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Full text of "Die altchristlichen und mittelalterlichen byzantinischen und italienischen Bildwerke. Bearbeitet von O. Wulff und W.F. Volbach"

STAATLICHE MUSEEN 



BESCHREIBUNG DER BILDWERKE 
DER CHRISTLICHEN EPOCHEN 



DRITTE AUFLAGE 



BERLIN UND LEIPZIG 
WALTER DE GRUYTER & CO. 

VORMALS r,. J. ÜOSCHF.NSCHE VERLAOSHANDLUNG - ,1. GUITENTAG, VERLAGSBUCHHANDLUNG — GEORG KEIMER 

KARL I. TRUBNER - VEIT ,•<: COMP. 

1923 



DRITTER BAND 



ERGÄNZUNGSBAND 



DIE ALTCHRISTLICHEN 
UND MITTELALTERLICHEN 

BYZANTINISC HEN UND ITALIENISCHEN 

BILDWERKE 



BEARBEITET VON 



O. WULFF UND W. F. VOLBACH 



BERLIN UND LEIPZIG 
WALTER DE GRUYTER & CO. 

VORMALS G. J. GOSCHEN'SCHE VERLAGSHANDLUNG - J. CU riENTAG, VERLAGSBUCHHANDLUNG — GEORG REIMER 

KARL J. TRUBNER - VEIT & COMP. 

1923 



N 



1^15 




Druck von Walter de Gruvter & Co.. Berlin W. lO. 



VORWORT 



T~^ie seit 1911 oemachlen Erwerbungen an Originalwerken der altchristlich-byzanli- 
-*— ^ nischen und mittelalterlichen italienischen Plastik, deren wissenschaftliche Ein- 
ordnung durch den inilunterzeichneten Leiter dieser Unterabteilung der Bildwerke der 
christlichen Epochen in den amtlichen Berichten l:)egründet worden ist, sind in diesem 
Ergänzungsband vereinigt worden. Zugefügt sind aus der gleichzeitig erscheinenden Neu- 
auflage des Elfen) )einkatalogs die Elfenbeinbildwerke der gleichen Epochen. Der 
Ergänzungsband ist unter der Leitung und Beteiligung Professor Wulffs von 
1 )r. W. F. Volbach bearbeitet. 

Der Generaldirektor Der Abteilungsleiter 

I. A. 

V. Bode ( ). Wulff 



INHALTSVERZEICHNIS 



Altchristliche Bildwerke , 

Steinplastik i 

1. Altchristliche Sarkophagreliefs i 

2. Hellenistische und byzantinische Denkmäler 4 

3. Architektonische Zierglieder altbyzantinischen und koptischen Stils 6 

Holzplastik 10 

1. Architekturglieder und Möbelteile mit figürlichem und ornamentalem Schmuck 10 

2. Gerät mit ornamentaler X'erzierung. . 12 

Elfenbeinarbeiten '3 

Beinritzungen 18 

Gagat 19 

Metallplastik '9 

r. Bronzezierrate und Bronzegerät 19 

2. Goldschmiedearbeit 24 

Steinschnitt .26 

Glas .27 

I'. Glaszierrate. . 27 

2. Glasgeschirr 28 

3. Mosaik .29 

Mittelalterliche Bildwerke 30 

|{ V z a n t i n i s (■ ln' I! i 1 ( 1 \v e r k e . . -3" 

Steinplastik 30 

Holzplastik 32 

Klfenbeinarbeiten 33 

Specksteinarbeiten .43 

Metallplastik 45 

1 . Goldschmiedearbeiten 45 

2. Bleizierrat 45 

3. Bronzezierrat 4^» 

Keramik -47 

1. Glasierte Gefäßscherben mit Reliefverzierung. . 47 

2. Glasierte GefäIJscherben mit eingeritzter Zeichnung in Graffitomanier 48 

3. Glasierte Gefäße und Scherben mit aufgemalter Verzierung unrl ohne Schmuck 53 

A b e n (1 1 ä n d i s c h e B i I d w e r k e 55 

Mittelalterliche italienische Steinplastik 55 

1. Frühmittelalterliche und romanische Bildwerke . 55 

2. Gotische Bildwerke ''- 



\i|| Inhaltsvcrzeiclinis. 

Sciti.- 

Mittelalterliche spanische Steinplastik 6q 

Italienische Holzplastik gotischen Stils 6q 

Italienische Elfenbeinarbeiten 71 

1. Romanischer Stil 71 

2. Gotischer Stil 74 

Italienische und spanische Metalli)histik 77 

1. Ijronzestatiietten und Bronzezienate 77 

2. Bleizicrrat 80 

Steinschnitt 81 

Nachtrag 82 

Sachverzeichnis 83 

Ortsverzeichnis 84 



Berichtigung. 

S. 2 Zeile 24 von unten lies vier statt drei. 

S. I,? ,, 4 ,, „ „ Bologna statt Bargello. 

S. 74 Tafel XXIX statt XXXIX. 

S. 75 ,. XXX „ XL. 

S. 7f; „ XXXI ., KU. 

s. 76 „ XXXII „ LH. 

S. 76 „ XXXIII „ XLIII. 

S. 76 „ XXIX „ XXXIX. 

S. 76 Zeile 7 von unten lies bedeckt statt bedeckt. 




J. 6701. 



Steinplastik. 

1. Altchristliche Sarkophagreliefs. 

Vgl. Beschr. d. Bildw. III, i S. 1 ff. sowie Nachtrag I, S. 306 ff. Nachtrag II, S. i ff. 

J. 6701. Sarkophagrelief (Bruchstück). Römisch 4. Jahrhundert. Im längUchen Seiten- 
feld neben den Resten zweier Kanneluren (strigiles) steht in schwacher Dreiviertel-A nach 
innen gewandt der bärtige gute Hirte (bis zum Unterkörper erhalten) in gegürteter Tunika. 
Er hält mit der Rechten einen doppelhenkeligen Becher dem Lamm zum Trinken hin, dessen 
Füße er auf der Brust mit der Linken zusammenfaßt. 

Flachrelief. Marmor. H. 36,5, Br. 34 cm. Erworben 1908. Aus Rom. Rechtes Eckstück eines 
strigilierten Sarkophags. Auf beiden Seiten und u. abgebrochen. Am oberen Rande 1. ein späteres 
Dübelloch. Den gleichen Sarkophagtypus mit gutem Hirten vertritt der aus Syrakus erworbene 
(Beschr. d. Bildw. III, i) Nr. 11. Verschiedene verwandte Beispiele in Rom, bes. im Lateran (Ma- 
rucchi, Taf. III, 2). Vgl. die Bern, von Volbach, Amtl. Ber. XXXVIII, Sp. 233, Abb. 276. 

J. 6686. Sarkophagrelief (Bruchstück). Römisch, 4. Jahrhundert. Orans in voller Ge- 
wandung (tunica talari.s) zwischen Paulus (1.) und Petrus (r.), der die Schriftrolle in der L. 
hält. Daneben 1. Kopf und unteres Gewandstück eines Jünglings von einer Xebcnszcne. 
Rechteckig, h., beiderseits abgebrochen. Marmor. H. 55, Br. 44,5 cm. Erworben 1912. .\us Rom. 
Mittelstück eines einzonigen Sarkophags mit durchlaufendem Figurenfries, wie das Bruchstück (Beschr. 

AltchrUll. und miccclnll. Rlldwcrkc. l 



Steinplastik. 





J- 6721. 



d. Bildw. III, i) Nr. 1623. Häufig auf gallischen Sarkophagen (Le Blant Les sarkophages ehret, ant. 
Taf. 3, 7), auf denen die Orans die Mitte einnimmt. Die beiden Begleiter sind der beginnenden 
Individualisierung gemäß als Petrus und Paulus aufzufassen, die die Verstorbene zur Seligkeit begleiten. 
Vgl. die Ausführungen von Wulff, Rep. f. Kw. 1912, S. 213, und Amtl. Ber. XXXV, Sp. 244, Abb. 129. 
J. 6855. Sarkophagrelief (Bruchstück). Römisch, 4. Jahrhundert. Am Rande r. Maria 
mit über den Kopf gezogenem Mantel nach 1. gewandt sitzend und das bekleidete Kind mit 
der Linken vor sich auf den Knien haltend (Unterhälfte der Gestalt weggebrochen). Dieses 

greift mit der L. nach einem Ringe, den ihm ein von 1. 
nahender jugendlicher Magier in kurzer gegürteter Tunika 
und Schultermantel nebst phrygischer Kappe mit der L. 
hinhalt, während er mit der erhobenen R. Zeigefinger auf 
den als sechsstrahlige Rosette gebildeten Stern hinweist (die 
Beine unterhalb der Knie weggebrochen). 

Flachrelief. W. Marmor. H. 20,5, Br. 29,5 cm. Eckstück eines 
zweireihigen Sarkophagdeckels. L. und u. abgebrochen. Erworben 
aus Rom 1920. — Der Typus des auf den Stern von Bethlehem 
J. 6S55. deutenden ersten der hl. drei Könige kommt verschiedentlich auf 

römischen Sarkophagen vor. Vgl. Marucchi, I monumenti del 
museo Christiane Taf. XVIII, 3, XIX, i u. 3 verbunden mit Wunderszenen des Alten und des Neuen 
Testamentes. Über die Anbetungsszene auf Sarkophagen s. auch Kehrer, Die hl. drei Könige, S. 18 ff. 
, 6777. Sarkophagrelief (Bruchstück). Römisch, 4. Jahrhundert. Auf der Seitenwand 
liegt das Christuskind fest in Windeln verschnürt auf der mit Stoff behangenen Krippe. Hinter 
ihr r. ein Esel 1. ein Ochse halb verdeckt. Auf dem Hochrelief der Vorderseite unter einer 
Ädikula mit Eckakroterien (vordere Säulen abgebrochen) die Auferweckung des Lazarus. Er- 
halten nur der in Tücher gehüllte Kopf des Lazarus und die Hand Christi mit der Zaubergerte. 
Flachrelief. W. Marmor. H. 47, Br. 32,5 cm. Erworben aus Rom. R. Seitenteil und 1. Ecke eines 
Sarkophages. Seitenteil o. und u. abgebrochen. — Die Szene der Geburt und Lazaruserweckung wie 




Steinplastik. 



auf einem lateranensischen Sarko- 
phag (Garrucci, 380, 4 ; Marucchi, 
'I"af. XXII, 4). Zu der abgekürzten 
(ieburtsszene vgl. auch den Sar- 
kophagdeckel in San Ambrogio, 
Mailand (Schmid, Geburt Christi 
Nr. 18) u. a. m. Ähnliche Lazarus- 
.szene auf einem Sarkophag in Rom, 
Lateran (Marucchi, Taf. XXX, 1) 
u. a. m. Danach ist als zur Szene 
zugehörig die Schwester des La- 
zarus zu ergänzen und eine Frei- 
treppe unter der Ädikula. Vgl. 
im übrigen die Ausführungen \'ol- 
bachs, Amtl. Ber. XXXVIII Sp. 
231, Abb. 75. 
J. 6721. Sarkophagrelief (4, bzw. 
5 Bruchstücke). Römisch, 
5. Jahrhundert. Als unterer 
Rand einfache Volutenrankc. 
Auf der horizontalen Zwischen- 
leiste Perlstab. Im unteren Felde 
Einzug Christi in Jerusalem. 
Christus (Kopf fehlti, auf der 
Eselin (desgl.) nach r. reitend, 
.segnet mit der R. und hält in 
der L. die Schriftrolle. Drei 
Jünger folgen ihm (3 Köpfe 
verloren). Unter der Eselin ein 
Füllen. Vor Christus ein Jüng- 
ling, der seinen Mantel aus- 
breitet (Kopf und Beine weg- 
gebrochen). Zwischen beiden 
Baumstamm. Auf besonderem 
Bruchstück Baumkrone mit 
Resten eines daraufsitzenden 
Jünglings (zugehörig. ''). Weite- 
res Bruchstück mit 2 Personen, das zum oberen Friese gehörte. Ferner eins mit zwei Gewand- 
figuren, von denen die eine Moses Sandalen lösend nach 1., die andere (Christus.') nach r. 
gewandt ist. Zwei kleine Bruchstücke, wahrscheinlich nicht zugeiiörig, mit '3 [Köpfen (Er- 
greifung Petri.') und (Abrahamsopfer?). 

Flachrelief. Marmor. H. 50, Br. 65 cm. Krworben in Rom. 4 Bruchstücke eines zweireihigen 
Sarkophages von unregelmäßiger Form. — Charakteristische Arbeit der römischen Schule des 4. Jahrh. 
Vgl. zum Einzug in Jerusalem zwei Sarkophage des Lateranmuseums (Marucchi, a. a. O. Taf. XIX, 2 u. 
NXXIII, 3) sowie im übrigen die Ausführungen von Wulff, .Amtl. Ber. XXXV, Sp. 243, Abb. 130. 




J- (J???- 



Steinplastik. 



2. Hellenistische und altbyzantinische Denkmäler. 

Vgl. Beschr. d. Bildvv. III, i S. 15, Nachtrag I, S. 107. 

J, 6685. Sarkophagrelief (Bruchstück). Musendarstellung. Kleinasiatisch, 3./4. Jahrhundert. 

Unter Rundbogenarkaden, die auf ge- 
drehten Säulen rechteckige Kapitelle mit 
Doppelschnecken als Verzierung tragen 
und an der Schräge der beiden Miischel- 
nischen sowie im Zwickel Akanthusbiatt- 
werk, stehen zwei weibliche Gestalten, 
einander zugewandt (Musen.'). Die 1. 
schreibt mit einem Stilus auf das um- 
geklappte Diptychon, die r. erhebt an- 
redend zwei Finger und hält in der L. 
die Schriftrolle. Sie tragen beide ein 
gegürtetes Ärmelgewand nebst Mantel. 
W. Marmor. H. 78, Br. 59 cm. Erworben 
in Rom, Kunsthandel. — Das Bruchstück 
gehört zu der Gruppe der Sidamara-Sarko- 
phage, von denen das Museum schon das 
christliche Hauptbeispiel besitzt (Beschr. d. 
Bildw. III, I Nr. 26), und ein anderes. Es 
war anscheinend mit gleichmäßig gereihten 
Arkaden verziert. Dies und die beginnende 
Verflachung der Faltengebung weisen es in 
eine spätere Zeit. Vgl. die Literatur a. a. O., 
sowie die Bemerkungen von Wulff, Amtl. Ber. 
.\XXV_ Sp. 237, Abb. 128 und neuere Fund- 
stücke, American Journal of arch. 192 1, S. 223; 
besonders (Fig. 7) Sarkophag in London. 
6672. Wandbelag. Danae. Hellenistisch, 
3. Jahrhundert. Danae sitzt, in halbliegender 
Stellung nackt, mit gelöstem Haar auf einer 
Kline mit delphingestaltiger Lehne und ge- 
mustertem Pfühl rücklings nach r. liegend, die 
Füße auf einen darunterstehenden breiten Sche- 
mel aufgestützt. Mit der R. erhebt sie das Bet- 
tuch und fängt mit der L. den Goldregen auf, 
der von der nimbierten Büste des herab- 
blickenden bärtigen Zeus aus dem Wolken- 
himmel niedertropft. Am Fußende der Kline 
1. ein Giebeltor mit zurückgezogenem Vorhang. 
Palombinoplatte. Grafitto. H. 14,7, Br. 14,7 cm. 
Aus Rom erworben. Rückseite mit Mörtelspuren, 
rauh und unbearbeitet. An den Kanten abge- 
schliffen. R. u. Ecke abgeschlagen. Vorderseite an 
zwei Stellen leicht beschädigt. — Offenbar einer 
j. iiO/j. alexandrinischen Beinschnitzerei nachgebildet, in 




.1. 6685. 




Steinplastik. 



der ein entsprechender Aphroditen- und Nereidentypus häufig (vgl. Beschr. d. Bildw. III, i Nr. 356 
u. 387 ff.). Die Komposition hat ihren Ursprung in der Miniaturmalerei, woher die Tür als Zubehör 
der hellenistischen Bühne und der Nimbus (vgl. Krücke, Der Nimbus in der frühchristlichen Kunsti 
1905, S. 77) und die Ausführung von Wulff, Amt). Ber. XXXV, Sp. 32, Abb. 13. 



, 6833. Männlicher Idealkopf. JupjMter. 
in reiner Vorderansicht mit wulst- 
artig um den Kopf gelegtem 
Haupthaar und Vollbart. 
Kalkstein. H. 38 cm. Aus Klein- 
asien. (Phrygischer Olymp). .Aus 
der Slg. Leitner 1917 vom Völker- 
kundemuseum überwiesen. Rund- 
plastisch. Auf der Rückseite nur 
grob ausgearbeitet, die Vorderseite 
stellenweise bestoßen, der breite 
Hals unten abgebrochen. — Stark 
stilisierter Typus des antiken Jup- 
piterkopfes in der Art des Zeus 
von Otricoli (vgl. auch den Juppiter 
Verospi (Reinach, Rep. I, pl. 186 
Nr. 666 und Abb. 86) und ein Kopf 
in Petersburg (Overberk, Atlas zur 
griech. Kunstmythologie Taf. II, 8 



K 1 e i n a s i a t i s c h 4/5. J a h r h u n d e r t. Zeustypus 




n 







j. t&i 



und Text I S. 8off., Nr. 12). Vielleicht hermenartiges Kultbild, vgl. die Ausführungen von Wulff, 
Amtl. Ber. XXXIX, Sp. 238, Abb. 85 a. u. b. und dagegen Rodenwald, Zeus Bronton, Arch. Jahrbuch 
1919, S. 83 Abb. 4, der den Kopf ins 3. Jahrhundert setzt und weitere phrygische Parallelen anführt. 

J. 6730. Kaiserkopf (von einer Statue) Konstantins d. Gr. Altbyzantinisch, 4. Jahrhundert. 
Jünglingskopf. Über dem schlichten, in die Stirn gekämmten Haar liegt ein Diadem, d. h. 
ein Eichenkranz, der in der Mitte ein Juwel umschließt 
und in den zwischen jedes Blätterpaar runde Scheiben 
eingefügt sind. 

Marmor. Rundplastisch H. 32,5, Br. 23,5 cm. Rückseite 
leicht bearbeitet. Vorderteil der Nase ergänzt. Mit dem 
Bohrer gearbeitet und geglättet. Aus dem Kunsthandel. 
— In allen Einzelheiten mit dem in Konstantinopel er- 
worbenen unfertigen Kaiserkopf (Beschr. d. Bildw. III, i 
Nr. 39) übereinstimmend. Das Diadem von solcher Zu- 
sammensetzung verschwindet auf den Münzen mit den 
Söhnen Konstantins, woraus die Datierung sich ergibt. 
Wohl von einer öffentlichen Denkmals-Statue Konstantins 
d. Gr. Die stilistische Ausführung verrät auch die An- 
lehnung an Kaiserbildnisse augusteischer Zeit. Vgl. dazu, 
sowie über den Eichenkranz (corona civica) als Diadem 
die Bemerkungen von Wulff, Amtl. Ber. XXXV, Sp. 235 
Abb. 127.- 

J. 6711. Kindersarkophag (später Brunnentroj;). Hy- 

zantiniscii, 4./S- Ja!) rhu nder t. Die Frontseite 
durch Volutenranke in zwei Hälften geteilt, von denen 
die 1. Schreinerornament (bezw. Mäandergefleclit), die 




Steinplastik. 



1-. von flächenfüllender Ranke mit Kreuzblattfüllunt;en verziert ist. An der 1. Seite Kreis- 
bogenmuster (Transennen); an der r. doppeltes Kreisnetzmuster mit gleicharmigen Kreuzen 
(an beiden das Ornament nach der Rückseite zu abgeschlagen). Rückseite o. profiliert 
(Zahnschnitt und Wulst mit I.cistci darunter ausgekehlt und mit drei Löwenk<)pfen nach- 





J. 6711. 

träglich als Wasserspeiern (XIV. Jahrhundert) geschmückt. Die Spundlöcher mit bleivergossenen 
Röhren, von denen die mittlere ausgebrochen. In der Mitte oben quergestellte Ose mit 
Eisenklammer darin. 

Poröser Kalkstein. Vierseitig länglich u. ringsheium gekehlt. L. 95, B. 46, H. 40 cm. An der I. Seite 
Ausschnitt von einer Klammer. Die untere Leiste zum Teil abgeschlagen. Der o. Rand schadhaft. 
O. zwei Bleibolzen. An den Schmalseiten zwei längere Einschnitte. Erworben in Venedig. Angeblich 
aus Ravenna. — Vielleicht als Reliquiar benutzt, worauf die verschiedenen Verschlußöffnungen 
deuten. Zu den Ornamentverzierungen vgl. die verwandten syrischen Flächenfüllungen (M. de Vogue, 
Syrie Centrale pl. 43, s». 81), aus der in Oberitalien die langobardische Bandornamentik hervorgeht 
(vgl. Beschr. d. Bildvv. III, 2 S. 9). Das Schreinerornament r. aus dem Mäandergeflecht herausentwickelt, 
das auch in der koptischen Kunst sich findet (vgl. Beschr. d. Bildw. III, i Xr. 1651 u. 52). Vgl. die 
Ausführungen von Wulff, Amtl. Ber. XXXV, Sp. 247, Abb. 132/3. 



3. Architektonische Zierglieder altbyzantinischen und koptischen Stils. 

Vgl. Beschr. d. Bildw. III, i S. 53 u. 65. I. Nachtrag S. 309 ff. II. Nachtrag S. 3 u. 7. 

J. 6838. Kompositkapitell. Byzantinisch, 5. Jahrhundert. Korinthische Grundform mit 

Durchbrucharbeit. Die unteren zwei Dritteile von dop- 
]ieltem kleinzackigem Akanthusblattkranz umgeben, dar- 
über ein umlaufender Akanthusblattfries von den großen 
ionischen Voluten durchsetzt. An der Kante der Deck- 
platte Lorbeerstab mit Bosse (bzw. Akanthusknolle) in- 
mitten jeder Seite. 

W. Marmor. H. 66,5, o. Br. 86, u. Dm. 43,3 cm. Die beiden 
hinteren Ecken abgeschlagen und Teile des Blattschmuckes 
bestoßen. Erworben igiS. Aus Konstantinopel (Kadiköi) 
durch Th. Wiegand. Wahrscheinlich aus der Kirche der hl. 
Eufemia in Chalkedon. — Nächstverwandt dem Kapitell aus 
Konstantinopel (Beschr. d. Bildw. III, i) Nr. 160, das eine 
Weiterentwicklung bedeutet. Etwas gröber gearbeitete Gegen- 
6838. beispiele am ersten r. Seitenportal von S. Marco in Venedig 




Steinplastik. 



(Ongania, La Basilica di S. Marco, Dettagli, tav. 100/02 Nr. 140/44). Vgl. d. Bern, von Wulff, Amtl. 
Ber. XXXIII, Nr. 4 igi2, Sp. 97, Abb. 52, und Wilken von Alten, Geschichte des altchristlichen 

Kaiiitells, 1913, S. yj, mit weiteren Heispielen. 

6666. Komposites Kolos.salkapitell. Byznn tin i scli , 0. JaJirh u ndert. TriclitertVirmiger 
Typus. Das Kapitell wird durcii breite Stege, welche iMonogrammkreuze tragen, in zwei 



Hälften gegliedert, von denen 
Kreuz an Stelle der Bosse, 
die andere ein Ranken- 
muster aus gekreuzten Lor- 
beersträngen (oder ( )lblatt.-) 
mit Palmettenfüllungen und 
kleinem Kreuz an Stelle der 
Bosse trägt, unter dem sich 
ein halbzerstörtes Mono- 
gramm befindet. Unter den 
Ecken wachsen Akanthus- 
knoUen hervor, den Torus 
schmückt ein aus drei Blät- 
tern und Eimotiven be- 
stehender Stab. 
W. Marmor. H. 90, o. Br. 71. 
u. Dm. 60 cm. Innen aus- 
gehöhlt und (in späterer Zeit) 
als Brunnen verwandt. Ab- 
gerieben und teilweise be- 
stoßen. Der obere Rand 
durch die Benutzung abgerundet. 



e eine (loppclreihigen Akanthusblattbelag, mit kleinem 




Wohl aus Andria. 



Die Schauseite mit 



Erworben 191 1 

Akanthusverzierung entspricht dem gewöhnlichen byzantinischen Kapitelltypus (Beschr. d. Bildw. 
Nr. 164 — 168). Das Rautenmuster mit textilem Charakter noch im Geschmack der iustinianischen 
Zeit. Als Einfassung der Kanten erscheint der Lorbeerstrang schon an den Würfelkapitellen von 
S. Apollinare Nuovo und in Parenzo. Ein ähnliches Kapitell in Konstantinopel, Otman. Museum 
(Lehmann-Haupt, Klio XVII, H. 3, 4, 1921, S. 269ff. Abb. i, 2.) aus Kaurutschesme beweist auch 
für unser Kapitell den byzantinischen Ursprung. Vgl. die Ausführungen von Wulff, Amtl. Ber. XXXIII, 
Sp. 98, Abb. 53. Die von Lehmann-Haupt (a. a. O.) vermuteten Beziehungen zur Argonautensage auf 
Grund der Lorbeerblattverzierungen erübrigen sich damit. 

6668. Kämpfer. Byzantinisch, 5. Jahrhundert. Umgekehrter Pyramidenstutz. Die 
leicht geschweifte Fläche mit breitzackigem Akanthusblattwerk belegt, das an der Hauptseite 
ein Kreuz mit ausgeschweiften Enden in der Mitte umschließt: auf der Kante des Abakus 
eine umlaufende \^nlntenranlc(". 




Steinplastik. 



J. 6716. Gesimsecke. 



Marmor. H. 23, Br. 88 cm. Unvollständig. Die u. Hälfte und 
weggebrochen. In Ägj'pten erworben 191 1. — Der tangartige 
Blattschnitt, sowie die Volulcnranke tragen noch den Stilcharakter 
des 5. Jahrhunderts. Ein reicheres ähnliches Stück aus der 
Studiosbasilika (Beschr. d. Bildwerke III, i Nr. 162 mit weiteren 
Beispielen), ein Kapitell aus Delphi (Bull, de corr. hell. 1899, 
t. XXIII) und Kämpfer in Saloniki, S. Demetrius (Cabrol, Biet. 
III, I, Fig. 2500). Vgl. ferner die Bern, von Wulff, Amtl. Ber. 
XXXIX, Sp. 2.15, .\bb. 88, und W. von Alten, a. a. O. S. 80. 

Byzantinisch, 4-/5. Jahrhundert. 
Eck.stück ei- 
nesarchitek- 
tonischen 
Kreuzge- 
simses, um 
desseii Sima 

ein Blatt- 
fries. An der 

Ecke ein 
dreizackiges 
Akanthus- 
blatt. Dar- 
unter Perl- 
stab. Unter 
der Unter- 
fläche in 
.i ' , i^j kurzen Ab- 

ständen 
Hängeplatten, bestehend aus Akanthusblatt, gegenständig ge- 
paarten dreispitzigen Kelchmotiven und Eierstab mit Pfeil- 
spitzen. 

W. Marmor. Dreiseitiges (diagonal abgebrochenes) Stück. Mit 
Gips vierseitig ergänzt. H. 32, Br. 60 cm. Aus Konstantinopel. 
Umgebung des Schlosses der 7 Türme (Jedicule). Vielleicht vom 
Goldenen Tor. — Die Stilisierung des Akanthus und die Zu- 
sammensetzung des Eierstabes weisen in altbyzantinische Zeit. 
Ähnlich ein Eckstück eines Kranzgesimses vom Goldenen Tor 
(Strzygowski, Jahrb. d. Kais, archäol. Inst., 1893, S. 145, Abb. 10, 1 1). 
Vgl. ferner die Bem. von Wulff, .\iTitl. Ber. XXXV, 8, 1914, Sp. 245, 
Abb. 131. 

. 6709. Pfeilerverblendung (oder Wandbelag). Byzanti- 
nisch, ö./j. Jahrhundert. Im schmalen o. halbrund ge- 
schlossenen Relieffeld Pflanzenkandelaber aus Wurzelblatt, 
großen und zwei kleinen Kelchen, symmetrisch abzweigenden 
Voluten mit Blütenfüllung und an der Spitze umgebogenen 
Efeublattpaaren bestehend, daneben r. schmälerer, von Kauten 
und Rosetten durchsetzter Kandelaber 1. und auf dem Bogen 
Zopfgeflecht, ebenso auf den Kapitellen und Kreisbogen. 



ein Stück in voller Höhe (hinten) 





Steinplastik. 



In den Zwickeln über dem Bogen 1. Akanthuskelch, r. Kreuz. R. Bogenansatz von einer 
weiteren Arkade, ebenfalls mit Zopfgeflecht, um die sich unten die Umrahmung weiter 
fortsetzte. 

Flachrelief in vertieftem Felde. Marmor. Hohe rechteckige Platte. Bruchstück. H. 191,5, Br. 41 cm. 
An der r. Seite glatt abgeschnitten und zum Pilaster umgearbeitet. Ehemals mindestens in doppelter 
Breite. — Die ornamentierte Bogenstellung wie bei den Canonestafeln. Dem Kreuz nach frühestens 
5. Jahrhundert. Der breitgedrückte Akanthuskelch spricht sogar für 6./;. Jahrhundert, wohin 
auch die ornamentale Füllung der Arkade weist, die die typische Zusammensetzung des sassa- 
nidischen Palmettenbaumes zeigt. Als Gegenbeispiel hierfür die Pfeiler von Acre in Venedig (Strzy- 
gowski, ()r. Christ., 1902, S. 421 ff. mit Abb.). Charakteristisch für die neupersische Ornamentik ist 
die anorganische Verquickung von Pflanzen- mit Goldschmiedemotiven. Die Weiterentwicklung 
deutlich in den Mosaiken der Omarmoschee (de Vogue, Le temple de Jerusalem, pl. XXIII). Vgl. 
die Ausführungen von Wulff, Amtl. Ber. XXXV, Sp. 249, Abb. 134. 

6839. Karnies. Byzantinisch, 6. Jahrhundert. O. glatter Friesstreifen zwischen zwei 
Stegen. Darunter hinlaufende Schräge mit wechselständiger 
Akanthusblattranke. 

Flachrelief. W. Marmor. O. u. u. geglättet, r. u. 1. abgebrochen. 
H. 23, o. Br. 59 cm. Erworben 1918 aus Makedonien (Stobi). — 
Der breitzackige Blattschnitt weist in das 6. Jahrh. Vgl. die Be- 
merkungen zu (Beschr. d. Bildw. III, i) Nr. 165. 
, 6764. Brüstungsplatte. Klei nasin tisch, 6. Jahr hund ert. 
Gitternetz aus wagrecht und senkrecht gestellten Halbkreis- 
bogen, bezw. fünf Motiven in abgestufter und gekehlter Um- 
rahmung. 

Marmor. Durchbrucharbeit. Rechteckig]hoch. Br. 63, H. 51,5 cm. 
die Außenränder bestoßen. In Milet (Michaelsbasilika) gefunden. — 




J. 6S39- 



Das Gitter stellenweise ergänzt 
Wahrscheinlich Brüstungsplatten 
der Ikonostasis. Möglicherweise auch als Fensterverschlußplatte verwandt. Vgl. als Beispiel aus 
späterer Zeit (Beschr. d. Bildw. III, i Nachtrag), Nr. 1628. Die Michaelsbasilika der Bauinschrift 
nach (7. Vorl. Ber. über 



die Ausgrabungen inMilet, 
Anh. zu den Abh. der 
Berl. Ak. der Wissensch. 
191 1, S. 35), erbaut zwi- 
schen 595 u. 606. Eine ver- 
wandte Platte ebenfalls in 
Milet gefunden. Zu der 
Ornamentverzierung vgl. 
u. a. Säulenschaft ausDija- 
bekr (Berchem u. Strzy- 
gowski, Amida, 1910, 
Abb. 78, 7, S. 159). 
J. 6765. Brüstungsplatte. 
Klein asiatisc h , 6. 
Jahrhundert. Gitter 
aus je zwei miteinan- 
der verflochtenen und 
ineinander geschach- 





6764. 



teilen Rauten und liegenden Kreuzschleifen in abgestufter und profilierter Umrahmung. 
Marmor. Durchbrucharbeit. Rechteckig lang. Br. 63, H. 49 cm. Das Gitter stellenweise ergänzt. Die 
Ränder schadhaft. In Milet (Michaelsbasilika) gefunden. — Gegenstück zu Inv. 6764, vgl. die Anm. dort. 

Altchrittl. und mittelalt. Bildwerke. J 



jjs Holzplastik. 

J. 6779. Karnies. Koptisch, 5./6. Jaiirhun deit. Auf der Schräge Flachrelief. Über 
ilcm t;iatiscn Perlstab und Stiifenmäander, dessen beide innere Felder zwei liegende Kreuz- 
rosetten, die äu- 
ßeren zwei ein- 
ander zuge- 
wandte Vögel 
nebst Efeublatt- 
zweig und Drei- 
blatt ausfüllen. 
Kalkstein. L. 38, 
H. 9 cm. Oben 
I, L>774. und unten sowie 

an beiden Seiten 
glatt abgearbeitet. Erworben 1914 aus Kairo. — Über die der syrischen Kunst entnommenen 
Motive vgl. auch Besclir. d. Bildw. Ill, i S. 65, ferner die Bern, von Wulff, Amtl. Ber. XXXIX, 1918 
Sp. 245, Abb. 87. 




Holzplastik. 



1. Architekturglieder und Möbelteile mit figürlichem und ornamentalem Schmuck. 

\'gl. Pjcschr. der Bildw. III, i S. 79. 

J. 9150. Türflügelfüllung. Syrisch, 5. Jahrhundert. Gazelle in absteigender Bewegung 
nach links (trinkend.?) unter einem Rebenzweig, von dem über ihrem 
Kopf ein großes dreilappiges Blatt herabhängt und nach rechts oben 
ein kürzerer Zweig mit Traube, bestehend aus drei Beeren (eine halb 
zerstört) eckfüllend aufwächst. Die Vorderbeine und das rechte Hin- 
,.^Pj~_ A'^^^H terbein sowie der Felsboden größtenteils abgesplittert. Schnauze und 

■jKTj ' '«.wSH Nasenrücken weggebrochen. 

■^^ Flachrelief. Holz. Rechteckig h. H. 19, Er. 15,5 cm. Der linke Rand 

schadhaft, desgl. der obere und untere bis zur Mitte. Der rechte durch 
einen Sprung abgespalten. Besonders unten verletzt. Erworben 1922. Ge- 
schenk von Prof. F. Sarre. S. Beschr. d. Bildw. III, i S. 79. — Zur Tier- 
behandlung vgl. u. a. besonders die Rückseite der Kathedra des Maximian 
in Ravenna. Stilistisch den syrischen Schnitzereien auch auf den Türen 
von S. Sabina, Rom und Sinai nahestehend. 

Friesbalken. Koptisch, s./ö. Jahrhundert. Sechsfache Arkadenstelhmg mit zu- 
rückgezogenen Vorhängen; in der ersten (von links) Daniel (.') zwischen zwei Löwen (.'], 
in der zweiten der hl. Menas zwischen den Kamelen, in den vier folgenden lebhaft nach 
rechts ausschreitende Gestalten von Aposteln mit Ruch im linken Arm, der vorletzte bärtig. 




.1- 9 '50. 



J. 6671. 



Holz-plastik. 



Flachrelief. Holz. Bohlenförmig. L. 120,5, H. 14 cm. Beiderseits abgebrochen und an allen Kanten 

schadhaft. Wohl nur zur Hälfte erhalten. Ursprünglicher Abschluß vorstehender Zapfen links. Er- 
worben 191 1 aus Kairo. — Die Darstellung des Daniel ähnlich auf 

einem Konsolbalken aus Bäwit (Beschr. d. Bildw. III, i. Nr. 242). ■?' 

Der hl. Menas in Kriegerrüstung und über den Rücken fallender 

Chlamys, wie auf der Tonampulla (Beschr. d. Bildw. III, i.) Nr. 1359 

ist ein seltener Typus des ägyptischen Nationalheiligen. Die vier 

männlichen Gestalten, durch die Bücher als Apostel gekennzeichnet, 

vielleicht aus einer Himmelfahrt, oder Einzug Christi in Jerusalem 

evtl. Doppelkomposition, wie auf dem Holzfries der Kirche von 

Mu'allaka in Kairo (Strzygowski, Rom. Quartalschrift, 1898, Taf. II, 

S. i4ff.), mit dem das Stück auch stilistisch verwandt erscheint; vgl. 

die Ausführungen von Wulff, Amtl. Ber. XXXV, Sp. 253, Abb. 135. 
, 6692. Ornamentales Friesbrett. Koptisch, ö.//. Jahr- 
hundert. Flächenfüllend. Oben Rautenstab aus Lanzett- 
motiven mit Akanthus-KreuzrosettenfüUung. Unten Rautenfeld 

zwisclien zwei Kreisen (nur die Oberhälften erhalten), mit Akan- 

thus-Rosetten und Wedel-(oder Blattstab-jFüllung und von Blatt- 
werk, in das Vogel- und Tierfiguren eingefügt sind, umgeben. In 

den Zwischenräumen zwei Tauben mit ausgebreiteten Flügeln mit 

je zwei ihnen zugewandten Drachen mit erhobener Vordertatze. 

Flachrelief. Dunkles Holz. L. 168,5, H. 3^ cm. Leicht geschwungen. 

Nahezu rechteckig. Links an beiden Enden sowie die rechte Hälfte 

oben und unten mit Nuten schadhaft. In halber Höhe parallel ungefähr 

zurverstümmelten Oberkanteein Sprung. Erworben 1911/12 in Kairo. — 

Die Zusammenstellung von Taube mit dem Drachen wohl symbolisch zu 

erklären wie die entsprechende der Orans, vgl. Inv. 6686. Die Taube nach 

dem über ihrem Kopf angebrachten gleicharmigen Kreuz im Kreise, wie 

auf den Grabstelen (Beschr. d. Bildw. III, i) Nr. 9314 und 266/68 und 

durch die an dem Hals hängende Bulla als Seelenvogel gekennzeichnet. 

Blattwerk in der Stilisierung des Weinblatts (vgl. Beschr. d. Bildw. IH, i)Nr 

271 u. 278 und Strzygowski, Cat. gen. CaireKopt.K. Nr. 7212 und 7375. Der 

Formnachwohl als Möbelteil (Bettwandr) verwandt, vgl. Inv. 6732. Vgl. 

die Ausführungen von Wulff, Amtl. Ber. XXXV, Sp. 254, Abb. 136. 
, 6732. Möbelbrett. Koptisch, 6./;. Jahrhundert. Auf 

dem ersteren Brett zwischen drei von unten einschneidenden 

Halbkreisen mit Rosetten oder Blattfüllung zwei symmetrisch 

eingeordnete Delphine und Zebustiere. Auf dem unteren 

Brett symmetrisch ausgebreitete stilisierte Weinranke. 








J- 6732. 



j. 0092. 



Holzplastik. 




Flachrelief. Holz. 1.. 76, H. 17,5 cm. Aus einem größeren in Flachgiebel abgeschlossenen und 
einem schmäleren mittels balusterähnlicher Spreizen mit ihm verbundenen Brett bestehend. Gut 
erhaltene gelbe und rote Bemalung. Erworben 1913 in Kairo. — Wahrscheinlich Kopf oder Fuß- 
stück eines Bettgestells, das wie das Brett Inv. 6692 wohl als Seitenwandung diente. Vgl. die Bern, 
von Wulff, Amtl. Ber. XXXV, Sp. 256, Abb. 137. 

6731. Zierbrett. Koptisch, 5./6. Jahrhundert. Ornamental in strenger Symmetrie ver- 
ziert. Zwei kreisförmige Schei- 
^Tj^jT g^y, — — ^w ^Y "*■ K han, von denen die rechte mit 

einer sechsblättrigen Blüten- 
rosette, die linke mit einem 
um den Omphalos herum- 
gelegten Flechtband gefüllt 
ist. Auf der letzteren sitzen 
j. 6731. zwei hohe Korbe (bezw. Füll- 

hörner) in wagerechter Lage 
symmetrisch auf. Der rechte mit einer Füllung aus einem von zwei gezackten Blattspitzen 
umgebenen lilienförmigen Dreiblatt. 

Flachrelief. Holz. L. 84, Br. 19,5 cm. An der einen Schmalseite nachträglich abgesägt, an der 
anderen gebrochen. An beiden Längskanten schadhaft. Erworben 1913 aus Kairo. — Der ent- 
sprechende linke Abschluß verloren. Die Bestimmung des Brettes nicht geklärt (vielleicht loten- 
brett), wenngleich diese meist stärker sind (Beschr. d. Bildw. III, i Nr. 285). Vgl. die Bern, von 
Wulff, Amtl. Ber. XXXV, Sp. 257, Abb. 138. 

J. 6693. Zierleiste. Koptisch, s./ö. Jahrhundert. Nach rechts hin geschlängelter Fisch 
mit offenem Rachen zwischen Zickzackborte oben und unten. 

Flachrelief. Dunkles Holz. L. 27,5, Br. 7,8 cm. Flach und schmal, rechts 
abgeschrägt, mit vorstehendem Zapfen, oben unvollständig, links abge- 
brochen. Der untere Rand schadhaft. Erworben 1911/12. — In der koptischen 
Kunst Beispiele eines geschlängelten Fisches aus dem Funde von Kom-Eschkaw 
s. Beschr. d. Bildw. III, 1 Nr. 250), in ähnlicher Form. Vgl. die Bern. 
6693. von Wulff, Amtl. Ber. XXXV, Sp. 257, Abb. 139. 



2. Gerät mit ornamentaler Verzierung. 

Vgl. Beschr. der Bildw. Taf. III i, S. 93. 

3304. Kamm. Koptisch, 7./8. Jahrhundert. Einerseits grob, andrerseits fein gezähnt. 
Auf der Vorderseite ist das Zwischenstück mit zwei großen, ungenau nebeneinandergesetzten 
Kreispunkten, im Mittelpunkt mit einem einfachen inneren engen und einem doppelten, 
weiten äußeren Ringe verziert, dazwischen ein kleiner Kreispunkt und an jeder Außenkante 
drei solche übereinandergesetzt. Die Rückseite glatt belassen ; am Ansatz beider Zahnreihen 
beiderseits je drei parallele Ritzlinien. 

Schnitzerei und Ritzung. Holz. H. 13,5, Br. 8,3 cm. Rechteckig. Der eine grobe Schlußzahn und 
die Spitzen der gegenüberstehenden vier feinen weggebrochen. Erworben 1902 aus dem Kunsthandel 
(Forrer). Vgl. die in gleicher Technik und Stilisierung verzierten Stücke der Sammlung, Beschr. d. 
Bildw. III, I, Nr. 294 u. 295. 



Holzplastik. j ■} 

J. 3668. Kamm. Koptisch, 7.J8. Jahrhundert. Kiner.seits grob, andrerseits fein gezähnt, 
mit iinverzieitem glatten Zwischenstück- und breiten SchhiBzähnen. 
Schnitzerei. Holz. H. 7,7, Br. 6,2 cm. Krworben 1902. Aus Kairo. 



Elfenbeinarbeiten. 

Vgl. W. Vöge, Die Elfenbeinbihlworke, Berlin 1900. Buschr. d, Bildw. d. Christi. E|)., 2. Aud. 

Bd. I, S. iff. 

, 563. Zylindrische Büchse (Pyxis). Antioclienisch , 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts. 
Lehrender Christus inmitten der zwölf Apostel und die O p f e r 11 n g I s a a i< s. 
Christus, jugendlich und bartlos, sitzt in Vorderansiclit auf einem gepolsterten Thron mit 
hoher Leime und Schemel; dahinter ein baldachinartiger Aufbau; die rechte Hand ist 
lehrend erhoben, die linke hält eine Schriftrolle. Rechts und links neben ihm, auf einem 
Faltstuhl und ihm zugewendet, Petrus und Paulus. Ersterer, mit lockigem Bart und Haar, 
hält in der Linken den Pliilosophenstab, die Rechte ist erhoben. Paulus, porträthaft, 
bärtig, mit kahlem Schädel, hat in der Linken eine Rolle. Die übrigen zehn Apostel sind 
zu beiden Seiten stehend angeordnet, in der Haltung und Gebärdensprache wie in den 
Kopftypen, z. B. Andreas, individuell völlig variiert; mehrere halten Rollen, alle haben das 
antike Philosophenkostüm, lange Tunika und Mantel, Christus ist allein durch Sandalen aus- 
gezeichnet. Auf dem Grunde erscheinende jonische Säulen mit gewundener Kannelierung 
deuten die Szene an. — Die Opferung Isaaks nimmt einen weit schmäleren Raum ein. Links 
von einem Altarbau, vor dessen Treppe Isaak mit gekreuzten Beinen und auf den Rücken 
gebundenen Armen steht, legt Abraham die Linke auf Isaaks Haupt, in der erhobenen 
Rechten das Opfermesser haltend. Aus den Wolken deutet die Hand Gottes herab, während 
von links der Engel heranschreitet, vor dem der Widder sichtbar ist; rechts vom Altar ein Baum. 
Abb. Tai". I. 

Halbrelief. Elfenbein. H. 12, Dm. unten 14,6 cm. Der Deckel fehlt. Der Boden ist eingesetzt und 
mit eisernen Klammern befestigt; mehrere Risse und Bohrungen; in einer derselben eine bronzene 
Rosette aus späterer Zeit. — Kunstkammer; erworben 1843 in Koblenz; nach einer Mitteilung des 
früheren Besitzers, Assessors Burckard, stammt das Gefäß aus einem Dorf an der Mosel, wo es als 
Fuß eines Kruzifixes diente (Kugler, Kl. Sehr. II, 327!). — Garrucci, Storia della arte cristiana, VI, 
Tav. 440,1 ; Westwood, A descriptive catalogue of the fictile ivories in the South Kensington Museum, 
No. 767 (.Xbb.); Sybel, Chr. Antike II, S. 251, Abb. 77, mit alt. Lit.; Dalton, Byz. art Fig. iio, 115; 
Leclerq, Manuel II, S. 345, Abb. 258. — Daß es sich hier um ein Gefäß für die Hostien (oder das 
geweihte Brot) handelt, geht aus der Wahl der Darstellungen zur Genüge hervor. Die Opferung 
Isaaks deutet auf den Opfertod Christi. Christi Lehre und sein Leiden sind in den beiden Dar- 
stellungen einander gegenübergestellt. — Für oströmische Herkunft ist Joh. Ficker eingetreten. Die 
Darstellung der Apostel i. d. altchr. Kunst, S. i43f. Strzygowski (Byzantinische Denkmäler, I, S. 66 
und Hellenist, und Koptische Kunst in Alexandria, Abb. 4), macht auf die Form des Altarbaus in der 
Isaakszene aufmerksam, die sich in dem syrischen F^tschmiadzin-Evangeliar verwandt wiederfindet. 
Ähnlich auf den jüngeren Pyxiden wie Ainalow (Grundlagen 1903, S. 54) nachweist im Bargello usw., 
nachgebildet mit der Treppe nach der palästinensischen Örtlichkeit (Golgatha); vgl. dazu auch Wulff, 
Rep. f. Kstw. 1903 u. 1912, S. 222 ff. Stilistisch liegt ein Zusammenhang mit Darstellungen der groß- 
figurigen Prunksarkophage vor. 



14 



Elfenbeinarbcitcn. 



I. 2719. Rechtes Seitenteil eines fünfteiligen Diptychons. Syrisch (palästinensisch?). 
Um 400. Drei vertiefte Bildfelder in abgeschrägtem Rahmen, der von einem Eierstab und 
auf der Bodenschräge des oberen und mittleren Feldes mit einem Astragalband geziert ist. 
Dasselbe Ornament an dem äußeren rechten Rand. In der oberen Szene des Kindermordes 
sitzt Herodes rechts auf einem Sessel mit hoher Lehne in Chlamys über der Ärmeltunilo, die 
rechte Hand redend erhoben. Vor ihm in kurzer Tunika ein Scherge, der ein nacktes 
kleines Kind an einem F'uß herabschleudert. Ein totes vor dem Fußschemel. Links neben 
ihm hintereinander (bezw. übereinander) zwei Mütter, von denen die vordere wehklagend die 
Arme erhebt. Im mittleren Bildfeld die Taufe Christi. Der jugendUche Christus steht nackt 
neben dem rechts hoch aufgebauten Felsufer des Jordans. Hinter ihm das Wasser. Über 
ihm der hl. Geist als Taube, mit Licht- (oder Wasser)strahl im Schnabel. Johannes bärtig 
links mit dem Hirtenstab in der Exomis. Im unteren Felde das Weinwunder. Rechts von 
dem jugendlichen Christus, der in der Mitte steht, der Haushofmeister in voller Gewandung 
mit einer Rolle in der Linken. Links gießt ein Diener in gegürteter Tunika aus einer 
Spitzamphora Wasser in eine der vier am Boden stehenden Dolien. Abb. Taf. IIb. 
Hochrelief. Elfenbein. H. 20 cm, Br. 8,1 cm. Kleine Beschädigungen in der Mitte des oberen Randes und 
an den rechten Ecken. Verschiedene runde Bohrlöcher von der früheren Befestigung. Auf der rechten 
'Seite ein Steg, der ebenso wie die Abschrägung des oberen Randes zur Verbindung des Stückes 
innerhalb der fünfteiligen Tafel diente. — Aus der Sammlung Mallet, Amiens. Erworben 1902. — 
Stuhlfauth, Die altchristliche Elfenbeinplastik 1896, S. 74 Taf. IV; Haseloff, Jahrb. der preuß. Kunst- 
sammlungen 1903, S. 77; Strzygowski, Kleinasien S. 198, Abb. 12; Wulff, Rep. f. Kw. 1912, S. 221; 
Goldschmidt, Die Elfenbeinskulpturen aus der Zeit der karolingischen und sächsischen Kaiser 1914, 
I S. 10, Abb. 6; Volbach, Elfenbeinarbeiten der Spätantike und des frühen Mittelalters 1916, Nr. 30, 
Taf. V,c mit Literatur. — Eine Nachbildung aus karolingischer Zeit auf einem Buchdeckel in Oxford. 
Der Zusammenhang mit syrischen Arbeiten, wie der Tür von S. Sabina in Rom macht die Ein- 
ordnung der Tafel in diesen Kunstkreis erforderlich. Stilverwandt die Himmelfahrtstafel im National- 
museum in München, der Diptychonflügel der Sammlung Trivulzi in Mailand, die drei Londoner 
Passionstäfelchen und das zweiteilige Diptychon in Mailand. 

I. 2978. Oberteil eines fünfteiligen Diptychons. Syrisch, 5./6. Jahrhundert. Als Rand- 
ornament oben und an den Seiten Ranke mit drei Blättern. In der Mitte oben ein Kreuz, 
an den Seiten Quadrate mit Punkt in der Mitte. Am unteren Rand Ansätze einer Wein- 
blattranke an den Seiten, über dem mittleren Feld eines Akanthusornaments. Im Relieffeld 
halten zwei fliegende Engel einen Kranz mit einem gleicharmigen Kreuz. An den Seiten 
zwei kleinere Engelsgestalten mit Stabkreuz, Weltkugel und Diadem, bekleidet mit Chlamys 
und Tunica. Abb. Taf III d. 

Flachrelief. Elfenbein. H. 7,3 cm, L. 30,8 cm. An dem unteren Rande auf die Rückseite ein 
großes Stück in der Mitte, auf der Vorderseite der untere Rand ergänzt. In dem Relief verschiedene 
neuere Bohrlöcher unter dem oberen Rande, ältere an den Seiten, die der Gegenplatte entsprechen. 
Spuren roter Bemalung mit Vergoldung. — Aus dem Kunsthandel 1905 erworben. Wulff, Sitzgsber. 
der Kunsthist. Ges. Berlin III, 1906, S. 19. — Die Tafel war das Oberstück eines fünfteiligen Diptychons 
(Strzygowski, Hellenist, und kopt. Kunst S. 87), dessen Mitteltafel mit der thronenden Maria und 
dem Christuskind sich aus der Sammlung Crawford in Manchester befindet. Die linke Seitentafel mit 
der Verkündigung an Anna und die Heimsuchung in Petersburg bei Botkin, die untere längliche Tafel 
in der Sammlung Stroganoff in Rom mit der Verkündigung an Maria, der Prüfung durch das Fluch- 
wasser und der Flucht nach Ägypten. Die rechte Seitentafel fehlt. Die Vordertafel mit dem thronen- 
den Christus aus Murano jetzt in Ravenna, Mus. archeol. Nach Wulff ist der Ursprung in Syrien 
(Edessa?) anzunehmen. Engel mit der Corona ähnlich auf den anderen fünfteiligen Diptychen, 
Mailand, Paris, Etschmiadzin, Basel und den syrischen Pyxiden. Strzygowski, Ursprung der christl. 
Kirchenkunst S. 141, hat die frühere Zuweisung zur kopt. Kunst (a. a. O.) aufgegeben. Die weitere 
I.it. für das ravennatische Diptychon bei Volbach, a. a. O. Nr. 37, S. 40. 



Elfcnbeinarbeitcn. , . 

J. 1963. Zylindrische Büchse (Fragment) mit Darstellung eines Wunders Christi. Syrisch, 
5./6. Jahrhundert. Die linke Hälfte einer größeren Heilung oder Wunderszene, die Figuren 
Christi und zweier bärtigen Apostel umfassend; alle drei in langer Tunika und Mantel. 
Christus, jugendlich, mit eingeritztem Nimbus. Er streckt den rechten Arm aus, in der 
Linken hielt er vielleicht eine Rolle (oder Kreuzstab.'). Der Apostel links von ihm, mit 
Buch in der (verhüllten) Linken, hat staunend die Rechte erhoben. Links von den Figuren 
ist noch ein Teil der alten Verschlußstelle erhallen. Unterhalb des Schlosses war anscheinend 
die rechte Hälfte eines großen Gefäßes. Abb. Taf. III c. 

Halbrelief. Elfenbein. H. 8,i cm, Br. 7,2 cm. Links und unten zahlreiche Bohrungen ; die Füße 
stark beschädigt. — Erworben 1892 in Straßburg. — Der jetzt im Provinzialmuseum zu Bonn be- 
wahrten, aus Bayern stammenden Pyxis Garrucci a. a. O. Tav. 439,3 nahestehend. Diese übrigens 
noch roher als das Berliner Fragment. Verwandt ferner u. a. die späten Pyxiden in La Voute 
Chilhac, Kertsch und im Musee Cluny Paris (Nr. 1034), wie diese in Zusammenhang stehend mit 
den Reliefs der fünfteiligen Diptychen von Etschmiadzin und Paris, Bibl. nat. 

J. 585. Zylindrische Büchse mit Darstellung der Verkündigung, der Reise nach Bethlehem 
und der Geburt Christi. Syrisch, 5./6. Jahrhundert. Maria, jugendlich, in engärmeliger 
hochgegürteter Stola, den Rocken mit der erhobenen Linken haltend und den Faden mit 
dranhängendem Wirtel mit der Rechten herabziehend, sitzt, im Profil nach rechts gewendet, 
auf einem Klappstuhl. Ein Vorhang hinter ihr. Zu ihr tritt von rechts der geflügelte 
Verkündigungsengel in voller Gewandung. Er hält in der Linken einen Kreuzstab (das 
Kreuz abgebrochen), die Rechte ist redend vorgestreckt. — Maria auf einem Esel sitzend, 
der von einem nach rechts schreitenden umblickenden Engel geführt w-ird, legt den rechten 
Arm um den Hals des hl. Joseph, der, nebenher gehend, ihre Füße stützt; der linke Arm 
ist erhoben. Joseph hat langen Bart und vollen Haarwuchs. — In der Krippe, hinter der 
der Ochs links und der gesattelte Esel rechts hervorkommen, liegt das in Windeln ge- 
schnürte Christuskind; Hnks neben ihm der Stern. Vor der Krippe kniet Salome, die ver- 
dorrte rechte Hand mit der Linken emporhaltend (vgl. Frotev. Jac. c. 20; Pseudo-Matth. 
c- 13. 4- 5)- Rechts von der Krippe in Vorderansicht, halb aufrecht auf einem Polster ruhend, 
Maria, in langem Ärmelgewand, mit der Rechten an den Kopfschlcier fassend; sie wendet 
den Kopf nach rechts einem Engel zu, der mit Kreuzstab und Weihrauchfaß hcraneilt. An 
der Stelle, wo das Deckelschloß übergriff, findet sich unter einem unverziert gebliebenen 
Quadrat ein von einem Kranz umrahmtes griechisches Kreuz. Abb. Taf. I\'. 
Flachrelief (das Relief ist an den scharfen Kurven der Ellipse stärker und verläuft sich nach den 
Seiten). Elfenbein. Ovaler Gruntiriß. H. 7,9 cm, größter Dm. 11,8 cm. Mehrfach gebrochen und 
stückweise auf einen Zylinder von Eisenblech aufgenietet. — Kunstkammer, erworben 1869 (Samm- 
lung Hahn); stammt aus Minden. — Garrucci, a. a. O. Tav. 437, 4; Hahn, Fünf Elfenbeingefäße des 
frühesten M. A. Hannover 1862, Taf. 2 Nr. II; Stuhlfauth, a. a. O. S. usf.; Roh. de Fleury, La messe 
V. PI. 368; Sybel, a. a. O. II S. 251; Wulff, Handb. I S. 1S9, Abb. 187; Volbach, a. a. O. Nr. 52. — 
Zuerst von Strzygowski (Römische Quartalschrift 1898, S. 9ff., 32ff.), nach dem Orient gesetzt. — 
Durch den nahen Zusammenhang mit den Dar-tellungen des Muraneser Diptychons (vgl. J. 2978) und 
der mit diesem stilverwandten Pyxiden in Livorno, Sens, Vatikan und besonders in Wien, staatl. 
Kunstsammlungen, scheint die syrisch-palästinensische Herkunft gesichert. 

J. 366. Zylindrische Büchse (Fragment) mit Darstellung des Verkaufs Josephs an die 
Ismaeliter. Syro-ägyptisch (alexandrinisch.'), 5/6. Jahrhundert. Von links kommen 
zwei der Brüder, den kleinen Joseph zwischen sich, alle drei jugendlich und mit kurzem Leibrock 
bekleidet. Rechts ein Ismaeliter, auf den jene einreden, in turbanartigem Kopfputz und längerem 
die rechte Brust freilassenden Gewand; hinter dieser Figur wird noch der emporgehobene 
Arm einer zweiten sichtbar: im Hintergründe Baumwerk: rechts tue Grube. .\bb. Taf (IIa. 



i6 



Elfenbeinarbeiten. 




Hochrelief. Elfenbein. H 7 cm, Br. 8,2 cm. — Kunstkammer; erworben 1856 (Sammlung Wallerstein). 

— Westwood, F. iv. No. 768; Garrucci, a. a. O. Tav. 439,5 ; Stuhlfauth, a. a. O. S. gif.; Volbach, a. a. O. 

S. 47, Nr. 46. — Wulff, Rep. f. Kw. 1912 S. 231, Anm. 118 für die Verwandtschaft mit der Menas- 

pyxis des Brit. Museums, der Josephpyxis der Sammlung Basilewski, Eremitage, im Zusammenhang 

mit den Josephsszenen der ravennatischen Kathedra. 
2589. Anhänger (?) mit Darstellung einer betenden Heiligen. Sy ro-ägyp tisch il) 
4./5. Jahrhundert. Die Heilige steht in Vorderansicht mit betend er- 
hobenen Händen vor einem nach rechts gewandten Drachen mit gerin- 
geltem Schwanz. Sie trägt ein langes Ärmelgewand und ein um den 
Kopf geschlungenes, kurzes Pallium. 

Durchbrochen gearbeitet. Elfenbein (mit grüner, durch Bronzeoxydierung er- 
zeugter Patina). Dm. 15 cm. — Erworben 1900. — Vielleicht ist nicht an eine 
bestimmte Heilige zu denken, sondern die ganze Darstellung in allgemeinerem 
symbolischen Sinn als die verfolgte Seele aufzufassen. Vgl. Kraus, Real- 
encyklopädie II, Art. Orans, besonders S. 540 ff. 

Köpfchen eines Griffes. Römisch, (oder Byzantinisch?), 5./6. Jahrhundert 
Von einer Stuhllehne(?). Auf der Vorderseite einen Mann mit kurzer Tunika, der mit 
beiden Händen einen Kranz (oder Fruchtkorb?) trägt. Abb. Taf. III b. 

Flachrelief. Bein. H. 12,3, Br. 3,2 cm. An der rechten Seite ein Falz mit etwas ausgebrochenen 
Rändern, an der unteren Fläche ein Steg. Auf der Rückseite war der Kopf flüchtig bearbeitet. 
Auf der glatten Fläche eingeritzt; I.IBERIVS. — Erworben 1906. — Die Kopfbehandiung verwandt 
auf einer Schnitzerei des Vatikanischen Museums (Kanzler, Avori Taf. XIV, 4). Zur Figur des 
Kranzträgers vgl. die Isispyxis in Wiesbaden und den Kamm in Kairo (Strzygowski, Kat. Taf. XVII). 

J. 7432. (Im Antiquarium, Kat. der Mise.) Diptychon des Anastasius. Byzantinisch a. 517. 
Ein größeres oberes und ein kleineres unteres Bildfeld. Im oberen thront der Konsul in der 
Toga contabulata auf der Sella curulis (in der Rechten die Mappa, in der Linken das Zepter), 
die mit zwei geflügelten Genien und den Medaillons von Roma und Constantinopolis verziert 
ist, vor einem architektonischen Aufbau, in dessen Giebelfeld eine Muschel. Über dem 
Giebelfeld zwei Rundschilde mit Anastasius und Ariadne. Das von zwei Engeln getragene 
mittlere Brustbild unbestimmt (Ariadne?). Auf dem unteren kleinen Streifen eine Zirkus- 
szene, über die halbkreisförmigen Schranken blicken von beiden Seiten Zuschauer dem 
Spiele zu. In der Mitte jagt ein Bär, der von zwei Wärtern angefeuert wird, zwei in 
Hängekörben um einen Mastbaum schaukelnden Männern nach. Im Vordergrunde unten 
hetzt ein Bär von rechts einen vor ihm ausweichenden, mit der Armeltunika bekleideten 
Jüngling; zwischen beiden ein auf den Armen stehender Akrobat. In den unteren Ecken 
blicken zwei Wärter aus der halbgeöffneten Tür des Zwingers, deren Riemen haltend, heraus. 
Unter der profilierten Randleiste oben FL(avius) ANASTASI VS PAVL(us) PRO\^S SAVI- 
NIANVS POMP(eius) ANAS(tasius). Abb. Taf IIa. 

Hochrelief. Elfenbein. H. 36, Br. 12,5 cm. — Früher in Lüttich. 1837 in die Kunstkammer. Die 
zugehörige Tafel in London, Kensington-Museum (Meyer 15b). An dem Rand ein wenig beschnitten. 
Das Heiligenverzeichnis der Rückseite in karolingischen Majuskeln fast unleserlich. 43 Zeilen 
(Gori I S. 49). — Westwood S. 483; Meyer 15; Heibig, L'art mosan 1906, I, Taf. IV; Volbach, 
a. a. O. Nr. 8 mit alt. Lit. — Ähnlich in der Anordnung den vorausgehenden byzantinischen Konsular- 
diptychen, z. B. des Areobind in Zürich, Landesmuseum. 

J. 3367. Diptychon des Justinus. Byzantinisch a. 541. In der Mitte der Konsul in einem 
Rundschild, dessen breite Umrahmung eine Palmettenranke und ein Perlstab bildet. Er hält 
in der erhobenen Rechten die Mappa, in der Linken das Zepter mit Kaiserbüste. Bekleidet 
mit der toga contabulata. Das Rundschild gehalten von einer ornamentierten, symmetrischen 



Elfenbeinarbeiten. 



'7 



Blattranke, aus deren Zwickeln nach innen je drei birnförmige Früchte herabhängen, bezw. 
emporwachsen. Über dem unteren Rande je zwei aus Säcken in große Gefäße Geld füllende 
Knaben einander zugewandt. Im oberen Felde über der Ranke das Brustbild des bärtigen 
Christus mit dem Kreuznimbus zwischen den Medaillons des Kaisers Justinian und seiner 
Gemahlin Theodora in kaiserlichem Ornat. Auf der tabula ansata darüber a) FL(avius) 
MAR(ius) PETR(us) THEODOR(us) VALENT(inianus) RVST(icus) BORAID(es) CERITI 
IVST(inianus) b) V(ir) SNL (illustris) C(omes) DOM(esticorum) E:T CONS(ul) ORD(inarius). 
Abb. Taf. V. 

Flachrelief. Elfenbein. H. 33,5 cm, Br. 13 cm. In .späterer Zeit durch zwei Scharniere verbunden. 
Am Rande der Innenseite kleine Ausbesserungen. Die Inschriften der Rückseite, anscheinend in 
karolingischen Minuskeln, bis auf einige Reste verwischt. Spuren von Vergoldung auf der Vorder- 
seite. An den äußeren Rändern ausgefüllte ältere Bohrlöcher. — Gelangte aus der Kunstkammer in 
das Antiquarium, von dort in das K.-Fr.-Museum. — Westwood 49, 50 Abb. 39; Meyer 31, Taf. I; 
Molinier 36; Stuhlfauth a. a. (). S. 13; von Falke, Gesch. der Seidenweberei 1913, Abb.; Delbrück, 
Rom. Mitt. 1913, S. 341, h (Theodora); Burl. Magaz. 1914, Taf. zu S. 48; Volbach, a. a. O. Nr. 12, 
Taf. II, b. — Die geldschüttenden Putten wie z, B. auch auf dem Diptychon des Konsuls Clementinus 
in Liverpool (Venturi, Storia del arte ital. I, Fig. 338). Vgl. Diptychon vonNovarra, Gori, Thes. vet. 
dipt. Vol. II, Taf. V, S. 191, mit ähnlicher Rankenverzierung. 

,564/565. Diptychon mit Christus und Maria. Byzantinisch, 6. Jahrhundert. Vorderflügel: 
Christus thront vor einer reichen Ni.schenarchitektur auf mit Polster und Fußbrett versehenem 
Thronsessel. Langbärtig mit strähnigem Haupthaar, hält er in der Linken das Evangelium, 
die Rechte segnet<; mit namenzeichnender Gebärde. Hinter ihm stehen links Petrus, rechts 
Paulus; ersterer zeigt kräftig gelockten Vollbart, hohe Stirn und kurz gehaltenes Haar, er 
erhebt adorierend die Rechte; Paulus hat langen Bart und vollbehaartes Haupt. Vor der 
mit einer Muschel geschmückten Nisclie ein auf Ringen laufender Vorhang. In den Zwickeln, 
oberhalb der Bogennische, Sol und Luna, ersterer mit Strahlenkrone und Geißel, letztere 
mit Halbmond und Fackel. Hinterflügel: Vor derselben Architektur auf einem Sessel 
gleicher Art erscheint hier die Madonna mit dem Kinde in feierlicher Vorderansicht zwischen 
zwei Engeln in langem Gewand mit über den Kopf gezogenem Mantel; unter demselben 
ist noch ein gestreiftes Kopftuch fest umgelegt. Das mit dem Mantel bekleidete 
Kind ;>segnet« mit der Rechten, indes die Linke sich auf die Schriftrolle stützt. Die 
geflügelten Engel, in Tunica, Chlamys und Diadem im Lockenhaar, halten in der linken 
Hand eine Kugel (die nur bei der Figur rechts zu sehen ist); die rechte Hand ist adorierend 
erhoben. In den Zwickeln wiederum Sol und Luna. Abb. Taf. VI. 

Flachrelief. Elfenbein. H. 29, Br. (2) 13, (3) 12,7 cm. Beide Platten an den Seiten beschnitten; 
unten fehlt ein Stück von ca. 5,5 cm, das eine Inschrift trug; von dieser sind noch die Ansatzstellen 
der Buchstaben und auf jeder Platte ein C, das auf den ornamentalen Rahmen hinaufgerückt war, 
erhalten. Kreisrunde Bohrungen an den Seiten und oben, die auf beiden Plauen einander ent- 
sprechen. — Kunstkammer; bereits 1821 vorhanden. — Westwood, F. iv. Nr. iio, iii; Stuhlfauth, 
a. a. O. S. 94 ff.; Venturi, I, S. 148, 149, Fig. 383, 84; Sybel, a. a. O. II, S. 241; Wulff, Rep. f. Kw. 1912 
S. 236. — Auf der Rückseite noch sichtbare Überreste eines in zwei Kolumnen geschriebenen Heiligen- 
verzeichnisses (karolingische Semiunciale), die in der Mitte durch ein schmales Ornament geschieden 
werden. L. Delisle setzt die Schrift in die Zeit unmittelbar nach Karl dem Großen. Zu entziffern 
ist: Pauli, Timoth(ei), . . . , FeHcis, . , Filippi, Vitalis, Mar(tini), Ale,\a(ndri), Silan(i), . , Felici(s), . . , 
Eufy, . , Eugeniae, Basillae, Agatae, Agnetis, Alcimi, Alexa(ndri), Alpi, Systi. über ein ähnliches 
Verzeichnis Gori, I, 48ff. — Entsprechende Darstellungen auf dem fünfteiligen Diptychon im Louvre 
(Garrucci Taf. 458, i u. 2) und Etschmiadzin. Die Lokalisierung dieser und der verwandten 
Arbeiten auf Ravenna ist zuerst beanstandet von Strzygowski, Rom. Quartalschrift XII, 410!. und 
Ricci, Arte italiana decorativa, 1898, 42 f., soff. Smirnow h.it auf Grund der Buchstabenreste wie 

Allchristl. iinü miltelnlt. BUdu'crkc. 3 



IS 



Hciniit/.unffcn, 



des erhalten gebliebenen C unseres Diptychons geschlossen, es müsse hier dasselbe (auf Maximianus 
episcopus gedeutete'! Monogramm vorgelegen haben, das sich auf der ravennatischen Cathedra be- 
findet. Der eklektische Stil der Arbeit weist auf Byzanz, unter Verwendung alexandrinischer Vor- 
lagen. Der RinflulJ palästinensischer Ikonentypen auch hierin unverkennbar. 



Beinritzungen. 

Vgl. IScschr. d. Bildw. 111, i, S. 103. 



J. 6673. Möhelbelag. Spiit antik. 




.!■ 6673. 




J. 6698. 



3. Jahrhundert. Graffito. (iefliigelter Putto mit 
dem 1. Bein nach r. ausschreitend und auf dem r. .\im 
eine Ente tragend, mit nachflatterndem Mantel bekleidet 
(Gesicht, 1. Schulter und Brust fehlen). 

Bein, bemalt. Erworben 1012 aus Rom. H. 11, Br. q c ni. 
Rechteckig h. Schadhaft u. abgebrochen sowie ein Stück o. 
in der Mitte ausgebrochen. Das Motiv auf koptischen, in 
Alexandria gefundenen Beintäfelchen häufig (Beschr. d. Bildw. 
[II, 1 Nr. 344/45). Ähnlich geritzte Stücke aus Rom im 
\'atikan. Museum (Kanzler, Avori Taf. XV, 6 — lo). \'gl. die 
Bern, von Wulff, Amtl. Ber. XXW, Sp. 2g, Abb. 12. 

6698. Damhirschschaufel. Koptisch. Graviertes 
Ornament: auf der Außenseite unendliclies Kreis- (bzw. 
Sternrosetten)muster mit Kreispunktfüllungen, davor ein 
größerer und ein kleinerer konzentrisch gegliederter 
Kreis, mit Füllrosetten, gereihten Kreispunkten und 
Flechtband. Das letztere schmückt auch die Unter- 
k'ante. In den Zwickeln und auf der Zinke größere Kreis- 
liunkte, gereiht und ver- 
streut. Innenseite drei Kreise 
mit Sternrosettenfüllung. 

Bein. 191 2 in Kairo erwor- 
ben. L. 40, Br. 15,5 cm. Sehr 
mürbe. An der Wurzelseite 
abgebrochen, die beiden End- 
spitzen abgesägt, die zweite 
seitlich abgebrochen. Wohl 
von einem Fünfender. Die 
gewölbte Außenseite stärker 
allgenutzt. — Die Kreispunkt- 
niuster, das doppelte Zick- 
zack an den Kanten der läng- 
sten Zinke sprechen für kop- 
tischen Ursprung. Das Ma- 
terial wohl importiert (Klein- 
asien?). Vgl. die Ausführungen 
von Wulff, Amtl. Ber. XXXV, 
Sp. 257, Abb. 140. 



Gagat. MclallplasliU. !„ 

Gagat. 

'. 6661. Relieftäfelchen (Bruchstück). 6./;. Jahrhundert. Jünglingsgestalt mit schlichthaarigem, 
nach 1. geneigtem Kopf in der ÄrmeltuniUa (Dalmatika) und langer, auf der r. Schulter geknüpfter, 
fransenbesetzter Chlamys, die über dem 1., einen Rundschild emporhaltenden Schild aufgenommen 
ist, mit der erhobenen Rechten eine Lanze (Spitze und Mittelstück des Schaftes ausgebrochen) 
aufstemmend. Abb. Taf. VII. 

Gagat (Jet). H. 6,7, Br. 3,3 cm. Erworben iqii. Aus dem Römischen Kunsthandel. Machrelief. 
Ringsum abgebrochen (an der 1. Seite mit einspringender Lücke); die Oberfläche stellenweise abge- 
brochen. — Die Gestalt scheint einen Tr.ibanten in Paradetracht aus einer Repräsentationsszene (mit 
thronendem Kaiser?) darzustellen. Tracht und Typus zumal des Kopfes weist noch in den Ausgang des 
altbyzantinischen Stils. Vgl. Inv. 6756 [auch zum Fransensaum) sowie die Hemcrkungen von Wulff, 
Amtl. Ber. 1916, XXXVII, Sp. 84. 

. 6756. Statuette, ö./j. Jahrhundert. Spitzbärtiger Mann mit kalilem Vorderhaupt und kurz 
geschorenem Haar in huigcr .Armeltunika und um die I. Schulter, den Rücken und Unter- 
körper geschlagenem Mantel mit Fransenbesatz am u. Saum. Die Linke zum Kopfe erhoben (an 
der Schläfe anliegend), während die (fehlende) Rechte mit Rolle vielleicht auf dem r. Schenkel 
aufruhte (oder zum Segensgestus vorgestreckt war?). Abb. Taf VII. 

Gagat (Jet) H. 4,1. Erworben 1914 aus dem Kunsthandel. Angeblich aus Konstantinopel. Sitzfigur. 
Die Füße mitsamt dem Saum des Untergewandes und den Beinen des Sessels sowie der r. Arm weg- 
gebrochen. — Ikonographischer Typus des hl. Chrysostomus in schlichter Ausprägung. Die rund- 
plastische Bildung und sehr gebundene Haltung weist noch in die Übergangszeit vor dem Bilderstreit. 
Seltenes Beispiel der Verwendung von Gagat in der byzantinischen Kleinkunst. Vgl. dazu Wulff, 
Amtl. Ber. 1916, XXXVIl, Sp. cS;,, Abb. 37. 



Metallplastik. 

Vgl. Beschr. d. Bildw. III, i, S. 162. 

1. Bronzezierratc und Bronzegerät. 

. 6817. Amulett. Syrisch. 4.75. Jah rh undert. Vorderseite: Kreuz mit breit ausladenden 
Enden und bekleideter nach 1. gewandter jugendlicher Profilbüstc mit Nimbus zwischen Fackel 
(1) und Krückenkreuz (r) nebst A und ui unter den Kreuz- 
balken. Rückseite: nach rechts sprengender Reiter, eine 
weibliche Gestalt durchbohrend, über einem nach r. ge- 
wandten Löwen, mit Umschrift: eiC GEOC O NlKtoN TA KAKA. 
Bronze. H. -,,1, Br. 2,3 cm. Erworben 1917. Aus dem Sinai- 
gebiet. Scheibenform. Hochoval, mit querstehender großer Öse. 
Graviert. — Zahlreiche Amulette dieser Form von Schluniberger 
(Rev. des etudes grecques 1892, S. 73,) und Leclenj (Cabrol, 
Dict. I, 2, Sp. 1784) veröffentlicht. Über ihre Beziehung zur 
Gnosis vgl. Strzygowski, Byz. Zeitschr. 1892, S. 359 und Anfänge 
der Christi. Kirchenkst. S. 148 ff. und die Bem. von Wulff, l'.yzant. 
neugriechische Jahrbücher 192 1, S. 364, Anm. 1. Die Formel 
ei? Geöi; besonders in Syrien beliebt (Peterson, €IC GGOC. Diss., j 67 iS. 

Göttingen 1920). Der Reiter in Anlehnung an andere antike 
Reiter und Salomon-Darstellungen möglicherweise mit Christus gleichzusetzen, wie die Büste auf der 




Metallplastik. 



Gegenseite sich an Heliosdarstellungen anlehnt (Dölger, Sol Salutis S. 23). Die Gleichsetzung von 
Christus und Helios wohl in Syrien ausgebildet. Vgl. die Ausführungen von Volbach, Amtl. Ber. 
XXXIX, Sp. 12^ Abb. 41. Über die Besiegung des Bösen vgl. ferner O. Weinreich, Neue Urkunden 
zur Sarapis-Religion 1919, S. 37. 
J. 6704. Plakette. Altchristlich. 5. Jahrhundert. Beiderseits eingefaßt mit Zinnenfries 
und Schnurlci.stc. Auf der Vorderseite Maria mit Redegestus umblickend r. und Joseph mit 
aufgestütztem Kopf 1. zu seiten der Krippe mit dem gewickelten Kinde, über diesem die 
beiden Tierköpfe; auf der Rückseite Christus mit drei Jüngern nach r. zu Zachäus sprechend. 




1.6704. 




Flachrelief. Bronze (neu patiniert). Kreisrund. Dm. 5,8 cm. Erworben 1912 aus Kairo. Vielleicht 
als Erinnerungsplakette (resp. Pilgerzeichen) gedacht (oder Abschluß eines Kreuzarmes?). Die Geburt 
Christi im Typus der palästinensischen Weihrauchfässer (Beschr. d. Bildw. III, i. Nr. 967—971). Aus- 
schnitt aus einer größeren Komposition. Seltenes Beispiel für die selbständige Darstellung dieser 
Szene, die im syrisch-palästinensischen Kunstkreis entstanden ist; mit der Darstellung im Pariser Cod. 
der Homilien des Gregor (Nr. 5:0 Bibl. nat.) übereinstimmend. Auch dem Stil nach palästinensische 
Arbeit, vgl. Tür S. Sabina, Rom und die damit zusammenhängenden Elfenbeinreliefs, Wulff, Rep. f. Kw. 
1912, S. 221 und ausführlicher Amd. Ber. XXXV, Sp. 37, Abb. 18, 19. 

J. 6674. Beschlag. Altchristlich, 6./;. Jahr- 
hundert. Auf der rechten Hälfte in einem mit 
Perlschnur eingefaßten Rundfeld die Taufe Christi. 
Er ist als jugendliche frontale Halbfigur in der 
Mitte stehend dargestellt, umgeben von den Pro- 
filgestalten des Täufers rechts in langer Gewan- 
dung, der die Linke über seinem Haupte aus- 
streckt (R. nicht erkennbar), auf das von oben 
die Taube herabfährt, und eines Engels (links), 
der auf den vorgestreckten Unterarmen ein Ge- 
wand zu halten scheint. 

Flachrelief (gepreßt). Bruchstück. Bronzeblech (oxy- 
diert). Rechteckig b. Br. 4,8, H. 5,7 cm. 1912 aus 
den Pergamonfunden überwiesen. Am unteren Rande 
links ein größeres Stück ausgebrochen, in der Dar- 
6674. Stellung und besonders in der linken schmucklosen 




Metallplastik. 




Hälfte mehrere senkrechte Risse und Löcher. Nach Technik und Stil ist das Stück den von 
W. F. Volbach, Metallarbeiten des christlichen Kultes, Mainz 1921, Kat. d. Röm.-Germ. Zentral- 
Museums Nr. 9, S. 21 ff. zusammengestellten Kästchenbeschlägen zuzuzählen. Der Bildtypus gibt 
eine abgekürzte und vergröberte Fassung des palästinensischen .^mpullenstempels wieder und gehört 
vor allem wegen des im Knabenalter dargestellten Christus jedenfalls noch der altchristlichen Zeit. 
Vgl. die Zusammenstellung der verwandten Denkmäler bei Cabrol, Dict. d'archeol. ehret, etc. II, i, 
c. 346 (Bapteme), nebst dem Bronzeanhänger bei Garrucci, Storia etc. VI, tav. 480, 15 sowie die 
Bern, von O. Wulff, Amtl. Ber. 1913, Sp. 41, 42. 
J. 4888. Beschlag. 6./;. Jahrhundert. Abgeflachtes Segment. Am gekrümmten Rande 26 
runde Löcher, darunter ein Relicffeld durch Sclinurornament abf^'cs^rcnzt. In jedem der beiden 
Bogenzwik- 
kel eine sche- 
matische 
Stadtansicht 
mit Tor und 
zwei Türmen 
(I.Bethlehem, 
z. T. ausge- 
brochen, r. 

Ägypten). 
Maria reitet 
in Frontan- 
sicht, das 
Christuskind 

auf dem 
Schöße nach 

r. auf einem Maultier, das von dem vorausschreitenden sich umwendenden hl. Joseph (?) am 
Zügel geführt wird. Er trägt, bekleidet mit kurzer gegürteter Tunika, ein Bündel über 
der Schulter. Vor ihnen weist der geflügelte Engel in langer Gewandung auf den Stern, der 
über der Stadt (r.) steht, indem er sich umsieht. 

Bronze. Getrieben. Gravierung. H. 5, Br. 12,8 cm. Erworben 1909 aus dem italienischen Handel. 
Oxydiert. Die 1. Seite stark beschädigt und ausgebrochen. Die Darstellung, wohl in der syrischen 
Kunst aus der Reise nach Bethlehem entwickelt; verwandt auf dem Goldenkolpion aus Adana in 
Konstantinopel, Museum (Strzygowski, Byz. Denkm. I. Taf. VII, S. 99) und einem Sarkophagrelief in 
Zara (Denkm. d. Kunst in Dalmatien II, Taf. 68) wiederkehrend. Stilistisch ebenfalls dem Enkolpion 
von Adana (um 600) nahestehend. Vgl. die Ausführungen von Volbach, Amtl. Ber. XXXVIII. Sp. 230, 
.\bb. 74. Ferner ein verlorenes Amulett. Abb. Byz. Zeitschr. XXIII S. 217 mit derselben Darstellung. 

J. 6728. Kreuzreliquiar. Palästinensisch, Mittelalter. Graviert. Mit beweglicher großer 
Öse. Auf der Vorderseite die betende Gottesmutter in ornamentiertem (orientalischem .') 
Gewände; über ihrem Kopf Inschrift MP eo. Auf beiden Kreuzarmen gefran.ste Halbkreis- 
bogen. Die Rückseite hohl. Abb. Taf VII. 

Bronze. H. (ohne Öse) 9 cm. Erworben 1913 durch die Samarra-Expedition. Im Typus der I'anagia 
(Beschr. d. Bildw. III, i) Nr. 927 entsprechend, vgl. ebendort die Bern, zu Nr. giSff. S. 195. 

J. 6815. Statuette. Altchristlich, 4./^. Jahrhundert. Langbärtiger Mann (Apostel oder 
Prophctj in voller Gewandung mit beiden gleichmäßig belasteten Füßen in schwacher Seiten- 
wendung nach 1. stehend und mit erhobenem r. und gesenktem l. Arm eine entfaltete Schrift- 
rolle haltend auf halbmondförmiger (die andere Hälfte abgebrochen) Basis. Auf der Rück- 
seite kurze Säule einer weggebrochenen Doppelarkadc. 



48SS. 



Mflallplastik. 



Bronze. H. 9,1 cm. Erworben 1916 im Kunsthandel, ü.xydiert. Hohlguß. Die 1. Seite mit Gegenfigur 
verloren, ebenso die Arkade. Diente als Aufsatz einer Bronzelampe (s. Bellori, Le ant. lucerne II, i, 

n. 37). Sehr nahe stilistisch und technisch verwandt das 
Apostelpaar in Rom, Vatikan (Garrucci 471, 2), vgl. 
die Bemerkungen zu der Petrusstatuette (Beschr. der 
Bildw. III, I Nr. 717). Ferner Volbach, Metallarbeiten 
Nr. 36, Taf. V und Amtl. Ber. XXXVIII, Sp. 226, 
Abb. 73. 

J. 6706. Weihrauchgefäß. Koptisch, 5./6. Jahr- 
li lindert. Kreisrunder (zylindrischer) niedriger 
Untersatz mit Scharnieransatz für Holzgrift' (Reste 
verkohlt) und drei stark stilisierten Tierfüßen; 
Pfanne und Deckel fehlen. Durchbrucharbeit; 
vom Griff nach 1. herum folgen sich durch 
Ranke verbunden laufendes Reh (umblickend 1, 
grasende Antilope (.'), rücklings liegende nackte 
Frau (Nereide.') und ausschreitendes Raubtier. 
Abb. Taf. VHI. 

Bronze. H, q,5 cm (ohne Scharnier), Dm. 13 cm. 
1912 von der islamischen Abt. im Austausch er- 
worben. O.xydiert. — Die Form des Gefäßes auch 
stilistisch verwandt dem Untersatz (Beschr. d. Bildw. 
III, i) Nr. 988 und wie dieses koptischen Ursprungs. 

J. 6707. Weihrauchfaß. Koptisch, 5./6. Jahr- 
hundert. Zylindrisch aus niedrigem Untersatz 
mit Pfanne und helmförmigem Deckel bestehend, 
der einen Knopfaufsatz trägt. Durchbrucharbeit. 
Die Wandungen o. und u. durch blattlose Flach- 
ranken mit füllenden Fruchtmotiven verziert (z. T. 
ausgebrochen). Vor dem (jriff emporstehende 
Palmette. Abb. Taf VIII. 

Bronze (oxydiert). Dm. 9 (ohne Scharnier), H. 16,5 cm. 
-- - Erw. 1912 im Austausch von der islamischen Ab- 

teilung. Aus Kairo. — Im Typus und Verzierung 
r ^^^- dem Räuchergefäß aus Kairo (Beschr. d. Bildw. II, i) 

Nr. 980 entsprechend. 

6658. Lampe. Altchristlich, 4-/5. Jahrhundert. Rundplastisch. Taube mit zusammen- 
geschlagenen Flügeln und nach r. gewandtem Kopfe, deren Schwanz die Tülle bildet. Im 
Rücken ein dreieckiges Eingußloch ; der im Scharnier (unvollständig) bewegliche Deckel fehlt. 
Den Hals umzieht eine geschlängelte Ranke mit Träubchen. Abb. S. 23. 

Bronze. H. 6, L. 12 cm. Erworben 191 1. Aus Rom. Dunkelgrüne Patina. — Verwandt die Tauben- 
lampe (Beschr. d. Bildw. III, i Taf. XXXVI) Nr. 772 und eine Taube in Kairo, Museum (Strzygowski, 
Cat. gen. Nr. 9139 Taf. XXXIII); vgl. die Bem. von Volbach, Amtl. Ber. XXXVIII, Sp. 238, Abb. 80. 
Noch etwas naturalistischer eine Lampe in Speier. (Volbach, Metallarbeiten Nr. 42, Taf. VIII) und 
Augsburg, Ulrichsmuseum. 

i 6863. Lampe. Altchristlich, 5./6. Jahrhundert. Das Gerät in Gestalt einer Taube 
mit massivem Standfuß, der auf der Unterseite einen Nietenansatz zeigt (von der Befestigung 
an einem Leuchter oder einer Krone). Der Schwanz bildet die Tülle. Abb. Taf. VIII. 




Metallplastik. j^ 

Rundplastisch. Bronze. Oxydiert. H. 3,4, Br. 7.2 ein. Erworben 192 1. — Vgl. die Bemerkungen 
zu Inv. 6658. 

J. 6736. Lampe. Koptisch, 5./6. Jahrh un dert. Eilormit( mit flachem, vor der Tülle zu- 

rücksebogenem Deckblatt, da.s um einen Stift clrcbl).ii ist, iiuf" drei tierähnliclien l'"üßen stehend. 





66.vS. 



J. 6730. 



Die Bekrünunj; des Griffes verloren. Davor auf dem Deckblatt grob gebildete Vogelgestalt 
(Hahn). Der zurückgebogene Rand gekerbt. 

Bronze, H. 8,5, mit Stift. O.xydiert, Griff verloren. 191 3 im Kunsthandel erworben. — .Vhnliche Lam- 
pen in Ton aus Ägypten s. bei C. M. Kaufmann, Gräko-ägypt. Koroplastik, Taf. 44, jNr. 355 — 57 und 
Weber, Die ägypt. und griech. Terrakotten, S. 262 ff. Eine verwandte, nur etwas reicher ausgebildete 
in Ägypten gefundene Bronzelampe (Weber a. a. O. S. 264, Fig. 131), trägt wie die Tonlampen als 
Griff auf dem Stift eine hohe Säule mit einem Schwanenkopf darauf, der auch bei unserem Stück 
wohl vorhanden war. Vgl. Volbach, Amtl. Ber. XXXVIII, Sp. 237, Abb. 79. 

J. 6837. Lampe. Mesopotamisch, 6-/7. Jahrhundert. Sclnihform mit sechsseitigem 
umrandeten hohen Eingußrohr, an das sich der bandartig geschwungene Henkel mit auf- 
sitzendem Höcker anlegt, und ebenfalls sechsseitiger langer emporgekrümmter Tülle, deren 
flächentrennende Seiten Kanten nach hinten im Bogen abschließen. Die beiden oberen 
Flächen mit eingefeiltem geometrischen Ornament (breitliegende Raute und Kerben) geschmückt. 
Abb. Taf VIII. 

Bronze. Schwach oxydiert. H. >S,r, L. 17 cm. Aus Babylon (?). 1918 aus der vordcrasiat. .•Xbt. über- 
wiesen. — Dieselbe Lampenform in London, Brit. Museum (Dalton, Cat. Nr. 525, Taf. 27), Kairo, 
Museum (Strzygowski, Cat. Nr. 9145), Berlin, Islam. Abt., ehem. Samml. Sarre, und Mainz, Zentral- 
museum (Volbach, Metallarbeiten Nr. 39). Die Form auch in Ton erhalten, vgl. Koldewey, Das 
wiedererstehende Babylon, Abb. 170. 

J. 6809. Lampe mit Träger. Kopti.sch, 5./6. Jahrhundert. Schuhfürmiger Typus mit 
tellerförmiger Tülle, rundem Eingußlocii (Deckel im Scharnier weggebrochen), Aufsatzrölire 
und doppeltem Volutenhenkel, von dem zwei zusammenlaufende Scitenschößlinge ein Kreuz 
mit kolbenförmigen Enden tragen. Der Träger besteht aus blattartigem Fußstück mit drei 
Tierfüßen und sechs Knopfaufsätzen, kurzem balusterähnlicliem Schaft, kreisrundem Teller 
und vierkantigem Dorn. .Abb. Taf \'\U. 



, ■ Ooldschmiedearbeit. 

Bronze. Oxydiert. H. 25,5 und 13 cm. Erworben 1915 in Italien. — Vgl. ähnliche Lampen (Beschr. 
d. Bildw. III, 11) Nr. 792 und 793 mit weiteren Beispielen in London, Brit. Museum (Dalton, 
Cat. Nr. 495 und 496) und Kairo, Museum. Zum Träger vgl. (Beschr. d. Bildw. III, i) Nr. 996 und 
097 mit weiteren dort angeführten Beispielen. 
J. 6737. Stempel. Altchristlich, 5./6. Jahrhundert. Auf der Rückseite bestoßener 
Stumpfeines Griffes, daneben (späteres.^) Bohrloch. Vorderseite mit Relief buchstaben (Spiegel- 
schrift): ^I^,. Abb. Tnf VII. 

Bronze. Br. 3,4, H. 3,1 cm. Erworben 191 3. — Das untere A schadhaft und der Rand daneben 
verbogen. 

J. 6753. Stempel. Altchristlich, 5./6. Jahrhundert. Schuhform mit Bügelgriff. y\uf 
der Stempelfläche in Spiegelschrift ReHefinschrift: SPES IN DEO. Abb. Taf. VII. 
Bronze (oxydiert). L. 7,5 cm. Erworben 1914 in Rom. — Ein verwandter (identisch!') Stempel mit 
derselben Form in Capena gefunden; Bull, di arch. crist. 1874, S. 77 pl. II, Nr. 5 und Cabiol, Dict. 
1. 2, Sp. 2200, Fig. 713. Ebendort noch weitere Beispiele mit derselben Formel. 

J. 6754. Stempel. Altchristlich, 5./6. Jahrhundert. Sohlenform mit Bügelgriff, auf dem 
ein quadratisches Plättchen. Auf der Stempelfiäche in die Längsachse eingestelltes Relief- 
monogramm Christi * mit zwei Punkten (bzw. Buckeln) oben und unten. Abb. Taf VII. 
Bronze (oxydiert). L. 4,4 cm. Erworben 1914 in Rom. — Vgl. ähnliche Form Inv. 6753. Das Christus- 
monogramm mit zwei Tauben zu beiden Seiten auf einem bei Florenz gefundenen sohlenförmigen 
Stempel (Bull, di arch. crist. 1880 p. VII, Nr. 3). 

J. 6735. Bügel. A It christlich. Achteckiges Schild mit gegliedertem (tierkopfartigemj 
Fortsatz an breiterem Knie. Inschrift dreizeilig ANGNEL+LVS von graviertem Kranz um- 
geben, in den oben und unten wieder ein gleicharmiges Kreuz eingelegt ist. Der Bart mit 
kreisrundem Loch. Abb. Taf. VII. 

Bronze (patiniert) und Silber tauschiert. L. 9 cm. Am oberen Ende abgebrochen. Erworben 1913 
in Italien. — Hängeschloß von einem Kasten. Angnellus wahrscheinlich sprachlich für die häufigere 
Form Agnellus. Vgl. Thes. ling. Lat. B. I, unter Agnellus. 

J. 6758. Fibel. Altchristlich. Naturform (Silhouette) mit unten ansitzendem Scharnier, 
Dorn und Öse. Die letztere und die Hälfte der Drahtrolle weggebrochen. Taubengestalt. 
Abb. Taf VII. 
Bronze (oxydiert). L. 3,5 cm. Erworben 1914 aus Rom. 



2. Goldschmiedearbeit. 

Vgl. Beschr. d. Bildw. III, i S. 226. 

J. 6743. Siegelring. Altchristlich, 6. Jahrhundert. Flacher Reif mit aufgelegtem Zopf- 
geflecht, das an beiden Rändern mit Perlschnüren 
eingefaßt ist; darauf sitzt eine fünfblättrige Glok- 
kenblume als Trägerin einer kreisrunden (Reli- 
(luien-.'')Kapsel; auf der letzteren ist zwischen 
zwei Palmzweigen das Monogramm 'A9a- 
vacriou (?) eingraviert. Darüber ein Kreuz. 
Gold. Dm. 2 cm. Aus dem Kunsthandel 1914. An- 
geblich in Nordgriechenland gefunden. — Die Tech- 
6743. j. oMo. nik der gedrehten Golddrähte zwischen Perlschnüren 




Goldschmiedearbeit. 



^* 



GG79. 




auf Goldblech in der Spätantike häufig (vgl. Henkel, Die römischen Fingerringe 228). Ähnliche Ringe 
mit hohem Aufsatz, die von Cabrol, Dict. 1,2, S. 2210 als Totenringe angesehen werden, z.B. in 
Lyon, Museum (Cabrol, a. a. O. Abb. 744), ehem. Slg. Bearn (1-roehner, Coli, de la C"-""= de B. 1885 I, 
Taf. IV, 18) und aus Mittelitalien zwei verwandte Stücke in Berlin, vorgeschichtl. Sammlung. Vgl. 
die Bemerkungen von Volbach, Amt). Her. X.V.WIII, Sp. 236, Abb. 77. 

J. 6679. Ring. Altchristlich, 4. Jahrhundert. Reliefne^ativ. Flacher Keif mit quadra- 
tischem Siegelschild. Weibliche und männliche (kurzbärtige) Profii- 
biiste einander zugewandt; in der oberen Ecke je ein Stern. 
Silber (Legierung?). Dm. 2,4 cm. Erworben 1912. — Die Darstellung ent- 
spricht dem gewöhnlichen Typus der Gattenporträts des 4. Jahrhunderts, 
wie sie im Museum schon (Beschr. der Bildw. 111, i) Nr. 1117 und 1155 ver- 
treten sind. Weitere Beispiele von Kheringen s. Cabrol, Dict. 1, 2, Sp. 2190, 
Abb, 678 und die Bemerkungen von Wulff, Amtl. Ber. XXXV, Sp. 33, Abb. 15. 

J. 6862. Zierblech. Palästinensisch. 6. Jahrhundert. Das Bildfeld von einem Perlstab 
umrahmt. In der Mitte der jugendliche Daniel mit Nimbus, be- 
kleidet mit gegürteter Tunika, Hosen und dem vor der Brust ge- 
knüpften Mantel, beide Arme im Gebet erhebend, umgeben von 
zwei auswärts sitzenden Löwen, die ihre großen Köpfe zu ihm 
umwenden. Zu beiden Seiten seines Kopfes ein gleicharmiges 
Kreuz, darunter die Inschrift: (links weggerissen) rechts OC = 9e6q(?). 
Flachrelief (gepreßt). Gold. Kreisrund. Dm. 3,8 cm. Links ein größeres 
Randstück ausgerissen, in der übrigen Fläche zwölf größere oder kleinere 
Löcher. Das Relief stellenweise etwas verdrückt. Erworben 1921. Aus 
Italien. — Zu J. 6681 zugehörig. Vgl. die Bemerkungen dort. Der Typus wie 
auf der Py.xis des Brit. Museums in London (Dalton, Catalogue Taf. 10, b). 
Weitere Beispiele bei Cabrol, Dict. IV, i, Sp. 221 unter »Daniel« und(Besi-hr. 
der Bildw. III, i) Nr. 242 und 1638. Vgl. die Bern, von Volbach, Berliner Museen 1922, S. 80, Abb. 72. 

J. 6861. Zierblech. Palästinensisch, 6. Jahrhundert. Das Bildfeld von einfacher Kreis- 
linie und Perlstab doppelt umrahmt und unten durch horizontale Standlinie begrenzt. In 
der Mitte der bärtige Christus (mit Kreuznimbus) in voller 
Gewandung (mit Rolle in der L.) und anscheinend mit 
der Rechten den Arm des Thomas fassend, der von links 
(mit erhobenem rechten Arm) herantritt; daneben beider- 
seits drei vollbekleidete Apostelgestaltcn und über ihnen 
links zwei, rechts drei Halbfiguren von solchen, z. T. noch 
unbärtig. Über der Darstellung zweizeilige Inschrift: 

t KC MOY ^, . ■ • a - 

KAloeEOCMOY = ° ^upioq neu KU. o Qtoq mou 

hannes XX, 28). Im unteren Abschnitt drcizeilige Inschrift 
t OTI eOPAKAC t 

ME nenicTEv 

KAC 

Flachrelief. Gold (gepreßt). Dm. 5,2 cm. Rechts etwas unter 
der Mitte horizontaler Riß schräg zur Mitte und etwas darüber 
hinweglaufend, stellenweise kleinere Löcher. Das Relief stark 

verdrückt. Erworben 192 1. Aus Italien. — Wahrscheinlich als Einlage in eine Fibel ged.icht, vgl. (Be- 
schr. der Bildw. III, i) Nr. 11 18, 11 19. Mit kleinen Abweichungen dieselbe Darstellung auch auf einer 
Ampulle in London, Brit. Mu.seum (Dalton, Byz. art S. 624, Fig. 399) bei der Christus sich nach rechts 
wendet. Gleich ist die Darstellung auf einer Goldampulle in Monza (Garrucci, Taf. 434, 4). "»r 

Ahchrisll. und miltelnlt. Bildwerke. 4 



J. 6862. 



'Oti iihpuKaq \xt 
7TeTTiaTeuKa(;. 



(Jo- 




_/: Mcinscnnitt. 

daß hier die Unterschrift fehlt, und der dritte Apostel links oben vorhanden ist. Über die 
Monzeser Ampullen und ihr Verhältnis zur palästinensischen Monographie vgl. Wulff, Rep. f. Kw. XXVI, 
1903, S. 35. Ein weiteres Amulett aus der Werkstatt der Monzeser Ampullen s. Cabrol, I, 2, Fig. 486 
Vgl. die Bern, von Volbach, Berliner Museen 1922, S. 80, Abb. 71. 
J. 6697. Ampulle. Palästinensisch, 6. Jahrhundert. Kreisrunde flache Trommelform 
mit kurzem Halse, auf dem Ciborium Kreuz. Vorderseite: Taufe Christi (jugendlich) mit 
zwei gewandhaltenden Engeln, links Umschrift: FYAOPIA KYPIOY TwN APIWN TOnwN +. 

Auf der Rückseite die 
Kreuzigung und die 
Frauen am Grabe. 
Flachrelief (gepreßt). Le- 
gierung (versilbert und 
stellenweise früher wohl 
auch vergoldet). Dm. 
43 cm. Erworben 1912. 
Aus Kairo. — Die Form 
der Ampulle und die 
Darstellung entsprechen 
den Monzeser Gold- 
fiäschchen (vgl. Cabrol, 
Dict. I, 2, Sp. 1737 ff., 
Abb. 457 ff.), die wohl 
als Pilgerandenken in 
Jerusalem als Kopien 
der dortigen Mosaiken 
hergestellt sind (vgl. Be- 
schr. der Bildw. III, i 

Nr. 1097 und Heisenberg, Grabeskirche und Apostelkirche I, Taf. 8, 9, i). Verschieden vom Monzeser 
Typus u. a. die Haltung Maria, Schreitmotiv der Myrrhophore, darunter Ciborium des hl. Grabes 
(vgl. Byz. Zeitschr. 1909, S. 549), vor allem die bisher auf keinem Stempel belegte Zweizahl der 
Engel. Aus derselben Gruppe die Zierbleche Inv. 6861, 6S62. \gl. die Ausführungen von Wulff, 
Amtl. Ber. XXXV, Sp. 39, Abb. 20, 21. 





J. 6697. 



Steinschnitt. 

Vgl. Beschr. d. Bildw. III, i S. 232. 

J. 6678. Geschnittener Stein. Mesopotamisch, 4./5. Jahrhundert. Gleicharmiges Kreuz 
über Säule, die zwei entsprechende Kreuze umgeben. Auf dem schrägen 
Rand Pehlewi-Inschrift (nach der Lesung von Prof F. C. Andreas, Göt- 
tingen, Amtl. Ber. XXXV, Sp. 44): Piißayc iißiistdn ö yäzddti, -Vertrauen zu 
den Göttern . 

Reliefnegativ. .-Ichat (dreischichtig). Ovaler Kegelstutz. H. 1,2, Br. i cm. Erworben 

1912. Nach der Inschrift im Gebiet des nestorianischen Christentums entstanden, 

|. 6678. womit auch die Vorliebe für das Kreuzsymbol zusammengeht (Baumstark, Rom. 

Quartalschr. 1900, S. 70). Die Kreuzkomposition in der palästinensischen Ausbildung 

vgl. (Beschr. der Bildw. III, i) Nr. 233 und S. 34, sowie die Bern, von Wulff, Amtl. Ber. XXXV, Sp. 43, Abb. 24. 




Glas. 



27 



J. 9153. Geschnittener Stein. Altclirist licli 374. J ah rli 11 ndcrt. Auf der Vorderseite 
ein Baum mit 5 Blattwedeln und beiderseits niederhängenden Früchten (Dattelpalme.-). Auf 
der Rückseite Inschrift: EniKAAOYMAI IHCOYN XPEICTON NAZAPIHNON HATEPA AAOY lAW CA 
(ßauur) EN E(?) w • • • N(':')A. Am unteren Rande ein paar Buchstaben abgesplittert. Abb. Taf. VII. 
Achat (?) dunkelrot. Oval. Graviert. H. (bzw. L.) 1,5, Br. 1,2 cm. Krw. 1922 im Austausch von der 
ägypt. Sammlung. — Nach der Inschrift »'laüi CdßaujT« ist gnostischer Ursprung anzunehmen. Der Baum 
als christliches Symbol noch häufiger vorkommend (Beschr. d. Bildw. III, i) Nr. 1 151 und u. a. ein 
Ring aus Tuskulum (Cabrol, Dict. I, 2 l'ig. 683 und ausfülidich S. 269111". unter »arbres«.) 

J. 9151. Geschnittener Stein. Amulett (in mittelalterlicher Einfassung). Altchristlich, 
3/4- Jahrhundert. In der Hauptaclise eingraviert (positiv) ein Anker mit schräg übergelegtem 
kleinen Fisch am Längsbalken und der Umschrift: ixevc MT- Abb. Taf. VIT. 
Goldfassung mit eingelassenem roten Jaspis. H. 1,9, Br. 3 cm, L. (des Steines 1,9, Br. 1,5). Aus der 
ägyptischen Abteilung 1922 überwiesen. — Nach Doelger (IXGYC I, S. 298 § 5 Xr. 44 Taf. III, 4 und 4a), 
die Buchstaben XMF verschiedenartig aufzulösen, möglicherweise in Xpiarö? MixanX TaßpiriX. Über die 
verschiedenen anderen Hypothesen vgl. dort ausführlich. Ferner K. H. Toelken, Erklärendes Verzeichnis 
der antiken Steine der Kgl. Preuß. Gemmensammlung, Berlin 183:;, S. 456!., Nr. 129. — Garrucci, 
Storia VI, Taf. 477, Nr. 29 S. 116. 

J. 9152. Geschnittener Stein. Altchristlich, 3./4. Jahrhundert. In neuer Fassung als 
Ring. Auf der Vorderseite weibliche Gestalt in langer Stola und im Rücken herabhängendem 
Mantel in Gebetsstellung mit erhobenen Armen und ins Profil nach links gewandtem Kopf 
auf einfacher Standlinie. Auf der Rückseite Inschrift: EIC Abb. Taf VII. 

eeo 
c 

Jaspis (dunkelrot, graviert). Oval. H. 2,2, Br. 1,5 cm. 1922 im Austausch aus der ägypt. Sammlung. 
— .\ls Amulett verwandt, wie u. a. auch die in der Technik ähnlichen Salomondarstellungen fvgl. Amtl. 
Ber. XXXIX, Abb. 42, 43). Zu der Formel ek öeüc auf Amuletten vgl. Peterson, EIC 0EOC Diss. 1920. 



Glas. 

Vgl. Beschr. der Bildw. III, i, S. 236, I.Nachtrag S. 319, II, S. 11. 

1. Glaszierate. 

J. 6744. Glaspaste. Altchristlich. Zwei Löwen springen zu Seiten einer Palme empor, 
die aus einer Vase aufwächst. Abb. Taf. VII. 

Glas (z. T. irisiert). Flachrelief (eingedrückt). Br. 1,9 cm (m. Öse 2,3 cm). Erworben 1914. — Zu den 
Glaspasten vgl. (Beschr. der Bildw. III, i), Nr. 1 151 ff., S. 236. Der Typus der Löwen zu Seiten des 
Lebensbaumes aus der altorientalischen Kunst weiterentwickelt, in der altchristlichen Zeit mit sym- 
bolischer Bedeutung. Auf Stoffen verwandt, vgl. z. B. Falke, Gesch. der Seidenweberei 1913, I, 
Abb. 134; zwei Löwen an der Vase emporspringend (Beschr. der Bildw. III, 1) Nr. 67 nebst Belegen. 

J. 6819. Glaspaste. Altchristlich, 4./5. Jahrhundert. Sechsarmiges Christusmonogramm 
zwischen A und w. Abb. Taf. VII. 

Glas (grün). Kreisrund mit Ringöse. Gepreßt. Dm. 1,4, H. 1,8 im. Erworben aus Kleinasien 1917. 
— Zu den Glaspasten vgl. die Bemerkungen zu J. 6744. Die Zusammenstellung von A und W mit 
dem Christusmonogramm häufig, vgl. (Beschr. der Bildw. III, i) Nr. 1139 und Cabrol, Dict. I, i, Sp. i ff. 
.\hnliche Beispiele von geschnittenen Steinen bei Leclerq, Manuel II. S. 383 ff. 



28 Glas. 

J. 6818. Glaspaste. AUchris t lieh, 4-/5. Jahrhundert. Christus auf der Kathedra, um- 
geben von den symmetrisch verteilten sechs Vollgestalten und darüber aufgereihten sechs 
Köpfen der Apostel. Oben linksläufige Beischrift: IHCOV. Abb. Taf VII. 
Glas (gelb). Gepreßt. Kreisrund mit Quetschöse. Dm. 2, H. 2,6 cm. Erworben 1917 aus Klein- 
asien. — Zu den Glaspasten vgl. Inv. 6744 ff. Die linksläufige Inschrift beweist, daß sie auch als 
Stempel Verwendung fanden. Über die Ausprägung des Typus in der antiochenischen Kunst vgl. 
Wulff, Byzantinisch-neugr. Jahrbücher 1921, S. 126 ff. 



2. Glasgeschirr. 

J. 6700. Goldglasboden, Jüdisch, 3./4. Jahrhundert. Iimerhalb des Ringsteges durch ein 
Bogenfries mit abstehenden Halbkreisfüllungen ein quadratisches Feld eingerahmt, das durch 
schmale Zwischenstreifen horizontal geteilt ist. In der oberen Hälfte jüdische Kultgeräte. 

Neben der kleinen Lade, in der bei geöffneten 
Türflügeln und zurückgezogenen Vorhängen 
die ThoraroUen übereinanderliegen, zwei sieben- 
armige Leuchter mit aufgesetzten Lämpchen. 
Über diesen zwei Palmwedel, neben dem links 
befindlichen links das Bukett des Laubhütten- 
festes (Lulab), rechts der Zedernzapfen; auf der 
Gegenseite [links) der zweihenkelige Krug, rechts 
das gekrümmte Hörn (Schofar). Auf der Unter- 
seite in der Mitte eine bauchige Schale, in der 
ein Fisch (unvollständig) liegt. Um das Ge- 
fäß das Speisesofa. Die Inschrift (undeutlich): 
\'ALE(.') DOMINO VITALE CVM ■ CO(N)lVGE 
ET FILIO SVO ■ • FELIX BENE M(erenti). 
Weißes Glas mit Blattgold (z. T. irisierend). Kreis- 
rund. Ringsum unregelmäßig abgebrochen. Dm. 
(Ringsteg) 10,5 cm. Drei Bruchstücke. Erworben 
191 2 aus Rom. Vermutlich 
aus der jüdischen Katakombe 
am Monte Verde. — Die 
.!• 6700. Embleme der oberen Hälfte 

von den anderen jüdischen 
Goldgläsern bekannt. Vgl. Garrucci Taf. 490—92. — H. Vopel, Die altchrist- 
lichen Goldgläser, 1899, S. loiff. — Kisa, Das Glas im Altertume, 1908, 
Abb. 361 ff.; s. ferner (Beschr. der Bildw. III, i) Nr. 36 und 1619. Die Am- 
phora vielleicht Hinweis auf den Segenskelch (vgl. J. Scheftelowitz, Das 
Fischsymbol im Judentum und Christentum, Arch. f. Religionswiss. 191 1, XI\', 
S. 25 ff.). Über die Bedeutung des Fisches als Festspeise vgl. besonders Dölger, 
IX0YC, I, 1910, S. 423 und ausführlicher B. II/III, S. 536 § 33 Taf. LXIV und 
im übrigen die Bemerkungen von Wulff, Amt!. Ber. XXXV, Sp. 31, Abb. 16. 
J. 6656. Flasche. Syrisch, 475. Jahrhundert. Hoher sechsseitiger 
Körper mit ziemlich langem Hals und schnabelartiger gekniffener Mün- 
dung nebst Bandhenkel. Reliefverzierung : auf der Vorderseite Golgatha- 
kreuz über vier Stufen, auf den beiden Nebenseiten einmal (rechts) 
Palmzweig und doppelter Perlstab (links), auf den folgenden desgl. in Um- 
stellung, hinten Stern über liegendem H und konzentrischem Doppelkreis. j. 6656. 





29 




Dunkelgrünes ülas ^schwach irisierend). Erworben 191 1 aus Syrien. — Wie eine verwandte Flasche 
mit jüdischen lünblemen im Berliner Antiquarium von Küster, Zeitschr. f. bild. Kunst XXXII, 192 1, 
S. 133 ff., Abb. 23 einer Manufaktur in Hebron (Syrien) zugewiesen. Ähnliche gepreßte Gläser (s. 
bei Kisa, Das Glas im Altertum, S. 800 ff., Abb. 331, 332) z. B. in Paris, Slg. Sambon aus Judäa, 
und Mainz, Zentralmuseum. Der sechsstrahlige Stern wohl auf das Monogramm Christi zu beziehen, 
vgl. Wulff, Byz. -neugriechische Jahrb. 1921, S. 357, Anm. :;. 
J. 6691. Zwei Glasscherben. Römisch, 3./4. Jahrhundert. Kin^eschliffenc Zeichnung. 
Auf dem größeren Bruchstück Reste einer rechteckigen und einer kreisförmigen Umrahmung 

mit Rautengitter und alternierenden 

Rauten und Gitterquadraten; da- 
zwischen ein kleineres kreisrundes 
Feld mit sitzender und nach rechts 
umblickender bekleideter Frauen- 
gestalt (Victoria.^), einen Zweig in 
der Rechten haltend, auf dem klei- 
neren ein gleiches mit nach rechts 
sprengendem Reiter und Rest eines 
rechteckigen Rautengitterrahmens. 
Glas. Br. 4,5 und 4 cm (radial ge- 
messen). Erworben 1912 aus Rom. 
Randstücke eines Bechers oder einer 
Schale. — Ahnliche Beispiele der 
Schleiftechnik bei Kisa, Das Glas im 
Altertum, Abb. 23Sff. Das Ornament, 
wie auf ägyptischen Tonlampen (Beschr. der 
Bildw. III, I, Nr. 1245/52/55/61) und auf 
spätantiker rädchenverzierter Sigillata (W. 
Unverzagt, Materialien zur röm.-germ. Kera- 
mik III, Taf. III, 78), ferner die Bem. von 
Wulff, Amtl. Ber. XXXV, Sp. 31, Abb. 14. 

3. Mosaik. 

J. 6719. Porträt. Altchristlich, 4. 
Jahrhundert. Büste einer jungen Frau 
mit langem, gescheiteltem, gewelltem 
Haar, das eine rote Binde durciizieht, 
in tiefrotem Kleide; rechts und links 
Zickzackborte. 

Verschiedenfarbiger Marmor. Rechteckig 
(bezw. in Gips zum Rechteck ergänzt). 
H. 58, Br. 51 cm. Der Grund ringsum ab- 
gebrochen, außerdem das Mosaikgefüge an 
der linken Schulter und am Halsansatz aus- 
gebröckelt (in Farbe ergänzt). 1913 in Rom 
erworben. — Verwandt die Mosaik-Porträts 
von Constantina und Helena (oder Const. 
Gallusr) am Gewölbe von S. Costanza, Rom 
(Wilpert, Rom. Mosaiken Bd. III, Taf. 6), 
besonders in der Technik. Vgl. die Bem. von Wulff, Amtl. Ber. XXXV, Sj). 233, Abb. 126. 




J. 67l<^ 



30 



Mittelalterliche Bildwerke. 



MITTELALTERLICHE BILDWERKE. 

Byzantinische Bildwerke. 
Steinplastik. 

Vgl. Beschr. d. Bildw. III, 2 S. i ff. 
J. 6391. (Besciir. der Bildw. 111,2, \;iclitr.Nr.22i9V Konsolstein (bezw. Kämpfer). .M i ttel by z a n- 






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J. 6391 (Kat. 2JI 



tinisch, 9. J ah rli iindci t. Aul der Vorderseite 
menschliches Antlitz zwischen zwei nach ihm um- 
blickenden sitzenden großköpfigen Löwen (der Kopf 
des l. fehlt); auf der r. Nebenseite ein Papageienpaar 
in gleicher Anordnung mit gekreuzten Schwän- 
zen auf Kugeln sitzend (der Kopf des 1. fehlt) 
und in eine raumfüllende Kreuzrosette beißend; 
desgl. auf der r. ein Paar Greifen zueinander 
umblickend (der Kopf des r. fehlt) deren Flügel- 
spitzen sich in der Mitte berühren. An beiden 
Nebenseiten bildet eine senkrecht herablaufende Blattwelle den hinteren Abschluß. 
Flachrelief. Prokonnesischer Marmor. H. 30, Br. 56 cm. Halbwürfelförmig, o. und u. geglättet, 
auf der Rückseite mit Stoßfläche, die übrigen drei Seiten mit Relief geschmückt (schadhaft); die 1. 
o. Ecke der Vorderseite abgeschlagen. Die Blattwelle 1. sehr bestoßen. Erworben 1910. Aus Kon- 
stantinopel (von den Seemauern bei Jedi-Kule). Das Stück ist bereits im 2. Nachtrag unter Nr. 2219 
veröffentlicht, aber nur unvollständig abgebildet und noch nicht genauer bestimmt. — Die Darstellungen 
haben ihre Vorbilder in der frühmittelalterlichen orientalischen Kunst und weisen in die Zeit des 
Kaisers Theophilos (f 842), unter dem die Seemauem von Byzanz hergestellt wurden. Vgl. die Aus- 
führungen von O. Wulff, Amtl. Ber. 1918, XL, Sp. 33/4- 

. 6755. Kapitell. Byzantinisch, 7./S. Jahrhundert. Spielart des Kämpfer (bzw. Trichter)- 
Kapitells. Inmitten jeder Seite wächst eine Rebe auf, von der je zwei Weinblätter überein- 
ander symmetrisch abzweigen. An den Ecken ist der Zwischenraum durch je zwei auf- 
strebende gestielte Palmetten (bezw. Weinblätten ausgefüllt, auf deren Spitze anscheinend je 
zwei kleine Vögel stehen (an den oberen niederhängenden Blättern pickend.^;; an der vorderen 
r. Ecke scheint ein Blattkelch daraus entstanden zu sein. Die Kanten der Deckplatte ziert 
ein stark stilisierter Palmettenfries. 

Prokonnesischer Marmor. H. 25, Br. 35, und Dm. 25 cm. Trichterförmiger Typus mit quadra- 
tischer Deckplatte (aus einem Stück gearbeitet) auf der oberen Fläche rundliche Vertiefung, auf der 



Byzantinische Bildwerke. 



3t 



Rückseite Einschnitt (i6 1.); die Ecken an der 

1. Seite sowie das Ornament bestoßen. — Ein- 
zigartiges Beispiel einer Vorstufe des mittel- 
byzantinischen (figurierten) Weinlaubkapitells, das 
durch mehrere reich geschmückte Stücke in S. 
Marco, Venedig) und durch ein ganz entspre- 
chendes von schlechter Erhaltung in Kl. Glie- 
nicke mit Löwenköpfen unter den Ecken be- 
legt ist. Die ältere Entstehungszeit ergibt sich 
andrerseits aus der stilisierten Übereinstimmung 
des Blattfrieses mit dem einer Kapitellform nacli- 
justinianischer Zeit; vgl. Beschr. d. Bildw. usw. 

2. Aufl. III, I, Nr. 170 sowie die Ausführungen 
von O. Wulff, Amt!. Bar. 1918, XXXIX, Sp. 246ff. 
und Abb. 95. 




J- 6755. 




J. 6810. 



. 6816. Figuriertes Kapitell. Mittelbyzantinisch, 12. Jahrhundert. Mittelalterliche 
Spielart des Kämpfer ibezw. Trichter-) Kapitells mit figürlichem Schmuck in Hochrelief (bzw. 
Durchbrucharbeit). Auf jeder Seite ein Papageienpaar in symmetrischer Anordnung mit ge- 
kreuzten Schwänzen auf Kugeln stehend und nach der 
Glitte umblickend, die ein abwärts gerichteter von dem 
verdoppelten Stil im Kielbogen umschriebenes Wein- 
blatt schmückt. An den Ecken wachsen dazwischen 
Akanthuspalmetten mit langstieliger Zapfenendigung 
auf. Die Deckplatte mit derbem Palmettenfries geziert. 
W. Marmor. H. 20, o. Br. 22,5 (bzw. 21,5) u. Dm. 12,5 cm. 
Trichterförmiger Typus mit quadratischer Deckplatte und 
ringförmigem Strickwulst an der Unterkante. Auf der Rück- 
seite senkrecht ausgekehlt (zum Anschluß an eine größere 
Seite), auf der oberen eine mit Blei gefüllte Vertiefung, in 
der ein abgebrochener Eisenstift (o.xydiert) steckt ; des- 
gleichen in der Unterseite inmitten der Vorder- und r. 
Nebenseite Einschnitte (zur Aufnahme von Ankern). Die 

r. obere Ecke sowie die Vogelköpfe auf den Nebenseiten schadhaft; auf dem Grunde rote Farb- 
spuren. — Erworben 1917. Aus Konstantinopel. — Unter den monumentalen Denkmälern bisher 
nicht belegte Zierform der Komnenenzeit, durch die auch die Zuweisung zweier anderer, im K. Fried- 
rich-Museum vertretener Spielarten des Vogelkapitells in das hohe Mittelalter gesichert und berich- 
tigt wird; vgl. Beschr. d. Bildw. usw. III, i N. 171 und 172 sowie die Ausführungen von O. Wulff, 
Amtl. Bar. 1918, XXXIX, Sp. 248ff. Ein ähnliches Vogelkapitell (mit Tauben) von 25 cm. H. und 
20 cm. Dm., das sich 1898 in Nizäa im Hause von Chariton .Vlexander (nach bisher unbenutzter 
Raisenotiz) (Kadym. Basari-sokagh) befand, trug an den Ecken Löwenköpfe (zwei davon verstümmelt) 
und war auf der Rückseite nicht ausgearbeitet. Es vertritt also die noch nicht nachgewiesene Über- 
gangsstufe zwischen dem a. a. O. behandelten monumentalen Typus (vgl. die Bern, zu J. 6755) und 
dar vorliegenden Zierform. 

6840. Zierstein. .Mittelbyzantinisch, I3./14- Jahrhundert. .Vuf der I. Seitenkantc 
Doppelranke, deren kielbogenförmige Öffnungen abwärts gerichtete gesprengte \'oIlpalmetten 
und der Zwickel gleichgerichtete Halbpalmetten füllen. Auf der X'ordersoite senkrechter 
Zierstreifen, 1. und vielleicht auch r. i von einer herablaufenden Halbpalmettenranke besäumt 
und in quadratische Felder zerfallend. Die unvollständig erhaltenen beiden durch .schmales 
Flechtband gereihte Doppelkreise mit vertiefter Mitte geschieden. Im unteren der oberen 



32 



Mittelalterliche Bildwerke 



Bogen eines Kreisr;ilimeiis mit Überrest einer unklaren Füllung (gespaltener Spitze eines 
gleicharmigen Kreuzes?! und eckfüllender Halbpalmette 1. o. Im oberen Quadrat ein halb- 

aufgerichteter nach r. gewandter umblickender Vierfüßer, dessen 

emporgekrümmter Schweif in eine dünne Ranke (sehr bestoßen) 
überzugehen scheint (Hund oder Panther?) mit den Hinterfüßen 
auf einer aus der r. u. Ecke hervorwachscnden breitblättrigen Pal- 
mettc stehend und die 1. Vorderpranke erhebend, während die r. 
ein kleines nach 1. fliehendes Tier (stark bestoßen) ])ackt, das sich 
schon auf dem r. Ornamentstreifen befindet. 

Flachrelief. Muschelkalk. H. 43, Br. 38 cm. Anscheinend Bruchstück 
eines Türrahmens. Die Vorderseite 1. mit Rundstab und glatter Seiten- 
kante abschließend, r. im spitzen Winkel o. und u. unregelmäßig ab- 
gebrochen; auf der Rückseite ist die Oberhälfte halb abgearbeitet (zum 
Anschluß an eine Mauer.?). Das Ornament z. T. sehr bestoßen. — Er- 
worben 1918. Aus Makedonien (Üsküb). — Das an Ort und Stelle 
verbliebene obere Anschlußstück zeigt auf der photographischen Auf- 
nahme drei weitere Tierkampfgruppen von Drachen, Greif, Löwe (?), 
und Panther in gleicher Umrahmung nebst zwickelfüllender Palmetten. 
(Vgl. Abb.). Nach der vielfältigen Aufteilung des Zierstreifens und 
der kleinfigurigen Gestaltenbildung der Tiere anscheinend spätmit- 
telalterlicher Entstehungszeit. Vgl. zum Ornament Millet, Mon. de 
J. 6840. Misthra. usw. 




Holzplastik. 

Vgl. Beschr. d. Bildw. III, 2 S. 57. 

6836. Anhänger. Spätbyzantinisch, 17./1S. Jahrhundert. Halbfigur eines langbärtigen 
Kirchenvaters, der in vollem Ornat hinter einer Schranke (Gitterj steht, den Kopf (mit Nimbus) 
ins Profil nach r. wendend imd das Evangelium in der L. emporhaltend, während er die 
R. mit namenzeichnender Segensgebärde erhebt, vor einer in Höhe seines Halses durch eine 
Zickzackleiste abgeschlossenen und 1. mit zwei eingeritzten Diagonalkreuzen verzierten Wand- 
fläche, über der der Grund beiderseits von seinem Kopfe ausgeschnitten ist. 
Flachrelief (in vertieftem Feld) und Durchbrucharbeit. Holz. Kreisrund mit Öse (durchgebrochen) 
und fünf im Sechseckschema verteilten Spitzen und ein Bohrloch. Dm. 44 cm. — Erworben 19 iS. 
Aus Makedonien. — Pomphafter Stil der Neuzeit, gewissen Athosfresken entsprechend. 



Byzantinisches Mittelalter. ^^ 

Elfenbeinarbeiten. 

Vgl. W. Voege, Die Elfenbeinbildwcrke, Berlin 1900. Beschr. d. Hildw. 2. Aufl. Bd. I, S. 6ft. 
J. 2006. Oberer Abschluß eines Elfenbeinkreuzes Leo's VI (?). Byzantinisch. 
Ende des Q.Jahrhunderts, \order- und Rückseite zeif^en den gleichen architektonischen 
Aufbau. Zwei schlanke Säulchen mit stark ausladendem Kapital und ebensolcher Basis 
tragen ein von Inschriften umzogenes Bogenfeld, das durch drei Muschelnischen gegliedert ist; 
die höhere, mittlere ist mit drei Fenstern versehen. Rechts und links des Bogens antiki- 
sierendes Blattwerk, die äußere Schnittfläche ist mit geflochtenem Bandwerk belebt. Die 
Felder zwischen den Säulen zeigen je drei Figuren an den Breitseiten, je eine an den Schmal- 
seiten in halber Figur. Vorderseite: Christus zwischen Petrus und Paulus. Christus bärtig mit 
Kreuznimbus, die rechte Hand »segnend« (byzant. Form) erhoben, hält in dem vom Mantel 
verhüllten linken Arm ein Buch, auf dem ein (griechisches) Kreuz. Links und rechts neben 
dem Kopfe IC XC. Links zur Seite Paulus, langbärtig mit hoher Stirn, mit Buch, die Rechte 
segnend erhoben. Auf der Säule neben ihm (und deren Kapital) + O ATOC nA(VA)OS. Rechts 
Petrus, wie Paulus, mit Nimbus; von dichtem Haarwuchs und kurzem Bart, hält er in der Linken 
einen (oben abgestoßenen) Stab, die Rechte ist segnend erhoben. Auf der Säule neben ihm 
+ O AnOC neTPOC. — Rückseite: Krönung des Kaisers Leo durch Maria. Diese erscheint in 
der Mitte. In der Linken hält sie ein kleines Tuch und setzt mit der Rechten dem links neben 
ihr stehenden Kaiser die Krone auf; der mit zwei Kreuzen gezeichnete .Mantel ist über den 
Kopf gelegt, darunter wird noch ein Kopftuch sichtbar. Neben ihr: MP ev. Leb (allein 
ohne Nimbus) zeigt Porträtähnlichkeit höchstens im Schnitt von Bart und Haupthaar; letzteres 
vorn gerade über der Stirn abschneidend und auf beide Schultern herabfallend. Die Krone 
mit Perlen besetzt; links und rechts Perlengehänge. Er trägt eine breit bordierte Dalmatika 
und den Loros; die Insignien aus der mit dem Kreuz geschmückten Kugel und einem (oben 
abgebrochenen) Zepter; aber ebensowenig wie der Erzengel Gabriel ohne Schild. Gabriel 
jugendlich, von lockigem Haar, ist geflügelt und hält in der Linken eine Kugel, in der Rechten 
ein (oben abgebrochenes) Zepter. Auf dem Kapital der Ecksäule + rAYPIHA (Schlumberger 
deutete auf Michael). — Die Schmalseiten zeigen die Heiligen Kosmas und Damianus, beide mit 
kurzem Vollbart und dichtem Haarwuchs. Mit der Casula bekleidet, tragen sie eine Salb- 
büchse in der (verdeckten, Linken, in der Rechten ein kurzes (medizinisches) Instrument; 
die auf den Säulen daneben stehenden Insciiriften nur teilweise noch erhalten: 

+ OAfy K|OCMAC] + OAri[OC AAJMI[AN]0C 
Die große, das Bogenfeld umziehende Inschrift in griechischer Kapitale beginnt unten links 
auf dem Bogen der Vorderseite, läuft über den Bogen der Rückseite, geht von hier auf das 
horizontale Gesimse derselben Seite über und endigt vor dem Gesimse der Vorderseite: 
Ke (KUpie) eN TH AYNAMei COY eY<t)PANeHe> (tucppavenaeiai) AewN O BAC[IAEYC] I KAI eni TU) 
CWTHPIW COY ATAAAlACeXAl C<J>OAPA + eNTeiNON 1^ (km) KAXeYOAOY K^ (kui) BACIAEYE AEojN 
ANAZ + AITAIC <t>OITHTU)N XPICT|e] [hJTOY Cco AOYAtO. Das Kupie tv Ti) öuvä|i£i etc. . . . ffcpöbpa 
ist Psalm 21,2, dem offiziellen Königspsalm entnommen. Abb. Taf. IX. 

Elfenbein, von dunkelbrauner Patina. H. 10, Br. 9,5 cm. An den Ecken oben und unten wie an dem 
umlaufenden Schriftband beschädigt; unten drei Bohrungen. Die Bodenfläclie ist geriefelt, woraus 
hervorgeht, daß das Stück auf einer anderen (wohl quadratischen) Tafel aufsaß. Die Darstellungen 
z. T. stark abgerieben. — Erworben 1892 in Chics. — Schlumberger, Gazette des b— a. 1892, I, S. 118 ff. 
(Abb.). Ders. Mel. d'arch. byz. S. 1 1 1 ; Venturi, Storia dell' arte ital. II, Fig. 409, 410; Wulff, Handb. II, 
S. 611; Diehl, Manuel d'art byz. S. 615, Fig. 307; Dalton, Byzanline art .'^. 224, Abb. 138. — 
Nach der Inschrift wurde das Elfenbeinkreuz, dessen oberen Abschluß wohl das Fragment gebildet 
hat, aus Anlaß der Thronbesteigung eines Kaisers Leo gestiftet. Nach Schlumberger wahrscheinlich 

Altchristi, und mittclalt. Bildwerke. S 



34 



Mittelalterliche Bildwerke. 



Leo VI., der i. J. 886, 21 Jahre alt, zur Regierung kam. Leo V. der zeitlich allenfalls in Betracht 
kommen könnte (f 820), war Bilderstürmer. Stilistisch verwandt die Reliefs eines Kästchens in Rom, 
Palazzo A'enezia ((Jracven II, Bl. 57—61). 

J. 3327. Diptychonhälfte (?) mit der Bü,ste Johannes des Täufers. Ijyzantinisch, 9./10. 
Jahr hundert (.''). Vor einer nach links ansteigenden, unten mit einem Zahnschnitt ver- 
zierten Giebelschräge, unter der sich ein doppeltes Schlitzfenster befindet, ist das Brustbild des 
kurzbärtigen Johannes des Täufers in reiner Vorderansicht. Das in der Mitte gescheitelte 
strähnige Haar fällt auf die Schulter herab. Der Oberkörper inid die Arme von einem Fell 
bedeckt. Die rechte Hand zur Segensgeste erhoben. Abb. Taf. IX. 

Relief. Bein. H. 5,6 cm, Br. 4 cm. Die rechte Seite abgebrochen. Der obere und der linke Rand 
an der Oberfläche beschädigt. Das vertiefte Feld von einem glatten Randsteg umgeben. — Erworben 
1902. — Der Kopf verwandt dem Christustypus von J. 575. 

J. 575. Buchdeckel mit thronendem Christus. Byzantinisch, 10. Jahrhundert. Unter 
einem Baldachin mit flacher Kuppel sitzt der bärtige Christus auf einem Thronsessel mit 
hoher Lehne; die Rechte »segnet; (griech. Form); in der Linken ein Buch. Rechts imd 
links über der Sessellehne die Brustbilder von zwei Engeln. Abb. Taf. X. 
Flachrelief. Elfenbein. H. 13,3 cm, Br. 9,1 cm. Spuren der alten (bräunlich unterlegten) Vergoldung. 
An der rechten unteren Ecke ein Stück abgebrochen; mehrere Bohrungen. — Kunstkammer; er- 
worben iS6o. — Westwood, F. iv. No. 436. — Die Kopf- und Haarbehandlung Christi ähnlich auf 
der Krönung Otto's und Theopano's im Louvre, Paris. Ferner finden wir die zurückgestrichenen 
Haare Christi verbunden mit dem flachen Relief auf verschiedene Reliefs, die noch dem 10. Jahrh. 
angehören können, wie bei dem segnenden Christus in München, Staatsbibl., und Cambridge, 
Fitzwilliam-Museum und Christus zwischen Maria und Johannes in Rom, Vatikan (Kanzler, Avori Nr. 18). 

J. 600. Buchdeckel mit Kreuzigung Christi. Byzantinisch, 10. Jahrhundert. Unter 
einem Baldachin mit diirchljrochenem Kuppeldach hängt Christus, die Augen geschlossen, 
anscheinend bartlos, an einem doppelarmigen Kreuze, die Füße auf dem Fußbrett, die 
Hände offen ausgebreitet. Die vier Nägel sind nur aufgemalt. Der Kopf ist nach links, 
der Madonna zugewendet, die klagend die Hände erhebt; rechts der bartlose Johannes mit 
Buch. Über den Kreuzarmen abgekürzte Darstellungen von Sonne und Mond, zu den Seiten 
des Kuppeldaches zwei Engel in Brustbildern, am Fuße des Kreuzes ein Blatt, Abb. Taf. XI. 
Hochrelief. Elfenbein, mit Resten von Bemalung und Vergoldung (aufgefrischt). H. 15,2 ein, Br. 
12 cm. Zum Teil überarbeitet und durch Bohrungen beschädigt; links geht ein Bruch durch die 
Platte; rechte Hand der Maria abgebrochen. — Kunstkammer; 1886 aus dem Magazin aufgestellt. 
— Die Tafel ist z. T. überarbeitet, was wohl der Anlaß gewesen ist, sie für abendländisch zu 
erklären. Überarbeitet sind Kopf und Gestalt Christi, der ursprünglich jedenfalls bärtig war (vgl. 
das Triptychon in Liverpool), ferner der Kopf der Madonna, wie, allem Anschein nach, die Füße 
des Johannes, die ursprünglich mit Sandalen versehen waren und fest auf dem Rand aufstanden. Unbe- 
rührt geblieben sind die Köpfe des Johannes und der zwei Engel. — Verwandte Kreuzigungsdar- 
stellungen in Paris, Bibl. nat. (Phot. Giraudon B. 669), Liverpool, Museum (Graeven, I, Nr. 11), 
Hildesheim, Dom, Hannover, Kestner-Museum, Lille, Museum, Nürnberg, German. Museum (Josephi, 
Kat. Nr. 619). Stilistisch nahestehend Christus zwischen Maria und Johannes in Paris, Sammlung 
Chalendon (Exp. retrosp. de Lyon PI. III, IV). 

J. 2552/3. Zwei Seitenflügel eines Triptychons mit Heiligenmedaillons und Engelbüsten. 
Byzantinisch, 10. Jahrhundert. Das vertiefte Feld z. Teil durch eine Doppelranke 
ausgefüllt, deren Verflechtungen zwei Medaillons bilden und von der sich als Zwickelfüllungen 
pfeilförmige Dreiblätter abzweigen. Über der Ranke befindet sich jederseits die Büste eines 
mit dem Loros bekleideten, die Hände klagend erhebenden Engels, darunter auf dem rechten 
Flügel im oberen Medaillon Petrus mit dem Stabkreuz in der Linken, auf dem linken Paulus, 
der in beiden Händen ein Buch hält. Die beiden unteren Medaillons nehmen die Büsten 



liyzaminisclics Mittclallci. 



35 




■i< 



I- 2y, 



zweier hl. Märtyrer ein, und zwar eines bärtigen r. und eines Jünglings 1., die beide ein 
Kreuz in der Rechten halten und von denen der erstere die Linke erhebt. Sie tragen den 
auf der rechten Schulter gespangtcn, mit der Tablia geschmückten Mantel. Die Rückseiten 
zeigen schlanke, mittels einer Scheibe auf vier Stufen befestigte Kreuze mit ausgeschweiften 
Enden und schleifenförmigen Eckverzierungen. Abb. Taf. XI. 

Flachrelief. Elfenbein (mit gelblichem Ton der Rückseiten und Resten alter Vergoldung auf der 
des r. Flügels). H. 14, Br. 5,8 cm. Die untere, linke Ecke des r. Flügels abgebrochen, die ent- 
sprechende Rechte und der ganze linke Rand des 1. neu angesetzt ; daneben am unteren Rande ein 
alter Riß und eine brüchige Stelle, sowie auf beiden Seiten 
grünliche, durch Bronzeox)'dierung erzeugte Verfärbung des 
Elfenbeins; oben in der Mitte ein Bohrloch. — Erw. 1900 
in Paris aus der Sammlung M. Desmottes (Auktionskat. Nr. 273 
Abb.). — Das Mittelstück des Triptychons stellte, wie aus 
den Gebärden der Figuren und verwandten Denkmälern 
hervorgeht, die Kreuzigung dar. Seine Zagehörigkeit zur 
gesamten Gruppe wird durch die weitgehende Überein- 
stimmung mit den Flügeln eines in Liverpool befindlichen 
Triptychons erwiesen, welche auf der Vorderseite mit den 
selben Figuren (wenngleich z. T. in umgekehrter Anordnung ', 
auf der Rückseite mit Kreuzen von ganz gleichem Aussehen 
geschmückt sind (vgl. Graeven, Frühchristi, u. mittelalt 
Elfenbeinwerke I, Xr. 11 u. 12). Der auf dem Mittelfelde 
desselben dargestellten Kreuzigung liegt ein Typus zu- 
grunde, der außerdem noch durch die Berliner Tafel J. 600 
und mehrere andere Elfenbeine der Bibliotheque Nationale 

(Phot. Giraudon 669), des Kestner- Museums in Hannover (Nr. 2), der Coli. Stroganoff in 
Rom (Graeven: a. a. O. II, Nr. 69) und der ehemaligen Sammlung Desmottes (Auktionskat. 
Xr. 272 u. 273) vertreten ist. .\hnliche Büsten auf Triptychonflügeln in London, Kens.- und Brit.-Museum, 
(Dalton,Cat.Nr. 25), Paderborn, Abdinghofkirche, Bonn, Provinz. -Museum, Cassel, Bibl., Petersburg, Stieg- 
litz-Museum. Die griechischen Inschriften auf der Darstellung der Gottesmutter mit dem Kinde im 
.Aachener Domschatz und im Louvre (Giraudon 2030), auf denen immer wieder dieselben zwei 
Märtyrertypen (Theodoros? und Demetrios?) vorkommen, und ein zu derselben Gruppe gehöriges 
Triptychon (Brit. Mus., Graeven, a. a. O. Nr. 56) mit itacistischen Verschrcibungen lassen vermuten, 
daß manche von diesen Arbeiten einer nach dem Abendlande verpflanzten, allmählich verwildernden 
griechischen Werkstatt zuzuschreiben sind. 

. 581. Buchdeckel mit Kreuzigung Christi. Byzantinisch, .Mitte it). Jahrhunderts. 
Christus, bärtig, mit Lenden schürz, hängt an einem doppelarmigen Kreuze. Die Augen sind 
geschlossen, die offen ausgebreiteten Hände wie die auf dem Scabcllum ruhenden Füße von 
Nägeln durchbohrt. Rechts «nd links über ihm je ein Engel in Halbfigur, neben diesen 
abbrevierte Darstellungen von Sonne und Mond (bartloser Lockenkopf vor Sonnenscheibe und 
Sichel). Zu Füßen des Kreuzes ein Schädel. Links unter dem Kreuze, einander zugewendet 
und sich die Hand reichend, Maria und der jugendliche Johannes. Im Hintergrunde zwei 
wehklagende Frauen. Rechts außer Stephaton und Longinus der Hauptmann mit zwei 
Kriegern. Abb. Taf XII. 

Hochrelief. Elfenbein. H. 16,4, Br. 11,2 cm. Üben rechts durch Bruch beschädigt; mehrere 
Bohrungen. — Kunstkammer; erworben 1835 (Sammlung Nagler). — Didron, Annales archeol. XVIII. 
307. Westwood, F. iv. No. 218. Die Echtheit von Didron mit Unrecht bestritten. Eine ähnliche 
Kreuzigungsdarstellung (mit Kreuzabnahme in London, Kens.-Museum (Graeven I, Nr. 64). Vgl. die 
Kreuzigung in New Vork, Metropolitan-Museum (Schlumberger, L'epopce II, S. 13, Abb.), die ein 
Bindeglied zu J. 1590 (Einzug Christi) und den folgenden bildet. 

5* 



36 



Mittelalterliche Bildwerke 



J. 1590. Buchdeckel mit Einzug Christi in Jerusalem. IJyzantinisch, lO. Jahrhundert. 
Unter einem byzantinischen Baldachin mit durchbrochen gearbeitetem, flachgewölbtem Dach 
sieht man den bärtigen Christus auf dem Esel sitzen, beide Füße nach vorn. Hinter ihm 
sieben Jünger. Von rechts, aus dem Tore der Stadt, kommen Männer, Weiber und Kinder 
mit Palmzweigen in den Händen ihm entgegen. Im Vordergrund Knaben, zwei derselben 
einen Rock auf den Weg breitend, zwei andere Palmen von den Zweigen brechend. Oben 

_0 

links: H BAI<t>öPO (ßaicpopog = Palmsonntag). Abb. Taf. XIII. 

Hochrelief. Elfenbein. H. 18,4, Br. 14,7 cm. Ein Stück des bekrönenden Baldachins ausge- 
brochen; mehrere Bohrungen. — Erworben 1889 (Geschenk des Herrn M. Heckscher in Wien). — 
J. 576 sehr nahestehend; verwandt ferner ein Deckelelfenbein mit Darstellung des Todes der 
Maria auf Hs. Ciin. 58 der Münchener Staatsbibliothek (der Kodex aus dem Ende des 10. Jahrhunderts). 
Vgl. ferner die stilistisch nahestehende Kreuzigung in New York, Sammlung P. Morgan aus der 
Sammlung Oppenheim, Köln (Schlumberger, L'epopee II, S. 13). Stilistisch verwandt die Geburt Christi 
im Rom, Mus. crist. (Kanzler, Avori VI, 4, Nr. 26) und die etwas jüngere Taf. in London (Graeven, 
E.A. I, Nr. 44), vgl. die Engeltypen, ferner die Kopftypen auf den frühen Sternkästen u. J. 574. 

J. 574. Buchdeckel mit den vierzig Märtyrern. Byzantinisch, 10. Jahrhundert. In 
der Höhe erscheint vor einer ovalen Mandorla der bärtige Christus auf einem Thron; 
links und rechts eine Gruppe von je neun Engeln in Proskynese ; nur der vorderste in ganzer 
Figur sichtbar. Zu den Seiten der Mandorla IC XC- Unten die vierzig Märtyrer, nur mit 
Schurz bekleidet; dicht gedrängt und lebhaft bewegt. Rechts oberhalb der Gruppe eine 
byzantinische Kuppelkirche; links daneben (in uncialen Majuskeln): ^0I i-AnOI T6CCAPAK0NTA. 
Abb. Taf XIV. 

Hochrelief. Elfenbein, mit Resten von Bemalung und Vergoldung. H. 17,6 cm, Br. 12,8 cm, jetzt 
in einen Rahmen eingelassen; mit kleinen Beschädigungen. — Kunstkammer; erworben 1828 
(Sammlung Bartholdi); stammt aus dem Museum des florentinischen Subdekans Gabriel Riccardi. 
— Passeri Expos, in Gorii Monum. sacra eburnea, 1759 Tom. III, p. IX ff. (Abb.); Labarte, Hist. des 
arts ind. I, 215; Westwood, F. iv. Nr. 166; Wulff, Handb. II, S. 613. Dieselbe Komposition im 
fortgeschrittenen Stil des frühen 11. Jalirh. auf der stilistisch sehr nahestehenden Darstellung in 
Petersburg, Sammlung Schuwaloff mit Flügeln, auf denen je vier zu zwei übereinandergeordnete 
Kriegerheilige. Vgl. die stilistisch verwandte Tafel J. 1590 nebst den dort angeführten Gegen- 
beispielen. Dieser Platte nahestehend J. 2108; ferner die Himmelfahrt Christi in Stuttgart, Alter- 
tumsmuseum. 

J. 2394. Buchdeckel mit Brustbild der Muttergottes. Byzantinisch, 10. Jahrhundert. 
Medaillonartig umschlossen von einem kreisförmig verlaufenden Bande, erscheint in der Mitte 
der Tafel das Brustbild der Madonna mit dem Kinde. Den Mantel über den Kopf gelegt, 
unter demselben noch ein Kopftuch, hält sie auf dem linken Arm das Kind. Ihre Rechte 
liegt vor der Brust. Das Kind hat die Rechte »segnend« erhoben, in der Linken hält es 
eine Rolle. Links und rechts der Darstellung: M^ ©Y. Das erhaben gearbeitete Band ist 
aus drei nebeneinander liegenden Zickzacklinien gebildet. In den vier Ecken erscheinen, in 
kleineren, hier von einem einfachen Zickzackbande umzogenen Medaillons die Brustbilder 
Johannes d. T. (oben links) und der Apostel Petrus (rechts), Paulus (unten links) und Thomas 
(rechts); der Täufer wie gewöhnlich greisenhaft; die Apostel die geläufigen Typen zeigend 
(Thomas bartlos). Neben den Medaillons: OlwonP'; ®neTPC» OnAYAOC ® ewMAC. Auf 
dem glatten Rande der Tafel steht, oben links beginnend, folgende Inschrift (in Hexametern): 
^ PREWLIS IMPEPIIS BERTOLDI CLAVDITVR OMNIS — TEXTVS EVANGELII REDIMITVS HONORE 
DECENTl. Abb. Taf. X. 

Halbrelief. Elfenbein. H. 14, Br. 11 cm. Bohrungen auf dem Rande. — Erworben 1898 aus 
der Sammlung v. Sallet; stammt aus der Sammlung Possenti in Fabriano. — Passeri, Expositio in 



Byiaminisclics Mittelalter. 37 

Gori, Moiumi. sacra eb., p. 21, Tav. V; (leider fehlt hier eine Notiz über den damaligen Aufbe- 
wahrungsort); Westwood, F. iv. Appeiid. p. 373; Schluinberger, 1,'epoptie byz. II, Abb. S. 77; V'en- 
turi, Storia II, Fig. 445. Nach der lateinischen Umschrift ließ ein Bischof Bertold ein Evangeliar 
mit der Tafel verzieren. Sie hatte aber vorher schon offenbar eine Handschrift geschmückt; denn 
die Bohrungen auf dem oberen und unteren Rande waren jedenfalls vorhanden, als die Inschrift hinzu- 
gefügt wurde. — Für die von Zickzackband umzogenen Medaillons zu vgl. ein Diptychon, ehemals 
bei Spitzer, vgl. La Coli. Spitzer, Ivoires, PI. VII, Nr. 17, auch das Reliquiarium in Cortona, Gori 
a. a. O. Tom. III, Taf. XVIII. Ähnlich eine Maria mit Kind als Mittclstück eines Triptychons, 
auf dessen Flügel Heiligenfiguren und Büsten in London, Brit. Museum (Dalton, Catal. Nr. 24). 
Vgl- J. 2552. Die stehende Maria mit Kind in Utrecht, Erzbisch. Museum in etwas jüngerer fort- 
gebildeter Stilisierung, ähnlich Maria in London, Kensington-Museum (Gracven, K. A., Nr. 60) und 
in München, Nat.-Museum (Kat. V, Nr. 162). 

. 2393. Buchdeckel mit Kreuzigung Christi. Byzantinisch, (.') lo. Jahrhundert. Unter 
einem Säulenbaldachin, dessen nur angedeutetes kuppelartiges Dach mit einem Kranz fallender 
Blätter geschmückt ist; in den Zwickeln Palmetten, Christus bärtig und mit Lendenschurz 
bekleidet. Die Füße ruhen nebeneinander auf dem Fußbrett, die Hände sind offen ausge- 
breitet. Die Nägel an Händen und Füßen waren nur aufgemalt. Christi Kopf wendet sich 
nach links der klagenden Madonna zu, rechts steht der jugendliche Johannes mit Buch, die 
rechte Hand an die Wange pressend. Über den Kreuzarmen zwei Engel in Brustbildern, die 
Hände anbetend vorhaltend, sowie Sonne (als Stern) und Mond (als Sichel). Im Vordergrunde 
rechts zu den Füßen des Kreuzes ein Bischof in Anbetung, barhäuptig mit Kasel und 
Pallium, ein Buch überreichend; wohl der Stifter des Kodex, dessen Deckelschmuck die 
Tafel bildete. Der Rand zeigt eine einfache Profilierung. Abb. Taf. XV. 
Halbrelief. Elfenbein. Geringe Spuren alter Bemalung und Vergoldung (Johannes, -Architektur!. 
H. 17,8, Br. 14,8 cm. Unten links ein Stück geleimt. — Erworben 1898 aus der Sammlung 
V. Sallet; stammt aus der Sammlung Possente zu Fabriano. — Westwood, F. iv. Append. S. 375. 
Verwandt die Kreuzigung in Liverpool, Museum (Graeven, Elfenb. I, Nr. 9) und Aachen, Suermondt- 
Museum. Stilistisch vgl. den segnenden Christus zwischen Aposteln in Paris, Louvre (Photo 2020), 
woselbst ähnliche Kopftypen. Die weichen Formen besonders des Stifters lassen auch an eine Ent- 
stehung in Süditalien denken. 

. 572. Linker Flügel eines Triptychons mit Darstellung eines Heiligen. Byzantinisch, 
10. Jahrhun dert. Der unbärtige Heilige erscheint in Vorderansicht, die Linke unter dem 
auf der Schulter genestelten Mantel verborgen, die Rechte vor der Brust liegend. Darüber, 
durch einen Steg getrennt, ein Brustbild eines zweiten, ebenfalls jugendlichen Heiligen, in 
gleicher Tracht und Haltung. Auf der Außenseite des Flügels ein Kreuz von ähnlicher 
Form wie auf den Flügeln von 2552/3 doch einfacher. Abb. Taf. XVI. 

Flachrelief. Elfenbein. H. 11,4, Br. 5,5 cm. Rechts gerissen, oben ein Bohrloch. — Kunst- 
kammer; erworben 1844 in Basel. — Westwood, F. iv. Append. S. 436. Nr. 807. Schlumberger, 
L'epopee byz. II, Abb. S. 89. — In Moliniers Verzeichnis der Triptychen (a. a. O. S. 109 ff.) nicht erwähnt. 
Verwandt die Flügel eines Triptychons in Altötting, Bayern. (Kunstd. von Bayern B. I, 2, 3, Taf. 274). 
573. Kastenseite mit Darstellung des September. Byzantinisch, lO./ii. Jahrhundert. 
Ein bärtiger Mann in Knicrock und Wadciistrümpren, steht, nach rechts gewendet, und pflückt 
Trauben ; ein Korb mit solchen steht vor ihm. über dem Korbe: CenJCMPHOC. Abb. Taf. XVI. 
Halbrelief; wohl Teil eines Kästchens mit den Monatsbildern. Elfenbein. H. 8,1, Br. 5,4 cm. Zwei 
Bohrungen. — Kunstkammer (Sammlung Radowitz). — Westwood, F. iv. Nr. 174. — Aus der gleichen Zeit 
wie J. 1578. Stilistisch verwandt die Reliefs der frühen Sternenkästen vgl. z. B. den Verolikasten, London. 
576. Buchdeckel mit Christus zwischen Johannes dem Täufer und Maria (Decsis). 
Byzantinisch, 10./ Ii. Jahrhundert. Unter einem Baldacinn mit durchbrochen ge- 
arbeitetem, flachgewölbtem Dach — in den Ecken steigende .Xk.inthusbiättcr - steht auf 



Mittelaltcrliclie IBildwcrlit 



einem Schemel der laugbärtige Christus, ; segnend ; (byzant. Form), in der Linken ein IJucli. 
Zu den Seiten links der bärtige Johannes, die Füße, wie die Christi in Sandalen, beide Hände 
geöffnet vorhaltend, wie die rechts stehende Maria. Diese mit um den Kopf geschlungenen 
Mantel, unter demselben ein Kopftuch. Über und zwischen den Figuren: ® iw o rnOAPO- 
MOJ IC XC r^P ev Abb. Taf XVII. 

Hochrelief. Elfenbein. H. 13,7, Br. 10,3 cm. Einige Bohrlöcher. — Erworben 1887 in Mailand 
(Sammlung Trotti-Trivuki). — Typisches frühes Beispiel der sogen. Deesis (Trimorphon). Hängt noch 
ziemlich eng zusammen mit J. 1590. Vgl. dort die Lit. mit Parallelen. 

1578. Triptychon mit Kreuzigung Christi und Heiligen. Byzantinisch, 10/ n Jahr- 
hundert. Das Mittelfeld zeigt den bärtigen Christus, mit einem Schurz bekleidet an einem 

doppelarmigen Kreuze, das Haupt ist (mit geschlossenen 
.Vugen) nach links geneigt. Die Füße ruhen auf dem 
Fußbrett, die Hände sind geöffnet, die vier Nägel sind 
plastisch dargestellt. Links vom Kreuze, das mit Pflöcken 
im Boden befestigt ist, stehen Longinus, Christi Seite 
durchbohrend, und die wehklagende Maria und zwei heilige 
Frauen, rechts Stephaton mit der Spongia und der bart- 
lose Longinus, im Knierock, auf der linken Schulter eine 
Rosette. Hinter ihm der jugendliche Johannes mit Petrus 
und einem dritten (bartlosen) Apostel; sie tragen wie die 
Apostel auf den Flügeln Sandalen. Über den Kreuzarmen 
die Brustbilder von vier Engeln. Rechts und links der 
oberen Ouerarme: IC XC: unter den Kreuzarmen links; 
M> -ev, rechts: ©looANS. Der stark vortretende Rand der 
Tafel oben und unten ist mit einem Perlstab geschmückt. — 
Die Flügel sind durch einen mit dem gleichen Ornament 
\ersehenen Steg in zwei Stockwerke zerlegt, deren jedes 
zwei stehende Figuren zeigt. Links oben die Apostel 
Thomas und Andreas; jener ist bartlos, die Linke hält eine 
Schriftrolle; der bärtige Andreas hält in der Linken einen 
Kreuzstab. Über und neben den Figuren ; ®-&WMAC ®AN- 
APeAC. Unten erscheinen Konstantin und die heilige 
Helena in kaiserlichem Ornate, ein hohes Doppelkreuz 
zwischen ihnen, das sie gemeinsam halten; Helena trägt 
Links und rechts des Kreuzes: ©KWCTATi' HAH CACNH. 
Petrus und Paulus, jenen mit Kreuzstab, Paulus mit 
® ncTPOC, ® nAVAOC; unten die Hll. Basilius und 




578. 



in der Linken den Reichsapfel. 
Der rechte Flügel zeigt oben 
Buch. Neben und über ihnen: 
Johannes Chrysostomus, beide in Bischofsornat, barhaupt, auf dem linken Arm das Evan- 
gelienbuch. Neben den Figuren: ® BAClAeiOC ® IW ® XPYCOCTO. Die Nimben sind von 
Perlenschnur umzogen. Abb. Taf. XIX. 

Halbrelief. Elfenbein. Mit Spuren von Vergoldung (Baldachin, Außenseiten der Flügel). H. .13,4, 
Br. 26,5 cm (bei geöffneten Flügeln). Die rechte obere Ecke des Mittelstücks und die Zapfenlager der 
Flügel ergänzt; im rechten Flügel ein Sprung, kleine Ergänzungen auch an dem bekrönenden 
Bogen. — Erworben 1889 in Florenz von der Marchesa Ridolfi. Schlumberger, L'epoee byz. II. 
Abb. S. 75; Dalton, Byz. art. and arcb. S. 230, Abb. 140; Wulff, Handb. II. S. 615 Abb. 531. — Bei 
geschlossenen Flügeln erblickt man unter einem von zwei Säulen getragenen Kuppeldach ein la- 
teinisches Kreuz mit geschweiften Armen, an deren Enden im Schnittpunkt eine Rosette angebracht 
ist; es ruht auf einer aus drei Stufen gebildeten Plinthe (Golgatha). Unten links und rechts neben 



Byzantinisches Mittelalter. - 

den Basen der Säulen die Spuren einer Rosette. Eine Spange jüngeren Datums aus vergoldetem 
Kupfer schließt die Flügel. Zu der Darstellung von Konstantin und Helena vgl. das Triptychon der 
Bibl. Nat. in Paris, Molinier, Les ivoires, S. 113. In dem von Molinier gegebenen Verzeichnis der 
byzant. Triptychen (a. a. O. S. 109 ff., n. Cat. du Louvre S. 35) nicht aufgeführt. Stilistisch zu der 
Gruppe der großen Triptychen wie den wohl etwas älteren aus der Sammlung Harbaville im 
Louvre eng zugehörig. Außer diesen stilistisch nahe verwandt der Flügel mit Christus und den 
beiden Marien und der Anastasis in Dresden, Grünes Gewölbe. Vgl. ferner den Triptychonflügel J. 571. 
J. 571. Linker Flügel eines Triptychons mit Darstellung des Erzengels Michael. Byzan- 
tinisch, 10. /ii. Jahrhundert. Michael steht in Vorderansicht in langem bordierten 
Gewände; über diesem ein auf der rechten Schulter genestelter Mantel mit viereckigem 
Besatzstück (tablion); im lockigem Haar ein Diadem, die Füße in gestickten Schuhen. Die 
rechte Hand liegt geöffnet vor der Brust, indes die Linke ein langes Stabzepter hält. Ober- 
halb des Nimbus MIXAHA. Rings umlaufend ein stark vorspringender Rand. - Die Rück- 
seite ornamental behandelt. In der Mitte ein aus schmalem Bande gebildetes Medaillon, 
dem sic2i fünf kleine Kreise einfügen; in diesen Rosetten. Oben: IC XC; unter dem Me- 
daillon Ni KA. Abb. Taf XVIT. 

Halbrelief. Elfenbein. H. 15, IJr. 6 cm. Ktwas abgerieben, der obere Teil des Zepters abge- 
brochen; oben eine Bohrung. — Kunstkammer, erworben 1847. — Westwood, F. iv. Xr. 169. In 
dem von Molinier gegebenen Verzeichnis der byzantinischen Triptychen (a. a. O. S. 109 ff.) nicht 
erwähnt. Stilistisch eng mit J. 57S und den dort aufgeführten Gegenbeispielen zusammengehörig. 
-Ähnlich auch der jüngere Prophet in Liverpool (Graeven, Elf. A. I, 10). 

J. 57S. Buchdeckel mit der Auferweckung des Lazarus. Byzantinisch, 10. Jahr- 
hundert. Unter einer von Bogen bekrönten Säulenarchitektur steht links, von drei 
Aposteln begleitet, der bärtige Christus, den rechten Arm gegen Lazarus ausstreckend, dessen 
in Linnen gewickelte Gestalt aufrecht im Grabe erscheint. Vor Christus die beiden Frauen 
am Boden kniend. Neben dem Grabbau zwei junge Männer in kurzem Gewände, von denen 
der vordere sich die Nase zuhält. Christus und die Jünger in Sandalen. Oberhalb Cliristi : 
O AA3AP0S. Abb. Taf XVI. 

Hochrelief. Elfenbein. H. 10,5, Br. 8,8 cm. Stark gerissen; in den Ecken vier Bohrungen. — 
Kunstkammer; aus dem Antiquarium überwiesen. — Westwood, F. iv. Nr. 176; Schlumberger, 
L'epopee byz. II, Abb. S. 465. — Derselben Zeit zugehörig, wie J. 2108, doch schlechter erhalten, be- 
sonders die Köpfe der linken Seite haben gelitten. Sehr nahestehend die Wunderszene in Nürnberg, 
German. Museum (Josephi Kat. Nr. 618). Der Bildtypus in vergröberter Wiederholung auf der Er- 
weckung des Lazarus der 6 teiligen Tafel in Petersburg, Eremitage. 

J. 1792. Fragment eines Buchdeckels mit Höllenfahrt Christi. Byzantinisch, 1 1. Jahrhundert. 
Lber Satan und die Pforten der Hölle schreitet Christus nach rechts hinweg, und erfaßt mit 
der Rechten den ausgestreckten yVrm des aus einem Gemäuer hervorkommenden Adam. Der 
an Händen und Füßen gefesselte Satan, nackend bis auf den Schurz, ist von menschlicher 
Bildung. Adam ist wie Christus vollbärtig und mit langem Gewand und Mantel bekleidet. 
Hinter ihm Eva, den Mantel über den Kopf gelegt, die Hände fleliend erhoben; im Grunde 
zwei bärtige Heilige (Johannes d. T. r). Auf der anderen Seite müssen sich David und Salomo 
befunden haben. Abb. Taf. X. 

Halbrelief, der Grund nachträglich ausgeschnitten, wobei nur links unten ein Stück des ursprünglichen 
Randes erhalten blieb und die rechte Hälfte der Komposition entfernt worden ist. Der Rand ist 
mit einem konsolenartigen Profil versehen. Die Köpfe sind z. T. abgeschabt. Mehrere Bohrungen; 
unten links und in der Mitte ein Stück ausgebrochen. H. 15,7, Br. 8,9 cm. — Erworben in Venedig 
1891. — Schlumberger, L'epopee byz. II. Abb. S. loi. Stilistisch noch J. 578 und den Gegenbeispielen 
nahestehend. 



.^ Mittelalterliche Bildwerke. 

4U 

J. 2551. Buchdeckel mit Einführung der Jungfrau in den Tempel. Byzantinisch, ii. Jahr- 
hundert. Der Vorgang spielt sicli im Tempel vor dem Allerheiligsten ab (o. 1. die eingeritzte 
Beischrift T^ ^^J(^ TwN ö^rjwN), an dessen Pforte die kleine Maria (mit Nimbus) herangetreten 
ist, gefolgt von einer Jünglings- und Jungfrauenschar (2 ganze Figuren, hinter denen 7 Köpfe 
sichtbar) sind und ihren Eltern (mit Nimbus,) welche zuäußerst links im Gespräche dastehen. 
Die Jungfrau blickt beide Hände erhebend zum Hohenpriester empor, der ihr mit geneigtem 
Haupt (Nimbus) und vorgestreckten Armen von rechts entgegentritt. Joachim und die Jünglinge 
sind mit langem Ärmelchiton und Mantel bekleidet, Maria und Anna mit der Stola und der 
über den Ko]>f gezogenen Paenula; der Hohepriester (langbärtig) trägt über dem langen 
Untergewande einen vor der Brust durch eine Spange zusammengehaltenen, beide Arme be- 
deckenden Mantel und auf dem lang gelockten Haar die Mitra. Über ihm erhebt sich die 
mit Blattkapitälen getragenen Ciboriumkuppei, unter der noch einmal Maria auf den Stufen 
des Presbyteriums sitzend dargestellt ist, wie sie von dem herabschwebenden Engel (von dem 
nur die beiden Füße, ein nachflatternder Gewandzipfel und die Spitzen der ausgebreiteten 
Flügel erhalten sind) mit emporgehaltenen Händen das Brot empfängt. Abb. Taf. XVIII. 
Hochrelief. Elfenbein. H. 15, Br. 13,2 cm. Mehrfache Risse und Bohrungen in den vier Ecken 
sowie in der Mitte oben; die Figur des Engels bis auf wenige Reste am obern Rande weggebrochen, 
ebenso beide Hände Marias, und die Linke des Hohenpriesters. Die Oberfläche teilweise abge- 
schliffen. — Erworben 1900 in Paris aus der Sammlung M. Desmottes (Auktionskatalog Nr. 271 m. Abb.). 
— Die Tafel ist wohl das Gegenstück zu J. 2 108, mit der sie nahezu übereinstimmende Maße, dieselbe 
glatte Umrahmung und die gleiche Reliefbehandlung aufweist. Durch die letztere wird auch die 
Komposition bestimmt, in der wie bei J. 2108 eine Einzelgestalt einer geschlossenen Gruppe gegen- 
übergestellt ist, deren Figuren sich nur schwach voneinander ablösen. Ebenso hat die Faltengebung 
auf beiden Tafeln denselben, zeichnerisch ritzenden Charakter, der die plastische Durchführung ver- 
missen läßt. Das Relief J. 1792 vertritt die nächstfolgende Entwicklungsstufe. Vgl. J. 578 und 
J "7Q2- 

J. 2108. Buchdeckel mit der Fußwaschung. Byzantinisch, 1 1. Jahrhundert. Links vorn 
Christus in vorgebeugter Haltung, dem vor ihm sitzenden Petrus den Fuß abtrocknend; Petrus 
in byzantinischer Weise die Hand an den Kopf legend. Zwischen beiden ein Waschbecken. 
Rechts, eng zusammengedrängt, die 1 1 Apostel, zwei derselben im Vordergrund lösen sich, 
auf einer Bank sitzend, die Sandalen. Im Hintergrund die Saalwand mit Tür; neben dieser 
IC XC, plastisch herausgehoben; weiter oben in der Mitte der Platte '^ONinTHP (vniTrip = Wasch- 
becken). A b b . T a f . XVIII. 

Hochrelief. Elfenbein mit Spuren der alten Remalung (Blätterfries). H. 16, Br. 13,7 cm. Kopf 
Christi ergänzt, zahlreiche Bohrungen; links in der Ecke ein Stück ausgesprungen. — Erworben 
1893 aus der Sammlung Spitzer (Auktionskat. Taf. III, Nr. 206, bei Mulinier, La Collection Spitzer 
nicht mit aufgeführt), Geschenk des Herrn M. Heck.scher in Wien. — Venturi, Storia II, Fig. 440. 
Wulff, Handb. II, S. 615, Abb. 532. — J. 574 im Stil nahe, wenngleich von weniger feiner Arbeit 
und etwas anderer Reliefbehandlung; besonders die Köpfe, die feinen Hände mit eigentümlich ak- 
zentuiertem Gelenk. 

J. 579. Buchdeckel mit der Ausgießung des hl. Geistes. Byzantinisch, 2. Hälfte 
II. Jahrhunderts. Oben, als Halbkugel der gestirnte Himmel, von dem sechs Strahlen 
ausgehen; die Taube des Heiligen Geistes in der Mitte ist herausgeschnitten. Darunter 
die zwölf Apostel miteinander disputierend, auf Stühlen sitzend, Bücher und Schriftrollen in 
den Händen. Vorn unter torartiger Architektur — offenbar im (und vor dem) Eingange des 
Hauses (Apostelgesch. c. 2, 2) gedacht — eine Gruppe von sechs Zuschauern, die erregt auf 
den Vorgang oben hinweisen und darüber disputieren. Die zwei vordersten halten in der 
Hand eine Rolle, der links in antikem Philosophen-Kostüm, der rechts in der bvzant. 



Byzantinisches Mittelalter. 4[ 

Kaisertracht; hinter ihm eine Figur mit turbanartiger Kopfbedeckung; vgl. Apostelgesch. c. 2, 
5 ff.; hier sind u. a. Männer von Rom , Araber etc. als mit zugegen genannt. Abb. Taf. XIII. 
Halbrelief. Elfenbein. H. 18,5, Br. 10,3 cm. In den Ecken Bohrungen. Der Rand der Platte 
oben und unten beschnitten; es ist oben der Rest eines Perlstabes, unten der einer Blätterbordüre 
vorhanden. — Kunstkammer; erworben 1854. — Didron, Ann. arch. XVIIl, 307; Westwood, F. iv. 
Nr. 200. Die Echtheit mit Unrecht von Didron bestritten. .Ahnliche Kopftypen auf der Tafel mit 
dem Marientod in Ravenna, Museum. 

, 580, Buchdeckel mit der Himmelfahrt Christi. Byzantinisch, 2. Hälfte 11. Jahr- 
hunderts. Christus (mit Bart, die Linke auf ein Buch stützend) sitzt »segnend« auf 
dem Regenbogen vor einer Gloriole, die von vier Engeln getragen wird; die beiden 
oberen von jener zur Hälfte verdeckt. Unten in der Mitte Maria, in seitlicher Stellung (nach 
rechts) zwischen zwei Palmenbäumen. Je links und rechts sechs Apostel, voran Petrus und 
Paulus, mit Rollen und Büchern. — Die Rückseite glatt bearbeitet, der Rand durch ein- 
geritzte Linien belebt. Abb. Taf XII. 

Halbrelief. Elfenbein mit Spuren von Vergoldung (Nimben der Engel). H. 15,5, Br. 11,7 cm. 
Mehrere Bohrungen. — Kunstkammer; erworben 1835 (Sammlung Nagler). — Didron, Ann. archeol. 
XVIII, 307; Westwood, F. iv. Nr. 215. — Denselben Bildtypus in frischerem Stil von J. 579 zeigt 
die Tafel in Rom, Vatican, Mus. crist. (Kanzler, Avori Nr. 23). 

, 2720. Kasten. Byzantinisch, 11. Jahrhundert. Als Randornament der Oberseite 
Zickzackband mit Punktfüllung und Querstegen. Der Deckel umrahmt und geteilt von einem 
verkümmerten Kreisgeflecht mit zwickelfüllenden Rhomben und einander zugewandten ein- 
geschlossenen jugendlichen Köpfen (Münztypen). Die Seitenflächen von einem gleichen 
Kreisgeflecht mit sternförmigen Rosettenfülhmgen. Auf dem ersteren zwei von einem Perl- 
stab umrahmte rechteckige Relieffelder, im linken ein Bär, der einen mit kurzem Ge- 
wände bekleideten Mann von hinten anfällt, der mit der Lanze in der Hand nach rechts 
eilt, während ein nackter jugendlicher Reiter mit geschwungenem Schwert den Bären an- 
greift. Auf dem rechten Feld kämpft ein Jüngling mit flatterndem Mäntelchen in Knie- 
stellung mit vorgehaltenem Schild in der Rechten und gefällter Lanze von einem Rasenhügel 
aus gegen einen nackten Reiter (unter dem Roß zwei Palmetten), der mit erhobener Lanze 
(unvollständig) gegen ihn anreitet. Auf dem Mittelfelde ein Jüngling in kurzer Tunika auf 
zwei Rasenhügeln stehend, der sich mit beiden Händen an einem Baum mit wcdelförmigeui 
Wipfel anklammert, nach links umblickend. Daneben rechts ein zweiter Baum mit Palmetten- 
krone. In den vier Seitenfeldern vier gegen ihn anstürmende jugendliche Verfolger, mit vor- 
gehaltenen Schilden, von denen der nächste rechts nackt und mit gefällter Lanze in der 
Linken, die anderen drei mit dem Kettenpanzer über kurzer Tunika mit geschwungenem 
kurzem Schwert bewaffnet. Der erstgenannte auf zwei Rasenhügeln, vor dem zwei Blatt- 
pflanzen aufwachsen, der äußerste links auf einem stehend. Die fünf kleineren Felder der 
Rückseite mit darüber und darunter gesetzter Perlstableiste auf die Höhe der vorderen Felder 
gebracht. Die FJnteilung wie vorn. Rechts und links zwei nach innen (.') gewandte Greifen, 
in der Mitte löwenähnliche sitzende (.') Tiere. Auf der rechten Seite mit entsprechender 
Umrahmung (unvollständig) zwei Felder, links ein laufender nackter Mann mit vorgehaltenem 
Schild und Schwert, der gegen einen an einem Baumzweig auf einem Rasenhügel sich an- 
klammernden nackten Jüngling losstürmt. Hinter diesem ein gestielter Blattwedel. Auf der 
linken Schmalseite zwei nach außen gewandte Sirenen, eine umblickend. Hinter jeder ein 
Baum mit Palmettenkrone und herabhängendem Blattwerk. Abb. Taf. XX u. XXI. 
Flachrelief. Bein auf Holz. H. 13 cm, Br. 41 cm, Tiefe 19,5 cm. —Aus dem Kunsthandel 1902. — 
Die Platten mit Elfenbeinstiften befestigt. Schiebedeckel. Einige der die Reliefs umrahmenden Stäbe 
ergänzt. Über die mit Sternrosetten verzierten zahlreichen Kästen, die wohl in Byzanz gearbeitet 

.Mlchristl. und mitlclalt. Biia«crkc. (< 



, Miitclahcrlichc Bildwerke. 

sind, vgl. Graeven, Jahrb. der kunsthist. Samml. des allerh. Kaiserhauses XX, 1899, S. 25 ff. und im 
allgemeinen Wulff, Handbuch II, S. 612. Die figürlichen Darstellungen teilweise frei nach antiken 
Vorlagen in realistisch bewegtem Stil. Die stilisierte Behandlung der Tiere weist auf orientalische 
N'orbilder. Der Kasten schließt sich eng den anderen Beispielen an, wie dem Kasten aus Pirano 
in Wien, Hofmuseum (Abb. Graeven a. a. O.), dem aus Kranenburg in Paris, Privatbes. (Volbach, 
Klfb. Taf. VIII), und im Museum zu Pisa (Graeven, Elf. A. II, Nr. 52 und I.'Arte II, 8.298), dem er 
wohl zeitlich und auch stilistisch am nächsten steht. 

. 3005 U. 3006. Kastenreliefs mit Adam und Eva. Byzantinisch, 1 1./12. Jahrhundert. Adam 
sitzt nackt vor einem Baumstamm mit Blattkrone auf einem Aststumpf, die rechte Hand trauernd 
an die Wange, die linke vor den Schoß gelegt. Vor ihm am Rande ein pinienähnlicher Baum. 
Unter dem oberen Rande Beischrift: »AAAM ;. — Eva sitzt nackt nach rechts gewandt auf dem 
Aststumpf eines entsprechenden Baumes. Die rechte Hand legt sie an die Wange, die linke 
ans Kinn. In der recliten oberen Ecke: EVA . Abb. Taf. XVI. 

Zwei Felder eines Kästchens. Bein. H. 7,1, Br. a) 4,8, b) 5,1 cm. Bohrlöcher an den vier 
Ecken. Von Tafel b die linke obere Ecke abgebrochen. Der Randsteg glatt und schmal. — • 
Erworben 1906. — Füllstücke eines Sternenkasten. Ähnliche Szenen der Adamslegende stellt Graeven, 
L' Arte II, 1899, S. 297 zusammen. Zwei Platten mit der Erschaffung Evas und der Vertreibung aus 
dem Paradiese in gleicher Behandlung in Rom, Sammlung Stroganoff (Graeven, Elf. A. II, Nr. 77) 
und Darmstadt, Museum. Im übrigen vgl. Dalton, Byz. art. S. 218 u. die Litt, zu J. 2720. 

568 u. 569. Fries mit Darstellungen aus der Geschichte Josephs in zwei Stücken. 

Byzantinisch, 1 2. Jahrhundert, i. Zu äußerst links Jakob, auf einem hohen Lehnsessel, 
im Profil nach rechts, zu Joseph gewendet, der von einem Engel geführt fortschreitet (mit 
Bezug auf Genes. 37, 15). W^eiter rechts der nackte Joseph von seinen Brüdern in die 
Zisterne versenkt; es sind sieben, einer von ihnen (links) ist sitzend dargestellt. Es folgt 
eine Gruppe von zwei ismaelitischen Kaufleuten, der eine auf einem pferdeähnlichen Kamel 
2. Die Darstellungen des zweiten Streifens schließen sich nicht an die des ersten an. Links 
(fragmentarisch) die Szene, in der Joseph in königlicher Kleidung die Säcke der Brüder mit 
Getreide füllen und auf zwei Kamele und zwei Ochsen laden läßt. Daneben Joseph seinen 
Vater im Beisein zweier Brüder umarmend. An der Tracht fallen die helmartigen Hauben 
und die enganliegenden Wadenstrümpfe auf Abb. Taf XV. 

Flachrelief. Elfenbein. H. 7,5, Br. (i) 20,5, (2) 21 cm. Etwas abgerieben; zahlreiche Boh- 
rungen, bei I die rechte obere Ecke geleimt. — Kunstkammer; erworben 1854. — Westwood, 
F. iv. Nr. 162 und 163; Dalton, Byz. art S. 230; Wulff, Handb. II, S. 685, Abb. 535. — Die zeit- 
liche Bestimmung ergibt sich aus der engen Beziehung zu den illustrierten Oktoteuchen. Wohl von 
demselben Kasten das Relief mit der Josephslegende in London, Brit. Museum (Dalton, Byz. art. 
Fig. 137 u. Catal. Nr. 20 und 21). 

. 586. Hifthorn mit Jagdszenen. Byzantinisch (r), 11./12. Jahrhundert. Nur das Mittel- 
stück zwischen den Ringen ist mit figürlichen Darstellungen in drei durch Blattranken ge- 
schiedenen Streifen geschmückt. Dargestellt sind Jagdszenen. Die Jäger, in Knierock mit 
Gürtel und um die Schultern geschlungenem Tuch, sind jugendlich, die Hunde haben Hals- 
bänder. Der oberste Streifen zeigt eine Löwenjagd. Zwei Jäger, von drei bezw. zwei Hunden 
begleitet, kämpfen gegen je einen Löwen, der eine mit Schild und Schwert, der andere mit 
dem gefällten Speer; der Schauplatz, wie auf den übrigen Streifen, durch Bäume und Blätter 
bezeichnet. Mittlerer Streifen: Hirschjagd; die beiden Jäger mit Speer bewaffnet, der Hirsch 
von zwei Hunden gestellt. Unterer Streifen: Ein Jäger durchbohrt einen aufrechtstehenden 
Bären, den drei Hunde anfallen. Daneben, zwischen Bäumen, ein langbeiniger Vogel (Trappe.'). 
Beiderseits schließen erhöhte Randstreifen, oben mit Rankenarabesken, unten mit solchen und 
Bandgeflecht den verzierten Teil ab imd die Eisenringe ein. Abb. Taf XXII. 



livzantiriisclius Millclaltcr. 



43 



Flachrelief. Elfenbein, aus einem Stück, Kette und Ringe aus Eisen; Spuren alter Vergoldung, das 
Gold rötlichbraun unterlegt. L. 46 cm. — Kunstkammer; erworben 1835 (Sammlung Nagler). — Über 
die skulpierten Elfenbeinhörner des Mittelalters vgl. F. Bock, Mittelalt. Kstdkmler d. östr. Kaiser- 
staates, Bd. II. Nach Voege (Nr. 66) italienisch unter orientalischem Einfluß. Verwandt das Hörn 
mit christlichen Darstellungen in Paris, Musee Cluny, und den beiden sogen. Rolandshörner in St. 
Veit, Frag. Die Stücke gehören nach Kühnel (Kunstchronik 1921) zu einer süditalienisch-byzan- 
tinischen Gruppe (vgl.J. 5S9) und stehen im Gegensatz zu den sarazenischen, früher für syrisch-ägyp- 
tisch gehaltenen Arbeiten. 

, 6747. Bekrönung eines Stabes. H \ /, a n t i n i s c h. 1 2. J a h r h u n d e r t. Von dem quadratischen 
.Mittelstück-, das durchbohrt ist, um es mit einem Metallstift an dem Holz des Stockes zu 
befestigen, geht die Krücke symmetrisch nach beiden Seiten aus. Die beiden Endigungen 
sind nach oben eingerollt und zu Drachenköpfen umgebildet. Das kelchartig geöffnete Maul 
zeigt eine Reihe Zähne am Rand und endet oben in einem ornamentalen Schnörkel. Augen 
und Ohren, dunkel eingelegt, sind stark stilisiert. Ein Eisenstab als Zunge am Oberkiefer 
nur bei dem einen Kopf erhalten. Abb. Taf. XIV. 

Vollrund. Elfenbein. L. 14,5, H. 4,7 cm. — Aus Konstantinoi)el erw. Wulff, Amtl. Ber. XXVII, 5, 
Abb. 33. — Die symmetrische Form der Krücke häufig, z. B. auf einem Stab im Brit. Museum, London, 
St. Peter in Salzburg usw. (vgl. Rohault de Fleury, La messe Taf.). Die starke Stilisierung weist 
auf den Einfluß der frühislamischen (bzw. der sassanidischen) Kunst. Ganz ähnliche Drachenköpfe 
auf Schlangenleibern am Tor der Zitadelle von Aleppo (Berchem und Strzygowski, Amida Fig. 32), 
am Talismantor in Bagdad a. a. O. Fig. 3t mit weiteren Beispielen und auf byzantinischen Seiden- 
stoffen wie in St. Peter in Salzburg (v. Falke, Seidenweberei II, Fig. 254). Die Kopfform aber in 
sizilianischer Umbildung an einem Stab des Bischofs Buoni Balbi (f 1215) im Provinzial-Museum 
in Torcello (Pelka, Elfenb. Fig. 109). 



Specksteinarbeiten. 

Vgl. Bcschr. (I. HiJdw. III, 2 S. 60. 

J. 6676. Relieftäfelchen (Bruchstück?). lO./ii. Jahrhundert. Geburt Christi. Maria (mit 
Nimbus r. und das Kind mit Kreuznimbus) 1. in enger Umhüllung (bzw. Windeln; einander 
auf korbähnlichen Bettgestellen mit hoher Rückenlehne gegenüberliegend; 
dazwischen über den Füßen des letzteren die Köpfe von Ochs und fcisel, 
auf den aus einem Himmelssegment am oberen Rande der Lichtstrahl des 
Sternes herabfällt. R. am Rande die übereinandergestaffelten Figürchen 
zweier Geschenke bringender Könige (der Unterkörper des zweiten, sowie 
der dritte unter ihm weggebrochen). Auf der breiteren oberen Rahmen- 
leiste die Inschrift: H TENNHCIC- 

Flachrelief (in vertieftem Felde). Speckstein. H. 2,6, Br. 2,5 cm. .Nahezu ([ua- 
dratisch; die r. untere Ecke weggebrochen. Die Oberfläche abgeschliffen. — J. 66;6. 

Erworben 1912. .\us Konstantinopel. — Unvollständige Wiedergabe des 

mittelbyzantinischen Kollektivtypus (ohne Joseph und Badeszene); vgl. H. Kehrer, Die hl. drei 
Könige in Literatur und Kunst, Leipzig, 1908, II, S. 8iff. Wohl Bruchstück einer größeren Relicf- 
tafel mit dem christologischen Festzyklus; vgl. die Bem. von (). Wulff, Amtl. Ber. 1916, XX.WII, Sp. 80. 

J. 6677. Ikonenläfelchen (Bruchstück). Höllenfahrt Christi. Mittel byzantinisch, lO./ii. 
Jahrhundert. Christus mit Nimbus in voller Gewandung zieht, nach 1. schreitend und 
nach r. umblickend, während er in der i unvollständigem Rechten zweifellos das ( fehlende] 
Stabkreuz trägt, mit der L. den greisen Adam am r. .Arme in weitem Ärmel) aus der Unter- 
welt hin:uif die übrige Gestalt bis auf die mit bittender (iebärde v()rk.>mmende I. Hand 

0* 




44 



Miitelalterliche Bildwerke. 



weggebrochen!. 




Ober Adam erhebt Eva flehend die von dem Mantel (Maphorionj, der auch ihr 
Haupt umhüllt, bedeckten Hände. Darüber die Beischrift: I (=Tj) 
ANACTACIC und neben dem Kopfe Christi XC- 

Flachrelief (in vertieftem Felde). Speckstein. Ursprünglich rechteckig h. 
H. 4, Br. 2,8 cm. Die I.Hälfte größtenteils mit beiden sowie der r. u. 
Ecke weggebrochen. Sie trug wohl die Gestalten Davids und Salomos 
als typische Gegenfiguren der altertümlichen ikonographischen Fassung. — 
Erworben 1912. Aus Konstantinopel. — Vgl. die jüngere mit entgegen- 
gesetzter Wendung Christi auf dem Elfenbein (S. 39) Inv. 1792 sowie die Aus- 
führungen von O. Wulff, Amtl. Ber. 1916, XXXVII, Sp. 81. 
6725. Ikonentäfelchen. Die Heiligen Georgios und Theodoros 
(Stratelates). Mittelbyzantinisch, 13. /14. Jahrhundert. Die 
Heiligen Georgios (jugendlicher krauslockiger Typus mit Nimbus) 
1. und Theodoros Stratelates fspitzbärtiger Typus mit Nimbus) r. ein- 
ander in scharfer Seitenwendung gegenüberstehend, im Platten- 
panzer über gegürtetem kurzem Waffenrock mit darüber geknüpfter 
Chlamys, deren Einsatz (Tablionum) eine Rosette ziert, und 
hohen Stiefeln, sowie dazwischen auf den Boden gesetzten 
spitzen Langschilden, erheben beide Arme im Gebet zur voU- 
l)ekleideten Halbfigur Christi (mit Nimbusj der in der Mitte 
üben mit ausgebreiteten Armen über ihnen die Märtyrerkronen 
hält. Daneben die Beischrift: (l.) IC und (r.) XC sowie (l) ©rEooPnoc 
und (r.) ©eEwAWPOC- 

Flachrelief (in vertieftem Felde). Speckstein. Oben im Flachbogen 
abgeschlossen mit Ösenansatz (größtenteils weggebrochen). H. 5, 
Br. 4 cm. R. o. ein späteres Schnurloch; die Oberfläche stark abge- 
schHffen. — Erworben 1913 (als Geschenk von Prof. F. Sarre). Aus 
Konstantinopel. — Spätmittelalterliche Typen in herkömmlicher Kom- 
position, zu der eine Ikone der geistlichen Akademie (Tafelbild) in 
Kiew ein älteres Gegenbeispiel bietet. Vgl. die Ausführungen von Wulff, Amd. Ber. 1916, XXXVII, 
Sp. 81/2 sowie Inv. 6835. 
J. 6835- Ikonentäfelchen. Die Heiligen Demetrios und Georgios. Spätbyzantinisch, 14./15. 
Jahrhundert. Die beiden Heiligen in Frontansicht dastehend, 1. der schlichthaarige Demetrios 
(mit Nimbus) im Platten- (oder Ketten .'j panzer, r. der krauslockige Georgios anscheinend im 
bloßen Waffenrock (oder Linnenpanzer.'), der bei beiden gegürtet ist, und vor der Brust ge- 
knüpfter Chlamys, in der R. die Lanze schulternd (der r. Arm mitsamt dem größten Teil 
der Brust, bei jenem mitsamt dem Gurt weggebrochen, desgl. die Beine bis auf den 1. Ober- 
schenkel des ersteren und den r. des letzteren) und mit der L. einen in Seitenansicht vvieder- 
gegebenen Rundschild bei diesem mit Rosettenverzierung haltend. Abb. Taf. VII. 
Flachrelief (in vertieftem Felde). Schwarzer Speckstein (auf Holzunterlage befestigt). Rechteckig h. 
Die u. Rahmenleiste nebst einem Streifen der Reliefdarstellung weggebrochen; in der Mitte schräg 
durchgebrochen und an fünf Stellen durchlocht; auch sonst schadhaft (s. Beschr.). — Erworben 1918 (von 
einem Privatmann). Aus Makedonien. — Die Tracht (Befestigung der Chlamys) und schwächliche 
Figurenbildung weist in die Spätzeit. Die typische Zusammenstellung der beiden Heiligen war an- 
scheinend besonders im Hinterlande von Saloniki beliebt. 




MittelbyzaminiscUe Mctallplastik. 



45 



Mittelbyzantinische Metallplastik. 

1. Goldschmiedearbeiten. 

Vgl. Beschr. der Bildw. III, 2 S. 69 ff. IV. 

J. 6810. Ring. Byzantinisch, S./y. Jahrhundert. Die Kreuzigung: Christu.s (mit Kreuz- 
nimbust im langen Kolobion (Niello), umgeben von den (undeutlichen) Nebengestalten der 
trauernden Maria und Johannes. Auf dem Reif die Inschrift: 0EQTOKE • BOH0H • MHAeAE- 
AMhN • 

Gold. Gravierung und Niello. Achtseitiger Reif mit angelötetem hochovalem Zierschild. Dm. 2 cm. 
Erworben 191 5. Aus Rom. — Vgl. ein ähnliches Stück mit entsprechender Darstellung der Kreuzi- 
gung im Brit. Museum bei Dalton, Catalogue of early. etc. Nr. 131, T. IV sowie den Ring in 
Palermo bei Kondakow, Gesch. u. Denkm. des byz. Emails, S. 264. Der Bildtypus ist auch auf 
größeren Emails des 9. Jahrh. belegt; Pasini, II Tesoro di S. Marco, tav. und im 
übrigen Volbach, Amtl. Ber. 191 7, XXXVIII, Sp. 236. 

J. 6681. Zierschild. Byzantinisch, lO./ir. Jahrhundert. Brustbild eines 
bärtigen Heiligen (mit Nimbus) in Tunika und Chlamys, der in der rechten 
Hand ein Kreuz hält. Beiderseits verteilte (unvollständige) Inschrift (links 
. . KH ■ und rechts . . . TH 



Silberblech auf (späterer) dünner Wachsschicht; ursprünglich wohl auf Bronze auf- 
gelegt. Plattiertechnik (byz. Ziselierung mit Vergoldung und künstlicher Oxydation). 
Kreisrund. Dm. 2,2 cm. Quer durchgebrochen und an den Rändern schadhaft, be- 
sonders oben. Erworben 191 3. .Aus Konstantinopel. — Vom technischen Gesichts- 
punkt bemerkenswert. Eine Namensbestimmung ist auf Grund der unvollständigen 
Beischrift kaum möglich (NiKiixric.''). Vgl. die Bemerkungen von Wulff, Amtl. Ber. 
1916, XXXVII, Sp. 87/8. 



J. 6681. 




^ 



J. 66S0. 



2. Bleizierrat. 

Vgl. Beschr. d. Bildw. III, 2 S. 70 ff. 

J. 6726. Amulett. Auf der Vorderseite die Kreuzigung: Über dem Golgathakreuz mit breit 
ausladenden Enden und schrägem unterem Querbalken das Brustbild 
Christi mit Kreuznimbus); rechts und links die Nebenkreuze, an 
denen die beiden Schacher (mit Nimbus) in kurzen gegürteten 
Hemden mit ausgebreiteten Armen und gekreuzten Beinen be- 
festigt sind, dazwischen rechts am Boden kniende oder hockende 
Gestalt (eines Pilgers oder würfelnden Soldaten .>i. Auf der Rück- 
seite die Himmelfahrt: Christus in der von zwei schwebenden 
Engeln getragenen kreisrunden Aureole (sitzend oder stehend .-1; 
darunter Maria mit Nimbus), die Arme im Gebet ausbreitend, 
von sechs Aposteln rechts) und fünf (links) umgeben. 
Flachrelief (beiderseits geprägt). Blei. Kreisrund (mit geperltem Rande). 
Dm. 3,2 cm. Die Prägung durch Oxydierung verflaut, sodaß die Einzelheiten 
kaum zu erkennen sind. Erworben 1913. Aus Kairo. — Beide Darstellungen 
sind mittelalterliche Wiederholungen der entsprechenden Bildtypen der 

Ampullen von Monza (vgl. J. 6681, 82). Das Amulett ist demnach ein Pilgerzeichen zur Erinnerung an die 
Wallfahrt nach den heiligen Stätten. Vgl. die .\nmerkungen von O. Wulff. Amtl. Ber. IQ13, XXXV, Sp.43. 




j. 67JÜ. 



46 



Mittclaltcrliclic Bildwerke. 



3. Bronzezierrat. 

Vgl. Beschr. d. Bildw. III, 2 S. 80 Nr. IV, 4. 

J. 6680. Siegelring. Mi ttel byzantinisch, 8-/9. Jahrliu 11 der t. Facettierter Reif mit ovalem 
Siegelschild ; auf diesem das Brustbild eines langbärtigen Heiligen mit Nimbus zwischen zwei 
gleicharmigen Kreuzen. 

Reliefnegativ (graviert). Bronze. Kreisrund. Dm. 2,4 cm. Erworben 1913. Aus Konstantinopel. — 
Der derbe Stil weist in das frühe Mittelalter. Vgl. O. Wulff, Amtl Ber. igi6; XXXVII, Sp. 87. 

J. 6805. Prägestock. Byzantinisch, 12. Jahrhundert. Brustbild eines barhäuptigen 
jugendlichen Kriegers in der auf der rechten Schulter gespangten Chlamys, der mit der 
Rechten die Lanze schultert und mit der Linken einen kleinen Rundschild vorhält; das 
Schildzeichen bildet ein aus vier Doppelvoluten mit Kreispunkt inmitten zusammengesetzte 
Kreuzrosette. Am Rande Perlschnur. Abb. Taf VII. 

Reliefnegativ (gegossen und nachziseliert). Bronze mit dunkelgrüner Patina. Kreisrund. Dm. 4,7 cm. 
Scheibenförmig mit unregelmäßigen Rändern und ungeglätteter Rückseite. Erworben 1914 aus dem 
Kunsthandel. — Tracht und Haltung entsprechen den Typen der Kriegerheiligen auf Bleibullen 
byzantinischer Militärbeamter des hohen Mittelalters. Vgl. G. Schlumberger, Sigillographie de 
l'empire byzantin. Paris 1884, p. p. 339, 363 u. 725 ff. Vielleicht ist auch hier am kurzen krausen 
Gelock trotz fehlendem Nimbus der hl. Georg zu erkennen ; schwerlich ein Porträt, da das derbe 
Stück wohl nur zur Herstellung von Zierat in Silber, Blei oder Leder gedient haben kann. 

J. 6724. Beschlag (eines Möbel- oder Türflügelfeldes). Mittelbyzantinisch, 9./IU. Jahr- 
hundert. Pfauenpaar in frei sym- 
metrischer Anordnung auf dem dün- 
nen Randwulst einer tiefen geriefelten 
Schale mit kurzem Fuß stehend und 
mit gebeugtem Halse Beeren pick-end, 
mit denen sie gefüllt ist. In der Mitte 
über den Köpfen der beiden Vögel ein 
Kreuz mit breit ausladenden Enden 
und umlaufender schmaler Randleiste. 
P^lachrelief (getrieben) auf erhöhter kreis- 
runder Grundplatte. Bronze (oxydiert). 
Kreisrund mit tiefem absetzendem Rande. 
Dm. 18 cm. Erworben 1913 aus dem 
(Pariser) Kunsthandei. — Der Rand der 
linken Seite wurde ursprünglich von einer 
tJberfangplatte umrahmt, von der oben 
noch ein Rest erhalten ist. Im Relief 
links ein größeres und mehrere kleine 
Löcher sowie zwei längere Sprünge, die 
am linken Umriß der Vase und am 
oberen des daraufstehenden Vogels ent- 
langlaufen. Das Sinnbild der trauben- 
pickenden Pfauen entstammt der alt- 
christlichen Kunst, ist aber hier im Ge- 
schmack des byzantinischen Mittelalters 
durch Fortlassung der Rebe vereinfacht. Die naturalistische Behandlung der Vögel weist gleichwohl 
in dessen Frühzeit. Vgl. die Au.sführungen von O.Wulff, Amtl. Ber. 1916, XXXVII, Sp.85/6, Abb. 39. 




J- 6724. 



Byzantinische Keramik. 



47 



6843. Kettengehänge. Byzantinisch. Spätes Mittelalter. Teilstück, bestehend aus 
zwei durch Gelenk ver- 
bundenen linealförmigcn 
Gliedern mit je fünf heiv 
förmigen Ausschnitten, de 
ren Füllung ein Dreiblatt 

(bezw. eine Liliel bildet. J- 6843. 

Durchbruchsarbeit. Bronze (o.xydiert). Unvollständiges Zierglied. L. 59 cm. — Erworben 1919. 
.\us Mazedonien (Kirche in der Babunaschlucht). — Wahrscheinlich gehörte das Stück mit zwei 
anderen (längeren) Ketten als Gehänge einer l.ichterkrone. 



Byzantinische Keramik. 

Glasierte Gefäßscherben mit Reliefverzierung. 

(Vgl. Beschr. d. Bildwerke usw. 2. .\ufl. 3. Bd., T. 2, VI, i S. 100.) 

J. 6867. Scherbe. Byzantinisch, 12/13. Jahrhundert. Das innere Rundfeld von doppeltem 
Reliefring umzogen, um den Stäbchen (bzw. Punktmotive) gereiht sind; darin zwei strahlen- 
artige Spitzen (vielleicht Geweih einer Gazelle.'). Abb. Tafel XXIII. 

Reliefmanier. Bruchstück eines Schalenbodens mit Fußring (verstümmelt). Ton, gebrannt und glasiert 
mit weißer Deckschicht auf der Innenseite. Br. (bzw. größte Ausdehnung) 10,8 cm. Ringsum abge- 
brochen. Erworben 1907. Aus Konstantinopel (Sammig. Martin). — Zur Darstellung und Technik vgl. 
Beschr. d. Bildw. 2. Aufl. Bd. III, T. 2, N. 2079. 

J. 6866. Scherbe. Byzantinisch, I2.,I3. Jahrhundert. Das innere Rundfeld von drei 
Reliefringen umzogen, von den der mittlere unterbrochen und von drei Querstäbchen durch- 
setzt ist; darin zwei parallel ineinandergeschobene Winkelpaare (vielleicht die Vorder- und 
Hinterbeine eines springenden Tieres). Abb. Tafel XXIII. 

Reliefmanier. Bruchstück eines Schalenbodens mit Ringfuß, verstümmelt. Ton, gebrannt und glasiert 
(innen über weißer Deckschicht). Br. (bezw. größte Ausdehnung) 7 cm. Ringsum abgebrochen. Er- 
worben 1907. Aus Konstantinopel (Sammig. Martin). — Vgl. zur Darstellung und Technik J. 6867. 

J. 6751. Scherbe. Byzantinisch, 12./13. Jahrhundert. Auf der Innenseite ein arabesken- 
ähnliches Rankengeflecht, bestehend aus zwei gesprengten Palmetten, deren einander be- 
rührende Halbpalmetten sich zu einer efeublattähnlichen Vollpalmette vereinigen und auf 
der Spitze wieder eine gesprengte Palmette tragen, liire Füllung bilden kleine Efeublätter, 
die der oberen ein Dreiblatt bzw. eine breite Lilie). Von der äußeren Spitze der linken 
unteren Halbpalmette wächst zu derjenigen der oberen wieder eine Halbpalmette auf Abb. 
Tafel X.XIII. 

Reliefmanier. Bruchstück (einer flachen Schale). Ton gebrannt und (über der weißen Deckschicht 
des Reliefmusters hellgrün), auf dem Grunde und der Außenseite grünbraun glasiert. L. 11,4, Br. 
7,3 cm. Ringsum abgebrochen. Die Muster- und Blattbildung von der frühislamischen Kunst be- 
einflußt. 1914 aus den Miletfunden überwiesen. — Ein Bruchstück mit ähnlicher Reliefverzierung 
(wohl irrigerweise für paduanisch gehalten) vgl. bei H. Wallis, a. a. (). pl. XX.XIV, Fig. 74. 

J. 6868. Scherbe. Byzantinisch, 12./13. Jahrhundert. Das innere Rundfeld mit Vier- 
paBschlinge, bestehend aus zwei Paaren mit den Stielen verwachsener Dreiblätter verziert. 
.\bb. Tafel XXllI. 



i8 



Mittelalterliche Bildwerke. 



Reliefmanier. Bruchstück eines Schalenbodens mit Ringfuß (unvollständig). Ton gebrannt und 
glasiert (über weißer Deckschicht der Reliefverzierung). Br. (bzw. größte Ausdehnung) 5,7 cm. Er- 
worben 1907. Aus Konstantinopel (Slg. Martin). — Vgl. zum Motiv und zur Technik Beschr. d. 
Biltlw. usw. 2. Aufl. Bd. III, 2, N. 2126. 




Glasierte Gefäßscherben und Gefäße mit eingeritzter Zeichnung in Graffitomanier. 

Vgl. Beschr. d. Hildw. usw. 2. Aufl. Bd. III, 2, ,S. io6ff. 

J. 6856. Schale. Byzantini.sch, 12./13. Jalirhundert. Auf dem Schalenboden innen 

nach rechts schreitende und die Arme aus- 
breitende männliche bartlose Gestalt in Front- 
ansicht des Oberkörpers und Kopfes, bekleidet 
mit gegürtetem Ärmelrock, dessen langer 
Schoß nach links absteht und der durch 
eine breite rankengeschmückte Mittelborte 
in eine gelbe rechte und grüne linke Hälfte 
geteilt wird. Daneben rechts unten drei- 
streifiges igelbgrünweißesj, oben zweiteiliges 
gelbes Wappenschild. Auf dem Rande um- 
laufende Volutenranke. 

Ritztechnik (bzw. Graffitomanier) auf farbiger 
(grüner und gelber) Glasur mit weißer Deck- 
schicht. Kreisrund mit niedrigem Ringfuß, 
Nchräger äußerer Wandung und senkrecht empor- 
stehendem Rande. Gebrannter Ton. Dm. 16,2, 
H. 8,5 cm. Zwei größere Randstücke links oben 
und rechts unten ausgebrochen (und in Gips er- 
gänzt). Außen nur auf einer Seite der Oberhälfte 
von kräftiger (farbloser) Glasur bedeckt. Erworben 
1920 aus dem Kunsthandel. — Kostümfiguren 
sind ein beliebter Gegenstand der byzantinischen Keramik; vgl.J. 6773 und Beschr.d. Bildw.usw. III, 2, 
Nr. 206,:;— 65 nebst Belegen. Wertvoll durch die vollständige Erhaltung der Darstellung. 
6771. Scherbe. Byzantin isch, 12./13. Jahrhundert. Jugendliches mundloses Antlitz 
mit gekraustem Haar (Lockenfrisur) einer frontalen weiblichen Kostümfigur, von der nur 
noch der Brust- und Schulteransatz des gemusterten linken Ärmels erhalten ist; Abb.Tafei XXIV. 
Ritztechnik (Graffitomanier) auf gelber Glasur über weißer Deckschicht. Bruchstück einer Schale. 
Gebrannter Ton. Ringsum abgebrochen. Br. 4,9 cm. Beiderseits glasiert. Erworben 1914. Aus 
Konstantinopel. — Vgl. zur Darstellung ein vollständigeres Gegenbeispiel Beschr. d. Bildw. III, 2, 
Nr. 2061 sowie die Bem. von O. Wulff, Amtl. Ber. 1917, XXXVIII, Sp. 17 1/2. 

6770. Scherbe. Byzantinisch, 12./13. Jahrhun dert. Oberhälfte eines frontalen jugend- 
lichen weiblichen Antlitzes; Abb. Tafel XXIV. 

Ritztechnik (Graffitomanier) auf gelber Glasur. Bruchstück einer Schale. Gebrannter Ton (nur auf 
der Innenseite glasiert). Ringsum abgebrochen. Br. 8 cm. Erworben 1014- Aus Konstantinopel. 
— Vgl. zur Darstellung J. 6771 nebst weiteren Hinweisen. 

6773. Scherbe. Byzantinisch, 12./13. Jahrhundert. Jugendliche männliche Gestalt 
in gegürtetem engärmeligem Rock, dessen Schlitz am Halseinsatz und unter dem Gürtel mit 
schmalen und dessen Ärmel unterhalb der Achsel mit breiten Borten verziert sind, in Front- 
ansicht mit ausgebreiteten Armen nach rechts schreitend (Beine, Hände und Kopf oberhalb 
des Miuidansatzes fehlen). Abb. Taf XXIV. 



J. 6856. 



Byzantinische Keramik. 



49 



Vertiefte Silhouettenzeichnung (bzw. Grafi^toinanier). Schalenboden mit verstümmeltem Fuß; rings- 
um abgebrochen. Br. 6,3 cm. Kostümfigur in höfischer Tracht orientalischen Geschmackes. Er- 
worben 1914. Aus Konstantinopel. Vgl. dazu J. 6856 und die Bern, von Wulff, Amtl. Her. 1917, 
XXXVIII, Sp. 174. 

J. 6774. Scherbe. Byzantinisch, 12./13. Jahrliun dcrl. Rumi)!' und rechter Arm einer 
nach rechts gewandten männlichen Profilgestalt in rciclifaltigem gegürtetem Rock mit breiter 
Saiimborte und offenem Hängeärmel, aus dem der gebeugte rechte Unterarm in engem 
Ärmel vor dem Gürtel hervorkommt, eine Waffe zückend (oder die angezogene Sehne eines 
Bogens mit aufgelegtem Pfeil haltend.?); Kopf, rechte Brusthälfte und Arm sowie die Beine 
fehlen; Abb. Tafel XXIV. 

Geritzte und vertiefte Zeichnung (Graffitomanier). Hruchstück eines Schalenbodens mit (unvoll- 
ständigem) Fuß. Ton gebrannt und auf beiden Seiten glasiert mit weißer Deckschicht. Dm. 4,6 cm. 
Ringsum abgebrochen. Tracht (Waffenrock?) und Haltung scheinen eine Kriegerfigur zu verraten. 
Erworben 1914. .Vus Konstantinopel. — Vgl. die Bem. zu Inv. 6775 und Wulff, a. a. O. Sp. 173. 

J. 6776. Schale. Byzantinisch, 12./13. J ahrhundert. Auf dem Boden innen nach rechts 
gewandte Halbfigur eines jugendlichen Kriegers in gestreiftem, engärmeligem Waffenrock 
(oder Schuppenpanzer?) mit kegelfVjrmigem Helm, den linken Unterarm vorstreckend und 
den rechten in scharf gebeugter Haltung vor der Brust erhebend (Bogenschütze ohne 
Andeutung des Bogens.?). Auf der Außenseite legt sich ein Kranz lanzettförmiger Blätter 
um den Fuß von rautenförmiger Schraffierung umgeben; Abb. Tafel XXIV. 
Ritztechnik (bzw. Graffitomanier). Schale mit emporstehender (größtenteils weggebrochener) Wandung 
und (unvollständigem) niedrigem Fuß. Ton gebrannt mit weißer Deckschicht und gelber Glasur auf 
beiden Seiten (verwittert). Dm. (des Fußes) 3,9, H. 4,8 cm. Erworben 1914. Aus Konstantinopel. 
— Kriegergestalten gehören zu den beliebten Typen der byzantinischen Keramik. Vgl. J. 6774/5 
und die Bem. von Wulff, Amtl. Ben 1917, .XXXVIII, Sp. 172/3. 

J. 6775. Scherbe. Byzantinisch, 12./13. Jahrhundert. Auf der Innenseite nach reciits 
gewandte Kriegergestalt in gegürtetem Schuppenpanzer, mit der Rechten ein Schwert schul- 
ternd (oder die Sehne eines Bogens anziehend.?), während die Linke wohl einen Schild (oder 
den Bogen.') vorstreckte. Unterarm weggebrochen; desgl. der Kopf nebst Brustansatz und 
die Beine unterhalb des Panzersaumes, rechts und links Rankenenden; Abb. Tafel XXIV. 
Kitztechnik (bzw. Graffitomanier) auf weißer Deckschicht mit farbloser Glasur. Bruchstück eines 
Schalenbodens mit (unvollständigem) Ringfuß. Ton gebrannt und glasiert. Dm. (des Fußes) 5,2 cm. 
Ringsum abgebrochen. Erworben 1014. Aus Konstantinopel. — Zur Darstellung vgl. I. 6774 und 
ein ähnliches Stück bei W. de Bock, Mem. de la soc. d. ant. de France 1897, LVI, p. 214, N. 9, 
sowie besonders die Rüstung betreffend die Bem. von Wulff, .\mtl. Ber. 1917, XXXVIII, Sp. 173. 

J. 6768. Scherbe. Byzantinisch, 12./13. Jahrhundert. Nach rechts fahrendes Kriegs 
schiff mit drei Rudern, in dessen Mitte sich ein Turm erhebt und dessen hohes Heck zwei 
kreisrunde Schilde nebst wehender Fahne trägt (der Bug weggebrochen); Abb. Tafel XXIV. 
Ritztechnik (bzw. Graffitomanier). Schalenboden mit (unvollständigem) Ringfuß. Ton gebrannt und 
glasiert mit verwitterter und durch Brand geschwärzter Deckschicht. Dm. (des Fußes) 6,3 cm. 
Ringsum abgebrochen. — Vgl. die Bem. von Wulff, Amtl. Ber. 1907, XXXVIII, Sp. 174. 

J. 6662. Teller. Byzantinisch, 12. Jahrhundert. Auf der Innenseite nach rechts laufen- 
der Greif, mit den beiden vorderen und der rechten llinterpranke eine flüchtende Gazelle 
zu Boden streckend, die den Kopf umwendet und noch einen Zweig im Maule hält; unter 
ihr ein gleicher den Raum füllend. Hinter dem Greifen ein pfeilförmiges Blatt; .\bb. S. 50. 
Ritztechnik (bzw. Graffitomanier). Kreisrunder flacher Teller mit dünnem Fußring und niedrigem 
emporstehendem Rande (aus drei Stücken wieder zusammengesetzt). Dm. 23 cm. Gebrannter um! 
glasierter Ton mit weißer Deckschicht auf beiden Seiten. Erworben 1913. .Xus den Fundstücken von 

Altchristi, und niiutflall. liildwerkc. 7 



50 



Mittelalterliche Bildwerke. 



Milet überwiesen. — 
Der Typus dieser Tier- 
kampfgruppe ist bis- 
her nur in der by- 
zantinischen Keramik 
nachgewiesen; vgl. J. 
6872 und Beschr. d. 
Bildw. usw. 2. Aufl., 
Bd. III, T. 2, N. 2074. 
Der Greif als Verfolger 
der Gazelle findet sich 
auch in der byzan- 
tinischen dekorativen 
Keliefplastik vor, ent- 
stammt jedoch wahr- 
scheinlich dem früh- 
islamischen Kunst- 
kreise. Vgl. die Aus- 
führungen von Wulff, 
,Amtl. Berichte 191 7, 
XXXVIII, Sp. i67ff. 

J. 6872. Scherbe. By- 
zantinisch, 12. /[3. 
Jahrhundert. Auf 
der Innenseite nach 
rechts liegende (oder 
laufende) Gazelle, 
den Kopf umwen- 
dend (Schnauze und 

Ohren sowie das Hinterteil mitsamt den Hinterbeinen weggebrochen); Abb. Tafel XXIV. 

Ritztechnik (bzw. Graffitomanier). Bruchstück eines Schalenbodens mit Ringfuß (unvollständig). 

Gebrannter Ton mit gelblicher Glasur über weißer Deckschicht. Br. (bzw. Diagonale) 9,3 cm. 

Ringsum abgebrochen. Erworben 1907. Aus Konstantinopel (Slg. Martin). — Die Stellung des Tieres 

ist derjenigen auf J. 6662 ähnlich, was auch hier eine Tierkampfgruppe zu vermuten erlaubt. 

6832. Scherbe. Byzantinisch, i^./ij. Jahrhundert. Auf der Innenseite Kopf und 
Hals eines nach rechts sitzenden Hasen, von Ranken und großen Blattwedeln umgeben. 
Auf der (unglasierten) Unterseite (innerhalb des Ringfußes) in Flachrelief (gepreßte) Kreuz- 
rosette mit Kreispunkten auf den vier Armen und Punktfüllung im Mittelrund und in den 
Zwickeln, von gebrochener Ranke (bzw. laufendem Hund.'') umgeben; Abb. Tafel XXIV. 
Ritztechnik (auf weißer Deckschicht mit farbiger Glasur). Flacher Schalenboden mit Ringfuß. Ton 
gebrannt und glasiert mit brauner, gelber und grüner Bemalung auf weißem Grunde. Dm. (des 
Fußes) 10,5 cm. Ringsum abgebrochen. Erworben 1918 durch Schenkung aus dem Nachlaß von 
Rud. Virchow (vielleicht kaukasischer Herkunft). — Der Hase gehört zu den beliebten Typen der byzan- 
tinischen Keramik; vgl. Lieschr. d. Bildw. usw. 2. Aufl. III, 2, N. 2084 — 2086 sowie zur Technik S. 106. 

. 6808. Krug. Byzantinisch, 14./1S. Jalir hundert. In einzelne (durch die Schnurleisten 
abgegrenzte) Felder verteilt, stilisierte große Blätter und auf ihren Spitzen sitzende und verstreute 
Blüten; an der Vorderseite 1. in den beiden unteren Feldern sowie in einem schmalen Zwischen- 
felde unter der Gußröhre drei nach r. gewandte Pfauen, denen im vorderen der r. Seite ein solcher 
gegenübersteht. 




|, 6002. 



H)v,:iiitiiii»cln; Keramik. 




Ritztechnik (in Graffitomanier mit Silhouettenbiklung). 
Islamischer Gefäßtypus von bauchiger Form mit dünnem, 
oben kelchförmig ausladendem und tellerförmig abgeflachtem 
Halse, straffer Ausgußröhre (Schnabel weggebrochen) und 
Henkel, von dessen Ansatz Schnurleisten um den Bauch und 
im Bogen zur Gußröhre hinauflaufen, die von je einer an 
der Seite des Halses herablaufenden gekreuzt werden. Ton 
gebrannt und über weißer Deckschicht braungelb und grün 
glasiert. H. 35 cm. Erworben 1915. Aus Konstantinopel. 
— Die Form und die flüchtige Zeichnung der naturalistischer 
aufgefaßten Blüten und Blattwedel weisen in die Spätzeit 
des Mittelalters; vgl. die Bem. von Wulff, Amtl. Ber. 191 7, 
XXXVIII, Sp. 178. 

. 6757. Schüssel. Byzantinisch, 12. Jahrhundert. 
Auf der Innenseite nach rechts gewandter Vogel, in 
ein kleines, von zwei konzentriscken Kreislinien um- 
schriebenes Mittelfeld eingeschlossen und von gereihten 
Punkten umringt. Von diesem strahlen in kreuzförmiger 
Verteilung vier große Blattpalmetten aus, jede von zwei 
Punktreihen umgeben. Die Zwischenräume nehmen in 
diagonaler Verteilung vier mit den Hinterkürpern ver- 
waclisene, nach außen blickende Vogelpaare (Pfauen.') 
ein, deren gemeinsame Schwanzfedern zwischen den 
Beinen herabhängen, mit dem inneren Ring ein braun- 
gelbes Kreuz bildend und von dop]Delter Kreislinie 
umschrieben. Der durch einen schmalen ungemusterten 

Streifen von dieser Zone getrennte und beiderseits von je tlrei Kreislinien begrenzte 
(schwach gewölbte) Rand mit einem aus gereihten Kreispunkten mit symmetrischen 
Rankenspiralen bestehenden Kranz verziert. Auf der Außenseite einfache schmutzigbraune 
Glasur; Abb. S. 52. 

Ritztechnik (auf weißer Deckschicht mit gelblicher, braungelber und grüner Glasur). Flacher Teller 
mit wagerecht absetzendem Rande. Ton gebrannt und auf beiden Seiten glasiert. Aus mehreren 
Stücken wieder zusammengesetzt (drei Randlücken und kleine Spalten in Gips ergänzt). Dm. 41,5 cm. 
Erworben 1914. Aus Konstantinopel. — Vogeltiguren, aus denen auch das groteske Hauptmotiv 
gebildet ist, gehören zu den beliebtesten Gegenständen der mittclbyzantinischen Keramik. Vgl. Be- 
schr. d. Bildw. usw. 2. Aufl. Bd. III, 2, X. 208S — 2104 und die Ausführungen von Wulff, Amtl. 
Ber. 191 7, XXX Vni, Sp. 176 ff. mit weiteren Literaturnachweisen. 

6869. Scherbe. Byzantinisch, 12./13. Jahrhundert. Von dem mit doppelter Kreis- 
linie umschriebenen kleinen Innenfeld strahlen sechs größere Dreiblätter (bzw. Lilien) ab- 
wechselnd mit zusammengeklappten Rundblättern (vollständig erhalten drei von diesen und 
nur zwei der ersteren) eine Rosette bildend aus, die wieder von doppelter Kreislinie um- 
schrieben ist; Abb. Tafel XXIII. 

Ritztechnik (auf weißer Deckschicht mit grün getonter Glasur). Bruchstück eines gewölbten Schäl- 
chens mit Ringfuß. Ton gebrannt und auf beiden Seiten glasiert. Ringsum abgebrochen. Dm. 
(des Fußes) 6,5 cm. Erworben 1907. Aus Konstantinopel. — Blattrosetten kommen in der byzan- 
tinischen Keramik in mannigfaltiger .Abwandlung vor; vgl. z. B. Beschr. d. Bildw. usw. 2. .\ufl. 
Bd. III, 2, N. 2128 und H. Wallis, Byzant. ceramic art, London 1907, pl. IX, Fig. 25. 

7* 



J. 680S. 



Milteltilterliche Bildwerke. 




J. 6757- 



6874. Scherbe. Byzantinisch, 12./13. Jahrhundert. Im Mittelrund der Innenseite 
Rosette, bestehend aus innerer und äußerer KreisHnie und dazwischen radial ausstrahlenden 
kurzen halbierten ovalen Blütenblättern; Abb. Tafel XXIII. 

Ritztechnik (bzw. Graffitomanier) auf weißer Deckschicht. Bruchstück eines Schalenbodens mit Ring- 
fuß. Ton gebrannt und auf beiden Seiten glasiert. Dm. (des Fußes) 4,5 cm. Erworben 1907. Aus 
Konstantinopel (Slg. Martin). — \^gl. die Bern, zu J. 6869. 

6712. Scherbe. Byzantinisch, 12./13. Jahrhundert. Vom Rande in die Mitte auf- 
wachsender, durch eine doppelte Wellenlinie quergeteilter Pinienzapfen (bzw. Knospe), von 
dessen Stiel unten zwei gespaltene Blattzungen mit Volutenendigung symmetrisch abzweigen, 
deren Füllung halbierte Blütenpalmetten bilden; Abb. Tafel XXIII. 

Ritztechnik (bzw. Graffitomanier) auf grüner Glasur. Bruchstück einer flachen Schale mit Ringfuß. 
Ton gebrannt und auf der Innenseite glasiert. Dm. (des Fußes) 7,2 cm. 191 2 aus den Pergamon- 
funden überwiesen. — Ringsum abgebrochen. Der Pinienzapfen gehört zu den beliebten, mannig- 
fach abgewandelten Ziermotiven der byzantinischen Keramik, vgl. Beschr. d. Bildw. usw. 2. Aufl. 
Bd. III, 2, Nr. 2140/1 und 2149 mit weiteren Hinweisen und H. Wallis, a. a. O. pl. XIX, Fig. 49. 
Die Stilisierung der Blattpalmetten erinnert noch an sassanidisches Ornament. 



Byzanlinisclic Keramik 



53 



J. 6871. Scherbe. Byzantinisch, 12./15. Jahrhundert. Auf der hinenseite ein radial aus- 
strahlender Ian<;er und drei vom Rande zur ATitte hineinragende längere und kürzere ge- 
fiederte Blattwedel; Abb. Tafel XXIII. 

Ritztechnik (bzw. Graffitomanier) auf hellgrüner Glasur. Bruchstück einer flachen Schüssel mit kleinem 
Ringfuß. Ton gebrannt und auf der Innenseite glasiert. Br. (bzw. längste S.) 12,3 cm. Erworben 
1907. Aus Konstantinopel (Slg. Martin). — Ein entsprechendes Seitenstück ist bisher anscheinend 
nicht nachweisbar. 

J. 6875. Scherbe. Byzantinisch, 12./13. Jahrhundert. Auf der Innenseite Ranken- 
endigungen, von denen eine in der Bogenöffnung ein Knospenmotiv umschließt, eine andere 
vom Rande herkommend eine flechtbandähnliche Schleife trägt; Abb. Tafel XXIII. 
Ritztechnik (bzw. Graffitomanier) auf einer Deckschicht. Randstück einer flachen Schüssel. Ton 
gebrannt und beiderseits glasiert. Er. 7 cm. Erworben 1907. Aus Konstantinopel (Slg. Martin). — 
Frei bewegte Ranken kommen sonst in der Graffitotechnik kaum vor. 

J. 6873. Scherbe. Byzantinisch, 12./13. Jahrhundert. Der Rand und ein innen umlaufender 
breiterer Streifen durch einfache und dop|)elte Kreislinien umschrieben; der letztere mit einem 
eckig gebrochenen Geflecht (bzw. Rautengitter) gefüllt. 

Ritztechnik (bzw. Graffitomanier) auf weißer Deckschicht. Bruchstück eines Tellers mit wagerecht 
abschließendem Rande. Ton gebrannt und beiderseits glasiert. Br. (radial gemessen) 7,2 cm. Er- 
worben 1907. .\us Konstantinopel (Slg. Martin). 

J. 6864. Scherbe. Byzantinisch, 12./13. Jahrhundert. Auf der Innenseite Palmblatl- 
palmette; Abb. Tafel XXIII. 

Ritztechnik (bez. reliefartige Graffitomanier) auf weißer Deckschicht. Bruchstück eines Schalenbodens 
mit Ringfuß (verstümmelt). Ton gebrannt und auf der Innenseite glasiert. Br. 6 cm. Ringsum ab- 
gebrochen. Erworben 1907. Aus Konstantinopel (Slg. Martin). — Öfter vorkommendes Ziermotiv; 
vgl. Beschr. d. Bildw. 2. Aufl. Bd. III, 2, N. 21.39 — 2142 nebst weiteren Hinweisen. 

J. 6870. Scherbe. Byzantinisch, 12./13. Jahrhundert. Inmitten der Innenseite ein 
kleines Rundfeld ausgespart und von einfacher Kreislinie umzogen. 

Ritztechnik (in reliefartiger Graffitomanier) auf weißer Deckschicht. Bruchstück eines Schalenbodens 
mit Ringfuß. Ton gebrannt und glasiert. Dm. (des Fußes) 9,5 cm. Ringsum abgebrochen. Er- 
worben 1907. .\us Konstantinopel (Slg. Martin). 

Glasierte Gefäße und Scherben mit aufgemalter Verzierung und ohne Schmuck. 

Vgl. Beschr. d. Bildw. usw. 2. Aufl. III. Bd., T. 2, VI, 3. 

J. 6772 und 6769. Zwei Scherben (zusammengehörig!. Byzantinisch, 12./13. Jahr- 
liundert. Auf der Innenseite von J. 6772 nach r. gewandte, anscheinend nur mit einem 
grünen Schurz und Schuhen bekleidete Knabengestalt, beide Hände vor der Brust erhebend. 
Unter ihm ein ziemlich entsprechender jugendlicher Profilkopf (mit Hakennase) nebst Hals- 
ausschnitt des dunkelgrünen Gewandes; hinter dem ersten 1. in gleicher Wendung die 1. 
Körperseite und der erhobene Arm einer (kopflosen) Gestalt in kaftanartigem dunkelgrünem 
Gewände. Auf J. 6769 nach 1. gewandter Oberkörper und Profilkopf eines knebelbärtigen 
-Mannes in gleichem engärmeligem Gewände, der mit der R. eine Waffe (verdeckt) zu zücken 
scheint, während er mit der L. einen Langschild vorhält; über seinem (unbehelmten i Kopf 
ein Schaft mit Wimpel (Fahne.-); dahinter ein ebenso bekleideter, den Langschild nach links 
vorhaltender .Mann (ein Fuß und den Kopf bis auf die Spitze des Knebelbartes wegge- 
brocheni. Auf der Außenseite gelb glasiert; Abb. Tafel XXIV. 

Pinselzeichnung und Bemalung (auf weißer Deckschicht). Bruchstück einer flachen Schale mit 
Ringfuß (verstümmelt). Ton gebrannt und auf beiden Seiten glasiert. Br. (bzw. größte .Ausdehnung) 



j , MiUclaltcrliclic Bildwerke. 

11,7 und 12 cm. Erworben iqj.\. .\iis Konstantinopel. — Einzigartiges bildmäßiges Beispiel einer 
Darstellung (Kampfszene?) in dieser Technik; vielleicht auf den Kampf Davids mit Goliath zu be- 
ziehen; vgl. die Ausführungen von Wulff, Amtl. Ber. 1907, XXXVIII, Sp. 174 ff. 
J. 6767. Scherbe. Byzantinisch, 12./13. Jahrhundert. Auf der Innenseite ein goldgelb 
umrandetes Kreuz mit grünem Mittelrund, Füllungen der breit ausladenden Kreuzarme (bzw. 
des u. unvollständigen Schaftes) und Eckverzierungen (Kugeln). Auf der Außenseite der Ring- 
fuß von schwärzlich-grüner Weinblattranke umzogen (erhalten drei Blätter); A bb. Tafel XXIV. 
Bemaiung (auf weißer Deckschicht). Schalenboden. Ton gebrannt und glasiert. Dm. (des Fußes) 
6,7 cm. Ringsum abgebrochen. Erworben 1914. Aus Konstantinopel. — Der Typus des Kreuzes 
gibt eins der großen Weihekreuze aus Jerusalem oder Byzanz wieder; vgl. die Bern, von Wulff; 
Amtl. Ber. iqi7, XXXVTII, Sp. 176. 
J. 6865. Scherbe. Byzantinisch, 12./13. Jah rh und e rt. Auf der Innenseite der Rand- 
streifen mit rotbraunen Tupfen, das Mittelrund desgl. mit Strahlenenden (einer Wirbel- 
rosette?) verziert; ebenso außen. 

Bemalung (auf gelblicher Glasur). Bruchstück einer flachen Schüssel mit schwach absetzendem 
Rande, der außen von einem dünnen, innen von kräftigem profiliertem Wulstring umzogen ist. — 
Wegen der Technik beachtenswert. 
J. 6708. Krug. Byzantinisch, spätmittelalterlich. Auf der Vorderseite weißer 

Adler mit schwarzen Umrissen und beiderseits von dem oberen 
Henkelansatz lierabkommende weiße Palmettenranke, die im 
Bogen unter ihm zusammenzulaufen scheint auf rotem Grunde- 
Pinselmalerei. Schwach gebauchte Form mit breitem Halse, dessen 
Rand zur Nase zusammengedrückt ist, und straffem Henkel. Ton ge- 
brannt und mit roter Farbe als Malgrund gedeckt. H. 18,5 cm. An 
der r. Seite ein kleines Loch. Die Nase schadhaft. Die Farbe stark 
abgeblättert und auf dem unteren Teil mit verhärteter Lehmschicht 
bedeckt. Die Rankenform und die Stilisierung des Adlers trägt spät- 
byzantinisches Gepräge. Die Technik scheint von der gewöhnlichen 
abzuweichen (unglasierte und nachträglich überfirnißte Bemalung?). 
Erworben 1908 mit der Slg. Massonneau. Aus Südrußland (Kauka- 
sus). 1912 von der Islamischen Abt. überwiesen. — Der Doppel- 
adler wird im 13. Jahrhundert aus der orientalischen Kunst als kaiser- 
liches Wappen übernommen. Vgl. die Ausführungen von Wulff, Amtl. 
J. 6708. Ber. 1917, XXXVIII, Sp. 179. 

6653. Krug. Byzantinisch, spätes Mittelalter. Hals und Schulter hellgrün glasiert 
und der Rand des ersteren von drei Rillen umzogen, mit Reliefprofil am Halsansatz. 
Farbige Glasur. Form wie J. 6708. Ton gebrannt und glasiert. H. 19,5 cm. Erworben 1908 mit 
der Slg. Massonneau. Aus Südrußland (Kaukasus). 

6652. Krug. Byzantinisch, spätes Mittelalter. Hals und Schulter gelbbraun 
glasiert und von je drei Rillen umzogen. 

Farbige Glasur. Form wie J. 6653. Ton gebrannt und glasiert. H. 20 cm. Erworben 1908 mit der 
Slg. Massonneau. Aus Südrußland (Kaukasus). 




Mittelalterliche italienische Steinplastik. 



55 



Mittelalterliche italienische Steinplastik. 

1. Frühmittelalterliche und romanische Bildwerke. 

Vgl. Beschr. d. Hildw. III, 2 S. 8 ff. 

J. 6714. Fensterverschlußplatte, l.angobardisch, 8. Jahrhundert. Unten rcchtecki|i h. 
und darüber halbkrcisl'ürmiyor Aufsatz. Das untere Teil von zwülf. das obere von drei 









Mpii 



i' 



j. 0714. 



runden Löchern durchbrochen, die auf der Frontseite oben in ein dreistreifiges, unten in ein punk- 
tiertes Bandgeschlinge eingeschlossen sind; darunter symmetrisch verzweigte Handranke mit 
Palmettenendigung; darüber in den Zwickeln Kreuzrosetten, pickende Vögel und um- 
blickende Füchse, oben Kreuzschlinge und Palmettenmotivc. Die Rückseite ist oben mit ein- 
fachen Palmctten inid mit gezackten Kreisen inncrli.ilb paiaiieicr Riefclung verziert. 



56 



Mittelalterliche Bildwerke. 



Flachrelief. Durchbrochen. Doppelseitig bearbeitet. Stuck. H. 1,70, Br. 77 cm. Nachträglich erst 
in zwei Teile auseinandergesägt. Erworben 1912 im Kunsthandel. — Das Stück gehört zu den 
frühen und hochwertigen Arbeiten langobardischer Bauplastik, wie die durchbrochenen Stuckfriese in S. 
Maria della Valle in Cividale (Strzygowski, Monatsh. f. Kw. 1908 S. 20). Über die Zusammenhänge 
mit der langobardischen Ornamentik vgl. die Ausführungen von Wulff, Amtl. Ber. XXXVI, Sp. 152. 
J. 6664. Kapitell. Untcritalien isch, S./g. Jahrhundert. Korinthi-scher Typus zur Kämpfer- 
form umgebildet. Die u. Hälfte von einem Kranz von 
Akanthusblättern umgeben mit breit ausgezogenen 
Lappen, deren nach oben symmetrisch ausstrahlende 
Parallelriefelung an den Ecken in den Voluten zu- 
sammenläuft und je ein darunter hervorwachsendes 
Halbblatt umgibt; die Bossen als Bukranion, Panther- 
maske und langbärtiges Menschenantlitz gestaltet (die 
vierte abgeschlagen). 

Kalkstein H. 45, Br. 58, Din. 47 cm. Erworben 191 1 in 
Brindisi. — Wohl zusammengehörend mit J. 6663 u. J. 6665. 
Umbildung des altbyzantinischen Akanthuskapitells, viel- 
leicht unter dem Einfluß germanischer Ornamentik vgl. 
Cattaneo, L'architett. in Italia dal VI al mille S. 104 Fig. 47. 
Stilistisch verwandtes Kapitell in Brindisi, S. Benedetto. 
(M. Wackernagel, Die Plastik des 11. — 12. Jahrhunderts in Apulien, 1911, Abb. 14c) und den karo- 
lingischen Umbildungen in den fränkischen Gegenden am Rhein (Haupt, Älteste Kunst der Germanen); 
dazu die Ausführungen von Wulff, Amtl. Ber. XXXIII, Sp. 102. Abb. 55. 
J. 6665. Kapitell. Unteritalienisch, S./p. Jahrhundert. Korinthischer Typus, zur 
Kämpferform umgebildet mit doppelreihigem breitzackig stilisiertem, Akanthusblattbelag und 
einfachen würfelförmigen Bossen. 

Kalkstein. H. 57,5, o. Br. 62, Dm. 50 cm. Erworben 191 1 in Brindisi und wohl mit den Kapitellen 
I. 6663 u. 6664 von einem Bauwerk. — Wie bei diesen vergröberte Stilisierung eines altbyzantinischen 
Vorbildes, wie sie auch der Kämpfer aus Konstantinopel (Beschr. der Bildw. III, i) Nr. 174 bereits 
zeigt. Vgl. die Bem. von Wulff, .Aintl. Ber. XX.XIII, Sp. 102. Abb. 56. 




6664. 





J. 6665. 



J. 6663. 



J. 6663. Kapitell. Unteritalien isch, S./p. Jahrhundert Korinthischer Typus zur 
Kämpferform umgebildet, mit schwach eingebogener (bzw. geschweifter) Deckplatte und 
einfachen würfelförmigen Bossen (schadhaft), doppelreihiger Belag mit wechselständigen 
schmalen lanzettförmigen Blättern, deren Mittelrippe hervorgehoben ist. 



Mittelalterliche italienische Steinplastik, 



57 




j. 0Ü67. 



berg, a 
6705. 



Kalkstein H. 53, Br. 58, Dm. 49 cm. Wenig bestoßen. Zusammengehörig wohl mit I. 6664 u I. 6665. — 
In Anlehnung an altbyzantinische Formen des Schilfblattkapitells. Erworben 191 1 aus Brindisi. Vgl. 
dazu die Ausführungen von Wulff, Amtl. Der. XXXIII, Sp. loi, Abb. 54. 
J. 6667. Kapitell. Langobardisch, ij./io. Jahrhundert. Viericantige Kämpferform mit o. 

ansitzenden Voluten, deren Polster mit netz- 
artigem Ornament verziert sind, wahrend die 
Hreitseite im vertieften Relieffeld eine nach 1. 
sitzende Taube an einer Traube pickend zeigt. 
Marmor. H. 19,5, o. Br. 39X27,5, u. Br. 18 cm. Er- 
worben 191 1 aus Rom (I'orta S.Giovanni). — Der Typus 
entspricht einem ähnlichen Stück (Beschr. d. Bildw. 
III, 2, Nr. 1738) aus Venedig. Wohl nach byzan- 
tinischem Vorbild in den Stil der langobardischen 
Holzarchitektur umgesetzt. In dem pickenden 
Vogel ist altchristliche Tradition zu erkennen, wie 
in den Reliefs am Ambo in Ferrara (Stückel- 
a. O. Fig. loi). Vgl. die Ausführungen von Wulff, Amtl. Ber. XXXllI, Sp. 261, Abb. 115. 
Türrahmen (Bruchstück) Italienisch, 12. Jahrhundert. 
Zwei Vögel mit einem Efeublatt im Schnabel als Füllfiguren einer drei; 
streifigen Bandranke, die an den oberen Endigungen kleine Voluten trägt 
und aus dem oberen rechten Zwickel eine Kelchpalmette hervorwachsen 
läßt; die unteren beiden füllen Knöpfe. 

Flachrelief. Kalkstein. H. 48, Br. 23,5 cm. Falz an der 1. Langseite. Oben 
Bruchfläche. Erworben 1912 in Rom. — Gegenbeispiele für die Komposition 
s. bei Stückelberg, a. a. O. S. 55, Fig. 74. Vgl. ferner die Bern, von Wulff, Amtl 
Ber. XXXVI, Sp. 154, Abb. 57. 
J. 6720. Relieffries. Langobardisch, 10. Jahrhundert. Zwei zu- 
sammengehörige Teile eines Figurenfrieses. Am o. Rand Flechtband- 
streifen. Beide Friese von schmalen Spiralsäulen und geperltem Steg ge- 
teilt. Im I. Feld des größeren Stückes 1. ein hundsköpfiger Mann an 
einem Baume in die Höhe blickend, den er mit beiden Händen (r. weg- 
gebrochen) umfaßt. Daneben r. ein Kentaur mit einem (gehörnten?) 
menschlichen Wesen, die beide einen Baumzweig (oder Fisch .'1 halten. Neben dem Steg ein 

unbekleidetes, sich 
umschlingendes Lie- 
bespaar unter zwei 
zur Laube zusammen- 
gebogenen Bäumen. 
-Vuf dem kleineren 
Bruchstück 1. führt ein 
satyräiinlicher nack- 
ter Mann einen Blatt- 
zweig zum Munde. 
Rechts Profil- 
ipf vor ei- 
nem Baum. 



J. 6720. 

sti. und millclalt. liildwcrl« 




J. 6705. 



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58 



Mittelalterliche Bildweiki 



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52 cm (63 

gebrochen. 

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cm). 

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Rechteckig b. unvollständige größere Platte aus drei Streifen, ringsum 
kleinere Bruchstück nicht anschließend. Erworben 1913 aus Rom. — Die 
n Mythologie entlehnt. Vgl. Beschr. d. Bildw. III, 2 Nr. 1701 über die 
antiken Reminiscensen in der byz. Plastik. Nach 
der stilistischen Behandlung (vgl. das Relief Beschr. 
d. Bildw. III, 2 Nr. 1712) im langobardischen Kunst- 
kreis entst.inden, aber wohl erst im 10. Jahrhundert, 
wie ein Vergleich z. H. mit der Jagddarstellung 
eines Sarkophagreliefs in Civitä Castellaiia (Rivoira, 
Le origini dell' arcbitettura lombarda, I S. igiS, 
Fig. 270) zeigt. Vgl. die Ausführungen von Wulff, 
Amt!. Ber. XXXVI Sp. 156, Fig. 58. 
6703, Stifterrelief. Italienisch, 12. Jahr- 
hundert. Papst, in Dalmatika und Mantel mit 
(unvollständiger) Tiara auf einem Sessel thro- 
nend, hält in der L. die beiden Schlüssel und in 
der R. ein schmales Schriftband (Urkunde.^). U. 
umi,'ekehrter Dreiecki^iebel mit drei Füllrosetten. 
Flachrelief. Kalkstein. H. 97,5, Br. 59,5 cm. Recht- 
eckigh. die l.o. Ecke und z. T. die Kanten abgestoßen. 
Farbspuren. Erworben 1912 in Rom (die angebliche 
Herkunft aus Aquila wegen dessen Gründungszeit 
unwahrscheinlich). — Über die Form der päpstlichen 
Mitra mit Regnum vgl. J. Braun, Die liturgische Ge- 
wandung in Occident und Orient, S. 431 u.447, eben- 
dort über die anderen Teile der Gewandung S. 261, 
S. 351 ff. und S. 647 ff. Den Doppelschlüssel zeigt noch 
die Statue Honorius' III. an der Kathedrale von 
Anagni. Auf derselben Entwicklungsstufe steht z.B. 
das AmbonenreliefinS. Vittorino bei Aquila um 11 50 
(Balzano, L'arte Abruzzcse, 1910, S. 20), während die 
Ambonen vonS. demente in Casauria 
u. a. m. schon fortgeschrittener. Vgl. 
die Ausführungen von Wulff, Amtl. 
Ber. XXXIII, Sp. 264, Abb. 117. 
J. 6860. Friesstein. Mittelitalie- 
nisch, Anfang des 13. Jahr- 
hunderts. Im vollständig er- 
haltenen u. Bildstreifen sind zwei 
Relieffelder durch eine Spiralsäule 
mit einfachem Kapitell gesondert; 
darüber eine zweite kurze Säule. 
Links Evaund derkurzbärtigeAdam, 
mit beiden Händen ein großes 
Feigenblatt vor der Scham haltend. 
Rechts Gottvater mit der Schrift- 
rolle in der Linken und gestreck- 
tem r. Zeigefinger. Daneben r. unter 
j. 6S60. dem Bogen Engel nach r. gewandt 




Miltchilterlicl.c ii;,lKiii-.Llii- Moiiiphistik. 



59 



mit gekreuztem Flügelpaar vor der Brust; in der Rechten das Sciiwert, in der Linken Welt- 
kugel mit Kreuz (bzw. Paradiesapfel). Auf dem 1. Bandsteg emporsteigend EVAM CLAMAV. 
DNS. Über der i. Szene: ADÄ(m) IN PA(ra)DISO, r. : CHERVBIX FLAMFA^S. Im o., in 
Kniehöhe der Figuren abgeschnittenen Reliefstreifen 1. ein Hügel mit Pflanzen (eine heraldische 
Lilie), auf den eine Gewandfigur hinaufsteigt (.?), hinter dieser eine weitere Figur in langem Ge- 
wände. Rechts schreiten auf eine Sitzfigur 2 Personen in langem Gewände zu(Schüpfungsszenen.>). 
Flachrelief, aus zwei durch glatte Inschriftleiste getrennten Bildstreifen. W. Marmor. H. 36, Br. 48 cm. 
Rechteckig b. ringsum abgeschnitten und als Altarplatte benutzt, wofür Verschlußstein des Sepulcrum 
von grünem Marmor eingefügt. Dem Schriftcharakter nach wohl in der L Hälfte des 13. Jahrh. ent- 
standen. Erworben 192 1 aus Rom. — Die etwas unproportionierten Körperformen auch am Oster- 
leuchter von S. Paolo f. 1. m., Rom (Venturi III, Abb. 788). Wohl .\rbeit aus der Cosmatenschule. 
,6723. Maria, Unteritalienisch, 13. Jahrhundert. Maria sitzt auf einem Thronsessel in 
voller, auch den Kopf umhüllender Gewandung mit Kreuz über der Stirn und Nimbus, mit 
der aus dem Ärmel hervorkommenden Rechten (abgebrochen) segnend und in der Linken 
eine Schriftrolle von o. haltend mit der Inschrift: + IVIATER DFII. 

Hochrelief. Marmor H. 1,01 m. Angeblich aus der Umgegend von Brindisi. Vorn Grunde gelöst 
und auf der Rückseite ausgerundet. Erwoiben 1913 in Rom. — In Nachahmung eines byzantinischen 
Vorbildes, wie auch das Relief aus Conversano (Beschr. d. Bildw. III, 2 Nr. 1700) in der unter- 
italienischen Kunst es zeigt, aber in stark vergröberter halbornamentaler Ausführung. Vgl. die Aus- 
führungen von Wulff, Amtl. Ber. XXXVI Sp. 160, .^bb. 62. 

6683. Zierplatte. Unteritaiienisch, 10. Jahrhundert. In einem mit byzantinischem Perl- 
stab gefüllten Rahmen befmdet sich symmetrisch nach außen 
gewandtes Entenpaar mit Halsschleifen, dessen Füße nach o. durch 
eine rechteckige Öse gezogen sind und in die breiten Fächer- 
schwänze übergehen. Den u. Abschnitt des Rahmens und 
die äußeren Zwickel füllen Pinienzapfen, von denen Klee- und 
Akanthushalbblätter abzweigen. 
Flachrelief. Mar- 
mor. H. 51, Br. 43 
cm. Rechteckig h. 
Der o. Rand etwas 
schadhaft. Krwor- 
hen 1912 in Rom. 
Angeblich aus Sa- 
Kino. — Ein fast 
übereinstiinmen- 
(IcsGegenstück aus 
Sorrent in Rom, 
Museo Barracco 
(Cat. del Museo di 
scult. ant. Fondaz. 
Barracco Nr. 207); 
dort Blütenmotive 
mit Eicheln, Fi- 
nienzapfcn und 
Kleeblättern auf 
2 anderen Platten 
aus Sorrent im Mu- 
seo Barracco (Cat.- 
j. 0723. Nr. 208), die wohl J- 6üS.t. 





6o 



Mittelallcrliclu' Bildwerk. 



[ 



von griechischen Künstlern aus der Zeit der makedonischen Renaissance herstammen. Vgl. ferner 

Berteaux, a.a.O. S. Soff., Fig. 19 u. 23. Das Motiv in Anlehnung an sassanidische Seidenwebereien. 

Die Mißverständnisse im Relief sprechen für eine lokale Nachahmung. Vgl. die Ausführungen von 

Wulff, Amtl. Rcr. XXXIII, Sp. 262, Abb. 116. 
J. 6670. Riegel (Zarge von einem Bischofsthron). Unter italienisch, 11. Jahrhundert. 

ßalkenformig; mit Löwenmasken 
an beiden Enden ; o. Falz und 
Zapfenlöcher, in die die Seiten- 
lehnen eingelassen waren, u- 
Reste der Metallbolzen von den 
Füßen. Die Vorderseite mit einer 
symmetrisch geordneten Doppel- 
ranke verziert. 

Eine ähnliche Lehne 






1^ 



g^, . 





J. 6670. 

Marmor. H. 18,5, Br. 82 cm. Erworben 1911 im Kunsthandel. Aus Siponto 
am Bischofsthron in Canosa, etwas später. Verwandt auch die Ornamentik der Kanzel in Siponto. 
Warkernagel, a. a. O. S. 8, Taf. II, e. 

6669. Architektonisches Zierglied. Unteritalienisch. Um 1200. Nachträglich als Trog 
verwandtes Bauglied. Vierseitig mit abgeschrägten 
vorderen Ecken und u. Kanten. In beiden vorderen 
Eckschrägen spätere Ausflußlöcher. Die Rück- 
seite und untere Fläche unverziert. Die drei 
freiliegenden Seiten mit 2 inmitten der Haupt- 
seite zusammenstoßenden und mit je einer Hälfte 
auf die Schmalseiten herumgreifenden, streng 
symmetrisch zusammengesetzten intermittieren- 
den Ranken von je vier Bogenöffnungen verziert, 
die durch flach ausgebreitete, aus dem dreistrei- 
figen Rankenschaft herauswachsende Akanthusblätter ausgefüllt sind. 

Kalkstein. Br. 70, H. 2g cm. Erworben 19 11 in Rom. — Verwandt das Akanthuslaub an einigen Am- 
bonen der Abruzzen, z. B. S. Pellino und Casauria (Berteaux, a. a. O. S. 567 u. S. 569). Vgl. dazu 
die Bem. von Wulff, Amtl. Ber. XXXIII, Sp. 269, Abb. 118. 

. 6702. Pilasterkapitell. Unteritalienisch, 12./13. Jahrhundert. Auf halbkreisförmiger 
Basis sitzen zwei Löwen aneinandergedrängt, nach außen blickend, mit gefletschten Zähnen. 

Kalkstein. H. 24,5 cm. Erworben 1912 aus Rom. 
— Verwandt den Arbeiten der dekorativen Plastik 
in Apulien im 12./13. Jahrhundert. Einst wohl 
von einem Gesims oder Kragstein geschützt, da 
nur die Vorderseite mit den Köpfen stark nach- 
gedunkelt ist. Vgl. die Bem. von Wulff, Amtl. Ber. 
XXXIII, Sp. 270, Abb. 119. 
J. 6762. Kapitell. Unteritalienisch, 12./13. 
Jahrhundert. Auf jeder Seite ein Rücken 
gegen Rücken gewendetes Greifenpaar, sich 
mit den Vorderpranken auf einen Blatt- 
knollen stützend und in den Schnäbeln der 
umblickenden Köpfe Blattwedel haltend. Unter 
den knollenförmigen Eckvoluten geriefelte 
J- 6702- Keilstücke. 




Mittclaltcriicilc ilalienischc Slcinplastik. 



6l 



Kämpferform mit Hochrelief. Kalkstein H. 44, Br. 43,5 cm. In späterer Zeit ausgehöhlt und als 
Weihwasserbecken benutzt. Erworben 1914 aus Rom. — Gegenbeispiele mit Verwendung von Greifen in 
ähnlicher Gruppierung in Süditalien (Wackernagel a. a. O. Taf. VII). Nach diesen ist auch die 
Entstehung um 1200 anzusetzen. Vgl. die Ausführungen von Wulff, Amtl. Ber. XXXVI, Sp. 157, 
.\bb. 59, Mitte. 




J. 6763. 



J. 0762 



J. 672.. 



J. 6763. Kapitell. Unteritalienisch (.'), 1 1./12. Jahrhundert. Auf jeder Seite sitzen Rücken 
an Rücken zwei Löwen, z. T. einer den anderen deckend, deren Köpfe sich an den Ecken 
mit je einem Kopf von der Xebenseite vereinigen, mit doppeltem Maul ihre Zähne in ein 
über Eck stehendes jugendliches Menschenhaupt einschlagen. 

Kätnpferform mit Flachrelief. Kalkstein. H. 29, Br. 25 cm. Erworben 1914 in Rom. Angeblich 
aus Apulien. — Der stilistisch groben Durchbildung nach wohl aus dem nördlichen, mit der Abruzzen- 
kunst zusammengehenden .Apulien. Vgl. die Ausführungen von Wulff, Amtl. Ber. XXXVI, Sp. 156, 
Abb. 59, links. 

J. 6722, Kapitell. Unteritalienisch, 12./13. Jahrhundert. Auf jeder Seite zwei über 
Kreuz sitzende Löwen, deren unverhältnismäßig große K(")pfe unter den Ecken zu je einem 
verwachsen ; auf ihren gekreuzten Schwänzen sitzt viermal eine nackte Knabengestalt in 
Hockstellune: und faßt ihre Ohren. 





J. 6699. 



2 MiUclaUcrlichc Bildwcikc. 

Korinthische Grundform. Hochrelief. Kalkstein. H. 26,5, o. Br. 30,5 cm. Stilistisch verwandt dem 
Kapitell J. 6699. Die antikisierende Formengebung spricht für die Herkunft von der Westküste 
Süditaliens (Campanien). Erworben 1Q13 aus Rom. — Vgl. die Bern, von Wulff, Amtl. Ber. XXXVI, 
Sp. 158, Abb. 59 rechts. 

, 6699. Kapitell. Mittelitalienisch, i-'./i3- Jahrhundert. Kämpfer- (bzw. Würfel-) 
forin mit Kelieffiguren der Evangelistensymbole an den Ecken. Engel mit Ärmelrock auf 
niedrigem Sessel mit ausgebreiteten Flügeln, das offene Buch zwischen den Knien haltend. 
R. Löwe desgl. nach 1. liegend mit dem Buch zwischen den Vorderfüßen. Adler in Frontal- 
ansicht davor stehend. Stier, wie der Löwe (das 1. Vorderbein fehlt); s. u. Abb. S. 61. 
Weißer Marmor. H. 32, Br. 45, Dm. 38 cm. Eine Ecke und Teile des Reliefs bestoßen. Aus Florenz. 
Erworben 1912 in Paris. — Der Stil verwandt den Arbeiten aus dem Kreise des Guido da Como. 
Schmarsow, St. Martin von Succa. Vgl. die Ausführungen von Wulff, Amtl. Ber. XXXVI, Sp. 159, 
Abb. 60, 61. 



2. Gotische Bildwerke. 

Vgl. Beschr. der Bildw. III, 2, S. 39 1, 4 und S. 39 I, 5. 

. 6684. Doppelkapitell. Unteritalienisch, 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts. Auf den 
Schmalseiten die Todesverkündigung an Maria und die Begrüßung der Apostel am Sterbe- 
bett, auf den Breitseiten ihr Tod. Christus segnend mit der Seele der Verstorbenen hinter 
dem Lager, neben dem r. und 1. die Apostel stehen, davor zwei Engel. Auf der Gegenseite die 
Krönung Maria. Auf beiden Seiten des Thrones adorierende, davor musizierende Engel. 
W. Marmor. Flachrelief. Kämpferähnlich und schwach ausladend, auf allen vier Seiten figuriert. 
H. 40, Br. 60 cm. Die Deckplatte stark bestoßen. Die Reliefs schadhaft und abgeschliffen. Er- 
worben 1912 aus Rom. — Der Typus der Todesverkündigung durch den Engel schon bei Orcagna 
am Tabernakel von Or San Michele in Florenz. Der Abschied der Apostel byzantinisierend, wie bei 
Duccio auf der Predella der Maiestas in Siena. Der Tod Maria ebenfalls nach dem byzantinischen 
Schema der Koimesis. Die Krönung in rein gotischer Ikonographie. Die byzantinischen und siene- 
sischen Beziehungen scheinen für die Entstehung in Neapel zu sprechen. Vgl. die Ausführungen von 
Wulff, Amtl. Ber. XXXIII, Sp. 274, Abb. 121 — 124. 





t.6S4. 




^F^?P 




J 66S.,. 



64 



Mittelalterliche Bildwerke 



J. 6750. Zierstein. Veneziaiiiscli, 1 1. Jahrli iiii dcrt. 

fr>rmii;er Bewes^uiiL;, der untere nach 1. gewandt, der o. 
nach r. und umblickend, von zwei am 
i-iandc anliegenden Blattwedeln um- 
geben uiui von einer Strickleiste um- 
schlossen. 

Flachrelief. Stuck. Kreisrund. Dm. 26 ein. 
Krworben 1914 aus Venedig. — Verwandt 
den Ziersteinen Beschr. der Bildw. III, 2 
Nr. 1750/51 und Nr. 1760/61 aus Kalk- 
stein, zeitlich besonders dein früh- 
gotischem Stück Nr. 1761. Vgl. die Bern. 

von Wulff, Amtl. Ber. XXXVI, Sp. 169, Abb. 68. 

J. 6715 



Zwei laufende Hunde in spiral- 





J. 6750. 



('TIS- 




J. t.740. 



Säulenbasis. Unteritalie- 
nisch, 1 2. J a h r h u n d e r t. Liegen- 
der Löwe auf rechteckiger Plinthe 
mit Säulenbasis auf dem Rücken 
(von der ersteren die r. vordere 
Ecke weggebrochen, letztere an der 
1. Seite schadhaft). Unter dem lang- 
mähnigen Kopf des Löwen liegt 
quer eine jugendliche männliche 
Gestalt mit dem Kopf nach r. vorn, 
in deren r. Seite er seine Zähne 
einschlägt. 

W. Marmor H. 27,5. L. 35 cm. Er- 
worben 1913 in Rom. Wohl aus Unter- 
italien. — Wahrscheinlich von einer 
Fensterumrahmung; vgl. eine ähnliche 
in Bitonto (Berteau.v a. a. O. Fig. 299). 
Das Thema mit symbolischer Bedeu- 
tung (Graber, Beiträge zu Nie. Pisano 
191 1, S. 45) den sündigen Menschen 
darstellend. Vgl. die Ausführungen 
von Wulff, Amtl. Ber. XXXVI, Sp. 162. 
Abb. 63. 

6740. Weihwasserbecken (Tauf- 
stein?). Oberitalienisch, 13. 
Jahrhundert. Flache zylindrische 
Basis, Karyatide und Becken inzylin- 
drischerTrommelform. An derBasis 
vorn achtstrahliger Stern, von einer 
r. entspringenden Ranke und von 1. 
kommender Halbpalmette umgeben, 
zwischen schnauzbärtigem Men- 
schenkopf r. und Löwenkopf 1. in 
Rautenrahmen. Es folgen Bandorna- 
ment, zwei Rosetten, Blattranke und 
Blütenrosette. Zwischen den zwei 



Mittelalterliche italienische Steinplastik. 



65 



Rosetten vier zweireihige ineinandergeschlungene Kreise, am Rande Strickwulst. Als Karyatide 
schnauz- und backenbärtiger Mann in Ärmeltunika auf liegendem geflügeltem Greifen reitend, 
die Ellbogen auf die Knie gestemmt und mit Kopf und hochgezogenen Schultern eine mit 
Zahnschnitt geschmückte Platte tragend. Das Becken (gesondert) 1. u. vorn nachträglich 
durchbohrt. In der .Mitte vorn Achtpass, darin Wappenschild mit Adler, von zwickelfüllendem 
Blatt- und Rankenwerk umgeben. Daneben der kniende Stifter vor einer Kapelle im Gebet. 
Hinter ihm ein Baum und große Blattrosctte. 

Rundplastisch und mit Flachrelief verziert. Sandstein. H. 1,55 m, Dm. des Beckens 95 cm. — Kr- 
worben 1913 aus Venedig (bzw. Terra ferma). — In der Form entsprechend dem Taufbecken in Parma, 
Baptisterium (Venturi III Fig. 291). Der Trog, nachträglich erworben, in stärkerer Verwitterung als 
der Untersatz infolge anderer Verwendung. Die Ornamentik gleichartig, die Wappenform erste 
Hälfte XIII. Jahrb., die ornamentalen Motive noch mit romanischen Anklängen unter gotischem Ein- 
fluß (Einwirkungen von Antelami?). Die Haltung der Sitzfigur vielleicht in Nachbildung sarazenischer 
Kunst. Vgl. die Ausführungen von 
Wulff, Amtl. Ber. XXXVI, Sp. 165, 
Abb. 64, 65. Ein Brunnen von gleich- 
artiger Zusammensetzung neuerdings 
vom Museum in Detroit erworben 
(Bulletin 1921, vol. III Nr. 3 Abb. S. 22). 

J. 6742. Statuette. Humilitas. Ober 
italienisch, 2. Hälfte des 14. 
Jahrb. Allegorische Gestalt der 
Demut in langer, faltenreicher 
Nonnentracht. Sie steht auf einer 
aus Plinthe und mit Blattfries ge- 
schmücktem Sockel bestehenden 
Schräge (vordere I. und hintere r. 
Ecke ergänzt) und trägt um Hals 
und Kopf ein Schultertuch, an der 
Seite einen Rosenkranz. In den 
gekreuzten Händen hält sie eine 
große runde Scheibe (für ihre 
Namensinschrift.'). 
Marmor. H. 77 cm. Aus Genua 
stammend. An der Rückseite flache 
breite Nute. Am Kopf anhaftende 
Bruchflächen. Erworben 1913 in 
Rom. — Die Abarbeitung der Rück- 
seite kennzeichnet unsere Statuette als 
Eckfigur auseinergrößeren Reihe, unter 
einem Sarkophag oder einem Balda- 
chin, wie die Tugenden am Grab- 
mal des Petrus Martyr von Balduc- 
cio in Mailand (S. Eustorgio) und der 
Area di S. Agostino in Pavia (Cer- 
tosa) vgl. A. G. Meyer, Lombardischo 
Denkmäler 1893, S. 4 ff. Auch be- 
stehen stilistische Beziehungen zu der 
Kunst dieses Meisters, mit Beein- 

Altchrisll. und raillelah. liildwcrVe. 




J- 674". 



66 



MitlolnltL-rliche Bildwerke. 




J 6741- 





J. 055-1. 



Millcl.iltcrliclic italiciiisclic SttinplaMik. 



67 



flussung durch die burgundische Kunst. Vgl. femer die Ausführungen von Wulff, Amt). Rer. X.X'.WI, 
Sp. 170, Abb. 66. 

J. 6654. Gruppe. Maria mit dem Kinde. R öm i.sch, Anla n ^' des l-|. Jah rli n 11 dert,-^, .Maria lief 




J. O717. 



J.67.7- 





J. 6718. 



J. 67.8. 



nach rechts gewaiult in voller Gewandung auf einem golisciiem l'aradebett. Sie stützt sich 
auf den I. Arm und umfaßt vor sicli das halbgewickelte Kind, das in beiden Händen 
ein edelsteingesclimiicktes, goldgefülltes Gefäß hält. 

Marmor. L. 99, H. 46 cm. Kopf des Kindes und Nasenspitze Maria ergänzt. Erworben 191 1 aus 
Rom. — Aus einer größeren Gruppe der Anbetung der Könige im Typus, den die l'reseiiegruppe 

9' 



68 



Mittelalterliche Bildwerke 



Arnolfo di Cambio's in Rom (S. Maria Maggiore) zeigt (Venturi, Storia IV S. 123 ff., Fig. 78—81). 
Stilistisch ist ebenfalls die Anlehnung an Arnolfo deutlich, wie ein Vergleich mit dessen Maria 
aus Florenz (Beschreibung der Bildw. III 2, Nr. 1808) lehrt. Wahrscheinlich von einem Nachahmer 
Arnolfos aus der Cosmatenschule, deren Stil auch die technische Behandlung entspricht. Vgl. 
die Gräber der Savelli in Rom (S. Maria in Aracoeli) und die liegende Maria in Florenz (Swar- 
zenski, Zeitschr. f. bild. Kunst N. F. XV S. ggff.) sowie die Ausführungen von Wulff, Amtl. Ber. XXXIII 
Sp. 271, Abb. 120. 

J. 6741. Jakobus d. J. Florentinisch, Ende des 14. Jahrhunderts. Der Apostel steht 
mit zurückfjesetztem 1. Fuß auf einer rechteckigen unverzierten Platte, den Mantel nach 
antiker Art um die 1. Schulter geschlagen, den r. Arm freigebend, in langem Untergewande. 
Er hält in der 1. Hand ein Buch (ergänzt), die (fehlende) r. Hand hielt einst den Pilgerstab. 
Den Kopf wendet er nach links. 

Marmor. H. 1,58 m. L. hintere Ecke der Fußplatte abgeschrägt, u. r. ein Stück mit den 2 letzten 
Zehen des 1. Fußes abgebrochen. R. Hand fehlt. Falten vorn u. r. bestoßen. Rückseite nur flüchtig 
bearbeitet. Erworben 1913 aus Florenz. — Der Kopftypus und die stilistische Auffassung besonders 
in der Gewandbehandlung läßt auf eine zeichnerische Vorlage Agnolo Gaddi's schließen und erlaubt, 
den Meister in der Reihe der Dombildhauer (K. Rathe, Der figurale Schmuck der alten Domfassade 
in Florenz, igio) zu suchen. Vgl. die Ausführungen von Wulff, Amtl. Ber. XXXVI Sp. 172, 
Abb. 67. 

J. 6717/18. Zwei Kapitelle. Italienisch, 13. Jahrhundert. J.6717: Frontseite. Zwei sich mit 
den schlangenähnlichen Hälsen umschlingende Sphingen, die 1. geflügelt mit gesträhltem Haar, 
die r. mit umhüUtem vorderem Körperteil und bartlosem Kopf mit Zipfel und an den Ecken 
1. jugendlicher Kopf mit Mönchskapuze, r. bärtiger Faunskopf. Auf der I. Nebenseite zwei 
sitzende Hunde, deren Hälse eine dreizackige Blumenkrone zusammenschließt, auf der r. 
zwei Löwen in gleicher Stellung mit frontalen zusammengewachsenen Köpfen und aus den 
Nüstern hervorkommenden Zweigen (der r. größtenteils abgestoßen). Rückseite. An der Ecke 1. 
frontale hochgegürtete Frauengestalt, in beiden Händen ein Schoßhündchen tragend; die Gegen- 
figur r. weggebrochen. Dazwischen zwei aufgerichtete kämpfende Löwen; der r. bis auf die er- 
hobene Hinterpranke und Schwanzquaste weggebrochen, vom 1. die beiden r. Pranken und 
Teile des Körpers. J. 6718: Frontseite. L. geflügelte Sphinx mit Brusttuch und umhüUtem Kopf 
mit abstehenden Pferdeohren, r. Löwe, der mit vorn herabhängendem Mantel umhüllt, in 
ihren I. Flügel beißt. R. Ecke jugendlicher Kopf, die 1. Hand auf die Brust, die r. auf den 
Löwen legend; auf der Schmalseite je ein sitzender Löwe mit nach vorn gewandtem Kopf. 
Hinter ihnen Marmorteile ausgebrochen. Rückseite glatt mit horizontalem Einschnitt. 
Hochrelief. W.Marmor. H. 20,5 (bzw. 20,8), Br. 27,5 (bzw. 26) cm. Gleiche Form. Das zweite Kapitell 
unvollendet, o. rechteckig und oval. Teilweise schadhaft, o. doppeltes und einfaches Rundloch für 
Dübel. Der unberührte Erhaltungszustand der Vorderseitenreliefs und die helhveiße Farbe des 
Marmors hat zur Anzweifelung der Echtheit geführt, was aber wohl nicht gerechtfertigt erscheint. 
Erworben 1912 aus Rom. — Die Art allegorischer Darstellung auch sonst besonders auf südita- 
lischen Arbeiten (vgl. Gravina, II Duomo di Monreale 1859 Tav. 3). 



Mittelalterliche spanische Steinplastik. Italienische Holzplastik gotischen Stils. 60 

Mittelalterliche spanische Steinplastik. 

Vgl. Beschr. d. Hildw. III, 2 S. 50 I, 6. 

J. 6745. Konsolstein. Spanisch, 14. Jah rlmniiert. .\dler, einen nach links liegenden 
Hasen zerfleischend. 

Hochrelief, an der Ecke ausgeschnitten. Kalkstein. H. 32, Br. 43 cm. Die hinteren Kanten schad- 
haft. Erworben 1914 angeblich aus S. Maria in Cuenca. — Gegenstück zu I. 6746. 

J. 6746. Konsolstein. Spanisch, 14. Jahrhundert. An einer Lang- und an der Schmal- 
seite eine Sirene (menschenköpfiger Vogel\ nach der Ecke hin auf überfallendem Blatt sitzend, 
dazwischen andere Blätter. 

Hochrelief, aus der Ecke ausgeschnitten. Kalkstein. H. 32, Br. 53. Erworben 1914 angeblich 
aus S. Maria in Cuenca. — Gegenstück zu I. 6745. 




J- 6745- J. 6746. 



Italienische Holzplastik gotischen Stils. 

Vgl. Beschr. der Bildw. III, 2 S. 51, II, i. 

J. 8003/04. Maria und Johannes von einer Kreuzigung. iMittelitalienisch, 13. Jahrhundert. 
Maria erhebt klat^end die Hände (beide abgebroclien). Sie trägt Krone, Kopftuch, goldenen 
Mantel über dem rotbraunen gemusterten Untergewand. Johannes mit wehklagend an die 
Wange gehaltener r. Hand wendet sich nach r. und hält in der Linken ein Buch (r. Fuü 
verloren). Er trägt über dem goldenen Untergewande einen rotbraunen gemusterten Mantel. 
Hochrelief (z. T. vollplastisch). Holz (bemalt und vergoldet). Die Oberfläche beschädigt. H. i m. 
Geschenkt 1918 mit der Slg. Dr. J. Simon. Ehemals Slg. G. Schwarz (Aukt.-Kat. Nr. loi). Wie 
Maria und Johannes L 8001/02 (Berliner Museen XLI, Abb. 74) aus einer Kreuzigung, von der der 
Kruzifixus verloren ist. Stilistisch etwas weiter entwickelt. Vgl. die Bern, von Volbach, Berliner 
Museen XLI, Sp. 204, Abb. 75- Die Typen erscheinen stark von der französischen Frühgotik ab- 
hängig, deren Einfluß auf die Holzplastik in den Abruzzen unverkennbar ist. A. Rossi, St. Maria 
in Vulturella, 1905, und F. Hermanin, Dedalo I S. 217. 

J. 8005/06. Zwei Leuchterengel. ÄHttelitalienisch, 2. Viertel des 15. Jahrhunderts. Zwei 
Engel, einander zugeneigt, halten mit herabgelassener r. und erhobener 1. Hand einen un- 



70 



Millclallciliclic liiUlwcrkc 




J. S003. 



I. S004. 



l^rufilierten Leucliterfuß (die 1. Hand des 
1. Engels und beide Hände des rechten 
abgebrochen). Sie tragen über langem, 
die Füße verdeckendem grüngrauem, 
beim r. hochgegürtetem Gewände einen 
über der Brust genestelten rötlichen 
Mantel, und im langen Haar eine Binde, 
kundplastisch. Holz, bemalt. Etwas be- 
schädigt. Die Flügel verloren, nur noch die 
Zapfenlöcher für sie an der Schulter er- 
halten. H. 59,5 cm. Erworben 1918 als Ge- 
schenk mit der Slg. Dr. J. Simon. Ehem. 
Slg. G. Schwarz (Aukt.-Kat. Nr. 86). — Der 
Stil verrät Beziehungen zu der sienesischen 
und umbiischen Malerei des frühen Quattro- 
cento. Vielleicht aus Umbrien. Vgl. die 
Bem. von Volbach, Berliner Museen, XLI, 
Sp. 205, Abb. 76 mit etwas zu früher 
Datierunt;. 




'^I .t^l 



J. 8005. 



Elfenbcinarbciten. 



71 



Italienische Elfenbeinarbeiten. 

1. Romanischer Stil. 

J. 570. Christus in Emaus. Unteritalienisch. Ende des 1 1. Jahrhunderts. Der bärtige 
Christus sitzt links; er hält in den Händen ein rundes Brot und wendet sich zu den Jüngern, die 
hinter einem mit langer Decke bedeckten Tisch sitzen. Rechts daneben die in diesen Kaum 
führende Tür mit Kuppelabschluü. Rechts oben ein Fenster, durch das eine Reihe von 
Kuppelbauten und ein großes Portal sichtbar sind. Abb. Taf. XXV. 

Halbrelief. Elfenbein. H. 12, Br. 10 cm. Links ist ein Stück abgebrochen; am rechten Rande 
Spuren von Bohrungen, die darauf zu deuten scheinen, daß sich hier eine zweite Tafel anschloß; 
Rückseite roh bearbeitet; aus der Kunstkammer; erworben 1844 aus Neapel — Westwood, F. iv. 
Nr. 186; Bertaux, L'art dans l'Italie merid., S. 432, Taf. 19. — Die Tafel gehört in Stil und Maßen 
zu den ReHefs des Paliotto der Kathedrale von Salerno (Venturi, Storia dell' arte ital. II, S. 621. 
Fig. 458—469), das nach Bertau.x, a. a. O. S. 430, Taf. 19, 20 als Stiftung des Papstes Gregor VII. 
1084 in die Kathedrale gekommen ist. Vgl. Maclagan, Burlington Magazine, April 192 1, S. 178. 
Die meisten der Reliefs, die von verschiedenen Meister gearbeitet sind, befinden sich in neuer Zusammen- 
stellung noch als Paliotto in der Kathedrale, davon vier in der Sakristei (vgl. J. 5952). Sie 
teilen sich in Evangelistendarstellungen, Szenen aus dem Alten Testament, zu denen J. 5952 
gehörte und Szenen aus dem neuen Testament (vgl. auch J. 5952). Weitere Tafeln des Altares 
befinden sich im Louvre mit Abel und Kain, in Budapest, Erschaffung der Vögel und Fische, wovon 
sich ein Bronzenachguß im Kaiser- Friedrich -Museum (Beschr. III, 2 J. 1957) befindet. Sehr 
stark ist der byzantinische und orientalische Einfluß in den Arbeiten. Nahe zugehörig sind die 
Reliefs in Mailand, Mus. arch. (Graeven II, Nr. 42 — 47) mit Szenen aus dem Leben des hl. Markus. 
Weiterhin aus derselben Schule die Auferweckung des Lazarus aus Amalfi in London, Brit. Museum 
(Graeven I, Nr. 29) und ein schwächeres Stück (vielleicht falsch) in Liverpool (Graeven I, Nr. 4), 
eine Kreuzigung im Louvre (vgl. J. 588), Flucht nach Ägypten in Bologna, Museo civico (Graeven 
II, Nr. 5), Darstellung im Tempel und Josephs Traum in London, Kens. -Museum (Graeven I, Nr. 
57), Aufforderung Josephs zur Flucht, Paris, Musee des antiqu. de la Seine inf. u. a. 

J. 5952. Gottvater und Abraham. Unteritalienisch. F:nde des 1 1. Jahrhunderts. Glatter 
einfacher erhöhter Rand. Links steht Gottvater in langem Gewände mit Sandalen. Sein Haar ist 
in der Mitte gescheitelt und fällt auf die Schultern. Die rechte Hand hält er segnend mit 
namenzeichnender (griechischer) Segengebärde nach vorn, in der linken trägt er eine Rolle. 
Auf der recliten Seite steht Abraham neben einem mit einem langen Tuch bedeckten Altar, 
über dem sich auf drei Säulen ein Kuppelciborium erhebt. Er trägt ein langes Gewand und hält 
ehrerbietig seine beiden Hände hinter dem Altarbau Gottvater entgegen. Kr ist durch einen 
langen Spitzbart cliarakterisiert. Abb. Taf XXV. 

Halbrelief. Elfenbein. H. 9,1, Br. 11,7 cm. Die obere Hälfte abgebrochen. An der rechten Seite 
ein Bohrloch mit einem eingerosteten Stift. In der Mitte oben ein neueres Bohrloch. Erworben 
durch Ge.schenk 1910. — Venturi, Storia II, Fig. 466, S. 625. — • Die Tafel, die sich ehemals in der Sa- 
kristei der Kathedrale von Salerno befand, gehörte zu dem alttestamcntlichen Zyklus des dortigen 
Paliotto (vgl. J. 570). 

J. 587. Gefangennahme Christi. Unteritalienisch. Ende des 1 1. Jahrhunderts. Inder 
iMitte der bärtige Christus, von einem Manne an der rechten Hand erfaßt und fortgezerrt; er 
wendet sich nach links zu einem Kriegsknecht, der ihn an der Schulter packt. Im 
Hintergrunde andere Krieger mit Lanzen (rechts zwei, links fünf). Links vorn sind Kopf 
und Schultern eines sich bückenden Mannes sichtbar jedenfalls Petrus, der dem .Malchus 
das Ohr abschlägt). Abb. Taf X.XV. 



« 1 Mittelalterliche Bildwerke. 

I '■ 

Halbrelief. Elfenbein. H. 8, Br. ii,6 cm. Die obere Hälfte einer größeren Tafel; der obere Rand 
beschädigt. Erworben 1886 in Mailand (Sammlung Trotti-Trivulzi). — Archivio storico dell' arte, 
1888, S. 233; Graeven, Elf. II, Nr. 5, S. 8; Berteaux, S. 437. — Das Relief steht stilistisch den Arbeiten 
vom Paliotto in Salerno noch nahe (vgl. J. 570 u. 5952) und gehört vielleicht mit der Flucht nach 
Ägypten in Bologna (Graeven II, Nr. 5), der Darstellung im Tempel, dem Traum Josephs im Kens.- 
Museum in London (Graeven I, Nr. 57) und der Aufforderung Josephs zur Flucht in Paris zusammen. 

J. 588. Kreuzigung. Unter italienisch. Ende des 1 1. Jahrhunderts. Christus ist bärtig, 
mit dem Schurz bekleidet; die Augen sind geöffnet, die Füße stehen auf dem Scabellum; 
der Stamm des Kreuzes ist plastisch nicht angedeutet (ehemals wohl aufgemalt). Zu den 
Seiten links Longinus und Maria, letztere die vom Mantel verhüllten Hände erhebend, rechts 
Stephaton und der bärtige Johannes. Oberhalb der Arme Christi rechts und links je ein 
Engel in Halbfigur, die Hände klagend ausbreitend. Abb. Taf XXV. 

Halbrelief. Elfenbein, von bräunlicher Patina. H. 16, Br. 12,9 cm. Bohrungen im oberen und 
unteren Rande; vom unteren scheint etwas abgenommen; unten rechts ein Riß. Erworben 1887. — 
Archivio storico dell' arte 1888, S. 233. — Ähnlich die Kreuzigung des Antependiums zu Salerno (vgl. 
J. 570) und derselben Schnitzerschule zugehörig wie dieses (vgl. Graeven, Römische Quartalschrift 
1899, S. 123). Stilverwandt eine Kreuzigung mit den Frauen am Grabe aus der Sammlung Spitzer 
(Catalogue Nr. 51, Taf. 4) im Louvre, Paris. 

J. 589. Kreuzigung Christi; Rückseite: Schöpfungsgeschichte. Unteritalienisch. Um 1 100. 
Kreuzigung: Christus ist bärtig mit langen, auf die Schultern fallenden Haaren; die Hände 
sind offen ausgebreitet, die Lenden mit dem streng parallel gefalteten Schurz bekleidet, 
die Füße stehen nebeneinander auf dem Fußbrett, unter dem ein Schädel in einer Höhle 
sichtbar wird. Auf dem Index des Kreuzes: Ihu NASR6. Links Longinus mit ge- 
schlossenen Augen (nach den Apokryphen-Legenden), jugendlich, mit der Lanze, rechts der 
bärtige Stephaton mit der Spongia, neben ihm ein kelchartiges Gefäß; beide sind mit kurzen 
Röcken bekleidet. Über ihren Häuptern die Inschriften: • LON6IN • und • STGFA • Ober- 
halb der Kreuzarme je ein Engel in Halbfigur, die Hände klagend ausbreitend; über diesen 
Sol und Luna (links), als Köpfe mit Zackenkranz gebildet; daneben • LVNA ■ und • SOL • (in 
Spiegelschrift). — Von der Kreuzigung durch einen Steg getrennt eine Darstellung der 
Ecclesia und Synagoge in zwei Gruppen. Links die Kirche, mit reichbordiertem, weitärme- 
ligem Gewand und einer Krone, von einem neben ihr stehenden Engel umarmt; links da- 
neben die Beischrift: GCG SlA Rechts die Synagoge, mit aufgelöstem Haar, die Hände 
hoch erhoben, von einem Engel verjagt; darüber die Beischriften: ANGGLO • -H SINAGO • 
Auf dem unteren Rand eine Blätterbordüre. 

Die Schöpf u ngsgeschichte auf lO quadratische Felder in zwei Reihen übereinander, von 
breiten Ornamentstreifen verschiedener Musterung eingerahmt, an deren Kreuzungspunkten 
zwei reiche und drei einfachere Rosetten sich befinden; der Zyklus beginnt links oben. 
I. Scheidung von Licht und Finsternis, diese als Scheiben mit der Inschrift LVX und TEN 
(tenebrae) ; neben dem Brustbild Gottes oben A und Q. In dem Wasser unten, über dem 
der Geist Gottes in Gestalt einer Taube schwebt, erscheint ein langhaariger weiblicher Kopf, 
neben demselben ein A (Abyssus). 2. Erschaffung der Engelchöre, Gottvater hier wie in den 
folgenden Szenen sitzend. 3. Erschaffung der Pflanzen. 4. Erschaffung von Sonne und 
Mond. 5. Erschaffung der Vögel und Fische. 6. Erschaffung Adams. 7. Erschaffung Evas. 
8. Der Sündenfall. 9. Adam und Eva sich vor Gott verbergend. 10. Die Vertreibung aus 
dem Paradiese. Gottvater bartlos und mit Kreuznimbus (auf den ersten drei Szenen). Die 
Engel in Szene 3 — 5 flügellos; in Szene 2 wie auf der Austreibung aus dem Paradiese mit 
Flügeln. Abb. Taf XXVI. 



Elfcnbcinarbeiten. 



n 



Halbrelief. Elfenbein. H. 27, Br. 12 cm. Unten ein Stück ausgebrochen (durch Bohrung veranlaßt); 
an den Langseiten vier Bohrungen; der Rand beschädigt. An der linken Seite zwei Durchbohrungen, 
vielleicht von der Befestigung als Diptychon aus der Spätantike. Kunstkaminer; erworben 1856 
(Sammlung Wallerstein). — Westwood, F. iv. Nr. 124 und 132; J. J. Tikkanen, Archivio storico dell' 
arte I 1888, 215 (Abb.); derselbe Genesis-Mosaiken von S. Marco S. 22 (Abb.); vgl. auch S. 10. 
Semper, Revue de l'art chretien, 1897, S. 493; Rev. de l'Art ehret. 1909 S. 158 Fig. 6. — Die Kreuzigung 
steht derselben Szene auf dem Salernitaner Paliotto und der Kreuzigung aus dieser Gruppe (J. 588) nahe. 
Der stark byzantinisierende Stil erinnert auch an ein Elfenbeinhorn in Paris, Mus6e Cluny. Die Reliefs aus 
der Schöpfungsgeschichte stilistisch den Kanzelreliefs aus Neapel, St. Restituta vorausgehend. Die von 
einer zweiten Hand flüchtig voljendete Schöpfungsgeschichte scheint unvollständig. Da am rechten 
Ende noch zwei weitere Felder vorgerissen sind, darf man annehmen, daß ursprünglich ein Zyklus 
von 12 Szenen beabsichtigt war. Die Tafel wurde dann rechts beschnitten. Über das Ikonogra- 
phische vgl. Tikkanen a. a. O. Daß das A der Szene I auf den weiblichen Kopf zu beziehen und 
als Abyssus zu ergänzen ist, darf mit Sicherheit aus der (mit Beischrift versehenen) Abyssusdar- 
stellung des Aachener Ottonenkodex geschlossen werden. Über den Namen Stephaton vgl. Kraus, 
Code.x Egberti, S. 25; für die Darstellung von Ecciesia und Synagoge Weber, Geistliches Schauspiel 
und kirchliche Kunst, S. 85. Interessant die italienische Form »angelo«. 

.615. Schachfigur (Königin). Unteritalienisch, i. Hälfte des 12. J alirhundcrts. Die 
Königin, auf breitem, mit mannigfachen Ornamenten verzierten Thronsessel, über zwei Polstern 
sitzend, trägt langes Gewand mit Hängeärmeln und eine Reifenkrone auf dem gescheitelten 
Haar; die Rechte Hegt redend (oder zeigend) vor der Brust, die Linke im Schoß. Große 
kreisförmige Metallplatten bedecken die Ohren. Abb. Taf. XXVII. 

Statuette. Elfenbein, mit Spuren roter Bemalung. H. 8,9 cm. Teilweise abgerieben, hinten und 
rechts ein Stück ausgebrochen. Kunstkammer; erworben 1855. — Westwood, Fict. iv. Nr. 794; 
Berteaux, a. a. O. S. 437 Anm. 3. — Die Ornamentik der Rückseite erinnert an die Bauverzierung 
der Flucht nach Ägypten in Bologna (Graeven I Nr. 5) und gehört wie diese zu der süditalienischen 
Schnitzschule. Königinnen s. auch in London, Brit. Museum (Dalton, Catalogue Nr. 85). 

. 1987. Vier Kastenseiten. Venezianisch (?). 11./12. Jahrhundert. Lang- wie Schmal- 
seiten sind durch enge, von Hufeisenbogen geschlossene Säulenstellungen in Felder zerlegt, 
die Langseiten in je fünf, die Schmalseiten in je drei. Die Felder sind an den Langseiten 
teils mit (in höherem Relief gegebenen) Tierdarstellungen (je zwei), teils mit flachen orna- 
mentalen Mustern gefüllt, an den Schmalseiten nur mit letzteren. An Tierdarstellungen 
finden sich: Adler mit Hasen in den Krallen; der Adler trotz des genrehaften Motivs von 
streng heraldischer Bildung (dreimal); Löwe mit Hindin (einmal); an ornamentalen Mustern: 
in Kreislinien verlaufendes byzantinisches Bandwerk; dasselbe in Verbindung mit Palmetten- 
motiven (Palmette und Halbpalmette). Oben und an den Seiten herumlaufend eine aus den- 
selben Elementen gebildete Bordüre. Abb. Taf XXVIII. 

Halbrelief ohne Grund; die Ornamente in Flachrelief. Knochen; die einzelnen Plättchen auf vier 
vergoldete Holztafeln aufgenagelt. Die Langseiten: H. 8,9, Br. 32,5 cm; die Schmalseiten: H. 8,9 
(7,7), Br. 19,2 cm. Das ornamentierte Mittelstück fehlt, ebenso mehrere Säulchen; viele 
Stücke beschädigt; in das Mittelfeld, das teilweise ausgebrochen war, sind zwei Stücke einer 
Rankenbordüre eingefügt, wie sie an den Ecken sämtlicher Seiten aufsteigt (vielleicht Fragmente 
des Deckels). Erworben 189 1 in Venedig (Geschenk des Herrn M. Heckscher in Wien). — Die 
Motive und Stilisierung der Tiergruppen, das Rankenwerk und vor allem die Bandmotive tragen 
noch den Charakter der byzantinischen Kunst, in der auch die Verzierung der hufeisenförmigen 
Arkaden mit Zickzackornament durch Miniaturen nachweisb:ir ist. 



Allchrlsil. und millclaU. Ilildn 



-^ Mittelnlterliche Bildwerke. 



2. Gotischer Stil. 

J. 681. Christus und Tod der Maria. 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts. Vorderseite: 
In einem Rahmen in Form eines Vierpasses erscheint Christus auf dem Thron ; die Füße 
ruhen auf einem Drachen. Die Linke hält eine Kugel, auf der ein großes Kreuz befestigt 
ist, die Rechte ist »segnend« erhoben. In den Zwickeln die vier Evangelisten mit Symbolen, 
vor Pulten sitzend und schreibend; die Köpfe der Figuren oben fehlen. Rückseite: Maria 
auf einem Bette liegend, von den zwölf Aposteln umgeben. Einer von ihnen kauert vorn, 
neben ihm eine verhüllte weibliche (?) Gestalt. Hinter dem Bett steht Christus, die als 
kleine, jugendliche Gestalt gebildete Seele der Maria auf dem linken Arm haltend, die Rechte 
: segnend« erhoben. Über seinem Haupte halten zwei schwebende Engel eine Mandorla, 
in der Maria in kleinem Maßstabe als Himmelskönigin mit Palmenzweig und einem Buch (.') 
erscheint. Den oberen Abschluß bilden drei Kleeblattbogen mit Wimpergen. Abb. Taf XXXIX. 
Doppelseitig bearbeitete Tafel. Hochrelief. Elfenbein. Größte Höhe: 10, Br. 7 cm. Der Rand 
besonders unten beschädigt, oben eine Bohrung. Die Tafel ist oben beschnitten und flach abge- 
rundet und als Kußtäfelchen (in späterer Zeit) montiert worden ; zahlreiche Einschnitte für Scharniere 
deuten darauf, daß sie ursprünglich nicht als Fax gedient hat, sondern wohl einem Altärchen zu- 
gehörte. Erworben 1883 in Florenz. — Unter französischem Einfluß, vielleicht in Siena gearbeitet, 
da sich die Faltenbehandlung mit dem dortigen Miniaturenstil berührt. 

J. 673. Hl. Georg. 2. Vierteides 14. Jahrhunderts. Barhaupt, in langem Mantel, im Profil, 
nach links reitend; er stößt seine Lanze dem Lindwurm in den Rachen, der sich unter dem 
Pferde am Boden krümmt. Oben schließt ein gotischer auf zwei Säulchen aufsetzender 
Dreipaß die Darstellung ab. Abb. Taf XXXIX. 

Halbrelief. Elfenbein. H. 9,5, Br. 6 cm. Bohrungen in den Ecken. Kunstkammer; erworben 1856 
(Sammlung Radowitz). — Westwood, F. iv. Nr. 494. — Die frühere Bezeichnung »deutsch (?)« 
ist aufzugeben, da der Typus des Heiligen in dieser Art nicht in Deutschland zu finden ist 
(vgl. Volbach, Der hl. Georg). Er schließt sich an italienische Darstellungen an. So ist der Heilige 
am Bischofsstabe in Parma von Antelämi (O. von Taube, Münchner Jahrb. 191 1, Taf. II, Abb. 4) 
als Vorstufe zu betrachten. Oberitalienische Arbeit unter französischem Einfluß. 

J. 2556. Drei Heilige. 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts. Unter drei Kleeblattbögen mit 
Krabben, aus denen drei Engel herabschweben, rechts die hl. Margarethe mit Krone und einem 
Kreuz in den gefalteten Händen. Zu ihren Füßen der tote Drache und ein kniender Stifter. 
Neben ihr ein Apostel (Jakobus?) in langem Mantel mit aufgeschlagenem Buch, zu dessen 
Füßen eine Stifterin. Zu äußerster linker Seite ein heiliger Bischof mit einer Mitra (Petro- 
nius?), der in der Rechten ein offenes Schriftband hält und mit der Linken eine einschiffige 
Kirche auf die Schulter stützt. h\ den Zwickeln über den Arkaden in Halbfiguren die Ver- 
kündigung und zwei Engelchen. Abb. Taf XXXIX. 

Hochrelief. Elfenbein. H. 9,5, Br. 6,5 cm. Linker Flügel eines Diptychons. Der Rand beschädigt. 
An der rechten Seite Stifte zur Befestigung der anderen Tafel. Geschenk 1902 von H. J. Lippert, 
Hamburg. — Die Anordnung in Anlehnung an französische Elfenbeintäfelchen. Charakteristisch für 
eine Entstehung in Italien sind die schwereren Proportionen des Bischofs und die eng nebeneinander 
stehenden Figuren. 

J. 685. Passionsszenen und Heilige. Werkstatt der Embriaclii. Ende des 14. Jahrhunderts. 
Das einmal quer geteilte Mittelstück zeigt in seiner unteren Hälfte die von zwei Engeln 
gekrönte Maria mit dem Kinde auf einem Thron, links von ihr den Täufer und Jakobus 
maj., rechts Petrus und Paulus. In der oberen, trikuspidalen Hälfte die Kreuzigung, mit 
zahlreichen Nebenfiguren, darunter Soldaten, die Standarten tragen. Auf den Seitenflügeln 



lilfenbfiiiarbciu-n. -, 

links oben die Verkündigung, unten Franziskus und Hartholomeus, rechts oben der Einzug 
in Jerusalem, unten Stephanus und Antonius Abbas. Alle Szenen (außer der Kreuzigung) 
sind oben mit dekorativer Architektur verziert. Abb. Taf. XL. 

Triptychon. Hochrelief. Knochen, auf Holz montiert; Rand und Sockel in Marciucterie alla Certo- 
sina. H. 51,5, Br- 32 cm (aufgeklappt). Die dekorative Bekrönung de.s mittleren Giebels, zu dessen 
Seiten ursprünglich zwei Gestalten standen, abgebrochen. Auch der Johannes auf der Kreuzigung 
beschädigt. Eine Bohrung am unteren rechten Flügel. Kunstkammer; erworben 1857 in Brüssel. 
— Venturi, Storia dell' arte ital. IV, S. 890. — Dem Triptychon steht am nächsten das im Bargello 
(n. 1798), welches schon Diego Sant' Ambrogio dem Florentiner Baldassare degli Embriachi, zu- 
gleich mit der Pala der Certosa und dem Triptychon des Louvre (Molinier, Catalogue Nr. 112 mit 
Beispielen) zugeschrieben hat (Archiv, stör. d. a. 1896, S. 25 ff.). Ein Altar mit ähnlichem Aufbau im 
Hildesheimer Dom (Kunstd. der Prov. Hannover, B. II, 4 Fig. 85). Julius von Schlosser hat (»die Werk- 
statt der Embriachi in Venedig«, Jahrbuch d. Kunstsammlungen des allerhöchsten Kaiserhauses XX 
1899, S. 22off) unter den 126 Nummern seines Katalogs unser Triptychon nicht erwähnt, ebenso 
nicht die folgenden zwei Nummern. Er hat die oberitalienische Herkunft der Familie nachgewiesen. 
Vgl. außerdem H. Semper: Über ein italienisches Beintriptychon des 14. Jahrhunderts im Ferdi- 
nandeum (Zeitschr. des Ferdinandeums III, 40. Heft. Innsbruck 1896). Diego Sant' Ambrogio, 
Le due arche o cofani d'avorio della Certosa di Pavia, Milano 1896 und: 11 tritlico di dente d' ippo- 
tamo etc. Archiv, stör. Lomb. XXII 1S95, S. 4i7ff. Die Literatur zusammengefaßt in Thieme-Becker, 
Künstlerlexikon X, 496. 

J. 684. Kreuzigung und Heilige. Werkstatt der Embriachi. Um 1400. Auf dem Mittelstück 
die Kreuzigung; Christus langhaarig ohne Nimbus, die übereinander gelegten Füße auf dem 
Scabellum. Magdalena am Fuß des Kreuzes, rechts und links Joliannes und Maria. Auf dem 
linken Flügel ein heiliger Bischof (Augustin .'), auf dem reciiten Laurentius (mit Buch, 
Palme und Rost). Oberhalb Architckturdekoration. Abb. Taf. XLI. 

Hochrelief. Knochen in schmalen, netjeneinander gelegten Streifen. Auf Holz montiert; der 
Rahmen Marqueterie alla Certosina (z. T. erneuert). H. 28,2, Br. 27 cm (aufgeklappt). Mehrfache 
Risse. Kunstkammer; erworben 1856 (Sammlung Radowitz). — Über Herkunft und Zusammen- 
hang vgl. das verwandte Stück J. 685. 

J. 683. Kreuzigung und Heilige. Werkstatt der Embriachi. Um 14UO. Im Mittelstück die 
Kreuzigung. Christus langhaarig, ohne Nimbus; zu Füßen des Kreuzes Magdalena kniend, 
zu den Seiten die Lanze und das Rohr mit dem Schwamm. Links stehen Maria und 
Paulus, rechts Johannes und Petrus. Auf den Flügeln die Verkündigung, Katharina (mit 
Krone, Buch und Palme) und Ursula (mit dem Pfeil), über den Gestalten der Flügel 
Zinnenarchitcktur. Abb. Taf. XLI. 

Triptychon. Hochrelief. Knochen in nebeneinander gelegten Streifen. In Holz montiert, der 
Rahmen Marqueterie alla Certosina; die Außenseiten alt bemalt. H. 18,7, Br. 34 cm (aufgeklappt), 
Kunstkammei ; erworben 1843 als Geschenk Friedrich Wilhelms IV. — Vgl. die Bemerkung zu J. 685. 

J. 690. Schmuckkästchen mit Liebespaaren. Werkstatt der Embriachi. Um 1400. Die vier 
Seiten des Kastens enthalten eine fortlaufende Reihe von Liebespaaren und einzelnen Frauen- 
gestalten, gruppenweis im Gespräch miteinander, über denselben pilzartiger Baumschlag. An 
den Ecken Türme. Auf dem Deckel ein Wulst, Wappen und Kugeln haltende, geflügelte 
Putten auf Blattgrund zeigend. Abb. Taf XLIL 

Halbrelief. Knochen, auf Holz montiert. Der Deckel mit Marqueterie alla Certosina. Spuren alter 
Bemalung. H. 20,7, Br. 14, L. 25,2 cm. Kunstkammer; erworben 1835 (Sammlung Nagler). — Von 
Schlosser (Jahrbuch d. Samml. d. allh. Kaiserh. 1899, S. 220 ff Nr. 3) weist diesen Kasten der ersten, 
durch die Visconti-Truhen im Palazzo Cagnola in Mailand angeführten Reihe seines Katalogs zu; 
diese Truhen wurden 1402—9 von Baldassare degli Embriachi für die Certosa im Auftrag der Vis- 
conti angefertigt. Vgl. ferner den Kasten aus dem Besitz der Claudia von Medici in Wien, staatl. 



76 



Mitlelallerliclic Bildwcikc. 



Samml. (Schlosser, Kleinplastik, Taf. 35, 2), in London, Britisches Museum (Dalton, Catalogue Nr. 402) 
und die Bruchstücke in Rom, Vatikan. Museum ^Kanzler, Avori, Taf. 17, 5—9). Zwei verwandte Kasten 
auch in Berlin, Schloßmuseum. Über die Liebesszenen auf den Kästen und ihren Zusammenhang 
mit der Malerei vgl. Schubring, Cassoni 211. 

J. 689. Schmuckkästchen mit Liebespaaren. Oberitalienisch. Um 1400. Die beiden Schmal- 
seiten sowie die vordere Langseite und der walmdachförmigc Deckel enthalten in neben- 
einander fortlaufenden Darstellungen Liebespaare in Zaddeltracht mit Schoßhündchen zwischen 
Bäumen. An der rechten Schmalseite lang gekleidete Frau mit Kapuze neben einer ge- 
flügelten Gestalt. Auf dem horizontelen Mittelstück des Deckels zwei später hinzugefügte 
Putten, die einen (zusammengeflickten) Kranz zwischen sich halten. Abb. Taf XLII u. XLIIL 
Flachrelief. Knochen, mit reichlichen Resten der alten vergoldeten Bemalung. H. 15, Br. 14, L. 
23,2 cm. Stark restauriert. Kunstkammer; erworben 1844. — Von J. von Schlosser (Jahrb. der Slg. des 
allerh. Kaiserhauses XX, i, Fig. 16, S. 251.) der Gruppe II seines Katalogs zugewiesen, der auch 
Doppelkämme (vgl. J. 682) in Florenz, Bargello, in Paris, Cluny und in Wien angehören. Der Tracht 
nach mit langen gezaddelten Ärmeln und trikotartigem Wams der Männer möglicherweise im ersten 
Jahrzehnt des 1 5. Jahrhunderts entstanden. 

J. 682. Verkündigung und Anbetung der Könige (Kamm). Obcritalienisch. Um 1400. Die 
Darstellungen befinden sich auf dem Mittelstücke des mit zwei Zahnreihen versehenen Kammes. 
Vorderseite: Links kniet der Erzengel mit langer Schriftrolle, rechts Maria, vor einem Betpult, 
mit vor der Brust gekreuzten Armen. Zwischen beiden eine Vase mit Lilie. Die Taube fliegt 
aus einer Wolke auf Maria zu. — Rückseite: Links Joseph in Pilgerkleidung, am Kopfende 
des Bettes stehend, in dem Maria mit dem Kinde in den Armen liegt. Über dem Bette 
die Krippe mit Ochs und Esel. Am Fußende des Bettes rechts kniet ein König mit seiner 
Gabe, während der hinter ihm stehende zu dem (nicht dargestellten) Sterne emporzeigt, und 
sich zu dem rechts von ihm stehenden dritten Könige umwendet. An den Seiten der 
Darstellungen Rosenzweige. Abb. Taf XXXIX. 

Doppelkamm. Flachrelief. Elfenbein. H. 13,7, Br. 15,7 cm. Kunstkammer; erworben in Florenz. 
— Westviood, F. iv. Nr. 440; Becker und von Hefner-Alteneck, Kunstwerke und Gerätschaften des 
M.-A. III, Taf. ^i; Molinier, Catal. des ivoires, Nr. 130, III; J. von Schlosser, Jahrb. der Slg. des 
■allerh. Kaiserh. XX, i, S. 222, Nr. 5. — Ein etwas kleineres Exemplar mit den gleichen Szenen, noch 
mit der alten Bemalung, aus der Sammlung Spitzer (La Collection Spitzer, Bd. I (Ivoires), Taf. 4, 
Nr. 115, Text 5. 62) im Cluny-Museum, Paris. Aus derselben Gruppe, für die ein schraffierter Hinter- 
grund charakteristisch ist, auch Klappaltäre, von denen eine zwölfteilige Tafel in Rom, Vatikan (Kanzler, 
Avori, Taf. 22) und ein vollständiges Altärchen in der Großherz. Sammlung in Karlsruhe (M. Rosen- 
berg, Beschr. der Großh. Sammlungen Karlsruhe, Taf.). Eine verwandte Verkündigung in London, 
Britisches Museum (Dalton, Catal. Nr. 386). Die Arbeiten schließen sich zeitlich und stilistisch der 
Embriachi-Werkstatt an. 

J. 686. Maria mit dem Kinde. Oberitalienisch. Um 140O. Maria mit der Krone, 
von einem faltigen Mantel bedeckt; in ihrer Linken ein Blumenstrauß; die Rechte hält 
das auf ihrem Schoß sitzende Kind, das, eine Frucht in der Hand, zu ihr hinaufschaut. Unter- 
halb ein mit Bordüren verzierter, abgekanteter Sockel, auf dessen Seiten rechts und links in 
viereckigem Ausschnitt je ein jugendlicher Kopf in Flachrelief; die vordere Fläche heraus- 
geschnitten. 

Statuette. Elfenbein; Haare und Gewandsäume vergoldet. H. 28cm. Rückseite ausgehöhlt. Kunst- 
kammer; erworben 1854 (?) in Fürth. 



n 



Metallplastik. 



1. Bronzestatuetten und Bronzezierrat. 

Vgl. r.esihr. der Hildw. III, 2, S. «417. 

J. 6690. Fibel. Frühmittelalterlich. Naturform, stilisierte Silhouette mit hoch- und 
querstehender ()se auf der Rückseite. Nach r. laufendes Pferd (oder Lamm?) mit Kreuz auf 
dem Kopf; auf der Kreuzung, an Stelle des Auges auf Hals und Leib Kreispunktmotive 
Abb. Taf. VII. 

Bronze (o.xydiert). H. 3,1, Br. 4,5 cm. Erworben 1912 aus Rom. — In noch frühmittelalterlicher 
Formengebung, 



^ 




4 



J. 6657. 



J.6657. 



J. 6657. Kruzifix. Italienisch. 12. Jahrhundert. Der Gekreuzigte, bärtig, mit langem, vorn 
geknotetem Lendentuch neigt das Haupt leicht nach 1. Die Beine stehen nebeneinander auf 
dem Suppedaneum. Die u. Ecken der (wohl etwas jüngeren) Kreuzunterlage, die von schwachem 
Randsteg umschlossen ist, tragen an den Querbalken kleine melonenfürmige Verzierungen (die 



78 



Mittelaherhclif Bildwerke- 



Übrigen fehlen). Aul" den Enden vorn die Evangelistensymbole, auf der Rückseite o. ein Engel, 
1. ein lebhaft ausschreitender Jüngling, r. Fischer mit mehreren Fischen an Tragestange, in 
der Mitte Lamm mit Kreuz (graviert). 

Rundplastisch und graviert. Bronze. Vollguß, braune Patina. H. 30,2, Br. 24,5 cm. Erworben 
1911 aus Venedig. — Nahe verwandt den nordischen Bronzearbeiten, die zum Teil in den Nieder- 
landen gearbeitet und nach Italien importiert wurden 
(Mostra d'Arte sacra antica. Catalogo. Pisa 1897, S. 2223, 
Nr. I u. 2, S. 2627, Nr. i — 6. Roh. de Fleury, La messe 
Taf. 1508. Catalogo del R. Museo di Firenze, i8q8, Nr. 638). 
Doch scheint dieses Stück der weicheren Durchmodellierung 
und formaleren Behandlung nach wohl in Anlehnung an die 
nordischen Arbeiten (vgl. Vöge, Beschr. der Bildw. Bd. IV, 
Nr. 457 ft. u. Witte, Katalog der Slg. Schnütgen, Scul- 
pturen, Taf. Iff.) in Italien, vielleicht Venedig entstanden. 
Vgl. im übrigen Wulff, Amtl. Ber. XXXVII, Sp. 88, Abb. 42, 43. 
J. 6859. Hl. Thomas (oder Johannes?). Florentinisch, 
2. Hälfte des 14. Jahrhunderts. Jugendlicher Apostel 
mit lang herabfallendem, von einer Schnur umzogenem 
Haar in langem Ärmelgewande und über die 1. Schulter, 
den Rücken und 1. Arm geworfenem Mantel mit ver- 
ziertem Saum die R. segnend erhoben, während die 
L. einen verlorenen Gegenstand (Kelch.') hielt. Auf 
runder Basis. 

Rundplastisch. Bronze, vergoldet. H. 15,1 cm. Hohlguß. 
Erworben 1920. Ehem. Sammlung P. Morgan. — Gegen- 
stück zu dem auferstandenen Christus (Beschr. der Bildw. 
III, 2, Nr. 1973) und wie dieser aus der Richtung Orcagnas. 
Sicher beide von demselben Gerät (Tabernakel, Altarvor- 
satz, oder Reliquiar). Vgl. Venturi, Storia IV, S. 967 ff. 
und die Ausführungen von Bode, Katalog der Slg. P. Mor- 
gan I, Nr. 7 und Berliner Museen XLII, S. 12 ff., Abb. 12. 
J. 6845. Plakette. Italienisch, 14. 
— 15. Jahrhundert. Von erhöhtem 
Randsteg umgeben. Im Relieffelde 
Brustbild der Gottesmutter mit dem 
Kinde im Typus der Hodegetria. 
Abb. Taf. VII. 

Flachrelief. Bronze. U. rechteckig, o. 
im Halbkreis abschließend. H. 6,6 cm. 
In der Mitte oben Schnurloch. 1919 aus dem Depot hervorgezogen. — Nachguß 
nach byzantinischem Elfenbein- oder Specksteinrelief. 
J. 6733. Leuchterhaltender Engel. Toskanisch, 2. Hälfte des 14. Jahr- 
hunderts. Der emporblickende jugendliche Engel in knappem, langem Ge- 
wände und Mantel hielt mit beiden erhobenen Händen einen (abgebrochenen) 
Leuchter vor sich (r. Hand fehlt). 

Rundplastisch. Bronze. Hohlguß. In der Fußplatte Bleifüllung mit ausgebohrtem 
Gewinde, im Rücken zwei zusammenlaufende kleinere Bohrlöcher zur Befestigung 
eines (verlorenen) Flügelpaares. H. 8,2 cm. Erworben 1913 in Italien. — Technisch 
verwandt dem Johannes I. 6734 (vgl. die Anm. dort und die Figuren Beschr. der J. 67 




J. 6859. 




Metallplastik. 



79 



Bildw. III, 2, Nr. 1969, 1970). Nach der stilistischen Behandlung wohl in Pisa oder Siena entstanden. 
Vgl. die leuchtertragenden Engel in Holz J. 8005, S006; ferner die Bern, von Wulff, 
Amtl. Ber. XXXVII, Sp. 97, Abb. 46. 

J. 6734. Hl. Johannes d. Ev. Toskanisch, 2. Hälfte des 14. lahrhunderts. 
Johannes wehklagend mit an die Wange gelegter (r. und vor der Brust er. 
hobener 1.) Hand in Mantel und langem Gewand. Der Kopf unbedeckt mit 
strähnigem Haupthaar. Von einer Kreuzigungsgruppe. 

Rundplastisch. Bronze. Vollguß mit Bleifüllung. H. 5,9 cm. Erworben 1913 in 
Italien. — In der gleichen Technik wie der Engel I. 6733. (Verwandt die Statuetten 
Beschr. der Bildw. III, 2, Nr. 1969, 1970). Vgl. die Bern, von Wulff, Amtl. Her. 
XXXVII, Sp. 97, Abb. 47. 

J. 6806. Statuette. Spanisch, I3./I4.(.-) Jahrhundert. Reiter in Ritter- 
rüstung (.-) auf gezäumtem Roß, die Rechte (unvollständig) erhebend, während 
die Linke (desgl.) den Zügel hielt; die Pferdefüße mit Zapfenfortsätzen versehen. 
Rundplastisch. Bronze, oxydiert. H. 4,5 cm. Erworben 191 5 aus Spanien (Avila?). 
— Wohl Zierat eines Gefäßes. Technisch verwandt ein Pferdchen aus Süd- 
deutschland (V^oege, Beschr. der Bildw. IV Nr. 462). 

J. 6807. Zierfigur. Spanisch, I3./I4- Jahrhundert. Flache Silhouette mit rundplastischem 
Kopf; Adler mit ausgebreiteten (aufwärts gebogenen) Flügeln (auf 



J- 67.^4. 




der Brustfläche Lötspuren). Heraldisch 
stilisiert. 

Bronze. Br. 4,3 cm. Erworben 1915 aus 
Spanien (Avila?). — Diente nach den Löt- 
spuren vielleicht als Henkelverzierung. Vgl. 
die Bem. von Wulff, Amtl. Ber. XXXVII, 
Sp. oq, .'\bl). 40. 

J. 6659. Kreuzarm. Ita! ienisch, 1 3. Jah r- 






J. 6S06. 



J. 6807. 



hundert. Zwei kreisrunde, durch schmä- 
leres Zwischenstück verbundene Rund- 
scheiben mit breiterem Fortsatz r. und schmälerem 1. (beide abgebrochen). Auf beiden Seiten der 
jugendliche Christus (mit Nimbus) in voller (lewandung mit Kreuzfahne nach 1. reitend. 
Flachrelief, gepreßt. Bronze (grüne Patina). L. 8, Dm. (der Scheiben) 3,3 cm. Erworben 191 1 aus 
Rom. — Die Darstellung wohl ein abgekürztes halbsymbolisches Bild des Einzugs in Jerusalem. 
Anscheinend Teil eines Kreuzes. Vgl. die Bem. von Wulff, Amtl. Ber. XXXVII, Sp. 97, Abb. 45. 





J. 6659. 



J- 6739- 



6739. Schlüssel. Italienisch, 12./13. Jahrhundert. Vierkantig mit kräftigem im r. Winkel 
abstehenden Bart aus sechs Zapfen und Schlußplatte bestehend. Die breitere Vorderhäifte, 
durch dreifache Frofilierung von der dünneren hinteren geschieden, endet in einem stilisierten 
Löwenkopf; auf beiden Punktornament. 

Rundplastisch. Bronze (grüne Patina). L. 11 cm. Erworben 1913 aus Venedig. — Der Löwenkopf 
lehnt sich an sarazenisch-byzantinische Formen an. Vgl. die Bern, von Wulff, XXXVII, Sp. q6, Abb. 44. 



8o 



Mittelalterliche Bildwerke 



2. Bleizierrat. 

Vgl. Beschr. der liildw. III, 2 S. 71. 

J. 6761. Kapsel. Italienisch, frühmittelalterlich. Brustbild eines jugendlichen Heiligen 
unter /Airückgezogeneni Vorhang, in der äußeren Zone von Sternornament (bzw. -spitzen) um- 
geben. 

Flachrelief. Blei. Kreisrund (mit Öse). Dm. 5 cm (ohne Rand). Hälfte zerdrückt und am Rande 
stellenweise schadhaft. Erworben 1914 aus Rom. — Diente vielleicht als Deckel einer Dose und 
mag einen Bischof mit auf der Brust gekreuztein Pallium darstellen. Vgl. die Bein, von Wulff, 
Amd. Ber. XXXVII, Sp. loi, Abb. 55. 





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6761. 



66S9. 



.1- 6759. 



J. 6687. 



J. 66S8. Affix. Italienisch, liohes Mittelalter. In dem von doppelter StrickleistenPerl- 
schnur umsäumten Felde ein nackter Keulenschwinger, Oberkörper in Front, Beine 
in Profilstellung nach r. gewandt, der mit der L. einen fliehenden Hund (Bock?) am Halse er- 
greift. 

Flachrelief. Blei. Dm. 3,2 cm. Kreisrund mit zwei abstehenden Ösen auf der Rückseite (in der 
einen oxydierte Eisenreste einer Nadel). Erworben 1912 aus Rom. — Eine bestimmte Erklärung war 
bis jetzt nicht möglich. Stilistisch noch an langobardische Arbeiten erinnernd. Vgl. die Bern, von 
Wulff, Amd. Ber. XXXVII, Sp. 102, Abb. 53. 

J. 66S7. Affix. Römisch, 12. Jahrhundert. Die nimbierten Apostelfürsten in voller Ge- 
wandung ein Stabkreuz zwischen sich haltend; Paulus schultert 1. das Schwert, Petrus r. den 
Schlüssel, o. gleicharmiges Kreuz, bei dem die Umschrift beginnt: SIGNA APOSTOLORVM 
PETRI ET PAVLI. 
Flachrelief. Blei. H. (ohne Ösen) 2,7, Br. 3,5 cm. Rechteckig h. mit Ösen an den Ecken (die r. 

0. abgebrochen), u. ein Ansatz. Erworben 1912 aus Rom. — Die Darstellung entspricht den 
Stücken Beschr. der Bildw. III, 2 Nr. 1898 u. 1899; vgl. die Bem. dort. 

J. 6689. Bleiaffix. Italienisch, 13. Jahrhundert. O. im Rundbogen abgeschlossene Säulen- 
stellung. Darunter Maria in Frontansicht, das Kind auf dem r. Arm haltend. 
Flachrelief. Blei. H. 2,4, Br. 1,5 cm. Erworben 1912 aus Rom. — Vgl. die Bem. von Wulff, Amt). 
Ber. XXXVII, Sp. loi, Abb. 52. 

J. 6752. Pilgerzeichen. Italienisch, 13. Jahrhundert. Ein hl. Reiter (Georg.') ohne Helm 
mit Nimbus zu Roß in voller Rüstung mit vorgehaltenem Schild auf gepanzertem Pferde 
nach 1. sprengend und mit der hochgehobenen Lanze in der Linken den Rachen eines nach 

1. liegenden und umblickenden gepanzerten Drachen durchstoßend. 

Flachrelief. Durchbruchsarbeit. Blei. Kreisrund. Dm. 14,5 cm. Das Perlenornament des Randes 
etwas beschädigt. Erworben 1914 aus Rom. — Sehr verwandt demselben Heiligen in Durchbruchs- 
arbeit (Beschr. der Bildw. III, 2) Nr. 1903 nur in Einzelheiten der Rüstung abweichend. Vgl. die 
Bem. dort und bei Wulff, Amtl. Ber. XXXVII, Sp. 100, Abb. 54. 



Si 



Das llaiipl i hn^li mit laiiLicn ScitcnlucUeii. 



J. 6759. Affix. Italienisch, i 3. J a li ili ii n ilcit. 
vom Kreuziiiinhiis umi^chea. auf ilciii Schwciü- 
tuch (Vera Ikon . 

Khuliiclicf. Bk-i. H. 2.7, Hr. .',.5 cm. l 'nic<^(.-iniäHi<ii.- 
Icirin, ring.sum abgcbrorhen. Erworben 1914 aus Rom 
— .\linlirlK' Darstelkmtr auf Pilgerandenkc-ii. \t;l 
clor lüldw, III, 2) Nr. iqjo u. i()_>i und Paris, 

(.'luiiy, fernci die ücin. vcm, 

Wum', .Amt). I'kt .\.\\\1I 

S|). 101, .\hl>. :^ ), 

J. 6846. Affix. Italienisch 

14. Jahrhundert. Unter 

Laotischem Klceblallboi^en 

thront Maria mit dem Kinde 

an der 1. Seite auf einem 

1 hronscssel mit hoher Lehne 

die K. anbeteiui s^etjen das 

selbe erhoben. .\u\ dem 
.1- 6**46. .\iil5enrande Reste der In J- 6752. 

schrill (unleserlich . 
l'larlHclici. Hici. H. s.,!. Rr. 2,() cm. Oben mivollständi^, 11. n-chtcckig abgcs 
dem Depot i;enommen. .\hnlirh die Darstellung auf den l'ilger/eic hen (lieschr 
der Bildw. III, j) .\r. iqo^ff.; vgl. die Hem. dort. 
J. 6760. Affix. Italienisch, I V, 14. j ah r h n n d er 1. I-an I leiliL;er ui fiebcis 
stellun;^ (mit Stab in der (sinken.'). l)ariil)er ,StnfcnL;icbel. L^mschrill Si 
Ljilhmi .... ist uideserlich. 

I'lachrelief. Blei, /. T. oxydiert. H. 4,8, Mr. .3,3 cm. Spitzoval mit vier (")scn 
ausätzen, von ilenen die I. betindlicheu weggebrochen. Unten schadhaft. Er- 
worben 1914 aus Rom. Weiterer als Blei-Plakette verwendeter Siegelausdruck 
(Be.schr. der Bildw. Hl, 2) Nr. 1913 und SIg. Schlumberger 11. HIanchet (Coli 
sigillogra|)lu(|ues 1014, 'l'af. 1, 1 u. 5); in Bronze (Beschr. der Bildw 11) Nr. 602- ()03 
Vgl. die Bein, von Wulff, .\mtl. Ber. XXXVII, Sji. roo, .\bb 51 





lilossi'ii. 1019 aus 




J. o;6. 



Steinschnitt. 

J. 6660. GuÜfonn. Italienisch. !■ riih es .\I i t tela I ter. .\nl der 
Vorder.seile armloser Kngel in laustem gemustertem Gewand iint 
Ösen an den Fliifielk-ämmen imd am (jewandsaum (o. Gußkanal 1; 
auf der Rückseite i^leicliarmiges Kreuz (dess^I.). 
Reliefnegativ. Schiefer. Br. 6,5, H. 7 cm. Nahezu (|uudratiscli, jcdcr- 
seits zwei aufgebrochene Stiftlöcher; die Kanten schadhaft. (nilJfomi 
für Metallzierat. Erworben 191 1 aus Rom. — Vgl. Hesciir. der Bildw 
III, 2, Nr. i.S^() und die Bein, von Wulff, .Amtl. Her. XXXVII. S|i. m>2. 
Abb. 56. 

J. 2275. Geschnittener Stein, h rühes iVIittela 1 1 er. .\nbetiin.; 
der Könige. Rechts sitzt .Viaria auf einem Thron, hinter ihr 
auf einem Stuhl Joseph im Profil nach I. Die hl. 3 Konis^c 

Mlchrisll. iinil millcl.ilt. lüldwcrkc. 




82 



MitteLiltciiicln- Bildwerkt. 




nahen von links mit Gaben. Der vorderste in Knie- 
stelkniL;. In der Mitte oben der Stern. 
Reliefnegativ. Chalzedon. Oval. H. 4,9, lir. 5,1 cm. Kr- 
worben 1895 in Meran aus norddeutschem Besitz. Garrucci, 
Storia Tai 478, 38 (als verloren bezeichnet). Vöge, Beschr. 
der Bildw. IV Nr. 900. — Die Technik die des frühen Mittel- 
alters. Vgl. Kehrer, Die hl. drei Könige in Lit. und Kunst 
1908. Ikonographisch für eine frühe Anssetzung eigenartig 
(las fast kniende Schreiten des ersten Königs und die Kronen, 
die bei den frühchristlichen Darstellungen nur bei einem Gold- 
l)lech aus Catanzaro sich wiederfinden (Berliner Museen XLIII 
S. 81). 



Nachtrag. 



J. 9155. Gewicht. 



lirh lindert. Fraiienfigur, ui Büstenform, vielleicht eine .^^^ui^usta (oder 
Personifikation.') darstellend, mit Diadem über der Stirn und hoch 
toupiertem eingeflochtenem Haar (mit Haube.'), dem ein Ring 
zum Anhängen aufsitzt. Sie greift mit der Rechten über die 
Brust in die Chlamys, die von der 1. Schulter über den Rücken 
zum rechten Arm herumgeschlagen ist, und hält in der Linken 
ein Tüchlein (oder eine Schriftrolle). Als weiteren Schmuck 
trägt sie große Perlenbammeln als Ohrringe, von denen eine dünne 
Kette mit Anhängern (Steinen.') um den Hals ausgeht. Darunter 
I^erlenkette als Halsschmuck. 

Statuette. Rückseite leicht bearbeitet. Bronze. Hohlguß mit kleineren 
Gußfehlern (kleines Loch oben vor dem Ring) und grüner Patina. 
tl 13,6 cm (Gewicht 560g). Erworben 1922 im Kunsthandel. — Sehr ver- 
w.nidt ein ähnliches Gewicht in München, Nat. -Museum (Katalog \' 
Nr. 182) mit leichten Abweichungen; Redegestus der rechten Hand 
und Punzierung des Gewandes und Kopf in der Sammlung de Gieret) 
(Catalogue B. III, Nr. 335). Ferner ein als Kaiserkopf gebildetes Ge- 
wicht in London, Britisches Museum, aus Haifa, den Dalton (Catalogue 
N'r. 485) in den Anfang des 7. Jahrh. setzt, was bei unserem Stück, be- 
sonders der Haartracht nach, ausgeschlossen ist. Vgl. eine ähnliche Haartracht z. B. auf einer Silber- 
hüste in Trier (Museum), und weitere verwandte Beispiele hei Delbrück, Mitteilungen des Kömischen 
Instituts 1913 S. 3ioff. Abb. i). 




J. 9155- 



Sachverzeichnis. 



Abraham 3, 13, 71. 
Adam 39, 42, 58, 59, 72. 
Adler 62, 65, 69, 73, 79. 
Affix So. 
Akanthus b. 
AmpulU' >li. 

\mulell 19, 27, 43. 

\nastasius 16. 
Andreas 13, 38. 
.Vngncllus 24. 
Anker 27. 
Anna. Mutli-r 40. 
Antilope 22. 
Antonius Abbas 75. 

.\postel 10, 15,21, 25,28,40,45,62,74,80. 
Ariadne 16. 

Vrnoltü di Cambio 68. 
Athanasios 24. 
Augustinus (?) 75. 

Bandornanient 57. 

Bär 41, 42. 

Bartholomäus 75, 

Basilius 38. 

Beinritzungen 18. 

Beschlag 20, 21, 4(1. 

Bethlehem 21. 

Blüte 52. 

Bock 80. 

Brüstungsplatten 6, 9. 

Buchdeckel 35, 36, 37, 39, 40. 

Büchse 13. 15. 

Cherubim 59. 

Christus, repräsentativ 13, 17, 24, 27, 

2S, 33, 34, 74, 79. 
Christologische Szenen. 

Geburt 2, 15, 20, 43. 

.\nbetung der Magier 2, 76, Si. 

Rückkehr aus Ägypten 15, 21. 

Taufe 14, 20, 26, 

Wunder 15. 

.\ufcrweckung des Lazarus 2, 39. 

Christus und Zachäus 20. 

Einzug in Jerusalem 3, 36, 79. 

Christi Gefangennahme 71. 

Kreuzigung 26, 34, 35, 37, 38, 45, 
''9, 72. 75- 



Frauen am Grabe 26. 

Höllenfahrt 39, 43. 

Christus und hl, Thomas 25. 

Christus in Emmaus 71. 

Himmelfahrt 11. 41. 
Chrysostomus h). 
Circusszene i(>. 
Constantina 29. 
Cosmatenschule 08. 

Damianus 33. 

Danae 4. 

Daniel 10, 25. 

David 39. 

Deesis 37, 

Delphin 11. 

Demetrios 44. 

Diptychon 14, 16. 

Drachen 11, 16. 43, 74, 80. 

Engel 14, 34, 52, 69, 72, 78, 81. 
Enten 59. 



Greif 30, 41. 49. 60, 
Gußform 81, 
Guter Hirte 1. 

Hahn 23, 50, 73. 
Heilige 36. 
Helios 20. 
Hcrodes 14. 
Hund 51, 64, 

Jacobus d, J, 68. 

Jagdszenen und Jäger 42. 

Ikonostasis 9. 

Johannes (s. ferner unter Kreuzigung) 

69, 72, 78, 79. 
Johannes d. T. 34. 
Johannes Chrysostomus 38. 
Joseph 15, 42, 76. 
Juppiter (vgl. auch unter Zeus) 5. 
Justinian 17, 
[ustinus, Konsul 16, 



Erzengel 7b. 


Kamill 12, 76. 




Eufemia, Kirche der hl, 6, 


Kämpfer 7, 30. 




Eva (s, auch Adam) 39, 


Kapitell (1, 7, 30, 31, 56, 57 


IUI. Ol 


Evangelistensymbole 62, 


62, 68. 
Kapsel 80. 




Faunskopf 68, 


Kamies 9, 10, 




Fensterverschlußpia' te 55. 


Karyatide 64. 




Fibel 24, 77, 


Kasten 41, 42, 73, 75. 




Fisch 12, 27, 28, 72, 


Katharina 75, 




Flasche 28. 


Kelchmotiv 8. 




Franziskus 75. 


Kentaur 57. 




Fries 10, 11, 31, 57, 


Kettengehänge 47, 




Füllhorn 12. 


Kintlermord 14, 




Fußwaschung 40. 


Kindersarkophag 5, 




Friesstein 58. 


Knospenmotiv 53, 
Konsolstein 30, 69. 




Gabriel 33. 


Konstantin d, Gr, 5, 




Gazelle 10, 47, 49, 50, 


Kiismas 33. 




Geistes, Ausgießung des hl, 411, 


Kreisornament iS, 41, 50, 51, 


77- 


Gcorgios 44, 74, So, 


Kreuz 79. 




Gesims 8, 


Krcuzreliquiar 21, 




Gewicht 82, 


Kreuzrosette 30. 51, 




Glas 27, 


Krug 50, 




Goldglasbodcu 28, 






Goldschmiedearbelt 24, 


Lamm 77, 




Golgathakreuz 45, 


L,-inipc 22, 23. 





«4 



Sachverzeichnis 



Ortsverzeiclmis 



Laurciitiiis 75. 

Leo VI.. Elfenbcinkii-nz 33. 

Uherius i(>. 

Liebespaare 75. 7*). 

Lilie 47. 

Longinus (s. Kreuzigung) 35, 3S. 7J. 

Löwe 27. 30, 42, 60, Ol . 62, 64, 68, 73. 79. 

Lulab 2.S. 

Mäander 10. 

Margaretlie 74. 

Maria (reprasenlaliv) 17, 21. 3t). ~,(). 

67, 69, 74, 76, 78. Sei, 81. 

Einführung in den Tempel 40. 

Verkündigung 15, 7(1. 

Todesverkündigung ()2. 

Tod 74. 

krönt Leo VI. 33. 
Menas 10. 
Michael 39. 
Möbelbelag 18. 
MöbelbrctI 11. 
Moses 3. 

Muschulnisehe 33. 
Musen 4. 

Nereide 22. 

Orans i . 1 6. 

l'alnie 27. 

I'alineltc 7, 9. 31. 47, 52, 53. 54. 72. 

Pap gei 30. 31. 

Papst 58. 

Paulus I. 13. 30, 41, 74, 80. 

Perlstab 8, 10. 28. 

IVironius (?) 74. 



Petrus 1. 3, 13, 34, 36, 38, 40, 41, 74, So. 

Pfauen 46, 51. 

Pfcilerverblendung 8. 

Pferd 77. 

Pflanzcnkandclaber 8. 

Pilgerzeichen 80. 

Plakette 78. 

Porträts 25. 

Prophet 21. 

Punktnuilive 47. 

I'llltn. ;;iflügeh iS. 

Ranke 54. 57. 611. 

Rauten 9, 53. 

Reh 22. 

Reiter 41. 79. 

Riege! (Zarge) 60. 

Ring 25, 45. 

Rosette 11, 18, 41, 51, 55, 65. 

Salonie 1 5. 

Salomon 19, 39. 

Sarkophag i. 2, 3. 4. 

Säulenbasis Ü4. 

Schachfigur 73. 

.Scherbe 47. 

Schiff 49. 

Schöpfungsgeschichte (s. auch Adam) 72. 

Schüssel 51. 79. 

Schofar 28. 

.September 37. 

Siegel 81. 

Siegelring 24. 4(1. 

Sirene (19. 

Sphinx b8. 

Stab 43. 

Stempel 24. 



Siephanus 75. 
Stephaton 35, 72. 
Stern 18, 25. 
Sternornament 8u. 
Stier 62. 
Stifter 58, 65. 
Synagoge 72. 

Taube 11. 22, 57. 
Theodora 17. 
Theodorus 44. 
Thomas 38, 78. 
Thorarolle 28. 
Teller 40. 

Triptychon 34. 37. }q. 
Tür in, 57. 

Ursula 75. 

Vera Ikon Si. 
Victoria 29. 
Vitalis 28. 
Volutenranke 48. 

Weihrauchgefäß 22. 
Weihwasserbecken 64. 
Weinwunder 14. 
Wirbelrosette 54. 

Zebustier 11. 
Zeus 4. 

Zickzackband 41. 
Zickzack borte 12. 
Zierblech 25. 
Zierbrett 12. 
Zierleistf 12. 
Zierstein 31, 59, 64. 



Ortsverzeichnis. 



Amiens, Sgl, Mallet, Diptychon aus 14. 

Andria, Kapitell aus 7. 

Avila (?), Adler aus 79. 

Babylon 23. 

Brindisi, Kapitell aus 56. 

Chalkedon, Kapitell aus 6. 

Cuenca, Konsolstein aus 69. 

Florenz 08, 76. 



Mailand, Elfenbeintafel aus 72. 
Milet, Brüstungsplatte aus 9. 
Minden, Pyxis aus 1 5. 
Kairo 10, 11, 12, 45. 
Koblenz, Pyxis aus 13. 
Konstantinopel 5, 6, 8, 30, 31, 43, 
Lüttich, Dipty hon aus 16. 
Ravenna 6. 



Rom I, 2, 3, 4, i8, 24, 28, 59, 6r, 81. 

Salerno, Tafel von dem Paliotto aus 71. 

Siponto, Riegel aus 60. 

Stobi 9. 

Syrakus, Sarkophag aus I. 

Üsküb, Zierstein aus 32. 

Venedig, Zierstein aus 64, 78. 



Tafel 






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Tafel III. 





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Tafel IV. 







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Tafel XVII. 





Tafel XVIII. 




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Tafel XIX. 




Tafel XX. 



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Tafel XXIII. 




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Tafel XXV. 




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Tafel \XVI1. 




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Tafel XXX. 




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N Wulff, Oskar Konstantin 

7832 Die altchristlichen 

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