Skip to main content

Full text of "Die altdeutschen Fechter und Spielleute : ein Beitrag zur deutschen Culturgeschichte"

See other formats


CD 

icö 




ij; n"M- -!- ^ i.'il,.»-L-J4i..g|g^ 



Schaer, Alfred 

Die altdeutschen fechter 
und spielleute 





"kJL^ 









Die altdeutschen 



Fechter und Spielleute. 





Ein 

Beitrag zur deutschen Cultiirgeschiclite. 




Tnaugural-Dissertation 




der 



hohen philosophischen Facultät 

der 

Kaiser Wilhelms-Universität Strassburg 

zur Erlangung der Doctorwürde 

vorgelegt von 

Alfred Sehaer 

aus Zürich. 



Strassburg 

Verlag von Karl J. Trübner 

1901. 



Von der Facultät genehmigt am 3. März 1900. 




Meinen lieben Eltern. 



DD 
HO] 



EINLEITUNG. 

Die Anregung zur Behandlung des vorliegenden Stoffes 
verdanke ich meinem hochverehrten Lehrer Herrn Prof. 
Dr. Ernst Martin, der schon bei verschiedenen Gelegen- 
heiten auf die eigenartigen Zusammenhänge hingewiesen 
hat, welche zwischen den beiden Berufsarten der Fechter 
und Kämpen einerseits, der Spielleute und fahrenden Dichter 
und Sänger andererseits, sowohl bei ihren Kunstausdrücken 
als in ihrer Lebensweise bestehen. Eben diese teilweise 
merkwürdigen Übereinstimmungen in Lebensverhältnissen 
und Existenzbedingungen sind es, welche den Hauptgegen- 
stand unserer Abhandlung zu bilden haben. Diese auffällige, 
auf den ersten Blick vielleicht etwas wunderbar erscheinende 
Gleichartigkeit der Verhältnisse glaube ich auf einen Pa- 
rallelismus in der historischen Anlage, Entwicklung und end- 
gültigen Gestaltung dieser beiden Vertreter der niedrigeren 
Volksklassen zurückführen zu dürfen, wie aus meiner wei- 
teren Darstellung dieses geschichtlichen Vorganges hervor- 
gehen soll. Den ersten Hinweis auf diese gegenseitigen 
Beziehungen, die zu gewissen Zeiten geradezu den Charakter 
einer Wechselwirkung angenommen haben, finde ich in 
W. WackernageLs Geschichte der deutschen Litteratur, 
wo in der zweiten, von Prof. E. Martin besorgten Aus- 
gabe (Basel 1879), in Band I, pag. 323, Anm. 7 (§ 74) und 
ebenda pag. 389 (§ 84) im Text, bereits davon die Rede 
ist. Später hat dann Prof. Martin in einem Vortrage: 
Die Meistersänger von Strassburg (gedruckt Strassburg 1882) 
neuerdings auf diese Thatsache aufmerksam gemacht: es 
sei mir gestattet, die betreffende Stelle hier in ihrem Wort- 
laute anzuführen. Nachdem der Verfasser davon gesprochen, 



— 6 — 

dass sich die Meistersänger bei der Bildimg ihrer Schulen 
vielfach an die alten Einrichtungen und äusseren Formen 
der Disputationen und Streitgespräche der Gelehrten anzu- 
schliessen pflegten, fährt er pag. 9/10 folgendermassen fort: 
«Neben diesen Ausdrücken begegnen jedoch 
«andere, welche auf eine frühere Verbindung hin- 
«weisen, in welcher die S p i e 1 1 e u t e zusammen 
«standen mit den Fechtern. Schon im frühen Mittel- 
« alter begegnen wir dieser für uns widerwärtigen Menschen- 
« Masse, Leuten, welche ihr Leben für Geld hingaben und 
«bereit sein mussten, auf Befehl ihres Herrn mit jedem 
« beliebigen anzubinden. Natürlich waren sie in der Begel 

< nur mit dem Fechtunterricht betraut, welcher in ritter- 
« liehen Kreisen nie fehlte. Nun finden wir i n d e r 
«Liederdichtung auch der älteren Zeit Vergleiche 
«aus dem Fechterwesen. Es ist die Rede vom 
«Schild* und vom Schwert' des Gesanges. Eine 
«besonders künstliche Wendung wird mit einem 
«Schirmschlag", einem Fechthieb verglichen. Und 
«hieraus erklärt sich wohl auch ein Ausdruck für 
«Meisterlied, welcher sonst rätselhaft ist. Ein 
«durchaus untadelhaftes neues Lied wird Bar" ge- 
«nannt. In älterer Form begegnet Barant". Dies 

< ist nun nichts anders als ein Parierhieb: es wird 
«also das Meisterlied mit einem vollkommen ge- 
lungenen Schlag des Fechters verglichen.» 

Diese Anschauung vertritt auch 0. Plate in seinem 
Aufsatze: Die Kunstausdrücke der Meistersinger, in den 
Strassburger Studien, Band III, (Strassburg 1888) pag. 
147 ff., besonders was den letzten Punkt, die Deutung dieser 
und einiger ähnlicher Ausdrücke anbelangt. Weitere Hin- 
weise auf diese Dinge zu geben, bot sich meinem verehrten 
Lehrer in seinen Vorlesungen und Seminarübungen oft noch 
willkommene Gelegenheit, wodurch in mir das Interesse für 
diese Fragen bereits stark geweckt wurde. Meine Absicht, 
das Studium dieser Verhältnisse einmal genauer zu betreiben, 



bestärkte der Umstand, dass die philosophische Facultät 
der Universität für das Studienjahr 1897/98 eine diesbezüg- 
liche Preisfrage stellte. Die Aufgabe war formuliert wie folgt: 

«Die altdeutschen Fechter und ihr Verhältnis 
«zu den Spielleuten. Zu sammeln sind die Zeug- 
«nisse aus den historischen und poetischen Quellen, 
«von denen die letzteren vielfach eine merkwürdige 
«Vorliebe für Figuren und Formeln des Fechter- 
« wesens bezeugen, während die Geschichte der 
«Fechter und der Spielleute, namentlich in ihrem 
« schulmässigen Endergebnisse, eine engere Ver- 
« wandtschaft erkennen lässt.» 

Auf Grundlage der damals eingelieferten Vorunter- 
suchung über diesen Gegenstand, die sich allerdings ledig- 
lich auf eine gedrängte Übersicht der hauptsächlich in 
Betracht kommenden Punkte, sowie auf eine Angabe und 
Zusammenstellung des bisher gesammelten Quellen- und 
Beweismaterials beschränkt hatte, ist meine jetzige Dar- 
stellung durchweg aufgebaut. Manches der früher nur kurz 
angedeuteten Resultate soll nun hier seine Erweiterung und 
ausführlichere Begründung erhalten. Freilich ist auch jetzt, 
bei der inzwischen zu einer so äusserst reichen und fast 
unübersehbaren Fülle angewachsenen und im Verlaufe der 
Untersuchung sich stets noch vermehrenden Masse des zu 
behandelnden Stoffes wieder darauf hinzuweisen, dass ich 
mich, um die für eine derartige Arbeit nun einmal gesteckten 
Grenzen nicht allzusehr zu überschreiten, zu einer gewissen 
Beschränkung meiner Auseinandersetzungen genötigt sah. 
So ist denn von vorneherein auf eine geschichtliche Gesamt - 
entwieklung dieser Zustände, besonders aber auf eine ge- 
nauere Darstellung ihrer frühesten Anfänge und eventuellen 
Beziehungen derselben zu den Verhältnissen des griechischen 
und römischen Altertumes, da diese Zusammenhänge ohnehin 
für uns noch ziemlich dunkel und unsicher sein dürften, 
an dieser Stelle und vorläufig wenigstens noch Verzicht 
geleistet worden. Auch hatte sich unter solchen Umständen 



— 8 — 

meine Abhandlung besonders auf die deutsehen Verhält- 
nisse zu beschränken, und nur, wo grössere Lücken aus- 
zufüllen oder allgemeinere Beziehungen herzustellen waren, 
oder wo für die Erklärung und Feststellung gewisser That- 
sachen das hier zur Verfügung stehende Beweismaterial 
mir nicht auszureichen schien, habe ich auch ausser- 
deutsches Gebiet in die Betrachtung einbezogen und Beleg- 
stellen anführen müssen, die den Geschichtsquellen und 
Litteraturen fremdsprachlicher Nationen angehören. Dass 
bei dieser Einschränkung des Stoffes auf das unumgäng- 
lich notwendige Mass auch zahlreiche, im Laufe der Unter- 
suchung sich uns aufdrängende, oft ganz interessante Einzel- 
fragen aus dem engeren Rahmen der vorliegenden Abhand- 
lung herausfallen mussten und darum hier keine eingehendere 
Berücksichtigung mehr erfahren, sondern höchstens an- 
deutungsweise an den betreffenden Stellen gestreift werden 
konnten, liegt ja wohl auf der Hand. Aber gerade aus 
diesen Gründen wünschte ich hier schon darauf hinzuweisen, 
dass mir eine spätere, weitergehende Bearbeitung des zahl- 
reich vorhandenen und weit ausgedehnten Materials sehr 
angelegen sein wird, und dass ich mich mit der Absicht 
trage, dasselbe nach endgültigem Abschlüsse der Samm- 
lungen und Vorstudien dereinst zur Abfassung einer all- 
gemeinen Geschichte der fahrenden Leute oder wenigstens 
zu einer Anzahl historischer Ergänzungsstudien über diesen 
Gegenstand zu verwerten. Was nun die Einteilung des 
hier zu behandelnden Stoffes anbelangt, so war zunächst in 
einem ersten und zweiten Teile kurz die Vorgeschichte der 
Kämpen und Fechter einerseits, der Spielleute, Sänger, 
Dichter, Gaukler und übrigen Fahrenden andererseits und 
ihre weitere historische Entwicklung bis zum Ausgange des 
Mittelalters zu geben; es waren ferner ihre Lebensverhält- 
nisse und Einrichtungen bis zu den schulmässigen End- 
ergebnissen und bis zur- Bildung von Vereinigungen und 
Brüderschaften, die teilweise bereits an der Schwelle der 
Neuzeit zu linden sind, zu verfolgen. Dabei konnte der 



— 9 — 

Verfasser sich aber, besonders für den zweiten Teil, der 
schon einen ziemlichen Reichtum an verschiedenen guten 
Abhandlungen aufweist, hier wohl so knapp und kurz als 
irgend möglich fassen und nur das Wichtigste, was für 
unsere besonderen Zwecke von Bedeutung war, hervor- 
zuheben versuchen. Alles Weitere, was von Einzelfragen 
noch zu erörtern von Interesse wäre, streife ich nur flüchtig, 
um damit um so mehr Raum für die Behandlung des dritten 
Teiles, den eigentlichen Hauptgegenstand unserer Unter- 
suchung, zu gewinnen. Dieser dritte Teil wird sich mit 
dem gegenseitigen Verhältnisse der beiden genannten Volks- 
klassen, ihren Wechselbeziehungen, Beeinflussungen und 
Übereinstimmungen in Lebensweise und Standeseinrichtungen, 
in socialer und rechtlicher Stellung, wie in Berufs- und 
Kunstsprache, kurz gesagt mit der Thatsache eines ent- 
wicklungsgeschichtlichen Parallelismus zu befassen 
haben, wie er zwischen den Kämpen und Spielleuten, 
den Fechtschulen und Meistersingerschulen, den 
F e c h t e r g e s e 1 1 s c h a f t e n , P f e i f f e r b r ü d e r s c h a f t e n , 
Sänger- und Spruchsprechervereinigungen auf dem 
ganzen weiten Umkreise dieses Gebietes besteht. Hieran 
soll sich dann ein als Anhang zu behandelnder vierter und 
letzter Teil anschliessen, in den die grösseren Belegstücke 
und im Zusammenhang citierten Stellen verwiesen werden 
mögen, um auf diese Weise den fortlaufenden Text mög- 
lichst von störenden und unangenehmen Unterbrechungen 
zu befreien. 

Indem ich diese Einleitung beschliesse, möge es mir 
gestattet sein, zur Rechtfertigung des methodischen Ver- 
fahrens dieser Untersuchung und der Principien, die mich 
bei der Behandlung meines Gegenstandes geleitet haben, 
noch ein kurzes Wort beizufügen. Wenn einer der Alt- 
meister unserer deutschen Sprachwissenschaft, Professor 
Dr. Moritz Heyne, im Vorworte seines soeben erschienenen 
grösseren Sammelwerkes: Fünf Bücher deutscher Hausalter- 
tümer, von den ältesten geschichtlichen Zeiten bis zum 



— 10 — 

16. Jahrhundert, erster Band: Wohnung, Leipzig 1899, in 
dieser Hinsicht eine Mahnung und einen Wunsch speciell 
an die jüngeren Vertreter der germanistischen Wissenschaft 
gerichtet hat, so habe ich diesem Umstände wenigstens die 
frohe Zuversicht zu verdanken, dass sich mein auf diesen 
culturgeschichtlichen Gegenstand gelenktes Interesse, zum 
mindesten in den Augen des erwähnten Gelehrten und der 
seine Ansicht teilenden Fachgenossen, als auf dem richtigen 
Wege der Forschung befindlich erweisen möchte. Der Ver- 
fasser des angeführten Lehrbuches äussert sich nämlich im 
Vorworte folgendermassen: «Die deutschen Philologen 
«haben vorzugsweise in jüngerer Zeit ihre Teil- 
« nähme der sprachlichen und litteraturhistorischen 
«Forschung so ausschliesslich zugewendet, dass 
< für das Gebiet, das hier betreten wird, ihrerseits 
«wenig Interesse waltete. Was darin geforscht 
«und vorgelegt ist, haben überwiegend Historiker, 
«Kunsthistoriker, Nationalökonomen, Bau- und 
«Kriegstechniker zustande gebracht. Der deutsche 
«Philolog aber soll sich seine Stelle gerade in 
«dieser Forschung nicht nehmen lassen, denn nur 
«er ist imstande, eines der wichtigsten Zeugnisse 
«methodisch zu verwerten: nur ihm sagt die 
«Sprache, und nicht zum wenigsten nach der ety- 
«mologischen Seite hin, was sie den anderen For- 
«schern, wie man oft sieht, hartnäckig verweigert. 
«Die Darstellung auch äusseren deutschen Lebens 
«von einem Germanisten und mit den germanist- 
«ischen Mitteln ist eine Notwendigkeit, und er 
«müsste sogar hier an die erste Stelle rücken.» 
Soweit das Programm, das Prof. Heyne für unsere Dis- 
ciplin aufgestellt hat; und gewiss ist dieser erneute und 
energische Hinweis auf ein weites, noch allzuwenig be- 
bautes Arbeitsfeld sehr zu begrüssen und wird hoffentlich 
auch reiche und erfreuliche Früchte im Laufe der nächsten 
Jahre zeitigen. Jedenfalls aber wird er dazu beitragen, 



— 11 — 

dass die Germanistik in einer Zeit, wo das Interesse für 
solche Fragen durch die rege Thätigkeit, welche die zahl- 
reichen Vereine für Volkskunde und geschichtliche Alter- 
tümer überall entfalten, wieder bedeutend gehoben und 
gesteigert worden ist, sich das culturgeschichtliche Gebiet 
in seinem ganzen Umfange nicht wird streitig machen und 
entfremden lassen wollen. Und so ist denn die gute Aus- 
sicht vorhanden, dass, wie es ja nur billig und äusserst 
wünschenswert erscheint, auf der frisch vorgezeichneten 
Bahn nunmehr wieder rüstige Fortschritte gemacht werden, 
und dass die germanistische Forschung ihre Studien auf 
diesem Gebiete weit kräftiger und nachhaltiger aufnehmen 
und betreiben wird, als es bisher, besonders in den letzten 
Zeiten des Überwiegens anderer, litterarisch-kritischer und 
sprachwissenschaftlich-dialektischer Interessen, der Fall sein 
konnte. Wie sehr man aber Grund hat, die Bedeutung 
und Bichtigkeit des Heyne 'sehen Postulates für die zeit- 
gemässe Bestätigung der deutschen Philologie in diesen 
Nachbardisciplinen anzuerkennen und hervorzuheben, das 
ist mir bei der vorliegenden Untersuchung noch besonders 
zum Bewusstsein gekommen. Denn in der That hat der 
Verfasser auch gerade für diese Arbeit eine Beihe 
der wichtigsten Aufschlüsse über gewisse Zusammenhänge 
und Beziehungen zwischen den Gegenständen derselben, 
neben den zwar keineswegs bedeutungslosen und gering- 
zuschätzenden historischen und rechtlichen Quellen, doch 
speciell den litterarischen, und unter diesen wieder in erster 
Linie den poetischen Denkmälern zu verdanken gehabt. 
Der Hauptanteil jedoch an der Erkenntnis und Erklärungs- 
möglichkeit bestimmter Beobachtungen und Ergebnisse muss 
entschieden der sorgfältigen Berücksichtigung der sprach- 
lichen Verhüll nisse zugesprochen werden, wie diese in Per- 
sonennamen, Ortsnamen, Strassenbezeichnungen, Berufs- und 
Kunstausdrücken u. s. f. zum Ausdrucke kommen und in 
unserem Falle besondere Beachtung verdienten. Diese 
beiden letztgenannten Disciplinen aber, die Litteratur und 



— 12 — 

die Sprache, dürften ja wohl dem gutgeschulten Philologen, 
er mag nun die classischen oder die modernen Fächer 
bearbeiten, für alle seine Forschungen — auch die cultur- 
geschichtlichen mit inbegriffen, und für diese gerade in 
erhöhtem Masse — zu einer gründlichen Behandlung des 
Stoffes am notwendigsten, aber auch als sein eigentliches 
Arbeitsgebiet am vertrautesten, das heisst am leichtesten 
und vollständigsten zugänglich und verständlich sein. 

Zu dieser neubetonten Auffassung der Dinge, die ja für 
unsere germanistische Wissenschaft eine erfreuliche Er- 
weiterung des philologisch-kritischen Wirkungskreises be- 
deutet und ihr auf diesem frisch zu erschliessenden, weiten 
eulturgeschichtlichen Gebiete noch eine Fülle schönster Er- 
folge und Resultate in Aussicht stellt, wünschte der Ver- 
fasser mit vorliegender Abhandlung seinen bescheidenen 
Beitrag beigesteuert zu haben. 



I. Teil. 

Die Kämpen und Fechter. 

Seit den Tagen der Brüder Grimm, L. Uhland's und 
G. Freytag's ist schon oft wieder auf die altbekannte That- 
sache hingedeutet worden, wie sehr Kampf und Streit das 
eigentliche durchgängige Leitmotiv des gesamten ger- 
manischen Gultur- und Geisteslebens bilden, ein Hinweis, 
der auch für unsere Betrachtung notwendig den Ausgangs- 
punkt abgeben musste. Die beiden ältesten Zeugnisse für 
die Freude der Germanen am Kampfspiel und die eifrige 
Pflege desselben einerseits, und für die systematische Ver- 
wendung des Zweikampfes als Gottesurteil und zu Rechts- 
entscheidungen andererseits, sind wohl die beiden bekannten 
Stellen aus Tacitus Germania. Die erste lautet Germania. 
Kapitel 10: «est et alia observatio auspiciorum, qua 
«gravium bellorum eventus explorant. eius gentis, 
«cum qua bellum est, captivum quoquo modo inter- 
« ceptum cum electo popularium suorum, patriis 
«quemque armis committunt: victoria huius vel 
«illius pro praeiudicio accipitur»; sie darf wohl als 
frühester Beleg für das Kampforakel gelten, das nachher 
nach vielfachen Erweiterungen und Umgestaltungen in den 
verschiedenen Formen des Gottesurteils ein so beliebtes und 
häufig angewendetes Beweismittel der altdeutschen Gerichts- 
barkeit geworden ist. Unsere zweite Stelle befindet sich 
im Kapitel 24 und hat folgenden Wortlaut: «genus 
« spectaculorum unum atque in omni coetu idem. 
« nudi iuvenes, quibus id ludicrum est, inter gla- 
«diosse atque infestas frameas saltu iaciunt. exer- 
«citatio artem paravit, ars decorem, non in quae- 
«stum tarnen aut mercedem: quamvis audacis las- 



— 14 — 

* civiae pretium est voluptas spectantium» ; diese 
Schilderung ist die älteste Nachrieht, die wir über das 
ursprünglich wohl aus Cultusgebräuchen hervorgegangene 
Kampfspiel der germanischen Jugend besitzen. Die Annahme 
einer religiösen Bedeutung dieser ersten Waffentänze, die 
auch Professor Schweizer-Sidler in seiner Ausgabe der 
Germania (Halle 1874, pag. 48) im Anschluss an Müllen- 
hof f's Äusserungen darüber (vgl. seinen Aufsatz über den 
Schwerttanz in den Festgaben für Homeyer, Berlin 1871) ver- 
tritt, darf wohl umsomehr gerechtfertigt erscheinen, als wir 
ja soeben auch die rechtliche Institution des Ordalzw^ei- 
kampfes ausder mythologischen Anschauung des Kampforakels 
und der göttlichen Hilfe in der Feldschlacht wie im Einzel- 
kampfe (vgl. Tac. Germania, Kapitel 7, w t o es heisst: « deum 
adesse bellantibus credunt ») ableiten konnten. Ausserdem 
ist es ja bekannt genug, dass man eine ganze Beihe von Er- 
scheinungen und Gebräuchen im Culturleben der alten Völker, 
wie den Tanz, die lyrische Poesie, die Musik, das Schau- 
spiel und manches andere noch, hinsichtlich ihrer Entstehung 
und ersten Ausbildung vielfach auf das religiöse und mytho- 
logische Gebiet des Cultus und Ritus zurückzuführen hat. 
So werden denn diese bei Tacitus als eine «Belustigung 
und ein Schauspiel», aber auch als «Hebung und Kunst > 
bezeichneten Waffentänze, wie sie damals schon allen ger- 
manischen Völkerstämmen, die er kannte, gemeinsam waren, 
als Vorläufer der späteren Kampfspiele und ritterlichen 
Übungen betrachtet werden müssen, wie sie die deutschen 
Höfe des Mittelalters in so grosser Fülle aufzuweisen haben. 
Gleichzeitig bilden sie aber auch als ihr erstes Auftreten 
den Beweis für das frühe Vorhandensein der im späteren 
Mittelalter und bis in die Neuzeit hinein von den Zünften 
und Handwerksgilden wieder neuaufgenommenen Schwert- 
tänze, die freilich als letztes, abschliessendes Glied in der 
Entwicklung kriegerischer Spiele seit ihren ersten An- 
fängen keine geschlossene Kette erkennen lassen, und viel- 
mehr auf eine grosse und klaffende, noch unausgefüllte 



— 15 — 

Lücke zwischen den beiden, mehrere Jahrhunderte ausein- 
anderliegenden Anfangs- und Endstadien derselben hinweisen. 
Vielleicht ist nun allerdings Aussicht vorhanden, wenn auch 
nicht diese Lücke völlig zu schliessen, so doch ihren 
bedeutenden Umfang auf ein weit geringeres Mass herab- 
zusetzen, falls wir nämlich berechtigt sind, das Fechter- 
und Fechtschulwesen, das allerdings mit der Abhaltung der 
Schwerttänze in einem engeren Zusammenhange zu stehen 
scheint, worauf ich später noch einmal im Einzelnen zurück- 
zukommen habe (vgl. pag. 81 ff.), als eine der fehlen- 
den Übergangsstufen in die Entwicklungsreihe einzuschieben, 
die sich dann schon über einen ganz beträchtlichen Zeit- 
raum erstrecken würde. 

Doch haben wir uns zunächst noch mit den Anfängen der 
Geschichte des deutschen Kämpen- und Fechterwesens etwas 
näher zu befassen, wenn mir auch ein erschöpfendes Ein- 
gehen auf diese Fragen für die jetzige Behandlung des 
Gegenstandes noch versagt ist. Sehr wahrscheinlich, wenn 
auch bis jetzt nicht durch bestimmte Zeugnisse zu belegen, 
muss auch für diese Verhältnisse des germanischen Lebens 
ein engerer Zusammenhang — oder doch zum mindesten 
eine kräftige Beeinflussung von dieser Seite — mit der 
antiken Cultur angenommen werden; für unsere besonderen 
Interessen kämen hier speciell die spätgriechische und 
spätrömische Cultur, die üppigen und ausgelassen-rohen 
Zeiten jener bekannten entsetzlichen Tierhetzen und grau- 
samen Gladiatorenkämpfe in Betracht, zu welchen nur 
allzu oft von den übermütigen Herrschern und Siegern ger- 
manische Sklaven oder Kriegsgefangene verwendet wurden, 
um der schaulustigen Menge, zum niedrigsten und schmach- 
vollsten Dienste gezwungen, eine willkommene Unterhaltung 
zu bieten. Unter solchen Umständen ist es sehr wohl denk- 
bar, dass manche der auf fremdem Boden mitangesehenen 
üblen Belustigungen und schlechten Gewohnheiten, wie die 
Tierhetzen und Tierkämpfe, vielleicht auch die Zweikämpfe von 
Menschen unter sich oder mit Tieren allmälig durch wandernde 



16 — 

Künstler oder Spielleute auf deutsches Gebiet übertrage» worden 

sind, wie wohl auch die Kriegsfahrten der deutschen Fürsten 
und Ritter im Zeitalter der Kreuzzüge nach den südlichen 
Ländern dort die Pflege der obenerwähnten Lustbarkeiten 
und Kampfschauspiele durch diese zur Folge gehabt haben. Bei 
ihrer Rückkehr in die Heimat mögen solche Gewohnheiten 
auch begierig übernommen und an den eigenen Höfen 
eifrig nachgeahmt und betrieben worden sein. Ausser 
diesen nur in vereinzelten Fällen nachweisbaren Vermächt- 
nissen der alten Zeit, die allerdings auch ein Erbstück von 
recht zweifelhaftem Werte darstellen, hat nun aber das 
Mittelalter in seiner Blütezeit noch zwei Erscheinungen von 
echt germanisch urwüchsiger Natur aufzuweisen; wir meinen 
den höfischen Fechtmeister, den ritterlichen Erzieher 
und Berater des jungen Adels in jeder Art der kriegerischen 
Tüchtigkeit, und den Kämpen, den Berufsfechter nie- 
drigeren Standes, der die Rechte der Könige und Fürsten, 
der Unmündigen und Altersschwachen, wie auch der Frauen, 
in Rechtsstreitigkeiten, bei Anfechtungen ihrer Würden und 
Rechte, oder bei schweren Anschuldigungen von Verbrechen 
durch das Gottesurteil des gesetzlichen Zweikampfes ver- 
treten, schützen oder wenigstens entscheiden musste. Zahl- 
reiche Gesetze,, Erlasse und Vorschriften geben die näheren 
Bestimmungen, in welchen Fällen der gerichtliche Zwei- 
kampf einzutreten hat, und wie sich die Kämpfer dabei zu 
verhalten haben, ferner welche Örtlichkeiten und Tages- 
zeiten dafür zu wählen, welche Ausrüstungen und Waffen 
von den Gegnern zu tragen sind. Für die Einzelheiten 
über diese Verhältnisse ist auf die ausführlichen Artikel in 
Du Gange 's Glossarium mediae et infimae latinitatis zu den 
Worten « campiones » und » duellum » zu verweisen, wo 
eine grosse Anzahl der betreffenden Gesetze aufgezählt 
werden und sich aus verschiedenen Edikten und Ordon- 
nanzen über die verschiedensten, in Betracht kommenden 
Punkte grössere Auszüge und Belegstellen finden, die hier 
alle wiederzugeben zwecklos sein würde, um so mehr da diese 



— 17 — 

Dinge doch noch allzuweit vom eigentlichen Kernpunkte 
unserer Untersuchung abliegen. Ich will mich also hier 
damit begnügen, einige wenige Beispiele als Belege der je- 
weiligen Erörterungen zu geben. 

Dafür, dass selbst die Völkerschlacht als ein Gottes- 
urteil in. grossem Massstabe angesehen wurde, gibt eine 
Stelle aus den Annal. Mettens. ad. a. 743 (Pertz 1, 328) 
einen interessanten Beleg, indem in derselben die Schlacht als 
ein «Judicium dei, quod subire non distulimus » bezeichnet 
wird. Einer ähnlichen Auffassung wird man es zuzuschreiben 
haben, wenn die sich schlagfertig gegenüberstehenden Heere 
der Vandalen und Alemannen aus ihrer Mitte einzelne 
Kämpfer auswählten und den Streit durch deren Zwei- 
kampf zum Austrag bringen liessen. Diesen Vorfall erzählt 
uns Gregor von Tours II, 2 wie folgt : « nee multo post scan- 
« dalum inter utrumque oritur populum, qaoniam propinqui 
« sibi erant, cumque ad bellum armati procederent ac jam- 
« jamque in conflictu parati essent, ait Alamannorum rex : 
'< quousque bellum super eunetum populum commovetur? 
« ne pereant quaeso populi utriusque phalangae, sed pro- 
xcedant duo de nostris cum armis bellicis et ipsi 
inter se confligant. tunc ille, cuius puer vicerit, 
^regionem sine certamine obtinebit. ad haec eunetus 
« consensit populus, ne universa multitudo in ore gladii 
« rueret. confligentibus vero pueris pars Vanda- 
« lorum vieta suceubuit, interfectoque puero placi- 
« tum egrediendi Transimundus spopondit. » Wie bei 
den Franken die Fürsten der streitenden Parteien selbst 
durch ihren eigenen Kampf entscheiden sollen, erzählt Aga- 

thias I, 2 : « ibövre«; bi ö.\Xr\\ovc, ^Kcrrepuuöev r\ -nX^Qvq, aüxiKa tö 

XaXeTrcuvov aTToßaX6vTe<; ec, ö|aoqppoaüvr|v |aexaxujpoöai, Kai xoü^ 

« f\feixövaq KeXeüouai biKri f^äWov xä d|ucpißo\a biaKpivr|- 

« aaaQai, eibi \\r\, |aovou^ eKeivou^äYiwvi^eaBai». Von einem 

Kampfurteil zwischen Sachsen und Slaven berichtet Wippo 
(Pistor. 3, 479): « dicebant pagani, a Saxonibus pacem pri- 
« mitus confundi, id per dnellum, si caesar praeeiperet, 

2 



— 18 — 

«probari. econtra Saxones ad refellendos paganos simi- 
«liter singulare certamen, quamvis injuste conten- 
» deren!, imperatori spondebant. Imperator hanc rem 
«duello dijudicari inter eos permisit; statim duo 

« pugiles congressi sunt, uterque a suis electus 

« postremo christianus a pagano vulneratus ceeidit. » 
Unter den verschiedensten Verliältnissen also, bald mehr 
durch gerichtliche Bestimmungen festgesetzt, bald mehr auf 
freier Uebereinkunft der beiden streitenden Parteien be- 
ruhend, erweist sich das Kampfurteil weit verbreitet und 
häufig angewendet, so dass die Annahme, es werde sich 
schon frühzeitig eine Art von Berufsfechtern gebildet haben, 
die sich zum Austrage solcher Streitfragen anwerben und be- 
zahlen Hessen, gewiss sehr gerechtfertigt erscheint. Auf einige 
weitere Fälle der gesetzlichen oder sonstigen Anwendung 
des Kampf urteils mag hier noch kurz hingewiesen werden. 
Osenbrüggen, Rechtsgeschichtliche Studien, pag. 163, ver- 
weist auf die lex Alam. Hloth. XLIV, nach welcher Stelle 
ein Freier, der einen andern freien Mann eines unbewiesenen 
todeswürdigen Verbrechens beschuldigt, seine Behauptung 
durch gerichtlichen Zweikampf erhärten muss. J. Grimm, 
Deutsche Rechtsaltertümer 3 , Göttingen 1881, pag. 927 — 930 
und pag. 471/2 (die Neuausgabe, von Heusler besorgt, ist 
mir noch nicht zugänglich gewesen), erwähnt neben den 
übrigen, bereits von dort entlehnten Stellen von darauf 
bezüglichen gesetzlichen Bestimmungen noch die lex Angli- 
orum et Werinorum 16, lex Alam. 56. 84, lex Bajuv. 11, 5. 
16, 2. 17, 2, ferner die lex Roth. 164. 165. 166. 198, dann 
(pag.866/7) die lex Rip. 32, 4. 51 (pag. 904/5), lex Rip. 59, 4. 
lex Burg. 8, 2. Sodann berichtet er von einem Falle strei- 
tiger Erbfolge, der im Jahre 941 unter Otto I durch ein 
Gottesurteil dieser Art entschieden wurde. Die beiden 
(pag. 471/2) dazu angeführten Stellen besagen folgendes: 
« Rex autem meliori consilio usus noluit viros nobiles ac 
«senes populi inhoneste tractari, sed magis rem inter 
«gladiatores discerni jussit. vicit igitur pars, qui 



— 19 — 

« filios filiorura computabant inter filios, et firmatum est, ut 
« aequaliter cum patruis hereditatem dividerent pacto sem- 
«piterno». Witich, corb. p. m. 25. «Ex regis Ottonis om- 
«niumque principura sententia cognitio veritatis com- 
«missa est gladiatorio judicio, cessitque victoria 
«his qui censebant, fratrum filios debere cum patruis here- 
« ditare. » Sigeb. gembl. ad a. 942. Von einem weiteren 
bezeichnenden Vorfalle aus dem Jahre 1095 gibt er uns nach 
Ritz I, 56, Kenntnis: « Nulla melior visa est sententia, quam 
< ut. per judiciarium campum super hoc fieret exa- 
«minatio; sie deinde statuto die et collata utrimque magna 
« populorum affluentia, nobis et ipsis praesentibus advocatis, 
«duo ex utraque parte homines ad hoc praeelecti, 
«ut fieri solet, aggressi sunt singulariter et noster 
«homo propitiante deo victor factus est.» In der 
gleichen Urkunde heisst es a. a. 0. weiter, dass der «Gis- 
«lebertus campio, qui posuit quasi in mortem ani- 
«mam suam pro nostra fidelitate», Ländereien zur 
Belohnung für seine mit Gottes Hilfe den Sieg bewirkende 
Tapferkeit empfangen hat. Einen ähnlichen Fall der Ent- 
scheidung von Rechtstreitigkeiten durch ein Kampfurteil 
finde ich bei Schannat, Hist. Wormat. nr. 51 verzeichnet: 
« Si quis contenderit super agris, vineis, peeunia, 
« ut devitentur perjuria, duo eligantur ad pugnam, 
«et duello litem deeidant». Eine Stelle, die auch 
wegen der darin bezeichneten Ausrüstung der Kämpfer, 
wozu Sachsenspiegel I, 63, und die entsprechenden Be- 
stimmungen des Schwabenspiegels zu vergleichen sind, von 
weiterem Interesse ist, entnimmt Grimm a. a. 0., pag. 878/9, 
dem Bacharacher Blutrechte, das dem 14. Jahrhundert an- 
gehört; sie lautet dort: «sehe er nu denselben man in 
« unses herren gerichte, er wulde in ansprechen umb den 
« schaich und umb den mort. jehe er is ime, er neme is 
«mit Urkunde na des lands rechte, leukent er is ime, er 
«wulde is in beherten mit sime libe uf sinen lip, 
* in sime einfaren rocke, mit sime roiden Schilde, 

2* 



— 20 — 

«mit sime eichinkolben, mit sime wissem vilze, 
«mit sime ufgebunden lniote, mit alle deme daz 
«man zu kampe begeret, dass ein Franke den andern 
« sal durch reicht eins schaichs und eins mordes gichtig 
machen». 

Wurden nun aber Frauen in solche schwere Rechts- 
fälle verwickelt, so war es doppelt nötig, dass diese sich 
einen Verfechter und Vorkämpfer ihrer Unschuld anwerben 
konnten, falls nicht männliche Verwandte oder, was aller- 
dings nicht allzuhäufig vorgekommen sein wird, gar sie 
selbst in eigener Person sich zu dem gerichtlichen Kampfe 
stellten, der im letzteren Falle dann ganz besondere Formen 
annahm, um das schwächere Geschlecht wenigstens einiger- 
massen mit dem männlichen Gegner auf ein Niveau gleicher 
Chancen zu stellen. Von einem solchen Zweikampfe zu 
Gunsten einer Frau berichtet schon Paulus Diaconus IV, 49: 
«haec (i. e. Gundiberga regina) cum de crimine adulterii 
«apud virum accusata fuisset, proprius ejus servus, 
«Carellus nomine, a rege expetiit, ut cum eo, qui 
«reginae crimen ingesserat, pro castitate suae do- 
«minae, monomachia dimicaret. qui dum cum erimi- 
«natore illo singulare certamen iniisset, eum cuncto 
«populo astante superavit, regina vero post hoc 
«factum ad dignitatem pristinam rediit. > Über die 
bereits oben erwähnte besondere Form des Zweikampfes 
zwischen Mann und Frau, wie sie erst im späteren Mittel- 
alter sich ausgebildet hat, vergleiche man Majer's Geschichte 
der Ordalien, pag. 270 — 274 das Nähere. (Dort ist auf die 
vom Augsburger Stadtrecht vom Jahre 1270 pag. 55 für 
diesen Fall vorgesehene Kampfform und auf eine Variation 
derselben bei Ruprecht von Freysing II, 51 hingewiesen, 
wozu auch Osenbrüggen,Rechtsgesch.Studienpag.235 — 237 
nachzusehen ist.) Einen solchen Kampf zwischen beiden 
Geschlechtern sieht auch das Stadtrechtbuch von München 
aus dem Jahre 1347, Art. 188 (von der notnunft) vor, 
wobei auf Codd. ad prooem. cit. cf. Lrb. 5G. F. Str. 39. 



— 21 — 

Rrb. I, 135. Schwbsp. 354. Str. v. Augsb. 112 verwiesen 
ist (s. Fr. Auer, das Stadtrecht von München pag. 72/73). 
Darauf, dass die Frau sich durch einen Kämpfer vertreten 
lassen könne, weist schon das bereits genannte Augsburger 
Stadtrecht von 1276 hin, wo es pag. 69 heisst: «so sol si 
«einen kempfen an ir stat nemen»; und wahrscheinlich 
ist auch die etwas unklare Stelle im Codex des Jus pro- 
vinciale Alemannicum cap. 229 (Ed. Scherz 1727) so zu 
verstehen, welche lautet: «Sprich et ain Fraue ain Man 
«an umb die sach da kämpfe umb ertailt wirt, Und 
«hat der ainen mage von dez wegen diu clag hergat, der 
«im alz nahen ist daz er ez durch reht tun sol. Und 
«kumpt ez darzu daz ain kämpf darumb ertailt wirt, 
«will denn diu fraue so stelt sie wol» (nämlich «einen 
kempfen»?). Davon, dass ein solcher Zweikampf zwischen 
Mann und Frau persönlich, also ohne Vertretung der 
letzteren durch einen für sie kämpfenden Mann, wirklich 
stattgefunden hat, geben zwei Stellen Zeugnis: in den sog. 
Annales Colmarienses majores heisst es zum Jahre 1288: 
«In civitate Bernensi mulier vir um vicisse noscitur 
«in duello,» und zum gleichen Jahre in den Annales Ber- 
nenses: «In Berna fuit duellum inter vir um et rau- 
«lierem in octava Innocentium sedmulier praevaluit.» 
(Vgl. Pertz. Mon. Germ. hist. XVII, 215, 271.) Dengleichen 
Fall erzählt zum Überfluss noch etwas ausführlicher 
Justinger in seiner Berner Chronik pag. 38: «Da man zalt 
«von Gottes Geburt 1288 Jare nach Wienachten an dem 
«achtenden Tage der Kindelein, beschach ein Kampf zu 
«Bern, an der Matten, da nu die Mure unten am Kilchhofe 
«stat und kämpfte ein Frow und ein Mann mit ein- 
«andern und gewann die Frow den Kampf,» und nach 
ihm geben noch andere Chroniken das Ereignis wieder, das 
durch diese verschiedenen Berichte wenigstens als genugsam 
belegt gelten kann. Von der Anwendung des Zweikampfes 
als Gottesurteil zur Entscheidung eines Streites zwischen zwei 
Männern aus Glarus im Jahre 1423 berichtet Tschudi, wo- 



— 22 — 

ruber Johann von Müllers Geschichte der schweizerischen 
Eidgenossenschaft III. 1, 2. (pag. 309, 310) zu vergleichen 
ist. Da wir hier gerade schweizerische Verhältnisse mit 
für diese Fragen in Betracht gezogen haben, möge noch 
auf einiges Weitere verwiesen werden, so zunächst auf die 
von Friedrich II. im Jahre 1218 der Stadt Bern ausgestellte 
Handfeste, von welcher sich (nach Ed. G. Walther citirt) 
die Artikel 30, 31 (zu diesem verweist A. Zeerleder bei 
Behandlung dieser Urkunde in der Berner Jubiläumsschrift 
von 1891, auf den Art. 22 des Stiftungsbriefes von Frei- 
burg i. B.) und 32 (Hoc est autem «ins duelli ) mit dem 
Zweikampf befassen. Doch weist Zeerleder a. a. 0. in der 
Anmerkung zu Artikel 32 der Berner Handfeste von 1218 
darauf hin, dass bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahr- 
hunderts in einzelnen Stadtrechten andererseits wieder 
Bestimmungen vorliegen, welche die Abschaffung des ge- 
richtlichen Zweikampfes bezweckten; so enthalten beispiels- 
weise solche Stellen die Urkunde Friedrich II. für Nürnberg 
vom Jahre 1219, ein Privileg des gleichen Herrschers für 
Begensburg von 1230, eine Verordnung für Münden von 
1246, und ein Privilegium Budolfs von Habsburg für die 
Bürger von Frankfurt (vgl. dazu Gengier, Stadtrechtsalter- 
tümer, 322. § 3; 373. § 1: 303; 113). Ferner gehört hierher 
Artikel 104 der Handfeste von Freiburg i. U. vom Jahre 
1249 ('s. Lehr, la Handfeste de Fribourg dans LUechtland) 
folgenden Inhaltes: «Nullus burgensis duellum faciet, 
«si noluerit; si autem aliquis fuerit qui dicat burgensi: ego 
«te per corpus meum probabo (hier ist wohl ein «contra» 
«zu ergänzen) corpus tuum (,ich bewise mit minem 
«libe an dinen lib', lautet die alte Uebersetzung dieser 
«Bechtsformel), talis tenetur Uli cui dixerit emendare tribus 
«libris et Sculteto similiter.» Endlich sei noch erwähnt, 
dass nach dem ältesten Batsbüchlein von Luzern aus dem 
Jahre 1373 die «Gotteshausleute» daselbst nach altem Her- 
kommen vomKampfurteilbefreitwaren und dasselbe auch selbst 
nicht in Anwendung brachten (vgl. Segesser, Luzernische 



— 23 — 

Rechtsgeschichte II, 617). Damit mag die Betrachtung dieser 
rechtlichen Bestimmungen abgeschlossen sein. Es ist nun- 
mehr zu verfolgen, wie sich diese Verhältnisse in der zeit- 
genössischen Litteratur widergespiegelt haben und wie sie 
zu poetischen Darstellungen grösseren Umfanges oder zu 
kleineren Episoden verwendet worden sind. Zunächst sollen 
allerdings noch einige Worte einer Erscheinung gewidmet 
werden, deren Auftreten uns freilich nur für ausserdeutsche, 
französische und englische Verhältnisse bezeugt ist, die aber 
im engsten Zusammenhange mit unserem Gegenstande steht 
und darum sehr wohl in den Rahmen dieser Untersuchung 
einbezogen werden darf; ich meine die Institution des 
«campio regis» des sog. Königsfechters,» der die Rechte 
seines gekrönten Herrschers an dessen Hofe, besonders bei 
den Krönungsfeierlichkeiten, gegen Anfechtung und Wider- 
spruch mit der blanken Waffe zu verteidigen hatte, was 
oft zu einer bloss ceremoniellen, weil althergebrachten Her- 
ausforderung eines vermeintlichen Gegners Veranlassung 
gab, der in Wirklichkeit gar nicht vorhanden war. Die 
ehrwürdige Sitte forderte auch da gebieterisch ihr Recht, 
wo gar kein Grund mehr für ihr Inkrafttreten vorlag, weil 
ihre Voraussetzung, die Einsprache gegen die Rechtmässigkeit 
der königlichen Rechte und Würden von irgend einer Seite, 
schon längst in Wegfall gekommen war. Einige Nachrichten 
über Vorkommen und Verlauf dieser Ceremonie, deren 
Vertreter doch eine Art von Hofamt mit officiellem Titel 
innegehabt zu haben scheint und jedenfalls als die kräftigste 
Stütze des Kronrechts sehr angesehen war, wie uns die- 
selben aus Frankreich und England überliefert sind, mögen 
hier nach DuCange's Glossarium m. e. i. 1. (Niort 1883) 
tom. II. pag. 65c, 66a Platz finden. Daselbst heisst es 
zunächst: «Charta Henrici I. Regis Anglorum in Monast. 
Angl. tom. 2. pag. 973 subscribitur a «Roberto de Ba- 
jocis campione Regis.» Ita autem appellatur in Anglia 
Miles*, qui coronato Rege, dum ille mensae cum 
proceribus accumbit, ad monomachiam provocat, 



— 24 — 

quotquot Regem illum esse negant»: quam quidem 
ceremoniam ita describit Thomas Walsinghamus, ubi agit 
de coronatione Ricardi II. pag. 102: «Interea praeparavit 
«se quidam Miles Dominus Joannes cognomento Dimmock, 
«qui clamabat se habere jus ad defendendum jura Regis 
«illo die, et etiamsi opus esset duello confligendum, 
«si aliquis praesumeret affirmare Regem non habere 
«jus in regno Angliae.» Ferner: Froissarts 4. vol. cap. 
114 ubi de inauguratione et coronatione Henrici Lanea- 
strensis: «En la moitie de ce disner vint un Chevalier, 
«qui se nommoit Diureth, tout arme, monte sur un cheval 
«tout eouvert de mailles de vermeil, Chevalier et cheval, et 
«estoit arme pour gage de bataille, et avoit un Chevalier 
«devant lui, qui portoit sa lance, et avoit ledit Chevalier a 
«son coste l'espee toute nue, et sa clague ä l'autre coste; 
«et bailla ledit Chevalier un libelle au Roy, qui fut leu; 
«lequel libelle contenoit, que s'il estoit Chevalier, 
«Escuier, ou Gentilhomme, qui vousist dire ne main- 
«tenir, que le Roy Henry ne fust vray Roy, il estoit 
«tout prest de le combattre present leRoy, quand il 
»plairoit au Roy assigner journee: et la fit le Roy crier par 
«un heraud d*armes par six lieux en ladite ville, et aussi 
«en la sale.» Endlich noch: Thomas Milles lib. de Nobil. 
Polit. vel Civili pag. 109 describens ceremoniam coro- 
nationis Edwardi VI. Regis Angliae: «Post secundum fer- 
«culorum apparatum, Regius Agonista (Dimmocus cogno- 
«mine) eques auratus undique armatus, equo insidens bellico, 
«pannis aureis phalerato, paluclato feciali comitatus ingressus 
«est, qui primo gressu glomerante superbo ad regem se 
«contulit ipsumque summa observantia adoratus est. Deinde 
«equum concitando ovantem quater per aulam clangente tuba 
«ad duellum provocavit, si quis nimirum Edwardum 
«ejus nominis VI. Angliae, Franciae, et Hiberniae 
«verum, indubitatum, legitimumque Regem negaret: 
«totiesque ehirothecam militarem arrham projecit 
«humi, quam quum nemo attolleret, fecialis ipsi 



— 25 — 

«reddidit.» Dazu hat der Herausgeber und Bearbeiter des 

Wörterbuches noch folgendes Weitere zu bemerken : Videtur 

autem miles ille «patriam» repraesentare, quia', inquit 

Bracton. lib. 3. tract. 2. cap. 21. § 11: Rex non pugnat, 

nee alium habet Campionem, quam patriam". Id 

porro muneris Marmionorum familiae competiit, a qua 

per filiam in Dimocorum gentem in agro Lincolniensi tran- 

siisse scribit Camdenus in Descript. Staffordensis Comitatus". 

Im Anschlüsse hieran mögen nach Du Gange tom. VI. sp. 

559a, b noch zwei Zeugnisse erwähnt sein, die sich daselbst 

für die Verwendung des gerichtlichen Zweikampfes finden, 

ferner eine Stelle, die meine Annahme eines Fechterstandes, 

der sich für Geld zum Austrage von Streitigkeiten herbei- 

liess, zu bestätigen scheint. Für Letzteres kann man sich 

auf die sub voce <pugü' stehende Angabe eines jmgil con- 

dueticius', qui pro alio certamen et duellum sus- 

cipiebat, in Libert. Clarimont. ann. 1248. tom. 5. Ordinal. 

reg. Franc, pag. 600. art. 6 berufen; für Ersteres auf die 

Belege zu pugü'=campio, in Foris Bigorrensibus art. 20. 

Tabular. S. Germani Paris, sub Hugone: «Godefridus quidam 

«de saneto Germano Pugilem suum Robertum et suos 

«obsides coram assistente multitudine nobis exhibuit. 

«Godefridus vero de Braviler neque pugilem, neque ob- 

«sides suos exhibuit, nee ea die comparuerunt in Curia 

«nostra, propter quod ei diximus, ipsum deeidisse a causa;» 

und zu pugilare'=duello contendere, Guibertus lib. 3 de 

«vita sua cap. 14: «Is contradatis vadibus bello eura 

«pugilaturus impetiit.» 

Wohl am besten, teilweise mit fast wörtlicher Ver- 
wendung der üblichen Rechtsformeln ist der gerichtliche 
Zweikampf litterarisch verwendet auf dem Gebiete der Tier- 
fabel, von den Verfassern der Gedichte «Van den vos 
Reinaerde» (Ausgabe v. E. Martin) und «Reineke Vos» 
(Ausgabe von Fr. Prien, Halle 1887). Ich gebe hier die 
betreffenden Stellen, welche deutlich den engen Anschluss 
an die bestehenden Bräuche und Redewendungen erkennen 



— 26 — 

lassen, im Auszuge wieder. So heisst es zunächst in 
Reinaert II. (Ed. Martin) v. 6740 ff.: 

«mer ic tie u hier voor hem allen, 

«dat ghi een verrader ende een moorder sijt. 

«ic salt u doen lien in een crijt 

«op enen dach, lijf teghen lijf: 

«ende dus coomt ten einde onse kijf. 

«siet hier, ic biede u den hantscoe! 

«ic wil daer voor sterven of brenghen toe. 

«die recht heeft, het sei wel bliken.» 

Dazu führt Prof. Martin in der Anmerkung die folgenden 
beiden weiteren Belege an; erstens eine Stelle aus Froissart 
bei Du Gange, lautend: «je di que tu es faux mauvais et 
«traistre: tout ce je prouveray mon corps contre le tien, 
«et voici mon gage!» Zweitens einen Ausdruck aus einer 
Ordonnanz Philipps des Schönen von Frankreich vom Jahre 
1306: «ce luy monstreray je aujourdhui par mon corps 
«contre le sien.» Ferner Reinaert II. v. 6916 ff.: 

«die wolf swoer voor, dat die vos 
«een moorder was ende een verrader, 
«ende argher niet wesen mochte noch quader: 
«dat soudi op hem marken vvaer. 
«Reinaert die vos swoer daer naer, 
«dat hijt looch als een vuul katijf: 
«dat soudi waer raaken op sijn lijf.» 

Cxanz ähnlich lauten die entsprechenden Stellen in 
Reineke Vos, so B. IV. c. 5. v. 6102 f.: 

«Ik wyl myt yw slan eynen kamp. 
«Hebbe gy dan recht, dat vynde gy wol». 
(Vgl. v. 100 «De recht lieft, schal wol richtich blyuen.») 

Ferner B. IV. cap. 5. v. 6120 ff.: 

«Wy wyllen kempen vmme olt vnde nye. 

«1k essche yw to kampe to desser tyd, 

«Ik spreke, dat gy eyn vorreder vnde morder syd. 

«Ik wyl myt yw kempen lyff vmme lyff, 

«Sus mach eyns endygen vnse ky II'. 

«De vthbuth den kamp, dat is dat recht, 

«Eynen hantschen deme anderen (o donde plecht; 

«Den hebbe gy hir, nemet to yw!» 



— 27 — 

Am Schlüsse von Buch IV cap. 5 steht ('olgende Prosa- 
Erläuterung über das Kampfurteil (vgl. pag. 213.): 

«Oldynges was yd eyne wyse, dat etlyke eddelynge 
«vaken eyn yegen den anderen plach to kempen, dar vele 
«van steyt in der ystorien van den Romeren vnde anderen 
«böken vnde kroniken; vnde ane orloff des konnynges efte 
«heren des landes so moste nemant kempen efte vechten 
«lyff oinme lyff. Denne, wan de here efte konnynck des 
«landes den kamp beorlouede, so mosten de twey gan in 
«gevencknysse, edder borgen setten, den ghesatteden dach 
«to kampe to komen. Dyt sulue menet de lerer hir, dat 
Reynke vnde Ysegrym borgen satten. Vnde denne in der 
- myddeltyd twysschen deme dage des kampes heft eyn yslyk 
«bi synen vrunden ghewest, de em trostlik weren vnde en 
«vrimodich makeden, vnde dar hadden se denne welke 
«vechters, dede vorvaren weren in sodanen dyngen; 
«desse lereden de kempers, wo se syk scholden 
«h ebben. Dyt menet de dychter hir na in deine capittel.» 

Und endlich noch die Stelle B. IV, cap. 7. v. 6269 ff.: 

«He swor, dat Reynke were eyn vorreder, 
«Eyn deff, eyn morder, eyn mysdeder, 
«Eyn ebreker vnde eyn valsch ketyff. 
«,Dyt gylt vns beyden lyff vmme lyff.'» 

Aber auch in die Dichtung der deutschen Heldensage 
sind solche Anklänge an den gerichtlichen Zweikampf 
und das Gottesurteil in zahlreichen Wendungen eingedrungen, 
und oft sind derartige Situationen mit Vorliebe geschildert 
und breit und weitläufig ausgemalt worden, so besonders, 
wenn es sich um ritterliche Zweikämpfe handelte, die von 
den Rittern selbst in eigener Person ausgefochten wurden, 
um die angegriffene Ehre ihrer Dame zu schützen und ihre 
Unschuld böswilligen Vorwürfen oder Verrätereien gegenüber 
durch einen glänzenden Sieg über den Gegner offenkundig 
zu erweisen. Solchen Darstellungen begegnet man in der 
Ritterdichtung des ganzen Mittelalters so häufig, dass es 
hier zu weit führen würde, auch nur eine Übersicht über 



— 28 — 

die gesamten Stellen zu geben: ich muss mich daher für 
jetzt begnügen, auf einige der naheliegendsten Angaben 
solcher Verhältnisse als Beispiele kurz zu verweisen. 
So führt Benecke in seinem Wörterbuche zu Hartmann 
von Aue's Iwein (2. Ausgabe von Wilken. Göttingen 1874) 
manche Ausdrücke dieses Gedichtes an, die entschieden 
eine Auffassung des Kampfes unter dem Gesichtspunkte 
des rechtlichen Ordals an den betreffenden Stellen erkennen 
lassen, wenn auch die weiteren Formen desselben vom 
Dichter nicht ausführlicher angewendet worden sind. Als 
Belege dafür mögen folgende Wendungen gelten, die am 
erwähnten Orte sich finden: «ir kempfe wurde sigehaft. 
253. si was ir kempfen harte vrö. 210. daz gotes gnade 
und gebot ir kempfen erte. 199. der ir kempfen über- 
strite. 213. si vuor ir kempfen suochen. 213. ich schiet 
äne kempfen dan. 158. sol si kempfen hän. 193. ich 
vinde kempfen. 210. 212. daz si den kempfen bringe 
dar. 222. si suochte einen kempfen. 211. du muost mir 
min erbeteil län oder einen kempfen hän. 210. er wollde 
in kempfen. 181. 255. daz die besten gesellen ein ander 
kempfen wellen. 255. ze sehenne ein vehten von zwein 
so guoten knehten. 254. vür eine vrouw e n vehten , st riten. 
155. 193. 278. 218. ein kämpf ist gesprochen zwischen in 
beiden über sehs wochen. 222. 213. er muoz ime vierzec 
tage kampfes biten. 213. sich mit kämpfe loesen. 158. 
mit kämpfe unschuldec werden. 202. der man den er 
an mit kämpfe vor gerihte sprach. 202. 156. sich 
mit kämpfe wem. 154. durch einen kempfen. 209. 
einem den kämpf geheizen. 251. einen kämpf bestän. 
165. 250. heiz den kämpf läzen sin. 267. wider sinen 
kampfgenöz. 269. sinen kampfgesellen üf den sämen 
v eilen. 259. an der kampfstat vinden. 252. manec 
kampfwise man sach diesen kämpf an. 265. die zwene 
kämpf wi sen träten zesamene. 261. wartet min morgen 
vruo; ich kume ze guoter kampfzit. 163. 252. daz ein 
kempfe dri man. 164». Ähnliche Stellen, die entweder 



— 29 — 

schon in den verwendeten Ausdrücken, oder doch in der 
Art und Weise, wie der Kampf in seinem Verlaufe geschildert 
wird, nach dem vorbildlichen Muster des gerichtlichen 
Zweikampfes gebildet sind, auch wenn es sich um blosse 
Privatstreitigkeiten oder Turnierfehden handelt, finden sich 
noch häufig. So mögen, um beispielsweise aus der grossen 
Fülle derselben noch einige herauszugreifen, etwa noch 
die folgenden hier erwähnt werden, ohne dass ich sie jedoch 
im Wortlaute anzuführen für nötig erachtete, da sie meistens 
genügend bekannt oder doch leicht nachzuschlagen sind. 
Ganz besonders ist an dieser Stelle, was die Kampfausdrücke 
anbelangt, auf Wilhelm Grimm 's treffliche Sammlung unter 
dem Titel: «Deutsche Wörter für Krieg», in dessen Kleineren 
Schriften (Ausgabe von G. Hinrichs. Berlin 1883), im 
Band III, pag. 516 ff. publiciert, hinzuweisen, der ich einige 
für unseren Zweck wichtige Zeugnisse im Folgenden ent- 
nommen habe (vgl. besonders pag. 535 ff. a. a. 0.). Dar- 
nach erscheint das ahd. «kemphjo, kemfo » bereits einige 
Male in den ältesten Glossen, wo es durch das lat. gladiator, 
athleta' wiedergegeben ist. Dem entspricht der Umstand, 
dass die Schlettstädter Glossen (vgl. Haupt's Zeitschrift V, 
346) das Wort ein wie 1 Zweikampf, durch die Begriffe 
«ludicrum» und «speetaculum» erklären. Dass bereits in 
althochdeutscher Zeit verschiedene Arten von Kämpen unter- 
schieden wurden, beweist das Vorkommen der Ausdrücke: 
«füstkempho, knuttilkempfo und swertkempfo» im 
Sprachschatze jener Glossenlitteratur. Neben zahlreichen 
anderen von Grimm in grosser Vollzähligkeit angeführten 
Stellen will ich hier nur noch einige derjenigen er- 
wähnen, die durch ihre ausführliche Schilderung der Ver- 
hältnisse oder durch bemerkenswerte sprachliche Wen- 
dungen und stehend gewordene Ausdrücke von besonderem 
Werte sind. So wären etwa zu vergleichen : Tristan 
(Ausgabe von Massmann), pag. 332, 37 — 40. 333, 1 — 19. 
Biterolf v. 12'949— 12959. Wolfdietrich D. VII. 168, 1, 
2. 170, 2, 3. 175, 4. 176, 2. 177,3, 4. 178, 4. 183, 1. 



— 30 — 

187, 1, 2. 188, 4. 192, 2, 3. 199, 3, 4 (Variante nach 
a, e.). 205, 2. 

Die in Konrad von Würzburg's Gedieht «Engelhart 
und Engeltrüt» und im Lohengrin geschilderten Kampf- 
episoden zwischen den Helden Ritschier von England und 
Dietrich von Bern einerseits und zwischen dem Gralritter 
Lohengrin und seinem Gegner Graf Telramund andererseits 
zeigen — vielleicht unter dem Einflüsse ihrer romanischen 
Vorbilder und der christlich-kirchlichen Richtung ihrer Ent- 
stehungszeit entsprechend — den ausgesprochenen Charakter 
des Gottesurteils und wahren auch in ihrer Darstellung 
genau die Formen des gerichtlichen Zweikampfes mit allen 
seinen festgefügten, durch alte Tradition gut erhaltenen 
rechtlichen Gebräuchen und sprachlichen Ausdrücken. Zur 
Bekräftigung dieser Behauptung mögen aus den beiden 
Gedichten etwa die nachstehend angeführten Stellen als 
die bezeichnendsten verglichen werden. Engelhart (Ausgabe 
Haupt-Joseph), v. 4003-4029.4034-4051. 4088-4093.' 
4108-4117. 4119/21. 4128—4133. 4160/1. 4444-4447. 
4462/3. 4476/7. 4526-4529. 4656-4663. 4666-4669. 
4672-4675. 4710/11. 4745-4749. 4756/7.4806/7. 4828-4832. 
4848/9. 4872/3. 4902/3. 4954—4961. Lohengrin (Ausgabe 
Rückert). v. 251/2. 264/5. 349—353. 378. 506-508. 
511/12. 575/6. 590. 688. 819/20. 830. 864-868. 886—888. 
1246—1248. 1914/5. 1997—2000. 2135—2138. 2167. 
2201—2205. 2237—2246. 7157/8. 7167/8. Schilderungen 
ganz ähnlicher Art, die mit den früher erwähnten eine bis auf 
die gleichen Ausdrücke gehende Uebereinstimmung zeigen, 
finden sich noch in zahlreichen anderen Werken dieses und 
des späteren Zeitraumes höfischer Dichtung. So ist etwa 
noch auf die gleichartigen Verhältnisse im Schwanritter 
Konrad"s von Würzburg und auf das von zahlreichen 
Kampfschilderungen durchsetzte Gedicht von Reinfried von 
Braunschweig (Ausgabe: Bibl. d. Stuttg. Litt.-Ver. Bd. GIX) 
hinzuweisen. Ähnliche Auffassungen vom Kampfwesen und 
selbst vom Turnier als einer Art gerichtlicher Entscheidung 



— 31 — 

unter göttlichem Beistande zu Gunsten in Anspruch genom- 
mener Rechte und Ehren finden sich noch bei vielen Dichtern 
ritterlicher Epen und auch in den verschiedenen Rechts- 
büchern hat sich diese Anschauung lange erhalten. Für 
die betreffenden Redensarten und Ausdrücke ist dabei wieder 
die reichhaltige Sammlung des erwähnten Grimmschen 
Aufsatzes (Kl. Sehr. III, besonders pag. 539 — 543) nach- 
zusehen, wo sich unter anderen noch folgende deutliche 
und bezeichnende Stellen finden: Wilhelm v. Orlens v. 11303. 
sich veile geben mit sinem kämpfe in einen strit. 
Ferner im Apollonius, wo ein gerichtlicher Zweikampf 
zwischen einer Jungfrau und einem Manne geschildert wird, 
v. 20'017: ich wil ez hiute bringen mit kämpfe üf 
sinen veigen lip. Im Schwabensp. 187,8 heisst es: got 
muoz ez under in scheiden mit kämpfe; und ebenda 
404,45: einen versten mit kämpfe, d. h. für eines andern 
Recht kämpfend eintreten (vgl. auch 404, 48). Die damit 
meist übereinstimmenden Wendungen des Sachsenspiegels 
hat Home y er in seiner Ausgabe I, 340 zusammengestellt. 
Ich will hier noch erwähnen, dass in dem Gedichte van 
Bere Wisselauwe (vgl. Quellen und Forschungen, Heft 
Nr. 65, Strassburg 1889, pag. 66 ff.) das zottige Ungetüm 
an zahlreichen Stellen mit dem respectvollen Namen eines 
«kempen» bezeichnet wird, gleichsam als der gefürchtete 
Vorkämpfer Gernots, seines Herrn und Führers. Im Übrigen 
ist noch auf eine längere Schilderung eines Zweikampfes 
zwischen gemieteten, im Solde ihrer streitenden Herren 
stehenden Kämpen zu verweisen, die zwar einen etwas 
komischen Charakter hat, manche Einzelheiten aber doch 
recht genau und ausführlich wiedergibt, welche aber wegen 
ihrer Ausdehnung notgedrungen in den Anhang gestellt 
werden musste. Diese Episode, ein Ereignis aus dem Jahre 
1236, das bei einer Fehde zwischen Herzog Heinrich von 
Brabant und dem Bischöfe von Lüttich sich abspielte, isi 
mir in zwei, nicht allzusehr von einander abweichenden 
Überlieferungen zugänglich gewesen. Die eine, etwas um- 



— 32 — 

fangreichere und wie mir, nach der Sprache zu schliessen, 

scheint ältere Aufzeichnung, findet sich abgedruckt im 
Spiegel Historiaal, of Rym-Spiegel, zynde de nederlandsche 
Rym-Chronyk, van Lodewyk van Velthem, Priester, voor 
ruym 400 Jaaren in Dichtmaat gebracht. Uitgegeven en 
met noodige verklaaringen opgeheldert, door Isaac le Long. 
T'Amsterdam, 1727, pag. 38—42 (I. Boek, cap. 28—30). 
Die zweite, kürzere und jüngere Fassung steht (nach einer 
Papierhandschrift vom Ende des 14. oder Anfang des 
15. Jahrhunderts, die das 4. Buch der «Brabant'schen Yeesten» 
enthielt und früher Eigentum der Abtei von Affligem war, 
dann als Geschenk an das Reichsarchiv in Brüssel über- 
ging) nebst drei interessanten Abbildungen dazu, die den 
Miniaturen der erwähnten Handschrift entnommen sind, im 
Belgisch Museum voor de nederduitsche Tael-en-Letterkunde 
en de Geschieclenis des Vaderlands, uitgegeven noor 
J. F. Willems, Deel I. (Te Gent, 1837), pag. 26—32 abge- 
druckt. Neben dieser Aufzeichnung soll sich, wie Willems 
(a. a. 0., pag. 32) mitteilt, nur noch eine Darstellung dieses 
Vorfalles vorfinden, nämlich in einer anderen Abschrift der 
Brabant'schen Yeesten>, die von Hein van Damme für die 
Stadt Brüssel im Jahre 1444 angefertigt worden war, in 
welcher dem betreffenden Ereignisse die Blätter LXXVIII 
und LXXIX gewidmet sind. Das ist, was an dieser Stelle 
noch über die Ueberlieferung des äusserst wertvollen und 
erheiternden, sittengeschichtlich nicht unwichtigen Zeugnisses 
für die weite Verbreitung des sogenannten «kampflichen 
gruozes» und die oft auch ergötzlichen Situationen, die 
seine Anwendung etwa mit sich brachte, noch kurz anzu- 
führen war. 

Nunmehr verlassen wir das mehr religiöse und recht- 
liche Gebiet der Kämpen, um zu den Fechtern überzugehen, 
worunter zunächst die höfischen Fechtmeister und Ver- 
treter ritterlicher Waffenübungen, später dann auch ihre 
entarteten Ausläufer, die Klopffechter einerseits und die 
bürgerlichen, handvverksmässigen Berufs- und Gelegenheits- 



— 33 — 

fechter der Fechtergesellschaften andererseits, bis herab 
zu den vagierenden Seiltänzer- und Gauklerbanden und den 
von Ort zu Ort wandernden und «fechtenden», d. h. bettelnden 
Handwerksburschen, zu verstehen sind. Zunächst mögen 
einige Stellen das Auftreten von Fechtmeistern an den 
ritterlichen Höfen des Mittelalters und die sorgfältige Pflege 
des edlen Waffenspieles daselbst, sei es zur heiteren Er- 
götzung bei Festlichkeiten oder zur wehrhaften Erziehung 
für den kriegerischen Ernstfall, belegen. Denn als Kunst 
wurde der Gebrauch der Waffen von dem tüchtigen Manne 
stets angesehen und gehandhabt, mag es friedliches Spiel 
gewesen sein oder bitteren Ernst gegolten haben. Zur Be- 
zeichnung speciell der Thätigkeiten der Fechtkims t stehen 
in vielen unserer Quellen (vgl. die weiter unten angeführten 
Zeugnisse) die Ausdrücke «fechten» und «schirmen» neben- 
einander, ursprünglich wohl so gebraucht, dass das erstere 
die Angriffshiebe und die Kunstformen der Offensive, das 
letztere dagegen die Parierhiebe und die Abwehr- und Ver- 
teidigungskunst, die Defensive, bezeichnete, wie es auch in 
der Grandbedeutung der Worte selbst schon liegt, indem 
«fechten» ein eifriges, rühriges und hastiges Bewegen der 
Hände in der Luft, und zwar sowohl mit als ohne Waffe 
(vgl. die Ausdrücke fuchteln» und «Fuchtel», die auch 
hierher gehören, sowie das Schweiz, dialektische «fechten» 
= eine Arbeit hastig und unruhig verrichten, sich mit 
etwas eilen), 1 ) «schirmen» aber ein kühlüberlegtes, bedäch- 
tiges und besonnenes Schützen und sich Decken in sich 
schliesst. Doch hat «schirmen» die Bedeutung beider Seiten 
der Fechtkunst in sich vereinigt und wird, wie später 
«fechten», im allgemeinen Sinne für das Ausüben kriegerischer 
Kunst verwendet. Es haben also davon abgeleitete Aus- 



i) Grimm und Klugestellen in ihren Wörterbüchern «fechten» 
(ahd. fehtan, mhd. vehten, ae. feohtan, ne. fight); etymologisch zum 

mnd. vechten ai'r. ihn-hta 

lateinischen jpugnus, pugna, pugnare, pugil 1 , was möglich, aber nicht 
erwiesen ist. 

3 



- 34 — 

drücke, wie «Schirmmeister, Schirmschild, Schirmschlag. 
Schirmschwert, Schirmknabe, Schirmwaffe* etc. vollständig 
den umfassenderen Sinn von «Fechtmeister» u. s. f. Zu 
bemerken ist noch, dass beide Ausdrücke, wie übrigens 
auch alle anderen auf verwandte kriegerische Leistungen 
bezüglichen, ohne Unterschied sowohl zur Bezeichnung der 
blossen erzieherischen Übung oder des zur Unterhaltung 
veranstalteten ritterlichen Spieles, als auch bei der Schilde- 
rung des eigentlichen Kampfes und ernsthaften Streites auf 
Tod und Leben, z. B. bei Darstellung von Zweikämpfen 
oder von grösseren Schlachtscenen, ganz in gleicher Weise, 
und oft der eine für den anderen stehend, verwendet werden, 
eben weil der Unterschied zwischen Scherz und Ernst im 
Kampfspiel (vgl. z. B. den Übergang vom Scheingefechte 
zum ernsthaften Wettstreit in Kudrun 366, 1, 2 mit der 
Formel: «läz äne vride sin unser beider schirmen», und die 
Anmerkung zu dieser Stelle [Ausgabe v. Martin, pag. 84]) 
für das germanische Volksbewusstsein, das allen Äusse- 
rungen seiner urwüchsigen Kraft das gleiche, warme und 
rege Interesse entgegenbrachte, ein so überaus geringer 
war. Wenn wir daher in unseren Kampfschilderungen 
verschiedene Ausdrücke für die gleiche Sache gebraucht 
und dieselben häufig wechseln sehen, so ist das mehr einem 
Bedürfnis nach poetischer Variation der Darstellung zuzu- 
schreiben, als dass den formalen, sprachlichen Unterschieden 
auch tiefergehende, inhaltliche Sinnesdifferenzen entsprechen 
würden. Eben das häufige Streben nach Variation im Ausdruck 
zur Erleichterung breiter und wiederholender Ausführung 
dieser besonders interessanten Partien der Erzählung, wie 
überhaupt die ganze Fülle des Wortschatzes der Sprache auf 
dem Gebiete kriegerischer Bethätigung, — ein Reichtum, der 
durch Übernahme einer grossen Anzahl von Fremdworten 
unter dem Einflüsse romanischer Cultur und Sitte noch sehr 
erheblich erhöht worden ist, — können uns deutlich beweisen, 
wie sehr das Kampfmotiv im Mittelpunkte des Interesses 
und des ganzen geistigen Lebens der germanischen Völker- 



35 — 

schaften gestanden hat. Und ein weiterer beredter Zeuge 
des mächtigen und tiefgehenden Einflusses, den dieses teils 
auf mythologischer Anschauung, teils auf historischen Ver- 
hältnissen (Völkerwanderung, Christianisierung, Kreuzzügen, 
Kriegsfahrten etc.) beruhende Übergewicht einer kriege- 
rischen Weltauffassung auf das gesamte deutsche Cultur- 
und Sprachleben ausgeübt hat, ist der grosse Bestand von 
kräftigen, naiv-sinnlichen, im Volksbewusstsein von heute 
noch tiefeingewurzelten Redewendungen und sprachlichen 
Ausdrücken, von Formeln und Sprichwörtern, die gerade in 
den niederen, das Alte am zähesten festhaltenden Volks- 
schichten noch am weitesten verbreitet und am besten er- 
halten sind und welche alle noch mehr oder weniger deutlich 
erkennbar dem grossen Gebiete des Kampflebens entstammen 
oder doch in Anlehnung an jenen kriegerischen Gedanken- 
kreis verwendet, umgedeutet oder gar neugebildet worden 
sind. Nun aber zurück zum «Fechten und Schirmen» der 
ritterlichen Jugend und der tüchtigen Helden an den Höfen der 
Fürsten oder auf den Turnierplätzen der Städte, wie es in 
den Zeiten des deutschen Mittelalters in Scherz und Ernst 
so eifrig gepflegt und so häufig in den Zeugnissen der 
Heldensage und anderen Ritterdichtungen dargestellt worden 
ist. Die ausführliche Schilderung eines heiteren Fechter- 
kampfes, die sog. Fechtprobe zwischen den Helden Wate 
und Hagen, wie sie uns das Kudrunlied bietet, gebe ich in 
den Beilagen (vgl. dort Nr. I) wieder in Anbetracht ihrer 
grösseren Ausdehnung und verweise hier nur noch auf 
mehrere, kleinere Stellen, wo von diesen Künsten oder 
auch ihrer ernsthaften Anwendung die Rede ist, ohne in- 
dessen hier, wie gleich bemerkt sein mag, den Gegenstand 
etwa schon erschöpfend behandeln zu wollen; denn dazu 
bedürfte es noch eines viel umfassenderen Materiales, als 
es mir bis heute zu Gebote stand. Zunächst die Zeugnisse 
dafür, dass das Fechten ein Hauptbestandteil in der höfischen 
Erziehung junger Ritter, neben der auch in anderen Künsten 
geforderten Tüchtigkeit und Ausbildung, war, weshalb solche 

3* 



— 36 — 

Waffenübungen und Ritterspiele auch bei keinem grösseren 
Hoffeste unter den üblichen Kurzweilen und Unterhaltungen 
fehlen durften. Dafür geben folgende Stellen eine Anzahl 
Belege : 

«Ninus leirti sini man 

«aribeiti lidan, 

«in gewefinin ritin. 

«daz si vreisin gidorstin irbitin, 

«schiezin unti schirmin;» Annolied v. 139 — 143. 

«und hiez in leren schirmen.» Lanzelet v. 279. 

«vehten, rennen, springen, 

«loufen, schirmen, ringen, 

«zabeln unde kugelspil, 

«rotten, gigen, harpfen vil, 

«und kräm allerhande 

«von alder weite lande, 

«daz vint man tegeliches da, 

«mer dan iender anderswä: 

«des ist der turnei dar geleit.» Lanz. v. 2675 — 2683. 

«Aller hande riterspil 

«Lerten in die riter vil, 

«ßuhurdieren, unde stechen, 

«Diu starchen sper zebrechen, 

«Schirmen, unde schiezzen.» Wigalois v. 1254—1258. 

«Dise furnierten da, 

«So schirmten die anderswä. 

«Si sähen buhurdieren. 

«Die knappen tiostieren, 

«Tanzen, unde singen, 

«Schiezzen, unde springen; 

«Als ich iu nu sagen wil, 

«Aller hande riterspil 

«Was da äne mäze vil.» Wigalois v. 2648 — 2656. 

«schirmen mit den schilden und schiezen manegen Schaft.» 

Nib. 307, 2—3. 
«wol schirmen, starke ringen, 
«wol loufen, sere springen, 
«dar zuo schiezen den schaft, 

«daz tete er wol nach siner kraft.» Tristan v. 2111 — 2114. 
«swä er die schirmmeister vant 
«mit Schilde und buckelaeren, 
«er hiez im ie bewaeren 
«die kunst bescheidenliche. 



— 37 — 

«den jungen kunic riche 

«ein meister lerte uz Irlant, 

«daz diu kunst des heldes hant 

«über alle schirmaere truoc: 

«daz zuo was er starc genuoc. 

«vil eilenthafte stuont sin muot.» Biterolf v. 2134 — 2143. 

«er schütte ez als ein schirmswert. Bit. v. 2171. 

«der vil starke küene man 

«truoc dem getwerge haz. 

«eins schirmslages er niht vergaz, 

«den lerte in meister Hildebrant.» Laurin v. 1476 — 1479. 

«sin zühte meister Schyron 

«lert in behendekeite vil: 

«schächzabel, schirmen, seitenspil 

«und singen mit dem munde, 

«daz muoste er gar von gründe 

«biz üf ein ende kunnen.» Trojanischer Krieg v. 6162 — 6167. 

«buhurt unde riterschaft, 

«schermen, springen, schiezen den schaft. 

«loufen unde ringen, 

«herpfen, rotten, singen:» Otte's Eraklius v. 2665 — 2668. 

«Man lert die jungen fürsten manic ritterspil: 

«schirmen unde vehten und schiezen zuo dem zil, 

«springen nach der wite und schüten wol den schaft, 

«üf satele rehte sitzen: des wurdens dicke sigehaft. 

«Man lert die jungen fürsten die schilte rehte tragen, 

«mit scharpfen geren schiezen durch halsberc und durch kragen, 

«swä man in herten stürmen gen vinden solte stän, 

«ir helme ze rehte binden lerte man die jungen man. 

«Man lert sie wie sie solten werfen wol den stein 

«daz sie den pris behielten: ir kraft was niht klein» Wolfdietr. 

D. III, 3—5, 2. 
«dö wart geturnieret von rittern mit dem swert. 
«stechen vor schoenen frouwen vant man dö genuoc,» Wolfd. 

D. VIII, 339, 2—3. 
«üf dem velde über al 
«vant man kurzwile vil 
«und aller hande ritterspil: 
«tanzen, bühurtieren, 
«dise tjostieren, 
«jene loufen, dise springen, 
«schirmen unde ringen, 
«dise würfen den stein, 



— 38 — 

«so wurden jene des enein, 

«daz si schuzzen den schaft.» Garel v. 10' 435 — lO'ii i. 

«man vant da vreuden vollen gelt. 

«swie der man wolte leben, 

«diu wal was im wol gegeben. 

«wolt er buhurdieren, 

«tanzen, tjostieren, 

«loufen oder springen, 

«den stein werfen oder ringen, 

«schermen, den schaft schiezen, 

«swen des niht wolt verdriezen, 

«daz er horte seitspil, 

«des was äne mäze vil. 

«swaz der man gerne sach 

«nach sinem willen daz geschach 

«ze vreuden, als er gerte.» Garel v. 20'134 — 20'147. 

«ge schermen und gefechtin.» Ritterspiegel v. 271K. 

«schirmen, ringen, tanzen und springen.» Fastnachtspiele 

266, 16. 
«ich haisz ritter Fridereich 
«und bab im lant zu Markandeich 
«mit schirmen gewunnen ritterschaft. 
«mein schirmschleg die haben kraft.» Fastnachtsp, 363,11 — 14. 
«ich zerhaw im seine brünne 
«mit ainem schirmenschlag.» Hildebrandslied. (Uhland, 

Volksl.2. 250.). 
«dar sach men schermen unde vechten.» Reineke Vos. II, 

1. v. 3301. 

Nunmehr mögen noch eine Anzahl Stellen hier ange- 
führt werden zum Belege dafür, dass die gleichen Aus- 
drücke des «Fechtens» und «Schirmen s>, wie sie bei den 
harmloseren Uebungen und Spielen erscheinen, auch da 
auftreten, wo es sich um ernsthaften Streit der einzelnen 
Helden in der Schlacht oder im Zweikampfe handelt. 

«wir schuolen mit den s werten 

«daz uelt mit in ge teilen. » Ruolandesliet. 77, 22 3. 

«:der site was unter guten knechten 

«si cunden wol uechten 

«mit spiezen unt mit geren, 

«des flizten sich die herren.» ebenda 157, 6 — 9. 

«er vihtet in allenthalben sige.» Alexander v. 2286. 



— 39 — 

«hien vihtet niemen mit iu zwein.» Iwein v. 5291. 

«daz er für mich vehte.» Parzival 701, 25. 

«un veht ab ir niwan mit zwein.» Parzival 707, 24. 

«er schirmde manege wile 

«dar nach sluog er mit ile.» Wigalois v. 7155/6. 

«ein schilt er ze schirmen truoc.» ebenda v. 7358. 

«do entweich im der junge degen 

«mit scherme allez flf den sal.» ebenda v. 7501/2. 

«ir ietweder schermen für starke wunden began.» Nib. 2155,4. 

« schermen im began 

«der herre von Berne vor angestlichen siegen.» ebenda 2286, 

2—3. 
«dö si hie bi Etzel vähten manegen wie.» ebenda 1735, 2. 
«Er vrägte, wä si waeren durch vehten hinger iten. 
«da ze Portegäle haben wir gestriten. Kudrun 222, 1—2. 
«Tristan mit sinem kolben vienc 
«alle sine siege, wan er was kluoc 
«und konde ouch rechtes schirm es gnuoc.» Heinrich's 

Tristan v. 5600—5602. 
«ich hän vor Troie dicke daz beste getan, 
«ich hän gevochten manigen strit, 
»daz mir an swertslegen nie misselang: 
«ich slagen ouch hüte wunden wit.» Morolt 75.5, 2 — 5. 
«Nu schirme, kunig Princiän, 
«ez muz dir an din leben gän.» ebenda 771, 1 — 2. 
«des siht man zallen ziten 
«üf vil hertez striten 

«schirmen leren da diu kint. Biterolf. 357 — 359. 
«wan iu ist gewizzen,» 
«sprach der helt vermezzen, 
«der von arde ein künic si, 
«dem s u 1 1 i r wan siege d r i 

«bieten und deheinen mer;» ebenda. 10'882 — 10'886. 
«slaht ir üf mich iht mere, 
«ir verlieset lip und ere.» ebenda. 10'K89 — 1Ö'890. 
«dö sluoc im der wigant 
«einen solhen widerswanc 
«daz Heimen daz swert spranc 

«von dem slage üz der hant.» ebenda 10'926 — 10'929. 
«sin swert er im ze schirme bot.» Laurin v. 512. 1430. 
«daz swert » » » » » » ebenda v. 688. 
«der vil starke küene man 
«truoc dem getwerge liaz: 



— 40 — 

eins schirmslages er niclit vergaz 

«den lörte in meister Hildebrant.» Laurin v. 1476 — 1479. 
«mit schirmen muoste er sich fristen 
«vor Walberänes kluogen listen.» Walberan v. 1129/30. 
«schermet iuch vor minen svvinden siegen.» Alphart 156, 3. 
«mit wem sol ich nu vehten? sprach von Riuzen Yljas.». 

Ortnit IV. 324, 4. 
«do schermten in die recken 

«mit den Schilden, die si truogen.» Eraclius v. 4822/3. 
«do sach man siege mezzen die jungen künege rieh: 
«baz dan ander zwelve tete ez Wolfdietrich.» Wolfd. D. III. 8, 3 — i. 
«er vaht gar kreftielichen mit dem werden Kriechen gnot.» 

ebenda D. IV, 48,4. 
«Sie vähten hie ze walde, die zvvene küene man» .... 

ebenda D. IV, 49, 1. 
«het ich erslagen hiute dich, 
«do wir uns dar zuo wägen, 
«daz wir schirmens pflagen.» Konrad v. Würzburg's Troj. 

Krieg v. 360—362. 
«sin herze was versunnen 

«üf schirmen ouch so rehte wol.» Troj. Krieg v. 4738,9. 
«Paris und Hector wären fxö 
«getreten beide in einen rinc .... 
«daz si da schirmens pflägen.» ebenda v. 5015. 
«er stuont ouch an dem ringe breit, 
«in dem geschirmet wart also, ebenda v. 5054,5. 
«nü schirment iuch! daz tuot iu not.» ebenda v. 34'876. 
«do vant er Pärisen da 
«schirmende mit Hector iesä 
«der sich do des mit zorne wac, 
«daz er im einen grimmen slac 

«wolte geben do zehant.» ebenda v. 4P853 — 4P857. 
«mit zorne der ungehiure 
«an Gäwein den ritter spranc 
«und nam im da sunder danc 

«den schilt, den er ze scherme bot.» Krone v. 13'282 — 13'285. 
«daz swert er im ze scherme bot.» ebenda v. 15'191. 
«er gie doch mit schirmen vor 
« d i s e m , wan er truoc als embor 

«den schilt durch Schirmes not.» ebenda v. 27'128 — 27'13(). 
«und er mit laezlichen siten 

«vor Gawein schirmens pflac.» ebenda v. 28'090/l. 
«vil manegen ungevüegen swanc 



— 41 — 

«enphienc von siner werden hant 

«Giläm, der fürste wert erkant.» Garel v. 15'134 — 15'136. 

«man sach si vehten vor den scharn 

«zwein küenen helden vil gelich.» ebenda v. 15'202/3. 

«Erec, der ie daz beste tet,» ebenda v. 19'928. 

«mit kolben und mit schilten 

«was ir vehten daz si triben.» Reinfried v. Braunschweig 

v. 19'342/3. 
«heim und schilte scherten 

«sach man mit swertes swanke.» ebenda v. 20'118/9. 
«o edler fürst, ich pit euch ser, 
«fecht hie für mich durch gotes er.» Fastnachtspiele 548, 27. 

Diese Stellen, die leicht noch um ein Beträchtliches 
vermehrt werden könnten, mögen einen kurzen Überblick 
geben über die bei den verschiedensten Kampfweisen und 
ihren Schilderungen gebräuchlichen Ausdrücke, von welchen 
uns später eine grosse Anzahl im übertragenen Sinne 
verwendet wieder begegnen wird. Wir wenden unseren 
Blick nun noch auf einen Umstand, der es uns vielleicht 
am ehesten glaubwürdig erscheinen lässt, dass in dem 
germanischen Kämpen- und Fechterwesen noch gewisse 
Spuren der alten römischen Gladiatorengebräuche 
und Tierhetzenschauspiele, leider gleichsam als eine Art 
von erblicher Belastung zurückbleibend, zu erkennen sind. 
Denn in der That ist es auch nur die Hefe dieses ohnehin 
social nicht allzu hoch stehenden Standes, die sich früher 
und später besonders dieser niederen Kampfkunst zugewendet 
hat. Bereits Gustav Frey tag hat in seinen Bildern aus der 
deutschen Vergangenheit, Bd. I, pag. 276, kurz und treffend 
auf diesen Übelstand der Übertragung verdorbener römi- 
scher Sitten auf die, wenn auch rohe und urwüchsige, doch 
nicht so raffinierte und mit Vergnügungen gemeinster Art 
nicht so übersättigte germanische Cultarwelt aufmerksam 
gemacht; er sagt daselbst: «In den Amphitheatern 
«aber wurden grosse Jagden veranstaltet. Die 
«Kämpfe mit wilden Tieren waren unter den Franken 
«sicher ebenso blutig als in römischer Zeit; die 
«Tierkämpfer und Gladiatoren wurden nicht mehr 



in grosser Schola gezüchtet, aber sie bildeten 
immer noch eine Genossenschaft, welche sich an 
Fürsten und Grosse hing oder abenteuernd in der 
«Fremde zu Festkämpfen vermietete; sie waren 
«unehrliche Leute auch in den Augen der Germa- 
«nen, aber sie blieben als Raufbolde und Meuchel- 
«mörder verdorbener Grossen, trotz dem Hohn, 
«mit welchem das Gesetz sie behandelte, und trotz 
«dem Hass der Kirche durch das ganze Mittelalter 
«lebendig.» Leider ist es nicht dabei geblieben, 
dass fremde Künstler an den deutschen Höfen ihre 
Darbietungen ohne Scham und für guten Lohn abhalten 
durften, sondern der deutsche Mann selbst stellte sieh als 
Gaukler und Abenteurer in den Dienst dieser widerwärtigen, 
wenn auch gern zugelassenen Kunst, wie uns zahlreiche 
noch erhaltene Bezeichnungsweisen für solche Leute bezeugen 
können. Schon im Rolandsliede begegnet uns ein Hinweis 
auf derartige Vergnügungen, wo neben den sonstigen Unter- 
haltungen am Hofe Karls auf Tierkämpfe hingedeutet wird, 
die in seinem Garten stattfanden, was man wohl bereits 
als ein aus der damaligen Zeit entnommenes Sittenbild 
verstehen darf. Ich gebe die Stelle hier im Auszug wieder : 

«da vnndin si inne 
«die lewen also grimme 
«mit den beren vechten. 
«si sahen guote knechte 
«schiezen unde springen. 
«si horten sagen unde singin 
«vil rnanigir slachte seitspil. 
«aller wunne was da vil. 
«die chonin vrächemphen 
«von ein ander wenchen 
«si hiuwen mit den swerten 
«uf den ulins herten 
«daz daz vür da ohne uz spranc. 
si sahen daz die adelaren 
«dar zu geweint waren, 
«da si scate baren. 



— 43 — 

«si horten die phaht leren 
«die edelin iuncherren 
«unde schermen mit den schilten. 
«wie di valchen spilten 
«unde andir manic vederspil. 
«aller werlt wunne was da vil.« 
Ruolandesliet. (Ed. Grimm.) pag. 21, 7—27. 22, 1. 

Bereits mit deutlicher Beziehung auf eine offenbare 
Unsitte seiner Zeit und mit schärfstem Tadel dagegen lässt 
sich Hugo von Trimberg in seinem Renner unter eigener 
Rubrik dafür vernehmen: 

«Von ringen mit wilden tiern. 
«Der mak wol niht gar sinnik sin, 
«Der sein leben als ein swin 
«waget an leben oder an pern, 
«Des tot, des er wol mohte enpern. 
«wer sagt der konheit im dank? 
»Da von sprach her freidank» .... Renner v. 11'564 — ir569. 

Man vergleiche dazu noch die Stelle aus Geiler von 
Kaisersberg's Narrenschiff 146a (citiert bei Grimm, D.W.B., 
Bd. V, sp. 299/300 unter «Katzenritter»), die mitdenbeidenbe- 
reits angeführten bis auf die in ihr erwähnten Tierarten über- 
einstimmt: «das dritt jagen ist jagen im sand, da etwan 
«die menschen müszten mit den thieren fechten, 
«mit beren, lewen und mit andern ungezemten 
thieren, das ist auch verboten, die ist von gots 
genaden nit me im bruch, da das noch katzenritter 
«seint, da man etwan mit dem narrenwerk umgat. > 
Schon frühe scheinen übrigens derartige Spiele und Schau- 
stellungen gerade mit Bären, allerdings nicht immer von 
den ehrbarsten Leuten, selbst den Geistlichen und Klöstern 
dargeboten worden zu sein. So haben wir dafür bereits 
aus dem 9. Jahrhundert ein Zeugnis in dem Verbote des 
Erzbischofs Hinkmar von Rheims an die Pfarrer seines 
Sprengeis, worin es heisst: «nee turpia ioca cum urso 
vel tornatrieibus ante se facere permittat» (in dessen 
Capit. ad presbyt. 14 und ebenso, fast wörtlich wiederholt 



IL 



in Regino de eccl. disciplina 2, 213) vgl. Wackernagel in 
Zeitschft. f. d. Alt., Bd. VI, 185. 

Die Bezeichnung «Katzenritter» scheint für solche 
Kämpfer mit Tieren im eigentlichen und im übertragenen 
Sinne die übliche gewesen zu sein. Frisch 1, 506 a erklärt 
das Wort aus Besold thes. pract. entnommen mit «qui 
artem palaestricam lucri causa exercet», Lohnkämpfer. 
Genauer noch ist Adelung in seinem Wörterbuch der 
hochd. Mundart, II. Teil (1775), sp. 1520, der es folgender- 
massen umschreibt: «eine Art ehemaliger Klopffechter, 
«welche sich um des Gewinnstes willen mit Tieren in ein 
«Gefecht einliessen: zum Unterschiede von den Marks- 
«brüdern und Federfechtern» (die er ebenda sp. 1641 nebst 
den Luxbrüdern als besondere Arten der Klopffechter, 
d. h. Leute, welche sich für das Geld mit allerley Arten 
des Gewehres fechten sehen Messen, erwähnt). Für das 
thatsächliche Vorkommen derartiger Schaustellungen und 
ihrer Unternehmer habe ich noch eine Anzahl von recht- 
lichen, historischen und litterarischen Belegen hier kurz zu 
erwähnen. Die Reformation des bairischen Landrechtes 
vom Jahre 1518, Tit. 49, Art. 5 (in der Ausgabe von 1588 
fol. 156) bestimmte, dass der Vater den Sohn enterben 
könne: «so der sun ein katzenritter wäre oder der- 
« gleichen sich understandenhettemit andern thieren 
«zu peiszen (= hetzen, jagen) und zu fechten», vgl. 
Schindler B. W. I, 208. II, 346. Und nach Öfele, Rerum 
Boicarum scriptores I, 307 (vgl. Schindler B. Wb. 2 I, 815 
unter «Freyhart») bestimmen die bairischen Landrechte von 
1553 und von 1616, fol. 164, dass ein Kind enterbt werden 
könne: «so ohne der Eltern Willen sich in leichtfertig 
«Übung und Buebenleben begebe, als so es ein Freyharts- 
« bueb oder ein Gauckler wurde, oder liesse sich, mit 
«den Thieren zu kämpfen, umb Geld bestellen.» 
Gemeiner' s Regensburgische Chronik Bd. III, 177 berichtet 
de anno 1449: «gab ein katzenritter in Regensburg das 
«Schauspiel eines wilden thiergefechts. dafür ist im Stadt- 



— lo — 

«buch verrechnet 12 dn.» Ferner erzählt uns J. Berkmann's 
Stralsunder Chronik (herausgegeben v. Mohnike und Zober, 
vgl. s. 177) zum Jahre 1414 folgendes Ereignis: do bet 
«de kattenridder up dem olden markede to vastelavend 
«de katte, und de rat stund up dem olden markede und 
«segen dat an, und hadden de katte genagelt an den kake 
«(= Pranger), do he se hedde doet gebeten, do schloch herr 

J. Culpe ene to ridder, de was ein borgermeister und ok 
«en ridder». Auf solche Verhältnisse bezogen sind wohl 
auch verschiedene Anspielungen zu verstehen, wie etwa 
in folgenden Stellen, welche ich Grimm' s deutschem Wörter- 
buche entnehme: «da sprangen alle äffen auf ihne, zerrissen 
«und zerkratzten ihne dermaszen, dasz er einem katzen- 
« Soldaten gleich sähe». Narrenhatz (1617) 336, oder: 
«solch unserm gefecht (des Springinsfeld mit einer Katze) 
«konten beide begierige und ohne das zum k atzenkrieg 

abgerichtete hunde nicht lang zusehen». Simplic. I, 432. 
Daher mag auch die für einen übelzugcrichteten und 
zerzausten Menschen verwendete Redensart «er sei unter 
den Katzen gewesen», die schon früh vorkommt (vgl. z. B. 

den grüszt ich und zu red ihn stelt, wo er gewest wer 
untern katzen». H. Sachs 1, 519c (1590. 389a) oder 
«im gesicht war er verkratzt, als ob er mit den katzen 
gessen hätte». Philander (1650) 2, 343), ihren ersten 
Ursprung und ihren nunmehr nicht mehr völlig verstandenen 
Sinn genommen haben. Auch Michael Behaim in seinem 
1462 — 1465 verfassten Buch von den Wienern spricht an 
einigen Stellen von dieser Sorte Leute und nennt sogar 
einige Namen von Katzenrittern: 

«auch ainer dez anhebner 
«nant sich her friedrich ebner. 
«Kaczenritter was er genant, 
«ains fragners sun auss frankenlant. 
«uor Zeiten, alz ich ez uernam, 
«ernert er sich mit ainem kram, 
«er waz riter der krausen, 
«wu man den wein sol pausen. 
«Wann so yn der wein machet hicz, 



— 46 - 

«so gewann er uil weisshait und wicz. 

«sein riterschaft waz weit uermert, 

«an drein kaczen er daz pewert, 

«mit den waz er sich r e i s s e n 

«vnd dy zu tad erpeissen. 

«Wy wal unser herr kaiser in 

«zu riter slug auff guten sin, 

«daz er dy selben riterschafi't 

«peweren solt nach rehter kr äfft. 

«so hat er sein docli nichten 

«pewert in kainen pflichten.» (Ed. Karajan. 1843. Wien) 

[pag. 5, 12—31. 
«[und auch der pinder hans kircham,] 
«der kaczen riter, mit dem nam 
«her fridrich ebner, fragners gsleht». pag. 35, 30 — 32. 
«Auch so woren dy schelk unrain. 
«die ualschen wiener ich da main, 
«der etlicher gen tuln hin kam. 
«her fridrich ebner mit dem kram, 
«daz waz der kaczenriter, 
«der petrunken und piter, 
«Und der kelber arczt hans kircham.» pag. 338. 19 — 25. 

Zum Beschlüsse dieser Angaben möge noch die Be- 
merkung Platz finden, dass sich sogar noch für das 17. Jahr- 
hundert eine Nachricht über Bärenhetzen in Danzig findet, 
die bei Anlass des Auftretens einer Comödiantentruppe 
daselbst im Jahre 1643 erwähnt werden, eine Notiz, die 
ich Bolte's reichhaltiger Abhandlung über das Danziger 
Theater im 16. und 17. Jahrhundert in den theatergeschicht- 
lichen Forschungen Bd. XU (Hamburg 1895), pag. 70 ent- 
nehme, woselbst sich auch (pag. 66, Anmerkung 1) noch eine 
Mitteilung nach Teuber, Prager Theater I. 71 findet, wo- 
nach im Jahre 1655 in Prag zwei polnische Tänzer und 
liärenspieler > erschienen, die wohl ähnliche Schau- 
stellungen veranstaltet haben werden. Endlich verdanke 
ich einer freundlichen Mitteilung von Prof. Martin die 
Notiz, dass Oldenburger's Itinerariüm politicum (Bibl. zu 
Freiburg i. B.) noch um 1680 Tierhetzen m Wien erwähnt. 

Diese letzten Betrachtungen haben uns ganz von selbst 



— 47 — 

hinübergeleitet zu dem, was uns jetzt noch zu behandeln 
übrig bleibt, zur Darstellung des Fechterwesens der 
späteren Zeit, seiner Ordnungen und Gebräuche, sowie 
seiner Vertretung in der zeitgenössischen Litteratur. Daran 
mag sich dann endlich noch ein kurzer Blick auf den 
Zusammenhang, in welchem die Fechtschulen und die 
Schwerttänze unbestreitbar stehen, anschliessen. Mit 
dem allmälig sich vollziehenden Verfall des Rittertums, 
dem Sinken höfischer Zucht und Bildung, der allgemeinen 
Verwilderung der Sitten ging natürlich auch der Verlust 
der kriegerischen Waffentüchtigkeit Hand in Hand. Von 
den Städten, die in beständiger Fehde mit ihren adeligen 
und fürstlichen Nachbarn lagen und deren Bürgerschaft für die 
grösseren Kriege nunmehr auch die Hauptcontingente an kriegs- 
tüchtiger Mannschaft stellte, wurde das Waffenhandwerk 
jetzt eifriger betrieben; sie hielten sich zur Ausbildung ihrer 
Truppen Waffen- und Zeugmeister und Hessen ihre Leute 
durch Fechtmeister schulen und drillen. Aber auch die 
Bürgerschaft als solche pflegte jetzt — wie sie dem sinken- 
den Minnesang in ihren Meistersingerschulen neue Pflege 
angecleihen lassen wollte und wenigstens Manches von ihm, 
wenn auch in verrohter und verkünstelter Form noch für 
die Nachwelt gerettet hat, — mit Hülfe der Zünfte und 
Handwerkergilden die Fechtkunst eifrig, teils wohl um die 
Waffenfähigkeit für den Kriegsfall zu erhöhen und stets 
ausgebildete Sachkenner zur Verfügung zu haben, teils aber 
auch aus reiner Freude an dieser etwas rohen und auf- 
regenden Kunst, die manche willkommene Gelegenheit zu 
öffentlichen, festlichen Aufzügen und zu belustigenden Schau- 
stellungen und Volksunterhaltungen bot. Es sind nunmehr 
diese Verhältnisse noch etwas genauer zu betrachten und 
von den verschiedenen, darüber bekannten Thatsachen die 
wichtigsten hier zu erwähnen. Zunächst ist auf die in 
zahlreichen Bibliotheken liegenden, teilweise noch unaus- 
gebeuteten Fechtbücher und Fechterhandschriften 
hinzuweisen, die vermuten lassen, dass sich an den he- 



— 48 — 

treffenden Orten ihrer Entstehung oder Herausgabe zum 
mindesten Fechtmeister befanden — da sie von solchen 
ja zumeist verfasst worden sind — wenn nicht auch 
ganze Fechterschulen oder Fechtergesellschaften 
daselbst bestanden haben, zu deren Anleitung und 
Gebrauch die Bücher geschrieben waren. In der gleich- 
zeitigen Litteratur sind ausser den grösseren, poetischen 
oder prosaischen Beschreibungen ihres Auftretens und ihrer 
Künste, auf die ich nachher noch einmal zurückkommen 
werde , zahlreiche Zeugnisse und Äusserungen über ihr 
Vorhandensein, Leben und Treiben erhalten, von welchen 
ich hier einige zusammenstellen will. Manche davon 
haben der Roheit ihres Gewerbes entsprechend einen ver- 
ächtlichen oder tadelnden Gharacter, der neben der Beliebt- 
heit solcher Fechterkünste auch ihre grossen Schattenseiten 
und Gefahren deutlich zum Bewusstsein bringt. In den 
Ghroniken der deutschen Städte des 14. bis 16. Jahrhunderts, 
Nürnberg Bd. II (Leipzig 1864), pag. 289, 19/20 erscheint: 
«Zu den karnpüchsen unter die tor: Heincz Widerolt, maister 
«Pauls, schirmmaister, Claus Stör . . . etc.», der einzige 
Name eines Fechtmeisters (ob in privaten oder in städtischen 
Diensten stehend, ist mir nicht recht ersichtlich), der mir 
bis jetzt in amtlichen, städtischen Urkunden begegnet ist. 
Im Codex germanicus Monacensis Nr. 3989 fol. 8 findet sich 
die Notiz « 1409 facht der Marschalk und Hächsenacker 
mit ainander am Weinmarck » (zu Augsburg) (vgl. dazu wie 
für die beiden folgenden Angaben Schmeller B. Wb. 1. 
687/8), die vielleicht als eine der ältesten Nachrichten über 
einen ernstlichen Zweikampf von Fechtern anzusehen ist, 
falls es sich dabei nicht um einen blossen Ehren- 
handel anderer Persönlichkeiten handelt. Dann macht 
Hieron. Härder in seinem Cod. iconogr. 3 , 
fol. 169 die Mitteilung : « Herzog Albrecht von Bayern badt 
aO. 1577 zu Ubercbingen im Sauerbrunnen. Do zu 
mal lag ain freyfechter aldo zu Uberchingen. » Und 
Dr. R. Minderer berichtet in seiner Kriegsarzney (mediana 



— 49 - 

militaris. Augsburg 1620), pag. 207, dass ein «furnemer 
fechter von Nürnberg, so Kammeysen gehaissen», von 
ihm geheilt worden sei. Johannes Schmidt lässt sich in 
seiner langen Duellpredigt unter der Überschrift: «Was 
von Duellen, Ausforderungen, Balgen, rauffen und schlagen 
nach Heiligem Göttlichem Wort zu halten » (vgl. seine 
« Christliche Weisheit » 55. Predigten über Deuteronomium 
32, 29, im Münster der Gemeine Gottes erklärt und vor- 
getragen, Strassburg 1635, pag. 517 — 537) über die dortigen 
Verhältnisse wie folgt vernehmen: «Unrecht thun ferner 
«die vermessenen Fechter, die sich, wie gemeinig- 
« lieh auf unseren Fechtschulen geschieht, um ein 
«geringes schnödes Geld oder um sich ein Ansehen 
«zu machen, einander Schaden tun; ebenso die- 
«jenigen, die jene bei Trinkgelagen, Kindtaufen 

und anderen Zusammenkünften auftreten lassen, 
«oder auch den Fechtschülern Geld auswerfen...». 
Eine schwere Schuld trifft endlich alle, « die bei Zankhändeln 
nicht wehren so viel sie können, die dem barbarischen 
Balgen und Fechten zusehen und Vorschub leisten.» 
Diese, wie die folgende Stelle entnehme ich der Abhand- 
lung von A. Erichson: Das Duell im alten Strassburg, 
pag. 50 — 52. Der Verfasser gibt als Erläuterung der oben 
erwähnten Auslassung die nachstehende Anmerkung : « Ge- 
« meint sind die Klopffechter, die ihre Kunst, 
«namentlich zu den Messzeiten, zur Schau trugen. 
« Wie es dabei herging, wird uns im Journal des Voyages 
« de Monsieur de Monconys, conseiller du Roy, etc. (Lyon, 

1666, 2 e partiej geschildert. Der Verfasser berichtet im 
«Januar 1664 aus Strassburg: Nous entrasmes dans le lieu 
" oli Ton escrimoit avec des espadons, des demy piques et 
« de certains couteaux de bois, dont ils se fräppent si fort 

qu'il y en eut im qui eut la teste fendue, dont il saignoit 
« bien fort : pour parer tous ces coups tant d'espadons que 
« de couteaux et demy piques ils avoient de gros gants 
« rembourres comme de coussinets, qui alloient ju'sques au 



— 50 — 

« delä des coudes : ce divertissement estoit des plus froids 
«qu'on puisse avoir.» — In der gleichen Schrift Erichson's 
(pag. 53 — 57) fand ich auch darauf hingewiesen, dass der 
gleiche elsässische Satiriker H. Michael Moscherosch, der 
noch in dem von Friedrich Gumpelzhaimer aus Regens- 
burg verfassten, 1621 in Strassburg anonym erschienenen 
und 1652 durch ihn vermehrten und neu herausgegebenen 
« Gymnasma de exercitiis academicorum » dem Fechten 
unter den Schulübungen der Studenten eine ganz besondere 
Stelle angewiesen hatte, doch wegen des fatalen Zusammen- 
hanges desselben mit dem einreissenden Duellunwesen in 
seinen «Gesichten Philanders von Sittewald» (I. Teil, 
Strassburg 1650 pag. 597 ff. und II. Teil Strassburg 1665 
pag. 757.) mit scharfem Spott in Prosa und Poesie gegen 
den Missbrauch der edlen Fechtkunst kräftig vorgegangen 
sei. Auf die durch eifrige Pflege der Fechtkunst in allen 
Ständen wie es scheint vermehrte und gesteigerte Händel- 
sucht und Streitlust seiner Zeit bezieht sich auch folgende 
gereimte Mahnung an seine Landsleute, die wohl besonders 
an die rauflustigen Studenten und Soldaten unter diesen 
gerichtet ist : 

« Wann du mit Ehr wilt werden alt 
« Dess Aussforderns dich nur enthalt. 
« Sey mit der Fochtel nicht zu gschwind 
« Dass dir nicht einer kratz den Krind 
« Als manchem Schnarcher widerfährt 
« Der seines Bruders Blut begehrt 
« Und ihn aussfordert mit verdruss 
< Dass er sich mit ihm schlagen muss. 

« Merk auch wann du in einem Strauss 

« Von einem wirst gefordert auss, 

« So gehe nicht gleich mit blindem Sinn 

« Nauss zu dem dollen Narren hien, 

« Schweig still, duld dicb, vernünfftig weich 

« Und geh dem Esel aus dem Streich, 

■ Thu wie ein Christ und Gottes Kind, 

« Dein eigen Bossheit überwind. » 



— 51 — 

Kehren wir nach dieser Abschweifung zum Duellunfug 
wieder zum Fechterwesen zurück, so findet sich auch aus 
der benachbarten Schweiz für diese Zeit ein Zeugnis, dass 
daselbst Klopffechter unter grossem Andränge des schau- 
lustigen Volkes auftraten. Das schweizerische Idiotikon, 
das Bd. I, 667 Fechter mit «Landstreicher, eigentlich 
herumziehender Fechter, der seine Künste auf Jahr- 
märkten sehen lässt» erklärt, gibt die betreffende Stelle 
wie folgt : « Daher kommt, wann etwan ein neuer markt- 
« schreier, gaukler oder spiler angelanget, dass man den mit 
« grossem Zulauf zu sehen und zu hören sucht : insonder- 
«heit lauft die menge zusammen, wann neue zweikämpfer 
und fechter ankommen, um zu sehen, wie diesel- 
ben auf einanderen loss gehen, einanderen parie- 
«ren, hieb, stich uud schlag versetzen.» A. Klingl. 
G. B. 1688. Und von einem gleich grossen Interesse der 
Bürgerschaft, besonders aber der städtischen Jugend an 
solchen Darbietungen kriegerischer Kunst- und Waffentüch- 
tigkeit weiss auch Joh. Christoph Wagenseil in 
seiner Schrift : »De Sacri Romani Imperii libera Civitate 
Noribergensi Commentatio », Altorf 1697, pag. 161, aus 
Nürnberg zu erzählen: er berichtet daselbst: «Gladiatorii 
«quoque Ludi vehementer incolas delectant, atque 
« etsi eorum usum, ob ineommoda, quae inde proveniebant, 
«varia, ante hos aliquot annos tollere necesse fuit, tarnen 
«vix quisquam e vulgo reperitur, et adeo ne puer 
«quidem, qui non alterutri factioni Lanistarum, 
«quarum una a S. Marco, altera a Penna cognomen 
«habet, der Marxbrüder und Feder-Fechter, saltem 
« animo et voto jungatur. Instituun tur int erim crebro 
«intra aedes privatas decertationes. » Im Anschlüsse 
daran möchte ich gleich erwähnen, dass mir gerade auch 
diese Bemerkung Wagens eil 's, der doch Gelegenheit hatte, 
diese Leute eventuell selbst um die Bedeutung und Ablei- 
tung ihres sonderbaren Namens zu befragen, neben zwei 
anderen, gleich noch zu citierenden Stellen, die Berechtigung 

4* 



— 52 — 

zu einem Angriffe gegen die von Wassmannsdorff in 
seiner von mir hier noch oft zu benützenden Schrift: 
« Sechs Fechtschulen der Marxbrüder und Federfechter etc. » 
(Heidelberg 1870, pag. VI und 7—9) aufgestellte und ent- 
wickelte Ansicht von der Herkunft der Bezeichnung «Feder- 
fechter » zu geben scheint. Schon in Grimms D. W. B. III, 
1399/1400 heisst es unter ,Federfechter, gladiator, freifechtef 
von der feder' : « es ist nicht recht klar, warum sich dieser 
-< verein nach der feder nannte, man sollte denken, 
«weil die fechter eine feder am hut oder spiess 
«aufgesteckt trugen.» Dann ist auf die Schreibfeder in 
dem von Rudolf II der Gesellschaft der Federfechter 1607 
in Prag verliehenen Wappen hingewiesen. Weiter heisst es 
dann : « waren diese fechter bloss aus dem stand der 
schreiber hervorgegangen? wollten sie darum für mehr 
gelten als die fechterischen handwerker? jedenfalls war die 
benennung schon im 16. Jahrhundert gebräuchlich. (Beleg 
die gleich noch anzuführende Stelle aus Fischart's Gar- 
gantua) die schreibfeder scheint erst das spätere. » Dazu 
vergleiche man nun, was Heinrich von Gunterrodt in 
seiner Schrift : « De veris prineipiis artis dimicatoriae, 
Witebergae 1579», pag. 21 über diese Verhältnisse sagt, 
eine Stelle, mit der Wassmannsdorff (pag. VI) freilich 
nicht allzuviel anzufangen wusste, die mir aber gerade einen 
neuen Beleg für den sonst immer von den Federfechtern be- 
haupteten Vorrang vor ihren Gegnern und Rivalen, den Marx- 
brüdern, oder wenigstens für ihre Beanspruchung eines 
solchen, abzugeben scheint. Gunterrodt sagt an der be- 
zeichneten Stelle : « Nunc autem ad nostra tempora veniam. 
« — Duo factiones extiterunt: una ex parte ut plurimum 
«pelliones, et alii opifices cum his confoederati, 
«quorum etiam aliqui magistri in arte, praesertim 
«gladii traetandi, haberi volunt, qui ex speciali Roma- 
«norum Imperatorum et Regum Privilegio, in nundinis 
« Francofurdiensibus, quos in arte excellere putant, et 
- in eorum seetam qui iurare volunt, eodem titulo insignire 



— 53 — . 

« solent. Alteri his oppositi plerunque studiosi bona- 
«rum diseiplinarum et aliarum artium minus sor-- 
«didarum periti, qui certe Ulis arte praestant, 
« quamvis rarissimi etiam inter hos reperiantur, qui certum 
< fundamentum habeant, et discipulos suos ratio- 
«nibus certis instituere possint.» Mit dieser Dar- 
stellung der Dinge kann die von Jahn in seiner Deutschen 
Turnkunst von 1816, pag. 280 nach Bugenhageirs Samm- 
lungen historischer und geographischer Merkwürdigkeiten 
(herausgeg. von Kästner, Altenburg 1752), pag. 187 f. mit- 
geteilte Verteilung der verschiedenen Gewerbe auf die 
beiden Fechtergesellschaften, sowie die nach den Nürnberger 
Fechtschulreimen vom Jahre 1579 (vgl. Wassmannsdorff, 
pag. 33 ff.) sich ergebende Differenz in der zünftigen Zuge- 
hörigkeit der Vertreter beider Fechterbrüderschaften wohl 
einigermassen in Einklang gebracht werden. Dazu kommt 
ferner, dass auch Abt in seinem Artikel über die Fecht- 
schulen (vgl. Büsching 's wöchentliche Nachrichten, Bd. III, 
305 ff. ) unter den Leuten, aus welchen sich dieselben recru- 
tierten, neben zahlreichen Handwerkern und Gesellen höherer 
und niederer Gewerbe und neben Trabanten, Kriegsknechten 
und Söldnern noch besonders Studenten und Schreiber 
erwähnt, die wohl auf eine etwas höhere Wertschätzung 
ihrer Kunst ganz von selbst gedrungen haben werden. Der- 
selbe bemerkt ferner a. a. 0. nach einer Mitteilung, die er 
Kreussler*s Geschichte der Universität Leipzig (Leipzig 
1810), pag. 108, entnommen hat, dass in Leipzig die 
Fechter unter dem Schutze der Universität standen 
und dass nach einer kurfürstlichen Verordnung um 1567 
diejenigen von ihnen, welche Handwerksgesellen 
waren, von der also bevorzugten Fechtervereinigung 
ausgeschlossen wurden, was also wieder auf eine gewisse 
Scheidung unter ihnen gemäss ihrer verschiedenen socialen 
Stellung hinzudeuten scheint. Nimmt man nun die im Folgen- 
den anzuführenden Stellen, die sämtlich einen Vergleich des 
Schwertes mit einer ,Schreibfeder' oder einer ,zum Schmucke 



— oi — 

aufgesteckten Feder' oder gar mit ,Bettfedern' in spottweiser 
Anspielung zulassen, zu der Thatsache des in dem Federfechter- 
wappen erscheinenden Federkiels und der obigen Notiz bei 
Wagenseil «altera a Penna cognomen habet > hinzu, 
so erscheint eine solche vergleichende Beziehung dieser 
Bezeichnung anzunehmen jedenfalls viel natürlicher, als an 
der etwas sehr spitzfindigen Anschauung festzuhalten, dass 
der Name der « Federfechter » nichts als eine verstümmelte 
und missverstandene Form eines ursprünglichen und rich- 
tigen < Veiter- oder Viterfechter » (nach dem Schutzpatron 
St. Vitus [Veit] gebildet, analog nach Lux- [St. Lucas-] und 
Marx- [St. Marcus-jbrüder) sein soll. Die hier in Betracht 
zu ziehenden Stellen sind folgende : « erzeigt sich in allen 
-ritterlichen wehren, wie sie vor äugen lagen, im schwerd, 
« messer, spiess, stangen, stänglin, tolchen, hallenbart, rapier, 
« paratschwerd, lederen tusacken zum platzmachen, sträusst 
« sich wider die Marxbrüder, die frank fortische meister des 
«langen schwerts, schreib mit dinten so sieht wie 
«blut, die feder musst ihm oben schweben und solt 
«es kosten sein junges leben, er wagts in gotts macht, 
« schlug drauf, dass der beiz kracht, focht umb die höchst 
' blutrur, umb das kränzlin, umb die schul, um ein glas 
«mit wein, wie es der gesell an ihn begert, trocken oder 
«nass, scharf oder stumpf, nackend oder bloss.» Fischart's 
Gargantua, 188 a, b. Dazu ist auch die Stelle 176 a: 

< Kampkcib ein guter federfechter, der under- 

«wis ihne in allen ritterlichen Übungen sehr kunstfertig», 
zu vergleichen, sowie eine andere, an welcher das gleiche 
Bild wie oben, nur umgekehrt gebraucht wird: «Da wüst 
«er, was mit dem breyten Theil, was mit Fleche 
»der Feder zu machen, wüst das recht vnd link 
«Eck der Feder, jr Spitz vnd schneid, wie die 
«Fechter auf ihren Wehren (dann die von der Feder 
«geben gute Fechter, vnnd schirmen mit Feder- 
«klingen vnd Lanmerkengeln manchen auss dem 
«Land),» Fischart's Geschichlklitterung (Ausg. 1600), 



DO 

pag. 172 b. Eine andere, mehr auf die Art des äusseren 
Auftretens gerichtete Deutungs weise, die etwa die Vermu- 
tung von üblichem Federschmuck an Hut oder Waffe als 
Ursache des Namens rechtfertigen könnte, scheint durch 
die Stelle Gargantua 282 a « darumb hat allein unter den 
«göttern Mercurius ein hütlin auf und dar zu ,als ein 
«guter federfechter' federn drauf», nicht unkräftig ge- 
stützt zu werden. Eine schöne und einleuchtende Bestäti- 
gung aber des obigen Vergleiches zwischen Fechtschwert 
und Schreibfeder bot sich mir in einer von A. Birlinger 
unter der Überschrift : « Kriegerische Sprache » aus Veri- 
dicus Germanus (Augsburg 1630) 37 citierten Stelle (vgl. 
Alemannia, Bd. XIV, Jahrgang 1886, pag. 56, Findlinge und 
Guriosa Nr. 9) folgenden Wortlautes: «Man Hess Federn 
«und Dinten, und nahm die Feder, die der Amboss 
-gezogen vnd der Schwertfeger zugericht; die 
«dünkte je einer dem andern in Kopf und Blut ein.» 
Das schien mir ein deutlicher Beweis, dass dergleichen 
vergleichende Anschauungen und bildliche Ausdrucksweisen 
nicht so ungewöhnlich und auch anderwärts als in der 
Heimat Fi schart 's üblich, jedenfalls aber nicht auf einzelne 
Fälle beschränkt, sondern ziemlich allgemein verbreitet 
waren. *) Nunmehr sollen noch die Deutungen, welche die 
Federfechter selbst oder ihre Gegner ihrem Namen gaben, 
betrachtet werden, wie sie aus den Anspielungen und Wort- 
spielen der Nürnberger Fechtschulreime zu entnehmen sind. 
In diesen erscheinen (nach Wassmannsdorff, pag. 33 ff. 
citiert) Wendungen wie: < Daz ich mein haut vnnder 
der gefider mus laszen» (pag. 34). «Die Marxbrüder 
vertrieben die federn gern | Vnnd können Jr doch nit 



*) Man vergleiche zu der oben aus Veridicus Germanus ange- 
führten Stelle aus einer späteren Zeit etwa noch Logau's 
Spruch : 

«Der Deutschen ihr Papier | Der Degen war die Feder: 

War ihrer Feinde Leder. Mi t Blute schrieb man hier.» 



— 56 — 

enntbern|Sie sein all nacht der federn fro | sonnste 
müesten sie ligen auf dem Stro | Vnnd solten den 
Winnt ter wol erfrieren [ All Manschafft thnt die feder 
zieren ... (pag. 34). «Mit einem eisern Flederwisch 
kher .Ich den Staub daruon» (pag. 36). «Dann Jch 
gedennck was vmb ein gennssfeder mag sein | . . . Was 
solt .Ich dan haben der Gennssfedern ehr { . . . Dann 
Gennssfedern vnnd Khil | Braucht man nit zum 
Ritterspil | Dann hert federn dinn Pappier schwartze 
Dinnten | Soll man Jnn den Schreibstuben finnden 
(pag. 37). Göttliche Mayestat hat die federn aufgericht». . . 
(pag. 38). « Gleichwol die rechten herrn vonn der 
federn | hallt Jch mit Jrer schrifft vnnd annder kunst 
Jhn ehren, | Aber auf die ein geflickten federfechter 
will .Ich alle zeitt beren » (pag. 39). «Du federn, du bist 
preissens Vol | Daz hortt man an allen ortten wol» | . . . 
«Die Edel federn schwinng Jch auff | Von deinnet 
wegen schlag Jch drauff > . . .(pag. 40). «Dieweil Jr stets 
naget an der Feder | Vnnd wollt die gar zureissen» . . . 
(pag. 41). «Die federn ist Leücht vnnd hellt sich 
munder | Ob schon deine brüeder sich machen willdt | 
Werdens doch offt von der federn gestillt» (pag. 42). 
«Die edle feder hat daz Lob | schwebt allen Elle- 
mennten ob» | . . . «Wölln sie die federn Vnndertrücken. [ 
Die feder raus doch schweben ob» | . . . . «Wer die 
federn Vnehrt, der ist nicht werdt j Daz er ein 
schwerdt soll füeren auf Erdt» | «Das Kriegen die von 
der federn Nimmer mehr | Es thut sich auch mancher 
Von der feder nennen | Vnnd kan kein Buchstaben 
schreiben lesen noch kennen» | . . . (pag. 43). So weit 
die Bilder und Ausdrucksweisen der Fechtschulreime des 
Jahres 1579 aus Nürnberg, wie sie Wassmannsdorff 
nach der Papierhs. Nr. 1458 des German. Mus. daselbst 
fol. 1 a — 20a in seiner Schrift abgedruckt hat. Dazu sind der 
Vollständigkeit wegen noch folgende Angaben, die ich auch 
Wassmannsdorff entnehme, da mir die Originale nicht 



— 57 — 

vorliegen, zu vergleichen. In des Pritschmeisters Benedict 
Edlbeck's gereimter Beschreibung der Fechtschule auf 
dem grossen Schiessen zu Zwickau vom Jahre 1574 findet 
sich die folgende, stark an zwei bereits von mir angeführte 
Stellen erinnernde Herausforderung, die eine Anrede an die 
Fechtwaffe enthält : 

«Wer mir ein von der feder veracht, 

« Und macht sich wider die gerüst, 

« Den wil ich bstehen wie wild er ist, 

«Schwing dich Feder, sich wie man thut, 

«Schreib gern mit dintn, die sieht wie Blut» (pag. 13. W.). 

Und Abraham a S. Clara sagt in seiner Schrift «Etwas 
für Alle» (Würzburg 1699) pag. 173 : «so haben diese nicht 
«allein seltzame Sprung, sondern auch Spruch, mit 
«denen sie sich zum Fechten anfrischen; da hört 
«man änderst reden den Marcks-Bruder, und änderst den 
«Feder-Fechter, dieser spricht also : frisch her an mich, 
«ein Freier fechter bin ich, Hannen-Füss und stoltze 
<Feder, schmeiss den Kürschner auf sein Leder: Der 
Marcks-Bruder (hier fügt Loncin von Gönn in in seinem 
«fechtenden Narren», 5. Bd. (Augspurg 1709) pag. 205, der diese 
Stelle anführt, nach W. pag. 32 noch die Worte ein : ,bild sich 
auch Cantzley-Bossen ein — '.) will auch nicht weniger 
seinen «Muth und Tapfferkeit sehen lassen, muntert sich also 
selbst mit diesen Worten auf: , frisch, frisch, wieder 
«frisch, kehr ab müdem eisenen Flederwisch, frischher 
«und unverzagt, wer weiss, wer den Kürschner jagt; solcher 
«Gestalten fangen diese an zu fechten; etc.» Dazu kommen 
noch zweiDeutungen beiNicodemus Frischlin, vonweichen 
die eine zwar etwas phantastischer Natur ist, die andere 
aber, bei Anlass einer Correctur gegeben, merkwürdig zu 
der schon mehrfach erwähnten Erklärungsw T eise Wagenseils 
stimmt. In einem Gedicht über die Hochzeit Herzog Lud- 
wigs von Württemberg zu Stuttgart im Jahre 1575, 7 Bücher 
in lateinischen Hexametern verfasst und 1577 zu Tübingen 
gedruckt, 1578 ebenda von K. Christ. Beyer ins Deutsche 



— 58 — 

übertragen und vermehrt, sagt Frischlin bei der Schilderung 
der Fechtschule (< gladiatorium seu gymnicum certamen»): 

«Protinus in lati succedunt aequora cainpi, 

«Armati ferro pugiles, delecta iuventus ■ 

«Gymnasijs passim, studioq; addicta palaestrae. 

♦ Hos geminae dirimunt acies: quarum una Georgum 

«Percolit, antiquum sequitur pars altera Martern. 

«Hos vulgo Catiosi), illos cognomine dicnnt 

«Pennigeros: volucres quod iactent aere gestus.» 

(vgl. dazu pag. 159. auch: «Pennigeri haec eadem cuncti 
simul ore fremebant:» etc.). In der Übersetzung bei Beyer 
(pag. 4-15/6) lauten die für uns in Betracht kommenden 
Verse : 

«Die wurden abgetheilet l'rey, 

«Fein ordenlich in zwo Parthey. 

«Die ein, Sant Jörg war jr Patron, 

«Die ander will Sant Marxen hon. 

«Je eine ist der andern gram, 

«Ein gibt der andern jren nam: 

«Die Marxbrüder nennens die Katzen*), 

«Die Kürssner, die sehr bösen Fratzen. 

«Die ander diese von der Federn, 

«Die in dem Lufft die Arm her wedern.» 

Pag. 158 seiner Beschreibung gibt Frischlin die 



i) Man vergleiche zu dieser Bezeichnung die scherzhaften, auf 
einem Hans Sachs darstellenden Bilde von 1577 befindlichen Verse 
des Malers : 

«Als ich in Conterfeyhen wardt, 

am Tisch nach Boetischer art, 

Ein Kleines ketzlein, wie ich sprich, 

Sie umb sein Bardt hier uraer strich. 

Ich Sprach : Herr sachs sol ich darnebn 

dem ketzlein auch seine färb gebn, 

wie es sicli da Streicht auf dem Buldt?» 

«Bei Leib nein», sprach, «man geb mir dschuldt, 

das ich solt ein marxbruder*) sein, 

Darumb so mallt mirs Ja nit Hirein.» 
sowie die dazu gehörige Anmerkung : 

*) Ein auch in Nürnberg vertretener Fechterorden, der den 
heiligen Markus zum Schutzpatron hatte und deshalb den Löwen als 



— 59 — 

Verbesserung : «pugiles a. D. Marco cognominati, vulgo 
< Marxbrüder > , und bemerkt dabei auch, dass ihre Gegner: 
pugiles a penna cognominati, vulgo Federfechter > 
heissen. (Vgl. Wassmannsdorff pag. 16.) Endlich mag 
noch bemerkt werden, dass sprachlich eine Bildung «Viter- 
fechter» — es müsste zum mindesten Veitsfechter heissen — 
wie der postulirte Übergang von Viter- zu Federfechter 
gleich anstössig und unmöglich ist. Fasst man die bis 
jetzt beigebrachten Zeugnisse und Erläuterungsversuche für 
die Bezeichnung Federfechter noch einmal zusammen ins 
Auge, so muss man wohl zu dem Schlüsse gelangen, dass 
alle diese Stellen gegen die Erklärung Wassmannsdorffs 
direct Verstössen. Für ihn spricht nur eine einzige Stelle 
(Seite 8 seiner Schrift), die er dem Fascikel 27 der Acten- 
stücke über die Marxbrüder im Archive von Frankfurt a. M. 
entnommen hat. Dort heisst es : «Die Marcusbrüder Vnd 
i feder fechter haben einer leyh exercitia, theyhls handt- 
werker bekennen sich zu jenen, vnd die andern zu diessen; 
jene werden zu Meystern hier, diesse zu präg gemachet, 
diese werden Veyter fechter genandt, weyhlen Sie auf 
St. Viti tag ihre privilegia erhallten haben; Ein Lucas 
v.Bruder ist ein Meyster aus denen Marcus oder Veyths 
fechtern, so sich vndernimmet gegen alle vnd jede die 
Schuhl zu behaupten ; würdt Er aber bluthrüstig gemachet, 
«so ist Er ab, vnd die übrige theyhlen das von denen Zu- 
«schauwern erlössete geldt.> ■ — Aber vielleicht beruht auch 
schon diese Angabe auf einem durch falsche Analogie her- 
vorgerufenen Missverständnisse in der Auslegung dieses 
Namens, weil man sich dabei jener ursprünglichen, durch 



Wappen führte. Dieser wurde spottweise als eine Katze be- 
bezeichnet, so dass die Marxbrüder (Markus-Brüder) auch 
die Catii (Katzenleute) genannt wurden. 

Dieses auch für unsere Frage wichtige und wertvolle Zeugnis 
habe ich Vogt und Koch's Geschichte der deutschen Litteratur von 
den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart, Leipzig und Wien 1897, 
pag. 302 f. entnommen. 



— 60 — 

mannigfache wortspielerische Beziehungen stark schillernden 
Bedeutung nicht mehr recht erinnerte. Noch zwei andere 
Thatsachen hat Wassmannsdorff zur Stütze seiner An- 
sicht beigebracht, die ihm als solche, abgesehen von den 
allzuweit gehenden Consequenzen, welche er daraus ge- 
zogen hat, auch niemand bestreiten wird, dass nämlich 
erstens, wie aus verschiedenen Urkunden hervorgeht, Prag in 
der That der Hauptsitz der Federfechter war, wie Frank- 
furt derjenige der Marxbrüder, weshalb Frisch in seinem 
Teutsch-lat. Wörterbuche, Berlin 1741, ,Federfechter' auch 
einfach mit «Pugiles Prägens es» wiedergibt, und dass 
zweitens diese Federfechter zu Prag am 10. Februar 1608 
ein Einladungsschreiben zum Besuche ihrer ersten Fecht- 
schule am Sonntage nach Sancti V i t i > erlassen haben. 
Aber auch diesen Umstand wird wohl niemand als eine 
ernstliche Begründung dafür anerkennen können, dass der 
Name Federfechter «nichts anderes» als Viter- oder Veiter- 
fechter bedeuten solle; selbst dann nicht, wenn wir noch 
auf die auf dem Hradschin stehende St. Veits-Kirche hin- 
gewiesen werden, nach deren Patron sich diese Fechter- 
gesellschaft ja allerdings hätte benennen können; doch 
haben sich keine weiteren Zeugnisse mehr dafür aufbringen 
lassen, dass der heilige Vitus oder St. Veit wirklich der 
Patron der Freifechter von der Feder gewesen wäre. 
Jedenfalls gebührt dagegen Wassmannsdorff das Ver- 
dienst, mit Nachdruck auf die Unhaltbarkeit eines, wie es 
scheint auch in neuerer Zeit noch nicht endgültig über- 
wundenen Erklärungsversuches wohl zuerst hingewiesen zu 
haben, nämlich darauf, dass die Annahme einer besonderen 
< Feder» genannten Waffe für die Fechtkunst der Feder- 
fechter völlig verworfen werden muss, ein Resultat, das 
durch die weitergehenden Studien der Herren J. Schmied- 
Kowarzik und H. Kufahl, der beiden Verfasser des Fecht- 
büchleins (Leipzig 1894), über diesen Punkt neuerdings noch 
seine kräftige Bestätigung gefunden hat. 

Damit, darf ich nun wohl von der etwas ausgedehnten 



— 61 — 

Untersuchung einer so speciellen Frage, die ich aber bei 
Anlass der angeführten Stellen aufs neue zu erörtern für 
meine Pflicht hielt, Abschied nehmen und mich wieder der 
Betrachtung des Fechterwesens im allgemeinen, seiner Kunst, 
seinen Einrichtungen und Gebräuchen, seiner Überlieferung 
und den Formen seines öffentlichen Auftretens zuwenden. 
Zunächst noch einige weitere Belege für das Vorkommen 
der Fechter und die Abhaltung ihrer < Fe cht schulen» 
genannten öffentlichen Schaustellungen oder gewöhnlichen 
Kunstübungen und für die zeitgenössische Auffassung über 
den Wert oder Unwert solcher Darbietungen. Schon in 
den Acten der 1386 gegründeten Universität Heidelberg 
findet sich unter den Bestimmungen des ersten Rectorates 
nach dem Verbote des Würfelspiels für die Studenten auch 
noch die Notiz : «Prseterea fuit ordinatum ut scolae di- 
«micantium scolaribus studii nostri interdicentur 

ne literis deputati vanitati vacent et Studium praetermittant > 
und als Randbemerkung steht daneben: «De dimicatoribus 
et eorum scolis interdictis.» (Vgl. Wassm. pag. 1, der da- 
zu noch auf M einer s' Geschichte der hohen Schulen, IV, 
146 verweist.) Und G. Gumpelzhaimer äussert sich in 
seiner Schrift: «Gymnasma. De exercitiis Academicorum», 
(editio Moscherosch, Argentinae 1652 pag. 252) über die 
Teilnahme von Studenten an Fechtschulen im Wettbewerb 
um den ausgesetzten Geldpreis folgendermassen : «Tertiam 
< speciem palaestricae, scilicet Athleticam vitiosam dixi, ra- 

tione studiosorum, quibus lucri causa certare, in 
«pecuniam a spectatoribus projectam pugnare, cor- 
«pusque prostituere certe ignominiosum, ita ut per 
'hoc et famae et nominis opinionem abjicerent et perderent 
<nisi indigentia pecuniae et nummorum, quibus ad iter per- 
«ficiendum inprimis longius, opus habent, necessitas cui 

lex non posita premat. Hujus rei exempla memorare 
' facilimum foret, sed ea supprimo.» Dieses hier angedeutete 
Verhalten der reisenden Studenten erklärt uns auch das 
ebenso aufzufassende «Fechtengehen» der wandernden 



— 62 — 

Handwerksburschen, deren bezeichnender Ausdruck «fech- 
ten' = sammeln eines milden Zehrpfennigs oder betteln 
noch heute einen stehenden Bestandteil ihrer Sprache bildet, 
auch wenn sein ursprünglich wörtlich zu verstehender Sinn 
gewiss längst der Vergessenheit anheimgefallen ist. Doch 
scheint diese Redensart im gleichen oder wenigstens ähn- 
lichen Sinne auch anderwärts noch gebraucht worden zu 
sein, denn es findet sich z. B. bei 0. Goldsmith in seinem 
«Vicar of Wakeneid» cap. 20 (vgl. G. D.W.B. unter fechten) 
einmal die Wendung «I fought my way towards England», 
was etwa mit unserem deutschen «sich von einem be- 
stimmten Orte aus bis da und dahin durchschlagen, sich redlich 
durchs Leben schlagen etc.» zu vergleichen wäre, wenn in 
diesen Ausdrücken nicht auch der Sinn überstandener Mühen 
und Gefahren, überwundener Hindernisse und Schwierig- 
keiten mitenthalten oder gar vorwiegend zu denken ist. 
Von dem grossen fürstlichen Herrenschiessen, das im Sep- 
tember des Jahres 1560 in Stuttgart abgehalten wurde und 
noch eine Reihe anderer Lustbarkeiten ausser dem Schiessen 
selbst aufzuweisen hatte, darunter auch eine Fechtschule, 
berichtet der Pritschmeister Ulrich Erttell aus Augsburg und 
nennt in seiner Beschreibung desselben (vgl. Codex Nr. 582 
der Bibliothek in Gotha) die Schützenfeste, wohl auch mit 
Rücksicht auf ihre sonstigen Darbietungen, eine «Riterliche 
«vnd Notwendige kurtzweil — die nit ain wenig zw kriegs- 
»vbung Dienstlich vnd Nutz sein khinen, vnd ain Heroisch 
«Herrlichs exercitium Ist Vund der vrsach allenthalben . In 
«Lendern und Steten, so Im langenn Brauch Bliben» und 
«wol dem Turnieren vnd andern Fürstlichen Vbungen gleich- 
«geschetzt» werden mögen (s. Wassm. pag. 4). S erlin in 
seinem Buche : «Ritterliches Hauptschiessen vom 9./ 19. Mai 
1671» Frankfurt a. M. 1671, spricht sich über Zweck und 
Entstehung der Fechtschulen folgendermassen aus, wie es 
jedenfalls der damaligen Zeitanschauung vollständig entsprach: 
«Unsere Löbliche alte Teutsche Kayser führten bey ihren 
Höfen das thurnieren für die junge Ritterschafft ein, wo- 



— 63 — 

«durch ein solcher junger Ritter und Edelmann nicht allein 
«im reitten, sondern auch mit der Lantze, oder mit dem 
«Speere, und anderm damals üblichen gewehre, auff seinen 

mann abgerichtet ward. Sie ordneten auch für die 
«andere gemeine Jugend Fechtschulen an, umb 
«selbige in allerhand Kriegswaffen zu üben, und 
«begnadigten dieselbige mit sonder baren Privilegien 
«und Frey hei ten. Eben daher haben auch die Schützen- 
« Gesellschafften hin und wieder, in grossen und kleinen 
«Städten, ihren Ursprung und sonderbare Privilegien und 
«Freyheiten bekommen, — vornemlich zu dem ende, damit 
«man im falle der noth Leute haben könnte — dem ge- 
« meinen Vatterlande zu dienste» (s. Wassm. pag. 1). Seit 
dem 17. Jahrhundert begegnen neben den beiden Fechter- 
brüderschaften der Marcusbrüder und Federfechter auch 
noch die Lucasbrüder, wie es scheint als Gegner beider, 
worauf schon jene aus dem Frankfurter Fascikel 27 ange- 
führte Stelle hingewiesen hatte. Ausserdem finden sich 
dieselben noch in folgenden Stellen erwähnt, die ich Grimm 's 
D. W. B. entnehme. Bei Phil an der 1, 245 (Ausgabe vom 
Jahre 1642) heisst es: «ich bin ein examinirter appro- 
«birter fechtmeister, der das lob hat, dass er sich für 
«einen federfechter, Marxbruder und Luxbruder, je 
«nach dem die gegenparthei sinnes ist, ritterlichen als 
< bintzel, gebrauchen lasse ». Und in Pasquini Staats- 
phantasien aus dem Jahre 1697 lesen wir pag. 323: «damit 
«der herzog von Savoien ein spie gel fechten mit dem 
«marechal de Catinat in Piemont anstellen, selbigem aber 

nicht viel weher thun solte, als wenn die Lucas- und 
«Marcusbrüder mit ihrer federfechterei sich die 
«köpfe ein wenig blutig schlagen und dabei den 
«Zuschauern die beutel leeren, so gut sie können». 
Hübner 's Handlungslexicon von 1722 pag. 992 berichtet: 

klopffechter .... werden in federfechter und Marx- 
«brüder, oder meister des langen schwerdtes von 
«St. Marco und der Löwenburg abgetheilet, und 



— 64 — 

«wenn einer unter ihnen wider beide partheien zu 
l'echten eine schule aufschlaget, so wird er ein 
L u x b r u d e r g e h e i s s e n » . ,Klopffech ter ' wird von S t i e 1 e r 
453 mit «pugnator, colluctator» , bei Steinbach 1, 471 
mit «rudibus pugnans» wiedergegeben; Frisch in seinem 
Teutsch-lat. Wörterbuch (Berlin 1741) bezeichnet sie 
Bd. I, 524c als «gladiatores in certamine ludicro», 
und I, 253a als «pugiles publice congredientes»; ge- 
nauer noch erklärt Hübner in seinem Zeitungslexicon 
(5. Aufl. Leipzig 1727) 2,1004 das Wort durch: «gewisse 
handwerkspursche, die für geld ihre fechtschulen 
halten und sich auf allerhand gewehre mit ein- 
ander herum balgen», und die in zwei Parteien, die 
Federfechter und die Marxbrüder zerfielen, von welchen er 
(a. a. 0.) noch weiter meldet: «sie haben ihre collegia 
und schulen in den vornehmsten teutschen städten, allwo 
sie unter sich meister und approbirte meister zu schlagen 
pflegen». Genaueres hierüber ist noch bei G. Frey tag, 
Neue Bilder aus der deutschen Vergangenheit s. 146 ff. 
zu finden. Ich habe übrigens bereits einmal Gelegenheit 
gehabt, darauf hinzuweisen, dass sich nach verbürgten 
Überlieferungen der Hauptsitz der Marxbrüdergesellschaft 
oder der Meister des langen Schwerts von St. Marco und 
von Löwenberg in Frankfurt a. M., derjenige der Feder- 
fechter oder der Freifechter und Meister des langen Schwerts 
von der Feder und von Greifenfels aber in Prag befand, 
woran hier noch einmal erinnert werden mag, um im An- 
schlüsse daran noch einige derjenigen Städte zu erwähnen, 
in welchen wir solche Fechtschulen, wie auch später die 
Schwerttänze, am häufigsten abgehalten finden und am 
sichersten nachzuweisen vermögen. Dazu gehören unter 
anderen besonders : Augsburg, Breslau, Danzig, Dresden, 
Leipzig, Nürnberg, Strassburg i. E., Stuttgart und Ulm; es 
befinden sich also eine ganze Anzahl von Städten darunter, 
die, was für den weiteren Verlauf unserer Untersuchung 
noch von besonderer Bedeutung und daher wohl zu beachten 



— 65 — 

sein wird, sich auch durch eine hervorragende Pflege des 
deutschen Meistergesanges und seiner Singschulen aus- 
gezeichnet haben. Den Beweis dafür, dass sich dem wie 
es scheint ziemlich aussichtsreichen Fechten um Geld, wie 
übrigens auch anderen ähnlichen Bethätigungen , auch 
öfters Studenten und fahrende Schüler zugewendet haben, 
gibt uns neben einigen anderen überlieferten Thatsachen 
besonders auch eine Stelle Hugo von Trimberg's in seinem 
Renner, der das betreffende Capitel «Ditz ist von Ribalden 
«unn von ungezognen leuten» überschrieben hat, worin es 
Vers 16'477— 16'481 heisst : 

«waz solte ich davon lenger sagen? 
«Schirmer, geiger, gaukeler 
«Siht man werden vil schaler, 
«Die gutes vil ze schul verzerent 
«und sich mit loter füre nerent.» 

Hugo von Trimberg ist überhaupt auf alle diese ritter- 
lichen Unterhaltungen, Spiele und Leibesübungen nicht gut 
zu sprechen; an einer grösseren Stelle in seinem Renner, die 
ich unter den Beilagen im Auszuge wiedergebe, wendet er sich 
besonders gegen Thurnieren und Fechten, dann auch 
gegen Steinwerfen, Ringen und Springen. Bereits früher 
hatte ich eine Stelle anzuführen, an welcher er seinen 
allerdings w r ohl berechtigten Zorn über das Kämpfen mit 
Tieren geltend macht. Und schon im 14. Jahrhundert 
bezeichnet der Teichner einen in der Welt herumziehenden 
Edlen, der die Ritterschaft zu Erwerbszwecken ausübt, kurz- 
weg als einen «vehtaere» (vgl. Ed. Karajan pag. 85 
Anm. 289), woraus man wohl den Schluss ziehen darf, 
dass diese Bezeichnung bereits im damaligen Sprach- 
gebrauche nicht als eine sehr ehrenvolle galt. Abrahama 
Sancta Clara aber spricht sich, nach einem Citat aus dem 
Fechtbüchlein an einer von den betreffenden Verfassern 
desselben leider nicht näher bezeichneten Stelle seiner 
Werke, über die Vor- und Nachteile der edlen Fechtkunst, 
zu deren weiser, aber gemässigter Pflege er seine Zeit- 



— 66 — 

genossen ermahnt, folgendermassen aus: «Was sonsten 
«das Fechten, dessen Schul und Regel angehet, soll 
«man keineswegs darwider schimpflich reden, son- 
< dem gar wohl dabey lassen, dass solche Uebung nicht 
«geringen Nutzen schaffe bei der heutigen und lebhaften 
«Jugend, welche meistens einem Wasser gleicht, so durch 
«die Bewegung frisch belebt, entgegen durch das Stehen 
«verfault. Es muss aber niemand vermessenerweise 
»in alle Raufhändel sich einmischen und sich allein 
«steueren auf seine Fechtkunst, dann dergleichen 
«muthwillige Börschel aus göttlicher Verhängnuss gar oft von 
»dem allerunerfahrensten Menschen den Rest bekommen.» 
Dieser letzte Hinweis zeigt deutlich genug auch die Schäden, 
die sich bei dem Missbrauche des stark verbreiteten und 
eifrig betriebenen streitbaren Handwerkes auch da und dort 
herausstellten. Jedenfalls aber waren solche Darbietungen 
auf den Fechtschulen, auch wenn sie nur zur festlichen 
Unterhaltung der Volksmenge dienten, stets recht blutige 
und lebensgefährliche Schauspiele und leider die deutlichsten 
Zeugnisse einer sinkenden Kunst und eines verrohten Ge- 
schmackes. Schon in der letzten Zeit des 17. Jahrhunderts, 
an der Schwelle des 18. und bis tief in dasselbe hinein, 
ja teilweise noch im 19. an gewissen Orten vertreten, 
erscheinen jetzt die Fechter mehr und mehr als eine Art 
von betrügerischen Landstreichern; sie werden in dieser 
zweideutigen und übelberüchtigten Gesellschaft häufig ge- 
nannt und auch wirklich oft in derselben als ein besonderer 
Zweig des Gaunertums gefunden. So sagt z. B. Chr. Gerber 
in seiner Schrift «Sünden der Welt» (3. Aufl. 1699, 4. Auli. 
1701) Kap. 51, § 1: «solche sind nun die unseligen gaukler, 
«Seiltänzer, taschenspieler, comoeclianten, feuerfresser, klopp- 
«fechter und wie das geschmeiss alles mag genennet 
«werden», während er in der Überschrift dafür auch «feder- 
fechter», in § 4 aber bloss noch das einfache fechter- 
gesetzt hat. Und Wieland schreibt im Danischmend Kap. 13 
(vgl. Werke Bd. 8, 122; : < die Grimassenmacher, Quaek- 



-- 67 — 

< salber, Gaukler, Taschenspieler, Kuppler, Beutelschneider 
«und Klopffechter theilen sich in die Welt» (vgl. für die 
beiden Stellen G. DYYB. unter < Klopffechter >). Ein weiterer 
Beweis für die grosse Verbreitung dieser Klasse von Leuten 
und die Beliebtheit, deren sich ihre wenn auch rohen und 
unkünstlerischen Darstellungen doch bei dem weitaus grössten 
Teile der Bevölkerung zu erfreuen hatten, ist sicher auch 
die in diesen Zeiträumen häufige bildliche Verwendung von 
Worten, die sich auf solche Verhältnisse beziehen, durch 
die damaligen Schriftsteller, wie uns denn auch solche 
Anspielungen an zahlreichen Stellen der zeitgenössischen 
Litteratur begegnen, die hier alle im Einzelnen wiederzu- 
geben zwecklos sein würde. Nur soviel möge hier noch 
bemerkt sein, dass, wenn etwa Log au in seinem Sinn- 
gedichte: Verbriefter Adel, das vielleicht eben gegen das 
Klopffechtertum gerichtet ist, sagt: 

«Ein federliches Waffen, nicht väterlicher Schild 
-Ist jetzt vorausgestellet. wo Federfechten gilt.» 
oder ein andermal sich vernehmen lässt: 

«Der Deutschen ihr Papier 

«War ihrer Feinde Leder. 

«Der Degen war die Feder: 

«Mit Blute schrieh man hier.» 

Oder wenn Fleming 134 schreibt: 

« hängt seine Fochtet an, 

«Die er zu tragen weiss, als wol kein Edelmann.» 
sich die betreffenden Dichter jedenfalls ganz mit Absicht in 
solchen Stellen der volkstümlichen Anschauung und ihrem 
Sprachgebrauche angepasst haben, um in ihrem Ausdrucke 
dadurch um so wahrer und eindrucksvoller zu werden. Auch 
Goethe wirkt damit mit besonderer Frische und Lebendigkeit, 
wenn er sagt: 

«Heraus mit eurem Flederwisch! 
«Nur zugestossen! ich pariere.» (Werke 12. 195.) 
Oder an einer anderen Stelle (57, 166): 

»Hervor den Degen in der Hand, 
«Raus, feurig, frisch 
«Den Flederwisch!» 

5* 



— 68 — 

Ich möchte im Anschlüsse an diese beiden Gitate, die 
vielleicht auch noch Einiges in der Frage über die Herkunft 
des Namens der Federfechter zu einem der verschiedenen 
Erklärungsversuche beitragen können, gleich noch zwei 
andere Stellen erwähnen, die sich mit diesen und schon 
früher angeführten nahe berühren und mir eben erst wieder 
zu Gesicht gekommen sind. Die eine steht nach G. DWB. 
bei Ayrer 274c und lautet: 

«fehlt er, so wo 11 wir sein nicht fehlen, 
«in mit dem eisern fiederwisch strehlen;» 

die andere findet sich in Fi schart 's Gargantua 135 a 
und heisst: 

«wir haben unseren fiederwisch gefunden, der kan 
uns abkehren, seh, seh, gesell, bist auch noch staubig?» 

Damit beschliesse ich die Aufzählung einzelner Stellen, 
die uns über das Fechterwesen Aufschluss geben, und werde 
mich auch keiner Behandlung von Einzelfragen aus diesem 
Gebiete mehr zuwenden, sondern noch einige allgemeinere 
Übersichten und Zusammenstellungen hier beifügen, die als 
Beiträge zur Geschichte der Fechtschulen und der Fechter- 
gesellschaften dienen mögen und eine etwas nähere Bekannt- 
schaft mit den vielen und stark zerstreuten Überlieferungen 
vermitteln und bezwecken sollen. 

Im Folgenden mag zunächst eine Zusammenstellung 
der verschiedenen den beiden Hauptbrüderschaften der 
Fechter verliehenen Privilegien und Gonfirmationen 
gegeben werden mit einer Angabe, von welchem Kaiser, in 
welchem Jahre und an welchem Orte diese Freibriefe, be- 
ziehungsweise ihre Erneuerungen, Bestätigungen oder Er- 
weiterungen ausgestellt worden sind; auf eine Inhaltsangabe 
oder gar eine auszügliche Wiedergabe derselben muss ich an 
dieser Stelle leider verzichten. Es sind demnach als uns 
bis jetzt als vorhanden bekannt gewordene Urkunden zu 
verzeichnen: 

1) Von Kaiser Friedrich III. am 10. August 1487 in 
Nürnberg ausgestellt das erste Fechterprivilegium. 



— 69 — 

2) Von Kaiser Maximilian I. am 27. September 1512 
in Köln erlassen, die Bestätigung desselben. 

3) Von Kaiser Karl V. am 5. April 1521 in Worms 
erteilt, eine Gonfirmation beider vorhergehender 
Erlasse. 

4) Von Kaiser Karl V. am 13. Mai 1541 in Regens- 
burg verliehen, ein Freibrief unter gleichzeitiger 
Verleihung eines Wappens an die Markusbrüder- 
schaft. 

5) Von Kaiser Maximilian II. am 6. Mai 1566 in Augs- 
burg erlassen eine Gonfirmation. 

6) Von Kaiser Rudolf II. am 15. Juli 1579 in Prag 
erlassen eine Gonfirmation. 

7) Von Kaiser Rudolf II. am 7. März 1607 in Prag 
verliehen ein Freibrief mit gleichzeitiger Verleihung 
eines eigenen Wappens und Genehmigung der am 
4. August 1606 in Prag festgesetzten Fechterordnimg 
für die Gesellschaft der Freifechter von der Feder 
daselbst, 

8) Von Kaiser Mathias am 17. Oktober 1613 in Regens- 
burg erteilt eine Gonfirmation. 

9) Von Kaiser Ferdinand II. am 13. Juli 1627 in Wien 
eine ebensolche. 

10) Von Kaiser Ferdinand III. am 18. Dezember 1640 
in Regensburg eine desgleichen. 

11) Von Kaiser Leopold I. am 26. Oktober 1669 in 
Wien ebenfalls eine Gonfirmation früherer Rechte. 

12) Von Kaiser Leopold I. am 20. März 1670 in Wien 
erteilt ein Freibrief an die Markusbrüderschaft unter 
Vermehrung ihres Wappens und daheriger Erweiterung 
ihres Titels um das Beiwort «von Löwenberg >. 

13) Von Kaiser Leopold I. am 2. Dezember 1688 in 
Wien verliehen ein Freibrief an die Gesellschaft 
der Federfeeliter mit gleichzeitiger Vermehrung 
ihres Wappens und daraus folgender Erweiterung 
ihres Titels mit dem Zusatz «von Greifenfels». 



— 70 — 

Nunmehr gehe ich dazu über, die übrigen Urkunden, Ver- 
ordnungen, Ratserlasse, Satzungen und anderweitigen 
Documente, die sich auf das Fechterwesen im Allgemeinen 
und im Besonderen beziehen, zu verzeichnen und zwar in 
alphabetischer Reihenfolge nach den Städten, aus welchen 
dieselben stammen, innerhalb dieser sodann in chronologischer 
Anordnung, soweit irgend möglich, und ohne noch weiter- 
gehende Einteilungen zu versuchen. Darnach ist anzu- 
führen : 

a) aus Augsburg: 

1) Bestätigungen von Verordnungen der Fechterschulen 
durch den Magistrat aus den Jahren 1568, 159(3, 
Kill vorliegend. 

2) Fechterordnungen der Stadt vom 9. Januar 1596 
und vom 13. Januar 1611. 

3) Ratsbeschluss zur Aufhebung der Fechtschule im 
Jahre 1700. 

b) aus Breslau: 

1) Schulordnung vom Jahre 1570, welche den Gym- 
nasiasten den Besuch öffentlicher Fechtschulen 
verbietet. 

2) Bewilligung des Rates zur Abhaltung von Fecht- 
schulen (mit klingendem Spiel beim Umzüge der 
Fechter) vom 5. April 1598. 

3) Erste Ratsverordnung über die Fechtschulen vom 
9. September 1606. 

4) Erneuerungen dieser Ratsverordnung vom 6. De- 
zember 1614 und vom 9. Mai 1615. 

5) Ratsverordnung über diejenigen Zeiten, zu welchen 
die Fechtschulen verboten sind, vom 24. Februar 
1616. 

6) Renoviertes Patent des Rates, bei Anlass einer Fecht- 
schule erlassen, vom 5. April 1625. 

7) Wiederholung des gleichen Ratspatentes am 22. Fe- 
bruar 1642. 



— 71 — 

8) Letztes Ratsdecret wegen der Fechtschulen vom 
6. Dezember 1674. 

c) aus Cöslin (in Pommern): 

Willkühr der Stadtbehörde vom 7. September 1666, 
welche das Fechten an Sonntagen verbietet. 

d) aus Danzig: 

Lehrbrief für den Markusbruder Joseph Georg Koppel 
aus Leipzig vom 22. Juni 1682. 

e) aus Frankfurt a. M. : 

1) Bittgesuch der Markusbrüderschaft an den Senat 
vom 6. September 1575. 

2) Erneutes Bittgesuch der gleichen Brüderschaft, dem 
Senate vorgelegt am 19. April 1576. 

3) Klageschreiben der Marxbrüder an den Senat wegen 
Benachteiligung durch das Auftreten anderer Fechter 
daselbst vom Jahre 1578. 

4) Verzeichnis der in dieser Stadt zu Meistern des 
langen Schwertes geschlagenen Marxbrüder vom 
Jahre 1583 an weiter geführt (im dortigen Archiv 
befindlich). 

5) Ordnung der Marxbrüderschaft, festgesetzt am 
31. März 1653. 

6) Bestätigung derselben durch den Rat vom 13. Ok- 
tober 1660. 

7) Vidimus oder Transsumpt des Rates zum Privileg 
von 1669 (1670?) vom 22. September 1671. 

f) aus Leipzig: 

Kurfürstliche Verordnung über die Fechter um 1567. 
(Ausschluss der Handwerksgesellen vom Schutze der Uni- 
versität.) 

g) aus Mainz: 

Lehrbrief für den Federfechter Rudolf Gebhardt aus 
Magdeburg vom 27. Januar 1719. 



— 72 — 

li) aus Nürnberg: 

1) Bewilligungen des Rates zur Abhaltung von Fecht- 
schulen wurden erteilt zu folgenden Zeiten: um 
Fastnacht 1477, am 20. Juni 1478, Mitte Januar 
1479, am 9. Oktober 1479, am 17. März 1487, 
4. Oktober 1492, 3. Oktober 1493, 19. April 1494, 
kurz vor Weihnachten 1495, und im Jahre 1561 . 

2) Verbote der Fechtschulen liegen vor von Ende Juli 
1503, aus den Jahren 1551 und 1585, und vom 
20. Juli 1691. 

3) Verordnung über die Fechtschulen von 1553. 

4) 22 Fechtschulreime zur Eröffnung der vom 26. April 
bis 4. Oktober des Jahres 1579 abgehaltenen Fecht- 
schulen (26. April; 3., 10., 17., 24., 31.'? Mai; 14., 
23. Juni; 5., 12., 19., 26. Juli; 2., 9., 16., 23., 
30. August: 6., 13., 20., 27. September: 4. Oktober). 

5) Ratsverordnung über die Höhe des Eintrittsgeldes 
bei Fechtschulen vom 23. April 1609. 

6) Beschluss über die Verwendung des Zuschauer- 
geldes vom Jahre 1628. (Nach Vollendung des 
neuen Fechthauses.) 

7) Ratsbeschluss zur gänzlichen Abstellung der Fecht- 
schulen vom Jahre 1698. 

i) aus Prag: 

1) Fechtschulordnung des Rates vom 28. Juli 1597 
(in tschechischer Sprache abgefasst und in Bezug 
auf die Abhaltung von Fechtschulen die Federfechter 
und <Markuse» rechtlich gleichstellend). 

2) Satzungen und Ordnung der Freifechter von der 
Feder, festgesetzt am 4. August 1606. 

3) Einladungsschreiben zur ersten Fechtschule der 
Federfechter daselbst, erlassen am 10. Februar 
1(508. 

4) Approbationsschreiben (Meisterbrief) für den Fecht- 
meister Heinrich Schotte vom 15. Juni 1608. 



— 73 — 

5) Approbationsschreiben (Meisterbrief) des Feder- 
fechters Adolf Hagenauer aus Wien vom 15. Juni 
1735. 

k) aus Ulm: 

1) Bewilligung der Fechtschulen der Kürschner durch 
ein Ratsprotokoll vom Jahre 1514. 

2) Ratsverordnung über die Fechtschulen daselbst vom 
Jahre 1589. 

3) Wiederholungen dieser Ratsverordnung aus den 
Jahren 1590 und 1602. 

4) Weitere Ratsverordnungen von den Jahren 1607, 
1609 und 1613. 

5) Klageschreiben der Inhalter der dortigen Fecht- 
schulen an den Magistrat vom Jahre 1616. 

1) aus Wien: 

Ankündigung einer Fechtschule durch den Fechtmeister 
Anton Mire daselbst im Jahre 1781. 

Diese oben angeführten Documente zur Geschichte des 
Fechterwesens haben mir für diese Untersuchungen, wenn 
auch nicht im Originale, so doch durch die Vermittelung der 
einschlägigen Litteratur, in Abdrücken ganz oder wenigstens 
teilweise, in grösseren oder kleineren Auszügen, vorgelegen: 
manche von ihnen sind mir aber auch bloss durch kurze 
Mitteilungen oder directe Hinweise bekannt geworden, so 
dass es nicht immer möglich war, sie alle im Einzelnen 
nachzuprüfen : immerhin liess sich durch Vergleichung ver- 
schiedener Angaben in etlichen Fällen eine willkommene 
Bestätigung, in anderen dagegen wieder eine notwendige 
Berichtigung, häufig auch eine Ergänzung und genauere Be- 
stimmung der erwähnten Belege und Zeugnisse erzielen. 
Gleichzeitig unterzog ich mich auch der Mühe, die sämt- 
lichen, zu meiner Kenntnis gelangten Orts- und Zeitangaben, 
soweit sie die Abhaltung von Fechtschulen, Fech- 
terspielen. Schwerttänzen oder das sonstige 
Auftreten von Fechtern in öffentlichen Schau- 



Stellungen betreffen, übersichtlich zusammenzustellen, 
und ich gebe, von der Überzeugung geleitet, dass eine 
solche Orientierung über die locale Verbreitung und 
die zeitliche Ausdehnung des Fechterwesens, wie über 
die Häufigkeit seiner Darbietungen weder zwecklos noch 
ohne Interesse sein werde, die so gewonnene, kurze tabel- 
larische Darstellung dieser Verhältnisse im Folgenden wieder. 
Auch hierbei habe ich für die Ortsangaben die alphabetische, 
für die Zeitbestimmungen die chronologische Reihenfolge 
innegehalten und bemerke nur noch, dass ich die Daten 
für die Schwerttänze sowie sonstige nicht dem engeren 
Begriffe der Fechtschulen einzuverleibende Fechterauf- 
führungen durch das Einschliessen derselben in eckige 
Klammern gekennzeichnet habe, um damit die notwendige 
Unterscheidung der beiden, im Grunde genommen doch 
jedenfalls sehr nahe verwandten und enge zusammenhängen- 
den Äusserungen der Waffentüchtigkeit zu ermöglichen. 
Folgende Daten sind überliefert: 

1) Augsburg: 1500. 1509. 1547. 1615. 1637. 
1651. 1661. (1700?) 1719. [1741.] 1776. 5. De- 
zember 1815. 

2) Berlin: 1581. Winter 1802/3. 12. Juni 1807. 

3) Braunschweig: [1443.] 

4) Breslau: 1280. 15. Juni 1567. 1575. 1582. 
10. Juli 1589. 1592. 19. April 1593. März 1594. 
23. November 1597. 5. April 1598. 9. April 1600. 
14. September 1614. [23. Februar 1620.] 5. April 
1625. 1636. 25. September 1644. 15. August 
1672. 14. April 1715. 1735. 5. November 1741. 
27. Februar 1808. 31. Juli 1808 (im Lager von 
Lissa). 

5) Brieg: Mai 1577. September 1582. 

6) Danzig: 3. Juli 1623. 18. Februar 1646. 1651. 

7) Darmstadt: 1816, 

8) Dresden: 27. September 1614. 

9) Düsseldorf: 19. Juni 1585. 



— 75 — 

10) Frankfurt a. M. : 1397. Mai 1671. 
1.1) Hamburg: 5. April 181.0. 

12) Heidelberg: 1386. 

13) Karlsruhe: 16. April 1811. 

14) Krakau: 1583. 

15) Leipzig: Pfingsten 1533. (1567?) 14. Mai 1604. 
8. Juli 1612. 

16) Linz: 1783. 

17) Lollar (bei Giessen) : [1651.] 

18) Lübeck: [vgl. Z. f. d. A. XX., 10 ff., ein erhaltenes, 
aber undatiertes Schwerttanzspiel.] 

19) München: [1537. 1561.] 

20) Nürnberg: [1350. (1351?)] Fastnacht 1477. 
20. Juni 1478. Januar 1479. Oktober 1479. 
17. März 1487. [1490.] 4. Oktober 1492. S.Ok- 
tober 1493. 19. April 1494. Weihnachten 1495. 
[1497. 1511. 1516. 1518. 1537. 1539. 1540. 
1546. 1558. 1560. 1561.] 1561. [1570.] 1576. 
26. April bis 4. Oktober 1579. [um 1580.] 17. Juni 
1582. 1588. 1593. [3. und 13. Februar 1600.] 
14. Februar 1600. 1603. 5. Januar 1607. 1612. 
1615. (1697?) 21. November 1698. 

21) Prag: 1608. 

22) Schmalkalden: [1576.] 

23) Solothurn (Schweiz): [1549. 1581.] 

24) Strassburg i. E. : 5. und 26. November. 3. De- 
zember 1559. 1587. Januar 1664. 

25) Stuttgart: 29. September 1560. November 1575. 
Mai 1585. 12. März 1596. 1602. 

26) Thorn: 1612. 1614. 

27) Troppau: 1583. 

28) Überlingen a. Bodensee: [1581. (1670.) 27. Fe- 
bruar 1794.] 

29) Ulm: 1514. [9. Februar 1551.] 1551. 1610. 
1698. 

30) Weimar: Mai 1584. 



— 70 — 

31) Wien: 1781. 

32) Zwickau 26.121. August 1573. 

Im Anschlüsse an diese Angaben möge noch ein Ver- 
zeichnis der wichtigsten älteren Fechtbücher hier Platz 
finden. Ausserdem sind auch noch einige Beschrei- 
bungen von Fechtschulen in gebundener und unge- 
bundener Rede anzuführen, sowie einige grössere und 
kleinere Gedichte namhaft zu machen, welche sich sonst 
auf das Fechterwesen und seine Geschichte, wie 
auf die F e c h t s c h u 1 e n und ihre Kunst beziehen. 
(Die von mir selbst eingesehenen Schriften sind durch ein 
vorgesetztes * gekennzeichnet.) Zum Beschlüsse dieses 
Teiles wird noch ein kurzes Wort über den Zusammenhang 
zwischen den Fechtschulen und den Schwerttänzen bei- 
gefügt werden. Zunächst jedoch gebe ich noch die er- 
wähnten Übersichten. 

1) Schriften das Fechtwesen betreffend: 

Johann Lichtenauer 's Fechtregeln. (Nürnberger Hs. 
des Germ. Nat.-Mus. Nr. 3227 a vom Jahre 1389.) 

Lecküchner's Handschrift über das Messerfechten. 
(Ältere Fassung auf d. Bibl. von Heidelberg, eine Über- 
arbeitung derselben vom Jahre 1478 in München.) 

* Talhofer's Fechtbuch aus dem Jahre 1467 (auch 
gerichtliche und andere Zweikämpfe nebst den Kampfregeln 
enthaltend), herausgegeben von G. Hergsell, Prag 1887. 

Paurnfeindt's Fechtbuch, Wien 1516. 

Fabian von Auerswald, Ringerkunst, 85 Stücke etc., 
gedruckt zu Wittemberg durch Hans Lufft, 1539. 

Paulus Hector Mair's Kunstfechtbuch, Augsburg um 
1542 verfasst. (Bibl. zu Dresden.) 

«Die Ritterliche mannliche Kunst und Handarbeyt 
Fechtens und Kempffens». Frankfurt a. M. 1558. 

Joachim Meyer, Gründliche Beschreibung der freien 
ritterlichen und adelichen Kunst des Fechtens u. s. w. 
Strassburg i. E. 1570, Augsburg 1600, 1610 und 1660 
erschienen. 



— 77 — 

H. von Gunter r od t, De veris principiis artis dimica- 
toriae, Witebergae 1579. 

* Des kunstreichen und weitberümten Fechtmeisters 
Salvatoris Fabri Italienische Fechtkunst, Leiden, bei 
J. Elzevier 1606 und 1619. 

* Ein new künstlich Fechtbuch im Rappier, zum Fechten 
und Balgen etc. durch Michael Hundt. 1611. 

*J. Sutor, Newkünstliches Fechtbuch, d. i. ausführliche 
Description der Kunst des Fechtens in den gebräuchlichsten 
Wehren u. s. w. Frankfurt a. M. 1612. (Neudruck ebenda 
1849.) 

* Fabri daPadoa, Neu künstlich Fechtbuch. Nürnberg 
1615. 

* Sebastian Heussler, Fechtschul, Nürnberg 1616. 
August Vischer, Tractatus duo juris duellici universi, 

.lenae 1617. 

G. Gumpelzhaimeri, Gymnasma. De exercitiis Aca- 
demicorum, Argentinae 1621. (Editio M. Moscherosch, 
Argentinae 1652.) 

Joh. Georg Paschen, Der Adelichen Gemüther Wohl- 
erfahrne Exercitien-Meister, d. i. vollständige Fecht-, Ring- 
und Voultesier-Kunst. Frankfurt a. M. und Leipzig 1683. 

* Joh. Andreas Schmidt, Leibbeschirmende und Fein- 
den Trotzbietende Fechtkunst. Nürnberg 1713. 

Alexander Doyle, Neu Alamodische Ritterliche Fecht- 
und Schirmkunst etc. Nürnberg und Frankfurt a. M. 1715. 

Paul KaFs Fechtbücher (auf den Bibliotheken zu 
München und Wien befindlich). 

2) Originalbeschreibungen verschiedener Fecht- 
schulen und sonstige Nachrichten über solche finden sich 
in folgenden Werken: 

S erlin, Ritterliches Hauptschiessen vom 9. bis 
19. Mai 1671. Frankfurt a. M. 1671. 

Werl ich 's Chronik von Augsburg, pag. 271 (bei 
Erwähnung des Augsburger Schiessens vom Jahre 1509). 



— 78 — 

Sastrow's Lebensbeschreibung, herausgegeben von 
Mohnike, Greifswald 1823. Bd. II, 47 (Nachricht von Fecht- 
schulen in Augsburg von 1547 bei Anlass der Gefangenschaft 
des Kurfürsten Joh. Friedrich von Sachsen während des 
Reichstages daselbst). 

FlexeTs Beschreibung des Herrenschiessens zu Stuttgart 
vom Jahre 1560 (veranstaltet von Herzog Christoph von 
Württemberg). Hs. Nr. 325 der Heidelberger Bibliothek, 
vgl. Blatt 18 b. 

Ulrich Erttell's Beschreibung des Stuttgarter Schiessens 
von 1560. Cod. 582 der Bibl. zu Gotha, vgl. Blatt 10 b. 

Benedict Edlbeck's Beschreibung des Schiessens zu 
Zwickau vom August 1573 (gegeben zu Ehren des Kurfürsten 
August von Sachsen). Dresden 1574 gedr., vgl. Bl. 81b — 86b 
und 107 b— 109 a. 

[Dazu ist auch die Schilderung bei G. Frey tag, Neue 
Bilder aus dem Leben des deutschen Volkes, 1862. pag. 
146 ff zu vergleichen.] 

Nicodemus Frischlin's Gedicht über die Hochzeit 
des Herzogs Ludwig von Württemberg mit der Markgräfin 
Dorothea Ursula von Baden in Stuttgart im November 1575 
(in lateinischen Hexametern verfasst). Tübingen 1577 gedr. 
vgl. Buch 7: « Gladiatorium seu Gymnicum certamen». 
pag. 157 ff. 

Dasselbe ins Deutsche übertragen und stellenweise 
vermehrt von K. Christ. Beyer. Tübingen 1578 gedr. 
vgl. pag. 415 — 435. 

Hans Ulrich Krafft's von Ulm Reisen und Gefangen- 
schaft (1616 verfasst), herausgegeben in der Bibl. d. Stuttg. 
Lit. Vereins, Bd. 61 (1861. Tübingen), vgl. pag. 377 
(Fechtschule in Krakau bei Anlass einer Hochzeit im Jahre 
1583) und pag. 383 — 386 (Fechtschule zu Troppau im Jahre 
1583 bei Gelegenheit der Hochzeitsfeier des Herzogs Hans 
von Liegnitz und Brieg). 

Dietrich Graminäus: «Fürstlicher Güligscher etc — 
Hochzeit . Colin A° 1587 (enthält die Beschreibung der 



— 79 — 

Fechtschule vom 19. Juni 1585 in Düsseldorf bei Anlass 
der Hochzeitsfestlichkeiten für Herzog Johann Wilhelm von 
Jülich und die badische Markgräfin Jacoba). 

Nicod. Frischlin, De secundis nuptijs — Lvdovici. 
Tübingen 1585, vgl. pag. 99/100. «Gladiatorum certamen > 
(Beschreibung der Fechtschule vom Mai 1585 in Stuttgart 
bei Anlass der zweiten Vermählung Herzog Ludwig's von 
Württemberg mit der Herzogin Ursula von Bayern, [in lat. 
Hexametern abgefasst].). 

Felix Platter's Lebensbeschreibung. Hs. A. III. 3. der 
Basler Bibliothek. (Darin ein Bericht über die Fechtschule 
vom 12. März 1596 zu Stuttgart bei Gelegenheit der Taufe 
des jungen Herzogs August von Württemberg enthalten.) 
[Vgl. auch Dr. Fechter, Thomas und Felix Platter, 
Basel 1840, s. 208.] 

Wolf gang F erb er 's Beschreibung des Schiessens vom 
September 1614 in Dresden. Dresden 1615 gedr. Vgl. Bl. 
B.b. 4b (Beschreibung der Fechtschule vom 27. Septem- 
ber 1614 daselbst, bei Anlass einer Prinzentaufe durch 
Herzog Johann Georg von Sachsen veranstaltet). 

3) Einige weitere Zeugnisse für das Fechterwesen und 
seine Beliebtheit geben noch folgende litterarische Ver- 
wertungen desselben ab, die ich ihres Umfanges wegen hier 
zur Vervollständigung meiner Angaben nur kurz anführen 
will unter Hinweis auf die Beilagen im vierten Abschnitte, 
wo sie in unverkürzter Wiedergabe ihre Stelle finden sollen. 
Dahin gehören zunächst die Nürnberger Fechtschul- 
Reime vom Jahre 1579 (26. April bis 4. Oktober), die 
uns in der Papierhandschrift Nr. 1458 des Nürnberger Germ. 
Nat. -Museums aus dem Jahre 1671 erhalten sind (gedruckt 
bei Wassmannsdorff) und uns einen Vergleich mit den 
«fürwurf» oder «reizunge» genannten Herausforderungen 
der Meistersinger zum Wettstreite in Liedern nahe 
legen. Sodann ist zu erwähnen: Hans Sachsens «Fecht- 
spruch, Ankunfft vnd Freyheit der Kunst», ver- 



— 80 - 

fasst am 25. Juni 1545 in Nürnberg (vgl. Ausgabe von 
Götze 1570, I. Bl. 408d— 410b. Ausgabe von L612, I, 
824 ff.). Ferner der: «Ehren Tittel vnd Lobspruch 
«der Ritterlichen Freyen Kunst der Fechter, auch 

« ihrer Ankunfft, Freyheiten vnd Keyserlichen Privilegien, etc 

«gestellet durch Christoff Rösener Bürger in Dreszden, vnd 
« durch Keys. May. Freyheit, Meister des Schwerts. Anno 1 589 > . 
gedruckt Dreszden A° 1589 (in der Hofbibliothek zu Weimar 
befindlich). Dieses Gedicht enthält, wie Wassmannsdorff 
(vgl. den Abdruck in seiner Schrift über die Fechtschulen, 
pag. 46 ff.) gezeigt hat, ohne seinen Namen zu nennen, 
Hans Sachsens Fechtspruch in sich. Ich werde beim Ab- 
drucke der beiden ebenfalls so verfahren, dass ich Röse- 
ner" s Werk als Rahmen betrachte und Sachsens Fecht- 
spruch mit den ihm zukommenden, von Rösener natürlich 
weggelassenen Eingangs- und Schlussversen versehe und 
dadurch als selbständiges Mittelstück des Ganzen und Eigen- 
tum eines andern Verfassers zu bezeichnen und durch 
entsprechende Zwischenräume hervorzuheben suche. Weiter 
begegnen wir den Fechtern in der Litteratur der Zeit ihrer 
weitesten Verbreitung und ihres besten Ansehens noch bei 
Burkhard Waldis in seinem Esopus». Er hat daselbst 
(vgl. die Ausgabe von H. Kurz, Leipzig 1862, Bd. II, s. 176 7 1 
in Das vierdte Buch der Fabeln Esopi, hat Hundert newer 
Fabeln» unter Nr. LXXII eine gereimte Fabel «Von zweien 
Fechtern», deren Stoff übrigens (vgl. die Anmerkungen 
zu B. IV. Nr. 72) aus Brant's Bearbeitung von Stein- 
höwel's Aesop-Lbertragung 129a [von zweyen Fechtern] 
und anderweitigen Quellen übernommen worden ist, was 
immerhin als ein Beweis dafür gehalten werden darf, dass 
die Einkleidung der Lehre in diese Gestalt damals jedenfalls 
sehr beliebt und zeitgemäss war. Dieselbe Geschichte findet 
sich dann, in Prosa wiedergegeben, auch bei Johannes 
Pauli in seiner Schwanksammlung Schimpf vnd Ernst» 
(1519 verfasst), wo diese, nebst einer anderen, auch von 
zwei Fechtmeistern handelnden, unter Nr. CCCX1 und 



— 81 — 

CCGXII (vgl. die Ausgabe von H. Qsterley, in der Bibl. 
des Stutt. Lit. Vereins, Bd. 85 [Stuttgart 1866], pag. 198/9) 
zu finden ist. Auch auf die im Volks buche vom 
gehörnten Siegfried (älteste Ausgabe von 1726, vgl. 
Halle"sche Neudrucke Nr. 81/82, pag. 88 — 93) eingestreute 
Prosa-Episode eines komischen Zweikampfes zwischen 
den beiden Feiglingen Jorcus und Zivelles wäre 
noch zu verweisen; auf ihren Abdruck in den Beilagen 
glaubte ich aber um so eher verzichten zu dürfen, als sich 
diese Stelle einer ziemlich allgemeinen Bekanntschaft zu 
erfreuen hat und auch nicht durch besondere nennenswerte 
Eigentümlichkeiten der Auffassung oder des Sprachgebrauches 
ausgezeichnet ist. 

Ehe ich diesen Abschnitt meiner Abhandlung be- 
schliessen kann, bleibt mir noch übrig, mit ein paar Worten 
auf das bereits in der Einleitung angedeutete Verhältnis 
einzugehen, das wir zwischen den Fechtschulen und den 
Schwerttänzen der Handwerkergilden an den verschiede- 
nen Orten ihres Vorkommens anzusetzen haben. Es scheint 
mir eine sichere und ausgemachte Thatsache zu sein, dass 
zwischen beiden Einrichtungen und Gebräuchen sehr nahe 
und enge Beziehungen stattgefunden haben, für die wenig- 
stens teilweise noch jetzt einige Zeugnisse vorliegen. 
Manche Angaben und Umstände deuten auf einen solchen 
Zusammenhang beider hin, und nicht zuletzt wohl die That- 
sache, dass wir die Schwerttänze an den meisten Orten 
von der Zunft der Kürschner, der Schwertfeger, oder der 
Messerschmiede und von Angehörigen solcher Handwerke 
abgehalten finden, die jeweilen auch in den verschiedenen 
Fechtschulen am stärksten und häufigsten vertreten sind. 
Oft sehen wir beide Schaustellungen, Schwerttanz und 
Fechtschule, unmittelbar oder nur in kurzen Zwischenräu- 
men aufeinanderfolgen, und bei der Darstellung des ersteren 
sind manchmal Vertreter der letzteren als Leiter der Auf- 
führung beteiligt. So könnte man unter solchen eine 
unzweifelhafte Beziehung, ja fast eine gewisse Verwandt- 

6 



— 82 — 

schaf't beider befürwortenden Umständen vielleicht die nicht 
allzu kühne Behauptung aufstellen, dass die Fechtschulen 
als die vermisste und fehlende Übergangsstufe zwischen 
den frühesten und den späteren Überlieferungen des Schwert- 
tanzes, die ja mehrere Jahrhunderte auseinanderliegen, 
eingeschoben werden dürfen. Und so Hesse sich jene Lücke 
in der Entwicklung dieser Sitte wenigstens einigermassen 
schliessen, auf welche bereits Müllenhoff in seiner ersten 
Abhandlung über den Schwerttanz (vgl. Festgaben für 
Homeyer, Berlin 1871) mit Bedauern hingewiesen hat. Die 
engere Verbindung zwischen Fechtschule und Schwerttanz, 
auch was ihre oft fast gleichzeitige Abhaltung anbetrifft, 
scheinen mir besonders folgende zwei Angaben, aus Mit- 
teilungen über den Schwerttanz in der Zeitschrift «Alemannia», 
Bd. 14 und Bd. 18 entnommen zu erweisen. Zunächst findet sich 
in «Alemannia», Bd. 14 (1886), pag. 183 ff. aus der Chronik 
des Ulmer Schusters Sebastian Fischer (vgl. Cod. germ. 
Nr. 3C91 d. Staatsbibl. zu München, Blatt 398 ab) folgende 
Stelle über einen Schwerttanz in Ulm: «In disem 1551 jar 
«vff den vnsynigen gutteintag, was der 9. tag hornung, 
«hielten die handwerks gsellen ain schwertdantz vff offenem 

«markt vor der burger zech etc.« «der den dantz 

«fiert was ein nestler gsell, hiess mit sehn namen Lienhart 
«Kienly, von Dinkelspiel, ain mayster des schwerts 
«vnd der ander der jm halff den dantz fieren, w r as ain 

«schreinergsell, auch ain fechtmayster » , «da stond 

«der fechtmayster Lienhart Kienly vff die sclrwerter 
«hinauff vnd schlug das bariss (wohl ein Paradehieb 
aus der Fechtschulenpraxis, der so genannt wurde), wie 
«dan die fechtmayster allweg vff der fechtschul 

«schlahen», «vnd am weyssen suntag hielt der 

«nestler Lienhart Kienly fechtschul, alda hielten sy 
«auch den schwertdantz, vnd den rayffdantz vff dem 
«schuchhauss (Verkaufshalle für die Schuhmacher und Ver- 
gnügungslokal wegen des grossen Saales darin), das was 
«der letst dantz, hiemit war das dantzen auss, etc.». Das 



— 83 — 

darf wohl als unbestreitbarer Beleg für einen nahen, durch 
äussere Formen wie durch eine innere Gemeinsamkeit, etwa 
der kriegerischen Auffassung als Waffenspiel, begründeten 
Zusammenhang zwischen beiden Gebräuchen angesehen 
werden. Eine ganz ähnliche Verbindung von Schwerttanz 
und Fechtschule ergibt sich aus einer Nachricht über den 
im Jahre 1600 in Nürnberg abgehaltenen Schwerttanz der 
Messerschmiede, worüber «Alemannia», Bd. 18 (1890), 
pag. 82/83 zu vergleichen ist. Es heisst dort nach den 
betreffenden Schilderungen über diese Aufführung, wie sie 
in verschiedenen Chroniken Nürnbergs vorliegen: «Zur 
«Erläuterung sei noch bemerkt, dass der seit 1570 in Nürn- 
«berg nicht gesehene Schwerttanz der Messerschmiede 
«am Sonntag den 13. Februar 1600 vor Joachim 
< Nützel's Haus bei St. Lorenz begonnen wurde». Sodann 
«weiter: «Am Montag ward vor dem Bathause eine 
«F echt schule gehalten, am Dienstag und Mittwoch aber 
«ein gemeiner Tanz im Hause des Paul Pülzl am Bossmarkte, 
«an dem ausser vielen Frauen und Jungfrauen auch zwei 
«mit goldenen Ketten geschmückte Kronbräute teilnahmen». 
Dieser Abschluss der Schwerttanzaufführung durch ein ge- 
wöhnliches Tanzvergnügen ist auch als eine Sitte beim 
Uberlinger Schwerttanze überliefert, nur dass dort der Tanz 
ebenfalls im Freien, auf der Strasse stattfindet. Vgl. dazu 
«Alemannia», Bd. 14 (1886), pag. 249. So haben wir in 
der erwähnten Nürnberger SchwerttanzauftÜhrung die Fecht- 
schule gleichsam als ein von den beiden übrigen Festacten, 
dem vorausgehenden Waffentanz und dem nachfolgenden 
Tanzreigen, eingerahmtes Mittel- und Hauptstück zu be- 
trachten. Vielleicht ist es auch kein blosser Zufall, dass 
wir aus etlichen Jahren, in welchen in Nürnberg keine 
Fechtschulen stattgefunden haben, oder wo uns wenigstens 
die Überlieferung von solchen fehlt und dieser Mangel zu 
einer derartigen Annahme veranlasst, doch von der Ab- 
haltung von Schwerttänzen daselbst wissen und umgekehrt, 
gleichsam, als ob das eine Schauspiel zum Ersätze des 

6* 



— 84 — 

andern bewilligt und abgehalten worden wäre. Man ver- 
gleiche dazu die oben gegebene Tabelle über die Fecht- 
schulen, wo für Nürnberg mehrmals die Lücken in der 
Überlieferung derselben durch Angaben von Daten für die 
Schwerttänze ausgefüllt erscheinen. Übrigens hat bereits 
0. Wittstoek in seinem Aufsatze «über den Schwerttanz 
der Siebenbürger Sachsen- (in den Philologischen Studien, 
Festschrift für E. Sievers, Halle 1896, pag. 352 ff.) auf die 
Möglichkeit solcher Zusammenhänge zwischen Fechtschule 
und Schwerttanz hingewiesen und die Berechtigung einer 
solchen Vermutung ebenfalls durch Anführung einer Stelle 
zu erhärten gesucht , die allerdings seine Annahme , 
es sei bei diesen Aufführungen zwischen der eigent- 
lichen Fechtübung und dem besonderen Tanzreigen 
innerhalb des Waffentanzes eine gewisse Scheidung 
beobachtet worden, als recht wahrscheinlich hinstellt. 
Wittstock bemerkt zunächst (a. a. 0. pag. 357) ganz 
allgemein: «Man darf wohl die Vermutung aussprechen, 
«dass die heutige Form unseres Schwerttanzes auf 
«diese im 14. und 15. Jahrhundert üblichen Fecht- 
« Übungen der Bürger zurückgeht, an denen gerade 
«den Kürschnern vermöge ihrer numerischen und sonstigen 
«Bedeutung kein geringer Anteil zufallen mochte. Wäre 
«mir die betreffende Litteratur zugänglich, so würden sich 
«vielleicht in unserer Anweisung, wie der Schwert- 
«tanz getanzt werden soll, noch Reste jener Kunst- 
«ausdrücke nachweisen lassen, wie sie die Fecht- 
«bücher des 15. Jahrhunderts enthalten». Das ist 
ein Gedanke, dem ich, gestützt auf eigene Beobachtungen, 
nur meine lebhafte Zustimmung geben kann, ohne jedoch 
leider hier schon für diese als vorläufig geäusserten An- 
nahmen einen endgültigen, einleuchtenden Nachweis beibringen 
zu können. An die obige Äusserung schliesst Witt stock 
sodann noch folgende Anmerkung an: «Selbst die Hermann- 
«stadter Beschreibung des Tanzes scheint ausdrücklich 
zwischen Fechtübung und dem Beigen zu scheiden, 



— 85 — 

«denn in Punkt 19 bemerkt sie, dass dann eist der Fest- 
«tanz beginne-. Dieser Hinweis bezieht sich auf eine 
(a. a. 0. pag. 355 wiedergegebene) kurze Anweisung über 
den Sehwerttanz, die der Zunftlade der früheren Kürsehner- 
zunft zu Hermannstadt entnommen und jedenfalls ziemlich 
älter als die vorliegende Abschrift ist: dieselbe enthält 
unter Nr. 19 folgende Vorschrift: «Stellen sich zwei zu 
< zwei in zwei linien mit dem Schwerte in der seite und 
«auf den 3ten takt werden die Schwerter zusammen- 
«geschlagen und der festtanz wird begonnen». Das 
scheint allerdings darauf hinzudeuten, dass die übrigen, 
vorher erwähnten 18 Punkte des Tanzes mit den betreffenden 
Figuren mehr als eine Art von «Fechtübung » und noch nicht 
als Bestandteile des eigentlichen «Festtanzes >, der dann 
wohl den Abschluss des Schwerttanzes zu bilden hatte, 
betrachtet wurden, doch liesse sich Genaueres über diese 
Unterscheidung wohl nur schwer sagen und für unsichere 
Vermutungen ist hier nicht der Ort. Dagegen ist mir un- 
verständlich geblieben, auf welche Weise Wittstock seine 
Ansicht über den in Frage stehenden Zusammenhang der 
beiden Bräuche durch die Teilnehmerzahl der Schwerttänze 
noch kräftiger stützen und begründen will. Er sagt (a. a. 0. 
pag. 358) nämlich: «Meine Annahme, dass unser Schwert- 
« tanz. in seiner heutigen Form auf die Fechtübungen des 
«Mittelalters zurückgehe, wird auch noch durch die Zahl 
«der Tänzer gestützt.» Wittstock erwähnt dann, dass 
die Zahl der Teilnehmer nach den Überlieferungen zwischen 
10 und 15 schwanke, und zieht daraus den Schluss, dass 
die Gruppe der Schwerttänzer ursprünglich aus den 10 Tänzern, 
dem Vortänzer und einem oder zwei Harlekins bestanden 
zu haben scheine, um dann gestützt darauf einen Zusammen- 
hang mit der «Zehnschaft», die als ein Bruchteil der 
germanischen Hundertschaft «die taktisch-administrative 
Einheit des Mittelalters bildet, herstellen zu können. Da 
scheint mir nun mit Rücksicht auf die bei Schwerttänzen aus 
anderen Gegenden sonst noch überlieferten Teilnehmerzahlen, 



— 86 — 

wie 24, 70, 180 etc., die obige Annahme einer ursprüng- 
lichen «Zehnschaft doch auf Widerstand zu stossen. 
Ausserdem vermag ich zwar wohl einzusehen, was das 
Princip der «Zehnschaft» etwa mit der Heeresorganisation 
im Allgemeinen, aber keineswegs, was es mit den kriegeri- 
schen Fechtübungen im Besonderen oder etwa gar mit den 
eigentlichen Fechtschulen der Handwerkerzünfte, aus welchen 
die Schwerttänzer sich doch ausschliesslich remitierten und 
für deren Fechtschulen doch allein die gesuchte Beziehung in 
Frage kommt, zu thun haben sollte. Jedenfalls scheint mir auch 
in dieser Frage das letzte Wort vorerst noch nicht gesprochen 
und noch gar manche neue Erfahrung und Erkenntnis einer 
späteren Forschung über diesen Gegenstand vorbehalten zu sein. 



II. Teil. 

Die Spielleute und das fahrende Volk. 

Wenn wir uns nunmehr als Übergang zum dritten, 
vergleichenden Teile dieser Untersuchung auch noch kurz 
mit der bunten Mannigfaltigkeit des Spielmannslebens zu 
befassen haben, so mag gleich von vorneherein darauf hin- 
gewiesen werden, dass es sich hier nur um einen gedrängten 
Überblick über die geschichtliche Entwicklung desselben und das 
Leben und Treiben seiner Angehörigen handeln kann. Ich darf 
mich bei den Spielleuten und Fahrenden um so eher kürzer 
fassen, als ja schon eine recht beträchtliche Litteratur vor- 
liegt, welche sowohl diese Verhältnisse im allgemeinen als 
auch die besonderen, zu einer eingehenderen Betrachtung 
geeigneten Einzelfragen dieses Gebietes in ausführlichen 
Erörterungen behandelt hat, und da ich also jeweils für 
das Nähere nur auf die betreffenden Schriften hinweisen 
kann, um mich einer allzugrossen Abschweifung auf allerhand 
Nachbargebiete und den sich daraus ergebenden Gefahren 
möglichst zu entziehen. Freilich werden sich uns im Verlaufe 
unserer Beschäftigung mit diesem Gegenstande noch oft genug 



— 87 — 

Gelegenheiten darbieten, wo sich eine weitergehende Be- 
handlung der gestreiften Fragen fast aufdrängen würde, 
und wo ich mich hier leider nur mit einem kurzen Ausblick 
und einer mageren Andeutung begnügen muss. 

Der Begriff des Spielmanns hatte in früheren Zeiten, 
wie uns zahlreiche Stellen in Glossensammlungen und 
Wörterbüchern und die verschiedenartige Verwendung des- 
selben in den litterarischen Denkmälern zeigen, einen weit 
umfassenderen Umfang und eine viel allgemeinere Bedeutung 
als heutzutage. Man verstand darunter die eigentlichen 
Spielleute, zunächst die Geiger, Fiedler, Harfen- 
schläger, Pfeiffer, Pauker, Trommelschläger, Trom- 
peter und Posaunenbläser, später die Musikanten 
überhaupt, die Stadtpfeiffer, Heerpauker und Turm- 
bläser, die kriegerischen Musik truppen und Herolde 
bei Hofe, beim Heere und bei grossen festlichen Auf- 
zügen, wie die friedlichen, kleinen Gruppen von Instru- 
mentisten, die ihre Kunst in den Dienst der Tanz- 
musik, der Hochzeiten, Taufen, Messen und Kirchgänge, 
öffentlicher Schaustellungen und volkstümlicher Belustigungen, 
ja sogar der strengen Justiz, etwa bei Strafumzügen etc. 
stellten. Zu ihnen rechnete man aber weiter die ganze 
buntscheckige und ewig ruhelose, leichtlebige Schar aller 
derjenigen, die man mit dem stehenden Ausdrucke «varende» 
oder «gern de diet» bezeichnete, sie also entweder nach ihrem 
unstäten Wanderleben oder nach ihrem lohnheischenden Ge- 
werbe characterisierend. So fiel unter diesen vielumfassenden 
Sammelnamen alles, was wir jetzt meistens mit genaueren 
Angaben ihrer speciellen Künste oder Beschäftigungsarten als 
Gaukler, Taschenspieler, Seiltänzer, Kunstreiter, 
Tierbändiger, Klopffechter, Bärenführer, Possen- 
reisser, Ringkämpfer, Athleten, Akrobaten, Jong- 
leure, Zauberer, Marktschreier, Bänkelsänger, Sa ck- 
pfeiffer, Drehorgelspieler, Wunderdoctoren und wie 
sie sonst noch alle heissen, benennen. Andererseits gehörten 
aber auch die fahrenden Sänger und Dichter, die Lotter- 



— 88 — 

pfaffen, die vagabundierenden Schüler, Studenten 
und Geistlichen, die herumziehenden Fechtmei- 
ster und Kriegsknechte, die Spruchsprecher und 
Pritschenmeister, die Krämer und Quacksalber, 
die Raritätenhändler und Jahrmarktsfeilscher, die 
Hausierer und Wahrsager, die gewerbsmässigen 
Falschspieler, Gauner und Betrüger, die bettelnden 
Handwerksburschen und Landstreicher, die Zigeu- 
ner, Polakken, Korb- und Kesselflicker, Mausfallen- 
händler und Scherenschleiffer der späteren Zeiten, 
früher schon auch die wandernden Komödi- 
anten und Schauspielergesellschaften zu 
dieser Klasse der 'Fahrenden.' Kurz, man darf alles, was 
sich auf möglichst leichten Erwerb ausgehend in der 
weiten Welt herumtrieb, zu jener grossen Gruppe der 
fahrenden Leute rechnen, die mit den Spielleuten wiederum 
nahe verwandt war und in den engsten und vertrautesten 
Beziehungen stand, so class die Geschichte ihrer Entwick- 
lung und Schicksale für beide Teile eine so gemeinsame 
genannt werden muss, dass sie von Rechtswegen kaum als 
eine getrennte behandelt werden darf. Wie die Kämpen 
und Fechtmeister, so haben auch die Spielleute und die 
mit ihnen oft gemeinsame Sache machenden fahrenden 
Sänger und Dichter von der Zeit ihres frühesten Auftretens 
bis in die neueste Zeit hinein die verschiedensten Phasen 
der Entwicklung, die wechselvollsten Stellungen und Wert- 
schätzungen im socialen Leben, die mannigfaltigsten Ein- 
flüsse auf Sitten und Gebräuche der verschiedenen Gesell- 
schafts- und Volkskreise aufzuweisen. Zunächst stehen sie 
als wertvolle Träger und Hüter der schönen Künste an den 
Höfen der Könige, Fürsten und Ritter in höchstem Ansehen, 
ja sie gelten als verehrte Erzieher und Lehrmeister der 
ritterliehen .lugend. Ihre Herren und Beschützer lassen sich 
selbst bei der Ausübung ihrer hohen Kunst mit ihnen in 
einen Wettstreit ein und sind stolz darauf, es ihnen gleich- 
thun zu können oder sie gar noch zu übertreffen. Solche 



— 89 - 

Verhältnisse finden wir z. B. noch in dem lateinischen Roman 
von Ruodlieb und im Gudrunliede. Andächtig lauschen die 
Helden und das Hofgesinde den Weisen der Sänger und 
den Klängen der Kampfmusik und der Streitlieder, wie sie 
die Spielleute, vereint mit den Dichtern der Heldenweisen, 
zum Vortrage bringen, und die gepriesenen Ruhmesthaten 
der Vorfahren erwecken Mut und Begeisterung bei den 
Nachkommen, wie uns das in dem angelsächsischen Helden- 
gedichte von Beowulf und in der häufig angeführten Stelle 
aus dem Gesandtschaftsberichte des Priscus vom Hofe König 
Attila's überliefert ist. Den Höhepunkt dieser Wertschätzung 
bildet die Blütezeit des deutschen Rittertums mit seiner 
Pflege der Minnedichtung, des Frauendienstes, des Turnier- 
wesens und der prächtigen Hoffeste und Aufzüge. Bald 
aber stellen sich bei diesen übergünstigen Verhältnissen 
und der verlockenden Aussicht auf leichten und reichen 
Gewinn im Dienste der vornehmen Fürsten und Herren an 
den Höfen auch schon die minderwertigen unkünstlerischen 
und schmarotzenden Elemente ein, die mit unwürdigem Lob 
und frechem Tadel sich Gunst zu erwerben trachten und 
durch die grosse Anzahl, durch ihr rücksichtsloses Auftreten 
und die beständigen, von Brotneid hervorgerufenen Streitig- 
keiten unter einander zu einer wahren Plage ihrer Gönner 
werden. So sahen sich denn die geistlichen und weltlichen 
Herren, in ersterer Linie aber natürlich die Vertreter der 
kirchlichen Zucht und Ordnung bald genug veranlasst, dieses 
Gesindel von ihren Festen wegzuweisen und mit den 
schärfsten Strafen und strengsten Massregeln zu bedrohen. 
Die nächste Folge dieser Bedrohung mit Kirchenstrafen und 
des Ausschlusses von den Festen der vornehmeren Höfe 
— von der rechtlichen Stellung werde ich im dritten 
Teile noch eingehender zu handeln haben — war nun der 
Zusammenschluss der Spielleute und Fahrenden unter sich. 
So entstanden die verschiedenen Pfeifferbrüderschaften 
mit sogenannten Königen oder Spielgrafen an der Spitze, 
die Sängerbrüderschaften und alle derartigen Einrichtun- 



— 90 — 

gen, die aus jenen Zeiten überliefert sind und für deren nähere 
Betrachtang ich auf die betreffenden Einzelabhandlungen, 
welche im Anhang aufgeführt werden sollen, verweisen 
rauss. Diese Verbindungen von Gewerbsgenossen stellten 
sich dann auch noch besonders unter den Schutz gewisser 
hoher weltlicher Fürsten und anderer Herren, oder traten 
nunmehr in der Form von Brüderschaften wieder direct 
mit der Kirche in Beziehung, um unter gewissen Bedingungen 
von dieser die Heilsgnade wieder zu erlangen oder sichergestellt 
zu erhalten, die sie als einzelne ausgestossene Kinder der 
Sünde verloren hatten oder doch zu verlieren befürchteten. 
Mit dem Ableben des Rittertums und dem Verfalle höfischer 
Sitten, mit dem zunehmenden Aufschwung des Bürgertums, 
dem Erblühen der deutschen Reichs- and Handelsstädte, des 
zünftigen Handwerker- und Gewerbewesens gingen auch die 
künstlerischen Betätigungen und Unterhaltungen des früheren 
Ritterstandes in bürgerliche Hände und volkstümliche Formen 
über. Das Heerwesen wurde nunmehr von den Stadtbehörden 
geleitet und organisiert und die Städte hatten ihre eigenen 
Truppen und für diese auch ihre eigenen Spielleute, die sie 
im Ernstfalle wie bei festlichen Anlässen, in die Stadtfarben 
gekleidet, jenen beigesellten. Es sind die Zeiten der Stadt- 
pfeiffer und Turmbläser, der Heerpauker und Heer- 
trompeter. Und wie das Kriegs- und Waffenwesen allmälig 
auch von den bürgerlichen Ständen und besonders den zünftigen 
Handwerkern von den Rittern abgesehen, übernommen und 
weitergepilegt wurde, so gingen auch die friedlicheren 
Künste mit der Zeit ganz an diese Stände über. Nach dem 
Verblühen der höfischen Poesie, des Minnesanges und der 
Ritterdichtung überhaupt, wurden, was an spärlichen und 
bereits stark entarteten Resten noch zu retten war, diese 
letzten Überbleibsel einer einst kräftigen und ursprünglich 
frei und leicht hinfliessenden Dichtung von der philisterhaft- 
trockenen und durch Formen- und Regelzwang eingeengten 
und verknöcherten Kunst der bürgerlichen Meistersinger- 
schulen, oft in gänzlich entstellter Fassung und fremd- 



— 91 — 

artigem, unpassendem Gewände der Nachwelt überliefert. 
All das lustige und leichtlebige Gesindel, das sich in früheren 
Zeiten an den Höfen der weltlichen und geistlichen Fürsten, 
ja selbst in den Vorhöfen mancher Klöster teils gern gesehen 
und reichlich bewirtet und belohnt, teils verachtet und 
höchstens geduldet, oder gar heftig abgewiesen, herumgetrieben 
hatte, zog sich jetzt in grossen Massen in die sicheren 
Städte hinein, wo sich ihm bei den vielen Messen, Märkten, 
Schiessen und sonstigen Volksbelustigungen, wie bei den 
grossen Festlichkeiten bei Besuchen gekrönter Häupter, bei 
Hochzeiten. Tauffeierlichkeiten, Reichstagen, Kirchenfesten, 
Processionen, Schauspielaufführungen u. s. w., die daselbst 
stattfanden, oft nur allzu leicht und allzu häufig Gelegen- 
heit bot, seine verschiedenen Künste zur Verfügung zu 
stellen und seine manchmal recht einträglichen Dienste den 
freigebigen und kunstliebenden Behörden oder dem neugierigen 
und schaulustigen Publicum anzubieten. Zahlreiche Sitten- 
mandate, Ratserlasse und Verfügungen aus den verschiedensten 
Städten und Zeitpunkten sind uns noch erhalten, die be- 
weisen, wie stark oft die Zerstreuungslust und das Be- 
dürfnis, mit möglichst viel Prunk und äusserem Glänze 
aufzutreten, beim niederen Volke sowohl als auch bei den 
höheren Ständen des Bürgertums war. Und nachdem auch 
die Blütezeit des Meistergesanges, den man fast in den 
meisten grösseren und kleineren Städten, aus welchen wir 
auch Zeugnisse für das Bestehen von Fechtschulen oder 
für die Aufführungen von Schwerttänzen haben, und zwar 
ebenfalls um die gleiche Zeit, seit der Mitte des 15. Jahr- 
hunderts bis hinauf in den Anfang des 19., nachweisen 
kann, ihrem Abschlüsse nahe gekommen war und bereits 
deutliche Spuren des beginnenden Verfalles zu zeigen begann, 
da war es auch sonst mit Musik und Dichtkunst nach alter 
Tradition schon überall ziemlich schlecht bestellt. Die 
«Musici und Instrumentisten» schlössen sich den 
wandernden Schauspielergesellschaften an und standen häufig 
im Dienste minderwertiger Schaustellungen und schlechter 



— 92 — 

Künstlertruppen, so dass sich ihre letzten Überreste und 
Ausläufer heutzutage noch in den Sackpfeiffern und Dreh- 
orgelspielern unserer Stadt- und Landjahrmärkte und Kirch- 
weihen unschwer wiedererkennen lassen. Und nicht viel 
besser war das Schicksal der Sänger- und Dichterkunst, die 
von den noch leidlichen Erzeugnissen des Meistergesanges 
zu den schalen und geringwertigen Machwerken der Spruch- 
sprecher und Pritschmeister sich erniedrigen lassen 
musste und zu Hanswurst- und Narrensprüchen Verwendung 
fand, bis auch diese ihre am tiefsten stehende Erscheinungs- 
form, die des «Moritatengesanges und der Bänkelsängerei», 
annahm, mit welchen, in Verbindung mit den entsetzlichsten 
musikalischen Genüssen , unsere Ohren jetzt noch in 
gewissen Gegenden und bei bestimmten Gelegenheiten be- 
leidigt werden. So wäre man denn schliesslich auch mit 
der früher so hoch stehenden und fast als etwas Heiliges 
verehrten Kunst des Sängers und Dichters im Laufe ihrer 
Entwicklung in rasch absteigender Linie zu einem Tiefstande 
gelangt, der in dem «fechtenden» Handwerksburschen in 
ganz ähnlicher Weise als der letzten und niedersten Stufe 
des edlen und stolzen Kämpen- und Fechterwesens erreicht 
worden ist. Dieses nicht zu verkennende Endergebnis eines 
gewissen deutlichen Parallelismus in der Entwicklungs- 
geschichte dieser beiden, scheinbar so verschiedenartigen 
und so wenig Beziehungspunkte aufweisenden Stände wird 
uns im dritten Teile meiner Untersuchung noch näher zu 
beschäftigen haben, woselbst es unter bestimmten Gesichts- 
punkten genauer betrachtet, und ausführlicher dargestellt 
und mit den entsprechenden Zeugnissen belegt werden soll. 
Es mag an dieser Stelle noch auf einige Einzelfragen 
eingegangen werden, die mir von Interesse erscheinen, deren 
weitere Behandlung und endgültige Lösung hier aber noch nicht 
versucht werden kann. Zunächst kommt für die Anschauungen 
verschiedener Zeiten über die Spielleute und Fahrenden und den 
Wechsel ihrer socialen Stellung und gesellschaftlichen Wert- 
schätzung immer wieder jene Frage in Betracht, wie das 



— 93 — 

«guot umb ere nemen» aufzufassen sei, die mir noch 
keineswegs erledigt zu sein scheint. Bis jetzt sind zwei 
einander ziemlich schroff gegenüberstehende Erklärungsarten 
vorhanden, die, wenn man genauer zusieht, beide ihre volle 
Berechtigung haben und beide ganz wohl nebeneinander 
bestehen können, ohne sich gegenseitig auszuschliessen. Sie 
sind nur aus verschiedenen Gesichtspunkten hervorgegangen, 
die nach den verschiedenen Zeugnissen, welche sich für 
beide aufbringen und noch reichlich vermehren lassen, eben 
thatsächlich schon damals bestanden haben und eine doppelte 
Auffassung der in Frage stehenden Bedewendung zuliessen. 
Wenn Grimm in seiner Abhandlung über Freidank pag. 64 
diesen Ausdruck dahin erklärt, dass mit der Annahme von 
Geld und anderen Geschenken für ihre Leistungen bei dieser 
Klasse von Leuten der germanische Ehrbegriff durch dieses 
«Sichzueigengeben» und Verzichtleisten auf die freie 
Persönlichkeit und willkürliche Äusserung von Lob und Tadel, 
in den Augen der Freien und Vornehmen wie der Gesetz- 
geber, hinfällig geworden sei, so hat er dafür zahlreiche 
Belege, die das Recht und die Richtigkeit seiner Auffassung 
erhärten und nicht bestreiten lassen. Andererseits hat aber 
Haupt in den Anmerkungen zum Erek v. 2167 mit eben- 
soviel Recht und ebenso zahlreichen und unwiderlegbaren 
Beweisstellen seine Gegenansicht äussern können, nach 
welcher es sich nicht um den «Ehrverlust» dieses Standes 
handeln soll, sondern nur darum, dass er «für gespen- 
deten Lohn» durch seine Kunstleistungen eben seinen 
Spendern «Lob und Ehre» einträgt, indem er deren Frei- 
gebigkeit in seinen Liedern überall preist und der weiten 
Welt verkündet, dafür aber auch sich durch reichliche Gaben 
von diesen entsprechend entschädigen lässt. Im Anschlüsse 
an letztere Erklärung ist dann Burdach in seinem Buche 
«Reimar der Alte und Walther von der Vogel weide» (Leip- 
zig 1880), pag. 132 noch einen Schritt weiter gegangen 
und hat darauf hingewiesen, dass die Spielleute und Sänger 
durch das ihren Herren gespendete Lob auch für sich 



— 94 — 

selber den Preis der Ehre gewannen, den sie mit Stolz 
beanspruchen, über dem sie eifersüchtig wachen und den 
sie sich heftig streitig machen. So haben wir schliesslich 
drei verschiedene Auffassungen nebeneinander, die sich alle 
durch Stellen aus der zeitgenössischen Litteratur belegen 
lassen und von welchen wohl keine weder absolut unrichtig ist, 
noch auch die einzige Geltung zu beanspruchen hat. Freilich 
ist bei allen diesen Belegstücken Eines wohl zu beachten, 
dass sie nämlich stets eine sehr subjective Färbung zeigen, 
indem sie entweder aus den Kreisen der Spielleute und 
Sänger selbst, oder doch wenigstens von Gesinnungsgenossen 
derselben herstammen, oder aber Äusserungen ihrer Gegner 
und Feinde darstellen und darum teils durch eifersüchtige 
Geringschätzung, teils durch strengkirchliche Verachtung ent- 
stellt sind, so dass man die aufrichtige Anschauungsweise 
jener Zeiten nicht mehr immer in ihnen vorfindet. Aus 
ähnlichen Gründen zeigt sich wohl auch die Behandlung 
dieser Berufszweige durch das weltliche Recht und das 
Kirchengesetz so merkwürdig verschieden und inconsequent. 
Es scheinen allerdings bei der verschiedenen Behandlung 
dieser Leute durch Recht und Kirche Scheidungen derselben 
in verschiedene Kategorien, höher- und niedererstehende, vorzu- 
liegen, die eine derartige Unterscheidung in Bezug auf rechtliche 
und sociale Stellung einigermassen erklären würden, doch 
sind dieselben durchaus nicht durchgängig gültig und Spuren 
davon nur sehr spärlich überliefert. Ich gebe hier eine 
solche Stelle, die gleichsam verschiedene Rangstufen unter 
den fahrenden Leuten unterscheidet und auch sonst von 
nicht geringem Interesse ist, wieder, dieselbe dem Buche 
über Leben und Dichten Walther's von der Vogelweide 
(1882, Bonn) von Wilmanns entnehmend, der sie daselbst 
pag. 296/ 7 nach Huon de Bordeaux, chanson de geste, 
publice par F. Guessard et C. Grandmaison, Paris 1860, 
pag. VI, Anm. citiert hat. Sie entstammt einer «Summa de 
penitentia» des 13. Jahrhunderts und lautet wie folgt: «Cum 
«igitur meretrices et histriones veniunt ad confessionem, 



— 95 — 

«non est danda eis penitentia, nisi ex toto talia officia 
«relinquant, quare aliter salvari non possunt .... Sed 
«notandum quod tria sunt his tri onum genera. Quid am 
«transformant et transfigurant corpora sua per turpes saltus 
«vel per turpes gestus, vel denudando corpora sua turpiter, 
«vel induendo horribiles larvas; et omnes tales dampnabiles 
«sunt nisi relinquant officia sua. Sunt eciam alii histriones 
«qui nichil operantur sed curiose agunt, non habentes 
«certum domicilium, sed circumeunt curias magnas 
«et locuntur opprobria et innominias de absentibus: tales 
«et dampnabiles sunt, quare prohibet apostolus cum talibus 
«cibum sumere, et dicuntur tales scurre sive magi, 
«quare ad nichil aliud utiles sunt nisi ad devorandum et 
«ad maledicendum. Est tertium genus his tri onum, 
«qui habent instrumenta musica ad delectandum 
«homines; sed talium duo sunt genera: quidam 

< enim frequentant potaciones publicas et lascivas congre- 

< gationes ut cantent ibi lascivas cantilenas, et tales 
«dampnabiles sunt, sicut alii qui movent homines ad las- 
«civiam. Sunt autem alii, qui dicuntur joculatores qui 
«cantant gesta principum et vitas sanctorum, 
«et faciunt solacia hominibus in egritudinibus suis vel 
«in angustiis suis, et non faciunt innumeras turpitudines 
« sicut faciunt saltatores et saltatrices et alii 
«qui 1 u d u n t in ymaginibus inhonestis, et 
«faciunt vicleri quasi quedam fantasmata per incan- 
«tationes vel alio modo. Si autem non faciunt talia, 
«sed cantant gesta principum instrumentis suis, ut faciant 

solatia hominibus, sicut dictum est, bene possunt sustineri 
« tales, sicut ait Alexander papa. Cum quidam joculator quereret 

< ab eo, utrum posset salvare animam suam in officio suo, 
«quesivit ab eo papa, utrum sciret aliquid aliud opus unde 
«posset vivere. Respondit, quod non. Permisit igitur do- 
«minus papa, quod ipse viveret de officio suo, dummodo 
«abstineret a predictis lascivis turpitudinibus. Notandum 
«est quod omnes peccant mortaliter (|iii danl 



— 96 — 

« s c u r r i s v e 1 lecatoribus v e 1 predietis histrio- 
«nibus aliquid de suo. Histrionibus dare 
«nichil aliud est quam perdere etc. etc.» (Ms. de la 
Bibl. Imp. Sorbonne 1552, fol. 91, r°, col. 2.) Ich habe 
dieses Zeugnis hier wiedergegeben, weil es einen guten Beleg 
für die Vornahme jener Scheidungen, so hier zwischen den 
«histriones und scurrae» einerseits und den «jocula- 
tores» andererseits, bildet zumal es auch sonst noch einen 
trefflichen Einblick in das Wesen der Spielleute jener Zeit und 
die Art, wie dieses von der Kirche beurteilt w T urde, gewährt. 
Ich weise nunmehr noch auf ein mit dem eben besproche- 
nen Punkte in engem Zusammenhange stehendes Gebiet hin, 
dasjenige der Spielleuteverbände, Pfeifferbrüder- 
schaften, Sängergesellschaften u. s. w. Leider muss 
auch hier betont werden, dass zwar an vereinzelten An- 
gaben über solche Einrichtungen eine ziemlich beträchtliche 
Anzahl vorliegt, dass es aber meistens eben nur stark ver- 
streute Einze'.mitteilungen sind, während uns weitere Aus- 
führungen über die betreffenden Institutionen, vor allem ihre 
Statuten und Mitgliederverzeichnisse, falls solche vorhanden 
waren, in den meisten Fällen noch ausstehen, was für eine 
zusammenhängende Gesamtbetrachtung ein recht empfind- 
licher Mangel ist. Denn für eine culturgesehiehtliche und 
sprachwissenschaftliche Erörterung dieser Verhältnisse ist, 
solange wir nur die nackte Thatsache des Bestehens 
solcher Verbindungen — wie etwa der Pfeifferbrüderschaft im 
Elsass, der Bruderschaft der fahrenden Leute vom heiligen 
Kreuze in Uznach (vom Jahre 1407, vgl. J. von Arx, 
St. Gallen II, 209 und Osenbrüggen, Bechtsgeschichtl. 
Stu dien pag. 136), des zürcherischen Pfeifferkönigreiches (Ur- 
kunde von 1431), das auf dem Basler Concil in eine Brüder- 
schaft von unserer lieben Frau umgewandelt wurde (Ur- 
kunde von 1502, vgl. Osenbrüggen a. a. 0. pag. 137/8 
und .loh. v. Müller, Der Geschichte Schweiz Eidg., Buch III, 1, 
pag. 161/2), ferner einer in Wien (1282 oder 1288?) ge- 
gründeten St. Nicolai-Bruderschaft der fahrenden Spielleute 



— 97 — 

(vgl. Paul's Grundriss d. gerin. Phil. 1 , Bd. II 2, pag. 317 
und 322), der confrerie de la Sainte Chandelle d'Arras (vgl. 
Strassburger Studien, Bd. III, 163 und Z. f. d. A., 31, Anz. 
245/6), der in Frankreich bestehenden confreries du Puy u. s. w. 
— kennen, von ihren Gebräuchen und Einrichtungen aber so 
gut wie nichts überliefert erhalten, nur äusserst wenig ge- 
wonnen, so dass sich vorerst nur die blosse Vermutung 
gewisser entwicklungsgeschichtlicher Zusammenhänge und Be- 
ziehungen auch unter diesen gesellschaftlichen Organisationen 
der Spielleute aussprechen lässt. Jedenfalls hat sich mir an Hand 
der vorgenommenen Untersuchungen manche Einzelheit erst 
in ihrem vollen Werte gezeigt und wurde ich dabei zu 
der Überzeugung geführt, dass sich auch auf diesen Ge- 
bieten eine eingehende Detailforschung noch sehr fruchtbar und 
anregend erweisen kann. Denn dass gerade solche Behand- 
lungen von Einzelfragen für unsere Zwecke wertvolles Be- 
weismaterial zuführen können, hat mich die erfolgreiche 
Benützung solcher Arbeiten, wie Plate's Aufsatz über die 
Kunstausdrücke der Meistersinger in den Strassburger Stu- 
dien, Bd. III (1888), pag. 147—225, Drescher's Ausgabe 
der Meistersinger-Protocolle aus Nürnberg von den Jahren 
1575-1689 in der Bibl. d. Stuttg. litt. Vereins, Bd. 213 
u. 214 (1897) und anderer ähnlicher gelehrt, die mir wenig- 
stens einzelne, nicht unwichtige Beiträge und Fingerzeige 
für die vorliegende Untersuchung liefern konnten. 



III. Teil. 
Der zwischen den Fechtern und Kämpen einerseits und den 
Spielleuten und Fahrenden andererseits bestehende, ent- 
wicklungsgeschichtliche Parallelismus und seine ver- 
schiedenen Ausdrucksformen im Rechtswesen und in 
socialen Verhältnissen, in Litteratur und Sprache. 
Meine Annahme, dass zwischen den Kämpen und 
Spielleuten bereits in der früheren Zeit, wie es später 
zwischen den Fechtschulen und Meistersingerschulen 

7 



— 98 — 

ganz offenbar zu Tage tritt, gewisse gegenseitige Bezieh- 
ungen und culturgeschichtliche Zusammenhänge bestanden 
haben, die in der verschiedensten Weise, am deutlichsten 
aber in Litteratur und Sprache ihren Ausdruck fanden, kann 
sicli auf verschiedene Thatsachen und Zeugnisse stützen, 
die uns teils durch geschichtliche und rechtliche Denkmäler, 
teils eben durch sprachliche Ausdrücke und ihre litterarische 
Verwendung dargeboten werden. Vielfach werden die beiden 
Berutsklassen zusammen genannt, mit gemeinschaftlichen 
Ausdrücken bezeichnet und es besteht wohl kein Zweifel, 
dass beide im Verlaufe ihrer geschichtlichen Entwicklung 
nebeneinander hergehend gewisse Tiefstände und Höhepunkte 
gemeinsam aufzuweisen haben, wenn sich auch dieser Par- 
allelismus bis jetzt oft nur an ganz vereinzelten Stellen 
seines grossen Verlaufes noch deutlich nachweisen lässt. 
Manche kleine Anhaltspunkte weisen aber des entschiedensten 
auf derartige Übereinstimmungen zwischen beiden hin, und 
diesen etwas genauer nachzugehen, um die Berechtigung 
der geäusserten Vermutung zu beweisen, ist nunmehr meine 
Aufgabe. 

Ich beginne mit der Anführung einiger recht- 
licher Belege, die uns von der gleichen oder wenigstens 
äusserst ähnlichen Behandlung der Kämpen und Spielleute 
durch gesetzliche Bestimmungen den Nachweis erbringen 
sollen. Die «lex Frisionum> hat einen eigenen Abschnitt 
«de hominibus, qui sine compositione (ungestraft, ohne dass 
Wergeid zu leisten wäre") occidi possunt», wo es 5, 1. gleich 
an erster Stelle heisst: «campionem sine compositione 
occidere licet-, wozu auch die C. C. C. Art. 150 zu 
vergleichen ist. Im Sachsenspiegel III, 45 lautet die Stelle 
über die Scheinbusse, welche diesen zur Rechtlosigkeit 
erniedrigten Ständen zu Teil wird, folgendermassen: «Papen- 
«kindere unde die unecht geboren sin, den gift man to böte 
«en vuder houwes alse twene jarge ossen getien mögen, 
«speiluden unde alle den, die sik to egene geven, 
«den gift man to böte den scaden enes mannes. kempen 



— 99 — 

«unde iren kinderen den gift man to böte den blik von 
«eme kampfscilde jegen die simnen. twene besmen nnde 
«en schere is der böte, die ire recht mit düve oder mit 
«rove oder mit anderen dingen verwerken». Ähnlich be- 
stimmt das schwäbische Landrecht (305, Schilt. 402, 
Senkenb. 255, Wackern): «Spillüten und allen den, 
«die gut für ere nement und die sich ze aigen geben 
«hant, den gibt man ains mannes schaten von der simnen, 
«daz ist also gesprochen, swer in iht laides tut, daz man 
«in bezzern sol, der sol zu ainer wende stan, da diu sunne 
«an schinet und sol der spilman dar gan oder der sich ze 
«aigen ergeben hat, und sol den schaten an der wende 
«an den hals slahen, mit der räch sol im gebezzert sin». 
Noch deutlicher und ausführlicher ist die rechtliche Stellung 
dieser beiden Stände und die Kategorie von Verbrechern, 
zu welchen sie gerechnet werden, bezeichnet in folgenden 
beiden Stellen, die dem Spiegel deutscher Leute entnommen 
sind (vgl. K. Wein hold. Mhd. Lesebuch 3 Wien, 1875. 
pag. 174). Es heisst dort I, 41: «Kemphen und iriu 
«kint, spilliute und alle die unelich geborn sint, oder 
«die diubheit oder roub [den rehten sträzroup] süenent oder 
«widergebent und des vor gerihte überwunden sint, oder 
«die ir lip und hüt und här erlediget habent, die sint alle 
«rehtelos. die unelich geborn sint, gewinnent ir reht, ob 
«si elichen hirät tuont: si erbent aber niht kein erbeguot». 
Dazu ist Sachsenspiegel I, 38, 1 und Schwabenspiegel I, 38 
zu vergleichen. Ferner heisst es I, 283: «Spilliuten und 
«allen die sich ze eigen gebent, den git man ze buoze 
«den schaten eines mannes. kemphen und ir kinden. 
«den git man ze buoze den blick von einem kampfschilt 
«gegen der simnen. zwcn besemen und ein schaere ist 
«der reht, die ir reht mit cliupheit oder roube verwurkent 
«oder mit andern dingen, unehter liute buoze git harte 
«lützel fromen und sint doch darumbe gesät, daz der buoze 
«des richters gewette volge. Ane buoze sint unehte liute; 
«doch swer so ir einen wandet oder roubet oder toetet 



— 100 — 

«oder unrehtiu wip nötzoget und den fride an in brichet, 
«man sol über in rihten nach frides rehte». Vergleicht 
man die, mit der aus dem Spiegel deutscher Leute citierten 
Stelle (I, 41) gleichlautende des Sachsenspiegels (Ed. Ho- 
meyer) I, 38, 1: «Kempen unde ir kindere, spelüde, 
«unde alle die unecht geborn sin unde die diuve oder rof 

«sünet die sint alle rechtlos», mit einer späteren 

Bestimmung des gleichen Rechtsbuches I, 50, 2, welche lautet: 
«AI si ok en man speleman oder unecht geboren he n'is 
«doch dieves noch roveres genot nicht, alse man 
«kempen up ine leden möge», und die Glosse zum Worte 
«speleman», welche dieses erklärt als: datvornem van 
«veddeleren unde eren genot en. mer wete dat gokelere 
«unde toverere ok speilüde heilen», so wird man zu 
der Vermutung kommen, dass wie die geistlichen Würden- 
träger in ihren Erlassen gegen das fahrende Volk gewisse 
Unterschiede gemacht haben zwischen den Vertretern der 
verschiedenen Künste • — ich habe im zweiten Abschnitt 
ein Zeugnis davon angeführt, worauf ich jetzt verweisen 
kann — , so auch die Rechtsbücher in der Schärfe ihrer 
Bestimmungen einen verschiedenen Grad aufweisen, je 
nachdem es sich innerhalb der grösseren Kategorie der 
«rehtlosen liute» um die «eigentlichen Spielleute und 
Musikanten» oder um die geringer geachteten «Gaukler und 
Zauberer» handelt. Jedenfalls darf man annehmen, dass 
die Spielleute im eigentlichsten Sinne des Wortes von der 
ganzen grossen Gesellschaft weitaus die geachtetsten waren 
und sowohl in rechtlicher Beziehung wie, was ihre sociale 
Stellung anbetrifft, eine bessere Lage aufweisen als die meisten 
anderen ihrer Berufs- und Standesgenossen, weil eben ihre 
Thätigkeit doch einigermassen als Kunst betrachtet und 
geschätzt wurde. Es gibt sogar eine alte Rechtsbestim- 
mung, die gerade den Harfenspieler gegenüber dem 
gewöhnlichen Menschen gegen Verletzungen besonders in 
Schutz nimmt, um ihn in der Ausübung seines Ge- 
werbes weil mehr als andere zu sichern. Dieselbe 



— 101 — 

findet sich in W a 1 1 h e r ' s Corpus juris germanici 
antiqui I, 1. pag. 377 f. (lex Anglorum et Veri- 
norum, hoc est Thuringorum tit. 5. art. 20) und lautet: 
«Qui harpatorem qui cum circulo harpare potest in 
«manum percusserit, componat illum quarta parte majori 
«compositione, quam alteri ejusdem conditionis 
homini»; ein solcher Spielmann war also gleichsam vier- 
mal höher gewertet als ein gemeiner «künsteloser» Mann, 
was als das gerade Gegenteil der sonst üblichen Anschau- 
ungen erscheint, allerdings auch noch in eine viel frühere 
Zeit fällt als die späteren Bestimmungen widersprechender 
Art, Ähnliche Spott- und Scheinbussen für die Spielleute 
und Fahrenden verwandter Art, wie sie die oben ange- 
führten Stellen vorschreiben, zeigen auch noch einige ältere 
Stadtrechte, deren Bestimmungen ich der Abhandlung G. Zap- 
pert's «Über das Fragment eines Liber dativus», [Sitzungs- 
berichte der kais. Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. 
Classe Bd. XIII. (1854. Wien)], wo er pag. 150 — 161 über 
die Joculatoren handelt, entnehme. Im Stadtrecht Herzog 
Friedrich's II für Wien vom Jahre 1244 (vgl. Archiv d. 
kais. Akad. Bd. 10, pag. 134) heisst eine Stelle: «Si autem 

< aliquis verberet aliquam inhonestam personam 

«garzionem vel levem ioculatorem, qui verbis vel aliqua 
«indisciplina hoc erga ipsum meruerit, si hoc probaverit, 
«nichil det iudici. verberato etiam nichil praeter tres 
«piagas, quas eidem hilariter superacldat». Im Stadt- 
recht für Haimburg [Cod. S. XIV] findet sich die gleiche 
Bestimmung (vgl. Meiller, Archiv d. kais. Akad. 10, 141), 
wir lesen dort: «Ob aver ieman siecht einen leichten 
«man, leicht einen loter oder einen posenspilman .... 
«der geh dem richter darumb nichtes niht, vmb den 
«geslagen auch nicht, denn drei sieg, die er im 
«vroeleich zv geb». Eine rechtliche Minderstellung der 
Spielleute und Fahrenden bezeugt auch eine Stelle des 
Stadtrechts von Landshut aus dem Jahre 1279 bei Gaupp, 
Deutsch. Stadtreeht. 1, 151- (vgl. dazu auch Rössler, Alt- 



— 102 — 

prager Stadtr. 1, 152 11'.), dieselbe lautet: Item si civis 
■ interdictum civitatis vel raimum vel meretricem publicam 
ex causa laeserit, quoad Judicium civitatis remanet im- 
«punitus; non sunt enim jure legali tales legum 
«laqueis innodati». Dass solche Leute auch ihres Erb- 
gutes verlustig gingen, hat uns bereits eine der oben an- 
geführten Stellen gezeigt, wozu ich noch eine Bestimmung 
der Brünner Schöffensatzung [s. S. IV] (vgl. Bössler, Stadtr. 
v. Brunn, pag. 401) folgenden Wortlautes: «Wiert auch 
i der sun ein spilman oder ein solich man der guet 
«nimpt vur er, damit verleust er auch sein erbtail, 
< iz sei dan daz sein vater ein spilman sei gewesen 
«oder guet vur er hab genuinen», fügen sowie an jene 
andere, bereits früher einmal erwähnte Verordnung der 
bayrischen Landrechte von 1553 und 161(5, fol. 164 (vgl. 
Öfele, Rerum Boicarum scriptores I, 307), wonach ein 
Kind enterbt werden kann: «so ohne der Eltern Willen 
«sich in leichtfertig Übung und Buebenleben begebe, als 
«so es ein Freyhartsbueb oder ein Gauekler wurde, 
«oder Hesse sich, mit den Thieren zu kämpfen [als 
«Katzenritter und Klopffechter also!] urab Geld bestellen», 
kurz erinnern will. Ausser diesen verschiedenen Bestim- 
mungen über die rechtlosen Leute besitzen wir auch noch 
einige Verordnungen darüber, dass sie nicht zeugnis fähig 
waren, wenigstens vor Gericht nicht als gültige Zeugen 
anerkannt wurden. So heisst es im Manuscripte zum bay- 
rischen Landrechte vom Jahre 1453: «Freyheit und Bueben 
«mag man zu Zewg verwerffen» (vgl. auch Gemeiner's 
Regensburgische Chronik, Teil II, pag. 253. 290. III, 247). 
Halt aus gibt in seinem Glossarium germanicum medii aevi, 
Spalte 1492, unter dem Worte Platzmeister 2 ), das er 
durch: vilium pugilum quaestus causa, coram mul- 
ti t inline certantium, magister et lanista" («Meister 
und Schulhalter!») erklärt, noch einige weitere Beispiele 
zu der oben angeführten Thatsache, die als willkommene 
Belege derselben noch kurz erwähnt werden mögen. In 



- 103 - 

dem Statut von Freiburg i. B. vom Jahre 1520, f'ol. 17 b. 
steht: «Frouwenwirt vnd platzmeister sind vntögen- 
«lich zu kuntschafft». Ebenda, fol. 72 b werden er- 
wähnt, wo von den Gründen der Enterbung die Rede ist: 
«welcher üppig stend an sich neme, also das einer ein 
«frowenwirt, ein hencker, oder ein offner platzmeister 
«würd, oder sich andrer derglichen schnöden bübischen 

«gattungen belübd vnd anneme etc » «vssgenommen 

«ob sin vatter oder eitern ouch solich vnlüt* gew r esen 
«werent». Ähnliches bestimmt das Landrecht von Württem- 
berg vom Jahre 1554, fol. 249, von dem: «der sich .... 
«in ein leichtfertigs , vppigs leben vnnd wesen begebe, 
«Als da seine! Frawenwirt, oder Wirt, Nachrichter, Schol- 
« derer, Platzmeister, Gau ekler vnd dergleichen». Der 
Schwabenspiegel führt Kapitel 15, 4, wo er über Personen, 
die als Zeugen zu verwerfen sind, handelt, nach dem Texte 
von Scherz an: «Und freihait die so tump sint, daz etc.» 
[Cod. Wurmbr. gibt: «Puben mügen nicht tzewgen 
seyn vnd die, die all tump sint, das.... u. s. w. > und 
Cod. Ingoist. hat: «vnd freyhart oder pube etc.»]. Scherz 
gibt diesen Begriff allgemein und ganz das Richtige treffend 
mit «vilissimae conditionis homines» wieder, wie 
auch Haltaus in seinem Glossar sub voce «Spielleute» 
sp. 1702 ff. bemerkt: «Qui plebi dabant operam mer- 
«cenariam, ita eviluere, ut non solum inter maleficos 
«et infames, sed etiam pro nullis' civiliter haberen- 
«tur». Dazu stimmen auch völlig die an jenem Orte von 
ihm noch citierten Stellen, wonach in den Gesetzen von 
Goslar (Leibn. III, 524) die Bezeichnungen «onechte Lüte» 
und «Speellüte» gleichgesetzt werden, ferner die Bestimmung 
eines Synodalstatutes von Eichstädt vom Jahre 1435, welche 
den Genuss des heil. Abendmahls versagt allen: «denen, 
«die ein verläumbt Leben führen, als Gauckler, 
«Zauberer, öffentlich Schulderer, öffentlich Loder, und 
c gelohn1 s und lieh Spilleuth' gemeinen Frauen und 
«ihren Wirthen» (Dan. de Falckenstein, Cod. Dipl. Antiqu. 



— 104 — 

Nordgau. Append. pag. 75). Nicht immer aber lagen die 
Verhältnisse dieser Leute so im Argen, und besonders, 
wenn sie sieh organisierten, sich etwa einem Spielgrafen 
oder Spielleutekönig, gewöhnlich irgend einem Fürsten 
oder dessen Stellvertreter, unterordneten, durften sie hoffen, 
von der weltlichen Gerichtsbarkeit wie vom Kirchengesetze der 
Geistlichkeit etwas milder und besser behandelt zu werden. Ich 
füge dafür noch einige Belege an, die ebenfalls Halt aus (a. a. 0.) 
entnommen sind. In den Manuscripten der Wiener Statuten 
findet sich eine Stelle, die besagt: "das ain jeder varen- 
<der man nyndert antwurten sol dan vor seinem 
«spilgraven», vgl. Dan. de Uffenbach. Bibl. Mss. II, 
134. Anm. 16. Und Joh. Fried. Scheid gibt in seiner 
«Dissertatio inaug. de jure in musieos singulari germ. Dienste 
< und Obrigkeit der Spielleuth, comitatui Rappoltstein. annexo», 
Argentorati 1719, pag. 48 f. einen Erlass des Erzbischofs 
Caspar von Basel, vom 11. März 1480 aus Pruntrut datiert, 
wieder, in welchem er den Spielleutebrüderschaften 
unter gewissen Bedingungen die Teilnahme an Beichte und 
Abendmahl gewährt. Es heisst dort: «. . . . Fistulatori- 
bus, Tubicinis et Mimis societatis et confraterniae 
«villae Alten Tann nuncupatae. nostrae Dioces. 
:<atque ceteris in Instrumentis musicalibus lusori- 
bus Societatis et confraterniae eiusdem. tarn in 
«dicta villa, quam in Civitatibus, et Dioces. Basi- 
«liensis et Argentinensis constitutis, quibuscunqae, 

« nobis pro parte vestra exhibitis et ostensis, did-ici- 

;mus per eunclem Dominum Julianum, auctoritate suae 
«Legationis fuisse permissum, et concessum esse, vobis 
«et singulis vestrum, vt anno quolibet semel tantum, 
videlieet in pascali festo, vobis, confessis, et contritis, 
«et in communione fidelium existentibus , divinissimum 
Eucharistiae Sacramentum, ministrari possit, et Ec- 
«clesiarum Rectores, seu Curati, sab quorum cura 
«vos, pro tempore, degere contigerit, Illud vobis 
«ministrare debeant: dummodo per quindecim ante 



— 105 — 

«hujus Sacramenti perceptionem, et post illam, per 
«totidem alios dies, ab officiorum vestrorum et scur- 
«rilium operum exercitijs, abstineatis, et id vobis 
«specialiter inhiberi non contigerit; Vnde supplicationi- 
«bus, pro parte vestrum, nobis desuper factis, inclinati, prae- 
«missa, per antefatum Dominum Julianum Legatum, sie 
«vobis permissa et concessa ut praescribuntur, auetoritate 
«nostra Ordinaria, quantum in Nobis est, fieri permittimus, 
«et consentimus, ac concedimus in Dei nomine per prae- 
«sentes Sigilli appensione in eorum fidem roboratas etc.» 
Dazu kommen noch weitere Zeugnisse, die darauf schliessen 
lassen, dass sowohl die rechtliche als auch die sociale und 
gesellschaftliche Stellung dieser Leute nicht überall und zu 
allen Zeiten eine gleich schlimme gewesen sein kann, da 
sie uns sonst wohl kaum als Zeugen in Urkunden, als 
Spender in Schenkungsbüchern, als glückliche Be- 
sitzer von eigenen Häusern und erblichen Gütern 
entgegentreten würden, wie die folgenden Belege es nach- 
weisen sollen. In Du Gange 's Glossarium mediae et 
infimae latinitatis tom. II, 05 c. steht folgende Angabe: 
«Charta Henrici I. Regis Angioruin in Monas tico Angli- 
«cano tom. 2, pag. 973. subscribitur a Roberto de 
«Bajocis, campione Regis'». Ferner findet sich in einer 
Urkunde Heinrich's VI. vom Jahre 1189 als Zeuge ein 
«Rupertus, joculator regis» unterzeichnet (vgl. Toeche, 
Heinrich VI., pag. 504) [Mon. Boic. 6, 502]. In einer Ur- 
kunde von 1169 stehen als Zeugen Herzog Weif mit seinem 
Hofgesinde unterzeichnet, darunter erscheint «Sagelin 
ioculator», (vgl. Hormayr, die gold. Chronik, Anhang, 
pag. 6, cl. 1.) Die Quellen und Erörterungen zur bayrischen 
und deutschen Geschichte (vgl. auch W. Scher er, Deutsche 
Studien I. Wien, 1870, pag. 12) 1, 110 führen aus dem 
Schenkungsbuche des Klosters St. Emmeran unter Nr. 216 
einen «Gebehart gigare», ferner 1, 131 aus demselben 
unter Nr. 252 einen «Liupold cithareda an. Ebenda 
ist unter Nr. 254 auch noch ein «Perhtold mimus de 



— 106 — 

Roit» überliefert. Eine Prüflinger Urkunde (Nr. 63) nennt 
einen «Gebehart Cytarista» (Mon. Boica 13, 69). Eine 
Weltenburger Urkunde gibt: «Gebhart tili 1 1 s Gebehardi 
histrionis*, ebenso eine andere vom gleichen Orte (Mon. 
Boica 13, 342. 344). Weiter erscheinen die folgenden 
Namen: «Ghuonrat. Oudalricus joculatores et filii 
eorum» in einer Prüflinger Urkunde des Bischofs Hermann 
von Bamberg (Mon. Boic. 13, 186), «Ghunrat, der Geiger 
von Weikershoven» (Mon. Scheiren. MB. 10,482), «Eber- 
hardus mimus» (Mon. Osterhov. MB. 12, 353), «Engil- 
mar, Joculator de Walde» (Mon. Scheftlarn. MB. 8, 414), 
«Gozwinus mimus (Mon. Aspacensia MB. 5, 137), «Isin- 
rich vagus» (Mon. Oberaltaich. MB. 12, 38), «Piligrin 
Gytareda» (Mon. Weyarens. M. B. 7, 472), «Rudigerus 
citharedus» (Mon. Weltenburg. MB. 13,365), «Sigibot 
Gythareda» (Mon. Tegernsee. MB. 6, 146). Ferner findet 

sich folgende Angabe: «Notum sit omnibus quod 

«ulricus ioculator tradidit liberum caput suum super 
«altare sancti stephani» (Cod. Trad. Patav, [S. XIII] MB. 29, 
P. 2, 269). Endlich findet sich noch ein «Waltherus. 
Spilman» (Fräst, Stiftb. v. Zwetl. pag. 468) und «Wil- 
lehalmus ioculator de seala» (M. Fischer, Cod. trad. 
Claustroneob. pag. 146, Nr. 658). Als Spielleute, welche 
im Dienste geistlicher oder weltlicher Fürsten standen, sind 
uns überliefert in dem von Zappert (a. a. 0. Wiener 
Sitz.-Ber., Bd. XIII, pag. 97 ff.) besprochenen Wiener Frag- 
ment eines « Liber d ati vus » : 1) « E b e r h a r d u s joculator 
ducis» (1. 49), nämlich Herzog Leopokfs V. von Ostreich, 
und 2) «Wolfkerus joculator episcopi» (1. 60), näm- 
lich Bischof Ulrich's von Passau , welche daselbst als 
Spender von Gaben eingetragen sind. Ferner haben wir 
aus dem Gültenbuch der Schottenabtei vom Jahre 1398 
die Spielleute mit Namen erhalten, welche damals, zur 
Zeit Albrechfs IV., in Wien ihres Amtes walteten und teil- 
weise direct dem Hofgesinde anzugehören scheinen, wie 
die beigefügten Zusätze erkennen lassen (vgl. Zappert 



— 107 - 

a. a. 0., pag. 161, Anm. 145). Es sind dort folgende ge- 
nannt: «Albertus fistulator de domo» (pag. IIa), 
«Hans pusawner ducis Alberti» (pag. 39a und 40a), 
«Hans Trümeter» (pag. 40b), «Peter Schanntunhazz 
leyrer de domo» (pag. 40b), «Hans pawker» (pag. 41b), 
«Rueger phiffer» (pag. 41b), «Jacob fistulator duc. 
Alberti» (pag. 41b), «Andree Trometer» (pag. 42a), 
«Hans Tümpusawner» (pag. 42a), «Jorig paukker» 
(pag. 42a), «Ewerhart pheifer» (pag. 42b), «Hertel 
pheifer» (pag. 48a), «Johannes fistulator de Retz» 
(pag. 48a), «Mer. fidler» (pag. 50a), «Heinr., Lautten- 
slaher» (pag. 52a), «Seydel pauker» (pag. 65b). Auf 
ähnliche Verhältnisse solcher im Fürstendienste stehender 
Spielleute beziehen sich jedenfalls auch die aus alten Rau- 
rechnungen der Stadt Augsburg bei Witz, Versuch einer 
Geschichte der theatralischen Vorstellungen in Augsburg 
1876, pag. 5 ff . wiedergegebenen Einträge zum Jahre 1327: 
«Duobus histrionibus missis civibus de nuptiis 

«ducis Karinthiae V. S> Haller», ferner von 

1329: «Item. Joculatoribus domini imperatoris de 
nuptiis ducis Rudolphi 5 Ti Haller, und endlich vom 
Jahre 1330: «uni Joculatori, quem dux Karinthiae 
«misit civibus de quibusdam nuptiis M. U>> Das 
scheint doch auf Fahrende zu deuten, die entweder im 
festen Dienste der genannten Fürsten standen und von 
ihnen nach anderen Orten zur Teilnahme an den dortigen 
Festlichkeiten verliehen wurden, oder jedenfalls auf solche, 
die sonst in näheren Beziehungen zu ihren betreffenden 
Gönnern standen. 

Nunmehr noch einige Belege dafür, dass die Spielleute 
und Fahrenden, durch ihre hohen Herren begünstigt und 
gefördert, zu ganz ansehnlichem Reichtum gelangen konnten 
und dann, infolge davon auch rechtlich und social höher 
gestellt, sich eines wohlverdienten Besitzes ruhig und unge- 
schmälert erfreuen durften. So findet sich bei Zappert 
(a. a. 0. pag. 160) die Nachricht verzeichnet, dass sich 



- 108 — 

ein Spielmann mit dem Zehnten eines Grundstückes in 
St. (lallen einen Jahrtag gestiftet hat. («Berthold Jocu- 
latoris de decima vf dem Bole in superiori Berge», 
vgl. Nekr. St. Gall. [1272] Goldast. S. R. Alam. 1, 100, cl. 2.) 
Ferner ist aus England eine Überlieferung vorhanden, die 
uns zeigt, dass Spielleute dort sogar in den Besitz von 
einem oder mehreren Häusern kommen konnten, was 
übrigens auch aus Deutschland nachzuweisen ist. Im Domes- 
day-Book, London 1783, I, 162a, steht die Notiz : «Berdic 
joculator regis habet III. villas >, und ebenda I, 38d 
heisstes: «Et Adelina joculatrix unam quam comes 
cledit ei». Eine bekannte Thatsache ist es, das Konrad 
von Würzburg, der in den Urkunden noch als < vagus», 
also als ein 'fahrender Sänger', wie auch Freidank es war, 
bezeichnet wird, in Basel ein eigenes Haus besass. Von 
Herrn Dr. phil. E. Dragendorff aus Rostock habe ich die 
gütige Mitteilung anzuführen, dass er bei seinen Studien in 
Rostocker Chroniken und Stadtbüchern drei Musikanten, 
einen «basunre», einen timponator» und einen «lire- 
man» als Eigentümer von «erblichen» Grundstücken (here- 
ditates) bezeichnet gefunden hat. Daneben erwähnt er auch 
noch einen «scermere» (schirmer, gladiator) und einen 
< saltator, sprengere», die beide als Hausbesitzer genannt 
werden. 

Damit beschliesse ich die Betrachtung der rechtlichen 
und gesellschaftlichen Gemeinschaft, welche sich zwischen 
den beiden Ständen der Spielleute und Fechter in manchen 
Übereinstimmungen ergeben hat, um zu der Untersuchung 
ihrer litterarischen und sprachlichen Zusammenhänge 
überzugehen. Bei der überaus grossen Rolle, die Kampfund 
Krieg im Leben der germanischen Völkerschaften von den 
ersten Zeiten ihres Bestehens an gespielt haben, ist es 
nicht wunderbar, wenn die Spuren davon sich auf allen 
möglichen Gebieten des deutschen Gulturlebens schon frühe 
geltend machen, und wenn wir in Recht und Gesetz, aber 
auch in Kunst und Sprache, wie in Cultus, Verfassung und 



— 109 — 

Sitte, ja fast überall, wo unser Auge sich hinwenden mag, 
die Einflüsse dieses Grundmotives germanischer Weltan- 
schauung in den verschiedensten Formen verkörpert und 
erhalten finden. Aber neben dem Ernste des Streites her 
geht ebenfalls schon in den ältesten Zeiten der Überlieferung 
das frohe Spiel, die Freude an Gesang und Musik, an 
Liedern und Tänzen, die zur Erholung gepflegt werden in 
den kurzen Friedenszeiten. Und so hat sich denn die Poesie, 
die ursprünglichste Litteraturform der Völker, auch der Aus- 
gestaltung und Wiedergabe dieser beiden Seiten des deut- 
schen Lebens mit gleicher Liebe und Sorgfalt zugewendet, 
sie schildert uns das « Spiel der Waffen » und den « Streit 
der Lieder», sie ist Heldendichtung und Spielmanns- 
poesie zu gleicher Zeit. Es darf darum auch nicht befrem- 
den, wenn die Dichter der einen oder anderen Gattung es 
sich angelegen sein Hessen, um die Wirkung ihrer Stoffe 
zu erhöhen, sich beliebter Vergleiche zu bedienen, die sie 
jeweils eben ihrem nächst verwandten Gebiete entnahmen. 
Durch diesen Parallelismus, wie er nicht nur in der Wirk- 
lichkeit bestand, sondern auch in das künstlerische Leben 
der Poesie eingeführt wurde, ist es wohl zu erklären, dass 
wir einige treffliche Kampfschilderungen mit gelunge- 
nen Anspielungen auf das Spielmannsleben haben, 
und dass andererseits verschiedene Dichtungen die 
wirksame Form eines Streites angenommen haben 
und auch in ihren sprachlichen Wendungen häufige 
Bilder und Anklänge aus dem Kampf- und Turnier- 
wesen aufweisen. Auch sonst sind Ausdrücke und Rede- 
wendungen aus diesen beiden Gebieten, besonders wohl 
in späterer Zeit, da die Spielleute und Fechter wandernd 
und Erwerb suchend von Ort zu Ort zogen, in die volks- 
tümliche Sprache übergegangen und haben ihre deut- 
lichen Spuren, bis heute noch wohl erhalten, in ihr hinter- 
lassen, worauf später noch etwas näher einzugehen sein 
wird. Zunächst mögen einige Stellen hier Platz finden, in 
welchen das Kampfleben mit dem Treiben der Spiel- 



— 110 — 

leute verglichen wird, wie sieh solche z. B. im 
Nibelungenliede und im Grossen Rosengarten finden. Aus 
dem letzteren etwa folgende Verse: 

« Do sprach der küene Fulker 'ich nemen ez mich an : 
-ich wil mit eime fidein des besten des icli kan 1 ». Roseng. 

v. 1462/3. 

< Fulker der fidelaere des moniches ouch niht vergaz, 

«vil manegen slag er im üf den heim mit sinem bogen 

maz». 1512/3. 
«du gildest mir den gigenstrich, den du mir hast getan, 
«ich verschroten dir die Seiten 1 sprach der monich Ilsan. 
«Do sprach der küene Fulker 'ein fideler wil ich noch sin, 
«ich kan wol gestrichen mit dem fidelbogen min. 
«swaz ich da mite herreiche, daz muoz von einander gän'. 
« dö liefen ?ie aber beide vil grimmeclich einander an». Roseng. 

1520—1525. 
<■' h ä t s i der hübschen v i d e 1 e r b i dem R i n e i h t m e r V 
«swie suoze ir Seiten hellent. ir videlboge ist kranc». 

Roseng. D. 1772 3. 

Ferner die folgenden Stellen des Nibelungenliedes: 

« Volker der snelle zöh näher üf der banc 

«einen videlboge n starken, michel unde lanc, 

«gelich einem swerte scharf unde breit». 1723, 1 — 3. 

« Volker der küene zuo den Hiunen sprach 

« 'wie geturret ir den recken für die füeze gän ? 

< und weit ir iuchs niht miden, so wirt iu leide getan. 
«So slah ich eteslichem so swaeren gigen slac, 

«hat er getriwen iemen. daz erz beweinen mac». 1758.2 — 1759.2. 

'< Volker der vil snelle von dem tische spranc : 

«sin videlboge im lüte an siner hant erklanc. 

«dö videlte ungefuoge Günthers spilman. 

« hey waz er im ze vinde der küenen Hiunen gewan ! » 1903. 1—4. 

« 'Daz tuon ich sicherlichen 1 , sprach der spilman. 

«er b e g u n d e v i d e 1 e n d e durch den p a 1 a s gän: 

«ein hertez swert im ofte an siner hant erklanc.» 1913. 

« Ach we der höhzite 1 , sprach der künic her. 1 — 3. 

«da vihtet einer inne, der heizet Volker, 

« alsam ein eber wilde, unde ist ein spilman». 1938, 1—3. 

«Sin leiche lütent übele, sin züge sint rot: 

«ja vellent sine doene manegen hei t tot. 

«ineweiz niht waz uns wizet der selbe spilman;» 1939,1—3. 



— 111 — 

«,hoert ir die cloene, Hagne, die dort Volker 
«videlt mit den Hiunen, swer zuo den turnen gät? 
« ez ist ein röter anstrich, den er zem videlbogen hat 1 .» 

1941, 2—4. 
« Nu schowe, künic here, Volker ist dir holt : 
«er dient willeclichen d i n s il b e r und d i n g o 1 1. 
«sin videlboge s n i d e t durch den h e r t e n s t ä 1 : 
«erbrichet üf denhelmen diu lieht schinenden mal ». 1943. 
«In gesach nie videlaere so herliche stän, 
«also der degen Volker hiute hat getan, 
«sine leiche hellent durch heim unt durch rant. 
«ja sol er riten guotiu ros und tragen herlich gewant 1 ». 1944. 
« 'Desen lät iuch niht gelangen', sprach aber Wolfhart, 
«'ich entrihte in so die Seiten, swenn ir die widervart 
« ritet gein Rine, daz irz wol muget sagen». 2206, 1 — 3. 
«Do sprach der videlaere , swenn e ir die seiten min 
«verirret g u o t e r doene, der iwer h e 1 m s c h i n 
«muoz vil trüebe werden von der minen hant, 
« swie aber ich gerite in der Burgonde lant 1 . » 2207. 
«er spranc im hin engegne. du hete Sigestap verlorn 
«Von dem videlaere vil schiere daz leben: 
«er begunde im siner künste al solchen teil da geben, 
«daz er von sinem swerte muose ligeh tot«. 2221,4 — 2222,3. 

Betrachten wir nunmehr die Belege zu der bereits 
erwähnten Thatsache, dass eine grosse Anzahl von Liedern — 
sie gehören meistens zur Gattung des Minne- oder Meister- 
gesanges, also in eine etwas spätere Zeit als die eben an- 
geführten Stellen — entweder ganz in der monologischen 
oder dialogischen Form des Streitgedichtes gehalten sind, 
oder doch in ihrem Inhalte zahlreiche Anspielungen auf das 
Kampfwesen, sei es auf gerichtlichen Zweikampf oder 
auf ritterliches Kampf spiel aufweisen und manche 
sprachliche Ausdrücke, welche sich auf das 
Fechterwe sen, die Fechtschulen oder ihre Ge- 
bräuche und Sprache beziehen, in deutlicher und 
absichtlicher Verwendung zeigen. Die erst er e Eigen- 
tümlichkeit findet sich naturgemäss mehr bei den Er- 
zeugnissen des Minnesanges, denn diese standen dem 
Rittertum am nächsten, die letztere mehr bei denjenigen 



— 112 — 

des Meistergesanges, der mit den Fechtschulen enge 
Fühlung unterhielt, vertreten, wie es auch die folgenden 
Zeugnisse erkennen lassen. 

Ich gebe zunächst die Stellen für die Anspielungen der 
erstgenannten Art: 

Her Hüc von Werbenwac singt (vgl. Bartsch, Deutsche 
Lederdichter des 12. bis 14. .Jahrhunderts, Leipzig 1864, 
pag. 197). 

XLIX, 28—35: 

« lät der künic daz ungerihtet, so hab ich zem kaiser muot. 
«So fürht ich wir müezen beide 
«kempfen, sowie wir für gerillte komen, 
« Wan si lougent bi dem eide 
« daz si minen dienest habe genomen. 
«Muoz ich danne vehten, dast ein not, 
« k ii m e i c h s 1 ü e g e i r w e n g e 1 und i r munt s r 6 1 : 
«so ist o u c h 1 a s t e r , s 1 e h t ein w i p mich ä n e wer in kämpfe 

tot' 

Ebenso klagt auch Winli (vgl. Bartsch, Die Schweizer 
Minnesänger, Frauenfeld 1886, pag. 152). 

XV, I, 41—50: 

«Nimt daz niht ein ende, 

«daz kostet ein sterben 

«mich vil senden man: dar zno bin ich gestalt. 

« solken schaden wende, 

« niht läz mich verderben 

« minneclichiu Minne: du hast ir gewalt. 

«alder ich wil kempfen vor dem riche 

« mit ir sie her liehe, 

«daz ich niht entwiche, 

< ob ich lenger trüege die not manicvalt.» 

Derselbe sagt (ebenda pag. 160), 8, 7 — 11 in der 
Frauenstrophe eines Tageliedes : 

« wie sol es iemer werden rät ? 

« din zuht, din manheit und diu mute 

«hat mich mit s werte und ouch mit sper 

«er voh ten und er helme und under schilt e 

«mit heldes hant in lieht er wät.» 



— 113 — 

Bei Frauenlob (vgl. Ed. Ettmüller, Leipzig 1843, pag. 108. 
109. 114. 115) finden sich die Stellen: 
Spruch Nr. 152, 17—19: 

«des krieges bin ich unverzaget; 
«ich viht, daz mir min gugele waget, 

«schimpf unde spot, schilt unde sper hän ich ze kämpf es 

gaere.» 
Spruch 154, 15 — 17: 

« nu merket, wer 

« di z d r i v a c h sper 

«nach weihet; wiltu leinen her?» 

Spruch Nr. 163, 1 : 
«Künd ich in disem kriege nu geschaffen daz,» .... 

Spruch Nr. 163, 11/12: 

« swäre einer nennen 

«vuoz gibe ich niht umb iuwern kriec,» . . . . 

Spruch Nr. 163, 14: 

«verleitet iuch des krieges gäbe,» . . . . 

Spruch Nr. 163, 17: 

vüert in den kriec mit iu ze grabe,» .... 

Spruch Nr. 164, 5/6: 

« zwar ir sanges stange 

«wirt gegen dir ze kämpfe tragen, e si din guft verkrenket.» 

Spruch Nr. 166, 7: 
»Der kempfe wil ich aller sin, din kirnst mnoz snaben;» 
Spruch Nr. 166, 14—16: 

« w o 1 her, ich f ü e r e i r aller schilt! 

«min s a n c dir gilt 

«gar unverzilt ; » 

Regenbogen (vgl. M. S. H. III, 345 a) fordert den Gegner 
zum Wettstreit um den Kranz heraus : 

«Umb singens willen heng ich üss ein rosenkranz, 

«die silben rimen machen im die bletter ganz, 

«wer singet wise wort und auch der töene schanz, 

«und mir den cranz gewinnet an, den meist er wil ich kennen.» 

8 



— 114 — 

Herman Damen (vgl. M. S. H. III, 165, b 4) singt: 

«Stet uf, lät mich in kreizes zil, 

«ich wil mit lohe vehten 

« die Brandenburger vürsten vür ; 

«wird' ich bestanden hie, 

« So daz man mich vür komen wil 

« mit lobe an den gerehten, 

« so trif ich vür der künste tür, 

« nu müget ir merken, wie, 

« Unde offen sie mit ringer hant, 

«so grife ich, da mir ist bekant, 

«ein swert von vollen komener snite; 

«dar an so haet ein schirme schilt, 

«der nie mit künste wart durchzilt: 

«die zwo die trag 1 ich gegen dem strite, 

«swa min lop sie vür vehten sol; 

«schilt unde swert, der zwier, 

«der b r u c h e ich, sam ich beste k a n ; 

« ez tuot mir durch sie alle wol : 

« ir itslich hat wol drier 

«vürsten tugent ze kleide an.» 

Derselbe ebenda III, 168, b 8 und 9: 

«Ein lop sol mir erklingen, 

« ich wilz an die gernden bringen, 

« üf daz siez den besten singen, 

«schone in den landen, 

«In die h o e h e , von der s i t e , 

«uz der enge, in die w i t e ; 

« s w e r mir d i z lop wil z e strite 

«tuon, der wirt bestanden. 

«Swa ich wider lob i e streit, 

«mit disem lobe ich sige vaht: 

« her herzöge, sit gemeit, 

« diz lop han ich an iuch gebraht. 

«von Slesewik. vor schänden 

« k u n t i r iuch beschirmen schone; 

« diz lob iuwer tugent ze löne 

« sing 1 ich in disem niuwen döne : 

«zuht habet ir in banden.» 

« Lob den eren gernden jungen 

« wirt gewebet unt gedrungen, 



— 115 — 

«mit der klinge von der zungen 
«wirk 1 ich lob es bilde,» etc. 

Im Lohengrin (Einleitung) heisst es v. 217 — 230: 

« ich wolt ir aller sinnes wäc mit miner kunst erschepfen. 

«ich sach doch einen sigelös, 

«der den pnkelaere vür den schilt erkös, 

«swie daz sin swert so hohe künde kepfen. 

« Heinrich von Ofterdingen hat 

«den schilt an mir. swer nfl mit pukelaeren stät, 

«daz er im wol ein schanze übersaehe. 

« der Schriber und der Biterolf 

« die saehen lieber bi in einen wilden wolf. 

« so ist der Walther in der selben spaehe. 

«Wolfram von Eschenbach der ist ir pukelaere. 

«der schirmet wol vür s wertes snit: 

«so k a n ich kunst, da v a r e n t riutelinge mit, 

«und ist ir smalez schirmen in ze swaere. » 

Und ebenda v. 271—277: 

«Swer wirfet riutelinge scharf 

«üz künste schilte, sam der Clingzor zuo mir warf, 

«und ich des ungeschröten von im blibe, 

«so daz min sin im kreize stät, 

«min üf geworfen kunst mit suoche gein im gät. 

«ob ich in einen vuoz dan hinder tribe, 

«swie daz von leien munt geschiht, des hat ein pfaffe schände.» 

Aus dem Streitgedichte des Wartburgkrieges (vgl. 
M. S. H. II, 3 ff. und Simrock, Der Wartburgkrieg, I. Teil, 

das Streitgedicht [Nr. 1 — 24], pag. 2 ff.) kommen noch 
folgende Stellen in Betracht: 

«Der meiste r gät in kreizes zil, 

«gen alle singern, die nu leben, er üf geworfen hat, 

« benennet er si wenig oder vil, 

«reht als ein kempfe er stät. 

«Nu hoeret, wie er des kampfes kan gen allen meistern 

pflegen : » 
«Nu heb 1 ich's hie mit schirme siegen,» .... 
«swer hie enphahet si gelosen teil,» .... 
«ich tugenthafter schriber trit ' im zuo mit kampfes (Var. 

s a n g e s ) g i r. » 
«Mit sänge söst ir vräge scharf,» .... 

8* 



— 116 — 

«daz nieman gegen in mege.» 

«Wä nu griezwarten? kämpf ist körnen: 

«ich bin des kempfe üz Oster rieh, unt kan die wider- 

siege;» 
«Nu w i r t gesungen ä n e v r i d e , > . . . . 
« a 1 r e r s t so heb' ich an , » . . . . 
« Reinmar von Zweter, sit ich din bedarf, 
« hoer 1 zuo nach triuwen site ; 

«von Eschenbach der wise sol der ander kies er wesen : 
« so sint wir beidenthalben wol gewaltes von in vri. 
« daz rehte helfe mir genesen : » 
«her fürste, heizt sie kiesen üf ir e i t : » 

« i r m u g t min m e i s t e r n i h t g e s i n als iuwer raunt v e r j a c h. 
«Reinmar von Zweter si dar zuo benant 
«und der von Eschenbach, 
« Her Walther, den ich geren sach » . . . , 
« Her Ferramer, sit wille komen ! 

« j o dringet mich diu h e i d e n s c h a f t mit m a n i g e r k r i e d 6 n 
«noch h i u t e w i r t ein stürm von mir verno m e n , 
« daz der von Naribon 
«gewalteklicher nie g e h i e 1 1 , 
« do er der heiden vil verschriet, als im diu menge jach ; » 

Nunmehr einige Belege, welche der Periode des Meister- 
gesanges entstammen; doch zeigen sich auch in diesen 
noch manche Anklänge an das ritterliche Turnierwesen 
— so gleich in unseren ersten Beispielen — neben den 
übrigen Darstellungsformen, die Beziehungen hauptsächlich 
mit dem Fechterwesen und dessen Kunstausdrücken auf- 
weisen. Die Grenzen zwischen den Zeugnissen der einen 
und anderen Art lassen sich darum nicht sehr scharf ziehen, 
haben wir ja doch auch gerade in dem Streitgedichte des 
Wartburgkrieges die verschiedensten Bilder, teils dem Gottes- 
urteil und gerichtlichen Zweikampf, teils dem ritterlichen 
Waffenspiel und Turnier, ja schliesslich auch dem eigent- 
lichen Streite des Kriegszuges entnommen und mit einander 
vermengt gefunden. So lassen zwei Gedichte aus der Samm- 
lung der Meisterlieder der Golmarer Handschrift (vgl. Aus- 
gabe von Bartsch, Bibl. d. Stuttg. litt. Vereins, 1862, Bd. 68, 
pag. 352 II i nid 504/5) noch ausschliesslich die Verwendung 



— 117 — 

ritterlicher Anschauungen erkennen, wovon das eine völlig 
die Form eines Streitgespräches zeigt, das andere eine 
Herausforderung zum gesanglichen Wettstreit dar- 
stellt. Ich gebe vom ersten die bezeichnendsten Stellen, 
das zweite vollständig hier wieder als Einleitung zu den 
übrigen Belegen. 

Nr. LXI, Der kriec von Wirzburc. Enthält folgende 
Stellen : 

< Ich hän ervarn vil manic lant al umb den Rin: 

< nu hoere ich sagn wie hie die besten singer sin. 
find ich ir einen, der läz an mir werden schin 

«mit gesanc sin lioechste kunst: lä sehen, mag ich ge- 
liehen. 
«Hat er die kunst, lä hoeren wer der beste si, 
«ob ich irn mit gesange müge komen bi. 
«stän ich im abe, so mag er gar wol sprechen phi; 
«so wirt im daz lop gegeben und muoz ich im entwichen. 
«Nu wol an daz got unser müeze walten.» v. 14 — 22. 
« lä sehen ob ein frömder gast den pris hie müge behalten.» v. 26. 
«Durch mines liebes willen wil ich heben an, 
«durch mines liebes willen wil ich fr 6 best an, 
« durch mines liebes willen, wer nimt sich singens an? 
«durch mines liebes willen si ein kreuzel üz gehangen. 
* Ist ieinan hie der mir daz abe genemen tar, 
«der wirt von mir bestanden, sage ich iueh für war. 
« ir merker, merkent alle glich an diser schar, 
«ich halte tretzeclichen hie üf minem ros ze brangen. 
«Die junefroun hänt mir minen heim verbunden, 
«min sper hän ich geneiget über schiltes rant. 
«nu dar, lä sehen ob mir ein singer werde bekant 
«den sines herzen frowe habe ze mir gesant: 
« er wirt von mir bestanden hie, sag ich in kurzen stunden». 

v. 27—39. 
«Nu hoer ich wol, man wil gesanges gein mir phlegen. 

ir merker. merkent, sanges hän ich mich erwegen. 
«mich heischet üz gar üppeclich ein stolzer degen. 
«er hat verbunden sinen heim und neigt sin sper mit schalle. 
«Nu sin wir al durch kurzewile her bekomen: 
«wir sullen froelich sin, daz mag uns wol gefromen, 
« mit hübschen zühten, aller kriec si üz genomen. 
«wir singen gein ein ander hie, lä sehen wer du valle! 



— 118 — 

«Kanstu gesanc und rehte kunst bewisen, 
«wir sullen gein ein ander ziehen üf daz wal. 
«bistuz her Gäwin, so bin ichz her Parzifäl. 
«lä sehen wer under uns ersinge hie den Gral, 
«und wer mit kunst behalte hie daz in die merker prisen». 

v. 40—52. 
«Wir sullen kurzewiln und sullen froelich sin. 
«durch kurzewile wel wir ziehen an den Rin 
«ze liebe und dienst der üzerwelten frouwen min 
«die mich so friuntlich singen bat durch aller frouwen 

güete». v. 53 — 56. 
«Ich wil ir gern mit mim gesanc hofieren, 
«durch iren willen ziehen fr 11 ich in den rinc. 
«halt üz, läz varn, ez komt ein stolzer jungelinc. 
« swer mit mir singen welle, der heb üf und dring, 
«und singt er mir ein niuvvez liet, ich danke es im vil schiere». 

v. 61—65. 
«Ich Frouwenlop, durch frouwen ere kom ich her. 
«swer singen wil, ich füer ein schilt und ouch ein sper. 
« durch frouwen ere var ich in dem lande entwer : 
«swä man ir wir de erstriten sol, da bin ich ie der eine, 
«durch frouwen ere halt ich hie üf dieser ban, 
«durch frouwen ere lege ich mine wäfen an, 
«durch frouwen ere hän ich ie daz beste getan, 
«durch frouwen er bind ich den heim: in triuwen ich sie meine. 
«Ir edel kiusche füer ich an mim schilde, 
«ir reinikeit füer ich an minem wäpen hin. 
«halt üz, läz varn durch willen schoener frouwen fin. 
«nu dar, lä sehen, wer wil der ander kempfe sin? 
< die frouwen hänt ie guot getan, sie sint an fugenden milde ». v. 66 — 78. 
«Ich Regenboge wil hie der ander kempfe wesen: 
«und wil ez got, so trüwe ich vor iuch wol genesen, v. 79/80. 

« Ez ist umb sus dazwir hiewider ein ander streben,» v. 83. 

«Ich Frouwenlop, in frouwen ere ich wil bestän. » v. 92. 
«erst saelic der den frouwen hie daz beste tuot. » v. 102. 
«Ich Regenboge, mins krieges ich niht abe län. » v. 157. 
« Ir Frouwenlop, vom kriege sult ir wenden.» v. 165. 
« Her Regenboge, ir grift in höher sinne kür 
«und ziehent mir gar frömde meister schaff her für. 
« ob ich den werden frowen ir höhez lop verlür, 
«ewoltich singen üf einn kriecwidr aller meister munde.» 

v. 222—225. 
«Her Frouwenlop, ir müezet läzen mir den pris,» v. 235. 



— 119 — 

« daz sprich ich wol und wilz beswern üf minen eit, » v. 244. 

«her Frouwenlop, ich wilz beweren und ist ouch war:» v. 272. 

No. CXXXIII. Ein fürwurf im Brennenberger: 

1. «Nu binde ich üf: ist ieman hie der rilen sol 

«üf glenten rossen und sim liep ein niuwez sper wil 

brechen 
«In swinder just, mit dem so waer mir also wol. 
«üf der wale sol sich nieman mit keinem alten rechen. 
«Gein dem so füer ich minen van, 

«der under sol wir einz verjagen hie mit cluogen worten 
«und stapfen üf gesanges ban, 

«daz man von uns hie müge gesagen wol an allen orten, 
«er füer ein wäfen daz von reht sprech ,nim in dan\ 
«üf glenten rossen ritet manic biderman. 
«geswinder juste er mich üf dem ringe gewer. 
«si im ouch kunt umb niwe getiht, der sol ouch gein 

mir treten her.» v. 1 — 12. 

2. «Saeh ich den an den schoener frouwen tugent jeit 

«und iren minniclichen gruoz gewinn mit hübeschen sitten! 
« Diu zarte hat mich tugentlichen an geleit 
« selber mit irer wizen hant und macht mich wol geritten. 
« Mir lech ein ros diu tugentrich. 

«sie sprach, ,wiltu ze schimpfe varn, so muost dich 

selber decken, 
«ich wilz verdienen umbe dich: 

« des muotes solt niht wesen arn und läz dich niht erschrecken'. 
« des was ich frö, ich sluocz ir in ir wize hant 
«und sprach also, min staete triwe si dir ein pfant: 
«din ros ich cleide undr einer decke, diu ist ganz: 
« swä man sie für den frouwen füert, da muoz sie geben riehen 

glänz 1 . » v. 13 — 24. 

3. «Frouwen hant min ros bedecket undr ir zuht: 

«wer gesach ie kein richer decke üf gesanges juste? 

« Möht ich geloben wol die höchgelopten fruht, 

« der frouwen tihten lop und er, wie wol mich des gelüste ! 

« Üf frouwen tröst ich üz gereit, 

«al mit ge sänge üf den ring so wil ich mich bereiten. 

« wizzent, ir lop ich nie vermeit, 

« sie biten got daz mir geling, ich var in irm geleite. 

«der frouwen ere füere ich gerne an minem schilt 

«und lobe sie ser swaz meister joch gein mir gezilt. 



— 12() — 

«al mit gesange so wil ich ir kempfe sin: 
« s w ä man k u n s t g e* p r ü e v e n k a n , behalte ich \v o 1 den 

satel min. » v. 25 — 3(5. 

Sodana noch einige Einzelstellen, ebenfalls der Col- 
marer Handschrift der Meisterlieder entnommen; so heisst 
es z. B. 45, 19/20: 

«ein schirmemeister schiere siht 
«wä man blöz wehselt oder niht. » 

Ferner sind zu vergleichen die Nr. XLI— XLIII und 
LXXXIX (Bartsch, pag. 310—313, 421) mit folgenden 
Stellen : 

«Du sagst mir vil von dinen schirmsiegen. 

«die kan ich dir geheben und gelegen, 

«mit miner künste buckeler wil ich die streiche enpfähen. 

«Laest du der künste svvert her gein mir swingen, 

»ich wis dir abe mit miner scharpfen clingen; 

« doch rate ich dir in triuwen ganz, du solt dich niht vergällen. » (XLI.) 

«Ich füere ein swert, daz sol mir nieman strafen, 

«daz ist genant und heizt der künste wäfen, 

«ez ist ze allen orten ganz, in rehter lenge gemezzen. 

«Da mite wil ich der künste barant houwen. 

«ist iemen hie der daz well ane schouwen. 

« der vindet des sin herze begert, ich wil sin niht vergezzen, , 

— « so gibe ich im der künste swert in sine hant, » (XLII.) 

....«ir künnent vil der schirmeslege, die wil ich under- 

brechen. 
«Dar umb so kum ich her an disen anger, 
«in iuwer künste schuole, und bei t niht langer, 
«wer rüert mir an daz crenzelin? daz wil ich an im rechen. 
«Ich hoer von iu, ir künnen vil. 
« des manger niht gelouben wil 

« an iuwer künste wafen. » (XLIII.) 

«so wolt ichz herschelichen wägen 

«und zerbrechen der künste swert (Variante: d. künste sper) 
«AI durch den liebsten buolen min.» (LXXXIX.) 

Es mögen noch weitere Zeugnisse aus den «Meister- 
gesängen des XV. Jahrhunderts >>, wiedergegeben vonA.Holtz- 
mann (vgl. Pfeiffer's Germania, Bd. III [1858], pag. 3101T.), 
hier beigefügt werden, zunächst wiederum ein zusammen- 



— 121 — 

hängendes Stück, das zahlreiche Ausdrücke, wie sie in den 
Fechtschulen üblich waren, enthält, sodann einzelne kleinere 
Stellen mit ebensolchen oder ähnlichen Wendungen. 
Fol. 52. in dem langen Manier Don : 

1. «Da ich was jung und darzuo ciain, da facht mich singen an. 
«da lernet ichs on alles nain, das ich doch sein ein wenig kan. 

»wa man ficht mit meistergesang, 

«maines schulrecht ich mich nicht schem 
«In meiner mas so fircht ichkain, den oberha(w) ich han, 
«mit gutem gsang as ich es main, damit wer ich mich 

genn aim man. 

«versetze kan ich kurz und lang 

«darmit ich aim sein schlege dem. 
«Ob mir dann ainer kom so nach, das er mich ubertrung 
«aus seinen schlügen hind er mich so tet ich ainen sprung, 
«ja ich s a m mich n i t lang, 

«das er mir hart entweiche mag, wie bald ich wider 

auf in gang, 
«mit schlegen die seind meisterlich als ich gel er et han. 
«icn sich in an. gar freliche den selben man. 
«so tratzigclich ich vor im stan, 

«ich lig im Wechsel wen ich wil, das er mir hart ent- 
weiche kan. 
«mein aufstreiche das tut im zwang. 

«darmit ich mange wilde zem«. 

2. «Ich bin ain singer das ist war, ich han es oft bewert. 

«ich vicht wol ainem maister vor, wo er auch eines 

knechts begert. 
«und kum er mit mir auf ain schür 
«mit gsang so wolt wir wol beston. 

«Etlicher spricht, ich sey ain tor, wie ich sing heur als vert, 
«mein rure die gand nit enbor. die ich schlag mitgesanges 

schwert. 
«setz sich der maister auf ain stul, 
«drey geng mag ich wol für in ton. 

«Ob sich da ainer hinnewer,dermaintichhetnitkunst, 
« et e r s e 1 b i g n i m s e i n s c h w e r t u n d h e b s gen mir in i t g u n s t , 
«das mein heb ich auch auf. 
«mir welle abenteure hie; geselle mein, schlag frelich 

trauf 
«hie mit gesang gar maisterlich, doch das es nit we tut, 
«on arge mut, die selbig schleg sind also gut. 



— 122 — 

«sy machen weder wund noch plut. 

«da tarf es wol sin und Vernunft, das er sich selber hab 

in hut. 

«ob im sein schwert auf mich enpful, 

«sein tet da spotte jeder man». 
3. «Manger verachtet ainen man, wan er in erst ansieht. 

«er waist nit was er inne kan. das selbig mir auch oft 

beschicht. 

«mein schwert han ich auf in gewetzt, 

«nun shawe zu, arm und reich. 

«Mich dunckt ainer well mich bestan. das acht ich sicher 

n icht. 

«mein schwert das hat mich nie Verlan, das ist mein 

zung in maisterticht. 

«sy habe mich kain halb geletzt, 

«und die sich mir schätzten geleich. 

«In den vier weren bin ich gut, und die ich da bestim 

«singt er von got, die were ich auch zu mir nim. 

«singt er von ainer rainen mait, 

«und die da wont im höchste tron. ir hilf kaim sinder nit versait, 

«die die die ist auch wol mein fug, ich wil mit ir hinschern. 

«singt er dan gern, wie an dem himel stand die stern, 

«das selbig las er mich auch hern. 

«ob er uns singt von der kretaur, das mag ich in auch wol gewern. 

«heb auf, ich hab nider gesetzt. 

«mit gsanges schwert ich von mir streich». (Germania III. 

pag. 319/20.) 

«Hie heb' ich an ich Michel Behamere und tiht in meinem 

langen dan». (p. 310.) 

«waz uffeinander swinget, 

«daz es mit reimen widerclinget, 

«lobt man für daz daz sich verborgenlichen zwinget». (310). 
Pag. 311 ist von einem Liede die Bezeichnung «in der Slagweis» 
gebraucht. 

« ob es dir eben sei, 

«so trit den rei! herbei, wann ich dir nit wil weichen». (311). 
«er let auf sich der kunsten berck; sein kempfen und sein streiften 

«im selb nit hailes gan» (315). 

«der trit wol an der m e i s t e r tanz, da man die singer 

breiset». (316). 
« A i n kränz von rotten rosen schien, 
«gebunden fein mit seide grien. 

«wer mir den abgewinnen kan, des lob des wil ich zieren 
«Mit worten gut an manger stat»,. . .(316). 



— 123 — 

«Ich nim ze hilf ain raine mait und mis die hoch die tief 

die weit die hreit, 
«so mag mir meinen heim auch kainr verseren. 
«Nu hert warumb gieng ich ze schul, das ich wolt sechen wie 

man hielt der maister stul,» (317). 
«Nun wel ich geren ru han, so her ich wol, mich muttet ainer 

singens an, 
«mit seinem gsang wil er mich hie vertreibe» (318). 
«dein sin sind dir verhawen, .... 

«Des halt ich hie gar drutzikleich gein dir auf diser pan. 
«und rnust auch mir gar lästerlich entweichen.» (322). 

« hüt dich, ich wil dich rüren, 

«und dein geschrey mach ich dir hie ze nichte.» (322.) 

« dazu bey deinen tagen 

«pist gewesen ane wer 

«pey hübschen gesang so kluge.» .... (322). 

«Ach heri got ich hab gesungen also lange, 

«ich pin warn schwach und beger der stangen, 

«denn mein geleichen thun ich hie finden. 

«In seinen künsten ist er also veste, 

«er lebt nit zwar der in nit mug verdringen.» (322). 
«Ich hab... vor manchem klugen singer woll bestanden, 
«so kumet ainer und will mich hie verdre,iben.» (322). 
«wol her an mich, wir wein uns pas versuchen.» (323). 

« ich sing dich dem wirt wol unter die pank.» (323). 

«so dret er frölich auf den plan», .... (323). 

« W o 1 a n der singen wolle,.... 

«der las hören sein geschelle herestreichen in disen rink, 

«es wird gemessen wol.» (323). 

«so bleibt ir lob von mir schon unverhawen.» (324). 

«ich wil in schänden noch nit von im weichen.» (324). 

«Ist imandt hie der mit mir singen welle,» .... (325). 

« das ist beruren den grünt. 

«wol der mir mit seim gesang wil nahen, ich wil in schon 

enpfahen.» (325). 
«Ich wil gar frelich heben an mit meiner kunst auf diser 

pan.» (326). 

2 Gesänge Michel Beheims Cod. 312, Fol. 44 sind 
überschrieben : 

«Wie ein Singer den Andern vordert.» und: 

«Disist ein Antwort so ein Singer den Andern mit Singen vordert.» 

«Mit dem wil ich 



— 124 — 

«nach huld und gnnst uf diser wal 
»hie singen lüstiglich. 

Ist hie kein man der singen kann der s o 1 her eilen 
«uff schnellem just nach herze nlust well wir kürz weilen. 
«Wol zu her schir 
«uf diser ban, ich bin gerust 
«heb an und antwürt mir.» (327). 

«gut gesell wol her, du bist mir mer, und kumst mir eben. 
«Ich aht ein cleins, daz wir hie eins umbs ander geben... 
«.... üis leg wir hin 
«und heben an, und loben got 
«und auch die muter sein.» (328). 
«Ein meister der gesanges schul wil halten 
«und der sol haben schuler jung mit alten 
«so mag er wol gesanges fan u fstecken.» (Germania V. pag. 211.) 

Sodann noch einige Liederanfänge aus der Wiltener 
Meistersängerhandschrift (herausgenommen aus der Be- 
sprechung derselben von Dr. J. Zingerle. Wien 1861. 
Sitz.-Ber. Bd. 37. H. 4.), welche eine ähnliche Behandlung 
ihres Stoffes nach den früher erwähnten Gesichtspunkten 
vermuten lassen. 
«Ich Regenpogen ich wil der annder kempfer wesen.» 69. a. 

(pag. 401.) 
«Wie hör ich wol, man wil gesanges mit mir pflegen.» 68 b. (397.) 

<Stadeckh vnd in turney» 101a. (397.) 

«Ist yemand hie der singen well.» 18b. (399.) 

«Dw sprichst dw seyst ain maister hie.» 28b. (402.) 

«Wer kemphen well in ainem ringe.» 156b. (403.) 

Im Anschlüsse daran mögen noch eine Anzahl von 
Stellen aus der Litteratur der betreffenden Zeit Platz finden, 
welche teils weitere Ausdrücke aus dem Fechtschulwesen 
aufweisen, teils absichtliche oder auch unbewusste Anspielun- 
gen auf diese Verhältnisse enthalten. So haben wir z. B. im 
Liederbuch der Clara Hätzlerin (Ed. Haltaus, Leipzig 1840.) 
folgende Wendungen vertreten : 
«Geschieht das in der schirmer weis?» II. 72, II"). 
«Der raicht Jm ainen spiesz, 
«Er focht als ain zornig fyesz 
«Vnd wundet siben vf den tod.» II. 67. 369—371. 
und sol der kries noch lenser weren, 



— 125 — 

«so werden zwar die stangen geren 

«Die stat an allen ennden.» I, 29, 103—105. 

«Nun beger ich recht der stang 

«Sein frümmkait hat mir angesigt.» II, 3, 174/5. 

«Sy sprach: hör uff, ich ger der stangen, 

«Dir wirt, das chainer möcht erlangen. 

«Deine wort hand mich durchwaicht, 

«Deine zung hat so süss geschmaicht 

«Mit worten hübsch und suptil, 

«Das ich mich dir ergeben wil,» etc. II, 76, 69—74. 

«Komm ich Jm an die stangen, 

«Den palg hab ich verlorn!» I, 21, 19/20. 

«Ain stuck das haiszt die Eysenpfort, 

«Darusz vicht man ymm schranck; 

«Ich sorg, dein perswert sey ze krank, 

«Es präch, so es amm pesten sey. 

«Ich sprach: der kunst bin ich frey, 

Man lerts mich nach den newen sitten.» II, 72, 148—153. 
«Wie wol ich lang geuochten hab, 
«So ist mein perswert nit entzway. 
«Sy sprach: entraun, das war der May! 
«Ist dir dein perswert pliben gantz. 
«Du hast geuochten manigen rantz, 
«Das es pillich verschlissen war. 
«Die siben hew sind dir ze swär, 
«Vermagst du drey, das tuo mir kunt.» II, 72, 166 — 173. 

ich wolt mit ir nicht rangen, ob sy mich lieblich überrung; 
«czwar ich begert der stangen: 
«wann mir gepeüt die lieb, dy rain.» Hoff mann 's Fundgr. I, 336, 

33—35. 
Ende si mijn schermschilt moet sijn» .... Altd. Blätter II, 270. 
«es dröut mit worten manig man, 

der doch wening schirmen kan.» Boner's Edelstein, Fab. XXIX, 

23/24. 
«und fechten gleich alsz hetten sie schon den himel er- 
stritten, waz aber ihre lame schirmstreiche sein, be- 
«weisen jre fruchte.» Amandus wye eyn geistl. ritter streytten 
soll, 
«denn wenn sy (die weiber) mit dem schirmstreich kummen, 

so heisst's den gouch vom nest genummen.» Murner, Gcäuchmatt, 

vgl. Kloster 8, 955. 
«sobald sy kummendt mit den schirmstreichen.» Ebenda 

Kloster 8, 958. 



— 126 — 

«ein weisz mann soll gerüstet sein 

«wie ein kempffer, welcher allein 

«gerüstet steht auff dem kampffplatz 

«mit hämisch und schwerd zu dem hatz, 

«das er die schirmenstreich auff fach 

«einem jeden der auff in schlach. » H. Sachs (1570), 2-, 2, 85a. 

«ein schirmer und ein vorvehter des volkes.» Griesh. Pred. 2, 2 1 . 

«mit worten treib er sein parat.» Kalenberger 1557. 

«der monnich auf die canzel trat 

«und macht sein gleissnerisch parat.» H. Sachs (1560), 4, 3, 83. 

«nu kument schelten trüllen triegen 

«effen gumpeln unde liegen 

«mit pärät, als ein gumpelman, 

«der niwan leicherie kan.» Jüngling, v. 997 — 1000. 

«wenn er ein parat machet mit seinem .... schwert.» 

D. Städtechron. 10, 166, 8. 
«mit schirmen wer ich wol so glenk. 
«das ich ein parat hin verhieb, 

«das kein kandel am kandelpret plieb.» Keller 1 s Fastnacht- 
spiele 252, 17 — 19. 
«Mein schirmschleg die haben kraft. 
«Darumb mich niemant tar best an. 
«Ich wolt euch gern ein barat sehen lan, 
«so hab ich übergriffen mein haut, 
«Do ich heut an wolt legen mein gewant, 
«Das ich es iezund nit volbringen mag, 
«Ich wolt denn peiten acht tag.» Ebenda 363, 14 — 20. 
«nun aber zuo disem meinem schuolrecht hab ich euch für 

«mein aufheben zum richter und grieszwertel erweit.» 

Frank, Sprichw. Vorr. 4 a. 
«ein aufheben thuon oder das erst schuolrecht thuon.» 

Ebenda 1, Ib. 
«man tregt ihn zwei fechtschwerder entgegen, Bechtmg 

«nimmt eins, macht ein aufhebents, gibt dem jungen 

«auch eins, thun ein gang zusammen.» Ayrer 201 d. 
«und wider zu seiner kreuzstangen, mit der macht er ein 

«aufhebens und satzt sich wider zu pferd.» 

Fischart's Garg.- 253 a. 

Stieler 806 sagt: «in arte pugillatoria est colli- 
gere arma cum ceremoniis quibusdam, quod dieunt, 
ein aufhebens machen.» Grimm's DWB. I, 667/8 gibt 
unter , Aufheben' 4) «aufheben, praeludium, ein Fechter- 



— 127 - 

ausdruck, das Gefecht begann mit Vorspiel», und 
ebenda 653 erklärte es t Aufgehebe' als «Aufheben der 
Schwerter, Beginn der Fechterstreiche bei den 
Klopffechtern». So sagt z. B. Logau, der seine Bilder 
öfters diesem Gebiete entnimmt: 

«was man auch der Gicht immer Schuld gleich gebe, 

«ist sie fechtrisch doch, macht manch Aufgehebe.» 3,7,23/4 

Diesem Begriffe entspricht bei den Meistersingern der 
des Schulrechtes, von dem an verschiedenen Orten bei 
diesen die Rede ist; so heisst es z. B. in F. 206: «Welcher 
«um die Krön und Gelt singen will, der thue vorhin ein 
Schulrecht», und in der Colmarer Schulordnung (vgl. 
Alsatia 1873/4, pag. 106) «. . . . von jedem singer ein 
schuolrecht». Vgl. Plate, Kunstausdrücke der Meister- 
singer, Strassburger Studien, Bd. III, pag. 167, der ebenda 
pag. 165, 182 auch noch auf einige andere Parallelaus- 
drücke hinweist. 

«dorumb müszen wir tun ein genglein, 

«und triff ich dich mit meinem stenglein» .... 

Fastn. Sp. 855, 10/11. 
»so fechtend wir usz fryem muot 

«ein gengly zwei dry mit dem schwert.» Trag. Joh. Q. 7. 
«ein genglein will ich wagen 
«von wegen aller frauen, 

«kumm her, ich will dir zwagen!» Ayrer, Singsp. 167 a. 
«der Teutsche weicht um was, verführt den Fechtgesellen 

«zum fehlhiew.» Rompier 105. 
«blinde schirmstreich fechten.» Bienenkorb 158a. 
«da er nun fast hett umbgeschwermt, 

«und für den blinden gnug geschermt.» Waldis 3, 100. 
«das parat uud beraitschlag.» Fischart, Garg. 17a, vergl. 188a 

« paratschwert». 
«den Hilde brandsstreichsibenklafter in die er d, des Ecken 

«eckhaw, des Laurins zwerkzug, Fasolts blindhaw.» 

Fisch. Garg. 188b. 
«wie ein gut fechtschwert aus des unerfahrnen henden, so 

«das schwert nicht kau brauchen.» Paracelsus 1, 331b. 
«mit demütiger bitte, diese abenteuerliche fechtschul einzu- 

«s teilen.» Simpl. Courage c. 7. 



— 128 — 

«es stinkt in der fechtschule» sprichwörtlich für: «es steckt 

«etwas Übles dahinter, die Sache geht schief.» Simrock 2316, 

(vgl. Schindler B. W. 1, 509.) 
«praeambl oder praeludium, das vorfechten, versuch stuck.» 

Roth. Dict. (1571), M. 8b. 
«wenn die fechter ein preambl machen, darein sie alle 

«sprüng und kunst stuck bringen, das heisst man ein 

«parat.» Roth, Dict. M. Ib. 

Nacli Grimm"s DWB.VII, 2041 wird der Ausdruck Präam- 
bel' auch im übertragenen Sinne vom Wortgefechte gebraucht, 
wie aus der daselbst angeführten Stelle: «ein kleiner 
Scharmützel, praeambel und praeludium.» G. Nigri- 
nus, Beschlag Q. 2a hervorgeht. Dazu ist bei Grimm 
DWB. VII, 2113 «Priamel, entstellt aus Präambel» zu ver- 
gleichen mit seinen beiden Bedeutungen: 1) das Vorspiel 
auf einem Tongerät, das Praeludium. 2) ein kurzes volks- 
m ä s s i g e s S p r u c h g e d i c h t , in welchem mehrere gleichartige 
oder contrastierende Sätze auf eine bestimmte Spitze einer 
Betrachtung hinauslaufen, sie gleichsam vorbereiten und 
das Vorspiel dazu bilden. Besonders wichtig für uns als 
Beleg der ersten Erklärung ist aber die dort angezogene 
Stelle aus Mone's Anz. f. Kunde d. d. Vorzeit, 1838, Bd. 7, 
sp. 429: «Ain haerpfer oder spilman hat vier aygenschaft, 
«des ersten macht er ain preambel oder Vorlauf, 
«das er die lewt im auf ze merkchen bewege, dar- 
nach macht er guet underschidlich tact und mensur, das 
«er die vor bewegten frölich und unverdrossen mache, dar- 
«nach begert er gäbe, die wärt jm gewondlich, alz er gutes 
«oder arges gemacht hat, darnach wehelt er die gab.» 
(Wiener Hs. Jur. civil. Nr. 244, bl. 162.) 

Mit der Betrachtung der zuletzt angeführten litterarischen 
Zeugnisse für verschiedene der Fechtersprache angehörige 
Ausdrucksweisen sind wir so ganz von selbst hinüber- 
geleitet worden zu dem letzten Punkte, mit dem ich mich 
hier noch etwas eingehender zu befassen habe, zu dem 
sprachlichen Parallelismus, der zwischen dem Fechter- 
Ulm und dem Spielmannswesen besteht, und dessen 



— 129 — 

letzte, wenn auch oft kaum mehr bemerkte oder verstan- 
dene Spuren sieh in vereinzelten, meistens volkstümlichen 
Sprachwendungen bis auf unsere heutigen Tage erhalten 
haben. Gleich im Anschlüsse an die zuletzt aufgezeigte 
Gemeinsamkeit des Wortes Präambel oder Priamel, das im 
einen Falle den fechterischen «Vorlauf >, im andern das 
spielmännische «vorspil bezeichnete, will ich noch 
auf den ursqrünglich der kriegerischen Sprache ange- 
hörigen, dann von dieser auf das dichterische Gebiet 
übertragenen Ausdruck «Schwank» hinweisen, der als 
mhd. «swanc» noch Schwertstreich, Fechterhieb' 
bedeutet und erst, allmälig die weitere Bedeutung von 
«lustiger Streich, komische Erzählung, Posse und 
possenhaftes Schauspiel» angenommen hat. Ganz ab- 
gesehen von all den kleinen einzelnen Beziehungen, die 
sich notwendig und einleuchtend ergeben, sobald man die 
litterarischen Überlieferungen der Fechter und der Meister- 
singer zusammen ins Auge fasst, mögen hier speciell nur 
noch einige der augenfälligsten allgemeineren Zusammen- 
hänge zwischen beiden erwähnt werden; von diesen aus 
soll dann noch ein kurzer Blick auf die bereits erinnerten 
sprachlichen Reste derselben geworfen werden. So lassen 
sich Ausdrücke wie « F e c h t s c h u 1 e und Sing s chul e , 
Meisterfechter und Meistersinger, Fechtmeister, 
Schirmmeister und Singermeister, Parliet, Bar mit 
Paratswert, Parade a. s. w. ohne weiteres in Parallele 
setzen. Ausserdem finden sich eine ganze Reihe von Ausdrücken, 
die auf den beiden Gebieten entweder das völlig Entsprechende 
oder- wenigstens ganz etwas Ähnliches an Ämtern, Verrich- 
tungen und Gebräuchen bezeichnen. So die Bezeichnungen: 
« Schulhalter, Schulrecht, Geselle, Befreiung, Schul- 
zettel-, ferner: «Schule halten, Schulrecht tun, das 
Beste tun, anheben, angeloben, approbieren, be- 
freien etc. Beiderseits haben wir die Sitte des «Prüfens» 
und «Bewährens» der Jungen durch die Alten auf Grund eines 
Meisterstückes in Lied oder Hieb», ehe dieselben 

9 



— 130 — 

die «Meisterschaft» in ihrer Kunst und die mit dieser 
verbundenen Rechte zugesprochen erhalten und damit 
selbst als Leiter oder Inhaber von Singschulen oder 
Fe cht schulen und als Lehrmeister für jüngere 
Kunstfreunde auftreten können. Beiderseits finden wir den 
Wettstreit der Einzelnen um den ehrenden Kranz oder 
eine oft wohl noch willkommenere Geldspende sich voll- 
ziehen. Beide Schulen linden sieh in einer Anzahl gleicher 
Städte, durch das gleiche Handwerk, besonders die Kürsch- 
ner, vertreten, sie finden an den gleichen Orten und in 
den gleichen Gebäulichkeiten, zu den gleichen Jahres-, 
Wochen- und Tageszeiten, mit Vorliebe an hohen Festtagen 
und bei Anlass grosser Festlichkeiten oder bei Anwesenheit 
von hohen weltlichen und geistlichen Fürsten statt. Beide 
Künste sind volkstümlich und beliebt, sie werden mit könig- 
lichen Privilegien und Rechten, mit Gaben und Wappen- 
verleihungen ausgezeichnet. Beide haben ihre eigenen 
Satzungen und Verordnungen, ihre eigene Sprache und Dich- 
tung, eine eigene, zunftmässige Organisation; diese lassen 
erkennen, dass Aulkommen, Blütezeit und Verfall bei beiden 
ungefähr in den gleichen Zeiträumen sich vollzieht und dass 
sie in der gleichen Abhängigkeit vom allgemeinen geschicht- 
lichen Entwicklungsgange der Dinge stellen. Beide haben 
endlich gleichartige Reste und Spuren in Sprache und Volks- 
leben bis auf unsere Zeil hinterlassen — wie sie auch in 
ihren letzten, heruntergekommenen Vertretern, den Typen 
des fahrenden Volkes der Neuzeit, ein gemeinsames Wander- 
und Gaunerleben führen - und beide sind vermöge ihres 
ehrwürdigen Alters und ihrer langen Entwicklungsgeschichte 
zu bedeutenden und wichtigen Bestandteilen im Leben des 
deutschen Volkes und seiner Sprache geworden und darum 
als ein nicht wertloser und zum Verständnisse der allge- 
meinen Geschichte menschlicher Cultur notwendiger Factor 
zu betrachten. Für den allgemeinen grossen Zusammenhang 
aller Vertreter dieser Stände und Berufsarten unter sich 
mag auch noch der umstand sprechen, dass wir nicht nur 



— 131 — 

in verschiedenen Ländern und Zeiten die gleichen Organisa- 
tionen, sondern dafür meistens auch die gleichen Namen, 
für deren Ämter die gleichen Titel antreffen. So haben 
wir einerseits das «Pfeifferkönigtum», andererseits die 
«Brüderschaften und Confreries», wir haben einen 
«Pfeifferkönig, Spielleutekönig, Spilgraven», einen 
«rex ministellorum » , rex ribaldorum' (beim Heer- 
wesen), einen roy des Menestrels 1 , roy d' armes, roy 
des heraults, prince du Puy etc., ähnlich wie im Städte- 
wesen etwa einen Bettelvogt und Hurenweibel oder 
bei den besonderen Schützern unterstellten Gewerben einen 
Inhaber des Kesslerlehens, und bei den erhaltenen 
Schwerttanzüberlieferungen ist auch einmal von einem 
Schwertkönig die Rede: all dies mag wohl auf einen 
inneren, weite Gebiete umfassenden Zusammenhang gleicher 
Lebensanschauung und gleicher socialer Verhältnisse hin- 
deuten, den ich mich freilich hier nur in grossen Umrissen 
vorzuzeichnen begnügen muss. 

Gehen wir nunmehr noch etwas auf die einzelnen, 
gemeinsamen Spracherscheinungen bei den beiden 
Ständen ein, so fällt uns bei den Spielleuten und fahrenden 
Sängern schon sehr frühe, bei den Fechtern erst in späterer 
Zeit, wohl im' Zusammenhange mit eben dieser Gewohn- 
heit der Handwerker und Gewerbetreibenden, der Ge- 
brauch von gewissen Eigennamen auf, welche 
dazu dienten, ihren Träger als Vertreter einer bestimmten 
Kunst oder eines besonderen Standes kenntlich zu machen, 
und seinen wahren Namen wohl meistens sehr rasch ver- 
gessen Hessen. So sind zunächst für die Sänger, Dichter, 
Spielleute und Fahrenden etwa folgende Namen zu er- 
wähnen, die alle irgend eine Beziehung auf ihre Kunst 
oder ihren Stand erkennen lassen: Traugemund (nach 
Wackernagel aus Dragoman (Turcomannus!) Dolmetscher 
entstanden), Warmund, Irregang, Girregar, Frauen- 
lob, Singuf (= sing 1 auf), Regenbogen (= Reg' den 
Bogen zum Aufspielen eines Liedes), Suchensinn (Such' den 

!)* 



— 132 — 

Sinn), Freidank, Rumzlant und Raumelant (= Räume 
das Land, Vagabund, Landstreicher), Suochenwirt (= Such' 
den Wirt), Suehentrunk (= Such' den Trunk), Suchen- 
steig (=: Such' den Steig), Schinttenwirt (= Schind' 
den Wirt), Schantunnhazz (Schand und Hass) u. s. w. 
Ähnliche Namen, bei welchen sich mehr oder weniger 
ungesucht und deutlich eine Beziehung auf die Lebens- 
weise ihrer Inhaber herauslesen lässt, finden sich nun 
auch bei den Fechtern. So heisst der Genosse und Fecht- 
meister Gargantua's bei Fischart bald Kampfkeib oder 
Kampfkieb, bald Keib kämpf und in den von K. Wass- 
ili ann s d o r f f publizirten Fechtschulbeschreibungen und 
Fechtschulreimen (vgl. pag. 12—45) habe ich folgende 
zu dieser Kategorie der wissenschaftlich als «Etiquetten- 
namen» bezeichneten gehörige gefunden : Peter Schwenck 
den Spiess, Haw in Schilt, Cuntz Greuwol, Wenden- 
schimpf (= Wend' den Schimpf), Hans Eisenbeisser, 
Augenstecher, Peter Schwenckschwert, Sigmund! 
Faulbeiz, Cunrad Fridweg, Georg Spiess, Jäkob 
Kreiser, Bartel Heldt, Golman Hacker. Solche Be- 
nennungen entsprechen den damaligen Zeitgebräuchen und 
waren besonders bei den Zünften gebräuchlich, wie wir 
etwa in Handwerksgesellengrüssen die Namen Springins- 
feld, Springindschmitten, Silbernagel, Trifteisen, 
Bschlagngaul, Sprengseisen z. B. für Schmiedegesellen 
verwendet sehen. Auch bei den Gaunern und dem fahrenden 
Volke, mit denen ja unsere Spielleute und Fechter oft in 
Berührung kamen, waren solche Namengebungen, wie es 
nach den litterarischen Belegen scheint, schon frühe in 
Gebrauch und sie sind ja auch heutzutage in diesen Kreisen, 
bei Bettlern und Diebsbanden etwa, noch üblich, worüber 
die Gerichtsprotokolle verschiedener Orte und einige er- 
haltene Gaunerlisten Aufschluss geben können. Im «Renner» 
Hugo's von Trimberg (vgl. Ausgabe des histor. Vereins von 
Bamberg 1833, I. Heft pag. 2(3) findet sich eine ganze Liste 
solcher Gaunernamen, die teilweise wohl auch dem wirk- 



— 133 — 

liehen Leben entnommen sind, wenn sie auch zum andern 
Teil durch die lebhafte Erfindungsgabe des betreffenden 
Dichters vervollständigt sein mögen; wir treffen da Namen 
wie Zerrezsloz, Lerenstal, Laibnitb, Gebaurnveint, Galgen- 
swengel, Lasterbalk, Rudenbengel, Vullensak, Abrust, Slint- 
hart, Diepolt, Vullein, Rauvpolt, Steiguf, Landesmort, Buben- 
strigel,Durchdenpusch, Zackedenrigel, Raubentisch, Setzpfant, 
Sleiffenspiez, Raumedazlant, Brantrifer, Ludeber, Vickel- 
scherre, Vegenpeutel, Wolenber, Lerenschrein, Hebenstrit, 
Rampus, Mitezze, Nagengast, Zuckezswert, Galgenast, Wider- 
span, Stichenwirt> (vgl. v. 1710 — 1740). Dazu gehören 
vielleicht auch Namenbildungen wie „ribald" aus altem regin- 
bald (regin = ahd. vvrecca, der Verbannte, dann der Recke, 
Kämpfer, der Held und bald [vgl. engl, bold] kühn tapfer) 
entstanden, wonach lat. ribaldus, fr. ribaut; ferner Namen 
wie Reinhard aus Reginhard, fr. Renard, lat. Reginhardus, 
und Reinmar (Reimer) aus Reginmär u. a. dieser Art. Ver- 
gleicht man dazu noch die Rezeichnungen: Schlickenwider 
(Schluck" den Widder) und Slintsgew (vgl. Helmbrecht 
v. 1180. 1239), den Räubernamen Schendeslant und die 
Riesennamen Fellnwald, Fellnast (Fäll" den Wald, Ast) [vgl. 
Anzeiger 1834, sp. 13. 84], ferner die in Berthold's 
Predigten (Ed. Pfeiffer, Wien 1862, pag. 56) den Spielleuten 
beigelegten Namen Lasterbalc, Schandolf, Hagedorn, Helle- 
fiwer, Hagelstein und endlich noch einige unserer neueren 
Bezeichnungen wie Galgenvogel, Galgenstrick, Raufbold, 
Haudegen, Strauchritter, Schinderhannes u. s. w., so bilden 
auch diese allgemeine Kennzeichen für eine Gewohnheit, 
die auf den verschiedensten Gebieten üblich unter gegen- 
seitiger Beeinflussung derselben zu einem volkstümlichen 
Brauche geworden ist und sich in der Sprache noch bis 
beute in alten Resten und durch zahlreiche Neubildungen 
erhalten hat. 

Einen weiteren Zusammenhang der Fechter und Spiel- 
leute und all der verschiedenen Arten ihrer Standes- und 
Lebensgenossen kann man noeb in dem Umstände linden, 



— 134 — 

dass sich eine grosse Zahl von Gattungsbezeichnungen 
und Eigennamen, welche ihrem besonderen Kreise einst 
angehört haben, bis jetzt als allgemeine Geschlechts- 
und Familiennamen erhielten; diese haben ihre besondere 
Beziehung auf jene Kunstbethätigungen freilich längst abgelegt 
und sind eben zu blossen Benennungen geworden, wie wir 
ganz die gleiche Erscheinung auch bei den zahlreichen Namen, 
die dem Handwerkerstande und einzelnen Berufs- und Ge- 
vverbegebieten entnommen sind und ursprünglich wohl eben 
die zum Eigennamen gehörige nähere Bestimmung bildeten, 
noch feststellen können. Heute noch haben wir einen Rest 
dieser Bezeichnungsweise in abgelegenen Dörfern und in 
kleineren Wohnbezirken alpiner Gegenden erhalten, wo zur 
Unterscheidung der einzelnen Persönlichkeiten zu dem Vor- 
namen des Betreffenden nur die Bezeichnung seines eigenen 
Gewerbes oder Standes oder auch die seines Vaters hinzu- 
gefügt wird. Vielfach wird diese einfachste Bezeichnungs- 
weise auch noch in historischen und rechtlichen Urkunden 
und Denkmälern angetroffen. So wenig man sich aber 
heutzutage, wenigstens wenn nicht specielle Forschungen 
oder Fachinteressen uns dazu veranlassen, etwa in Namen 
wie «Schneider, Schuster, Müller, Becker, Metzger, Küfer, 
Schmied, Schuhmacher, Weber, Schlosser u. A. immer auf 
den eigentlichen Sinn derselben und ihre Herkunft besinnt, 
so wenig ist es natürlich auch bei den im Folgenden er- 
wähnten der Fall, die alle der Volksklasse der fahrenden 
Leute entstammen oder wenigstens ihren Ursprung auf 
diesem Gebiete mit grosser Wahrscheinlichkeit vermuten 
lassen. Dahin gehören etwa Namen wie: Pfeiffer, Geiger, 
Fiedler, Lautenschläger, Spielmann, Singer, Sprecher, Fichter, 
Fechter, Schirmer, Kämpfer, Schlagdenhaufen, Schlagintweit, 
Pfotenhauer, Springer, Schricker, Hauer, Sänger und ähnliche. 
Eine weitere Übereinstimmung zeigen die Fechter, 
Spielleute und Fahrenden, die sie übrigens ebenfalls mit 
den Vertretern der verschiedenen Handwerke und Gewerbe 
teilen, nämlich die Verwendung von Namen dieser 



— 135 — 

Berufsarten zur Bezeichnung von Strassen, Plätzen 
und einzelnen Häusern und Örtlichkeiten. Manches 
was hier als Beweismaterial aus den verschiedensten Ge- 
benden und Zeiten noch beigebracht werden könnte und 
ohne Zweifel auch wirklich vorhanden ist, hat sich meinen 
bisherigen Ermittelungen noch entzogen und wird sich erst 
später einigermassen vollständig gewinnen und zusammen- 
stellen lassen. Vorläufig möge es genügen, hier auf die dies- 
bezüglichen Zeugnisse für meine Behauptung hinzuweisen, 
welche ich E. Förstemann's Sammlung von Strassennamen, 
die Gewerben und Künsten entnommen sind, verdanke. Dort 
finden sich (vgl. die betreffenden Angaben in der Germania, 
Bd. XIV, XV u. XVI) die folgenden Bezeichnungen nach- 
gewiesen: In Mainz eine Sackpfeifergasse, in Köln (anno 
1232) ein Ort «Inter gladiatores», in Leipzig ein Stadt- 
pfeifergässchen, in Worms eine Sterczirgasse (= Land- 
störzer-, Vagabundengasse), in Iglau desgleichen eine Sterzer- 
gasse, in Wien eine Fechtergasse, in Zürich eine Geiger- 
gasse, in Bern eine Kesslergasse — auch die Kessler und 
Kaltschmiede gehören zur Sippschaft der fahrenden Leute, wohl 
infolge ihres Wanderlebens, das sie oft bei Ausübung ihres 
Handwerkes führten — , in Neubrandenburg (Mecklenburg) 
eine Kunstpfeiferstrasse, in Frankfurt a. M. ein «vicus 
gladiatorum», später anno 1378 und 1443 als Schwert- 
fegergasse bezeichnet — die Schwertfeger wie überhaupt 
die Schmiede und unter diesen besonders die Waffen- 
schmiede scheinen mit den Fechtern in nahen Beziehungen 
gestanden und zu den Fechtschulen und Fechtergesellschaften 
ziemlich viele Teilnehmer gestellt zu haben — in Amsterdam 
ein Trompetersteg, in Basel (anno 1313) eine Lotter- 
gasse — Lotter ist so viel wie Spielmann, Gaukler, Possen- 
reisser — , in der Feldmark von Spangenberg bei Bothen- 
burg (Hessen) ein Pfiefergang, in Bremen eine Spiel- 
leutestrasse, in Strassburg eine Trompetergasse, in 
Magdeburg eine Schwertfegerstrasse, in Frankfurt a. M. 
ein Schwertfegergässchen, in Passau eint! Klinger- 



— 136 — 

gasse - - nach den Klingenschmieden so benannt — , in 
Köln eine Schwertnergasse. Dazu sind noch ein Renn- 
weg in Zürich, eine Turnierwiese bei Rothenburg a. d. 
Tauber, sowie ein Kempfrasen bei Marburg zu erwähnen; 

1 et /lere Bezeichnungen sind wohl als Überreste und Zeugen 
aus den Zeiten ritterlicher Kampfspiele und höfischen Turnier- 
wesens zu betrachten. Auch einzelne Häuser und kleinere 
Ortlichkeiten werden öfters mit Namen bezeichnet, die 
wohl nicht aus blossem Zufall gerade der Klasse der 
Fahrenden entnommen sind, sondern irgendwelche Be- 
ziehungen - wenn auch vielleicht nur solche sagenhafter 
Art, wie das ja bei Ortsnamen häufig der Fall ist — 
zwischen ihren Trägern und den betreffenden Namengebern 
vermuten lassen. So gibt z. B. Zappert (vgl. Sitz.-Ber. 
d. Wiener Akad., Bd. XIII [1854] pag. 160) einen «ad 
joculatores» (nach Cod. Pataviens. Mon. Boic. 28, P. 2, 
pag. 466 1 benannten Ort, ferner einen anderen «Spile- 
mannesperch», nach welchem sich ein Fridericus, ein 
Ortolfus und ein Albertus (vgl. Mon. Boic. 8, 164. 1, 274. 
276) genannt haben. Das schweizerische Idiotikon führt 
unter dem Worte «Giger» (vgl. Bd. II, pag. 150 — 153) eine 
ganze Reihe von Ortsbezeichnungen an, die alle nur auf diese 
eine besondere Art der Spielleute zurückgehen; wir finden 
dort: Gigerhof, Giger-Hubel, Giger-Hus, Giger-Gass, 
Gigers-Büel, Gigers-Berg», ferner bloss: «Giger, Gigeri, 
nf der Gigern, Gigernwald etc., ein Beweis, wie gern 
und häufig die durch den Volksmund erfolgende Namen- 
gebung auch zu diesen niederen, aber sehr beliebten und 
volkstümlichen Ständen ihre Zuflucht nahm. 

Endlich ist noch die letzte der zwischen Fechtern und 
Spielleuten bestehenden Übereinstimmungen zu betrachten, 
ihre gemeinsame Bereicherung des Sprachlebens 
durch Ausdrücke, die sich auf ihre Berufsthätigkeit 
beziehen. Die grosse Beliebtheit, deren sich das fahrende 
Volk so lange Zeil hindurch in den verschiedensten Schichten 
der Bevölkerung zu erfreuen halte, die nahen Beziehungen 



— 137 — 

desselben zu den niederen Ständen und Berufsklassen, die 
weite Verbreitung, die seine Darbietungen und damit auch 
seine technischen Ausdrücke im Zusammenhange mit dem 
rast- und ruhelosen Wanderleben uud Umherziehen dieser 
Vertreter einer zwar niedrigen und derben, aber heiteren 
und volkstümlichen Kunst überall gefunden haben, dieses 
alles konnte dazu beitragen, dass das Leben und Treiben 
dieser munteren und leichtfertigen Scharen eine dauernde 
Bereicherung des deutschen Sprachschatzes, besonders seiner 
bildlichen und übertragenen Ausdrucksweise, herbeiführen 
und auch einen starken Anteil an der Bildung sprichwört- 
licher Redensarten durch den Volksmund nehmen musste- 
Es soll hier noch ein kurzer Blick auf die zahlreichen 
Redewendungen und einzelnen Ausdrücke geworfen werden, 
welche unsere Sprache aus jenen Gebieten hergenommen 
hat und die noch heute im Gebrauche und in aller Munde 
sind, obschon wir uns bei ihrer Verwendung, wenigstens 
bei einem grossen Teile derselben, ihres eigentlichen Ur- 
sprunges nicht mehr bewusst werden oder zum mindesten 
für gewöhnlich nicht darauf besinnen. Man muss unter 
den verschiedenen hierhergehörenden Worten wieder unter- 
scheiden zwischen solchen, die nur dem einen oder nur 
dem anderen der beiden Stände zukommen, und denjenigen, 
welche den beiden Gruppen der Fahrenden gemeinsam sind; 
von dieser letzteren Art habe ich bereits in den Ausdrücken 
Schwank (vgl. noch Gassenhauer = derbes volkstümliches 
Lied; ursprünglich vom Aufschlagen der Schwertklingen auf 
den Pflastersteinen der Gassen, einer herausfordernden 
Gewohnheit der Studenten), Priamel resp. Präambel und 
Bar resp. Parat (= Parade) einige Hauptbeispiele gegeben, 
bei welchen ich es für jetzt bewenden lassen will. Zahlreichere 
Belege können zu der ersteren, grösseren Abteilung gegeben 
werden. Wie aus manchen anderen Gebieten des mensch- 
lichen (lulturlebens, so haben sich auch aus dem Kampf-, 
Turnier- und Fechterwesen hervorgegangene Ausdrücke in 
grosser Anzahl in unserer Sprache eingebürgert und sind, 



— 138 — 

teilweise ihren ursprünglichen besonderen Sinn aufgebend, zu 
allgemeinerer Bedeutung übergegangen, wie andererseits auch 
das abstracte Denken gern seinen Ausdruck in möglichst 
concreten Formen der sinnlichen Anschauung im Sprach- 
leben gesucht und gefunden hat. Auf dieser letzteren That- 
sache beruhen bekanntlich die zahlreichen Vorgänge der 
Sinnesübertragungen, des Bedeutungswechsels der Worte, 
der bildlichen Ausdrucksweise und der Ursprung des Wort- 
spieles, welche dann alle zu willkommenen Mitteln künst- 
lerischer Wirkung in Rede und Dichtung geworden sind. 
Hier habe ich jedoch nur die Aufgabe, eine Anzahl dieser 
Wendungen namhaft zu machen, ohne ihre vollständige 
Aufzählung versuchen oder gar ihre geschichtliche Ent- 
wicklung im Einzelnen verfolgen zu wollen. Zu der Gruppe 
des Kampflebens und Fechterwesens gehören unter 
anderen die folgenden Ausdrücke und Redensarten: 

Abschlagen etwas (ursprünglich wohl den Hieb des 
Gegners), anbinden (die Klingen) mit einem, anheben, auf- 
heben, viel Aufhebens machen von etwas, ausfallen, einen 
Ausfall machen, ausfechten, ausschlagen etwas, zum Guten 
oder zum Bösen ausschlagen, den Ausschlag geben, ausstechen 
jemanden, ausstossen, austreten (aus dem Kreis, der als 
Kampfplatz abgesteckt war), beikommen, ein Bein stellen, 
beispringen einem, bekämpfen etwas, sich bloss stellen, sich 
eine Blosse geben, sich decken gegen etwas, einsetzen sein 
Leben, seinen Kopf für etwas, einstehen, eintreten für etwas 
(nämlich in den Kampfplatz, um dafür zu kämpfen), einwenden, 
erkämpfen, erringen, unter die Fuchtel nehmen, den Gna- 
denstoss versetzen, sich mit Händen und Füssen gegen etwas 
wehren, in Harnisch jagen, einen bis aufs Blut, bis auf 
den Tod hassen, einen aufs Haupt schlagen, herumfuchteln, 
ins Herz treffen, einen in seine Hut nehmen, behüten, sich 
hüten vor etwas, einen vor die Klinge fordern, eine gute, scharfe, 
gewandte Klinge führen, über die Klinge springen, Klopf- 
fechterstreiche thun, einen vor den Kopf stossen, eine Lanze 
brechen für jemanden, Lufthiebe führen, bis aufs Messer 



— 139 — 

bekämpfen, einem das Messer auf die Brust setzen, die 
Oberhand haben, gewinnen, einen über*s Ohr hauen, der 
bildliche Ausdruck: sich oder einen andern etwas hinter 
die Ohren schreiben' (nämlich mit der scharfen Feder des 
Schwertes so gründlich und deutlich, dass man es nicht 
so leicht wieder vergisst») gehört wohl auch hierher, einem 
den Rest geben, einen aus dem Sattel heben, werfen, einen 
schirmen, einen harten Schlag versetzen, über die Schnur 
hauen (womit der Kampfplatz eingefriedigt war), einem Schutz 
und Schirm sein, ein Spiegelfechten anstellen, Spiegel- 
fechterei treiben, etwas aufs Spiel setzen, einem oder etwas 
die Spitze bieten, einem die Stange halten (ihm beim Kampfe 
helfend beispringen, ihn durch Vorhalten der Parierstange vor 
den Streichen des Gegnes schützen), einen in den Sack, in 
die Tasche stecken (ein Fechterbrauch aus den Fechtschulen), 
dazwischen treten, einem zu nahe treten, überwerfen, über- 
winden, unterschlagen, unterwerfen, etwas verfechten, ver- 
hängen, versetzen, einem eines versetzen, einen Vorschlag 
machen, einen um den Finger wickeln, zustossen. 

Aber auch die Spie Heute und Fahrenden und die 
mit ihnen im engsten Zusammenhange stehenden Gomö- 
dianten haben einen guten Anteil an der Erweiterung des 
volkstümlichen Sprachgebrauches , seiner Erhaltung und 
Verbreitung zu beanspruchen. Diesen Kreisen verdanken 
wir Wendungen, die zwar oft etwas derber Natur, darum 
aber gerade recht bezeichnend und in der Sprache der un- 
teren Stände besonders beliebt sind, wie etwa die folgenden: 

Anstimmen, sich aufspielen als etwas, etwas ausposaunen, 
durchdringen, einfallen, den Einklang stören, sich einpauken 
(in der Studentensprache auf das Gebiet der Fechtkunst, 
dann auf das der gelehrten Studien übertragen), einstimmen, 
(löten gehen, die erste Geige spielen, ins gleiche, grosse 
Hörn blasen, auf den Kopfstehen, sich auf den Kopf stellen, 
auf etwas pfeiffen, auf dem letzten Loche pfeiffen, einem übel 
mitspielen, nach jemandes Pfeiffe tanzen, aus der Rolle fallen, 
eine böse, grosse, neue Rolle spielen, andere, neue, schärfere 



— 140 — 

Saiten aufziehen, mit klingendem Spiel aufziehen, sein Spiel 
mit jemandem treiben (von Gauklern und Taschenspielern 
übernommen), das Spiel verderben, die Stimmung wechseln, 
einem einen Streich spielen, den Ton angeben, einen anderen 
Ton anschlagen, übereinstimmen, übertönen, verstimmt sein, 
einem etwas vorspiegeln, einem etwas weiss machen. 

So ergab sich also auch auf diesem sprachlichen Gebiete, 
wie auf den übrigen, der Betrachtung bereits früher unter- 
zogenen, nicht bloss eine merkwürdige Übereinstimmung 
zwischen den Fechtern und Spielleuten unter sich, sondern 
auch der weitere, allgemeine Zusammenhang, in dem diese 
Stände, neben vielen anderen, mit der eulturgeschichtliehen 
Entwicklung des Sprachlebens und Sprachschatzes stehen. 
Für mich boten die sprachlichen und litterarischen Er- 
scheinungen und Parallelen zwar naturgemäss das Haupt- 
interesse, aber sie Hessen sich nicht darlegen und verstehen, 
ohne auch die rechtlichen, socialen und historischen Gesichts- 
punkte mit zu berücksichtigen; denn diese bilden die Grund- 
lage und Erklärung für die anderen Thatsachen und Ergebnisse 
und können allein zu einem richtigen Verständnisse und 
einer entsprechenden Würdigung jener Zusammenhänge 
führen, die auf den ersten Blick hin vielleicht etwas sonder- 
bar erscheinen, culturgeschichtlich betrachtet aber not- 
wendig sich ergeben und als leicht begreiflich erweisen. 

Am Schlüsse dieser Untersuchungen angelangt, lasse 
ich noch einmal kurz die Hauptergebnisse der vorliegenden 
Abhandlung zusammen. Ausgehend von den beiden Grund- 
motiven germanischer Lebensanschauung, Kampf und 
Dichtung, — deren Wurzeln wohl in Cultus und Mythologie 
zu suchen sind, - - beziehungsweise von ihren Vertretern, 
den Kämpen und Spielleuten, versuchte ich zunächst den 
in den späteren Zeiten des Verfalles deutlich vorliegenden 
Parallelismus zwischen Waffenkunst und Dichtkunst 
bis in die ersten Zeiträume seines Entstehens zurück zu 
verfolgen. Die Frage eines eventuellen, möglichen Ein- 



— 141 - 

flusses der römischen Tierkämpfer und Gladiatoren, Spiel- 
leute und Schauspieler auf germanische Verhältnisse habe 
ich dabei absichtlich unberücksichtigt gelassen, da ich 
mich für ihre Beantwortung nicht für competent genug 
erachtete. Sodann wurde das Auftreten der Kämpen im 
Dienste der Gerichtsbarkeit bei den gerichtlichen Zwei- 
kämpfen, einer besonderen Art der Gottesurteile, erwähnt 
und von den Fechtmeistern als Leitern der ritterlichen Waffen- 
Übungen an den Höfen des Mittelalters gesprochen. Weiter 
wurde dann die Pflege der Fechtkunst in den Städten durch 
das zünftige Handwerk nachgewiesen und ihre Verwendung 
teils als kriegerische Vorbereitung für den Ernstfall, teils 
zu Zwecken heiterer und festlicher Volksbelustigung erörtert. 
Bei der Geschichte des Fechterwesens dieser späteren Zeit 
habe ich etwas länger verweilt, weil es noch weniger 
Bearbeitungen gefunden hat als das häufig behandelte Leben 
und Treiben der Spielleute und fahrenden Sänger speciell 
des höfischen Zeitalters und die Dichtkunst der bürgerlichen 
Meistergesangsperiode und ihre bekannten Vertreter, so dass 
ich von einer eingehenderen Schilderung dieser letzterwähnten 
Verhältnisse dank der bereits starken Litteratur darüber hier 
füglich absehen konnte. Nur kurz wurde unter solchen 
Umständen in einem den Übergang zum Hauptabschnitte 
bildenden Teile die dem Fechterwesen durchaus ähnliche 
Entwicklung des Spielleute- und Sängerstandes in ihrem 
geschichtlichen Verlaufe dargestellt und dabei zugleich auf 
einige Fragen hingewiesen, die noch weiterer Erforschung- 
zugänglich sind und vielleicht nicht ganz wertlose Ergebnisse 
liefern könnten. Im letzten Teile meiner Untersuchung 
habe ich sodann den geschichtlichen Zusammenhang dieser 
beiden niederen Volksklassen noch nach den verschiedensten 
Seiten hin eingehender betrachtet, wobei ich mein Augen- 
merk besonders auf die rechtlichen und socialen Gesichts- 
punkte, sowie auf die litterarischen und sprachlichen Er- 
scheinungen gerichtet hielt; dabei wurden natürlich fürs 
erste überall nur gerade die Hauptsachen berührt und der 



— 142 — 

Verfasser wünscht nicht den Anspruch zu erheben, bereits 
etwas Abschliessendes auf diesem Gebiete geleistet zu 
haben, vielmehr möchte er auf eine weitere Anregung zu 
diesen Studien und solchen ähnlicher Art mit seinem kleinen 
Beitrage abzielen. 



IV. Teil. 
Beilagen. 

Nr. I. Die Fechtprobe zwischen Hagen und Wate 
aus dem Kudrunliede. 

(Strophe 358—371. Ausgabe Martin, Halle 1872, S. 81—86.) 

353. Vür den künec si gierigen, da waren ritter vil. 
d;i vunden si besunder maneger hande spil : 
in dem brete zabelen. scherinen under sc bilden. 
si ahten nicht so höhe als man doch bete Hagenen den wilden. 

354 Nach si t e in .Irtan de vil ofte man began 
maneger hande frende. da von Wate gewan 
den künic ze einem vriunde. Hörant von Teneriche 
durch der vrouwen liebe vant man vil ofte gemelichen. 

355. Her Wate unde ouch Fruote, die snelle ritler balt, 
vil nach in einer mäze die recken wären alt. 

ir beider grise locke sach man in golt gewunden. 

svvä man bedörfte recken, da wurden si gar ritterlichen vunden. 

356. Des küneges ingesinde ze hove Schilde truoc, 
kiule und buckelaere. geschirmet wart genuoc, 
gevohten mit den swerten, mit gabilöte .ueschozzen 
vil öf guote schilde. die jungen beide waren unverdrozzen. 

357. Der vürste Hagene vrägte Waten und sine man. 
o b e i n in i r lande waere i 1 1 1 k u n t g e tan 
schirmen also starke, als a m in J r r i c h e 

die sinen beide phlaegen. des ersmielte Wate versmähliche. 

358. 1)5 sprach der helt von Stürmen .ich gesach ez nie. 
der aber mich ez 1er te. dar umbe waere ich hie 
bevollen ze einem järe, daz ich ez rehte künde. 

swer des meister waere, miner miete ich im gerne gunde\ 

359. Dö sprach der künec zem gaste ,den besten meister min 
wil ich dich leren heizen durch die liehe diu, 



— 143 — 

daz du doch dri swanke künnest swä man strite 
in herten veitstürmen, ez vrumet dir ze etelicher zite 1 . 
860. Dö kam ein seh irmme ister. leren er hegan 
Waten den vil küenen. da von er gewan 
des sines libes sorge. Wate stuont in huote, 
sam er ein kemphe waere. des erlaehte dö vonTenen Fruote. 

36 1 . Daz half dem schermmeister, daz er w i t e spranc 
alsam ein lebart wilde, an Waten hende erklanc 

vil dicke daz schoene wäfen, daz die viurvanken 
dräten üz den Schilden, des mohte er sinem scherm- 

knaben gedanken. 

362. Dö sprach der wilde Hagene t gebt mir daz swert enhant. 
ich wil kurzwilen mit dem von Sturmlant. 

ob ich in m ü g e leren der ininen siege viere, 

daz mirs der recke danke 1 , daz lobete dö der alte Wate schiere. 

363. Der gast sprach zem künege ich sol vride din 
haben, vürste Hagene, daz du iht värest min. 

slüegest du mir wunden, des schämte ich mich vor vrouwen". 
Wate künde schirmen, daz sin zer werkle nieman mohte 

trouvven. 
364-. Hagene dolte kume den kunstlosen man, 
daz er als ein begozzen brant riechen began 
der meist er vor dem junger, ja was er starc genuoc. 
der wirt ouch sinem gaste siege unmaezlichen sluoc. 

365. Die liute sähenz gerne durch ihr beider kraft. 

der ktinec vil schiere erkante die Waten meisters chaft. 

ein teil begunde er zürnen, waerez im niht an ere. 

swaz man sach ir sterke, doch hete ir Hagene da bezeiget mere. 

366. Wate sprach zem künege ,läz äne vride sin 
unser beider schirmen, ich hän der siege din 
gelernet nü wol viere, ich wil dirs gerne danken 1 . 

er lönte im sit so höhe sam einem wilden Sabsen oder Franken. 

367. Dö si den vride liezen beliben under wegen, 
der sal begunde diezen von ir beider siegen. 
swaz si anders taeten, in möhte sin gelungen. 

ir schirmen was als s winde, daz in die swertes knöphe 

hine sprangen. 

368. Sie giengen beide sitzen, der wirt zem gaste sprach 

,ir gehet, ir wellet lernen? ja waene ich nie gesach 
des junger ich so gerne nach solher künste waere. 
swä man phligt der dinge, da sit ir üf dein ringe lobebaere 1 . 

369. .Trolt sprach zem künege ,herre, ez ist geschehen 

daz ir iueh habet versuochet. wir hän ez § gesehen 



— 114 — 

in unsers Herren lande, wir habenz uns ze rehte, 
daz aller tege liehe phlegent sin ritt er unde knehte". 

370. Do sprach aber Hagene .und haete ich daz erkant, 

so waer daz schirmwäfen niht komen in mine hant. 

ich ensach nie junger lernen also swinde'. 

der rede wart gelachet da von maneger edeler muoter kinde. 

371. Do erloubte er den gesten, swa mite si die zit 
hin getriben möhten. des volgten ime sit 

die von Ortlande, dö si begunde verdriezen, 

dö würfen si die steine und befunden mit den scheiten schiezen. 



Nr. II. Geschichte der Kampffechter von Löwen. 

A. Aeltere Fassung: (Nach dem Spiegel Historiaal, 
of Rym-Spiegel, zynde de nederlandsche Rym-Chronyk, van 
Lodewyk van Velthem, Priester, voor ruym 400 Jaaren 
in Dichtmaat gebracht. [1248 — 1316 van welke de Schryver 
is Tydtgenoot geweest.] Uitgegeven en met noodige ver- 
klaaringen opgeheldert, door Isaac le Long. T'Amsterdam, 
1727, pag. 38—42. I. Boek, Gapittel XXVIII— XXX.) 

Caplttel XXVIII. 
Van den Hertoge Heinrike, ende den Biscop van Ludeke. 



Twist tusschen Hertog 
Hendrik van Rrabandt, 
en den Iiisschop van 
Luyk. 



Eeen swaar onweer 
doedt veel schaade. 



In't ander iaer van Willems rike. 
So werd een twest vreselike, 
Tuscen Ludeke ende Brabant, 
Ende oec van Namen d'lant ; 
5. D'een voer hier, d'ander voer daer, 
Ende verlieriden d'lant swaer. 
Een tempeest quam oec mede säen 
Die menigen lede heeft gedaen. 
Tuscen Hoye ende Denanl. 

10. Keinet vorsce ende vesche in't lant. 
Die daer so euen dicke lopen 
Ende thans in die erde cropen. 
Ende daer dit alsoe gesciede, 
Storven oec daer na die liede, 

15. Ende die beesten storven mede. *) 



*) Hier folgen 2i Zeilen, die andere Ereignisse schildern (De Hertog van 
Oostenryk beoorloogt Trier, und: Koning "Willem ondersteunt den Hertog van 
Oostenryk.) und nichts mit unserer Begebenheil /.u llmn haben; ich habe sie dess- 
halb hier weggelassen. 



Voorslag, om de ver- 
schallen tusschen den 
Hertog van Brabandt, 
en den Bisschop van 
Luyk af te doen. 



Zy besluyten om te 
Kampen. 



145 



Nu bord van den Hertoge Heinrike, 
Die twest iegen Ludeke met ; 
Hier werd een dach oec af geset, 
So dat si quamen te perlemente. 

20. Nu was altene Biscops atente 

Dat sise beroepen wilden or campen? 
Want uit orloge haddi die rampen. 
Dus waendyt met campen beweren. 
Als't te perlement quam die Heren, 

25. Ende si spraken om soen-dinc maken ; 
So waren altene d'Biscop saken, 
Ende men't in campe bescede echt ; 
Ende die onder bliue in't geuecht 
Hi sal beteren dan dese dinc. 

30. Aldus hi t'enen hantscoe vinc, 
Ende botene den Hertoge säen, 
Die ne daer nv heeft ontfaen, 
Ende te comen op ten viertechstea dach, 
Ende dit te vor wer ne of hi mach 

35. Elc met sinen Kempe gereet. 
0p dit belof, op dit beheet, 
Seiet daer elc van andren nv, 
T'Sinen lande waerd, dat secg ic v. 



De Bisschop maakt zieh 
tot den kamp gereedt; 



inaar de Hertoc; niet. 



Syne Heeren spreeken 
hem daar over aan. 



Capittel XXIX. 
Van hären Kempen. 

Die Hertoge miete lettel hier op. 
40. Ende iiet liden. Mar die Biscop 

Dede enen Kempe soeken gereet, 

Den steresten die men iegeren weet ; 

Ende geloefd em grote rychede, 

Mochti den Kemp verwinnen mede 
45. Die de Hertoge soude bringen, 

Die lettel wiste van desen dingen; 

Want hi waende sonder waen 

Dat soude syn te niewete gegaen. 

Ende die XLste dach quam bi. 
;"><>. Vraechden die heren : Waer dal hi 

Enen Kempe had genomen V 

10 



— 146 



Hy Bedenkt zieh daar 

over. 
Laat na een Kamper 

soeken. 



Hern wordt een grooten 
sterk man aange- 
draagen, 



maar die geheel vree- 
sachtig was. 



De ELertog spreekt hem 
daar over: 



Die Biscop wilt emmer te crite cornen. 

Ende heeft enen Kempe starr. 

Die hem vermet in een parc 
55. Te kempe, te sconfierne wel. 

So starc es hi. ende so snel. 

Ghi behoeft v. Here ! te versien wale, 

Seldi daer behouden v pale : 

Want mi dunet het werd v hard. 
60. Dat nem ic op mine leste vaerd, 

(Sprac die Hertoge) dat ic ne weet 

Waer mi een Kampe sal syn gereet ? 

In heb mi noch niet versien ; 

Ende moet die camp emmer gescienV 
65. Ja hi, Here ! dat wet ie wale, 

Daer ne helpt weder gene tale. 

En trouwen (sprac die Hertoge säen), 

So will ic mi hier op beraden gaen. 

Hi ontboet hier ende daer : 
70. Maer hi en vant niemant vorwaer 

Die den camp dorste vechten. 

Jegen den genen. of berechten. 

Want alsi vernamen"t geens gedane. 

So ne dorst'er niemen comen ane. 
75. Doen liet men den Hertoge verstaen dan. 

Dat te Louen waer een man. 

Die waer so vtermaten groet. 

Ende also lanc, dat syns genoet 

Niegeren wäre nv ter stede : 
80. Ende hi seeen oec so starc mede, 

Dat hi enen leu mocht binden : 

Maer men soude niegeren vinden 

Blöderen man in geen lant, 

Dan hi es. Doe sprac te hant 
85. Die Hertoge: Dit's myn geuoech mede: 

Ic micke niet op tie bloethede. 

Indien dat hi groel es. 

Ende starc mede, des syt gewes. 

Dus quam die Hertoge sonder waen 
90. Te Louen. ende ontboet doen säen 

Genen man, dat hi te hem quame? 

Die gene metter blöder name 

Es vor den Hertoge comen houde, 

Ende vraechde: Wat hi hem woude ? 



— 147 



doch hy wilde niet 
kampen. 

De Hertog eyscht alleen. 
dat hy soude veynsen 
te willen kampen; 



't welke dese man 
belooft. 



95. Die Hertoge sprac : Ic heb uwes te done, 

Alse vor enen groten Baroene, 

Te bringen t'enen Kimpioen. 

Neen, Here ! des mag ic niet doen ! 

In vechte niet om genen toren, 
100. AI souder al Brabant om syn verloren ! 

Wat secgdi ? Vrient ! waendi nv 

Dat ic wil doen vechten v ? 

In wil niet dat gi yegeren om vecht ; 

Maer ic wil, dat ghi vard recht 
105. Met mi alse een stout seriant. 

Ende gelaet v alsoe valiant, 

In v were, ende in v gelaet, 

Alse oft gi al met uwer daet 

Des Biscops liede sout scoffieren. 
110. Alse van v sien dese manieren, 

Hein sal versagen elc die 1 ! vereysce, 

Ende seien mi geuen al dat eysce. 

Ghi syt so groet, ghi scynt so starc ; 

En sal niemen in een parc 
115. Jegen u comen dorren. 

Here ! Daer toe helpt iegen geen porren; 

In vechte geen tyt, wat's gesciet. 

Goet man, ende in beger's oec niet ! 

In wil maer alse op desen dach, 
120. Dat ic v den Biscop tonen mach. 

Ende dat gi dan gelaet coenlike 

Vore den Biscop, ende stouteliken. 

Dat sal ic wel doen sekerleken, 

Ende grote worden connen spreken, 
125. Ende stalpen, ende wagebarden met : 

Maer in vecht's niet, bi mire wet. 



Capittel XXX. 
Hoe die camp geuachten werd. 



De I lertog en de Bisschop 
komen te Lnyk om te 
kampen. 



Doen't was so verre comen 
Dat tie tyt was genomen 
Alse dat men den camp vechten soude, 
130. Quam die Hertoge alse houde 

Met sinen Kempe te Ludike werd ; 
En tie Biscop mede ter vard 

10* 



L48 



Seldtsaam gedrag van's 
Hertogs kamper : 



Quam tegen inet sinen Kempe säen. 

Daer syn die Heren te rade gegaen 
135. Om dese dinc, oft men conde 

Afgelecgen metten monde. 

Dat men den camp en vochte niet. 

Die Biscop hem wieken nient liet. 

Doen die Hertoge dit heeft verstaen, 
140. Ginc lii t'sinen Kempe werd säen, 

Die hem vragede altehant : 

Wat eest, Here ! hoe gaet in hant ? 

Herde wel, dat secg ic v, 

Gelaet vaste coenleec nv, 
145. Ic sal hier hehhen al myn geuoegen. 

Of ghi wilt, Here ! laet v genoegen, 

Bi mire trouwen in vecht's niet, 

Wat v oec daeraue mesciet. 

Neen gi niet, en es geen noet ; 
150. Op dat ghi aldus vorwaerd doet, 

Ende hout v stoutelike in 't gehare; 

Si seien mi geuen dat ic begare. 

Dus es hi weder ten Heren comen 

Die den camp gerne henomen 
155. Hadden daer, haddense geconnen. 

Maer neen, het's om niet begonnen. 

Die corden waren ginder geslagen 

En tie setele worden gedragen 

Binnen den crite, daer men mede 
180. Die Kempen säen op sitten dede. 

Die Hertoge quam daer weder gegaen 

T'sinen Kempe, die hem säen 

Vragede : Hoe die saken gingen ? 

Si gaen mi af al mire dingen, 
165. Die si mi geloefden ere. 

Bi trouwen ic sculdich ben onsen Here, 

Sprac die gene, maect pays saem, 

Oft ic sal vten crite gaen ; 

Want in vechle in gere sake. 
170. Helpt, vrient! Wat wildi maken? 

Gin di enen voet vten crite, 

Ghi word dan uwes liues qnite; 

Want men sloege v hier ter stont 

Dat liooft af, dat si v cont. 
175. Sit hier noch, ende ic sal gaen 



— 149 — 

Besien wat si hebben gedaen 
Die ic ouer die effeninge liet ! 
Ic sal't effenen wat's gesciet ; 
Ende sael't ouer mit laten gaen. 

180. Dus es hi van daer gegaen. 
Ende alsoe vollyc es opgestaen 
Des Biscop kempe, ende nam säen 
Seilt om hals, ende cloppel in hant, 
Ende ginc ten andren werd te bant, 

185. Ende gaf hem op hoeft enen slach, 
Daer't menich toegesach; 
Ende die gene sat stille noch doe, 
Ende sprac den genen aldus toe : 
Siet, goede liede ! ende wat meinstu 

190. Dat tu mi dus slaes hier nv? 

Wat hebb ic di mesdaen hier ter stede ? 
Ende in seide di heden lede 
Noch en inesdede noyt den man. 
Die gene quam noch vorwerd an, 

195. Ende gaf den genen noch enen slach. 
Ay mi ! God geue v quaden dach! 
Sprac die gene, ende greep syn hoeft 
Met beide handen, des geloeft. 
En tie ander spranc achter werd, 

200. Alse noch te verbalen daer sine verd. 
Die gene sprac: Bi mire trouwen, 
Sladi mi meer, het sal v rouwen ! 
DienogtansdesBisschops Derwerd comt die gene gegaen: 

kamper overwint. Ende tie ander sprinet op säen, 

205. Ende laet cloppel ende seilt vallen, 
Ende neemt den genen daer met allen, 
Ende worpen onder hem ter neder, 
Ende slaten metten vvosten weder, 
So grote slage, dat hi ne säen 

210. Van den liue heuet gedaen. 

Doe riep men daer in's Hertogen side : 
(Die des waren herde blide ;) 
Werpt ouer die corde vten crite, 
So sidi dies alte male quite ! 
215. Dit dede die gene ; ende daer naer 
Sloech men hem dat hoeft af daer; 
En tie Hertoge bleef in die ere. 
Ende van desen dage vord mere, 



— 150 — 

Alse lange alse leefde dese man, 
220. So ne was niemen so coene dan, 
Die hem yet hadde mesdaen, 
Hi ne wildene vloechs te camp bestaen ; 
Hi was so coene worden hier af 
Dat hi niemen te voren gaf. 
225. Van desen es noch het gesiechte comen 
Te Louen, dat ic v wel soude noemen. 



B. Jüngere Fassung (Nach einer Papier-Handschrift 
vom Ende des 14. oder Beginn des 15. .Jahrhunderts, das 
4. Buch der «Brabantsche Yeesten» enthaltend, früher der 
Abtei Affligem, jetzt dem Beichsarchiv von Brüssel angehörig. 
Ein Abdruck desjenigen Teiles, welcher unsere Episode ent- 
hält, findet sich nebst 3 zugehörigen Abbildungen nach den 
alten Miniaturen der Handschrift in der Zeitschrift Belgisch 
Museum voor de nederduitsche Tael- en Letterkunde en de 
Geschiedenis des Vaderlands », uitgegeven noor J. F. Willems. 
Deel I (Te Gent, 1837) pag. 26—32. Ich gebe die Stelle 
nach der durch Willems daselbst besorgten Reproduction.) : 

De leuvensche kampvechter. 
ten jare 1236. 

«Jnt ander jaer, na Willems rijc, 
So wart een twiste vreeselijc 
Tusschen Ludicke ende Brabant, 
Ende ooc van Namen dlant: 
5. Deen voer hier, dander daer, 
Ende verheriden dlant swaer. 
Een tempeeste quam mede säen, 
Dat menegen leede heeft gedaen: 
Tregenet vorsehe ende vischen int lanl, 
10. Also men clare bescreven vant, 
Ende daer, na dat dit gesciede, 
Storven te hans vele liede. 
Nu hoort van den hertoge Heinricke, 
l)H' dander was sekerlike, 



— 151 — 

15. Ende die twiste tusschen Ludike inet: 
Daer wart een dachvaert op geset, 
So dat si quamen ten parlemente. 
Nu was des bisscops attente 
Dat hine roepen soude te campe. 
20. Want hi met orlogen hadde rampe, 
Dus waende hijt met campe verweeren. 
Als te perlemente quamen die heeren, 
Ende si spraken om soene te maken, 
Waren emmer des bisscops saken 
25. Dat men te campe besciede echt, 
Ende die onder bleve, int gevecht, 
Dat hi betere dan die dinc. 
Dus hi tenen hantscoe vinc, 
Ende boeten den hertoge säen, 
30. Diene aldaer heeft ontfaen, 

Dat hi come opten XLsten dach, 
Om dit te verweren, of hi mach. 
Dus seiet elc vanden anderen nu, 
Ende voer te lande, seggic u. 
35. Die hertoge miete dein hier op 
Ende liet liden; maer die bisscop 
Dede enen kempioen sueken gereet, 
Den steresten die men ieweren weet, 
Ende beloofde hem grote rijchede, 
40. Mocht hi den kemp verwinnen mede, 
Dien die hertoge soude bringen 
(Die luttel wist van desen dingen). 
Hi kreech enen kimpe sterc, 
Die hem vermat in een perc 
45. Shertogen kempe te scoffieren wel. 
So sterke was hi ende so fei. 
Des es die hertoge onversien, 
Moet den campe ummer gescien. 
Dit seidemen den hertoge wale. 
50. Daer en halp jegen geene tale. 
«So willic mi beraden säen!» 
Sprac die hertoge, sonder waen. 
Hi onlboot hier end daer, 
Maer hine vant niemant voerwaer. 
55. Want si alle vernamen sgeens gedane 
En dorster niemant comen ane. 
Doen liet men den hertoge verstaen dan 



152 

Dat te Loven woonde een man, 
Die waer so utermaten gi*oot, 

60. Ende so sterc, dat sijns genoot 
Niewer en waer, teeniger stede: 
Je segghe u wel die waerhede: 
Hi soude wel eenen beere binden; 
Mer raen mochte nieweren vinden 

65. Bloeder man in en geen lant 
Dan hi was. Doe sprac te hant 
Die hertoge: «dits ongevoech groot mede. 
Jn micke niet op sine bloothede 
Jn dien dal hi groot es, 

70. Ende sterc, des sijt gewes.» 

Dus quam die hertoge, sonder waen. 
Te Loven, ende entboet säen, 
Dat hi quame yoor den hertoge boude. 
Hi vroeg hem, wat hi woude? 

75. De hertoge sprac: «ic heb uwes te doen, 
Alse voor eenen groten baroen 
Te brengen tenen campioen.» 
t Neen, heer, des mach ic niet doen, 
En vechte al om geenen toren, 

80. AI soude al Brabant sijn verloren!' 
«Wat segdi, vrient, waendi, nu 
Dat ic wil doen vechten u? 
Mer conit met mi als een stout seriant, 
Ende gelaet u als coen ende vaeliant, 

85. Jn uwen woorden ende u gelaet 
Als of gbi, al met uwer daet. 
Sbisscops volc al soudt seoffieren: 
Als si van u sien die manieren, 
Sal niemen dorren in een perc 

90. Jegen u coinen; ghi sijt so sterc.» 
t Heer, en vechte niet, wats gesciet!» 
«Goetman. en begeers ooe niet. 
En wille eis niet, op dien dach, 
Dan ic u den bisscop tonen mach. 

95. Ende dat ghi daer gelaet coenlike, 
Voer den bisscop, ende stoutelike.» 
,Dat sal ic wel doen. sekerleken, 
Ende grote woorden spreken, 
Stalpen ende wagebaerden met. 
100. Maer en vechs niet. bi mire wet !" 



— 153 — 

Doet was so verre comen, 
Dat die tijt was genomen 
Dat men den camp vechten soude, 
Quam die hertoge also houde 
105. Met sinen kemp te Ludick waert : 
Ende die bisscop mede ter vaert 
Quam met sinen kempe säen. 
Daer sijn die heren te rade gegaen 
Om dese dinc, of men conde 
110. Afgeleggen metten monde 

Dat men den campe en vochte niet. 
Die bisscop hem niet wiken lief. 
Als die hertoge dit heeft verstaen, 
Ghino hi tsinen kempe säen, 
115. Die hem vraechde, al te hant, 

,Wat est. here, hoe gaet te hant?» 
«Herde wel, dat seggic u: 
Gelaet u wel ende coenlijc nu. 
Je sal hebben mijn gevoegen.» 
120. ,Here, of ghi wilt, laet u genoegen! 
Bi rnire trouwen, en vechte niet, 
Wat u ooe daer na gesciet.' 
«Neen, ghi niet. ten es geen noet, 
Op dat ghi dus vordaen doet 
125. Ende hout u stoutelic int geberen, 
So salics hebben mijn begeren.» 
Dus es hi weder ten heren comen, 
Die den camp gherne [hadden] benomen, 
Ja, hadden si geconnen; 
130. Maer neen si, hets om niet begonnen. 
Die forden worden daer geslagen; 
Gene setelen waren daer gedragen 
Binnen den crite, daer men gerede 
Die kempen sitten in dede. 
135. Die hertoge quam doe gegaen 
Tsinen kempe, die doen säen 
Vraechde, hoe die saken gingen V 
«Si gaen mi af al mine dingen, 
Die si mi beloofden ere.« 
140. ,Trouwe ben sculdich onsen here 
(Sprac die gene). maect peis säen! 
Oft ic sal uten crite gaen; 
Wanl en vechte in geenen saken.' 



— 154 — 

«Help vrient, wat vvildi maken? 
145. Gingdi enen voet uten crite, 

Ghi sond worden uwes lijfs quite: 

Want men sloege u hier ter stont 

U hooft af, dat si u cont. 

Sit hier noch, ende ic sal gaen 
150. ßesien wat si hebben gedaen. 

Die ic over die effeninge liet. 

Je salt pointen, wats gesciet.» 

Dus es hi wech gegaen. 

Mettien stont op herde säen 
155. Sbisscops kemp. ende nam te liant 

Seilt om den hals, cluppel in hant, 

Ende gaf hem opt hooft enen slach, 

Daer die menege toe saeh. 

Ende die gene sat stille noch doe, 
160. Ende sprac den anderen dus toe: 

,Siet, goede liede, wat meinstu 

Dattu mi dus slaets nu?- 

Wat hebbic di gedaen ter stede? 

Je en seide di heden lede, 
165. Noch en mesdede noit man. 1 
' Die ghene quam noch bat an, 

Ende gaf hem noch enen slach. 

,Ay mi! God geve di quaden dach! 1 

Sprac hi ten genen, ende greep sijn hooft 
170. Met beiden handen, des gelooft; 

Ende dander spranc achter waert, 

Om te verhalen sine vaert. 

Die gene sprac: ,Bi mire trouwen! 

Sladi mi meer, hei sal di rouwen! 1 
175. Derdewerf quam die gene gegaen, 

Ende dander spranc op säen, 

Ende laet cluppel ende seilt vallen, 

Ende nemt den genen daer met allen. 

Ende werpen onder hem, ter neder, 
180. Ende sloegen met vuusten weder, 

So grote slagen dat hine säen 

Van den live heeft gedaen. 

Doe riepen si, in shertogen side, 

Die doe waren herde blide: 
185. «Worpten over die coorde, uten crite, 

So sijdijs altemael quite!» 



— 155 — 

Dit dede die gene, ende daer naer 
Sloech hi hem thooft af daer, 
Ende die hertoge bleef in dere. 

190. Ende van desen dage, voort mere. 

So en was niemant so coen voerdaen, 
De hem iet hadde mesdaen. 
Hine wilden vlus te campe bestaen. 
Van desen es noch geslachte comen 

195. Te Loven, dat ic wel soude noemen.» 



No. III. Stellen aus Hugo von Trimberg's „Renner" über die 
Kämpen, Ringer und Springer etc. 

«Daz ist ein mere von zwein kempfen. 

Ein kempfe vil levten was bekant 

von siner kraft über manic lant, 

Nv was ein ander in einem lande, 

Des kraft man auch weiten erkande, 

Nv komen sie pede an ain stat, 

Do daz volk sie mit fleizze pat, 

Daz sie zesamen wolten gen, 

vnd dirre mit kämpfe ienen besten. 

Do sprach ir einer: mohte ir mir geben 

Ein ander leben zv disem leben, 

Daz als lange wert, als ditz tvt, 

Ich hete den leip vnd auch den mvt, 

Daz ich der leben einez waget an in, 

Ditz wer aber gar ein tvmmer sin, 

Ob ich daz leben, daz ich noch han, 

waget vf tvmmes rvmes wan, 

Der kempfe ! was weiser, denne di degen 

Die man siht iustierns pflegen, 

vnd manger ander affenheit, 

Die ir leben veile treit, 



s. w.» v. ir584— ir603. 



«Der hat witze, die sint dein; 

Swer einen slegel oder einen stein 

vf hebet vber alle sin kraft, 

vnd went, ez sei grozze meisterschaft, 

Ob er in wirffet von der stat, 

Da er mit fride gelegen hat 



— 156 — 

an ein ander stal hin dan: 

Sprichet zv dem durch spot ein man. 
Er hab in geworffen als ein helt 
So levffet ir aber hin vnd quelt 
Mit dem grozzen steine 
vleisch vnd ander gebeine. 
vnd daz vi I leihte ein rippe prichet, 
Dirre erbeil Ion ist. daz man sprichet. 
we ! wie ein wurff ditz löblein 
Machet mangen torn vnsenfte pein. 
wenn sin gelider beginnen queln. 
Teglich vnd er daz mvz heln. 
Ein nutzer werk wolde ich im zeigen, 

u. s. w. v. 11'610— H'628. 



«Von ringern vnd von Springern. 
Noch ist einez. daz schaden bringet. 
Swer also ringet oder springet. 
Daz im di plose arm oder pein 
pristet, der mohte vil liber ein 
(ianlzes tar 1 ) sanft haben gelebt, 
Danne, daz er nach vnselde strebt. 

v. Ll'636— 11'641. 



No. IV. Die Nürnberger Fechtschul-Reime vom Jahre 1579. 

(Nach der Papierhandschrift No. 1458 des germanischen National- 
Museums von Nürnberg, die auch das Wappen der Federfechter und 
das Kupferstichporträt des «Leonhard Schwab Jn Nürnberg verord- 
neter Unterhauptmann der Federfechler AE. [aetatis] 41. A°. 1671 
enthält. Abdruck nach K. WassmannsdorlT's Wiedergabe in seiner 
Schrift < Sechs Fechtschulen der Marxbrüder und Federfechler u. s. w. 
Heidelberg. 1870 pag. 32 — 45.) 

(la.) Feehtschuln-Reimen 

angefanngen Anno 

1579. 

(Ib.) Der Todl ist gewiss, Vngewiss der Tag 
Die slundt auch niemandt wissen mau' 



"i wohl Druckfehler für jar». 



— 157 ■ 

Darum b furcht Gott, vnnd dennck darbey 
Das yede stunndt die letzte sey. 



1.) (2a.) Gregorius Beer hefftleinmacher Ein Federfechter. 

Adj. [a die.] 2(5. Apprillis Ao. 1579. 

a) Die ersten Reimen zur Stanngen. 

«Zu Frannckfurt an der Ader 
schlugen sich ein ßalbirer vnd ein pader 
Dartzu kamen die kürszners hüben 
Ey. Ey. wie thetens ein annder hüben 
Wie die püttner vmb daz fas, 
Weis nit wol kan der Lerne es bas. 

b) Die Anndern zum Schwerdt. 
Ich schwinge mein schwert Jn Gottes glück 
Vor keinem fechter Jch erschrickh. 
Er sey gleich kurtz, lanng oder dickh. 
So licht Jch mit Jm on allen schertz, 
Er sey gleich ein maister des lanngen schwerts 
Hoscha maidlein, scheisz Jn belcz.» 



(2b.) Mathes Greszman vom Hof ein Peckenknecht vnnd Marxbruder 

Adj. 3. May Ao. 1579. 
a.) Die ersten Reimen zu der Stanngen. 

«Frisch her ich hab vernommen, 

Wie daz frembde federfechter von augspurg sein komen, 

Die haben auszgeben, vnnd thun sagen 

Sie wollen mich Stoffen vnnd schlagen 

Jch hoff aber ein Gott will es soll Jn nit gelinngen, 

Wer daz glück hat wird vf den abent sinngen, 

Jch bin ein Junger fechter merckt mich eben, 

.Ich wollt auch nit gern verliern mein Junges leben 

Gott wöll mich dann also heunt verlasszen 

Daz Jch mein haut vnnder der gefider mus lasszen 

Jedoch ist mir Gott zu eim schütz geborn 

So hoff Jch doch daz Spil sej noch nicht gar Verlorn. 

b.) Die Anndern zum Schwertt. 
Frisch her lasz nit schnappen 
es gillt mir Vnnd dir ein guts bar kappen 



— 158 — 

die kappen seinnd Jm Winntter gut 
(3a.) Drum trag Jch ein frischen freyen mutt 
Du Edler Löew thue auf dein glider 
Las dich den Greiffen nit trucken nider 
Weil er dann mit seinem hochmut vnd pracht 
Die Bruderschafft von sannt Marx Veracht. 
Ob sich der Greift .In der lufft thut herumbschwingen 
So thust du Edler Loew Jm Wald herumb springen 
ßey anndern Thierlein Jung vnnd alltt. 
Wer Lust mit mir zu fechten hat der thus nur baldt 
Vnnd thue sich nitt Lanng besinnen 
Mein feuer Thut dahaim Jm ofen brinnen 
Dasselbig hab Jch höeren Krachen 
Jcb nnis warlich haim, raus auswürcken, einschiesszen, vnnd 

widerumb auszpachen. 
hiemit keiner veracht 
Jch schlae dranff daz hercz Jm Leib kracht.» 



3.) (3b.) Aszmus Aichler Schuster burger hie Ein Federfechter. 

Adj. 10. Maij. 

a.) Die ersten Reimen tzu der Stanngen. 

Die Marxbrüder vertrieben die federn gern 
Vnnd können Jr doch nit enntbern 
Sie sein all nacht der federn fro 
sonnste müesten sie ligen auf dem Stro 
Vnnd sollen den Winntter wol erfrieren 
All Manschafft thut die feder zieren 
Zu der schreib Jch mich Jn Gottes namen 
Trotz euch Marxbrüdern allensammen 
Wems nit gefeilt vnd wolt mir daz weren 
mit dein will Ich mich munder beren 1 ) 

b.) Die anndern zum Schwertt 

.Ich ficht gern aus knrezer Vnnd langer schneiden 

mein Kopff kan noch ein guten buff erleiden 

Wer mich, mein Löblich hanndwerck, vnnd die herrn von der 

feder Veracht 
Den scIilae -Ich auff den Kopff. das Jm der halsz kracht. > 



'i d. i. herumschlagen. 



— 159 — 

4.) (4a.) Georg Grumpach von Glochaw ein Kürszners gesell vnnd ein 

Marxbruder. 

Adj. 17. May. 
a.) Die ersten Reimen zu der Stanngen 
«Du Edler Löew thue auf deine glider, 
Lasz dich den falschen Greiffen nit trucken nider 
Weil er mit seinem Stolczen Hochmut vnd Pracht 
Die Kayserlich freiheit die Bruderschafft von Sannt Marx veracht 
Ob er sich gleich Jnn die Lufft thut Rumb schwingen 
So thust du Edler Low Jm Wallet herum b springen 
Mit Jm zu streiften ist er bereitt 
Frisch her vnnd dran dann es ist Zeitt 

b.) Die anndern zum Schwerdt 
Ein schönes maidlein hab Jch gefunnden, 
Daz hat mir meinen Cranntz gepunnden 
Vnnd darneben mich fleisszig gebetten 
Jch solt .In keinem federfechter geben 
Vnnd soll sie gevvehren Jrer bitt 
Dieweil sie haben kein frevheitt nitt. > 



b.) Hanns Schuler von Statt Eschenbach ein Schuchmacher vnd 
Federfechter. 

Adj. 24. May. 
a.) Die ersten Reimen zu der Stanngen. 
Euch desz Löewen brüeder bitt Jch gar schon 
Wollt mir vff dieser meiner schul heut nichts than 
Jch förcht es werde on ein Strausz nicht gehen aus 
Drumb Jr Löewen brüeder kompt fein munder vnnd ziecht euere 

dicke wammester aus, 
Jr des Löewen brüeder muest mich recht verstan 
Mein Kopff vnnd die halb stanngen mus am ersten dran. 

b.j Die anndern zum Schwertt. 
Mit freuden aus frischem freyen mut thue ich mein schwertt 

schwingen 
Jch ficht gern aus Kurtzer vnnd lannger klingen 
Kein schönere kunst ist auf dieser Erdt 
Dann wann man ficht aus freyer kunst Jm Lanngen schwerdt.» 



— 160 — 

6.) (5a.) Steffan Christan von Nürmberg ein Kanndelgiessersgesell, vnnd 
ein Marxbruder. 

a.) Die ersten Reimen zu der Stanngen. 
Schwing dich auf Loew du Edels Thier 

schaw dich für dem falschen Greiffen für. 
der mit seim Hochmut vjind Stolczen pracht 
Die Bruderschafft von Sannt Marx veracht, 
Derhalben Will Jch mich heut zu Ehren 
Mit den federfechtern munder rumb Beren 
Drumb frisch her Jnn Gottes Namen 
Wir wolln ein annder schon empfanngen. 

b.) Die anndern zum Schwertt. 
Frisch her Ir federfechter an diesen Tanntz 
es gillt ein schonen Rosen Kranntz 
Ich hab mir ein pletzlein lassen Kheren 
Darauf wollen wir aneinander Rumb beren 
Ich hoff es soll mir heüt gelingen 
Darumb thue Jch mein schwertt auf schwingen.» 



(6a.) Augustin Staidt ein Messerer 1 ) vnnd Federfechter. 

Adj. J-i-. Junij. 
«Jch bin ein Kaufman klein isl mein gewin 
Schleg vnnd stösz die gib Jch hin, 
Straich vnnd Büff nim Jch dran 
Mit einem eisern Flederwisch kher Jch den Staub daruon. 

b.) Die anndern zum Schwertt. 

Frisch her zu mir alls Jch zu dir 

Neczt du nur. So scher Jch dir 

begert mich einer zuuerleczen 

Er raus mir souiel dran setzen, 

Wer mich vnd mein Loblich hanndwerck veracht 

Den schlag Jch auf den Kopff daz Jm daz hercz Kracht.» 



') d. i. Messerschmied. 



— 161 — 

8.) Deboldt Boll Schuchknecht von Niirmberg, jetziger Zeit Churfürstlicher 
Sechssischer Trabannt, ein federfechter. 

Adj. 23. Juny. 

a.) Die ersten Reimen zu der Stanngen. 

«Frisch her vnnd Keckh ich hab vernommen 

Es seinnd freinbd fechter von Culmbach kommen 

Den Thut es so leden Zorn, 

Daz mir die heuttig schul ist worn 

Vnnd wollen mich drumb abpleyen 

.Ich gib nichts drumb es soll sie gereuhen 

•Ich licht Jn Lanng vnnd kurtzer schneidt 

Vnd wehr mich Mannlich meiner heutt 

Vnnd thue nichts nach mein feinden fragen 

Wie daz gemein Sprichwortt thut sagen 

Welcher da wilde Schwein will hetzen 

Der musz hundsköpff dran setzen. 

b.) (7a.) Die anndern zum Schwertt. 

Jnn meine hanndt nim Jch daz Schwert 
Wie es der Marxbruder an mich begert 
Ficht Jch mit Jm on allen Zorn 
Vnnd schlags munder zwischen die ohren 
Daz sich die schwertter zusammen schwingen 
Vnnd die Roten plumen vber die Nasen Rinnen 
Triffst du mich so lasz Jchs geschehen 
Fehl Jch dein du wirsts wol sehen.» 



9.) (7b.) Christoff Jung von Presszlaw. ein Kiirszners gesell 

vnnd ein Marxbruder. 

Adj. 5. Julij. 

a) Die ersten Reimen zu der Stanngen. 
«Ein Marxbruder bin Jch worn 
Daz thut den federfechtern Zorn 

Dann Jch gedennck was vmb ein gennszfeder mag sein 
Man Liehe mir nit drauf ein halb seidlein wein. 
Was solt Jch dan haben der Gennszfedern ehr 
Schult vnnd heim ziern mich viel mehr 
Die Kayserlich Mayestat Marxbrüedern thut geben 
Die nach solcher Ritterlicher kunst streben 

11 



— 162 — 

Dann Gennszfedern vnnd Khil 

Braucht man nit zum Ritterspil 

Dann hert federn dinn Pappier schwartze Dinnten 

Soll man Jnn den Schreibstuben finnden. 

b.) Die anndern zum Schwertt. 
Du Edler Marx bist preisens vol 
Weil dein Hauff klein vnnd hellt sich wol 
Auch von Kayserlich Mayestat ist auf gericht 
(8a.) Drumb hab Jch mich zu dir verpflicht. 
Von deinet Wegen will Jchs Wagen 
Will manchen federfechter helffen zwagen 
Mit Stahl vnnd vngeprenndten Aschen 
Wollen wir einannder schmeisen auf die prott daschen. 



10.) (8b.) Georg Lenncker Goldschmidt von Ludwigschargast 

Ein Federfechter. 

Adj. 12. July. 

a) Die ersten Reimen zu den Stanngen. 

«Auf diesem ganntzen Erden kraisz 
kein Edler Creatur Jch waisz 
Die Yedesmals geboren ward 
Alls nur den Edlen greifen zart 
Welcher mit seiner Manheit starck 
beczwingt sein feinndt den Loewen arck 
Erwirbt dardurch mit seinem fleisz 
der Edlen feder Lob vnnd preisz, 
Drumb Edler Greif der feder zu ehren 
so Will Jch mich heut Mannlich wehren 
Dann Jch verhoff mit meiner hanndt 
Vnnd mit hilff Gottes beystanndt 
der Tollen Marxbrüeder Muttwillen 
Mit meinem schwertt gar w0 ] zll stillen 
Wer mich daruon zu treiben begert 
Der hab nur achtung auf mein schwertt 

Nach solchem nam er ein schwert Jn die hanndt vnnd sagt 

(9a.) Jch stell mich für Jnn Gottes namen 
Vor euch Marxbrüedern allen samen 
Mit euch zu fechten Jnn allen wehren 
Der Edlen feder zu Lob vnnd Ehren 



— 163 — 

Durch eines Erbarn Raths Vergunst 
Ausz freyer Ritterlicher kunst, 
Mich heutt zu freyen diesen Tag. 
Welcher mich nun Probirn mag 
Der komb herbej Vnnd heb frisch auf 
Jnn Gottes Namen schlag Jch drauf 
Nun Edler Greif da gelob Jch an 
Dir vnnd der federn bey zu stan 
So lanng dieweil Jch hab daz leben 
Vnnd mir Gott thut genade geben 
Das Jch mag füeren mit bestanndt 
Daz Löblich schwertt Jn meiner hanndt. 

b.) Die anndern zum Schwertt. 
Die Marxbrüeder seinnd von Mennschen erdicht 
Göttliche Mayestat hat die federn aufgericht 
Jr Lob Jst ausz zu sprechen nicht 
(9b.) Drumb hab Jch mich zu Jr verpflicht 
Mit der federn wil Jchs auch hallten 
Vnnd es allain Got lassen wallten 
Sollt mir drob werden mein Kopff zuspallten 
Drauf thue Jch beut Mein erste schul ballten,» 



Vnnd stunden vnnder seinnen briefen Diese Vers, 

«Wer diese Kunst will sehen gern 
Der komb hinauf zum gülden Stern 
Vngefehr zwo stunnd vor Mittag 
So finndt er platz souiel er mag.» 



11.) (10a.) Georg Spiesz von München ein hafner vnnd Marxbruder, 

Adj. 19. Julij. 

a.) Die ersten Reimen zu der Stanngen, 

«Frisch her vnnd dran 

Auf den abent sieht man wers best hat than 

Der Goldtschmidt wollt mich am Sonntag fressen vnnd schlagen 

Vnnd hat selber die Büff von der schul weg tragen, 

Vnnd sagt wir sinndt erdicht 

Jr federfechter seidt von Kayserlich Mayestat aufgericht 

Daz hast du Reimen weisz ein her zogen, 

Aber Jch sprich es sej weit erlögen 

11* 



— 164 — 

Drum Merck mich recht durchaus 

Zeuch mir den Freyheits hrief vnnd Sigel heraus, 

Gleiehwol die rechten herrn vonn der federn 

hallt Jch mit Jrer schlifft vnnd annder kunst Jn ehren, 

Aber auf die ein geflickten federfechter will Jch alle zeitt beren. 

b.) (10b.) Die anndern Reimen zum Schwertt. 
Jch schwinng mein schwertt Jn diesem hausz 
Komj)t her, Jr federfechter I reibt mich naus, 
Vor mir habt Jr weder rast noch ruh 
schont mir der schwertter schlagt sonnst fein wacker zu. 
Ob sich schon der greif Jn der lufft Unit aufschwingen 
So thut der Loew Jm waldt herumb Sprinngen 
Mit Jm zu streiften ist er beredt 
Auf Auf, Jr federfechter es ist Zeitt 

Klöpper dich hafenscherber, dumel dich Kürsznersknecht 
Kompt her, Jr federfechter treibt mich weg.» 



12.) (IIb.) Thoma Han von Lübeckh ein Tuchferber vnnd federfechter. 

Adj. 26. Julij. 

a.) Die ersten Reimen zu der Stanngen. 

< Frisch her Jch hab vernommen 

Es seinnd frembde fechter kommen, 

So kompt heut Jr Marxbrüeder vf meinen Tanntz 

Wir wollen fechten vmb ein Rosen Cranncz. 

Mit Kurtzer scharpffer klingen 

Daz Vnns daz plutt vber die Ohren soll herab Rinnen 

Du federn, du bist preissens Vol 

Daz hortt man an allen ortten wol, 

Darbej will Jch auch pleiben, 

Vnnd soll mich kein Mennsch daruon treiben, 

b.) Die anndern zum Schwertt. 
Die Edel federn schwinng Jch auff 
(12 a.) Von deinnet wegen schlag Jch drauff 
Jch treff oder werdt getroffen 
Auf Gottes beystanndt thue Jch hoffen, 
Wer mich, mein ehrlich Hanndwerck, vnnd die herrn Von der 

feder veracht, 
Den schlag Jch zwischen die Ohren das Jm der halsz kracht.» 



— 165 — 

13.) (12b.) Cunradt Fridweg ein Altreisz*) vnd Marxbruder. 

Adj. 2. August j. 

a.) Die ersten Reimen zu der Stanngen. 
« Die Marxbrüeder mit Jrer kunst 
haben bey Fürsten vnnd herrn gunst 

Auch bey Römisch Kayserlich Mayestat Freyheit vnnd ehr 
Daz Vberkommen die federfechter nimmer mehr, 
Drumb frisch her Jr federfechter on allen schertz 
Vnnd wer dann hat ein Mannsz hertz 
Der Kom herauf auf disen plan 
So wollen wir sehen weichers am pesten kan 
Vnnd aneinannder vmb den Kopff gehen wie der Püttner Vmhs fas, 
Wers nit wol kan, der lerne es basz. 

b.) Die anndern zum Schwertt. 

Du edler Loevv, nun schwinng dich auf, 
(13 a.) Von deinel wegen schlag Jch drauf 
Jch dreff, oder werde getroffen 
Auf Gottes beystanndt thue Jch hoffen 
Der Wolle mich auch heut beschützen 

Von wegen der Bruderschafft von Sannt Marx Lasz ich mich 

heut Nützen.» 



14.) (13b) Wilhelm Aichler ein Schuchmacher vnnd Federfechter. 

Adj. 9. Augustj. 

a.) Die ersten Reimen zu der Stanngen. 

« Jr Marxbrüeder troet mir ausz stoltzem mut 

Jr wolt mich schlagen daz mir der kopff platt 

so kompt nur her. an diesen Tanntz 

es soll nit gellten einen Rosen kranntz 

sonnder daz Rot plut auf dem Haupt 

Daz eim zu thail wirdt ders Jetzt nit glaubt 

Dann wer mich an meinem Leib will verletzen 

der mus nur ein dicken Marxbruderskopf daran setzen. 

b.) Die anndern zum Schwertt. 
Frisch her Jr Marxbrüeder zu mir geschwinndt 
Souiel alls euer zu Nürmberg sinndt 



*) d. i. ein Flicket- alter Schuhe und Stiefi 



— 166 — 

Mit euch zu fechten steet mein begir 
Drumb hebt auf. Vnnd fecht dapffer mit mir 
So wollen wir einannder ausz klopfen daz Leder 
(14a.) Dieweil Jr stets naget an der Feder, 
Vnnd wollt die gar zureissen 

So musz man euch auf die grossen meuller schmeisszen. 
Das darüber laufft daz plutt 
Solche kappen seinndt euch Marxbrüedern gut.» 



15.) (14 b.) Hainrich Doli von Puchholt ein Niderlendischer Tuchferber 
Vnnd Marxbruder. 

Adj. 16. Angustj. 
a.) Die ersten Reimen zu der Stanngen. 

« Schwing dich auf du Edler Loew Jn deinem krausen har, 

Vnnd nim dir desz greiffen eben war, 

Das er dich nit thue Vnndertrucken 

Mit seinen argen böesen Stücken 

Der mit seinem grossen prall vnd Pracht 

Die frey Kayserlich Bruderschafft von Sannt Marx so gar veracht, 

Ob sich gleich der Greiff thut Jm lufft herumb schwingen 

So thut der Low Jm waldt herumb sprinngen, 

Will er dich Kratzen oder peissen 

So thue Jn Dapffer vf sein schnabel schmeissen 

So mus er wider fliehen Von dir, 

Vnnd hast du Low den ganntzen waldt an dir [hallten 

Drumb will Jchs mit dir, Vnnd der Bruderschafft Von sannt Marx 

Sollt mir darob werden mein kopff zurspalten. 

b) Die anndern zum Schwertt. 

Frisch her. Jr federfechter an diesen Tanntz 
(15 a.) Es gillt mir Vnnd euch ein schönen Rosen krantz 

Jch ficht mit euch aus kurtzer vnnd lanngen klinngen 

Daz Vnns die Roten plumen Vber die nasen rinnen. 

Meinem kunstreich Löblichen Handwerck zu ehren. 

Vnnd die Kayserlich Bruderschafft von Sannt Marx zu mehren.» 



— 167 - 

16.) (15b.) Hanns Weysz ein Schuchmacher von Nürmberg vnnd ein 
Federfechter. 

Adj. 23. Augustj. 

a) Die ersten Reimen Jnn der Stanngen. 

« Du armer Marx, du must heut Nunnder 
Die federn ist Leücht. vnnd hellt sich munder 
Ob schon deine brüeder sich machen willdt 
Werdens doch offt von der federn gestillt. 
Drumb ehe Jch wollt ein Marxbruder sein 
Ehe wollt Jch nimmer drinncken Wein 
Wer mich drumb will verletzen 
Der Musz sein kopff an meinen setzen. 

b.) Die anndern zum Schwertt. 
Frisch her All Jr Marxbrüeders Tropffen 
Wir wollen einannder die haut auszklopffen 
Vnnd fechten ausz kurczer vnnd lannger schneiden 
Mein kopff kan noch wol ein buff erleiden 
Trifft mich schon ein Marxbruder schalck 
Jch schlag Jn wider auf den palck 
Fecht Redlich, vnnd peltz dapffer zu 
(16 a.) schaw. Ob Jch deiner fehlen thue.» 



17.) Wilhelm Seidenpanndt von Kempten ein Schwartzferber. 
Vnnd Marxbruder. 

Adj. 30. Augustj. 
a) Die ersten Reimen Jnn der Stanngen. 

« Frisch her vnnd dran 
secht was Jch vnnd mein Vorfechter kan 
Wer mich vnnd sie will vertreiben 
der Musz viel stösz vnnd büff erleiden. 

b.) (16 b.) Die anndern zum Schwert. 

Jch schwing mich auf im Namen Jhesu Christ 

Jch förcht kein federfechter wie willt er ist 

Ist einer so willd alls ein Beer 

So furcht Jch Gott Jm Himel. vnnd kein federfechter 

nimermehr 
Jch wil Ob der Bruderschafft von Sannt Marx hallten 
Vnnd sollt mir werden mein kopff zerspallten.» 



— 168 — 

18.) (17a.) Petter Fischer ein Holtzdrechssel vnnd Federfechter. 
Adj. (>. September. 

a.) Die ersten Reimen Jn der Stanngen. 
«Die edle feder hat daz Lob 
schwebt allen Ellemennten ob 
Dem feuer. Wasser. Lufft vnnd Erdt 
Wirdt auch von Fürsten vnnd herrn geehrt 
Drumb mus den Marxbrüedern besser glücken 
Wölln sie die federn Vnndertrücken. 
Die feder mus doch schweben ob 
Vnnd für Jnen behallten daz Lob, 
Wer die federn Vnehrt. der ist nicht werdt 
Daz er ein schwerdt soll füeren auf Erdt, 

b.) Die anndern zum Schwerdt. 

Jch schwinng mich Jm Namen Jhesu Christ 
Der alle Zeitt mein schutzer ist. 
Die Marxbrüeder lauften nur gern ein 
Vnnd schlagen wie die Trescher drein 
Der Fuchsschwenntz steckens souiel ein 
(17 b.) Das Jnen die Wammes werden zu klein 
Darauf sie khün sein, vnnd wagens drein 
Wie gering vnnd klein ire künst sein 
Jr Marxbrüeder habt Jr ein Mannszhertz 
So fecht nach Jnnhalt des Lanngen schwerts 
fein lang, steet wol Jn allen wehren 
Wer künstlich ficht den soll man ehren 
Frisch her. bieg Jch mich nicht, So biegt sich mein sehwert 
Dannoch bleib Jch eins ehrlichen federfechters werth.» 



19.) (18a.) Caspar Bacher von Dreszen ein Marxbruder. 

Adj. 13. September. 

a.) Die ersten Reimen Jnn der Stanngen. 

Frisch her Jr feder fechter mit euerm grossen prallen vnnd 

prachten 
Jr thut die Marxbrüeder so gar Verachten 
Vnnd könnt, vnnd mögt doch dieselben mit vertreiben 
Daz ist mannchem federfechter ein grosses leiden 
Die Romisch Kayserlich Mayestat hat den Marxbrüedern geben 

schult, heim vnnd Ehr. 
Das Kriegen die von der federn Nimmer mehr 



— 169 — 

. Es thut sich auch mancher Von der feder nennen 

Vnnd kan kein Buchstaben schreiben, lesen noch kennen 

Ein Marxbruder bin Jch worn 

Das thut Mannchem feder fechter zorn 

Vnnd wann Jn gleich prech hertz mut vnnd sin 

So pleib Jch ein Marxbrüder wie vorhin. 

b.) Die anndern zum Schwertt. 
Jch schwinng mich auf Jm Namen Jhesu Christ 
(18b.) Jch förcht kein federfechter zu aller frist 
Er sey gleich Lanng kurtz oder dick 
So ficht Jch mit Jm auf gut gluckh 
Trifft mich einer So lasz .Ichs geschehen 
Fehle Jch sein Man wirds wol sehen 

Meinem hanndwerckh. Vnnd allen Marxbrüedern zu ehren 
So will ich mich heut diesen Tag Meiner heut dapffer wehren. 



20.) (19a.) Hanns Hagenmüller vom hoff ein Schreiner vnnd federfechter. 
Adj. 20. Septemb(ri)s. 
a.) Die ersten Reimen zu der Stanngen. 

«Jch schwinng mich auf Jn Gottes glückh 
vor keinem fechter Jch erschrick 
Er sej gleich kurtz lanng oder dickh 
So ficht Jch mit Jm all augenplickh. 

b.) Die anndern zum Schwertt. 
Frisch her Jhr Marxbrüeder an diesen Tanntz 
Wir wollen fechten vrab ein Roten Rosen kranntz 
Das die schwertter klingen 
Vnnd die Roten Rosen vber die Nasen rinnen 
Wer daz Glückh hat wird vff den Abent sinngen.» 



21.) (19b.) Jacob Kreiser ein Kürsznersgesell von Dantzigk ein Marxbruder. 

Adj. 27. September. - 

a.) Die ersten Reimen Jnn der Stanngen. 

«Du Edler Loew thue auf deine glider 

lasz dich den falschen Greifen nit trucken nider 

Weil er mit seinem stoltzen Hochmut vnd pracht 

Die Bruderschafft von Sannt Marx so gar veracht 

Ob sich schon der greif thut Jm lufft herumb schwinngen 

So Ihuest du edler Loew Jn dein Waldt herumb sprinngen 

Mi! Jm zu Streitten ist er bereit 

Frisch her Jr federfechter. dann es ist Zeill. 



— 170 — 

b.) Die anndern Jm Schwertt. 

Frisch her lasz schnappen 

es gillt mir Vnnd dir ein guts bar kappen 

Es sej gleich trucken oder nasz 

Wie es ausz kurtzer vnnd lannger schneiden gerathen mag.» 



22.) (20a.) Hainrich Müllner ein Goidschmidt Vnnd federfechter. 
Adj. 4. October. 
a.) Die ersten Reimen Jnn der Stanngen. 

«Frisch her Jch hab mir lassen sagen 

Wie mich die Marxbrüeder wollen stossen vnnd schlagen, 

So thue ich nit viel darnach fragen 

Wer weisz wer den anndern thut Jagen. 

b.) Die anndern Jm Schwertt. 
Jch schwinng mich auf mit meinem schwertt 
Jch ficht mit einem wie ers begertt 
Vnnd gib mich nit wie weissen hörn 
Daz thut all meinen feinnden zorn.» 



Nr. V. Fechtzettel aus dem Joachim Meyer'schen Fechtbuche 

von 1570. 

(Abdruck nach dem Fechtbüchlein von J. Schmied-Kowarzik 
und H. Kufahl, Leipzig 1894 [Reclam], pag. 96—98). 

F. F. Zedel. 

«Merck wiltu künstlich fechten lehrn, 
Solt du mit Fleisz den Zedel hörn : 
Ein Fechter soll sich halten fein, 
Kein Rümer, Spiler, Sauffer sein. 
5. Auch nit Goltslestern noch schweren, 
Und sich nit schemen zu lehren, 
Gottsfürchtig, züchtig, darzu still, 
Sonderlich den tag er fechten will, 
Sey meszig, erzeig den Alten ehr, 
10. Und dem Weibsbild, auch weiter hör, 
Alles tugendt ehr und manlichkeit, 
Der sollt dich fleiszen allezeit, 
Auff das du dienen könnst mit ehren, 
Keyser, König, Fürsten und Herren, 



— 171 — 

15. Auch nützlich seyest dem Vatterlandt, 
Und nicht der edlen Kunst ein Schandt. 
Jndes, das wort, auch Schwech und Sterck, 
Das Vor und nach auch fleiszig merck, 
Brieff Weich und Hert, das fühlen lern, 

20. Trit mit streich, es sey nach oder fern, 
Die theilung halt in guter Hut, 
Vor groszem Zorn auch dich behut; 
Der Hüten und der Häuw nim war, 
Das jhr Bruch dir sey offenbar. 
25. Ober, Zorn, Mittel, auch under, 
Ausz den treib alle deine wunder, 
Als Schieler, Scheidler, Krump und Zwer, 
Und was mehr stück nach deim beger. 
Schauw das der erst seyst auff dem Blan, 

30. Ehe sich dein Mann legt, greiff jhn an, 
Jndes nimm war, versteh mich recht, 
Jhn triff, ehe er sein Leger schlecht. 
Es kom dir für was Leger gut, 
Im Nach jhn triffst ausz freyem Muth. 

35. Dein Häuw führ gewaltig von dem leib, 
Zu den vier Blösz dein arbeit treib, 
So du Krumphauwst, fahr auff behend, 
Geschrenckt den ort wirff auff dein Hend, 
Den Zürkel lasz zur Rechten rühren, 

40. Halt dein Hend hoch, wilt jhn verführen 
Wann du jhm hauwest Krump zur sterck, 
Durchwendt, Uberlauff damit merk, 
Des Knopffs verführen sollt gedencken, 
Mit Zekrur, Schnellen werst jhn krencken, 

45. Mit krump tritt wol, wiltu versetzen, 
Das uberschrencken thut jhm letzen. 
Krump zun flechen wilt dich stercken, 
Wiet jhn schwechst, solt fleiszig mercken, 
Als baldts rührt und glützet oben, 

50. Zuck ab zur Blösz, wilt jhn betoben. 
Auch so du recht durchschieszen wilt, 
Krump, Kurtz, durchwechsle an sein Schilt, 
Merk so er dich mit Krump wolt jrren, 
Bleib am Schwerdt, recht den krieg thu führen, 

55. Mit Winden, Schneiden, und was mehr, 
Mit verfliegen lasz dich nit zu ferr, 
Auch schnell die schwech zum Rechten dar, 



172 



Zwifach schnellen, mit Schilt dich bewar, 

Und deins Manns Schilt mit sterck verwindt, 
60. Jndes stos ab, und schlag geschwind t. 

Den Schielhauw soltu weiszlich machen. 

Mit Winden kannst jhn auch zwifachen. 

Die Zwürch solt du auch halten werdt, 

Damit gantz wirt dein kunst im Schwerdt, 
65. Dann alles was er ficht vom tag, 

Solchs dir die Zwürch versetzen mag. 

Jm angriff treib die Zwürch mit sterck. 

Verführen, feilen, auch mit merck. 

Zum Pflug und Ochszen sey behendt, 
70. Jhm trauw die Zwürck bald wider wendt. 

Merck was für Zwürch mit sprang wird gfürt, 

Auch fehlest mit, noch wünschen rührt. 

Doppel solt den fehler machen, 

Deszgleichen Schnitt und Tritt zwiefachen. 
75. Vom Schwerdt zum Leih, damit verkehr, 

Zweymal oder Schnit in die Wehr, 

Nachreisen ist ausbündig gut, 

Mit Schneiden. Winden dich behut. 

Bey zweymal, oder darinnen, 
80. Verfliegen lasz, damit begünne. 

Und zu allen wir enden treib die treffen, 

Die Zucken lern, wilt du sie effen, 

Abschneiden, Schlaudern, bring auch mit 

Die herten gfehrt weisz ab mit Schnit. 
85. Verlasz dich nit zuvil auff d 1 Krön, 

Du bringst sonst von jhr spott und Hon. 

Den langenort durchstreich mit gwalt, 

Damit all harte gfert aufmalt. 

Sich thu all Hauw und stuck recht brechen, 
90. Ob du dich an deim part wilt rechen. 

Die hengen thu weiszlichen bringen, 

Greift' nit zur unzeit wiltu Ringen. 

Wilt du auch wissen der Meister kern 

Zu allen stucken recht tieften lern. 
95. Versetzest nit vil, ist desta freyer, 

Darvor verwarndt dich Joachim Meyer. 



178 



Nr. VI. 3 Sprüche aus dem Jacob Sutor'schen Fechtbuche von 1612. 

i Abdruck nach dem Neudruck des Werkes von 1849 [Stuttgart], 

pag. 1. 35. 87.) 

1* 

«Warumb Spielleüth gehen vorn an. 
Wann Fechter wollen Schulen han. 
Drumb, das sie jhn machen ein Mutli, 
So einer mit andern fechten thut. 
Vmb Gelt, oder ein scbönes Kräntzlein, 
Wie der Knab tregt am Schwerdte seyn. 
Jn dem Fechter Gelt nemmen ein, 
Vnder dens trincken wir gern Wein. 
Fordern darzu auch vnsern Lohn, 
Lahn sorgen, wo sie es her han, 
Derowegen ohn Lohn vnd Trunck, 
Wir jhn spielen selten genung. 

2 ** 
«Vetter Wendel gieb gute Acht, 
Gestiffelt im tretten wol bedracht. 
Dass du nit so blindt schlagest drein, 
Beuor einem zum Gesicht hinein. 
Sonst wo du es vbersihest, 
Vnd eins darüber aufm Kopff kriegest. 
Schlag ich hin, da es dich nicht juckt, 
Wann auch gleich das Blut springt zurück. 
Dann also tödt ich einem die Läuss, 
Wann er sonst will machen viel mäuss. 
/wag einem gern des Kopffs grosse Haar, 
So er seiner sachen nicht nimpt wahr. » 

« Mein Bruder thue recht fechten lang, 
Dass es zwischen vns °;eb kein Zanck. 



*) Über dem Spruche befindet sich ein Bild, zwei .Spielleute, rechts einen 
Pauker und links einen Flijtenbläser darstellend; zwischen beiden steht ein junger 
Mann, der an einem Stabe hängende runde Zeichen — es sind wohl die als Preise 
für die Fechter geltenden Kränze damit gemeint — in die Höhe hält. Spruch und 
Bild, welch letzteres sich übrigens noch häufig in ähnlicher Art wiederholt, sind ein 
deutlicher Beweis für die enge Lebensgemeinschaft und das berufsmässige Zu- 
sammenwirken von Fechtern und Spielleuten. 

**) Darüber ein Bild, zwei mit dem Dusack (einem breiten, dünnen und leichten 
Holzschwert) kämpfende Fechter darstellend. 

***i Auch hierüber steht ein Bild, das zwei mit dem Stossrappier fechtende 
Kam] der veranschaulicht. 



174 — 

Auch im Rappier nicht lauffe ein, 

Wiltu vor Schaden gewarnet seyn: 

Oder mit werften vnd ringen. 

Sonst wirdts dir vbel gelingen, 

Drumb thue ich dirs zuvor sagen, 

So was böss gschicht, thues nicht klagen. 

Hab nun letztlich diess zum Tranckgelt, 

Hinfür komm wider, wann dirs gfellt. 

Will ich dirs noch besser machen. 

Wo du nicht wahr nimbst deine Sachen. » 



Nr. VII und VIII. Christoff Rösener's: ,,Ehrentittel und Lobspruch 
der Ritterlichen Freyen Kunst der Fechter u. s. w." von 1589 und 
Hans Sachsen's: ,, Fechtspruch, Ankunfft und Freyheit der Kunst' - 
von 1545. (Die beiden Gedichte sind, das eine als Einschaltung des 
anderen, hier wiedergegeben nach dem Abdrucke, der sich in K. Wass- 
mannsdorffs Schrift: «Sechs Fechtschulen der Marxbrüder und 
Federfechter u. s. w. » [Heidelberg 1870] auf pag. 46 — 58 findet, doch 
unter Weglassung der dort mitabgedruckten wechselnden Lesarten 
der verschiedenen Drucke.) 

Nr. VII. 

Ehren Tittel vnd Lobsprach 

der 

Ritterlichen Freyen 

Kunst der Fechter, auch 

jhrer Ankunfft, Freyheiten vnd 

Keyserlichen Priuilegien, etc. 

Gestellet durch 

Christoff Rösener Bürger in Dreszden, 

vnd durch Keyserlicher Mayestät Freyheit, 

Meister des Schwerts. 

Anno 1589. 

, Welcher begert berichts genung, 
Der Fechter Kunst vnnd jhren Vrsprung, 
Der lesz mit fleis dieses Tractat, 
Dann er drinn schönen bericht hat, 
5. Wer die Fechtkunst hat angefangen, 
Auch jhr Befreyhung, vnd wie lang, 
Solche Fechtkunst erfunden ist, 
Steht alls hierinn, wer fleiszig list. 



— 175 - 

Der wird sich auch verwundern sehr, 
10. Was Fechten bringt für grosze Ehr, 

Denn die Fechtkunst bey grossen Herrn, 
Geruhmet wird, vnd bringt zu Ehrn, 
Den. der das Fechten sehr wol kan, 
Mag hieruon vnterhaltung han. 
15. Er kan bey grossen Potentatn, 
Hierdurch in grosse gnad gerahtn. » 



Zu Ehren Dem Edlen vnd Wolgebornen Herrn, 
Herrn Wentzelao auff Schmirsitzky, Herr auff Nacht 
vnd Quartz, etc. Meinem gnedigen Herrn. Gottes 
gnad vnd segen durch Christum vnsern Erlöser, Amen. 
Wolgeborner, Gnediger Herr, das ich dieses Tractet- 
lein, die Ritterliche vnnd weitberümbte Kampff vnn 
Fechter Kunst betreffend (Der sich Keyser, König, 
Fürsten vnd Herrn gebrauchen, auch alle diejenigen, 
5. so sich derer Kunst üben, mit Prouision vnnd vnterhalt 
vorsehen vnd befordern) in Druck gegeben vnnd Pu- 
bliciren lassen, ist nicht ohn erhebliche vrsach geschehen, 
Sondern dieweil wie gemelt, grosse Herren vnnd Poten- 
taten diese Ritterliche Kunst ehren vnd fordern, Also, 
10. das sie von etlichen Keysern mit Priuilegien vnnd Frey- 
heiten begnadet worden, das die jenigen, welche diese 
Ritterliche Kunst gelernet vnnd gebrauchen, was Marx- 
brüder sein (Die Feder-Fechter ausgeschlossen) einen 
offenen Helm, neben einem starken Lewen führen mügen. 
15. Weil mir dann wissend, das E. Gn. selbst diese Ritter- 
liche Kunst üben, vnd an derselben Hoff täglich durch 
eigene Fechter brauchen lassen, Als hab ich dieses 
Tractetlein (neben einem angehengten Gesangk) darinn 
das gantze Fundament der löblichen Fechtkunst be- 
20. griffen, E. Gn. zu Ehren in Druck vorfertiget. Bin dem- 
nach in vntertheniger hoffnung, E. Gn. werden jhr dieses 
Tractetlein gnedigst gefallen vnd lieb sein lassen (wie 
ich auch hierumb vuderthenig bitten thue.) Dann E. Gn. 
ich sonst mit nichts bessers zu dem mahl zu vorehren 



— 176 — 

25. vermutlichen. E. Gn. wollen also zu diesem mahl gne- 
digsl vor lieb nehmen, Mein Gnediger Herr, wie bis- 
hero geschehen, sein vnd bleiben. Befehl E. Gn. in 
Gottes schütz vnd schirm. Geben in Dreszden, den 
1. Julij, im 1589. .lar. 

E. Gn. 
Vnderthen. 

Christoff Rösener 

Meister des Schwerts. 



Bericht vom Fechten. 

« Eins mals gieng ich spatzieren weit, 
Ins ebne Feld, vnd sah zur seidt. 
Ein hübschen Jüngling her spatziern, 
Der fraget mich : Kan ich auch jrrn : 
5. Auf diesem Weg, da ich jetzt bin: 
Da fieng ich an, vnd grüsset jhn: 
Er daneket mir züchtiger massn, 
Balt trat er zu mir an die strassn. 
Da fragt ich jhn, wo er hin wolt, 

10. Dasselb er mich berichten solt. 

Er sprach: Ich wil hin an den Meyn, 
Mich zu Franckfurt da lassen freyn. 
Denn ich vor lengest hab begert, 
Meister zu sein im langen Schwerdt. 

15. Auch sunst in aller Fechter Wehrn, 
Denn dadurch komm ich bald zu Ehm. 

Da sagt ich, Ja jhr geht hie recht, 

Bleibt auff dem Weg, er ist gar schlecht*) 

Der wird euch bringen an den orth. 

20. Da jhr hin wolt, geht jmmer forth. 
Er fürt euch in die Stadt hinein, 
Welch jhr genandt, Franckfurt am Main. 
Ich gieng mit jhin eine gute Eck, 
Der Jüngling redet frisch vnd keck. 

25. Da nam ich vrsach jhn zu fragn, 
Und bat jhn das er mir wolt sagn. 
Wo doch her kern: der Fechter Kunst, 
Vnd jhr Vrsprung, denn ich jhr sunst, 



*1 d. i. schlicht, einfach. 



— 177 — 

Von jugent auff hett gunst getragn, 
30. Der Jüngling thet bald zu mir sagn. 

Ja, wenn ich hett mein sach verriebt, 

Ich wollt euch geben fein bericht. 

Wer die Fechtkunst erfunden hat, 

Aber ich furcht, ich komm zu spat, 
35. Gen Franckfurt hin, den ich hab zeit, 

Mich dünckt, der Weg sey zimlich weit. 

Wann ich jetzund vorseumpt die Mess, 

So würde ich durchaus vorgessn. 

Vnd musz noch warten ein gantz Jar, 
40. Das ich euch jetzundt sag, ist war. 

Ich sagt zu jhm, ey ich weis rhat, 
Morgen frü fahr ich in die Stadt, 
Da kan ich euch fein nehmen mit. 
Bleibt heut bey mir, das ist mein bitt. 

45. Ja wenn ich dieses wer gewis, 
Ich mich hierzu vermügen lies. 
Ich sprach, gleubt mir ohn allen spot, 
Lest mich leben der liebe Gott, 
So fahr ich Morgen gwis hinein, 

50. Kompt nur her vnd kert bey mir ein. 
In Namen Gotts, ich lass geschehn, 
Ich wil mit euch jetzt hinein gehn. 
Seit mir willkommen in mein Haus. 
Leget nur ab, vnd thut euch aus. 

55. Man sol euch ein Handwasser gebn, 
Auch ein biszlein essen danebn. 
Ey mein Herr Wirt, spart jr die müh, 
Ich danck, das ich hab Herberg hie 
Esst jhr frey vnd last euch nicht grawn, 

60. Jhr mügt euch heint mir gantz vertrawn. 
Morgen wollen wir weiter redn, 
Von den Fechtern vnd jhrn geberdn. 

Ja wils Gott, Morgen wil ich bald, 

Berichten recht, doch in einfalt. 
65. Ein guten Morgen mein Herr Wirth, 

Jhr habt mich recht wol angefürth, 

Ich hab geruhet mechtig wol, 

Jtzt sag ich euch was ich nur sol, 

Ja, Jung Gesel ich hör es gern, 
70. Was jhr mir sagt, ich möchts wol lern. 



12 



178 — 

Nr. VIII. 

Fechtspruch, Ankunfft vnd Freyheit der Kunst. 

.Eins Tages ich ein Fechter fragt 
Bat jn freundtlich das er mir sagt 
Wo doch jr Bitterliche Kunst 
Hett jren vrsprungk, der ich suust 
5. Von Jugeudt auff' hett gunst getragen 
Da icardt er wider zu mir sagen] *) 
Die Ritterlich Kunst ist auffkommen 
Hat jren ersten vrsprungk genommen 
Eh wann Troia zerstöret war 

10. Etwas mehr denn eilff hundert Jar 
Vor des Herrn Christi Geburt 
Von Hereule erfunden wurd 
Der Olimpische Kämpft' mit natu 
Ina dem Lande Arcadiam 

15. Bei/ Olimpo dem hohen Berg 
Irin diesem Ritterlichen Werck 
Kempfften zu Rosz nackende Hehlt 
Wie Herodotus vns er zeit 
Welcher denn Ritterlichen kemjiffet 

20. Die andern mit seim schwerdte dempffet 
Derselbig wurdt begäbet gantz 
Von Ölbäumen mit einem Krantz 
Inn dem Kampff Hercules erfacht 
Grosz lob vnd preisz durch Heiries macht 

25. Vnd auff setzet den Kampff fürwar 
Zu halten den im fünfften Jar 
Mit grosser Herrligkeit allmal 
Nach dieser Olimpischen zal 
Die Grieche» rechneten jr zeit 

30. Polidorus des vrkundt geit 
Als aber nun Hercules starb 
Dieser Olimpisch Kampff verdarb 
Das er ein Zeitlang von den Alten 
In Grieche nhi mit nit wurd gehalten 

35. Den nach dem Iphitus sein Sohn 
Hat iciderumb auffrichten thon 



*) Rösener musste natürlich den Titel und die Eingangsverse des Hans 
Sachsischen Gedichtes, sowie die später folgenden zwei Schlusszeilen bei der Auf- 
nahme desselben in sein eigenes Werk wegfallen lassen, da dieselben sonst seine 
Entlehnung unliebsam verraten haben würden. 



- 179 — 

Eben gleich in voriger art 
Nach dem Troia zerstöret icardt 
Der lang ist beg den Griechen bliebe» 

40. Wie Solimus vns hat beschrieben 

Nach dem sindt auch in Griechenlanden 
Mancherleg art Kampffspiel erstanden 
Etlich die nackend allenthalben 
Mit dem Baumöl sich theten salben 

45. Vnd Kampffweisz mit einander rangen 
Tun schrancken icettluffen vnd sprangen 
Nach dem erfandt König Pgrrhus grosz 
Den gewapneten Thurnier zu Eosz 
Vud wie man solt inn Ordnung reitten 

50. Genannt der Pgrrhisch Sprung vor zelten 
Zu solchem kempffn vor langer zeit 
Hat Mercurius zu bereit 
Die jungen Kempffer in Kampff stücken 
Au ff dasz jn thet der sieg gelückeu 

55. Hat edso die erst Fechtschul ghalten 
Wie vns bezeugen denn die Alten 
Diodorus vnd ander mehr 
Es war die aller gröste Ehr 
Wellicher da ein Krantz erfacht 

60. Für alle Reichthumb, givalt vnd pracht 
Dergleichen auch das Kampffspiel kam 
Inn die mechtigen Stadt zu Born 
Da Saturnus ein Theatrum baai 
Darinn des Volck dem Kampff zuschaut 

65. Auff Merbelstein seiden gesundert 
An der zal sechtzig vnd dreihundert 
Das aller gröste Werck genannt 
So ivard gemacht durch Menschen hand 
Darinn mit grosser p> r ßchtigkeit 

70. Braucht man die Kampff spiel lange zeit 
Das auff ein Kampf der Kempfer war 
Offt mehr dann inn die tausend par 
Sie fachten aber alle scharff 
Einer den andern hieb, stach vnd warff 

75. Mit scliwerdtern, kolben, spiesz vnd pfeil 
Jeder hett ein schildtlein jm zu heil 
Darmit er sich schützt inn der not 
Vit blieben auff dem Kampffplatz todt 
Vit hart verwundt die sich ergaben 

12* 



— 180 — 

80. Mancher art sie auch kempffet haben 
Auch mit beyheln vnd Vischgarn 
Auch etlich Kempff bestellet warn 
Mit Elephanten, Thiegerthiern 
Mit Parden, Löwen, wilden Stiem 
85. Mit wilden Pferden vnd mit Bäm 
An den mustens jr Kunst bewern 
On schaden gieng der Kämpft nicht ab 
Beg F-idena sich eins begab 
Zu Keyser Tyberij zeit 
90. Das einfiel ein spielhausz gar weit 
Zweintzig tausend Menschen erschlug 
So zusahen dem Kämpfte klug 
Nach dem aber die grosz Stadt Born 
Zu Christlichem Gelauben kam 
95. Wurden abgelernt die Kampfspiel 
Dieweil es kostet Blutes ril 
Wider Christlich Ordnung vnd lieb 
Dennoch ein stück vom kämpf noch blieb 
Vil Helt kempfften in freyem Feldt 

100. Vnd ritten zamb in finster Wäldt 
Als Eck vnd der alt Hillebrant 
Laurein, Hürnin Sewfriedt genannt 
König Fasolt vnd Dietrich von Bern 
Theten ein ander Kampf gewern 

105. Als zu erlangen preisz vnd ehr 

Dergleich vor kurtzer zeit noch mehr 
War noch der Brauch beim teutschen Adl 
Wo einer fandt am andern tadl 
So erfordert er jn zum kempften 

110. Da einer thet den andern dempffcn 

Ghrilst zu Bosz in Veldt oder schrancken 
Wer lag, der lag on alles zancken 
Zu fusz man auch der zeit noch kempffet 
Gerüst einer den andern dempffet 

115. In drey wehren, schwerd, dolch vnd spiesz 
Wo einer auff den andern stiesz 
Verwundet oder gar vmb bracht 
Dergleich man scharff vnd nackend facht 
In Watnmas, Hembd, mit einem schildt 

120. Solchs als ist worden abgestilt 
Das solche Kempff verboten hat 
Römisch Keyserlich Mayestat 



— 181 — 

Maximilianus der Thewer 
Aus Christenlicher liebe Fewer 

125. Als ein vnchristenliche That 

Darausz denn kam gar vil vnrath 
An Leib vnd auch an seel grosz schaden 
Vnd hat mit Fret/heit thnn begnaden 
Fechten die Bitterlichen Kunst 

130. Darzu er denn hett sonder gunst 
Das er auch kundt zu guter masz 
Vnd hat Priuilegieret das 
Des die Meister von der Geschieht 
Ein Ordnung haben auffgericht 

135. Sanct Marxen Brüderschaf 'ft genennt 
In Teutschem landt jetzt weit erkennt. 

Vnd ist nicht ohn gefehr geschehn, 

Denn, weil bey S. Marxen thut stehn, 

Ein Low, wie das die Schrifft beweist, 

Darumb S. Marcus wird gepreist, 
75. Das er mit gar freudigem muth, 

Gottes Wort rein auslegen thut, 

Vnd schewet da gar niemand nicht, 

Wie der Lew, mit frölichem gsicht. 

Kein Thier nicht förcht, sondern ohne schaw, 
80. Erwischt er eins, mit seiner Klaw, 

Er helts. es sey jung oder alt, 

Auch zureist etliches gar bald. 

Also hatt S. Marcus ein sinn, 

Predigt Gottes wort jmmer hin, 
85. Sieht durchaus kein Person nicht an, 

Furcht sich auch nicht für keinen Man, 

Gleich wie der Lew mit frischem muth, 

Sich nicht schewt, so S. Marcus thut. 

Gleicher gestalt die Marx brüder auch, 
90. Haben jetzo gleich diesen brauch, 

Das sie auch gar mit frisschem muth, 

Vmb sich schlan, wie der Lewe thut. 

Schewen kein Kempffer oder Helt, 

Der nehst der best, jhn wol gefeit, 
95. Nemens mit einem jeden an, 

Nur frisch frölich thun sie zu schlan, 

Drumb führen sie ein starken Lewn, 

Thun sich dessen für niemand schewn. 



— 182 — 

Welcher ivil Meister sein des schwerdts 
Inn diesem Bitterlichen schertz 
Derselb inn die Herbstmesz allein 

140. Ziech hin gen Franckfort an den Magn 
Alda wirdt er examiniert 
Von den Meistern des schicerds probiert 
Inn allen stückn hie vnberürt 
Was einem Mei/ster zu gebürt 

145. Fechtens Kunst den verborgnen Kern 
Kan er das meisterlich bewern 
Als denn man jn zum Meister schlecht 
Sanct Marxen Bruderschafft entpfecht. 

Also habt jhr jetzt fein vernommn, 
100. Wo die Marx b rüder sein her komm n. 

Nach dem mag er auch Fechtschul halten 

150. Auch Schuler lehren vnd verwalten 
Inn allen Bitterlichen Wehrw 
Erstlich im langen schicerdt mit ehrn 
Messer, spiesz vnd der stangen warten 
In Tolchen vnd der Hellenparten 

155. Jedtlichs nach art mit seinen stücken 
So mag in ehren jm gelücken 
Wo er schul helt im gantzen Beich 
Inn Fürstenstädten der geleich 
Durchausz im gantzen Teutschenlandt 

160. Ich sprach: Wie sindt die stück genannt 
Die man musz lehren im anfangt 
Er sprach: Der Kunst zu eim eingang 
Lehrt man ober vnd vnterhaw 
Mittel vnd fiügel hair genaw 

165. Auch gschlossen vnd einfachen sturtz 
Den tritt dar zu, auch lehrt man ktirtz 
Den possen vnd ein auff heben 
Auszgeng vnd nider legen eben 
Ich bat: Lieber Meister zeigt au 

170. Wie nennt man die stück vor dem Mann 
Er sprach: Ob ich dirs gleicli thu nennen 
Kanst du die stück ons Werck nit kennen 
Weil du nit hast gelehrt die Kunst 
Doch ich dir ctusz besonder gunst 

175. Etlich häw rnd stück nennen will 
Die meisterlich sind vnd subtil 



— 183 — 

Der zornhaw vnd krumphaw schau 
Zwerchhaiv, schillerhaw, scheitlerhaw 
Wunder versatzung vnd nachreisen 

180. Vberlauff, durchwechsel etlich heissen 
Schneiden, hawen, stich im winden 
Abschneiden, hengen vnd anbinden 
Die Kunst helt hin vier leger klug 
Alber, Tag, Ochs vnd den pflüg 

185. Noch sindt der stück vil alle sancler 
Das jmmer eines bricht das ander 
Doch inn dem alln ein Fechter merck 
An ff die vier blosz, auff schirech vnd sterck 
Der höchster rhur allmal war nemb 

190. Sein zoren selber brech vnd zem 

Noch sindt vorhanden vil Kampfstück 
Wie man ein werffen soll an rück 
Beinbruch, Hodnstösz vnd armbrechen 
Mordstösz, flngerbrüch, zum gsicht stechnn 

195. Ich sprach: Ich bitt euch, sagt mir auch 
Weil kempfen nit mehr ist im brauch 
Was ist die Kunst des fechtens nütz 
Er sprach: deiner frag bin ich vrdrütz 
Lasz Fechtn gleich nur ein Kurtzweil sein 

200. Ist doch die Kunst löblich vnd fein 
Adelich, wie stechn vnd Thurniern 
Als saitenspiel, singen, quintiern 
Vor Frawen, Rittern vnd vor Knechten 
Wo man ein lustig Spiegel fechten 

205. Ziert mit manchem artlichen sprungk 
Das erfrewet noch Alt vnd Jung 
Auch macht fechten wer es wol kan 
Hurtig vnd thätig ein jungen Mann 
Geschickt vnd rundt, leicht vnd gering 

210. Gelenck, fertig zu allem ding 

Gen dem Feind t bhertzt vnd enuerzagt 
Tapffer vnd keck ders Mannlich wagt 
Kün vnd groszmütig inn dem Krieg 
Zu gewinnen lob, ehr vnd sieg 

215. Macht mit jm keck ander wol hundert 
On not des fechtens Kunst dich wundert 
Weil auch erlangt die ehrlich Kunst 
Bey Fürstn vnd Herrn gnad vnd gunst 
Prouision vnd dienst allzeit 



— 184 — 

220. Auch tvirdt mancher Fechter gefreit 
Von Fürstn oder Köngklich Mayestat 
Das er macht Schul zu halten hat 
Samb er ein gschlagner Meister sey 
Mein Freundt nun hast vermercket heg 

225. Mit hurtzen ivorten gar genttng 
Der löblichen Kunst vresprungl) 
Inn grosser ivirrd gehalten lang 
Auch wie sie jetzundt sey im gang 
Darmit mannicher Meister mehr 

230. Erlanget gleich den Alten Ehrl) 

[Das die Kunst zu nemb hlü vnd ivachs 

In ehr vnd preisz das wünscht Hans Sachs'. 

Anno Salutis, 1545 am 25. Tage Junij. 

— ]*) 



Drumb zieh ich jetznnd hin allein 
Auff die Messz, gen Franckfurt am Mayn. 
Wil mich da von den Fechtern werdt, 
Lassen schlan zum Meister im Schwerdt. 

105. Sie werden mich öffentlich führn, 
In jhren Platz, vnd da Probirn. 
Wann ich da auff der Prob besteh, 
So vorhindert mich denn nichts mehr. 
Wercl als dann zum Meister erkorn, 

110. Vnd wann ich jhnen hab geschworn. 
So zieh ich wider meine strassn, 
Vnd thu mich des Fechtens an massn. 
Mag das brauchen durchs gantze Landt, 
Vnd wenn ich gleich bin vnbekand, 

115. Dennoch brauch ich die Ritterkunst, 
Vnd krieg also durchs Land viel gunst. 

Mein jung Gesell sagt mir doch auch, 
Was helt man denn für einen brauch, 
Zu Franckfurt in der werden Stad, 
120. Daruon jhr mir viel gesagt hat. 



i) Diese Zeile lautet bei Rösener: «Der Fechter Kunst, vnd jhrn vrsprung» 
-\ Die beiden Zeilen hat Rösener folgendermassen geändert: 
« Damit auch mancher Meister mehr, 
Durch die Fechtkunsl erlangt gros ehr.» 
*) Vergleiche die Anmerkung Seite 178. 



— 185 — 

Wann nun ein Fechter kompt hinein. 
Wolt gern ein Meister im Schwerdt sein. 
Bey wehm mus er sich geben an, 
Der jhn kan zu eim Meister schlan. ' 
125. Was helt man denn für ein Proces, 
Tax. Franckfurt in der grossen Messz. 

Mein lieber Wirth, ich wil euch ebn, 

Auff ewer Frag gut antwort gebn. 

Ob ichs schon selbst gesehen nicht, 
130. Doch gebn mir die Alten bericht. 

Das: wann ein Fechter hinein kumpt. 

Vnd derselb den bericht ein nimpt, 

Wo er antreffe den Hauptman, 

Mus er sich bey ihm geben an. 
135. Vnd mus werben zun Vier Meistern, 

Die werden jhn alsbald heissen. 

Das er mus thun die Proben haw, 

Die Fünft thun jhm alle zuschawn. 

Wann er besteht in solcher Prob, 
140. So wird die sach da auff geschobn. 

Bis auff den Sontag in der Messz, 

Da wird er denn mit nicht vorgessn. 

Sondern er wird da vorgestelt, 
Für alle Meister, wie ein Heldt. 
145. Die mus er da alle bestehn, 
Keiner lest jhn für über gehn. 
Er mus mit jedem aus dem Schwert 
Fechten, wers nur an jhn begert. 

Wann er in der Prob ist bestandn, 
150. So nimpt man jhn als dann zu handn. 
Vnd lest jhn knien auf die Erdt, 
Da wird er mit dein Parat Schwerdt. 
Vber seine Lenden Creutzweis: 
Geschlagen, auffs Hauptmans geheis. 
155. Er mus auch wie die andern pflegn, 

Zween Goltgülden auff das Schwerd legn. 
Da thut man jhn ein Fechter nennen, 
Vnd für ein Meistr im Schwerd erkennen. 

Wann er nun dieses hat gethan, 
160. Mus er auch schweren dem Hauptman. 
Das er die zeit bey seinem lebn, 
Sein Meistrschafft nicht wil vbergebn. 



— 186 — 

Wann er nun durchaus so besteht, 
Druff er die heimligkeit 1 ) empfeht, 

165. Vnd bleibt also Meister im Schwerdt, 
Die Fechter halten jhn Lieb vnd werdt. 
Nun werdt jhr habn vernommen rechl, 
Wie man einen zum Meister schlecht. 
Ja ich habs recht genommen ein, 

170. Jch möcht wohl selbest dabey sein. 

Mein halt mir noch zu gut ein frag, 
Mein grobheit mit gedult Vortrag 
Weil man die Kunst rhümet so sehr, 
Wie das denn sonst kein Keyser mehr. 

175. *Die Marxbrüder befreyet macht 
♦Dann Friederich, wie vor gesagt 
*Nach Friederich Maximilian 
*Nam sich der Marxbrüder widr an. 
*Das der löblich Keysr Maximilion 

180. *Wie ich mit warheit sagen kan 2 ) 
Jrn Tausent vnd Vierhundert Jar, 
Sieben vnd achtzig dis ist war 
Am zehenden Monats tag May, 
Zu Nüremberg, wie ich meld hie. 

185. Dis Priiiilegium thun vernewrn, 
*Durch Maximilion der thewern. 3 ) 
Als man Tausent fünffhundert zalt 
Vnd zwölff Jar, ich euch nicht verhalt, 
Den Siebn vnd zwantzigstn September, 

190. Hat auch mit lust ohn all beschwer. 
Die Keyserliche Mayestat, 
Zu Collen in der grossen Stadt, 
Maximilian genennet wird. 
Die Marxbrüdr auch Priuilegirt. 



') Da* sind gewisse besondere und von den Fechtmeistern geheim gehaltene, bis 
zur Approbation ihren Schülern vorenthaltene Kniffe und Kunsthiebe der Fechtkunst. 
2 ) Diese sechs Zeilen sind über den ersten Druck übergeklebt: sie lauteten nach 
dem Exemplare der Weimarer Hofbibliothek ursprünglich: 
«Die Marxbrüder befreyen kan, 
Denn der thewr Maximilian. 
Nach dem thewren Maximilian, 
Hat sichs vngefehr zugetragn. 
Das der loblich Keyser Friedrich 
Wie ich euch geb ietzo bericht» 
u. s. f. 
3 i Auch diese Zeile ist über den alten Druck geklebt; sie lautete nach dem 
Weimarer Kxemplare früher: «Nach Maximilian dem tliewrn . 



— 187 — 

195. Zv dem, als man auch hat gezalt, 
Tausent, Fünff hundert, vnd als bald. 
Sechs vnd sechtzig, im Monat Mey 
Den sechsten, ich euch sag hierbey, 
Sind die Marxbrüder nach der Wahl, 

200. Priuilegiret noch ein mahl. 
Vom Keyser Maximilian, 
Wie ich euch jetzo zeige an, 
Jst in Augsburg der Stad geschehn, 
Wie menniglich da hat gesehn. 

205. Jetzt nun mehr hat Rudolff der Keys? 
Den Marxbrüdrn die gnad thun bewisn, 
Weil sies haben vor wenig zeit, 
Gesucht in vnderthenigkeit, 
Die ersten Brieff new Confirmirt, 

210. Vnd sie wieder Priuilegirt. 

Geschach im Neun vnd siebntzigsten Jar, 

Der weniger Zahl sag ich fürwar, 

Den Zehenden tag Julij, 

Das hab ich müssen melden hie. 

215. Auff des Keysers Burg der Stad Prag, 

Drumb merckt mit fleis, was ich euch sag. 
Hieraus künd jhr nun schliessen fein, 
Das die Fechtkunst geehrt raus sein. 

Weil jhr mir denn auff mein frag ebn, 

220. So richtigen bescheid hat gebn. 
So dörfft jhr mich bereden bald, 
Wann ich nun mehr nicht weer zu alt, 
Das ich lernet die Fechterkunst, 
Weil sie bringt Ehr vnd grosse gunst. 

225. Dis thu ich gern, wolt jhr nu fein, 
Was ich euch weise gehorsam sein. 
Das wil ich thun zu jeder zeit, 
Euch folgen mit bescheidenheit. 
Jhr werdet aber zuuor ebn, 

230. Gar ein wenig anleitung gebn. 

Wie ich mich drein vorhalten soll, 
Das ich die Fechtkunst lerne wol. 
Weil jhr denn dis jetzt thut begern 
So wil ich euch hierein gewern! 

235. Merckt nur fleiszig, was ich euch sag, 
Vnd lernets heut, auff diesen tag. 



— 188 — 

Gott geb vns Glück zur Fechter Kunst, 

Dann sie bey grossen Herrn hat gunst. 

Jn Gottes gwalt vvolln wir vns gebn, 
240. Jn seim Namen zu Fechten anhebn. 

Herr Gott vorley vns Gnad vnd Gunst, 

Recht zu gebrauchen die Ritterkunst. 

Das jhr dieselbe mögt wol lern. 

Damit euch grosse Herren ehrn. 
245. Wolt jhr lernen Fechten künstlich. 

Solt jhr mit fleis fürsehen euch. 

Zvm ersten schempt euch nicht zu lernn, 

Sondern thut stetts Übung begern. 

Wenn jhr wolt gehen zu der Lehr, 
250. So grüst die Meister vnd Schüler. 

Vnd wann jhr au ff die Schule kompt, 

Schawt das kein frembder mit euch kümpt. 

Er kan denn ein Schulrecht bestehn, 

Mit dem Meister drey Genge gehn. 
255. Halt jhr euchs Fechten nemet an, 

Kein Nestel sol sein zugethan, 

Auch kein Dolch an der Seiten dran, 

Vnd gar nichts auff dem Heupte han. 

Nempt keinem aus der Hand sein Wehr, 
260. Rit erst vorlöbnis vom Meister. 

Halt fest die Wehr, lasz keine falln, 

Falt auch selbst nicht, seid bdacht in alln. 

Auch mit vngstüm kein Wehr zerschlagt, 

Mit sittn ewr arbeit vortragt. 
265. Solt auch durch aus keins andern spottn, 

In der Übung, es ist verbottn. 

Auch solt jhr keinen blutig schlan, 

Der erst zu fechten fehet an. 

Wann auch nun frembde Schuler kemn, 
270. Auff den Lehrplatz, solt jhr vornemn. 

Das jhr keinen verspotten wollt, 

Umb ein par straich jhr Fechten sollt. 

Oder vmb einen schönen Crantz, 
Macht euch nur her an diesen Tantz, 
275. Oder nach erkentnis der Massn, 

Von Meistr vnd Schuh euch straffen lassn. 

Wer nicht wil ein gehn den inhalt, 
Der pack sich von der Schule bald. 



— 189 — 

Er sol die Schuler vnd Platz meiden. 
280. Vneinig Gselschafft sol man nicht leidn. 
Werd jhr euch halten nach der Lehr, 
Ihr werdt des Fechtens haben Ehr. 

Ey ich bin jetzt nun fein bericht, 
Durch aus ich mich nun euch vorpflicht, 

285. Wil euch auch meinen Meister nenn, 
Wolt mich für ewren Schuler kenn. 
Ich wil euch thun gar kein vordreis,!) 
Lernt mich das Fechten nur gewis. 
Was jhr als denn begert fürs lohn, 

290. Sol euch gereichet werden schon. 

Nun wie gefeit euch jetzt der streich, 
Meister ich durch aus gar nicht weich. 
Das springen steht mir zimlich an, 
Wil aber sonst künstlich zuschlan. 

295. Ich wil euch jetzt noch mehr stück weisn, 
Das man euch sol ein Fechter preisn. 

Mein Schwerd thu ich jetzt auff heben, 

Ilaw durch aus vnten oder oben. 

Denn gar recht Fechter brauch treib ich, 

300. Vnd könt also probieren mich. 

Aus recht artlicher Meisterschafft, 
Auch aus der rechten Künsten krafft. 
Hierzu brauch ich auch das Rappir, 
Stumpff, scharff, wie mans begert von mir. 

305. Damit thu ich mein Feinde putzen, 

Vnd auch mein Leib damit zu schutzn. 

Jetzt habt jhr nun mehr gantz vnd gar, 
Die Fechtkunst weg, sag ich vorwar. 
Ihr werd nun geben mir mein Lohn, 
310. Ich wil forth, denn ich mus daruon. 
Ich möchte sonst zu lange sein, 
Der Weg ist lang bis bin an Meyn. 

Meister, da habt jhr ewren Solt, 
Weil jhr denn nun gar fort wolt, 
315. Nempt auch für gut was ich euch gthan, 
Im zurück ziehn, sprecht mich widr an. 
Doch sagt mir vor, wie ich zu mahl. 
Schul zu halten anschlahen sol. 

i) d. i. Verdruss. 



— . 190 — 

Ich wil eucli fein berichten der sachn, 
320. Kein Fedr Fechter last euch jrr machn, 

Bleibt nur in vnser Brüderschaft!. 

Denn die haben durch den Lewen krafft. 

Wann sie schon wider euch anschlagn, 

So thut mit wenig worton sagn. 
325. Weil Keyserliche Mayestat, 

Die Marxbrüder Priuilegiret hat 

Vnd nach dem andre Keyser mehr, 

So bleibn wir Marxbriidr wol in ehm. 

Ja Meister, ich wils euch zu sagn, 

330. Das ich alle mein lebe tagn. 

Wil bleibn bey der Marxbrüderschaffi, 
Kein Fedr Fechter an mir nicht hafft. 
Ich gebe euch hierauff meine handt, 
Vnd meinen Eydt, habt euch zu pfandt. 

335. Ich wil stehen gleich wie der Lew. 
Vor kein Fedr Fechter trag ich schew. 

Nvn hierauff wil ich euch jetzt sagn, 

Wann jhr wolt eine Schul anschlagn. 

So solt jhr diese Beimen führn, 
340. Damit die Feder Fechter rürn. 

Frisch her, jhr Fedr Fechter last euch sagn, 

Ein Buchdruckr hat nechst an geschlagn. 

Er hett Bücher gsetzt vnd gelesn. 

Das aber S. Marx ein Fechtr sey gwesn. 
345. Hett er durchaus gefunden nicht. 

Er hielt es nur für ein Getichl. 

Er halt auch durchaus nichts dauon. 

Das S. Marx wer vnser Patron. 

Denn Marcus der Eu angelist, 
350. Beschreibt Gotts Wort ohn arge list. 

Vnd wird dem stareken Lewen vorgleicht, 
Dieweil sein Lehr so weit ausreicht. 

Ich thu euch aber jetzo eben. 

Auff die Frag richtig antwort gebn. 
355. Ettliche Keyser an der Zahl, 

Dieselben haben allzumahl. 

Die Marcusbrüder thun begabn, 

Mit Schild vnd Helm, die wir noch habn. 

Durch Bitters that von jhn bekomn, 
360. Nenten vns Marxbrüder die fromn. 



— 191 — 

Gaben vns auch die grosse macht, 
S. Marx zu führn mit schönem pracht. 
Vnd auch den Lewen wol bericht 
Das erlangt kein Fedr Fechter nicht. 

365. Das sie sich abr des Greiffen rhümn, 
Sind sie hierin gar viel zu kühn. 
Denn ein Hertzog von Meckelnbergk, 
Hat nicht mehr denn einen, 1 ) dis merck, 
Der sich im Fechtn gehalten wol, 

370. Geben den Greiff, den er führen sol. 
Vnd sonst kein Feder Fechter mehr, 
Habn nun mehr des Greiffs kleine Ehr. 
Weil sie hierein haben gejrrt, 
Vnd sind nicht Priuilegirt. 

375. Noch mehr thun sie sich vnderstahn. 
Lassen ein offnen Helm machen. 
Führen den in jhrem anschlag, 
Mein Feder Fechter dis mir sag. 
Wo her ist dir die macht gegebn, 

380. Wer hat dich gewapnet, 2) sag mirs ebn. 
Du wirst nun mehr mit keinem Newn. 
Vns vortreiben, den starcken Lewn. 
Denn er hat Keyserliehe freyt, 
Last jhr den Lewen vngeheidt. 3 ) 

385. Also habt jhr den anschlag fein, 
Nempt jhn nur recht in sinn hinein. 
Wann jhr nun aus rufft ewre Schul, 
Lernt diese Vers, vnd braucht sie wol. 4 ) 

Ich schwing mich auff in Gottes glück. 

390. In diesem Kampff platz offt vnd dick. 

Des Greiffen Gschlecht, mus heint herunter, 
Wir Marx brüdr sein fein frisch vnd muntr. 
Mit euch zu Fechten ist mein frewd, 
Frisch her, jhr Fedr Fechter es ist zeit. 

'395. Ob man mir gleich wolt jamer sagn, 
Wie jhr mir wolt stossen vnd schlagn. 



J ) wohl Druckfehler für «einem». 

2 ) = dir ein Wappen verliehen. 

3) d. i. «in Ruhe, ungestört». 

*) die heiden folgenden Anschnitte sind zwei Muster zu Fechtschulreimen, wie 
ich solche bereits aus einer Nürnberger Handschrift (vgl. s. 156 ff.) mitgeteilt habe 



— 192 — 

Ich furcht nicht, wie wilt jhr mügt sein, 
Ist doch ewer Haut so weich als mein. 
Werd jhr mich treffn, ich lass geschehn, 
400. Werd ich ewer fehin, jhr solts wol sehn. 

Ein anders. 
Dv edler Lew schwing dein Kraus haar, 
Nim dir des Greiften ehen war, 
Der mit seim stoltzen muth vnd pracht, 
Die gfreyte Marxhrüdr all voracht, 
405. Den soltu für dir hawen nidr, 
Vnd zu reissen all sein gefidr. 
Das jhn sein Gsellen müssen weg tragn, 
Die wolln wir auch auff die Köpff schlagn. 

Jetzund seid jhr berichtet fein, 
410. Ich gdenck jhr werdt zu frieden sein, 
Mit der Lehr die ich euch gethan, 
Ich wil nun mehr auff vnd dauon. 
Braucht nur die Kunst fein Ritterlich, 
Ich ziehe dahin, Gott behütf Euch. 
415. Ich thu euch hieuor jetzt danck sagn, 
Ich hab lan fertig machn den Wagn, 
Da farth jhr mit mir in die Stad, 
Hab ichs euch doch vor zugesagt, 
Ihr dürfft ja eilen nicht so hardt, 
420. Itzundt wolln wir seini) auff die farth. 
Wir fahren gar geschwind hinein, 
Ey nun, wann es denn ja sol sein, 
So fahre ich mit euch dauon, 
Vnd geb dem KutzschnS) Trinckgelt zu lohn. 

425. Nvn Kutzsch, span an, vnd fahr nur sacht, 
Wir kommen doch wol nein vor nacht, 
GOTT geb vns auff die Reis vil glück, 
Hört, wann jhr werdt zihen zu rück, 
Vnd seit zum Meister wordn geschlan, 

430. So mögt jhr mich frey sprechen an. 
Vnd zu mir in mein Haus einkern, 
Jch will euch Herbrigen vnd ehm. 
Wil ewer durchaus nicht vorgessn, 
Zur notlurfft geben trinckn vnd essn. 



>) Wohl Druckfehler für «fein». 
2 ) Kutscher. 



— 193 — 

435. Wil ewer so warten vnd pflegn, 

Darnach euch in ein gut Bett legn. 

Jch sag euch nun mehr grossen danck, 
Für ewer Fuhrwerg, Speis vnd Tranck. 
Als bald ich wider zieh vom Meyn, 
440. So kehr ich wider bey euch ein.» 

Christoff Rösener, Meister des Schwerdts. 

Wann wüchsse Laub vnd Gras 
So gschwind als Neit vnd Hass, 
So heften Schaff vnd Rindr, 
All Jar ein guten Wintr.i) 

M. J. F. 



Nun folget der Gesang der Ritterlichen Fechtkunst, 
jb.ren Vrsprung, Fundament, vnd begriff aller heimligkeit 

In der Henne weis W olfframs , oder Pentzenaicers Tlion.Z) 

«Von Ritterlicben Künsten, 
so wil ich heben an, 
Singen mit der Fechter günste 
wie ichs gelernet han, 
5. Bitt auch jhr Meister alle. 
.Ihr wolt mich recht vorstan, 
Vnd last euch nicht misfallen, 
was ich getichtet han. 

Mein Schwerd hab ich erhaben, 
10. nach Künsten Meisterlich, 

Haw vnten oder oben, 

den rechten brauch treib ich, 

Vnd wil dich auch probiren, 

aus rechter Meisterschafft, 
15. Schweche vnd sterck vorführen, 

aus rechter Künsten krafft. 



i| Ein altes Sprüchwort, das sich auch in dem ersten gedruckten Fechtbuche 
von Paumfeindt i erschienen Wien 1516) vorfindet. Über letzteres vergleiche man 
die Deutsche Turnzeitung von 18f>£, S. 358 f. 

2) Eine Art Meisterlied der Fechterkunst. Das Gedicht ist im Original- 
druck fortlaufend gedruckt; erst Wassmannsdorff hat in seiner Ausgabe, und 
wohl mit Recht, die Verse in einzelne Strophen gegliedert und abgeteilt. 

13 



— 194 — 

Wem muth zu fechten were. 
der neme sein Schwerd in die band, 
Das Wort (in des) schneit sehre. 
20. dem es ist recht bekandt. 
Vnd wer erschrickt gerne. 
das ist mein bester Rath. 
Das er nicht Fechten lehme. 1 ) 
denn es übel anstath. 

25. Nun merckt (in des) das Worte, 
da alle Kunst an ligt, 
Zornhavv der geht mit orte, 
behend aus langer schneid, 
Aus Gülden kunst ich treibe. 

30. den Flügel ins hangend orth, 
Jm Triangel nicht bleibe, 
des Püffels nicht erwart. 

Dabey soltu auch mercken. 

die zwey vor vnd nach. 
35. Darzu schweche vnd stercke. 

einlauffen sey dir nicht jach. 

Dein Schwerd zu beiden henden. 

Die Zeckruhr nicht verlass. 

Treib die stück behende. 
40. so findestu jhn blos. 

Scheitelhaw der Kunst ortte, 
den Schilhaw nicht durch lauft. 
Vnd die eiserne Pforte, 
fürbas so merck auff. 
45. Wiltu von dannen tragen, 
den Meisterlichen Krantz, 
Vier hutten2) mustu haben. 
gehören auch an Tantz. 

Die wil ich dir jetzt nennen. 
50. so soltu sein bericht, 

Ocbs, Alber, Pflug, lern kennen. 
Von Dach 3) auch nicht vornicht. 



>) Benutzung eines alten Fechtersprüchwortes : 
«Ersehrick.stu gern 
Kein Fechten lern. 
durch den Verfasser des Liedes. 

"■) = huoten. zu .hüten' gehörig: es sind Paradeauslagen oder Defensivhiebe. 
•) = Tag. 



— 195 — 

Die viere soltu fechten, 
vnd dauon halten allein. 
55. So hastu die Gerechten, 
vnd pfleg die in gemein. *> 

Viere sind die vorsetzen, 
vnd vier blos2) an den man. 
Die viere auch sehre letzen, 3 ) 
60. ein stück heist man die Krön. 
Wiltu dieselb vortreiben, 
ihm den Schnid für die Hand. 
Die Krön mag nicht lang bleiben, 
ist dir der Schnit bekand. 

65. Der Krumphaw ist noch binden, 
die zwerch vnd auch der schnit, 
Im Dupliren lerne finden, 
Mittlren nim auch mit, 
Durch wechssei ich dir sage, 

70. trit nahend an den Bund, 

Weiter daiffst du nicht fragen, 
wiltu nicht werden wund. 

Durch fehler 4) ich dir rathe, 
die hengen hab in Hutt, 

75. Das sprechfenster so drate. 
einwinden ist auch gut. 
Von beidn seittn absetze, 
sein schwerd mit deinem Schild, 
Nach reisen auch sehr letzet. 

80. der gegen dir ist mildt. 5 ) 

Ob man wird weiter fragen. 

wer das gedichtet hat. 

Das darff man jhm nachsagen. 



1 Vgl. dazu aus L iecht enauer's Fechtregeln (Handschrift des gerni. Mus. 
in Nürnberg vom Jahre 1389) die Reime über die Auslagen mit dem Schwerte: 

«Vier leger allein 

Dauon haltu, fleuch die gemein 

Ochs pflüg alber 

Vom tag sein dir mit (nitVi vnmer.» 
-) == Blossen. 
5) = verletzen. 
*; = Finten, Trughiebe. 
■>■ Dafür ist wohl besser .wild» zu lesen. 

13* 



196 

Er heist der l'au I us R o l li. 
So. Das Lied das thut er schencken, 
Kint Fechter wolgemuth. 
Christoff Rösener zu gedencken, 
der nams von jhin vor gut. 

Vnd soll er alles rechnen, 
90. was in der Kunst mag sein. 
Sein Kopff möcht er zerbrechen, 
Er trinckl gerne Wein, 
Er bitt die Edelen Fechter, 
woln jhm nicht für übel han, 
95. Ob er jhn nicht thet rechte, 
dann er nicht lichten kan.» 

E n (1 e. 



Vnderrichtungen auch nützliche anweisungn des Fechtens, 
sampt dem gantzen Fundamen I im Dusacken. 

Mit dieser Wehr reich weit vnd lang, 

Dem Haw für sich vberhang, 

Mit deinem Leib, darzu tritt ferr, 

Dein Naiv führ giraltig vnib jhm her, 
5. Zu all vier enden, las die fliegen, 

Mit geberden, zucken, haust jhn btriegen. 

Jn die sterck soltu vorsetzen, 

Mit der schirech za gleich jhn letzen, 

Audi neher soltu kommen nicht 
L0. Dann das jhn langest mit eim tritt 

Wann er dir wolt eirilauffen schier. 

Das vorder orth, treibt jhn von dir. 

Wer er dir aber glauffen ein. 

Mit greiffen, ringn, der erst so/t sein. 
iö. Der sterck vnd schwech nim eben nur. 

Jn des, die blas, macht offenbar, 

Jm vor, vnd nach, darzu recht trit, 

Merck feiszig auff die rechte zeit. 

Vnd las dich bald erschrecken nicht! \) 
Ende. 



') Dieses Siiick i.-t ein mii ganz wenigen und geringfügigen Veränderungen 
dem Joachim Meyer'schen Fechtbuche vom Jahre 1">70 entnommener Fechtzettel, 
eine Anleitung zum Feehlen mit dem Dussack. 



— 197 — 

[Auf dem nächsten, letzten Blatte des Druckes steht das Wappen der 
kurfürstlichen Stadt Dresden in Holzschnitt mit der Jahreszahl 1584 ; 
darunter stehen die Worte:] 

Gedruckt in der Churfuerstlichen Stad Dreszden, durch 

G i m e 1 Bergen. 

ANNO 1589. 



Nr. IX. Die Fechterfabel aus Burkhard Waldis' Fabelsammlung 

,.Esopus". 

(Vgl. Ausgabe von H. Kurz [Leipzig 1862.]: Das vierdte Buch der 
Fabeln Esopi. hat Hundert newer Fabeln. Nr. 72. Bd. TL s. 176/7.) 

Die LXX1I. Fabel. 
Von zweien Fechtern. 

«Ein Fechter, war einr von den Alten, 

Der het lang offne Schul gehalten. 

ir viel gelert, welch waren lerig 

Vnd derselbigen Kunst begerig. 
5. Die vnterrichtet er mit fleiss : 

Des het er grossen lob vnd preiss. 

Da war einr von denselben Gsellen, 

Der thet der Kunst fleissig nachstellen, 

Vnd an denselben Meister bgern, 
10. Das er jn wolt in allen wehrn 

Als leren, was er selber wüst, 

Was man zum ernst auch brauchen must. 

Das thet der Mann on alle arg. 

Nichts vberall vor jm verbarg. 
15. Wie er die Kunst hett wol gefasst, 

Hub an vnd seinen Meister hassl. 

Vnd bot jm auss vor Herrn vnd Knechten. 

Vmb leib vnd leben mit jm zfechten 

In wehren, welch jm selb beliebt : 
20. Des sich der alt Mann sehr betrübt. 

Sähe, das er jm mit lauffen, ringen 

Zu fertig war vnd mit dem springen. 

Jedoch dorfft ers nit schlagen ab. 

Vnd sich willig darinn begab. 
25. Am morgen kamens auff den platz. 

Legten sich zamen in den hatz. 

Wie sie theten den ersten gang, 

Der jung Gsell auff den alten drang. 



.98 



Ein scharpffes schwere! gegen jm zuckt; 
30. Der alt Mann vber ein seiten ruckt, 

Vnd sprach: «das ist vor nie geschehen. 

Habs auch nie auff keiner Schul gesehen, 

Ward auch so nit bewilligt nechlen. 

Das ich gegen ewr zwen solt fechten. 
35. Hercules solt gnug zschaffen lian. 

Wenn er solt zwen zugleich bestahn.» 

Der Gsell wendt sich on als gfehr, 

Wolt sehen, wer sein helffer wer; 

Baldt war der alt Mann nahe bey 
40. Vnd schlug jm seinen kopff entzwey. 

Wer einen zucht vnd Künste lehrt, 

Ist werdt, das man jn wid'er ehrt. 

Wenn man sich auch auffs höchst befleisst. 

All wolthat, zucht vnd ehr heweisst, 
45. Doch kan man nimmer oder selten 

Eim trewen Lehrer widergelten. 

Man sol, wie die Gesetz anzeigen, 

Die knie vor einem alten beygen. 

Ob gleich ein junger Mann mit sterck 
50. Aussrichten kan gross, herrlich werck, 

Dennoch er stets ein guten rath 

Bey den alten zu suchen hat.» 



Nr. X. 2 Fechtergeschichten aus Johann Paulis Schwanksamm- 
lung „Schimpf*) und Ernst". (1519.) 
Vgl. Ausgabe von H. Österley, Bibl. des Stuttg. Litt. Ver.. Bd. S5. 
[Stuttgart 1866.] s. 198/9.) 

1-) 
Von schimpff das CCCXi. 

«Es was ein schirmeister der het in vil stetten schul ge- 
halten, vnd gute schuler gemacht, schirmeister, ab einer was 
vberusz gut, vnd erhob sich mit Lucifer. er wolt seinem meister 
nichtz entfor geben, ie das sie einander vszbutten, vmb das leben 
5. zu fechten, vnd solt ieglicher brachen was er künt, vnd alle seine 
kunst. Sie kamen vff dem blatz züsamen, vnd machten ir spiegel- 
fechten, wie man dan thiit, da sie schier züsamen kamen, da 



' ) il. h. Spass, Scherz. 



— 199 — 

hielt der meister sein schwert stil, vnd sprach zu seinem schüler. 
Es ist nit geret worden das ich mit zweien sol fechten. Dieser 
10. lügt hindersich wer im helffen wolt. vnd dieweil er hindersich 
lügt, da sprang der meister herzu, vnd schlug im den kopff ab, 
vnd sprach, den streich hab ich dich noch nit gelert. Diser 
meister hat gethon wie der in dem nechsten gesagten exempel, 
das ein meister im ahvegen sol etwas behalten das er seine 
schüler nit leren sol.» 



2.) 
Von ernst das CCCXii. 

«Vf ein mal betten zwen meister auch etwas mit ein ander 
zu schaffen, das einer den andern vsz bot zu kempfen. vnd mit 
gottes hilff wolt er in beston das er recht het. Der ander sprach, 
mit hilff meines brüders so wil ich dich beston. Da der tag des 
5. kampffs kam, da kam der ein mit seinem gewer, vnd bracht 
seinen brüder mit im. Der erst sprach, das ist nit geret worden 
nach des lands sitten noch gewonheit das zwen sollen fechten 
wider ein vnd einer wider zwen, heisz dein brüder ab tretten. 
Da sprach er nein, euwer sein zwen so sein vnser auch zwen, 

10. es ist got vnd du so ist es mein brüder vnd ich, vnd sein zwen 
wider zwen, wan du hast gesprochen, du woltest mich mit gotes 
hilff beston, da sprach ich, ich wolt dich beston mit meins 
brüders hilff. Also aber, vbergib du gotes hilff, der dein gesel 
ist, so wil ich meines brüders hilff auch vbergeben. Er wolt 

15. gottes hilff nit vbergeben, da wolt der ander seins gesellen hilff 
auch nit vbergeben. Also giengen sie wider heim, vnd ward 
nichtz darusz.» 



>♦— 



— 200 — 



Anhang. 



Verzeichnis der benutzten Schriften und Werke. 

Abi. Fech (.erspiele und Fechtschulen in Deutschland. Vgl. J. G. 

Büsching's wöchentl. Nachrichten u. s. w., Bd. III, Breslau 1817. 
Ambros. Geschichte der Musik. Breslau 1864. 
J. v. Arx. Geschichte des Kantons St. Gallen. St. Gallen 1810. 
Fr. Au er. Das Stadtrecht von München. München 18-40. 
Ave-Lallemant. Das deutsche Gaunertum. Leipzig 1858 — 1862. 
J. Baader. Ordnung der Federfechter zu Prag. Anzeiger des Genn. 

Mus., Bd. 12, 1865. 
J. Bächtold. Geschichte der deutschen Litteratur in der Schweiz. 

1892. Frauenfeld. 
Barre. Die Brüderschaft der Pfeiffer im Elsass. Golmar 1873. 
K. Bartsch. Die Meisterlieder der Colmarer Handschrift. Bibl. d. 

Stuttg. litt. Vereins. Bd. 68, 1862. 
- Deutsche Liederdichter des 12. bis 14. Jahrhunderts. Leipzig 1864. 
— Die Schweizer Minnesänger. Frauenfeld 1886. 
Benecke. Wörterbuch zu Hartmann's lwein. (2. Ausgabe von 

Wilken). Göttingen 1874. 
Beneke. Von unehrlichen Leuten. 2) Hamburg 1889. 
Benecke- Müller-Zarncke. Mittelhochdeutsches Wörterbuch . 
J. Bintz. Die Leibesübungen des Mittelalters. Gütersloh 1880. 
J. Holte. Das Danziger Theater im 16. und 17. Jahrhundert. Theater- 
geschichtliche Forschungen. Bd. XII, Hamburg 18i>5. 
K. Burda eh. Reinmar der Alte und Walther von der Vogelweide. 

Leipziu 1880. 
Du Cange-Henschel. Glossarium mediae et intimae latinitatis. 

Niort 1883. Tom. II. III. 



- 201 — 

Diez. Poesie der Troubadours. 2. Auflage von Bartsch. Leipzig 1883. 

— Leben und Werke der Troubadours. 2. Auflage von Bartsch. 

Leipzig 1882. 
K. Drescher. Die Nürnberger Meistersingerprotocolle von 1575 bis 

1689. Bibl. des Stuttg. litt. Vereins. Bde. 218. 214. 1897. 
A. Erichson. Das Duell im alten Strassburg. 1898. 
Fechtbüchlein von J. Schmied-Kowarzik und H. Kufahl. Leipzig 

1894. 
E. Förstemann. Sammlung von Strassennamen. Germania. Bde. XIV, 

XV und XVI. 
Freymond. Jongleurs et Menestrels. Halle 1888. 
G. Frey tag. Bilder aus der deutschen Vergangenheit. Bd. I. Leipzig 

1867. 

— Neue Bilder aus der deutschen Vergangenheit. 

Fries. Abhandlung vom sogenannten Pfeiffergericht. Frankfurt a. M., 

1752. 
K. Gödeke. Pamphilus Gengenbach. 

E. Goetze. Das Wappen der Meistersinger. Archiv für Litteratur- 

Geschichte. Bd. V. 
J. Grimm. Deutsche Bechtsaltertümer. 3 ) Göttingen 1881. 
- — über den altdeutschen Meistergesang. Göttingen 1811. 
J. und W. Grimm. Deutsches Wörterbuch. 
W. Grimm. Deutsche Heldensage. 1864. 

— Deutsche Wörter für Krieg. Kleinere Schriften. Bd. III. Berlin 

1883. 

Haltaus. Glossarium germanicum medii aevi. Lipsiae 1758. 

L. Halt aus. Liederbuch der Clara Hätzlerin. Leipzig 1840. 

.1. H. Heitz. Die Herren von Bappoltstein und das elsässische Pfeiffer- 
gericht. Stöber's Alsatia 1856/57. 

— Das Kesslerlehen der Herren von Bathsamhausen. Alsatia 1853. 
W. Hertz. Spielmannsbuch. Stuttgart 1886. 

A. Holtzmann. Meistergesänge des XV. Jahrhunderts. Germania. 

Bd. III,. 1858. 
Hü 11 mann. Städtewesen des Mittelalters. Bonn 182J). 
Fr. L. Jahn. Deutsche Turnkunst. Berlin 1816. 
H. Jördens. Lexicon deutscher Dichter und Prosaisten. Bd. III. 

Leipzig 1808. 
Karajan. Heinrich der Teichner. Wien 1855. 
A. Köhler. Über den Stand berufsmässiger Sänger im nationalen 

Epos germanischer Völker. Germania Bd. XV. 
M. Lexer. Mittelhochdeutsches Wörterbuch. 

F. Lieb recht. Zur Volkskunde. Heilbronn 187!'. 



— 202 - 

Lochher. Zur Geschichte der Fechtschulen in Nürnberg. Anzeiger 

d. Germ. Mus., Bd. VIT. 1860. 
Fr. Majer. Geschichte der ürdalien. Jena 17i>.">. 
San Marte. Zur Waffenkunde des älteren deutschen Mittelalters. 

Leipzig 1867. 
E. Martin. Die Meistersänger von Sirassburg. (Vortrag). Strass- 

burg 1882. 
Mone. Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins. Bd. IX. 
Daniel Georg Morhofen's Unterricht von der teutschen Sprache 

und Poesie etc. Lübek 1700. 
K. Müllenhoff. Sagen, Märchen und Lieder aus Schleswig-Holstein. 

Kiel 1845. 

— Über den Schwerltanz. Festgaben für Homeyer. Berlin 1871. 
.loh. von Müller. Geschichte der schweizerischen Eidgenossenschaft. 
Muratori. Antiquitates Italicae medii aevi. Tom. 11. 

E. Osenbrüggen. Neue kulturhistorische Bilder aus der Schweiz. 
1864. 

— Studien zur deutschen und schweizerischen Bechtsgeschichte. 1868. 
H. Paul. Grundriss der germanischen Philologie. 1 ) Bd. II. 2). Sträss- 

burg 1893. 

Percy. Beliques of ancient english poetry. London 1856. 

Piper. Die Spielmannsdichtung. Berlin 1887. 

0. Plate. Die Kunstausdrücke der Meistersinger. Strassburger Studien. 
Bd. III. Strassburg 1888. 

A. Beissmann. Illustrierte Geschichte der deutschen Musik. Leipzig 
1881. 

v. Bichthofen. Friesische Bechtsquellen. Berlin 184-0. 

La Bue. ßardes et Jongleurs. Caen 1834. 

Sachsenspiegel. (Ed. Homeyer). Berlin 1840. 

Job. Friedr. Scheid. Dissertatio inauguralis de jure in musicos 
singulari germanico etc. Argentorati 1719. 

W. Scherer. Geschichte der deutschen Dichtung im 11. und 12. Jahr- 
hundert. 
- Deutsche Studien. Bd. I. Wien 1870. 

Scherz-Oberlin. Glossarium germanicum. 

A. Schlosser. Östreichische Cultur- und Litteraturbilder. Wien 1879. 

A. Schmeller. Bayerisches Wörterbuch. München 1872. 

.loh. Christoph v. Sc hm id. Schwäbisches Wörterbuch. 2) Stutt- 
gart 1844. 

Schmidt. Die Gesetze der Angelsachsen. 

L. Schneegans. Die unterbrochene Fechtschule. Slöber's Alsatia.1853. 



— 203 — 

Fr. Schnorr von Carolsfeld. Zur Geschichte des deutschen 
Meistergesanges. Berlin 1872. 

Schroer. Meistersinger in Ostreich. Vgl. Bartsch, Germanistische 
Studien. Bd. IL Wien 1875. 

Alwin Schultz. Höfisches Leben zur Zeit der Minnesinger. 2) 1889. 

Schwabenspiegel. (Ed. Wackerna gel). 

Schweizer-Sidler. Tacitus, Germania. Halle 1874. 

K. Simrock. Der Wartburgkrieg. I. Teil. Das Streitgedicht. Stutt- 
gart 1858. 

Stephens. Geschichte der wälschen Litteratur. 

J. St ose h. Der Hofdienst der Spielleute im deutschen Mittelalter. 
Berlin 1881. 

Strobel. Geschichte des Elsasses. Strassburg 1841. 

Tobler. Spielmannsleben im alten Frankreich. Im Neuen Deich. 
1875. 

L. Uhland. Zur Geschichte der Dichtung und Sage. Bde. IL III. 

Fr. Vogt. Leben und Dichten der deutschen Spielleute im Mittel- 
alter. (Vortrag). Halle 1876. 

W. Wackernagel-Martin. Geschichte der deutschen Litteratur. -\ 
Basel 1879. Bd. [. 

Joh. Christoph Wagenseil. De Sacri Romani Imperii libera 
Civitate Noribergensi Commentatio. Altorf 1697. 

— Von der Meistersinger holdseligen Kunst etc. Altorf 1697. 
Warton. History of English Poetry, edited by Price. London 1840. 

Vol. L IL 
K. Wassmannsdorff. Sechs Fechtschulen der Marxbrüder und 
Federfechter etc. Heidelberg 1870. 

— Aufschlüsse über Fechthandschriften und gedruckte Fechtbücher 

des 16. und 17. Jahrhunderts. Berlin 1888. 
K. Weinhold. Die deutschen Frauen im Mittelalter. 2) Wien 1882. 

Bd. IL 
v. Westenrieder's historische Beiträge. Bd. V. München 1794. 
Wilda. Das Strafrecht der Germanen. 
K. Wilmanns. Leben und Dichten Walther's von der Vogelweide. 

Bonn 1882. 
0. Wittstock. Über den Schwerttanz der Siebenbürger Sachsen. 

Vgl. Philologische Studien. Festschrift für E. Sievers. Halle 1896. 
A. Witz. Versuch einer Geschichte der theatralischen Vorstellungen 

in Augsburg. 187(>. 
V. Wolf, ('her die Lais, Leiche und Sequenzen. 
G. Zappert. Über das Fragment eines Liber dativus. Sitzungs- 
berichte der kais. Akademie der Wissenschaften. Phil. bist. 

C.lasse. IUI. XIII. Wien 1854. 



— 204 — 

Fr. Za rucke. Sebastian ßrant's Narrenschiff. 

A. Zeerlecler. Die Berner Handveste. Berner Jubiläumsschrift. 
Bern 1891. 

J. v. Zingerle. Die Wiltener Meistersänger] landschrift. Sitzungs- 
berichte der Akademie der Wissenschaften. Phil. hist. Classe. 
Bd. 37, Heft 4 Wien 1861. 

— Die Beiserechnungen Wolfger's von Ellenbrechtskirchen. Heilbronn 
1877. 



— 205 — 



Inhalts-Übersicht . 

Einleitung S. 5 ff. 
I. Teil. Die Kämpen und Fechter. S. 13 ff. 
a) Kampfui'teil und Schwerttanz in Tacitus «Germania» bereits 
bezeugt. S. 13 ff. b) Kampfurteil und Gottesgericht bei verschiedenen 
deutschen Stämmen überliefert. S. 17 ff. c) Verschiedene Rechtsbestim- 
mungen über das Kampfgericht. S. 19 ff. d) Die Institution des Königs- 
fechters. S. 23 f. e) Der gerichtliche Zweikampf im Tierepos. S. 25 ff. 
fi Zweikampf und Gottesurteil in der deutschen Heldensage und die 
sprachlichen Ausdrücke für diese. S. 27 ff. g) Schilderung eines gericht- 
lichen Zweikampfes in der niederländischen Litteratur. S. 31 f. h) Das 
Fechten und Schirmen als ritterliche Kunstübung und die höfischen 
Fechtmeister. S. 33 ff. i) Fechten und Schirmen im ernsthaften Streit. 
S. 38 ff. k) Tierkämpfe als Überreste römischen Gladiatorentums. 
S. 41 ff. 1) Katzenritter. S. 44ff. m) Das Fechterwesen des späteren 
Mittelalters. S. -47 ff. n) Die Federfechter und die Herkunft ihres 
Namens. S. 51 ff. o) Die Fechtschulen. S. ßl ff. p) Verfall des Fechter- 
wesens. Klopffechtertum. Spuren desselben in der späteren Litteratur. 
S. 65 ff. q) Zusammenstellung der den Fechterbrüderschaften ver- 
liehenen Privilegien. S. 68 f. r) Weitere Urkunden, das Fechterwesen 
betreffend. S. 70 ff. s) Übersicht über abgehaltene Fechtschulen, 
Schwerttänze und ähnliche Schaustellungen. S. 73 ff. t) Verzeichnis 
der wichtigsten Fechterschriften. S. 76 f. u) Werke, die Beschreibungen 
und Berichte über Fechtschulen enthalten. S. 77 ff. v) Litterarische 
Verwertungen des Fechterwesens. S. 79 ff. w) Die zwischen Fecht- 
scliulen und Schweittänzen bestehenden Beziehungen. S. 81 ff. 



II. Teil. Die Spielleute und das fahrende Volk. S. 86ff. 
a) Begriff des Spielmannes einst und jetzt. S. 87 f. b) Lebens- 
weise und sociale Stellung der Spielleute. S. 88 ff. c) Die Frage der 
Auffassung des « guot umb ere nemen's». S. 93 f. d) Verschiedene 
Rangstufen der Spielleute unterschieden. S. 94f. e) Die Spielleute- 
verbände und Pfeifferbrüderschaften. S. 96 f. 



— 206 — 

III. Teil. Der zwischen den Fechtern und Kämpen einerseits 
und den Spielleuten und Fahrenden andererseits be- 
stehende, entwicklungsgeschichtliche Parallelismus und 
seine verschiedenen Aus drucksformen im Rechts wesen 
und in socialen Verhältnissen, in Litteratnr und Sprache. 

S. 97 ff. 
a) Rechtliche Zeugnisse für die gleichartige Behandlung der 
Kämpen und Spielleute. S. 98 ff. b) Fechter und Spielleute als Zeugen 
in Urkunden auftretend. S. 105 ff. c) Spielleute als Besitzer von Grund- 
stücken und Häusern. S. 107 f. d) Vergleichung des Kampflebens mit 
dem Treiben der Spielleute. S. 109 f. e) Minnelieder und Meister- 
gesänge mit Anspielung auf Zweikampf oder Fechterwesen. S. 111 ff. 
f) Parallelausdrücke in der Kunstsprache der Fechter und der Meister- 
singer. S. 126 ff. g) Gleichartige Organisationen der beiden Stände. 
S. 130f. h) Die Eigennamen der Fechter, Spielleute und fahrenden 
Sänger. S. 131 ff. i) Ihre Berufsbezeiehnungen als Geschlechtsnamen 
erhalten. S. 134 k) Verwendung derselben zur Benennung von Strassen 
und Ortlichkeiten. S. 135. 1) Gemeinsame Bereicherung des Sprach- 
schatzes durch die Kunstausdrücke der Fechter und Spielleute. 
S. 136 ff. et) Ausdrücke des Fechterwesens. S. 13Sf. ß) Ausdrücke 
der Spielleute und Fahrenden. S. Jo9f. 



Abschliessende Zusammenfassung der Hauptergebnisse der 
Untersuchung. S. 14-0 ff. 



IV. Teil. Beilagen. 

1) Die Fechtprobe zwischen Hagen und Wate aus dem Kudrun- 
liede. S. 142 ff. 

2) Geschichte der Kampffechter von Löwen. A) Altere Fassung. 
S. 144 ff. B) Jüngere Fassung. S. 150ff. 

3) Stellen aus Hugo von Trimberg's < Renner > über die Kämpen 
etc. S. 155 f. 

4) Die Nürnberger Fechtschulreime vom Jahre 1579. (Abdruck 
nach Wassmannsdorff.) S. 156 ff. 

5) Fechtzettel aus dem Joachim Meyer'sehen Fechtbuche von 
1570. (Abdruck nacli dem Fechtbüchlein.) S. 170ff. 

6) Drei Sprüche aus dem Jakob Sutorschen Fechtbuche von 
Dil 2. (Abdruck nach dem Neudrucke von 1849.) S. 173 f. 

7) Christoff Rösener's: Ehrentittel und Lobspruch der Ritter- 
lichen Freyen Kunst der Fechter u. s. w. von 1589. (Abdruck nach 
Wassmannsdorff.) S. 174—177 und 184—197. 



— 207 — 

8) Hans Sachsen's: Fechtspruch. Ankunfft und Freyheit der 
Kunst von 1545. (Abdruck nach Wassmannsdorff.) S. 178 — 184. 

9) Die Fechterfabel aus Burkhard Waldis 1 Fabelsammlung 
,Esopus". S. 197 f. 

10) Zwei Fechtergeschichten aus Johann Pauli's Schwank- 
sammlung .Schimpf und Ernst' von 1519. S. 198 f. 



Anhang. Verzeichnis der benutzten Schriften und Werke. 
S. 200 ff. 

Inhaltsübersicht. S. 205ff. 



LIBRfl 

14 

1981 / 




Lebenslauf. 

Ich Wilhelm Eduard Alfred Schaer, evangelisch- 
reformirter Gonfession, bin geboren am 10. Oktober 1874 
in Zürich als Sohn des damaligen Apothekenbesitzers da- 
selbst, jetzigen ordentlichen Professors der Pharmacie an 
der Universität Strassburg i. E., Dr. Eduard Schaer aus 
Bern, und seiner Gattin Anna geb. Vogel aus Zürich. 
Zunächst besuchte ich die Schulen meiner Vaterstadt und 
nach der im Herbste 1892 erfolgten Übersiedelung meiner 
Eltern nach Strassburg das dortige protestantische Gymna- 
sium und hernach das Pädagogium zu Basel. Von letzterem 
wurde ich im Frühjahr 1894- mit dem Zeugnis der Reife 
entlassen und wandte mich nun dem Studium der neueren 
Sprachen und der Philosophie zu, welchem ich an den 
Universitäten Berlin. München, Strassburg und Zürich vorn 
Frühjahr 1894 bis zum Frühjahr 1901 oblag. Während dieser 
Zeit nahm ich an den Vorlesungen oder Seminarübungen 
folgender Herren Professoren teil: In Berlin hörte ich bei 
den Herren A. Brandl, M. Hermann, M. Rüdiger, E. Schmidt, 
l\. Weinhold: in München die Herren E. Lipps. Fr. Muncker, 
H. Paul. H. v. Bänke, J. Schick und R. Woerner; in 
Strassburg die Herren Bresslau, Henning. Hensel, Joseph, 
Kaibel, Koeppel, Leumann, Martin, Neumann, Varrentrapp, 
Windelband und Ziegler: in Zürich die Herren A. Baeh- 
matm, L. P. Betz, A. Frey. H. Morf, R. Rahn, J. Stiefel 
und Tb. Vetter. Am 3. März 1900 bestand ich an der 
Universitäl Strassburg das philosophische Doctorexamen. 

Es ist mir eine angenehme Pflicht, an dieser Stelle 
allen meinen hochverehrten Lehrern, besonders aber den 
Herren Professoren Henning, Koeppel, Martin, Win- 
delband und Ziegler meinen herzlichsten Dank auszu- 
sprechen für das grosse Interesse und das hebenswürdige 
und beratende Wohlwollen, das sie mir und meinen 
Arbeiten während der ganzen Studienzeit so freundlich 
entgegengebracht haben. 



M. DuMont-Schauberg, Strassburg i. E. 




PLEASE DO NOT REMOVE 
CARDS OR SLIPS FROM THIS POCKET 

UNIVERSITY OF TORONTO LIBRARY 



DD Schaer, Alfred 

64 Die altdeutschen fechter 

S3 und spielleute 

190] 




:LO : 



i 



;;,.: .. 



: ■■:-■ 






£Iü* M 



m 



m. 



&- 



*r.*j 



s 







fi'-J- 













,!