht, welches ge- 
sundheit beiszt und auf einer baaresspitze schwebt, 3,398. 
I, baarspilze. 



HAARFADEN, m. haarfeiner faden. Nexnicr. 

HAARFALL, m. eapiUÜvm defiuvium. Heoebicb 1188. 

HAARFARB, od;, badius. Ftiscn 1,388. t. haarfarbig. 

HAARFARBE, f l) färbe des (menschüdien oder ttemcAen) 
haars: auch hasen und fOchse finden sich in den eisregionen, 
verandern dann aber ihre baarfarbe. ausbind 1867, 356'. — 
2) ^ kaitatäenhraune färbe, welche bei den haufthaaren der men- 
sdien am häufigsten getroffen wird. Adeiorc; barlarb ariderum 
foUoTum color. Stieleb 433. die firber nennen baarfarbe eine 
färbe, die aus Ziegenhaar entsteht, welches mit färberrüte sehr 
stark gekocht ist, und die nachher zum roifärben gebraucht wird. 
Jacobsson techtwl. würterb. 2, 178*. — 3) färbe zum haarfOrben. 

HAARFÄRBEND, capiUos tingens: derowegeo fienge ieb an, 
mich mit gSnsschmalz, läussalbe und andern haarferbendep 
ungventen . . . fleiszig zu beschmiren. Smpl. i, 134 Ktm. ^ 

HAARFARBIC», adj. die färbe des haars, vortü^ich des mensch- 
lichen kopfhaars habend; vgl. baarfarbe 2. 

HAARFASER, f. faserwurzü der pflanzen. 

HAARFEDER, f. flaumfeder junger vOgel; vgl haar 11, 2 (ip. 12). 

HAARFEIN, adj., schweä, härfln, von der feinheit eines haares: 
das glas hat einen haarfeinen sprang; hier ist eine haar- 
feine ritze; absiract redet man mn haarfeinen unterschieden, 
man sagt aber auch in andern sinne ein tucb, ein gewebe ist 
haarfein, wenn es aus feiner wolle gewebt worden ist. 

HAARFELL, n. bdmtrtes feil: der gOtze ist aus holz grob 
gescbnilzel, mit federn und haarfell bekleidet, pers. rme- 
beschr. 3,4. 

HAARFEST, n. lendo. Hebbucb 1188; Faiscn 1, 388. vgl. 
haarwachs. 

HAARFLAÜSCH, m. bäschd haare (i. flansch 3,1737); die 
folgende slelU meint mit dem warte die zupfe: dasz in diese 
langausgezogeoeo haarflauscbe ein bOser geist dem menschen 
anwachsen konoe. L. Tibci ges. nov. 8, 370. 

HAARFLECHTE, f. 1) geflochtenes haar {vgl. 3,1738): bar- 
flecbten comicuium, cimu idem. voc. ine. Iheut. i I* ; ihre licht- 
braunen baarOechteo. GOtue 17, 252; für die haarflechten 
legte sie eine goldene kette zurecht. Uiiebiiann Münchh. 4,127; 
fraueo und kinder .. die ihre verfilzten dicken haarOechten 
sonntaglich mit verschossenen bflndern geschmückt haben. 
£ttropa 1865 sp. 1540. die mode des 17. Jahrhunderts kennt auch 
haarOechten auf männlichem köpf (s. haarlock, haarzopQ:- 
verbrennet die baarflechte (von dem hauple eures buhlen) zu 
pulver, so wird euer bubler Ober 2 stunden zu euch kom- 
men. Happel acad. rom. 342. 2) baarflechte tunea. Nemnich. 

HAARFLECHTERIN, f.psecas, ornatrix. Hedebich 1188 ; haar- 
flechterin beiszt dasjenige weibsvolk, das den perückenmachera 
die gebacknen und aufgekrausciten haare reibenweise in lange 
fressen flicht und setzt. Amabantres frauenz.-lex. (1773) 1,1245. 

HAARFLECHTUNG, f. cotnposilio capülurum, discemiculo aut 
ealamistro facta. Stieler 517. 

HAARFLIESZUNG, f: alopeäa, die haarflieszung so eim 
das haar ausfallt. Dastpodios 292*. 

HAARFORHER, m.: der baarfurmer und zopfprediger Meu- 
seler. J. Paul Hesp. 3, 205. 

HAAHFÖRMIG, adj. formam crinium prae se ferens: baar- 
fOrmiges erz Adelung ; baarförmige krystalle. 

HAARFOTZ, m. villus (>. foU bd. 4 sp. 44) : riUus ein haarlock, 
haarfolz Dastpod.; baarfolz, zott, villus Haaler 140'. 203*. 

HAARFKISUR, f capillatio: der begriff einer haarb-isur 
oder kopfbedeckung hOrt ganz auf. Falie modenu. 2, 279 ; die 
reiche rOthlicbe haarfrisur, welche ihr baupt bedeckt, «noden- 
zeitung 1866 t. 109. 

HAARFBOST, m. zoUiehtt reif fasern, die sieh zur Winterszeit 
an bäume und pflanzen hängen. Scnnklleb 2, 226. 

HAARFOLLE, f fülle, menge von haaren: umstände welche 
auf die haarfolle des Stapels einQusz haben. KObte merino- 
schaf s. 121. 

HAARGANS, f. fuHea: hargansz voc. ine. theut. il'. mhd. 
borgans. Ben. 1,478 ; es itt die gans, die auf den sumpf {mhd. 
horl des leichbodens taucht. 

HAARGEBÄUDE, f struäura e capillis facta: mit der Schnel- 
ligkeit der mode fliegt die neue erflndung durch die civili- 
sierte weit, um schon am nächsten tage von einem andern 
haargebaude wieder verdrängt zu werden. Falke 2, 279. 

HAARGEFÄSZE, n. plur. haarfeine gefdsze des tierischen kür- 
pers, capillaria vasa. Nemnich. 

HAARGEMENGE, ».; Bürger verfertigte einst auf den ihm 
anstOszigen uogeheuem haarbeotel eines primaners ein epi- 



uiyiiiztJU uy 



ö" 



29 



HAARGESICUT— HAARUUSCUG 



HAARICHT— HAARIGEL 



30 



gramm, welches eine solclie Wirkung auf den beim des baar- 
beutels macble, dasz es in der schule zum haargemenge kam. 
ALTUor li. t>j)<. baarcuUation. 

HAARGESICHT, n. mit haann bewachtenes geäeht, dann auch 
der triger eina toldien: pfui, Uli! so ein baargesicbt, so eine 
iltisbaut, so einen (anzbar. arme mann im Tockenb. 72. 

HAARGESPONNEN: sie hett lang goldgelb haar, ja baar- 
gespunnen gold, nach dem gewichrAbsaloos. Garg. 76', haar 
wtkhet mit goldene fäden teheint. 

HAARGESTIHN, «. comela: scbwantz- oder baargesthn. 
LoBEXsTEin Arm. 1,574. t. baarstern. 

ÜAARGEZWEIGE , n. die im haart herabhängenden tweige 
(der wtidt): 

schlanker weiden baargeiweiga. Glrai 47, Si. 
^ HAARGOLD, n. gediegenet gold m gettalt tarttr haart, Jicots- 
(011 <mA«o<. ftb. 2, ISO*. 

HAARGRAS, n. dymiu orMortuf, auch sandhafer, ürandhafer, 
sandgrat genannt. Nemnicb. 

HAARGURKE, f. aeyoi. WiLiaAito handb. der bdanik 624. 

HAARHAHMER, m. AommeritimKAdr/enilerwMe. Adbldnc; 
haorbaomer. Dahrbil 77'. t. haaren, tchdrfen. 

HAARHAUBE, f. 1) rHiculmn eopiUare, vitla crinalit: galeri- 
cam ein baarhaub. Alberus Jl'; boerhaub. DiiriNB. 256'; 
harhftben vilta 624'. neben der titte, das haar frei wallend, 
nur durch de» scbapel (s. d.) tusammengehalten xu tragen, be- 
gegnet bereit! im früheren mittelaUer das tutammenlegen des haart 
in eine elegante hille, nicht bloa bei frautn: 

>l waot 
in eine sldine bOben 
dat btr. Diiata l»l, 15, 

sondern auch bei männem, doeh ist et hier seichen der slulier- 
haftigkeU: 

in eine hoben er ti vie (das haar) 

diu was von bilden wehe. 

iiiet«r Hetmbrecht 14, vgl. 275. 

zur allgemeinheü wird die silte bei beiden getchlechtem seit dem 
ausgange des 15. und namentlich im 16. Jahrhundert, vo das haar 
unter tum Iheil kostbarem Stoff knapp um das häuft liegt: item 
sollen die kauf und gewerbsleuthe in stellen kein sammat, 
damast, atlasz oder seidenrock, goldt, silber, berlin, seiden, 
golt DDd silbare harbauben tragen. kaiserL reformat. guter po- 
licey (1530) Büj ; desgleichen mögen sie (die ron adel) gülden 
ringe und harbauben . . tragen. Büj' ; kastlich perlingestickte 
baarbauben, und die sammele paretlin darauf, auf die Meisz- 
nisch art zur seilen hangend. Garg. 281'; (ne hatte) kreiden- 
weisz nSgelein haseinttsz grosz, dardurch das leibfarb beut- 
lein berfQr scheinet, wie die gülden harbauben under den 
weiszea scbleiem. 77'; Mariana .. setzt ein baret über die 
harbauben. Atbrr 406'; 

als golden haarhaubo, gheng und keim. 112*. 
baarbauben darein man das haar biodt, vitta crinalu, rtticulum 
capiUare; die baarbauben abziehen, das baupt entblOszen 
erinalet toltere tiltat. Maaur203'; harbaube rstieulum tapillare, 
tUta erinaUs. SriEtER 792. 

2) hierneben ist die haarbaube vor trfindung der' perüeke eine 
vorlduferin derselben für kahlkvp/ige leute, sie wird tu dietem 
zwecke mit falschen haaren ausgestopß und auf dem köpft fest- 
gebunden: 

wen Hat von einem rilter dat 
da; er kal tod natOre was 
und ine hir, da; was im lelL 
ou bat er ein gewooheit, 
dag er Ar baut ein bOben gnot 
mit htre. «deMetn 75, l/f. 

diese art haarhouben kennt noch Fiiscb : haarbaube, eine art 
perfleken 1, S8S. 

3) polykickum, die sonst baarmos genannte pfiante. WuaaAiiD 
handb. der botanik 651. 

HAARHAUT, f. eine httutarUgt sdnmmelbildung (s. haar H, 3 
tp. 12), IrwAoderma, decksehimmel, baarnetz, baarliaat. Rasen- 
BOasT Deutschlands kryptogamen-flora 1, 259. 

HAARHEMD, n. hemd aus haaren, vgl. bSrenhemd. 

HAARHOLZ, n. prunut padus, schwarte vogeUdrsche. .Neiiiiicb. 

BAARHORN, «. m form einet hörnet frisiertes haar: es ist 
interessant zu sehen, .. wie die baarbOmer nnd ähnliche 
gebande sinken nnd das haar sich in kleinerem lockenge- 
krSosel um den köpf sammelt. Falie 2, 198. 

HAARHUSCHE. f. schnellet raufen der haare {vgl. husche 
und huschen): eine baarbusche, ein raufen oder nnyer- 



mulhete baamipfe. Faisca 1, 479 ; oder zeucht mir sonst eine 
harbuschen. Lotber litchr. 206*; so wirt er uns eine gute 
barhusche geben. 426'; nnd von onserl wegen höhn und 
spott, streiche und harbuschen gewarten. Mathesids fasten- 
predigten 52' ; (flcA sankende theleute) bebben einen kattentoch 
mit einander, mit mulschelligen backenschlegen und haer- 
buscben. N. Grtse bei Schiller, mecklenb. Uteri. 3,7'; neulich 
gab ich ihm etliche harbuschen, wenn es wieder also kSme, 
so kriegt er wohl gar einen Schilling (ohrfeige). Cbr. Weise 
komöd. 319; wenn jemand deinen leib ins gedringe brticbte, 
da auf einer seile ein kopfstosz, auf der andern eine baar- 
busche erfolgte, kl. leute 304. 

HAARICHT, HARICHT, ad), mit haaren versehen, agt. bae- 
riht; ein aAd.^roht iä bit jetst nicht beieu0, so wenig wie 
mhj. birebL die umgelautete form liufl neben der unumge- 
lautelen her, dock namentUeh für die neuere spracht in seltenerem 
gebrauch: hericbt, berichtig pilotus DiEFEiia. 435'; sie (die 
bienen) schwSrmen umher, von blume zu blume und ler- 
bergen nachsuchend die kleinen baarichten bSupler in den 
kelcbeo der blumen. Geszreb 3 (1770), 145; der Patrioten- 
caspar . . umschlang die knie des alten mannes mit seinen 
hageren und baarichten ßivten. Ibber|iar!« Münehh. 4,28; 

ein kind mit hirichtem gesiebte, 

des einem hasen gleicht. Gsllut t, 154 : 

der Spiegel warf, was er empfleng, zurOeke, 

•In nirnscb baarictates gesiebt 

mit einer struppicbien perOcks. 1, 281; 

und solt ein beriebt kleid X jar tragen. Alberds wtdder JSrg 
Wittein M6'; gezeseriet, haaricht, voll lasen fibratui; radix 
a^amentii fbrata Heriscb 1009; haaricht silber, gediegen 
Silber, das^wie ein pOschleio haare im gestein und drnaen 
lieget, bergw.-lex. 280 . — Oberdeutiehe mundarten, namentlich 
die tehweiteritche, gewahren die erweiterte form haarechtig: haa- 
rechtiger stern comefa Dastpod.; baarSchtig, der lange baar 
tregt oder ril baar hat; rauch von haar und stiebend gleich 
ein seuwbOrst. Maaier 203'; Ton wegen der weiszen, woll- 
echtigen oder haareobtigen blettem. Tasernaek. 430. 

Wie haaricht und haarig der bedeutung nach sich nicht tcharf • 
teheiden, und im nhd. schon von langer seil her einander ab- 
löten können {gramm. 2,382; harig, oder harechtig erinitut, 
horridus, hirsutui Serrards syn. U i') , so hat die letstere form 
die erstere in der neuesten teil entschieden turückgedringt. 

HAARIG, HÄRIG, od;, und adv., ctiiütus, piiosus, hirtutut, 
engl, hairy, tehwed. bSrig, ddn. haarig: der hlrig bock ist 
der kOnig in Grscia. Reiszreb Jlerus. 2,47'; und wie etlich 
sagen, der äff habe ein zotlächt dick haar, so sieht man 
das si nnden am bauch und überall an allen glideren, die 
sich wie andere tbier uff die erden neigend, haarig sind. 
Forer Ikierb. 1'; seine (des neura Statisten) äugen sein mehr 
als Iflchsen, auf alle renken ihme geld zu machen : hingegen 
die obren, dem bono publico zu dienen, bärig und mit 
wachse erfüllet. Bdtscrit Poim. 297; die karfunkeln am haa- 
rigen kinn. Kotzesde dram. spiele 1, 25. 

An uneigentlichen sinne tafi vornehmlich die heutige ttudenten- 
tprache ein haariger (IfleAltyo') kerl, wo6et man üch an dat 
erinnern mutz, was oben unter haar 111,10 (jp. 16) über den 
vollen haarwuchs alt seichen der kraß und tüMi^eit gesagt wurde; 
auch eine sache ist haarig schwer, haarig theuer, indem die 
voritellung der kraft und lüchtigkeit in die det hervorragenden, 
ungewöhnlichen, übergeht, femer im gemeinen leben das ist 
haarig, itark, ungeheuerlieh, da giengs haarig her in AoAem 
grade heftig oder wild; ebento haarig schwitzen unflatig, ohne 
schäm, ändert itt in Btaem haarig erbdrmHeh, tchlecht, gewOhn- 
Ueh in Verbindung mit nissig, lausig stehend: es gtt mir bArig, 
lausig; ein hftriger, nissiger kerl Scbb. 2, 225; tum Ver- 
ständnis dieser redensisrien müsle man etwa an ein haar in einer 
sacbe finden für Widerwillen, ekel haben isp. 19) anknl^fen, 
denn das von Scbbeller zur deulung zweifelnd herangezogene ahd. 
harac lugubris (GsArr 4, 465), das nur einmal gewährt wird, 
steht für cbarac und itt das heutige karg (5,213). 

Da haarig, vie doi vorhergehende wort, nur schwankend Um- 
laut erfahren hat, so erscheinen auch seine composila bald mit, 
bald ohne diesen: blondhaarig, blondhärig; ebenso braun-, 
drei-, dunkel-, dtlnn-, flachs-, gauch-, kraus-, kurz-, lang-, 
raub-, roth-, schon-, schwarz-, wider-baarig und -barig, doch 
berortugl die heutige spräche die unumgelaulele form. 

HAARIGEL, i<. m. homo sordidus, Schimpfwort für einen un- 
saubem menschen : folgends dreilausige, scblöfferige, Oobbeiszige, I ^ 

uiyiiizt^u uy -v — ■v^^^-'-t Iv^ 



31 



HAARKALK— BAAMLEIM 



BAARKLUFT — HAARLAUGE 



32 



bundcflobige, dattenwelke, mistfaale, faszschläuflge, zwibel- 
stinkende harigel, blasbelg, burenbelg, schleppsedc, zwibel- 
seck {ton küdtenmtgden). Garg. 47*; 

daa< man noch basi m6cht kennen uns baaiigel all vier 
mit unierm titel nennen h la modo monsler. 

Oru. II. Com 413, 4. 

Der erste theil des vortes ist uie in haargans das ahd. hörn, 
mhd. bor schmutz; und nährend es jetzt noch im volksmunde in 
Baden und in der Pfalz lebt, wird in Iheilen des Osterlandes das 
begrifflich gleiche dreck-igel gebraucht, vgl. igel und seine com- 
posita sau-, schwein-ig^l. 

HAARKALK, tn. mtl kälberhaaren gemischter kalk, me er su- 
veilen xu mvrlel petraticM loird. 

HAARKAMH, m. pecten. Steinkacb 1, 823. > 

HAARKAPPE, f. polylrichum. Nemnicu ; nach der form so ge- 
nannt, gewöhnlicher baarmoos. 

HAARKEIM, m. keim des haares: die bildnog der erslen 
baaranlag e, d. h . des baarkeimes. Körte merinoschaf (1862) 123. 

HAARKETTE, f. 1) kdle die in das haar der frauen ge- 
schlungen ist: 

tcbmelirisehen mitten drauf, baarlietten in das baar, 
auch wol lum Oberflusi die nestelnadclpaar. 

RlCIKL (lluo) 140. 

2) auch eine kette die aus haaren gefertigt wird. 

HAARKIES, m. trichopgrites, in zarten nadeifürmigen säuUhen 
vorkommender gediegener fickel. Glouer niiner(i((M;ie (1839) 328. 

HAARKLAR, adv. aceuratisäme, planissime: wann sie sie ge- 
dultig anhören wollen, wolle sie alles baarUar erzableo, wie 
es bergegangen. Simptic. 2, 306 Kurz. v^. haarfein, haarklein 
und aufs baar, bis aufs baar (sp. 10). 

HAARKLAUBER , m. der kleini^ttiten peinlieh sorgfältig be- 
arbeitet {vgl. klauben bd. b sp. 1021. 1022): er balle fünfzig und 
mehr gesellen, der eine lernte nichts als Stuhlbeine schnei- 
den, der andere lernte sie ausarbeiten, und der dritte po- 
liren. nach einer nolbwendigen folge behielt er diese seine 
gesellen, wie sie alle baarklauber in ihrer art und meisler 
far sich waren, als (aglöbner neben sich. Moser patr. phant. 
1, 181. 

HAARKUOBEREI, f. 

HAARKLÄUBERISCH , adj.: die dispositiones i^ietoricas 
so genau hierin zu suchen, scheint baarkISuberiscb zu sein. 
MoRHor unterr. 616. 

HAARKLEID, n. kleid oder häUe aus haaren: der leib {des 
fuchses) erscheint seines ziemlich dichten haarkleides wegen 
dick. Brebu tlhutr. Merleben. 

HAARKLEIN, adj. uttdadv.pUo subtilior; aeeuratissime, plo- 
msstme (i^t. klein II, 1, e th. 5. sp. 1088). es muss ursprüng- 
lich vom spinnen gegoUen haben, bei welchem der faden zu der 
hödist megHchen feinheit, zu der eines haares, gebracht werden 
sollte, da die begriffe fein, klar (5,089) und klein ab rechte 
^inneransdriUke erscheinen; es findet sich indes nur in über- 
tragener bedeutung verwendet, namentlich in Verbindung mit ver- 
ben des sehens , Wissens, erforschens und anzeigens: sieb, sieh 
die folgen davon haarklein. Hahsnk 1, 474 ; wir wissen es 
alles zum baarkleiosten. Schocb studenlenleben; bis ich alles 
haarklein aus ihm heraus gelockeU Pierot 1,93; und nahm 
damit ein schön paar armband vor die eine und eine köst- 
liche slimspange vor die andere der Selichae kammerjung- 
fem, mit denselben scbmierete sie eine nach der andern, 
bis sie alles haarklein erfuhr. SimpL 4, 781 Keller; demnach 
ich ihn aber freundlich in die arme nahm und an meine 
brüst druckte, mit bitte mir zu erzehten was ihm anlege 
und wie ihm zu helfen sein mögle, beichtete er mir alles 
haarklein heraus. Simpl. 2,230 Kurz; bis sie haarklein ge- 
beichtet. KoTZEscE drain. sp. 2,173; er soll alles haarklein 
bekennen. Fa. MOllei 1,110; sie balle mich schon in der 
gutsche haarklein berichtet. Jucundiss. 60; ich hatte ihr .. 
schon alles haarklein vorgetragen. Götbb 48, 104 ; alle . . . 
werden htemit durch mich, den berold vorgefordert, und be- 
fehligt, alsofort vor den aldermSnnern zu erscheinen und 
daselbst namentlich, vernehmlich, wie auch haarklein, ihre 
allerseitigen ausrufe oder ankündigungeu anzuzeigen. Klop- 
STOCt 12,210 {gdehrlenrepublik) ; darauf erzehlte ich ihm alles 
haarklein. Smfd. 3, 72 Kurz; ich erzählte ihr haarklein, wie 
das ding zugegangen, arme mann im Tockenb. 73; wenn sie 
mir zeit lassen wollen, so will ich ihnen alles haarklein er- 
zählen. WiELARD 11, 30t ; entschliesz dich im augenblicke 
alles haarklein zu erzählen. Lerz I, I7C ; wenn dr. Raphacl 



ankommt, so laszt euch alles haarklein erzibien, was wir 
nicht schreiben können. 7, 425 ; nicht lange, so gesellte sich 
der söhn zum vater und erzahlte ihm alles haarklein wieder. 
GöTBE 22,60; 

wir minner tadeln stets das gute ft'auenziinmer, 

und wissen immer viel und swd doch sehnmal schlimmer; 

man mulsl an ihnen stets auch alles haarlileln auf. 

GÖKTHER 487. 

HAARKLUFT, f. enge kluft nur von haaresbreite (klOfle .. 
sind auch bisweilen schmale ginge, oft kaum eines Stroh- 
halms dicke, bergw.-lex.33l'): scböiale gänge von hornsteio; 
sie kommen vor als haarklüfte, sodann in der breite einer 
linie bis über zwei zoll. GOtue 51,15; ein granit .. durch 
welchen feine haarklüfte, mit hornstein durchdrungen, hin- 
durch gehen. 51,124. 

HAARKNOTEN, m. knoten aus liaarm geschlungen, eine fri- 
sur: bis sie endlich die unbeschreiblichste Sehnsucht empfan- 
den, ihre haupter auch mit solchen dicken haarknolen zu 
schmucken, allg. modenzeitg. 1866 no. 27 s. 430'. 

HAARKOPF, m. hauptscltmuck von- Itaaren der weiter. Faiscn 
1, 338. ab besondem bräuteschmuck und als einen von haaren 
in die höhe gezogenen, mit büffen, zupfen, favorelten und nesi 
ausgesierlen und durdischlungenen putz kennt und besclireibt ihn 
Amarantues frauenz.-lex. (1773) 1, 1245. es gab auch solche von 
falschen haaren: einen baarkopf will ich haben, versteht er 

dos? J. E. SCBLECEl 2,245. 

HAARKÖRBLEIN, n. caudea Stieler 1014. caudea cisteUa 
oder caudeca irtrd «on Forcellics durdt cistella e junco (frtnsen), 
a stmiJitudine e^noe caudoe fada erklärt; das wort bezeichnet 
also einen korb, der aus haarfeinem malerial geflochten ist. 

HAARKRAUSEN, n. das krausmachen der haare: wie viel 
zeit wird nur aufs haarkräusen verwandt. Scriver seelensch. 1, 6. 

HAARKRAUSERIN , f. die die haare kräuselt, omalrix: zu 
auszgang der sal des frawenzimmers waren die aufbutzerin, 
aulziumerin, baarkrauserin, bisamreicherin, handschuchbeize- 
rin, balsseiferin, anslreicherin. Garg. 281*. 

HAARKRAUSLER, «r. cineronus, änißo. Stieler 1029 ; keiner 
von uns mag für kleine kaufleute, pastetenbäcker und haar- 
krausler nur eine feder eintunken. J. Paul ans des leufels 
pap. 1, 81 ; er soU das accommodiren den haarkräuslern und 
perOckenmachem überlassen. Koebig kOnig Jeromes cameval 
1,232. — fem.: baarkriuslerin : eine jede bojarenfamilie von 
einigem ansprucb hat . . ihre badefrauen, baarkräuslerinncn, 
kammermädchen und kinderwärlerinnen. preusz. jahrb. bd. 18 
(1866) s. 65. 

HAARKRACT, n. ranuncuJtts aguolitts. Nebbicb. batrachium, 
auch froschkraut genannt. Wibber ßora von Schlesien (1857) 484. 

HAARKRONE, f. 1) kröne aus haaren, Haupthaare kronenfOr- 
mig geordnet: stamme mit baarkronen wie die Fidschi, aus 
land AO. Jahrg. s. 872. 2)pappus Nebricb: der mit der Irucht 
verwachsene kelch geht in eine baarkrone oder federkrone 
(pappus) Ober. Lednis Synopsis der pflanzetJninde (1847) 42. 

HAARKRONERBE, m.; dasz sie {missethäter und kranke) 
sich nach dem bedürfnis ihrer baarkronerben vermehren 
werden. J. Paul ttUer. «acAi. 4, 153. 

HAARKRYSTALL, m. krystall in haarfeinen säuldun. 

HAARKUGEL, f. aegagropila. Nemhicb. ddn. kaarkugle, schtved. 
h&rkula. vgl. haarballe. 

HAARKÜNSTLER, m. der du haare kunstvoll ordnet, friseur: 
da jede tonangebende dame, jeder baarkunstler zu solcher 
erBndung (nner neuen frisur) beßlbigt war. Faue 2, 279. 

HAARKUPFER, n. cuprum capiUare. Nebnich; von andern 
wird das gediegene kupfer in haarfeinen fäden baarigkupfer ge- 
nannt. Jacobssok lecAn. wb. 2,180'. 

HAARLAKEN, n. laken oder stück zeug aus lierhaaren gefer- 
tigt; harlacben sagum. Diefeüb. 507*. 

UAARLANGEND, der sich nach haaren sehnt, haararm? mhd. 
lange desidero; 

hariaogent, bleich, dünn, dürr und mager. 

H. Sachs 3, 2, 71'. 

HAARLAUF, m. 6ei den webem die obere reihe der Ulzen- 
fäden, im gegensalze zu der untern, den stelzen. Auelunc. bei 
Maaleb vtetteic/il fem. baarlaufe: die baarlaufen oder gefesz 
hinter dem waberkamp, (tcium 203'. 

HAARLAÜ£E, f. lauge sum reinigen des haars: den köpf 
mit lauge waschen lixicio capülos mundare, barlauge liziii'unt 
ex dmribus quernis , lixitium medicalum , alias krcuterlauge, 
kopflduge. Stieler 1103; eichenasche soll nach der nuinung des 



uiyiiiztJU uy 



ö" 



33 



HAARLEIDEN — HAARNADEL 



HAARNEST— UAARRAUCH 



34 



mllces den kopfgrmä heikn. — WaentHch otuierm zwecke, näm- 
lich dem bleichen des haars, dieitle die haarlauge, deren berei- 
tung schon im Hielten DeulKMand gekannt und die auch van 
den Rümem xur gemnnung einer lichteren haarfarbe verwendet 
witrd»: * 

fortior et lortoi lervit vetica capilloi, 

et mutat LatUi «pama Batava comas. MAttUL Till, 3S, 19; 
causlicB Teutonicos acceadit ipuma capllloa, 

oaptWis polaris cullior äste comU. XIV, 26. 

BAARLEIDEN, n. krankheU, leiden der haare. 

HAARLICH, adj. haararUg: crinidus harlich Dibfenb. Kl'. 

HAARLINIE, /. finta lenuissima, lublilissima Stielei 1139. 

HAARLOCKE, f. äneinnut. mhd. birloc. Ben. 1,1041; dat 
rort ist nach dem allen geschlechte von loc aocft durch das 
16. jahrh. in der reget starkes mase. : haarlbek , ptur. haarlOck 
DasTF. ; und der balsam trGpfelt Ton dem hauple Christi auf 
unsere babrlOcke. Mitb. s. ist'; 

der doch hat nchalTeii jedermann, 

und ilner beiigen taaarlock teilet, (ro;. Joh. Slüj. 

Neben der starken form wird im 16. jahrh. seltener auch die 
schwache sichtbar : die vordereu baarlocken an den Stirnen der 
weiteren , aniioe Maaleb 203' ; gekrümbt oder krausz baar- 
locken, cindnnus ibid. ; mit krumbea baarlocken geziert oder 
gemQUt, cuieinnaltu ibid. im 11. jahrh. gehen beide, starke und 
schwache form, gldch hdußg neben einander : wo «erde ich aber 
meinen fed^rbusch und baarlock verkaufen können? unwOrd. 
doctor 368; and gereuete mich fast, dasz ich nicht noch 
meioeo federbuscb und baarlock haben solte. 369; es war 
diesx ein dicker ttrdhn von falschem gelocktem haar, nach der 
weise des 17. jahrh. an einer seile des gesichls herunterfallend, 
s. haarzopf. ferner knOphe sie einen baarlocken um drei 
federn von ungleichen färben. Oi>in 579 (fiodmer) ; der lock, 
pl. die loclien, vell^, ßoceus, barlocken etrri Stieleb 1101, tfer 
attcA die starke form verwendet: stirnlöcke anitoe, capronae 
ibid.; es vare seine [Absalons) baarlocken den geOochlenen 
goldfaden nicht ungleich, wol recht nennt man sie baarlocken, 
ireil sie gar oft unbebutsame äugen pflegen zu locken. Aaa. 
k S. CtABa meri» fdea (1680) >. 69. Unter einßusi des in 
schwacher form hiufig verwendeten plurais wird das wart später 
fem. : die locke, p/«r. locken, ctitciaRut, aiuiti^i comamm, haar- 
locke etnetaniM .Steiniacb 1, 1007, und in diesem geschlecht hat 
es sich vom li. jahrh. ab ausschliesslich festgesetzt, o ihre zwei 
blauen Suglein, die gelben baarlocken. arme mann im Tockenb. 67. 

HAARLÖCKCHEN, n. dim. 

HAARLOS, adj. depilis, glaber, engl, bairless : ein liaarloser 
scbidel; haarloss omb die scbam, der noch kein haar an 
der schäm hat, impubes MaALEa 203'; 

echa« lu dieser harlosser hut 

ist lieber mir denn alles gut. H. Sacbs 3, 2, U*. 

HA ARMANGEL, fit. glabritas: er leidet an baarmangel, Aal 
eine jlalae, ist kahlküpfig. 

HAARMANN, m.: wann das loch ans der walke kommt, 
heiszet es ein haarmann, das zum tuchscherer musz. Fsiscu 
1,388. 

HAARMANTEL, m. frauenmanlel , beim frisieren des haares 
ßier die schuUer geworfen , dann aucA ein Iheil der nachltoileUe. 
Frisch 1,388. 2,4. Amasanthes ^rau^njimmertex. (1773) 1,1246. 

HAARMESSER , n. ein am Webstuhl der sammHwirker be- 
festigtes mesier zum scheren des sammets. Adeldnc. 

HAAKHILBE, f. acarus vegetans. Nemricr. 

HAARMOOS, n., AoUdnd. haairmos, engl, bairmoss, schwed. 
härmossa , name sireier pßanzen : des byssus, auch staubmoos, 
haaraftermoos , haarschwamm penanal. Nemiiicb 1, 732, «nd 
des po^tricAttm.-atHift jungfembaar, goldbaar, widerton, bür- 
uoos 2,1040. 

HAARMÖRTEL, ro. mit kälberhaaren gemischler mirM. 

HAARMOI^E, f. kopfbedeching von fallchen haaren, eoHen- 
dnim, gaterieum. SriELEa 1316. rgl. haarbaubc 2 sp. 29. 

HAARNADEL, f. 1) nadel zum befestigen und ordnen des 
haares, acus crinalis, Crinale, discemiculum, discriminale. SriEiEa 
1343. Steinbacb 2,100. musik, rollen und schuhe, wasche 
und italiänische blumen, etuis, haamadeln, scbminktOpfchen 
und bänden, bOcber und strohbiite, keines verschmähte die 
nacbbarschafl des andern. Gütbb 18, 88 ; 

schmiedete mancherlei liunslwerk, 
•pangen und ring' und ohrengetienli, baarnadeln und kettlein. 

Voss Kioe 18, 401. 

IV. II. 



FuHiNC hat twa sonette überschrieben auf die gOldne haamadel 
3, 4 «nd 70. 2) zum kräuseln des haares, calamistrum. Dasvp. 
3) tn Aotem Aeitit eine ort zuekergebäck so. Scbnelleb 2, 681. 

HAARNEST, n. nestförmig zusammengdegte haarßechlen des 
Unlerhauptes: die grundlage (der frisur) war ein btubchen, 
welches das baamesl im nacken umfaszte. Fai.se 2, 244. 

HAARNETZ, n. I) neti 2um bergen des haupthaares, ein Iheil 
der frauentoilette. 2) eine netzförmige schimmelbildung {s. haar 
11,3 ip. 12): Iriehoderma, deckscbimmel , haametz, hsarhaut. 
Rabenbobst Deutsehlands kr\/ptogamen-flora 1, 286. 

HAARÖL, n., schwed. hSroIja, Dl zum sat6en der haare. 

HAARPFEIL, n. und m., klriner pfeil zierlicher arbeit, mm 
metall oder hom, den die fraup» durch das Unterhaar stedien, 
um es zusammen lu halten. 

HAARPFLANZUNG, f pßege und sdmidcung des haares (vgL 
pflanzen; das zieren, pflanzen und bfiffen des baars, crinciis 
cuitus Maaleb 203*): die menner schneiden das haar ob den 
oren ab, weil bei in die baarpflaxuung ganz uneerlich ist. 
Fbank weltb. Ivij'. 

HAARPFLEGE, f. crinalis cuUus. 

HAARPILZ, m. demaUcum, auch starrfaser genannt. Raben- 
bobst Deutsehlands kryplogamen-fiora l, 62. 

HAARPINSEL, m. penicillum e pilis factum: bar- nra veh- 
und ratzenpinsel , peniculiu ex capillis gtirium Sheleb 1426. 
baarpensel Fbiscb 1, 388. als wäre jedes pOnktchen mit 
einem sorgßltigen haarpinse! getüpfelt. Kobl olpenreisen 3,229. 

HAARPLUNDER, m. ; erstlich waren meine haare in dritu 
halb jabren weder auf griechisch, teutsch noch französisch 
abgeschnitten, gekampelt noch gekräuselt oder gebOBl wor- 
den, sondern sie stunden in ihrer natQrlicben Verwirrung, 
noch mit mehr als jährigem staub an statt des haarplunders, 
puders oder pulvers (wie man das narren- oder närrinwerk 
nennt) durchstreut. Simpl. l, 65 Kurz. 

HAARPOMADE, f, schwed. bSirpomada, «nj^uenlum odoiendot 
eaptüot. 

UAARPUDER, m. pulvis odoratus capillis inspergendus. FatsCH 
2, 73. das wart wird mit der entsprechenden mode zwischen 1620 
«nd 1640 gebräuchlich; die halbfransüsische form desselben weist 
auf das land das diese mode erzeugte, nach der französisdien 
revobäion von 1789 verscAioindet der haarpuder wiuler von den 
köpfen. 

haarpuder brauch Ich nicht, noch schmink das haar tu krliuen. 

Simpl. 3, 2 Aars. 

Das worl erseheint auch in neutralem geschlecht: immer schad 
ists, dasz ihre zarte baut durch das haarpuder so schlimm 
bemakelt wird. Simpl. l, 227 Keller, wo jedoch andere ausgaben 
{Kurs 1, 143) baarpulver lesen, in Iheüen von Norddeutsdtland 
{Schlesien, Pommern) sagt man sprichwürlUch noch heule: er ist 
weg wie haarpuder, von einem menschen der sich schnell aus 
dem staube macht. 

HAARPULVER, n. was haarpuder: es roch um sie herum 
80 stark nach baarpulver, balsam, bisam, ambra und andern 
aromaten. Simpl. 2,133 Kurz{ aie .. hatte schier eine halbe 
apolbeke von allerband scbmirsel, pomaden, tormae solis, 
oleum talci, zahn- und baarpulver, gebrannten wassern und 
dergleichen. 3,349. 

HAARPÜSTER, m. puderjtuule aus Aaaren verfertig: {man 
musz mstenl dasz der bofkaplan . . die haare, die sein kämm 
auszupfte, in einen pelzfascikel oder haarverein zusammen 
wickelte, um damit die übrigen, die noch standen, einzu- 
pudern, welches nun wohl vom erhabensten geiste und pen- 
lameler nicht anders zu benamsen ist als ein baarpUster. 
J. Paul Hesp. 1, 91 ; ein verlorner fremder baarpQster. 93. 

HAAUPUTZ, m. zierliche anordnung der (eigenen oder falschen) 
haare: 

beiden, stutter, Philosophen kriuselten so schon Ihr haar, 
alt im letilen singespiele Pbrvnens falsoher haarputs war. 
Scuöfiaicb (1753) s. 245. 

HAARPUTZERIN , f die das haar zierlich ordnet: und wie 
leicht war es nicht, dasz die haarpulzerinnen etwas ver- 
sahen, da die damen fast alle tage neue moden das haar 
in locken zu legen erfanden. AannjverscAe gel. anzeigen 1753 
sl. 103 sp. 1523. 

HAAKQUALLE, f. medusa capillata. Nbbnicb. 

HAARRAUCH, m. dicker nebliger rauch, der von dem brande 

eines moores entsteht, ein vortfigticA in Frieiland und Westfalen 

gdcanntes wort, dem indes kein hohes alter beiiunieuen ist, da wie 

*ei seAeinI, das moorbrennen vor dem klzlcn viertel des n. jahrh. 



Digitized by 



Google 



35 



HAARRAUCH — HAARSCHAR 



HAARSCHARF— HAARSCHLINGE 



36 



nicht gekannt trird. die erste bekannte encdhnung des haarrauches 
findet lieh in einer rerordnung Erüst Adcdsts con OsRABittn, 
d. d. 20. apnl 1720: nachdem seit einigen jabren wahrgenom- 
inen, dasz in diesem unserm fDrslenthnme und hocbstifte 
sowohl als denen benachbarten landen die beiden- and lorf- 
pfennen, um etwan buchweitzen darin zu sSen oder sonsten 
Ton den unlerthanen angezQodel werden, und dann der davon 
hergekommene gestanck und sogenannte baarrauch nicht 
allein sehr ungesund u. s. w. belege für das worl aus der jetxt- 
zeü und aus jenen gegenden sind hSufig: am Rhein und in 
Westphalen am abend an den tagen wo der nordwind den 
frieslandischen baarrauch Ober unsere Auren treibt. Kotnisdu 
Zeitung IS54 no. 167 ; ein branzlichter geroch schwebte in der 
lufl, und ein bauer der vorbeigieng sagte : es gibt heut haar- 
rauch. liMEaiiAint Mänchh. 3, 100 ; alles das sah in dem nun 
schon heranwehenden grauen haarraucbe noch onheimlicber 
und jammervoller aus als gewöhnlich. 108. 

Da für baarrauch auch die benennung hOhenrauch gebriuth- 
lich ist und in Westfalen haar für höhe gilt (sp. 22), .» wird 
niehls hindern aniunehmen, dasx beide Wörter dem sinne nach 
gleiekKertig sind und böhenrauch m baarrauch sich nur terhaüe 
wie die hochdeutsche übersetiung tu einer pronnitaln original- 
form; um so mehr als das fhänomen des haarraudtes sich durch 
die Irübung der höhen ziurst tu erkennen gibt. 

HAARRAUFEN, n. cellicalio crinium: 

das verdross mich auf sie also vail, 
das ich hab weder ni noch rast, 
bis er mir beiah ein gut hairaufeo. 

fastn. »p. 750, 6. 

HAARRAUFEND, tapilhs suos (prae dolore) rellent: 

o Niobe dort, sieh wie sie schiigt, haarraufend. 

Fa. MiiLLM 2, 201. 
HAARRAUPE, f larva pihsa. 

HAARREtCH, adj. reich an haaren oder teolie: so dasz bei 
^bohlen ßden ein zeug dick erscheinen kann, ohne haarreich 
zu sein. KOkte merinoschaf s. 7t. 

HAARRICHTEK, m. 1) concinnator capälorum, der das haar 
frei bolzen und zieren kan. Maaler 203'. 2) bildlich richler 
After unbedeutendes, wie splitlerricbter (<. d.). 

HAARRINDE, /. fluära pilosa, eine arl toophylen. NEMmcB. 
HAARRING, m., schwed. hSrring, fingerring, entweder ganz 
VOR haaren geßockten oder in goldner Umfassung mit angelegten 
haaren versehen. 

HAARRÖHRCHEN, n. enge röhre von geringem, haarfeinen 

durchmesser. haarrOhrlein, tubi r^ipiUares. Frisch I,38S. — haar- 

rftbrcbenkraft Mater anfangsgründe der nalurlehre (1S23) § 120. 

HAARRÖHRE, /., was das vorige. Geblert phys. Wörterbuch 

(1789) 2, &4S. 

HAARRUPFE, /. veUeatio crinium. Feiscn 1,388: womit er 
mir aber eine so tapfere haarrupfen zugleich mit vernetzte, 
dasz ich Termeinle, er würde das capiloliom gar herunter 
reiszen. Simptic. 1,42 Keller; 

da leb wol lust gehabet bell 
• dem pfair ein baarmpren lu geben. U. Sachs 4, 3, 1 1'. 

HAARSACK, m. was baarbeulel, s. d. sp. 24. 

RAARSÄGE, f sSge deren sahne haarfein sind? wenn ihr 
noch jabre lang mit eoern haar- und beiosSgen auf dem ehe- 
lichen bände bin und her kratzet und streicht, so könnt 
ihrs vor schmerzen nicht mehr aashalten. 1. Pim. Siebenk. 
3,123. 

HAARSALBE, f. in doppeltem sinne : 1) harsalbe, pro alendis 
capillis. Stieler 1673. 2) haarsalbe zum aosbeitzen der haare, 
unguentum depUalorium, dropax. Frisch 1,386. Steinbach 2,337. 

HAARSALZ, n. hahtridium, ein aus eisenväriol und alaun 
susammengeselstes sah in haarfeinen fiden. 

HAARSAM, adj. dem haare gleich, namentlich weich und fein 
wie haare, ein lumal sdiweiserisches wort: haarsam, zart, fein 
im antasten. Stalder 2,3. 

HAARSCHÄDEL, m. behaarter schidel: aber golt wird den 
köpf seiner feinde znscbmeiszeo sampt ihrem barscheddel 
{verticem capilli vulg., KO^viprjv rftxös Septuag.) ps. 68, 22. 
Ldthebs autlei/tiiij des tl.psalms (1524) erklärt: wird das beubt 
seiner feiod zurknirssen, den scbedel mit den hareo. 

HAARSCHAR, n. et'ne moosart, lycopodium clavatum , auch 
haarschauer genannt. Nemricb 3, 475. baarschar Loricerds 
krduterb. 2t3'. ob der nanu damit in Verbindung tu selten, dasx 
man das moos als heilbringend gegen den weichseltopf ansah, ist 
nicht mit geuisheit hinsusteUen. * 



HAARSCHARF, adj. und adv., seftr sdiarf, so dasz späte 
oder schneide die feinheit eines haares haben: mit deinem haar- 
scharfen Säbel, ehe eines weites 394; Melpomene hat zwei 
dolcbe. der eine ist blank, haarscharf gescbliifea. iiiiiERHAün 
Münchh. 4,42; das recht schiert haarscharf, jus ^xadissime 
procedat. Pistorii thes. par. VII (1724) 69. häufig ist die an- 
wendung des Wortes in übertragenem sinne : wenn er die grenz- 
linie des einen und des andern . . haarscharf ziehen will. 
W'iela:(d 8, 127; das gemSlde gleicht haarscharf. KiiNceii 
6,19; bei einer bataille kann man nicht so haarscharf auf 
alles acht geben. Tiecr 5, 393 ; ein haarscharfer unterschied ; 
haarscharfe bestimmung; und nun wurde haarscharf nach- 
gewiesen, dasz grobe strategische und taktische verstOsze an 
allen ecken und enden begangen seien, preust. jahrb. bd. 18 
<. 340; er faszt fragen und meinungsverwickelungen Ougs und 
haarscharf auf. daheim 1867, 395". 

HAARSCHEIDE, f in zwei bedeutungen: 1) die scheide oder 
hülle, in der die luarwurtel liegt: die äuszere haarscheide mit 
dem haarbalge. Körte merinoschaf s. 79. 2) scheide oder grente 
von der breite eines haares : es ist wahr (schreibt man vom Ober- 
rhein 24. auguM) wthrend der Luxemburger frage befandeo 
wir uns auf der haarscheide zwischen krieg und frieden. 
Frankf. Journal 1867 no. 238. 

HAARSCHEITEL, m. capiUorum discrimen. STEiHtACii t, 396. 

HAARSCHERE , f (mhd. hirschere Bek. 2, 2, 158), forpex 
voc. ine. Iheul. i 2. Frwcr 1, 388 ; forpex ein baarschSr Dastpod. ; 
Schneider- und tnchsehere tn spede dicilur forfex, baibir- sne 
harschere autem forpex. Stieler 2046; es wird also hier das 
Instrument tum versdineiden des köpf- und barlkaares verstanden, 
Mau-e» dagegen: haarscbSr /br/ex 203' und Steiübacb : balbi.er- 
scheere forfex tonsorius, haarscbere forfex 2, 493 renieken die 
scheere , mittels deren iHe haare des luchs geschoren werden, in 
beiden bedeutungen ist das worl heute iMieh. 

HAARSCHERER, tonsor: haarscheerer durch bestinunung, 
dem ionem berufe nach lederhändler. ImiERHAtiN Münchh. 1,25. 

H.AARSCHLAG, m., die eigentümliche ort das haar anzuordnen, 
wie baumscUag die eigentümliche anardnung des baumlaubes iü 
(s. schlag) : in den haaren, die gleich den mShnen der lOwen 
von dessen haupte herabfallen, von der slime aber sich er- 
heben und gelheilt in einem bogen sich wiederum hemoter 
senken, welches kein haarschlag am menschen, sondern ge- 
dachten thieren ist. Wirieliiak!« 4,70. 

HAARSCHLAGE, f ein werkteug der saltler, worin die kälber- 
haare tum polstern der sdllel aufgelockert werden. Jacobsson 
Uchnol. wb. 2, 191". 

HAARSCHLECHT, HAARSCHLECHTIG, adj.: so das fuller 
unrein oder staubicht, so bekommen die pferde alsobalden 
den husten und werden haarscblichtig. Hohberg 3, 2, 162*. 
nne und dieselbe krankheit ist herzschlechüg , bauchschlechlig, 
baarscblechtig, ponssiv. Pirter pferdschatt (1688) s. 403 ; 

das ist versnchei gar vorlengtt 

an einem harachlechtigen hengst, 

dem umb des plowen nustens wiln 

eins mals liiolibalb eisen entpHlo. fasln. <p. 1196; 

dast er (der gaut) nit sei reiidig noch rütiig, 

auch nit haarschlecht, sleiig noch sl&titg. 

n. Sachs 4, 3, 97'. 

haarschlecbt , baarscblechtig ist {vergl. Frohxahü 5, 431) ver- 
derbt aus dem niederdeutschen barlslecblig, welches xcort ausierdem 
in das hochdeutsche als hartschlechtig und in sirengerer form ah 
herzscblecbtig geflossen ist und welches das pferd bedeutH, das 
am hartslag, dem Aerien samt den ihm nahe liegenden theilen 
leidet; vergl hartschlechtig, herzscblecbtig. niUkürüch ist es 
daher, wenn Stieler 1850 unter hinweisung auf schlechllich, 
aequus, planus, laevis, glaber, ein harschlechtig pferd interpretiert 
equus scabiosus. 

HAARSCHLECBTE, f subst. tu dem vorigen: ein köstlich 
puIver fQr die pferd .. es ist dienlich (Dr lebersucht, haar- 
schlecbt. HORBERG 3, 2, 181'. 

HAARSCHLEIFE, f. schleife entweder aus haaren geßochlen 
oder in die haare tu stecken. 

HAARSCHLICHTERIN, f. omatrix, comotria. Stieler 1849. 
die alle Sprache kennt das mase. datu (hArslihtsre Wolfram 
WiUduilm 322,21), Mer beteichnel es einen der die haare ^alt 
kämmt, daher auch überhaupt eine» putssüchtigen mann. 

HAARSCHLICHTIG, «eiler verderbt aus baarscblechtig («. d.): 
haarschlichlig, kolleriscb, rotzig. Hasards lebensg. 188. 

HAARSCHI.INGE, f., «Aired. bSrslinga, schlinge aus haaren : 
schwermälhig Oflnele er das seltsam genug mit einer haar- 



Digitized by 



Google 



37 UAARSCHMIELE— UAABSCHWEFEL 



HAARSCBWIN6E — HAARSTIRNE 



38 



schlinge rerwhlosseDe billet. Biicrtocel in dtr rommieils. 
1»66 >p. 4ti4. 

HAABSCBMIELE, /. Aoor/anet Urautigrat, agroitu eapiUaris. 
Nehnich. 

HAARSCHBUNKERIN , f. eomtu {um ornatu. Stielüii IttBl. 

HAARSCHMCCK, m. eoryminum, ornUut capillorum. FmscH 
1,388. 

HAARSCBNEE, m. wtitzes haar: 

dtr juage scbnee der baut kam lu dem schuea der haare, 
auf dau mit jenem der auf eine zeit sich paare : 
da* paaren gieng wol an, doch ward man leitlich innen, 
der nautachue« der war glul: der haaracbnee muite rinnen. 
LoaiD 3 >. 8« na. «I. 

HAABSCHNEIDEN, n. das ahcpueiäen der haare. ' 

HAARSCHNEIDER, m. der das haar vnschneidä. Stiei.er 
1900. ein barbierer und baarscbnerder. 

RAARSCHNEPFE, f. scolopax galUnula. Nevnich 4. 1253: 
{der «o$<l) wird zu (eiiUcb ein berrscbDil|>f, härsnelT, bar- 
schoapf, grasischDlpf und schnipflin geaanot. Heuszlir 
vogelbueh Itl. da sie sonsl auch barrscbnepfe, Wasserschnepfe, 
«asserhtthncben, ruhrscbnepfe, haarbull, dän. rCrsneppe heiszl, 
so ist tieUeichi der erste Iheü des namens, wie bei baargaos, haar- 
igel, das ahd. honi kolh, sumpf, lehm. doch teiU Nemn'icb den 
namen haarschnepfe von den schmalen und feinen federn des 
vogels ableiten. 

HAARSCHMTT, m. I) das abschneiden des haares, wie ge- 
treide«cbnitt , kornscbnitt, baberacbnilt u. i. 2) die ort das 
versehmtten* hatgilhaar zu tragen, anordnung des verschnittenen 
kaartt .' junge republicaner, die durch einen besonderen baar- 
schnitt und einen spitzen kinnbart ihre politische ansieht 
knnd gaben. Europa 1866 5p. 414. 

HAARSCHNUR, f. 1) schnür oder band lum aufbinden und 
auseinanderhalten des hauplhaares der frauen; mhd. hlrsnuor 
Beh. 3,2,454'; discemi^lum barsnur Diefehbacb 184'; bar- 
»chnure, detricak est lona cum ^a convolmntur erines toc. ine. 
Ikeut. i2; die baarschnar, baubenbendel, taenia H«aler 203'. 
die haarschnur war ein gegenständ des putzes, sie hieng von den 
haaren aus den nacien hinab, eine pergamenthandschrift des 
stidt. arekits tu Speier um 1356 enthält die anordnung: noch sol 
ir deheyne (frau) ire z&pfe oder bar binde abe lassen bangen 
oder vornan verlessenlicben gebunden licke machen, oder 
ouch binden abe harsnAre lassen bangen in deheine wise, 
danoe ir bar sol uf gebunden sin ungeveilicben. aber eine 
jangrrdwe die nibt mannes hat, die mag wol ein schappel 
dragen, nnde ire z6pbe unde harsnAre lassen hangen, bi} 
daj sie beraten wirt, unde einen man ze nymet, darnach so 
daj gescbibt, so sol sie des schappels niht me dragen, noch 
der zAphe oder der harsnAre nibt me lassen abehangen, als 
da Torgeschriben stet. anx. des gern. mm. 3, 115. 

2) sthnur von haaren, die man in ein fonlanell zur ableitung 
böser safte legt. Faiscn 1,388. vgl. baarseil. 

3) auch papicrmüUer , buehdrucker, buchbinder bedienen sich 
aner baarscbuur, eines aus pferdehaaren gedrehten bindfadens, 
«in papier tu trocknen. Jacobssor technol. wOrterb. 2, 181*. 

HAARSCHOBER, fn., dickes haar, das wie ein scliober auf 
dem köpfe aufgeschichtet ist: 

des dein haracbober nogedr 
gar ktftlicb tu arawiscbeo wir. 

Weimar. jahrbHck 2, 120. 

flAARSCHOPF, f». drrus, villus, caprona. Frisch 1, 388. 

mhd. hArschopf: 

Terworren birschopr In den ougen, 

awl den treit eiu jflngelioc, 

dar gebe mir einen pTennInc. HAttm teitsehr. 8, 552. 

fürhaar, haarschopp Torneo an der stiren Heniscb 1301. 

HAARSCHBÖTEL, m. .- plica polonica, scbrOtleinszopf, haar- 
schrOlet. ÜATraU lat.-d. lex. (1761) s. 1076*. es wird mit diesem 
warte jene krankhaße verfiltung der haare gemeint, die sonst 
weidaätepf, polnischer topf heisit. man schrieb ilire entstehung 
dem Schrat oder sdiretel, aucA scbrOtel zu, einem behaarten 
hausgeiste, über den mylhol. 447 /f. gesprochen wird. 

HAABSCHUPPE, f. duulodon ciHarit, hotUnd. ruigschubbige 
kUpviacb. Neunicb 2, 987. 

HAARSCHWAHH, m. byssus, ein >c/umme(ar%et staubgewäclis. 
Nemnici. 

BAARSCHWARTE, f. die dicke haut, auf der die haare wachsen: 
daoo ir baut war lauter haarschwario. Ania It*. 

HAARSCHWEFEL, ro. haarfeiner gediegener sehwefel. 



HAARSCH WINCE , /. ßachssciminge : ' barschwiogen oder 
flachsschwiiigeD, cifrapüium. voe. ine. theut. i2. 

HAARSEGGE, f. haarriedgras, carex capiUata. Nemkicb 1, 833. 

HAARSEIOE, /. ein einselner faden roher, um sieh sdbst ge- 
drehter einsclilagseide. Schedel waarenlex. 1, 480. 

HAARSEIL, n. dünnes von haaren gedrehtes seil, das in ein 
fontanell tum abführen bOser feuchtigkeiten des kOrpers gelegt wird, 
vergl. haarschnur 2. bildlich : er halte keine andern abfUh- 
rendea baarselle seiner ungeduldigen laune als seine Cluste. 
1. Paul unsichlb. löge 1, 69. 

HAAHSEITE, f.: grüne oder rohe haute heiszen solche, 
die noch gar nicht bearbeitet sind, ihre auszere haarichte 
Seite wird die haarseite oder narbeuseite, die andere aber 
die Oeischseite oder aasseile genannt. Becilbakii technologie 
(1777) i. 160. 

HAARSIEB, n. sieb aus rosshaaren gewebt, tum siefrea feiner 
gegenstände, sowie tu formen für papiermacher : cribrum selaceum 
Stieler 2014. Fsiscu l, 388. sibe ej denne durch ein rein 
tuoch oder durch ein hlrsip. Haupts teitsehr. 5,12. bildlich: im 
baarsieb (des feilenden poelen) sasz immer die wildmeisterin 
und verstopfte die kritischen lOcher. J. Paul leben Fibels loi. 
diui. baarsieblein tum durchsieben des ertmehls. bergw.-lex. 281*. 

HAABSILBER, n.; gediegen silber, das wie ein bOscbelein 
haare im gestein liegt. Frisch 1,388. am den silberweisten 
haaren: der kindkopf steht im alter oft allein auf dem 
menschen mit dem baarsilber. J. Paul vorsch. d. dsthet. 1, 167. 

HAABSOHLE, /. sohle auspferde-, hunde- oder andern haaren 
gefiltt, xum einlegen in schuhe und stiefel. Schedel waarenlex. 
1, 489'. 

HAABSPALTEN, terb. unbedeutendes als wichtiges b^andeln 
(s. haar lU, 17, k sp. 22) : nach art der Sophisten zu spitz- 
findeln und lu baarspalten. Stolrerc 10,419. 

HAABSPALTEN, n.; 

din gnad, berr, lasi ich walten, 
dann ich fort wie bisshar, 
on ar^llat- und haarspalten, 
dasi icb mich din nrog halten, 
in eiofalt jnher far. Tu. BLtuaia hei Wackernagel, 
kirchentied (1841) «. 478, 11. 

HAABSPALTEND, port.; angstlich, grübelnd, haarspaltend. 
Fichte naehgel. werke 1,64. 

HAARSPALTEB, m.: kein haarspalter und kein mQcken- 
seiger. Gotziow tauberer von Rom 2, 259. 

HAABSPALTEBEI, /'..- die worte sind so unzweideutig, dasz 
die haarspallereieo einiger blatter . . vollständig überflüssig 
waren, üallische teitung 1868 no. 6. 

HAARSPANGE, /. spange tum susammenhaUen des kopßaars: 
sehr beliebt war bei den letzteren {den griechischen frauen) 
eine baarspange in gestalt einer goldenen beuscbrecke. allg. 
modenieüung 1866 s. 397*. 

HAARSPEBRSTRICK , »i. als sdurthaße beieichnung des 
männertopfes. i. Paul biogr. belust. l, 174. 

HAARSPITZE, f., schwed. bärspets: er ist ganz, von der 
auszersten baarspitze bis zum nagel des kleinen zehs. Güthe 
8, 48, wofür Kant die uneigentliche eomposition baaresspilze 
braucht: das gleicbgewicht , welches auf einer baaresspilze 
gebwebt. 1, 651. 

HAARSTAÜB, m. für haarpuder: anstatt des zeitber ... 
gebrauchten haarslaubes staubete die fürstin Oda ihr . . haar 
mit gemahlenem golde ein. Lohenstein i4r»>. 2, 83. 

HAABSTÄUBLIXG , m. eine pilzarl, trichia. Babenhorst 
Deutschlands 'kryptogamen-flora 1, 259. 

HA.\RSTEIN, m. granites capillaris. Nebnich. bisweilen ent- 
hält der bergkrystall fremde körper eingeschlossen, namenl- 
lich baarförmige krystalle von ruiil, strablstein und asbcsl, 
solche steine nennt man haarsteine. Schedel iraarmiex. 1, 114'. 

HAARSTERN, tn. cometa: ein groszer baarstern. Lohen- 
stein i4rni. 1,571; dasz er leicht, wie es oft dem Hesperus 
am himmel geschieht, für einen haar-, hart- und schwanz- 
slern zu uehmen ist. J. Paul vorrede zum Hesperus s. xx ; die 
Sache ist diese: so lange nämlich ein biographischer baar- 
stern, wie z. b. Hesperus, mit seinen bewobnern brennend 
vor meiner seele steht, palingenesien 2, 87. Dastpod. gewährt 
anstatt des compoätums: cometa, ein baarecbtigcr stern. s. baar- 
gestirn. 

HAARSTIRNE, f eorymbium : baarstirne nennt man ein von 
falschen haaren gemachtes toupel, welches bei dem frauen- 
zimmer jetzt gröstenlheils mode ist. Amaranthes /'ra«fii:iiiimer- 
lexiton (1773) 1, 124C, 



Digitized by 



Google" 



39 



HAARSTRÄHN— HAAfiWACHS 



Haarwachs— HAARWüRM 



40 



HAARSTR&HN, m. strähn oder flechte haare, mhä. hirstrene. 

HAARSTRANG, m., 1) holländ. haatrstreog peucedanum. tu- 
friihest begegnet dieser pflanienname im nthd.: hftrslranc Monb 
anteiger A, 248. Ben. 2, 2, 674*. barstrsDg nratqiAar Oiefküb. 
37S', nympAea Alberos FF 1*. baarstraog pnicedatium Haaler 
203'. Nehnicb 2, tlS. 2) bei 1. Padl sdurshaße beieichnung des 
topfet: dasz der brautigam jetzo einen leberfarbenen ehren- 
frack aothat, ood dasz er ohne balssirang oder binde, und 
ohne haarstrang oder zopf zum b. werke .. schritL Sieben- 
kat I, I. cap. 

HAARSTRÄUBEND, pari, ein neueres vort. 1) persönlich, der 
die haare sträubt, empor sträuben Idsit: 

umringt von wilden, die mit grisilicheu 
geberden micli, den haareslriubendeo, 
lu ihrem bluteen (hiuenbilde reisien. 

U. T. Klrist fam. Schroffenstein 1 a. 1 sc. 

in diesem sinne jeltl kaum mehr veruiant. mir brauchen es ri({- 
mehr 2) säehlieh, ton Ursachen und dingen, dU die haare empor 
sträuben: wahrhaft baarstrSubend aber ist, was sie tod der 
bescbaDenheit sagt, in der sie das lazaretb fand. Europa 186s 
sp. I5&0; er malt die prosa des bandwerks, den koth und 
unflatb der stille in schulmeisterlicher breite und mit haar- 
sträubender treue, sp. I&&8 ; dasz die Prostitution hier in wahr- 
haft haarsträubendem grade alle stände ergriffen hat. preust. 
Jahrb. bd. 18 (1866) <. 62; haarsträubenden unsinn reden. 

HAARSTRICH, m. tn drei bedetüungen: 1) aridt, riehlung, 
fall der haare: streiche dreimal mit dem daumen der linken 
band vom nacken bis zum schwänze abwechselnd mit und 
gegen -den haarstrich. MosÄus 5, lOS. 2) haarfeiner strich, der 
die starken striche (grundstriche) der buchslaben mit einander 
verbindet. 3) haarstrich so man in etlichen cristallen sieht 
oder in einen stein, eapillamentum in crystallo. Maaler 203'. 
t. haarsteio. 

H.AARTOUR, f. anordnung der haare: sie macht sich eine 
modische baartour; er hat beule seine haarlonr geSndert; 
dann aucA eine ort kleiner perücken, die nur die anordnung der 
haare des vorderkopfes widergibt: eine baartour, die man wohl 
eine perficke hätte nennen können, trug er. GOthe 25, 130. 244. 

HAARTRACHT, f.: mit dieser neigung zu decollelircn ist 
die Umwandlung, welche gleichzeitig die baartraeht erlitt, in 
Verbindung zu setzen. Fai.ee 1,214; kleidung und baartraeht 
der frauen. allg. modenseitung 1866 s. 397*. 

HAARTRED, ad).: sind die wollhaare {des sehafet) neben 
einander Ton gleicher feinheit, so heiszt die wolle haartren. 
Pabst lehrbuch der landwirthschaft (1861) s. 161. 

HAARTUCH, n. 1) calantica, tuch der frauen tum schmuck 
und tur bedeckung des haupthaars. STEmsACB 2, 878. 2) gewebt 
aus haaren odtr feinem wolUnsto/f: bartoch, barenlucb, sagum 
Diefeüb. 507', tum durchseihen von fiOssigkeiten. Frisch t, 388. 

HAARVERHEXONG, f : der . . wegen einer haarrcrbexang 
auf den scbeiterfaaufea gesetzte InsDr. J. Paul aiu des teufeis 
papieren 1, 87. 

HAARVEREIN, m.: die haare die sein kämm auszupfte, 
io einen pelzfascikel oder haarrereio zusammen wickelte. 
J. Paol Besp. 1, 91. 

HAARVITRIOL, n. halolrichum, väriolum capillare, dasselbe 
was haarsalz. Nebkicb 3, 104. 

HAARVOGT, m.; harvogt ist eine lauss die ao der schäm 
wechsl, filtzlauss, platlauss, priesterkrebs, arssenten, harvogt, 
Tielfuss. Tburneisser mai^na alchymia (1583) 1,27. 

HAARWACHS, m. und n., tendo. der erste theil dieses com- 
posUums enthält nicht haar ainis, sondern das ahd. baru linum, 
weil wie bereits 3, 1701 ausgeführt ward, die tähe sehne an die 
sähi^teil des fladises erinnert, wie audi die begrifflich gleichen 
flacbsader (3,1702) und Oechse (1738) doi bestätigen; flechs, 
Tulgo haarwachs. Heniscb 1128 ; trtr müssen demnadi die nicht 
vorhandene ahd. form des Wortes nicht als hirwabso, sondern 
als haruwahso voraussetzen, mhd. harwabs, was Scbbeller 
4, 14 auffithrt. der zweite theü des wertes in der bedeulung incre- 
mentum tei^ sich im ahd. einmal als schwaches masc. uaahso 
in uualtouuabso nervtu GBArr 1,689, alt starkes masc. uuabs 
in anlnuuahs (ibid.), während die femininische form uuahst 
(oulet (687), wofür im niederdeutschen, spetiell im altfriesitchen 
waie giU (RiCBTnorEN 1123'). im mhd. tritt die schwache form 
wahse gegen die starke wahs sehr surüek, sie schwankt twischen 
allen drei geschlechtem {beispiele bei Scbbeller a. a. o.). nhd. ist 
bei unserm eompotilum nur starke form At/icft, ßr das bairische 
in dreifathem getchlecht ton Scaii. btteuft; jettt selten moK., 



häufig 4knUrum , auf welchen umstand wahrscheinlich das gant 
abliegende nei^mm wahs cera seinen änfiust geübt hat. har- 
wachs nervus «no «nodo didtur ostium ligamentum. voc. ine. 
tbeut. i2; das ander par (muskeln) erstreckt sieb bisz in den 
rücken hinauf und schickt auf solchem seinen gantzen wege 
je einen theil seines baarwacbs oder mauszechlen Oeisches 
zu einem jede gleiche. Uffenbacb neues rossbuch (1603) 1, 133; 
die zweite maus {des oberlheHs vom vorderschenkel) ist kleiner 
und anfSnglicbs fleischecht, wird aber nachmals gegen ihrem 
ende zu wie ein haarwachs. 1, 194 ; stach ihm die klinge mit 
ganzem leibe unter den aufgehobnen arm ins baarwacbs. 
Heinse Ardinghdlo 1,157. 

HAARWACHS, m. wachäum der haare; dann auch der theil 
des kopfes wo die haiiplhaare wachsen: ehe der haarwachs auf 
der Stirn ausgebet und dieselbe bloszISszl. Winkelbann 4,184; 
der obere theil des kopfs, nämlich die höbe von dem haar- 
wachse an bis auf den wirbel. 4,167; das andere band\. . 
lieget über den baarwacbs auf der slime. 5, 56. 

HAARWACHS, n. ein mit talg und auch wolriechenden wassern 
zusammen gesdimoltenes wachs, die haupthaare damit glatt tu 
streichen. Jacobsson technol. wörterb. 2,182*. 

HAABWACHSEN, HAARWÄCHSEN, adj. tu baarwacbs 
tendo: mit einer baarwachsenen und vesten Substanz darch- 
wacbsen. Uffenbacb rossbuch (1603) 1, 28 ; die erste maus ist 
fast haarwüchsin und von allen andern mausen des gantzen 
pferdts unlcrscbieden , denn sie ist von vielen unterschied- 
lichen käntlein, deren je eines auf dem andern ligt. 1,200. 

HAARWACHSICHT, ad}, tendinosus. Diefenb. 577'. 

H.AAR WANGE, f. mit haaren bewachsene wange: das spitze 
dornige kinn und zwei haarwangen drangen immer gröster 
aus der furienlarve. J. Paul herbstblum. 3, 13. 

HAARWASSER, n. künstliches wasser tur reinigung und kräf- 
tigung der haare : durch Waschung {des kopfes) mit baarwassern. 
nordd. allg. teilung vom 30. märt 1867. 

HAARWECHSEL, m. Wechsel des haares oder der wolle beim 
Schafe: einen ziemlich regelmäszigen haarwechsel haben. 
Natiiosius-Königsborn das woUhaar des schafes (1866) s. 41. 

HAARWEIDE, f. salix viteUina. Nebnicb. salix o^uofica, 
wasser-, werft- oder baarweide. Kolaczei lehrbuch der botanik 
(1856) 197. 

H.AARWEISE, adv. a^piUatim: ich wolle lieber dasz dife 
mobren mir meinen hart baarweis ansreiszen mOsten. das 
bärt. frauent. 42. 

HAARWICKEL, m. wickel tum aufrollen des haupthaars: der 
kleine rest meines tagebucbs? die baarwickel in meinem 
puderbeutel? TbCkbel reise 6, 382; es (die morgenbriefthen) 
sind, sagte er, die baamickel weiblicher gehirDfibero. J. Padl 
Hesp. 2,189. 

HAARWINK, m. krankheä, ausfallen der haare? {vergl. hant- 
uninc lubripMum Diefenb. 337'): schmire das pferd damit 
auf alle viem gegen den baarwink. Albrecbt rotsartnä (1570) 
i. 95. 

HAARWIRBEL, m. vertex capitis, der wirbel auf dem hauple, 
um den sich die haare legen: kinder welche auf dem köpfe 
zwei haarwirbel haben, werden reich. Unolh 1,180. 

HAARWISCH, m. peniculus setosus. Stieler 2563 ; vgL borst- 
wisch 2,246. 

HAARWUCHS, m. incrementum capiUorum: einen starken 
baarwuchs haben ; pomade zur beförderung des baarwucbses ; 
wie überhaupt in der Stellung, in der miene, in dem haar- 
wuchse eine unbeschreibliche barmooie zu bewundern ist. 
GOtbe 44, 19 ; es war um die zeit , als . . kurfürst Wilhelm 
. . auch jene Verlängerung des baarwucbses wieder einge/übrt 
halte, welche man im deutschen mit dem namen zopf zu 
belegen pDegt. Ibbermann Münchh. 1,15. der plur. wird ton 
diesem schriflsteUer in komischer rede terwant: er kniete nieder, 
lOsete die bänder welche die sechs baarwflcbse {tupfe) fes- 
seilen. 1, 30. 

HAARWULST, f wulst, worüber das kopfhaar der frauen 
gesehlagen wurde. Friscb 1,388. Abarartbes /nnienzimiiuries. 
(1773) 1,1246. 

HAARWURH, m. l) engl, bairworm, schwed. tagelmask, 
tagelorm, ist der name mehrerer Würmer, von ihrer kleinen und 
feinen haarförmigen gestall: des acarus vegetans, auch baarmilbe, 
Nebnicb 1, 21, des gordius aquatieut 3, 68, und des trichocephalus, 
4, 1474. 2) wolf oder haarwurm (griech. Ijpnt^c) , ein flechlen- 
artiger um sich fressender ausschlug bei menschen; bei thieren, 
torzSjfiicA tehafen und pferden, als wurm- oder raupenfirmigi 



Digitized by 



Google 



J 



41 



HAARWURZ — BAäRZUNZEL 



HAARZUPFE — HABE 



42 



xdA« feuchti^ieil an den Hauen der vorderßae beottoMel, atuk 
raupe genannt. Nehnicb 5, 118. der hirwurm wird eraihnl an 
einer untürten tlelle des Griier tmrmtegeiu am dem 12. /oArft. 
(MOllenb. u. ScBEkSB 140) Und in jungem ähnlichen fassungen 
(ibid. 412. 413); bsarwurm ist der faul flnoig erbgrind. reeepten- 
büchl. aus der sladt Brugg («HANKaAitoT zeiUckr. f. mylhol. 4, 11t ; 
vor den haarwurm. PiirrEH pferdtchalt (16681 412; scbellwurz 
mit «ein gesolten und wie ein pflaster übergeschlagen heilet 
den haarwurm. Tabesnaeii. 106. 

HAARWURZ, /. nymphaea aWa und lutea, ddniaeh baarrod. 
Nemnicb. barwurz nenupkor DiEfENs. 378*. teelblSmen, gäl 
und weisz baarwurtz, nymphaea Maaler 369*. seeblumen, 
baanvnrtz, keulwurtz HENisca 429. 

HAARWURZEL, /. 1) radix crinium, dat unterste iceiste ende 
der ausgerifsetten haare. Frisch 1, 389. 2) cafUiaeea raäieula: 
baarwurzeln dergleichen die griser haben. NBMNica. 

HAAHZANGE, f. 1) ralsetta^ zum aturritzen einzefser haare. 
Jacobsson 2,182. 2) eine muschel, mya vulsella, sonst auch bart- 
kqeiper, hartzange genannt, frans, tire-poil, lire-barbe. Neniiicb. 

HAARZ&NGLLIN, n. vuistUa. Fbiscu 1,389. 

HAARZASER, f. fibra capillaris : baarzasern an den wurzeln, 
ao rerscbiedenen samenliSrnem. Neinicb 2,841. 

RAARZAUSEN, n. vellicalio crinium ; Ton nolb wegen must . 
es da under nachbawren zank geben und letztlich ein streit 
erheben , mit guten fUusten , nSgeln und zSnen, baarzausen, 
bartausraufen, stecken und bebein mit hOmem beschlagen. 
Garg. 195*. 

HAARZEDG, n. werkseug zum schärfen der sense. Aoeldng. 
(. haaren sp. 27. 

HAARZIERDE, f. eapOlalura. Steinbacb 2, 1095. 

HAARZIRKEL, m. äränut aeeuratior, zirkH xu haarfeinen 
mestungen. 

HAARZOPF, m. 1) in einen zop^ geflochtenes haar, mhd. 
hirzopf Irica. Ben. 3, 947. am häufigsten icird, schon vom 
mitteloUer her, das Kort als eigentümlidie anordnung des frauen- 
haares begriffen: trica borzopff Dief. 595*; 

wie ft'ei und weiss ist ihre stirn 

und rolh und rrisch der mund I 

wie Rlatt der baarzopr meiner dirn 

und Ihre brusl wie rund ! Haobsorn 3, 75. 

Auch der haarsopf am manne erseheint schon frlthe; im 14. joAr- 
Aunderl existiert eine riUerUche zopfgeseUschafl , deren milglieder 
als abteichen einen haarsopf im nadcen in reicher umhüUung trugen 
(anseiger des germ. mus. 1866, 368. 1867, 193). als altgemeinere 
modetracht erwähnt: da gienc es an, dasz man nicht haar- 
locken und zöpfe trug. Umpurger chron. anno 1380. verschieden 
hiervon ist der haarsopf, der zu und nacli der seit da SOjähr. 
krieges zur allgemeinern tracht wird, er hängt nicht im nacien, 
sondern besteht aus langen, lose zusammengeflochtenen locken, die 
rechts oder links vom gesichle abhängen; diese tracht wird in 
folgendem angedeutet: sie aber kriegte eine scher und schnitte 
mir mein goldfarbes haar auf der rechten seilen hinweg, das 
auf der lincken aber liesze sie sieben, in aller masz und 
form, wie es die Tornembste mannspersonen damals trugen. 
Simpi. 3, 13 Kmt; SriEui nennt lAn mannszopf, crtne« propen- 
dutt rtrorum, fimbriae 2633. einen haarzopf . . genommen von 
dem haupt eures buhlen. Happel acad. rom. (1690) s. 341. 
solch* Zöpfe wurden auch von falschem haar gelragen : vor einen 
halben thaler kaufte ich mir auf dem trändelmarkt einen 
degen, vor einen halben tbaler einen federbusch und vor 
einen ortsthaler einen haarzopf. unwürd. dtetor 359, derselbe 
wird 368. 369 haarlock genannt, eom jähre 1720 ungefähr bis 
zur französischen revolutionszeil wird der haarzopf am hinterhaupte 
getragen: haarzopf, pieeta eapilli Frisch 1,389; mein herr, 
der mir bald so gut war, als ob ich sein eigener söhn würe, 
lehrte mich frisiren , frisirte mich anfangs selbst und flocht 
mir einen tüchtigen haarzopf. arme mann im Tockenb. 91 ; ein 
munteres bUr^cbcben von mittlerer grösze, schwarzen angen 
und einem starken haarzopf. GOthe 18, 151. 

21 hawzopf am pferde nennt man den theil der mahne, der 
zunähen den obren hindurch fiieszt und auf der stim des pferdes 
havnlerfm. Jacobsson 6,5*. 

3) haarzopf, die krankheit so plica beiszet. Frisch 1,389. 
wrgt. haarscbrCtel <p. 37 und weichselzopf. 

HAARZOTTE, f vilhu. Steimbacb 2, 1121. Frisch 1, 389. 

HAARZUG, m. veUieatus erimum. Frisch 1,389. 

HAARZUNZEL, m. Aaar welthts in kleinen Erahnen oder 
Zöpfen kemiedtr fallt {s, nozel): ihr habt ein seltsames aus- 



seben, die einzelnen haarzonzel hangen euch noch ttbers 
gesiebt. Arnih sduiub. 2, 326. 

HAARZUPFE, f. ctmu Haaler 203*; das fem. zupfe steht 
bei ihm für das gewöhnlichere masc. zopf: die zupfen auflbun 
oder auseinander tbun, explicare comas 533*. 

HAARZUPFEN, n. das zupfen an den haaren. Siielee 2633. 

HAARZWIEBEL, f. die würzet der einzelnen haare, ron ihrer 
zwiebelähnlichen gestalt so genannt: am gründe des baarslck- 
chens , der baarpapille , ist das haar mit einer kleinen ver- 
dickung, der baarzwiebel, befestigt. Köbte merinoschaf s. 21. 

HAB, m. halt, anhält, seltenere nebenform zu habe in der 
bedeulung 2 (t. unten): 

ob mich DUO, wie das schilT, des UDglQcks strenge flut 
beraubet Blies babs und krttnliet meinen mut. 

ElABsDöBniB gespräehtp. 7, 258 ; 
gottes wort wird verachtet, als wSre es ein leerer bab, der 
keine kraft hinter sich hat. Scriver seelenich. 2, 344. Im 
Kimthischen scheidet sieh der bab, halt, festigkeit, stärke, von 
die habe, Vorrichtung zum halten, handhabe. Leier 129. 

HABBEGIEROE, f. begierde nach besUz oder erwerb {vergl. 
habgier) : 

(kberslolzer Atreide, voll habbegierde vor allen. 

BEbobr 187' (tfiat)- 
s. das folgende. 

HABBEGIEBIG, adj.: 

Aureus sobn, ehrsOchtig und habbegierig vor allen 

{fiXomeavtärare II. 1,122). 
Stouer« 11, 10, 
während Voss ibersdzt: 

— du habebegierigster aller. II. 1, 122. 
HABCHEN, n., diminutiv zu habe in der bedeulung 4, nur 
in der voUcslümUchen, reim.«pielenden zusammen^Uung babchen 
und babchen vorkommend ; ist hierbei babchen, was t, 1057 nicltt 
mit aufgeführt wurde, als gleiche verkleinemngsbildung <u schweizer. 
babi kind, puppe Staldkr 1,120, engl, habe, baby zu fassen, 
so drückt die formet babchen und babcben eigentlich das ge- 
sammte eigen an gut und nachkommenscliafl aus. das ist mein 
ganzes habeben und babchen ; er bat sein ganzes, babchen 
und babcben verloi'en, Avrf man vorzüglich in Mitleldetttschland. 
er verläszt ungesäumt, sein babchen und babcben zusammen- 
packend, das land. Gistel leben des freüurm von Hallberg^ 
Broich Berlin 1863 s. 9. 

HABE, f. ahd. baha Gratf 4,.737, mhd. habe, friez. hava 
Ricbtr. 798 ; leinem verbum haben entsprechend, in mehreren 
bedeutungen, die sich um die begriffe halten und besitzen, zu eigen 
haben, gruppieren. 

1) halt, anhält, stütze, festigkeit: 

schaw das der held nyndert kein hab 
moeg gelinden. Ineuerdant 47, 48; 
er gieng durch ain sonderen gaog. 
von dem hohen gepyrg herab, 
das pyrg was faul und bet kein hab. «9, 73; 
der tachstui sinkt sich sebr, bat durchaus rast kein hab. 

RoiPLxa %; 
laszt ihr die glieder ncbmen ab, 
so hat der leib kein slSrl( noch bab. 

OraL und Cobn 368, 10. 

2) das was etwas hält oder woran etwas gehalten wird, kefl, 
griff, henkel: ein trinkgeschirr mit zueen haben, corfAesium 
DiEFENB. 100*; kesselbab 86* iM die äsenstange über dem lierde, 
die den kessel hält; bair. die aztbab stiel an der axt. Scbh. 2, 136 ; 

nimm kelcbe, von des meisters band gemacht, 

und krinie beide haben und den rand. Stolbzrc 13, 236. 

habe eliam signifieat mantiMum et ansam rei alicujus. Stieleb 
723. vergl. handhabe. 

3) ort zum hallen, zum bergen; jeder platz an dem etwas auf- 
bewahrt oder geborgen wird: so mhd. diu habe der Reicher Ben. 
1, 602' ; der kerker der hülle: 

des wart vii manic tAte 
behalten in der helle habe. MSII. 2, 36S'. 

ein geschätzter platz im waide: du soll (die Ursche) suocben uf 
den rechten haben in den waelden , da vindt man sie och 
gern, «on den zeichen des hirsches (ed. Karajan) 58; auch ge- 
schützter platz der fische im wasser: haben oder backen seind 
lOcher unter der erde, wohin die fische sich zu verschliefen 
pflegen: zuweilen finden sieb dergleichen haben auch unter 
den steinen, felsen, baumwttrzlen oder unter denen mübicn, 
gemeiniglich aber und roeistentbeils zwischen zwei wassern. 
jagds-ergölzungeit i p, 6. am häufigsten wird, wie schon mhd., 



uiyiiiztJU uy 



^6 



le 



V. 



43 



HABE 



HABE 



44 



tiNl«r habe noch im U.jahrh. der haUeplati der schiffe darunter 
tenlanden, bis im 17. jahrh. hafen (». d.) sich dafür terbreäet: 
babeo, schiffleodiDeo porlus, insd die komliche baben oder 
tchiffleodioeo bat, raübus Clemens insula. Maaleb 204*; 

das «chiir sich nacb dem bimel gab 

als lu einer glückseigen hab. . 

B. Walsm ilat pdfwl/. reich 3, I&; 

fand on gefehr ein Ueioen nachen : 

dertelb loel in rreundlllcb autacken. 

den dscbi er iHihren In s^in babeu: 

ein gute fracht tbet im geloben. £topiM 4, 89, 17. 

Ungewihnlicher ober geht habe dann in den begriff hüUe Über- 
häuft über: 

als der Buggiero nun mit armen sie umgab«, 
da fiel der manlel ab, sie blieb in larter habe. 

Diata. V. D. Wiaaaa itriosi 7, 18, •; 
come Ruggiero abbraccid lei, gli cesse 
U manio, e restö il vel soitile e rado. 

4) betitjtum jeder arl im allgemeinslen sinne: eigne hab, 
gewunneo gSl mit arbeit, pecuUum Dastp.; umb hab und gSt 
kommen, naufragium faeere rerum suarum ibid.; hab und gut, 
reichtbSmb, substanlia, opes, ditdiae, facuUates, pecuniae Haa- 
Lea 202*; eines yetlicJien haab und gut crnnu, farende hab 
re< mobiles, groaz haab und gut, schätz und reychthumb gaia, 
kleine und schlachte hab bretis census, eim sein baab und 
gut nemmen depeeuliari ibid. ; es leret disz Sprichwort, dasz 
sieb ein jeglicher ao seiner hab soll lassen benilgea (an dem 
was er hat). Acaicipr. (16i>0)ll0'; also nam Abram sein weib 
Sarai und Lot seines bruders son, mit aller irer habe die 
sie gewoDoen hatten. 1 Mos. ll, & ; da namen sie alle habe zu 
Sodom und Gomorra und alle speise und zogen davon. 14,11; 
faret weg alle sein vieh und alle seine habe, die er zu 
llesopotamia erworben hatte. 3t, 18, ähnl. 40, 0; und alle 
ire habe, alle kinder und weiber namen sie gefangen, und 
plauderten alles was in den beusern war. 34, 29 ; denn die 
beuser io stedten der Leviten sind ihre habe unter den 
kindem Israel. iUos. 25,33; sol wider komen zu seinem ge- 
scblecbl und zu seiner veter habe. 25, 41 ; und sie verlieszen 
ire vorstedte und habe, und kamen zu Juda gen Jerusalem. 
2 cftran. U, 14 ; die zugenge seiner habe werden schmal werden. 
Hiob 18, 7 ; bunger wird seine habe sein und unglQck wird 
im bereit sein und anhangen. 18,12; viel andere die inen 
bandreichuog thaten von irer habe. Luc. 8, 3 ; das ir bei euch 
selbs eine bessere und bleibende habe im himel habt. Ebr. 
10,34; ire guter und habe verkauften sie. apost. gesch. 2,45; 
ob ein beschädigter sein haab, die im unzweifelich zustünde, 
.. von dem Ihater wider zu wegen bracht. Carolina art. 214; 
ein flbeltbater mit gestohlener oder geraubter haabe. art. 218 ; 
ein Staat ist nicht , wie der boden , auf dem er seinen sitz 
hat , eine habe (Patrimonium). Kaut 5, 415 ; das grosze v6r- 
recht, nach seinem tode noch aber seine habe zu disponiren. 
GßTHE 17,288; 

euch geh ich allen prelsi Tür meine gante habe, 
fDr leben, glOck und stand, euch brech ich palmen abe. 

FLtainG 200; 
und ehre, glück und habe 
Terliszt mich doch Im grabe. GsiLiai 2, 208 ; 
einen blick 
nach dem grabe 
seiner habe 

sendet noch der mensch lurQck. ScaiiLsa 78'; 
guter fliehender menschen, die nun, mit geretteter habe 
leider das fiberrheiniscbe fand, das schOne, verlassend . , . 

Götai 40, 233; 
die maDichraltige habe, 
die ein baus nur verbirgt, das wohlversebne. 40, 239 ; 
denn es verlSsit der mensch so ungern das letite der habe. 

i»id. 

tu verichiüchem sinne von einer person gesagt: die Tran war auch 
eine leichte habe. Acricou spr. (1560) 146'; vir sagen jetzt 
leichtes gut, geviShnlieher aber eine leichte waare. 

Häufig entmckelt auch habe eine prägnantere bedeutung: man 
meint damit das wertvolle eines besitttums, kostbarkeiten, schälte, 
und bestimmt es ofl näher durch ein entsprechendes adjeäis: 

und biets ausi rufen grose hab 

«er im der sucht mechl helfen ab. faslnachlstp. 114C; 

sie sprach alle hab ich gani fermischt (rerachle) 

und ere neur {nur) üeu der oh uns ist. ibid. 1147; 

nu haben wir (o süsse haab I) 

des lebens sOsse fhichl empfangen. Wicutaui« 3t t ; 

mit iMgent (spricht er) und mit haab 

tbu mich, Jupiter, begaben, ibid. 452; 



Io der wogenleeren bohtung wOhlieo sie empor die erde, 
senkten tief hinein den leichnam mit der rOstun; aaf dem 

pferde, 
deckten dann mit erde wieder ihn und seine stolte babe. 

pLAtiM 33-; 
Rieb acht, rieb acht, o lieber knabe, 
dasi du nicht dastehst trauernd einst 
und um die beste, schönste babe 
des menscbenlebens bitter weinst I 

LxRAU ctimitcUe gedieht»: 'einem knaben'. 

habe von den gutem des geistes und hertens: 

mit lieb umfassts (dos hert) die gegenwart 
und dünkt sich reich an habe, 
die babe, die es selbst sicli schaOt, 
mag ihm kein Schicksal rauben . . . 

A. W. ScvLssiL poet. werke 1, 13. 

Formelhaß wird mit habe verbunden Tabrt (wr$(. 3, 136&( und 
gut; das entere seilen, bei Kuncei: sich mit hab und fahrt, 
mit herz und seele hingeben. 1, 42t ; hab und fahrt verprasseo. 
3,94; vor einiger zeit brannten hSuser mit habe, fahrt und 
der eiogefafarten ernte ab. 8, 44 ; das letslert ungemein häufig, 
wobei es ungewöhnlicher ist, dass babe die iweite stelle einmmtnt: 

bald leut und Und man im eingab, 
das er gnug helt an gut und hab. 

B. Walsis 4, 90,118; 
was sollt ihm gut und haabe? MusÄus kinäerkl. l(tS; 
die barger schauten zum fenster heraus, 
sie sassen eben in saus und braus 
auf gut und babe. GOrai 3, 191. 

vgl. ire gOter und babe {xal rä xr^/utra tcal rae vTtäfSett). 
apost. geschj 2, 45; gemeiniglich wird gesagt hab und gut Dasyp., 
Maalei 202', eine jener taulologiscken formein, 'in der der ge- 
danke des ersten Wortes durch den gleidten oder verwanlen eines 
zweiten wiederlmlt wird, wodurch der ganze salz erhöhten, belebtem 
sinn und mehr stärke und festi^ceit gewinnt' {Hi. s. 14): er 
bringt sich um hab und gut. Lekz 1,90; wie gescbwister, 
deren die meisten zu guter wirthschafl geneigt waren, eins 
aber, leicht gesinnt, hab und gut der ganzen familie sich 
zuzueignen und zu verzehren lust hatte. GOtue 12, 170 ; die 
bauern standen auf, als sei der feind da und bewehrten sich, 
um hab und gut zu schOtzen. Bieul cuUurgesch. not>. 349; 

Ich bin fimm hab und gut, und allen vorraib kommen. 

Fl»iss 116. 
Bemerkenswert ist, dasz in dieser Verbindung ein vorgesetztes, 
auf beide begriffe bezügliches adjeetiv , pronomen oder der arlikel 
gewülmlich im neutro steht, worin viäleieht eine freie anwendung 
der rege! zu suchen sein möchte, dasz zu zwei tubjecten verschie- 
denen geschlecldes adjecüta oder pronomina im neutro treten 
{gramm. 3,315. 4,283); es wird gesagt das hab und gut jeman- 
des; mein hab und gut, mein ganzes hab und gut; 

hab ich mein hab und gut verthan. SciWAaiaanae 144, 1 ; 

ist alles knmmers trt\, 
dasz nicht sein hab und gut im meer ertrunken sei. 

Orm 1, 154; 
nachdem in dieses iand des papstes liga kam 
und unser hab und gut eins nacb dem andern nahm. 
Omti II. CoH» 2S4, 2; 
euer hab und gut sind nur wie darlebn zu betrachten. Holtei 
Chr. Lammfell 152; mit allem mobilen hab und guL GOraa 
30, 52. doch gibt es ausnahmen tion (fieser fügung : 

und hat dafem es glückt, von aller haob und guth 
den beutet In dem maul. Racbsl tot. (1700) i. SO. 

JVan Aat vof die bedeutung der formet hab und gut dalnn 
gefaszl, dati habe das bewegliche, gut das unbewi^icht, liegende 
eigentum ausdrucken solle; allein dieser unterschied, der erst zu 
ende des vorigen Jahrhunderts ausgespürt worden zu sein scheint 
(EaEROABD synon, handwörterb. 419), tsl willk&rUeh und pedantisch. 
zwar bezeichnet fahrende habe, ahd. faranti scaz, nd. muh 
rarende have (Kindlimger hOrigk. 3S2) res mobiles und gieng 
ursprünglich wol auf den Viehbestand (vergi. s, 1158. 1259), alteiu 
wie sicli findet liegende oder farende haab Statuten der sladt 
Weiszenfejs v. 1619 4, 7, liegende und fahrende habe Wieland 
8, 142, so wird aueh umgekehrt schon mlid. gewährt varende gnot 
Waltrer 8, 14. 60, 35. Pars. 267, 10 ; ii- varend gut AUdorfer 
ueisthum von 1439, weisth. 1,13; und ebenso unfarei^e habe: 
was in, von sulchen teilen, von unfarender hab gebärd, es 
sein hofe,' huser, acker und ander unfarender hab. Hutads 
767. Der fahrenden habe setzt man liegende grHnde gegen- 
über: er setzte eine dreijährige schatziinge anf erbe, liegende 
grOnde und farende babe. ScbOtz Preuszen 88. 

5) icenn mehrmals habe oucA in der bedeutung schaar, häufen 
steht, so knüpft sich diese bedeutung ungezwungen an die unter 
voriger nummer erörterte an, indem der begriff des besUses, der 



uiyiiiz.t;u uy 



ö" 



46 



HABE— HABEN 



HABEN 



46 



ick wir sahen, auch n dem der schilie, lioitbarkeiteH empor 
steigt, andnrseils :u dem begriffe ßUe, menge überhaiipl, seluutr 
sich wenden kann: 

i\ lugend über eio held hiaab, 

der Schwaben was ein eroMe hab. 

sie liand sich nit wol ghallen. UniAitD tolktl. 441, 7, 

wihrend es in aner andern fassung desselben tiedes heisti: 
si zugend an dem grünen wald har, 
der Osierrichern was eine grosie schar, 
si hand sich unerlicb gehauen. 

LiuincBOH voUul. 1,401, 12; 
weist du nit, das> io aller bab 
gaot und bös man linden mag. ring 16', 24; 
pox Veiten I was liömpt dort fDr ein schwaites her! . . . 
es ist eme seltsame gesanie hab. 
ich mein dasi der teufet mit seiner multer her drab. 
ScHiBi pasqu. I, (8, 136; 
Jupiter sah tod oben herab, 
wie wunderlich und seltiam hab 
sich auf der erden thun bewegen, 
die thier sich durch einander regen. 

B. Waldis Eseput I, 81. 

6) vülüg von dem bisher erirlerten liegt ab: die baab, ein 
gemScbt von bopfen, darmit die pfister {bdcker) das weisz 
brot auftrybend. Maalu 202', es ist dasselbe was das nhd. fem. 
bete , mhä. masc. hefe , ohd. hefo , und gehört ne6s( «tnem 
diinniufii) bebel {s. d.) zunächst zu dem starken verbum beben, 
»^*ii saiicr e»ifor(rn6ernien eigenschaß, über die verwantsehaß 
der Herbert heben und baben mrd unter Ulsterm warte gesprochen. 

HABEBALD, m. der bald hat oder erhält, wie die ((Agenden 
eine imperalivische bildung; GOthe Aal line» der im 2. Iheile 
des Faust außretenden drei gewalligen so genannt 41, 264. 

HABEDANK, auch HABDANK, m. dank, eigmlUch du formet 
habe dank (t. daok 7 th. 2,730), tnAd. habedanc Ben. 1,357: 
er opferte sich fttr ihn auf und erhielt nicht ernmal hab- 
dank dafür; der noch dazu keinen babedank bekommt. 
J. Padl Siebenk. 2, S2; 

was tfaeuer mir dort war, du bab ich hier aus gunst 
des herrens der natur, um hahedanli su nissen igenieszen) 
und Qm gesunden schweisi. Logav 1, 51, 4 ; 

denn die reine, 

die ich meine, 

winkt mir lieblichen babedank, Voss 4, 24 ; ' 
jene bilder — 

Tom nabedank aus schöner hand. PLtnn 317. 

umgestellt dankbab, dankhabe, s. 2, 737. 

HABEGERN, m. wer gern erlangt oder beiüit: er ist ein 
rechter habegem; >. gcrn-haber. 

HABELOS, HABLOS, ad;, ohne habe: 

mild, unt ruochet wie e; jenem erg£t 
der trüric habelös bestöt. 

Haupts teitsdtr. l, 484 («amung 1680) ; 
der noele wese diu milte bl 
unt traiste nich Ir gOele 
des babelösen gmüeie. ibid. 2572. 
nhd. der hablose wanderer, 

den eu'r [iler blumen) anblick ergötit und erquickt, 

schüttelt das haupt 

und nennt euch schönes Unkraut. Hxiiii ftueh d. l. 361. 

HABEN, verb. habere. 

A. Verwantsehaß und form. 

golh. haban, in den frühesten oberdeutschen denkmälem hap^n, 
babin (babeen Keüo), in jungem, namentlich fränkischen, haban, 
haben, habin mit abergang in eine andere classe der schwachen 
conjugalionsform, während namentlich die handschrißen Williraiis 
auch die form habon zögen, die nach den lautrerhältnissen dieses 
ienkmals für älteres habAn steht, allsächs. hebbian und habbian, 
*>>nd. mnl. nnl. hebben, fries. habba und hebba, ags. babban 
tiiid bsbban, altertgl. babbe, neuengl. bare. aUnord. hafa, 
sdiwtd. hafva, ddn. baTe. 

2ur ermiUelung der grundbedeulung dieses rielgebraucKlen Wortes 
uerden wir zunächst nicht zu übersehen haben, wie nahe es sich 
mit dem verbum heben berührt, dieses heben, goth. hafjan, 
ohd. heffan he?an, aUsächs. hebbian, ags. hebban, babban, 
ßies. heva, attnord. heija leitet wie haben, zu der deutschen 
Wurzel bab, wobei rücksichtUch der bestimmung des auslauts der 
letztem su beachten ist, wie häufig an dieser stelle b und f mit 
einander tauschen, sehen wir das althochdeutsche im prdsens von 
heffan den rtibtlaut begünstigen, so erscheint im Präteritum wieder 
die media b (huob, huobun), während das aUsächsische umge- 
hthn ton hebbian lu hAf, irie das angelsäclisische von bchban 
f bftf, höfun sich wendet, und nach den friesiichen laut- 
jodten das f, tpeicAei im inlaule dem dem h ndAem t weicht. 



im austaute wieder hervortritt, es heisit dort heva Aeien, hAvun 
wir hüben, geheven gehoben, aber h6f er hub, ine heflb er hebt, 
so ist auch die mediir in unserm verbum baben nicht oine 
icAu-anien g^tiebeh, zwar hat sie sich im golMschen unter dem 
einfluss ihrer Stellung zwischen zwei vocalen durchaus erhallen, 
wodurch haban und baljan streng gescliieden erscheint; aber wie 
sich im ahd. neben babSl, bap£t, hebit er hat, doch auch die 
form hevit findet (GuAfF 4, 725), so zeigen die allmederfränkischen 
psalmenfragmente neben dem in/', hebon Asien aucA bevit er hat, 
und die altsäclisische handschriß des Heliand , der Monacensis, 
gewährt neben der gebräuchlichen prdteritalform habda halle, 
habdun AoUen, auch einmal hafdun (5055); im angelsächsischen 
hat sieb für die prälerüalformen durchaus f ergeben (bäfde, 
häfdon) , ein laut , der in den aUnordischen formen durchaus 
waltet : hafa, präl. hafdi. — Die wuriel bab {über sie ist bereits 
beiliufig in etwas anderer weise 3, 1230 gehandelt worden) läszt 
sich mit Sicherheit nur bis ins lateinisclie und griechische verfolgen, 
aber die hier zu vergleichenden worte werfen genügendes licht auf 
ihre ursprüngUehe sinnliche bedeutung: hafja, heSa, hebe ist 
genau das latein. capio, das sidi mit seinen verwanten cap-ulnm 
heß, cap-is henkelbecher , cap-ax fassend, cap-essere hallen, 
wieder su griech. xcoti-ij griff stellt, die sinnliche grundbedeulung 
der Wurzel ist demnach fassen, greifen; aber ihre weitereniwickeluiig 
ist in haben und beben tftre eigenen wege gegangen, wenn auch 
berührungen beider begriffe statt finden, wie in den compositis 
behahen und beheben (vergl. l, 1316), die wie im mhd. das an- 
fache haben und heben mit einander verlauscht werden (Bek. 
1, 643'), in den bildungen habe {vergL oben sp. 42. 43), hafl und 
hett, und wenn auch einzelne formen von haben und heben, 
wie wir nachher sehen werden, in einander verlaufen, die würzet 
hab hat sidt in dem starken beben aus der allgemeinem bedeu- 
tung fassen, greifen, zu der eingeschränktem aufnehmen, in die 
höhe nehmen, gewendet; was haben, golh. haban bäriß, so ist 
daran zu erinnern, dasz verben dieser schwachen conjugations- 
classe im gothischen und althochdeutschen meist den verbalbegriff 
als eine thotigkeit mit Zurückbeziehung auf das subject hinstellen. 
es begreiß sich demnach leicht , wie baban den begriff fassen zu 
dem mehr medialen halten, besitzen, haben ausbildet. 

Bei der heranziehurtg der lateinischen verwanten zur ermiUelung 
des eigentlichen sinnes von haben ist das tat. habere vorläufig 
ausser betrada gelassen worden, welches, wie es im sinne mit 
baben übereinkomnU, auch in der conjugalionsart äch ebenso mit 
goth. haban AertlArt, wie tacere und {)ahan , silere und silan, 
dolere irod |>ulan, videre und vitan. bei der vollständigen 
formellen gleichheit der lateinischen und deutschen Stammform 
würde die erstere mit der letztern doch nur zu vermitteln sein, 
wenn bab in hah-ere eine nacA lateinischen lautgeselzen mO^iche 
Veränderung der würzet eap in cap-ere u. s. w. »dre. die Wahr- 
scheinlichkeit dieser annähme ist bereits erörtert (KniiR zeitsehr. 
II, 203), und darauf aufmerksam gemacht worden, dasz, wie äch 
materieü die begriffe haben und nehmen berühren (allslav. im) 
neAme, imamt Aaüe), formell h in habere aus c ticA ebensogut 
gebildet haben kann wie hi(c) aus ci, und dasz, den anstaut der 
Wurzel betreffend, in der itatisdien famiUe grosses sdiwanken 
herscht, da sich nebm der lateinischen form mit b das oskische 
bipid habeat und hauest AafreMt, sonach mit p und f, finden. 

Baben wir bisher die ursprüngliche bedeutung von haben sotpte 
seine sichere verwantsehaß mit latein. und griech. Wortfamilien 
besprochen, so bleibt vor eingehen auf die formen des verbums 
nur die bemerkung übrig, dasz die bedeutung des greif ens und 
fassens, die die würzet hat, in volter schärfe noch in manchen 
ableitungen erscheint, so in habe 1 und 2 (sp. 42), ebenso wie 
im subst. hatt, mAd. hafl und hefte {Bin. 1,605); der hellel 
am kleide ist das fassende, hallende Instrument, das wort wechselt 
. nii< haken, mil dem es sidt her dem begriffe nach berührt; nicht 
weniger ist das adj. haft, ags. buft, altn. hapt-r, ais passive 
participialbildung in der bedeutung gefaszt, ergriffen, gefangen su 
nehmen, wie wiederum habichl, aAd. hab-uh, mAd. habecb nur 
als der ergreifer zu deuten ist, worüber unter diesem »orte meAr. 
das französische hat aus dem deutschen entlehnt in diesem sinne 
haver an sicA sieAen, havet AacAen. Diez attrom. gloss. 53. 

Die formen von haben sind durcA theilweise contracHon und 
assimilalion manigfaltig geworden. 

I) für die 1. itn^. praei. ind. galt ahd. hap£m, geschwächt 
habin , ivofieien sicA aber auch mü abwerfung des personal- 
suffixes und übertritt in eine andere conjugationsclasse die formen 
haba, habo, habe bei Tatian, Willerau und Notke« linden, 
in andern quellen hat sich, seltener, habün unter verlast des 



Digitized by 



Google 



\:-' 



\- 



47 



HABEN 



HABEN 



46 



ioWob tu hin xiuammeagetogm. iie$e form therwitgi im tnhi., 
oAne datt habe ungMn-iudilich enduene. es gilt die regtl, dati 
die conlrahierte form namenllidi steht', wo haben kilfszeilKort 
ist, die nicht contrahierte ico ihm die bedeutung hallen innewohnt ; 
doch nicht ohne ausnähme: wan ich habe ein wtp . . . mir 
crkorn MSF. 134, 26, ich hab rerlorn da; leben mtn edelstein 
4», 74. mitleldeutsdie quellen becorsugen die form ich habe 
(BARTSca md, ged. 12, 409. 13, 426. 54, 602. 62, 783, gegen ich 
hin 7,220. 94,363), was näher an den gebrauch rein nieder- 
deutscher denkmdter reicht, die nach dem altsächs. hebbiu, der 
ersten schwachen eonjugation folgend, nur ilc hebbe bilden, die 
form habe dringt im 15. jahrh. weiter vor, und es begegnen denk- 
mäter die hin und habe abwechselnd brauchen, und xwar hin 
in dem falle, renn das pronomen ich «nmiUeÜor darat^ folgt, 
habe ohne diesen fall, 1.6..' 

des hau Ich mich nu vtl gerfimi 

und habt mit werten nil verplümt. fastn. «p. 2(0, 4 : 

da Ich die jungen voraus hab genumen. 160, 16; 

nu han ich nie umbsunit gelaurt. 161, 28; 

dan ich grad hab ieiund vemumen. 662, 13 ; 

den namen han ich lang gehaben. 863, 9, 
ein g^auch, der sich bei Hebel nocA seigl: 

dort chunnt sie scho, was hani gseit, 
in ihre stille herllchkelt. atein. gtd. (180S) s. 37; 
se, do heseh e messer! I ba's am Blotiemer men g'chaufti 

Nadt mitteldeutschem braudie sagt Ldtbei nur ich ttah oder 
habe, und diese form verdrängt im 16. jahrh. nach und nocA dos 
landschaßliche han, so swar, dass wenn wir x.b. im jähre 1573 
flOcA antreffe» 

den liebsten bulen, den Ich han, 
der Ist mit reifen bunden 

Umlahs 584 (Wnekner druck), 

Fiscaan mä «erUaun; des reims dafür gewährt: 

den lieben bulen, dan leb hab, 
der ligt beim wirt im lieller, 
er bat ein böliiins roclilein an 
und beisst der muscaieller. Gar;. 8M. 

last hei sich hän nur inunditrtltcft in Oberdeutschland erhalten, 
so schweiterisch bin (Frommanh 3,207), oberösterr. hin ts, 45. 
5,393), IfFoliseft hr, hSn (4,281. 5,104), rheinfrinUsch han 
(5, 279); aucA in der iitbenbürgisch-siclisisehen mundart hua 
(4, 281) ; <n Schwaben gilt bann und liau* (2, 112). 

2) für die formen der 2. und 3. sg. bapts, habist und hapit 
seigl sich schon im ahd. die verküriung bis, bist, und bit, 
eine verküriung die im mhd. die uncontraUerten formen sehr 
xxtrückdrängt, nur dann wieder nidä, uio dos verbum die concrete 
bedeutung hallen hat, in welchem faUe meist die formen habest, 
habet angewendet werden, die noch heute im bairisehen du habst, 
er habt dauern (Sciueueb 1, 1341; doch findet sich auch in der 
Stellung eines hilfsverbums noch jpdt; 

habst du ichtes Temomen 

das mir tu schaden mOcht komen. 

Ildltlerin 1,3,21 (p. IW); 
babstu datame klappert gnuog? 

M. der Uufer, trag. (Bern 1549) Rrj. 

Das räederdeutsche ist etner /brmenvertertum) abgeneigt: wie 
ach im altsächs. stets babes, habed, im niederfränldschen hahis, 
babit oder heTit hallen, so gewährt auch das mnd. hefst, heft, 
das mni heves und heTet, welche letztere form in dem nnl. 
beeft nocA dauert, das fries. des 13. 14. jahrh. hat xwar für 
die 1. nur bist und bi«t, ßr die 3. aber neben dem gebräuclt- 
lichem bilh. Ml, hlt dos seltenere ungekirste betet (RiCBTHOrEif 
801'). jenem fries. ht$t, bit entsprechend Idufl auch im mhd. 
neben hist, hftt bist und best, btl und het, diese formen 
erklären sieh als umgelautet aus den ahd. nebenformen hab'is 
hebis hahil bebit, und irenn auch mhd. heit er hat gefunden 
wird (Ben. 1,595'), so steht diesi nur durch Unterdrückung des 
labials von ahd. habit bebit ab. seit dem tb.jakrh. hefesligl sich 
hast, bat, sicher in der ersten seit noch mit langem vocal, der 
jedoch bald verk&rtt worden sein muss. gegenüber diesen formen 
haben sich solche, in denen der vocal c lebt, in die oberdeutsdun 
mundarten zurückgeiogen : was best z' mache? J. GoiTBiLr 
erzähl. 4,167 ; was het da das tscliüppeli fOr äuge gemacht *. 145; 

hesch gmelni, de seiseh elleinig do7 Hiaii, alem. ged. 34; 

wer christli lebt het nrohe muth. s. 35. 

3) eine nur hochdetitsehe erscheinung sind die conti ahierlen formen 
des plurob. bereits im ahd. finden sich tuben habit ihr habt, 
habint sie haben auch h&l , hftnt (GiArr 4, 725) , und da vor- 



xügUch atemanntsche quellen ihrem spradigebrauche gemOsz für 
habit ihr habt, babint, babint, also die form der 3. plur. ver- 
wenden, so gilt hier die conlraction bänt auch für die 1. piur. 
tm tnAd. hat die contrahierte form auch für die 1. plur. plati 
gegriffen, und es heiszt wir bin, ir hit {oder nadt der heimat 
der dertkmäler ir blnt), sie hlnt. toieder nicAl durchgängig; 
neben ihnen laufen in häufiger Verwendung für jede bedeutung 
des verbums unconirahierte wir haben, ir habet oder babent, 
sie babent. icide formen gehen noch in der ersten hälfle des 
16. yuArA. neben einander, oß in einem und demselben Sprach- 
denkmale verwanl, bis sich der sieg der letzteren in der 2. hälfle 
des i6. jahrh. ergibt, vielleicht in folge des beisjMs LoTiEas, der 
nur diese braucht; doch finden sich die conirahierlen formen, die 
tn den meisten ober- und mitteldeutschen volksmundarten fast 
uneingeschränkt fortleben, auch vereintell in der Schriftsprache bis 
auf unsere zeit herab: kleider ansz, kleider an, eszen, Irinlcen, 
schlafen gähn, das ist die arbeit, welche die lutherische thum- 
berren hao. Schofpids sehriflen 1; auf daaz wir ja nicht 
iweifeln dran, was wir anitz geboret han. 195; 

die euch, auf Ihren weiten reisen, 

so grossen nuuen han getban. C«mn 217; 

was fOr ein streich, ihr gnaden I 

nun han wirs ausiubaden. Btaun 22>. 

findet sich in schweizerischen quellen des 16. jahrh. hent für 
hant, htnt, so ist diesz durch uniiaut entstanden und erklärt sieh 
durch das tüierschwanken des terbums aus der 2. in die 1. schwache 
eonjugation: sie hend mir gebürstet. N. Handel fattn. 345; 
was hend sie uz unserm gelt gmacht. 397. 

4) während der conj. prds. im nhd. nur unzusammengezogene 
formen habe, habest, haben leidet {im mhd. begegnen dagegen 
bl für habe, bin für haben Ben. 1,595'), wird der infiaitiv 
in derselben weise zu bin eontraKerl , wie wir bin und wir 
hatten neben einander laufen, für alle niederdeutsche quellen ist 
diese kürsung ungebräuchUch ; und zeigen sie auch mitleldeulsche 
denkmäler bis zum 16. jahrh. ziemlich häufig, so siegt in diesem 
dennoch ßr die Schriftsprache die form haben, die Lotheu iweder 
ausschlieszlich verwendet, doch stiM die form bin in der schriß- 
spradie nicht aus, sie ist namentlich in der 1. hälfle des 16. Jahr- 
hunderts noch sehr gebräuchlich (H. Sachs hat bin gewöhnüÄ im 
rnme au/' an, slan, lan, gao; bon : gon 2, 4, 75', haben ausser- 
halb des reimes), und wird von dichtem, die einen volksmässigen 
ton anschlagen, bis auf die neuzeil verwant: 

noch kommt ihr gfirtner lobesan, 

den sie zu han geruhn. Claddius 3, 31 ; 

die Weiber sollen abzug han 

mit ihren besten schttzen. Biasia 26*. 

5) «eilere belrachlung verdienen die präteritalformen. das ahd. 
verwendete neben hapila auch nach der ersten schwachen eon- 
jugation habita, mit umlaut hebita, wie das letztere wenigstens 
die vorkommenden formen hebitAs du hallest und bcbiton sie 
hatten lehren, mhd. findet sich habete, dem oAd. hapila ent- 
sprechend, in älteren denkmälem; gewöhnlich bleiben die präterital- 
formen, wenn das wort nicht sinnUdies halten, festhalten ausdrückt 
(er habt im di bt zoume Kb. 406 Holzm.), nicht in dieser vollen 
gestalt. ihre Veränderung erfolgt auf zweierlei weise: durch aus- 
fall des wurzelhttften b und Verlängerung des a, oder durch 
assimäation des b und t unter ausfall des ableUungsvocals zu lt. 
die erstere weise ist die mhd., die schon in den letzten seilen der 
ahd. periode plalz greifl (Gbaff 4, 726). neben bite geht bäte, 
bite her, das sich zu ersterem verhält wie bist, hit zu bist, 
hit, und das oß Verkürzung zu bete het erleidet, solche alte 
formen scheinen noch spät nwchzuklingen : 

die obren, die ich hat, Herr, dein gebot zu hSren. 

WtCKBsaLiN 318; 
bit.(coit;'.) dein gerechter grim der sondern nicht rerschonet. 

330, 

wo vermutlich noch langer stammvocal rorliegt, da der dichter 
sonst die gemination des eonsonanten um vorhergehende vocalkürze 
anzuzeigen, häufig anwendet, rteben bile, hite geht ein seltneres 
biete, bei Neiobart z. b. als conjundive form dem indieativen 
het entgegengesetst (65,18. 20. 81,11. 13 gegen 11,5. 17,6); tm 
UelbUng als inditative form: 

du biet dl nilit wol gospeht. 1, 1165, 
für beide modus x.b. stets von Wittenweiler verwant: 

do die red sich biet rerdrapt, 

der an Cholman sich gehabt 

biet, der warf sich wieder umb. ring 21', 10; 

sagt, was biet ir in dem sinn. lO*, 24. 



uiyiiiztJU uy 



.^ogle 



49 HABEN 

cot\f. und tuen mir die zend nicht we, 

Ich biet euch wol geonlwurt e. 20*, 40; 
Hagen aluond.verpunden 
um in die noir geschuaden 
bieten. 4', 38. 

Die ändert weise, die aisimilaliou in den pnUeritalfarmen , ist 
eine niederdeultdu. ird/trend im altsdehsiselitn des Heliand sieh 
noch uneingesdiränkt findet babda ich halle, babdi ich hiUe, trie 
im ags. btfde, üeht in der allsäelmschen beicllle und in der tber- 
stliung der lümitie Beuas die form hadda, und die aünieder- 
fränkitehen psalmen getceütrcn neben habda ic habvi , babcdon 
tUinueruiU auch eben so lidufig batt&s erexisli, balta lenvÜ, 
haiton abtinverunl. demgemäss sditt sich im mnl. ilberall hadde 
fest, das noch tni mnl. bad gekttrtl dauert, einen ähnlichen gang 
geht das ags.: im halbsächsischen des Lamhon taucht luersl auf 
bedde neben häfde, nocA im altenglisdien schwanken bafd« tind 
badde, bis sich im miUeknglischen durcligängig hadde, neuen^, 
bad ergibt, das friesische leigt Spaltung: wesifriesische mundarten 
scUiesxen sich mit iliiem badde dem mnl. an, oslfriesisdie kommen 
durch iltr btie mit hochdeutscher «eise überein (Ricbthofeii 801. 
801), gerade wie sich lu letiterer das scliwedischc blde, gegen 
din. harde, sttlU. vorsugsweise die miUeldculschen quellen müssen 
wir auch wiederum als wenn nicht ausschliessliche, so doch vor- 
wiegende Vertreter der form balle hinstellen, von luer aus ver- 
breitet sie sich nach Süden, das alte bdte verdrängend, und 
wie sieh neben diesem durch die form h6le hindurch ein bete, 
bet, gebildel hat, so steht neben halte seit dem is. jahrh. bis auf 
die neuteü ein bette halte (bei H. Sachs imnin- bell): dana 
wiewol er all sein tag ain grosze begirde gebapt bette, die 
balligen «tett und laod zuo suocben. Ehincex 11 und immer; 
sein pferde worden wol gesteilet, uad bellen baren und 
rauflen, die schon in den gezciten gemacht waren, buch der 
liebe 26i, 4 ; da man nun gessen und getrunken bett, da bub 
sieb ein schönes gestecb. 26«, 1 u. Oßer; in dieser hole hätte 
sie den knaben .. ernebrel. pers. roseuth. 7,20 s. 93; offen- 
bahret ibr<ni betrug, den sie ausz armnlb bewogen gebrauchet 
betten. ScuBfpios sehr. 347; wo wolt ich ein brod in der 
wüsten nehmen? ich hatte mangel aller sacben. (.73$; o wan 
mir Jupiter wider geben Ihät die jähr so ich gelebet bull. 
*. 760; 

zwen gross stirel er an heti. Hdlslerin 2eo>, 8t ; 

und ich behaglich unterdessen 

bSti einen bannen aufgerressen. GSthi 2, 283; 

er bin ein aage treu und lilug. 

13, 12S and, oft in diesem gediehle; 

sie liomen bald lu jener sUll, 

wo Roland jüngst gestritten httl, 

der riese lag im buite. Untiio ged. S9S. 

tndiciilie und eonjunctiv des prät. sind also in solchen fäUen 
formell nicht geschieden, seltener ist es, dasi die präteritalformen 
das geminierte t gant ausstosien, wie 

hestu ein ani sehen pnint geben 

die wern alle verlorn, fasln, sp. 382, 17, 

ftr bettestu. 

<) das part. prät. lautet gehabt, oAd. kibab£t, mhd. gehabet 
neben gehebet gehebt (Ben. 1, &»&'): als das gold das edlest 
ertz und das costlichest lieb gehebt ist von aller menglicb, 
menuale cnrafortim 48, 2, und gehil. die assimilierte form 
gebalt, die nach balle in voller tKrechUgung war und im nitder- 
deutsthen sdion sehr früh begegnet (bihadd Heliand 3694 CoU., 
nl. bad, altengl. neben baved ybad), auch im milteldeulschen 
bevorsugt ist (gehst Rotue ehron. immer, Stouk p. 107 u. üßer, 
jegen gehabt s. 67), bricht sich in der nhd. sehriflsprache dennoch 
nicht bahn , obschon sie bei einulnen sdtriflstellcrn des 16. jahrh. 
teneendel wird (gebat : spät Rincwalo laut, wahrh. 312), hält 
sieh aber in den mitteldeutschen mundarten fast durchaus; auch 
in Schwaben gebelt Fionii. 2, 112. Besondere beachtung ver- 
ditnt, dast das partidp vortügUch in Schweiier und elsassischen 
quellen starkformig gehaben taid«! .' o berr mein gott . . der 
mich mee lieb hast weder ie kein leiblicher valier seinen 
liebsten sun lieb hat gehaben. Keisersberc Esdienprüdel (Strast- 
^urg 4') b6*; von eim priesler der nlT die bSlschsfl gangen 
w; {im was), und mit einer eerrawen ze schaffen hat gehaben 
in eim dorff in Fran'ckrycb. Afarie himelfart 1**; gott der 
allmechtig, der bat alle crealuren von ewigkeil empfangen, 
ein anscblag von inen gehaben unn hat sie all bedacht onn 
gceret im selben. 9'; 

Oealarrrcb, was band wir dir than? 

heu herzog Sigmund «üben ghan, 

deren kelos wir uns beschsben. Liuercioii volhsl. 2, 408; 
IV. n. 



HABEN 



50 



ich heUi Elsilf Tragdcnknabeo, 

den nnmmen hau ich lang gebabeo. fastn. $p. 863,9; 

ich belsz Voly Rechentan, 

den nammen hat min vatier gban. 883, 15; 

wer sich ein w;b mnss lernen lan 

der hat ein scbarpITen meiater gbon. 

HuantB geuchmatt bei Scheibte 8, 966; 
das ich hab liebsilich wQrd gehan. ibid. 986. 

noch hfutc sthweiterisdt gebln Faoaii. 3, 207, gebabe(n), geh& 
6, 399 ; d'frau heig {hat) d's monelgeld noh nit gha vom berr, 
und e krUzer, syg e krOzer, wo si noh gha beig. J. GoiruELr 
eriähl. i, 143. es ist diess partidp formell das von beben, und 
die Vermischung einer solchen form des letOern Wortes mit dem 
verbum haben gibt ein argument ab für die noch spät gefühlte 
gleiche abstammung und begriffUche berUhrung beider Wörter, 
umgekehrt findet es sieh, dass formen «on beben sehwadi gebildet 
sind, gleicli als ob sie von haben entitaniinteR , z. b. ich hab 
auch kain ting mit im gemacht und angehebt mess zn lesen 
am sant Martiostag 33. Rolahd handlungsbueh 20, 38, wie alt- 
fries. neben dem part. heven auch hevet sIeM. RicBTaortn 813*. 
s. wäleres unter heben. 

B. Bedeutung. 

Die vielfach schillernden bedeutungen dieses Wortes lassen sieh 
gleichwol unter zwei haupigesidilspunile ordnen, wobei wir nach 
dem zur etymologie entwickelten bilUg die gruppe voranstellen, die 
die sinnliche grundbedeulung halten, umschliesten mehr oder weniger 
deutlich bewahrt hat. 

1. Halten, fassen, umfassen. 

1) sinnliches halten, festhallen, früher in weitaem und häufigerm 
gebrauch {mhd. Beü. 1, SOSV-), und es wird die begriffliche susam- 
mengehürigkeit von hiÄen und halten durch eine enge aliilterierende 
Verbindung betont, die weit verbreitet ist: gebept und gehalten. 
weislh. 1, 20 ; alle die recht . . stelle ze habene und ze be- • 
hallenne. 30 ; fries. hiadat fls l6 bebbane and ti haldane alle 
riuchtlike thing. Ricdthofen 343', 16. ags. 

bafa nu and geheald hAs« silest. Beof. «38; 
beild mec and blfde HrMel cjroing. 2430. 

Zumal die allere periode des nhd. gewährt belege für jene linn- 
liche bedeutung Jles Wortes: fulcio, ich habe, i. halts, dasz nit 
fall Alb. p. 2, bairisch noch heute habs fest halte et fest Scau. 
2, 134 ; der dieb wird mit habender band ergriffen Haltaos 7«7, 
d. h. wältrend seine band das gestohlene gut eben hält, wir sagen 
jetzt auf frischer thal, ags. hiesi es auch at babbendre handa; 

wer mac sich an den bimel haben? ring b', 13; 

wUiu dasi er werd pald gesunt, ^ 

so hab im ain rossarecli fQr den munt, 

und rar die nasen einen mist, 

so stet er auf In kurzer frist. ^asln. ip. 688, 22 ; 

der welcher lieine müh 
gespahret, des reiches recht und rreiheil lu haben. 
WicaHBM.m 633; 

dann er gedachte ewig an mir zu haben (festsuhallen). Simpi. 
1,182 Kurs, übertragen vom gemänschaflHchen festhalten unter 
einander : 

nun habt zusammen als die man. fasln, sp. 491, 1. 
mit dem allgemeinen es verbunden , es mit jemand haben , an 
einem festhalten, hangen: mit eim haben oder ballen, subscri- 
bere aUeujus sententiae Dasvp. ; sonst sind . . die Vorsteher und 
gemeinde gemeiniglich einig und babens mit einander, wie 
die buben die Vogelnester, baurenst. laslerpr. 12; sobald wir 
ihm das mSdcben verdächtig machen . . dasz sie es noch 
mit einem andern habe. Scbilles 197; 

dl« midcben ballens unter sieb 

und projectirten meisterlich. Onniex ged, 133. 

so beteichnet in mundarten noch das intransitive haben ganz sinn- 
lich das fest- oder lusammenhalten : de eem habt net, si reist. 
ScHM. 2, 134 ; der stecke hab nicht , Adtt nicht, ist nicht stark. 
Lexer 129; das zilg hed guet, dos teug ist von guter dauer. 
SrALDEa 2, 4. so braucht man dieses haben audt von dem an- 
halten oder slilUtallen eines rtiters oder rosses: 

mhd. dd sach si b! der mdre zetal 

einen scIioDiien riter haben, 

der was geriten an den graben. Wigalols 12, 1. 
nhd. und siehst du d6rt den voln 

an der heHe haben? 

der sol mich, mein allerliebstes lieb, 

aus grosien nöten tragen. Uulanh 189, 3. 

noch GflTBE fühlt die transitive bedeutung halten, in gewahrsam 
halten in haben, wenn er sagt: 

Digitized by VjOOQ IC 



51 



HABEN 



HABEN 



52 



und er beiitn dich nicht, er hat dich nur. in, US, 
trat tchwerlich ein sdirißsteller der jelitteä vagen Kür de; uns ist 
der begriff haUen nur noch in ganz bestimmlrn fügitngen gegen- 
wärtig: ein buch, eine zeilung in der band liaben; er hatte 
sein liebchen auf dem schosz; 

alle neun, tie winkten mir oft, Ich meine ilie miisen; 
doch ich achtet' es nicht, hatte das mtücheii im achoos. 
GöTHB I, SM; 

die katze batte die maus in den krallen, er bat das rosa 
am ztigel ; er balle ibn fest beim köpfe ; oflmals auch lassen 
diejenigen so die band an der tbür haben, einen der nicht 
ires munds und sinnes ist, oit gern in den garten (bildlieh, 
lu einem amie). Kirchhof icendunm. 452; doppelsinnig sagt Aaat- 
iiAM A S. CtABA : diesem fisch (in dem Petrus die münze fand) 
seind nicht ungleich alle geilzige, dann was haben diese än- 
derst im raaul als nur dos geld. merks Wien 7t. Auf jener 
kedeutung hallen, festhalten fusü die redensart etwas oder jemand 
in banden haben, geuissermasten so fest halten, dasx man volle 
Verfügung darüber hat: alle menschen bat er ($oU) in der 
band, als verschlossen, das die leute lernen, was er thun 
kann. Hiob 37, 7. ich habe den menschen , die sacbe ganz 
in meiner hand; stark ist gefallen in allen das glack des 
vornehmen und angenehmen bofministers Amman, welcher 
den könig allezeit in hSnden gehabt, merks Wien 9; wenn 
ich nicht schon vorschlage, anIrSge in banden gehabt hatte, 
GOtbe 10, 95. ßr diese aendung brauclU Atber vor sich haben : 

eur keiserlich majestal 
die «ach recht und gut vor sich hat 
im Tttlerland Med anxustellen. Hiß Bamberg, ISO'. 

1) der sinnliche begriff des haltens kann dauer gewinnen und 
geht alsdann in den begriff des führens, Iragens über, so haben 
' irir gegenstände, die lange seil oder ßr immer mit uns verbunden 
sind, gegenstände t. b. der kleidung, die unser körper längere seil 
Irägl, kürpertheHe selbst; so sagt man: wie hast du deinen rockT 
ziehe den kragen herunter; wie hast du beute das haar? 
ordne es besser; nu es aber iibel steht, das ein weih ver- 
schnitten bar habe. iCor. ll, 6; er hQte sich vor dem tbier, 
das zOpfe bat. Sim/ii. 1,326 Kurt; sie fQrcbt ires bauses nicht 
fflr dem schnee, denn ir ganzes haus bat zfrifacbe kleider. 
proverb. 31,21; .wenn du die Cananiter vertreibst, die eisern 
wagen haben (im gebrauch haben, führen). Jos. 17, IS. am 
häufigHen wird durch eine präposition der ort, an dem sich das 
getragene befindet, bestimmt: schuhe an den fttszcn haben, einen 
rock auf dem leibe haben, er hatte einen hut auf dem köpfe, 
ein tucb um den hals, eine kostbare nadel am hemd und 
ringe an den fingern ; die armen leute haben oft kein hemd 
auf dem leibe; er hat vor den äugen eine brille; das mad- 
chen hat kluge äugen im köpfe; er hat lange beine unter 
dem leibe , einen starken hart am munde, der halte eine 
goldene kröne auf dem beubt und in seiner hand eine scharfe 
Sichel, o/fenb. 14, 14 ; Moses . . hatte zwo tafeln des Zeugnis 
in seiner hand. 2 Mos. 32, 15 ; der priester soll in seiner hand 
bitter vcrOucht nasser haben. 4 Mos. 5, lg ; batte ein blos 
Schwert in seiner hand. los. s, 13 ; halle doch gar nichts in 
seiner band, richler 14, 16 ; die mich on ursach hassen , der 
ist mehr denn ich haar auf dem beubt habe. ps. 69, 5; da 
stund ein mann in linwad, und batte einen gülden gttrtel 
umb seine lenden. Dan. 10, 5 ; das auch die priester in secken 
giengen und asschen auf dem beubt hatten. Jod. 4, 14 ; ich 
hab ein vierteil eins silbern seckels bei mir. 1 Sam. 9, 8, 
wie gewöhnlich gesagt wird ich habe kein geld bei mir, er 
halte nichts {=• kein geld) bei sich; las den wein von dir 
komen, den du bei dir hast, l Som. l, 14 ; der .r . ein feil auf 
dem äuge bat. 3 Mos. 2t, 20 ; du soll dem herm deinem gott 
kein ochsen oder schaf opfern, das einen feil oder irgend 
etwas boses an im hat. 5 Mos. 17, l ; 

hsti auf dem haupi eioon koniabr-krant. Gönii 13, 126. 

die anwendung des verbums in diesem sinne ist eine freiere, wenn 
eigenschaflen, absichten oder personen als objede des tragens oder 
führens beseichnet werden: durch die so in gleisnerei lOgeo- 
redner sind und brandmal in irem gewissen haben. 1 Tim. 
4,2; darumb das ich euch in meinem herzen habe. Phil. 
1, 7 ; dein lebenlang bah gott für äugen und im herzen. Tob. 
4, 6 ; ir mund ist glelter denn butler, und haben doch krieg 
im sinn. ps. 55, 22 ; wollet solche truchsessin in angen haben. 
LoTBER br. 6, 625 ; ich Ms von einem luquehar, eim klapper- 
mann oder ein schweizer, der viel wort in im bell. Paom 



sehimpf u. ernst (iäüS) <sS; die narren haben ir herz im maul, 
aber die weisen haben Iren mund im herzen. Sir. 21, 2$ ; 
alles was du in deinem herzen hast , das thu. 2 Sam. 7, 3 ; 
der keine Widerrede in seinem rounde hat. ps. 3S, 15; was 
aber jene zwo verklerung in sich haben (welchen sinn sie in 
sich führen, was sie bedeuten] ist gnug gesagt. Lutues 6,179*; 
dasz wir es in uns haben, jene macht (dersünde) zu schwachen. 
Lessing 10,15; alles übrige, was er an und um sich hat, 
(äbigkeil, talent, reichthum, alles scheinen nur zugaben zu 
sein. GOTRfc 19,152; so bald etwas geschieht, das nicht ein 
sonderliches altcrlhumb an sich hat, ist es ganz und gar 
nicht angenehm. Schuppids 775; leutb welche mehr als pedan- 
tische weiszheit bei sich haben. 795; die frOmmigkeit auf 
den lippen, nicht aber im herzen haben ; ein yedcr hab fibel- 
tliat auf im, was er wOll, so bat er diese zeit Sicherheit. 
Frans weltb. 203*. hieran sditiesien sich noch andere Wendungen : 
ein gespräch, eine Unterredung mit jemand haben, wofür eben 
so oft gebrauclil wird ein gesprtch mit jemand hallen oder 
führen ; bah ich in der wabrbeit in vielen warten nit anders 
erfunden^ die wir den abend von e. f. g. hätten. LirrnER br. 
1, 77 ; eine sacbe im schwänge oder im schwunge haben, sie 
gewitsermaszen fortdauernd in Bewegung oder auf dem laufenden 
halten (s.*schwang, schwung): die Türken haben ir regiment 
. , im schwang. Lsthei 4, 483'. zur bezeichnung einer an- 
dauernden begleitung : jemand um sich haben, gesellscbaft um 
sich , bei sich haben ; sie bat zwei magde hinder ir her 
gleichwie eine ander fromme fraw, Katz^rus d6; wenn ich 
nur das madchen in meinem hause haben dürfte. Gellert 
3, 2S9; sie lebt mit ihren leuten, bat die kinder des orts 
alle an sich, Gothe ig, 139. 

So femer: eine sache hat etwas, hat nichts auf sich, es 
wird an ein etwas, das eine sache mit sieh führt, gedacht, aber 
das mit sich führen geschieht in äusierUcher weise, durch auf, im 
gegensalz tu in, ausgedrückt, ist also nur begleitender umstand, 
nicht gerade notwendige folge: vergl. die münich und nunoen 
meinen, wenn man inen disz wort zu legt, dj man sprecb 
ein münich oder ein nun, man tbA es inen ausz Verachtung, 
nain, es ist kain Verachtung, das wort hat es auf im . . 
darumb das es in Verachtung komen ist, darumb ist es nilt 
ain verachter nam. has im pf {granatapfel 1511) a4'; will du 
dich, weil gott dir keine kinder gegeben, darüber beschweren, 
dasz er dich mit einer so theuren beilage, die so viel auf 
sich hat, nicht beschweret? Scriver seeUnsch. 2,285; weil 
solche wohllhaten gottes gemein sind, meinen wir, sie haben 
nicht grosz auf sich. 1,641; 

ich weiss nicht, was ein kass, ihr Jungfern, auf sich bitte? 

0, wer aufs küssen hümmt, der kflmmt auch gern ins bette. 

LocAD 1,90, 74; 

wie wenn er allen grimm der maner Obcrw&nde? 

und steif und unverzaRi auf trotiem schweigen stünde? 

denkt was das auf sich hab I 

A. GsTraius (1663) 27, 317 (1698 1 >. 33); 

der weisen RSmer volk das lern hinfort verstebn, 

was ihre (der chritle«) sabbatblag und merlin auf sich haben. 
212, 31 (1698 1 «. 501). 
verpl. aucA aufhaben 1, 659, 

Anstatt der localen präpositionen steht zu oder als bei haben, 
und es wird nun stall des orics der tweck des Iragens hervor- 
gehoben: er hatte seinen manlel zur decke oder als decke; 
zum spazierstock (als spazierstock) hatte er einen jungen 
bäum, den er sich ün walde gebrochen halte; der müsse 
sich gewöhnen, dasz er schmal und übel esse, und zwischen 
regen und wind auf der erden schlafe, die grüne beide zu- 
weilen zum Unterbett, und den himmel zur Oberdecke habe. 
Scduppics Schriften (not) s. 544. 

3) auch in folgenden, weniger sinnlichen ßgungen geht haben 
vom begriffe des längeren haltens und ßhrent aus: darzu sol 
auch ein ieder richter in disen groszen sacben vor der pein- 
lichen frag . , sich erkundigen und Deiszig nacbfragens haben, 
ob die missetbat . . auch bescheben sei oder nit. Carolina 
orl. 6; so so) man erfabrung haben (nachforsehung halten] 
nach den nachfolgenden und dergleichen argwönigen umb- 
standen. arl. 25 ; wenn man geding ,hal (ein geridd abhält), 
«eislh. 1,602; 

beltind {lüellel) ir hns wie die alten. 

rychslcg bei Scheibte 8, 846. 

seht haben: schow und beb acht. N. Mandel /'lutn. 397; wer 
na die epistel liset der mns darauf achtung haben. LirraEa 
4, 169', weitere beitpiele 1, 165. 171. rath haben : hab rath vor 



Digitized uy 



,ogle 



53 



HABEN 



der that. Acne. ipr. (1500) 362'. ruhe haben : wollt ihr ruh 
haben. Götre 8, 7. 42, 240. eine bitte haben ; ich habe kein 
gebet mehr als an sie. Götue 16, T(. eine beschwerde haben, 
unbatimnUtr etwas haben gegen einen : das dein bruder etwas 
wider dich- habe. Maltk, 6,23; aber ich habe ein kleines 
wider dich. apoc. 2,14. mä autgetiuseium object: ich habe 
wider dich, das du die erste lieb verlessest. 2, 4. ich habe 
nichts dagegen ist eine häufig gehörte redensart: 

leb habe gsr nicht* gegen die menge. Görai 3, 266. 
schuld haben: doch ich will an unnOtbiger verllngerung 
unserer slreitigkeit nicht schuld haben. Lessirc 10, 241, gleich 
hittfig itl schuld tragen; einen streit haben, wofür man auch 
sagt einen streit fuhren: 

der kuckuk und der eael 

die hauen einen streit; 

hierher auch: ein äuge auf jemand oder etwas haben, gleichtam 
das ttuge forldauernd darauf gerichtet halten: das Heva und auch 
Adam ein äuge auf den ersten son gehabt haben. Lctbei 
4,33*; die auf die andern ein aug sollen haben. Matuesius 
126'; dero herr söhn haben ein aug auf meine tocbler. 
ScniLLEJi 182'; habs äuge aufs geld. Ktiifcei 1,130. s. äuge 
1, 796. 

41 haben heisti dann weiter enthalten, in sich fatteit oder 
schlie$ten: eine Stadt hat einwohner, ein flusz hat flsche; 
der Speicher hat viel mause; ein pfund hat dreiszig loth, 
ein eimer sechzig quart; ein bataillon bat tausend Soldaten; 
der mund hat zühne, zunge und gaumen; der menschliche 
köpf hat mehr gehirnmasse als dereines elephanlen; gottes 
bränieio hat wassers die frtlle. i». 66, 10 ; die halle . . hatte 
slnffen, da man hinauf gieng. Hes. 40, 49 ; er mas den räum 
im tempel, der halle vierzig eilen in die lenge. 41,2; ein 
seckel soll zwenzig gera haben. 45,12; London hat mehr 
als eine meile umfang, das enthalten des raumes ist hier wie 
beim kreise vom mUlelpunÜ aus gedacht; dafür sagt S. Fraki: 
die Insel Corfun, die bei hundert und achtzig meil umb sich 
bat {umfang hall wellb. 17'; es hat dieser see umb sich lio 
rossleaff. 181'; dise statt hat sehr weil umb sich, machet 
das {mm dasz es) vil gärten darin hat. 333*. etwas anders bei 
LuTOER : ein igliche dieser stedte hatte Ire vorstad umb sich 
her. Jos. 2t, 42. 

&) von der persönlichen hattung, der persönlichen läge wird 
haben gebraucht, in den allen dialeclen einfach intransitio, so 
goth. |>ai ubilaba habandans , ol xaxcäe ffxo*^es Marc. 2, 17 ; 
jah manvuba habandans du fraveitan all ufarhauseind, xai iv 
holfiif Sj^ovTSi ixSiK^aai näaav Tcagaxoip'. 2 Cor. 10, 6 ; 
althochdeutsch stillo habin, wola hab£n, wirs habin Graff 
4, 722. auch im nhd. noch : ich mus haben , als bette mich 
ein hund gebissen. Lotrer 3, 38l'; gewöhnlich aber hier reflexiv, 
und wie das mhd. haben im sinne von hallen, behandeln, mit 
persönliehem ace. und adverb msammenßgi: 

•wer ds{ Terdieneo kuode, 

ds; er «er taveln ron reble sas, 

den bei man lemer desto ba;. Wigalois 9*, 22; 

habt ir mich ihtes desie wir«, 

ich nr doch tt der mdie pfat. Pari. 369, 16, 

so steht das reflexive sich haben zunächst im sinne' von sich ver- 
halten, sieh betragen: 

mhd. gein ir gruote ich dicke neie 
und hei roicb dA alt einen man, 
dem ein wip ir hulde gan. HAsnAtiR McM. 1, 101. 

nhd. wie man sich darinne {im leben des neuen mettschen) 
haben sol. Lotrer 3,22; der junge hatte sich so zOchlig, 
artig und müdchenhaft, dasz er stundenlang unerkannt blieb, 
wie ich ihn denn nachher als knabe fOr ein verkleidetes 
madchen hielt. Zeiter an Gölhe 432; kOnllig werde ich allein 
{den almanach) herausgeben, und mich bei zelten so haben, 
als einer, der allein 14 bogen mit guten gedichten voll 
schalTcn musz. Voss br. 3, 2, 126 ; 

danirab so tchwigen, band euch still. DoitiX (1645) 114'; 

soll dich geaitaam liaben. Rihcwald (auf. ivafirh. 148; 

darinnen er sich wol gebal. 312; 

aber seh ich, wie Im alltagskreise, 

frei und D'Ohlieb, docli nach tili* und weise,' 

sie so mtdchenbaft sich haben kann. BCru* 6'. 

<»i pr^anten sinne, <Ane begleitendet adverb, stritt es in dem 
sinne licA gegen die gewöhnliche weise, auffallend gebärden: habe 
dick doch nicht, gebärde dich nicht auffallend, siere dich nicht; 



HABEN 54 

begegnet mir da in der aladt ein beugst. 

in vollen Sprüngen, miclilig wie ein Berg, 

Schwan wfe die nacbi, und bat sich, drehl sieb, achnaubl. 

TiacE I, 2U6. 
Heben der persOnlicIien hattung wird durch haben , in nur leiser 
nüance des sinnes, das befinden beieielinet, und diesx rührt schon 
oft an die unten II, 3, c aufsuführende bedeulung des worts: ich 
bah mich übel gehabt, und hab mich nidergekrttmmet. Lotrsr 
1,26'; es hat dem h. geist beliebet, die geschieht von einem 
kranken kinde, wie sich dasselbe gehabt, in die bibel setzen 
zu lassen. Scriter seelensch. 1, 820 ; Herder ist erstaunlich höf- 
lich, man hat sich wohl in seiner gegenwarl. Scriller an 
Körner ...; hierbei schien er sich sehr wohl zu haben, ibid. ; 
wunschformtl ist hah dich wohl: 

wer gott lum freunde hat, 
und hat ein eignes feld, Oagt wenig nach der atat, 
der vortelharien stat. da nahrung xu gewinnen 
fast jeder musi auf ilst, auf iQck, auf rinke sinnen, 
drum hab dich wol, o stat 1 Logao 1, 51. 

in unpersönlichem gebrauche es bat sich •» es verhält sich: Joab 
antwortet und sprach, das sei ferne, das sei ferne von mir, 
das ich verschlingen und verderben soll; es hat sich nicht 
also. 2 Sam. 20, 20 ; wir wissen , dasz diejenige krankheilen 
des leibs zum allermeisten geiahrlich sein , welche aus den 
verstopfungea erwachsen, es bat sich die sacb nicht änderst 
in den kraokheilen der seelen. Scroi>pio8 Schriften 766; 

lustiger ft'eitich mag sichs haben, 

Ober anderer kOpP wegtraben. Scuiuir 329. 

6) haben , halten in geistiger bedeulung, für etwas halten, als 
etwas auffassen, meist in Verbindung mit der präp. fOr, wie mhd. : 

d6 er in dat tagete, dd beten e; vfir lOge sumellche. 

Üudr. 133t), 4; 
dis bin ich vOr ein wunder grOr, 
da: du g<al vür mich ti bidt. Varfaam 19, 3 ; 
swer (Qr guot hll swa; er tuet. Walths* 107, 9; 

ich wil es dafDr haben, 

swer lebt In alle; holTen, 

dat er baj wxr begraben. Laur Jagd 462. 

vergl. altstchs. 

et tbu Witt hntgan te ml, 
faiian te minun fOlun endi ml for nrohon hftas. 
i/e(idnd*ll03; 
16t tnu Ibena man taran, 
haha Ina Ihan Ter beitlDan. 323». 

ags. me man sAgde, |>it ])u Tor tunu volde 
bere-rinc habban. Beovutf tt76. 

nhd. alle reicbthumb, ehre und gewalt der werlt verscbmehete 
sie alles und hat es vor nicht umb die liebe gottes. chronik 
des ClarenUosters zu Weissenfeis in den neuen miltheit. des tliür.- 
sächs. altertumsvereins 11,384; nu hoben wir alle gelobt, das 
wir in wollen fhr einen gott haben, laut seines gebots, da 
er spricht ich bin der herr dein gott. Lutber 6,124'; was 
er {der papst) hat wollen für Sünde haben, das bat müssen 
Sünde beiszen und sein, was er bat wollen heilig haben, 
das hat müssen heilig sein. 6,287'; sie .. haben den für 
einen grewel, der heilsam leret. Arnos 6,10; beim vellen, 
herr! wenn sie sie nicht für einen narren hat, so will ich 
gelogen haben. Wieuno 11,188; 

nun schwTgend alle, n;b und mani 
man ivürd üch siinal für narren hao. 

fntln. <p. 862, 19; 
in aller haiigen leben buch 
nil mar dann ainen JSgar such, 
tu rechter leit stell er das ah, 
sOlchs dir fOr ein eiempei hab. 

ScawAasRKBeac 138,2; 
daa haben dann dis alten gar 
Tür gschickligkeit an kindern twar. 

WicERA« pilger 60; 

etlich haben Menlz, ellich Würzburg für die hauptslatt des 
lants. Frani weltb. 52'; {die Samoiden die) ihr elendes land 
und leben vor das lustigste und best^ in der gantzen weit 
haben. Rkt fVirn. 78 ; alles was das menschliche grschlecht 
für unstrSfflich und lieb hat. Scnuppius 772 ; solch mein kurlz 
eilend schreiben wollet disroal vor gut haben. Lutrer 6, l'; 
e. f. g. wollt mira zu gnaden vor gute haben, briefe I, 207 ; 
aber das ich nicht ein feuer auf der andern seilen anzünde 
bei meinen guten freunden, bitte ich, sie wollen solchen 
Widerspruch mir nicht für übel haben, werte 1,304'; ist es 
hinfort den armen menschen nil für nbel zu haben, briefe 
2, 62 ; hat Sniyman diese grosse schmach trcBenlich für übel 



Digitized by 



JCoogle 



55 



HABEN 



HABEN 



56 



gehabt. FkoiispEliCEa kriegsb. 3,158'; es sol auch keiner dem 
andern waa far übel haben. Reuter t. Speir kriegsordn. 67 ; 

berr, ir tolt mir nicht (Ar übel ban, 

da» Ich ewero rechten titel nicht geben ksn. 

ein <■»(>} gespreclt der leuffel (1M2) b I'. 

«lAd. MU an stelle von ßlr auch eine andere partikel: 

sl beten Benjamin sSm ir b<rren. 

Joteph in Aeg. ed. Diarner 774; 
Ton nie getüner ordenunge 
soJd er ze einem harren werden gehabt, 
rar daj er der werlt bit widersagt 
der ror des ein armmensch was? 

H. VON Hau geh»g(te 231; 
alle mine recken sulen In in haben t'einem herren. 
GurfruB 188, 4. 

oAne die präp. für: 

mhd. sA ist bi Ir da; herze min, 

da; man mich vll one sinnelAsen hit. WALTSaa T. D. T. 

nhd. was er hat wöllco heilig babeq. LoinER S, 287*, vergl. 
die ganze stelle weiter oben; 

wenn man eine leltlang muss backen und graben, 
wird mau die ruh erst willkommen haben. Göthi 13, 148: 
jeden andern lu schicken ist besser, da ich so klein bin. 
habt mich entschuldigt. 40, 33, 

irrlcAe fügungen schon nahe tu den unten II, 4, a :u nennenden 
stehen. 

Diese bedeutung des auffassens, haltens im gemOl durduielU 
nun auch andere redewcisen: daher beflehlet er euch sie in 
iwicßlliger eren zu haben. Lotber frr. &, 739; 

seit das man was die alten recht verkeren 
und die priesterschaft nimmer bat in eren. 

KiLLM tchwdnke «. 44 no. 35 ; 

mein geliebter, habe mich nicht im verdacht, ich bin un- 
schuldig. GöTUE 15,65; denn ich habe in gewobnheit, die 
leule wo miiglich warten zn lassen. J. E. Schlegel 3, 416 ; wir 
habens in der art, wenn wir eine hübsche melodie finden, 
singen wir sie meist todt, dasz sie kein mensch mehr liOren 
mag. GnxHE 14, 25 ; ... sind saubere künden diese leule, haben 
es mit ihren grundsalzen, wie banswurst mit seiner kutle, 
er hat immer die gleiche kutle, aber er kann sie drehen 
und wenden wte es ihm kommod ist. J. GorrnEir II, 221 ; 
ich habe es mit allen thiereo so, mit den hühnem und 
katzen auch, erzähl. 4, 262 ; 

nun sag, wie hast du's mit der religion? GStuk t2, 179. 
formelhaft ist: wie habe ich es mit dir? ^eichsam aie fasse 
i(h das Verhältnis zu dir auf? das unbestimmte es bezeichnet, 
wie in den vorhergehenden beispielen, nur einen allgemeinen bezug 
auf Personen oder Sachen: Konrad, Konrad, wie habe ich es 
mit euch ? Elisab. von Toggenburg s. 8 ; 

dich macht die seit nur gewisser, 
wie du es habest mit Ihm, und wie die freundschslt bestehe. 

GöTBB 4«, 297. 

einen zum besten haben, als ein spMziel ansehen und behan- 
deln, vyt. beste 13 ; 1, 1662. 

Die ältere spradie sagt etwas von einer sacbe haben, etwas 
davon halten, darüber denken, verschieden von etwas davon haben, 
einen (AetI an etwas Anien oder erlangen, was unten 11,1 zu 
rnedAnen ist; auch hals ihm gedünkt, als fressen die vögel 
aus diesem brodkorb; Joseph, was hast du davon? AaRAnAii 
A S. Clara Judas t, 6. ähnlich was er darauf hat {hält), weisen 
wol die obberubrten artikel. Luther briefe 3, 63. 

II. Der begriff unseres Wortes gehl twi seiner ersten bedeutung 
halten zu dem begriffe haben, besitzen, in manigfaehen abstufungen 
und Schattierungen über. 

l) noch nahe zu dem vorigen abschnitte steht die folgende be- 
deutung von haben, die man etwa mit erlangen, erhallen, nehmen, 
umsclireiben kann; nur ist zwischen dem erstem und den letztem 
wirtem der unterschied des begriffes immerhin nicht zu verwischen, 
bei erhalten, nehmen fällt der aceent auf den moment des erfas- 
sens, bei haben hinter denselben; haben legt gewicht auf die dauer 
des festhattens, den besitz, so dasz die präterilaie bedeutung erlangt 
haben an einigen stellen mehr, an andern weniger deutlich hervor 
scheint, deutlich namentlich, wenn Ursprung und früherer besitz 
bezeichnet wird; woher hast du die noliz? wo hast du das 
geld her? daraus er {der sulphur) nun sein donner, scblaben 
und klapf hat. Parac. 1,154'; wo konntest du dieses doch 
her haben ? FicaTE siltenl. 289 ; ich habe es von sicherer band, 
dasz er sich hier aulhalt; femer in folgenden beispielen: ich 



mahnte ihn und die stunde darauf hatte ich mein geld; 
heute noch wird er sein geld haben; es soll nicht wieder 
mittemacbt werden und ihr sollt wieder haben alles, was 
euch gebührt. GOtbe 15, 26 ; endlich bah ich nun den Ochsen- 
kopf («n Franken, das ziel einer reise), i. Paul uns. löge von. 20. 
andere fügungen betonen weniger das erhalten haben, alt das 
erhalten: endlich werde ich doch ruhe haben; man solle 
nicht lang nilchtem bleiben, brod mit salz essen, und wo 
mans haben kann, butterbrod mit knoblauch. Bocrler kriegssch. 
889; wuite gern, wann er von der wacht kombt, taback, 
hier und branlewein haben. Schuppids 8 ; mit dem besten 
weine, der in der sladt zu haben ist. Göthb 20, 274 ; indem 
ich sähe, dasz meiner würthin ICchter so guten Zuschlag 
hatten, wurde mir das maul allgemach nach neuer speise 
wässerig. Simpl. 3,28 Kurz; Ulenspieget sagt 'der wein ist 
z3 dcuer, ich bab nit dan 6 pfenning, mag ich ihn dafdr 
haben?' Eulenspiegel bei LKnEtitERG s.S3; gute waschen hatten 
1 thlr. auf den stein mehr {erlangten einen sotchea preis) in 
wollmarktsbericlüen ; auf dem strosack, da die meid das kind 
het und es die kelncrin mit dem bad ausz schul, lasztafel 
des doctor Grillen A2'; lieben brüder, mir kompt ein ehrlicher 
gast ausz Scbotllandt . . . dem soll ir alle zucbt und reuerenz 
erbieten, das wil ich von euch gehabt haben. Galmy 293; 
gott bab imer lob, das er die gottlosen so bat weggericht. 
2Macc. 1,17; fr. Dämon: ein zufriedenes herz ist mehr als 
die ganze well. Ar. Dam.: ja ich will eben das zufriedene 
herz haben, und darum sollen sie gehen und mir das loos 
schaffen. Geliert 3,323. so sagt man femer: du wirst scha- 
den haben, wenn du dich nicht vorsiehst; ich vermeinte er 
wolle zum fenster hinaus springen, deswegen rief ich ihm 
zu, er solle zurttcke bleiben, er möchte schaden haben, 
uttwärd. doctor 366 , sonst auch schaden nehmen ; eben so er 
will zu einer reise Urlaub haben; er hütte denn meines 
gnedigslen berrn erlaubung. Luther 4, 374*. die Überreichung 
eines gegenständes begleitet man mit den Worten da hast du es; 
da hast du deinen hut, nun kannst du geben, so viel wie 
nimm ihn hin, empfange ihn; hier hast du den scblassel zu 
meinem Schreibtische. Geliert 4, 439 ; 

da ! hast du gefreit um den thron von Burgund, 

da hast du die milgilt! da hast du sie, hundl Bürgrr. 

mit persönlichem dbjeä: es biesz der see mOsse alle jähre ein 
unschuldiges kind haben. GOtbe 20, 274 ; manches mädchen 
vergieszt ein thränchen, Aeil sie den geliebtea nicht haben 
toll. KoTZEBUE drani. werke 2,232; 

mich will er haben 7 mich ? das kann nicht sein, 

sie irren sich im namen. und was will 
^ er denn von mir? Schillir 276; 

wir sind Soldaten der Fortuna, wer 

das meiste bietet, bat uns. 396; 

hier, hier Ond ich die gesellen; 

haben wir die schelmen nun? Gina 10, 281; 

tu haben bin ich, wie der alle Friti 

auf preifenköpreD und lassen. 47,93; 
nur drei töchler sind da; sie theilen allein das vermSgen. 
schon ist die Sllste bestimmt, ich weist es, aber die sweite, 
wie die dritte sind noch, und vielleicht nicht lange, zu haben. 

40,253. 

Dieser bedeutung von haben faUen femer einige formelht/le redens- 
arten zu: so statt haben: eine bitte, ein gesucb, ein begehren 
hat statt, gleichsam es erlangt räum, wird erfüllt, wie mhd. 
gesagt wird 

Ir bete vani neheine stat. Albr. 45*. 
nach stattgehabter Untersuchung bat das gericht den ange- 
schuldigten frei gesprochen; ähnlich ist gebildet anwendung 
haben: das gesetz bat {findel) auf diesen fall keine anwen- 
dung; dank haben; habe dank drückt aus nimm dank an, 
empfange dank, sei bedankt {vergl. dank 7 ; 2, 730) ; 

er hilb «elbs uf und trank, 

der preulgam sprach: hab dank. Hättleriu 261', 179; 

des hah dank herzog Sigmund 

dass ers bat richten lassen. Lilirncrok volksl. 2, 27*. 

verschieden davon ist einem dank haben, wo sowol dank irie 
haben in anderer bedeutung stehen [vergl. unten 3, b). der 
Wunschformel habe dank sldien verwünschende zur säte: das 
donnerweller sollst du auf den hals haben! das mädchen 
will er? den teufet soll er haben ! 

ei das er hab sanI Quirins bnsi ! H. Sachs 3, 3, 70'. 
etwas davon haben, nutzen, vorlheil von etwas erlangen: was 
soll ich mich um ihn kilmmem? ich habe nichts davon; 



Digitized by 



Google 



57 



RABEN 



Haben 



58 



was hat man davon T cui usui Fhiscr 2, 406'. ich habe nichts 
vom kSstcben noch vom acfalassel, rief er aus, dein hetz 
wttnscfal' ich m Offnen. Götiik 23, ni; wann gleich ein so 
liederlicher scblingel . . durch den aomroer daran komt, so 
hat man nichts anders von ihm, als dasz man ihn auf den 
Winter mit groszeo kosten wieder mondiren mnsz. Sitiipl. 
1, 408 Kurt, iknlich iM etwas dran haben , nutzen an einer 
Sache finden, ein kaufmann lagl wenn ich diese waare auch 
noch so schnell verkaufe, so habe ich doch nichts daran, 
erlange daran keinen prvfit; bei Locuc in anderm sinne: 

was gott recht rechnet ausi, was goti wol misset abe, 
iiehl nie so rerht uod wol, das tadel nichts' dran habe 

(ttiehls daran aMiiur(t«n /inde). 1, 202, 34. 

diesa Loguusehe dran haben ttimmt tu anhaben 2, vgl. Ih. 1, 364. 
itt nun aber haben => erhalten, so sieht dazu m^fack die prdp. 
an im sinne unser« ton, ein rorzuj^wcise in Jen niederdeutschen 
diateden herseiender brauch, tco zu verben des nehmens, erhallens, 
erlangent frip. «ie an, ags. on. St treten, die das dasein eines 
zu nehmenden gegenständes an einen orte oder einer person hervor- 
heben, wahrend unser von tneAr auf den aet der wegnähme selbst 
gehl; tgl. ags. 

tc Tis sTfan-vintre, ]>it mee sinca baldor, 

frei-Tine folca, II minum tiier genam. Beat. 2430; 
up gilAb 

flsli an Aide. Aelianil 3213; 

thuo nimun sla an thtm liudon lllo 

diuria mMmis. »890; 

dAnScA itt akd. 

lob lesent ibAr in lanle gold in irA sante. Orraia t, I, 72. • 

irsen aus dem santfe gold; nhd. etlich von den lanzknechten 
kamen im auch nach, zn versuchen, ob si was an im haben 
mochten (von ihm erlangen, sie wollten nämlich sold erpressen). 
Wilm. ». Schaumburg 196 ; ein sterbender graf von Henneberg 
lässt sich einen spiest geben und schreit wie im kämpfe, und 
nach solichem geschrai redet er vast ernstlich: du böser 
Teint, du hast nichts an mir, nnd will dich mit disem spcr 
flberwinden. 56 ; der gott der mich hat zum forsten gemacht, 
der hat auch meine unlerthanen "gemacht, das ich nichts 
mehr noch bessers an im habe, weder der geringste bawer 
auf dem lande. LurnEB 8, 20i'. 

Vnselten'ist die fOgung dieses haben mit dem reflexiven persön- 
lichen dativ igramm. 4,705) ^eick dem tat. stfri habere; mhd. 
davon lobet die sebrift die frouwen alze schöne, diu ir selber 
ir ougen 6s brach und si irme minner brächte und sprach: 
habe dft dir das dir an mir behaget und lis mir ruowe in 
der lAterkeit mtnes herzen. Hadpt 8, 2M; 

er sliiog im Af der gigen abe die seswen hani: 
dai habe dir ze botscnerie in der Biirgonden lant. 
Sib. lUOO, 4; 

wir geben dir ze dinar Tar 

am ze diner lipnar 

zwO marc von rAlein golde: 

diu habe dir von Isolde. IWslan 207', 20. 

nAif. hab dirs, niroms fOr dich hin, habe tibi Maaler 203'; 
wer gewunnen oder verloren het, must imc das haben i6ei 
einem fritdensschlusi , auf grundlage des 'uti posadeti*'). WUw. 
V. Schaumb. 46; werden sie aber auch drüber geschlagen, 
so haben sie es inen. Lutber 4,445'; findet (er) aisdenn, 
das in verdreusst, so hab ers im und ein gut jähr dazu. 
537*; Juda sprach, sie habs ir, sie kan uns ja doch nicht 
Schande naihsagen. 1 Mos. 38, 23 ; also wer sich selbs bewar 
oder verwarloszt, des schuld sei sein, der hab ims. Franz 
•rellft. 135'; lecker was hastu mich zu Ichren? lehre deine 
kioder, und hab dir das fallabel nmb dein angesicht. AttERUs 
p. 13; wer die stelle anders auslegt, mag sichs haben. GOthe 
an Zelter 707; 

s( narr, sprach sie, bab dir die feigen (scUdgr). 

H. Pols bei Haupt 8,515; 

Iich will qeben) ein aAz spinurodl.tia, 
Ulla das bab dir allain. fasln, sp. 576, 6; 
auf hflb er da sein weisze band, 
scbifig sich selber an sein irang; 
's« hin moln maul und hab dir das 
datz du doch nichts verschweigen magst'. Uuland 248; 
hinftig ducaten hab dir zur schenk. H. Sachs 3, 2, 4t'; 
geh von mir, hab dir drflsz und peulen. 3, 3, 13; 
sehe, hab dir das, denk Ir dabei. B. Waldis 2, 80, 33; 
er ward schellig und nams beim har 
und sprach : bab dir ein böses jar. 4, 60, 94 ; 
der wolf gedacht, hab dir die drOsz. E. Auiacs 118; 
deiz hab dir mit gebotlner band 
mein chlich pllicbl und treu zu pfand. Avaia 195'; 



hab dir die streich, fahr hin zum te&fel. 417*; 
wer schult dran hat, der mag Ims haben. 98* ; 

die unruh wir uns haben mQsin 

und geht euch wenig daran ab. 142*; 

so erstreckt »ich mein begehren 

weiter als auf treue nicht. 

ihre Wahrheit kan gewehren, 

was mir ihre gunst Teripricbt. 

hab leb sie, so hab Ich mir 

aller scbilte schätz' an ihr. Fuiiüs 515; 

auf rasch vergnOgte, 

schnellen strichst 

der barsch besiegt« 

habe sicbs! GAthz 40, 418; 
unkluger komm I so magst du's dir denn haben I Tiaci 1, 261. 
bei neuere» wird der pertOnliehe dativ auch unterdrückt: wer 
sich irgend einen solchen drang muthwillig schaflt, der habe 
es. Lessikc 10, 31 ; das trotzige ding dilnkt sich hier oben 
so sicher ! wenn einer auch einmal ungezogen wOrde. müszte 
sie's haben. GOrag 11, 18 ; mag sie's für meinen söhn haben, 
der um ibrentwillen aus dem lande gelaufen ist. 23 ; 

wenn ich nun im holden haine 

unter meinen IVeunrien wandle, 

mögens meine feinde haben 

die als kegcl ich behandle. 47, 266. 

2) einer solchen sinnlichen bedeutung von haben sieht nun die 
folgende zur seile, die sich auf das geistige erlangt haben, ein- 
genommen haben betiehl. tunSchst ist hier ansuführen das un- 
persönliche mich hat wunder, gleichsam wunder hat mich ergriffen 
(gramm. 4, 246), wofiir jetzt gewöhnlich das gant präsential 
gedachte mich nimmt wunder gilt: 

den k&nic bete wunder und sine man alsam 
umbe solhlu mxre als er hie vernam. A'it. 110, 1. 

mftsent dise menschen in das fegefür, das het mich gros 
wnder. Merswin io6, ähnlich 138; dasz er so . . sanfl ent- 
schlafen ist .. das uns alle wunder hat Lother br. 4,362. 
daneien aiicA andere freiere fassungcn: wie het mich diz eine 
so frOmede rede. Merswin 31. 54; das het mich gar eine 
freinmede reddc. 93; diese redde het mich gar eine wnder- 
liebe fremmede redde. 55. 138 ; daj hat uns frOmde und un- 
billich. Königshoven 970; ritter und knecbt hAte e; unbillich. 
EttnOuers Jahrb. 66, 1 ; den ritler het frembd , da er sah 
sein Wesen. WeisirUter lO*. die redensart wunder haben stein 
auch in persönlicher fügung, namentlich im 15. und in der ersten 
hälfle des t6. jahrh., beispiele dafür sind gramm. 4, 247 gesam- 
melt, i. b. 

all landt syndi vetz voll heyiger geschrift, 

und was der seien heyl antrifft, 

bibel, der heyigen vittcr 1er 

und ander der glich bficher mer, 

in maas das ich ser wunder bab, 

das oyemaot bessert sich dar ab. 

narrentchiff 2', 5 Zamcke. 
wie wander haben ist auch helil haben gebraucht und verlaufen, 
unpersönlich steht es mhd.: 

wie si ze Rlne sge;«, si gedlhte ane da{. 
bi ir edelem manne; ir ougen wurden nai. 
al betes vasle bcle, da{ «t nleman kund« seh«n. 
flih. 1311 Lttclim. 
nhd. das habe ich gern nachgelassen und hat mich kein hehl, 
das ein fürst und regent sei eine welllicbe person. LDTsea 
lisc/ir. 393'; und unser gebet sol uns nicht hcel haben, wol- 
lens anzeigen olfcntlich. werke 5,2*6'; für einen frembdcn 
thu nicht das dich hccI hat {irtöntov aXXoTgiov /in notf,ont 
xgvmSv). Sir. 8, 21 : ir we<cn hat sie kein heel [otirt vm> 
iranetveöd^ r) Sö^n avtiöy). Jes. 3, 9. jetzt ist das persön- 
liche hehl haben gewühnlith ; die geheim gehaltene suche steht im 
geniliv: ich habe meiner reue keinen hehl. Götter 3,407; die 
lasier die ihrer gar nicht hehl haben. Kant 6, 194. sweifel- 
haft ist der geniUi^in: Klärchen hatte es (ein hehl, dasz sie 
den kniegürlel der jungfrati schon als ein stUck ihrer toilette 
betrachtete. TnümiEL reise 3, 2S2 ; für ihn tritt der aceusativ 
ein, als naclJiiang an die frühere gleiche unpersönliche fügung: 
ich . . werde unsrc frcundschafl nie hehl haben. Niebub» 
leien 2,21. 

Uirrher müssen vir ferner tiehen, trenn haben eine zu fassende 
oder erlangte vonUtllung oder kenntnis ausdrückt: 

denkt euch ein mSdchen, das jetzt hold, 

jetst nnster sich gestaltet, 

und ob es lacht und oh es schmollt, 

stets neuen reis entfaltet; 

ein madchen, melsier im talent 

die herzen aniuketten, 

und scbalkbal) wie ihr wenig kennt, 

so habt ihr Henrietten. Gonzi I, 89. 



uiyiiiztJU uy 



ioogle 



59 



HABEN 



HABEN 



60 



ähHlUh denkt euch das ross, das keiner peitsche klang 
noch schreckte, kein gehisi noch twang, 
.... deokts euch, so habt ihr ihn. 1, 322 ; 

der h. Augustinus berichlet, dasz er roo einer glaubwOrdigen 
persoo habe, dasz sie gesehen wie der magnet das eisen 
beweget und umgcführet habe, obschon eine silberne platte 
dazwischen war. ScaivEi setlensch. 2,317; denn sie ballens 
aus vielHiltiger erfabrung , dasz sie . . nichts ausrichteten. 
Wieland is, 163 ; und doch hatte sie aus der erfabrung, dasz 
solche Personen durchs leben . . eine sehr angenehme und 
liebenswürdige reife erlangen können. GOthe 17, 264. 

Auch die terbindung haben wollen gthirt hierher, wenn sie 
sich auf das erlangen einer beabsichiigten Wirkung, einer absieht 
überhaupt besieht: erst frage ich sie: was hat L. wohl mit 
seinen furien haben wollen? was anders, als dasz es eine 
art von wilden spröden giebt, die nichts weniger als liebens- 
wfirdige musler der weiblichen zucht genennt zu werden ver- 
dienen? L.ESSING 6,273; er Itonnte gar nicht fassen, was der 
scbauspieldireclor dieser lodtengrSberscene eigentlich mit 
allem haben wollen. 1. Paol THan l, 76. diese fOgung ist- häufig 
und manigfach: thu wie ich gesagt, ich will es so haben; 
mein Junker wolle es also haben. Scroppios (1701) s. 447 ; der 
minister wollte haben, dasz sich seine beamten der poli- 
tischen reden enthielten; die sollen hinten usz ziehen und 
sollen min hern von Werlbeim fornen inlassen zihen oder 
sin gewall, ob mins herrn von Werlbeim gewalt das gehabt 
wult bau. leeisth. 3, 563. nicht haben wollen , nicht tügdien, 
nicht leiden, nicht haben wollen, nebmiich das man es thue, 
prohibere Frisch 1,389'; der glaubiger wollte nicht haben, 
dasz der Schuldner sieb aus der sladt entferne. 

3) am meisten slelU haben in der bedealung zu eigen haben, 
im besilie haben; bei der ungemein häufigen anicendung des 
«Ortes hebt sich die bedeutung bald mehr, bald weniger scharf 
henor. das einfache objecl ist in den accusaliv gesel:U, seltner in 
den theilungsgeniliv , es leird auch in gangbaren und spriehmürt- 
Uchen redensarlen als leicht su supplieren, gani ausgelassen: 

ich habe gehabt, ist ein armes wort, 

ich halte gern, ist thörig. 

Ich werde haben, ist auch kein hon, 

ich habe, das klingt gehörig. 

drum was du hast, das nimm für viel, 

bei liolTen und wünschen gibts kein fiel. 

GiLLKST in ein tlammbuch 1746. 

hab ich ist besser als bau ich sagt das sprichmrt, aas in 
leeilerer fassung in ein Wortspiel zwischen hab ich und dem togd 
habich verläuft, vergl. unter babicht; einer der ob dem andern 
hat [nämUch feldK weiMh. 3, 591 ; wo zwen bei einander haben 
{nämlich eigentum) auf dem felde an der gemein, und wolt 
der eine das syn befriden, sol er Ihun an {ohne) des andern 
schaden. 3, (S9; auf der mülin haben {nämlich körn). 4,50; 

doch, wer der waid nur eines herrn, 
man würd die bauern anders iehrn. 
weil aber viel herrn haben dran (sc. (keil). E. Auiaus 144. 

a) eine saclie oder eine person haben: der mann hat geld; 
er bat ein groszes haus in der residenz; der mann war arm, 
aber die frau hatte ein hübsches vermögen; ich halle aber 
nicht mehr als die vier groseben die du mir gegeben hallest. 
Geliert 3, 243 ; schöne kleider haben ; der mensch hat köpf, 
leib und glieder; der rogel hat federn, der fisch hat schuppen ; 
habt äugen und sehet nicht, und habt obren und b&rct nicht. 
Marc. 8, 18 ; ihre gelehrten . . sieben im beiszen sande immer 
auf einem fusz um den andern, und haben an jedem acht 
zefae. RoLLERBACEN inj. reisen 77; wer mein wort hütet und 
gleubel dem der mich gesand hat, der hat das ewige leben. 
Joh. 5, 24 : er bat ein sanftes ende . . ich wollte gleich mit 
ihm sterben. Geuest 4,439; die slädle .. Ilaben ihre beson- 
dern Ordnungen. MOser palr. phant. t, 176 u. s. w. in unzähligen 
rerbindungen ; darumb haben unsere herren wieszen und acker 
hie, davon sie es nehmen sollen!, «eisth. 5,577; 

darauf ihm {dem äielie) antwort gab der bund, 

Jesiotn Heisch ist mir ungesund, 
u faasis genislicb nicht mit ehrn. E. Albsrus 146'; 
habt ihr nichts an euer schäischen, 
habt ibr oichla filr euer kiod? Götaz I, 193; 

was haben wir neues, Marinelli? Lessing 2,112; sieb söhn, 
da ist ein habsches, stilles, sillsames madchen, braver ehr- 
licher eitern kind, das wird zwar nur wenig haben, vtird 
tielleicht nichts haben, aber es Ist in gottcä[urcbt und in 
eiufalt erzogen. Engel 12, 59. so bezeichnet das hiniugesetzle 



itubeslunmie object es geradezu das vermögen, die mittel : er hals, 
er kann sich schon was zu gute thun ; denn was brauchen 
wir die kosten zu sparen, wir habens ja dazu. Klopstock 
12, 354 (gelehrtenrepubl.) ; im mhä. findet sidi eine ähnliche, nicht 

völlig gleiche fügung: 

Mt sie e; an dem übe, sie ist ein dienstwip : 
hat sie ei an dem adel, sd ist ir swan der lip. 

H'uf/'dielric/i 18, 1 Itottm., 

d. h. hat sie persönliche Vorzüge, hat sie Vorzüge des aandes. — 
Verwänschend wird gesagt: nun hats der benker GOtbe 15,15, 
d. h. das vermögen, die mittel sind fort, s. beoker. 

Jtfil persönlichem objea: freunde, feinde, gegner, gOnner, 
wohlthater haben; diese alte Jungfer halle viele anbeter ge- 
habt, aber zu einem manne war sie nicht gekommen; eine 
familie die sechs kinder hat; endlich hat dich mein herz, 
du gute. J.Pivi Hesp. 2,112; das Studium des menschlichen 
kOrpers bat mich nun ganz. Göthe 29,212; ich habe dich 
wieder! 10,156; sie haben keinen valer mehr? 10,141; die. 
leule die keine religion haben, haben keinen gott. 10,135; 

das werd in ewige dementen eingegraben, 
was wir lür einen gott an unsern gölte haben. Fluing 24 ; 
welch ein mädchen ich wQnscbe tu haben? ihr fragt mich, ich 

bab sie 
wie ich sie wünsche, das heisit, dünkt mich, mit wenigem 

viel. GöTBS 1,355; 
er sieht dass du gehorchst, drum liebt dich der tjrrann, 
damit er jemand bat, dem er befehlen kann. 7, 4; 
denn wir können die kinder nacli unserm sinne nicht formen; 
^0 wie gott sie uns gab, so musi man sie haben und lieben. 

4U, 2uu. 

oft gebraucht von dem besitze des ehegatten , der geliebten : was 
gebt uns die liebe an ? sie haben ihren mann und ich meine 
frau. Gellert 3, 291 ; sie sagen : als mann und frau hatte 
man sich nicht mehr so lieb wie vorher, es ist nicht wahr, 
Ruse. wie lange haben wir uns schon? GOtbe 14,254; 

du hast s; genommen und muost >j han, 
und soll dir die seei vom l;b usi gan. fasln. <p. 2, 865; 
allda mich deucht, icli. hält 

die mir macht ein verlangen. HorniANN geseltsch, lieder 8; 
Hicbelein will mich kurzum hon. p. 159; 
ich thile selbst, wenn ich Cytheren bitte, 
was Pböbus Ihut, er gebt mit ihr lu bette. Kästner 491; 
soll ich sie haben? Göiaz 11,34 (s. 31 ts< dietelbe fraqe aus- 
gedricltl: soll ich sie besitzen?). 

dazu stellt tick das mhd. 

e; hlt mir an dem herzen vil dicke \ti gelin 
da; mich des gelüste des Ich niht mohte hin 
noch uiemer mac gewinnen, da; ist schedelicb. 
Jon mein ich golt noch Silber: e; ist den liuten gelicb. 

ntinnes. frthl. 8, 25. 

mit den zweck bestimmendem susatze: diese frau bat einen aus- 
länder zum manne; der mann hatte eine geborne N. zur frau; 

Betz, du bist aiu grad man. 

will du Meisen lu der ee han? 

er spracli : ja, will sie mich. 

Nodung sprach : Hetze, gich, 

wiit du Bellen han zu der ee? Hdltlerin WT, 30. 

aber ohne diesen zusatz wird das verbum auch in (Ascönem sinne 
gebraucht, ein frauenzimmer haben, sie beschlafen: wüst ich 
nicht ganz gewiss, dasz du die Humbrechtin gehabt hast, so 
dächt ich . . H. L. Wagner kindermirderin 42 ; 

Chain man sich nun benügen iatt 

der nit drei oder vier bat. Itälzlerin 190*, 180. 

umgekehrt von einem wabe in bezug auf männer: 

bab ir doch zwei auf dise nacht 

helfen haben in einem haus. li. Sachs 3, 1, 19. 

iceiiii eine sache, eine person dem besilzer verloren gegangen 
ist, so spottet man: nun hast du sie doch gehabt! das lass 
ich wohl bleiben, es konnte mir wie dir mit Petern gehen, 
nu hast du ihn doch gehabt. Weiszk kom. opern (1777) 3, 227. 

b) eigenschaflen , geistige gaben, aller, gründe, recht, pfliciä 
U.S.W. haben: ich zweifele nicht daran, die trauben werden 
eine beszere art haben, als der alle Kralzcnberger zu Renns. 
ScHOPPios 9$; die gesinnungen ihrer Schwester zeigten sich 
schon anders; sie hatte vieles von der muller. GGtue 19,358; 
eine ihr ganzes wescn habende rObrung. 1. Pacl Hesp. 3, 66 ; 
das ist die wahre liebe, und die habe und hege ich im 
herzen zu dir, mein Oswald, wie sie nur ein madchcn haben 
und hegen kann . . und habe sie gehabt und gehegt immer- 
dar. Unernanii Müncldi. 4, 80 ; ^-^ j 

uigitized by VjOOQ IC 



61 HABEN 

wohl achleicht ein teufzend volle lichhaher um mich her; 
doch du nur hast mein bcri, und sag, was willst du mehr? 

GiTHB 7, n. 

ändert ist: habe einmal das herz (den mul). Lessinc 1,247; 
aur da« sie in inen haben meine freude volkomen. Joh. 17, 13 ; 
wer aber »eichen wird, an dem wird meine seele kein ge- 
fallen haben. Hebr. 10, 38 ; deswegen hat das incognilo der 
fQrslen und die daraus entspringenden abeoteuer immer etwas 
höchst angenehmes. Gothe 25, 344 ; damals halte alles den 
reiz der neuheit fUr mich. 10, 130 ; 

ich bab an meinen leiden tust. Flmino 494; 
hab ich doch meine freude dran. GdTHa 12, 185; 
halten so rechte berzensfreud 
an dieser erde lieblicbkolt. R. Rcinici 251; 

auch sie haben Tersland, und es kostet mich ein wort, so 
haben sie keinen. Lessikc 2,173; du willst mein mann werden 
und einen willen fttr dich haben? 1,247; närrisches weih, 
sagte dieser, 'hab ich denn launen?' o du hast, hast! Engel 
12,77; daher habt ihr euren argwöhn. GUtbk 14,256. mis- 
trauen haben ; ein arg oder ein arges gegen jemand haben, 
s. arg~l, 547; ein gescbOpf das mich versteht! das mitleiden 
mit mir haben kann. Göthe 10,146; sie haben doch auch 
viel beschwerlichkeit weniger. 10, 151 ; 

selbst die glücklichste der eben, 

locbter, hat ihr ungemaoh. Gottu 1, 85; 

da bast's (dessen, gen.) anch Ursache gehabt. 14,255; wollten 
sie nicht ein biszchen ruhen 7 sie habens noth. 10, 136 ; auf 
dem lande braut und schenkt, wer lust und mittel dazu hat. 
MGse« fotr. phanl. 1,176; boffming haben, gewisheit haben; 
ich habe keine holTnung mehr dasz er genese; und habe die 
hoffnung zu golt, auf welche auch sie selbs warten, näm- 
lich das zukünftig sei die auferstehung der todlen. apoil. 
getdi. 24, 15; 

auch will ich tröstlich holTea ban. 

eure worl bleiben unvercherl. Hdtthrin 1S9', 212, 

U.S.W. in vitkn Wendungen; vom aller: ehe er noch 14 völlige 
jähre hatte. (Bodver) neue crit. briefe 4; wie viel jähre hast 
da? GüTiiE 18, 153; der Siteste söhn mochte einige jähre 
mehr haben als ich. 25, 175 ; er halte fUnf jähre mehr als 
ich. 301. «on der zeit überhaupl: ich habe keine zeit; ich 
habe zu der arbeit keine musze; jetzt wird er vielleicht in drei 
Wochen nicht ankommen und der graf von Mesgau hat gute 
zeit sich in Luxemburg festzusetzen. Scbiller itoo; Jlf. wo 
willst du hin, Sora? S. in den garten, Mana. M. hast du 
so viel zeit? GOthe 14,3; unser eins hat so wenig zeit zu 
weinen, als leider zu beten. 10, 132; ich hab keine eil. 10,128; 
sein zorn über die gottlosen hat kein aufhören. Sr. 5,7; 

das gesell ist aus. das kspfen hat ein ende. 

ScHiLU» I^randot 2. a. 4. se. 

von gevalt, macU, msehen, verdienst, Verbindlichkeit ti. $. v.: 
ir wisset, das die weltliche fiirslen herschen, und die mecb- 
tigen unter inen haben gewalt. tfare. 10,42; jedcrman sei 
Qoterthan der oberkeit, die gewalt aber in hat. Rüm. 13,1; 
wo ich aufhören musz, sittlich zu sein, habe ich keine ge- 
walt mehr. GOthb 23,257; ich bette mit gotles hülfe wol 
so viel macht, das ich euch kOnd ubels thun. Ijlfos. 31,28; 
ein mensch hat nicht macht über den geist, dem geist zu 
wehren, und hat nicht macht, zur zeit des Sterbens, pred. 
8, S; bat nicht ein tOpfer macht ans einem kliunpen zu 
machen ein fas zu ehren und das ander zu Unehren? Rom. 
9,21; warum hast du nicht auch krall, dir das geschehene 
ZU verzeihen? GOrnB 10,163; ich hatte nicht den muth, ihn 
darum zu fragen; ein weiser hat bei seinen leuten ein gros 
ansehen. Sir. 37,29; 

noch viel verdienst ist fibrig. auf, hab es nur, 
die weit wirds liennen. Klopstock ), 114; 
beide haben das verdienst, 
dass sie . , . die menge thellen, dio ich linden mag. 

GöTiiE 11,244; 
du wolllest dein verderben, hab es nun. 

ScnaLsa Turandot 2, 4. 

Bnige Merhergehörige fügungen rind mehr oder uieniger formel- 
haft; wir tagen läglieh haben sie die gute, die freundlichkeit, 
die gnade, diesz zu thun ; haben sie die gutheit und erlauben 
sie mir das lolterieloos noch auf eine minute. Geueet 3, 319 ; 
dasz ich die ehre haben will, ihre Jungfer muhme nach 



HABEN 



62 



hause zu begleiten. 337; haben sie nur die geHilligkeit ein 
wenig lauter zu reden und ich werde sie börcn. Engel 12,216. 
ruf haben: er hat als arzt ruf; er hat den ruf eines ein- 
sichligcn mannes, eines gelehrten, eines slreitsUchtigen, 
eines trinkers; OAnlich wir deudscben haben das geschrei 
davon (von der trunkenheü] in andern lendern. Lotbeb 4, 6l'. 
erbarmen haben , der betller ruft habt erbarmen ! 

mutier erde, hab erbarmen ! 
ft-eundlich ölTne sich mir armen 
liebesmirtyrer dein schoos! Gonta 1, 260. 

der tmferaliv mrd in dringlicher rede auch unierdrückt': 
erbarmen, lieber herr, erbarmen! 
verschont den sauern schwelst des armen] 

BöROia der itiltle jdger, und noch Sper 
in diesem gedichle. 

recht haben , diu rechte in betug auf ansicIU und meinung tu 
eigen haben, recht ist das subslantiviscli gesettte neulrum des 
adjectivs, vergl. unten 3, c kalt haben, wann haben (verschieden 
ist ein recht haben, eine befugnis betitien) : du hast recht, sie 
hat recht, kurz, wir haben alle mit einander recht, doch 
wenn du es lieber siehst, so sollst du allein recht haben. 
Gelleit 3, 231. dafür sagte man im mhd. und bis ins 16. jahrh. 
wflr haben: 

al sprtchen, tochter, du htst wir. arm. Heinr. 499; 

sie sprach, mein berr l\ichs, du hast war. H. Sachs 2, 4, 38* ; 

und wöllens doch nicht haben war, 

beireibeos gleicbwol immerdar. Rincwaid ;. E. 108'; 

dein wort man liszl nicht haben war. Lotnir 8, 340*. 

Ai«rA*r auch es (jcn. einer sacht, vergl. 3,1129 no. 18") nicht 
wort haben wallen, einen ausspruch oder zusage nicht als eigen 
oder verpflichtend anerkennen: so sind sie alle, nur wollen sie 
es nicht wort haben. Göthe 18, 155 ; Mariane dagegen wollte 
nicht wort haben, dasz sie ihn so lange nicht bemerkt 
hätte. 94. 

e) krankheit, übd, ein körperliches bedllrfnis u. ähnl. haben: 
da das gescbach, kamen auch die andern in der instilen erzu, 
die krankheit hatten, und lieszen sich gesund machen, aposl. 
gesch. 28, 9 ; denn sie sagten , er hat einen unsaubern geist 
igolh. ahman unhrainjana babai|i). Marc. 3, 30 ; viel unter inen 
sprachen, er hat den teufel und ist unsinnig {golh. unhul|)An 
habai|> jah dva1m6|)). Joh. lO, 21 ; und da war ein weih, das 
halle Aen blutgang zwelf jähr gehabt igolh. quinünö suma 
visandei in runa bl6|)is jira tvalifi. Marc. 5, 25 ; wann jemand 
vom wein oder sonslen trunken, dasz er davon gar groszes 
kopfweb hat. BOciler kriegssch. 888; nicht wahr, sie hat 
grosze hitze, und schon phantasiert, seit dem ich sie ver- 
lassen habe? Geliert 3,417; 

wer prechen an den äugen het 

und dem sein gesicht wee tel. fatln. tp. 752, 6; 

was habt ir am leib fOr beschwerden. 

habt ir einann ein olTuen schaden. H. Sachs 5, 340'. 

hunger haben ; dnrst haben ; kalt haben, warm haben, heisz 
haben, iro diese adjedive in substantivischer gellung stehen, mehr- 
fach aber zu adjeäiviscker zurück kehren, wie ein gleich folgendet 
beispiel lehrt; vtr^. auA das neutr. kalt 5,85: 

iwO lungen habent kalt und warm, die llgent in sime rächen. 

WALTHta 29, II; 
bald sich ein ender lu her stall, 
der wil erfrieren, hat tu kalt. 

Gaoaa ausreden 102 (Haopt 3, 253); 

ich habe kalt, mich friert, vergl. GoTTBSir 2, 250. femer eine 
last haben : ich habe meine last , sagt der arme mann , fünf 
kinder zu ernShren und kein verdienst, hier steht last bildlieh 
als drückendet, beschwernis, eine Sache bat ihre last (gevicht), 
die kistc hat eine last von fünf centnern «ürde in die vorige 
reihe zu stellen sein; seine noth haben: darüber hatte ich nun 
immer meine noth mit dem abb^. GOtbe 20,214; man halte 
noth Friedrichs scherze in schranken zu hallen. 20, 248. 

Mit dem unbestimmten object es, welches ein Ofrel <m oU^e- 
tnnnen andeutet, verbindet sich dieses haben: es auf der brüst 
haben, es im hals haben, brüst-, haisweh haben, ähnlich es im 
köpfe, in den armen, in den beinen haben; ich habe es in 
allen gliedern, ndmficA übles befinden; nach dieser eonsiruction 
uiiri freier und neuer gebildet ich habe die ganze sache im 
magen, gleichsam sie haftet af mir wie ein ma^rnüM; und niil 
persönlichem object einen im magen haben, ich habe den kerl 
im magen. 



Digitized by 



Google 



63 



HABEN 



HABEN 



64 



So fragt man bei iblem oder nur ungewShnUchtm vfrhalten 
was hast duT 

wa> hast? was kneipt dich denn so sehr? GStbi 12, 144: 
was ist dir? was hast du? — ach, in dem Spiegel siebt der 
domherr. 14,102; was hast du, Hippias, sagte sie zu ihm, 
dasz du eine tiefsinnige miene mitbriogst? Wiela:<d 1,181; 

du siehst mich IScheind an,-EIeonore, 

und siehst dich selber an, und lächelst wieder. 

was hast du? lasi es eine D'eundia «rissen. G6thi 9, 101; 

was haben die lusammen? wie vertraut! 10,270; 

ich siue hier und weine, 

weist selbst nicht, was ich habe. Gotts* 1, 363. 

i4 m übel, ein unglürJc, etwas beßrckute* über uns herein ge- 
brochen, m heistt es; da haben wirs; da haben wir das un- 
glflck, die bescherung ; lasz doch sehen ! ha, da haben wirs ! 
WiELARD 19, 210 ; da haben sie es nun ! rief die alle , . . . 
danken sie dem binimel, dasz . . ihnen noch ein so Tortreff- 
liches kind Obrig bleibt GOtbe 20, 88 ; nun da haben sie's. 
wir bitten am ende doch wohl zusammen gepassl. 21, ni ; 
G. was bringt ihr? S. schlechte nacbricbten. da Terlieszen 
wir uns auf des kaisers geheime gunst, von der man uns 
so manches Torschmeichellc. nun haben wir die bescherung. 
42, 332. 

Dieses es haben nimmt auch eine noch prignantert bedeutung 
an: der hals, er sieht nicht wider auf, d. h. er ist tot; der 
hirsch hals, er ist erlegt, wndw. I, &*; 

bald dann ein lieget namb ein schaden, 

das er ihet auf dem plati ausipaden, 

das war den Trauen nur ein glechter, 

sprachen ei, ei, das ist ein rechter, 

er ist schabab, er bats, er hats, 

taug oit fiehr auf den kegelplals. H. Sicvs 1, 517'. 

diesem persönlichen er bat es äeht ein unpersOn^dtes es hat ihn 

gegenüber : 

den mann hats ! so nennt der spracbbrauch 

dortiands jenen instand, wo der 

liebe sauber uns gepackt hat: 

denn der menscl) nicht hat die liebe, 

nein, er ist von ihr besessen. Scuirrn. trompeter 62. 

es bat mi, ich bin in der klemme Fromh. S, 444 ans Tyrol. 

d) tu dem objede im aeatsatis tritt bei fälle« unter 3,6 in 
imgewühnlicherer weise ein persönlicher, nicht reflexiver datie : bei 
der Terbindlicbkeil die er ihr halte. Wieland 1,230; um mich 
der Tcrbindlichkeilen, die ich ihm habe, zu entledigen.' Merci 
briefs. 2,146; mein etat über den ich hallen niusz, wenn ich 
am ende des Jahres nicht selbst anderen Tcrbindlichkeilen 
haben will. Götue bei Schill 186; er hab euch eine wichtige 
Zeitung. ScaiLLER IIS; vir lösen häufiger diesen dativ durch pri- 
positionen auf: verbindlichkeilen gegen einen, zeitung oder 
nachrichl fnr einen haben. 

e) das objed steht bei den fällen 3,a bis c statt im accusatic 
im theilungsgcniliv ; zwar seltener, aber weit durch die deutschen 
dialecte reiclienä, so goth.: ei ustaäbi silba sis Tul|iaga aik- 
kltsjdn, ni habandein vammt ai{)|>aa maili ai|>]>aD hva svalei- 
kaizt. Eph. 5, 27 ; fravanrpanai svt lamba ni habandüna hair- 
deis. Mallh. 9, 36 ; ags. uu babbe ic bis her on banda. CioiONS 
Genesis 678, und «odi mittetengUsch, obsdton hier der genilit auf 
die üblich gewordene weise durch die präp. of umsdtrikien wird: 
of smale boundes haddc she. Cbadcer 146; 

mhä. wand ich noch einer salben hin. Iwein 131; 
haben! si grAier riterschaft. pf. Konr. 206, 25; 
ain man der rechter rainne hlt. flAon 4, 398. 

nhd. wenn ich mit menschen und mit engel zuogen redet 
and helle der liebe nicht (gegen das goth. i{) tria^n ni habau, 
griech. iyäatrjv Se firi ^(»1. 1 Cor. 13, 1. 2. 3 ; so lang sie des 
selben melwes von Egiplen hatten , also lang gab inen got 
kein himmelbrot. Keiseksbebc bilger 43; ich hab auch des 
krauts rausch wider rausch. Carg. 94*. ungewöhnlicher ist diese 
construdion der neuem spräche geworden, diwol sich gegen einen 
sati wie ich habe noch des geldes das ipradtgefühl nicht sträubt ; 
dasz sich etwas schlimmeres dahinter {hnler der krankheü] 
versteckt halten sollte, will ich nicht hoffen, indessen hat 
man der Olle. Encel Lorenz Stark (sckrißen 12) 156. häufiger 
umtdtreibl man den theilungsgenitio durch die präp. von : hast du 
noch von dem alten weine? der kaufmaon balle noch von 
dem zeuge, das ich kaufen wollte. 

4) die fälle sind nunmehr besonders zu betrachten, wo das 
object von haben durch ein adjectiv, parlirip, adverb oder verbum 



noch näher benimmt oder hervorgehoben wird, die bedeutung von 
haben wird hier oß unbestimmter, der begriff des besixes tritt 
acht melir stharf hervor, er verKerl sich mehr in den des Vor- 
handenseins für das subject überhaupt, den wir jedoch völliger erst 
in den folgenden fügungen {no. 5) wallen sehen. 

a) das object wird durch ein prädieolives adjectiv näher be- 
stimmt, das letztere ward im mhd. oß noch in Übereinstimmung 
mit seinem Substantiv flecliert: 

den (lod) winlen sie gewissen bin. Emsl 3599; 

den lip ich noch gesunden hin. Sigentt 28. 

oß aber auch unflediert: 

die houme die d6 stuonden gris 
die habeni alle ir niuwe; ris 
vögele vol. Miduait 4, 36; 

da{ si im der maget gunde, wan er die Itauwan guot 
b£t« vor in allen. Guar. 762, 1. 

das Idttere ist im nhd. immer brauch: der gastwirt hat seine 
Zimmer voll; ihr habt die glaser schon wieder leer; die fran 
war geschmackvoll gekleidet, sie hatte kleid und mantel reich 
besetzt und den hut sehr klein ; hierauf erlustigle sich ein 
jeder entweder mit tanzen oder mit singen, auszgenommcn 
Levion, welcher den mund släls voll halle (= dessen mund 
stets tolt war). Happel aead. rom. 42; wer zu herschen ge- 
wohnt ist, wers hergebracht hat, dasz jeden tag das Schicksal 
von lausenden in seiner band liegt, steigt vom throne wie 
ins grab. GOthe 8, 231 ; sie tragen blaue mit gold verbrämte 
mänlel . . und haben das haupt bedeckt. 24, 34. eine sache 
nötig haben: 

herr kaiser, gross hab ich so eben nichts nSthlg. 
Büaeia 67', 

woneben indes auch der Iheilungsgenitiv steht: ich habe dessen 
nicht nötig, oder das objcd wird durch eilten satt umschrieben : 
wir haben nie nOlhiger gehabt, uns genauer zu kennen. 
GOtbk 20, 195. eine waare feil haben : und fand im lempel 
sitzen, die da ochsen, schaaf und tauben feil hatten ; es stehe 
sellzam und birenhSuterisch, wenn die comoedianlen auf der 
bahne stehen, selber zu sehen, und äffen feil haben wollen. 
A. Gripsios absurda eomica 32, s. feil 3, 1447 ; 

drum sind sie auster noth 
* wenn eine grosse flui sie gar wil haben todt (= will, dost sie 
tot seien). Fuunno 17. 

Hierher auch die fügung mit dem unbedimmlen es : ich habe 
es gut, ich habe es schlecht = meine ganze läge ist gut oder 
schUeht; 

kein verliebter hab es besser. GOtiu t, (0; 

betrachten wir das alles genauer, so hstten wir es khrzer, 
bequeiner und vielleicht grandlicher, wenn wir eingestünden 
... 50, 63. 

In den folgenden stellen sielt haben auf das Vorhandensein in 
der Vorstellung oder im gemüte, hier rührt es an die bedeutung des 
geistigen haltens und auffassens, die 1, 6 (sp. 54. 55) erörtert wurde, 
ohne ihr doch genau mzufallen ; denn ich habe einen lieb sogt 
mdir als ich halte oder fasse ihn als einen mir /trften auf, es 
heisit er ist für mich eine geUebte person, indem das verbum den 
antheil des subjeds am objecto hervorhebt : sie hat mich auch recht 
lieb. Götbe 10,133; im mhd. sagte man ebenso hold haben: 

sin lip der ist s6 schoene , man sol in beiden hin. 
Hib. 102,3; 
ich minns iw6 Isolde 
und bin die beide bolde. Trist. 481', 2 (Mossm.) 

oder wert haben: 

lip, li die minne diu dich lit 

und habe die steten mione wen. Waubsr 67, 39. 

«m mnl. findd sich aiieh Itl hebben Hdtd op St. 3,41. nhd. 
dauern mandte solcher Verbindungen, ausser lieb haben auch 
hold haben: das glOck und die weiber haben die narren 
hold. AcRtcoLA .«pnWiic. 59'; gern haben, «>« gern nochadjediv 
ist: ich habe die kinder gern; «vie manches zuckerbrod oder 
biscuit oder macrone ich euch hab zugeschoben , hab euch 
immer am gernsten gehabt. Scbii.ler 131*. mit sdtr gedrängtem 
ausdruek: 

ich habe meUie feinde gern so stolz. KiRRii 3, 165 

= ich habe es gern, trenn meine feinde so doli sind; satt haben : 
ich habe den menschen , diese ganze sache satt ; ich hab« 
das gerede recht satt. GltfuB 11, 118 ; 
ich hab sein rasen satt. 7, 41. 



Digitized by 



Google 



65 



HABEN 



HABEN 



66 



I 



eigen haben: 

der mensch hat olcbu to eigen, 

so ifohl sieht ihm nicht« an, 

als dasi er trew enelgen 

und IVeundschan hallen kan. 

S. Dach bei GSieke 1, S33\ 
hierher oach die formet gott babe ihn selig; femer: als ibin 
in seinein todtbett der priesler das ItOchste altsrgeheimnus 
nach clirisllichem brauch in das haus brachte, sagte mit 
freventlicher zungen, herr pfarrer, was in dem Itelcb ist, 
Tcrlang ich nicht, dafern ihr aber begehrt, dasz ich sol auf 
^ero gülden kelch geld leiben, habt ihr mich urbietig. merkt 
Wien t. 7J. 

In der redensarl: die kinder haben frei, <(( das ertle object 
ausgeh$sen, tu verstehen ist die schule: 

die schaler gebo, sie haben ft'el. Srern AimaM 3S. 
bildHeh: 

habt tr»i, je hin ihrs nicht? ihr arbeiltamen sorgen! 
Tor euch ist heute nichts lu thun! ibU. 68. 

b) in der älteren spräche tritt m dem object ein pari, praes., 
den tmtand oder die Ihäligkeil des ersteren hervorhebend, im gegen- 
tatte tu den fäUen unter a, die nur eiru eiyenschaß beteiehnen: 

wan e; hete diu «il sAeie 

ir lieben herren fOeie 

stlode In ir schisen. arm. Beinridt 461; 

Rusievit was van groteme love 

ein limmerman unde h&dde In sinem hove 

liggende eine ecke. Helnecke fiuht 614. 

bei er anderswa tib stände, weisüi. 1, 330. dieses part. praes. 
ersetst in ^njerni gueUen'etn inftnüiv. beispiele für das 16. jahrh. 
hat MeosEBACii in der gramm. 4,628 reiehtieh geliefert; auch 
LirrHER schreibt: wo ihr anders recht glaubt und Christum 
nahrhaflig in euch habt leben und regieren, br. 1, 575. heutsu- 
lage sehr geaühnlich: ich habe geld im kästen liegen, er hat 
drei pferde im stalle siehn, der meister hat sechs geselten 
sitzen u. s. v. ; die feiten kapphühne , die ich auf dem hofe 
herumlaufen habe. Weisze kom. opem (1777) 3, 140. gramm. 
4, 628 irord rerinufrl, dost dieser inßnitit aus jenem participium 
praes. tielleiehl entstellt Korden sei; indessen ist auf eine gleiche 
fügung von sein aufmerksam zu machen, wo auch Malt des part. 
der inf. sich bereits sehr früh findet; so agt.: 

]ii Tis sfllT {>anon S6d4ma folc 

gAlTspell Tegan. Oenesi« 2097, tri Criin 1, 55. 

in quellen des 15. 16. jahrh. : 

seit das man was die alten recht Terkeren. 

KiLLSi schwanke t. 44 ; 

berr gott wie weh ist einem mann 

der eiD schdo junges weih ist han. 

H. Sicas 4, 3, 8', gkntich öfter; 
ebenso bei werden: sprang hinein und ward zittern, aposf, 
gesch. 16, 29 ; (et tragen : dy meydc trüge ore czopphe binden 
nidder bangen. Stollb cArön. 190; es ist hier durch den infi- 
nHi» folge und fortdauer eines tustandes hervorgehoben, «otu die 
ttccusatimehe natur dieser nominalbildung an sich tauglich ist, er 
war verkehren = er verkehrte immer, gans so sind die bil- 
dungen mit haben tu beurtheUen : ich habe geld liegen — das 
liegen des geldes ßndel für mich längere seit statt; eine stilie dieser 
ttuffassung gewilirt, Kien» man in Berlin hört: ich habe geld 
zu liegen, wir Italien ein groszes ge^lsz in der kUchc zu 
stehen, hier hebt die praep. den imeck des längern suslandes nodi 
besonders hervor, auch bei sein eine gleiche fügung: bisz zu 
ruhen (sei ruhig). Wiciram roUi». 103,3 Kurt. 

c) tu dem persi'mlichen oder sächlichen objed tritt ein bewegung 
»der tiel ausdrückendes adverb in Vertretung eines derartigen 
verbums, aber nicht so, dost man fortfall eines solchen aniunehmen 
hätte: wahrlich ich sage euch, sie haben iren Ion da hin 
{änexovasv tiv ftta^ov airiör). Uatth. 6,2. 5. 16. weilere 
beispiele unter dabin 2,691. 

die alte berentreibsrin, 

wo hat sie jetzt der teufel hin? H. Sachs 4, 3, 206; 

die aller grOsten sorg ich trag 

der ander sauberer bab sie hin. 

Arasa 293' (1467 Keller); 
vergH. mhd. hin haben Ben. 1, 597' ; es haben nun e. k. f. g. 
die drei praebenden widderumb beim. Lutber br. 2, 529 ; von 
danoen haben: 

tII Said si im sein gut swert und seinen volen nam. 
ee das er cham zu Im selbr, da bot sl es von dann. 

Wotfdietr. bei Haupt 4, 437, 311 ef. 311. 

weg haben : der arbeiler tagt ich habe meinen verdienst schon 
weg; er hat seinen lohn vorweg, p'oecerpsil praemmm Stieler 
IV. u. 



2456; den mund vorneweg haben für torlaut sein; durch 
haben: ir babts nn hindurch und den sieg an dem alten 
drachen erobert. Luther 8, 189'; oft ton dem buche gesagt, das 
gans zu ende gelesen ist: Walt gab es ihm (tu lesen!, als ers 
durch halte, sagte er . . J. Padl flegelj. (1804) 1, 218. 

d) im gothitchen drückte haban mit einem folgenden inßnitit ein 
vorhaben, absieht, Killen, entschluss aus, es i^|e^set^te Iheils das 
griech. /läXXetv (silba vissa |)atei babaida taujan avros yaQ 
^8et ri f/iekXev nouXv. Joh. 6, 6), Iheils das griech. futurum 
geradem: baruh sa andbabta meins visan babai|i ixet ö 
Stäxovoe 6 i/tbs (aras. kh. 12, 26. |>atei tauja jah taujan 
haba 8 3i notä Mal not^aoi. 2 Cor. u, 12. im nhd. findet 
sich eine gleiche fügung, nur dost in ilv haben veniger ein tor- 
haben oder eine obsichl, als das Vorhandensein einer notwendig- 
keit oder des Vermögens für das tubject ausdrückt: denn ich 
auch nichts scheuen habe. Littber br. 2,144; und als der 
krank fürst zu nacht schlafen seit, bette er auf nichts ligen. 
Wil». V. Schaumb. 191. anders aber ist, wenn tor einen solchen 
infinUit fwch gut (ritt, der inf. ist hier als Substantiv gedacht, 
gut iit sein adjecHv, die bedeutung von haben aber iM dieselbe: 
denn e. f. gn. haben desz gut wissen. Lotber br. 2, 54t ; er 
hat gut reich werden. A«ric. no. 326; sie hat gut singen, 
sie hat keine schulden zu bezahlen. Simp(. 3,426 Kurt; wel- 
cher des teufeis bereits eigen ist, bat gut schw&ren. Pisto- 
RiDS 7 no. 36; der gyps hat gut reden, sagte Charlotte, der 
ist nun fertig. GOtbe 17, 54 ; jüdische propheten hatten gut 
weissagen. Kant 1, 281, der auch wol unter einwirkung der unlen 
folgenden beispiele tagt die einwohner . . hatten gut le deum 
laadamus zu singen. 9,34; 

die ersten halten da gut wohnen. Gizran 1, 29. 

e) dem objeete folgt ebenfalls ein infinilin, aber durch zu ver- 
mUleU, und den imeck htrvorhAend. auch hier schwankende be- 
deutung von haben. 

a) tn «tnzefnen fällen ist sie noch = besiisen, tu eigen haben : 

nthd. dB( er nlen biete wem te geben, teeltch. gast 11527. 

nhd. der buschof daer van bait des jairs wael zwei hondert 
ducaeten zo verzeren. Harf 72,12. 13; wenn er heute nicht 
arbeitet, bat er morgen nichts zu leben ; 

o webe, nun bab icb nichts aursustabD, 

so schluchzte sie nieder ins k&ssen. BEicsr 65^ 

ß) in andern fällen beteicknel haben nur das Vorhandensein 
der notusendigkeit jener betweckten handlung: ich habe etwas zu 
thun, für mich ist etwas tu Ikuendet vorhanden; was haben 
wir zu thun? ich will mit der sache nichts zu thun haben; 
was haben wir mit dir zu schaffen? Lue. 4,34; wer wieder 
sagt dasz du eine nSrrin bist, der hat es mit mir zu thun. 
Lessing 2, 174. dieset 'zu thun' oder 'zu schaffen' musz in 
manchen satten nur verstanden werden: packe dich, du hast 
nichts mit uns, wir nichts mit dir (tu schaffen). G0the42, 412; 
die Schnotterbaum lag die nacht durch in wQlhenden krämpfen, 
was uns weiter nichts angieng, denn wir ballen es nicht mit 
ihr, sondern mit ihrem mielbsmanne (su thun). LiHERMAini 
llünchh. 2,148; 

nicht du bists, den irh hier gesucht. — 

icb bab es nur mit ihr allein. Scbour 383*; 

wir haben es 
mit einem kecken feind nnd sind geschlagen. 460. 

suiiwilen musz das objea ergäntt werden: icb habe zu Ihun 
(eine arteil); die alle lu schaffen hatten in der hatte des 
stihs. « Jtfot. 4,37. 

Dt« unter ß artgegdiene bedeutung von haben erläutern noch 
manche ander» beispiele: des todten lichnams fründschaft, die 
in von angebomer sippschaft ze rechen haben, weisth. 4, 343 ; 
gnediger berre, ich habe mit uwcrn gnaden was zu reden. 
KOdiz 22, 3 ; alsdenn soitu eine gute anzahl teutscher und 
lateinischer traclKtlein von meiner band zu empfangen haben. 
ScBOPPias 127; da er sich wegen der in seinem bandbrief- 
lein gebrauchten karte zu entschuldigen nicht gehabt. Bdtschst 
hd. kantelley 65; oder wenn er wohl gar — was wir doch 
wirklich zu fürchten haben — sih ungfitig aufnimmt? Engel 
12, 188 ; der sirausz, den ich noch mit ihnen anszufecbten 
habe. Lessing 10, 131 ; der knabe wird indessen noch starker 
werden und ich habe weniger für ihn zu furchten. Klincer 
5, 338 ; eine gewalt unter die wir uns zu beugen h&tten. Kant 
17, 304 ; an dem gärtner aber hatte sie tu trösten Aber manche . . 
lacke. GOtbb 17,304; 

Digitized by VjOOQ IC 



67 



HABEN 



HABEN 



68 



lob werf ihm eins wol in den bart 
das er habe lu klauben draus. 

BaEsnicaa cliritU. rUIendtafl (155J) CT; 
lum holen sind «war oft die guten Oeunde da, 
doch einen der was bringt, den hab ich noch su sehen {den 
Koll ich noch sehen). G&tub 7, 49 ; 
romantische gespenster liennt ihr nur aliein, 
«in icht gespenst auch classisch hats tu sein. 41, 109; 
ich habe 
mich Ober dinge mit dir zu besprechen. 

ScBiLLsa Iphigenie 6, 1. 

y) haben Mofit weniger die notmenäigkeit , als termdgm und 
fähigkeit m einer beiwecläen handlung: was bat das zu bedeaten 
{=iDaskann das bedeuten) J bat nicbts zu sagen. Eitcei. 12,1U; 
so wenig es einem Terantworllicb , dasz er ein mOrder an 
seinem eigenen leib wflrde, so wenig bitte er zu verantwor- 
ten, dasz er seinen ehrlichen namen nicht rettete. Scauppios 
622 ; was hat denn der hauptpastor in Hamburg dem biblio- 
tbekar in WolfenbHttel zu befehlen T Lbssino 10,240; laszt 
mir das 'gnadige' weg, es wird sich bald nichts mehr zu 
gnidigen haben. GOthe 15,51; 

dameben mich lu tristen 

mit gutem gwissen bab (kann mich mit einem guten 
geuissen tröxlen). 
HoTTKN 'ich habs gewagt mit sinnen'. 

in negoliren satten auch mit verKehrendem sinne : dem vater hat 
niemand einzureden. Lf.ssing 2,181; 

disi nisse nur gewiss, es hat nicht anxustehn, 
der sonnen wagen wird iiicbt oft henimb ergehn, 
du wirst noch eines selbst von deinen gliedern geben. 

Orm I, 194; 
selate. du hast keine briefe tu 

erbrechen, die ich trage. M. du hast keine 
lu tragen, die gani Gnechenland verderben. 

ScHiLLaa liihigrnie 2, 1. 

Analog gebaute sielten, nur mit reflexie rmtamllem verbum, 
haben ironisclie bedeulung und weisen demnach die notwendigkeil 
lUfBck: 

'er liebt mich, sagst du7' — o, das hat sich noch lu fragen! 

er schnürmt vor lieb', er ist verrückt, 

ist ausser sich . . . Wisi.aiid 21, 221. 

o/l oter aticA ntcU toiDol die notwendii^eil als das vermögen (vgl. 
oben): frau. goll behttt uns in gnaden. Miller, es bat sich 
zu bebüleo. Schiller 181 ; wie sie nun weiter forlgangen, so 
treffen sie eine matter an vor der bauslhflr, welche ihrem 
kind die haar auszkampiet, und weilen solches kleine bübel 
den kampel raufens halber weigerte, bat die mutler aus Un- 
geduld aufgeschrien : hall du fratz, dasz dich der leufel hol ! 
worauf der doctur mehrmalcn dec teufel angeredet: warumen 
er doch das kind nicht nemme? da hab er eine seel zum 
besten, bat sich wol nemmen, sagte darauf der saubere 
cammerad, disz ist nur ein gemeiner mutter fluch, «s ist 
ihr bei weitem nicht also umbs herz. Judas d. ensch. 1,184; 
F. was seht ihr meinen vater so an ? TV. es hat sich da viel 
anzusehen; es ist doch beinahe stichdunkel. Brentano tust, 
mus. 29; |a es hat sich was zu schicken. GSthes muUer bei 
DoRow rentinue. 166; ei warum kamt ihr nicht alle so ge- 
drittelt? 'bat sich was zn drillein'! die wirterschau, possenspiä 
{Leipt. 1S02) 74; 

rslh, mRJesMt? hat sich da was tu rathen 1 Scrillsr 587. 
Dtnes es hat sich ist nun als ironische redensart m weile Ver- 
breitung gekommen, der ihm folgende Infinitiv uird kurser hand 
unterdrückt und ist aus dem vorliergehenden satte tu ergänun: 
wir sollen glauben, es sei um der religion willen, ja, es hat 
sich (nämlich tu glauben). Götue 8,175; N. bist du nicht ver- 
gnügt, die meine zu sein T D. es hat sieb {vergnilgt >u sein). 
11,115; menschlich gefdhl? schäm? bat sich was ttuschimen). 
Jacori an Güthe 41; Cl. der kcrl dürflc aber wohl denken, 
miin steckte vor ihm zillerfedern auf. Edw. ach! es hat sich 
wohl, frau Schlampampe 130; wie meint er nun wohl, herr 
Till, dasz die leute den hieszen? 'wie? einen tiefsinnigen 
kiipf. ja, es hat sich wohl ! einen nairen. Engel pUlos. f. d. 
w. 1«: er kommt in ge.«chliflen nach Paris, vetter? 'in ge- 
schaflen ! bat sich wol!' Schiller 634'; ist es {das gdTdnk) 
ihm denn nicht zu stark? fragte Siegfrid. ach, hat sich 
wühl, versetzte die wirlhin, ob er wohl kein säufer ist, so 
ist es ihm doch ein schlechles . . ein zimlich glasz brand- 
wrin hinunter zu schlucken, unwürd. docl. 701. — M freitrer 
Stellung: als in gewisser begebenheil etliche Ober land aus- 
geive-ile musikaiilen sich dergestalt vollgcsoffen, dasz sie sich 
nach haus zu gehen nicht getrauet, si(b dessentwegen auf 



einen bochbeladeuen wagen, in ermangelang einer andern 
gelegenheit gesetzel, und über eine zeit ist der Schulmeister 
darvon herunter gefallen, der Organist aber, als der noch am 
wenigsten betrunken, dem fuhrknecht befohlen von dem ross 
zu steigen und umzusehen, dann er glaube es sei ein capul- 
rock herunter gefallen, dieser aber . . erkennet, dasz es der 
Schulmeister seie, von welchem er das exaudi nos in denen 
processionen Öfter wiederholen gehört, sagte er: es hat sich 
wohl caputrock, es ist ja der exaudi nos. fliegenwedtl 7 ; heida ! 
wo wollte ich in meinem vorigen bin? es hat sich wohl, dasz 
der herr hauptpastor den namen advocat in seiner eigent- 
lichen bedeutung nebmen sollte. Lessihg tO, 209; Kr. je nun, 
wenn ichs beim lichte besehe, so sind wir kaum dadurch 
auf ein paar tage langer dem stricke entgangen. St. ah, es 
hat sich was mit dem stricke. 1, 304. gar nicht ironisch, son- 
dern rein einräumend hat Bürger diese redemart gefastt: einem 
wolbeleiblen dichter, der über schlechte teilen klagt, wird entgegen 
gehalten, dost wenn er so spreche, sein ganies äussere wider ihn 
tetige : 

das hat sich wohl I seufit der poet geduldig. 

doch coli gesegn' ihn, meinen bauch . . . 

bin ich dem speisewirtb noch schuldig. 63', 

hier ist dai hat sich wohl so viel wie das verhall sich freilich 
so, vgl. es hat sich 1, 5 (sp. 64). 

&) der begriff, des tu eigen seins, gehürens, besittens, geht in 
einer antaU von fügungen gant unter, in denen haben nicU 
mehr als das blosie Vorhandensein atisdrückt und das gans in 
den Vordergrund tretende objecl nur eine kise beaehung tu dem 
subjeäe bietet : wir haben gutes weiter ts< fast gleich mit es ist 
gutes wetler; wir haben regen; wir hatten grüne weihnacbteu 
und werden denn weisze ustern haben; dieses jähr haben 
wir spat plingslen ; in diesem sinne wird auch gesagt ich habe 
zeit, etwas 'ZU Ibun, d. h. die seil daiu ist da, ist vorhanden, 
also verschieden roti jenem zeit haben, was oten 3,b [sp. 6t) er- 
wähnt ist: Eckarlh sagte, er hatte zeit, dasz er geeilet halle, 
wir hätten ihn sonst wollen willkommen beiszen. unwürd. 
doctor 341; Dschengis halte, nach einem aufentballe von et- 
lichen monaien in Schescbian, hohe zeit, mit seinem unter- 
gebenen unsichtbar zu werden. Wielano 7,154; 

komm hruder, lasi uns eilen, 

wir haben hohe seit. FLiiinc 214. 

ähnlich ist: wir hatten kaum noch fünf minuten, so war die 
Stadt erreicht; wir haben eine Viertelstunde zum nächsten 
dorf, von tiRserer sIeUe aus ü( die enifemung so weil; do im 
aber die Warnung nach einander so eilunts kamen, stunt er 
. aul, hört und sach selbst, das die veint daher zugen, kaum 
noch eine halbe roeile zum dorf, darin er lag, betten. Wilv. 
V. Schaumb. 114 ; wir haben nahe, wir haben weit zum Ibore, 
tro nahe, weit in sti6$(anIit>iscAer geltung stehen, vergl. kalt 
haben sp. 62. 

Das vertum steht in solcher bedeututtg vielfach unpersSnHck : 
ich sehe dasz es keine gefahr bat. Götbe 15, 8 ; 

ich will gewiss der erst« sein, wo's noth hat. 10, 45; 
nein, hier bat es keine noth 1 2, 287 ; 

am ende muszte es doch geschieden sein, was seine noth 
hatte. Gotthelf ertähl. 4,262; also hat es eine ganz ahn- 
liche bescbaffeobeil mit unserm leben, merks Wien 14; 

dergleichen reden hOren freilich gut sich an ; 

doch hat es allerlei bedenkliche« damit. GArai 11,244; 

frage auch Oeiszig darnach . . wie es ein gelegenheit habe 
umb ewer schwacheit. Luther 8,191*; aber das hol seinen 
bescteid, dasz nichts draus wird auf dieszmal. br. 3, 76 ; es 
hat seine ricbtigkeil. krgarten 294 ; wenn es seine ricbtigkeil 
hat, dasz alle dinge in der weit in der genauesten beziebung 
auf einander sieben. Wieland 1, 28 ; gut, gut, ich bins selbst, 
das bat seine ricbtigkeil. tl, 254; 

mein liebe fTaw, es hat nll zeit, 

auf disimal mich euch hl« >u nennen. H. Sachs 5,231'; 

es hat gute wege, guten ungefährdeten forlgang: 

wenn sonst 
nur niemand um dl* sache weist, so bat 
es gut« weg«. Lessiiic iV«/han 4, 7. 

aucA in imniacher Wendung: o damit hats gute wege, et ist 
weit aussehend, nicht nahe oder leicht erfüllbar: wegen der haupl- 
sacben bat es gute wege, die lassen sich nicht erdichten. 
Claudios 7, 52. 

Dieses unpersinliche es hat steht auch in dem stnne des fron:. 
il f a es jÄ(, ttl vorhanden, in sehr hiUt/iger unveiidHn}, sowol 



uiyiiiztJU uy 



ö'' 



69 



HABEN 



HABEN 



70 



in in tduiflsprache, ah audi in oberdtuUthen mnniaritn, ttme 
in äer tckUtischen (Froiiii. 4, 170) : wenn ein wolf ain scbaf 
gebeiuet, da» selb feil bat alwegea leas, man macb beiz 
daransz oder was man wCll, »o hält ea allwegcn letta darinn. 
Kkisebsb. hos im ff. a4'; malle darauf es vil mider bat. 
leJampf u. tnut top. «1; es bat daonocb scbOne heoser bie 
{in Leipxig). Alberos widder JOrg Witttln k t'i in der Gastein 
bat es Termerte wildbader. Nathbs. &ir. 2' ; zwiscbeo Wolcken- 
Btein und s. Anneberg hat es auch ein wildbad. 3'; wie 
auch Cadmus der Tyrer sieb in Beotien als ein bergkmann 
hat sebeo lassen , weil es zumal disz orts vil grosze und 
höbe lawem und gebirge, auch vil goldbrOnne und seifen 
hatte. 15'; es bat noch vil ameiszbaufen in diesem walde. 24'; 
•onderlich zu Manlua, allda es auch gar rOscbe barbaros 
bat. LsuTEa rasiomet (1SS9) i. 7; 

dein sach seti nii auf teitllch glOck, 

ea bat bei im vil biser iQck. Scawisiuaaio 128, 1 ; 

was bau so vil der bisen suogen. 

B. RmswALO g. l. t08- ; 

es bat auszerhalb der statt Memmingen ein badbausz. Tapa- 
HEissea von wat$ern (1612) 117; in Scbodwin hatte es einen 
ahen vogt ZmiGREr apopÄlA. 74, S ; es ist e. g. unverborgen, 
dasz es in des kflnigs Periuns gemacb ein tbUren gegen dem 
garten binausz bat. itmiu<u20; es bat in des konigs Garin- 
1er pallast ein geweihtes rondes gemach, von allen abgesCn- 
derl. 26; daher konle ich mir die rechnung leicht machen, 
dasz sie nicht oben durch den wald . . gehen, sondern sich 
im freien feld behelfen würden .. wiewol es daselbst einen 
bösen weg hatte. Smpl. 1,270 Kurz; ingleicben hat es auch 
viel scfasdiicbe crocodille. Olearios beachrtib. Orient, insuln 
(l(i9«) 147 ; in Persien bat es viel esel. pm. roienth. 7, 20. 
s. Bl, anoi. i; hat es auch poelen in der böll? Pbilandbr 
1, 20; als dan in der ersten kircben geschehen ist, da es 
doch noch beilige leute gehabt hat, auch heilige priester. 
i. BOrme 40 fragen v. ä. aeelen ursland 24,12 p. lll; wieviel 
hals doch zu Ibun, dasz man bei so mannigfaltigen schreck- 
lichen ürgemis sich von der well unbefleckt erbalte. Scrives 
tfflenseh. 2, 28&; 

es bat bei uns auch hier sehr guies feistes land. 

Orni 2, 87 ; 
viel beiden bat es jetzt, so bats auch viel poeteo. 

liOGAD 1, 140, b; 
viel flrevler bat es noch, und wenig rechte bflszer. 

2,101,8; 
wo poetsn durch enttOcken 
sich tu guten reimea schicken, 
bat es alleothalbeD baseo, 
bat es leute die da rasen, 
hat auch demnach keine Dithco 
an den reimen und poeteo. 2, 108,44; 
reiche weiber hat es wenig. 3, M, 80; 
ein biedermann, ein biedarmann, dias war ein alter titlel; 
derer, die bald schwarz bald weiss, bats noch in unserm mittel. 

3, 2U1, 78; 
es wird scbeo lichter haben, 
die ein erhitater trieb tu diesem dienst bewegt. 

Cui, Gsipaiss poel. Wälder 1, 360; 
Freiberg ist eine grosse bergttadt, 
darinnen es gar sehr viele bergleule hst 

lliLaESRtaD totksl. 39i> (v. 1643). 

doch beim dreiscblalt hat ea das herrlichste quellwasser. arme 
mann im Tockenb. 23 ; wo eiu weiser und guter fürst herrscht, 
da hat ea vortreffliche unterthancn. Lavstes fhyt. fragm. 
i.thl., 10. abtdm., i. fragm.; aber bei ihnen bat es eine ans- 
nabtne. Lkssirg 2, 400 ; o, da bats gute sache. 41 ; es hatte 
im dorf gut seine 4 fusz schnee, auf den bergen noch mehr. 
FEi.bER NammamOUers 89; 

im dorfe Leinach an der Leioach 
hat es eine dorfgemeinde, 
der da sagen ihre feinde 
allerlei nach. RecziRT gei. 4, 399, 

und fliil iheihmgtgen^: 

ha, das donatgeschmeist I 

kaum htn und alebls was neues, 

(0 hat es gleich getchreies. Bürcir 21*. 

III. Die nachstehenden redensarten, in denen die 2. tg. da praes. 
hast rrtckeint, liehen ton allem bisherigen ab. die bezeichnung einer 
ichnellen und heftigen thäligkeit wird gegeben durch hast du nicht, 
siebst du nicht, so in derAUmark: iii lopt hast du nicb, sOsl 
du nicb; ht döscbt {drischt, prügell) hast du uicb, süst du 
nicb, up im los. DaiiiniL 75'; ancft hast du nicht gesehen, 



so im Otterlande : hasle nicb gesehen ging es den bcrgnunier; 
was gibst du was hast du: da hülte er nun seine kleider 
geschwind zusammen gerafft und damit zum haus hinaus, 
was gibst du, was hastu. Simpl. 3,412 Kurs; unsre magd ist 
krank gewesen und ist im stall gelegen, die hat mich fort- 
laufen beiszen, was gist do, was hnsU 1, 32; ich, mit er- 
schrockener geängsligler seele, dachte gleicbwol wie ich die- 
sem manschenfeiod {den lode) entrinnen mochte: thate desz- 
wegen einen sprung zurück und davon , was giscbte was 
beseht. Sittewald in WaciernageU leteb. 3, I, 655. die form 
hast scheint in diesen phrasen doch nur iluszerÜch an haben an- 
gelehnl, namentlich in den letzten Verbindungen; im liinlergrunde 
stellt tcol der gedanke an haal fe^nalio, basligfropera/u, basten 
festinare, und in der im Osterlande und in Meiszen häufigen Ver- 
bindung was basle was kannste = so eilig icte müglieh, tritt 
dieser gedanke besonders deutlich hervor, die Vermutung wird ge- 
stützt durch ein Sprichwort bei Scbottel 1138' er wil nicht 
basten, mit der erklärung : basten heist gleiten, weichen, fort- 
gehen, was nun nicht fort wil und da kein glück bei ist, 
das kan nicht hasten, es stehet und wil nicht fort; wen 
wir was fürhaben, daran wir verzweifeln, sagen wir, es vril 
nicht hasten, wir wollen davon ablassen. 

IV. Haben ab hilfszeüwort. hierüber ist gramm. 4,146 — 176 
in auiführUcher weise gehandelt; hier kann kurz nur theils dort 
gesagtes itbersichtlidi widerhoU, theils einiges andere ausgeführt 
werden. 

Die iUesten deutsdien dialecte bedienen siA zur hervorliAung 
jeder art der Vergangenheit nur des einfachen praeteriliims eines 
verbi, das ihnen sotroi für imperfectum, perfectam, plusguamper- 
feclum Öls aorist steht, für das gothische ist eine feinere etn- 
tlieilung der vergangenlieilsslufen durch hilfsverba unerhört, im 
altern ailhochdeutsch bis zum 9. Jahrhundert ist sie selten, von da 
ab aber findet sie sich hiufiger in dieser dialecigruppe towol wie 
im allniederdeuttchen , angelsächsisehen und nordisciten, so jedoch, 
dasz die alle weise, jede art der Vergangenheit durch das ein- 
fache praeteritum auszudrücken, nur nach und nach ausstiitt. 

Die Umschreibung des praeterilums erfolgt im allgemeinen für 
transitive verben durch haben, für intransilive durch sein oder 
werden. über diese art unter iHztern baden Wörtern, die erstere 
art hatte, worauf gramm. 4, isi aufmerksam maclu, in einzelnen 
fügungen der römischen spräche ihr vorbilde cognilum haben, 
de Caesare salis dictum babeo , domitas habere libidines u. 
dhnl., wenn auch hier die Verbindung nicht in der bloszen be- 
deutung der Vergangenheit, sondern in der lebendigen praesenlialen 
des besitzens, haltens sieht, ganz gleich, wie in den romanischen 
sprachen dieses sinnliche habere zum bloszen Ulfsverbum der Ver- 
gangenheit herabsank, Aaien aticA die deutschen dialecte mü die- 
sem Worte verfahren, nur aber so, dasz die sinnliehe bedeutung 
des Wortes in niancAen fäUen auch in der fügung mit dem part. 
praet. eines andern verbums bis auf jetzt herab dauert, z. b. : 

versiegelt hab ichs und verbriell, daat er 
mein guter enge! ist. Scuillsi 3V9*. 

und «enn gesagt wird: ich habe es bei mir beschlossen, aus- 
zuharren, so isl diesi praesential gedacht gegen ich beschlosz es 
bei mir, auszuharren. 

Das part. praet., wenn et mit einer form von haben zur um- 
sclireibutig einer vergangenheitszeit steht, ist der transitiven natur 
von haben entsprechend, notwendig in den au. gesetzt: diesen 
acc. fühlt die alle spräche lebhaft und regelt datier die flexion in 
Übereinstimmung mit dem objeete. amavit eum, eam, id, eos, 
eas wurde dalier ahd. wiedergegeben durch bab£t inau gemin- 
nAlan, sia geminnftta, (t, geminnüta;, si( geminnAtt, siA ge- 
niinnütA; da aber die fälle sehr häufig eintraten, wo kein casus 
obliquus im salze enthalten war, icv es galt den blotzen begriff 
er liebt unbezogen auf ein anderes subjeet int praet. umzuschreiben, 
so wurde das parlidp in die unpeclierte neutralform gesetzt und 
von dem überwiegen dieser fälle ist der umstand herzuiehreiben, 
dasz matt bereits in der letzten ahd. zeit unempfindlich gegen die 
flexion des partic. praet. wurde und ßr alle fälle, in denen es 
stand, die unflectierte neutralform verwandle. 

Es ist oben gesagt, dasz die Umschreibung des praet. mit haben 
für transitive, die mit sein oder werden für intransitive verba 
angeuandl werde, das ist nicht ohne schwanken, niie anzahl 
verben der bewegung und des zustandet bilden ihr praet. mit bei- 
den liilfszeilwOrtem, mit haben dann, «renn die in der bewegung 
liegende oder im ziulande latente Ihäligkeil zum ausdrucke ge- 
langen suU, mit sein, icvnn nicht sowol die Ihäti^teii, als der 
ztisland an sich oder das siel der bewegung ohne rü^itidit auf 

'' le 



uiyuizuu uy 



8' 



71 



HABEN 



die data unterlaufende OtäU^ieit des tuhjtdet Moni «M. soldie 
verba sind: 

altern: er hat frflhe gealtert und er ist frflhe gealtert. 

aufbrechen {abreisen, s. 1, 618): man soll mir geborchet 
nnd nicht von Crela aufgebrochen haben, op. geseh. 27, 11 ; 
der fttrst ist plötzlich von geiner resident nach dem jafl- 
schlosse aufgebrochen. 

begegnen : wisse dasz dir gott begegnet bat. Aoic spr. 9' ; 
es hatten ihnen etliche Soldaten begegnet. pers.Teisebeschr. 1,4; 
beide hatten einander auf der bahn des ruhms und am throne 
begegnet. Schilleb S04 ; die gesellschaft hatte sich eben wieder 
begegnet. Gotbe 20,211; 

nur ilnem traurigen bab Ich begegnet. ScaaLii 469*; 
was wiltu mit alle dem beere, dem ich begegnet bin? iJtftu. 
33, 8. in übertragenem sinne: Heinrich war ihnen auf dem 
italienischen feldzug sehr gebieterisch begegnet. Schilleb 1043. 

beginnen: das tbeater, die Vorstellung hat begonnen; der 
frühling hatte bereits begonnen; 

die mailust ist begonnen, 
der bäum bat seine grOne^ 
die bUlter schon gewonnen. 

Tiicx kaiser Oclat., protof. 

beharren: ir aber seids die ir behatret habt bei mir in 
meinen anfechtungen. Luc. 22, 18 ; auf erfolgten vorhält ist 
der inculpat bei seiner aussage beharrt, ebenso verharren. 

dringen: das wasser ist in die Stadt gedrungen; der bit- 
tende ist bis zum rarsten gedrungen; oter 

hat dieser beldenarm selbst durch den feind gedrungen. 

LoBiHSTim Ibr. 10, ir. 424. 

ich bin in ihn gedrungen, mir sein gehehnnis zu offenbaren, 
vogegen GOtbe: 

ich hab ihm lugeredet, ja gedrungen, 

allein er gebt von seinem sinn oicbl ab. S, KO. 

eilen: hat mein fusz geeilet zum betrug? Biob 31, t; ich 
bin geeilt, die boischafl zu bringen. 

eintreffen : meine voraussage ist oder hat eingetroffen ; so 
hat also doch unsere Prophezeiung eingetroffen, dasz dieses 
band nicht lange dauern werde. Scbiueb an Gaike 398; 

wie aber ach, wie hat der ausgang eingetrofTen ? 

A. Gbtphius (1663) s. 400, 114. 

dagegen nur: der fürst ist {nicht hat) heute in seiner residenz 
eingetroffen, «eil hier nur das siel einer bewegung betont wird. 
entweichen: nhd. sagt man nur er ist entwichen, mhd. bei- 
des, er ist und bilit entwichen : 

In geschach diu geswiche 

von grOter heimliche : 

heten si der entwichen, 

sO wxren s' umbesnrichen. Gregor. 143; 

Pelrapeire ich was entwichen 

relite umb den mitten morgen. Airs. 491, 26. 

dagegen sIeU ausweichen im nAd. mit beiden hilfsterben: ich 
bin dem trunkenen ausgewichen , ich habe der antwort auf 
seine frage ausgewichen, 
fahren : der kölscher hat und ist gut gefahren ; hab ich 
^ mit meiner band über den waisen gefahren. Hiob 31, 21 ; aber 
ich bin an einen ort gefahren, gegen das mhd. 

durch wes liebe die beiden her gevarn hin. Hib. 393, 4. 
in ttbgesogenem sinne: ich hab mit euch gefaren, wie ein vater 
mit seinem kind. Luther 4, 489' ; meinst du ich wisse nicht, 
wie du und deine gesellen mit mir gefahren habt? Atrek 
proe. 1, 6 p. 114 ; ich bin freilich unter meinen geschwistern 
am besten dabei gefahren. Göthe 10, 168 ; bis endlich ihr 
mann . . den baron herausforderte und heute verwundete ; 
doch ist der obrist, wie ich höre, noch schlimmer dabei 
gefahren. 10, 17. ebenso verfahren: ihr seid zu hart ver- 
fahren ; 

empfange 
dein Schwert surOck. man hat tu rasch verfahren. 

ScBiiLiB don Carlo» 6, 4. 

mitfahren in der bedeatung una tchi trird mü sein, in der be- 
detdnng Iraetare, behandeln mif haben verbunden: warumb hat 
der herr diesem lande und diesem hause also mitgefahren. 
2 eliron. 7, 21 ; also habt ir den tOchtern Israel mit gefahren. 
Shs. 67. ebenso nimmt fortfahren je nach der bedettiung sein 
oder haben lu sich: ich bin fortgefahren {im wagen); ich 
habe fortgefahren zu schreiben; doch auch: Ich bin in meiner 
rede fortgefahren. 

fliegen : die schwalben haben beute zum ersten mal ge- 
flogen, sagt man im frühling, vjl. mhd. 



HABEN 72 

ir Isgllch wolde da; äi ba{ 

sin habech geflogen fante. £rec 2061; 

und im rehle wart erkani, 

da{ er ei was, her Tristanl, 

dd het er gerne geflogen. 

Hbub. V. FuuBBS IVütan S5S7. 

aber: die schwalben sind um den thunn geflogen, die vOgel 

waren weil hin geflogen, 
fliehen: mhd. 

von Karkassdn Trohatzabt 

geflohen hete wenic i. Willeh. 432, 80. 

nhd. er ist geflohen; si sprach ich bin von meiner frawen 
Sarai geflohen. 1 Mos. 16, 8. »enn et transiliv gebraucht wird, 
steht es natürlich mit haben: 

mich hat Tfdeua söhn bis tu den schilTen geflohen. 
Stolbbrs II, 261. 

flieszen : meine trihnen halten lange geflossen ; 

hier im bach hat menschenblut geflossen. Tiiaei, 
wie mhil. H aller heilekeile flu; 

dikke Oi geflogen hite. Elisab. {Dimitka I, 480). 

after; der Rhein ist in das meer geflossen, meine trlbnen 
sind Ober die wange geflossen. 

folgen : ich habe einem gefolgt und ich bin einem gefolgt, 
worüber zahlreiche beispiele bereits 3, 1878. 1879 gegeben sind. 

gehen : wir haben eitel unrechte und schedliche wege ge- 
gangen, «eish. Sal. b, 7 ; das er in bagelsleinen bis schier an 
die knie gangen habe. SrALATiii bei Luther 5,35*, gegen: du 
bist auf dem wege deiner scbwcsler gegangen. Hesek. 23,31. 
für wie ist es dir gegangen fragt der volksmund auch wie hat 
es dir gegangen. 

gelangen: was sie selbe gesehen hatten und was an sie 
gelanget hatte. Esth. 9, 26; denn wir faren nicht zu weit, 
als betten wir nicht gelanget bis an euch. 2 Cor. lo, t3; ich 
war bis zu dieser Stadt gelangt; ich bin gelanget Steinbach 
1, 974. 

gelingen: und es hat inen gelungen, das sie das gesetz 
erhielten. 1 JVaec. 2, 47 ; durch hilfe gottes ist mir gelungen 
und stehe bis auf diesen tag. apost. gesch. 16, 12 ; wem ists 
je gelungen, der sich wider in gelegt hat? ^ioio, 4; so ist 
uns alles Qbel gelungen. Schilleii 1090*. 

gerathen : der wein ist diesz jähr geralben ; aber der oster- 
lindische frauer sagt mein getreide bat heuer nicht gerathen. 

glücken: es hat mir heute nichts geglückt; hätte es mir 
geglückt ihn anzutreffen; es ist mir im leben schon manches 
geglückt. 

irren: ich bin herumgeirrl, und ich habe lange hemm 
geirrt. 

kehren: nu wirij wol zlt gewest, daj di edele froawe 
bette wider gekirl. KOoiz 57, li; sie aber seufzet und ist 
zurück gekeret. klaget, l, 8. 

klettern: ich habe gestern tag und nacht 

auf dem gebirg herum geklettert. GiiBB 33, 2U. 

aber: er ist auf den bäum geklettert; wir waren den borg 
hinan geklettert; die zwei ältesten knaben waren auf die 
kutsche geklettert. GGtre 16, 28. 

klingen : wie oft hat alles an mir gezittert und geklungen. 
GOthe 10,148; 

mt| meinem saltenspiele 

das schon geklungen hat. EicBirooBrr ged. 27. 

man sagt aber: die glocke ist bis zu uns geklungen und hat 
bis zu uns geklungen. 

kriechen : wir sind in dem allen gewolbe herum gekrochen ; 
er bat gebettelt, ja gekrochen, ehe er seine bitte erfüllt bekam. 

landen : als er wieder budcn erfaszt and so zu sagen ge- 
landet hatte. Hebel 3, 361 ; die truppen sind gelandet. 

laufen: mhd. 

der hacken hin ich manegen tac 
geloufen nich. Ua«tbami< tieder 10, U. 

nAd. als der ich nicht vergeblich gelaufen noch gearbeitet 
habe. iVii<.l, 16; ich habe beute Schlittschuh gelaufen, qejen 
ich hin gelaufen, euch zu erreichen ; der knabe ist mir nach 
gelaufen. 

liegen : ich hab gestern bei meinem vater gelegen. 1 Mos. 
19,34; unsere magd ist krank gewesen und ist im stall ge- 
legen. Simpl. 1,32 Kurs. 

reisen : ich hab oft gereiset. 2 Cor. 11, 26 ; 

sehr viele reisten nor im gelat, 

und Oberredicn sieh, alt hatten sie gereist. Gbllbbt 1,46. 



Digitized by 



Google 



73 



HABEN 



HABEN 



aber: ich bia lange im lande herum gereist; der vater ist 
nach Franlireich gereist. 

reiten : 

mhd. dt er gerilen bete, als e{ v&rsten geiam. Gudr. 45, |. 

nM. bin ich nicht dein eselin darauf du grrillen hast. 4 Mos. 
22,30; als wenn er auf einer brennenden rakete geriltcn 
wäre. Hebel 3, 146. 

scheinen: das Hecht der gerecbligkeil bat ans nicht ge- 
schienen. tceuA. b, S. aber man sa^ auch es ist mir ge- 
schienen, als oh die sache nicht richtig sei. 

schreiten : ich halte . . schon zu einem recht langen briefe 
geschrillen. GOtbe briefw. v. Kestner 75. sonst ich war ge- 
schritten; er war zur ausfnhrung seines Vorhabens geschrill-en. 

schwimmen: er hat lange geschwommen, ehe er ans land 
gekommen ist. aber auch er ist lange im flusse herumge- 
schwommen. 

schnitzen: er hat bei der arbeit geschwitzt, aber blut ist 
aus ihm geschwitzt; das wasser ist durch den krug durch- 
geschwitzt. 

sein : niederdeuUeher und nordischer brauch ist im allgemeinen, 
zu dietem verbum haben, hochdeutscher sein zu setzen {gramm. 4, 
IfiO — 16t). doch finden schvankungen statt; im )nAd.<ie>FLEC>E 6322: 

do wolle Clirls tin gewesen 
die stunde und di« wlle 
dan Ober hundert mlle 

Uest du Berliner handschriß hin gewesen, m dem in Mittel- 
deutschland entstandenen, noch heule gesungenen volksUcde 'olin 
dich kann ich schon leben' hns2t es: 

geh du nur immer hin 
wo du genesen hast, 
und binde deinen gaul 
an einen dürren ast. 

Ein niederdeutscher berichl aus Zerbst von 1426 vemendet beide 
verben: wen he hadde lang van hus gewesen, netie mitlheil. 
des Ihür.-sächs. allerthumsvereins i,li; des gantz unbesorgt 
vor ön gewest were. 73. so schwanken auch heutige nieder- 
deutsche mundarten. 

sitzen : das ers war der umb das almosen gesessen hatte 
für der schönen thilr des tempels. apost. gesch. 3,10; werdet 
ir finden ein füllen angebunden, auf welchem nie kein mensch 
gesessen ist. Jfarc. 11,2; 

ufm bergli bin i gestsse. GSrai t, t69. 

springen: rufe das kind ins zimmer, es hat nun lange 
genug gesprungen; wir sind beute lange im garten herum 
gesprungen, in dem folgenden sinne wird es nur mit haben 
verbunden: die bOcke haben gesprungen, caprt cmeerunt cum 
cafellis. Stieier 2105. 

stehen : da hat vor allen zeilcn ein schlosz gestanden. 
CnirrzE sagen 233; dasz hier Petrodava, welcher Ptolemcus 
erwehnet, gestanden sei , meinen etliche. Opitz 1, 144 ; wir 
haben gestern abend noch lange vor der IhQr gestanden; 

in a garte bin I gesunde. GSthi 1, 16t. 

steigen: ich habe lange gestiegen, ehe ich auf der spitze 
des berges angelangt bin; ich bin auf den berg gestiegen. 

das unpersSnlicIie trSumen verbindet sich im nlul. nur mit 
haben : bSrt, lieber, was mir doch getreuraet hat. I Kos. 37, 6. 
im mhd. mit haben und sein: 

mir h&t gelroumet michel tugent. Iwcin 3517; 

mir ist getroumei binte von engestlicber nit. Kib. 1449, 3. 

nach gramm. 4, 250 steht das erslere, wenn der gegenständ des 
Iraumes eriählt werden soU, das letztere, wenn bloss das ereignis 
des Iräumens gemeldet wird. 

treten : ich hab unter sie getreten, das alles damit sie zu- 
vor mich Dbermociiten, zerschmettert ist und zarspritzet. 
MM ron BmosEiL 7, &2I. aber: sie sind schnei von dem wege 
getreten, den ich inen geboten habe. 2 Mos. 32, 8. 

verglahen: das bfigeleisen bat schon verglüht, ist sdion 
aus dem glühen gdiommen; die abendröle ist verglüht. 

verzagen: denn sie hallen schon verzagt, das sie nicht 
würde wider komen. Judith 13, 14 ; #ir sind an unserm glücke 
verzagt. 

wachsen: also bat das evangelium am allerstHrksten ge- 
wachsen, beide an der zahl der gleubigen und an wiinder- 
barlicber kraft. Lutbkr 8,26*; allerlei kraut auf dem felde, 
da» zuvor nie gewachsen war. iMos. 2,t. 



wandeln : durch allen weg, daher ir gewandelt bai 
1,31; habe ich gewandelt in eitelkeit? Hiob St, 5; w 
einen schonen weg gewandelt. 

wandern : wird wohl niemand langnen, der auf dem . i 
der Synonymik nur einiger maszen gewandert bat. WEicit 
aärterb. der syn. 2, v ; wir sind eine grosze strecke zusammen 
gewandert. 

weichen: bat mein gang gewichen aus dem wege. Aioi31, 7; 
die levilen die von mir gewichen sind. Hesek. 44,10. 

wurzeln: die pflanze hat im hoden gewurzelt; der ab- 
sehen davor ist in meinem beraen gewurzelt, ebenso ein- 
wurzeln : ich hab eingewurzelt bei einem geehrelen volk, das 
gotles erblheil ist. Sir. 24, 16 ; da alle seine kinder in diesem, 
hoden . . gleichsam eingewurzelt waren. Wielakd 8, 463. 

Dieterbapraeterilo-praesentiakOnntn, mögen, dürfen, müssen, 
sollen, wollen, die für das umschriebene praet. nur haben ver- 
wenden (ich habe gekonnt), wandeln in diesem falle ihr parU- 
cipium, wenn es nicht allein steht, sondern noch einen infinilh 
bei tieh hat, scheinbar ebenfalls in den infinitie: ich habe es 
nicht thun können , für ich habe es nicht Ihun gekonnt ; 
ich habe dich nicht hören wollen ; das hast du nicht wissen 
sollen u. ahnt., und durdusus ungewöhnlich ist die von TiEOt 
gebrauchte Verbindung: 

er stöRie auf sie ein mit wildem schrei, 
dast viele sterben unter ilim gemusit (kabea). 
ÜEdiser Oclav. 2, 2. 

nur scheinbar ist jene form der infiniliv, denn es ist gramm. 
4, 167 /. auseinander gesetzt, dost dieselbe eigentlich aus der star- 
ken form des pari, praet. jener praeterito-praesenlia hervorgegangen 
ist, welche mit der infinilivform formell gleich war, und dasz man 
sie nach dem vollständigen aussterben der starken parlicipialform, 
die im mhd. schon seilen genug ist, misverstdndlich für einen in- 
finiliv gehalten hat. indes wurde später dieser misverslandene in- 
finiliv noch auf einige andere fälle erstreckt, wo die formelle 
gleichheil mit dem parlicip nicht verführen konnte, nämlich auf 
die verba helfen, hören, lehren, lernen, fühlen : ich habe ihm 
arbeiten helfen für geholfen , ich habe ihn singen hören, 
mich hat die noth beten lehren, das kind hat erst spSt 
sprechen lernen, bei solchen gelcgenheiten hatte er auch 
die sämmtlicben angekommenen Schauspieler kennen lernen. 
<>üniE 19, 124; ich liabe sein herz schlagen fühlen, doch sind 
die fügungen: mich hat die noih belen gelehrt , das kind 
hat erst spät sprechen gelernt, ich habe sein herz schlagen 
gefühlt wenigstens nicltt ganz ungewöhnlich, anders bei lassen, 
pflegen: er hat mich leben lassen; die alten haben pflegen 
zu sagen. Wiedem. Jul. 64; denn hieraus bähen diese Völker 
ein geheimnusz zu machen pflegen. BOnao l, 63, wo lassen, 
pflegen als wirkliche starkformige part, praet. ohne die Vorsilbe 
ge- zu fassen sind. 

Die erzählende rede liebt statt des mit habe oder bin um- 
schriebenen praeierilums vielmehr das einfache, dem für die längü 
vollendete Vergangenheit das durch balle oder war umschriebene 
praet. zur seile tritt, die aussage von der Vergangenheit dagegen, 
die elwas gelhanes oder geschehenes vergegenwärtigen will, wendd 
die Umschreibung mit habe oder bin an. es ist ein anderes tu 
sagen ich that es oder ich habe es gelhan; im ersteren falle 
erzählt man, im letzlern legt man bestimmt dar. der voUamund, 
der eine kunstmäszige erzählung nicht kennt und stets so deutlich 
und anscIiauUch wie möglich referieren will, würde stall der Satz- 
verbindungen GöTHEs: die ersten ankommenden nahmen be- 
sitz von der grgend, ruhten im schalten aus, machten ein 
feuer an und erwarteten . . die gescilschaft , welche nach 
und nach herbeikam vielmehr sich ausdrücken haben besitz 
genommen, ausgeruht, ein Teuer angemacht und die gesell- 
schaft erwartet, die nach und nach herbei gekommen ist. 
dieses eindringliche, praesensarlige des umschriebenen perfedumt 
äussert sich anders in andern fügungen, die eine prägnant* be- 
deulung haben: das hat gegolten Scuilies räuber 2, 3, was 
mdir ausdrädU als das galt, ndmItcA es galt in hohem grade; 
ähnlich 

er hat 
gelebt — der streich des todes Ist gefallen. Turandot 1, 2, 

womit das nunmehrigt entschmtndensein des Idiens hervorg^oben 
wird; besonders auch, wenn der inf. praet. in solcher Umschrei- 
bung gegeben wird: ich möchte dich gebeten haben ist aus- 
drucksvoller als ich möchte dich bitten, man ertparlet fteine ner- 
neinung mehr; das will ich dir hiermit gesagt haben; das 
wil ich von euch gehabt haben. Gaimy 293. 



Digitized by 



Google 



W l 



HABEN 



Haben 



76 



Das nhd. geilattel, vortüglich in der iniirtelen und relaliten 
rede gern die elUpse des hüfsnerbunu haben , wcfln et seinem 
parlidp unmiltelbar folgH, nie wenn et ihm vorausgeht, dieser 
brauch reicht bis in das ii. Jahrhundert hinein: das sein nester 
mag und freunt, den er auch wol in Zeiten an seines Taters 
statt gehalten {nimlich hatte), also elcndiklichen lag. Wilw. 
V. Schäumt. 44 ; wienol kaiser und könig die leut gern lenger 
behalten (ndmticA halten), wolt doch das reich . . nit lenger 
beleiben, s. 82; wie ihr hie oben verstanden. Garg. 103'; 
dasz einer auf eim halben pferd, welches ein fallender scbusz- 
gatter entzwei getheilet, noch etliche meilen sei geritten, 
tos'; Polyxena, dessen Schwester denn ich fQr allen dingen 
auf der weit geliehel. Orrrz 1, 2S0; 

die jura, so du zuvorhin 

gegn Mülheim allegieret, 

streiln wider dicli In reclitem aino, 

welchs dein unl\ig probieret. Opil «. Cobh 313, tl. 

der graf von der Wahl , unter dessen commando ich mich 
hiebevor in Westpbalen bekant gemacht, war eben auch zu 
Wien. Simpl. 2,17 Kurt; 

UDd doch war ihm geneigal 
der Sachsen unglückssiern , dau er mein volk geheuget 
mit mehr als henkers hand. PorriL Witieltind6,iH; 

0. und wSre doch hier? und wSrc doch auf meinen brief 
hier? M. nicht auf ihren brief. 0. den er ja erhalten, sagen 
sie. M. erhalten, aber nicht gelesen. Lessinc 2, I8&; da wir 
nun so eben bei dem urtheil Ober Schriftsteller alle ver- 
gleichung abgelehnt, so mochte man sich wundern. Gütre 
6, 113 ; da nun aber, wie wir umständlich nachgewiesen , in 
einer solchen dicht- und Schreibart das schickliche vom un- 
schicklichen abzusondern unmüglich ist. s. 116; was aber 
durchaus in einem hohern sinne beschwichtigend, tröstend, 
beruhigend wird, ist dasz die personen, die so viel erduldet, 
den Untergang mehr wie einmal vor äugen gesehen, doch 
am ende noch selbst erzShlen was aberstanden und wie sie 
aus dem unerträglichsten elend zuletzt gerettet worden, 
aber nicht sowohl gerettet worden, als sich selbst gerettet. 
45,265; 

und doch Itt nichts in meinem laden, 

dem keiner auf der erde gleicht, 

das niclit einmal zum lücntgen schaden 

der menschen und der well gereicht {halle). 

kein dolch ist hier, von dem nicht blul geflouen, 

kein kclch. auft dem sich nicht in ganz gesunden leib 

verzehrend lieiszes g\t\ ergossen, 

kein schmuck, der nicht ein licbeDiWürdig wcib 

verrohrt, kein schwer! das nicht den bund gebrocbeo, 

nicht etwa bioterrücks den gegenmann durchstochen. 12,214. 

leie man sieht, bevortu^ GOthe diese eonstruetion , die sich sehr 
natürlich aus dem btdürfnis heraus entwickelt hat, das schlep- 
pende des umschriebenen praeterilums tu mildem, das mütelalter 
unserer spräche bedient sich ihrer noch nicht, es geslatlel sich nur 
die auslassung des auxiliaren haben in dem falle, leo steri gleich- 
artige verba, durch parlikeln verbunden , unmittelbar aufeinander 
folgen und vor dem ersten haben schon geseilt ist (ich hin so 
vil gesprochen und gesungen USF. 136, 17), nicht in dem falle, 
wo rerben zusammen stehen, denen ungleicharliges auxiliare ge- 
bahrl und der satsbau: da sei Nathan zu Bathseba, Salomo- 
nis mutter kommen und gesagt. J. B. Scucppius 12, dessen 
gleichen sich nur selten und auch nur etwa im 17. jahrh. findet, 
uäre mild. unmOc^eh. 

Kühner i<t es, wird haben in dem falle ausgelassen, wo es 
nicht hilfsverbum, sondern verbales vollitort ist, es findet sich diess 
aber niM gans seilen: die borger (des belagerten Gent) wurden 
auch so arm, dasz sie den wein nimmer zu kaufen. Wilw. 
V. ScAaum6. 106; wann es dem herm nit zuwider were oder 
er zu antworten nit bedenkeos, so mttcht ich gern wiszen, 
wo der herr daheimb. hoc Winkelfelder, ^tM)s6ur(; 1617, 1. 185; 
er bete auch vielmal mit ihnen, wie er denn alle zeit ein 
gebetbachlein deshalben bei sich. AoaiAii milth. 302; 

bat dir ein bauer etwas je geschenkt, 
so denke dasz ers hier und dar gedenkt, 
weil er sonst keinen rühm, so sucht er diesen, 
das wird das ganze dorftpiel wissen müssen. 

laslerproh des baurensl. 165; 

der stlrkest mucst under ligcn 

wider das gmain Sprichwort, 

mit wenig Ihel er sigen, 

das lob er hie und dort. 

KöSKiR Auf. voUsl. 315 {i7. Jahrb.); 

weit ihr lusl zu vertreiben, 

so (reibt den Türken aus. Soltm) 2, 288. 



V. Zum Schlüsse nodi einiges über die porfidpia von haben. 

Dasz ein pari, praes., obschon es einem transitiven verbo an- 
gehurt , zutceilen passivisch stehen kann , ist gramm. 4, 64 — ST 
ausführlich besprochen und nut fillen gatHtzl worden, her sollen 
nur tahlrtiche auf habend bezügliche beisjnHe beigebracht werden, 
die vom 16. jahrh. beginnend, m der neuem spräche det 18- jahrh. 
selten und ungebräuchlich werden, in der heutigen überhaupt nicht 
mehr vorkommen : und hat er bei habenden dingen nat. S. FaAna 
2,18'; der hette bei habenden dingen nit ein heller, guldin 
areh (1538) bl. 162' ; dasz die leQt bei habenden dingen wol- 
len verzagen, chronica 243'; weil ... sie arm mitten in der 
reichthumb seind und bei habenden dingen darben. Acaic 
spr. (1560) 151*; der mSsz zuletzt bei habenden dingen ein 
armer bettler, die sprewer freszen und am hungertuch nagen. 
274'; straf der munziUIscher, und auch derer so ohn habende 
freiheit mOnzen. CVirofina ort. 111; welcher aber der mänz 
ire rechte schwere gefährlicher weisz benimmt, oder auch 
ohne habende freiheit mQnzet. ibid.; ihre habende freiheiten. 
ZunGHTapophth. it,M; er gebrauchte sich seiner zu solchem 
geschenke habenden freiheit. pers. rtsenth. 1, 42; innhalts 
meines habenden befelchs. Fbokspebgeb kriegsb. 1, liiij'; als 
und hierauf aus habenden bcfehl, von gott selbst empfangen, 
heischen und laden wir euch. Atbes proc. ij, 2; mit seiner 
bei sich habenden armee. Nicbüi.ios lUtes Pommern I, 86; 
mit ihren bei sich habenden knechten. t6td.; der kOoig sprach 
zu seinen bei sich habenden Soldaten, pers. baumgarlen 2, 17 ; 
wenn er seine bei sich habende edele ritter an tapferkeit 
nicht zu flbertreffen bemOhet war. BDnad 1, 59 ; mit den bei 
sich habenden Völkern. 1, 125; die kOnigin sagte zo ihren in 
der gulsche bei sich habenden leuten. pott. ilockf. 19; es ist 
nicht nur um das geld zu thnn, . . sondern umb deine liebe 
und treue, vornehmlich aber um dein zu mir habendes hohes 
vertrauen. Simpl. 2, 14 Atirz; aus meinem darzu habenden 
willen. BoTscuiT Ad. kanselley s. 655; die habende renung. 
<. 6.t8; ihn mit vernOnftigen gründen und habenden Ursachen 
zu trOsten. 675; ohne habende ursach^ 861; damit hat er 
(Opifs) meines erachtens diesz wort poesie aus habender 
seiner macht einmal vor allemal vor teutsch erkläret. Leib- 
NiTZ «Rvor^. gedanken 305; ich werde das beste bei dieser 
Sache nach meiner habenden aulorittt beizutragen wissen, 
das birtigle frauent. 97; Magnus koDte nicht disponiret wer- 
den, seinem auf Sachsen habenden recht zu renuntiiren. 
Hahn hislor. (1723) 3, 10«; wegen der in Italien und mit 
dem papst habenden verdrOszIicbkeiten konle man den Tar- 
taren unmöglich recht steuern. 4, 211; ich möchte ihnea 
einige auf dem herzen habende Wahrheiten vorhalten. Hippel 
br. 13, 8 ; wegen meines in banden habenden Schlüssels. La- 
zarillo deTormesV; wenn ich die jetzt in hSoden habenden 
bilcher etwas langer behalte. Leisewitz briefe 254. alte diese 
fügungen haben elwas formelhaftes an ricA ; sie drücken dasselbe für 
das praesens oder eine dauer aus, was durch das pari, praet. ge- 
habt für die vergangeidieil bezeichnet wird: gehabter selbiger 
frenndschaft halber, pers. rosenlh% 6, 17 ; wahrend zehn jähr 
in der cur gehabte kranke. BOliug besthr. von Nordhausen 11 ; 
die bei sich gehabten Völker giengen freiwillig zu jenem über. 
BCnad 1, 125; Popponi wird die völlige beilefping der sonst 
gehabten Streitigkeiten zugeschrieben. Hsaif litt. (1721) 2, 255 
not. r ; das herz des alten war ein an sich so guter und jetzt 
durch die gehabten kleinen erscbütterungen so treOlich auf- 
gelockerter boden. Engel 12,272. allen diesen knappen pasu- 
tisehen fügungen will die neuere spräche keinen rechten geschmack 
abijewinnen, sie umschreibt dieselben lieber, man wird 1.6. iaum 
mehr hören ein zehn jähr in der cur gehabter kranker, mcl- 
nieAr ein kranker, den man zehn jähr in der cur gehabt hat. 
hiermit hingt tusammen , dost von haben , obwol es ein tränst- 
lives verbum ist , das passivum nur selten vorkommt : wo aber 
solrhs alles on geist und glaube gehabt wird. Lutoeb 3, 232. 

Wo haben hilfszeitwort ist, werden die tnt( dem port. proef. 
desselben gdiildeten umschriebenen formen nur ungern angewen- 
det, man tagt weniger gern ich habe es ihm gesagt gehabt, 
ich halle es ihm gesagt gebäht, ab ich habe, ich hatte es 
ihm gesagt, tPodurcA freilich nicht das ausgedrückt wird, was die 
erstem formein sagen; daher scheuen sich Schriftsteller win fei- 
nem Sprachgefühl vor der Schwerfälligkeit, die in diesen formein 
unldu^iar liegt, nichl: hatte ich nicht alleine grosze zeit vieler 
rounate, sondern auch viel tausend cronen ersparet gehabt. 
J. B. ScnvppiDS 404; hat oftmals junge leute vocirt, so noch 
unter den praeceptoribus und lehrmeistem gewesen und wenig 



Digitized by 



Google 



77 



HABEN— HADER 



HABER 



78 



Etadirt gehabt haben. 643; Mignon halte sieb versteckt grhabt, 
hatte ibo angefaszt und ihn in den arm gebissen. GOth£ 
19,213; heidnische lugenden? ich hätte sie gerne gestraft ge- 
habt, wenas ater nicht anders ist, so wollen wir sie ver- 
geben. &7, 277 ; J)ianysius . . hatte wahrend des kriegs be- 
gonnen gehabt, zum schütz seiner italischen provinz eine 
linie . . zu befestigen. Niebdhr t, lOS ; Livius sagt, der tyrann 
habe die curie durch hinrichtungen verödet gehabt, l, 5b4. 
die $ehwerfäUigkeü mrd gemindert, wenn die ßuUe form ausge- 
lassen und nur das parüäp gesHit wird: welcbs sie alles zu- 
vor gebraucht gehabt. Garg. 103'; er sei nur um das scblosz 
heftim gestreift . . um Pbilinen aufiiisncben , deren Schlaf- 
zimmer er ausgekundscbaflet gehabt. Götue 18, 300; weder 
würde eiue Stadt, welche eine colonie ausgesloszen gehabt, 
begnadigt sein. Niebohr 2, 661. 

HABEN, n. meist in der bedeulung sich dem vorigen II, 3 {sp. SO) 
ansehUeisend: wenn ein meitscbi viel erbt oder geerbt hat, 
i>o weisz man doch noch nicht, bat man eine reiche frau 
oder nicht, denn dabei kommt es nicht blosz auf das haben 
an, sondern auf das brauchen. Gotthelf sehuldenb. 16; eine 
der es nicht am haben und nicht am können fehle, dttrfe 
schon etwas anständiges erwarten. Felder sondert. 1,52; 
des babens huoger befliger su stacheln. Scuiller S7&, 
d. i. dm hunger nach besitz. 

M der spräche des kaufmanns steht haben dem soll formel- 
haß gegenfAer, ersleres das guthaben, letsleres die schuld eines 
dritten beseichnend; die formet leitet jede abrechnung ein. ihr 
steht zur seile das lateinisehe und wol ältere debet und credit, 
wof in kaufmännischen büehem auch heule noch dauert, debet 
irird schon frühe durch soll übertragen: ich Ott Ruiand sol 
meinem würt Hanns Arcbaim 18 Pfd. Münchner dn. und 20 
dn. Rdlskd p. 2., ihnl. oft; wie vil sol er, quanlum debet? 
Maaler 376'; Johannes soll vor ein pfund oel, Mannes de- 
bet pro pondo olei Stieles 205&; credit gab man durch soll 
haben wieder: Johann Michael Lord soll . . thir. 500; soll 
haben . . tblr. 500. JIetne generatinsiruclion des ital. budihat- 
tens (1725) >. 176; dhnl. öfter, der häufige gebrauch dieses soll 
und soll haben und das streben des kaufmännischen stUs nach 
kürse liest zunächst das neeüe soll in Wegfall kommen, Jacovs- 
sor technol. wOrterb. (1794) 7,367' kennt niclit mehr (He abrech- 
nungseinleilung soll und soll haben, sondern nur noch soll und 
haben, dann werden die worle als formet substantivisch empfunden, 
und machen sieh auch ausierhaW der kaufmännischen kreise gel- 
lend, man sagt das soll entspricht dem haben keineswegs; 
ihr haben in ihrem contocurrent bei mir, so artig es sein 
mag, bedeutet fOr mich so gut wie gar nichts. Didgelstedt 
[üb. land und meer 1866, s. 75) ; wenn aber Frankreich jene 
vertrage von 1814 und 1815 . . von neuem regulieren wollte, 
so darf ihm nicht verborgen bleiben , dasz dann alles soll 
anf seiner, alles haben auf unserer seile sein wird. Hallische 
seitung 1867, no. 296. bekannt ist Freytags rumon soll und 
haben. — Freier und doch mit anlehnung an den kaufmanns- 
ausdnick sagt GöTBz: beim liamel ist es überhaupt eben das- 
selbe, nur dasz beim dromedar die art und weise des ge- 
scbicchls nach seinem haben und sollen mehr bezeichnet ist. 
55, 185. 

HABENICHTS, m. der nichts besilsende, eine imper<aimche 
bildung «rte habegern, haberecht, dem sinne nach = nichts- 
baber, t. d. kommen sie ins Unglück, bist du daran schuld 
mit deiner heillosen feigheit, du reicher mann gegenüber 
jenen fßtzeln und babenicbtsen. GorriELr sehuldenb. 11; bair. 
habnicht der kein besilithum (d. h. namentlich kein liegendes eigen- 
Umm) hat. Scrm. 2, 136, woher habnichtsteuer leibsleuer oder 
kopfsteutr , ibid. , in Augsburg kurzweg der habnicht genannt. 
Birlircer 2t5*. Habenicht als personenname ist heule nicht sel- 
ten, das älteste beispiH desselben liefert Hatthaehs Parisiensis 
wenigstens für das framüsiscite : Walterus cognomenlo Sens- 
aaier vir nobilis et strenuus. Ats(. an;/, p. 17 ed. Wals, für 
das mittetalter unserer spräche bis jettt nicht nachtuweisen. 

HABER, m. possessor, ahd. habiri mbibabAri Graft 4, 736; 
inAd. baber in liep-haber (Ben. 1, 6«ll, in welchem dialecte lieber 
dar schwache habe als leistet gtied von composilen sieht; nhd. als 
einfaches wort in eingeschränktem gebrauch, häufig aber verwen- 
det in tusammensettungen wie befeblshaber, Inhaber, liebhaber, 
machtbaber, recbthaber, gewalthaber. die baab ist wie der 
baber. S. Frani 2, 44' ; zweierlei leule gibts nur in 'der weit, 
pflegte meine groszmutter zu sagen, die baber und die nicht- 
haber; sie hiells aber mit den nichthabern. Soltads d.Qui- 



xote (2. au/t.) 3, 208; der gcldhaber musz die waaren, der 
waarenhaber das geld haben. Fichte nachgel. werke 2,576. 

Dunkel ist: baber beim begatten des baren an der barin. 
Fiemiku leutscher jäger \, 88'. 

HABER, m. avena. die gothiselie form des worls mangelt; 
ahd. habaro, haparo, alts. {in der Freckenhortter heberolle) ha- 
Toro, alln. bafri, plur. hafrar, scAteed. hafre, dän. havre; mhd. 
habere und haber, doch immer in schwaclier flexion. der ags. 
ausdruck für diest getreide war Sta, Ite, was nocit jetü im engl. 
oat dauert; doch da sich im mundartt. schottisch jettt nocIt auch 
haver findet, so must die entsprechende form dem ags. nicht un- 
bekannt gewesen sein. 

Zur elymologie dieses worles ist CDS. 66 auf den lautlichen 
tusammenhang mit ags. hüfer, alln. bafr bock hingewiesen, und 
habaro als speise des bapar, des buckes gedeutet worden ; sehwer- 
Udi unanfechtbar, schon weit abgeselien von andern gründen der 
Itaber nicht als ausscIitieszHclies oder auch nur vortugsweises fut- 
ler des bockes gegolten haben kann, eine andere hiermit vorge- 
tragene Vermutung geht von der besonders ins äuge fallenden ge- 
slaU der haberpflanie aus. alle andern getreidearten, kam, gersle, 
weiten , dinkel, wachsen in geschlossenen ähren , nur der haber 
setzt oberhalb des hatmes die feinen, beim teistslen winde sich 
bewegenden und tillemden rispen an. nun lieistl altind. kamp 
zittern, sich bewegen, kampra adj. zitternd, beweglich, behende 
(Böbtl.-Rotb 2, 77. 78), ^apala sich hin und her bewegend, be- 
weglich, sehwankend, als subst. auch das quecksilber, sowie den 
langen pfeffer beteichnead {ibid. 947), lelttem wol wegen seiner 
art, in dünnen ranken empor tu schiesten. insofern nun 6i- 
pala aus der bedeutung beweglich in die leichtsinnig, leichtfertig 
übergeht, wird nichts entgegen stehen, auch den ags. allnord. 
namen des bockes bafcr, hafr an diest wort und die «mrzet kamp 
anzuschlieszen (tenero lascivior baedo. Orid.). 

Oberdeutsch ist die form mit inlautendem b, niederdeutsch wal- 
tet im intaule v oder w {plattd. baver, hawer, haower, hawere), 
f zeigt itch in miUeldeutscIien quellen seil dem 15. jalirh. : ein 
virtel hafler. Micuelsen der Mainzer hof tu Erfurt s. 42; ein 
kästen haffern. Stolle 86; avena, haffcrn (15. jahrh. EUast), 
hafem (16. jaltrh. Schlesien) Dieferb. 60'. die mitteldeutsche 
form verschaffl sich langsam cingang in der schriflsprache , so 
dast sie audt im 17. jahrh. nodi nidil sehr häufig isl.' wenn 
manche faule magd der bafcr sticht. Scauppius 341; Stieler 
verzeichnet beide formen haber und hafer, ebenso der spätere 
Steirbacb ; im 18. jahrh. wird bafer häufiger, so dasz Auelurc 
nur diese form als eine anständige gellen lassen wollte, indes 
sind es gerade eine anzahl schiiflsleller mit mitteldeutscher hei- 
mal, die die form baber bevortugen: backerling und haber. 
Lessi.ic 10, 211 ; ganse tbeilen alles in der weit ein in haber, 
den sie fressen können, und in steine, die sie nicht fressen 
können. Ficbte phil. joum. 5, 101 ; der haber Hingt auch an 
sehr selten zu werden. GOthe 16,272; 

wo würdest du den baber krieeon, • 

der deiner schenket stoli erliält. Gellsrt 1, 139; 
ha, lachte der kaiser, vortreflicher baber. BCroir 67'; 
behielten ja selber kein kdrnchen baber. 

Kotibsur drum, werke 2, 299. 

jettt ist hafer das entschieden vorhersciande geworden. 

Die deelination des Wortes wird seit dem ende des mittdalters 

die starke: haber absntden, avenlare. Diefenr. 6o'; 

do mocbt im (dem etel) niempt den haber tragen, 

ring (»>, 29; 

doch ist die schwache form nocA lange und viel gebräuchlich, der 
nom. nimmt das n der obliquen casus vielfach auf, wie die subst. 
backen, garten, bogen, nacken: baberen, avena Dasvp.; mir 
verbrennet kein haus, verdirbt kein habern. AcRic spr. (1560) 
62'; der habem. Kircbrof wendunm. 417'; 

well der habern isl ein rossspeis. 

H. Sachs 5, 356>; 

der hafern hat die pfsrde schon lang aufgefressen, kunst über 
alle künste 122, 7. noch heute gilt mundartlich der habern, so in 
Baiern (ScH«. 2, 136), in der Welterau u. a. Fiscrart hat aber mit 
anderen nom. baber, aee. dal. gen. habern : zu nacht rülut sieb 
der haber im sack. Carg. 2$'; macht sich zu einem ross, 
dasz er habern esz. 130' ; dann ich kOnt ihn nit lang habem 
reichen. 133'; mit babern. 229*. 

Abgesdien »on der gelehrten Unterscheidung der haberarten redet 
das Volk von iioei solchen , nämUclt dem wilden baber ibeh-, 
bruch-, dispen-, gauch-, Oug-, mause-, schwarz-, taub-, wild- 
haber. Nehnicr 1, 360) und dem zahmen oder saathaber. »«r- 



Digitized by 



Google 



/ 



79 



HABER 



HABERACKER — HABERECHT 



80 



tchkdtne composila enltpiingen dem umtlande, dasz in haber an 
grundherrn und geisllichkeü ge:inst uurde und audi noch wird, 
vergl. fürst-, baupt-, liunde-, jagd-, rauch-, schlosz-, zins- 
haber. — Fon der haberkamihnlichen gestaU vird ein geschaär 
am äuge neben gersteokoro auch augenhaber genannt, s. 1, 806. 

haber bildet das erste composüionsglied einer aniahl mtdaach- 
sender pflansen, es kann sein, dasi man sie in vergleich ntU 
jenem als unkraut wachsenden wilden haber gesellt hat: haber- 
kirsche der wilde ürsclibaum, cerasus sylvestris, ebenso haber- 
pflaume, ibaberscblehe der wildwachsend» schlehenstrauch; baber- 
rose, rosa canina. bei andern composilen scheint haber ßr ge- 
treide überhaupt zu stdien, weil er das älteste und für viele 
gegenden Deutschlands das gewöhnlichste getreide war: die distel 
die im getreide wächst, heisst baberdislel, haberscbreck kcusla 
ist der schreck, der auf feld und wiesen hitpß (heuscbreck). 

Der haber wird, wie anderes getreide, gd)aut, gesät, geschnitten: 
haveren aroen soldeo. Diefenb. 60* ; 

da man beur den habern schneid, fastn, >p. 587, 31. 
gemälit, gedroschen, gesdiroten , gemahlen, gefastt (3,1342): ich 
trag habem, dea ich im schlosz gefasset hab. Wiciraii roilw. 
177, 27 Kurz; gemessen: komm auf den fulterboden, nir wollen 
bafer messen. Immeriiann MünclJt. l, 133, und zwar das letztere 
nach metzen, Umten , scheffeln, mattem: 2 schöffeln habern. 
Adam Rise rechnung Cs'; des babern gibt mann ein scböCTel 
für 2 groseben. ibid. ; acht maltber hafcrn. Helander 1, 149. 
den Pferden wird der haber aufgeschüttet, man nennt das ge- 
schwungen, vgl. mild.: 

Swing Im {dem rosse) ruoter, mach e; rein, 

streich im ichAne siniu heia. Seifr. Helbluig 1, 391. 

halt da dich zum rossstall, da man den habem schwingt. 
ScBUrPIDS (1701) 786; 

der lindenschmid der het einen son, 

der (oil den rossen das futter tun, 

den babern let er schwingen. Uhland 359. ^ 

Der haber wird femer gestreift, seine rispen werden vom halme 
abgeltreiß : auch sucht er (lier bär) die fiscbbäche gerne aus, 
streifet den hafer und genieszt solchen gerne. GöcnBAOSEii 
notabilia venaloris 41. zwei regeln in bexug auf den haberbau 
sind allgemein verbreUet: sehe körn Egidii, habern, geraten 
Benedicti. Agric <pr. (1560) 232'; 

den haber soll man einiileibeD, 
die gersle aber einstauben, oecon. lex. 808; 
«${. einkleiben 3,215. 

Eine oß verwendete allitterierende Verbindung ist baber und 
heu, heu und baber: habern, heu. Fronspebg von kaisert. 
kriegsrechten 162'; wie man ein pferd ohne haber und heu 
etliche wochen lang reiten mOge. BOciler kriegsschule 975; 
an hen und habern. Brocies 9,237; baber oder heu. Gel- 
iert 3, 244. 

Sprichwörtliches und redensarten. durcheinander gehn wie 
deF gemäht habern, drüber und drunter gehen Schveller 2, 136 ; 
die ross so den babern bawen, fressen am wenigsten. AcRis. 
spr. (1560)232'; ein pferd, das den babern baut, das fQttert 
man mit gras und heu. Lebmann 144 ; das pferd so den ha- 
bern am meisten verdienet, bekommt am wenigsten davon, 
ftit masimas praestant operas , minimis gaudent salarüs. PisTO- 
Rios tAetatir. paroem. 7 (1724) n«. 15; der haber ist vor dem 
kom reif geworden in'rd gesagt, wenn sich die jüngere Schwester 
vor der aUem verheiralH, schon bei Maaler 204'; er verseet 
seinen babern, ehe er zum acker kommet. Scuottel 1119'; 
es ist gut baber süen, redensart, wenn in einer geseltschaß grosse 
stille lierselil, weil nach Adelukc tum säen des habers windstilles 
welter erfordert wird, ebenso plattdeutsch: im stillen is good 
baber seien, wenn und wo alle schweigen auszer einem, der 
dann gut reden hat. ScrCtze 2, 88 ; hier is good barer seijen. 
Dähnert 180. im Gargantua werden unter den geseüschafts- 
tpielen aufgezdhU den habern sjiien 167'; der baber im sack 
ibid.; des babern verkaufens 166*^ in;!, auch baberkauf. den 
baber seen kennt als .<pie< aucA Wesenici böse spielsieben (1702) s. 16. 

BitdKeh heiszt jemandem den haber schwingen einen prügeln, 
das prügeln wird als futter geben aufgefasst {vgl. oben haber 
schwingen): wie dem ersten also ward auch dem andern 
der haber geschwungen und die flöhe abgekehrt. Kirchhof 
wendunm. 417'; in der grafschaß Mark mit anderm ausdruck: 
einem draige hawer giewen, eme peärre fan de lange hawer 
giewen. Fromm. 3, 369. 

Pferde werden von zu reichlicher haberfüUerung übermütig, sie 
sticht {reizt, kitzelt) der baber: der haber pfleget diejenigen 



pferde gemeiniglich zu siechen, welche im stalle stehen und 
nichts zu thun haben. Castimonius polil. hofmädf/en 30; auf 
menschUchen Übermut übertragen: ebenso halle auch allhier der 
babern . . den simplex zimlich gestochen. Simß. i. theü, 3. buch, 
9.cap. am Schlüsse; wann manche faule magd der hafer stiehl, 
und sie die guten tage, welche sie bei berrn und frauen hat, 
nicht langer ertragen kan, so hanget sie sich au einen IQge- 
nichls. ScHDPPios 341. 

HABEKACKER, m. acker worin haber steht: achtele .. sich 
dieszmal der haferiicker und der flachsplaize viel weniger als 
das vorige mal. GorrnEiF sdiuldenb. 193; wer ross behütet 
beim baberacker, kflhe bei wiesen, . . bei denen ist sorg und 
bul verloren. Lebmann 83. ifa der haber geringen, sandigen 
und dürren boden verträgt, so scheint Fischart den haberacker 
als bild für etwas geringes und sclilediles überhaupt zu ndimen: 

0, das der ewig sei verschmecht, 

der die liunst nicht mag dulden, 

und welchen guter bacoer schrill 

ein haberaclier ist, 

und hallen gute iiünst für gift: 

ihr nam veriaul wie mist. Gari;. 277*. 

HABERBART, m. Iragopogon porrifolium, bocksbart mit laucb- 
blältern, blaue bafcrwurzel, blauer baferbarl. Nemnicb 4, 1468. 
die pflanze ist auch dem namen nach mit dem bocksbart (2, 206) 
identisch, der erste theü des compositums enthält das im hoch- 
deutschen sonst nicht nachgewiesene hapar, haber bock, das nach 
ap. hafer, altn. bafr zweifellos ist und von dem sich noch das 
fem. heppe ziege erhalten hat, s. d. 

HABERBAU, in. das bauen des habers. 

HABERBIER, n. aus liaber gebrautes hier: haberbrod und 
haberbier sind blos in solchen gegenden gebrauchlich, die 
an bessern und tauglichem gelreidearten mangel haben. 
ScHEDEL waarenlex. 1, 490*. . 

HABEliBIRNE, f. Urne die um die zeit der haberemte reif 
wird. Nemnicb. baferbim, pyrum hordearium Stieler 167. 

HABERBOCK, m. name zweier tliiere: l) der heerscimepfe, 
scolopax galUnago, auch bimmelgeisz, bimfflelsziege, haberziege, 
haberlammlein genannt. Nemnich 4,1253; sie läsit in der luß 
einen meckemden ton, wie eine ziege hören, plattd. haonrbuck 
Dankeil, haverzegen Dähnert. vgl. habergeisz. 2) auch die 
Heuschrecke wird haberbock genannt: 

pingsien springen de derns ss bingsten 
un de Jungs as hawrböck. Dahneil 78*. 

im 17. Jahrb.: da springen sie wie die haberbOcke. allerhand 
seltz. wärme 31. 

HABERBODEN, m. 1) boden auf dem der haber gedeiht: 
das feld ist guter baberboden. 2) boden oder bükne bei den 
Pferdeställen, auf dem der haber lagert, öcon. lex. 890. 

HABERBRACHE, f. in der brache (2, 282) lugendes haber- 
feld: wer will einen fasel geiszen immer so in schranken 
halten, dasz sie nicht einem nachbar in die wiesen oder 
weid gucken, wer mit so viel lasternen Ihieren zwischen 
körn- und baberbracben, rab- und kabisdckern durchfahren, 
dasz keins ein maulvoll versuchte? arme mann im focieni. 31. 

HABEKBR&TLING, m. ein eszbarer schwamm, agarius lacti- 
fluus, nach seiner habergelben färbe so genannt. Nemnicb 1, 111. 

HABERBREI, m. puls avenacea. Friscb 1,396'; 
er bat sein tag gern babarbrei gesaen. 

H. Sachs 5, 356>. 

altes naiionalgericht der Deutschen: primum omnium frnmenti 
Vitium avena est, et hordeum in eam degeneral, sicut ipsa 
frumenli fit instar: quippe cum Germaniae populi serant eam, 
neque alia pulle vivant. Plinios bist. nat. 18,44. 
HABERBROT, n. 6)ol aus haber gebacken, mhd. haberbrfit: 

den Oegein thut es wol 
ein grobes baberbrot, was für den landslinecht sol 
musi weiss und weine sein. Oriri 1, 104. 

HABERCUR, f. gebrauch des habers als medizin. Friscb 1, 390'. 
HABEKÜISTEL, /. serratula arvensis Bon kräuterb. (1565) 
317*, Carduus avenarius Stieler 306, serratula Nemnicb 4,1288. 
holt, haverdislel, deutsch auch acker-, feld-, sau-distel genannt. 
HABERECHT, m. der immer recitt hat oder haben will, eine 
imperativische bildung , ■ die neben dem abhängigkeils-compositum 
rechlhabcr (s. d.) geht wie habenichts gegen nichtshaber: der 
verdammte baberecbt ! Lessinc 2, 460 ; 

doch dieser, den man haberecht mit recht genannt» 
ist seiner liefhegrfindeten unrehlbarl<elt 
so ganz EGwiss, dasz er mir nie das ielile wort, 
ob ich gleich herr und meister bin, gelassen bat. 
GöTBI II, 245. 



Digitized uy 



;ogle 



/ 



81 HABERECBTEN—UABERFELDTREIBEN 

HXBERECHTEN, veri. mmer neht haben voUen. um das recht 
Mreilen, bildung aus dem vorigen, die vortüglieh Wiela.id 
gern an«endet: um mil einem so belesenen mauoe wie Hüet 
zu baberecbten. 14,91 zum beweise, dasz ich nicht babe- 
recbteo will, soll diesz zugestanden sein. 2«, 272; ich will 
nicht Itnger mit ihnen über diesen punct haberechten. 30, 
501 ; es ist eins voni den vielen dingen, die ein mann lieber 
noch einmal tbuo, als darüber habrechten sollte. Bods 
{Tristr.Sh.} 8,39. — Der tn/fntltv in substantivem gebrauch: das 
baberecbten. Wielikd 18,166. 21,247. 

HABERECHTEREI, /..- dieses gefübl, wenn es anders wirk- 
lich Torbanden und nicht blos aus haberecbterei vorgegeben 
war. BCbgeb 356*; 

um uns nun selbtt tu QberrQlireD, 
dasi wir ihn nicht mit unrecht hasaen : ao will die haberecb- 
terei, 
dasz er ein abgescbmacln gescböpf und nr nicht liebens- 
würdig sei. Biocus 6, 5&9. 

HABERECHTISCH, adj.: denn ich fdrchte, der baberech- 
tiscbe griesgram ISszt dirs nicht so hingebn. GOthe an 
Knebel 329. 

HABERERNTE, f. messis avenae: hafererode SnELER 19; 
haberärnte Frisch 1,390*. 

HABEREN, HABERN, HÄBERN, adj. avenaeeus. ahd. ha- 
berin : ttveninui panis baberln brAd. SchleOsl. ghssen bei Hadpt 
5, 362, ffiAd. bitbertn, hebertn ; haberin brol, avenodtis. DiErENs. 
so'; ich mein es sey hübrin brot. Pauli schimpf 14; 

wir essen all nit gern bebrin prey. fattn. <p. 344, 4 ; 

so isi ich luckermus f&r Itieber alt) hebrein prey. 857, 18; 

und kocht bald einen habern brey. B. Wald» 4, 66, 89; 
gibt mir ein häbern brey darlDr. 

AiMB /um. 91- (2797, l Keller); 
noch eine peyo Ist hebern brot. bergreien 80, 7 ; 
indem« er Torhero sich die ganze woche mit milch und 
grobem brod bebelfen, ja wann er statlicb leben wolle, 
meiner meuder um einen httbernen brei zu füszen fallen 
muste. &'mp<. 2,294 iTurz; hiberin strouw, bäbeme sprcuwer, 
paiea avenacia. Maaleb 204'. häberen hechte beteuhnet bei 
FiscBAST eine nicht näher amugebende speise aus gesckrotenem 
oder grob gemahlenen hoher, die von dem hechle nur das beiszende 
und stechende seiner zahne haben kann: was soll man brot zu 
brot brocken, mit viel häberen hechten, gsolbaber, graupen 
und heidelbrei den magen verwollstopfen. Garg. 4s'; sagten 
ihnen dabei, sie würen nicht werth, solche edele käszkuchea 
zu fressen, es thuns ihnen noch wohl ein jähr gebachen 
flizlansz, plaiv färz im plettlin, gerOst anspinn und wttrtin, 
rossfeigen, kuhfladen, geiszbonen: oder zum besten west- 
phalisch kleienbrot und habere becbt. 197*. 

Das adj. ist j^st in der schrißspraehe lu gunsten der eomposita 
(haberbrot, haberbrei, haberspreu elc.) ungebräuchlich geworden, 
lebt aber noch in süddeutschen mundarlen. Scna. 2, 136, Lexer 129. 
HABERFELD, n. feld auf demhaber gebaut wird; es wach- 
sen zwar vil gescblecht der disteln in den fruchten, sonder- 
lich aber im haberfeld. Boci kräuterb. (1565) 317* ; einen ort 
. . der nicht weit von Weingärten oder liaberfeldem ablieget. 
jagdseraSts. 3, 53. die jetzt mehr und mehr in abnähme gekom- 
mene dreifetderwirtschafl (2, 1380) weist dem baberfeld eine grosse 
ausdehnung an, weil nach ihr in jedem iweiten jähre auf dem 
felde nur sommerfruchl , gersle oder hoher, gebaut werden kann, 
wie nun an feld die Vorstellung des freien weiten raumes haftet 
(3, 1476) und wie man ins feld hinein leben für blind, unvor- 
sichlig hin leben braucht, so bedeutet auch ins haberfeld schreien 
gedankenlos schreien : ja, sprach er für sich, die schreien auch 
ins haberfeld hinein, sieben sinds, keine acht. k. u. hausm. 
1,39 (1857). bair. mit seinen gedanken im haberfeld sein, 
urstreut sein. ScRa. 2,136. 

HABERFELOTREIBEN , n. ein volksthümtiches rügegerielit in 
Baiem, im land an der Mangfall, Schlierach, Aurach undLeüse- 
nach {Bavaria 1, 421), das ScnMEUER 4, 25 recht anschaulich ie- 
schreibt und das in neuerer zeit durch teitungäjerichle auch über 
Bttiem hinaus bekannt geworden ist. der zweck dieses rügegerichtet 
ist, in nächtlicher Versammlung der am gerichte belheiliyten vor 
dem hause des schuldigen diesem seine vergehen vorzuhalten, solche 
vergehen «erden gerügt, die ausserhalb des gerichtlichen und poli- 
zeiliehen strafredüt liegen, besonders Sünden gegen die volksmoral 
und die tittenbegiiffe det bairischen Oberlandes, am häußgsten ge- 
tchleehtUdie vergüten, die Organisation des geriehts ist sehr un- 
bekannt, weil die betheiligten darüber hartnäckig schweigen, es 
toUen ihm zwölf (nach Scriikuer nur ein) baberfeldmeister vor- 

IV. n. 



HABERFELOTREIBEN — HABERGEISZ 8. 

stehen, die das reclU zur ablialtung ihres treiben* auf Carl den 
grossen turückfiihren. 

Erklärungen des namens können noch auf Sicherheit keinen vol- 
len atispruch maclien. eine unwahrscheinliche gibt die Bavaria a. 
a. 0. : es soll damals (nach dem SOjähr. kriege) üblich gewesen 
sein, besonders frevler an den feldmarken oder Wucherer 
auch durch Schädigung an leib und gut zu strafen, indrm 
man ihr feld verbeerte, und da im gebirge viel baber gebaut 
wird, 80 übertrug man den nainen haberfeld auf das ganze 
recbtsverfuLren. mehr scliein hat was Sciia. 2, 137 aus den 
wolgemeinlen paragraphen an Baierns prediger l, 15 beibrimß: 
menscher gebts acht, dasz ihr nicht mit der zeit mit dem 
strobkräuzl vor meinem pfarrhofe vorbei spazieren müszt oder 
dasz euch bueba ins haberfeld treiben, tnt< der bemerkung: 
es war an vielen orten Baierns die gewobnbeit, dasz wenn 
ein mädchen zum fall kam, sie des abends von den jungen 
burschen des dorfes unter unzähligen geiselhicben in ein 
haberfeld und von da wieder nach haus gelrieben wurde, 
der *verfübrer muste selbst mitmachen, e« tutlre also das trei- 
ben im haberfeld zunächst ein st/mbol der verlorenen jungfrau- 
tchaß, wie sonst dem gefallenen mädchen der strolJiranz gebührt: 
in einigen gegenden {Ostpreutsens) soll eine krune von bafer- 
stroh das symbol der verlorenen jungfrauscbaft sein. Faiscu- 
KIER Volksreime 169 , wie an andern orten in gleichem falle das 
geschnittene stroh, der häckerling gestreut wird, weit die gebdhrende 
aufs Stroh kommt (GOthe 40, 245 ; das sie sechs Wochen in ein 
stro velt fastn. sp. 857, 6) , und es hältie sich das verfahren, 
vielleicht unter einßusz anderer volksthümUcher gerichtseinricIUungen, 
zu einem rügegerielit für geschlechtliche vergehen und für vertetsung 
guter sitte überhaupt entu'ickeU. 

HABERFELDTHEIBEN, verb.: die haberfeldtreiber sprechen 
am Schlüsse ihres Verfahrens den vert: 

kaiser Earl musi noch kommen und 's protocoll unterschreiben, 
dasz wir das näcbsunal im Altel und AUeohocheoau haberfeld- 
treibeo. ttavai ia l, tio. 

HABERFISCH, m. an einigen orten name für die kleinsten 
ßsche, welche diekinder mit einem ti^ zu fattgen pflegen. Abeluhg. 
haberGschleio, cyprinus aphya Nemkicu. 

HABEKGAKBE, fasäculus arenoe: ain jetliche huob sol aim 
vorsler zwo vesengarben geben und zwo habergarben, und 
ain scbuupis ain vesengarb und ain habergarb. weislA. 1, 214. 
hafergarbe Stieler 604. 

HABERGEISZ, f. in mehreren bedeutungen: 

1) die hecrsclinepfe , scolopax galUnago, flalid. haberziege: 
bruclischnepOio oder babergeisziin. Heoszlir vogelb. 111*. der 
vogel läszt zur begattungszeit hoch in der luft einen ton hören, 
welcher dem fernen meckern einer siege höchst ähnlich ist. die- 
sem umstände entspringt sein name himmelsziegc, bimmcisgeisz ; 
mü dem am himmel fahrenden gewittergotte Donar in Verbindung 
gebraclU, dessen wagen bücke zogen, nannte man iAn donnerziege, 
wie lettisch pehrkuna kasa, und indem man eine beziehung des 
Vogels zum himmlischen bockgespann hervorhob, hiest derselbe baber- 
lämmcben, haberbock, haberziege, habergeisz, mecklenb. auch 
hawerblarr bocktchreier ; da in dem ersten theile des eompot. nur 
das ahd. noch nicht nachgewiesene, ags. und aUn. belegte haba'r 
bock enihalte» sein kann [vgl. oben haberbart). es verknüpfen 
sieh wol auch abergläubische Vorstellungen mil diesem vogel, in 
bland zeigt seine slimme, wenn sie das erste mal im jähre ge- 
hört wird, den menschen Hir Schicksal an (mythol. 168). 

2) daAer überträgt sich der name auf eine nachlcule, strix abtco, 
deren geschrei unheilverkündend und todanseiyend ist (sie heiszl 
auch leicheuhuhn), so namentlich in Baiem (Schnellir 2, 137), 
Tirol (ZiKGERLE säten 42), Vorarlberg (Voübun sagen 25) und 
Xärn<en (Leier 112). — fn Franken und Henneberg heiszt haber- 
geisz dir krebsspinne, plialangium opilio, die sonst weberknecht, 
auch geist und (od genannt wird. 

3) dann geht der name in Süddeutschland auch auf eine Schreck- 
gestalt, die man sich bald als vogel denkt (Zingerle a. a. o., Vor- 
BUR beitrage zur d. myth. 110), bald als ziege (Leier 112). 

4) endUch heiszt so der grosse, inwendig mit pech ausgegossene 
brvmmkreisel, den man in Dtirinjen brummdorl, sausedorl, im 
Osteriande nonne nennt.' auch sonsten spiel die ins feld ge- 
hören, zu Oben, nestel ausz dem kreis, klotzstecben, scbleif- 
fen schleiRen, ritscben rosz machen, habergeisz ziehen. Garg. 
171'; rädelt wol hundert mal henimb wie ein habergeisz. 231* : 
ich liesz mir ein Instrument durch den dreyer verfertigen, 
allerdings wie eine habergeisz, damit die junge knaben kurx- 
weilen. Simpl. 4,tlo Kurz; 

Digitized by VjiOOQIC 



83 



HABEBGELB —HABERKISTE 



HABEBKITZEL — HABERUEHL 



84 



OD wio e hawwergais glych acbourre-D- un f;l;eh bnimme. 
Arnold pfing&tnmntag 12, 

muh $ek»titeri$di habergeisz. Staider i, 8. 

HABERGELB, adj. gelb wie hoher: bafergelb ist das er- 
wiimle eisen und stahl, wenn es den ersten grad der hitze 
oder erwarmung bat. Jacobsson technol. «Orierh. 2, 186'. 

HABEBGELD, n. habernnt: die wintergelt git man czS 
SBDt Michels tag, das habergelt cze sant Martins tag und sols 
ODch für den spicher entwurten und gSt körn gon. «müi. 
1,375. vgl. babergalte, haberains. 

HABERGIFT, n. delphinium consoiida, sonst ritterspom, acker- 
rittersporn, kornrittersporn genannt. Nemnicb 2, 1387. 

HABERGRAS, n.; l) babergras heisa aller mldicaehtender 
haber, din. baTtegnes, tehwei. balregris, engl, oalgrass. Nem- 
(iicB 1, 549 — 552. 2) melica eaervlea und dUata, hoUänd. barer- 
gras NEKtiicii 3, 541. 542, «ejen der ihnlkhkeit der pflante mit 
dem wilden haber. 

HABERGRIES, m. gnet aus haber: 

babergries und graupeogerste. RScinr 228. 

HABERGROTZE, t- grälte aus haber: bafergrOtz, ateno trUa, 
decorlicala. Stieler 712. den fuhr- und andern leuten, welche 
biszweilen pflaumen , zwetscbken , birsen , kraftmebl , bafer- 
grütz, granpen, seifen, pecb und dergleichen anhero bringen. 
der Stadt Le^tig Ordnungen 181. 

HABERGROTZSCPPE, f. suppe aus kabergrütie. 

HABERGGLTE, f. geuhnleter haber, frant. avenage. Faisca 
(üd. des passagers (1730) 129. denst, penninggulde, honergulde, 
havergulde nnd alle plicht GiUinger urkundenbuch {ed. Sdimidlf 
I. 340. 

HABERHALM, m. halm des habers: die haberbalme schwan- 
ken im winde, ahd. gilt der plur. babirbalme geradetu ßr 
avena Haupt 5,327; im bair. bedeutet baberbälm haberstoppeln, 
auf die haberbSlm kommen ins verderben geraten ScHabn.LEa 
% 137, den» die stoppeln sind ein 6iU, des nichtigen (daramb wil 
ich sie zurslrewen wie stoppeln die für dem winde aus der 
wOslen verwebt werden. Urem. 13, 241. , 

HABEBHÄNDLER, m.; aU gestorben su Frankfurt a.ll. am 
%\. Januar 1780 wird angegeben Melchior Hoffmann, hen- und 
haberbSndler, alt 84 jähr 2 monaL Maria Belli leben in Frank- 
furt a.U. «,170. 

HABERHAUER, m. ein« spmne, phalangium (^^ NEiiifica 
4,927, sonst auch habergeisz genannt, s. d. 

HABERICHT, adj. atenaceus Stieler 724. Steinrach 1, 864. 

HABERKASTEN, m. kästen zur außewahrung des habers, 
dasselbe was baberkiste, s. d. sprichuürUieh : ich will drauf 
tos geben wie der bock auf den haferkasten. tnlen'm 135, eine 
grosse gier anzudeuten. 

UABERKADF, m. l) ein- und verkauf von haber, gebildH wie 
getreidekauf, fhichtkauf, komkauf : der bauer ist zum habcr- 
Üauf in die Stadt gefahren. 2) ein gesellschaftsspiel: 

wir werden Insllg iplelen 
theili im aluen theili im lauf, 
blinde kuh und haberliaur. 

GiFrLinci« complimentirbidU. 181. 

oudi im Carganlua /!nde< tieft daziptei des babem Terkaufens 166*. 

HABERKERN, m. der haber als kern, im gegensalze zu dem 
schon gesehrotenen oder gemahlenen haber: eben die rechnung 
wie mit dem habermäbl hat es mit dem haberkern {collee- 
tiver sing.) auch. Froüspercbr von kaiserL kriegsreehlen (1566) 
1(1*. — in Baiern heisst haberkern der enthülste haber su haber- 
sehleimsuppen , auch eine art macronennudeln , welche in län^ 
Uchen haberähnUchen graupen bestehen. Scan. 2, 137. 

HABERKiLBE, f: als nunmehr die mitte des julii samt 
der gewobniicbsten grOsteo hitz des Jahrs, nemlich diejenige 
zeit sich näherte, welche die teutsche bauern die haberkilbe 
nennen. Simplie. 3 (1699) s. 119. et vird wahrscheinlich ver- 
slanden die teil solcher kirehweihen |s. kilbe unter kirchweih 5, 
8281, ^ gefeiert werden, wenn der haber auf dem halme reiß; 
in Mitteldeutschland, namentlich in Düringen und der goldenen 
Aue fallen eine gröstert ansahl von kirchveihfesten ende juli und 
anfang augusl. 

HABERKIRSCHE, f. die wilde kirsehe, prunus avium NEinica 
4,1069. sonst wald-, holz-, vogel-kirscbe genannt. 

HABERKISTE, /. UOe zur au/bewahrung des habers, wie haber- 
kaslen, tgi. d. im- Sprichwort: springen so artiglich zum Sat- 
tel hinein wie der bock auf die baberkiste. allerhand sellx, 
«firme' 39. niederdeutsch: be sitt upn geld as de bück up de 
baberkiste. Strodtmajiii omoir. id.; im Holsteinschen be seilet 



den bück up de baberkiste. ScaSm 2, 88, anäerwirtt heissl 
das er setzt den bock zum gürlner. 

HABERKITZEL, m. küiel durch reichliche- haberfOlterung er- 
teugt, vgl. unter haber ip. 79: {pferde) die kein haberkittel 
stiehl. Langbein 1, 111. 

HABERKLAUE, /. für aberklaue (1, 33), ungula posterior, 
hinterklaut, widerUaue: die inwendig an, den bindersten fOsten 
zwei kleine baberklauen haben. aUerh. seilt, wärme 87. 

HABERKORN, n. daskom da haber frudit, pL baberksrner: 

mkd. des bisiu hie za mir verlorn (tc. die perle, die der kungemäi 

kahn findet), 
leb nsma ßr dich ein baberkora. Hadpt 7, 382. 
nhd. das lange baberbom, als Ihrer erole gaben, 

die Jüchero, die sie sonst als einen schau vergraben (bringt 
die fetdmaus). HASuoan 1, 25. 

HABERKÜMMEL, m.' etimtnum eyminum. Nehnicb. 

HABEBLACHEND, adj.: die hofmauler an den berrenhofen 
tiesz er den baberlacbenden pferden, die ihn wol borten 
schwingen , aber nit sehen bringen. Garg. 46'. das wort toll 
wol Pferde beieichnen, die während sie andern den haber schwingen 
hören, in freudiger erwartung danach wiehern, ohne datt der bucht 
auch ihnen aufsdtittet. 

HABERLAHMCHEN, n. scolopas gaUinago. NumcR. vgL 
unter habergeisz. 

HABERLAUS, f. apHs avenae. Nemnicii. 

HABERM^LCH, f. n., Iragopogon. der name kommt nicht 
einer sondern mehrem sich ähnelnden pßansen tu und schwankt 
sehr in der form seines lettlen iheilet: bocksbart hat den nameo' 
Ton der gestalt der baarechlen blumen, welche eim bocks- 
bart veri^eicheL heyst sonst habermalch und gaucbbrot. 
LoNiCEROS 127', habermacb cardueellu voe. theul. 1482 d3*; 
babermoch carduella est herba- quedam voc. ine. theut. b 8* ; 
babermark barba senis Diefens. 68* ; babermark Maaler 204' ; 
bocksbart, gaucbbart, babeimilcb. ficon. lex. (1731) s. 34t; 
hafennerk, bafermaukeln , haFermilch, bafermalk, Iragopogon 
pratense NEaiucu 4, 1468 ; balfermalchen Holl 144*. in £aient 
und Schwaben babermark , habermauckel Schm. 2, 137. schwei- 
terisch babermark, babermargste Stalder 2. 8; babermark 
Herel «lern. ged. 1803 t. 20 (1808 *. 12). 

Enthält der erste Iheil dieses pflantennament, wie mehre ändert, 
das hd. hapar haber bodt wegen der haarigen blumen, so wird 
wol der siceite Iheil turücktufiihren sein auf ahd. malaha lasch* 
(GRArr 2,720), fliM. malbe (Ben. 2,1,29), wegen der laschen- 
artigen blute, die sich tags öffnet und nachts schHestt. das frühe 
vertdiwinden des Ulttem worls aus der gemeinen spräche war die 
Ursache, dast es sich in dem beregten p/lansennamen auf ver- 
schiedene weise verstümmelte. 

HABERMALZ, n. aus haber bereitelet malt: hafermalz polenla 
arenaria. Stieler 1304. 

HABERMANN, ro. Aeiszl in fflan^Aen gegenden eine getpenslischt 
geaalt, die man sich im getreide hausend denkt, in Westfalen 
schreckt man die Idnder vom roggenacker mit der red« fort der 
bafermann hause darin mit groszem schwarzen hüte und einem 
gewaltigen stocke. Hannhardt kornddmonen s. 24. 

in sekriflen des 17. jahrh. beteichnei das wort etwas wesentlich 
anderes, tu dieser seit bis ins IS. jahrh. hinein nennt man den 
Habermann ein »eÜMrircifeiei gebelbudi, nach seinem verfasset 
Johann Habermann, geb. 1520 zu Eger, gest. 1590 alt Superinten- 
dent tu Zeitt: den renthenirem und sladijunkem der löb- 
lichen bruderscbafl der brauer und denen aufwärts lahreo- 
dea schiffen verehre ich den Habermann, und erinnere sie 
dabei, dasz an gottes segen sei alles gelegen, wollen sie 
nun dieses jähr den segen gottes haben, soimUssen sie 
fleiszig beten und arbeiten. Scnorpins 664; 

ein weib, das ziemlieb IT&b das volk zur arbeit Jaget, 
und eh nach Uabermann, als nach dem brantwein Traget. 
RicasL (1700) «. 34. 

HABERMEHL, n. mehl aus haber: avenatum hehhermeyl, 
babermeel Diefenr. 6o', habermal avenocea farina Dastt. ; 
ein drillbeil eines Stultgarler simmern habermäbl, und das 
ein Scheffel babem 2 stmmern gut breimShl gibt. Fsonsperger 
von toiserl. kriegsreehlen (15661 161'; man nimmt babermeel, 
sauren keesz und ebernwurzcl eins so viel als des andern 
(mil wein :u einem tag gemacht und kugeln daraus gebildet, geben 
ein gutes pferde futter). Böoler kriegssdiule 976. — Dann beseich- 
nd babermehl auch das daraus bereilele gericht, haberbrei: dann 
er nit hundert gülden genommen bette, dasz er einem armen 
man in seiner kucben ein babermel gessen bette, er solle 
ihn bezalt han. Limburger chronik {ed. Bottel) p. 27. 



uiyiiizt^u uy 



,ogle 



\ 



85 



HABERMDS — HA6ERRAFP 



HABEBRAUTE — B ABERSACK 



86 



HABERMDS, n. puls awnaaa, dat$elbt wos haberbrei, «fe 
brti und mia t'n vielen gegenden gleichwertig gebraucht werden 
(2, 35S): einen brei oder babennusz ror sich halt. KmcBHor 
vendunm. l&8'; ein babennusz oder sonst etwas gruber speisz. 
tfegkaner 6; auf einem ort het sie stehen ein babermasz. 
pADU sdnmpfto' ; wol gebrent (mil feit gerSMei 2, S66) baber- 
masz. 2&0; 

ein habermnoss tAh im bau Ihuon 
io »inem bus, deoo ein rtbbuon. trag. Jali. hiiij; 
'* hahermueu wir ferig, sc cliiinmet ihr cbinder und «Metl 
Hnii alem. ged. (1808) <. 106. 

£Sne m ein habermus fallende fliege oder mäcke macht das- 
lelbe unUAlich, daher die folgende redensarl KEiSEfiSBEies : ein 
usgescbaffen mensch zierd eben ein danz als ein muck ein 
babermSsz. bilg. 223*; du sähest etwas an ir {der frau) das 
dir miszviel und dir si erlaidet. da hat si ain stinkend maul, 
denn halt si Qiien in den äugen, da butzen in der nasen, 
denn hat si geel stinkend zen und ein unlustlich gesprSch, 
es wir immer etwas das dir ein muck in das'babermfisz 
gegen ir fiel, das si dir erlaidet. hos im ff Aa7'; bastu 
schon Tast ein bobsche fraw, noch ist kein r&g da. es mag 
gar leicht sein, dir falt ein muck inn das baberm&sz, das sie 
dir darnach nimals lieb und anmQtig ist, als sie vor was. 
Uarie himmelfahrt lo'; so hastu nochten kein rSg, die muck 
ist im kabermusz. 10'; du hast ein hübschen man, der ist 
nach deinem willen, noch so steckt die muck im haber- 
musz, ieüich er hat ein muck in seinem habermusze. 13'; 
und wenn es ein weil geweret, so wirft der teufel die flieg 
in das gebrent habermus. brösaml. 66*. 

HABERN, adj. i. haberen. 

HABERN, tat. 1) haber mähen, eine bildung wie grasen gras, 
mähen , kirscUen ürtchen pflücken (S, 847) : aventare baberen 
DiEFENB. 60*. — 2) aus einer andern bedeutung des verbums: 
babern , habem , dm pferden hafer gtiien STAtDEa 2, 8 , er- 
wächst die bedeutung prügeln, schlagen {vgl. unter haber sp. 79) : so 
icAtreü«-. babern, abbabern (Stalder), schwäb. bappern (Schhid), 
schles. habem (Fioiiii. 4,t70), niederd. haTem (Däbmrt ISO*). 

HABERNARR, m. hämo petulans, feroeior, den der haber 
sticht. Fbisch 1,390'; ei wol schöne titul, praedicata und eren- 
namen haben nicht die saubere weiber, und doch gibt es solche 
haber- und stocknarren , welche wann sie nur von einem 
weibe hören, so spizen sie die obren, wie der Schimmel, da 
er sieht den babersack scbattlen, es schlSgt ihnen die puls 
als wollten sie auf der post reiten, hämo simplex bei Biblingbr 
augsb. wb. 214* (nocA mehrfach), in Nürnberg bezeichnet haber- 
narr einen, der tu viel geld an hausrat hängt, also in dieser 
V AiitiicM mit dem gelde übermütig wirtsdtaftet. Schh. '2, 137. — 
>i^. habernarrin : freute mich von grund meines herzens, als 
_ _\ vernahm, dasz ich einen so aufrichtigen, frommen und 
getreuen mann zum ebegemabi halte; es wäre manche haber- 
narrin gewesen, die einen verdrusz geschöpft, wann ihr der 
mann nicht alle seine beimlicbkeiten gleich so warm auf die 
nase gebunden. Simplic. 3 (1699) >. 382. 

HABCRNESSEL, f die wilde nessel, urtiea mens. Nemnico 
4, 1S35. ahd. babemejjila, garganica Graft 2, Itl6. mhd. haber- 
De;;ele Beii. 2,1,332; haberneszien Urtica Haaler 204'; nimb 
habernesseln und alt schmeer. Sedter ronartiut 152. die pflanze 
heissi sonst eiter-nessel , heiter-nessel , vgl. auch hadernessel. 

HABERNUDEL, f Nürnberger nudd von der gestalt eines haber- 
homs. Jacobsson technoi. wb. 2, 187*. 

HABERNSÄGE, f: labernsage, sahnse Friscblin rumend 
372'. s. haberraff. 

HABERNWASSER, n.: nur kleienlrank für denselben pren- 
kelscbenken, oder mosconitisch habernwasser, oder tartarisch 
distiürt pferdsmilchwasscr, oder apfeltrank aus Hessen. Garg. 
59'. gemeint ist das aus altem roggen- oder haberbrot und wasser 
bereitete säuerliche nationalgüränk der Russen, der Quas. 

BABERPFLAUME, f. prunus intititia. Nemnicb 4, 1072. hol- 
Idtid. wilde pruim, /ranz, prunier saurage. vgl. haberkirscbe 
und das unter haber tp, 79 bemerkte. haberpOanme wird aber 
aucA eine kleine pflenimenart genannt, die mil dem haber, im 
angusi, reift. 

HABERRAFF, n. sense mit einer Vorrichtung den gemälilen 
Adier iiuammenzuro^ni ; tncr^a haberraff, baberreff Dieff.kb. 
357*; baberraff, sägeisen mit einem büllzinen zUngle auf dem 
bUt, den haber zfisamen zu fassen, so man damit abmüiet, 
merga. Maalbr 204'. dot Instrument heisst in verschiedenen gegen- 
de» DtultcUands venclMen, in d$r Wetlerau baberseni«, in 



Siüem baberrecheo Scbm. 2, 137, im Giltingenidien hawerlflg 
ScHANBACH 76*, MI WoUeckschen hawerheck Cobize 470. v^ 
oben habernsage. 

HABERRAÜTE, f. artemisium cArotanum. NE«Hicn 1, 466. 
entsteUl aus dem griechischen worie. s. aberrtute 1, 34, eb«r- 
raute 3, 18 und unten bofraute. 

HABERRICKE, f. in Obersadisen bexeidmung der saatkrihe, 
corvus frugilegus. Nemhich 2,1242. 

HABERROHR, n. hirtenpfeife, sehahnei, ein neueres wort, das 
wie es scheint, nur 'eine pedantische Übersetzung des VergilscKen 
STena ist. es mutz erst gegen ende des 17. jahrk. aufgekommen 
sein, deutsche Vergiläberseliungen bis 1697 verwenden es noch nicht, 
in einer 1749 erschienenen Übersetzung der Aeneis {von FlOgcb) 
lautet dagegen der eingang: 

mein lied war ehemals «in sehlecbtea liaberrohr. 
ille ego qui quondam graclli modalatus avena 
Carmen .... 

etwas früher schon braucht das wort GOntibb: 

hier ist das schlechte lied, ao ich dir achuldlg war; 
mein allzusicbrer mund wagt es auf die getahr 
und plagt dein lartes ehr mit einem habenrvhre. 

geäichle {b. aujl.) 1048, 
«nd es ist im 18. ^oArA. in häufiger anwenäuttg : 

aus dorf und haschen dringet 

der Jugend kern h error, 

und laotl und siitnmt und singet 

nach seinem haberrohr. Hasedorii S, TO; 

mit der linken fingen er 

auf seinem haberrohr. Fa. MBuii 1, 180; 

ich tpiel auf meinem haberrohr 

10 manch henbrechend lied dir Tor. WielAmd 26, 217 ; 
des waldea melodie flost aus dem haberrohr 
und aiegesthaten lebten in dam lieda. Scaiuia 23, 

jeder Abderit nahm sein haberrohr, und jede Abderitin ver- 
liesz ihr purpurgewebe und setzte sich keusch und horchte 
auf den gesang. Wieland 19, 363 ; warfen . . ihr leidiges haber- 
rohr weg, um ihren verschiedenen berufsarbeiten wieder mit 
ihrem gewöhnlichen guten Terstaode obzuliegen. 20,4. 

HABERROHRSANGER, m.: ein vers, wie wahrlich .. der 
geringste unter euero haberrohrsangem sich alle augenblicke 
zwanzig auf dinem beine stehend zu machen getrauen kann. 
WiELAIin 19, 364. 

HABERROSE, f. die kriechende rose, rosa arvensis. Holl 306* ; 
rosa canina et spinosissima Nehicb: die drillen und vierdien 
{rosen) nennet man hannrosen, haberrosen unnd fcldrosen. 
Boci kräulerb. (1565) 364*; färnemlich das wasser dislillierl 
von den feldrosen, die man auch haberrosen nennet. 364*. 

HABERSAAT, f. das säen des habers, und die zeit wo dies 
geschieht: zu der haberstt an santWaltpurg abend, weislh. l,s; 

der lieb herr sant Hatbia« 

der sleüit uns auf die tur, 

und lest uns den sumer herein 

und sucbt den pllug bertur, 

so sihi man dann das aller vogel 

Irawern gar tuergat, 

die bennen werden jatzen ser, 

das macht die habersai. RosnirLSr fasln, sp. 1103. 

HABERSACK, m. sack in dem der haber für die pferde ver- 
wahrt wird : hafersack Saccus avenae. Stiei.er 1658 ; spitzen sie 
die obren wie der Schimmel, da er sieht den babersack 
scbiitllen. Aomo simplex bei Birlinger augsb. wb. 214'. fuhr- 
leute und bauem bergen in einem solchen sacke auch die kleinen 
habseligktiten, die sie auf einer reise führen; der bauer Ad/i$t ihn 
über die Schulter, wenn er ztir Stadt geht «nd einkaufe machen 
will, daher verbreitet sich form und name des Stückes in weitere 
krei<se, dem armem reisenden dient es als handlasche: er kaufte 
mir einen babersack, ungefähr wie man ihn den mauleseln 
mit dem fuller umbangt, ihat meine zwei bOcher, mein bemde 
mit den (Ihrigen quinqunillerien und etwas proviant hinein 
und trug ihn mir nach oder vor. Seuke Spaziergang 1, 153 ; 
nun denke dir, wenn ein keri mit dem babersack käme. 
1,62; hier muszte ich abermals drei menschen, drei baber- 
sacke und drei kobers mitnehmen {auf der post). KonsBOE 
erinncrungen (1805) 1, 38; tind wenn et in dieser bedeutung steht, 
ist die form habersack auch den schriflstellem gerecht, die sonst 
nur hafer schreiben und bis auf jetzt allein üblich, der babersack 
bildete ein montierungsstück des Soldaten: auf den marschen 
slopfle jeder in seinen babersack, was er, verslebt sich in 
feindesland, erhaschen konnte, arme mann im Tockenb. 143, 
und wwdt von der /ransvttscAen ormee mit dem deutsdien namen 
herüber genommen: bavresac, babersack, ein kleiner sack wo- 
rin die (oldat«n ihren plunder tragen. Friscb dict. des par" 

• uiyiiizyu uy -v^ V--' ^^-' ~i i x^ 



87 



HAßERSCHAfttE— BABERSTROH 



HABERSTROH — H^ABER WEIDE 



88 



sagen (1730) 899. der «ame ist den franiüsisdien sMaUn Ins 
heute geblieben , auch nach dem abkommen des habersacks, jettl 
wird der lomister damit beseichnel. 

Der habersack war auch der Ulel eines untüchtigen Hedes 
(MoRHEB luther. narr 579) , das noch jetzt im Osterlande gesungen 
teird und von einem edelmanne handelt, der sich in einem haber- 
sacke su eines mOUers tochler tragen klsil, Garg. 2S' sIdU der 
anfang dieses liedes. 

HABERSCHARTE, f. was haberdistel. Hou 20S'. der name 
«ol wegen der cinschniile der blitler. 

HABERSCHLEHE, f. frunus insilitia. HollISI': diegroszen 
Schlehen beiszen baberscbleben onnd seind alle mit einander 
zR lalein genannt prana sjlvestria und nicht acatia, wie in 
den alten herbariis gelesen wart, auch nit poterion. Boci 
krdttterb. (15651 374*. 

HABERSCHLEIM, «n. sehleimiger absud des habers oder der 
habergriitte. vgl. haberseim. 

HABERSCHMIRGEL, m. omithogaUm luteum Nemricb, die 
gelbe Vogelmilch, 

HABERSCHNITT, m. das schneiden des habers und die seit dam : 

weislu wo), henr Im haberscbnit, 

daa der Heinrich pei dir lag 

und der lieb mit dir pOag? failn. sp. S86, 16. 

HABERSCHRECK, m. locusta, als das im hoher springende 
insect {vgl. schreck), mhd. baberschrecbe (Ben. 2,1, 211'); 
haberscbrecbe, baberscbreck , haberscreck. Diefenbacb 335*; 
baberschrecken Friscb 1, 390*. nocA mitte des vorigen jahrh. 
wird das wort fem. (vgl. heuschreck und beascbrecke), so baber- 
scbrrcke gryllus bei Nemnich 3, 80. 

HABERSCHWAOEN, m. häufe gemthten habers: 

ein iiger schlier im hBl>erschwaden. 

LicHTWM fabeln 4, no. 3. 

HABERSCHWINGEL, flt. fesluca decumbens, äne grasarl. 
Nemnich. 

HABERSEIM, m. seimiger decocl von hoher oder haiergrütte, 
was baberschleim, s. oben. 

HAREHSIEDEN, n. ein gesellsehaftsspiel: an den gedachten 
Sonntagen za abend machten wir jungen leute mit einander 
bunireihea , keltenschleuflen , habersieden , stähle verbergen 
und dergleichen, arm« mann int Tockenb. 60. 

HABERSPIESZ, m. wilde comeUdrsche , comus sangwnea. 
Nemnich. 

HABERSPRED, f. spreu vom ausgedroschenen haber: man vor- 
mtscbet den leymen wol mit werke addir mit aynen (d. h. 
agenen, s. 1, 189) Ton flachse addir mit haversprAen addir 
mit bAre. feuerordnung der Stadt Erfurt aus dem 14. jahrh. in : 
berichl der deutschen gesellseh. in Leipzig 1838, t. 5; ich warf 
mich auf einen häufen baferspren, die in einem winke! anf- 
geschüllet war, und schlier ein. Sedme Spaziergang 1, 169. — 
SpricIiwUrtlich : er ist weg wie haberspreu, spurlos verschwunden. 

HABERSTOPPEL , /. slipula äemessa avena manens. Fbiscr 
1,390*. — Spriehwörtlidt: der wind weht über die haber- 
stoppeln, der Winter iH im ansuge, weil der haber am spilesten 
von allem gelreide gemäht wird. 

HABERSTROH, n. Kramen avenaceum: 

ihr (iilllli ist geschminiit mit wasser aus dem brunnen, 
ilir hiit ist haberstro, ihr liitlel ist parat 
TOD seiden die sie selbst tUTor gesponnen hat. Onii 1, 156; 
und lieriwend alle wOrter do 

als unsre kue das haberstro. Mosim sdielment. cap. 1 1 ; 
heclicriing und habersiroh das ist gut lielberfutter, 
irer das megdlein haben will, der naii es mit der mutter. 
Amantes amentes D8; 

in ähnlidier fassung bei Fbischbier volksr. 843. 

Habersiroh dient als bild einer geringen, wertlosen sacke in 
manchen redensarten. mit haberstrob lohnen schlecht lohnen: 

bab kain ungeroach, 
ob dir deine hinder nicht 
dankin nach deinr zuorersichl, 
won du deinen Tordern so 
gelonel hast mit haberstro. ring W, 11, 

das geht auf die Wahrnehmung zurück, dass der aekergaul, der 
den haber bauen hilß , mir sein sehüdiles stroh zu fressen be- 
kommt : dem berren raumanf und den harrenhengsten ist die 
weid gewachsen, die ackermerren mOgens wol mit dOrren 
nicken bawen, und haberstro fressen. Garg. 81';. das gelt 
anszgeben wie haberstro. wegkürzer 100*, wie man sonst sagt 
geld verzetteln wie heu, davon fliegen lassen wie spreu; far 
alte schuld soll man haberstro nemen. Neakde* rprichw. 14; 
vor ene ungewisse tcbnid moot man haverkaff annemen. 



hrem, wh. S, 607, »eil eine alte schuld schwer besahll wird, ähn- 
lich auch mhd.: man muoj an boesem gelte haberstro für 
guot nemen. Br. Bertbold 386, 4; in baoem gehört haber- 
siroh; der weise man saget: cibus, onus et virga asino,. in 
einen bawren gehSret haberstro. Luther 3, 137*; in hawren 
gehört haberstro : die gelertcn sollen wein trinken. Peters S, 
Rnrs'; in bawem gebort haberstro, similes habenl labra 
lactucas. Agric. spr. (1560) 14*; im bauren gehöret heu und 
habersiroh. Scbottel 1120*; dem baucm gehört habersiroh, .. 
diesteln sind des esels salat. Pistorios Ihes. pur. 2, no. 69; 

ich hab noch ein tochter, die ist blind, 

ist rotii^ gar und hat den grind, 

die gib ich einem bauren do, 

es bort in dbauren haberstro. 

Musn» narrenbeschw. 708 Sdttiblei 

der grSbsten esei sind si do, 

nüt bOrt in si denn haberstro. 

geuchmalt {Scheible 8, 1102). 

andere fassungen Iheilen das haberstrob tliieren tu: 'herr, 
wann schon ich in dieser stunde an deine ehrenstell Iretteo 
solle, so wolle ich sie doch nicht annehmen', mein herr 
lachte und sagte : das glaube ich, dann dem ochsen gehöret 
haberstrob. Simpl. 1,151 Kurz; 

das gmeine Sprichwort laut also, 

den gansen gehört haberstro. gantkünig H6*. 

der gans üt hier am wolslen: 

wenn es wol gehl so ist im do 

gleich wie der gans im haberstro. H6*. 

drei gans im haberstro si assen und waren fro. Gar;;. 91', 
(in Ins heute erhaltener reim: 



Ifinf ginse im haberstrob, 

die asien, die Trasien, 

die waren alle (h>h. Friscbbirr voUureim no. 



i74. 



Die kuh weisz ein kostbares gew&rz gegen ihr habersiroh nicht 
zu würdigen: was soll der kuh muscateo? sie isset wol haber- 
stro. Lutber 6ei Eiselein 401, Pistorios <Aes. par. 2, no. 69 ; 

der musbat wird die kuh nicht IVo, 

ir schmeciit vil hast grob haberstro. B. Walois 1, 1, 40; 

was soi der Ituh die muscatriüs, 

weil ir das haberstro schmeckt s&si? 4, 23, 86. 

leeres habersiroh dreschen, icie sonst leeres stroh dresAen, ein 
unniUses ding treiben: 

und drischt ein leres haberstro. 

MuRNU IiMk. narr 2056. 

in Schwaben sagt man audt: du bist dumm wie haberstrob. 
BiRLiNGEB augsb. wb. 214*. 

HABERSTROUDORR, adj.: die «tflrmischen winde haben 
mich so hahersirohdttrr aufgetrocknet, dasz es kein wunder 
ist, wenn meine briefe wie gehacktes stroh schmeckten. 
Wieland 6ei Merk, briefs. 2, 146. 

HABERSUPPE, f. jusculum avenaceum. Stieler 1687. 

HABERTRANK, m. trank aus gekodilem haber oder habergrUze. 
Adelung. 

HABERTWALCH , der wilde oder taube haber, avena falua. 
dann auch die ähnliche pflanze st^ capUtala. Nehnicb. 

HABERVIERLING, m. quadrans avenae. Haaler 204'- 

HABERWEIDE, f. die weide in den stoppeln des haherfddes. 
da der haber am späleäen von allen getreidearten geschnitten wird,- 
so mag man vielleicht in einigen gegenden die letzte zeit der weide- 
trift, unmiUelbar vor eintrieb des viehes in die Winterstallungen 
haberweide genannt haben: man schlug (In'eli) rieh auf die 
haberweide, liest es noch einmal die spirlichen rtste der sommer- 
kräuter, die auf dem gemähten haberacker sichtbar waren, ab- 
weiden, hierher leitet sich eine alle, örtlich wie es scheint auf Süd- 
westdeutschland beschrdnläe redensart, jemand auf die baberweide 
schlagen, zunächst Um kümmerlich versorgen, dalier ihn surück- 
letien, Untanstellen, vernachlässigen: 

also habt Ire mülners tochter than, 
die ir gefangen habt durch trflgenhaii 
und scblngts darnach auf di haberwaid. 

^asln. tp. 661, 27; 
den wart wir lang auf guten bscheid, 
so schlugt ir uns auf doaberweid, 
wnrft uns den strosack fDr die thör, 
nambt euch ein weil ein andern für. 

II. Sacbs I, 608*, 
er bat mir all mein gut veriban, 
und bat sich gehenkt an meine maid, 
schlecht mich jetiund auf dbaberweid. 3, 3, 13'. 

ein mäddien sa^ in betug auf ihre bulen : 

wann bald sie Riebt mehr Pfenning ban, 

so schlag ich sie auf dbaberweid, 3, 3, -23, . 

le 



uiyiiizeu uy 



'c^l 



69 



HABERWEIHE — HABHAPT 



HABHAFT — UABH AFTWERDDNO 



90 



stelle tie zurück, gebe ihnen den korh: derhalb laszt C9 ewer 
lieb Dicht rerschmalien, dasz ich so früh die auf die baber- 
weid schlag und gleich nuD zu anfang binder sich zurück 
in die grosze Pantagnieliscbe oder alldürsllge chronic ver- 
weise. Garg. 25'. «weiten belege bei Schm. 4, 25, der die redem- 
arl niehl mehr als lebende kennl. auch mrsdlte u/erden auf die 
haberweide geschlagen: so möcht er leicbtlich villeicbt vor Un- 
mut sein gut farnemmen oder intcnz Tergessen oder auf die 
baberweid schlagen. Fisgbart bien. 89'. 

HABERWEIHE, f. die weihe des habers in kalhoUichen gegen- 
den, und der lag da diea gescliieht {meist am Stephanstage). 

HABEBWELG, m. haberschleim, nicrfcrif. haowerwelj. Danneil 
78'. haferwelgen trinken. Bode T. Jones 3, 184. 

HABERWENDER, i». der im Speicher den aufgeschütteten hoher 
»endet: van den baverwender. vortbmer holt de gemeine rad 
liu Braunsehweig) und lonet einem, de des rades havern bel- 
pet up melen unde wedder af meten in allen sieden, dar 
one de rad liggen lett, unde schal den vrenden unde umme 
stecken, wenn he des behovet. scriptor. Bruns«. 3, 469. 

HARERWOLF, m. heisst in einigen landschaflen die leiste 
garbe haber, die auf dem feläe gebunden wird; der name geht 
auch auf den bindenden über. Mannhabdt roggenwolf 25. 28. 

HABERWÜRZEL, HABERWUMZ, f name zweier pflanzen: 
1) scorzonera oder haberwurtzel. Pierot 2, 265; wilde haber- 
wurz, scorzonera humilis. Neinicb 4, 1264. 1) tragopogon, barba 
hirci, wilSe baberwurz oder bocksbart. Fkisca 1, 390', bei 
NenRicn wilde, blaue baferwurzel. 

HABERZIEGE, /. scoU^as gallinago. Nehnicb. vgl. haber- 
geisz. 

HABERZINS, m. zins, der in haber zu entrichten ist. Stik- 
LEI 2651. 

UABEST&1TE, f. ort wo die habe jemandes enthalten ist, do- 
micilium. Haltaus 770. 

HABGEIST, «n. .' seinetwegen bitte Joseph immer in ruhe 
regieren nnd seine Staaten ordnen kfinnen; ja als er nach 
Bayern griff, setzte eben Friedrich sich seinem ISndererwerb 
blos in der absiebt entgegen, dasz kOnflig ein so böser Zun- 
der zu kriegen, der ländererwerb, in Deutschland nicht mehr 
statt haben sollte, mich dankt, dieser babgeist dorfte Joseph 
nicht eben anderswo herkommen ; leider war er ja die ererbte 
politik des babsburgischen bauses. Herder briefe zur befür- 
derung der humanität, 1. samml. (1793) s. 135. »gl. das folgende. 

HABGIER, f. gier nach habe, ein neues, doch gut [wie mhd. 
minnegir) g^deles wort, das noch nicht hundert jähre im ge- 
brauche ist. bis ins 18. jahrh. drückt geiz noch immer nicht nur 
die begierde etwas für ach zusammemuhallen , sondern auch zu 
erwerben aus, Kant 5,264 unterscheidet kargen geiz und hab- 
süchtigen geiz, indem sieh aber um die mille des vorigen jalirh. 
geiz aussthtieszUch zur erstem bedeutung zu verengem beginnt, 
wird für die Idzlere bedeutung ein neues wort nötig, cüs die 
mildere bezeichnung du habsüchtigen geizes findet sich bei Herder 
babgeist {s, oben), was nie allgemeiner geworden ist , als stärkere 
habsucbt, wai unten zu früliest aus Hagedorn belegt wird, 
und das jüngere und im ganzen weniger häufig gebrauchte bab- 
gier. 1740 bei Friscb erschienen diese neuen uürler nocA nicht; 
Adeldnc hat 1775 bloss habsucbt, 1796 babgier und habsucbt. 
dieses verbot reizte die babgier nur noch starker. Kotzbbdb 
ertflnenmjen (1805) 3, 21 ; er . . hatte in reichem maasze die 
hindutalente: schnelle beobachtung, tact, gewandtbeit, aus- 
daner, und die bindulaster: knecbtsino, habgier und ver- 
raiherei. Macaulays kl. biogr. Schriften, übers, v. BOlad 1, 48. 

HABGIERDE, f was babgier. 

HABGIERIG, adj.: Hardikanut, der sich nur durch schwel- 
gerei und habgierige bcdrückungen auszeichnete. Scblosser 
vellgeseh. 5,271; das junge habgierige mSdcben konnte sich 
nicht satt sehen. GOtbe 17,398. 

HABHAFT, adj. 1) mit besitz versehen, etwas habend: dieweil 
der mensch .. weisz, dasz er auch ein zweifacher mensch 
ist, in guten nnd bösen habhaft, und dasz dieses alles sein 
eigenthomb ist, und 'er selbst derselbe mensch ist, der da 
ist gut und böse. Jac. Böhme v. d. drei pWntipien göUl. wesens, 
vorrede p. 7 ; mit habhafter band und gichtigen mund. Haltacs 
769. es ist die band des diebes, die das gestohlene gut eben noch 
hält, in besitz hat. — DoAer entwickelt sich die bedeutung 

2) begütert, vermögend, wolhabend: reich und habbafl. Frisco- 
LtN deutsche dicht. 186 ; den gemeinsleulhen, so etwas haabhafl 
seynd. Frankf. ref. 3, 2, l; das kleine Asia .. ist fünfhundert 
lledt mächtig, habhaft und reicbi S, Fbane weWmk 2'; der- 



halb es an gold und gelt nit ein habhaft stattlich Tolk ist 
wie die Türken. 42'; Toesa, ein fast schön und habhafte 
Stadt. 186*; in diesem sinne braucht der Schweizer das wort 
noch heult: habhaft, begütert, ziemlich reich. Stalder 2,7. 

3) dte neuere spräche verwendet das wort, an die bedeutung 1 
anknüpfend, nur in gewissen formelhaßen Verbindungen: 

a) habhaft sein, compttem esse alieujus rei. FtiscH 1, 389'; 
ich bin des buches jetzt noch nicht habhaft. 

b) habhaft werden ; die sacke oder person deren man habhafl 
unrd, stellt gewOhnlicIi im genitiv: das ewige sehnen nach einem 
unbekannten gnte, dessen er bei jeder Veränderung vergebens 
habhaft zu werden hoBt Wieland 3, 398; um der frucht 
eines baumes habbafl zu werden. 6, 48 ; ejn schöner mann, 
eine schöne frau ! ist der director glücklich genug ihrer hab- 
haft zu werden, so sind komödien- und tragödiendichter ge- 
borgen. Götbe 23,23; bin ich endlich deiner habhaft gewor- 
den? Kotzeboe dram. werke 2,79; ebenso wenig als es- mir 
gelingen wollte eines von seinen bücbcrn habhaft zu werden. 
Lessinc S, 467. dodi auch der acc. wird vielfach gebraucht: in 
mehrere anmerkung, dasz sein fürst sie nicht anders habhaft 
zu werden getraute. Hofmannswaldao bei Steinbach 1, 662 ; und 
jede bauswinhin so viel davon habhaft werden kOnte. Felsenb. 
3,90; gute kinder die sich mit planen und aussiebten be- 
schäftigen dich habhaft zu werden. Götre 10,95; man suchte 
gewisse Wiener trinkglSser habbafl zu werden. 32, 208 ; ich will 
nur eilen ihn wieder personlich habhaft zu werden. anSdäller 347 ; 
die Beichardtischen briefe habe ich noch nicht wieder hab- 
bafl werden können, an frau •. ^n 3, 356; den man . . 
habhaft werden konnte. Scbilur 859. zweifelhaft ist es, ob 
in den folgenden stellen der accusativ oder der genitiv gefühlt 

'ward (s. 3, 1134, no. 26): um diesen einzigen gedanken will 
ich das buch des Besold lesen, sobald ich es habhaft werde. 
Lessing 11, 750; wie der gegenwartige Übersetzer es habhaft 
geworden sei, bat er nicht für gut befunden zu entdecken. 
GOtbe 33,24. 

c) sich habhafl nennen; 

wer deren eines sich wird habball können oenneo. 

Simpt. 1. Ihl. 1. buch 10. csp. s. 146 (1685 ii. 1713). 

d) habhaft bleiben: ein flscher, indem er sein netz aus 
dem meere zog, blieb der grOszern fische, die sich darin ge- 
fangen hatten, zwar habhaft, die kleinsten aber schlupften 
durch das netz durch. Lessing 5,370. 

e) habhaft machen; fntl dem genitiv der saehe: dasz er be- 
lieben wolle, sich des meinigen habhaft zu machen. Simpl. 
1,359 Kurz; einen seines wünschens habhaft machen, facere 
aliguem eompolem voli. Hederich 1190; wenn mich das glück 
wird euer babhafl machen, st fortuna feeerit me eompolem 
vestri. Hederich ib., Steinbacb 1, 662. mit dem aec. : also halt 
mir . . mein gnadiger herr hertzog Sigmund die bemeldt 
summt . . benUgig und habhaft gemacht. Haltaos 769. 

HABHAFTIG, adj., nebenform zu habhaft, 1) wie dieses, mit 
besitz versdun, etwas besitzend, habend: unvermOglicher von 
tugend dann die würzet und doch an feistigkeit habbafliger 
(mdir feistigkeit habend] dann die andern beide. L. Tburneissgr 
besckreibung influenlischer Wirkungen aller erdgewächse (1578) s. 4 ; 
die . . volkreichste nnd ao vil gutem babhafligste stat. 
S. Frank chronica (1531) 14'; an wildem und heimischem vich 
seer babhaftig. weltbuch 70'; schier aller gSten ding habhaf- 
tig und aller frücht fruchtbar. 71'; disz laod ist mit vihe fast 
herrlich und mcchtig, auch von wildpret babhaftig. 180'; mit 
schönen habhaftigen stellen geziert, 65'; eines lehens bab- 
haftig sein. Haltaos 769; 

sorg sprach die faulen hende 

verarmen an dem end«, 

emsig arbeitt desgleichen 

macht habhantg und reiche; 

darum trag ein Im sumer, 

das du nit leidest kumer 

In deines altera wlnter. 
, Berliner hdschr. der meistergesängt, 

ms. germ. fol. 23 n. 88. 
2) aticA in passiver bedeutung, was gduM, besessen wird, wie 
man habendes gut, habende dinge in gleifhem sinne verwendet 
(s. haben V ip. 76) : es sei gelt, gut oder kleinoter und ander 
babhaftig gut. Redter kriegsordn. 38; 

habhafUg gut erhalten wol. 

B. RiNswAiDT laut, wahrh, 108. 

HABHAFTIGKEIT, f. participatio. Steinbacb 1, 662. 
HABHArrWEROUNG, f.: nach der babhanwerdung de« 
dicbe». 



Digitized by 



Google 



91 



HABICHT 



HABICHT 



92 



HABICHT, m. accifiUr. 

I. Form tind ttnvandUchaft. 

ahd. habub, hapuh, babicb, mhd. babecb; ags. heafoc, 
bafoc, engl hawk; fries. bauk (Richtdofen SOO; mnl. bauk, 
ntii. bavik ; altnord. haok-r, dd». bog , tehwed. bok ; ßr das 
golhische ist das leort nicht belegt, ßr das aUniederdevtsche mrd 
es in den Ortsnamen Havocas-brAc, Havakö-borst im Werdener 
heberegisier gewährt. 

Wie mhd. die form babecb uneingeschränkt gilt, so zeigt das 
nhd. noch im 16. jahrh. vorwiegend babicb , i. fr. bei Braut 
narrenseh, 44,4, Seirands diä. aS', Alberos, Uastp., Haaler 
104', Pur. JO*, Garg. IM*, 250", Frey garteng. 2; vom fuchs 
und dem babicb. B. Waldis 4, 44 ; bat ein lang spittig maul 
wie ein babicb. Forer fisehbudi 10'. im 17. jahrh. trird babicb 
seltener: die gelehrten raassen vielmehr den habicben bisz- 
weileo nachfolgen, welche wissen in die bOhe sieb tu er- 
heben. ScBOPPiDS 757; 

von tauben wird niemals einhabich eneuget. 
Rist Pam. 208. 

ßrs 18. jahrh. kennen noeft Steirbacb und Faisca diese form, 
die noch jeltt in den mundarten herscht: sehweis, habch, habk 
Stalder 2, 8, kdmlh. babicb Leier 12«, in Tirol bSbich 
Fromii. 5, 445, westerwätd. babch und haweib, hawweih, mjin- 
lieri. havk Fromm. 6,429. im Gvitinj. blwek, aUmark, haofk 
Darneil 7<*. 

Die erste spur eines an das wort Irrenden schlast-t ist aus 
der tweiten hälße des 15. jahrh., babicbt, habcbt Diefenb. 7'; 
die Lasibergsche handschrifl (fi) von Heikzeleir vok Constanz 
der minne lehre lieM 474 bebebllin ßr das bebecbltn der andern; 
LcTRER schreibt stets habicbt: und dis solt ir sebewen unter 
den Togeln, das irs nicht esset, den adeler, den habicht, deii 
fischar. sJtfii». ll, 13; der adeler, der habicht, der flschar. 
bllos. 14,12; ileuget der babicbt durch deinen, verstand und 
breitet seine flOgel gegen mittag? Hiob 38, 26; nicht die da 
ständen und blocketen oder babicbt tragen, werke s, 86'. im 
17. jahrh. itberwiegt schon diese form: babicht (nefren babicb) 
Stikler 724, babicbt Scbottel 1332, kein sperber, habicht, 
ahr oder weih. Scrdtpids (1701) 787, im 18. trird sie in der 
Schriftsprache aUein übUeh, 

liebe* babicb und habicbt gdtt auA das sdmache babiche: 
habiche, habige Diep. 7' [vgl. havke, baavke DIhnert 180'); 
Hedszli!« im vögelbuch hat der babicb, der bapch 12(', ober 
den babicben, dem habicben. 12S, dem hapchen. 128, 131, des 
hapcben 135', die astures, das ist groszea bapchen mauszend 
sieb gleich wie die bapchen 12S', neben der starken form des 
babicbs 126. 129; dem babicb 126; den babicb 123. 

EigeutkimHch und tonst nicht weiter beieugl ist die form hapsch. 
Diep. V. die guUuralis ist unterdrOcb in der form habit: soll 
finden einen rick, darauf er seinen habit steHe und stroe, 
darauf seine hondc mögen ligen. wHslhum von 1310 aus ür- 
mtUz unterhalb Cobleni, meistK 3, 826. — Für Baiem verseiehnet 
ScBM. 2, 148 das tusammengesogene der hacbt, des bacbten für 
habitM, «ji. bacht sp. 98. 

Der umstand, dasx das habiddsminnchen kleiner ist als das 
habiehtsweibehen, lisit für das erstere eine diminuUvform nr an- 
wendun; kommen: si hallend in irer grosse gegen andern 
thieren das widerspil, also, das mannle ist das kleiner und 
wird genennt das blbchle, das weible aber ist vil grnsser 
und sierker dann das mSnnle, das wirt genennt der babicb . . 
gemeinlich sind iie habicblein etwas kibiger dann der babicb 
. . es ist ein Instig weidwercb mit dem babcb und hSbcble 
zu beizen. Stdmpp chronik {Zitrich 1586) 560' ; der babicbte sind 
zweierlei, der eine ist kleiner und wird babicbtiin genannt, 
welches man fOr das maniilein ball. Becher geh. jägereab. 
eap. 30; da» münnle {des habichts) ist kleiner und beist das 
babicbtlein. das weiblein ist grOszer, so man den habicbt 
nennet, und solches ist bei allen federspiel. Nebrikg histor.- 
polit,-jurist. lexicon (1736) anhang 94*. vgl. mhd. 



den sperwer nnt da; bebecbltn 
mit blO{er bant mac niemen vln, 
er mOei« ein luoder drinoe bin. 

HUNS. T. CORSTAMt 



lehre 474. 



Die aite ableitung des lal. «ccipiter «on accipere, die von 
Bopp und PoU mit beiug auf ein altind. afupatvan, griech. 
toxüttifot turitckgewiesen ist, wird doch durch das deutsche 
gestatsl. ahd. babuh iann nur auf heffan, golh. haQan, lal. 
capto turiukgehen und den ergreifenden, packenden vogel be- 
dmt<en, von dem ja srnst gesagt wird, er krimmt und Uemmt: 



ehrimmit eviscerat (accipiter eolumbam pedäms unäs) Graff 4, 
608; singenden vogel aber und clemenden und winde und 
hezzehuode und bracken mac man wol geldeo mit eime iren 
gltcben, der also gut st. Sachsenspiegd 3,47. 

n. Bedeutung. 

1) der babicbt ist der eigentliche deutsche jagdtogtl, der name 
begreiß oß auch falken und sperber in sich, Henisch 979 fährt 
faick, falcb, faicket, habich, sperber in ^inem rinne auf; sonst 
braucht man falke fitr die edlem, babicbt fUr die geringem, 
wie adler ßr die gristen raubvOgel: alle raubvfigel werden 
entweder unter dem adler oder aber babicbs namen begriffen 
und verstanden. Feterarerd faUaura T. die Jägersprache kennt 
in besug auf babicbt manche kunslausdntcke. die weidmännische 
redensarten vom babicble seind : der babicbt bat greif-klauen ; 
gestelle oder fuszgestelle (sind seine scbenkel); Oeug-bug- 
fedem, auch OQgelbogen. er siebet auf der band oder Stangen ; 
wird getragen (vgl. kierxu oben die stelle aus Ldtber ^, 86'i ; 
gelocket oder bereitet; geätzet, und wenn er genug bat, 
saget man, er hat einen guten kröpf; er bekommet gewolle, 
der habicht jaget oder raubet; ist lustig; führet wohl; wird 
geworfen; fleugt auf den vorloosz oder zum federspiel; 
kommt zur band; stehet zur band, ist ein guter handvogel. 
wenn der weidemaon den habicbt fliegen ISsset, heisset es 
gereicht; wenn der babicht ein rebbuhn wegführet, heisset 
es geleitet, wenn der habicbt an einen bacb zum baden 
oder tränken gestellet wird, heisset es geschöpfet; und wenn 
er zu Zeiten etliche scbwingfedern zerslossen, wird er ge- 
schiftet, öcon. lex. 893. die kunstausdrücke sind hiermit noch 
nicht ersehöpß: der habicht wird abgebunden (von der hand, 
die ihn trägt, losgebunden): so du yetz etwan weit für die 
statt hinausz kommen, den habicben abgebunden, und die 
Wurfriemen zusammen geläsen, umb die link hand gewunden 
hast, so 18g allenthalben umb dich, wo du fliegend vOgel 
sähist. Heoszlin vogelb. 128'; er schwingt, schwingt sieh auf: 

man darf nit (Vagen, wer die sigen 
bi den die hund inn kilchen scnrigen, 
so man meu hat, predigt und singt, 
oder bi den der babich schwingt. 



und dflt sin schellen so erklingen 
das man nit betten kan noch singen. 



«ergl. ags. 



ne gdd bafoc 
geond Sil svinged. 



Braut narrentdt, 44, 4; 



Beotmlf 2264. 



der habicht üOsst vonügUdt gern auf weisse tauben. Heoszlin 
131'; die weisze taube, so von den beschwerlichen habicben 
verfolget wird. bärtigL fraueni. 67. er fällt auf seinen raub 
nieder, daher büdlich: die gute mutter, welche so sorgend, da 
sie unten im ströme des lebeos das fliegende bild vom nie- 
derfallenden habicbt des todes erblickte, nur den söhn be- 
dachte. J. Paol Titan 1,37. 

Sprichwörtliches: auf etwas zufahren, wie ein habicht, unje- 
fflein gierig sein; mit einem groszen herra als mit einem 
todten babicbt beizen, unter dem titel eines grossen herm 
böse anschlage ausführen. FrIscb 1,391'; vOgel die zu frfih 
singen kriegt der habicht, in der Wetterau üblich und auf 
menschen angewendet, welche früh am tage lustig singen; ge- 
denke an die Sprichwörter, so ein jeder bauer im munde 
führet: es ist übel schleifen sonder wasser; der geninnen 
will, musz aufsetzen; mit leeren bänden ist übel babicbte zu 
locken, reime dich 127; men lokt gcene baviken met ledige 
handen. Harreboii£e, dos iä auch mhd. beseugt, wie die oben 
mitgelheilte stelle aus Heinz, v. Corstarz lehrt; man verklagt 
die babicbte nicht bei den geiern; da es tbOricht gewesen 
wäre die babicbte bei den geiem zu verklagen, so wurden 
alle diese bescbwerden unmittelbar vor den thron gebracht. 
Wielard 8, 261. — Ein gesellsehaflsspiel heisst der reiche vogel 
und der arme babicht in K. Brdstflecrs (usI^ schersspielen, 
im Kärntischen wird von den hindern babicb und bfine (hahn) 
gespielt. Leier 129. 

Die alle form des Wortes, die lautlich mit bab' ich von haben 
tusammenfälU, hat ein vielfach verbreitelis Wortspiel erstehen las- 
ten: hettich ist ein böser vogel, babich ist ein gfiter. S. Frari 
2, 120'; man musz einem babicb bawen nicht einem hettich, 
das ist, hett Ichs so und so gemacht, das kost unnfltz geld. 
Lebmarh 69; 

nn, hettich ist ein vogel, habich zwar besser Ist : 
doch steht« als auf der kugrl, drumb traut su aller Mst, 
ob goll einst wob bescheren die liebe eioigkeit 
und euch dadurch gewehren der alten faerrlichkeit. 

Job. Dobar <ied t. der leatsehen hanst v, 10. 



uiyiiizeu uy 



ö'' 



93 



HABICHT— HABICHTSNASE 



HABICHTSTEIN— HABIT 



94 



beuer ein habieh aU ein bStlicb. Pibtoiios it no. 45 $. 220 ; 
es ist besser ein dürrer babicb als ein fetter h&tticb. i. 22t ; 
tbtnto KßiTE 1512. 

ZummmensHiungen beuiehnm habkhlartm, du Tonugtweise 
die im erOen compo^Uoiuyliede genannten Mete angreifen: flnken- 
babicbt, at)s. spear-bafoc. gäose-babicbt, bfibner-babicbt, 
hänkel-babicbl, mäase-habicbt. 

2) babicbt,'«n sdiwamm: babicbte sind aucb eine art erd- 
scbwümme, so sich wobi essen lassen , sind Ton ziemlicber 
grOsze, etwas fabl oder graulicbter färbe, und seben wie viele 
an einander gesteckte dtttgen aus, wachsen gern in eicben- 
buscbigten orten, «ton. lex. 893. 

3) Sperber, babicbt, accipiter nennt der wundartt audt ein« 
binde, die bei muentertehungen gebraucht wird. Jacobssgr teehnot. 
wb. 7,388'. 

HABICHTART, f.: eine eigentbOmlicbe erscbeinung der 
tbierwelt war eine habichtart, braun gefiedert und von der 
grOsze der baushfibner. audand, 40. jahrg. s. 99. 

HABICHTBEIN, ». sdtienbein eines habiehls: der pantarbes- 
stein ziecbt das gold, das gold die babichtbein, der bernstein 
die spinen, das gestablet messer die glufen. Garg. 250*. es 
wird auf die sage angetpieU, dan das Schienbein des habiehls gold 
anvuiehen vermöge : so man das scbinbein von einem habicben 
x& gold legt, zeficbt es das wunderbarlicb an sich, wie der 
stein Heracleotes mit seiner krall das eisen an sich zeflcbt, 
als Elianus bezeuget. Hedszlik vogelb. 122'. 

HABICHTER, m. accipürarius : ein falconier oder babicbter 
soll ein huriig und fertiger mann sein. Hohbebg 3,2, 35t'; 
aucupem avibus rapacibus quibus Tis utentem Germani ap- 
pellant ein Weidmann : accipitribus vero privatim ein bäbicher 
i. e. accipitrarium. C. Geskei de avibus p. 3S; falkner, ha- 
hiebet, falkenfanger, falkanirer acdpilrarius. Hekisch 979. 

HABICHTEULE, /. itriz accipürina. Nehnich. 

HABICHTFLIEGE, f.: asilus, raubOiege, wolfOiege, habicht- 
Oiege, huUätid. havikviieg. Neiiiiicb 1,503. 

HABICHTKORB, m. korb zum fangen eines habichU: (die 
habicble) streichen im monat junio meist von der borst ab 
nnd werden dann in babichtkOrben . . gefangen. GOcrbaosek 
notabilia venatorit Ui ; habicbkorb Flehimg leulsdier jiger 153 ; 
habicbtskorb 0cm. lex. 893. 

HABICHTKRAUT, n. acdpUrina, Meraäum Steinbacb 1, 932. 
engl, bawk-weed. Oecken-habichskraut, Ueraäum maculosum 
Hekiscb 1131, bei Nemnich 3, 202 geflecktes babicbtskraut, 
wall-babicbtskraut, hypochaeris maeuläta. dasz kraul, babicb- 
kraut geneant, reihend die habicben, und triefend den sali 
darvon in ire äugen, die dQnkle daraus ze vertreiben, als 
Plinlus schreibt. HED8zi.m vogelb. 121. 

BABICHTLEIN, s. habicbt. 

HABICHTNETZ, n. .* habichnetz, worin man die babicbte 
fingt. FaiscR 1, 391' aus Flebings teutschcm jiger. 

HABICHTRINNEN, f. plur. rinnen mit darüber gesogenem 
nelse zum habielOsfang. Jacobsson teehnoL «b. 6 (. 5*. 

HABICHTSBRUST, f. wird die brüst des pferdes genannt, wenn 
sie tu hoch hervor steht. Nebnicb. 

HABICHTSFANG, m. 1) fang des habithu. 2) apparat zum 
fangen des habiehls, aus einem korbe oder nelswerk bestehend. 
Seon. lex. 893. 

HABICHTSFLÜGEL, m.: dann bat ihm (einem imor) der 
mabler ein paar Hügel angesetzt, die ein jagdkundiger in Ver- 
suchung gerSlh für habicbtsflUgel zu halten. Kotzebde eriaaerg. 
(1805) 2 97. 

HABICHTSKLADE, f. kiaue des habichU: 

als ich vor uoserm grafen 
die taube aus den babicblaklauen sclioiz. KOsubi 2, 69. 

HABICHTSKRALLE, f. kraUe eines habiehls: 

sie {die Sirenen) verbergen In den iweigeo 

ihre garstigen liabicbtslirallen, 

euch verderblich anzurallen 

wenn ihr euer obr verleiht. 6Stbb 41, 120. 

HABICHTSNASE, f. nasus aquiUnus, aduncus: babecbsnase, 
habichnase Oiefinb. 44*; der ein lange babicbsnase bait, 
ttonim habetts curvum ut aquHa. Und. babicblsoase Stiblbe 1333; 
habichtnase Fbiscb 1, 391 ; diese (atte frau) hatte ein paar 
äugen wie zween Irrwische, und zwischen denselben eine 
lange magere babichtsnase, deren ende oder spitze die untere 
lefzen allerdings erreichte. Simpt. 1, ist Kurs; dieser feine 
mahn mit der babichtsnase. Bettinb briefe 1, 140. — Aber 
auch ton einer einwärts gebogenen nase gilt das worl: tilui ha- 



Uchinas Ais. ee3'; so eine kleine atumpie babichtsnaae hat 
Leiio nicht. Lessikc 1, 870. 

HABICHTSTEIN, m. hieraciles Steinbacb 2,692. hieraciles, 
babicbslein G. Aciicola 705' ; habicble aollen in ihrem haupte 
biszweilen steine haben , welche man in ihrem jebime an- 
treffen soll, bergw.-lex. 281*. 

HABIG, HÄBIG, adj. eonlinens, tenax, dives. l) die eigent- 
liche sinnliche bedeutung isl, vom verbum haben (ip. 50) aus- 
gehend, haltend, lutammenhaltend, wie sie im ahd. erscheint : die 
zesamine habige erda eonlinens terra, mit faslhabigemo bts2e 
tenaci morsu Gbaff 4, 738, und wie sie im compositum anhabig 
(1,364), ferner in vastbabig, beslendig, perlinax (Dastp.) nocA 
haftet, in Ulm sofft man ein bitbiges (dauerhaßes) tucb. Schmid 
sduBlb, vi. 252, im 6in>. unhSbig, ungebäbig nicht su hallen, 
böse, uttgetlüm (Scan. 2, 136), kaminisch unbabik tudringlieh, 
besdwerlich Leier t29. daraus entwickelt sich namentlich für das 
alemannische Sprachgebiet 

2) der begriff sähe, sparsam, karg: tenax blbig, hebnig 
DiErENB. 577'; lenox 4iabig, zehe, karg Dastp.; hibig, karg 
oder kündig, restriäus et tenax Maaleb 204*; er ist* etwas 
hfibiger oder geitiger. doi.; zum andern findest du menschen, 
die verbergen Iren geiz mit reichlichem auszgen (I. auszgeben), 
si seind nit zieh oder habig, ai gebend ausz, das ist gleich 
das widerspil,- aber si sieben darin wider nulz einzunemen. 
Keisebsb. st6en haupltünden (15101 ee4'; wo mainstu das ea 
herkomme, das wir also hebig und also genau und zSb sind 
gegen den armen menschen T schiff der peniL 75'. auch Stein- 
bacb 1, 662 kennt bSblg tenax als vocem non ubique usUatam. 

3) habig, habig, begütert, wolhabend, reich, lehnt sich nicht wie 
das vorhergehende unmittelbar an haben, sondern an das subst, 
habe an, wie goth. audag-s, ahd. 6tac an aud schalt, gut, ahd. 
At: mhd. babec Ben. 1,602'; ein man so häbig gewest in 
seinem leben, weisth. 2,165; mit leulen oder varenden gutem, 
daran sie bebig seien. Haltaos 769; geltreich, bibig fent- 
nioitM Dastp.; habig Prankf. reform. 11,16 §6; 

«iewol die vriber mit geferden 
die geucb berupfea, denooctal werden 
under tusend IVounea dIi 
ejn rieh gnng, babig domit. 

HoanH j^nchmotl, bei Sckeiile t, 947 ; 
wer . . rünfliigjährig ist nicht Seiszig, 
und reich an gelt, gut oder land, 
der Wirt sehr schwerlich hie auf erden 
schon, Start, weist oder htbig werden. 

Wicxanira 827. 
H&BIGKErr, f. tenacitas: bibigkeit, behebe, kargheit Dastp. ; 
bebigkeit tenacitas Maaler 215'; der sechste bock {haken) ist 
karkheit, zähe und hebikeit. Kbisebsbebg schiff der peniL 109'. 
HABIT, m. und n. kleidung, onsug. die entlehnung rom fran- 
tisisehe» babit, das dem laL habitus entstammt, ist schon früh, 
aber in einem enpen sinne erfolgt: mhd. abit, mni. abite, fries. 
babit, abit (Richtrofbh 789') bedeutet nur ein geistliches {klMter-, 
priester-, ordens-)kleid. wahrscheinlich erborgte man es tundchst 
aus oslfransOmdien klistem, die tu dem westliche» Deutschland 
in mancher beiiehung standen, und man hat hierbei wol auch 
unmittelbar an das tat. babitus gedacht, es heistt sicut veslia 
corpus , ila habitus animam vestit. Melbbr vee. «ord. k 8*. 
teil dem 17. jahrh. unter »nßust des dominierenden frantOsischen 
erscheint das wort hdufgtr und in erweiterter bedeutung, indem es 
kleidung überhaupt oder doch das hauplstück einer kleidung aus- 
druckt, das geschlecht bleibt bis su anfang unseres jahrhinderts 
OMSschlieijlich masc, Adelddc kennt nur solches, erst in neuerer 
teit hat auch das neutrale statt. — babit ieieicAnel; 

1) im anschlust an die mülelailertteAe bedeutung geisiliches 
{mOnchs-, priester-) Ueid: Isidorus der cardinal geht ein in 
seinem babit. Atreb 152' (760,6 KeUer); drumb wirft er auch 
den mOnchababit von sich. MicrIuos oU. Pomm. 1,119; er 
verlas das evangelinm im habit eines diaconL KOblbr reiehs- 
histtrie (1737) a. 840 ; 

sein Ifines Urchm^rsien) weist babil, sein äuge grau 

lugt drüben an den renstersprotsen. Dbostb-Holsb. ffed. 19t . 

eon dem kleide eines einsiedlers: der fibrige babit stimmte 
mit der hauptzier Oberein, dan ich hatte meines einsidlers 
rock an. Simpl. 1,65 Kurt; ich eolte meinen babit {das ein- 
sledlerkleid) stracks wieder anziehen. 1,72; sog ich solchen 
Elianischen babit an (ein Ueid wie der prophet Elias). 4, lis. 
dann nenn< man abgeblastter auch die weUiche amtstracht habit und 
ipricid von einem richterlichen habit, professorenbabit, hofbabiL 

2) weltliche kleidung eines mannet, namenlluA feine und mo- 
disdie: dabero eraparten wir die mühe uns wieder anzu- 



Digitized by 



Google 



d5 



HABIT— HABSCHAPT 



HABSELIG— HAGUE 



d6 



kleiden, obschon der babit auf das durchlaachtigste bestellt 
war. Jucundus. 49; zog ich einen ganz schwarzen habit an, 
auf die Torige inode gemacht, aus welchem meine weisze 
haut hervor schien wie der schnee. Simpl. 1, 365 A'itrz. solche 
gemdhUe Ueidung tu gtwiasen ticeckea wird durch composüion be- 
zeichnet: Irenio hatte gleichfals einen sehr kostbabren jagd- 
habit angeleget. Talander Amor am hofe (1691) l, 29 ; als sie 
den konig in seinen nachtbabit vor ihrem belle stehen sähe. 
2, 241. vgl. banshabit. — babit rtrd aber auch von dem ge- 
wande änet narren gebraucht: ein brustbild eines jungen oarrn 
in külbernem babit mit einem paar haseoohren, vorn mit 
schellen geziert. Simpl. l, 290 Kurz. 

3) ton dem haupUiteidungsstücke oder dem ganzen anzuge einer 
frau : gleich wie mir (der Courage) aber mein schwarzer Iraur- 
habit ein sonderbares ansehen und erbare gravilSt verliehe, 
zumaleo meine Schönheit desto hoher berfür leuchten machte. 
Simpl. 3,26 Kurz; und wann ich die Wahrheit bekennen soll, 
so beduokt mich noch, der allen schachte! seie dieser habit 
. , Oberaus wol angestanden. 3, 169. 

4) die Ueidung der bergleute, aus grubenkitlel, lütilerleder, berg- 
kapfe und schadUhul bestehend, s. bergw.-lex. 281*. 

UABITAZ, f. habUatio, traAnimj, aufenthalt: 

der kaunnann ngt in Bfthmerland 

in einer »lall Hürd Prag genaol, 

da liat der all sein babitati, 

besitzt gross guter, reichen schätz. 

WicKua pil}«- V, 73. 
HABITCHEN, n. Ueiddien, kleiner oder geringer anzug. 
BABLICH, HÄBLiCH, adj. in mehrem bedeutungen. 

1) im ttUgemeinslen sinne ist es das, was bezog auf die habe 
hat und mit ihr zusammenhängt: 

mhd. wa{ ich jag des bin ich gereut, 

aber wenn ich gevangen fa&o 

st lsl{ hiplich girkait an. 

lasiiuo liedersaal 2, 688, 68, 
der dichter meint geiz in betreff der nun erworbenen A(ilie;-habilug 
gewonbeit die einer in der gel hat, heblich besitzung. Die- 
reiiBACH 272', j^müieraMisjen 6esttz an eigenartigem wesen; in 
engerer bedeutung was sich auf güler, namenlUch liegende, bezieht : 
setzen . . Wilhelm von Haubilz seine leibs lehenserben . . in 
eine bebüche und cOrperlicbe gewalt und gewehr (eines dorfs). 
Haltaus 769, Urkunde von 1546, gewalt über den besitz und die 
Personen derer im dtrfe, dingliche und persönliche obergerichts- 
barkeü; hablicbe klagen oder Sprüche im gegensatse der persOn- 
licben. Scan. 3, 136. 

2) in pertvnJicAem süme itl hablich der mt besitz versehene, 
der begüterte, wolhabende, diese bedeulung gilt namentlich für das 
aiemannisdi» Sprachgebiet: Heinrich von Meichtal, elf wiser, 
verständiger, eerbarer, hablicber mann. Tschudi 1,234; da 
Anne Mareis nalur eine tüchlige war, so schosz die neue 
bäurin {das gefihl, dasz A. M. nun Muri» geworden sei) nicht 
heraus in aller neugebacknen anmaszung, wie aber oacbt 
schwämme auf dem mist, sondern sie machte sich erst im 
Innern, lebte wohl daran, und suchte dafür zo sorgen, dasz 
sie mit ehren, d. h. hablich und so recht erstarket, hervor- 
treten könne. GorraeLF sehuldenb. 293 ; froher ein ordentlicher 
und hablicber mann, haben ihn . , Verluste . . an den rand 
des Oconomischen ruins geführt neue Zürcher zeilung 1867 
no, 129. auch bei Spindles ist das wort so gebraucht: der valer 
war ein hablicber bürger von Czaslau. bastard (1826) 2, I3&. 

3) hablich heiszt auch geschickt, tüchtig, hier rührt es an sich 
haben im nnne von sich verhallen, sich bezeigen (^. 53) : so ahd. 
habilkher habilis G«aff 4, 738. dieser beikutung fällt unbäb- 
lich 6ei Fisciait su.- das er uohablich dazu (su einer p/VOnde) 
w&r, weil er ein eheweib bSIt. Uenenk. 38*. 

HABLICH, HÄBLICH, adv. zu dem vorigen: er sitze und 
wone dann in der slat zu Worms buwelich und hebelicb. 
ScBESz 1,210; die sollent sich alle buwelich und habelicbe 
in dieselbe unsere stelle setzen, das.; burger oder gebure, 
die da bebelicb, seszbaflig und wonhaftig daselbst sitzen und 
huselich daselbst wohnen. Haltads 769; {Christus spricht:) 
mein leer ist nitt mein leer, sunder desses der mich gesant 
halt, sie ist wol mein approbative, hablich und babich, wenn 
ich hab sie in mir und nimm sie an. doz& mein, wenn ich 
halt sie. sie ist ouch mein snbiective. KsisEassnc postill 2, 82. 
HABLOS, adj. ohne habe, s. habelos sp. 45. 
HABLOSIGKEIT, f. 

HABSCHAFT, f was man besitzt, etgenOmm, x^rjiia: 
aeb, so nimm dann hin aus gnaden, 
was die böse baabschad Ist, 
womit ich so schwer beladen. Otuo 76, 



lieber, o wer denn bat dich erkauft mit eigener babscbaft. 

Oilyssee 14, 115. 

nodt im 16. jahrh. brauchte man , «rie im mhd., für dieses wwt 
eigenschaft |s. 3, loo) : pecuiium, eigenschaft in kleinen Zinsen. 

OlEFENII. 419*. 

UABSELIG , od;', mit habe gesegnet, reich >in habe, wie mhd. 
guotsffilic : habsSlig, reich Frisch 1, 389', 

HABSELIGKEIT, f. opulentia, habenlia Stieler 1993, Mens, 
substance Frisch teutsch- franz. wb. (1730) 278. 6fi den neueren 
wird das worl in mehr ironischem sinne für geringe, wertarme hob« 
gebraucht: jedermann, dessen ganze habseligkeit in diesem ver- 
meinten kleinode bestehen möchte. Kart 5, 266 ; ein gleich- 
masziger trieb beseelte sie alle, geschwind raflen sie ihre 
habseligkeiten zusammen. Hosäos die deutschen toUcsm. (1804) 
I, 216 ; er fragte ob die andern auch so glQcklicb gewesen, 
ihre habseligkeiten zu retten. GCthe 19,40, äbnlicli 53. 

HABSUCHT, f. sucht oder gieriges verlangen nach habe, über 
die entstehung des Wortes s. unter habgier sp. 89: die blosze 
habsucbt macht denselben (den kaufmann) auf die grösze des 
vortheils scharfsichtig. HAnANN 1, 30 |v. / 1756); habsucbt, 
unersatllicbkeit im erwerb. Kant s, 266 ; der ausdruck der 
niedrigsten haabsucht ist seinem gesiebte eingeprägt. Lavatcr 
phys. fragm. 1 (1775) s. 119; ich sah das kästchen mit nei- 
dischen äugen an und eine gewisse habsucbt bemächtigte 
sich meiner. GOtbe 23,106; 

er tobet dasz die Tenster klingen, 

wann seiner habsucbt was entgeht. Hicidorn 3, 54; 

wird dich die habsucbt nagen. 1, 79; 

wenn auern kindern 

nicht waissnnoth 

und habsucbt droht. Buuadu 1,180; 

wenn über meine b&llenschwelle 

die habsucbt ihre liamsteraugen rollt. 

Kl. E. ScuiiDT poet. briefe (1782) <. 61, 
aus eifer für das gute nicht, 
aus habsucbt kam blosi euer strargericht. 

briefmediset der /am. des tunäerfr. (l792) 12, 15; 
keines Römers schndde habsuchl soll dir je dein grab versehren. 

Platir 33*. 

HABSÜCHTIG, adj. : ich verstehe hier unter diesem namen 
(geiz) nicht den habsüchtigen geiz (den hang zur erweilerung 
seines erwerbes u. s. w.), sondern den kargen geiz, welcher, 
wenn er schimpflich ist, knickerei oder knauserei genannt 
wird. Kant 5, 264 ; mit habsUchliger liebhaberei bemächtigte 
er sich mancher vorzöglicber exemplare (von fossilien). Göthk 
50, 226. es ist bemerkenswert, dasz für dieses adjediv und sein 
Substantiv im jähre 1753 vereinzell begiersüchlig , begiersucht 
erscheint: begiersüchtige narren .. begiersucbt eines geizigen. 
OErnNCE« die Wahrheit des sensus communiz s. 138. £ese warte 
sind offenbar in dem bestr^en gebildet, fiar die nicht mehr ge- 
nügenden begriffe geiz, geizig angemessene ausdrücke zu finden, 
ohne dasz der outor gerade auf (Üe bildung von habsucbt, bab- 
siicbtig verfiel. 

HABUNG, f. 1) das halten, festhalten: so mag das Heisch 
vil eher kommen zur babung am bein. WDriz practica der 
wundarzKä (1612) 243. babung haben, halt, anhält haben: im 
scbusz entzfindele sich die malerie, und wann nun der pfcil 
an etwas hinfuhr, wo er babung hatte, so blieb er stecken. 
Hebel schatzkäsll. 190. 

2) das haben, besitzen, stetes bei sieh führen. ScaorrEL haubtspr. 
388': mhd. darumbe sag ich, da; ich niht sin mag der sun 
gotes, niuwan ich habe daj selbe wesen, daj dl hit der 
sun gotes, unde von habunge des selben wesens werden wir 
ime gelicb und« wir sehen in als er got ist. deutsche mysliker 
2,41,5; weil er alzeit durch di stelige vor äugen hab- und 
Zuneigung im gedäcblnUsse und herzen liget seinem diner 
N. N. BuTSCHiY Ad. kanzeliei 96.- 

HACH, inier j., ein grobes bäurisclies lachen bezeidinend: 
do sprach sie (itie baurendirne) zu mir: so narr, so, 
hach, hach, ich het sein scbir gelacht, 
hOrt, hin, wie im sein herz ueur kracht. 

H. FoLZ bei Haupt 8, 612, 63. 

HACHE, m. und f., ein seit dem 16. ^aArft. häufiger erschei- 
nendes wort. 

1) als mate. bezeitinet es einen jungen menschen, burschen im 
allgemeinen: den knapheus, koap, knab oder sechsisch ein 
knaph heiszt ein junger gad oder hach, oder den . . wir ein 
gesellen heissen. MATRESins 5ar. 13*. das wort steht meist in 
formelhafter Verbindung mit adjectiven : als lang einer den seckel 
toller gelts hat und dapfer aasz gibt, und sonst noch ein 



uiyiiiztJU uy 



ö" 



97 



HACHE 



HACHEL— HACK 



9^ 



junger hagk darbei ist, wirt er von jedermaa geliebt and 
bockgcbalten. KsisEasB. nanentch. 4&'; domals war in der 
«ptei ein mOnch, .. ein jonger bach, ein wagherz, lustig, 
munter, naclier, burtig. Garg. 203'; 

du junger hacb, gib her dein gul! H. Sxcas }, 3, 4t'; 
ist keiner ble der iunien hachen, 
der thu Tom i3g ein tiedleia machen? 

ein chritü. lug uiier dm Türken C3'. 

ein junger bacb, femmlus, audaculus SchOnsledek ; sonst geben 
sie (die gdsIlUhen) einber wie die liriegsleut und freien hacben, 
scbSmen sich des Itorbemds und der blatten. Hotten 2,141 
Südcing; Pbilippi son der wunderman, welcben Daniel ein 
freien bock nennet (wie man die alten kriegsfarsten kerl oder 
freie bachen und babicbt nennet). Mathesios Sar. 8&*; 

noch sind sie IVeie hechen, 

wer wlls in weren bald? UatAiiD vsttst. 027,7, 

moßr 529, 11 : 



noch sind sie freie knaben, 
truti wert In weren lar! 



,■• 



»nd dat. 12: 

denn sie sind freie gsellen; 
wenn Ich ruhig könnte lachen 
In Louischens welchem arm, 
ungasMn Ton stolien hachen, 
unoeiiubt vom thorenschwann. 

NoTiLis in Hoffmannt finilingen i, 140. 

man must auch gesagt haben wilder bache, Fiscbart hat tat 
eompot. wild-hache groam. 60; kam umb all mein bab und 
gut und ward ein armer baoh. ßnkenriUer (1650) Aiij*; 

ach, ach, mich armen hachen I 
was «oU ich wol drausi machen? 

Giaine (Mesmeven-UilhmteiR iHamb. ItM) 105 ; 

der gSt bacb . . glaubt dem bawren seiner wort. WicitAM 
rottw. 49 (65 Kurt); 

was dunkt euch nu, mein guter hach, 
Ist euch lur pfarr nochmal so gaeh? 

Ans>bä aas gute leben 401 ; 

ie bin ich nicht ein alber bache. flieg. U. mm 1631, in Bech- 
STEimmw. 2,253; so packten diese groben hachen die beiden 
jungen frautein mit ihren tatzen an. ehe einet weihet 94; 

da lacht die unTemunfl, dasz Ihr die luft entgehl, 

und spricht wohl : hei, das ist ein lustiger poet. 

aiiiutbeurer nahm rör solche grobe hachen. 

kan dann ein fkuler stank so bald poeten machen ? 

Ricau. (1700) s. 119; 
Jwl. geschwind ruft die wache I 
Pliil. du grober hacbe) maviaffe 43. 

wol unter dem einflutte der lettleren formet entwickelt lich bache 
SU der bedeutung junger, Idppiteher, grober und tollkühner 
mentch Matthue devttch-lat. lex. (1761) 205'; bache, terme 
injurieux, cheval de earotte Rondeao teultch-frant. wb. (1740) 
274; «n tollen lachen erkennt man einen hacben. Zebneri 
tenlenfiae (1718) i. 196. in Betten, uie fAerhaupt in Mittel- 
deulteUand, bedeutet bache, hacb rinen habsikcluigen , groben 
meiuchen Vilmar tdiot. 142; es wird mehrfach alt schelle an- 
gtmandt: 

mein mann , der hacbe der, macht mir so manchen straust, 
bilt, wenn er gsolTen helt, als wie der teufet haus. 

Racssl (1700) s. 112; 
misigeburt ! Zauberer, mSrder und drache ! 
txgerthierl luder und rotbart und bache I 

HorraAimswALDAD (1708) 4,337. 

2) Sil dieiem mase. tlelli sich ein seiteneret fem. bache , was 
totiel wie dtme, grabet oder leichtfertiget weib beteichnet: darumb 
schilt s. Augnstln auf die junge hachen, die ihre pittst der 
iogend in aller Üppigkeit dem teufet opfern und dasz Ter- 
dorret machtlosz spreweralter unserm faerren gott (nach luttig 
verlebter jugend nonnen werden). Garg. 273'; keule, ein bache, 
un iwlaui, une «tlotn« Rädleii« 533'. eine diminu/ieMUun) hiervon 
findet tidt mhd. für ein vertdtmUtlet weib, eine kupplerin: 
w«, wat grtner bAsheil 
Vuog diu becbel in irl 

T. D. HkttH gel. abent. 1, 194, 39. 

bache lann nitht, wie dietz Faiscn und Scrvelier (irot unter 
anlehnung an die oben angeführte stelle aus Mathesids) ausgr- 
jprscAen Asien, als eine Verkürzung ton habicb gefastt werden, 
bereilt in ahd. teil fndet sich das masc. bacho alt eigenname in 
etwat ichwankender form: Habbo, Habcho, Hecho, Heccho, 
Hecko FOrstebakd 1,675, mit den dinUnutivbildungen Hacbili, 
Hachilln dat. und Hachibo, Hagbico 579, niAd. Hache ea<er 
dei Eckeharl, Bilerolf und Ditleib 10243 ii. 0.; dat ahd. fem. 
IV. n. 



wfirde hacbA laute», w( tndes audi att eigenname nicAl Aeteti^ 
(wenn et nicht in Hagga FObstem. 1,575 ileckt). Die genaue 
urtprüngHche bedeutung det wortet aufzudecken, flllt tehwer, iM- 
McAl würde man nach dem was unten unter backen über dat 
tehwanken der die wurtel tckUetzenden gullmalit geta^ wird, et 
mit diesem verbum zu vermitteln haben, iniofem hacken oueA 
dat schlagen und kämpfen gegen den feind bedeutet, datt im 
schweizer, hagg, baagg, hak gauner, ichalk, ehieaneur bedeutel 
(Staldei 2, 10), ifeAt, wenn diest mort überhaujA her gehSrt, nicht 
entgegen, der Übergang det einen begrifft in den andient in nicht 
unerhM (ver^. fechter S, 1390. 1391). 

HACHEL, f. granne, bort der Ohre: bachein oriitee NniiiCR. 
.vergl. achel 1, 162, von dem bachel eint nebenferm mit vorge- 
tretenem h ist. 

HACHEN, verb. lidi wie ein bache gebärden: 

die milchmluler gewaltig hachien, 
wollen sich hoch herfQr pracbten. 

CisTinaor plulalogui eonjugalii 13. 

in Betten bedeutel hachen gierig sei», lieh habiücUig zeigen. 
ViLMAi idiot. 143. 

HACHIG, ad}., wie ein haehe; in den miindarten ^wöAiiüeh 
habgierig. Vilmar 142. 

HACHSE, t. hechse. 

HACHT, m. nebenform von hacbe mt< angetretenem t: nie- 
malen sind die baoern fleisziger als wann man in die kirche 
und zum gottesdienst geben soll, . . . dasz gott und der Seel- 
sorger dieweil wol warten können, bisz der baeht fertig ist. 
baiir««ut. latlerpr. 70; bei solchen unbesonnenen bachten. 11t; 

wer Ist der uns disz liedlein macht, 

rdslein auf der beiden? 

das bat getan ein junger bacbl, 

als er von ir woll scheiden. OntAHD «ottsl. US; 

da es Ist kein recbtsehaimer hacht, 

der nicht aust einer stolzen prachl, 

mit fluchen und mit hartem schwem 

kOnt alle seine wart hewehrn. B. Rihswau /. w. 89; 

das ist manch stolsem taaehten 

ein harte schwere busz. Scbass Aawiwerksl. 66. 

HACHT, m. zutammengezogene form atu babicbt. Schh. t,148: 

kein hacht es {das IdMein) stöszl, kein hagel soll es morden. 

T. BiiUN 376. 

HACHT, f. niederfrinUttht form für haft gefingm; den 
namen führte vorzugsweite ein gewahrsam vi K^n: besser in 
der acht dann in der hacbu S. Fbani sprichw. (1541) 7'; diese 
hoChiung bringet solche verwegene gesellen endlich in die 
cöllnische bacht, nicht weit vom Ihumb gelegen, darinnen 
sie endlich sicher, aber zu spat lernen, was die Sparsamkeit 
vor ein groszes einkommen sefe. Scnorrios 530. 

HACRTEREI, f. gebaren als bacht, ttalzet und grabet bOragen: 

der bauren hacbterei ist alizuwol bekandt. 

fcaiiroul. Uxslerp. 68« 

HACK, m. 1) idui, schlag, bandbmg des haekens; to nament- 
lich im Osterlande: anf einen einzigen hack flog das scheit 
bolz aus einander, in Ottpretusen hacks: einen hacks weg- 
haben. Frischrier spr. 1433. 

2) auch dat produd det hadient, wat klein gehackt iit; diem 
bedeutung hat dat wort namenUieA tn der reimsRden formet hack 
und mack, welche eigentlieh dat Uein gehackte und durch ein- 
ander gemengte, daher Verwirrung Oberhaupt, etwat verwirrtet 
bezeichnet ; mack und mengen steAen AtniicAUteA iAres consonan/en- 
verhiltnissei zu einander wie ags. feccan areestere zu fangan, 
und «ie dat düringische fackebali zti lontHgem fangeball [ver^. 
facken 3, 1229) : mancher guter ehrlicher alter teutscher mann 
. . hCret mit Verwunderung die heutigen gespräch und tisch- 
reden an nnd weisz oft die hsifte nicht was die leute reden, 
ob es rothwelsch, hoch- oder niderteutsch, und was fQr ein 
hak nnd mak sie untereinander machen. Simpi. 4,463 Xiirz; 
was ist anders der bauren gerechtigkeit als ein confosmn 
chaos oder zusammen geschmolzenes hack nnd mack. baurenst. 
laslerpr. 120 ; in der Allmark hack nn mack Dankeil 72'; Giebel- 
hadsen lieii 1865 eine schrift in llantfMer mundart : nischt irie 
lauter hack nn mack, alles dorcb enanner doreb ertcAeinen. 
BCbger verwendet die formel ßr ein tuiammengewirfettet pubUam : 

Terbroite du ror back und mack 

den duft der besten Ihatenl 

kaum wird ITaii Schnick und kaum herr Schnack 

ihn merken und Terratben. 64'; 

dat heinl in der Ailmai A back un pack DANNEa 72* ; wie hack 
so pack. pRiscnRiER spr. 1431. t. unten backemack. 

7 

DigJiizuu uy ■x^j 



ogle 



/ 



99 



HACKBALKEN— UACKE 



HACKE 



100 



HACKBALKEN, m. da ebtrOe balkta am hmtertheil des sehiffes, 
morauf der hackbord ruA). vgi backe 1, b. 

BACKBANK, f. bank in der küdu zum lerkacken det fltisckts: 
nuDM coqidnaria backbank Fiiscaus nomtnd.39l', back- oder 
haubaak Stiuu 93; 

■JM. mit kücheovirwem relle 
WBS er är einer hackebanc 
die oalit ine der koche danc 
gelegen. Woirau WitMi. 201, K. 

HACKBEIL, «. <m kldna beü mit änem heim oder ttide, 
fleisch und gemäte m den küthen damit tu terhacken. Jäcobssom 
llchnoL «6. 2,183*; backebeil caiuenmacAer 18. 

HACKfiLOCK, I». block sum Oeinhacken von lebemmitteln, 
FaiscH 1, 391*. ob neutr. : ein starkes backeblock, harlequins 
AocAiat- und kindiaufeitschmaut {Freywald 1735) s. 11. 

HACKBRET, n. 1) brel zum zerhacken von tpeisen. Fkisch 
1,391*; hackbret dar uff man backt, mensula, deasula. roc. 
ine Ihtnt. b 8*. 

S) ««9«» der ihnUehkeit der form iel ein mtisttaJuckei inslru- 
tiwnt M genannt, über dessen viereckiger flädie drahtseiten auf 
dtfptUtn siegen stehen, die mit halzschlägeln gerührt rerden: 
backbret sambuca DiEraiiB. 509*, mni. backberd, backeberd; 
der iiiatrameDtalwurm ist derjenige , so auf lauten, harpfeo, 
geigen, bassgeigen, cornelten, bossaunen, trompeten, pfeifen, 
Schalmeien , sackpfeifen , cytbaren und lyrcn , auch auf dem 
hackbret so artiglicb quinkeliren kan, dasx nicht allein die 
äugen den hinden zuzusehen, sondern auch die obren dem 
geklsng zuzuhören keine genügsame krlfle haben, allerh. 
teits. wirme 43; stiubte ein altes backbrett eilig ab. J. Paul 
fiegetj. 2,30; sie {die prinzessin) reisete noch abends in ihr 
erheirathetes land, das kauflige backbret ihres zepters. Besp. 
1,107, das land ist als musikaUsches insirument gedacht, es tönt 
bebbt nnler der berithrung ihres herscherstabes ; wo bist, ruft 
einer aus den kesseln, wo bist backbrett mit deinen messernT 
mache auf, wir tanzen, kaum bat das backbrett zu spielen 
angehebt, siehe, gleich alle kessel, hfifen und pfannen springen 
fon dem herd herunter und tanzen gutes muthes In der 
kuehen herum. Ast. a S. Claka etwas fir alle (1711) 3, 451, 
Wer «erden die bedeutungen 1 und 2 witzig durch anander ge- 
worfen; 

letzlicb so KiU ich das backebreit ichlagen 
welches leb b»be lur band. 

GöaiNs Uebetmeyen-blUimlein (1654) «. 27; 

ha, wie tchSn du hackbret summt, 
und der alte brummbais brummt! Voss. 

Um. haekbretleio : während des wiederkSuens {der ziegen auf 
dem HHikon) wurden denn nun nothnüie der verscbiedensteo 
•rt in barmheaige erwlgung gezogen , als z. b. . . ob man 
nicht einer erlahmten und erstummten grille eine art hack- 
brettlcin aus blittchen und dOmchen zurichten lassen kOnne. 
ha£aiiA.<m JfdncM. l, 78. 

HACKBRETEN, verb. das hackbrH spielen; aber zlebt ist 
mir genug gehackbretet worden (Aalte icft am hacUreltpielen 
genug), und beute bat mir meine frau drauseo auch gehack- 
bretet {bildUek, aescholten). arme mann im Toekenb. 264. 

HACKBRETB012CHEN, n. hülzchen tum sehlagen des hack- 
brtts: hackbrattholtzle fieOrum, peeten Uaalbs 204*. 

HACKBRETSCHLÄGER, m. der das hackbrH sehldgl: sie 
spreilten und werfen die Onger von einander wie ein hack- 
bretschlager. KEissassEac bei Frisch 1,391*. 

UACKBRETTÄNZER , m. tdiiser nach den Uingen des hack- 
brels: disz binderviertheil Tom basen .. wie dürr die ars- 
backen scheinen, sind gut flir die patengramische hackprett- 
dtnzer. Garg. 24l'. 

HACKE, f. mhd. hacke (Ben. 1, 607'), engl. hack, das wort 
steht zu dem terbum hacken wie das tubstanlit haue zu baoeo 
{engL hack xu ags. haccan wie hoe Aoik zu ag$. beiran) und 
kmmt in zwei kauplbedeutungen vor. 

1, a) es bezeichnet das ini(runien< tum hacken; theilweise schwankt 
das gtsMecht t* das miunlichi über: grabstiekel, ein backen, 
ein karst, bidens Hekiscb 1719 ; hacken trctait mc tnc. Iheut. 
hS; «oretijiim, Hgo hawe, hacken Fbiscrlir nomencL 372*. 
hacke und karst sind in der bedeutung nicht immer scharf gt- 
stheden, beide wirter werden in einigen gegenden gleichwertig nÄen 
einander gebraucht, in andern ersetzt ein wort das andere, s. karst 
S, 231, vdArend sona der karst von der hacke »cA dadurch 
unterscheidet, dost sein* hackfidcht in twä tdhne oder zinken gt- 
ipoAen ist : teilet sie mit segen imd eisern hacken imd keilen. 



1 cAron. 11,3; wenn sie mit ihren Scharreisen, gestielten 
messerklingen, rechen, kleinen spaten und backen und wedel- 
artigen besen einhergezogen . . kamen. GStbe 17, 178 ; (itm- 
mer, gänge, wände) alles das vor der hacke des maurers, vor 
dem bcile des Zimmermanns fallen zu sehen. 24,20; zog 
mann und mädcben aus mit kärsteo und hacken hinter die 
crdäpfel her. GoTTUEir 5,157; 

WallralT nur fasst den enlschlusi , seine btume lu behauen, 
und weil emsiger als sonst, du beraubte feld (u bauen, 
greift zur nScnsten axt und hacke, schneidet, pflAckct, k&rtt 
und bricht. Uagidosii 3, 15; 
mit hacke, karsi iwd spaten ward 
der Weinberg um und um gescharrt. BBacia 77*. 

redensarten: von der alten hacke reden, von allen unnützen 
dingen plaudern. FaiscB 1,391*; er lebt noch nach der allen 
hacken, nach der allen siUe. Scbkeixe« 1,148; auf die alte 
hacke! schles. trinkspruch. Weirbold uA. 31*; eine hacke eine 
backe nennen, «n ding beim richtigen namen: es sind deren 
etliche gewesen, so in ihren auIscblagbOchem dergleichen 
natürliche wOrter als ein groszes argemOsi vermieden . . 
allein sind auch deren eine ziemliche anzabi vorhanden, 
welche wie man sagt, eine hacke eine backe genennet. SnE- 
LER vorrede; schmeisz die hacke nicht zu weit naus (macAe 
nicht zu grosse pline). Petes vottilAflml. aus üslerr. ScUeiien I, 
448; hack im stiel sein, «olMmmnen gesund und tüchtig: er 
ist nicht back im stiel (nicAi recM wohl). FaistBuea ^r. 
1430; der hacke einen stiel finden, st6i «HiAliiim capere, in 
ordinem aHquid redigere, ralionem, viam, «iad«m rei fadendae 
excogitare, providere, proipicere tibi. Stieler 732; die herren 
von Nürnberg kOnt«n dieser backe bald eineb stiel finden, 
wenn sie einige solche persooen braf abstrafeten. DASsEaRms 
reisebeschr.63; ich will aber der hacke bald einen stiel finden 
und dich deiner worie halber verklagen. 275; hOrt, valer, 
der hacke will ich auch noch einen stiel finden. Vernalesek 
tsterr. kinderm. 1 ; dafür sagte man auch die hacke anhelmen, 
ihr (inen griff oder stiel machen, s. aithelm 1, 1047 : 

bald sol sie Jason haben bei ihr, 

die hack hab ich engebelmel schon. Aiaia 114'. 

die hacke unterstellen , in der Wetterau auf einem «ege tum 
ausruhen und Irinken ruhen: er stellt fast bei jedem wirtbs- 
haus die hacke unter. 

Die ronuinifcAen jjiracAen haben in der bedeutung l,a schon 
früh dem deutschen enlUhnl das franz. backe, span. hacba, 
ilol. accia. 

b) in mitteldeutschen gegenden bezeichnel hacke den hintersten 
Iheil des fusses, wofür die benennung ferse der spräche des wA- 
kes ungewöhnlich isl; ebenso niederd. hacke, hacken (Danneil), 
nnl. hak; tcAon aus dem 12. jahrh. findet sich die gloste haken 
eolces GsArr 4,763. es ist der Iheil des fuszes, der die erde 
hackt, schläg/l, und hacke steht in demselben Verhältnis zu hacken 
wie lal. call zu calcare; das altnord. hell, ags. htl, engl, keel 
ferse haben sich aus derselben anschauung heraus gebildet, da sie 
dem lat. cal-c-are verwandt sind. — Das geschlecht schwankt, 
wie oben l,a, ;ucA Airr, neben dem fem. findet sich ein wenig 
gebriucMiehes masc. hacken : in Niedersachsen beiszt die ferse 
des fuszes backe oder backen. Jacobsso.-« technol. wb. 1,183; 
spuren uobeschuheter fOsze, von denen fünf wobigebildete 
zehen und der runde hacken dem sande eingedrückt sind. 
Kestheb rüm. Studien 103; scAon in «inem xylographischen ring- 
buche des 15. ^oArA. : wen er {der gegner) sich aufriebt, so du 
in in dem hacken hast, so nim das stuck das haiszt die halb 
bufl xmi ist ain rechtz kampfsluck. Serapeum 5, 34. 

Eine amahl von redensarten stlsen sich an dieses hacke an; 
von den backen bis zum necken, wie sonä vom scfaeilel bis 
zur zebe (s. b. in der Allmark, Dankeil 72') ; die backe zeigen 
oder weisen, fliehen, wie man sonst sa^ die ferse weisen 
(3,1544), mil efnrot anderm «er6alm atisdmcA; 

dann wandt' ich eilig ihr die lüehlgen backen. 
BoHivBiiT. 115; 

einem auf der backe sein, proxime aUfuem insequi, observare 
ttliipum, vestigia aticujus pertequi. Stulb* 731; hier hat sich 
die Sache mit den Studien .. etwas verändert und ich bin 
ilzo den Europäern ziemlich auf den hacken. Claddids 5, 58 ; 
ich glaube der teufel bat sein spiel, daaz mir die komOdie 
immer auf den backen bleibt Lessikc 12, 251 ; 

die eingeiogne, sagt ein geck, hilt auf die ehr, 
indes er steu der fi-eien auf den hacken liegt 

Wiaaicuas Uerschriflen (1710) s. tl| 



DigiiiztJU uy 



ö" 



101 



HACKE— BXCREL 



HXCKEL— UACKBUACK 



102 



jemand auf die hacken treten, Jemandem anf den hacken 
sUien , ihn antreiben , eigenmdt xum vonrärtisehreilen nötigen. 
im AnhttUsehtn sagt man da must dem kerie auf die hacke 
gehen, ihm itharf zutäten; in der AUmark tof! ik will di 
hacken maoken Danxeii, mii<I heisxl es einem beine machen, 
ihn alen Uu$m (I, t319); in theilen ton MUlddevUchland lebt 
nimm die backen in die band, ipute dich; vor dem gewöhn- 
lichem nimm die beine in die band hat dat den, voriug der 
oUäteration, die der formel gröitere tnrkung verleiht, dem rotte 
•elzt man di; hacken in die teile, treibt et durch hackenschlige 
an, gebriuthlicher iit aUerdingt die sporen geben: dem pferde 
die hacken in die seile setxen. Harmich 233; dem esel die 
hacken in rampf geben. 191. 

e) den namen hacke übertragt man von dem Untertten Iheäe 
des fuitet auch auf den diesen umtchUessenden Iheü einet kltidungs- 
ttidiet: hacke im tirumpfe heiaxt bei dem frauenzimmer im 
stricken der unterste bintertheil des strumpfes, worein die 
ferse Tom fosze zu sitzen kommt, frauenx.-lex. (1773) 1208; 
die hacke des Schubes oder stiefeis wird &r abtatz desselben 
genannt; frauen tragen backenschuhe, hackenstiefelchen, lokAe 
mU aitdizen. « 

d) M dm /aAiimjcAin»(eii /SArl die kniebeuge an den hinter- 
fatten der pferde, weldie eigenlUeh aut sedu knodien besteht, den 
nonen backe. AoEimic. 

e) Uldüth spricht auch der sckiffer ton der hacke, dem Un- 
tertten theik, seines fahrzeugt, seines üeuerruders (Mldnd. hak 
ran't roer) u. t. w. tgL backbalken. 

3) backe drückt aber auch, alt ein gebräuchliches wort der 
feldarbeiter und winser, die Verrichtung des hadiens und die zeit 
dt diets geschieht, aus. so hart man um Halle a.S. haußg: wo 
sind deine kinder? 'sie sind auf der kartoffelhacke'; wir wol- 
len auf die backe gehen, int feld zum hacken; es ist jetzt 
kartoffelbacke, sagte ein bauet im Oslerlande, da gibis Tiel zu 
thun, & meinte die seit des karloffelhadant ; zu hrochacke (toü 
MOS gAen) ein weissen brot an den acker und einen sweig- 
kese, und zu ruraoke also tU. weitth. 1, 8BS. brochacke ßr 
brAchbacke bezaehnel die zeit, wo dat brachfeid umgeritten oder 
gehackt, ruracke für ruorhacke die zeit, wo dat gerissene braek- 
feld noch einmal gerührt, d. h. der quere nach überfahren und 
gerissen wird, to wird namentlich auch beim weinbtuer backe 
gebrauAt: hacke ist eine arbeit, so der winzer in dem ihme 
anvertrauten weinberg zu drei unterschiedenen mahlen des 
Jahres vorzunehmen, und jedesmal das erdreich mit der wein- 
hacke oder weinhaue zu brechen . . hat. «con. lex. 89}. von 
der seit dieser arbeit: in der boyge (irenn die aeinbügen im 
t^fril gebunden werden, s. böge 8. 3, 219) gab man einen 12 pf., 
einem manne, der do pfele stockte, 18 d., ilem in der hacke 
ottch 18 pfenge. Stolle cAron. 184; die andere backe füllt 
kurz Tor der hiathe (der weinstidce) oder bald bemach .. 
und es wird hiebei alles wie bei der ersten hacke beobach- 
tet. Jicoassos lechnol. wb. 2, 183*. 

HACKEFLEISCH, n. fleisch durch das hackemesser geiriegt. 

BACKEKLOTZ, m. klotz zum hacken von holz oder fleisch, 
fir diese form auM backelklotz caudex farlorius Tiocnus Rl', 
«ddies sich unmittelbar zu bäckeln (jp. 102) stellt. 

HACKEL, n. in Oesterreich eine kleine handaxt. Jacobsson 
teehnol. wt. 6,8*; t'm Kärntnischen liac^el Leipi 130. 

HÄCKEL, ffl. dasselbe was häckcr, hauer, holdiauer: darnach 
Offent man euch, dasz die hJckel ain laufer haben sullen 
Ton der bueb zu Chrauntal , und sol ieder eltist hllckel in 
der Stift sein bei meiner ürawen. weinh. 3, 721 (aus Tint^. — 
AmA der Mtime behackende specht heiszt im bair. baumbSckel 
Scnauuui 1, 149 {sonst baumbacker). zu diesem häckel stellt sich 
ganz datmundarlliclM engtische eckte, a woodpecker Halliwell 329*. 

HÄCKEL, HACKEL, adj. u. adv. zart, wählerisch, deUcat, 
dasselbe wat ekele, 3,397: zu dem dunkt mich, dieser jung 
sei ehrlicher leute kind und viel zu hSckel auferzogen wor- 
den, einem reuter seine pferd zu versehen. Simpl. 3, 15 Kart; 

und jeui Ist auch die weh 
nmb viel viel hackeler, als jener leit, eettollt. 

ScHisFFiR grooianuK, vorrede; 

Stieur 730 gewährt die form hekel, auch hechel findet sieh, 
mit Vertretung der gutturtllenuis durA ch : ich bin zwar . . 
meine tage niemal so hechel gewesen, einem guten kerle 
eine fahrt abzuschlagen. Simpl. 3, 71 Kurz, das ist eine streng 
oberdeutsdie form des sonst ursprünglich mehr nieder- und mitteb- 
detUtchn gebenden angdtSrigen wartet, die durch das verbum echelen 
(OiirEKB. 376') bestätigt wird. 



Das Wort hat bereits 3, 394 betprechung gefunden, mir ward 
dort zur vergleichung nidU Aeran gezogen dat agt. acol exterri- 
tut, pavidut, acol-mftd pavidut animo Gseir 1,1. trenn nun 
KiLiAN die form ackel, eckel nautea gewährt, st darf diets sw- 
nächtt mit jenem agt. adjeäiv verg/liAen werden, und et wäre 
hiemach für unter adj. und tubtL ekel, dos zudem in der Schrei- 
bung eckel für die ersten seilen seines Vorkommens überwiegl und 
vorerst nur in miUeldeulschen gegenden gebränchlieh ersehtint, ur- 
sprüngliche kürze des voeals anzunehmen, das schwed. eckel, din. 
ekkel, kann aus dem deutschen erborgt sein, die fonh hlckel 
ward« sidt zu dem subst. und ad), eckel, ekel nur verteilen 
irie bachel oriita zu acbel, ahd. abil, wie das schwtitir. beigen 
tu ahd. eigen oder wie heischen su mhd. eischen, dm iljer 
j^n; von der bedeuMng erschreckt, saghafi, in die zart, ekel, an 
sich nicht unnatürlidi, kann das kdminitche näher bettätigen, hier 
bedeutet biggel bedeiiklichkrit , zaudern, ekel, siilüeritchei unter- 
tuchen. Lbxee 136. — Auch dat später aufzuführende adj. heikel 
vtrd von hSckel und ekel nicht su trennen sein, sei es, datz 
hmtiehtHdi des voeals Übergang aus der A- in die i-reihe stattge- 
funden hat, wie lehre goth. laiseins x« lesen, goth. lis^n las 
^Aürl, «nd wie meinen lick mit goth. ga-man, munan beruht, 
oder dass ein umlautwirkendes i aus der zweüen in die erste lilbe 
mit eingedrungen ist, wofür es manche beispiele gibt, ahd. irweir- 
tande oduBeranlet für arwartjande (GaArr 1, 958) , eigesithht 
für egisitbbt (l, 104) , meinnisco ßr mennisco (2, 753) , alt- 
niederfUnk. einde für endi pt. 60,3, heinde fihr hendt 6t, &. 
nach massgabe der leUtertn fälU Uetu sich heikel aus altem 
bakil, beckel deuten, und jenem ags. acol müszte ein nieder- 
und mitteldeultches akU, ekil xur seile gestanden haben. — in 
verscMedmm imindartm gehen hlckel tind heikel n<6m einan- 
der.- Amnet. hSklicb, haiklich, baikel, sthwäb. heikel und 
hlckel, tcMe*. haikel, haekel, hikel. FaonN. 3, 514. 

HÄCKELN, verb. klein hacken: fleisch zu wBrsten hicketn. 
AoBRBACH dorfgesch. 2, 392. vgl. einhSckeln 3, 194. — hSckeln 
für hakein, t. d. letztere. 

HACKELWERK, n. Umzäunung eines grundilüekes oder ge- 
haftet: lepimentum virgulteum tive ipineum hakelwerk CnmAEcs 
nommcl. laL-tax. eap. 9 a. e.; in Ostfriesland bakelwark 
StObenb. 80 ; es ist ^ der lebendige, durch bdiaekles buschwerk ge- 
bildete zäun, vgl. hag und hecke : sei gung eines dags gegen 
abend in den gören up nn dal in den «chatten von dat böge 
hakelwerk. Redteb oU. kam. 4,110; wenn der sagen wollt, die 
sQnn is aufgegangen, denn sagt er Aurora schaut schon aber 
das hakelwerk. 95. der name ist auch autgeddnU auf ein kleineret 
mit einem solchen hackelwerk umgebenet gut, etwa ein vorwerk im 
gegentats zu einem durch fflatum befettigten tMotse, aber diese 
begri/fserweiterung scheint nur in Preuszen und den deutsehen Ost- 
seeprovinien su gelten, so schon bei Jeroschin und in der üvUnd. 
Chronik hachelwerk mit streng oberdeutscher form, s. mlfd. wb. 
9, 589 ; das schlosz mit dem hackelwerk und umliegenden 
dOrfem brannten sie in den grund. Henreberc 389 ; branten 
das hakelwerk ganz ab. ScrOtz Preuszen 71 ; das hakelwerk 
und die bofstad des Schlosses. 203; zu den lenlen, die auf 
dem hakelwerk wohnen. 211; es ist darbet {bei der festung) 
ein hackelwerk von Russen bewohnet, pers. reisebeschr. 1,4; 
wir wurden auf jensett der sladt im hackelwerk eingeleget. 
daselba. 

HACKEMACK, n. gehacktes und durA einander gemengtes, wie 
back und mack {sp. 98); rt ist bildliAe bezeicknung 1) ßlr aller- 
hand durcheinander liegende wertlose dinge: 

es icbleppien mich (die perlromiuckel) die widerwlrtgen Juden, 

die «cbacnerjudeb, um in tlirem lacke, 

worein sie allen ttusendtchorel luden, 

und tieeklen unterm andern backemack« 

mich noch lu unttrst «la dat ■llertchlechtste. RBcirrt 158; 

haggamagga als durch einander. Eci schutxrede kindl. unschuid 
(1540) Rj ; auch für verwirrte rede, gewätch: 

Terhfiu, datt nicht machst backgemack. 

Calaoius Siuanna D4'. 

dann 2) für allerhand pObel, tutatumengelaufenet getindtl: 

last rfltten tich tur ewigkell dat haekemtek, 
sie mQsien rlumen dat quartier mit tack und pack. 

Tn« 1, 246. 

to wird es audt im GSIlingischen gebraucht; aber die Verbindung 
backemack un fegesack oder stüwesack (ScnanACi 71*) 6e- 
weist, wie noch im hinlergrunde die bedeutung 1 steht: man denkt 
an einen sack de» man ausfegt oder ausstaubt, w«M allerhand 
kleiner flunder herausfällt. 



Digitized by 



Google 



103 



HACKEMESSER— BACKEN 



HACKEN 



104 



HACKEMESSER, HACKMESSER, n. euUer inciioriut. Stiklu 
1152. Stciriach 2, 69. waid- i. bickmesser ariamus Dietenb. 
51*. dem flmeher itt a tin breitet beildJmUcha nutser, nament- 
Uek wurttfleisch tu hacken; auch der gdrtner braucht es tum 
behauen der biume und Me. Jacobssoü 6, e*. 

HACKEN, terb. ferire, concidere, paitinare, ahd. bakjan (GtArr 
4, 761), mhd. hacken, agi. baccan, attfriet. bakia. dati backen 
timol «w hauen auf eine vollere terbalform tutückzufibren itt, 
die am tMuiie der deuttchen vunet toieol labiaUt wie guUura- 
>Jw ttufwiet, und von der das eine terbum jene, dat andere diete 
rettete, id in der abhandlung J. Gaiiiiis über diphlkongen nach 
wefgefaltenem contonanten (üeine schrißen 3,119) dargdegt Kor- 
den, die goih. form det wortet fehlt uiu, das altnord. bOggva 
dagegen aus früherem haggran, hagran meist beide laulgallungen 
auf. während aUtdchs. hawan, ahd. bawan hounan die gutluralis 
einbüttten, rettete sieh die leltlere bei Untergang der labialis 
in tertdnedenen bitdungen, und wie agt. big lieu tu beivan 
Aomh steht, <o wird tunichtt hag und hagel von bauen nicht 
tu trennen tein, worüber unter ^tieten warten mehr, in andern 
büdungen aus dieter würzet hat tich aber die gutluralis, wol un- 
ter dem einflusu ihrer doppelten Stellung, nicht als media gehal- 
ten, sondern ist in die tenuis übergegangen, wofür in streng ober- 
deutschen gegenden aueh sogar die gutluralatpirata cb platt griff. 
jo erUdrt sich backen , hackelwerk neben hachelwerk , bacbe, 
wofür KsiSEBsaiBC bagk schreibt ; neben bScksel erscheint noch 
tpdt die Schreibung becbsel. rücksichtUch dieses Schwankens in 
der gutturaUs vergleiche man rücken nitl ursprün^icher doppelter 
guUuralmedia {alts. bruggi), wofür nach der Verschiedenheit der denk- 
miler ahd. niggi, brucki, ruke, mhd. rugge und rucke erscheint, 
die asyirala tritt hervor in ahd. rucbilinguD rücklings (Gbaff 4, 
114M, ferner die Verschiedenheit des auslautet in ahd. quek (vitus\, 
wofür auch queb, quecb, queccb, quekh und cheg steht, wo- 
bei tu bemerken ist, dast aueh die deutsche würzet dieser beiden 
wirler in ihrem auslaute guttural- und labialverbindung wahr- 
leheinKeh aufwies (GBimi kl. Schriften 3, ISO. I3l). 

backen iä intensiver olt.bauen; wenn die Ihitigkeil des bauens 
iMwIli in einem eintigen schlage betchlosten ist, so beteichnet hacken 
vielmehr das wiederholte bauen, und seist eine reihe von schiigen 
voraui. in folgenden fillen steht es: 

t) et ist versUrktes schlagen überhaupt; w niederdeutteh eom- 
pldoder« mit den beoaen (Adnden) tosamede backen Diefenb. 
ist'; im Götlingisehen heistt ein hacketau-brauer (hacketubruder) 
«in plumper und grober geseU (Schabbacb 71') oii «iiier der gern 
tusMdgt, prügelt, etwas entzwei backen ist sttrker als etwas 
entzwei schlagen, streitende hacken auf einander los, auf 
einander ein ; sie hacken und beiszen sich selbs draber wie 
die tollen sew unlernander. Lotbbb (,297; 

(mein bnder) den der bar^iar an die Preuizen Terschacherte, 

dasi ihn su tchandeo 
hackte der wilde kalmttok und mentchentreuer und tatar. 

Tom läylt. 'die leibeignen'. 

daher sagt man ^fridiwOrtlith es backt alles auf mich ein, aifes 
wHI mir wie einem gtgner tu leibe; auf abwesende backen, 
abtöntet rädere aroicoi Stieleb 732; ddn. abgeblastter hakke paa, 
«inen (adeln Kbistiansik 11&. — Der feind wird in die pfanne 
lebackt, in« tonst in die pfanne gehauen, gewistermasten tu so 
kleinen änttlnen itücken vernichtet, wie sie in die pfanne gehen; 
parallel ist die redensart einen zu kocbstacken hauen, s. koch- 
stOck 6, 1&04 : dieser vortheil war das einzige mittel zur <er- 
hindernQss, dasz nicht das ganze Cimbriscbe beer in die 
pfann« gebackt ward. Lohehsteik Arm. 2, 89i. 

1, 1064 begegneten wir dem ausdruck sieb selbst in die backen 
bauen, j/eicAwm sieh selbst verwunden, schädigen, dat in die 
backen hauen war ein« alte weise der kämpf Verwundung, wofür 
auch galt in die backen backen: 

bOebe sich ein tchimpr (kampfspiti), 

da{ man hacken 

wOrd die backen, 

ecbe mangen «chrlmpf . . . US. Hag. S, 191'. 

M FlsuABT itt Uackenback ein gemachter heldenname: 

Ton männlicher tugenl und meb dann menschlicher slerke 
des alrellwarn litckenback. Gar;. 3»>; 

da/'itr Hakbak, Hakintebak Garg.ii'; wie ers rom groszTatler 
Hackelback gebort bat 131*. 

1) «jftt backen mit dem schnabel tinjding, nach einem dinge 
«der in ein ding: 

mich backen die raben ron rade. BiasBa; 

da backten ihn die raben in das anfetichl. votktlied; 



wir backen, wie die steindohle, nach jedem glänze. 1. Paol 
fi<an 1, 58 ; bildlich : da ferner unsere oSscberei nur nach 
überflüssigem witze hackt, werke &, 43. das ^richwort sagt : 
keine krähe hackt der andern ein äuge aus, iupui lupum non 
devorat. Stieleb 731 ; s. ausbacken, eine milde verwünsdtung 
ist: dasz dich der bahn hack! Mattheson cri/icamunca (1725) 
2, 153, wie schwäbisch dasz dich das mäusle beisz ! 

3) fieisci, kraut, stroh, holt, wird gebackt, durdk mehrfachet 
sehlagen mit beit oder metter terkleineit : ein fleisch eines awines 
weich gesoten unde gebacket under ein ander. Häuft 5,12; 
nim mager kalbOeiscb und reinen speck, hacke das klein 
durcheinander. Colebds hausbuch 1, 156 ; 

dein salTran hast zu Fenedig gesackt 
und hast rindDeiscb darunter gehackt. 

fastn. tp. 478, 2; 

der fleischer backt fleisch oder leber zu wursten; fleisch 
hacken, carneni concidere Steinbach 1,664; gehackt krautm&sz 
minulal Oastp. ; beiszt palea, ist gebackt stro. Fischabt bienenk. 
51', vgl. bSckerling, backstrob; bolz backen, holt tu kleinen 
Stücken scldagen, unterschieden ron bolz hauen, das holt im 
walde hauend f^len. bildlich wird gesagt auf einem bolz backen, 
iAn «Ar schlecht behandeln, ihn gleichsam als hackeklolt für die 
schlage seines wüies oder seiner laune haben : das , wan er (in 
Ungnade) fällt, jederman bolz auf ibn bakken wil. Butscbzy 
hochd. kam. 279; ich bin die personiflcirle Sanftmut, ich lass^ 
holz auf mir hacken. Kotzbboe dram. werke 1,314. 

4) sehr häufig ist backen in der bedeutung mit der kacke das 
erdreich bearbeiten, es steht 

a) ohne object, allgemein die thiti^uit markierend: wolan, ich 
will an diesem ort eine prob nehmen und meinen karst auf 
diesen bäum werfen; bleibt er droben hangen, so will ich 
mit in den krieg ziehen, flillt er aber wieder herunter, so 
soll mirs ein zeichen stin, dasz ich elender tropf noch linger 
hacken soll. Simpi. 3, 195 (1713 1. 153) ; 

da Adam hackt und Eva spann, 
sagt wer wa da ein edelmaon? 

iielteM sind die Verbindungen hacken und graben, backen tiod 
roden ; 

wenn man eine teillang musi hacken und graben, 

wird man die ruh erat willkommen haben. GOibb 13, 146; 

das ich iolt hacken und rüten. 

N. Hakubl fatii. 340 (Crfen); 

wer die rut Deucht, 

und die arbeit scheucht, 

und nichts leiden kan, 

und wil nichts ausi stahn, 

der bleib Jobannes in eodem 

und must hacken und roden. 

Pneas (eiKeck weutA. Be« 7'. 

6) mif object, das feld, den acker, den Weinberg u. i. w. 
backen : das ärdtrich hacken und kargten, fadere terram, per- 
fodere, paslinare MAAi.Ea204'; ich wil in (den Weinberg) wüste 
ligen lassen, das er nicht geschnitten noch gehackt werde. 
Ja. 5, 6 ; nach pllngsten oder Johannis . . hacket man den 
ganzen bopfengarten nrob. Colerds hautb. (1604) 2,195; für 
den Weinberg hacken tagt man auch schlechtweg wein hacken, 
paslinare vites Steinbach 1, 664; ähnlich kartoOeln, rüben 
backen für kartoffel- oder rübenland hacken, mit der hacke be- 
arbeiten: in der fasle soll der alte hopfe gehackt und be- 
schnitten werden. Colebos 2,196; wer leilreben buwet von 
dem golzbus, der sol si zu sant denen tag gebacket han. 
weisth. 4, 508. — Im winter , wenn ßüste und Jossen gefroren 
sind, stellt man leute an, das eis tu backen. 

5) bildlich gUt backen in nieftreren bedeutungen; für unmättiget 
essen: er hackt slatilicb drauf los, raplim vorat instar lupi 
fametiä, devorat et ingurgilat sese. Stieleb 732; ßr undeut- 
liches stammelndes reden (Adelong), e6<nso irie engl, back, 
ichwed. backa i tal, hacka i fOredrag, stammeln, stotlem; 
ebenso für undeutliche unschöne schriftliche darslellung : er schreibt 
einen gebackten stil. 

6) die milch hackt sich, sie gerinnt, wofür im Oslerlande 
auch das frequentative hackern rerrendd wird: die milch backert 
sieb oder ist gebacken. 

7) hacken für haken, s. d. letslere. 

HACKEN, n. der infinitit des vorijen in lubstantiver bedeutung : 

und sie streut dann (den vögeln) das (Utter aus, 

da gehls an ein pickao, 

an ein schlurfen, an ein backen. Göraa 2, 91 ; 

das hacken sarriüo Fbiscilin nomenei. 377*; actio caedendi attia 
lue seeuri, actio sarriendi, pattinandi, concidendi Faiscn 1, 39l'; 



Digitized by 



Google 



105 



llÄCKENUELB— UACKERlCaT 



11ACK£RIN— UäCK£T 



106 



das graben und backen macbt scbroale backen, improbi la- 
bores tires etkauriunt. Stieles 732; hacken macht Schwielen. 
das. ; diesen bopfen, neil er nicht gebackt, nennt man raaen- 
oder grasebopfea, thut oft mehr und treget gröszere beupter, 
als der andere, welcher viel hackens und Wartens bedarf. 
CoLcios hauib. 2, 197. 
HACKENHELB, m. fär backenbelm, äiel, griff der hacke: 

will Ido» weib) blewen mii dem hackeahalb, 
dau ir leib wird scbwan, biaw und gelb. 

H. SiCBS 4, 3, 12*. 

belb für beim sleAl wie erbet für ermel {s. 3, 715) , b ßr m 
begegnet luweilen im bairisdien. Wkirbold bair. gram. 131. tcegen 
der bedeiUung cun beim vgl. dietes, ferner belb, und axtbelm 
1,1047. 

HACKENSCHAR, n. clunopodium bonus Henricut. NEMRicn. 
in Sehleeien lunowri, atriplex caninus. Fromm. 4, 170. 

HACKENSTOCK, n. beim slrumpfuvker dasjenige stück an 
einem strumpfe, das am fuite die luuke oder ferse bekleidet. 
Jacobsson teehn. nb. 2, 1S3'; beim tchukmaeber das Mnlerleder 
des stiefelt oder sdiuhes 2«o', auch hackenieder genannt. 

HACKEPFENNIG, m. abgäbe für das hacken: in disen selben 
dingbof börent drizehen mentage {vierlelhufen) ; zue wioachten 
der git jeglicber acbtzeben backepFOnninge. ueislh. 4, 1&2; 
fdofzeben hackeprooninge zue der liechtniasz. 153. 

HACKER, m. fostor, patlinator, sculptor, caelalor Stieier 732; 
bicker Heniscm 1718. in Oslfriesland wird backer derjenige 
genannt, der die erde ram buchweiunbau mit einer lacke u«i- 
reiuf. Jacossson 6,6*. gewöhnUck bildet das ieort den tweilen 
iheil ton eompotilen: fleischhacker, wursthacker, belzbacker; 
vegelnamen sind beumbacker (speekt), nuazhacker {sitta euro- 
paea). — ßie umgelautete form bflcker (mhd. becker Ber. 1, 607), 
hat sich für. geieOhnlich in vereng bedeulung festgesetzt und be- 
teieknet mrtüglich im Süden Deutschlands den weinbergshacker, 
Winter: anno Mcxnj ward berzog Ludwig von Beyern von 
einem hicker erschlagen. S. Fsari cAron. (1531) 186*; gotl, 
der du allen kindern deiner kircben durch der heiligen pro- 
pbeleo Stirn olTenbaret hast, das du an allen Ortern deiner 
herrschafl der ausseer gutes samens und ein hecker der 
auserweleten reben seiest. G. Witzel psalt. eccles. (I5ö0) 96'; 
wie kan ihme der bScker oder winzer so künstlich mit 
dem rebmesser schneiden, a. ueistheil luslg. 168; in der Um- 
gebung von Wai-zburg, wo die bevDlkerung dicht, der grund- 
besitz sehr zersplittert ist, und ein groszer theil der bevOl- 
keruDg sich durch den weinbau nSbrt, der selbst in guten 
jähren den fleisz des häckers nur mäszig belohnt. Augsb. allg. 
seiig., aug. 1866. s. backersmann. 

M SMesien ist backer ßr schlag, Ireff, hieb gebräuchlich 
(FaoMM. 3, 413 no. 502) ; das ist gleichsam eine personißcation des 
Schlages, ähnlich braucH man in Düringen {Rudolstadl) tapper 
(einer der tutappt) für sMagftuss. 

HiCKERCHEN, n. plur., die ersten sahne der Ideinen kittder. 
sie heisien so, weil sie gewiisermassen das Zahnfleisch durclisleclien, 
vgL unten becken in der bedeutung siechen, und denlire zSbne 
hecken DiersKB. 173'; bSckcrlein denticuli infanlium primi 
emcijri Stisler, Fbisch 1,392*; beckerlein, heckelein in der 
Oberpfals. Schm. 2,149. 

HACKEREI, f das auf einander los hacken {sp. 103), streit, 
swist, geiänk. Stiele* 732. 

HACKERKHIT, adj'. was hOckericbt, mit einem höcker verseilen: 

Ir [der well) scliöne Tarb i<i gar Tcrblicben, 

ist roMrig, schimlich, seiger, kamlg 

krumb, lam, beiobriiohig, hickrig, liinkenil. 

B. Walbii Esop 4, 100, 171 ; 
was UDKohi Isi. das nent er recht, 
was hackerieb isl, das beltit er sclilecbl {eben). 

d. päptll. reich B4*; 

hackericht gibbosus Dietenb. 262' seigt die nebenform boge- 
rechtig, heverich, bofericb, hoOericbt auf (hogrccht Boner 
eddst. 76, 7. 21), gerade wie ahd. bofar, ags. hofp gibber durch 
die mittelform hogec {edelst. das.) zum nhd. hOcker tritt, auch 
mhd, bftbel, nhd. bOgel darf zu der Verwandtschaft gezogen wer- 
den, alles dieses leitet auf die wurzel hab, baf heben, die in 
einzelnen bildungen schwankend Schwächung Ares vocalt zu u und 
Übergang des tehiietzenden consonanten in die gutturalreilie erfah- 
ren hat, zunächst in die media g, die aber wenn sie doppelt ge- 
setzt war (eine form boggericbt, haggericbt ist allerdings nicht 
beltgt , aber nüh dem obigen bofTericbt wahrscIieinUch) in ck 
autorMe. unter hOcker wird darauf noch mmol zurück zu 
kommen stier. 



HACKERIN, f. foemina fodiens et scalpturiens. SnELKi 731. 

HÄCKERLING, m. klein gehacktes oder gesckniUena stroh. das 
wort schänt ein neueres zu tein, vor dem ausgange des 16. jtkrh. 
kann es nicht belegt werden ; auch hat es wol ursprünglich in be- 
schränktem örtlichen gebrauche gestanden, der gemeine mann in 
Süddeulschland braucht es aucli heute noch nicht, für bSckerling 
schiene ohne das eingeschobene r natürlicher hackliog oder hicke- 
ling als product der hacke, weil das stroh zu viehfutter früher 
nicht geschnitten, sondern gehackt ward (v^. bicksel und back- 
stroh); aber mit gleichem Hnzugetrelenen r nennt man beider- 
ling den selmamm, der auf der beide wächst, agarius campettrit; 
mit der nachsilbe -ling werden sonst die namen gewisser spaten, 
namentlich schwämme, äpfel und kucken gebildet (gramm. 3, 376. 
4C2. 782). vom bexel oder heckerliog. Colebus Aauii. 3, 201 
(die vorrede ist von 1596); bäckerling paleae ex frugum culmis 
coniectae. Stieler 732; oder wenn meine frau die fässer ein 
wenig mit frischen brunnwasser wolle füllen lassen, es b&tte 
aber ein scbabernäckiscber nacbbar beckerling in den brun- 
nen geschult, dasz also die leute frab lauter beckerling im 
hier finden; würde mir disz nicht eine ehre sein? Ca*. Weiss 
erzn. (1680) p. 187; 

tene lief in die scheune, wo Tbons mit gewalliger arbeit 
itckerling schnill. Voss Idyll. 16, 154. 

hUckerling dient vorzüglich als pferdefulttr : dem pferde futter 
mit hlickerling mengen. Stieler 732 ; beckerling fressen. Cor. 
Weise erzn. 226; alles ist nOtzlich, meine herren, alles; 
dornen und disleln, spreu und bäckerling. Wieland 8,67; 
hickerling und haber können nicht verschiedner von einan- 
der sein, mein gutes pferd. Lessinc 10, 2tl. da das wort ein 
coUeäivum ist, so ist ein pbtral selten : heckerlinge zu schneiden. 
Claudios 7, 174. 

In redensarlen isl btckerling das Sinnbild einer wenig werten, 
geringen und Uichlen sacke: 

der mann, der das wenn uod das aber erdacht, 
hat sieber aus htckerliag gold schon gemacht. 
BDbsbb 67*. 

der mensch bat bäckerling im köpfe (Sebz 61) tagt nun von 
einef^ dummen, wie sonst er ist ein strobkopf. 

bäckerling wird gefallenen mddchen am hoehzeitstage vor die 
Ihür gestreut: 

das krlniel reissen die buben ihr 

und häckerllDg -streuen wir vor die tbfir. Gttai 12, 188. 

vgl. unter haberfeldtreibcn oien sp. 82. 

Stieleb 732 will bäckerling auch in der bedeutung gehacktes 
fleisch oder gemüte kennen; das würde wie holUlnd. baksel tein, 
das auch geschnittenes stroh und gehacktes fleisch bedeutet. 

HACKERLINGSBANK, /. gerilst von holz, worauf häOerUng 
mit der fulterklinge gesehnillen wird. öcon. lex. 983. 

HÄCKERLINGSBODEN, m. boden zur aufbewahrung des 
häckerUngs. das. 

HÄCKERLINGSLADE, f was häckerlingsbank, oter tnü te- 
zug auf die ladenfürmige geslall des gerüstet zum häckerting- 
tchneiden: 

Tboms antwortete drauf und stellte die hickerlingslid' bin. 

Voss IdfU. 16, 159. 

HÄCKERLINGSSCHNEIDER, «n.: bei groszen baushallungen 
musz der hausknecbt den . . beckerling schneiden, wo aber 
dieser sonsten nOlhiger gebraucht , wird, pflegt man einen 
besondern beckerlingsscbneider oder futterschneider zu hal- 
ten, welcher gemeiniglich vor das schock stroh zu schnei- 
den, vierzeheo bis sechzeben groscbeo zu lohne bekömmt, 
icon. lex. 983. t. bäckseischneider. 

HACKERLOHN, m. inercei {uae coetori lignorum dalur. Frisci 
1, 391*. 

HACKERN, vtrb. denlire Stieler 732. das kind bickert, be- 
kommt die ersten zahne, häufig in Düringen und dem Otterlande, 
vgl. bäckercben sp. 105. 

HÄCKERSMANN, m. was bäcker, «tnscr; wenn es nun ja 
dazu kommt, so freut sich billig ein ausgeschaflter arbeiter 
im geistlichen Weinberg und sagt: gute nacht, 

besueul den sIerbeUllel mit tulpen, majoran, 
schreibt meinen grabetittel : hier schlaft ein heokeramano. 

Otbo 270. 

HACKET, f zeit der hacke, bttmderz der weinhacke: so es 
aber in der hacket ist, so dann die von Matsch . . zu backen 
schuldig. MoNE s«i<icfiri/I für gesdnchte des Oberrheins 3, 289 
(ton 1559). in der Schwmer tnundart hat das wart männlitktt 



Digitized by 



Google 



/ 



107 



B ACKETKHAUT — BACKSCB 



BACKSGBEN— 'BACKSTOCK 



108 



ge$chledit: der hacket, die leit de$ kackent, besonders in den 
ueinbergen. Staloei 2,0. 

HACKETKRAHT, n. memone Maalei 204' , Heomoa 1190.' 
bei NnmcB Aeitzt e> backenkraut, backetkraut, anemone puf- 
taliUtt. 

HACKFRUCHT, f. fruclU die die hacke ow der erde h<M, 
kartolfel, mihre, rübe, runkei backirflchte {kartoffHn). kann. 
iMg.lSii, (.683*. 

HACKHOPFEN, m. hopfen der im jähre iweimal behackt und 
einmal gedüngt wird, im gegeniatt des gras- und rasenbopfens. 
Jacoi8«on techn. ab. 2,184. 

HACKLEIN, n. partus bidens. Sheieh 732; faerr Wollen- 
haupt der fonter gebt ein, hat elo hecklein als kumm er 
vom feit. Atier rin^. 14«* (3064, 35 Keller), m der Wetterau 
backelcheo. 

HACKREISER, n.pbtr.: die trockoen büume (bei der krihen- 
httte) mOssen nur wenige Iste und gar kein laub haben, 
damit die darauf bäumenden vOgel recht frei sitzen, man 
nennt diese biome hackreiser in der Jägersprache. Heppe 
jagdlust (1784) 8, 117. da diese reuer sonst hockreiser, tritt- 
relser (GOchhaosen num. ven. 126) heisten, also rattr Korauf 
die ni fangenden eüpel (relen oder hocken, so ist hackreiser für 
hockreiser m beurtkeilen wie hackericht für hockeriebt tp. lOS. 
vgl. hockreiser. 

HACKSCH, m. ungeschniUenes sehmein, eher; ein torsügHch in 
Franken (Fsoaii. 2, 33), Düringen, dem Ostrrlande, lleiszen und 
Schlesien gebriuehlidtes »ort. dass der stamm desselben mit hacken 
lusammenhängt , erscheint nidtt acäfelhaft, denn wie die sahne 
des ebers bauer heisten, so gilt auch dieser selbst als hauendes, 
hadundes Uäer (ein hauend schwein; die starken hauenden 
Schweine. Heppe jagdlust l, 193) und führt davon seinen namen: 
keuler soviel ine schldger 6, 660. begri/ßch gleich damit ist in 
den deutsehen mundarten hagk, heckel eher: verres berheckel 
DiBniiB. nov. gloss.319', engl, bog; Kvnn aber hag, hagen in 
emielnm deutschen gegenden auch den luchtslier ausdrückt (Schk. 
2,161; ein hagen oder ein pfar. tceisth. l, ses), so ßhren 
alle diese worle auf eine gemeinsame mtrsel lurück, norüber 
unten unter hagen noch einmal gesprochen wird. — W^ das 
Suffix von hacksch betrifft, so kommt die form hackisch 9s die 
älteste beseugle vor {Colica 173), und in betracht dessen fassen 
wir am natürliehtlen das wort als ableitung mittels des Suffixes 
isch vom subst. hack in der bedeutung 1 (ip. 98) eben so auf, 
wie etwa läuflsch zu lauf, nSrrisch su narr gehurt, der autfall 
des tuffi^-vocaie* ist tu beurlheilen wie in men-sch ßr menn- 
isch, und wegen des mangelnden umlauts in hacksch ist an 
die <M. nebenform maanasc ßr mannisc, mennisc zu erinnern 
(mannaschines cbunncs Aumani generis, mannaskineaio sitiu 
Aufflano um Gbafp 2, 756). 

Das Wort ist vor dem 17. jalirh. nicht bezeug, Stieler, Stein- 
(ACH, Faiscn verieicAnen es nicht, es bedeutet: 

1) das ungeschnittene schwein, welches lum belegen der mutler- 
schweine gehalten wird. Ocon. lex. (1731) 897. des Spanferkels 
Taler ist meines behalts ein backisch oder grobes schwein. 
Colica 173 ; (ich) wolle wohl ein gehiiude auffahren, worinne 
der grOste hacksch zu wohnen sich nicht schämen solle. 
Causenmacher 49 ; im bette hielt er sich nicht änderst als ein 
gebohrnes hauptschwein und bei der mahlzeit wie ein natOr- 
licher hakscb. ehe eines weihet 219. auch vom wiUen eher: 

und ttlni sich ... * 

gleich als elo wilder hacksch an n-emden elcheln sau. 

Sroppi geä. i. mmml. 176. 

3) in NorAihmen heisst übertragen auch das männchen der 
kaninchen hacksch, wie das weibchen saue. Fromm. 2, 31. 

i) backsch ob sdampfwort: in der Allmark für einen men- 
schen, der in seinem thun sich ungeschickt und plump benimmt. 
Darneil 73*. das rührt an das schles. verbum hackscben, ur- 
iprün^ich einen schlagen, dann überlragen scIUechl von einem 
reden, hacksch schlag (Fiomh. 3,418), und sichert die ablei- 
lung des wertes hacksch von backen, gewöhnlicher bezeichnet 
man durch hacksch in unmifleliarer anlehnung an diebedeulung 1 
einen unflätigen, schweinischen gesellen: der mensch ist ein 
wahrer hacksch; -du hacksch! schimpft man einen, der toten 
reittt; prosit hacksch! ru/1 man im Osttrlande einem rülpsen- 
den tu. 

4) im Otterlande heilst scheunhacksch der drescher, der den 
lettün sddag in der icheuni Ihut; wahrtcheinlieh in erinnemnj 
0« die lond Mir untergegangene sitte, der letzten garbe die geslalt 
einet thieres, namentlich einet tthweinei m jeten. 



HACKSCHEN, rerb. sids wie ein hacksch geberden, nomenJüeh 
unflätige reden führen, in Mitteldeutschland, vorzügUch Düringen 
und Meisten gebrtudtUch , auch in der henttdiergiichen mundart 
Fromm. 3, 134 , mit dem dazu gehörigen tubsL gehackscb , un- 
tUtlidus reden, in Schlesien hat hackscben eine andere, unmälel- 
bar an backen reichende bedeutung, vergl. oben hacksch 2. 

Studenten kennen einen baekscbcomment , wobei totenUeder 
getungen werde n. 

HACKSCHEREI, f. untüchtiges gebahren, unzüchtiges reden. 

HACKSCHIG, ad;', unflätig, zotig, in studentischen kreisen heute 
viel gebraucht: eine hackscbige geschichte, ein hackschiges 
lied; auch persönlich ein hackschiger kerl. 

HÄCKSEL, m. «nd n., aucA in der t^rtibung becksei, bechsel, 
haxel, hSxel, hesel; niederd. hakkels, holt, haksei n., dän. 
iiakkelse m. kein gemeindeutsches wort, sondern auf fOtder- 
und Mitteldeutschland eingeschränkt, es bezeichnet das klein ge- 
hackte, später nach erfindung der häckerlingsbank klein geschnittene 
Stroh, wie es vorzüglich als viehfuUer dient, in Schlesien sagt man 
dafür siede, in fioiern gesott, in Franken hSim, in der Schweiz 
{Bern) bSckel, heckel (Stauer 2,9); auch sonst sirob und 
heckel. baU. Studien 15, 125. palea, ein sQd, Qt e stramento 
secto, ausz baxel. Alberos tt*. haxel ttramentum minutim 
sedum Bb 4*. bexel schneiden. Colebus hauA. 3, 201*, der 6e- 
merienswerl im geschlechle schwankt: wer seine rosse zom bexel 
gewebnet bat, der gewebne sie ja nicht wieder davon . . es 
musz aber den pferden der bexel aufs kleines! geschnitten 
werden als immer menschlich und mflglicb ist. den ktthen 
mag man e s ein wenig grober schneiden, buch 9 cap. 8 ; die 
armen ieute mästen das vieb mit kraut und rflben klein ge- 
schnitten und unter das hexet oder säde gemengel. i. U c 83; 
bexel von roggenstroh. BOckler kriegssdtule 972 ; kleiner hexel, 
sagen die bauem, ist halb mengsal. öcon. lex. 982; 

nachdem es (dos row) seinen berm ans mancher mensehcD- 

schlacht 
In seine bürg zurQcli rebracht, 

bekam es baTer, ohne ncchsel. Kt. Scbiidt poe(. briefe 59, 
. . nur hleksel 
stau funkelnder dukaleo ftind. Wieukd 18, 180. 

blickscl streuen, wie bSckerling streuen (e$/. oben sp. 106 u. 82) : 
die Vorstellung war ihr unerträglich, dasz eine boshafte band 
vielleicht auf derselben stelle des Vaterhauses ihr hScksel 
streuen könnte, wo einst an jedem ersten maitag gränes mai- 
laub fär sie geprangt hatte. Kinxel erzähl. 261. 

HiCKSELBANK, f. was hSckerlingsbank, gertist zum häcktO- 
schneiden. 

HÄCKSELKLINGE, f. klinge an der häcksdbank zum häcksd- 
tchneiden. Friscb 1,391*. 

HÄCKSELLADE, f. was. bSckselbank. 

HÄCKSELMESSER, m. wie bäckselklinge. Friscb. 

HÄCKSELN, verb. hOcksel schneiden: der alte bauer bOrte 
achon lange zu häckseln auf und horchte. Gutzkow ritter 
V. geiste (1S51) 7,429. 

HÄCKSELSCHNEIDER , m. wie häckerlingsschneider : da 
rechne mir nu einer, wie viel der hexelschneider vom schock 
sIrob zu schneiden bekOmpL Colerds hausb. 3,201. 

HACKSTOCK, m. stock oder klotz tum hacken. 

1) des holzes: spensiva (i. dppus l truneus super quem Ugna 
secantur) hack- 1. hollzstock Diefenb. 546*; in der schirr- 
kammer ist auch ein starker backeslock oOlhig, damit der 
scbirrmeister das knrtze scbirrholtz darauf setzen und be- 
bauen könne, vcon. lex. 897; er legte sie auf den backstock 
und zerhackte sie in kleine stücke. Verkalekeii üslerr. kinder- 
märchen 336. 

2) dfr fleischspeisen , und hier ein gerät der küdie; der obere 
Iheil, worauf gehackt wird, ist gewiÄnlieh mit einem erhabenen 
rande umgeben und durch einen decket zu versehUeszen, so dost 
zmßeich ein bAälter der getackten speisen hergestellt ist: hack- 
stOck voll fallmagen, sallzis, gcbrütcn kalten kalbskOpfen- 
krOsz. Garg. 54*; bald nimpt sie ihm (die frau dem zurück- 
kehrenden manne) den mantel ab, bringt Ihm ein friscb nasz- 
tncblein, tregt das beste ausz dem hackstock auf, dasz sie 
von seinetwegen nit hat essen mögen. 73*., ein bauer gäil 
einer braul tum hochzeilsgeschenk 

ein gaisi, dann mit einem pock, 

und einen guten hackstock, 

und danu aln puterfasi. fastn. sp. 575, 3. 



redensarlen : 



er ligt bei mir wie ein hackstock, 

unfk'eundlicb wie ein sewdrock. H. SagBs 2, 2, $4*1 



Digitized by 



Google 



109 UACKSTROU — UADER 

ich betl ibo «il lieber genommen, 

als meinen herrn, den wendenscfaimpr. 

der kaa weder hohvelsi noch gllmpf, 

Ist ft'eundlich gleich wie ein haclulock, 

und slinlu als wie ein aller bock. J. Atau 3M*. 

ttrgl. dazu auch klotz S, theü 6, lUO. 

3) backstöcke keisun dem tcimer junge rAslicke, wache aus 
ehtem Iheile des alten Uocket, i. b. aus einem aUen schenket 
Iranken) erzeugt «erden, indem man diesen theil in den ioden 
senkt, ohne ihn vom stodu eher absulösen, als bis er «urteh hat. 
Nemnicb. 

BACKSTROH, n. gehacktes stroh, häcksel, häckcrting: (acker- 
pferde) die deo pflüg zum feldbauw . . zieben, nod doch 
nicht«' denn backstro fressen mOsseo. KiacBHor wendunm. 20o'. 

HACKÜNG, f. paslinatio. Steinbaco 1, 664. backunge Oiersii- 
BACB 416*. backung im Weinberge, wie sie geschehen «oll. 
COLEBDS httusb. 2, 44. 46. 

HACKWALD, m.; im Odenwald bat man zur gewinnung 
der (eichen-)node eine eigene bewirihscbaftuogsart, hack- 
wsld genannt, man behandelt grosze districte auf stockaus- 
schlag, tbeilt sie in schlage ein und schlagt sie alle 15 — 20 
jähre. Metzceb landwirihschafU. pflanienkunde 1, 345. 

BADDIG, m., hoUänd. baddig, in niederdeutschen gegenden 
itmbueus ebulus, s. atlich 1,595. 

HADEL, m. serrissenes seug, lunwen, fäsen, mhd. badel 
(Ben. 1, 608*) ; ahd. hadal ist vorauuusetsen nach zihadilohter 
ioctiiiMiu GaArr 4, S05. alte baddeln. interim 352; fcteider 
machen leute, baddeln machen lause. 464. badel heisst auch 
die rispe an grisern , panicula (Nebricb) , wegen ihrer zerstreut 
herabhängenden einsdnen Iheiie. das »ort ist, nach dem bekannten 
Wechsel swischen r und 1, auch formell gani gleich dem unten 
folgenden hader. 

HÄDEL, m. in der bergmannssprache der obere Iheil des 
sMammes bäm schlemmen der erse. Jacob880b techn. wb. 2,lS4'. 
die tollere form dieses wertes ist btuptet (bergw.-lex. 291'), woraus 
hidel oder hedel entsteht, wie die form h£d in krauthed, kohl- 
bed aus heubt, baubt; vergl. weiteres unter baupl. 

HADELGRAS, n. gramen panicuklum. Adeldnc. 

HADER, m. tn swei haupä>edeutungen. 

1) streit, und zwar a) schwerer streit, solcher der in bitterer, 
Utiidter feindschaft entbrennt, kämpf, fehde, krieg: welch burgir 
eyn badir adir urlaub (urlaug?) hebit. Wilcu orlamündisehe 
Statuten aus dem 14. jahrh. s. 76 ; bir nach folget eine grosse 
czweilracbt, krigk und hadder zwischen den Ton Erfurt und 
deme bischoffe zu Mentz, und den bern zu Missen und 
Doringen. Stolle thür. chron. 146; 

jetil bebst ein newen hader an. 

SoLtiU «otts(. 243 (10. fahrh.); 
ich sehne mioh nach ruh, 
si« richten hader lu. A. GaTraios (1663) 532 

(nach A. 120, 7: so rangen sie krieg an); 
der könig und die kalserin, 
des langen haders müde, 
«rweichleo ihren harten sinn 
und machten endlich friede. BCiicaa licnore; 
unten (auf erden) Ist nur mühe, 
kämpf nur, wenns am besten ist, 
hader spat und frühe, 

dass man dein vergisit. Aannr ged, (1840) s. 480; 
wenn des lobens stürme brausen, 
feinden sich die menschen an, 
können nicht lusammen hausen, 
friedlich gehn auf einer bahn; 
wenn des odems bauch entwichen, 
Ist der hader ausgeglichen. Rühsit ged. (1843) 196; 
Indessen kocht in seiner kleinsten ader 
das leben mit dem lod den beisxen hader. 

LtMAD Faust 161. 

a wird auch von der rauferei um «n mädchen g^audit: 

Ton ferren schrei sein vetler, 

der hOrei disen strauss: 

nirwar, sind da nil rettcr 

80 Wirt ein hader draua. Ublind «ottil. 656; 

an solichem sank und hader. 660; 

atiM mit dem folgenden : Partbel Richter . . ist eingezogen 
worden, das er fast überall in allen pierbeusern hader an- 
rieht. Haltaos 770, ist wol rauferei gemeint. 

b) wat ifttr beseiehntt hader in abgeblasiterem sinne nur den 
streit mit werten, sank, swist, Unfrieden, Uneinigkeit : hader und 
loieg, Uijitim, & voe. ine. theut. hs'; hader, zank, unfrid 
NaiLER 204*; in hader, span oder zerwiirfnusz kommen, venire 
in eontenlionemjas.; wenn ein hadder ist zwischen mennern, 
W sol man sie für gericht bringen und sie richten. 5 Mos. 



UADER 



110 



25,1; unter den stolzen ist imer hadder. spr. Sof. 13, 10; der 
eid macht ein ende alles badders. Ebr. 6, 16 ; denn wie ich 
oftmals gong bekennet habe, sol mir* kein hadder gelten, 
es bleib wein da oder nicht. Lotbeb 3,463; diese fabel Dionei 
halte fast die weiber schamrot gemacht, doch muszten sie 
deaz baders lachen (et Aalten sich nämUeh in der gescluchte ein 
abt und ein junger mOnch um den genust eines midehens ge- 
tankt). Boccaccio (1583) 214'; des bädera ward zimlicb wol 
gelacht. 456'; 

der Ursprung alles unks, und alias baders siu. 

Wecebbslu« 719; 
ihr würdet euch des Undschen baders achlmen. 

ScBiLLBR ftraiK «. Hess. 1. 
übertragen auf widerstreitende gefüUe des eigenen innem : 

was will hier enlUammter triebe hader 

in der gottgeweihlen jungn-au brüst? BEacaa. 
Jfan richtet hader an: ein zornig man richtet hadder an, 
ein gedaltiger aber stillet den zank. spr. Sol. 15,18; macht 
hader: ein kind wie eine maus macht einen hader so grosz 
als ein haus. Pisroaios 6 no. 34 «.463; stillet hader: Erich 
reiste zwischen Schweden und DSneinork hader stiftend. Dabl- 
BANN dän. gesch. 1, 63 ; sucht hader mit oder an jemandem : 

drob suchte der kaiser am pnoiein oll hader. BSacaa 66'; 
fangt hader an : ein hader, zank oder gefätz anfahen, aUercari 
Haaleb 204'; 

wenn eh ein hader ich Tolstreck, 

so fang ich einen andern an, 

damit ich sUts su palgen bau. II. Sacbs I, 538', 

gerath in einen hader. SneLea 777; der hader wird gestilll, 
beigelegt: das los stillet den hadder. ^.Sal. 18,18; der hader 
ist gestillt worden, confenlio sedata est. Hbriscb 1576 ; «r wird 
gelöscht wie ein brand: 

kein grossen hader hilf ich leschen, 

sonder trag immer holt dann. U. Sacbs 1, 539*. 

Blufig angewendet ia die Verbindung bader und zank, tauto- 
logisdur »alur, die tusammenfügung beider wesentlich ^eidter 
begriffe verleiht der formet eine erhöhte Wirkung: als sy yetzt 
alle nach dem nachtmal schlaffen gangen, der hader und 
zank für und fttr mit dem wirt und wirtin gewereU Wicsbam 
roUio. 102.22 Kurs; 

reich und arm thun bei einander selten gut, 
zank und hader ist allzeit ir guter mut. fasln, sp. 517, 28, 
machen sank und hader in der gmein. 

Soltau volkst. 254 (16. >aArk.); 
wOlt ir in ru und Maden bleiben, 
so tbflt bader und sank vertreiben. H. Sacbs 1, 538'; 
ein muttem, sin geiink, ein bader, ein geschrei. 

WiciBaauN 720; 
feindschaft, hadder, neid, zorn, zank, zwitracht. GaL 6,20; 
das nicht hadder, neid, tom, zank, aflerreden, ohrenblasen, 
aufhieben, anfrubr da sei. 2 Cor. 12,20; ebenso hader und 
zwist: berscben freundlich und mit willen macht viel zwiat 
und bader stillen. Scbottel 1133*. 

Bisweilen drückt aber bader nur die gAndesle ort des unfHe- 
dens aus, und eint Steigerung des begriffes enthält das folgend* 
streit, zwist, zank : daraus entstand nun bald unwille, hader 
und streit. GUtbb 23,79; 

thue wie dir es geltillt, dass nicht aus dem hader in sukunft 
beiden, dir selber und mir, ein grösserer swist sich erbebe. 

Voss il. 4, 37, 

uri tovtö ye veixos onlaaat 
ool Mal ifsol fiiy i'ftofia /tet' afiyiOTe'goun yivtjrai, 
so cfab es ein necken hinüber und herüber, und aus dem 
necken wurde hader, aus dem hader zank, aus dem zank 
offener krieg. SpiELBAeEN in reih und gUed, l.buch 26. cop. 

Im nuldesten sinne, bei 0. von Woleenstbih ist bader ilreil 
tinter liebesteuten, M)esneckerei: 

für allen schimpf des ich vii sich 

zfl Nürenberg Mlich bestellt 

mit tren, sO tAt freuen mich 

der bader wuniklich gesellt 

von manger lieben frauen schfin, 

und der kain ladei nie geflieht, 

die sich dem bader machet hön, 

und doch kein hader nie versteht. 83, 1, vergt. % 3. 

Setten is< der plurat hader im gebrauch: in iren hadern und 
gezenken. Melanehthons anweisung in die h. sehrift, deutsch von 
SrALATIKOS (1523) f. 5 ; 

die sich in all hendei legen, 
all hader wollen riebt und schlicbtn. Et>bin« 1, 126; 

gewöhtüieh entwiMt bader kesnen phtraJ, namentUek in der ntutm 
spräche nicht. 



Digitized by 



Google 



111 



HADER 



HADER— HADERBURE 



112 



e) hader k«iit< audt der gerichtliche äreü, protett; wenn wir 
tom bader der politischen, liMerarischeo, confessionellen Par- 
teien reden, m kUagt diett bedeulung ncth nach, in Nürnberg 
beteiehnete man durch hader den injurienfroiat, wie er vor einem 
eoUegima von fünf ralsherren verhandeU wurde: die ffinf herren 
am bader sitzend. fiOrnb. poUt.-erdn. 44. 45; aof Terborung 
des handeis dnreh die herren am hader. 48. aber hader 
«nute vol audi die einrede m eiiiem protesse bedeuten, nament- 
lich die frivole, die wider besseret wissen rorgebraeU wird, um 
den gegner vu schädigen; so tnoj es wenigstens in dem folgenden 
XU ventehen sein: darumb, wer eine bOse sache gewinnen 
wil, der Ihn auch also, und wie die losen zungendrescher 
für gericht thun, wenn sie die silbersucht nnd das gfilden- 
flber bestehet, schelte nnd liege getrost auf die person, so 
ist die saebe gewonnen, wie jene matter ir kiod leret, lieber 
son, kanstn nicht geninnen, so trag badder ein. das heissen 
solche lagen, da der IQgener nicht webnet noch irret in der 
beubtsachen, sondern selbs wol weis, das er leuget und 
liegen wil wider die person. Ldtoe« 8, SS'. 

Die andere haufibedeulung von hader iä 

1, a) abgerissenes oder abgeschnittenes stück 3eug, fetsea, lumpen, 
vielfath wn Hleidungsstüdien gesagt, die vor alter in stätken zer- 
falten; mhd. bader wb. 1,608"; hader nnd alte cleider, exurie 
voe. ine. theut. h8'; bader, lumpe, pannvs Fiiscn t, 392*; mit 
einem hader den tisch abwaschen, panniculo mensam detergere 
SrEniAca 1, <es; ich bab ihn noch nie dazu vermögen kön- 
nen, dasz er hatte sein bofgewand machen lassen und er ist 
mir unterweilen in scheuszlicbem grauem hader zu dienst 
kommen, dasz ich sein mehr scband denn ehre gehabt 
Larcenn Siimie 3t; hatte sie die katze in einen hader ge- 
wickelt und weggeworfen. Chi. Weise tomid. 140; 

web dem der mit einem hadr 
in «einer nolh von disem badr 
«ich muti die kolbe lusen reibn. 

B. RiNGwiLD tavt. warb. 34 (30). 

Zu diesem starken mast. bader erichfini auch eine sehwathe 
mhenform, im ahd. fem. badara Giaff 4, 812 ; o6 der auch dort 
aufgeführte dal. pl. hadarun dietem fem. sufällt , oder einem 
starken bsdar, oder endlich einem sehwachen mase. badaro, das 
ScNM. 2, 150 beibringt, ist nicht tu entscheiden; im mhd. masc. 
der bader, des badem: i da; ir einem naketen ddrfligen 
einen alten badem gebet. Ba. Berthold &9, 13 ; und ir frouwco, 
weder; wrrc iu lieber: der iu einen guolen nitinen mantel 
gebe, der scboene liebte varwe hcte, oder einen alten badem, 
den man mit einer spinein zerschOten mObte? 383,9. diese 
maseuUne nebenform Oberwiegt namentlieh im plural im nhd. und 
hol die starke fast gant xurick gedrängt, nur beim dat. phtr. 
kann nidU entschieden werden, ob diese oder jene vorUegl: da 
mit sie pei im nicht gemerket wurden, er sie in zerissene 
•he hadern pante. SteiniOwel decam. 77, 28 Keller; so kompt 
denn der teufel und stoszt dir die kudergunkel dar, an der- 
selben giinkel spinst dn zwiHch, ungiOckhaftige badera und 
kOcbin lumpen. KEiSEissEscipinnmn (I510) a4'; die marterer 
.. gieogen in haddera und bosen kleidem herein. Lother 
4,487'; Tiele meiner guten Waffenbrüder und landesrerthci- 
diger haben sich geirgert, dasz die iranenzimmer von aller- 
hand gattungen ihre brüst and annfleisch zu wenig oder nur 
mit durchsichtigen hadern bedecken und also zu sQndhaflen 
reizungea anlasz geben. Verordnung A. Hofers vom august 1809 ; 



nach alten badem Ut mein fkvgen 
wenn sie die meid liaben sbgetragAi. 

fastn. tp. 374, 34. 



792,22, 



ich artall Dmb sein pranUera 

und Omb leln groist bodera, 

da« er schol in den badem ■chlfefen 

und aucti danu sein naien triefen, 

und die hosen geatrichen an sein pein, 

geleich sam sie gefallen sein, 

und sein schuch uneingekniprelt, 

und sein hadern mit rotz beirOpfell. 780, 10; 

fiel alte Inmpen sie da umb sich rumbher machte, 
die badem waren bund, es waren himmelblawe, 
et waren gr&n und gelb, es waren roib und grawe. 

D. T. 0. WaaDsa Ariett It, ItS; 

so guck einmal, nebst deinem theuem »eibe. 

auf meinen rock durch deines fensters scheibe, 

und sieh die luft in hundert hadern wehn, 

und meinen leib dem winter offen stebn. BSacia 31'. 

badem oder lumpen rar papierbereilung gesammelt. Brose- 
X1CS 2, 19S. 



Doppelsinnig und mit betiehung auf die bedeulung l,b wird 
getagt: hader macht hader, das ist gut dem papircr. Fiscbart 
grosxm. 103; mit hadern Terleurt jedcrman , aaszer papier- 
macher und advokaten. Lebhanr bei Eiselein 268; manche 
reisset einen bader vom zäun heranter, der oll keiner dosz 
schalen wertb. mägdelob 43, denn der hader irtrd «om zäun 
gerissen, gebrochen, wie man das auch von streit und tank sagt: 

wenn sie besteht ir bOser laun, 

bricht sie ein hader Ton eim zäun. D. Sicu 1, 604*. 

6) hader sinnbildlich für ein geringfügiges ding: schämst dich 
nicht, einen solchen hadern nicht zu wissen? zu einem 
mädchen gesagt, das nicht wustte, wie viel stücke lur beichte 
gehören. Senn. 2, 150. 

c) bader ab Schimpfwort ßr einen nichltwerten menschen, vgl 
Inmp: ein schlechter kerl! nein! gar kein kerl! ein lump 
ist er, ein badder! Zelter 4,380. 

d) wenn hader auch eine obscüne bedeulung hat und das 
herab hangende männliche ghed bedeutet, so erklärt sich die redens- 
art den bÜdarn ausraiben, pissen Castelli 160; ausreibeo 
heisst heraus wenden, reiben hat ßr das bairisehe spraehgehiet 
auch die bedeulung drehen, wenden. Scan. 3, 6. v»-W>,' -v^-.-" 

Beide bedeutimgen t und 2 haben einen gemeinsduißichen 
Ursprung, altindisch fitayami Adue, Aoue nieder, schlage, fille, 
irisch catb niederlage, scüacht , finden ihren verwandten in ags. 
beadu kämpf, schlackt, ahd. badu {hier nur noch in eigennamen 
vorhanden), von welchem hader eine Weiterbildung ist. rücksichl- 
lich der gemilderten bedeulung ist tu vergUiehen griech. woros 
groll, hast, tom, welches auf die gleiche würzet zuritct/SArf. auf 
der andern seile aber konnte sieh aus der Vorstellung des abhauent, 
trennens, die eines abgetrennten Stückes der kleidung ergeben, wie 
aus der nasaHerlen form lal. <ento läppen, iumpen erhellt, das 
ebenfalls hierher tu liehen ist. dost herbei wenigstens im deut- 
schen der aecent nicht tuerst auf das verbrauchte, morsche, aus- 
einandergefallene, was vorwiegend dem warte hader inne wohnt, 
sondern auf das von der hauplkleidung abgetrennte, isolierle fällt, 
erhelS daraus, dasz in Schlesien der Schleier einer braut hader 
heistt (M. Waldad in Prutz' museum 1852, t >. 40), ebenso bmr. 
hadern kopfluch der weiber, prangbadern manschette, schneuz- 
hadern schnupfluch Scru . 2, 150. dieser begriff eines abgetrennten 
Stückes seug tritt eben so sichtbar hervor in bandhadern hand- 
luch das. atich HorER in seiner oben angeführten Verordnung 
geht bei dem gebrauch des worles bader von diesem nnne out, 
doch mit hinblick auf die verächtliche andere bedeulung. figürlich 
heistt in Baiem badem oncA ein kleiner häufe heu, der aus den 
Schwaden tusammengeharkt wird. 

AUes das beslitigt die ursprüngliche gemeinschaflUche abkunft 
der beiden jetzt so weit getrennten begriffe; sie wird noch mehr 
durch zweierlei bewiesen: einmal durch die nebenform zu hadel 
hader mit geschwächlem wurulvocai hudel, hader (s. d.l, welches 
eben so wie hader die bedeutungen streit, zank und lumpen auf- 
weist, und dann durch das begriffUch gleiche fetze, Ätze mit 
seiner sippe, fetze lumpen (3,1575), gefetz streit (hader, zank 
oder gcfatz Maaler 2o4'), filzein, fitzen schlagen, weben und 
wirren (3,1695. 1696), 09». fettian streiten, fit gefeeht, streit, 
diese Wörter weisen auf eine deutsche wurzel tat mit der ursprüng- 
lichen bedeutung zerhauen, spalten, zu der nahe {wiewol nach 
dem laulverschiebungsgesetze nicht genau stimmend) allindisch pa( 
ipatten, scUitzen, reiixea tritt (BOuti.-Rotb 4,377); ud-paj 
heistt vernichten, pa(a ^ereUet zeu; {das. 378). genauer zur 
deutschen »uriel nocA stelU sich griech. TnjSöv niderblatt, weichet 
eben auch auf die Vorstellung der Spaltung zuritckgeht. goth. fitan 
gehdren hat dem gegenüber abgezogenen sinn, es markiert das 
auseinandergeben der geburtstheile. 

HADERBALG, m. verächtlich haut, leib einer hadernden person, 
nach balg 3, tAeil t, 108S : 

desi wird irm peutel oft geswagen 

und ir der baderbalg zerschlagen. H. Stcas I, 504* ; 

dann als Schimpfwort für ein zänkisches veifr. FaiscR t, 392'. 

HADERBODEN, m. in Papierfabriken der boden, wo die in 
papier zu verwandelnden hadern lagern, der baderboden nach 
französischer, englischer oder rheinischer art eingerichtet. 

HADERBRIEF, m. brief welcher hader verursacht: denselhigen 
badderbrief, welcbs halben mich bertzog George aufrhOrisch 
schilt Ldtber 6,6'. 

HADERBUBE, m. lumpiger buhe, lump {ver^ hader 2,c 
o6en): 

stampf hin, dn kleiner haderbub ! 

0»L iiiut Coia 243, 3. 



Digitized by 



Google 



113 



HADERBUCn —HADERER 



HADERFELD — HADERKATZE 



114 



)lADERBUCH, n. 1) 6ii«k enthaUend die protckoUe übtr ge- 
tUUshändfl {s. faader l,c $p. ill), namatUith injttrienprocettt md 
die m iü<(m erkannten arafen: derer Damen, so Tor dem 
fttDfergericbl zu Nürnberg Terklaget werden und stehen mtts- 
seo, werden ins baderbucb geschrieben, welches viele, zumal 
die unschuldig «ind, gar uogeme sehen und haben. Halt- 
abs 771; 

as wird nichts ^ts, schwer ich ein eid, 

wenn euch der jud hie solt verlilagn; 

ich rieth, ihr lisi dte sach vertragn . . . 

so ist es In dem ganten land 

euch als eim alten horrn ein schand 

euch in das haüerbucb lu schreiben. 

Ataaa fattn. tp. 24> (2455, W Keller); 

darumb habt ihr su danken mir, 

dasi ich euch als« einher fSbr 

und seil euch in das baderbucb, 

dasi man euch beim Herostrat such. 

Fiscasar yrostm. 45. 

2) im andern n'ane bei Hekiscb, der darunter ein tchmierbueh, 
coneept, Uadde versteht, in das flichlig eingetragen trtrd; den 
hadern in der bedeutung 2, a klebt die nebenbedeutung des un- 
reinen an und so macht man einen aufsatt erst ins unreine, 
schreibt ihn dann ins reine: baderbuch, sudelbuch, memorial, 
adversaria, über metnorialis 547. 

HADER DISTEL, f. eine dislelart : badderdisleln unter ifen im 
juni timusammetnden und tur arznei tu teruahrenden kriulem 
bei BOcKLEa haus- u. feldsekule {ii63) s.tST; haderdistel Scunuai 
tonst-, AatM- u. «underbueh (1664) s. 228. 

BADERECK, m.; osiniu, acbelOsch, hadereck FaiscBiiR 
nom. 149*. 

HADEREI, f. streit und twar a) blutiger, rauferei: ein erber 
rate bat zu herzen genomen und bedacht die meniglich auf- 
ruer, zweinung, misshandlung, baderei und Verwundung, so 
sich bissber oit und dick erhebt haben. NUrnb. fwiiieiordn. 44; 

kursweil tet in erlescben, 

luletit ward haderei, 

da sah man «il der reschen, 

schlAgen als wollene dreschen. Ubuhd 657. ' 

6) otieA nur streit mit wmten, gttänk: es leufl auf eine 
haderei hinaus, res lendit ad jurgium STietei 777; 

wann sie der hedrei sieilgs haben gepflegen, 

die weil ir valer ist tot gelegen, fatln. tp. 87, 16. 

der begriff mildert sich noch »eiler tu dem blossen der Verwir- 
rung, des aufsehens, Idrmens, speäakelt: o myn Chreme, ich 
beger oucb din selbs; weist aber, das alle dise hadery von 
dynen wegen bescbehen istT rcrentitu deutsch (1499) 7t*, nach 

mi Chremes, te Ipsum eipeclsbsm. 
sein tu, tnrbam hanc propter te esse ractam? 

£Nntich 4, 6, 6. 

HADERER, m, den beiden hauptbedeulungen von hader ent- 
Sfrechend. 

t) ein Streiter, raufer, tinker: die lifsetzigen, die bederer, 
die boslisligeo. Job. PuaeoioTS recitsbuch von Orltoff 208; abe 
sich ein schepfe an dem gericht verkoset, darumb er zu 
busse mccbt komen, do suln die andern vor ine bieten und 
des sol inan sie geweren; es wer den sacbe, das er ein 
bedderer wer, und wulde sich darulT lassen, der sulte sin 
ebenlbeuer siebin als ein ander man. irndA. 3,360 (l4.;aArA.); 
haderer und krieger, gestuosus, homo litigiosus voe. ine. theut. 
h8'; zorniger und unrAwiger baderer der nit rdwig ist, er 
stilte dann vil zanks und baders an, altercator lurbidus H 
iracundus Maaler 204*; berr, baddere mit meinen haddern 
(vor. hadderern), streite wider meine bestreiter. ps. 35, t; 
ich wil mit deinen hadderern (vor. haddernj haddern. Jes. 
49, 25; dise fabel ist wider die ungestammen zanker, haderer. 
SteibbCwkl (1555) 41 ; so würde der mann gantz tugendhaft, 
er wer denn gantz ein haderer. i4imon bog. G 8 ; 
iMthSrte hadrer, laiii euch rathen, 
vertraut die wolle nicht den scharren advocateni. 
oft Ist, was ihr gewinnt, nicht hslb der kosten werth. 
HiesDOaa 2, 39; 
sie wollen nun als beiden fechten 
und nicht wie kleine hadrer rechten, i, 55. 

Bet den }igem heissen haderer auch die fangtdhne des vilden 
schireines ScBonei haubttpr. 403, NeuNicn 4, 1405, es sind dit 
sihne, mit denen es streitet, kämpft, und die sonst walTen, wehr- 
zSbne, gewehr, gewerft genannt werden. 

2) der mit hadern oder allen zerrissenen kkidem handelt : unde 
dft manteler und du hederer, dtner trflgenbeit gerilent die 
riehen ouch gar wol: ej sint niuwan arme liute die d6 be- 
Iriugest. Ba. BcETNOiD 86,11. 
IV. n. 



HADERFELD, n..* mit welcher form dann Aspasia den 
Xenophontem und sein bauszfraw, die alweg im haderfeld 
gelogen, widerumb ainig and fndlich gemacht hat. Fucbs- 
PEBGEn deutsche dialettica (1533) 4«'. das wort ist gebUdet wie 
Schlachtfeld, der sinn gemildert nach hader 1, 6 tp. lOt. vergl. 
feld S,b Ibeit 3,1478. 

HADERGEIST, m. ffss: 

auf diesem (der Pallas sckild) webten hadergelst und kraft 
und wilde mordbegier. Biiaosa 167*. 

HAOERGERICHT, n. 9erK;At für ivjuriensadien : ein Judi- 
cium in der Stadt Coburg, welches man das Stadt- rttge- oder 
hadergericht geneoneu Haltadr 771. 

HADERGERN, m. trica, jurgiosus. SnEua 647. 

HAOERGESCHREI, n. laut« tanken und streuen: darauf der 
sponbeimiscbe Schultheis die schöffen abermahl . . ermahnet, 
alles dasjenige, was rugbar «eie, als frevel, hadergescbrei, 
blutige wunden, wie von alters farzubringeo. weisth. 2, 189. 

HADERHAFT, adj. eonlentiotut, rixotus. Faisca 1, 392* : von 
unruhigen haderbaften leutben. Haltads 771; haderhafte 
Sachen, res lüigiosae, eontenliosae , conlroversae Stieler 777; 
haderhaftes und zänkisches weib. Wesekick i;iielne6en (1702) 46. 

HADERHAFTIG, adj., was haderhaft: es soll aber ein 
bischoff unstreflich sein, . . nicht hadderbaftig, nicht geitzig. 
1 ftm. 3,3; ein zenkisch badderbaftigs volk. Li;TBEa 4,12b'; 
ein kriegsmann, hadderbaftig, war ins gefengnisz gelegt 
worden, darumb dasz er einen hart verwandet halt. ttwA- 
reden 315'; ein bfises baderhaftiges und unleidesames weib. 
Mektz tIammiKcA der heuser Sachsen (IVtlteni. 1598) 1. 1'; had- 
derbaftig (weib). RoTB Aantntutter ABC h5'; in dieser unge- 
alQmen und baderhaftigen zeit. B. Rincwald laut. warb. a6'; 
ein baderbaftigs oder zanksüchligs wort. Simpl. 3 (1699), 387. 

HADERHAFTIGKEIT, f. animus rixandi cupidut. Steibbacb 
1, 665. 

HADERHERZ, n. .* (Christus) nimpt weg den kriegsmut und 
das baderherz. Lotbeb 3, 180*. 

HADERICHT, adj. nach den twei hauptbedeulungen von hader. 

1) tänkiseh, streiisHchtig : baderichter mensch, Aumo infutetiu, 
turbulenttts, tediliosus Stielkr 777 ; hadericht rancorotiis DiErEx- 
bach 484*. 

2)' Itiinpii;, abgerissen, kirnt, hftdrat lumpig, toUig, verwirrt 
Leier 145; haderot und zerrissen, tactnosiu, laeeratus, pan- 
nosus voe. ine. theut. hS*. 

HADERIG, adj. was hadericht: I) baderig rirostis Dastp.; 
häderig, kybig, der in allen dingen das widerspil halt, all- 
wägen im widerspil ligl. Haaier204'; bsderig und zänkisch 
sein, delitigare, hsderige dispulatz lUigiosa dispulalio, baderige 
geriebt, fora lüigiostt das.; glycbsam den hädrigen wyhen. 
ZwiHGLi 1, 175. in der oben unter hadcrhaflig anqefahrten stelle 
t Tim. 3,3 lesen alte einteldracke des neuen testaments nicht 
hadderig. Bindseils bibel 7, 161. 

2) baderig, Mriiinipt, in lumpen: er geht haderig und ab- 
gerissen umher. 

HAOERIN, f. mutier aUereant Stieler 77«. 

HADERISCH, adj. tanksüchtig, streitHebend: haderisch ranco- 
rosus voe. ine. theul. b S* ; häderisch jurghsus, irrilabilis, rixosut 
Dastp.; wil auch mit baderischen leuten nit zanken. Melan- 
crtbon 6ericAI und ratschlag vom streit des heil, naehlmals (1560) 13 ; 
haderisch nnd zankhaft. Hütten von Münch 5,187; es m3sz 
jederman etwas haben, das er nit gern hat . . der reich und 
ein unfruchtbar weib, der gnSg und ein zänkisch haderisch 
weib darzä, die im keinen friden laszt, der Ohel gerathne 
kinder. Acsic. spr. (1560) 154'; ein viel geschwelzigen , ge- 
spöttigen, baderischen menschen. Pasacelsds (1616) 1,913'; 
die geistliche seind mehr baderisch als andere, derus amat 
Utes. Stieleb 777; 

doch bOs hsdriach lOt tur Sit 
machen Uneinigkeit mit siril. 

Lssi Schmtbenkrieg 26'; 
uoTerlriglich, faldrisch und senkisch. 

H. SiCBs 2, 2, 80>i 
sinkiscb und hidrisch Immerdar. 5, 227*; 
holTertig, hadriscb, hurisch, hart, 
dss ist der ketier vlerts arl. 

EsusT (l5St) bei Htpfner. reformbettrebungen auf 
dem gebiete deutscher äichlung s. t6. 

HADERKATZE, f. sOelte für eine täMscht person, wie man 
kalze Ott Schimpfwort gebrauM, vergL 6, 187. nacA dem ge- 
schlechte gilt et sundcAsi f6r ein bisti tanksüehtiget weib; in 

Digitized by VjOOQ IC 



/ 



115 



HAOeRKATZE— HADERLUMPE 



HADEBLUMPE — HADERHETZE 



116 



«t'nem tehranke von H. Sachs bielet (in mann iattn feit, tine 
tdtmticIteUuilte, faule kotze u. «.»..' 

di« drilt das itl ctn haderliau, 
die «llmal marr, gron, krell und krall 
mit iiachbarn, kinden, magd und knecblcn, 
tlit hab lu zanken und lu rechten. 1, Mit*. 

im iprichvorl teirä die armut penonificirrt: armulb i>t eine 
haderkatze. Schhid sehwäb. wb. 621. rbettso häufig abn von 
«Rtr tinlatchen, roufsüchligen person ftberhaupt, ohne rücksicht 
auf das gesclileck : wenn eine haderliatze unter dem hauren 
wäre. Chr. Weise kl. teule V>2 ; alle stQnniscbe und beiszigle 
haderkatten. 277; ond wie sehr oft ein friedliebendes berz 
benübt ist, sich' von einer baderkalzen los zu wirken, so 
will sie ibtn doch immer in die wolle. Scriter andachtea 
(IT21) 29. und dann geradem und ausdriuklich von männern, 
wie auch der falsche, liilige mann eine katze gescholten mrd: 
welche die rechten CodmesbrQder und baderkalzen und land- 
aufwiegler .. sein. Mirnes. Sar. 1&4'; von senfern, Spielern, 
leichtfertigen , groben haderkatzen. L. Tborneisser nolhgeih: 
aussehreiben (1584) vorrede 7 ; gedenke dasz die heilige schritt 
nicht lOge, die da sagt, djsz die geilzige, die neidige, zom- 
sflchtige haderkatzen , balger und mOrder . . schwerlich das 
reich gottes werden besitzen. Simpl. 3, 193 Kurt ; haderkatzen 
nennl KiRcanoF kriegskneehte die sieh äreiten, mitil. diso. 138; 

den kecken heisset >; (die well) ein haderkatten. 

mcMlerl. f. 23 no. 245; 
den kQbnen nennts (»ie, die »eil) ein haderkatten. 

H. Sicat 4. 3, 57'. 

HADERKLOTZ, m.: ehe sie {die eheleule) sich recht wider 
vereinigen, riebt er {der salan) alsbald wider unglOck an, 
wirft wider ein badcrklotz zwischen sie beide, zündet ein 
neues feuer an. A. Muscous eheleufel (1564) it. E\ vgl. klotz 
4, b und e. theil 5, 1251. 

HADERLAOE, f beim papiermadier ein kosten, wie eine 
fullerlade, worein die hadern geworfen werden, wenn man sie 
mit dem sthneideseuge zerschneidet. Jacobssox techn. wb. 2, 184'. 

HADERLAPPEN, m. linteum delritum: das köstliche tcller- 
tuch, das durch Oflern gebrauch des ehetnaligen besilters 
etwas unscheinbar worden war, diente dem unwissenden 
gericbtsschreiber zum haderlappen, die schwarzen Outbeo 
eines umgestoszenen dintenfasses damit aufzutrocknen. Mo- 
SAEus volksm. 152. vergl. haderlumpe I. 

HAOERLAUS, f. pediculus reslibus insidens Steinbach 1, 1001 : 

mich beisten liart die haderleuss, 
auch essen mir mein brod die meu«. 

H. Sachs 4, 3, 62*; 
desgleich peinig uns die haderleuss. 3, 3, 73*-, 
die Hoch and auch die haderleuss. 3, 3, 03*. 

HADERLEIN, m. n. diminutiv tu hader. 

1) H.Sachs frraucM bäderlein in der Stellung eines ersonnenen 
namens, als anrede an einen linkischen menschen 2, 2, t*, femer 
stellt er den bederlein als geisl des tankes hin; 

der hederlein bin ich genant, 
leokischen leulbeo «ol bekaou 1, 538*, 
er sprach; kenst nit den hederlein? 
ich sprach, ich hab bei meinen tagen 
Tom hederlein oft hören sagen, 
wie das er ael des tenkleins bruder. 538'. 

2) haderlein sive hsderlein Itnramenlum Stieier 777; man 
milcht aber unser papier aus alten hederlein, die man stampfet 
und gleich <u einem mus machet. Hathesids 97*; Christus 
ligt noch heul zu tage in den papiren windelein und allen 
hederlein, wie er zu Bethlehem in seiner mutier allen IQcb- 
lein eingewickelt war. 111'; hSderlein aus fSselein, lineamen- 
lum carftum sive mlsum {wir brauchen jettt dafür das fremde 
charpie), geschabtes rasile, gedrehtes baderlein tortiU Stieler 
777. in fiairm bedeutet bSderlein ein hiufchen zusammen ge- 
rechten heus. Senn. 2, 150. 

HADERLEVTE, pl. Iricones Dasip.: die man auch beschul- 
digt dasz sie haderleut weren. Freder. s. hadermann. 

iUDEKLUMPE, -LDllP, -LUMPEN, m. 1) fetzen, lumpe, 
rorzüglich auch ein in lumpen zerfallenes kkidungsslück {vergl. 
hader 2, a) : wie ein belllersmantel m hanf geflickt von vielen 
liaderlumpen. Litther tischr. 270*; eine beltlerin, die den brusl- 
krebs simuliert, halle heimliche rchrlein von hollunder neben 
imd unter die brüst gefitecket, durch welche die vermischte 
milch und blut ans dem schwamm in ihre ontergesteckle 
haderinmpen liefen. Happel acad. rom. 899; 



— isis nicht die grAsile schände, 
dast mich, der ich so oft mit seidenem gcivande 
bekleidete des landes graiien, 
die weil nun llsil in baderiumpen gebn? Biacia 31>. 

ab bäd einer verächtlichen kleitrigktil : erblheilung, wobei sich 
die frau tanle über jeden baderiumpen zankte, fneffloirrn des 
ritten V. Laug 1, 69. die lumpensammler, die die hadern smam- 
menkaufen, schreien auf der straste haderlump ! um die Verkäufer 
aufmerksam zu machen, schon fastn. sp. 374, 33. 

2) haderlumpe wird nun auch übertragen von der suche auf 
die person die damit in betiehung steht, und zwar 

a| auf den der mit lumpen handelt, den lumpensammler: der 
baderlump'ist da! rufen die hnder, vnin sie den lumpensammler 
sehen , der ihnen jene abfalle der Wirtschaft gegen ein bild oder 
ein 6anil auslauscht, in Tirol hAderlump Fromm. 6, 155 ; und 

h) auf den der in lumpen einhergeht ; er ist ein rechter bader- 
lump, ein abgerissener mensch; pannudus haderlump Diepen- 
BACH 410*. 

Das worl iä eine Verbindung zweier wesentlich gleicher begri/fe ; 
das nicht recht gangb(at hader mocAle sdum früh grossere deut- 
lichkeit durch das beigesetzte lumpe ersieien wollen. 

HADERLUMPENKLEID, lt.; 

aiieln der lohn FDr meine trellliehkeit 

ist bungersnoib, ein haderlumpenUeid. Bfiioaa 31*. 

HADERLUMPENMANN, m. liimpenMtnmler. Adeluho. 
HADERLUMPENSCHREIER, m. der nach baderiumpen sehreU 
{v^. oben), lumpensammler. Frisch 1, 392'. 

HADERLUMPER, m. pannuaantu. SvietER 1140: «in hader- 
lumper, der erst heut mit, fetzen umbgangen, soll morgen 
schon wissen, drein zu schlagen, dasz fetzen gibt? Abr. 
A S. Clara auff auff tAr duisten. 
HADERLUMPICHT, adj. panrnwiM. Oicferb. nov. ghss. 278\ 
HAOERMACHER, m. streilsüfler : den hadennach^ aber 
warfen die kinder mit dreck zur Stadt hinaus. Henaebesger 
landl. 455. 

HADERMANN, m. zänker, streilsüchtigeT fnann: baderman, 
baderer altereator Maaier 205'; man rindet vi! der badermann 
die on ursach umb iippige ding dye richter bekUmerenU 
SteinhOwel (1487) tl. 58; des Aristoteles philosophey bckOm- 
mert mich nichts, dann was geet mich das an, was der 
berflrt baderman für ain mainnng gehabt hat. Melanckthons 
anweif, in die heil. Schrift, deutsch v. Spalatihos (1523) 39 ; wer 
hie will ein hadermann sein, der mach sich weit von leol^n 
und fahr in wald nach scheuten. Garg. 82*; ich sei ein scep- 
licus und hadermann. Freder; 

oder iriin er kein haderman, 
dast er ohn hader gehl darron. 

H. Sachs 1 (1590), 312'; 
du 6nd*t an mir kein baderman. 2, 4, 26*; 
du Dost kein haderman an mir. 3, 3, 45'; 
wiliu denn ein hadermann sein, 
so rahr ins holt nach schellen. 

HOFPitDN geselttch. HO, 

ver^ oben das eitat aus dem Garg. ; mit der Vorstellung des int 
holz fahrtns verband sich der nebensinn des nimnier wiedef- 
kommens, vergl. fahren 3,1253 oben und holz. 

Das wort wird nach dem 17. jahrh. ungewöhnlich, Stieler 1235 
verzeichnet es noch, heute würde man unter hadermann eher 
einen verstehen, der mit hadern handelt, als plural dient gewvhn- 
bch haderleule (oten sp. 115), obschon auch die hadermann oben 
belrgt ist und badermanner nicM fremd klinge. 

HADERMARKT, m. .- sie sollen uns nicht an ire gericbls- 
stiile und baddjermerkte ziehen. Ldther tischr. 161*. es ist die 
stäUe, wo der hader gewissermaszen als waare feil geboten wird, 
leicht tu haben ist. ver^. auch ktappermarkt 5, 970. 

HADERMEIER, m. erjler «nler länkem, erzsinker ; meier 
stellt in der bedeutung major, oberster, crz-, wie in bnrenmeier 
(>. d.); neuer aber eben so gdrildet ist heulmeier enheuler, 
reactü^fir: oder was Politian aus ihnen {den homerischen 
gedichlen) bat gcstolen und der hadermeier Lorich dorfen 
holen. Carj. 52 . 

HADERMESSER, n. ni;»rr, das die ßr die papierfabrieatio» 
bestimmten hadern zerschneidet: in diese hadertade werden die 
kmpen, die man zerschneiden will, gelegt, die schienen der 
walze ergreifen die lumpen und schieben sie zwischen zwei 
hadermesser. Jacorsso'» tethn(d. wb. 4,24'. 

HADERMET7E, f schelle, tuniehst für ein zanksüOtigez welb, 
da metze ursprüngHch kose form des in niedem schichten früher 
sehr gririihnlithen namens Mechlhild ist und dann auch als 



uiyiiized by 



Google 



117 



HADERHETZG— HADERS 



HADERN 



118 



verächlUehe benennung ema frauenummen üierhaupl sIeU: 
hadermaiz altercalrix Huleb 1M'; die hadermeU Xanlipe. 
L. TuDUNEiMiii wAhgtdrung. auttchräben (1584) vorr. 1&; zwo 
bOser hadermelzen and zankischer Tettelo. Fiet garfroj. 27 ; 
weiber sollen nicht hadermelzen sein, buch der lube 287,3; 
gegea alle badermUtzen und kuplerinnen. Philander 1, 24. 28. 
Äbtr de$ wart wird auch auf tinkische minner übtrlragen, v>ie 
baderkatze (oien ip. lis), klapperbOchse (5, 9<7I, plauder- 
lasche: es isl ein uneerlicb ding, da ein mensch also ein 
hadermeU ist, besunder ein mannsnam, der also iminer- 
meder hadert. Keisessb. sänd. d. m. 42*; der ein (ron nceitn 
tor dem bürgermeuler ttrtitenden) war aber insunderheit ein 
nidige hadensetz. Wicuam roU». 50,24 Kurt; der fried liebt, 
ist oit gern umm zankische hadermelzen. S. Franz $frickm. 
(IMl) 1,8'; 

du mich (den heäerlein) aol fürchten jederman 
und fDr ein hadennetien han. H. Sacu I, 639*; 

die bOslen roll er an im hat 
•0 mens Und in der gaaieo stat, 
damit tbul er sich ISgllch paign, 
halfen und in dem Itot umbwaign. 
er ist ein lauter badermeit. 522*. 

FiscHAST hol die mäerUldung : heerhuren, . . grempelfrawen, 
haderbadermelzen , scbloszmägd, wQrlsmSgd, scbmalizhiren. 
groam. t3 , virUeidd nur da ramspUlt leegen , wie man sontt 
bnmpelpompel, hampeln und bambeln gebraucM, haitebstte in 
Sdmaben ein einfällt mtnsch. Schiid »dtwäb. tri. 263; dock 
tergL badermagd 1,1074. 

HADERHETZIG, adj. t» dem vorigen : hadermelzige weiber. 
Fischart gro$2m. 72. 

HAOERN, terb. in twei kaufibedentungen. 

1, a) lireilen; weniger wird der thilüche streit, den das sttbst. 
badet {tp. lOtl, «iewol selten, ausdrückt, durch das verbum be- 
teichnel, all viHmtkr der tlreü mit »orten, das zaiJten: hadern 
ood kriegen, gettire, eerlari voe. ine. iluui. bs*; ich hadder 
jurgo Au.; haderen, etwas zanks und haders mit einander 
habeo, jurgare, adjurgare, oüercari, conlendere, rixari, velitari 
Maaler 204'; bescbellcn, hadern, strafen, objurgare, arguere, 
debaehari Heniscb 303; dise stat heischet und erfordert an- 
dere Sitten und geberd den zu hadern und zu kriegen. Ksi- 
KUMRC pr«d. an bisch. Albr. 11'; die gerne haddem sind 
allzumal narren. >pr. Sot. 10,3; erinnere sie, das sie .. nie- 
mand lestern, nicht haddem, gelinde seien, fit. 3,2; goltes 
worl ist das in allen creaturen weset, in allen gleubigen 
prediget, in allen gottlosen kifet, kOplet, hadert. S. Frani 
4,1(0; wie gadts doch z8, dasz ir bauern so an einander 
kommen mit hadern, fetzen und raufen ? Wiciraii toU». 20, 1 
Xicrz, hadern meint hier die gelindeste art des streitet, den mit 
trotten, fetzen und raufen «te^em tum IhälUehen ; er zöge einen 
wilden hart, also daj er zu veratehen gab, was er fUr ein 
unruhig hertz und ein willen zu hadern trfige. Kircrrof 
iMndanm. 370* ; welche zwar für sich selbst nicht baddero 
oder zanken, sie reilzen aber andere leute an zum zanken 
und haddern. J. B. .Scbuppids 305; denenjenigen ursach zu 
hadern geben, die da hüher waren als ich. Feltenb. 2, 417. 

Man hadert mit oifer wider seinen gegner: und das lolk 
liaddert mit Hose. 4 Mos. 20, 3 ; die mit dem herrn haddern, 
müssen zu grund geben, l Sam. 2, 10; hadder nicht mit 
jemand on Ursache, so er dir kein leid gelhan hat. spr. Sal. 
3,30; ah meine mutler, das du mich geboren hast, widder 
den jederman baddert und zankt im ganzen lande. Jer. 15,10; 

werden die leiden 
endlich ench lehren, nicht mehr wie sonst mit dem hnider 
zu hadern? GOtbi 40,286; 
wenn jemand mit dir hjdem will, 
so ratn ich, dasx du schwetKest atill, 
und ihm nicht helfest auf die bahn, 
wo er dich wallte haben hau. 

Friscsbiir »pricha. 1437. 

gegntr hadern mit einander, unter einander: und'wurden 
unter einander haderen. SteimhSwel (156«) bl. l ; die frawen 
fiengen an mit einanderen zu hadern. Pauli schimpf 66'; sj 
liaderend und wOrtlend mit einanderen wie die weiber, aUer- 
'cantar iater i« miiJieruffl riltt. Maaler 204'; weil die wirlbin 
mit ihrem mann hadert und zankte. Zinicrep apophlh. (1653) 
3, 254 ; das theater bat oft einen streit mit der kanzel ge- 
habt; sie sollten, dttnkt mich, nicht mit einander hadern. 
GOras 18,100; auch reßeaxe er hadert sich mit einem lune 
xanken, streiten): jener Israeliter, welcher sieb mit einem 



andern haderte. Mistwert fluehtpiegd 57; «on xwäen.'iit ha- 
dern sich : wenn sieb menner mit einander haddern. 2 Mos. 
21,18; da sie sich mit einander haderten, apost. geith. 7,26; 

als sie sich nun lang haderten, 
und mit einander schnaderten, 
zuletzt beguodea sieb su raufen. 

B. Walois £<op 2, 24, 9. 

Der gegenständ des tankes wird durch die praep. um, über, 
wegen * tvrmtUeU .' wolt ir umb Baal haddern? wolt ir im 
helfen ? wer umh in baddert der sol dieses morgens sterben. 
ricAter 6,3t; und darüber haddert man sich auch. Lotoer 
3, 180' ; denn bie fahen sie an sich mit im zu haddern über 
dem das er den wassersüchtigen gesund myhet. 8, 197'; das 
heist recht umh gciszn ollen, die doch nit viel nutzt, hadern. 
KiRCBBor «endunm. 81*; man kann mit niemanden über das- 
jenige hadern, was blos auf der art beruht, wie sein subjecl 
organisiert ist. Kant U, 152 ; es ist nicht angemessen, wegen 
einer solchen kleinigkeit zu hadern; 

js du trinkst und singst dazu. 

neider nennen es twar scbnadern; 

aber, enle, ich und du 

wollen nicht um werte hadern. Liasni« 1,67; 

sagt wsmmb die zwen hadern sich. 

Atss« 382' (1918,31 Kelltr); 
dien in parenlbesil weil ich de guslibus 
mit niemand hadern will. Wiiladv 6, 168. 

Auth der freundsehaßhehe streit wird durch hadern 6eiac^^u<.' 
hierober geriethen wir in ein freundlich gezSnke, das war 
so lieblich, dasz ich dergleichen noch niemals habe hadern 
hören, denn wir brachten nichts anders tot, als dasz jeder 
sagte, er hatte gegen den andern noch nicht gelhan, was 
ein freund dem andern tbun solle. SimpL 2, 6 Kurs. Woleen- 
STBiH braucht hadern für das necken und streiten unter liebes- 
leulen; 

wol auf. gesell. 

wer haaren well 

für ungefall, 

der Oelss sich IVeuden ungeswacbt. 83, 1, 10. 

RDcsert iriü damit nur das übermütige, leicht su drei) und 
kämpf geneigte gebakren der Jugend ausdrücken : 

jugendhadern 

in den ädern, 

lorn und glut und mild und sfiszes kosen ; 

alles lieben 

jung geblieben, 

seiner stime stehen scbSn die rosen. 

gedickte (1843) 366 {Widmung an GHke). 

b) mr gericH streuen {s. hader 1, c tp. 111), prouss fahren ; 
meist tritt der näher bestimmende zusati vor gericht hier bei: 
gerichtlich handeln, haderen, gerichllich Terfolgen, mit recht 
fOrnemmen, jttdido persequi, exigere, actionem intendere Hebisch 
1516; Torm richler hadern, judicio conlendere Stieler 776; »on 
gerichtshändel , wie man rechten und hadern sol. Luther 
(iscAr. 270*; es gezieme den priestern nicht ffir gericht ha- 
dern. KiRCBHor wendunm. 456'; 

niemand kein wort sie übersieht, 
auch stitigs hadert vor gericht. B. Sacbs 1, 504* 
- also mannichem mann geschieht, 
der geren hadert vor gericht. 4, 3, 117'; 

in Hessen, an der Sehwalm, noch jetst in diesem sinne. Vilmar 
idiot. 143. 

c) den mUdesten sinn entfallet hadern, <po et nur grollen be- 
deutet, oder feindlich sein, sofern diess durch worle hervortritt: 
ich wil nicht imerdar haddern und nicht ewiglich zKmen. 
Jes. 57,16; er wird nicht immer haddern noch ewiglich zom 
halten, pt. 103,9; da er also lang mit ihm selbst haddert. 
Frei garteng. 6'; es streiß dem tinne nach fast schon an murren, 
nur dasx der protest gegen eine erlittene unbill bei hadern sich 
ausdrücklich in Worten äuszerl, bei murren in dumpfen tönen, 
die nicht als wortgebilde gehurt werden, kervortrilt : 

sie (Uhr mit gotles Vorsehung; 
vermessen fort tu hadern. Borczr Ijenore; 
geduld, geduld! wenns herz auch bricht, 
mit galt Im himmel badre nicht, do«.; 
nichl hadern darf ich jenen, die uns weckten, 
und streng die wachen aus einander schreckten. 

RChert 261; 
hadernd solchem truggesohicka. Flath 32. 

2) weniger iit das verbum hadern m der tweiten bedeutung 
teinet lubitantivt (tp. lll) zur gettung gdangl. in itaiem bedeidet 

8*- 

uiyiiiz.eu uy ■k_I 



ioogle 



119 



HADERN— UADERSPtEL 



biiilcrn "heu in Ueinm häufen lutammen rtchen Scan. 2, ISO, 
weit der kleine heuliaufen dort mil einem mm den badern ent- 
lehnten bilde 10 Iteistt. intoferu nun dem begriffe bader lugleich 
dat unordentliclie, verworrene innewolinl (ep. 111, t. auch bader- 
bucb 2 ip. 113), konnte $ich badern nach dem sinne hin: tich 
unordentlich, in wirrer und tialtloter weise gebahren , entfalten: 
der director hadderte hin und ber und alle schlugen den 
taet, der eine so, der andere anders. Zelter an Gilhe },36b; 
und das mundartliche rerbaddern, verheddern lu der bedeutung 
verwirren, vnfilien, bei garn und zwirn, gelangen (Danneil 73), 
übertragen sik verhaddern , sich in Widersprüche , Unwahrheiten 
verwickeln (das.); in der Schweiz braucht man ein diminutives 
liöderlen in dem sinne lallen, stammeln, unordentlich wie kleine 
kinder sprechen. Stalder 2, ». 

HADEKN, inßniliv zu dem vorigen in der bedeutung 1 und 
in substantivischem gebrauch: 

was iol das hadern und das' tanken? fastn. sp. 222, 26; 

was iiot rremden leuien solichs klagen, 

das lanken, kipeln, nuchea, hadern, 

das dodera, ploderii und auch schwadern? 2&6, 2; 

wo man viel schweren höret, da gehen einem die bar zu 
berge, und ir baddern macht, das man die obren zuhalten 
mu9. Sr. 27, ts; einsmaU gedacht der burmann .. wie doch 
der sacb zu Ihun wer, damit so Til zankens, haderns, halgens 
und Unruhe zwischen inen vermuten würde, garleng. (1583) 
&3S*; was seid ihr- vor ein mann, dasz ihr nicht eine nacht 
das badern meiner frawen mit mir, das euch doch nicht 
uogehet, vertragen kfinl. ZmaciEr apophth. (16S3) 3, 264 ; das 
badern rixatio Steinbacr 1,665; 

der elemeole relndlich hadern 

raubt sein« stille dem gefQbl. Röcsnr 137. 

HADERNESSEL, f. Urtica urens: badernetele urtica Diefen- 
lAcn 63o'. das wort ist verdunkelt aus eiternessel (3, 3S3), 
wofür schon ahd. vorkommt hellirne;;ili , die ahd. fernere form 
hedornejjola (Diefen«. 630') steht schon nahe zu badernessel. 
auch baberncssel {sp. 83) Kheint zunächst nur aus badernessel 
entstellt. 

HADERNSCHNEIDER, m. lumpenschneider , schneidezeug, in 
der Papiermühle eine Vorrichtung zum zerschneiden der hadern. 
Jacomssux teehnoL wb. 2, 646*. 

HADERSACHE, f. Streitsache: eiosmals ward er {der abt) von 
einem guten freund verwarnt, das er nit so vil ansprachen 
und badersacben sSchen wolle. Stunpf 2,34'; er bat viel 
badersacben und obneinigkeit bei seiner zeit mit bescheiden- 
heil geschlichlel. Zorn Wormser chronik {ed. Arnold) 182; so 
Ihun sie nichts das zur cbrislenbeit dienet, nur geld und 
baddersachen umb die bislum und prelaturen treiben sie. 
LuTHEa 1,294*. 

HADERSACK, m. wie lumpensack, lumpsack, eigentlich sack 
oder sttckihnliches weites gewand in hadern, dann aber schelle für 
eine so gekleidete, geringe person: 

Ir gab der herr guoten lac, 

iio nelc der alte haderaac (eine k»ppterin). 

liedersaat 2, 648, 390. 

HADERSCHMERZ, m. schmerz aus Ursache eines hadere: 

wirft der feind der seelen 

iwiicben eure herten 

streit, verdacht und hadersohmenen: 

10 seid nicht stille, wanet nicht so lange 

bis tum Sonnenuntergänge . . . 

K. G. WoLTiRsDORr lied 'kommt ins reich der liebe'. 

HAOERSCHREIBER , m. Schreiber bei einem kadergericht, 
namentlich zu Nürnberg: die puss, so sie in aufgeselzt haben, 
in vieriehen tagen dem baderschreiber in die canzley zu ant- 
norlen. Nürnb. polizei-orjn. s. 184. 

HADERSPIEL, n. streu, rauferei: 

hie solle sjn ein ernstlich gricht, 

daran man grpclite urteil spricht: 

so brucht man Rcliaiid- und laslerwort, 

dasi sich niti timpl an disem ort. 

es wer im rrouwenhus luo vil; 

ein sölicli ndrrisch haderspit 

mil bochon, hadren, acliellen, fluochen, 

das sAll man ee tuo Zunach suochen, 

Uir der W'issmat beim benkerspil. fastn. sp. 893, 2; 

derglelcb In solchem haderspil 

haben si« ir erlernet vil 

auch eUicb beraubt irer glider. H. Sicat 3, 1, 233*. 

spiel ist hergenommen von der so beseiehnelen ritterlichen Übung, 
vgl. kampfspiel s, 135 und mhd, oltspil wb. t, i, Wi', 



HADERSTIFTER— HAFEN 120 

HADERSTIFTER, m. salor Utü. Maaler 204'. 
HADEBSUCUT, f. Streitsucht: 

bosbeil und badersueht 
inislg tpibend den twist. Caa. Siouiae 1, 8; 

vor hadersucbl 
und Tebden selber warnend. BöactR 167'. 

HADERSOCHTIG , adj. rixosut, jurgiosus: die adTocaten 
werden bei dieser hadersichtigen (so) weit dapfer ad?ocieren 
und procurieren das gelt. Fischart groszm. 62. 

HADERSUPPE, f. suppe mit zerfahreneu eiern: suppe, ge- 
nannt badersuppe . . man zerklopft ein paar eier, und wann 
die suppe in vollem sud ist, laszt man die eier hinein 
laufen, so zerlbeilen sie sieb, und wird ein gebader daraus. 
frauenz.-lex. 3440. diese suppe kann Avrer in der folgenden 
stelle nicht meinen, er wird nur eine schlechte, sog. bettelmanm- 
suppe verstehen: 

dann und wiewol ich bin nicht krank 
must ich doch badersuppen essn. 

fttiln. sp. W (2688, 33 Eetter). 
ver^. das folgende. 

HADERSUPPENGESINOEL, n.: aber es (ihr), es brSndelten 
badersiippengesindel, es babis wollen gscheiter sein? ei so 
wollt ich dasz es wärt, wo der pfeffer wachst. Scbwabe 
Unten f. s.u. 

HADERTAG, m. tag für gerichtliche Streitigkeiten: e? sollen 
auch vom ralh alle haderlage auf kein tag in der woche 
denn auf den Sonnabend gesetzt werden , so man auch ge- 
riebt hatte, auf dasz sich jederman auf den. tag wisse zu 
richten, darnach seine Sachen zu warten, aeimar. Urkunde run 
1487, in KaEvsic beitr. 4, 447. 

HADERTEUFEL, m. spirilus risas et caedes eoncUans Stieler 
423. in das weih ist beute der baderteufel gefahren. aucA 
ab schelte: der haderleufel! 

HADER WÄSCHE, f. haderndes gewäsch {vgl wische), zinkerei: 
so heti ich aber ander laut 
und blast {blase. Höre an) tu allen haderweschen. 

n. SACns I, 539*: 
mil seim geschwelt und haderwesch. 5, 401*. 

HADERWASSER, n. aqua contradietionis : das ist das badder- 
wa^ser, darüber die kinder Israel mit dem herrn badderlen. 
4 Jtfos. 20, 13 ; das ist das badderwasser tu Kades in der wüsten 
Zin. 27,14; da ihr haddertet am badderwasser. sJfo«. 33, 8; 
und versuchte dich am badderwasser. ps. 81,8; und sie er- 
zOrneten in am badderwasser. 106,32. in erinnerun; an diesi 
mir biblische gewisser brauclU J. Paol das wort freier: kaffee, 
das taufwasser und der altarwein der weiber schon am morgen, 
wird vollends oachmiltags liebetrank und haderwasser zu- 
gleich. Sie6eni:. 3, 18; die tbrilne ist das haderwasser des 
grimms. kl. bücherschau 2,31. 

HADESBÜRGER, m.; 

ein lodier badesbürger. SroLRiaa 14, 162. 

HAF, s. das folgende. 

HAFEN, m. aeschirr, topf, ahd. hafan, havan, havin, babin, 
fnAd. bafen (pitir. bafene Nib. 117, 6 Zarncke)' und baven 
(Bertbold 483, 20). das wort ist wesentUeh nur ein oberdeutsehes 
(Luther verwendet es nicht, dafür tOpfen, doch vergl. unten bei 
bafner), aber es findet sich audi Über Süddeutschland hinaus in 
verengtem sinne; so in der gewerbesprache der glashütlen, wo es 
den schmelstiegel bezeichnet, Jacobsson 2, 184, sogar in Mecklen- 
burg und Pommern, wo man darunter ein gläsernes gefäsz ver- 
steht, in dem milch zum ralimen aufbewahrt wird {vergl. Däh- 
NERT 179*). vergl. bebe, bewe int Lippischen ein milchgefisz. 
FROMiiAni« 6, 211. 

Die grundbedeutung ist nach dem zu haben sp. 46. 60 ent- 
wickelten wol behäller, gefdsz im allgemeinsten sinne, so dasz man 
auch die hirnschale als baupthafen bezeichnet: n&n der hafen 
des baupts ist der barlest teil in dem die zSgeeelllen glyder 
beballen werden. Gersdobf feldb. der wundarznei 3; in der 
Schweiz nennt man aucA eine krystallhaltige hählung im gestein 
bafen oder keller; nn der ilmühle ist es die hühlung, die das 
zu stampfende enthält und worauf die Stampfer gehen. — Ins- 
gemein aber heiszl bafen jenes zum gebrauch in der küche be-. 
stimmte gerät, wofür in tiiederdeutschland gemihnlich pott, in 
Mitteldeutschland topf gesagt wird; und wenn in Ihale» von 
ObtrdeutscIUand aueh die glocke die man der kuh auf der alp 
umhängt, bafen Aeistt (in Baiem und Tirol Scaii. 2, 134. Fromm. 
4, 336), so ist die ihnlichkeit der form mit emetn topf matzgebend 
gewesen. 



Digitized by 



Google 



121 



HAFEN 



HAFEN 



122 



Ntben der iKminaUtfotm hafen ßtulet äch auA hafe, bat: 
teda eiD irdin haf, kacbel Oasyp. 281'; haaff, erdendopff, 
fignala, peiilola, boetale HuLstus ilict. 1,6»'; das der haf wie 
die deck und der salat wie der Schlund sei. krie^>üM. des 
fr. ST; der hafe Acmcou tpr. (I56ii) 96'; 

der hat gemacht aus laim und kal 
leios maisten kuaal uit Wissens hat. 

ScawmzifiBiae 128*; 

ein ehrioger baff, eoeulum aeneum, irrdiner haff, ßdelia, eaca- 
bus FaiscRLUi nom. 397'; der hafe ras Stuie« 724. dat ül 
»te rabe ßr tirsfrüngliches rabeo, ahd. hraban, vas tckon in 
ahd. teil vorkommt (rabo, rabe Gii*rr 4, 1146). 

Unter hafen ohne nähern adjecUmdien zusalt versieht man in 
der reget nur den irdenen loff, wie man auch bei topf tunächsl 
an einen irdenen denkt, obschon solche von kupfer und eisen vor- 
kommen: hfifen die wasser an sich ziehend, bibuiae ollae 
MaALEa 204'; sA nim denne ein balpme;;igen baten unde 
tuo in balp «ol buppben. Häuft 5,12; des glycben wie der 
dunst uff dampfet in einem sjedigen baffen, und die kelle 
des deckeis zttcbt die fachte bitz an sieb, und der selb 
dunal wArd oben am kalteir deckel z8 «assertropfen , die 
fallent dann wider herab in den baffen, also ist es euch 
mit dem schnee und dem hagel. Keiseisbeig biln. 8t'; die 
wundergeslalle grillische grubengrollische fantSstische krüg, 
laden, bflcbsen und hafen, wie wir sie heut in den npotecken 
stehen sehen, von aussen bemahlet mit lächerlichen, geck- 
lieben , ja oft erschrecklieben hOw- und graszteufeln. Cor;. 
18*; gesellen die im baten schlecken und haben die kerz im 
hindern stecken, wie sie Dantes in der tegfewrigen hüllen 
beschreibet, dat.; wie er das best im baten mit dem iodul- 
lischen scbaumlßffen abgebebt, bienenk. 223'; einer so topf 
oder bSfen feil brachte. KiacHHOr wendunm. 23&'; man sagt, 
so ein kleiner neunaug in einem irdinen gescbirr in wasser 
gesotten werde, dasz der hafen zerspringe. FoREa /!(cfti. 160* ; 
als er aber gessen und schier ein baffen mit milch ausz- 
getrunken bett. Wicssaii roUw. 44, 4 Kurt; etliche sollen um 
glase sehen . . einer um ein liaven. Tb. Plater 53; die 
Jugend ist gleich einem neuen baten oder gescbirr. ScHUPi>ros 
83; hsten und scbQszlen zum kochen und Irinken. Simpl. 
2,235 Kurt; sie steckte den leicbnam des kindes in einen 
baten. Fa. MDlleb 1,300; indem er sich aber diesen näherte, 
fiel ihm der hafen aus der band, und zertrAmmerle auf dem 
boden. UTiecz ges. nov. 4,235; 

weist nil, wie si ungefer 
ein hafen mit dreck raus wird schwingen, 
das mir die Scherben am hals behiengen. 

/<uln. sp. 330, 19; 
in •inem grossen hafen tif. 

FiscHAaT 3l»cUi. ichiff 117; 
last sein alls blut herauss 
und lehr darnach den hafen ausi. 

At»I» 247" (1235, 7 Keller). 

Durch eompotita von baten ictrif der iweck des geschirrs nlher 
bestimmt: kochhaten wie kocblopf; oelbafen olearia ampuUa 
STEinsACH 1,666; breibaff, breipfann pultarius Faiscnt. nom. 
397*; teighaten, solcher worin leig gemacht wird: die scbut yn 
den leighafen. kuehenmeisterei a5; glttcksbafe urna, oUa for- 
luHoe Stieler 724. zugesettle adjeäiva drücken form und ma- 
lerial det hafent aus, gewühnlich ist der irdene: irrdiner baten 
oder irrdia gescbirr, olla ßctilis Maaler 206'; gehe hin und 
kauf ein irrdin bafen vom bafner. Beiszner Jenu. 1,88'; be- 
halt sy in glesen beten, kuehenmeisterei c8; ungewöhnlicher, 
wie schon oben bemerkt, tind diese gesehirre von mtlall: tu die 
in einen erinen hafen. von guter speise 9 und ihnlieh öfter, 
vergl. erinhaven vel ke;pl lebet Grafp 4, 838, i>rin baten mit 
dreien tfiszen, tripedes Dasip.; ein kupferner baten, eaeabus 
aeneui Frisch 1, 392' ; ein gegossener hafen , caeabui t ferro 
futut dat. 

Eine im rin^Iar erscheinende nebenform befen erklärt sich als 
umgelautet aus dem oben angeführten ahd. havin, hebin : hafen 
olla, tulg. beten voc. ine. teut. h8'; beffen oUa Diepenb. nov. 
glots. 271'. 

Spridtmirter und redensarlen. er guckt in neun baten zumal 
{ist bit zum argwöhn oufmerkiam). Scriid sehudb. wb. 624; 
kleine baten lauten bald Ober; kleine btfferl lauffn bald über. 
Schwabe lintenf 80 ; 

Ja lieber Heine, du sani recht, 
und wenn der haf an Boden dicht, 
•0 wOrd er nit bald überlaufen. 

FaiscuuN deutsche dicht, 24; 



womit ein neuer haven erst gefüllet wird, darnach schmecket 
er immerzu. Scboppios 559, wie schon mhd. : swa; zem Ersten 
in den ha*en kflmet, di smacket er iemer mir gerne nlcb. 
Br. Bertuold 483, 20 ; 

dann was man tS dem ersten tbftt 

in new hAfea bist oder gflt 

den gscbmack behaltens ewigklicb. 

WiciRta pitger N3 U. 48. 
(man erkennt) den hafen am klang, den vogel am gesang. 
ScBOTTEi 1122*; ein melancholisch kopf'ist des teufeis bafen 
und topf. Neakder sprichw. ll ; damit sie nit sagen, das der 
hafen dem kessel verweisz, dasz er berusiget sei. bienenk. 
173'; deckt den haven zu, so siebet mau nicht, was man 
kocht. Lehmahn 83; sie kochen alle in einem hafen, lieAen 
alle einen sträng, tind einer wie der andere; 

der babst, der bischer, der cardinal, 

der geistlich siad (f. stand) gar aberal, 

keiser, kung, herzöge und grafen 

die kochent all in einem hafTeu. fatln. tp. 821,4; 

teuer unter den baten thun, eine saehe energisch betreiben: 
statt alsbald teuer unter den baten zu thun, giebst du den 
handel in seine band und trappest kaltblütig beim. 1. Gorr- 
REi.p schuldenb. 177*; auf ein böllzin gescbirr gehört ein 
bultzin deckel, auf einen solchen bafen gehört ein solche 
stanz (gleichet tu gleichem). Acaic. spr. (15601 103*; auf jeden 
baten deckel und für Jede (lasche zapfen finden. Schottel 
1121*; ein weib ohne mann ist ein hafen ohne deckel. Leb- 
iiAKN 161; dann wer die baten macht der darf sie auch 
prechen. Meneng. 131'; die Scherben zeigen an, dasz der baten 
gebrochen ist. 182*; mann sihel an Scherben wol, was fiir 
ein topf oder bäte gewesen sei. Agbic. tpr. 24*; wenn der 
bimel fiel, so blieb kein alter hafe und bäum. 273*; wann 
der hafe zerbricht, so wirft man in ins kal. 96*; 

und haben denn viel ausgericht, 
gleich wie ein hund der hilTen bricht. 

FiscBART von S. Domin. c3*, 
als wie ein hund der hüfen bricht 
so wirst du dich beliebet machen. Rohpler 203. 

Dieses häfen brechen in den folgenden beispielen galt als ein 
gewöhnHehes bUd für unordenilich , lüderlich sein, es tielte wol 
sunächst nur auf die unordentliche fikrung einer eigenen wirt- 
tchaß, dann ober auch auf gesclilechlliche ausschmeifung ; von 
eheleulen bricht der eine baten, der ändert krflge, tie tind 
gleich leAr lüderHch, besohlen sich mit Reicher minse: hast du 
anders wo fremde bafelin zerprochen, so hat sie daheim 
krilg zerprochen. Paoli 39 ; zobricht der mann gropen {tCffe), 
so zubricht das weib krflge. Schottel 1132*; 

man Törht (beim ehehnehr) kein peo noch tlrolT T*ts me, 
das schalTt, das die sind in der ee 
zerbrechen l>rü|c und hireii glich 
und kratz du mich, so kialz ich dich, 
und scbwig du mir, so sclinig ich dir. 

narrenneh. 33, 7 Zurnclke, vfi. die nofe s. 36t>,' 
du brichst hefen, so brich ich krOeg. H. Sicas 3, 3, 8; 
eine ehefrau droht ihrem ungetreuen manne; 

du tollst erfahren was ich thu, 

und will dir gleich helfen darin, 

mit gleicher münz bezahlen dich. 

brichst du hfifeu, so brich ich krig 

(wer weist, wer es am lengslen treibt?) 

bist uns kein kandel am rechen bleibt. 

i. AiRta fasttt. tp. 8f (2748, 24 Kelter), 
das spiel brich den bafen <?orj. 1C6* wird auch hierher sielen, 
man dachte, wenn baten brechen einmal obscönen sinn erlangt 
hatte, an die jitngfrauschaß als gefist (nu sich wie reine ein 
vaj du maget du wsere. setfuentia d. S. Maria bei MOllenh. u. 
Scherer 123), es brechen hiest entjungfern, in Chashindos 
kurtiweiUgem teitvertreiber s. 311 wird erzählt: eine braut läsxt 
ttcA von einem fremden manne besclilafen, die muUer schilt sie 
deswegen, der bräutigam fragt um die Ursache det sclicllens: die 
mutler erdenkt geschwind eine ausrcd, und saget : mein lieber 
herr eidam, soll ich nicht zürnen? meine tochler hat so 
viel jähr ein bafrlcio oder tOptcben gehabt und solches jedes- 
mahl woll verwahret, da man aber solches am besten 
brauchen sollen, bat sie selbiges zerbrochen, der bräutigam, 
diese verblümte rede nicht verstehend, schlug die mutler 
lachend auf die schuller, und sagte: zürnt nicht, liebe 
mutier, es seind noch mehr baten in der well, wir wollen 
schon neue und bessere kauten, die redensart scheint uns 
untergegangen , aber der braudt den sie hervorgerufen, lebt noch, 
dat poUern am hochteitabend vor dem hause der braut, das an 
dittet baten brechen erinnern toU, 



Digitized by 



Google 



/ 



123 



HAFEN 



BAPEN — HAFENPREÜNO 



124 



In einen holen hafen blasen Acaic. spr. (isto) 89*, ver- 
gebene arbeit Ikun, der hole hafen birgt keine kalt lu bietende 
tpeise. anders i»t aus einem bohlen hären reden, leere vorle 
machen; vielleicht beiiM sich diese redensart auf mu mm den 
zahllosen gauklerkunststückehen , die im IS. und IS. jahrh. im 
schv>ange waren, eine stimme am einem leeren topfe erschallen zu 
lassen, sie wird viel gebrauch! um «orte zu bezeichnen, die trenn 
man ndAer zusieht, üth nur als tiuschung erweisen: des beilands 
stimm gieng aus keinem holen hafen, sondern hatte ihren 
starken nachdruck. Otro 137S ; dann damit man nicht mein, 
wir reden ausz eim holen hafen, so sind disz ihre eigene 
wort. Uenenk. 17$'; damit man aber nicht vermeine, dasz ich 
diszfals ausz einem ISren hafen rede. ALBEariNus de am», i ; 
und dieser mein hauszwirth hat auch diszfalls. ausz keinem 
I9ren hafeo geredet. Simpi 4,180 Kurz; 
lesen, beten on verstand 
als die onnnen gsungen band, 
das mag «ol sein ain Iflriisland 
und auM aim holen hafen klafTen. 

MtiRNRR tchetmentunft cap. il. 

£ine andere redensart fuszt auf 2 künige 39, 40 (da gieng 
einer aufs feld, das er kraut lese, und fand wilde ranken, 
und las davon colocliinteo sein kleid vol, und da er kam, 
schneit ers ins topfen zum gemUse, denn sie kandtens nicht; 
und da sie es ausschütten für die menner zu essen, und 
sie von dem gemOse asscn, schrien sie und sprachen, o man 
gottes, der tod im IGpfen, denn sie kundtens nicht essen): 
mors est in olla, der tod ist im hafen, das ist der tod kan 
weder gesSben noch griffen werden. S. Fbani 1,214*; 
worlich, der dot im hafen stecht. 

BsANT narrentch. 30, 18. 

Der hafen als bild einer kUinigkeit: scheiden zusammen ver- 
lobte ehelent um miet und gab, oft eines bafens halben, der 
über den herd ist abgefallen, bienenk. S2'. 

HAFEN, m. portus. das nilid. kennt für dieses worl drei an- 
dere: das neutr. hap, gen. bahes {vergl. unten baO), und die 
feminine diu habe und diu liabene, weldies letztere sowol mni. 
als havene als auch ags. in der form bSfene [Sachsenduron. 1031, 
t090) wiederkehrt, habe blieb im hochdeutschen bis ins 16. jahrh. 
üblich isp. 43). das niederdeutsche und scandinavische verwandte 
dafür das mase. hafen , formell ganz gleich dem vorigen hafen 
olla, nur dasz die in letzterem eingescliränkle bedeutung hier in 
groszariigcr weise auf den behditer, den das meer fär die schiffe 
gebildet hat, geht: ags. ist dies masc. hafen dts jetzt nur in dem 
Ortsnamen il Hafene nachzuweisen (Thoki>e diplom. an^. 530), 
alten^. haven (SraATiiANN 280), havenet a small kaven (Halij- - 
WELL 1, 438) , mnl. haven (Kii.ian 220') , altnard. bofn , dan. 
havn, schwed. faamn. diese form dringt seit dem 16. jahrh. nach 
Oberdeulschland vor, das dort übliche habe allmählich verdrängend, 
sie findet sich bereits bei Oasvfooics: porluosus das vil meer- 
büfen oder scbiOlenden bat. Wie nun das vorige oberdeutsche 
hafen olla im sing, in die sehwache form überschwankt , so ge- 
sdiieht es auch mit diesem : es gewährt Dksw. haafe oder schiff- 
lende des meers, portus, PaiscHLm portus meerhaf nomend. 3&', 
noch ScuoTTEL der hafe, portus, schiflande. hauptspr. 1332. 

hafen ist der ankerplalz der schiffe meist am ufer der see: 
bis wir endlich mit gewalt hinan (an die insel der träume) 
rUckten und in den hafen , den sie den schlaf nennen, an- 
zogen , und stiegen bei dem eipbenbeinen-lhor . . zu lande. 
RouENHAceri wunderb. reuen 187; am schilTbafen. 189; er- 
rcicheten etliche tage hernach den cyprischen hafen Salines. 
ÜArpEi. acad. rom. 990 ; landeten erst nach vier tagen . . im 
hafen von Palermo. GOtoe 28,92; 

kein bafen weit und breit wird scbOner nicht geschauel 
als urob Cajeia her. Opitz I, 27. 

das schiff ISull in den hafen und aus dem hafen, wird in den 
bafen bugsiert; 

und ein schinieln seh ich reiten 

vollen segelllugs zum hafen. Aindt ged. (1840) <. 418; 

ein offener hafen, in den man jederzeit einlaufen kann, im 
gegensatz zu solchen, die nur das einlaufen zur flutzeit gestatten; 
freie hafen, deren benutzung allen nationen gleich gestaltet ist, 
vergl. freihafen 4,1,110; im bilde: 

(er) denket, was er redt, hat nicht* bei sich versenket, 
das andern schaden bringt, er führt sein herue bloss, 
sein benze welches ihm ein achuti, ein starkes sclilosi 
und freier h,ifen ist. Opitz 1,64-, 

der bafen wird gesperrt ; er verhinderte den eingang des 
hafens mit einem versSnktcn schiffe, fauabus portus navem 
onororiam niitnertaffl objiciebal. Steinbacb 1,016. 



iiucA der ankerplalz der seHffe in einem grüszeren flusse wird 
bafen genaAiit, s. fluszhafen 3, 1858 ; in der Saale bei Halte ist 
ein hafen, die strasze dabei führt den namen am hafen, vgl. die 
Ortsnamen Karlshafen an der Weser, Ludwigsbafen am Rhein. 
Bildlich: Schiffbruch im hafen leiden, un^ück nehmen a-nitt 
man sich in sidierheit glaubt: aber der scbiVbrucb erwartete 
sie im hafen. Kotzebde erinnerg. l, 134; dasz wir, bei so 
schönen hoffnungen, ganz nahe vor dem hafen scheitern. 
GSthe 21, 2t3 ; in porfu navigare, ausser aller gefahr sein, oder 
im hafen schiffen. Frischlin nom. 37; 

In den ocean schifft mit tausend mästen der jflngling; 

still auf gerettetem boot treibt in den hafen der greis. 

SCBILLRR; 

denn mü dem bafen ist der begriff der ruhe und sieherheil innig 
verbunden : 

der alte ruft: hier legt ans land, 

hier in die bucht, den stillen hafen! 

liommst du endlich, Medenssiand? 

wie will ich sOss nach stürmen achlBfeo I 

AaiiDT ged. (1840) s. 410. 
der geborgene ruß: nun bin ich im hafen! wer sich aus ge- 
schäften und geräuschvollem leben zurückgezogen, ist io den hafen 
der ruhe eingelaufen: 

seines wonnelandes hafen 

hat der dulder nun erreicht. BSasi« 72'. 

HÄFEN, adj. figulinus, terreus: hSfenes stve bafin geschirr 
fiailia Stieler 724. 

HAFENANKER, m. anker an dem ufer eines hafens befestigt, 
zum anlegen der einlaufenden seliiffe. Jacorsson 2, 186'. 

HAFENANLAGE, f.: die hafenanlage im Jahdebusen. 

HAFENARBEIT, f. arbeit ob einem see- oder ßuszhafen: 
die hafenarbeiten in Heppens. Hall, zeitg. vom 2. april 1868. 

HAFENARM, m.; der bafen von Thorshavn .. wird durch 
eine . . landzunge in einen Ostlichen und einen westlichen arm 
getbetit. der östliche hafenarm . . ist kaum einen bachseo- 
schusz breit, gartenlaube 1S68 1. 104'. 

HAFENBAU, m.: dazu kam noch eine anleibe von lo 
millionen, . . von der 3'/i millionen fUr schiffsr und bafenhaa 
und far kOsleobefestigung im jähre 1868 verausgabt werden 
sollten, preusz. jahrb. bd. 20 s. 651. 

HAFENBAUM, m. lecylhis major, oUaria. NEHNtca 3,3S6. 
vergl. unten hafenpOanze. 

HAFENBINDER, m. der zersprungene tupfe mit droht bindd. 
ScuM. 2,154; 

's lauft so waar iez gnug im land, wo bettlen und stehle, 
scberescblifer, hafebinder, alti soldate, 
sagefeiler, zeinemacber, ander! strolche. 

Hbbsl tttem. jed. (1808) «. 88. 

HAFENBRATEN, m..- hafenbraten, so man flberbliben 
fleisch hacket und widenimb bereitet, minu^ol, coro frixa vel 
tosta. Maaier 206'. 

HAFENBUCHT, /.; 

Neapels schöne hafeobuchi. Puriii 224. 

HAFENBÜRGER, m. bürger «inei hafenartet: 

drum lasit uns scheiden, doch des hafenbürgera 

gebrauch und pDIcbt vorher an euch errüllen, 

aufs unfruchtbare meer, von landesgaben, 

zum lebewohl, erquickungsvorratb widmen. GStve 9, 352. 

HAFENBUTTE, f. in der ^ashütte diejenige form, worin die hafen 
zum schmelzen des glasgemenges geformt werden. Jacobsson 2, 185'. 
HAFENDAMM, m. moles: 
wandelt 
an einem havendamme. Plitbn 323. 

HAFENDECKE, f decke oder stürze eines topfet: oUipetra ein 
haffendechk DiErENB. not>. gloss. 271'; hebe ihm ein warme 
liafendeckin darauf, so warm es das ross erleiden mag. 
Seoter rossarznei 222. 

HAFENDECKEL , m. deckel einet hafens oder topfet : hafen- 
deckcl Ollipetra roc. ine. theul. hs'; von Schaumlöffeln und 
baffendeckeln. Gor;. 74*. 

HAFENEIN, adv. hinein in den hafen, gebiUM wie himmel- 
ein, bergein, feldein, waldein, s. ein 3, 140 : 

kompt eine windes braut, so gebt der erden gast, 
der schilfmann, hafenein. Onn 1,47; 

die sonne sinkt, die letzten sehilfe 
sie sieben munter bafenein. GAthe 41, 302. 

HAFENEINFAHRT, f ot portus. 

HAFENFHEUND, m. ollaru anucus: dellerlecker , liecbl- 
butzer, hafenfreund, die ein gSts bisziin über drei gassen 
scbmeckeu und sich selbs zSschlagen und laden. Agricoia 
apr. (Itto) te'. daJter bafenfreuDdschafl. Köbti (iset) s, 191. 



uiyiiiztJU uy 



ioogle 



i2S 



HAFENGAST — HAFENREffNER 



HAFENREFF— HAFF 



126 



BAFENGAST, m. tcUffer dir m einem hafen vor anktr gM. 

HAFENGELD, n. 1) schlOssel- oder bilter-, strick-, berd-, 
hafen-, sehttrzeogeld, gescheok des kttnfers eioes bausei an 
die frau oder t&cbter des rerkäufers, Gkrcle* deuhchet privtU- 
Ttthl (tSSi) >. 367. dat hafengeld wird beim hamkaufe getahll 
irie beim pferdekaufe das laumgeld , beim kaufe einer kük dat 
itriekgeld; alles beiidil tich auf ein unwesenlUches anhdngsel des 
tu verkaufenden gegenständes: puto eliam illam pecuaiam, quae 
in ciulionibus prelio addita fuit et cessit iixori veoditoria, 
dictam fuisse bafgeld, Tel bafpfennioggeld, quasi quod darclur 
uxori ad emendas ollas, vel quud injiciatur ollis culinarum, 
quarum curam gesseniot mores Germanorum. nam et faodie 
idem solet appellari simili significatu herdgeld. Albiecht 
diaterl. de arrläs enUionum-(Ralae 1702, teeusa 1730) s. 44. gam 
verschieden davon ist haflgeld (s. unten) j mit welchem ältere 
Juristen es häufig vermischten. 

2) hafenabgabe, portorium. FaiscH 1, 392*. 

HAFENGESTELL, n. urnarium. Haaler 206*. 

HAFENGIESZER, m. dernutaUene tupfe fertigt: hafengiesser 
aerarii Maaler 206*. 

HAFENGDCKER , m. lopfgucker, der sich tuviel um kidien- 
iresen und häusUcht kUinigkeiten bekammerl. in Süddeutschland, 
ScnaiD scliwäb.vb. 253, Scuneller 2, IM. — dim. bafengucker- 
lein: ja Ton solchen dreckbatzen, krackänileia , kotäntlein, 
muckenscheisserlein, haffenguckerlein . . Garg. 40*. 

HAFENKÄSE, m.: barenkSsz, aller fauler kasz, sp man 
stflcklin von allem kSsz in ein hafen zSsamen legi, und wein 
darüber schult, und also läszt graatcn und in einanderen 
faulen. Haaler 20C*; ich wollt ehe baffen (oder scbmii')k.1sz 
essen. KiRcnuor wendunm. 4,167; 

den bawreu taugt eiu bereoklu. WiaaRtuif 489. 

den hafenkSse einem Tersalzen, wie sonst die suppe versalzen, 
etwas einem leid machen: 

nu alt er bell auszgredt die wort, 

wurden sie alle gar schamrot, 

weil der weist haid Demosthenes, 

iboen versaltt den halTenliis. Biai äa/^eltpiler 66. 

Übertragen gilt in Schwaben hafenkSs von einer schlechten, 
unbedeutenden sache; aber auch von einem wunderlichen, tadel- 
südttigen menschen, Scbkid 253, man hat rielleicU dabei im äuge, 
dasz dieser sich ebenso überall bemerklich macht, wie jener käse 
durch seinen geruch. im Eisast ist eine verweigernde und ver- 
neinende redensart: jo bafekss! (nämlkh sollst du statt des 
begehrten erhalten = es wird nichts daraus) Fromh. 3,14. 

HAFENKÄSSDPPE, f.: ich hab mein lebenlang kein confect 
gessen, es gebet von eim als gehaspelt hafenkässuppen und 
saurmilcb amrad gesponnen. Gari;. 248*. 

HAFENKETTE, /. eine kelle, die seehäfen und andere tugdnge 
auf dem wasser tu versperren und den feindlichen schiffen den 
angang tu veraehren. Jacobsson 6, 7*. harenkellen , die den 
Jünglingen die fahrt ins arbeitende meer verhangen. J. Padl 
Titan 2,10. 

HAFENLEÜCHTE, /. ie<u hake, feuerieichcn für die in den 
hafen einlaufenden schiffe. Adelung. 

HAFENMACHER, m. fictur. Maaler 2ü6'. 

HAFENMEISTEH, m. euslos portus. 

HAFENPFLANZE, f^ lecylliis oUaris Nehnicb, «eil die frucht 
kapsei iütttlichkeit mit einem tupfe hat und tu geschirren gebraucht 
wird. s. bafenbaum. 

HAFENRAUMEB, ffl. eine maschine, die den eingeschlemmten 
hafen reinigt, was bagger 1, 1075. 

HAFENUEDNER, m.: 

wer geld aimpt da keines ist 

und rupll mich, da mir bor gebrist. 

und suchet lieb an leides stat, 

auch tat bereit e man in h»t, 

als wir hafeiiredner liünnen, 

der Ist vast von kOnstricben sinnen. 

McaniR schelmeiit. cnji. II; 

der bat aus hohlem baren geredt, 
der vll mehr verheiszen hatt 
denn leisten möchten all sein fteund. 
nocli sind der hafenredner meh, 
wenn ich ihn klag mein noth und weh, 
so sogen sie: mein lieh und gut, 
alls was ich hab In meiner but, 
Ihr tollt lu mir allt guten bolTen, 
mein haus und hof das sei euch olTen. 
ich teil nirwahr kein glauben drauf, 
er Ih&l mir nicht den gintttall auf. 

Köan tprtcAv. (I8«l) 1. 192. 



i>er begriff leuscher, betrieger, falschredner geht aus den beiden 
stellen hervor, möglich dost sich das wort erst nach der redentarl 
aus einem hohlen hafen reden gebildet hat. vergl. was über 
diese sp. 123 gesagt ist. 

HAFENREFF, n. topfgestell: nachgebends lehrt er ihn eine 
schöne namenclalor und sprachserkläruog , sciemslicida ein 
baCTenreff, bracus pruch, vilnundus backbank, vilhelmns stro- 
sack. Garg. 140*; (sie suchen) donneokopf mit bauchen der 
esziingischen juogfraweu im hafenreff. 18*; slem Qirida, ein 
bafeoreS Olearios de ßde meretr. 90; 

dem tehOnelkorb ward weh zu einem kinde, 
ein batTenreir ward gefatier so geschwinde. 

ilm6ra«. liederb. 141, 10. 

HAFENSCHAFT, m. bank oder bret, worauf in der kiuhe die 
Upfe stehen {vergl. scbaft, benklin, podium, podiolum Oasvf.): 
bat ihre hafenscbift . . eingetbeilt wie ein breltspiel. Cory. 74* 

HAFENSCHARRER, m. der dat leltU aus einem topfe aus- 
teharrt, bettethaßer mensch: da hetzt man den latzarmen, latz- 
leren, auszgedOrrten, rauchgebenklen bickingisclien schnecken- 
fresser und hafenscharrer bruder Lanizenslil sampt seiner ISrea 
sackpfeifen mit krOpflgen hunden ausz. Garg. 81'; achalten 
sie lumpenslecher , lumpenwescber . . , baurenflegel , bund- 
bengel, galgenscbwengel, hafenscharrer. 197*. 

HAFENSCHERBE, f. teHa. Stieler 724. mhd. havenscberhe 
wb. 2, 2, 196*. das masz i«b an diesen berreo loben , dasz 
keiner, wie viel er auch verspielte, jemahlen ist zornig worden, 
hab auch keinen jemabis fluchen gebort, sondern haben nur 
dazu gelacbet, als üb das geld nur eilele bafenscberben wSreo. 
frant. kriegssimpt. 1,86. — Bildlich einem die bafenscberben 
lassen, die leltten unbrattchbaren rette einer genossenen sache: 

da ist dann frO und spat kein rA 
bist tiet land hie und dort verderben 
und lant dem herrn die haffentcherben. 

MoMSR icitelment. 10*. 

HAFENSCHLUPF, m..- so werden kleine windsliUs^Jlltze 
genannt, wo kleine fahrzeuge hinter etwas verborgen un<t^. 
sicher liegen können. Jacorssok 2, 186*. vgl. schlupf. 

HAFENSCHREIBER , m. der buchfükrer und einnehmet det 
hafengeldet m emem hafenorte, niederd. havenschriver Däunert 
179*. 

HAFENSTADT, f. ttadt an einem hafen gelegen: die caoa- 
lisierung der mehr und mehr aufblähenden bafenstadt {Heppent). 
HalUscIie leitung vom 2. aprit 1868. 

HAFEN WERK, n.: hafenwerk, eenodoria est illudquod factum 
ett es ceno i. lulo. voc. ine. theut. h8'. 

HAFENZEIT, f heisil die stunde det hohen «atsers oder der 
höchsten flut zur teil des neu- und vollmondet an einem bestimmten 
orte. BoBRU naut. »irterb. s. 249. 

HAFER, t. baber. 

HAFEREI, f. holldnd. averij und haverij, mnJ. baverije, 
averije, jactun shce damnum in mari Kilian 220, lehmed. baveri, 
ital. porlugies. av^ria , frant. avarie , daraus ist ein miltellatein. 
wort avaria gebildet worden, was aus genuesischen quellen rom 
ende det 14. Jahrhunderts ab nachgewiesen wird (Oo Camce giost. 
von Henischel 1, 475*). et wird sielt nicht leicht entscheiden lassen, 
ob das wort baferei, das jettt mehr in der form havarie, haverie 
(t. d.) gänge itt, romanixAen urtprung hat und sich dirett an 
das nordfram. auch auf deultehem urtprung fuitende bavre hafen 
lehnt, oder ob et eine deutsche neuere bilduug mit der roma- 
nischen bildungstUbe te, ei (gramm. 2, 96) ist, und sich zu half, 
haf eben so stellt wie bub-er-ei zu buhe, gast-er-ei zu gasl. das 
wort ist niederdeutsch, an den küsten der Ost- und Nordsee lebend. 

Im weitesten sinne begreiß es in sich alle Unkosten, die ein 
schiff von seinem auslaufen aus dem hafen bis tu seiner turitck- 
kunß an hafengeldem, schaden u.s.w. hat; vortiiglich aber den 
schaden, der entsteht, indem man bei einem stürme g&tcr vom 
sdiiffe in die see wir/) und den die etgenthümer der übrigen un- 
verlettt ankontmenden waaren tragen (frant. grosse avarie): 
jaäum amtributione tardre dat (zur rettung a«<-)geworfeoe gudt 
in baferye stellen. Cbttbaeus tiom. lat.-tax. cap. 36 ip. 212. 
reclilssprichwort: von bodinerei (s. 2,218) ist man keine baverei 
schuldig. PisTORius Ihes. paroem. 4 no. 2. 

HAFEREIIIECHT, n. jus avariae: haverey-rechl Scuottel 
/rnc/o( r. unkischiedl. rechten (1671) ». 461. 

HAFF, n. thfil det meeres am gestade hinter einer landsunge, 
ein vornehmlich an der Ostseek&ste gebräuchliches wort, das für 
einige dortige meerestheile geradetu tu einem eigennamen geworden 
itt: die oslsce hat mehrere baffe, das frische (4, l, 206) haS', 



Digitized by 



Google 



127 



HAFF— HAFNER 



HAFNER— HAFT 



128 



das kurische haCT; vom seestrande an bis an das frische 
haff. HeimsBiiBCKi 413; es soll aoch die frische neening in 
dieser zeit (1190) durch solche starke nordwinde aufgetrieben, 
denn zuvoren kein haff allda, sondern lauter see gewesen 
sein soll. 383. tftickwvrlUdi m Ostpreussen rar beieichnung nnei 
grosien durstts: ich möchte das haff aussaufen. FaiscHSiEa 
sptichw. 1438. neuere schrißsteUer mit norddeutscher heimat ver- 
wenden das wart freier und ab reines appellatiman : dasz hier 
«inst haf hinler dflnen war, welches allmählich in sumpf 
übergegangen ist. Nieb. 1,671; Jahn nennt auch den Limon, 
»orein der Dniepr fällt, ein baff, bereteherung des hochä. sprach- 
sdiatses (1806) s. 82. 

Die form baff ist niederdeutsch und sehüesxt sidt eng an das 
fries. hef, ags. beaf, isländ. sehwed. haf, ddn. hav, mütelnieder- 
sdehs. haf (z. b. script. Bruntv. 3, 67', 36) meer an , nur dasx 
die bedeutung eine eingeengte geworden ist. die oberdeutsche form 
dieses »cortes war hap tn der bedeutung hafen, mhd. wb. t, 601. 
hochdeutsch schreibende Ostpreusse« gebrauchten unter anUhnung 
an diese form für haff haab: das eine ist das frische oder 
preussche haab, das ander ist das Curiscb haab. Wiissel 
Chronik (165») i'; die schifften durch das haab. Scnarz Preusun 
20 ; aucA das hnd an einem tolcAen wurde des gleichen namens 
theUhaftig: 

auch leget er den Preussen abe 

dai wandern auf dem frischen haabe. Waissu. 63 ; 

verjU. sdum mhd. 

ein teil Tuor ouci) !r ber 

mit schiffen oben umb daj lanl, 

das ist das Triscbe liab geuauu tivt. chron. 3830. 

Näher nur niederdeutschen steht die form hav, die Waissel eben- 
falls aufteigl: aus der see hat es {Preussen) zween schOne ein- 
flüsse in das fand, die werden haabe oder bave genannt, da 
nemlich die schiffe in das land ein und auslaufen, chronik l*. 
auch bei Ldtheb ertcAeint hav: wil die übrigen am have des 
meers luaUBltilglu {anoliS tovc Haredoinove rovs «arot- 
aMWlÄS T^ jiafttXiav) Hes. 26, 16, »o/Sr die ausgaben seit 
dem 17. jahrh. hafen «etien. 

HAFFDOHN, m. hifpo^ial Linn., am meeresstrande in san- 
digen strichen wachsend, bei Nehhich 3, 163 heisxt er auch haft- 
dorn. 

HA FF KUH, f. in Ostpreusten eine arl von kohen, die ins haff 
schwimmen, «m den teetanj; su fressen. 

HÄFLEIN, n. Ueiner hafen, olMa: hafele Maai.er 204*; 
ging er gegen mir zum tisch zu und reichte mir ein irden 
pfennighäfelein in der band dar. Simpl. 1, 461 Ibirs. im sprich- 
wart ; der erster zum berd kompt, setzet sein bäfelin wohin 
er wil. Acaic. sprieAie. (1560) 229'; hei, kleine haflin laufen 
bald über. Garg. 128*; so noch in Tirol. Fro>n. 6,445. unter 
dörflichen gebrauchen wird aufgeiälilt: wa verschenkt man den 
namen, wa trSgt man die häBlin zusammen, wa lOszt man 
sich, wa gibt man ricbtwein, wa ruckt man den tisch, wa 
gibt man die bauszrachtung, wa ertrenkt man das liecht, 
wa geht das krSntzlin herumb u.s.w. Garg, 62'. 

HAFNEN, nrrft. plaimare, fingere: hafnen, hafnerwerk treiben, 
ofea machen , etwas aus leim machen , formieren oder ge- 
stalten. Maaler 206*. 

HAFNER, m., ahd. hafanari, lopfmacher, tüpfer: hafener 
lutifigulus, lAefusor toc. ine. theul. hs'; ollarius, luti composilor 
ein befener voc. ex quo v. 1469 ; figulus heffener Diefekb. nov. 
gloss. 173; f^asles, latine figulus ein haffner, kachler Dasvp. ; 
haffner votaro, pignalaro, boccalaro Hdlsius dict. 1, 69*. als der 
hafner sitzet zu seim werke und nmkeret das rad mit seinen 
fOszen. 6i6e< 1483 332', wo Luther {Sir. 38,32) «einem miUef- 
deutschen sprachgebraudie entsprechend, tOpfer gesetst hat; das- 
selbe Wort steht Jes. 64, 8, ater in einem briefe schreibt er: es 
ist also geschrieben Esa^ 64, 8 : wir sein sein tban , er ist 
unser haffner. der Ihan musz die kunst und band des haff- 
ners nit meistern, sondern sich meislern und machen lassen. 
br. 2, 224, es ist ein schreiben an die Christen su Augsburg, ihnen 
SU litbe hat er den ihm sonst nicht geläufigen süddeutschen aus- 
drude gebraudit; uff ein zeit bette ein haffner getreit ein 
leimen geldin. SteixhOwel (1556) 96*; die hafner haben einen 
heiligen Goar erkoren, welcher ein scbwartzen teafel mit 
feurigen äugen und ein hafen in der band Irilgt. bienenk. 183'; 
gehe hin und kauf ein irrdin hafen vom hafner. Reiszner 
Jents. 1, 88'; Agathocies war eines hafners söhn. Schoppids 
700; dieser scbwatzer nennet den groszcn Itafael einen ar- 
binatischen hafner. Winrelhaiin 2,384; 



der blirner machet Doverker 
sein werk lA schänden oder ehr, 
s6lch macht hat got gar pillich mer. 

Scbwaribubers 166*$ 

ein harner nst eim erdkloti macht 
ein erli(h gschirr, snnit vil verseht, 
als kacbleo, hafen, wasserkrüg, 
do man in bösx und gittas lüg. 

Braut narrenseh. 67, 35. 

In Baiern sagt man lachen wie ein hafner der umwirft, 
wenn man lieber weinen möchte; auch von demjenigen, der sich 
in eine nicht genügend verstandene Sache mischt, der versieht den 
loim oder dreck, der musz ein hafner werden. Schn. 2,154. 
die letttere redensart auch in andern theilen Deutschlands, wo für 
bafner, namenilich in Mitteldeutschland, tOpfer gesellt wird. 

HAFNEREf, /. löpferkunst: fast will es scheinen als sei 
dies der zeitpunct gewesen, wo der eisengusz der damals 
mächtig aufblühenden bafnerei bei Verfertigung kunstreicher 
Ofen das feld geräumt habe. LObie über alte öfen in d. Schweit 
(1866) t. 168. 

HAFNERERDE, f. erde wie sie für den tapfer passend ist: 
zeigte sie meinem cainerad zunähest an unsrer wohnung eine 
schone art hafnererde, aus welcher sie . . schön irden ge- 
schirr zu machen getraue. Stmpi. 2, 230 Jfurz; fünftens be- 
fanden wir neben dem besagten Oüsziein eine überaus schöne 
haffnererde. 235. 

HAFNERGESCHIRR, n. ficiUe. Calepikos 664. 

HAFNERHANDWERK, n. töpferhandwerk : es wird alsdann 
in Teutschland das goldmacben so gewisz und so gemein 
werden als das hafnerhandwerk, also dasz schier jeder russ- 
bub den lapidem philosophorum wird umschleppen. Simpl. 
1, 263Auri; ein paar frommes ebevolk des baffnerbandwerks. 
Simpl. 3 (1699), 37S. 

HAFNERIN, f fictrise. Maalbr 206*. 

HAFNERKNECHT, m. tOpfergesetl: ich kleidete mich wie ein 
armer liaffnerknecbt Simpl. 3 (1699), 366. 

HAFNERKREIDE, f. figuratis creta. Maaler 206*. 

HAFNERKUNST, f. fiasUct. Dasyp.; hafnerskunst /fjüna 
Calepinos 664. 

HAFNERLEIM, m. töpferthon, tOpfertrJe: aus bafnerleim ge- 
macht, fictilis et hoc fictüe. Maaler 206*. 

HAFNERRAD, n, rata figularis: Engers, Angors oder An- 
schar . . ein erflnder des ankers, der blasbalge und des 
häffnerrads. ZnnGSEr apophth. 1 (1653) s. 303. 

HAFNERSCHEIBE, f rata figularis: zeucht er (der bauer) 
aber den groben deckel (seinen Aul) gar ab, so trehet er den- 
selben herum wie eine haffnerscheibe. 6aurensl. laslerpr. 169. 

HAFNERSTUBE, f : figlina baffnerstuben FaiscBUN nom. 347'. 

HAFNERTHON, m. töpferthon: 

dann nimb ein halTnerslahen ich, 
walch in los wasaer, das er sich 
wie salben aurs tuch streichen lasz. 

;. Arati fasln, sp. W (2668, II Keiler). 

HAFNERWERK, n. in twei bedeutungen: t) hafnerwerk, 
kunst ze hafnen, figlina Maaler 206'. 2) bafnerwerk, irrdin 
geschirr, fi^inum opus, plasma das. 

HAFT, m. rincuium, aAd. baft, mAd. haft {wb. 1, 603*), ags. 
hafl. 

Von der wurtel hab fassen, hatten {sp, 46) hat die deutsthe 
spräche mittels des eine Ihätigkeit hervorhti>enden Suffixes ursprüng- 
lich -li twei Substantive gebildet, ein masculinum hafl, plur. hefte, 
hafte mit dem mehr persönliehen , allgemeinsten sinne erfasser, 
halter, und ein fem. haft zum ausdruck der Handlung des erfas- 
sens und haltens. beide Wörter sind im gothischen nicIU beteugt, 
das mase. würde baft-s, gen. haftis, plur. bafteis lauten, das 
fem. haft-s, gen. baftais. in den hochdeutschen dialeeten, bereits 
von oAd. zeü A«r, Asien sich zu beiden Wörtern nebenformen 
ergeben; während der plur. des masc. hefte, hafte nock im nhd. 
dauert, findet sieh schon im ahd, die haftft eineula, dat. plur. 
dien haften (GsArr 4,742. 743), mit übertritt des Wortes in die 
a-declination , die im ags. haft durchaus erfolgt ist. ein schwacher 
plural die haften der daneben, wiewol später und in eingeengter 
bedeutung {vgL unten no. 3) auftaucht, hat auch einen schwachen 
Singular hervorgerufen: spinther ein. hafte Dastp.; im AatriscAen 
Aot man dann weiter wieder gebildet der haften mit dem plur. 
die haften (Scrm. 2,160). 

Zum fem, haft, dessen tnM. gen. hefte {wb, 1, 603') die oAen 
erschlossene goth. form baftais slätsl, finden sidt die gleichen 
nebenformen, nach der starken a-decL erseheint im oilnieder/rdn- 
kisthen hafta: nimi bafla, eepisti coplinlatem. p*, 67, 19, ei» 



Digitized by 



;Ogle 



129 



HAFT 



HAFT 



130 



Kkuttchtt diu baftft iil ahd. beteugl (baftfin connesüme Giaft 

4, 743) und dauert auch nhd., vgi. ueiler unlen, vermisekung aer 
bedevlvng beider ȟrter liegt nahe und itl erfolgt : das tnasc. baft 
beiädinet neben seinem mclir pertinlicken sinne auch den ad des 
fasunt, haltens (no. 4), das fem. drüekt neben diesem ktitern 
tttieh die bedeulung eines hafls, katters aus; im bmrischen geht 
die baft halt, festhalten, ite6«n der baft ^aiker bedeutung. Sciiii. 

5, 160. s. weiteres unter dem fem. baft. 
Diu mase. baft bedeutet 

1) band, halter, etwas «as tutammen fasü und verbindet, im 
allgemeinsten sinne: so sind 

a) befle von den weiden abgeschnittent äste, die mm verbinden 
der launholzer dienen : wan aber sonst jemants in weiden be- 
sichtiget wirtb, die sein nicbt seiotb, ebr scbneide befte, 
xeine, weiden, ader wo zu ebr die weiden soDst, es sei zu 
reuffen ader anders gebrauchen würde. Hichelsek reehtsdenkm. 
aus Thäringen 48S. auf dieser bedeutung fusun folgende verse 

HorFMlNKSWALDAUS : 

acli, Amarillls, ach ! die biiierlielt und liaban 

mil steifea haften kann verbindfln. gelr. schäfer It; 
man spüret doch, wie «ich ein siarlies etwas findet, 
das uns ans valerland mil süszen bsrien bindet, 
mit hiften die die seit nicht lu rerlSulen welsi. >. 145. 

b) baft heisst femer die naIU, die iwet getrennte Iheile eines 
seuges verbindet, einer sacbe ein paar batle geben, sie mit 
einigen Stichen zusammen heften. Adelung, der Chirurg nannte 
baft die eine vunde lusammenßgende naht, in diesem tinne der 
ptur. befte Diefenb. 233': der wanden ein baft geben, com- 
mittere alicujus plagae oras suturis. Maaleb206'; und die bef- 
lung {der Kunden) geschieht in fUnferley form oder weise, 
zum ersten die gemeinen baft (piur.). Hier. BaaoiiscnwEiG 
Chirurg. {Au^. 14»6) 11'; darumb zu allen Zeiten sollen die 
befte ungerad sein, wenn die wund Ober zwen hafte bedarf. 
2t' ; so sol auch die beftung (der wunde) tief geschehen, . . 
das nit ein bnle under dem baft werde. 21'; gib alsdann, 
wie das wfindlrin geschnitten, der haut einen haft,«dannit 
das wärtzlein (vas in die wunde gesteelit) nit berausz fall, lasz 
es darinnen bisz der baft selbst aufbricht. Seuteb rossarinei 
171; nee die wunden wiederumb zu . . alsdann thue den baft 
widenunb auf. i. 351; die wunde ward ... mil fünf haften 
geschlossen. Happel aead. rom. 054; 

wie du den Apel Hilchschlunt 
hast gehauen und in den lod verwunt, 
das man dem armen bauersman 

iweir heft hat getan {die wunde mit xwölf haften tugeniht). 

ftttlu. tp. 590, 23. 

c) auch der flintenstein hatte einen baft, die schmale fliehe, 
die die beiden breiten verband: man kann füglich einen solchen 
durch die kuost gebildeten stein in 8 flachen theilen: erstens 
aus zwei beinahe eben solchen flächen, namlicb eine obere, 
welche schmal und nur meistens Vi des Steins einnimmt und 
die rippe, der rücke oder der baft genannt wird. Jacobsson 
b, SC6' ; ein schiefer der gut gebildet ist . . musz in der mitte 
nach seiner lange einen ganz flachen oder ebenen rücken, 
der von 4 — 14 linien breit sein kann, haben, denn nach ver- 
haltniss dieser breite entstehen die grOszern oder kleinern 
steine fürs feuergewebr, indem dieser rücken den baft oder 
köpf {fram. manche) ausmacht. 567*. 

dj bei den gewerken ist baft in verschiedenem sinne gebräuek- 
lich, dem glaser ist es ein bleiring, womit das gewöhnliche fenster- 
blei in jeder Vereinigung mehrerer blfislücke an den windeisen be- 
fesligi wird; dem büchsenmacher ein eisenring, durch den der lauf 
an dem schafle festgehalten wird. 

e) schotengewdchse haben hafte, es sind die langen gewundenen 
fäden, durch die sie sich an ihren stiUzstangen anranken und fest- 
halten: die runden, langen und hole Stengel {der bahnen) mit 
ihren gewerben, sampt den bietlern, astlein, haften und schot- 
ten, Tergleiclien sich aller ding den grossen gortenerweissen. 
Boci kriuterbttch 486; (die teutschen bonen) gewinnen kein 
haften oder faden wie andere kOchset. 490. 

2) baft, «0» bindet und gefangen hält, fessel, band. 

a) im gewöhnlichen sinne: mit 'gewalte lüster unsere hafte. 
aptc. eceles. von Kelle i. 67 ; 

oAd. suma hapt heptidun. Uerseburger spnick. 
nhd. verbindet sich verstärkend damit band, er ist in band und 
baft, in haft und band, tnie schon ahd. die bafti und« diu 
gebende Giaft 4,743; 

Uiaprinc haptbandun. Uerseburger ipmch; 
lY. B. 



so «umpt mein tfln scbnell fiber mleb, 
sagt gilt gsell gib gefangen dich, 
in meines juufbm band und halt. 

WiciaAi pilgtr RS, 64; 
derer seufzen aniuhdren, 
weiche {aee.) haft und band ^ersehren. Oprs 3, 1(1. 

b) In übertragenem sinne: 

swA in siner sDnden baft 

hebertet habe von scbuiden, 

da lA mit dlnen hulden 

brechen siner Sünden baut. Bartaam 361, 34; 

ouch ist es (das kreut) niht ein lileinar baft {festet, ttgel) 

dem tumben man, 

der thne libs meislersehaft 

niht halten kan. HAanuxn lieder 9, 25. 

man sagte heften einen haft, an eliraa «im fettd anlegen, da- 
mit es sich nicht weiter entwickele: 

das muo{ ich haften einen halt 

an dirre materie dn minen danc, 

«an ich fürhte sie werde le lanc. Aenner 20132. 

man gebraucht auch haft der lireundschaft , wie freundschafts- 
band (4, 1, 169) : haft und aufenthalt einer freündschaft, no- 
dtts amiciliae Maaler 206'. 

mhd. sprach man auch von dem baft eines rdtsels, dem nnne 
desselben, es ist gleichsam die fessel, die das Verständnis des rdt- 
sels liindert, hat man sie gelöst, so ist das rdtsel verstanden, vgl. 
knoten 14, th. 5, 1504. Ktingsor hat ein rdtsel gegeben, das 
Eschenbach mit den cingangsworten deutet: 

Kiingsor, ich loese dir die knoten, : 
worauf Kiingsor erwidert: 

ja meister, lose uiu bat den baft. 

HS. Hag. S,», 2«. 30, 
der mir dt 8liu{ei disen baft,' 
dem gib ich lop für aller singer meisterscbaft. 
3, 432-, 3. 
dieie bedeutung IM tthd. nicht mehr. 

e) in der rechtssprache steht baft neben haftpfennig M dem 
n'nne des draufgeldes, dieses ist das band, durch welches ein ein- 
gegangener vertrag fest wird: zu der form eines solchen ver- 
trage kann ein schriftlicher anlsatz oder sogar eine gericht- 
liche erklarung (insinuatio, wie wir sagen, eine gerichtliche 
bestatigung) gehören, ferner eine arrha (ein handgeld, weio- 
kauf, haft), bald so bald anders verabredet. Hcco heut. rvm. 
recU (1826) (. 258. 

3) baft in eingeengter bedeulung die tpange, nadel, tum tu- 
tammenhalten einet kleidungsstitdiet : fibula haft, back, ring 
FniscsL. «am. 418'; heftete über den rock mit einem hafte 
den weiten, doppelten mantel. Stolbebg ll, 332. vielfach ist 
Uer jene oben erwähnte schwache neben form im gebrauche: die 
haften, grosze haftle ßbulae, die haften einthun inßbulare Maa- 
LEE 206'; dann ich mein lebenlang nichts narrischers gesehen, 
als ellenlange und klafterbreite haften auf dem but, was sol- 
len haften auf dem but, setz sie darfür wie unser Pantagruel 
auf den lalz. Carg. 119'; wann der trinkend kerles seine pan- 
totfelsolen umb ein halben fusz aufblaset, die nesteln, haf- 
ten und kneifleio auftreibet. 163' ; als weibgescheoke stifteten 
sie daneben . . einen silbernen spiegel, den vergoldeten pan- 
toffel, goldene haften, alles zum patz der Venus gehörig. 

GüTBE 39,25; 

golden ketten, ring und armhand, 

{[ebeng, hallen und wie es wird gnant, 
st gemacht von siiber und von gold. 

AraiR III' (561, 10 JbUer). 

4) in absiraeter weise beteuhnet baft halt, anholt, in Kimthen 
haft das halten, festhalten (Lexeh 130) ; haft, anbang, das an- 
bcnken adhaesio Maaler 206*. so sagt man im gemeinen leben 
die sacbe hat keinen haft, hilt tUcht, meine fUsze hatten auf 
dem abschüssigen boden keinen halt; 

weil nichts beständig ist als unbestindigkelt, 
so kan man freilich wol nicht haft und anker finden, 
wormil man sicherlich sieb kOndt auf n-eunde gründen. 

FLtaina &•>; 
diete bedeutung wendet lieft at4cA zu der des Schwerpunkts, angH- 
punkts, vorndtmtten einer sacke: 

6 wip, du bOber Aren bafti Fraonlob minneteich. ' 

Maaler 206' fihrt eine reihe hierher gehöriger btitpiete an: der 
haft einer sacb, der fOrnembst artikel darauf die red tringt, 
äatus, juMitium, continens, eardo causa«, judieaHo, firmamentum; 
der rächt haft oder stich einer red, aeuleus orationis; daran 
ligt der rUcht baft oder punct oder der ganz bandel , in eo 
eardo rei vertitur; der grOst haft der sacb ligt am zeugen, 
lumma est in testibus; der rScht haft in allen dingen ist in 
deinen henden und ligt an dir, ad t< «umtna sotam Phormio 



Digitized by 



Coogle 



131 



HAFT 



HAFT— HAFTEL 



132 



reiiim reJU; der [Ui'nciub.st halt des sigs ligt daran, vidmiae 
(umma in eo constat. * 

6) aber andrtrteil» kann die vorige btdeutung auch in die des 
lUTaekhalteni, hindernistes verlaufen, to kärnlhnisch Luxer 130; 
der den hsgendorn wil ziebeo dur daj bcu sunder hafte, der 
miioj in gar besntden. d. mytt. 2, 634, 27 ; da wttrt allain der 
feih und bafl liegen. S. FRiXK parad. 120* no. 177 ; 

der halt und niongel lyt daran, 

das Ir gou liebe band vertan, trag. Joh. Ciij. 

hierher ein schi/ferausdruck ein scbilT läuft auf baft, tlüszt auf 
ein seinen lauf hemmendes hinderras: doch eins von diesen 
schiffen lief unversehens auf hafl oder alle verborgene pRile, 
so unter wasser sind und nicht mOgen gesehen werden. 
Waissel ekro». (I5S») 220*. 

6) daher heiszl endlich auch der ball gefängliche Verwahrung: 
bafl «n. custodia Scrottel haubtsfr. 1332. vgl. verhafl. 

HAFT, f custodia, adhaesio. über die form des Wortes ist am 
eingange des vorigen ort. {sp. 128) gesprochen, es bedeutet 

1) Verwahrung, gefangenhaltung, und ist in dieser bedeuturtg zu- 
näM rechtsausdruck: einen Verbrecher zur baft bringen; da- 
rum begern wir ernstlich das ir dieselben in hafte nemet. 
Haltaus V2 ; und wo einer oder mehr zu haften oder ge- 
fengknus gebracht, das.; es ist Anna Maria Braunin . . wegen 
verdächtiger Zauberei albier in gefängliche baft gebracht. 
hexenproi.-ttcten v. 1689 in d. neuen miUheil. des th&r.-sächs. 
ver. 9, 81; die alte wurde zur geHnglicben haft gebracht. 
E. T. A. HoFmANR 3, 16; er ist hierauf in haft gerathen. 
Happel acad. rot». 89S ; er ivurde der hafl entlassen ; der ge- 
Ibnglichen bafl erledigen. Schweinicber 3,169; 

so scholl wir uns denn all zerstreuen, 
und es schol ie einer nach dem andern ausi gan 
und den breuUgan an der belt lan. fattn. <p. 787, 33; 
er ist noch keiner Ihat, so spricht man, flbeneugt. 
er ist umb wort in baft. A. Gitpbids (1663) s. 25, 262, 
»eh Talbol, ibr wart stets mein freund — dass ich 
in eurer milden haft geblieben wlre I 

SC8IU.ER Mar. Stuart 3,3; 
ich will dirs reich vergelten, wenn ich einst 
aus dieser baft befreit bin. Platik 235', 

wenn ibr, was golt verbäte, wiederkehrt 
in Ludwigs baft, so (iilt auf euer haupt 
derselbe bannstrahl, der auf jenen fiel. 

Ubland Ludwig der Baier «. 134. 

aber nicht blosi personen, auch Sachen werden in baft gelegt, in 
hafl behalten, wie man von gefangennehmung der guter spricht 
(die gOtber der Studenten sollen nicht gefangen werden. 
Happel acad. rem. 102): sollich stadtsteuem in arrest und 
haft zu behalten. Haltaos 771; das (gut hat) also bisher 6 
Wochen und 3 tag in baft gelegen, das. man verwahrt solche 
Sachen als pfandobjede, daher: 

den spiaaz roust loh mir pflnden, 

leb nehm ihn mir tur hart. Chlarb ged. 42(; 

v^ hall debäum, pignus Stibleb 816. 

2) linier anJcAntuij; an den rechtsausdruck wird das wort dich- 
terisdt freier verwendet: 

was Ist die groaie weit? ein blockhaus, da verlangen 
und angst und schwere noth mit starken fesseln drflcki; 
wenn uns der IVeie tod aus disen ketten rOciit, 
denn nimbt die gruft in baft die gani erblaszten wangen. 

A. GaTPBiDs (1663) s. 697; 
ein gescbipfwie du selbst, vormals tbeilbaft des verrinnenden 

sands in der sandubr, 
Jahrhunderte lang in eniselilicher baft, durch nie su berech- 
nenden leltlauf. Platih 263. 

3) haft bezeichnet audt den räum des gefdngnisses, «ie umge- 
kdirt kcrker, iras gewöhnlich nur auf den bau geht, doch auch 
die gefangenschaß ausdrucken kann (5, 56") .° und sullen densel- 
ben man oder wip do mite brengen in di hafte. Freiberger 
sladtrecht in Schotts Stadt- u. landrecA«n(177&|3, 182; ich ver- 
lange nichts als ritterliche baft. GOtbe 8,125; so sei er er- 
bötig, ihm zur flucht aus sein« haft in Dresden mit pferden, 
leuten und geld an die band zu geben. H. v. Kleist sdiriften 

'()«59) 3,83; 

gibt unterm meer ein felsloch ihm zur baft. 

Giiis B<i/ardo 1. 1, 53. 
biUliAi got vuor ler helle, der Itp was tAt, 

er lao in grabee hefte. FaiDENLOB 235, 15 ; 
was aber briohst du aus des grabes haft? 

ClAHisso (11)36) 6, 280; 
leicht hast du den arm gebunden, 
seil ilcr gelst mir liegt in liaft. Üaunn ged. 345. 

die nicderfrdnkische form daßr ist hacht, 5. sp. 98. 



4) baft hat endlich auch zwei bedeutungen des masc. baft, 
ndmlich 

a) die von Spange, haller (no. 3, sp. 130) .' die hafte, une agraffe 
Friscb dict. fran(. (1730) 2,279; und 

b) die von stütze, Schwerpunkt (no. 4, sp. 130) .- die rechte haft 
eines dinges, eontinens et firmamentum rei. Steinbach 1, 661. 

HAFT, n. nach Adeldrg, nach Nebkicu m. , ephemera, ein- 
lagsftiege. der name nach lettterem davon, dasi bei Verwandlung 
der puppe in das geflügelte insect die hüUe an einem u/er, wo 
die Verwandlung vor sich geht, bleibt oder darauf haftet: 

wie kurz ist docti der Schmers der allertiefsten wunde I 
weint ein unsterblicher beim leid von einer stunde? 
so machte, dacht er sonst, und misie seine seit, 
ein haft die dauunerung lu seiner ewigiieit. 

Hallks ichweit. ged. (1768) i. 192. 

t'n Hamburg heiszt das insect baff und haß). SchOtze 2, 89. 

HAFT, adj., ahd. mhd. haft, golh. hafts in auda-hafts glück- 
selig, altniederd. haft, ags. hift, ein« direct aus der würzet bah 
gebildete participialform mit passiver bedeutung, ganz dem lat. 
cap-tu-s entsprechend, mit der bedeutung ergriffen, eingenommen, 
gehalten, es ist demnach eine andere bildung (äs he-haft (1, 1316), 
welclies rückumtaulendes particip von beheften ist. die neuere 
spräche kennt haft wesentlich nur noch als zweiten theil zusam- 
mengesetzter adjeäive (glückbaft, fehlerhaft, lasterhaft u. s. w., 
gramm. 2,562. 656); die ältere Sprache verwendet es auch ein- 
fach in folgenden bedeutungen: 

1) gefangen, gefesselt: 

Otts, that thena hafton man belillis nimin 

s4 gibundanan, tbat barn godes. Hetiand 5262; 

ahd. baft vinctt», haphta captivos Gbafp 4, 739 ; mAd. nu bistu 
bercbomin, die armin tAtin, die heilichen baftin zerlüsin. 
spec. ecdes. v. Kelle s. 68; 

der trache wart st dt haft. kaiserchron. 106M; 
ein binde in und mache in baft (die letmrute den vogel). 

Trist. 23, 13. 

2) von etwas angenommen, besetzt, bestanden, nocA im /. 1492 
.om bauten felde: item die vonTobel babent mit irem vich 
trat, wenn die zeig Itr und oit haft ist. weiMh. 4,406; zwi- 
schen der boffstatt und dem brttl sol ein vallenlbor bangen, 
wenn die zeig uff eboit haft ist $. 407. 

Die dttere spräche brauchte die Verbindung eines kindes baft 
für schwanger: 

alid. ir si li theru giburti thes kindes baft wurdl. - 

OTPau 1, 14, «; 
mhd. nu htte es got alsO beschart, 
der uns dicEe tuet Wunders vil 
da; relile an dem selben eil 
was oucb ai worden kindes baft. Flore 569; 
hie mit wirst du kindes baft. Hone sdtausp. 1, 155,64. 
auch einfaches haft steht in gleichem sinne : 

was im it hart« ungemach, dA er sia hafta gisab. 
OrraiD 1,8,2. 

3) m übertragenem sinne heiszt baft verpflichtet, verbunden für 
etwas: 

die (dein« freunde) sint dir alles gnotes baft. 

Lasibkbg liedersaaJ 2, 620, 67. 

4) anders nodi jetzt in der Eifler mundart, wo haft die be- 
deutung schwer angenommen hat: es thut im haft, es hält ihm 
schwer üwas zu vollbringen. Fnonn. 6,15; das gelit auch von der 
bedeutung l aus, aber durch die Vorstellung des beengenden, drücken- 
den Mndurch. 

HAFTBAR, adj. verantwortlidi für etwas (s. haft 3 und haf- 
ten 4): jemand für eine sache haftbar machen. 

HAFTBABKEIT, f: die baftharkcit des berausgebers, Ver- 
legers und druckers (einer zeilung). Hall, zeitg. 1868, no. 90. 

HATTBEFEHL, m. befehl zum haflvoUzuge: so wird .. die- 
ser haftbefebl wider denselben (einen flüchtigen) erkannt, preusz. 
staatsanz. 1868, s. 2061. 

HAFTBItlEF, m. was Steckbrief, briefliches ersuchen einer be- 
hörde um Vollstreckung der haß an einem veiirecher. Aoblon«. 

HAFTDOLDE, f caucalis, auch klettenkOrbei, weil der same 
der pflanze sich wie eine kielte anhängt. NENNicn 2, 917. 

HAFTEL, m. fibula, uncinulus. die unumgelaulete form ist 
selten (z. b. in Tirol, Fbom«. 5, 445), häufiger ist bäftel, am .Qe- 
wühnlichsten aber wird jetzt heftet geschrieben, w. m. s. haftel 
Aetszt tm allgemeinsten sinne jedes kleid oder manid zusammen- 
haltende instrument: 

für ir brüst (zum iiuammenkallen des rocks) wart geleit 

ein haftel wol han(te breit: 

das was ein geipfer rubin. Erte 1560 



Digitized by 



Google 



133 



HAFTELDRAHT— HAPTEN 



HAPTEN 



134 



funpang oder hafllel vo«. von 143T bei Lbxeii ISO. in Obtr- 
deuUcUand bedaUrt baftel jitU totcol du hikthm an den klei- 
dem, ab die äse; einzeln nennt manjentt hlkcben, mlnnchen, 
iärniAii. banggile, dieses weibcbea, mUeterle (Lkxki ISO. Schm. 
2, 160). in Nürnberg bezeichnet man durch bSftel eine Stecknadel. 
— In anderer bedeiäang, namentlich in technischer spräche: es 
ist ein baflel aucb ein gtarlter pflocic, nomit man eine leine 
z. e. an einem zeit, oder bei der jSgerei die leinen an den 
tücbern, und die wiadleinen an den erdboden befestiget. Bern, 
lex. 897 ; bSftel ist (bei der befesUgung dtr fischnette) ein unten 
zugespitzter pfal, den man so lang rund dick macbet, als es 
der ^enst, so er leisten solle, erfordert jagds-ergilmngen 
1,11. vgl. auch haftlein. 

UAFTELDRAHT, m. droht worauf haßein gemacht werden: 
bafteldraht Ton messing. Jacosssor <t, 7*. 

HÄFTELHAKEN, in. in der jOgerspraehe Ueine pflöcke mit 
haken, die leinen des treibieuges damit auf dem boden z» 6e- 
festigen. Jacosssok 2,187*. 

HAFTELN, $. unter befleln. 

HAFTEN, verb. haerere, detinrri, ahd. haften (Gairr 4, 744), 
mhd. haften, die grundbedeutung dieses vartes einen haß oder 
haU haben, fest hangen an etmas, sgridit sieh in manigfaehen Wen- 
dungen aus. 

1) in jfonz nnnltcAer weise haßen gegenstände: der nagel haf- 
tet in der wand; bei nassem weiter haftet die lehmige erde 
an den sohlen ; durch einen besondern kitt haftet glas auf 
stein und metall; der fuszboden war so abschüssig, dasz der 
fusz darauf nicht haften konnte; es haft kein eisen darauf, 
es Schlacht eisen ausz, respuit hoc ferri ictum. Maalek 206*; 
euch den sloup der an uns gebaftit bit von fiwer stat, den 
klopfe wir abe wider Ach. Behaimt etangei. buch Luc. 10,16; 
einige scribenten berichten, dasz in dem tempel Serapidis zu 
Alexandria ein eisern gOlzenbild in freyer luft gehaftet und 
gehallen worden, weil Ober und unter demselben magnel- 
steine eingefasset gewesen, die es durch ihren zug also be- 
wahret. ScaivEi seelensch. 1, 378; die gläubige seele ist ein 
zweig, der an ibm, als dem bäum des lebens haftet und saf- 
tet, sie lebet in ihm und er in ihr. 1,824; 

wie keiner spinne schmuulges gewebe 

an diesen marinorwlnden ballen soll. GOraa 9, 157. 

2) übertragen ist es, wenn man gewöhnlich sagt die äugen 
haften an etwas, auf jemand, wie es von dem lange zeit auf 
einen gegenständ gerichteten äuge auch heisit es hangt an einem 
oder etwas, es klebt (^ 1046 unten): 

dort ward ich dich im offnen kreise sehn, 

und aller äugen werden auf dir haften. Ginn 9, 265. 

ähnUeh haftet das herz an etwas : er merke nur wa und wa- 
rauf sein herz haft, hang, rS, stehe. S. Frani parad. 133; 
iriri imrinnficAer aber haften lehren, ratschlage, eigentchaflen : viel 
guter fabeln und spricbwUrter von wenig worlen, die aber 
viel nachdenkens geben und haften und kleben lange. Schdp- 
rios 833 ; diese notbwendigkeit haftet an den begriffen. Kakt 
3,48; 

erweclie doch mein herz, wenn icli. In engst gedrangen, 
ztg ohne festen trost. wenn nun Itein ralb mehr fian, 
und mich der Sünden grimm gleich einer blum liinralTt. 

A. GsTraies (1698) 2,357; 
schnöder sklav, 
In welchem keine spur des guten haftet. 

Shttketp. von ScBLiott, Sturm t, 2, 

femer andenken, verdadtt; trSg sy das angesicht Euriols in- 
gedenk und haftende in der brüst irs hertzeo. N. t. Wtib 
Uansl. 25 Seiler; 

man bat mir auch von dir geklalTI, 

•olt mir das han am heneo gehaft, 

Ich het kein tag noch nacht kein nie. faUn. tp. 166, 9. 

verbindUclikeiten, schuld, abgaben: es haftet demnach hier auf 
dem hofe nur ein käse {als ans). UnEaiAHit Mänehh. 1,192; 
damit die blutscbuld nicht auf dem volke hafte. Kaut 5, 169 ; 
der b. gaist versichert d{ herz mit kainer lOge, er laszt sie 
auch nit haften. S. FtAXi 142'; die manner mOgen thun was 
sie wollen, so haftet das gesetz nicht an ihnen. Happsl acad, 
rem. 597; endlich haftet auch die gerichlUche klage: 

und weil als was podagro Ihut, 

auf des golts Jovis gbelss geschieht, 

so kan die klag ja haften nicht Inichl nnhdnglg »erden). 

Arata faslti. tp. *T (2575, 24 Keller). 

IH* unter 1 und 2 gegebenen beispiete belegen zugleich, wie der 
ort des Haflent, wo er ausdräckUeh genannt, durch die praep. an, 



auf, in mit dativ vermittelt wird, oder durch die ent^irechenden 
adterbien: darauf haftet meine meioung. KtacRflOP mifit. discipL 
263 ; die grOste klugbeit eines menschen haftet daran , das 
er sich nicht ttVer sich erhebe. Botschit Patm. 703; wenn 
die kalze einen reinlichen orth besehmeisset, so bedecket 
sie den platz mit erde: du aber, o mensch! scblsfsl nach 
deinen uoflätigen werken, du befflrchlest nicht eins, dasz dein 
gesiebt darüber haften solle, pers. baumg. 9, 19. — Die alte 
spräche liszt auch die praep. fMen und verUndet mit haften 
einen blossen dativ : tuo nnsih, birro, dir gedibticbltchen zuo 
haften, windb. psalt. s. 340; 

dich mtde gnio{ von allen gnoten vrouwen, 
din atme unde ouch dtn alt verdorre uosOete, 
sO GelbOt der bero von allen touwen 
verMilet ist; der vluocb dir halten mQeze I 

irs. «aj. 3, 53*. 

Seilen iä es und et seheint nur bei sehrifUtellern norddeutsdter 
heimat vorzukommen, dasz eine nach haften folgende praep. den 
au. regiert, womü also weniger der ort, als das M des haflent 
hervorgehoben werden soU {wie bei kleben, s. 5, 1046): damit 
der glaube an mich haften kOnne. Claodids4, 149; allein die 
Verehrung so weit treiben, dasz man auch nicht den gering- 
sten fehler auf ihn will haften laszen. Lbssimc 4, 100 ; 

vergl. und sein brüst mit eim achilt verwart, 
von einem achabeobalg so hart, 
dasz darein haft kein pTeil noch schwort. 

Tccas fliftcIteRikrie; 1> 909. 

3) wenn haften von personen gesagt wird, so drückt es Iheits 
ein durch(ttis leidendes festgdteftet san, hangen aus, Iheils geht, 
namentlich wenn haften in bezog auf geiziges, gedanken, ent- 
sehlüsse $iA, etwas vom leben des subjectt auf das verbum über 
und es hebt mehr betcusles, thdUges bleiben und verharren hervor. 

a) so seien sie verflucht für dem berrn, das sie mich heute 
Verstössen, das ich nicht hafte in des berren erhteil. 1 Sam. 
26,19; aucb nachher blieb das band untrennbar haften, wie 
Jobanna Rodriguez . . fest am kreuze haften blieb, auf wel- 
ches sie sich locker gelegt hatte. ImiEBiiAnii Münchh. 1,100; 
ich aber muste das elend hauen und in kummer haften. 
ScnwEimcBKN 1, 271 ; wenn sie lange an dem gegenstände 
ihres Schmerzes gehaftet haben, so werden sie endlich auf 
einen benachbarten abgleiten. Lkisewitz Jul. v. Tarenl 2, 5 s. 48 ; 

verbirg, herr, fDr mir nicfft, 
wann ich baft in der angst, dein gnadenangesicht. 

TostL pialmen Davids (1638) Nvii>; 
ein Undlichsr pfarrer verbauert, 
haftet am kloss und vergeht in nicbtigkeil oder erwerbsucbt. 

Voss LMüie; 
v^ kleben 5, 1048. 

b) weil ich nicht auf meinen Worten, sondern was die 
kirche erkennen wird, hafte und stehe. LirraEa 1, 122' ; diese 
wort sagt er zu allen, die das sacrament empfaben, darumb 
musstu an den selben mit dem glauben haften. 3, 157'; stim- 
men ihr {der kundtehafler) etliche . . in einerley uberein , ist 
desto gewisser darauf zu haften. KiacMRop mi(. ditc. 94; eine 
nähere kenntniss . . Iflszt uns an diesem gedanken nicht 
haften. Kant 7,307. 

4) von der lelzteren bedeutung (3, il gdit nun auch aus der 
rechtsausdruck haften, einsleAen, gewährleisten für die sichtrheit 
des fordernden: wannen ihr nun uns bei dem korfOrsten gnade 
und Sicherung leibes, ehre und guls zuwege bringen und 
schriftlichen daför haften werdit, so wollen wir den jungen 
forstlichen sun unvorlelzet wieder bringen. Haltaus 772; hätte 
also um das abrige haften mOssen, was nicht zugereicht 
hätte. ScBWEiKicBEK 1,274; dasz ich nicht {für eine verschrei- 
bung) zu haften hätte. 2, 42 ; und lüeser rechtsausdruck ist awh 
der spräche des gemeinen lebens gerecht: nehmen sie das kind 
auf, ich hafte far seine gute auffabrung; er wollte fOr die 
Wahrheit seiner erzäblung haften; wenn seine mutler auch 
eine Deutsche war, so hafte ich dafür, dasz sein valer ein 
Engländer ist Götbk 20, 292. die höhe der gewährleislung wird 
durch die praep. auf mil folgendem occ. des ziels vermittelt : der 
beklagte haftet auf das, was der kläger bei sofortiger be- 
friedigung gehabt haben wurde. Windscbeid pandectenrecht 
(1867) 1,328; 

wie viele auch an einem werke schalllen, 

ein jeder musz aufs gaoie haften. R8cm«t ged. 397. 

5) haften , irieder näher an die bedeutungen t und 2 ange- 
stUossen und unpersönlich gebraucht, wie »ir zur bezeichnuiig 
des gehindert seias , "ic/iJ roritdW« kosiimens einer Sache liegen 



uiyiiiztJU uy 



,9* 



^6 



le 



135 



HAFTEN— HAFTKIEMER 



HÄFTLEIN— HAFTUNG 



136 



ttneendtn (es liegt am wetter, dasz ich nicht geLummen bin), 
19 stdu auch haflen ; es hafl an mir, an dir, an im, dasz 
das nit gescliicbt, slat per me, per tt, per illun, quo minus id 
ßat. Maalcr 206'; es haftet nicht bei mir Ste an mir, exira 
meam pdeslaltm, ra mri arbilrii mm est. Stieier 817; daran 
haftet es, in to eardo rei nrlilm; kie nodus tsl. das.; wo hafts? 
quid imptdil? da bafl«, hie nodus esL Steinbacb 1,662. 

6) dahn auch in anderer ftgung liegen , sieh befinden : also 
hall die sach, 'aber ich hab weder hoffniing noch einig Zu- 
versicht zu dem legalen. Lotheb l, ii9'; etliche irrung und 
gebrechen . . die vor cburrürsll. oberhorgericble in rechtlicher 
«orfarung unentscbeiden haftend. Haltaus 772 {von t»50). 

7) selten vertritt haften das Iransitite heften, «ie heften (>. d.) 
umgekehrt einigemal im sinne von haften steht: als einer . . ein 
stecken am stock ufrichl, oder ein reb haft mit einer wid. 
Keisersbeig narrensch. 191'; geld in eines mannes bänden, 
dessen herz an die weit gehaftet ist, ist eben so viel, als 
wenn es noch in bergen stecke, pers. baumgarten 2,21; er 
ist mit seinem gesiebt allein auf sie {ein schönes mädchen) 
gehaftet. 7, 2$. 

8) <n allen diesen bedeutungen ist haften bUdung vom adj. 
haft fixus, vincttts; in der folgenden dagegen ron dem subsl. halt 
custodia: haften einen, einen in haft nehmen lassen. Frisch 
1, 393*. 

HAFTEN, n. der substantivisch gesätte inf. des vorigen: das 
haften an eben denselben gegenständen, an dem schrank 
voll alten bausraihs und wunderbarer lumpen hat Rembrandt 
zu dem einzigen gemacht, der er ist. Güthb 44,10; das haf- 
ten an eben der gestalt. das.; nimm jelzo das haften an 
einer form, das.; wie das einseitige haften an der lechnik 
der fluch unserer gegenwärtigen musikzustäDde ist. Riebl 
eulturttudien (1959) 1.361. 

HAFTENBLEI, n. blei voraus der glaser die haßen fertigt, 
s. haft 1, d sp. 129. 

H.\FTENMACHER, m. fibularius, herumn^nder handaerker, 
der haften fertigt : unsere hochzeit wurde auf einem Jahrmarkt 
begangen, da eich allerhand landstürzer von guten bekandten 
beifanden, als pupaper, Seiltänzer, tascbenspieler, zeilungs- 
singer, haftenmacher, scheerenschleifer, spengicr, leirerinnen, 
meislerbettler, spitzbuben, und was des ehrbaren gesiodels 
mehr ist. Sini;){^ 3, 261 Kurz. 

HAFTER, m. der ßr etwas hapH, vas, Sponsor: ich will haf- 
ter davor sein, meo perieulo erit. Stieler s17. 

HAFTGELD, n. arrAa, vas tur befesligung eines geschlossenen 
Vertrags draufgegeben wird (s. haft 4, haftung und daraufgeben 
2,7631, in Baiern baftigeld Scbn. 2,161. in MiUeldeutschland 
ist für diesi vurt vielfach mehr draufgeld (2, 1347) gebräuchUeh, 
in Pommern bandgeld , bandgivt. DXhnert 173'. — baftgeld, 
haftpfennig pignus spunsionis, arrha Haltads 772; baftgeld id 
quod angelt arrAs Stieler 682; mit baftgeld verpflichten, ver- 
dingen orrore et subarrare Dastp. ; handireu vel baftgeld, mahl- 
sehatz, orrAa, arrhabo Schotiel haubtspr. 405. ei wird gereidd 
sowol bei absehluss eines kaufs an den Verkäufer, als auch beim 
mitten eines dienstboten an den letstem (Stalder 2, 9) ; auch 
beim eheveraprechen tcird der braut ein baftgeld als geschenk ge- 
geben. Tb. Biri ehespiegel (1598) 73. 

HAFTIG, adj. und adv., sdtene mundartliche nebenform su heftig 
(>. d.), die auf ein ahd. baftac eben so weist, wie heftig ou/'hafttc. 

t) die grundbedeulung beharrlicli, anhallend blickt noch in Tirol 
durch : haftig eifrig, emsig bei der arbeit Fromm. 5, 445, in Käm- 
Ihen haftik rüstig, sdinell Lexer 130 ; aus ihr entspringt die Vor- 
stellung des emslen, strengen, rauhen: haftig rigidus, severus, 
strenuus, orduus voc. ine. Iheut. hs'i und wie heftig sieh hieraus 
SU seiner jetsigen bedeulung schnell somig, aufbrausend entwickelt 
hat, so heistt auch das unumgelaulde haftik in Kdmthen böse, 
ersitrnt. Leier 130. 

2) haftig die hafl betreffend, tur gefänglichen Verwahrung ge- 
hörig, angelehnt an das fem. haft 1 («p. 131): eine baftige tat. 
Haltads 773. 

3) haftig als sweiles glied lusammengeselster adjective (leib- 
haftig, theilhaftig, wahrhaftig) ist Weiterbildung des einfachen 
haft {sp. 1321, die schon im ahd. auftaucht. 

HAtTIGKEIT, f severHas, ürenuitas. voc. ine. theut. b 8'. 

HAFTIGLICH, adv. gefdn^ich |i. oben haftig 2): aus dieser 
anzeiguDg habe man ihn haftiglich eingezogen. Prätorids 
Storchs- u. schwalb. Winterquart. 125. 

HAFTKIEMER, m. heissen die fische, deren kiemen an der 
dustern stitt festgewachten sind. 



HÄFTLEIN, n. kleiner haft oder haftet, häufiger in der form 
heftel, heftlein iblich, s. d. auf dem umstände, dost die haft- 
lein zuletst an ein kleidungsslück gesäzt werden, fustt die bai- 
rische redensart wenn die häfllein drein kommen, am Schlüsse, 
bei der beendigung, Vollendung. Scbm. 2,160. v 

HiFTLEINBlEGER, m. der haftä biegt, verfertigt, fibularius. 
Scbm. 2,161. 

HÄFTLEINMACHER , m. ßulariiis, häufiger beftclmacher; 
vi;I. aucA haftenmacber sp. 135). die mühsame kleine arbeit eines 
solchen erfordert aufmerksamkeit, daher aufmerken wie ein häft- 
leinmacher (recAl sehr). Schm. 2,161; ausschauen gegen einen 
wie ein spitzfindiger hSftleinmacher. Abele gerichlsh. l, 137. 

HÄFTLING, m. ein in haft befindlicher, gefangener, in Oest- 
reich üblich. 

HAFTLOCAL, n. gefängnis, kerktr: in dem unter dem na- 
men gelSngnistburm als haftlocal benutzten gebäude. illustr. 
teitg. 1867 no. 1277. 

HAFTMEISZEL, m. bei den büchstnmadiem ein meistel tu 
den haften am röhre, womit dasselbe an dm Schaft befestigt wird. 

AOELOKC. 

HAFTNAHME, f. gefangennehmung: zur aufklärung der Sache 
und vorläuOgen haftnabme des thäters. preust. Verordnung vom 
3. Jan. 1849, § 4. 

HAFTORT, m. ort wo jemand in haft gehalten wird. Dablmanü 
gesch. d. frani. revol. 132. 

HAFTPFENNIG, m. geldstück zur draufgabe bei eingdiung 
eines vertragt (rgJ. baftgeld): haftpfennig, gottspfennig orrAo, 
arrhae, arrhabo Maai.er 206' (gottespfennig nach dem alten 
brauche, bei ängehung eines Vertrags etwas an die kirrhe oder arme 
zu geben), beim mieten eines dienstboten: da hätte er fürs erste 
zwanzig balzen haftpfennig und dann solle er ihm zur rech- 
ten zeit kommen, um anzustehen. GoTTneLr Uli d. kneeht 124. 

HAFTUNG, f, mhd. haftunge, iiufaiid, handiung, ort des 
httftens, in mehrfachem sinne. 

1) das festbleiien, festhalten, adhaesio: mlul. da von mac si 
{die seele) sprechen mit künig Davide *da; gnot mtner un- 
vergencltcber s6lekeit lit an der haftunge der gotheit'. d. mysl. 
2,211,37, nach ps. 72,28: mihi autem adhaerere deo bonum 
est ; nhd. Christus hat gehen die haftung des beiligeo geistes 
in unsem herzen. Reiszner imu. 2, 151* (nji. habungl, tp. 96). 

2) haftung bedeutet auch das, woran etwas haftet, halter, band; 
so medizinisch: so die gebänd und haftung Ipfur.) der bär- 
mSter nachlassen. BOrr trostbilchle lo» ; die zarte und blodig- 
keit der banden und haftungen, darniit das kind {im mutter- 
leibe) angebaft und befestigt ist. 72'. im folgenden werden unter 
haftung die ausläufer der messketlc, an denen sie gehallen wird, 
verstanden: {der feldmesser) prauchet seine kette, welche er 
an einem ort (ende) der haftung oder bucklen haltet, und die 
andere haftung mit dem ring seinem gespan übergibt. Sebiz 
feldbau (1580) 474. 

3) haftung das einstehen für etwas, Verpflichtung, entsprediend 
dem verbum haften 4 {sp. 134) : in unmilglicben dingen gilt 
keine haftung, impossibilium nutla est obligatio. SnELER 817 : über 
das gewallvcrbältnis hinaus erstreckt sich die haftung des 
gewerbäherrn aus den geschäften des von ihm angestellten 
gewerbfübrers. Pucbta panä. § 278. daher auch das symM 
der übernommenen Verpflichtung, draufgeld, haftgeld: welcher 
eehalt, er sei kneeht oder inagd, sich verdingt und darumb 
die haftung einnimt und mit in den dienst gehl. Birlincer 
augd>. wb. 216'; hat erbaheo, dasz der kaufmann mich auf 
drei jähr lang {als lehrling) . . auf- und angenommen, anstatt 
der haftung von fusz auf mundiret und noch vier reicbsthaler 
zur meszkramet in beutel verehret, franz. kriegssimpl, (1683) 1, 78. 

4) haftung lirisit femer die beschlagnahme einer person oder 
Sache, gefängUclie eintiehung: berührt gut also in haftung zu 
bebalten. Carolina ort. 206 ; und wenn es in beziehung auf per- 
tonen gebraucht wird, so denkt man zugleich an den ort des ge- 
wahrsams, wie haft auch für den ort des gefängnisses gesetzt ist 
{sp. 13t): nachdem sich in kurtzverlaufen tagen ein irrang 
zusehen zweien armen mconem zum heyne in der dryeich, 
gebrudern, begeben, also das einer den andern vom leben 
zum tode bracht hat, werden wir beriebt, wie der ander inn 
swerer haftung lygen solle, ungedrucktes schreiben des kurf 
Diether von ifoint an graf Ludw. v. Isenburg von 1476; diese 
seind anno 1524 in haftung kommen. Ziiikcref apophthegm. (1653) 
3, 406. 

Eine nebenform hafteDUDg seUitsit sich eng dem ags. bäftnung 
coptintat, custodia, caftio an, rat sich an hiftnan, btftniao 



uiyiiiztJU uy 



ö" 



137 



HAETVOLLZÜC — HAG 



UAG 



138 



coftore Uhnl und an an ahd. vtrbum baflioAn neiot hafUn 
denken läal: item wera, das diebe Stelen, uad wurden die 
begriffen in dem ebegnanten gerichte, die sulde man seien 
in der vorbauten berren von Ziegenbain fryebeit {sUUe, im- 
munttiu, vergl freibeit 4, Ih. 4, 1, 112) und haftenunge. veisth. 
3,333. 

5) baftung fixio Steikbacs l, 662. es sieht für beftung, wie 
baften nuinchmal ^ beflen gesetsl mrä, ip. 135. 

HAFTVOLLZUG, m. mUsiekung der Haft, gefangennähme: der 
mangel gesetzlicher formen des baflTollzugs machte auch 
gemeinrechtlich die . . beabsicbligte Sicherung illusorisch. 
Zacbabiae Handbuch des d. strafpros. 2 (1963) 134. 

HAFTZEIT, f. die zeit der gefangenschaß: wSbrend der ball- 
zeit eines Sträflings. 

HAG, n>. and n. sepet; praedimn, urbt; dumetum. 

l. Abstammung und form. 

bag gehon {ebenso wie agi. big, heg heu als geschlagenes, ge- 
mälda) zu der deutschen »ursel bag schlagen, stosten, stechen, 
welche ein golh. zwar nicht nachgewiesenes, aber mit Sicherheit tu 
trschOestendes baggran bildete, das im altnard. bOggva sowol, 
wie im ahd. houwan, alts. bawan, ags. be&van widerkehrt, nur 
dasi die IHzIeren dialecte die «ntrzelhafle gulluralis auswarfen, 
«uvon weiteres unter hauen, von der uralten deutschen sitle her, 
sein gehüß und liegendes etgetOkum nm seinem nachbar absu- 
schHeszen {ladt. Germ. 16) und von dem umstände, diese um- 
friedigung durch gekapptes buschholz oder stangeiiholi herzuäellen, 
wird die nächste bedeutung ton hag herzxUeiten sein, die aus ge- 
Kldagenim holte hergestellte umfriedigung, saun; heistt bag eigent- 
HchU der schlag, Ae Handlung des schlagens (eine bedeutung die 
das Wort noch jäst im Nassauischen Hai, KeuiEiif nachtrag 21), 
M erfolgte der Übergang in den sinn Schlagholz, geschlagenes holz 
ebenso, wie uns s. b. der weidenscblag einen bestand gekappter 
meiden bezeichnet. — Die unten utUer 2 — 4 vnler aufgezählten 
bedeutungen des worles hag lassen sich ungezwungen als erweite- 
rungen der angegebenen nächsten auffassen. 

Von bag ist von anfang an der form nach geschieden das 
veüer unten folgende bagen dornstrauch, das doch auf dieselbe 
Wurzel zurückfahrt und sich in seinen bedeutungen mehrfach mit 
bag mischt; während bei dem letzteren die bedeutung der würzet 
in mehr passivem sinne zu tage trat, gewährt die ableüung bag-en 
den activen sinn des siechenden, verletzenden, wie haften der um- 
fassende, haltende, wag-en der führende ist. 

Das geschlecht von hag schwankt zwischen mase. und neulr., 
belege schon für das ahd. gebrechen ; für das mhd. ist die Schwan- 
kung bereits sehr gewöhnlich (m/ii/. icb. l, 605); das nhd. verdankt 
ihr den doppelten plural häge und hSger: was man rAlet ftsier 
den begeo. weiäh. 1,165; Aszernd den hegern. das.; 

steh aur du fauler jigerl 

dis aoDoe scbeint Ober die hager. 

Volkslied 'es gieng em Jäger jagen'. 

n. Bedeutung. 

1) der zäun, wie er um garten, feld oder grundstäck zur ab- 
grenzung des eigenihums gezogen ist; im bairischen ist es mehr 
die leichte einfriedigung von Stangen, und dem dichtern, festern 
saun, sowie der hecke entgegengesetzt. Senn. 2, 162; in andern 
gegenden versehwindet dieser unterschied, in dem grüszten theile 
mtleldeulschlands ist das wort überhaupl nicht volksmäszig, wo 
dann das Aner würzet entsprossene becke (i. d.) den sinn von 
bog vielfach mit ausdrückt; in Kederdeutschland ist hag wenii; 
üblich, dafür lieber hagen. 

mhd. ein boumgart umbe d«t hüa lie, 

den beOidet ein veslei bac. WIgalois 22, 9 ; 

ich sage iu dai dar umbe {um den boumgarte) 

mAre noch grabe gie, 

noch In dehein idn umbe jie, 

weder wa{(er noch bac. Erec 8706; 

nhd. der hag oder zäun, sepes, seps, sepimentum Maaler 206' ; 
gelende, zäun, hag, \eiavaA, sepes, lutamentum, maceria HENiscn 
1467; daher ist auch die gemein kriegsregel, das es besser 
sei, sein pferd an des nacbbsurn zäun binden zu grasen, 
als des necbslen gaul an seim hag grasen lassen. Garg. in' ; 
den kucbengarten . ., welcher jenseit seines lebendigen bages 
begreif die rebengezelt. M. Sebiz feldbau 2 ; springt . . Ober 
den hag deifi bollz z8. Wicksam roUic. 182, 13 Kurz; warfen 
es {das gam) .. hinter die bllge. Pestalozzi (1919) 3,60; 
merk tugenl plDt al in der not, 
als in dem liag di röale rot. ScawASZKNBBsa 120': 
als von des garteos engem bag umschlossen, 
Ich selbsigestte bäume selber pfropfle. GOtvi 9, 306; 



ob prang im beet mit tausend goldncn Scheiben (apridii 

äie tjffütJte rose xur hngerose), 
was scbilUI da? bleib an deinem dorngen hage. 

Platik 2«. 

2) au« der vorigen bedeutung flieszen nun zwei verengte tedinisdu. 

a) bag wird die einfriedigung genannt, die um einen ort zum 
schütze und zur vertheidigung desselben aufgeführt ist und zwar 
die aus hols- oder heckenwerk gefertigte, pallixadendlmliche , im 
gegensalze tum erdwall oder zur Steinmauer, die befestigung eines 
orles auf diese weise ist eine uralte einheimisclie, nach der Sochsen- 
dtronik ist Bebbanburg in England, ein fester platt, rrost mid 
begge betjned and ^cr äfter mit vealle. z. j. 547. eine solche 
verschanzung wird livländ. dtron. 3970 ff. geschildert, von ihr 
heiszt et: 

si (die airitien) ennolden nicht gevristen, 
sl enhiuwen den bac eniwei. 39!t3i 
der meisler mit nsten quam 
durch den hac bl dat mer. 4065. 

doch waren- sie verhaget, das die ROmer über etlich bag und 
holz steigen müssteo, dovon die feind erwachten. Livius von 
ScuCrrEiiLiN 71. 

Die redensart vom bag abziehen, spiesz abhag abziehen, «n- 
verrichteter suche ron etwas abstehen müssen, wird unter abhag 
1, 53 von dem aufgeben der belagerung eines befestigten orles seitens 
der feinde hergeleitet, giciciniiol Idszt sie auch eine andere deutung 
zu, die, dasz die redensart an die bettler anknüpß, denen nach 
altdeutschem brauche die gäbe nicid im hause, sondern über den 
zäun Hinweg gereicht wurde, vgl. ergattern 3, 846 ; wer nichts er- 
Mett soj; vom hag ab oder mit leeren binden vor dem hage 
ab: es ist aber solche klag so heilosz gleich ersten anblicks 
befunden worden, dasz man ibidem bisz uff diese stundt 
solche nicht erhallen können, sondern mit läbren bänden für 
dem bag abziehen müssen. WEniHEiii gegenbericht 258. die 
redensart gilt auch von dem, der sich heimluh von donnen mactit : 

wo bleiben meine gseilen, die ich sehr gtiebei hab? 
vor gricbt musi ich mich stellen, sie tiehen lein s bag ab. 
'* MiiLui odtteiun 327; 

andere belege bei Schmeuer 2,163. 

Folgendes Sprichwort lehnt sich dagegen wol ächte an die 6e- 
de«<un$ 2, a an : man musz umb den hag umbber ziehen, 
sich wol beginnen, ehe man eine schwere sache angreift. 
Lehiann 72. 

b) in der Jägersprache ist bag ein saun oder verschlag um ein 
stück waU, worin das wild gehe^ wird : die teulscben brauchen 
in dem gejSgt der wilden Schweinen etliche sonderbare jage- 
rische wort, als man macht ein hag, bindt seiler an, stell 
garn und weertUcher. jag- u. weidwerksbuch l, 5s'; ob dann 
wol gelegener, es auch weniger garn und leut erheischt, lange 
hager mit vilen tbilren z3 machen, so wird doch . . ein 
meiersvogt nit unterslebn, unbefSgter weisz . . durch macbung 
der hager eines anderen wald zä verwüsten und zu verbauen. 
Sebiz feldb. 561; 

es haben durch den teug sich auch vil scbweln geschlagen, 
dieselben man verfalgl und ausserhalb den bagen 
gefangen hall, dass uicbis gar viel enlkommen Ist. 

Orii und Cobh 279, 88. 

3) hag gehl nun auch über aus der bedeutung des umaehen- 
den geheges auf den umzogenen ort selbst, mag er nun ein ein- 
ziges gebdude, ein landgul , ein ganzer ort sein; nur bezeichnet 
hag nie den eigetUUchen herrensitz, das haupigul und den wohn- 
platz des besitzers eines terrains, welcher silz vielmehr stets bof, 
sal, alts. seil heiszt. ahd. urbs hac Hattekeb 1, 218'; in der 
grafschaß Schaumburg führen sieben dürfer den namen die sieben 
freien hagen oder die sieben freien hager, weisth. 3,307. als 
Ortseigenname kommt bag theils einfach vor, theils als zweites 
glied von compositen (FORSTEüAifR 2, 626), sicAer in letzlerer Stel- 
lung nur da, wo solche orlsnamen entweder den nom. -bag oder 
den dat. sg. -hage, oder endlich den nom. ace. plur. -bago zeigen, 
während die form -hagon, -bagen ebemowol hierher gehöriger dat 
plur. (wie in -hAsen, -bausen, -felden) sein, als auch zu bagen 
(s. d.) gehören kann. — Auch der umzäunte Weideplatz für rinder 
und schafe hiest h.ig, trie allnord. bagi; daArr der «ame jetzt 
auf die stallung für das rindvieh übertragen ist: das sogenannte 
haag, d. i. die einstöckige gemauerte slallung filr 60 stUck 
rindvieh. Augsb. allg. zeug. 1860 no. 171, beiL s. 2858. 

4) sehr häufig ist bag in der bedeutung busdi, laubiges geilrauch 
gesetzt, es drückt wie busob (2, 557) bald den einzelnen Strauch 
{dumus bag Dieferb. 192'|, bald das zusammenstehende gebüsch 
aus, wie et ein gehegt, gehölz bildet, so dasz hag int gegensatze 

>\e 



139 



HAG 



IM wald mehr tbe waldige strecke beinchnet, m der das vnlerholz 
mrhersdtt, obsehon es M einielnen fällen fast gam an den be- 
griff wald Tährl. in der AUmark ist bagg dos kleine dichte ye- 
bütch und unregelmästig gevachsenes gestrüpp. Üanneil 73'; 

mliä. ii sich diu nabi vereodet uod e; begunde lagen, 
lliraal begunde aingeD, da; AA lii in den hageo 
geswigeo alle vögele von sinem sue^ea sänge. Gudr. 379; 

der rise mit de» aste 

treib in harle vaste 

hinder sich in ein dicke[ hac, 

da; da uilieu bi im lac. Wigaloi» 58, 21 ; 

da: gevilde alle; volle; lac (van «idlen) 

sam ob ein raste langer hac 

wier ii nidere gevalt. Dietriciu flucht 8!)I2 ilarlin; 

nhd. so verblieben doch in dieser gegend alle bage mit un- 
wandelbarer grüne bekleidet. Staooaciier Genovefa 34; 

ein stat die lit in Öchtland 

sä vorderst an dem hag. 

Friburg so ist sis genant. LiUKiicaaN tqtksl. 2, C9, 3 ; 

da liir der hirsch, kalb und die bind 

mit nauder durch ein hag geschwind. 

WicMA« bilger F bl. 17; 

in dem kamen sie lA dem bag 

da Truiprechts gell verborgen lag. T2 bl.'O; 

Trulprecht halt uns auT disen lag 

gefürl durch manchen wilden hag. das.; 

ich hab errahro auf disen tag 

dasi Woirdieterich in disem nag 

birschen lu jagen willens sei. 

AiaiR 215' (1073, tO Keller); 

leben, o freude! • 

wie lachet die beide, 

der anger und hagl Fa. HÖLISI 2, 387; 

auf denn, wenn im grünen hage 

neu ihr bett A«don baut. Böac» 4*; 

den hag. wo nachbars Lotte 

>ur veilchenleso kam. MAnBissox geä. (1784) 1. 19; 

das kind spricht morgeu ist feieriag, 

«ie will ich spielen im grünen hagl 

G. Schwab 'dus geteittet' ; 

grün ist das Feld, belaubt der bag. 

UorraiiiN v. FiLLaasLiBin ged. (1813) 124. 

Um bürgen und Schlösser liegen solche bage, parkartige gepflegte 
striche, pgl. mhd. tri>. 1, 605': eines tags gieog des keisers 
tucbter für den hag, in dem summer, mit viel schonen jung- 
frawen durch kurzneil, und wollen die blumen und den 
grünen kle scbawen. Lutheii C, 50i': 

mein lieb, das ligt »11 in dem hag, 
das hell ich geren herein (in die bürg). 

Ildizlerin $. 11*, 75; 
sl hielten beinander in ainem hag, 
niemand ward ir gewar, 
bis dasz si sahen dasselbig schlosz, 
si lieszen sich doch nicht gar daran, 
•1 Spanten auf Ire gcschosi. Uhlakd rottsl. 349 ; 

Knd hab das kind gnomraen darnach, 
abs nunler (con drr burg) gelassen in den hag. 

AiaiB 198* (98U, 25 Keller); 
nun löse vom lügel dein schnelles rost. 
uod last es ttei laufen im hasg am scblosi. 

Abudt geil. (1840) 289. 

5) von der millelallerliclten spräche tcird 'hac $ern bildlich in 
beziig auf einen gcbraudit, der von eticas gam eingenommen, ge- 
«issermasten irie von einem dichten gdiege eingeengt ist: 

sweu si verhaget der wehe hac, 
der rihtet küme sich von ir 
und von ir giiecllchen gir. Bartaam 138, 22 ; 
unt bit vOr uns den sae;en, 
■ du; wir im dienen mQe;en, 
da; er uns bringe d; der verworren Sünde hage. 
FtADinLOB 327, 9. 

das kling! auch in j&ngem denkmälern noch nach: 

in l«id und klag wil ich mein lag 

in unmus hag mit seufteo stets volbringen. 

jtin5ras. liederb. 182, 14, 
innerhalb des hagts der mUisal. 

6) sprichaürlliches: räum den hag, fall den mag (der end- 
lich nach teriehrtem gut dasselbe räumen musz). Keisebsberg bei 
Ftisch 1,394'; gut leben und gesunde tag stehen nimmer in 
einem hag. Schottel haubtspr. 1120'; der bag hat ein loch, 
die b3g sireiren viel ab. Ober die kleinen bäg kann man 
leicht steigen. KmcHOOFEii schwelt. spriehcOrIcr s. 309 ; sieb vor 
den hag hinaus wursten , durcA liederliche icirthschaft sich um 
sein 9ii< bringen: gab (wenn) ein jähr um wäre, liätle er sich 
vor den bag binau^gewurslet. J. GuTTnetr sckuldenb. II3 ; einen 
hinterm hag finden, als ohdachkrcn, in Mitlcldeulschland dafür 



HAGAMSEL — HACbUTTDORN 140 

einen hinterm zäune auftesen : haben sie dich schon wieder 
gefanden hinter einem hagT {fragt ein bauer). i. Gotthelt 
bilder u. sagen 4,120; weil es aber doch jetzt so sei, so 
müsse er in gottes namen sagen, wo der ige! Im hag liege 
(iro der wahre grund verborgen sei). Pestalozzi (1819) 2, 270 
abbag ziehen, spiesz ab hag ziehen, vgl. oben 2, a. 

HAGAMSEL, f. merula alpina. Nemnicb. 

HAGAPFEL, m.arbulum, sons< meerkirscbe jenannt. Diefen< 
BACB 45*. 

HAGAPFELBADM, m. arbulus, erdbeerbaum, meerkirschen- 
baam; nnl. baagappelboom. Nehnich 1, 411. Fbiscbliii notnenet. 
83', daselbst auch ein daraus gebildetes adjeäii arbuteus hsg- 
apfelbäumig. 

HAGAPFELDOBN, m.: und durch krönen willen hat der 
hagapreldorn vil grosze kraft, wer en über em Ireyt, dem 
enmag noch donner noch blitzen noch nngewitter geschaden 
noch keine böse vergilt mag bliben in dem husche, do der 
hageppeldom inne ist. Montavilles reise von DiEüERinGKii , bei 
Jacobs u. Uekert beitrage 1,425. 

HAGART, m. eine wilde fatkeuart. Friscb 1, 394*. s. hagerfalk. 

HAGE, in. s. hage 

HAGE, f. Schlägel, in salssiedereien tum abklopfen der salt- 
pfannen gebrauehl. Jacobsson 2, 187'. in Oberdeulschland mit 
erweichter gutturalis heie hölzerner hammer. Scbiiid schwäb. wb. 289. 

HAGE, f. in Ostfriesland leichter, aber dach tchwarter torf. 
Jacobsson 6, 7'. v$<. bagetorf. 

HAGEBUCHE, HAGENBUCHE, f. carpinus betuks, die weist- 
buche, die als junger stamm vortäglich für die hecke angepflanil 
wird, weil sie das kappen besonders gut verträgt, die namen hage- 
buche, bagbucbe und bagenbuche gehen neben einander, Idt- 
terer enthält das mit hag dem begriffe nach oß identische hagen 
gesträueh, laun, heckt {s. d.); die form bagenbuche erweicht sieh 
vielfach lu bainbuche , hanbuche, hambuche. NEMNicn 2, 895. 
o/id. bagenbficha car;peniu Germania 9, 21 ; mhd. hagbuoche 
und bagenbuocbc. wb. 1,280; caprtiius sriior bagebucken DiE- 
FERBACHOS'; bagenbuch orniu, carpens voe. ine. theul. b8*; 
die zu Aulhausen wonen , haben macht im forst dörr und 
liegend holz und banbuchen zu hauwen. weisth. 1, 538 ; hage- 
buche sive bainbuche omtis Stieier 257. 

HAGEBOCHEN, HAGENBÜCHEN, adj. tu dem vorigen: 
mhd. er (ein tallel) was guot hagenbüecbln. Erec 7501 ; 
lanc, breit ist ir swinge 
und ist hagenbüechin. Uaufi 12,387; 

ein banbuchen knebel. treislA. 2,30; frair. bagebuechen. Sein. 
2, 163. in subslantivem gebrauche, wo es für bagebucbenholz sield: 

bir bring ik di huEarbeit, du frostige Peter, 
schuppen un lüpel un slew in warmer dönso to klütern 
maser un schier {glättet) haböiken un spillbom. 

Voss läylU 'de winlerabenä'. 

Figürlidi heistt hagebüchen handfest, derb, knorrig, grob, her- 
genommen ton dem knorrigen «ucitse der hagebuche: es ist ein 
bagebOchner kerl! du bist ein bagebOchenes gewSchs. Auer- 
bach barfüstele 60; dann aiicA sieif, schwer tu bewegen: mein 
köpf war so hagebUchen. frant. kriegssimplic. I, 12. — In 
Hessen kannte man bagebücbene gülden, solclie von geringerem 
werte als geicühnliche. Viliiar idiol. 143. s. hainbücben. 

HAGEBÜCHENZAÜN, m.: 

dort, beim hagebiichenzauoe, 

reitet man Im starken pass. Gottib I, 55. 

HAGEBDSCH, HAGENBUSCH, m. busch von heckenholi oder 
hagedorn: ein hagenbusch, oder ein TeuerOam oder ein wölken. 
bienenk. 144'; 

ist es waodel einer dfislern trauer, 
' was am sumpf dem hagebusch enirauscbt? TitMi. 

HAGEBUTTE, HAGENBÜTTE, f. die butle (2, 580), frucht, 
der hagerose: hagebulte, babulte rornum Diefenb. 152'; nnd 
waren die (haisketten) gleich wie hagenbutten, jacobsmuschela 
und perlemutter geformiret. Garg. 119' ; ir seit nit einer bagen- 
pullcn wert, wann euch ist das hertz entfallen. Aimon bog. Z I. 
von der hagebulte das volksrdlsel: es steht ebbes am weg, hat 
ein rotb rfickelchen an und ein schwarz bOtchen auf. Kehreik 
A'ossau 2,107. vgL hagebulz, hahobutte, hainRutte. — Der 
name geht auch auf den Strauch selbst über: rubus eamnus eic 
hagenbutle, hagendom Dasvp. 

HAGEBUTTDORN, m. rosa canina: 

ich lauschte mit Mollv tief iwischen dem.kom, 
umdunct von blfthemiem hngebuiidorn. IISbob 58'. 



uiyiiiztJU uy 



ö^' 



141 



HAGEBUTZ— HAGEL 



IFAGEL 



142 



HAGEBUTZ, HAGENBUTZ, m. andere form für das oben aii- 
geßbrle bagebude, mit männlichtm geaehkehl und rücksicIilUcli 
des dentals mit streng oberdeutschem klang, vgl. bulze 3, th. •!, 
&00: comum hagenputz, hagebutze DiercNB. 151*; baccae cy- 
nosbati hagebalzen, bahnbutten, hiefen 120'; 

wir taugen nicbia gesotten, roh >ind wir auch kein niitj, 
90 sind wir werlh gebraten nicht einen liagenliult. 

Opil und CoHD 4i6, 20. 

tm sehiceiserisehen als fem. hagbutze , hagebutze Stalder 2, 0. 
HAGEDORN, HAGDOHN, HAGENDORN, m. 1) Crataegus 
oryacantha, tceiszdom, clirisldorn, der dornstrauch, der vortäg- 
lieh lur hcckenanlage vencendä wird, ags. bag|)orn, aUn. hag|iorn, 
mhd. bagdorn und hagendora: 

diu iilelte und der hagedom 

diu tuont giehen liuten >orn. Vridank 119, 13; 

e[ Stichel gern der hagedorn. 

Laszbus lieifertaat 2, 605, 4 ; 
uir irm heubt ein liranu 
von gr&enem hagdorn lag. AUtteert 167, 27. 

acer eio hagendorn voe. ex quo von 1469; raminus hagendora 
das.; hagedom arbtäus Stieleb726; wälirend dieser begeben- 
heiten sasz der alte baren . . in einem krausen und durch- 
einander gewirrten buscbe von bagcdorneo, eschen und birken. 
ImeaiAKH Münchh. 3,113; 

sieh, wie am blauen see 
die hagedorne blühen. I. M. Hilui ged. 361; 
aber ich brachte ihm essen und lauerte hinter dem hagdorn. 
Voss Idylle 'die kirschenpßückerin' ; 
schwere stein' anschleppend, die rings er bepflanite mit hagdorn. 

Odyssee 14, IV. 

Ist hier überall der ganze Strauch gemeint, so heisit hagedorn 
doch auch eine einzelne gerle, stamm oder zuieig eines solclien 
Strauches: der den hagendorn wil ziehen dur daj heu sonder 
halte, der muo; in gar besnidcn, als unser b£rre J£sus 
Kristus , der niinne boum , der den hagendorn vor gezogen 
hll dur da; heu dirre kranken weit und hat sine esle . .' 
besnilen. d. mystiker 2, 634, 27; trat sie . . in einen liagen- 
domen von einer wellen. Frey garteng. 50. 

2) von andern wird rosa canina, die hundsrose, wilde rose 
unter hagedorn verslanden, vgl. Nehnich 4, 1168; iynosbatus 
hagdorn Diefehb. 120'. s. hagerose, hundsrose, bundsdorn. 

3) endlich heisit auch Uguslrum vulgare, das heckholz, der heek- 
oaum, hagedorn: üsz den rinden des bagdoms, derdaswartze 
ber Irütt, dar^s man dinlen macht. Heinr. Hinsingeb v. d. 
falkm s. 83. 

4) der nhd. eigenname Hagedorn ü< mhd. vorhanden als spolt- 
und schdlname, bei Br. Bebthold «cirii ein leufel so genannt: 
du heilest nicb den tiuveln unde bist halt nAch in genen- 
nel. du bei;est Lasterbalc: so lieiset dtn geselle Schandolf. 
so hcijet der Hagedorn, sA beijet der Hellcflwer, s6 licijet 
der Hagelslein, also hUislu maoigen lasterbieren als dtn ge- 
sellen, die liuvelc, die aptriinnec eint. 156, l. 

HAGEDOKNHECKE, f.: were es aber sach, dasz sie der 
wein Obcrneme , dasz sie verlilren irc scliwert oder sporen, 
so soll der belmburg gtn an eine liagenibornhecke und soll 
einen sporen machen, und an eine baselhcckc und ein schwort 
machen, und soll sie damit gott befehlen, weislh. 1, 759. 

HAGEDRDSE, s. hegedriise. 

HAGEICHE, f aesculus Frisch 1,394'; aesculus bageich, bat 
grosser eichein und blätter als andere. Friscuun nom. 82'; 
bei Stieier 362 ist das die baseleicbe , aesculus latifolia, und 
hageicbe t<f ihm jMcA Steineiche, ro6ur; ebenso Mkulbk: hag- 
eich, das aller hertist geschlacbt der eichen, robur 207*. 

HAGEICHEN, adj. tu dem vorigen: aesculcus FRtscn; hag- 
eicben bolzwerk oder ghülz, robusta materies MtALEB207'. 

HAGEICHEL, f glans roborea. Stieler 363 

HAGEICHIG, adj. aesculeus. Friscrlin nom. 82*. 

HAGEL, m. grando. ahd. Iiagal, ags. hagol, altn. bagall, 
altengl. baggle. inAd. mnd. nnl. schved. hagel, din, bagl, engl. 
bail. golh., alts. und allfries. nicht bezeug, die ursprungliche 
genaue bedeutung des Wortes festzustellen fällt nicht schwer, hagel 
ist ton jener oben unter hag angeßhrten deutschen würzet bog 
schlagen, sloszen, siechen {vgl, auch bauen) ebenso gebildet wie 
ahd. hnolal hütender, hüler von huolan, wie goumal wirter von 
gouman besorgen, oder wie nagel als durchbohrender von ahd. 
nagan corrodere, dUaeerare. der hagel ist demnach der schla- 
gende, versehrende; dieser bedeutung entsprechend wird von hagel 
«oirol wie von donner und weiter gesagt, dofz sie schlagen, und 



weifer, was in seiner älleslen und eigenllichen bedeutung den hagel 
mit in sich scliliesst, insofern es ungewitter im allgemeiusten sinne, 
das sich nach uralter attschauung als blitz, donner und hagel 
manifesHerl, bezeielinet, geht eienso auf die Vorstellung des schla- 
gens zurück (Delbrück bei Kulm 16, 266 /f.); wer do sicher und 
on schaden syner seien wil wandlen durch den zerschlagen- 
den hagel. Keisersbebg bilg. 59'; 

se dem wil ich mich sieben 

und Koihen bO fliehen 

den da; flur unde der hagel siebt, arm. Neinr. 791 , 
vergl. tat. non verberatae grandine vineae. Borat. Od. 3, 1, 2», 
s. unten no. 2 und hagelschlag; nicht minder heisst der hagel 
scharf, schneidend: 

sin wolkenlAset lachen bringet scharpfen hagel. 
Waltuu 29, 13. 

hagel betäehnel 

1) die vom lummel herabfallenden eiskömer, und zwar unter- 
scheidet man gewöhnlidi den bagel roi» den graupen, jener be- 
zeichnet die grOszem harten eisstücken, diese die Meinen graupen- 
ähnlichtn, im Innern wachen, wie sie tid öfter als jener hagel fal- 
len; andere nehmen hagel, achloszen, graupen glächbedeulend: 
graupen, ein bagel, schloszen, granula, species grandinis Henisch 
1735. im bm. spraehgdnete , wo bagel ein ungewOhnSches wort 
isl, Irilt dafür meist schauer ein (Sch«. 3, 386. Leier 215), aucA 
risel (ScBH. 3, 133), welches worl in der Schweiz nur den kleinen 
hagel, die in Mitteldeutsehland sogenannten graupen bezeichnet 
(Stauer 2, 275). ' 

In der regel ist bagel ein coUecttvum, seine einzelnen stücke 
heiszen bagelkcrner, hagelsteine oder schloszen: 

Jene gewaltigen wetterbiche, 

aus des liagels unendlichen schlössen, 

aus den wollieobrüchen lusammen geflossen. 

ScuiLLia braut von Messina. 

doch ist auch der plur, hagel f&r die einzelnen hagelstäcke, wie- 
wol selten, verwendet: und werden grosze hagel kommen, die 
es feilen. Hes. 13,11; die schrift nennet die hagel und blitzen 
goltes pfeil und Speere. Lutbeb 3, 257'. 

hagel, donner, blitz erseheinen häufig zusammen genannt: 
der christliche bilger der do sicberlicben wandeln wil durch 
das ungewitter, hagel ', donder , sehne und blix. Keisersbebg 
bilg. 58'; und da der hagel oder dünner vergieng. sünd. d. m. 
33'; und der donner und hagel borelen auf. 2 Mos. 9,33; 
das der regen und donner und bagel aufhöret, v. 34; tren- 
nelen sich die wölken mit hagel und blilzen. p>. 18,13; bei 
donner und hagel, oder wenn die nacht einfällt, arm. mann 
im Tockenb. 24. — Der bagel ßlll, regnet herab, fliegt, schlagt, 
prasselt, es schneit hagä : so der hagel auf sie feilet. 2 Mos. 
9,19; also lies der herr bagel regen uberEgypIenland. v.23; 
und der bagel schlug in ganz Egyptenland alles was auf dem 
fclde war. v. 25 ; 

wie donner und bagel her prasselt. 

RoLLBKUACKK froschm. Bbbiiij; 
wie wenn es hagel schneit. Gödtubr 509; 
wie wenn der schneo aus wölken daherfliegt, oder der hagol, 
kalt und geschnellt vom stosie des hellaiiwehenden nordwinds. 

Voss II. 15, 170; 
als jelit, ihr herm, da ich zum sprung just aushol, 
mir eine bandvoll grobgekörnten sandes . . . 
wie hagel stiebend in die äugen fliegt. 

Klsist terhroch. krug, 7. anflr. 
Es ist eine uralle deutsdie reditsgewohnheit, dem zinspflichtigen 
zinserlasz zu gewähren, wenn er auf seinem felde durch nicht 
absuwehrende ereignisse schaden erleidet: zwei solcher ireignisse 
rorzitglich sind allgemein gesetzlich angenommen, hagelsdiaden und 
Verwüstung durch krieg, und werden durch die allitterierende for- 
mel hagel und beer oiui^rfriialrl .- sol den berren weder ber 
noch hagel an Iren zinsen nil schaden denne nach landes 
gewnnbeil. treislA. 4, 11; hagel und her. Haltaus 778; her 
nnde bail. Kehrein Nassau 1,194. 

Zauberer verslanden hagel zu machen : Schwarzkünstler und 
Zauberer können durch des teufeis gewalt underwiesen, wei- 
ter machen, regen, donner, hagel und schauer, und andere 
dergleichen ding, die sich in dem luft und element zutragen, 
fflrbringen. Vogel von bekannlnusz der zauberer u. hexen (1590) 
29'; es geschah das durch kochen von sauberkriutem in einem 
kessel oder topfe,, worüber mythol. lOlO ff. ausführlich gehandelt 
iM. einer ruft im some: 

k6nt ich jeu ain hagel kochen, 
leb liesi es doch nicht ongerochen. 

FiscHtuT fllhhalt 781. 
vgl. hagelkocherin, bagelsieder, aucA hagelbacber. 



Digitized by 



Google 



143 



HAGEL 



HAGEL 



144 



Sfndt»Mlulie$: ebenso uantitz als der hagel in einem glaa- 
kram. baurenit. latlerfr. lg ; der bagel hat geschlagen, der fckad» 
ifl getehdim, et iä aus mU einem (ünge: da wurde ich aller- 
erst gewahr, dasz der bagel geschlagen und die betrugerin 
betrogen worden wtre. Simpl. 3,61 Kmt; der hagel bat da- 
rein geschlagen, iueidU amoti no$tn ealamiuu. Maaler 201'; 

was ich in der jugendt triben han (luimlick butilerei), 

da» selb nocli io mir regen Ihuot. 

danuo wer mir das liertz noch euot, 

bat suDst der hagei nit drin gscniagen. failH. ep. 1049, 29. 

einen schlagt der hagel her, er kommt plöltlUk, überratclu 
andere uie ein hagtltcetler : oho, du kerl, schlagt dich der hagel 
auch her? ich habe vermeint, dich zu meiner heimliunn bei 
dem Olivier in unsrer höllischen wohnang anzutrcGTcn. Simpl. 
2, 10 Kuri; guter . . die sonst ihnen erblich zugerallen wären, 
wann mich , wie sie sagten , der hagel nicht hingeschlagen 
hatte. 3, 120. kommen nie der hagel in die stoppeln, tu tpät 
und vergebent, menn kein schaden mehr aniuriiMen ist: ich 
merke beiläufig, du seiest die alte Courage, du wirst zwar 
wohl kommen, wie der bagel in die stoppeln, aber gleich- 
nol schiere dich herunter (steige ab), damit wir hOren mCgen, 
was du guts neues anzubringen hast. Simpl. 3 (1699) <. 143. 

2) hagel, blitz, donner sind manifestaHanen der gemUergoU- 
heil, des Donar, daher erscheinen diese ausdrücke oß in persön- 
licher geltung und sind an stelle des gotles selbst genannt {vgl. 
blitz 2,130; donner 2,1240. 1241): mit dem gab er seinem 
pferdt die sporn und rant als greulichen , - das es erschein 
als ob ine der hagel jagt. Aimon bog. Kiiii, tonst kässt es als 
ob ihn der bcse jagt, der teuTel reitet, besondert bei ßädien 
und vervünsthungen , der fluch iä ja eine anrufung der gotlheit 
um böset: 

der hagel schlag den argen kneohtl 

FuscuLin deulsdtt dicht. 45; 

so schlag ihm der bagel ins maul, weils der alte scheusser 
nicht bat halten können! Simpl. 3, 121 JSlwi; so musz der 
hagel in die grOsten häufen schlagen! 210; dasz dir der 
hagel ins loch schlag! 322. mit unterdritektem verbum: dasz 
der hagel ! schenk ein. Fa. HOLLEa 1, 114 ; dasz dich alle 
hagel! 's madcl musz sie kennen. Schillek 183; das blastt 
ab tu einem btoszea ausruf bei etwas begegnendem, mag es freu- 
dig oder schmerzend sein : alle hagel ! d* geht er zu Lieschen. 
KoTZEBDE dram. spiele 2, 209 ; alle hagel ! das ist eine ver- 
fluchte proposition. 32S; {der schiuider sieht das masi nach): 
ja wahrhaftig, deine länge, (er umspannt sie) ei alle hagel! 
auch deine dicke ! 2, 192 ; der zurOckgeschreckle praiendenl 
gerietb in eine art von wuth. alle hagel! schrie er. Iiiiier- 
NANN Mänchh. 3, 148 ; potz hagel ! wenn ich noch so jung 
wire .. wie du! arm. mann im Tockenb. 18; 

(II der bagel ! welche tprOnge 
Ihai mein leuinani und husar! 

Voss fdylle 'die bleicherin' ; 
hagel 1 Idi selbst wol mOchle das wlllkommatinichen mit ansehn I 

dert. 'die leibeignen' i 
pou bagel I was erblickt ich da I 

Bluiausk 2, 32 {Aeneit 2. budi). 

ferner: hagel und weiter! ich würde das auszerste versuchen. 
ScuiLLEi 113 ; blitz, donner und hagel ! seid still, das.; blitz, 
donner, hagel und weiter! 119; blitz und hagel! KonEBos 
dram. tp. 2,259; donner, bagel, blitz und bleu all mein gell 
ist schier verzehrt, tchaub. engl. u. fr. com. 569; aus seinen 
reden merkte man, dasz seine innern theile nicht feiner 
waren, blitz, donner, hagel, strahl, dann bei gott, teufel und 
hexen, alles untereinander, beim zweiten wort, orine mann 
(m Totkenb. 258; 

wolkeobrucb und hageil GStbi 1, 113; 
auch in der tusammenseltung donncrhagel, s' donner 6, Ih. 2, 
1240 und donoerhagelsaas 1244. 

Jfan sagt daher einem alle hagel an den hals fluchen, den 
bagel an den hals wünschen ; wenn wir im gleich ain hagel 
schwören und uns all zii lod sfindigeten, so bleibt er gleich 
wol got, der er ist, und ist die sünd allein wider uns, und 
aigentlich nicht wider got. S. Frank paradoxa 6', no. 9. 

3) trenn so hagel ein häufiger fluch ist, so erlangt das wort 
auch die bedeutung ton fluch, schelte, Verwünschung Oberhaupt: 
wann einer was weniges Dbersibel, da gehet man mit hagel 
hinter ihm weidlich drein. Butschst kaml.iOS; dies war der 
erste bagel wider mich bei dem haaptniann, dasz es ihm 
nicht geben wollte, wie er ohne zweifei geholTel. ScawEmicREii 
3, 41. vgl. das verbum hageln 2, a. 



4) hagei oüdUeh für verderben, unjiiici: 

dd hAne ich man unde wip 
jehen dlrre msre, 
das ein rise waere 
bagei al der lande. BUerotf 648t ; 
Woirdieterich der freche ward der beiden bagel. 

d. grosse Wolfdietr&h 1052, 1 ; 
owS dir tdll du bist ein hagel. 
vU biller riuwe treit din lagel 
und jaemerliche{ ende. Wigatois 200, 6. 

dahinter steht gleichwol noch der verdunkelte persinUche begriff, 
wie oben no. 2, und bei donner 1 (2, 1241), wie aus folgendem 
deutlich hervorgeht: l'homme n'a point de plus grand enoemy 
que l'homme, ein mensch ist des andern wolf, ja teufel oder 
bagel. OfiEZ diverses proverbes franf. et aUem. (1619) t. 20, wo 
hagel dem teufel gkicIiqestelU wird, im bairitchen hochlande itt 
haggl eine schelte, wie teufclskerl, verfluchter kerl, in der Schweit 
in abgeblastterm sinne bagel grobian. Staloeb 2, 10. die tu- 
sammensettungen bagelskerl, hagelsmenscb stammen ebenfalls 
aus dieser ansdiauung, gleidiwerlig sind teufelskerl, teufels- 
mensch, vgl. auch donnerkerl, blitzkerl, wetlerkerl, die unter 
kerl (5, 588) in etwas anderer weiu aufgefastt werden. — /n 
solchen Substantiven gibt nachher das erste composUionsgfied den 
begriff des hertorragendeh, aber in dämonischer oder verderbliehcr 
weise hervorragenden her, ihnen etdsprechen adjective ähnlicher 
geltung wie hageldumm, hagelmäszig, vielleicht auch hageldick, 
welches lettlere auch anders gedeutet werden kann [s. unten no. 6 
und hageldicht) ; in den Substantiven bagelsmeile , bagelswerk 
tritt abgiblassier nur der begriff des bösen , beschwerlichen hervor. 

5) hagel für hergelaufenes volk, gesindel, pöbel, knüpft wol an 
die vonteUung des verderblichen, bösen an, was dem hagel inn* 
wohnt, und an feine verwendunj^ im ßuehe: 

tigewier, lahneabrecber, 
und was des bageis mehr, als hexen, segensprecber, 
sind alle meines voiks. Konczhl Innocentia 9; 

daher der ersonnene eigenname für pvbtl Bans Hagel, Janhagel 
{vgl. auch unter Hans) : Hanns Hagel hob rings um ihn grosz 
gdachter an. Mdsäus morai. kiuderkU^pper (1199) >. 93; 

wenn all die grüsse 
und gegengrässe 

Hanns Uagel hOrt. BidbiubrI, 89; 
■ Hans Hagel glaubt, man sei nur da 
lum beten und tum singen. Voss; 
da gatn auf beiden seilen 
Janhagel aus der see. Bfiasta. 

6) hagel als bildliche beieichnung dessen, was dicht und schwer 
auf uns niederfällt, wir reden ron einem hagel von geschossen, 
einem pfeilbagel, auch einem hagel von scbimpfreden , einem 
hagel von entscbuldigungen, der uns entgegeageschleudert wird: 
laufen . . gegen den bügel stürm, der . . einen eisernen hagel 
donnernd auf sie herunter speit. Scbiller 959; 

verwundernd sich ab solchem wunder, 
dasi gani von biet ein hagei kom. WecEunuH 346, 
vergl. s handgescbotx gieog wie ein hagel. 

KösMEa volkst. 156. 

1) im gesdtüttwesen heistt hagel einmal klein gehacktes oder 
gesprungenes biet und eisen, das aus kanonen und mürsern ge- 
schossen wird (Eggebs kriegslex. 1151 1, 1133), ferner die kartätsche 
wegen ihrer ßUung damit (5, 233), endlidt auch das in kirner 
gegossene blei, dasschrot, so westfäl. hagel, hagelkoeren Fbobii. 
4, 29, dielmars. hagelbotel schrotbeutel (MOLLENBorr ^ossar tum 
Quickbom): {geschütte) welche auf 2 rader geordnet, gleich 
den karnbiichsen , welche man sonsten bagel- oder stein- 
bUchsen nennet, worausz hagil und granaten, brandkugeln, 
undt allerhand feOerwerkssachen geschossen wird. anz. des 
germ. mus. 1861, 264; das röhr musz mit grossen schroten 
und hagel geladen sein, damit er {der Weidmann) etliche 
{wilde gänse) auf einen scbusz fallen kan. Hohberg 2, 545', 
e6ensa 546'; 

do ward gar dapfer gschosten 
von schlangen und karlhan. 
die veindt ir piSt vergossen, 
die hagel liest man gan. Soltav valksl. 216: 
kein hacht es (dos täubtein) ttOstt, kein bagel soll es morden. 

V. DiusN 316. 

8) hagel 6ei den tchmiden, die beim bearbeiten da glühenden 
eisens von diesem abfliegenden dseniheüe, sonst auch Sterne oder 
Zunder genannt, s. hagelhitze. 

9) hagel, ein schwebeband, das den dotier im ei oben und unten 
mit dem eiweiss befestigt. Nehnicr 2,991; vol ron der ähnlfch- 
keit mit einem hageliorn. 



Digitized by 



Google 



145 



HAGEL -^ HAGELGESCHOSZ 



HAGELGESCHBEI — HAGELN 



146 



10) bagel keistt gleiehfaUs der ähnüdikeä halber, äat gertlen- 
kom, em geuhwür am äuge, vgl, auch hagelkom. 
HiGEL, adj. fem, dünn: 

meine glteder lart und higel 

Ibr ernut mit htcbtier pein. Snt Inltn. t&l. 

bSgel uMnI niehtt ak nebenftirm tu hager, ßr ia$ in Ober- 
dculschland hSger gül (Sciim. 2, 163), mü weclisel itcisdien r 
und I. die unumgelaulele form hagel mag vielleicht in bagel- 
gesehrci tnthaHen tein, >. d. im Na$sauitchen bedeutet hSgel, 
-begel n'nen dummlapf (Kehrein 1,180); iu das tumadj. bagel 
in stellen, so könnte sieh der begriff aus der Vorstellung des in 
der entwickelung turCitkgebliebenen heraus entwickelt haben. 

HAGELBACHER, m. vHe bagelkocher, bagelsieder, der hagH 
errtgl, hier »ul durch backen oder dürren von sauberkräulem, 
das demnach neben dem kochen und sieden derselben geObt wor- 
den sein must. Fiscuabt braucht das wort abgeblassl zur (>etncA- 
nung eines böten, gefährlichen mensclien : 

dann e$ sind rechte hagelbacher. flühhati 842 Sckeüte. 

HAGELBOCHSE , f. twehrädriges geschosi, woraus hagel ge- 
schossen wird. am. det germ. mus. 1867, 264. (. die stelle unter 
bagel 6, und vgl. bagelgeschUlz. 

HAGELDICHT, adj. u. adv. dicht wie fallender hagel, selir 
dicht: bageldickle hiebe; 

{zwei rieten) dreschen unverdrossen 
so hageldicht, dasx iwischeii schlag und schlag 
sich unierknickt kein llcblalrahl dringen mag. 

WixuND 2-i, 103. 

HAGELDICK, adj, sehr dick: steuern bageldick. J. GonsEu 
err. S, 213. 

HAGELOUHM, adj. erzdumm (vergl. bagel 4, sp. 144): was 
kUot es {ihr) davor, dasz es so bagellum seid. Scbwade 
tintenf, 9; auch in der Weiterbildung blitzbageldumm : bist du 
denn so blilzbageMumm, dasz du's nicht merkst? Fi. MOller 
i, 78. 

HAGELEIN, n. Ueiner hagel: wie elwan ein Sturmwetter 
mit winden und ein begelin sich erhebt under dem wile. 
Keisbisberg bilg. 80'. 

HAGELFALL, m, niederfallen von hagel: grosze zahl von 
gewittern , welche . . schaden durch blitzschlSge , bageiralle 
und wolkenbrQche anrichteten. Uallisclie zeitg. 1868 no. 139. 

HAGELFEUER, n. s, unter hagelrad. 

HAGELGANS, f ahd. hagilgans {G»kn 4, 220) , name für 
vuhrere vügel; zunächst und am häufigsten für das Wasserhuhn, 
fulic», die sonst auch baargans Aeuzt (sp. 28): /u/tca bagelgans 
DiEFENB. 251' ; bagelgans /uüca, /ultx Haaler20T'; die Schwa- 
ben nennend die {fulica) ein blesz, blessing, item ein bagel- 
gansz, Schwarztaucher, zapp und dergleichen. Heuszlin vogelb. 
21*, nach (üewm verkündet die hagelgans durch geschrei und ßug- 
ort ungewUter, regen und stürm, dann wird unter bagelgans 
auch das birkhuhn ,^tselhuhtt verstanden, mhd. hagelgans. wt. 
1,478': rnulUs bag^ins Diefenb. 370', das ahd. gewahrt dafür 
basilgans, muUis Graft 4, 220; endlich auch die schneegans, 
anser sylvestris Frisch 1, 390'; sparalus hagelgans amd. glössen,- 
Germania 9, 20 ; sparulus bagel-, bat-, wild-, sehne-, schnebe- 
gans. DiEFEKB. 644'; schnegans, hagelgans nov. gloss, 344*. 
wie die welsche bagelgSnsz, wann sie binder einander post- 
pickieren. Fischait grossm, 76 ; unter vogelwildprel werden auf- 
gezäliU daucbentlin, baselhOner .. wasserhttniin, proen,schwem- 
mergensz, hagelgensz, trappgünsz, zapgänsz. Garg, 236'; 

die hagelgahsz voll ungestüm 

acht kein predigt umb und umh, gantkSnig Ü3\ 

HAGELGEPRASSEL, ti. geräusch aufschlagenden %eb, tind 
der so niederfallende hagel selbst: 

lauter und lauter entrollt dem wolkengewoge der donoer, 
plittlich rauscht ihm nach mit hagelgeprassel der regen. 

BSaota 246*. 

HAGELGERASSEL, n. wie das vorige: 

wenn nun die jager den forst mit wankenden neuen umkreisen, 
soll enirauschen den wölken mit bagelgerassel ein regen. 

BOaeiR 246' i 
aber entlieai er hierauf dem busen die mtchtige stimme 
und die worte gleich dem bagelgerassel des winters. 209*. 

HAGELGESCHOSZ, «i.; 

man lud auch alle bfichsen wol 
mit htgelgescbosz und ketten vol. 

SOLTAU voUtsl. 385 (ron U47). 
s, hagel ^, sp.iu, 
IV. II. 



HAGELGESCHBEI, n.: und ist allhie zu notieren, dasz 
du das grob im hom nicht, sonder das hagelgeschrei uff 
der birschjagt gebrauchen solt jag- u. weidwerksbuch t,4*; 
und solt merken, dasz auf der nachsuch des hasen du niui- 
mer das. hagelgeschrei blasen solt, sondern wol das grob, 
so viel 4it gefeit; es were denn sacb, dasz der jtger die 
blind zu sich benifea und in ein ander feld reiten und sich 
begeben wolt, alsdann mOchte er wol das hagelgeschrei 
durch einen langen bifl blasen, and sol also den liunden 
zu verstehen geben, dasz hierin ein unterscheid, und wenn 
er das hagelgeschrei blase, der hase aufgesucht und im lauf 
sei. 1,88'. 

£i erhellt, dasz das hagelgeschrei alt jagdruf von feinerem 
oder dünnerem tone dem groben geschrei entgegen gesellt wird. ' 
damä stellt sich der erste theil dieses compositums zum adj. 
hagel <p.l4S. 

. HAGELGESCHÜTZ, n. .■ bagelgescbfitz, dieweil es viel kug- 
ten scheusset, wie ein hagel viel stein wirft. ThovsT. kriegäi. 
1,72'; er (gott) hat oft sein bagelgeschQtz wider disz reichs 
feinde abgehen lassen. Mathes. Sar. 91*. vjl. hagelbücbse. 

HAGELGESTÖBER, n.; 

lAltas) Immer geschüttelt vom stürm und vom hageiceatöber 
lergeisielt. Büasai 248*. 

HAGELHITZE, f, die schweissliitie des eisens: ein eisen das 
in der ess erbilzigt wirt auff das höchst, gibt es ein zeichen, 
durch halle fUnklin über sich in die hübe: wo solche ge- 
sehen werden, ists ein gewisz zeichen einer hagelhitz: so 
dann solch eisen nicht alsbald ausz dem fewr genommen, 
verbrennt es gleich wie stroh. Paracelsus 1, 918'. es ist die 
hitze, die das eisen hat, wenn beim alsbaldigen schmiden dessel- 
ben die sog. steme, zunder oder bagel (n. 8, sp. 144) abspringen, 

HAGELICHT, adj. grandinosus: hagelichte wölken, nubes 
grandinosae, grandine gravidae Stieles 729; bagelicb, hagclhaf- 
lig grandineiM, grandinosus Diefenb. 26S'; will du durch disen 
bagelecbten und widerwertigen weg sicher, wol und on irrung 
wandten und kommen. Keisebsberc bilg. &9'. — Bei Maaler 
die erweiterte form bagelSchtig calamitosus 207'. 

HAGELJAHR, n. jähr in dem der hagel schaden anrichtet: 
bei misswachs, meusz- oder hageljabr, beerzug, wird festge- 
setzt, das alsdenn der gutsberr dem meyger zu stewr komme, 
und die beschwerungen tragen helfen musz. Haltaos 778. 
vgl. das sp. 142 älier beer und hagel bemerkte, 

HAGELKOCHERIN, f weib was hagel kochen kann {sp. 142), 
hexe, wissmdes weib : sprechen sy, ich hab es elwan von den 
alten hagelkocherin und atzcin gebort, bSrst du wie alt sy 
worden seind, wie weis sy gescbelzt seind, so werden sy 
doch nimmer weis, es ist ain arm volk. KsisEiiSBERe ipinnmn 
1510 e2*. 

HAGELKORN, n. 1) das einzelne hagOstück: da warf das 
schwarze gewitter hagelkOmer. J. Paul Titan 1, 61 ; der (mor- 
gende tag der) vollhing entweder von früblingsregen oder von 
bagelkOrnem [bildlich, glück oder Unglück brachte). 2, 90. vgl. 
hsgelslein. 

2) hagelkorn heiszt auch das sona gerstenkom genannte ge- 
schwür am äuge, vgl. bagel 10, sp. 145. 

HAGELKUGEL, f hohle, mü hagel (iio. 7, sp.l44) gefüllte 
stüddeugel. Frisch 1,396'. 

HAGELMÄSZIG, adj,, eine bildung wie teufelmSszig, das un- 
geheure, scheu und furcht erweckende zu bezeichnen {vgL bagel 4 
am ende, sp. 144) : 

das wettert (Oeng er an) du willst wol gar studiran? 
welch hagelmistig buch ! mir graut es aniurOhren I 

ZacuariI i, 226 {schnupft.), 

HAGELMADL, n. oi nefandum, Scheltwort, Stieier 1255. wie 
donnermaul, weitermaul. 

HAGELN, verb. grandinare, 

1) im eigentlichen sinne, a) unpersinUeh: es hagelt $raiKfina( 
Stieler 729; es baglet vast (fcjranifinat Maaler 207' ; gran- 
dinare bagejen, hogellcn , haglen Diefenb. 268'; recke deine 
band auf gen bimmel, das es hagele über ganz Egyptenland. 
2 Mos. 9,22; im lande Gosen, da die kinder Israel waren, 
da bagclls nicht, v. 26; der berr lies donnern und hageln, 
das das fewr auf die erden schos. v. 23. — auch mit ausdrück- 
lieh gesetztem object: es hagelt grosze scbloszen. 

b) in persönlicher , transitiver fügung: oft dondert, scbaurl 
und hagelt Saturnus. S. Franz; ein türkischer rat spricht zu 
dem kaiserlichen abgesandten, der mit krieg droht: 

10* T 

uiyiiiztJU uy ■vJJVy V-'^i Iv^ 



147 



HAGELN — HAGELSCHAUER 



HAGELSCUELM — HAGELSTEIN 



148 



•ag deioem keiter dem iberslen haubl, 
im «el recht und unrccbl erlaubt; 
will er baglen, <o iv6ll wir achauren, 
will er denn nainen, so wöll wir trauren. 

fasln. f.p. 29$, S. 

auch die nolken, das weiter hageln; dasz . . die uosickt- 
tiaren dünste endlich zu hagelnden wulkcn wOrdon. Lohen- 
STCiN Armin. 2,969; das hagelnde ungcwilter. 2, loUH. 
2) tn übairagtnetn sinne wtd ztear 

a) nach hagel 2 {sp. 143) fluchen , eigenlUch den fluch bagel 
ttussloszen, nie nach den fluchen blitz, donner, weiter, sackcr- 
inent die rerben blitzen (2, 132) , donnern , wettern , sackern 
gebildet sind: er fleag an grausam zu Rüchen, zu lüstern, zu 
sackern, zu donnern, zu hageln, zu leufeln, zu scbetmen, 
und wulte seinen söhn erstechen und erschieszen. Wcsenigk 
böse spiel-sieben (1:02) $. M; sie donnerte und hagelte auf 
mich .. los. eAe eines mannes t90 ; beide im quartier liegende 
lose vOgel donnern, blitzen und hageln, dasz sie niemals 
rechte ruhe haben kannten, cavalier im ingarlen 475; auch 
iTonsiliv : 

itzl doDDerl, blittt und h.igeU tausend llOche 
der fürsie selbst. 

1. C. r. ScuöNBoa» bei A. Gvyphius (t«9S) 2, hUi. 

b) nach bagel 6 {sp. 144) heissl hageln in yroszer menje, 
gleichsam hageldicht, niederfallen, und near in zmefacher cm- 
slrudion, indem einmal das verbunt unpersinlich und mit object 
steht: es hagelte schimpfreden, ja schlüge von allen seilen; 
da solts allererst eitel schwermer regen, hageln und schneien. 
LoTHEK 3, 489; uder In intransitiver Stellung und indem der gegen- 
ständ, der «ie ein hagel niederfällt, das subjecl bildet: 

und steine hagellen auf ibn 

aus lausend mArderhiadeu. Böacxa 4(>'. 

c) fi/lers entwickelt hageln (dier aucli den causativen sinn nieder- 
fallen lassen, scideudem; und saar enliceler rein transitiv: 

mhä. sunderlicli dem von Urlbani der sie dA iiider hagelt. 

Lolienijr. 5ÄU"; 

nhd. das sie ire kelzerisclie pruposiliones nicht widerrufen 
wollen, ubgleicb die den es befolhen und daran gelegen ist, 
wider sie eilel banne rcgtielen und bagelten. Tktzel bei Luther 
1,18'; oder indem mehr instrumentale fügung eintritt: indem., 
deutsche cdelleulc . . den Kfimcrn recht in den rUcken kamen, 
und mit- pfeilen , steinen , wurfspicszen unaufhörlich auf sie 
bagelten. LouENSTEm Arm. 1, 173 ; so auch mit schimplrcden 
auf einen hageln, ipie mhd.: 

unde wart daran genagelt tChritlut an das kreut) 

Or in unmilteclich gehagelt 

von der Juden rotte 

mit schimpflichem «polte, ifarlina 137, tuo. 

d) endlieh nach bagel 7 {sp. 144) bedeutet hageln auch mit 
hagel aus einem gescliüts scMesten: 

und auf der n-evler köpf gehagelt und kartaunt {bilälieli). 

Audi. ScCLTnvs bei Leiting 8, 280. 

HAGELN, n. inßnUiv des rorigen i» subsl. gellung: bittet 
aber den herrn, «las aufhöre solch dunnern und hageln got- 
les. 2 Mos. 9, 28. 

IIAGELRAD, n. ein mit siroh umuickdtes vagenrad, tcas am 
Juhannisabend angeiündet und einen berg hinabgerollt wird, der 
gebrauch ist in flessen und Nassau heimisch. ViLVAa 143. Kebkeix 
Kassau 2,144. in leltlerer landschaß brennt zur selben leit auch 
das kagelfeuer, eine ort Jvluinnisfeuer, auch halefeuer jenatinf. 
der name ist noch unerklärt. 

HAGELKASSELND, pari. : so können wir mit zertrennung 
und erschUllerung des schreckenden bagelrasscinden gewUlks 
unsere rebenselige vor Ungemach vrislen {durch glockengeliut 
bei einem gevitterU Garg, 153'. 

HAGELREGEN, m..- 

ein bagelregen log heran 

mit blili und donner und begann 

die Jageodeu >u jagen. 

ÜLDiAU» 2, 67 {.ieneide 4. buch) ; 
mnste finstrer hagelregen 
die emie niederschlagen. ScuiLLisa 573. 

HAGELSCHAUER, m. jranrftntt lapidalio, ags. bügelscfir: 
«wenn« einer von nihie wirl erhaben 
und mit den herren beginnet draben, 
dir Wirt Ober alle sin nicbgekUr 
Vit erger denne ein hagelscIiAr. Benner 1807, 

(der minister) hatte sich beute auf einen geselz-Sinai gestellt 
und dt'T »1 dessen fusz vcr.«ammclteu ilicncrscbafl in die ohrcn 



gedonnert um seines (ein kfmstliches ohr für scIiwerhMge) zu 
erfragen . . . dann war er als bagelscbauer, wie ein kflcben- 
dainpf bei windigem netler, durch die einzelnen dienerzim- 
mer und ninkcl nach dem ohr gezogen. J. Padl Titan 3, Ib. 
HAGELSCUELM, f». sycophania saeerrimus. SnetEa 1707. 
icie donncrscbelm 2,1250. 

HAGELSCIILACHTIG, adj. vom liagelschlag betroffen und ver- 
dürben: graiidinalus hagelsclik'chtig, das vum bagel geschlagen 
ist. Dasvp.; die frucht als unvollkummen und hagelschlecb- 
lig. S. Fkanii chron. 25U'; die hagcischlachligcn rüben erken- 
net man darbet, das die blelter anfahen roth zu werden. 
llEan GO'; etlich schlagen allein ein nagel durch den stam- 
men und wollen also aus erfarniss den hagelscblacbtigcn 
rSben helfen, das.; bagelscblecbliges obst heiszt in der Schweiz 
solches, das hart, roh und ungenieszbar ist. SrALDEa 2, 10. 

Wenn das adj. ron einem menschen gilt, so stelU dahinter der 
gedanke an bagel 5, sp. 144; schuieiz. ein hagclscblücbligcr 
mensch Staloer; so mustu wohl ein hagelscblüchtigcr mensch 
sein, wenn du eine so grewiiche plag Ouchest. bele nicht 
umh, sondern wider den hagel! Albhecut pucliABC 80; ein 
bagelschlechtige kupplerin. Bios ehespiegel 21. 

HAGELSCIILAG, m. nieder faUeader hagel: die felder sind 
durch hagelschlag vern ästet; 

neur wenn ich hei ir (einem hSsen «eibe) lig im pett, 
so hehl sicii erst mein schaut und smacb, 
so lehls gleichsam der hagelschlach, 
so kuoppt sie mich itio kiiiten, iljo Toro. fasln, «p. 48, 32, 
lu rcgeuschauer und hagcischlag 
gesellt sich liehcluser lag. Görui 3, 182. 

sprichwürtlich : ich bin aus dem Iropfenfall in den bagelschlag 
geralhen. V. Wurxsaam ururmland 51, wie sonst: aus dem re^n 
in die Iraufe. 

HAGELSCHLOSZE, f. das rintelne hagelstück, wie bagelkorn, 
hagelstein : 

wenn ihr oft gesehn den kAuig reiten, 

gold an ihm uud gold von allen seilen, 

edelslein auf ihu uud seine groszen 

ausgesät wie dichte hagelschlosien. GAtbi 5, 243. 

HAGELSCHNEIEN, n. das fallen de.': hagels wie sehnte: 

bei dem stärksten hagelsohnehi 

erntet Unschuld rosen ein. GönTHKB $2. 

HAGELSCHROT, n., leas hagel 7 {sp. 144). KiBCBHor dite. 
mtl. 42; bagelscbrot, viereckiger hagel, die wilden enten damit 
tu sehieszen, auch entendunst jenannl. Jacubsson 2, 187'. 

HAGELSCHWEU, adj. mU hagel beschuert: 

entwickle dich, du hagelschwerer Wolkenzug 1 
GAths 11, 255. 

HAGELSIEDER, t». «ettermacher, der durch. sieden von zauier- 
kräulern hagel erregt, vgl. hagel sieden {sp. 142) und bagel- 
kocherin; als sclieltwort gebraucht: hagelsieder und gelslerer. 
BiRLiNGEB bei Kuhn 1,270 (von 1432); 

du hagelsieder gang lür dich ! MovKgehnusp. 2, 274. 
fem. hagelsiederin : hagelsiederin , oho leufelsbrut. Fiscbart 
9ro5tm. 83. 

• HAGELSKERL, m., «w Ipufciskerl, j. hagel 4 am ende, sp. 
144: das sind euch vcrOui-hte hagelskerlt. Tuiio Adelheid 
Ischauspiel 1779) s. 67. 

H.\GELSME1LE, f: blut-, liagels-, teufelsmeile, utpote(]uod 
pro mitliari sumalur, cum tarnen lange remotius extendalur. 
Stieler 1218. 

HAGELSMENSCH, n. schetie für ein mddclien. das donuer- 
hagelsmenscb ! sehr gewvhnlicli gebraudit. 

HAGELSTEIN, m. 1) <me niArf. hagelslein, das einzelne hagel- 
slück, wie bagelkorn, bagelschlosze : dozu erscblegst du et- 
lich ding mit hagelslein und ryfeu {sagt die erde zur Usß). 
Cyrillus 25'; ich wil einen windwttrbel reissen lassen in 
meinem grim , und einen platzregeo in meinem zoro , und 
grosze hagelslein« im grim, die sollen« alles umbstossen. 
Hes. 13, 3 ; lies seer grosze hagelsleine fallen auf die feinde. 
Sir. 46, 6 ; das er in hagelsleinen bis achter an die knie 
gangen habe. SrAijtTi.t bei Luther b, 85'; o gott, bebüt den 
wein vor hagelslein. Garg. 99'; 

Europa mOssle vor durch blitz und hagelslein 
zerslArel und die well voll LappenUnder sein. 

B. NiDUBCB ged. 115. 

Hagelstein brauclu Bo. Bebtuold 156, 2 als eigennamen eines 
leufelt neben Hagedorn und Helleßwer, die namn alUUerieren 
unter sich, wie ihr gememzames merkmal die durch ne verur- 
sachte Zerstörung ist, vgl. die ganze stelle unter hagedorn sp. 141, 



149 



HAGELSTÜCK— UAGEN 



HAUEN 



150 



2) nadt dtr dhnUMiat in der form ist audi irr augensltm 
btgcUteio gemmnl: die ander feuchtigkeit ist millen in dem 
äuge, wird genant crystallinus, nird auch genant hagelstein, 
in der grO>te einer erbei, doch nicht ganz rund. Bartiscb 
fugendienä (1&83) 7; «${. die erst ist crystaliin mitten in das 
ang gesetzt und ist der färb eine« crfs(allen,*nach der rorm 
eines hagelsteins; in dem das gesiebt ist. Geisdobf feldb. d. 
wundannri 6, 

HAGELSTOCK, n. gesehdlz was hagcl (7, sp. 144) ichimi, 
httubitte: hagelstHck hcäiäa grandifera, scrulorum graiidint con- 
slipala Stieles 2220. 

BAGELSTÜRH, m. siurm der hagel mü sich fährt: sibe, ein 
starker nnd mechliger Tom bcrrn, wie ein liagelslurm, wie 
ein scbedlich wetler, wie ein wassersturm, die mecfatiglich 
einreissen, wird ins land gelassen mit gewalt. Jet. 28, 2 ; be- 
deutende gcwitlerregen und bagelstOrme, die auch meist von 
der westseile heranziehen. Görne 51, 2«2; 

wi* wenn ein hagelslunn mit klipp- und klapperknall 
sctillgt auf ein scbindeldacb. 

Kuu enget- und draehentlreil D ig ; 
wann die flöh die weibcr necken, 
wil die luft bald nist erwecken; 
wann sie sticht der böte wurm, 
folgt gewiss ein hageliwrm. Locto 1, 71, 86; 

er, der so die upfem niedersebmeisil, 
als wie ein bagelsturm die ihren. 

Alxincir Dootin 8, 27. 

BAGELSWERK, n. negotia tmdesla, odiosa, desperala. SnEt.ER 
25SS. vgl. bagel 4 am ende, sp. 144. 

RAGELUNG, f. das hageln: die widerwilterig wolkenfeuch- 
tigung und lultgespUnstige turbines und bagelung von unsern 
lieben labsSligen reben zu «tranesiren. Garg. 152'. 

HAGELVEHSICHEBUNG, f sidiersteUung gegen schaden durch 
hagelschlag (t. versichern) , ein erst mü der ausbildung des ver- 
sicherungsiresens in den letslen 30 jaliren aufgekommenes, vielge- 
brauchtes vort. dan>n die etwas ungdietierlichen bildungen bagel- 
tersicberungsanslalt und hagelversicherungsgcsellschaft. 
HAGELVOLK, n. gesindel, pobd, vie hagel 5, sp. 144. 
HAGELWEISZ, adj. teasx wie hagel. vgl. ags. hägl b^d 
hvitust coma. Runenlied 9, und schloszenweisz : 

ihr bagelwelsies kleid kan ilzl kein «taub vemehren. 

llorraANNSWiLDAD beiiräbuitged. 58. 
nd. an smuckes wiet . . . 

van gdden wasdAm, hagelwiti. Fiaitmca I, 72'. 

ancA in der verslirkung schneehagelweisz, so im Bennebergschen. 
Fbohii. 1, 231*, auf dem Weslerwalde. Scbmidt 203 ; niederd. snei- 
bigelwit ScB*n»acBl99*. 

HAGELWETTER, n. lapidosae grandinis imber. Stieler 2462. 
unversehens brach ein bagelwelter herein. GStbe 24, 43; 
das bagelwelter war entsetzlich, und noch mit einem wolken- 
hrucb verbunden. Pestalozzi schriflen (I8I9) 2,326; bildlich: 
das war ein böses bagelwelter in meine luslernte. Abnih 1, 
341; täs fluch: was tausend bagelwelter! Lenz 1,270. 

HAGELWOLKE, f. hagel entsendende Volke: hagelwolke, nubes 
grandines minüans Stieler 2574; wollte brausend wie eine 
hagelwolke, zur thür hinausstOrmen. E. T. A. HorrHAiiit 4, 57 ; 

gewalTnol liebest du mit deinen kriegern 

wie Hagelwolken an dem hiromel aui. Colloi; 

die hagelwi>lken der drangsale. 1. Paul Titan 1, 102. 

HAGEMANN, m. mann [diener, vnterthan), der auf einem 
bage angesessen ist (tgl. hag 3, sp. 138) , im gegensatt tu hof- 
mann, der am herrenhofe selbst seinen unterhalt empfing, das 
wart ist als eigenname nicM «nbäufig, als appellativum bis jettt 
nicht nachgewiesen, der bedeuluug nach entspricht ilim der ahd. 
eigenname H.-igadeo: Hagadcus Fi3RSTEiiAi«ii 1,576. 

HAGEN, m. alid. ags. bagan paliurus, mhd. hagen; in meh- 
reren bedeutungen. über das etymologische s. bei hag sp. 137. 
zu der ursprünglichen form hagen haben sich, gant wie bei 
hafen [sp. I2I) mehrne uebenformen des Wortes ergeben, tuniehsl 
der bagen (hinter dem htgcn, Simpl. 3, 324 Hurt), was auf 
eine frühere form hngin neben bagan, nachgewiesen bei GaArr 
4, 708 gellt, und dann der hage, des bagen : indago ein hage 
roc. ex quo 1. 1469; frutectum sprJ^dohnge amd. glussen, German. 
9, 21 ; septmn naturale grüner dürntAn, bage, knick Chvtbaeus 
cap.9 am ende; dem der hage zugebUret. weisth. 3,309; aurA 
ags. haga, gen. bagan, iro das schliestende n des Wortes als der 
schwachen deelination zufallend angesehen und daher abgestossen 
ward. MrrrfurcA itl auch die formelle Vermischung mit hag onje- 
bofcnt, indem hagen durcA hage tu hag so gut verkftrtt werden 
konnte , irie hafen durcA bafe zu bat {sp. 12t). die eng ver- 



wandte bedeutunij beider Wörter erleichterte diese Vermischung, die 
auch in compositen hervorlrül (hagedoro und bagendorn). eine 
Jritte nebenform mit ausgefallener guUuralis, hain, die im nhd. 
das illere hagen namentlich in der bedeutung 6 verdrängt hat, 
wird an der betreffenden stelle abgehandelt. 
Bedeutung. 

i) die des dornbusches, der dofnruthe waltä ahd.: bagan pa- 
liurus, ligna spinosa G»kTT 4, 798, sowie mhd. : 

66 nftmen si den dorn unt den bagen, 

dt wart der herre miie geslagen 

vil wunderlichen sire. Warnung 3569 (Haupt I, &3&)i 

wand iesA sd der süre bagen 

in alad süesem gründe 

gewurz«lt lelner stunde, 

mau wAestet in unsantier dA 

dann In der dürre und anderswi. Trist. 449, 12. 

nhd. scheint diese bedeutung an dem einfachen «orte nicht beteugt, 
aber an hagenbaum nocÄ haftend; unsiclierer bei andern Wörtern 
deren erstes glied hagen ausmacht, hagendom kann twar tine 
jener tautologischen compositionen sein wie baberbock, hader- 
lumpen u. a., und wäre dann von hagedorn, als dem dorn der 
tu sdunen verwendet wird, dem sinne nach ursprünglich geschie- 
den gewesen, es kann aber ebenso gut auf bagen tn der bedeutung 
taun (DO. 2) turückgehen. älinlich sind tu beurlheilen hagen- 
bucbe und hagebuche, hagenbusch und bagebusch. 

2) hagen bedeutet den lebendigen taun, der ja vorsüglich aus 
domiclilem gebüsclt angepflanst wird, hat also gant den sinn von 
hag t {sp. 137), ffitl dem es auch wechselt 

ein blfithenhaag war seine luit. 

einst sah die Trau ibn sinnend stehen, 

und ganz veraunken, unbewusti, 

so iweig an iweig.vom Strauche drehen; 

in goliei Damen, rief sie, mann, 

du ruinirst den ganzen hagen I 

DsosTR-HBuBOFT f<d. 225; 

wann wir das gelt verprassen , so ziehen wir auf den bett- 
lers hage, nnd laufen cum sacco per civitatem. de generib. 
ebrios. 24; folgends schliche ich auf dem markt herumher 
wie ein fuchs hinler dem higen, wann er auf hüner oder 
ganse laurel. Simpl. 3,324 Kurt; sie {die karrer) halten hinter 
bagen und in winkeln ihre Orter, wo man ihnen die ge- 
stohlenen sacke ablegte. Pestalozzi (tSI9) 2, 280, er setzt tu 
hagen erklärend hecken, solche hagen umgaben das besittUmm 
des eintelnen, aber auch ganze ortscliaßen, ferner feldgrundstücke 
(rgi. knick 3, lA. 5, 1416) : 

so wie vor ihm die festen brücken nicht, 

und nicht die bagen grüner ktmpe siebn. 

BÖRCSB 159*; 

gesagt, gelhan ! der wildgraf schwang 

sich übern hagen rasch voran. 70*; 

nun schlQpn er durch des hagens loch, 

nun hing er an den dornenzwecken. 

DaosTi-HÜLsBorp gei. 214. 
auf der geest und im Lippeschen higen. Frobb. 3, 285. 6, 210. 
in folgendem ist bagen rom zäune ausdrücklicli und scharf unter- 
schieden: ich frage, wenn einer einen neuen hagen pflanzen 
wolle, da niemals kein hage gestanden, wie er das machen 
soll, dasz er seinem nachharen nicht zu nahe gepdanzctt 
veislA. 3,309 no. 19; wie soll man bei bagen umgeben, wenn 
sie einem zu nahe wachsen? das. no. 20; der zäun besteht 
dagegen aus gesteckten ruiben. das. no. 21. 

Rechlssprichwort : dem der bagen, dem ist auch der graben. 
PisTORias 1, no. 30, s. 51, der graben der mit dem das eigenthum 
einfriedigenden zäune meist verbunden ist. 

3) an die vorige bedeutung von bagen lehnen sidi twei an- 
dere an: 

a) hagen, namentlich in norddeutschen quellen, lieistt die tum 
Schutte und zur vrrtheidigung um einen platt oder ein heerlager 
gezogene einfritdigung {wie hag 2, »oj mit hagen oucA weehseUt : 
undc tobriken de torne undcde mArcn in de grünt, unde 
fulden de graven undc den bagen de darumme gyngk, mit 
steinen undc mit erden, scripi. brunsv. 3, 39s ; aber die Samen 
hatten einen starken hagen von grossen beumen und ricken 
vom secsirande an bis an das frische baff gemacht. Hekke- 
bercer 4t3, nach folgendem : 

du was ein vil grOjer hagen 

von den Samen vor geslagon, 

di'r was gr<i{ unde dicke, 

diV eiiwiren nichl kleine rlcke, 

di wAren boiimo si grd;. 

da{ slt vil manigen verdrA;. 

sie wiron s6 gevnllel, 

das 't **' gestcllet, 

»am ei wajro ein boletvcrc. tivt. fh»»on. 

uiyiiizeu uy ■x^j^^,'' 



,ogle 



151 



HAGEN 



HAGEN— BÄGEft 



152 



äiete tendiantung beütt hac'3982. 4065; 

•h tauien sie sich tuo der wer, 

sie verhageien die nege, 

grdt und deine in stxter pOege. 

die liageiie machleo sie so gro{, 

de; maoigen lirisieo sil lerdrtt- ^i3S• 

rergl. mäleUat. Iiaia mtitaris tallia Do Carge «. Benttchtl 
3, «14"; 

af. STitItan HrMItngas tö hagan |>rangon. 

K«u>. 29«1. nirfcer 2W1 listen gmantU. 

k) liagen ia aiidk die Umzäunung tines tcaUes, worin «iU 
gehegt wird: indago ein hage «oe. er 9110 ». 14tt; ferner dat 
tur hege mm vügeln angelegte unmwerk, vogelhecke: ariarium eia 
bagen Trocbds K 3'. rehbagea nennt der jdger den mit meh- 
reren Öffnungen versehenen wildiaun, an dem das wild beim fiueht- 
versuehe durch diese gefangen wird. 

4) bagen der umhigte ort (wie bag 9, ip. 138), er mag sladl, 
darf, odö- eimdgul sein: 

dt mite litrten sie le htnt 

TQr einen bagen, der Ul genant 

Carmele, mit manne« orati. litt, dkron. 6108. 

in der grafschaft Sihttumburg liegen sieben dirfer, die sieben 
freien bagen : in den 7 freien bagen. weisth. 3, 307 ; dafitr : 
auf die 7 freien bSger. das.; in Hiederdeutschland heisten bagen 
auch Uieile eines orles, die von einerlei gtwerbe oder famlie, also 
von geschlossenen kürfersehaflen bewohnt werde», vgl. gassennamen 
in Greifswalde wie Scbiiterbagen , Schdbagco , m Stralsund 
Bielkenbagen (DÄniiEirr 168*), in Braunschweig Rosenbagen, was 
allerdings auf eine corjioration sielt, deren glüder ein mitlelalter- 
licher liebhaber nur im feuer der leidenschaß süejiu rüse nen- 
nen konnte, im obem hnthale beteichnet hSg und bSgeo den 
«mzdunten platz vor der sennhiUte. FtoiiN. &, 445 ; im ags. baga 
dos einzelne haus, wie es durch saun vom nachbar abgegrenzt 
ist: se baga binnan port |>e Ägelric bim sylfan getimbrod 
bafde. TnoBPE diplom. (1865) s. 355. daher ist Lagen theils än- 
fack, theils in Zusammensetzungen ein häufig begegnender Orts- 
name (FObstei. 1, 628. ScHAasAcn 71'). 

5) bagen in der erweiterten bedeutung gebüsdt, gehOlz, gehege, 
wie bag 4: belg. een begge oft bage dumefum Calemiids 4M ; 

nhd. da gundten alle thier erachreeken, 

sprachen: da seindt nl reindt, im hagen 
haben ihr llger angeschlagen. 

B. WALDts Bsop 2, 2, 11. 

ßr diese bedeutung hat sich seJum seit dem 16. jakrh, die ge- 
briueh^chere form bain erjeien. 

HAGEN, m. taurus. obwol dieses worl ridaichllieh der Wur- 
zel und biidungssilbe ganz gleiek dem vorigen ist, so ist sane ge- 
ionderte auf Zählung geboten, weil wahrsduinliA schon von sehr 
alter zeit her die deutsche spräche die idenlität beider Wörter nicht 
mehr füUte. bagen der schlagende, stechende war dort auf den 
damstrauch bezogen, hier auf den stier, sei es, dasz die waffe des 
Stiers, seine hömer, hierbei in ansclilag kamen, sei es dasz schla- 
gen hier auf die geschleclitliche Ihäligkeit deuten sollte, denn be- 
schlagen vtrd in diesem sinne mehrfach von Ihieren gebraucht 
1, 157'i. in bezug auf die letztere annähme deuten spuren darauf 
hin, dasz bagen ai«A,von andern lAiem galt, dasz es vielleicht 
einmal den allgemeinem sinn mdniiiicAcs lAier überhaupt hatte: 
so wird im Kng 4', 28 Hagen als eigenname eines esels ver- 
wand; eine im suffix verschiedene, in der ursprüngUehen bedeu- 
tung gleiche ableitung derselben wursH geht in der form baigel, 
beigel (am begil, bagil) in Schwaben auf den zuchtstier (Scbmel- 
LEI, BiauHCBa), mü iAr berührt sich nahe hekkel in Ulm ein 
eher {vgl. jedoch backscb sp. 107) ; auch das männchen vom sahn 
wird baagen genannt (HoBSEac 3, 2, 301') , was allerdings auf 
den hakenförmigen schnöbet des lelsteren bezogen wird, wofür die 
Schweiz, form baggen, baaggen (Staldei 2, U) sprechen könnte, 

Belege: so denne ton den seigOtlem sol man han eber 
und ocbs, das ist ein bagen. oder ein pfar. wtisth. 1,665; 
Schweiz, bagen tuchlochse Staldei 2,10; /fir bagen erscheint die 
gekürzte form bage, bag: bag oder herdfarr initor bos Dasip.; 
Schwab, bag Sennin 253. die form bagen iritt in den land- 
striden , die die gekürzte form verwenden , in compositen wieder 
hervor, namenlltch in hagenscbwani Ochsenziemer Schm. 2, 161. 

HAGEN, verb. in zwei bedeutungen. 

t) einen zäun machen: bagen, zeflnen, sepire Maaier207*; 
als inen die bofgOter usgezeicbnat sint mit marksteinen, 
darinnen sond sie hollz howeo ze brennen, ze bagen, ze 
buwen an dem bof. weislA. 4, 500 ; schräb. bagen, die leben- 
digen tSune, das baag ausbrsiem. Sciihid 254. hiufig m 



der jdgerspradie , hier bedeutet es einen wildsaun anlegen: das 
recbt einen wald mit einem gebüge einzufangen , welcbes 
man die gerechtigkeit des bagens oder einen baag Ins bolz 
zu scblagen, eine gebSgte wildbaba zn macben, zu nennen 
pfleget. Ueppe jagdlust 3, 768 ; 

soft ich dA gln hagen 

und verbinden mioiu seil, 

•0 wird mir lihte ein will le teil. 

LisiBzas liedersaal 2. 297, 168. 

vielfadt ist bagen in Verbindung mit jagen genannt: wer darin 
zu bagen und zu jagen habe mit recbt. weisth. i, 28 ; zu 
bagen und zu jagen hat niemants anders zu thun, dan m. 
gn. berr von Trier oder seiner gnaden ambtieut 2t; wer 
mag jagen, der darf auch bagen, qui jus habet venandi, illeeliam 
jus habet ängendi tilvam. PisTOBias 5, na. 55, s. 359 ; soll eiu 
landmeyer wissen, ob er, so er zu jagen gerechtigkeit hat, 
auch zu bagen macht habe. Sbbiz feUbau s. 561 ; 

ich hin gehaget und wll jagen. 

Laszbbrs Uedersaal 3, 637, 7 , 
mit hetzen, beiszen, jagen, 
mit pürachen, gamen nnd mit bagen. 

FiscHiBT f-iMer •. Stauffenberg ; 
wann man also hagt, jagt und hetzt, 
so wird das jagen recht gescbilit. dos. ; 

'ranziliv gesetsi: 

do wil man jagen birsch und hassen, 

do hagt, terstocirt man garten und wessen (roten). 

Tauanussu ardudoxa (1575) 30. 

2) vollständig gesdüeden von der vorigen ist die andere be- 
deutung von hagen ptacere, convenire. das einfache hagen in 
diesem sinne ist seUe», meist gilt daßr behagen (1,1318). die 
entwicialung der bezonderen bedeutung kann das altntrd. erklären : 
ist dort das mase. hag-r = läge, Stellung, Verhältnisse, so lehnt 
sich das nur an die sinnlicltere Vorstellung des eigenen besilzthams, 
des umsddossenen eigenen landes oder landgutes (s. bag n«. 3); 
die abgezogene bedeutung enlwickdt das veütum baga »riler, es 
hat den sinn anordnen, einrichten, veranlassen, bagar heiszt es 
paszt sich, ziemt sich (MOaios gloss. 158). dem gegenüber hat das 
deutsche hagen in noch eingeschränkterer weise nur es paszt mir, 
gefälU mir, aussudritcken. 

Die construction ist entiveder 

a^ wie bei gefallen unpersönliA, mit dem dativ der perton; 

also et gode wolda hagen. 

Script, ömnst. 3, 65, 1; 
da sein auch meine hertziiebeslen kinder: 
nun sage, ja sage, wie hagen sie dir. 

Hein. fUeh* (Hostock 1650) 242, 
ich legt an mein röhr geschwinde, 
in dem hu 
scheu ich tu, 
das hagt dem kinde. RoTraim« liul. paef 148; 
Obs gleich uns nicht thut hagen. 

hert. Iriumphmagen 12. 
b) oder persönlich, in dem sinne zufrieden sein: 

Woirdietrich in dem orden, also ich uch bescheiden will, 
nil wol begunde hagen, da man die spise rieh 
begunde für tragen und sie teilte so gar UDgelich. 
üa{ begunde in erbarmen, ri. graste Wolläietrich 2128. 

HÄGEN, verb. s. hegen. 

HAGENBAUM, m. rkamntis; und alle bOtzer sfracben zu 
dem bagenbaum : kum und gebeut aber uns. er antwurt in : 
ist, das ir mich warlicb setzet zu einem känig, so kumpt 
und rueot under meim schalten, wolt ir aber nit, so gee 
aus das feuer von dem bagenbaum und verwflsl die ceder 
des Libans. bibel v. 1483, 116*. LirruEB hat dafür {riehter 9, 
14. 15) dornbuscb. 

HAGENBDCHE, HAGENBUTTE, HAGENDORN, s. bage-. 

HAGENHIEFE, f. die frischt des hagendoms, düring, bauntfe 
{vgl, biefe): rvbum banappel, heynhyff Diefekb. 502'. 

HAGENER, m. ein fisch, cyprinus phoxinus, sonst elritze, 
elderze. Nemhicb 2, 1366. 

HAGENTE, f. anas boschaz fera. Nemnicb. ana« fera lor- 
quata minor: dise enl, so .. bei dem bodensee ton färb der 
OOgleo und desz baupis blaszent, spiegelent, anderschwu 
groszent, mertzent und bagent genennet wird, ist von stimm 
und geslalt den zamen enlen am übnlicbeslcn. Heoszlix 
vogelb. S6'. 

HAGER, m. sdtälser, pfleger, und composita, s. bcger. 

HAGER, m. sandhägel in den strömen, besonders an ihren 
mündungen. Jacobsso:i 2, 137'. Unter anhSgem 1, 364 itl ver- 
mutet worden, dasz hager aut bocker, bücker, kiigel, tnttteUl 
sein könnt. 



Digitized by 



Google 



153 



BAGER— HAGEftFALK 



flXGERKAHP— BAGESTOLZ 



154 



HAGER, adj. dürr, mager, mit «tnigtm fleisch rersehm, ein 
enl im ipHem mkd. ersdieinendti trort. et giU 

1) von mentchen und menschliditn körferlhtHen : 

mH. dio Itp l>t dürre und mager, 
din anllili bleich und hager, 
dia hala ist lüeine und laoc. 

H. r. Finau« Tritlan St 10. 

nhd. ihrer aufwirterinneo hagere rücken braun und blau ge- 
schlagen. «Ae einet mannet 293 ; Cook war ein dOrrer, hagerer 
mani^ Licutemeic 4, 115 ; Calcagno verncknorener, hagerer 
wollflslling, ScHiLLEB Fieseo, personenrerttidmit ; der dürre, 
bagere, anschlüssige kifigler. Claudius 1,178; er wurde .. 
eine lange, bagere, in einen dunkeln inantel gehflille gestalt 
gewahr. E. T. A. Hoftiiaiin 3, 28 ; ein groszer, hagerer, dabei 
kräftiger, in gliedern und muskeln stark gebauter mann. 3,3t; 

aag mir, du Jiöoigiaohn Ammon, 

waa Hegel dir ao heftig an, 

daa du bist ao schnacket und hager, 

>o bleich, dünnbacliet, dürr und mager, 

nlmbst von tag lu tag also ab? H. Sachs 3,9t'; 

mit hagern, welken wangen. HAGUoax 1, 113; 

nun birm ich ganie nichte lang 

aur achiummsrlosiem lager 

die leichten glleder matt und krank, 

die Tollen wangen bager. Bbacta 1*; 

liebesbficher und jahrgedIchte 

machen bleich und bager. GAtbi 2, 287; 

gleich gespenstern, stumm und hohl und bager, 

lieht Im schwanen todtenporape dort 

ein gewimmel nach dem leicheolager. 

ScHiLLSB 1' (leichenphanlatie). 

er ist hagerer als ein stein, pumiee ett aridior Stieler 129 noU 
in betonden draatiseker ireite nur einen fpot%en grad von fteitek- 
loiigkeü einet mentelien beteiehnen, ohne diät man tonit wm einem 
hagem steine redete; ähnlich ist 

sin starker, rriacbar, junger kerl, 
nicht dicke wie sin fasi, nicht hager wie ein querl. 
Lissine 1, ilS. 

2) bei penmificationen : 

spiele, bald wird die arbeit kommen, die hagre und ernste, 
und der gebietenden pflicht mangeln die lust und der mnl. 

ScaauK 8&*, 
die arbeU itt Uer alt hagerei d&rret weih gedacht; 

berr, 'ne bleiche, hagre alte 
mit geschontem ginganlileld, 
sparaamkeil so beiszt sie. Gacst 'der beuteh'; 

auch lontt in übertragenem nnne; ein bagres leben, wie inr 
DucA von einem dürren, magern, trocknen leben reden: der 
hufjuwelier hilte ihm . . das doppelte bewilligt, um endlich 
auf einmal in seinem hagern juwelierleben fünfzig procent . . 
in das grüne spiegelgarn seines bculels einzufangen. J. Pai;l 
konut 2,144. 

3) settener ron thieren: ein bager rind bot maeilenta, ein 
bager pferd t^n« ttrigotut Stiele« 129; der bagere klepper, 
den er ritt Schiller 711* ; 

es {die tchnaken) sind meistentheils hagre schwarten {kerle), 
Fvciis mtcKeiiltrieg I, »89. 

Wenn bager tidi aut der bedeutung gracilit, lenuit, die Stieles 
729 aufführt und die durch die form hSgel («p. 145) eine ttOltc 
empfingt, ertt tu der maeilentut enimckelt hat, to würde et dem 
sinne nach lundchtt an altn. haga patten, tich figen, bag-r 
getdticit, bceg-r leicU, bequem, rühren, und damit der grasten 
zahl der abteitungen von der murtel bag (sp. 137) in allerdingt 
tehr übertragener bedeutung lufallen {vgl. unter bagen 2, sp. 152). 
bager konnte tich als Keilerbüdung xu jenem altnord. adj. hag-r 
(0 stellen, das tich aut dem begriffe det gewandten der des tchlan- 
ken, dünnen, hagern nach und nach ergab. Frisch 1,390' gab 
bager die grundbedeutung trocken, dilrre, indem er et mit dem 
aut der Frankenbergtchen elavnik beigebrachten adj. bcge trocken 
tutammenstellte, aas wieder mit ahd. mhd. hei arirfus (wb. 1, 841'), 
tchwäb. gehai darr, <ius()e(rocknc< (Schhid 254) sich berührt. 

HÄCERAUCH, m. A«A«nraucA.- 

die ersten regungen in einer >arten scele 

sind keine wölken nicht, nur leichler htgerauch, 

den sonn und witz bald lügt. Lohinstiin Sitpho«. 31, 369, 

ioir. baidampf, bainebel , bairauch, Irockner dampf oder ncbel 
in der atmtäphäre tu heitxer Sommerzeit. Scun. 2, 127. Für 
bageraucb iririi gewährt hagerrauch (tiannov. teitg. 1852), »ul 
mit formtUer anlehnung an das niederd. haarrauch (sp. 34), mit 
dem das »ort nicM iiwatnmenAdngl. vgl. hege, adj. 

HAGERFALK, i». eine falkenart, die vortüglich tue beiie auf 
frotft tSgel dient. Sc. lex. 816. in Heuszlins vogelbuclie hoger- 



falk: disen (falken) nennend wir aber ein bogerfalken von 
kürze wagen seines balses: dann vor den flOgelbogen kan 
man im das baupt kaum sflhen. 153*. et ist also nach dieser 
ttutfßhrung der falke, der einen höcker tu haben teheint, und 
bagerfalk verhält tich zu hogerfalk irie backericht (ip. 106) tu 
böckericht. Neiinich versieht unter bagerfalk einen oilen fal 
ken, der tieh ein oder einige male gemautert hat. 2, 1588. 

Die form bagart für bagerfalk itp. 140), die Friscb oiu 
dem fOrstenIhum Mümpelgard beibringt, entspricht dem frani. 
faucon hagard , engl, baggard-falcon , weichet das frant. adj. 
bagard wüd, stolz, böte enthält, dieses adj. scheint auf deulsdies 
bag-hort sehlagtüchtig, kampßühn zurücksu fähren, weichet vielleiclil 
in den eigennamen Hahart, Hechard (FOrsteiakn 1, 680. 576) 
enthalten ist. bagart könnte die uriprüngHehe form des falken- 
namens sein, bagerfalk, hogerfalk spätere, aus dem bestreben 
entsprungen, sieh das nidit mehr verstandene wort etymologisdi zu 
verdeutlichen. 

HAGERKAMP, m. «nil butehwei* beteaehtenet land : {die holz- 
mark geht) auf den wolfeskublen Ober die scbOnen bSger- 
kämpe. «eisth. 3, 303. vgl. kamp 5, 135, und hag 4. 

HAGERKEIT, f.: bagerkeit, bagrigkeit, niacies, niacrihiifo, 
macror, marcnr, corporit gracilüas, lenuilas. Stieler 129. 

HAGERN, verb. macrescere: euer antlitz bagert, eure binde 
sind lasttragerbände. Meiebn Dya tia Stre 1, 288. >. ans- 
bagem 1, 879, und verbagern. 

HAGEROSE, f. rata eanina, eynöriioäon, cynoibalon. NEnmcn 
4, 1169; bagrosen paUurtis Haalbr207*, STBuiaica S, 297; 

welle, von der hagerose 

kühl, Wandrer, überweht. ViTnisson ged, 19>! 

unterm Strauch Ton bagerosen 

aur dem roihbeblümten klea. Saus- (1793) 28t 

um den quell 

reich an losen 

bagerosen. Flitkn 17; 
woi glinit die wilde hagerose auch 
so farbenreich geschmückt wie tchta rosen. 

SltaSe^aret Sonette ». Bobbnstut no. 161 ; 
the cankerblooms haTe Itill as deep a dys 
as the pernimed tincture of the roaea. 

(no. 54 der engl, tdhlung). 

HiGERT, m. corvut glandarius. Nemnicb wb. i. hSber. 

HAGESTOLZ, m. caelebs. ahd. hagustalt und bagastalt 
(GsArr 4, 762. 6, 667) , auch mit erweichter oder weggefallener 
gulturaUt haistald, liastald, haistold, hestold, wo* namentlich 
mittelalt. quellen haben (Do Cakce b. Hentschel 3, 816'), aUniederd. 
hagustald {HeUand 5042) und bagaslold (2549), ags. bagnsteald, 
bägesteald, bügsleald (Grein 2, 7) ; im spätem niederdeutsch finden 
tieh die formen havestolt, bovestolt, hofeslolt, hoffeslolt (Haltads 
779), was wie namenitich die zuerst aufgeführte wahrscheinlich 
macht, nur eine entartete form ist und im ersten theile nicht auf 
hof atiJa zurückgeht, das oberdeutsche teigt bereits im 14. Jahr- 
hundert die form hagestolz (loeisfA. 1,33), «ro der nicht mehr 
verstandene zweite theil des uiortes an stolz superfttu angelehnt 
und damit die frühere, verbreitete Hymologie einer der auf seinen 
hqg stolz ist, angebahnt wird, ganz verderbt und mit anlehnung 
an die spätem niederdeutschen formen itt Stiblers baferstolz 
724, mit irunderlicAem erklirungtversuche. 

Die versuche, die urtprünglühe bedeutung des wartet aufzu- 
klären, sind manigfaeh. die Übersetzungen, die alle quellen von 
hagastait geten, gehen zum theil weit auseinander, ahd. caelebs; 
tiro {vgl. altn. gramr baukstalda fürst der krieger Sigurdarqu. 
3,31, die form scheint aus hßgstalda für hagu-slalda oifjlW« 
IM sein); famulus, mercenarius; agricola über; ags. ausserdem 
juvenis, ephebus. sie sind indes nur die tchattierungen einer nach 
und nach verdunkelten hauptbedeutung , die tief das alldeutsche 
recUsleben berührt. 

bagastalt war zunächst adjectiv, wie nicht nur aus dem ahd. 
(hagustalt liip celebem vitam GsArr 4, 782). sondern «neAr no<A 
auj dem ags. hervorgeht, wo b&gstcaldc menn (Greib bibl. 1, 
359,14), gen. plur. hägstealdra (Bcdn. 1S90) begegnen; die über- 
wiegende substantivisclie Verwendung erklärt sich aits der persön- 
lichen bedeutung. der letzte tlieil des wartet ahd. stall findet sich 
wieder im goth. adj. gustald-s , gewähH Tit. l, 7 in der zusam- 
mensHzung agiait-gastalds aioxQOxsfS^e, wovon das goth. ver- 
bum gastiildu tnäoftai nur erst abgeleitet ist. auf den eigent- 
lichen sinn von gastald-s, stall, wirft sowol das ahd. masc. stall 
in Bcafestalt caula (Graff 6, «87), wie das agt. neutr. gesteald 
tlalio, doRiicifinm , puttessio (Grein 1,458) ticht. gastalds ist 
der Stellung habende, über eine saehe getelztt, ihrer waltende, 



uiyui^ed'by 



Google 



155 



HAGESTOLZ 



UAGESTOLZENALTER — UAGSCHERE 156 



iroiu auch das tangobard. gosluldius, gaslaldio, ahd. kasluU 
geslor, «linulcr, judex (Graff «, «67. RA. 7M. 75&) IrilL haga- 
stalt M( der eines hages KoUetide, ilim vorstehende oder Um be- 
sUiende. wir mCisscn uns liierbei an zweierlei erinnern: einmal 
dasz hag, «enn es ein gut bedeutet, nie den sinn hat vie bof, 
es ist keilt herrensilz mit den auf Htm ruhenden gerechtsamen, und 
dann, dasz das deutsche erbrecht, aenn es auch alle söhne 4» 
dem erbe des Vaters theilnehmen läszl, doch von den ältesten leiten 
her den vorzug der erstgeburt kennt und festsetzt, dieser rorzug 
äussert sich namentlich darin, dasz der iUeste söhn das hauptgul 
des vilertichen rigenthums, den herrenhof erhält, mit ihm die 
väterliche macht und die rechte, die an diesem hofe haften -{vgl. 
HoMEYEa hantgemal 19. 43); auf ihn geht auch der brauch furst- 
liclier häuser zurück, dem erstgeborenen das hauptland, nachge- 
borenen nebenländer, aber mit abhängigkeit vom erstgeborenen, lu 
vererben (Schulzb recht der erstgeburt 1851 s. ISO f.). «ird dem 
allein nun nach dem deutschen erbrechte der bof zu Iheil, so 
ictrd dem jüngeren ein nebengttt ohne die hofgerechtsame, ein bag 
angewiesen, und der hagbesitzer ia in einer gemssen, auch durch 
leistungen sieh aussprechenden abhingigkeit von seinem altern bru- 
der, der mit der Oberhoheit über das ganze einst väterliche land 
auch das mundium über den jungem bruder hat. der letztere 
ist daher, so lange er nicht vom väterlichen eigen förmlich aus- 
wandert und sich anderswo einen eigenen unabhängigen besüs 
sucht, in der gründung eines vollkommen freien hausdandes be- 
hindert, er ist caelcbs factisch oder docit im rechtlichen sinne, die 
rechtmäszige ehe wird auf dem herrenhofe geführt, diese atten 
Verhältnisse haben vielfach bis auf unsere zeit nachgewirkt; so in 
Westfalen, wo das recht der erstgeburt so schroff gehandhabt ward, 
dasz der jüngere bruder liei dürftig ihm zugefallenen erbtheile 
immer der dienstbote des erstgeborenen blieb und von ihm seinen 
unterhalt empfieng und wo, wie Bbano {arehivwissensch., Pader- 
born 1854 s. 57) aus Urkunden beibringt, die Zuweisung eines 
kleinen gutstlieils, mit einer hecke umzogen für den Jüngern söhn 
statt hatte, welcher gutstlieil hagcstolle hiesz; aus solclien recht- 
lichen anschauungen entspringt es auch, wenn im Nellenburgischen 
{Schwaben) die hurensöhne bagestülze hieszen (Fgiscn ], 394'), 
denen zur grOndung eines eigenen vollberechtigten hausstandes die 
eheliche geburt fehlte. 

Nach dieser ausfühmng haben die alten glossen recht, wenn sie 
bagastalt tkeils mit caelebs, theils mit juvenis, thtils mit tiro {der 
bagaslall war seinem bruder zur hearfolge verpflichtet), theils mit 
famultts und m'ercenarius übersetzen, theils endlich mit agricola 
liber, da der bagastalt kein unfreier war. was die form bagu- 
slalt betriß, die neben haga- stall vorkommt und die die 
ältere zu sein sclieint {aucli trenn das wort als eigenname ge- 
braucht wird , ist sie die früher bezeug Förstemaiin 1, 676), so 
ist wol eine frühere deutsche form bagu-s oder hagu hag anzu- 
nehmen, die sieh zu bag dienso verhalten würde, wie goth. vinlru-s 
zu alid. wintar. 

Im nhd. bedeutet hagcslolz 

1) den noch unverheirateten, der noch keinen eigenen hausstand 
gegründet hat: es sol oucb enkein bagstoU dekeioen val {ab- 
gäbe) geben, der in die Torgenanten böflc gehöret, weislh. t, ^; 
ein liageslolz, ein gelling {bursctie), der ine wip ist und ia e. 
.«.36«; ain bagstolz sol oucb fry sitzen, unz er sieb veren- 
dert, und darnacb ain jar. >. 377. wie der hagcslolz oAiic 
eigenen hausstand noch nM zu den vollberechtigten mitgliedern 
der gemeine zählt, so ist auch seine strafe für ein vergehen ge- 
ringer: sner euch ein golzbusman ist, verschuldet der einen 
frevel, das sol er bessern mit niun Schillingen und [ein] 
bageslolz mit drin Schillingen. Andlauer hoferechte v. 1284, in 
AuFSBsz «. Mo:<E am. 3, 16. 

2) das unverheiratete Individuum überhaupt, ohne rücksicht auf 
das geschlecht, es gilt also sowol von^manne wie vom weibe: 
wsr och, das ain bagstolz abgieng {stürbe), es sig knabea 
oder dochtren. weisth. 1,240; wo oucb ain bagstolz abgautl, 
es syen knabcn oder tOcblern, alt oder jung. s. 294; in ad- 
jeelivischer Stellung: ain bagstolz knebt oder jungfrowe, die 
gesundert gut b9nt. s. 377. 

3) den altem Junggesellen, der über die gewöhnliche zeit hinaus 
das eingehen einer ehe verzögert hat; rechtlich wird das aller eines 
soldien bestimmt: no oldt dat ein recht hoffeslolte in rechte sin 
schall, darup gefunden : ein hoQcslolle schall olt sin 50 jähr 
drei mante 3 tage. Haltaus 779 (oim Celle v. 1570) ; in andern 
gegenden tritt dat hageslolzenalter rechtUch viel früher ein : bagc- 
stölzo beiszen im Odenwald die so 25 jähr alt und nicht 
beiratben wollen, da sie könnten. Fbiscr 1, 394'. — In der 



neuern spräche verbindet sieh mit hagcslolz aussehUetzUch d^r 
begriff des altem, unverlieiratel gebliebenen mannes : als ein kOn f- 
liger bageslolz. Lessinc l, 219; ich habe in' der liebe man- 
cherlei Schicksale gehabt, war mehr als einmal entscblossen . 
mein leben als bageslolz zu enden. GOthb T, 132; ein alter 
bageslolz, alle gebrechen seines Blandes in sich tragend, 
geizig, eitel, den jUngling spielend, Terliebt, geckenhaft. E. X. 
Ä. HoFFMAüN 4, 45 ; obgleich ihr ein bageslolz verblieben. Holtei 
Chr. Lammfell 180; 

bald dOnkt dicht gut, bald nicht, ein bagesloli lu biftben. 

LtssiNS 1, 19; 
dem alten IVeiherm von Chryaaot 
«agla Amor einen streich lu spielen. 
Tür einen hagestolz bekannt, 

fleng, um die sechiig, er sich wieder an lu fDhlen. 121 , 
und tich als bageslolz allein tum grab tu schleireo, 
das bat noch keinem wohl gelhan. G6nt 12, 161 ; 
ein bageatoli ist •chwerlieh tu bekehren. 164. 
Steinbacb 2, 721 verzeichna die form der bagenstöltze eoelelt.' 
'tenex. 

HAGESTOLZENALTER, n. 
HAGESTOLZENEILAND, n..- 

durch euer {des brdulgams) Iieispiel angereizt, 
bekehre Rieb, wer schon allmältch an der kuste 
des hagestolzeneilands kreuzt, 
bekehre sich tu Hymens altar. Gonu 1, 177. 

HAGESTOLZENKRAM, m. kram, wie iAn ein hageslolt um 
sich her hat {v^. das zweitfolgende) : 

packt aus den hageslolten kram. Oviurci ged. 82. 

HAGESTOLZENBECHT, ti. reehtUehe befugnisse und reehu- 
verkäUnisse eines hagestolten. Scbottel tractat von unlerschiedl. 
rechten in Teutschland (1671) s. 1 — 32. 

HAGESTOLZENWIRTHSCHAFT, f.: wir fanden bei Berol- 
dingen selbst manches gute an gemalden und kupfern, aber 
alles durcheinander gekramt, eben eine bageslolzenwirlhschaft. 
GöTUE an frau v. Stein 1, 243. 

HAGETORF, tn. eine abänderung des tumpflorfs, schlecht, 
leicht und stinkend. Nbm.-iicu wb. es ist wol der lorf, der »dt 
aus dem obem leichten geürüpp des torfmooret gebildet hat. 

HAGEWEIDE, f. saüx helix. Nebnich 4,1201. aiidk hagen- 
weide, bcckweidc, niedrige buschncide. 

HAGGAKTEN , m. angehegtes landstück ßr jagdzwecke, etwa 
Wildpark: haaggarle Schoitel haubtspr. 438'. 

HAGHANDSCHUH, m. handschuh der beim bearbeiten einer 
dornhecke angezogen wird? Tindt ungferd ein par baghändt- 
scbucb und ein scbaufel, die legt er an (utn ach das ansehen 
zu geben, als halte er am liage gearbeitet). Wimram roUw. 
182, 8 Kurz. 

HAGICHT, adj. munilus senübus, septus, sepfmento ündus; 
dumosus, sylvestris, sylvosus. Stiei.eii 726. 

HAGJt'NKER, m. hegereiler, raubrüter: listige praclicierer, 
schnappbän und hagjunkern, blaue sackmesser oder kisten- 
feger und wacherer. Fischakt 6ten. 23o'; nutzer denn ein 
solcher bagjunkberr. wegkürzer 101. — dim. unsere . . buttrltz- 
lein und hagjünkerlin. Carg. 47'. 

HAGLER, m. der hagel wirkt oder brin^: 

Sturm von morgen und abend und mittag, der machtige bagler, 
sltirzen über den Pelagus her. 

ScHILUa {krit. ausg. r. Kurt) 1, 14, 61, 
nadi incubuere mari, tolumque a sedihiis imis 

una Eurusque Notusque ruuut creberque procellis 
Africus. Verg. Aen. 1, 85. 

HÄGLING, m., oberdeutsch, eine ort kleiner weiszfische, nach 
Gesner albula minima. Adelonc. 

HAGMKSSER, n. messer wie es zum bcscJineiden des hages 
dient: bagmSsser arboria fatx NAAtEa207'; den birnhaum .. 
mit einem hagmesser ein wenig bebauen. Sesiz feldbau 363. 
der gäriner nennt es auch hackmesscr {sp. 102) ; die form bak- 
messer neben hackmesser artamus Dietekb. 61' geht wol auf die 
mhd. Schreibung hac •- hag zurück, 

HAGRICHT, adj. macer, maeUenlus, etwas hager: er hat ein 
bagricbt gesiebt, maeilenio est vre. Stieler 729. 

HAGSCHAU, /. inspectto sepiincntom»!. STiKt.i£Rl744; pfatten- 
und bagscbau, das ist besichligung der mangelbaren zSun, 
wie auch iiberwacbsendcr und. die strasz bindernder bilge 
und bäumen, urk. aus Lindau r. 1586 bei Haltaus 773. Friscb 
führt die form hagenschau auf 1,394'. 

HAGSCHERE, f. schere zum beschneiden eines hages, auch 
zaunscbcre, beckenschere, gartenscbere genonnl .- ihre, flppigen 



uiyiiiztJU uy 



ö" 



157 



HAGSEIL— HAUEN 



HÄHER— HAHL 



158 



ranken mit franzosischer hagscbeere zu beschneiden. Straosz 
Schubarts leben 1,347. 

HAGSEIL, n. clemUis ßammnla, eine rebenartige, tmsehen 
hecken wachsende pftanie, auch hexenstrang, tcufelsznirn. 

HAGSTECKHN, »i. stecken für einen hag, launpfahl: schnitzle 
zuerst bagsteclien. arme mann im TiKkenb. 20. 

HAGSTOCK, fli. slocJi, pfalU aus einem hage oder taune: man 
sprang mir mit üxlen, prügeln und bagstCcken, einst gar 
einer mit einer seose nach, artne mann tm Totkenb.3l. 

HAfiTANNE, f. eine kleinere lannenarl. s. d. folgende. 

HAGTANNEN, ailj.: item were sacb, daj debciner von 
Roggwil uns in den obgnanten unsera wildem verachten 
wolte und dorinn frevenlicb biuwe, es were tannin bollz 
oder eicbin oder oucb bagtannen, so so! er von iegliehem 
bOm, es sye eicbin oder luonin dein oder grosz, 1 Üb. pfenn. 
verfallen sin In gnad. ueislh. t, 178. 

' HAGWALD, in.; bucbenwald, bagwald, so ins gebtge ge- 
schlagen, silta franna ferino sepla. Schottel haublspr. 44S*. 

HAGZAUN, n. saun, hecke. Haltaus 774. vgl. bagl, ^.137. 

HAHA, der redupüiierte ausruf ha (sp. &), subUanlivisch ge- 
setil: ein verwundertes haha entschlüpfte seinem munde; 
das baha, was er bervorstiesz, klang gekänstell. haha «irä 
audi eine ]jtülzlich freie aussieht gewährende Öffnung in der be- 
friedigung eines gartens, vor der ein grabeti liegt, genannt. AuE- 
LONc; doch sind diese den garten des kuchcs einfassende 
leere habas auch die Wüsteneien, die ein buch vom andern 
sondern müssen. J. Paul jubekenior s. 184. 

HÄHE, f. bei den jägem das Weibchen von vüyeln und wild. 
Jacobssün t, 187'. der ausdruck, ungewöhnlicher als sie oder 
sicke {s. d.), ist wn der mittel- und niederdeutschen form des 
pronomens er, he, bä weiblich moviert, mit diesem pronomea be- 
leichnet man das mdnnc/ien bei thieren. Fitoxn. 3,501. 
' HAHEN, verb. suspcndere, pendcre. golh. babau, pracl. bai- 
bah , tthd. biban , praet. bienc , mhd. hdfaen , praet. hie und 
hienc, ags. hAn, praet. hing, fries. hfta, praet. h^ng; fiir das 
altniederdeutsche sind praesentiale unnasatierte formen nicht nach- 
gewiesen, es ist bei diesem worte wie bei faben (3, 1236) wahr- 
scheinlich, das: schon im gothischen eine rMnistischc aussproclie 
des wurielvocals statt gehabt habe, weil sonst nach den gothisclien 
toealgeselzen in diesem falle das ungeschütsle wurzelhaße a wahr- 
sduinUch zu i herabgesunken wäre, und bahan, faban sich zu 
biban, Qhan dienso gestaltet hätte, wie itan, niman, brikuo aus 
ehemaligem atan, naman, brakaa hervorgieng. in den spätem 
althochdeutschen und altniederdeutschen dialecten vergröberte sich 
in den praeteritalformea die rhinistische ausspräche des wurzel- 
voealt derart, dasz sie in der schriß ausdruck empfieng, daher 
die praet. hieng, fleug (aus früherem baibang, faifang), jiarl. 
gebangen , gefangen ; tn den praesentialen formen machte sich 
statt der näselnden ausspräche die einfache ^ersatztänge i gellend, 
die also wie in vielen andern fdUen für an steht, so weit nicht 
auch hier volle nasalierung eintrat, die form bangen ist freilich 
erst spät naclizuweisen (s. weiteres das.) ; für das in (jicicher weise 
entwickelte fangen aber ist sie, wenigstens in den altnieierfränki- 
schen psalmen, schon im 10. jalirh. im gebrauch; fangit imo 
eomprehendile eum ps. 70, 11; bifangi sia comprehendat eos ps. 
68, 25. 

Das nhd. zeigt haben nur noch seilen, während 'faben nicht 
unhäußg torkommt und noch jetzt in erhabener spräche dauert; 
ein unnasaliertes praet. hie, was auch mlul. gegen hienc sehr 
zurücktritt, ulieint überall nicht mehr zu begegnen. 

hahen bedeutet 

1) aufhängen, suspendere: den diep sol man haben. Halt- 
Aus 780; 

miuse sol man viheo, 

diebe sol man höben. Vridank 47, 19; 

man sol in an aia gsigeo haben, 

oder teioen köpf abslagen, fastn. tp. 474, 10 ; 

dasz die mUller bei hohem wasser und eisgängen ihre müh- 
ten mit seilen an die Stadtmauer haben und festmachen. 
BtgenAurger chron. bei Scbhelleb 2, 166. 

2) hangen, pendere: 

das primglicklein darin auch becht, 
ehe dann man zu singen anrechl, 
Mglichen fTue und vesperioU 
Wirt est ein gantze sluodl goloüt. 

Scukilzl lobspr. 78, 

in «nem rd<Ml auf die haidnusz: 

es Ist bal 

und becht gen lal. fattn. tp. UiS; 



noch jetzt südbühmisch. 

min Schwester sitzt in arrest, 

und min brueder hacht afti golgn. Fao». 0, 269. 

t» übertragenem sinne: 

das got den sboder nit erhirt, 
nur den der hecht an seinem wart. 

ScttHLZL blindgeb. tohn 9*. 

HÄHER, ffl., mhd. bahsre {wb. 1, 610*), nach haben l der 
henker. Senn. 2, 166; des bahcrs recht. Haltaos 780; du 
forchst dich, du wurdest von deiner mOrderei und deub- 
slahl wegen dem bacher an einen strick geantwurt. ftrofer 
schmähbrirfe v. 1408 bei FrOmi. 5, 371. jetzt noch sSdbOhm. 
bacher henker. Faoiii. 6,272. 

HÄHER, tn., alut. hebara, mhd. hiher f. pieus, oris, atla- 
eus, merops (Gbaft 4,799; mhä. wb. 1,647*), ags. bigora m. ; 
es ist der gemeine name für zwei nahverwandle vogelarten, cor- 
vtts glandarius, welcher durch bäber am häufigsten bezeichnet 
wird, und für eoracias garrula, die seltener haher, blauer btber, 
mehr mandelkrlhe heiszt. garrulus heher, heger Oiefenb. 258'; 
der geschwätzige lustige vogel gilt nach der gemeinen anschauung 
als spaszmacher unter den vögeln des waldes, datier er audi 
Markolt, Markwart, Markolf, bruder Markolf, bruder Horolf 
genannt wird {vgl. 2,419, no. 7); 

Lutke de krdn und« Harkwart de begger. Rnin. fuchs li; 
ein ags. rätsei schildert ihn: 

io eom vunderlicu viht, vripsne (dnrferf) mtne stefue: 
bvilum beori^e svi liund, hvilum bisete svi gAl, 
bvilum gi'itidu svi gds, bvilum gielle svi hafoc, 
hvilum IC oiihyrge bone basvan earo, 
giltffuglea Ijlcodor, nTilum glidan reordc 
milde gemiene, hvilum msvcs song, 
)>xr ic giado silte. Gniin 2, 381, 26; 
daher nhd. der bäber ein spotvogel ist. Bs\nt narrenscli. 42, 21 ; 

vil leidige garruli oder bäher, welche nichts anders dann 
plaudern und schnattern können. KiRciiHor wendunm. vurr.; 
der haber . . volget nach aller anderen vGglen gsang und 
gscbrei, und das lernet er nit um wol singens willen, zu 
lust und fröuden, sunder allein unib geschwitz willen. Heuszlin 
vogclb. 13'; 

der Singer redte nun Marcolpb den scbreier an, 
den h&taer. Hacsvosii 2, 139 j 

wie nu der cumaniscb esel in der IOwcnbaut und der eso- 
piscb büber in den pfaweufcdderen von natur ebensowol 
nur ain hüher und esel ist als andere. Kram paradoxa 45, 
no. 81, nadi der fabel Aesops , die B. V^aldis behandelt Itat: 
vom balier. Esop 1,29; den heher mit seiner art. 3 JVvs. II, 
19 ; 5 Mos. 14, 18. 
HÄHERN, ffer6. wie ein häher rufen: 

der schwatzende 
staar, der hihernde specbt. UiaDzn 12, 114. 

HAHL, HÄHL, f. haken, um den kessel übers feuer zu hingen, 
alid. h&hala, bftbila, hibel cramacuta GiiArr 4, 772 ; mhd. blhel 
wb. 1, 610*, von biban hingen (sp. 157) abgeleitet, cremacula 
bala, hagel, hobel, hol, bael Üiefenb. 156'; baal fcrramentum 
camiiU Dasip. ; catena haSl, nnc cremailtUre Friscolin nomend. 
397*. das wart, ehedem mit der einriclitung über ganz Deutsclt- 
land bekannt, ist tn dem grade seltener geworden, als die alte 
kücheneinrichtung mit dem offenen herdfeuer geschwunden ist; es 
findet sieh noch tn Hessen : bable Vilmar 143 ; in Nassau bahl, 
hohl, -bohl, hehl Kedrein 181; bair. hahel Sciix. 2, 1C6; tu 
Kärnthen Hl Lexeb 131, und anderwärts; in den nOrdticIien 
gegenden Deutschlands hat das wort anderes gescideclil, im Got- 
tingisehen hM mosc. u. neulr. Schaxbach 72', aucA in Rheinfran- 
ken htl neutr. Fbomh. 3,556. 

krautmesser, saltzvas, rechen, bihel sind nit da, 
zuber, scbapfeo, bifen, gelten, macht in graw. 

Ilältterm 43, 31; 

bU und kessel viel dabin, rin; 10*, 20; 

tn «nem stück vtrkdirter weit wird gesagt: so hilfst du mir 
den rauch ans fleisch henken und das fewer über den kes- 
sel thun und die häl an die kessel henken. Amiras. liederb. 
234,36. <. kesselhahel 5,625. 

HAHL, HAHL, ad;., glaU, schlüpfrig, ahd. bMi, alln. hill, 
mhd. bele (üb. l, 613'). es steht 

1) in sinnlicher bedeutung: bjill, glatt, lubricus, bsi und 
scblipferig machen lubricare Haaler205'; 

wenn einer fimb lauft in der narren weis, 

so get er gar auf eim helen eis. fastn. »p. 754, 14} 

u,y,,..üby Google 



159 



HABL— HAHN 



HAHN 



160 



ir uiachlag ilat uff bllem ja. 

Btkirt narrentch. HO', 8; 
6io« {dt* Idwn) cliwen wiren b»le. 

Marlina ISt, 70; 
und manches mal gesagt, wo eigne lugend fahl, 
da glaute mou für gold, des adele grund aleh hibi {nicU fest). 

RoirLta 134. 

2) übertragen glatt, schmeieUeriseh : häle, glatte oder sQsze 
wort reden, loqui multa, adhüere blanäitiat, liebliche bäle 
oiMz oder b8r, die ire bSler frei biadergon kan, meretrix 
blanda. Maalei20&'; die kiszliogsteiu mit bileu wortea be- 
wegen. WlRSOKC M. Cl. 

in beiden btdeutungen ist das icort Aeule in süddeutschen mund- 
arlen verbreitet, namentlich bair. und kämtn. tM Scum. 2,166, 
LexebISI, tchuib. bSl Schi(Id225, und hat manigfache Weiter- 
bildungen aufzuweisen: kämtn. bAle, bair. scitwäb. hiile glälte, 
sehlüpfrigkeit; biUizen in Baiem ausgleiten; h41maulat in Käm- 
Ihtn glattmäuUg, glatte «orte gebrauchend; seltwib. hälkatze ein 
mensch mä falschen, glatten «orten, hUUclüeicher leisetreter. 

3) ein anderes habl, bäbl ßndet sich in Niederäeutsciäand und 
durch Hessen bis ins Rheiafrdnkische hinein: hess. hil und ba:l 
trocken, mager, dürre, austrocknend, eine liale beide, bale stop- 
peln, bal aussehen {abgelehrt aussehen). ViuiakU&; niederd. in 
hlle wind der trockne wind Schakb. 72'; in Nassau ein bahler 
oder hohler (Irockner) wind , husten Kcuiein 181 ; es durfte 
nur eine düstere wölke die luft beschweren oder ein babler 
Irockner Ostwind, so war er keines hellen gedankens mehr 
fähig. Wknk leben des tribunalratta Uopfner (l7»7) (. 3». 

Da das wort seiner abstammung nadt dunkel ist, so kann niclit 
gesagt werden, ob die vorstehend angeführten drei bedeutungen auf 
eine gemeinschaßliche surück gehen oder ob die na. 3 auf einer 
andern wursel fusil. das adj. hüUl sclieint nicht mit bcbl, 
hebten tu vermitteln, eher würde das allind. kal treiben, be- 
wegen (BOBTL.-R0TB 2, ISO) xur vergleichung heranzuiiehen sein. 

HAHLE, f. loxia pyrrhula, dompfaff. Nkwiicb wb. 

HAH LG ANS, f. in twei bedeutungen. 

1) hahlgans tusammengetogene form von hagelgans fuUca, 
sp. Üb: {hexen sind) daruf so baldt uf einem besem durch 
das raucbloch binausz gefahren, in einem dabl im waldt 
sich zu andern ihren mitgesellen rersamblet undt von dan- 
nen mit einander in der luft wie die haalgensz zum dantz 
gefahren. fiODiiiGEt hexenproc. aäen v. 1&96. 

2) in Heuen und Frankfurt aber heistt hahlgans eine dürre, 
noch <ii«U gemästete gans, wie haelschwein, belschwein ein noch 
ungemdtletes schwein ist, liier ist babi das oben besprochene adj. 
in der bedeutung 3. eine enlstellung dieses hahlgans in hagel- 
gans ist in Hessen üblich. Vilhai I4&. das wori bildet ein 
Schimpfwort für ein noch niehl gant ausgewachsenes mädchen: 
hahlgans die du bist! ist das auch erlaubt, so was zu ver- 
gessen T Fl. MOllei 1,248; geb acht uffs liebt, hahlgans! 
{sagt der bürgercapUain su seiner tochter), siebst de net, wie 
die funke denron flieje? Halsz bürgercap. 47. 

HAHN, m. gallus. golh. ags. bana, <did. allH. hano, fries. 
bona, oUn. bani, mhd. hau, nl. baan, ddn. schwed. hane; un- 
angefochten ist die deutung seines namens als 'rufer, Sänger', 
nach tat. can-ere, welches nach den gesetsen der lautverschiebung 
genau entspricht, die deelinalion des Wortes ist wie in den älte- 
sten dialetien und dem mhd. die schwache, namentlich im 16. und 
17. jahrh. und auch, obschon mit der Jüngern teü immer selte- 
ner , bis zu ende da 18. jahrhunderU hinauf, wie in den süd- 
deutschen mundarten noch jetzt: vom fuchs und dem bahnen. 
B. Waldis Esop 4,2; 

■iebi wie die stolzen hanen 
die hOner Qbergehn. Opitz 1, 156; 

wir wollen die bahnen ktmpfen sehn. Kuncei Iheater 3, 145 ; 
die welschen bahnen. Tischbein bei GOlhe 29, 19 ; 

und ich hehagUch unterdeuen 

hält einen hanoen BufgelVessen. GiiBE 2, 283; 

ich habe niemali danach gefragt: 

von welchem scbnepren und fasaneo, 

eapaunen und welscheohabnen 

ich mein bduchelchen gemistet. 47, 77. 

aber schon seit dem 16. jahrh. bahnt sieh die starke dediuation 
des Wortes an, die jedoch in der Schriftsprache vor dem schlusz 
des 18. jahrh. laeht voUäändig durclidringt. die starke deelina- 
lion wird voi zunächst veranlasit durch eine schon frühe nicht 
ungebräuehlieht kürzung des aec. dat. sing, bahnen in bahn: 

die unversiindigen merk beim han. 

B. W11.DU Esop 1, I, 31 ; 



der lodt sähe was er [ür ein han 

an im bat. Ftcas »itIclmiJkrie; 2, 3tS; 

mein gewebr mit aufgezogenem bahn. SimpL 1,255 Kurz; eine 
kürzung die übrigens auch im nom. occ. pi zu bemerken ist: 
wie böse han. Ribcwau) laut. w. 360. das bewirkt auch die 
bildung eines genitivs des hahns (des hanes bei H. Sachs 2, 4, 
14', aller »och als seltene erseheinung) und eines plurals die 
hSbne, indem sich hier das wort der i-dedination zuwendet; 
diese letslere pluralform steht schon bei Keisebsbebg: die alten 
hen. brüsaml. 1,21'; die hSo. schiff d.pen.31', wird aber doch 
erst häufiger in den Schriften seit ende des 17. jahrh,, vorzüglich 
wenn ihre heimat mitteldeutsch ist, bis sie im 18. joArA. die schwache 
form bahnen ganz verdrängt, die plwalform hühner, dae von 
neueren hin und wieder gewagt wird, hat gar keine bereehüguitg. 

bahn bezeichnet: 

t) den haushahn, gallus. ubsehon in Deutsehland nicht ur- 
sprünglich heimisch, ist er doch schon seil uralter seit hausthier 
der Germanen, und die spräche schildert sein gebahren in ver- 
schiedenen, zum theil fornuUiaflen Wendungen. 

o) er dient als ulir, sein lautes krähen, das man gern mit dem 
klänge einer trompete vergleicht, beseichnet die seit des kaum erst 
dämmernden morgens , wo die rulie verlassen , die arbeit wieder 
aufgenommen sein wiU: der han läszt sich am morgen frit 
mit seinem gsang merken, dann sy die natur darzu verord- 
net hat, dasz ey die menschen zur arbeit aufweckind, und 
inen den schlaaf brechen sOllind. Hedszlin vogelb. 76'; 

der wind der weht, 

der bahn der krihi, 

die glock schlagt drei, 

der luhrmanii hebt sich von der atreu, mmderkorn; 

am morgen bald die hanen kreitan. 

WicxBAM 6119. i 61. 29i 
legt (ich hernach zur ruh, acliUri Trei von angst und sorgen« 
bis ihn und sein ganz haus der bahn weckt, wann zu morgen 
Aurora sehen Uszt ihr rosenrotes haar. Orrri 1, 158; 
kaum krähte noch der bahn hei Trühem tage, 
so rief sie schon : steht auf, ibr midcben, es ist spat, 
der bahn hat schon zweimal gekräht. Gxlli«t 1, 175, 

0, der Wonne I ha, da krAhel 

aus der bahn den wachen morgen. 

AanoT geä. (1840) 416; 

trüb, wenn die bahne krihn, 

eh die sternlein verschwinden, 

musi ich am herde stehn, 

musi Teuer anzünden. Hdaicu; 

der bahn, der als trompete dient dem morgen, 

erweckt mit schmetternder und heller kehle 

den gott des lages. 

bliakespeare t. Scblioil, HamfeC 1,11 

the cock, ihat is the trumpet to the mom, 

doth wiih bis lottjr and shrill-sounding throat 

awake ihe god of da;; 

wenn des hahns drommete 

das umbOschte dörfchen weckt. 

llöLTi im Ulm. d. ä. ihm. 1773 «. 121, 

dann im beit uns lang gestreckt, 

bis der bahn von neuem weckt. Voss 5, 15, 

eh ein bahn vom schlaf erweckt, 

den noch nicht nahen lag entdeckt. 

A. Gavraius (1663) t. 622; 

still, der bahn erwacht ! GOrai 1, 247 ; 

in dieser nacht, ehe der hane krehet, wirstu mich dreimal 
verleugnen. Matth. 26,34; und der han krehet zum andern 
mal, da gedachte Petrus an das wort, das Jesus zu im sagte, 
ehe der hane zweimal krehet, wirstu mich dreimal verleug- 
nen. JHare. 14, 72. als üehtverkündiger verscheucht er die gespenster 
der nacht: 

rapp, rappi mich dankt, der habn schon niD, 

bald wird der saod verrinnen. 

rapp, rapp ! ich wittre morgenluft, 

rapp, tummle dich von hinnen. BCasu Lenore. 

b) aber nicht am morgen allein ertönt sein ruf; als heir des 
hühnerhofes rügt er alles auffallende und tM^eAvri^e durch sein 
krähen, daher sagt man, wenn man eine uche als unbedeutend 
und des aufsehens nicht wert bezeichnen will, es kräht kein bahn 
darnach, »l. daar zai geen haao na kraaijen. Habiebob^ 
1,265: da sie dem kOnig iintn guldco erfromet haben, der 
musz al obren und äugen fallen, wie grosz rath da geslift 
sei, aber da viel tausend gOlden dafür sind verfaulwitzt, da 
krehet kein ban nach. Lctber 6,147'; versteht ibrs, ein jedes 
kind ist seins vatters, da krehet kein ban nach. Carg. 79'; 
wie? wann dich dergleichen kerl ermordeten oder in einer 
occasion nidermacblen? was würde wol für ein baan darnach 



uiyiiiztJU uy 



.oog 



li 



161 



HAHN 



HAHN 



162 



krallen T Smpl. 3, 48 Kuri; und krähte je ein bahn im ganten 
beere nacb diesem berumschleicbenden .. obsertazionskorps? 
J. Paol ritait 1,69; 

ich nil fein sitlich kioptta ao, 
leiclit liftrM die msgd eh wann der mann, 
die thut mir auf, den ichleich ich gmacb 
ins faausi, so iirat lieln hau darnacli. 

H. SiCBS 2, 4, W; 
lieln ban fort damaeb krähen ihut. 3, 2, 213'; 
und in aUUtmertnder ttrbindung: da kräbt weder haha noch 
buhn nach. 

e) der kahn ladet in eintm hohnerhoft keinen melten; daher 
tpriekieirrtlieh r jeder bahn ist kOnig auf seinem miste; der 
habn gilt auf seinem miste das meiste. Steinbacb 1, (86; 
wie man spricht, der ban ist nicht gut von seinem mist zu 
treiben. LuraEi 4,231'; zwei bahne rertragen aich nicht auf 
einem miste Steinbacr 1,686; und ine «cei hihne, wenn sie 
sieb erblicken, tofort gegen einander kämpfen: 

siehst die bannen einander peisien. H. Sicas 1, 512'. 
(vgl. babnengefecht, balmenkampQ, >o verglcidU man bittere 
fände mü zwei hältnen, sie hacken aaf einander wie ein paar 
bsbne; 

so bliclcen sie doch wie die bahn 

einander auf ein seilen an. B. Ringwiio l. w. 367; 

stets sich in den haaren liegen, 

wie iwei hahne da su stehn. Göthi 67, 233. 

baJin iM'd auf einen tüchtigen, ttreilbaren menschen übertragen, 
vgl. unten no. 3 und kampfhahn S, 153. 

d) der hahn ist aber nicht nur ein wachsamer und IMmer, er 
bt auch ein geiler vogel; daher 

an Worten ist er m6neh, an thaten ist er hahn. 

LooAD 3, 98, 2; 
wann die benne zum hahn kommet, so vergisset sie ihrer 
jungen. Pistobius lAcjaur. poroem. 10, 110.40, 1.999; ein ttbler 
wundsch, dasi dich der haan hack auf dem strosack. Phi- 
LANOEi 2, 24. «$1. der ban backt die kenne, galbu cakat 
gallinam. SnEiER732. 

e) die mythologischen besüge des hahns ergeben sich aus seinen 
eigenschttflen. durch sein frühes krähen tageskündiger , ist san 
geßeder, wenn et weist, «<d Symbol einer lichtgoUheil (der weisse 
hahn wird ein sonnenartig thier $enann< Garj^ 126'), venn es 
rot, denkt man es sich in bezug su feuergoltheiten. er ist ausser- 
dem welterfrophet, sein verschiedenartiges krUhen sagt einen guten 
oder schlechten tag voraus, und wenn der lelstere faU eintreten 
wiU, ist die stimme des hahns klagend und weniger scharf; das 
Volk sagt alsdann die bthne leiern. myUi. 635 ist vermutet, 
dass der rote hahn, der im miltelalter so htufig als sins an die 
geistUchkeit erscheint, ursprünglich wol opfergdbe gewesen sei. der 
rote snsAaAn ist nocii heute nicht vergessen, er lebt im Sprichworte 
rolh nie ein zinsbabn, namentlich von einem vor erhittung oder 
tum im gesichl rot gewordenen menschen: du bist erhitzt, er- 
hitzt wie ein xinshabn. Lessino 1, 286. jnier oien berührten 
betiekung des höhnt zu feuergoühäten verdankt femer das büd 
seine entstehung, dasz der rote bahn aufs dach Qiege, wenn in 
einem Aause feuer ausbricht; wer /euer anlegt, setzt den roten 
bahn: und ist zu besorgen, man werde noch auf viel wel- 
lisch und leichtfertig gebende, das mit armer leut blut und 
scbweisz beworfen und getUnchet, einen roten ban setzen. 
Matbes. Sar. 54' ; sintemal sie in gemein verwegne böse buhen 
sein und einem leichtlicb einen roten bahn aufs dach stecken 
dorflen. Henneberger 419; den roten hahn zum gibel aus- 
jagen. ScB0TTELltl6'; da gleisner, knicker, menschenschinder, 
dir mScbla ich zuerst den rotben bahn aufs pfarrhaus setzen. 
Aaiiia sthaub. 2, 163; den rotben bahn wilst du aufstecken. 
2, 154 ( 

drumb schwelg und hab dir als unglücii, 

eh das ich dir und deinem mann 

auf dein stadi seti ein roten ban. H. Sacbs 2, 4, 13', 

ungewöhnlich wird rotber habn aucA die durch ein feuerieug her- 
vorgelockte kleine /{amme genannt; 

ar sprarhs, blies schwamm und schwefel an, 

<ier wind half treulich mit, 

Mcbon natterle der reibe bahn, 

«is Frans den fUchs bescbrili. Fa. Kifia gediehle. 

durch die tiexiehung des hahnes tu feuergottheilen erlangl er nun 
aber auch etwas dimonisehes; namentlich der hahn mit schwarten 
gefieder wird in Verbindung mit bösen geistern oder dem teufel 
gedacht, schatte, die der teufel hütet, hebt man, indem man ihm 
einen schwarzen bahn opfert: (es) soll dort noch gcld liegen, 
welches aber der teufel in Verwahrung bat. wenn man das- 
IV. n. 



selbe haben will, musz man «inen kohlrabenschwarzen hahn 
nehmen, der aber untenvegs nicht tufen darf. Cortze sa$enl96. 
Vielfach erscheint auch der bahn ab preti im Wettspiele, viel- 
leicht unter einwirkung des umstandes, dast hdhne getinst, noch 
früher geopfert wurden; so beim babnenschlag, babnensteigen, 
t. d., im bahnentanz: 

dorfmaid und baurnknecbt, 

die wollen tanzen umb den han; 

und TOD welbem baursman 

das pest wird gelun an niis gefer . . ' 

dem Wirt der hau gegeben, fasln, sp. 580, 8; 

daAer einen bahnen ertanzen, mereedem tive praemium acäpere, 
prelium ferre ob aUquid. Faiscn 1,397', und, in eigenlhümlicher 
anwendung: item man hat um einen han gelogen, und der 
die grösten lügen bat tan, der hat den bahnen gewannen. 
Sehdeb Aug^. chron. bei BirUnger 218'. 

Q eine alte, schon im 12. jahrh. bekannte redensarl ist darüber 
laufen wie der hahn über beisze kohlen, d h. eilig, schnell, 
flüchtig, (.kohle 6, c, th, 6,1585: sondern {(üe seele) lauft ofter- 
mals dieselben bochnOtigslen sachen überbin, wie ein bahn 
über heisse holen. ganstkOnig vorr. iij' ; er leufl darüber weg, 
wie ein han über die holen , gustat ut canis e NUo bibens. ^ 
Stieler 749. 

Eine andere redensarl: dastehen wie ein nasser hahn, ein 
begossner hahn, knüpß an die scheu dieses vogels vor watser an : 

wie ein beschmutzter nasser ban. 

B. RincwiLB <au(. loarh. 66, 

g) unter dem jungen hühnervolke, das im h&hnerkorbe bewahrt 
wird, ist der hahn das beste und geschitttesle stück, daher bahn 
im korbe sein, die höchste geltung bei jemand haben : eum qui 
primas partes apud amicum tenet, appellant bahn im korb. 
facel. facet. s. 164 ; (du bist der) der gern selber möchte bahn 
im korbe sein. Lebz 1,275; ich war der bahn im korbe, 
abwesend ward ich gleich vermiszt, man hätschelte mich. 
GöTBE 36, 24 ; ich war nun 'gleichsam habn im korbe bei 
den guten edeln ziegen am HeUcon. luuEiaANN Jlf&ncAA. 2,75; 
noch ist der landskneebtisch papst Julius der ander der best 
ban im korb, bienenk. I3l'; dann wer dem grossen numen 
am allermeisten zuwider und den menschen am schädlich- 
sten zu sein befunden wird, soll unserm alten gebrauch und 
herkommen nach auch der vornehmste haan im korbe sein. 
Simpl. 2, 139 Jiurz; der am meisten geübtester schandlapp 
ist oft der beste bahn im korbe. Scbottel 1117* ; und diese 
wollen gleichwol auch nicht die schlimtnesten hanen im korbe 
sein. 6aurenjt. lasterpr. 62 ; 

samm sei er im iiorb der beste ban. H. Sacbs 5, 397'. 

h) andere sprichwörtliche redensarten: die bauen haben ein 
iied und sinn und krähen mit ungleicher stimm. Lbhmanh 187; 
eine benne kan mehr verscharren, als zehn bftne erspahren. 
PlSTORlDS 5 no. 77; 

huren und buben, 
reilich und ruhen, 
hüner und hanen 
bleiben gespanen. 

WiioNiR apophlAej/m. 5 (1655) «. 22t; 

aus .einem kapaun wird kein bahn; ausz den kappaunan 
werden doch -'keine hanen mehr, darumb musz man inen 
dasz krähen mit dem bratspiesz vertreiben, bienenk. 13'; in 
eines andern bahnes nest seine eier legen, ehebruch treiben, 
vgl. unter bahnrei: Venereus musle das gelacb bezahlen, 
weil dieser ein fremdling, und sich erkühnet halle, in eines 
andern hahns nest seine eier zu legen, so ward er ohne 
verbOning verurlheilet. Happel acad. nm. 599 ; von dJIem per- 
tonen, bei denen sich falten um die äugen bilden, sagt man, die 
bahnen haben ihn ins gesiebt getreten, bairisch nennt man 
solche falten bennentrittlein (Sciim. 1,603): 
sie hat iieln alten scheisser lieb, 
dem die hanen haben irelin ins gsiebt. 

Aiati 443' (2229, 15 Kelter). 

2) bahn, da* ffldnncAen bei vögeln. 

a) der männliche hühnerartige vogel. bei den grossen dieser 
gattung heistt der männliche vogel hahn, der weibliche benne, 
man spricAt von trutbahn und truthenne, pfaubabn und pfau- 
heone, auerhabn und auerbenne ; im pluroj, wenn die gattung, 
ohne betonung des geschlechts hervorgdtoben werden soll, steht 
truthtthner, pfauhühner, auerbflbner. die kleinem hühnerartigen 
Vögel beteichnet man dangen gewöhnlich auch im Singular durch 
buhn , weil äeses wort eigentlich das junge , kleine des hühner- 
volkt ausdrückt und twar ganz ohne rüdäicht auf das geschleM. 



Digitized by 



(!^oogle 



163 



HAHN 



BAHN 



164 



äalier birkhuhn, haselhubn, rebbubn, schaeehubn, wasser- 
buhn, voneben birkhabn und birkbenne, rebbabn und reb- 
henne {mhä. rephenne tcb. 1, 626') nur seltea erselteinen. einen 
calecutiscben bahnen in Africa oder India .. der sieb auf- 
geblasen und die rote nasen greulicb niedergebengt. Rollen- 
nACEK vahrhaße /fiijen (1717) 298; den lisch mit einem in- 
dianischen banen zieren. Schuppius 699 ; als wenn sie pfauen 
oder welsche bahnen waien. Happel acad. rom. %i3 ; vgl. auch 
fas-babn unter fasan 3, 1336. werden die kleinem hülmerartigen 
Vögel ausdrücklich nach dem geschlecläe geschieden, so heisit das 
aidnne/ien bahn , das weibchen huhn (nickt benne) : an färbe 
sind sie (die kaselliühiw) überein, uuszer dasz der bahn ein 
klein wenig gröszer als das hun. Göchrausen not. rennt. 80 ; 
wann ihr ein wohl abgericbles und zahmes rephuhn habt, 
so könt ibr euch zu dem gesang oder gelock einer meiner 
arligsten inventionen bedienen, wodurch ein bahn so keck 
und sicher wird, dasz er auch das bubn in eurer gegenwart 
. . betritt und sich mit ihme paaret, jagds-ergöls. 2, &3. 

b) bahn das männchen anderer kleiner vögel, das v/eibchen 
heisti hier nicht huhn, sondern sie, sicke: (der Anke) ist ein 
ziegelrctblicber vogel am bauche, üben aber, zumahln der 
bahn, ist grauliebt . . die sicke aber ist blasz. GOchbaosek 
114 ; der bahn (des rolschwanses) siebet der sicke nicht gleich. 111 ; 

ich gell und will den hahn (rfcrainse/) lur sie in bauer stecken; 
die jungen bring ich dir, sobald die allen hecken. 

GsLLUT 3, 461 ; 

vgl Qnkenhahn, canarienbahn, sperlingsbabn; ein zeisighahn. 
GöcBnAOSEN 110. auch in der diminutivform bSbncben, faabn- 
lein, t. d. 

3) bahn von menschen gebraucht. 

a) es knipß dieses büd wol sunichst an das slreiU>are wesen 
(1, e) des hahnes an, und wie im Reinecke fuchs vom hahne ge- 
sagt wird: 

de ander (hsne) was em <ir gellk 

unde bil Canlarl, sit kane uuUe upricht. 309, 

to wird der kühne, tapfere ein bahn jenannl.* 
darumb ist er ein dapTer han, 
und in unsi ein gftter taaupiman. 

Muansa Jiak. tiarr 2I&3; 
dem tocil lu troli und niJerdries 
hinaus zu schwimmen sich bcllies. 
der todt sähe was er für ein han 
an im hat und woU nicht hinan. 

Fucus mückeiüiries 2, 3I&; 
do herigi ein hübscher hämisch klar, 
den oimpi er (der pfaff) ab und legt in an, 
gedenkt, nu bist erst ein Treier han, 
weil du elu starken harniscb an hast, 
so dar! dich nicht ein Jdcr andast. 

Alb»us conlro/actur Bl*; 

dann auch der hercorragende, in gutem wie im bösen sinne, der 
künig unter seines gleichen ist, wie der hahn auf seinem hofe; 
unter sehOlern geht häufig die rtdensart: er ist hahn im lalei- 
Discben, im griechischen (er ist der beste darin); vgl. haupt- 
babn. weniger scharf im folgenden : alles dem Spielteufel zu 
gefallen, ballen dich auch nicht für einen Spitzbuben und 
beinilicben dieb, sondern für einen rechten ban aufs spiel, 
für einen gluckseligen menseben, der einen guten stern und 
Planeten zum spiel hat. Spielteufel (1364) Eiij'; der graf ist 
der rechten bannen einer, der kaiserlicher majesläl im land 
groszen schaden erzeigt hat. Imior 34; da lauft einer zum 
thor hinaus, der ist der rechten bahnen. Götz v. BEaLicuiNCEn 
V. Büscläng u. v. d. Hagen (|8I3) s. 87; vgl. hierzu scbnapp- 
babn; mit diesem geschmuck allem anzuzeigen, dasz er et- 
wann ein feiner bahn und ein feines feislinseidele und fartz- 
Oasch werden soll. Garg. I16'; die zimmerleut, die feinen 
haneo. 127*. diese beispiele alle zeigen hahn fast in gleicher 
Verwendung wie kerl (11, 4), th. i, 577 ff., deutticlt auch in fol- 
gendem: also jung lüt sterben auch vil ee denn die alten .. 
ich bin auch ein alter han und bin ielz 64 jar da gangen 
und gang noch da als lang gott wil. Keiseisberg brOsamL 
», «'; 

sprach, was bist vor ein han? 
lesit dir disz nit lu henien gabn, 
und siehst vor äugen hie den lodi? 

B. Waldis Btop 4, 13, 41. 

«mi in nocft mehr cAgeblasiter Stellung: 

* es mag der leute wahn 

mir immerbin die Klugheit aberkennen, 
und wann er will, mich den ««neckten hahn, 
den guten mann, den neuen Adam nennen. 

lUcasoBN 2, 163, 



Oefters lielf aber auch bahn, wenn es von menschen giH, auf 
geschteditliclie tiichtigkeit, vgL oben 1, d, sp. 161 und die dort an- 
geführte stelle LoGADs; 

drum denket, bArl er dich den tag verkijuden, 

jetzt mancher ehemann 

wie Petrus einst an s«ine jugends&ndeD 

und seufzt: wir ich ein bahn! Bluiaubr I, 131; 

und auch Keiseiisberc kann das 'im st'nne gehabt haben, wenn 
er sagt: das betracbt aber die allen hen, die alten man 
nicht, die etwan dem mcitlin ein gab schicken bei eim 
jungen knecht, die gab und der jung gesel ist lieber und ge- 
fall ir basz dann der alle ban. brösaml 2, 2l'. 

b) dost unter dem bilde des bahns auch das französische voVk 
und seine glieder gefaszt werden, verdankt seinen Ursprung dem 
doppelsinne von gallus: gaUus bane, ban, walch Oiefskb. 257*. 
dos bild ist schon alt: 

han, du suchst anschlag und llst, 
wie du kompsl ulT den lytsclien mist, 
und meinst denselben auch lerscherren. 

Bbiiii narremch. 155*, 5 Znrndto; 
lasi mond und bahn uns tausend Qbel driuen (Türkei und 
Frankreich). LouinsTsm btumen 23; 
wir grilTen lu und thatens kund 
bei Wsierloo, beim schönen bund — 
die wird man ewig nennen, 
da haben wir dem walscheii hahn 
wohl kämm und sparen abgethan, 
noch beute robll ers brenuen. Abnot ged. (1840) 446. 

so soll in der folgenden stelle der bahn an das französische volk 
und seine freiheitsbestrebungen eiinnern: (der kircbweib-maien- 
baum) mit einer rotben knarrenden freibeitfahne und einem 
rolben bahne. J. Paol biogr. belust. 1, 132. 

4) bahn für männliches glied, vielleicht nach 1, d (sp. 161) tmd 
oben 3,0 am schlösse: bahn membrum virUe Friscb 1, 397*; 
öfters in der Verkleinerungsform bilhncben. «</{. audi piphabn. 

6) bahn auf fische und schaUMere {übertragener name: von 
ersteren heiszen meerhan seus gallus, seehabn trigla; von letz- 
teren fahrt Strombus gallus den namen bahn, kampfhahn, hol- 
länd. kempbaan; anomia vitrea, glasbobrmuschel , bahn und 
benne, holt, de baan en hen. Nexnicb. 

6) dem landwirt heiszt der männliche hanf bahn , der weib- 
Uche benne. — In Preszburg nennt man bahn den viertheiligen 
nuszkern , wenn er ganz unverletzt von der schale enlblüszt wer- 
den konnte. Fbomh. 6,28. 

7) das bild des hakns, als tages- und weUerverkündigers, bradä« 
man gern an den höchsten spitzen eines gebäudes als Wetterfahne 
an, namentlich auch an kirchen, wol mit anspielung auf das geist- 
liche Hehl, was von Ater aus vcriandet ward, die Wetterfahne 
wird daher scideehtweg bahn oder wetterbahn $enann<. Jacobssoü 
4, 64o'; pinnaculum der gipfel auf eim gebew, der bane oder 
paner, fönlin, pelasus Dastp.; diszes ist der wind der da be- 
wegt und kirren machet auf den hoben tbOrnen die hin, 
die fenlin, die engel und kreOtzlio, so der wind nUet, so 
kcrendt sy sich umb und kürrend, und kompt gern ain regen 
hernach. Keiseksbeic schiff d. pen. 37'. 

In der tecitnischen spräche hat man den namen des babns 
auf verschiedene einrichtungen gelegt. 
• 8) bahn am fmse: epistomium ein ban oder laszzapf Dastp.; 

er ist ein klelderwurm bei dem der gerne tebrt; 
ein bahn im lasz bei dem dem hab und gut beschert. 

LooAD 3, 218. 

bei KeisERSBEBC Ater die nebenform bün: wenn es (ein kind) 
einen biln ufgewint, so loufl der wein aller aus. ' seeleap. si' ; 
bei Maaler ebenfalls, aber als neutr. : das bSne oder zapf, als 
an fassen oder andern dingen, epielomium 205*. — Jede mit 
fiässigkeiten oder luft gefüllte röhre ist mit einem solchen bahne 
versehen; daher bahn an Wasserleitungen: pei dem weicbkessel 
do ist ein schiedung des wassers und geet ein rOre Ober- 
zwercb unter der erden gegen der siechen heimlich gemacb 
an die Begnilz, do geet ein stock auf mit einem bannen, 
darausz die siechen mügen wasser nemen. Tocber baumeisterb. 
180,27; geet ein röre doselbst in die spitalkucben und bat 
ein stock neben dem bert mit einem bannen, darausz man 
«asser mag lassen. 181, 26 ; ebenso bahn an gasröhren, an der 
luflpumpe. 

9) bahn am gewehr, seit dem ende des 16. jahrh. gebräuchlich, 
et ist de( bewegliche, ursprünglich in höhnen form gebildete thdl 
am gewehrschlosse , der nach vorhergehender Spannung dadurch, 
dasz man ihn aufscldagen läszt, /euer erzeug . 

uiyiiiztJU uy ■vJJ v^V-'^i Iv^ 



165 HAHN— HAHNEBUCHG 

wie bald der han In tigel ichllgt. 

gieog iwar aU an (Im) mit schlacbtem klapf. 

GaoBS ausreden bei Haupt 3, 246 (von 1G03) ; 

ich .. wischte zur tbäre hioaDS aof den kirchliof, da Ich 
dann meine gesellen mit aufgezogenen banen stehen fand. 
SimpL 1, 239 Kurt, die knappe, schon formeUiaße redemart heistt 
yeradetu so viel leie 'sdmssfertig' ; prSsentirte mein gewebr mit 
aufgezogenem bahn. >. 2S5; schrie, ich solle das gewebr ab- 
legen, ich antwortete, bei gott, landsmann, dir zu gefallen 
nicht! and zog den banen Ober. s. 4I0; mein robr muste 
ich zum TOiTalh geladen behalten . . und indem ich mit 
überzognem bahn den kutscher halten and absteigen ge- 
machet, t. 441; liesz ich mein robr, damit ich feuer auf sie 
geben wolle, sinken, und zog den bahn Mieder zurück. 2, 39 ; 
ein jeder von den fuhrleuten hatte den bahnen aufgezogen. 
Stilunc Jugend (1779) lll; den bahnen gespannt! das.; das 
letttere uar ein militdriseJies eommandoteort, doi schon im 17. jahr- 
bandert gebriuchHch itl: ziehet den han auf! kiner den bäneo 
auf! oder auch nur: spannt ! BOoies kriegssckule (1668) s. 291. 
295. 289. ein anderer solcher befelil war und ist zum Iheil noch 
bei den saldalen, die des hahnlosen hinterladers entbehren, hahn 
in ruh! um das genehr aus der schussbereilschaß zu stellen. 
Eggebs kriegs- und ritlerlex. (1757) 1, 1134. 

10) beim Uhrmacher ist bahn das stäck, Kelches dit unrtthe in 
der uhr bedeckt. 

11) habn, io schraelzhillten, die kornlein silber, so im treib- 
nnd brennofen abspritzen oder sich am brandstOck .setzen. 
FsiscH 1,397*. fiur. habnen. 6cr$ii>.-fex. 287*, okr aurA eigen- 
lliümlkher weise haner: baner und testkorner ... sind die- 
jenigen Silber, so im treibkeerde abspringen. Nehring hislor,- 
folit. lex. (1736) anJiani} 46*. die besiehungen dieses technischen 
ausdriieks tu hahn gallus sind unsicher. 

HAHNBREI, m., auf den btechluSmmern ein brei, welcher aus 
Wasser, khm und kohlenslaub besieht, und worein die bleclte ge- 
taucht werden, damit sie unter dem schmieden nicht zusammen 
schweiszen. Adelung. 

HÄHNCHEN, n., dimin. zu bahn, tgl. auch häbnlein: 

1) der kleine oder junge haushahn: auf eine zeit ging das 
hahnchen mit dem hähnchen in den nuszberg. Under- u. 
hausmärchen no. 80. 

2) das männehen kleinerer tögelarlen, vgl. bahn 2, fr (tp. 163): 
das hähnchen eines Anken, eines zeisigs. 

3) auch von menschen gebraucht; 

B. das Ist mir wohl ein saubres hihnchen I 

A. ein wahres derbes grobiancheii I GiTHi 4,223; 

und sdierzhaß zur hervorhebunq des gesehlechts: ich weisz manch- 
mal nicht, ^h ich ein hähnchen oder sieicben bin. causentn. 81. 

4) das männliche glied, t. hahn 4, sp. 164. 
HAHNEBALKEN , m. der olierste querbatken unter der dach- 

frat, wo der haushahn seinen nächtlichen sitz zu nehmen pfiegte. 
ViLNAi 148 ; cza letzt steig ich an einer leiler ander das dach 
and hing mich met beiden hcnden an einen hanebalken. 
alld. U. 1, 123 {15. jahrh.); axes, dy banenbalken in domo 
OlEFEKB. 64'; 

sprak ik Tsn eineme banenbalken, 

dar seven bAnre up to siUen plegen, 

unde ein bane wol vet lo degen. Hein, fuchs 1540. 

teufe heiszt im niederd. hdnebalken auch der oberste theil des 
hatises. Scaaiibach 73'. im Nassauiichen wird für hahnebalken 
katiengebilk , katzenllnfer gebraucht. Kehbein 218. r<;/. das 
folgende. 

Bbosekius 2, 19 feuährt die form hainbalken , wekhe gegen 
die allgemein angenommene ertlärung sprechen und das wort viel- 
mekr zu hagen in der bedeutung buschhols, kurzes holz stellen 
würde, indes die sonst nicht besetigle und junge form kann einer 
falschen analog ihre enislehung verdanken : wie z. b. neben hain- 
bucbe eine form hahnebuclie sich feslsetzle, so konnte man glau- 
ben, da.ii auch habnebalkcn eine solche entartung und hain- 
balken die edlere form des Wortes sei. 

HAHNEBÄNDER, n. pl. die obersten schrägen binder des in- 
nem dachwrrks: sechszebn halbe hanebünder. ROling besdtr. 
V. Nordhausen 76; beim holzaufzählen folgen nach slirke und 
lange der hOlser: sechnziger, fünfziger, vierziger, dreisziger 
balken, vierziger spnrren, ganze hanebilnder, wipfel. das. 

HAHNEBCCHE, HAHNBL'CHE, f. earpinus betulus. Hm aus 
bagcne-buche, bagcnburhe zu>amnirngeioijenc form, vgl. hage- 
bttche sp. 140. 



BABNEBÜCHEN— tiABNtNFEDEß 166 

HAHNEBOCHEN, adj. zum vorigen, v^. bagebOcheo, bageo- 
bficfaen jp. 140. namentlich in dem übertragenen sinne streng, 
grob, in tliileldeutsehland viel gebraueht: ein habnebQcheoer 
kerl; eine haboebüchene kalte. 

HAHNEBUTTE, HAHNBDTTE, f., die frucht der hagerose, 
gekürzt aus hagenebulle, bogenbutte, «9J. bagebulte ip. 140: 

habuebutien nSblte B. 

aus Pomonens bunten kindem, 

leidlich schmecken sie durch froatel, 

doch sie kratzen mich im hintern. GOtüb 47, 264. 

HARNEHÜFTE, f. die frucht des hagedoms. Nembici 4,1168. 
verderbt aus bagenbiefe sp. 152, und vgl. ferner banhiffenbauiB, 
heneheffenbaum, banbeiSenbaum eornus DiErBXB. 152*. 
HAHNEKAMM, s. unUr iiafanenkamm. 
HAHNEMANN, m. 1) hahn, der mann des habnervolks: 
Iraiuien all die hftbnerchen, 
da sie nicht Irafen an 
den lieben hahnemann. Horntm geselltcb. 171. 

2) ein od. ^ossar des 15. jahrh. gibt mHitarit hanemano 
OiEFKNB. 361', das futzt wol auf habn no. 3 (sp. 163) und be- 
zeichnet vielleicht schon früh und ironisch einen sich sehr kriege- 
risch gebührenden menschen, datier ist hahnemann Spottname, x. b. 
in Schleswig für den Dänen, die kinder singen dort 

Hannemann kommt von J&lland an; 
in dem wol über ganz Deutschland verbreiteten voUtsreime aus dem 
mirclien von den sieben kriegerischen Schwaben: 

flahoemann, geh du voran, 

du hast die wasserstiebeln an, 

das< dich das thier nicht beisten kann. 

auf sokh spottenden sinn kann vieUacld der viel verbreitete eigeit- 
name Hahnemann zurückgehen, wenn auch die mOglichkeU nicht 
ausgeschlossen ist, dasz ihm ein iltsres Hagcne-man lu gründe 
liegen könnte, das dieselbe bedeutung hätte, wie der cdtd. eigen- 
name Hagandeo, Heindeo (Föbstebank 1, 578). 

3) babncmann verschämte abanderung des Wortes babnrei: 
hahnemänner. herl. triumphwagen 25. 29. 

HAHNEN, verb. zum hahnrei machen, eine von Opitz gewagte 
und nur von Logad nachgeahmte bildung ; 

wie oft ist reu ankommen 
den lieben leuergoil, dasi er geolTenbahrt 
Gradiv die eigne schmach, als er lehahoet ward, 
das bahnen kömpi von dir. OriTi I, 91 ; 

denn ebbrueb, diebstal bleibt, man bauet nur dl« lerne. 
LosAU 1, 4«, 7». 

HAHNENDART, m. palea, das läppchen am halse anes höhnet. 
Steinbach i, (i8. 

HAHNENBENGEL, m.: was sollen dtlnne leSzen, ob schon 
ihre kös» besser angeben, so seinds doch böse beSzen. o 
leffzeo her, darvon man mit keim baurenkegel, geschweig 
eim baneobengele ein sluck abwUrf. Garj;. 250*. vielleicht ist 
banenbengel nur entstellt aus hanbengel für bagenbengel und 
bezeichnet den zaunpfahl; vgl. unter bengel 1,1471 die stelle aus 
Keisebsbebg cAristi. büg. 120. 

HAHNENBLUT, n. blut eines hahnes: banenblSt nimpt die 
flScken der äugen und ammSJern mit wasser aufgestrichen. 
Hkuszi.ih vogrlb. 81'. 

HAHI^NBBGHE, f. brühe vom kochen Hnes halines: junge 
hanenbrUicn ist denen gät so die rot rar habend . . alle 
hanenbrilien macht den stSigang. Heoszlin 8o'. 

HAHNENEI, n. nennt dos voÜt im GOUingischen und ander- 
wdrts die misgestaltelen hühnereier. man glaubte solchf eier hiltt 
der hahn gelegt und aus ihnen entwickele sich ein basilisk. dann 
bezeichnet man aucA durcA bahncoei scherzhaß etwas wunderbares, 
unglaubliches. 

HAHNENFEDER, f. Schwungfeder eines hahnes: zwo goldgUl 
hahnenfüdern. Hedszlim «Oj^iA. 7S*. vielfach <üs schmuck auf 
die kopfbedeckung gesteckt: 

hab nun mein hosen lassen flicken, 
nnd neebten mein Stiefel geschmiert, 
mein but mit eiur hanoentedern ziert. 

U. Sachs 2, 4, W; 
und bat ein n-iscben n-eicn muth, 
drei hannenfedem auf seim hut. 

AtasR ^asln. W (1705, 19 Kelter); 
die babneafedar auf dem hut. GArai 11,79; 
eharaderistiseher schmuck am hüte des teufeis: 

hast du Torm rathen wamnis nicht mehr respect? 
kannst du die hahnenfeder nicht erkennen? 11, 127. 

jemandem eine hahnenfeder setzen, iAn tflm hahnrei machen, 
die redensart soU das derbe und grobe, was in hahnrei Hegt, 

uiyiiiztJU uy "«L« v^ v^ -t ix^ 



167 HAHNENFLEtSCH— HAHNENGBüBE 

terblüme» und mädem, gleichtttm nur daran ankUngen: wann 
ich gelegenbeit hätte, setzte ich encb zur revange auch noch 
eine babnenfeder auf den magistersbut. intenml96. dathäm- 
Uche anstecken einer Hahnenfeder an das geaand eines andern 
war daher ein schimpf: in einer fürnebmen residenzstadt bat 
einst . . ein barbierer einem pagen . . heimlich eine bans- 
feder aufgesteckt, als nun dieser, dessen unwissend, damit 
über den marcbt gegangen und ilime, wo er gebet, von den 
jungen und knaben nacbgekrShet wird, verdrensls ihn heftig 
. . nach wenig tagen steckt ein ander und nicht dieser page, 
dem barbierer eine banenfeder hinten auf den manlel. als 
diesem nun auf der gassen auch nachgekribet wird, erzfir- 
net er sich also heltig, dasz er nach hause läuft und den 
ersten pagen . . alsbald ersticht. Wesenici böse tpielsidien 
(n02) I. 77. 78. 

HAHNENFLEISCH, n. fleisch vom kahne: so einer den rotz 
oder ein wässerig geblot bat, sol er wann gebraalen banen- 
fleiscb ässen. Hedszlih vogelb. 80*. 

HAHNENFUSZ, m. l) fvsz eines hahns. gern auch bildUeh 
gebraucht, um schlechte schrifltüge m beteichnen: er schreibt 
bahnenfflsze ; meinethalben möchte ein buch, wie die 'kritik', 
mit hahnenfüszen geschrieben sein, wenn es nur sonst an 
grOndlicbkeit und fasziicbkeit dadurch gewänne, lassen diese ' 
sich mit scbGnheit vereinigen, gut ! wo nicht, so mag diese 
meinetwegen reisen, so weit sie will. BOsgeb 491'. dieses iiU 
tit alt, ähnliches schon bei Plaulus: 

an opsecro lierele haben! quas gallinae minua? 
nam bas quideoi galUaa tcripail. Pteudulut I, I, 29. 

2) habnenfusz, gewicht von sechs krinnen, wegen der ge- 
stall des eisens an der wage. Stalper 2,12; eine krinne ist 
48 lolh, . . ein habnenfusz ist 6 krinnen. Leoiiaüii u. Deters- 
BACcn palriot. magai. ton u. für Bündten [Bern 1770) s. 134. 

S) name iweier pßanten: ranunculus Nenxicu 4, 1I2C und 
panicum crus galli 4, 844, letttere pßanie auch baboenbein ge- 
nanni; herba scelerala bannenfusz Diefenb. 641*; 

liebsiickel, haaoenl\i8t, weidschwenel. 

WicxBEaLIH 759; 
da find Ich auch laubenkrSpfel, 
ebreopreisi und haaentDes», 
wiseakraut und engelsüeai. 

geUlt. Schäferin {Hünchcn I6S0) «. 688. 

dim. bahnenfOszel ttt der name der anemone nemorosa, die sonst 
auch waldliabnenfusz, aprilbahnenfusz, waldbäbncben heisit. 

HAHNENGALLE, f. galle vom hahn: banengall, fflrausz 
eines weiszen, in wasser gesetzt und an gestrichen, nimpt die 
fläcken der aogen und scherpft das gesiebt. Hevszi.in vogeib. Sl'. 

HAHNENGEFECHT, A. kämpf tweier hähne: die Engländer 
ziehen häufig häbne auf und finden ein besondres ver- 
gnagen an den babnengefecbten. Avarantbes frauens.-lex. 
(1773) ». 1273. 

H.AHNENGEHÄDSE, n. im bergverk gehduse um den itendungs- 
hakn einer wassersiulenmasekine. Jacobsson 2, 188'. 

HAHNF.NGEKRÄH, n. gallieinium: stark hahnengekräb unten 
im dorf; bekommen ander weller. Fr. MOller 3,291. 

HAHNENGESANG, m. und n. gallieinium: auch beseichnung 
der betreffenden zeit: so tag und nacht scheidet, gond sjr (die 
hdhne) gen schlaafen; drei stund vor mittnacbl kräyend sy; 
umb mitmacht aber nmb die dritt stund tbSnd sy das 
widerumb: drei stund nach mittnacbt abermals: welche zeit 
man darumb das banengsang genennt bat. UEaszLii« vogelb. 76'. 

BAHNENGESCHREI, n. $a/<ictnium.- 

wir hrihien nie die hihna, 

und kamen leule vorbei. 

kilierekthl tie glaubten 

es trtre taabnengeactarei. Hiini buch der liedert 

ein Zeichen des anbrechenden morgens: indem hatte sich die 
zeit bisz in die mitternacht verlaufen und geschiebet, dasz 
bei erhörtem baanengeschrei sich das' glück wendet. Erkst 
eonfecttafel 494; doAer bildlich: die spubren der Verwesung 
ihr {der leiche) schmück und das erste bahnengeschrei zur 
auferslebung. Claddius 2, ^. 

HAHNENGLOCKE, f. das hahnengeschrei unter dem bilde der 
den morgen verkündenden glocke: wäre es doch wieder morgen, 
wie werde ich die habnenglocke zehlen! (d. H. die zeit bis 
dahin). Interim 138. 

HAHNENGliUBE, f. grübe oder vertiefler räum, worin hihne 
kämpfen; im folg. rerdchtHche beseichnung eines kleinen theaters: 
diese habnengrube, 
fasst sl« die ebnen Frankreichs? | 

Scautiu Shaketp., Heinr. V., ehonis 1. 



BAHNENHAPT— flAHNENPFÖTCBEN 168 

HAHNENHAFT, odj. nach art und ueise der hähne. 

HAHNENHAFTIGKEIT, f.: ihre zoten seien nur wie die 
krankbeit der hübner, wenn sie anfangen zu krähen, ohne 
gleichwohl durch solche Stimmübungen jemals die rechte 
bahnenhafligkeit zu erringen. laiiEBaANN Münchh. i, ilo. 

HAHNENHIRN, n. gehim t«m hahn : banenbiro mit wasser 
und essich vermengt, und pRiffer darzu gelbon, ist denen 
seer nutz, so von einer hecknatern verletzt sind. Heoszlin si'. 

HAHNENHOOEN, f. plur. die hoden eines hahns; nach der 
ähnliehkeil auch name der fruchte mehrerer pflanzen: a) der 
komelldrsdie, comus mascula. Nebnich 2, 1226 ; b) einer pflau- 
menart, pruna amygdalina. 

HAHNENHÖOCUEN, -HÖDLEIN, n. dim. zu dem vorigen: 
gebrannte hanenbüdlin sollend die ässen, so stäts an das 
bett barnend. Heuszlin 81*. auch die fräclUe der rosa canina 
heiezen hahnebödcben , habnenhödlein. Nehnich 4,1168, an 
andern orten babnenklötcben; ferner die fruchte des spindeb- 
baums, evouymus eurupaeus, hier haben auch die verderbten 
formen hahnenbütlein , liabnenrfitben , neien hahnenklOschen 
tIaU. BECBSTEfH forslbotanik (1819) s. 808. 

HAHNENHÖOLEINBAUM, m. spindelbaum, etonymus. Faisca 
1, 397'. sonst auch babnebOtleinbusch. ic. lex. 2330. 

HAHNENKAMH, m. i) crisla galli: hanenkamp, hannen- 
kamp, baAkamp, bannckamp cn's/a Diefeiib. 158'; der kirch- 
tburmknopf gleicbsam der babnenkamin des tburms. J. Paol 

0. Fixl. 207. unfrr schulspicien bei Taocuas D 4' wird aufge- 
führt succoUare banekam Iragen. 

2) nach .der älinlichkeü der form name mehrerer pflanzen: 

a) rhinanihtts crisla galli, Idusekraut, rüdelkraut. Nebii. 4, ItSl; 

b) bidens triparlüa, uasserhanf, gabelkraut. 1,606; c) celoaa, 
gartenblume, zur familie der Amaranthen gehörig. 2, 930 ; d) cy- 
nosurus cristatus, kammgras; e) am hduflgiten meierkraut, eine 
aildwachsende, essbare pflanze : maier, maienkraut, meier, oder 
bahnenkamm. Sc. lex. 1570; /) im lande ob der Ens heisst auch 
der coraUenschwamm, clavaria coralluidcs hubnenkamp. Nemk. 

3) tiame einer muscliel, mylüus crista galli. Nenh. 3, 695. 

4) der oberste erhabene hahnenkammfürmige theil des siebbeins. 
Nenn. 2, 1280. 

HAHNENKAMPF, m. l) kämpf sueier hähne, in verschiede- 
nen ländem, namentlich auch in England, nationalbelusligung, 
die hähne werden dafür besonders gezüchtet, 

2) name einer pflanze, verbeaa offtcinalis. 

HAHNENKOPF, m. l) köpf des hahnes. 

2) trte habnemann sp. 166 verschämte abänderung von babn- 
rei: ob das weib sündige, wann sie solcher geslalt ihrem 
hanekopf durch den sinn fähret. Abels künstl. unordn. s. 84. 

3) babnenkopf hciszt bei einigen anatomicis dasjenige stück 
des menscblicben leibes, durch dessen beide äugen oder 
mundlöcher der saanie in die barnrObre dringet, heiszet 
also nicht um der gicicbbeit willen, sondern nie eine quelle 
das haupt eines baclics beiszt, wo etwas anfängt. Frisch 1, 397*. 

4) babnenkopf, ein kraut, onobrychis. Friscb das.; gelber 
habnenkopf, galeopsis galeobdolon Nebnich 3, 14. 

HAHNENKtlÄH, m. gallieinium: der bahoenkräh wird den 
faulen mSgden nicht lieb sein. Fiscuart groszm.ue. 

HAHNENKRÄHE.N, n. gallieinium. pers. baumg. 1,29; und 
es ward gelaii um das banenkreen, Ruguel gebot ze rufen 
seinen knechten, bibel HS3, 225' {Tob. 8,11). 

HAHNENKHAT, m.gaHidnium, mhd. hankräl, banekrät «i. 
1,869': der lenfel habe von golt dem herrn einen theil der 
erde gefordert und dieser in so weit drein gewilligt: das- 
jenige stück lands, das er vor habnenkrat mit mauer um- 
schlossen habe, solle ihm zufallen. Gribii deutsche sagen {l.aufl.) 

1, 237; 

gieng beim schier um den hanenkrat. 

H. Sacbb 3, 3, 56*; 
des naebtea umb den hanenkrat 
musten sie all aufsiebeo drat. 

B. Walbis Esop I, 76, 3. 

HAHNENKROPF, m. der kröpf des hahns; auch eine pflana, 
gdleoptis galeobdolon, gelbe hanfnessel, gelber hahnenkopf. Nsa- 
mca 3,14. 

HAHNENLIED, n. gaUiänium: 

der freigewerbe 
allregsamkeil bei nrübem babnenliede. 

Haog bei Campe. 

HAHNENPFÖTCHEN, n. die frucht des tpindelbaums , sonst 
hahoenbcdcben. Campe. y^-^ i 

Digitized by VjOOQlC 



I6d 



H ABNENRUF — HAHNENTRITT 



HAHNENWECKER — HAHNREI 



170 



HAHNENRDF, m. gaUieinium; xeiehen de» anbrechenden mor- 
gem: wir zecblen bU zum zweiten babnenruf. -H. L. Wagner 
Macb. 49; 

Ist es wahr, was mir begegnet? « 

oder iraum, der mich beihört, 

wie er otl den armen segnet, 

und ihm goldne berge regnet, 

die ein bahnenruf lerstart? BSicn 73*. 

HABNENSANG, «n. gatUcinium: 

so naht er in der nustcmiss, 

und weicht vor hahnensang. SroLBias 4, 169. 

HAHNENSCHLAG, m. ein spiel; et gilt mit verbundenen äugen 
einen topf i« %ersMagen, ein darunter steckender Hahn ist der preis: 

lam Mhlicheo anfang wollen wir geben 
eioen lustigen hahoenschlag. 

KoTSiBUi dram. «p. I, 305; 
zum babnenscblag gehörig: 

da ist der hahn, der topf, der steclien, 

und auch ein luch rOr die blinde kuh. t, 306. 

HAHNENSCHREI, i». gaUiünium: der babDenschrei ist den 
wandelnden geislern, was den Soldaten der Zapfenstreich, sie 
mfissen dann nacb bans geben. BiexTAito grindung Prags 419. 
in der gekürzten form babnscbrei: diese gOtler vertragen nicht 
das licht des geisles. sie weichen vor ihm wie die gespensler 
beim babnscbrei. KanziEa Aumanitdt u, ehristenthum 2, 100. 
wie bahnenruf, hahnenkrat u. a. Seitbestimmung für die an- 
brechende morgenddmmerung : ir wisset nicht, wenn der berr 
des bauses Itompt, ob er kompt am abend, oder zu mitler- 
nacht, oder umb den banenscbrei, oder des morgens. Marc. 
13, 3S; in der nächstfolgenden nacht vor bahnenscbrei. Gaiait 
deutsche sagen (i.auß.) 1,232; die stunde des ersten bahnen- 
scbreis war gekommen. Klingeb Sahir (1798) 1. 128. 

Man sag/t: zum dreikönigstage hat der lag um einen bah- 
nenscbrei zugenommen, hier drädd also das «ort ein recht 
kleines tatmass aus. vgl. auch habnenscbrilL 

HAHNENSCHRITT, m. schriu eines hahnes, ausdruck fUr ein 
gam geringes mass an räum und seit: 

wie nun der hahn sieht auf em seit, 
kaum eines halben hanschrills weit, 
eins edelslelns wirdt er gewar. E. Albiids p. 1 ; 

nacb neujahr nehmen die läge um einen hahnenschrilt zu, 
sagt eine baurenregcl. banscbrilt passus gallinaceus Stiele« 1931. 

HAHNENSICHEL, /. die siehelfirmige Schwanzfeder eines hah- 
nes: mit dem grflnen bute und der langen bahnensicbel 
drauf. ZiNGEBiE kinder- u. hausmäreh. aus Saddeulschl. 20l. 

HAHNENSPAT, m. ein beiniger ausuruchs an der innern seile 
des Sprunggelenks der pferde, der Uhmung oder hinken verursacht. 
Nemiiicr ab. 

HAHNENSPORN, <n. der sporn am fusze des hahnes; dann 
auch von der ähnlichkeit als pfiamenname: des Crataegus crus 
galli, der fumaria bulbosa, und der impatiens balsamina. Nehnich 
2,1269. 3,223. 

HAHNENSTEIGEN, n. das steigen auf eine kieUerstange, »o- 
bei es gilt, einen auf derselben an^mdenen hahn zu erlangen, 
ein beliebtes volksspiel: 

im sommer stecket ir (iaiiern) die maien, 

habt kirchwei, hocbteit, tlnz und raieo, 

kugeln, hannensleigen und laufen. H.Sachs 2, 4,2*. 

HAHNENSTEIN, in. alectorius lopis, durchsichtiger brauner stän, 
den man ti» magen aller capaunen finden soll, bergw.-lex. 282*. 

HAHNENTANZ, m. ein wetltanz, dem besten linzer kam ein 
hahn als preis zu; vgl. hahn 1, e, sp. 162; man unterschied einen 
alten hannenlanz fastn. sp. 580, und einen kurzen bannentanz 
715; darnach sein etliche, die silzen in der kirchen zusam- 
men und haben ein heimlichen anscblag, wo sie nachmittag 
wollen zum wein gehen, wo und an welchem orth man den 
besten wein schenke, oh man newen oder virnen schenke: 
ilem, wo man ein abenllanz oder sonst ein banenlanz werde 
anrichten. KEisEssiiEnc aarrensch. 465 Scheible. 

HAHNENTAL'BE, f columba vicobarica. Nemnich. 

HAHNENTOPE, »i. die pflanze onobrycUs. Hedeeicb 1196. sie 
kässt sonst habnenkopf, s. d. 

HAHNENTRITT, m. l) der steife gravitätische gang des bah- 
net; gern auf geckenhafte menschen angewendet: den geckenhaf- 
ten schOnthuendcn hahneniritt und slutzerlauf. Arni» 2, 198 ; 
wie er in lächerlichen habnentritten vor meinem fenster 
vorüber trippelt. 2, 230. auch von dem am rückenmark leiden- 
den wird gesagt er hat den habnentritt. 

2) p/erde haben den bahnentritt, wenn sie in folge einer larankr- 
keil des Sprunggelenks (oAmen itnd ile^ gehen. 



3) eine pflanse, anagallis arvensis, sonst gaucbheil. Nekxicb 
1, 266. 

4) habnentritt, ein iUeiner narbenfOrmiger kärper auf dem 
hSutchen des dotters, hier geschieht die befruchtung des eis. 

HAHNENWECKER, m. .- babnenwecker, ein frObstack derer, 
so bis zum bahnenschrei lustig gewesen. Fbisch 1, 397'. da- 
für auch die form bahnewacker: habnewacker, ein spütes 
essen, das man den dienstboten zuweilen zu geben pflegt, 
wenn sie sehr Oeiszig gewesen sind und ihre arbeit Ulicr 
die gewöhnliche zeit hinaus gedauert bat. Sr. Schutze unäcMb. 
prinz (1812) 1, 209. in Halle hört man das noch mehr verderbte 
bahnewackel. 

HAHNENWITTIG, «n. anagallis arvensis, gauchheil. Neknich. 

HAHNEPAMPEL, m. Schimpfwort für einen haltlosen, hin und 
her fahrenden und zappelnden menschen, wie bampelmann, hnns- 
wursl. der letzte theil des Wortes klingt an ilal. bambola puppe 
an; der erste theil desselben kt dagegen in dieser Verbindung 
schwer m verstehen ; bildete man vielleicht eine zappelnde glicdrr- 
puppe als Spielzeug in der form eines hahns? denn bammeln, 
bampeln, pampeln heisst sonst zappeln, sich hin und her be- 
wegen, vgl. 1, 1095. unser junger graf Konrad hat einmal 
wieder schlimme streiche gemacht, ihr werdet das saubre 
früchtchen heut noch sehen, ein rechter . . bannepampel. 
AaniK Jronenw. 1,406. 

HAHNERN, ver6. eoire, vgl. bahn 1, d sp. ui : die Studenten 
■ochen gelegenheit, wie sie eure weiber oder tOchler frei 
■icber und ungehindert besteigen und habnern mögen. herrL 
triumphwagen 53. 

in anderm sinne wollte MOsEi habnern als Übersetzung von 
eoqufttieren vorschlagen (patr. phant. 4,108); er gieng, wie das 
auch beim franz. coqucttcr der fall gewesen ist, von dem auf- 
merksamen und verliebten gebühren des hahnes gegen die henne aus, 

HAHNESPFLICHT, f: 

sind kapaunen, leisten keine hannespflicht. 

LooAU -i, im, 50. 

HAHNGESCHREI, n. gallicinium: sein (des schulnuislers) 
hahngeschrei im wirthsbause sollte den verläugnenden Petrus 
ins bereuen bineinkraben. i. Pm leben Fibels 177. 

HAHNICHT, ttdj. more gallorum. Stiei.er750. 

HAHNIN, f. henne; eine von dichtem verwendete form, wenn 
sie der henne persönliche gellung vcrleilien, indem sie sie als eht- 
frau des liahns hinstellen: 

mit seuften die frau hahnin sprach. 

WECIHSaLIK 801. 

RÄHNLEIN, n., wie hähnchen, kleiner hahn; auch das flidRn- 
chen kleiner vögel (vgl. bahn 2, b sp. 163) : das habniein {des 
rotkehlchen.<i) siebet der sicke gleich, auszer dasz das erste 
etwas schwärzere fQsze als jenes hat. GOciinAusEii notab. 
venat. 110. endItcA auch vom menschen: nun, unser hanlin 
liesz sich wol an. Carg.tn'. 

HiHNKER, m. ein schwärm bienen, welcher auf ein von an- 
dern bienen verlassenes gewirk gesetzt wird. Nemmch. das wort 
ist in Niederdeulscidand üblich. 

HAHNREI, ffl. 1) der mann, dessen ehefrau ungetreu ist. das 
wort ist nur hochdeutsch, din. scliwed. hanrej ist erborgt, es er- 
scheint zuerst im \6.jahrh: curruca dudendop, Uinrei DiErENs. 
164*; cornuli nobis sunt hanroy. facet. facet. 259; das weib 
auszfOren wie ein banrei. Matiies. kalechism. 161. auf die 
ursprüngliche form des Wortes habnreie werden wir eben so ge- 
führt durcli den gen. dat. sg. u. den plur. bahnreicn : eines armen, 
bucklicht und lahmen banreicn. Chasmindo seilvertreiber 100; 
es gibt viel banreicn. srAautitlAne engl. u. frans, com. 1, 253 ; 
sie sind hanreien in der einhildung. das.; die brOderschaft 
der hanreien. 1,255; als durch die starke neben form babmeier: 
banreiher Stieler 1578 ; indem ich . . die allerboldseligsle 
Jungfern mit eiszgrauen eifersicbligen banreiern verkuppele 
und heunseelige. Simpl. 2,141 Kurz; durch eine solche kalte 
geldliebe entspringen so viel banreier und banreimaeber. 
RiOLMANN streit der ehre u. liebe 307. neben bahnrei Aal sich 
häufig die form bahnreb, bahnreg gestaltet: banreh B. Ring- 
wald L w, 135; qui subsessorem patilur siii matrimonii, 
Germani nominant einen bahnreg. facet. facet. p.iu4; zum 
stundruffer (icurde unter den (Aicren erwälill) ein haan oder ein 
haanreh. das letzte wurde mir widersprochen, weilen der 
baanreh nicht gern kräet, sondern als ein Cornelius man 
suelus tacitusque schweiget. Abele künstl. unordn. 2, 309 ; und 
man brin^ den letzten theü des Wortes mit reh copreo ituam- 
men; hengt {als wirlshausschild) ein reh und druff einen 

uiyiiiztJU uy ■^^-J ^^^ v^ -t i x^ 



171 



HAHNREI 



äAtlNBGIPitRßE— HAIN 



m 



lianen, so heist die lierberg zam hanenreh. Zinkgref apoiihthfam. 
(1653) 3, 40. Steinracb 1, G87 gewilhrt die form balincrei. 

Der umstand dost dan grammatüche Verständnis des aortes nach 
und noch erlosch, hrathte manche neue, oß seltsame etymohgien 
auf, von denen eine noch roa Scuüeller 2, 108 vertreten uiarden 
tsl: habniei von dem franlzüsisclien Henri, damit die teut- 
scfaen die franlzen aiifzieticn, verniullilicb herrührend. LObeiis 
Owenus (1661) 1,63. aber nocli bis in die ersten leiten des 18. 
jtthrh. aar der eigenlUche sinn des «•or/ei ernannt, i. b. von 
H. J. T. BaAoxscuwEiG, der in seiner comüdie 'wetberüst einer 
ehebreclierin' den genarrten ehemann Gallicboraea nennt {schau- 
s/aele s. 659); bahnrei est vocabuliim ratione originis merc 
gcrmanicum, quod . . a voce babn et reye, b. e. cborea 
lantz . . descendit. Pisromcs thes. paruem. & (1*16) >. 396. in 
der Ihat enthalt der leiste titeil des Wortes reie oder reier den 
begriff lämer, nie sicher durch folgendes bewiesen wird : 

wer lyden maü das man in göicli, 
oder man inii die schAch im seich, 
oder setzt honier ulT die oren, 
der hai ein reyiren mit den deren. 

Uraht narrrufch, p. Zanicite s. 31 itofe. 

das 16. jtthrh. beseichnrt sehr gern das innige tcrbundensän inner- 
halb einer genossenscliafl unter dem bilde eines lauses oder reigens: 

ich bin der drii, der hie wol ziert, 

und disen narrenreyen flert. HuiinBa tulh. narr 970; 

babnreie, babnreier ist demnach der, der einen reigen der hdhne 
mitmacht, in die genossensrhaft der hihne gehört, der hahn, ai$ 
geiler vogel, ist twar tundchU torbilii für einen uniilditigen men- 
sclien {sp. 161), und Matbesius braucld bahnrei in der thal für 
einen gaclileclillieh ausschweifenden: darumb sie {die Römer) auch 
lose und leicbirerlige leute quailraularios ncnneten, wie wir 
eine oder einen bamei, ein beilcrmann oder ^bellerbörre 
oenneo. Sar. 176. aber wie kucliuck, der vogel der in andere 
nester seine eier legt, in Verwirrung des eigentüclien begriffs auch 
das bild abgibt für einen mensclien dem eine dicUcIte unliill wider- 
fährt, st musz babn hier in gleichem sinne genommen werden, 
die spiicliwörlliche redensart : in eines andern babns nesl seine 
eicr zu legen IIappel acad. rom. 569 leigt wie sich dieser sinn 
ausbilden konnte. 

Das wart erscheint Klufig zumal seit der 2. hälfle des 17. jahrh. : 
man saget viererlei personen müssen sich für vier andere 
fOrcbten. ein rdubcr für dem scharfrichler. ein dieb fOr der 
wache, ein geiler und unlugcndbaDer fUr dem der ihn 
schätzet, und ein wissenllicber williger banrei für dem ni- 
mormeister. pers. rosenllial 1, 19; nerd ich aber darüber ein 
banrei. Abele kinstl. unordn. 1,190; euer fürstl. gnaden ge- 
ruhen gnüdig Überbringern dessen so lang anzuhaben, bisz 
ich ihm ein paar hörncr aufgesetzet und zu einem hoch- 
trabenden bahnrei gemacht habe, er ist dieser ehren fähig 
und wardig. Happel acad, rom. 350; der junge herr soll 
meinen staar kriegen, das ist ein siaar ! er kann ew. gnaden 
io dreierlei sprachen einen bahnrei heiszen. Rabener sauren 
3 (17&7) s. 42; die Vorstellungen, dasz er ein bahnrei sein 
konnte. 4, l'iS; sie {die mädchen) nehmen jenen {einen allen 
mann) ohne bedenken, im festen vorsatze, ihn auch ohne 
bedenken zum bahnrey zn machen. I.essing 2,483; armutb 
macht eben so viel babnreie als dicbe. II, '48; binnen vier 
und zwanzig stunden war er liebbaber, brüuligam, ehemann, ' 
bahnrei, patient, und wittwer. GöTnE19, 29; witzige und saty- 
riscbe masken sind sehr selten, . . . doch sah man einen 
pulcinell als bahnrei. 29, 243 ; 

wo die wirihe hahorei sein, 
kehren gern die giste ein. 

PisTomos Ihes. paroem. 5, 396; 
10 iats der der ein hahnrci ist. Weanicu 254; 
und jeder hiong der Hehler dann 
ein loses wort für ihren hnbnrei an. Lbssin* t, 120; 
et war, mein seel I wohl mehr bailoh, 
mit Baihseba tu liebeln, 
und Ihren armen bahoreih so 
zur weit hinaus zu biibeln. Böacta 49'; 
b6ir da I der galgen da ! der bahnrei in der mitten ! 

GOTHI 7, 9Ui 

du hast mich doch Irott allen schlagen, 
dast du dich alt nicht bonnlest regen, 
trotz alier vorsieht, alier wacht, 
tu einem bahnrei doch gemachu 

Tiici kitit. Oclav. 2, i. nuft. 

AU sMmpfWVrt in abg^lassiem sinne verwendet, wie auch hure 
{s, d.) sogar ab halbes kosewort dient; eine fraa sagt tu lArem 
manne; 



icli arme bin bemOhl und fresse schimmlicht brot, 
du haanrei seulTest nur und weist von keiner noih. 
Rachel sa(. 6. 

2) bahnrei heiszl auch eine gdiOrnle scimecke, murex eomufiu. 
Nemnicu 3,639. 

3) in gegenden Kederdeutsdtlands {Mecklenburg, Pommern, im 
GOtlingischen) führt femer ein karlenspiel den namen bahnrei. 
es findet sich auch im Dänischen als banrei. Molbech dial. lex. 

HAHNREIFABBE, f: durch eine geringe und unmerkliche 
bewegung wird der schöne eindruck des feuers und goldes 
in die empfindung des kolhigen verwandelt, und die färbe 
der ehre und wonne zur färbe der schände, des ahsrbeus 
und misshrbagens umgekehrt, daher mfigen die gelben hüte 
der bankcrollirer, die gelben ringe auf den m.tnteln der Juden 
entstanden sein; ja die sogenannte babnreifarhe ist eigent- 
lich nur ein schmutziges gelb. Göthe 52,314. 

HAHNREiniSTOHIE, f: niemand weisz dickleinen babn- 
reibistoricn so gut wie L. zu erzählen. Rabener 5, 160. 

HAHNREIMACHEN, n. das machen sumhaltnrei: so konnte 
dieses bahnreiniacbcn sehr leicht und bald in Circassien zur 
roode werden. Klincer Sahir (I79S) s.20t; dasz die so un- 
schuldigen Circassier selbst anlingen, an dem babnreimachen 
geschmack zu linden, s. 289. 

HAHNREIMACIIER, m. der einen andern zum bahnrei macht: 
banreimacber sive hommacher, subagitator alienae uxoris Stielkr 
1193; durch eine solche kalte geldliche entspringen so viel 
hanreier und banreimacber. Riblhaiin streit der ehre u. liebe 301. 

HAHNREINL'SZ, f. corylus eornuta. Nemnich wb. 

HAHNKEIORDEN, m..- ihm ein diplom einzuhändigen, das 
ihn mit allem respect so in den groszen bahnreiorden recti- 
Agiert. Fit. MDller 3, 219. 

HAHNREISCHAFT, f: hahnreischaft isl'die vornehmste 
zunfl. PisTORiDS thesaur. paroem. 8, 396 no. 88 ; ein mann, der 
Einmal seine frau eine ebcbrecherin nennt, steckt sich selbst 
das hörn der habnreiscbaft auf. Knicce umg. m. m. 2, 53 ; 
die ritterschnft des Artus zu verbinden, 
ersann er selbst getränke voller iirart; 
die iiönigin, um gleichl'alls zu eründen, 
errand beim spiel des k6nigs bahnreischaft. 

IIacbbork S, 44. 

HAHNREIWESEN, n..* aber, wenn dieses ewige bahnrei- 
wesen kein fibel ist, warum fürchten sich unsere männer 
so schrecklich davor? Kunger Salär (|79S) 1. 196. 

HAI, m. squalus carcharias, haifisch, nl. haai, rfdn. bai, scliwed. 
haj, ein erst um die mitte des vorigen jahrh. in das hochdeutsche 
aujfgenommenes wort: 

bald werdet ihr im meer der haien, am geslade 
der aarcn beute sein. 

Raukr ged. (1766) s. 104 (1772 s. 116); 
und driuend wies mir die grimmigen tihne 
der entsetzliche bai, des meeres hyAne. Scbillu 64*; 
und die kinnlade eines haien 
ITir euch als buudeslado passl, 
das mnrdgebisz in stachelreihen 
das heilige gesetz umfaszt. 

LzNAO Savonarola (1844) s. 42. 
HAIDE, t. beide. 

HAIFISCH, m., was hai, squalus: sie könnten vielleicht aus 
dem fischfange ergiebigere nabrung ziehen, und dem bai- 
fiscbe nacbstellcn, der die Zugänge ihrer rilTc belagert. 
CnAüisso werke (1852) 1,197; im Innern der gnippe Eilu wur- 
den vom schifle an verschiedenen tagen zwei haifische ge- 
angelt, z. 221; ein baifiscb von auszerordentlicber grösze bisz 
indessen an der angel. s. 225 ; 

woireszalm und kämm des drachen, 
hezonmumie, gaum und rochen 
ans des haiflschs scharrem Schlund. 

Sliaketp. Mach. V. ScaitotL i, auft, l.sc; 

der Wassermann bei blitzesschein 

taucht auf in dunlilen nachten, 

der baiOsch sohnappt, die miveo schrein — 

das Ist ein lustig fechten I 

EiCBKKootrr ged. (1865) s. 15. 
HAIFISCHFANG, m. 

HAIFISCHFLOSSE, f. flösse eines haifisdies. 
HAIFISCHZAHN, m.: ob eine minute den madenzahi^ oder 
ein Jahrhundert den baiflscbzabn an eine weit setze, das ist 
einerlei. J. Papl uns. löge 2, 169. 

HAIN, ffl. nraius, lucia. (cAon frühe taucht für bagen sp. 149 
die form bain auf, die sich aus. erteeichung der guUuralis gebil- 
det hat; bis sum 15. jahrh. noch seilen, doch uws* FObstehahn 
2,630 schon aus dem 8. jalirk Heiobach, aus dem II. Hein- 
bahc fOr und neben Ilaganbach, Hagenebach nacA. auz einem 



uiyiiiztJU uy 



ö" 



173 



HAIN 



HAIN — UAliNBOCHEN 



174 



atischtintnd sädisisdien glossar des 13. oder 14. jahrh. hat haeo 
dumus UitFENii. 193*; auch im südUclutt UiUeldeuUchland in 
einem mldbanne von Drtitich bd Frankfurt a. U. aus dem jähre 
133S isl buia ßr bageo yesetzl. teeisth. I, 498; im 16. jahrh. 
wird die form häufiger, setit sielt aber in eingeen^er bedtulung 
fest, indem es gewöhnlich nur den sinn gebäseh, gehoh, wald 
(liagen &, sp. l&l) in mehreren sehaUierungen wiedergibt, Luther 
namenlUeh brauclil es vielfach; die bedeutung umhegter ort. statte 
(hageo 4, sp. ISl) erscheint dann, wenn das «ort als lelites glied 
lusammeugeselster Ortsnamen dient, in Falkenbain, Gruszenbaio, 
Uchteiihain, Ziegeobain u. a. 

1) gant mit wald berührt sich hain: gelinget iroe das er 
schuszet, so sali er ryden (zu dem baine in eines forst- 
meisters busz, da sali er finden einen wissen brackcn. teeisth. 
1, 3U2; 

du {der hein ! 

du vilde nOstenei ! FLsainc 403 ; 
o dann Tirberget noch, ihr schauervollen haiae, 
den Dberblkbiien rest der modernden geheine. CsoNtGil, 4; 
kaum zeigte sich Phöbus mit heilerm gesiebte, 
aU lausend gischlechter vom bergigteti hnin 
erschienen, um b«i der Tarsammlung lu sein (inaMcdgfl). 
LicaTWBR fab. 1, no. U; 

und jeder ahmann schwur, dasi In der ersten nacht 
er (ein ereinil) und sein mitgeoosz, der hain, 
des reuers beute müsse sein. Lessixg I, Ut), 

«eben Zeilen später und im eingangs des gedichls heistt dieser hain 
wald. 

2) gewöhnlich id aber baia vom walde genau unterschieden; 
es betont mehr die anmutige seile des waldes, beseielmet den 
kleinen , gehegten und gut gepflegten lustwald , wie auch bag 4 
(sp. 13ii) meltr den park, als den eigenlUchen wald ausdrückt: 
inn dem uinbscbrenklen beine oder weidlein. Matbes. Sar. 7'; 
wenn unser enges tbülcben vom jaucbzen und singen aller 
bOrger der lüfte und baine erscballt. arme mann im Tockenb. 
237; Lulber und wenige, die nacb ibm wie er ausbauten, 
baben den wald zum baine gemacht (bildlich vom walde der 
spräche). Klopstock 12, 283. das frort isl länger als seit iwei- 
hunderl jähren ein lieblingsausdruck unserer dichter, in den ersten 
Zeiten noch in misziger, im 19. jahrh. in überhäufiger anwendung: 

der angenehme thon der triilenden Tonteincn, 
und der gesunde lilang, der in den liOblen heinen 
sich von den westen regt. Flminc &2i 

so bitt ich himmel, IQfi, wind, hfigel, baioen, wilder, 
wein, brunnen, Wüstenei, saat, hole, steine, relder, 
und reisen, sagt es ihr, sagt, sagt es ilir vor mich. 

Opitz 2, 229; 

jüngst fand ich Im verschwiegnen baia 

mein liebstes msdchen ganz allein, 

nun höret auT mit euren tragen. 

zu sagen, was im husch geschah, 

verbot mir meine Silvia. CaoiiicK 2, 296; 
vielleicht irrt schon Cieanth in schattenreichen hainen. 

2, 321 ; 

in den lustgewohnten hain, 

wo in jener schatten nacht 

ihm vielleicht die hinin lacht. Uicnoaii 3, 69; 
bedenkt, wenn sie mich immer mit sich rühret, 
sich mit mir in den hain verlieret. GtLLKaT 3, 13&; 
mit enlzückung wall ich im hain der palmen. 

KloPSTOCS 1,214; 
mich, dem des bains s&useln ertönt. 2, 184; 

ruhig, wie der mondbegUnite hain. 

UArrHisson ged. (1791) s. 121; 

in dem hain erwachen lieder. 

ScHiLLsa klage der Ceres; 

anmuthig thall du immergrüner hain! Göthi. 2, 145; 

wenn ich nun im holden haine 

unter meinen IVeunden wandle. 47, 266; 

im abendschein im grünen hain 

da gieng ein migdiein jung. Anxngeä, (1840) s. 180; 
wie berbstwiud schüttelt das laub im hain. >. 206; 
leb lese bunte biumen in den bainen. «. 227. 

Häufig loird der hain in Verbindung mit dem bebauten felde 
oder dem gebirg« genannt, daraus erwachsen die formein Qur und 
hain, bain und felder, bain und bügel u. a.: 

hier triuft ein steter himmelsthau von fteuden 
aur bain und flur. HtnHissoN ged. (1794) s. 7»; 

was sohiert mich hain und quell und fluri Voss 4, 41; 
wies' und hain. HAnuissoN s. 78; 
umgrenzt von hain und matten, s. 82; 
doreb moos und scbiir, durch körn und bain. •. 103; 
beide mit grünenden hainen und Düren. 

AattST ged. (1840) t. 248; 



still schweiget Teld und bain. «. 516; 

bain und geOlde 
schwanden im licht. Voss 3, 100; 

febirg und hain verschmelzen 
m rolhiichen gedüft. MArruissoN 80; 
ich entOog ihr und sang, und der bewegte hain 
uud die hügei umher hörten mein Holend iied. 

Klopstocz I, 44; 
Putbus im grünenden schmuck der prangenden hügei und baine. 

AseiOT 2«3. 

Lutuer verbindet mit hain den sinn einer waldigen, angebauten 
gegend: zog Abram durch bis an die stet Sichern, und ao 
den hain More {inl ttjv 8fvv Septuag., usque ad convallem 
vulg.). 1 Mos. 12, 6 ; Abram . . kam und wonet im bain Hamre. 
13, 18; und der herr erschein im im baine Mamre, da er 
sasz an der tbür seiner hatten. 18, 1 ; als du Saul wonet zu 
Gibca, unter einem bain in Kama (vnö -n^ äfovfav Tirv 
iv 'Pa/iq; esset in nrmore quod est in Rama raiy.). iSam. 
22, 6. 

3) bain der gehegte und gefridele wald, in dem eine goMeU 
verehrt wird: ire altar sollu umbslUrzen und ihre gOtzen zu- 
brechen und ire baine (rä äXorj Sept., lucos vulg.) ausrollen. 
2 Mos. 34, 13 ; zubrich den allar Baal, der deines vaters ist, 
und hawe ab den hain, der dabei siebet richter (, 15; die 
vier hundert und fünfzig propbeteo Baal, auch die vierhun- 
dert prupbelen des bains. 1 kOn. 18, IV ; die stedte darauf er 
die höhen bawete und baine und gOtzen stiftet, ichron. 33, 
19; und da er die altar und haine abgebrochen und die 
gOtzen klein zumalmet. 34, 7 ; und lies den bain aus dem 
hause des herrn füren hinaus für Jerusalem in bach Kidron 
und vcrbrand in. 2 kün. 23, 6, hier hat bain niehl wie man an- 
genommen hat die bedeutung gülie, Luther hat sich an die wortt 
der Septuag. und vulgala gehalten: itv^eyxa tö alaot, efferri 
fecit lucum ; (die barden) baben auch ihren besunderen stiSt 
und hain gehabt, ahn der Ilmenau, nicht weit von der Elb, 
so nach ihnen Bardewig geheiszen. Spsncenberg «niutca 115; 
ist vielleicht auf Jocbsburg, bei Sunderszhausen geschehen, 
welches vor Zeiten ein heidnischer bain ahn der bainliten 
gewesen, s. 126 ; 

man füllte nun die weit mit lempeln und mit blinen, 
und die mit gittern an. Uallir ged. (1768) 53; 
. . schon rauscht 

der heilige bain von dem taarfenlaui. Elopstoce 1, 180; 

seht ihr, er kommt, der jüngling Alsas kommt 

in dem Schimmer des hains daher I 

auf eilet, und brechet dem gotte 

die jüngsten biumen der berde. 9, 290. 

4) baia wird auch bildlich gesagt von frudUpflanien, wenn sie 
in grosser zahl neben einander stehen, so rebenhain, dicht 6«- 
pflanzter weinberg, so dasi er einem walde gleicht, obstbain reich 
mit bäumen btselster obdgarten: 

bekrAntt das haupt mir, blothen des rehenhains I 

Klopstoce 2, 231 ; 
den farbigen obstbain. Voss 3, 243. 

5) hain als bild in anderer, ebenso freier anwendung, man 
spricht von einem hain der ruhe, hain des friedens, um das grab 
oder den mit grün bekleideten friedhof zu bezeichnen, s. friedeoa- 
bain 4,1,190; 

und fürt in zu des todes beio (i45raAam den Isatc). 

SCUWARZINSiaO 156>; 

grflstel meine holde Philomelel 

die klingt so hell in meines berzens bainen. 

Arkdt «ed. (1840) 131. 

HAIN, in freund Hain n. a., s. Hein. 
HAINANEMONE, f. anemone nemorosa. Neünicb 1,197. 
HAINBALKEN, m., s. bahnebalken sp. 165. 
HAINBAUM, m. bäum des hains: 

zum wuchs den hainbaum 
mit thau zu IViscben. Klopstoce 2, 18. 

HilNBEWOHNER, m. bewohner des hains, vogel: 
schnell wirds lauter in den büscben, 
alle halnbewohner mischen 
in der lerche Iied sich ein. ). M. Hillzr ged. 411. 

HAINBUCHE, f erweidite form von bagenbucbe cai^iimu 
betulus {sp. 140). Nbmnich 2, 895 ; hainbuche omiu Stbinbach 
1, 215. 

HAINBUCHEN, HAIMBÜCHEN, adj. u. ade., aus hagen- 
bfichen sp. 140: bainbäcben ornetu Steikbacr 1,215. sehr häufig 
in übertragenent sinne derb, grob, knorrig: sie wissen sich so 
beimbUcben und cinHÜlig mit der zweißUligen sucht tu stel- 



uiyiiiztJU uy 



,ogle 



175 HAINBUCHENFLECHTE — HAINRISPE 

len, als ob sie es nicht verstanden halten, baurenst. laslerpr. i ; 
diese heimbüchene vOgel {bauern). 131; das buch selbst führt 
den tilcl: des neunbäutigen und bcimbachenen schlimmen 
baurenstandes und wandeis entdeckte ubel-sitlen und lasier- 
prob. «. queUenverieUhn. lum 2. band; ein bainbüchener kerl, 
rustkm et agreslis honio Steinbacu 1, 2IS. 

HAINBUCHENFLECHTE, f. liehen carpineus. Neüsicu. 

HAINBUCHENUÜSTER, f. ulmus campestns. Neünich. 

HAIiNBUSCH, m. für bagenbuscb sp. 140: dumcdim hain- 

pUSCh OlEFENB. 640*. 

HAINBUTTE, f. für hagenbulte sp. 140: eomum hainbotte 

SlEFENB. 640*. 

HAINDORN , m. für hagendorn sp. 141 : haindorn me^nlus 
oxyacantha RArzEBOBO standortsgeadcliseund Unkräuter (1859) s. US. 

HAINFEST, n. tuearia. Stibleb720. 

HAINEN, verb. einen wald Uchteu: beim hainen oder . . der 
sogenannten haubergswirthschaft. Katzebdbc slandortsgetcächse 
(1859) i.433. 

HAINERHOLZ, tn. Crataegus oxyacantha, bagedorn. Neknicb 
2, 1270. 

HAINGEBIRGE, n.: 

jeglicb wild des baingebirgs. Bübgei 159*. 

HAINGEFLÜSTER, ».; 

0, ich sehe sie, und dfister 

Ist ihr holdes angesicht; 

in das leise baingeflüsier 

mischt sich ihre slimme nicht, i. M. Hillbb ged. 191. 

HAINGERICHT, n. aus hagengericht, getickt für die ange- 
legenheilen eines dorfes und seiner mark: item wisen wir in 
den 14 dörfern 14 haingericht. weislh. 2, 208 ; item fürter 
spricht der fauth (vogt) wieder die scheffen, das sie ausgehen 
mit den zwei gemeinden und das sie mit recht erkennen 
alle, die sich des heingereihs gebrauchen und in dem hein- 
gerelb sitzen oder wonnen , und nit bie seint an diesen 
ungebotten dingtag, was haben die verlorn und wie viel. 
4, 570; 

jetit dacbteo unsre freien mSnner nicht 
an hub- und haingericht und markgeding, 
wo man um escb und holttheil spräche nilt. 

tTuLinD Ernst t. 64. 

HAINGESANG, m. gesang der Barden im haine: 

willst du tu Strophen werden, o haingesang! 
willst du gesetilos, Ossians schwuoge gleich, 

S'eich Ullers tanz auf meerkrystalle, 
ei BUS der seele des dichters schweben? 

Klopstock 1, 5; 
Ich beschwöre dich, o oorne, vertilgerin, 
bei dem haingesange, vor dem in Wlnfeld die adler sanken. 

1,241. 
HAINGESTiUDE, n. buselwerk eines hains: 

winkt die geister der todten aus versunknen 

Sarkophagen empor, verwandelt raen.schea 
bald IQ bäume der flur und baingestilude, 
bald in schuppige wasserungeheiier. 

HiTTUissoN ged. (1802) 105. 

HAINGÖTZE, ffl. gitlerbild eines hains : er setzet auch einen 
haiogötzen (tö yXvnröv lov ikoovs Septuag., idolum luci 
vutg.}, den er gemacht halte, in das haus. 2 kün. 2i, 7. 

HAINGRAS, n.gras, das in einem haine aächst. in der Pflanzen- 
kunde nerden haingrftser, angergrüser, wtesengräser , weide- 
gräser unterschieden. 

HAINHECKE, f. rosa canina. Aoelcnc. in verderbter form 
hainiiacke, hainhotken. Nekiiicb. 

HAINHIEFE, f. frueht des hagedorns: rubum hanappel, hefn- 
byff Diefenb. 502'. s. hagenhiefe sp. 152. 

HAINHIEFENBAUM , tn.: corntu bainhifTenbaume voe. es 
(juo V. 1469. 

HAINHOLZ, n. ans hagenholz, domslrauch, s. hagen I sp. 150, 
und hagendorn sp. 141: heinholz acer Oiefenb. 8*. Adelung 
dagegen kennt hainholz als mundartliche bezeichnung eines ge- 
schonten aaldes {entsprechend hain 2, sp. 173) im gegensalz zu 
hauholz, <rie aucA früher schon Stieleb: hain-, hege-, und 
gehegeholz incidua silva 854. 

HAINHUNGERBLOMCHEN, n. draba nemorosa. NEiNica. 

HAINQOELL, tn. quell im haine: 

mich labt der weste ßcbeln 
am hainquell; mich eniiOckt 
ein Teilchen, das mit lücbeln 
mir die erwählte pflückt. 

HiTTBisson ged. (1802) 1. 138 (1794 «. 84). 

HAINRISPE, f. eine grasart, poa nemoralis. RAnEBORO sland- 
ortsgendchse (1859) 1. 126. 



HAINRISPENGRAS — HÄKCHEN 



176 



HAINRISPENGBAS, ti. was bainrispe. Ratzeburg das. 

HAIiNSCHAUB, tn. Strohwisch an einem umhegten orte (bagen 2 
sp. 150), als verbot gegen das betreten desselben. Jacobssom 2, 188'. 
sonsl auch begewisch, s. d. 

HAINSCHNECKE, f. helix nemoraUs, ualdschnecke. Leuius 
Synopsis der nalurgesch. des Ihierreichs (1860) s. 795. 

HAINSIMSE, f. eine binsenarl, luzula speäaUs. 1. RUhn krattk- 
heilen der culturgeadchse (1859) s. 95. 

HAINTHAL, n. ualdiges that: 

last mich im haintbal singen mit faerslichkeit. Voss 3,4; 
da der Wahnsinn lu dem brautkusi mich begeisterte, da ent- 
flohst du 
in das haintbal. 3, 258; 

in diesem hainthal mit Silenen 

und mit Faunen 7 Stolbibg 5, 68. 

HAINUHSiUSELT, part.: 

doch ach I welch geschrel erschallt unferne der seestadt, 
drüben am Strand Arenjs, des hainumsSuselten dörfcheos? 
Piaxsa runistos 2, 23U. 

HAINVOLK, ti..- 

als Pdbos-Braga sass er mit Wodan-Zeus 

im elchentempel dort am druidenschmaus 

des IVommeo hainvolks, trank des mceles, 

kostete menschlich die waldbcwirtung. Voss 3, 171. 

HA IN WALD, tn.; als auf ein zeit ihr (ifer feronta) gewei- 
heter bainwald von dem wettet angezfindet worden, a. weiszh. 
lustg. 19. 

HAIROCHE', tn. eine rochenart, raia rhinobalus, im mitlel- 
lindischen meere. Cahpe. 

HÄKCHEN, n. iUetner haken. 

1) im allgemeinen: seine {des Carles) weit entsteht, indem 
diese tbeile allerlei andere bewegungen bekamen,. als sie 
zuvor hatten, die gröbsten sich zu kiigelchen abdreheten, 
zwischen ihnen sich schräubcben durchwunden , und die ab- 
gehenden spaneben allerlei Häkchen gaben. Kästrer tierm. 
Schriften (1783) 2, 291 ; sie nahm den balsscbmuck , die arm- 
bänder heraus und trat damit an das fenster, wo sie .. die 
zierliche goldarbeit ganz nahe vor die äugen hielt, um nur 
recht zu erschauen, mit welcher wundervollen kunst jedes 
kleine hskchen der verschlungenen ketten gearbeitet war. 
E. T. A. HoFFüANN 3, 214. bädlich: aus diesen Worten hat nun 
der vizir sehr klug geschlossen, es stecke noch ein häkchen 
seines machwerks in des kaisers herzen, das ein gescheidler 
mann durch gewandbeit woi noch ergreifen könnte. Klingeb 
5,80. 

2) in specirVem sinne bezeichnet bskchen den heftel am kleide, 
der in die ose hakt; ferner den untersten hakenförmigen theü 
einer tamburirnadel (Jacobsson 4, 368*) seit eluia 1780, und un- 
gefähr seit derselben zeit auch den untersten theil einer häkelnadel, 
früher aaren diese insirumenle unbekannt; endlich das mil Wider- 
haken versehene eisen der angelrule , an das der kOder gesteckt 
wird. — Pflanzen haben bakchen, iretin die Oberfläche rauh isl 
und die spitzen hakenförmig gekrümmt sind. NEiNicn 3, 106. 

, 3) bäkcben, die schleife über dem u in der sogenannten 
deutschen scitrifl: schon waren mir verständige und ausfübr- 
lichc nacbrichlen von der aufftthrung des Epimenides zuge- 
gangen, nun kömmst du aber mit kühner feder das tOpfchen 
aber das i, das bikcben aber das u zu setzen, und nun wird 
mir die schrift erst vollkommen lesbar. Götne an Zeller 222. 

4) hakchen für apostroph: überhaupt gehört der gehrauch 
des hakchens, ohne dasz. etwas ausgelassen ist, zu den ncu- 
bcilcn. er ist aus dem englischen angenommen. ROdiger 
nettester Zuwachs 5, 142. 

5) eigenthümlieher weise ist in Mitleldeulschland häkchen für 
ein kleirus glas brannlwein in gebrauch: kellner, ein bäkcben! 
wir wollen ein bakchen Irinken oder nehmen, zu diesem bilde 
hat die hakenförmige bewegung, mittels deren man das glas schnell 
zu munde führt und eben so schnell wieder abselzl, veranlassung 
gegeben. 

0) sprichwörtlich: was ein hakchen werden will, krümmt 
sich bei Zeilen; kleine hakeben greifen auch. i>on einem, 
dessen geist nicht ganz gesund ist, wird gesagt, er hat ein hak- 
chen im köpfe; eine sache bat ein hakchen, ein kleines 
landernis; ein hSkchen auf einen haben, etwas böse auf ihn 
sein: ein hackgen, wenn man einen feindselig was nach- 
tragt, daher man sagt : er hat ein backgen zu ihm. H. Von 
V. Wertheim anaeisung zur orthogr. {Chemnitz 1711) «. 19, vergl. 
hake und baklein. 



Digitized by 



Google 



177 



BARE 



BAKE 



178 



HAKE , HAKEN , m. uncus. alid. hüco, Mgo, bacco «ii<i 
'baggo; mhd. hike und hacke, bagge, mmebtn auch eine form 
hitkea läuft (iri. t, CI2') ; 09«. h6c, tngl. book; r(. baak; alt- 
nord. biki, dän. bage, tdaced. hake, wiu dii« tigcntüche bt- 
rieuluug des Wortes betrifll, so dürjle dasselbe doch wol von blban 
hängen niclit tu trennen und biko aus hAb-ko als das inslru- 
ment zum hängen tu deuten sein; nieU nur die form bacbe 
tinctM DiEFENBjkCB 626* mü ihrer guUurataspirala spricht dafür, 
tondem noch mehr die nasalierte, in Tirot übliche form büngken 
(Titma. 5, 445). genau neie blko lu blban stellt sich ein in 
J)üringen oß xu hörendes fem. fAke ohrfeige lu flbcn in der 6e- 
deiilung schlagen (vgl. fangen 21, Ih. 3,1315, und lirol. einem 
eine ficbeo eine olirfeige geben Fiioaii. 6, 223). dast der tocal 
in hake, haken ron oben seifen her xwischen länge und kürte 
geschwankt hat, wird' durch die oben aufgeführten, soKvlahd. als 
mhd. Schreibungen beieiesen ; weniger spricht dafür die nhd., noch 
bis in dieses Jahrhundert reichende und im 17. und 18. jahrh. 
ttemtich allgemeine Schreibung back, backe, backen , da ck im 
inlaute misbrduchtich auch nach langem vocale geieltt wurde 
{Ih. i, i), und überdies tur ausdrücklichen beteugung der länge 
auch baack, baackco geschrieben wird; trie Braut und Keisüiis- 
8Il«g hucken, bogken {mit o = langem a) brauchen, indes ge- 
währt noch KCciEHT die form hacken uncus im reime auf nacken 
{mak. 2, ISS), das schwanken in der quanliläl des tocals befrem- 
det nicht, wenn man erwägt, dast die wurzeln von bSbeo und 
füben ursprünglich kttrzen rocal hatten, und dast die ersattlänge 
i dafür wahrscheinlich erst eintrat, alt die rhinistische ausspräche 
des kurzen mcats {sp. 15") sich verlor, eine ersalzlänge die nie 
ttllgemcin wurde, wie sowol die nhd. praesensfarmen von biben, 
füben, bccbt, fecht, deren kürse durch den umlaut und die 
Sehreibung cht bewiesen wird, darthun, als auch die ags. ileraliv- 
form tu rihan , ags. Tun, nämlich feccan , welchem das sächs. 
däriiig. facken, fackeball (3, 1229) sich genau anschliestl. 

Bedeutung. 

1) hake, haken im allgemeinsten ttnne jedes an der spute 
krumm gebogene ding, woran sich etwas hängen oder voran etwas 
gehängt werden kann, ein haken kann gewachsen sein, es ist der 
krumme oder im winket geneigte ast eines baumes oder Strauches, 
da wo derselbe mit dem stamme zusammen stOszt; oder er ist 
künstlich geschmiedet oder gebogen: baack uncus. einer der mit 
einem haacken zettcbl, hamolraho Dastp. ; hack harpago, pfeil 
beschlagen in backens weisz, arundo hamata Maaler 204'; 
angcl, backen, kruineisen, hamut , uncus, spieulum, harpago 
HE:iiscn79; hacken und band cardinet elplanulae das.; anker, 
ein insirument im schiff von zweien backen, welches in das 
Wasser eiogewurfen wird, das schiff damit zu beresligen. '1; 
der back am anker, ancorae dens, uncus das.; dieser lad mag 
anfgczogen werden mit einem bugken, der da hat drei zin- 
ken. Heisersberc pred. ^b'•, ist mit krummen backen allent- 
halben umher besetzt, gleichwie ein slern anzusehen. Tabei- 
DAE». 1081 ; wenn man bei etlichen piquen vorn zugleich ein 
scharflen backen macht. BOcui.EtL kriegsschule 135; einen backen 
an ein schiff schlagen, manum ferream navi injicere Steinbach 
1, 665; er hatte sieb mit einem langen backen gefast ge- 
macht, mit welchem er . . herzu sprang und das seil ergriffe. 
Happel acdd. rom. 319; bildlich: freiwillig tret ich ihnen ab 
den mann, den man mit haken der bolle von meinem blu- 
tenden herzen risz. Schillkb kub. u. liebe 4,7; — femer: 
ein buken zum surbSngcn eines kleidungssiflckes; ich linde 
f&r meinen but keinen haken, und wahrhaftig kaum eine 
ecke für meinen stock. Gutme 67,3; haken in der kflcbe, 
in der Speisekammer, woran fleisehwaaren hingen; haken ist 
am seil, daran der kiibel iderdergfrule) gehenget wird. NEUBl^G 
Inst. pol. lex. (17361 anA. 46*; haken an der angel, voran sich 
die fische fangen: die weiber sind meine haken, mit denen 
ich nach den mSnnern angele. Fb. Müller 2, 43; endlich auch 
an hake oder haken am kleide, der in die Ose greift {vergl. 
hükcben2l: güldene haken sire spangen spinlAera aurea Stieler 
730; das mieder von rolhem saminl, das darunter (unterm 
wamse) hervorschaute, war mit silbernen haken und ketten 
geschnürt. W. Haupf plianlas. im Bremer ralskeller. 

Man sagte auch anatomisch ein glied sitze in seinem haken, 
«■enn es in gehOiigem verband mit seinem nächsten leibestlieü steht: 
also dusz mDniiiglicb daselbst in dem wabn ist, es gehe zu 
nnlerschiedlicben Zeiten dem menschen die hirnscbale oder, 
wie sie reden, der köpf von einander, so weit dasz man 
drei oder vier tInger zwischen den risz einlegen künte, wann 
.nicht die baut dafür wäre, darnach setze auch der hals sich 
IT. u. 



aus seinem gliede abe, oder, wie sie reden, komme aus dem 
haken, also dasz man in der nackengruben einen daum auf 
den rOckgr.-id setzen kOnne, da zuvor der hals gestanden ist. 
RoLLCNUAGEN Wahrhafte lügen (1717) s. 334; darnach zieht sie 
auch den hals wieder in seinen baken. 335. 

Vgl. auszerdcm die composUa ankerbaken, angelbaken, enter- 
bakcn, deiscbhaken; feuerbaken, kantbaken, kesselhakeo, 
kleiderbaken, scblttsselbaken, Widerhaken. 

1) in verengtem sinne gerät verschiedener handwerker, von unfer- 
tdaedener gestalt und unterschiedenem gebrauche, das gemeituanu 
merkmal ist die rom gekrümmte form des geräts. haken führen 
als Werkzeug boticlier, drechsler, eisengiester, tchriftgiester , seiter, 
tuchscherer u. a. Jacuisson 2, 189. tchrifltelter u. a. bedienen 
sich für ihre arbeit des Winkelhakens, s. d, auch der Schnitter 
braucht einen baken: 

Ich liesi mir auch nacliher den haken weisen, 

das werkieug Ihrer linken hanil, 

so denn nicht weniger verstand 

uua zeigt, und ebenfalh veriiuiinig lugerichlet, 

da man damit . . die ahren biegt und schlicblet, 

wotu es vorn gekrümmt. Ubockss 7, 231. 

3) baken, hakenpQug, eine ort pßug ohne räder und wrder- 
pfiug, dessen gestalt einem haken in einem spitzen winket gleicht, 
die behauplung dast der baken slaviselun vOlkern, der pHug da- 
gegen deutschen eigen sei {gramm. 3, 4t4 luile) ist in dieser all- 
gemeinen ausdehnung nicht richtig; das goth. hüha pflüg Lue. 
9, 62 iann mit haken der form nach leicht vermiltell werden und 
der baken ist der Vorläufer des pfluges, sowol in slarischen als 
deutschen gegenden da tu treffen, wo entweder {wie in gebirgs- 
gegenden) die geringe ausdehnung des ackerlandes auf die Ver- 
besserung der Pflugwerkzeuge nicht Itingewiesen hat, oder wo die 
berOlkerung an altüberlieferten gcrälschaften täh fest hält, der 
baken ist nicht nur in tiiederdcutschland gebräuchlich (Dähkert 
16S*, Danneil 76*), sondern findä sich auch an der oberpfalzkch- 
bohmischen grenie. Schneller 2, 164. der name des gerates wird 
in mittellal. quellen als uncus aratrum übersetzt {origines Lieoniae 
V. Gbcber 1740 s. 268); der haken wirkt ebenso wie der pfliig, 
als ein keil . . . das spitze und zweischneidige oder mehr 
schaufelartigc scbar des bakens dringt in den boden ein und 
reiszt ihn auf. Sciiobeb lehrb. der landwirlscluift 11848) l, 237. 
nach diesem pflüge heisit auch ein gewisses ackermasz, landschaft- 
lich von ungteichem geholte, haken (Kbiscb 1, 398') : et scbolen 
ocb de vurbenomede lüde lui ore . . van einen idiliken 
haken krume tho gewen scbuldich sin. urk. des bischofs von 
Kurland von 1341 bei Roszwijbii Eibofolke {Recal 18&5) 1, 189 ; 
damit . . die gemeine gewisse Verordnungen wissen möge, 
was sie jährlich von jedem baken landes abzutragen ver- 
pflichtet sei. urk. v. 1600, das. t 193. man Aal gewiss als 
maszstab für diesen landtheit die Icistungsfähigkeit eines haken- 
fflugs in einer gewissen zeit, etwa einem tage, tu gründe gelegt. 

4) haken als foUerinstrument : einen in die haken werfen, 
«nco tuspendere aliquem. Fbisch 1, 398*. 

&) haken heisten auch wegen der ähnlichkeil gewisse tähne des 
Pferdes, franz. crocbets: bei den pferden folgen nach den 
back- oder stockzähnen zuerst die baken, dann kommen die 
eckzäbne, hierauf die mittelzübne, endlich die zangen. Nem- 
HicH 3, 322. aucA der hirsch hat haken : gränel , haken , die 
zwei stumpfen zahne zu beiden seilen oben im maule eines 
birschcs. 2, 971. 

6) haken für winkel oder krümmung, mehrfach in technischer 
Sprache; in der kriegsbaukunst bezeichnet es die Wendung im lauf- 
graben (Jacobsson 2,189*); bei den bergleuten eine krümmung 
im Schacht: wenn der gang aus seiner stunde {richtung) ab- 
setzet, so spricht man, der gang wirft einen hacken, bergw.- 
lex. 281*. das ist auch sonst gebräuchlich: 

darumb er auch Im hui erregt 
mit pluliliclier ankunfl lum scherz 
bauptmans Huslibibacis herz, 
dasi er ein hacken warf, auch sich 
wendet, und von der wahUladl wich. 

Fdchs mUckenItr. t, 727. 

in der Jägersprache heiszt es, wenn der hase durch seilensprünge 
den hunden zu entkommen sucht, et schlage baken. s. baken- 
schlagen. 

7) haken, ein bis in das 17. jaArA. gebräuchliches schweres 
feuergewehr , mit einem haken am schaft , mittels dessen es auf 
einem besonderen gestctle befestif/t ward, ihrer grOsze nach wurden 
sie eimielheill in doppelhaken (2, 1264), ganze haken und halbe 
haken: als hob ich mich .. mit einem faustrohr (sintemal 

uiyiiiztJU uy V*j v^ v^ -i i x^ 



179 



HAKE— HÄKELABBEIT 



HÄKELEI— HlKELM 



180 



ich keinen halben haclien ta iragcn vermag) .. wider den 
erbfeind beweisen nullen. B. Rincwaid I. ». A 4*; und also 
hauszbaMen, dasz . . ein halber hack und langer spiesz (das 
wir des bedelslabs und krucken geschweigen) nicht ihr besz- 
ter hauszralh sei. Mathcs. Sur. 1«'; dasz binftirder kbein 
bauplmann klieines abgestorbenen khnecbts «er, rüslung, 
ha gen, kblaider, oder paarschafl zu seinen banden neme. 
MoNe anxeigrr 1839 <p. 174 (ran 1583); ein jung weih bat ein 
todt kind bracht, ehe es aber gar von ihr kommen, bat es 
einen knal inn ihrem leib gethan, als nenn man einen backen 
abscbusse, ist das Tewer mit heraus gerahrn. Nigbikgs papitl. 
inquU. 6$2; 

die knecbl thelten sie iwaclien (im kämpf) 

trieben sie von der wer 

mit Iren halben baclien. Soltad mIM. 318 (r. KU); 

der backen duoliler blitz, der stocken trflbe glut. 
Fliiiks bül; 

wenn nun die backen begönnen zu grfliien, 
dasz sich die wölken enlseiil und turissen; 
wenn der cartaunen blitz donner und krachen 
lustig erknallel: ver wolte nicht lachen? 

A. GarPHius l(>«3 t. 488 (1098 I, tti). 

8) ipridmürtlidie ndensorten fluten auf der allgemeinen be- 
devlung 1 des «mies, wrfirntei und alt itl das tprielueort was 
ein haken werden will, krfimmt sich bei Zeilen, et meint 
nicht den k&BstlicIitn haken, tondern den gewachsenen hakenartigen 
ast des baumes: 

nihil, swat zeime haggen «erden «ol, 

dat krüiobet sich Til Trüeja. <ri{f, kr. 84t)0. 

nhd. man sagt, was ein gut back will werden, 
das krumt aich zeitlich bei der erden. 

B. Wauiis Esop 4, 6, 4&; 
was auch ein guhter hak, herr Dreier, werden will, 
der wird bei Zeiten krumm. Rist Paru. 120. 

In andern ttendungen ist der haken dos bild nicU «itir des 
Undernisses, widerstandet, aufenthaltes , sondern awM der wider- 
kaarigkeit und bedenklichkeit : ein mann voll juristischer und 
pulillcisliscber haken, bissig und pedantisch. Stein bei Perlt 
3, 3S8; die sache hat einen haken, ist nickt glatt und ohne 
bedenken : ha ! das rousz einen haken haben, arantur. 1, 219 ; 
aber die sache bat noch einen andern haken. Wieland (1640) 
S3, 186 (Aristipp) ; 

f'l. das ist das scbAnste pferd, dat ich im leben 
gesehn 1 mich wundert sehr, dasi es die lierrn 
nicht besser tcbauen. W. das bat seinen haken. 

TliCK kais. Oclaviau 2, 1. anft, 

ein schwedischer fiudi der Ungeduld ist för tusanhakar!; ferner 
es ist mit alledem so ein kleiner haken zwischen den beiden. 
Lenz l,303, ein kleiner Zwiespalt. — Haken aucA ab bildlicher 
ausdruck /Ar anhält: er sucht einen haken, um von der sache 
los tu kommen; an einem orte haken anschlagen, sich dort 
festselsen, wie man durch den enterhaken auf einem sctuffe festen 
fast fasit: 

er kan dergleichen nicht vertragen, 
dast Ich In Andalut hab hacken angeschlagen, 
und so viel lands besiegt. Gbspliiissb Cid Bvi(j'; 

niederd. en haken anslan (ScnCrzB 2, 90, Däbnebt 16&'), was 
meist von einem heiratslustigen gesagt wird, der in eine familie 
kommen will, haken dient endlich, wie sparren als beseichnung 
eines beeintrachüglen, nicid viltig klaren Verstandes: er hat einen 
haken, ist nicht ganz klar im köpfe, im niederd. braucht ntau 
dieselbe Wendung hai heiid cn biken für er ist trunken. Fbomm. 
6, 72. 

HAKE, f Pforte vor einem hofe oder umiäunlen landstäcke, 
die gewihnlich durch einen sehwebenden oder hängenden, drehbaren 
querbulkrn gebildet wird; dann überhaupt auch ein gartenthor, 
ein niederdeabclws wort (Fboxn. 2, 313): es kann aller auf- 
merksunikeit ungeachtet geschehen, dasz ein reisender oder 
nachlässiges gesindc die so genante hake offen Idsst, da denn 
die auf dein verschlossenen hoie laureoden Schweine . . ins 
feld lauien. der mann dem die Schweine gehören, empfindet 
den schaden am mehrslen, weil seine landereien zunächst 
an der hake liegen und das vieh zuerst hierauf fallen wird. 
Moses patr. ptuint. 3, 217. 

HAKtlSEN, m. l) das pflugschar des hakenpflugs. Jacobsson 
2, 188'. 2) nii rui'tt iiekrünimles werkteug der linngietier, um 
die tinnpr/dszr inwendig abtadrehen das. 

HÄKELAIIBEIT, f arbeit die mit einer bakelnadel $emacM 
wird: franze zur gainilur von betideckeo, hakelarbeil. iotor 
1868, i.37'. 



HAKELEI, f. 1) JUeiner twisl, tank (vgL bSkeln i a. e.). 
niederd. hskelte Schamhacu 71': die kleinen hSkeleien eines 
liehespaares ; häkeleien der gelehrten, die nur zu oft in grob- 
heilen ausarten. 

2) soviel wie hiikelarbeil. man hört sagen das mädchen ar- 
beitet an einer hikelei ; die h3kelei ist vorzüglich ausgeführt. 

HÄKELHAKEN, m. der haken einer hakelnadel : da wol jede 
unserer Icserinnen mit einem bäkelhaken umzugehen neisz. 
6azar 1868, S. 43'. 

HÄKELN, «fr6. freipientativbildung tum verhum haken, o/t, 
nametilitcft in allem quellen, hSckeln gesdirieben, aus welcher 
Schreibung jedoch noch nicht ohne weiteres auf die kürte des vor- 
hergehenden vocals geschlossen werden kann (vgl. hake sp. 177). 
et steht in mehreren bedeutungen. 

1) mit hakender bewegung fassen, greifen: wie in einem ro- 
man, so häkeln sich im leben tausend leise zusammenge- 
rfickte geringfügigkeiten endlich fest in einander. J. Pacl 
Besp. 4, 132; auch mit seinem doktorring häkelte er weib- 
liche Seelen an sich an. 1, 48; sie massen hacken haben, 
damit sie an einander können gehSkelt werden, hamata esse 
oportet, ut conrotenan tnricem possint. Steinbacb 1, 66S; zn- 
sammen häckeln fibulart das.; 

dB bickell — jetil hat er am lingsten gelebt — 
den Zipfel ein eiterner zacken. Götbi I, 231 
mir versagt Metiern und tprung, 
ein Zauber bleit mioh uieuer; 
ein tauber hikell mich wieder, 
ich arbeite mich ab und bin malt genung. 1,93, 
doch sieh die spinne rutschend hin und her, 
schon zieht sie des gewebes letzten taden, 
wie perlen klar, ein duftig eireiikleid; 
viel edle fUnken sind dann eiitglooimeo; 
da kommt der wind, und Ii6kelt es vom haid, 
et steigt, et Sattert, und es ist verschwommen. 

OaosTS-IIGLtaovp ged. 40. 

GOtbb gewährt auch die form hackein: 

man fingt den fitch, man fingt ein tchilT, 
und itl man ertt der herr zu drei, 
dann backeli man dat vierte Iwi. 4t, 303. 

häkeln keisst auch ein spiel , tu dem svei gegner die gekrümm- 
ten ßnger der hand in einander fügen und sich so fort tu stehen 
suchen, sckweii. haggeln, ha:ggeln Stalder 2,11; iblrnln. hdg- 
gelo und hanggeln Leier t3a, oberbair. bakein : zwei mitnner 
versuchen es, mit dem mittelfluger ihrer rechten band einan- 
der Ober eine gewisse linie zu zerren, welche zu diesem 
behufe mit kreide auf dem bodcn aiigebracht worden ist. 
diese Ohung, welche man hakein nennt, erfordert eine be- 
trächtliche anspannung der muskelkrall in den ubern extremi- 
taten. ilhitlr. teitg. 1868 no. 1286. ein anderes ist eine brelzel 
hakein, hier reisten zwei mit gekrümmten und in die bretsel gc 
hakten fingern dieselbe auseinander; dieses spiel wird niederd. hake 
genannt. ScbDtze 2, 9t. 

2) hükelo, von lotsen und andern mH klauen versehenen thie- 
ren gebraucht, wenn sie mit denselben nach etwas fahren: die 
katze hükelte ihm nach den äugen ; die wilden kalzen ranzen 
im hornung, und häckeln und wQrgen sich die kuder (toter) 
um eine katze mit einem erbärmlichen geschrei. Hei>pk /etl- 
Aii«d296; der geier hikelt die tauben, milittu eolumbas inun- 
eal. Stieleb 730. daher auch übertragen von tankenden: sie 
häkeln sich. 

3) häkeln, nüt der hakelnadel {s. d.) arbeilen : das mädchen 
häkelt schon recht gut; die tochler bat ihrem vater zum 
geburtstage eine borse gehükelt; dann häkelt man noch eine 
feste kettenmasche. 6atar 1868, >. 43*. 

4) häkeln heisit übertragen tadeln, bedenklidies an Hwas finden, 
nach häkchen 6 und hake 8; Aier beliebt GOtbe die reimspie- 
lende Verbindung häkeln und mäkeln : wer nicht einsieht, wie 
das wahre praktisch erleichtert, mag gern daran mäkeln und 
bäkeln. 22,254; 

haben da und dort tu mlikeln, 
an dem iustorn raiid tu hakein, 
machen mir den kleinen krieg. 4, 372. 

5) eine andere bildung ist häkeln in der bedeutung mtl hik- 
ehen versehen , in welcher es unmiUelbar tu mhd. hskel , nhd. 
häklrin tritt; gehäkelter same, solcher der mit kleinen häkchen 
versehen ist : sein herz hing sich wie gehäkelter same überall 
an. J. Paol Hesp. l, 167. da häkchen, häklein aucli den apo- 
ttraph betdchnel, so heistt häkeln mit einem solchen seichen ver- 
sehen: sollte die schrifl alle vocale nachholen, die allmäh- 
lich zwischen den buchstaben unserer wGrter ausgefallen 



uiyiiiztJU uy 



ö" 



161 BÄKELNADEL— UAKENGULbEK 

siod, sie hitte nichts zu than «Is zu hSkeln, ood wer wflrde 
lelzen mOgen Eng'Uod, men'nch. J. Gumi U. $ehr. 1, 350. 

HÄKELNADEL, f. nadel die zu der veibtichen handarbeil des 
hätelns dient. 

UAKELÜNG, f. aduncüat, allractio, laesio. Sheleb 730. 

HÄKEL2EUG, n. geräUehaflen tur häietarbeil. 

HAKEN, Ol. f. hake. 

HAKEN, verb., in ntthreren bedeiUungen. 

1) tnil haken versehen, irumi» madien, krümmen: uncure 
baackeo , kryminen, kachen, beugeu Diefkiiii. 62s'; uncire 
baackea, hacken das.; beken uncare voe. opl. I&oi Hb l*. 

2) mü haken fassen: die angel hakl den flscb; der beftel 
bakt in die cese ; mich däuckl das übel inQszle bei der tief 
in die Verfassung hakenden wurzel angegriffen werden. Stol- 
BERG S, 28>; hundert kleine flngerluiige garstige kericken 
hakten sich fest an dem ganzen leibe des berrn Oapsul von 
Zabelthau und warfen ihn rücklings nieder in eine grusze 
scbOssel. E. T. A. Hopfmann 4, 32t. von «'Rem gesagt, der sieh 
mit j/ekrUmmlent arme an seinen begteüer hangt: mein freund 
hakte sich in meinen arm und wollte mich fort ziehen; 
das ist «ie niederd. in haken, den ortn eines begleHers annelanen. 
Schutze 2, »0. — In Niederdeulschland heissl auch jenes kampf- 
spiel, KOS unter bükein 1 erwähnt ist, haken. MOLLENaoFF gloss. 
s. Quickbora. 

3) haken, ante ein haken haften; die angel bakt am fische; 
der befiel hakt fest in der cese. daAer übertrugen: da hakt 
es, venn eine Sache nicht veiter will; er bakt fest in seinen 
spitzfindigen grübeleien ; niederd. dat bakt sik, will nicht fort, 
stuckt. Schütze 2, 91. 

t) endliclt noc/t bake 3 bedeutet baken auch mit dem haken- 
ffiuge arbeiten, die ücker mit haken umbringen. Oähnert 1«8'. 

Uer stammhaße mcal dieses icurtes hat wol, ebenso wie das 
lubst. hake, von alters her neben überwiegender länge auch kürze 
gezeigt, ist die scitreibung hacken dafür, wie oben {sp. 177) aus- 
gefültrl, a» sich noch uiclit beweisend, so doch die in tlieilen von 
HiederdeutsdUand, namenilicit Uecklenburg, herschende ausspraclie, 
man hürt dort mit kürze es backt fest; zwei blaiter hacken 
[hangen, UAen) an einander, ei bat also liier formelle Ver- 
mischung mit backen sp. I03 statt. 

HAKENAUTIG, adj.: die einbildungskraft bat nichts da- 
wider sich die haarspilzcn hakenartig zu denken. Götiib 
6, 107. 

HAKENAST, m. der gekrümmte nebenast änet baumes, an dem 
du fruchte desselben sich ansetzen: bakenüste, fruchttste, im 
gegensalz der gliederSste oder holzSste. NEaNiCH wb. 

HAKENBAND , n, mit einem Ohre versehenes eisernes band, 
das sich um einen haken oder eine angel {thürangel) dreht, Adeidnc. 

HAKENBAUM, m. das vordertheil des ackerhakens, an den die 
ochsen, die den kisleren tidien, j^mpannl werden. 

HAKENBEIN, n. eine kleiiu erhOhung hinten im knie, über 
der kniekeUe der pferde. Nedxicb. 

HAKbNBLUHE, f. crinum. Neii:<icb 2, 127$. 

HAKENBOHBEK, m. bohrer mit einem haken vorn, um brun- 
nenrühre auisubotiren, Jacobsson 2, 189*. 

HAKENBÜCHSE, f grossere handfeuerwaffe , die mittels eines 
hakens auf einem gestHle befestigt wurde {egl. baken 7 <]>. 178): 
also bat man auch backcnbUcbsen , die seind etwas kleiner 
ond ringer denn die doppelbackcn. FiioNsr. kriegsb. I, 32'; 
ihr edelleut füren den meisten teil backenpUchsen zu rosz. 
wahrhaft. «. gewisse newe zeilg. (tS43) B'; 

hackenhuchsea twene grosse wagen 
babeo si (Unden uf deme lager. 

LiLiuiciioii vutktt. 2, 87' (■>. 1476). 

HAKENFORH, f. form eines hakens: ein eisen in haken- 
lorm; ein ast in bakcnform gewachsen, auch die form eines 
ackerhakens, hakenp/lugs: die bakenform ist durchaus nicht 
befähigt, zum glallumwenden {des ackers) zu dienen. Schober 
lehrbueh der landwirUchaft (1848) 1, 23i. 

HAKENPÖKMIG, adj. unciniformis, aduneus: die kronlfipp- 
cben der blume {crinum) sind hakenförmig gebogen. Nemrich 
2, 1278. 

MAKENGELD, n. geldpreis für die besten seküsse aus einem 
haken, vgl. Fsiscn 1,39V*: umbs backengeldt scbieszen. Kincu- 
BOF mitit. discipl. 80. 

HAKENGULÜEN , m. ob preis ausgesetzter gülden für die 
besten tchiase aus einem haken: wollen die hauptlent die 
schützen lassen omb den backeiigUlden , nach irer gewon- 
b«i(, Khicsseo. KiRCQUOr wendunm, 9&'; so viel naber oder 



fiAKENHAÜe— tfAKEXWSlCDONG 162 

wetler einer nun nach dem vorgestelien ziel oder Scheiben 
troffen, so viel mehr oder minder wirdt im vom hackengül- 
den geben, milit. discipi 

HAKENHAUE, f breite eingebogene haue, womit minierer den 
lehmigen und festen boden aushauen. Jacubssom 2, 190*. 

HAKENHÜFE, f. in Nicderdeutschlund ein gewisses feldmasz, 
vgl. hake 3 »p. 178: bakenhove, ein «lOck von I& morgen 
landes. DiitNEaTt68'; in den farsttichen emplern aber sollen 
von einer jeglichen hakenbufe zweene gülden geliefert wer- 
den. MicsXl. all. Pommern i, 264. 

HAKENJOCH, n. der joclibaum des hakenpßugs. Jacobsso.i 6, 9*. 

HAKENKOPF, m. beim teiler ein gehäuse am obern theile des 
Spinnrades, in welchem die haken befestigt sind, die den zu spin- 
nenden faden tragen. 

HAKENkUElIZ, «. an den enden mit Itaken versehenes kreus 
{heraldisch). Adelung. 

HAKENLACHS, tn. das mdnnehen des lachset, «w^en «eines 
hakenfürtnigen ansalzes an der untern kinnlttde; sehwed. krok- 
lai. sonst lieiszl dieser fisch auch hageo, haggen. vgl, sp. l&l. 

HAKENLILIE, f. crinum. Nehnich 2, 1278. 

HAKENMÖKSEK, m. hondmurser, um yranaten daraus lu 
werfen. Frisch 1,399*. vgl. bakenbilcbse und baken 7 sp. 178. 

HAKENNADEL, f. eine eiserne nadel mit einem haken, die 
stärke des metatls an einem gescbälse durdi das Zündloch xu 
flietsea. Jacoussok 2, 190*. 

HAKENOCHSE, m. der geschnittene ochse, der tum nehen des 
hakenpßugs verwendet wird. Jacubsson 2, 190*. 

HAKENPFEIL, m, pfeit mit Widerhaken: degen oder Schwer- 
ter, hackenpleil oder andere kriegswaffen. Pabacelsos clärurg. 
scliriften (|«I8) s, »'; 

Cupido treit STn bogen blast, 

Ulf jtcder syl eia toclior groti; 

in eim bat er vil hockenpUl. 

do tnil irilTi er der narren vil; 

die siot scharpr, gülden, hockecht, spitz. 

BsiDT HurroMdt, 13, 27. 

HAKENPFLUG, m. eine ort pßag, was haken 3 sp. 178. 

HAKENPFLÜGEN, n. das arheUen mit dem hakenpflug; 
Obrigens soll man die felder nach dem haackenpOügen oder 
balkenstreifen nicht bald einegen, weilen sich der erdboden 
sonst zu sehr zusammen ziehet, ücon. lex. 884. 

HAKENPULVER, n. besondere ort pulver zu den hakenge- 
schützen. Frisch 1,399*. 

HAKENHAD, n. in den uhren ein rod {steigrad), dessen sihne 
kleinen haken gleichen. Canpe. 

HAKENSCHAIt, n. schar des hakenpiluges, 

HAKENSCHhlBE, f. in der laiidwiiisdiaft eine eiserne Scheibe 
mit einem haken, weldie an den achsenschenkel gesteckt wird, das 
dritte auf der wildbahn gehende pferd daran zu spannen. Auelunc. 

HAKENSCULAGEN, n. : bakenscblagen sagt man, wenn 
der base durch absprUnge den bundeo zu entkommen sucht. 
Behlen jagdcatechismus {i'^2%) s. 2&8. vgl. bake 6 sp. 178. 

HAKENSCHLÜSSEL, m. Schlüssel, der aiuJaU des hartes nur 
einen haken hat, nuchschlüssel, dietrith: einige solcher Schlüssel 
(nac/uc/iiüur/) sind nur ein buken oder vornen krum ge- 
bogenes eisen, die lieiszt man bakenschlössel. Frisch 1, 197* ; 
der kleinschmied kam endlich gegen den abend mit seinen 
hakenschlüsseln an und eröffnete die thflre. Pierot 4,144. 

HAKENSCHÜTZE, m. der aus dem haken (7 sp. 178) schieszt: 
hakenscbfitze nrlopelaritu Stiei.eb730; die hackenscbülzen, so 
an den Ollglen neben den raisigen angebenkt gewest, von 
denselben ist nicht einer davon komen. wahrhaft, u. gewisse 
newe letli;. (1343) Aiiij'; schickten ihm hierauf ausz gemeiner 
siewr sechs nnd zwentzig vienehen million, zwo cronen und 
ein halb pislolet, von volk aber fUnfzehen tausend gerüste- 
ter fuszknechl, treissig zwei tausend linger pferd, vier und 
zwentzig neun lausend hackenscbttizen. 6'ari;. 262'; zwei tau- 
sendt hackenscbtttzen. Kirchrof milit. discijil. It&; und die 
deutschen dqppelsoldner und bakenscbülzen schössen so hef- 
tig auf die feinde, das sie endlich vergebens rausten ab- 
weichen. Waissel 239. 

HAKENSTOCK, m. stock, dessen oberes ende in einen haken 
auslauft: ich risz ephea von der mauer herab und machte 
kränze und schwang sie mit meinem baekenslock, mit dem 
ich hinauf geklettert war, weit in die Oulb. Bettihe lin'e/°e i, 276. 

HAKKNWENOUNG, f die umuendung mit dem haktnpßuge 
beim stürzen des ackers; dann auch ein hlngenmasz, das einen 
so langen räum umfassl, als mo» mit einem haken ohne umm- 
wtndea tu actern pßtgt. Jacobsson 2, ito*. 



uiyiiiztJU 



ur<!^oogle 



183 



HAKENWIRBEL — BÄKLEIN 



tiXKLICH— HALß 



184 



HAKENWIßPEL, m. äne gaUung infuaonsthien , braehmu» 
unättlus. NüHKica 1, 65S. 

HAKENZAHN , m. sfiUter lahn der fferde tunächst bei dm 
eektähae» (t. haken & tp. l'S): diese baackenzübne wachsen 
ellichen pferdeo von einem jähr zum andern langer, und 
«erden oflermahls so hoch, dasz die pferde dadurch am 
fressen verbindert werden, öe. lex. 8$3. 

IIAKENZEUG, n. das tentengesUU, vegen der daran befestig- 
ten, itim sammeln der getreidehaltne dienenden haken: bock, 
bockzeug, bakenzeug, das hölzerne gesteile zu einer korn- 
sense. Jacobsson 1, 246*. 

HÄKEK, m. 1) der mit dem hakenpßug pflüfi; knechl, arbeits- 
mann. DÄUNEaTl66'. 

2) der kleine bauer, der sein land nur naeli haken {sp. 178) 
messen kann, im gegensali tum horner, dem grosstiautr : häker, 
eine art geringer unlerlhanen, incola qu parvam agri partem 
habet. Fkisch 1,39&'. 

HÄkEKGUT, n. das gut eines häkers, kleinbauers. Faisca 

t, 31)5*. 

HAKICHT,' adj. mit haken versehen: undnus hakich, unci- 
nosus bucchelbt Diefehb. S2C*; bäckicht unanalus, hamatus 
Stkiübacii 1, C6»; in der band zwei hackichte spiesze. Louen- 
STEIN Arm. 1, 1162 ; 

die ipfaite) sind scharpf, gülden, hockicht, «piti. 

BsiNT narrensch. 13, 27. 

HAKIG, adj. einen haken habend: 

. . komm auch, jQDgling, -des bakigen pOuges erflnder. 

Viryits täitäi. ged. von Voss 3 (. 6, 
nach uncique puer monstrator arairi. georg. I, 19; 
. . mit scharlbackiger angel. Odgstee 12, 332. 
HÄKLEIN, n. dim. zu hake. 

1) kleiner haken: unculus ein becklin Diefenb. 626*; bSckle 
liamultts Maalei 204'; und machet fünfzig gülden becklin, 
und fiiget die teppicb mit den becklin einen an den andern 
zusamen, das eine wonung wOrde. 2 Mos. 3G, 13 ; und machet 
ja fünfzig ebrne becklin, da mit die hülle in eins gefiiget 
nürde. v. IS; und brachten die wonung zu Mose, die hüttcn 
und alle ire gerele, becklin, breUer, riegel, saulen, lüsse. 
39,33; disc karlenstengel bringen oben an den gipfeln raube 
igcUkiipflein, mit scbarpfen rumbgebogencn bUcklein, zwischen 
ilrnselben biickleiu dringen kleine weisse blünilein herausser. 
BiicK kravterbuch C«7 ; häklein rire gäblein an den «veinreben, 
claeieula, daticulus STiiiLKi730; baklein am kleide, zum zu- 
bükeln desselben: 

such hab ich nadeln, pursten und kern, 
lliigerhuol, laschen und iicslel vil, 
boltlein und beklein, wie mansi wil. 

fiitln. sp. 477, 27. 

2) b5klcin6iM/tcA/t)rdas, was einem anhaftet, niair/.' jedoch 
ist er darvon kommen, vom richler absolviert, doch nicht on 
nachlbcil, mnkel und blcklin, er trigt schaden oder schand 
davon. Acaic spr. (1560) 56*. 

3) eine sache bat ein häklein, edrot an ihr haftendes, so 
dass sie uiclit glall und klar tu tage tritt, ein bedenken, ein aber: 

mhd. ich ahle da; sie biderbe sl 

U(id doch nihl arger liste vri; 

da si vil lilile ein h6iiel bi. Ilelbling I, 1092; 

nlid. darnmb nie wol golt alles in allen wirkt, so hat es 
doch sin sunders bäcklin und ortbändlin mit dem menschen, 
das goll nicht on in, das ist, on seinen willen, mit gewalt 
wirken wil. S. Frans paradoxa 32', no. 46 ; noch kan ich mit 
der labirinlisclien krausen nicht fertig werden, es bat ein bäck- 
lin, ein brimlichen gang. Garg loo'; und mit weilerer ausfuk- 
rung des büdes: dcrhalben musz es ein ander bäcklin haben, 
daran der lisch behäng. 194*; es ist guti, alle nähre freunde 
haben, nenn bei den neuen gemeiniglich ein bäkleiu. OoTscukt 
kansl. 334. 

4) ein baklein auf einen haben, einen groll gegen einen, der 
sieh im gemUe wie ein liikchen sehmershaft und stechend fest- 
geheftet hat; im üsterr. Schlesien er houd a heckia of mich, 
(rai,'( mir elwas nach. Peter rolkalhüml. aus üstr. Schles. 1, 449 ; 
es het aber sust ein allj heklein, dorumb er in (im furnier) 
gern geschlagen het. onz. d. germ. mus. 1, 67 ; 

ich fürcbl mich vor der Martich allein, 

die liai sonst ein hccklein auf mich, 

dietveil der Ilehitz Tölsch und auch Ich 

n^rn mit einander in dem gschrei. 

11. SicHs 2, 4, 13*. 
tgl. h.1kchrn &. f'ir bäklein, bäkcben in diesem sinne wird 
»uch Kol das bild der pike terwandt: er hat eine pike auf midi. 



HÄKLK^H, ad]., von der form eines häkleins, übertragen {nach 
bäklein 3) btdenklieh, verdriesslich, sdurer: 

ich hab ein biklicb ding, 
das ich noch ihun musz. 

Shakesp. v. Sculicii, könig Lear 2, I. 

das Kort ist seinem Ursprünge nach von hackel, häckel sp. 101 
ganz geschieden, mit dem es doch dem sinne nacli lieh berOhrt. 
H&KLICHKEIT, f.: 

nur wie? ist überhaupt 
wenn man verbessern will, zumal in sacben 
von dieser bäUicbkeil, viel schwerer als man glaubt. 
WiiLttiD i, 187. 

H&KLICHT, adj. mit haken versehen, gekrümmt: häkelicbt 
odtincus, hamalus, undnalus Stieler '30; ein hekeliclilcr 
Schnabel os uncum das. auch in übertragenem sinne: bäke- 
lichle bände manus rapaces das.; und andrerseits in der be- 
deutung sclivierig, bedenklich, spitsfindig: es war ihm nämlich 
eingefallen, dasz die strciligkeilen unter den luftaclionären 
bäklicbt und spitzig ausfallen könnten. Iuxermann MündUt. 
2, 44 ; eine hekelichle rede oratio captiosa Stieler 730. 

HAKSCHEU', fl. , starker stab, voran in den saliKerken die 
pfanne mit ihren haken eingehakt wird. Adelum:. 

HAKSOHLE, /. «in stück eisernes besddages an dem hauptt 
des Pfluges. Jacobssox 6, 10*. 

HAKZAPFEN, m. an zapfen, wodurch der simmermann zirei 
bauhülser verdnigt, die in gerader Unit neben einander laufen. 
Jacobssok 2, 190*. 

HALA, interj., bdm singen von Wiegenliedern: 

hala lala leicben, 
fücbschen legt ein eichen, 
asz es ganz alleine, 
liesz dem Liiidcben die beine. 

Fsiscasiia votksreime 11. 

HALALI, jagdruf bri erlegung des larsches, wie die meisten 
ausdrücke bei der parforcejagd franiüsisehen Ursprungs und im 
17. jahrh. für Deutsdiland noch nicht bezeugt. Döbel schreibt noch 
ha, la lit: ist endlich der liirsch gefangen, dazu nach rech- 
lern brauch ha, la lit gerufen und geblasen worden, jiiger- 
praclica 2, 134*; im heimscbieszen wird den bundcn ha, la 
lit (ha, da liegt er) zugerufen und die so benannte fanfare 
Deiszig geblasen. 136*. die lieutige Jägersprache kennt: der 
birsch ist halali, der birsch ist halali gemacht; 

ankeuchen schon die hunde, 

berr golt, zum halali. Fisilicrats glaubembek. 204. 

HALB, adj. und adv., dimidius, semi-. 

i. Fvrmdles und etymologisches. 

Das Wort ist allen deutschen dialeclen eigen: golh. halb-s, alts. 
half, ags. bealf, fries., engl., nd., nl. half, altnord. half-r, 
sdmed. half, dan. haiv, ahd. mhd. halp. xur ermiltelung der 
ursprünglichen bedeulung versuchte Bopp (vergl. gramm. 2, 61) dne 
serlegung des wertes in ba-lb, indem er es als verdunkeltes com- 
positum auffasüe und ha als rest des laldwurtes skr. ika eins, 
Ib aber als aus yolh. laiba Überrest geblieben, UnstdUe, so dost 
das ganie den sinn enthielte 'dnen llidl begreifend', dieser künsl- 
lichen deutung gegenüber liegt es näher an die gnech. tat. Wurzel 
carp lu denken, der der doppelte begriff von lusreiszen und eilen 
inueirolinl, uMier in tat. carp-ere pflücken, carp-lim slüdureise, 
griedi. xaQ7t-6s frudil, xa(nä/.iftos leisiend sclinell, xfaiTifös 
schnell, heftig, zu tage trill; es bezeichnet demnach halb eigent- 
lich das abgesdinillene , das gcthdlie. ruii den frülieslen zi'Uen 
aber unserer spräche sehdnl man halb in dem sinne riuer llid- 
lung gefaszt zu haben, dasz ein gleich grosser tl'dl zurückblieb, 
wenigstens ist das worl in den allem dialeden in dem genauen 
sinne des qldch getheilten, halbierten, auisddiesilich übUch und 
die bedeutungen, die diesen sinn mehr zurück treten lassen, bilden 
sich erst nach und nach aus. 

Als nachklang des mhd. bniuches, auch das praedicalire adjec- 
tiv zu flectieren, ist die tenteiiierle form halber zurück geblieben, 
du nicht mehr bloss da dntrtll , ro das zugdiOrige Substantiv 
masc. im nominativ ist, sondern auch in andern fallen (s. gramm. 
4, 49S /.). der wiksmund reitet nocA jHzt niclu nur ich bin 
halber im Iraum, sondern auch die oacbt ist halber bin {für 
halbe), er hat ihn halber zu schänden geschlagen (für hal- 
ben), es war halber drei in der nachl ; do im die oren hal- 
ber abgcschnillen waren. Ctbilll's spec. tap. 33; als ihn der 
könig halber lodlwund und überall mit biut berunnen sähe. 
budtd. liebe 22t'; ir leidl und jamer möcht einer nit halber 
erzclen. i4iai«n bog. Fl; tvann ich alles halber hinweg hätte 



uiyiiiztJU uy 



ö" 



m 



»ALB 



bALtt 



186 



schenken wollen. Simpl. 1,277 Kurt; der oberste leutnant, so 
sieb bereits balber bierscbellig gesoffen. 3, 61 ; derselbe krieg 
gefiele mir nicht balber. 3,268; 

manchsr liesi sieb balber schindan. 

BaitiT Harr«n<cfi. 67, OS; 
der cardioSI rotl 
Ist krank und halber todt. Opbl «. Conti 267; 

und an diese form tchliesa tieh eine sdueeiieritelie adterbialbil- 
düng balbers an : es komme ihr taalhers vor, wie es gestarm 
{elitat nicht kluges). J. GorrBUr sdiuldenb. 120. 
II. Bedeutung. 

1) halb im eigentlichen sinne. 

a) halb beseiclinet den einen ton tvei gleichen Iheilen; so 
a) bei grvsten, mum- und massbestimmungen : ein halbes 
pfuml; ein balber eimer; eine halbe eile; ein balber gülden ; 
ein halbes dutzend, auch in ungefährem sinne, s, dutzend 2, th. 
2, 1774 ; also gab Hose den kindero Gad und den kindern 
Buben und dem halben stamm Hanasse des soas Joseph 
das königreicb Sibon. 4itf<u. 32,33; ich gab das halbe ge- 
birge Gilead mit seinen stedten. 5 Jfos. 3,12; da namHanon 
die knechte David und beschur inen den hart halb, und 
schneit inen die kleider halb ab bis an den gUrtel. 2 Sam. 
10, 4 ; wenn du mir auch dein halbes haus gebest, so keme 
ich doch nicht mit dir. l kön. I3, 8 ; wir bawelen die mauren 
und fOgeten sie ganz aneinander, bis an die halbe höbe. 
Neh. 4,6; ein tag vor des herren aurrahrlstag soll dasz halb 
theil des dorfs zu Abe liefern zu Öhren ins kloster jeder ein 
burd meyen; den sambstag vordem h. pllngslagb dasz ander 
halb theil auch ein jeder ein bOrd meyen. irrislA. 2,288; 
es ist besser ein halbes ei als gar keins. Pistobids thes, 
fanem. 3 no. 98 ; seheriliaft : bitten wir sein geld zu theilen 
und ich bektlm es zweimal halb, so mOchte er am galgen 
sein, inlerim 336. auch m mehr abgezogener bedeutung von men- 
schen, der aus zwei hälflen bestehend gedacht wird: zum philo- 
sopbiren ist schon der halbe mensch genug und die andere 
billte kann ausruhen ; aber die musen saugen einen aus. 
ScuiUKi an Güthe 29. aug. 1795; 

alszdann soll man Ilir beide betn 
lu halbem theil ablösen lein, gantkönig C4'; 
der alle fromme Klimps, bei jedem bissen brol. 
den er genosz, sprach: segne golt! 
den schönen spruch nicht halb zu lassen, sprach 
und stirb I sein frommes weib mit Hiobs weib ihm oaeb. 

Luains 1,22; 
nun ein halb gllschen 
von diesem safte. Göraa 11, 148. 

der halbe mond, unter dem man entweder die uns sichtbare 
hdlße der mondkugel versteht (vollmond): das kind bat ein ge- 
siebtcben wie ein halber mond (so rund); 

seht ihr den mond dort stehen? 

er Ist nur halb zu sehen, 

und Ist doch rund und schin. Claudius; 

oder die hälfle des uns sithtbaren mondes (viertelt, namentlich auch 
ofi wenn es bildlich gebraucht wird: dicht vor uns sahen wir 
nichts als feindliche cavallerie, die . . sich bald in die Itnge 
ausdehnte, bald in einen halben mond, dann in ein drei- 
und Viereck wieder zusammenzog, arme mann im Tockenb. 148 ; 
uro den erhabnen dam, wo einst Zenide stand, 
sieht sich «In halber mond von lieblichen gebOschen. 

WllLiDD n, 2»6, 

vgl. halbroond. 

IVie mann und frau zusammen eine person ausmachen, so 
nennt der mann sein weib sein halbes theil: 

<vas folget, giebt sich selbst, wenn wir zu witwern werden, 
und unser halbes theil verscharren in die erden. 

ABsciitn termisckle ged. (1704) «. 1U4. 
vgl. Iiäine. 

Wer die hdlße von elicas gefundenem oder sonst erlangtem in 
anspruch nimmt, ruft dem findet zu halb pnrt! vgl. unten halb- 
part ; der kaufmann der ansrrrkauft , gibt die waart um den 
halben preis: glauben sie wohl, dasz er das holz, das darinne 
geschlagen wird, fttrs halbe gcld verkauft? Lessinc 1,488; 
der unreelle hindier schlägt das halbe vor, man kann ihm die 
hdlfte des geforderten abhandeln; NUrcnberger geholt ist halb 
ah, das macht rSchte kftuff. S. Fbakb spr. 2,37*; saget der 
kanfmann den rechten tax seiner wahr . . so keret sich der 
keufer nit dran, wil mit Ihm auf nOrenbcrgisch, umbs halb 
ab, mit ihm handien. 37'. 

Bei maszbestimmungen wird kurz gesagt eine halbe (aimlich 
ma») , to namen<licA in Baiem ,und anderwärts (Scai. 2, 177, 



Lemi 131): ein ieder von den selben solien die scheffen mit 
einer halben weins erkennen, weisth. 4, 763; so zahl mir 
eine halbe, arme mann im Tockenb. 6t; aucA ein halbes, rer- 
standen mSszchen (vgl, wolt aber . . ein balbs meslein wein 
trinken. Wic(Biiin>/la>.J42Xurt); er hies im ein haihs bringen 
und ein brot darzu. roUw. 142; hernach kam der junge Sim- 
plicissimus, Hesse ihm ein halbes langen. Simpl. 3, 396 Kurz. 
ß) bei seilbeslimmungen : ein halber lag; eine halbe stunde; 
ehe eine halbe Viertelstunde verflossen. HAPPELOCod. rom. IS'i; 
die festgesetzte zeit war erst halb vergangen; 

wer die nacht nur halbe hin! II. Sachs 5,226'; 

der bund, itit mit mira ein, war ent ein balbea jähr, 
Gbllut I, l&O. 

bei beMimmung von stundentlieilen ist halb häufig verwendet, seine 
Stellung ist eine verschiedene, gewöhnlich, wenn in Verbindung mit 
uhr und glocke gesetzt, eine formelhafte : für es war eine halbe 
stunde nach acht Anist es es war acht und ein halb ubr, 
halb neun ubr, die glocke war halb auf neun; 

denn die, die bat glock halb auf elf im garten, 
merkt wohl, bevor der krug zertrümmert worden, 
wortwecbselnd mit der Ev' ihn schon geiroO'en. 

U. T. Kliist terfri. krug, 9. auftr. 

dandien die uhr schlügt halb, trenn sie durch scitlagen die ver- 
flossene hdlfte einer stunde bezeichnet: es schlug halb eins, als 
wir ankamen; daher wieder schlag halb eins kamen wir an; 
und in folge dessen auch andere fügungen : w enn sie dort durch 
das eicbholz hindurch sind, gehen sie eine geschlagene halbe 
glorkenstunde durch seine felder. Iioeihann Mänchh. t, 131. 
— VerscUeden von diesen äundenbezeichnungen ist die Verbindung 
die halbe uhr, der ganzen ubr oder dem ganzen seiger ent- 
gegengesetzt; diese zeigte nach italianischer ort die ganzen tages- 
stunden von 1 bis 24, jene dagegen zweimal «on 1 bis 12: des 
morgens um 6 der halben ubr. . . umb 1 der halben uhr 
nachmittage ... zu abend umb 9 der halben ubr. aufzeicb- 
nungen Hans POcblers von 1604 — 19 in der zeilsehr. des vereint 
für geschichte Schlesiens bd. 6, s. 276 ; zu morgens frohe umb 
halbe eins in der halben uhr. s. 281. 

/) halb, ein beim rechnen in verschiedenen Teilungen gebrauch- 
ter ausdruck: die zai seiner monden wird kaum halb bleiben. 
Hiob 21,21; nun ist aber die rede hier von einem halben 
drittel, oder einem drittel . . halb. Sebiakueb rechtschreitierei 
u. rechenkunst (1739) s. 415; die 16 thun 32 halbe, dat.; denn 
l'/t ist 3 halbe, das. die gemäne rede lehnt an diesen recArn- 
ausdruck formelhafte Wendungen an , in denen der begri/f halb 
an schärfe verliert (s. unten . 2, 6) ; professoren hat man zum 
OberOusz, man bürt sogar sagen, mehr als d's halbe zvici. 
i. GoTTHELF schuldenb. 74 ; wenn olle tage Sonntag wtre , es 
wäre mehr als zbalb zwenig zessen auf der weit. <. 83 ; und 
mil der negation: das gelullt mir nicht halb so gut, als jenes; 
das eilt nicht halb so sehr; du hast nit halb so fast dorfea 
jagen, du werst noch wol z8 rechter zeit kommen. Vlen- 
spiegel 46' Lappenberg; die erfassung des kunsiscbOnen ist 
nicht halb so abhängig von den groszen culturgeschicht- 
licben Voraussetzungen wie des natorschDnen. Rierl cuAiir- 
studien 68. eigenthamlich dagegen ist eine mit halb durchgeftüirtt 
multipUcation im sinne von noch einmal so viel, indem man ein 
früheres ganzes als die hälfle des jetzt erlangten auffaszl: umb 
das halb mecren uikI wachsen duplicare Haaleb 207'; 

und schickt in wider heim zS husz, 

halb narrschier dann er kam drusi. 

Obint narrentch. 6, 46 ; 
der knasler schmeckt bei kaltem weiter 
noch halb so kranig und so rein. GCktuib 4 (n33) <. 326 

S) bei Zahlbestimmungen ist von allers her die enge Verbindung 
von halb mit einer Ordinalzahl gewöhnlich, um auszudrflctrn, 
dasz die in der Ordinalzahl angezeigte letzte stufe der summe erst 
halb erretcU sei, viertcbalb heiszt die drei vorausgegangenen nicht 
genannten ganz, das letzte vierte nur halb, vgl. anderthalb 1, 
313 ; schon allsätht. fifle half muddi gerstinas mattes. Frecken- 
horster rolle 79 ; sivondon halvon (mbar honegas. fttener roU< 
18, wo, wie man sieht, die Verbindung noch eint lose und kein* 
composüionsartige ist, wie später im mhd.: 

si wtren vil unrnhetic wol vQmpbtehalben tae. 

m. l'ilO, I; 
und nhi. er helszet maister Unclon, 

der siben kunsl er achihalb« kan. fastn. ap. M6, n\ 
in neunthalben stunden verlor er land und laut 
Ublans votkit. 515; 

er hat wol fOnflhalb tusenil man. 

LiuiKCBoii voihst. % 10t'. 



Digitized by 



Google 



187 



Halb 



fiALß 



188 



Die ftmtre spräche ttrsehmiU jeltt diese terbindung mehr und 
mehr, für drillehalb wird lieber das schlefpende zwei und eia 
balb u. ähttl. gebraucht ; ae tear ohnedem nur bei den einfachen und 
den tusammengeseliten sohlen bis tu twanzig recht in gebrauch, 
zwanzigstehalb bildet das volk noch, dreiszigslebalb, vierzigsle- 
halb ist als nicht mehr recht übersehaulieh nicht gebriucUich ; 
für acht und zwanzig und ein halb beseugt ScniieLLER 2, 176 
nriinihalb und zwanzig an der Pegnäs. 

t) der gebrauch von hatb in dem vorgehend a—y aufgeführ- 
ten sinne erstreckt sich nicht bloss auf eine in ir« theite ge- 
uhiedene eigentliche einheü, sondern auch auf aus rieten einheüen 
bestehende mengenbegriffe, die sich von einander scheiden , gerade 
tele ganz auch im sinne von alle gebraucht wird; 

mhd. euch bil uns biseel gegeben 
zeben junger luerede leben, 
der wären ine wisen sin 
die halben vüiiTe under in; 
den andern viiufen was bereit 
bAber sin bt wisbeit. Bartaam M, 4 ; 

iiAd. die halben schuh wurden im {die hälflt ton den schuhen). 
VIenspitgei 6 Lappenberg; so sagt maa noc/i; der künig war mit 
einer groszen armee ausgezogen, aber die halben suldaten 
waren schlecht bewaffnet ; es hatten sich zur begrüszung 
über hundert leute eingefunden, aber kaum die halben er- 
langten zutritt. 

t) selten id die sIeUung des adjectivischen balb vor artikä und 
pouasivum, wie bei all t, 207 : sich, halp mtn gftt, kerre, gebe 
ich deo armen. Behaims evang.. Lue. 19, 8 ; 

balb eine meile Ton der stadt. 

necxHT weith. i. br. 1, 201, 

vi« wthi. e{ ist wo! balb ein bimalricbe. Waltuk 46, i. 
weitere beispiäe «iiifli 3, a unter balb-halb. 

Tj) ßr den substantirisclien gebrauch der ne%ttralen form halb, 
in der bedeutung hälfte folgen einige belege : und was mäslen wir 
ihr (der tu verheiratenden tuchter) erst zur baussteuer geben T 
geschweige jetzt ihren voraus, den wir ihr tor allen dingen 
hinaus geben und dardurcb unsere ganze nahrung umbs halb 
schwlchen müslen. Simpi 3,319 Kurs; 

drum eebt es nach gebühr, 
wann «ich insammeu halt madam und dann monsieur, 
und gleiches gleiche« sucht, die nur mit stummen Sitten 
und siegelTestem mund ihr angesicht erbitten, 
<¥ie larven ohne him : die tügen nicht hieher, 
jnd ihres beltes balb bleibt biUicb kalt und leer. 
Lociu 2, 13; 
wiszt ein ebriicb getheiltes balb 
rrommel mehr wie ein ganies. Voss &, 48. 

9) der gegensats ton halb, ganz steht mit jenem oß in for- 
melhafter Verbindung, dieselbe ist im nd. durch alliUeration noch 
enger, da fir ganz htl gesellt wird; sil bezeichnet das toUstdn- 
dige, aUt seilen einer sache umfassende: 

Dicht menel be juwe loriit, 

men sin egeo geit «or, beide bair und« bt\. Rein, fuchs 5506, 

nach GöniES ibersetsung: 

euem Tortheil besorgt er nicht sehr; zum halben und ganzen 
weiss er den seinen lu TOrdern. 40, 185 ; 

nd. nig half an nig heel eine nicht gute, unvoUendele arbeil. 
SchOtzk 2, 93; ich hatte auch weder ganzes noch halbes 
glück darinnen {gar keins). Simpl. 3, 258 Kurz. 

() anders ist in ganzen oder halben trinkea, was sitii auf 
den trinkcomment besieht, ein dargebrachtes glas gons oder halb 
SU leeren: 

disi glisilin weins das gilt dir halb. Garg. 89*; 

was gibst mir fQr ein bscheid, 

«ilt den becher gar oder halb, 

zeigs an bei rechter zeit. Kt'; 

da war nichts anders denn fressen und saufen zu ganzen und 
halben. SchDtz Prnuien 102; halb und ganz saufen, saußeufei 
E3*; zu halben und ganzen. Es'; 

bastu iusi halb odr heel tu saulTn. 

DinsKIno elir. riller I5M b8*; 

norA jetst bei tfen, studentisdien triiikgelagen ich komme dir ein 
halbes, ein ganzes (ry/. kommen »6, e, th. &, 16791. 

t) halb beseichnet mehr den endpunkt eines nun twei gleiclien 
Iheilen, als diesen theil selbst, es lasst sich dann durch mille er- 
setseu; so bei seübeslimmungen, für mitlernacbt irtrd auch ge- 
sagt die halbe nacht: 

aast golles ewgem rat 

bat sie ein kinil geboren 

woi iti der halben oacbl. Unuan vottsl. blS; 



die tr»w Ton irero manne clagt 

der kume Tom wein balb in die oachL fasln, sp. IUI; 

auch in der häufung die halbe mitlernacht: 

komm beim umb balbermiiiemachtl 

UuLin» vulkst. 179. vgl. 186. 247, 

mundartlich, namentUeh in MiUeldeulschland , ist viel verbreitet 
zum halben abend, nachmiUagi drei uhr , weil der abend von 
sechs ab gerechnet wird, vergL femer halbmittag; bis in den 
halben tag schlafen, in medium dormire diem. FaiscB 1,399*; 
auf der halben zeit sein, in der helfte der schwangerlage sein. 
das.; die solleot auch alle iare unszerm herren geben ein 
Schilling heller czu halben meyhe. weislh. 2,228; bis ich halb 
September aufs land gehe {mitte September). Gürne 29,63; 

im jenner ist er hold, halb falsch Im Februar, 
ganz ungetreu im märt, und feind ums halbe jähr. 
ÜASaeOBN I, 41 ; 
femer bei besHmmung einer strecke: 

nkd. st solde der tumei sin 

twischen Tanebroc und Prurin- 

daz was in gliche wol gelegen. 

in b<den ze halben wegen. £rec 2242; 
nkd. da er ulT halben weg kam. BShsli« kSnlgstoehler 4888; 

danwiscben säst die mutler mein 

zuo halben teilides weges) uff der Strassen. 5527; 

da sie gen Haran kamen, welches auf halbem wege ist gegen 
Nineve. Tob. 11, t ; ich gebe ihnen pferde bis auf halben weg, 
dann nehmen sie post. Görue 20,148; es ist mir immer, 
wenn ich an dich denke, als wenn ich dich halben wegs zu 
mir anträfe, an frau von Stein 2, 212; einem auf halbem wcgc 
entgegen kommen, auch bildlich: 

wenn dein danken meinem gruss 

halbes wegs entgegen kirne. Bon 5m Wetnhotä s. 321, 

vergL unten halbwegs; ihnltch in andern Wendungen: da aber 
Jesaja noch nicht zur stad balb hinaus gegangen war, kam 
des herrn wort zu im. tkOn. 20,4; 

das Torspiel war fast balb . . (5m sur mille getummtn). 
Rost wrai. getl. H»; 

anschlagen auf den halben mann, die bOchse auf die mitte 
des mannte richten. Frisch 1,399*. 

c) halb vtfR dem gesagt, was einen von twei Reichen Iheilen 
angehl oder von ihm ausgeht: kiuder die gleichen vater und un- 
^eiche mutler, oder umgikekrl, haben, heissen halbe kinder, vgl 
kind ll.iyf, theil 5, 7I0 uHten, halbe geschwisler, von ihnen 
wird gesagt s. b. synes vatir bruder einenibalben (von einer 
teile <rcr, seines vaters halbbruder). Magdeburger fragen s. lu2; 
ein kint ist gestorben unde hot gelosen eine sweslir eioent- 
halben, s. 103; diesen halben brßdern und Schwestern im-<ieii 
ganze orfer vullc entgegengesetst : ein man hat einen halben 
bruder unde einen ganczcn sweslir son. Uagdeb. fragen 99; 
nach magdebiirgischem rechte nimpt der halbe bruder erbe 
vor volle swesler kint. s. 98 note; dessen (des ündes) ganzen 
und halben geschw istero. Moser werke 4 (1798) s. 339; rergl. 
halbbruder, halbscbwesler, halbgcschwister. soldie kinder sind 
kinder halber geburt, dieser ist entgegengesetst die volle geburt : 
ein man ist gestorben unde hot gelussen einen gaoczeo 
swestir son vollir gebort und einen halben bruder son balbir 
gebort Uagdeb. fragen 99. rechtssprichwort : die halbe gehurt 
tritt um einen grad zurück. Hucu encyclopddie (1835) s. tu. 
Die anwendung ton halb in diesem sinne ist schon alt, der 
Healfdene dei BeövulfUedes beseichnet einen mann, der nur ton 
einer seile her ein Dine ist, eine ausländische mutier hat, ähnlich 
dieaAd.riseniiamen Halpdurinc, Halpwalah, rt/f. i/ramiii. 2, 633. — 
Es gehört femer hierher, trenn halb aucA auf den basturt besagen 
wird, der adlichen vater {'toter von geburt') aber niciä odiiche 
mutier oder umgekehrt hat, vergL unten halbliiig, hüllierling und 
balbbonig; aus tlmlicher anschauung ist entsprungen heros ein 
halber gut OiErEKa. 276*, vgL halbgott. 

d) an die bedeutung e rihrt der schifferousdruck halber wind, 
» isl der, der gerade auf die eine seile des sciüffes hiaweht: wir 
setzten mit schwaehem und halbem winde unsern weg fort. 
Götue 28,84; umsonst lavirte er {der reiter) von einer seile 
zur andern wie ein schiff, das mit halbem winde fahrt, die 
Volksmenge trieb ihn fürt. Arnu kroneniv. 1,193; 

sein eiter hat iu überwunden, 

er gehl mit halbem wind tu segeln. (I. Sicas 4, 3, 9*. 

2) das Wort halb verliert den begriff einer genaueren thiUung, 
es drilekt im gegensats tu ganz oiler voll nur einen fristern oder 
geringeren Iheil mu. 

Digitized by ' 



.Google 



189 



HALB 



HALB 



100 



a) bilb >— fitcM tHlig: halbe feiertage, lolehe die nidU m 
streng me die ganzen OeobacMet Verden; balbe trauer Irauer- 
läeidung die nicht tief seliwari ist; ein balber scblaf cüi nicht 
«üUiyer: wie lange ich so im balbeo schlafe gelegen, wUszte 
ich nicht zu sagen. Gotiie 28,236; 

dati halb TcrhaUt der reii um mabr geflllt. 

HicaiiLM ueä. (n«U) >. 368; 
halb erscblossen gelsl und «ion. Göraa 41, 33j; 
* wir haben wol recht viel geld wegzuwerfen ', sagte meine 
multer halb ärgerlich. Seode mein leben 12: bei halbem zorn 
(rfrr jorn kommt nicht tüllig zum dttrelibruche). i. Paul leben 
FibeU 18; wenns nur der offlzier erlaubte, oder auch blosz 
halb erlaubte, arme «laan im Tuckenb. 144; 'wenn nur das 
junge Tolk hier nicht dabei wSre', flüsterte sie beschämt, 
indem sie sich halb zu ihm neigte. W. ÜAtirr phantas. im 
Bremer rdtMler; zuweilen erhob er sich mit halbem leibe, 
um aufzustehen. laaKBKANN Münchh. 4, 3; gegen vier uhr 
morgens endlich, als die gegend noch im halben dämmer 
lag. 4, 5. Die lechnitche tfracke verteendet halb mit vorKebe in 
dienern sinne: halbe brcttnSgcl sind etwa zwei zoll lang und 
kleiner als die ganze bretmagel. Jacodsson 2, 191'; halbe 
kastorhate nennt der hutmacher solche, die nichl gani von biber- 
haaren, sondern aus einer miscimng von solchen und wolle ge- 
fertigt sind tdas.); halbe sliefel, deren schäfle nicht gans über 
die «ade reichen, vergl. balbsliefel ; halbe tücker bei den Jägern, 
üelUüeher die niedriger sind als die hohen tücber {DübEi jdger- 
jpractica 2,62*1; halbe vorhünge, die nicht das gante fensler be- 
decken: ein balber verhäng an einem bascioen stUckcben am 
fenster. Weisze kam. epern 2,213; in der gerichtssprache halbe 
beweisung, der gnugsamen beweisung entgegengesetzt, Carol. 
ort. 23; im kriegsvesen der itlem seit werden unlersciäeden 
balbe cartbaunen, halbe schlangen, balbe feldstflckcn, von 
ganzen: die ganze carthaune «og 64 centner und aar nVx 
schuh lang, die bulbe carthaune nur 44 ceiilner bei einer linge 
von lo'/i schuh (BOciler krirgssch. 145. 146); man Uieille auch 
noch veiter in viertel cartbaunen; desgleichen halbe piken 
(FiiscH 1,399') kürzere als die ganzen, vgl. halbspiesz; 

tr tel gar manchen scbnti, was gAl, 

ausx bocken und halben schlangen. Uhlamd tolksl. 507. 

Van bietet feil halbe bausapotbeken , solche in denen eine an- 
saht medicamente, die in der ganzen mit enthalten sind, fehlen: 

Apollo bat, als >rat, viel herrliche! lu kauf . . . 
. ein oel, das jede krankbell zwingt, 
und apoiheken gnug, lu ganzen und zu balbeo. 
IIacedosk 2, 73; 

die grammatik redet von balbvocalen , taufen ifie viel von der 
naiwr der vocale an sich tragen; halber thon oder halber laut, 
temivoca/it voe. ine. theut. hs'. 

Die illere spräche nennt einen halben mann einen solchen, der 
noch nicht vollwaclisen ist, einen knaben, jin^ing: 
sie kamen daher on alls gel^r, 
ir war znelnhalb und aui^h nit mer. 

Uhiakd tolktl. 65t, 
eilf männer und ein junge; der ausdruck aird leicht sfüUisdi 
vervandl: , 

die von Rranniweig sind binden leicht, 

sie ilrawen viel unot ihnen uns nichl; 

sie haben einen reuler und halben Soldaten, 

da mit noileo sie sich vor Scheppensiedt machen. 

Moni am. 4, 43; 
die Stadt schick! sndertbalben man (tarn kämpfet. 
das ist ein hauskneclit und ein knab. Soltau 232; 
so schickens anderlhulben man. a. 239; 
was soll der Brandenburger thun 
und dritlhalb belleirürsten ? «. 492. 

so hnszl ihnlich das maulthier ein halbes pferd, ein Ihier vas 
nicld vüUig ein pferd ist: unser herr der abt oder sein schult- 
heisz oder diener soll herkommen mit dreien pferden, dasz 
soll ein halb pferd sein, dasz ballen wir vor ein maul, veisth. 
2,393; der vougt sol kumen mit ahtimbalben riisse, daj 
sttlenl siben phert sin unt ein mul. Mome anzeiger 5, 304. 
in gleicher «eise sieht halb als erstes glied von composilen: halb- 
vogel ein nicAl vollkommener vogel, der slrausi nird s. b. so 
genannt, reit er niclil fliegt; halbenle, halbDsch u. ähnl.; vgl, 
auch halbsoldat «ntoi für trommler oder pfeifcr. 

b) halb beieiehnet einen guten llieil, einen Iheil der nicht mehr 
die genaue hslße ausmaclU, sondern den man eher geneigt ist, 
sich grötzer zu denken: 

mhtl, swelch kristen kri.<tentiiomes gibt 
an werten und an werken nitit. 
der Ist wol balp ein beiden. Waltuss 7, 13, 



obsehon hter http wegen des torausgehenden werten — werken 
nocA an die bedeulung 1 angelehnt ist; nhd. ich schweifte halbe 
läge lang durch die wtilder; er kam manchmal halbe jähre 
lang nicht in sein haus; dasz ich röche, als wann die halb 
apolbik mit mir marscliirte. Simpl. 4,57 A'urz; trank ich mir 
einen balbrn rausch an. s. 70; guter kcller halber brauer. 
Sinno« 5549 ; als wir einst die balbe nacht durch marschier- 
ten, arme mann im Tockenb. lii; es ist mir wirklieb sonder- 
bar, dasz diese vier zarten bdndchen, die resultate einei 
halben lebens, mich in Itom aufsuchen. GOtue 29,86; 

was spricht man von der nachtigall? 

'die ganze sladl lobt ihre lieder.' 

und von der lerche? riet' er nieder. 

'die halbe stadi lobt ihrer stimme schall.' 

und von der amsel? fuhr er fort. 

'auch diese lobt man hier und dort.* Giuur 1, 28 

das balbe dorf musi in das amt, s. 42; 



der wird die halbe weit bekriegen, 
wer alten wahn der well entzieht. 



».72; 



und eh Ihn halb Paris nur einmal ausgeptllTen, 
ist zweimal unter uns sein goillich werk vergritTen. 

HiCHAiLis geä. (17«») «.344; 

Ich kann die halben irliser, 

bfichsen und schachteln, 

mein halb dispetisatorium 

hinunter schlucken, 

eh ich den schaden 

wieder aus meinen gliedern 

reiu heraus zu spfilen 

im Stande bin. GöTai II, 155; 

dieser bauer ist ein balber gelehrter, er hol eia gutes stück 
von einem gelehrten in sich, verschieden von halbgelehrter (s. d.), 
uro halli in der bedeutung 2, e gebraucht iM, vgl. semidoäus halb 
gelart Oiefekb. 525*. 

Daher hat halb, trenn es adverbial zu andern redelheilen tritt, 
auch den sinn zu einem guten llieile, ziemlich, fast, irie oft tat. 
semi- ; so in folgenden»: also fürt er den wagen wider auf 
und rolt davon, und muszl der pfalT zfi fusz gon. dem ge- 
scbach auch halb recht {ziemlich, im ganzen und grossen recht). 
WtciRAN ruNir. 68, 12 Kurz, die negatiim hierron ist formrUiaft 
auch jetzt noch viel in familiärer rede verwendet: da man jelzo 
so geschdflig ist, die geringsten kleinigkeiten . . zu sammeln 
und der weit milztitheilen, so wiire es nicht halb recht ge- 
wesen, wenn man uns diese gedicble langer vorenthalten 
hmte. Lessing 3, 168 ; dasz die kleine freundin, bei so einem 
unangenehmen anlasz und in einer so kritischen zeit, die 
reise macht, ist mir nicht halb recht. Göthe an Scliiller 164. 
dann auch weiter: die zogen ihn aus und schlugen ihn, und 
giengen davon , und Hessen in halb tod liegen {mehr lot als 
lebendig). Luc. 10, 30 (ags. forliton hine sAmciicne) ; bitte man 
mich aber sehen können, nie sollen mir wol die halb volle 
bauren den buckel abgerauinet . . haben. Sinipl. 3, 317 Kurz, 
bauern die schon ziemlich betrunken waren ; nun hast dn schon 
halb gewonnen, sprach sie bei sich selber. Happel acad. rem. 
267; wol angerant ist halb gefuchlen. Schottel 1115'; hekant 
ist halb gebUsset. 1I30'; begonnen ist halb gewunnen. 1132': 

rriscb gewagt, ist halb gelban. Gotte« I, 49; 
ich antwortete ihm mit halb niedergeschlagenen angen, und 
mit einem feurigen und beredten küsse. Gelleit 4, 254 ; wollt 
halb krepieren vor lachen, wenn mich dann das luder so 
giftig anstierte. Schiller 2,25 Kurz {rduber 1,2); halb betäubt, 
bestürmt von den widersprechendsten gefflhien. E. T. A. Horr- 
MANR 11,97; 

wirst du einmal durch die slrSucba 

halb verirrt spaltieren gelin. Cüktbu I (1733) s. 139; 

krank aber kam sie wieder, 
und flel halb lodt aufs ruhebeiie nieder. Gilurt I, US; 
und jeder blick, den er auf Loreben warf, 
kam wo nicht ganz, doch halb erhört lurücke. s. 107; 
er sah nunmehr die richierlsche bnicke, 
und tüblte schon den beinbruch halb. t. 150, 
wie drilun, halb dunstig umOosaan, 
die felskolossen 1 Matthissok geä. (1794) «.«9; 
blickt einer noch vom Spieltisch um 
halb lüstern. Voss 5,66; 

eh nuni halb nackt ist wohl der junge scbAn. G{THi4l,g5. 

in solchen Verbindungen bildet halb seltener in der älteren sprad\e, 
häufiger in der jüngern , namenilich seit dem Mtlen viertel des 
vorigen jalirh., auch mit folgendem adjectiv oder partidp ein 
coniposilum. 

c) halb ist tn der weise gegensälzlieh zu ganz oder voll j*- 
fassl, dasz ein wesenlHcher Uieü an deni ganzen oder voWuint- 

le 



Digitized uy 



8' 



191 



HALB 



HALB 



192 



ntentn ftUl; halbe worte, icldte die an tmrtgebilde gleiduam 
nur anItUngen, noch känt eigeulUchen worte tind; etwas mit 
balbeo augea geben, odtr etwas nur balb seben mdu voll- 
kommen, undeutlich, ftächlig; balbc maszrcgcin ergreifen, unge- 
nügende; ein kranker ist nur ein halber mann; doch dieses 
thut er gleichsam mit halben äugen. Cna. Weise kl. leule 268 ; 
mit halben blicken. 24; sah mich kaum mit halben äugen an. 
LicHTENBEBG s (1803) (.175; ich brcuue vor begierde, die letzte 
band an meine Minna von Barnbelm zu legen; und doch 
wollte ich auch nicht gern mit halbem köpfe daran arbeiten. 
Lessiks 12,166; Seraphine bat meine eitelkcit zuerst Oberr- 
wuoden und mich überzeugt, dasz ein bloszer beobachter 
nur ein halber mensch sei. Lerz l, 251 ; ja, versetzte sie mit 
halber slimnie. Gütue ts,324; aber ihr haltet sonst nie einen 
halben willen, wie ists? J. Paul Tit. 4, 1»3; 
eins man« red ist ein- halbe red, 
man sol die pari verhiren bed. S. Fiihk tpr. 2, 6S' ; 
ein halber kenner 
Terdtent zum höchsten nur das miileiil kluger mtoner. 

HiciBoai) 2, 13V i 
. . . bell dann auf ilrtlichen armen den erstling der liebe, 
ein aulblübeudes madchen, das ihre reiiungen traget, 
und die gute des berient in balben werten erst stammelt. 

Zacimkus 2, lU; 
ballen filr die sach nur ein halbes herz. 

ScuiLLia Wutleml. tager, 5. außr, ; 
auf gebabDten weges mitte 
waoki er usieiid lialüe schritte. GiTUi 41, 316; 
die naiur im rrülilingslileiUe 
seh ich nur mit halbem sinn. BLDiiuia 1, 28. 

Hierher auch dat mhd. ein halbe; bi'6t {Helmbrecht 1796) krot 
von nicht guter beschalfcnlieU, geringet; femer nhd. halber mann, 
veracboillen, nit eins manns wSrt, temimat Haaleb 207', twr- 
tcläeden von jenem balben mann o6en 2, a; neu wie die sache 
ist die Verbindung die halbe weit, die damen der halben weit, 
eine fedantitehe iiberselaing des front, demi monde, et toll damit 
die gesellsdiaß beteichnet werden, die nur äustertich divas von 
der guten an sich trdyl, Treitscuics ausdruck dafür ist tccil 
gemäster: die eigentbümlicbe Ibulniss der Pariser silleu liegt 
vielmehr darin, dasz die grenzen der guten und der verwor- 
fenen gesellsciiaft sich mehr und mehr verwischen. ;>rriui. 
jahrb, 23 t. 51. WeUer sind hierher tu liehen tahlreiche adver- 
biale fügungen: man musz nichts gutes balb thun. Wieuinu 
13, 78 ; mein vater , der nicht gern etwas halb that. Götbe 
24, 1(1 ; so machst du deine sache nur halb. ScuiuEa 179 ; 

nicbu balb zu tbun, ist edler geisler an. Wiilaho 22, 203; 

Ja wohl, berr Schulmeister, aber noch verstehe ich ihn nur 
halb. Weisze kam. opern 2, 226 ; ich verstand das letzte nur 
balb, gab aber doch den einreden meiner mutter nach. Seoiib 
mein kben 24; ich genosz in der trSumerei über den köpf 
den schönen Salvator Rosa im andern Oügel nur halb, ipazier- 
gang 2, S3; nd. de is man balv kl6k, dat ist ein halber narr 
OXUNBIT 170'; 

apfel und biern sersirewet lagen, 
waren halb reif von bäumen gschlagen. 

B. Waldis Etui) 3, 94, 190; 

der berr siebt balb (ist blMticIaig); was kann der diener sehn? 

llAStoaan 1, 86; 

die dinge tierer einiusehn, 

die scbulgelebne balb verslehn. 2, 154. 

So erlang halb denn im gegcntats tu der bedeiUung 2, ( dur 
den «HD einet kleineren theitet: 

mild, es wurde deheinem wibe 

ze liden halp min senediu nAI, 

e{n roilese schiere sin ir löt. Ha>tiaiik 2. bucht. 341 ; 
nhd. soll Ich dein posheit halbe sagen, 

man sprach, dich soll das ertrich nit tragen. 

fa»(«. ip. 254, 37 i 

wir haben an unsem mannen gross geprecnan, 

der wir nicht halp lOru ausi gesprecuen. 769, 21 ; 

was ich dir gab, ist unschuldge anenel, . . • 

es war auch uichls halb schädliches dabei. GiiBE 11, 157; 

(0 aucA in dem sprichieorle getbeilte freude doppelte freude, 
gelbeiller schmerz bulber schmerz, ko doppelt eine sehr graste 
Steigerung der freudigen empfindungen, halb eine mOglichsl starke 
Verringerung det tchmertet btteichnen soll; ferner recht prignant 
in folgendem, wo dat adv. halb in den sinn von 'nur irgend rie' 
IrUt: alle veründerung, so ohne wichtige Ursache geschiebet, 
ist geßlbriicb. wer halb {im dienste} bleiben kan, der bleibe. 
Scaumnt Stl; vergl. auch balblbeil, halbwegs. 



d) halb von cliarader und Stimmung des menschen, der teinet 
neles und seiner Uiatkraß sich bevuste ist ein ganzer mann, der 
unentschlossene, unturerliitsige und laue ein halber; hier in 
dieser balben, unsichern Stimmung der nation. freust. Jahr- 
bücher 22 t. 71; 

wollen wir nach deinem wink 

unablAszIich streben 

uns vom halben zu entwöhnen, 

und im ganzen, guten, schönen 

resolut zu leben. Gövui 1, 140; 

da die dummen, eingeengten 

Immerfort am sti&rksten pochten, 

und die balben, die beschrinkten, 

gar lu gern uns unterjochten. &, 98, 

drum muthig drein und nimmer bleica 

denn gott ist ailenihalben : 

die freiheil und das himmelreich 

gewinnen keine halben. Abmbv ged. (1840) -t. 351. 

■tt dtetem nnae auch Maaless ein halber und nichts sollender, 
liederlicher mensch der nichts wärt ist, Aonio semissis 207*. 

3) halb in mderholter Teilung luU vertchiedene nfiancen der 
bedeutung. 

a) halb — halb betont zwei niun'nander tu haltende, für sich 
bestehende gletcia theite: balb ein mensch und halb ein (hier, 
infans ambiguus Maaiee 207*, wie ahd. halbe man nnde halbe 
ros (eenlauren). GsArr 4,890; 

mild, dö sach her rure sich vlie{in 

roanigin visc gröjtin, 

half visc half man. Annolied 22t ; 
nhd. da stuond daran (im briefc) mein frow wer gnesen, 

und wüszi nieman was es wer, 

es wer halb ein Und und balb ein ber. 

BÖHELBB Wnij^ttaclilrr 5540; 

ihr schönen hinder sagt, wo kommt die Sehnsucht her, 

euch, die ilir Jungfern seid, einander selbst zu küssen? 

ja. wenn hall) trau, halb mann an euren gliedern war, 

so Ihätei ihr noch recht, die seltne tust tu bflssen. 

GÜKTHZR 1 11733) s. 159; 

doch welch entselteol seine schöne, 

sein liehling, war halb mensch, halb lisch. GiLLtat 1,257; 

iu der reclilsspraclie auf halb und balb zusammenkommen, 
wenn jedes von zwei leulen die hdlfle des gemeinschafUichen besitt- 
tliums tu beanspruchen hat: niinbt das übcrlebeDde theil nach 
altem landrecble, sagende dasz mann und frau auf halb und 
balb zusammenkommen, den halben theil aller verlassen- 
schall, nichts davon ausbescheiden. Schucbtnorst beitr. 2, 108. 

b) twei solche geschiedene theile treten nicht hervor, die-verbin- 
dung halb — halb hol weniger scharfe bedeutung, in einseinen 
fällen rUhrt sie fast an tbeils — iheils: es ist balb ausz, 
balb inn, betrugliche anlworl, medium responsuni Maaler 207'; 
zog Wilhelm . . etwas aus dem busen, das balb wie eine 
brieriasche, halb wie ein besteck aussah. Götue 21,56; 

unsterblich, doch des Indes rauh, 
sind wir halb engel und halb ataub. 

CaonisK 2 (1*6«) s. 160; 

doch Ihr (ödume) steht gebunden fest, 
halb dem himmel, balb der erde 
unterthan. AaniiT geil. (1840) s. 79; 
ihre lichten haare schweben 
aufgebunden, scherzend lose 
halb in lülten, halb auf schultern. 

TiscK kau. Oclavian 2. th. 1. acl; 

junge, wirst du ewig nicht satt T sagte einmal meine mutter 
halb irob, halb traurig. Sedme mein leben 16; Felix erzäblle 
ihm ein mahreben über das andere, halb überniütbig, halb 
verlegen. Görns 21, 62 ; diese spbiire der einzelnen Wissen- 
schaft und knnst, dieses balb bewuszl, halb unbewuszt sieb 
regende und entfaltende leben der cullurkreise. Kritzler 
humaniläl und ehristenthum 2,71; 

-balb zog sie ihn, halb sank er hin. Göthi 1, 186. 

c) die vielgebraudde formet balb und halb vUl die bedeutung 
des einfachen halb (2,a sp. 1691 nocA verstärken, das unvoll- 
kommene tu btteichnen, das trotz des tviefaeh geteilten halb 
nicAl tum vollendeten und ganten wird: 

halbthfimer solltet ihr sagen, 

wo halb und halb kein ganzes macht. Göraa 3, 286; 

leset beide griechische und römische gescbicbten, so findet 
ir, das die statt Alba, so der erst model und palron der 
statt Rom gewesen, gehawct und genant sei worden nach 
einer weissen saw, die da gefunden wurden, wer sie schwarz, 
oder halb und halb, wie man die bund schiert, gewesen, 
sie bellens dahin oichl gebuwl. tiarg. 126' ; selbst bei vielen 



uiyiiiztJU uy 



ö" 



193 



HALB 



HALB — HALBBESCUÄFTIGT 



194 



mittelD sind wir immer nur balb und bidb tu haus«, beson- 
ders auf dem lande, wo uns manches gewohnte der sladt 
fehlt. GöTBE 17,318; ihr seid zur see gewesen? ja, halb und 
litib. fiiEHL nottUen 42-2. dann geht halb und halb in die 
bedeulung liemlich, banahe, fast Hier: mir grawet auch schier 
ball) und halb, wir mOssen aber ein herze fassen. H. Jol. 

V. fiRABKSCUWElC 9b; 

er bringt sein red weitieuftig für, 

da> halb und halb misidanket mir. t. 608; 

wodurch sie das vorhabende gebeimnus halb und halb ent- 
deckt bttle. folU. stockf. 12)*; da sie sich halb und halb er- 
holte, «nv. doüor tot; Malhiide: verstehst? Steffen: so halb 
und halb. Fa. MDlleb 3, 210; so lange mein vater lebte, 
wurde ich halb und halb zum kaufmann bestimmt. Seuiib 
mein Ir6en 23 ; zwar sei er halb und halb erwacht und es habe 
ihm geschienen, als erblicke er fremde persunen im zimmer. 

E. T. A. HOFFMANN II, 1&9. 

HALB, praep,, nach einer seile hin; aegen. 

Der au. des fem. bulbe, altd. halba seile, rieläung, nahm 
bereits im ahd. eine adverbiale und praeposilionate bedeulung an, 
indem er sich in der abgestumpften form balp fesiselzie (vgl. gramm, 
3, 14t ti. note) die bedeulung dieses casus spaltete suh in eine 
locale und eine causute. 

1) local in den adverbialen fügungen zeswfio halb nach der 
rechten seile hin. eina halb nach einer seile hin, mit abgeworfener 
fiexion sunt halb si'tdmärls, winistar halb nach links, u. a., und 
mit abhängigem geniliv dise balp der berge, fijerün halb dero 
ecclesiae (Gsaff 4, 8S2 — SB4 1. mhd. leben diese fügungen in 
grosser anzahl fort, nanuntlich in disebalp, dishalp, einhalp, 
jenhalp, oberhalp, niderhalb, ruckbalp auf der rückseite u. a. 
(mhd. icb. 1, 616). nlid. ist geblieben auszerhalh, dieshalb, «ofür 
misbrduchlich dieserbalb pla(2 gegriffen hat (2, 1141), eiobalb 
(3, 194), enhalb (3, 482), hinlerhalb, innerhalb (was auch zeit- 
liche bedeulung annimmt: innerhalb dem name Darioleta dinten 
und pergameq.!. Amadis 29), oberhalb, seitbalb, unterhalb, 
der ablidngige casus davon, wo er einirilt, ist regelrecht der genäiv, 
doch findet sich auch der dativ veruendel (vgl. auszerbalb 1 , 1034) ; 
ferner handbalb nach der handseite hin, satlelhalb nacA der 
Sattelseite tiin: ist das sattelross handlialb und das handross 
sattelhalb creuzweis aber einander gefallen. Scun. 2, HS ; 
waldesbalb nach der u/aldseüe hin: wir tbeilen auch unseren 
berren die fach zu brechen waldiszfaalb. uieislh. 2, l&2 ; aus 
Urkunden des ii.jahrh. tcird beigebraclit Schwabhalb, Baierhalb 
nach der Scitwaben-, Baiemseile hin, Gersthoferbalb BiatiNCEt 
tchudb.-augsb. wb. 217*. allenthalb, beidenhalb, heiderthalb, 
einenthalb gehären nictU hierher, liier ist -halb nur Verkürzung 
von -halben {vergl. unten halben). 

2) in eausaler bedeulung, betreffend, um — wiHen, wegen, ist 
dieses halb bereits sot Motkers zeit bezeug: zUcs halb ad con- 
dilionem iemporis, d!n halb, min halb meinet-, deinetwegen 
GaiFr 4, 886 ; 

mhd, swie unborebiere 

gewandes balp er wsre. Trist. 102, SO ; 

IsAl diu hxte Isolde 

Trislaoden luuoles halp genomen. 481, 23; 

n/id. bis auf die neuere zeit herab in vielfachem gebrauche, obschon 
durch halben und halber {s. d.) oft beeinträchtigt, der regierte 
casus ist wie altd. mhd. immer der geniliv, der auch stets voran- 
gesetzt wird: propter naturam der natur halb, propter oleum 
ursacb halb des olesz Diefenb. 466'; wie er sOllicber krank- 
heit halb vor dem altar sant Gallen gestorben sye. Oheins 
Chronik 40,12; do ward Arnolfus .. irs emsigen gepelz halb 
bewegt, inen laussen ainen frybailbricf scbriben. 66, 29; 
Galeotus Malatesla, des nam loplicbcr Sachen halb, bede in 
fride und in kriege begangen in welschen landen wyt und 
brail erkant ist. W(le Iransl. 139; das er dem könige geld 
brechte,.und in etlicher nötiger Sachen halb erinnerte. 2 Macc. 
4,23; alters halb etwas wol mOgen Ibun, per aelo^etn posse, 
Jugend halb nit mögen Ibun, per aelalem non posse Maaleb 207*; 
hast du deiner geschafften halb so vil wil oder m8sz, tan- 
lumne ab re tua est olii tibi das.; der halb {deswegen). Fbani 
porad. bb'i welche etliche bSndel eines feinds halb bellen. 
Götz v. Beblich. 63 ; wann er was misztröstig der vergange- 
nen gescbichten halb. Aimon bog, b ; damit sie sich mit ihm 
des ritters halb besprechen möchte. Galmy 84 ; dasz ir hohes 
ge«cblechtes halb nicht fehlen soll, euch redlich und mannlich 
zu ballen. Amadis 71 Keller; fulgendls sprächet sie mancherlei 
IT. n. 



Sachen halb mit ihnen. 257, seid der lOwin halb uner- 
schrocken. Smaucs 2,278; 

uachbewrin hilf du und rbat ... 

dasz ich vom mann bleib uogeichlagen 

und wird der geiücht auch darbei 

desz pfalTea halb ledig und n-ei. H. SACa« 4, S, 12*; 

das ir eurs sütla halb willign voll, 

das desz onhs ein bistbumb sein soll. 

Aiaia 137' (691, 13 Keiler); 
■o ist er ein solche person, 
dem ich scbin halb nicht feind sein kan. 

438* (2201, 16 Keller); 
weil dir Ja kein held (das sei gnug) 
der vor dir in der cronic siebet, 
wie immer Uiün, gerecht und klug, 
verdientts und lugeut baib vorgebet. Wtciaiiui) 368, 
kricgs baib und friedens halb. 440; 
den berrn erfragend (lirsilicber bochbegrüstung halb. 
G6rBS 41, 20». 
s. femer derhalb, deshalb, weshalb. 

HALBABENDBItOT, n. brot was zu halbem abend {sp. 188) 
genossen wird; in Mitteldeutschland üblicher ausdruck für vesperbrot. 
HALBADELICH, adj., von einer seile her adelich, vgl. halb- 
bürtig : sie vermeiden die groszcn gewissensbisse, die nach- 
weit mit halhadelichen kindern zu verwahilosen. Rabeneb 3,336. 
HALBADEFT, f»..- ob ich gleich als halbadept vor den 
apothekern und allen denjenigen , die mit dem gemeinen 
feuer operirten, sehr wenig respect hatte. Göthe 25, 204. 

HALBAFFE, m.: der mensch ist der halbaffe, in dem 
typus der höchsten entartung, im turpe bruluin animal, ist 
er zur well gekommen. Kbitzler Aumantldl ti. chrislenthum 2, 90. 
HALBAMTLICH, adj., so hat man in neuerer zeit das fremde 
officiis übersetzt: das halbamtliche blatt der östreicbiscben 
regierung. rolkszeitg. 1863 no. 184; die halbamtliche presse. 
Haltische zeitung no. 222, 1868. 

HALBÄRMEL, m. ein kurzer ärmel an der frauenkleidung, 
der hiichstens bis zum eilenbogen herabreicht, davon das adj. 
halbärmelig: halbärmelig gekleidet sein, solclie ärmel tragen. — 
Man nennt auch ärmel von leinwand, die über die gewühntiehen 
ärmel gezogen werden und vom handgelenk zum eUadiogen reiciten, 
halbürmel. Adelung. 

HALBART, f subspeeies: halbarten, arten die sich nur mit 
groszer mühe von einander unterscheiden lassen, aber doch, 
aus Samen gezogen, bestSndig dieselben bleiben. Neknicb 
4, 1396. 

HALBAUFKECHT, adj.: der kranke nahm eine halbauf- 
rechte Stellung; mit seinen halbaufrecbten augenbraunen. 
J.Paul Hesp. 4,32. 

HALBAUSTER, f. patella, eine gattung Schnecken die mit der 
auster dlmlichkeit hat. Nevnicb. 
HALBBARBAR, m. semibarbarus. 

HALBBARBARISCH, adj.: überseeische beerfabrten in b«lb- 
barbariscbc linder, preiui. yaAr6. bd. 22 >. (5. 
HALBBARFUSZ, adj.: 

und bruder graurock trat hervor, 
haibbarnut ohne schuh. Biasia 46*. 

HALBB&RTIG, adj. mit dien erst sprossendem borte: halb- 
bürtige kriegjUnglinge. J. Paol ddmnurungen 32. 

HALBBATZEN, m. geldstäck im werte eines halben batzens. 
ScHM. 1,227; dabei wir dannoch nachmals geordnet und be- 
fohlen wollen haben, dasz halbbalzen, auch dreicreuzer und 
anderer geringerer Sorten münz . . endlich ab- und einzu- 
stellen. Regensburger reichstagsabsch. von 159», §&6; diobolares, 
halbbatzen-magdlein. facet. facet. 430. 

HALBBAUER, »i. 1) gegensatz des Vollbauern oder ganzen 
bauern, der nur halb so viel als ein volles bauernfut besitzt, 
niederd. balvbuer DXhnert 171*. 

2) Pächter, der tun dem eigenthümer eines landgutes fetd in 
pacht nimmt, und statt des geldzinses die hälfle des naturai- 
ertrages gibt. Ocon. lex. 912. 

HALBBAUEREI, f. pachtung von feldgrundstücken auf dU 
hälfle des naturalertrages. öcon. Ux. 912. 

HALBBAUM, m. halb aufrecht gewachsener bäum, dessen hälfle 
auf der erde kriecht. 

HALBBEOECKT, pari, semitectus: mit der einen band öffnet 
sie zitternd das fenster, . . mit der andern zieht sie den 
Vorhang vor das balbbedeckte gesiebt. VVezel Tobias Knaul l 
(1773) «. 98 

HALBBESCHÄFTIGT, port.; diesen (slrol) zu führen und 
zu nnterhaltca übertraf nun Lenz alle übrigea uo- oder balb- 
beschafligten. Göthe 26,248. 

Digitized by ' 



.Google 



195 



HALBBEUTB — UALBDEUTSGH 



HALBDÜNKEL— HALBE 



196 



HALB BEUTE, [. was halb und halb erbeulH i$t: wir freuleo 
Oos (chon auf die guten wttrste und braten, die uns tod 
dieser balbbeule (nnem halb mit geuaU erlangten tchiteine) zu 
theil werden sulllen. Götbe 30, in. 

HALBBEWUSZT, fart.: fäbiglieilen werden vorausgesetit, 
sie sollen zu ferligkeilen werden, diesz ist der zweck aller 
erziebung, diesz ist die laute deutlicbe absiebt der eitern 
und vorgesetzten, die stille nur balbbewuszte der kinder 
selbst. Götbe 17,60; Oltilie . . die in balbbewuszter Jugend 
mehr abnete als sah. s. 319. 

HALBBEZECHT, part. semigratis vino. Stielei 2S04. 

HALBKIER, n. da* nachgebraute, tehlechte hier, auch dOnn- 
bier, kofeat genannt, bausbier sive halbbier cerevisia secun- 
daria Stiei.eb 146. 

HALBBILD, n. unvollkommenes bild: halbbilder beiszen sie 
(die dupfeibilder des rhombischen durchsicIUii/en kalkspaths) weil 
sie das oliject, in absiebt auf die btSrke seiner gegenwart, 
nur lialb ausdrücken. Götbe 60, &. 

HALBBILDUNG, f. untollkommene ausbildung des mensch- 
lichen geisles: die dilettantische balbbildung fast aller unserer 
bilbnenlpiler. greiitlioten 1846 no. 43 s. 17&; kleinigkeilen, von 
denen der referent behauptet, dasz sie lediglich der balb- 
bildung und kleinbUrgerlichkeit ein interesse ablocken, blätter 
ßr liUer. Unterhaltung 1866 s. 76t. vgl. halbgebildet. 

IIALBBI.AU, adj.: mit einem balbblauen äuge davon kom- 
men. Ci Auuius 1, 2, 126. 

HALBBLIND, adj. semicaecus, caeeulus. Stieibb 195; ihre 
halliblinde liebe Sät den bruder. 1. Padl Titan 2, ISl. 

HALBBLUT, n. der abkümmling von eitern verschiedener raee: 
balblilut von einem Europäer und einer Indianerin, auch 
vom p/erde gesagt, das von einer seile her edlen (arabisdien) 
Ursprungs ist: als er auf seinem halbblute dem schlösse zu- 
sprengle. Fükvtag soll u. haben 1, 31. 

HALBBLÜTIG, adj.: die neuseclSnderinnen scblieszen oft 
ehebilndnisse mit Europäern , und aus diesen Verbindungen 
gebt die schönste classe von halbbluiigen hervor, die es 
vielleicht in der weit gibt, ausländ 1846 s. 1396. 

HALBBOGEN, ni. heiuicyctus. Stieler 138. dann auch der 
hiilbgeiheiUe bogen papier (». böge », llieü 2, 219): Webrfrilz 
Schnur, er habe selber zugeseben, dasz er die literalurzeilUDg 
so gelesen, wie sie in einander halbbogen - weise steckte. 
J. Paul Titan i s. 11. 

HALBBItUOEU, «i. bruder von gleichem vater aber ungleicher 
multrr, oder umgekehrt {s. halb 1, e sp. 188): halbbruder, qui 
eundem pulrem »ed aliam malrem habet Frisch 1,144*. 

HALBBfiÜTlG, adj. semianimatus : halbbrülige eier ova urina 
Stieles 249. SrEiNBACB 1, 207. 

. HALBBÜltGEK, m. ein nicht das volle birgerreehl besUsender, 
gegensatz tu vollbarger: meislentbeils nur freigelassene und 
balbliUrger. NiEugui 1,649; geisterseber für balbbOrger einer 
andern weit halten. Kaut 3, 82. 

HALBBURGEKSTELLE, /. mohnslelle auf der nicht die volUn 
bürgerfierechlsame ruhen : halbbargerslelle zu Bederkesa, hannov. 
amil. bckanntm. 1653. 

HALBBÜRTIG, adj. 1) ulerinus, ab uno lalere: halbbürtiger 
bruder Stieleb 96; halbbürtige gescbwister (Adelung). 

2) ntcA( voll legitim, bastard (s. halb l, c am scIUusse sp. 188): 

balbbanger burschel 
(bair-blooüed fellow). 

Skttitetp. von Scblecil, tear 5, S. 

HALBCATTON, tn. caUun, der aus baumwollenen und leinenen 
fäden geieebt ist. Sciiedel waarenlex. 1, 49l\ 

HÄLBCHEN, n. sckeriend für halbe im sinne von halbe masi 
{sp. 186): es ist durstig wetler. ihr berren, w&re nicht ein 
halbcben anzulegen? intertm 193. in Tirol a halbele aus- 
stechen (friniten). Fbobii. 5,447. 

HALBCHRIST, m. unvollkommener, schlechter christ: er wil 
sich das auf seinen reisen unter den halbkristen gesehene 
wulleben nicht verableiten lassen. Botscbst hd. kans. 44. 

HALBDÄHMERUNG, f.: blickte ich sie . . in der halb- 
dümmcrung scharf an. Götbe 52,36. 

HALBÜENKER, m.: die inconsequenzen und Widersprüche, 
die sich in den köpfen unserer balbdenker unaufhörlich 
berumtumnieln. Fichte phil. joum. 9.361. 

HALBDEUTSCH, adj. : in den halbdculscben ostprovinzen 
{Frankreichs), preust. jahrb. 22 i, 62. in sittlichem sinne: dem 
kleinmfithigcn , unedlen, halbdculscben. Klupstock 12, lOO; 
deno der ist nur ein kleinmttlbiger, ein balbdeutscber, einer 



der sein Vaterland verkennt, der es noch erst lernen musz, 
dasz der JUbte deutsche, der kernhafte mann der nation 
alsdann gewiss ausfahrt, wenn er auszoßlbreo bescUossen 
hat. «. 204. 

HALBDUNKEL, adj. subobseurus: 

balkduakler gruftlainpe vergleichbar. Platin 132; 
vergnügten uns an dem seltsamen hatbdunkel dieser breler- 
höhlen, die nur durch des glühenden ofens geringe Öffnung 
kümmerlich erleuchlet werden. Götbe 25,328. 

HALBÜURCHSICHTIG, adj.: das edle halbdurchsichtige des 
gelblichen, der Qeischfarjie sich nähernden Steins ist ver- 
schwunden. Götbe 27, 244. 

HALBDURCHSICHTIGKEIT, f.: überhaupt aber ist das 
kennzeicben des doppel- und nebenbildes die halbdurcb- 
sichligkeit. Götbe 52,108. 

HALBDUTZEND, n. zoU von sechs, auch unbestimmt, in nur 
ungefährem sinne verwandt; die form ist weit weniger gebriuck- 
lich als halbes dulzend, halb dutzend {vergl. 2, 1774): wie 
können sich ein halbdutzend kluge leute so lang bei einem 
Schreibfehler aufhalten! Götbe 56,190; 
haben wir wol recht geithli, 
wenig am halbdutzend fehlt. 1, 125. 

HALBE, f. hälße; seile. 

Beide bedeulungen, die sich aus der ursprünglichen d/schnitt, 
Iheil [s. sp. 184) natürlich ergeben, treten bereits vor in dem ggs. 
subst. healf, fries. halve, während ahd. halba, mhd. halbe, 
oilt. halba nur den tinn teite, dann auch gegend, region ent- 
wickeln, das goth. halba ist nur in übertragener bedeutung be- 
teugl, vergL unten 4. das hochdeutsche hat das wort mdir in 
einielnen, adverbial und praepositionat gewordenen casus gepflegt, 
in dem au. halb und dem dat. pL halben {s. d.), als in seinem 
eigentlichen frisclie» sinne, daher es, abgesehen von den eben 
genannten casus, im nhd. nicht oft erseheint; wogegen es im 
niedM., wo es vvn allen teilen her sehr gebrduehlieh war, in 
lebendiger anwendung hdußg dauert. 

Die bedeutung. 

1) hälfte, Italber theil ist wenig bcseugl : halbe medietas, dimi- 
dium Stieleb 736; ich kann nur die halbe von ihm sehen, 
ab altera solum lalere conspiäcndum se dat. das.; niederd. halve 
in Pommern Oähnert 17o\ halwe in der AUmark Danneil 74*. 

2) seile, als bestimmte der mute enigegengesetste ßäehe: rechte 
halbe, linke halbe; diese halbe, jene halbe, die andere halbe, 
so namentlich niederdeutsch ScuCtze 2,93. Scbandach 71' {vgl. 
auch bebalben zur seile, bei seile gelassen 1, 1320); 

de egel ir up der andern (enen?) siden sal, 
und de esel up.der andern ha|v«. Lilisncion 2, 213'. 
tgl. mhd. nu geriien sl b^de einen wec, 
an dirre lilen Erec, 
unde jenenihalp er. Uree 6863; 

an beide halbe, zur link und rechte seiden, weisth. 4,648; 
auf die andere halbe führen. Harnisch 238; auf die halb« 
geben, secedere, lalere Stieler 736. Hierher namenllich nieder- 
deutsche redensarten: up der halwe Itn auf der seHe liegen, 
umgefallen sein, krank liegen, Scrabbacb 72*; (nen von der 
halwe anseien von der seile ansehen, verichlHch; öwer de halwe 
bringen auf die seile schaffen, fortschaffen, heimlich lüdlen, was 
auch ins hd. übertragen ist : es ist zeit, dasz er auf die halbe 
geschafll werde, der dOrfte mir die karte falsch machen, 
wenn er sieb entdeckte. S. v. Birien Margenis 13t {der verf. 
lebte eine teil lang in Braunschweig und mag di* redensart dort 
gehört haben); mein valer, meine mutier, meines brudern son, 
meines brudern weih seiod alle dabin, nun ist mein bruder 
noch übrig, wie ich den auch über die halbe helfen möge, 
wolle ich gerne ewre meinung hören. B.i. v. Braonscdweic 394. 

3) neben der vorigen bedeutung entwickelte sich die landlheil, 
landstrich, gegend, sclion altd. {Gnuf 4, 886), altsächs. {Ueliand 
1987); 

RiAd. man sagit daj dar in halvin (in iU«>e» tandstrichtn) noch slo 
die dir üiutischen apieccbin, 
ingegin India Tili verro. <4iinolie(l 313; 

was in der neuern spräche nur in einigen der unter dem adver- 
bial gewordenen ace. halb isp. 190) so wie unten unter halben 
milgelheiUcn formein naclMingl, im übrigen nicht mehr beteufi ist. 

4) die übertragene bedeutung der riclilung, beiiehung, rücksichl, 
die sdion goUi. ersclieinl: ei hvofluli unsani so fram izvis ni 
vaurtii lausa in |>izai halbai. 2 Cor. 9, 3, Aal nur nocA in den 
beiden adverbial gebrauchten casus halb und halben («. d.) ihr« 
forldauer. ^^ 

Digitized by VjOOQ IC 



197 



HALBE— HALBEM 



HALBEN— HALBENTE 



19d 



HALBE, tentandtn maiz, f. halb ip. 186. 
HALBEDEL, adj. von nicht vollkommen tdler geburt: die- 
selben statljunkern und balbedlen. Keiseisderc nanensch. 137*. 
HALBEDELSTEIN, m. Hein von minderer harte und sehünheü 
ah der eigentliche eddslein. 

HALBEflE, f.: die tauben geben una ein «jmbol der 
christlicken ebe, die giate der aiijüditcben, die hUbner der 
mahomedaniscb iQrliischen; die puler aber erinnern uns an 
die locliere baibebe vieler . . beidniscben vOlker. Hamhurger 
mag. tS44 t. S33. 
UALBEILAND, n.; 

und bllcliMa nach Bonag 
halbeiland, das einst dem sctilrneotleo Hermes geweiht war. 

PiHta Tunitiat i, *l). 

HALBEIMERFASZ, n. fast dat einen kalben ätnerhäU: der 
kellermeister Balthasar aber rollte ein balbeimerfasz herbei. 
W. Hadft phanlat. im Bremer rattkeller. 

HALBEIHEKIG, adj. einen halben eimer haiUnd: balbeime- 
ricbt fasz ttmitm süülae Stieles 28. 

HALBEINSAHKEIT, f.: leben sie recht wobl in ihrer balb- 
einsamkeit. GOtbe an Schiller &91. 

HALBEN, verb. dimidiare, ahd. halbin (GsArr 4, 888), tiM. 
halben, im mhd. wb. 1,611' nur einmal beteu^, mtii dafür 
tebun du halbfremde halbieren eingeireten iil : dimidiare halben 
OiETERa. 182'; die gehalbte contribution. (all. ><iu<. 15,131. — 
LoTUEk braucht die umgelauttte form, die auf ein ahd. halbjan 
nirüdwettl; aber genze oder helbc den Christum wie du will, 
so gibst du gleichwol das ganze sacrament nicht. 8,321'. 

HALBEN, ttdv. und praep., eigentlich der dal. pl. det sub- 
slanlits hulbe {i>gl. oben), bereits ahd. in tolchem gdrauche. 

I) der ursprüngliche loeale sinn zu seilen , auf seilen tritt im 
ahd. in den farmein piitm balbftm, alUn halbün (für letsteres 
auch das componiertt alabalboo) Aercor, Kelche vorle schon mhd. 
in eins zusammenwachsen: b£denlhalhen, allenthalben, mtl cin- 
gescbubenem t, das nach 2,912 unler deinethalben {vergl. auch 
gramm, 3, 21T) etymologisdie bedeiUung nicht hat. diese adver- 
bialen figungen dauern im nitd. als allenthalben, beidentliaiben 
{verderbt beiderthalben 1, 1366) fort, die formen allenibalb, 
beidenthalb enlslanden, indem das ktite der susammengeraeltleu 
trerle die dativisclie flexion abwarf, während sie im ersten blieb. 

Ausser diacn starren formet» ist aber nhd. das einfache halben 
alt praeposHion in vielfachem gebrauclte, trenn auch nicht mehr 
im loealen sinne, sondern in übertragener, mehr ursächlicher be- 
deulung. der regierle casus ist der genüiv, der dem uorle voran- 
geht; die Volkssprache namentlich in tliUeldeulsehland gestattet sich 
auch die fügung mt dem dativ: mir halben, dir halben metnrf- 
wegen, deinetwegen; dem dioge halben {darum) gebe ich noch 
keinen schritt 

3) an die tocaU bedeulung rOhi es noch am nächsten, wenn 
halben rar öcteicAnun; dv Ursprungs, abkommens verwendet 
wird: 

der denn «on metigergschlecht ist wora 

seiner muter halben gelioru. 0. Siciis 3, 2, 151'; 

«y(. mhd. und zwlre, htrre, ich ban nocb liint, 

diu min «on gotes halben siuu Tritt. 105, 10, 

von galt habe ich sie erhalten, daher der muller halben ein 
erb sein, ron mütterlicher seile her. Ave!<TiN bei Scrm. 2,175. 

3) halben hat die bedeutung in rücksiclit, in bexiehung, be- 
ireffend: ülenspiegels ward wider vergessen seiner speist 
halben. Ulenspiegel 29 Lappenberg; und nicht hunger brols 
halben leiden mUsseo. Jer. 42,14; nicht sage ich das des 
mangels halben. Ifrii. 4,11; das ich mich so aut eine ferne 
reise, in so grosze fahr, dazu so schwach von leib und aller 
ding arm der zerung halben, bieher zu komen begeben. 
Luther 1, 122* ; so ist die Schrift des tUrken halben schon 
erfallel. 4,476'; wSre ichs mein halben wohl zufrieden, br. 
S, 99 ; mit einem etlicher Sachen halben reden , una cum 
ajiftio eommunifare omnta (ptae cura aliqua afficiunl. MtsLEk 
201*; inussig sein, etlicher ding halben zeit und weil haben, 
ob oltfua re otium vel tempus habere, das.; ich bekUmmer 
mich heftig dieser sach halben, wo sie doch hlnausz wolle. 
Ämadis 28 ; soll es keinen unterscheid der gUle halben unter 
uns haben. 254; ir soll allen zweifei meines gesellen halben 
von euch schlagen. Calmy 286; die alte, die des preises 
Mben bereits mit ihm aberein gekommen war. Wibuno 
8,262; 

man beekt auch da gut weck und brot, 
fleisch halben lelüt man auch kein noht. 

G. ALSsai» 141; 



was sorg ich ihrer kriegesart 
und ihrer trelTeu halben? Lust«« 1,47; 
wiewohl die schrill sie nicht der treue halben preist. 

WiiLARO Ottfriin «,72; * 
auch in der Verbindung um — halben, »te am — willen, um — 
wegen {vergl. um): ich werde noch ein wenig umb dieser 
Sache halben sprechen. Scnurrios 588. 

4) am häufigsten hat halben rein ursächlichen sinn, aus grund, 
wegen, erlangt: da ain wort tür ain anders gebrucbt wirt 
etlicher geljchnüsz halben der dingen, so sy betotlent Wtlb 
transl. 352,31; du weist das ich nicht bOser tust halben diese 
meine Schwester zum weibe genommen. Tob. 8, 9; dieser 
hoffnung halben . . werde ich von den jaden bescbflldiget 
ap. gesch. 26, 7 ; einer kam von sinnen siechlagens halben. 
PstiLi schimpf 70*; der empfangenen wunden auch blulens 
halben krafllosz worden. Kiacuiior ircndunm. u'; dasz sie 
armulb halben die lochler . . nicht wuszten zu versorgen. 
Frei garleng. l'; ganz heftig erfreuweten sich beide kOnig 
irer unverhofften erkanntnusz halben. Amadis 15; dieser rede 
halben lacht Oriana. s. 55; Oriana . . welche in ganz freundt- 
lich und wol empfieng, zum theil von des Amadis wegen, der 
in lieb halle, zum tbeils aber der guten Iractierung halben, die 
ir in Schotten bewiesen worden, s. 261 ; ob wir nun gleich 
desz klettern und sieigens halben fast mQde waren. Opitz 
2,288; er muste in seinem hohen aller Iheurung halben in 
die frenibde ziehen. J. B. Schuppios ii3, ampts halben musz 
er zürnen, s. 292; da man kaiscr Rudolf fragte, weszhalben 
er sich nicht zu Rom wolt krönen lassen, s. 832 ; gegen den 
abend knbmen sie an einen verdächtigen orlh, welcher der 
rUuber halben gar unsicher, pers. rosrnth. 3, 27 ; wegen des 
liderlicben anmutens, so ich, glttmpfs halben, nicht wider- 
holen mag. BuTscHKY hd. kansl. 322; er beklagte sich sehr 
ihres redens halben, tuiir. duäor US; itzl musz ich, amIes 
halben, auch deinem gcgenibeil ein ohr verleihen. Wieland 
26, 219 ; was hier des Vortrags halben wie im zusammenhange 
geschildert ist. Göthe 48,46; 
als er nun kam su seinen tagen, 
und kundt die last nicht Itueer tragen, 
und krankheit halben umb ihn sluiidt, 
da{ er die lang nicht leben kundi. E. Auiaoa (7; 
weil er (Harn) niemals winters halben 
weichet wie die falschen schwalben. Loctn t, 73,94; 
Reinecke lUchs, der schein ! der viel begangenen freveis 
halben des hofs sich enthielt. GAthi 40, 5; 

siehe den Kleiios cntfübrte die goldenthronende Eos 
seiner schönheil halben. Oilfssee 15, 250. 

auch hier, wie oben 3, ifte häufung um — halben: dasz umb 
dieses lasters halben oft ganze stadle seind ruinlret worden. 
ScnuppiDS 507; wie ihn (den Hafis) denn auch nocb jetzt, un- 
bewuszt mehr als bcwuszl, kamel- und maulthiertreiber fort- 
singen, keineswegs um des sinnes halben, den er selbst 
muthwillig zerstückelt, sondern der Stimmung wegen, die er 
ewig rein und erfreulich verbreitet. Götde 6, 71. 

Vrsäclilichen sinn (o/t an die bedeulung 3 streifend) haben die 
adverbialen fügungen meinenthalben, deinenthalben , seinent- 
halben, nnsernthalben u. s. »., die häufiger in der form mei- 
nethalben (m'eintbalben WiELAxn 10, 157) u. s. w. erscheinen, 
und die nebst ihren kürsungen mcinethalb, deinethalb u. a. an 
ihrer stelle nachiuselilagen sind, ihnen nach ist gebildet ebrent- 
halben, ebrenlbalber 3, 66. desgleichen sind derhalben, dero- 
halben, derentbalben , deshalben, wesbalben, wo halben mit 
ihrem casus eng verbundene praeposUion ist, am betreffenden orte 
behandelt, solche enge susammenritekung hol man sich auch erlaubt 
in amtshalben (1, 233) , ebrenbalben : ehren- und namens- 
halben. Schuppius 622, rechlshalben, schandehalben. 

HALBENGEL, m.: ich wusle nicht, ob ich einen menschen, 
ein frauenzimmer oder einen halbengel sprechen liörelc, oder 
oh es gar ein volkommener engcl sei, der seinen bimmel 
verlassen. Zese:« Assenal (1672) s. 30. 

HALRENS, erweiterte form der praepos. halben: vom dienst 
gesetzt werde ebebnicbs halbens. Scboppids 645. 
HALBENTBLÖSZT, port.; 

ich schlier in einem garten, 

den res und mrrthe lioricn, 

in dem drei holde schönen 

den balbentblösiten biisen 

mit irischen hlumen krönten. Iliosnoia 3, 67. 

HALBENTE, f. eine kleinere entenarl, anas querquedula. Nbm- 
NICH 1, 2Ü1. niederl. middel end ; in franiösischen mundarten 
halbran, halehrand, was «ach Diez ronia». «'6. 657 auf tinf* 
deutschen halber ent (mosc nncA mhd. ant enlricli) fusti, 

13* \r> 



uiyuizuu uy 



199 HALBENTSEELT— HALBERSClIßOCKEN 



HALBEttSTARRT— BALBFRANZBAND 200 



HALBENTSEELT, porf.: 

als, missethtlern gleich, von der tyrannen schaar 
umringt, und halhentseelt mich dem verhastien galten 
mein valer abergab. Gom« 2, 406. 

HALBER, fraep., neben halb und halben in wiUkarlichem 
gebrauch, ist eine entarMe form des erstem, als ßtr das adj. 
halb die form halber (sp. 184) sich festsetzte, wurde auch für 
das praepositionale halb , eigenlKch acc. des fem. halbe , jenes 
halber gebrducUich, teeil die beiden gleicIUaulenäen formen mis- 
bräuchUch gleich behandelt wurden. Es kann seit dem 15. jahrh. 
nachgewiesen werden, in Verbindung mit einem genitiv , der dem 
Worte gewöhnlich wrgclu : boOart halber. Terenlius deutsch (1499) 
9'; doch auch ihm naelifolgt: halber der verachlung. das. — 
halber hat dieselben übertragenen bedeutungen wie halb und 
halben. 

1) in betiehung, aus räcksiclit, in hinsieht : diesem versprechen, 
welches ich euch desz Amadis halber getbao. Amadis 292; 
alle Adamskinder sind unler einander glirdmaszen, dann sie 
sind ihres geschlechu und naiur halber alle aus einerlei 
materie. pers. rosenlh. 1,12; niemand soll seiner sISrke halber 
pralen. Lokmans fab. 36. 

2) rein ursächlich, aus grund, wegen: sie waren in groszer 
bcIrUbnisz irer kinder halber. Aimon bog. d; wurden sie der 
festen pldiz halber erfert {erschreekt\. bog. i; armut, so sie 
desz mannes scbwelgerei halberlitte. Kiacniior wcndiiflin. 294'; 
dasz nach anschawung der farlreSenlicben Schönheit ewers 
gnedigen frawlins Elisena ich in solche unuberscliwenkliclie 
peen, irer liebe halber, gerahlen. Amadis 18; aber als sie 
vermerkt, dasz ich meiner durch der andern empfangenen 
wunden und viel vergossenen bluts halber ganz schwach. 
s. &9; wie er glflckbafl seiner slerkmaihigkeit und tugendt 
halber, s. 155; dieser rede halber stundt Amadis still, s. 286; 
zween liller .. die deszhalber, wie ir vermelden, kämpfen 
wslleo. s. 415; und der weg, räuberei halber, sehr unsicher 
war. pers. rosenlh. 7, 18 ; das lamm kann seiner wolle halber 
gekauft werden. Lokmans fab. 20; ew. wolcdl. hochw. und 
bochgel. gunst. haben als meine ordentliche hochgeehrte 
Obrigkeit tragendes ampts halber darltber geeifert, und solch 
pasquill connsciret, Schuppios 620; man stellt dieses princip 
ntir ehren halber in der metapbysik auf. Kakt 2,116; des 
dadurch zu erreichenden Zweckes halber. 6, 278 ; wie ihn ein 
patron nach dem andern fortjagte, schelmstreiche halber. 
Gothb 6,200; nenn das madchen in dem hause geschtifle 
halber herumging. 15, 131. vgl. ferner desbalber 2, 1030, wes- 
halber. — In der Verbindung um — halber (rjj. um — halben) : 
dasz man, um deiner hinterlistigen hotlicbkeit halber, die 
gute Sache verlassen und dir beipflichten wird. Gottsched 
beredsamkeil (1764) j. 137. 

Zusammenrückungen des casus mit der praep., wenn der erstere 
ohne arlikel steht, sind schon seil dem tS. jahrh. mcht ungewöhn- 
lich, rrrgl. amtshalber 1,283; ehrenhalber 3,61; lusthalber 
deliciarum causa SiEiNBAcn 1,669; notbalher Amadis 275. 353; 
tcbandehalber; spa^zesbalber. hier tritt, doch erst seit dem 
19. jahrh. , bei mehrsilbigen weiblichen substantieen , namenüieh 
denen auf -heil, -keil, -ung, -schaß, jenes sonst nicht erscheinende 
gmilivisdie s an, über das gramm. 2, 934^. geltandell ist: scbcm- 
heilshalber, vergnOgungsbalber, ordnungshalber, wirtschafts- 
halber. 

HALBERBE, n. gegensatt tu vollerbe, kleineres vom valer 
auf den söhn erbendes bauerngui im Westfälischen {tergl. unter 
erbkolle 3, 727) : man theilet sie {die bauemhofe) in ganze, 
halbe und viertel, oder nach unserer art zu reden, in voll- 
erbe, balberbe und erbkotten ein. Moser 5,4; der Inhaber 
eines erbcs, balberbes oder kollens. 1, 333. 

HALBERBE, m. haeres ex parle dintidia. Faiscn 1,400*. 

HALBERHABEN, pari.: halberhabene arbeit, optis dimidU 
anaglt/phi rel diniidiae frontis. Stieler 1693. 

HALBERLEüEN, pari.; 

(Tihr aus den groszen nihlen 
mein halberlegne seel. Fuiin« 27. 

HiLBERLING, nt. bastart, namentlich in der fischzucht von 
karauschen und karpfen. Nennicb. 

HALBERLOSCHEiN, par(.; balberloscbenes feuer; 

sein balberloschne« äuge starrt. Gonm 1, 356; 

mit halberloschnem äuge. 2, 194. 

HALBERSCHROCKEN, pari.: verzeiht, sagte der herr halb- 
erschrockcn, 1. GomiEir schuldenb. 6. 



HALBERSTARRT, part.: 

zuletzt dringt ihn die noih zur flucht, 

uod taalberstam kehlt er zurOcke. Utcuoia 2, 28. 

HALBERTODT, adj! für halbtodt: 

[das wild) verbirgt sich for der kllt. und ligt als balbertodt. 

RoMPLia 87. 

HALBERWACHT, pari, nicht tölUg wach. Klinger 6, 5. 

HALBESEL, m. equus hemionus. Neiimcr 2, 1515. 

HALBFAHIG, adj.: oft ist die tbeilnabme balbahiger, 
anmaszlicber naturen fruchtlos, ja schädlich. Güthe 36, 18S. 

HALBFARBE, f. mittelfarbe, die als Verminderung stärkerer 
{heller oder dunkler) färben erscheint, frans, demi- leinte, itoj. 
mezzatinta. Jacorssor 2, 194' ; ein bemooster fcis, ein Wasser- 
fall bau meinen blick so lange gefesselt ... seine hohen und 
tiefen, seine lichter und schalten, seine färben, halbfarbeo 
und wiederscheine, alles siellt sich mir im geiste dar. GeriiB 
16,212; der weg von der nacht zum tage wurde schon mit 
balbfarben belegt i. Paul Hesp. 3, 142. 

HALBFASTEN, n. ; bald war mein kleiner vorralb anfge- 
zefart, und mein roagcn war bei der ganzen porlion auf ein 
sehr unbehagliches halbfasten reduzirt. Sbume nirin /efttn 56; 
wuszie midi bei giilen freunden m der nacbbarschaft nach 
dem bculigcn hulbfaslen wieder zu erquicken. GOthe 24,328. 

HALBFALL, adj. zum groszen theil verfault: das gekrSchz 
hungriger raben, die an mnnem balbfaulen anlecessor zu 
dreiszigen hiengen. Schiller 120 f2, 60 ifurz); ein paqnetchea 
halbfauler hüringe. Grabbe dicidungen (1827) 2, 82. 

HALBFELCH, m. ein noch nidU vOUig atisgewaehsener lachs- 
arliger fisch {saimo lavorelus). Stieler 465. Neniiich 4, 1212. 
tergl. belebe 1, 1439. 

HALBKENSTER, n. fensler dessen hohe der breite gleich ist 
oder nur zwei drittel der letzteren ausmacht. Jacobssox 1,149". 

HALBFIGUR, /. figur von der nur der obere Uteii ausgearbeitet 
ist: die balbfigur eines triloo. Göihe 29,153; obgleich (im 
abendmahl Leonardo da Vincis) zwölf personen sitzeü oder sich 
doch hinter dem lisch befinden, daher als halbfiguren anzu- 
sehen sind. 39, 119. 

HALBFISCH, m. l) pleuronecles, plattfisdt, seiteuschwimmer, 
ein fisch mit zusammengedrücktem kOrper, von alters her häufiges 
nahrungsmiltel in Deutschland: das hatte er aber wohl gesehen, 
dasz seinem hause (in Annaberg) gegenüber ein krämer halb- 
ßsch mit krautstrunk gekocht, einen tisch aufgerichtet uod 
mabizeit gehalten habe; er vermuthe nicht, dasz die bunde, 
wenn es ihnen vorgeschaltet worden wäre, an diesz gericht 
wurden gerochen haben. J. K. Seidemann beitrage zur reforma- 
tionsgescliichte 1, 165 {Dresden 1846). 

2) die noch nielit völlig ausgewachsenen weistfelehen, wenn sie 
im fünften jähre sind, heiszen halbfiscbe. s. belebe t, 1439. 

HALBFLACH, adj.. franx. mfplat, nicht völlig flacli: balb- 
Oacb wird beim maier von den runden partien des kUrpers, 
die ein wenig platt sind, gesagt. Jacodssoi« 2, 192'. der kupfer- 
stecher arbeitet in halbflacher manier zur versUrkung der scliallen 
und bestimmung ihrer grenzen, 

HALBFLECK , m. kleines stück starken leders , woraus der 
Schuhmacher die absitze zusammensetzt. Adelung. 

HALBFLEISCH, n. halb ausgewachsenes, noch nicht vOlUg 
reifes fleisch; namentlich im spricliworle kalbOeisch halbflciscb. 
Lebhash ßoril. 1,444; kalbfleisch, halbfleisch, junge leule, 
dumme leute. SchottelUSS'; nd. kalfOcisch haltüeiscb. Scba»- 
•Aca 96*. 

HALBFLOSSER, m. eoryphaena hemiptera, wegen der abge- 
kürzten rückenßosse so genannt. Neknich 2, 1255. 

HALBFLÜGELFÖRMIG, adj., eine häufig gebrauchte bezeieh- 
nung für clariere, deren lafelform der flügelform sich ndherl. 

HALBFOHLEN, n.; denken wir uns dieses gescklecbt {der 
cenlauren) nun auch als gewaltige wilde berg- und forslge- 
schöpfe, von jagd lebend, zu allen kraflilbungen sich stäh- 
lend, ihre balbfoblen zu gleich machtigem leben erziehend. 
GöTRE 39,198. 

HALBFOHRE, /■. eine jerinjtre /oArenart (3, 1870), charaänus. 
Nernich 4, llOi. 

HALBFRANZBAND, m. büehereinband mit ledernem rücken 
und ecken {s. franzband lA. 4, t, 60) : die besten in franz- oder 
balbfranzband gebundenen bQcher. GDtbe 24, 38. daßr auch 
die kürsung halbfranz : oclavbände aus Griechenland in halb- 
franz, leinen und sammt sind nicht von bedeutung. arbeiter' 
freund 1867 1. 164. ^-^ , 

Digitized by VjOOQ IC 



201 



HALBFREI — HALBGELEHRT 



HALBGENOSSEK— HALBGEWENDET 202 



HALBFREI, adj.: der Bchwan lebt aof den grOszer«n vrnaser- 
keckeo in einem balbfreien zustande, hanndt. mag. 1844 i. 328. 

HALBFREIHEIT, f.: in der gegenwärtigen epocbe der 
farbenlebre erhielten nnnmebr jOngere, geistreicbere, ernst 
und treu gesinnte menseben eine gewisse balbfreiheit, die .. 
einen jeden auf sieb selbst zuröckwies. GOtbe 54,212. 

HALBFREMD , adj. : derweil ... der Elsasser bei allem 
Patriotismus auf die wSlscben Franzosen wie auf ein balb- 
fremdcs volk berabscbaul. preusi. jalirb. bd. 22 >. 27. 

HALBFREÜDE, f. gaudium anceps, ambiguum. Stiele« 562, 

HALBFREUND, m. tachi trUdrter freund; dattn geannung 
sich tu anem htnneigl: einen balbfreund der Franzosen. GOthb 
31,27; indem er einen balbfreund von sieb stOszt. 33, 2t4. 

HALBFHUCHT, f. gemengt von körn und «eiun bei der aut- 
sital. s. halbgrireide. 

HALBFÜDERIG, HALBFÜDERIG, adj. 1) vas eine halbe 
«ogenladung ausmacht : balbfüderig, balbgrifflg, ein bäum, der 
nur ein halbes fuder ausmacht, so dasz man zwei dergleichen 
bäume auf einem wagen mit vier pferden fahren kann. Jacobs- 
soN 2, t»2'. 

2) ein hcdbes fuder alt matt haltend: ein halbfuderiges wein- 
fasi; ist aber da; va; halpfuederk. Au^. stadtr. 116. 

HALBGANZ, adj. nur lur hälfte gam, abgebrochen, unvoll- 
kommen: 

Echo in dem holen pfade 

der gebirge sol den schall 

nicht nur halbganx hören lassen, 

wie sie soiiaien widerltlingt; 

sie soll jeden setiTier Tasseo. 

den ihm unser hen erzwingt. Opitz 1, 213. 

HALBGEBACKEN, pari., nicht tioUsländig, nicht ausgebaeken : 
halbgebacken semicrudis panis Frisch 1, 46*. vielfach in bild- 
lichem sinne : so in Baiern von menschen und Ihieren nicht recht 
frisch, schwächlich Scu«. 1,144; «d. kalfbacken von rohen 
ausgelassenen jungen leuten. ScbOtze 2, 93; halbgebackenes 
franzüiscb-teutsch , lingua teutonica gaUico idiomate deiurpata 
Stiblbr 76. vgl. balbgesutten. 

HALBGEBILDET, pari, mit nur unmllkommener bildung (vgL 
.balbbildung sp. 195): bSIte gern halbgebildete menseben ge- 
sehen. Stolbebc 6,13; der grosze häufe der halbgebildeten. 
Beczeüs wellgesch. 14,445. 

HALBGEBRADCH, m.: tbeils bat man von meinen an- 
sichten . . in grOszern und kleinern Schriften eine art von 
halbgebrauch gemacht, GOthe 54,318. 

HALBGEBROCHEN, part., admodum deßciens, geu>ihnlich von 
Stimme, ton und blick (s. brechen 2,343): halbgcbrocbene laute; 
mit balbgebrocbener stimme ; haihgebrocbene äugen. Klinceb 
10, lt8 ; ihre halbgebrocbnen äugen bekamen wieder etwas 
von ihrem vorigen fcuer. Rabe.ibr 4, 147; balbgebrocbne 
blicke. >. 203; 

ein äuge, das sich schliesil, ein halbgebrochnes hen, 
heischl ein« tbrSne doch, und eines freundes schmerz. 

Götter 1, 14t. 

HALBGEBURT, f partus unilaleraUs, vgl. unter halb sp. 188. 
reclitssprichKorl : halbgebubrt tritt einen grad zurück. Pistorius 
thes. paroem. 10, no. 52. 

HALBGEFISCHT, part. haU) vie ein ßsch gestaltet: wie ge- 
lesen wird von den greifen, kleinen zwergen, einäugigen 
nrimasperen, lialbgellschten Jungfern und dergleichen fratzen. 
Keinhold reime dich (1673) p. 12. 

HALBGEGENWART, f: lassen sie uns doch ja der an- 
mulh einer nachbarlichen schnellen communikation genieszen^ 
eine solche halbgegenwart ertbeilt eigene reize. GOtbb bei 
Jahn 378. 

HALBGEGNER, m. nicht entschiedener gegner. GOtiik 59,273. 

HALBGEHEILT, part.: daher etliche .. die balb-gebeilten 
wunden wieder, aufkratzen. Weise polit. redner (1684) 574. 

HALBGEHEIMNIS, f: wer der Verfasser sei, ist bis jetzt 
ein haihgeheimniss geblieben. Güthe bei Jahn 309. 

HALBGEISTLICHER, m. nicla voller geistlicher, gewöhnlich die 
scherzende bezeichnung für einen schulmeisler, veU er die meiern 
Urehendienste mü zu verrichten hat; ein Schulmeister sagt: 

nun fordens meine schuld, dasz ich tu ihm hingeh, 
well ich balbgeistlicher auch mit verpflichtet steh. 

Ilarlequinn hochteit 41. 

HALBGELEHRT, pari, semidoctus: einen halbgelehrten, 
welcher mit der logica nicht umzugehen weisz. Weise iurs- 
veiliger redner 33. 



HALBGENOSSEN, part.: 

halbgenossen glitscht die ft-eude 

Ober meinem herzen hin. Bluudir I, 28. 

HALBGERAUBT, pari.: 

(wenn siV) . . mir bei haihgeraubten kflssen 

den sonst verdeckten busen zeigt. Girai 47, 10. 

HALBGEREIFT, part.; 

halbgereine pachlgedanken. Putm 326. 

HALBGEßINNE, n. im hUtenwesen ein nur aus zwei teilen 
bestehendes gerinne, bergw.-lex. 2S2'. 

HALBGESAGT, part.: todtengeheine balbgesagter gedanken 
und empflndungen. Herder briefmeehsel 1, 145. 

HALBGESANG, m.: bald dieser bald jener freund Ijesz in 
declamaloriscbem balbgesange eine klopstockiscbe ode ertö- 
nen. GilTBE 26,122. 

UALBGESCHLOSSEN, part.: sie hatte sich mit halbge- 
scblosznen äugen aus dem zimincr gewagt. Rabeneb 2, 129 ; 
schaue dann mDszig unter das buch gebückt hinauf in ihr 
halbgescblossenes gesenktes äuge. J. Paul briefe u. bevorst. 
lebenslauf 162; 

vviscben das haar 
der halbgeschlostnen wimper. L. Stolbsro 1, 60. 

HALBGESCHMACK, m..- um natzlich zu sein, maszte es 
(das theater) sittlich sein, und dazu bildete es sich im nörd- 
lichen Deutschland um so mehr aus, als durch einen ge- 
wissen halbgescbmack die lustige person vertrieben ward. 
GOtbe 26, 195. 

HALBGESCHOSZ, fi. gescJiosz oder stochrerk am hause von 
der halben hühe eines voUen Stockwerkes, franz. entresole: in 
palästen bringt man auf beiden seilen eines groszen saals 
ein halbgeschosz an, und der saal geht nicht nur durch sein 
eigentliches, sondern auch durch das halbgeschosz durch. 
Jacobsson 2,193*; von hier aber war kein weg in das halb- 
geschosz wo sie wohnte. GStue 17, 128. 

HALBGESCHWISTER , n. plur., geschieister von «ner seile 
her; vgl. halb sp. 188. Stieler 1975. 

HALBGESELLE, m. der ausgelernle aber noch nicht von der 
innung losgesprocliene lehrling eines handiterks. Jacobssob 2, 193'. 
in freier und ttitziger onirendung für einen lesen lehrenden Schul- 
meister: 

Tielleicht gedeiet er <u nilhen oder stecken, 
des Kadmus lialbgesell, die kinder nur su schrecken. 
Rachsl snl. 4, 23». 

HALBGESICHT, n. gesiebt wie man es von einer seile her 
sieht, proßl: das ganze angesicht des junglings ist viel ein- 
nehmender und anziehender, als das um etwas zu lockere, 
zu gedehnte balbgesicht. Lavater 6et Güthe 48, 153; die person 
der man das balbgesicht durch die nische (siUioticaiereni/) ent- 
wendete. J. Paul Hesp. I, 66. Spottend von einem dürren und 
spitzen gesicht, das gewissermassen keine flache hat: und der 
kerl da mit dem balbgesicht. Schatte (and tbis same balf- 
faced fellow, Shadow). Shakesp. von Scbi.ecel, Heinrich IV., 
2. th., 2,3; 

»eil er ein balbgesicht hat. wie mein vater, 
mOcht er mein lehn ganz ITir das halbgesicbt. 
sein groscheo mit dem halbgcsichisgepmge 
bricht ihm alsdann fOnniiindert pfund des jahrs. 

könig Jobann I, I, 
because he bas s hair-face, like mj faiher, 
with half ihat face woiild ho have all my land; 
• a hair-raced groat Ove hundred pound a year. 

HALBGESOTTEN, pari, semicocius; in ahnlicher Hberlragener 
Verwendung wie halbgebacken (sp. 201), nur Aal* reif, nicht voll 
männtich: Edgar ist ein balbgesottner ungestQm und er weisz 
nicht, was er will. BObne 1, 57. 

HALBGESPENST, n. ; sie kann weder essen noch schlafen, 
sie schleicht herum wie ein balbgespenst. GOtbe 57, 14. 

HALBGETREIDE, n. zur aussaat bestimmtes gelreide, halb aus 
Weizen, halb aus körn bestehend, öeon. lex. 914. 794. s. balh- 
frucht, balbtrcid. 

HALBGEWACHSEN, paW..- balbgewachsen , nondum ad 
justam aetatem proveetae. faeet. facet. 393; ein junger halhgc- 
wachsener här. Kibcbbof wendunm. 473". rijl. halbwachsen. 

HALBGEWENDET, part. nur zum thdl umgekehrt: mit halb- 
gewendetem gesicht. 6ei Klopstock vom glauben fast abgefallen 
(s. wenden): 

er brachte der halbgevendelen Christen 

viele lurtick lu dem blutenden menschenfreunde, mm himmel. 

4, 212 (Messias 10, 392). 



Digitized by 



Google 



203 



HALBGOTT— HALBHEIT 



HALBHELLE— HALBICHT 



204 



HALBGOTT, m. amidtm, M. balbgot (Gtkn 4, 151): tmi- 
deut halbgot, balffgot Oietenbach 52» ; gedacble icb . . den 
Hercuiem selbst zu flbertreSen und also micb den alten be- 
rilbmlen heidnischen halbgOttem gleich zu machen. Simpt. 
4, 168 Kurt; dasz tilr eine jugendliche pbantasie nichts erfreu- 
licher sein könne, als in jenen heitern und herrlicbeo gegea- 
dcn mit gDtlern und halhgiillern zu verweilen. GGtue 25,315; 
stolz wie ein haihgott. Wiela.id AgaUion 12. buch, '.eap.; er 
wurde in seiner Taterstadt mit den ehren eines halbgottes 
bestattet. Schlosser «eltg, 2, 45t ; 

mondes silberslim, o wo dir Ist bewust, 

wo der halbgölter scliar auf heim sucht ihre tust, 

so lehne mir dein licht. A. Gstphids tdiKärm, ichäfer 68; 

Hontmarlin, der halbgölter zier, 

und von den musen selbs gescbmiicket, 

das lob so Ich von dir rormier, 

ist nicht ausi rremdem schmuck gestücket. 

\^KCKu(aLii< 373; 
halbgAtler, beiden, gilter, ja dimonen, 
sie rührleo mich im irren her und bin. G5tbi 41,213. 

a»f henonagende menschen geicendtt: 

dein bildniss mQst in ertt und stein 
den tenipeln neue prachi verleihn, 
und als ein faalbgotl oprer tragen. 

GOKTUU 1 (1733) >. 139; 
(Hans Hagel) nimmt nun den mann 
ahn all geHIhrde 
tum balbgolt an, 
l^llt hin sur erde 
und betet an. DtDituH 1, 89. 

H.AL6GÖTnN, f.: wie sie denn fiberbaupt als typus für 
alle heroinen, musen und balbgöttinnen gelten muszte. GOtbr 
2», 66. 

RALBGÖTTLICH, adj. und adv.: 

du {Chiron) hast die grAszten deiner teil gesebn, 
dem edelsten in thnten nachgestrebt, 
balbgöttllch-ernst di« tage durchgelebl. G6tbe 41, 129; 

ist dieses der torzug der halbgOtllicben Ternunfl, dasz man 
die weite und ungebühnte bahn der weit unTerniinfligen ge- 
schOpfen einräumet, und hingegen seinen wobnplatz in dem 
engen stalle des finslern Vaterlandes aufgeschlagen hat? 
Weise pdä. rtdner 151. 

HALBGRIFFIG, adj. vas mit einem halben griffe umspannt 
werden kann ; im forstwesen , uio der griff oder die spanne als 
mast dient, tcerden balbgririlge bäume von eingrifflgen, zwei- 
grifOgen unterschieden, vgl, eingreifig 3, 193. 

HALBGRU.ND, m. ; es sind viel falsche oder halbgrflnde 
angerührt. Hesuek 19, 72. 

HALBGUT, n. bei den nnn$ieizern gemisch von halb sinn und 
halb bki. J\C0BSS0!i 2, 193*. 

HALBGUT, aifj..- haihguter cbaracter. ScnaiEa 1133. 

H.^LBHABT, adj. subdurus, vom mineral gesagt, das nicht 
(euer sclitdgt und sich mit dem messer etwas schaben Idsit. 
Jacobssoi« 6, 13\ 

HALBHASE, m., eavia leporina, hasenmaus, javanischer halb- 
hase. Nehmch 2, 922. 

HALBHAUER, m. einschneidiges sehwert, das nur von einer 
seile tum hauen dien.t , im gegensats des xweisrhneidigen : unter 
sehwertem werden aufgezählt beidcrseiter, scbweizerfocbleln, 
schlacbtscbwerd, . . . balbbawer. Garg. tis*. 

HALBHAUS, n. offener vorbau eines hauses: da er in einem 
offenen freien luftigen balbhaus am bause sitzen .. konnte. 
1. Paul flegelj. 3, 65. 

HALBHEIT, f. unentschiedenes, srhvaniccndes , twcideutiges 
Wesen und thun, ein wort nach halb sp. 192 im vorigen Jahr- 
hundert gebildet: mit aller dieser halbbeit. Wielaxd 3,150; 
diesz allein, Hippias, war die Ursache der halbbeit, deren 
du mirh mit mehr strenge als billigkeit beschuldigest. 3,160; 
miiilairischc lialbbeiten halten ihm in seiner Jugend viel zu 
schaffen gemacht; er halte deswegen den dienst verlassen. 
GfiTRE 17,194; zu rescrvalionen, balbbeilen und logen ist es 
(das framüsische) eine treffliche spräche. 19. 24« ; uns peinigt 
die halbbeit solcher zustände. 26, 223 ; wodurch eine halbbeit 
und verderblheit in den köpfen entsteht. 55, 6S; Oesi erreich, 
von allen machten verlassen, erntete jetzt die frilchte seines 
bocbmutbs und jener politik der halbbeit, welche Rnsziand 
tSdtlicb beleidigte, ohne den weslm9chten zu genilgen. preiisx. 
Jahrb. bd. 22 i. 82. Auch von ungenügendem wissen und können: 
eines recht wissen und ansahen gibt höhere bildung als halb- 
beit im bundertralligen. Göthe 21,227. 



HALBHELLE, f. unvollkommene, gedämpfte. GOtre 15,299. 

HALBHEMDE, n. tndiutum inferiore parle truncatum. FmscH 
1,400*. franz. Chemisette 

HALBHEKSCHELIG, adj halb und halb einen herren spielend, 
herrensüle nacliahmend (s. herscbeln): man war im dorfe nicht 
frflh, es waren viel halbherrScbelige leule darin. J. tioTTNELr 
schuldenb. 340; audt lialb wie ein kerr gekleidet: schwärmten 
manner umher, halbberrschclige, auch balbleinerne, fast wie 
baucrn. s. 3, 

HALBHERZIG, adj. getlieilten, schwätzenden heriens: semi- 
ears balbhertz, balbherizig Oiefenr. 525'; aus solcher halb- 
herzigen und nur zu parteizwecken versuchten tbäligkeit 
kann folglich auch nichts entspiingen. Frantz critik aller 
Parteien s. ts. 

HALBHEBZIGKEIT, f.: halbherzigkeit zwischen gott nnd 
dem mammon. Claudius 4,56. 

HALBHOCH, adj., nicht die volle, reelite höhe habend: ein 
grober, halbhoher , starkzerknitterter Dlzhut. daheim 1868 
». 754*. 

HALBHOF, m. bauernhof mit halb so viel grund und boden 
als ein tolUiof: niemand der nicht so viel als einen vollen 
bof zum eigenihum besitzt, braucht sein ganzes leben dem 
Staate aufzuopfern, zwei halbhofe, vier viertelhöfe und acht 
markkötter sind dem Staate im verbältnisz mit jenem nur 
ein leben oder einen mann zum beerbann zu stellen schuldig. 
Moser polr. phant. 3 (I79S) s. 256. 

HALBHOHL, adj. 

wie wenn man mit der band an die bejahrten rinden 
halbhohler weiden stAszt. ZiciitniÄ I, 54. 

HALBHOLZ, n. l) bauholz welches entstellt, (i'enn man einen 
bäum einmal der länge nach sägt oder spaltet. Adelung. 

2) in Baiern, bei den holzarl>eilern des gebirgs heiszt halbbolz 
ein block hohes, der an den festgesetzten umfang eines holzblockes 
(werholi) noch nicht reicht. Scumeli.er 2, 190. 

HALBHOSE , f. kurze, nur bis an das knie oder den halben 
Oberschenkel reichende hose, wie sie ju anfang des 16.ja/ir/i. gegen 
die allgemeiue mode der landsknedit trug, den die ganze liose, 
die in straffer Spannung aber das knie bis zu den füszen reichte, 
an rascher bewegung hinderte: 

in wammes und halbhosen mdst er {der Inndtkneclil) springe. 

UaLtKD rolkit. 517. 

HALBHÖSLER, m. Schimpfname für landsknechte oder um- 
herschweifendes gesindel: naschige, sackbloderige, seckelschnei- 
dige galgenscbwengel , balbbüszier, galgenasz, rabenfuter. 
Carj. 47'. 

HALBHÜFNER, m. bauer der nur eine halbe hufe besitzt, im 
gegensatz zum voll- oder ganzbflfner: richtig ist es, dasz hier., 
alles und jedes seine Ordnung, zeit und den gewiesenen platz 
hat, jedermann die ihm gebührende reverenz genieszt, so 
dasz ich den halbbüfner, den kotier und wer es sonst sein 
mag, jeden bei seiner gebahr nennen rausz. Inneriiaiir 
Uünchh. 3, 53. 

HALBHUNDERT, n. seltenere form für halbes hundert: eine 
grosze, von bunten wachsslöcken (lammende toric, deren ins 
balbbundcrt sich belaufende anzahl einander zu schmelzen 
und zu verzehren drohte. Göthe 31, 116. r$(. balblausend. 

HALBICHT, adj. und adr., zur hälfle, halb. 

1) im eigentlichen sinne nur »och injmundarten verwendet, so 
bair. halbet: halbet mir und balbet dir, ein halheler apfel, 
das balbet geld. ScnH. 2,177; in Tirol a balbets bröt, und 
mit der adverbialbildung halbels: balbets fertig (lur hälße). 
Fromi. 5,447. 

In der Schriftsprache erscheint das wort nur im übertragenen 
sinne. 

2) irie halb sp. 192 unentschieden, schwanicend, nithl genügend: 
die kleine ejaculalion Ober das halbichle wesen u. s. w. bat 
mir meines orts eine gar gute stunde gemacht. Wieland in 
tierks briefs. t, 249 ; viele der wichtigsten bcgriffp sind nur 
noch balbicht . . und manche mögen auch so lialliirhl bleiben, 
wie ich sie hinwarf. Eegel an \Meland, musen 1813 s, 234. 
Aehnlieh wird in Karnthen gebraucht a halbeter mensch, der 
nichts rechtes zu stände bringt. Lexer 131. 

3) in adverbialer Stellung heiszt es vielfach einigermassen , ein 
wenig, wie halb «p. 191: aber das gesinde, wenn es nur hal- 
bicbt ein rechte sache hat, pfleget jetzt wider herrn und 
frawen also zu sagen. P. Glaser gesindleuffel (1564) F'; die 
vornehmen aber, so nur halbicbt hei mittel sein, werden 
verbrandt. Wiedemann Januar s. 42 ; nun dürfte man balbicht 



uiyiiiztJU uy 



ö" 



205 



HALBIEREN— HALBIG 



UALBIG— HALBKOPF 



206 



ein wenig anf worle deokeo. anhang 21; wo wir nur balhicht 
UDlerball 0nden. Chr. Weise überfi. ytd. 2, 37; die lugica 
naturalia dürft« balbicbt im discuiriiea excrciret werden. 
ertn. iS6; 

•a tsl üenuag, wenn nur die baut da» hembile deckt, 
uod balbiobt, ob aucb scbon dieaz oder jcuea bleckt. 

grvUiau 3. 

Neben balbicbt geU die form lialbig zum Iheil in gleicher bedeu- 
tung , s. d. teruerfiick ist di> form lialbigt: Frissino scbeint 
nur ibre oamen gcttnderl zu babco, uod aucli diese nur 
buthigt. (RoDKEi) neue etil, briefe 227. 

HALBIEBEN, verb. dimidiare. 

t) das mhd. kalbieren (wb. 1,617') mit romaniuher endung, 
galt, icie das franiOs. mi-parlir, zundc/isl von der kieidung, die 
naclt einer im I2.jtthrh. aut Fratikreich herübergekommenen mode 
in yetheilien färben getrag'en wurde, so dusi jede der beiden seilen 
aus andersfarbigem sloff bestand: 

scharlacbrdt unde brün 

was sin mantel gebnibiert. Wigamur 4C85. 

diese mode hieU sich schwankend lange und bis anfang des 16. Jahr- 
hunderts: (dy manne) trugen oucb .. lange Itoszen gebalbirt 
mit mancberlei Farbe. Stolle chronik bei Haupt 8,319; der 
butte gebalbirle cleider unde werllilicben gesnelbin an. RoTne 
e/iron. 464 I. 382. auch der scliild des riUers war in dieser weise 
geUieilt: 

icb tafciu wie er rnort den schilt. 

gehalbirt nl\ch dem äwert zetal. 

daz ober teil tla; was genial • 

rent als ein lieltt saphire plä . . . 

da{ nider teil gab solben schin 

von kelen r6t, ni; von berraelin, 

le abt stucken meisterlich gcsnilen. 

fraueiidienst 17t, 5. 

1) ist das irorl so m frühest modeausdruck, so kommt es doch 
auch ausier diesem [alle, in der allgemeinen bedeulung in zaei 
halften Iheilen, bald in aufnähme, und nieder in strengerem und 
freierem sinne. 

a) in strengerem sinne, als rechnenausdruck : balbire die zai 
die kommen ist ausz dem dupliren, so itompt die erste auff 
gelegt zaI wider. Aoak Bvse reclmung A &' (der sonst statt bal- 
biren stehend mediren gebraucht); die zabi secbs kann zugleich 
halbiert und gedrillelt werden. Lohenstein Arm. 2,203; da 
mullipliciret den grüszten nenner mit dem kleineren . . was 
kCmml ist der hauptnenner und kan derselbe mehrentheils 
balbiret werden. SEniAxuEB rechlschreibung u. rechenkunä 418; 
sie baheu die erbscbaft balbiret, in duas parliunculas hercäi- 
latem secuerunt. Stieler 737; nimm von dem balbirlen einen 
theil hinweg, weichen du willst, dimidialam poHionem alleru- 
Iram eape. das.; so braucht auch Kant halbiren «on einer zwei- 
theilung der seele oder des bewuszlseins 2,320. 

b) in freierer anuendung: spricbet der wysz man, das ein 
wiser mensch halbiert sin tag, spricht David, viri sanguinum 
et dolosi non dimidiabunt dies suos, dj dSt der scbalkhaflig 
belrüglich sandig mensch nit, der halbiert nit sin tag, der 
volendet ewiglich in boszheil. Keisersberc biig. 195*; brot- 
meyer, die den bauch im scbubkärcblin führen, halb' pfaffen 
und halb landszknecht, gehalbiert menschen vom bischof und 
bader. Carg. is'; auch haben wir bemerkt, dasz doppelbilder 
als halbirte bildcr, als eine art von durchsichtigem gespenst 
erscheinen. Güthe 52,107; man kann hier nicht halbiren 
und ein mittelding zwischen recht imd nutzen aussionen. 
Kamt s,459; 

ein vertrauter freund Im leben 

der halbirt uns unser leid, 

duppell gleicbralls alle Ireud. FLEain« 374. 

mhd. vom sclmaaken des gemüles: alsft da; er einen rebten 
k£r des willen gewinnet, da; er niemer mi dekeine sOnde 
welle geluon . . und sol aber ein ganzer wille sin, nit ein 
gehalbierter wille: ich enwei; ob ich e; aber mome tuon. 
d. myst. 273, 21. vgl. halb sp. 192. 

HALBIERER, m. parUior, seclor, divisor. Stiblei 737. daselbst 
das fem. balbirerin. 
HALBIERUNG, f. bisectio. Faisce 1,400*. 
HALBiG, ad}., neben balbicbt, jur hälfle, kalb. 
1) in eigentlichem sinne: 

ii* schelten (scIioMen) die maur wol halbtg ein. 

SOLTAB 2, 113 (16. ;aJkrk.)( 
sein schtineln wider suchen thet, 
die er halbig behalten het, 
und ward ein scbetTer gleich wie vor, 
den balben tbeil willig verlor. Eiiaiii« 1, 133; 



balb seblalTen thet uod halbig wacht. 1, 172t 

aber was köot es schaden, 
wenn iobs schon balbig fress? 

Atur fast^ 1I2> (2897, 20 Keller). 

in Hiederdeutschland jelit nur noch bei seitbestimmungen gebrtuck- 
Ikh: balwig sesse, het, halwig achte, halweg twi. Scuim- 
BAcn 73*. Oähnert 171*. doch vergl. unter balbweg. 

2) übertragen unpoUkommen , beseliränkl: welche die Jugend 
angewöhnt, überall mit unzulänglichen begriffen uod dem 
balbigen Verständnis« der kunstwürter zufrieden zu sein. 
Lessiüg 3, 162. 

HALBIG , m. im hüUenwesen der hebearm an der pvchuelk, 
welclier den Stempel hebt. jAcoassor« 2, 193", nach dessen vtr- 
mulhung das wort aus bebling verstümmelt ist. 

HALBINSEL, f peninsula. im le.jahrh. noch als zwei worte 
gebraucht: peninsula, ein balb insel, das nur mit eim theil am 
erdtrich banget. Dasvi». ; clarsonesus, insel die sieb anlandet, 
balb insel. Frischlin nomenci. 34'; es ist noch wenig gebräuch- 
lich, MOkster umschreibt den begriff: und feiet nit mehr dann 
an einem ort, so were es (Halien) ein insel. <o<moi)rap/i«i 
(1&60) >. 166. später nur als compositum gefasst: balbinsel 
Stieler 892; dann auf einmal trügt er uns, wie auf einem 
zaubermantel, über die balbinsel Indiens hinab. GOtbe 6,188; 
von der balbinsel Malacca trugen mich meine Stiefel auf 
Sumatra. Ciiaihsso SehlemiU cap. 10. 

HALBIBHTHUM, m.; ganze, halb- und viertels-irTlhfimer 
sind gar schwer und mObsam zurecbt zu legen, zu siebten 
und das wahre daran dahin zu stellen, wohin es gehört. 
GöTHE 49,23. 

HALBJAHR, «n.; man sech (die Jungfrauen) an, die in der 
ee sind, ee si ain halbjar darino sind, so wfirt d; ermesl 
ellendest ding darausz. Keisersb. granatapfel (gekll. spinn.) 1*. 

HALBJÄHRIG, adj. ein hathes jähr umfassend: ein halb- 
jähriges kind ; halbjährige zinsen ; halbjährige kOndigung, 
solclie die auf ein halbes jähr hin geschieht. 

HALBJÄHRLICH, adj. je einem halbjahre xufaUend: ein halb- 
jährlicher Wechsel des aufentbalts ; halbjährlich einmal kehrte 
er in seine Vaterstadt zurUck. Oß mit dem vorigen halbjährig 
vermischt, ßr halbjährige kündiguog hört man auch halbjähr- 
liche; sie erhielten aus der universilätskasse eia Stipendium 
halbjährig. Heyne in den briefen an J. v. Müller, bd. 2 (1839) 
s. 140. 

HALBKXFER, m. necyda/it, ni. basterdbokje. Neknicr 3, 711. 

HALBKAPAUN, m..- ein schlecht gekappter oder halbge- 
Bchnittener bahn beiszt ein balbkapaun. Nehnich 4, 941. 

HALBKAHAUSCHE, f. baslard von karausche und ktrpfen. 

HALBKELLER, m. kellerhaus, das mit dem obem Iheile seiner 
Umfassungsmauern über der erde steht ; man sield solche in Düringen 
häufig, wo sie auch noch den alten namen tunk fahren (eergl. 
Germania 9, 337, und dunk 2,1632): am tage hatte icb zwei 
wagen weisze ruhen einfahren lassen, die noch im hofe vor 
dem sogenannten balbkeller oder tunk lagen, grensbolen 1866 
j. 144. (ou/ieicAniinjen einf» pfarrers in Kleinfahner bei Erfurt). 

HALBKENNEK, f». uneollkommener, mangelhaßer ; vgl. über 
das aufkommen des worls kenner 2, th. 5,647: wo ein halb- 
kenner den kilnstler unter der natur geblieben zu sein . . 
urtheilen dürfte. Lessing 6,376; so entzückt der balbkenner 
sein wird. Herder 17, 200; von balbkennero sollte eigentlich 
gar die rede nicht sein, ja, wenn man es streng nimmt, gibt 
es gar keine balbkenner. Götre 36, 253. 

HALBKENNEREI, f. Reinuard an GMt 137. 

HALBKENNERISCH, adj.: so will man . . ihm das weiter« 
grSszere verdienst balbkennerisch abläugnen. GOthk 36, 174. 

HALBKLOTZ, m. als beseichnung eines rohen und plumpen 
menschen, vergl. klotz 3, th. 5,1250: derobalben auch ihre 
kinder solche tumme und wilde bime oder viehische menschen 
und halbklotzer werden, baurenst. lasterpr. tl6. 

HALBKLUG, adj.: der eigendünkel eines balbklugen 
egoisten. GOthe 14, 188 ; der gedanke des ehestandes hat filr 
ein halbkluges mädchen gewisz etwas scbreckbanes. 19,283. 
im volte hürt man öfter du bist wol halbklug als milderen ous^ 
druck für dumm; vgl. halbnarr. 

HALBKOPF, m. mensch mit ungerHflem verstände, Scheltwort: 
einige halbkCpfe in den Vorstädten von Korinth. Wieland 
13,12; diese halbköpfe, die nur einen sonnenblick brauchen, 
um, gleich den fröscben im frühling, in zahlloser menge aus 
den sümpfen am Parnass hervonuwimmelo. sal. des Borat 
1, 260 ; hier, versteht sieb, ist nur von guten, gradeo menscbea 

uiyiiizt^u uy ■^. — ■ V--' ^^-' ~i Iv^ 



207 



HALBKÖPFIG— HALBLATEINER 



HALBLAUT — HALBMANN 



208 



die rede, balb- und schiefkOpfe werden gleich ohne umstände 
mit der wanne gesondert. Göthe 29,166; Nicolai hatte sie 
(sctne gegner) in öflentlichen scbHflen queerkopfe genannt .. 
man bütle denken sollen , eine Zusammensetzung mit köpf 
sei der andern werth, und die benennung des halbkopfs, 
der ja wohl noch wachsen kann ,, sei immer noch milder, 
als die eines völlig in die queere gedrehten kopfes. Ficutb 
tHeolm Üben 50; er ist ergrimmt aber die halbkopfe. Bona 
ges. kl. tekriften 2,442. 

HALBKÖPFIG, adj.: nur was balbkOpOg und halbherzig 
ist, pflegt im allgemeinen dem constitutionalismus geneigt 
zu sein , welcher freiheit und Ordnung zugleich verspricht. 
FaAirrz kritik aller parteien s. 10t. 

HALBKÖPFIGKEIT, f. : in derselben akte . . verweist Nicolai 
Scbellingen und Fichten die Unanständigkeit sehr ernstlich, 
dasz ihnen zuweilen ihren gegnern gegenüber so ein wort 
von balbkOp£gkeit entschlüpft sei. Fichte Nicolais leben SO. 

HALBKREIS, m. semiciraäus : henuspliaeTia halbcirkil o. krei; 
DiEFE.VB. 641*. das wort ist erst seit dem vorigen jahrkundert 
in grössere aufnähme gehmmen , früher ersetile es tueiat halber 
cirkel; jHit Uraudit es auch die geaöhnUclie spräche häufig: die 
kiiider standen in eioem halbkreise um den lebrer; Im halb- 
kreise um ihn hatten sich menschen angesammelt; der knabe 
führte ihn im halbkreise durch die wenig entblätterten, buot- 
bvlaubten bäume. Göthe 15,330; vor der Orangerie befanden 
sich in einem halbkreise grosze tische, Weslermanns nwnals- 
hefte febr. 1861 s. 497'. der landmann besehrabt beim mdlien 
mit der seme einen halbkreis: wie rcgelmäszig ihre sense den 
halbkreis durcbrauschte. Feldcb reich und arm 120. 

In der battkunst «ird für rundbogen auch der ausdruck halb- 
krcisbogen gebraucht, leilfaden f. den Unterricht in der kunst- 
gesclächte (186S) s. 29. 

HALBKUGEL, f. AemupAamum. 

1) im allgemeinen sinne: jeder gröszte kreis theilt die kugel 
durch seine ebene und die kugelQäche durch seinen um- 
kreis in zwo gleiche hälften, welche man halbkugeln nennt. 
Jacobsson 6,13'; die balbkugeln an der luftpumpe. 

2) nach der kugelgestalt der erde theilt man diese ein in eine 
Östliche und westliche, oder in eine südliche und nördliche 
halbkugel: im strengsten winter der südlichen halbkugel. 
Chamisso SchlemiU cap. 10. 

3) das gehim ist durch den siclielfortsati der harten Umhaut in 
zrei Uiäle getheilt, die man halbkugeln nennt. Nennicb 3,132. 

4) halbkugel, eine art drehaurm, volvos dimidiatus, nach 
seiner gestaU. Nemüicb. 

H\LBKUGELFÖRMIG, adj. hemisphaerieus. 
HALBKUGELIG, adj. hemisphaerieus: thOnerne, halbkugelige 
näpfchen. daheim 186S, 759*. 

HALBKUNST, f. in swei bedeulungen. 

1) kunst, weidu tugteieh viel handwerksmästiges an sich trigt, 
oder handwerk, velches fast zur kunst sich erhebt: es gibt so 
gewisse halbkünste, welche kandgeschicklichkeit und hand- 
werkslust verlangen . . dahin gehört die wachsmahlerei. Götbb 
27, 233 ; ZU damaliger zeit genosz der goldscbmied vor vielen, 
ja man möchte wohl sagen vor allen bandwerkern einen 
bedeutenden Vorzug, die kostbarkeit des materials, die rein- 
licbkeit der behandlung . . alles versetzte die genossen dieser 
hulbkiinst in eine höhere sphaere. 35, 35t ; einer balbkunst zu 
gedenken, welcher wir in absieht auf färberei sehr vieles 
schuldig sind, ich meine die tapetenwirkerei. 52,246; dieser 
mann . . war in seinem handwerk, in seiner balbkunst (fär- 
berei), wie man es nennen will, wohl zu hause. 54, 247. 

2) unvollkommene, nicht vahrhaße kunst: die kriegeskunst 
ist in absiebt auf die Unmöglichkeit der völligen anwendung 
nur balbkunst. Kloi>stock 7,26; 

durch acbönheit, wie der balbkunst tier>!on 
lehret. 2, 25. 

HALBKONSTLER, in. unvollkommener, nicht wahrer känOler : 
dieser gute alte mann {ein teichenmeister) war freilich nur ein 
balbkünstler. Göthe 24, 182. 

- HALBLADEN, m. der nur das halbe fenster bedeckt : sie Ong 
daher an, von zeit zu zeit durch ihre vorhänge und halb- 
läden nach der strasze zu sehen. Göthe 15, t57. 

HALBLAKEN , n. gewebe, dessen auftug aus hänfenem gam, 
dessen einschlag aber aus werg oder flaclis besieht. Jacobssoh 
2, t93* 

HALBLATEINER m. in Hessen spottende beieidinung einet 
halbgebitdeltn. 



HALBLAUT, m. semilonium. SriELEa 1093. 

HALBLAUT, adj. und adv. mit gedämpfter stimme, leite, was 
früher vielfach kleinlaut hiesz t5, 1115): sie reden unter sich 
mit halblauter stimme; dieser erwiederte halblaut. E. T. A. 
HoFFKAKN 11, toi; er greinte und sagte halblaut für sich. 
ImiERiiAiiN Münchh. 4, 7 ; der herbergsvater und seine frau 
gingen in der stube auf und ab, wie es schien, zuweilen 
baiblaut mit einander streitend. Riehl euUurgesch. novellen 348. 

HALBLAUTER, «i. semivocalis. 

HALBLEBENOIG, adj. und adv. semivivus. Hedebicb 1199. 
ags. healfcvic. 

HALBLEHEN, n. lehenweise Ungabe auf eine gewisse reihe twn 
jähren, gewöhnlich neun. Stieler 1126. Faisca 1,400*. 

HALBLEINEN, adj. was zum theil aus leinenem, zum theit 
aus wollenem garne gefertigt ist; zeuge dieser art trug namenllich 
der bauer , daher: vor hielte in jederroan für einen narren, 
jetzunder bat man ihn für einen halbleinen scbultbeissen 
erkoren. Fbe« garteng. 40, zu einem dorfschuhen; balb leinen 
und halb Schweinen, balb herrisch und halb bäurisch heiszt 
es in Bttiem von landleuten und geringen bürgern, die sich vor- 
nehm tragen wollen. Scan. 2, 472. vgl. balbleinein, balbrmnen.. 

HALBLEINEN, n. l) geuvbe aus leinenem und wollenem (lam 
vorzüglich für die bauernkleidung : dasz . . der mann in heJIi^ui 
balhlein prangt oder höchstens in hellem mitteltuche. J. Gurr- 
UELF bilder u. sagen 4,46. 

21 in neuerer zeit heiszt halbleinen aucA diu aus leineneni und 
baumwultenem garne geferligle gewebe. 

HALBLEINEKN, 'od;, wie halbleinen : balbleineme, mäuse- 
graue und pecbschwai-ze kutten. i. Gottiielf sckuldenb. 314. 
von teufen, die in halbleinen gekleidet sind : schwärmten männer 
umher, halbberrscheligc, auch balbleineme, fast wie bauern, 
nur dasz die kutten wohl stark verwetzt waren, s. 3. 

HALBLEINWANU, f. t) gewebe aus lein und woUe: balb- 
wüllen halhleinwand, tela ex subtegmine intexto stanune lintto. 

SlIELER 2406. 

2) halb leinenes, halb baumwollenes gewebe. 

HALBLEUTE, m. plur., leute die in halbpachl sitzen, vergL 
halbbauer sp. 194, halbmann s und halbpächler: die viehe- 
zucht und Schäfereien werden gleichfalls gemeiniglich denen 
haibleuten um ein gewisses geld verpachtet, oder aber, gleich 
dem feldbau, auf die helfte des nutzens und Schadens aus- 
gethan. ücon. lex. 912. 

HALBLICHT, n. ; dieser Widerschein ist eine art gemäszig- 
ten lichts, ein balblicbt, ein halbschatten. GOtue 52,240; 
balblicbter, halbschatten. 59,230; von dem schönen gesiebt,., 
das von einem giünen balblicbte verschönert war. 2t, 77; 
besonders mag er immer mehr auf licht und schatten acht 
geben, licht und halblicht, schatten und halbschatten von 
einander sondern, damit die gegenstände rund werden und 
auseinander geben, an Knebel 332. 

HALBLINDE, adj. nennt der goldsckmid eine feile, die nicht 
viel mit einem male abnimmt. Jacobsson 2, 193'. 

HALBLING, m. l) halber, unentschiedener mensch: die armen 
Schacher und halblinge. Varmbagen v. Ense tageb. 6, 289. 

2) in der Schweiz ein ungezimmerter klotz, knüppel von jungen 
tannen. Stalder 2, 13. 

Das wort ist üblicher in der umgelautelen form und Schreibung 
helbling, und wird an dieser stelle ausfähilicheT behandelt. 

HALBLINNEN, adj., wie halbleinen: auf gleiche art werden 
auch halbwollene und halblinnene zeuge unter dem namen 
von wollacken im hause verfertigt, aber alles grob und für 
die noth. Moser werke 5 (1798) 1. 105. 

HALBLÖHNER, m. gegensalz des ganzlöhners, ein bauer der 
nur mit zwei pferden oder ochsen dien/. Aoeiunc. 

HALBLÖTHIG, adj. ein halbes loth wiegend oder fassend: eine 
balblöthige bücbsenkugel; ich kaulle mir zwei maas brante- 
wein, färbte ihn mit saffran, ffillete ihn in halblöthige glas- 
lein. Simpl. l, 387 Kurz. 

HALBMANN, m. in «nelireren bedeulungen. 

1) unvollkommener mann in bezug auf das geschlechtliche, 
eastrat, eunucA.- ahd. balpman wmirtr, spado, castralut Graff 
2,744; semtvtr balbman, halfman Diefenb. 526*, Alb. Hh2'; 
geschnitten, auszgebawen, halbma'nn, eunuehus Heniscb 1543; 
ein halbmann, . . ein schmutziger eunuch. Scbiller 586. — 
aucA zwiUer: hermaphroditus, semivir halbmann Stieler 1235. 

2) unvollkommen in bezug auf sittlichen wert, nach balb spalte 
192: mit aufopfei'ung von 22 versen , worin es blosz darum 
zu thun ist, 'etliche athenische balbmänner wegea ihrer feig- 



uiyiiizeu uy 



ö" 



209 



HALUMANM— IIALI))I£SSER 



HALBMETALL— ilALBI'ÄUUTER 



210 



beit und ueiclilicbkcit dem geliebter des pöbeis preis zu 
geben. Wieund im all. viuseum 2, i, 132. vergl. balLmanns- 
gesindel. 

3) balbmann, soviel wie halbbauer, der entweder soviel wie 
die hälfie eines vollen bauerngules besiM: der balfman zum 
Hann. tceulA. 4, 764 ; vorher musz ick ihnen aber sagen, dasz 
er sie nach ihrem wahren verbällnisse in ganze, halbe und 
viertelleute eiogelbcilt . . auch soviel immer möglieb gewesen, 
die pQicbten jeder klasse gicichfürmig gemacht, und zum 
eiempei den balbmann zu der häirie desjenigen verbunden 
habe, was der ganze vüllig zu entrichten schuldig ist. Hüsek 
werke 3 (1798) 220; — oder der das gut eines andern für die 
hälße des naturalerlrags hwirtsclmfttl : da der eigenthümcr eines 
landguteg den acker- oder fcldbau um die hclfte besieo oder 
arbeiten lasset, doch also dasz die felder vor der Übergabe 
erstlich ordentlich besäet und bestellet sein müssen, welche 
dann der annehmer oder sogenannte balbmann . . in eben 
dergleichen zustande wieder abtreten musz. Ocon. lex. 912. 

4) halbmann heiszl aueli der noch gam ungeübte malrose, der 
nur halbe heuer erhält. 

HALBMANNSGESINDEL, n..- er hat nicht Ursache, sich vor 
diesem luftigen halbniannsgesindel zu fOrcblen. B0rceb243'; 

{Aeneas) ein ziveiier lüsterner Paris, 
pracher, und pochend auf nichts als weniges halhmannsgesindel. 

HALBM&SZ1G, adj. ein halbes masi haltend, im mhd. und 
früheren nhd. noch baipmejjic, balbmessig, nach dem neutr. 
mcj mast gebildet, was aber gegen das häufiger gebrauchte ^eich- 
bedeulende ml; schon mhd. zurücktritt, und die spätere änäerung 
in halbmäszig hervorrufl. 

1) im eigentlichen sinne: mhd. so nim denne ein halp- 
ne;jigen bafeo. Haupt 5, 12 ; nbd. nam ein balbmessig käntitn 
und lief in den heller und holet zu trinken. Padli iclampfm'i 
das halbmessig kSntlin. 6t'; endlich erwischt der welscb 
bOszwicht ein halbmässige kandt. gespräch dreier guter freunde 
(1592) C2; henk das in ein halbmäszigen steininen krug. 
TAseRNAENONT. 99 ; ergriffe derowegen einen silbernen balh- 
mässigen tischbecber. Simpl. 3, 329 Kurz; einen halbrnSssigen 
becber voll hippocras. s. 354. 

2) in übertragener bedeutung: es ist nicht zu sagen, was 
ohonnterbrochener fleisz auszricbten kan, auch bei einem 
balbmessigen , geschweige was bei einem sonderlichen und 
herrlichen ingenio. Scbuppics 553. 

HALBMAST, f. die buchmast für sehweine, weil sie nicht so 
gut mästet als die eichelmast. Jacobsson 2,193*. der name geht 
cMch auf die xu dieser mast dienende frucht der fagus silvatica 
über. Nemnich 2, 1560. 

HALBMEIER, m. besilzer eines halben meierguls. Adelung. 

HALBMEISTER, m. name für den henker, der zwar meister 
seines handwerks ist, aber als ein unehrlicher nicht die rechte an* 
derer meisler genieszt: der alll^ welcher einem halbmeister 
ähnlicher sähe, als einem krammesvogel. irrgarten 196. nd. 
im GMngisdten balfmSster. 

HALBMENSCH, m. in mehrfachem sinne. 

1) ein unvoUkommener mensch, namentlich in siltlicher besiehung : 
wie die lasier einen menseben dergestalt verstellcten , dasz 
er, wo nicht gar zum vieb, doch halb-vieh halb -mensch 
wUrde. LouENSTEiN Arm. 1,342; nun ist er zahm geworden, 
wie alle die halbmenschen, wen» sie an die auflösung denken. 
GüTBE 13,318; wiewohl ein balbgolt sich Öfter mit einem 
balbthier als mit einem balbmenscheo schlieszt. 1. Paul 
7ilan 1,34; 

balhmenichen, die sieb In vollem dummen ernst Htr höhere 
wesea Italien als uns. Klopstoci 2, It. 

2) centaur (cenfaurus halfwijf haifvie Diefehi. 112'): 

der halbmensch fülilt bereiu das sclimetternde gewicht 
des ritterlichen Schwerts und seine doanerschlBgo. 

WuuND 17, 72. 

3) oikA vom äffen gebrauM: 

zum alTen sagt er drauf: da haibmensch, deine minen, 
dein ganzes wesen kann zu nichts als kunweil dienen. 
HAOUoari 2, IIS, 

wie andrerseits der mensch auch halbaSe genannt wird (ip. 194). 
HALBMESSER, m.: radius, semidiameter , der balbmesser. 
mathemat. lexieon (1747) 1, 1071. das wart ist, wie durchmesser, 
in die deutsche spradie eingeführt von 1. C. Sturm, der es in 
seinem leutseken ardiimedes (1070) tuersi brauclU und es im vor- 
beriehle dazu unter den von ihm anstatt der griecit. und tat. neu 
gebildeten deutschen kuiistwirtern aufs'jhll. 
IV. n. 



HALBMETALL, n.semimetallum: die glänzenden balbmelalle 
unserer verwundenen mUnzen. Moser werke (1798) 1,165. 

IIALBMITTAG, m. in firoi die seil mitten zwischen morgen 
und mittag, twisclien 9 — 10 uhr vormittags; balbmitlag halten, 
das zweite frühstück essen. Fbohii, 5, 447. tgl. halb tp. 188 und 
halbabendbrod. 

UALBMITTE, f. lautologiseh ßr das einfaclie mitte, miltel- 
punkl, in JVostaw. Kebbein 182. in /laiern halbe milt Scan. 
2, 651. vergl. die liäufung halbe mitternachl für mitternacld 
tp. 188. 

HALBMOND, m. 1) seatiformis luna, erstes oder läztes viertel 
des mondes, im gegensatz zu Vollmond. 

2) übertragen auf dinge von der form eines halbmondes; so 
heiszt balbmond, halber mond ein amzenwerk an festungen 
(EcGERS kriegslex. 1, 1137) ; desgleichen ein u-crkzeug der Schlosser, 
um dem eisen erhabene figuren milzutheilen (Jacobsso.^ 2,191'); 
zum angriffe ordnet sich eine flotte im balbmond; truppen werden 
im balbmond aufgcäelU {vgl. unten halbmondweise); 

im balbmond . . dehnte reich sich eine siadt. Platzn 323 ; 

dann durchgleiten wir, in umschiumier barke, 

des lemaoiscbeo haibmouds (Heiifer seet) griine Oulben. 

HinuissoH scliriften I (1825) <. 185. 

3) Symbol des klams, daher balbmond für Türkei: als die 
orientalischen wirren begannen und fanatische popen die 
recblgläubigen russen zum kriege gegen den balbmond ent- 
flammten, preusz. Jahrb. bd. 22 s. 60. 

HALBMONDFÖRMIG, adj. 

HALBMONDWEISE, adv.: umgäbe uns ein groszer häufen 
wOlfe, welche uns anfänglich von binderwarts halbmonweis 
umbschlossen hielten, gleich als wie die Türken ihre Schlacht- 
ordnungen zu machen pflegen. Simpi. 4, 28 Kurz. 
HALBMUTTER, f für Stiefmutter, noverca. Stieleb 41. 
HALBNACHT, f.: allein wie bobi und leer ward uns in 
dieser tristen atheistischen halbnacbl zu mutbe, in welcher 
die erde mit allen ihren gebilden, der bimmel mit allen 
seinen gestirncn verschwand. Göthe 26,70. 
HALBNACKEND, ad;.; 

da dan halbttackend sie 
mit küssen ti-fist«n beid ihr grosse hitz. 

Wn:iHZ>i.m 765, 

HALBNARR, m.; tboren und gescheidle leute sind gleich 
unscbüdlich, nur die balbnarren und balbweisen, das sind 
die gefahplicbslen.. Götbb 17, 262. viel früher, ist das wort 
in etiroj anderem sinne, als milde schelte für einen thüricIUen 
menschen verwandt: 

was nur der balbnarr an werd fangen. 

H. Sacbs 4, 3, 9* 
P. ei ein rechter halbnarr dn bist; 

wiliu mirs sagen, so sag her. 
/. ja »Ol I was ists dann aber mehr? 
ich sei gleich ein balbnarr odr nil, 
so hat er gnommen sein abscbid. 

Atasa 177* (884,24 Kelter); 
sich, halbnarr, wo kompst du daher? 

IT (3a7, 3 Kelter); 
Miller wie ein balbnarr in die hohe springend. Schilleb2I0. 
auch von einem weibe: ich musz gestehen, dasz der bimmel 
mir balbnarren ein schweres blech an den hals gebangen 
bat. Aldebtine v. GbOn in Mercks briefs. 3, 255. 

HALBNARRHEIT, f.: wobei ihm .. immer seine balb- 
narrheit, ein gewisser von jedermann anerkannter, bedauerter 
ja geliebter Wahnsinn, zu statten kam, GOthe 60, 220. 
HALBNATÜR, f.: 

herbei herbei! herein herein! 
ihr schlotternden lemtiren, 
aus bindern, sehnen und gebeio 
gellickie balboatureo. G&taa 41, 318. 

HALBNEIDISCH, adj. und adv.: dasz ich soviel ich wollte, 
herrliches butlerbrod hatte, da mancher arme teufel hungrig 
halbneidiscb vorüber schlich. Seume mein leben 16. 

HALB NEUE, f. heiszl bei den jägem der am morgen auf- 
tauende sehnee. 

HALBOFFEN, adj. semiapertus: die balbolTene thüre; sei- 
nem halboffnen maule, Gbabbe diehtungen (1827) 2, 122; ein 
balboHber wagen, vo^en mit nur halbem verdeck; 

die erste Jugend scheint auf ihren frischen nangen 
balbolueu rasen gleich nur eben aufgegangen. 

Wiiuna JuHo u. Ganymett 120. 

HALBPACHT, /. pachtung eines gutes gegen abgäbe der hilße 
des naturaUrtrags. 
HALBrAcilTER, m. 

Digitized by VjOOQ IC 



511 



HALBPART — HALBRUND 



HALBRUN Ü — II ALBSCHEIDLER 



212 



RALBPAHT, ni. medielas, media, dimiäia pars. Stielbi UI2. 
gevOlmlicH ak formet nrivendel, um sicli finen gemeimdtaßtichen 
fleiehen anUieil an etwas gefundenem oder Miut erlangtem tu 
ttchern; wer bei einem fundc gegenwärtig isl, ruft dem ßnder 
balbpart zu; zwei gemeinscliaftlietie gewinner macben halbpart, 
xwd sfiekr spielen aar baibpart gegen ihre gegner. nieder- 
dralMA balvpart bollen gewinn und vertust hallen. DXbkedt 17t'; 
Kr. «eiae uhr soll er so neblig mOssea da lassen — ha sieh, 
da kommt er gleich, huriig geh fort! ich will mein meister- 
•tficli machen. St. aber balbpart! halbpart! Lessirg 1,305; 
ich mach halbpart mit euch (I am your accessary). Shakesp. 
». ScBL&CEL ende gut i,t; 

seht nur, wie der den broalen prellt I 
balbpart, schaue, so will ich schweigen. 

ScuiuH WttttenUeuu taget i. M. 

das «Dort wird auch freier und adeerbial gebraucht: halbpart 
schenk ich euch den profit. BDRce« 303'. 

HALBPFAFFE, in. name der fflante bryonia alba: wilden 
zitwen oder brionien oder balbpfaff oder allpfaCT. M. Sebiz 
feldbau (1580) 5. 57. 

HALBPFEILER, in..' die niedrigen pfeiler, welche bei einem 
attischen werke beflndlich sind, wo sie ein gesimse tragen, 
werden auch halbpfeiler genenoet. motA. lexJeon l (1747), 1006. 

HALBPFEBD, n. 1) der mongoUsehe Dschikkaati equus hemi- 
onus. Nemsicb 2,1515. 

1) name des spilttn ampfers, rumex acutus: halbpferd, halbe 
gllule. Nemnicr 4, UB3. 

HALBPHILOSOPH, m.: Oickwerk tod stQmpem und halb- 
pbilosophen. LESsmc li,410. 

HALBRASEND, pari.; 

t»r suchen Ich began 

•Is «in halbrasender man, 

ob ich das ros mocht vinden. fattn. <p. 1395. 

HALBREOE, f. ein in rechten mcht völliger beweis, semiplena 
probatio. PniscB 1, 400*. «gl. halb, halbe beweisung sp. 189. 

HALBKEIF, adj. setmmaturus, mnichst ton fruchten: hatb- 
reifes obst; die kirschen waren erst halbreif; dann audi ton 
menschen, in leiblicher wie geistiger ricksicht: ein halbreifer hübe; 
halbreife gedanken. 

HALBREIFE, f.: eine widerhaarige, unlenksame selbstge- 
nOgsamkeit zeigt uns deutlich den unvollkommenen zustand 
der halbreife, wo der holde leichlsinn der Jugend verloren 
gegangen und die festigkeit der erfahrung noch nicht gekom- 
men ist. Junius briefe deutsch von Böge s. 67 (3. aufl.). 

HALBRING, m. temictreuliu.* die halbringe an den hinter- 
leibern der inseclen; halbringe aer bMarbeüer , um die ot/o- 
tungsrohre an den häusem su befestigen. Jacobsson 6, 14. im 
halbringe um einen mittelpunct gruppiert, auch lUe uns ächt- 
bore hat/te des himmels, der im kreise die erdkugel umgibt, heistt 
baibring: emisperium halbrink ata weit als einer den himmel 
«iet . . der halb himel den wir sehen. Dietenb. 20o\ i. bim- 
melscirkel. 

HALBBITTER, m. nicM wlttomniener ritter, mann von schlich- 
ter abkunft, der rilterdiensle ihul und nach ritterarl lebt: 

bescheidet uns noch eins, des wir bitea, 

von dem die halpritier sint, 

und doch ungern gebenl ir Unt 

uns gebären, wie doch ir adel 

mir getipp« sl dem stsdal 

denne et dem rinersslel sl. 

si siat nlbt eigen und nibi frl. Reniier 1504. 

HALBROR, ad), semicrudus; entweder im eigentlichen nnoe: 
halbrohes fleisch, halbrobe speisen; oder übertragen auf die 
gesittung und bildung der menschen: ein halbrobes volk. UOtbe 
46, sn. 

HALBRUINE, f. nicht villigi: die balbniine des septizo- 
niums Severi gab noch den ungeßihren begriff von diesem 
verschwundenen gebäude. GOthe 29,150; das alte verfallene 
scblosz (:u Heidelberg) in seinen groszen und ernsten halb- 
ruinen. 43,61. 

HALBRUND, adj. semsrotundus, nach aoei bexidtungen hin, 

I) von «ner ßdelie gesagt, die nicht vüWg rund isl : ein halb* 
runder tisch; halbrunder scbild prl/a SriELEil646; halbrunde 
bauanlagen; wir nahern uns dem schlösse und werden durch 
die arme eines halbrunden vorhofs empfangen. GAtheZS, ll5; 
die zerbrochenen Scheiben des halbrnnden dachfensters. über 
iand V. nuer 1869, «.730'; halbrunder meisel .. dessen ende 
rundlich ist. Jacobsson 6, 14*. 



2) von erhabenen kürpem: bemisperius dat half ront it 
DiEfENB. 200'; semiteres halbrund, auf der einen seile platt, 
und auf der andern walzenförmig rund. Nemnich 4, 1277; oben 
offen ist das halbrunde gemSuer, das sie sSmmtlich um- 
schliesil. GOtbe 27, 207; das innere buch .. hingt in zwei 
horndecken, welche halbrund Ober dem rücken schlieszeo. 
ar6(t<er/retiRil 1867, s. 164. 

HALBRUND, n. kürper oder fliehe von nicht völliger runtfutig. 

HALBSACRAMENTER, m. beieichnung eines, der das sacra- 
ment des abendmahls nur zur hälfle gereicht haben will, mit aus- 
scUust des kekhes: das mich wundert, wie die schismatici, 
parteiischen römischen Christen und balbsacramenter nicht 
rot oder bleich dafür werden. Ldtheb 1, 418'. 

HALBSATT, adj.: sich nur halbsatt essen; ich war daher 
nur balbsatt geworden. Immesbank Mänchh. 2, h7. 

HALBSCH.ATTEN , m., ^rani. demi-teinte, die Schattierung 
twischen Uclit und ichatten, oder der Übergang der eigentlichen 
lichter in die schalten: dieser wiederschein ist eine art'ge- 
mtsziglen lichls, ein halblicht, ein halbschatlen, der ausser 
seiner gedämpften natur die specifische färbe der fluche mit 
abspiegelt GOthe 52, 240; es sind aber keineswegs lichter, 
sondern halblichter, halbschatlen. 59, 230 ; denn die farbigen 
streifen sind und bleiben halbschatten, durch streitende, sich 
kreuzende halblichler jiervorgebracht. 60,11t; besonders mag 
er immer mehr auf licht und schalten acht geben, licht und 
balblicbt, schatten und halbschatlen von einander sondern, 
damit die gegenstSnde rund werden und auseinandergeben. 
an Knebel 332. auch bildlich: dem menschen kömmt seine 
qual und seine freude zu grosz vor . . weil die miUeltinte 
und der halbschatlen so breit ist, der sich zwischen beide 
trennend legt. 1. Paul biogr. belust. 1, 119; (da) die ganze dar- 
stellung (({er schottischen und irisclien urzei't) in einen poetischen 
halbschatlen gehüllt ist, der keinen sichern blick zultszt. 
ScHLOSSEa wellg. 5, 229. 

HALBSCHEID, HALBSCHIED, f das liolb getheitte; diehilfie. 
iltere form ist halbscbeid, alid. halpgisceit dinudium (GRArr 
6, 43S), niederrhein. belschid Harff 13, 3. 44, 28. die form 
balbschied konnte gkichwol schon früh eintreten, schon tu der 
seit, als im spätem mhd. neben der alten reduplizierten form 
scheiden, schict, gescheiden die ablautende schtde, scheit, ge- 
schiden stcA geltend machte; doch gelirechen belege für die älte- 
ren teilen, das wort scheint weniger ein streng oberdeutsches, als 
ein mittel- und niederdeutsches su sein, da es oberdeutsche Idio- 
tiken nicht verteichnen, schriftsteiler oberdeutscher heimat, so viel 
SU ersehen, nicht verwenden; dagegen gellen im nassauisclien die 
formen halbscbeid und halbschitt (Keurei.m 1S2), in Hessen halb- 
scheid und balbschied (Vilnab 146), im waldedtsrhen balfscbid 
(CoBTZE469), viederd. halfscheid (Sciiabbacr 72*. Danneil 73*). 
es beseichnet die hdlfte in strengerem mathematischen und in mil- 
derem sinne: halbscheid dimMia pars adjudicala Stieler 1749 
(adjudicttta jedenfalls seiner etymologischen ansieht su liebe, da er 
an bescheiden .ad/udicare denkt, wie das auch Frisch 1,400* 
thut); der auf dem punkt war, seinen garten zu verkaufen, 
und nun wobi kaum die halbscheid dafür h(^ümmt E. C. 
KöKiG an Lesit'nj 13, 308 ; die von euch angebetete Zoe stammt 
. . von der sippscbaft der feien ab und nur zur halbscbeid 
aus sterblicbem geblut. MusXus tulktm. 392; dasz kinder .. 
atatnr . . ton ihren ellern auf die halbscbeid ererben sollleo 
(wie man sagt : das hat das kind vom vater, das hat es von 
der mntter). Kant 10,76; der moderatisinns, welcher auf die 
halbscheid {zwischen dogmalismut und skepticismus) ausgebt. 
3,400; d'Agnasseau macht einmal die bemerkung, wer sein 
leben schreiben wolle, solle dies nie vor dem vierzigsten 
jähre Ihun . . und nie nach dem fünfzigsten . . in dem einen 
falle würden die färben zu slark, in dem andern zu bleich 
aufgetragen; gleich der natur neige sich der ideenkreis des 
menschen in der ersten halbscheid des tages dem morgen, 
in der zweiten dem abend zu. UdUer für liier, unterhallg. 1866 
s. 760 ; Protestanten welche etwa die balbschied der einwoh- 
ner ausmachen.' ROLiiie beschr. v. Nordheim W; mit der balb- 
schied desjenigen, was sie der gemeinen anstalt kostet. Höser 
werke 1 (1798) S. 179; 

des weges andre halbsehled. Gtimex 3, 54. 

HALBSCHEIDLER, m.; hofschranzen, lumpenhfiszler, halb- 
scheidler, glQcksteiber. Fiscrast qrostm. 72. wahrscheinlich sind 
leule gemeint, die sieh mit anderen su leichtem und unredUthem 
gewinn auf die halbscheid verbinden {vgl balbpart), ^ücksritter, 
diebereigenossen. ^^ - 

Digitized by VjOOQ IC 



213 



UäLBSCHELM — HALBSEITIG 



BALBSEITIGKEIT— HALBTHÄTIGKEIT 214 



HALBSCHELM, m..' ich will einen «olchen grauen, red> 
lieben, ausdauerndeD , der zeit dienenden halbscbelm {den 
Poloniut) aufs allerhöfliclisle vorslellen und vortragen. GOthb 
19, 177. — balbscbelmeo-streiclie. 25, 114. 

HALB.SCHIEKiG, adj. s. halbscbürig. 

HALBSCHI.ÄCHTIG, adj. in ztret bedeiUnngen. 

1) tiner Unterart tufaUend oder eine unterart Uldend {ver^, 
scblacbt ^ ort und balbart) : daa naturell , da« in der ver- 
niischung mit fremden balbscblüchlig aaartet. Kant 10, 17; 
von solchen , unausbleiblich und zwar gelbst in der Ver- 
mischung mit andern klassen , dennoch halbschlüchtig aa- 
artendeo eigeascballen, s. &t; bei andern tbieren artet fast 
alles, was man an ihnen Varietät nennen möchte, halbschlüch- 
lig an. t. 77. 

1) keiner besiimmlen art tufaUend {$. halb tp. 1»2), duker 
namenttick von menscken und mensciüicken terricIUungen, untnt- 
$ekieden,ukwankend' ein halbscbUchliger mensch ; balbscbltch- 
tige maszregeln ergreifen. 

HALBSCHLAG, m. 1) füralym lemme oder der balbschlag 
Dasip., im gegensali tu apoplexia ganzschlag das.; bei Maalei 
halberschlag hemipkxia 207'. 

1) balbschlag, unterart, liaUiart (i. oirn balbscblächtig 1): 
ein halbschlag {der indischen race) ist auf der andern halb- 
insel Indiens und einigen nahen inseln. Kant 10, iü. 

HALBSCHLUMHER, m. leiser, nicU tiefer telUummer («. halb 
sp. 189) : der warme druck kräftiger freuodcsbände weckte ihn 
wieder auf aus seinem balbschlammer. FaLOEH tonderl. 2, |70. 

HALBSCHNEPFE, f.teatopax galUnula, auch miltelschnepfe. 
Nehnicb 4, 1253. 

HALBSCHUH, m.panloffel: die zierlichen halbschuhe. Göthe 
1«, 109. 

HALBSCHVHIG, HALBSCHOHIG, adj. da» maa eines kalben 
$chuke$ kältend: temipedalis lialbscbQchig Kkischlin ntmencl.aM', 

HALBSCHÜRIG, adj. l) in eigentlicläm verstände von der moUe 
der schafe gesagt, die jäkrlich SKeimal, im fräkjalire und kerbsl, 
abgeschoren wird, und die in folge dessen gegen die einschiirige 
wolle, die man tu pfingsten abnimmt, in kinsicht der lange und 
feinkeü mehrere mängel liat. Jacobssox 2, 194'. 4, (i70'. 

2) in übertragenem sinne nicht vollkommen, nickt durcligearbei- 
tet, mangelltaß, schwäclilich: eine musik die den heiligen und 
profanen churacter vermischt, ist gulllos, und eine halbschil- 
rige, welche schwache, jammervolle, erbürmlicbe eropliiidungen 
auszudrucken belieben Rndet, ist abgeschmackt. Götre 22, 
228 ; da unser slaat und halbschürige republik gewiss einer 
der allerkleioslen stauten ist. Tieci nov.-kram 4, 314. die 
nebenform halbscbierig stt-ltt sicli rücksicklUch ikies tweiteit theils 
wol unmittelbar zum verbunt scheren , wäkrend der tweite theil 
von halbschiirig auf dem ztiit<. schür, w/<d. scuor, fusit: wenn 
ein halbschieriger einfall, eine Unbesonnenheit, ein wurlspiel, 
langsam und stotternd vorgebracht wird. Lessinc 7, 43. diese 
form ist miUeideutsch, in D&ringen sehr gewCAnlich, wo man hört 
ein halbschieriger bengel, eine halhschierige {niciu völlig er- 
wachsene} diroe. 

HALBSCHWERT, n. kurtes, messerartiges Schwert (i. halb 
tp. 189 mille) : Mtnispola halpswert, sahs. Diefenb. 526*. 

HALBSCHWESTER, f. Schwester von gläckem vaUr aber ttn- 
gleicher multer, oder umgekekri. vgl. halb sp. 188. 

HALBSEHEND, pari.: einer irrigen, balbsehenden, verfuhr- 
baren menge. Dya Na Sore 4, 330. 

HALBSEIDE , f. Stoff aus stide und wölk oder gam tusammen- 
gewebt. 

HALBSEIDEN, adj.: semisericum halb sidin DiErENB.i2&'; 
oiviericiim gar sidin, bombianum halb sidin voc. «. 13, 82; 
halbseiden wand, tela subseriea SriEiBa 2406 ; halbseidene zeuge, 
deren aufzug oder die kette entweder ganz von seide oder 
auch von seide und Schafwolle gemischt . . der einschlag 
aber von wolle, haumwolle oder auch leinengarn isL Jacobsson 
2,l»4'; 

bBndeUbAbcben, die stels am sonalag drOben sich leigen, 
und um die, halbseiden. Im sommer das Uppchen herumhSngt. 

GOtbe 40, V>t. 

HALBSEITIG, adj. nur der einen von beiden seilen angehürig; 

1) im eigentlichen sinnt «amentHeh meditinischer ausdruck: ich 
musz gleich anfangs berichten, dasz ich den ersten mai aus 
dem bette stieg, und daraus einen köpf voll halbseitigen 
kopfweh . . mitbrachte. J. Paul palingen. 2, &8 ; durch oedem 
der entsprechenden gehirnhemisphlre bedingte halbseitige 
llhmung. NiEMBtEi kandb. der patkologie {i. auß.) 2, 17&, 



3) therlrarien, nidtl alle Seiten umfatsena, «nvotttommm : alles 
bestreben der nalionaloeconomie , wenn sie nicht die lehre 
des Mallbus von der volksverniebrung in sich aufnimmt, ist 
durchaus einseitig, halbseitig und eitel. Minerva 1847 s. 482. 

HALBSEITIGKEIT, f. nach dem tori^n 2: der ganze ver- 
such kränkelt Qberbaupt an halb- und viertelseitigkeit. J. Paul 
Vorschule d. ästh. 2, 21«. 

HALBSILBER, n. platina: den naroen des halbsilbers füh- 
ret es {das plalinameiall) deswegen, weil es die färbe des Sil- 
bers bat. Jacobsson S, 2C|'. 

HALBSOLO, m. halbe lühnung eines sotdaten: ofBziere auf 
balbsold gesetzt. 

HALBSOLDAT, m. (vergL sp. 189 unten): 
es war ein niüsiger halbsolilat, 
wies (Ion viel roasslgganger hat, 
ein trnmmler oder pteirer. MosÄus UnderU. 1&, 

HALBSPANNER, m. semigeomeira , eine ratete der an theil 
der bauchfOsu fehlet und die deswegen einen buckligen gaitg hat. 

NkmNICR 4, 1276. 

RALBSPÄNNER, m. besitter eines halben anspanngutes. 

HALBSPARHEN, m., kleinerer daeksparren ttnscken dem dack- 
balken und gratsparren. 

HALBSPIEL, n. ein ausdruck der karlenspieler , der eine tu 
einem spiel gegebene bestimmte anialil kartenbktter von nur mittel- 
missiger qiüiHtit beseiclmet , geyensait ist taaupispiel. Stieler 
kennt diesen nock jetit in Düringen gewiihnliehen ausdruck: balb- 
tii>e miltelspiel, hundspiel eAarla medioais 2087. 

HALBSPIESZ, m. kleiner oder kurter spiest, bei FaiscH halbe 
pike hasta brevioris modi (l, S99'l : indem Schlüssen die mSler 
und tocbter die turen vor im (einem tandsknetktei zS, boten 
im sein halbspiesziin zu einem schlitzfenster binausz. Wici- 
RAN rollw. 67. 10 Kurt. 

HALBSTAOT. f.: die mir ungeheuer scheinenden gebtnde, 
die . . groszen bürgen , ja halbstadten ähnlich sind. GOtbe 
26, 48. 

HALBSTAMMIG, adj. einen stamm von mittlerem umfang 
habend, so werden biume genannt, die igeder tu den hohen nocA 
zu den niedren gereclmet werden. Nemnicr. 

HALBSTARR, adj.: nicbts ward versäumt, den schonen 
halbslarren nackten kOrper wieder ins leben zu rufen. GCtue 
17, 332. 

HALBSTIEFEL, m. Stiefel mü niedrigen sckißen: will uns 
Homer zeigen, wie Agamemnon bekleidet gewesen, so musz 
sich der kOnig vor unsern äugen seine völlige kleidung stOck 
vor stück umtbun ; das weiche Unterkleid, den groszen man- 
tel, die schönen balbstiefeln, den degen. Lessikg 6, 406. — 
halbstiefelichl semicrura/iiut peronibus indutus Stieler 2112. 

HALBSTRAFE, f : Marco erhalt, als gnädige halbstrafe, den 
aufirag. GäTnE 38, 263. 

HALBSTÜBCHEN, r. ein tnotz, die hilfle eines stdbehens {s.d.): 
balbslUbicben oder vierlelkanden. Matiies. Sor. loo', 

HALBSTÜCK, n. porlio dimidiata. Stieler 2222. 

HALBSTÜNDCHEN, b.; 

W, wie weit ists auf das Vorwerk? A. eil ein lileines 
halbstOndchen. H. v. Elsist terbr. kriig, i, auftr. 

HALBSTÜNDIG, adj. dimidiam horam durans. Frisch 1, 400'. 
HALBSTÜNDLICH, ddy.jfde halbe stunde slaU habend; der artt 
verordnet meditin, in halbständlicben dosen zu nehmen. 
HALBTALENT, n. ; 

weilschwelflgen halblalenlen sind 
pricisa formen aberwlli. Platin 300. 

HALBTAUHELND, pari.: 

lief 
halbtanmelnd hin lum sptegel. Gottii 1, 89. 

HALBTADSEND, n. fir halbes tausend, gebildH wie halb- 
hundert ip. 104: ein halblausend hinter einander folgender 
läge. H. V. Kleist d. i. od. 1803 {bei Wilbrandt B. v. Kleist s. 303). 

HALBTEDFEL, m.: er fiberlegl oft, oh er zu einem nie- 
senden sicher sagen dOrfe: gott belf! weil man fragen könnte: 
aber wemt dem teufel, oder den balbleufeln, oder den balb- 
gOltem, oder welcher parte! T J. Padl spkinse 136. 

HALBTHÄTIG, adj.: dasz er eigentlich hier seine bestim- 
mung nicht erfülle und Im gründe blos In einem halbthä- 
ligen mOsiiggang binscblendere. GOths 17, 13S. 

HALBTHATIGKEIT, f.: dasz sie persönlich etwas besseres 
thun können, als sich einer solchen didaskalie zu unterziehen, 
bin ich selbst Oberaengt, es käme darauf an, ob Ich bei 
meiner jetzigen hulbtbäiigkeit dazu nicht am besten taugte. 
GCtue an Schiller 789. 



Digitized by 



(Google 



215 



HALBTHEIL— Halbtoll 



HALBTON— HALBVERDELTSCHUNG 216 



HALBTHEIL, m. und n. dimiJia pars, hilfle. dns gesdiUdit 
schwankt, teit das von tbeil, seä aller seil. mhd. kalpleil {wb. 
3,ii), fries. \\a\fAi\, lialdil (Richtiiofek 792'), in der Sehmeit 
hullel (Stmder 3, IS), das ahd. veneendet beide theile des ictries 
«och uncomponiert : den halben teil, plur. diu balbiu teil (Gdaff 
6. 402). ipte auch mhd. und nhd. der halbe teil neben halbleil 
läuß {s. sp. I8S): 

mhd. mir Ist mtn (rre rede enmitten iwei gealagen; 
da; eiae hallia teil üt mir verboten gar. 

WiLTHIK «I, 34. 

das u'orf ist im hochdeutschen in älterer yeltung als bSlfte (s. d.) 
und wird neben seiner Substantiven geltung aucli adverbial gebraucht. 

1) substantivisch in genauem oder minder genauem sinne: ge- 
nan im ab schier das balbleil seines lands. Frank chron. 
(IS38) 210; »an ir das ballilbeii tbSt .. so beger ich nit 

'mere. Aimon bog. t; mer dann das halbibeil . . erschlagen 
wurden, bog. g; er wolt lieber das balbtheil seines reicbs 
verloren haben, bog. h; ich gib euch das balbtheil (des 
goldes). das.; 

soliehes nam er an on alle schäm, 
damit er vil gfits überkam ; 
er bat auch die in groszen eren, 
die im sein boshett hülfen meren, 
und den andern auch verhengen lel, 
doch dasz er deu halliteil darvon het. 

LlLiiRCRon totktt. i, 139, 46; 
lerschneit das kindlein das noch lebt, 
und jedem weib ain balbtail gebt. 

ScawtRTHDBKac 108'; 
daa oll kaum war den balbtheil werdt. 

H. StCBS 3,3,27; 
henlieb, du balbtheil meiner seel. 3, 2, 48. 

2) adverbial, wie halb, bald im sinne tion 1, c «p. 191: weil es 
uns .. nur balbteil sawr vtird. Luther 5,443*; to/d wie halb 
2,i (p. 190: 

prut teufel, wie Ibuts da «linknl 

der (lodle) bischer ist schon balbtheil faul. 

AtaER fastn. ap. 5* (23&7, 23 £eUer) ; 

bald endlieh, nach halb l,Ii sp. 187, in der bedeulung mitten: mach 
von bolz ein spitzig ding wie ein pfriemen und stich das- 
selbig in die kugel halbtkeil. FR0NSi>EiiG kriegsb. 2, 204'. 
HALBTHIER, »i. zur hälße tkier. 

1) in körperlichem sinne, vom centaur {vgl. halbineDscb): 

edel-ernst, ein balbthier liegend. GOtbi 3, 131. 

2) übertragen und auf den rohen menschen geurendet, weil das 
thier als bild der roheit und niedriglieü dient : rohe, imgebildcte 
halblhiere durch cultur zu menschen veredeln. Wielano 8, Sil; 
wiewol ein halbgoll sich öfter mit einem halblbier als mit 
einem balbmenscbeo schlieszet. J. Paul Titan l, 34. 

HALBTHUM, m.: 

irrthQmer sollten uns plagen? 

ist nicht an unser heil gedacht? 

halhihilmer solltet ihr sagen, 

wo halb und halb kein gantes macht. Götbb 3, 286. 

HALBTOD, m.; bei weiten der gröszle tücil derer, die 
dieses unglQck (»i erblinden) erleiden, die diesen halblnd, 
mochte ich sagen, sterben, sterben ihn frcilicli unverschuldet 
durch Zufälle. LicnTENOERC &, 341 (1S03 s, ig). 

HALBTODT, adj. semimortuus, seminex, ahd. lialptAt (Graff 
6, 432), mhd. halpidt {wb. 3, 63), nhd. in der altern zeU häu- 
figer, in der Jüngern seltener als zwei werte gegeben {vgl. halb 
<p. 190): halb tud semivivens voc. ine. theut. h8'; semianimis 
halb tod Dasvi>. ; sprang zn dem halb doten mann. Witw. v. 
Schaumb. 44; Vater und Juliane sind wie halb tod. Lessing 
1, 268; voneften das compositum halbtodt auch in der form 
halbetodt mit bewahrtem themavocal {wie in goth. .güda-kunds, 
ahd. mibhila-müd) erscheint: man ihn halbetodt ausz den 
schranken tragen niuszt. Galmy. 148. — B^ge für halbtodt: 
semimorlutu halbtodt Diefenb. 52&*; sie haben ihn halbtodt 
unter den erschlagenen gefunden, semineeem eum in aeeno 
caesorum eorporum invenerunt. Stieler 2292; das zeler- und 
mordiogeheul so vieler tausend elender, zerquetschter, halb- 
todter opier dieses tages. arme mann imfoc^ni. ISI; sie bat 
mich beute halbtodt gequält. Arnim 2,214; 

sie raOl sich auf und stiint halbtodt 
in ihrer freundin limmer. Gonaa I, 94. 

HALBTOLL, adj. : {Unz) treibt . . es bis zu den lächer- 
lichsten drmonstrationen des Selbstmords, da man ihn denn 
für halbtoll erklären und nach der Stadt schaffen kano. Götbb 
«0, 221. 



HALBTON, m. in mehrfachem sinne. 

1) in der musik der zwischen zwei ganzen tönen in der nütle 
liegende ton: da eine chromatische octavc 12 lialbtöne hat. 
Jacobssom 4, 412'; man kann> eine oclavc nicht von einem 
balblone zum andern stimmen, das. 

2) daher in freierer Verwendung, unentscliiedener , unharmoni- 
scher ton, dissonanz: ist ein fremder, unheimlicher halbton 
einmal zwischen alte harmonien zweier wesen wiederkehrend 
durchgedrungen, so schwillt er immer feindlicher an und 
übertäubt den grundton. J. PAtii Titan 3, 28 ; nichts wirkt 
stärker als der Instige, der einmal in die halbtöne des kum- 
mers fäUt. «ins. löge 2, 105 ; der einzige kleine halbton in die- 
ser vollen harmonie einer gerüsteten tugend. 3, 26. 

3) auch die maierei redet von balbtüncn, mittelfarben bei den 
übir^ingen vom Ucld zum schatten. 

HALBTOPP, m. die mitte des obem theiles am mäste eines 
Schiffes; eine flagge auf balbtopp oder auch halbtopp bissen, 
sie bei trauerfällen tlteilweise niederlassen : die Novara bat einen 
trauerflor aufgezogen und die flagge halbtopp gehiszt, ebenso 
alle anderen schiffe im bafen. Wiener presse. 

HALBTRAUER, f. 1) unentschiedene trauer, trauerähnliche 
Stimmung des gemiOlis: indem sie (die rede) unsern geist er- 
hob, unser gemüth in eine halbtrauer versetzte. Göthe an 
Jacok 249. 

2) von der kleidung, die gegen das ende der trauerzeil getragen 
wird und die nicht mehr tief schwarz ist: frauen, kinder in 
halbtrauer gekleidet, auch freier, von dunkler kUidung über- 
haupt: Wcbmeier, . . mit Unterleib und schenkein in der 
schwarzsammtnen halbtrauer der kandidaten pulsierend. J. Paul 
Titan 1,104. 

HALBTRAUM, m.: Pbiline weckte ihn {den die llignon be- 
Iraehlenden IVilAelm) aus seinem halbtraume. GOtbe 18, 154. 

HALBTREID, n. mischung von körn und «eizen zur aussaat 
{s. halbfrucht, halbgetreide) : halbtraid, halbgetraid, gemang- 
korn. ücon. lex. 914. 

HALBTHUNKEN, part. semigravis. Stieler 2332. 

HALBTUCH, n. l) wollenes tuchzeug von leichterem und fei- 
nerem gewdie. Jacorsson 2, 195*. schon im mitletalter gefertigt 
und wenigsteits tm a.jahrh. nachzuweisen: ein halbtSch, Mo.ts 
zeitsckr. f. gesch. des Oberrheins 9, 146 (non 1476). 

2) bei den jägem Stelltücher, die niedriger nnd als die hohen 
lücher {vgl. halb sp. 189). Behlen jagdcatechismus 253. 

HALBTUGEND, f: schielende, schwankende halbtugenden. 
Klincer 11,11; halbtugenden semitirtutes Stieler 272. 

HALBUNSINN, m. ; unterwegs sang ich mir seltsame hym- 
nen und dilbyramben, wovon nnch eine, unter dem tilel 
Wanderers sturmlied. Übrig ist. ich sang diesen halbunsinn 
leidenschaftlich vor mich hin. Güthe 20, tt9. 

HALBUNSINNIG, adj.: er murrete wider das gestirne, ja 
endlich gar wider gott selbsten ; und in solchen halbiinsin- 
nigcn gemUbtsbewegungcn kam er zu seinen brfldern. Zesek 
i4ssrnat (1672) j. 77. 

HALBVATER, m. Stiefvater (s. halb sp. 188): hier sieht er 
traurige Megara, mit zerstreuten haaren näher kommen, wel- 
cher der alle Amphitryo, der halbvater des Herkules, lang- 
sam nachfolgt. Lessing 4, 228. 

HALBVEKBRANNT, part. semiustus. Stieler 229: 

ein dorrendes geripp, ein halbverbrandtes aas. 

A. GurrHiiis (1663) «. 292; 

noch erinnr ich mich beute des halbverbrannlen gebtlkes. 

G«TH> 40, 251. 

HALBVERBRECHEN, n.: nun lugen die directen und in- 
dirccten folgen solcher narrheitcn als verbrechen und halb- 
vcrbrechvn gegen die majeslUt vor mir. Güthe 30, 267. 

HALBVEIlBltENNUNG, f: wir treffen es (das schwarze) im 
vegetabilischen reiche bei balbverbrennungen an, und die 
kohle . . zeigt uns die schwarze farhe. Güthe 52, 21t. 

HALBVERDECK , n. auf schiffen der unter dem vordercoftell 
befindliche räum. Adelung, an einem wagen das nur über den 
rücktitz reichende verdeck, vgl. haihwagcn. 

HALBVERDEUTSCHUNG, f: der deutsche . . begab sich 
bei den Franzosen in die schule, um lehensartig zu werden, 
und bei den Römern, um sich würdig auszudrücken, diesz 
sollte aber auch in der mutlersprache geschehen; da denn 
die unmittelbare anwendung jener idiome und deren halb- 
verdeutscbung sowohl den well- als gescbäflsstil lächerlich 
machte. Götüb 25, T2. ^->. j 

Digitized by VjOOQIC 



217 HALBVEnbORBEN— BALBVOGEL 

HALBVEDDORREN , pari., in ägenükhm und moralischem 
tinne: balbverdurbene speisen, balbverdorhener wein; einer 
groszen nnd lialhverdnrbenen volksmasse. GOthe 18, 197. 

lIALBVEIltlNIGüNG, f.: das ineinandergreifen der glat- 
testen glasplallen, welches so stark ist, dasz sie fest in- 
einander hangen, bringt eine halbTereinigung hervor, die jeder 
von beiden flachen etwas an glatte und durchsicbtigkeil ent- 
zieht. GfiTHK 52, 195. 

HALBVERFALLEN, pari.: hnlhverfallene bargen; halbver- 
fallene gdnge {eines sclilosses). \V. Hadtf phatilas. im Bremer 
ratskeUer. 

HALBVERHALTEN , pari.: Rubens gab dem gesiebt des 
Philosophen hillern aiisdrnck des balbverhaltnen spottes. 
Stoi.berc 6, 9. 

IIALBVEKHÄLTNIS, ni..- in so viel neue familienverhäft- 
nisse war ich ohne wirklichen aniheil, ohne mitwirkung ein- 
goklemml. es dauerte nicht lange, so wurde mir dieser zu- 
stand ganz unerträglich, aller lebensverdrus, der aus solchen 
halbverballnisscn hervorzugehen pflegt, schien doppelt und 
dreifach auf mir zu lasten. GrirnE 26, 225 ; am ende hat ihn 
[Voss) doch Reinhardt abgehallen; denn dasz diesem bei 
seinem halbverhallnis zu uns nicht wohl sein kann, ist nur 
zu deutlich, an SchiUer 170. 

HALBVERKLUNGEN, par(. .- balbverklungene tOne; eine alte 
halhverklnngene sage. Ihmerm/inn Münehh. 3, SS. 

HALBVEHLOREN, pari: 



HALBVOCEL— tfALBWEG 



218 



um Sicherheit des daseins run zuerst 
aus tiefer noih, ein nalbverlorner noch. 

HALBVERLOSCHEND, pari.: 



GöniR 9, 342. 



halbverliscbend, noch wild, drehte sich sein aug. 

F. L. Stolbeso I, 89. 

HALBVERMODERT, part. : erblickele das gelbscbwarze runz- 
lichle angesicht der allen halbvermoderten kupplerin. Happel 
acaä. rom. 253 ; hier faulen stamme zu lausenden über einan- 
der, und junge sprOszlinge keimen in unzabl auf balbver- 
moderlen voKabren. GämE 25, 330. 

HALBVERMÖGEN, n. .* nur das baihvermögen wünschte 
gern seine beschrankte besonderheit an die stelle des un- 
bedingten ganzen zu setzen. GOthe 22, 160. 

HALBVERS€HOLLEN,par(. .- halbverschollene begeben heilen. 

GÜTHE 4(1, 90. 

H.\LBVERSTECKT, pari.: ein halbverstecktes IScheln. 
H. Hehie verke 1, 119. 

HALBVERSTOHLEN, pari.; halbverstohlen hintern bäumen 
nach einem umblicken. Claudius 1, 73. 

HALBVEHWELKT, port.; 

unter halbverwelkten malen 

schlan der liebe ft'eund so still. Gtrai S, 56. 

HALBVERZEHRT, port.; 

dast mir dein absein nicht die halbveraehrte seele, 
die so nach dir verlangt, bist aur das sterben quile. 

Flehikc 30. 

HALBVETTER, m. verwandter am einer geniischlen oder un- 
ebcnbürlifien ehe {vgl. halb l,c am sMiisse sp. 188): es könnten 
die patricier kilnflig sich einigen , jenes genehmigungsrecht 
gegen die halbveltern in der thal auszuüben. Niebuhs 2, 382. 

HALBVIEH, n. l) von einem mensclien, der lu Ihierischer roh- 
htit neigt: und ein halbgoll und ein halbvicb. J. Paul flegel- 
jahre 1, 20. 

2) vieh, dessen nulzung zteei je iiir kälße ziehen, indem der 
eigenlhümer dasselbe dem andern auf dessen weide oder in ab- 
wartung übergibt, ein verfahren kleiner leule mit wenig eignem 
griindbesiis , das bei Mone zeilschr. f. d. gesell, des Oberrheins 
:i, 402. 407 bernis aus dem iA.jahrh. belegt wird, und was auch 
ScirtiELLER 1,626 aus Franken erwähnt. 

HALBVOCAL, m. so hat die neuere grammalik das lat. semi- 
vocalis wiedergegeben, doch in anderm sinne, indem ihr j und v, 
die unter umständen in die vocale i und u fibergehen, halhvocalc 
sind: ein bedeutender unterschied zeigt sich sogleich zwischen 
diesem halbvocale (t>) und dem andern, nümlich dem j. Gnimi 
granim. 1 (18221 s. 58. 

HALBVOCALISCH, adj.: j und v haben haihvocalische 
naiur. 

HALBVOGEL, m. 1) «onie ftir die kleinem vOgel, namenllieh 
kleinere droitelarlen , im gegensatz zu grosz- oder g^nzvügeln : 
bnIlivDgel nennt man die kleinen drosselarlen , staaren, Sei- 
denschwänze n. s. w., wovon 8 solcher vHgel einen «piesz 



-geben. iem.Ev jagdeolechismusiiS; wann ihr eine amsel, oder 
einen krametsvogel, oder einen haihvugel (welches eben fast 
so vil isl, als ein krametsvogel) gefangen habt. jagliergfUtungen 
2, 79; auf dise imisteln) seind die kramets- und halbvOgel 
sehr begierig. <. 88; nachdem {Ober Usehe) hei das brvhtens 
(vgl. 2, 311) so vil halbvOgel nach unser zal aufgeslellet nnd 
ihm einer fürgelegt, schneid er denselbigen auf. KiicBBor 
wendunm. 207*. 

2) in anderm tinne wird der ttrausz ein halbvogel genannt, 
weil ihm eine wesenlliehe eigensehaß der vOgel, die fiugfahifikeit 
mangelt {vgl. halb sp. 189. 190). folgendes distichon hat die Ober- 
tchriß der halbvogel: 

fliegen mSchie der strainz, allein er rudert vergeblich, 
ungeschickt rühret der lusi immer den leidigen saod. 
ScmLLia I, 33tt äurs. 

HALBVOLL, adj. semiptenus: balbfoll n>e ine. theut. b 6'. 
auch von fast trunkenen menschen : ein halbvoller kerl ; in ge- 
trennter Stellung: die halb volle hauren. Smpl. 2,317 Kurz. 

HALBVORSATZ, m.: als abknmmlingen Pandorens ist den 
schönen kindern die wünschcnswerthe gäbe verliehen, anzu- 
reizen, anzulocken und mehr durch natur mit balbvorsatz, 
als durch neignng, ja mit frevel um sich zu versammeln. 
GOthe 48, 180. 

HALBWACHSEN, part. nicht völHg erwachsen, der bildung 
nach ein alles wort, was seinen gegensalz im ahd. follawahsan, 
folwassen (Graff t, 687), mhd. volwahsen hat. nd. en bulf- 
wassen minsch ein junger, im uachsthum begriffener mensch. 
ScdOtze 2, 93; en haifwassen swtn, en halfwassen bengel. 
ScBAMBAcn 72; 'n halfwassen jung einer ron 14 bis 16 jähren. 
Danreil 73'; du bist noch ein balbwachsener bengel. Arnim 
1,122. vgl. halbgewacbsen, halbwüchsig. 

HALBWÄCHSICHT, od), planta medii incremenli. Stieler 2400. 

HALBWÄCHSIG, adj. von halbem, noch nicht vollkommenen 
wüchse, im gebrauche wie halbwachsen, im nassauisehen halb- 
wecbsig Keiireik nachtr. 21. vgl. halbwüchsig. 

HALBWAGEN , m. wagen der vom offen ist , nur ein halbes 
verdeck hat. Klinger 8, 182; der mann hat . . einen halbwagen, 
der unbrauchbar geworden, verkauft. E. T. A. HorrnANK 8, 44. 

HALBWAHN, m. ; dem poelen schadet der aberglauhe nicht, 
weil er seinen halbwahn , dem er nur eine mentale güllig- 
keil verleiht, mehrseilig zn gute machen kann. GOthe 45, 299. 

HALBWAHNSINNIG, ad;.; verzeihen sie einer halbwahn- 
sinnigen, rief sie aus. Göthe 19,134. 

HALBWAHR, odj.; er {Walter ScoU) benutzte den vortheil, 
bedeutende aber wenig bekannte gegenden . . kunstreich auf- 
zaslellen und so seinen kleinen halbwabren wollen interesse 
und beifall zu verschufTen. Göthe 46,90; falsche oder halb- 
wahre begriffe, v. Savicxt syslem l, xxxn; 

habt mich 
auf halbwahren werten ertappt und halber Verstellung. 
G6Tin 40, 270. 

HALBWAHRHEIT, f.: wiewohl nicht zu laugnen ist, dasz 
der iman hier einige Wahrheiten oder balbwahrheilen vor- 
bringt. WiEi.AND 6, 130; ich horte nicht etwa die wunder- 
lichen Schicksale des ahenleurers, die übertriebeaen halb- 
wabrbeiten eines beschrankten reisenden. Göthe 20,54; der- 
gleichen balbwahrheilen und die daraus entspringenden iiT- 
sale mögen, poetisch dargestellt, aufregend und unterhaltend 
sein. 26, 272. 

HALBWEG, HALBWEGE, adv. 

Beide formen sind zusammen aufzuführen, da sie beide zu- 
sammenziehungen accusalivischer natur and, nur dasz die erstere 
einen ace. sing., die andere einen acc. plur. in sich schliesit, was 
aber die bedeutung beider worte niclit von einander scheidet. — 
hulbweg ftieszt zukommen aiu halben weg, was zunäclisl nach 
halb sp. ISS eine lilngenentreckiing bis auf die mitte eines wegs 
bezeichnet, nachlier in abgezogene bedeutung sich verliert; so be- 
reits mhd.: etwenne wert si sich halben wec und volget hal- 
ben wec, als der sieclie, der dem trinken nich luoget da; 
im der arzit verboten hftl. d. myst. I, 312; so sttt er wol 
halben wec müejic. Br. Berthuld 17, 8 ; 

sA wer min klage wol halben wec gestitlet. 
J. Tit. 5142, 4. 

nocA Aeiile sind in Baiem und Franken entweder beide tlieile des 
Wortes, wie im mhd., für sich bestehend: halben weg, halben 
weg so vil, halben weg lod (Schu. 4, 45), oder lusommen- 
geflossen in die form balinig (II. Sachs 2, 4, 82'), haliiii (Scim. 
2, 177. FRomi. 8, 517), die ihre entslehung aus halben weg deut- 



Digitized by 



Google 



219 



BALBWEG 



HALßWEGS— llALBWÜCffSiG 



220 



bek teigt. ähnUch itt das ags, adv. eninig semper (Gbsin t,244) 
ttiu ealne veg gacorden. gegenüber jenem halinig, lialmi stellt 
eine andere, bairisclie und miUeidnUsche form halbeg, die in nichts 
mehr das aausalivseidien des ersten theils der lusammenrückung 
bewahrt hat, und dadurch, namentlich wenn sie in der form balbig 
(H. Sachs a. a. o., Scu«. 2, 1771, nd. halwig (SciifiTze I, 93) 
außritt, mit dem adj. und adv. Iialbig {sp. 20&) sieh vermisdU, 
so dost beide «orte nicht immer scharf auseinander gehalten wer- 
den iünnffi. — balbwege ist aus halbe wege entstanden, und 
der form baibewege bedient tieft noch GOthe {bei Merck trieft. 
1, 99) > irte bei halbweg ist zunächst örtlich an die erstreckung 
bis auf die mille eines Keys gedacht , nur dost das singularitche 
halbweg aus dem gesiclitspunkte einer person gcfaszl ist, dos plu- 
ralische balbwege aber aus dem gesiclitspunkte iweier personen, die 
sich in der mdle begegnen, von denen also jede einen weg maclit. 

Die bedeutung beider wortformen ist sundchst eine ürlliehe, dann 
eine zeilliche, endUeh, und am häufigsten, eine abstraüe. 

1) die acciistttivische natur von halbweg, balbtvege würde be- 
sondert deutlich hervortreten, wenn deren Verbindung mit praepo- 
sitionen bezeugt werden könnte; die Wendung einem auf halb- 
weg entgegeiikuininen, auf halbweg zu einem kommen, er- 
scheint nicht unnatürlich; in ähnlicher, nicltt völlig gleicher Ver- 
bindung findet sich zu halbe wegk lange boszen. Stollü bei 
Haupt 8, 319 , lang bis auf die mitte des beins, halblang, rein 
adverbial wird halbweg in lucaler beäeutung z. b. im Ofterlande 
angewendet, so bei ortsbesclirribungen : gehe halbwege diese strasze, 
dann kuinmt ein weg, der links abführt; auch ist tu diesem 
sinne das wort in praepositionaler Stellung gebrauclit: dit scai 
de rad don haifwege Brunswik unde Horneborch. deutsche 
städlechroniken bd. 6 1. 108. vgl. halbwegs. 

1) in zeitlichem sinne tvird lialbweg, balbwege, wie halb sp. 
186 bei stundenbeslimmunyen verwandt, das rührt noch an die 
örtliche bedeutung des wurls, denn die uhr geht ja auf eine stunde 
hin (s. auf II, 12 Ih. l, eo9) : nd. et geit up halwege es wird 
bald halb sclilagen SchOtze 2, 93 ; im nassauischen es ist halb- 
weg 4 uhr. KEuieitilB2; 

halbireg tu mitternacbu Rothi Elisabeth 2012; 
den 2. augusli nach halbweg abends {d. i. nach drei uhr nach- 
mittags, vgl. halber abend sp. 188). B. Bingwalo tr. E. B2*; 
dieser actus . . hat gewSret iVs stunde, von 12 uhr bist 
uff halbweg zwei. OaEVHAtirr SaaUcreit I, 235 (von 1&46) ; war 
es aber halbeg oder drei viertel (an der uhr). unm. doelor 
647; um halbweg viere hast du bei Strömen sein sollen. 
J. E. Schlegel 2, 142 ; 

kOmpl «n in dl» caolell, des morgens balbneg neun, 
und bat bei ihm nicbl mehr, als eiuen kiiechi allein. 

D. r. D. WuDEi AriosI 29, 82, 7. 

3) der obstracte sinn von halbweg, balbwege, mittelmätxig, 
tiemlich, notdürftig, geht eben auch ran der bedeutung t aus, 
utsofem er Stellung, läge , besckaffenheit einer person oder eines 
gegenständes andeutet; so hess. halbweg neben balbwcges Vil- 
»AR 14« ; in D&ringen es geht so halwege mit ihm, er befindet 
sich leidlich, älmlicli in der Allmark (Danneil 74') : nd. wenn et 
halwege geit, wenn es irgend müglirh ist Schaübach 72'; he hetl 
halwege «echt nicht gant unrecht UXhnest l'l'; der kammer- 
herr halt gewis keinen halbwege gescbeidten menschen eine 
stunde langer in Mont^livr auf. TuOxmel reise 6,176; alles 
was dem menschen gut dankt und nur balbwege so aussieht. 
Claudius 4, 96 ; falls er sie nur halbwege zur bewegung der 
Zunge angehallen hatte. J.Paul iiirr. nacA(. 4,52; der wisch 
ist von Rosen — ja, wenn das wellerweibsen nur schreiben 
kann, und halbwege ein jähr in der Stadt gewesen ist, so 
ist kein ehrlicher mann mit seiner stirne sicher. Wall die 
beiden billets 1. 13; so lange einem essen und trinken schmeckt 
und man nur halbweg gesund ist. Tieci tischlerm. 1, t05; 

drum wer die leuie halbwege ergdtit, 

wird gleich in alle sprach Obcrsoltt. Schriften 13, 331 ; 

GöTHE bedient sich des wartet mit Vorliebe: bei halbweg einer 
freien, edlen, unerwarteten tbat. 16,67; ein glücklicber ein- 
fall, halbwege deutlich, und nur gleichsam symbolisch dar- 
gestellt. 39, 13« ; ein mensch, der balbwege abenteiier zu be- 
stehen weisz. 67,210; einer der halbweg was werth ist. 213; 
so einen politisch-moralischen grindkopf baibewege zu säubern. 
bei Mertk 1, 99 ; halbweg schadlos halten, an Voigt 278 ; 

es ist ein oirritch ding um ein empflndllch blutl 

M pocbi, wenn man auch nur halbweg was boset thut. 

7, M; 

(ind wenn Ihr balbweg ehrbar ihuk 12, 100. 



4) die Volkssprache hat dieses halbwege aucft adjeetiviieh ver- 
wandt, man hört im Osterlande und Düringen die frau ist bei 
halweger gesundheit, ein halwtger kerl ein leidlich hübscher; 
nd. en lialwigen prts krtgen. Schamhach 72'; unter anldmung 
an diesen brauch hat Rabener: so viel ihre bauerjungen von 
goltes Worte brauchen, will ich ich ihnen doch wohl vor- 
sagen. fUr armer leute kinder mag es halbweg sein, saliren 
S (1767) t. 41. 

UALBWEGS, adv., von dem vorigen formell geschieden, indem 
et tick aus der geniliven formet halbes wcges {sp. 188) tusaut- 
menzieht; in örtliclier und absiracter bedeutung. 

1) örtlick heiszt es auf halbem, d. h. auf der mitte des weyes, 
da genitive im deutschen sehr oft in localivem sinne stehen : wenn 
ich von dem letzten orte zurückkomme, und man begegnete 
mir halbwegs, würde es noch schöner sein als das vorige 
mal. GöTUE an frau v. Stein 2, 181 ; donnerstags . . geh ich 
von Ilmenau auf Weimar, wenn mir doch da etwas freund- 
liches halbwegs begegnen könnte. 1. 182; dasz .. mein herz 
dir halbwegs auf meiner zunge entgegenkommen soll. Scuillcr 
146; es wird auch, wie balbwege, praepositional verwandt : halb- 
wegs des gedankcDs fallt ihm ein. Hebül (1832) 3,487. 

2) abstrad gebraucht wie halbweg 3 im sinne von miltelmdszig, 
notdür/tig, einigermaszen : und wenn du nur noch halbwegs 
lenksam bist, wie sonst. GOtheIO, 93; unter diesen umsläo- 
den ein halbwegs gutes zimmer zu erlangen. Maxinilian v. 
Mexico reiseskizten l, 96; es bedurfte ein jabibuadert, um 
wieder halbwegs zu kraft zu kommen. Brau.'« vier biiefe eines 
üüddeulselien, vorrede IS. 

HALBWEIUE, f. falco pygargut. Nehnich 2, 1584. 

HALBWEISE, Ol//..- nur die balboarrca und die halbweisen, 
das sind die gefährlichslea. GOtbs 17, 2«2. 

HALBWELT, f., franz. demi-monde, ein neues wort, vgl. halb 
sp. 191 : das treiben dei französischen halbweit in den deut- 
schen hadern. UaUische zeilg. 1868 no. 222. 

HALB WERK, n. bei torfgräbereien ein häufen gestochenen 
tor/s, wie er etwa die leistung einet halben tagewerks autmaclit, 
Adelung. 

HALBWILD, ttdj. temiferut. Stieleb 2418. 

HALBWINNER, m. cotonui partiariui , halbbauer, halbmann 
(3, ^. 2ü8). Haltaus 780. vgl. hälfe. 

UALBWIRTH, m. von einem der die geschdfle einet Wirts aus- 
helfend besorgt. GöTUE 28, 189. 

HALBWISSEN, n. oberflächliches, halbes wissen. 

HALB WISSEND, pari.: wer andere lehren will, kann wohl 
oft das beste verschweigen, was er weisz, aber er darf nicht 
halbwisscnd sein. Göthe 21,49. 

HALBWISSER, m. der etwas oberfldcMich weiss. 

HALBWITWE, f.: also {nachdem nämlich der mann davon 
gelaufen) wurde ich nun zu einer balbwiltib, welcher stand 
viel elender ist, als wann eine gar keinen mann hat. Simpl. 
3,40 A'«;2. 

HALBWITZIG, adj. : die aftergeburt irgend eines mUszigen 
balbwilzigen kopfes. Fb. MDlleb 3,30; indessen brachte er 
es doch weiter als viele, die sich für mehr als halbwitzig 
halten. J. GorrRELr scinildeub. 16. 

HALBWULF, m. Bome für dm Wolfshund. 

HALBWOLLE, f. stoff der zum theil aus wolle, tum theit aus 
bttumwolte oder leinengarn bestellt. 

HALBWOLLEN, adj.: halbwullen-halbleinwand, lela exsub- 
legmine intexto stamine linleo Stiei.er 2406; auf gleiche art 
werden auch halbwollene und halblinnene zeuge unter dem 
namcn von wollacken im hause verfertigt. Moser otnatrfif*. 
gesch. 1 (1819) s. 105 {werke bd. 5). 

HALBWÜCHSIG, adj. l) einen halben, noch unvollkommenen 
wuchs labend: der knabe, indem er saugt, blickt nach dem 
vater hinauf, er ist schon halbwüchsig, ein heldenkind, niibt 
bewustlos. GöTHE 39, «8 ; strich sich den halbwüchsigen burl. 
1. Paul Siebenk<ls I, 9« ; 

balbwüchtiger knabe bist du; doch die Trauen 
•ta mtcbien dich gant ausgewachsen schauen. 
GOthk 41, 43. 

der ouidruek ist namentlich auch waidmännisch hinsichtlich des 
haien: halbwüchsig nennt man einen jungen hasen, der seiue 
halbe grösze erreicht hat. Beulen jagdcatecinsmus 264; 
und ein balbwQcbsigter hasa. Zachari! 1, 260. 
2) nnen unvoUfornmenen , iwiUerhaflen wuchs habend: diese 
widerwärtige erscheinung (ifcr iwr»itscftMn<; ran edlem und ge- 
meinem bei einem sich selbst überlassetien latente) mag ddd frei* 



uiyiiiztJU uy 



ö" 






221 



HALBZEHENT— HALDE 



BÄLDE— HALDEN 



222 



lieh oft genug eiotreUn, wenigstens erklSrt lieb uns io sol- 
cher Voraussetzung am leichtesten der umstand, disz so 
manchen der gebildeten eine arl tod apprehension gegen 
diese halbwüchsigen oalurerzeugnisse auf dem boden der 
cultur und kunst anwandelt. Gothü 45,233. 

HALBZEHENT, m. und n. der tuamigstc IbeU ton autgibraek- 
tem ailbeT, weichet ein bergwerk dem landefherm abgibt, $o lang« 
ehe tolle ausbeute noch nicht tiatt findet. Jacoussor 4, 731*. 

HALBZEIT, f. hälßt einer liestimmlen seit: {der pattor soll) 
ieder wueben drei messen zu Meil in der kircben tbun, und 
der pastor soll die kircb balbzeit beleuchten und die kirch- 
nieister von wegen der kirchenguleren die ander balbzeit 
belcucblen. ireulA. 4, 763. 

HALBZEKSTÖRT, pari. : sprach von diesen veralteten balb> 
zerstörten dingen. Göth£ 31, 214. 

HALBZEUG, m. in der paptermitlite noch nielit völlig ser- 
stostene lumpen: die gröblich zerstampften lumpen oder der 
balbzeug. Becimanm tecAnotoi/te (1777) t. 71. davon halbzeug- 
kasten, trog sur aufnähme des hatbieuget. Jacobsson 2, 19S'. 

HALBZIHMER, n. amtner in einem halbgeschott. 

HALBZIRüEL, in. 1) halber kreis: hemicychts ein balhcirkel 
DiErENB. 274'i zeichnete einen reinen balbcirkel darein. Gürua 
S5, 6«; das dorf ist ziemlich regelmüszig im balbcirkel . . 
gebaut. 17, 71 ; in einem gerttumigen saal des palastes saszen 
an der einen seile die ricbter im halbzirkel. 27, 116. 

2| werkieug der scHffer, teomit die höhe auf der see genommen 
mrd. Jacobsson 2,185*. 

3) in der mutik eine ort Idufer, aus tier noten bestehend, tno- 
ton die xweile und vierte auf einer und derselben stufe stehen. 
Adelunc. 

HALBZWILLING, m..' könnte man in eines autors gebirn- 
ulerus nachsehen . . welche menge zurückgebliebener glieder, 
ja ganze balbzwillinge des bucbes wflrde man darin aufge- 
speichert Onden. 1. Paul leben Fibels 80. 

HALDE, f ahd. halda (GsArr 4, 894), mhd. halde (u>b. 1, «1«), 
im allgemeinsten sinne eine geneüjle, abhängende stelle, es ent- 
spricht bis auf das gesdilecht dem griech. xXl-^os hägel, ofrAang, 
leelches mit xii-fia und xkt-o(a, sourie mit dem lai. cli-vus auf 
eine vurxel cli finden zeigt, die im deutschen theils in der um- 
gesetzten form bal, theils (wie auch im gritch. tat.), in enceiter- 
ler, als hlin erscheint, worauf unter lehne und lehnen noch 
einmal lurüelaukommen ist. — JVeften dem fem. halde macAi 
sich selten, aber schon frühe eine maseuUne nebenform bald gel- 
tend, die xum altnord. hail-r abhang tritt, so b^ld clivus im voc. 
opt.; eUvus, rupes, bald, naige Fsischlin nomencl. 36'; 

(Unden wir disen an eim bald). 

WiCKsia pilger hl. 59. 

halde osstmiitcrt sich in balle : clivus halle DierENB. 127', nam«n<- 
lieh vo es im bergmännischen gebrauche in der bedeutung i ist; 
beispiele hierfür folgen unten. 

Bedeutung: 

)) die abschüssige seile eines berges, bergabhang, tundeha ober- 
deutich, namentlich alemannisch, ScHiiiDS(Äu>dfr. u>6. 266. Schnel- 
ler 2, 178; die halden, stotz, gäbe deveiilas, clivus, dejedus, 
nuttttio, nutus Maaleb 207* ; dasz der berd an der gehen hal- 
den davon war gerissen. Tu. Plater 28 ; dieser berg bat ein 
ahsleigende halden gegen der undem statt. Reiszrer ^eriu. 
1, 8'; auf diesem berg und an den halden dieses bergs rings- 
wcisz war die underslatl. 22*; drängten den feind die halde 
eines bergs hinan. Niebuhr 2, 277 ; io berg und tbal, auf first 
und halden. Uerel schatikästl. 28; mittags rasteten wir ge- 
wöhnlich auf einer sonnigen halde. laiERiiANN M&nehh. 2, 70 ; 
wie mit perlen und edelgesleio übersät, prangen die beleucb- 
telen, kräulerduflenden halden in ihrem glitzernden thauge- 
schmeidc. garlenlaube 1866 s. 671 ; 

ihr giften, Weinberg, lUrsl, Ihr tcker, halden, haiden. 
W>csHt>LiN 30«; 
ich stand tut berges halde. RQcssrt 8»; 
du seigst an schaiiger halde 
mir den beschillteu aeo. Uhlakd ged. SIO; 
als singend an der halde 
ein inüdchen beeren las. >. 374. 

in Sehwaben heiszt auch das an einem solchen abhang Hegende, 
gewihnliclt nUt gros oder holz bewachsene grundstück halde. 
ScHNii) 257. 

2) bei den bergleulen heiszt balde ein beim sehaeht aufgeschOt- 
Itier hitgel erde odei gesteint: bulde wird genannt derjenige Um 
einen stulleu oder scbacbl am tage aufgeworfene und aus 



dem gebäude geforderte berg und erden. Nehrinc hist.-poü. 
lex. (1736) anA. 46* ; so füret aus der kau {scharJilh&Ue 5, 310) 
beider (jeder ton beiden) sein laufkarren und scbntiet in aus, 
also gescbicbis, das wann die tiefe scbächl gesunken «Ver- 
den, ein grosze bulde hei der kau des gezeiigs aufgebt. 
Becrios vom bergwerk (1557) 132; auf den halden und ge- 
birgen horet man die schOnen geisllicbeo bergreien singen 
und klingen, das berg und tbal davon ballet und erschallet. 
Matbes. Sar. vorrede; ich hatte das glttck . . auf einer ver- 
lassetien baldc Ibonscbieferplalten mit kreuzweis laufenden 
sich mehr oder weniger verschiebenden quarzgäogen zu linden. 
GOtue 31, 99. die assimilierte form balle gdit im munde der 
gewohnlichen bergleule: wie zwar auch ir bergleut alle taube 
und lere bergart und ballen falsch ding pfleget zu nennen, 
das kein silher oder ander gültig metall bei sieb bat. Mathes. 
Sar. 108*. der bergmann klaubt die balde aus, surJd das dort 
etwa noch vorhandene ers; stürzt etwas auf die balde, wirft gestein 
auf einem dazu angewiesenen orte vor dem schachte zusammen. 
Jacobsson 2, 19&'. einen auf die halde setzen, nämlich an einen 
ort, wo kein ers vorhanden, heiszt zunächst eine gewerkschaft aus 
dem felde vertreiben (Jacobsson das.), und zwar mittels gericht- 
liehen Prozesses: da im aber ein ander fündiger gang in sein 
Tierung feilet, faben seine benachbarten gewerken ein hader 
mit ihm an nnd wollen ihn auszireiben und auf die balle setzen. 
Hatbes. Sar. 21*; das ist auch als redensart in freierem gebrauch: 
to treibet er den heiligen geist wider ausz, oder wie ihr 
bergkleut redet, er setzet ihn wider auf die halle und feilet 
ausz dem glauben. 114*. 

3) eigenlliümlich steht halde ßr die durch die geneigten zweige 
eines baumes gebildäe laube: J. Goropius lobt den lindenbaum 
für all andere bäume wegen seines Schattens und das man 
darausz schöne weit umb sich schweifende halden machen 
kan. 0. weiszheil lustg. 435; die schatleebten haldeo dieses 
baumes. 760. ^ 

io einer halden grflo, 
mit manchem prersicbbaum und epheu Oberscbaitat. 
WccEHiaLin i73, 

4) im niederdeutschen ersdieint die umgdaulele form beide als 
technischer ausdruck der sclaffer: von beiden lOpen wird vom 
schiffe gesagt, wenn es vom Stapel läuft. ScnOrzE 2, 120; auch 
hier hol also beide die allgemeine bedeutung einer herunlerwärts 
gehenden, abscitüssigen stelle. 

HALDEN, tirr6. sich neigen, denominaliv aus dem vorigen, 
ahd. haldin (GRArF4, 894), ein vorzugsweise dem alemannischen 
Sprachgebiete zufallendes wort : halden, sich senken oder neigen. 
Maaler 207' ; die äst baldend oder bückend sich von schnäre, 
romi nutani pondere das.; die weinraben baldet oder senkt 
sieb gSgen der erden, vilii acdinata terrae, das.; über einhin 
halden oder bangen, so einem etwas ob dem baupt hanget, 
glych als ob es fallen wolle, intpendere. dat.; halden punWin-, 
vergere deutsch-franz -lat. wörierbiuh (Gen/' 1695) 155; vil ander 
boffart die sy tribent, das gar lang weret bisz schier uff die 
vesperzitt, das sich die sun vast baldet und denen von Bern 
under ougen schein. ErrERLiif cAron, der eidgenossen (1507) M. 
26*; gegen mitmacht baldet der berg Sion in das tbal Ty- 
ropeon. Rbiszner Jerus. 1, 7*. 

Hat so das aort nur intransitiven sinn, to findet doch auch 
Umschlag in den transitiven und berührung mit dem folgenden statt : 
Schwab, halden, mi< der weilerbilduag haldelen bedeutet sowol 
abschüssig sein, als auch neigen. Scumid 257. 

HALDEN, verb. in transitivem sinne etwas neigen, inclinare, 
auch der näheren abslammung nach verschieden vom vorigen, in- 
dem es sich sunäclisl an das ahd. adjectiv bald, mhd. halt pro- 
clivis, pronus anlehnt; ahd. baldjan, mhd. beiden {wb. l, 619'). 
»einer tierdrfilunj) nacA geht das wort weiter als das vorige, in- 
dem es nicIit mehr dem alemannischen Sprachgebiete vorzugsweise 
zufiüt, sondern bis ins niederdeutsche reiclit: alts. afheldian neigen 
{Heliand 3486), o^^t. beldan, byldan, nordfries. beide; aucA im 
scandinavischen auftritt: altnord. hella, schwed. bitlla, ddn. bside. 
umsehlag in den intransitiven sinn hat Mitgefunden im nd. bellen 
nach einer seHe überhangen ScuOtze 2, 129, irie aucA xAon int 
ags. beide bedeulungen des worles sich zeigen. — Belege: heldeu, 
neigen inclinare Dastp. ; sich beiden vergere, devergere, inver- 
gere, für sich geheldel proniu, berzfi beiden acciinare, nid 
sieb geheldet, under sich geheldel deelivis et declivus, ob sieb 
gebeldet, aufgerichtet acclivis das. ; bälden für naigen prompt, 
tt. 1618 AeiScBJi. 2, 178; bitiden, favre pencher, inclinare deutscli- 
franz.-lal. wiirterb. (t.'e?!/' 1695) 1S5; ein faa» bälden, dasselbe 



Digitized by 



Google 



223 



HALDENSTURZ — HÄLFTE 



HÄLFTE 



224 



hialen höher als vom legen A'mdeb 2, 13 ; alle unsere aeiguog 
bildet sich zum bösen. Zwikgii 1,545; ein kiudstul (gebiltr- 
sluhl) so) baben vier bein oder füsz, mit cinent rugkbrett 
binder sieb gebeldel. ROrr Iroslbüclile 3l'. 

HALDENSTUKZ, in. I) die btfugnU, die ausgefürderUn berge 
oder sdUadlen auf eilten gevissen platt tu hringen. Jacoissom 
i, 195". 

2) der plalt selbst, teorauf berge, erte und schlacken gettOrst 
Kerden. das. 

3) auch das. gerist, auf uielehem die grubenhunde auf die hol- 
den umgestürst und so entleert werden. 

HALÖICHT, adj. etwas abscIiBtäg. geneigt: clitotus baidicht 
DiKTEXe. I2<'; leg die zeiue auf einen gruszen marmürslein 
. . der stein sol etwas wenigs baldecbt und an einer seilen 
gesenkt sein. t. Tiiosneissb* von wasseru (t(il2l 51. die uteiter- 
bilduuij baldecktig, baldachtig ist im alemannisdien spradi- 
gebiele genühnUch: baldcchtig prociids, baldech(ig ort catabath- 
mus Dasip.; elicosus baldecblig Dmrciis. 127'; baldacbliger und 
stotzigcr wüg trames cUsosus Maalerso?'; baldacbtig ein bit- 
chen steil, abschüssig Staiuer 2, 13. 

HALDIG, adj. uebenform des vorigen, in gleicher bedeutung, 
ahd. haldig in uubaldig clivosus . niderbaldig reclinus (Gbaff 
4, 8S3. 894), mhd. mit umlaul beldic die amgelaulete form ist 
auch nhd. neben der unumgelauteten gebriuclUich. elicosus bal- 
dig Krischlin nvmencl. 36*; proclieis njfdder-heldig und assi- 
mitiert niderbiillig üiErEKR. 4ai'; haldig, ballig ."/(■<, atJSchüssig, 
baldig, bellig leas schief oder schräge liegt Staluer 2, 13 ; waoD 
jetzt die sonne die bügel vergoldete, denen ich mit meiner 
beerde enigegcnstieg, dann jenen baldigen buchenwald. arme 
DMiiN im Todienb. 27; baldig und sanft steigt {die lialbinset) 
«uo beiden slrandseiten gegen die niilte empor. Faldekater 
besuch auf d. berge Athos, in Vagers lescbuch 3, 384. 

HALOüMi, f. decliväas, tnc<i/ia<»>. 4Iaaler 207*; Calepin. 
376 ; das kraut wacbszl gern inn den wiesen oder matten so 
im gebirg liegen, au den balduugen und reeben. Tabernaem. 
kräulerbuch (ISb8) 30«. 

HALE, f dompfaff, blutßnk (Hobrerc 3, 2, 372'), s. hahle 
<tp. 159. 

HÄLFE, m. halbbatier (vgl. tp. 194); die form jeAöri den 
niederdeutsclien Rhängegendeu an, sie scheint geworden aus älte- 
rem balfwinne, cotonus parliarius, wie die um Aadien neben 
hälfe gebräuchliche nebenform balfer (MOller u. Weitz Aachner 
mundart 78) wol auf ballwinner turäckgeM: auch in der um- 
gegend rissen die klüster allmäblicb das grundeigentbum an 
sich, 80 dasz man um Köln kaum selbsiSudige bauern mehr 
kannte, sondern nur halfen (balbwinncr), ein name der sich 
aus dieser zeit auf unsere jetzt selbsländigc bauern Über- 
tragen bat. Weserteitumj 1863 no. 2976. 

HALFTE, f. dimidia pars, ein ahd balbida ^/ebildd wie 
ganzida ganslieil Graff 4, 222, fullida fülle 3, 493), niAd. bel- 
bede ul nicht tu belegen, um den begriff ausludrücken bedient 
man sich entweder des neutrums com adj. halb, oder der Ver- 
bindung da; halbe teil, später balbibeil (s.d.); das ahd. kennt 
noch eine weitere später untergegangene bildung haltlanod dtnu- 
dnim (GRArr 4, 891) , die zu uiiserm worte in näherer formeller 
verwandtscliall nicht sttlit. die form bälfle ist nieder- und mit- 
teldeutsch ; sie lastt sich tulrnhest nachweisen im allfriesisclien als 
halfte und belfle (Hichtuofen 792'); im milleldeulschen : im 
vyrden [schilJe des kaiscrliclien sieyels ist) eyne leilunge, der 
belfle mit dryen kleinen lewen und mit einem striche. 
Hallisclie Urkunde von I4»9 bei Ore(uadpt Saalkreis 2, 443. auch 
im isländiichen wird ein, tielleicht junges, helft dimidium gewährt 
(Haliiarsun 1,646'). das durch LuriiE« vielgebrauchte wort bürgert 
sich erst nach und nach in die deutsche Schriftsprache völlig ein. — 
Aac/i den bedeulungen cv» halb beieichnet bjlfte 

I) den halben Iheil , in genauerem oder milderem sinne: und 
Mose nam die belfle des bluls und thets in ein becken, die 
ander helft sprenget er auf den allar. 2Jtfo<. 24,6; eine helft 
{der lente standen) neben dem berge Grisim, und die ander 
helft neben dem berge Ebal. Jos. 8,33; des vulks Israel war 
nur die helfte da. 2 6'ai». 19,40; teilet das lebendige kind in 
zwei teil, und gehl dieser die belfle, und jener die bellte. 
1 köH. 3, 25 ; es gescbach binfürder das die junglinge die 
helft (beten die erbeil, die ander helft hielten spiesze, Schilde, 
bogen und panzer. Neh. 4,16, was fudderstu? auch die belfle 
des künigreicbs sul dir gegeben werden. Esther 5, 3 ; gab im 
die belfle aller seiner gOier. Tob. 10, 11; was du wirst Ton 
mir bitteo, wil ich dir gebeo, bis an die belfle meines 



kSnigreichs (golh. und halba |>iudangardja meina, mitteldeutsch 
in Behaims evangeüenbuch daj halbe teil mines riches). Afurc. 
6, 23 ; sihe berr, die helfte meiner guter gebe ich den armeo 
{goth. halbata aigiuis meinis, nid. bei Behaim halp min gät). 
Luc. 19, 8 ; was aber über drei gülden, gibt ein erbarer rath 
die belfle an solchen strafen in das ami, Statuten von Born- 
burg a. S. ron 1625, tn der teitschr. des Vereins f. Ihüriug. gesch. 
7, 280; helfte, der halbe Iheil. Duez diaionar. (Amsterdam 
1661) ; auf uubewegliche guter soll die belfle dessen, was sie 
an ihrem orthe werlb sein, gegeben . . werden. Leipiiger 
bankordnung 1699 , Tit. 10, 1 ; ob ich es ihm (einem verstüm- 
melten ofßtier) gleich gerne würde zu gute geballen baben, 
nenn er die eine belfle, so er von seinem cörper noch übrig 
hatte, wacker heraus gestrichen hätte, um sich über den Ver- 
lust der andern bcirie zu Irßsten. s;ian. JtoUiuon 3 (1736) s. 91 ; 
ist es wohl so die bSifte von seinem vermögen, »as das 
müdchea mitkriegt? Lessinc 1, 467 ; ich mache kein äuge zu, 
so schlage ich mich mit ihm herum (im träume), hätte er nur 
erst die bülfte von allen den schlagen ! 509 ; sie (die gerechUgkeü) 
drückt das äuge bei der hulfle deiner verbrechen zu. Schiller 
254'; der kleine bauten erbot sieb zum dritten theil des 
landes, zur hallte, zu mehr. KtopsTOCk 12, 293 ; fühlte er nur 
die halfte meiner quälen. Götue 57,20; der volle putz raubte 
ihr die hallte ihrer festigkeil. laNERMANH M&tuhli. 4, 129 ; die 
(rümmer der uralten Osleruder bürg . . bestehen nur noch 
aus der bülfle eines groszen, dickmauerigen, wie von krebs- 
scbäden angefressenen Ihurms. U. Heiiis trerilie t,17; wenu 
mau die obere halfte des Brockend besteigt. 1, 75 ; 
und wenn er lebt, 
so ist die hallte dieser beule! sein. Liissiiic 2, 331 ; 

bei den webem besteht ein doppelswirnfaden oder letze aus twd 
gleich langen bSIften, die licA in der halben holte des schofles 
ergreifen. Jacobssom 2,195'; 

anch lag mit halbem leibe (die andre hilfte sasi) 

der rilter nebeu ihr auf dem soptia. 

WuLtnD neuer Amaitis 2. ges., 7 ; 
Im goldnen kiOck eiagescblossen, 
verlebt ich armer uugcnossea 
die hiine meiner lebenszeil. Glsii 1, 197; 

Isis nicht genug, die bälfle meines lebens 

gescharige Martlia sein? 

ISIS hockverratb, isls Ihorhsit, isls vergebens, 

der weislieil kaum die andre bälfte weibu? 

GöcUNCs liräer sieeier lieb. (1779) 65; 

dass dir werde die nacht zur schönen hülrie des lebens. 

GoTHB 4«, 273: 

dich ins haus lu führen, es war schon die htllle des gl&c|ies; 
aber nuu voUeodesi du mirs. s. 33.1; 

steht vor mir, der sich gerübmel 

in vermeszner prahlerei, 

dasz ihm nie mehr aU die htllle 

seines gelsles nOIliig sei? Uiilahd geil. 284. 

Nach dem sprucAe, dast mann und weib ein leib sind, ia die 
frau des mannes bülfte (s. halb sp. 185 und ehehälfte 3, 43) : 

wie das weih dem mann gegeben 

als die schönste hallte war, 

ist die uacht dus haihe lefacD. 

und die schönste hallte zwar. GOtbr 19, 196; 

meiner nunmehr selgen hälft ein ehren-deukmal. Brockes 6, 
584 ; ich und meine hüllte nehmen herzlichen anibcii an dem 
guten furtgang meines kleinen paliiens. VVicland bei Merck 
2, 131 ; sich des aufgebrachten ebeuianns gegen seine pDicbl- 
veig<>>seue bülfte annehmen. Gotter 3,23; hier kommt ein 
anderer seines gleichen, der . , seine schöne bülfte mit sich 
bringt. Gutue 29, 239; und um eure frau ncrdet iiir euch 
wenig bekümmern? gar nicht, wenns beliebt, das beste be- 
tragen gegen seine liebe bälfle bleibt immer das zu Ibun, 
was ihr ansieht. 36, 57; hebammcn wissen die Zukunft der 
weiblichen hüllte. J.Paul leben Fibels s. 67; 

mich merkt lein aug, und alle blicke winken 
auf meine slolze hAltte nur. Schillsr 26'; 

und mit betieliung hierauf heistt es: 

ich bin dein treues weib, 
und meine htine lerdr ich deines grames. 619*. 

den ausdruek wendet GOthb auch nur auf die braut oder gelieble: 
meine schöne bälfle sprang vor Ireudcn auf und verkündigte 
mir mit cnIzUcken die ankunft ihres herm vaters. 23,99; 
ein freund . . dem es an einer halfte . . ermangeln mocble. 
25, 28 ; und umgekehrt ouek auf den geliebten : es fehlte nicht 
an jungen tuänoem, die ticb einzuschleichen woszten, fast 



uiyiiiztJU uy 



ö" 



225 



HÄLFTE 



HÄLFTEN — HALFTER 



226 



jedes madeben fand einen freund ; nur sie war ohne bülde 
gebliebea. •a,ib. • 

der Uebhaber neniU in feuriger rede seine geUMe die hilfte 
(eines herzen», leiDer seele : o liebe {Hebe frau) ! belfte mei- 
ner Seelen! per$. baumg. 4,11; seine reine seele fublte, dasz 
sie die hlilfte, mehr als die hUfte seiner selbst sei. Güthe 
18, 44. • 

2) die fvrmdn die halfte (acc), zur hallte, um die hainc, 
auf die häll'ie, an die hiilfte enetien das einfache adcerbiak 
halb, uatueuüieh auch, wenn es den ungefähren sinn tu einem 
grüsum oder kleinem Uieite {sp. 189. 190. 191) hat: aber das 
uberlengc an den teppichen der hatten soltu die helft lassen 
überhangen an der büttea. 2 Mos. 26, 12 ; ob ers wol vermag, 
liibt er« (geliehenes geld) kaum die helfte wider. Sirach 29, 1 ; 
zur belfle blos seminxtdus, zur helfte zerrissen semilacer^ auf 
die helfte offen semiapertus Stieleii 736 ; ach, es ist mehr als 
die helfte zuviel. Schaubühne engl. u. franz. com. t, 49 ; W. was 
sagen sie? T, es gebt dicU nur zur bälfte an. Lkssi.-ig l,55t; 
sie haben mit diesen Iriumpb um die bälfte verkümmert. 
2, 181; der ist ein stttmper, der sein werk nur auf die bulfte 
bringt. Scbiller 129 ; 

so merk icli, da« du (die nacAl ist angeredet) fast 
dich an die hellte schon von uus enliogeo hast. 

Fluinc «23; 
sie kennen mlcli 
lur bUne nur. Scbillu 295'. 

namentlich in negativen satten betonen solche formein einen klei- 
nen, geringen theil: und ich habs nicht wollen gleuben, bis 
ich komen bin und bahs mit meinen äugen gesehen, und 
sibe, es ist mir nicht die helft gesagt, du hast mehr Weis- 
heit und guts, denn das gerücbt ist, das ich gehört habe. 
1 kün. 10, 7; so hat auch Samaria nicht die helft deiner 
siinde getban. Hes. 16, 51 ; die gottlosen haben viel vergeb- 
licher anschlege, die sie nimmer zur helfte bringen. Luther 
'5, 2*; unterwegs reuete es mich fast, dasz ich in meinen 
allen lagen erst solle einem solchen herren aufwarten, der 
.. die belfle nicht st> viel verstünde als ich. Simpl. 2, 301 
Kurt ; er höret mit Verwunderung die beutigen gesprSch und 
tisch reden an, und weisz oft die helfte nicht was die Icute 
reden. 4,463; hingegen seine gemablin, so sehr sie fraucn- 
zimnser war, kannte diese kunst nicht zur hälfte so gut. 
Wezel Tobias Knaul 1, 128. doch kann eine solche formet auch 
das gegenlheil beteichnen: machte einer ... mit der Quintina 
ein gezänke, und nannte sie eine alte pulverOasche. daran 
ieugst du die helft nicht an, du alter horniräger, gab sie ihm 
zur aotwort (du lügst das gani und gar). Happel aead. rum. 43. 

3) hSifle für den endpunkt eines halben theils, die mitte, nach 
halb 1, b sp. 187: hier ist die halfte des wegs; noch vor 
völliger nacht erreiche ich wohl den ort auf der halfte weges, 
da schlafe ich und bin morgen in der frühe am ziel. Iiiiies- 
MAiiN Münchh. 3,64; schon geh ich drr bälft^ meines hiesigen 
aufentbaltes entgegen, die andere wird auch bald verlaufen. 
GöTHE an Voigt 2b0. bei alters- und teitbeaimmungen : die blut- 
gierigen und falschen werden ir leben nicht zur belfte bringen. 
ps. 5S, 24; nim mich nicht weg in der hellt meiner tage. 
102,25; in der balfle des juli. Uötue 26,282; daher begab 
ich mich halfte decembers nach Jena. 31, 89. 

4) der ungenaue und nur ungefähre sinn, den halfte aiieh hat, 
spricht sich besonders am, «rcfin von einer groszen und kleinen, 
gröszern und kleinern balfle geredet tcird: das deutsche dorf 
Balzers, die gröszere balfle des Staates Licbteni>lrin. tolks- 
teitung tSiiS no. 240. eine ähntirJie ttngenauu^ieü sdiliestt die 
bessere ballle, die beste halfte in sich: 

solU ich nur so glOcklich sein, 

iinil das sciiAne schiakenbeln, 

das icli — doch ich Diaga nicht sagen, 

wo ich dieaes biogetragea. 

n«rd ich wiederum gesund, 

will ich dir bei meinem leben 

auch die beste btlfle geben. Gsllert I, 69; 

des geiaies beste btlfte, mlnnerkralt. Scuillsr 2S4'i 
vgl. oben t auch schönste hilft«. 

HALFTE, in adjectivischer fügung , icie auch die Substantive 
drittel, viertel u. s. w. in manchen Stellungen adjectivisch empfun- 
den werden: also hebt er auch allhie an in nns den tod zu 
schwechen, das er an uns nicht mehr gewinnet, on das er 
die Scherben und nur das hellte stilck an uns wegnimpl. 
Lother S, 241* ; wie du durch so manches land, ja den bell- 
ten iheil der well schon durobwaudelt. engl, komüd, i, LI. 
IV. u. 



HÄLFTEN, verti. insutei hälften ablheilen: und rudlirh wurde 
durch den beld Acbilleus, der zugleich halbgott und halh- 
mensch war, das götter- und menscbeqgcdicbt schön mit- 
spielend eben so za einer mensch-gottbeit gehalflet. J. Paol 
vorsch. d. äslhet. 2,106. 

HALFTER, f. capistrum, camus. ahd. balftra, balefira, 
halftera (Gbaff 4, 925), mhd. balfter, ap. balftre ; nd. balfter, 
belebter und balter. Was abslammung und eiijenliiche bedeutung 
des Wortes betrifft, so kommt zunächst in belraclit das alid. mhd. 
halp, griff, handhabe, nhd. helb (<. d.), was nach dem grund- 
sinne des an sich tidtens und reiszens wol eben so wie das adj. 
halb (tp. 1S4) Rill Ittt. carp-ere susammenhingt. das sufßs ahd. 
dara, tara, skr. tari, bildet feminina, welche Werkzeuge aus- 
drücken, so dost balf-ter, ahd. balf-lara in allgemeinster bedeu- 
tung das Werkzeug tum erfassen ist, in eingeengtem sinne auf den 
taum belogen, der tum festhalten eines thieru dient, das suffix 
-tra erscheint in folge der Verbindung mit einem andern mehrfach 
in der form -stra, und hierauf gründet sich die bair. nebenform 
balsicr (Scbx. 2, 184) mit ausstoszung des letzten wurielhaflen 
consonanten, eine ausstostnng, die wol auch in der nd. form 
bal-ter stall halte (wenn diese nebenform sich nicIU überhaupt an 
ballen ansehlieszt), während in dem gtächfaUs nd. belebter das 
auslautende f der wuriel nach namentlieh niederfränkisclier und 
friesischer gewohnlieit sieh in cb verkehrte, die form baffter 
(Du^FENB. 97'), die auch bei Fbischlik nomencl. 382' erscheint, 
dürfte wol aus astimüation des If in ff entspringen. 

balfter bedeutet: 

1) der taum ohne gebist, der tum festhalten der Ihiere dient: 
capis(r«ffl balfter, halftern, balster Dietenb. 97'; habena, balf- 
ter, helfter, balter 272*; balfter, ein band, ein strick, eanius 
Cai.epin. 190; balfter, maulkorb capistrum Dasyp.; ein balfter 
anlegen eapistrare Haaleb207'; wann ein pfert ledig wirt von 
dem harn, so es si(A schon wol von dem barn abzerrel, 
nichts destminder kegt im die balfter hindennach und mag 
leicht harnen, so fachet man es wider. Keisersberc geiall. 
Spinnerin, S.pred. M3'; man soll dem fallen eine balfter an- 
legen und ein zäum an die harre binden. Sebiz150; zur aus- 
muodierung bat ein reuter von nöthen . . ein starke balfter. 
BöciLER kriegsschule 287 ; 

mancher wehrt von den mattem aefort die gesonderten bOckleio, 
und umberiel die schnause von vom mit gestacbelter halftei. 
■Virgilt tändt. ged. von Voss 3, 497; 

multi jam excretoa probibent a mairinus hoedos, 
primaque ferraiis praeOguut ora capistris. georg. 3, 399. 

spri(;ftK>(irt(ieA .' der balfter an dem barn nicht vergessen, nicht 
vergessen was zu einer sache gehurt. Ecs 6ei Luther 1, 163*. 

2) balfter für hosenträger, schon ahd. : balftra brachiale GRAtr 
4,925; jetzt noch oberdeutsch, namentlich bairisch: balfter und 
halster Schv. 2,181; in Kämthen balfter und haschier Lbxer 
131; in Tirol gesaszbalfter Fromm. 4, 447. in Schwaben heiszt 
balfter das striekband an gefäszen tum tragen. Scuniu 258, 

3) die oben angegebetu weitere bedeutung von balfter erhellt 
auch noch aus dem reehtssprichworie : dem gläubiger wird der 
Schuldner an die band und balfter gegeben, debHor creditoris 
discrelioni Iraditur. Pistoriub Utes, paroem. 5 no. 81 s. 3S1, in 
älmliclier fassung: do sie aber solche zu erlegeu nicht ver- 
mßchlen , so wurden sie vunnuge secbsischer rechte dem 
bescbedigteu an die balfter uberantwort, ibme dasselbe ab- 
zudienen. Leipsiger sehüppen^irueh v. 1545 bei Haltaus 7t<2, was 
auf Sachsensp. buthi ort. 39 fuszt: swer schult vor gerichte 
vurderet bpb einen man, des her gel den nicht ne mach noch 
bargen setzen, der richtere sul iine den man antwarden vor 
daj gelt, den sol her beiden glich stme Ingesinde mit splse 
und« mit arheide. hier hat balfter den allgoneinem sinn band, 
fessel, und wird auch so postiert: in eine balfter oder fessel 
spannen. Leipziger sthi^mpruch v, 1648 bei Haitaos 782; 
f^eicherweite in folgendem: die Winden understunden sieb, sich 
ausz der halfter der bairischeu königen zu ziehen. Aventi.'« 
6<t Schm. 2, 381, was als sprichwörtliche redensart geht, da auch 
Frisch 1, 401' sich aas der balfter reiszen tediiioie ageie aus 
WoRSTisENS Basler ehronik beibringt. 

4) halfter ist bei den wundärtten eine ort binden, die unter 
die lännhacken gemacht wird, und oben auf dem köpf zusammen 
geht. Frisch 1, 401*. 

6) halfter, holländ. halfter und balster nennt man auch bei den 
vögeln den rand des schnäbelt nach dem köpfe tu. Nehnich 2, 843. 

6) balfter für hulfler, bolfter, piiloienAul/ler , ist wol nicht 
ttr jkm 18. joMiundirl angewendet (Fuscu i, «74*), «gl. boU- 

Google 



Digitized by ' 



227 



HALFTERBAND — HALL 



HALL 



228 



ter und hulfter. ähnUch wird auch bolfter ßr balfter 
als jener seiDe seele um einen trunk dem teufet vergeben, 
nahm ibn dieser mit leib und seel, sagend, weil er ein pferd 
gekiiuft, so würde er aucb den zäum oder den bolfter wohl 
mitbezahlet haben. Sciiter serktisdi. t, ii. 

7) sckaanken des geschledUs. Scbiller braucht das aori uk 
neulrum: wer ist der erste, der das balfter ttber den tigcr 
wirft? 170; in der unter 6 angefühien stelle Sc«iri»9 ist es ein 
masculinum 

HALFTERBAND, n. zügel an einer halfler: 

es King ein mann in STrerland, 

fttbn ein kamel am balfterband. Röcikm G7. 

HALFTERFÖRMIG, adj. nach balfter 6 : eapish-atus, mit einem 
balfterfürmjgen rande umgeben. Nemnicu 2, 84S. 

HALKTEBGELD, n. yachenk an einen kneehl bei verkauf 
eints Pferdes: balTlergeid sive zaumgelt donarium pro capistr» 
Stiklcr 682. vxgen des brauclies vgl. bafengeld sp. 12&. 

HALFTERKAPPE, f ein stäek leder auf dem kummeU. 
Jacobsson 6, ib'. 

HALFTERKETTE, f eiserne kette an äner halfler, womit das 
pferd an seinen stand befestigt wird. Ocon. lex. 914. 

HALFTERN, verb. 

1) eine halfler anlegen, capislrare: habenare halfteren o. zeu- 
men Dicfenb. 272' ; lialfter^i coptsfrare STtGLER?-!?; er halftert 
das pferd, equum capistrat. Steinbach 1,669. 

2) bildlich, sich abquälen, eigenUich wol wie bei der arbeU des 
haljlerns an ein;in unbändigen pferde; so steht namentlich das 
na. baltern in beiden bedeulungen. brem. wb. 2, 473. reflexiv 
gebraucht sich durch etwas hindurch halftern, sicft durch eine 
mühe oder gefahr Undwch arbeiten : bis dabin haben wir beide 
uns so dadurch gehalftert. Jung Stilling gesch. des herm v. 
Morgenlhau 1, 210. 

HALFTEIIUNU, f eapislrandi actus. Stieler 747. 

HÄLKTEVVEGS, adv., in der mute des wegs, wie halbwegs 1 
ip. 22u: mein freund begleitete mich, wir schienen schon 
unzertrennlich; als ich aber häiftewegs um erlaubniss bat, 
ibn mit in des amtmanns wohnung zu nehmen, verweigerte 
es die pfarrerin. GOthe 22, 196. 

HÄLFTIG, adj. u. adv. eine hätfte bildend oder ausmachend: 
sieben sSulen theilten den luftigen saal hälftig ab. Scheffel 
Ekkehard (18&&) s.44. 

HÄLIZEN, verb. ausgleilen : baliczen labi Diefenb. 314'; 
mundarllieh noch in Ober- und MiUeldeulschland : batr. bSiizen 
ausglUichen Scrk. 2, 166; kamtn. balitzen labere, lubricare 
Lexeb 131; im Vaigllande belzeln auf dem eise schleifen, kascheln, 
ras schon in einem osttecliischen vocab. von 1432 erscheint: labi 
beliczen oder schleifen auf eisz Fromm. 4, 304*. es gehurt mit 
sehved. hal-ka ausgleiten, ausglitschen, balkning das ausgleilen, 
bal ke glatter weg, hal-kig ^att, schlüpfrig tum adj. babi, hshl, 
mhd. baslr sp. 158. 

HALL, m. sonus, mhd. bal, ahd. nidd aufgewiesen, für den 
begri/jf eines weithin sich fortpflanunden tonet hat die deutsche 
spräche mehrere warte mit nur verschiedener anlautsstufe , neben 
mhd. bal gehl gal , und diesen lur seile steht wieder das ahd. 
verbum kallün, cballün laut rufen, nhd. kallen (S, 69). in die- 
sen würlern prägen sich alle drei stufen der anlautenden guUu- 
ralis aus; es ist aniunehmen, dass sie bereits in sehr früher seit 
wurzelhaß geschieden waren, wenn auch vielleicht selbst diese wur- 
leln in näherer verwandtschaß stehen, wenigstens wird ball nebst 
seinem verbum mhd. hellen, mit dem altn. hall-msli ülwie nach- 
rede, ladet, und hallmiela lästern, von grieeh. HcMot, tat. ca- 
lare, lü. kal-ba redt, gerede nach dem gesell der lautver- 
schieining nickt tu trennen sein, während tu mhd. gal das skr. 
khara-s rauA, scharf, siechend, was nach BOhtl.-Hoth 2, 600 
häufig von rauAen , siechenden lauten gebraucht wird , sich steUt, 
und kallen wol wieder mit skr. gar rufen, preisten (Bönn.- 
KoTH 2, 6S9), lat. garrire , gamilus in nächster verwandlschaß 
Mehl, tu ball und seinem verbum mhd. hellen gehört auch das 
begrifflich gleiche schall mit dem verbum mhd. schellen, ahd, 
scellan, welchen warten s vorgetreten ist (vyj. schmelzen und agt. 
melian , narr und mhd. snarren) , was ursprüngliches k gegen 
die lautverschiebung sehülste. hall und schall, niAd. auch hal 
unde gal werden formelhaß verbunden : hall und schall Har- 
nisch 249 ; der gal und der hal. d. mysl. 2, 236. 

hall icird gebraucht 

1) aUijemein ton jedem weithin hörbarem laute und vollem, 
tönendem geräuseh: sonus bal Diefenb. 542'; erepäus hal 151*; 
wann ich einen solchen knebelbartfressigen namen hel,te, 



der von getbOn und hall deo leuten auszasprecben ein last 
gibt. Garg. 101'; dt» irdenen gefSsz bewSrt man im hall, aber 
die menschen in der redU S. Fbanr cAroniea tos', gut gebrannte 
irdene gefässe müssen beim anklingen einen vollen ton cun sich 
geben; denn gleichwie das regal, positiv oder orgel, wenn es 
keinen wind in sich empfangen , durchaus keinen ton , hall 
oder schall von sich gibt, wie heftig aucb der Organist be- 
mühet, also kaoo solches auch von unsern leibern gesagt 
werden. Fioravanli kunst- u. weltspiegel, übers, v. Jenxis (1618) 
f. 19; Ibat es einen ball. med. mauiaffe 435; zwischen dem 
knall oder hall und der gegenstimme oder echo gibt es 
keinen geringen unterscheid. Happel aead. rom. 208 ; der hall 
der schritte in Oden straszen; 

da ging das puirer ona (an), 

mit eioem starken koale 

saut Jörg (ein mit pulter gefitUes, in den ofen gesclio- 

beues holibUa) mit lautem hale 
ein ritte durch den afen. meitlerl. fot. 23 no. 221. 

2) von einem durdi die hiß widerklingenden tone, Widerhall, 
edui: mhd. zuo gltcher wts, als obe einer stUeode vor eime 
bAben berge und ruoft« 'bistu di'Y der gal und der hal 
ruofte wider bistu dl'? d, myst. 2,286; 

nhd. bis ein Tertiger gessng 

mutliig durch die lürie drang 

und den liall sum nachrur iwang. Uaoiooiim 3, 58; 

und steliatt du auf dem felsen, 

traut llebchea, icb rufe dir tu; 

die halle sagen es weiter, 

doch niemand birt es, als du. DaLANo ged. 45; 
es liebet 
einen schalten Narziss, aber ibn liebet ein hall. >. 144; 
und jeder hall, in spall und klull versteckt. «. 157; 
wie den gcsang, den lu des liebcbens preis« 
der schsier angesiimnii aus voller seele, 
gedankoulose Iialle weitenreibeu. s. 180; 

icli weisz mir eine grölte, 

Sewölbt mit bergkrystalle ; 
ie ist von einem gölte 
begabt mit selinera halle: 
was jemand sprach, was jemand sang, 
das wird in ihr lu glockenklang. *. 397, 
wann seines Jagdhorns liebeweckend ach 
zog durch die wilder, dlTnet ich die tippen, 
und lispelt es mit leisen hallen nach. HöcataT 83; 
ich bin das bild, der Spiegel, der ball und Widerhall. 

t. 327. 
6air. hall geben, auf einen ruf durch gegetuuf anlwort geben. 
ScHM. 2, 166; in der Heanien-mundart ball geben Fromm. 6, 183. 

3) namentlich vom Uange der stimme, der warte, des liedes: 
wann gots wort ain eusserer hal, stimm und wort were. 
S.-FRAi<a spr. 2,79; wird singen ein lied .. des ball erschal- 
len wird bis an der weit ende. Jer. 25,30; 

der ball gadt durch die ganten wiit, 
das uns der lieb gott nit mit gilt 
noch keim >;tlichea werde 
gelösel hat vons tüfels rflu 

A. Blaarir ein gsang uff den p/lnjiln ; 
des gedankens Zwilling, das wort, scheint hall nur, 
der in die Infi binllleszt (nicUs als leerer lUany). 

Klopstoci 2, 59; 
wenn von diesen {handlungen) bis tum fernsten 
hall sich jede verlor, tum leisten 
lispel sich, redet es (das }ei<(Mii>(>HI:) laut. s. 82; 
nun höret Ich dooner, nun harfen, 
dann die stimme der ruTer am thron: doch der stimme gadanken 
könnt ich nicht fasseu , denn einzelne halle nur bOrt icb ver- 
nehmlich, 
und die andern versanken im rauschenden ströme der donner. 

6, 132 (Memius 18,480); 

todeshaucb verwehte deinen hall. Büaeia 76'; 
tu Priams bürg ruft uns der stimmen lautster ball. 
ScniLLsa 33; 

oft tu gebrochenem laute der mfigdlein 
zwang er den männlichen hall. Voss 3, 247. 

«on der stimme der nachtsgaU: 

still, wie leisen ball 

eiuer nachtigall 

oft sie nachgetönel. Voss 5, 202, 

armer isi die nachtigall, 

die nicht kann lerOiesien, 

sondern nur der Sehnsucht hall 

Misel sich ergiestea. RöciEn I, 830. 

4) dann aucA besottders häufig von dem durchdringenden klänge 
der posaunen und Aümer, der glocken, der trommeln: 

mhd, icb wünsch da{ im iht helle 
an dem gereil sin wallhorn, 
da; e: den hal hah verlorn, 
und es werde timmer (äumpf), lieders. 2, 427f 



uiyiiiztJU uy 



:le 



22d 



BALL— HALLE 



Halle 



230 



tihd. als das volk den bal derpounnen hOret. ht. t, 10; 
(das ross) zittert und tobet und acharret in die erde, und 
achtet nicht der drummeteo halle. Bwb 3«, 24; meine seele 
büret der posaunen hall. M. 4, it; er hat der drometen hall 
gehöret. Het. 33, 5 ; 

und grünten da den lieben lag 
mit Irommen und trommelen aehall, 
da ea gab durch den see ein ball. 

FiacHt» sc/ii/f 197- 
achweigt, unglAcliliche trommelen 1 
einea Tatera eingeneide 
wenden alch bei eurem hall. HaaDia Cid 36; 

aobaid der ball 
der crmbeln und drommelen una den dank 
dea cbora Terkündet. SroLaiao 4, 172; 

zog ihn der hall too Friedncba siegreicher trommel nach 
Böhmen. ScBiixEaltS; 

nur einer acbellen acball, 
die mit Tergeboem hall 
una in die obren dringet. Oma 3, lOT ; 
gebenedeilea, 
heiligea galAn, 
wann dea grabgeläulea 
dumofe halle webn. Toaa 6, 230; 
nach dem leuten hall der alerbeUoeken 
denkt kein meoach dea guten jaoglioga mehr. 

HATTHiaaoK geä. (1794) a. 127; 
und ea tfint der ball der glocken. Punn 5; 
daa real der pilngaten kommt im ball der glocken. 

GliBii sed. (lt>.S8) s. 271. 

t>oti dem mdaUenen tone der tcaffm, fesseln: 

{aast) die felder nicht, die berge von dem ball 
geachiagner walTen, achilderklang ertönen. Tisci 2,27; 
die lieb iat reinea apbareDrauaclien, 
darein kein ball Ton Teaaeln klirrlt. RCciht 324; 

tom tone des donntrs, vgl. donnerball 2,1244; bildlich: 

einem anderen chor entelrimeten halle dea donnere. 

KLOParoci t>, 113 (.Metsias 12, IM). 

b) endlich auch von dem klänge eines kiisses: 
wo die n-eierisclien wealen 
bulilen mit den schwanken ftsten, 
und wehn einen hall darein, 
ala ea aolten küsae aein. Fleiihg 44:1. 

HALL, n. saliicerk, woi halle 3, nur in Sdivaben und Buiem. 
Scan. 2, 167; 

welcher in aeim jungen tagen 

zu Hall im ball (aar. hal) hat block tragen. 

Peter Lexe 62 i»eim. Jahrb. 6, 426). 

das gescHedit ßlll auf; das «ort mit Schii. zu salz lu stellen, 
so dasi me früher vielfach angenommen wurde, den sonst in die- 
sem «orte erscheinenden sauselaut hier ein Hauchlaut ersetze, kann 
in keiner teeise gerechtferii^ «erden, wie auch unten der lusam- 
menhang von halle sahwerk niil salz geläugnet ist. das unge- 
wöhnliche neutrale geschlecht des vartes schaut durch allmähliche 
kürtung eines compositums veranlasst, ahd. hiesi salina haihfis 
(Gaarr 4, 1055), dos hat sieh spater in Sehtoaben su heiles ver- 
flüehligi (ScnaiD 255, woneben haat n. aowol den platt der sals- 
siedehduser, als auch die siederschafl selbst beieichnet) und ist in 
der form hall nocA Keiler lurück gegangen, so dasi von dem nun 
ganz gewichenen haus nur nocA das gescJilecht zeugt. 

H ALLASCH, m. salzschiff kleinerer art in Baiern. Senn. 1, 122. 
vgl. asch 1, &7S. 

HALLBUBE, m. wol ein bube, der sich an den verkaufshaüen 
des marktes umherlreibt , straszenbube , gassenjunge: denn wie 
Vergerius desz bapsts legat in Teutschlandc war, da betten 
in die hallbuben, als des bapsts mutter, schier mit dreck zu 
tode genorfen. Ldtheb tisdireden 245*. 

HALLBUBSCHE, f barsche der im salzwerke (halle 3) be- 
scliäßigl ist, salzMeder. FniscH 1,401". vergl. unter hallor. 

HALLE, f. im atlgemcinslen sinne überdeckter räum, das wort 
ist in den deutschen äialecten, wiewol in etwas verschiedenem, 
nachher näher anzufahrendem Mnne weit verbreitet: ahd. balla, 
tnAd. mnl. nnl. balle, allsächs. balla, ags. heal, engl, hall; 
alln. holt, schwed. ball, ddn. hal. «te verschieden auch die 
hallen ihrer bauanlage nadt sein mügen , dn gemeinsames merk- 
mal kennzeichnet sie, es ist das, dass die bedachung entschieden 
hervortritt, die Seitenwinde untergeordneten rang einnehmen, sei es, 
dast die tolleren bis auf pfeiler oder Säulen sich verflüchtigen 
{offene hallen), sei es dasz in dem grossen räume, den eme halle 
einsclilieszt , dem beschatier die decke des gebäudes viel mehr zur 
gettung' kommt, <Ui die eulfernler Mendeu und unbedeutender 



ach teigendtn seilenwände, von dieser vorzüglich ins äuge fal- 
lenden eigeuscha/t der halle, die somit wesentlich als überbau er- 
sdieiut , scheint sie auch iliren namen empfangen su liaben , der 
wol mit tat. oc-cul-ere verdecken, verbergen, cel-are verbergen, 
griech. xaHnreiv verhüllen, bedecken, xfvnratv verbergen in 
engem eigmologischen zusammenhange steht, zur verwandlschaß 
gehört auch das goth. baiiu-s fels, den man sich auch sontt als 
deckend, überhangend vorstellt, sowie goth. haija, mhd. helle, 
»hd. hülle, worfitier unter diesem werte mehr. — halle sich unter 
anlehnung des eben erwähnten goth. hallus zunächst als steinbau, 
felsensaal tu denken, gelil, wen« man die eigcnheilen der ältesten 
deutsclien bauart berädcsichügl, in keiner «eise au. 
halle beieidinel: 

1) das wesenlliclt an den seilen offene, nur überdadUe bauwerk, 
das titeils als blosser schuppen in scMidUer ausführung sich zeigt, 
so landschaftlich in Baieni: bolzballe, Wagenhalle, zeughalle 
Sum. 2,166; lugurium balle DiEriSNa. 601'; phola balle 223'; 
theils in reicherer ausfükrung ah gebäude erseheint, das wenig- 
steru von einer seite ohne wand ist; so heiszen die öffentlidien 
niederlagen von handelswaarcn ballen, und ist dieser ausdruck 
für die Sache schon all, da bereits das mittellat. balla, sowie das 
franz. halle das wort in diesem ssnne verwenden: Sempronius 
hat die hallen oder gSden zu der gemein gekauft. Bihel 
Liv. 802; als doch gewoolich alle stelle iu iren hallen zu 
Frankfort ordenung hallend. SIraszburger quelle des 16. jalirh. 
bei ScaKRZ 1, 506; balle, laberna, domus mercium, und daher 
auch forum rerum venalium bei Kii.ian; io lieisit ferner der nur 
theilweise mix Seitenwänden versehene vorbau eines hauses, eines 
öffentlichen gebäudes, einer kirdie eine halle, was mhd. auch als 
loube bezeichnet wurde (vgl. auch vorhalte): porliciu halle 
DicrENB. 448*; ball portieus Alb. x3'; in der halle oder vor- 
scliupfe Pelrareha 86' ; und sind alle diese dinge geschehen in 
dem dorfe N. roehrgenannl unter der ballen vor des zent- 
grafen bus. «eisth. 4, 544 {im selben bände s. 662 no. 25 ist für 
halle bahle su lesen, ein kesscl und ein halilc, vgl. sp. 158). 
in dem letztern sinne wird es von LtiTHEB häufig angewendet, es 
übersetzt, wenn in der sepluaginta niciä das hebr. ailofi siehen 
geblieben ist, griech. oxod, Iat. portieus: bawct eine balle für 
den tempel, zwenzig eilen lang, nach der breite des hauses, 
und Zehen eilen breit für dem liause her. l kön. 6, 2; er 
bawet auch eine balle von seulen. 7,6; und bawet auch eine 
halle zum richtstubl. v. 7 ; für der thür am tempel des lierrn, 
zwischen der halle und dem altar, da waren bei fOnf und 
zwenzig meooer. lies. 8, 16; bis an die balle am Innern 
thor, da man hineingebet. 40, 15; (das thor) halte sieben 
stuETeo, da man hinauf gieng, und hatte seine halle davor. 
40, 22; und er mas die lenge des gebews ... dag war auf 
jeder selten hundert eilen mit dem Innern tempel und hal- 
len im Torhofe. 41, 15; und Jbesus wandelte im tempel in 
der balle Saloinoois (jgolh. in ubizvai Saulaumonis, ags. on 
Salomooes portice, bei Behmm in den schöpfen Salomünis). 
Joh. 10, 23 ; lief alles volk zu inen in die balle, die da hcisset 
Salomonis. ap.gesch. 3, II; und waren alle in der balle Sa- 
lomonis einmiitiglich. 5, 12. aucA von den offenen hallen um 
einen heilkräßigen teidi: es ist aber zu Jerusalem bei dem 
scbafbause ein teich, der heisscl auf ebreiscb Beihhesdn, 
und hat fünf halle, hh. 5, 2. nach Li;TnER wird doch das 
wort in gemeiner rede nicht mehr redit gebraudit, Stibler 737, 
Steinbacb 1, 670 eerzeicAnen et zwar, aber, wie namentlich aus 
Steinbacbs erklärung prodomus lempii, veslibulum lempU hervor- 
geht, doch nur, wal sie es in der bibel fanden. Frisco 1, 40l' 
kennt das wort nur als veraltetes; ausser im technischen gebrauch 
(s. auch unten 3) und in einigen Zusammensetzungen (». oben 1) 
mocUe es wol um 1740 nicIU mehr vorkommen. 

2) die emeuerung des Wortes geschah nach der 2. hälße des 
IS.jahrh., Kahler in der einleüung in die schönen wissensch. 
1774, .1, 222 zälilt es unter den allen Wörtern auf, die dichter 
wieder aufnehmen: anstatt verdeckte gilnge oder vorböfe sagt 
ein poet die balle, anßusz auf das wiedererscheinen des Kor- 
tes hal wol sunädist einerseits das englische gehabt, wo das worl 
in stetem lebendigen gebraucht war und ist, andererseits das all- 
nordisdie; wenigstens fällt das neue voriommen von halle mit der 
zeit zusammen, wo man sowol mit Vorliebe den englischen familiea- 
Toman und Ossian in deulsdien Übersetzungen las, und wo das 
interetse an Sliakespeare sich in reger weise geltend madite, als 
audi, wo man in Deutschland das Studium der Edda betrieb und aus 
dieser den ganzen ajiparat altnordischer gotlheiten in die deutsche 
lUteralur einzuführen strdHe. aber durch diesen einflusz erlajs 

uiyiiiztJU uy W— ■ v^ v^ -4 Iv^ 



231 



HALLE 



Balle— BALLEN 



232 



lufilrich das vort ntben setntr bleibentlen bedtiäiing 1 (irir sprrcAen 
ttuch heute in diesem sinne Ion einer offenen balle), die durch die 
aulorilAI der bibelsprache gestOltt irurde, einen modificierten sinn. 
Uas alts. Iiall.1, agt. Iieal, engl, ball, alln. böll, halte im 
grgensal! :n der bed. I den grosien, an den seilen gesthlossenen 
räum mit breitem dache beieichnel, den hauplbau eines hofes, den 
räum, der grusxn Versammlungen, bewirtungen und ernsten ge- 
uhäflen diente, und der im allt. auch seli, seli-hus, ahd. sal, 
tnhd. sal hiest, was m letaerem dialecle nicht immer streng von 
dem fremden palas gesdiieden üt. auch auf den hauplbau einet 
goUedutfet war das wort besagen worden, ags. beal heistl auch 
templum, eine bedeulung, die bis ins ahd. hinüberreieht : halla 
templi GiArr 4, 8&9, so gut wie ahd. sal templum baeichnd 
(u, ITC), hierauf hin wurde balle in dem sinne eines weilen und 
grossen, einheitUchen raumes verwandt, mochte die Überdachung 
desselben gewölbt sein oder aus breUerdedu bestehen und das ge- 
bäude heiligen oder profanen zwecken dienen: diese merkwär- 
digen ballen und pfeiler (des Kölner doms). Götiie IC, 287; 

wirke I das ist das grosie gesell. In der lialte 

marmor geliauen. Kionroa 2, vi ; 

aurt schon tönet ilir sclirilt, naht die TortreOlichlieil 

in der balle. «. 87; 

der tempel schwieg, wann dumpf die lilocli erklang; 

gehemmt sank erdwArts der gedanken (lug; 

der ballen weisse grabsieinwtnd' entlang 

ferscbwand im dunkel der Teslalen tng. 

MiTraissON ged. (1794) t. 58; 

wie wenn • . urplölilich wild, 

der birner lirm, der bässe rauschen 

die halle railt. Gott» I, 154; 

in diesen mauern, diesen hallen, 

will mir es keineswegs gefalleo. GftTBi 12,04; 

mit göllern erfDIIt sich 

die irdische halle. ScHitLia 50>; 

n-eude war in Trojas hallen. 61'; 
nimmer lausch ich deiner walTen schalle, 
einsam liegt dein eisen In der balle, rdufter 2, 2; 
hier prangte vor leiten ein lustiges schloss, 
das langst scnon in srhutt und in irümmer lerschoss. 
noch wölbten sich kellcr und halle. 

B8aci* l^nardo *. Btamtin«; 
du schauest in des lempels hallen. Umland ged. 3; 
die sirge seiner ahnen 
sUnden die hall entlang, t. 198; 
vernahmst du aus hohen hallen 
Saiten und restgesang? 1«7; 
als knabe stieg ich in die hallen 
verlasiner bürgen oft hinan. 223; 
in der hohen hall sasi kOnlg Siflrid. 22.'>; 
die mauern liegen nieder, die hallen sind lerstArt. 392; 
ihre {der bürgen) mauern sind verrallen, 
und der wind streicht durch die ballen. Kvcua; 
doch wie der krieger aus dem schalle 
des ehrnen felilea still lurück 
sich sehnt nach seines hauses halle, 
des lebens beim gebllebnem glück. RöcssaT 221. 

auch von dem grabgewöibe, der gruft: 

in des grabes halle 
Terslumroen pOicht und recht. Goma 3, 342, 

wofür UaiAND scblummerhalle braucht: 

drunten in der schluromerhalle 
ruhen sie beisammen alle. ged. t. 6. 

und in gans freier anwendung: 

auf des moders halle feiert 
rrfibllngsreste die naiur. Suis 12S. 

so hat sidt das wort voUstindig wieder eingebürgert und wird vtH- 
fach nkht nur von dichtem gebraucht, und swar in dem doppel- 
ten sinne eines offenen, nur bedachten raumes, und dem eines 
seülieh geschlossenen grasten taalbaues; so haben wir einerseilt 
marklballen, die dem kaufe und verkaufe dienen : es (die kreut- 
(Idii$r) sind bedeckte ballen, meistens mit krcuzgewolben 
versehen, im Viereck einen garten oder begrSbni.'iplalz um- 
scblieszend. LOaae abrist d. gesch. der baukunsl (18«1) s. 144; 
andrerseits nennt ein Schenkwirt der dem publicum ein gerdumiget 
local eröffnet, dasselbe weinhalle, bierhalle, der kaufmann seinen 
grossen laden kauHialle, waarenhalle; und je nach den darin 
tvrihni/len gegensldnden spricht man von einer tuchhalle, lein- 
waodballe, lederhalle; tumer bezeichnen das geiiiiude, worin sie 
ihre Übungen anstellen, als tamballe; ein grosser saal fir cor* 
certe heittt lonhalle , für die autstellung und den verkauf von 
kunslgegensUnden knostballe, bilderballe; dichterisch hat man 
auch von einem platt, Afrer den das laub hoher bdume lieh wölbt. 



baumballe gebildet. «$1. auch bucbenhalle 2, 471, sdum aus dem 
j. 1779, wofür etwa gleichseitig auch bucbengewölbe erscheint. 

3) halle der platt für die bereilung und aufbcwahrung des 
saltes. man hat geglaubt, dieses balle von deutschem Ursprünge 
völlig lösen und ilim auf grund des kymrisdien hal satt eine 
keltische abkunß zulege« tu müssen; indes Diefekbacu in Jahns 
Jahrb. 1858 s. 751 fg. hal uns belehrt, dasi dieses wort, sowie die 
nach ihm gebildeten Ortsnamen Halle, Halleio, das echt detäsche 
balle ist, hier auf den offenen scht^pen in dem die saltwirker 
arbeilen, Ken iioxrf bezogen, wofür auch die Zusammensetzung 
salzhalle ne6cn saJzknthe (Frisch 1,401') spricht: komet ourb 
eine clage usz der balle umb kotbstete . . so sollen die 
bomemeister mit den scheppen zcu band darczu geben mit- 
einander. Hallisches Ihalrechl aus.d. 14. jahrh. in den millheil. 
des thür.-sächs. alterthumsrereias bd. II s. 441 ; armen knecblen 
die sieb in der balle vorerbcilhel haben. >. 442; vor der .. 
bornknechte bSuser, die nicht gar zu weit von der balle 
oder den tbale gelegen seind. Hohndohf beselireibg. des sali- 
werks tu Halle in Sachsen, neu ron Drethaopt >. 3S. in Baiem 
und Schwaben sieht dafür das neulr. ball, über das oben sp. 229 
gesprochen ist. 

HALLE für balde, vgl tp. 221. 

HALLEBARTE, f. s. hellebarte. 

HALLELÜJAH, HALLELÜJA, der hebr. jubelruf rtJ-ilbVn 
P'eisil galt, der aas den psalmen (als alleluia) in die lateinischen 
Aytnncn der dttistlichen Urche, durch Luthei auch m das deutsche 
ÜrchenUed übergieng: 

des wir sollen (Välich sein, 

golt loben und dankbar sein, 

und singen haleluia, haleluia. werke 8, 359'. 

ttU dem W.Jahrhundert vielfach gebrauehl, in hymnen und andern 
stücken religiüsen Schwunges: 

halleliija dem ders gemacht I 

halleliua dem ders gegeben! F>. MiiLn 1, 19; 

lebst noch, hen? lebest, ach ja! 

du lebest, o halielujal 

wer bat dich errettet, wer dich beschOtset? 

der aus den wölken auf verrither blitiet. 

balleiuial 3, 2ä7; 

auch als tubstanlivum : 

wenn Ich mich in die jubelchAre. 

mich in den ruf der frohen balleluja dringe, 
der laut enttückungen ruft. Klomtock 7, 2!)4 ; 

doAer.' seit der stunde singt es durch alle meine gedanken 
und empfindungen immer und immer wie ein himmlisches 
ballclujab. InaERMAKK Mnnchh. 4, 136. aber es ist aucA volk^- 
miszig geworden und schertend in profanen gebrauch übergegangen, 
wer mit einer schweren arbeil fertig geworden, ruft balleluja h, 
freudiges bewe^ leben, auch in einem wirUiiause, hürt man im 
Oslerlande ein ballelujab nennen, wol nicht ohne .dasz die sub- 
stanlirisch gebrauclite interjection hailob (s. unten) hierauf ein- 
gewirkt haben mag; bekannt ist die triviale redensart aus dir 
wird nichts, ballelujab, die einem allem stttdentenHede ent- 
stammt , und in der , wie auch sonst öfter und namentlich in 
den oben von MOli.er gegebenen stellen die belonung ballel6jab 
der ballelujab gewichen ist. 
HALLELUJALIED, n.; 

will ich mein volles hen 
in heisiem hallelujaliedern, 

ewiger vaier, vor dir ergiesieal KtoHTOca 1,61. 

HALLEN, t«r6. tonorr, eine bildung aus dem subst. hall, die 
das starke verbum hellen tönen, mhd. bi^lleo, prt. hal, seit 
dem 16. jahrh. schon . ttUmdhlieh verdrängt hal. oJvoJ das wort 
schon im 15. jahrh. auftaucht (sonorus Int balend DiEFEaa. 542'), 
isl es dorA bis int 18. ;aArA. Mnein noch in settenerm gdnrauch, 
vgl. erhallen 3. 834, ballen sonarr clangere, sirepere Stieler 734 ; 
recht häufig wird es erst, namentlich in der diclilersprache, seit der 
tweilen hdtfle des 18. jahrlmnderts. die allgemeine bedeulung einen 
lauten, weilUn schallenden ton von sich geben, ist in mehrfacher 
weise ausgesprocium. 

1) rein passiv, das subjed wird durch fremden, nicht von ihm 
ausgehenden hall bewegl, den es aufnimmt und cerbreitet: das 
berg und Ibal davon (von den bergreien) ballet und erschallet. 
Mathesios Sar. vorrede; 

der njtmphen gtttin singt, die fivhen baine hallen. 
Hachiorii 2, 117; 
die lOne 
hallen von reitergalopp und gebeil der spürenden rneul«, 

USaotR 246' i 



Digitized uy 



.bgle 



233 



Hallen— ttALtENRdtcBe 



tlÄLLEtt 



234 



im Strome der melodie xnm hallendan oeean 

der allvollkommonbeit. Hudii» 20, 111; 

bt dir nicht wolil beim niberen himmel? 

nicht wohl im ballenden TeUen? SroLauc 1,105; 

im donner der hallenden TeUen. s. 104; 

wir acliweben, wir wallen auT hallendem meer. 

II>«DS> der eulant {toUuUcdtr 2,287); 
bals nicht gedonnert? ja! e« hallen noch 
die berge dfumpf. Ubland LuHieig IM); 

vgl. wiederhallen. 

2) aäh, der hail geht vom tubjecte aus, wird aus demselben 
ertewH; und iwar ist das subjed ein unbetebtes, der am ihm 
etilspringende halt das product fremder thtligkeit; so hallen laut, 
stimme, «ort, lied, töne, glocken, utaffen: ein dumpfes stnbnen, 
ächzen und (odesröcheln und gebeul der Terzweiflung balllc 
in dem felsen. Klincer i, 36!>; er lüszl seine Jamben den 
mächtigen hallenden gang fortsetzen, der unserer spräche 
eigen ist. BSrcer 14o'; das todtenlied nusz noch in deinen 
obren murmeln, das deinem vater zu grabe ballte. Schiller 
124 {räuber 3,1); 

auf Odem strande, 
wo keines menschen stimme hallt. Gonaa 3,454; 
trauertöne hallen 
durch die 5de luft. «. 630; 
todt', erwacht! die posaun ballt 1 Klopstocx 6,274; 
(riblich hallte der pokale lauten. 

HtTTBissoN geä. (t7S4) t. 31; 
unter dem ahorn, an der felsenquelle, 
horcht Ich sinnend der nachtigall; elYsitch 
hallten, cleich harmonlkatOnen, ihre 

silberaccorde. t. 48; 

wo der see, mit grDner welle, 
dumpf der moosbedeckten seile 
schrolfe klippenwehr umschaumt, 
ballt dein nam in stiller feier. s. 115; 
kOhn liest ich durch die todtenstille nacht, 
Terlorne mOb I der stimme klang erschallen, 
liest durch gani Ilium den theuern namen ballen. 

ScHiLLU 37; 
Ifine drein, gewölbte leier! 
ball am felsen, wiederklang! Böaeia 1'; 
hallend stünt er dabin, und Ober Ihm klirrte die rOstung. 

219'; 
hört, es ballen herdenglocken 
auf der irift am hohen roggen. 

SsuiK der lag rfe>' heuernle; 
dort, wo des belies scblige fallen, 
einsame waldhomkUnge hallen. Üblakd ged. 296; 
klinge, prophetischer klang! halle, verlliegendes wort! 

AaitOT ged. (IS40) s. 189; 
man hSrte walten ballen den beiden an der band. 

giaaocK Nibel. 1915, 
wofür im mhd. texte nach der oöen gemachten bcmerkurig noch 
das starke verbum bsilen steht: 

des hdrt man wSfen bellen den beiden an der hanl. 
1915, 3 iMchm. 
Hier «ird auch die ßgung mit dem unbestimmten es gebraucht, 
trenn man das hallerzeugende subject nicii näher beiachnet: es 
hallt im walde; es ballt auf der slrasze, sind das nicht 
schrille der soldalen? oder trenn die Ursache des halls durch 
Ton noch atisdrücklich liei vorgehoben wird: es hallt im walde 
Tum gcsange der vögel. 

3) das subject ist ein beUble«, das den hall in eigner Ihäti^U 
hervorbringt : 

ihr (i/er freiheil) oabt ein drommeterhear, 
das lauter ballte, denn die «Isen 

klirrten, und koieend sie gOttin nannte. 

KiorsTOCit 7, 29; 
und In dem beiligthume hallen 
um deinen magischen allar 
durch blDthenflocben nachilgallen 
dem schonen neugebonien jahr. SsiiM der mai. 

4) hallen wird endlich transitiv verwandt, wie die ähnUdm 
Wörter brausen, klingen, schallen, tönen: 

ihr gestirn hier in der strnsze des llchu, hallis felrend, 

des erlösenden lob! Klopstoci 6, 251; 

es darf das lied der holden nachtigallei» 

mich, hingestreckt aiiF flauraen oder rooos, 

wol in den schlaf, wol aus dem schlafe ballen. BDasta 69'; 

Laura betet! engelharfen hallen 

frieden gottes in Ihr krankes herz. 

Mattbisson ged. (1794) s. 124. 

HALLENGANG, m. bededder, an den seilen offener gang, nadt 
halle 1 und i am sehbase: ein breiler, auf der einen seile 
mit pfeilem gestützter hallengang. Stolberg 7, 44. 

HALtENKIRCHE, f. larche mit drei gleich hohen und geräu- 
migen schiffen; der name für diesen doch schon früh millelaller- 



lidun bau ist ein ;ani junger, odirol bereits eingebärgert: in- 
zwischen halte eich scbun während der herschaft des rund- 
bogens eine merkwürdige richlung . . in der wesiniischen 
arcbitcctur bahn gelirocken, welche auf eine völlige Umge- 
staltung des basilikenbaues , auf anläge von gleich hohen 
scbifTen bei gleichen gewOlbtheilungen ausging, man nennt 
diese neue form am bezeichnendsten hallenkircbe. LObke 
abriss der gesch. der baukunst (1861) s. ISO; daneben tritt nun 
anch die hallenkircbe schon in frflhgolbiscber zeit auf. s. 203. 

HALLER, HÄLLEK, m. 

1) nummulus, obolus. die gemeine meinuvg, dass diese mtnse 
ihren namen von der reichsstatll Schwdbisch-Hall , wo sie zuerst 
geprägt sei, empfangen habe, und dasi baller elliplisch statt Haller 
Pfenning stehe, wird dadurch geslüizl, dass in Schwäbisch- Hall 
schon frühe und reichlich mümen nach eigenem werlsystem geprägt 
wurden, die einer grossem Verbreitung genossen, und dost wie es 
Halter pfund gab (quadringenlas libras Hallenscs. Du Cange 
t. Herscbel 3, 61S'), so auch bei Scna. 2, 168 baller phenning 
nachgewiesen werden, für welche bereits um 1300 die lateinische 
bezeühnung Hallenses statt denarii Hallenses üblich war. dem 
gegenüber haben ältere forscher, namentlich Frisch und Adeldng, 
die ansieht verfochten, dass haller ron halb nicht tu Irennen und 
auch etymologisch mü der gleicliwerligen münze belbling {s. d.) 
in enjen Zusammenhang zu stellen sei; aber diese ansieht filU. 
da haller erweislich eine oberdeutsche münze mit oberdeutühem 
namen ist,,die sich erst im ti.jahrh. bis nach Niederdeutschland 
rerbreUel (denarios hallenses aucAt'n Friesland, RicHTHorEit 793') 
und im oberdeulsdien halber <i>A nicM in haller assimilieren 
kann, gleiclier bildung wie lialler sind Ibaler, früher Joacfaims- 
Ihaler, das von JoachimsUial kommende, Schrerkenberger, das aus 
der grübe Sclireckenberg bei Annaberg stammende geldstück, ferner 
Münchner, Wiener, Kegen.opurger, s. Sch». 2, 168. neben der 
form hallcr, mhd. hallaere (ir6. 1, 613') ersclieinl die umgelautete 
form heller, über die an ihrem orte weiter gesprochen wird, zuerst 
im 15. jahrh., bäller, was nocli Lessmc (3,72) braucht, etwas 
später. 

haller, bäller kleine mün» ron geringem, wert : obulus baller 
DiErE!«B. 391'; ihrer zwei maclien einen Pfennig aus: uncia ein 
Pfennig, semuncia ein haller Dasvi>. ; für ein tennen lallen 
von sant Lorenizen walde ein pfenning zu hawen, drei heller 
zu fueren, facit 5 haller. Tocheb baumeislerbuch 74,32; von 
einem sieinkeil zu scbweiszen [bekommt der sehmid lohn) drei 
haller und 2 pf., für ein lumer ein haller und elllirb zu 
dreien hallern. 100,20; wollen im aber die von Raden nit 
holz geben nach siner noilorfl ze husen, so möchte er selhs 
howen zem Unschädlichesten, das er gehusote, und ufT yeden 
Stumpen vier haller legen und sölte damit dan gebdst haben. 
weisth. 4,400; 

mancherlei muntz, biller und Pfennig. 

H. Sachs 4, 3. 80*. 

haller ßr münze oder geld überhaufA: 

was mir dorinn (fm dorfe) die bewerin 

geben ist lauter guter gwin, 

es sei schmält eier oder haller, 

darmit speist ich mich armen waller. 4,3,80*, 

wir seint die selben (i-umen leut, 

ob man uns nimmer haller geil. 

HuRMR schelmentunft 14*. 

In mancherlei weise wird der umstand hervorgehoben, dasz der 
haller einen möglichst kleinen wert hat: 

frau, wie gehl Ir der iwifal ein schock? 
die teilt mir her in meim rock! 
west leb neur, das sie mir bekemen. 
Ich wAllt Ir rar ein ganten baller oemen. 

faulH. sp. 369, 29; 
Ich gib ein haller an der sieur, 
der ist mir doch vil tu schwer, 
albeg steht mir mein seckel ler. 1350; 

namentlich in sprichaOrIlichen redensarlen, den haller nicht haben, 
gar nichts, keinen bällcr bezahlen : dieserwegen sollst du auch 
keinen bäller für. mich bezahlen. Lessing 3, 72 (nacA.- libellam 
pro eo argenli ne duis. Plautus capüvi 5,1, t>. 947); 

ja, bastu mir einen haller da glon igelnueni, 
so mues ich niemer hie hinnen koo (kommen). 

fastn. tp. 840, 20, 
dann disem volk Ist wol darmit, • 
dast man den bandet trtli und trjfbt, 
dast uns nit ein haller bijbl. 8!tl, 7; 
und wer die sach noch so krumm, 
so Wirt mir nit ein bnller drumb, 
weder letund, vor und noch, 893, 18; 



uigitized by 



Google 



235 BÄLLER— HALLO 

ein spiller bei venpillet al tein gaeier, 
das er nur ein lialler beliielt. 

meitlergeB. der Bert, hätclir. fol. 23, no. 33 t 

alles bei einem haller Tcrlieren, ad assem otnnia periere. 
miLEK 207'; 

was gebt ir dann, ir schtranen buni? 

suchi es neiir als berDir zu slunll 

ich liest euch nit ein hallers wen. fatln, tp. 186,24; 

in anmina, die wirdlio wolt im ein baller nicht nach lasgea 
(an der teche). WicaaAH roUw. US, 20 Kurt; 

do hab ich ierlich iweihundert guldin Ton, 

do gat mir nil ein haller ab. K. Mahuil fattn. 362 Grftn ; 

sondern du musl mir laln darneben 

mein esel bei eim hiller glat. B. Sicas 4, 3, 79*; 

Dicht einen hällrr wert sein, gar niehts; 

der dieb Ist kaum drei biller werth. B. Sicat 4, 3, 25*; 

zum baller geboren sein, xu geringem; 

an dir ist alles gl&ck vertom 
und bist lu dem haller gebom, 
darumb kompst du tu keim groschen. 

l. Aiau 2I7< (1083, 23 JTeUer). 
teeüertt unter heller. 

2) nach der niiinie vird auch ein Ueinet tceiszbrot, um diesen 
;ireM verkauft, ein büller genannt. Jacodsson 2, 197*. 

UÄLLER, m. assimiiierie form für baller (s. d.}, /ischbehäUer : 
gott bat seine groszen teicbe und b.lller, das meer, die see- 
ströme und Oässe, da wimmells ohne zahl, beide' grosz nnd 
lileine thiere. Sciitcr andadüen (1721) s. 393. 

HALLEBDE, f. die steinigen Iheile, wdche sieh beim saWiereiten 
absetun. Jacobsson 6,15'. 

HALLER WERTIG, adj. eines hellers wert: batt (hielt) im sin 
wStschger {ranten) für. Anaximenes schweig still und gieng 
beim, do sprach Diogenes : was ernstlicher red ist das gwSsen, 
das ich sj mit einer ballerwärligen tascben gslillet han? 
Diogenes (I&50) 6'. es entijirichl diesem wart das bairische subst. 
ballerwert , ding das einen heller wert iä (Scdm. l, 316), kos 
auth in den formen halbert, helbert (Scbm. 2, 169) erstÄeini. 

HALLFAHRT, f. eine fahrt oder ein transport sah auf der 
Salsaeh. Senn. 2, 167. 

HALLFORST, m forsl, der tu einer saline gehört. Schm. 2,187. 

HALLICHT, adj. sonorus, sonans: hallicbte saiten, chordae 
sonorae, sonabües. Stibler 734. 

HALLIG, HkLUG^adj. procUtis, für baldig, baldig, wie 
balle sp. 221 aus halde wird. Hebx Seneea bei Lessi!<c 11, 624. 

HALLJAHR, m. im alten lestamenl jubel- und feierjala; das 
durch den hall der posaunen verkündet wurde: und ir solt das 
funfzigst jar heiligen, und solts ein erlasjar beiszen im lande, 
allen die drinnen wonen, denn es ist ewer halljar, da sol 
ein iglicber bei euch wider zu seiner hab« und zu seinem 
geschlecht kernen, denn das funfzigst jar ist ewr halljar. 
ir solt nicbt seen, auch was von im selber wecbst, nicht 
enidlen, auch was on erheit wechsl im Weinberge nicbt lesen. 
3 Mos. 2&, 10. 11 ; las die priesler sieben posaunen des ball- 
jars nemen. Jos. 6,4; wenn man des halljars hom bleset. 
V. 5 ; kund man abermal nach dem geselz Mosi solchen kauf 
meistern, das man das halljar in solchen sachen hiebe und 
nichts ewiglich verkeufle. Ldtber 1, 198' ; daher in freier und 
biUUeher Verwendung: nnd es wird ein ewigs frei jubel- und 
halljar «ein. Mathesios Sar. 94'; unter jedem regierenden 
genie — in der pbilosopbie und in der dicblkunst — tritt 
gleichsam ein erlasz- nnd balljabr ein, wo nicht gesaet werden 
durfte und die freie ernte den sklaven, armen und tbieren 
gehörle. J. Paol kam. anhang s. TU. 1,102; 

wohin des adlers {des kaiters) aufsieht blickt, 
da muss diss jabr ein balljabr beiszen. 

GAatnta prot. 128. 

HALLKNECHT, m. arbeiter im sahwerke tu Halle a.S. Houn- 
noar beschreibung des salswerks ; s. ballor. 

HALLLEUTE, plur. die arbeiter im salswerke tu Halle a. S. 
(crrjl. hallorcn): daher . . die hall-leute selbige nacht die 
zugange nach der balle mit salzkorben Terscbanzten. Dibt- 
hauft Saalkreis I, 970. 

HALLMCISTER, m. siedemeister in einem saliwerk. 

HALLO , HALLOH, /ai4<er onireüeiu/n' suruf. eine impera- 
üvische bildung, die sich in doppelter form feslgeselit hat, insofern 
die interj. holla (s. d.) nur als eine ntbenform tu hallo erscheint. 
m ^ruiide liegt das ahd. verbum balAn , holün (Gsaft 4, 8»0), 
mhd. haln und holnj wMitm, wie unter holen nachgewiettn wird. 



HALLO— BALLOft 



236 



die eigentUehe bedeutung erschallen lassen, rufen, dann herbeirufen 
inne wohnt, der auslaut des Wortes enthält jene mhd. parlikel i, 
die sicli an andere laut ausgerufene wOrler {sowol imperative ab 
subslanliee und parlikeln) hängt und sie dadurch sinnlich tu inter- 
jectionen slempell {gramm. 3, 290). so ergeben sich zunächst dit 
formen bali und bolä , von denen die erstere noch jetzt in der 
bauernsprache in Düringen lebt, wo man bklA ruft, wenn man 
sich vor einer Ihüre meldet und angehürige des hauses herbeiziehen 
will, während hol! als turuf an diener und aufwartende bereits 
mhd. erscheint {gramm. 3, 306) und namentlich auch um den am 
andern ufer btßndlichen fahrmann herbeiiutiehen verwendet wird : 
bola, ferg! Zarkckk univ. im mitttlalter 94, 13. unter dem ein- 
flust einer verschieden sich gestaltenden belonung gehen beide wort- 
formen mehr auseinander: bei bola, holla bleibt der ton auf der 
ersten silbe, während er bei hallo ungewis seit wann (das düring. 
oben genannte bali, balli ist wie holla betont) auf die letzt» 
überspringt, jedenfalls deswegen, weil man die lettte silbe hier beim 
lauten ruf lang ausklingen liest, was tugleich die verdunkHung 
des ursprünglichen 1 in A hervorrief. 
hallo, hailoh steht 

1) imperaftriscA, als turuf an entfernte: sess ein man im 
dorf zu Costbeim und bette ein schifflin oder ein narben, 
und sess ein mentsche binsit Meyns, oder uff diser sitleo 
und riff dri male hallo, hallo! wolt der ferge ine dan nit 
halen, so mag ine dere mit sym schiBTelin oder nachen halen. 
«•fislA. 1, 530 (ron 1471); so ähnlich die gewöhnlichen ausrufe 
hallo! leule herbei!; hallo! ist niemand hier? dieser gebrauch 
auch beim engl, halloo, vgl. Shaketpeart kaufmann ron Venedig 
6, 1, IFO Launeeltt zwar sola! sola! ruft um teufe herbeizuführen, 
Lorenzo aber antwortet: leave ballooing, man. dann ist bailoh 
heltruf bei der jagd: 

der wild- und rbeingraf stiesz los bom : 
bailoh, bailob, su (Ust nnd ross! 

Böacu 71* (der wild» Jäger), 

so t. b. auch an hunde, Güciinci 3, 18, das frant. halcr baller 
hunde anhetzen mag hiernach aus dem deutsche« erborgt sein, 
endlich und häufig steht bailoh aucA ab laulrr an- oder ausru^ 
6ei fällen einer erregung, freudiger oder tomiger: 

hailoh! wach auf, du fQrst von Burgundl 
dein kOnigsgesebmeide besudelt ein hund I 

Bliaeu 33>; 
hailoh, nun drücke sich, wer zagtl 
austritt der Bbeinstrom mit gebrause, 
scbiesit in die gasseo ungefragt, 
und macht sich breit Tor jedem hause. 

FailLictATR glauheHStekennln. 221; 

wofür BllRCER aucA die trweiterte form halloha traucU; 
halloba! halloha! werft lu nun, baut lul 60^. 

im atufrruM der freude ist ein balli hallo gewöhnlich, so im 
studentenUede : 

balll ballo, halli hallo, 

bei uns gebu immer so; 

halli hallo, balli hallo I 

buchbinder sind stets (Tob. Schade kanämerkstitder 17. 

2) hailoh wird substantivisch verwandt, für gelümmel, geschrei, 
lärm, ähnlich wie aus dem rufe all arme das subä. alarm, lärm 
erwächst (1, 200): kam von vielen Sachen, um die sie anderer 
orten ein groszes hailob erbeben, nichts Aber die gemarkung 
binatit. UMSaUANN Münchh. 4,116; 

was ntr hailob, dli teufebweibf Btaaia 49'; 

und mit hihi, haha, boho 

verfDbr ich ein beständiges hailoh. GOmt 11, 339; 

wie der wilde jiger 
bin ich turfickgekommen, wie der Sturmwind, 
noch saust der kopl mir von dem tollen rennen, 
und hinter mir die beiden mit halloh I 

TiicK kavi. Oetavian 2, 4. ad. 

HALLOR, m. arbeiter im saltwerke zu Halle a. d. Saale. 

Wie man halle in der bedeutung saltwerk (sp, 232) versucht 
hat, alt anen in Deutschland gebliebenen resl keltischer sprach» 
hintuslellen, so führte man ballor oAne weiteres auf ein kymrischet 
hal-wr tahmann, saltbereiter, lurück. abgestiten davon, dasz 
ein sobAei «ort im iymrucAen nicht nachgewiesen werden kann 
und Ihatsächlich nicht existiert, ist tunächst darauf aufmerksam 
tu mache«, dast ballor eine lekr junge erscheinung ist, die tor 
dem lettten viertel des 17. jahrK %ida auftaucht, so zahlreich auch 
die «Otiten über das saltwerk lu Halle seit dem 14. Jahrhundert 
sind, so wird das wort doch nirgends gebraucht, weder in Urkunden, 
noch in getekichtlitktn noUttn; die thalordnung aus dem U.jahrh, 



uiyiiizfc^u uy 



ö'' 



237 



BALLOR— UALM 



HALM 



238 



trauM dafür «alzknecht, «in tiamc ätr tidi tthr lange erhält, 
da»tbm gehl tu einer aufiekhnung von 153& (bei DiEYBAurT 
Saalkreii 1,970) balWolk und hallleute, Oleirius halygraphia 
(1660) gewährt ballbursche 1,369 und HoBNDotrs beschreibung 
des miiKerks tu Halle (1670) ballknechl. luera kann ich das 
iport naehmeisen in der beschreibung einer erbliuldigung von 1661, 
«0 es bereits als getnihnlichtr ausdruck erscheint: go sind auch 
die balloreo «r. cburfOrstl. durcbl. entgegen gezogen. Dbct- 
HAOPT 1,510; kam eine compagnie halloren und «alzknechle 
mit musqueten in ihrem genöbniicben babit. das.; ferner von 
1689: marscbireteo die balloren mit Biegender fabne und 
klingenden spiel, i. 621 ; seil dieser seit erscheint das wort oft. 
ballor scheint, «rie auch die undeutsche bHonung hallir (e- 
i<dl^, aui balle durA anhdngung einer fremden eniung gtbitdet. 
man mochte vielkirht in einem laleinisdien gelegenheilsgedichte der 
xtü, was die gewerke Halles ermähnte, neben pistores, lonsores 
«. a. auch ein hallores für die salssieder oder hallbursche gebildet 
haben, vas in die spracht des gemeinen lebens eindrang, die 
eigenlhämUelie form hallorum, die sieh %u ende des 17. und bis 
ins 18. jahrh. hinein , mewol im ganzen selten , daneben xeigl, 
neht wenigAens aus als (^ sie der lateinischen endung des gen. 
pluT. ihre entstehung verdankte, vieUeichl dasx hallorum öfters als 
theilttugsgeniliv jenes vorausgeselslen bullores figuriert hatte: bei 
diesen an nach der wage zu hatten sich die hallorum postiret. 
OiEitiiADPT 1, Ml (rOR 1681); derselbe gewährt bilder der halloren 
mit der Unterschrift: ein hallorum mit seiner braut; ein hul- 
ionim salz tragend. 

BALLUNG, f. sonus, elamor, tonus, elangor. Stibiei 734. 
HALLUNKE, s. halonke. 

HALLVOLK, n. in Halle die arbeüer des salzweries (<. balle 3 
(sp. 232): einige aus dem hallvolk. DaevHAOPT SaaUrcis 1, 971; 
unterdesz tanzet das übrige hallvulk nach der trummel und 
pfeifen. Hobrdoiif beschreib, des salswerks lu Halle cap. 16 s. 70. 
HALM, n>. calamus, culmus, festuca, stipula. 
Ahd. mhd. balm, ags. healm, engl, balm, baulm, ni. sdiwed. 
dän. balm. das altnord. halm-r hat die bedeulung siroh, streu 
(Möiios 161). als urverwandt ist längst erkannt worden lal. 
calamus und culmus, gritckisdt xäXa/tos röhr und xaXäfiij 
halm, kirchenslav. slama halm; sanskrit kalama-s (Bübtl.-Rotu 
2, 1&5) beteichnel eine rasart und ein sehreibrohr. wenn diese 
Wörter nicht etwa, wie vermutet worden ist, aus den semitischen 
sprachen frühe in die indogermanischen eingedrungen sind, so 
Hegt es zur ermitldung der urspi anglichen bedeulung von balm 
noAe, an die Wurzel kal treiben, bewegen, zu denken, der sanskrit. 
^alati er bewegt »ich, kalayati treibt, griech. xeUtiv treiben, be- 
wegen, litt, kelti erheben, lat. cel-sus, ex-cel-lo sufallen; sei es, 
dasi man an die nahe liegende beobachtung anknüpfte, wie der 
schlanke dünne halm auf dem feUe vom luftiuge in bewegung 
gehallen wird: 

aber bald wird das gaoze geSld tob gebogenen halmen 
rauschen. Klopstock 2, ISO-, 

sei es, dass man das emportreibende, spriestende der halme her- 
vorheben wollte, welthem begriffe das genannte lat. celsus, eicello, 
ferner das alts. bol-m erhühung , hügel, ktippe, griech. »ohivri 
hügel tttfallen. 

Die pluralform von halm ist eine dreifache, neben balme findet 
sich sdion friJt auch helmer, hülmer: culmina helmer Diefenu. 
161'; pullulare ufgeeo in die belmer 472'; bintzenbelmer, wald- 
rohr, ioJium ruirum, phoenix Heniscj 389; die htllmer pers. 
rosenlh. 6,1; ein jedes körn vom rocken bringet 7 oder 8 
hälmer berfttr. Tabernaeb. krduterb. 586; aucA der plur. bälme 
wird von Stieler 738 aufgeführt, und empfängt durch die bair. 
Schwab, plmalform hSlm (Schb. 2, 181) seine bestäligung; beimo 
Keisebsbebg narrensch. 75', vergl. die stelle unten 6, und die 
formen hslmmesser, belmschneiden , heimziehen für halm- 
messer u. s. w. daneben geht eine schwache form der balm, 
des halmen, plur. die halmen: mit dem halmen. weislh. 1,706; 
da sie je nicht schweigen wolt, oam er ein halmen, und 
legt den ftir sie und sprach : fra», dieweil ihr je krieg und 
unfriedt haben wollet, so krieget mit diesem baliDen. buch 
der Uebt M7, 4; 

(<aA) . . aeiner schniller fleUt die schönsten halmen mlbo. 

Hagibobb 2, 5. 
halm sMit in mehrfachem sinne. 

1) et bestichnel den Oengel der grasarten , tonüglich dtt ge- 
treides, ater im gegensals zu der bedeulung 2 begreift es auch 
den obem theil des Stengels, die ihre, kolbe oder lispe in sieh, 
oder sondert ihn dtth «um wenigsten nicht scharf aui. so heissen 



im oAd. habirbalme (Haopt 5,327) die Stengel des ikoiera mit 
der fruchl; 

ml>ä. ein halm ix kreftec und« guot: 
«»l er uns allen liebes luoil 
er fröii vfl manegem sinen muol: 
wie danno umb sinen ttmen? Waltbbb 17,31; 

nAd. wiltu wider ein fliegend blat so ernst sein, und ein 
dorren balm verfolgen? Hiob 13,25; das land ist darre, e* 
wachsen kaum einige balme darauf; Hemiscus bintzenbelmer 
oben meint die ganze pflanze, samt der ritpe ; vgl, auch grasbulm ; 

so weht den schmeilerling, der kaum enlbülit, 

am lialm der klippe festgeklammert bebte, 

der «lurm ins meer. Hattbisson geä. (1^94) (. 55; 

beglantt vom rothen schein des bimmeli bebt 

am larten lialm der thau. «. 119; 

Speer wird der dOnne halm. Ashdi ged. (1840) t. 364, 

dichterisch steU balm $ern , ntcAt towol auf jedes gra», als auf 
taat, getreide bezogen: 

getränkte halmen erheben 
(roh ihre hiupter. G. v. Klbut 2, 43; 

auf balm und blume Usit geheim 
der Tater labsal ttiauen. Voss 4, 271 ; 
gedeibn hast du gesandt, 
TOll halme grünt das land. 5, 12; 
und bund und mann und ross serstampfte 
die halmen, dasi der acker damplle. 

Bcact« der witd« Jäger; 
zertret er goldner saaten halme 
mit Oügelschaellem Siegeslauf. Götbb 13, 278; 
seine sichel entfallt hier dem schultter, 
eingesungen von harfengetitter, 
träumt er geschnittene balme zu sehn. 

ScHiLisK elysium (I, 97 Kurs); 
die kirner, deren halme Jetzt noch grOn, 
sie nehmet mit zur aussaal in die fern. Ublind ged. 382; 
heil dem trommea geschlechie, 
das in den furchen sein nesi baut und die halmen bewohnt. . 
Aanor ged. (IMU) s. 104. 

doAer bUdHeh: wann . . die reiche ernte der missethat in 
vollen halmen steht. Scuilleb 259. auch in Baiern werden 
die vier getreideorten, weiun, roggen, gerste, hoher, die vier halm 
genannt. Scnic. 2, 182 i und die alliUerierende formet nach halm 
und heu schUtsst sich hier an, indem sie die vollbradUe ernte 
sowol des getreides als des heues bezeichnen will : dirre hof hei tri! 
gedioge alle jar, eins zu mittel hornang, und eins zu mittel 
meigen , und zu alter halme und howe. weisth. l, 673 ; und 
zu after balme und howe, so sol der kirwart geben eine 
gans. 1. 674; — vgl. unten auch halmklauber, balmleser für 
ährenleser. 

2) balm beteiAnH den Stengel dt» grases oder getreides ohne 
die rispe oder ähre, die für sücA allein genannt oder doch ver- 
standen wird: im treumet abermal, und sähe, das sieben 
ehern wuchsen aus einem balm vol and dicke. iJfos. 41,5; 
der balm ist lang, mit knoden und gleichen unterscheiden. 
Taberhaebontahds 517; 

du kommst auch letzt tu rechter zeit, 

und zeigest nie nslur und lieben, 

wofern man nur gut ausgestreut, 

den kern der Irucbtbarkeit aus guten halmen schieben. 

GÜKTUia 4 (1736) t. 79; 
er igolt) hebt mit dem balme die ihr empor, 
reifet den goldenen apfel, die purpurtraube. 

Klopstock 2, 103. 

dieser bedeulung fällt auch tu die rtdensarl das getreide auf 
dem balme verkaufen, nitderd. dat kdm upo halm verkOpen 
(DiBNeaT 169'), insofern nach der fassung derselben das. kauf- 
objeel die dhrt auf dem halme bildet: keinem bauer ist es er- 
laubt, seine fruchte auf dem balme zu verkaufen. § 12 allg. 
freusz. landrechl 2, 7, 

Dann Antat balm der gras- oder gelreidestengel , der stiatr 
fruchl entleert und dürre, also zu stroh geworden isl {wie altnord. 
halmr), vgl. Strohhalm : Waltber 66, 5 u. 7 vendet balm und 
8tr& in demstlien sinne an; es geboren viel balme zu einem 
bund Stroh, mutti calanit'ad fascem stramtntorum requirunlur 
SriELER 738; in Baiem balm die zu Itäcksel zu schneidenden 
stroUudmt, aber auch die stoppeln des getreideackers Scan. 2, ist ; 
ebenso in Schwaben Scobid 258, daAer in Kärnthen haimach 
itopptIfeU Leier 131. mit tolcAen halmen wird das dadt ge- 
decU , und an den umstand, dosz dieselben alle Unbilden der 
wiUentng tragen müssen, knOpß das Sprichwort an sich leiden 
{gedulj haben) wie der halm auf dem dache: disz {die ver- 
schämten hautarmen) allein seindl arm lent, die leidea sich 

uiyiiizeu uy ■^^j v^ v^ -4 Iv^ 



239 



HALU 



HALM— UALMENJDNGFRAU 



240 



etwa, das gott nol weisz, wie der halm auf dem lach. 
S. Frank spricliin. (lS4l) 1, 76*. 

3) balm, auch der Stengel des rohrs: abir einer llf und falte 
eiDen swamp uit ejjige und legite en umine einen balm 
(steckte in auf ein rbor Ldtre«), ber gab ime trank. Behaims 
evang. buch Marc. 1&, 36. ein solcher halm diente zum sehreilxn : 
abir di krtgeschen bftchere und di alden bftcbere, di n& vil 
von gewonbcit latioisclier lesunge. ungIScb trügen , di babe 
wir mit gebej;irter zusamenetragunge alse mit eime scrtbe- 
balme getempiil. Behaims ev. bucli, l. vorrede hl. 3; daher ward, 
als man sich stall des halmes zum sehreiben der feder bediente, 
sein name noch manchmal auf diese übertragen: 

wa; aber ich mit dem halme, 

mit dor vedero meine ich, schribe, 

dii{ holTe ich ei ie blibe 

oülie ober maoegen tac. epilog äei heilisenlebens. 

i) das0 balm ettcas geringes, leichtes, wenig wertes ist , spricht 
sieh in manigfaehen Wendungen aus: welch obnmacblige made 
ist docb der menscb, der nicht «inen halm hervorbringen 
kann, der das ganze jähr nur darauf passen musz, was ihm 
die erde berrorbringe. arme mann im Tockenb. 324; 
iwar nicht garbea erat ich, 
aber docb halme. KLorsrocx 2, .214i 
dann dorre, arm, tum dürren aal! 
dann werd ein halm dir centnerlast! 

Arndt ged. (IS^IO) i. 214. 

so dient auch bei negativen, messenden oder vergleiclienden sälien 
der balm mit seiner geringen breite als bild der Verneinung: 

mhd. man m(hl mit einem halme 

daiwiscben oiht, so wxn ich sie umbltiben. 

Had. y. Labu 617, 
«kd. misst alles, 

fehlet die breite um keinen balm nicht. 

Klopstou 2, 34. 

5) ein altes, bei Franken, Baum und Alemannen in schwänge 
'gewesenes rechtssymbol war das fortwerfen, hinschleudern, ver- 
schieszen eines balmes lum leichen feierlicher auflassuug, enl- 
sagung oder kündigung , namentlich bei auflassung von grund- 
stitcken durch gcschenk, verkauf und Verpfändung, ein brauch der 
bereits in dem salischcn gesetze erscheint und über den rechlsaller- 
thümer s. 121 —130 ausführUch gehandelt ist : wer guter hat, die 
in den diugbof zins geben .. wer die verkauft, der sol sie 
mit dem balmen ufgebea, als es gewonlich ist, vor dem 
meier und dem scbuitbeiszcn. weislh. 1,706; auch eygen unde 
fryen wir yn d; hüben als ander ir gut gefi^et unde geeigent 
sint . . und vorzyhen uns alles rehten mit vorscbissung der 
halme vur uns und alle unser erbin. urk. von 1328 bei Haltads 
782. die formet wird auch gegeben mit mund und halm, wenn 
ausser der werfung des halnu die ausdrückliclie entsagung, ferner 
mit mund, band und balm, tcenn ausser beiden noc/i das ge- 
lobnis durch handsclilag, den vertrag zu halten, hervorgehoben wird: 
haben daruff desz geoanten tbeils unsers zchends freye und 
lediglich abgelretlen, und desz auch mit mund, band und 
balm, als in diesem land silten, herkommen und gewonheit 
ist, Verstössen, verziehen und enteuserl. urk. von 1&07 bei 
Haltaus 7«2. 

6) zur bestimmung durch das loos wird der balm in versdät- 
dener weise verwendet; man zählt seine knoten oder (ßieder und 
Idszt den letzten knoten eine bejahende oder verneinende entschei- 
dung fällen, ein noch jetzt gebräuchliclies länderspiel, wie es scton 
Waltbbr recht anschaulich beschreibt: 

mich bit ein halm f «machet tri: 

er gibt, ich sQl genade vinden. 

ich ma: da; selbe lileine strA 

alK ich hie vor gesach \on Itinden. 

nä bnrei unde merket ob 8i{ deone tuo: 

'si tuot, si entuot, si tuet, si entuot, si luot.* 

Bwie dicke ich; tele, sd tvas ie dat ende guoL » 

da( traitet mich; di hsret ouch geloube luo. 66^6; 

oder es werden unter melneren halme von ungleiclier länge ge- 
zogen, wer den langem zieht, für den fällt die günstige ent- 
scheidung {vgl. den kurzem ziehen für unterliegen unter kurz) ; 
frans, tirer k la courte paille, mhd, gräsclin ziehen: 

•6 liehe wir iwei gr9selin . . . 

ich mach ein; kurz, da{ ander lanc: 

weder{ wil nu ziehen an 

da{ lenger, sol gewunnen hin. 

Lasismg tieäers. I, 146; 
mochten sy aber des nit eins werden, so sullen dy danimb 
yder einen balmen zihen ongevcrde, usz einem dache ader 
scbaube, welcher dao den lengeslen halme