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Full text of "Die altgermanische Poesie nach ihren formelhaften Elementen beschrieben"

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JAMES BBYAin? CONANT 



HARVARD COLLEGE LIBRAK 





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altgermanisolie Poesie 



foimelhait'ec EünetT-rn tr^^trieK-n. 



Bichard X. Herrr. 




BERLfN 1889. 
VERLAG NUN WILHELM IIKUIV 



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Dem Andenken 



meines verehrtesten Lehrers 



Wilhelm Scherer 



in Dankbarkeit gewidmet. 



Moral: det er den filologiske dyaergeklogt, 
der haenger i ordet, og derover glemmer 
Verden. En sten er iuu og en sten 
bliver ban. 

PeterseD, Bidrag til den oldnordiske 
literaturs historie S. 106. 



Vorwort 



»Wenn ein Wandersmann über öde Heiden, Sonne und 
Last des Tagee getragen hat, und in der Dämmerung durch 
eng gewundne Grartenpfade heimrieht, legt er an ihres Grases 
Thau den Staub seiner Füsse abstreifend mit schon erfrischten 
Gliedern und sorgenfreier die letzten Schritte zurück. In solch 
einem kühlenden Behagen werden Epiloge, die wir unsem 
Büchern voraus zu setzen pflegen, niedergeschrieben, um Rechen- 
schaft von dem Greleisteten zu geben. Verfehltes zu entschul- 
digen, Allgemeineres nachzuholen.« 

So beginnt Jacob Grimm die schönste seiner schönen Vor- 
reden, die zum vierten Theil der Deutschen Grammatik. Der 
Wohlklang seiner herrlichen Worte stehe wie ein Segensspruch 
über dem Eingang dieses Buches, dessen Verfasser nur des 
Einen sich rühmen darf, welche immer frische Freude er auf 
seinem Weg an dem Blick auf die Werke der Meister empfand, 
der Meister der Dichtung wie derer der Forschung, an denen 
sein Pfad ihn vorbeiführte. Ueber Geleistetes habe ich wenig 
Bechenschaft zu .geben; was an meiner Arbeit gelungen sein 
mag, überlasse ich den Lesern herauszufinden, die hoffentlich 
diese Grossmuth zu eifrigem Suchen anspornen wird! All- 
gemeineres bringt der Schlusstheil des Buches; so bietet dieser 
Raum erwünschte Gelegenheit, Verfehltes zu entschuldigen. 

Vor Allem weiss ich mich mannigfacher Ungleichheiten 
schuldig, in der Benutzung der Vorarbeiten wie in ihrer Aus- 



VIII 



Schöpfung, in der Darstellung und Anordnung wie in der Ortho- 
graphie, und besonders auch in der Art, wie ich die christliche 
Alliterationsdichtung bald herangezogen, bald zurückgeschoben 
habe. Oft ist diese Ungleichheit mit Verschiedenheit des be- 
nutzten Materials zu entschuldigen, oft fällt sie einfach meiner 
Inkonsequenz zur Last. — Schlimmer wäre es, wenn trotz dem 
liebenswürdigen Entgegenkommen, das Verleger und Buch- 
drucker mir zeigten, Druckfehler und Versehen verwandter Art 
übersehen sein sollten; dies, hoffe ich, ist nicht häufig der 
Fall, und die Unmenge der nachzuprüfenden Belege diene dann 
zur Entschuldigung. 

Schuldig weiss ich mich femer eines Fehls, der wenigstens 
zu den Berufskrankheiten des Philologen gehört: der Freude 
am Citat um des Citirens willen. Gewiss hat sie mich oft zu 
imnöthigen Anführungen verleitet; andere mögen Manchen will- 
kommen sein, und das Vergnügen, für eine Stelle bei Walther 
von der Vogelweide oder Philipp von Zesen im Vorbeigehen 
eine neue Erklärung abzupflücken, gönne man dem, der so 
viel schon stehen lassen musste, was er lieber mitgenommen 
hätte. Solche Beziehungen führen doch immer ein in den 
lebendigen Strom der stets sich erneuenden Erscheinimgen. 
Andererseits wird man auch manchen guten Beleg vermissen; 
besonders bedauere ich, dass ich Otto Lüning's treffliches Buch 
über die Natur im altgermanischen und mittelhochdeutschen 
Epos erst am Schluss der Arbeit benutzen konnte. Einiges 
ward absichtlich verschwiegen; so wie ich die grundlegenden 
Arbeiten von J. Grimm Weinhold Scherer und Heinzel auszu- 
pressen suchte, brauchte nicht Jieder automatisch wortregistrirende 
Aufsatz der Fachzeitschriften ausgebeutet zu werden. Auch hat 
nicht Jeder, der einen kleinen Fund gethaii, für alle Ewigkeit 
zu verlangen, dass jedesmal der Erwähnung der Thatsache sein 
unsterblicher Name beigefügt werde. — 



IX 



Andere Fehler, mehr als genug, werden Andere aufweisen, 
statt des Verfassers: {)ä {)at finnr, er at I)ingi k0mr, at hann 
ä formaelendr fa. Weiss ich doch selbst, dass es mir nicht nach 
Wunsch gelungen ist, durch die »stille Logik der Thateachen« 
die historischen Anschauungen sicherer zu ordnen imd zu be- 
richtigen (wie Paul Heyse von Goedeke's Grundriss rühmen 
durfte). Auch die werden nicht fehlen, welche von Grund aus 
schon die Anlage des Werkes verurtheilen und die Anschauungen, 
aus denen es hervorgeht; die in der Ausdehnung . der ver- 
gleichenden Methode auf fremde Literaturen oder gar auf die 
Gegenwart dilettantische oder »feuiUetonistische« Sünden sehn. 
Solches aber kann ich meinem Sündenbekenntniss ^icht anfügen: 
wo ich einen Stein beitragen konnte zu dem Bau einer objec- 
tiven Poetik, wie Scherer sie plante, da habe ich es freudig 
gethan: 

Wir wollen Bürger werden auf dem Boden, 
Den imser König sterbend sich erobert! — 

Berlin, 23. Juli 1889. 



Inhalt. 



C&p^M l Binleitang S. 1. 

Aufgabe S. 1. — Geschichte der Formelaftmmluogen zur altgemh Poesie 
S. 2 (alt0 Zeit S. 2—5, nene Zeit S. 5—7). — Stellung zu de& Vorarbeiteii 
S. 7. — Skizze einer Geschichte der Formeln S. 8. — Anordnung der Ar- 
beit hiernach bestimmt S. 11. — Schema S. 12. 

Capitel IL Hauptbegriffe der altgermanischen Poesie S. 16. 

§1. Ideen S. 16. — Die herrschenden Ideen nachgewiesen: 1. durch 
die Statistik der poetischen Variation S. 16. — - 2. durch die Namen des 
Runenalphabets S. 21 (Liedergattungen S. 28, Variation der Runen S. 87, 
Eigennamen S. 29). — Vergleichung beider Ergebnisse S. 29. — § 2. Typen 
S. 81. — 1. Symbolische Gestalten S. 32. — 2. Typische Gestalten S. 85. 

— 3. Individuelle Gestalten S. 40. — Ergebniss S. 40. -* § 3. Motive S. iL 

— Bilder aus dem Leben: 1. der Welt S. 42 (äussere Beschreibung S. 42, 
innere S. 44) — 2. der Götter S. 46. — 3. Wunderbares S. 47 (Beschwö- 
rung S. 47, Fluch und Segen S. 48, Zauber S. 49, Prophezeiung S. 50, Eid 
und Gelübde S. 51). — 4. Menschen S. 52 (Stände S. 52, Volk S. 52, Hof 
S. 52, Gfastmahl S. 53, Schatz S. 54). — 5. der Einzelne: der Held S. 55, 
(Geburt S. 55, Heldenthaten S. 56, eigene Unternehmungen S. 57, Ursachen 
des Krieges S. 57, Gewaltthaten S. 59, Frevel S. 60, Einzelheiten des Krieges 
S. 60; Nebenwerk: Seefahrt Wache Scheltkampf S. 61 , retardirende Momente 
S. 63; Liebe S. 64, Freundschaft S. 65, tägliches Leben S. 65). — 6. Charaktere 

■^ und Stimmungen geschildert S. 68. ~ 7. leblose Dinge beschrieben S. 68. 
*^. — Ergebniss S. 69. — Bestätigung durch Spruchreihen aus den Hav. S. 72. 

.^/Capitel IIL Nebenbegriffe der altgermanischen Poesie S. 73. 

§ 4. Zahlenangaben S. 73. — Einfache Zahlen S. 74 (Zahlenreihen 
S. 82, Ergebniss S. 84). — Zusammengesetzte Zahlen S. 85. — Zahlen- 
häufung S. 86 — Brache S. 87. — Gesammtergebniss S. 88. — Bestätigung 
durch Zauberzahlen S. 90. — §5. Zeitangaben S. 91. ^ A. Zeitangaben 
mit Zahlenangaben verbunden S. 91 (die Zahlen S 91 , die Benennungen 
S. 92). — B. Zeitangaben ohne Zahlenangaben S. 94: L Absolute Zeit- 
angaben S. 94 (Tageszeiten S. 94, Contrast S. 94, Benennungen S. 96). — 



XI 

II. Relative Zeitangaben S. 96 (Häufigkeit S. 97, Benennungen S. 97). — § 6. 
Geräusch- nnd Tonbezeichnungen S. 98. — Altnordisch S. 99. — Ags. 
S. 101. — Vergleich beider Gruppen S. 105 (Reim S. 106, tönende Wesen 
und Dinge S. 107). — Anhang: Termini der Bewegung S. 107. — § 7. Ideale 
S. 108. ~ Die ideale Welt als Abbild der realen Welt S. 108. — Männer 
S. 110 (Ergebniss S. 112). — Frauen S. 112 (Ergebniss S. 118). — Dinge 
S. 118. — Vergleich der altn. nnd ags. Gleichnisse S. 111 

Capitel IV. Worte S. 116. 

§ 8. Heiti S. 116. — Variationslust S. 116 (in Botenberichten S. 118, 
im Dialog S. 118, im Refrain S. 119, in Einleitongsformeln S. 120). — Li- 
teratur S. 120 — alphabetisches Verzeichniss S. 122 f. ^ Ergebniss: Begriffe 
S. 144. Dialekte S. 146. Wortklassen S. 148 (Variation nach dem 
Anlaut des Hauptwortes S. 148 f., Bestätigung durch Verzeichniss der Verba 
des Gebrauchs S. 151 und der Bewegung S. 152; der Gebrauch der unter- 
geordneten heiti durch ein ags. Beispiel erläutert S. 153). — § 9. Renningar 
S. 156. ^ Umschreibungen im allgemeinen S. 156. — Verfahren in der 
altgerm. Poesie S. 157 (1. Begriffe S. 158, 2. Bilder S. 159, 8, Combination 
S. 159). — Verhältiiiss zu den heiti S. 160. — Literatur S. 161. ~ Excurs 
über die Geschichte der germ. Renningar S. 162. — Verzeichniss S. I68f.: 
Götter S. 164. — Einzelne Personen S. 165 (Ergebniss S. 169). -- Be- 
griffe S. 170f. (Personen S. 170, der menschliche Rörper S. 172, Waffen 
S. 173, Rampf S. 174, Naturgegenstände S. 175, Thiere S. 177, Werke 
menschlicher Arbeit S.177, Tod und Grab S. 178). — Anhang verbaler 
Umschreibungen S. 179. ^ üebersicht nach den zweiten Gliedern der Um- 
schreibung S. 181 (Ergebniss S. 182, transitive S. 183, intransitive Umschrei- 
bungen S. 183). — Üebersicht nach den ersten Gliedern der Umschreibung 
S. 185 (modale und finale Umschreibung S. 186). ^ Dreifache Renningar 
S 187. — Reim S. 188. — Anhang zu § 8 und 9. Heiti und 
Renningar S. 188. — Chronologisches Verhältniss beider Gruppen 
S. 188. — Dialekte S. 189. — Schichten der Appellativa S. 190. — Ein 
altn. Beispiel: „hraunvalr" S. 191. — Ein nhd. Beispiel:. „Hohenzollemaar** 
S. 192. * Gemeingerm. Synonymik S. 194. — Methoden der chronologischen 
Controle S. 194. — Ein gemeingerm. Beispiel: „Sohn" als Glied der Ren- 
ning S. 196. — § 10. Epitheta S. 196. — Verhältniss zu heiti und kenningar 
S. 196, zu den Eigennamen S. 197. — 1. Eigentliche Epitheta (für einzehie 
Personen S. 198, für Appellativa S. 199). — 2. Farbenangaben S. 201 (grün 
S. 202, weiss S. 202, roth S. 203, schwarz S. 204, grau S. 205, andere 
Farben S. 206). — Farbenhäufung S. 206. — Farbencontraste S 207. — 
Farbenvergleiche S. 207. — Farbige Dinge S. 207. — Farbensteigerung 
S. 208. — Ergebnis S. 209. — 3 Stoffbezeichnungen S. 210 (golden S. 210, 
silbern S. 211, eisern S. 213). — 4. Superlative S. 215 (heidnische Gewohnheit 
in älterer S. 216, in jüngerer Zeit S. 217, christliche Art S. 217). — Er- 
gebniss S. 218. Das Epitheton vom Hauptwort abhängig: etymologische 



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und ailiterirende Epitheta. Idealistiflche Tendeni aller Epitheta S. 890. ~ 
Literatur S. 222. — Anhang in % 10. Feste Apposition S. 288. — Stia- 
dige Begleitsfttze S. 224. 

Capital V. Wortgrnppen S.227. 

§ 11. Wortwiederholnng S. 227. — 1. Echte Wortwiederholnng S. 28& 

— 2. Unterbrochene Wortwiederholung S. 288. — 8. Yariirte Wortwieder- 
holnng S. 229. — 4. Flectirte Wortwiederholnng S. 280 (Bedentong der 
Figur S. 280, Yerzeichnifls der altgerm. Steüen: mit PriLpoaition S. 888, 
ohne Präposition S 284, Ergebniss S. 285). — Anhang: Flectirte Verbal- 
an&ahme S.289. — §12. Zwillingsformeln S. 840. —Definition S.84a 
~ Verhftltniss zu andern Figuren (Grundbegriffe der tantologischen Zwillin^i- 
formeln) : Verhältniss zu den Parallebersen S. 242. — Ursache der Häa- 
figkeit dieser Figur S. 244. — Entwicklungsgeschichte der Zwillingsformel 
S. 246 (ein Torhistorisches Beispiel der begrifflichen Zwillingsformel S. 246, ein 
germ. Beispiel der metrisch-gefestigten Zwillingsformel S. 260, Ergebniss 
S. 261). — Literatur S. 261 — Verzeichniss S. 268. A. Alliterirende 
Zwillingsformeln S. 263. 1. altn. S. 268 (SubstantiTa S. 258, AdjectiTa 
S. 256, Verba und Participia S. 256, Adferbia S. 257, Ergebniss S. 267: 
ältester Kunstdichtung eigenthümlich S. 258, metrische Gestaltung S. 269, 
Umgestaltungen S. 259). — 2. ags. S 260 (Substantiva S. 260, Adjectiya 
S. 269, Verba und Participia S. 274, Adverbia und Präpositionen S. 276, 
Ergebniss S. 276: Chronologie S. 277, Umgestaltungen S. 278: a) Anglei- 
chung, ß) Anreimung, y) Ausdehnung, ')) Störung der Symmetrie: ungenaue 
Zwillingsformeln, c) Erweiterung). — 3. ahd. S. 283. — B. Reimlose 
Zwillingsformeln S. 283. — 1. altn. S. 283 (Substantiva S. 288, Adjectira 
S. 283, Verba und Participia S. 283, Adferbia S. 288, Ergebniss S. 288). — 

2. ags. S. 285 (Substantiva S. 286, Adjectiva S. 287, Verba und Participia 
S. 288, Adverbia S. 289, Ergebniss S. 289). — 8. ahd. S. 29a -- C. End- 
reimende Zwillingsformeln S. 291. — 1. altn. S. 291. — 2. ags. S. 291. — 

3. ahd. S. 293. — Gesammtergebniss S. 298. — Anhang: Reimcomposita 
S. 296. ~ 8 13. Wortspielerei S. 296. -- Allgemeines S. 296. — 1. Doppel- 
deutigkeit S. 297. ~ IL Formelles Wortspiel S. 298 f — Literatur S. 29a 

— Verzeichniss S. 298 : A. Adnominado S. 298 (Ergebniss S. 299). — 
B. Paronomasie S. 299 (Ergebniss S. oOl). — C. Endreim S. 302f. — 1. altn. 
S. 308: a) Namen S. 303, b) andere Fälle S. 308; Ergebniss S. 304. — 
2. ags. S. 304: a) innerhalb eines Verses S. 304, b) innerhalb eines Vers- 
paares S. 305, c) am Schluss zweier Halbverse S. 305, a) die beiden Hälften 
eines Vollverses reimen S. 305, ß) der zweite Halbvers eines Vollverses 
reimt mit dem ersten des folgenden VoUverses S. 307, /) Cäsurreim in den 
folgenden Vollvers verlängert S. 307, o) der erste Halbvers eines Vollverses 
reimt mit dem ersten des folgenden VoUverses S. 307, s) ein Halbvers reimt 
mit einem weiter abstehendea Halbverse S. 307, d) am Schluss zweier Voll- 
verse S. 307, a) Vollvers reimt mit folgendem Vollvers S. 307, ß) mit weiter 



xm 

Bbstehendem VollTers S. 808. Ergebniss S. 808. -- 8. alts. S. 808. — 4. ahd. 
S. 809. ^ Gesammtergebniss S. 810. — Anhang: Analogie der Namen- 
gebung S. 810. — § 14. Wortanfnabme S. 811. — Wuriel der Wortaufnabrae 
S. 811. ~ Wortanfnabme I. im Dialog, II. sonst: 1. einfache Wortaufnahroe, 
a) altn. S. 812, b) ags., abd. S. 814. — 2. gesteigerte Wortanfnabme: Ana- 
phora, a) altn. S 815 (anapboriscber Dreizeiler S. 816, Umgestaltungen des- 
selben S. 817), b) ags. S. 818, Vergleich b^der Gruppen S. 818, c) as., 
ahd. S. 820. — Gesammtergebniss S. 821 (ein urgerm. anaphorischer Drei- 
lefler S. 821). — Literatur S. 828. — Anhang: Epiphora S. 828. — Wort- 
anfnahme als redactionelles Hilfsmittel S. 824. 

Capitel VI. Verse S. 825. 

§ 15. Doppel verse S. 825. — Kur altn.: Verzeichniss der Fälle S.825. 

— Ergebniss (Vertheilung S. 825, Stellung S. 82G, Form S. 826). — 1. 16. 
ParallelverseS. 827. — Alter und Bedeutung S. 827. — Wurzel der germ. 
Parallelverse S. 828. — Verbältniss zu den Zwillingsformeln S. 829. — 
Ahd. ags. as. Fälle S. 880. — Verzeichniss der altn. Fälle S. 881 f.: I. Voll- 
ständige Parallelverspaare S. 832: 1. zwei parallele Kurzverse S. 882. ~ 
8. zwei parallele Langverse S 382. — 8. drei parallele Kurzverse S. 838 

— 4. ein Kurzvers zwei anderen parallel S. 838. — 5. zwei parallele Kurz 
verse einem Langvers parallel S. 838. — 6. zwei parallele Halbstrophen 
S. 883. — 7. drei parallele Halbstrophen S. 333. — 8. parallele Vollstro- 
phen S. 883 — 9. weitergehende Häufungen S. 334. — II. Unvollständige 
Parallelverspaare S. 384: 1. zwei parallde Kurzverse S. 334. — 2. zwei 
parallele Langverse S. 384. — 8. drei parallele Kurzverse S. 385. — 4. drei 
parallele Langverse S. 835. — 5. zwei parallele Kurzverse einem Langvers 
parallel S. 335. — 6. weitergehende Häufungen S. 885. — Anmerkung: 
chiastische Stellung S. 836. — Ergebniss S. 836 (Vertheilung S. 336, Be- 
deutung: die Figur ist archaistisch S. 887; Form S. 337, Ursprung S. 338, 
Entwicklungsgeschichte der Parallelverse und Zwillingsformeln S. 339). — 
Literatur S. 889. 

Capitel VIL Versgruppen S. 840. 

§17. Refrain und Gegenrefrain S. 340. — Alterund Bedeutung 
S. 840. — Verhältnis» beider Figuren zu einander S. 841. — Verzeichniss der 
Fälle S. 841 f. — I. Refrain S. 341: 1. altn. S. 341. — 2. ags. S. 342. — 
Ergebniss S. 343 (Länge S. 343, Stellung im Gedicht S. 343, Vertheilung Ober 
die Lieder S. 344, Entwicklung des Refraius S. 345). — IL Gegenrefrain 
S. 847: 1. ags. S. 347. — 2. altn. S. 348: a) ein Verstbeil, b) eine Zeile, 
c) zwei Zeilen, d) eine Halbstrophe mit Variation, e) eine Halbstrophe ohne 
Variation, f) mehr als eine Halbstrophe, g) Gegenrefrain mit Zählung, An- 
merkung: Gegenrefrain berührt sich mit Verswiederholung S. 350. — Er- 
gebniss 8. 351 (Beziehung einzelner Refrains zu Gegenrefrains S. 351). — 
Entwicklungsgeschichte der Refrains und Gegenrefrains S. 351. — IIL Mittel- 



UV 

refraiitS. 868. — Lüeratnr S. 864. — § 18. Technische Satsformela 
S. 856. — Alter und Bedeotong S. 366. — A. EIngangiifonneln S. 867: L Eln- 
gauig Tom Sftnger and Znhörer S. 867, a) Betheuerong der Wahrheit S. 867, b) 
Ermahnung zor Anfmerksamkeit S. 858. — 2. Eingang Tom Stoif S. 868, 
a) Ton der Sitaation ans S. 368, a) Zeitangabe, ß) Ortsangabe, y) Frage 
nach Held oder Handlang S. 868, b) von einem allgemeineren Begriff ans 
S. 859. Anhang: Eingangitbnneln der ags. Rithsel S. 859. — 8. keine Ein- 
leitung S. 869. — Ergebniss S. 860 (Anmerkong: die Anpreisung der Neu- 
heit fehlt S. 862). -- B. Schlussformeln a 868: 1. im Prisens S. 868. — 
2. im Prfttoritam S. 364. — 8. Prftteritam and Futurum oombinirt S. 864. 
— 4. im Futurum S. 364. — 6. kein Abschhiss S. 364. — Ergebniss S. 866 
(Analogie mit der Entwicklung der Eingangsformeln in zunehmender Sub- 
jecti^ittt, in Dehnung, in Sonderstellung der ags. Poesie). — Anhang: 
Eingangs- und Schlussformeln fOr einxelne Strophen S. 867. — A. Strophen- 
einführung S. 367. — B. StrophenschlOsse S. 367: 1. Recapitulationsformel 
S. 367. -- 2. Definitionsformel S 368 (Entwickelung derselben S. 368). — 
G. Abschnittsformeln S. 370. ' — I. ObjectiTe Abschnittsformeln S. 870. — 
1. Einführung des Redners S.d70: a) Ankündigung der Rede S. 370, b) Auf- 
forderungzur Rede S. 371, c) einfache Einleitung der Rede S. 871, d) eigent- 
liche Einführung des Redners S. 371, e) Ankündigung der Antwort S. 371, 
f) einfache Einleitung der Antwort S. 372. — 2. Zeitangaben als Abschnitts- 
formeln S. 372. — 3. Einführung neuer Personen S. 372 : a) tou schon ein- 
geführten Personen ausgehend S. 372, b) Situation der neuen Person be« 
schrieben S. 373. — 4. Symbolische Handlungen S. 374: a) Versammlung 
berufen S. 374, b) der Held erbebt sich S. 374, c) er durchschreitet den 
Saal S. 375, d) er erwacht ans dem Schlaf S. 375, e) Auflachen S. 376, 

f) Weinen S. 376. — 5. die Conjunction «bis dass* S. 376. — H. Subjectire 
Abschnittsformehl S. 376: 6. Anmerkungen des Dichters S. 376. a) Betheue- 
rung der Wahrheit S. 376, b) Bfabnnng zur Aufmerksamkeit S. 377, c) Ver- 
sicherung der Merkwürdigkeit S. 377, f) erklärende Anmerkungen S. 377, 

g) ermahnende Anmerkungen S. 377, h) halb erklärend halb betrach- 
tend S. 378. — Ergebniss S. 379 (Anmerkung: Berührung mit anderen 
Figuren S. 380). — Literatur S. 380. — § 19. Geremonielle Satzformeln 
S. 381. — Alter und Bedeutung S. 381. — Verzeichniss S. 383 f.: 
1. Frage nach dem Namen S. 383. — 2. Nennung S. 384. -- 3. Be- 
grüssung S. 384. — 4. Verfluchung S. 385. — 5. Eid S. 386. — 6. Anrede 
im Gespräch S. 386. — 7. Befehl als Bitte S. 386. — 8. Ermahnung im 
Gespräch S. 387. — 9. lyrische Wendungen in der eleganten Gonversation 
S.387; 10. Zauberformeln S. 388; 11. Rechtsformeln S 338; 12. Schenken 
und Empfangen S. 389; 13. Gebet S. 389. — Literatur S. 390. — § 20. 
Andere Satzformeln S. 391. — Entstehung S. 391 (Vergleichung eines 
entsprechenden Stückes aus Otfrid imd Heliand S. 392). — Alphabetische 
Verzeichnisse S. 393 f.: 1. gemeingerm. Satzformeln S. 393, 2. altn. Satz- 
formeln S. 400, 3. ags. Satzformeln S. 404, 4. as. Satzformeln S. 406, 



XV 

6. abd. Satifonoeb S. 406. — Anmetkniig: ollm&bliche Feetignog der Satz- 
formeln S. 406, — | 21. Wiederholte Verse S.407. — Bedlhraog mit 
anderen Figoren S. 407. — Veraeichniss: 1. alte. Falle S. 407 (Ergabnise 
S. 412: Terbreitnng — CmgestattaDg — Form). E. age. FSIle S. 414. — 
Gesamnitef^biiies S. 416 (gemeingenn. Verse? S. 416). — Literatur S. 417. 
|2S. Stehende Versanegänge S. 416. — Verbältniss der poetiBcheo snr 
Dormaleo Wortstellung S. 418. — Stellnng dee Verses iu der Strophe S. 419. 

— Veraeichniss S. 421f.: 1. alto. FiUe: a) Wahl des ScUnsswortee nach 
der Bedeutung S. 422, b) Wahl des Schlnsswortes nach dem Klang S. 424. 

— Ei^buise S. 425. — Anbang: stehende VerBaoflDge S. 426: k) WaU 
des Aohngsivortefl nach der Bedeutung S. 426, b) Wahl des Anfangswortes 
nach dem Klang S. 427. — Ergebnias S. 427. — Umgestaltnog alter Verse 
durch Anstellung in neue Verse S. 427: altn. Beispiele S. 428, as. Bei- 
spiele S. 429, VersansgSoge in Edda nud Beliand verglichen S. 430, in 
Eeliud und Erist S. 481. — 2. as. F&tte S. 432: a) für den ersten Halb- 
vers, b) fDr den zweiten Halbrers. — Ergebniss S. 432. 

Capttel VIII. Sitie S. 438. 
g 23. Hllnfnng S. 439. — Alter und Bedeutung S. 433. — Priamel 
S. 434, (ein urgenn. Beispiel? S. 434, formelle Entwickelnng S. 436). — 
Klimax S.496. — § 24. Vergleich und Metapher S.436. — Schichten 
des bildlichen Ausdrucks S. 436: altn. u. ags. verglichen S. 437. — Ver- 
aeidmi» S. 43Sf.: I. Hetaphem S. 4S9. 1. vom Menschen nnd mensch- 
liehen Leben S. 439, 2. vou Thiereu und ihrem Than S. 440, 3. von 
NatorgegenstAnden S. 440, 4. von Werken menschlicher Arbeit S. 440. — 
Ergebniss S. 441: altn. Metaphern S. 441, ags. MeUphem S. 442. — 11. 
Vergleiche S. 448. A. Qegenstfinde der Vergleictinng S. 443 1. aus dem 
menschlichen Leben S. 443, 2. ans dem ThierreJch S. 443, 8. aus dem 
Pflanzenreich S, 444, 4. andere Naturgegensttode S. 446, 6. verarbeitete 
Natnrgegenstftnde nnd andere Dinge S. 446. — b) Träger der Vergleichnng 
S. 443, 1. abermenschlicbe Wesen S. 446, 2. Menseben S. 446, 3. Thiere 

5. 447, 4. Naturgegenst&nde S. 447, 6. verarbeitete Gegenstände S. 447, 

6. Abstracto S. 447. — Ergebniss S. 448. — Auhaug: Räthset S. 449. — 
Traumbilder S. 449 — falsche Dentuugeu S. 460. — I^teratnr S. 450.' 

— Anmerlmng: Verhlltniss der Vergleiche zum epischen Leben (ein mhd. 
Beispiel) S.4ßl. — §26, Sprichwörter S. 452. — Form S,452. — Ver- 
arbeitung (eine mhd. Analogie) S. 452. — Verzeichniss S. 453, 1. altn. 
S. 453, 2. ags. S. 455, 3. abd. S. 456. — Bi^bnise S. 466 (idg. a. urgerm. 
Spmchschatz — Entstehung von germ. Sprichwürtem — Vertheilnng). — 
Anhang: Entlehnungen und Citate S. 458. — § 26. Antithese S. 460. — 
Alter und Bedeutung S. 460. — Antithese in Zwillingsformeln S. 4C1, an 
anderen Stellen S. 463. — Antithetiscber Bau ganzer Gedichte S. 465. — 
" r S. 466. 



XVI 

Capittl IX. Satsgrappen S. 466. 

§ 27. Aufbaa der Gedichte S.466. — Venchiedene Regeln ftlr ver- 
schiedene Arten and Perioden der Dichtung S. 466. ^ A. Angemeiner Auf- 
bau S. 467 1. Epische Gedichte S. 467: a) Einzellieder S. 467, b) Sammei- 
lieder S. 468. — Anmerkung: retardirende Momente S. 469. — 2. Ono- 
mische Gedichte S. 469: a) Einzellieder S. 469; ein altn. Beispiel S. 469, 
b) Sammellieder S. 470. — Ergebniss S. 470. — B. Aufbau im Einaelnen 
S. 471: die Rigs|>ala als Beispiel S. 471. — Anhang: Aufbau von Gedicht- 
gruppen — Sagenkreisen — Liedersammlungen S. 476 (Grflnde des steigen- 
den Auf bans S. 476. ^ Yerhftltniss zu einzelnen Formelklassen S. 477. 

— Ergebniss: Antheil des ordnenden Dichters S. 477. — Literatur S. 477. 

— Schlnss. Die Formeln und der Stil der altgerm. Poesie S. 478. ^ 

Capüel X. Ergebnisse S. 481. 

§ 28. Zur Charakteristik der poetischen Sprache S. 488. — 
Die poetische Sprache ein kunstmässig herausgebildeter Dialekt S. 483. L 
Sie \&t nicht eine besondere Sprache S. 483. — IL Sie ist ein Dialekt 
S. 484, ohne eigene Sprachschopfung S. 484, wie alle Dialekte entstanden 
S. 485. — III. Ihre Eigenart ist konsequente Fortbildung dor in der 
Sprache gegebenen Anlagen S. 486: 1. in Bezug auf die innere Form: a) das 
etymologische Moment (in Epitbetis) S. 489: Begriff der Rune S. 494 und 
der Runenerfindung S. 494 f. — 2. in Bezug auf die äussere Form: S. 497 
(Kenningar — AnalogiebilduDgen — Zerfall und Pflege ganzer Wortklassen). 

— Das Verhältniss der poetischen zur alltägüchen Sprache vergleicht sich 
demjenigen der Namengebung zur poetischen Sprache S. 499 (Substanti- 
virung — Gondensirung — Idealisirung). — Ergebniss S. 502. — §29. Zur 
altgermanischen Stilgeschichte S. 503. — Gesetz der Gondensirung 
S. 503 (scheinbare u. wirkliche Ausnahmen). — FormelkJasseu S. 504: 1. sym- 
bolische Formeln S. 504 (Wortwiederholung — Wortaufnahme — Parallelis- 
mus der Theile); 2. technische Formeln S. 505: a) zur Herrorhebuug 
einer an sich wichtigen Stelle S. 505, b) zur Hervorhebung einer für 
die Gliederung des Gedichtes wichtigen Stelle S. 507. — Ergebniss: 
Zunahme der technischen Rücksichten S. 507. — § 30. Zur altgerma- 
nischen Poetik S.508. — l. Innere Form S. 508. — IL Stoffwahl S. 509. 
III. Stil S. 510. — IV. Motivenlehre S. 512. — V. Aeussere Form S. 513. 

— VI. Uebergangserdcheinungen S. 513. — §31. Zur altgermanischen 
Metrik S. 514. — Einzelnes: Der anaphorische Dreizeiler und seine Bedeu- 
tung S. 514. — Der Dreireim und seine Wirkung S. 514 — Allgemeine 
Bewegung der altgerm. Metrik S. 515 (Bestand vor und nach der altgerm. 
Periode S. 515). — SchrauckmitieJ : Reim, Assonanz S. 516. — §.32. Zur 
altgermanischen Literaturgeschichte S. 516. 1. Idg. Zeit S. 516. — 11. 
ürgerra. Zeit: erste Periode (Tacitus; Priamel) S. 516; zweite Periode 
(Runensprüche — Zauberdichtunff, Schöpfuugsbericht — Scheltlieder, Ora- 
kelpoesie) S. 517; dritte Periode (Parallelverse — Refrain — Vergleiche) 



XVII 



S. 518. — m. AJtferm. Zdl S. 518 (Soudereutwickelnng d«r Angeleacbsen, 
der SkwdiiuLTier nnd Dentschei)) ~ Ei^ebDJss S 519. — § 33. Zar ver- 
gleichenden Liter atar geschieh te S. 630. — Der Chanüner einer Volks- 
iodirjdaaliUt kuin am Besten aas Sprache nnd Literator 6er Nation erkannt 
werden S. 520, aber nur aaf vergi eichendem Wege S. &21. — I. Der alt- 
gem. Literatur sind mit anderen Literaturen gemein Figoren (vor ADem symbo- 
lische Figuren) S. 531, Weiterentwickeln Dg bestimmter Fignren S. 528, 
Formen der Gedieh tcompomtion S. 524, literariBche Bewegungen S. 526. 

— U. Der altgerm. Literatur scheinen bestimmte ZQge eigentbOmlich S. 5S6. 

— Versnch, dieselben zu denten S. 627. — Ei^bnisu S. 529. — § 84. 
Zur Methodologie S.630. — 1. Znr niederen Kritik S.630. — S. Znr 
halberen Kritik S. 630. — 3. Zur literarhistorischen Gnippirong S. 638. — 

4. Znr Antorschaftekritik S. 535. — 5. Zur Datimng S. 687. — Scbloss 

5. 538. — 

Register S. 539. — / 



Abkürzongen. 



Aelfred => Aelfrcda Tod, Qreio Bibl. 

I 367. 
AetheL = Aethebtui, Greio Bibl. 

I 362. 
AkT.=AtlakTia&, HUdebraDd'B Edda 
- S. 258. 
D. Alt. =3 MQllenboS. Denlache Al- 

torthonulctrade (veoD obne Zusatz 

ist Band V, I gemeint). 
AIt. — AlTissmal, Hildebnuids Edda 

S. 81. 
An. ~ Andreas, Grein Bibl. U 9. 
Anz. f. d. Alt = Anzeiger fOr deat- 

whes Alterthnm. 
Atlm. — AtUmal, Hildebrand's Edda 

S. 270. 
Ansg. LB.» Ausgabe letzter Hand. 
Az. s Azarias, Grein. Bibl. I 115. 

B. — Beövnlf, Grein Bibl. I 266. 
BeÖT. <B Beövnif. Grein Bibl. I 265. 
Bot. — Botschaft des Gemahls, Qrein 

Bibl. I 246. 
Brot a Brotaf SigurdaikviLtu, Hild. 

Edda S. 211. 
Bjrht. = Bvchlnotl, Grein Bibl. 1 343. 

CPB. •= Corpua poeticnin boreale 
edited by VigfusaoD and Powell. 

CrS. =1 bi moona crättum, Grein 
Bibl. 1 204. 

Chat = CjnewTilfa Crist, Grein Bibl, 
1 149. 



Duo. : 
Deör 



' Daniel, Grein BiU. I 94. 
= Dedm Klage, Gr^ BibL 



Dom. = Ddmea dig. Grein BibL 1 186. 
DrÄp = Drap Niflnnga, Hildebr. 

Edda S. 339. 
Eidg. » Eidgar, Qrein Bibl. I 365. 
Eidm. => Eidmund, Grein BibLI36&. 
E.i(iv =ßUheard, Grein Bibl. 1368. 
El. = Elena, Grein Bibl. D 106. 
Ex. = Exodus, Grein Bibl. I '6. 
Fdf. = FiUsmdl. Hüd. EddaS. 193. 
Fata. =• FaU Apoatolomm, Grein 

Bibl. n 7. 

Fin. = Kampf um Finnsborg, Grein 

Bibl. I 341. 
den. ^ Genesis, Grein Bibl. I 1. 
Gnom. ■■ Gnomica, Orein. Bibl. II. 

339. 346. 
Gr. = J. Grimro's Grammatik. 
Qrim. = Qrimnismäl, Hild. Edda 

S. 69. 
Grip. = Gripiaspd Hild. Edda S. 177. 
Gatb. = Gathükc, QreiD Bibl. II 31. 
GuCI. I II UI = GuiJrÜDarkYiila, Hild. 

.Edda S. 215. 240, 260. 
Guit. h». = Gutlrünar hTOOt, Hild. 

Edda S. 390. 
H. = Hdvamal, HUd. Edda S. 86. 
llamiT. = Kamitiamal, Hild. Edda 



r*1- 



Harb. » Hirbwdsljod, ffild. Edda 

S. 45. 
HiT. s HaTamil, Hild. Edda S. 86. 
Heinxel «s Stfl der altgerm. Poesie 

QF.X. 
H. H. ^ Helgakvida HondingsbaDa, 

mid. Edda S. 150, 162. 
H. HL SS Helgakrida Hjorrardssonar, 

Hfld. Edda S. 140. 
Hei. =s Heliand, herausg. t. Sleyers. 
Hei. » Helreid Bryiihüdar, HUd. 

Edda S. 236. ' 
Hüd. s HOdebrandslied, MSD lU. 
Hö. s Höllenfahrt, Grein Bibl. 1 101. 
Hj. ^ Hymnen und Gebete, Grein 

Bibl. n 280. 
Hym. 8 Hjmiskvida, HUd. Edda 

S. 27. 
HjndL » Hjndluljöd, Hfld. Edda 

S. 121. 
H. Z. s= Hanpt'6 Zeitschrift f&r deut- 
sches Alterthum. 

Jud. s Judith, Grein Bibl. I 120. 
Jul. s Joliana, Grein Bibl. H 52. 

KL s Klage der Fran, Grein Bibl. 

I 245. 
KL Sehr. ^ Kleine Schriften. 
Kr. s» Gesicht Tom heiligen Kreuz, 

Grein Bibl. ü 148. 

Lir. o: F4der lärcvidas, Grein BibL 

n 347. 
Lease ss bi manna lease. Grein 

BibL U 142. 
Lok. SB Lokasenna, Hild. Edda S. 34. 
Lüning ■» H. Lünings Edda. 
Lüning Natur «= Otto Lüning, Die 

Natur im altgerm. und mhd. Epos. 

Nen SB Menologium, Grein BibL II 1. 
Met SS Aelfreds Metra, Grein BibL 

n 295. 
MF SS Minnesangs Frühling, her. 

Ton Moriz EEaupt 



M6d. 8K bi manna mdde. Grein BibL 

I 210. 
MSD. SS Müllenhoff und Scherer, 

Denkmiler. 
Musp = Mospüli, MSD n. 

Odd. » Oddiinargratr, Hüd. Edda 
S. 252 

Fan SS Panther, Grein BibL I 238. 
PBB. 8 Paul und Braunes Beiträge. 
Pf. G. SB Pfeiffers Germania. 
Phar. 8 Pharao, Grein BibL U 850. 
Phon. 8 Phönix, Grein BibL I 215. 
Ps. = Psalmen, Grein BibL H 147. 

i^F SSE Quellen und Forschungen. 

B. SS Rigst)ula, HUd. Edda S. 112. 
RA. = J. Grimms Rechtsalterthümer. 
R&t SS R&thsel, Grein BibL U 869. 
Reg. » Reginsmal, Hüd. Edda S. 186. 
Reim. « Reimlied, Grein BibL H 187. 
Rig. SS R)gst)ula, Hüd. Edda S. 112. 
Ru. SS Ruiae, Grein BibL I 248. 
Run. ^ Runenlied, Grein Bibl. U 851. 

Sal. i» Salomo und Satumus, Grein 

Bibl. n 354. 
Sat. SS Crist und Satan, Grein BibL 

I 129. 
Schö. SS Wunder der Schöpfung, 

Grein BibL I 213. 
Seef. » Seefahrer, Grein Bibl. 1 241. 
Sgdr. SS Sigrdrifumäl, Hüd. Edda 

S. 202. 
Sig. sk. SS Sigurdarkvida in skamma, 

Hild. Edda S. 220. 
Sinf.«.SinQotlalok, Hild. Edda S. 175. 
Skim. = Skirnismal, Hüd. Edda S. 53. 

Taf. « VafiDrüdnismil, Hüd. Edda 

S. 60. 
Veg. i» Yegtamskvida, Hüd. Edda 

S. 18. 
Vid. — Vidsid, Grein BibL I 251. ^ 



VoL = Voluspi. HIldL Edda S. 1. Wesa. Q. «s Wessobninner G 

VoL sk. 3s Voluspm hin skamma» MSD. L 

'ffild. Edda S 187. 

Vt. = bi manoa rrrde, Grem KW. ■ 3&«b. =» ags. Zaobersprfiche, G 

I 307. ' Wolcker KW. I 312. 

i Zs. » Hanpf 8 Zeitschrift für 

WaL s: Verse Tom Walfisch, Grein sches Alteffthom. 

KW. I 235. 

Wb. = Wörterboch. pr. » t)rTiBalrfkIa, Hfld. Edda 

Andere Abkünangen rerstehen ikh nm selbbt 



C^ltel I. 

Einleitung. 

In der vorliq^den Arbeit h&be ich mir die Au^abe ge- 
stellt, Allee, was innerhalb der altgermanischen Poesie formel- 
haft ist, SU Baiameln und zu einem Gesammtbüde zu vereinigen. 
Ich verstehe dabei unter „altgermanischer Poesie" die uns er- 
haltenen Reste etabreimender Dichtung bei den germanischen 
Stämmen, und zwar vorzugsweise diejenigen, welche von christ- 
hch-gelehrtem Einfluss nicht berührt sind. Dnd ich verstehe 
unter „Formeln" alle diejenigen Mittel des Ausdrucks, die 
häufig genug auftreten, um der Poesie einen eigenartigen Cha- 
rakter zu verleihen. 

Eine derartige Aufgabe hat die unerwünschte EigenthÜm- 
hchkeit, dase wer sie lösen will als sein eigentlichee Verdienst 
gerade das erstreben muse, wae zu erreichen er am wenigsten 
hoffen darf: Vollständigkeit. Denn m spitzen Definitionen und 
dem geietreicben Spiel mit abgezogenen Begriffen unsem Ehr- 
geiz zu befriedigen, haben wir verlernt, und für die berechtigt« 
und ersprieBsüche Deutung der Formeln in historischer, philo- 
lo^scber tmd psychologischer Hinsicht haben allzu treffliche 
Vorgänger schon daa Beste getban. Die Formelsammlungen 
zur Geschichte der germanischen Literatur haben eine so alte 
und ^anzvoUe Geschichte, wie kein zweites Werkzeug unserer 
llayar, AltfamumiHlM Foul*. 1 



^ 



llterarhiBtorischen Forschung. In solchen Sammlungen haben 
die frühesten Führer des deutschen Geistes den Gewinn ihrer 
Erfahrung und ihres Nachdenkens niedergelegt, und an solchen 
Sammlungen haben die grossen Begründer der Wissenschaft 
vom deutschen Greiste mit Ruhm ihr Nachdenken und ihre 
Erfahrung geübt. 

Gleich den ersten grossen geiEitigen Erwerb, von dem wir 
wissen, haben die Germanen ausgewerfhet, um in Formelsamm- 
lungen die Weisheit der Väter aufzuspeichern und zu behüten. 
Die uralten Namen, mit welchen sie die von den Römern 
entlehnten Buchstabenzeichen benannten, waren zugleich Stich« 
Worte für festgeprägte Aussage- und Forderungssätze, deren 
Typus die ags. » Denksprüche c am getreuesten bewahren mögen. 
Und wahrscheinlich waren in derselben Weise schon die Namen 
jener symbolischen Ideogramme verknüpft worden, mit denen 
die Grermanen der taciteischen Zeit Zauber trieben und vor 
allem die Götter befragten. Wurde eine Reihe solcher formel- 
haft starrer Sätze durch den Faden des Alphabets zusanmienK 
gehalten, so stützten Buchstabennamen und Lehrsätze sich 
gegenseitig im Gedächtniss. — Diese ältesten Runenlieder 
aber können wir nur erschlieseen; als letztes Ueberbleibsel 

9 

besitzen wir nur vielleicht den altgermanischen Begleitsatz der 
F-Rune. Aber Runenlieder jüngerer Art sind uns ausdrücklich 
bezeugt; ein Schatz zauberkräftiger Formeln wird dem Of)inn 
als Grundlage seiner Macht zugeschrieben, einen Schatz zauber- 
kräftiger Formeln soll Sigrdrifa ihrem Befreier als Grabe des 
Dankes spenden, und diese mythischen Formelsammlungen sind 
das Abbild derjenigen, deren Besitz für die Fahrenden Quelle 
des Erwerbs und des Ansehens war. — 

Unterscheiden sich nun aber Formelsammlungen solcher 
Art von dem, was wir jetzt gewöhnlich unter diesem Namen 
verstehn, doch noch in dem Punkt, dass sie aus selbständigen. 



einzeln brauchbaren Stücken zuBammengefügt sind, so fehlt 
ee dem germanischen Alterthum keinesw^s an Zusammen- 
stellungen unselbständiger und einzeln nicht verwendbarer 
Formeln zu praktischen Zwecken. Auf der Grenze zu solchen 
Compilationen stehen die Sprichwörtersammlungen , welche 
schon sehr früh auftreten, bald unverarbeitet (so auf deutschem 
Boden), bald in einen Rahmen gefasst (wie "die alten H4vamäl 
und die ags. „Lehren des Vaters"). Denn da£ Sprichwort 
ist nur dazu da, um angewandt, benutzt, auf einen bestimm- 
ten Fall bezogen zu werden. Andere Acerrae und Thesauri 
verwandter Bestimmung dürfen wir niit Bestimmtheit voraus- 
setzen. So war z. B. den altgermanischen Fürstenhöfen 
genaue 'Eenntniss der Grenealogie und sonstiger Personalver- 
hältnisse bei ihren Nachbarn von hoher Wichtigkeit — nicht 
blos der Aufmerksamkeit wegen, niit der jeder Adel solche 
Dinge verfolgt, sondern auch um des höchst reellen Interesses 
wegen, welches rechtliche Fragen wie Erbschaft und Blut- 
rache mit sich bringen. Im Gefolge jedes Fürsten scheint 
nun ein Höfling, irgend ein alter vielerfahrener Mann, gleich- 
sam amtlich diese Kenntniss gehegt zu haben, der so in der 
lebendigen Bibliothek der Höfe den Gothaischen Almanach 
vertrat, wie im Norden der Gesetzsprecher das Gesetzbuch, oder 
wie der Spielmann Schwankbuch \md Unterhaltungslektüre. 
Seine besondere Aufgabe war es, über fremde Gäste zu nnter- 
richten, um vor lügenhaften Angaben und vor Verletzungen der 
Etikette zu schützen. Dieser introducteur des ambassades (är 
and ombiht Beov. 336 vgl. D. Alt. V. 289) wird auch seinerseits 
durch eine stehende Formel charakterisirt: chüd ist mir al ir- 
mindeot sagt Hildebrand, cui noti sunt regiones et noti domini 
bene heisst es im Ruodheb, \md genau ebenso wird noch Hagen 
mit den Worten eingeführt: Dem sint kunt diu riebe und 

elliu fremdiu laut (vergl. Zs. 29, 131 Anm.; ähnlich übrigens 

1* 



auch Vaf. 43). Man wird nicht xweifehi kSnnen, dass diese 
Hof genealogen ihr Wissen in gereimten Registern der Ffirsten- 
geschlechter bewahrten und überlieferten — Register, fOr die 
das Hyndluljöf) ein klassisches Master giebt und xu denen die 
nafnaf)ulur der älteren und jüngeren Bdda kleinere Gegenstücke 
liefern. (Solche poetische Adelslezika kannte auch das griechi- 
sche Alterihum: v. Willamowits, Homerische Untersuchungen, 
S. 148). Von dem Rahmen eines lyrischen Gedichts sind solche 
Denkverse im Vidsid zusammengehalten. — Auch an Meregarto 
darf erinnert werden. 

Der letzte Schritt endlich, um aus den anfllnglich so inhalt- 
reichen Formelsanmilungen leere Hilfsmittel für den praktischen 
Gebrauch zu machen, geschah im Norden. Ein Gtodicht wie 
die AlvissmU ist von der Einkleidung abgesehen völlig gleich- 
artig mit einer Zusammenstellung wie die, welche Sievers seiner 
Heliand- Ausgabe beigefügt hat: unter den betreffenden Schlag- 
wörtern werden die zur Verfügung stehenden Sjmon]^^^ ange- 
führt. In grossem Massstabe bietet dann das alte „Lehr- und 
Handbuch der Skaldschaft'' (MüUenhoff Alterthumskunde V 168) 
Register dieser Art und die Eklden bedeuten in dieser Hinsicht 
wie in jeder anderen den Höhepunkt der Literaturgeschichte im 
germanischen Alterihum. — 

' Im deutschen Mittelalter sind Sammlungen poetischer 
Formeln nicht nachzuweisen; die typischen Epitheta und Ver- 
gleiche wie die immer neu verwandten festen Verse scheinen 
lediglich in verarbeiteter Grestalt von einem Sänger dem andern,, 
von einer Generation und Landschaft der andern überliefert 
worden zu sein. Auch eine Codification bestimmter Ausdrücke, 
wie es z. B. die goldene Schmiede für die Marienformeln ist, 
dient nicht praktischen Zwecken und ebenso sind Sprichwörter- 
Sammlungen wie die Freidanks autonom. Eigentliche poetische 
Formelbücher ganz von der Art der Skälda begegnen uns erst 



wieder in der nhd. Poesie, in den poetischen Hülfsbüchem des 
siebzehnten Jahrhunderts (v. Waldberg, Die deutsche Renaissance- 
Lyrik, 6. 229 f.), und sie sind auch hier gerade wie dort Sym- 
ptome der Verknöcherung einer zu poetischem Kunsthandwerk 
herabgesunkenen Berufsdichtung. — 

Doch nicht bloss die praktischen, auch die theoretischen 
Zwecken dienenden Formelsammlungen erfreuen sich eines ehr- 
würdigen Alters. Parallelstellen hatte schon die antike Philo- 
logie der Griechen und Römer gesammelt, und da£ Bibelstudium 
heiligte dann das Aufsuchen anologer, sich gegenseitig bekräf- 
tigender oder erklärender Stellen. P^r die Greschichte der 
deutschen Literatur aber waren es auch hier die Männer, welche 
man überall als Bahnbrecher zugleich und als unerreichte Muster 
zu nennen hat, die Anfang und Vorbild schufen. Ludwig 
Lliland hatte schon 1824 da£ Meisterstück beschreibender Lite- 
raturgeschichte, die Abhandlung über den Minnesang abge- 
schlossen, in der ein imendlicher Reichthum von typischen 
Anschauungen und Ausdrücken aufgespeichert war. Aber dies 
Werk ward erst 1870 veröffentlicht und so ward der Leitstern 
aller diesbezüglichen Arbeiten auch hier Jacob Grimm. Li der 
Grammatik und in vielen anderen Arbeiten, namentlich in den 
Rechtsalterthümem von 1828, hatte er auch über das Gebiet 
der germanischen Poesie hinausgehend formelhafte Termini imd 
Sätze mit jener unvergleichlichen Belesenheit angehäuft, mit 
jenem feinen Sinn gedeutet, die ihm eigen waren. Aber eine 
eigentliche Sammlung poetischer Formeln der altgermanischen 
Poesie gab er erst 1840 mit dem Anhang zu Andreas und 
Elene, nachdem für die mhd. Poesie ihm W. Grimm mit den 
Anmerkungen zum Freidank 1834 und zur goldenen Schmiede 
1840 vorausgegangen war. Konnte auch unmittelbar nach 
jener lebensvollen und klaren Interpretation formelhafter Wen- 
dungen eine so wüste Compilation wie 1841 die Eiseleins er- 



6 

acheinen« so zeigte sich doch bald die Fracht von J. Grimm's 
vorbildlicher Arbeit in xwei schönen und inhaltsvollen Abhand- 
lungen: in Vilmars Alterthfimem im HeUand 1846 und Wein- 
holds Spicilegium formularum 1847. 

Hatte man bis dahin vonugsweise Uebereinstimmungen 
aufgesucht, so begann man nach einer längeren Pause die 
Formeln auch als unterscheidende Merkmale xu prüfen. Den 
Anstoss zu einem frischen Aufschwung des Formelstudiums gab 
wohl die Veröffentlichung von Uhlands Schriften 1870, für die 
neue Richtung aber scheint das Werk eines klassischen Philo- 
logen bestimmend gewesen zu sein: die zweite Sammlung von 
Immanuel Bekkers Homerischen Blättern, 1872 erschienen, 
welche epische Formeln vorzugsweise der altfranzösischen Dich- 
tung denen der griechischen Volksepen gegenüberstellte. Da- 
nach wandte Scherer in den Deutschen Studien, besonders in 
dem zweiten Heft 1874, die Formelvergleichung an, um auf 
dem Boden gleicher Grestaltungen das Mass poetischer Individu- 
alität zu bestimmen, und 1875 machte Heinzel in seiner höchst 
anregenden Schrift über den Stil der altgermanischen Poesie 
den kühnen Versuch, auch dies Mittel zur Ergründung der 
poetischen Volksindividualität zu verwerthen. 

In beiden Stadien hatte die Greschichte der theoretischen 
Formelsanmilungen mit der Geschichte der theoretischen Metrik 
eine Aehnlichkeit gezeigt, die auf innerer Analogie beruhte. 
Und so war es für beide Grebiete auch derselbe Mann, welcher 
eine nene Aera eröffnete, indem er von aller Speculation zunächst 
absehend energisch auf eine vollständige Aufnahme des wirklich 
Vorhandenen ausging. Sievers' mustergiltiges Formelverzeichniss 
zu seiner Heliandausgabe erschien 1878 und hat auf alle Arbei- 
ten dieser Art einen entscheidenden Einfluss geübt. Diesmal 
folgte die mhd. Formelsammlung der altdeutschen nach, indem 
1882 Wilmanns' vorzüglicher Anhang zu seinem Leben und 



Dichten Walthere erschien. Aob der lunfänglicheu Zahl klei- 
nerer Sammlungec, die sich diesen Mustern anschloBeen , hebe 
ich hier nur hervor Arndt Ueber die aJtgermanische epische 
Sprsdie Tübingen 1877, Merbach Das Meer in der Dichtong 
der Angelsachsen Breslau 1884, Otto Hoffmann Beimformeln im 
Westgermanischen Freiburg 1885, W. Bode Die Kemüngar in 
der ags. Dichtung Strassburg 1886, Schütze Beiträge zur Poetik 
Otfrieds Kiel 1887. Die meisten Bearbeitungen haben die 
Formeln der ags. Poesie gefunden — leider sind es neben den 
angeführten zum Tbeil vorEüglicben 8chrift«n auffallend oft 
Abhandlungen von erschreckender Oedaokenannath und sklavi- 
scher Kachahmung einer allerdings praktischen Schablone. 
Für die altn. Form^ hat wen^steoe bestimmte Klassen Grön- 
dals Clavis poetica antiquae linguae septentrionalie schon 1864 
erschöpfend behandelt. — Die entsprechenden Arbeiten «ur 
Eenntniss der mhd. Formeln habe ich Zs. f. d. Alt. 29, 131 
verzeichnet. — 

Den Gedanken, auf die lange Reihe dieser Vorarbeiten eine 
umfassende Sammlung der Formeln in der altgermanischen 
Poesie aufzubauen, gab mir mein verehrtester Lehrer. Scherers 
vissenschaftiichee Interesse bewegte üch in jener Zeit haupt- 
sächlich um die Probleme der neu zu errichtenden Poetik, und 
als eine spedelle Poetik war auch diese Arbeit gedacht: als 
eine nach Möglichkeit vollständige Beschreibung der in dieser 
Poesie vorhandenen Formen dichterischer Produktion (vgl. 
Scherere Literaturgeschichte S. 770 Poetik S. 64). Nur was 
der Metrik oder der Grammatik (namentlich der Syntax) ange- 
hört, hatte ausser Betracht zu bleiben. — Wäre dieses Ziel erreicht 
worden, so würde die Zusammenstellung der charakteristiecben 
Züge einerseits für die Geschichte der deutschen Literatur und 
die Beurtbeilung bestimmteT Epochen und Individuahtäten neue 
Grundlagen liefern, andererseits zur vergleichenden Literatur- 



8 

geschichte den Baustein einer ersten exakten TCinielanfnahTne 
abgeben. Wie weit ich indess hinter der Aalgabe soräokgebliebai 
bin, weiss ich nur zu gut Dennoch wird man der Arbeit 
hoffentlich etwas anmerken von dem freudigen Eifer, mit dem 
ich Scherers Andeutungen auszuführen versuchte, von der Freude, 
welche gekrönt wurde durch seine Anerkennung der ihm vor- 
gelegten Arbeit und die Erlaubmss, die Schrift ihm widmen 
zu dürfen. Aber ich habe das fertiggestellte Buch ihm nicht 
überreichen können. Feminis lugere honestum est, viiis me- 
minisse. — 

Die Eintheilung des Stofb suchte ich der unge&hren Ent- 
wicklung der Formeln, wie ich sie mir denke, anzupassen; 
vor allem aber ging mein Augenmerk darauf, sie recht praktisch 
und übersichtlich zu gestalten« Um meine Disposition zu 
rechtfertigen, bedarf es daher einiger Worte über Entstehung 
und Entwicklung der Formeln, über die in der Schlussab- 
handlung des Buchs dann eingehender wird gehandelt werden 
können. — 

Wie entstehen poetische Formeln? Wir können auf den 
seit Herder unendlich oft wiederholten Satz, die Poesie sei 
älter als die Prosa, hier natürlich nicht näher eingehen. Lassen 
wir aber auch seine zweideutige Wahrheit dahingestellt, so ist 
jedenfalls so viel sicher, dass von vornherein das Material der 
Poesie mit dem der Alltagssprache identisch ist. Erst die 
Verwendung dieser allgemeinen Sprache zu Zwecken der Dich- 
tung bringt eine besondere Abart des sprachlichen Vorrats zu 
Stande. Erstens nämlich übt die specielle Verwendung eine 
sondernde, mindernde Wirkung aus. Alle älteste Poesie, min- 
destens soweit wir hier uns mit ihr zu beschäftigen haben, 
besitzt — nicht nur für uns, sondern an sich — einen feier- 
lichen, mehr oder minder dem religiösen nahe stehenden Cha- 
rakter. Weil sie diesem nicht zusagen, fallen zahllose Begriffe, 



Worte, auch wohl schon 'Wortvorbindungen auBser Betracht. 
Noch grösser ist jedenfalls die Zahl derjenigen Worte und 
Wendungen,' die thatsächlich poetisch Terwandt worden sind, 
neben anderen aber sich nicht behaupten konnten, weil diese 
anderen bei gleichem Inhalt formell der dichterischen Ver- 
wendung besser entsprachen — ein Froseee der Auslese , der 
räch unaufhörhch wiederholt. Sobald die metrische Form eich 
genügend befestigt bat, kommt mit ihr ein zweites Kriterium 
für die poetische Verwendbarkeit des Sprachstofte zur Oeltung 
und beseitigt wieder bis dahin Brauchbares und Gebrauchtes. 
Eine noch engere Auswahl trifft dann der Geschmack der Zeit, 
der Schule, de« Dichters u. B. w. — Zweitens aber hat die 
poetische Verwendung auch das Vermögen, ni schaffen und 
EU mehren. Zur Erhöhung des feierlichen Charakters, zur 
sich^-en Erzielung einer bestimmten Wirkung werden Wort- 
Tsrhindongen, auch wohl Worte neu versucht, auf die die ge- 
wöhnliche Sprache nie geführt hatte. Mt der strengeren 
Festigung der Form wird der Einäuse des bereite is den 
poetischen Vorrath aufgenommenen Materials auf den neu auf- 
zunehmenden Sprachstoff immer grösser und der letztere wird 
in manigfaltiger Art nach der Analogie des ersteren umge- 
wandelt — Auch hier findet dann wieder eine unaufhörUche 
Sichtang statt. So bildet sich aus der allgemeinen Sprach- 
weise heraus eine poetische Sprache, die der Alltagsrede schliess- 
lich geradezu fremd g^enüberstehen kann. In völlig analoger 
Weise bilden sich wieder mit der Zeit innerhalb der poetischen 
Sprache einzelne Abarten, so dass die klassische Philologie zu- 
treffend von einem heroischen, elegischen, melischen Dialekt 
spricht. 

Diese letztere Scheidung ist für unsere Arbeit nicht durch- 
zuführen, da in der altgennanischen Dichtung aus der chorischen 
Poesie heraus die Gattungen sich noch nicht zu wirklich ge- 



10 

trennten Sonderezistenzen heraiugearbeitet haben. Zwar ist die 
Entfernung von der Älltagssprache in dieeer-Zeit onsweifelhaft 
schon eine beträchtliche; durch jahrhundertelange dichterische 
Thätigkeit hat sich ein reicher Sprachschati der Dichtung an- 
gehäuft, der in Worten und Wendungen oft genug deutlich 
das Gepräge eines »erhöhten Stils« trägt. Eine Beeinflussung durch 
kunstmässige Absichten und Versuche aber zeigt sich erst ein 
Beginn, reicher entwickelt nur in der altn. Dichtung. Die 
poetische Sprache der uns erhaltenen Reste also steht etwa in 
der Mitte zwischen der nur durch die Vortragsart von der ge- 
wöhnlichen Rede verschiedenen Sprache der ersten poetischen 
Versuche bei Naturvölkern einerseits und der bis zur Unver- 
8tändlichkeit künstlichen Dichtersprache z. B. der Skalden anderer- 
seits. 

Es versteht sich nun aber von selbst, dass die Eigenart der 
altgermanischen Völker und ihrer Dialekte aus dem gemein- 
samen Besitz auch hier verschiedenartige Formen entwickelt 
hat. Wie die allgemeine Sprache, geht auch die poetische 
Sprache der Angelsachsen, Altsachsen, Skandinavier immer 
mehr ihren eigenen Grang. Die ununterbrochene Zufuhr neuen 
Materials wirkt wohl der Scheidung der Dichtersprache von 
der Alltagssprache des gleichen Landes bis zu einem gewissen 
Grade entgegen, dient aber dazu, die Scheidung zwischen den 
poetischen Dialekten der verschiedenen Völker mehr und mehr 
zu steigern, da eben in England anderes zuwächst als in 
Island u. s. w. Doch auch auf diesem Wege ist die Sprache der 
stabreimenden Poesie immerhin nicht so weit gekommen, dass 
nicht die Uebereinstimmung die Verschiedenheiten bei weitem 
, überträfe. Die entschiedenste Sonderentwickelung zeigt die 
eddische Poesie. Oder, richtiger ausgedrückt, sie zeigt die 
ungestörteste und daher consequenteste Entwickelung und die 
Abweichimgen sind auf der Seite der ags. und noch mehr der 



11 

ae. DicbtODg, weil diese von Christ^iUiiim und Gdehrsamkeit 
veitgehend beeinfloast sind. Von der ahd. ALiterationspoeme 
ist UDB leider gar su wenig «rbalten und dies meist von christ- 
lich-lateinischer Bildung dorchdrongen. — 

Mit dieser Skiue der Geschichte der poetischen Sprache 
ist unsere Anordnung vorgezeichnet. Wir versuchen der histo- 
rischen Fo^ nachzugehen, in der die einseinen Stufen der 
Auslese und Ausbildung in der poetischen Sprache sich folgten. 
Dase diese Folge nur ganz allgemein zu denken ist und die 
wenigsten Gruppen andere Gruppen als schon fertig voraus- 
seuen, ist selbstverständhcb. Elbenso, dase an eine Chronologie 
inerhalh der einzelnen Gruppen vorerst kaum je auch nur zu 
denken ist, weshalb wir für diese eine Anordnung nach mehr 
mechanischen Prinzipien wie z. B. die alphabetische wählen 
mussten. Schichten auch innerhalb der ajtgermanischeo Poesie 
abzumessen, wird ja wohl später gelingen; für jetzt war nur 
nach jenen allgemeinen Voraussetzungen abzugrenzen. 

Nun versteht sich, das« eine vollständige Aufnahme aller 
überhaupt verwandten Worte und Wendungen gar nidit erstrebt 
werden sollte. Denn dadurch würde von dem eigentlichen spe- 
cdfiecben Wortschatz der Dichtersprache ein unreines Bild gege- 
ben werden. Vereinzeltes ist für unsere Aufgabe nicht von 
Belang, weil wir ja nur fische Erscheinungen behandeln 
wollen. Da ist nun also die Reihenfolge die: zunächst concen- 
trirt eich die Dichtung auf eine ziemhch beschränkte Anzahl 
von Begrifien, und zwar die altgermaniecbe auf eine besonders 
eng b^renzte Zahl. Für diese findet weiter dann Wortwahl 
statt, gleich aber hier auch schon Wortbildung (im poetischen 
Sinne: Entstehen der kenningar u. dgl.). Wie für die Syntax 
eine allgemein gültige R^el sich später feststellt als für Kate- 
gorien der Wortbiegung, wie also z. B. überall eine freiere 
Wortstellung der ger^elten vorau^ceht, so geht die Festigung 



13 

der poetischen Sprache weiter vom Eintachea zum Complicirten 
empor: Wortgmppfr — Vera — Vengrappe. Der Satz, mii 
dem Ven zunicbat wohl maammenftültind, wird bald mm 
hSheren Begrifi: Satc — Satzgrappe, and so Usst sich auch 
noch zQ Gedicht and Oedichtgrappe (zasammengehör^ Lieder, 
wie etwa der Helgi- and Slgordlieder) aubteigen. — Am besten 
können wir die Entatehung, die so vielleicht allza Bchematioch 
aufgefasst scheint, ans an einer anologen Entwickelung ver- 
g^enwärügen. Wie die poetische Sprache der allgemeinen, 
so wächst die Schriftsprache der gesprochenen nach. Erst 
fallen Worte aus als nicht schriftgemäss; dann Wendungen, 
Satzformen u. s. w. Schliesslich ist s(^ar die Art der Ein- 
theilong des Cranzen bestimmt: Capitel, Abschnitte, Abe&tze 
folgen einer allgemeinen Gonvenienz. Bei zunehmender Erstar- 
rung kami so alle Form mechacisirt werden. 

Diese „historische" Eintheilung wird jedoch von einem 
zweiten STStematischwi Princip gekreuzt, über das später zu 
handeln ist. Die Scheidung in gebundene und freie Formeln, 
d. h. solche die mnerhalb der Poesie Überall, und die nur an 
bestimmter SteUe vorkommen, (wie z. B. einerseits die Umschrei- 
bung, andererseits der Retrain) ist für die poetische Technik 
vielleicht noch wichtiger, als die vor^ Anordnung. Für unsere 
Aufgabe aber schien die erstere mir natürhcher, übenichtUcher, 
besser durchzuführen. Wer übrigens die freien imd die gebun- 
denen Formeln zusanmienstellen will, braucht nur die in meinem 
Schema unter A und B gestellten Gruppen zu vereinen. 
Dies Schema ist nun das folgende: 
I. Begriffe. 

A. an sich der poetischen Sprache eigenthümlich. 

Hauptbegriffe: Gegenstände der altgermanischen Poesie. 
Nebenbegrifie: Zahlen, Zeitangaben, Tonbezeichnungen. 



IS 

B. in bestüumter Stellang oder Verimtkphlog der poetüchan 
Sptacbe eigenthümüc^. 

Gfgenst&Dde der Vei^eicbong (Ideale), 
n. Worte. 

A. beiti und kenningar. 

B. Farbenangaben und andere E^theta. Appoeitirai. Begleit- 
Bätze. 

m. Wortgnippeii. 

A. 1. Das Wort mit demselben Worte: Wortwiedwhdung 

(Unteraitm: varürte nod äectirte Wortwiederbolung). 

2. Daß Wort mit einem innerlich verwandten Worte; 
Zwillingsformels. 

3. Das Wort mit einem äuseerlicb ähnlichen Worte ; Wort- 
Bpielereien [Vgl. IV. B 1— SJ 

B. Das Wort mit demselben Worte: Wortaufnahme (Unter- 

art: anaphoriecber Drdteiler). [Vgl. V B]. 

IV. Verse. 

[A würde die metrische Gestalt der Verse lu behandeln haben]. 
B. 1. Der Vers mit demselben Verse: Doppelveree. 

2. .Der Vers mit einem innerlich verwandten Verse: Paral- 
lelverse. 
|3. Der Vers mit einem äuseerlicb ähnlidien Verse: Beim 
als Bindemittel der Verse]. [Vgl. III A.]. 

V. Ver^;nippen. 

[A würde die Regeln des Stropbenbaus bebandeln müssen]. 
B. 1. Der Vers mit demselben Verse: Kehreeile (Refrain, 
Gegenrefrain, Mittelrefrain). 

2, Der Vers mit einem innerlich verwandten Verse : Satz- 
formein (Eingangs- und Scblussfonneln, Abschnittfot- 
meln, Ausdruckformeln). 

3. Der Vers mit einem äueserüch ähnlichen Verse: Wieder- 
bolte Verse, stehende Versausgänge [Vgl. HI B.]. 



14 

VI. Sätze. 

[A würde über das Verhältniss zwiflchen Form und Inhalt 
zu handeln haben: Verse brechen und binden, über- 
laufende Construktion, Verhältniss der Interpunktion zu 
den Caesuren u. s. w.]. 

B. 1. Der Satz mit demselben Satz: Häufung (Unterart: 
Priamel). 

2. Der Satz mit einem iimerlich verwandten Satze: Ver- 
gleich und Metapher . Sprichwort. 

3. Der Satz mit einem äusserüch ähnlichen Satze: Anti- 
these. [Vgl. niA 1—3, IVB 1—3]. 

VII. Satzgruppen. 

[A müsste die OUederung der Gedichte behandeln.] 
B. Parallelismus der Theile. — 

Auf diese Zusammenstellungen lasse ich dann eine kurze 
Recapitulation ihrer Ergebnisse folgen. — 

Hätten wir auf den Inhalt der altgermanischen Poesie 
näher eingehen wollen, so wäre auch in der Zeichnung der 
Charaktere wie in der Anordnung der Fabel Formelhaftes im 
Einzelnen nachzuweisen gewesen, gerade wie es .für die altn. 
Saga Heinzel aufgedeckt hat. Hierbei mussten wir uns aber 
auf das Allgemeinste beschränken. — 

Es ist an diesem Schema gewiss Vieles auszusetzen, und 
dass die Grenzen fliessend sind, liegt in der Sache selbst. 

Doch ist der Parallelismus, den unsere Disposition zeigt, 
kein künstlich hergestellter: er beruht (wie schon bemerkt) auf 
der durch alle Klassen hindurch gehenden Scheidung von freien 
und gebundenen Formeln. Bei den „Sätzen" liegt im Gegen- 
satz zu den „Versen" das Hauptgewicht auf dem Inhalt; gleich- 
wohl bilden die Sätze meist auch metrisch ein Ganzes. — 

Benutzt habe ich für meine Arbeit folgende Textausgaben : 
für das altnordische Hildebrands Ausgabe der Edda und Geringe 



Ciomär SD dcD liedem der Edda nwie (tax di» bot) und 
kamingar) Löniii^ Wcrtobodi so Moner Edda; ({^«fkldr und 
FjelsTmiismil habe idi tnc HDdebnsd fwtgtUawn. «dbftvn- 
Btändlidi ancfa Htafnagaidr and SöUrijöf); vo itb aal 
diese lieder Towieeen habe, beosben sich mdne Angab«» aul 
Bnggee Anegabe), fnr das Angeblcbsische Greine Biblioth^ d«r 
agB. Poeöe eammt dem Sinacfaschats, Walke» noch Qn%'TtIlen- 
dete neue Ausgabe nnr fnr die drat fehlendoi Stücke (Waiden 
und Zanberaprädie), atUBerdem Kloses AgE. L«Mbach Vit die 
Oratio Poetica; für dac Altsfichsische Sieve»' HeliandaoBgabe 
(die kleinemi nd. Denknäler kommeii anaaer d«i auch in 
M S D enthaltenen Sprüchen bei He^ne N. X nicht in Betracht): 
für das Althochdeatsche Mällenhoff und Scberers DuikmlÜer; 
für das AltfrieeiBche Heynes Formulae allittenntee ex antiquia 
legibus lingoa fiisica conscriptiB extraotae, Halle 1865. Von 
anderen Schnften hebe ich anaaer den schon mit Dank genann- 
ten Arbeiten besonders von Uhland, J. Grimm, Vilmar und 
Weinbold die für alle Kunde der altgermanischen Poesie grund- 
legenden Arbeiten Müllenhofie, namentlich Deutsche Alterthums- 
kunde V, I und die mit Liliencron verfaeete Abhandlung Zur 
Runenlehre hervor; femer für altn. Literaturgeschichte Rosenberg 
Noidboemee sandsliv B. I Kopenhagen 1877, für angelsäch- 
sische ten Brink Geschichte der englischen Literatur B. I, für 
altdeutsche Scberers Literatorgeschichte. Andere Werke sind 
noch an Ort und Stelle dankbar zu nennen. Persönlichen Dank 
schulde icb vor aJlem W. Scberer, dann für einzelne Nach- 
Weisungen und Hilfsleietungen den Herren Pr. J. Hoflory, 
Dr. 0. Pniower, Pr. 0. Schroeder, Dr. L. Traube und Anderen. 
i&Öge die Arbeit der Vorgäi^r und der Förderet nicht gans 
unwertb sein! — 



16 



Capitel IL 

Hauptbegritfe der altgermanischen Poesie. 

§ 1. Ideen. 

Um uns darüber klar zu werden, welche G^;en8tände für 
die altgerm. Poesie bezeichnend sind, indem die Sto£Ewahl der 
alten Dichter durch sie ausgedrückt wird, um also die Haupt- 
begriffe dieser Dichtungen kennen zu lernen, stehen vu^ drei 
Wege offen: wir müssen prüfen, was die zu belegenden Worte 
— was die nachzuweisenden Typen und Motive — was endlich 
ausdrückliche Ansprüche innerhalb dieser Gredichte uns lehren 
können. Der erste dieser Wege ist der erfolgreichste, weil das 
Material von dem Zufall der Erhaltung hier am wenigsten ab- 
hängig ist; und aus demselben Grunde bietet der dritte Weg 
zwar die deutlichste aber auch die seltenste Belehrung. — 

Wie gewinnen wir aus dem Wortvorrath der altgerm, Lieder 
eine Uebersicht ihres Gredankenvorraths? Durch mehrfache Aus- 
lese natürlich. Für die Worte überhaupt dienen als Vertreter 
die Substantiva; und innerhalb dieser wieder ergiebt sich die 
Auslese der Alten selbst einmal indirekt durch die Statistik 
der poetischen Variation, dann direkt durch die Betrachtung 
der Runen-Namen. 

Führer bei der ersten Ausscheidung, welche neben dem 
Substantiv alle anderen Redetheile als nebensächlich bei Seite 
wirft, ist Liliencron. In der schönen Abhandlung, in der er 
mit MüUenhoff gemeinschaftlich für das Verständniss des Runen 
in ihrer Bedeutung für die altgerm. Poesie den Grund gelegt 
hat, handelt er ausführlicher über die Hauptregeln der poetischen 
Benennung. Hierbei macht er folgende hochwichtige Be- 
merkung: »Es beruht auf solche Art die ganze Poesie fast 



17 

aufiechlieeBÜch auf dem Subetantiv; Adjectiv und Verbum 
fielen eine duichauB untergeordnete Rollen (Zur Runenlehre 
S. 31). Eb iet hier nicht der Ort, auf die Bedeutung dieser 
noch durchaus nicht genügend gewürd^ten Beobachtung ein- 
zugehen; nur daran sei erinnert, wie dies Verhältnite sich in 
der Metiik abepiegelt: beherrscht doch nach Riegers Feststellungen 
das Nomen fast völlig den Stabreimvers, so dass das Verbum 
finitmu kaum besser behandelt wird als die Copula. 

Dies iet uun, beiläufig bemerkt, im höchsten Grade 
charakteristiscb für die Stufe, welche innerhalb des typischen 
Entwicklungsga:^ der Nationalpoeeien die altgermanische ein- 
nimmt: sie befindet sich, wie wir es schon hervorhoben, in 
einem keineswegs noch primitiv zu nennenden Stadium der 
Ausbildung. Denn mit Recht schreibt man dem Verbum die 
Eigenschaft zu, Grundlage aller poetischen Sprache zu sein, 
wie wir auch die Wurzehi der Sprache uns den Verbis am 
ehesten entsprechend denken. Und wie Herder in der Schrift 
über den Ursprung der Sprache nach dem Vorbild englischer 
Forscher dies gepredigt h&t, so hat er die Ur^rünglichkeit der 
hebräischen Poesie an der Herrschaft des Verbums erläutert 
(Werke herg. von Suphan 11. 227). Und vom anderen Ende 
bringt ^''ilmar in seiner Schilderung der Adjectiv-Poene des 
17. Jahrhunderts (Gesch. d. deutschen Nationalliterator S. 326 
vgl. 352) das beste Beispiel einer völlig verkünstelten Schul- 
dichtuug herbei. Zwischen beiden Extremen also steht die 
altgerm. Dichtung wie hinsichtlich ihres Sprachcharakters Über- 
haupt so auch insbesondere bezüglich der tonangebenden Rede- 
theile (vgl. Scherer Poetik S. 263). — Ein Bei^iel möge diese 
Entwicklung veranschaulichen. Es ist alterthümlich den König 
nach seiner typischen Thätigkeit zu schildern : iünge vetstrsute 
er und hieb die Spange entzwei (vgl. Heinzel Q F 10,21)i 
diese verbale Ausdrucksweise viid als längst gebräuchlich vor- 




/ 



18 

ausgesetzt, wenn cde su der Kenning i Ringbrecher« contrahirt 
werden kann (vgl. ebd. 18), und die Anschauung schwächt sich 
schliesslich zu einem farblosen Epitheton wie mhd »der milte 
künec« ab. — Was so von dem doch immer noch lebendigen 
Nomen agentis gut, gQt erst recht von dem leblosen Nomen 
actionis; so klagt als Herders Schüler Goethe (Wanderjahre 
Ausg. 1. H. 22, 88), dass eine Uebersetzung »das schönflectirte 
Verbum: dum fierent, in ein traurig abstractes Substantivum« : 
»das Machen« verändert habe. — 

Subetantiva also vertreten uns den Wortschatz der altgerm. 
Poesie überhaupt. Welche Substantiva aber wieder für all ihre 
Genossen zu sprechen haben, das verräth zunächst die Aus- 
zeichnung, mit der die poetische Technik sich einzelner Worte 
annimmt: sie schmückt die Haupthelden der Wortschaar. 
Roediger hat in seiner Recension von Sievers' Heliand in 
scharfsinniger Weise eine Statistik der poetischen Variation an- 
gebahnt (Anz. f. d. Alt. 5, 276). Er constatirt — was weitere 
Beobachtungen sicher bestätigen würden — dass im Heliand 
Verba und Adjectiva viel seltener variirt werden als Substantiva. 
Nun erinnern wir uns der Worte LiUencrons und sehen gleich: 
dasjenige wird lieber und öfter variirt, was für die Poesie 
'wichtiger ist. Dies bestätigt sich, wenn wir finden, dass in 
der as. Evangelienharmonie von den Substantiven wieder die 
lebenden Wesen am häufigsten der Variation unterliegen, nächst- 
dem die Abstracta, dann die Concreta. Das ist die Stufen- 
folge der Bedeutung dieser Begriffe für jene Dichtung* Roediger 
bemerkt daher mit Recht, dass in einem Heldengedicht die 
Ausdrücke für Held, Krieger u. dgl. entsprechend zahlreiche 
Variationen hervorrufen würden. Die Stellung der Abstracta 
und' Concreta dünkt ihm unsicher; aber man darf imbedenklich 
behaupten, dass die Concreta in der altgerm. Poesie, abweichend 
von 4em christlichen Lehrgedicht, viel häufiger variirt werden 



19 

ale die Abstncta. Und wirklich epielen letztere in den er- 
haltenen Resten . eine beinahe unbedeatende Rolle. "Vgd dm 
B^riffen, die Roediger des Beiepiels v^:en anführt, wird nur 
>Tod« (Bammt dem Verbom isterben*, für deesm VariabÜitAt 
Roediger den christlichen ESnfiuBS wohl überschätst) häufig 
Tariirt, >Rnhm< nicht oft, und »Siegt noch seltener; dflfi Ab- 
Btfactum 'Treue* aber kommt in der altbeidniscben Foeüe 
kamn vor. Nun darf man aber freihch aus der Seltenheit der 
Abstracta nicht auf das Fehlen aller höheren Begriffe echliessen. 
Vielmehr sind die letzteren groseentbeils vertreten durch Iri- 
sche Concreta, welche für weitere zu erschlieseende B^riffe 
symbolisch gebraucht werden. Das Wort >Treue<, welches die 
poetische Sprache meidet, fehlt ihr nicht weil der Begriff ge- 
fehlt hätte: die Gefolgetreue steckt in den Worten ■Füret« tuid 
•Krieger*, die Verwandtentreue in den Bezeichnungen der Sippe. 
So treffen wir neben den drei am häufigsten varürten Worten, 
iKönig«, >Schatz< und »Kampf« — welche charakteristiscbe 
Dreizahl! — noch drei andere sehr oft variirt: »Gott*, »Weib« 
und »Freund«. Sie erschüessen uns die Abstracta »ReUgiosität*, 
»Liebe* und »Freundschaft«. Ebenso freilieb verrath die 
Variabilität des Begriffs »Schatz« die »Habsucht«, »Ruhmsucht« 
ergibt die Liebe zum »Kampf« von selbst, »Liebe zum Leben« 
die euphemistlBchen Umschreibungen für den »Tod*. Es macht 
also die' Seltenheit der betreffenden Abstracta keine Ausnahme 
von der Regel, dass die wichtigsten B^riffe durch die am 
meisten gebrauchten und am häufigsten variirten Worte ge- 
geben werden; denn die Bebebtbeit der angeführton Concreta, 
zwingt uns, in ihnen mehr als sie direkt sagen, in ihnen Ver- 
tretung allgemeinerer Anschauungen zu suchen. 

Neben solchen AbstractiB, die wie die Götter nur in den 
Augenbhcken der Ent«cheidimg in eigener Gestalt auf dem 
Felde erscheinen, sind allerdings noch einige da, die wie die 



20 

Walküren mit den Sterblichen oft sich auf der Wahlstatt 
tre£Een. »Muth<» »Klugheit«, »Glücke und »Unheile, »Schicksale 
sind solche häufig varürte Abstracta. Dass diese BegrUfo nicht 
mehr symbolisch durch Concreta, sondern direkt durch Abstracta 
wiedergegeben werden, beweist wie lange schon gerade mit 
diesen Ideen gearbeitet worden ist — in derselben Weise, wie 
eine Metapher die Alterthümlichkeit des zu Grunde liegenden 
Gleichnisses beweist. 

Diejenigen Worte also, für welche die grösste Zahl von 
Synonymen zur Verfügung steht, sind Vertreter nicht bloss der 
in der altgerm. Poesie am stärksten vertretenen Stoffe, sondern 
auch der sie am entschiedensten beherrschenden Anschauun- 
gen. Ein Beispiel dieser symbolischen V^wendung für viele. 
Zur Bezeichnung der Verwilderung, welche den nahenden Welt- 
untergang verkündigt, braucht die Seherin die Worte: 
Broedr munu berjask ok at bonum verdask, 
munu systrungar sifjum spilla (Vol. 46, 1 — 4). 

Was heisst das anders als dies: so schlecht wird die Welt 
sein, dass man auf das heiligste der Bande, die Verwandtschaft, 
sich nicht mehr wird verlassen dürfen? Und so erschliessen 
die concreten Termini der Sippe die Idee des nothwendigen 
Zusammenhaltens der Gesippten. Realismus nicht der Anschau- 
ungen sondern des Ausdrucks liegt in der Seltenheit der Ab- 
stracta, und jedes häufige Concretum müssen wir fragen, welche 
Idee es mitvertritt. — 

Die auserlesene Schaar von Worten nun, welche als Träger 
der Hauptbegriffe durch dies Kriterium der poetischen Variabi- 
lität sich kund geben, haben wir an anderer Stelle zur Heerschau 
zu versammeln, und die Vertheilung der Nomina unter die 
Pähnlein der Abstractionen werden wir besser am Schluss 
dieses Abschnitts geben. Jetzt wenden wir uns erst zur Nach- 
prüfung des gewonnenen Ergebnisses. Läset die Vertretung der 



21 

in der altgeim. Poeaie behaodelteD G^enstäude durch die dort 
am häufigBten gebranchten Ssbatantiva sich durch ein Zeugnise 
dee AltertbiuuB rechtiertigen ? 

Aach hier ist liliencrön Rathgeber, und sein Bescheid ist 
der: die alten Germanen selbst haben eine Zusammenstellung 
der -wichtigsten Begrifie ihres Gedankenkreises veranstaltet, und 
zwar durch eine Sammlung von Substootiven : diese Sammhing 
ist dae benannte Alphabet. 

■Betrachtet man nim* föhrt er fort, »unter diesem lichte 
die uns tiberlieferte Reihe der Runennamen, so entdeckt' sich, 
dase sie nach den Geeetseo jener Umschreibungen (nämlich der 
poetischen Combination) behandelt, den ganzen Begriffskreis der 
ältesten Zeiten, welchen imsere mystischen Zeichen ai^ehören,"" 
erfüllen und umfassen'. Mit anderen Worten: die in der leben- 
den Poesie vorkommende Anzahl von Begriffen deckt sich mit 
dem Inhalt der Mälrunen, d. h. derjenigen Runen, durch deren 
Combination mittelst der kenningar die Verematerie ausgedrückt 
werden konnte (ebd.)- T^ hat dies dann mit einigen glücklich 
gewählten Beispielen illustnrt. Wir müssen nun prüfen, ob 
wirklich die meist varürten Worte der altgerm. Poesie sich in 
die Rubriken der altgerm. Looswort« auftheilen lassen. 

Wimmer ist in seinem grossen Werk über die Runenschrift 
zu folgendem, wohl von allen Seiten angenommenem Ergebnise 
gekommen: »Die Vergleichung zwischen dem nordischen, bur- 
gundischen und den altenglischen Runenalphabeten zeigt, dass 
das ursprünghche gemeingennanische Alphabet 24 Zeichen en^ 
halten hat in der Anordnung, wie wir sie auf dem Brakteaten 
von Vadstena finden, und wahrscheinlich mit dem darauf 
fällenden & hinter o« (aao 88 vgl. 139). Daran also müssen 
wir uns halten, während Liliencron (Zur Runenlehre S. 13) noch 
das nordische Alphabet von 16 Zeichen für ursprünglich hielt, 
wie Kirchhofi, welch letzterer jedoch die yr-Rtme des nordischen 



22 

dem gemeingermaiiiBchen Alphabet abgeeprochen hatte (ESrch- 
hoff; Das gothische Ronenalphabet (2) S. 2.) Aber darin stimmt 
Wimmer mit Liliencron überein, dass auch er die altn. Buch- 
stabennamen für ursprünglich hält (Die Runenschrift S. 128, 
140. 181. 271). Nur der Name derjenigen Rune, welche 
auch ihre Bedeutung gewechselt hat, soll mit einem andern ver- 
tauscht worden sein: urgerm. bedeutet sie das Schluss-R und hiess 
elgr (aao 133), später bedeutete sie y und hiess yr (aao 243—44). 
Das ist ein seltsamer Uebergang, wenn auch beide Worte unter 
den Begriff »Jagd« fallen. Aber Vergleiche wie H H. 11 37, 5 
und GuS n 2, 5 gestatten die Annahme, elgr habe wie später 
yr (Baum im Gleichniss H. H. 11 37, 4) zur allgemeinen Bezeich- 
nung des Mannes gedient, vielleicht — wie bjarkan — vor- 
zugsweise in lobender Absicht, die bei madr zu fehlen scheint. 
In seiner ursprünglichen Bedeutung „Pfeil'* konnte yr freilich 
diese Function nicht haben, aber gerade das Bedürfniss, die 
Mannsrune elgr zu ersetzen wird yr zum Gegenstück von bjar- 
kan gemacht haben. Wir dürfen also wohl auch für diese 
Rune Continuität der Namensverwendung annehmen. 

Sonach hätten wir folgende urgerm. Runennamen, die ich 
wie üblich in altn. Form gebe: 

f f 6 u ür f) J)ur8 (|)om wohl jünger Wimmer 197. 272) 
a &B8 (vgl. ebd. 194) r reid k kaun g gjof w van — erste 
Sippe, Freys aett. 

h hagl n naud i is j är (aus jära vgl. Wimmer 121 f) 
p pertra? Schluss-R elgr (später y yr) s söl — zweite Sippe, 
£[agals aett. 

t Tyr b bjarkan e jör (ehwaz got. aihvs vgl. Wimmer 271) 
m madr 1 logr ng ags Ing o ödal d dagr — dritte Sippe, Tys aett. 

Aus der alten Verwendung erklärt es sich, dass die Namen 
den betreffenden Buchstaben als Anlaut haben (vgl. Müllenhoff 
Runenlehre 58), von welcher Regel nur ng und Schluss-R natür- 



liebe AuBnahmen. bilden. — Jede Sippe bat acht Zeicb«), 
gleichsam den Vatar mit sieben Söbnen; denn zu dem zweitext 
geborte nocb dne Rune, dereu Bedeatung und Name proble- 
matisch ist (\^'immer 134 f). 

lieber die Priucipim der Anordnung, und .Eintbeilung haben 
wir hier keine Vermuthungen aufzustellen, sondern nur zu 
prüfen, was- diese durch das Alphabet gefestigte Namenreihe 
über die Gegenstände dw altgerm. Poesie' lehrt. . Ueber- die 
Namen selbst sagt sehr gat Weinhold (Altnord. Leben S. 412): 
■Jeder Stab ward mit einem begrifisscbwereQ Worte benannt, 
das6 durch die innen wohnende dichterische Begebung noch 
imifassender wurde. Auf solche Art bildeten die Runenn&moi 
einen Kreis bedeutender Begriffe . . .* welche, fügt er bald 
hinzu, ivieldeutig durch TJebratr^^ung und sinnreiche Ausl^fung« 
einen weiten Gedankenkreis umfassen. — 

Zunächst ist mit jedem dieser Worte eine bestimmte 
Art der Runenanwendung, eine poetische Gattin^ bezdchnet. 
Alle Klassen von Runen, die in den. alten Aufzählungen Hat. 
142^162 Rig. 44^-45 Sgdr. &— 2.0 vorkommoi, und alle, die 
uns sonst bekannt sind, la8sen.8Jch auf diese Stichworte vertlieilen. 

fe: Zaubersprüche zum Gewinnen von Besitz, etwa zum 
Schatzgraben, fn der Vgl. findet sich 3, 3 geradezu das Wort 
f^spjell, sermones sapientee ditantesque, cartnina thesanrisinda- 
gandis, welches Wort aber MOUenhofi (D. Alt 6, 109) an dieser 
Stelle verwirft. 

ür: jedenfalls Sprüche um glückhche Jagd (vgl. mhd und 
nhd. Waidsprüche Zs. f. d. Alt. 29, 229) oder auch Zauber, der 
Andern die Jagd verdirbt (vgl. z. B. Wunderhom her. von K. 
Bozberger 1, 76 Anm.). — Auch an einen Spruch von der 
Art des ags Grein-Wülcker 1 323 könnte gedacht werden. 

{lurs: Veräuchnngen, wie sie uns Helg. Hund. 2, 29 f. 
besonders aber Skim 25 f. erhalten rand, hier mit Nennung der 



24 

Rune (vgl. Liliencron Ztir Rnnenlehre 33 Anm., Müllenhoff 
ebd. 66. 63). 

äaB: dogmatdeche Sprüche wie de die V0L verarbeitet; aus- 
führlich beschrieben H&v. 157. Hierher mögen auch die gött- 
lichen Machtranen fallen vgl. Müllenhoff Runenlehre 37 — 38 
(Auch der Sänger rühmt sich solcher Machtrunen: H&v.* 162, 
gerade wie seine (Genossen im höchsten Norden wunderbare Runen 
kennen; vgl. z. B. Kanteletar übs. von H. Paul S. 31 f.) 

reid: Wanders^^n für glückliche Fahrt (vgl. MSD IV 8 
und Grem-Wülcker 1 328)? Oder ebenfalls mythologischer Natur 
(vgl. Häv. 153 und andrerseits im ags Runenlied 22)? Sicher 
aber in der Combination mit logr (Liliencron S. 23) als Segen 
für das eigene Schiff (vgl. H&v. 152, auch Rig. 45, 3) und 
Bann für das feindliche (Helg. Hund. 2, 30 und Grim. Einl. 10). 
Den Zusammenhang von Häv. 152 und 153 beweisen H. Hi. 
13 und Saem. zu H. Hund. 2, 16; dazu vgl. Sgdr. 10. 

kann: Liliencron (aao 21) läset diese Rune als verderbt 
ausser Betracht. Sie mag aber wohl als Schlagwort in den 
vielleicht ältesten aller Zaubersprüche gedient haben, in denen 
nämlich die um Heilung bei Krankheit und Körperschaden 
bitten: Heürunen Häv. 145 Sgdr. 11, auch wohl Rig. 45, 4 und 
vielleicht noch EUiv. 144 und 119, 7. Solcher Art sind die 
meisten ahd. Zaubersprüche. — Weinhold (aao 413 Anm. 3) 
fasst kaun mit W. Grimm als »Kiene. Dann wäre an EUiv. 150 
Rig. 45, 2 zu erinnern. Uebrigens vermittelt die Bedeutung 
„Brand*' beide Auffassungen leicht (Weinhold aao). 

gjof und v4n: Sprüche beim Geben und Heischen; ein un- 
zertrennliches Paar (J. Grimm KL Sehr. 2, 173) »welches früh 
feste Formeln bei Geber und Nehmer voraussetzt.« Man denkt 
an Tac. Germ, (in MüllenhoSs Ausgabe) 21, 16 und Häv. 52. 

hagl: »Von den Wettererscheinungen als seiner natürlichen 
Bedeutung abgesehen das Wort, durch welches alle Schusswaffen 



25 

umficluieben m werden pfl^en" (Ldliencron S. 23); also zum 
iFestmacheo« der £riff^. VgL H&t. 148 (wo abei auch an 
^ in seiner zweiten Bedeutung zu denken) und 149, besonders 
aber 146; femer Rlg. 44, 6 — valninar H. H. n 11, 7. 

nauA: Kampf, vgl. Häv, 154 (wo aber auch an Tft zu 
denken); im GegeoB&ii su hagl wohl mehr Bedracgnias im Nah- 
kampf, besonderB Feseelung BM. 147 MSD IV 1, auch Rig. 
44, 7. Daneben aber auch für die Feaselong, Wehilosmachung 
durch Trunkenheit (vgl. SAv. 12 — 14): in dieser Verwendung 
Sgdr, 7 vgl. MüUenhoff Zur Runenlehre 63. — Looewerfen wie 
Hym. 1 (vgl. MüllenhoS ebd. 38) fallt dag^^ eher unter pertra. 

Je und är, ein Paax wie gjef und vän, hagl und n&ufl: Früh- 
lings- und Winterlieder (vgl. tJhland Schriften S, 17 f. und für 
die oralteQ mhd. Natureingänge, die allerdings »Eis* durch 
■Schnee« ereetsen, aber ztt ganz im Sinn von är brauchen, 
Zb. f. d. A. 29, 193. 204). 

pertra? nach dem ags. Runenlied 14 SpotÜieder an dw 
Biertafel vgl. Tac. Germ. 22, 7 Hiv. 32; und ebenso gehören 
hierher wohl auch Lieder zur Versöhnung HAv. 151. Heber 
Hym. 1 vgl. unter naud. 

yr: für alle auf Männer bezüglichen Zaubersprüche. Ich 
. erinnere femer an Häv. 149 und 1^. (Ueber elgi vgl. o.). 

BÖl: alle Völker beeitzen G«dicbte zur Feier des Sonnen- 
aufgangs u. dgl. Auch führe ich das allerdii^ ja jüngere" und 
schon christliche Sölarljbd an. 

T^: Si^esnmen werden ausführlich gelehrt Sgdr. 6 (vgl. 
Müllenhofi Runenlehre 45; über die ags. epische Formel tires 
täcen ebd. 36). 

bja^kan später bjork: für alle auf Frauen bezügliche Zauber 
Sprüche wie z. B. Hiv. 162 (doch vgl. Müllenhofi D. Alt. 5, 276) 
Bgäi. 9. FAf. 12—13 und besonders Oddr. 6. 

jör: wie bei reid für das Fahren, hier für das Reiten 



26 

Sprüche zum Segnen (MSD IV 2) und Verfluchen (EL H; 2, 30) 
beeonders bei der Verfolgong; man. denke an den Ausrol 
Richards m. nach der Niederlage! 

madr: auf die vielfältige Verwendbarkeit dieser Rune kann 
nicht eingegangen werd^i; nur des Beispiels w^n verweise ich 
auf Häv. 156. 

Iggr: vgl. zu reid:; femer Rig. 44>8; 

Ing: zur Umschreibung von Heldmi, wie Reg. 14 bei einer 
Prophezeiung, und- zu genealogischen Versen, vgL Tac. Germ. 
2, 10 und die schon besprochene Formel im Hildebrands- 
Uede 13. 

6dal: bei Besitzergreifung und Landnahme? vgl. femer 
den Zaubersegen Grein- Wülcker I 312. 

dagr: Gerichtsrunen, wie in den meisten von Müllenhoff 
und LUiencron besprochenen FäUen des Loosens; vgl. Sgdr. 12. 
Anderer Art scheinen die dunkeln aefinrüar ok aldrrünar 
Rig. 44, 3—4, Runen für »Zeit und Ewigkeit c? 

Es bleiben frei nur noch die Sinnrunen Sgdr. 13 vgl. Häv. 
151, auch Rig. 45, 1 (wozuFäf. 9 nach V. 31 zu vergleichen): 
Aber sie fanden ihre Anwendung wohl mehr in der unge- 
bundenen Rede, Gerichts- wie Festansprache- als in den feier- 
lichen Gattungen gebundener Rede. — Mehrdeutig, sind die 
Lustrunen H&v. 119,6 und 129^ 6 Sgdr. 5, B. — 

So also finden wir zunächst die Reihe der. Runennamen 
gleichwerthig mit einem Verzeichmss derjenigen. Stoffe, welche 
sehon in altgerm. Zeit eigene Liederarten, hervorriefen. Um 
von hier zu der versprochenen Prüfung der beliebtesten Typen 
und Motive überzuleiten, wollen wir mit einigen Proben er- 
weisen, dass in jenen Worten wirklich die Seele der uns er- 
haltenen Stücke lebt. — 

Die Stichworte können vorkommen entweder in deröelben. 
Form wie im Fu{)ark — oder vertreten durch Synonyma — 



27 

oder in Combinationen enthalten. Für den letzteren Fall 
Bcheiden \ni nicht, ob der eigentliche Runenname oder ein 
anderes heiti gleicher Bedeutung steht. 

In der letzten ELäufung der Runen, welche ihre Auf- 
zählung in Sgdr. beschliesst, läast sich noch fast alles durch 
die alten Runenworte wiedergeben: 4 skildi |>eim er stendr fyr 
skinanda godi (söl), . . . ä |>vi hveli, er snysk undir hreid 
Rognis (reid.) . . ä sleda fiotrum (Is), a bjamax hranmii u. s. w. 
(ür vgl. Liliencron S. 22), ä lausnar 16fa (naud) ok ä Uknar 
spori (kann), ä gleri ok ä guUi (U) . . . ok ä gumna heillum 
(madr), i vini ok 1 virtri ok ä vilisessi (pertra?) . . , ä nomar 
nagli ok k nefi uglu (äss?) (Sgdr« 15—17). — Ueberall scheint 
auf das entscheidende Zauberwort hier ebenso angespielt zu 
werden, wie Skim 36, 1 |)urs und in Sgdr. selbst 6, 6 Tyr 
geradezu genannt werden. 

Sonst ist aber das für das Alphabet gewählte Wort keines- 
wegs das häufigste unter den verschiedenen Synonjrmis^ In 
den Häv. bezeichnet fast nur f^ Häv. 40. 75—76 und allenfalls 
söl 68 den wesentlichen Inhalt der ganzen Strophe; Sgdr. 3 
ist von dem Wort dagr, 4 von äss beherrscht. Aber schon in 
der merkwürdigen Priamel, wo die Schlagworte sich jagen und 
stossen, mischen sich mit den Runennamen andere heiti: Häv. 
80: dagr kona (= bjork) maekir (= hagl) maer (wieder = bjerk) 
is ol (gehört zu naud s. o.); Hiv. 81: vidr (= yr) sjör (=l0gr)' 
man (= bjork) dagr skip (zu reid) skjoldr (zu naud) maekir (zu 
hagl) maer (= bjerk) ; Häv. 82 : ol (zu naud) is marr (= jör) maekir 
(hagl) hestr (= jör) hundr? — Ebenso ist es bei den ags Denk- 
sprüchen, besonders den Zusammenstellungen des Ezeterbuchs: 
Grein Bibl. 11 341 : f orst (= is) vudu (yr) eorde (?) is und 
Väterhelm. In den Worten an sceal inbindan forstes fetre . . 
wird eine Wendung gebraucht, welche Häv. 147 die Anwendung 
der Rune naud bezeichnen zu sollen scheint; aber was das Eis 



28 

löst, war ursprünglich wohl nichts anderes als — söl. Dann 
wieder vinter (Is) sumor (ar) sund i^logr) . . . cedp und geofo« 
güd und vig (hagl und naud), vff G>]9^^) meoduraeden (pertra) 
. . . sdp (reid) scyld (naud) u. s. w. Vor allem aber ist be- 
zeichnend eine Strophenreihe wie die der V0I. in MüUenhofih 
Herstellung (Alterthumskunde V 5 f): 6 ^ 6 {>ur8 7 U . . 
9 g]0f 10 hagl . . 12 reid (ReidUyr vgl. LUiencron 22) 13 
bjarkan (= baf>mr) . . 15 söl 16 är . . 19 yr (in der alten Be- 
deutung = harmflaugr) 20 naud 21 l0gr . . 23 kann (vgl. eitrdropi). 
Diese Wichtigkeit der Runennamen beruht eben darauf, 
dass nach den Nachweisen MüUenhofb und Lüiencrons bei der 
ältesten Anwendung die gleichsam von den Göttern dargebotene 
Rune das Schlagwort gibt, an welches dann der Vers sich so 
anschliesst, wie im delphischen Orakel die Verse um die 
Enunciationen der begeisterten Seherin geformt wurden. Jede 
Rune aber ist vieldeutig und daher beruht das ganze für die 
ivltgerm. Poesie so ungeheuer wichtige Princip der Variation auf 
der poetischen Verwendung der Runen. Z. B. die erste mit 
der sechzehnten Rune kann gelesen werden yr fjära, aber auch 
askr gulls, hlynr hringa u. s. w. (Liliencron S. 21, vgl. über 
die Stufe der Vieldeutigkeit innerhalb der Geschichte der Zei- 
chenschrift überhaupt Brugsch Bildung und Entwicklung der 
Schrift S. 13). Aber im Anschluss an die eben vorgetragenen 
Vermuthungen über die Gattungen der runischen Lieder können 
wir solche Fälle wirklich nachweisen. Hdv. 146 ist naud 
durch hapt ersetzt, 147 durch fjoturr; 148 yr oder hagl durch 
Üeinn; 152 logr durch saer; 154 naud durch orrosta und hildr; 
155 bjarkan oder yr durch tr§; 156 madr durch J)egn; 157 
as8 durch tivar; 158 dasselbe durch die Zwillingsformel aesir 
ok dlfar, die das alte Wort also wahrt; 159 bjarkan durch 
man. Ebenso ist Sgdr. 6 Tyr wiedergegeben durch sigr; 7 
bjarkan durch kvaen; 10 reid durch seglmarr und logr durch sund. 



39 

In ähnlicher Weise heiest auch die von le gelahrte Abthei- 
lung „Freys aett". — 

Ein letster Beweis endlich für die Bedeutung der Runen- 
namen ist aus deo Eigennamen zu holen. Dase Namen mit 
runa fast jeder Art der RuDenanwendung entsprechend vor- 
kommen, hat Müllenhoff in der Runenlehre gese^; solche 
Namen sind AUrun, Dagrun, Fridurän, Geidrun, Goltnm, Gudrun, 
Himilrün, Ortnm, Olrun, Purcrun, Sigirün, Solrun, Vardrun, 
lA'oUrüin und Rimfrid. Für dae Vorkommen der Schlagworte 
selbst in Eigennamen verweiBe ich nur auf altn. Bel^ in 
Weinholds Altnord. Leben: Abb (aao 270), Ar durch Tbiemamen 
vertreten (272), yr, auffallenderweise bei Frauennamen (ebd.), le 
(ebd.) eöl (273), tt ersetzt durch audr (273) dagr und gjfif (ebd.): 
ebenso steht auch ketill (aao 272), was vielleicht für Kirchhoffs 
Deutung des gothischen Runennamene hvair durch alta. hverr 
(Runenalpbabet S. 47) spricht. — 

Auf die Veränderung, Vermehrung und Vermlnderong dieser 
hochwichtigen alt«n Kategonen in den einzelnen Dialekten 
können wir übrigens nicht eingehen. Der interessanteste Fall 
ist die Ersetzung von sÖl durch ags sigil, segel (KirchhofT 
S. 36), bezeichnend für die Nation der Seefehrer. Auch |>om 
für {>UT8 (vgl. Liliencron S. 13. 22.) ist zu beachten, vielleicht 
chrisÜichem Einfluee zu verdanken; ebenso der Wegfall der 
Abstracta gjgf und vän. — 

Wir haben nun wohl zur Genüge dai^than, dass die 
Runennamen eine uralte Auslese der wichtigsten Gegenstände 
der altn. Poesie ausmachen, die als Inhalt von ganzen Lieder- 
gattungen wie von einzelnen Strophen in eigentlicher, varürter 
und umschriebener Gestalt diese Dichtung erfüllen. Dase nun 
aber diese Auslese mit derjenigen, die ims das Enterium der 
häufigsten Variation ei^b, übereinstimmt, ist noch darzuthun. 
Ich stelle deshalb die Rubriken der meist rariirten Begrifie 



30 

hier nnter Führang der altgermanlBchen Runeimameii zusammen 
und nehme jetzt auch Adjectiva und Verba hinzu. ' 

tt: Gold und Schatz, Fürst und Mann (vgl Skaldskaparmal 
47. 53). — Burg und Haus, Bett, Bank, Polster, Thür. — 
Verba: besitzen, erfreuen, glänzen, schmücken. — Adjectiva: 
begierig, fröhlich, glänzend, mächtig. 

ür: Wolf. 

{>urs: Riese und Mensch (Liliencron 22). — Frevel und 
Untreue. — Bier (kalla sumbl Suttungs synir Alv. 36, 6). — 
Verba: betrügen. — Adjectiva: böse, elend, feig, thöricht, traurig. 

ass: Gott und Schicksal, Loos, Sohn, Hilfe. — Geist (vgl. 
Vol. 20—21). — Erde (vgl. Skaldskap. 24). — Verba: bestimmen, 
erfahren, erlangen, gedeihen, helfen, sterben, wünschen. — 
Adjectiva: ausgezeichnet, freundlich, glücklich, klug, vorsichtig. 

reid: Weg. — Verba: sich bewegen, schwingen, 
kann. — gjof und vän: vgl. unter fe. 
hagl: Wind. — Speer. 

naud: Gefahr, Schmerz, Unheil und Fessel. — Busse. — 
Verba: büssen, ergreifen, klagen, strafen. Adjectiva: tot. — 

is: — Adjectiva: dunkel. 

är:'Zeit und Urzeit. Mahl und Speise. 

pertra. — yr: Baum. — Berg und Hügel. 

s61: Sonne, Himmel, Nacht, Feuer (söl tüsanna Skaldsk. 28). 

T^: Kampf und Ehre. Held, Feind, Mörder. Kraft, 
Spott. — Schwert, Wunde, Blut. — Pferd. — Verba: reizen, 
schlagen, streiten, töten, verwunden. — Adjectiva: berühmt, 
blutig, kühn, schnell. 

bjork: Weib und Liebe. — Verba: umarmen, vermählen — 
Adjectiva: freundlich, fröhlich, schön. 

jör. — madr: Mann, Mensch, Sohn, Verwandter, Freund, 
Grefährte, Kämpfer. — Menge und Schaar. — Gespräch. — 



31 

Hen und Brust. — Verba: sprechen, eich unterhalten, auch 
hören and sehen. — Adjectiva: tüchtig. 

\Qgr: Meer, Stiom und Welle. — Schiff und Boot. lug. 
— ödal. — dagr vgl. unter ii. — 

Damit ist die Zahl der für die poetische Sprache wichtig- 
sten Begriße erschöpft. Es versteht sich, dasB manche auch 
anders (und vielleicht besser) unterzubringen wären. Aber 
man sieht, dase zu einem Inventar der meistvariirten Worte 
das benannte Runenalpbabet völlig genügt, ja dsse es sogar 
Platz lässt für manche Gegenstände der altgerm. Poesie, die in 
unseren Denkmälern nur vereinzelt beg^nen, oder überhaupt 
nur m erschliessen sind. Und dabei ist es kein Zufall, dass 
solche Lücken fast ausnahmslos bei den Runennamen begegnen, 
die in einzelnen Alphabeten, besonders dem altnordischen, früh 
verloren gegangen sind. — 



§ 2. Typen. 

Aus dem Sprachschatz der altgerm. Poesie haben also die 
beiden von uns verwandten Kriterien, das indirekte Merkmal 
der häufigsten Variation und das direkte der Aufnahme unter 
die Runennamen, dieselbe Auswahl bezeichnender Worte ge- 
liefert. Gehen wir von den B^rifien nunmehr zu ihrer Beali- 
sinmg in l^pen and Motiven über, so wollen wir dabei nicht 
durch abermalige Wiederholung derselben Schlagworte ermüd^ii 
und von diesen hier abzusehen, ist umsomehr angez^gt, als 
wir hier (wie schon erwähnt) von dem Zufall der Erhaltung so 
sehr abhängig sind. Es ist so natürlich, dass uns mehr Helden- 
lieder überliefert sind als etwa Arbeitelieder; gefehlt hat aber 
die letzlere Gattung schwerlich. Ist auch die Ansicht Böckels 
(Dentache Volkslieder aus Oberheesen S. LX), dass solche lieder 
überall zum uraprün^chsten Bestand der Volkspoesie gehören, 



/ 



32 

unbeweisbar, so ist doch dicht an den Grenzen unseres Ge- 
bietes in dem »Mühlenlied« Fenjas und Menjas ein solches 
Stück nachzuweisen. — Wir müssen also hier eine Classifi- 
cation von innen heraus zu gewinnen suchen. 

Die Gestalten der altgerm. Dichtung scheide ich in drei 
Klassen: symbolische — typische — individuelle. Natürlich 
bandelt es sich um Unterschiede nur des Grades: portraitartig, 
individuell im eigentlichen Sinne ist keine einzige Figur; von 
beiden Seiten reichen sie nah an das Typische heran. Aber 
es ist doch ein merklicher Unterschied zwischen den kunst- 
reichen Schmieden Dainn und Nabbi (Hyndl. 7) einerseits imd 
dem kunstreichen Schmied Wieland (ykv) andererseits! — 
Von der christlichen Dichtung sehe ich hier ganz ab, dagegen 
gestattet der Umstand, dass wir hier nur auf dem Inhalt Rück- 
sicht zu nehmen haben, diesmal die deutsch-lateinische Dich- 
tung von nationaler Färbung heranzuziehen. 

Ueber die Charaktere der altdeutschen Dichtung Imndelt 
Uhland Schriften I 211 f., über die der volksthümlichen Märchen- 
poesie W. Grimm EQ. Sehr. I 365 f. Im Einzelnen vgl. für 
Beovulf Rönning Beovulfskvadet 116 f. A.Ho{hnann Der bildliche 
Ausdruck im Beovulf und in der Edda 19 f. Sarrazin Beovulf- 
studien 73 f. — 

1. Symbolische Gestalten: einerseits die Götter, welche 
aber in den uns bewahrten alten Gedichten schon stark den 
typischen Figuren angenähert sind; andererseits Repräsentanten 
von Ständen, welche aus Typen erwachsen sind. Natürlich 
hat die Charakteristik, die wir hier zu geben haben, nicht der 
ursprünglichen Bedeutung der (Jestalten zu gelten, sondern ihrer 
Erscheinungsform in den vorliegenden Stücken. 

Götter: 0{)inn (Vgl. Run. Grim. Veg. Vaf. Häv). Den Kern 
seines Wesens bildet die Weisheit, die er sucht, formt und leistet. 



S3 

Thörr Qtiym'. Hym.) : die Stärke, die aber frraader Leitung 
bedari. 

Beide 'wirksam contrastirt im H^b. 

Loki Qirym. Reg. Fid, — Lok.): Gewacdtheit und List; im 
freien Spiel seiner Geisteekräfte ordnet er sich weder höheren 
Zwecken wie 0|>inn noch höherer Intelligeiu wie Thärr miter 
und deshalb wird ihm seine B^^bui^ zum Unheil. 

Die anderen Götter sind entweder wie Freyr (Skim) und 
Heimdali (Rig.) gar nicht charakterisirt, oder wie NjQrd nnd 
Skadi, dae Prototyp einer miss^ückten Mischehe, ganz >moder- 
nisirt«. Frigg andererseits ist völlig aufgegangen in die typische 
Zeichnung der gescheuten Hausfrau in ihren guten und bösen 
Momenten (Vaf. Lok. — Einl. zu Orim. Langobardensage). 

Rein symbolische Grestalten sind dagegen noch vollauf die 
Riesen (Hym. ])rym, auch Vol), Zweige (Alv. Fid. and R^. 
auch V(jl und Hyndl.), die Hexen (Helgilieder) und Ungeheuer 
(BeÖT.) Einzig Begin ist etwas der t3^iBchen Gestalt des bösen 
Ratgebers, des unndtren Sänchai (H.S. 169) angenähert. — 
Dieee Figuren sind gleichsam Zerrbilder der Götter: die Riesen 
durch ungeschlachte Stärke Thors, die Zwerge durch feige 
Schlauheit Lokis, die Zauberinnen durch verderbliche Spruch- 
kunst Ofiinns, die Ungeheuer durch menschenfeindliche Eraftr 
beüiätägung der Götter überhaupt. — 

Standeevertreter sind vor allem die Paare, die den drei 
Ständen zu Ahnen gegeben werden (Rig.). Sonst sind alle Be- 
rufsklassen durch typische Gestalten vertreten — nur der der 
Dichter selbst durch «ymbolische, fast völlig abstracte Figuren. 
Wie die altgriechische Dichtung bat die altgermanische be- 
sondere Vertreter für die Hauptgattungen der Poesie: die ge- 
heimnissvolle rehgiöee Offenbarungspoesie ist abgebildet in der 
grossartigen Crestatt der Seherin (voll ausgebildet in der Vol, 
schwächer in der Vol h. sk. und Veg.) Die wichtige gno- 

U*jn, AUfMOuaiMb* PomU, S 



34 

• 

n}juaQh(d Poesie hat in Loddf&&iu% aber auch in dem Ofnnn der 
BUiv. selbst (D. Alt V 293) ihren Patron; die heroiech-epiache 
in Vidfiid, die lyrisch-epiache in Deör; und endlich fehlt aach 
nicht der Bätseleängec in Gestalt des frtthmhd. Traugemnnt. 
Man xnag auch noch der späten altn. Repetitionsdichtang einen 
Stellvertreter in dem traurigen Gripir lassen; dann hat auf 
diesem Pamass jeder Dialekt einen Abgeordneten für die ihm 
vonugsweise eigentümlichen Gattungen: mythologische Poesie 
der Sl^mdinavier, heroische und lyrische Gedichte der Angel- 
sachsen, Unterhaltungspoesie der ahd. Zeit 

All diese symbolischen Gestalten haben nun das gemein, 
daas sie, was für sie charakteristisch ist, nicht eigentlich sind, 
sondern haben. Ausnahmslos vertreten sie eine Kunst, cL h. 
ein Können: praktmche Ausübung erlernten Wissens. Of>inn hat 
seine Weisheit erst erringen müssen, Thörr muss seine Asenkraft 
erst anlegen und kann seinen Hammer ganz verlieren; der viel- 
gewandte Loki wird gebunden, die Riesen zu Boden geschlagen, 
die Zweige überlistet, (es ist ihr Schicksal, so unentrinnbar, dass 
es. der Sonne zu einer eigenen kenning „Ueberlisterin der 
Zwerge" yerholfen hat) und die Hexen werden verzaubert 
Das alles kann geschehen, weil diese symbolischen Gestalten 
nichts anderes sind, als die Besitzer einer abstracten Kraft: 
Of>inn ist der Herr der Geiatrunen (Sgdr. 13, vgl. Rünatal), 
Tyr Herr der Siegrunen (Sgdr. 6), und so hat jedes Reich von 
vernunftbegabten. Wesen, Götter, Elfen, Menschen u. s. w. seine 
eigenen Runen (EUv. 141 Sgdr. 18). Wir erkennen hier von 
neuem die fundamentale Bedeutung der Rimenbegriffe, und 
^hen an den symbolischen Dichtergestalten, dass auch die 
Aufreihung der Liederarten nach Buchstabennamen ihre gute 
"Begründung hat. Ihre wahren Wurzeln aber haben all diese 
Anwendungen der Runen in jener uralten tiefsinnigen Anschau- 
ung, dass alles Vergängliche nur ein Gleichniss sei oder viel- 



85 

mehf Dor ein Böepiel, eis EüuelfaU: die dauernde Norm — 
das ist die Rune und «er eie beeitst, der hai, jeden TOtw^jIh I]- 
in der Hand. So weit müssen vir hier diese Betrachtung 
führen, um die eigentliche Orundanschauung uns tu dchem, 
welche allem Denken und Dichten jener Zeit als Boden su 
dienen scheiat. Wdtei aber zu untersuchen, wie weit diese 
Ronenlehre urverwandt sei mit der unsterblichen Ideenlehre, 
welche durch Platone Geist verjüngt mit derjenigen dee Aristo- 
teles den ewig erneuten Kampf zwischen Volksphüosophie und 
Schulphiloeophie durchgekämpit bat, das ist nicht unseres 
Amtes. Nur darauf darf ich noch hinweisen, wie wunderbar 
das Mittelalter diese iüteete Auffassung in christücbem Geiste 
ement hat: wie vom Grossen zum Kleinen sllee Irdische nur 
Abbild himmlischen Urbilds sdn soll, bat jetzt v. Eicken, 
(Geschichte und System der mittelalterlichen Weltanschauung, 
bee. S. 649) gründlich imd anscbauhch an den Tag gelegt. 

Wir dürfen nach all dem sagen: auch die symbolischen 
Gestalten der altgerm. Dichtung sind im Grunde typische 
Figoren — über den Durchschnitt erhöbt nur durch das Attri- 
but ihrer Runen. Auch wo sie unterliegen, bleiben die grie- 
chischen Götter kenntlich als höchste Durchbildungen bestimmter 
Ideale: Zeus ist Zeus, auch wo Hera und Athene ihn betrügen. 
Aber Ot>inn, wenn er seine Weisheit vergisst, wird ein Mann 
wie andere, der sich auch betrinken kann (H&v. 13 — 14) — 
und nur seine Weisheit macht ihn kenntlich, seine Ktmst und 
Bereitschait, wo er verkleidet auftritt (Grim. Reg.) — es leuchtet 
kein Glanz, und Niemand spürt die Kähe eines Gottes. 

2. Zum Typischen also drängt alle Darstellung der altgerm. 
Poesie hin, — zu der Auffassung, welche Scherer (Poetik S. 230) 
als „typischen Realismus" zwischen „Idealismus" (mit symbo- 
lischen Gestalten) und i Naturalismus« (mit portraitartigen) 



36 

stellt. Dies ist der Stil, der in den meisten und besten altgerm. 
Gedichten herrscht. 

Als vornehmster Typus, als Quintessenz gleichsam aller 
altgerm. Typen, tritt der Mann als Held auf, entweder König 
oder Einzelkämpfer; ihm ordnet sich die Frau unter in ihrer 
höchsten Erscheinung, als Geliebte des Helden. Von dieser 
Spitze geht eine doppelte Gliederung abwärts: nach der Bedeu- 
tung im Gredicht, welche fast stets mit dem socialen Rang der 
Auftretenden zusanmienfiUlt; und nach der moralischen Haltung. 
Uhland hat für das Volksepoe die Scheidung in „Treue** und 
„Ungetreue" durchgeführt; wir wählen die Schlagworte „Edle'* 
und „Unedle". 

Hauptfiguren. Nie hat ein Mann von niederer Stellung 
die EbuptroUe; dagegen kann ein König eine Nebenrolle erhalten 
(in der V0lundarkvida und im Waltharius). 

Edle Gestalten sind: der milde König; so die Könige 
des ags. Epos, der König im Ruodlieb (Ausg. von Seiler 190 f.); 
der Kämpfer und zwar: der „Recke von Beruf" wie Sigmimd 
und SinfjotU, Hildebrand und Hadubrand; der angegriffene 
Held in der Vertheidigung: Walthari — Waldere; der ritter- 
liche Held, der auszieht, um das Böse zu bekämpfen: Beo- 
vulf selbst. 

Die Functionen des Herrschers und des Helden vereinigen 
erobernde Könige; wie Finn und Alboin, zuletzt auch Beovulf; 
über diese Gestalten noch erbeben sich durch einen reicheren 
Abglanz göttlichen Lichtes, als den G<)ttem selbst die altn. 
Dichtung gewährt, die Idealgestalten der beiden Helgi und 
Sigurds (vgl. Sinf. 31) — nicht blos gütig und gerecht wie die 
Könige, nicht blos stark und tapfer wie die Helden, sondern 
zugleich noch treu liebend und treu geliebt. 

Der Typus des Königs entspricht der Göttergestalt 0{)inns, 
der des Helden der Thors — aber die komischen Situationen, 



87 

in denen wir öfter den Göttern hegegaea (HAt. EUrb. R^, 
u, B. w.) finden bei diesen pathetiech gehaltenen Persönlich- 
keiten kein Gt^enstück. — Die edlen Frauen stehen nur in 
zweiter Reihe. 

Unedle Gestalten sind: der tyrannische König: Jönakr, 
GeirrQdr (Nidudr ist nur Werkzeug der Königin vgl. Niedner 
Ze. f. d. Alt. 33, 44, Günther im Walth. untergeordnet). Besondeis 
charaJcterietiBch wird Heremöd (Beöv. 902 f.) mit negatjven 
Zügen ausgestattet. 

Die böse Königin : KiSudrs Gremahlin, auch TiySo im 
Beövulf. 

Mit Abneigung sind auch die beiden grossen Verderben- 
ßtifterinuen Brynhüdr und GuÄnin geschildert, obwohl ihre 
Motive höhere sind, als die Habsucht imd der Uebermutb. 

Nebenfiguren änd mit der Hauptfigur meist gleichartig, 
nur im Beöv. zum Theil im Contrast. 

Edle Gestalten: Helden zweiten Ranges wie die Gefolgs- 
führer Wiglif (Beöv.), Hengest (Finnsb.), Hagano (Walth.) Die 
prächtigste Entwickelung hat auch dieser Typus in den Hel^> 
liedem gefunden, nämlich in dem Atli der H. Hi. 

Unbedeutender sind die Höflinge und Beamten im Beöv. 
und Ruodl.; dag^en wird im Waltharius für jeden der Neben- 
kämpfer eine vollständige Charakterzeicbnung versucht. 

Nebenfiguren sind femer besonders in der ältesten Dichtung 
die Frauen: dem König steht eine Königin wie Hygd (Beöv.), 
und, noch stärker nach der Seite der Klugheit entwickelt, 
Ospirin (Walth.), dem Held^i eine heldenhafte Gattin wie 
Sv&va (H. H.) oder Sigrün (H. H.) zur Seite; Hüdegund ist nicht 
nor in der lat. (vgl. Grimm, Lat. Ged. des Ma. S. 77), sondern 
auch in der age. Dichtung selbständiger entwickelt: was Tacitus 
Germ. 7,15 f. von den Frauen der Germanen erzählt, vertritt 
vor allem die Heldin der age. Bruchstücke. Und der hohen 



38 

Gestalt SigurSb steht ebenbärtig Sigrdxifat zur Seite. Aber eine 
eolche Frau mues auch schon halbgöttlich sein; man fühlt, wie 
doch nur eine schmale Scheidewand das Anreisen ESldegonds 
von dem der rächenden Königinnen in den Sigurdsliedem trennt 

Unedle Nebenfiguren sind der Intriguant: Blindr in 
H. H. n, die betrügerischen Boten in Atkv. und Atlm., Bicki 
in Gudhv. Schlimmere Schmach verdient Feigheit und un- 
treue: solche Schmach ernten die feigen Gefolgsleute (im Be6T.)t 
die ungetreue Magd (Gud. JH). Andere erscheinen in komischem 
Licht: Intriguanten wie der Lügner des Heriger-Schwanks, die 
Heldinnen von Of>inns beiden Liebesabenteuern (Hdv.), der elende 
Knecht der Spielmannslieder (Atlm. Atkv.). Auch Byggvir in 
der Lok. ist nur komische Figur (vgl. Holtzmann Edda 212, 46, 
wobei an die Koche auch in WoUrams Willehalm zu erinnern 
wäre,, vgl. Kant Scherz und Humor in Wolframs von Eschen- 
bach Dichtungen S. 23. 27). 

Gewisse Figuren sind zwar Haupthelden von Gedichten, 
doch aber nur wie Nebenfiguren gezeichnet: Lantfrit und 
Cobbo, die gewissermaseen nur Einen Held ausmachen; die 
Gestalten der ags. EHegien wie der Wanderer, der Seefahrer, 
der erfolgreiche Mann, die klagende Frau, imd mit scherzhafter 
Wirkung Alfrad. Auch der König kann Nebenfigur werden, 
wie wir das von Vkv. und Walth. bereits bemerkten. — 

Ueberblicken wir diese Typen, welche die EbuptfüUe der 
Personen auf der Bühne altgermanischer Poesie ausmachen, so 
entdecken wir leicht die in ihnen lebendigen Ideen. Für den 
König gilt, was im Faust (H 160 f.) so schön verkündet wird: 
Was alle Menschen lieben. 
Was alle fordern, wünschen, schwer entbehren, 
Es liegt an ihm, dem Volk es zu gewähren. 

Die Eigenschaft der Gerechtigkeit macht den Unterschied 
aus zwischen dem lobenswerthen und dem tadelnswerthen 



Herrseber; denn die Freigebigkeit ist dann «^od önj^eechläBMld: 
die Graben fordern Gefolgsleute und GrÜste als ihr Recbt (vgl 
besODdere EinL zu Gilm.). — tind ebenso igt ee Auch padA 
Ungerechtigkeit, was dem Oj^mn Loki vorwirft (Lok. 2S). 

Der Held kann nicht anders-gedacht werden ala im Kkmf»f 
(rgl. Hild. 61). Nicht daee sie betrügen setzt die lotriguanten 
in Bchlechtee Licht, das dürfen auch Helden (H&t. 45) und 
sogar Götter (HAv. 109) — aber daes wir sie nur in Boleher 
Verwendung aeben, setzt sie herab. Feigheit natürlich ist itn< 
entschuldbar; die Verurthölung der Mannen Beövnlfe hat schon 
Sinarock mit den Worten deB Tadtuß über GefolgBtreue ia- 
sammengestellt. — Und ebenso ist es wieder grade Feighnt, 
was dem Thärr Loki vorwirft (Lok. bes. 60). 

Die Frau erscheint edel und TerehrenBwert;h nur an der 
Seite eines rühmenswerthen Gatten. IVeulosigkeit rät desehidb 
für die Gröttinnen der stehende Vorwurf Lokis. — Aber auch 
wo sie selbständig auftreten, wo de den Männern gebieten, 
verlieren de ihren Zauber. Und so beetinunt die Stellung det 
Kebenäguien überhaupt sich nach ihrem Verhältniss zu den 
Hauptfiguren. 

Eine Eigenschaft also ist ee immer, auf die diese Typen 
gestellt Bind oder vielmehr Ein Vermögen, Ein Tbun: der 
König ist der G«>benBpender, der Mann der WondenauHtheüer u.e.w. 
Und zwar ist es allemal ön Thun, das mch auf Andere er- 
«treckt; die typische Darstellung der altg. Figuren wird her- 
genommen aus ihrem normalen Verhältniss zu ihrer Umgebung. 
Den Mann charakterinrt seine Stellung in der Gesellschaft, die 
Frau die des Mannes; der typische Realismus hebt deshalb 
(vgl. Scherer aao) hier am Einzelnen die Züge hervor, welche 
er mit Gliedern derselben socialen Rangklasee gemein hat; uAd 
innerhalb dieser Ran^laasen — Fürstenstand, Adel, Diebä"; 
der freie Mann spielt keine Rolle — wird ein festes Ideal ent- 



40 

weder erffiUt od^ yermiflst Alle Zfige, die sich Dicht auf 
Beru&eigenflchaften benehen« werden ignorirt; so wird z. B. 
im starken Gegensatz zu der homerischen Dichtung die mäxm* 
liehe Schönheit verschwiegen oder doch nur in der hervor- 
ragenden Erscheinung gesucht. — 

3) Individuelle Haltung wird erst ftilmaViKg gewonnen. 
Wirkliche historische Individuen werden zuerst einfach unter 
ihren Typus gesteckt: König Ludwig im Ludwigslied, Otto in 
dem Leich de Heinrico sind einfach Musterkönige, während in 
Alboin, Dietrich, Byrthnöd mehr der Held betont ist als der 
Fürst. Andererseits sind Atli und Jgrmunrekr lediglich mit 
der Tyrannenrolle bekleidet. Erst die spätesten Stücke der 
altgerm. Dichtung zeigen individuelle Vertiefung, — wie wenig 
aber noch die Gredichte der ags. Chronik! — ; ausser ihnen 
aber merkwürdigerweise das älteste, die V0lundarkvidä. Hier 
entsteht die Originalität durch Mischung. Wieland ist halb 
albischer Natur, daher kunstfertig, listig, boshaft, daher auch 
physisch leicht zu überwältigen; halb ist er Held, daher treuer 
Liebhaber, unwiderstehlicher Verführer, siegreicher Feind. Und 
BaduhUd, mit wenigen Strichen so sicher gezeichnet, ist zuerst 
die beglückte Greliebte des Helden, dann eine verlassene und 
noch mit Schande bedeckte Gunnlod. 

So werden überhaupt zimächst neue Typen nur durch 
Combination alter gewonnen, wie neue Ausdrücke zuerst nur 
durch Verbindung zweier Runen. Durch Annäherung an den 
Typus der männlichen Helden gewinnen schon Hildegund, 
vollends Brynhild uud Gudrun ihr eigenartiges Gepräge. Eine 
Mischung von Held und Spielmann ist Hünferd, der (gegen 
Heinzel Q F 10, 38) an Hrödgärs Hofe zugleich für Spass zu 
sorgen hat (vgl. D. Alt. V 288; über Hünferds Charakter 
Heinzel aao. 32); und der Gebieter mischt sich mit dem 



41 

Sohwankmacber in Hcxigir. Oddrün «ndlich vereinigt gleich- 
sam Bryohild und HerkjA. 

Doch sucht die deutsche Dichtung nicht blos durch 
Combinatäon, eondem auch durch Aufnahme bleiner Züge aus 
dem Leben die Gestalten zu individualisiren : bo wie schon er- 
wähnt der Waltharius, so besonders der Ruodlieb (vgl. Seiler 
190 f.). Doch mindestens das erstere Gedicht steht gewiss auch 
hierin unter gelehrtem Einfluss. — 

Man verkennt nicht, daas eine gerade IJnie der Entwicklung 
durch diese drei Classen geht: symbolisch-mytholc^Bche und 
individuell-histohsche Persönlichkeiten gaben die Fülle typischer 
G^talten ab; ans der Combination heraus erwächst schliess- 
lich die Kunst, auch Individuen zu zeichnen. Doch will ich 
die nähere Betrachtung dieser Entwickelung, die Veigleichung 
der Epochen und der Stämme, der iGeschicbte der altgermani- 
sehen Dichtung« nicht vorw^ nehmen, die ich einst zu ver- 
öffentlichen hoffe; und so gehe ich nun zu der Besprechung 
der Motive über. — 



g 3. Motive. 

Die Attribute der symbolischen Gestalten zeigen uns, wdche 
Mittel als die si^^icheten und erstrebenswerthesten galten im 
Kampf ums Dasein, und wenn diese drei, Weisheit, Starke und 
Behendigkeit, die Attribute 0|»inns, Thörrs und LoMs, dieselben 
sind, mit dmen noch Schiller im zweiten Auftritt der Piccolo- 
mini das >ganze Kri^eshandwerk« eymbolisirt, 'so sehen wir 
wohl, dass als normaJe Erscheinungsform des Lebens, wie man 
es oft betont hat, den Germanen der Kampf erscheint. Die 
Typen wieder zeigen uns, was diese Anschauung aus den 
Maischen macht. Zweierlei ist mögUch: baterAntheil an den 
Machtranen, so steht er selbständig da als ein Führer im Kampf, 



42 

ein Abbild Of>inn0, wie die edlen Könige, ein Abbild Thöm üfib 
die Helden, ein Abbild LoIüb wie die schlauen Intrigoanteif ; 
hat er aber daran keinen Antheil, so bleibt ihm weiter niohta 
übrig, ak sich anter den Schutz eines Machtbegabten zu steUen. 
Wohl ist es vorzugsweise die altn. Dichtung, welche uns dies 
Bild zeigt; aber sie eben ist die treueste Fortbildung der alt- 
germ. Anschauungen; die ags. ist angekränkelt und m^ reif 
zum Sterben. — Welche Formen aber endlich unter dem Bann 
dieser Weltanschauung dae Leben annahm, dae Leben nftmlich 
so weit es den alten Grermanen »der Rede werth« schien* so 
weit die Dichtung es abspiegeln durfte — dae eben zrigt eine 
Uebersicht der wichtigeren Motive. Denn mehr können wir 
hier nicht geben; eine vollständige und eingehende Aufnahme 
des Oesammtinhalts der altgerm. Poesie nach dem unübertreff- 
lichen Muster von Heinzeis Beschreibung der isländischen Saga,, 
eine Würdigung sodann dieser Stoffwahl unter dem Gresichts- 
punkt der historischen Ethik (vgl. Scherer Poetik S. 212 f.) ist 
eine wichtige imd lockende Aufgabe, die eine selbständige 
Behandlung erfordert. Hierbei müssten auch die Berichte 
zweiter Hand, wie Saxo, zugezogen werden. — 

Wir ordnen die Stoffe der altgerm. Gedichte hier so, dass 
wir die vorausstellen, welche den weitesten Gresichtskreis um- 
fassen, imd allmählich bis zu denen herabsteigen, deren Mittel- 
punkt der einzelne Mensch bildet. 

Die Welt in ihrem ganzen Umfang bildet den Inhalt alter 
und wichtiger Gedichte. Ihre gesammten Geschicke in Vergangen- 
heit imd Zukunft schildert das grossartigste Lied unserer heidnischea 
Vorzeit, die Voluspä; daneben andere Gedichte, deren Reste in der 
kleinen Voluspä und im Wessobrunner Gebet vorliegen. Doch war 
die Quelle von MSD I, 1 — 4 vielleicht auch nur ein Bericht von der 
Schöpfung. Denn neben Gredichten, die die ganze »Weltgeschichte« 
bringen, stehen solche, die nur ein Hauptereigniss erzählen, 



beeondvTi Anfang oder Ende; so die V^tunskvifia. Beides 
.Arten welthistoriBcber Poesie, enger aber der letzteren, konnten 
«ich später christliche Dichtungen auschliessen, wie eineiseits 
Heiland, Kriet, ags. Bibelgedicht«, andererseit« HiupUIi und 
Domes däg (vgl. Hammerich Aelteete chrietliche Epik S. 267). 
— Andere Gedichte Bchildem nicht die Entwickelung der Welt, 
«ondem beschreiben ihren g^enwärtigen Zustand; solche 
Eosmographien sind Crrimnism^ und — gegen Ende in 
die historiBche Art übergehend — Vaijirüdnism&l. Urnen 
^eder passen eich solche christlichen Stücke an wie Himmel 
und Hölle MSD. XXX , in ähnlicher Weise zwei Behau- 
sungen übermenschlicher Mächte schildernd, wie die GrinmismM 
deren elf aufführen. Ein Bmcbstück solcher sonderbar steifer 
Ranglisten aller Wesen, wie sie Hav. 157 angeprieeen werden, ist 
auch in Fäf . 12 — 15 interpolirt, und diese Eintheilung der Nomen 
steht gleichsam als ein Stück allgemeinster Ethnologie neben 
der allgemeinsten Geographie der Grimnismäl. Fehlt ja nicht 
einmal die Sprachvergleichung! denn wenn die Alvissmäl auch 
die Sprachen der Welt\'Ölker nur als Mittel, Sjuonvma aufzu- 
tählen, benutzen wollen, wird dochgelegentlich auf verschiedenen 
Sprachgebrauch wirklich Rücksicht genommen sein (vgl. Orimm 
Mythologie I* 275 f.). — Innerhalb der Weltbeschreibung ent- 
sprechen den Liedern, die nur die allerbedeutendsten Momente 
ans dem Weltlauf erzählen, solche Gedichte, die aus dem 
Bereich der Natur nur das Merkwürdigste beschreiben ; sie sind 
ans aber nur durch christUche Stücke der ags. Poesie, wie die 
>Wunder der Schöpfung* und die Räthsel (vgl. u. über deren 
Eingangsfoimeln) vertreten. Meregarto ist etwas anders geartet, 
und die Symbolisirungen von Naturwundem, die man als 
»Physiologus« zu bezeichnen pflegt, sind von Grund aus speci- 
fisch christlich-gelebrter Art. 

Die Welt, sehen wir, wird vollständig beschrieben nach 
ihrem Verlauf und ihrem Bestand ; die Gebiete und die Sprachen 



44 

ihrer verschiedenen Völker werden verglichen. Groesartiger noch 
sind die Versuche, auch ihr innerstes Leben und Wesen ca 
ergründen und darzustellen. Jener Plan einer empirischen 
nationalen Ethik, der für den letsten grossen Schüler Jacob 
Grinuns in allen seinen Hauptwerken von der Geschichte der 
deutschen Sprache bis zu der Poetik der leitende Gedanke war, 
er hat in der Lehrdichtung der Alten eine zwar nicht voUstin- 
dige, immerhin aber erstaunlich vielseitige und lebensvolle Ver- 
wirklichung gefunden. Diese Gedichte sind — wie alle alte 
Gnomik — viel weniger befehlend, als beschreibend. Etwas 
spät spricht die altn., etwas früher schon die ags. Poesie ein 
»Soll« aus; die ursprüngliche Didaktik aber giebt nur Ver- 
haltungsmassregeln: Willst du ein ewiges Gut haben — so 
erwirb dir Nachruhm, denn wie die EIrfahrung lehrt, sind alle 
andern Besitzthümer vergänglich; oder: Hast du mit Jemanden 
zu thun, dem du nicht traust, so schütze dich auf die und die 
Weise (besonders bezeichnend ist HAv. 58). Solchergestalt er- 
gänzen die alten Lehrgedichte jene Weltbilder, indem sie über 
die Kräfte, die in der Welt wirken, und deren Ergebnisse An- 
gaben rein praktischer Art machen. Vor allem schildern die 
Havamäl in der uns vorliegenden, freilich auf Erweiterungen 
und Compilation beruhenden Form, wie es in der Welt zugeht, 
in der ganzen Welt; denn auch dies Lied belehrt nicht bloss 
über die Art mit Hexen umzugehn (Hdv. 152 und 153), sondern 
bringt mit 0{)inn8beispielen und Runenlied Beiträge zur Psycho- 
logie auch der Grötter. So vollständig wie dieses rüstet freilich kein 
zweites Lehrgedicht für den Kampf Aller gegen Alle aus; ein- 
zelne Andeutungen aber, die über die Lehre vom Menschengeist 
hinausgehen und auf eine allgemeine moralische Kosmographie 
deuten, einzelne Andeutungen solcher Art haben alle alten 
Sammlungen von Lehrsprüchen: die bunte Zusanmienstellung 
in den Sgdrm. erzählt auch, wie 0|)inn sich zur Macht über 



45 

alle Welt verhali und warnt vor Meineid, weil ee (trotz Hat. 109) 
in dem Wesen der Gatter li^ft, ihn zu sb«feii. Und wenn wir von 
neuem hier neben einem voU^tänd^en Repertorium audi mancher 
Auswahl begegnen, so nimmt doch aul die Götter selbst eine so 
kleine Specialsammlung Böcksicht, wie die Belehrung über Vor- 
zeichen in den Re^nsmAl; sie b^^nnt gleich : alls t>ü hvArtv^gja 
veizt goda heill ok guma (Reg. 19). — ^Vieder haben diese Beschrei- 
bungen dee inneren Lebens der Welt und der Menschen ihre christ- 
liche Ablösung vorzugsweise in der ags. Dichtung gefunden-. 
In den >Denkeprüchen< ist alles bunt gemischt, alles aber dient 
doch jener Aufgabe, ein Weltbild su entwerfen. Was aber die 
heidnische Didaktik vereint , Schilderung des menschlichen 
Denkens, Thuns und Leidens, das beschreiben einzeln die merk- 
würdigen ags. Stücke über der Menschen Gaben, GemÜth, Falsch- 
heit und Geschicke, womit man Beör. 1724 f. achon ver- 
glichen hat. — 

Auch andere Aufzählungen belehren über die Welt, ihre 
Bewohner und deren Schicksale, ohne doch aber nach so grossen 
Geeammtbildem zu streben. Doch schliesee ich sie der ver- 
wandten Art wegen an. Es werden aufgezählt Runen im ags. 
Runenüed und MSD V, femer in H4v. und Sgdr. ; Geschlech- 
ter in Hyndl; Namen verschiedener Art in Vol., Grlm., Rlg., 
Vidsld, H. H. I 8 und mehreren einzeletehenden altn. Memo- 
rialversen (Edda her. von HUdebrand S.304 — 5); Abenteuer in 
Hflrb. und Lok., Trauerfälle speciell in Gud. L, Gud. hv. (vgl. 
bes. 9, 5 — 6) Wanderer, Deör; die besten Wesen und Dinge 
Grim. 43 — 44; Benennungen von Dingen in Alv. (Fiecharten 
im Raodlieb Xm 41 f.). 

Ein letzter Aueläufer solcher »Didaktik« ist dann das 
TraugemundsHed, wie Ubland schön erläutert hat. Es stellt 
sich am nächsten zu der ags. Räthselsammlung. — 



46 

Unter den verschiedenen Vdlkeni, die die Welt bewohnen^ 
und die besonders in den Alv. znsammengestellt sind, kommeiK 
für die altgerm. Poesie wesentlich nur Grötter und Mensdiea in 
Betracht, Riesen und Zwerge nur als Gegenspieler. 

Die Geschichte der Götter ist natürlich in der Geschichte 
der Welt eingeschlossen. Gedichte, welche Thaten oder Erlebe 
nisse einzelner Götter berichten, haben wir schon angeführt; 

die Gatter erfahren hier keine anderen Schicksale als sonst die 

« 

Menschen, und wir haben deshalb die betrefifenden Motive ein* 
geordnet. Denn wenn Thor auszieht, um verborgene Wunder- 
dinge zu holen (t)rym. Hym.), so ihut er nichts anderes ala- 
Beövulf, der den Schatz erobert; wenn sich die Grötter scheltoi 
(Lok. Härb.) — die Helden thun es auch, und vollends wenn 
Freyr nach einer Jungfrau schmachtet (Skir) macht er an sich 
dieselben Erfahrungen wie Sigurd (Skim 42 vgl. Grip. 29), Of)ina 
aber in gleicher Lage wird den Menschen ein warnendes Beispiel 
(Häv. 95). Den Gröttem und gottähnlichen Wesen eigenthümlich 
bleiben nur die Wunder. Sie vollbringen sie durch ihre Er- 
scheinungen und ihre Thaten. Solchen Bekundungen bestimm- 
ter einzelner Götter schliessen sich die übernatürlichen Ereig* 
nisse, für die kein bestimmter Urheber genannt wird, und die 
Anrufungen übermenschlicher Kräfte an. 

Gtötter erscheinen unter Menschen in Grim. Sinf. Reg. 
Sie kommen nur zu solchen Menschen, die zu ihnen in engerer 
Beziehung stehen; aber die Hilflosigkeit selbst dieser Aus- 
erwählten gegen Versuchung (Grim.), Zauber (Reg.) oder Ver^ 
einigung von Versuchung und Zauber (Sinf.) nöthigt sie ein- 
zugreifen. Zu den Auserwählten gehört aber auch jeder hohe 
Held. Diese Heroen holen die Walküren (E. H. I und II) 
ins Götterreich, den Sprössling aber des Greschlechtes der vor 
allen »Elrlesenen« ein Gk)tt (Sinf.). Solch ein Halbgott erscheint 
einmal wieder unter den Lebenden (H. H. II}. — Göttliche und 



47 

übenoeDBchliche Weeen Bind ferner die Seherin, die den Menschen 
das Schicksal der Welt verkündet (Vgl) and die Riesinnen, 
durch deren Frage (Helr.) oder Befragung (Hyndl.) der Diditer 
Gelegenheit erhSlt, Schicksale zu berichten. 

Eüne wunderbare That ist die Heilung des Rosses durch 
Wodan (MSD. IV 2; gant ahnli«^ in Scherers Altdeut«chen 
Segen Sitzungsber. der Preuss. Akad. 1885 Phil. Hist. Cl. 8. 581). 

Qöttererscheiniing und wunderbare That (Verwimuig der 
Sinne) kommen nisammen bei der B^^nung Hedins mit dem 
Zauberweib (H. Hi. IV). 

Ueber Einselheiten der Göttererscbeinungen vgl J. Grimm 
zu Andr. u. El. XXXIIL — 

Wunderbar edod femer die Reden der Vi^el (in H. Hi. H, 
H. H. I, FAf and Brot, vgl. J. Grimm zu Andr. a. El. S. XXVIU.) 
Sonst sprechen keine Thiere in den altgerm. Liedern, die ver- 
wandelten Zwerge (in Reg. imd TU.) natiirUch au^nommen; 
auch leblose Dinge, sprechen nicht (ausser Mlmire Haupt) und 
handeln nicht — 

Anrufung der übermenschlichen Kräfte geschieht entweder 
indem m&n sich an bestimmte Mächte wendet: Beechwörung, 
oder indem man alle zu binden sucht: Fluch und Segen. Die 
Anwendung solcher Mittel, die Elemente (besondere das Meer) 
and die gesammte M&tur Edch dienbai tu machen, nennen wir 
Zauber (vgl. allg. W. Grimm, Kl. Sehr. I 339 f.). 

Die Beschwörung gilt immer weiblichen Wesen, die aus 
einem quälenden Zustand befreien sollen: entweder durch ihr 
Erscheinen tmd Antworten von drückendem Zweifel (Vgl Veg 
Hyadl) oder durch ihr Verschwinden von peinigender Krank- 
heit (MSD. IV 5— 7, Grein- Wülckerl ISH— IV; ähnliche Fälle 
aas chrisüicber Zeit in den Anmerkungen tu MSD. IV und in 
Schereis Altdeutschen Segen). NatürUch ist es in letzteren) 
Fall dif! Krankheit edbst, die beschworen wird, zu weichen; 



48 

nur in dem letzten der von Scherer mitgeiheilten Heilsprttche 
(aao. 585) eoheint nicht die Krankheit angerufen zu warden, 
sondern die Segenspender Sonne und Mond (ähnlich wie Sgdr.S). — 

In all den bisher besprochenen Fällen tritt eine über- 
natürliche Macht ein (bei Göttererscheinungen und Wundem) 
oder soll sie eintreten (bei Beschwörungen), nicht weil die 
Kraft der Menschen, sondern weil ihr Wissen nicht genügt; 
denn selbst was die Grötter in Sinf. und R^. vollbringen, 
könnten mit Hilfe solcher Zauberrunen wie sie H&v. 152 und 
Sgdr. 10 angepriesen werden auch Menschen leisten. Wer also 
die wimderkraftigen Formeln besitzt, kann Uebermenschliches 
damit ausrichten; und ohne deren Kenntniss können selbt die 
Götter nichts: von allen Göttern versteht nur Wodan das Roes 
zu heüen (vgl. MythoL H* 1023 f.). 

Segensformeln werden Sgdr. 3 — 4 ausgesprochen, Fluch 
in Skim., Hyndl., H. H. 11, Reg., Atlm.; über die Form ist 
später zu handeln. In den meisten Fällen wird allgemein 
ein Mensch der Huld oder dem Zorn der Götter anempfohlen 
(Sgdr. 3—4 — HyndL 48 Athn. 85; kleinere Flüche in den 
meisten Scheltstrophen s. u.). Wichtig ist die grosse Exkom- 
munikation H. H. n 29 f., welche alle Vertheidigungsmittel 
bannt (eggjar ek deyö minna andskota Hav. 146), dem Ver- 
fluchten nicht zu helfen; ein Gegenstück also zu der Art wie 
zu Baldrs Schutz alle Angriffs waffen in Bann genommen werden. — 
Was dem Mann der Kampf ist, das ist der Frau Glück an 
der Seite des Gatten: deshalb wird beim Fluch Skimirs 
(Skirn 25 f.) der Gerdr Alles verboten, was liebenswerth oder 
glücklich machen kann. Mit andern Worten: dem Helden 
wird die Siegesrune, der Frau die Liebesrune durch den Fluch 
geraubt. Die bedeutimgsvollste Verfluchung endlich ist die, 
welche Andvari über den Schatz ausspricht (Reg. 5); er ent- 
kleidet nicht blos das Gold seiner beglückenden Kraft (mun 



4» 

miuB tjAr manngi njöta), sondeni verwandelt ee in ein jedem 
tPffritrri todbringendeB Attribut. — Ebenso vandelt der Zorn 
M^iinnB das Schwert GeiirfidB in eeinec Mörder (vie die-8a^ 
<dar Alten -dem Gotteslästerer -Kambyses das Gleiche wider- 
flAuren lässt). 

Fluch und S^en also bekleiden Menschen oder Dinge nur 
cnt mit der Eigenschaft, gegen Gefahren wehrlos oder geschützt 
CD sein. Die thatsächliche Hilfe oder Schädigung -durch solche 
lUttel ist der Zauber. Den verüben Hexen (H. Hi. m, H.H. I; 
Qbnen ist wohl auch der in Reg. von Hnikarr .gebaimte Sturm 
ansiischreiben) durch geheime lilittel, Menschen durch Zauber- 
f^take unter Anwendung von Runen (Gud. U. 23 — 34 vgl. DrAp 
Vifl, femer -Sgdr. 7 und auch Hyadl .48. So ist es - auch zu 
e^lären, wenn Valundr die B^dvild «mit Meth betrog« Vkv. 28). 
Solche Verzauberung ivach schädliche Tränke gehört in 
aHtt Poesie zu den verbreitetsten und ältesten Srscheinungs- 
lormen dee Zaubers; wie der Zaubertrank in dem Volksepos 
von den Nibelungen so gut wie in der höfischen Max von 
l^istan wirkt, so ist auch in dem itaÜeniscben Volksepos der 
Beali dl Francia ein Talisman g^en solche Vei^iftuag eine 
der w^i^en Spuren von zauberischen Künsten (Ranke Ab- 
handlungen und Versuche n 176} — völlig wie Sgdr. 7 wird er 
als Schutzwaffe einem gehebten Helden geschenkt. — Hexen, 
aber neben ihnen auch die nun zu Teufeln gewordenoi Äsen 
und Elfen zaubern auch durch Speerwurf Krankheiten an 
;Grein-Wülcker Bibl. der ags. Poerie H 317, 3 f. vgl. Myth. 
n * 1039). 

Eine andere Form des Zaubers ist die Verwandlung; sie 
ist vorzugsweise bei den Göttern (beB.beiO(iinn)und ZweTgen(Reg.) 
üblich 1 aber auch Menschen können ihre Gestalt vertauschen. 
3o besitzt nicht bloss Hraeevelgr (Vaf. 37) und nimmt nicht 
iloes VelunOr (vgl. Niedner Zs. f. d- Alt. 33,32), sondern auch 

M«jn, AUgnmaniMlM PomL*. 4 



50 

Franmarr (zu H. Hi. 5) Vogelsgestalt an (vgl. im Allgemeinen 
Myth. n ^ 918 f. mid bez. 873. — H&v. 128,7—8 ist wohl 
nicht hierher zu ziehen). Dagegen ist es eigentlich kein SSaaber, 
wenn Zwerge (Alv.) oder Hexen (H. Hi m 30) in Steinbilder 
verwandelt werden; denn es li^ in ihrer Natur, dass die 
Sonne sie versteinert, und Thörr oder Atli haben dabei nichts 
zu thun, als nur das Experiment gehörig vorzubereiten. 

Zauberkünste treiben auch Götter: nicht bloss Sldmir, 
sondern selbst O^inn zb. bei Saxo ed. Holder 79,38. — 

Eine Art Zauber 11^ auch in der Prophezeiung. Mit 
Recht hat der Begründer der historischen Psychologie vor 
Kurzem darauf aufmerksam gemacht, dass Prophezeien nichts 
anderes ist als ein Binden und Festlegen der Zukunft, und 
dass es in alten Zeiten auch nicht anders aufgefasst wurde 
(Nietzsche Die fröhliche Wissenschaft S. 106). Die Wunderkraft 
des Wahrsagers steht hinsichtlich ihrer Wirksamkeit mitten 
inne zwischen der, die bei Fluch und Segen, und der, die bei 
Bezauberung aufgewandt wird. Der Fluch weiht nur erst dem 
Tode, welchen dann freilich leicht jede Grelegenheit bringen 
kann (alt er feigs forad Fäf 11); die Verkündung zukünftigen 
Unheils ist an sich als böses Omen Anfang des Verderbens, 
aber doch nur Anfang, während der Zauber den Schlag selbst 
herbeiführt. — Dem entspricht völlig, was die vorkommenden 
Prophezeiungen über die lehren, welche sie aussprechen. Eigent- 
lich ist die Zukunft Greheimniss der Grötter, die durch das 
Loos befragt werden, oder göttlicher Wesen wie die Seherin 
der Vol. es ist, und wie desgleichen die Walküre Sväva, die 
dem Helgi mit dem Namen zugleich das daran haftende Schicksal 
schenkt (H. Hi. 11 vgl. u.); wimderbar auch ist die Wahr- 
sagung der Vögel in H. H. I. Bei Fdfnir (Fäf. 20. 22) ver- 
einigt sich mehreres, um ihn zur Prophezeiung auszurüsten : er 
selbst besitzt mehr als menschliche Künste; er kennt femer 



51 

den Fluch, der an dem Scbati haftet ; endlich aber erhöben sieb 
die Kraft« de8 Sterbenden wie zur Verfluchung (Saem. sa F&f. 1. 
Tgl. R«g. 6) Bo auch zur PropheseiuDg. Hierauf beruht die 
grosse Wahrsagung der sterbenden Brynhüd (in Sig. ek.). Dennoch 
ist die letztere Prophezeiung schon nicht mehr yod der Art 
der anderen, vielmehr eine Dichtererfindung, die auf den be- 
rufEmäsBigei] Zukunftekünder Grlpir und das MusterstÜck einer 
TatJcinatio ex post, welches er leistet, vorbereitet. Denn in 
Sig. sk. und Grlp. wird eine ganze Reihe von Ereignissen vor- 
hererzahlt: sonst aber wird einfach die Rone eines Mannes (die 
Kampfeerune der beiden Helgi) oder eines Dinges (die Noäirune 
des Andvaii-Scbatzes) abgdeeen, gerade wie das von Müllen- 
hoff und Lihencron erläuterte Loosen auf der Combination der 
Runen für Person und Sache besteht. Das echte Prophezeien 
also beruht in der Edda darauf, daes Verkünder, die mehr als 
Menschen wissen, das was eines Mannes oder eines Gegen- 
standes eigentUchee Wesen ausmacht procUmiren — und das 
ist eben wieder der Runenbegriff. — 

Eine Verbindung zwischen Menschen nnd Göttern stellen 
endlich noch Eid und Gelübde her, denn die Götter werden 
Bürgen hier für die Aussage dort für das Versprechen der 
Menschen. Der Eid erscheint zor Bekräftigung von Angaben 
Übec Besitz (Reg. 3 — 4) und Über Gesinnung (Brot. S, Sig. sk. I); 
über die Form ist wieder später zu handeln. Gelübde richten 
sich auf Dinge, die zu gewähren (H. Hi. I) oder zu fordern 
(H. Hi. IV) sind, auf Thaten, die zu leisten (Oddr. 9) oder zu 
verweigern (zu Sgdr. 2,18) sind. Die Bürgschaft der Götter tritt 
in den erhaltenen Gedichten nicht ein. Katürhch gelten diese 
feierlichen Bekräftigungen nur bedeutungsvollen Gegenständen. 
— Anrufung und Gelübde verbinden sich, wenn einem be- 
stimmten Gotte für einen bestimmten Zweck Opfer dargebracht wer- 
den : 80 opfert Dagr dem 0{iinn für Vaterrache (zu H. H. IT 27). — 

4* 



52 

Die enge Besidiang nrischen ISd und Flach oder Segen 
zeigt sich beeondere hell wenn Vkv. 33,3—6 ein Eid gefoidert 
wird nnter Anrufung derselben Dinge, die der Fluch H. H. 11 
30 — 31 in Bann nimmt: wer diesen Eid bricht, den trifft durdi 
die Bürgschaft der Götter solcher Fluch (vgl. Reg. 4, Sgdr. S8). 
Hierauf hat schon Edzardi (Pf. G. 23,1 73) aufmerksam gemacht. 
Aehnliche Anrufungen, der Stelle angepasst, Atkv.31 undAtlm.82. 

Wir steigen nunmehr aus der überirdischen Welt hinab 
zu der der Menschen. Die allgemeinste Kategorie, die wir 
hier treffen, ist die der drei Stände; ihre Entstehung schildert 
die :RigBf)ula. Selten ist von dem Volk die Rede; auch bei 
Kriegen zweier Völker erhalten wir nur den Eindruck, dass 
zweier Fürsten Gefolgschaften sich bekämpfen. Ein stärkerer 
nationaler Gegensatz lässt sich höchstens bei demKri^ swisohen 
Schweden und (bauten (Beov. 2472 f.) herausfühlen, kaum bei 
dem Kampf uxn Finnsburg zwischen Friesen und Dänen und 
gar nicht bei den Eroberungszügen der Hunnen (im Walth.) 
oder der Normannen (im Ludwigslied) nach Deutschland. — 
Der erste folkvig (Vol. 26) war ein Krieg nicht zwischen Erden- 
völkem, sondern zwischen Weltvölkem. 

In der Regel wird das Volk in der altgerm. Poesie Ter- 
treten durch den König mit seiner Umgebung, den Hof. -Statt 
der Volksversammlung (Tac. Germ. 11) ist es die Geeammtheit 
des Hofadels, die in wichtigen Fragen zur Berathung zusanmaen- 
tritt (in Brot. Sig. sk. Atkv. Beov., mehrmals im Walth., und 
ebenso am Sitze des Götterkönigs in Vol. Vaf. Veg. Sine 
kleinere Berathung zwischen Herrn und Diener eröffnet die 
Sklm). Der allgemeinen Berathung gehen Besprechungen in 
Gruppen voraus (Ruodl. 4, 125). Sonst treffen wir den Adel 
nur noch beim ICampf und beim Gastmahl (Brot. Atkv. zwei- 
mal, Atlm. zweimal, Beov. wiederholt; ebenso unter den Gröttem: 
Hym. Lok. ; kleinere Gastmähler in Prym. und Rig.). Die aus- 



53 

fülirlicliBt« Schilderung eolchee Oelagee Steht im Walthaäua 
und auch hier gilt, dase jedes Gelage mit dem voUBtändigea 
Betrunkensein ^er Gaste endigt (Specht, Gastmähler tmd Trink- 
geUg« bei den Deutschen S. öl). Die Fürsten nehmen aoch 
hieran Theil (Atkv. 41, Walth. 362 — eine köstliche äüxte 
des urgeTmaniBchen Kattenjanmieie; ebenso ist 0]>inn Hat. 14 
betiimk«n). Vgl, A. HoSmaun, Der bildliche Ausdruck im 
BeövuU and in der Edda S. 27. — Gerade diese Züge haben 
die Fanatiker der »Griechheit* oft benutzt, um den Charakter 
der altgerm. Poesie in abschreckender oder lächerlicher B^euch- 
tung darzustellen. So urtheilt Hegel: >Den hohlen Au£q;>iei- 
sungen, den natursymbolischen Handlungen . . ., dem Thor 
mit seinem Hammer, dem Fenriswolf, dem entaetiHchen 
Methsaufen, überhaupt der Wildheit und trüben Verworren- 
heit dieser Mythologie habe ich keinen Geschmack abgewinnen 
können« (Vorlesungen Über die Aestheük m 407). Und gar 
Heinse , g^en Gerstenbei^ und die > Baiden« polemisirend, 
spricht von >der Valhalla, oder dem Himmel der alten Nor- 
mäimer, in welchem die grösste Seligkeit war, dass man nch 
in englischen Ode berauschen, im Rausche sich prügeln und 
todtschlagen und nach dem Tode, dei nicht länger dauerte, als 
man Zeit braucht, einen ffierrausch auszuschlafen, wieder ver- 
klärt . . . vor den gröasten Zechern Tuisko, Mannus, Bodigast 
. . erscheinen konnte* (Sämmtliche Schriften her. von H. Laube 
X 4ß Anm.). Wir wollen gewise nicht g^en das Zeugnias aller 
alten Ethnologen und Völkerpsychologen von Tacitue (Germ. 
21—22) bis Montaigne (Essais U Chap. n S. 470) die beson- 
dere Trinkfreude der alten Deutschen leugnen und keineswegs 
bestreiten, dass sie immer noch eins tranken; das Mahl hat 
aber doch ofienbar seine Bedeutung nicht all^ darin, da« ee 
cum MethgenUBS Gelegenheit giebt, Bondem auch darin, dass 
in witEigem Wettgespräch (H&t. 7. 32) die s^ksten Laden- 



54 

Schäften der Grennanen befriedigt werden: die Lost am Kampf — 
und die Freude am Lernen. — 

Von Hof zu Hof ergehen Einladungen (DrAp Gud. 11 AÜnr. 
AÜm), oft mit verrätherischer Abeicht. An GtöLate und Boten 
werden Geschenke vertheilt (AÜm. Atkv. Beöv., oft im RoodL) ; 
ebenso aber auch an die Ho^noBsen: damit werden Tliaten 
belohnt (Hagens Klage Walth. 857 f.) und neue Kimpfer 
herangelockt (expetuntur enim legationibus et muneribua oman- 
tur Germ. 13, 20) und so müssen Schatz und Waffen sich 
wechselseitig erneuern und vermehren. Dem König ist daher 
nächst seinen Kriegern nichts wichtiger als sein Schatz. 
»Die geheime Quelle aller irdischen Macht,« sagt G. Frey- 
tag , » war dem Herrscher der gesammelte Hort < (Weriro 
17, 183); und meisterhaft hat der Verfasser der Bilder aus 
Deutschlands Vergangenheit Wesen und Bedeutung des Hortes 
geschildert. Diese geheinmissvoUe Macht des Goldes ist zur 
Mythe geworden in der GuUveig der Vol. (Müllenhoff Runen- 
lehre S. 47, Alterthumskunde V 95) und in dem »Ring der 
Nibelungen« (Reg. F^. Drap.) Einfach und realistisch dagegen 
schildert Erstreben und Verwerthen des Schatzes die Erzählung 
von Beovulfs letzter That (Beöv. 2207 f). Zum Eintausch 
wird der Schatz z. B. in {)rymskvi^a und Helg. Hi. 4 ver- 
werthet. 

Beide Hauptattribute des Herrschers, Gefolge und Schatz, 
erscheinen meist als ungetheilte Einheit, an einem Ort in über- 
einstimmender Art versammelt. Freilich muss aus der Mitte 
des Grefolges gelegentlich ein Einzelner hervortreten; dann aber 
kommt er als Vertreter des Königs selbst, wie ins Ausland die 
Boten gehen (in allen Helgiliedem, in Drap. Gud. 11 Atkv. und 
Atlm., femer in den Götterliedem {)rym. und Sklm) und 
zwischen Hof und Aussen weit der »Ceremonienmeister« ver- 
mittelt (MüUenhofE Alterthumskunde V 289 vgl. o; im Beöv. 



bb 

ist ee Vulfgär 331 f). Ein böfiecbeB Beamtenthom, das die 
Gesammtpflicbt deB Adels auf einz&hie Schultern Tertbeilt, 
treffen im f&st nur bei den Angelaacbsen, wo am Hof sogar 
flc6p ond |)yle geBcbieden zu sein scheinen (Müllmbofi aao; 
zwei Hofdichter treffen wir auch in Deörs Klage) und wo in der 
Nähe des FürstenKitzes ein Strandwart mit der Wache über den 
Zutritt der Burg betraut ist. Die Edda hat erst in einem der 
Bjp&besten Crodichte (Atlm 58, 2) das Amt eines btytr. — 
In dem späten Ehebruchsroman Ton Oddrün werden einzelne 
Hofleute auch als imerker« verwandt (Oddr. 23, Einl. zu Gud. 
hv.); man sucht sie durch Bestechung unschädlich zu machen. — 
Einen einzelnen Gefolgsmann schildert in elegischer Weise da« 
age. Gedicht vom Wandeier. — 

Auch der Gefolgsmann ist also fast nur eine symbolische 
Figur, ist nur ein Glied des eigentlich untheilbaren höäscheu 
Organismus. Die Persönlichkeit, das Individuum erscheint los- 
gelöst von Seinesgleichen, sich emporhebend über die Anderen, 
>wie die edle Esche Über die Domen«, erscheint als Held. 
Das Heldenleben ist der eigentliche Hanptgegenetand der altgerm. 
Poesie, für die Mensch sein Kämpfer sein heisst. 

Wahrzeichen b^lüten sdion seine Geburt (H. H. I). Ge- 
burt und Bestattung sind aber auch die einzigen Momente aus 
dem Leben des Helden, die von ihm ersählt werden, ohne zu 
seinen eigenen Thaten zu gehören; inmier treffen wir ihn sonst 
handelnd und führend. Gleich die Ji^endgeschichte, welche 
Nibelui^ennot und Kndrun so gut wie Parcival und Tristan 
voll pädagogischen Interesses berichten, finden wir innerhalb der 
altgerm. Poesie nur in jüngeren Stücken, in der RlgB}>ula und 
in den Proeaeinleitungen zu Grim. und R^. — alles freilich höchst 
charakteristische Stellen ; der König wird zur Klugheit, der Held 
zur Kriegstüchtigkeit, die Ahnen der Stände zu standesgemäseer 
Haltung und Beschäftigung enc^en. Im Waltharius 100 f. wird 



56 

das alles knapp zusammenge&M: robore vinoebant forlMi' atn- 
moqüe^* sophistas, und sogar auf die Kriegsschelte werden ni 
eingelernt (V. 102). Dag^;en heisst es in der Mnhiitnng- la 
H: H. n nnr Helga föstradi Hagall — freilich ein bedoot- 
samer Name. 

In der älteren Zeit also beschränkt sich das Intoreese aü 
dem Slanne völlig auf die Lust, von seinen Heldenthaten 
zu hören. Die Persönlichkeit reizt erst allmählig zu einer vidl- 
ständigen biographischen Darstellung, wie das Beövulfaepos sie 
erstrebt» ReginsmAl und FäfnismÄl zusammen sie beginnen (y^ 
Zs. f. d. Alt. 32, 404). Nicht einmal die Waffennahme (Tac. 
Grerm. 13, 2) wird geschildert, ausser in der Ballade von Alboins 
Jugend (C. P. B. I. S. LH). Gleich mit den Waffen in der 
Hand tritt der Held auf; denn wenn für den Drachenkampf 
ein eigenes Schwert geschmiedet wird (wie in der Hias neue 
Waffen für die Ueberwindung Hektors) so ist das etwas anderes; 
lässt ja zu gleichem Zweck sich der greise Beövulf einen neuen 
Schild herrichten (Beöv. 2337). Nicht einmal wie in Beövulf die 
Heldennatur durchbricht, wird geschildert, wenngleich wir über 
sein ganzes Leben unterrichtet werden ; die Lieder anderer Völker 
verfehlen nicht, gerade diesen Moment zu schildern (Achilleus 
auf Skyros, Ilja von Murom, auch Väinämöinen u. dgl. m.). Der 
Held wird eben fertig gedacht, wie ja gerade der Begriff der all^ 
mählichen Entwickelung der alten Poesie wie der alten Wissenschaft 
überhaupt abgeht. Helgi erwirbt sich schon im Alter von fün&ehn 
Jahrenden Beinamen »Hundingstödterc (H.H.1, 10). Doch bilden 
gewöhnlich den Anfang der Laufbahn Fahrten in fremden Dienst, 
wie sie Tacitus (Grerm. 14, 8) beschreibt. Hildebrand und Hadu- 
brand freilich bleiben dauernd im Gefolge von Herren (Hild. 
18. 47); aber Wiglaf beginnt als Grefolgsführer, um zu Höherem 
hinaufzusteigen, gerade wie Beövulf selbst, der einst Lehen und 
Befehl im Heere zum Lohn seiner ersten Thaten erhalten hatte 



57 

(Be6v. 2493); und beBondere deutlich werden die Worte des 
Tacitu6 (gradue qoin etiam ipee oomitatuB habet, iudicio eitu 
quem eectantur Genn. 13, 11) an Walther und Hagen bestätigt: 
militiae primoe tunc Attila fecerat illoe (Walth. 106.) 

AIb Kämpfer oder Heerführer berühmter Krieger also be- 
gimien die Helden. Ihre eigenen Unternehmungen aber 
gelten jenen drei Dingen, die berühmte alt« Sprüche als die 
werthvoUeten hinstellen: dem Schutt, dem Freunde, dem eige- 
nen Selbst (Häv. 76—76 vgl. 58). Sie wollen Land und Gut holen, 
oder Befreundeten Hilfe bringen, oder endUch durch Bache 
ihre P&icbt erfüllen und ihr Selbstbewueeteein wieder aufrichten 
(vgl. z. B. Gufl. hv. 2, Beöv. 2047 f.). Einög Helgi (H. H. II) 
führt Krieg, um sich die Geliebte zu gewinnen, irie die Helden 
der Ritterromane. 

Eroberungezüge schildern viele von Saio benutzte Ueder 
und, recht undeutlich, das Ludwigslied; hierher gehören auch 
die meisten Kriegszüge im Bedvulfepos. Die Heerfahrten im 
Waltharius rand auf das gleiche Ziel gerichtet, doch ist Etzel 
auch schon mit Tribut zufrieden; die still humoristische Rede 
des würdigen alten Herren hat Scheffel genial verdeutscht. 
Der UeberfaU von Fiimaburg gilt wohl den dort bewahrten 
Stützen und die Verfolgung Waltharius durch Günther ist ein 
Raubzug; Waltharius Hort ist freilich gleichfalls durch Raub 
erworben. Um werthvolle Besitzthümer zu holen, ziehen auch 
Einzelne aus: Götter (Hym. {»yiiiO ^^ Helden (Beövulfs letztee 
Abenteuer), — Wie wir das eine Hauptmotiv der ritterlichen 
Kriegethaten im mittelalterlichen Epos, die LJebe, hier nur verein- 
zelt vorfanden, so auch das andere, die Hilfeleistung für den 
Bedrängten : ausser Göttern und Walküren (der Si^ffried — imd 
besondere der Helgilieder) erscheint nur Beovulf (in den beiden 
ersten Abenteuern, am Hofe HröAgÄre) als Helfer; noch mehr 
erinnert freilich Sigrdiifas Befreiung durch Sigurd (Sgdr. 



58 

und Helr.) an die Rettangen venauberter Priniwrinnmi in jenm 
Erzählungen. — Weitaus die meisten SSbnpfe haben lur trei- 
benden Ursache die Rache: so die Kriege in den Hdgiliedflnit 
in den Nibelungenliedern, der Kampf gegen Ohtheres SShne im 
Beovulf , aber auch die Götterkriege der VqL (yg^ bes. VqL 56, 8) 
Bezeichnend ist es, wie es Ruodl. I 6 heisst: qmoqnid et ülwom 
sibi quis commisit heroum aut ulciscendum canseqne soe 
peragendum. — Um FÄfnir zu verderben, wirken Habsucht 
und Rachgier zusammen. Eine unkriegerische Rache nimmt 
der kriegsuntüchtig gemachte Velundr; Regin reizt wie die 
Frauen des Siegfriedcyklus, einen Slrieger zu Tliaten auf. die 
er selbst nicht wagt (Fii. — Brot. Sig. sk. Atlm. Gud hv. Hamd.) 
— Die Rache wird meist geübt an den Mördern von Verwandten 
und zwar zumeist des Vaters (Himdings Söhne, Grranmais Söhne, 
Hognis Sohn Dagr in den Helgiliedem), aber auch des Mutter* 
vaters (H. Hi., vgl. Reg. 11), des Vetters (Beövulf rächt den 
HeardrW), des NeflEen (Walth.), der (Jeschwister (Gud. 11 Oddr. 
Atkv. Gud. hv. Hamd.). Ihren Fürsten aoUen die Schweden 
rächen (Beov. 2923 f.); eigene Schmach rächt VelunOr. — Statt 
der Rache kommt zwar Lösimg durch Gold und Frauenhand 
vor (Reg. Drap. Gud. 11. Atkn. Beov. 2281 f.), aber sie bleibt 
unsicher: eft seldan hwaer äfter leödhryre lyüe hwfle bon- 
gar büged, |)eäh seo bryd duge (Beöv. 2030). Vgl. Sgdr. 85. 
F4f. 36. — 

Am wildesten wird der Krieg geführt, wenn nicht Schatz 
oder Bimdesfreundschaft seine Ursache ist, sondern Rache. 
Rachgier stiftet fast all die Verbrechen an, welche die alten 
Lieder erzählen: heimtückischen Mord (durchs Schwert in vielen 
Nibelungenliedern; durch Gift in Sinf.), Tortur (Drap. Atlm. 
Atkv.) und Verstümmelung (Reg. Atkv.), Nothzucht (Vkv), 
Ermordung unschuldiger Kinder (Vkv. — Atkv. Atlm.) Brand- 
stiftung (Atkv.) und Zerstönmg (Ruine?). Seltener verschuldet 



59 

solche UnthatendieBegelu-lichkeit; so den Mord, denEädgile Söhne 
verüben, oder die Verstümmelung und Fesselui^ Velunds. Im 
Krieg werden Frauen entführt (Beöv. 2931), Ehebruch abei wird 
erst m späten Gedichten erwähnt (Gud. m. Oddr.). Als ausser- 
8t«e unsühnbares Verbrechen steht da der Mord an Verwandten 
(Vgl. 46); ohne Schuld verüben ihn Menschen (Beöv. 2486 f. 
— Hild.), bewusBt, aus Habsucht nur die boshaften Zwerge 
(FAf. und Reg.); im halben Wahnsinn der Bachbegier freilich 
tötet die Mutter (wie Medea) die eigenen Kinder (AÜcv.) and 
setzt sie (wie Thyestes) dem Vater zum gräeslicben Mahl vor. 
So steht überall als furchtbarste Erinnerung das Rachebedürf- 
nisB der Sippe dem Verbre(sher gegenüber. Es ist kein Zufall, 
wenn mit dem Triumphlied der Rache, das der aus der mensch- 
lichen Gesellschaft gebannte VelunAr ausstosst, fast wörtlich 
der Ruf befriedigter Rachgier übereinstinunt, den ein Jahrtau- 
send später ein Dichter anter den Urenkeln jener »Männer von 
Soest« ertönen lässt, die von der Rache der beleidigten Gattin 
einst den Nordleuten erx&blt haben. >Die Tochter machte ich 
dir zur Hur', den Jangen zu Brei, and dich macht' ich nun 
Eunicht«, ruft dei Fatziotenkaspar in Immennanne Müncbhau- 
sen (Vn. Buch Kap. 3); wie das Opfer Niduars hat er seinem 
Verfolger die höchsten Schätze geraubt: die Ehre der Tochter, 
das Leben des Sohnes, und den Stolz des herrschenden Mannes. 
Vereinzelt stehen Gewaltthaten wie die Misshandlung 
0{»inn-GriiimirB dardi Geirrsd; die Ordalien in Gud. HI gehören 
dem regelmässigen Gerichteverfahren an. Als berechtigter Ab- 
schluse eines vernichteten Lebens erscheint der Selbstmord, 
doch nur bei Frauen; Brynhild tötet sich selbst (wie Dido) und 
wie in Goethes wunderbarer Ballade werden hier auf dem 
Scheiterhaufen die geeint, deren vom Himmel bestimmte Ehe 
die Menschen getrennt hatten (Gud. I Sig. sk-Heli.). 



60 

Der Held frevelt an den Göttern^ der Gefalgitinaniir aa 
seinem Herrn. Solchen Verrath begehen die Mannfwi BeönüfB^ 
Wenn dagegen Hagen bei dem Raubiiig, von dem w abgp- 
raihet, zürnend abseits sitst und erst in der hdchBten Notti 
seinem Grebieter hilft (grollend und rettend wie Achilleas), eo 
wendet der Tadel sich auf den frevehiden Kfinig. »Gotti 
welch guter Lehnsmann, hätte er einen guten Herrn,« rufen 
die Spanier, wenn der Cid in gleicher Lage sogar gegen den 
König kämpft (Herders Cid her. von J. Schmid und erL von 
KaroL Michaelis S. 134.) — Ebenso wenig gereicht ee dem 
Helden zur Schande, wenn Feindschaft und Unglück ihn vom 
Kampfplatz jagen. Dietrich flieht mit seinen Mannen (Hild. 18 
Gud. n), RuodUeb zieht in die Fremde, Helgi flieht sogar in 
Weiberkleidung (H. H. II), obwohl solcher Verkleidungen wegen, 
wo sie als Kriegslist gebraucht werden, die Götter Spott fürchten 
(|>rym. 16) und ernten (Lok. 24). Auch der Halbgott Wieland 
war in Verbannung (Niedner Zs. 33,36). Der Held im Elend 
bleibt doch immer ein Held (trotz Häv. 50); ganz gebrochen 
ist nur die Frau fem von den Ihrigen (Gud. I und H und be- 
sonders ags. »Klage der Frau«). Bei dem Mann ist in solcher 
Zeit die Kämpferschaft nur so zu sagen suspendirt (wie die 
alte biblische Erzählung es von Simson symbolisch erzählt); er 
kann zurückgerufen werden (Atlm. 96,5 — 6); er kann staric 
wiederkehren, wie Helgi; aber die Frau ist für immer aus ihrer 
Bahn geworfen. — Viele Abenteuer der Art berichtet Saxa. 

Wenig erfahren wir von den Einzelheiten dea Krieges 
(vgl.Hofimannaao.22f. für spätere Zeiten vgl. z.B.SchützeStil Zazik- 
hovens 26 f. Hausen Kampf Schilderungen bei Hartmann von Aue und 
Wimt von GravenbergDiss. Halle 1884.). Die Gefolgsleute spielen in 
diesenLiedemeine so geringe Rolle wie noch bei Veldeke: solde man 
skiltknechte klagen, so mocht da mekel jämer wesen (£n. 6426 
vgl. Behaghels Einleitung S. CLXXI\0. Einzig im Waltharius 



61 

(180 1) und den ags. historiechen Liedern (Byrhtnod und 
Brananiburh) erhalten wir eine breitere SchlachtBchilderung, 
Bonst sehen wir nur die HaupÜielden thätig, und auch von 
ihnen hören wir nur das Allgemeinste. Die wunderbare Indi- 
vidualisirung der einzelnen Kämpfe in der Hias hat nur in der 
antikisirenden Schilderung der einzelnen Angriffe auf Walthari 
ein schwaches Gegenstück; und hier wird die Mannigfaltigkeit 
fast nur durch Vertheilung der verschiedenen Waffen auf ver- 
schiedene Recken erreicht — freilich ein altes volksthümliches 
Unterscheidimgsmittel, wie die Namen der Sachsen und Longo- 
barden beweisen. Auch in dem ags. Epos dient ^es «ur Aus- 
zeichnung der Kämpfe, ob sie mit dem Schwert ausgefochten 
werden (wie der Drachenkampf) oder mit der Faust (wie der mit 
Däghrefn 2502 f. und der mit Grendel); übrigens aber kommt 
der Beövulf doch in der Anschaulichkeit der Kampfschilderung 
(besonders in der Episode von Ongen|>eör 2962 f.) dem antiken 
Epos erheblich näher als die altn. oder deutschen Schlachtbe- 
schreibungen (Heinzel Q F. 10, 29). Hier hört man sonst nur 
Schwertschläge, und kaum lässt der erste Hieb des Gegners 
dem Ueberwundenen noch Zeit zu Abschiedsworten von freilich 
meist grosser Wirkung (HreiSmarr imd Fäfnir in Reg. und Fäf ., 
die beiden Helgi, Hamdi und SgrU in Hamd. Die herrUchen 
Worte des sterbenden Siegfried N. N. 880 f. sindSig. sk. 22 ver- 
schwiegen; vgl. Heinzel aao. 15). 

So sind es immer bloss die Höhepunkte der Handlung, 
welche die altgerm. Dichtung schildert, wie W. Grimm es von 
den Volksliedern gesagt hat: »Alles in der Mitte Liegende, 
Verbindende ist ausgelassen, die Thaten stehen streng neben- 
einander, wie Berge, deren Gipfel bloss beleuchtet sind.« Auf- 
bruch und Abzug, Vorbereitung zum Kampf, Klagen der Ver- 
wundeten — all das imd vieles andere wird kaum berührt; 
von allem K eben werk erregt Aufmerksamkeit bloss solches^ 



68 

was annihemd 00 grone Anspaiinang alles VennBgens SKtedsst^ 
wie das Ifoesen der Eiifte in der Soblacht selbst Das sfaiid 
drei Momente, die deshalb gern beschzieboi werden: die See- 
fahrt, weil sie immer als Kampf mit Stmm mid Wefflea fs- 
daoht wird (vg^. Merbach, Das Meer in der Dichtang der Aagst 
Sachsen S. 88 f.) — die Wache, weil sie k fli pee l fch e and 
geistige Anstrenguig vereint — die Schelte swisohea Nnden, 
weil sie sog^ch den Wits fibt and die kfcpecUche Anfipegong 
steigert Gern also schUdem die Dichter, besoodeit die afk, 
die Seefahrt der Helden (Grim Einleitimg, H. H. I vnd 11 
R^. Gud. n Beöv.; christliche Stöcke; yfjL. auch den ags. »See- 
fahren), während der Bitt snr Schlacht (Alnr. Atlm. Hemd) 
oder za anderen Unternehmungen (SUm. Veg.) troli der gtosssn 
Freude des Germanen am Roes eine gleiche RoUe nicht spielt 
Mehreie der schönsten Stellen unserer alten Poesie besdueiben 
die Wache (Atlis in H. ]£., Hildegunds mehrmals in Wahh.; 
auch an den Strandwart in Beöv. und an Gud. n 36,1 kann er 
innert werden), die dann später in dem grössten Volksepos der 
Deutschen mit der Nachtwache Hagens und Volkers die heir- 
lichste Darstellung gefunden hat (vg^. auch de Grayter Das 
deutsche Tagelied S. 148 f.). — Aber mit grösserer Liebe nooii 
als den Kampf gegen Wetter und Wellen und die Hut vor 
Feind und Fahmiss malen die Gedichte den HeldMisank am. 
So heisst es in jener bezeichnenden Stelle des Walth. (V. 101): 
sed et artibus imbuit Uloe, praesertimque iocis belli sub tempore 
habendis, und wir sehen im Lied selbst» wie gut die Beiden 
gelernt haben; wir sehen es auch sonst unter Helden (EL Hi m, 
H. H. I und n vgl. Heinzel S. 34) und Göttern (Härb. Veg.) 
und ganz besonders merken wir den Scheltunterricht auch dm 
edelen Frauen an (Hyndl. Helr. Atlm.) Denn bei ihnen be- 
gleitet das Schelten nicht, wie bei den Männern, den Wafihnr 
kämpf, sondern ersetzt ihn. Die vornehmsten Naturen freilich. 



verechmähen den Z&nk, eo Helgl der Sohn Sigmunds (H. H. 
n 26): und die Spottrede HünferdB (Beöv. 499 f.) wie die 
Strafrede WiglÄfe (2864 f.) Bchkgen einen viel weniger bitteren 
Ton an als die der Skandinavier (Heinzel aao. 38); an beiden 
Stellen gilt freilicb die Scbeltrede nicht Feinden. — Woran 
der Spott sieb zu heften pfiegt, bemerkten wir schon früher: 
Männern wird vorzugBweifie Feigheit, Frauen Untreue vorge- 
worfen. Findet der Spott nach der Schlacht statt, so verfehlt 
man nicht, höhnisch die Wunden des Gegners zu besprechen: 
grade wie LoM (Lok. S8) über 7^, spottet Hagen über Walthers 
Einhändigkeit (vgl. J. Grimm Lat. Gedichte S. 136), und Walther 
giebt dem Einäugigen den Spott wieder. — Einen ähnlichen 
Reiz wie diese Witzkämpfe boten die Wetten um höheres 
Wissen, bei denen nur der hohe Einsatz das Interesse noch 
steigert (Vaf. Alv.) In unseren Gedichten sind (ausser Vgl. 11,1 
vgl. 63) diese Kämpfe die einzigen Belege für die Freude der 
Germanen am Glücksspiel (Oerm. 24,6 f.), wenn man das 
Messen der Weisheit überhaupt so nennen darf. (Bei anderen 
idg. Völkern hat die Leidenschaft des Spiels poetiadie Ver- 
ewigung gefunden : was Tacitus von den Germanen ' berichtet, 
passt Alles auf die Inder der Geschichte von NU und Damayanti). 
Daneben finden wir noch das Schachspiel im Ruodlieb (HO- 
Lumer also treffen wir den germanieohen Erie^er ibei 
seiner Arbüt*, da wo der deutsche Roman nach Freytag jetzt 
das deutsche Volk aufsuchen soll; immer treffen wir -ihn in 
höchster Anspannung und Aufregung aller körperlichen und 
geistigen Kräfte. So wenig wie Nebenmotive kommen retar- 
dirende Momente zum Vorschein — wo nicht wieder diese 
zu jener Anstrengung Gelegenheit bieten. Gern schicken spätere 
Lieder in die Vorbereitung der Katastrophe hinein ein »Moment 
der letzten Spannung«, wie geübte Dramatiker (Freytag Werke^ 
14,118): die Warnung, wdohe ältere Nibelungenlieder 



64 

baröhxen (Fif. Diip.) wird in jflngma (AdnL Atkr.) tntt 
geführt und sn RUsdqudai benotet an denen der Leeg eieh 
mit den Helden üben mag. Anch an die berfllimle Wunrnng 
dee HenogB Cannt durch den Singer daif erinnert werden. — 
AllerdingB ist thatatohlich aneh ein FriedeueQUiiai (wie in 
Fionsb.) oder eine Bcuee (wie die oben be s p r ochenen) wenlf 
mehr ale ein retardirendee M(»nent -^ iroir neuem Anebtoeh 
der Fehde. — 

Nur swei Momente eagten wir schon, seigen den Helden 
frei von jener Anepannung seines Wesais, dieselben befden« dl» 
auch aus der Geschichte der Welt herausgerissen werden: An- 
fang und Ende, Geburt und Bestattung. Aber auch diese beiden- 
begegnen nicht häufig, doch immerhin die Bestattung Öfter ale 
die Geburt (Sig. sk. Helr. Athn., mehrmals und prlehtig im 
BeövuUepos). — 

Aber nicht immer, wenn der Held sich in voller Entp 
haltung seiner Kräfte leigt, gilt es der Besiegung von Feinden. 
Unter den Ursachen des Kampfes trafen wir fast nie die Liebe; 
aber unter den Motiven, welche die alte Dichtung^ anaftthit» 
. treffen wir sie oft und in voller Blüthe, zumal bei den Nord* 
leuten. Ein Lieblingsgegenstand der Poesie ist die Werbung 
des Mannes um die Geliebte, bei Göttern (Alv. SUm.) und 
Mowshen (in den HelgUiedem, Sig. sk. und Drap; groasartig 
in Sgdr., reizvoll in Walth.); zu tragischen Katastrophen führt 
die Werbung zweier Helden um dieselbe Frau (H. ffi. IV, Sinl). 
Von frivolerer Art sind 0|nnns Liebesabenteuer (in den Bäv) 
oder die listige Werbung um die Riesin ({)r7m.). Aber wo die 
leidenschalüiche Liebe der Helden erhört ward, da erwächst 
80 herrliche Verbindimg, wie sie die Helgilieder verklärt (v^ 
Heinsel aao 34). Daneben fehlt freilich nicht die unglückliche, 
erzwungene Ehe weder bei Menschen (Sig. sk. Drap. Gud. H)» 
noch bei Göttern (Njord und Skadi); und daraus kann Ehe- 



Gb 

- bmch hervorgehen (Oddr). Untxeue des ManneB scheint der 
a^, T Klage der Frau« eu Grunde zu li^en. — Nicht selten 
freilich wird auch die Gattin einfach zu Lehen gegeben wie 
•«in anderer kostbarer Besitz: so soll Waltbari an Etzels Hof 
gefesnelt werden (die Königin möcbt« die Ehe stiften), so wird 
Sofor mit der Tochter HygeUce belohnt (Be6v. 2997) und zur 
freoduvebbe wird die Königstochtet beim Priedenschluee, so 
Freäware bei Ingold (Beör. 2020 f. ; man denke an den Schluss 
der Kütrün). — Besondere reich ist da* liebesieben in der 
Vkv. ausgestaltet: Entführung der Gehebt«n, die dann den Ent- 
führer ii-ieder verläset; Verführung einer Jungfrau; daneben 
König und Königin in normaler Ehe, d. h. im Hause regiert 
die Frau (wie bei 0])iim, wie bei Attila). 

Die Freundschaft, welche in der fremden Quellen verdank- 
ten Erzählung von Lantfrit und Cobbo so überschwenglich gefeiert 
wird, hat in den heimiscben Liedern keine Stelle, denn das 
rührende ^'erbältniss zwischen Helgi und Hedinn {H. Hi. IV) 
beruht auf Verwandtschaft, und die Verbrüderung Sigurds mit 
GiAkis Söhnen (Sig. sk.) bewährt sich nicht. Das darf nicht tur 
Unterechätxung der altgerm. Freundschaft ausgebeutet werden; 
nur eben weil die Freundschaft stetiger, ruhiger ist als das 
brennende Werben der Liebe, weil in ihr kein »himmelhoch 
jauchzen* und kein >zum Tode betrübt« Raum findet, darum 
fehlt sie den alten erzählenden Liedern — nicht den didakti- 
schen (Hiv. 42 f., besondere bezeichnend aber 47, 6). — 

So ist es denn natürlich, dass von dem täglichen Leben 
wir nur ganz gel^entUch erfahren. Eine Ausnahme bildet die 
Rigs^ula mit ihren tendenziösen Bildern aus dem socialen Leben. 
Typische Züge aus dem Leben der Vornehmen allein, wie dort 
von allen Ständen, geben einige späte Läeder (Gud. 11 18, Atkv. 
38: »wer wird künftig deinen Kleinen lehren Speere werfen. — *) 
Was sonst an Alltagsbeschäftigui^n vorkommt, hat doch 



66 

* ■ 

immer mit den groesen Interenen Berflhrang. Ma Jagd (Vlcr^ 
Walih. 1425 f.) irt dn Ueiner Krieg, Fieolifuig (JE^ul und 
R^., bee. aber RuodL n o. XTTT) und VogeUug (WaKh. 1411) 
sind wenigpteiie kleine Jagden. Beiten (a. o.» ai ia fUhilWi er 
beechrabt daa AuMteen Veg. 81} und Rudern (bee. Hjm.) rind 
Künste, die der Krieg verlangt; daneben darf flreOIeli WaUiuii 
00 gut wie die Helden der Nibelnngennofh sieh von einea FUir- 
mann äbenetien lassen (Walth. 486). Ala setkenere Konat gut 
schon das Schwimmen, oder wenigstens BeävoUi hohe Ferti|^Eaft 
darin. Diejenige auserwihlte Kmist aber, die vor aDsQ gDt» 
verdankte das gerade der Eigenschaft, dass sie dem Kriege dient: 
das angesehenste Handwerk oder vielmehr das einaige angesehene 
ist das des Waffenschmieds (v^ allgemein 0. Sehrader Sprach- 
vergleichmig mid Urgeschichte S .223 f.)- Schmiede sind schon 
im Uranfang die Oötter (Vol. 10), Schmiede auch spiter halb- 
göttliche Wesen, mid so sehen wir (in den R^.) ein Schwert 
schmieden mid proben und (Beöv. 2337 f.) einen Sduld ver- 
fertigen. Daneben allerdings stellt der berühmteste der Waffm- 
schmiede (Beöv. 455, Walth. 965) aach Schmackgegenstinde 
her (Vkv.). Damit arbeitet er für den Schatz des KSnigs. — 
Auch die bildende Kunst knüpft an die Heldenthaten der 
Männer an: die Frauen sticken sie (wie bei Homer n. 3, 186 L, 
vg^. femer Lüning Edda S. 421) in Handarbeiten (Gud. II, 14, 
vgl. Oddr. 16; anders Vkv. 1, 8 Gud 11 27, 2), die Minner 
bilden sie auf Trinkgefässen (Walth. 309), wie uns aus späterer 
Zeit Beispiele beider Art ja noch erhalten sind. — Fast komisch 
wirkt die Erwähnung des Schlachtens (Atlm. 19, 1); aber auch 
dies ist ähnlich wie das Jagen ein Abbild des Kampfes. — 
Was aber von derlei täglichen Beschäftigungen nicht dem 
Kriege dienbar ist, das gilt dem zweiten Hauptinteresse des 
Hofes, dem Mahle. Für seine Feste baut Hrödgar die grosse 
Halle Heorot und diese erregt solche Aufmerksamkeit, dass ihre 



67 

Heuiigung auEführlich bdechriebeu wird (Be6r. 992 f.) Die 
obersten HofbeomteD haben fast alle ihre Benennung von ihrer 
Pflicht, beim Mahl für Speise, Traok, Saal u. g. w. zu sorgen; 
eo auch in der hinmüiBchen Hothaltung, vie der Schwank tod 
H^rig^r räe schildert, und der Kücbemueister ist eine gewichtige 
Pereon (Specht, Gaebnähler und Trinkgelage bei den Deutschen, 
S. 11; man denke an Rümolt). Wir wundem uns dahernicht, 
unter den Grossen auch einem Koch zu begegnen 0^'alth. 438); 
abei der >Hafenhüter< Hjalli (Atlm. 59) ist Ireilich nur eine 
Carricatur. Zu braten versteht indese SigurS Belbst (Fäf. nach 
31). — AIe Schmuck des Mahls, als Belebung der Tafelfreode 
ist aber auch vorzugsweise das Silben (in Deörs Klage und 
BeoTulf) und Musiciren (allerdings nur durch Gunnais Harfen- 
spiel im "njurm: Dr4p. Oddr. Atkv. vertreten) zu denken (vgl. 
Specht aao. S. 24); und dem schlieest sich dann zuletzt, wie 
wir in dem ags. EpoB sehen (Beöv. 529 f.) die Erzählung von 
Heldenthaten an. Sie schlieset den Ring: beim Mahl vom 
Krieg zu hören, vereint die beiden höchsten Freuden der Ger- 
manen ; klingt eine ähnliche Lust doch noch in den philiströsen 
Worten des zweiten Bürgers im Osterspaziergang des Faust nach. 
Früheres durch solche Erzählungen vor dem aufhorchenden Kreise 
nachzuholen, brauchten also die altgerm. Epiker nicht, wie z. B. 
Grillparzer (nach Scherer 'N'orträge und Aufsätze 195) bei der 
Nibelungennoth vermuthete, von der antiken Epik zu lernen; im 
Gegentheil artet ziemlich früh dies Mittel, Einzelheder zu 
Sammelliedem aufschwellen zu lassen, zur Manier aus. Was 
in Reg. Helr. Beöv. (aao. und 3425 f) gut motivirt ist, und mit 
Recht die >Botecbait des Gemahls« ausmacht, passt deshalb noch 
nicht in die Situationen, die Sig. sk. Gud. II Oddr. AÜm. 
Gud. hv. zu solchen Nachberichten benutzen. FreiHch haben 
diese Lieder meist die Nebenabsicht, durch die Rede der be- 
tauenden Personen die Charakterzeichnung zu vervollständigen. — 



68 

Dies fahrt uns über sa der geringe Zihl eobsher Gttfdhia; 
bei denen die Schilderung nicht mehr raa Unten, e nn dB ni 
von Charakteren oder Stimmangen Haaptaweok iit. Dan 
Anfang macht die Auraoalnng gewiner Seelenelinm uingm , die 
wichtigen Handlmoigm voraof^en oder folgen (jiJL 



Heiniel aao. 81). Anfregongt die nch nicht gleich fai Tlnft «m- 
setien kann, venith eich doch in Schlaflofligkeit oder munfaigam 
von Träumen gequälten Schlaf (Vkv. 19,5 und 81.1 Qäp. 19. 
Brot Sig. sk. Gud. H, Atlm. Walih. 390 und 681; an der entenn 
Stelle dee.Waltii. kommt noch dae realistiache Sjrmptom der Appo- 
titloeigkeit hinxu; vgl. auch Hdv. 83;) iat die That geerhehen, ao 
gellt die Aufrq;ung in ein wildes Hohngelächter ans (Brot Sg. ak. 
Atkv.). Hier herrscht doch immer noch die That; aber die 
späten altn. Frauenstudien (Helr. Gud. I. Gkid. HI und beeon- 
ders Oddr.) sind nichts weiter als psychologische Skiaeo, und 
die spateren ags. Stücke (Wanderer Ruine De6r Reimlied) mohts 
als Stimmungsbilder, wie sie sich ebenfalls schon im Bedvolf 
(2228 f., 2444 f.) ankündigen. Und wir müssen dann erfamem, 
wie hierfür schon jene grossen psychologiBchen Weltbilder, die 
»didaktischen« Gredichte, den Boden vorbereitet hatten. — VgL 
A. Hofbnann aao. 14 f. — 

So entschieden überall im Mittelpunkt gerade der altgenn. 
Poesie der Mensch steht (vgL Scherer Poetik S. 210), fehlt es 
doch nicht ganz in Schilderungen von niederen Wesen 
oder leblosen Dingen. Das Ross (Reg. F&f. Gud. II) bean- 
sprucht keine Bedeutung» wohl aber Drachen und Ungeheuer 
(Fäi. Beöv. und in den Götterliedem VgL Lok.) Ein beeon* 
deres Interesse an Thieren verräth der Dichter des Ruodlieb 
(Seiler 104 f.) — Naturschilderung ist selten; die wichtigsten 
Stücke sind die Beschreibungen des Winters (Beöv. 1187 f.) 
und des Moors (Beöv, 1357 f., 1408 f.) im ags. Epos, (vgl. auch 
JElönning Beovulfskvadet 161 f.. A. Hoffmann, Der bildL Ana- 



druck im Beov. und in der Eddfl S. 29) und des Wasgaue im WalÜt. 
(491). Für die Edda vgl. Jeseen Ueber die Eddalieder 32 t. 
— Gern beechreibt jedoch die Dichtung, besondere der Age. die 
Natur im Aufruhr, deu Sturm: Merbach, Das Meer in der Dich- 
tung der Augeleachsen 47 f. — Die Vorliebe der Spielleute für Be- 
Bchreibimg von Kleidung und Schmuck tritt nur in wenigen 
Stücken (Gud. II 20 Atk^^ 4) hervor und contrastirt dort scharf 
mit der ganz typisch gehaltenen Schilderung Vkv. 8. vgl. auch 
H. H. I 1 6. Wie die alten Germanen aber die Kleidui^ hochschätz- 
ten, beweiBtHäv.49, inhaltlich völlig identisch nütGoethesSpruch: 
■Kleid' eine Säule, sie sieht wie eine Fräule«, der aber nach 
Loepere Isachweis (Goethes Gredichte m S. 35, 50) dem Italie- 
nischen nachgebildet ist. — Doch vgl. auch Här. 61 und 
allgemein A. Hoffmann aao. 19 f. — 

Diese Süchtige Uebendcht der in der altgerm. Dichtung 
behandelten Motive bedürfte natürlich noch manicbfacher Er- 
gänzung besonders durch A'ergleicbung der Epochen und Dia- 
lekte, um von der Stoffvahl der alten Dichter ein zutreffendes 
Bild zu geben. So aber schon zeigt sie, was wir zeigen wollten: 
daE Leben im Spiegel der altgerm. Poesie. Ein Leben, wie es 
oft geschildert worden ist, mit grosser Meisterschalt z. B. in 
Scherers Vortrag über den Ursprung der deutschen Nationali- 
tät: ein mäditiges Begehren nach den höchsten Gütern, ein 
Begehren aber, da£ diese Güter nicht als Geschenk will, sondern 
als Lohn der Anstrengung. Für geschenkte Gaben ist kein 
Volk weniger dankbar als das deutsche, weil es stets das Gefühl 
hat, als werde bei der leichten Erwerbung ihm ein Theil des 
besten Besitzes entwandt: das Bewueetsein erfolgreichen Ringens. 
Sie beten nicht zu den Göttern, ihnen das Erstrebte in den 
SchooBs zu legen; «im Kampf sollst du dein Recht finden«, 
heisst es ihnen. Wie ihnen nun fortwährend jene höchsten 
Ziele vor Augen stehen — wir haben sie kennen gelernt: 
'Weisheit und Macht: Weisheit, um die Macht anzuwenden, ^H 



70 

Macht, um die Weiihflit la befhiligea — ; wie in flu« Btaft 
leidwiflchafüich alle Krifte sich regen nach jenm 23elen hin — 
wir haben de kennen gelemt; KUinpfan iat der W%g woat Hbd* 
Schaft^ lernen der Weg snm Wiaaen; — wie bald ihnen dae ZU 
snm bloeaen Mittel wird, und bald dae Mittel adbet ram Ziel, 
00 ergiebt sich jenee heiaae Bingen dea Vdlkaii, deaaan Laidan- 
schaft die tielBte iat; ao ergiebt aich daa I^dhoa der attgann. Ptoeaift. 
Waa nicht Beang hat auf die höohaten Gftter» daa aohM diaea 
Dichtung nicht; aua dieaen Ideen lieht aie die Analeee der 
herrachenden Begriffe; aus dieeen Ideen nünmt aie den Maaaa- 
Stab der typischen Gestalten; aua dieaen Ideen erfaent aie die 
Gesammtheit der poetischen Motive. Weiaheit und Henaohatt 
sind Ziel all ihrer geistigen und körperlichen Anstrengungen; 
Lernen und Kämpfen sind I^ttel all ihres geistigen und kBiper- 
liehen Bingens. So will ihre Didaktik die ganse Welt erfaaaen 
und beherrschen bis in die geheimen Kräfte hinein, die diaae 
Welt regieren und die darum kennen muss, wer den Elementen 
gebieten soll; so wiU ihre Epik den Kampf feiern, aei ea mit 
den Waffen in der Hand einen Krieg um Schata, Freundachaft 
oder Behaupten des eigenen Selbst in der Bache, aei ee mit 
Liebeskünsten und der Macht der eigenen Persönlichkeit ein 
Werben um liebe; so will ihre Lyrik die beklagen, deren 
Ideal gebrochen ist, die verlorenen Ezistenaen, die lu streben 
verlernt haben, denen die Waffen aus der Hand geaddagen 
sind. Das Ideal aber ist eben der Mann im Besits der höchsten 
Güter, der Heldenkönig, der Weisheit mit Macht eint, der von 
der Fülle seiner Gaben, die der Schatz symbolisirt, gerecht 
spendet an die Getreuen, und aus der Fülle seiner Kraft, die 
das Gefolge symbolisirt, stark austheilt an die Feinde. Seiner 
Milde freuen die Vasallen sich beim Mahle, seine Stärke bewun- 
dem die Krieger in der Schlacht. So trifft in einer Erscheinung 
wie Sigurd Alles zusammen, was der Germane begehrt: Kunst 



71 

der Runen, Kraft dee Schwertes ; Gerechtigkeit nnd Tapferkeit; 
Herrschaft und Frauenüebe; bo verschwindet toi dem Streben 
auch der Dichtung nach diesem Ideale allee Alltägliche. Die 
alte. Sagaer sind voll von allerlei Details, so daes mit Hilfe 
ihrer Angaben so vollständige Beschreibungen des Lebens der 
alten Nordleute entworfen werden konnten, wie wir sie in den 
Biichem von Weinhold, Keyser, Rosenberg besitzen; aber die 
alte Poesie kennt nichts, was von jenen grossen Wegen abliegt. 
Durch und durch idealistisch, aristokratisch ist also dies^ Poesie 
wenigstens in der Auswahl des Stoffe, wie die deutsche Dich- 
tung das in ihren Blütheteiten immer gewesen ist. Ja es ist 
noch das alte urgermanieche Heldenideal, welches seine volle 
Verkörperung endlich in dem Werke des grossten Dichters 
unserer Vorzeit gefunden hat. Der kosmopohtische Zug der 
Deutschen, die Lust auch Fremdes sich zu eigen zu machen, 
das muBBte mitwirken um in Parcival das vollkommene Helden- 
lied schaffen zu lassen des vornehmsten Herrschere und des 
tapfersten Ritters — und durch Lernen und Kämpfen erreicht 
dieser sein Ziel. Danach reisst der Faden dieser Tradition ab; 
die Deutschen vergassen seitdem zu oft, dass das Lernen und 
das Kämpfen nur Mittel sein sollen zur idealen Ausbildung 
der Persönhchkett, und Gelehrsamkeit und Streit ward Selbst- 
zweck — für die Dichtung gefährlich vor allen das erstere. — 
Wohl ist 0{)inn der erste Faust — er aber verzweifelt nicht 
daran, durch eigenes Bingen sich zu seiner Aufgabe zu erziehen, 
durch eigene Arbeit die Weisheit zu erobern, die er belehrt, 
und die Macht. — 

Es war hier, wo es sich um die Grundlagen der altgerm. 
Poesie handelt, wohl erlaubt, in der Besprechung ausführhcher 
zu sein, als es sonst angeht, und wenn Dinge und Worte öfter 
aU mir lieb ist sich wiederholt haben, diene die Wirkung des 
altgerm. Stils dieser Assimilation zur Entschuldigung; sind diese 



72 

Begriffe doch die treuen Freunde unserer geistigen Entwickelung, 
bei denen ee sich wohl ziemt fara at finna opt (H4t. 44). — 

Wir wollten zur letzten Bekräftigung noch Ausq>rüche ddr 
Alten selbst bringen. Sprichwörter und sprichwörtliche Er- 
mahnungen haben wir an anderer Stelle gesammelt; hier nur 
ein paar Belege aus dem grossen altn. Lehrgedicht: 

Ueber Freundschaft: Häv. 41 — 52 (vgl. MttUenhoff Deutsche 
Alterthumskunde V 256—268) vgl. z. B. Sig. sk. 19. 

Ueber die Liebe zum Leben: Häv. 69—72 (ebd. S. 258) 
vgl. z. B. Sig. sk. 50. 

Ueber den Nachruhm: Hdv. 76—77 (ebd. S. 259) vgl. z. B. 
Athn. 64. Beöv. 1387. 

Ueber den Werth des Besitzes : Hav. 74—77 (ebd. S. 261) 
vgl. z. B. Fäf. 10. 

Ueber Frauenliebe: Häv, 84—95 und 96—101 (ebd. 
S. 261—64) vgl. z. B. Skim 7 Sig, sk. 16. 

Das ganze Gedicht ist durchzogen vom Ruhm der Klug- 
heit und Gewandtheit (MüUenhoff aao. 255 — 95 und bes. 281); 
der Abschnitt 103 — 110 noch speciell erfüllt vom Preis der 
Redekunst (aao. S. 269); die Moral des Rünatals aber fasst 
Eosenberg (Nordboemes aandsliv S. 286) ganz gut in die Worte 
»Wissen ist Macht« zusammen (vgl. MüllenhofE aao. £. 271). 
— Wissen und Macht, das sind die beiden obersten und ent- 
scheidenden HauptbegriSe der altgerm. Poesie, und alle andern 
sind nur Modificationen und Combinationen dieser beiden 
Hauptrunen. — 



Capitel UI. 

Nebenbegriffe. 

Wir haben bereite mit Liliencron bemerkt, daee die alt- 
germ. (und vor allem die alta.) Poesie wesentliob eine Poesie 
der Substantiva ist. Das Verb dient eigentlich nur sur Ver- 
bindung von Subject mid Object, oft ist es wie schon gesagt 
um' eine ausdrucksvollere Copula. Ja nicht selten ist das Verb 
nur eine weitere Ausführung des in dem Substantiv versteckten 
Verbalbegrifis. Wenn ee z. B. Helg. Hund. I, 56 hedsst: Heill 
skflltu, visi, virda njöta, Attstafr Yngva, ok una llfi! — so sagt 
diese ganze visuhelming nicht mehr als unser Ausruf »Lang 
lebe der König!«; dase er herrschen soll, ist darin ja schon 
enthalten. 

Es verdienen daher aus der grossen Masse von Neben- 
bestimmmigen nur einige wenige heraUBgehoben zu werden, die 
durch ihr tTpischee Erscheinen einen wirklich formelhaften 
Charakter gewinnen \md deshalb zu dem festen Bestand der 
poetischen Sprache gerechnet werden müssen. Von selbstiindig 
auftretenden B(^piffen (im G^^ensatc zu den enkUtischen Epi- 
thetis) sind hier besonders nur Zahlen, Zeitangaben und Ton- 
bezeichnungen zu nennen. Dabei konmit natürUch überall 
wörtliche Uebersetzung nicht in Betracht. Biblische Zahlen 
z. B. beweisen nichts für den Charakter der altgerm. Poesie, 
auch wenn sie in age. Gewände auftreten. Dies gilt auch für 
alle späteren ähnlichen FlUle. — 

§ 4. Zahlenangaben. 
Zahlenangaben sind in der Edda sehr häufig, in ags. Ge- 
dichten ausserhalb der biblischen Stücke auffallend selten; sie 



74 

widerstreiten dem elegisch -lyruchen Charakter der meiaten 
dieser Gedichte. Im Heliand finden sich nur übersetite Zahlen. 
Das Zählen selbst kommt in einem der ilteatan Lieder 
vor (Vkv. 11,2). — 

Einfache Zahlen. 

Zwei. Götter: Fille ond Finale, fela mihtigu tva Zaub. 4,87. 
Menschen: broedra tveggja Vol. 66,6 

tveim tr^mQnnum H&v. 49,3 

tveir' m eins herjar Häv. 73,1 

{)ü kunnir aldrigi bera tilt med tveim Lok. 38,2 

ok Frekar bädir HyndL 18,6 

ok tveir Haddingjar Hyndl. 23,6 

vgl. |>ö var bann brödir beggja {>eira HyndL 27»8 

tveggja |>eira Vkv. 25,6 

tvÄ {)ü litr Ä täi standa hrödrfusa hali Reg. 21,4 

t)eir badir broedr Fäf. 39,4 

tveggja broedra Sig. sk. 1,6 

tvÄ at hofdum, tvä at fötum Sig. sk. 67,5 

döttir let Gjüka drengi tvii hniga Atlm. 48,1 

bera tveir sveinar Atlm. 50,9 

en boggnir tveir liggja Atlm. 52,4 

tveir menn einir EEamd. 11,9 

be paem gebrödrom tvaem Beöv. 1191 

mödige tvegen Byrth. 80 

untar herjim taSm Hild. 3 
tveggja broedra u. dgl. ist gemeingerm. Formel: Vol. 65,6 
Hyndl. 27,8 Vkv. 25,6 Fif. 39,4 Sig. sk. 1,6 Beöv. 1191. — 
Pointirter Gegensatz von 1 und 2: Hav. 73,1 Lok. 38,2; (ebenso 
Hym. 21,1 Skim. 42,1 HAv. 67,4 — 6 s. u.; auch lat.: hora- 
que bina prius iuerat ibit id una Ruodl. 3,62). Zwei gegen 
eine grosse Zahl: Hamd 11,9. 



76 

Nachdruckloses »beide« t>r- 11.7 20,5 Hym. 9,8 Lok. 19,1 
26,4 SidTD. 5.6 10,7 Sgdx. 4,5 Akv. 27,6 AÜm. 35,6 Be<W. 
1163 ByrÜi. 82 u. ö., bee. im Beöv. — meist nach Personal- 



Oogeheuer: svylce tvegen micle m«arc8tapaa Beöv. 1347 
Thiere: yxn tvd Hymie ^ra. 15,8 

dr6 maerr Hymir — hrali eimi k fingU upp eenn 

tvA Hym 21,1 
Kerlaugar tvaer Gt. 29,2 
]>ött tvaer geitr eigi Hat. 36,4 
äogu faiafnar treir Fra^m. 13 (HüdebrandS. 805, b, 19) 
tvä hunda ok tri bauk& Sigkv. bL 67,7 
Zdtangaben; teitum trövetrum (j6) HAv. 89.5 

long er nott, Ungar' ru tvaer Skim. 42,1 
Dinge: eAa tvau laer Hiv. 67,4 
Nachdrucksloe : bgl er beggja ^r& Lok. 89,3 setja milli elda 
tv^gja Saem. xa Or. 29 homa treggja Hym. 19,4 etanda 
|)er A tvaer hliAar Reg. 84,6 — 1 tvau äee brotoadi Hym. 12,7 
— on tvi healfa Beöv. 1096; oft in den Rätaeln. — 
Zweimal: Tyr leitadi tyevar broera Hym. 38,5 
ok nefna tysvar Ty ^dr. 6,6 
vgl. tvennan trega Skim. S9,8. — 
Drei. Götter: um J»rjÄr kvämu {lUrea meyjar Vfil. 11,5 

uu£ |)rir kvAmu oesir Vol. 20,1 

Imäua koma meyjar. . . |»rjAr Vq\. 23,1 
ertu ]>riggja ])urBa mQdir Veg. 13,7 
J)rjär {>jödar . . . meyja Msg])ra8iE Vaf. 49,1 
Menschen: ^j6d veit ef |irir'ru BAv. 63,6 

broedr viuru |)rir .... fuudu ])eir . . . konur 

prjta Vkv. Einl. 
jmj t>rir broedr Saem. zn Beg. 25 
|>rir i hestum |>jöfflEonangar Sig. sk. 85,6 



76 

kvamu konongar fyr kni ^imir God. U 35.5 
hön hefir {>rigg]a {>jodkonoiiga banorft borit 
Akv. 44,5 

{>r]U y&rum sjrsüdn AÜm. 96,1 
var ek {nimr verum v^;in at hüai God. hy. 10,3. 
Hierher auch {>yerdu ^eii I>rött sinn at I>ridjungi Hamd. 
16,5 — 6. — Nachdrucksloe v^r {)rir Hyzn 16,8 hjrra I>ra6ia 
bana Byrth. 299. 

Thiere: |>ar yknx |>]örar {>rir of teknir Hym. 14,5 
|>riö vicg somod Beöv. 2174. 
Zeitangaben: {)rj4r naetr saman Rig. 6,2 20,2 33,2 

ä {)rid]a momi H}mdl. 45,6 
])rigg]a nÄtta H. Hi. 33,7 vgl. Saezn. m 84,8 
{)rj4r naetr Grip. 42,5 binnan ^ryux nihtom 
Zaub. V. C, 14. 
Dinge: drakk Sifjar verr säld t)rjü mjadär {>r. 24,7 
sem {)ü {)r]ü bü g6d eigir Härb. 6,1 
{)rj4r roetr standa ä ^ijii vega Gr. 31,1 
med {)ur8i {)rihofdudum Skim. 31,1 (v^. Holts- 

mann Edda 142,33). 
f)rjä stafi Skim 36, 2 
f)rjä vissa ek elda, 

{)rjä vifisa ek ama Gud. hv. 10, 1 — 2 
simle {)reora sum |)mga gehvylcö Seef. 68 
Dreimal: |)ry8var brendu {)rysvar boma Vol. 26,7 
f)rimr ordum senna skalattu Häv. 124,5 
gekk ek ä bed . . . pridja sinni Gud. hv. 14,1 
{)riddan sid^ Beöv. '2688. 
Die ags. Zeitangaben |)re6 nihta Pan. 38 und on {>onne 
{)riddan däg Pan. 41 scheinen (wie \'iele andere) übersetzt. 

Formelhafte Verbindungen scheinen {)rjär meyjar (Vol. 
11,5 23,1 Vaf. 49,1) und {)rir I)ursar (Vol. 11,5 Veg. 13,7) 



77 

eovie t>rjär naett (Rig. mehrmale, H. Hi. 33,7 Grlp. 43,5). HArb. 
6,1 Btebt di«i in sprüchwörüichcr Verwendung (wie bei unseim: 
>du kannst nidit bis drei sählen«); vgl. Big. 89,1, wo acht- 
teim ähnlicli verwandt ist. — ' 

Beaondere cbarakteristiBcfa HAv. 63,6. — 
Vier. Menschen: hum Atta fj6rai konur Saem. tu H. Hi. 1 
fjörir broedr Gud. I 7,2 
feöver bean) Beöv. 59 ■ 

feöver scoldon . . . geferian . , . Orendlee 
heAfod Beöv. 1687 
Macbdruckslofi : fjt^rir v^ Sig. sk. 19,5 

Tbiere; hirtir'ru ok flörir Gr. 33,1 

föover mearas Be6v. S168 
Dinge: feöver mädmas Beöv. 1027 

1)A feovere fa/egee räpas Sal. 331—338. — 
Fünf.MenBchemföru Önmi aaman Atlm. 39,5 
broedr vArum fimm Aüm. 52,1 
{»er ic fife geb&nd Beöv. 420 
fife lägon . . . cjmingafl geonge Aibel 28. 
NachdruckeloB: ef v^ finun sonu foedum leng^ Sig. ek. 30,1 
Zeitangaben: fiTnTn daga HAv. 51,8 

ä fimm äQgam HAv. 78,9 
fimTn yetr alla HArb. 16,2 
fimm doegr Oud. n 18,2 
fimm veti Odd. 13,7 
m nihta fyret Beöv. 545. 
flf dagae Fln. 41 
Dinge: burga. ftfe Badm. 5 
Nacbdrucksloe mit minen fünf fingirin MSD IV 8,2 
Sechs. Menschen: eyx smidas saetan Zaub. n 16 

Zeitangaben: er inn s^tti komr HAv. 51,5 
Sieben. Menschen: hvilda ek hiA {»eim systmm sjau HArb- 18,11 




78 



minlr «Jm tjjäx Gud. I 6.5 

^Mi kaoongk Gvd. I 24.10 

t"^ ^u aür SI|. 8k. 27,2 

BJsD hjö Hggni Akr. M,l 

{lyjv «Jan gMki Atfau. »9,4 

Aolgde of ocsfrs ojndngH (>gDM ^ 

tflKmna Bedr. 81S1 
eeofeoe du: «oiIm AtiisL SO 
Zeiteogabon: ^aa retr Vkr. 11 SMOL^Vkr. 8,S 
qHi miaMd Smul m Ood. I S7, 11 
^m daga . . . en idra ^ao . . mk 
ina ^ridja Bjan . . Ood. IC S5,S L 
ic Tfls syfuTintn Badr. B438 
Dinge: sjaQ eiga vit salhAi Akr. 7,1 
OQ vn Toralde Zanb. 4,40. 
Acht Sfonachen: k& ok eljun ätta manna Rig. 45,7 
Thiere: &tta Uxa Jir. S4,6 

ok fldlingum Atta at idgl Reg. B,6 

jitta doeba Gud. I 4,7 

[tnela slna Uta Saem. xn Gud. I 87, ' 

Sig. ak. 70,3 
Atta systa Hetr. 7,3 
eode eohta sum Be6v. 31S3 
Thiere: eahta mearaa Beöv. 1085 
Zeitangaben: ätta n6ttam J>r. 36,6 38,6 
Jitta vetr Lok. 38,4 

GeitTQdr (rar) ätta vetra Grim. 2 SaMi 
ok Bat bann [>ar &tta naetr Gr. 29 3aem.s 
Jitta nättum Helr. 13,7 
on t>oae eahtodan däg Eadg. 39 
Entfernungen: &tta roatum ]>r. 7,3 

Dinge: stukku ätU (hverir) Hym. 13,1 



79 

Atta eru jafnhijfgir (baugar) Skirn. 21,4. — 

Oeftere hängt eäcb die Ordinalzahl för acht an die Cardinal- 

lahl für Bieben: Gufl. I 6,7 Akv. 20,8 Ykx. 3,8 BeAr. 3123. 

Diee beweist die BpricbvörUiche Bedeutung der »ebeni (ebeiuo 

bibÜBch drei . . und das vierte Ptov. 80,15 — 18). 

Neun. Göttter: niu bAru ^eam Hyndl. 36,5 

hann bä rida valkyrjui nia H. Hi. II tot 6 

Saem. f 

\ieu Bä i loptinu Ät valkyTJur nlu ridu Saem. 

zu H. H. n 16, 6 
nlu «m ek moedra mQgr, 
niu em ek eyetn sonr FVagm. I 8 (Hilde- 
brand S. 303, b, 3). 
Hierzu auch : niu man ek heima, niu Indjur Vgl. 5,5 — 6 
Diu kom ek heima Vaf. 48,6 
heima alla niu AIt. 9,4 
fimbulljöd nlu HAv. 189,1 
Thiere: niu Attu vit . . . üUa alna H. H. I JO,! 
nicerae nigese Beöv. 575 
Zeitangaben: mänudr niu Big. 6,6 

ena nlundu hverja n6tt 8k. 21,5 
en ept naetr nlu 8k. 39,4 
hve tun |)reyjak ^Tj&r (naetr) Sk. 42,3 
naetr allar nlu Hat. 137,3 
Dinge: mit nigun neesikUnon MSD R' 5,1; femer 
tirein-Wülcker I 320 wiederholt. 
Hierzu auch niu rfißtum er |)ü ekyldir nedarrvera H. Hi. 16,5. 
Zehn. Menschen: tydre treövlogan tyae ätaomne Beöv. 2847. 
Zeitangaben: Agnarr var tiü vetra Gr. 2 Saem. 

ätti 8on tiü vetra gamla Gr. 30 Saem. 

on tya dagum Beöv. 3160 

tyn nihtum Eadg. 33. — 

tiä budlungi bloeda undir H. Hi 40,5 



80 

Elf. Götter: yknx ellifa aesir taUtir Hyndl. 29,1 
Menschen: eptir lifum ellifa ({)egnar) AÜm. 51,7 
Dinge: epU ellifii Skirn. 19,1 = 20,1 
Dazu fünf und fünfzig s. o. 
Zwölf. Menschen: tvelfa sum Beöv. 2401 

ädelinga scear ealra tvelfa Beöv. 3171 
Zeitangaben: varak vetra tölf Helr. 7,5 

tvelf vintra tid Beöv. 147 
Dinge: madmas Xu Beöv. 1867. 
Fünfzehn. Menschen: ganga fimtän folk upp 4 Und H. H. I 51,1 

cempan . . . fiftena sum Beöv. 207 
frät folces Deniga fyftyne men and öder 
swlc üt ofFerede Beöv. 1582 
Zeitangaben: fimt^n vetra H. H. I 10,4 
Dinge: bü fimtän Odd. 20,2 
Achtzehn. Menschen: ät&än sonu Hyndl. 15,8 

ätika ädr fellu Athn 50,7 
Zeitangaben: on {>one eahtateodan däg (Var. eah- 

todan) Eadg. 29 
Dinge : tMl hann einn at |)at ätian büum Rlg. 39, 1 
Dreissig. Menschen: med f)rjd tegu Gud. III 5,2 

värum f)rir tigir Atlm. 31,5 
{)raela |)r]ä tigu Atlm. 92,3 
|)ritig |>egna Beöv. 123 
{)at he f)rittige8 manna mägencräft . . 
häbbe Beov. 379 
Vgl. auch die zweimal fünfzehn Beöv. 1582 
Zeitangaben: f)ritig vintra Deor. 18 

Dinge: häfde him on earme XXX hildegeatva 
Beov. 2361. 

Grein -Wülcker I 320.4 und 322,43. 
Vierzig: ein folk H. H. I 50? vgl. Holtzmann Edda S. 339, 50 



61 



Fünfzig. Zeitangaben; fiftig vintm Beöv. 2209. 2733, vgl. auch 
hund mifisera Beör. 1498. 1769 
Hierzu: fiftiges fötgemearcee lang Beör. 3042. 
Fünf und fünfaig: MSD IV 8,2 
Sechzig. Menschen: sixtig sigebeoma Finn. 38 

Zeitangaben: sumaro enti wiutro sehstic ^Id. &0 
Hundert. Menschen: M hund cneö ver])eoda gevitan Ruine 8 

Zeitangaben: hund miBsera Beöv. 1493. 1769 
Zu den Zeitangaben: hundrad rasta bann er i hverjan veg 
Vaf. 18,4 
Vgl. auch hundmargir Vai. 38,7, — H. H. I 23,7 — 

Dreihundert. Zeitaj^&ben: |>reö-hund vintra Beör. 2278 
Sechshundert. Dinge: on^amsiexhundTäeBmaeteegoldes 
gescyred Bceatta scilling-rtme V!d. 91 
Siebenhundert. Menschen: Ejau hunfirud manna Gud. 
m 7,9 
Dinge : sjau hundruS alba (bauga) Vkv. 9,3 
Achthundert. Götter: Atta hundrud einherja Gr. 23, 4 
Neunhundert. Dinge: hafdi hofda hundrud niu Hym. 8,3 
Tausend, Engel: and eac dueend Jiira engla Z&ub. 8,19 

Menschen; Üu hundrud Gotna Hamd. 11,10 

liüsendo ])€gna Beöv. 1829 
Zeitangaben: fiäe>end rintra Beöv. 30&0 

6d J)ät vintra bid Juieend umen 
Phön. 368 
Dinge: and bim gesealde ^eofon |iuBendo. bold 
and bregoBtöl Beöv. 2195 
Siebentausend. Menschen: [)ö er i Sogn üt Bjau fiüsundir 
H. H. I 51,3 
Hunderttausend. Dinge: sealdehioragehvädrumhund ^äsenda 
landes and locenra beaga Beöv. 2994. 
Hayai, Altf •rmuiiMb* FomU. -6 



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.!• :.tz zLiri br^a T-ey Gad. lU 5.2 
vanmi fihr rigir A:lm. 51,5 
pnela ^rja d^ Athu. 92,3 
britig pngna. Beov. 1:13 
pkt he jintuges nuuu» mf 
häbbe Beüv. 379 

-y.t TT>;il tänSzebn J 




82 



Ale einfache Zahlen habe ich nicht nur diejenigen genom- 
men, die die Sprache mit einem, wenn auch componirten, 
Worte ausdrückt und also aelbet als Einheit aufiasst (fOnfsehn, 
achtzehn, dreissig u. s. w.), sondern alle, die ein und derselben 
Reihe angehören, nicht aus zwei Gliedern zweier Reihen durch 
Addition gewonnen sind wie z. B. sechsundvienig H. Hi. 8, 3. 

Denn wenn wir diese Zahlen überblicken, zerlegen sie sich 
von selbst in mehrere von den ersten Primzahlen ausstrahlende 
Reihen: 2, 4, 8 — 3, 9, 18, 30 mit der Nebenreihe 6, 60, 600 
— 5, 16, 50 mit der Nebenreihe 10, 100, 1000 — 7, 700 und 
ohne Fortsetzung, 11. (Ich stelle »hundert« so in die Reihe, 
obwohl es ursprünglich ein Grosshundert bedeutet; wir haben 
aber hier nur junge ags. Belegstellen. In den Fällen des Beöv. 
bat Heyne mit Recht hund missera und fiftig vintra gleichge- 
stellt). Man wird einwenden, dass z. B. die Sechser- und die 
Zehnerreihe doch selbst aus Combinationen beständen; aber 
eben ihre Multiplication beweist, dass 6 und 10 für die poetische 
Sprache gewissermassen Primzahlen sind (wie wir Formeln deren 
Worte nannten). In ihren letzten Ausläufern verlieren sie frei- 
lich schon den formelhaften Charakter; 800, 300, 7000, 100000, 
die höchsten Spitzen der Züge 2, 3, 7, 10 treten sämmtlich 
nur vereinzelt auf, wie auch die zusammengesetzten Zahlen. 
Ja man könnte sogar für die ganze Sechs-Reihe ihrer knappen 
Vertretung wegen dasselbe zugeben, wenn nicht besonders die 
Stelle des Hildebrandsliedes (Hild. 50) zweifellos formelhafter 
Art wäre (in den Hdv. heisst »der sechste« an der betr. Stelle ein- 
fach: »nach Abzug von fünf«, und gehört so Häv. 51, 5 eigent- 
lich mit 51, 3 zur Fünfer-Reihe). 

Jedoch wäre die Trennung dieser Reihen (für welche Rechts- 
alterthümer I 207 zu vergleichen) eine leere Spielerei, wenn 
nicht die Verschiedenheit ihrer .Anwendung dazu berechtigte. 



Dies ist nun aber wirklieb der Fall: nach Zeit, Ort und Stelle 
im Gedicht bestimmt mcb die Verwendung der tj'piscben Zahl. 

Deshalb haben wir die Zahlen nach ihren Benennungen 
vertbeilt, was zuerst vielleicht befremdet, Die wenigen Angaben 
von Läi^enmaaasen habe ich dabei vi den nächstverwandten 
Zeitangaben geschoben. 

Es ist natürlich, dass durchweg die kleineren Zahlen häu- 
figer sind als die grossen; das Oegentheü ist bezeichnend für 
eine so phantastieche und doch grübelnd rechnende Poesie wie 
die indische ist. Schon deshalb ist die Zweier-Reihe die stärkste. 
Nun ist aber zu bemerken 1. hinsichüich der Zeit: sde ist in 
älteren Gedichten häufiger aJs in jüngeren; 2. hinsichthch der 
Anwendimg: ausser an den beiden Stellen Hym. 33,6, Sgdr. 6,6 
kommt sie nie in Verbindung mit göttlichen Dingen vor, hier 
aber beruht das beidemal auf etj'mologischer Spielerei mit dem 
Namen Tyr. Gern steht sie dag^en in niederer Vem'endimg: 
tveim tremgnnum Häv. 49, 3, |)ött tvaer geitr eigi Häv. 36,4 
tvau laer Häv. 67, 4 (beide Stellen in komischem Sinn), Atta 
pjönar Big ek.. 70, 3. 

Dagegen die Dreier-Reihe ist die vornehmste. Drei und 
neun sind die Zahlen der Gatter, drei auch der Könige, dreissig 
der Helden. Die Zahl drei geht durch, neun dagegen verliert 
eich später imd dreissig tritt erat später auf, ist jedoch in der 
ags. Dichtung schon in breiter Anwendung. 

Sonderbar ist es, dase in beiden Reihen das zweite Glied 
die Eigenschaften der Reihe gleichsam potenzirt zeigt: zwei steht 
doch noch von kämpfenden Männern (aber fast nur von solchen 
die fallen), vier nie. Neun steht fast nur bei übermenschlichen 
Wesen, denn solche sind doch auch die Wölfe H. H. I 40, 1. 
(Die drei ist noch weiter potenzirt H. Hi. 28, 1, wieder bei 
den Walküren). Sogar die Zeitangaben mit neun gelten nur 
Göttern und Wundem (Skim. 21, 6; hierher auch R. 6, 6). 



84 

(AahDÜGhes bemerkt Ueener, RaligionigeediidilL ünteaiMlMintwi 
I 180 für den chrigtBohen Bitns und fOgl Unia »irf» aiiflh 
hflidm'iicher Coltns die heilige Dnisahl sa voDenr Widamf gern 
potensirtec). Bfit vier kommeQ keine vor; die mit aebt riiid 
meist kmniech Q(r. 86, 6. 28, 6) oder soheltQDd (Lok. 18^ 4). 
ISnen völlig abweichenden Charakter hat die Fllnf or-Belhe. 
Sie gehört nfanlioh faet amMchKeeelifh jflngerea UedKn an. 
Die agB. Poesie leigt (wie bei der Dreissi^ anoh Uer eine jfln- 
gere Stofe der Entwickelmig, indem sie diese Beihe bevonogt 
In der Art der Verwendmig tritt keine Aaswahl der Bsne n n m i* 
gen hervor; nnr Götter slhlen nie nach FQnfen, aber KBoige 
aUerdingB ags. (freilich wohl in einer nicht freigediohteten seit 
dem historischen Stelle AtheL 28). — FQnfMhn gehfitti wie 
Beöv. 1682 zeigt, nicht xu Fünf, sondern zu Dreissig. — 

Die Sechser-Reihe fehlt altn. (über H&v. 51, 5 s. o.). — 

Die Siebener sind dagegen ags. kaum vertreten; altn.nehmeoi 
sie mit xonehmender Entartmig der Poesie zu (Akv. 20, 1, 
Atlm. 92, 4, Gud. m 7, 5), finden sich doch aber schon in 
der Vkv. — 

Die Seltenheit der Zehner flQlt auf. Man sieht daas sehn 
für die echte altn. Dichtung eine typische Zahl überhaupt noch 
nicht ist, scoidem es erst in der ags. wird. In der christlichen 
Dichtung der Angelsachsen ist tausend dann typisch, um ein 
grosses Vielfaches zu bezeichnen (Ziegler Der poetische Sprach- 
gebrauch in den sog. Caedmonschen Dichtungen S. 75). — 

Elf scheint dagegen als formelhafte Zahlenangabe ein 
Produkt der jüngeren Poesie zu sein, denn die alte Stelle 
Skim. 19, 1, 20, 1 wird wieder auf Paronomasie mit epli be- 
ruhen. Es bleibt übrigens selten. — 

Die Zeitangaben habe ich hier nur nebenbei erwähnt, weil 
sie noch in anderem Zusammenhang zu besprechen sind. — 

Wir hätten denmach drei Schichten typischer Zahlenreihen. 



Uralt Biod die Rahen mit Ewei and drei. Beide erleiden Bin- 
bueee, die Dreierreihe empfängt aber Ersatz durch Combination 
mit der inrwiBchen au^ekommeoeD Zehnerrähe. — In jüngerer, 
aber noch gemeingerm. Zeit taacht die Fünferreihe aof, altn. 
in älterer Zeit fast nor mit der Dreisahl combinirt Aach die 
Sechsereibe iet wohl hio'her zu stellen , de ist aber nie zu 
groeeer Entfaltung gelangt und zwölf ist fast nur in der age. 
Dichtung eine typische Zahl. — Endlich entwickelt die agE. 
Poesie für sieb allein die Zehner-Rdihe, offenbar auf Grund der 
von ihr schon länger cultivirten Fünfer, und die alte, gtoiügt 
dem bei ihr wie bei der ags. Poesie sich steigernden Zahlen- 
bedürfniss, indem sie die Siebener-Reihe typiiicb ausbildet und 
auch elf so braucht. 

Ueberall zeigt sieb eine Zunahme der gröeseren Zahlen. — 
Verschiedenheit der Anwendung vermochten wir nur bei den 
beiden uigerm. Rdhen nachzuweisen: man möchte nach H4rb. 
24, 5 — 7 sagen, die Dreizahl habe die Herren, die Zweizahl 
das Volk der Knechte. Doch mögen feinere unterschiede auch 
später heraustreten 1 so scheint in den späteren Reihen die in- 
definite Bedeutui^ am lebhalteeten gefühlt worden zu sein (vgL 
für sieben Sig. sk. 27, 2 Akv. 7, 1 , für hundert Ruine 9). — 
Vereinzelt finden sich natürhch alle diese Bemerkongen durch- 
brochen, am fühlbarsten (wie schon erwähnt) durch die Stelle 
Vkv. 9, 3. — Besonden mache ich noch auf die vermehrten 
Tausende bei Geschenken Beäv. 2195. 2994 aufmerksam. — 

Zusammengesetzte Zahlen. 
27. {>rennar niundir meyja H. Hi. 28,1 
46. fjörum faera em fimm togu H. Hi 8,3 
640. fimm hundrud dura (gölfa) ok um fjönmi togum 
Gr. 23,1 24.1 
1200 tölf hundrud txyggn manna H. H. I 26,1. 



86 

Dazu kommen die butorischen Zeitaogaben 973 Edg. 
11—15 und 29 Edg. 18. — 

Zwölfhondert habe ich nicht unter die ein&chen 
Zahlen gestellt, weil es nicht wie 800 600 700 7000 
das erste Glied der Reihe an der Spitze zeigt Ans dem" 
selben Grunde liesse auch 800 und 900 sich hierher stellen. 
— Die Zahlen stehen vereinselt. Charakteristisch ist, wie 
sechsundvierzig mit Hilfe von zwei Reihen typischer Zahlen 
umstrichen wird. Ebenso wird die historische Jahreszahl 973 
auf 1000, 7 und 20 zurückgeführt; und Eadg. 18—20 wird 
wenigstens von 29 zu der typischen Zahl 30 geeilt. (Ganz 
ebenso zerlegt die arabische Poesie 11 in die typischen Zahlen 
7 und 4: Freytag Arab. Verskunst S. 609). — 

An die zusammengesetzten Zahlen erinnert die Zahlen- 
häufung einn 4t oxa, Atta laxa, kräsir allar drakk s&Id {>ijü 
mjadar |)r. 24,4 — 9. Selbst hier jene charakteristische Scheidung: 
das Essen mit einer Zahl aus der Zweierreihe, aber das Trinken 
mit einer aus der Dreierreihe, denn es hat den Grermanen 
(und welchem Volk nicht?) immer höher gestanden als jenes. 
Doch hat sicher auch hier die Assonanz mitgewirkt. — 

Eine besondere Art der Zahlenhäufung ist die ungemein 
häufige Anordnung nach vorausgeschickten Zahlen. Bergmann 
(La priamöle) und namentlich Wendeler (De praeambulis 
eorumque historia) sind geneigt, alle solche Fälle unter 
die Rubrik »Priameln« zu schieben, was mir unrichtig scheint; 
aber eine innere Verwandtschaft besteht gewiss. Natür- 
lich sind bei solchen Zählungen nur die Endpunkte zu 
bemerken. 

Drei: Grim. 28.1—3. 31,4—6 Häv. 63,4—6 und 130,9 
Saem zu H. H. U 12,4 Sinf. 2 Reg. 21,1—22,1 Fäf. 32—38 
Saem. Seefahrer 68. — Sechs: Crist 720—36 

Zehn: Fäder larc\'idas 1 — 76 



87 

Ell: Grim. 6,1—16,1. Sgdi. 21,1—37,1 

Zwölf: Val. 20,1—42,1 

Achtzehn: Häv. 144,1— 162,1. Doch geht nach Müllenhoff 
D. Alt. 276 die alte Zählung hier nur bis Tiereehn, was denn 
ein zweiter alter Beleg für die Siebener-Reihe wäre. Im Uebrigen 
Btümnt allee zu unsem bisherigen Beobachtungen: drei die 
älteste und verbreitetete t^'pische Zahl, seche jünger und nicht 
altn., zehn die nur age., elf die nur spät-altnordieche formel- 
hafte Zahl. Höchstens könnte die zwölf der VaiJnruSniamil 
auffallen. Hier aber scheint ganz besonders künstlicher symme- 
trischer Aiifbau, nicht der allgemeine Brauch, die Zahl becFÜmmt 
zu haben (vgl. Müllenhoff D. Alt. 239—41). — 

Diesen Aufzählungen steht noch die Klimaz long er nött, 
langar'ru tvaer, hve um {ireyiak ])rjÄr Skim 42, 1 — 3 nah«; 
femer die vereinzelt« Numerirung Ej'mödr |>ridi GxxÜ U 19,3. 
Beide stehen auf der Dreier-B^e, die die der Zweier hier ganz zu 
überwiegen scheint. Setzt diese Art der Zählung doch immer 
schon einen höheren Werth der so bewahrten Dinge voraus, was 
besonders von den Sprüchen (wie in den HAv.) gilt; und deshalb 
werden nie zwei Dinge mit Zählung ausgehoben, was z< B. 
H4v. 68, 1 — 3 sehr wohl anginge. — 

Brüche. 
Bis auf den einen Fall ^verilu ^ir ^rött sinn at J>ridjungi 
Hamd. 16, 5 — 6 handelt es sich überall um denselben ein- 
fachsten Bruch-, ein halb, 
hilf hynött Sk. 42,6 

mundu um vinna verk hälft vid mik ^m. 26,2 
hÄlfan val hön kyss bverjan dag, en hAlfauOdinn ä Gr. 14,4 
med hälfum hlei£ HAv. 52,4 
hölf er old hvar Häv. 63.6 



88 

h^ er Mdr mid hTgtom H&t. 59,6 

Jiö er . . . UUa flein vigüA kommp H. H. I, 183 

hefir hA Hd hilf» Ailm. 52,8 

hfigmn Tör hilft yikjmn Ailm. 58,5 

hilfa högügra Ailm. 67,8 

hilft gekk til hdjar Aihn. 94,7 

vgl aoch ^ at hdn heldr yita hiUa ikTldi Oddr. 85,8 

fremr var {mM hilfa HamA S,6 healle |y sf«ln Met 
12,9. 
Bigenilich tihlend sind nur die SteDen Gr. 14,4 AÜm. 
52,3 und 94,7. Sprichwörtlich steht das Wort in den Skfm. 
und beidemal in den BAv. sowie, in gans abgeeehwiohtsr Be- 
deutung, Athn. 67,3 und in den xuletrt angefflhrten FUleBu — 
Die Vorliebe, die die allerspfttesten Lieder flir hilf haben 
ist augenscheinlich. Ueberhaupt verwenden diese beeonden 
gern Zahlen; das ist Spielmannsart (Piper Die Spielmaimadich- 
tung S. 65). Unter den älteren sind sie nur in den Skim. 
nicht selten, denn die Orim.sindzudiesenwohlnichtsu rechnen. — 
üeber die (zum Theil abweichenden) Zahlen der Strrqphen* 
gruppen vgl. § 24. — 

In besonders augenfilliger Weise zeigen grade die Zahlen- 
angaben, wie wichtige Mittel für die Kritik selbst die unaohflin- 
barsten Formelarten abgeben können. So hat ten Brink 
(Q. F. 62,111) die Neigung zu bestimmten Zahlenangaben als 
ein Werkzeug der höheren Kritik verwandt; aber wir glauben 
hier zuerst gezeigt zu haben, dass auch die Qualitftt dieser 
Angaben zur Bestimmung des Alters sich verwerthen lässt 
Vielleicht liesse sich über die Zeit, in der die verschiedene 
typischen Zahlen herrschen, mit Hilfe der Archäologie und 
der Rechts- und Culturgeschichte noch Sicheres feststellen. So 
paset zu unserer Datirung der Fünferreihe, die wir in noch 
gemeingerm. Zeit setzen, die Angabe, dass die Decksteine der 



Sondgiäber im Steinalter gewobnlich aof fünf Tragsteinen 
ruhen (Woraaae DäuemarkB Vorz^t Übe. von Bertelaen S. 66). 
Die jüngere Sechserreihe, wahrscheinlich aub den biblischen 
Zwölfem absuleiten, hat im BnsBensystem der Lex Bibuaria die 
altere Fünfermhe d^ Lex Salica verdrängt (Brunner Rechts- 
geechichte S. 305). Fttr Untersuchungen solcher Art bietet schon 
allein die reiche Zusammenstellung in Cap. V der Rdcbtaalter- 
titümer hinUi^chen Stoff. Was wir über drei und neun sagten, 
bestätigt sieb dort vollauf; vier und acht aber sind selten im 
Rechtsgebrauch : sie werden fast nur für leblose Dii^ ver- 
wandt, und so bleibt aacb hier der Dreierreihe die vornehmere 
Stellung. Die Siebener-Reihe ist stark vertreten, die Fünfer 
nur schwach; von den grösseren Zahlen ist 40 die mächtigste. 
Diese Zahlenangaben dringen dann überall ein; wie charakte- 
rietiBch ist es I. B., daes in dem altecbwediecben Volkslied 
vom gestohlenen Hammer (Talvj Charakteristik der Volkeheder 
germ. Nationen S. 284) die «acht Rastent der ^rynisquilKi 
durch ifünfzehn und vierzig Faden« ersetzt und die «acht 
Nächte«, die sich Jtiyms Braut nach ihm gesehnt haben soll, 
verdoppelt sind! — Das Volkshed hält noch bis heut die un- 
geraden Zahlen (Grinun R. A. I 206) fest (Böckel, Volkslieder 
ans Oberhessen S. CT), während sogar in die volksthümüchen 
Bpen die höfisdie Vorliebe für die biblische Zwölf eindrang 
(vgl. t. B.'du M^ Po^es pop. lat. antMeures au 12 eätele 
S. 388,4). 

Hit historischer Erklärung wird auch hier weiter zu kommen 
mn, als mit Zahlensymbolik, obwohl diese kein Geringerer als 
Goethe selbst den biblischen Zahlen 7 und 40 zugewandt hat 
(Zum westöfltlichen Divao Ausg. 1. H. 6,181). Ich kann hier nur 
auf Nagele, Zablensymbolik (Programme der k. k. Oberrealschule 
in Marburg 1886 und 1887) sowie auf die Literatur bei Böckel 
(aao.) und Bruchmann (Psychol. Studien zur Sprachgeschichte 



90 

S. 260) Ytmfmmia. Nor der Vwgliwohnng W9g&a flilm idi hkr 
die typieohen 74ihlftnreihen einiger lodeier Poerien anf : he h t li ec h 
7, 13, 40; indiflch nebeoeixiisder die Dratemrilie (Eaegi, Dar 
Rig^eda AnnL 117), die Fünfer (ebd. Anm. IM) und die 
Zehner (ebd. Anm. 841, vjg^ Bruchmann aao.); griecUadi Dreier ^ 
und Zehner; iriech aber 17 und 50 (Zimmer, Za. 1 vjg^ Sprach' 
forschg. 28, 445^7). — Daea Untecachiede in Beaog auf 
Zeit und Anwendung sich auch hier heranaatellan, iat aehr 
wahiacheinlieh; man mOaste natüilich auf die ZUdmethodeo 
und die ISahlworte aelbat lurückgdien, um die Grundlagen 
2U prttfen. An der uralten aymboliachen Verwendung yoa Drei 
und damit von Neun iat am wenigaten xu iweifdn. — 

In der höchaten Potens xeigt sich die Aualeae bedeutnmer 
Zahlen beim Zaubern und Segnen. Ich atelle dieae Zahlen- 
angaben deshalb hier noch zusammen, obwohl sie groeaentfaeOa 
in proeaischen Anweisungen stehen: 

zwei: Sgdr. 6,6. 

drei: Sldm. 36,2, auch Vgl. 26,7 — ags. Zauberaegen 
Greiner-Wülcker S. 314 (mehrmals) und 316; 820,4 und 822,48 
— MSD R*" 5 zu B, 6 und 7. Altdeutsche Segen her. von 
Scherer, fast allemal. — 

vier: Grein-Wülcker S. 312 — Ruodlieb V 104r— 5. 

fünf: mit minen fünf fingirin funvi undi funfzio engOi 
MSD IV 8. 

sieben: Grein-Wülcker S. 326 

neun: Neunkräutersegen ebd. 320 (oft) — MSD IV S; 
auch H. Hi. 16,4. 

fünfzehn: Ruodlieb V. 125 

dreissig: Grein-Wülcker S. 320,4 und 322,43 

tausend: ebd. 329,19. — 



91 

§ 5- Zeitangaben. 
AbniMhen ist hier von den ganz allgemein gehaltenen 
Zeitangaben su Anfang der Gedichte ix vae alda u. ä^., die 
unter den Eingangaformeln zu besprechen sind ; femer hier wie 
immer von allen Angaben, die einem übersetzten Original nicht 
germanischen Ureprange entstammen. Andererseit« habe ich 
aber auch hier wie in der ganzen Arbeit von Gedichten von 
deutacbem Ursprung aber in lat«inificher Sprache (wie Walthariue 
und die Gedichte bei Saxo) nur ausnahmeweise Gebrauch zu 
machen gewagt, weil dort immer Einwirkung fremder Form 
und fremden Vorbilde möglich ist. So steht z. B. die Zeit- 
angabe quater denoe Bol circumflezerat orbee (Walth. 428) auch 
der Zahl nach vereinzelt und könnte das Bild der echtgerma- 
nischen Daten trüben; dasselbe gilt von den drei Wochen im 
Ruodlieb (TV' 43.61) u. a. — 

A. Zeitangaben mit Zahlenangaben verbunden. 
Schon auB dem vorigen Paragraphen ist zu ersehen, wie 
viel seltener t^ieche Zeitangaben in der ags. Poesie sind als 
in der altn. Es ist femer ersichtUch, daee die neuen Reihen 
formelhafter Zahlen eich von den alten hier noch schärfer ab- 
heben als in anderen Zahlenangaben. In der ags. Poesie zeigt 
keine einzige Zeitangabe ein Ghed der beiden alten Reihen; 
nur Zehner und namentlich Fünfer. Solche zeigt wieder in 
bestimmten Zeitangaben (denn imi solche handelt es sich H&v. 
51,3 und 73,9 nicht) kein älteres EddaUed (wohl Gud. II, Oddr., 
und einmal auch schon Härb.); vielmehr sind diese an Zahlen 
besonders aus der Dreier-Reihe reich, doch auch die Zweier 
sind nicht selten. Neun und acht sind hier am häufigsten; 
dass zwei und vier ganz ausfallen, erklärt eich aus der gröeseren 
Behebtheit längerer Fristen. Endlich sieben ist vorzugsweise 
späteren EddaUedem eigen, gehäuft GuA. H, 35. 



92 



Zahlen über fünfzehn (H. H. I, 10,4) sind hier aiiMchU< 
lieh in der ags. Poesie zu finden, da aber in weiter Aus- 
dehnung: 30, 50, 300, 1000; dazu nur eechezig im Hüdebranda- 
lied. Also auch hier jenes Herausschreiten über den eng be- 
messenen Kreis der alten Anschauungen, welches schon in der 
heidnischen Poesie der Angelsachsen auf die Aufnahme des 
Chiistenthums vorbereitet. — 

Interessant ist es auch, die Benennungen dieser Zeit- 
angaben zu betrachten. Völlig unzweifelhaft ergiebt sich als 
alt ausschliesslich die Zählung nach Nächten und Wintern. 
Denn finmi daga Hiv. 51,3 und 78,9 (auch hinsichtlich der Zahl 
vereinzelte Stellen) ist keine Fristbezeichnung. Eine solche aber 
in Tagen ausgedrückt zeigen nur späte altn. Lieder und ags. 
Gedichte (Gud. n, 13,2 und Fin. 41 mit fünf, Gud. ü, 36 mit 
sieben, Beov. 3160 mit zehn). — Ersetzung der Zählung nach 
Wintern durch Zählung nach VoUjahren findet in unsem 
Liedern nirgends statt. Wohl aber geschieht der erste Schritt 
dazu in der pleonastischen Angabe des HüdebrandsUedes. Diese 
findet sich ntm übereinstimmend, nur ohne bestimmte Zahl, 
im Heiland: 

ih wallöta sumaro enti wintro sehstic Hild. 50. 

thie habda an them uuihe so filo uuintro endi sumaro 
gUibd an them leohta Hei. 465. 

Die letztere Stellung ist offenbar die ursprüngliche (während 
bei Homer es gerade immer 9ipo^ xai dTuopfj heisst, nicht 
umgekehrt Schnorr v. Carolsfeld, Verborum coUocatio homerica 
quas habeat legee Berlin 1864 S. 42). Und wohl nur weil sumaro 
typischer Versschluss geworden war, geschah im Hild. die 
Aenderung, die die Zahl sechszig vielleicht erst des Reims 
wegen in den Vers brachte. So heisst es auch Vaf. 26: 
hvadan vetr um kom eda vannt sumar, während doch Vaf. 24 



der Tag vor der Nacht genannt wird; Alv. 31 stdit äberhaupt 
nur die Nacht. 

Auch cbrietlicbe Gedichte zählen »ehr oft nach Nächten 
vgl. Grein Sprachschatz II 385 s. v. neaht. 

Wir wissen, dase die Zahlung nach Nächten bei den Ger- 
manen uralt ist: nee dierum numerum . . . eed noctium com- 
putant. mc conatituunt, mc condicunt: nox ducere diem videtur 
(Tadt. Germ. 11, 7, vgl. MüUenhoff D. Alt. 267). Uebrigens 
ist dies wohl sogar die altidg. Art der Zählung (Schrader Sprach- 
vergleichung und Urgeechichte S. 57. Bei den Italienern hat 
de räch hie in unser Jahrhundert behauptet: Goethe Stunden- 
maafis der Italiener Aueg. 1. H. 28, 171). DasB dem die Rech- 
nung nach Wintern entspricht ist klai. Erst nach der Tren- 
nung Bcbeinen die Crermanen des Continents dae Zeitmaase zum 
Jahr vervollständigt zu haben (vgl. Schrader aao. 58). Eine 
Vorstufe zu dieser Rechnungsweise begegnet uns in späten altn. 
Liedern. Hier nie in den Stellen des Kel. und des HÜd. tritt 
für die Repräsentation des ganzen Jahres durch die eine Hälfte 
die Zerlegm^ in zwei Theile ein; aber wenn dort die beiden 
Halbjahre benannt werden, steht hier das blasse missen (Gud. 
I, 8, 6; Gud. II 13, 6 und Saem. zu Gud. I 27 vgl. Gud. I 
9, 3). Doch nähern wir uns hiermit schon den Zeitangaben 
ohne Zahlen, die fast nur in eddischen Stücken formelhafte 
Art zeigen. 

Zwischen der Verwendung mit und ohne Zahlen schwankt 
der Gebrauch von >Monat<. Doch bedarf die vereinzelte Zäh- 
lung mit Monaten Rig. 6, 6; 20, 6; 33, 6 keiner Erklärung. 
Sonst steht das Wort allgemein zur Bezeichnung einer längeren 
Frist (Skim. 42, 6—8; HAv. 73, 10, beidemal kurzen Zeiträumen 
entgegengesetzt). Dazu kommen die historischen Daten Edg. 
25 und 28; ebenda 8 sogar genaue Bestimmung eines Tages. — 



94 



B. Zeitangaben ohne Zahlenangaben. 

I. Absolute Zeitangaben 

Tageszeiten (vgl. Weinhold Spieilegimn formularum S. 10) auf- 
gesählt Vol. 9, vgl. Vaf. 24—25. 

Tagesanbruch: vgl. J. Qrimm xu Andr. u. EL XXXVI. 
Morgen: naer momi HAv. 100,1 
i xnorgun H. Hi. 39,1 
litlu er lysti Athn. 29,1 
dags var heldr snemma Athn. 64,2 
morginn er nü Athn. 65,5 
kt um morgin ELamd. 1,5 
on morgentid, {>onne däg lixte Beöv. 485 
on morgen Beöv. 837. 2484 Güth. 1192. 1217 
syddän morgen com Beöv. 1077 (aer {)on 

däg cvöme B. 731) 
siddän morgen bid B. 1784 
Der folgende Tag ist gemeint äi morgin Athn. 84,5 
Jeden Morgen: morgin hvem Vaf. 14,5 

hverjan morgin Gud. I 9,8 
morgun hverjan Fragm. 1 (Edda Hilde- 
brand S. 302, a, 30) 
moma gehvylc^ B. 2450 
Mittag; at uppverandi sölu Härb. 58,2 
Abend: at aptni Hym. 16,6 
naer aptni Hdv. 97,1 
var |)at at kveldi um komit snenmia |)rym. 

24,1 
{)rungin dagr Rig. 11,8 
dagr var ä sinnum Rig. 31,10 
um kveldit Saem. zu H. Hi. 30,9 
um aptan Saem. zu H. H. II 38 



95 

annan aptan Saem. zu H. H. II 48 
|>at Bama kveld Reg. 13 Saem. 
aptan dags Sig. sk. 6,2 
nü er ok aptann Atlxn. 86,7 
OD uhtan Beöv. 126 Klage d. Frau 85 
|)ä vä8 däg sceacen Beöv. 2806 
Spät am Abend: fram var kvelda Brot. 12,1 

fyr dag litlu 6ud. II 48,7 
Beim Anbruch der Nacht: syddan niht becom B. 115 

öd })ät niht becom B. 2116 
femer vgl. J. Grimm zu Andr. u. El. XXXVI 
Jeden Abend: aptan hvem Sig. sk. 8,4 

uhtna gehvylce Wand. 8 
uhtna gehväm Rät. 61,6 
Julabend: iola aptan Saem. zu H. Hi. 30,6 
In der Nacht: nött ^t risat Häx. 111,5 

ä nättum Hyndl. 47,6 
on vanre niht Beöv. 702 
on niht Beöv. 575. 683 
nihtes B. 422. 2273. 3044 
In der ersten Nachtwache: ina fvrra hlut naetrinnar Saem. 

zu H. Hi. 11,12 
Jede Nacht: nihta gehvaem B. 1365. 

Combinirte Zeitangaben: vakir tun allar naetr . . . |)ä er mödr 
er at momi k^mr HAv, 23, 2 — 5. — morgin mest väga unz 
midjan dag liddi, öttu alla ok gndurdan dag Athn. 50, 1^-4. 
Das plötzliche Eintreten von Morgen oder Abend wird 
öft^^ hervorgehoben, so })rym. 24, 1, Atlm. 64, 2 u. ö. 

Oft hebt ein Contrast die Tageszeiten hervor: Vgl. 9, V^if. 
24 — 25; femer sind Morgen und Abend contrastirt Reg. 25, 
3—5, Atlm. 78, 5—7, aber auch Häv. 97, 1—100, 1, Atlm. 
65, 5 — 76, 7. — Tag und Nacht werden zu einer häufigen 



96 

Zwillingsformel verbunden 8. u. — Tag und Abend H&y. 80, 1, 
vgl. auch Hamd. 29, 7. — Nacht und Morgen Hiv. 28, 2—6. 

Wie Edg. 8 der Tag wird B. 1600 die Tagesstunde nach 
lateinischer Bezeichnung angeführt. — 

In der älteren Zeit herrschen die einfachen Worte; mehr 
und mehr werden sie durch Umschreibungen ersetrt (Athn. 29, 1 
64, 2 für den Morgen, Rig. 31. 10, Beöv. 2806 fOr den Abend) 
oder wenigstens durch überflüssige Zusätse verstärkt (8ig. sk« 6, 2). 
Zwischen den beiden jüngeren Formen steht wohl auch histo- 
risch die Verbindung derselben wie Beöv. 485 — Die Umschrei- 
bungen, die sich auf Einbruch der Nacht imd Aufsteigen des 
Tages beziehen, hat J. Grimm zu Andr. u. El. XXXVI gesammelt 

n. Relative Zeitangaben. 

Eine Stunde : stund er til stokksins, onnur til steinsins Härb. 56, 34 
Den Vormittag lang: morgenlangne däg Beöv. 2894 
Am selben Tag: föru drjügum dag {)ann fram Asgardi fr&Hvm. 7,1 
Ein voller Tag (vgl. Weinhold Spicil. S. 17): gerstan dag Sk. 30, 2 

sat um allan däg Sig. sk. 13,4 
andlangnedägB. 21 1 5, Athel.21, An. 819, Guth. 1251 
Ein voller Sommertag: sumorlangne däg KL. 37, Jul. 495 

sumurlange dagas Alf. Met. 4,19 
vgl. auch hvi |)ü enn sitr . . um daga Sk. 3, 4 — 6 
Ein voller Tag oder eine volle Nacht (12 Stunden): 

einu doegri mer var aldr um skapadr Sk. 13,4 
doegrs eins gamall H. H. I 6,3 
doegr eitt er ])er daudi aetladr Grip. 25,7 
vgl. auch foedi ek {)ik ä morgun Harb. 3,2 
Eine volle Nacht: eina nött H. Hi. 24,4 

einnaettr adj. Vol. 33,8, Veg. 11,4, Hdv. 85, 3 
ondlangne niht B. 2938, An. 1256, Guth. 126 
ymb äne niht B. 135 



97 

Zwei Tage und zwei Nächte: k |>ridja momi Hyndl. 46, 6 
Wenige Nächte: fAra n&tta Qud. n 43, 6 
Viele Tage: do^r mart eaman 8ig. Bk. 2, 6 
Alle Tage: um alla, daga Qriin. 7, 5 
Ein Vierteljahr: mit dem folgenden verbunden Säv. 60, 6. 
Ein Halbjahr: ein mieseri Gud. I 8, 6, v(^. 9, 3; ferner mÜ 
ok mieeeri Hiv. 60, 6 (vgl. G«ring e. t. mAl 1, 2 S. 108) 
Einen Winter lang: vetrl&ngt H. Hi. 8 Saem. 

Selten ist die Rückzählung: gystnm niht Beöv. 1334 — 

Hier überwiegt der Tag als ZeitmaasB die Nacht bei weitem, 
doch liegt dies einfach daraji, dasE die meisten Thaten bei Tag 
vollbracht werden. — 

Auch hier lieee ich viele unoriginale age. Zeitangaben wie 
z. B. Ex. 346 ausser Acht. Sie sind übrigens mit Hilfe von 
Greins Wörterbuch, auf dae ich anch für ähnliche spätere Fälle 
verweise, leicht zu finden. — 

Zunächst drängt sich wieder die Beobachtmig auf, wie die 
Zeitangaben an Häufigkeit zunehmen. Am dichteeteu sind eie 
in den Atlm. geaäet, dicht auch in den eddischen Proeastücken, 
besonders zu H. Hi. Dae ist eben wieder eine Liebhaberei der 
Spielleute (Piper, Spielmannsdichtung S. 64) Die Häufung 
Atlm. 50 ist also für die5 spielmannsmäSBige Lied bezeichnend.' — 

Von den absoluten Zeitangaben scheint wieder der Abend 
in älteren altn. Liedern, der Morgen in jüngeren altn. und ags. 
besonders behebt. Wieder ist dem entsprechend da« Rechnen 
nach Nächten (H. Hi.) älter als Abb nach Tagen (Sig. sk-, doch 
auch Skim.) und ebendeshalb die letztere Angabe in den „mo- 
dernen« ags. Gedichten häutiger. Eine Zwischenstufe ist wieder 
die Summirung im altn. doegr, ganz dem »Sommer und Winter«, 
das zTi-ißchen »ein \\'inter« und »ein Jahr* steht, analog. — 
Hiyer, AltgtinaaUoli* Po«d*. 7 



98 



§ 6. Geräusch- und TonbexeichnungexL 

Die reichhaltige Arbeit Wackemagels nimmt auf die altgerm. 
voces variae animantium verhältnissmäseig wenig Rücksicht; es 
sind nur mhd. und nhd. Lautnachahmungen, die er aufxählt 
(Voces variae 23 f.) und etymologisch erklärt (16 f.) Die schöne 
Behandlung, die er seinem Gegenstande zu Theil werden liess, 
macht es doppelt bedauerlich, dass für eine der altgerm. Poesie 
viel allgemeiner als der späteren deutschen Dichtung eigenthüm- 
liehe Erscheinung ein gleich gelehrter und sinniger Interpretator 
sich nicht gefunden hat. Ich wüsste nicht, wo die eddischen 
Tonbezeichnungen auch nur erwähnt worden wären. Nur die 
häufigste Verwendung dieser Tonbezeichnungen, die bei der 
Kampf Schilderung, hat Weinhold angemerkt: agmen splendens 
et tonans advehitur (Spicil. 22); sie klingt auch durch das lat 
Epos vom Walthari hindurch (J. Grimm, LAt. Gred. S. 76; in 
ahd. Resten finden wir aber von Geräuschworten nur har^n und 
hlütjan). Freilich hat Grimm selbst angeführt, dass dies alt- 
episch ist, und altepisch ist es deshalb, weil das Epos inmier 
das hervorhebt, was die Zuhörer am meisten interessirt. Von 
früh auf hat aber nichts so des Menschen Aufmerksamkeit 
erregt, wie Geräusche: keine Wurzelgruppe der Urzeit scheint 
stärker als die, welche M. Müller (Das Denken im Lichte der 
Sprache S. 582 X. 119a und b) unter der Rubrik »Laute von 
sich geben« zusammen fasst (vgl. Bruchmann Psychol. Studien 
zur Sprachgeschichte S. 299); und noch im Nhd. fand Jean 
Paul keine Klasse von Synonymis so wortreich wie die des 
Schalls (Vorschule zur Aestethik Werke 18, 366 Anm). Die 
Häufigkeit dieser Worte für alle Nuancen des Hörbaren ent- 
spricht also durchaus einer frühen, naiven Bildungsstufe der 
altgerm. Sänger und ihrer Zuhörer, und ihr Schwinden beweisst 
von neuem für «lie ags. Dichtung, dass hier ein früheres Reifen 



99 

und selbst schon Verwelken eingetreten war. Dass aber mit 
der Mannigfaltigkeit der Termini nicht zugleich die häufige 
Erwähnung der Greräusche schwand, dass sie sogar noch zunahm, 
hat seinen Grund in der epischen Wirksamkeit: «geräuschvolle 
Bewegungen stellen sich der Phantasie lebhafter dar, als geräusch- 
lose und leise« (Viehoff Poetik S. 181), und das wussten die 
klugen ags. Epiker wohl (vgl. Heinzel S. 26). 

Um diese Abnahme von den altn. zu den ags. Liedern 
merklich zu machen, trenne ich beide Gruppen. 

Altn. Geräusch- und Tonbezeichnungen. 

blasa: hdtt blaess Heimdallr Vol. 47, 5 

dynja: foldvegr dundi Veg. 3, 6 Qadrhanu: dundi |)r. 4, 6 
(ähnlich Hei. 5796 f : quam engil . . . faran an fetherhamon . . . 
thiu ertha dunida vgl. Vilmar Alterthümer im Heliand S. 14) 
boer allr dundi Brot. 8, 2. — dynr Subst: fyrr mun dölga djTir 
H. H. I 21, 3 dynr vax 1 gardi Akv. 33, 5. 

eiskra: gengu or gardi gorvir at eiskra Hamd. 12, 1 

emja: emjudu ülfar Atlm. 23, 7 

fnasa: vreid vard {)ä Frevja ok fnasadi |)r. 12, 1 

gala: göl um hänum . . . hani Vol. 48, 5. 44, 1 tunga . . . 
opt s^r ogött um gelr Häv. 29, 4 galandi kräku Häv. 84, 4 
svä ek gel HAv. 147, 4 undir randir ek gel Häv. 154, 4 (car- 
mina . . . obiectis ad os scutis Tac. 3, 3 f. vgl. Müllenhofi de 
poesi chorica S. 19 Wackemagel Lit. Gesch. 3, 10) er göl J)jödroerir 
Häv. 158, 2 afl göl hann äsum Häv. 158, 4 om göl ärla H. Hi. 
6,5 rikt göl Oddrün, rammt göl Oddrün Odd. 6, 5. 

geyja: gejT Garmr mjok Vol. 45, 1 u, ö. rakkar |)ar renna, rä- 
dask mjok geyja Atlm. 24, 1. 

gjalla: |)at er arar gullu H. H. I 1, 2 gullu vid gaess i 
tüni Gud. I 16, 5 = Sig. sk. 29, 7. J)ä heyrir |)ü hraina gjalla, 
omu gjalla Gud. II 8, 3 hvelpa losna, glaums andvana gylli 
bädir Gud. II 42, 2 strengir gullu Odd. 27, 8 af geiri gjallanda 
Akv. 5, 3. 7* 



100 

glaumr Subst: glaums andvana Gud. 11 42,8 glaainr var 
i hoUu Hamd. 19, 1. 

glymja: gluxndu jgklar Hym. 10, 6 en |>ar svalar knega 
unnir yfir glymja Gr. 7, 2 glumdu strengir Akv. 32, 9. — 
glymr Subst: ok jäma glymr H. H. I 28, 2. 

gnyja: gnyr allr jötunheimr Vgl 49, 3 — gnyr Subrt: öz 
geira gnyr H. H. I 55, 3 gnyr var at heyra Gud. 11 4,2 gnyr 
und gudvefjum Akv. 39, 3. 

grata: Frigg um gret Vol. 34, 5 brüdr gr&tattu H. m. 41, 2 
graetr {)ü . . . grimmum tarum H. H. 11 44, 5 {>eygi Gudrun 
grä,ta mätti Gud. I 5, 1 |>ä gret Gudrun Gud. I 16, 1 gr&tendr 
Akv. 12, 3 gretu bom Hüna Akv. 39, 4 gretu {>eygi Atlm. 74, 4 
svaeru leztu ![)ina sitja opt grdtna Atkn. 93, 7 okkr skaltu ok, 
Gudrun, grata bäda Hamd. 10, 5 |)Okk mun grita Fragm. 5, 4 
[Edda HUdebrand S. 304, a, 4] 

hixta: medan i ond hixti Atkn. 40, 4. 

hlakka: ari hlakkar Vol. 51, 6. 

hlymja: hreingälkn hlumdu Hym. 24, 1. — hlymr Subst: 
hvat er I[)at hlymja er ek heyri nü til Sk. 14, 1 hlymr var 
at he}rra Odd. 25, 5. 

hrikja: hätt hrikdu grindr Atlm. 37, 5. 

hrynja: Idtum und hänum hrynja lukla I[)r. 15, 1 hrynja 
hänum |)ä a hael |>eygi hlunnblik hallar hringi litkud Sig.sk. 69, 1. 

kalla: hverr er sa karl karla er kallar imi väginn Härb. 2, 2 
hrafn at meidi hätt kalladi Br. 5, 3 koUara ![)ü sidan til knjä 
{)inna Erp ne Eitü Akv. 38, 1 — 3 (öfter in den Bedeutungen 
»nennen^ und »rufen« s. Lünings Wb. u. d. W.) 

klaka: und kvemum klaka Lok. 44,6 at igdiir klokudu ä 
hrisinu Saem. zu Fäf. 31,11 — klok Subst: klok nam fugla R. 45, 1 

klokkva: kostir' ru betri heldr en at klokkva se Sk. 13, 1 
kostid svd kepfa at klokkvi Gudrun Atlm. 55, 5 klukku J>eir 
karlar Atlm. 63, 5. 



101 

kvaka: fuglinn kvakadi H. Hi. 13 Saem. 

kveda: hrain kvaS at brafni H. H. I 5, 5 fuglinn kvad 
fi. Hi. 14 Saem. — Ausserdem natürlich unzählige Mal vom 
Sprechen der fdpoTctQ ä^pafTtoty was nicht hierher gehört. 

oepa: oepandi nam Hä,v. 138, 5 oeptu at Loka Lok. 14 
Saem. ülfi haera mun ek |)ik oepa munu HÄrb. 4 7, 4 oepdi 
ill{)raeh Atlm. 60, 3. 

rj'mr Subst.: Uddi randa rym H. H. I 18, 3. 

ryta: rytanda svini Häv. 84, 5. 

skella: en ä haelmn hringar skuUu Hym. 34, 6. 

(skraek Subst.: Pragm*. 304a 36 gehört jüngerer Prosa an). 

skraektun Subst.: heyra ä |)Ä skraektun Atlm. 61, 8. 

stynja: stynja dvergar Vol. 49, 5. 

syngva: nema sjalfum J>6r syngvi um hof4i (J)at sverft) 
H. H. n 31, 8. — songr Subst.: väpnsongr virda Akv. 33,7 
afkärr songr virda Akv. 39, 2 hjä songvi svana Fragm. 2, 23 
[Hüdebrand S. 303, a, 23] (vgl. MüUenhoff D. Alt. I 2). 

J)jöta: holkn Jutu Hym. 24, 2 Jytr I)und Gr. 21, 1 ef 
|)ü |)jöta heyrir ülf Reg. 22,2 varga |)jQta Gud. H 8,7 1 homum|)aut 
Hamd. 19, 6. — I)ytr Subst. : ülfa I)ytr Fragm. 2,21 [Hilde- 
brand S. 303 a]. 

J)ruma: J)ött lüdr I)rumi H. H. TL 4,2. — J)rymr Subst. : J)r}Tnr 
var älma H. H. I 17, 8 |)rymr um oU Ignd orlogsimu Reg. 14, 7. 

vargljod Subst. : vargljodum vanr H. H. I 42, 3. — väpn 
songr Subst. Akv. 33, 7. 

ymja: ymr it aldna tr^ Vol. 48, 3 umdu olskAlir Akv. 
35, 1 — ymr Subst.: vard ära ymr H. H. I 28, 1 ymr vard 
A bekkjum Akv. 39, 1. — 

Wir haben hier für Ton- und G^räuschbezeichnungen acht- 
undzwanzig Verba und vierzehn Substantiva. 

Ags. Greräusch- und Tonbezeichnungen. 

bearhtm Subst.: ic on J)i8se byrig bearhtm gehyre Q^n. 
2406 h^ht . . . ymbvlcigean verodes bearhtm^ mid älfere 



Aeihanes bjrrig Ez. 63 f. bearhtmA stdpon td |muqi gyst — eme 
Ju<L 39 hie bearhtm ongeaton güdhom galan Beöv. 1431 mid 
bearhtmd El. 866 — breahtm: ^ veard breahtm häfen GAih. 
233 breahtem äfter breathme GAth. 1299 brimgierta breahtm 
Rät. 4,26 ne magon I>am breahtme byman ne homas u. 8. w. 
Phon. 134. — Beide Worte wie beorhtm und byrhtm scheineir 
an andern von Grein gesammelten Stellen mehr die Bedeutung 
tumultus als strepitus zu besitzen. 

blavan: hated hie böman blavan Sat. 602 f)onne englas 
bliivad byman on brehtme Cr. 881. — äblavan: naefre mon 
{>äs hlude hom äy{)ted ne byman äblaved Dom. 110 

cigan: in der Bedeutung »rufen« zwanzig mal s. Grein u. d. 
W.; dazu cögan B. 104, 1 und äcigan B. 3121 El. 603 

clynnan: campvudu clynede El. 51. — 

cyrman: ongunnon cohhetan, cirman hl&de Jud. 269 lade 
cyrmdon Ex. 461 cirmdon caldheorte An. 138 sva vilde deor 
cirmdon on cordre Guth. 879 ic hlüde cirme Rät. 9,3 hlüde 
cirmad Rät. 58,4 {>eät he hlüde steine ne cirmde Rät. 49,3. — 
cyrm Subst.: dreizehn Stellen s. Grein u. d. W. 

dreäm Subst.: in tonbezeichnendem Sinne elf mal s. Grein 
u. d. W. 

dynnan: hljrnede and dynede Jud. 23 dynedan scildas 
Jud. 204 djrned deop gesceaft Cri. 931 dyned upheofon Dom. 59 
drythsele dynede B. 767 healvudu dynede B. 1317 hruse dynede 
B. 2558 buruhj)elu dynede Fin. 30 hleodor dynede An. 740 
|)onne rand dynede El. 50 hleödor dynede Reim. 28 

galan: hräfen uppe göl El. 52 ungöd gäled Rät. 21,35 
siddan J)u gehyrde galan geäc on bean^e Bo. 22 hie bearhtm 
ongeaton güdhorn galan B. 1432; mit füs — fyrd — gryre 
— hearm — sige — sorhleod (vgl. Heinzel Q F X 23) zehn- 
mal s. Grein u. d. W. — he gliövordum göl Met. 7,2 ic galdor- 
vordum göl Reim. 24. — Dazu agalan mit sechs Fällen. 



103 

gilp Subst. Bcheint nicht eigentlich zur Bezdchnung von 
Greräuschen verwandt 

gykn: hü se stiAmoda st^ninde and gylede Jud. 25 

hlenunan: he ymbe {)a herehüde hlemmed tögädre grimme 
göman Wal. 61; ebenso bihlemann Wal. 76. 

hlimman: hlüde hlummon Jud. 205 |)är ic ne gehyrde bütan 
hlimman sae Seef. 18 garsecg hlj'mmed An. 392 hvälmere 
hlimmed Rät. 3,5 ne |)urh |)reäta ge|)räeu |)raed me ne hlimmed 
Rät. 36,6. 

hlynnan: hlynede and dynede Jud. 23 stefn in beam 
headotorht hlyiman under häme 6tan B. 2553 güdvudu hlynned 
Fin. 6 hlüde hlynede Reim. 28 hlynnende hlüde streämas 
Ps. 73,16. 

hljusian: reced hlynfiode B. 770 vadu hlynsodon An. 1547 
hlinsade hlüde Rät. 34,8 höfan and hlvnsadan hlüdan reorde 
Pß. 92,4 

hreäm Subst.: hreäm väs on ydum Ex. 449 hreäm ästah 
Sat. 717 mid deöflum hreäm Cri. 594 hreäm veard in Heorote 
B. 1302 |)a veard hreäm ähafen By. 106 

hringan: byman hringdon B. 327 hiß searo hringed Sat. 266 

hropan: hreöpon mearcveardas Ex. 168 hreöpon herefu- 
golas Ex. 161 hreöpan deöflu Sat. 319 hreöpon friccan An. 
1158 El. 54. 550 hreopun hrMleäee Guth. 878 hröpendePß. 146,10 

leod Subst. elfmal s. Grein ß. v. Ich hebe heraus leod 
väß äsungen B. 1159 leod gesingun Gn. Ex. 140 |)ä se Visdom 
|)iß hoA äsungen häfde Met. 14 pr. hvät ic lioda fela lustlice 
geo song on saelum Met. 2,1 hom stundum ßong füßlic leod 
B. 1424. — Eß ist das bezeichnende Wort für den Beruf des 
Dichters Crä. 52 Met. 30,2 imd wird contrastirt sowohl mit 
spei, Text ohne Musik Met. 30,8 als mit hearpe, Musik ohne 
Text Gn. Ex. 170. — Dazu elf CJomposita, ebenfallß nicht 
selten mit singun verbunden: vulfas sungon atol aefenleod Ex. 



IM 

1» h6 I91M MOg ffjnitAa^ warn Bf. 9» («■< UlMiot 
fiiiig Jvd. 211 ügätoA «mgao Gnth. 1280; viel fillar Jidod 
(bM in aUcD sndcnn rabn) "*** gilm oite igd^L Alnl, 
■tdienilc« %itlwtoo n Mfnleod ^x. 165. 201) ät mD^kt 
mit Rftctaidrt aof die in Veriiisdmig mit ümm f'™"!''»'» 
htSäbteKta VcsiNdfonn igÜ gBwiUL Du Snqln difBiB «iid 
nie mit gdan Tobanden. — Vj^ äbv diaw Artpim^ tob 
kod Hdnsd aao. 23. — 

■ingui: ibflcdnt dninnddniMigmil; mit ls6tt ■griwiS lol 
ntnlmin aongu södcncUu spdl giTn-bSde-^fid-MfadNA 
dmmignMl a. Grein n. d. W. Dm Unpn Fb. 91.1 & IIM 
benligaa Gnth. 587 geeingan Men. 70; Qn. Sz. IM. 

etefn Sabrt.: vierandii^»ignul s. Gnin. Ich habe hmuB 
I^man stein Cri. 1062 Du. 179 Ph. 497. HUmn vi* ^mmnida 
etcftt Pa. 76,14 vätenteln Pb. 92,4, Uebenetnmgvi too tos. 

ST^^Htt: \tt . . . ftgontnämas arearte BTägaa Gen. 1376 
BT^^eode (fyr) Gen. 2557 Bvögende Ug (vodaric) B. 3145 
Bvdgad Tindas Cri. 950 Bvögad hläde R&t, 8,7. — Bv^Snbab: 
aecbgondawMimgmal. Stehende Wendung faearptn BV<g B. 89 
2468 3023 vgl. Gen. 1079. 

]>i7m Sabet.: als tonbezeicbnendes Wort sechsnndvierng- 
mal; dazu zwSll Zosanunenfletzungen. 

{)uniaQ: fionne ic (ae vind) ästige strong, stnndmn rAde 
f>ume Rät. 2,4. sondvudu ])unede B. 1906 

ä|iyt&n: naefre mon {läs hlüde hom &{iyted Dom. 109. — 

Hier hätten wir für Ton- und Geräuschbezeichnusg aechszehn 
Verba und acht SubBtantiva. Doch ist die Sammlung schwer- 
lich vollständig und grade aga. Worte werden mir mehrfach 
entgangen sein. Das Gesammtbüd aber , das sich ergiebt, 
werden Xachträge schwerhch ändern: wir bemerken in der 
ogB. Poesie neben einer in erstaunlichem Maasse angeschwollenen 
Menge von Fällen eine starke Abnahme des hierfür benutzten 



105 

Wortvorrathe. Während a^. die GeBammtzabl der dazu verwandt 
ten Auedrücke (24) nicht die der altn. Verba allein (28) erreicht, 
bat ein einzelnes Wort, stefn, hier nahezu soviel Beispiele (74) 
als dort überhaupt vorkonunen (95), die acht häufigsten Worte 
zuBanunen aber (cyrm IS, dre^m in tonbezeichnendem Sinne 11, 
gaUn 16 -|- 6, leöd 11 mit 11 CompositiE, singan 33 + 5, 
stefn 74, sv^ 36, ^ryra 46 mit 12 CompoBitis) mehr als zwei- 
undeinhalbmal ao viel (264). 

Die gröesere Zahl der ags. Gedichte läset die grössere ab- 
solute Häufigkeit dei Tonbezeichnm^en und natürhch erat recht 
die grössere relative Häufigkeit der einzelnen Worte vollauf be- 
stehn. Es stimmt damit durchaus zusammen, dase grade die 
blasseren und allgemeiner verwendbaren Worte eich häufen. 
Zwar galan, da« altn. wie eingan ags. das beliebteste Wort ist, 
kommt diesem auch in der Anwendbarkeit etwa gleich. Aber 
■ die Substantiva werden ags. fast durchweg prondscue gebraucht, 
wo altn. die Bedeutungen geschieden sind; dr^am ev^ ^rym 
stehen überall. Nun ist es aber bezeichnend, wie viel häufiger 
ags. die Substantiva geworden sind, So befinden sich tmter 
jenen acht häufigsten Worten nur zwei Yerba (oingan und 
galan), und diese fast stets im Dienst des Subst. leod. Wir 
sehen also, dass jene Substantivirung der Poesie, die in der 
rimischen Dichtung von vom herein liegt, nach der Trennung 
sich hier ags. (wie altn. z. B. durch Ausbildung der kenningar) 
noch steigert. Für das eddische grätan steht ags. hannleöd 
galan (An. 1129) u. dgl. Grade daher triSt man (vgl. Heinzel 
Q F X, 23) so ungemein oft das Wort leöd, wenn auch die 
Uebersetzungen (besondere der Psalter) zu dessen Häufigkeit 
beitragen mögen. 

Natürlich hat diese allgemeinere Verwendung derselben 
Termini einen Mangel au Schäjrfe und Leben zur Folge, wie 
die age. Poesie der altn. gegenüber ihn oft zeigt. Die Edda 



106 

verwendet z. B. für das Heulea der Wölfe hst auaechlieBdich 
{)jöta und {)ytr, für das Gexwitscher der Vögel klalca klfik 
kvaka, für lautes Geschrei der grösseren Vögel dagegen gjaUa; 
gnyja und ymja bezeichnen ein verworrenes dumpfes Gerftusch; 
kalla und oepa werden nur von Göttern und Menschen ge- 
braucht. Dagegen ags. z. B. hvöpan für Teufel und Menschen, 
Wolf und Rabe ; und für das Rauschen der Wellen neben dem 
Worte hlimman noch hlynnan, hieäm väs on u. a.; für das 
Schiff dynnan hlynnan, hlynsian, f>unian u. s. w.» von den ganz 
unterschiedslosen Worten noch abgesehn. — 

Das beliebteste Adverb ist altn. hatt, ags. dag^n hlAde. — 
In beiden Sprachen ist zu beachten, wie oft die Worte 
miteinander reimen: altn. glymja, hlymja, ymja; glymr, hljrmri 
rymr, ymi; hrynja, stynja; klaka, kvaka; ags. dreäm hre^un, 
clynnan dynnan hl3mnan. Ags. wird dann auch wirklich öfters 
gereimt. Dazu andere Assonanzen: altn. emja ymja, gala, 
gjaUa, kalla; glaumr, glymr; ags. galan, gylan; hlemman, hlim- 
man; hlynnan, hlynsian, diese freilich meist auf Verwandtschaft 
beruhend. — 

Ausser auf die Stimmen von Göttern, Menschen, Thieren, 
beziehen sich die Worte auf das Greräusch bei Kampf und Mahl 
und den Elang der Instrumente; dazu kommt altn. das Geräusch 
des Weltbaums (Yol 48, 3), ja der Welträume (VqL 49, 3) 
und das von Dingen wie Schlüssel imd Thür ({>r. 15, 1; Sig. 
sk. 69, 1). Zwischen beiden stehen Naturgegenstände (Hym. 
24, 1). — In der ags. Dichtung sind besonders beliebt Geräusch- 
worte für Meer und Schiff (vgl Weinhold Spie. 11 — 13), die 
altn. erst vereinzelt vorkommen (Gr. 7, 2). Wie hierin, stellt 
sich jüngere eddische Dichtung auch darin auf dieselbe Stufe 
mit der ags. Poesie, dass sie statt der bis dahin formelhaften 
Termini für bestimmte Geräusche gern andere in Anwendung 
bringt, (so emjudu ülfar Atlm. 23, 7, statt |)utu; skraektun 



Atlin. Gl. S d-raz tlnr^nivov}, gerade wie wir Bolche Neueruuiren 
schon bei den Zeitangaben trafen. 

UebenNiegend, weit überwiegend sind es also in der altgerm. 
Poesie lebende oder lebendig gedachte Weeen, deren Klang in 
der Dichtung wiedertönt Der Stein, welcher in der homerischen 
Dichtung mit so berühmtem Donnergepolter entrollt, wäre dieser 
immer auf die höchsten Gegenstände gerichteten Poesie stumm 
gebUeben. Es ist nicht uninteressant, mit dieser altgerm. Aus- 
lese die zu vergleichen, die der grösste Kenner der Vorzeit 
unter den neueren Dichtem Deutschlands bei dem »was 
rauschet und was brauset« trifit: Wald, Meer, Schlacht, jüng- 
ster Tag und Festmahl. Ihm schallt am lautesten die imbe- 
lebte Natur. Anders bei den alten Germanen. Um die wich- 
tigsten Versammlungen der Männer, um Kampf und Mahl 
nämlich, gruppiren sich auch hier die Worte, und bei den 
Angelsachsen bildet die Seefahrt einen dritten Mittelpunkt. 
Fein aufhorchend sucht die alte Naturpoesie die Stimmen der 
Natm: zu unterscheiden und freut sich der Grelegenheiten, wo 
sie alle im Wettkampf erklingen; technische Rücksichten führen 
die Späteren zu einer Bewahrung der Kunstmittel gewordenen 
Gewohnheit, deren Erstarrung äusserlich sich in der Substanti- 
virung abbildet. — 

Aehnliches übrigens gilt auch für die Termini der Bewe- 
gung (vgl. u. § 6 bei den heiti). Auch hier führt die ags. Poesie 
für die Bimtheit der alten Ausdrücke Umschreibungen ein, die 
häufige Substantiva mit vielgebrauchten Verbis combiniren: 
Beövulf trug den Kampfpanzer in die Felsschlucht, statt: er 
ging gerüstet hinein (Beöv. 2540). Dass auch dies mit der 
ags. die jüngere altn. Dichtung theilte, dafür spricht (gegen 
Heinzel S. 24) Saxos Uebersetzung quo duce signa bellica fertis 
(in Holders Ausgabe 14,12.) Auch in Deutschland findet sich 
das Gleiche (Bode, Kenningar in der ags. Dichtung S. 32). — 



106 



§ 7. Ideale. 

Wir haben es schon ausgesprochen, wie beim Entstehen 
der poetischen Sprache eine Wahl und Sichtung der Begriffe 
grundlegend ist. Es bildet sich eine ganse ideale Welt, in der 
Alles den höchsten Anforderungen des Dichters entspricht. So 
greift er aus der grossen Zahl menschlicher Eligenschaften die 
heraus, die ihm die wichtigsten scheinen, und die Bewohner 
seiner poetischen Welt besitzen nun wohl Muth oder Klugheit, 
oder auch die entgegengesetzten Eigenschaften; aber weder die 
körperliche Schönheit eines Achilleus noch die Hässlichkeit 
eines Thersites wird ihnen zugewiesen. Ob sie stark sind, sieht 
imd sagt der Dichter, aber ob sie schnell sind, bemerkt er im 
Gegensatz zum griechischen Sänger überhaupt nicht. Wie die 
Eigenschaften des Menschen werden die Stände der Menschen 
ausgewählt: es ist eine Welt der Könige und Helden, nie treffen 
vni auch nur einen Priester oder einen Arzt imter . den Haupt- 
figuren (die Rigs|)ula macht natürlich eine Ausnahme). 

In derselben Weise nun wie die Hauptbegriffe, sind auch 
die Nebenbegriffe destiUirt. Diese Welt hat nur harmonische 
Verhältnisse. Stehen mehrere Helden beisammen, so sind es 
immer gerade dreissig, und ist eine Zeit auszudauem, so sind 
gerade immer neun Nächte abzuwarten. Wie die menschliche 
Gesellschaft treffen wir sogar die Zeit hier immer auf der Höhe: 
nie ist es Vormittag oder Nachmittag, sondern stets gerade 
Abend oder Morgen. Das ist dann im höfischen mhd. Epos 
nicht anders: Artus der meienbaere man, swaz man ie von dem 
gesprach, zeinen pfinxten daz geschach odr in des mefen bluomen 
zit, sagt Wolfram in seiner schalkhaften Art (Parz. 281,16). 

So wird bei jedem einzelnen Ding die charakteristische 
Spitze hervorgedreht und gerade sie uns vor Augen gebracht. 
In welcher Situation auch Mann oder Gegenstand erscheinen — 



Jfc^^^— — fcWl ■ II ■ I I -•■J.r. ^ . . ...-X«J:.< 



109 

der Dichter behält allezeit das im Sinn, wae von Situation und 
Kebenumstanden unabhängig ihr eigentliches Wesen charakteri- 
sirt: der Strandwart, einfach weil er ein Mann ist, heisst Eampf- 
held, auch wo er Jiur durch Artigkeit sich hervorzuthun Gelegen- 
heit hat (vgl. Heinzel S. 32). Grerade deshalb kann der Inhalt 
dieser Poesie so leicht im Substantiv verdichtet werden, und 
die Epitheta scheinen nicht sowohl direkt aus der Anschauung 
hervorzugehen, als vielmehr aus dem Hauptwort secundär ab- 
geleitet zu werden. Die Epitheta fügen doch aber immerhin 
zu der Kennzeichnung durch das Substantiv noch etwas Anderes 
hinzu, mag es auch etwas Abgeleitetes sein; die Verba aber sind, 
wie wir schon oben aussprachen, oft überhaupt nichts als Auf- 
lösungen des im Substantivum und namentlich im Nomen 
agentis starr gewordenen alten Verbalbegriffs. Weil der Wolf 
den alten Germanen nur als das kriegsfrohe Thier lebt, denken 
sie ihn sich nicht anders, als dem Heere mit Geheul voran- 
ziehend (vgl. J. Grimm zu Andr. u. El. XXA''): und »der Wolf 
heult« heisst ihnen nicht mehr als »der W^olf ist nahe«. Ebenso 
wiederholen die Verba des Herrschens beim Fürsten, des Kämp- 
fens beim Krieger^ des Fahrens beim Schiff u. s. w. nur in 
flüssiger Form den Inhalt des Hauptworts. Aber von all diesen 
verbalen Epithetis, wenn man so sagen dürfte, haben wir nur 
die Geräuschbezeichnungen hier besprochen, weil sie in höherem 
Grade als andere bei den heiti und kenningar aufzuzählende 
SynomTnengruppen charakteristische Eigenheiten aufweisen. 

Die poetische Welt der Germanen, wie wir sie aus ihren 
Hauptbegriffen zu reconstruiren suchten, zeigt also auch in 
den Nebenbegriffen dieselbe idealistische Auslese. Gerade die 
geheiligten Zahlen und die geweihten Zeitangaben und die auß- 
erwählten Klänge, in denen Eigenart sich kundgiebt, werden 
verwandt und fast nur diese. In der poetischen Welt ist Alles 
auf der Höhe, d. h. Alles seiner specifischen Idee entsprechend. 



110 

Ueber der poetischen Welt aber noch, die selbst ein poetisirtes 
Abbild der menschlichen, steht jenes Reich der Ideen, in dem 
die typischen Vertreter der Gattungen sich zusammenfinden» 
Das Mittelalter liebte es, für jede Eigenschaft einen typischerk 
Heros zu ernennen: weise wie Salomon, stark wie Samson u. s. w. 
gerade wie auch die Römer das liebten (eine Truppe römischer 
Charaktertypen findet man durch biblische hübsch ersetzt z. B. 
in der Vorrede des Hayneccius zu seinem Hans Pfriem, einer 
christlichen Lokasenna wie auch Bürgers Frau Schnips eine 
solche ist: Hallische Neudrucke 36,9). Das Alterthum dagegen 
lässt die Ideen des Starken, Schönen u. s. w. nicht durch 
mythische und historische Persönlichkeiten repräsentiren, sondern 
durch Glieder der Thier- und Pflanzenwelt; so stellt das auf 
uralter Grundlage beruhende Traugemundslied die weissesten, 
schnellsten, höchsten, dunkelsten Dinge zusammen; ein Spiel, 
das Volkslieder aller Sprachen pflegen (Talvj, Charakteristik der 
Volkslieder S. 136) und das bei den Franzosen als jeu des 
combles noch jetzt beliebt ist. Diese vornehmsten Dinge werden 
gewäJilt, um durch den Vergleich mit ihnen Angehörige der 
gleichen Kategorie noch höher, auf die alleroberste Stufe der 
Idealisirung zu heben. Deshalb müssen wir unsere Beschreibung 
der in der altgerm. Poesie herrschenden Begriffe abschliessen 
durch eine kurze Vorführung der Gegenstände der Vergleichung, 
obwohl die Gleichnisse selbst noch später zu besprechen sind. 
Denn natürlich haften sie an dem verglichenen Gregenstand, das 
Bild am Gegenbild. 

Wir gehen von den Trägem der Vergleichung aus. 

Männer. 

Die Mehrzahl der Männern geltenden Gleichnisse ist lo- 
bender Art. Am reichsten und schönsten ertönt das Lob des 
gefallenen Helden aus dem Munde seiner Gattin. Was sie vor 



tLf. 



■tfb*t>r^ '■■ 



111 

allem an ihm preist, ist, wie er alle überragt habe. Dase das 
wirklich der Ehrgeiz der germanischen Frau war, zeigt der 
Zank der Königinnen im Nibelungenlied. Sagen wie die von 
Gyda, die Harald Schönhaar zum Kampf um die Alleinherr- 
schaft über Norwegen bestunmt haben soll (vgl. Weinhold, 
Deutsche Frauen I, 345), finden sich freihch überall: ich er- 
imiere an Ottokax und an Friedrich von Böhmen, an Lady 
Macbeth u. s. w. 

Jene Erhabenheit wird mamiigfaltig ausgedrückt. Der 
Held wird verghchen mit Esche (H. H. H, 37,4) und Lauch 
(Gud. I, 18,3; Gud. H, 2,3), mit Hirsch (H. H. H, 37,5; Gud. 
n, 2,5) und Wolf (H. H. H, 36,5); Edelstein (Gud. I. 18,5) 
und Grold (Gud. 11, 2,7). Allemal ist das tertium compara- 
tionis der Abstand zwischen ihm und den Andern, die oft noch 
schmähende Vergleiche erhalten: sie gleichen den Geissen vor 
dem Wolf (H. H. 11, 36,6), dem Dom neben der Esche (H. H. 
n, 37,4; »der Mann . . . dünkte ihn um viel riesiger als die 
Aeste hoher Eichen über dem Gelaub des Waldes« heisst es in 
der keltischen Sage Zimmer, Zs. f. d. Alt. 32,210 — doch ist 
hier körperliches Hervorragen gemeint; geistiges: »Ich kleinerer 
Mensch, der als ein niedriger Strauch unter den hohen Bäumen 
stand« Arndt, Wanderungen S. 193); dem Gras neben dem Lauch 
(Gud. I, 18,4), dem Süber neben dem Gold (Gud. H, 2,8). 
(Ebenso wird in der Odyssee der Held unter den Freiem dem 
Adler unter Gänsen verghchen 16, 159 f. 19,536f., im Wartburg- 
krieg die schlechten Dichter neben dem guten mit Gänsen vor 
dem Wolf, Simrock 39,13—16.) 

Die Walküre preist an ihrem Erwählten nur die Kühnheit: 
konung öneisan sem kattar son (H. H. I, 19,7). 

Der Mann lobt am Manne Eifer im Kampf; Vorbild ist 
der Wolf (Häv. 58,4). Der Sieger wird dem Adler verghchen 
(Hamd. 29,4). Auch Saxo benutzt den Adler als Bild für den 



II» 



Dm MftttIdteBAto«. 




fa dar Voavd« d« Tfiyxiiiiii xo 

dihfüiefaco LokMao» wie uid) . 

■olcb« M: H«lttHb0 VNdnicke 36^' 

UiM <U« IdMD te Sterke 

mytbiMb« und hiitoriidw Per?«<nüchkeileii 

durch Glieder der Tbter- und PSiuueo*ett 

uralter Grandlege bemhmde Tncz^mundflied £e 

■chiulUten, böeheten, dunkelsten Düwe zcsanunen 

du VoUuUeder aller Opaebm pflegen (TUvj. 

VoHttüeder S. 186) und <im> bei den Franioseo 

«wrablni noch jetet l>*-liebt im. Diese vornehmsten 

Kfwählt, um durch d^^n Vergleich mit ihnen 

glttichen Kategorie cioch hiiher, auf die alleroberste 

Mfalislruni; zu heben. Deshalb müesen wir unser« 

drtf in der altgemi. Powfie herrschenden Begriffe 

i|iiri*h «ine Icum Vorführung der GegenstÄnde der V 

iihwiihl die fileichniüw ;*elbat noch später m bespi 

Denn natürlich haften sie an dem verglicbei 

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Wir gehen von dmi Tiüg«m 



Di» M.-hrzald 
bi'ndiT An. Am rvii- 
gflitUencn U«ld«a 




112 

Kämpfer (60,29) — freilich auch nach gelehrtem Vorbild den 
Strom (63,1) u. a. 

Beide Gleichnisse aber in der Art, wie sie ausgesprochen 
sind, stehen schon den tadelnden nahe. Das Aergste, was ge- 
tadelt werden kann, ist Verbrechen gegen die eigenen Greschlechts- 
genoesen, wie zahlreiche Schmähreden zeigen; das ist wöUBsche 
Art (Hamd. 28,3). Granz alleinstehend erscheint der Mann wie 
die einsame Föhre (Häv. 50,1, vgl. MüUenhofE, AlterÖiumsk. 
V 282). Moralisirend sind die kunstmässigen Gleichnisse mit 
dem durstigen Adler (Häv. 62,3), und dem frühbesäten Acker 
(Häv. 88,1). Komisch ist der scheltende Vergleich mit dem 
Schuh (H4rb. 36,1). 

Was geht aus dem allen hervor? Das Maass des Mannes 
ist seine Umgebung; sein Ideal, diese zu überragen wie die 
hohe Esche; seine grösste Schmach, unter den Füssen der An- 
dern zu sein wie das Gras, wie ein abgetretener Schuh am 
Wege zu liegen. Sein eigentliches Vergleichsobjekt im Guten 
und Schlechten ist der Wolf, gerade wie dies Thier ja auch in 
Namen so sehr häufig ist. — 

Frauen. 

Für die Frau findet sich in der Edda nur ein lobender 
Vergleich und zwar in einem sehr jungen Liede, wo sie mit 
dem Sonnenstrahl verglichen wird (Sig. sk. 55,3 — 6 = Gud. 
hv. 15,5—8). 

Tadelnd vergleicht man sie mit der grausamen Wölfin 
(Harb. 39,1, >\'ie noch Gerlint in der Kutrun so heisst), mit 
dem unzuverlässigen Ross (Hdv. 89,1), mit der Ziege unter den 
Böcken (H^-ndl. 47,7). Die klagende vergleicht sich selb&t dem 
Laub (Gud. I, 19,6) und dem kahlen Baum (Hamd. 5, — man 
denkt an Wallenstein's berühmten Vergleich: Hier steh ich, ein 
entlaubter Stamm, vgl. Häv. 50,1 s. o.); die frohe mit dem Ha- 
bicht (H. H. n, 42,1). 



113 

Wie der Mann stets im VerhSltniss zu andern Mäanem, 
wird die Frau stets in Benehme zum Manu gedacht An der 
Seite dee Geliebten ist eie dem siegenden Mann veifileichbar 
(H. H. n, 43,1 wie Hamd. 29,4), ohne ihn dem verachteten 
(Gufl. I, 19,6 wie I, 18,4 und Hamfi. 5 wie H. a U, 37,4 
HAv. 50,1). In anderer Verbindung als treu bei dem einen 
Manne g^t räe als unweiblich, dem tmmännlichen Manne gleich 
(HArb. 39,1 — Hamd. 28,3 und Hyndl. 47,7 — H. H. n, 
36,6). So ediarf tritt die Uebemnstimmung der Anschauungen 
hier hraTor. — 

Nicht selten finden sich jene »höchsten Dinge« auch ausser- 
halb der Vergleichung, oder nur mit Singen 'verglichen. Das 
Feuer ist das Höchste an Wärme (Häv. 51,1) und Licht 
(Sgdr. 2), der Schnee (wie noch im Traugemondehed) das 
Weisseste (R. 28,11). Die Augen des Drachen sind sprich- 
wörtlich (R. 34,7 — 8). — Tadelnd wird der Sand ais unbe- 
deutend oder leicht (EAv. 53,1), das Feuer wieder als schreck- 
hch genannt (Hj-ndl. 24,8). Die gröeste Zusammengehörigkeit 
vertreten die beiden Füsee (Hamd, 14,4, vgl. Yilmar Alter- 
tümer im Heliand S. 42). — 

Das wird nim in age. Poesie ganz anders. 

Lobend wird der Mann vei^chen mit einem Stern (Gen. 
256) oder der Sonne (Dan. 275, Sat. 307) ; seine Prüfung mit 
der des Goldes (El. 1309 — 1312). Für böse Menschen ist der 
stehende Ausdruck: ffle waren wie die wilden Thiere (Jul. 597, 
Guth. 247; 879); sie sind hart wie Stein (El. 566) oder falsch 
wie die Biene (Leds. 18 — 23), Die Berauschten werden Todten 
verglichen (Jud. 31). 

Die Frau wird nur einmal verglichen und da lobend und 
zwar auch hier mit dem Sonnenstrahl (Jul. 166- 454). 
Itaytr. AltgwTnlmiroh« Poaci*. S 



114 

lian sieht, da« diese GleichmaBe gans anders geartet sind 
als die altn. Sie stehen sanunt und sonders unter biblischem 
TRinflpa« und zeigen dieselbe Moraüsatio der Natur, die in den 
PhysiologiB selbstständig betrieben wird. Der Unterschied be- 
steht nun darin: die alte germanische Dichtung fasst das Ver* 
glichene als dem xu Vergleichenden innerlich gleichartig. Daher 
unterliegt das Gegenbild den gleichen Anforderungen wie das 
Bild. Das Ideal des Mannes ist der hervorragende — aber 
auch das Ideal des Thiers der hohe Hirsch, das des Baums 
die stattliche Esche. Verächtlich wie der unbeachtete Mann ist 
die Ziege, die im Haufen mitläuft, ist das Grras. Ebenso kann 
des Feuers Macht wohlthätig oder schrecklich sein wie der 
Mensch. Das Gleichniss bedarf daher fast stets noch eines er- 
läuternden Adjectivs. So entsteht jedes Mal ein völliger Pa- 
rallelismus, der neben den zwei genannten Gliedern noch zwei 
einschliesst, die genannt sein können (wie in jenen Frauenklagen 
in H. H. n, Gud. I und H), aber öfter fehlen. Z. B. der Hals 
ist weisser als reiner Schnee, das heisst: so viel reiner Schnee heller 
ist als Alles, was noch weiss ist, so viel war dieser EbJs weisser 
als der Schnee (wo denn allerdings zwei der vier Glieder zu- 
sammenfallen). Auf dem hreion liegt hier (Big. 28,12) ein viel 
grösseres Gewicht als wir ihm beizulegen pflegen, darum trägt 
es auch den Beim. 

Dagegen die ags. Dichtung übernimmt fertige Ideale. Das 
Bild steht nicht auf einer mehrstufigen Beihe, sondern unver- 
änderlich das lobende über, das tadelnde unter dem G^;en- 
stand. »Ein Mann wie die Sonne«, das bedarf keines deuten- 
den Adjectivs, es muss loben. :»Ein Mann wie Stein« würde 
auch ohne das »hart« was hier einmal dabei steht, tadeln. 
Bezeichnend ist, dass bei jenem gemeinschaftlichen Vergleich 
der Jungfrau mit dem Sonnenstrahl altn. das erläuternde Bei- 
wort (soemleitr) nicht fehlt, wo es doch gewiss entbehrlich 



116 

^äre; swar steht ags. auch beide Male ein Adjectiv bei, aber 
mehr koeend als deutend: min se av^testa sunnan adma heiaat 
genau genommen und pedantisch übersetzt: »dxi aüaseate unter 
allen, die wie Sonnenstrahlen herrlich sind« — aber der Aus- 
druck Gud. hv. 15,6 würde die Möglichkeit tadelnder Anwen- 
dung des Vergleichs nicht ausschliessen. 

Dadurch müssen denn wieder die ags. Gleichnisse ein- 
förmiger und matter werden. Dem Scandinavier ist der Wolf 
vertraut wie seines^eichen; er weiss an ihm gute Seiten als 
naehahmenswerth, schlechte als abscheulich zu nennen. Des- 
halb kann der Angelsachse das BUd nicht brauchen; er sagt 
»wilde Thiere« und drückt dadurch gleich die Superiorität des 
Menschen aus^ aber die Anschauung ist verloren. Der Edda- 
dichter hat den Adler siegreich auf der Leiche und verzagend 
über weite Meeresfläche gesehn; der Angelsachse müsste die 
Zweideutigkeit fürchten, desshalb sagt er nur allgemein » Vogel« 
rmd drückt so die Schnelligkeit aus (dies schon in vorchrist- 
lieber Zeit: Be6v. 218), aber wie viel poetischer wäre der kühne 
oder matte Adler 1 

So verschieden hat sich also die höchste und idealste Welt 
bei den beiden alten Völkern gestaltet! Fast könnte man 
sagen, dem alten G^ermanen fehle sie noch und erst das Christen- 
thum habe sie zugebracht. Denn das poetische in der dichte- 
rischen Welt der Edda bestand, wie wir sahen, nur im Heraus- 
greifen und Heraustreiben der bezeichnendsten Begrifie. Aber 
darüber ging man nicht hinaus. Der Mensch wird immer nur 
am Menschen gemessen, das Thier am Thiere (wie die Feigheit 
der Ziege an der Kühnheit des Wolfs). Nim ersetzt die ags. 
Poesie die Stufenfolge innerhalb der Begriffe durch eine Stufen- 
folge der Begriffe. Die Menschenwelt steht nimmehr zwischen 
einer ihr übergeordneten, wo alles goldener Stern und strahlende 

Sonne ist, und einer ihr untergeordneten der leblosen Steine 

8* 



116 

und vemunftlosen Thiere. Dem Germanen waren sonst die^ 
selben BegpifEe durch alle Reiche gegangen — jetst ist nichts 
mehr am Wolfe zu loben, und er darf deshalb nicht mehr be- 
nutzt werden, um das menschliche Ideal zu zeichnen. Denn 
dies, das dem alten Germanen hiess, ein rechter Mann zu sein, 
wird nun durch das übermenschliche Bild ersetzt, welches das 
Christenthum den wohlvorbereiteten Gemüthem brachte. — Da- 
gegen haben auf deutschem Boden die Gleichnisse manches 
Alterthümliche bewahrt (vgl Uhlond, Schriften I 394 fOr das 
Volksepos, V 129 für den Minnesang). — 



Capitel IT. 



Worte. 



§ 8. Heiti. 

Es ist schon oben auseinandergesetzt worden, wie die 
Variabilität der Schlagworte in der Vieldeutigkeit der Runen 
von vom herein begründet liegt. Der nothwendige Vorrath an 
verwendbaren Worten wird nun aber durch die Alliteration 
vervielfacht, indem jedes neue Stabwort ein neues Reimwort 
erfordert und nach Einführung des dreifachen Reims sogar 
deren zwei. Man braucht nur an unsere Leberreime zu denken, 
um von dieser beständigen Ausdehnung des Reimwörterbuchs 
eine Vorstellung zu govinnen. Denn für die Art, wie ein Wort 
das andere nach sich zieht, ist die Stellung des Reimworts 
natürlich nebensächlich. Ich kann deshalb auch auf die ebenso 
klare als reichhaltige Auseinandersetzung verweisen, dieSchuchardt 



117 

in einer tiberauB lehireichen Abh&ndlung über die Reimerzeu- 
gung im Ritomell gegeben hat (Scbuchsrdt, Ritomell und 
Terzine S. 46 f); et erinnert dabei »elbst an die Leberreime. 

Eb muB8 indessen anerkannt werden, dass die altgerm. 
und besondere die altn. Dichtung in der Anhäufung von Syno- 
nymen über das BedÜifniea entschieden hinausgegangen ist. 
Eb scheint schon frühe die Tendenz sich anzukündigen, die 
später die ganze Skaldenpoesie ausgetrocknet hat; dass Foesie 
wesentlich in der Anwendung neuer und ganz unerhörter 
Worte bestehe. Vor allem richtet sich diese Bemühung natür- 
heb auf die Hauptworte. Wir haben schon erwähnt, dass eine 
ausgiebige Analogie in der Dichtung unserer zweiten schlesischen 
Schule zur Verfügung steht, die ebenso sehr (und ebenso be- 
wusst) hauptsächlich Poesie der Adjectiva war, wie die Stab- 
reimdichtung Poesie der Substantiva. Auch auf die anschau- 
liche Schilderung, die Vihnar (G^ch. der deutschen NaÜonal- 
literatuT " 853 f.) von den Folgen dieser AdjectiTBUche giebt, 
wurde schon hingewiesen. Und wieder als die Dicbtm^ in 
Ctefahr gerieth, Poesie der Oleichnisse zu werden, kam Chr. 
E. V. Kleist auf seiner Bilderiagd gel«^enthch in eine kaum 
weniger verstandesmäasige Variationsmethode hinein, als sie 
Ramler in seinen mythologischen XJmnennungen schablonenhaft 
übtej-nDieee ^''ariationswuth hat für die altgenn. Dichtung die 
Bildung echter epischer Formen nahezu unterdrückt und schon 
dadurch den epischen Stil nicht aufkommen lassen, den Heinzel 
allen in einer gennanischen Sprache bis auf VoseenF Homer 
geschriebenen Gedichten mit einziger Ausnahme des Beovulf 
abspricht (Q. F. X, 25). Von aUen Säten umklammem diese 
Parasiten den Stamm der Erzählung und statt eines lebens- 
vollen grünenden Baums, in dessen Schatten sich gut ruhen 
lässt, starrt uns schliesslich ein abgestorbener Stock an, dessen 
Säfte der Epheu aufgesogen bat. 



118 

Nichts kann in höherem Grade unepiBch sein» als wenn 
bei Wiederkehr derselben Wendung ein Wort durch ein anderes 
vertauscht wird. Worttreue muss man doch eigentlich auch 
bei langen Botenberichten verlangen, in denen aber hiw nur 
die alterthümlichen Skimismäl (Str. 39 = 41) und die schon 
jüngere Inymskvida (7,5 — 8 = 10,5 — 8), ferner auch der 
RnodHeb-Roman (XVH 11 — 14 = 66 — 69 und 43 — 46 = 
79 — 82) und der Waltharius (647 = 657) treue Wiederholung 
bringen, während die ags. Dichtung sogar im Beövulf dies 
Princip verletzt: Vulfgiur ändert (B. 361 — 370) fast Wort fOr 
Wort den Bericht Beövulfs (342 — 347). Der Diener Oüdlacs 
trägt vollends eine freie Phantasie über das ihm gegebene 
Thema vor (Güth. 1321 f. vgl. 1148 f). Ich stelle als Beleg 
der Variationen nur einen Satz her. Güdlac sagt: 

|)u hyre eäc saga, 

|>ät heö |)is banfät beorge bifäste 

lame bilüce lic orsavle 

in {)eostorcofan, |>aer hit |)rage sceal 

in sondhofe siddan vunian (1165—1169). 
Daraus macht der Bote: 

Eäc f>e äbeödan höt 

sigedryhten min, |)ä he väs sides füs, 

|)ät |)u hifi lichoman, leöfast mägda 

eordan bij)eahte (1348—1351). 
Das verstösst eigentlich schon nicht mehr bloss gegen den 
epischen Stil, sondern selbst gegen die Pflicht des Boten. Aber 
doch ist eine solche Verletzung eines Hauptprincips der volks- 
thümlichen Erzählungskunst noch geringfügig gegen eine andere. 
Hier wird doch ein grösseres Stück verändert wiedergegeben, 
und ein längerer Zwischenraum trennt beide Fassungen. Was 
soll man aber dazu sagen, wenn in einem der schönsten Edda- 



119 

lieder die directe Wortaufnahme, diese Wurzel des gerznaniBchen 
dramatiechen Dialogs, durch die Veränderungslust zerstört wird? 
Sigrüns Magd fragt: 

HvÄrt eru ]>at svik eiu 

er ek qä {)7kk]umk, 

eda ragna rok? (H. H. n 39, 1 — 3) 
und Helgi antwortet: 

Era {)at svik ein, 

er {)ü sjä {>ykkiBk 

n* aldarrof (H. H. H 40. 1-8). 
Nicht . so stark fällt eine zweite Stelle ins Ohr, wo die 
Worte an nicht genau derselben Stelle in beiden Strophen 
stehen: allr er vlsi valdogg sleginn sagt Sign!ui (H. H. 11, 43,7 — 8) 
und Helgi nimmt die Worte auf : er Helgi er harmdogg sleginn 
(44,3—4). Aber wirklich fehlerhaft ist doch auch dies. (Aehn- 
lich auch Lok. 28,3 meinstafi 29,3 leidstafi u. a. m.) Gar 
die erste Stelle hat mir, ein so leidenschaftlicher Bewunderer 
gerade dieses Gedichtes ich auch bin, jedesmal die Wirkung 
gestört; es klingt fast wie wenn man in der Unterhaltung seinem 
Gegenpart unmerklich einen Sprachfehler verbessert. Ja der 
W^unsch, dies lied von einem Fleck zu säubern, der die Perle 
der eddischen Heldenheder wenn auch nur wenig entstellt, 
bestärkte mich in einem älteren Einfall. Oft scheinen die 
Dialogstücke der Edda einen jüngeren Charakter zu verrathen, 
als die rein erzählenden, und besonders haben die älteren 
Lieder fast nur hier kenningar. Ob nun vielleicht beim Vortrag 
diese Stücke halbdramatisch vorgetragen wurden und so den 
verschiedenen Recitatoren Anlass zu gewollter oder ungewollter 
Neuerung gaben? Jedenfalls wäre es hyperkritisch, Stellen wie 
die angeführten aus V^erschmelzung zweier Lesarten erklären 
zu wollen. — Ebenso dringt die Variation in den Refrain: 
Grip. 41 wird {)jödar |)engill für naddels bodi in 23 gesetzt. — 



120 

Ich bin auf diese Fälle etwas niher eingegangen^ nicht nur 
ihrer inneren Bedeutong wegen, sondern weil sie die absolute 
Gleichwerthigkeit der verwandten Ausdrücke ausser allen Zweifel 
stellen. Der Sinn der einzebien Stelle hat auf die Wahl 
gerade der bestimmten Variation kaum je Einfluss. Bei wört- 
licher Uebersetzung kommt sogar oft genug ein Widostreit 
zwischen der eigentlichen Bedeutung des Worts und seiner 
spedeUen Anwendung zum Vorschein. Ich b^;nüge mich, hier 
auf das Beispiel El. 88 (vgl. J. Grimm, Andreas und Elene 
S. 145 0.) zu verweisen. Doch führe ich noch eine Ansahl Bei- 
spiele axiy in denen mit fortwährendem Wechsel der Be- 
nennung »auf dem Platze marschirt« wird: H. H. I 27; U 35. 43 
46; Grip. 23; Fäf. 36; Akv. 12; Athn. 13-14. 40; Gud. hv. 
19,1—4; Hamd. 8,2— 3; — Gen. 236—36; 840-41; 2139 f. 
(König); HöU. 107 f.; Guth. 984 f. (Herr); El. 96 f. (König). 
Eine der schlimmsten Stellen mit viermaliger Variation ohne 
jeglichen Fortschritt ist Athel. 49 — 51: 

on campstede eumbelgehnastes, 
garmittinge, gumena gemötes, 
vaepengevrixles. 

Die beständige Aenderung der Einleitungsformel in der 
Väterlichen Ermahnimg gehört unter die Satzformeln, ist aber 
ihrer Analogie wegen lehrreich. — 

Ueber die Variation im Allgemeinen vgl. für Caedmon 
Ziegler, Der poetische Sprachgebrauch in den sogen. Caedmon'- 
schen Dichtungen S. 5 f., für Cjmewulf Jansen, Synomymik 
und Poetik C\Tiewulfs S. 60 f., für Otfrid Schütze, Beitrag zur 
Poetik Otfrids S. 3 f. 

Eine umfassende Sammlung und Besprechung der heiti 
existirt meines Wissens nicht; Weinhold's Specilegium, das mit 
breiter Anlage grösste Belesenheit und lebensvolle Deutung ver- 
bindet, kommt dem immer noch am nächsten. Ueber einzelne 



121 

Gruppen der ags. heiti handelt mit Herbeiziehen beeondere altn., 
aber auch abd. und mhd. ParaUelstellen J. Grimms acböne Ein- 
ledttmg 2a Andreas and Elene. Breiter angel^ aber dafür 
ungleich weniger tief ist die DiBsertation von 0. Arndt, Ueber 
die altgerm. epische Sprache (Tübingen 1877), die mit den Be- 
nennungen in den ahd. alliterirenden Gedichten die anderer 
germanlBcber Lieder vei^leicht. Während sie aber durch die 
dankenswerthe Benutzung des Niebelungenliedee über unser 
Thema hinausgeht, bleibt sie andererseitc hinter demaelben 
erheblich zurück, indem de aus der altgerm. Poesie nur Hei. 
und Be6T. heranneht. Die Arbeit enthält neben dieser Samm- 
lung auch S. 46 f. beachtenswerthe Bemerkungen über die Art 
der Variationen, wozu von neuem an Roedigers schon dtirte 
Recension des Sievers' sehen Heiland zu erinnern ist. — Die altn. 
heiti sind wiederholt gesammelt worden; am vollständigsten 
findet man sie, jedoch leider ohne eine nach dem Sinn ge- 
ordnete Uebersicht, in Egilsson's Lexicon poeticum antiquae 
linguae septentrionalis ; eine kurze Besprechung z. B. bei Rosen- 
berg, Nordboemes aandsliv I 898. Einen ungefähren Ueber- 
blick über die Geschidite der heiti gewährt eine Vei^eichung 
der SkäldskaparmÄl mit dem von mir (wie ich hoffe in leid- 
licher Vollständigkeit) vereinigten eddischen Material. — Für die 
as. heiti ist durch Sievers' vortreffliche Sammlung geeoigt, auf 
die ich für sämmtliche Schls^orte verweise; hier finden sich 
auch Parallelstellen in grösster Fülle. — Eine entsprechende age. 
Sanunlong ist mir nicht bekannt, wohl aber zahlreiche spe- 
ciellere Zusammenstellungen; Schemann, Die Synonyma im 
Beöwulfshede, Hagen 82. Banning, Die verbalen Synonyma 
im Beöwulf, Marburg 66. Jansen, Synonymik und Poetik der 
aJlg. als acht anerkannten Dichtungen Cynewulfs, Münster 83. 
Ziegler, Der poetische Sprachgebrauch in den sog. Caedmon'- 
Bchen Dichtungen ebd. Heiti sind femer besprochen aus dem 



122 

Beöwulf in Rönnmg. Be6wuUB-Kvadet S. 1311; uu CynewnU 
bei Ramhorat, Das ae. Gedicht vom hl. Andreas 8. i&L; die 
Aoedrücke für Meer u. dgl. bei Merbach Das Meer in der 
Dichtung der Ags., Breslan 84. Realetkl&nmgen giebt H. Leh- 
mann, Brünne und Hehn im ags. BeöwuU, Leipzig 85. Für 
die einzelnen ags. Gedichte sind aocb noch su vergleichen in 
der Anglia H 265 Charitias GudUc. 11 441 Fritacbe Andreas 
und Cynewulf. m 488 Graebler Phönix. VI 126 Leicht Ist 
Aelfred der Verfasser der Metra? VI 181 Lef^rre GAtbläc 
VI S48 Groschopp Crist und Satan. DC 515 Sarradn BeäwuU 
und Cynewulf. Ich habe aus diesen vielen Zusammenstellungen 
über Wortgebrauch u. dgl. nur das Wichtigste in mein nachfolgen- 
des Verzeichnis eingetragen. — Einer ahd. poetischen Synonymik 
bedarf es nicht bei der Knappheit der Ueberreste, aus denen 
aber gleichwohl die Mehrzahl der oft varürten B^pifle zu be- 
legen war. — 

Wie im Waltharius die Ausdrücke für Waffen imd Rüstung 
varürt werden, z^t J. Grimm, Lat. Ged. S. 74. Mhd. heiti 
bei Schütze, Stil Ulrichs von Zazikhoven S. 22 f. — 

Ich habe mir (wie schon im § 1) gestattet, den Begriff 
■heitii auf Verba und Adjectiva auszudehnen. 

Ich lasse nun diese Sammlung der einfachen Synonyma 
in der Ordnung altn. ogs. ahd. as, folgen. Für den Hei. habe 
ich einfach Sievers' Verzeicbniss aufgenonunen ; in seiner Samm- 
lung findet man auch die Besprechung der verschiedenen Syno- 
nyma bei Vilmar (Alterthümer im Heiland) dürt. — Fremde, 
speciell christliche Begriffe lasse ich fort. 

Adler ari om igda fem (vgl. Gering s. v.)? — eam. — 
S. a. Kenningar. Skaldsk. 60. 

alt aldroenn tora fymdr gamall. — eaid gamolferhd — alt 
gialtet. — ald frö<.l gifrödod gigamalöd. 

anreizen e^a etja f>'sa hvetja leika — äbe^n ähvettan 
araeran bäldan bryrdan gebaedon gebysmrian gegremian und 



123 

gegreDiman genEdftn genydaD h&tan bvettoa hyrdan hTiton 
inbryrdaii laetan ipftnian onbrjrdan ontyhtan scunnian Bcvccan 
■ Bpanan trymman vecean — spaaen urh^an — manÖD spanan 
ginaerraD. — 

antreffen finna hitta moeta — gemetan gemittan mötan 
— (an un^) mötian. — 

anwenden s. u. 

aufziehen ala feita fÖBtra foeda — 4f6dan f6dan — födian 
tiohan. 

auBgezeicbnet dyrr itarligr itr margdvrr maerr maetr 
uppborinn (H3a)dl. 11,3)? |ijöAmaerr — ftfiele ädelic aenlic 
aei^6d betUc de6re diybtUc djre beäb veorA veordful veordllc 
Tyrd — acoran alesan (undet them cunnie, them liudeon). S. a. 
berühmt. 

AuBBehen klit litr 11k Uki cyn — andvlita an^ bleoh 
hiv hleor maegvlite neb oneyn västm vlite — uoliti. 

Bank bekkr Set aaeti aees eefiameidr Bj<it — bolster. 

Baum apaldr badmr barr börr eik (gätt Krafn. 9) (härbaAmr 
ebd. 7) hlj-nr iviaja (doch vgL MüUenhofE D. A. V 89) 
(lundr) meidr mjQtviir (vgl. ebd. 90) runnr M vidr |>q11 — äc 
äctreö beäm treö treövä^tm %'udu rudubeäm — paum — S. a. 
Kenningar. 

begierig frekr ftss geri gjam gifr (Hrafn. 12) grädugr 
harfüse lyetr ödfÜAS (bUSt) Bölginn tidliga adv. Qirägjam) — 
feohgifre frymdig füs gelysted geom geomful gifre gr&iig idig 
neödful oäysted of{>yT6t«d. — (Umschreibung Hild. 59). 

beginnen fara gauga ggrask nema räda taka — anginnan 
gevitan onginnan — giatandan — (fan foran) an^ähan. 

befreien leysa — ähreddan äleaan älynnan älyaan äfreön 
generian lysan — atömian nerian. 

bereit brugginn bülnn ggrr — arod ealgearo fÜE fäelic 
gearo und gearu hinfüs raede — garo gigeruuid geginuerd. 



124 

Berg berg bjarg fjall grjötbjarg (hglkn) h&fjall — beorg 
berghlid burghlid clif firgen hdüihlid mör munt standil stan- 
hlid — berk — berg hobnclibu. 8. a. Hügel. 

berühmt ägaetr fraegr gQfugr ggfugligr — adele berht 
breme und bremen claeoe deal folc-maere ford-maere 
foremaere freämaere fyrdvyrde gefraege lofoaell maere tireddig 
tirfäflt — (chüd chuonnem mannum vgl. Gedicht auf Dur- 
ham 9 beamum gecyded) — gicuthid (ferran gefrage) (mari 
mid mannon). — S. a. ausgezeichnet. 

Besitz 8. Schatz. Vgl. a. J. Grimm Das Wort des Be- 
sitzes, Kl. Sehr. I 113 f. 

besitzen eiga hafa njöta nida styra valda — ägan brücan 
bryttian gebrucan genyttian gesittan habban healdan neotan 
raedan vealdan — uualt^n — ^gan hebbian (an is gardon). 

besprechen doema glama hjala maela ^na spjalla — 
geahtian {)reodian — bispreccau. S. a. sprechen. 

bestimmen aetla deila leggja leita räda skapa skipta — 
geteohhian geteön ge|)ingan ge|)ingian mearcian sceppan scerian 
teohhian teön vitian — scerian — gimarcön. 

Bett bedr bölstr boeli hvila hvilbedr kor rekkja saeing 

— bed bedrest denn legerbed. 

Betrug lausung lygi mein sveipvisi svik svipvlsi täl völ — 
fäcen hinderloc invit leds leäsing lyge lygevord searo searonid 
vrenc — inuuit s. a. Unrecht. 

betrügen dylja grafa undir (Atlm. 93,5) leika Ijuga räda 
svikja taela vela — aleögan besvican besyrvan forlacan geleögan 
gemaedan leögan — arliugan (inuit fuorran) — bidriogan bisuican. 

bewachen gaeta geyma halda hirda roekja varda vardveita 

— geh^dan gehealdan gyman varian veardian — gömian hödian 
imardön (uuesan giuuar uuidar). 

sich bewegen s. u. 



125 

I Bier Alvieemäl 36 — ol Ql4r bjurr björveig 114r veig — 

I beör ealu. 

Blut blöA dreyri bjftrtblod (hjsrlfigr} blaut lÄ rMtra (sär- 
I dropi) Bveiti valblM valdreyri (Grott. 19) — blöd cvealmdreör 
I dnör heÄduBvät heoUor heonidreör gr&t valdreör — plnot — 

drör, bl6d endi banetti. 
, blutig blödrekinn blddugr dreyrugr — blMKg blÖÄhreöv 

blödig blödreÖT dreörfig dreöriglic dreörlic heolfrig beorudreorig 
srätig. — 
, Boot s. Scbiff. 

böee bglrafuUr bfilvi bUndinn bQlvlBE bs^bitr Uli ividgjam 
l&evise r&ngr Bve^iss? TÜAkapa^? v&ndx — ärle^ ävärged 
&verged ävyrged aetreomöd bealu bealuful bealuhycgende beaJu- 
hydig ealdv^rig ea^ fr^cue firenlic fül gealgmöd beann invitfol 
HA leia lyflre mäti man mänfrenmieiide mänful mänscyldig 
ecyldfull qrnfuU synmg trag unfaele vam vamfull viel — arc 
gontig viriulib — a£. nur Umschreibungen. 

brechen tnuiätiT. brjöta rifa — äbrecan brecan breÄtan 
breötan gebrecan töbrecan — brecan. 

brechen intransitiv, bresta brotna rüna — berstan forberetan. 

Burg borg boer bof land topt tön — bmg bmgetede burg- 
fit«al ealdor — freodo — freö-hMb-scild-Btänburg — burc — hof . 
Amdt S. 39. 

BuBBe bötr ffiboetr gildi nefgjfild nidgjflia — bot — puoza. 

bäsBen boeta gjalda — b^tan ongildan — puazan — 
bötian g^bötian (aundia aleskian). — 

Drache drekd lyngfiak nadr nadra onni yrmliagr — draca 
eorddraca fyrdraca gödfloga nadre saedraca vyrm — SkaJdsk. 58. 

Drohung heit bot hoetingr öfa? — beöt. 

dunkel blakkr dekkr dimmr myrkr rekkr Subst. — blac 
brün deorc dim gl6m mure myrce Bveart {»eoBtre van — finetri 
Sahst. — thinun endi thinetri endi so githismöd; droh duncax. 



126 

Ehre Agseti megintirr or&tlrr tirr Tigriani — ir &re aacttr 
blaed dorn elleomaeritu gefnngd gilp gddhred heotonvuldor 
hrM maerd sigomildor tir veorSmynd veoidscipe veordnng 
Tuldor — ira. 

elend uroi armligr aumligr dAtt adv. (Sig. sk. 26,6) knngr 
Ijötr neisB sväjr oSjött adv. visall — ble&t dteörig earm earm- 
cearig earmlic eAdmöd fracod hnig läSlic tnarfa Q&laed qu- 
saelig vansaelig vanspMig vädla vorig vrftcca yrming — luttQ 
uuÄnac — ann thurftic. 

Erde AlTiaamAl 11 — fjfirgyn fold gninfl haxiäx heimr 
jgrd land midgatd mold strind vigg? (Hrafn. 8) — eard eor<te 
folde foldvaog gnmd hnise land middaneard middangard molde 
moldeveg — ero erda unerolt mittilagart uuaaal — ertha folda 
gardöa middilgard uuerold (and viele UiuBchreibungen). Skaldsk. 
57 (Kenningar 24). Arndt 72' 

erfahren finna fregna freista fretta kanna kenna kunna 
Uta eptir reyna sküja spyrj'a viss verda — ofandiaa Afindian Aspy- 
rian coBtian eunnian fandian findan gecunnian gefrignan gefiinan 
neisan neösian ongitan — gafregnan — gifregnan. Arndt 8. 4. 
3. a. hören. 

erfreuen gamna glada gledja goela — bÜBsian geblioman 



ergreifen handtaka hgndla henda nema stra^'a taka 
{liggja ]>rifa — befön bifön forfön forgripan tön gef6n gegrlpan 
gehendan geniman gnlpian gripan häftnan hreffan hrtnan l&ccan 
niman — bif^an gripan (mid mundon). — 

erlangen gdlask äma bida iä. geta blj6ta nä vinna — 
Abidan Aredian Av-innan begitan bidan ceoaan gebidan geceöaan 
gehliötan geraecan onfindan — giuuinnan. 

ermorden, erschlagen s. tödten. 

feig argr blaudr faelt adv. gtiskafullr hraeddr hugblaudr 
hugbrigdr klekkr (loskr) öhvatr ragr — acol aeolmöd anforfat 



127 

bleaA dlenle&s earg fa^^ forhtlic forhtmöd fyrht hildlät un- 
beald — arc — blöthi (an is brioston). — 

Feind andakoti dölgr eikinn adj. fjtodi heiptmogr 6vinr 

— aglaeca andsaca ealdgevinna faersceada feönd fymgeflita fym- 
soeada gevinna bettend beannsceada bildegaest Udgevinna 
nidbete sceada sdneceada scvldbete viderbreca — altviant — 
'^betüand uuidarsaca (und viele Umscbreibungen). 

feindlicb ofugr ämunr balbr eikinn fölkskar heiptgjam 
bdptmödr Ijötr stridligr — egle fläb gram grambeort grambydig 
grambygende bete|>ancol lad lAdvende nearufäg nldbycgende 
orlege viderbyc^ende vidermede vrad — (inuniddies gern) 
unbold an bngie, nltbin endi batul. 

Fessel band besti (bitull) feeti fjQturr bapt naudir eimi 
tramr? — bend bealuclam clam fetor fetorvräeen bäft bäft- 
clamm racente — bapt baptband bapt-beni-litho-clÜBtarbendi 

— f^teröfi. 

Feuer AlvissmM 27 — aldmari (Vol. 69,6; vgl. Müllen- 
boff Alt. bjlb4) eimr eldr funi fürr bripudr byrr logi vagr — alet 
äA Ädfyr kB16g äled äledf}T bael baelfyr baelblyß bael|)racu 
baelvylm bläst brand bryneleöma brynevylm fyrr glM bellefyr 
bedbfyr 1^ 11g valfyr — fuir laue muspilli — eld fiur lögna 
Skaldflk. 62 (Eenningar 28). 

Freude angan fognudr gaman glaumr gly teiti yndi blis 
blids gaman gefed glad gleov brödor bybt bybtvyn liss lust 
myrgd vyn — gaman mendislo — uuelo endi uuille endi 
uuonodsam lif . 

Freund fraendi fridill fulltrür langvinr mAlvinr vinr — 
freönd nydgestealla sib vine. S. a. Gefährte. 

freundlicb blSdr daell drötÜAtr boUr boegr byrr 16ttr 
l^tÜiga adv. (lostigr) öreidr — älmesgeom bilvit blSd 6ete 
fremsum gecveme ged^fe ges^fe getaeee ge|)vere glödlic göd 
bätor bold bybüic leöftael leofvende lid lide lufsun man])vaere 



128 

milde mildeheort onville sefte smedfe smolt smylte softe ady. 
ßvaes svefe v6de — göt götlich. 8. a. fröhlich. 

Frevel feikn feiknstafir firinverk fimar gloepr klaeki Igstr 
leidstafir lyti öfa ökynni öskop sroän (Orög. 8) vamm -^ ^rieast 
aergvyrht aerleäst bealudaed deofuldaed firen firenbealu firen- 
cräft firendaed firenveorc gylt invit invitstäf leahtor mAn man- 
bealu mändaed mänforvyrht mÄnvam mänveoic ^^^•^ nid 
scyld syn unriht vam vröht vröhtscape yfel yfeldaed — virina 
— firinuuerc harmuuerc mto sundia unreht. — 

fröhlich aUfeginn blidr feginn gladr glyjadr heidr heidrikr 
reifr — blide blidmöd blideheort cearleas dreAmhäbbende 
dreämhealdende fägen gäl gWerhd gälmöd gedröme geaf glad 
glÄdmöd hädor heähmöd hr^eädig hrömig hygebUde hyhtful 
lustlice adv. merg meodugdl orsorg rot sörgleäa vilfilgen. S. a. 
freundlich. 

furchtsam s. feig. 

Fürst allvaldr Qdlingr baugbrodi budlungr dfiglingr dröttin 
fölks oddviti (ein fomQfn) fölkvaldi fölkvaldr fölkvordr fylkir 
gramr guUmidlandi hQfdingi herbaldr herkonungr herra hersir 
hildingr hilmir hringbroti hringdrifi jarl jQfurr konungr landrognir 
landreki lofdungr menvordr mildingr oddviti rQgnir raesir sae- 
konungr siklingr skati skjgldungr spillir bauga (ein fornofn) stiUir 
stjöri tiggi valdi vlsi visir yfirmadr {)engill |)jodan |>jodk6nungr 
[im Granzen 48] — anvealda andgend dgendfreä ädelcyning bealdor 
bedggifa beomcyning brego bregoveard bretta bryta brytta cäsere 
cyning d^ma dryhtenveard edelcyning ealdor ealdorman ealdor 
J)egn ealdorvisa eordcyning eorl fengel folccyning folctege frea 
freädrihten freavine freö freödr>'hten fnim frumgar frumgära 
fyrdvisa grefa goldvine gumdryhten gumfreö güdcyning güdfreä 
güdfruma gudveard haedeneyning heretema heretoga herevisa 
herevößa heäfodvisa heähcäsere heähcyning heähfreä hearro bilde- 
\'isa hildefruma hliiford hleödryhten hordveard landfruma leod- 



129 

fnima Mtteöv \eöd leödcyning leödfnima. leodgebyrga magaraeeva 
msndryhten mägencyning magenTiBa ouvealda ord raedend raee- 
bora raeeva recceud sigecyrnng sigediyhten eincgüa |>eccend ^eöä- 
cyiiing ])eoden {>eodfruina JwyÄcyning ])rymcymng veard veoruld- 
cyning vigfruma vilgifa vinediyhten visa [95] — chuDing trubtii) 
MiTo — adalcuning cuuing frö herro kesur. — SkÄldak. 64 (Ken- 
ningar 53), J. Grimm S. 38, Arndt S. 9. — Pör alto. Könige- 
heiti vgl auch Uhland Sehr. ^111, 140; S^iuonB in Paul und 
Braimes Beitr. IV, 166 f. — 

gebären ala bera eiga mQg — beran cennan Acennaii 
gestrynan Atyhtan itydr&n — giberan (kind gidragan) Afodian 
ätiobao. — 

gedeihen dafna fraevaak groa hafask vel vaxa ]>röask — 
blövan gebledsian gebletean geblövau gespedan geflpövao ge^teön 
ge})ingan ge])Ihan grövan oii|iiön on|)Shan onJ>mgaii rogian 8[>4- 
van ]>e6n ])Üuui {)mgan veAxan vridan vridjan. 

Gefahr fär ^oepr? vä väAi — ogläc faer frecen myr- 
cele nyd. 

Gefährte (äshdar) brauti? (Hrafn. 11. 16) fälagi hni^ 
brödir leika fem. (Grott. 11) nautr einm Bpjalli — beöAgeneät 
eaxlgeeteaUa gadeüng gebedda gefara gefSra gehl6da gemäcca 
geoeät gesid güdvine bandgesella haiidgeBtealla heördgenead 
symbelgef^ra Bvmbelgereordu. S, a. Freund. 
Gegner 8. Feind. 

Geist gnd geA hugi hugr hyggja hyggjandi lyndi (Hrafn. 8) 
m^pnbyggjur munr ödi aaeri sefi Be^'i skap — andgit and 
gite blaed breÖBteefa ferfl ferbd ferhasefa fird firdaefa fyrhd 
fyrbdsefa gaest gevit gevitloca heorte hreder hygd gebygd 
byge hygeeceaft hyge^anc ingejjanc möd gem}'nd mödgemynd 
mödge^tanc mödgejwht mödsefa myne Bävel eefa vit ]>anc gejianc 
gejwht — ferah gast (kihuct) muot eila — brioetgithahti gtot 
hugi bugiecefti mödeebo möd eebo. Vgl. a. Sievere u. ^Verstand'. 

Hayar, AltgansMniach* PoMi«. 9 



190 

Gelage s. Mahl. 

Geschlecht Qdli att aett aettemi baidir (Hrafn. 11) edli 
kind kyn — eneö cneörim cneorlB cneösib cndel cyn flUterencynii 
fomcynn tuddor ^ cnuoel — kuniburd endi kndsal, kmuii 
endi kndeal. 

glänzen bllka glte Ijöma lysa akina — beoihtan blkaa 
byrhtan gHwimn glitinian lyhtan sc&nan sdnan — liuhtan. 

glänzend bjartr bleikr fagrligr fränn gaglbjartr hvltr Itr 
itr{)eginn kynbirtr Ijöss (ydQkkr sklrr sklrleitr sölbjartr sölheidr 
sölhvltr vaerr — älbeorht älbcin berht beorht beorhtlic blftc 
byrht claene ealbeorht gläd goldbeorht hlutor hvit leöht leöht- 
baere maere maeretorht morgentorht scir scyne sigelbeorht sigel- 
torht sincfäg sveglbeorht svegle svegltorht torht torhtlic — sui^. 
Glück audna gipt happ heiU kvidr log orlQg saela — 
blaed blaeddagas bled gelimp gesaeld gesaelignes gesynto hael 
haelu heresped sael saeld veonildspM — salida — fruma giradi 
(in Umschreibungen). — S. a. Schicksal. 

glücklich alsaell heppinn — saell — eädig gesaelig gesae- 
ligllc s^l. 

Gold s. Schatz. 

Gott und Götter aesir bond ginnregin god raknar (Hrafn. 
19. 26) regln sigtivar tivurr tlfar tlvar valtlvar vear — gist- 
cyning god goda heim heofoncyning heofonveard leohtfnuna 
liSreä liSruma metend meotud neriend ofervealdend ordfruma 
rödorcyning sceppend syllend settend södcyning sddfäder 
tveglcyning vealdendgod vöhgodu vuldorcyning — cot irmingot. 
Skaldsk. 55 (Kenningar 2 f.) Arndt S. 10. 
grässlich s. schrecklich. 

Gut ödal vollr — boldvela botlvela byht edel göd — land 
endi liudscepi, endi liudi. 

Haus audraun (Fjol. 32") audsalir (FJ0I. 7. 8) bü bygd 
Set gardr holl hogr hof hüs rann salr salhüs setr skali topt 
— bold boldgetimbru botl em haga ham hof hüs säld seid 



131 

fiele — bü bür hüs — gardoß homseli hüs; hobös endi hiuuiski 
8. a. Burg. J. Grimm S. 37. Arndt S. 38. 

Held almr baldr ballridi berserkir pl. bragnar pL darradr 
dslgrognir drengr einheri fölklidandi geimjordr gmmhvati her- 
mogr hjälmstafr hildimeidr kappi knüi kom- kumblaamidr lofdi 
rögapaldr pegn vlkingr [23] — ädeling äacrof äscviga beadurinc 
beaduröf bordhäbbende cempa ferdrinc folcviga fyrdhrinc güd- 
beom güdfremmend güdgelaca güdmaga güdrinc güdsceaSa gud- 
viga häled heremäcg hererinc hearding hildemäcg hilde{)ramma 
hildefreca lindviga lindvlgend oretta randviga rinc sveordfreca 
vlga vigand [32] — khenfo helid. S. a. Mann. Skäldsk. 64 
(Eenningar 31. 47) Arndt S. 12 f. 

helfen bjarga forda fulltyja fultingja hjälpa hlifa likna 

— ahelpan fuUaestan fultuman fylstan gebeorgan gefreodian 
gefridian gefullaeetan gefultuman gefylstan gegödian gemmid- 
byrdan gescildan geöcian helpan Bcildan verian — helfan — 
helpan endi häian. 

Herrscher s. Füret. 

Herz eiskQld fjQrsegi hjarta hugsteinn mödakam — heorte 
S. a. Kenningar. Skäldfik. 70. J. Grimm S. 39. 

hervorragend b. auBgezeichnet. 

Hilfe fulting gengi hjälp lid vilbjQrg — fullaest fnltum 
(LieblingBwort der Psalmen) f>'lst geöc help helpe vradu vyrpe 

— hilfd — helpa. 

Himmel AlviBsmäl 13 — himinn hlymir mänasalr uppheimr 
upphiminn — heofon svegl upheofn — hevan himil üfhimil 

— himil (die übrigen as. Ausdrücke meinen den Himmel ala 
Wohnßitz der Seligen) — Skäldek. 56 (Kenningar 23) Arndt S. 42. 

hindern dvelja letja nfta STOJa verja — forstandan gaelan 

gelettan gemyrran gCBceddan gesceadan hefigian lengan lettan — 

lezzan — lettian. 

HinderniBB dvgl hnekking mein — bld. 

9* 



132 

hören heyra hlusta hly&i ly&t — gehlystan gehynn 
hyran oncnävan — hörjan — gehörian (mid ia Aion) S. a. 

erfahren. 

Hügel dys haugr hlid rQst {>ü& — cnoU dün heÜB hlaev 
hlfd näa näasa veall. S. a. Berg. 

immer mn aldrgaga ävalt ae t nyju — ä ära aefre ealling 
eahieg simle. 

Kampf an bgd brgkun dölg fang fglkrQd fölkvlg guxmr 
hjaldr hildr hildileikr ima naddöl orrosta ömr? rQm rög rftma 
senna skoera strid styrr vig |)rima viking [25] — andvlg beadu 
beadvdae beadnraes beaduveorc bilgesliht bordgelac bordhaga 
camp gecamp campvig ceäs ecgplega ecg{)racu faehd tUlA fMtevig 
fechte fit fllt fymgeflit fymgevinn gargevinn garmitting gamid 
gdrraes gar{)racu gecamp gefeoht gefltt gehnaest geeleht getobt 
gevin gilpplega güd güdgemöt • ge|)ingu • geveorc - geyin • pl^;a 
' raes • scear handgemöt • gesving • gevinn - plega herenid headuLU; 
hild hild|>racu \äc leödgevin lindgelÄc lindplega nid nidpl^;a 
oret orlege plega sacu sveordplega tohte |>racu {)räcvig välnid 
välfileaht vig vigplega vin : 70] — fehta güdea hiltia mötvlc — 
meginfard (cuningo giuuin). SkAldsk. (Kenningar) 48. 50. 
J. Grimm S. 25. Arndt S. 20. Schemann S. 33. S. a. Ken- 
ningar. Femer vgl. W. Grimms mivollendeten Aufsatz Deutsche 
Wörter für Krieg, Kl. Sehr. 3,516 f. 

kämpfen bgdvask berjask hgggvask senna stridä vega- 
eampian f eohtan flitan gef eohtan gevegan gevinnan {)acan. vrettan 
sacan vigan vinnan — pagan stritan (Umschreibung dinc gilei- 
tan) — (as. nur Umschreibungen). 

Kämpfer 3. Held und Mann. 

klagen grata kaera klaka klokkva kveina — cvänian cvi- 
dan geömran granlan graetan greötan heäifan heofan manen 
meornan muman reötan seöfian vänian vdpan — gomön (und 
viele Umschreibungen^. 



133 

klug alsQOtr alsvlAr alvitr fröOr frodhugadr frMligr füll- 
lyninn fuUspakr gedsviOr (g^p) horekr bugall huudTisB koeun 
kuOr? kumir kmmigr leiküm räOBnotr räilBpakr ekilim) eloegr 
snotr Bpakr stdrbrogdöttr 8^-id^ evinnhugadr velapär vitr vittugr 
vis» [30j — andvis a^eäv brägdvls cräftgleAv freigleöv fröd 
fyniTita geräd geanianotor gleäv gleÄvmöd bydig hygecräftig 
fröd gleäv Buottor infröd mödgleiv mödenotlor raedeenottor 
scearp BTftit)]>ancol snotor euudorvis liancBnottor vis vitig [27] 
— fröt listic epähi (nnerottrehtuuis) uute — fr6 spälu geuuittig 
uuorduulfi. — 

König B. FürBt. 

Kraft afl atgervi dädir dugr eljun magn mq;m riki vald 
{>röttr — abal cräft eilen ellencräft eafoA ealmägen — crait 
eilen — kralt mikü. S. a. Macht. 

Krieg b. Kampf. 

kühn s. tapfer. 

Leben aldr aefi aevi fjQr lif — äld äldu ae feorfi feoht 
feorhlif geärdagas Uf lifdagae — aldar güagu ferab Uf. S. a. Zeit. 

Liebe äst (etgi) friilr fysi ged munr munufl — freöd frigu 
berufe Infe lofu mödlufe Bib Biblufe — niinna. 

lieben elska frla fullbyggja Unna verja — freögan ge- 
lufian leofan lufian — minneön uuel. 

Lobn gildi idgJQld laun Umar vlti — audlöan äfterle^ 
daedleto mÜ ondlein — mi&ta — 16n löngeld in6da. 

L008 doemi edU hluti hlutr kostr — gemet hlyt leän 
vj-rd. S. a. Glück und Schicksal. 

lügen e. betrügen. 

Macht altn. und ahd. g. u. Kraft. — anveald aeht geveald 
mägen mägenciäft-eUen-scipe-firym meaht onveald Jtryd Jirym. 

mächtig oflugr ümättigr baldinn mättigr rlkr — älcräftig 
älmeabt dömeödig dömfäst foremeahtig gevealdend meahtig 



184 

onveald rice spMig tlrmeahtig {>rymfilflt {>r7xnfiil [»ryinlic vealdend 
vlanc — kreftic — Mag richi. — 

Mahl Qldrykkjor Qlteiti drekka diykkja erfi gambän 
kyimi lid mftlungr samkunda sumbl veizla verdt — ädela 
beödgereordu feorm spM strengd svaesendu symbel — göma. 
Schemann S. 39. 

Mann drengr dröttmegir pl. ferd fölkdrdtt fylgja greppr 
halr haokstaldi hgddr karl madr rekkr seggr sveinn verr — 
beom cniht drythguma dryhtveras pl. folcbeom freöman magu- 
pega man mäcg mäcge rinc scealc secg |>egn vaepned vaepned- 
man ver — degan man; die as. Ausdrücke s. Sievers u. »Mensch«. 
S. a. Held, Menschen, Schaar. Skäldsk. 64(Eenningar 31. 47) 
Arndt S. 13. 

Meer AlvissmÄl 25 — breki brim haf Iggr marr oegir 
saer vägr ver — brim egorstreäm aar eägorstredm flot flotveg 
gärsecg geofon gifed häf häm heädu heähsae holm hvälmere 
lago lagufästen mere merflöd merestreäm sae saeflöd saeholm 
saestreäm sind väd vär vaeg vaegstedm ydmaere [30] — s^u 
uuentils^u — s^o uuäg — Skäldsk. 61 (Kenningar 25) J. Grimm 
S. 33 Arndt S. 39 f. Schemann S. 34 Merbach passim. 

Menge margr adj. mengi mikill adj.oerinn störr adj.störmikill 
adj. — dryht fela — filu adj. ganiuist gibrac craft gimang 
(alle mit Gfen.) — S. a. Schaar u. Menschen. 

Menschen aldir (vgl. Gering u. Qld) dagmegir dröttmegir 
firar fölk fyrdir gmni halir lid Ijönar lydir mannkyn menskir 
nidjar ver{)iöd virdar ytar ^jöd — aide elde eordbüend eordvaran 
eordvaru eormencyn firas foldbüend guman gumannan gumrincas 
gum|)egna8 häle landbüende leodveras mann mancyn mannon 
mennisce niddas reordberend rincas vaefnedcyn veras veoruld 
veoruldman — firah goman innindeot mannun — firihi gumon 
heriscipi liudi man irminman mancunni manuuerod meginfolc 



185 

rinoöe seggi thioda uueroe nuerod uuerold (und viele Umfichrei- 
bungen). — S. a. Held, Mann, Menge, Schaar, Volk. 

Mord altn. und ahd. 6. u. Frevel. — cvalu cvealm feörh- 
cvealm garcvealm invitecear morSbealu mordorbealu mordor- 
cvealm välfeall välfileabt. 

Nacbt AlviBsmäl 81. nfttt njöl njöla (Hrafn. 26) nött öljös — 
neabt binneabt — synnibte — nabt sinnahti. J. Grimm S. 36. 

Neigung 6. Liebe. 

nie aldregi aldri ae^ä aevagi — aefre na na^fre nö — glth 
nob for, ^ nee after. 

passend bQgligr boefr boegr makligr skapligr soemr verdr 
verdugr — gedafen gedafenlic gedefe gegenge gemäc gemet 
gerisne — sömi. 

reizen s. anreizen. 

Riese bergbüi bergdanir pl. bergvisar pl. fala fem. fiagd 
fem. gtfr fem. gygr fem. b&la fem. hraunbüi boedrungr jQtunn 
imd fem. Ividja fem. oegir risi J)urs [16] — ent eoten flfel 
^ant Jjyrs. 

RosB drQsull goti besti bulkvir jör rgkn soduldyr \'igg 
— ealcrand eob fätbengest beugest mearg vlcg — vola. 
SkÄldsk. 59. Vgl. aucb Pfeiffer Das Ross im Altdeutscben. 
Breslau 1855. 

ruben b\'ila sitja sofa — älicgan gebidan gestillan restan 
stiUan runian. 

Rubm 6. Ebre. 

Scbaar folkdrött berr bjordrött bjälmdrött hird lid 
slnni sjot? verding verbd vigdrött vlglid {)jöd — cordor cyst 
drybt eorlmägen eorlveorod eöredcaest f eda fedebvearf fyrd fird- 
getrum gäifaru gärheäp gedrj'bt geneätscolu gesidmägen getal 
getrum ge{)räng güdbere berecist herefeda herefolc beremägen 
bere|)reät blöd leödmägen lindgescrod mägencordor rün sinbere 



136 

sveot teoh {^rym vigheap [34] — heri folch gisindi (heries 
craft). S. a. Menge und Volk. 

Schatz audr aurar pl. baugar dyrgripr eiga eign eyrir fö 
gorsinar gull hofn hnoesir hodd hringar jarknaateinn kinga 
maeti meidmar men sigli [20] — aeht aehtgesteald aehtgestreön 
aehtvela aervela beäg beäghord beägoridu ealdgestreön eäd eäd- 
vela eordvela eorlgestreön feöh feöhgestreon frätve fymgeatreön 
gehyrst gestreon gim gleng gold goldaeht goldhord guxnfMa 
heihgestreon hord hordgestreön hradxnäddom hradmägen hradvjm 
bring hyrst madian xrdtduniaeht fit gesteald gestreon bord 
sigle vela mene ofermädmas ofervlenca scedt sine sinefät 
sincgestreon sincginn sincmäddum |)eoduniÄdum vela veoruld- 
feob vlenco [52] — bouga bregil — gold balsmeni möthmös 
metbombord scattös (und viele Umscbreibungen). 

scbicklicb s. passend. 

Scbicksal altn. und abd. s. u. Glück — gebyrd gelac 
gifede lifgesceaft meotudgesceaft vyrd — (as. nur Umscbrei- 
bungen). 

Scbiff batr beit eikja far flaust Hey kjolr kjoll knorr 
langskip iQgfäk saetr^ seglmarr seglvigg skip v^gmarr — aeg- 
fiota bat brandstafn brenting bundenstefna ceol cneäv fAr fleot 
fiota bömfiota homscif bringnaca lid merebat naca saebAt sae- 
fiota saenaca scip scrad? vaegflota ydbord ydlid ydlida. Vgl. 
J. Grimm zu Andr. u. El. S. 33. Merbacb S. 29 f. 

Schild lind rQud skjQldi* vignest — bdnhelm bord 
bordbreoda rand veall vudu geolorand güdbord laerig lind 
oferholt rand scild sidrand — lint seilt. Arndt S. 24. Sche- 
mann S. 28. 

Schlacht s. Kampf. 

schlagen berja beysta hQgg\'a hrinda knyja lemja Ijosta 
sla vega — beatan cnyssan drapan gebeätan geheavan heävau 



187 

sle^ Bvlngan — bretön hauu&n p&gan — hauuaD alahan. — 
8. auch kämpfen. 

Schlange altn. ags. e. Drache; ae. n&dra, uurm in Um- 
echmbungeD. 

echlecht b. böse. 

Schmähung jell? lastaetafir — biamer ed%it edvitetäf 
fracod hearclc\ide hearmcvide hoep faoBpcvifle hospvord leahtor 
leabtorcvide teöncvida teönvord — baluspr&ca bismerspräca 
fiiinquidi firinepraca firinuuord harrnquiili gelpquidi hose endj 
inuuidradoe mdnBpraca BÖttuuorfl. 

Schmerz ekki erfidi graeti harmr kvgl mödtn^ nauflr 
oftr^ 6viH eoi^ strid eäsbreki sät ^vrgja tregi verkr tÜ ^t& — 
gast^Tinn gäetcvalu oncyA Bär sübI iseg» vüic veorc — 
arabM barm läth sArdid uuiti. 

Schmuck b. Schatz. 

schmücken gQlga goeda reifa Bkreyta — ästaenan byran 
frätvaji frätvian gebrihtan gefrätvan gefrätvian g^rvan geglengan 
-hreöAan ■ hyretan - regniao - scyrpan • eeiran - vlencan - Tlitigean 
geatvian glengan hreödan hrj'Btan hyrstan scyrpan — (Um- 
schreibung ^Id. 61) — (as. nur Uniachreibongen). 

schnell brfUtr brAlla adv. bräUiga adv. fljötliga adr. hv&t- 
liga adv. krappr öliga adv. skjötliga adr. skyndr enefugr enem- 
ma adv. snjallr eviSi — ädre adv. berhtmbvät breahtomhvät caf 
edre adv. earu faeringi adv. taerllce adv. geeaxu gUme adv. 
gehael hrad hräd hr&d instäpee adv. räde adv. send snel sneöme 
adv, snüd eöna adv. svift — dritte adv. 

BchÖD fagr Ijöse lostfagr soemleitr vaenn — Arllc aenlic 
cyme cymellc fäger fäd hive seine vlitesoj-ne vlitig — fagar, 
Qulitäg endi uunsam. 

Bchrecklich armr armligr atall grimmr 61mr slid — an- 
giyslic atellc atol älfäle egsfulllo — virinlih — egislic. 



188 

Bchtlttflln s. I 

Schwert ukrf (y^ Hohauum Bdd« 87S,89) taandr 
brlmir broddr egg hjQir nudjr (mjittiifir} oddr ikklm mrd 
TalbQBt — beedomfice bU ec^ gAdbUl g<Ubnort hifbntae hiU 
hildebU hiingmMl Iren Ifem mMui niveord mtoe Max ngevaepoi 
Bveord vaeg-sTeord vlgbil — bil nert — bOl eg^ merd w^mul 
Arndt S. 26. Scheauum 8. S8. 

achwingen benda breydk drep« dyJA iegja hi^rt* brifta 
kuta kippa ekska akeUa skjdte aUngra dyngn Trift verpa — 
ivecgan bretan bregdan veorpan — brat6n. 

Seele g. Geist. 

sehen horfa ham kdpa Uta da — baiedii geaoeiTUii 
geeedn-Btaiian -Titan -(mdsete-ondTUtan IBdan odmAd aoedTian 
seöa starian vitao vtitan — gisihau — ankninian sehan 
acannön. 

siegea bera af — ofercuman-feohtan-sUgan-Btii&tn — 
vigan — (Umschreibung Hild. 61 — 62). 

Sinn 6. Geist. 

Sitz s. Bank. 

sogleich 8. schnell adv. 

Sohn arfi aiipep borr erfinTti erflTgrOi konr famdr mQgr 
nefi nidr Öekmtgr stjupr stjilpeonr — beam byre cynebeam 
eafora mago magu magutimber sunu — bam sun. S. auch 
Verwandter. 

Sonoe AlTieamäl 17. i^dull efll sunna — roderes candel 
(ein fomQfn) heofoncandel sägl sigel böI eunne snnnu — aonna 

— sunna sunno. SkÄldsk. &6 (Kenningar S. 26). 

Sorge snn soi^ — aglaeea anda anhoga breöstceara breöst- 
cvyha ceare cearesorg cearn cearnTylm gehdu gnomsorg gymen 
hygeaotg mödcearn mödgevinna mMeorg nearusorg sorg ymbhc^ 

— aorga — brioetkara mddkara sorga. S. a. Schmerz und 
Unheil. 



13^ 

Speer askr döf geirr (oddr) spjöt — äse darod darodäÄC 
deadepere iranca g&r garholt garvudu güddvudu ord epere 
välspere — ecaft sper — gte ort. 6. a. Kenningar. Arndt S. 27, 
Schemaxm 8. Sl. 

Bpeiee Ata aezli bdta brädir födrlarfir (Hrafn. 28) kräs 
matr orkoeta enapvist veidimatr — anleofa aet födor — meti. 

sprechen (duldi |)e86 vaetki AÜm. 10,4) kalla kveda 
kvedja Uta lesa lysa maela oepa roeda segja telja — and- 
hettan andhötan andsvarian andsverian andsrrdan äcigean- 
• cvedan - nemnan • reccan • eecgan - sprecan beredan bodian 
breödian cennan c^an ceaUian clgan cleopian clypian cvedan 
cydan galan gebeäcnian • clgan - cvedan • cydan • gr^tan • manan 
meldian- reccan -eecgan -sprecan gieldian gr^tan hätan hleödrian 
hligan hrdpan laeran madelian manian maelan maenan maeran 
maersian meldan myndgian myngian nennan oncvedan on- 
maelan reccan rtetan reordian sagian secgan spellian sprecan 
vr^can — kundan mahalan rahhön seggan sprehhan — Sie- 
vers u. »anreden«, »antworten«, »grüssen«, »sagen«, sprechen«. 

stark bitr froekn krQpturligan adv. meginligr rammr ramm- 
liga adv. rgskr snarr stinnr |)6tt6öugr ])rüdugr — beald cräftig de6r 
dömeädig eUenröf edcen cacencräftig forsvid gevealden mägen- 
eaoen mägenheard mägenstrang röf stearc sträng stranglic svid 
trum {>earl J)rydfull oraest — kreftic. S. auch mächtig und 
tüchtig. 

sterben deyja fara ganga til heljar hniga koma fram 
(Sig. sk. 62, 4) sofa svelta — cvelan svätan — (Umschreibung 
Musp. 2 — 3) — döian fallan quellan sterban sueltan. J. Grimm 
Myth. *&37. 700 f., auch Gesch. d. d. Spr. S. 131. Arndt 
&. 45; vgl. auch Ziegler Caedmon S. 121 f. 

strafen gjalda hefna kvelja reka — Ageldan gevrecan 
vrecan — suonnan enti arteiUan — uuitnon. 



140 

streiten a. kimpfeo. 

Strom AM atnamr ver ^odi — a4 etoboAm fli ge iM t wfan 
flAd lagoflAd Ugnstreim .rttersbeAm — th — AM. — 8. a&cfa 
Meer tind Welle. 

tapfer ballr Mdlrskn b^MiAr eljunfaoekn üuog/AtwaSt 
flngu tnodr tölkdjaifr froekn risAr luiAr hudhiuaflr luutt- 
mdttagr hugfullr hradr llfhvatr mMogr dblandr ApiliTato oetr 
rakklAtr mnmhagadr raUtr uurlyndr snsrridr BoJaDr stOrhogadr 
•tonidugr üUhngaJr vigtroekn vlgririiin ^rftttoiAdngr [88] — an- 
hydig annAd ib-hvat beadnciVtig beadnscearp beald ctee oyiie- 
bald daedctoe deör de6rmöd dollic elleoheud elle&^riBt Bit- 
hydig felamddig treo fyidhT&t g^iceoe gärj^rist gebeert gen- 
aldeninöt gMfrece gdAhvit gAOmöd headttdeör headtuM heatdmdd 
hildedeör hrät faväte&dig hygeröf hygestrang byge{)yhtig leödhvU 
mOdig mödiglic nldhydig onmftd orlegfrom sec^vät aeanxgn» 
searogrim ^rficiöf ]>rlBt unearg anforht vl^eard [48] - — chönl 
pald (Umschreibang Hild. 27). S. a. ausgeseicbnet, mftchr 
tig, atark, ttkchtig. 

täuschen s. betrügen. 

Teppich ärsali blaeja bordl boekr lln |>ak vgL Weinbold 
Altnord. Leben S. 331. 233. — äet. 

thöricht a^^pi doelki dulidr beimskr tenjallr Osootr 
tovidr oerr — dol dyaig gediaes gevitle&a hygde^. 

Thür dyrr gätt gn'nd hh'd hurd steindyrr tAohlid — cesster- 
hlid dor dura porte. 

Tisch bjöd bord skutilL 

Tod andUt bani daudi daudr mJQtudr — aerdead beadu- 
cvealm bealucvealm cvalu cvealm deod endedead endellf feorb- 
cvealm fyl güddeadhryre mäncrealm nidcvealm erylt sviltde&d — 
d6d (und Umschreibungen) vgl. J. Grimm Myth. 700 f. Arndt S. 46. 

tot anda^ daudr eggmAdr framgenginn lidinn nir nifl- 
farinn öUfdr sättdaudr — daed deadv^rig eatdorleäa fa^« 



141 

fylv*rig gftstleb geleoren veorulddeAd — tot — gifaran d6d 
bidolbao Übe« lös. 

töten baii& (at bana verda) berja drepa i hei, ly^a elli, fella 
hgggva kvelja eenda helju, lata ganga nae&t heljar, kvelja l^gja 
sverdi, Ijöata mj-rfa rej-na gerva, rjoÄa sverd (hvern litn J>eir hQfdi 
Bkamra Hym. 15,1) slä anyta evelta vega — äbrediian beätaii 
cvellan-cvelman forvegao fyllao gefyllau geeleän ofeleto Bvebban 
— arunartan (banuii gUastan) (ti banin nuerdan) — slahan 
gpildian uultnön uuÄgiaji (und Umschreibui^n) 8. auch ver- 
nichten; vgl. auch Ziegler Caedmon S. 121 f. 

traurig dapr glyetAmr hgrmugr fikatr öteitr sorgafullr 
Borgmöd^ (sätum Bollinn) tveginn tvegliga adv. viljalauas — cearig 
dreAmleis dreörig - ferd - hleör - möd felageömor freörigferd 
-möd fyrthtverig geömor geömonnöd gnorn gnomcearig grome 
adv. heAnmöd hredleAe hreöh hreöhm&d hreöhcaiig hyge- 
get^or atbie mödcvenig m&dgeömor ecönig Bcönigmdd a&rferhd 
BBiigferd s&rig seoc Boi^ful svearcendferbd Bvorcenferd unbllde 
unröt vörjgferd [36] — piduungan. — as. nur UmBchreibungen 
B. Sievers u. «betrübt« S. auch elend. 

tüchtig d&drskkr djarälga adv, dijögum adv. dyggr framr 
fridr gödr |>j<Sdgödr — afor ärfäst beald breane cystig daedhvät 
de6r eomeste adv. felatrör fram frenae freom frum göd gödlic 
bandröf heard hrfir hvät hvätmöd meagol meodum til tnun — 
(Umschreibung Hild. 51 und Hei. 4792. 5886). S. auch stark, 
tapfer. 

umarmen fadma hälsa lykja spenna, verja armi — fad- 
man ymbclyppan ymbeffin — antfähan (mld axmun udgl). 

Unheil bftl bglstafir fjffrlot forad forsksp grand härm- 
Iji^taD ilt lae meinn ofstrid ögegin ögött ökapp vi vidi viti 
yggr [18] — aglaeccräft atol bealu ■ nid • sid - sorg byrst ceanöd 
-Borg cöda deru dryht«nbealo forvyrd gryn hearm earmstäf 
l&d laaddu nidcvaelu orleg Bpild taeeu te6n teöna t«08a unhaelu 
nä yfel [28] — w*wurt. 



142^ 



Unrecht feikn feiknatafir firinverk fimar klaeki UMr leid- 
stafir lidi ofa ökynni öekorp sm&n (Grog. 8) vamm — irletet 
aergvyrht aerleäst bealudaed deofuldaed firen firenbealu cräft 
daed veorc gylt invit invitstaf leahtor m&n in4abealu daed 
forvyrht vam veorc misdaed nid scyld syn unriht vam vröht 
vröhtscipe yfeldaed — sunta virina — as. b. u. Frevel; 
Sievers u.. »Sünde«. 

sich unterhalten s. sich besprechen. 

Unterhaltung andspjQll andspilli bedmU gamanrünar 
mal rünar spjQll tala — aefenspräc mädel rün. 

Untreue afräd lausung lygi mein sveipvlsi svik svipvlsi 
tal völ — untreov untreövd. S. auch Unrecht. 

Urzeit är alda ärdagi 4rtid fomeikja or6f rgk — aerdagas 
aervoruld frumgesceap frumsceaft fymdagas fymgeftraa geärdagas. 

Verderben s. Unheil. 

verderblich s. schrecklich. 

Vergeltung s. Lohn. 

vernichten eyda fara glata gleyja mglva spilla — ädilgian 
-dväscan-fyllan-getan-gitan-hydan-veorpan forbrecan-dön-grindan 
-leösan-spildan fyllan geby8gian-hnaecan-hnaegan-scaenan-|>reon 
-vyrdan miscyrran töbrecan - brägdan svendan teon — veorpan 
vdan. S. auch töten. 

Verwandter attnidr runnr stafr ättungr aettingi aettmenn 
pl. fraendi hofudnidjar pl. langnidjar pl. mQgr n&bomin 
näinn nefinidr nidr siii sifjungr systrungr — cneömagas 
pl. freomaeg geädele gemägas geneähe gesib häredmen pl. 
hleömaeg mäga maeg sibgemägas pl. veoruldmägas pl. vinemaeg — 
sipper man. — (as. nur Umschreibungen) — S. auch Geschlecht, 
Freund. 

verwunden benja blta raufa saera — ävyrdan bitan 
dolgian forwmdian gebennian gescaenan gevundian — aniuarteo- 
— (as. nur Umschreibung). 



145 

Volk alta. nnd ahd. b. u. Schaar und Menge. ' — diyht- 
fblc dugnd folc fok^esidae - mägen ■ acipe gumleöd haedencynn 
ingejteöd l«6d Bceaniecipe-Btebi tua^S sidfolc ]>eod-Bt«fii-ver{)eöd 
veorud vld iolc -^ thiod. 

völlig gerla geirva — innnga. aeninga endemes eallenga 
«allonga fnl gegninga gegnnnga gearu gearulice gearre. 

vorsichtig gfiügr gaetinn geyminn ofvarr vair — vär 
värllc. S. a. klug und feig. 

Vorseichen merki ordheiU riti (Grott. 18) (Unwchreibung 
Reg. 19 — 20) — bten Mhd forebeäcen ttcen veit&cen. — 
bilithti böcan töcan. 

Wald B. u. Baum; as. uualdee hlea. 

Weg braut farvegr flugstägr ferA foldv^ gagnvegr ganga 
gangr gftlgvegr leid moldvq^r niSvegr einni Bläd spor väetigr 
vegT [17] — bigang briml&d eolet eorSveg farodstraet faru fät fft- 
degang fömig feorveg flotveg äfrdveg foldveg fordveg gang gel&d 
geong hereetnet lad lagul&d laguetraet last mereetaraet mdveg 
Btd ndfat Bido atäpe Btraet vftdu veg ydlfid [32} — uu^. 

Weib brüdt dis dröe eir (Fjal. 28) fljM horgefn karling 
kona kv&n kvaen kvenna kvinna man maer menglfid mey Bn6t 
Bpnmd (Hrfa. 20) svanni (ebd, 21) vif [22] — bi^d cv6n faenme 
freodnvebbe heö fridoeib gibedda gesinge gemäcca ideE> ma^ 
mägden mägd me6vle vif — idis prüt — brüt Skeldsk. 84 
(Kemiingar 31. 47). Arndt S. 32 f. Vgl. auch Weinhold Deutsche 
Tnaen * I 8- 

weise s. klug. 

Welle bira hrgnn unn — flödyd gefonyd holmmä^n 
raefarod saevaeg saeyd vaeg vÄt«ryd vealca yd — uuäg. 

Weitende aldarrof ragna rokkr ragna rfik (vgl. Müllenbofi 
Zb. 16, 146 f.) — de&dleg dömdäg te6nl^ — muapUh (Um- 
schreibung Musp. 73) — ae. f. Sievere u. »jüngste Tag«. 



144 



wild aftin atdl 

»fr (iq — •inr 



tUe rUouAd nör itanga iljiniB (rahl ^<>Udkn0 vilndr 
TÜd t29j. S. anefa ■chrecklieb. 

Wind illiiiiimll 21. bjir itaRnr viadr — Ana vmd jM 
(KaDDingw SkAldak. 87). J. Grimm S. 8(k 

Wolf gm iMJJWiigf ftifr TiKgr Titnir wgjiija fioL — 
hottM gdiUdk (an fongbi) tworavaart veug raU — noott. 

Wort itkraadi mil ocd toate — evida gipiendB gencsd 
UeöAor hol mittderide raofd ^egea «AdeviA» aö^pd qpd 
aiHMC (e6diBTord nndenda-hlsödor-Iada — nnoct 8. auch 
ünterhaUnog. SUidA. 72. 

Waode banaair boo dAI^ior a4r and ■ — ben boalnben 
dolg dcdgben feoriiben faoclidolg fa ot fa Y nn d hnArttifllnni htora- 
bOD lAiboi seoQabea seoDudolg siodolg vilbtn Tmid. 

wänacheD aata (bj^ra) besda bi^a kjdaa ^ratir mik mona 
mona tidir mik vaetia lüja — gegjfua n - myntan - nydan 
-|wikcaii gyman hmtan ^li^*» i«"g™" Imgiaii mnnan mjntao 
nTdao römiao *i ti*" rillan TÜlian vonian nüian — hstit mih. 

Zeit old &r m&l simi täm — äld ilda l^n dk^vtl fjrat 
gabyn geir gemäl gertm hril mael naahigeitiu ttd ^ng 
Tconüd — Teonddatund vint^genm getäl um vldn — tid. 
SkAldak.ö3. 

a«rbrecfa«a s. brechen tnos. — 

liemen dogs doema soema — gebvrian geda fcni an. 

Diese 160 Xvtmmeni düriten die wichngatm Wtwte der 
altgerm. po«tischea Sprache wohl so riemltch unt&aaan. Doch 
fürchte ich. da«» ttou aller Bemdhung die ga mmlnn g der ein- 
Eelnen heiti noch nicht gaiu ^-oU9tänd^ $«in «izd. «fibcend 



M>. w- 



145 

leb wohl kaum wichtige oftvariirte Begriffe übersehen habe. 
VerBchiedene Schlagworte habe ich, nachdem ich sie in mein ur- 
sprüngliches Verzeichniss aufgenommen hatte, absichtlich aus- 
gelafisen, weil die Zahl ihrer Variationen in einer oder allen alt- 
germ. Dialekten zu gering war; so die Worte für Helm imd 
Panzer (für die ags. Termini vgl. die schon dtirte Dissertation 
von H. Lehmann), dann z. B. Alter Bitte Flucht Last Sieger 
Thal Thorheit, bewohnen binden kosten loben, beständig falsch 
trunken veränderlich u. a. Ich möchte bei dieser Gelegenheit 
bemerken, dass die Häufigkeit eines Begrifis für die seines 
G^entheils gar keine Sicherheit bietet. Z. B. »Hügel« und 
»Berg« sind recht beliebt, »Thal« ist selten. »Frevel« kommt 
oft vor, aber kaum je wird eine Handlung als »edle That« be- 
lobt. »Schmährede« ist wiederholt zu belegen, »Lobesworte« 
nirgends u. s. w. — Im ganzen habe ich mich aber bemüht, 
den Vorrath an \\'orten für die inachtigsten Begriffe möglichst 
ausgiebig zu sammeln. Um bei Bemühmigen für eine alt- 
germanische Synonymik die schwere Arbeit etwas zu erleichtern, 
habe ich wiederholt dasselbe Wort unter mehrere Rubriken 
gebracht, sobald die von mir benutzten Wörterbücher die Be- 
lege xmter dieselben vertheilt hatten. Doch fürchte ich, hier 
durch zu engen Anschluss an die Wörterbücher nicht immer kon- 
sequent gewesen zu sein. Auch sonst ist mir das geiiiss öfters 
begegnet; ich habe einen Begriff wohl altnord. enger gefasst als 
ags. u. dgl. m. Am häufigsten habe ich den Fehler begangen, ver- 
bale Kenningar (s. u.) im altnord. unter die einfachen Worte zu 
mischen, z. B. unter der Rubrik »sterben;« nachher liess ich sie 
in der Sammlung, weil zu viel doch immer besser ist als zu 
wenig, imd so mag der kleine Ueberschuss solcher Stellen Lücken 
an andern Orten ausgleichen. — Aus demselben Grund beliess 
ich auch die aus Lünings Glossar aufgenommenen nur in FJ0I. 
Grog. Hrainag. belegten heiti in meiner Zusammenstellung. — 

lC«yer, Altgtnnaniscbe Poetie. 10 



146 

VMROohe icä anen ir«badtWok mau Bnauiang, du null 
ftUedam (wie wohl jedM ente WBctvboah) onr ti^ Vonrimt 
einer weitergehendfln und tfatediingflDdan Azboit angewhsD 
warden dul, so findet elioh lanlohat amen MainnTig, ^am die 
Vazübüittt eüm Wortes dnroh die Wiohti^eit «einee Begrifb 
bedingt sei, ToUaaf beititigt. loh »erw de e beeond e ie auf die 
Orappen FOnt (im Garnen bei mir 146 WorteX Hrid (67), 
Kampf (108), klug (64), 8obati (76), taplar (78). Dm OWohe 
xeigt öoh aaoh, venn man dieee altgtnn. lieblingnForte mit 
den meietvaiürten Worten atutosr Spntdien vn^^aioht, i. B. 
denen der Araber, die ffir den Löwen 60, tOi den Honig 90, 
fOr die Schlange 800, für daa Schwert 1000 Synra^ma haben 
BoUen (Herder Unprong der Spiaohe 8: 86 vg^ ebd. 8. 87 
and Geist der Ebr. Poesie S. 9—10, bd Suphan 11, 888) oder- 
denen der Inder, die Mh Sammlungen ihrer heiti veranstaltet 
haben (Benfey Gesch. der Sprachwissensohaft S. 64) and darin 
z. B. für »Erde« 21 Benennungen aufführen. 

Daneben leigen aioh dann auch Schattirangen nach dea 
Dialekten. So sind die Worte ffir Meer Strom WeDe Schifl 
ags. viel zahlreicher als albi.; dag^en sind s. B. die -Worte 
fOr das Haus and seine Einrichtung: Bank Teppich Thür 
Tisch in der Edda stärker vertraten. Ags. treten die B^riSe 
. «ÄUBfiehen« ■berühmt* «böse« »Ehret *dend< ifreundlichi 
•fröhlich* *GeiBt( »Grott« «helfen« »klagen« »schmflcken* 
>Bprechen< >traarig< >Weg* mehr hervor, wob« freilich immer 
die bei weitem grössere Zahl der ags. Quellen su beiQck- 
sichtigen ist; aber trota derselben bleibt z. B. bei den Worten 
■klug* »Schmerz« und — »Bier« die Edda im VortheiL Aus 
dem christlichen Charakter der meisten ags. Lieder im Gegen- 
satz zu den altn. erklärt sich auch z. B. dass »Riese« altn. ao 
viel Öfter variirt wird. Von jenen andern Begriffen entstammen 



147 

^cht wenige eist der christlichen Literatur; daher die Häufig- 
keit von »böee« »freundlich« »Gott« »helfen« u. a. Um den 
mächtigen Einfluee der Uebersetzimgsetücke, vor allem des 
Ptalters, XU beleuchten, bringe ich hier zwei ags. Gruppen 
nach, denen altn. xmd ahd. kaum ein einziger Beleg zur Seite 
ZQ stellen wäre. Grein giebt für die Worte der ersten Gruppe 
meist removere, für die der zweiten terrere: 

entfernen äcyrran-dön-draefan-ferian-ferran-firran-fjrrran 
-hverfan • hTyrfan-suifan • sellan • styrian-sväpian • |)ingan -vendan 
tv^an bebügan feorran forscüfan gehvyrfan. . 

erschrecken &faeran-f6n-fyrhtan br§gan egsian geadian 
(über die ags. Worte für »Schrecken« vgl. J. Grimm Andreas 
und Elene S. 32 Anm.) 

Dass Begriffe wie »Macht« »Mord« »Volk« nur ags. von 
nahestehenden anderen Begriffen differenzirt scheinen, habe ich 
in der Sammlung selbst angedeutet. 

Wie überall habe ich auch hier solche Worte mitgenommen, 
die nur in ganz bestimmten Fällen mit der Ueberschrift wieder- 
zugeben sind oder überhaupt dem Schlagwort nur nahe stehen. — 

Wichtigere Unterschiede der Dialekte müsste eine Ver- 
gleichung der einzelnen Worte ergeben, wozu hier nicht der 
Ort ist. Angemerkt sei nur, dass das ags. seine jüngere Stufe 
hin und wieder durch Fremdworte wie franca und porte ver- 
räth, das ahd. aber eine ähnliche Richtung wie die Skalden- 
dichtnng durch Ersetzung einfacher Worte vermittelst Umschrei- 
bungen einschlägt, (so »begierig« »berühmt« »betrügen« 
»schmücken« »siegen« »sterben« »töten« und von Nominibus 
»tüchtig« »Verwandter«). Darin geht dann der Heliand noch 
weiter; noch mehr liebt er aber, einfache Worte durch Ver- 
bindung von zwei oder drei SynonjTnen zu geben (vgl. z. B. 
»Blut« »dunkel« »Freude« »Geschlecht« »helfen« »Land« »nie«. 



!(>• 



Andi das iit IQ b«ufat>ii, vU oft **"*"**« ürtliiü*, imd 
sirer beiondns tadalnde, dondi Ve nMKDnn g am Gagantbafla 
g^dMD woden, «Ita. maiBt mit NagKtloiuputfkd and Adjdliv, 
agB. aüt SabrtutiT tmd lata. So M *bOM< •Mg«* »thbcidit« 
>tr«irig<; dam steUen rioh dis alte. Adjaottva iutäm und 
vammalaaaa. Solob« Con^KMitioD wir «bao «in beqnsiMa 
tfittd aar Vennehraiig daa poatisohoD WottMhalm, imd daaa 
die gflnatig nrtheilenden EJgwiaoha fti wCrtar dia Fflhnmg haben, 
begraift aicb leicht wia dv pnaen Art dar &mk IdaalUnndeD 
Poeeie. — 

ffinaiabtlich der Begrifla nnd der Dialekte fandaa wir nur, 
waa IQ arwMTtea war. Al>er von dso Wortklassen aobänen 
Verba and Adjectiva sttrkar aioh TOnodringen, als die sab> 
Btanttvische Poesie voraoBaehen lieaa. Doch gerade dies Hbrt 
auf eine charakteristische Erscheinung. 

Prof. Scherer hatte mir geaagt, das Vertedehniaa der Syno- 
nyma BoUe ans das FachweA veranaohauliohen, aas dem die 
Skalden das nöthige Material holten. »Eigentlich braochten 
aie fflr jeden Buchstaben je an eigenes Wort«. DarchblUtert 
man nun unsere Sammlung, so findet sich das bei den Haupt- 
wörtern selten auch nur annähernd erfüllt So fangen von 
sechs altn. Worten für »Aussehen« vier mit 1 ao; die dn- 
undzwanxig ags. Worte für »Feuer« haben nur siebwi Terschie- 
dene Anlaute; von den neun für Geschlecht b^;innen sechs 
mit c, twei mit f, endlich eins mit t. Nur die aUerbedeutend- 
sten Worte wie vor allem »Fürst* und »Kampf« gehen wid- 
lieh iatA durch das ganze .\lpbabet. Nun aber bei d^ 
Adjektiven und Verben, die wir aU poetische Beiwörter 
den poetischen Hauptwörtern der altgerm. Dichtung gegenüber 
stellen, da haben wir allerdings Mannichfaltigkeit des Anlauts. 
Selten b^innen sie mit gleichem Laut (denn Präpositionen 
kommen in älterer Zeit für die Alliteration ja nicht in Betracht). 



Bei >\ii>?taririven trcfien wir sehr oft eine ganze Reihe von 
Zusammensetzungen mit demsell>en ersten Ghed, z. B. unter 
> Schatz« sieben ags. CompositÄ mit mädum/ Davon hat natür- 
lich der stabreimende Dichter keinen Vortheil, wenigstenB was 
den Reim angeht; der Versbau mag allerdings den Besüi auch 
dieser Variationen z. T. wünschenswerth gemacht haben. Da- 
g^en bei Verbis und Adjectivis ist dergleichen viel seltener. 
Häufiger ist schon, dass Nebenformen bei einander stehen, T\ie 
beeonders oft neben dem einfachen Adjectiv dasselbe Wort mit 
— lic. Zuweilen entspringen auch mehrere Adjectiya oder 
Verba gleichen Anlauts einer Zwillingsformel (s. u.), t. B. fregna 
und freiBta. Aber neben all solchen Fällen der Variation bei 
gleichem Anlaut, die die Nebenwörter der poetischen Sprache 
seltener zeigen als die Hauptwörter, treffen wir unendlich öfter 
bei Verben und Adjectiven auf Variation mit wechselndem 
Anlaut. So zeigen die Synonyma für »klug« folgende Anlaute: 
altn. a f g h k 1 r 6 sp st v; ags. abcfghimrs|)v; 
für »tapfer« altn. befghlmörsstvj); ags. a b c d 
efghlmnosf)v;für »töten« altn. bdfhklmrs 
T, ags. b c f s V, u. s. w. Doch bei so häufigen Worten könnte 
man erinnern, wir hätten eben erst von »Fürst« und »Kampf« 
dasselbe gesagt. Aber wir finden ähnhchee durchweg. Z. B. 
für »gedeihen« altn. fünf Worte mit fünf Anlauten, für »schön« 
fünf altn. mit vier, zehn ags. mit sieben Anlauten u. s. w. 
** Also: da das Substantiv den Vers bestimmt, braucht es Vari- 
ationen nur in so weit, als eben der Geschmack der Dichter 
diese liebt. Adjectiv und Verb aber müssen eigentlich für 
jeden Anlaut eines Substantivs, zu dem sie gezählt werden 
können, eine besondere Variation besitzen. Hier ist alao die 
Häufigkeit doch nicht allein Function der Wichtigkeit, sondern 
gerade die Abhängigkeit vom Substantiv verlangt Neubildung 
von Synonymen. Das Substantiv wird um seinetwillen variirt, 



150 

deahalb ist sein Anlftot ^öcbgUtiger; AiJ^eottr und Vnb mrdea 
um dea Snbetuitlva willen Tnindert and richten sich daher 
nach diesen in der Reimfilh^eit. 

Bin beeonden anaehaulichea Bild von diesor Unterthänig- 
keit der >TerBfQllenden< Worte and von der Hemcbatt der 
reimetabtragenden Sobstoativa bieten nrei Qnqtpen von Verb«, 
die ich deshalb bis hierher aufgespart habe. Aach deshalb 
schon ist ihre Sonderang berechtigt, weil sie sich kaum 
wie die früher veneichneten heiti unter die Fflhrong eines 
einzelnen Wortes aua ihrer Mitte steUen lassen. Die eine Klasse 
zeigt nochmals die Wichtigkeit der Substantiva, weil sie ihre 
S^ke nur dem Bedürfniss nach immer neuen Hauptworten 
verdankt; die andere die Bedeutongslosigkeit der Verba. 

Ein Substantiv bat der Dichter allseit an dem Subject 
des Satzes and dies lässt er sich auch ja nicht nehmen. Ich 
meine, dass hieraus realistischer Vieles zu e^Ulren ist, was 
Heinzel in seinem schonen Aufsatz über den Stil der altgerm. 
Poesie vielleicht zu idealistisch und poetisch erklärt hat. Vor 
allem die Ersetzung des Pronomens durch das Epitheton (näm- 
lich das substantivische, wie z. B. helidAs zu Hiltibrant enti 
Hadubrant, la bei Heinzel Q F 10, 3 f., 49). Aber ebenso auch die 
Nachstellung der Apposition : aach dies substantiviscüe Element 
muss am Versanfang stehen (z. B. Hadubrant sprach, Hilde- 
brands Sohn, wo eben das Verb als Läckenbüaser zwischen die 
Stäbe geklemmt wird; Ib bei Heinzel S. 5 f., 49) und ebenso 
die versetzte Wortfolge (i. B. Hild. 20—21: prilt soll den Vers 
beginnen; bei Heinzel 3, aao. S. 12 f., 49). Also: Regel ist, dass 
jeder Vers als erstes Stabwort ein Substantiv, nämlich das 
Subject des Satzes bat. Aber geht das nicht, so ist ein Sub- 
stantiv vielleicht durch Einstellung eines Objekts zu beschaffen. 
Und das scheint mir meist die Ursache für die Variation der 
Aussage (2 bei Heinzel, S. 9 f., 49). So Hild. 56: hnutl giwinnan 



161 



vaiiirt in rauba birahanen, um mit rauba ein neues starkes 
Reimwort zu erzeugen; giwinnan, birahanen sind dabei fast 
nebensächlich. Die Zahl der poetischen Hilfsverba nun, die 
überall Substantiva mobil machen, wo eigentlich Verba zu 
erwarten wäre, beweist die Ausdehnung dieses Prinzips. Ich 
notire hier mit Beschränkung auf solche Worte, die einer brei- 
teren Verwendung fähig sind, als solche Verba des Gebrauchs: 
beita bella benda bregda büa draga drygja fremja gerva greida 
heyja hlada hleypa keyra lata leggja leida nema orka räda renna 
Tjüfa selja setja skapa snüa strenja sveigja unna vega veita 
verpa vinna [33] — ädreögan • hebban • lecgan • räinan • räfnian 
•recean-sehtan-stellan-vrecan äfnan atfästan beeöde praet. befästan 
feolan gangan g&n healdan lecgan heran bevyrcan bigangen 
'gan brengan bringan cirran cyrran dön dreögan efnan ferian 
iindian forlaetan fremman fulgan geäfnian gebrengan- bringan 
-daelan- d6n -efnan- frenunan- gervan - gearvian • h^gan • laestan -ridan 
gervan ge|>eön geryrcan gearvian hebban healdan laestan räinan 
raeran reccan rihtan sellan settan styrian teöf enian tindran v^an 
vyrcean [58] — arheffen frumian garawen gauurchan. 

Namenthch bei den altn. Wörtern lässt sich das wohl- 
gefüllte Alphabet nicht verkennen. Es versteht sich, dass 
grössere Häufigkeit einzelner Anlaute in bestimmten Substantiven 
gleichen Anlauts begründet sein wird. Ueberall Uesse sich 
übrigens auch bei den oben gesammelten Nebenworten das 
führende Substantiv für jedes einzelne Synonjma aufspüren. 
Ein Beispiel s. u. S. 152. — Wie stark diese beiden Gruppen 
von Verbis in der nhd. Sprache sind, bemerkte Jean Paul aao. 
(Werke 18, 366 Anm.): die völlige Ausnutzung dieses Vorraths 
aber hat in der Poesie längst ein Ende. — 

Setzen mit diesen Worten die Dichter die Substantiva in 
Bewegung, so sind für die Hauptwörter unter den Hauptwörtern, 



152 

nämlich die Penonennameii, die Verbs der Bewegung kuim 
seltener. Ueberall sonst gehören diese ntbaa den Vnbis daa 
EätnpfenB, Sterbens tind besonden des Sprechens xu denjen^en, 
die raerst typisch erstairen. Aber in der aUgenn. Poesie 
kommen diese alle nicht duu, weil sie stets hinter mchsslnden 
Haaptwortea herlaufen müssen. J. Grimm meiU s. B. (Andreas 
and Elene S. 33) an, dass in den altgerm. Liedern, wie in 
den griechischen jedesmal die räumliohe Bewegung der Gfitter 
hervoi^hoben werde. Aber homerisoh stehen da fast Qberall 
dieselben Wortei dagegen bat faet jede Stelle, die J. Orimm 
citirt, ein anderes heiti. Man sehe sich nur diese FOlle tod 
Verben der Bewegung an: 

bifaek eisa ganga hlaupa hnlga hrafa hrata brj6ta hvarfa 
hvaräa hverfa klifa koma kranga lida Idta rata renna rlda 
liaa sQkkra skaera akjötask skriSa skunda spretta springa stgkkra 
attga svifa troda tnVta vada vafa vlkja [34] — äbögan cerran 
cumon bverfan raeman rlsan stondan stigan teön becuman 
bebügan cumon eode praet. faran f^ran folgian {ylgean gangan 
gän gebügan crincan cringan eode praet. f^rao gangan gän hled 
fan hveorf an • leoran ■ laedan ■ tiS&ü ■ metan - gengan guman gesprin- 
gan - stapan - stäppan - stigan - styllan - vadon ■ viton geondfaran- 
f^ran ■ hveorfan geongan hverfan hvearfan hvearfian hveorfan 
iman läcan Laecan leoran lidan Ithhan meton ödfaran • rin- 
nan - scüfan - atandan oferfaran - gangan onbügan - cerran onettan 
päddan plegan ridan rinnan rlgan seacan aceotan scridon secan 
sldian sigan springan stapan ateppan stincon s^Uan svican 
avician svlfan svimman tengan teön tredan treddian tryddian 
]>ringan ^urhvadan vadan vandhan vadan veallian [83] — 
arbevan sih hevan cuman varan ritan giuuitan — faran 
gangan ilian lithan atapan stigan giuuitan. — Vgl. Bode 
Kenningar in der ags. Dichtiu^ S. 43. 



153 

Ee füllt auch hier auf, wie oft die Synonyma reimen, 
z. B. in den letttgenannton beiden ahd Verbis. Der Reim ist ags. 
auch Öfter in solchen Fällen zu Ziriliingeformeln benutzt 
worden. — 

Um sum Schlufis von der Verwendung der untergeordneten 
beiti ein anecbaulichee Beispiel zu gewähren (für die der herr- 
Bchendea subgtanÜTiscben Synonyma können dae die citirt«n 
Fälle der Variation an ein imd derselben- Stelle geben), führe 
ich hier nach Sievere (Heband S. 415) die Epitheta zu dem 
Worte »Gott« auf. '- 

Am deutlicheten ist die Abhängigkeit dee Epithetons von 
dem ersten Stabwort, wenn das Beiwort als zweiter oder dritter 
Reimstab steht (1). Unabhängig scheint ee alg erstes Stabwort (2), 
ist ee aber in Wirklichkeit nur ausserhalb des Reims (3). 

1) Das Epitheton steht als zweites oder drittes Reimwort. 

tb6 gödö reimt auf godes 1471a — b thg hSlago: himücraftes 
4337a — b mabtig: marcoda 601 a 4780a: mer 4758a — b: 
manoda 4802a riki: rocfat 108a — b alomahtig: engilo 416a — b 
tb^ alomahtigo: up 903a 1110a alouualdo: encora 861a — b: 
ambahtman 2155a — b h^Ug: hard haramscara 240a — b: h&han 
himiUader 4759a— b: hebbian 5351a— b: haldid 1914a the 
häago: harr 151Sa — b bruojan te helpu 1924a — b binana te 
helliu 3384a — b craftig: äquellian 754 b — b antkennian 3607 
a — b 3618a — b karon öOlla^b naahtig: mannun 1632a — b: 
m^infolc 182$a — b: mancunni 3592a — b the märio mahtigo: 
manodi4886a— bmildi: muode 3239a— b rlki: rink 3095a— b 
drobtin: dualm 53a — b thiodgod: thiuua 285a: thinon 1119 
a— b 8221a— b: thing 1728a— b. 

Bei weitem der häufigste Fall ist, wie man siebt, dase daa 
Epitheton im zweiten Halbvere steht und von dem Substantiv 
im ersten Halbveree bestunmt ist. Das Substantiv ist meist 
das erste Stabwort, zuweilen (270 4759 1924 3384 1632) dae 



IM 

smite, und in diesem FiD n^ert ee nidit nur dii dritte, eon- 
dem ftodi das ente Baimrt (Adjeetln in pgoolttiia h sf SMhmg 
240 4759, Vari» 19M 1688. Advwb 8884). Nm M es aber 
intereeaant, daes die selteoenD FUle, nfanlich StaUnng das Spi- 
thetona im ezstea Halbven, und Abbfingi^ait d eMeUoe tt von 
einem nicht sabatantiTiaohen Worte, faat AberaU lasammsD- 
trefEen. Daa Epitheton steht als mitea Rdmwcrt 601 4780 
abhängig von maxcoda, 780S von manod», 906 1110 von op, 
1914 von haldid. In dem letcten Falle ist daa A^eotir mit 
dem Snbatanttv yeiBchmolaen: wir haben hdaggod ta I mb c , 
and so bietet die Stelle edne genana Parallele sa einan sie- 
bwiten Kall dee Epithetona im eisten Halbrene: thiodgod 286. 
BeflondeiB merkwürdig sind die Belege mit markoda. Vilmat 
(Alt im HeL S. 8) bat beobachtet, daaa der Dichter der Zusammen- 
atellnng von metod nnd markon sichtlich ans dem Wegs geht. 
Die alte Formel ist aber metod markoda. Wir dflrfen deshalb 
getrost behaupten, dass 601 4780 mahtig als wirkliches Sub- 
stitut für metod steht; wie im Allgemeioen das BpiÜ)flt(»i das 
Substantiv vertritt, ist hier fflr ein bestimmtes Substantiv ein 
bestimmtes Epitheton eingesetzt worden und swar dai am 
□ächfiten anklingende, wie in den Verstecknamen der ptoven- 
zaliechen Dichter. Und da im Hei. sich sehr oft der TCiTifln— 
eines Verses aul nicht weit entfernte andere beobachten läset, 
dürfen wir 7802 als Anal(^ewirkung von 4780 «rkUren. — 
Es bleiben die beiden gleichlautenden Verse up te them alo- 
mohtigen gode 903 1110. Sie reihen sich den F&llen an, in 
denen das Epitheton die erste Reimstelle einnimmt. Wirkliche 
Ausnahmen endlich sind 5351, wo das Verb hebbian als ein- 
siger Reimstab des ersten Hfübverses regiert, und die analogen 
aufCallend häufigen f^lle mit craftac god in der zweiten Halb- 
zeile. — 



155 

2) Das Epitheton steht sie erstes Reimwort. 

mabtig: macode 241a: modag 1378a: müdi 3501a: mann 
5Mla — b alomahüg: c^an 476a — b libbiandi: liobtSCßSa — b 
&086a— b ihi rlkeo: rehtiu 2611a— b sdthfaat: suokean 5938 
a — b drohtin: dago 167()a — b hebaniikies god; harmgiuurobti 
5038a— b thiodgod: tbionon 789a— b. 

Hier ist also in der Regel das Epitheton einziges Reimwort 
des ersten Halbverses (nemi von zwölf BelegsteUleo). Weiter 
I&llt auf, daae die Hälfte aller Beispiele auf zwei Worte kommt: 
mahtig mit vier, Ubbiandi mit zwei Fallen. Das letztere zu- 
nächst ist einfach Uebersetzimg (5086 ist das deus vivus der 
Vnlgata ein venig von seiner Stelle verschoben) und der iweite 
Halbvers, beidemal the tbit lioht giscop, ist nur des Reims 
wegen zi^esetzt. Bei mahtig aber erinnern wir besonders zu 
241 an unsere Bemerkung, wie dies Wort durch seine Stell- 
vertretung des Wortes metod substantiviscbe Geltung hat. Ganz 
gewiss steht mahtig macoda unter der Wirkung der Formel 
mahtig marcoda. Und ebendeshalb wird das Wort 1378 3501 
wie ein Substantiv mit einem zweiten Adjectiv construirt. In 
all den drei Fällen also, wo das Epitheton ein zweites Reimwort 
im selben Halbvers unter sich hat, sehen wir mahtig in sub- 
stantivischer Function. Sonst wird dem Epitheton diese am 
meisten ins Ohr fallende Herrschaft nicht zuertbeilt; es steht 
nur gleichberechtigt neben dem Reimwort der zweiten Halbzeile. 
Ja in Wahrheit steht es auch hier unter dem letzteren. Denn z. B. 
5938 ist wohl suokean übersetzt, aber suothfastan ist (wie oben 
das the thit lioht giscop) nur des ReimB wegen zugesetzt. Also 
ist das Epitheton durch den Anlaut von suokean bedingt. 
Ebenso z. B. 789; wir sahen schon, dass thiodgod seine An- 
wendung fast nur Reimen auf thionon und dajnit verwandte 
Worte verdankt. — Einzelne Belege wie 476. 1670 stehen in 
metriBch ganz verfrahrlosten Versen. — 



166 

3) Du Epithston aUbt uamaAälb im Rainm. 

tfae aloouhtigD: god «luauhtig fingebui habflfe 845 88ST 
goodm maimon forgibit god ikmialitig 1766 
tlut hie it thi sao bugibit good alonuhtig 4088 

aloaiuldo: aa it gegnongo fui gode alomuUoa 89B7 

mshtig: so it god mihtig tnuddiod nnaldft 867 

thu uelda thmt god mahtig oaldand aaendsui 1039 

fader: tlut it so gi pngaa sosl so it got fwier — 4779 

Maq flieht aotort, das« die FUl« mit alomahtig und 
mahtig toimelhaften Charakter haben. Sie "">*—* nun aber 
xuaammen sechs von acht Belagaa um. Dies ist wohl u 
so erklären, dass grade diese Epitheta als die baUebtaatoi alkt 
fOr iGott« verwandten gebraucht worden, am in einam Vena 
als m&lfyUing lu dienen, dessen feete Glieder schon ^{Msdi 
erstarrt waren. Und iwar steht god alomahtig, wo der gaue 
Halbvers zu fällen ist, god mahtig, wo noch anderes FfiUsd 
hineinkommt. — Aehnlich füllt das auch ähnlich . klingende 
aloQualdo 3937 den Vera aus; fader 4779 steht verrinselt. — 

Diese Uebersicht zeigt demnach vollauf bestätigt, was wir 
behauptet hatten: die Epitheta verdanken ihre VervielflUtigang 
lediglich der Variation der Hatiptworte, von denen jedes sein 
Gefolgswort verlangt. So können wir uns nun von der 
poetischen Oekonomle der alten Dichter bei der Wortwahl ein 
ziemlich genaues Bild machen. Damit wäre unsere Ausführ- 
lichkeit wohl entschuldigt, wenn hier wirklich gelangen wäre^ 
einen Blick zu thnn in die Art, wie die Sänger der altgerm. 
Lieder arbeiteten; denn Arbeit erforderte die Alliterationa- 
dichtung sicher und machte sich durchaus nicht von selbst! — 

g 9. Kenningar. 
Die groBse Bedeutung, welche für die altgerm. und be- 
sonders die altn. Poesie die Umschreibungen haben, ist längst 



157 

iillg»iyn<Hp anerkannt, während nmn der Eigenart der Ketmingar 
sonst wohl nicht gerecht geworden ist. Man pflegt sie ewar 
als etwas ganz Unerhörtes und FremdartigeB hinzustellen; aber 
mit Unrecht. EeniÜDgar hat viehnehr jede Sprache, und be- 
sondere jeder aui poetischer Wortwahl beruhende, dichterisch 
gefärbter Sprachgebrauch. Als eine besondere Classe der 
MetApfaern unterschied diese Umschreibungen schon Aristoteles 
{■vgl. M. Heiler Denken im Lichte der Sprache S. 449,4). Sem 
Heister Piaton soll eine Vorliebe für dergleichen Wendungen 
gehabt haben; wenn er z. B. das Haupt die Burg des Körpers 
nennt (vgl. 0. Müller Gesch. d. griech. Lit. II 232), so kommt 
das einer eddischen Kenning gani nahe: Hym. 23,6 heisst der 
Kopf Hochberg der Haare. Und Piaton selbst zeigt sich hier 
wieder nur als Portsetzer volksthümlicben Gebrauchs : besonders 
ist überall die Hythologie reich an Keoningen und wenn z. B. 
das Menschengeschlecht als fttiiä^ xafift6( umschrieben wird 
(vgL W. Hüller Crescb. u. System der altdeutschen Religion 
8. 170 Amu. 2), so ist das eine Kenning vom reinsten Wasser. 
Dabei hat Bode auch zu den meisten ags. Kenningen auB 
fremden Sprachen Parallelen anführen können. Die Eigenart 
der Koming besteht in der Umschreibung vermittelst 
variirter Appellativa. Nennen wir z. B. Göttingen »die 
durch Pfl^ der Wissenschaft berühmte Stadt an der Leine,« 
Eo igt das eine einfache Umschreibung. Setzen wir aber für 
das Appellativum «Stadt« die spedfische Variation ein; «das 
Athen an der Leine« (wie Lichtenbei^ scherzhaft von Leina- 
thenienserinnen spricht), so ist das eine Kenning. Nennen wir 
einen Dichter einen >Liedermann«, wie man etwa »Kalender- 
mann« sagt, so ist das nur eine Umschreibung. Aber >Sohn 
der Lieder«, wie Kemer imd Uhland singen, ist eine Kenning; 
»Vater der Lieder« wäre es wieder nicht. Und so haben wir 
noch fiberall Kenningar in Hassen, z. B. in Titeln: Brigade- 



158 

Gommandeur iat Unuchieibung, ab«r GeDenlmftjor ist Eeo- 
ning u. 8. w. 

ÄIbo die Kenningai an sich smd noch kdne bMondere 
Merkwürdigkeit der altgerm. oder gar der altn. Poesie. Wohl 
aber ist das die Art, wie sie dort ausgebildet worden sind. 
Die Skalden haben sich in dieser Figur ein Kunstmittel zur 
principiellen und as^stenutiBchen Poetisirung der Gegenstinde 
geschahen, das in seiner Art und der Breite seiner Anwendung 
aUerdings nicht seines Gleichen hat. Am eisten könnte man 
die ofäciellen Umschieibui^n der keltischen Kunstpoeme rar 
gleichen, welche in den «Triaden rerschönemder Umschreibung« 
von den Barden auigespeichert wurden (Stephena-San Uarte Ge- 
schichte der wälschen Utteratur S. 409); aber tu einer syste- 
matischen Umnennung aller Dinge sind doch auch diese nicht 
wie die Skalden gekommen. Diese Umwandlung der gewShn- 
lichen Benennung in eine kunstmässige geschieht in gans un- 
poetischer, rein verstandesgemAsser Weise. Es wird eine Classi- 
ßcation nach Haupt- und NebenbegriSen zu Grunde gelegt 
grade wie bei einer der ältesten Haup^ttungen der Compo- 
sition (Pott Doppelung S. 15). Die Begriffe, aus denen dies 
Cordinatennetz herausgesponnen wird, sind eben jene Haupt- 
begriffe, die in den Runen niedergelegt sind : Mann Frau Thiei 
u. a. als r^erende, Kampf Schatz See u. a. als r^erte Be- 
griffe. Soweit ergäbe das eine rein verstandesmäasige Sprache, 
nicht weit ab von jenen mathematiscben Sprachen, die man 
im vorigen Jahrhundert wiederholt zu schaffen gesucht hat 
(vgl. z. B. über Bacone Idealaprache Benfey Geech. d. Sprach- 
wissenschaft S. 233, über Leibniz ebd. S. 249, über diejenigen 
Ploucquete und Meiers Briefe die neueste Literatur betreffend 
17,61 f.). Auch wird man über die .\nalogie nicht erstaunen, 
wenn man bedenkt , dasa nach Max Müllers scharfsinniger 
Bemerkung schon die Zahlworte, das sicherste Denkmal altidg. 



^^— '"^* •• ■'■'■■— *1^-- 



159 

Denkfähigkeit, von einem Greist philoeophischer ClasBificirung 
geregelt sind (Essays * 11 43), ja dass nach Vignolis tief- 
gehenden Untersuchungen die allerälteste Mythologie, ja alle 
menschliche Auffassxmg der Aussenwelt mit dem ordnenden 
und sondernden Greist der Wissenschaft im Kern gleichartig 
ist (Myth. and Science 8. 113. 132 u. ö). Und in der 
That nähern die artbezeichnenden Composita der Sprachen 
grade bei den Naturvölkern (vgl. Vignoli aao. 89) sich 
in oft ganz wunderbarer Weise den Kenningen. (Viele 
BeLspiele dafür aus dem Siamesischen Ungarischen Hebrä- 
ischen bei L. Tobler Ueber die Wortzusammensetzung S. 13). 
Mir erschien es z. B. zuerst als der Gipfel der Greschmack- 
losigkeit, dass Atlm. 63,2 die Zehe »Fusszweig« genannt wird. 
Aber bald darauf las ich zufällig, dass in zwei Sprachen Ost- 
afrikas die Zehe »Schenkelfinger« heisst (Curti Entstehung 
der Sprache S. 52 Anm. 23), was doch eine ganz entsprechende 
Umschreibung ist. — nur eben keine Kenning, weil das eigent- 
liche Wort »Finger« steht und nicht ein bildlicher Ausdruck 
wie »Zweig.« Doch sind auch diese Bilder nicht aus dem 
Nichts hervorgezaubert. Auch sie beruhen auf alter volksthüm- 
licher Grundlage. Es heisst z. B. in einem Volksliede mytho- 
logiechen Inhalts (bei Schwartz Indogerm. Volksglaube S. 178) 
von einem gespenstigen Reiter: »Wie zwei Berge ragen seine 
Schultern und wie eine Felsburg sein Haupt.« Da haben wir 
genau die Basis der eddischen Kenning Schultemfels für Kopf 
(Lok. 57,4). Ganz ähnlich z. B. in einem baskischen Räthsel. 
wo der Kopf als ein Berg auf einem Stumpf umschrieben wird 
(Vinson Folklore du pays basque S. 247,35). 

Die Kenningar sind danach nicht, wofür man sie gemeiniglich 
ausgiebt, blosse Neuerungen der Skaldenkunst. Sie beruhen 
vielmehr auf systematischer Ausbildung eines uralten Mittels 
der sprachlichen Subsumption, nutzbar gemacht zum Behufe 



160 

der Einbeziehong jedes Substantivs in die poetischen Kategorien 

(deren Ueberechtiften die Runen sind). 

Der Mechanismus dieses Verfahrens besteht darin, dass 
das poetisch zu umnennende Ding zunächst in jenes Coordinsten- 
system eingezeichnet wird, um verständlich zu bleiben, und 
hierauf durch ein hergebrachtes Bild ersetst wird, um poetisch 
zu werden. Jede gBnning ist durch diese Verhüllung der 
eigentlichen Beziehungen zugläch ein Räthsel (vgl. Heinsei aao. 
20) und die porodistische Definition des Menschen, die Diogenes 
aui Piatons Umschreibung hin gegeben haben soll, eröffnet ein 
altes Räthsel: der Vc^ Federlos (MSD VII 4, 1). Durch die 
Sucht der Skalden nach dunkleren Ausdräcten wurde dann 
dies Räthaelhafte mehr und mehr verstärkt. Durch wiederholtes 
AbvarüreQ konnten die Grundlinien ganz unkenntlich werden. 
Doch das ist bei einer fortgesetzten Reihe von Subetitutionen 
überall so, und nach mehrmaligem Tausch kann man freilich 
nicht mehr errathen, dass Hans im Glücke von seinem Herrn 
einen Goldklumpen mitbekommen hat. 

Aber die ältesten Kenningar stehen noch den heiti ganz 
nahe. Ja die Grenze ist oft schwer zu bestimmen, und ich 
muBste schon bekennen, in mein Vetzeichniss der heiti manches 
Wort aufgenommen zu haben , das vielleicht be&ser hierher 
gezogen würde, und Bode (s. u.) hat beide Kategorien völlig 
vermischt. So ist z. B. altn. folkvordr eigentUch genau so gut 
eine Kenning wie sverda deilir. Aber es wird doch als ein- 
heitliches Wort empfunden, denn es wird mit einem neuen 
Genetiv verbunden {Skim. 3,2), Hier ist also die Kenning zum 
Heiti geworden, wie ein Gleichniss Metapher wird. Dasselbe gilt — 
von ags, goldvine, was gern mit gumena verbunden wird, u. a. 
Umgekehrt sind i. B. ags. heim hleö hyrde schwerÜch vob- 
vomherein für den König gesagt worden, sondern nur äde- 
linga heim, eorla hleo, folces hyrde u. dgl.; hier ist also ein 



161 

Theil der alten Eemmig zum Heiti geworden, wie dort die 
gante Kenning.saxn Theil einer neuen./ Eb igt dasselbe, wie 
wenn s. B. Hilde für Brunhilde steht — Wir haben neben- 
einander guUmidlandi Hebr. 11,2 und guUs midlendr Ak\\ 38,7. 
Jenes habe ich unter die heiti aufgenommen, dies ist unzweifel- 
haft eine Eenning. Andere Fälle wie z. B. as. duom- 
dag neben duomes dag in der Gr. 11 612 f. Der merkwürdig- 
ste in der Vkv.: 12,4 TÜjalauss, 31,2 vilja ek lauss sit — aus 
xnetzischen Gründen die einfache Composition zur auffallenden 
XTxnschreibung aufgelöst (doch vgl. Sig. sk. 24,6). Mehrere Male habe 
äch es vorgezogen, dasselbe Wort in beide Kategorien einzuweisen. 
Auch unter die Verba habe ich dort gelegentlich Umschrei- 
bungen angenommen. In der That brauchte man so wenig 
das Wort »kenning« wie das Wort »heiti« auf Substantiva ein- 
zuschränken. Aber die Substantiva dominiren unter den Um- 
schreibungen doch noch entschiedener als imter den Vanatio- 
nen; umschriebene Adjectiva sind sehr selten, umschriebene 
Verba immerhin noch häufig genug, um einen Anhang verbaler 
Eenningar zu rechtfertigen. — 

Ueber die Eenningar handelt vergleichend Heinzel aao. 19 f. 
in sehr interessanter Weise, vgl. auch A. Hofimann Englische 
Studien \n[ 195. Gesammelt sind die altn. Eenningar zuerst 
in den Skäldskaparmäl C. 1 — 53, zuletzt in Vigfussons Corpus 
poeticum boreale 11 447 — 86; eine hübsche Besprechung bei 
Weinhold Altnord. Leben S. 328 f. ; interessante, doch z. T. nicht 
unbedenkliche Bemerkungen bei Rosenberg Nordboemes aandsliv 
I 399 f. 477 f., womit Bode S. 16 verghchen werden kann; 
über ihre Vertheilung Jessen Ueber die Eddalieder (Zs. f. d. Ph. 
m) 8. 41 f. — Ueber ags. Eenningar: ten Brink L. G. S. 25. Bode, 
Eenningar in der ags. Dichtimg Darmst. u. Leipzig 1886; für 
Be6v. noch Rönning Beövulf skvadet S. 132 f. u. Schemann, Syno- 
nyma im Beövulf sliede; über die Vertheilung in ags. Gedichten 

M«y«r, Altgermaniflche Poefi«. 11 



163 

Bode S. 12. lieber die verbaleo Uaucfambungan «podell in der 
ags. Dichtung Heiiuel S. 24, ten Brink S. 24. — Für Otfrid 
vgL Schätze Beitr. zur Poetik Ottrids S. 29 1. — AUgemeto ist 
ZQ bemerken, was ja oh genug schon betont worden ist, da» die 
Kenningaf in der altgerm. Dichtung eine solche Bolle noch nicht 
spielen, wie später in der Skaldenpoeaie. Stark treten eie in der 
Edda einzig in der Hymiskrida auf, häufiger sonst nur noch in 
Dialogstücken besonders der HelgUieder sowie in den jüngsten 
Gedichten, namentlich der Atlak^ifia (Gmndtvig Udsigt orer den 
nordiske oldtids heroiske digtning S. 85 f.) — Dagegen sind sie 
in der späteren altn. Prosa selten (Heinxel Saga S. 68. 198). — 
Eine Geschichte der Kenningar würde übrigens m den 
interessantesten Aufgaben im Bereich der germanischen Litera- 
turgeschichte gehören. E^ ist wahrscheinlich, dass manche Um- 
schreibungen schon gemein&risch sind, so besonders Benennungen 
von Göttern nach ihren Attributen; im Rigveda finden sich der- 
artige Beschreibungen gesammelt, die wieder Räthsel und Ken- 
ningar zugleich sind (Kaegi Der Rigveda S. 115). Aber nur die 
Germanen bilden die Umschreibung zu einem H8,uptmittel der 
Poetisirung aus. Auf altnordischem Boden wucherte das hoch 
empor; bei den andern germanischen Völkern ging es verloren. 
Vergeblich machte der grosse Alcuin eimnal den interessanten 
Versuch, die Kenningar in die lateinische Literstur hinüber- 
zuretten, in jener Disputatio Rppini cum Albino scholastico, 
die Ebert (Allg. Gesch. der Lit. des Ma. II 20) so seltsam be- 
urthetlt (vgl. auch Bode S. 23). Trotzdem sein Versuch fortgesetzt 
ward unter Anlehnung an analoge spätgriecbische Sammlungen 
(Wilmamis Zs. f. d. Alt. 14,547) und besonders an ags. Räthsel, 
gelang es doch nicht, die einheimische Lust an der Umschrei- 
bung der fremden Sprache zuzuwenden. Aber in viel späterer 
Zeit kehren die Kenningar zurück: sobald die Poesie wiederFormel- 
fammlungen als Lehrmittel hat, übt sie wieder schulmässig die 



163 

Ümachreibung, bei uns wie anderswo (Caniere Die Poesie S. 187). 
In Anlehnung an die Sprache der franzÖeiBchen Prideux (die 
Bode in seiner Arbeit Über die ag&. Eenningar mit Recht der 
onserer alten Kunstdichter vei^leic^t), betreibt man im 17. Jh. 
die Umschreibung (rgl. Bode S. 10 — 11). Aber selbst hier nicht 
ohne volkstbümlicbe Grundlage. Zeaen, der am weitesten ging, 
kam dem Rothwelach der Vagabunden so nah, dase er z. B. es 
■für eine unversdiämte, grobe, ehrlose Schand- und Landlügec 
erklären muBSte, weui man behauptete, er habe iWindfang« für 
■Mantel« geschrieben (Cholevius Die bedeutendsten deutsctben Ro- 
mane des 17. Jahrhunderte S. 111), denn > Windfang« für »Mantelc 
gehört in Wirklichkeit der Spitzbubensprache an (HoSmann von ' 
Fallersleben im Weimar. Jahrbuch I 332). Dieser aber rühmt 
J. Grimm (EL Sehr. 4,165) nach, die meisten ihrer Ausdrücke 
trägen das Gepräge der einfachen Natur und seien aus leben- 
diger Beobachtung der lluere, Felder und Völker hervoi^^^angen ; 
and er vergleicht sie mit den Benennungen der altn. Dich^ 
kunst, denen man da£ doch nur lum geringen Theil nachsagen 
kann. Vielmehr hat dort die Auswahl allein schon oft etwas 
seltsam Launenhaftes (vgi. Heinzel Anz. f. d. Alt. 14,43) und 
ihre abschreckende Wirkung auf den grossen Verkünder der 
Volkspoesie erklärt sich nur zu wohl (Herder, Iduna; bei Su- 
phan 18,486). So gehen gerade in der Geschichte dieser Figur 
Naturwüchsiges und Ueberkünsteltes Hand in Hand, schul- 
m&sedge Ausbeutung ungezwungener Auadrucksmittel führt zum 
Ungeheuerlichen und Lächerhchen; in unserer Periode aber fin- 
den wir hierin wie überall die Dichter in berufsmässiger Aus- 
bildung schon ziemlich weit fortgeschritten, von den Extremen 
aber noch entfernt. — 

Ich ordne die Kenningar zunächst nach den umschriebe- 
nen Gegenständen, um nachher die umschreibenden kurz 
lu besprechen. 



164 

Für alle Belege, die num uich brä Bode findet, bkbe ich, 
um Vetechwendung vod Raom und Zeit ca vermeiden, auf aeine 
Arbeit verwiesen. Uebeifa&upt veipflichteit mich die m grosse 
Strenge, mit der ich diese Arbeit (Ans. f. d. Alt 13,136) be- 
sprochen habe, auf ihie Reichhaltigkdt beeonden aufmerksam 
zn machen, der eine gleiche Scbirfe der FasBung allerdings 
nicht entspricht. Ich verdanke Bode's Sammlung einen be- 
schämend grossen Nachtrag zn meinem eigenen VeneichnisB. — 

Die Umechreiboi^en christlicher Begriffe (Bode 8. 70f.) sind 
in meiner Arbeit nur der Analogie wegen tu erwähnen. Wir 
beginnen wie die Skäldskaparmäl mit den Kenningar der 
Götter. 

Odinn: Namenhäufut^ Grün. 46 — 50. — AldafQdr Vaf. 
4,5 53,2 HerfoOr V«l. 3,1 HerjafQar Vgl. 44,4 Vaf. 2,2 Gr. 
19,3 25,2 Hyndl. 2,1 Herjami Vol. 31.10 Hroptatyr H4v. 158,6 
Hroptr Vgl. 64,6 Lok. 45,5 Gr. 8,4 Sgdr. 13,6 Roptr rogna 
Häv. 141,7 Sigfodr Lok. 58,6 ValfjÄr Vgl. 4,5 24,7 Veratyr 
Gr. 3,3 Yggr Hym. 2,6 FAf. 43,5 Yggjungr äsa V5L 2,3 — 
inn aldni Vq\. 2.2 aldinn gautr Veg. 2,1 13.4 galdrs I(Ar Veg. 
3,3. — Skildak. 2. J. Grimm Myth. Cap. VH. — Vgl a. B. Saxo 
66,21 Frigge maritus. — 

t)örr: Namenhäufuug Uixb. 9. Hlärri£ [)r. 6,7 13,7 n. ö. 
Hym. 4.6 u. Ö. Veorr Hym. 11,10 17,1 21.7 Ving^rr Alv. 6,1 
9,1 — Fjo^ynjar burr Vgl. 58,8 inn maeri mQgr Hlödynjar 
Vgl. 58.1 jardar burr jir. 1.7 Hr6dre andekoti Hym. 11,8 fadir 
Magna H^b. 53,4 fadir Möda I^. 34,1 Mala, brödir Härb. 
9,5 'Odins 8onr Hym. 35,3 Hdrb. 9,4 Sifjar verr {»r. 24,9 
Hym. 3,5 15.5 34,6 Yggs bam Hym. 2,6. — j>rädugr äas {>r. 
16,2 brjötr bergdana Hym. 17,7 jardar burr ()r. 1,7 Lok. 58.1 
hafra drottinn Hym. 20,2 31.2 gygjar graeti Hym, 14.3 ord- 
baeginn halr Hym. 3.2 ^ura rddbam Hym. 19.3 k]61a valdi 
Hym. 19,7 vagna verr Alv. 3.4 midgards veorr Vgl. 58.6; ge- 



165 

li&iift BÄ er Qldom bergr, onns einbani Hvm. 22,3. Die Anrede ein- 
lieri Lok. 60,6 gehört nicht eigentlich hierher. — SkÜdsk. 4. 
Myth. C. Vm. 

NjQrdr: manna |)engill 6r. 16,4 — SkÜdsk. 6 Myth. 
C. X* 179f. 

Fteyr: skirum Frey, nytum Njardar bur Gr. 43,5 Njardar 
Bon Skim. 38,6. — SkÜdßk. 7 Myth. C. X* 172f. 

Heimdallr: HeimdaUr, hvitastr ^Aßa {yr. 14,1 — Sk^dak. 
8 Myth. C. Xn 193 f. 

Tyr: ättnidr jQtna Hvm. 9,1. — SkÜdsk. 9 Myth. C. DL 

Vidar: inn mikli mogr Sigfodur VqL 56,1 — SkÜdsk. 11 
Myth.* II 687. 

Loki: Loptr Hyndl. 41,5. — Laufeyjar Bon ]^r. 17,20 — 
Ulfs fadir Lok. 10,2 mn lae\äBi Loki Lok. 54,7. — SkÄldsk. 16 
Myth.* 199f. 

Der Rieeenfürst Hymir: harr Hrungnis spjalli Hym. 16,1 
ättnmnr apa Hym. 20,3. — 

Velundr: visi Ufa Ykx. 32,2. 

Dazu nehme ich die Umschreibungen für Thörrs Hammer 
und die Midgardschlange: 

HrungniB bani Lok. 61,5. — 

jQrmungandr VqI. 51,3 umgjord allra landa Hym. 22,7 
ülfß hnitbrödir Hym. 23,8. Vgl. Myth. 202f. — 

Ich Bchliesse die Umschreibungen für Personen an (v^I. 
SkMdsk. 31. 47. Bode 8. 88 f.). Vollständigkeit der Belege ist 
hier nicht erstrebt. Ich mache übrigens darauf aufmerksam, 
wie nahe bei der Benennung gerade von lebenden Wesen Ken- 
ning und Epitheton sich berühren. Ein stehendes Beiwort kann 
zur ausreichenden Kennzeichnung einer — götthchen oder 
menschhchen — Persönlichkeit dienen, sobald bekannte Ele- 
mente leicht zu ergänzen sind, deren Combinaüon mit dem 
Adjectiv eine rechte Kenning ergäbe. So inn aldinn für 0|)inn, 



166 

d. h. >der AdteBte unter öaa Gfittan.* — ücbrigeoi rechi 
fertigt M dag Baupiel Au ff^*MA aatbtt, wann hetti, iMMniMg" 
und fomQfn hier nicht straig geeohieden wesdan. — 

Den grOnten Rwun nehmna die Fatnu^mi« fdn. Virai 
denominaie licet ... ex buniUis tarn quibuf oitu est quu 
qoM ab eo deecoLdarnnt (Oildik. 81). Du letetete iat ab« 
in der Utesten Zdt noch nicht ni ballen. — Dia Mutter wir 
nie in dieeer Weise genannt — 

Sohn. 

(Helgi) ^0rvaidl aonr H. £B. 48,6. 

Gramnan aynii H. H. I 47,S = H. H. II 87,2. 

(Siguzd)-) boiT Sigmundar Sig. sk. 89,6 

Gjüka arfar Oddr. 2C,8. 

(Noe) aunu Lamechea Gen. 1441 1643 n. d^. m. 

Scyld Sc^fing Be6v. 4. 

Her^Ar beam Healfdenee B. 468—69. 

HAnferd . . . beam EcglUee B. 499, snna — 980. 

BeÖTuU . . . beam Ec^eövea B. 529 681 957 1388 u. ö. 
maga — 25,87. 

(HrMgär) sonu Healfdenea B. 645 1040 1662 o. ö. bean 
— 1020 u. ö. maga — B. 1476 2148. . 

(Higelic) aunu HrMlea B. 1486 Higel&c HrUüng 1923 - 
eafora 1843 2992. 

(EadgilB) aunu 'Ohtherea 2380. 

(Ohthere) OngeQ]>iöTee beam 2887. 

Vigl&f . . . Veohat^es aunu 2602 2752 2862 3075 31» 
byre — 2907 3110. 

VuU VonrWing B. 2965 aunu VonrÖdee 2971. 

OValdere) Äelfheres aunu Wald. 1,11. 

Velandea beam, Vidia Wald. 2,9. 

(Byrhtnoth) Bjrrhthelmes beam Byr. 92. 

VuUmaer ae geonga, Vulfetines beam Byr. 155. 



167 

''AlfnM and Vulfmaer Oddan beam Byr. 183—86. 237—38. 
(Alfvine) beam ''Alfrices Byr. 209. 
Ecgläfes beam, him väe ''Ascferd nama Byr. 267. 
Vist&n j^urstanes sunu Byrbt. 297. 
Vigelinefi beam Byrht. 300. 
GodrSc ''Adelgäreß beam Byrht. 320. 
eaiora Eädveardee Athel. 7. 52. 
(Eädveard) byre "AdebMes Eadv. 10. 
Hadubraht . . . Hiltibrantes Buno Hild. 14. 36. 
Hütibrant . . . Heribrantee suno Hild. 44. 45. 
Tochter. 

Brynhüdr Budla döttir Gud. I 23. 25,1 27,3 Sig. sk. 30,1. 
Gudrun Gjüka döttir Sig. ßk. 2,3 Heh. 13,1 Gud. U 38,5 
Gnd. m 2,1 Gud. hv. 9,1 vgl. Hamd. 2,7. 

GuUrond Gjüka döttir Gud. I 12. 17. 24,1. — 

(Hildeburh) Höces döhtor B. 1076. 

Hygd Haeredes döhtor B. 1926—29. — 

Seltener begegnen andere Verwandtschaitfiangaben. 

Vater. 

se fröda fäder 'Othheres B. 2928. 

Mutter. 

Grendles mödor B. 12581. 

Onelan mödor and 'GhthereB B. 2932. 

Bruder. 

Sibyriheß brödor Byrht. 282. 

Schwester. 

(in aldna jotna systir |)r. 29,1 32,1). 

Gjaäaug Gjüka systir Gud. I 4,1. 

Sinthgunt Sunna erä ßuißter MSD IV 2,3. 

Volla Frija erä suister MSD IV 2,4. 

Gattin. 

kunnig kvän Nidadar Vkv. 16 30,1. 



Nefa (nach H^me Beoralf * ZS5a ■Sohnw Bniim odK 
Schwester Sohn« vgl. Gnda Wb. U 278). 

Higel&c nefa Svertingee B. 1202. 

Eämaer . . . nefa Girmundee B. 1961. 

(Headtdd) nefa Herericee B. 2206. 

Verwandter. 
(Siguid^) Vfilsungr ungi Sig. alc 1,3 3,5. 
(BeoTuli) maeg Higeläcee B. 737. 758. 914. 1513. 

Eomaer . . . Hemlnges maeg B. i960. Vlf^ maeg 
Alfheres B. 2604. 

O&an maeg Byrht 5. 

B]'rthnöde8 maeg Bjrrht. 114. 

Gaddes maeg BTrht. 287. — 

Nächst den Verwandtechaftabezeichnungea sind am meiaten 
Benennungen des Fürsten von seinem Volke beliebt. 

Fürst. 
Jtrymr Jmrsa dröttin ()r. 5,1 10,3 22 25 30,1 
Nidudr Xjära drottin ^^v. 7. 14,1. 
(Sigurdr) hünskx konungr Sig. sk. 4.7. 9.3. 
Gunnar giunna drottin Akv. 19. 23,1. — 

Hrodgär im Beövulf (vgl. Schemann S. 18 f.): 
brego Beorhtdena B. 427. 609 
frea Ingvina B. 1319. eodor Ingviua B. 1044. 
Deniga frea B. 271. vine Deniga B. 350. 
frea Seyldinga B. 291. 351, 500. 1166. eodor Sevldinga B. 
428. 663. 

heim Seyldinga B. 471. 1156. 1321. leod Seyldinga B. 1653. 
veard Seyldinga B. 229. \Tne Seyldingü B. 30. 148. 170. 

2026. 2111. 
[>eödeD Seyldinga B. 1372. 

Senat im Beo^Tilf ^vel. Schemann S. 12 f.': 
GeÄta c\Tiing 2356. Geata drj-bten 1831. 2702. 2483. 2560. 2576. 



Creata goldvine 2419. 2584 

heim Scylünga 2381. leod Scylönga 2158. 2603. 

^'edra cyning 3037. Vedra heim 2462. 2705. 

Vedeige&ta leöd 2551. — HüneÖ truhtln Hild. 35. — 

BeÖTulf heisst freca Scyldinga 1568. — 
Fürstin. 

Herborg Hünalande dröttning Gud. I 6,1- 

ideß Scyldinga B. 1169. — 

Der Mann heisst nach dem Herrn: 
Adelraedes eorl Byrbt. 203. 

Higelaces heordgeneAtas B. 261. — beödgeneAtaa B. 343. 
Higelacee ^egn B. 194 Adelraedee |)egn Byr. 151. 
J)yle Hr6dgäre6 B. 1456. — Aetlan ordvyga Wald. 1,6. — 

Eine besondere Eigenihümlichkeit ist es, wenn eine Person 
ihren eigenen Namen in solcher Weise \mischreibt; so nennt 
Gudrun sich selbst dottir Grimhildax Atim. 77,3 — 4 88.1—2. 
Vgl. darüber allg. J. Grimm Kl. Sehr. 3,241 f. (Altn. Fälle, in 
denen die Personen sich selbst beim Kamen nennen, ebd. 246). — 
Völkernamen: für Beöv. vgl. Schemann S. 23 f. 
Analoge Umschreibungen, die den Eigennamen aber nie 
ersetzen, sondern nur begleiten, haben wir beim Epitheton 
angezählt. — 

Ueberblicken wir die zu diesen Umschreibungen verwandten 
Worte, so springt ihre Einfachheit im Gegensatz zu den ge- 
suchten Metonymien späterer Zeit ins Auge. Die Figur der 
allusio, die nach Weinholds Ausdruck weder dichten noch die 
Dichtwerke gemessen hess, ohne dass man alle Sagen und 
Hjrthen des Nordens wusste (Altnord. Leben S. 328) begegnet erst 
ganz vereinzelt und fast nur in der Hym. Rosenberg (Nord- 
boemes aandsliv I 400) meint sogar, die Kenningar der Edda 
seien fast stets in der Situation begründet. Aber das trifft 
doch kaum bei einer einzigen Umschreibung eines Gottes oder 



Geite gDldrine 2419. 2W4 
häm S<7lfiQga 338L leod Scrigcfa 21Se. iSß- 
Ved» cvniDg 3037. Vcdn hesc 24öä- 2706. 
V«dergedte I«od 2S6I. — Hödcö tnäOii Hüd. 36. — 
Beomlf Imhk fna Scji^n^ 1563. — 

FärBtin. 
Herborg HümlsDib dnctmof Go£ I 8.1. 
iikc Siriidn^ B. 116&. — 

Der Maus boac Q*ec, doc Hacc: 
AAdneds «d ^riu. 203. 

Sfäkta imwä^BMaXKf B. 26L — MOMeoMtw B. M3 
Hi^dk» ^cfc & IM »A^-*«w p^giL Btt. 15L 
ftrk HrtOiini B. 14ä6. — Arüc opi»7» ""«ü 1-«- — 

die "rmoodere Ei^ea£ 

uns wpwiu n ^^moi i£. «cäecer W«i$e sas^esrebt: 

'^oAttD act MibK dncsz Giimhfläc A'Jg, ' 

^'^ dnibcr «De- J- G-inac KL »ir 3 241 1 Als^ Fil*. i 

ec. Mibe: r^ss. Suus. ztemv.. cörL £4^ . - 




^'.-«3» ^a«e 



170 

einer Penon m. (vgl. i. B. Bod« 8. 14). Gflttar wie Meouchei 
werden gewShnJich nuh GMchlacdit odv Volk benaimt, emi 
völlig geaflgende Angabe fflr Eetuur, ine WiA. 11 — IS beirdst 
Am häufigsten ist aberall die Nennong Dich dem Vater, de 
ergiebigste Qnell unserer FamilieanameD. Dabei scheinen ban 
mfigr Bonr, aga. noch eafora anterscbiedBloa rerwandt. Bei dei 
Benennong dea Füistm acheint alto. ahd. aidi in dieaer Ver 
Wendung giade das Wort dröttin faetgo e e tat ni haben; dan 
Btimmt an daa Femininum drättaiig. Wird statt dea Vtdki 
der Oatte genannt, also nicht die TQzstin, sondern die Gattin 
una TorgefQhrt, so steht altn. krin, wie man en^ noch jMst ia 
solchem Fall King Henry's queen sagt. Ags. stehen dagegan 
auch hier alle heiti. — 

Wir kommen nnn in den Umachreibungen ffiz Peraonei 
im allgemeinen and für Dinge, den eigentlichen Kenningen 



König: baugbroti H. H. I 18,8 hrii^broli H. H. I 46,1 
bauga deilir Odd. 19,3 sverda deilir Odd. 30,7 Akr. 37,2 faring> 
drifi Akv. 32,11 gramr verdungar Sig. sk. 42,2 gulla midlendi 
Akv. 38,7 apillir bauga FAf. 32,6 gumna stj6ri Grlp. 1,6 fÖUa 
oddviti H. Hi. 10,3 hers oddvfti Grip. 53,2 folkvaldi Skim. 3,8 
menvordr Akv. 29,4 ^jiOia {»engül Grip. 41,7 — Bode S. 46: 
folcägeod; verodes aldor; aetgifa bei^gifa goldgifa mftdftum- 
Bincgifa wilgeofa; gumena baldor, rinca, sinca, vigena, vinii 
bealdor; beaga, goldes, ainces brytta; leodgebyrgea; aldor dtau 
vine diyhten ; hringa fei^l (B. 2345) ; ädelii^a, herigea, veorud« 
heim; äütelinga, eorla, vigena hleo; folces, rices, sincefl hyrde; 
folces raeeva: beaga, beahhorda, gumen&, verodes, vigena veard, 
dryht«n ■ Mel - hord - yrfeveard, güdveard gumena; freavioe, 
goldvine (gumena goldrine); heaf od - herevlsa , folces, verodes 
visa, ädelinga ealdorvisa; mega vundbora (60). VerküntS 



171 

fanningar: dtoia eodor heim hleö hyrde vine. Herrschende 
Aolaate: b g h v. — adalcuning; drohtin mit vielen Genetiven; 
bjg.medomgebo; adalordfrumo; thiodcuning; burgo, landes 
lurdi; nueroldes uueldand; burges, landes uuard — SkÄldsk. 
fi4. J. Grimm Andreas u. Elene S. 38, Arndt S. 9. 

Königin: fridusib, freoduvebbe vgl. J. Grimm, Andr. u. El. 
B. 143, Bode S. 48. 

Held: br3ni|)ings apaldr Sgdr. 5,2, rögapaldr H. Hi. 6,3, 

^DQrr skjaldar AÜm. 30,5, hringbroti Odd. 21,4, gramr hauk- 

^talda Sig. sk. 31,2, vätpna hlynr Sgdr. 26,3; hildimeidr Fäi. 

^,2 hröttameidr Reg. 20,6; dolprQgnir Akv. 20,7, kumblasmidr 

Akv. 24,3, audstafr Sgdr. 31,6, hjähnstafr Reg. 22,5, vinr hauk- 

stalda Odd. 5,7. — Bode S. 53: verbeäm; aesc - gär • (auch 

Jud. 62) heim - segnberend; lindgeborga; güd - hild - säld 

sveord • vigfraca ; güdfremmend ; bord - lind - searo - rond - 

häbbende; hildehlemma; darodlacende (Pa. 53 El. 37. 651); 

cumbol - (Jud. 243. 259), güd - *(B. 2112) viga; here - 

heoro - bilde -välvulf; hilde|)remma (38). Verkürzte Kenniii- 

gar: Rceada; sceotend. Herrschende Anlaute: b f h v. — 

heim - wäpenberand; heririnc; s. auch Sievers u. »Söldner«. 

— sceotant — SkAldsk. 31. 47, Arndt S. 12 f. — Vgl. auch 
Bode u. »Gatte« S. 45. — 

Sohn, Erbe: erfinyti Sig. sk. 26,2 erfivordr Sig. sk. 66,3, 
Akv. 12,6, Güd. hv. 14, 6—7. — Bode S. 46: last - }Tf eveard 

— erbiuuard. 

Sänger vgl. Bode S. 48: gleöman (s. Grein s. v.) hleahtor- 
smid. — Seefahrer vgl. Bode S. 62: merefara; brimgäst; mere- 
lldend; flot-saemon; farod - ridend ; saerinc; scipveard. Vgl. 
Merbach S. 37 f. — Knecht: hvergaetir Atlm. 59,1. 

Frau hnnvengis bil Odd. 19,3, dis SkjQldunga H. H. II 
50,3 hörgefn Fäf. 43,7, mQrk menja Sg. sk. 47,3. — Bode S. 45: 
healsgebedda — Vgl. auch Bode u. »Gattin« S. 45. 



172 

Mensch alds bom VqL 23,11 helgw kindit Vfil. 4,2 
miumkTn H. Hi. 2&,2, dagmegir Atlm. 62,6, drftttmegir Vai. 
ll.Ö 12,3, AJcv. 2,1, mogD Heimdallsr Vftl. 4,4 alda synir Akr. 
10,5, HAT. 12,3, u. ö. yerj^jiSdLok. 24,3 — Bode S. 33: ft^feliaga, 
diyhta, elda, fira, foldan, goiaena, häleda, leoda, monna, nidOa, 
Vera beam, folc ■ vomldbearo; feorhgtot (auch RSt. 21,8) reord- 
sävlberend; ig - eord - fold • grund - h6r - land (s. Grein 
8. V.) sind - voruld - |>eodbueQd; hyn monaea; eormencyno, 
oaonna cynn (s. Sievers 3. 436, 1); burhsittend; voralde geece- 
afta; nuumes snnu (Ex. 426); sivle veard; godea handgeveorc; 
cvica vihta; dryht - TonildTtiniend (37). Die h&uflgsten Aub- 
drücke sind eordbüend, elda beam, bäleda beam. Verkünte 
Kenning: gaeetas. Herrschende Anlaute: b, seltener v. — eldeo, 
gumono, helltho, liudio, manno, nuimiBC, menniscono bam; erth- 
buendia; gumono, manno cunni, helith • mancuniü; druht- 
liud- meginfolci manno heriscipi; irminmao; gumono gisithi; 
mannes sunu; manuuerod; irmin[>iod; irmin • meginjnoda. (26) — 
maocunni irmindeot. — Heer: feiknalid H. H. I 33,5. — 

Riese: bergbiU Hym. 2,1, hraunbüi Hym. 38,5, H. Hi. 
25,5, bergdanir Hym. 17,7, hraunvalr Hym. 36,6. — 

Der mensohliohe Körper und seine TheJIe. 

Körper: — Bode 3. 35: feorhboldi bäncofa; eadoi^eard; 
bän - eord - läm - lic - (auch Göth. 1063) Tat - Baesc - lichama; 
greot - eiävelhordi bän • feorh - sävelhüs, gästes hüs; bänloca; 
bänsele (18) — Verkürzte Keuning: laemen. Häufigster Aua- 
drack: lichama; herrschender Anlaut h — lihhamo — llcbamo 

— J. Grimm S. 39. 

Brupt: hugborg Gud. I 14,7 — Bode S. 36: breost ■ 
gast ■ (Leäa 13) hotd - hreder ■ in ■ rOncofa; heoroveorda 
gnmd; breosta heord; breost ■ ferd ■ ferhd - feorh - hredet 

— gewitloca; vgl. u. Her«. — 



173 

Herz: mödakam H. H. I 54,12* fjtfreegi Fäf. S2J, hug* 
stcmn HyndL 41,4 — Bode «ao: Unhusee veard — Skildsk. 70. 
Kopf: hiQall skanur Hym. 23,6; berda hlettr hck. 57,4; 
Ki^knstM H. H. n 17,7? (t^ Löning, S. 338,23 Ama.); bjälm- 
Btgfr Hym. 31,6, hAtün homa tvegga Hym. 19,3 — Bart: 
Ikmnakogr S^m. 10,8. 

Auge: Bode S. 36: heafodgim, heafdes 8^. — Thräne: 
luffmdggg H. H. n 44,4? — Bode S. 36: hleor - vaegdropa; 
^breo0t - heaf odvylm. 

Zehe: ilkviatr AÜm. 63,2. 

Blut: hanndQgg H. H. H 44,4?, valdggg H. H. U 43.8; 
(iraddieyri Orott 19); sardropi H. H. U 41,9; hjorlsgr F&f. 14,5. 
— Bode 8. 37 heorodxTnc (B. 2358); hUdegioel B. 1606; 
headnav&t Verkürzte Kemiing: sv&t, sehr häufig; doch vielleicht 
auch altes heiti, wie noch in der Jägersprache (Bode S. 38 
Amn.). — Wunde: dölgspor H. H. 11 41,7 — Bode S. 56: 
biUee, eveordes, irena (B. 2259) bite; headuglem (Rät. 57,3), 
blödgyte (s. Grein b. v.) bilsväA — billes biti Hei. 4903. 

Waffen. 

Skäldak. 49. — Allgemein: ägnar Ijömi? vgl. Edzardi 
Pf. G. 28,165. 

Schwert: benlogi H. H. I 62,9; blödorm H. H. I 87; 
benvQnd B. 20,1 — Bode S. 55 mägenfultum; fUa, homera 
läf, yrfeläf; beado • bilde • hringmael; hildeeegeee; handveorc 
BDoida; güdvine. Verkürzte Eenningar : läf, leoma. Herrechen- 
der Anlaut: e — Arndt S. 26, Schemann S. 28. 

Speer: r6g|)om Akv. 30,4. — Bode S. 55: äscbolt (auch 
By. 230. 330); hildenädre; here, välßceaft; eofor • spreöt; 
välsteng; camp - güd - mägenvudu. — Arndt S. 27. Schemann 
S. 31. 

Schild: vigneßt H. Hi. 8,7 — Bode S. 54: fingra gebeorh; 
bilde - fröf or ; güdbilla gripe ; bänhelm ; oferholt ; headoUnd ; 



174 

geolo • bilde - sldrand. — Ob man lind und nnd als ver — 
kürzte Keaningar aufiassen daif, ist &agjich; Bsc ist wohl heiti-^ 
wofür schon sein häu^es Vorkoouuen auch in anderen Mischun ~ 
gen (äse ■ berend • bere • r6l ■ st£de - tlr - ])racu - vlga Bode S. 5& 
Anm.) spricht. — Arndt S. 24. Schemann S. 88. 

Brünne: — Bode S. 53: fyrdham, goldhama; mdene vSl- 
hlence; beado - fyrdhrägl; hringloca; breost - bere - bring * searonet; 
herepäd; hildesceorp; beadoscrüd; beadu-here-failde-beom-leodn- 
llcserce, graeg, sr&tf&h syrce; vtra gespon; bere - beadovaed, 
breostgevaedu (26). — Abgekürzte Eennning: syrce. Arndt S. 24. 
H. Lehmann passim. Schemann S. b. 

Helm: — Bode S. 54: eoforciunbol; beado • ber^rlma, 
gylden grlma ; vlgheaf ola. Abgekürzte Ifanning eolor ; TgL 
J. Grimm S. 28 f. — Schemann S. 27. Helmachmack: 
cumbolhaga Jul. 395? — H. Lehmann j 



Kampf. 

Skäldak. 48. 50. 

Schlacht; dölga dynr H. H. I 21,3; naddel Grp. 23,7; 
eggleikr Gud. U 32,11. hüdileikr Fäi. 31,3, hjorleikr Bfg. 23,7; 
randa rymr H. H. I 18,3; hjerstefna, H. H. I 13,2. valBtefna 
H. H. I 20,6; btynjiing Sgdr. 5,2, hj0rj)ing H. H. I 51,12, 
Gud. hv. 6,4 (10) — Bode S. 57: borda, cumbolgebräc; billa 
bröga; lindcroda; earhiaru; bül - cumbol ■ ecg (auch Seef. 70) - 
bete; cumbolgehnaeet ; ecga, sveorda gel&c; mecga gem&na; 
gär ' mitting; bandgemöt; gär- here-searo-Bperenid; Ssc-ecg-hand 
lind - nid ■ secg - aveordplega, gilpplega gires; bond ■ välraes: ■ 
pgre ■ (B. 1462) heresid; ätsteall; 3\7Tdges\'ing ; bereveorc (EL 
656); äac ■ ecg ■ vapen{)racu (37). — Abgekürzte Kenningar: 
gehnaest, plega. J. Grimm S. 35. Arndt S. 20. Schemann 
S. 33. — 

Schlachtfeld: ülfid H. H. I 17,2. — hildbedd An. 1094. — 



175 



Naturgegenstinde. 

Erde: midgardr Vgl. 7,8 58,6 Grim. 41,3 u. ö. HÄrb. 23,8; 

iQtmungrund (jrim. 20,3; (mannbeimr Hrafn. 24); heimetod 

^^t^l. 58,8; aurvangr Vgl. 17,7; alda ve Häv. 106,6. — Bode 

^.66: |>e6 bearbta b68m; middaneard; eardgeard, middangeard ; 

V>i7ten -yrmengrund, se ginna, 8e rüma, se sida, se ^'lda 

Srund; ymbhvyrft; |)eödland; gumena rice; |>eo6 laene, {>eos 

^ide geeceaft; burga gesetu; ]peß grtoa, se vlitebeorhte vong; 

^ord - fold -grund?- moldveg; freaa (fader) ealdgeveorc, fröd 

lyrngeveorc (24). Abgekürzte Kenning: grund, vielleicht auch 

altes heiti; herrschender Anlaut: v. — thit bröda büland 

mannocunnies; allaro benno brgdost; middilgard; thit riki, thit 

uueroldrtki, uueroldes riki; gröni uuang — mittilgart, meri- 

garto. — Arndt S. 42. 

Idi schliesse mit Sievers und Bode gleich die Umschrei- 
bungen- für »auf Erden« an: und sölu H. Hi. 39,4 und solar 
sjot Grip. 53,7 ä moldu Gud. I 4,3 fyr mold ofan Gud. I 17,6 
fyr jord ofan Odd. 1,6. — Bode S. 66: mid eldum; under heo- 
fonum, under heofonhvealie, under heofones hvearfte; geond 
{)iBne middangeard; imder roderum, under rodores hröfe; be 
saem tveonum; under sunnan; imder svegl, under svegles be- 
gang (gang), under svegles hleö; under volcnum — mid firihon; 
obar folk manag; an |)esom gardon; under |>esumu himile, an 
|)e8umu lande, an {>e(su)mu landskepea, obar al |)it landskepi, 
aftar |)e6umu landskepie; imder {)emu liudskepea; an liudiu 
dröm; an liudiu höht; te |>esumu höhte, au {>e(su)mu höhte; 
under |)esaru |)iod, at J)esaru |)iod, at J)esaru J)iodu, obar irmin- 
|riod — mid firahim. 

Sonne: brüdr himins Gr. 39,6; älfrödull Skim. 4,4; sinni 
mana Vgl. 8,1; sid skinandi systir mäna Reg. 23,3. — Bode 
8.68: breoht beäcen godes; vederes bläst; däg-heofor (auch 



176 

£z. 115); mere ■ av«gl - veder - vonüdcondel , folca Mdcondd» 
Tjncondel vera , godes , rodorea condel ; heofoa« , ar^ee, 
vuldoree gim; svegles leoht; heofenleoma, sreglea leoma; däg- 
sceald; ved^tiLcea; aregles tapar; läder iym g ev eorc; besonden 
zu beachten se ädek glaem and seo fidele gesceaft (28). Ab- 
gekürzte Kenning: gim. — euigli lioht — Sk&ld. 26. J.Grimm 
S. S3. 

MorgenrÖthe: graeü äUa Hamd. 1,3. 

Vollmond: I>e8 möna vadol Fin. 8 (vgj. Grein s. t.). 

Stern: — Bode S. 69: heofoncoadel ; Morgenstern: ae 
foirynel. 

Feuer: herr alls vidar Helr. 10,4 lindar vadi FU. 43,4. 
— Skäld. 28. 

Meer: — Bode S. 59f.: fiscee, ganotes bäA, seoUbadu; 
vadema gebind; är ■ ätvda - earbgeblond; ftfelcymtes eard; 
bväles, maeves §del; lagoiästen; fifela geUald; vaegfatn; seo 
fealu äüd: lagustreama. yiaful; gärsceg; Söds, aioleda begang; 
ae ginna grund ; sealtyda , yda geläc ; yda gelong : flflda 
genip; hran - aegel - svanr^i flfel - firgen - aealtatream, fym- 
atreamae, geofones streäm (Andi. 854, El. 1201); seolhvadu: 
aealtväter; badveg; flfelvaeg; Arvela; yda gevealc; SMes vylm, 
vaeges velm; eorda ydum ])eaht: vätera ge[>ring (41) — the 
grAto seo; gebanes ström. — Skäldsk. 35. J. Grimm S. 33. 
.\mdt S. 39 f. Merbach S. 31. Schemann S. 34. 

Eis: — Bode S, 61: forates bend; vftterhelm; välräp. 
Vgl. Merbach S. 49. 

Sturm: kristakadr Hamd. 5,6. — Skald. 27. Vgl. Merbach 
S. 47. 

Fels: hreingÄlkn Hym. 24,1? 

Gold: ormbedr Gud. I 26.4; ögnar Ijomi H. H. I 22,6, 
Fif. 42,4 lindar logi Reg. 1,6; rögmalmr Akv.28,2. — Skald. 
32—34. 



Thiere. 

Midgard^^^lllange if. o. — Skuldsk. 58. — Ungeheuer 
im Beovulfepos s. Bode S. 77. Schemann S. 7f. — Andere 
Thiere vgl. Bode S. 63f. 

Die drei Thiere deß Schlachtfeldes vgl. J. Grimm S. 25 
(mid für spätere Zeit Pniower Zs. f. d. Alt. 33,86). Adler: 
gaafugol gudhaioc (Athel. 64) — Skdldsk. 60. — Rabe: gran- 
verdir Akv. 11,3 — lyftsceada; välceasiga. — Skäldsk. 60. — 
Wolf: gränstöd H. H. 11 17,7? (vgl. Egilsson mid Gering); 
Vidris grey H. H. I 13,7; hrae^ Gud. 11 30,7. — mearc- 
veard; graeghama(Fin. 6); cvyldröf; här haedstapa. Abgekürzte 
Kenning: se gregga — Skäldsk. 58. 

Ross: brüdr Gräna H. H. I 43,1 soduldyr Gud. 11 4,6; 
— Skäldsk. 58. — Auerochse: maere mörstafa, — Hirsch: 
haedstaia. 

Kuckuck: sumeres veard. 

Fisch: brimhläst, holmes bläst. — Walfisch: brimsvin 
Hym. 27,8 — fymstreama geflota; gärsec^es gast; mereveard; 
väterjnsa (Wal. 50) — Seeungeheuer: vaegbora (B. 1440). — 

Werke mensohlioher Arbeit 

Schiff: flotbrüsi Hym. 26,3; brimdyr H. H. I 51,7 gjalfdyr 
H. H. 31,7 logfäkr Hym. 27,4; hlunngoti Hym. 20,1; Ravils 
heetr Reg. 16,2; rakka hjgrtr H. H. I 50,3 stag-stjömmarr? H. H. 
I 30,7 seglmarr Sgdr. 10,3 vägmarr Reg. 16,7; saetr^ Reg. 17,2 
hlunnvigg Reg. 17.7 s^vigg Reg. 16,5 [13] — Bode S. 61 
holmäm; vaegbord, nägled, salved bord; brenting; |>ell — vudu 
fasten; aeg — häm — vaegfiota; saegenga; vundenheals (B 298) 
brim — farod — mere — sae — sund — vaeghengest; ydhof 
geofon — merehüs; ydlida; lagu — sae — ydmearh; sundreced 
bunden — hringed — vundenstefna ; brim — flod — sae — 

Meysr, ▲Itgermanische PoMie. 12 



178 

eundvuda; ceol-v^ [lel; brim-vätet (Gath. 1303) — |)üva. Ab- 
gekürzt« Ketmingar: ko äw Sota mdn. Hemchender An- 
lact: h — Skildfik. 51. J. Grimm S. S4. Arndt 8. 42. äler- 
bach S. 29 f. Schemaon S. 36. 

Ich merke aa, dasB von den ags. EemiiiigeQ folgende die 
Arche Noä beseichnen: holmäm, nä^ed bord, merehns, 
sundreced. 

Segel: — Bode S. 62: merehiägl. 

Halle: healvudu B. 1317. — Die Burg Heorot vjß. 
Schemann S. 37. — Bank: sessmeidt Akv. 14,6. 

Kessel: SlkjöU H^. 33,4 (vgl. Zimmer Za. f. d. Alt. 
32,469); logvellir Hym. 6,2. — Becher: vinferill Hym. 31,7. 

Harfe — : Bode S. 48: gleobeam; gomenvadu. 

Tod und Grab. 

Tod: fjsrbrot F4f. 21,5; fjorgoU Lok, 19.6?; aldriag Vaf. 
52,5 H. H. 30,3 Hamd. 8, 3. 6, fjorlag Lok. 50,5; andUt Drap. 
3; aldrlok H. H. H 11,4; valsinui H/ndl. 6,6 7,4; aldrtili 
{Hrafn. 11); helvegi Vgl. 48,6 53,7 Helr. 7 — Bode S. 40: 
ealdor ■ feorh ■ bealu; feorh - dal. dead ■ ealdor ■ gast ■ llf ■ 
(auch B. 841) nyd — aävul - gedäl, lices gedil; ende-dögor; 
tldege; viga välgifre; hingong; ealdor - feorhlagu; vor 
oldraeden; bealu - ellor - ford ■ hin ■ heonan — neoeid, sc 
deoraaid; fordveg [25]. Abgekürzte Kenning: sid — . aldree, 
libes äband; hinfard; forgang: forduueg. Abgekürzte Ken 
ningi äbaud Hei. 3494 — Arndt S. 45. Vgl. J. Grimn 
Myth. * 700 f. 

Grab: — Bode ?5. 41: fold — moldäm; gärsbed; heol 
storcofa; greotes fädm; eordgräf; sandhof; brusan heolator 
deadräced (9). Abgekürzte Kenning: greot. — 

Zum Schluss venveiee ich nochmals auf Bodes Zusammen 
Stellung christhcher ags. Keoningar : Gott S. 79 (vgl. Schemam 



> T' >f.aid-k. 52 : Teuful S. TT); Enet] S. TS; Kreuz Crir:-:: S S'' 
Himmel i, aL- Sitz der Selifrcn- S. 74; Holle S. 75. — 

Kenningar und heiti im Beövulf bespricht ohne strenge 
Sdiddiuig die Arbeit von Scbemann; auch die Epitheta sind 
Wer erwähnt. — 

Anhang verbaler Umaohraibungan. 

geboren werden: knätti maer ok rnggr moldv^ epoma 
Oddr. 7,1 — Bode S. 38: wacan, äwacan, onwacan — cuman an 
(Uudiu, ])it) lioht, te ])e8umu liohte, an {)e6a verold cumai^, 
dunan ti mannen. — 

leben: — Bode S. 38: eardes brücan, blaeddaga, borhvelan, 
'Gerolde, lihynna, lifgessceafta brücan — ferahes brucan; iß aldan 
SQagu ^gan, |)e8aro iineroldi uuunneono neotan; ^it lioht, dagee 
lioht, |>esa werold ßehan; uuesan an thesaro (under themo) 
iraeroldi; vgl. so lango so im is lif uuaröd. — 

sterben: ganga til heljar; tilmoldar hniga; sofa; — Bode 
S. 39 ; öder (godes) leoht ceosan ; f eorh vid flaesce ealdre ge- 
daelan; aldor • (afrid) - gedal fremman; hTengevjrrht fyUan; 
beonan gangan; fiet, voruld, grundving ofgifan; onveg hverfan of 
gearde; lif, lifdagas, laendagas, voruld oflaetan; hleahtor älecgan, 
gunen and gleodream, feorh älecgan; dryhten s^can, lif es veg 
itde aecan, V3rnlea6vic secan; ende, feorh gesellan; sendan savle 
t6 Christe, sendan gast on godes vaere, to metodsceafte ; metod- 
Boeaft seön; fordgevitan, fordgevltan of lice, ofvorulde; ge\itan 
deadvic seön. Verkürzte Kenning: gevitan — dag endion, an |)ana 
tfd, an godes friduara faran; ])at lif geban, manno dröm, |>ese 
unerold, |)it lioht ageban; af geban gardos, |)it höht; hinan 
huerban, huerban an hinenfard; äthom latan; |)it höht, Hudio 
diAm, eldeo bam, ferah, lif forlatan; eUior skakan; äslapan; 
tttdan höht ödar, godes riki; uerold uehslon; ansuebbian an 
idmon; libes, dodquala, firin — thiodquala, quahn tholön; 



180 

oendi&a &f [»esaro uueroldi; auerthaa is fenfaea lA«. Activiacbe 
UmschieibuDgen vgl. Sieren 3. 449,9 — 14. Vericnizte Eenning: 
faran — ebenso ahd. dat inan wtc fumam. 

BeflonderB mache ich noch aaf die >grauBam humoristi- 
schen Umschreibungen für töten aufmerksam, die Holbcmann 
Edda 533, 75 und 83 hervorhebt 

"^^ir gehen (vgj. o. die heiti), sprechen and schveigen 
muss ich beim Mangel eigener ZasammeDstellang traf Bode 
S. 42 — 13 verweisen. — 

Ich berücksichtige in den folgenden ErSrtemiigen aus- 
schliesslich die aubetantivischen Kenningar. An die adverbialen 
Umschreibungen für >auf Erden« sei der VoUständi^ceit w^en 
nochmals erinnert. — 

Meine Sammlung enthält, wenn wir von den Keoningen 
für bestimmte Götter und Menschen absehen, S. 170 — 179 
677 Kenningar für 58 Schlagworte (Bode erhält aao. S. 11 
für 54 Begriffe 900 Kenningar, aber erstens und hauptsBchlich 
kommen bei ihm die zahlreichen reinchristlichen Umschrei- 
bungen hinzu, und zweitens hat er viele einfache heiti aofge- 
nommen). Hierbei ist jedoch in Anschlag zu bringen, dasq 
nicht wenige Kenningar sich unter mehreren Rubriken (e. B. 
für >Künig< und für iHeld*), besonders aber in mehreren 
Dialekten i,vor allem ags. und as.) wiederholen. Bedenkt man 
dies, M ist ilie Zahl (namentlich im Vergleich zu der der beiti) 
keineswegs sehr gro^i*, und sie wird durch die unausbleiblichen 
Nachtrage schwerlich so sehr erweitert werden, dass der ver- 
häitnissmäasig bescheidene Gebrauch dieser Umschreibungen in 
der ältesten Zeit nicht ersichtüch bliebe. — L 

Charakteristische Verschiedenheiten der ags. und alifn. Dich* 
tung sind nicht zu verkennen. Altn. fehlen die Umschrei- 
bungen für Körper, die dgs. (besonders im GüthUc) so beliebt 
sind ; dagegen für einzelne Glieder und besonders für das Haupt 



181 

liat die Edda Kenningar, wie sie die ags. Poesie bloee für die 

Brust aufweist. Der Edda siud auch die Kenningar für das 

Gold eigenthümlich; dafür hat wieder die ags. Poesie für die 

SehutzwaSen und vor allem für Meer und Schiff eine reiche 

Auswahl von umschreibenden Ausdrücken. Von Einzelheiten 

hebe ich als Gregenstände der Umschreibung noch altn. Bank 

(vgL heiti) und Kessel, ags. Segel und Harfe her\'or. — Dass 

einzelne Lieder für bestimmte Gruppen eine Vorliebe zeigen, 

sieht man bald, aber es wäre näher zu untersuchen. Altn. 

tareten neben Hym. besonders die Redestücke der HelgHieder, 

x-or allem von H. H. I, hervor. — Dazu kommt noch bei der 

AVahl der gleichen Umschreibungen der Gebrauch verschiedener 

Synonyma als erster oder zweiter Glieder vgl. Gr. 2,544. — 

Ich stelle hier mm noch die häufigeren GUeder der Um- 
schreibungen zusammen, wobei ich mich auf die altn. und ags. 
Fälle beschränke. — Natürlich sind die Nachglieder die wich- 
tigeren, weshalb ich auch oben nach ihnen geordnet habe; die 
Vordergheder sind auch vom Reimbedürfniss in hohem Grade 
abhängig (Bode S. 15). — 

Zweite Glieder der Umschreibungen. 

König: broti deilir drifi midlendr vgrdr spillir. — ägend 
aldor baldor gebyrea br^'hta d^ma drj'hten fengel heim hirde 
hleö gebyrea raesva veard vine visa. 

Held: apaldr broti bgrr hlynr meidr stafr smidr rognir 
vinr — beäm berend geborga freca fremmend läcend viga wlU 
|)remma. 

Seefahrer: fara gast lidend ridend rinc veard. 

Erbe: nyti vordr — veard. 

Frau: bil gefn mork — vebbe. 

Mensch: bom mogr sun — beam büend bjTe sittend sunu 
veard vuniend. 



182 

Riese: büi dani valn 

Leib: cota f2t hüa loca aele bold hört. — Brost ebenso. 

Kopf: hÄfjall bätün hlettr stofn stM. — Blnt: dggg droi» 
iQgr — dryme giceL — Wvrade: spor bite glem. 

Schwert: \o^ ormr vQndr — lAf leöma moel segeae veorc vine. 

Speer: fiom — holt lüUtK sceaft steng vuda. 

Schild: neet, — gebeorh fröfor gripe heim lindrand. 

Brünne: ham hrägl net sceorp serce acrdd gevsedu. — 
Helm: grima heafola. 

Kampf: dynr ^1 leikr rymr stefna Jung — gebtfic cröga 
croda faxu bete gebnaest gel&c gem&na mitting gemftt nid pl^a 
raea sid gesving veorc t>racu. — 

Erde: gardr grund heimr stöd vangr — ■ eard grund geard 
land rice gesceaft veng veg. 

Sonne: sinm aystir — beacen bläst candel ginn leoma 
sceald täcen tapmr. 

Feuer: herr rddi. 

Meer: bäd gebind geblond eard edel fasten gefeald fatu 
&Ad grund geläc gelong genip räd stream vädu väter veg 
velm u. a, 

Gold: lj6ini logi bedr malmr. 

Wolf: grey gifr — stapa veard. 

Schiff: dyr brüsi fdkr goti heatr hjortr man txi vigg — 
am bord hüs reced (dieee zum Theil nur für die Arche) fasten 
genga Uda heals hengest hof mearh atefna |iiaa vudu. 

Halle und Harfe: vudu. 

Bank: meidr. 

Kessel: kjöU. 

Tod: brot lag Idt lok sinni vegr — bealu gedäl gong 
lagu raeden sid veg. 

Grab: am bed fäilm cofa heolstor hof reced. — 

Zunächst sind die Kenningar nach dem zweiten Glied in 
iwei Claesen zu scheiden, die ich die der transitiven und in- 



trarißitivGii rin-^chreiliuniien nennen möclit-e. Ist nämlich der 
zweite Theil ein nomen agentis, dessen Verbalbegrifi in dem 
ersten Theil sein Objekt unter sich bat, eo tritt die Kenning 
in nacbfiEte Verwandtschaft su jenen Verbalepithetis, von denen 
wir oben gesprochen haben. Nur für diese Classe gilt, was 
Heinzel (aao. 21) in geistreicher Weise über die Vermisdiung 
von Wirklichkeit und Vergleich sagt. Wenn der König »Ring- 
brecher« heisst, so ist das wirklich nur Substantivirung des 
Satzes »er hieb die Spange entzwei« und wieder »er vertheilte 
Gaben« ist nur Verbalisirung des Begrifis »Herrscher«. Wir 
Behen also in diesen Satzcondensirungen die Tendenz der Alli- 
terationspoesie zum Substantiv auf dem Gipfel. Solche Verbal- 
substantiva sind sämmtliche Nachglieder für die altn. Königs- 
Kenningar, ebenso die meisten ags. Femer gehört hierher das 
beinahe ausschhesslich in Andreas und Elene vorkommende 
— {)issa (vgl. J. Grimm S. 85): das Schiff wird »Meerdurch- 
rauscher« genannt, wie es sonst heisst »das Schiff rauscht durch 
die WeUen.« Endlich ganz unverarbeitet liegt die Umwandlung 
des Verbs in ein Substantiv in den Participien berend und 
läcend vor, die auch Heinzel (S. 24) als ags. verbalen Um- 
schreibungen entsprungen nimmt. Was die Form angeht, darf 
daran erinnert werden, dass auch die Epigonen des Minnesangs 
Participia wie bemde gemde, freilich als Epitheta, zu verwen- 
den lieben. 

Die intransitiven Umschreibungen, weit in der Mehrzahl, 
nennen das Ding entweder von seinem Stoff oder, wenn ich 
mich so ausdrücken darf, von seinem Geist. Das Schiff, beseelt 
gedacht, hat die Eigenschaft des schnellen und unaufhaltsamen 
Vordringens und trägt seinen Herren treulich: darum heisst es 
bildlich nach dem Ross. (Wirkliche Schiffsnamen bei Wein- 
hold Altnord. I^ben S. 131.) Ebenso steht der Mann im Kampfe 
fest imd unerschüttert; darum heisst er »Baum«. Denn die ety- 



184 . 

mologiBcheD Deutungen der SkÄlda tod raTiiir und yiäi wie roa 
aelja und log (SkÄldak. 31. 47) hat Weinhold (aao. 329 Anm.) 
sicher mit Recht abgewieeeo. Oft heiaet der Held gnde Apfel- 
baum, und. dsss das auf einem Gleichnias beruht und nicht 
auf einer Wortspielerei nach späterer Art (v^. Roeenbeig aao. 
S. 478. Hom Gesch. d. Ut. d. ekand. Nordens S. 34, geschickt 
durch ein deutsches Beispiel tUuatrirt in Rühs' Edda S. 94), 
beweist anschaulich die hübsche Anekdote von IngibjQ^ Thoris 
Tochter (Weinhold aao. 80). 

Stoffliche Umschreibungen sind besonders die ags. sehr 
beüebten mit vudu für Speer, Schiff, Halle, Harfe, ebenso mit 
holt für Speer; desgleichen wohl auch altn. tre und meide für 
Schiff und Bank. — Bildliche (vgl. Bode S. X9 f.) sind die 
mit apaldr bQrr hlynr meidr altn. beim ags. für den Helden, 
alle altn. Kenningar der Frau als Göttin und als Baum. Dinge 
werden gern belebt, doch nur solche, zu denen der Mensch in 
ein intimes Verhältniss tritt: das Schwert (onnr), die Sonne 
(sinni systir), das Schiff (dyr vigg brüsi fäkr goti hestr marr 
— hengest mearh). Hier ist überall die ags. Poesie ärmer als 
die altn. Sonst wird ein Ding mit dem andern veiglichen: 
Leib und Brust mit einem Hause (vgl. Wackemagel Zs. f. d. 
Alt. 6,298), Schwert und Gold mit der Flamme. Die Sonne 
irird ags. nicht mehr persönlich gefasst, sondern biblisch als 
H immelalicht. womit unsere Erörterungen in § 5 zusammen- 
treffen. Selten wird ein geraumechriebenes Wort selbst zur 
Umschreibung verwandt; so wird der Kessel nach dem Schiff 
benannt. — Bildlich sind auch die transitiven Kenningar für 
Dinge, weil sie diese belebt denken; 3o die altn, für das Feuer, 
gengs und üda ags. für das Schiff. Sie machen uns den laten- 
ten Verbalbegriff dieser Hauptwort« recht klar: das Schwert 
heisst deshalb Flamme, weil das Feuer ein vernichtendes Ding 
ist; das Schiff heisst Ross, weil es ein dahineilendes Dinjr ist. 



185 

i>em alten Germanen war mit anderen Worten das Schiff so 

^othwendig ein in Bew^ung gedachtes, wie der König nothwendig 

ein Herrscher war. — Am fremdartigsten muthen mis die ags. 

XJmschreibmigen für das Meer an. Zwar wenn es W^ heisst, 

i-QKt es eben einfach als Object des dahinfahrenden Schiffs ge- 

c5Utcht; aber auch sonst erscheint es nur gleichsam passivisch, 

Besitz, als Bad d. h. als nasser Wohnort. Dem entspricht 

völlig die RoUe, die das Meer sonst in der altgerm. Dichtung 

spielt: es ist nicht wie in der griechischen Mythologie eine 

ebensvolle Welt, gleich der Erde, sondern wie die Luft ein 

^:Sast leerer Raum, ein kahles Element, nur von wenigen dem 

^lenschen femstehenden Wesen bewohnt. — 



Erste Glieder der Umschreibung. 

König: baugr gull hringr men sverd — beag gold hord 
hrinc sine; ädeling folc here leod rice. 

Königin: fridu. 

Held audr hringr; dölgr hjälmr hildr väpn hrott kumbl rög 
Blqgldr — cumbol darod gar güd heim heoru bilde; lind scild 
Bveord vig; verr. 

Weib: hgrr men. 

Mensch: cid dag, drött ver — sämmtliche heiti für 
»Mensch« zur Bildung patronymischer Kenninge. 

Knecht: hverr. 

Riese: berg hraun. 

Körper: bän feorh greöt lic; savel. 

Brust: hugi — ferd gast hord. 

Herz: fjfir. 

Blut: barm sar valr — heoru headu bilde. 

Kopf; grän skarar herdr hjälmr hom. 

Schwert: ben blöd — beadu güd bilde mägen. — 



186 

Speer: rög — äse camp migea. 

Schild: vig — hia; faeado. 

Brünne: beadu here bilde; breast fyrd gold bring. 

Helm: beadu; cumbol. Kampf: dölgr egg hjfitT rond 
brynja ^ bil llg Und gär sveord — bere — omnboL 

Erde: j^rmun — eord fold grund. 

Sonne: m&ni. — däg beoton mere sv^l vomld. 

Feuer: viAr lind. 

Meer: fisc ganot seolh är hväl maev bran svinyd. 

Gold: lind ormr ägn rög. 

Schiff: Sot briin gjaUr Iggr vägr saer; blunn segl — farod 
mere sae sund vaeg yd lagu brim fl6d. 

Harfe: gomen. 

Becher: vln. 

Kessel: logr q\. 

Tod: aidr fjor valr — ealdor feorh gast lif sävul, — 

Unterschieden mr an den zweiten Composition^iedem 
die Bezeichnung des Stoffs und gleichsam die des Geistes der 
umschriebenen I>inge, 90 ist bei den ersten Gliedern ähnlich 
zu scheiden. Den stofflichen Theilen entsprechen hier solche, 
die das Material oder dgl. angeben; den bildlichen aber die, 
welche Ort und Gelegenheit, Ziel und Aufgabe der Anwendung 
nennen. Wenn z. B. der Körper bänhos heisst, so bezeichnet 
das die Art dieses Hauses ; aber sävelbäs giebt eine Bestimmung 
an. Der I^ib ist ein Bau aus Gebeinen und für die Seele. 
Der Speer ist ein Holz, vom Baume genommen, daher üscbolt, 
aber für die Schlacht hei^ricbtet, daher campvudu. — Beide 
Gruppen liessen sich füglich als reaUstische und idealistische 
Umschreibungen klassißciren. Denn das ver in verbeiim (wenn 
man dies als Mannbaum fasat s. Grein u, d. W.) wie das vudu 
in saevudu sind jedenfalls richtig, während das gomen in gomen- 



187 

näxx wie das hengeet in saehengeet unter Umständen ganz 
vonifich klingen können. — 

StofQicbe Bestimmungen sind die Objecte aller transitivi- 
cchen Kenningar; Schmuck und Schatz beim Fürsten als dem 
<7abenBpender, Friede bei der Frau als Glücksstifterin, das 
Jiolz bei dem verzehrenden Feuer, das Meer bei dem dahin- 
fahrenden SchifE. Dann die meisten Vordergheder zur Um- 
schreibung des Körpers; ferner lokale Angaben: der Riese wohnt 
auf den Bergen, die Sonne ist Genossin des Mondes, nämlich 
am Himmel, und ist nach dem Himmel auch als Leuchte 
benannt. Dagegen voruldcandel ist final: Leuchte für die Welt; 
ebenso merecandel. — Bezeichnend ist, dass der Mensch ags. 
nach dem Geiste benannt ist; das ist christlich. — 

Final sind die Benennungen des Helden nach Kampf und 
Wafien, des Weibes nach häuslicher Arbeit und Schmuck, des 
Körpers nach der Seele, der Brust nach dem Gedanken, des 
Herzens nach dem Leben, die sie bergen müssen. Die Waffen 
heifisen natürhch nach der Schlacht, doch die Schutzwaffen 
agB. auch nach dem Leib, den sie decken sollen. Auch Blut 
und Wunde werden stets mit Bezug auf die Schlacht gedacht. 
Der Knecht soll den Kessel warten, und der wieder ist für 
Wasser (zum Kochen) und Bier bestimmt, der Becher für den 
Wein. — Das Meer hat, wie schon erwähnt, nur finale Be- 
nennung: es ist um seiner Bewohner willen da; hväles edel 
entspricht vöUig dem Wort savelhüs. Besonders charakteristisch 
ist die Kenning argeblond: das Meer scheint nur da zu sein, 
um dem Ruderschlag Raum zu geben (doch vgl. earhgeblond). 
— Schwierig sind die Umschreibungen des Goldes. Entschie- 
den lokal ist ormbedr, Lager auf dem Fäinir liegt (vgl. Fäi. 34,6) 
final rögmälmr, Metall xun das man kämpfen soll (vgl. Reg. 5). — 
Dreifach sind nur wenige Kenningar: br}m])ings apaldr 
ßgdr. 5,2 linnvengis bil Odd. 19,3, wo als erstes Glied eine 



188 

Kenniog ateht. Anden ist es, wenn als Vonlerglied statt des 
einen Worts iwei einfache Worte stehen: hAtiün homa tr^gja, 
berr alle viOar sind einfache Eenoingar. Das Compositam er- 
hiilt fast nie noch ein Epitheton; ein Fall ad skinandi systir 
m&na Reg. 23,3. — 

Die Kenningar reimen oft auf einander, wie die hdti, and 
meist beruht ihr Gleichklang eben auch auf der Composition 
mit reimenden Gliedern wie i. B. ags. fold und mold. Eine 
grosse Zahl von Beispielen hat Bode S. 91 f. gesammelt. — 

Genauere Untersuchung wird gewiss auch hier indiriduelle 
Eigenthümlichkeiten ergeben. So beronugt der Beövulf das 
Wort vudu u. dgl. m. — Ags. und ahd. geht der OenetiT gern 
voraus (Gr. n 602), altn. selten. 

Zum Schluss will ich noch kurz darauf hindeuten, dass 
altgerm. Kenningar schon in einzelnen mythologischen Namen 
wie Yggdrasill stecken, wie Rosenbei^ (aao. S. 400) bemerkt. — 
Die Götter - Kenningar sind ohne Zweifel zuerst fest ge- 
worden (z. T. wie schon oben vermuthet, bereits in idg. Zeit); 
im H^b. z. B. kommen nur für übermenschliche Wesen solche 
Umschreibungen vor: Niedner Zs. f. d. Alt, 31,240. — 

Anhang zu § 8 und 9. 

Suche ich zum Schluss noch über beide Claasen der 
poetischen Benennung, heiti und kenningar, einiges zu be- 
merken, so muss ich das vorausschicken, dase ich von keinem 
Theil meiner Arbeit so wenig wie von diesem befriedigt bin. 
Es war schwierig genug, das Material zusammenzuschaffen ; 
mühsam, einige Ordnung hereinzubringen; vor allem aber un- 
möglich, diesen Zusammenstellungen mehr ab das Allgemeinste 
abzugewinnen. Und dies sind etwa folgende Sätze: die Be- 
nemiung mit einem als einfach empfundenen Wort (heiti) ent- 
stammt direkt der alten Vieldeutigkeit der Zeichen; die Be- 



MMM 



189 

oennmig mit einer als Kreuzung zweier Begriffe empfundenen 

Wortverbindung (kenning) entstammt der Nothwendigkeit, aus 

Wenigen Zeichen viele Begriffe zu entwickeln. Jene gehört der 

%rache selbst an« diese wesentlich der poetischen Technik. 

Ihre Ausbildxmg verdanken beide der Freude an der Variation 

des Ausdrucks. Ist also an sich die Classe der kenningar 

jiönger als die der heiti, so schliesst das keineswegs aus, dass 

Xsi ihr ältere Bestandtheile als dort fortleben. Da nämlich das 

^Bedürfniss nach Variation übergross war, so stirbt leicht ein 

ftneiti als abgebraucht ab, welches durch mannigfache Verbin- 

«Zungen in kenningen frisch bleibt. Und indem gern benutzte 

*Uheile von Umschreibungen losgelöst werden, ergiebt diese 

^Gattung »verkürzter Kenningar« neue heiti. 

Es folgt hieraus, dass es bedenklich ist, aus dem Ver- 
JiiltnJRS der einfachen Appellativa zu den durch Kreuzung ge- 
-bildeten weitergehende Folgerungen zu ziehen. Der beliebte 
Sohluss aus der Häufigkeit oder überhaupt aus dem Vorkommen 
der Kenningar auf relative Jugend eines Gedichts ist nur auf 
dem Gebiet der altn. Dichtung zulässig; und selbst hier muss 
er jedesmal der Gegenprobe durch Kriterien aus Inhalt imd 
Form unterworfen werden. Denn das hieran reichste Ided der 
Edda, die HymiskviJ^a, ist desshalb gewiss noch nicht jünger 
als die letzten Stücke der Spielmannsdichtung aus dem Nibe- 
lungencyklus. Die ags. Poesie ist schon in ihren frühesten 
Produkten den älteren Theilen der Edda an Umschreibungen 
weit voraus, obwohl diese zeitlich später anzusetzen sind. Dies 
beruht nun freilich auf der schon öfter von uns betonten 
grösseren Modernität der ags. Dichtung, d. h. auf dem Um- 
stand, dass eine analoge Entwicklung hier schneller durchlebt 
wurde als im Norden. Aber immerhin ist auch dies eine 
Warnung, die Kenningar nicht vorschnell zur Altersherabsetzung 
zu benutzen. Der Heiland zeigt nirgends so sehr wie gerade 



190 

\ 
im Wortschati die engste Venrandtocbaft mit der ags. Poeaie, 
ein Verbältniss, das Sievera längst bewiesen und eiUÄrt 
hat. Aber die wenigen Reste ahd. AUiterstionspoeflie geben 
ein Räthsel auf: die Hauptmasse der Kenningar. nämlich die- 
jenigen, welche durch Combination iwöer SubsbmtiTs gebildet 
sind, finden sich hier den heiti gegenüber 90 auffallend selten, 
das8 die Gedichte so weit sehr alterüiümlich wirken. Hild. 
5 — 6 stehen 2. B. fünf der Variation stark zngethane Worte: 
Brünne zweimal, Schwert, Held, Kampf; und nur bei dem 
doppelt angewandten Begriff ist statt der einfachen Benennung 
das eine Mal eine sehr bescheidene Umschreibung gesetzt. 
Dagegen aber die Nebenworte, Verba und AdjectiTa, werden 
gerade ahd. im UebermaaSB durch Combination mit Substantiven 
umschrieben: während in der ags. und as. Dichtung einlache 
Verba und Adjectiva mindestens ebenso häufig sind wie um- 
schriebene, in der altn. unendhch häufiger, verschwinden ahd. 
heiti wie etwa »berühmt' »b^erig« »siegen« »tödten« völlig 
unter der Masse der Umschreibungen. 

Wir sehen also, dass die Entwicklung der poetischen Wort- 
wahl bei den alten germ. Dichtem nicht einfach durch Verall- 
gemeinerung des skandinavischen Einzellalls gegeben werden 
darf — hier so wenig als etwa in der Mythologie. Der Wort- 
stand ist im Ganten auf sein Alter zu prüfen und der sicheiste 
Maasstab wird dabei nicht sein, ob die Begriffe durch einfache 
oder combinirte Ausdrücke gegeben werden, sondern welchen 
Grad von künstlicher Entfernung von der AUtagsfpmche die 
gebrauchten Worte und natürlich in erster Linie die Substan- 
tiva (als heiti. als Theile substanti\'ischer , als Theile verbaler, 
adjectiviecher, adverbialer Umschreibung) aufweisen. Variatiori 
des zur Combination benutzten Appellnti\'mu erklärten wir für 
das wesentÜchste Kennzeichen der Kenning, und mindestens ein 
Theil zeigt auch immer einen gewählteren .\usdruck; aber welcher 



191 

Unterechied zwischen einer Kenning wie »SeehengBt« für Schifi 
und einer solchen wie »Walfisch der Feldwüstee für Riese! 
Ee müseen also für heiti and kenningar Schichten abgegrenzt 
werden. 

Diese Forderung ist nichts weniger als neu; nur gewinnt 

sie, glaube ich, dadurch eine neue Gestalt, dass wir auf Ver- 

gleichung der Substantiva in allen Klassen der poetischen 

Benennung drillen. Wie wenig bei Isolirung der Kenningar 

z. B. durch die Regeln JtönningE (Beovulfekradet S. 141 f.) zu 

«rreichen ist, hat schon Bode (aao. 34 1} ausgesprochen, wenn 

such nicht klar gemacht. Richtig ist ja, dasE eine Umschrei- 

'bimg nie ganz alt sein kann, wenn die beiden Glieder in ihrer 

Verbindung keinen ungezniingenen Sinn geben: braunvalr kann 

«o wenig eine Kenning der ältesten Schicht sein, wie Hilde- 

gund ein Käme der oreprünglicbeten Art. Um nun aber zu 

sehen, wie weit diese Umschreibung von einer solchen wie 

saehengest absteht, muee man ausser der Verbindung auch die 

Einzelglieder prüfen. Ist hraim im poetischen Gebrauch alt? 

WahiBcbeinlich : denn H. Hi. !t5,6 (wo noch h : hr reimen) 

wird es bereits als Coordinate für den Riesen in der einfachen 

Kenning hraunbüi gebraucht. Ist hvalr im poetischen Gebrauch 

alt? Die ags. Kenning hväls £del, weit verbreitet, in dem 

■Seefahrer« sowohl wie in christlichen Stücken zu belegen, spricht 

dafür. Ist hraunhvalr schon vor der Hym. verwandt worden? 

Der Umstand, dass in diesem Gedicht von Walfischen erzälilt 

wird (hvalr 21,2. 26,5), daes für den Riesen die Kenning hraun- 

büi {Hym. 38,5) schon in Gebrauch war, giebt mindestens eine 

WahrscheinUchkeit dafür dass der kenningfreudige Autor dieses 

Liedes zuerst hvalr im Sinn von >- Ungeheuer« mit hraun, einem 

Schlagwort für Riesenkeuningar, verbunden habe; aber er beweist 

zugleich, das? die Combination nicht so fem lag, wie es zuerst 

scheinen kann. Und somit zeigt diese eine Stichprobe, wie 



192 

vorsichtig man in der Beurth«ilang von Eenningen sein mos 
Ehe wir nicht für braun und für hTah Schichten bestiaune 
können, vermögen wir auch nicht das relative Alter von hranj 
hvab- lu beBtimmen. — Dase die Umechreibung in sich alliterit 
ist immerhin zu beachten. 

Man gestatte, an einem ganz modernen Beispiel zu eri£i 
tem, wie selten eine Umschreibung genau zu datiren ist Nac 
dem Bericht L. Schneiders (Aus dem Leben Kaiser Wilheln 
3,238) hat der grosse Begründer des deutschen Reiches in sein« 
edel-klaren Art sich über den Ausdruck »HohenzoUem -Aat 
beklagt: »Die Hohenzollem haben keinen Aar im Wappei 
Brandenburg- oder Preussen-Aar wäre richtig«. Wir sehen alsc 
hier liegt eine falsche Combination vor, die erst möglich wa 
als man das Wort lAar« formelhaft zu gebrauchen sich gewöhr 
hatte. Aber seit wann ist das der Fall? Unsere Klassik« 
scheinen nur Adler zu gebrauchen (D.Wb. 1.5). Die Grleim un 
Ramler kennen nur dies Wort, und meinen auch (im Gegei 
satz zu den Emblemdichtem des 17. Jahrhunderts) fast stel 
den Adler der Mythologie, nicht den der Heraldik. Gleim atngl 
» Dem Adler gleich erhebe dich, der in die Sonne sieht 
(PreUBsische Kriegslieder von einem Grenadier, Hall. Neudr. 4 
S. 8,35); in die Sonne sieht aber nicht der Adler des preuss: 
sehen Wappens, sondern der des bekannten symbolische 
Bildes mit der .Aufschrift 'Nee soU cedit», das unsere Gamisoi 
kirche schmückt. Die Sänger der Freiheitskriege keimen df 
gegen aehi wohl den Adler des Wappens: »Panier, Panier, wi 
sehn dich wallen, Du Wunderadler ächiecklich allen In deinen 
heiligen Glanz' heisst es bei Schenkendorf; das Wort Aar abe 
ist auch hier noch selten, fast schüchtern nähert Kömer e 
durch das Epitheton dem Synonym; »Durch! edler Aar! di 
Wolke muss Dir weichen!« (immer noch Anlehnung a: 
jenen Wahlspruch!) Es ist nicht unmöglich, doss die franst 
Bische Verherrlichung des napoletmischen Adlers zu diese 



193 

NeneDrang in Benig auf die Verwendong dee Begriffs beige- 
tiägen hat, die nun bei dem Hauptvertreter preuBsiBcben Ruhmee- 
geeangee in uneerem Jahrhundert, bei Schereoberg, eifrig gepflegt 
wird (z. B. Leuthen S. 19). Aber das Wort »Adler* behaup- 
tet sich noch inuner unverändert; lAar« ist auch bei Scheren- 
beig noch selten. Schwerlich ist es vor 1-866 populär geworden. 
So hätten wir drei Stufen: Adler = Adler dee Zeue; Adler = 
Adler dee Wappens; Adler und Aar ^ Adler des Wappens. — 
Für das erat« Glied der Verbindung haben wir genauere Aus- 
kunft: in dem dtirten Buch behauptet L. Schneider, dem man 
Autorität in solches Dingen nicht absprechen kann, das Wort 
>Hdbensollem< sei erst seit 1840 geläufig geworden (aao. 1,320). 

— Also »Hohentollem« seit 1840 formelhaft, »Aar« noch er- 
heblich später — und doch schon 1870 >Hoh^izollem-Aar< 
in t^ischer Verbindung. Wer könnte das dem Ausdruck 
ansehen? wer würde die unlogische Combination so dicht an 
die Wiederbelebung des uralten heiti »Aar« rücken? Man 
k&mte ein Gtedicbt dieses Terminus wegen für sehr viel jünger 
erklären wollen als etwa einen Vers Cr. Hesekiels von 1869, 
wo es gani richtig heisst: »unter Friedrichs stolzem Aar* 

— und der Fehler wäre vielleicht nicht grösser, als der, welchen 
wir mit einer Datirung der Hymiskvijia auf Ausdrücke wie 
hraunhvalr hin begehen mögen. 

Und doch ist die Datirung bei den Kenningen immer noch 
etwas zuverlässiger als bei den heiti. Wer kann es z. B. von 
vornherein wissen, dass in der Tenninolo^e des Minnesangs 
«wolgetän* fast nur bei älteren, »wolgestalt« fast nur bei jüngeren 
Dichtem steht? Bei den Kenningen ist es auch gelegenüich 
möglich, eine auffallende Combination durch Verweisung auf 
fremde Muster zu datiren. So ist dies für das age. Umschrei- 
bungswort l&f durch Cook versucht worden (A latin poetical 
idiom in old English, im American Journal of Philol. Vol. VI 

Mayn, AltguuMiiialia PoMia. 18 



IM 

1 1885 9. 476). Bfich hat der Anbata — auf den Dr. 0-. Hen- 
feld die GHlte hatte mich auimericaun so maohen — aUenUngB 
nicht übeneagt. Aber mfigUch sind doch solche Controlm 
bei Eenningen, kanm bei heiti. VgL auch H«"«! Qp lo, S. 1-2. 

Sacht man also Enut lu maohea mit dei Foiderosg, den 
Oesammtromith der altgerm. Poesie an SabatantiTen in chnmo- 
logiBche Reihen m xerlegeo, so ist Vorbedingung, daaa man 
Ton dem Stand tot der Trennung der Dialekte sich ein Bild 
zn Teraohafien sucht. Die «infa^^^a Vergieichung der dialekti- 
schen Bestände hilft aber wenig. Die echten heiti müssen ja 
doch als gemeingermanisch behandelt werden, denn sollten selbst 
unter ihnen Neubildungen sein, ao haben wir doch kein ACttel 
diese zu erkennen. Andererseit« wird gemeingerm. Beeiti z. B. 
durch die ITebereinstimmung von altn. eggleikr und ags. ec^ 
geläc nicht bewiesen. Denn kein alter altn. Vers braucht leikr 
zur Bezeichnung des Kampfes: F&f. 31,3 wie Reg. 23,7 stehen 
in jüngeren gnomischen Interpolationen, (die sich denen in 
Sgdr. vei^eichen), und Gud. II 32,11 in einem der spätesten 
Lieder; die Umscheibui^en mit Geräuschworten, obwohl selbst 
nicht in ganz alten Strophen (H. H. I) machen einen älterai 
Eindruck, und haben keine ags. Entsprechung. Nach meiner 
Ansicht wird eine gründliche Ve^eichung des Substantivrorraths 
in der altn. ags. as. ahd. Dichtung sehr lehrreich Iflr die Ver- 
schiedenheit der Stämme sein, sehr w«iig eigebnissreich dag^en 
für die Verschiedenheit der Perioden. 

Es werden somit zwei Mittel bleiben: um zu dem Wort- 
schatz der poetiachen Sprache in gemeingerm. Zeit aufzusteigen 
und hierdurch für die Entwickelung der wichtigsten beiden 
Klassen poetischer Formeln, der heiti und keoningar, einen 
festen Boden zu erobern, stehen statt des subjektiTen Urtheila 
über iKünstlicbkeiti, statt der täuschenden Vergleichung der 
Dialektbeatande als objektive Hilfemittel zu Gebot — das Rimea- 



19Ö 

schabet und die BQonologie. Das etetete liefert für die 
poetiBche Wortwahl in den einzelnen heiü, die ee enüiält, 
«ntens einige unzwcdfelhaft räohere Beispiele, und zweitenB eine 
vichtige aügemdne Analogie. Die Etymologie erläutert die 
poetiache Wortachöpfung, indem sie zeigt, auf welche Wege 
die innere Sprachform von vornherein den Neologisten wies. 
So bedeutet äAelcyning eigentlich nichts anderee, als cyning 
allein ; der Zusatz fiisoht die verbraucht« Urbedeutung nur auf, 
wie wir bald daa Gliche beim >et]nnol(^;isohen Epitheton« 
finden werden. Das alBo iet wirklich eine inahehegende«, echte 
alte Aoednickeform, obwohl immer schon unter dem Anbieb 
der poetischen Variationdust entstanden. Ob aber den Ger- 
manen von vornherein nahe lag, den Kampf, das Ernsteste, 
was äe kannten die Becbtiertigung alles anderen Seins — den 
Kampf als »8pid< za bezeichnen, das ist trotz eggleikr und 
ecg^ gel&c sehr die Frage. 

Mit diesen beiden Werkzeugen also wäre ein kleiner, aber 
zuverlässiger Urbestand festzustellen; es wären innei^ialb der 
einzelnen Dialekte daim Gedichte von annähernd ächerem 
AltersverhältnisB (z. B. in der Edda Vulundarkvitia — R^iins- 
mäl und F^fnismäl — Atlamäl) als Etappen der Entwicklung 
zu prüfen, immer mit beständige Rücksicht auf alle wie immer 
benutzten Nomina, und so könnte man wirklich zu einer 
Gesd^chte des poetäachen Wortschatzes in der altgerm. Poesie 
und damit zu brauchbaren Alterskriterien kommen. Ich ver- 
zichte imgem darauf auf diesem Wege selbst statt allgemeiner 
Sätce concrete Einzelei^bnisse zu ernten; aber mindestens für 
jetzt muse ich von der lockenden Aufgabe des Ausgrabens zu 
der zurückkehren, die für diese Arbeit mir nun einmal gestellt 
ist: des Sammelns und Sicbtens von schon geborgenem 
Uateriall 

18* 



1Ö6 

Doch sd wenigBtenB ein Bedspiel gestattet Daaa die Ken- 
ningfl für »Menschf ond iMenschea* relaÜT alt sind, ist wahr- 
scheinlich durch ihre grosse Zahl, besonders aiich in altn. 
Gedichten, and durch ihr Vorkommen in älteren Lieden, wie 
V0I., auch Vaf. und Lok. Diese Umschreibungen sind nun 
fast alle einer Art: sie tänd patronymisch. Keine Umschrei- 
bung kann natürlicher sein als diese. Wie alle VSlker gmea- 
l(%iache Kenninge, auch für Dinge, lieben, zeigt s. B. Tobler 
(Wortsusammmsetsung S. 13): er ve^eicht (wie schon erwähnt) 
mit Bkaldiechcn Ausdrücken aiamesiache Wortbildungen wie 
>3ohn des Bogene* für iPfeil«. D&es aber die gleiche Anschau- 
ui^ auch wirklich in den germ. Sprachen lebte, zeigt die Ver- 
wendong patronymischei Suffixe für Münznamen, 2. 6. ags. 
eilfring (Kluge Nominale Sfammbildungslehre der altgerm. 
Dialekte g 100): die einzelne Münze heiset >Sohn des Silber- 
Bchatzea« wie der einzelne Mensch *Sohn der Menscbheit« ; 
and aus derselben Anschauung heraus werden auch Theil- 
bezeichnungen wie |>ridjungr patronymisch umschrieben. Patro- 
nymisch sind auch viele altn. Königsheiti, die also ursprüi^ch 
Kenningar waren. — Hier Uegt also, in den Kenningen für — 
»Menschen* sieber ein Fall ältester gemeingermanischer um — 
Schreibung vor. — Aehnlich steht es mit Ausdrücken wi^ 
Üchama u. dgl. m. — 

§ 10. Epitheta. 

Wir haben schon bemerkt, wie nah sich die Epitheta mit 
den Synonymen -Classen der heiti und kenningar berühreo. 
Roeenberg (aao. 398) meint ganz richtig, waa in der altgerm. 
Poesie sich statt des eigentUchen Namens finde, stehe bei Homer 
neben dem Namen. Am dentlichsten ist das bei den Eigen- 
namen: heisst es dort ständig Jt^jrvt^ AatpTtdSrj u. dgl., so steht 
hier oft iHealfdenes sunm allein. Aber gerade bei den Namen 



197 

findeD wir doch aoch oft beides zusaxomen: Kltibrant Heri- 
brantee mina UEw, oder in noch festerer Verbindung Ottar 
heimfiki u. dgl. Denn jeder Zoeatz, der äberbsnpt auf eigene 
füseen stoben kann, wird benutzt, mn einem Ueinoi Sätzchen 
«n neues Haupt zu geben; mindeetene wird eo HUtibrant xon 
S^ribrantes busu durch ein Verb getrennt. Bald wird die 
Trennung grÖBser, Sätze drängen sich hinein, und zuletzt tritt 
das Epitheton voll in die Geltung des EigenaamenB ein, weil 
«6 als Nomen seiner fast eubstantiTiBchen Natur wegen am 
Tereanfang festgehalten wird. Schliesslich verdrängt dann gar 
das Beiwort das eigentliche Wort, wie in einem hübschen Mär- 
chen von Andersen der Schatten seinen alten Herrn beseitigt. 
(Besonders oft steht in den Atlm. Adjectiv für Substantiv Holtz- 
mann Edda &3&,29.) Doch gerade beim Eigennamen geschieht 
diee seltener als bei AppeU&tivifi. Wenn wir aber die Epitheta 
gerade beim Eigennamen noch meist in dem Zustande der 
Unterordnung finden, der ihnen eigentlich zukommt, so hat das 
eine ganz natürliche Ursache, die nämlich, dau der Eägenname 
selbst nicht« anderes ist als ein Epitheton, allerdings tön stän- 
diges. Die altgerm. Poesie beseitigt mehr and mehr das ein- 
fache Wort als unpoeüsch und ersetzt es durch gesuchte Sy- 
nonyma, Der Eigeimame aber ist selbst schon Poeäe und 
darum behauptet er sich. Oenügt er vollends noch der zweiten 
Aufgabe dar Umschreibungen, das Einzelne in eine grössere 
Eat^^rie einzuordnen, z. B. durch die Zugehörigkeit zu einer 
Kamensippe (Rosenbetg 6. 90), so ist er selbst eine treffliche 
JCenning. Einen der ältesten uns überlieferten Namen, Hari- 
wulafr (auf dem Stein von Istaby vgl. Burg Die ältesten nor- 
dischen Runeninschriften S. SOf., Noreen Altnord. Granunatik I 
S. 193,21) trafen wir schon als Umschreibung für »Kriegen; 
heoTovulf Ex. 181. Daneben stehen die Namen Ha|)uwulafr 
und Haeruwulafir (?) die von ganz derselben Art sind. — Ich 



198 

erinnere auch an die Vcrwendnng von AppeUativen als Eigcoi- 
namen in den SigsnuU und sonst. — 

Aber die Eigennamen sind nicht bloaa Epitheta, Mmdem 
sie and die einzigen Btahenden Epitheta der altgenn. Allitera» 
ti<niBdiohtung. Denn iet schon die häufige TVennong der Appo- 
sitioa vom Wort (Heinzel 8. 6) dar festen Verbtüdenmg beider 
ongOnetig, so entzieht das Sabetantiv in seiner VerwandltmgB- 
irath sich denelben vollends. Wir sahen schon an Beispielen, 
wie nun, da jedes heiti sein Beiwort für sich haben will, das 
Adjektiv nicht zur Ruhe kommt, sondern von einem Bucüutaben des 
Alphabets ziun andern laufen mnss; nnd man kann so eigent* 
lieh nur von ständigen Begleitbegriffen sprechoi, nicht von 
formelhaften Begleitworten. Ja selbst die Begrifie, die mit 
den Substantiven i^positionell verknüpft erBchein^i, wechseln. 
Wir sahen, dass z. B. das Wort >Gh}tti as. kaum ohne Appo- 
sition erscheint; aber nicht nur stehen Synonyma wie TnuhHg 
alomahtig aloualdo nebeneinander, sondern daneben stehen aach 
noch nicht viel weniger häu^ häag oder nki u. s. w. Unter diesen 
Umständen beschränke ich mich darauf, eine An^aM besonders 
beliebter Epitheta, die immerbin eine relative Festigkeit erhalten 
haben, aus J. Grimms Andreas und Elene, Weinhold Spicile- 
gium und Vilmais Deutschen Alterthümem aofznnehmen. Noch 
verweise ich auf Arndt S. 13f., aus dessen Beispielen die Starr- 
heit der mhd. Prädicate (S. 19) gegenüber der BewegUchkeit 
der ags. as. ahd. (S. 16 — 17) gut hervortritt — 

Epitheta zu Eigennamen zeichnen sich (wie schon be- 
merkt), durch groesere Festigkeit in der altn. Poesie aus: 

'Ottar heimski Hyndl. 6,10 17,6 20,8 21 23,8 24,10 26,2 
27,10 28,13. 

'Alfr enn gamli Hyndl. 12,4 18,8. Svanr enn raudi 
Byna 12,8. 

AuSr djüpudga Hyndl. 28,5. Btindr Inn bQlvisi H. H. II 2,1. 



199 

Eamdr inn hugametöri Ond. hv. 4. 8,1. Hamfi. 6. 24,1, 
'«benso "Hd^ inn hngomBtöri H. H. I 1,5. Mit inn ha der 
Anrede: HArbarAr ins ragi BUrb. 27. 51,1. Einem Epitheton 
raitepricbt auch der Zusatz in SigrAn M 8eva{jslliim E. H. 
n 17,1 41.1 44.1. 

Häufoi^ von Beinamen Hyndl. 23. — 

In der Eänlätong der Vkv. gehen 1W gpnn«.m«m und Bei- 
namen befremdlich dorcheinander (vgl Nledner Zb. f. d. Alt 
33,261). — 

£pithetaeuVölkernamen(fürBeoTulf vgl. Schemann 8.231.): 

hvate Sc^ldingae B. 1601 2052 3005. ' 

altftr Hün HÜd. 38. — 

Das beliebteste Bdwort für einzelne Personen ist »alte 
Ali der Alte wie später Gorm der Alte; ebenso heisst 0|iimi 
ider Alte« eohlecbtweg, Hildebrand lalter Hanne.« — Eäne 
Uebenddit über jüngere nordische Beinamen bietet Wdnhold 
Altnordiaches Leben S. 277f. — 

Pereonen. 

Kön^. Vilmar S. 51. riki m&ri, maxi and mahtig, mahtig, 
mildi — coningo craftägost. bald endi sträng. «Alig 

Herr. Vilmar S. 53. — hold herro. 

Held. Weinhold 6. 21 . Vihnar S. 63 f. J. Grimm S. 104. 122. 
Arndt S. 16f. hvat cene. bald, elleanmof — häle hildedeör, 
oempa collenferhd, tbrietmödig theg&n o. a. 

Mensch. Vilmar S. 44 f. guma hat bei sieb frMgöd erthun- 
gao sUig barwirdig glau (häufig) gödspriki ädbwörig gödwillig 
^admödig — forgripan ebd. S. 46. 

Mann. Weinbold S. 30 Vilmar S. 25. Snfald finbydig äomöd 
&nraed. Ueber einialt und einhart vgl. Vilmar aao. Sdierer 
Vortr. XX. Aufs. S. 18. 



Weib. Weinhold S. 27. ftiigniiin margnllin goldhtDd«n sAlbjfirt 
hnt. ga\ii bftin. 

Kind. Weinhold S. 37. bam ^yse, eafota) unyetxen. 

GreiB. Weinhold S. 31. vintram ^earam, tyrngearom) fiM 
eald udvita. 

Gefihrten. Vilmar S. 66. thegnos raelle, erUts elluuaofe, 
aaordspftha uaetoe. — 

Feind. Vilmai S. 6 f. demio mAdag. 

Zum MenBchen gehörig. 

Ciescblecht. VUioar S. 40 1. knnnies gAdes, foacntetegAdon. 

Sinn. Vilmar 3. 23. hogiderbi staikmöd. feiahtte hogi. 

Körper. Vilmar S. 23. tahs fagar. 

Kampf. Weinhold S. 21 : hetillc. nitUch. 

Waffen. Weinhold 3. 23: Bei der Brünne wird fast stete der 
Glanz hervoi^;ehoben, ebenso anfänglich beim Schild, wo dann 
aber mehr der Umfang betont wird. Das Schwert wird als 
stark gelobt, Öfters auch als alt oder ehem. Vgl. Arndt S. 2b. 

Rofis. Weinhold S. 33: in equis flavis vehuntur. (Doch rgl. 
Odd. 2,7 Gud. hv. 19,2). 

Schiff. Weinhold 3. 12 Arndt 3. 42: genägled. hymde. he4h- 
stefn u. dgl. 

Haus. Weinhold S. 25 : heih u. dgl. goldfah n. dgl. eata 
gevorc. 

Gold. Weinhold S. 26 Vilmar S. 32 ; raudr vunden. brftd. wid. 
— fagare fehoscattos. welo wimeam. wundan gold. 

Schicksal. Vihnar S. 12: thiu berhtun giscapu. tochtero 
tidio. — 

Andere Epitheta. 

Welt. Weinhold S. 8: terra lata animoe patrum valde movit. 
an theserö bredou werold. oba these widon werold. 

Erde, Felder Gras, Wege. Weinhold S. 9 Vilmar S. 17. Stan- 
diges Epitheton »grün« a. u. — Arndt S. 42. 



801 

Th&L tief: 1 djüpR dali H. Hi. 28,6; in deopum dalam 
Q«dicht aof Doiham (Grein -Wülcker BibL I 391) V. 9. So 
zicxib im Volkelled in Antatheee: Ich stand aof hohem Berge 
XMxxd sah ins tiefe ThaL 

Wasser. Weinhold S. 9 evalr. Vgl. Merbach S. 14 t. 
Feaer. Weinhold S. 10 Vilmar S. 5: bitar svart grim; rftde 
«^nd ättOT. Läeblingswort gr&dag. 

licht. Vilmar S. 17: wanum. — 
In ständigen Vorausgängen (b. n. % S2)- 
was im tharf mildl Weinhold S. 6 Vilmar S. 52. 
andlangne däg u. dgL Weinhold S. 17. — 
Dies sind etwa die beliebtesten Epitheta. Wo sie sich 
^inem beetämmten Wort verhSltniBemäeelg oft anschliessen (wie 
3. B. h&le hildedeör) habe ich es angemerkt; aber man sieht 
-wie sehr die Variation Überwiegt. Nor eine Art der Epitheta 
macht eine entschiedene Ausnahme, weil die betreffende Ad- 
jectira die Variation ihrer Natnr nach ausachheesen. Es sind 
die Farbenangaben, in der deuteeben Poesie bekannthch ein 
wichtiges ond vielbehandeltee Moment (literatuiaogaben s. in 
mönei DissertatiOD Die Reihenfolge der Lieder Neidharte von 
Reuenthal S. 88). Sie sind auch in der altgerm. Alliterations- 
poesie die wi(ditigsten tmd häufigsten aller Epitheta und verdienen 
eine aueführliche Sammlung. Eb handelt sich wesentlich um 
die TolksthÜmlichen Farbangaben grün, roth, schwarz, weise, auch 
noch grau; nur vereinzelt begegnen braun, blan und gelb. 
(Gta^ weiss und roth sind bis spät im Mittelalter typische 
Vertreter der Farbenscala geblieben vgl. Pniower Ze. f. d. Alt. 
33,88. Ja noch 1757, als der grosse Linn^ in den Adelsstand 
erhoben wurde, wählte man für sein Wappen diese drei Farben 
als die »Leibfarben der Natur«). 



302 

FarbflUftogaben. 

Örün. 

Erde: (^ var grund grtin gioaiam lauki VqL 7,7) ofer 
grtnne gnmd Ez. 312 grdne grondaB Aul 777. — ata hoa app 
koma . . — jgrd or oegi idjagrooia Vgl. 61,3 eoidaD Klgrtne 
G«ii. 197 Ez. 1&17 Cri. 1128 An. 799 Met. £0,78 grtiu 
eoidao G«d. 1554. 1921 Fb. 164 grtne folde G. 1018. 1561 
{»□e griaaa vong Güth. 478 718 Rät 41,51 gtine vongas 
Rät. 13,2 67,5 grene geardas Gan. 611. 

Weg: groenar brautir R. 1,2 7&f. 41,2 grtae straeto Sat 
287 OQ |)y8Bain grtoan rege Fa. 141,4. 

Tbal: vgllu algroena Akv. 13,8. 

Berg: grgne beoigas Gütb. 203 beoig sceal oa eordan 
gr€ne etandan Gq. C. 34. 

Wald: {»ne grfinaa veald Gen. 841 gr&ae bearvaa 
Gen. 1480 vealdas grtoe Ph. 13 on |uun gräsvonge grtee 
stondad bearra bearbtast Pb. 78. 

Baum: gtendr ae yfir groenn Urdar brunni Vfil. 22,7 JA 
beämafi &, gräne atoudad Pb. 35. 

Laub: grene blaede Gen. 1474 Dan. 518 leif beod gr&ie 
Sal. 312. — leid (eceal) grenian Met. 11,57 — ^ eall fomam 
]>at be giäiea fond Ges. 2549 (vgl. die Keimmg ber ralla vidar 
für das Feuer). 

Gras: gr&ae gräa Gen. 1137 Rät. 16,6. — Besonders zu 
beacbten gras ungräne Gen. 117. 

Andere Dinge: is im p'ai he^od hindan gr#ne Pb. 293 
se beals gr§ne Ph. 298. — 

Weiflß. 
Mann: eveinn inn bviti Lok. 20,4. 

Weib: lek ik vid ena linhvitu Hirb. 30,3 inni hvitu mey 
Härb. 32,3 pa.t it mjallhvita man AI7. 7,6 Billings mey ek fann 



— BälbTfta. Bofa H&t. 96,1 mey Atti haun . . . hvita ok honka 
R 40,5 HladguAr svanhTlt ok Hervor alvitr Saem. zu Vkv. 8 
(alvitr wohl in aihvit sa verbeeseni). bü mun hvltazi en iim 
heidi dagr Sig. tut. 55,3 in gaglbjarta Akv. 40,3. 

Engel: engel h'nt Oen. 349 (en^ and de6äa) hvitra and 
Bveaitta Cri. 898. 

GKitter: Heimdallr hvitastr 'Abb ]>r. 14,1. 

Körpertheüe u. dgl.: hvitarmii kona Hat. 159,5 hÄlB 
hvftoii hmnni mjglln Rig. 28,11 hvi hafnaf |>ü innm hvlta lit 
Sig. sk. 31,7 hvitinga Gud. H 43,3? of >ann in hvlta hadd 
Svanhildar aim tr^dda und j6a fötmn Gud. hv. 16,7 — 
brthvltr Vkv. 39,4 brünhTltr Hym. 8,7 (v^ Big. 28,9) — 
halB is min hvit Rttt. 16,1 {HL \mtan honda Cri. 1111. 

Thiere: hvitabjfim hugfiir Atlm. 17,3 Jörn of traddi faTltnm 
ok evortum . . . grAm Gufi. hv. 2,8 f. — beomas on blancom 
(mearum) B. 856 eam . . . h^t Athel. 63. 

Oewand n. dgL: (boekr -virn ]>inai blähvito — Gnd. hv. 
4,7) in hYltam hräglmn Cri. 447 |iS. fidra h^t hindanveard' 
Ph. 297. 

Schild: skiQldtmi . . . raadom ok hvitam Heli. 9,1 hjÄlm 
ok skjfild hTltaetan Akv. 7,9 s4 6. ekjQld hTitan Hamd. 21,6 

— hvite linde Ex. 301 Helm: Akv. 7,9 e. e. — se hvlta heim 
B. 1448 — huitt« Bcilti HUd. 66. 

Silber: silfri enBrehvlta Athn. 67,7 — bvitan seolfrd Gen. 
2731 — Edelsteine: ginunae hvite and re&de Met 19,22. 

Andere Dinge: Mödir merktan dAk, hvltan af hgrfi (t6k) 
R. 30,1 hön tök at jMt hldfa tionna hvita af bveiti ebd. 6 at 
inum hvita helga eteini Gnd. m 3,3 — homede hvit£ 
Gen. 1621. — 

Roth. 

Menschen: jöd . . . raudan R. 21,5. Bvan ennm rauda 
Hyndl. 12,8. 



204 

Thiere: fagnatUtr haiii VfiL 43,7 (sötmudr hani Vgl. 44.7). 

Gold, Schmuck. Schati: baogar raudir Vkr. 19,4 H. H. 

I 67,3 U. K. n 34,2 FU. 40.2 Sig. sk. 39,5 Odd. 19,6 24,2 

— goU latitt Vkv. 6,1 21,7 Reg. 16 Saem. 19,1 Odd. 14,6 
gull glödrautt Oud. n 2,7 Atlm. 13,6 nid gold Geo. 2404 
Dan. 59 — tt glödraaaa tt FU. 9,5 — hringar tauOar Gr. 
29,6 Reg. 15,7 Gud. n 26,5 Akv. 8,6 40,3 — gürnsas hvite 
and re&de Met 19,22. 

Schwert: B. u. »röthen«. 

Schild und Helm: raudum sküdi H. H. I 34,3 BkjQldum 
. . . ntudum ok hvltom Helr. 9,1 randir raudar Gud. II 14,9 

— hjAlma goUrodua Akv. 4,3. 

Blut: raudum äxeyn Vgl. 42,3; b. u. *röthen<. 

Feuer: re^ I^ Gen. 44 Ch. 810 rgdia bronda Dom. 13. 

Gewand: loda rauda Gud. n 20,4 — verpr vigroda um 
vikinga H. H. n 22,7? 

Röthen. Mt Blut färben: lydr ragna ejot raudom dreyra 
Vol. 42,3 rand hann 1 nyju naata bl6di Hyndl. 10,5 srerd at 
rjöda H. Hi. 34,6 eggjar rjöda Grip. 50,7 Er. 5,6 er hjfir n« 
rydr FÄf. 24,6 — rodnar brautir H. H. 11 48,2 a&er fold rydi 
R^. 26,6 — unveaxaone ecgum reödan Ex. 412. 

Sonst: ata&r ristnir ok rodnir Qud. II 23,3. — 
Schwatz. 

Geister: se svearta gaest Cri. 269 ei^la and deöäa-hvttnt 
and sveartra Cri. 898 — deorc gesceado aveart Gea. 133 sceadu 
vonn An. 838. 

Menschen: svearte ^''ealae Rät. 13,4 — (srartum särlum 
Cri. 1607). 

Thiere : axn alsvartir ])r. 23,3 ]>ar er uxi Btöd alsvartr fyrir 
Hym. 18,7 i. svartan sodul of lagdi Odd. 2,7 bimir blakk- 
fjallir Akv. 11,5 jöm of traddi hvitum ok svgrtum . . . gräm 
Gud. hv. 2,8f. inn blakka mar Gud. hv. 19,1 — se svearta 



205 

hi^i Sed. 4 se Toima brefn B. 3024 brefn vandrode ereart 
and BealobrAn Fin. 34 ]x)iie sveartan hrefn Athel. 61. 

Nacht: OD greartze niht Cri. 873 in |)ifiBe vonnan Dibt 
OdÜL 1001 sveartra nihta Met. 4,6 ]>Ä Tonuan niht Met. 11,61 
Bveaitum nihtam B. 167. 

Wolken: deorc gesveorc . . . Hveart Gen. 108 volcnu . . . 
vann mid vinde Gen. 212f. on J>&a svearta nÜBtas Gen. 391 
fot }iaiD Bveartum nÜBtum Met. 5,45 |K>mie aveartao niist 
Met 23,5. 

Meer und Wellen: g&iseeg . . Bveart Oea. 117 Bveart väter 
Gen. 1300 eveatte Baestreämas 1326 vgl. 1374 Tonne yda 1430 
Tonne ysegaa Gen. 119. 

Hölle und Feuer: ^ ereartan helle Gen. 312 345 u. ö. 
B6can {>onne landa sveart<^Bton fyre Gen. 487 sveartan 16ge 
Gen. 1926 241B Cri. 967. 

Ändere Dmge: svearte ädi Gen. 72 v'äs &e 6der (beAm) 
eallenga sveart Gen. 477. 

Bildlich: Bvearte ge]>ohte Lok. 371 vgl. 447 hellfirena 
Bveartni Beb. 7 Breartra synn Jul. 313. — 

Schwarz werden: Brgrt verfia BÖLekin Vgl. 42,5 böI t^ 
eortaia Vgl. 59,1. — 

Grau. 

MenBchen, Riesen und Zwerge: {>ötti bÄrum Hrungnis 
Bpjalla — Hym. 16,1 at hämm t>nl Hat. 133,5 h]6n eätu t>ar 
hkt of umi mg. 2,7 inn bAra ]>ul Fil. 34,2. 

Tbiere: fara ViOiiB grey H. H. I 13,7 er ülf grän ioni 
hfifdufi H. H. n 1,5 gnaepir ae gr^i jör Bi. 7,5 gamna grey- 
BtäAi Akv. 11,7 jinn of traddi brltom ok svgrton . . . grim 
Gnd. hT. 2,8 1. ~ graegbama (Wolf) Fin. 6 ^ät graege deör Athel. 
64 se graega maer An. 371. 

Waffen: grira geira H. H. I 12,7 — graegan sveorde Gen, 
2865 äscholt ikfan graeg B. 330 graege eyrcan B. 334. 



Ändere Dinge: of gci aUbi GoA. II 8,8 — grMg« (^mb- 

hluttre? Met. B,8. — 

Einfl besondere Nuance agB. ham vgl Grein Wb. u. d. V. 
Vögel: se tmva. fogd Ph. 121 f>one hasvu eom Bit S6,4 
hasTe cnlufran Gen. 14ßl — fione hasap&dan eam Athd. 68. 
— Ändere Dinge: vennöd (^)her on hyretum heiMie BtmdMl 
R&t. 41,61 tuuve blAde R&t. 14,9 r«caB rttgad hasve ofer hz6- 
fum Rät 2,7 — htägl min ia haaoMg Rät. 12,1. — 
BUa. 

Bi. var i feldi blim Gr. 26 serk bUUn R: 28,8 ab sri 
bUr nnnir Sgdr. 10,8 — Den Himmel nennt ' die altgenu. 
Poesie so wenig wie die homerische oder arabische blau (Harty 
Eutwickelung des Farbensinns S. 98 Änm.). — 
Braun. 

hQfdu Bkatar jarpur Gud. II 20,8 skäk bann akgr jarpa 
Hamd. 21,4, jarpekgr Hamd. 13,3 — brüne le6de Ex. 70 brüne 
yppinge Ex. 498 brüne helmas Jud. 318 siä ecg geräc brOnon 
bona B. 2577 brOnum beaduvaepnum Rät. 18,8. — 
Gelb. 

geolve linde B. 2610; geolorand B. 438 £1. 118 — geolo 
gcdvebb Rat 36,10. 

Mischfarben. 

Schwarz und roth: sötraudr hani V5I. 44,7. 

Blaa und weiss: broekr t&tu |>lnar inar bUhvitu Gnd. hr. 4,8. 

Blau und schwarz: brimdyr bUsvftrt H. H. I 51,7. 
Farbenhäufung. 

Roth und weiss: stqgldmn . . . raudum ok hvltom Helr. 9,1 
gimmas hvlte and reide Met. 19,22. 

Weiter gehen zwei Stellen: jöm of traddi hvltum ok svgr- 
tum 6. hervegi, gr4m — Gud. hr. 2,8 t. — amn bnln sum hasu 
sum blacum splottum aearolice beseted Ph. 296. — Sehr voll- 
ständig in einer späteren Stelle Zaub. 4,48 — 51. — 



207 

Eigentliche Farbencontiast« nur achwaiz und weise: engU 
and deöfl& beorthra tmd blacra: veordeft bega cyme byltn and 
■veartis Cii. 896 f. Aehslich Qen.. 466 f., wo aber dem eallenga 
sveart dim and {iryBt 477 — 78 ongenan vynlic, vlitig and actoe, 
M and lofanm 467 — 68 entflicht — 
F&rbenTergldcbe. 

üeber diese ist Bcbon § b gehandelt. Ich stelle sie hier 
nochmals zusammen. 

linhTlti' H&rb. 30,3 mjallhTitr Alv. 7,6 sölhTitr H&t. 96,1 
Bvanhvitr Vko. 18 Saem. — hvitaii en inn heiAi dagt Sig. ek. 5&,3 
hils hvltaii hreinni mjglla Big. 28,11 — siliri snaebvltu 
AÜm. 67,7. 

gtiU ^Miautt GqA. n 2,7, Atlm. 13,6 it glMranOa U 
F4f. 9,5. — 

Aehnlicb in der deutech-lat. Poesie: non ut oix alba Rtiodl. 
I 31 niger ut canxoB ebd 34. — 

Ich habe noch zu bemerken, dasB ich die FarbenaDgaben 
der age. Räthsd, wo sie kein benanntes Subjekt breiten, als 
för unsere Aufgabe bedentangsloe fortgelflssen habe. — 

Weshalb gerade diese Adjedäva fester an ihrem Haupt- 
worte haften, haben wir eciion erklärt. Dennoch wird dem 
Streben nach Variation sogar hier Rechnong gett^^, indem 
nämlich dasselbe SubetaotiT mit verschiedenen Farbenangaben 
ausgestattet wird: der Adler heisst weiss und grau, ebenso das 
Silber; der Schild weiss und roth (beides nebeneinander Helr. 9,1); 
das Feuer schwarz und roth (componirt bei dem Fenethahn 
Vgl. 44,7), die Wellen schwatz (ags.) und blau (altn.), (vereint 
fär das Schiff H. H. I, 51,7). Die Helden reiten weisse oder 
schwarze Roese, zuweilen auch graue, und tragen neben weissen 
und roüien Helmen (deren Farben denen der Schilde entsprechen) 
v^vinzelt auch braune. Es ist aber anzumerken, dasE diese 
selteneren Angaben (graue Bosse, braune Helme) sich nur in 



208 

Liedern tagen, die sich dem 3 pi»im unnam it«i' gTi nfihenni (Gb 
hv.; Jud.); noch weniger volksthttmlich ist die Faibenhäufan 
Doch gilt die« nicbt tod solchen Fällen, in denen F^benangabc 
mit besonderem Nachdruck und nicht einfach formelhaft stehe: 
Das typiscbe Farbvort für den Weg ist igrfim and wenn < 
Schwan oder roth heisst, hat das seine besondra« Bedenton 
Ebensowenig stehen die Farbenangabm bei den Gew^dei 
bedeutnngBloe: roth ist das Kriegsgewand, bla« das Qewand d 
vornehmen Fran, weiss natürlich das der ESngel. Der Jfinglin, 
des Gefion geliebt haben soll, heisst weiss, wie TT^wp^ftl] d< 
wdsBeete der CMtter genannt wird; dagegen Karl, die Verkä 
penmg des Banemstandee, ist roth und frisch. FOz den BBn 
ist wohl »schwarz« das stehende Epitheton gewesen, aber zw 
Sinnbild des Wintersturmis (Atbn. 17,8) eignete sich nur d 
weisse Bär. — 

Die Doppelfärbung der Betttücher (GuO. hv. 4,8) beredt 
schon auf die später so beliebte Farbentheünng (Weinho! 
Deutsche Frauen n 273 Schultz Höfisches Leben I 226) tc 
Die Miechongen schwarzroth und blauschwaiz haben wir ob« 
erklärt. — 

In den Farbenvergleichen für »weiss« finden wir n 
Worte, die wir sonst in unsern Quellen nicht mit dem Prädik 
1 weise« treffen: Linnen Mehl Sonne Schwan Tag Schnee. E 
gegen steht das Feuer als bischer Vertreter der rothen Farb< 
dadurch wird an allen drei Stellen Grold und Flamme zi 
sammengebracht , wie wir das schon bei den E»ming« 
beobachteten. — 

Die Epischen Faxbworte werden gern verstärkt: algrSi 
(altn. Algroen als Eigenname Härb. 16,1, aJs Adj. Akv. 13; 
alhvitr? alsvartr. Für roth haben wir hier gerade keinen B 
leg der Art, aber einen sehr bezeichnenden aus späterer Ze 
bietet MF 9,10: und was im sin gevidere alröt guldin. — S 



verdem Bogar geste^iert: hvitastr, aveartost. Ich stelle dasu 
auch die Composita idjagroeim und fagnaoSr. Diese Farb- 
angaben führen auch Verba in die poetische Sprache ein: du 
activiBche i]6da, das passiTische Bortoa. 

Man sieht aus alledem, dase die fonuelhaften FarbaogaboB 
(aber auch nur diese) vollkommen die Oeltimg von epischen 
Epithetis haben, und als ständige Beiwörter darin, wie schon 
erwähnt, in der AJüterationsdichtung völlig alleinstehen. Immer- 
hin geht das nicht so weit, dasB wir für die betreffenden Haupt- 
'Worte nicht überall auch andere Beiworte Mtten belegen können. 
So heisst die Erde nicht nur grün, sondern auch breit; die 
Frau nisht nur weise, sondern auch schöngescbmÜ<^, das 
Gold nicht nur roth, sondern auch gewunden; die Wellen nicht 
nur schwarz, sondern auch kühl. Bei änigen Worten wird 
indess auch diese Festigkeit der Bindung von Haupt- und Bei- 
wort nahezu erreicht: die scbwarseKacht, der graue Wolf, das rothe 
Blut, vor allem der gröne Wald, das grüne Gras, das grüne Laub 
verschmelzen fast zu einem untrennbaren Betriff. Und es ist 
sicher kein Zufall, dass unter den Trägem der Epitheta wir 
grade bei den Farbenang&ben neben den Personen, den Waffen, 
dem Schatz und den epischen Thieren die Naturgegenstände 
so stark in den Vordergrund rücken sehn: Erde und Wald, 
Kacht imd Kebel. Hier wurde doch die Farblosigkeit der alt- 
germ. Epitheta überwunden, oder richtiger die Variation mit 
hundert gleichsagenden (und oft gleich wenig sagenden) Worten 
drang hier nicht durch. — 

Als beachtenswerth hebe ich noch hen'or dase die typische 
Farbenangabe für das Haar des jugendkräftigen Mannes nicht 
blond ist, sondern bräunlich. Der alte Mann ist natürlich an 
dem grauen Haar kenntlich. Ich wüsste nicht, dass in dw 
Poesie irgend eines ^'olkeE statt dessen »welsshaarig« beliebt 
wäre, wie Geiger (Ursprung der Sprache S. 249) anzunehmen 

UtJU, AltgMBWjMlM FoMia. U 



210 

scheint, wenn er sich Über die »grauen Haare« der home- 
riachen Greise wundert, denn mit dem Worte «weisB' ver- 
knüpft die alte Poesie, wie auch unsere Sammlung zeigt, zu 
eng den Begriff des Strahlenden, Glänzendm, als dass dies 
EpittietoD dem ergrauten Haupte anstehen könnt«. Schwerlich 
hat je ein Dichter dem Tag und dem WoUe dasselbe Farb- 
wort beigelegt, und wenn wir jetzt sagen »das weisse Haar«, 
so können wir dafür auch nicht mehr sagen >die weisse Sonne.« — 

Lehrreich ist auch ein Ausblick auf die Stoffbezeich- 
nuDgen, apeciell auf die Angaben über verarbeitete Metalle. 
Und zwar giebt vor allem die altn. Poesie hier in mehrfacher 
Hinsicht nicht unwichtige Aufschlüsse. 

Ueberall herrscht unbedingt das Gold vor. Namentlich 
jene Gegenstande, die. durch ihre Verwendui^ geadelt, in der 
Poesie den gröeeten Raum einnehmen, die wir bei Benennungen, 
Epithetis u. a. w. in erster Linie zu berücksichtigen hatten — 
sie werden stets als von dem kostbarsten Metall verfertigt gedacht. 

Vor allem wird der Schatz selbst als Goldschatz auf- 
gefosst; so vor allem in den Nibelungenliedern (Grlp. 13,5 
Fdf. und Reg. oft, Sig. sk. 36,3 37,5 Helr. 10,7 Gud. H 26,2 
27,2 Akr. 21,8) femer Vkv. 14.7; ebenso aga., z. B. Wald. 2,7. 
Was aus dem Schatz gespendet wird, ist alles golden : der Kaufpreis 
(Lok. 42,1), die Busse (Gud. H 18,2 Akv. 32,10 Athn. 13,6), 
die Geschenke (Hvndl. 2.4 H. H. I 9,6). Daher heisst der 
Fürst -Goldvertheiler« (Helr. 11,2 Akv. 38,7). Den Schatz 
verkörpert auch die allegorische Gullveig (Vfil. 26 f.). 

Zweitens sind von Gold die Waffen der vornehmsten 
Helden; Brünne (zu Faf. 44 Saem, 4; Sig. sk. 48,1 Akv. 7,8), 
Schild vGuUrond Eigenname Gud. D, Helm (Akv. 4.3) und 
Schwertgriff ,ebd. 7,4V .\uch die Kampf rosse strotzen von 
tiold, <las wirkliehe Streitpferd ^vgl. Lindenschmit Handbuch 
der deutschen .\lterthumskunde I 289^ wie der »Meereshei^st«. 
Dati Roi>s trägt goldenes Gebiss ;H, H. I 43,1) und goldene 



211 

Hufen (Oddr. 25,6, die Proea Fragm. 304, b. 4 bringt auch 
goldene Sporen), das Schiff goldenes GaUion (Gufi. U 15,3) und 
goldenen Steven (Akv. 5,4). Auch sonst werden Thiere mit Grold 
geschmückt: der Hund trägt ein goldenes Halsband (^t, 5,4), 
den Kühen sind die Homer vergoldet ({)r. 33,2 H. Hi. 4,3 vgl. 
Holtzmann Edda 315,4). 

Drittens dient das Grold zur Zierde des Mahls: goldene 
Becher (Gr. 7,6 Ak^^ 34,3 Hamd. 21,8) und Schalen (Akv. 10,3). 

Grold ist viertens der Schmuck der Prau (Vkw 6,1 u. f. 
Gud. II 1 Atlm. 69,6) und sie heisst danach »die goldge- 
schmückte« (H. H. n 44,5) oder gar »die goldene« (Hym. 8,6 
vgl. Häxh. 30,5). Sie stickt mit goldenen Fäden (Gufi. 11 14,2 
vgl. 27,8). Wenn golden aber auch die Schicksalsfäden der 
Nomen sind (H. H. I 3,6), so führt uns das zu der fünften 
Gmppe goldener Gegenstände: aus dem edelsten Metall ist 
endlich auch vieles was den Göttern gehört. Hier sind Säle 
von Gold oder mit Gold bedeckt (Vgl. 66,3 Grim. 8,3) Bett 
(Veg. 6,8) und Stuhl (Hiv. 104,2) und Tafehi (Vßl. 63,3) sind 
von Gold. Ja selbst das Laub der Bäume (Fragm. 304, b, 4) 
und die Borsten des Ebers (Hyndl. 7,6) starren hier von Gold. 
— Seltsam ist die Zusammenstellung a gleri ok a guUi (Sgdr. 
17,1) unter den Orten der Runen. 

Aber gerade bei den Göttern herrscht das Grold nicht so 
ausnahmslos wie bei irdischen Helden und Frauen. Wohl ent- 
behren sie nicht des Goldes (Skim. 22,4), oder entbehrten doch 
einst nicht desselben (\^ol.ll,4), während es den Menschen stets 
unentbehrlich ist. Bei ihnen gilt das Silber fast ebenso\äel: 
neben, den goldenen Göttersälen kennt die altgerm. Dogmatik 
auch silberne (Gr. 6,3) und der prächtigste ist aus Gold und 
Silber gefügt (Gr. 15,2—3); Gold und Silber nennt Freyja wie 
gleich werthige Dinge (J)r. 4,1—4), während der Gudrun Silber 

verächtlich Pcheint neben dem Golde (Gufi. 11 2,7 — 8). Auch 

14* 



218 

io dem Uteston Heldeolied ateht ffilber als SchTnnrWwwiwg 
nooh neben dem Golde (Vkr. 34,7 36,3}- Hatten ea die alten 
Germanen einst doch wgai dem Golde vorgesogen (Tao. Oerm. 
6,20 Tgl. 13). Später wird ea oidit mehr erwähnt, aoBser ia 
einer donkelen Stelle (Bifja silir Sgdr. 28,4) — bis zuletit die 
Spielmannslieder mit ihrer Prunkancht von neuem Silber an- 
führen, als Theil des Schatns (Athn. 67,8 and 92,6) nnd der 
Bästtmg, hier (wie Gr. 16,2—3 t>r. 4,1—4 Gnd. n 2,7—8) 
mit Gold verbunden (aüberrergoldete Schabiaoken Akv. 4,5). 

Dasselbe VeihältniBS seigt sich noch stXrker, aber ohne die 
Uebergangsetufen der Edda, in der ags. Poesie. Wie häufig 
»Grold* besondera im Beövulf vorkommt, zeigt eis Blich auf 
Grdns Sprachschatz; Silber aber findet sich nur in einem 
(vielleicht) Torcbrietlichen Gedicht (Ruine 36), Silber und Gold 
zusammen überhaupt nur einmal (Ps. 113,12). Dag^en heisst 
es allerdings mehrmals sine and seoUer (Dan. 60 Rät. 21,10 
Tgl. Fe. 67,27 Sat. 578) — aber nur in christlicher Dichtung. 

Nun ist selbstverständlich hieraus keinerlei Schluss eu 
ziehen aui die wirkliche Verwendui^ der beiden Metalle. Viel- 
mehr ist das Verhältniss dies: in alter Zeit gelten beide Me- 
talle für sehr werthToU; Gold aber als das Tomehmere reprä- 
s'entirt gewöhnlich schlechtweg die E<»tbarkeit vrn Gegensttoden. 
Nunsind denalten Germanen kostbar bloss diejenigeuDinge, welche 
ihren höchsten Intereseen dienen, und bei diesen ist den ältesten 
Liedern der edelste Stoff selbstveistiindUch i aber die späten 
Spielmannslieder (vor allem Gud. n und, bis zur lächerUchen 
Ueberladung, Atv.) prunken gern mit diesen Ai^ben. — All- 
mähhch sinkt das Silber im Werth; es dient dann nur noch 
dazu, durch seinen Contrast das Gold noch mehr zu erhöhen 
(Akv. 4,5 Athn. 92,6 — Gud. n 2.7—8) und wird deshalb 
von jenen prankiiebenden Spielleuten angebracht. Als ea fast 
gleichberechtigt war mit dem Golde, nennt die idealistische 



213 

Poesie ee nicht; jetzt wo es viel weniger gilt, zieht *die rea- 
lisÜBche ee hervor. — 

In der mhd. Poesie scheint sich diese Entwick^lung zu 
wiederholen. Wenigstens gilt in der älteren Zeit das Silber 
fast so viel wie das Gold und steht neben diesem nur wie ein 
jüngerer Bruder neben dem älteren, wie Gremöt oder Giselher 
neben Günther: so stehen Gold und Silber (wie Gr. 15,2 — ä 
und bes. {>r. 4,1 — 4) nebeneinander bei Walther 25,7 und im 
Nibelungenlied 979,2 so ^t wie im Pardval 362,28. Als nie- 
derer Werthmesser müssen deshalb andere Stoffe neben das 
Gk)ld gelegt werden: die niuwez zin nement für altez golt Veld. 
62,21, vgl. auch und nim dln glesln vingerlln für einer küne- 
ginne golt Walther 50,12 (dasselbe Paar also wie Sgdr. 17J) 
in kupfeiin gesmide bare sich diu goldes masse Eonrads Gol- 
dene Schmiede 1018 — 19. — Doch könnten mich hier die 
zufällig getroffenen Belegstellen irre führen. — Später dagegen 
bilden Kupfer, Silber, Gold eine regelrechte KUmax (vgl. Mhd. 
Wh. n 2,287). — 

Sind in Bezug auf Gold und Silber altn. und ags. Poesie 
in Uebereinstimmung, so gilt das nicht ganz von den Angaben 
über Eisen. 

Mit wenigen Ausnahmen wird das Eisen nur zu ICriegs- 
zwecken verschmiedet (vgl. Tac. Germ. 6,1 f.). Ausser dem 
schwierigen Vers in den metallfreudigen Grinmism^ (Gr. 37,6) 
führt noch eine Prosastelle eiserne Thüren und Zimmerwerk 
an (nach Fäf. S. 202,2). Eisern sind die Keulen der Zauber- 
weiber (Härb. 39,5) und wieder zum Schutz gegen sie die 
Schiffßwände, etwa durch Ueberhängen der Schilde (H. Hi. 13,4). 
Aber selbst diese Erwähnimgen des Eisens stehen in den älteren 
Liedern vereinzelt; alle anderen gehören liedem mittleren Alters 
(wie H. H. I und Sig. sk.) oder ganz jungen (wie Gud. 11 und 
Hamd.) an. So alle Fälle, in denen das Schwert »Eisen« 



214 

hfliBSt (H. H. I 28.1—2 Sig. ak. 23,3 68.3 Gud. H 39,2 Hamd. 
16,2 25,7); 80 femer die Angabe eiBemer Panzer CFngca.. 306,b, 8) 
und Schilde (im Beinamen Hyndl. 22,3). — In der altn. Dich- 
tung begegnet die ältere Form faam nor einmal (Gr. 37,6). 

Dagegen ist in der aga. Poeeie das Eisen, allerdings auch 
nur für Waffen, häofig: Iren als Substantiv wie als Adjectiv 
dient oft im Beövulf zur Bezeichnimg des Schwerts (laem nur 
in christlichen Gedichten ansser Isembyroe B. 671); auch die 
eieeme Brünne (B. 671. 2986) konmit vor, Mann und Scfaaar 
heissen »eisern« (eofor trenheard B. 1112, tienl>reit B. 330); 
auch FesselÄ sind eisern (Irenbend B. 998, Iseme bendas Ps. 
149,8). 

Wieder steht also hier ältere ags. und jüngere oltn. Dich- 
tung zusammen. Das Eisen gilt der älteren Zeit noch für ein 
unheimliches, zauberhaftes Metall; realistischer wagt spätere 
Zeit es in die Dichtung einzuführen statt des Goldes der älteren, 
und die Angelsachsen sind wieder voran in dieser Entwicklung. — 

Die goldenen Himmelspaläste haben bekanntlich Müllen- 
hoS Gel^enheit gegeben, nachdrücklich hier wie sonst zu be- 
tonen, dass Uebereinstimmungen \-erschiedener Poesien noch 
keine Entlehnung zu beweisen brauchen (D. Alt. V 30f.). Es 
ist eben den Germanen so natürhch wie den Urchristen, den 
Sitz der höchsten Ifacht mit dem kostbarsten Schmuck auszu- 
statten. Aber noch an eine andere wichtige Wahrheit zu er- 
innern, geben diese StofFbezeichnungen Veranlassui^. Allzuoft 
hat man gerade solche Angaben benutzt, um von dem Cultur- 
zustand der Zeit, in die der Dichter versetzt, ein Bild zu ent- 
werfen; und indem man vergoss, vrie sehr diese Sänger idea- 
lisiren, hat man mit ihnen, wo man historisch vorgehen wollte, 
poetisch idealisirt. Vortrefflich hat das G. Freytag ausgeführt 
(Einleitimg zu 0. Ludwigs Gesammelten Werken; jetzt auch 
Werke 16,56): »Der Mann von grosser dichterischer Begabung 



215 

ist zugleich der Weltkundige and vielleicht dei Seher sdnee 
Stammee. . . In Beinen Tiämnen erscheinen sogar die bildenden 
Künste auf einer Stute, welche er ahnt, bevor sie erreicht ist. 
Er Bchildett die Halle des Königs bo gross und reich geschmückt, 
wie sie zu einer Zeit in Wirklichkeit noch nicht ist, er bildet 
begeistert im Vers die schöne Arbeit eines Halsechmncks, eines 
Trinkgefäfises, einer WoSenrüstung. Was ihm iigendeinmal von 
den schwachen Kunstversuchen der Zeit^enofiaen gefiel, das wird 
von ihm zu kostbarem Prachtwerk auegemalt.« Also nicht nur 
für diese Zeit, die er schildert — nein auch für die Zeit, der der 
Dichter selbst angehört, gilt Goethe's Wort, dase alle Poesie eigent- 
lich in Anachronismen verkehre (Ausg. 1. H. 38,299); und so 
müssen wir es immer wiederholen, dass die altgerm. Poesie wohl 
das unschätzbarste Dokument für Sinnesart und Ideale der alten 
Germanen ist, zu culturhiBtorischen Folgerungen aber nur so weit 
benutzt werden darf, als eben diese Sinnesart und diese Ideale Be- 
weise des Cultorstandee sind. — 

Adverbiale Bestimmungen formelhafter Natur bespricht 
Arndt aao. 51. Von ihnen scheint nur die Unterart der lokalen 
Adverbialformeln räch typisch gefestigt zu haben und zwar auch 
nur bei den Verbis des Spreebens imd Hörens vgl. J. Grimm 
Andreas und Elene S. 36, Wänhold Spie. 5, Arndt aao. 
Wir müssen bei den Satsformehi hierauf noch zurückkommen. — 

Arndt erwähnt (aao. 51) auch noch eine andere Eigenthüm- 
lichkeit der epischen Sprache, nämlich den häufigen Gebrauch 
der Superlativa und der Substantive der Quantität mit 
einem darauf folgenden Genetivus (Pluralis). Beide Figuren 
haben einen sehr weiten Umfang und sind nur eine der zahl- 
reichen Formen der Tautologie; denn allaro kuningö kraftigöst 
sagt nichts weiter als >der mächtige Herrscher« und mannö 
folk heisst einfach > Menschern. Aber zu formelhafter Erstarrung 
ist es auch hier nicht gekommen, ausser in der christlichen 



316 

FoQÖe bei den Namea Gottes und Christi. Vielmehr schränkt 
die Zeit der gnten Dichtung den lobenden ScperlatiT ansdräck- 
iicb auf göttliche Wesen and Dinge ein Qiii ert ae vlsasär vera 
Vaf. 00,3; ßrim. 43—44 vgl Vaf. 12,4 and Hat. 68 werden 
beste Dinge aoigezäblt; äbennraiBchlich ist anoh der Itieee 
H. Hi. 17,3. Ssperiativee Lob verdien» nnter den GKittem 
Heimdallr ^i. 14,2 und Freyr Lok. 37,1. — Der Superlativ 
fOi göttliche Weeen Hyndl. 43,6 wird noch durch einen Com- 
parativ 44,2 üb»boten). Lebendoi Menschoi wird dieser 
Süpwlatäv auBdrüeklich verboten, obwohl sie alle danach streben: 
drückt er doch so knapp und klar jenes Strebm aus, hervor- 
zuragen, »wie die edle Esche Über Domen«. Aber man darf 
solches Prädikat keinem Unvollendeten zuerkenneo: at engl er 
einna hvatastr H&v. 64,6, {mt er övist at vita . . bverr 6blau- 
fiastr er alinn Fäi. 24, 1 — i; die Anrede {)raeU minn in bezti 
Vkv. 39,2 ist schmeichelnd, liebkosend, nicht urtheilend. Bei 
den alten Germanen hätte kein Orakel ein miuratv dvSptömov ao^eä- 
ramq laxpänj^ au^eeprochen, wie bei den Griechen geschah, 
allerdings auch erst zu einer Zeit, in der Euiipides der Held des 
Tages war. Aber der Tod vollendet: wie die Frau (H6v. 80,2) 
verdient der Mann volles Lob erst im Tode ; gefallenen Helden 
wird der Superlativ geweiht: {lann heä ek allra aettggfgastan 
fylki fnndit ok framast nekkvi Gud. II 31, 1 — 4; dem toten 
digord gilt ja in Wahrheit auch Gripirs superlativische Prophe- 
zeiung Grip. 7 wie dem toteQ Helgi die der Nomen H. H. I 2. 
Und wie beim Zauber gilt auch bei der Prüfung der Sterbende 
schon ab halbgöttisch : budlungr, sa er rar baztr und sölu heisst 
H. Hi. 39, 3 — 4 der totwunde Helgi. Schon die ältesten Runen- 
denkmäler wenden in Grabschriften diese lobenden Superlative 
an (Rosenberg, Nordboeraee aandsliv 1 124 f.) — Eine Aus- 
nahme bildet OUT der Ruhm Sigrlinns als der schönsten lebenden 
Maid H. H. I 1. 1—4, vgl. Saem. 4—5. 



■K 



217 

In späteren Liedern irird das anders: Superlative werden 
gesucht, doch nicht lobender Art, sondern pathetischer: 6ud. 
I 3,7 4,4, Gud. hv. 1,2, 16,5, 17,1. 5, 18,1. Die Häufung 
an letzterer Stelle erinnert an die Manier, wie E. M. Arndt in 
seinen »Erinnerungsbildemc dem Grössten, Stärksten, Besten u. s. w. 
je eine Strophe widmet. 

In christlicher Zeit wird man mit Superlativen sehr viel 
freigebiger (Schütze, Beiträge zur Poetik Otfrids S. 21) und 
das dauert dann fort ins mhd. Epos hinein (ders.. Das volks- 
thümliche Element im Stil Ulrichs von Zasikhoven, S. 12). 

Dazwischen steht eine interessante Uebergangsform. Die 
Lieder der mittleren, aber auch nodi der jüngsten Periode 
eddischer Dichtung lieben den Superlativ schon, wagen ihn aber 
noch nicht recht zu brauchen. Vorsichtig betonen sie deshalb 
jedesmal, wo sie ihn anwenden, es liege nur ein subjectives 
ürtheü vor: verst hyggjum |)vi Grip. 24. 40,1, moch mehr ver- 
klausuhrt svä at m^r skyldi verst |)ykk]a Härb. 49,2, und so 
selbst noch in der starken Häufung Akv. 7 : minn veit ek mar 
bestan en maeki hvassastan . . . hjälm ok skjold hvitastan, 
die sonst sich den Superlativsammlungen in Gufi. I und Gufi. hv. 
vergleicht. Noch lieber aber als diesen eingeschränkten Super- 
lativ gebraucht man in dieser Zeit die Umschreibung mittelst 
des Comparativs und »alle«. Die Stelle Akv. 7 schliesst so: 
einn er mfnn betri en s^ allra Hüna; sonst aber wird trotzdem 
formell der Superlativ vermieden ist, auch hier das »meiner 
Meinung nach« nicht gespart: ein er m^r Brynhildr oUum betri 
Sig. sk. 16, 1 — 2 einn J)otti hann J)ar Qllum betri Helr. 11,6 
ülfar |)Ottumk oUu betri Gud 11 12,6 einn var m^r Sigurdi* 
oUum betri Gud. hv. 10,6; gehäuft Gud. I 10, 5—8 fann ek 
hüsguma hvergi in betra en hüsfreyju hvergi verri. Bei gött- 
lichen Wesen steht wieder der umschriebene Superlativ absolut : 



318 

vard einn boritm sUuin meiri HyndL 43,1 — Zu H. H. I 40 
Sllum ellii vgl. Holtzmann Edda 337,40. — 

Wir könnea also hier eio stilgeflcbichtliches Curiosnm 
featsteUen. Die heidniache Zeit schont den Supertatäv bei 
lebenden Menschen; die christliche vergiebt ihn gem. Dttswischra 
liegt eine Zeit, wo man die Neigung lu dem vollen Worten 
der späteren Periode mit dem Siaacb der älteren rereinigen 
möchte: man umschreibt den Superlativ und wahrt seine Seele, 
indem mn-n ihn relativ macht; dafür bildet man einen eigenen 
formelhaften Vers: einn er (rar) Qllam betri. — 

Sachliche Superlative wie HAv. 14,4, 37,3, Sig. sk. 14,4. 6 
gehen durch alle Perioden. — 

Wir fügen wieder der Sammlung der Fälle einige Betrach- 
tungen bei, die sich aus ihnen zu ergeben scheinen. 

In der Regel erzeugt das Hauptwort aus sich eelbet das 
Beiwort. Entweder ist es sein Inhalt, oder seine Form, die 
die Wahl des Epithetons bestimmt. Ist es der Inhalt, so haben 
wir die höchst interessante Figar des ■ etymologischen Epithe- 
tons*. Wenn die Erde bei den Germanen »die breite Erde« 
genamit wird, so hiess sie im Veda schlechtweg »die Breite« 
(Max Müller, Essays II 67, vgl. D.Wb. 3,70&,3; »ein skr. urvi terra 
wird mit Recht von um weit, gross abgeleitet und gleicht dem 
gr. Beinamen der Erde täpeta* : skr. Appellativ und gr. Epi- 
theton decken sich): wenn das SchiS bei Homer »das hohle 
Schiff« genannt wird, so heisst es bei den Germanen schlecht- 
weg »das Ausgehöhlte« (Zimmer Q. F. 13,71): wenn das Gold 
in den Paralipomenis zum Faust »das glänzende Gold« genannt 
wird, so heisst bei den Aeg3^tem, Semiten, Griechen das Silber, 
bei zahlreichen Völkern das Gold schlechtweg »das Glänzende« 
(Schrader, Sprachvei^leichung und Urgeschichte S. 181, 190). 
Wie Gleichniss und Umschreibung folgt auch das Beiwort der 
ursprünglichen Richtung des Sprachgeistes : dieselbe Eigenschaft, 



219 

die bei dem einen Volk zur Kennzeichnung des Dinges selbst 
dient, wird von dem andern Volk benutzt, um in poetischer 
Sprache eben dies Ding zu idealisiren, als vollkommen zu schil- 
dern. Weil an den edeln Metallen der Glanz so wesentUch 
erscheint, wie an dem Herrscher die mute, wird wo es nicht 
durch das einfache Appellativum geschieht, durch das Epitheton 
hier wie durch die Kenning dort der Glanz dem Golde, die 
Freigebigkeit dem Fürsten zuerkannt. 

In loseren Zusammenhang mit der inneren Form des Haupt- 
wortes werden nun wohl fast alle epischen Beiworte stehen : sie 
rühmen eben nur Eigenschaften, die so wesentUch scheinen, dass 
sie zur Benennung des gepriesenen Gegenstandes wenigstens 
hätten benutzt werden können, wenn nicht wirkUch benutzt sind. 
Aber als bestimmend für die Auswahl tritt neben der Auf- 
friBchung des noch durchgefühlten Etymons zweitens die An- 
lehnung an die Form des Hauptworts hervor. Vor allem heben 
alle Sprachen aUiterirende Epitheta, die russische (Beinholdt 
Geschichte der russischen Literatur S. 53) so gut wie die ger- 
manische, und diese in alter Zeit so gut wie später, auf deutschem 
Boden (Zingerle Alhteration bei mhd. Dichtem S. 61 f.) wie 
auf englischem (Hegel Die Alhteration bei Layamon, in den 
Germanistischen Studien I 217); besonders herrscht diese Form 
der Alhteration aber in der ne. Poesie (Zeuner, Die Alhteration 
bei ne. Dichtem S. 53 f.) 

Etymologische Epitheta sind z. B. folgende: 

zu König: riki (vgl. rex, rajan u. s. w.), mildi (vgl. altn. 
mildingr). 

zu Mann: änhydig anmdd änraed betonen sämmtlich das 
Denken, von dem der »Mann« benannt ist. 

zu Brünne: der Name zu brinnan »des Erzglanzes wegen« 
(Schade Altdeutsches Wörterbuch I 87a); die Epitheta gelten 
eben diesem Glanz. Zu Gold und Silber: glänzend, strahlend. 



Zu Erde: breit, weit b. o. 

Zq Wasser: ofer he&hne holm t^ Merbadt S. 5. — 

Alliterirende Epitheta aind s. B. folgende: coningo 
enftigtet, cempa coUenfeiM, thifstmAdig tbegaa, gM gnma, 
erlös ellanraofe, djüpr dAlr, unordspdha nneros, lahs fsgu (im 
yamen Fairfaz monumentaliBiit); mit weitergehender TTebenin- 
stimmnng der Leate häle hildededr o. a. (Aach das hat seine 
Analere in griechisäien and lateinischen Epithetia wie o^oaiwc 
adpö^ caerola caeli Marty, Entwicklong des Farbensinns S. 92, 
Anm. 2). 

Ein Epitheton kann nun beide Eigenschaften Teieinigec 
wenn es aus dem Wortstamm des an der betreffenden Stelle 
benutzten Hauptwortes erwächst Das ist mhd. beliebt: daz 
wipllche wip u. dgl. (Zingerle aao. 60), aber es ist in der alt- 
germ. Poesie, so viel ich sehe, ebensowenig in belegen, wie die 
Ableitung von Adverb (oder Adjectiv) aas dem Substantiv des 
gleichen Verses: daz klaget er klegellch u. dgl. (Zingerle S. 59). 
Denn es kommt hier nicht auf das Spielen mit dem Wort an, 
sondern auf die Verstärkung des Begriffs, und dieser dient ein 
Synonym mehr aJs die Verdoppelung des Werthstamms. Zugleich 
erhalt so die Variation ihr Recht. — In gewissem ^nn vereinigen 
freilich alle alliterirenden Epitheta beide Eigenschaften. 

Denn das ist klar: allen Eplthetis der alten Poesie ist es 
gemeinsam, dass sie entschieden idealistisch sind. Sie nennen 
die Dinge, nicht wie sie im g^ebenen Momente sind, sondern 
wie sie als vollkommen, als ihrer >Idee< entsprechend zu denken 
sind. Deshalb stellen die merkwürdigen ags. Denkverse die 
Epitheta in imperativischer Form auf: scip sceaJ genägied, scyld 
gebunden (Gnom. Ex. 94) und ebenso forst sceal fre<isan, fyr 
vudu meltan, eorde grövan, is brycgian (ebd. 1 — 2); d. h. wenn 
Alles In Ordnung ist, darf man das Schiff iwohlgmagelt«, die 
Erde >grun(, das Feuer »Holzverzehrer« nennen u. s. w. In der 



231 

Poesie anderer Völker iet das nicht andere: auch bei Honjer 
stehen die Beivörter ohne Kückeicbt aof Angemessenheit der 
betrefienden Stelle (Düntzer Die homenachen Beiwörter des 
Götter- und MenschengescblechtE S. 12 ; HomeiiBche Abhandlun- 
gen S. 507 f.) und der Schenvere »Schnee lag auf der grünen 
Flur« deckt eich nahezu mit dem Veree Neidharts: ee ist wol 
Tcm Bchnlden, ist diu gröene beide val (Neidhart von Reuen- 
thal her, von M. Haupt 86, 36). Eine durch alle Zeiten sieb 
emeaemde Spracbgewohnheit beleuchtet in lehrreicher Weise 
dies Verhältniss zwischen Hauptwort und Beiwort. Das Adjec- 
tiv dient zunächst natürlich dem Substantiv, indem ee dies in 
die Sphäre des Idealen hebt Kommt zu der inneren Verwandt- 
schaft der beliebte Gleichlaut hinzu, so wachsen beide Worte 
eng zusammen, so eng, dase zuletzt umgekehrt das Substantiv 
dem Adjectiv dienen kann, indem der t^ische Fall (das Sub- 
stantiv) zur Bezeichntmg des höchsten Grades (des AdjectiTB) 
eintritt. Solche Verbindungen sind besonders neuenglisch un- 
gemein beliebt (Seitz, Zar AIhteration im Keuen^ischen Progr. 
Itzehoe S. 17 f.). Erst heisst es: das grüne Gras, die rothe 
Kose; dann heisst es: grün wie das Gras, roth -wie eine Rose. 
Kon haben wir freilich schon im Eingang der Arbeit erwähnt, 
dasB in derselben Weise schon in ältester Zeit für jeden B^riff 
ein bischer Fall ausgewIUilt war: weiss wie der Schnee. Das 
Merkwürdige ist ni;r eben, dass es eine andere Schicht von 
Substantiven ist, die wir in altepischer und in späterer Zeit zur 
Ersetzung des Superlativs beim Adjectivum finden. Der Rabe 
hat einmal das Epitheton schwarz, der Schnee das Epitheton 
weise gehabt: in unseren Gedichten haben sie es nicht mehr, 
weil diese Appellation mit diesen Farbenangaben so fest ver- 
bunden sind, dass die Verstärkung durch ein Beiwort überäüssig 
ist, dass sogar das Beiwort selbst durch das Appellativ verstärkt 
werden kann. Wahrscheinlich ist diese älteste Schicht typischer 



SubBtantära, die Torzugsweise Farben bestimmen, gemeinariscber 
Besitz; mindestens bei den Kelten wird auch gesagt, daas du 
Haar schwarz wie der Rabe, die Wange roth wie Blat, der Lab 
weiss wie Schnee sei (Windisch, Irische Texte S. 64) — grade 
wie im Märchen von Sneewittchen. — Dagegen nennen Rigveda 
ond Aveeta die Erde noiäi nicfat grOn (Marfy, Entwicklung des 
Farbensinns S. 93, Anm.) Solche fische Ve^leichstiftger sind 
also poetäsche Hilfsmittel, die die altgerm. Epoche schon ttber- 
nimmt. Indem sie aber neue Worte mit ständigen Epithetis 
versieht, schafft sie neuerdings fypische SubstantiTa: und so 
spielt in späterer Zeit etwa die rothe Böse dieselbe Rolle, wie 
in älterer das rothe Blut — freilich eine charakteristische 
Neuwahl! Aber zu verdrängen waren die alten Worte nie, und 
die Farben des deutschen Reiches würden wir noch heut an 
denselben schwarzen, weissen, rothen Dingen veranschaulichen 
können, die vielleicht schon die alten Arier wählten, um sich 
für Farbwerte Superlative bilden zu können. — 

Keine Formklasse besitzt eine reichere Literatur als die 
Epitheta. Ich citire nur das Wichtigere, soweit es mir bekannt 
ist. Einige uridg. Epitheta sucht Kaegi (Rigveda Anm. 19^} u. 
276) zu erweisen (vgl. auch z. B. Holtzmann, Edda 501,29); 
vorhomerische Epitheta bespricht Reimer, Uebet das Formel- 
wesen im griechischen Epos (Progr. Freiberg 71, 8, 5 f.). In 
der späteren griechischen Dichtung ist die Vorliebe der Sappho 
für typische Dinge zur Ste^rung von Adjectiven hervorzuheben 
(ytüaxzoi is'jx6rspa 0. Müller, Gesch. der griech. Lit. 300 Anm. 3). 
Die Epitheta im mhd. Volksepos stellt Uhland (Schriften 1, 
391 f.), die im altfranz. Epos in Auswahl Bekker (Homerische 
Blätter 11 87 f.) zusammen. Für spätmhd. Zeit verweise ich 
z. B. auf Hauffens Sammlungen für Walther von Rheinau (Zs. 
f. d. Alt. 32,35 f.). Beispiele von Epithetis aus neuerer Volks- 
poeeie bei Talvj (Versuch einer Charakteristik u. s. w. S. 134; 



speciell aus der frz. Volkepoesie bei 8chefDei, D. frz.VolkBdichtung 
2,244. Beispiele endlich für Neufonoung von EpithetiE durch 
obd. Schrifteteller bei Jean Paul, Vorechule der Äeathetik O^^f^e 
18.336). — 

Auf dem Gebiet unserer Arbeit fehlt es nicht an ßpecial- 
untereuchungen für die Epitheta, besonders bei ags. Dichtem; 
so für Cynewulf Jansen S. 13 f., für Caedmon Ziegler 8. 38 f., Sche- 
inann führt die EpitbetA der Synonyma im Beövuli bei diesen 
auf. Wichtiger ist Lichtenhelds Aufsatz über das schwache 
Adjectiv im Ags. (Zs. f. d. Alt. 16,325 f.), der aus formellen 
Gründen die Beiwort« in zvrei Klassen zu zerlegen sucht: solche, 
die eelbstverstäodlicbe oder wesentliche Eigenschaften bezeichnen 
(Adjectiv in schwacher Form) und solche, die vorübergehende ■ 
zufällige Eigenschaften bezeichnen (Adjectiv in starker Form; 
vgl. aao. 36S. 368). Diese Scheidung, der bekannten Theilung 
in epitheta omantia und necessaria entsprechend, führt ihn zu 
interessanten, wenn auch öfters anfechtbaren Ableitungen der 
echten Epitheta. — 

Für die Farbenai^ben verweise ich nur auf die Literatur 
bei Bruchmann Psychologische Studien zur Spradigeschichte 
S. 111 f., vgl. auch 6.251; für die Farbenvergleicbe besonders auf 
Marty Entwicklung des Farbensinns S. 79. 143. — Auf eine 
Diskussion der Frage nach dieser Entwicklxmg brauchen wir hier 
uns glückhcher Weise nicht einzulassen. — 

Anbang zu % 10. 

Wie Adjectiva können auch Substantiva und sogar ganze 
Sätze mit Substantivis formelhaft verbunden werden. So reihen 
sich an die nicht häufigen Epitheta die noch selteneren Fälle 
fester Apposition und die ganz seltenen von ständigen ] 



234 

Feste Apposition b^;egnet altn. nur in altm oder doch 
älteren Liedern, beeondera der ^. und der Vkv. In einigen 
FiUlen ist die einmalige Setarang der Appoütion von der Art, 
dasa wir sie der wiedwbolten Setzung gleichstellen mäseen. 

Offinn, aldinn gautr V^. 2,1. 1S,3. Jiryinr JnuBa dröttin 
^r. 5,1 10,3 25.1 30,1 and 5 Heimddlr hvitaatr im ^. 14,2 
Nidudr Njära dröttinu Vkr. 7. 14,1. 30,7 Velnndr vlsi &Iia 
Vkr. 14,4 Inkkrftdr {praell minn inn besti Wv. 89,1 Sigurdr 
seggja dröttin Brot. 6,5 — 6 Onnair grainr haukstolda Sig. ek. 
31,1. — Aehnlich Rlg. 1,S — 6, wo abex der Name nachsteht. 

— Erce eor|>an modor Zaub. I 49? vgl. WOlcker zur St. u. 
folde, Sreq modor ebd. 67, — Ebenso Wegbrade, vyrta modor 
Zanb. rv 7, — . 

In diesen Fällea also steht noch die Apposition neben dem 
Eigennamen, nicht wie später immer an Stelle des Namens. 

— Neben eigentlichen Rangbezeichnungen (^uraa und Njära 
drottin, visi älfa, gramr haukstalda) treffen wir den ebenfalls 
rangbezeichnenden Superlativ (hvitaatr, beztr) und das beliebte 
Epitheton aldinn, auf dessen superlativische Bedeutung beim 
Namen des höchsten Gottes wir schon aufmerksam machten. 

Zu den festen Appositionen gehören ausserdem noch alle 
S. 166 f. aufgezählten Bezeichnungen nach Sippe oder Rang: 
fast alle kommen auch neben dem Namen vor, die hier an- 
geführten aber nur neben dem Namen. — 

EndUch scbliessen sich noch ständ^^e Begleitsätze an. 
Im vollsten Gegensatz zur festen Apposition finden sich diese 
fast nur in jüngeren Liedern. Sie gehören in der Poesie aller 
Völker zu den sicheren Kennzeichen der Spiehnannsdichtung, 
die mit dem leeren Pomp solcher Parenthesen gleichsam um 
die erhabene Gestalt ihrer Lieblingsfiguren einen Raum frei 
macht, um sie besser zu zeigen (z. B. Salmön der was richi 
MSU XXXV 5,15. 51 der was hSri 15. 20,1; Trougemunt, zwei 



226 

und Biebaizig laut die ednt dir kaut u. dgl. CU^iland Schriften 
m S. 293 Anm. 46). DasB solche pareuthetischen 8ätse voll- 
kommen den stehenden Bpithetie gleichstebeD, bat zuerst 
Scherer (Q. F. I 29) au^eeprochen. 

Vereinzelt finden wir solche Sätse allerdings snch in älterm 
Ijedem; dann aber se^ die Art ihrer Verwendnng gerade dep 
Gegenaatz tu dem typischen Gebrauch der Bpielmannalieder : 
Trie die aEpitheta necesaaria« sind räe dann mit bestimmter 
Absicht verwandt. So Vel. 30,3 — i ])ärr-hann sjaldan sib' er 
hfinn slikt um fregn; {ir. 14,3 — 4 HeimdaUx — Tissi bann vel 
fram eem vanir afirir. Das sind Zwischensätse, die Thorrs oder 
HeimdaÜB Eingr^en in die Handlung motivlren. Aber in der 
Hamarsbeimt begegnet doch auch dn wirklieber B^eitaatz 
formelhafter Natur: in aldna jQtaa systit hin er brMfjAr biäja 
Jwrdi l)r. 29,1—4 vgl 32;2— 4. Immerhin fehlt hier der 
Eigenname. Diesem laufen erst in späten Gedichten solche 
Begldtfiätze nach: Eoetbera, kvaen var h6n Eggna Atlm. 6,2; 
Snaevarr ok Sölarr, synir vAni |)eir Hsgna AÜm. 30,1-^2 
Beitr, brytr var ban Atla Alm. 56,2; ebenso mit anderm Hilfs- 
verb Gaumv^r er Gonnatr 6.tÜ Atlm. 6,6. 31,2. In all diesen 
Fällen ist die Apposition nur im metrischen Interesse durch 
das Hilfsverb verstärkt; wir werden in g 19 solche Dehntmg 
alter Verse zu neuen durch Zusatz von Hüfsverbis als häufige 
Erscheinung junger Perioden zu besprechen haben. Charakterisi- 
rend wirkt der B^leitsatz nur Hamd. 9,1 Ssrli, svinna hafdj bann 
byggju, was zu einem stehenden Epitheton Hamüs das genaue 
Pendant bildet: HamSr inn hugumstöri ebd. 6. 24,1 (vgl. 
Ramsch Kritik und Metrik der Hamtosm^ S. 6). — Rigr 
knnni ])eim räd at s^a u. s. w. R. 3,5. 17. 29. 32,1 f. ist 
dagegen nur ein zufällig mit dem Eigennamen beginnendes 
Stück dieses in strengstem ParallelismuE der Glieder aufge- 
bauten Gedichts. — 

l[*]r«r, altcntBMiMlw PomI». 1& 



Vgl übrigens über Paientbeeen in der gelebrt-chiistlichea 
DichtongfürCyneralf Jansens. 101, fürOtfriedScbützeS. 18 f.— 

Als UftCftolajr den geistreichen Versuch machte, durch 
Balladen im Stil alter Heldenlieder jene Gedichte zu vergegen- 
wärtigen, die er mit Niebuhr als Grundlage der römischen Ge- 
dichte ansah, war es ganz beeonderB auch diese Figur, durch 
die er seinen Lays of Ancient Borne einen alierthümlichen 
Charakter zu geben versuchte. Er nannte »talse Sextus« nicht, 
ohne nachzuschicken ithat wrought the deed of ahamei und 
sprach nicht von Asturs Schild, ohne hinzozosetzen »which 
none but he can wield.« So trefflich auch seine Nach- 
ahmtmgen im Ganzen gelungen sind, würde doch dieser Zt^ 
genügen, die Lays aus dem Kreis echter alter Heldenlieder zu 
verbannen, wenn sie ans als treue Uebersetziingen lateinischer 
Gedichte vorgelegt würden. Schon der Form nach verratben 
diese parenthetischen Begleitsatze eine Kunstübong, die die 
alte einfache Parataxe überholt hat; und inhaltlich bezeichnen 
sie die Verbeugung des Spielmanns vor einer Lieblings&gur. 
Gar die Uebertreibui^ dieser Formel würde uns bedenklich 
machen gegen die Echtheit der Balladen überhaupt. .-Vis aber 
Macaulay seine Lays schrieb, hielt man überall noch gerade 
die Gedichte, weiche wir jetzt als »Spielmannsdichtung« von 
der älteren Volkspoesie trennen, für besonders charakteristische 
Proben der naiven Volksdichtung; und so hat sich auch an 
diesem genialen Nachdichter erfüllt, was über Kunstfälschungen 
überhaupt geistreich bemerkt worden ist: weil sie immer aus 
der Anschauung ihrer Zeit heraus die alten Gegenstände er- 
fassen, sind sie nach zwanzig Jahren schon leicht zu erkennen 
(J. Lessing, Was ist ein altes Kunstwerk werth? S. 47). — 
Wemi nur später dieser Vortheil nicht wieder verloren ginge! — 



Capttol T. 

Wortgruppen. 

g 11. Wortwiederholung. 

Die vielmalige Wiederholung desselben Wortes scheint für 
die Poesie der uncivilisirten Völker von grosser Bedeutung 
(Burdach Ze. f. d. Alt. 27,349) und ist vielleicht s(^ar für die 
älteste Epoche einer jeden Poesie bezeichnend ^. f. vgl. Lit.- 
Greach. 1,38). Aus so frühen Stadien der Entwicklung ist uns 
aber von altgerm. Dichtung nichts gerettet-, unsere Denkmäler 
gehören einer Stufe der Cultur und der Dichtkunst an, welche 
über ein rohes Vervielfachen des Schlagwortes längst heraus- 
gewachsen ist. Dazu sind uns nur erzählende und ermahnende 
Gedichte erhalten, während die Wiederholung von Worten (oder 
Versen) naturgemäs? in der Lj-rik am längsten haftet. Hätten 
wir altgerm. Hymnen, so wäre uns sicher mit solchen Verviel- 
fachungen der bequemste Uebergang von dem formelhaften 
Einzelwort zur formelhaften Wortverdoppelung gegeben. Die 
traurigen Fragmente des krimgotischen Liedes (vgl. Tomaschek 
Die Goten in Taurien S. 66) beginnen gleich mit >wara waxa*, 
was nach Förstemanne Erklärung sich mit dem Anfang der 
siebenten horszischen Epoche nahe genug berührt: quo quo 
Bcelesti ruiÜB? Und BO begegnet uns gleich am Eingang eine 
Thatsache, die wir uns in diesem Paragraphen stets vor Augen 
halten müssen: so tiefe Wurzeln bat die Wortwiederholung in 
historischer und in psychologischer ICnsicht (beides gehört na- 
türlich zusammen), dass wir die zahlreichen Uebereinstimmun- 
gen, die innerhalb und ausserhalb der germ. Literatur sich uns 

15* 



228 

hier überall aufdrängen, eteta als *urTerwandt< auSaasen müSGen, 
wo nicht gani besondere Erw^fongen dem im Wegd stehen. 
Seltsam genug haben freilich die Germanen oft mit diesem 
Urväter-Hausrath gewirthschaftet. — 

Lediglich in Zaubersprüchen and Anrufungen kommt' in 
den altgerm. Denkmälern noch die echte Wortverdoppelnng 
oder Wortrordieifadiung Tor: in einem ags. Zauberspruch heisst 
ee Erce, Erce, Erce (Grein- Wülcker I 314,49) in Rufen zu 
Waotan, die noch jetzt umlaufen sollen, Wode Wode oder 
Wdld Wdld W61d (Myth. 129. 130). Dae ist uralte Ait; so 
i. B. in den Marcellischen Formeln rica rica soro (J. Grimm 
EL Sehr. 2,129) oder corcedo, corcedo, stagne (ebd. 134), and 
ist lebendig bis auf den heutigen Tag geblieben, z. B. in den 
neugriechischen Gebetliedem, die J. Grimm (lieber das Gebet 
ebd. 448. 458) bespricht. Und nicht anders in zahlreichen 
lyrischen Volksliedern Deutschlands, besonders beim Gedicht- 
anfang; ich nenne dee Beispiels wegen nur Chume chume ge- 
selle min (C. B. 136a), welches ich wenigstens für ein sehr 
altes Volksliedchen halte. — Andere Fälle z. B. bei J. Grimm 
El. Sehr. 3,306 Anm. Roethe Reinmar v. Zweier S. 297 
Anm. 344. — 

Aber zweierlei hat die echte Wortwiederholung in der germ. 
Dichtung umgestaltet: die Unterbrechung und die Variation. 

Die unterbrochene Wortwiederholung (man köimte 
sie auch *intermittirende< nennen) hat ihre Ursache in der me- 
trischen Technik. Wiederholt werden die Worte, die besonders 
wichtig sind; und eben die Worte, die besonders wichtig sind, 
bringt die AUiterationedLchtui^ an den Taktaniang oder noch 
lieber an den Versanfang. Aus der alten Dichtung können 
wir gleichwohl solche Fälle nicht belegen (höchstens gehört vuli 
min vulf Rat. 1,13 hierher): die Variation ist hineingetreteo 
imd hat das Stabwort an zweiter Stelle durch ein Synonym 



ersetzt. Erce uod Wöld emd vieder als Eigennunen davon 
vetecbont gebliebcD. 80 also t. B. VfiL 8,1 — 2: der ente Halb- 
-vers begimit mit dem heiti b61, der zweite mit der Kenning 
Bipm mäoa; und genau ebenso in zaMloeen aj^dem Fällen. 
Aber in späten Volksliedcben taucht die unt^brochene Wort- 
wiederholung auf. Noch immer klingt der Stabc^m durch, 
der nun rührender Anreim geworden ist; so in jenem schönen 
Verse »Laes rauschen, sichele, rauschem (Uhland Volkslieder 
I 78). Oder die mllfylling wird dem zweiten Stabwort ange- 
BchmoUen, besondere als Epitheton; so sehr oft namentlich in 
Refrains wie dem berühmten »Edward, mein Sohn Edward^ 
Ganz ähnlichee finden wir bei den Zwillingsformeln. 

Eine Zwillingeformel, nur ohne VerbindungHwort, entsteht 
auch wirklieb bä der anderen Art, die Wortwiederholung um- 
zugestalten: bei der variirten Wortwiederholung. Auf 
diese hat Weinhold aufmerksam gemacht: vocee dnae eiusdem 
vis copula omissa iungontui (Spie. S. 7 Tgl. J. Grimm zu An- 
dreas u. Elene S. 42). So heiset ee altn. opt öejaldan, während 
sonst zwei^edrige As;^deta in der altgerm. Poesie kaum nach- 
zuweisen sind (wohl mehrgliedrige). Ofienbar hiees ee ursprüng- 
lich »oft oft«, aber Variationslnst und metrische Rücksichten • 
verboten dies. Wenzel (Die ältere Edda 6. 12) Übersetzt die 
betreffende Stelle (V^l. 26,9) mit Recht: »wieder und (immer) 
wieder«; die ganze Strophe ist voll von Wortanfnahmen, un- 
mittelbar vorher steht die Anaphora ]n7Bvar brendu {trysvar 
boma. — Der Miifigste Fall dieser Figur ist age. somod ätgädre. 

Wirken Variation und Unterbrechung zusammen, so ent- 
Bteht eine eigentliche Zwillingeformel. So heisst es z. B. Lok. 
21,1 (und öfter) oerr ertu, Loki, ok erviti. Das sagt gerade 
soviel wie in Schulen Xenien der Vers: »0 ich Thor, ich ra- 
sender Thor!« Die unterbrochene Wortwiederholung ist nhd. 
noch kenntlich, alto. durch Variation verwischt. — f 



Aber neben derjemgen Form der Wortwiederholung, die 
wir »echte Wortwiederholung« naontea, steht von ältester Zeit 
her eine complicirtere, wenn gleich immer noch herzlich ein- 
fache Form, die ich die »flectirte Wortwiederholung« 
nenne. Hier Bteht das Wort einmal (in der Regel zuerst) im 
CaaoB rectos, und wird dann im Caana obliquus wiedergespiegelt. 
Diese Form iat so sicher wie die echte Wortverdoppelnng or- 
altes Gemeingut aller idg. Sprachen, ja wohl aller Sprachen, 
deren grammatischer Bau sie inlässt. Aber sie hat doch etwas 
Künstlicheres; und gerade für die Anfänge einer kunstmäseigen 
Dichtung scheint sie so beseichnend, wie jene Figur für die 
AnMngfl der Poesie selbst. Etwas Ueberl^tee und selbst Ge- 
suchtes steckt immer schon in der Art, wie das Wort hier sich 
um die Axe eines leichten Bedeutungsunterschiedes drehen 
muss. Denn ein solcher ist stets angedeutet. Gerade wie in 
formeller Hinsicht die Identität der Wortformen ihrer Aehn- 
lichkeit Platz macht (ort widar orte statt wara wara), so stellt 
sich auch inhaltlich statt der Tautologie eine Antithese ein, 
eine Anthitese freilich in demselben Sinn, wie wir antithetische 
Zwillingaformeln kennen lernen werden : innerhalb einer höheren 
- Einheit werden zwei Glieder derselben contrastirt (jm^ und alt, 
d'. h. jnnge Menschen so gut wie alte Menschen). Bei der flec- 
tirten Wortwiederholung vertritt der Wortstamm die Einheit; 
die Flexion des einen Theüs zeigt an, wodurch die Ueberein- "^ 
Stimmung eingeschränkt wird. Und hier wie dort rotiren die 
Worte mn die einfachsten und nächstliegenden Kategorien. 
Heisst es z. B. fotr vid foeti gat ins froda jotuns sexhofdtadan 
son (Vaf. 33,4), so müssen wir daa übersetzen »der rechte Fus« 
mit dem linken.« Dieser leichte Gegensatz fällt schärfer ins 
Ohr, wenn es (Gylfaginning 5) dafür heisst: annarr fötr hans 
gat aon vid odrum. Und diesen selben Verdeutlichungsprozees 
haben wir zur besten Bestätigung am selben Ort nochmals : die 



Prosa sagt >{>& öx undir vinstri bood honum maSx ok kotuti, 
während in den Vaf. nur steht: Undir bendi vaxa kviUtu brim{>ursi 
mey ok mog aamui. Und mey ok msg (oder obne Alliteration 
madr ok kona) ist eine antitbetiscbe Zwillingeformel : Menschen 
beiderlei Geschlechta. — 

Ein paar Beispiele für die Sectirt« Wortwiederholung hat 
J. Grimm zu Andreas V. 360, mehr bietet Weinhold S. 7 und 
für die ags. Fälle Kluge P. B. 9,426. — Dass die betreffenden 
Formeln >der Anlage nach arisches Gemeingntc seien (Scherer, 
Lit. -Gesch. S. 15) hat A. Kuhn (Zs. f. vgl. Spracbforechg. 13,49 f.) 
entdeckt; dass sie auch altnissiBch vorkommen, bat man meines 
Wissens noch nicht ai^emerkt: »Es Truchs sueammen Körper 
an Körper, Knochen an Knochen, Muskel an Muskel« (Reinholdt, 
Gesch. d. rues. Lit. 8. 98). Aber aus ihrer Art, aus dem sym- 
bolischen Wortgebrauch, der sie hervorruft, erklärt es sieb, 
wenn die Gemeinschaft der Formel noch weiterreicht: «ein al^ 
assyrischer Zaubsrsprucb berührt sich mit dem ersten Meree- 
burger* (Goedeke Grundriss * § 10,2 Anm.). — Ebenso ist es 
wohl keine Entlehnung, wenn ein altfriesischer Rechtepruch 
genau mit einem berühmten Satz des alten Testaments stimmt: 
>mortb möt ma mith morthe käla« (Heyne Ff. C^erm. 9,439) so 
gut wie >Aug' um Auge, Zahn um Zahn* beruhen auf der 
Vorstellung einer Waage, in deren Schalen gleiche Gewichte 
nacheinander gelegt werden. Und eben dieser Symbolik wegen 
waren solche Formeln von vornherein ■ canonisch < und gehörten 
in die canonischen Bücher z. B. der Inder so gut wie andere 
MuBterformeln (gegen G. Meyer Essays und Studien S. 290). 
Einen guten Beweis dafür giebt eine Homerstelle. Nestor sagt 
(B. 362): 

Kpiv' &/dpac xarä ^üia, xarä ^pijvpaQ, ^AfOfOfatov, 
üti fpTjrpT/ fp^pTjfoi äp'^, füXct di fü^cxt 



ait Ontt 







fie der n^ Hgmi 



Imc 



Pocrie ipridit Kb^ T. B. 9,486— Z7>. — 

In dcD HÜv» findfn sdi mdiRfS Stoophai, in 
ngar wwderlKdt Tcntiikt snfintt: 42—43, 57, 140. DmmOm 
iit der FaD im BtiMBlmmm B hueegm , wo aber dmdi Vanalua 
der SubeüuitiTa lu dem flectirt wiedeciielteQ Adjectiv und durch 
Unterbrechmig die Fonnei zeistdct wird: tombo sbx in beike 
mit tombemo kinde en arme etc. ^S.D.IV 6.7); latriniarh ist 
eine Anaphora danuu geworden. Um so beaaer iat die alte 
Fonn in den altn. Beiapielen erlialten. Die Stelle Hav. 57, 
1 — 9 iat noch mit weiteren Wortspiriereien anageatattet. Die 
merkwürdige Stelle ana dem Rünatal aber klingt geradexu wie 
eine Anweisung m symbolisch» Wortfügung: 

ord m^ af ordi ordto leitadi, 

verk m^ af verid veriES (Müllenhoff, D. Alt 271, Anm.}. 

Ich stelle die beiden anderen altn. Haoptfalle daneben: 

Vin sinnm skal madr vinr vera ok gjalda gjgf vid gjgf ; hlAtr 
Tid hlAtri skyli hgldar taka . . . Vin sinom skal madr vinr 
Vera, {)eim ok |)ese vin, en 6vinar sina skyli engi madr vinar 
vinr vera HAv. 42 — 43. 

Brend af brandi brenn onz brunnin er, fmn kvQkiak af 
funa; madr af manni verdr at mäli kudr, en til doelskr af 
dul Häv. 57. 

Solche Häufungen finden sich ausserhalb der Häv. nirgends, 
wohl über zahlreiche einzelne Beispiele: 



Mit af: H&t. 57., 140. 

Mit äfter (diu age.): äo aSiei Itaam B. 3461 

beam äfter beame Gren. 1070 

breabtem äfter breahtme Guth. 1299 

cyn '6Stei eytaoi Ex. S&l 

Ud äfter lädmn Ex. 195 

Bt&D äiter Btftne An. 738 

BtefD äfter etefne Fb. 542 

-nmdor äfter Tuodre B, 6S1 An. 630. 
Mit A: bi4fiii A bröAnr Vkv. 38,3. 
>Ct at: geetr at gest HAt. 81,8 (vgl. 83,6) 

Didr 8t nifi HAt. 72,6. 

Vgl. H. H. 1 5,6 brafn Wad at hnfm. 
Mit be: adele be ftdelnm An. 860. 
Mit bam: stön fram stäne An. 789. 
Mit of: god of gode Cri. 109 

Täter of vAtnun Qen. 152. 
Mit Tid; ecg vid tage BAt 4,42 

fl«d Tid äöde 8ch. 85 

fötr Tid foeti Vaf. 83,4 

frAd vid frMne Onom. 1,19 

fyrd vid fyrde Gn. C. 52 

gest vid gest HAt. 32,6 

gjgf Tid gjgf HAt. 42,8 

hearde vid heardum BAt 87,5 

hlAtr vid blAtri HAv. 62,4 

lad Tid Udum B. 440 Qn. C. 58, Ex. IS 

maeg vid maege B. 1978 

mnd Tid rond H. H. I 28,8 

til Tid tilum Gn. 1,23 

veall vid vealle Gh. 11 

verige mid vmgum An. ölfi. 



234 

Mit zi : Mn zi bdna, bluot zi bluoda, lid zi geliden M. S. D. IV 2, 8— 9. 
Mit widar: ort widar orte ^Id. 38. 

Lateinischen Einfliiaa verrätb die Einfassung in zwei Prä- 
positionen : of — in und ot — on: 

of mägne in mägen Cri. 748 Pa. 83,7 

of däge on däg An. 1387 (vgl. Kluge aao. 427). — 

Saum noch hierhergehörig ist ein Fall, in dem auf BOlche 
Weise das gleiche Epitheton zweier verschiedener Substantiva 
eine unechte Wortwiederholnng mit der Präposition fyr bewerk- 
stelligt: Valgrisd heitir er stendr vellir & heügg fyi helgum 
durum Gr. 22, 1—3. — 

Noch dichter rücken die Worte zusammen, wenn sie nicht 
durch Präpositionen verbunden dnd, sondern in einem Casus- 
veihältnise stehen. Alt ist nur das dativiscbe, während das 
genetivische ags. zwar sehr beliebt ist, aber nur in christlichen 
Gedichten; altn. findet es sich in Liedern mittleren Altera 
Hyndl. H^b.). Das Latein hat diese Figur in alle neueren 
Sprachen getn^ien (vgl. LeüEhoId, Et]'moIc^(iache Figuren im 
Romanlscben S. 19 und, was dort citirt wird, Landgraf, Figura 
etymologica linguae latinae S. 34 f.). 
Dativ. 

fötr foeti Hamd. 14, 5 — 6 

leöf man teofum Güth. 1137 

ajAlfr själfum mer Hdv. 137,6 

vin sinum skal modr vinr vera Hav. 42, 43. 1 — 2 

en ovinar sins skyli engl madr vinar vinr vera Häv. 43, 4 — 6. 

Hierher auch ne geald he yfel yfel& El. 493. 
Genetiv. 

cyninga cyning Sat. 206, Cri. 136. 215. 1682. D6m. 95. 
An 1194. Hy. 8,15 

dreima dreäm Sat. 314. Cri. 580, m dreäma dredm Ph. 658 

drihtna drihten Gen. 638 Cri. 405 Wal 84 An. 876, 1153, 
iL 594, El. 371 



ealra cyninga cyning An. 980, Jttl. 289, Hy. 3,22, Oratio 
poetica 19 

a& karl k&tla Harb. 2,1, 

in llfes llf Ph. 649 

ealra dugeAa dugud Hy. S,24 

tflkkr rakkra Hyndl. 1,5 

ealra |)iymma |)ryimn Cri. 726, Phon. 628 

ai sveinu sveina Harb. 1,1, vgl. Fil. 1,1 

■voruld vorulda Cri. 778 Ph. 662 in voruld vorulda An. 
1688, El. 452 Jmrh ealra vorulda voruld Pb. 71,5 78,14 (mit 
»alle« verstärkt bat die Figur schon io alter Zeit »fast aus- 
BchliesBlicb reügiösen Sinn«, wie noch in der mhd. Dichtung 
Roehte Reinmar r. Zwet« S. 288). 

Aehnlich auch maer meyja Hyndl. 1,1. — Die Verschie- 
denheit der Form beseitigt das Weeenthche der F^ur in H. 47,6 
msdr er manns gaman. — Eine interessante Vereinigung der 
äectirten ^\'ortwiederholui^ mit der Variation dorch «ein ande- 
ren M. S. D. 26,10 Böse snel snällemo pegägenet andermo (vgl. 
Kluge aao. 427 Anm.). — 

Dass diese Figur kunstxnässig verwandt wurde, macht allein 
schon das reiche Polyptoton Hiv. 67 wahrscheinlich, und die 
andern Häufungen HÄv. 42—43. 140, auch Gn. C. 52—53 er- 
höhen die Wahrscheinlichkeit, und jene Uebereinstimmung 
der Mereebuiger Zauberformel mit vedischeu Hälsprlicheu 
macht ee zur Gewisshat. Verwandt sind auch die Kettenreimu 
in dem ^^'unnsegen : fan themo bSne an that äteg, üt fan themo 
flesge an thia hüd, ut fan thera hüd an Üiesa strila (MSD 
IV 5,3 — 5); hier ist die Wiederholimg nur durch den Vers- 
schluse gebrochen; an that bin üt fan themo b£ne, an that 
fl^Bg üt fau themo Scisge ergäbe unsere Figur, wenn auch in 
sehr umständlicher Gestalt. Aber so heisst ee eben nicht, und 
so oder an that b^ fan themo b6ne kann es auch gar 






236 

heiflaen, weil hier eben wirklich beide OUader identisdi sind: 
»an that b^n fan themo btoe« würde zwei verechiedttie Beine 
meinen. — Aehnlich folgen sich die Glieder in dem widitigen 
agB. Zaubersprach gegen Hezenetich: feil — flaeec — blöd — 
(ban) — Hd Zaub. H 20—22. — 

Aber auch die altn. Fälle Bind beweisend. Zunächst 
stehen fast alle in dem grossen eddischen Lehrgedicht und 
sind gnomischen Inhalts, wie Hild. 38 auch, oder dogmatisch, 
wie die Stellen in Vaff>rudnismäl und Rünatal. Eine Aus- 
nahme macht bloss H. H. I 28,3 in einer an Assonanzen aüeor 
Art reichen Strophe. Wo die Feierlichkeit fehlt, wird auch 
das Zusammenrücken der beiden Wortexemplare vermieden: 
H. H. I 5,5 hrafn krad at hrafne; sonst hiesse es wohl kvaft 
hrafn at hrafni. Jene hochfeierlichen Verse Häv. 140,4 — 7 
könnte man wie schon gesagt geradezu als Anweisung zu 
dieser Formel deuten: soll das Wort heilkräftig sein, so soll 
das Wort aus dem Worte das Wort verleihn. Das ganze 
Runenlied ist voll von Annominationen der verschiedensten 
Art, voller Pracht und Eindruck. Ueberall aber tritt altn. in 
unserer Figur ein Gegensatz hervor: die hadernden Graste, die 
aneinanderprallenden Schilde, der todte und der lebende Gre- 
schlechtsgenosse, der Weihende und der Greweihte. Das ver- 
liert sich jedoch ags. ; die Fälle mit vid sind zwar noch grossen- 
theils von dieser Beschaffenheit, aber die mit äfter haben 
meist einfach die Bedeutung der Wiederholung, »das Anein- 
ander oder Nacheinander von Dingen«, welches in dieser Form 
besonders in den romanischen Sprachen sehr beliebt ist (Pott 
Doppelung S. 9, LeifEholdt S. 62 f.). Im lat. dagegen scheint 
noch die gnomische Verwendung zu überwiegen. Dann wäre 
hier dieselbe Abschleifung im Romanischen zu beobachten wie 
wir sie innerhalb des Altgermanischen fanden. — Am wdtesten 
gebt diese Abschwächung, wenn durch den beigesetzten Genetiy 



887 

dn Wort recht nachdrücklich unter Beinesgleicben g«eetxt -wird, 
wenn auch als priaoepe inter paiee. Dieee Foim bat trots 
aller fremden Vorbilder aus dem Hebräischen und Lateinischen 
(Pott Doppelung S. 106) deutsch sich tue eingebürgert und 
steht im ags. als ein neuer Beweis der schuhnässigen Ent- 
artung (vgl Kluge aao. 428). — 

Wir erinnern dabei an eine bedeutsame Axalo0.e. Die 
mhd. Dichter dulden den rührenden Reim nur bä Verschieden- 
beit der Bedeutung. Unsere nhd Dichter, scnreit sie diese 
zwecklose Ktmstform verwenden, wissen nichts mehr von 
diesem Zwang. So ist dem altn. Dichter die Wortwieder- 
holung Dor dann erträglich, wenn ein innerer Gegensatz beide 
Exemplare trennt; der age. Dichter verlangt das mcb.t mehr. — 

Wenn der Hauptxeiz aller Poesie in der »Einheit im 
Wechselt besteht, so scheint insbesondere die germanische 
Poetik ganz auf das Gesetz gegründet, dim^ den Ausg^ch 
entgegengesetzter Tendenzen eine höhere Einheit aus den 
Kämpfen ersteh» zu lassen. Für die poetische Sprache durch- 
zieht so alle Erscheinungen das Prindp, Tautologie und 
Variation aneinander abzuklären. Si^ sonst nur zu oft das 
Wort und haben wir dieselbe Bedeutung in vielfacher Form aus- 
gedrückt, so reizt in dieser Figur der leise Gegensatz der Be- 
deutungen in demselben Worte. Hadubrant spricht: »Mit 
gkm ecal man geba icfähan, ort widar orte.« Zwei Kämpfer 
in Bewegung, feindhch einander beg^inend, einig aber darin, 
um den Schatz zu kämpfen — das AUee birgt die kleine 
Formel; ^'atei und Sohn, im Kampf, obwohl Greedüechte- 
genossen, sind in der alten Wendung symbollart. Und diese 
Kraft der knappen Formel, wie in dem engen ^um eines 
einzigen zweimal gesetzten Wortes die alten einfachen Jedem 
gelaufigen G^^ensätze sich aneinander meseen — das mag wohl 



288 

den Zauber ausgemacht haben, der stärker empfunden wurde 
zu jener Zeit, deren sich der Dichter freut: 

Glaube weit, eng der Gredanke, 
Wie das Wort so wichtig dort war, 
Weü es ein gesprochen Wort war. 
Und dies Symbolisiren des Gedankens durch die Form 
ist wohl ernster zu nehmen als man gewöhnlich meint (jfß^ 
Uhland Sehr. 3,255). Wir werden darüber noch weiter xu 
kommen versuchen. Jene Segensformeln aber, die selbst ein 
so entschieden kunstmässiger Poet wie Ovid noch treu be- 
wahrte, wo er alte Ueberlieferungen wiedergab (Schwarte Indo- 
germanischer Volksglaube S. 119) — mit dem ersten Ein- 
dringen der gelehrten Bildung zerstieben sie den Angelsachsen 
und allen modernen Völkern und aus dem Zauberspruch wird 
eine rhetorische Figur. 

Es ist das wieder ein interessantes Beispiel für die Ver- 
wendbarkeit der Formeln zur Zeitbestimmung. Altn. treffen 
wir die flectirte Wortwiederholung oft in den Häv. (denn sie 
ist vorzugsweise gnomisch, wie die unflectirte vorzugsweise 
Ijnrisch), daneben in Vaf|)r\!idtii6mäl. Von jüngeren Liedern 
hat sie nur H. H. I einmal (28,8); aber gerade dies Gedicht 
meidet sie sonst mit Absicht: H. H. I 5,5 ist die Figur (wie 
erwähnt) zerstückelt durch den eingetriebenen Keil des kvad, 
25,1 — 2 ist sie (wie in den angeführten Prosastellen) diurch 
das Wort annarr umgangen: en ungr konungr Qdrum sagdi 
(während es z. B. Ruodlieb V 162 beisst rex regem duzit). 
Hamd. 14 stehen die eigentliche Figur und dies Surrogat bei- 
sammen: fötr odrum-fötr foeti. Ganz ebenso heisst es Beöv. 
2440 brödir Ödeme, ebenso Cri. 1670 gaest ödera Leäs 3 eorl 
Ödeme El. 540 ^gn ödeme (vgl. Kluge P. B. 9, 427, wo auch 
weitere Beispiele angeführt und erklärt werden). Länger hat 
sich die Formel auf deutschem Boden behauptet: Otfried hat 



239 

sie nicht selten (Schütze Poetik Otfrieds S. 30), der Ruodlieb 
pfl^ sie (rez regem V 162 nitro nitrum V 366 amicus amico 
V 450 cum dominis domina Xm,6 maior maiori Xin,62). 
Auch mhd. ist sie noch beliebt, z. B. Walther 4,37 ob allen 
magden bist du maget, ein magt 5,23 ein wort ob allen 
"Worten. — 

Ich habe hier nicht viel literator anzuführen. Homerische 
Fälle mancher Art führt fiekker Homerische Blätter I S. 186f. 
an; dazu bemerke ich, dass die Homerischen Hymnen die 
flectirte Wortwiederholung ganz besonders lieben: xaxip leaxby 
n 76 IpTw Slprov m 120 ^raWec Ttaidtcm. Vs 197. — Für 
Otfried vgl. Schütze aao. ; für Caedmon Ziegler S. 70 f. 

Ganz besonders muss eine seltsame Art, die alte Figur zu 
erneuem, hervorgehoben werden: drögu {)eir er skidi skidi-jäm 
Hamd. 16,1 — 2, wo nicht ohne Greschick die Verspause be- 
nutzt ist, um das Herausholen zu schildern. Simplex und 
Compositum bilden hier die Figur. — 

Eine ähnhche Figur wie durch diese Substantivgruppen 
entsteht bei verbaler Wortaufnahme. Flectirte Verbalwieder- 
holung ist zwar nicht so häufig, wie flectirte Substantivauf- 
nahme; aber die Fälle sind bezeichnend. Wieder kommt hier 
die S3rmbolik deuÜich zum Ausdruck. Eine Reihe von Versen 
aus verschiedensten Epochen malt mit diesem selben Mittel 
die lange Dauer eines Zustandes, in dem Trauer (oder seltener 
Freude) sich an sich selbst immer wieder entzündet. Den be- 
rühmten homerischen Vers rixXad^i drj^ xpadiov^ xdt xdvrtpov äiXo 
Ttor hkyjQ hat schon Kluge (Englische Studien 8,482) mit dem 
Refrain Deors verglichen: {)ä8 ofereode, {)isse6 svä mag — aber 
wieder ist in dem ags. Fall die Wiederholung durch das Pro- 
nominaladverb svä erspart. Viel genauer stimmt zu dem 
griechischen Vers der Walthers: Ich vertrage als ich vertruoc 
und als ichz iemer wil vertragen (W. 50,7), wozu Wilmanns 



S40 

(uto. tinm Veit Fsira ViiU> and in der ^p l w ttn>g m aaliMr 
AuBgkbe ' 81 yitäa «ndenn Stellen heramiebt. Nach Jabx- 
hunderten ugt Schiller: Und ein Jahr hat er's gatragen, triigfc'a 
nicht Ui^er mehr; and dann Hdne: Und ich glanbt' ich trOg' 
es nie — und ich bah' ea doch getrageal Ueberall ni gleichem 
Zvack die flectirte Verbalaofnahme. Ebenso nm IVeadigai 
atusudrQcken: craa amet qoi nanqnain Hnavit, qoiqoe amavit 
cMsamet, lautet der Bafrain des PttrigOiamVenerie. Oegegsn sagt 
2. B. Uhland (Frühlingaleiec Gedichte I 68): Wenn mir je ein 
Lied gelang, sollt' ee hent nicht glücken? Da iat die Wort- 
wiederholung durch Variation ersetst. So iat ea fut «tats aooh 
in der altgerm. Dichtung: die Variationalust hat von einer 
naturgemiseen und wirtamg^voUen Figur al^elenkt and ich 
«enigatens weise jenen altgriechiechen, provengaliacben, mittel- 
und neuhochdeutschen Beispielen ein wirklich entsptechendea 
aus der altn. ags. ahd. Poesie nicht zur Seite su stellen. — 

wulling 

Wir verstehen unter ■Zwillingsformeln« stehende dondi 
eine Partikel vermittelte Verbindungen tweier Worte gleicher 
grammatischer Kategorie (SubetanÜTa, Adjectira, Verba, Ad- 
verbia), die einen einheitlichen Sinn ergeben und aach durch 
ein einzelnes Wort der gleichen Kategorie (schwScherJ wieder- 
gegeben werden können. Dass diese Paare rerwandter Worte 
innerlich der echten Wortwiederholung sehr nahe stehen, haben 
wir schon au^^führt und an Beispielen erläutert. Es li^ 
wirklich eine ^'ariiite Doppelung vor; neu ist bloss die Zusam- 
menfügUDg durch eine Partikel. Dabei ist es gleichgütig, ob 
diese Partikel rein copulativ ist (>und() oder disjunctiv (>oder<); 
in der Veischmekung der Worte zu einem Compositum der 
poetischen Sprache macht das keinen Unterschied. Ob wir 
(Land und Leute« sagen oder »Land oder [.eutei — in Imden 



§ 12. ZwUlIingsformeln. 



Fällen wird deutUch, das6 >Land( und >Leute< Bich zu einein 
höheren Begrifi ei^äuzen, etwa wie »Goldspender* und »Spen- 
der des Qoldee« beide anzeigen, für den Fürsten sei sowohl 
der Beeite des Goldes als dieThätigkeit desSpendene unentbehrlich. 
— Wesentlich sind dagegen zwei andere Verschiedenheiten 
innerhalb der Zwillingsformeln : in formeller Hinsicht, ob Stab- 
reim, Endreim, oder gär kein Reim sie bindet ; in inbaltUcher, 
ob innerhalb des gemeinsamen höheren BegrLSs gleichartige 
oder contrastirende Unterbegiifie gewählt sind. Wir haben also 
einerseits alliteiirende, reimende und reimlose, andererseits 
tautologieche und antithetische Zwillingrionneln. 

In der Edda überwiegen die tautologiechen Formeln noch 
entschieden. Neben Fluch- und SegensprÜchen mit Lob- und 
Scheltworten sind häufige Fälle die Doppelformeln für Schmuck 
und Schatz (so hringa ok men VgL 3,2 — or gulli — or silfri 
in den schon citirten ParaUelversen der Hamarsheimt), für 
Waffen (sQium ok sverdum Vgl 37,3 — skjgldum er ealr 
|iakidr, brynjum um bekki stt&t Gr. 9,4), für Besitz und Ge- 
biet (U eda ßjöSß munud Hat. 78,3 — fri mimiTri v^um ok 
vgngum . . . Lok. 51,4), für Lust und Trauer (Töpi ok öpi Q. e. w. 
Sk. 29,1 — ok bafda ek ged |)eira alt ok gaman H&rb. 18,13), 
für lebende Wraen und Naturgegenstande (konur ok karlar 
Helr. 14,3 — jfird fannsk aeva n6 upphiminn Vfil. 6,5). Es 
sind das so recht die Felder, aus denen die poetische Sprache 
der altn. Dichter ihren Bedarf erntete, erst noch bloss pflückend 
und bindend, '^'vn treibhausnütssig züchtend und cultivirend. 
Der poetische Wortschatz der altn. Poesie ist dem Inhalt nach 
fast so arm wie er äusserUcb reich erscheint und zieht aus 
einem engen Kreis von Begriffen aU seine Kräfte. Um dies 
zu illustriren, vergleiche ich die Grundbegrifie der tautologischen 
Zwillingsformeln hier noch kurz mit den A^'urzeln einiger an- 
derer Fluren der al^rm. Dichtung. Aus jenen Hauptbegrifien 

U»yn, Altgniutaiaeb* f oMi*. 16 



S4S 

Idten fliioh. inch wiflder die «ddiBohin KcnnlngMr Im, ao mit 
da nicht genaalogiBchar Natur und dadnrah in gswinam ffiona 
dan. fl^mologifloliaa ngozan TaitfaJchbT nnd. Und imr ber 
faamdhen Jou Ideen die TCenninyr in beiden Hlndditen, ifiek- 
itehtllch dee in TTmaohnibcndai wie der Umeobzeibniig. 
Eddieobe Kenningar werdoi gebildet mit Wortm tBr Sdiata: 
der ^Id hoeat GoldatOtae (andktafr Sgdr. 31,6), dar BdiOd 
•gamphntiTn n A (vlgneat H. S. 8,7); Waffen: der if*Hg hetat 
Schwertrertheiler (sreHh deilir Akv. 87,3); Beeite and Qabiot: 
der Kopf heian Hochbnig der Haare (hAfjoll akarar H^ 88,6); 
LoBt and Traner: daa Gold heiaet Schreokenaüeht (dgnar IJtad 
H. H. I 28,6 Faf. 43,8); lebende Weeen (imd ihre "nwOe) 
and Natnrg^enetKnde: der ^Id heiaet Apfelbaam der Sohlacfat 
(br7n|nngB Apaldi ^dr. 6,2). Umachrieboi aber verdm vor' 
lagsweiae diejenigen Begriffe, die zu jenen Haaptbegtifien wie Con- 
creta. ea AbetracÜa oder doch wie specielle Begriffe sn allge- 
meineren stehen. Dem Schats entapricht dae Gold, den Waffen 
Held und Schlacht, dem Beeiä der Fürst, dem Schmen. die 
Wunde; statt lebmder Weeen (neben Eönig, £2mpfer, Weib) 
werden Körpertheil« wie Hanpt und Herz umschrieben; endlich 
spielen unter den umschriebenen Worten noch Schiff und Feuer 
eine groeae Rolle, von denen das erste den Waffen nahesteht, 
das letztere dem Kampf. — Ea sind mdlich wieder dieeelben 
B^iriffe, die für die reiche Fülle altgerm. Eigennamen die 
Gnmdl^ie bilden (vgl. Wdnhold Deutsche Frauen, für den ersten 
BestandtbeÜ der Namen I 14f., für den zweiten 1 11). Auf 
den Zusammenhang all dieser Gruppen formelhafter Ausdrücke 
können wir nicht näher eingehen; wie aber alle gleichmfieaig 
aus deneelben Hauptbegiiffen ihre Verehrui^ ziehen, lieaa sich 
an dieeer Stelle am besten zeigen. — 

Ueber die Form dieser Bildungen werden wir noch han- 
deln müssen; unzweifelhaft ist, dass sie durchweg metrisch 



243 

gef««tigt Bind. Hierduicb wird aber für die Frage, ob die 
Zwillinggformelii aoe der Poesie stammen oder in sie herein- 
getragen Bind, noch nichts entBchied«t. Denn diesen Bt«hen in 
sehr grosser Anzahl völlig gleichartige Beispiele aus den pro- 
saischen R«chtsdeDkmälem sur Seite; und so könnten die For- 
meln aus der Prosa oder Alltagssprache übernommen sdn. 
J. Grimm hat solche Recbtsformeln (Rechtsalterthümer 8. 6f.) ge- 
sammelt und besprochen ; er hat sie auch mit den gleichartigen 
Formeln in poetischen Denkmälern vergUchen und nicht nur 
mhd., sondern auch in. tmd lat. Analogien angetrieben. In* 
swiBchen hat Heyne (Pf. Genn. 9,437 f.) das Reiche Verfahren auf 
friesische RechtsqueUen angewandt; er blieb aber nicht dabei 
stehen, sondern echlosB auf wirUiche Abfassung in Versen, die 
dann um- und eingearbeitet wurden. Alle Wahrscheinhohkeit 
steht dieser Vermuthung zur Seit« und mit üemlichei Be- 
stimmtheit können wir diejenige Formelclasse bezeichnen, aus 
der die Zwillingsformeln entsprungen sind. Wie die Metaphern 
zn den Gleichnissen, wie die verkürzten Kenningar zu den vollen 
Umschreibungeai, so verhalten sich die ZwiUingsformeln zu den 
Parallelvereen. Wir haben über diese später zu handeln; 
als bekannt darf schon hier die lüufige Erscheintmg voraue- 
gesetzt werden, dass zwei einander folgende (und mit einander 
reimende) Verse inhaltlich identisch mnd, wie z. B. {>r. 6,1 — 2 
hvat er med isum, hvat er med älfmn? Die bdden Worte, 
welche sich hier entsprechen, bilden eine Zwillingsformel. Im 
vorliegenden Fall (und oft) tragen sie nicht den Reim; sie 
könnten also aus einer Zwillingsformel in das Verspaax über- 
nommen sein. Solches kann auch wirklich vorkommen, gerade 
wie die Kenningar lusprünglich aus den heiti erwachsen, aber 
auch wieder neue heiti liefern können. Wenn z. B. in der 
zweiten Scene des vierten Aktes von Goethes Clavigo Carlos 
sagt: >Wie maucheE Mädchen in Madrid harrt auf dich, hofft 



244 

auf dichc, so ist unzweifelhaft eine ältere Zwillingsformel aof- 
geiheilt: dem Rhythmus zu Liebe setzt der Verfasser statt dee 
einfachen »harrenc in Erinnerung an das Sprichwort »Hoffein 
und Harren macht manchen zum Narren c ein Paar paralleler 
Sätzchen. Vergleichen wir aber Masse mit Masse, so kann das 
Altersverhältniss zwischen Zwillingsformel und Parallelvers so 
wenig zweifelhaft- sein wie das zwischen kenning und heiti. 
Sobald eine Poesie es erst zu wahren Versen gebracht hat, 
sind diese ihre Einheit, ihr Maass, nahezu unzerlegbar. (Wie 
man erst allmählich lernt, Verse zu zerlegen, habe ich für die 
mhd. Ljrrik Zs. 29,168 gezeigt). Viel lieber als Worte wieder- 
holt man deshalb Verse. So treffen wir in aller Poesie Pa- 
raUelverse und, ihnen noch vorausliegend, in aller Volkspoesie 
Doppelverse d. h. zweimal gesungene Verse — echte Verswie- 
derholimgen. Diese beherrschen ganze Liedergattungen; z. B. 
im dritthalbzeiligen Ritomell wird der zweite Vers ganz wieder- 
holt (Schuchardt Ritomell und Terzine S. 78). Da springt aber 
bei den Germanen wieder die Variation ein: das Schlagwort 
wird durch ein anderes heiti oder doch ein Wort von ähnlicher 
Bedeutung ersetzt: hvat er med äsum, hvat er med älfum? 
Somit ist das Parallelverspaar nichts anderes als varürte Ver8*>- 
Wiederholung. Diese Figur konnte bei dem Betrieb der alt- 
germ. Poesie gar nicht ausbleiben — für Zwillingsformeln aber 
war zimächst gar kein Bedürfniss, denn dsum und älfum 
brauchten ja sich nicht so genau zu entsprechen. Steht also 
ein directer Zusammenhang zwischen beiden Formelklassen fest, 
so muss die Zwillingsformel jünger sein. 

Wir können wohl aber auch die Quelle nachweisen, aus 
der diese jüngere Formelklasse in so breiter Fülle floss. Wie 
keine andere ist gerade sie der altgerm. Poesie eigenthümlich, 
in ihr so überreich entwickelt, wie nirgends sonst. Somit ist 
auch zu erwarten, dass eine specielle Eigenheit der altgerm. 



245 

Poeme ihr zu Grunde liege. Meiner Anacht nach iBt dies der 
dreifache Stabreim. Das die Zweistäbigkeit ursprünglicher iet, 
die Dreistäbif^dt nur auf einer Angleichung des ersten Halb- 
verses (der im Alliterationegedicht der stärkere BAlbvere war) 
an den VoUvere beruht, ist höchst wahrscheinlich. Und die 
Neuerung (die noch in gemeingerm. Zeit fallen, oder doch schon 
in dieser Epoche sich vorbereitet haben muss), rief ein erhöhtes 
Bedürfniss nach Reimen hervor, besonders natürlich wieder 
nach reimtragenden Suhstantiven. Was war natürhcher, als 
das man zu Synonymenpaaren grifi, wie sie in Parallelversen 
bereit lagen? Indem man das alte Verspaar auspresste, gab 
dieser Extract «aesir ok lüfar« ein Reimpaar für den ersten 
Halbvers; \md das Verbindungswort diente zur mälfyllii^. 
Auch zwei alliterirende Namen füllen, wie oft bemerkt, bequem 
den ersten Halbvers: Heorogär and Hrö^^är and Hilga til 
(Müllenhofi Zs. 7,528), aber erfunden hat man sie doch schwer- 
heb zu diesem Zwecke, oder doch nur vereinzelt in späterer 
Zeit (Niedner Ze. 33, 26); Personennamen wohl eelbst dann 
nur auBnahmsweiBe, häufiger phantastische Ortsnamen (sU Van- 
dilsv^ ok Vlgdah H. H. II S4,S — i und in ganz gleicher Ver- 
wendung Vinbjarg, ValbJBrg Gufl. n 33,9). 

Die Zwillingsformeln wären also ein Hilfsmittel, welches 
das Reimbedürfniss aus den Parallelvereen gemünzt hätte. Und 
wenn besonders auf as. ags. Boden neben den zweigliedrigen 
S3'nonymengTuppen drei^^edrige vorkamen, so zeugen diese noch 
deuthcher für den Hergang. >Sein Blut komme über uns» 
gibt der as. Dichter (Hei. 5483—84) so wieder: 
fare is dror obar us, 
is bluod endi is banethi, endl obar usa bam so samo . . 
bluod und banethi ist eine (augenschdnhch neugeprägte) Zwilllnge- 
formel, die den Halbvere füllen mnss, und doch nichts sagt, 
was dror allein nicht auch schon sagte. — 



246 

Di» Zwillingafoimeln hsben aooh niq^d« eine aosfCUiäiohe 
Sespnchung gefunden. Allgemeine Bemerkongea x. B. bei 
Wackemagel L.-G. g 29,4—9, Scherer L.-Ö. S. 17. Wir vm- 
Buchen hier ganz sammarisch eine Entwicklungsgeechichte dieser 
Formelgattung zu geben, nachdem wir die Vorfrage beantwortet 
haben, von der das Urtheil über dieselbe überhaupt abhängt: 
ob ee eine primäre FormelcUsse ist (wie Heiti, Gleichniss, Pa- 
rallelvers) oder eine secundäre (wie Eenning, Hett^her, 
Anaphora). — 

Alle Art«Q der Zwillingsformel, stabreimende, endreimeude, 
reimlose und tautologische oder antithetische haben das gemein, 
daes sie in der Spaltung eines einheitlichen B^irifis (vom me- 
demen Standpunkte angesehen) oder vielmehr in der Neubil- 
dung eines einheitlichen aus mehreren Theübegriffen (historisch 
betrachtet) ihre Wurzel haben (anders Paul Principlen der 
Sprachgeschichte S. 61f.). Die Zusammei^hörigkeit zweier Be- 
grifie unter eine höhere Einheit findet in ihnen allen ihren 
Ausdruck. 

Das begriffliche Moment ist also das uraprungUche und so- 
weit dies ausBchliesBlich zur Geltung kommt, gehen alle Spra- 
chen und Poesien der Welt mit der germanischen den gleichen 
Weg. Das berühmteste internationale Beispiel ist die ehrwür- 
dige Zwillingsformel «Himmel und Erde«. Wenn z. B. Neid- 
hart von Reuental sagt; al diu creatiure, die der bimel hat 
bedaht und darzuo diu erde treit (bei Haupt 72,11), so meint 
er ganz dasselbe wie ein andermal mit den Worten allez das 
diu werlt nü hat beslozzen (ebd, 23,5): deutlich genug fügen der 
Himmel als der Ort über und die Erde als der Ort unter allen 
Creaturen sich zusammen um einen allgemeinen Begriff zu schaffen. 
Cranz ebenso geschah es schon in Ynürs Zeiten. Im Weeoo- 
brunner Gebet heisst es: dat ero ni uuaa not üfhimll, und in 
der Vgluflpäi: jßrd fannsk aeva ne uphiminn (vgl. M. S. D. *362): 



847 

und im ags. Zauben^en irird das Bchon als fertige Foimel 
verwandt: eorAan ic bidde and upheofon (Zaub. I 28). Die 
Formel ist also gemeingermanisch. Aber auch in den Veden 
baiest es: >nicbt war der Dmistkreis und der Himmel drüber 
(Oeldner und Kaegi 70 Lieder des Rigveda 8. 164, Str. 1). Das 
steht zwar etwas weiter ab, aber >der Himmel drüber« setet 
doch schon die Formel >Erde und Ueberhimmel« als gemein- 
arisch voraus. Und so steht auch wirklich ganz wie in den 
germ. Beispielen D. 15,36 "lerto vw r68i Feüa xai odpavdt 
täpus üi:ip&ev (vgl. über »Himmel und Erde« bei Homer Duntser 
Homerische Beiwörter S. 16 f.) — formelhaft; und bei Ovid 
nach griechiechem Vorbild: Ante mare et terras et qnod t^t 
ommia coelum (Metam. 1,5) — in ursprünglicher Verwendung, 
beim Schöpfungsbericht. Und dieselbe Erweiterung im Irischen : 
>dfl ja der Himmel über ihneu, die Erde unter ihnen und das 
Meer um sie in alter Lage seien* »(Zimmer Ze. f. vgl. Sprf. 36 
S. 470 vgl. ebd. >alB dass der Himmel breche, das Meer leer 
werde, oder die Erde sich spalte«) — wieder formelhaft. Und 
wieder einen weiteren Umkreis eröffnet derselben erweiterten 
Formel der Dekalog: >Du sollst Dir kein Abbild machen und 
keinerlei Grestalt, weder von dem was im Himmel oben, noch 
was auf der Erde unten, oder im Wasser unter der Erde ist«. 
Und in den assyrischen Eeilsduifturkunden finden wir wieder 
statt dieser Erweiterung genau dieselbe Formel wie bei den 
Indogermanen; ohne jene Erweiterung heisst es: >A1e droben 
der Himmel nicht aufgerichtet und drunten auf Erden eine 
Pflanze nicht aufgesprosst war« (Scholz Die Keüschriftuikunden 
und die GenesiB S. 49) ; der dritte Vers nennt dann das Wasser 
ohne es in die Formel einzubeziehen. 

Die Aehnlichkeiten dieser Berichte sind natürlich längst 
bemerkt (vgl. z. B. Sepp in der Leipz. Hl. Zeitung 27. Apr. 
S. 78). Sie hätten der urzeitlichen Katechiamusacene die F. Th. 
"Vischer in der Pfahldorf geschichte von >Auch Einen entworfen 



248 

hat, eött qaeUenmäasig bel^ites EiiuelstÜck liefern können! — 
Für die mythologische Auffassung des Himmels als einer »Ueber- 
erde« vgl. de QubematiB ^tologia oomparata S. 8 f. — 

Ich bemerke ausdrücklich; die Formel lautet >die Brde 
tmd der Himmel darüber«, nicht einfach >Erde und Himmel«. 
Das zur Theilung benutzte Prindp wird in der uralten Formel 
selbst hervorgehoben: es ist die Kategorie dea lOben und Unten«, 
die noch im Faust (I 1315) als für unsere Welt vor allem 
-■bezeichnend herausgehoben wird. Der aufrecht stehende Mensch 
macht sich zum Maass der Dinge (ob homini sublime dedit 
caelumque tueri jussit): über seinem Haupte zieht er eine Grenz- 
linie durch die Welt und scheidet Erde und Himmel (vg^ 
Herder Suphan's Ausg. 6,3 f.) Das thun alle Völker. 

Auch noch einen Schritt weiter gehen sie wohl alle. Es 
liegt nahe, die Zusammengehörigkeit eines solchen BegriSspaares 
äueeerUch zu kennzeichnen. Es wird wohl nicht bloss den 
germ. Sprachen eigenthumlich sein, solche Beziehung durch 
Assimilationen zu verdeutlichen, z. B. durch Suffixübertragungen 
wie in ags. geofon zu heofon, aefen zu morgen (Kluge Stamm- 
bildungslehre S. VHI), Von neuem sehen wir also hier wie 
schon so oft die Poesie nur weiter gehen auf Pfaden, die schon 
die Sprache eingeschlagen hatte; vgl. über die Einwirkung 
sprachUcher Crrundformen (des Ablauts) auf die Bildung derartiger 
Formeln J. Grimm Gr. I 552 Anm. und wieder über die Einwir- 
kung der üblichen Gemination auf die Sprachgeschichte Gerland 
Intensiva und Iteraüva S. 50 f., über beider Verhaltniss special 1 im 
Deutschen L. Tobler. Ueber die Wortzusammensetzoi^ S. 104 f. 
bes. S. 133 f. 

So weit also das menschUcbe Denken selbst mit den ältesten 
und ursprünglichsten Kategorien Begriffe zu scheiden versucht, sind 
diese Formehl Besitz aller Völker. Soweit die idg. Sprachen speciell 
dieser Neigung Rücksicht getragen haben durch Wahl entsprechen- 
der Suffixe u. dgl-, sind dieselben mindestens Besitz aller 



*'».-^- '.Mhi^4J -j. v_ ..j -zj.^ 



249 

idg. Nationen. Aber wie weit die Poesie nun dies Gut auegemünzt 
hat, das ist eine im Einzelnen zu prüfende Frage. Da£ die 
BegrifEspaare, ausgeglichen oder nicht, durch ständige Ver- 
schmelzung mittelst eines Verbindungswortes zu eigentlichen 
Zwillingsformeln gefestigt wurden, konamt überall vereinzelt 
vor; so bei Homer die bekannte Formel idrjzuQ ^8k tvot^ oder 
ndatQ xai idypjQ; so lateinische Fälle (vgl. WölfElin ßitzungsber. 
d. Münch. Akad. Phil.-phü. Cl. 82 B. I 422 f.) Solche Fälle 
stellen das grösste Contingent zu den formelhaften Alliteration^i 
der altgriechischen (Usener Altgriechischer Versbau 8. 45) oder 
altlateinischen Poesie (Teufiel Gesch. der röm. Lit. 8. 139 und 
Nachtrag). Wie in der germ. Poesie bilden solchen Begriffs- 
paaren sich auch hier Namenspaare nach, vorzugsweise allite- 
rirend bei Homer (Imm. Bekker Homer. Blätter I 109 f.), end- 
reimend bei Hesiod (Verse aus der Theogonie wie Oäävrt 
^Ptiavn 135, AiorwTt Ttpwrw rt 248, Atiay6prj xt Ttax Edacji^pT] 257 
sind von völlig derselben Art wie Vfil. 16,1 Pili Kih oder Rig. 
13,2 Dumba ok Eumba). 

Wir kommen nun aber an den Punkt, wo die Wege der 
Literaturen sich trennen. Zwillingsformeln, sehen wir, giebt es 
überall, wie es überall Keimingar giebt; zu einem Hauptmittel 
der poetischen Technik hat einzig die germ. 8prache diese wie 
jene Formelklasse gemacht. 8ie that es dadurch, dass sie die 
Worte mit Rücksicht auf ihre metrische Brauchbarkeit wählte 
und ordnete. Die germ. Zwillingsformel ist ein zum 
Halbvers geordnetes Begriffspaar. 

Folgendes ist der wichtigste Fall. Keine Kategorie ist 
natürlicher als die von Position und Negation. Jede Negations- 
partikel irgend einer 8prache ist ein Zeugniss für sie. Natur- 
gemäss hat sie also auch vorzugsweise typische Begriffspaare 
geschaffen — in allen 8prachen (J. Grimm Kl. Sehr. 6,160). 
8o alt ist diese Formel, dass schon sehr früh derartige Fälle 



SSO 

la DnndnocuupodtMi vandumdsen wUtdan, •worin mtt dia 
PoriÜTOi Min Wldsnpiel um miTwingBinh wwiirt Tutkommt wii 
paüxyipaaxytk a. b. w.i (Pott Dopplung 8. 13). Als di» 
■Itgenn. Diohtor die eohta Wortnidoppdiuig duzidi di« Tazibto 
enetnn irollten, bot sioli Uuun etwa dies lOttd: opt d^JalilHL 
Die 0«wohnhait hat w rit e ig ew im hart: es ist ^clwun «im 
AoBdshnnzig soloher utitiutiBohan' Bq^riflspun, wann db 
Beohtsfonoaln o^atire SofaltuBBttM nkohnuMfaleppan IMnb 
(J. Grimm R. A. S. S7). Aber diew Aber di« guie Walt v» 
bieitete Elgnr ist mefariich gefestigt nur bei den OemuMian nadk- 
mweiBeD. Als opt opt in opt tejaldan (Vfil' 86,9) nmgewuBdfe 
ward, waiom blieb die asyndetiflohe Fonn gewahitT Oflaobar 
axu metiiaoben Gründeti; gaoz ebeiuo wie bei ags. ctUI «unATfln 
Q. dgL Wie bei opt Öejaldan wird aoch mnet die NegatioDS- 
Partikel ala Lückenbüfleer eingeechoben : >Ueberhaupt pflegt ein 
Adjeotir mit un — dem Sabetantir nachzufolgeac, bemsrfct 
acbm J. Grimm (zq Andreaa u. Elene S. 42). Aleo mftgan 
onlytel, cjrm onlytel wie cäd oncnÄTen, wie opt Oqjaldan. 
Die metriache Rückstcbt verräth sich in dieeen varürtm Wott- 
wiederholtmgen tmd in dieeen asyndetiBcheo BegiÜbpaazea 
ebenso deatlich durch den Mangel einer Verbindnnppartikd 
wie in den Zwülingaformebi durch deren Vorhandensein. 

Wie die Zwülingsformeln fttr den metrlBchen Qebr»acfa 
zogerichtet werden, lässt sich deatlicfa auch in ihrer mbd. Um- 
formung nachweisen. Es ist ein Verdienst von Josephs lehr- 
reicher Arbeit über BLonrada von Wüizbuig Klage der Kunst, 
ausführlich da^elegt zu haben, wie dieser kunatgerechteste 
aller mhd. Dichter die Beschwerung des zweiten Gliedes in 
Zwillingsformeln cnltivirt (Q. F. 54,441); und mit Recht tw- 
mothet er darin ein allgemeinee mhd. Princip. In interessanter 
Weise zeigt er, wie das Epitheton, dae einem beider Gliedec 
beigel^ zu werden pflegt, weniger am B^riS als an der 



S&l 

Stelle haltet (aao. W). Konrad aagt z. B. Troj. 26667 küng 
und werde fürsten, aber iToj. 34427 die fürsten und die 
kiinige wert. Euer iet also das Epitheton dem Vers zu lieb 
eingeadioben, wie dort die Partikel dem Vers zu liebe geeetzt 
oder fortgelassen wird. — 

Wir können somit zuverächthch wiederholen: die Eigen- 
thümhchkeit der germ. Zwillingeformeln besteht darin, dase 
aus einer überall vorkommendon Redefigur ein höchst brauch- 
bares metrifiches HiÜBmittel gemacht wird. Und wie genau sie 
zweitaktig gebaut sind, beweist der von Möller (Zur ahd. Alli- 
terationspoesie S. 142 Anm. 2) mit gewohntem Scharfsinn be- 
merkte Umstand, dase sie bis auf den heutigen Tag dies Takt- 
geft^e behaupten. — 

Beispiele für Zwillingsformeln findet man zahlreich aber 
ungeordnet bei Eiselein Die reimbaften anklingenden und ab- 
lautartigen Formeln der bd. Sprache, und danach bei Brach- 
mann Psycholt^psche Studien zur Sprachgeschichte 6. 140 f. 
Vielfach sind sie aus engeren Gebieten gesammelt: aus Rechte- 
sätzen bei J. Grimm (R. A. 8. 6 f. alliterirende, S. IS endreimende 
Zwillingsformehl); aus der ags. as. ahd. Poesie umfassend in der 
vortrefflichen Abhandlung von 0. HoSmann Reimformeln im 
Westgermanischen, und aus demselben G«biet femer endreimende 
von Kluge F. B. 9,422 f.; Zwillingsformeln aus dem Bedvulf 
von Sarrazin (Anglia 9,540), aus Ceedmon von Zitier (aao. 
51 f.) Bu Fortleben in der chrisüichen Dichtung hat man oft 
bemerkt, vgl. auf deutschem Boden für Otfiied Schütze 
(Poetik Otfrieds: aUiterirende S. 25, nicht alhterirende ebd.); für 
die Spielmannsdichtung Piper (ao. S. 73), für die mhd. Poesie 
Zingerle (Alliteration bei mhd. Dichtem S. 361 f.), für die spat- 
mhd. Zeit Schütze (Das volksthümliche Element im Stil Ulrichs 
von Zaz^hoven S. 17 f.) und Haufien (Walther von Rheinau Zb. 
32,354); und auf englischem für Layamon Regel Germ. Studien 



S6S 

1,174 f. («lütarinndfl 1801 2011.) Dw de Ui auf dto OasB- 
wart dan«m, ist nach T.«.i>m.nn (KL Sehr, a 188 L) oft an^ 
m«^ wordeu, fOr nhd. i. B. toh Bsha^^ (Die dantoiAa 
Sprache 8. 77), für niederiindisofa von JindiUoet (Qaadi. d. 
niedetl. lit. I 81 Anm. 1). Bn^iach sind sie mahr nooh ab 
in dm Brüdersprachen beliebt geblieben; ioh fShn liier nor 
Beispiele aas Longfellom OÜTar BaaMün (Poetical Wodi 
London 1S88 8. 461) an: qnaint and qoeeor, tat ahdtar er te 
sho«, green and deep, old an brown, dash and din, '«"b*»«^ 
and rerellfid, from äte alehooM and the inn, watcfaed and 
waited, the kni^ts and sqniree, swift and clear. Dagegen fa^ 
bei Bnina nooh der filtere PaxallelverB in Tollster Kraft. So 
enthält das schöne lied Higbland Mai^ (Foetioal WoAs Londai 
RoaÜedge S. 342) aar swei ZwUlingsfonneln: ye lanks and 
braes, und as light and life, während fast jeder Vers «inen 
ParallelvOTs neben sich hat Das ist eben die ältere nnd volks- 
äiümlichere Art. Qesocbt sind dag^en die e&dieimenden ZwU- 
lingsfonneln, mit denen Bürger den Ton volksthümlicher BaUaden- 
poesifi EU treffen sucht (rgh A. W. Schlegels Werke Vm 91). 

Der Mehrzahl nach sind natürlich die alliterirenden 
ZwilHngsformeln die ältesten. Aber auch solche ohne Rom 
kommen doch früh vor, und fast noch häufiger solche . mit 
Endreim. Ueber die letsteren vgl. noch J. Grrimm Andreas 
und Elene 'X^.^TT f., Beispiele auch bei Weinhold S. 7. Wacke^ 
nagel (Poetik, Rhetorik und Stilistik S. 4S9) behauptet, die 
alliterirendeo seien meist tantologiBch , die reimenden anti- 
thetisch — eine überfeine Bemerkung, die ich ni^ende be- 
wahrheitet finde. — 

Den Versuch, gemeingermaniechen und dialektischen Vor- 
rath zu sondern, hat Hoffmann gemacht (aao. Tgl. bes. 3. 19). 
Einzelne Formeln suchte schon J. Grimm (EH. Sehr. 2,36 und 
3,307) als gemeingerm. zu erweisen. Wir werden für die 



Schwierigkeit eines eolchen NachweiBee an da« erinnem dürfen, 
wae wir über die Feststellung gemeingerm. Kenningar (S. 188 f.) 
au^eführt haben. 

Ein wahres Musterstück für die Behandlung solcher For- 
meln liefert die Abhandlung, die C. Michaelis (Bomaniscbe 
Wortechöpfong B. 25 Anm.) über die (reschicht« derselben in 
den romanisdien Sprachen giebt. — Ueher frz. Fälle handelt 
W. Riese Alliterirender Gleichklang in der frz. Sprache alter und 
neuer Zeit, wo auch weitere Literatur zu finden. Dag^en er- 
schweren die beiden Abhandlungen über ne. Alliteration von 
Seitz und Zeuner durch Mangel an Ordnung und Klarheit die 
Benutenng. — 

Wir kommen zur Aufzählung der altgerm. TäRe. 

Die OB. Beispiele verzeichnet Sievers S. 465 (Substantiva), 
S. 478 (Adjectiva), S. 481 (Verba). — 

Ich trenne hier die altn. ags. ahd. Fälle, ordne diese Scheidung 
aber der nach Stabreim Endreim und Reimlosigkeit unter. — 

Die Zwillingsformeln mit »oder« und mit »weder — nochi 
habe ich als durchaus gleichartig unter die mit »undi eingereiht. 

A. Aliiterirende Zwillingsfbrmsin. 

Altnordisch. 

Substantiva. 

aesir ok Üfar Lok. 2,4, 13,4, Sk. 7,4, Gr. 4,3, HÄv. 167.4 (im 
Parallelverspaar Vol. 49,1 ^i. 6,1—2, 5— €, Hdv. 158,4—5, 
Sgdr. 18,5-6). 

aesir ok äsa aymi Sk. 17,1 (in Parallelversen Lok. 64,1) 
(aesir ok äsynjur in Parallelversen Veg. 1,1 — 4) 
(gnd .... öd ... . Vol. 91,1—2, 5—6) 
aefinrünar ok aldrrünar R. 44,3 
borkr ni barr Häv. 50,3 



364 



)^tT$ 6k brim Gr. 88,4 Barn bjstg «dt Um H. H. ZM,6 

boga bekk .... an bcyiijar Akr. 7,7—» 

bA ok blMJii Sig. Bk. 49,7 

[bnwOr . . . <^ bori "HmbiA. 10^1] 

dag . . . dagR synir Sgdr. 8,1 — ^S 

Un ok flteU [ok fo^ stsikte] R. 81,5 

tt edft tjfir m.v. 89,8 K ok Qfir FU. S8.4. — ffr ate 
fljoOa mamiA Hiv. 78,8 

& fjalli od» Aldi HiT. 116,6 

gMn galdia de gamanrdna Sgdr. 6,6 — 8 

ged ^öra alt ok gunan BmA. 18,18 — 17 gttt haanar alt 
ok gaman Bi.v. 98,6 hab ged alt ok gaman Htr. 168,8 

gast ui guiganda H. 131,7 

ey B6r ta gUdis gjfil OIt. 149,1 
' C^äka arfi ok Gota mengi Br. 11,3 

god Sil ok gomai Lok. 46,3, 66,6, goda heul ok gaaa. 
Reg. 19.3 

gulli ok gndwfjmn Gad. hv. 16, 1 — 2 

ftt hädi n« hUtri H. 131,6 

hgfum ok hgrgam Vil. 38,6, umgekehrt hfiig ok kof 
Vol. 10,3 vgl. Myth. I 69 

hgUina ok hirdiiia alla Akv. 5 Saem. 

hendr ok hgfud Sgdr. 34,3 Sig. sk. 23,7 Qx^nd — n4 hft- 
fod ia ParallelTeroeD Veg. 11,5) ' 

hleifi . . . nö Tid hotnigi H&r. 136,1 

hold ok hjarta H. 95,4 

of hiaezlu ok hug bleydi Harb. 26,3 

jSrd a& upphiminn Vgl. 6,6 jaidar hvergr ni nppfaiminiia 
I». 2,6 — 7 jgrd . . . ok upphiminn Odd. 16,6 

jöl ok ifu Lok. 3,4 

iaa ok jgkla Sig. sk. 8,3 

koDur ok karlar Helr. 14,3 



256 



U D« laetd [ni Uta göla] Vgl. 21,3. 7 

um Igod ok um l);g Hyndl. 24,7 um Isnd ok um Igg 
H. H. I 22,3 & landi ok ä legi H. HL 29,4 

litum ok Utum Grip. 38,S vgl. 39,1 

Ukna ok laekna Gud. n 39,7 

IjöAa ok liknstafa Sgdr. 5,5 

lof ok likuHtaS Häv. 8,2 

lopt ok l9gr Sk. 6,6 H. Hi. 36 8aem. H. H. n 39. 50 Saem. 

l^ai ok Ignd Odd. 16,3 — 4 

pydi rida ni Igst gsra Odd^ 22.3 — 4 FarallelTene] 

magni blandimi ok megintlri Sgdr. 5,3 — 4 

mfir ok m&eki Lok. 12,1 (müm veit ek mai bestan en 
m&eki hva^sasbm im ParallelTerBpaar Akv. 7,5) 

mal ok maunvit Sgßx. 4,4 — mÜ ok miaseri Hiv. 60,6 

maer ok mffgr Odd. 7,1 

mcädmar ok mssma B. 39,5 

mey . . . ni maims kona Xx)k. 37,4 H&v. 162,3 Sgdr. 32, 
4 — 5 — mey ok mfig eaman VAf. 33,3 

morgin h6tu ok midjan dag Vgl. 9,7 

nött ok niajum Vgl. 9,5 — nött ok aipt Sgdr. 3,3 

ny ok nid Väf. 25,4 

orde ok endr]>Qgu HAv. 4,6 

rgndum alegiim ok rcgjwmum Akr. 30,3 

hi&pi ok r6gi Lok. 4,4 

Bandr ni saer Vq). 6,3 

via sgkum ok sorgum [ok eütum ggrvellom] HiT. 144,6 

eaxum ok Bverdum Vgl. 37,3 

eeesa ok etstSi Lok. 7,4 — i Bessi ok i aaeii^ Gad. I 20,1 

Bkösmidi J)U verir n^ skcptismadT H. 125,5 — 6 vgl. 8 — 9 

(Etundr ül etgkkainB, gminr til steinsiiis Härb. 56,3 im 
Parallelverspaar, oder vielmehr in parallelen Prosasätsen). 



vajü ^ Ulf med tnga Sk. 89J) 

ondom ok aptan VgL 9,8 

v&pn Di Telic H&t. 146,6 

TSrS ni verr Gud. m 3J 

JM müitim vänm ok vQDgom . . .' Lok. 5i,4^-6 

Tön gmg ek vilja, Ten ok beggja Big. ak. 9,5 — 6 

vitB ok T&pna Sgdr. 88,4 

JnngB üi f^6duiB mAla H. 113,3. — 

AdjectiTE. 
gBfltiim ok g^nünn H. 65,1 
oA erta lu^ ok hsmamiim TU. 7,4 
med hUforn faleifl ok med hglla keii BAv. 58,4 
faeilir farid nü ok honkir Akv. 12,7 
heimska or honkmn H. 9S,4 
farita ok bonka R. 40,7 

mein ok mimii VgL 4,3 vgl. Weinhold Spie 8. 28 
faitifft ek Tnili4j».n mn.t^ eda StA matar gädan H&t. 89,1 
□üimigr ok m Ahigr H. 102,4 

oerr . . . . ok orriti Lok. 21.1 H. H. II 33,1 oer . . . . 
ok orrita Uddi. 10,1—2 rgl. MQllenhoff Zs. 23,130 
numnan ok rgekran R. 1,6 
slidrar ok sÄiar Gud. hv. 5,8 
svalt ok a^likt Gud. II 22,3 
J)uiigan ok J)ykkan R. 4,3 — 

Verba (and Farticipia). 
filu {«n ok Atta Hyndl. 15,7 
binda eda berja Hamd. 11,11 
dnikku ok doemdu Sig. sk. 2,5 

bann geldr ok gefr Hyndl. 2,3 bann galt ok gaf H. H. I 9,5 
vidr gefendr ok endrgefendr Häv. 41,4 
hyBti ok kraddi H. H. U 13,5 
ristnir ok rodnir Gud. II 22,3 



257 

roeddu ok ifnda R. 11,6 

lynendr d^ i&dendr Äkr. 9,8 

dtr ok snopir Hiv. 3S,4 

bylfik haiu vj f} eAa bruioir HÄv. 17,3 — 
Adverbia, 

fa^ ok hvar H. 67,1 ütan nis innan Sinl. 11 Saem. yfir 
ok undii H&v. 106,4 — 

Ee fällt auf, wie selten hier dieselbe Formel wiederkehrt. 
Häufig ist nur aesir ok &lfari wiederholt erBcheinei) noch bjgrg 
ok brim, f^ ok fjvf, ged alt ok gaman, h^rg ok hof, hßnd ok 
hQfud, jffrfl ok uppbüninn, Ignd ok Isgr, lopt ok Ifigr, marr ok 
maeki, mey n^ duuidb kona — oerr ok srritr — gjalda ok gifa. 
Mehrere der wiederholten Subetantivpaare dieser Art entetammen 
einem Runemtamen: iee ii legr, lBnd=ÖAal, auch biim^lcigr 
und marr ^ j6rr, und giia ist das verbalieirte gjef . Auch in ver- 
schiedenen Formehl steht dasselbe Wort nicht oft; als Anfangs- 
glieder wiederholen edch hloee ti mal mey seae und besonders 
aeeir; als Schlussglieder iQgr Uknetafir mQgi nidr verr und be- 
sonders horskr; an beiden SteUen stehen Ignd mal v&pn und 
das Verb lyna. Sehen wir genau zu, so haben wir wieder fast 
nur Runennamen: äse ih nnd Isgr stehen im fujtork, mey ist 
bjfirk, iQnd ist ödal, väpn ist yr, verr ist madr; femer gehören 
mggr su madr, nidi zu sdl, mal Hiv. 60,6 ebenfalls eu söl oder 
zu är; oder mal Sgdr. 4,4 führt die m&lrünar, die wir schon 
oben vermissten, und *dazn gehören neben dem Substantiv Ifkn- 
stafir das Adjektiv honikr und das Verb lyna. Es bleibt nur 
BesE, was man denn zu pertra stellen oder sonst unterbringen 
mag; war der B«sriff doch altn. auch unter den vielvarürten. 
Aber die anderen Zwillii^ormeln, die diese Worte entbehren, 
Bind auch leicht mit einfachen Runen auszudrücken : aeänrünar 
ok aldminar mit är, bßrkr n* barr mit bjgrk und yr, bjoig ok 
brim mit ])ur8 und Isgr, bogi mit yr, gull mit U, konur ok 

iUyn, AUgvma&iaok* FoMi*. 17 



858 

kada inadu mit bjgik and ft, meMtmw mit tt, mragin nad 
nött mit söl n. s. V. Dm iat bewiehiiaul fflr deo Inhalt dar 
aUiL Zwüliugsfonnflln: bs drtekoi ebm nnr die ainiKtetHL 
mid geläoflgBtai Ding« aas. Naher gehen wir aof ihranlnlMtt 
hier noch nicht ein. Die cüuig» Btdle, in der neh die Wort* 

vielleicht zn&llig « waiti mAng ofuTid W l ^fl>>f n, ilt W»nW> 1(^1; 

sonat ist die Absicht unrnkennbar. 

Beeondsn beliebt und die Zwülingsformeln in Lok., EUr., 
auch Rlg.; Seiten nnd de in Helr. und GuA. H, und in 
den langen Atlm. iehlen sie gms, ebttiso in der Vkr. Sw 
trifft also eioa der ältesten mit einem der jfingBten lieder m- 
Bammen. Sucht man tOi Lok., H4t., Rfg. fänwi yciiiiiiiimiiMii 
Ausdruck, so wird man sie vielleicht als die Uteaten Stflcke 
altvolkathümlicher Kunstdichtung beteichneü dfirien: Lok. 
wie Rfg. sind oflenbar nach einem einheitlichen Plan «nnpoilirt^ 
H&v. wenigstens sum Theil, und wohl von einem Compüator 
vereinigt, an deaaen Werk sich dann freilich noch genug dar 
Interpolationen hingen (vgl. MOllenhoff D. Alt S. 276 f.). Dm 
lOfiinBlied« aus den H&v. thdlt mit der Lok. den Oöttoispott 
-und HoEEory (Eddische Stadien I 67) hält ea für hdcfaat 
wahrscheinlich, daea beide einem Dichter entatanunen, was ich 
allerdii^ nicht zn glauben vermag (Vigfuason schiebt Ijok. mit 
Skim. und Harb. einem lAristophanes der westlichen Inseln« 
tu, vgl. Heinzel Am. t. d. Alt. XI 40). Für Rlg. wül ich 
keineswegs in »Rigra zweideutiger Vermittlung« beim Entstdicm 
der drei Stände (Simrock Edda S. 414) ein anolc^ee Element 
vennuthen, aber kuasbnäse^ ist die Anlage doch gewiss (trots- 
dem in Volksmärchen ein ähnlicher mit EHmaz verbnndmer 
Paiallelismofl vorkommt vgl. Müllenhoff Schleswig-holBteinisclia 
Sagen, Einl. S. Xm) und Rosenberg aao. 203 findet mit Recht, 
dass ReQexion sich in ihm bemerkbar macht. Nehmen wir dsü 
-Alles zusanmien, so erscheint die Gruppe HAv. Lok. Rlg. wohl 
verständlich und scheidet sich von der altes rein volksüiflin- 



liehen Dichtung (Vkv., die deshalb doch von einem fähigen 
Dichter henubieD kann vgl. Niedner Ze. 33,44) wie von der 
Spiehn&nnBpoesie (Athn.) Aber nur die Menge der ZwillingB- 
formehi boU für dieee Gruppe bezeichnend sein; denn diese 
eelbet gehören ja unzweifelhaft schon der alten Volkapoegie an 
und dauern in die sp&tere Zeit fort; einige entatammen der 
Urzeit («Erde und Ueberhimmel«). Aber das echeint doch nun 
wahrscheinHeh, daee die altgenn. Euostdichtung dieee Figur 
' mit besonderem Eifer ergriff; warum, bleibt noch zu erörtern. 
Auch einige formelle Bemerkungen wollen wir gleich an 
dieses erste Stück unserer Sammlung knüpfen. Für die feste 
Ausprägung der ZwiUingeformeln ist vor allem das ständige 
>alt< bei geA in der Formd >geä alt ok gaman« bezeichnend. 
Hier ist frralich der erste Theil belastet, wie sonst gewöhnlich 
der zweite, aber dies erklärt sich aus der Einsilbigkeit von ok 
dem contanentalen enti endi gegenüber. Gerade die wenigen 
Fälle von Epithetis in ZwiUingsformeln machen die Ausgleichung 
beider GUeder ersichtUch: gödra galdra ok gamanräna, goA gll 
ok gumar; vgl. auch {>]'l8k hAnum eda }>rumir. An den Stellen 
Miv. 39,1. 52,4 und Akv. 7,5 (e. u.) haben beide l^eile Epi- 
theta. Das Gleichgewicht der Theile verliert seine Bedeutung 
bei dem Uebergang in einen zweiten Vers, beim Enjambement 
der Zwillingeformel: Lok. &1, 4 — 5. Ueberh&upt kommt natür- 
lich die Stellung in der Strophe überall in Betracht: man 
vergleiche z. B. HAv. 8,3 mit Sgdr. 5,5. 

Mehrere Male finden wir die ZwiUingsformeln nocb auf 
wirkliche ParallelverBe vertheilt: aeeir ok älfar, aesir ok &b& 
synir, ond ok ÖA, hond n6 bofud, mar ok maeki, Bt{ikkr ok 
steinn. Ich habe solche Fälle hier nur angeführt, wo ae echte 
Zwillii^sformeln neben sich haben. HAih. 56,3 ist unsere 
Formel >über Stock und Stein« in alter Ausführung. Inter- 
eesant ist ein Fall, wo sicher das ParallelverBpaar jünger ist 



ab) die ZwiUingB&viiwl: Akr. 7,5 hat dta Dicbtor danh xmi 
Epitheta im Si^>eriatiT zwei Vetse am dem duaii hergootoPt 
and die alte Busaformel ^eichaam bel^it. — Kn re item in« 
der ZwiUisgBfonnel tnfien wir mdircm Malt: B. 81, Vi^L St, 
BAv. 144. — 

Za beachten tat, wie mS^idiete TTebereiiistiinmung b^dat 
Theila erstrebt wird. Ztmüchst werdoi deshalb nur gleicharti|> 
Worte Terbimden; ausnahmsweise ist Vq\. 9,7 ein Sabetaitttr 
mit einem Adjectiv gepaart, daa aber aelbet ein. Snbstaativ be- 
g^tet; B-h pliirb sind H. 113,3 binp» mtd ^^^9 die eSgeoffieli 
lieb enteprechenden Worte, dorch {ijödaaa nur vermittelt. loh 
fasse solche F&He, die ags. nicht selten sind, unter dem Naami 
•angenaue Zwülingsformeln« maammen. — Es wird aber weitet 
gern gesehen, dass die Worte aasoniren oder aonat sich mdgUcfaBt 
ähnlich siiid: gnd ok öd, bQrkr ai barr, hofmn ok hgrgom, 
- bfind ok hgfud, U ne laeti, lond ok log, meidmar ok mgema, 
ny ok nid, ords ok endr^ogn, hröpi ok n^, sköemidr oi 
skeptiBmadr, — heimska ok horskom, minnigt ok nuUogr, oett 
ok STvitr; an Wortspielerei gren2eD Fälle wie likna ok laekso, 
litnm ok Utmn. — 

Angelsäcbsiach. 
Vgl. O. HofEmann Reimformeht im Weetgennaniachan 
passim,! für Cjrnewiüf speciell Jansen 3. 3f. 

Substantiva (vgl ebd. 48f.). 
anda and aemind Zaab. 3,5; aacan and yslao Ph. 576; tft 
axan and td yalan Qen. 2563; äscum and ecgom B. 177S; 
ade ne ;ldo B. 1736; Gn. Ex. 10; ädl odde gUo (odde ec^M»} 
Seef. 70; ädes and endeUfee EI. 585; ädl odde ec« B. 1763; 
ädL.oAde Iren B. 1348; är and onvald Ph. 663; är ood omUht 
B. 336; td äre and td ondgiete Guth. 738; äre and 
Hy. 7,55. 110; to ire and to ealdemere Ax. 54; In, 



261 

Mldrihta Met. 1,57; &r and ätvist Ron. 7; ättre and ooflyge 
Zaub. 4,12. 19 vgl. 47; on aefen ne od aamorgeo Uet. 26,86; 
aehta and ätviBt Qeo. 1208; a^ta and ägend G«n. ISbS; aeM 
and oferhygd Gen. 29; aeree and iBeroee Gen. 108S; bin ne 
blöd DAm. 40, Oath. 361; beägas and bräd gold B. 8105; 
beibgae . . . and botlgeetreön Oen. 1930; beäga and becffbtra 
mädma Jud. 341; bedgas and bregostöl B. 2870; beib and 
bTman B. 2812; baele and bronde B. 2322; to beadave and 
to beÄhgUe Gn. Cott. 15; beam gelaede and biyd eomod Oen; 
2532, ebe. beam and btyde B. 2956; beamom and btyd somod 
Gen. 2532, ebs. beam and bryde B. 2956; beamum and brfidrum 
B. 1074; of bearum and of baighleodmn Rät. 28,2; beddnn 
and beolstrum B. 1240; billom and bjrmuni B. 40, ebe. bill 
and byrnan B. 2524; biecopae and bteeiae An. 607; blaedee 
and blissa Cri. 1257, Guth. 1348, Run. 6, ebs. mid blödum 
and mid bliese Kreuz 149; blaede and byrhte Cri. 1240; blitee 
mine and bleteunge Gen. 1761- 2381; fram blödget« and bea- 
lonldum Fs. CUI; brand and br&de Ugae Gen. 825; brond ne 
beadomäcae B. 1454; bre^ ne brüna Rät. 41,100; brimee and 
be&mee Rät. 11,7; biyda and be^ Gen. 1972, ebs. 1876; 
bryne and brögan Gen. 2552; breästgevaedu and se beib somod 
E. 1211; bord and bräd Bvyrd Jud. 318, Byrht. 15; bord and 
byman E. 2524; bord and byrnbomas Jud. 192; bunum and 
beägum Gnom. 2,83; burh and be&gas Ex. 556, B. 528; bu^ 
ne bolda Sat. 139; mid gebyrdom and mid bleom Wy. 3; byme 
and byrduecrüd E. 2660; byme and brögan Gen. 2662 (vgl. 
das Compodtum brynebröga Az, 161); cestre and cyneatöl 
Sat. 298, ebe. of ceastrum and cynestdlum Pan. 49; cirm and 
eearu Cri. 998; clam and carceru Sat. 637; cräft and ctedu 
B. 2696; ne cyle ne cearo Cri. 1663; ])Ine6 cynnee and cneö- 
mÄga £x. 434; cjniingae and cneömägas Ex. 185; cyningas 
ne cäaerae Seel 82; cyningas aod crfine Rät. 50,8; daga lengust 



and dinna nueet Sat. 606; dagas and daede Gath. 756; ne 
deoe oe dalu (ne dOnacrafu) Phon. 24; of denum and of dOmim 
Rät. 28,3; deÄdee Bvefn and deödee gespon G«q. 720; deöflas 
cräftom and dracan fellnm B. 2088; draemee and drihtBcipee 
(Jen. 485; ne dre&mes dryre ae de^ee C3rme Gath. 802; discaa 
lägon and dyre aryrd B. 3048; ddme and dugeAe Gen. 56, 
eba. drihtnes dömea and dugude {irym Sat. 555; ddm and 
dribtBcipe Gen. 1199; dogedmu and diedjnnm Gii. 1409, ebs. 
dogude and dre&mae Hy. 11,11 ; dugnd and drohtad Gutb. 656; 
eafM and eilen B. 603. 902. 2349; eafora and ideea G«a. 
1234. 2763; eard and ddyl Gen. 962, Dan. 612. 638, Ph. 168. 
427, Met. 24,50, ähnlich eard . . and Adelseti Gen. 1927; eard 
and eotlßcipe B. 1727; eardss and uplyfl Hym. 9,19; earm 
and eaxl B. 835. 972, Rät. 83,6, umgekehtt Rät. 33.6; eguax 
and ondam Guth. 537; eh and eorlas Rät, 23,11; on eine and 
on eädmedum Gäth. 299; endedogoras and eftcymes B. 2S96; 
englum and äldiun Cri. 582, El. 476; engla fMan and eädigra 
Sat. 221; englum and eardvarum Cri. 627, Guth. 579; fore 
et^um and fore elj>e6dum Cri. 1337; edd and aehta C^n. 2756; 
e&d and ädelo Ex. 339; e&des and ellendaeda Jud. 273; eägaa 
and edran Rät. 79,3; eordan and upheofon Zaub. I 28; eonte 
and uprodor Gen. 99, Ex. 76, Cri. 1129, Seef. 1P5, ähnlich 
eordan ymbhvyrft and uprodor Ex. 26. 429; eordan eallgrdne 
and upheofon An. 799; eorde . . . and ^rBtream Met. 20,118; 
eorlas and idesa Rät. 47.7; eorUe and ydmearaa Wal. 49; 
eotenas and ylie (and orcnlaa) B. 112; fäcen and fyrene Q«n. 
1941: toT fäcne ne for feöndflcipe Gen. 2691; fäder and feorh- 
hyrde Hy. 9,8; faehde and fyrene B. 137. 879. 2480, umge- 
kehrt B. 153; ai6 faehdo and ae feöndacipe B. 2999; fen and 
fasten B. 104; m and fohna B. 745, Rät. 32,7, umgekehrt 
Cri. 1456. Rät. 28,15; ne teax ne fei Jul. 591; feoh and fuglas 
Gen. 1299; fe6h and feorme Gen. 1650, ebenso mid fe6 and 



mid f«ornie Oea. 2859; Ie6h and fiatva Gen. 2130; fe6 and 
freös Dan. 66; feönd and firenlustae Gä. 77b; feorh and folme 
Sal. 169; fingrae töhrosene, fH töclofene Seel. 112; fiacas and 
fuglas Ax. 140, umgekehrt fugl odde fise on sae Seel.. 79; ne 
fugul ne äse Sal. 420; fiöde and foldan Rät. 8,9; on fiyge 
and on äyhte Sat. 112; fole and foldao Sat. 686, Byrbt 54; 
folc odfie fre6 burh B. 693; ne foretee fnaest ne fyree blaeet 
Pb. 15, umgekehrt fyres feng ne foretes cyle Sal. 353; folm 
. . . and fingraa Rät. 41,521; fohnom äreahtiun and fyetusL 
eäc Cri. 1125; äaeec and feil Rät. 76,5; traih fiaesc and ])arb 
firenlustaa Seel. 44; frätve and faet gold B. 1931; frei and 
fultum Fäd. 6; freMo and freöndscipe Gen. 1760; frioOft and 
gefeAn ealle Gen. 57; fre6nd odde feönd Gen. 2811, Met. 25,16, 
ebB. El. 954, Tgl. B. 1864; frynd and geferan Byrht. 229 
fride« and fultumee Fata 91; tö frdfre and tb feorhnere Dan. 
389; fröfor and fultum B. 698. 1273; fröfra fäder and feorh- 
hyrde Hym. 9,8; tryaiöa. god and fröfre gaest Jud. 83; ful 
Titte and freodovaere Andr. 1632; fyll and feorbcrealm Gen. 
1163; fyre and faercyle Gen. 43; fyre and fedle Rät. 70,4 
fyr and feömdas Az. 160; odde firee feng odfie Södee vylm B. 
1764; gaman and gleodreÄm B. 3021; gär and gdd STurd Byrht. 
327; gidd and gleö B. 2105; geaglas tö ginene, göman td 
shtene Seel. 110; t>&s gilpne esd [läe goldvlonoe Sal. 207; 
geofuu and güdum B. 1958; svä gläe oSSe gim Fh. 800; odde 
gripe mteee odde gäree äyht B. 1765; gristbitunge and gnor- 
nunge mecga Sat. 834; gold and gymcynn Gen. 236, Met. 8,57; 
15. 24,6, El. 1024, ähnUch goldeB and gimma Cri. 59, Met. 14.3 ; 
gold and godveb Ex. 587; gombon geldian and gafol sellan Gen. 
1978; ge ät häm ge an berge B. 1248; him and heäheetl 
Gen. 83, ähnhch hlimae and beAburg B. 1127 ne hÄgles hryre 
ne hrimee dryre Ph. 16. ebenso ne hägl ne brim Ph. 60; helle 
and hinntid Gen. 718. 721; behnae and hupseax Gud. 323; 



264 

hdKn odde hupeeax (oAlte headu byman) Citt. 64; behn and 
heofoeeeorp Hö. 73; helmas and heard aveoid B. 2688 v^ 
2987; btto and helpend Ps. C. 11^; hdp and haalo Sai. 582; 
OAth. 65o. 862; to helpe and to haele Ron. 10; help and he*- 
fod Hy. 7,62; helpend and haelend Jud. 157; healle and 
he4h9efl B. 1087; heofbn and hei Cri. 1592; ander haofonnm 
and helvara Cri. 286; hedfonengle here and häleda beazn 
Cri. 1278; heofones meaht and heahreced Zaab. I 80; mid 
heonran bete and mid bäleda foriore Gen. 757; beorte ye cur 
baetad and hige geömor Jud. 87; beorötaa and binda Met. 19.17; 
bildevaepnum and headvraedam B. 39; t6 bleö and tö bröder 
Cri. 1197; An. 111. 567; blaevaa ne blincas Phon. 25; hin- 
grendum blAf and brägl nacedom Cri. 1855: bonda and 
beÄfod Wand. 43; hond and beard sveord B. 2509; bord and 
bleöburb B. 912; bord and bamas Athel. 10; bosp and heord- 
cvide Cri. 1444; brägl and bringaa B. 1195; bruse and heofbn 
Rät 72,2; bade äbreddan and bäled fyllan B. 2113; hüs and 
bleonad Oütb. 222; bvalas and heofonfuglas Dan. 387; hyUfis 
and hruaan Dan. 383; byrde and baldend Gren. 172; hynda 
and brafyl B. 277; lago vid lande Gren. 163; land and leödgazd 
Gen. 229. 1778, ähnlich land and leödvard Gen. 1180. 1196; 
Ex. 57, land and leödbyrig B. 2471, land and leöde Eadv. 26; 
An. 1323; landes and lissa Gen. 2824; landes and locenra 
beäga B. 2995; lac and luftacen B. 1863; leodom onfan and 
licboman Cri. 1032; leöbt and Uf Ex. 645 j V!d. 142, mngekebrt 
llfes hybt and ealles leöbtes gefeä Cri. 585; leomum and le&- 
fum B. 97; langsumre llf, leobt unbvilen Fata 20; leöbtes 
and lisea Fb. 563; {)ä hö leomum onföng and Uchoman Cri. 
628; mid ligenmn and mid listum Gen. 588; lista and glava 
lara Gen. 239; lic and leomu Güth. 1149; leomu lio (and gaest) 
Cri. 777; vgl. leomu Uc somod Pbön. 513; ne lic ne leodn 
Juli 592; ne lifee ne lisBa Cri. 1367; Ph. 150; Gutb. 806; 



265 

Fb. C. 69; ne Ufea lyre ne litdee eym9 Ph. 58; Uf vlA lloe B. 
2433. 2571. S748, ebensD ne Uiee lyre ne Ucee hryte GAth. 
101; lif and leödscipe B. 2751; loium and liBsmn Gen. 1949. 
2322. 3737; Dan. 340; Met. 1,59, ebenso lofena and Ubba 
Oäth. 1049; lyft and ]»ga Met. 9,40; lyft -ni lagtwtreÄm Seh. 
84, ähnlich lyfthebn and lagufiöd Gn. C. 46 ; man and mordur 
Sat. 321; Met 9,7; mägdum and mäcgum Gen. 1123; Quth. 
838, ebenBO mägefl and mät^ae Rät. 51,7; mägyn and cräit 
märan Gen. 269; mägn and mödcrtLft El. 408; mägen and 
mildea Hy. 9,3; maeg and magutwgn B. 408; maerdom and 
mibtum El. 15; meorda and miltsa Hy. 4,67; sv& medum 
and svä m&nTeorcom El. 812; metee and ef>elee Zaub. IC 11; 
mMer and m&gmn Gen. 1048; meaht and mundbTrd Gdth. 
858; mearum and mädmum B. 1048. 1898. 2166; Gn. Ex. 88; 
ne meara ne midma (ne meodo dreame) Bot 44 ; meara }>reatum 
and monfarum Gäth. 257 ; ealne middangeard and merestreämas 
Dan. 503; Bat 67,9; middangeardee and tnägen]>rTnmiee Cri. 557; 
Ph. 665; Jol. 154; vgl. cymeA mägendrynma maest ofer middan- 
geord Ex. 349; miht and maerd Fata 7; miht and mund Hy. 
7,48; hie mihta, hls mägen, bis mondcräftasZaub-V. C. 14;t6milt- 
ee and tö mägene ican Az. 188, ähnlich for miltsum and for 
mägenfipedum Gäth. 611; mildee and mibtii Hy. 7,77 m6de 
and gemynde Gen. 2604; mAd and miht« Dan. 14; m6de and 
magne Ph. 471; Gäth. 1059; El. 1228; Met. 4,87, ähnheb 
möd and mäg^icräft Göth. 1105, mödes odfie mägenJtrymmeB 
8aL 10; möd and miht« Dan. 16; möd and mon]>eöv Götb. 
478; möde and gemynde Gen. 2604; vgl. mödgemynd; mödee- 
cräfta odAe mägendaeda Crä. 12; muntae and mirae Sal. 340 
ebe. 422; mine myrdian and mänsoeadan Gäth. 622; neöde and 
nyde Ch. 1072; öht mid englmn and orlegntd Gen. 84; on^ 
and ätvifitGäth. 4«1; vid ord andvid ecge B. 1549, ebenso ord 
and e^ Byrth. 60; ord and ende Dan. 162; ord and Iren 



266 

B]rrth. 253; oradea aod ittres B. 2523; om^es and 6ca Met. 
13,71; 6ht mid englum and orlegnid Gen. 8^; dre aod ende 
An. 649, vgl. JuL -S&S, Rät 81,10; mid raede and mld nhte 
Jud. 97: reif and randas Ex. 586 reif and hringas B. 161? 
raed .... räne On. Ex. 139: reste and gereotda Gen. 9441; 
rihtrlaneetes ne gerädscipes Met. 22,48; lyht äreccan ne rtm 
vitan Pan. 3 ; gerisne and riht Gen. 2476 ; vgl. 2246 Ron. 23, 
rybtum gerisnum Fäder 80, mngekehrt Gen. 2432; rlcelB odOe 
rdee Rät. 41,24; roderaa and rüme gnmdae Jad. 349; (m rOne 
and limctäfte An. 134; mir rünvita and min raedbora B. 133; 
lyht . . ne rtm Pan. 3; geryana and riht Gen. 2245, amgek^ut 
Gen. 2432. 2476; Ru. 28; sang and bv^ B. 1063; s&r and 
Bv&r gevin Cri. 1419: sär and sorge Gen. 75, ebenso ne aar 
ne sorg Gilth. 1065, ebenso säres and sorga lUm. 8; 
sär nivian and säce raeran El. 941 särferhd sägde and srtde 
i;\Tid Gen. 2224. sävle and sorge Gen. 2273; mine aävle . . . 
and mines sylfes Itc Ht. 4,5; säcce and sybbe El. 1183; sice 
and sorg« El. 1031; sealda and snyttraciäft Göth. 1^ sealte 
eaestreamas and 5vant&de An. 196 ; salte saestreämaa and 9ve^ 
uppe An. 750: soeade rid 3&man Gen. 128: sceat ne actUiDg 
Gen. '^143 ,vgl. Vilmar aao. S. 33 Aiun.^: in 8came a&d ia 
soeldum Ps. C. 63; scann and scand Ps. 70.12: scaccom 
and j>cinnum B. 939: scrlda and sce&fta Gen. 2062; vgl. 
Piimsb. 7. Gn. Ex. 130. Br. 136: seccas and gesidilae Geo. 2067 
Jud- 201. ebenso »ecgmn and gesidom Bo. 33: secge ne s r tge 
Cri. 190: seledieam and dncgeetreon .\n. 1658: sib aod geoar- 
lign"» Ori. 1677: sibbe and jnvTtero Sat. 207: sibbe and ge- 
sihJe Güth, 75S vgl, Anm. bei Hoffmaan S. 56 s, v,"; ab 
u)d jiaou B. l$57: sigle and dnofät B. 1200: 5inc« and seotfR 
Dan. ÖO, Rä:. 21.10 %■¥!■ Ps- Ö7.37. Sa:. 5TS: sin« and scnder- 
yrf« Jiid, 340. sicc ar.d sjTEb*; B, 2431: jisobegc and 5veord- 
snfti B SSM. 5iiies ne sasoiia G«ti. ö3ö; änav ce srmne SaL 3&4: 



Bidra Bo^a and eärcvida Cri. 170; sorg and slaep Wand. 39, 
□e Borg ne elaep (ne sv&r l^er) Cri. &6; stänafi od eordan, Bteorran 
OD beofonom Ex. 440, ne Bt«orra ne stäo Sal. 284; stäne aod 
aonde Rät. 3,7; ne Btenc ne Bvfig Guth. 1296; ne eunnan haetu 
ne Buncaldu Ph. 17; mid sväte and mid sorgum Gen. 482; 
eraese and geeibbe Rät. 16,22 27,23 ; sröttun Bteictim and Bvegl- 
TUDdrum Güth. 1292; sveord and svätigne heim Jud. 328; ])am 
Bvnrde and 'paxn syncfätum Wald. I 28; Bymbel and Beleful 
B. 619; synn and becu B. 2472, ne synn ne sacu PhÖn. 54; 
Bynnimi and Bearocräitum GöÜi, 540; t«ämuni and tndre Gen. 
1535; tregan and t«6naii Gen. 2274. tintregan fela and t«6naii 
micelne Sat. 497; tvigum and telgum Dan. 504. 515; vare and 
va^e Rät. 3,8; vädlu and veliga Cri. 1496 värgäo and gevinnee 
Cri. 57; vätrum veabt and vastmum |>eabt Gen. 1922; väter ne 
vildeär Sal. 285; väter and volcen Sat. 6; vaepen and gevaedu 
B. 292; raerdo and vundor Met. 28,82; raere and rinescype 
GAth. 1145; velan and viste Gen. 971; varodfanida gevinn and 
Tät«rbrägu An. 197 ; venim and vifnm Gen. 1574. 2754 Dom. 
60, Vyr. 2, Ph. 394. Vid. 130, B. 993, Ex. 582, Men. 186, 
An. 1599, El. 236, 508. 1222, Hy. 7.87, Met. 17,4, Gnom. 1,34, 
Rät. 31,5, Cri. 101, umgekehrt Men. 162, An. 1668; vealdend 
and Tyrhta vuldor|»rymmeB An. 325. 702, ebenso valdend and 
vyihta Met. 80,15, umgekehrt Sat. 535; veän and vergang Sat. 
42; veiaa and vttu Sat. 185. 336. 715; vedn and vräcBid B. 2292; 
■veiji and xyrcan Dan. 591 ; veard and viea Gen. 1157. Dan. 566; 
tö veorce and tö vröhtadpe Gen. 1672; velan and viste Gen. 971, 
Andr. 318 ehe. 302; vellan and voran Gen. 466; mid vidle and 
mid vomme Jud. 59: vicga and vaepna B. 1045; t6 villan and 
16 Torftmyndum B. 1186. mid villan and velan Phon. 149; vindas 
and va^ae (and väterbrögan) And. 456; vind ne väteräöda« 
Andr. 503; ni gevinne and vräce Cri. 622: vind and volcnu 
Hy. 9,7; vigte ne vaede Dan. 103, Met. 25.39 Gnom. 1,48; tö 



368 

viate and tu TU|iege An. 1S3. vite and Tordum RMt. 5,11, fthn- 
Keh vis on gevitte odOe an vordcvidom Crä. 18, ebenso gsritt 
and Toidovidnm An. 552; svä vlte stA voldor SesL 1,7; rlf ukl 
vaepned G«o. 195. 2745; Ytg and vlsdäm B. 350; vlgea and 
7rällra B. 2S3S; vlgniti and vaepnQin B. 3895; vlges vAmtun 
and vndabe&mmn Jnl. 1576; vlgend and vaepen^r&ce El. lOff; 
Tlsdömes nadu and vltena trötvt Run. 4 ; vlenco and vlngedimc 
Gen. 2579; for vtence and for Tonhygdam Gen. 1673; vlite and 
TSstmas G«n. 613 Pfafo. 382; vlite and valdre Gen. 36; vlite 
and Teordmynt Bat 159; vUte and vlsdom (and veoica) Ct4. 103; 
vkokc and vlngil Sed. 29, Ruine 35; Tommtim ävyrged, Treccnn 
Alyfed Ex. 582; vom and vlto Sat 227; vom and vdp Sat 833; 
von and vorhte Gen. 1568; ne vdp ne vrscu Phöri. 51; vorda ne 
Tlsna Gen. 534; vorde and gerltte Gen. 1958 vgl. Hy. 9,56; 
vordum and vercmn Sat. 48, 222, Cri. 918. 1237, Ph. 859, 
Wal. 85, B. 289. 1100. 1833, Guth. 553. 692. 765, Hy. 
4,6; vord and vülan Gen 600; vord and gevit Hjon. 9,66; 
vordum secgad and vritn cydad Ph. 425; vord and vlsdöm 
An. 569. 650. 1680, Qütb. 635. 1104. El. 334; vordaige and 
TOTCaige Zaub. Vül 7; voruldcräfta vlite and veorca gehvüo 
Dan. 364; vongas and vicstede B. 2462; ne vöp ne vracu Ph. 
51; ne vracu ne gevinn Güth. 1054; vradn and vyrdBcipe 
Rnn. 7; vrfthta and vlraB. 2413; vroht ne vedel (ne gevindagaa) 
Pbön. 612; vndnm and vyrtum Men. 77, Met. 8,20. 20,251; 
vuda and vätree Gnom. 2,110, Rät. 88,19; vuldiea and vlte 
Sat. 119; vnldres and vynne Sat. 176; vuldor and vüla Hy. 7,59; 
vunde and vlte Cri. 1S08; vynuum bevunden, vitum gebunden 
Jud. 115; vyrda ne vorda B. 3030; vid vyrmgeblaed, vid väter- 
geblaed Zaub. IV 51; vyrmas and vüdeör B. 1430; vyn and 
veordmymd Ron. 27; vynnaaDd voruldblissa Göth. 135; vynnum 
and v^Qum Hö. 82; {lanc and |>eävas Hy. 7,78; |)egn and ^eov 
Ph. 165; for ]>earfum and for fireänydum Ai. 14 vgl. Dan. 294; 



2>6&ruiQ and gejwncuui Gen. 2418, Cn. 1584, Tgl. Dom. 36, GKtth. 
577; t>eöda asd ^va Gnom. 1,18; ]>eöfe8 ood JieödsoeadaD 
Cn.-1610; vi& Jtorngeblaed, vid ]>y8geblaed Zaub. 4,51 (vgl. Anm. 
bed HofEmann S. 53 u.); ])r«A and {>e&fdom Gen. 2363 |ir6atum 
aod ])ryinum Jud. 163; Jmwm and Jiystro G«n. 326; for {>reÄum 
and for |>eöDydmQ Dan. 294; ffel and edvit Met. 1,55 j yfel 
and ondle^ Gen. 2264; yldo ne adle Rät. 44,4; yldu and 
aerdeäd Ex. 589; ymbhvyrft and uprodor EI. 731; jm and 
aefeste Ti. 86; vifi yegeblaed, vid äthorgeblaed Zaub. I\' 52. — 

Adjectiva (v^. Hoffmann S. 611). 
adele cnihtae and aeGtst« Dan. 69; ädde and bce Hym. 
.7,41. 118; adele and eAcen B. 198; änraed and yre])rong Jul. 
90; fenraed and ouforbt Jul. 601; iaea and Mree Met. 25,52; 
ärfäst and elmeBgeom Crä. 67; aenlic and edgeong Phon. 536; 
aerennm clammum and isemum Dan. 520; aetrenmöd and un- 
getreöv Gn. Ex. 163; aettiynne ord and ealde trraiA Byrht. 47; 
beule and bänüg B. 780; beorbt and geblaedfSat Gen. 89, 
umgekehrt Cri. 1240; beorht and bilde Cri. 878; beorhtra and 
bläcra Cri. 879; bitere and gebolgene B. 1431; biter and bea- 
duacearp B. 2704; bläc and beorhtUc (vgl. Cri. 879) Run. 6; 
bold and bn^oetöl B. 2996; bräd and bresne Gen. 2801; bräd 
and brönecg Byrht. 163 vgl. B. 1546; ctoe and cräftig Met. 
10,51; daene and gecorene Pb. 541. Jul. 613, Hy. 7,53; claene 
and gecostad Göth. 507; claene and cräftig Hy. 9,16. 53; 
«laengeom and cystig Rät. 81,21; cMee and gecoetee Gn. Ex. 
143; mid cvican ddere nalaes mid cvellendum Zaub. 7,10; deöp 
and dim Gen. 105; de<^r and dfimgeom An. 1310; dimme and 
deorce 8at. 105. 455; digol and dyme Gn. C. 62 (umgekehrt 
Cri. 640); dömläBt and gedSfe Gen. 1287; dreörig and gedröfed 
£. 1417; druncen and dolhvund Jud. 107; dumb and de&f 
äeel 65, Jul. 150; dyme and ddgol Cri. 640; dyege and ge- 



270 

dvealde Cri. 1138; dryhtn« djn and doedhväe HU. 292; dfn 
and dömeädig Gen. 1247; gedyratig and |tu8 dolvillen Jul. 461; 
ic dyage drelle and dole hvette Rät. 12,3; egeafull and alor 
Jud. 257; egesUc and unoäd Gätb. 112; tee and edgeong Cri. 
1071, Ph. 608; t)a tea and >u iLlmihtiga Met. 4,29, 11,74, 
20,132; eacniendra and elnlendra Zaub. I 53; e&dgiu& and ear- 
mum Cri. 911, Run. 24, umgekehrt Cri. 1497, Zanb. IV 40; 
e&dig and onsond Ph. 20; eAdig aod oninM An. 54, GAth. 717; 
eädig and a^eÄv El. 806; eald and unhär B. 357; eald and 
infröd B. 2449; eald and. ömig B. 2763; eald and egesfall B. 
2929. Gn. C. 30; eaig and unröh Cri. 1408; e&rm and unlaed 
Jul. 616; fäb and fyrhe&rd B. 305; täh and faeted B. 2701; 
fäb and freöndledis El. 925; fäger and freolic Gen. 1722; Qlger 
and gefealic Ph. 510, Güth. 629. 797; faege and geflyme* B. 
846: fae«t and fordveard Rät. 22,13; forht ne faege GÜth. 281; 
fracod and gefraege Dan. 304, A2. 24; free and firenluBtgeom 
vgl. Met. 8,15; fräcne and ferdgrim Wal. 5, Jul. 141; freörig 
and ferdv6rig Güth. 1130; frome folctogon and fyrdhvate And. 8; 
fröd and fästraed Men. 135; fröd and füa El. 1237; fulvitte 
and freodovaere An. 1632; tüa and faege B. 1241; füs and 
fordgeom Byrht. 281; fyr and fastor B. 143; gamol and güd- 
reöv B. 58, ähnlich gamolfeax and gädröf B. 608; gomol and 
graegmael B. 2682; gedp and goldiah B. 1800; gearve and geomful 
By. 274; geatoUc and goldfdh B. 308; gim and gealhmöd Dan. 
230; geong and güdhvät Fata 57; güp and goldvlanc Sal. 207; 
ginge and göde Dan. 90, umgekehrt Az. 109: gjfie and galgmöd 
B. 1277; glaedmöd and goldbeorht Ruine 34; göd and gleAv 
Gen. 2657; gödes odde gäles Cri. 1035; göd and gästllc Gen. 
209; göd and geipneb Wald. 2,19; göd and genge Az. 109, um- 
gekehrt Dan. 90; göd and geatoUc B. 1562; graedige and gifre 
Gen. 793. Seel. 74, Sat. 32, umgekehrt Sat. 192, Seef. 62, ebenso 
gifröet and graedgöat Rat. 81.24; graege ayrcan and grimhelmas 



271 

£. S34; grim and gealhmöd Dan. 230; grim and graedig B. 121, 
1499; hü giimmum and hä grundleäsnm Met. 3,1; hälic and 
higefr&d Gen. 1953; hälig and beofonbeorht Dan. 341, ähnlich 
haiig and heofontorht An. 1020; hälic and heofonUc El. 740 
hat and haeste Gen. 3416; hit and heorogrim Cri. 1524. Gäth.952, 
ähnlich hat and headogrim B. 3691 j hat and hreöhmöd Gen. 2296 
beadogrim and hvearf B. 548; healtum and hreöfom An. 578 
bearde and higejumcle Dan. 94; heard and be(m)giim (v^. Cri 
1524, Güth. 952 8. o.) Cri. 1613; heard and hrtde Gen. 2261 
beard and hiingmael B. 2087 ; heard and higestrang Men. 42 : 
heard and hygerdf Gäth. 926; heard . . hygesnotter Gäth. 1082: 
heard and h6te An. 1397, ähnlich heard and hetegrim An. 1564, 
vgl. 1397; heard ^nd hidende Rät. 34,7; ne tö hitheort ne tö 
hrÄdvyrde Wand. 66 ; beähst and häügöet Ex. 394, vgl. Ph. 626, 
Met. 26,38, ebenso heäh and hahg Cri. 379. 653; he4h and 
bomgeäp B. 82, Ab. 668; he^ and hleortorht Rät. 69,6; heah- 
.heort and baeden Dan. 540; heardraedne hyge, beortun stränge 
B. 2348; hinderveard ne hygegaelsa Ph. 314; haeden and 
bygeblind Fata 46; heofonlic hle6dor and se hälga song Güth. 
1297; borsc and biedergleäv Ex. 13; {>äe horsc ne \äB hyge- 
cräftig Cri. 241 ; hreöh and heorogrim (vgl. Cri. 1624, Güth. 952 
und Cri. 1618 b. o.) B. 1564; hreöh and brMe Rät. 81,2; hreöh 
and bygeblind Jul. 61, ähnlich hreöh and hygegrim Jul. 595; 
|iy hvätran and ^ hygeblidran Rät. 2719; Idel and unnyt 
Gen. 106; B. 413, vgl. Met. 5,27; Idel and aemen Gütb. 187; 
Idlmn aehtmn and ofervlencmn Güth. 389; idg and ütfÜB 
B. 33; bvtt aod heorbeorbt Gen. 266, ähnlich bvit and 
beofonbeorht Cri. 1019; bvit and hlvbeorth El. 73; lad and 
longeujn B. 134, 192; leäse and forlegene Cri. 1611; leo- 
fum ge lädmn Cri. 847; vergl. Seef. 112; B. 511, 1061, 
2910; Bvä gele&fiull and svä leöf gode El. 1018; leöht 
and leodnv&c Crä. 84; Itd and lofsum Gen. 468, umge- 



878 

fahrt Cri. 914; Ud<wt aad lo^eonuwt B. 8183; lobum 
IflöftMl Pan. 33; lytelhydlg n« ^ lAthsrdig Ctä. 10; 
and misllcnm Mal 86,8 eba. Lot» 8, Tgl. Cri. 644; miga- 
Btrong and mondrtf RAt. 84,3; tnaere and mAdig Dan. 105; 
maeet and maenwt Sz. 395; Dan. 663; micol and mil)t% 
Gen. 606; micaUw and maeme B. 3098, JnL 86, T^ Du. 
609; mide and maeta Oath. 24, Sal. 287; u micl» and aa 
milgonatrenga Ky. 88,8; micel and manigfeald Hy. 4,4; mih- 
tig and mödiM An. 14,98; mihtig and mflgenstr&ng "Hy. 4,81; 
n&Q mihtigra ne n&n maem Uet. 20,18; mildnBt and moo- 
ftvaeiUBt B. 3188; milde and grattetOst Qiib. 1060; milde and 
gemyndig and mon|)vaerd Hö. 77, vgl. Pan. 31; mMe and 
meteleAa El. 612, Andr. 698, vgl. Andr. 89; m«dme aod 
mMgiädne GAtb. 1131; mödig and mägenröf Ex. 276; mMig 
and medugäl Jud. 26 gemyndig and mödgejiyldig Andr. 983; 
open and Mte&ved Cri. 1605; mldraede and midrihte geleifan 
Jud. 97; raeghär and raidf&h Ruine 10; recon and laedfest 
Wald. 8,86; rMe and raedleAs Dan. 177; rMe and lyhtrti 
Cri. 826; (and rümheort) Hj. 7,63; reöc and rtde B. 182; rihta 
and gerüme Dan. 291, ebenso rihte and rftme Hy. 7,15; aae- 
beorga aand, sealte yda Ex. 441 : eceorp and aärecg Zaub. 8,29; 
8carp and acärbeaid An. 1135; sär and scj'ne Fh. 308; sär 
and 3v&r Cri. 1418; seöc and aorhful Sat 275; agefist and 
8nott«r Ho. 23, umgekehrt SeeL 136; aigeiöf . . aödfirt Zanb. 
8,25: sld and s^-^ltorht G«n. 28: ^d and searof^ B. 1444; 
sid and ayllic B. 2086; smede and ges6he Güth. 704: amylta 
aod smöde Men. 76; snel and svift .^and aride leöht) Pbön. 317; 
snotor and södftdt Dan. 15t. 737; 5^'ä snotor ne svi sondor 
cräftig Sat. 349: snotor and svydferhd B. '36; ^aottie aige- 
fäat«' and ^us sdOlice Seel. 2.135 .vgl. Hö. 231; [>u söda and 
[>u äib«unia Cri. 214: ?öd and särllc B. 2109: aöd and ?ige- 
fäst Hy. 10.47; As. 156: söie and gesridde ^and gevigefu») 



Dan. 288; As. 9; BöäSStA «ttd «Tidfe(ni& 0«n. 9; sttd taS 
BtaSBst Cri. 981; bÜA and Mylecg B. 1538; stid and ebeip 
Rät 70,3; Btxang Ang stldlaM 8at. 248 Kreos 40; Btyni« attS 
rticol«« SaL 153; gesonde and gesteade Cri. 1342; |^ ^ 
Bondian snd |>y EngefSstnm Rät. 27, 29; dvancor aztd eadtil- 
bec^ht B. S175; evät andaridlic Cri. 956; nfi tvftr ne srraigaA 
Ph. 815; BTorto and BTnfuUe Bot 52; Bvätfäg and sveordvnnd 
Wald. 1,5; svaesom and gembbum G«n. 1612, Rät. 16,12, 
27,22; flve&rt and aealobrün Fin. 85; aveart and aaloneb Rät. 
60,5, vgl. Rät. B8,S; srarto and B^nfiille Sat. 52; erftttra and 
stdra Pan. 46; sveottüra and gesynia An. 565, ebenso srecftul 
and ges^ne Rat. 14,4, 40,3, G«n. 2806; emitele sod gmym 
H;. 9,50, ebs. arutelra and ge^na Men. 129; avidfeorm and 
gceaelig Oeu. 1770; svüt and BviOfeorm Sät. 4,72; |t(l B7n- 
fullan and |>& »odfitotan Seel. 2,148; e^nnig and geaa^ig 
£1. 956; tilee and tomes meaeree Gn. Ex. 142; evä tilw 
Bvä trige« El. 825; tilrt and geb^vra Rät. 27,23; tireädig 
and tr&g El. 955; torhte and tireftdige Fata 4, vgl, Andt. 
1688; trame and torhte Cri. 884. 934 unlaed . . . e&dig Sd. 
3Gb vgl 891; onlaede täd and onndd Sal. 849; van and 
y&lfel El. 58; van and vlitele^ An. 1171, Cri. 1&65; ne tö väc 
vige ne tö vAohydig Wand. 67 ; väfre and välföe B. 2491 ; varleAs 
and vonhydig Gn. Ex. 162; ne vearm veder ne vintenctlr 
Ph. 18; vezendra and vridendra Zanb. I 51; vindig andvyneam 
I^. 347, An. 62; vinterbit«r veder and volcenfaxu Dan. 379; 
vte and vord^eAv Dan. 418; vid lond ne vegas Gen. 156; vid 
and veorSlic Jul. 9; vlse ge]x>hta6 and voruldcrilftas Crii. 22; 
vlfi and gevealden Crä. 46; vis and gevittig B. 3094; vte and 
vordanotor Ead. 47; Be vtsa and »e veort^eoma Met. 10,48' 
vli% and vuldoifäst Dan. 286, A2. 7; vlitig aüd vynäTim Süft. 
214, Seh. 63, Ph. 203, 818, Pan. 65, Ead. 23; vk>nc amd 
Tingäl Raine 85, Seef. 29; voon snd v6ste Gen. 110; von «ocl 

Hajar, AMgumMatimib» FoMto. 18 



274 

vlitflledB Cri. 156S, An. 1171; nn md väUel El. 58; vonn 
and Timdoriic Rät 85,14; vreodenhilt and vyiinfUi B. 1698; 
^vtäst aad ge^yldig G«n. 1943. 2662; ^icce and ^ymw BSt 
41,86; ])rlBt and {irohtheard jtü An. 1266; yfel and rauOeto 
Gen. 2264; yfel and edvlt Met. 1,&S; ffel and minet Met. 33.17; 
yrre and egeefall Ez. 509, Cri. 1529; yrre aod egeBlIcn Du. 555; 
jm and finiaed B. 1575, Byrth. 44; yrre and rMe JnL 140. 

Verbs (und Partidpia) (vgl. Hofimann S. 68f.) 
to bindenne and to bämenne Cri. 1622; btt hit and byige 
Gren. 519; bodiad and bremsd Cri. 488 gebeorgait and be- 
bagan Oath. 963; bräc and b«gde Sat. 381 , ebenso for- 
briic and forb^e Sat. 465; forbrecan and forb^;an Hö. 36; 
braecan and bämdon Cri. 708, ebenBo briced and b&raed Sal. 412; 
breodaä he and bälced MM. 28; &bre6tad and bebitawd Sal. 
295; bügan odSe beretan Kreuz 36; foroumen and forcyded 
Sat. 176. 206; cumen and äcenned Met. 24,51; cleopad and 
ciged Gen. 1013; clyppe and cysee Wand. 42, umgekehrt cyston 
hie and clvpton An. 1018; crietened and claemad Sal. 395; 
gecyded and äcenned El. 816; ddn ne dreogan Gen. 190, um- 
gekehrt drugen and dydon Gen. 143; tödrifen and tAdriisced 
Dan. 267 353, ; druncon and drymdon Gen. 2781 ; dveled and 
drifed LeAs 33; äfste {lä . . . and onette Gen. 2872; eAcoiendn 
and einiendra Zaub. 1,52; fergad ev& and fMad Vy. 7; ferion 
and fri|non Zaub. 8,21 ; feödan and fyldon Cri. 709, umgekehrt 
Cri. 486; fremman and fyrdran An. 936; gefreode and gefreodade 
Cri. 588, Jul. 565; gefreoda hyre and gefeorme hy Hy. 4,61; fyl> 
lad and feögad Cri. 486; liysan and fordgangan By. 3; gieiad and 
gierrad Vy. 8; forgyted and foi^ymed B. 1751; grennadeand grist- 
bitade Jul. 596; habban ne healdan Dan. 198, ebenso hafad and 
healded Cri. 1649, hafa nö and gebeald B. 658, habban and 
healdan Byrht. 236, umgekehrt B. 2430; hatode and hynde 



275 

B, 2319; äboD and ähebban Jnl. 228; heöv md hynde Byrbt. 
324; belpexid and haelend Jol. 157; hleöd and hydde Met. 
29,&5; heÖT and hynde By. 324; hleöd and hlAttrad Az. 85; 
Uöh and hlydde Jud. 23; biholene and bibydde Pb. 170; äbön 
and äbebban Jol. 228; hycgan and byhtan Leäs 44; gebynde and 
gebäfte Cri. 562 ; ihogodon and äbyrdon On. Sx.. 202 ; laOad and 
laedeA Scb. 55; laedäA and laeced Sal. 496; forlaedan and 
forlaeran Gen. 452. 692; laeraA and laeetad Cri. 1689; forleolc 
and forlaerde An. 614. 1366; lofigen and lufigen Az. 100; \vdest 
and gelyfeet Jul. 48; oolütan and onüdigan Sal. 856; maned 
Bvk and myndgad B. 2057; ne magon and ne möton An. 1217, 
ebenso maege and m6te Sat. 425, ämered and gemylted £1. 1312: 
räd and raedde Byrtb. 18; äraedde and Arebte Dan. 741; berae- 
dan and bereafian Met. 9,50; reabte and raerde Gatb. ISl: 
rymde and raerde Qeai. 1635; eceöp ])& and Bcyrede Gen. 65: 
ägeyreS and äsceaden £3. 1313; eecgian and Bverian Sal. 425 
geeegnad and geByöed Sal. 403; serede and sette Sat. 15; etean 
and geeittan Pb. 671, Gatb. 53; Beomade and syrede B. 161; 
Beön and sdcean B. 3102, (Tgt. Anm. bei Hoffmann S. 71), 
ebenso geseö and ges^ce Hy. 4,31; eeöv and eette Cri. 668, 
sette and säende Zaub. 4,40, geeetted and gesaed B. 1696; forsi- 
ted and forsvorceA B. 1767; seomade and eyrede B. 161; Bcofen 
andscynded B.918; ednganand BecganCh.657, 'Vld.54, umgekebrt 
Met. 2,17; singad and svinsiad Cri. 885, ebenso Pböa. 146; 
Blögon and svungon An. 966; viOstode and viSstonedest Zaub. 
4,11 ; gestrangaä and gestadeliad Sal. 239; gestyred and gestado- 
lod Seel. 1,45; Btyred and tihtCBt Met. 20,178; Bvfelan and 
Evellan B. 2713; syleä and sended Gutb. 739; Bvefed and Ben- 
deA B. 600; tösveop bine and töevende Dan. 342, Az. 59; 
geevenctoQ and gesigefaeton Az. 1 89 ; svögad . . . and svineiad 
Rät. 8,7; ßyled and sende« Gütb. 739; tennad and taetad 
Vy. 4; forteib and fortylde Cri. 270; tredad and tergad 

18» 



276 

04^259; trymsuD and tyhtan Gnom. 1.46;^iloaftndtain8da& 
Utt 18,S9; tftOMd na and ÜsdzaA QttL 1512; nnad and ToaxaA 
Lete 82; vanoda and vTzde B. 1337; rdan and veoceaa 0«b. 
31; Tdao and vinn Q«n. 466; veanul and vridad G«il 170. 
1532, B. 1741, Zaob. 1,51; raooad and TOoüd CeL 952; tcmI 
and reazaA As. 113; v«oad and vzeoed Dan. 578; vtadaa and 
ToMoa An. 1074; go na Ttaen and vilnigm Met. 10,63; viBtaa 
«ad ne vAndon B. 1604; von and vorhte Q«n. 1553; void cvsfiil 
and vnldriad Cri. 401; vorbbo and vredede An. 523; rxtOMd moA 
vazdad Ph. 172 ; Ttmian and vendan QAth. 28 ; vnnaA and -naaaS 
GAth. 220, Lete 32, nmgekehtt 366; vylted and vendaA BML 
'60,19; T^csd and vtoad GAÜi. 47; |>«nad and ^onA Mot 
29,77; Inndaa and fninian Rät. 46,2; |>oIi&n and fwAaa Jiü. 
466: ^dedon and |>6bton BL 549; ge^d and gelire&tod And. 
436, vgL 520, Sal 303; geycd and geednivad Cri. 1040; ynA 
him and ypped SaL 494. — 

Adverbia (vgl Hoffmann 9. 61f.) und PräpoBition«n 
(vgl. ebd. 8. 72). 

ädeta aod 4ce Hym. 7,52; aer odde äfter Cri. 1692; fjn 
aad faeator B. 143; haedre and blütre (and b«ofondze&QM 
Az. 79); innjui aad ätan Gen. 1322, Cri. 1005. B. 774, Ph^ 
30, Met. 30,13; longe and g8l6me Cri. 1672; oftost aod 
inlocaet Cri. 432; synüe and sAd Fä. 80; dfan and fttan 
Sat. 343i atan and innan Gen. 677, vgl. DAm. 22; vlde and 
velhvaer Ead. 37. — 

Man braucbt nur diese üppige Fülle von ags. Zwillings- 
fonaeln mit der verhältniaemäsaig dürftigen Zabl von altnonü- 
Beben SU vergleicben, um sofort tu empfinden, wie man bief 
auf jüngerem Boden atebt. Die Saat, die dort zu keimen ai» 
fing, ist bier voll ina Kraut geschossen. Dort steben die 



877 

Zwillingaformeln noch gaiu fühlbar auf den PuallelTerBen; hier 
sbd solche ftUe seUeo geworden. Etwa fcdgende BeiBpiele 
wären anzumerken: burh timbrede and bearo aette Gen. 2840; 
diiht&ee dömaa and dngud« {)rym Sat. hbb ; deöflee cr9itam 
and diacan fellam B. 3068; ne dre&mee dryn ne deadee cyme 
Qtth. 602; fingrae tAhrorene, ffit töclofene Seel. 113; gombon 
geJdian and gafol eeUan Gen. 1978; geaglae töginene g6man 
tAaUtene Seel. 110; bilde &fareddan and bäled frllan Oen. 2113; 
heofonengle here and häleda beam Cri. 1278; hingrraidani hläf 
and hrägl nacedtun Cri. 1355; langsmnre Uf, lecdit onh^en 
Fata 20; rybt äreccao ne rän ritan Pan. 3; min rfinvlta and 
min raedbora B. 1325; stfinas on eotdan, steoiran on beofonom, 
Baebeorga Bond, sealte yda Ex. 440 — 41; ne eunnan haetu ne 
mmcaldu Fb. 17; sfir nivian and sace raeran SU. 941; Tommum 
iivyiged, vreccom älyfed Ex. 532; Tordmn sec^^ and Tritu 
cydad Pb. 425. — Schon der Zahl nach zeigt «ich bierin eine 
Abnahme, wenn auch nur eine relative, im Vergleich zu den 
altn. Fällen, die doch bo viel weniger lose Zwillingsformeln 
neben sidi haben. Aber genauere Betrachtung zeigt mehr. 
Zunächst mnd dieee Beispiele (denen ja vielleicbt noch eins 
oder das andere sieb hinsnfügen liesee), sämmtlich wenigen 
Gedichten entnommen, und ewar gröestentheile ganz alten Ge- 
dichtm. Von heidniscber Poesie ist bloss der Beomlf vertroten; 
von cbiistlicber stärker nur Gen., Cri. und (durch die Häu- 
fungen Ex. 440—41, Seel. 110—12) Ex., Seel.; vereinzelt 
GDth., Fan., Fb., Fata., nur durch einen Fall El. Garn fehlen 
also aus der ältesten Schicht Dan. und Jud., die wohl jünger 
mnd als Gen. und Ex. (ten Brink Geech. der engLIit S. 58. 60), 
ans der mittleren, die eich um Cynevulfe Namen legt, dem 
Cri., Güth., Ph. gegenüber Jul., An., El. (bis auf M. 941); end- 
lich die jtingste, die Aelfred zum Mitte^unkt hat, flOlt | 
ans: Met, Psal.; auch schon Sat., dann die gnomiacbe FoMi«u| 



278 

Gnom., SaL, EUt a. s. w. Wir köouen aber nicht bloM vor- 
folgen, wie die Zwillingstonnd noh mshr und mehr vom IV 
raUelTers ablöst, sondern aoch wie sie ihn nach sich mnformt; 
der Diener ist aoch hier som Herren geworden. Wir sahen 
schon bei den alto. Beispielen, wie m^lichste Angleichnng 
beider Glieder erstrebt wird; ags. nimmt das nicht bloM m, 
sondern Überträgt sich anch aoi die »Stfitatenc der Zwüliag»- 
worte, wo dieselben noch stehen geblieben sind. Solche An- 
gleichung der StQtsen finden wir z. B. Gäth. 802 diTte: ojrme, 
SeeL 113 tdhrorene: tAclofene, Gen. 1978 gieldan: seUao, SeeL 
110 toginene: töslitene. Eine An^chmig besteht anch darin, 
dass inweüen die stütsenden Worte selbst eine allbekannte 
Zwillingsformel bilden; so Kx. 440 eorde: heofon. Da erhalten 
wir also gewissermassen gekreuzte Synonymenpaare, übeiachla- 
genden Gedackenreim. Solche Combinationen von Zwillings- 
formeln liebt die ags. Dichtung überhaupt: HoSmann hat (aao. 
S. 11 — 12) angemerkt, dass g%m eine reimlose Zwülingsformel 
einer alliterirenden unmittelbar vorausgeht. 

Wird die Annäherung in den Hil&worten der Formel noch 
einen Schritt weitergeführt bis zu wirklichem Reim, so erhalten 
wir eine ags. (in der von uns zu behandehiden Periode) zwar 
noch nicht aehr Mufige, aber doch schon höchst charakteristische 
Form: Endreim und Stabreim gekreuzt (vgl. über beider 
Combination Schipper Altei^. Metrik S. 67. 154 u. ö.): 

ne forstea fnaest ne fyres blaeet Ph. 16; ne hägles hryre 
ne hrlmes dryre Ph. 16; ne Ufes lyre ne Uces hryre Gäth. 101; 
Tätmm veaht and rästmom |>eaht Gen. 1922; vyrmiun bevun- 
den, vitum gebunden Jud. 115. — Vgl. Zaub. 4,52—63 (vgl. 
auch Kluge P. B. 9,436). — 

Aber auch zu anderen Entartungen der Zwillingsformel 
zeigen schon jene Beispiele, die in den Stützworten die Spuren 
ihres Ursprungs noch mit sich führen, deutliche Ansätze. Die 



279 

Wortpaare sind «ret nnr ein HüiBioittel für den Bau der Vers- 
paare. Nun fest^en sie eich, bilden die Veree nach sich, und 
machen sie mietet alldu aus. Noch die eiolachste Art ist die, 
dase die Synonyma eich derart ausdehnen, dase sie allein je 
einen Halbvers ausfüllen. Sch<m dicht daran grenzt B. 1325 
min ritnvita and min raedbora. Aber bald haben wir vier- 
silbige Zwillingswörter: 

hüdevaepnum and heaAovaedum B. 39; middangeardes and 
mägen^iiymnes Cri. 557, Ph. 665, Jtü. 164; mAdescräfta oAde 
mägendaeda Crä. 13; libtvlsnesBee ne gerädadpee Met. 22,48. 

Die Stütze wird einfach an das Formelwort aogeechmoUen. 
Ein instructiTes Beispiel ist Cri. 401 vord cvedad and vul- 
driad. Eine so ungenaue Formel, in det Substantiv und Verb 
sich entsprechen, ist eigenthch unerhört; aber »vord cvedad« 
wird eben als Compositum gefasst und so rächen sich denn 
zwei Verba die Hand; und trotzdem darf »vord cveSani noch 
ein >|>ä( regieren. 

Bier ist also dae'^Hilfswort völlig dem Formelwort dienst- 
bar. Sollen aber die Synonyma den Vers allein ausmachen 
und haben sie keine Hilfsworte bei sich, die sie sich anglie- 
dern können, so werden sie künstlich zur Länge eines Halb- 
versee gedehnt. Entweder erhalten sie proclitische Partikeln 
oder enchtische Epitheta: mid hearran bete and mid häleda 
forlore Gen. 757 vis on gevitte oSAe an vordcvidom Crä. 13; 
oAfle f^ree feng odSe äödes vylm B, 1764; oAde gripe mteee 
oOde gires äyht 6. 1765. — Sehr häu£g ist die (altn. Doch 
seltene) Verwendimg dee Epithetons auf einer Seite allein als 
Versfüllung: gristbitunge and gnomunge mecga Sat. S34; graege 
syrcan and grimhelmas B. 334; tdlum aehtum and ofervlencum 
Güth. 389; ealne middangeard and merestreÄmas Dan. 503; 
eealte saestreAmaB and svanräde An. 196 ; sealte saestredmas 
and Bvegel uppe Au. 750 vinterbiter vederond volcanforu Dan. 



880 

379- In all diMeu fSäm alw ftUt wanigrtwu dju siiw Wort 
fjüfäa täam Baäntn; so qMh in vielen mdare&'l'^llen: viUr- 
\i$tfgiax An. 107; TiüdQi|a;inmeB An. 325. 702; TndalMtoinin 
JvL fi76 a. B. V. Soiwt erhalten anch beide Worte EpUJurtiL 
"Sin merkifüzdiger Fall mit Synonymenknonng Sat. 606: dag» 
langnst and dinna maest. In letrter Noth hiUt ein Flickwert: 
fcdmnm ireahtnm and lystnin e&c Cri. 1125. — 

lieber die rbythmiachen Cteeetse der ags. ZwiUingsformeln 
im A^lg fr'"W 'nf" handelt Hofimann aao. S. 13 f> — 

Neben dieeem Anachvellen des eioselnen ZwiUingy- 
WQitei, daa nun pompda als soaTerainer Halbrera einheratolxirt, 
iet füi die ags. Verwendnng dieser Elgor die Ifenge nnge- 
naoer Zwillingaformeln bezeichnend: 

braod aad brädfl Ugaa Gen. 325; bord and br&d BVTrd Jud. 
318, ^^rth. 115; beAga and beorhtra mäHm^t Jad. 341; beigas 
and brftd gold B. 3105; discas l&gon and dyre evjid B. 3048; 
frätve and faet gold B. 1931; gär and göd srord Byrht. 237; 
gpwge ayrcan and grimhelmas B. 334; heofones meaht and 
beahreced Zanb. I 30; mägpi and cräft miran (^en. 269; roderaa 
aqd rünie gnmdaB Jud. 349; areord and arätigne heim Jud. 
328; aar and svär gevin (mit Innenreim) Cri. 1412; sealde 
and Bnytru oräft Gäth. 155; BTÖtum stencom and sveglvnn- 
drum Gäth. 1299; vid lond ne vegas Gen. 156; vinterbiter 
veder and volcenfani Dan. 379; vlse ge|>ohtas and Tonild* 
däftae Crä. 23; ne vearm veder ne <nntei8ci:ii Ph. 18; vlitige 
englas and vuldorgife Hy. 9,44. — Die Caeua der ZwülingB- 
Worte weichen von einander ab: geögude and gumena dre&m 
Qüth. 464; meara ])reÄtum and monfanun Göth. 257. Dies 
iterbiadet sich mit Reim von Adjectiv aui SobetantiT : gieAv 
and gode leöf Jul. 131. Hier wäre die Figur kaum noch zu 
erkennen, wenn jenee ivord cvedad« uns nicht gelehrt hätte, wie 
unter dem Druck des Reims die Veistheüe zu einem Ganieq 



ÜSl 

^Ueaaune&gc|iree8t werden: gode leöf ist gleiciiBam ein m- 
aftinmengeBetetee Adieotiv. — 

Wii eehen bald, duB- beide Encbemtmgen, die gedehnte 
und die ungenaue Zwillingsfonuel aof demselben Pnndp be- 
ruhen, ja daas die zweite eigentlich nur eine Unterart der ersten 
ist Das Beimwort soll den Halbvere nicht bloee beherrecheu, 
wmdem erfüllen. Immer mehr wird Allee über dem Reimwort 
vemachläasigt Dies dagegen wird immer soi^fBltiger g^j^ttet 
und heraoBgestricheu. So stellt sich drittens auch die gestei- 
gerte, reimähnliche Zwillingsformel hierher. Wir sehen von 
den zahUoBen Fällen annähernder TTphfrr «iimrti mTnnn g ab und 
führen bloss solche an, die der Wortepielerei nahestehen: 

of dennm and of dänmn Rät. 28,3; gefreöde and gefreodade 
Cri. 588; lofigen and lufigen Az. 100; Ijrtelh^dig ne ^äs läthy- 
dig Crä. 10; mägdum and mäc«um Oen. 1123, Gäth. 833; 
neöde and nyde Cri. 1072; rMe and raedleAs Dan. 177; sr^ttra 
and srfdra Pan. 46; svüan &ad evellan B. 2713; vytö» n6 vorda 
B. SOSO. — 

Erweiterung der Zwlllingsformel ist ags. seltener als 
altn. Die ZwiUingaformel wird dann völlig wie ein Wort ge- 
nommen und das Nachglied zu diesem Vorderstück wird dann 
zuweilen vaiiirt; heofon and eordan and holm])riU!e El. 728 — 
beofoQ and eorde and eall heAhmägen El. 751. — Diese Vari- 
ationen innerhalb der ZwiUingaformel überhaupt sind natürlich 
das allerentacheidendste Zeichen für deren agE. Verwendmig als 
durchaus geechloseene , allgemein geläufige Form. Wir sahen 
nicht bloss sehr viele Worte in zahlreichen Paaren erscheinen, 
sondern auch so viele ganze Paare an den verschiedensten 
Stellen wiederholt, dass ee ach nicht empfiehlt, alle aufzu- 
zählen. Ich nenne nur ein paar der beliebtesten: blaedee and 
blissa, eard and 6dyl, eaim and eazl, faebde and fyreae, gcdd 
and gymcjnin, Ufee and lisea, lufum and lisBum, mügdom laA 



ä 



Tnäcgnm, möde and migne, gerysiin aod riht, Btogaa uid gesUUb^ 

venmi and vlfam (das häufigste von allen), Tealdmd and vyiliti, 
Tiste oe vaede, tU and raepned, vordum and vncam (daa imtt- 
hänflgste], Todom and TTitom (nur in spätan GedichtenX ^e4- 
Tum and gefiancma — claene and gecorene, tee and almOitig 
(nur Met.), e&dig and earm, fftger and gefeilio, gra«dig and 
glfre, vlitig and Tynsum — habban and hT >* Ha" — mt im 
alddan (sehr oft), innan and Ataa. — Von Worten, die fOr die 
Synonympaarong beliebt sind, nenne ich hier folgende: ix baAg 
cyning dugud eard engil feöh folc tyr heim land leöht UJt 
middangeard möd ord sib sine ver vig vlite Tord vtildor — 
beorht biter br4d dim egeafoll e&dig earm tKk Sger füa geong 
g6d grim hälig beard horac hvlt lld lufsum maere micel müde 
mödig r^e saoter stld Tis vonn — brecan rädan Teazan Tonian 
— aer. — Man wird den betreffenden altn. Worten gegeaSber 
den Gredankenkreis hier nicht wesentlich erweitert finden; ee 
sind immer dieselben Schlagworte. Dass die SubetantiTe nicht 
nur die beliebtesten Elemente dieser Figur sind, simdem anch 
in den Formeln am festesten sitzen, ist natürlich. — 

Nur kurz sei auf die chiaetische Stellung in Formeln wie 
langBumre lif, leobt unhTÜen Fata 20, hingrendnm hUI aod 
hrägl nacedum Cri. l£fö& hingewiesen. — 

Man müaste natürlich näher auf die einzelnen 0«dichte 
und Gruppen eingehen, um dieser gerade für die t^. Poesie 
hochbedeutsamen Figur gerecht zu werden. Sie scheint x. B. 
in Ex. und Bo. selten zu sein, noch seltener im Cri.; gans 
fehlt sie in der Klage Deöis. Auch sonst treten Neigungen und 
Gewohnheiten hervor; ao liebt das Gedicht von Gäthlac Zwilliogs- 
formeln mit m, das * Satan« benannte solche mit s, der Daniel 
solche mit t. Die Zusammensetzungen mit — atre&mas als 
zweiten, Glied sind im Andreas besonders beliebt, brid sryrd 
als Nachglied im B. und Byrth. u. s. w. Auch das VerhUtolB* 



der Uebersetznngen zum Original wäre su prüfen und anderw 
zu beobachten, woni hier nicht der Ort ißt. Ich verweise nur 
aul HoffmannB Aufstellungen Über den AnÜieil der TerBcbiedenen 
Dialekte(aao.S. 16), Stoffgebiete (S. 17)nndeinEelnenDichter(S.32f. 
Statistik S. 47), die Ich im letztgenannten Punkt allerdings für 
UDSichet halte. Ueber das VerhältoisB der poetischen Zwillinge- 
formeln zur sgG. Prosa ebd. S. 30, zn den volksthümlicben Sprich- 
wörtern 8. 18. — 

Althochdeutsch. 
Nur Substantiva. 
ero noh üQiimil Wess. G. 2. in fuhr enti in finstri Musp. 
10; aelida äne sorgun Musp. 15; uneges ode uualdee M8D. 
IV 3,9; uuolf noch uulpa ebd. 7. 

Die Formel MSD. IV S,9 ist erweitert: uueges ode ualdes 
ode beide. — 

B. ReimloM ZwillitiBifbnneln. 

Altnordisch. 
Substantivs, 
auds ok hringa H. H. I 11,3; «In ne penning Lok. 40,4; 
dul ok vil Qud. n 39,3; ^ar ne jÄm Ham. 25,7; foldu ok 
|>^num Grlp. 1,7; gull ne jaidir Sig. sk. 37,5; hringa ok men 
VgL 3,2; af haimi ok trega nach H. H. n 50,2 Saem.; hj&hn ok 
brjmju Hyndl. 2.6; hjilm ok ekj^ld Akv. 7,9; hrisi vex ok hd 
graai Gr. 17,1; lof ok vit HAv. 9,3; Ifindum ok ])egnum H. H^ 
I 10,9, ebenso landa ok ]>egna Br. 8,6; matar ok vAda Häv. 
S,4; munar ok landa E. H. n 45,4; aakar ok heiptir Sgii, 36,1; 
til akögar ä eySimetki Gud. I 12, Saem.; sküa ok bröka Häv. 
61,4; anör n6 döttir Gud. bv. 19,6; tjQsuU ok ö>oU Sk. 29,2; 
niB <]k bama Gud. I 23,4; vid vü ok erfidi Härb. 58,1. — 



284 



A.djffctiva. 



fyiatr 6k afstr Lok. 50,4; gUAr ok leiir H&t. 15,4; hosvu 
ok nartan B. 7,3; kjfin ok sköga R. 47,1; sr&rt ok dAtt Sig. 
sk. 26,6; Sagalt ok hagalt H&y. 15,1 (eigentlich endzramntd); 
kykB Di d«tdB Fr&gm. 804,7. — 

Verba (und Participia). 

fiea n^ hnjösa H&rb. 26,7; Iregna ok eegja H&v. 63,1; vidr- 
geiendr ok endrgefendr EUt. 41,4; horfa ok snogga heljar tu 
Sk. 27,3; kemdr ok I)Teginn Reg. 25,1; raent ok breot H. HL 
29 Saem; {rregginn ok mettr Häv. 61,1. — 

Adverbia. 

äi ni um naetr H. H. IX 36,3; austr ok vestr H. H. I 
4.1; nä nä i gaer Hamtf. 3,1, ebenso nü edai gaer Hamil. 29,6. — 

Die Zahl der Fülle ist gering. Wiederholt ist nur landa 
ok {>egna und (in demselben Lied) nö nä i gaer. Von dn- 
zelnen Worten kommen mehrmals vor hringr {>^;nar hjÄlmr 
land — BvÄrtr — {>veginn. Die Angleichang ist oft merkbar: dul ok 
TÜ; eggjar ne jam; — evÄrt ok dlltt; |)agalt ok hugalt; — Eregna ok 
aegja; raent ok breiit; — austr ok vestr. — Fast jedes Ge- 
dicht ist einmal vertreten, doch von den ältesten nur V9I. ein- 
mal; mit mehreren Belegen Sklm. Harb. Rlg. Lok. H. H. I 
Sig. ak. (je zwei Beispiele), - Saemunds Prosa (vier) and vor 
allem Häv. (acht Fälle). Wir begegnen also hier von neuem 
der Gruppe Lok. Häv. Rig., verstärkt durch das nafaverwandte 
Härb., während auch hier Vkv. so gut wie Atim, fehlen. Im 
ganzen ist die Figur häufiger in jüngeren Liedern als in älteren. 
Da» gelegentUch ein alüterirendes Synonymenpaar durch Ver- 
derbniss in diese Form gerietb, scheint nicht ausgeschlossen (ao 
lof ok Vit H4v. 2.3). — Einmal ist das alte ParaUelvwB- 



paar Doch erhalten, auf dem die jüngere Zwillingaformel steht: 
VqL 34,1—2 entopricht Reg. 25,1 (^ auch ^dr. 84,4). — 

AngeleächsiBch. 

SubBtantiva. 

abal and cräft Gen. 500; äre and gifueeeeHy. 7,55, HO; b^ 
and Bigk B. 31&4; beomum and ])aihiin Run. 12; blöd and fei 
An. 23; bunan and diacas B. 2775; c«le and haeto Met. 20,118; 
cräft and miht Dan. 828, Gri. 218, An. 941; cyle and fyx Sat. 
835; dägee and nihtea Oen. 2349, Ex. 97, Ph. 478, B. 2269, 
Gätb. 582, EL 198, Le^ 33, Pb. 54,8, Hy. S,5. 2,10. 3,43. 
7,107, SaL S48, ebenso däg and niht As. 99, Met. 29,86, Rät 
6,14, umgekehrt Seh. 83; se dSg and seo tid Ph. 334; daed 
and vord Gen. 808. 507, Cri. 429; deäd and iiystro Götii. 607; 
de&T and rto Cri. 609; deofla and manna Cri. 1628; de6ra and 
fngla Cri. 988, Met 27,11. umgekehrt Pan. 5, Met. S7,4; döme 
and Bigore Gen- 2188; egsa and fyrhtn Pe. 54,5; engla and 
deöäa Cri. 896. 99; eordan and heofonas Hy. 3,6, Met. 24,38, 
Rät 41,4, umgekehrt Gen. 113. 603, 8at 56, Scb. 39. 89, 
Ph. 131, An. 828. 1508, Göth. 619, Hy. 4,1; eordan and vätere 
Met. 11,64, umgekehrt Rat 54,3; eorde . . . and ftgorBtte&m 
Met. 20,118; eädnie and tA hyht Rtln. 4; fScnee and Bearnva 
Met 9,87; fäder and m6der Gen. 194. 1108. 1575, Ex. 371, 
Vy. 7, An. 687, FA. 9, SaL 445, Rät 10,2, umgekehrt ne mMer 
ne fäder SeeL 53; fader and ecippend Met. 17,9; flaeec and 
gaeet Cri. 597; folc and rice B. 1]76; foldan and rodoras CiL 
408; fcdde and merestreÄm Met 20,114; forstee and snävas 
Dan. 378, ebenso forst and sneäv Ph. 248; fre6 ne ^eove Oen. 
2746. 2753; freönd and läieov Met. 80,3; fnuna and ende An. 
£56, Met 20,275; fyr and vyrm Ex. 536; fyre and ätere Sat 
79;fyreandhgeSat 325;fyrandTäteTMet 11,43; gäre and lig« 



SM 

tyxstt ok 0i>tr Lok. &0,i; gjadr ok zoifr Hiv. 15,4; fasnu 
ok nutaxk B. 7^; kjgir ok skAe» B. 47,1; n*ri ok ditt % 
ak- 26,8; Sa^ilt ok hogah HAt. 15,1 (sgeotUch endniiiun^; 
kyki D« dwidB Fngm. 30i,7. — 

V«rba (and Participia). 

fisa ai hsjöu HArb. 26,7 ; begna ok sagja Hiv. 68,1 ; TU^ 
gefendr ok and^efendr Hiv. 41,4; horift ok sangga hdjar tÜ 
Sk. 27,8; kemdr ok {nreginn Rtg, 2Ö,1; lao&t ok bniit U. S. 
39 Saem; ^nggiim ok 01«« Hiv. 61,1. — 

Adverbia. 

är oÄ um naetr H. H. II 36,3; austr ok vettr H. H. I 
4,l;nÜQ^lgaeiHaind. 9,1, ebenso nü edal gaer Haind.39,6. — 

Die Zahl der Fälle ist gering. Wiederholt ist nur landa 
ok ^egaa. und (in denuelben Lied) qA n6 1 gaer. Von eis- 
selnes Worten kommen mebrmala vor hringr t)^nar hjUmr 
land — ev&rtr — |>veginii. Die Angldchung ist oft merkbar: dtd ok 
Til;eggiar d£ jani; — srärt okdAtt; {lagalt ok hagalt; — fregnaok 
segja; raent ok brent; — aostr ok veetr. — Fast jedee G«- 
dicht ist einmal Tertreten, doch tod den ältesteo aar V9I. ein- 
mal; mit mehreren Belegen Skim. Hirb. Rlg. Lok. H. H. I 
&g. ak. (je zwei Beispiele), ■ Saemands Proea (vier) and tcc 
allem HAv. (acht Fälle). Wir begegn«a also hier ron amiam 
der Gruppe Lok. HAv. Big., verstärkt durch das nahverwandM 
H&rb., während auch hier Vkv. so gut wie Atim. fehlen. La 
ganzen ist die Figur häufiger in jüngeren Liedern als in Utenn. 
Da« gelegentlich ein alÜterirendee Synonymenpaar darch Vor 
derbnisB in diese Form gerietb, scheint nicht aoBgeechloeeen (m 
k>f ok Vit HAT. 2,3). — Einmal ist das alte Parall^T«» 



paar noch eriuitecL b£ ük ök jongsre ZwiUiii^K>n»f-~ «vii 
Vgl. 34,1—2 MiMtaid» See. 3i.l j^ such M'- $«« 

AnceiiächsiBch. 

SohBtantiva. 

abal and crih Gm. ÖOC»; an and gilnewe H.v. T.S.^ ", *^ 
and Bj^n B. 3164: he wn i m i and |iarfmn Run. 11^: Vt.'v*. «Jv- «< 
An. 23; bunan and diacae B. 2775; c^le and haelo Mf; '^ ■ ^ 
criK and nükt Dan. 326, Cri. 218, An. 941; cylf «.--• :•- *-. 
S35; dipi and nihtaa Gan. 9349. Ei. 97, Th. 47$ ^ ^!<« 
Güth. 58S. EL 198, Lato 83, P«. 54,8, H.v. S,;.. i •..' ' »^ 
7,107, SaL IM, ebanao dig and niht At. 99. M.-,. iV .<■ »^ 
6,14, omgekahn Scb. 83; 8« diig and rtoo tid TV. ^^< 'm'- 
«nd Tord Gen. 303. 507, Cri. 429; dead und \n-rt^' \'-'-'t "^ ■ 
deiT and ttn Cri. 609; deoSa and manna <'ri. 1(»S:«, .i*v'*'» «*'^- 
fogia Cri. 983, Met 27,11. umgekohn I'im. :.. Mi-, *' « Ji^"" 
and Bigore Gen. 8138; egaa and h-rhtii IV .'•4,:', »^-u ••*: 
dedja Cri. 896. 99; eordan and heofouiu. lly SP Vvi Js..«^ 
Kit 41,4, nmgekehrt Gen. 113. 603, s«i. H-. Ä.;>- .<»■ S" 
Ph. 181, An. 318. 1503, Güth. 619. Hy. 4.1 . ■^■'>>»•.• «;>o >•«>«« 
Met. 11,64, umgekehrt Bit 64,3; 'iird.- . . . «loi «»v'~o»«o 
Met. 90,118; eidnia and tö hvht P.iin 4. f«™"» ai..i «at»™ 
HeL 9,3"; fider and ni6der Gen 194 111'». l.''7>. K». i"- 
Vy. 7, An. 687, F4. 9, SaL 445. PJit. in.'i. iiHip-krfxrt iw mt^ 
ne Oder SmL 53; »der and ecipi'n.l .«.•(. K.»; «a»»c "»i^ 
gaeat Cri. 597; tolc and rice E. 11 7i,; l..ldiui aml i 
408; ioUe and menetieam iW. 2M14; foW» 
Dan. 878, ebenao foiBt and msav I'r.. 24«; In* < 
S746. 275«; lietod and lir«'.- .'i-t 3l|,3; fnmia a 
»6, Het. 20,275; tyr and •-.-•- tx. S36; 
79j fyieand lig« Bat. 325; iyr a:. : .»»r Mn. 11.43; 



pkrfxrt iw luwr 

r.lt; flatw ■m' 

iml nidon« ^^^^^^^^ 

IfB and tBl^ ^ 

ne I>eeB^ M 

u andv ^P 

y f 



286 

Jol. 17; g&r ftnd sclld Ps. 34,2; gaeet utd binseie Dom. 102; 
geöce odfle irütre SeeL 108, Ad. 1569; güpes and oebta Met. 
7,15; gleng and hörenü Run. 7; golde and seolire G«ai. 1769, 
Seel. 58, As. 338, Kreuz 77, Sal 31, Rät. 15,2; gold and 
heaUmäged Gen. 2155; gold ne feöbgcatreön An. 301, gyltes 
and synna Hy. 6,19; haalo and frtfre As. 95; hlg and 
gäre An. 38; hiht and fiAfor Hy. 7,9; beim and byme 
B. 1629. 2868; hord and rlce B. 2369. 3004; hom azid 
byman B. 2943; brim and snAv Wand. 48, Men. 204; hzfm 
and forat An. 1259; bunger and fiurst G«n. 802, Qat^ 846, 
Cri. 1661, v^. Rät. 44,3; byldo and treöva Gen. 1&92; hyUw 
and CQoUas Cri. 717; land and yrfe Gen. 1167; lond vid yaiege 
Seh. 84; leäf and gära Met. 20,98; le<idum and epellnm MeL 
30,8; leöht vid |)eofltnmi Gen. 127, vgl. 144, Dan. 376, Cri. 227. 
£1. 307; lisee and äre Gen. 1889; listae and cräJltaa Met 26,108; 
Ucee and aävie Gen. 931. Cri. 1037, 1327, An. l&l, DAm. 41, 
Seel. 5, Güth. 901; 11c and gaeet Cri. 1580, Qäth. 940; Udsa 
and vynna Gen. 945; lif and deäd Cri. 1603; lof and ^c 
Hy. 9,39; luian and freöde Gen. 1026; lulan and mbbe Met 
11,81; lyfte and rodere Met 24.13; lyt and flöd Gen. 1298; 
manna and eogla Seel. 152; mägen and strenge Gen. 1633; 
mägne and cräfte Met. 20,9; medbt and gefeä Cri. 1078; metodes 
and engla Gen. 1530; mettaa ne drincas Met 8,9; niiht and 
Bttengdo Gen. 950. Sat. 3; bis mibt and Ma aebt An, 1720; 
möde and daedum Gen. 1957; möd and votd Crä. 85; müias 
and 3täna8 Cri. 1143; myrgd and töbylt Run. 24; örod and 
aivul Hy. 9,55; raedes and fröfre Met 2,12; ribt and BÖd Gen. 
21; rice8 and döma Hy. 10.26; rdn ne anäv Ph. 14; sävl© and 
gäataa Dan. 395; saed and blöda Met. 39,61; sibb and hyldo 
Gen. 2321; 9ido and (»ävae Met 11.12; sibbe odde treöve B. 
2922; sib and blis Güth. 1055; rib and luia Hy. 7,30; Bigon 
and gevealde Gen. 55; sine and bi^da Gen. 2090; BÖd and riht 



287 

Sat. 207, Cri. 700, B. 1708, Gütb. 782, Hy. 7,75; spröca and 
ä&eda Güth. 235; sunna and möna Dan. 370, Sat. 4, Cri. 606, 
6d4, 6. 94, Men. 47, Met 29,37, Gnom. 1,41; svinam and doh- 
trum Gen. 198, 924, 1139, 1153, 1221, 1229 u. Ö. Ph. 406, 
Met. 10,24, Rät. 10,12; sveord and byman Hö. 72; sveord and 
heim B. 2659; sveordmn and fehelom Met. 25,10; aymbel and 
dredm Sat 96; treöve and bylde G«n. 2516; treöve and sibbe 
Jul. 655; tyr aad eäd Rät. 27,23; väc and hnesce Met 20,93; 
velan and aehta Met 19,43; veras and ideea GäÜi. 1205; vind 
and Ijfte Jud. 348; vintres and aumereE Pb. 37; viste and blieee 
lUt 44,8; vlite and beorbtnee Met 21,31; vif and cnibtae Gen. 
2132; vorlde and heofona Dan. 427; vomum and he&pmii Jud. 
163-, vordum and daedum Gen. 440. 2350, Cri. 1868. 1583, 
Eadv. 33, An. 596, Qöth. 591, Hy. 7,23, Met 16,23; vöf and 
beäf Gen. 923. Oätb. 1020; vuldor and ])anc EL 893; ruldor 
and lol Hy. 9,1; Jwnc and lof Cri, 612, An. 1453, Hy. 7,58; 
|>egniim and gesiddum Gen. 1908; ^gna and eorla Met 25,8; 
IkAv and visan Hy. 7,22; ge^yld and gemynd Hy. 8,22; {»ystro 
and baeto (jen. 389. — 

Adjectiva. 
adele and rice Ps. C. 1; betere and vyrse Hy. 7,92; beorbtra 
and ecynra Pan. 26; beorbte and lide An. 869 vgl. Cri. 878; 
beorhte and leöbte El. 92; claene and milde Eadv. 23; crycum 
and daedum Hy. 7,117; dim and ^yetre Gen. 478; ealde ge 
geonge Jud. 166, Met. 26,86, umgekehrt Gen. 2452. B. 72, ge- 
steigert yldra odde gingra El. 159; egesllc and grinüic Cri. 919; 
iah and yrre Gen. 1860; fäger and vurAUc Hy. 7,40; feger and 
eciene Met. 29,25; forht and äcol Gen. 1955; frommaet and 
evldost Rät. 81,23; grimme and säre Gen. 1275, umgekehrt 
Gen. 2415; gleAv and ecearp Hö. 76; gödee and yfelee Gen. 465. 
Dom. 43. 107. Vid. 51, Fä. 45, Sal. 362, umgekehrt Gen. 480; 



hiX and cedd Dan. 377,. Döm. 106, Sät, 133; faatone be tteo» 
Jod. 284; he&h and briUl B. 8158; beih ood mMi« Hy. 7,39; 
heud« aod ein Gen. 998; heard and ste&p Oen. 2569; hefig 
and ^^Btra Met 80,266; htt and deöl Sat 707; Ud and tm- 
Teord Met 16,6; leodoUc and gietUo Au. 1630; leöht and soSoe 
Om. 266; leohtre and berbtre Met. 28,88; leohtna and beSg- 
nee Met 28,26 — 29; litlum and micltun Met. 86,36, omgekriurt 
Met 82,47; m&ia ... and streDgrs EUt 41,98; m&ia and fiMtba 
Rftt 41,105; maest and srldoBt Met 28,31; mibtig and spMig 
Ereoz 161; müde and blUto El. 1317, Pa. C. 78; nires oOOe 
ealdea KL 4; ra^de and sAie RU. 18,8; rftde and meahtig CtL 
1628; rice and heAoe Rftt 33,13, 89,8; edr and beoriit Met 
30,9; 8c?ne and fixere Gen. 1258: atld and heard RSt 46,8; 
Strang and rode G«n. 1373, Gfkth. 1113; svttra and vlitigri 
Pb. 132; vaet and ceald Met 30,77. 90; vearm and ceald Met. 
20,80; vlitig and maere Met 24,43; vloncum and heAnom Fan. 
43, Met. 17,6; vlanc and «ce Hy. 10,48; yfele and hefiga 
Pb. 54,3. — 

Verba (und Participia). 
blican and sänan Met. 22,35; cväUan and bäman Hy. 7,105; 
credsd and sü^sd Cri. 383; creöpad and snicced Met 81,6; 
drffed and ]niBced El. 358; ealdad and seorad S«^ 89: giered 
and di^ed Met 39,60; hafad and scevad Hy. 2,7. 12; bäht and 
valdest Hy. 3,5; hätad aod secgad Cri. 279; bealdad and fieo- 
Aiad Hy. 9,27; hd^ad and lofiad Hö. 123, El. 468, H7. 7,116} 
brest and fealurad Met. 11,58; neniuad and cegead E!dg. 7; 
reötad and betraft Cri. 1330; s^an . . . and credan Met 84,18; 
sceppend and receend Met 4,30; sceöpe and rorbteat Hy. 20,8; 
aingad and biddad Hy. 7,50; sie odde ])ince Met. 16,16; äüb 
and fylde Gen. 2071; styrest and tihtest Met. 20,178; 9tyrmd(f 
and gylede Jud. 25; väat and canjit Gen. 916, An. 1284; •ngoä 



289 

and laeddon Jud. 326; vilt odde möet Met 24,56; vinnad and 
svincad Met. 4,56; vunad and vixad Hy. 9,41; {>rungon and 
umon Jud. 164; yrmde and cvelmde Met. 9,47. — 

Adverbia. 

aer ne siddan CiL 89. 894. 1053, B. 2500, Jul. 496. 548, 
Güth. 341. 1091, El. 527; umgekehrt eid and aer Gen. 2934, 
Cri. 602, 1068, Men. 200, Jul. 710, El. 240. 975; eistan and 
vestan Cri. 886, Ph. 325; feör odde nedh Gen. 1029. 1047, Ex. 
1, Ph. 192, 326, Wand. 26, B. 39. 1221, 2870, An. 638, Jul. 
835, Cri. 890, umgekehrt neän and feorran Gen. 225, Ex. 381, 
B. 1174. 2317, An. 542, Met. 9,2; hlüde and geomre Sat. 340; 
iu and nü An. 489; niodoveard and ufeveard Ph. 299; nordan 
and eästan Met 4,28. 6,12. 12,15. 13,59; nordan and südan 
SaL 259, umgekehrt Gen. 807, 1988, Dan. 52, Cri. 885. Ph. 
324, 406, Vid. 138. B. 858, Met 10,24, Rät 10,12 u. ö.; oft 
and gelöme Met 30,5. 7, SaL 375, Rät. 32,11; ör ne före 
Gren. 1006; Bvide and vitodlice Hö. 30; üfan and neodone 
Gen. 375, Met 20,141; sume up eume nider Cri. 960; vest 
and nord (Jen. 276. — 

Die Beispiele finden sich besonders häufig in späten Gredich- 
ten, namentlich in Uebersetzungsstücken wie Met. und Hy., 
während in den Ps. Zwillingsformeln überhaupt nicht häufig 
sind. Sehr viele verdanken denn auch nur der Uebersetzung 
ihre Existenz, so z. B. egsa and fyrhto Ps. 54,5; fäder and 
mdder Gen. 194 u. ö. gär and scild Ps. 34,2; leöht vid {>e6strum 
Gren. 127 u. a. 

Wie damit schon angedeutet ist, treten wir hier in eine 
ganz neue Sphäre. Die reimlosen Zwillingsformeln sind ags. 
nicht (wie altn.) mit den stabreimenden gleichartig, sondern 
stehen überwiegend als christlich und gelehrt den heidnisch- 
volksthümlichen entgegen. Die grösste Zahl ist antithetisch und 

Meyer, AUgermanifoh« Poesie. 19 



S90 

iwat bandelt es sich meist am Qegensifiw der chiiBÜichen 
Mond, nicht nwbr um BOl<die dez heidniBchen Welterfahnmg. 
Vor allem sind es die combinirten Gegensätse >gat imd bfiie« 
und >Smmel und Häle«, die in zahlreichen Variationen wieder 
kehren, gerade wie wii sie HSD. JQCX and an eo viel ande- 
ren Stellen ausgetOhrt trefieo. Es wftt« leicht, die grOsste Zahl 
der vorliegenden Wortpaare aof diese beiden GrondtTpan, ^eich- 
sam auf ihre Runen, sorÜckxufBhren. Aber die neue Wdtan- 
echaatmg prägt nicht nnr diese nenen Formeln, sondern ne 
drückt ihren Stempel zuweilen anch auf alte. Wir erwUmtm 
gchon das beste Beispiel: aus der oralten Formal 'eorAft aad 
Qpheofoni wird >eorde and heofon« und noch viel hftuflgsr »heo- 
ton and eorde* — ein G^ensatz, der sieb selbst in den geringen 
Fragmenten des Weesobr. Gebets (V. 3 ero noh ftfh'niil, V. 9 
bimil enti erda) analog wiederholt; ebenso in Anfang and Ende 
des Zauberaegens g^n Landverbeemng (eonle . . aad upheolon 
I 28 heofOD . . and e6r|>an 75—76). — Wohl nur wn Zufall . 
ist 68, dasB ähnlich für das natürliche meiLn and feorran* ■feoi 
and neäh« häufiger wird. Ueberhaupt aber sind die verhältniss- 
masaig sehr zahlreichen Adverbia zu bemerken, anter denen 
besonders die Bezeichnungen der Hinunelsrichtungen meist 
fremden Ursprungs sind (doch vgl. J. Grimm Gesch. d. d. 
Spr. S. 310). — 

Eine eingehende Vergleichung der alliterirenden und reim- 
losen ZwiUingsformebi müsete manches ergeben. — 

Althochdeutsch. 
Substantiva. 

bimil enti erda Weea. G. 9; Up äno t6d, hobt äno finstri 
Ifusp. 14; vair enti luft Muap. 59; aumaro enti wintro Hild. 50; 
aolf Ode deob MSD. IV 3,1. — 



. -*«-I-. 



291 

Adjectiva. 

alt§ joh fr6t^ Hüd. 16. töten enti quekkhto Musp. 86. — 
Fast durchweg auch age. zu belegen. — 

C. Endreimende Zwillingeformeln. 

Altnordisch. 

Subetantiva. 

Bogn eda |)ggn Sgdr. 20,4; tjQldum ok BkjQldum Sig. ek. 
66,2; Töpi ok Opi Sk. 29,1. Ueber reimende Namengruppen 
im Allgemeinen wie Vgl. 16,1. 18,5 u. ö., besonders in Qrim.: 
27,1. 27,10. 28,6 und 9. 29,1. 34,4. 36,1 u. s. w., vgl. den 
folgenden Paragraphen. — 

Adjectiva. 
öviltar ok ospiltar Sgdr. 19,6 — 6. — 

Verba. 

hvetid mlk eda letid mik Br. 14,5; snapir ok gnapir Häv. 
62.1. — 

Die Stellen in Sk. und Sgdr. stehen bei der Anwendung 
Ton Runen, die anderen haben ebenfalls pathetischen Charakter. 
Wie selten solche Formeln altn. vorkommen, ist ersichtlich. — 

Angelsächsisch. 

Vgl Kluge P. B. 9,422 1 (bei Hofimann S. 73 f. sind die 
Fälle nur aus der Prosaliteratur gesammelt). 

Substantiva. 

äuht odde nauht Met 20,42 ; bordum and ordum £1. 235 

Tgl. 1187, umgekehrt An. 1207; ceorlum and eorlum Men. 31; 

dxxgape and geogo|)e Andr. 152, B. 160. 622. 1675; freönd odde 

19* 



292 

feänd Gea. 2811, Met. 25,16, vgL B. 1864; glsÄm and dze&m 
Geo. 12; grund and annd An. 748; hond and rond B. 655, 
An. 412, umgekehrt An. 9; Ur and är GAth. 592; sael and 
mael B. 1008. 1611 1 vaedum and daedum Vy. 90; Tordom and 
bordum El. 24. — 

Vgl. auch Tid vyrmgeblaed, vid vaetargeblaed, vid {mmge- 
blaed, vid |)7Bgeblaed, vid Tsgeblaed vid attorgeblaed Zaab. 
4,52 — &3, wo der rührende Reim die AlliteratioD tot madit, 
ebs. vordsige and voicsige Zaub. 8,7. — 

Eigennamen reimen age. selten (Kluge aao. S. 426). — 

Adjectiva. 
cüd and uncdd Met. 31.6i frödne and gödne Vid. 114, B. 
279, El. 637; laenne and saenne Met. 26,106; sät and srär 
Cri. 1412; aödra and gödra Rät. 27,22; steäpes and gedpes 
Gen. 2556, Gn. C. 23, Sal. 413. 

Substantiv mit Adjectiv. 
freöra Euid [>eövna Gen. 2753? 

Verba. 
blöved and gtöved Met. 20,99, Rät. 35,8, Ps. 64,11; feiede 
and nerede Gen. 1397; healdend and vealdend An. 225, B&t 
41,5. 23, ebs. bealdeat and vealdest B. 122,1, umgekehrt vealded 
and healded Ps. 75,9; hlynede and dynede Jud. 23; Laedad and 
födad Gen. 1298; ne foretolen ne Eorholen Zaub. 5, 6,1; verede 
and ferede Ps. 77,42; vöced and vreced Dan. 577; vrenced and 
blenced Möd. 33; vrigad and higad Met. 13,65. — 

Adverbia, 
aume hyder sume {)yder EI. 548, ebenso hider ne Jtwfcr 
Met. 20,164; jü and nü Andr. 489; aide and vide Gen. 118. 
1655, Ph. 467, El. 277, umgekehrt Gen. 10, Ei. 427, Sat. 699, 



293 

Crä. 394, An. 1639, Güth. 854, Hym. 1,7, Kreuz 81, Pß. 56,6. 
13 ; vldum and sidmn Pß. 77,20. — 

Hier überwi^en sogar die Adverbia, nach der Zahl der 
Fälle gerechnet, was freilich die eine vierzehnioal belegte Formel 
bewirkt. Kein einziges dieser Begrifispaare liegt christlichem 
EinfluBS voraus, einzig fröd and göd Vid. 114, B. 279 ' aus- 
genommen. — Selten kommen reimende Zwillingsformeln nur 
einmal vor, dagegen mehrere auch in umgekehrter Stellmig, was 
besonders feste Verknüpfung andeutet. — Eine b^rifOiche Eigen- 
heit der reimenden Wortpaare den übrigen gegenüber vermag 
ich (gegen Waekemagel s. o.) nicht zu erkennen. Hofimann 
(aao. S. 27) hält sie für besonders volksihümlich. — 

Althochdeutsch. 

Nur enteo ni uuenteo Wess. G. 5 ; allenfalls wäre noch das 
adv. 6star enti uuestar MSD. VIII 2 hierherzuziehen. — 

Diejenigen (nur ags.) Fälle, in denen Reim und Allitera- 
tion innerhalb der Zwillingsformel sich kreuzen, wurden schon 
S. 278 angeführt. Dasselbe innerhalb des einfachen Wortpaars 
bietet die Verbindung freönd odöe feönd, die wir ja noch be- 
sitzen, und das Adjectivpaar sar and svar. Ags. Fälle kommen 
noch bis zum rührenden Reim: &uht oASe näuht. cüd and 
uncüd. Diese Formeln entsprechen auf das Genaueste den 
oben S. 250 angezogenen indischen Dvandvacompositis wie 
pathyäpathya, nur dass die Composition germ. nur eine syn- 
taktische ist statt der grammatischen im Indischen. — 

Uebersehen wir nun zum Schluss die gesammte Masse der 
Zwillingsformeln, so lässt eine einheitliche Entwicklung sich nicht 
verkennen, aus der nur ein Theil der ags. Fälle, doch auch 
dieser nicht gänzlich, ausscheidet. Die Zwillingsformel steht zu- 
nächst auf dem Parallelverspaar; sie ist der Extrakt des letzteren 
und ihr starker Bedarf liegt in dem Stollenpaar des ersten Halb- 



294 

verseB. Die allgemeine Tendenz der AUiterationspoegie zur AsBO- 
naoz unterwiift allmählich diese typiachen ReimwSrter einer 
weiteren Verarbeitung. Ueber die allmähliche Ausdehnung det 
AfiBonanz in der altn. Poesie bis zu ihrer mächtigen Stellang in 
der Skaldendichtung, über den umfang der Assonanz überhaupt 
in der as. und ags. Poesie ist noch nirgends umfassend gehan- 
delt worden (Poestioa L'aasooance dans la potoie aorraine ist 
unbrauchbar). Aber die Geschichte der Zwillingsformeln, das 
sunehmende BedUrfnisB nach Angleichung in reimender wie reim- 
loser Paarung dürfte dafür eine geeignete Grundlage bieteo. 
Aus der ABBOoaax wächst schliesslich dans auch hier wie sonst 
(vgl z. B. Schipper AltengL Metrik S. 36, Kelle Ottrid I 89) 
der Reim heraus, ohne doch innerhalb der stabreimenden G«- 
dichte zu grosser Bedeutui^ zu gelangen. 

Wie nun aber schon in dieser Sorge, die auf die Form der 
S3nionymenpaare gewandt wird, eine gröesere Wichtigkeit der 
anfänglich nur bequemlichkeitsbalber benutzten Figur sich offen- 
bart, so wächst mehr und mehr die Zwillingsformel zu elAem 
selbstetändigen Kunstmittel. Die ags. Poesie ze^ sie auf der 
Höhe ihrer Entwickelung. Wie der Reim selbst hat auch sie 
sich vom Halbvers über den Vers ausgedehnt und beherrscht . 
an SteUen wie Ex. 440 — 41, Seel. 110—12 gar Verapaare. 
So bietet sie ein interessantes Gegenstück zu jener älteren Form 
der Wortwiederholung, die von bedeutungsvoller, ja maasa- 
gebender Stellung im Gedicht heruntersinkt und gerade wieder 
ags. ais unte^ieordnete Hilfs&gur ihren bescheidenen Platz 
ausfüllt. 

Der massenhafte Consum von Zwillingsformeln läset die 
ags. Poesie dann auch bereitwillig den Produkten des eigeaen 
Bodens solche von fremdem Ursprung zugesellen. Sie importiit 
aus der christlichen Dogmatik und besonders der Predigten die 
wichtigsten und geläufigsten BegriSspaare, um aus ihnen fort- 



Iluend neue Zwillingsformelii man kann wohl sagen xu fabri- 
■•D. Diesen Fabrikaten aue fremdem Stoff auch nur inländifiche 
Sbxq zu geben, iaUi ihr selten ein. Im G^entheil wiikt das 
^bicpiel der neuen Figuren auf die alten. Die ahd. Poesie 
^■ht hier wie ratäet auf dem W^ von der altn. Stufe zur ags. 
*r letzteren doch schon bedeutend näher, die as. fast völlig 
«■l>ai der ags. Höchst merkwürdig ist, dass sAgar die geringen 
*kagmeQte, die im 'Wessobnmner Gebet oompilirt und, die 
SwilHngsformeln in verschiedenen Phasen ihrer Entwidielung 
wlg^i ; in dem heidnischen Stück heiset es noch ero noh üfhi- 
aoil, in dem christlichen himil enti erda. Für den Stabreim 
•t die Reimlosigkeit eingetreten — und statt der Erde steht 
xan der Himmel voran. Schon dies ist ein Aigument g^en 
Jen von Wackemagel (noch L. G. 24,9) behaupteten christ^cheo 
Charakter des ganzen Stücks. — 

Geht man auf das Einzelne näher ein, so wird die Ge- 
schiebte der Zwillingsformeln für Kritik und Chronologie der 
Gedichte öfters eine Handhabe bieten können. Um dieselbe 
iiueerlicb zu ekizziren, mtisste von einer ungefähren zeitlichen 
Uebersicht der wichtager^i Beispiele ausgegangen und nament- 
lich die gemeingermaniscben li^e denen der einzelnen Sprachen 
fsgenüber auch hier wieder abgegrenzt werden. Einzelne hegen 
■noh schon der Sprachtrennung voraus, so Himmel und Erde 
(t|^ 0.x Mann und Weib, Gold und Silber, jung und alt u. a. m. 
— In dankenswertbester Weise hat Hoffroann (aao. S. 19 I.) 
den Versuch einer solchen allgemeinen Uebersicht gemacht; nur 
behandelt er leider bloss die aUiterirenden Zwillingsformeln 
vollständig. — 

Wir haben endlich noch von einer Formelklasse zu sprechen, 
kröche die Concentration der Worte ebensowohl als die Reim- 
t der ftge. Dichter aui der höchsten Spitze zeigt. Wie der 

Itjlffwsr Parallelverse in ein Wortpaar gepresst wird, so 



wild das Wortpaar tu ednem Compositam nuaminengedrfickt, 
und wenn diew compiinürte ZTüIingsformel nun onganan oder 
genau reimt, entsteht ein Schlagreim: vordhord. Auf diese ags. 
Reimcompoeita hat zuerst Kluge (P. B. 9,422) anfmerksam 
gemacht (was ich Anz. f. d. Alt. 13,136 übersehen habe); seine 
Sammlung hat Hoffmann (aao. S. 81 f.) Terrollstäadigt und be- 
sprochen. Ich habe den bdden lehrreichen Auseinandersetran- 
gen nichts hinzuzufügen, als dasa ich nochmals, betone, wie 
dieee Bildungen von neuem für die »Modernität« der aga. Poesie 
zdgen. Sie haben innerhalb der altgenn. Poesie höchstens 
vereinzelte Gegenstäcke (hridgrid Gud. bv. 18,4), ausser m 
Bogen, jüwezui^n wie holterdipolter u. dgl. ; dagegen kommen 
sie in den romanischen Sprachen vor (C. Michaelis Romanische 
Wortschöpfung, S. 27 Anm.). — 

g 13. Wortspielerei. 
Bei jeder Form der Wortwiederholung wird schon mit dem 
Worte gespielt. Nur moss man dies Wort »spielen* selbst 
nicht m dem Sinn gesuchter Verschiebung oder gar leicht- 
fertiger Zweideutigkeit nehmen, sondern das Spiel so auffassen, 
wie es mancher poetischen Gattung (z. B. dem Leich) den 
Namen gab: als ernste, feierliche Bewegung. Ein Shakespeari- 
Bcher Clown jagte freilich noch nicht Worte und Bedeutungen 
durcheinander, noch hetzte ein Bückert ein und dasselbe Wort 
durch alle Formen und Verwendui^en hindurch ; aber dennoch 
ist für keine Stufe der dichterischen Behandlung der Sprache 
das Wortspiel im weitesten Sinn ao bedeutsam wie für die 
älteste. Doch kann ich hier auf die Bedeutung der etymolo- 
gischen Versuche jener Zeiten sowohl für die Mythologie (vgl, 
Max Müller Essays II 60 f.) wie für die Geschichte des specu- 
lativen Denkens überhaupt (vgl. Geiger Ursprung und Ent- 
Wickelung der menschl. Sprache und Vernunft I 118 und bes. 



297 

401 f.) oatürlicb nicht eingehen — wozu auch medne Kenntnüse 
keineswegs aosracheD würden ' — und kann daher nicht zeigen, 
wie nacherechafiende Poesie so gat wie erfindende eich an das 
Wort klammert. Auch jene fehlenden Arbeiten über die alt- 
gernumiache Asaonanz Boll hier nicht nachgeliefert werden, 
sondern nur Fälle eigentlichen WortapielB. Einzelne mussten 
ja schon oben angeführt werden. Die flectirte Wortwiederholung 
fällt völlig unter die Rubrik der Annominatio, die varürte 
WortwiederholuYg bei Angleichong ihrer Theile oft genug unter 
die der Paronomaeie. Wortspiele der interesBantesten Art ver- 
bergen die tautologifichen Epitheta wie etwa »die breite Erde« 
oder »das strahlende Gold*. Wortspiele stecken in der Wort- 
aufnahme der eddischen Dialoge, in der Namengebung aller alt- 
epischen Poeeie und an den verschiedensten Orten innerhalb 
der alten Ueberlieferongen. Wir haben aus solchem Reichthum 
nur die augenlälügsten Belege auszuheben. Und doch habe ich 
nicht gefunden, dass auf diese Seite des poetischen Wort- 
gebrauche trotz ihrer fundamentalen Bedeutung in den Besprechun- 
gen altgermaniscber Poesie ii^^dwo eing^^gen wire. — 

Wortspiele in modernem Sinn,* doppelsinnigen Ausdruck 
glaubt Kiedner (Zs. 83,31) in der Velundarkvifia zu finden. 
Ein Wortspiel mit gl und oll enthalt vielleicht die Schluse- 
strophe der Oe^sdrecka. — Eine et^'mologische Spielerei ist 
Konr imgr in Big. (vgL Holtzmann Edda 273,44.)' — 

Wir beschränken uns nur auf das formelle Wortspiel, auf 
solche Fülle demnach, in denen ähnlich klingende Wortiormen 
in auffallender Weise veigesellecbaftet werden. Beruht der ähn- 
liche Klang auf Verwandtschaft oder Gleichheit dee Stammes, 
so haben wir Adnominatio; bei verschiedenem Stamm and 
also rein äneeerlichem Glmchklang verhalten P&ronomasie und 
Reim sich zu einander wie sonst Stab- und Endreim: jener 
ist auf den Stamm gegründet, dieser vorzugsweise auf die 



Flexion. Wir werden oIao diese drei Gruppen za scheiden 
haben. — 

Uialte Beispiele solcher Wortspielerei hat Ka^ (Rigreds 
Änm. 83 f.) gesammelt; für Deutungen von Elgeonamen habe 
ich unten einige Literatur zusammengestellt. — Ffir die toidb- 
nischen Analogien verweise ich wieder auf LetfEholdt Etymo- 
logische f^guren im Romamscben (Adnominatio S. 8 f. Etymo- 
logische Figuren im engeren Sinne 3. 37 1. Tantologie S. 60 f. Pleo- 
nasmus S. 90). — Specialsammlongen aoa der altgerm. Literator 
sind mir ausser Janssens Zusammenstellung über ifflangfigcnn* 
bei Cynevnlf (Zur Synonymik und Poetik CynevuUs 8. 67 t), 
nicht bekannt. — Vgl. auch Regel über das innere Objekt bei 
Layamon Germ. Studien I 173. 

A. Adnominatio. 

^aer Igg iQgdtu Vgl. 23,9; var ek snivin snjöri V^. 5,5; 
ok hefir sä bgm of borit Lok. 33,6; ok snapvist snapir Lok. 44,3; 
'Asa{>6r hugda ek aldrigi mundu glepja farhirdi tarar {Anden 
nach den Hsb. fehirdi] Härb. 52; {)ik mom momi Sk. 31,4; 
Sii sifjadan HyndL 43,7; firidju mennakir menn Gr. 31,6; dvist 
er at vita Hat. 1,5. 38,4; Fit. 24,1; sä er vitandi er vite H4t. 
18,6; rid mun ek {ler nü räda Härb. 53,1; ]>at kann ek galdr 
at gala HäT. 150,6; mmidu vist vita Grip. 25,5; svefn |>d ai 
seEr Grip. 29,5; gjafar ^ä gaft, gaftattu Äetgjafar Reg. 7,1; 
Btöd h6u und atod Gud. 27,1; {id var vig vegit Odd. 17.1; 
lekum leik margan Atlm. 69.3. 

on {line vlite vlltan Gen. 1825; vyrd väs gevorden Dan. 
653; be naman nemnan Jud. 81; avä teöhtne leöman Sat. 469; 
|)ät le6hte leoht Cri. 592 ; leöma leohtade Cri. 234; gevit 
vitgan Cri. 1193; on hyge hycge Bo. 10; dögora dägrim B. 
823; nyde genyded B, 10O5; (vigan vighearde Byrht. 75); 
vigan tö vige Byrht. 235; via on gevitte An. 470. 682; vis- 



domee gevitt EL 1191; ]nB galder ongakn Z&ub. 6,17; eyge- 
gealdor ic begale Zaab. 8,6: |)ät ic gr6fe gräi Reim. 7X; gyfed 
gj-fe Pb. 83,12; of (OaeneBse claene Pb. 88,37, vgl. 117,18; ceö- 
se mid geoorentiia Pb. 106,5; ic hie TiUan vylle . . . Becean 
Pb. 110,2; leoma läre laergedfile Fä. 61. 

Ab. nur fmma fremidin Hei. 2701; ahd. want er — wun- 
taue bougä Hild, 33; haft heptidun M6D IV 1,2. — 

Fast nur pathetieche Stellen, so besonders V^. 5,5, Sk. 
31,4 und die PBalmeoetellen. OewiBBe Verba mit ihrem inneren 
Objekt haben den Löwenantheil; alte, und age. eine' Gabe 
geben, (ebeoeo 3waw r* aj-^aä iiäpa Hymn. Hom. 3,462, dSipov 
idaatv 4,212 u. dgL), einen Zaubei^esang singen, einen Kampf 
kämpfen; altn. noch rathen und viseen, ags. lencbten (doch 
dies mit stammverwandtem Subjekt). — Für die ags. (und ahd.) 
Fälle vgl Kluge P. B. 9,431. (Fälle, wo die verwandten Worte 
weiter auseinandergerückt sind, ebd. S. 932). — 

B. Paronomnte. 

Skuld h*ld Bküdi Vgl. 31,5; ef ek ek . . .. . J)r. 12,9; h^-i 
vaeri Baldti ballir draumar Veg. 1,7; b^ida 1 badmmn tekit 
Lok. 26,6; at ])ü m^, e^gr, n^ eegir Sklm. 5,3; manna glaum 
mani, manna nyt mani Sk. 34,7 — 8; verdrat ise & ä Vaf. 16,6; 
ny ok nid sköpu nyt regin Vai. 25,4; ^vl er \&t ne alt til 
atalt Vai. 31,6; h^ annarr Agnarr Gr. 1 Saem.; Andhrimnir 
laetr 1 Eldhrlmni Laekrimni sodinn Gr. 18,1; \mi.i övist er at 
vita bvar 6vinir Bitja Häv. 1,5 — 6; [tees fugls fjg^rum ek fjo- 
tradr vark HÄv. 13,4; Begja eeggjum trk Lok. 25,3. 60,3 vgl. 
at ^ mal, eeggr, q4 Begir Sk. 5,3: |)ä er {iil lest m^r ä bed 
jjinn bodit Lok. 52,3; eda verlaus vera Sk. 31,3; i höfi hafa 
Häv. 64,3; Bjäldan bantarsteinar Btanda brautu naer Häv. 72,4; 
hvlta af hveiti K. 80,7; nü hefi ek hefnt Mc\'. 28,5; gl — oll 



800 

HyndL 45,1—3; Atli ek heiti, ataU skal ek ^ ver% H. Hi. 
15,1; ok kralda kveldriftor H. Hi. 15,6; ef f>te koemit i ^vent 
|>vari H. HL 18,6; reisi — reyna H. Hi. 21,1—2; leitt — leitk 
H. Hi. 28,9; Helgi helatefum E. HL 29,3; svali alt 1 sal fo. 
16,3; maerii foglar er maei &ttd Gud. I 16,7 — 8; ok jfifoiT 
gdrum oedri venUi Sig. sk. 11,9—10; vitoma vit Sg. Bk. 19,1; 
befir kuiin kona vid koniu^ 3ig. ak. 54,3^-4; byrda vit i 
borda fiat er |>eii bfirdusk Gud. IX 15,5; {)& hygg ek B^p 
ekiftu Atlm. 35,3; drygda ek ^ svi. drykkja Atliä. 79,7; 
Btrida — atriddit Hamd. 8,2 — 8; jarpskgr Hamd. 1S,3 (vgL 
Holtzmaim Edda 553,13); roedid er um r&d Hamd. 30,5. 

folde mid fiMe Geo. 157; gode &fter gAde aeoegum G«n. 
291; vord veordian Gen. 329 vgL 353 u. ö.; lädes gelaede Gen. 
531; gyld ol golde Dan. 175, ebenso tö J)im gyldnan gylde 
Dan. 204; tö |iäm gebede gebaedan Dan. 202 ; mid nyde nydor 
Dan. 493; |>ät ^&a ä se rtca rtean volde Dan. 596; vlde väde 
Dan. 650, ebenso Gäth. 116; dorn gedemed Dan. 655; nldbeard 

— nyd Jud. 273; mödes — miides Cri. 665, vgL Pa. 70,7. 
137,1; on eordan eard Cri. 772; le6da leodocräftas Cri. 39; re&d 
rMe glM Vy. 46; mere gemaere Seh. 53; eald — eal Kl, 29; 
sund vid sande B. 213; ydde — on ydum S. 421; vide sldas 
B. 877; nyde genyded nidda beama B. 1005; rehte äfter lihte 
B. 2110; güdum — gödum B. 2178; vege: vaege B. 2252; 53; 
onfand: gefandod B. 2300: 2301; feohleAs gefeoht B. 2441; 
av&t — avadu B. 2946; flöd — flotan Byrht. 72; aräsad fer 
{)y raeee Jul. 587; göd väö Güdläc Güth. 141; earde on eordan — 
beorg on bearve Güth. 399—400; ealra Mla ful El. 769; leof 

— geledfa El. 1036 vgl. 1048; röde ander roderom El. 1235; 
mine strengde on |>e stränge gehealde Ps. 58,9 ; |>ine feldas fylde 
B. 64,2; hira tungan tugon Pa. 72,7; mannum — manna Ps. 
77,25. 29; healded bealde 111,1; blaede la«ded Ps. 146,9; leo- 
dum leod Met. 4; vräde bläved Met. 7,52; vid oder vind Met 



301 

11,33; ]>oime ])one — Met. 24,35; til mon tüee and tomes — 
Gnom. 143; eadig — eade Sal. 889. — 

herta so gihertid Hei. 1051a; ogian — ogon Hei. 1977b. 
— Ahd. keine Beiflpiele. — 

ffierher habe ich auch Fille gestellt, in denen wirkliche 
Stammeeverwandtechaft verdunkelt vorliegt wie R. 30,7. — Er- 
weiterung der Adnominatio durch Paronomaeie Hiv. 1,5 — 6. 
B. 1005; Häufung Gr. 18,1, Sig. ek. 54,3, Gud. H 15; in Pa- 
rallelvereen Sk. 34,7 und kunstvoller Güth. 399 — 400. 

Fälle aus Zwillingsformeln sind schon oben gesanunelt. — 
Gemeingenn. acheint z. B. dae Spiel mit fold imd flöd: 
EU Gen. 157 vgl. HAv. 136,15. — 

Die meisten Fälle stehen altn. in den Helgihedem und 
zwar namentlich in deren Dialogstücken, ags. im BeovuU, sowie 
auffallend viele im DanieL £e wird ja oft striftig sein, ob 
dae Wortepiel gewollt war. Einzelne Worte wie z. B. manna 
legten cb so nahe, dafis ee sich fast von selbst eindrängte. 
Aber die Wortspiele in jenen Scheitstropben sind wohl un- 
zweifelhaft beabsichtigt', mit der Wortaufnahme zusammen sind 
sie das wichtigste Element in der ältesten Technik des Dialogs. 
Die et]anolo^Bchen Spielereien mit den Namen Baldr AtliErpHelgi 
GUtblic stellen sich dorchaus in die Keihe jener griechischen 
und indischen poetischen Namendeutungen, die L. Geiger (aao.) 
besprochen hat (vgl. 2. B. über Spiel mit dem Namen Savitar 
Kaegi Der Bj^eda Anm, 217. Anders urtheilt über solche 
Etymologien v. Willamowitt Homerische Forschungen S. 18). 
Auf hebräische »Anspielungen auf Namen, Denkmale und Be- 
gebenheiten!, die ganz analog sind, machte schon Herder auf- 
merksam (Gesch. der hehr. Poesie W. S. 12,185). An Eigen- 
namen vorzugsweise heftet sich auch die spielende Et^nnologie 
des Mittelaltere vgl. J. Grimm Kl. Sehr. I 3041. — Des- 
gleichen sind Anspielungen auf Namen die einzigen Wortspiele 



d«r ftltn. Saga (vgl. Heinzel Beschreibong der i8läD.d. Saga S. 193 1) 
— Für neuere Zeit vgL Jean Paul Vorschule der Aesthetäk 
W. 18,223 und Ändresen Volksetymologie bes. S. 145 f. - 
Andere Fälle und vielleicht die meieteD stehen zwiachen beab- 
sichtigten und nicht gewollten Wortspielen in der Mitte; aie 
werden ausachliesslich dem Verlangen nach Afiflonanc verdankt 
and gehen nur dem Gleichklang nach ohne Rücksicht auf Be- 
deutung. Die kunstmässig aosgebildeten Fonnen der e^mo- 
logischen Figur u. dgU (vgL Pott Doppelang S. 51 f.) sind sehr 
selten (altn. erfüllt nur das späteste Beispiel lekum leik maq;an 
deren Bedingungen), weil aie eben als rein kunatmäamg erst 
einer mehr scbriftmässig arbeitenden Zeit eigen ist (ebenso 
romanisch: vgl. LeifEhold aao. S. 17). — 

Die Steigerung der Wortaufnahme zur »rührenden« Adiio- 
mination, der Wortaufnahme im engem Sinn, steht der Fignr 
der Anaphora zu nah um von uns nicht lieber dort besprochen 
zu werden. — 

C. Endretm. 

Wie die Zwillingeformeln für die Wortgruppen der poeti- 
schen Sprache überhaupt vorbildlich sind, so trafen wir bei 
ihnen auch schon die Fortbildui^ der Angleichung beider 
Theile bis zum Reim. Ja die Grenzen sind Süaeig, und manche 
Assonanz kann grade so gut auch schon ein unreiner Reim 
genannt werden. Aber hin und wieder war der eigentliche 
Endreim offenbar erstrebt. Dies alles wiederholt sich bei den 
andern Beispielen von Reimen innerhalb der Alliterationsdich- 
tung: aus der Assonanz hervorgewachsen, sind sie oft doch 
von dieser schon bewasst geschieden. — ^ 

üeber Reim im Allgemeinen vgi. z. B. Carriere Poesie 
S. 189 f. — 

Unter den altn. Belegen nehmen Eigennamen einen so 



breiten Raum ein, dasB ich diese gesondert voranestelle. — 
Vgl Edwirdi P.B. 5,571. — 

Altnordiech. 
a) Namen. 
Litr ok Vitr Vßl. 15,4; Fiü Kili 16,1; Dori Ori 18,5; 
Skirfir Virfir 18,7; SiS ok Vifl, Saekin ok Aekin Gr. 27,1— 2^ 
^yn ok Vin, pQU ok Hgll ebd. 9—10; Nonn ok HrQim, Süd 
ok HrM, Sylgt ok Ylgr Gr. 28,6—7; Vfind ok Strond 28,9; 
G6inn ok Möinn 34,4; Könnt ok Ormt 29,1; I^ist and Mist 
36,1; [ludr and Udr 46,5; Alfodr Valfodi 48,3; Dnunba and 
Eumba Big. 13,2; Bratekeggr ok Seggr 24,8; eii Haki F^ 
Fragm. S. 805,1; Holkvi : Folkvi ebd. 20-21. — 

b) Andere Fälle. 

gnatB:rata VoL 53,5—6; balir allir Vel. 58,7; vaknadi : 
saknadi|ir. 1,2:4; oxa : laxa|)r. 24,5 — 6; Ter : bverHym. 3,5 — 6; 
(hruta : fiutu Hym. 24,1 A.); bari : stari Sk. 28,3 : 4; hgrgmn : 
hmmmgigum Vaf. 38,6. 7; boga:loga BAv. 84,1 — 2; bAm : 
Bkräm BAv. 133,10—11; trinn r minn Hyndl. 5,5. 7; grey t ey 
H. Hi. 13,7—8; ymr : glymr H. H. I 28,1. 2; aevi : braevi H. 
H. II 17,5. 6; mantu : antn Grip. 45,2. 3; v^r r m*r Grip. 46,3. 
5; sriAntsnidu Er. 4,1 — 2; aetti : knaettä Big. 8k. 3,7 — 8; 
maetum & gaetiim AÜm. 67,6: sendofik : bendosk Atlm. 85,2 — 3; 
flödi vollr blödi AÜm. 50,6; Bvirra sÄra Gufl. bv. 11,1. — 
Rübiender Reim: vaerir : vaerir Lok. 54,1 — 2. 

Von diesen FäUen reimen Vol. 58,7, AÜm. 50,6 und 67,6 
mid Gnd. bv. 11,11 — letztere alle drei in jungen Liedern — 
Bovie BänuQÜicbe Namenpaare innerhalb eines Verses, |>t. 1,2 : 4, 
Eyndl. 5,5 : 7, Grip. 46,3 : 5 reimen überscblagend, die andern 
paarig. Grip. 45,2 — 3 und AÜm. 85,2 — 3 reimen die AnfangB- 
worte rweier sich folgender Verse. — 



304 

Unreine Reime Bind oamentlich in späteren Liddam sehr 
beliebt. So z. B. berjaak : Tentaak VqL 46,1. 2; byggja : tv^gj« 
Vgl. 65,5^6; dyggvar : byggra Vgl. 66,5—6; foma : bomar, 
talda : manna, Skjsldonga t Skilfii^ : Odlin^ : Ylfinga HyndL 
11,1 : 3, 2:4, 5—8; 'Ottar : var HyndL 12,1 : 3; daodan : raiubi 
Gud. n 26,4 : 5; sali : allan : fallinn ebd. 6—8; rifiimi : knldnin 
35,6 — 8; UDgi:kunni Slg. ak. 3,7:8; mordi : gardi Akv. 33, 
4 — 5; ganga:|>aDg at Atlm. 14,1 — 2; galga : banga 21,1 : 2; 
tveggja : vaegja 25,6 : 7; Ätti : {xitti 31,1 : 3; lygi : hygdi 32,4 : 6; 
urdu:he3ndu 43,1:2; sveinai: bennar 59,9 : 10; ekki : {lykki 
69.9—10; henni : ynni 86,1 : 4; grata : bäda Hamd. 10,6 u. 9. w. 
Edzardi (aao. &79 Anm. 1) zieht hierher auch sagt^lc : ^agjA 
im Refrain der Veg., und so köunte man die FäUe häufen. — 
Hamd. 10,6 haben wir Schlagreim, Hyndl. 11,1 — 4 gekreuzte 
Reime, sonst meist gepaarte. Hyndl. 11 ist das Beispiel einer 
ungenau durchgereimten Strophe. Reime aua den Ätlam&I hat 
Edzardi (aao. 573 Anm. 1) zusammengestellt. — Rührender 
Reim überschlagend letu : letu Vkv. 9,6 : 8. — 

Diesen Proben entsprechend steigert gerade in den apiel- 
mannsmäaeigen Gedichten wie Athn. am häufigsten die Assonani 
sich zum ungenauen Reim. — Die Namen reimen immer genau 
(Fn^pn. 305,1 die leichteste aller Reimfreiheiten, a : d). — 

Angelsächsisch. 

Bei den ags. Reimen verlohnt es sich schon, Schlagreime, 
paarige und überschlagende Reime zu trennen. — V^ Kluge 
P. B. 9,432 f., wo auch die sänuntlichen ungenauen Reime an- 
geführt sind; ich beschränke mich auf genaue Uebereinstim- 
mungen. — Für Cynewulf special] vgl. ebd. 442f. — 

a) Reim innerhalb eines VerBes. 

deorc gesveorc Gen. 108; stöd göd Gen. 209; eöver feövei 
yü Gen. 1334; betreönan teonan Gen. 1902; stide strengeo. 



305 

Bt3Tnde eviSe (klingende »Pause«) G«n. 2495; flöd blftd geröd 
Ex. 462; raed forS gaed Ex. 52S; grundece&t geondspreÄt Cri. 
42; laerad : raerad (klingende »Pause«) Cri. 1689; vrenced he 
and blenced, vom gejwnced Möd. 33; äled : bäled Wal. 22; sco- 
rene gedrorene Ruine 5; forveorene geleorene Ruine 7; eteAp 
geäp (vgl. ZwilHngsformeln) Ruine 11 ; veal eall Ruine 40; bord 
ord Bjrbt. 110; bäc:läg Byrht. 276; neode e6de Pb. 76,2; 
bealde healde Ps. 118,134; gefeöh : gejwoh (»Pause«) Hy. 11,1; . 
stille on tille Met. 20,172; gescead smeäA Met. 20,218; ävinnan: 
onginnan Met. 25,69. — Gehäuft Rät. 29,4—5, vgl. 6. 8. — 

b) Reim innerhalb eines Verepaaies (vgl. Kluge aao. S. 433). 
ämyrred -. äfyrred (eog. überschlagender Reim im eieren 

Sinn: Schlusswort reimt auf Anfangewort) Gen. 378b : 379a; 
sceäf : re&f (ebenso) lÖ64b : 1565a; vundemnael : gebunden B. 
1531 ; ord : breös&ord B. 2791a : 2792b (ebenso); äcyrred : gemyr- 
red (ersteB Wort des eines Versee mit dem zweiten des folgen- 
den) Jul. 411a : 412a; ferion : nerion (erstes betontes und Schluss- 
wort) Zaub. 8,21. — 

c) Am Schluss zweier Halbverse (vgl. Kluge aao. S. 435, dort 
sind die Fälle aufi Beöv. vollständig gesammelt). Beabsichtigt 
(wie die Inreime im Beginn der Nibelxmgennot) sind gewiss die 
Inreime am Schluss des Beövulf S182— 83 (Kluge S. 436). 

a) Die beiden Hälften dnes Vollverses reimen. 

hyrde : gestyrde Jud. 60; neosan : ferleösan Jud. 64; näs : 
vas Jud. 113; bevunden : gebunden Jud. 115; gäde : äde Jud. 
123; leäs : geceis Cri. 36; ferseon : gefeön Cri. 757; glaed i blaed 
Vy. 68; sacu : vracu Ph. 54; gevin : onsyn Ph. fA (Ph. 15 — 16 
6. u. »Zwillingsformeln*)gle&vne; unhneä\'ne Vid.l39; päd:gebäd 
B. 2258; spelk : fela B. 3029; madelode : haJenode Byrht. 42. 
309 ; eorl : ceorle Byrht. 132; stunde ; vunde BjTht. 271; brödor : 

UwjmT, AltgnmuiHli* PomU. 20 



6der Byrht. 282; band : gecrang Fata 60i avm% : gecrang Fate 
72; g«f^an -. beran An. 216; blMe : Ude As. 869; Bang:g(aig 
An. 871: heäp : ^nit An. 872; drehten : hyhte An. 876; Tynn : 
|>rym An. 889, ebenso Jul. 641; on^pnn : gerinn (vgl. Het. 
25,69) An. 890; gesvungen : gebtmden An. 1398; tölocentge- 
brocen An. 1406; tteloven : ä{)ioTen An. 1427; mlnne : onginne 
An. 1442; gebäd:töhl&d An. 1&89; läomu : ägon Güth. 50; 
^eima/Bi : ectiva/t Gäth. M ; gebrec : ge])rec, bandgesring : gring 
Sl. 114 — 15; Taere:naen EL 171; a^eäve : ge|)reide EL 321; 
föfi:bäB El. 1237 n. s. f. bis 1246 and 1248—51; veordlloe: 
{>icce ?B. 67,15; yrre : oncyire Pb. 84,4; möd : söd Fs. 84,9; 
handgeveald : sealde Ps. 106,30; eädmöda : göda Hy. 3,39; ge- 
reaht:meabt Met. 11,99; naerervaere Met. 20,103; habbad: 
nabbad Met 20,195; stän : nin Met. 21,21; genge : lenge Craom. 
3,121; gehealden : gevealden ebd. 122; ferigend : aeiigend SaL 
SO; veard : geard ebd. 83; avinged : hrii^;ed ebd. 266; hlimmed : 
grimmed Rät. 3,5; sceotan i t>eotan Rät. 39,4; gebealdoa : ge- 
veatdon Zaub. 8,22. — Rührender Reim bit« : bite Rät. 66,5. — 
Dazu kommen zwei ganze Gedichte: Alfreds Tod und das 
Reimüed, deren ungenaue Reime uns veranlasst haben, ancb 
in der obigen Sammlung vereinzelt solche mitzunehmen: lof 
dräf : ofslöh Alired 2; cömon : nämon ebd; get : behät ebd. 11; 
bereden : generedon Reim. 19; vaer.biscAr ebd. 26; dyre : ^re 
ebd. 45; geväf : forgeai 71; mmed:beymed 73; geseon : gefeön 
87. Uebrigens enthalten beide Gedichte neben dem CTäBuneim 
noch andere Arten des Reims: Schlagreim gehäuft Rwul. 13 
Bcrifen scräd gläd ]]urh gescäd in bräd; äbohch 57, 62 — 66; 
die Vollverse reimen paarig gebyrede : vyrde Atl. 17 : 18, die 
Halbverse überschlagend veordlice : aüdportice ebd. 18 : 20. — 
Für das Reimüed ist h^mder Einäuss, nämücb der der altn. 
Skaldenpoesie, kaum aazuzweÜeln; vgl. auch Kluge aao. 
S. 440. — 



307 

^ Der zweite Halbvo« dnee VoUversee reimt eich mit dem 
ereteii dra folgenden VoUverees. 

gre6v : blödceöv B. 1718b : 19a; healdan : vealdan B. 2389b 
90a; beadolic« : veätäcen An. 1120a; sceal : eall OAth. 343b 
44ft; dynede : clynede El. 50b : 61a; Ähyrde : vyrde B. 119,4b 
5a; mag : däg Rät 59,3b : 4a. 

fi Der CäBurreim wird in den folgenden Vollvers verlän- 
gert (a and b vereinigt). 

lyre : hryre : diyre Gäth. 800a : b : 80la; volde : volde : 
Bceolde Met 11,15. — Der letztere Fall führt eu den besonders 
in den durchgereimten Stücken beliebten Reimhänfungen. — 

9) Der erste Halbvers einer Zeile reimt mit dem ersten 
des folgenden VoUversee (übetschlagende Cäsurreime). 

veöld : beöld B. 465a : 66a; gefeän : gefreto Gäth. lCffi2a : 
1053a; nävihte : övihte Ps. 72,17; yldo : gel)ylde Ps. 91,13; 
teqs^ : -vege PB. 100,1 ; inveaidllce : det^oe Met 22,2a : 8a. — 

c) Gin Halbvers reimt mit dnem weiter abstehenden 
Halbveree. 

heöld : ve61d B. 2777b : 79a; niht : äviht : hiht Fe. 
76,2—3. — 

d) Reim am Schlnee der Vollverse. 

a) "Dvst Vollvers reimt eich mit dem folgenden Vollvers 
(überschlagender Reim). 

gelSce : rlce Sat 307b : 8b; slät : vät Seef. IIb : 12: bäd : 
T&d E. 1882b : 1883b; heia : fela B. 2737a : 2737b; lät : fät Jul. 
573b :574b; min: Irin Gütb. 1431b :32b; ähöfan i gröfan Ps. 
77,58. — Rührender Reim: cynn : frumcynn ebd. 67. — 



308 

y?) Ein Vollven reimt mit einem weiter alwtdunden VoUveis. 

gemealt : srealt B. 1616b : 1617b; tieö : ble6 El. 147b : 150b 
n. dgl. m, — »Die Silben suchen sich« : srä gvidne gerorbtne : ss. 

hvltne gevorhtne Gen. 252b : 264b. — 

Man bemerkt eine Zunahme des Reinu (vgl. Schipper, Alt- 
engl. Metrik S.67 f.) mid sogar scbon Anfänge von Reimkünaten, 
wenn anch die schwierigeren Fälle wohl meist dem Zuiall ver- 
dankt werden. Am häufigsten ist, wie natürlich, dar CSsur- 
reim, doch ist wie in den altn. Namenieimen aach der Schlag- 
reim nicht selten; beide einigen sich zuweilen cum Doppelreim, 
der auch noch femer zu vier- und mehrmaliger Wiederholung 
desselben Endreims geeteigert wird. Selten treten Reime ver- 
einzelt auf, vielmehr haben sie meist andere Reime oder doch 
starke Assonanzen um sich, — Besonders liebt CynevuU den 
Reim (ten Brink aao. S. 76), vorab in der Elene. Den Schlagreim 
bevorzugt aeben der Cren. besonders das kleine rührende Ge- 
dicht «Ruine«, wie ihn in ähnlicher sentimentaler Absicht das 
einzige volksthümlich gewordene ohd. Lied, das dieser Spielerei 
nachgiebt, zeigt: das Gedicht >Auf den Bei^n die Burgen, im 
Thale die Saalec von Leberecht Dreves. Schlagieim mit Enjam- 
bement nur vereinzelt im Beövuli, doch zweimal in der Gen. 
Cäsurreim gehäuft an einer Stelle in der El., durcb das ganze 
Gedicht vertheüt Im An.; Cäsurreim mit überlaufender Con- 
stniction mehrmals nur im Beovulf (es ist dabei an das 
Zeilenbrechen im Hei. zu denken). — Gleicher Reim ist sehr 
selten, zeigt dann aber keinen Bedeutungsunterschied der gereim- 
ten Worte. — Eine Uebersicht der ags. Entwickelimg des End- 
reims giebt Kluge aao. S. 445 f. 

Altsächsisch. 
Die Reime des Hei. macheu ausnahmslos den Eindruck, 
als seien sie dem Dichter ungewollt entschlüpft. Beispiele von 



309 

genaaoi ReimeD: mancunnea : gifrumida 4 (Cäsurreim); sconiost 
uulitigost 270b : 271a (CäfuireLm mit Bcjambement); stnmgoBt 
ctafügoet 370b : S7Xa (ganz ebeiiBo); man : adalboranan 463b 
464b (überscblogender Reim der VoUverBe). Nur mit Entstellung 
des Acceuta Ueeeen sieb weitere Endreime wie betan : man 76; 
rokf aton : tbeonon 108; Bcoldi uneroldi 124b : 126a; hemdtten- 
dion : beritogon 343 (womit in den umgebenden Vollvereen gihuili- 
coD und giuuieldoQ, doch nur nach dem Cott^m., aBBomren) 
berausdrücken. Aasonanzen z. B. sang : bebanuuange 414; 
uueroldi : gistuodi 471 n. a. — 



Altbocbdentecb. 

gan&dä : galaupa Wees. G. 12; gtantaone : pinulsanne: 
gauurchanne WesB. G. 16 — 16; ml:linti Eßld. 16; man giwin- 
nan Hild. 66; argAsto : ÖBtarliuto 68; uualtan : acrltan 62b : 63b; 
Ijntün : wnrtun 67; pidencbanne : kispane Musp. 18b : 19b; 
kinäda : sSla Musp. 18; rahbönt uuison 37; farprnnnan : pidunn- 
gan, puase : uuise 61 — 62; nueUhba : kifnmüta 69b : 70b; suona : 
sag^ta : engili : marbä : deotfi. 78 — 80; suonnan scal : artöllan 
Bcal (>die Silben eachen sieb*) 85b : 86a; umpi:menigi 87; 
sprebban : eekkan 91; baptbandun : vigandnn MSD. IV 1,4; 
Marti : hirti MSD. IV 3,2. — 

VgL Müllenbofi de conn. Wesaof. S. 5, MSD. zu n 15 
o. H. w. — Neben vielen Cäsurreimen (zu denen nocb Asso- 
nanzen wie almahtiico : gauuorahtöE Wees. G. 9; sagte :uu6t 
Hild. 12; giuueitinld HUd. 18; mi : stobdantg 42 kommen) 
finden wir ein paar Mal Reim der Vollverse, Musp. 85 — 86; 
Cäsurreim mit überlaufender ConstnictioD, Wess. G. 15, Musp. 
78 — 80 erweiterten Cäsurreim. Beabeicbtigt sind gewiss die 
Fälle, in d^ien die Alliteratdon feblt, wie Hild. 15 und beson- 
dere das Verspaar Muep. 61 — 62. Dies letttere benibt 



310 

auf einer alten jaxietischeii Scbodeoformel, die aooh in Eimndi 
BolandsUed ateht (J. Crrimm R. A. S. 48). — 

I^j^ends finden wir alao innerhalb dei AEiteiatioQflpoeae 
den Reim über seine erste Stufe, Verwendung alB gelegentliche 
Schmuck, fortgerückt , ausser wieder in der ags. Poesie. Wie 
überall und wie natürlich reimen die Worte zunächst aus nSch- 
stet Nähe, benachbarte oder doch an benachbarten Höhepunkt«! 
stehende; doch schon beginnen aga. weiterhin sich spinnende 
Reimbeziehmigen künstlichere Reimformen vormbereiten. Das 
ahd. steht wieder dem ags. ganz nah; dagegen die schmuck- 
lose Stabreimprosa des Heliand entbehrt auch dieses Zierratha 
fast gänzlich. — 

Durch alle drei Classen des formellen Wortspiels nun 
schlingt eich hindurch, die scholmässigfln Rubriken Adnomina- 
tio, FaroQomasie, Reim mit den lebensvollsten Belegen füllend, 
die lebendige Poesie der altgerm. Namengebung. In deb 
Namensippen (Weinhold Altnord. Leben S. 264 f., Roeenberg 
Nordboemes aaudsliv I 90), die ein poetisches Abbild der wirk- 
Uchen Sippen liefern, wird die Verwandtschaft der Träger dieser 
Namen auf mannichfaltige Weise nachgeahmt. Der Stabreim 
herrscht zwar vor, aber aas seinen Massen heben sich kräftig 
die Familien heraus, die ein gleiches Grundwort verbindet: so 
eint die Siegrune (Sgdr. 6,1) die Völsoi^n. Ein Namenpaar 
wie Sigarr ok Siggeirr (Gud. n 15,7) ist durch Adnominatio 
eng verbunden. Endreim umschlingt zahlreiche Zwergnamen 
u. dgl., die wir aufführten, wie vereinzelt wirkliche Namen von 
Brüdern (Gauk und Hauk, Weinhold S. 269) und Über den 
Stabreim hinaus bindet Ablaut oder Paronomasie Namengruppen 
wie Bivur und Bavur, Dömald und Dömar (Weinhold S. 265). 
Enger als sonst stossen hier Dichtung und Leben zusammen: 
schon die frühesten historischen Personen auf germanischem 
Boden finden wir zu solchen Namer^^ruppen vereint, gerade wie die 



311 

mythischen Gebilde der frühesten Ueberlieferungen (Müllenhofi 
Zs. 7,527, ygl. 2S,139 u. s. w. Doch hierauf naher einzugehen, 
ist hier nicht der Ort. Eine umfassende Be^rechung auch nur 
allein der eddischen Namen bleibt noch vorzunehmen, von jener 
herrlichen Aufgabe einer allgemeinen Behandlung der altgerma- 
nischen Namen ganz zu geschweigen, die Müllenhofi selbst 
leider nur angebrochen hat. — 

§ 14. Wortaufnahme. 

Dürfen wir hier wieder an die Eigennamen anknüpfen, so 
liefern uns diese für Wortwiederholung (§ 9) wie für Wort- 
aufnahme (§ 12) Analogien; zwischen diesen beiden Figuren 
selbst Termittelt die oben besprochene Figur der unterbrochenen 
Wortwiederholung (Edward mein Sohn Edward I). Denn die Wort- 
wiederholung, bei der eine Form verdoppelt ausgesprochen 
wird, spiegelt sich in der gleichen Benennung von Vater und 
Sohn (Weinhold Altnordisches Leben S. 266) ab; aber wie sie 
vorzugsweise der f eierhchenRede gehört, bleibt auch solche Namen- 
wiederholung auf fürstliche Geschlechter beschränkt. Weit 
mehr dagegen liebt man es bei aUen Völkern, den gleichen 
Namen in Gliedern wiederkehren zu lassen, die eine Generation 
•trennt; so etwa in Athen in der Reihe Kimon-Mlltiades-Eimon 
oder in der periodischen Reihe der Kallias und Hipponikos. 
Dies ist nun ein historisch-poetiBcher Fall der Wortaufnahme. 
Neueren Dichtem macht es öfters Vergnügen, die Figur des 
Chiasmus mit solchen Namengruppen herzustellen; so findet 
sich in Th. Mügges einst (und nicht mit Unrecht) viel ge- 
lesenem Roman Afraja ein Paul Petersen neben einem Peter 
Paulsen, und ebenso z. B. in einer Erzählung des Grafen 
SoUogub (wie ich aus Reinholdts Gredichte der russiBchen 
Literatur S. 699 entnehme) einem Wassili Iwanowitsch gegen- 
über ein Iwan Wassiljewitsch. Aber da ist eben wieder nur 



312 

m einer wülkQiUch gebrauchten Ilgnx der Emutdichter ge- 
worden, waa ursprünglich aus dem Leben selbst berronrachB, 
gerade wie wir dies schon öfter fanden (ao i. B. bei der 
flectirten Wortwiederholung). Denn ee war einst allgemein 
gebräuchlich dem Namen des Sohnes den des Vaten beim- 
setzen (TgL Pott Personennamen S. 5&0 f. u. ö), denn erst »o war 
die genealogiBche Stellung des Schnee genügend fixirt (lEld. 9); 
und Bo brauchte nur Miltiadea der Sohn Kimons aeben Eimon 
dem Sohn des Miltiades zu stehen, um die chiastische Wort- 
aufnahme lebendig zu machen. 

Im Leben also wurzelt die Wortaufnahme, und im Leben 
wurzelt auch ihr Gebraach im Dialog oder in lehrhaft oder 
pathetisch sich fortspinnendet Rede, wie wir ihn In der Edda 
finden. Konatgerecht ist dag^n ihre Steigerung zur Ana- 
phora oder Epiphora. Wird das aufzunehmende Wort an 
Stellen imtergebracht, die besonders stark ins Gehör fallen, ao 
beruht das schon auf bewusster Technik; und gerade die 
Anapher werden wir wie die flectirte Wortwiederholung als ein 
wichtiges Kunstmittel ältester poetischer Technik kennen 
lernen. — 

Ihre wicht^ste Stelle hat die Wortaufnahme, wie schon 
erwähnt, im Dialog. Hier fehlt sie kaum je. Aber altn. ist 
sie auch sonst behebt und zwar grade in alterthümüchen 
Stücken, vor allem in der Velundarkvil» (Niedner Ze. f. 
Alt. 33,31): 

ek man — niu man ek VqI. 5,1. 5 
hana brendu; {jryavar brendu — Vgl. 26,6 — 7 
opt i& ä horskan, er ä heim^kan ne fä Häv. 92,4 
hvars {lü bgl kant, kved |iü {lat bslvi at Häv. 126,5 — 6 
varan bid ek {>ik vera ok eigi ofvaran, ver ^ü. vid Ol 
varastr Häv. 130,5 

hjalp heidr eitt, en f>at ])^r hjalpa mun Hat. 144,4 



313 

heilQg fyt helgum dumm Grr. 22,3 

CnnuT var sraiihvlt, svan^adrar drö Vkv. 2,5 

(kell mik i hfifuä, kgld era m^ Md |)ln Vkv. 31,5—6) 

gefr himn ägr — byri gefr bauB — gcft haim iiuuiiiB6iiii 

Hyndl. 3,1. 5. 7 

])Ä biA Ijöma — ^1 af ^äm lj6mimi H. H. I 15,1. 3 
skridiat ])at skip er und |>^r ekridi — reunia Bi. marr 

er und ]>^r renni H. H. 11 30 

Regiiui mik rM, bann I>ik räda man Fdi. 22,1; 

sü Bkaltu kjöea, allfi "pii er koetr um bodüm ^di. 20,1 

bann um aetti ef bann eiga knaetti Sig. ek. 3,7 — 8 

öbilgjaman — öbilgjgmum Sig. sk. 22,2. 6 

{)& er mä* jödungri eiga eeldi ok m^ jödungri auia taldi 

Sig. 8k. 37,9—12 

brafna gjalla, gmu gjalla — Gud. n 8,4 — 5 

hir kom fijödreki med |ng& t^n, lifa I>eix ni tami ]>Tiggja 

tega manna Gud. m 5,1 — 4 

s^t madr armlikt, bven er 'pa.t eäai Und. IH 5,1 — 2 
ok {>dr kv&mu )>ar er ]>eir koma ne skyldnt Odd. 23,5 — 6 
onogard — oimgardr Akr. 18,7 — 8 
8V& skal froekn Qändum veijask, eem HQgni vardi Akr. 

20,5—7 

r9Bk mun ]>^ reynaak, reynt befi ek fyrr brattara Atlm. 

67,3—4 

vaxattu — el l)ü vex, at I>i vex — Prj^m. 302,21—25. 
Bei dem Verbom rtkda, das wir acbon bei der Aimominatio 

gemeingerm. mit dem inneren Objekt conetroirt fanden, ist 

ganz Bhnlicb die Wortaufnabme typisch: rädumk |>^, L6dd- 

lilnir, en J)u räd nemir Häv. 111,1 — Z u. ö., ebenso raed ek 

]>6r nü, Sigurdr, en I)ä räd nemii FAi. 20,1—2. 

Ueberhaupt wird die Verwandtecbaft dieser Figur mit 

ecbon besprocbenen anderen Figuren sofort einleucbten. Auch 



3U 

dies ist eine Form der. bewegten WoitwiederholOng, &ar vw- 
zogBwdse dem Verb eigwithämlich, osd ee ist eine aofgalöete 
WortspielNm Wir haben einen Fall, der die AnnHoiiHttio in 
beiden Stufen zeigt: agB. fflfarten wir obta auf sri le6btne 
leöman Sat. 469, leöma leöhtade Cri. 234. Brechen wir non -. 
dieee Wortrerkoppelnsg mid theilen wir sie in zwei S&tae anf : 
J>A bhk Ijöma . . . en af ]>eim lj6mum leiptarir kr&ma H. 
H. I 15. 

Ein Schaukeln wie es in der Sectixten Wortwiederholuag 
durch den inneren ConSict der äuaeerlich fast gleichen Worte 
80 eigenthümlich wirkt, wird aach hier gesocht: die mcörten 
alten Fälle sind chiaetiBch gebaut (ek man — man ek VgL 6, 
14 A hoTskan — & heimskan ne fi Häv. 92, hjalp — eitt en 
{)at — hjalpa Häv. 144, var svanhvit, aranfjaArai drö Vkv. 2, 
und mit doppeltem Wechsel HyndL 3). Dbb verliert sich 
später (Pdf. 22, S^. sk. 3 37, Gud. HI, Odd. 23, do<* chi- 
astisch noch Gud. DI 10, Atlm. 57). Schon hierin zeigt sich 
Absicht, die in der feierlichen Verfluchung H. H. II 30 vollends 
sich den kunstvollen Zauberformeln vei^leicht. Und wie die 
flectirte Wortwiederbolung veiüert sich auch dieeee wiiknngevolle 
EonsünitteL Zunächst geht die Technik verltven, indem das 
Kreuzen von Haupt- und Beiworten einer mechanischen Parelle- 
lisirung geopfert wird, dann schwindet auch dies. Schon ein 
Fall wie AJcv. 18,7 ist wohl nur ganz zuföUig; 3ig. sk. 
23,2 — 8 gar rührt die Wiederkehr desselben Ausdrucks gewiss 
nur von Wortarmuth und jener Vorlieb© für bestimmte Lieb- 
Ungsausdrüeke her, die die späteren Lieder kennzeichnet. — 
AgB. ist die Figur ausgestorben, nur der alterthümliche Zaabw 
spruch gegen Hexenstiche bewahrt sie noch (hlude-hlude II 3. 
vidan 3 — 4 vgl. scoten-gescotes 20 — 26). Zwar sind Fälle von 
dem Typus hi6 sceal eft don {)ät hiö aer dyde Met. J.3,79 
zu belegen, aber sie sind biblischen Mustern nachgeformt. — 



315 

Ahd.: dö dar niuwiht ni uas — enti dö uae WesB. G. 5 — 6; 
Bäzun — Bäzun MSD. I\' 1,1. — 

In Bolchen FäUeo ist die Wirkung der Wortwiederholung 
durch die Entfernung der gleichklingenden Worte beeinträch- 
tigt. Ein Mittel sie wieder zu heben war die chiastische 
Stellung, die die auBeinandergerückt«n Schlagworte dennoch 
eng zusammenfügen musete. Doch igt ein anderes Mittel noch 
einfacher. Neben dem Schlagreim sahen wir den Beim am 
Ende der Zeilen b^ünstigt: wenn die zuBammenklingenden 
Worte nicht an benachbarter Stelle stehen, so ruhen sie doch 
auf den einander nächsten Höbeponkteo des Tons. Nach 
demselben Prindp steht der Ansominatio die Anaphora nahe. 
Den Versanfang, seltener und erst ags. den Satzanfang mit 
einem rührenden Reim auszeichnend, hebt sie diese Anfangs- 
worte in die Höhe, so dass sie neben einander zu stehen 
scheinen. 

Zu meiner Verwunderung ist diese für die altgerm. 
Poesie gar nicht unwichtige Figur als altgerm. noch kaum er- 
wähnt worden. Sie steht in den nächsten Beziehungen zu den 
ParallelTersea, ja diese sind eigentlich nur eine wütere Aus- 
dehnung der Anaphora bis zum vorletzten Wort dee Vereee. 
Doch geht- mit dieser Erweiterung die Beecbränkong auf zwei- 
malige Setzung derselben Worte Hand in Hand. Freilich be- 
steht auch die wiederholte Anapher schon in nur doppelter 
Setzung des Versanfangs. Vereinzelt tritt (wie «^ähnt erst 
ags.) dafür der Satzanfang tm. — 

Fälle, in denen mehr als ein Wort an hochbetonter Stelle 
wiederkehrt, weisen wir den ParallelverseQ zu. — 

Altnordisch. 

frynvar brendu |tryBvar boma Vgl. 26,7 — 8: Häva rAds at 

fregna Hiva hßUu 1 Häv. 108,3 — i; vaki, maer meyja, vaM, 



i 



316 

mia Tina Hyndl. 1,1 — 3; lengi hn^sdak, lengi hngir <1 ff i M iwk 
Qud. n 6,1 — 2. — Beeonden beliebt als TrSger der An^hna 
i0t das Wort Bumr: Häv, 69,3—6, Fif. 13,4—6. Sgdr. 6.4—5, 
30,4^-6, Br. 4.1—4, Fragm. 306,14—17 and. mit An^>bon 
TOD geft combinirt, HjmdL 3,1. Doch gehönn all diese fUle 
eigentlich unter die Robrik der ParaUelTeiee ond wwden hier 
nur der Analogie wegea erwähnt; ebenso die Häofnngtoi der 
Anapher im Hyndluljöd 8tr. 11 und 16. — 

Die beiden letzten jener Beispiele, Br. 4.1—4 nnd Fragm. 
306,14 — 17, leiten nun in einer beachtenswerthen Unterabthei- 
lung über, zu der für die altn. Poesie charakteristiBchen Form 
des anaphorischen Dreizeilers. Dessen Eigenart besteht 
nämlich in der Verlängerung der letzten von drei mit dem 
gleichen Wort beginnenden ZeOen. Au der Torliegenden Stelle 
haben wir durch die Dehnung dee dritten Glieds einen Vier- 
zeiler: sumir öUE svidu, sumir orm snidn, sumir Gothormi af 
gera deildu. Schon der Reim des ersten Paars hebt dies scharf 
von dem SchlusegUed ab. Die ganze visuhelming iat demnach 
hier thataächlich nur ein Dreizeiler mit Verläi^rung der Schluss- 
zeile. Mit andern Worten: wir haben hier eine Ijodahättr- 
Hälfte in eine kviduhÄttr-Hälfte verwandelt. Wir werden für 
dieselbe Verwandlung sogleich ein noch merkwürdigeres Beispiel 
vorlegen. 



Echte anaphorische Dreizeiler in Ijoda-hättr-StJophen: 

fJQld ek för. fjQld ek freistadak, fjgld ek um reynda regin 
Vaf. 3,1—3 u. ö. 

heill t>ü farir! heill {>ü aptr komir! heill t>ü ä sinnum ait\ 
Vaf. 4,1—3 

litilla sanda, litilla aaeva, litil eni ged guma HÄv. 53,1—3 

deyr U, deyja fraendr, deyr sjalfr it sama Hiv. 76. 76,1 — 3 



317 

lengi ek evaf, lengi ek eofnift vbi, Icng eru lyAa Ue Sgdr. 
2,1—3 (vgL auch Sgdi. 1,1—4) 

heill dagrl heilir dage eynirl hall nött ok aiptl Sgdr. S,l — 3 

heilir aeeirl heilar äsyniarl heil tji in fjQlnfta fold Sgdi. 
4,1—3 (vgl noch Morungen M. F. 126,1—2) 

|)aer nm -vindi, |>aer am vefr, ]>&er am eetr allai samao 
Sgdt. 12,4—6 

|»er of rtd, Iiaer of reizt, Jiaer um hugfii Hroptr Sgdr. 1 3,4 — 6 

Zu Gonsteu eineB etymologlBch verwandt«!) Wortes ist die 
An&pher verschohen Reg. 7: gjaiar ^ galt, gaftatta Aetgjafarr 
gaftattu af heilum hug. — Ist schon in den heiden Fällen 
Bgdr. 4 und 12 die Form durch Anschluss an die folgenden 
Zeilen verunreinigt, so haben wir sie wieder ganz in vierzeiliger 
Gestalt GuA. hv. 2,1 — 1: 

hvi sitid itf hvi eofid lifiP hvi tregrat ykkr teiti at maela? 
ebenso Gud I 8,1^-4: ejälf skyldak g^fga, själf skyldak gDtva, 
Bj^ skyldak hgndla hr^r J>eira. 

Wir haben in den Umgestaltungen Bi. 4, Gud. I 8, Gud. 
hv. 2 genaue Gegraetücke zu der Umwandelung von ParaUel- 
vereen zu Zwillingsformeln bei der Umpflanzung von kvlduMttr- 
Stücken in Ijödahättr-Strophen. Und wir werden geradezu sagen 
dürfen, daas die dreizeilige Anaphora genau ebenso auB der 
»echszeiligen Strophe erwächst wie das Parallelverspaar aus der 
vier- bezw. achtzeihgen. Sie ist die dem Ijodahättr eigenthüm- 
liehe Steigerung der Parallelverse. Und wie nun die dreizeüige 
Strophe vorwiegend für Gedichte didaktischer Art verwandt 
wird, so scheint dies recht eigenthch die Form des Sprichworts 
(H&v. 53. 75) und des allgemeinen Heilspruchs (Sgdr. 3. 3), 
die in der zweiten Hälfte der Strophe dann durch die specielle 
Anwendung abgelöst werden. Und diese Form scheint eine der 
Vorstufen der Priamel. — 

EaneigentlicheranaphoriBcherVjerzeilerSig.sk. 67,5-8.- 



.•J* ■ ^* -** 







ADgelaächBiacb. 

Iwime Teord he — {xiiine bcuIoh bi« — ^onne mdt<m ve 
G«n. 406—7. 

Iiühte him — Dan. 498. 606. 60» 

and {>ec — Az. 94. 99. 103. 106. 117. 134; bleteige pee 
— Az. 73. 77. 111. 122. 132. 139. 148. 148. 

eA U Sat. 164a b. 16öb b bis 168 ebenso Hö. 76. 84. 99. 
103, Wand. 94a b. 95 

beerbte burhveallas : beerbte scinad . . . Bttvle Sat. 2%a b 

8VÄ — svä Cri. 591a b. — 596; hvät — Seel. 17. 22. 26. 27. 

hvaercvominearg?hvaer cvommago?u. 9.W. Wand. 92 — 93 

ne väs aenig t>ära — oäs aen^ — näs aenig {>ära JoL 
510. 13. 18 

an is geleäfa, an lügende; an is Mvüit u. 3. w. Hy. 
11,8a b— 10 

be6 — SaL 436a b 437a b 

bidde ic . . . ic bidde (mit Chiasmus) Zaubenpr. I 25 f. 

Wieder häufig Anaphora mit aum; Cri. 670—80, Crä. 30 t 
pasöm, Vy. 10 f. paaaim, (dagegen in dem sonst entsprechenden 
Gedicht bi manna möde sum nur einmal V. 23), Fb. 296 aum 
br4n sum baeu sum blacum spottum searoUce beseted Wand. 
80—83, ÄiS. 2—5, JuL 478—79, Güth. 848, El. 131—36. 
Met. 31,10—11. Dem steht völlig gleichartig hvUum zur Seite: 
Sat. 714—17, Byrht. 270a b, Göth. 880— 82.-88. 91,, Kreuz. 
22—23, Sal. 151—58, Rät. 4,68—70. 13,5—7. 15,3 — 17. 
25,2—6. — 

Die Anaphora mit aum ist echon gemeingerm. (H4v. 69, 
3— 6 = Cri. 670—80 = Hei. 3418—21 = MSD. IV 1,2—3 
u. ö.). Aber nur ags. ist ihr in der .Anapher mit hvllum 



319 

ein adverbiales Gegenstück gegeben, dae nun vollende in rein 
mecbaniBcher Weise jeden Stoff aufthdlen iMsst; diee ist nament- 
lich in den Rätl>seln die Verwendung der Figur. Auch sonst 
sehen wir dieselbe ags. in der Verwahrlosung, welche die meisten 
sltepischen Formen in dieser Literatur entatellt Der Dreizeiler 
fehlt ganz (vielleicht li^ Zaub. 11 23 — 24 einer unter dem 
Schutt der Verderbniss verbeißen, vgl. ebd. 26 — 26); dafür eine 
ungebührliche Ueberspannung der Anaphora bis zur neunfachen 
Wiederholung (Sat. 164 — 168). und iwar ist gerade diese 
geliänfte Stelle wichtig für die Geschichte der Figur. Eine 
Inteijektion eignet sich trefflich als Träger der Anaphora; so 
hatten auch die altn: Anaphern Sgdr. 2. 3, GuA. hv. 2 den 
Charakter dee mehrmaligen Ausrufs. So erscbeiot denn auch 
das dreimalige eä 1& in dem alten Gedichte vom Wanderer 
durchaus am Ort Nun ist zu beachten, dass dies von den 
age. Stellen vielleicht die . einzige ist, in- der das Wort nur 
dreimal steht: das könnte ein Rest dee anaphorischen Drei- 
Eeilere sein, hier iu ein stichifichee Gedicht eingearbeitet. 
Nahezu derselbe Vers nun, der hier echlieeet (eä li J>eödnee 
|)iym) kehlt Sat. 164 als erstes Glied der langen Kette wieder 
<e& lä drihtenes ]nym). Das spricht doch für Benutzung eines 
alten DreizeilerE hier und dort. 

Stehen altn. die mehrfach gesetzten Worte noch stete im 
Versanfang, so ist ags. diee (wie schon erwähnt) keineswegs 
mehr stets der Fall; gleich das Bei^iel der Genesis degradirt 
die Anapher, indem es sie in der Cäeur beginnen lässt, ebenso 
in der Juliana. In der ersten Ana^dter des Wanderers, unmittel- 
bfl» vor der schon besprocheneu, wird gar dreimalige Wieder- 
holung in denselben Vers gestopft, ebenso Ph. 296 u. s. w. 

Eine leise Nachwirkung des aoaphohschen Dreizeilers mag 
iiarin zu suchen sein, dass in der Reget nach paarweiser Wieder- 
holung des letzte Glied einzeln steht. Zuweilen steht auch 



320 

nach zweimaliger Setzung in den früheren Gliedern der Kette 
in dem letzten das Schlagwort dreimal: Cri. 596. — 

Die altn. Anaphora ist in der Handhabung der agB. Dichter 
kaum wiederzuerkennen. — 

AltBächsisch. 

Bo ~ 4374a b 4375; ebenso 5346 f. 

uxBBa te uuaren that — 543Da 32a 47a. 

Oft mit 8um: 1227a 1233b; 3S90b 94b 98b 2406 a; 
3043b 45b; 3418—21; 3476 84—93; 3784—88. 

Die Anaphora beginnt hier noch stets mit dem VoÜTers. 
Sehr oft sind die Anfangsworte durch ungebührliche AuffOllongen 
getrennt: 12271. 2390f. 3476t. 37841. — 

Althochdeutsch. 

Von ParaUelveraen (wie MSD. IV 2,3—6 8,1. 4 — 5) ab- 
gesehen nur mit sum und zwar in der Form des rrchtigen 
Dreizeilers: 

suma haft heptidun, suma beri lezidun, 

suma dübödun umbi cuniouuidi MSD. TV 1,2 — 3. 

iDBolem hier die Verlängerung der Schlusszeile durch 
einen localen Zusatz bewirkt wird, vergleicht die Stelle sich 
genau den altn. Fällen Sgdr. 12. 13. 

Ausnahmsweise sei hier gestattet, einen Fall aus alter 
Reimdichtung anzuziehen. Im Ludwigslied steht das sum ein- 
mal doppelt und zwar chiastisch (V, 13), einmal aber noch in 
derselben Form des \-ierzeilig gemachten Dreizeilers wie altn. 
im Brot: 

Bom uas luginäri, sum skächäri, 

sum fol loses, ind er gibuozta aih thea (V. 17 — 18). 

Die ahd. Poesie hat also hier die alte Art weit treuer be- 
wahrt als die ags. — Auch die der Anaphora nahverwandte 



321 

Totm dee EettenreimB (die Bicb mgleich mit der äectirteD 
Wortwiederholimg berührt b. o. 8. 23&) ist nur ahd. bewahrt 
(MSD. IV, 6). — 

Btiteii ist ee aiu geotattcit, die gaiue Entwicklung einer 
stilJBtiBchen Figur von eigenartiger und fruchtbarer Gestaltung 
bÖB zu mechaniBchem Miasbrauch so durch alle Phasen inner- 
halb der altgerm. Poesie verfolgen zu könuen wie Wortauf- 
nahme ond Anaphora ee ennöghchen. Schon vor der Trennung' 
der Dialekte war ee, wie wir sehen, übhch, Aufzählungen in 
der Form dee anaphohBcben Dreizeüere zu geben. Lag dabei 
das Hauptgewicht auf dem Prädikat, wie dies in der Regel 
der Fall, so trag das indefinite Bum die Aufthalong. Aber 
auch bei betontem Subjekt war die Figur brauchbar; dann 
moBste natürlich das gemeinschaftliche Prädikat voranfstehen. 
Ueberall aber hat diese Form sich die Einarbeitung in 
grössere metrische Abschnitte gefallen laseen müssen. Wie 
innerhalb der altn. Poesie (Br. 4, Qufl. hv. 2), innerhalb der ags. 
(Sat. 164), Innerhalb der ahd. (MSD XÜ 17) liegt diese Um- 
arbeitang uns auf dem Wege von der gemeingerm. Form (ver- 
tretoi durch die altn.) zu der dialektischen (hier der agg.) vor 
Augen. In den beiden Strophen Häv. 75, 76, die das alte 
Spruchgedicht bedeutsam abschhesBen (Müllenhofl D. Alt. S. 259), 
ist die erste £[älfte identisch, und sie ist das sichente Beispiel 
des echten anaphorischen Dreiseilers in zweifacher Anwendung. 
Dieser Dreizeiler nun lag aber schon dem Dichter des ags. 
»Wanderer« vor, der wie 94 — 95 auch 108 — 9 ein solches 
tum allgemeinen Gebrauch bereitliegeudee Stück verarbeitete 
und zwar diesmal durch Vervollständigung zum Vierzeiler mit 
Hilfe einer Zwillingsformel (mon ' and maeg, wie sonst agE. 
m^ed and mttcgas): 

deyr U, deyja fraendr, deyr sj&lfr it sama Häv. 75 — 76 
her bid feoh laene, her bid freönd laene, her bid mon 

Utv, AltcBnauiwli« PcxtU. 21 



laene, her bid maeg laene Wand. 108—9 (rgL auch EL 1270 
und J. Grimm za d. Stelle). 

Der IciUme Ausdruck der altn. Stelle g^^über dem abge- 
blaaeten der ags. (zu dem Wort »laene« vgl. Schoer über BeävtiU 
Zs. f. öet. Gymsx. 1869 8. 100) beweist «boa allein die Origina- 
lität der ereteren, und alle Analogien Hprecbeo weiter dafür, 
dass auob hier die aga. Poesie altes Gut modemlBirt hat 
Merkwürdigerweise ist tms hier aacfa altn. eine Etnenertti^ 
erhalten 9. MüUenhoff D. Alt. 3. 279—80. — 

Offenbar war der anaphorische Dreizeüer eine schon ia 
urgerm. Zeit übliche form für sprichwörtEche Wendui^en, die 
dann durch eine varürende zweite Hälfte (wie eben HAy. 75 — 76) 
auf verschiedene Fälle angepaest werden könnt«. Im NothfaQ 
konnte man ihn durch eine Tautologie ergänzen. Hierin ver- 
gleicht sich diese Form mit dem Paroemiacus, wie ihn Ueener 
als Vorfonn des Hexameters nachgewiesen hat. Genau wie 
Theognis den gnomischen Vers de'i tö xaibv ^iXov kariv durch ' 
doppelte Negation zo dem Hexameter ausdehnt Sm iaX6v füm 
iffti- tf> ä'nö xaXhv oä fiiov iori (Vaener Altgriechischer Versbau 
S. 53), so machte ein alter {lylr aus einem anaphorischea Drei- 
zeiler, der HAv. 42^-43 varürt vorliegt, eine ganze Strophe 
durch daaeelbe einfache Mittel; Vin slnum akal madr vinr 
Vera, Ireim ok [)es8 vin; en övinar sina skyli engi madr 
vinar vinr vera Häv. 43. — 

Eine vergleichbare volksthümliche Form ist auch das 
italienische Ritomell, ebenfalls ein Dreizeüer, bei dem aber 
einer cunstanten Zeile zwei variable gegenüberstehen. — 

Den eigentlichen anaphorischen Dreizeüer halte ich für 
eine speciell germanische Form. Es ist natürhch möglich, 
dass dreifache Anapher auch in ausserdeutschen Gedichten 
einmal durch eine AbschluB^zeite beendet wird, aber als eigent- 



liebe Kunstform kann ich dies bei den Germanen überall und 
Bonst nirgends nachweiBen. Wie nah kommt 2. B. das ana- 
phoiiBcbe £UorE' im homeriachen Hymnus aui Pao (Hjonni 
Hom. ed BacmdsteT XtX 9 — 10) und in demaelbeD Gedicht 
das anaphorifiche noXXäx (ebd. 12 — 13) dem age. anaphoiiBchen 
hvllum — aber dort keine Spar von alter Selbständigkeit in 
dreifacher Anapher. Den anaphoriscben Dreizeiler finden wir 
dagegen in stichieche Gedichte eingearbeitet so gut in mittel- 
engliachen Gedichten (im Lay of Sir Orpheo bei F. Wolf 
Ueber die Laie n. b. w. 8. 11 im Tüng^ng dreimal mit iBumc) 
wie in deutscheD Volkaliedem (2. B. in dem weitverbreiteten 
Liedchen, welches Walther 18,25— 28 nachgeahmt zu haben 
scheint vgl. Zs. f..d. Alt. 29,230) und eo wachsen sie noch 
heut in Kunstdichtungen , die volksthlimlichen Boden ent- 
sproeaen eind (bo recht ^ficklich in F. W. Wehere Dreiiehn- 
linden S. 37 Str. 4, S. 267 Str. 2—3). — 

Ueber die Anaphora handeln für Otfrid 8chätee (Poetik 
Otfride S. 7), für Cynewulf Jansen (Poetik imd Sjmonymik 
CynevoUfi S. 9b). Zur Vergleichung führe ich einige Be- 
sprecbmigen jüngerer Dichtmigen an: für Layamon Regel 
(Germ. Studien 1 176), für die mbd. Gnomik Roethe (Keinmar 
von Zweter S. 296 f. bes. 305 f.), für Walther von löieinau 
HaufEen (Zb. f. d. Alt. 32,364). — 

Das barytonische Prindp der altgerm. Sprache und Dich- 
tung, durch den Stabreim ausgedrückt und verstärkt, bringt 
es mit Edch, das? wie dem Gegenrefrain nur vereinzelt der 
Refrain so auch der Anaphora nur selten die Epiphora gegen- 
übersteht. Aus der christlichen Dichtung sind solche Fälle ge- 
sammelt für Otfrid von Schütze (aao. S. 8), für Cynewulf von 
Jansen (aao. S. 97) und Ramhorst (das ae. Gedicht vom h. An- 
dreas S. 61 f.); für die altgerm. Poesie haben sie keine Bedeu- 
tung. Doch mache ich auf das viermalige vaeetma Z&ub. I 

21* 



324 

53^—56 animerkflam ; BoLirftcher wi^ in einan andern Zauber 

Begen das noch öfter wiederholte leoh Zanb. V 6, 7 — 9. — 

Noi aohangawcdae haben wir in erwShnen, dan die Worfr 
aninahme in der VerknflpfTiiig von Gedichten ncd 
atrophen, die eigentlich nicht mBammengehörcsi, als Hebatee 
Mittel der Verbindung von den alten Sammlern gebranebt 
worden ist Denn das gehört ja nicht eigentlich asm Betrieb 
der altgerm. Poesie, Btmdem m dem der altgenn. Literatms 
geschicbte. Da doch aber die alten Sammler das Werk der 
Dichter nur fortsetstoi, welche ja oft genug (beeonden in 
Sprachgedichten) selbst nur Sammler und Verarbdter ältanr 
Tolksthämlicher Poede waren, ao seien die wichtigsteo Beispide 
solcher Verknüpfung ans der Edda hier aufgezählt. 

1) Wortaufnahme verknüpft Gedichte: 

Auf die Erwähnui^ Oegire Hym. 39,7 folgt die Oegisdrecka. 
Die prosaischen Einleitungen verbinden femer Grim. and Skim. 
durch die Erwähnung von Hlidskjälf, und "Eäib. und Lok. 
(zwischen die Hym. als Vorbereitung auf die Oegisdrecka einge- 
schoben ist) durch die Angaben über Jtörra Fahrten or Austrvegi. 

2) Wortaofnahme verknüpft Strophen: 

Haaptsitz dieser Erscheinung sind die Häv. Wortaufnahme 
näht Strophen zusammen z. B. 2 — 3 (er inn kominn); 11 — 12 
(Ql). 30—31 (frödr {)ykkiflk); 39— 40 (sins fjär); 87—88 (tröi); 
90 — 91 (fagrt maela). — Zwei berüchtigte Interpolationen 
hängen an solidem Nagel: die Nomenlehre Fäf. 12 f. an dem 
Worte >noma döm* 11,1 nnd die Runenlehre Sgdr. 6 f. an den 
igamanrünac 5,8. (Ganz ebenso verknüpft auch die mhd. 
Gnomik gesammelte Einzelstrophen; z. B. Spervogel MF 20,9 
and 17 volge ouch siner ISre a. ö.). — Ausserhalb der eigent- 
lichen Didaktik verwendet besonders das epische Repetitorium 
Gripispä die Wortaufnahme zur VerlÖthung der Strophen. — 



325- 



Gtopltel TL 



V6r96* 

§ 15. Doppelverse. 

Während die Wortwiederbolung in der altgerm. Poesie 
überhaupt keinen einzigen Beleg mehr aufweist als jenes Erce 
Eroe des ags. Zauberspruchs, ist die Verswiederholung inner- 
halb der Edda allerdings bezeugt, wenn auch nur in spärlichen 
Resten. Natürlich ist nicht zu erweisen, ob man beim Vortrag 
der Lieder nicht auch hier einzelne Verse singend wiederholte, 
wie alle Volkspoesie es hebt (vgl. z. B. Talvj Charakteristik der 
Volkslieder 6. 94); das aber geht eben nur den Vortrag an und 
berührt nicht den Text 

Im Text wird derselbe Vers zweimal gesetzt: . 

1. in völlig identischer Gestalt: I>r. 293—9; Rig- 86,2—3 
und 8—9; Gu4. I 20,4—5; Sig. sk. 21,6—7; Gu4. IE 1,6—7 
und 21,2—8; Gu4. hv, 14,6—7. 

2. in chiastischer Form: Br. 2,2—3; Sig. sk. 18,6—7 (vgL 
auch GuA. I 21,4 und 10). 

Nur ein Fall steht in einem alten liede: f)r. 29,8 — 9; 
hier verwarf schon Dietrich die Wiederholung als späteren Zu- 
satz. Doch ist nicht zu läugnen, dass |)r. 25,3—4 zu 5 — 6 nahezu 
in demselben Verhältniss steht. — unsicher überUefert ist auch 
der ganz analoge Fall Gud. hv. 14,6 — 7. 

' Es bleiben dann femer: in der Rig8])ula zwei Fälle in 
einer Strophe, in Sig. sk. und Gud. 11 zwei Fälle, in Guft. I 
ein eigentUcher \md ein uneigentlicher, im Brot einer. Es-aind 
das Lieder, die zeitUch nicht sehr weit auseinanderhegen wer- 



den: sie ffHiOttsa allb der Zeit iotensiTSr Dorcbctbaitang im I 
NibelongeiutofiB an, in dtx dieser codiflcixt (wie in Sig. sk. and 
GaA. I) und durch Einxelechildeningen iUiutrirt wurde (wie in 
Gnd. n); Brot irt wohl etwas älter, Gnd. hv. etwu jflngn äk . 
R%., Sig. Bk., Guä. I and II. Die Absicht, duch die lyrische 
Wiederholung pathetisch su wirken, kann bU diesen Gedichten 
(aber nicht der {)ryniskvi|)a] zugetraut werden. Doch ist sa be- 
achten, daes in nicht weniger als drei liTUlen, nSimiifh Sg, A. 
18 and 21 and Brot 2 (dam noch der uneigeBtüche Beleg Qoä. 
I 21) es sich am die gleiche Wendung handelt: aranu eilU, 
eida srazna — elda srama, eiita srama — selda eida, eUU aelda, 
(eida svarda — srardir eida). ffiwher gehören alle FlOe chia- 
Btischer Versveidoppelung, wahrscheinlich auch der tweite in 
Sig. sk., wo die Vaiiationswuth die Glüchbeit correepcaidirender 
Halbverse zerstört hat. Wotsaf dies beruht, weiss ich nicht; 
in apedellem Eidgebraucb hat es Bchwerhch seine ITisache. 

Nur Grud. I 30 überdeckt die Verswiederholung den Ueber- 
gang aus einer Halbstxophe in die zweite; alle andern Fälle 
liegen im Innern von Kvi{>ahiLtt-Strophea, meist (fir. 29, Rig. 
36,8—9, Gud. II 1, Sig. sk. 18 und 21. Gud. hv. 14) inzweitoi. 
seltener (Brot 2, Gud. H 21, Rig. 36,2—3) in ersten Halb- 
atrophen. 

Noch ist zu beachten, dass die altn. ■ Doppelverse gans 
überwiegend den alten einfachen und strengen Ifpus A:-Xl-X 
ohne jede sog. »Auflösung« darstellen: ])r. 29 ftstir mlnar, Rig. 
36,8—9 ödalvgUu, Brot 2 selda eida, Sig. sk. 18 svama, eida, 
21 eida svama, Gud. n 1 gulll reifdi, 21 hnossir velja, Gud. 
hv. U erövgrdu. Anders nur zwei Stellen: Rig. 26,2 — 3 Rigr 
gangandi und Gud. I 30 valda megir Gjiika — letzterer FaR 
zugleich der einzige, in dem die Doppelverse sich aof beide 
Halbetrophen vertheilen. 

Wohl nur Zufall ist es, daee so viele Doppelverse vokalisch 



327 

beginnen: ausser den drei Fällen mit eidr noch ist ödalvgllr 
erfivQrdr — im Granzen sechs von zehn Belegen. Die beiden 
Fälle, in denen der Doppelvers mehr als vier Silben hat, be- 
sitzen keinen vokalischen Anlaut. — 

Man wird nach alledem in dieser Figur ein Kunstmittel 
sehen dürfen, dass zu einer beetinmiten Zeit beliebt ward, aber 
bald wieder abkam. Blosser Nothbehelf ist es sicher nicht in 
so kunstvollen liedem wie Big8f)ula. Das darf auch die Ana- 
logie der ahd. Beispiele uns nicht verführen anzunehmen. Denn 
dort sollen wohl wirklich die Echoverse (von Schütze Poetik Ot- 
frids S. 8 und Anm. besprochen) nur Lückenbüsser sein; Otfrid 
und der Autor des Oeorgsliedes (MSD. XVJI) beabsichtigten 
schwerlich damit Effekte zu erzielen. Uebrigens kommt chia- 
stische Anordnung auch hier vor. — 

Ueber ähnliche Erscheinungen in der griechischen Poesie 
vgl. Gerland Intensiva und Iterativa S. 56. — 

Den echten altgerm. Doppelvers erhalten wir erst, wenn 
sich die beiden Hauptprindpien, die der poetischen Technik in 
der Alliterationsdichtung vorschweben, vereinigen. Tautologie 
und Variation wirken zusammen, lun statt der seltenen Figur 
der Doppelverse die sehr häufige der Parallelverse hervorzu- 
rufen. — 

§ 16. Parallelverse. 

Venfwiederholung mit Variation der Schläferte ergiebt 
die wichtige Figur der Parellelverse. Sie ist uralt und überall 
verbreitet. In der Urpoesie der culturlosen Völker z. B. bei 
Finnen \md Indianern (F. FreUigrath Gresammelte Dichtungen 
1871 VI S. 7 Anm.) spielt sie eine nicht minder bedeutende 
Rolle als in der ältesten Dichtung der ehrwürdigsten Cultur- 
völker, in der hebräischen Poesie wie in der chinesischen. 



Sie stellt sich ganx DAtoi^mSM Übersll ein, wo iwai ^öcb- 
gebaate Vene sich za einer metriBchen Einheit zaumnun- 
Bchliessen. — Eben danun hat die clasBische Poesie die 
ParallelverBe zu geringer Entfaltung gebracht. Eb sei gestattet, 
auf den seiir wichtigen Punkt etwas näher einzogehen. 

W. Wackemagel dtirt in seiner Geechichto des deutschen 
Hexameters und Pentametern die Aensserung Chiirtäan Weises, 
die deutsche Poede könne antike Masse gar nicht richtig nach- 
ahmen, weil der Unterschied ein fundamentaler sei twiachen 
einer Poesie; die mit einem Verse abzuschüeseen rennöge and 
einer solchen, bei der immer zwei Veise zusammengehörten 
(Wackemagel KL Sehr. 2,b7). Diese Bemerkung, die ich noch 
nirgends sonst traf, ist meiner Meinung nach eine der feinsten 
zugleich und der wichtigsten, die über den Uutetsohied der 
verschiedenen Poesien gemacht worden sind. Es ist freilich 
richtig, dass ein Vers eigentlich nie abschliesst; er ist nie ein 
Ganzes, sondern nur als Theü verständlich, und das Gedicht, 
das Ganze, ist das prius, nicht die Verse, aus denen es >zu- 
sammengesetzt« ist. Immerhin kann aber ein einzelner Theü 
so ausgebildet sein, dass er das Ganze in seiner Structur 
anschaulich macht und vertreten darf. ■Victrix causa düs pla- 
cuit, sed victa Catoni< ist eine ausreichende Probe für ein 
Gedicht in Hexametern; der Reim kann dagegen erat in zwei 
zueinandergehörigen Versen sichtbar werden. Man sieht daraus, 
wie der Reim von vornherein Parallelverse nahel^. Aber 
solche bilden sich wie von selbst auch ohne dass ein Reim sie 
riefe, (den sie dann freilich oft mitbringen), überall wo ein 
Veispaar durch den Gegensatz zu einäm dritten Verse enger 
zusammengeschlossen wird. Dies ist in der klaesischen Poeeie 
beim Distichon der Fall: die beiden gleichgebauten Eblbverse 
des Pentameters ordnen sich leicht auch tnlialtlich zu genauen 
Pendants, wie eben Wackemagel (aao. 3. 3 f.) mit reichen Belegen 



-J^LJ 



^iriHHate*MM 



329 

;, und erst von da kam ee wohl in den Hexameter; 
der leoniniBche natürlich reizt wie ein Pentameter zum Pa- 
zallelismus. 

Man lese nur einmal eine Reihe deutscher Pentameter — 
wie da die Gewohnheit der Parallelverse die bequeme Farm 
verwendet und oft missbraucht! Groethe schreibt einmal an 
Schiller: »Die schöne üebung in Distichen wird xms, wie ich 
hofie, endlich dahin führen, dass wir xms in einzelnen Hexa- 
metern bedeutend ausdrücken« (Briefwechsel ' I 141). Wie 
bezeichnend, dass der deutsche Dichter das glaubt erst lernen 
zu müssen I Wunderbarer Weise ist aber auch dieser eine Hexa- 
meter, den er als Beispiel sendet, durch die Penthemimeres in 
zwei äusserUch und innerlich parallele Halbverse zerspalten: 
»Eine nicht hält mich zurück, gar zwei sind's, die mir gebieten 1« 

Dies Bedürfniss nach parallelem Versbau reicht aber weiter. 
Das Distichon mit einer Langzeile und zwei Kurzzeilen ist un- 
zweifelhaft eine völlig abgeschlossene Form. Der anaphorische 
Dreizeüer ist ein genaues Pendant zum Distichon: denn natur- 
gemäss zwingt das barytonische Princip des germanischen 
Accentsystems und der germanischon Reimstellung zur Nach- 
stellung der Langzeile, die in der griechisch-lateinischen Poesie 
voraussteht. Aber der Dreizeiler schliesst nicht ab, sondern 
wird erst durch eine zweite Halbstrophe gleichen Baues zu ein^ 
metrischen Eioheit ergänzt. 

Wie die Verdoppelung der Dreizeiler steht noch manche 
andere Erscheinung in direkter Beziehung zu jenem Bedürfniss 
nach Symmetrie \md Doppelung. Keine aber steht in einem 
80 engen Verhältniss zu den Parallelversen wie die Zwillings- 
iormeln. Ich hofEe schon oben erwiesen zu haben, dass diese 
letzteren ihrer Grundlage nach nichts anderes sind als der con- 
densirte Extract der Parallelverspaare, und ich werde nachher 
die Entwicklung noch einmal kurz zu skizziren versuchen. 



Die ParallelTerse haben nattugemisa nur in strophisebeo 
Gedichten Baum für ihre Eigenart; in stichiBcheu soheidet ae 
nichts yon anderen Formen der Tautolt^. Denn das eigentliche 
pimctom aaliens geht ohne strophische Festlegung verloren : dus 
nämlich nach ganz gleichen Anläufen veischiedene, aber ^ei(^ 
artige Eüdworte sich wirfcungsroll wheben. Paraüelvexspaaie 
werden deshalb auch nie durch starkelnterpunktion unterbrochen; 
solches Enjambement wie ee G-uA. I 20 beim Doppelver^Kuv 
einmal vorkommt würde der Natur dieser FormelklaBse völlig 
zuwiderlaufen. Ich notire deshalb die Paiallelverse nur aus 
den Eddaliedern. Für ihre Umarbeitnng beim Uebergang vtni 
strophificher zu stichischer Poesie werden wohl dieselben Begdn 
gegolten haben, die beim Uebergang der aaaphorischen Drä- 
zeiler in die forttaufenden Versreihen der ags. Dichtut^ sich 
herauBfitellen. 

Es spricht daher auch für MüUenhofb strophische Con- 
atruction des Wessobrunner Gebets 1 — 4, daes wir hier so viel 
unvollständige Parallelverspaare treffen : oi soigli sterro nohhein 
noh sumia ni liubta noh mäno noh der märeo söu, wie Vgl 
6,3—4; und V. 2 ist die Langzeile »dat ero ni uuas noh üf- 
hiniil,< die. in sich ein Paar unvollständ^r paralleler EorzverBe 
trägt, durch die vöUig parallele Zeile »noh paum noh pereg m 
uuaa* verdoppelt worden. Ganz ebenso schneit in Muspilli mit 
der kleinen Reimstrophe 61 — 62 ein Paar echter Parallelverse 
hinein: diu marha ist farprunnan, diu sela stdt pidnnngan. — 
Die beiden Merseburger Sprüche bestehen fast nur aas Paralld- 
versen. — 

Dasselbe gilt für die ags. Zaubersprüche; besonders kunst- 
voll sind die Parallelverse in II (Grein-Wülcker I 317 f.) in 
kleine, durch Gegem'efrain gefrennte Gruppen geordnet. — 

Vereinzelt sind sie auch noch im Hei. zu erkennen. Völlig 
unversehrt steht ein Paar 4059 *that flesk is biuuolheo^ that 



331 

ferah ifi gihalden,« woran sich denn chiastisch anBchlieest »Ib tbiu 
siola gisund« — Mit Anapher 3043 : 45 : »sum sagit that thu 
Elias sifi -«— sum sagit that thu Johannes sis.« — 

Ich scheide die Parallelverse der altn. Poesie in zwei 
Gruppen. »Vollständige Parallelverse« nenne ich solche Paare, 
bei denen vom ersten Wort bis zum letzten völliger Parallelis- 
mus herrscht, so dass sie auch den Platz tauschen könnten: 
hvers fr^nid mik, hvi freistid min? »Unvollständige Parallel- 
verse < nenne ich dagegen die Paare, bei d^ien der zweite 
Halbvers in die Construction des ersten gezogen, eine Umstellung 
also nicht möglich ist: hann nam at vaxa ok vel dafna. — 

Zuwdlen sind nicht die Kurzverse, sondern die Langverse 
symmetrisch gebaut, genau : söl {)at n^ visd hvar hon sali ätti, 
mini |)at n^ vissi hvat hann m^ins ä.tti; oder ungenau: senn 
varu aesir allir ä {)ingi ok äsyujsx allar ä mäli. In Ljö{)ahätt- 
strophen kommen Parallelverse auch zu dritt vor: skQptum er 
rann rept, skjQldum er salr {»ikidr, br}mjum um bekki strät; 
solcher Art sind auch sämmüiche anaphorischen Dreizeiler. 
Diese sind eben dreifache Parallelverse, in deren erstem Stab- 
wort der Parallelismus durch Identität ersetzt ist und die da- 
durch allerdings auch wieder aue der Gruppe der eigentlichen 
Parallelverse ausscheiden. — 

I. Vollständige Parallelverspaare. 

1. Zwei parallele Kurzverse. 

seid hön hvars hön kunni, seid hön hugleikin Vgl. 1,5 — 6; 
hvers fregnid mik, hvi freistid min? V0I. 2,5 — 6; I)aer Igg Iggdu, 
Jwier lif kuru (mit Anapher) Vgl. 23,9 — 10; hvat er med äsimi? 
hvat er med älfum? VqL 49,1 — 2 (ebenso); skegg nam at hrista, 
skgr nam at dyja ^r. 1,5—6; |)r. 6,1—2 wie Vgl. 49,1—2; Üt er 
med äsom, ilt er med Üfum |)r. 6,5 — 6; heilir aesir, heilar äsyn- 
jur Lok. 11,1 — 2; vreidir'ni |)^r aesir, vreidar'ru |)6r Asynjur 



Lok. 31,4 — 5; kvaS ek fyr isam, kvad ek fyr tok SMum 
Lok. 64,1—3; ä. fiik Hrimtiir hari, & {lik hotretaia stari Skira. 
28,3 — 4; knnga kosUdans,' knnga koetaTQn Sklm. 30.6—7: 
{)ltt ged grfpil |>ik mom momil SUm. 31,4 — 6; gaxnbaatein 
at geta: gambantein ek gat 9kfm. 32,3 — i; vrääi er ^6t 'Odinn, 
vreidr er fiär asa bngr Skün. 33,1—2; Sklm. 34 pageim; znaer 
af hin iiTTi monuni, maer, at minum "linTim Sklm. 36,9^10; 
um akodaak skyli, tun sb7gnaak akyli Siv. 1,3 — 4; s& ek (A 
t)agdak, 8Ä ek ok hngOak H&t. 110,4—6; H&va hoUft at, lUn 
hQlla 1 ebd. 9 — 10; miQk stdra atafl, mjgk stmna stafl Hiv. 
141,3—4; stniia bsim h fl-mn- , """■■ beim boga Hiv. 1&3,6— 7; 
heilir bildar tU, beilir hüdi M Hiv. 164,6—7; aUJiori jti 
soQum, 6[>Qrf jstiia sonum Hdv. 163,3^-4; belli b& er krad! 
beul ai er kann! ebd. 5 — 6; vaki, maer mejrja, vaki, min vins 
(mit Anapher) H^ndl. 1,1 — 2; ])ör mun bön blöta, fieas man 
hön bidja Hyndl. 4,1—2; ok {»eir af töka, ok ()eir a Uta Vkr. 
9,&— 6; kell mik f hgfud, kgld eru mer r&d ^in Vkr. 31,5—6; 
sumar ü, vetrimum, amuar i. valbgatrom Sgdr. 6,4 — 5; {ner 'm 
med äaum, ])a«r 'ru med Alium Sgdr. 18,5— -6; {lat em bökrünar, 
^t eni bjargrünar Sgdr. 19,1 — 2; ok allar glränar ok maetar 
meginrünar ebd. 3 — 4; aumum at bana, aomom at bglstQfom 
Sgdr. 30,4 — 5; föt nam at hroera, fJQld nam at spjalla Brot 
13,1—2; rikt gol Oddnin, rammt göl Oddrün Odd. 6,6—7; 
akapdi hdn svA skoera skelcti föt undan Atlm. 48,5 — 6; akeiid 
or hjarta, skolud |)eafi gorvir Atlm. 56,3 — 4; foetr aer |)ü |>ina, 
handum s^r {ni ])inum Hamd. 24,7 — 8. 

2. Zwei parallele Langrerse. 

söl {)at ni visai hvar hon sali itti, miLni f>at n6 riasi bvat 
bann megina Ätti (atjsrour |>at ni vissu hvar {>aer stadi &tta 
iat Zusatz vgl. Hoffory Edda-Studien I 82) V5I. 8,4 : 5 — 6 : 7; 
3v4 ^undr um reist fyr {>j(!id& rgk, f)ar bann upp um reia, er bann 
aptr of kom Häv. 143,7 — 10; oHgan ok aldinn As knnnigan, 



lamman ok rgBkvaa Rlg BÜganda Rlg. 1,3:4—6:6; ek vaetr 
hiiTinnii viiui& koiuiak, ek vaetr Viitn^m vinna mAttok Vkv. 
41,7 : 8 — 9 : 10; at skipe borfii ok at skjaldar rgnd, at mare 
bo^ ok at maekis ^g Vkv. S8,3 : 4 — 5 : 6; hverir Uta fljöta 
äey vis bakka, hvar, bermegii, heima eigudP u. s. t. H. H. II 
ö, passiin; en at Hlehjurgum HroUaugs eynir eo at St^rklei* 
fom Starkaär koDQi^ H. H. II 19,1:2 — 3: 4; tann ^ hüeguma 
hveigi in betra, en hüafr^a hvergi veni GuA. 1 10,5 — 8. 

3. Drei parallele Kuixvetse. 

haltr ridr hroesi, hjsrd rekr bandarvanr, daatr v^ ok 
dugir HAv. 71,1 — 3; hringr er i hjalti, hugr er 1 midju, ögn 
er i oddi H. Hi- 9,1—3. 

4. Ein KmzverE swei anderen parallel. 

hverr t>ik bvattiP bvl hvet^aak Utk mlnu fjOTvi at fara? 
FAf. 6,1—3. 

5. Zwei parallele Eurzveree einem Langvere parallel, 
haddr loenadi, hlyr roOnadi, en regne dropi rann niOr um 

kn« Gud. I 15,8—6. 

6. Zwei parallele Halbstropfaen. 

betra er öbedit en sä ofblAtit, ey s^ til güdie gjgf, betra 
er ösent en b^ oiBüit. . . EAv. 143 ; femer in allen F^en dee 
aoaphoriscben Dreizeilers; ebenso Häv. 10 und in analeren 
Stellen. In Kvi{>iibAtt-St3X)pben seltener ; ein kunstvolles Bei- 
spiel VdI. 21 (wo jede Halbstrophe wieder in räch aymmetrifich 
gegliedert ist); femer Rig. 38 und 45. Mit Chiasmus der An- 
fangszeilen HyndL 8. — 

7. Drei parallele Halbstrophen. 
H. H. n 80—31. 

8. Parallele Vollstrophen. 

H. H. n 36 — 37 und in verschiedenen durch G^eorefrain 
verbundenen Stücken, besondere Sgdr. 9f. Rig. 12 — 13 u.a. 
Vgl. auch § 24. ^ 



334 

9. Weitergehende ^ufimgen. 

Sechs parallele Kuizveise HTiidl. 11 and 16. 

Sechs parallele Kunverse mit Abschlusanile F^igm. 30Öb 
9 — 15. 

Sieben parallele Eurzverse mit Einleitui^BMile H. H. I 50. 

Acht parallele Kurzverse H&v, 142. 

Mischung von parallelen Eun- nnd Laogreisen durch die 
g:anze Strophe Hyndl. 37 (mit Chiasmus bar hann — bann bar). 

II. Unvollständige Parallelverspaare. 

1. Zwei parallel« Kuizver&e. 

vara sandr ne saer n^ svalar onnir Vgl. 6,3 — 4; j$i4 
fannsk aeva n^ upphiminn ebd. 5 — 6; gap var ginnunga en gns 
hvergi ebd. 7 — 3; broedr munu berjaek ok at bgnum verdask 
Vgl. 46.1—2; uerr ertu Loki, ok orviti Lok. 21,1—2; hrat t>ü 
fjTSt um mant eda fremst um veürt Vaf. 34,4 — 5; nam ek upp 
Tünar, oepandi nam Häv. 138,4 — 5; hann nam at raxa ok vel 
dafna Rig. 9,1—2. 22,1-2; hsfum erfidi ok ekki erindi H. Hi. 
5.1—2 (vgl. {)r. 10,1—2); oer ertu syatir! ok ervita H. H. II 
33,1 — 2; era svä brattr breki ne eva blÄr unnir Sgdr. 10,7 — 8; 
A berki skal \taei rista ok li badmi vidar Sgdr. 11,4 — 5; or 
haust HeiddraupiÜB ok or homi Hoddiofnis Sgdi. 13,9 — 10; 
oer ertu, Oddrün, ok firvita Odd. 10,1 — 2; eld at rifia n6 yfir 
atiga Fn^m. 305b 12—13. 

2. Zwei parallele Langverse. 

seon vAru aesir allir i. |)iiigi ok äsynjur allar & mall Veg. 
1,1:2-3:4 und J)r. 13,1:2-3:4; f» munda ek gefa J)er 
|)6tt or gulli vaeri, ok jKi selja, at vaeri or sü&i J)r. 4,1:2^—3:6; 
gaf bann Hermödi hjAlm ok brynja en Sigmund! sverd at I>iggja 
Hyndl. 2,5 — 8; broedrum h-eim at bana verda ok adlingum Atta 
at rögi Reg. 5,3 : 4 — 5 : 6; fullr er hann Ijöda ok lUmstafa, 
godra galdra ok gamanrüna Sgdr. 5,5 : 6 — 7 : 8; svi at tAr 



335 



flugu treek 1 gQgnom ok gullu vid gaese i tüni GuS. I 16,3 : 
5 : 6; höD B^r at lifi Igst n^ visei ok at aldrlagi ekki grand 
Sig. sk. 5»1 : 2 — 3 : 4; hvat hÄnum vaeri vinna Boemst eda hä- 
num vaeri vinna bezt Sig. sk. 14,3 — 6. 

3. Drei parallele Kurzverse. 

hvat er |)at Alfa n^ äsa sona n^ vissa vana Skim. 17,1 — 3; 
emkat ek ÜieLMi äsa sona n^ vissa vana ebd. 18,1 — 3; |)ä nam 
ek fraevask ok frödr vera ok vaxa ok vel hafask HÄv. 140,1 — 3; 
ä homi skal {)aer rista ok k handar baki ok merkja k nagli 
Naud Sgdr. 7,4 — 6; k löfum skal |)aer rista ok of lida spenna 
ok bidja |>ä disir dnga Sgdr. 9,4 — 6; k Btafni ekal |)aer rista ok 
k stjömarbladi ok leggja eld i är Sgdr. 10,4 — 6; hvArt eru 
B^ttdaudir eda eru saedaudir eda eru väfndaudir verar Sgdr. 
33,4—6. 

4. Drei parallele Langverse. 

einstoed em ek ordin sem osp 1 holti, fallin at fraendum 
sem fura at kvisti, vadin at vilja sem vidir at laufi Hamd. 5,1 
—6; ähnlich Gud. I 18 und Gud. 11 2. 

5. Zwei parallele Kurzverse einem Langvers parallel. 

hof nam ek kjösa, hgrga marga, gullhymdar kyr trk grams 
büi H. £[i. 4,1^-4; eldr nam at oesask en JQrd at skjälfa ok 
häx logi vid himni gnaefa Fragm. 305 b 6 — 9. 

6. Weitergehende Häufungen. 

Ueber die Zahl drei geht die Häufung ungenauer Parallel- 
verse in der Regel nur dann, wenn ein vollständiger fertiger 
Satz an der Spitze steht, dem dann eine Reihe prädikatloser 
Kurzverse (oft Eigennamen aufzählend) angehängt werden. 

In je sechs parallelen Kurzversen von dieser Art erfolgen 
die Antworten des Zwergs Alvise Alv. 11 f. Aus eben solchen 
Versen setzt sich femer die Priamel Häv. 80f. zusammen. Ver- 
einzelt begegnet dieselbe Figur Grim. 54. Häv. 141. Sgdr. 15 — : 
17. H. Hi. 3. 



336 

Der umgekehrte Fall, daas ent die leiste Zeila daa Veriiniii 
fimtom bringt, kommt HyndL 33 vor. — 

In folgenden IiUlen wiid der PanUeUsmas dnzcfa chia- 
stiaohe Lage einzelnei Theile geetört: 

I. in vollständigen ParaUelversen : gefr bann sigr sumnin 
en Bomum aura, maelako mfirgam ok mannvit finun; byri gefr 
hann bi^gnom, en brag ekaldum, gefr bann mannaemi mgrgnm 
rekki Hyndl. 3, wo dies also coneeqaent dorcb die gaiue Strophe 
durchgeführt ist; bar hann — bann bar HyndL 37. 

n. in unvollständigen ParallelTersen: nam ek app rtmu, 
oepandt nam H&v. 134,4 — 5. — 

Man sieht bald, daes die Vertheüong der Paiallelvaise fiber 
die Edda keine zufällige ist. Den Löwenantheil haben Stücke 
besondeiB feierlichen Charakters: die Vgluspi, das Hyndlnjöd; 
die Ruinenlebren in Hav. und Sgdr.; die Verfluchungen in Skim. 
und H. H. n. Zauberhaft sind auch sonst einzelne Stelleu, 
besondere H. Hi. 9 trnd Oddr. 6. Andere Stellen erstreben pa- 
tbetische Wirkung auf den Zuhörer,- so besonders der Schluss 
der Vkv. und Gud. I 15 — 16, In der SigB^rnla bildet der sym- 
metrische Bau der Halbverse nur ein Detail der ungemein sorg- 
fältig aui^erechneten und durchgeführten Anlage des ganzen 
Gedichts. 

Alao gnomischen und lyrischen Strophen eignet die Form 
vorzugsweise; rein epische Gedichte sind nur ausnahmsweise 
vertreten und zwar die Nibelungenlieder noch schwicher als die 
Helgilieder. In den epischen Liedern zeigt sich nun abw ganz 
besondere deutlich die Natur der Parallelverse, pathetisch in 
wirken; fast jeder Fall hat seine besondere Begründui^: H. H. 
n 33 altes formelhaftes Verspaar, Reg. 5 Fluch, FAf. 5 beschwö- 
rende Frage des Sterbenden, Brot 13 feierlicher Moment mit 
Vögelvorzeichen ; weniger gilt dies von Sig. sk. 5 and Hamd. 
24. — Unzweifelhaft haben wir also in der Bewahrung dieser 



337 

aralten, aber früh tod den trockenen Zwülingefonnehi aulge- 
zehrten Tigai fast überall Absicht zu sehen: es ist ein Mittel, 
welches die Dichter wirkungsvoll zu verwenden musten, als es 
-veraltet und selten geworden war, ee ist eine archaiatische 
Kgur- — 

lieber die Form w&re nur mit genauer Prüfung metrischer 
und kritischer Fragen eingehend ku handeln. Man sieht, dass 
nur sehr wenige ParaUelverse eich in verschiedene Gedichten 
wiederhden: oft nur die mit den Scblagworten aeeir ok Alfar, 
mehrmals die mit oerr ok cnriti; ausserdem noch einige Mal 
das Hilfsverb nema at mit wechselnden Attseagen: hroera Brot 
13,1; spjalla ebd. 2; vaza Big. 9,1; fraevaek HÄv. 140,1; oesask 
Fragm. 305 b 6 u. s. w.; endlich noch die beiden mch entspre- 
chenden Adjectiva heill und vreidr. AU das deutet auf alten 
Loosgebrauch: die Bezeichnungen göttlicher Wesen und ihrer 
Gunst oder Ungunst stammen wohl von der Befragung der Götter 
▼or dem unternehmen her and die Schelte oerr ok erviti von 
warnenden Orakelsprüchen ; selbst jenes hier beigefügte Verb 
könnte aus dieeem speciellen Gebrauch seine Beliebthdt ziehen. 
— Wenn den poeitiveD Aussagesätten oft negative folgen, be- 
sonders in unvollständigen Par&llelversen (z. B. Vgl 6,7 — 8. 
H. Hi. 5,1 — 2), so erinnert das an die negativen Anhangsätze 
der Rechtsformeln (R. A. l,27f.), über die wir schon einmal 
(S. 250) zu sprechen hatten. 

Es beruht auf der Abochtlichkelt, die dieser Figur in 
der von uns zu behandelnden Zeit zu Grunde liegt, dass 
mit der Anwendung der ParaUelverse sich Öfters sch^n 
in alten Ldedem junge Kunstinittel verbinden, die später 
reich ausgebildet wurden; so der grammatische Reim geta : 
gat (Skim. 32,3 — 4) und das Spielen mit Hilfsverbis {Vkv. 
41,7 : 9) — zwei Figuren, die in der mhd. Dichtung nur 
höfischen Refiectionedichtem eigen sind. Aehnhch steht es 



mit dexa duAsniiiB, den wir jedoch bc^d in den naJi- 
verwandteii Doppelvenen trafen. — 

!Ser könn«! wir also, wie ee Bch^t, einmal in vat- 
historisdie Zeit blicken. Die PaiaUelTerse waren in der Utesten 
geno. Poede mächtig, denn sie fanden ihre stete Anwendnog, so- 
bald Orakelsprttche von ätax Prieetran in poetäsche Form ge- 
kleidet worden, am 80 dem Volk aberliefert m werden. Da- 
her gelten sie noch in der Periode der Eddadichtnng als Mittel 
feierUcher Wirkung, während sie für den allgemeinen Gebranch 
der Poesie längst durch ihren formelhaften Extrakt, die 
Zwillingsformeln abgelöst sind. Im Ganzen scheint der Gang 
der Entwicklm^ deutlich erkennbar. Wir haben nimÜch zu- 
weilen beide Gestaltungen derselben Wurzel nebeneinander. 
Eine der häufigsten ZwiUingsformehi ist aesir ok älfar (Lok. 2,4 
13.4 Sk. 17,4 Gr. 4,3 HAv, 157,^). Dass sie schon gemein- 
germ. iat, beweist Zaub. n 23; gif hit vaere esa genot odde 
hit vaere ylfa genot (eba. 25), (vgl. Myth. 1039). Daneben 
haben wir fo^nde Parallelvetspaare: Hvat er med äsum? 
hvat er med 41fum? (Vgl. 19,1—2 ^t. 6,1—2), üt er med iteum, 
ilt er meil älfum (^r. 6,5 — 6), afl göl bann ^um en älfum 
frama (chiastisch, Häv. 158,4 — 5), |)aer'm med äsom, fiaer'rn 
med dlfum (Sgdr. 18,5 — ^). Dazu kommen noch Verspaare 
wie folgende: hvat er {lät älfa ni äsa aona (Lk. 17,1 — 2 vgl. 
18,1 — 2) vind heilir aesir, heilar äsynjur (Lok. 11,1 — 2, Sgdr, 
4,1 — 2), vreidir ru ^x aesir, vreidar'ru I»er äsynjur (liok. 31,4 — 5) 
und — in rier Halbversen — senn vätu aesir allir ä Jringi 
ok äaynjur allar ä miü (Veg. 1,1 — i {w. 13,1 — 4). In den 
AlvissmÄl iat der bequeme Reim auffallender Weise nie be- 
nutzt; die gewöhnliche Reihenfolge ist dort med msnnunr — 
med godum — vanir — jotnar — 41far — dvergar. Doch 
erinnert wenigstens Alv. 17,5 — 6 älfar fagra hvel, alsklr äsa 
flynir an die Formel Lok. 17. 18,1 — 2. — Ein Zusammenhang 



swiscben jener Zwütüngsformel tmd diesen PaiaUelversen ist 
tarn gewiss mdü, abzustteiten. Die -letzteren aber mit ihrer 
genauen Symmeüie, die der Verdoppelung desselben Halb- 
■verBes Habe kommt, mit dem rührenden Stabreim bcfiimieQd 
fand mit Byaonyscm Bchliessend imd so Wortrdm, (Reiche 
Copola, Gedankenreim aneinanderreihend — tat können uns 
gewiss die primitivste Art alliterireoder Poesie vertreten. Denn 
■der eigentbümücbe feierliche Eindruck, den anch diese Wieder- 
holungen machen, darf darüber nicht täuschen, dase sie ibren 
IJrspnii^ einer gewissen UnbebilfUcbkeit verdanken. Nun ist 
>AnB< ja auch ein Rmienname und auf die Art, wie er verwandt 
jrerden konnte, hat schon Liliencron (aao. S. 22) hingedeutet. 
Aber wenn die Rune in ihrer ursprünglichen Bedeutung ge- 
nommen wurde, lag nieder nahe, ein mißlichst nahestehendes 
Wort ihr zuzugesellen. Die Götter haben ihre eigenen Runen 
(Vaf. 42—43; Sigdr. 18,5—6); wird mit diesen geloost (Hym. 1), 
80 ist die Orakelfrage: Hvat er med Äiimn? Eine Antwort giebt 
J». 6,5 — 6: ilt er med ^Lsum. Aber beide Formeln verlangen 
eine zwdte HfiJfte. So entsteht ab uralte Form der stab- 
reimenden Dichtung in ihrer ältesten Verwendung beim Looe- 
werfen der Farallelvers. Wir dürfen nach alledem mit Be- 
stimmtheit aussprechen: eine der ältesten Formen der Dichtung 
ist die Bildung von Parallelvereen, und die Contraction dieser 
reduplicirten Verszeilen in eine Zwillingsformel, die nur einen 
Vers füllt, gehört bereite einer jüngeren Lage in der Geschichte 
der Poesie an. — 

Ich habe für die Parallelverse nur sehr wenig Literatur 
anzuführen. Auf Veree gleichartigen Inhalte bat Niedner wieder- 
holt aufmerksam gemacht: für SMm. Ze. 30,140, für Hirb. 
ebs. 31,243, für ^'k^■. ebd, 33,30; aber der Kunstform bat auch 
er keine besondere Beachtung geschenkt. Und doch klingt sie 
stark noch bei Saxo durch, vor allem in der bekannten Stelle 



340 

U,10f^(ed. Holder), die sich mit H. H. II 6 nahem dedt 
(^ GnmdtTig Udaigt S. 83); ebenso bei OtMed (vg^ Sc^fitn 
Poetik OtMedfl S. 3), bei Cynewolf (Joiusw Synonymik und 
Poetik Cynewolb S. 89) und Späteren (ffit Layunoa Regal 
Gfltm. Stadien I 186 t.). — Im Allgwneinan Tsrweise ich Mit 
die Worte GoeÜies mm WeetÖetliclien Divan (Aoeg. L H. 6.106) 
über die nreizeilig gereimtes Verse der Orientaloi und da 
hierdorch geforderten PualleliunUB — Worte, deren Anwen- 
dung auf die deutsche Poesie durch den sohon citirtai Ad>> 
Spruch Chr. Weise's ergünxt weiden. — Ffir die romanisohs Poem 
hat Leifihold (Etymoli^ische Figuren im Bomanischen) gat 3ber 
PaiaUelverse (aao. 9. 88) und ZwiUingsformeln (ebd. S. 70i.) 
gehandelt; letztere überwi^en auch hier. — 



Capltel TIL 



§ 17. Refrain und Gegenrefrain. 
Die Strophe ist eigentlich nur ein Vers und nimmt jeden- 
falls im Gedicht dieselbe Stellui^ ein wie der Vets innerhalb 
der einzelnen Absätze: sie ist Maass und Einheit des Ganzen. 
Daraus erhellt, dass gleicher Anlaut der Strophen dem Stab- 
reim, weiterhin der Anaphora entspricht wie gleicher Auslaut 
der Abschnitte dem Endreim und weiterhin dem rührenden 
Reim. Hat dieser gleiche Strophenanlaut oder -auslaut die feste 
Form von einem oder mehreren Versen, so nennen wir dieee 



mtaCLi^. 



341 

Figur Refrain bez. Gegenrefrain. Denn die letztere Figur, 
wenn auch mit der erstem nicht von ^eich grundl^ender Be- 
deutung, verdient doch durchaus nicht über der ersteren, wie 
es zu geschehen pfl^, vergessen zu werden, und gerade für 
die altgerm. Dichtung hat der Gegenrefrain merkwürdigerweise 
grössere Wichtigkeit als der Kehrreim. Wir wissen dies Fac- 
tum nur eben mit jener innem Entsprechung von Stabreim 
xind Gegenrefrain zu erklären, ohne dass doch der Refrain in 
gleicher Weise an den Endreim gebimden wäre. Vielmehr ist 
er die allerallgemeinste Figur in der ältesten Poesie aller For- 
men, quantitativ rhythmischer, qualitativ rhythmischer, ganz 
imgeregelter sogar. Wir gehen daher schwerlich fehl, wenn wir 
für die älteste germ. Poesie den Refrain voraussetzen, den dann 
die Stabreinidichtung abwarf, weil ihr der Gegenrefrain allein 
homogen war. Mit dem zunehmenden Reim kehrt er dann 
wieder, audi auf dem Boden der eddischen Poesie, um in den 
skandinavischen Volksliedem ein unentbehrliches Glied zu bilden 
(vgl. Geijer Ueber den Kehrreim in den alten skandinavischen 
liedem, inMohnikes Altschwedischen Balladen S. 288 f.). — Diese 
Vermuthimg bestätigt sich bei näherer Prüfung durchaus. — 

Wir geben und besprechen erst die Fälle von Refrain, 
nachher die sehr viel häufigeren von Gegenrefrain, zuletzt die 
wenigen eines Mittelrefrains, d. h. einer stehenden Verszeile im 
Innem der Strophe. 

Refrain. 
Altnordisch. 

VituÄ ^ enn eda hvat Vol. 24,8. 25. 34. 36,8. 40,10. 42. 
49,8. 

naudug sagdak, nt mun ek |>egja Veg. 7. 9. 11,8. 

ok fyr innan kom jotna heima {)r. 4,10; hvi ertu einn ko- 
minn 1 jgtunheima 6,4; vit skulum aka tvau 1 jotunheima 11,7; 



{ 



342 

ef ek ek meS ^r l jtttiinltebxui 12,10; ▼& 

i jstunbeima 20,5; 61c 'Odins aoor i jstunhcüna 213: svA nr 

b6Q öOiüB l j^toDbeima 26,7. 28,7. 

hvat vsatu ^ medao, H&rbaidt Hub. 15,7. 19,ä 2S. 
29,9. 39.7. 

hvat vantu >a medaD, [rarr Harb. 18,13. 23,4. 38,3- 36.1. 

alt er |)at aett |)in. 'Ottar heimaki HyndL 16,9. 20. SL 
23.7. 24,9. 26,7. 27,9. 28,11. 

vardar at viti avi, vüta eon lengn Byaäl^ 17,T — S. 18,9 
— 10; vijnmik at viü hvä, viltu «oxt lengta 31,3—6 u. a. w. in 
der Refrain-HalbstTopbe. — 

brat mun ann vera aevi minnai Grip. 13. 14. 18,7 — 6. 

Refrain- Haibstropben: mart segjnm {>te ok moiuiin fldi»; 
vgromk at viti svA viltu. enn lengra ^ndL 31. 34. 86.! 39.1— 

11, vgl. MQllenhoff D. Alt S. 8 and Sig. ak. 71,1—3; ^vlat tqvi 
muQ, medan 9ld lifiz, ]>]ödar ^ngill, ^tt oata ven Öe^>. 3S. 41. 

Andere Refrainhalbetrophen (Vog. 8. 10. 12,1—4. AW. 10. 

12. 14. 16. 18. 20. 34,1—3, vgL MtUlenhoflMO.) sind m den 
Gegenrefraina zu ziehen, weil sie stets die Stoopbft bflginnea. 
— Auch J>r. 26. 28,5—8 bilden keine etguitliche Betnin- 
ffiJbstropbe. 

Refrainatrophe: geyi Garmr mji2k tyr On^whelli, hrtr mafr 
alitna en freki renna; fjgld veit ek froeda, Gfam b6 tk. lang» 
am ragna rsk rgmm sigtivii Vgl. 45. 50. 56. 60 s. Sldebiaod 
za Vgl. 45. Müllenbofi D. Alt. S. 137 f. — |>eygi Gndrön o. a. w. 
Gad. I 5. 11. 

Die Refraia-Combinationen, die aich scbon im HyndL laigan, 
sind in Vaf., Alv. and besondera Rig. so weit gettieben, daai 
diese Gedichte eigentlich nur aus varürten Kebiwilen beeteben. 
Aach die {>t7makTi|ia streift daran, bei der aber beeonden 
deutlich der Ursprung der wiederkehrenden Stroi^un and Halb- 



943 

etrophen nicht aus dem Refrain sondern aus dem Gegenrefindn 
hervortritt. — 

Angelsächsisch. 

^ ofereode, Risses sva mag Deör 7. 18. 17. 20. 27. 42. — 

Nirgends liegen die Verhältnisse innerhalb des von miserer 
Aufgabe umspannten Bezirks so verwickelt wie hier, bei den 
doch nur seltenen Belegen einer hochwichtigen Figur. Hier ist 
die strengste Classification unerlässlich. Ich gruppire die alt- 
germ. Fälle nach drei Gesichtspunkten: Ausdehnung der Re- 
frains — Stellung derselben im Gedicht — ungefähres Alter 
der sie enthaltenden lieder. 

Ersten«: wie lang ist der Refrain? 

Nur ein Wort kehrt wieder, welches aber die beiden letzten 
(varürenden) Halbverse beherrscht: ^t. 4 f. 

eine Zeile mit Variation des Schlusswortes: Harb. 15 f. 

eine volle Zeile: VqL 24 f: 

zwei Zeilen mit Variation der ersten: Hyndl. 17,7 f. 

der zweiten: Rig. 13,9. 25,7^ 

zwei volle Zeilen: Veg. 7f. Hyndl. 16 f. Grip. 12f. — De6r. 

vier Zeüen! Hyndl. 31 f. Grip. 23. 41. 

acht Zeilen: Vgl. 45 f. Gu4. 1 5. 11. 

Combination eines zweizeiligen Refrains mit einem andern : 
Hyndl. 17,5—8. — Eine Refrainzeile innerhalb einer Refrain- 
Halbstrophe: Hyndl. 17 f. vgl. Hjmdl. 31 f. Diese Zeile berührt 
sich zugleich (s. Müllenhoff aao. S. 8) mit der Gegenrefrain-Halb- 
strophe in Alv., die ihrerseits derjenigen in Veg^ nahe ver- 
wandt ist. — 

Zweitens ist ins Auge zu fassen, ob die an den Strophen- 
schluss gebannten Zeüen zugleich den Abschluss grösserer Ab^ 
schnitte markiren. Nöthig ist das nicht (vgl. MüUenhoS MSD, 
S. 323 zum GeorgsHede) und mehrmals scheint eine Regel für das 



^344 

Smtnten des Bebaiiu nicht Toiiianden. In Veg. anhligit di« 
▼glTa ihre Aoskunft jedesmal mit dem Beftnin; in De6n Kl«gs 
schlieast ebenso der Dichter jedes Bei^iel mit seinem Eshr 
reim. Innere Abschnitte scheint der Refrain in der VftL (IföUen- 
hofE D. Alt. 8. 6 Anm.) nnd vielleicht danach dar iweite Refrain 
im Hyndl. (in der Vgloapi hin sbamma b. aao. 8. 8) abragnnuen. 
Bestimmt sondert er in den Rig. die genan abgemosoenen Tluile. 
tSit der Reftain-Halbstrophe in denselben bedden .Gedichtaa ist 
dasselbe sicher der FalL — Weniger regelmisng ist die An- 
wendimg der Kehrzeilen schon in H^b. and Gi^., wo sie 
mehrmals ansfallen. Complidrter treten in ^. je twn Bafrains 
als einander entsprechend auf, ohne dass diese Paare ^eich- 
massig rertheilt Eicheinen. — Endlich der erste Kehrreim im 
Hyndl. acheint ganz willkürlich gesetzt. — 

Sehen wir nun drittens zn, welche Lieder diese Refrains 
haben. 

Zu den ältesten Gedichten der Edda gehört onsweifelbaft 
die VdI. Ihre engen BeziehongeQ zom Hyndl. hat MüllenhofE 
(D. Alt. 3. 8t.) aoseiiiandergeBetzt mid wenn man selbst nicht mit 
Simrock (Edda S. 415) den genealogischen Theil dieses Liedes 
Ende des achten Jahrhunderts ansetzen darf, kann doch Ober 
das Alter des thec^nischen Theils danach kein Zweifel mehr 
herracben. Wieder mit der Vgl. aber ist die {irymakrida etwa 
gleicbaltfig (HofFory Eddische Stadien I 36). Weiter be- 
rührt sich mit der I»r. die V^tamskvida (Veg. 1 = Jir. 13). 
Ebenfalls ein altes Lied iat Deörs Klage, denn es steht noch 
in lebendigem Zusammenhang mit der epischen Sage (ten 
Brink S. 77). 

Dieser Gruppe steht aber eine jüngere gegenüber. Der 
nachgedichtete Theil des Hyndluljöds ist schwer xa datiren; 
aber H£rb. und besonders die thörichte Grip. sind gewiss viel 
■junget und gehören der mittleren Schiebt der eddiscfaen Lieder 



345 

an. Daaeelbe gilt von den RigsmU, die wir schon einmal 
(6. 258) zu dem Harbaidsljod zu geseilt hatten. 

Nun sehen irir folgendes: der feste R^rain (VfiL 34 — Veg. 7 
Deör — VfiL 45, Hyndl. 31: doch auch Hyndl. 16, Grip. 12) 
ist älter als der bewegliche (Härh. 15 — Hyndl. 17; doch auch 
^. 4). RefraincombiD&ti(Hi Terräth eine jüngere Dichtung nach 
älterem Muster (vgl. Müllenhoff aao. S. 9 aber Hyndl. 17—31). 

Viel denthdier aber scheidet das zweite Kriterium. Der 
Refrain steht in den alteren Liedern (Veg. Deör. VdI. VgL h. sk.) 
jedesmal wie am Schluse der Strophe so auch am Schluse des 
Abschnitts. Jüngere (Hdrb., Grlp. — Hyndl.) setzen ihn nach 
Belieben. Eine Uebergangsstufe vertritt die unr^elmäesige 
Stellung von festen Refrainpaaren (J)t.). 

Wir hätten damit folgende Bntwickelung: der alte, feste 
und periodische Refrain ist nur in einigen alten Gedichten 
bewahrt, sonst Überall von der Alliteratdonspoesie abgeetossen 
worden. Später dringt er wieder ein, aber nun beweglicb und 
in unbestimmten Intervallen. Beides verräth schon, weshalb 
er wiederbelebt ward : als bequemes Mittel, Strophen zu füllen. 
Dnd diese Geschichte des Refrains in der altgeim. Poesie stimmt 
nun nicht niu" zu seiner allgemeinen Greschichte -~- worüber 
hier nicht zu handeln ist — sondern läset sich auch im Norden 
näha bellen. Erbalten ist der Refrün in Stucken kateche- 
täscher Natur, d^in ein solches (gegen Rosenberg aao. S. 169 Anm.) 
ist nicht nur die Vslusp£ (Müllenhoff Alterthumskunde S. 238) 
und die VfiluspA hin skamma (MüUenboS S, 8), sondern auch 
Veg. ist so zu sagen ein Repetitorium über den Mythus von Baldr. 
Solche Gedichte wurden gewiss bei Gottesdienst und Festen 
(Müllenhoff aao. S. 238) von dem Priester recitirt und die Refrains 
marMrten die Abschnitte. Deshalb sind die ältesten Refrains auch 
inhaltlich fast alle ^eicb: Vgl. 24 (vgl. MüUenhofl S. 6 Anm.) 
Byndl. 17, Hyndl. 31 enthalten eine wirkhche Ansprache des 



3U 

Bäntreten des Rdraina nicht vorliandaL In V^. Bchlieart die 
vQlva ihre Anakunft jedesmal mit dem Refnin; in D«6m Klage 
achheest ebenso der Dichtet jedes Beispiel mit seinem Kehr- 
nun. Innere Abschnitte scheint der Reirain in der V$L (Mällen- 
ho£E D. Alt. S. 6 Anm.) und vielldcht danach der nnite Refrain 
im Hyndl. (in der Vglnspi hin shurnna s. aoo. S. 8) abnigrauen. 
Bestimmt sondert er in den Big. die genau abgemessenai "nieile. 
Mit der Refrain-Halbsbophe in denselben beiden Gedichten ist 
dasselbe sicher der Fall. — Wender rfgrlTnUwrig ist die An- 
wendong der Kehneilen schon in HArb. und Grip., wo sie 
mehimalB anafallen. Ck}mp1icirter treten in J>r. je nrai Befraina 
als einander entsprechend auf, ohne dass diese Paare ^eicb- 
mäseig vertheilt scheinen. — Endlich der erste Kehrreim im 
Hyndl. scheint ganz willkürlich gesetzt. — 

Sehen wir nun drittens zn, welche Lieder diese Refrains 
haben. 

Zu den ältesten Gedichten der Edda gehört unsweifelhaft 
die V{}1. Ihre engen Beziehungen zum HyndL hat MüllenhoS 
(D. Alt. S. 8f.) auseinandergesetzt und wenn man selbst nicht mit 
Simrock (Edda 5. 415) den genealc^;ischen Theil dieses Liedes 
Ende des achten Jahrhunderts ansetzen darf, kann doch über 
das Alter des theogoniscben Tbeils danach kein Zweifel mehr 
herrschen. Wieder mit der V9I. aber ist die ftiymakvida etwa 
gleichaltrig iHoffory Eddische Studien I 36). Weiter be- 
rührt sich mit der |)r. die Vegtamekvida (\'eg. I = J>r. 13). 
Ebenfalls ein altes Lied iei Deors Klage, denn es steht noch 
in lebendigem Zusammenbang mit der epischen Sage (ten 
Brink S. 77^. 

Dieser Grappe steht aber eine jüngere gegenüber. Der 
nachgedichtete Theil des Hj-ndluljods ist schwer zu datiren; 
aber Härb. und besonders die ihörichte Grip. sind gewiss viel 
jünger und gehören der mittleren Schicht der eddischen Lieder 



345 

an. Daaeelbe gilt tod den Bigsm^, die vir Bchon einmal 
(6. 258) m dem HarbarOeljod m geeellen hatten. 

Nim Beben wir folgendee: der feste Refrain (VgL 24 — Veg. 7 
Deör — VoL 45, HyndL 31: doch auch HyndL 16, Grip. 12) 
ist alter als der bewache (Hirb. 15 — Hjmdl. 17; doch auch 
fir. 4). Refraincombination verräth dne jüngere Dichtung nach 
älterem Huster (vgl. MüllenhofE aao. S. 9 über Hyndl. 17—31). 

Viel deutUchei aber scheidet das sweite Kriterium. Der 
Refrain steht in den älteren Liedern (Veg. Deör. Vgl. VgL h. ek.) 
jedeemal wie am Schluse der Strophe so auch am SchlusE des 
Abschnitts. Jüngere (H^b., Qrip. — Hyndl.) setzen ihn nach 
Belieben. Eine üebergangsstufe vertritt die unregelmässige 
Stellung von festen Refrainpaaren Qir.). 

Wir hätten damit folgende Entwickelnng: der alte, feste 
und periodische Refrain ist nur in einigen alten Gedichten 
bewahrt, sonst überall von der Alliterationspoesie abgestossen 
word«i. Später dringt er wieder ein, aber nun bewegheb und 
in unbestimmten Intervallen. Beides verräth schon, weshalb 
er wiederbelebt ward : als bequemes Mittel, Strophen zu füllen. 
Und diese Geschichte des Refrains in der altgerm. Poesie stimmt 
nun nicht nur zu seiner allgemeinen Geschichte — worüber 
hier nicht zu handeln ist — sondern lässt sich auch im Korden 
näher bel^^. Erhalten ist der Refrain in Stücken kateche- 
tischer Natur, dorn ein solches (ge^en Rosenberg aao. S. 169 Anm.) 
ist nicht nur die Vglospä (Müllenhofi Altertbumskunde S. 238) 
und die VgluspÄ hin skamma (Mülleohofi S. 8), sondern auch 
Veg. ist so zu sagen ein Repetitorium über den M}ihuB von Baldr. 
Solche Gedichte wurden gewiss bei Gottesdienst und Festen 
(Müllenhoff aao. S. 238) von dem Priester recitirt und die Refrains 
markirten die Abschnitte, Deshalb sind die ältesten Refrains auch 
inhalthch fast alle gleich: Vgl. 24 (vgl. Müllenhoff S. 6 Anm.) 
Hyndl. 17, Hyndl. 31 enthalten eine wirkliche Ansprache 



B44 

EintTeteD des R«&ama Dicht yorhandan. In V^. Bchliewt die 
Tglva ihre Auskauft jedesmal mit dem Refisin; in De^B Klage 
Bclilie«at ebenso der Dichter jedes Beispiel mit aeinffln Kehr- 
reim. Innere Abschnitte scheint der Refrain in der V9L (UäUen- 
hoff D. Alt. S. 6 Aam.) mid vielleicht danach der zweite Rabain 
im Hyndl. (in der Velusp& bin skaimaa b. aao. S. 8] abntgrenKn. 
Bestimmt sondert er in den Rig. die genau abgemeBsenen "nieile. 
Mit der Refrain-Halbstrophe in denselben beiden G«dichtan ist 
dasselbe sicher der Fall. — Weniger regelmfiMig ist die An- 
wendung der Eehizeilen schon in HArb. und Grtp., wo sie 
mehrmals ausfallen. ComplicirteT treten in {)t. je twei Rafraini 
als einander entsprechend auf, ohne dass diese Paare gleich- 
massig vertheilt scheinen. — Endhch der erste Kehrreim im 
Hjmdl. scheint ganz willkürlich gesetzt. — 

Sehen wir nun drittens zu, welche Lieder diese Refrains 
haben. 

Zu den ältesten Gedichten der Edda gehört anzweifelhaft 
die Vgl. Ihre engen Beziehungen zum Hyndl. hat Müllenhoff 
(D. Alt. S. 8 f.) auseinandergesetzt und wenn man selbst nicht mit 
Simrock (Edda S. 415] den genealogischen Theil dieses Liedes 
Ende des achten Jahrhunderts ansetzen darf, kann doch über 
das Alter des theogonischen Theila danach kein Zweifel mehr 
herrschen. Wieder mit der Vijl. aber ist die |)iymBlcvida etwa 
gleichaltrig (Hoffory Eddische Studien I 35). Weiter be- 
rührt sich mit der ^r. die Vegtamskvida (Veg. 1 = |)r. 13). 
Ebenfalls ein altes Lied ist Deörs Klage, denn es steht noch 
in lebendigem Zusammenhang mit der epischen Sage (ten 
Brink S. 77). 

Dieser Gruppe steht aber eine jüngere g^nüber. Der 
nachgedichtete Theii des Hyadluljckls ist schwer zu datiren; 
aber Härb. und besonders die tbörichte Grip. sind gewiss viel 
jünger und gehören der mittleren Schicht der eddischen Lieder 



345 

an. Daaeelbe gilt 'V(xi den KigsmÄl, die wir schon einmal 
(6. 258) m dem Haibaräsljod su geeeUen hatten. 

Nnn sehen wir folgendes : der feste Befrain (VfiL 24 — Veg. 7 
Deör — VßL 45, HyndL 31: doch auch Hyndl. 16, Grip. 12} 
ist älter als der bewegUche (Häj^- 15 — Hyndl. 17; doch auch 
{>r. 4). RefraincombinatioQ verräth eine jüngere Dichtung nach 
älterem Muster (vgl. MüUenhoff aao. B. 9 über Hyndl. 17—31). 

Viel deutlicher aber scheidet das zweite Eriterimn. Der 
Befrain steht in den älteren Liedern (Veg. Deör. Vgl. VqL h. sk.) 
jedesmal wie am Schluse der Strophe so auch am Schluse deB 
AbschnittB. Jüngere (Härb., Grlp. — Hyndl.) setzen ihn nach 
Belieben. Eine Uebergaogsetufe vertritt die tmregelmässige 
Stellung von festen Refrainpaaren (|>r.). 

Wir hätten damit folgende Entwickelung: der alte, feste 
und periodische Befrain ist nur in einigen alten Gedichten 
bewahrt, sonst überall von der Alliterationspoesie abgestossen 
worden. Später dringt er wieder ein, aber nun bew^lich und 
in unbestimmten Intervallen. BMdee verräth schon, weshalb 
er wiederbelebt ward: als bequemes Mittel, Strophen zu füllen. 
Und diese Geschichte des Refrains in der altgerm. Poesie stimmt 
nun nicht nur zu seiner allgeroeineD GeBchicbte — worüber 
hier nicht zu handeln ist — sondern läast sich auch im Norden 
näher belegen. Erhalten ist der Refrün in Stücken kateche- 
tischer Natur, denn ein solches (g^en Rosenberg aao. S. 169 Anm.) 
ist nicht nur die V^lusp^ (MüUenhoff Alterthumskunde S. 238) 
und die V^luspä hin skanmrn (MüUenhoff S. 8), sondern auch 
Veg. ist so zu sagen ein Repetitorium über den Mythus von Baldr. 
Solche Gedichte wurden gewiss bei Gottesdienst und Festen 
(MüUenhoff aao. S. 238) von dem Priester recitirt und die Refrains 
Eoarkirten die Abschnitte. Deshalb sind die ältesten Refrains auch 
inhalthch fast alle gleich: Vgl. 24 (vgl. MüUenhoff S. 6 Anm.) 
Hyndl. 17, Hyndl. 31 enüialten eine wirkUche Ansprache des 



346 

Vorange» an die VenwnTnlwny, gerade wie eine Bolch» die 
VoL eröffnet (Müllenhoff 3. 86), und wie cbrt AnfmerkBunkeit 
▼erlangt wird, fragt hier der Vortragende, ob die Zuhörer auch 
noch weiter aufnunerken bereit seien. Veg. 7 ist diese fVage 
bereite in den Charakter der dramatisch TorgefBhrten vQlva 
gezogen und dies schreitet aber EUrb. 15 m Chip. 12 fort, 
wo der Refrain bloes das Stichwort ist, aof das der Gegenredner 
einzusetzen hat. 

Doch sind wir damit der Entwickelung schon voranageeilt 
Sobald der öffentliche feieriiche Vortrag der dogmatiedien 
Stücke aufhört, hält nichts mehr den der Stabreimdicfatang 
unangemessenen Refrain. Dem Einzelvortrag der alten Allite- 
rationsdichtung, vom |>uh: in der Halle vorgetragen (Mfillsnhoff 
S. 291) konnte er fehlen. Wo aber dieser oder später der Skalde 
sein Publikum heranziehen wollte oder sonst den Kehrreim ver 
misste, da konnte er jederzeit zwischen die Strophe lose ein Vidt- 
kvaedi (Rask-Mohnike Verslehre der Isländer S. 49) einschieben. 
Dies ist noch jetzt in nordischen Volksliedern häufig; selbst 
Geijer, der im Kehrreim viel zu viel Absicht sucht, hält in 
einigen älteren Liedern die Kehrreime mit Ijrrischen Refiexi<men 
für Zusatz einer spätem Hand (Ueber den Kehrreim &. 298). 
und wie das vor sich ging, illustrirt sehr anschaulich die Er 
Zählung von den Skalden Thorarin, der ein kurzes Lobgedicht 
durch Einschaltung eines stefs zu einer dräpa erweitert (Wein- 
hold Altnord. Leben S. 335). Doch pflegt auch dieser spätere 
Refrain vom Functionszeichen der Abschnittsgrenze etwas an 
sich zu behalten, indem er nur am Schluss einer neuen Abthei- 
lung steht (Rask-Mohnike aao.). Solcher Art sind alsa die 
jungem, veränderlichen und in ungleichen Abständen stehenden 
Refrains. Ihre Erneuerung in altn. Liedem aber trat wohl ein, 
al» eine neue Art der Katechese in Liedform aufkam: die 
»Uebersichtslieder« (wie Rösenber^p S. 103, Gruff. I und Helr. 



iMaHM^M^MaaHMK-. ^ 



347 

nennt), die nun nicht mehr dem gläubigen Zuhörer» sondern 
wohl in erster Linie dem Skalden selbst seinen Stoff übersicht- 
lich machen sollen. So wird nun nach dem Muster des Lehr- 
gedichts über Baldr (Veg.) ein solches über Sigurd (Grip.) ver- 
iasst, und der genealogische Theil des Hyndl. ist (nach Müllen- 
hoff) direkt im Anschluss aa die Vol. h. sk. gedichtet. Kein 
Wunder, dass da auch der Refrain nachgeahmt wurde, der aber 
inhaltlich nun seinen Ursprung verläugnet. — 

Nimmt das wiederkehrende Stück den Raum einer Strophe 
ein, so vereint es Refrain und Gegenrefrain in sich; so schon 
in der VoL (MüUenhofi 137. 148). Bei der Refrainstrophe der 
VoL h. sk. seigt die inhaltliche Verwandtschaft mit den anderur 
alten Refrains, dass sie aus Refrain und nicht aus Gegenrefrain 
gedehnt ist; dasselbe beweist für den Stef der grossen Vgluspä 
seine schliessliche Ersetzung durch die Schlussstrophe (MüUen- 
hoff S. 137). — 

Eine Refrainstrophe hat auch Saxo (ed. Holder S. 22.) — 
Der Gegenrefrain ist in eddischen Liedern recht häuüg; 
ags. laufen Gegenrefrain und Anaphora fast unimterscheidbar 
durcheinander. Da nämlich ein echter Gegenrefrain, d. h. eine 
am Beginn mehrerer sich folgender Abschnitte unverändert oder 
doch erkennbar wiederkehrende Zeile ags. überhaupt nicht 
zu belegen ist, hat man kaum das Recht, einzelne Worte am 
Beginn der Abschnitte so aufzufassen, wie wir das jgtunheimr 
der {)rymskvida allerdings auffassen dürfen: als verstümmelte 
Kehrzeile. Lnmerhin wird man jenes eä la, mit dem Cri. I — ^XI 
alle Capitel beginnen, hierher stellen dürften, und das gleiche 
Wort, Hö. 76. 84. 99. 103 kleinere Stücke einleitend, bietet 
zur Verwendimg eben derselben Literjection als Trägerin der 
Anaphora den Uebergang. Dagegen ist ee nicht nur kein Rest 
eines (Jegenrefrains, sondern nicht einmal eine Anapher schwäch- 
ster Art, wenn z. B. Gen. 119 — 169 fast jeder Satz mit J» 



348 

oder in Oddrünargritr von Str. 19 an £ut jeder Abechnitt 
mit en beginnt; das iat tinfach ünbeholfenheit und Bequem- 
lichkeit in Flickworten. 

Dagegen altn. iat der Qegenreirain zu einem beliebten 
Kunatmittel erhoben. 

Gegenrefrain. 

Nur ein Verstheil kehrt wieder und dieser mit Variation: 

84 hön — VqI. 31,1 ek sa — VqL 32,1 hapt si hön — 
36,1 sal 84 hön — 39,1 84 hön — 40^ 

segdu ]Mtt Lok. 1,1 veizta {)at — 5,1 munta (Mit — 9,1, 
vgl. auch ristu |)a 10,1 und veixtu 4,1. 23. 27,1 haettu 36,1 
veiztu 43. 50. 61,1 

ristu nü Sk. 1,1 segdu 3,1. 11,1. 40,1 

— er ^fQTt- {)eim er — ' H4v. 3 — 5. 1 — 2. — 

vreidr var (vard) J)4 — J)r. 1,1. 12,1. 
Eine Zeile mit Variation des Schlussworts: 

1)4 k0mr — VqI. 54. 56. 58. 67. 68 

|)4 kvad |>at — |)r. 14. 16. 17. 20. 22. 25. 30,1. 

senn y4ru ^t. 13. 21. 

})egi |)ü — Lok. 17. 20. 22. 26. 30. 32. 34,1 u. s. w. 

ek var austr H4rb. 23—29. 30. 

hugda ek — Gud. H 40—42,1. 

Zwei Zeilen mit Variation in der zweiten: 
förut lengi Ädr — nam Hym. 35. 37. 

Ejne Halbstrophe mit Variation: 

gengu |>eir fagra Freyju tüna [at hitta] ok hann ^t or{)a 
allfl fyrst um kvad |)r. 3. 11.1—4 vgl. 2,1—2 mid 8,9—10 

fimm hundrud dura [gölfa] ok um fjöra togum, sv4 hygg 
ek — Gr. 23. 24,1—3 

Rigr kmmi |>eim räd at segja .... R» 3. 5. 17. 29. 



gekk kann (Rigr) meirr at ^at midiar brautar, kom 
haim .... R. 2. 14. 26,1— i 

Eine Halbetrophe ohne Variation: 

^ gengu regln gll i rsketöla, ginnbeilug god, ok um t>at 
gaettuak Vgl. 9. 12. 27. 29,1—4. 

]>e^ttu, vglva! t>i^ vU ek fregna, unz pHninn«, vil ek 
■enn vita Veg. 8. 10. 12,1—4 

aat in alsnotra amMtt fyrir, er orA om fann viA j^tune 
mAIi f)r. 26. 28,1—4 

|>e^ \rti, TQg vaettr! ^i ekal mlnn |imdhamaiT Mjsllnir 
mÜ fymema Lok. 57. 59. 61. 63,1—3 

fjgld ek f6r, fJQld ek freietadak, ijQld ek um reynda regin 
Vaf. 3. 44. 46. 48. 50. 52. 54,1—3 

B^u m^r, Gagnrdär, allfi t>ü i g61fi vül Jtine um freista 
frama Vaf. 11. 13. 15 a. 8. w. 1.— 3 

mjDk er audk^it ]>eim er til Odine koma, salkynni at 
Bji Gr. 9. 10,1—8 

BBgda m^ |tat, Alvlsel gll of r^k fira vgrumk, dvergr, at 
-ritir Alv. 10. 12. 14. 16 u. e. w. 1—3 

medalsnotr Bkyli manna hverr, aeva til Bnotr ee Häv. 
54—56,1-3 

Mdumk ^t, LoddfÄfnir, en {)ü r^ nemir! nj6ta mundu, 
ef ]ni nemr, {t6r munu gAd, ef J)il getr Häv. 111. 114 — 16. 
118—21 124 u. B. w. 1—4 

ec^du joir ])at, Fäfnir ! alle |)ik frödan kveda ok vel maat 
Vita Faf. 12. 14,1—3 

Mehr als eine HalbBtropbe, mit ^'ahation: 

äö |>ä Loki, fjadihamr dundi, une f}T ütan kom ä«a 
garda [jgtna heima] ok fyr innan kom JQtna beima [äsa garda] 
J)r. 4,4—12. 8,1—6. — 



300 

lÜD beBonderer Fall Gege&retnin mit Zählmig: 

e^da t>at — ef |>itt oedi dogir ok f)ii, VaSSrüdiäi, vHt 
VaL 30. 22,1—3 aegOn t»t — alla ]}ik svinnu kveda «f ^ 
Vaiarüdnip. vitir Vaf. 24,20 a. s. w. 1—3 

bflita [heitir] iim — , eo [nr . . . Gr. 7. 8 11 a. a. «, 
1—3 vgL 5. 6,1—3 

I«t kann ek — ei . . . . Hiv. 148 — 162.1— -S. — 
Nicht sa den G^;enre&ainB, soodem sa dea Venwiedo- 
holungeo (s. n.) sind solche Fälle zu zählen, in damoi die 
mehrmalige Setzung derselben Zeile kein beabsichtigtea BJuiBt- 
mittel Bcheint. Zweifelhaft sind Fälle wie (mit VariatioD) 
|wdau koma — VgL 22,S 23,1 vreidr var [vartt] ^ pt. 1. 
12,1 hirda {)ü — Gud. 11 29. 32,1. In allen drei Gedichten 
kommen aber sichere Gegenrefrains vor, die auch für dieee 
FäUe eine Absiebt wahrscheinlich machen. Besondere Auf- 
merksamkeit verdient aber eine ganze Reihe von Beispielen in 
dem groeeen Lehrgedicht, aus dem ich HAv. 3 — 5. 54 — 56 
'(und Ulf. 146 f.) schon als unzweifelhafte Gegecrefrains an- 
zuführen hatte: 

Eine Zeile mit Variation: — er saell Hav. 8, 9,1 
Zwei ZeUen mit Variation: &j skal lisa sA er — 68. 59,1 
Fine Halbatrophe mit Variation: vin ainum skal ma^ 
wnr Vera .... 42. 48,1—3. 

£ine Halbatrophe: byrdi betri berrat madr brauta at, en 
8« mannvit miJdt 10. 11.1 — 3 bii er betra, Jwtt htit s6, halr 
er heima hverr 36, 37,1 — 3 deyr Ü, deyj'a fraeadr, deyr BJAlfr 
it aama 75, 76,1—3. 

Diese Formen venuischen sich 23 — 27: feste Halbetrophe 
öenotr madr hyggr s^r aUa vera vidhiaejendr vini 24. 35,1; 
feste Zeile ösnotr madr 26. 27; dieselbe mit Variation öenodr 
madr 23,1. Ein ähnlicher Fall schon Gud. II 40 — 42, wo die 
zweimalige Setzung des festen Gegenrefraina durch eine 



3&1 

-Variation derselben Zeile eingeführt wird (vgl, auch Vai. 30 
tmd 22-241.). 

Ich habe meine Ansicht über Bolche Fälle schon bei der 
Besprechung des anaphorisoben DreizeilerB vorgebracht. Der 
Drdzeiler scheint mir das feetgeprägte Sprichwort, dem die 
zweite StropheolüQfte dann eine nähere Anwendung giebt. Der 
Sammler stellte dann ganz oatüclicb die verschiedeneD Be- 
arbeitnngen desselben Themas zosammen. Auch H£v. 54 — 56 ist 
wohl 80 zu erklären; aber hier liegen drei Variatioaen vor, 
sonst nor cwei, und diese drei Strophen bilden mit dem ana- 
phorisoben Dreizeiler 53 eine in die Frenndschaftelehre einge- 
sprengte Gruppe (MtUlenhoff D. Alt S. 257); das macht doch 
-wieder bedenklich. Sicher in Beziehung zu einander ge- 
dichtet sind 3 — 5. — In 58 — 59 enthält statt eines Dreizeilers 
ein Zeilenpaar das Thema für beide Strophen. — Uebrigens 
scheint HAv.- 27 ein solcbes Paar Strophen aus gleichem ana- 
pborischen Vordersatz und varürtem Nachsatz zu einer Einzel- 
Strophe verschmolzen. In Hiv. 6 ist. umgekehrt ein Dreizeiler, 
der dem G^;enrefrain von 10 — 11 nabestand, an eine fert^e 
Strophe angehängt worden; auch dies kann HAv. 27 der Fall 
sein: ein Dreizeiler wie er 74 b^innt wäre dann angeechoben. — 

Auch nach Ausscheidung aller zweüelhaiten Fälle über- 
steigt die Zahl der eddischen Gegenrefrains die der Refrains 
bedeutend. Und auch an Regelmässigkeit übertreffen sie die 
letzteren. In V^. Lok. Jir. Vaf. Alv. HAv. Fäf. Gud. n sind 
es kleinere oder grössere Strophenreiben, die die stehenden 
Zeilen zu Häupten haben; ebenso sind ee Strophenpaaie bei 
den vereinzelten Fällen in Hym. und Gr. Einzig in der VqI. 
sind die G^ietu'efrainB unregelmässig vertheilt Doch gerade 
dies ist sehr bemerkenswerth. — 

Zu Refrains stehen die Gegenrefrains in Beziehung Ve«. 
7—12 und Rjg. 14. 26 (nicht aber Rig. 2). Mit Anaphora 



I ' I 



862 

verknüpft sind Vaf . 3. 44 f. und Hir. 76—76, TTiKaltH^h be- 
rühren sich der Refrain in der VqL und VqL h. sk. mit dem 
Gegenrefrain in der Alv. (MüllenhofE S. 8); doch stehen audi 
andere (besonders Vaf. 11 f. Tat. 12 — 14, auch Lok. 1 f.) diesen 
nahe. — Refrains und Gegenrefrains beeitien aoseer Veg. und 
Rig. noch VqL und |>r. ; Refrain, aber nicht Gegenzefrain haben 
Härb. Hyndl. Grip., Gegenrefrain aber nicht Refrain dagegen 
Lok. Gr. Vaf. Alv. Hav. Faf. Gud. 11 und vereinzelt Hym. — 
Welches aber ist das Verhältniss des Gegenrefrains zum 
Refrain überhaupt? 

Es geht nicht an, ihn einfach jünger zu nennenl Die drei 
alten dogmatischen Lieder VqL Gr. Vaf. (MüllenhofE S. 237) 
haben ihn sämmtlich, am entschiedensten ausgeprägt die Vafjnrud- 
nismäl, über deren Alter kein Zweifel sein kann (ebd. S. 246). 
Ob man aber den Gregenrefrain wie den Refrain vorhietoiiecher 
Zeit schon zuschieben darf, ist sehr die Frage. Vor uns liegt 
jedenfalls folgender Thatbestand; in der ältesten Schicht der 
.uns erhaltenen Eddalieder halten beide Figuren sich noch das 
Gleichgewicht. Von der älteren Gruppe refrainirter Lieder 
haben Vgl. Veg. |)r. auch Gegenrefrain, nur VqL h. sk» nicht; 
aber dafür haben Gr. und Vaf. umgekehrt keinen Refrain. 
In der mittleren Schicht vereinigt nur Rig. noch beides, Härb. 
und HyndL haben Refrain allein, Lok. Alv. Häv. Fäi. nur 
Gegenr^frain, der hier also überwiegt. Endlich noch jünger 
sind wohl Grip. mit seinem (älteren Stücken nachgebildeten) 
Refrain und Gud. II und Hym. mit dem Gregenrefrain. 

Suchen wir dies zu deuten. Der Refrain ist von Anfang 
an da; ihn bewahren alte katechetische Gredichte. Ob der 
Gegenrefrain gleich alt ist oder nicht — jedenfalls verdankt er 
in der altgerm. Poesie seine Bedeutung erst dem barytoniren- 
den Reimprincip. Zugleich aber der mehr und mehr drama- 
tischen Gestaltung der Lieder. Daher zunächst noch Gleich- 



358 

gewicht: die bloee erzählende VgL h. sk. bat nur Refrain, die 
VfiL, wenigBtenfi in der Maske der vglva vorgetragen, und die 
gm» dramatische WaTvmrBhmTyi t, haben beide Figuren, die Orinmif- 
mil- (in der Maske dee Grimnir gedacht) und die gaus dialo- 
giecbe Vaf . haben nor den Giegenrefrain. Nun b^nnt ma n beide 
Figuren in bewneete Beziehung eu bringen: so echon die dialo- 
gische Veg., weiter die kunstgerecht durchgearbeitete Big. Jetzt 
aber sinkt der Befrain. Im HyndL wahrt ihm noch der An- 
BchloBB an die V$l. h. sk.; auffallender ist da£ auch das rein 
dramatische H^b. bloss ihn pä^. Aber die dramatisch ge- 
haltenen Lok. Alv. Y6i. haben schon den G^enrefrain allein, 
ebenso zum ersten Mal ein reines Lehrgedicht, die alten HAv. 
Aber dann sterben beide Figuren ab: erst spät bringen Nach- 
ahmungen sie wieder, Grip. den Refrain wohl im Anschluse 
ao Vcg., Gud. n den Gegenrefrain wohl im Anschluss an Fii. — 
Selbstverständlich könnte selbst bei grösserer Sicherheit der Chro- 
nologie dieser Abriss nur durchaus unsicher und zweifelhaft sein ; 
innere Wahrscheinlichkeit scheint er mir nicht zu entbehren. — 

AgB. Gegenrefrain hat nur der alte Zauberspruch gegen 
Hezenstich: ut, lytel spere Zaub. n 6. 12. Ib. \7; an den drei 
ersten Stellen schlieest sich noch an gif it her iime ey: Lang- 
vers durch Kurzvers abgelöst in regelmäeagen Abstanden. — 
Gegenrefrain mit Variation Zaub. IV 1. 23. — 

Auf die Bedeutmig beider Figuren für den innem Aufbau 
der Lieder einzugehen, wäre höchst IntereBsant, denn kaum 
irgendwo lässt sich die gegenseitige Bedingtheit von Form und 
Inhalt besser studiren ale an den Kehrzeilen. Unentbehrlich 
scheint der Gegenrefrain den Räthselgedichten (Schheben de 
antiqua Germ, poesi aenigmatica S. 23), — 

Es giebt auch einen Mittelkehrreim. Zwar in den von 
Geijer (aao. S. 295) besprochenen Fällen ist die wiederkehrende 
Zeile richtiger als Refrain der ersten Strophenhälfte zu fassen. 
ILftr, AllgamuÜMfa* FiMii*. 28 



354 

EImdso könnte ein Gegenreiram da; sweiten Halbstrophe vor- 
kommen, und vielleicht haben wir einen solchen wiAlich: dag 
hverjan er hann [f)eir] doema ferr [fara] at aski Yggdmaila Gr. 
29,4 — 6. 30,7—9; dann fehlte freilich der letzteren Strophe 
noch' ein SchluMstück. Der Gegeniefr&in hätte hier wie Gr. 51. 
und 9 — 10 die Gestalt der vahirten Halbsbrophe. Aber an 
diesen Kehrreim zweifelhafter Art scheint sich eine echte Mittel- 
kehtzeile anzoschliessen. Gr. 31,3. 32,3. 34,2 steht undan (at, 
imd) aaki Yggdrasils genau wie {>r. 4f. jgtna heima. Die drei 
Stellen ala Gegenrefrain-Halbstrophen mit Variation aufmfaasen, 
geht nicht an, nicht nur weil sie gar zu stark differiren, son- 
dern beeondera auch weil 34,2 das Schlagwort in der zweiten 
Zeile ateht. Und 35,1 wird diese Kette von ^Vortaofnahmen 
29 — 35 durch askr Yggdrasils im ersten Halbvers abgeschlossen. 
Die Grinrn. haben auch noch zwei andere Beispiele: s^r um 
gQTva. sali 5,3. 12,3. 16,3 und en |>at l&ii vitu 18,5 und 22,5. 
Ein anderes Helr. 2,6 — 5,4. 7,6 ef |)ik vita lystir. Unregel- 
mäas^ Oegis heUu i u. dgl. Lok. 10,6. 16. 18,3. 27,2. 33,2; 
vgl. auch ebd. 32,3. 56,3. 

Aehnliche Figuren führt in den Rigsm^ der genau a3rm- 
metrische Bau der Theüe herbei. Verbindui^ von Mittelkehr- 
reim (besser Binnenkehrzeüe) mit Gegenrefrain Hiv. 22. 24. 
26. 27,4. 

Andere Fälle gehören unter die Verewiederholungen. — 
lieber den Refrain und Gegeniefrain weise ich nur wenig 
Literatur anzuführen. Dass der Kehrreim su den Eigentbümlich- 
keiten aller Volkspoesie gehört, führen Talvj (Charakterietik 
der Volkslieder S. 135f.) und Bockel (Deuteche Volkeheder aus 
Oberbessen S. CXf.) aus; über Ursprung imd Arten des Re- 
frains haben A. W. Grube (Aesthetische Vorträge 11 103 f.) und ich 
(Ze. f. vgl. Literatm^esch. I 34 f.) gehandelt. Die lehrreichstea 
Beispiele für das Verhältniss dieser Figur zum Inhalt geben die 



SöSi 

altchineBischen Lieder ; durchdringen sich in ihnen Refrain und 
G^eniefnin, BO Bind die altjapanischen cUseisch für den letz- 
teren. — Fälle aoB dem Rigveda Bammelt Kaegi (Bigveda Aiuq. 
83 c). Für die altgenn. Literatur sind nur die eddischen Re- 
frains -von Niedner (Zb. f. d. Alt. 31,245) gestreift worden; aUe 
späterer Zeit hat Haupt mbd. G^enrefrainE (eu Reinmar 181,14, 
Minnesangs Frühling S. 305) zus&mmengeatellt. — Beispiele 
(auch von Ifittelrefrain) aus der frz. Volkspoesie bei ScheSler 
Fn. Volksdichtung I 58. — 

§ 18. Technische Satiformeln. 

Wir wollten in der Anordnung dieser Arbeit dem Gang 
der Entwicklung folgen, welchen unserer Ansicht nach die poe- 
tifiche Sprache nahm, und daher vom Wort zum Satz und Vers, 
zur Strophe und bo fort zu immer gröBseren Massen aufsteigen. 
8o fanden wir eben, daes der Gegeurefraiu der Anaphora ent- 
spricht, wenn wir die Strophe als einen Vers nehmen, und 
ebenso der Refrain der Epiphora, dem rührenden Keim. Denken 
wir uns nun weiter, das ganze Gedicht sei nur eine Strophe 
und diese Strophenreihe bilde das eine Sanmaelgedicht der Edda. 
Fänden wir nun, dass fast jedes (gedieht mit einem gleichartigen 
Stücke b^Öime, und dase ebenso jede dieser Grossstrophen in 
ähnlicher Weise schlösse, bo wären die Eingangsformeln dem 
G^eorefrain zu vergleichen tmd die Schlusefonneln dem Re- 
frain, und wirklich entsprechen sich beide Figurenpaare 
durchaus. 

Wie aber diese fingirten Strophen die wirkhcben an Um- 
fang und Selbständigkeit überragen, so werden natürhch ihre 
TheUstrophen, nämhch die Gedichtabschnitte, von grösserer Be- 
deutung sein. Wax dort Refrain und Gegenrefrain der Halb- 
strophe selten, so ist hier die Eingangsformel der Abschnitte es 
durchaus nicht (wohl ist es aber deren Schlussformel}. Nur 



356 

düifen wir darüber nicht vergeBsen, dasB den ffinJWhnmgen der 
AbBchnitte oichtodestoweniger g^enüber denen der Gedichte nm 
eine aecundäre Bedentong tnkoount. 

Und die ^^chtigkeit der Satsformel kann noch weiter ab- 
nehmen. Zahlloee Sätze haben sich ^iBch gefestigt, ohne dt» 
davon ein bestimmtes BewuBsteein vorhanden ni sein bmuchte. 
Man pfl^te dies nun einmal eo auamdrQckea, nothwmdig wu 
«8 nicht; dagegen jene Einführungsformeln waren ein lembaier 
und sicher wirkÜch ein gelernter Theil der poetischen Technik. 
Sie sind auch den Schreibern geläufig, die z. B. die Tginfghr"Tig 
des Redners oft genug freihändig zusetzen. Aber von dm übri- 
gen typischen Formnlirongen bestimmter Sätze scheint ein ITidl 
gleichfalls bis zu dem Grade sich gefestigt haben, dass er all- 
gemein geläufig war, und zwar i. T. schon in gemeingerm. Zeit 
Die Grenzen sind nirgendfi streng zu ziehen. Es wäre vielleicht 
deshalb dos Richtigste gewesen, alle Satzformeln bis auf die 
Eingangs- und Schlussformeln der Kategorie der ■ wiederholten 
Verse* zuzuweisen, d. b. für gleichlautend nur aus Zufall oder 
Grewohnbeit, nicht aus Kunst und Abeicht zu erklären. Ich 
nahm dennoch solche Falle hierher, in denen mir ein nur zu- 
fälliges Zusammentreffen weniger wahrscheinlich war als ein 
bewusBtes. Das ist natürlich ganz aubjectiv geurtheilt; erst ein- 
gehendere Prüfung kann Kriterien für die Scheidung in bewusste 
Satzformeln und absichtslose Satzwiederholungeo an die Hand 
geben. Für die homerischen Fälle beider Art soll G. Hermann 
diese Scheidung durchgeführt haben. Innerhalb der altgerm. 
Poesie hat von den Satzformeln noch Niemand eine lus&nmien- 
hängende Uebersicht versucht; verstreut finden sich die meisten 
in den oft citirten Arbeiten von Weinhold, Vilmar, J. Grimm, 
Sievers. Ebenso Anden sich für die mbd. Zeit in Wilmanns 
Leben Walthers und vielen andern Orten Bemerkungen, die ich 
Ze. 29,131 I. zu verarbeiten versuchte. — Die Satzformeln fehlen 



367 

keiner Poesie, nicht nur keiner Volkedichtung, eondem auch 
keiner Eunstdichtong; dort aber sind sie freilich noch voller 
entwickelt. — 

A) Eingangsformeln. Vgl. Weinhold S. 8. 

Diese Formeln zerfallen in zwei .Classen, je nachdem ob 
a persona oder a re angefangen wird. 

1. Eingang vom Sänger und Zuhörer. 

Entweder wird die Wahrheit der Erzähltmg betheuert, oder 
sie wird vorausgesetzt und deshalb Aufmerksamkeit gefordert. 

a) Betheuerung der Wahrheit. 

In der Regel einfach durch Berufung auf Zeugen bez. Be- 
richterstatter : 

a) At kv4du ganga — R. 1,1. 

manega uuaron the sia iro mod gespon, that sia uord 
godes uuisean bigunnun Hei. 1,1; gevritu secgad Rät. 48. 

ß) Meist beruft der Sänger sich darauf, diese Berichter- 
statter selbst gehört zu haben: 

heyrda ek segja Odd. 1,1. 

ik gihörta dat seggen IBQld. 1,1 (kann der Lücke wegen 
auch zu 7*) gehören). 

hyrde ic se(^;an Reh. 1. 

gefrägn ic Dan. 1; häbbe ic gefrugnen Phon.; hvät ve ge- 
frunan An. 1; ic gefrägn . . . Rät. 49; ic — gefrägn Rät. 46. 

veit ek HAv. 137 (Rünatal 1). 

7*) Zuweilen erhält diese Versicherung einen anpreisenden 
Zusatz: ^ bä ek sennu slidrfenghgsta u. s. w. Oud. hv. dat 
gafregin ih mit firahim firiuuizzo meista Wess. G. 

3) Die Kenntniss wird den Zuhörern selbst zugeschoben: 
fr^tt hefir Qld 6fu Atlm. 

Eine ganz vereinzelte Einleitung a persona, die sich aus 
der Natur des betreffenden Gedichte versteht, hat die Botschaft 
des Gemahls an seine Frau: nu ic onsundran J)e secgan ville. 



368 

fflzte fiimliche Anrede hat die venificirte Pndigt vm den Wnn- 
4tcni d« SchöpfOng: vüt ^ — grttan. Die nraite BängaxigB- 
tonnel der Botschaft: ic tüdre äveöx Bo. 3, wie die Umliche 
der El^e: m^^aa io up veöx El. 3, steht den monologiBchen 
Selbstetdiildernngra der ags. Bftthsel (a. o.) nahe. — 

b) Ermahnung rar Animerksamkeit. 

hljödB bid ek allar heigar kindir VgL, (vgL MöDenhofi S. 86.) 
— VgL auch mal er at telja LoddL (EUy. 110) b. MOUenhoff 
D. Alt S. 252. — 

3) Eingang vom Stoff. 

a) Von der Situation aua. 

a) Zeitangabe. 

aa) Unbestimmte Zeitangabe. 

ix — Hym. Akv., it var |)ata — Gud. I Sig. ak., it var 
alda {»t H. H. I (wie Vgl 6,1); mit lächerlicher ^ofung (vgl. 
Wenzel Die ältere Edda S. 535, Anm. 3) vara f>at nä n6 i gaer, 
{>at hefir langt Mit sidan ; er f&tt fomant, fremr var ^tt hälfn 
Hamd. 2,1 — 6 (dies iat wirklich der Gedichteingang, Str. I 
jünger vgl. Hüdebrand z. d. Str.) 

eine — MSD IV 1. 

/S)9) Bedingte Zeitangabe: >r. 1,1. Wese. 0. 5. 

77) Bestimmte Zeitangabe: [n väe ägangen u. b. w. EL — 

ß) Orteangabe. 

aenn väni aesir allir & {ilogi, ok AsTnjar aUar & m&h Veg. 
(= I». 13). - 

r) Gern wird der Held oder die Handlung durch eine 
Frage ausgehoben. 

hverr er — Härb. ; hverr — Grip, ; hvat er — Reg. ; vgl. P4f. 1. 

BÄttu — H. Hi. 

hvat beit biynju u. b. w. Sgdr. ; hvat hefir Sigurdr a. s. w. 
Br. (nach einer wohl analogen Halbstropbe, die verloren iet); 



359 

hvat er |)6r? Gnd. m vgl. Lok. I irnd Süm. 1; auch Vaf. 1 
giebt dae Thema in Frageform. — 

b) Von einem allgemeinen B^rifi aus (nur ags.) 
Monge sindon geond middangeard Pan. (vgl. Pan. 70) Güth. 
-^1. Güth. 10) (äueserlich ähnlich manega uuaron Hei. 1»1 s. o.) 
fela bSd on foldan — Cräf ; ful oft {»ät g^onged — Vyr. — 
Besondere Eingangsformeln sind für die ags. Räthsel ent- 
standen (doch Rät. 40. 46. 49 s. o.) 

1) Eingang vom Dichter, 
ic v&t Rät. 44. 60. 59 

ic seah Rät. 14. 20. 35. 37—39. 43. 52—54. 56. 60. 65. 
68. 74—75. 84 ic geseah 30 vgl. 32. 33,3 (oft mit »vihtc) 

2) Eingang vom Stoff. 

a) Von der Situation aus, 
d) Zeitangabe. 

ß) Ortsangabe fehlt. 

hvflum — Rät. 3. 4. 

f) Einführung durch Frage. 

nur: hvylc is — Rät. 2. 

Jf) Sehr häufig dagegen Selbstschilderung. 

ic eom Rät. 6. 18. 28. 31. 63. 66. 67. 70. 77. 79. 89 ic 
«om vunderlicu vihi 19. 21. 25. 26 vgL 30,7 ic väs 5. 57. 
6L 71. 73. ic sceal 5. 17. 

ic — äveöx Rät. 72 ic veöx — 85. 

b) Von einem allgemeineren Begriff aus. 

is |)es middangeard missenlicum vlsum gevlitegad, vrät- 
tum gefrätvad Rät. 32. 33. — 

Besonders zu bemerken: hyse cvom gangan Rät. 55. viht 
cvom gangan 83. — 

Sehr oft fehlt jede Einleitung und frischweg setzt die Er- 
zählung ein (so in der Edda Vkv., Gud. ET) oder noch öfter 
der Dialog Alv. Hyndl., H. Hi., H. H. ET, Heb.) oder Mo- 



360 

nolo; (Or.) Das proMÜBoh« Vonrort ist natOrlich QbenU ab- 
sosiflhfln; ötten mag ee die echte Eialeitiuig ftt^ertoeeen 
haben, eo in H. H. n und vielleicht auch Sgdr. — Age. wiid 
ein aolcher laacher Schritt in mediaa res gern durch ein hvät 
Tenxdttelt vgl. Gtam. IV 448, J. Orimm m Andieas 1, Wonhold 
8. 3; ao Ex., MAd., Be6v., Fata, An., JuL, Kreui, Met S. 9. 31 
vgL 8,4, SoL — Die Psalmen kommen aU genaue Ueber 
setiungen hier nicht in Bettacht 

Nur agB. Gedichte, n&mlidi Vtd. und Men., fangen mit 
Namen an; ebenso aber drei ^d. Zaubersprüche: MSD 4,2. 
3. 6. — Von den englischen ZAubersegen beginnt IV mit einer 
ff iinn.t>Tiiing ^ 'CS. hat keine Elinleitiing. — 

Ich habe hier wieder m<^chst sorgfältig zu claaeificiiea 
versucht. Man wird diese Rubriken hoffen^ch nicht kleinlich 
finden ; denn die Eiogangsformeln deuten fast überall mit liem- 
licher Genauigkeit den Stand des Gedichts an und verdienen 
deshalb grösate Beachtung. 

Es ergiebt sich nämlich eine so klare und gradlinige Ent- 
wicklung wie selten, recht ein Gegenstück m den verwickelten 
Verhältnissen der Kehrzeilen. Wh sehen die typische Eio- 
gangaformel entstehen und wachsen. In der ältesten Zeit hat 
nnr das feierliche dogmatische Lehrstück schon eine feste Ein- 
leitung in der Ermahnung zur Aufmerksamkeit (Vgl.). Jbi 
allen Gedichten von minder feierlichem Charakter wird direkt 
zur Sache geschritten, und zwar in den dialogischen durch die 
Frage nach der Handlung (Sgdr., Br., Lok., Sklm., Vaf.), in den 
erzählenden durch den Beginn der Erzählung (Vkv., ähnlich 
Gr.) Aber schon beginnt in Gedichten von besonderer Leb- 
haftigkeit der Darstellung diesem Prolog in der Uebetschrift- 
strophe eine unbestimmte Angabe von Ort oder Zeit eingetj^ 
zu werden (Veg. J>r.) Gleich in der nächsten Schicht mindert 
sich die Objectivität. Es tritt die Betheoerung der Wahrheit 



361 

ein, sunächst in unscheinbarster Form (RigO; <üe noch immer 
(und lange noch) unbestimmte Zeitangabe, die sich aber doch 
schon deutlich als solche giebt (Hym., H. H. I, MSD IS- 1) 
wird obligatorisch und — was sehr interessant ist — statt der 
Frage nach der Handlung wird die nach dem Helden (HÄrb., 
Reg., Fit., H. Hi.) üblich. — Kun tritt der Dichter entschieden 
hervor, indem er sich selbst als Gewährsmann der Erzählung 
giebt (Odd., Hild., Reh., — Dan., Phon., An.) ; die unbestimmte 
Zeitangabe dauert fort, dehnt sich aber mehr und mehr zu 
ganzen Versen aus dem einen Wort är heraus (Gud. I, Sig. sk)^ 
Auf andere Weise bethätigt gleichzeitig der Angelsachse seine 
Subjectivität: er schlägt der einfachen Erzählung eine Inter- 
jektion vor (Beöv. und so noch bis zu den Met. fort). Bald 
drangt sich der Dichter noch stärker hervor: er verlangt Auf- 
merksamkeit, aber nicht mehr wie einst weil die Sache heilig 
ist, sondern weil sie ganz imerhört und merkwürdig sei (Gud. 
hv., Wess. 6.) Die Frage nach dem Helden im Dialog wird 
für die Erzählung in seine sofortige Nennung verwandelt C^'ld., 
Men., MSD 4,2. 3. 6). Die Zeitangabe wird eine ganz be- 
stimmte (EL). — Und nun die allerjüngste Stufe: der Spielmann 
dehnt die Anpreisung des StofEs (Atlm.) und die Zeitangabe 
(Hamd.) immer weiter aus; der gelehrt erzogene Autor aber 
stellt den Stoff in eine grössere Kategorie, aus der er ihn dann 
wieder willkürlich herausninmit, wie der Prediger seinen Text 
aus der Bibel (Pan., Güth., Cräf., Vyr.). — Es versteht sich, 
dass man die Lieder nun nicht einfach nach diesen Formeln 



ordnen darf. Noch späte Gedichte haben alte Formulirungen 
bewahrt (z. B. Hei., Akv'., Grip.) und gleichzeitige zeigen ver- 
schiedene Grestalten der Einführung (z. B. Gr. und Vaf., bei 
denen jedoch der Inhalt dies erklärt). Im Ganzen aber scheint 
mir die Entwicklung so sicher als interessant. Immer stärker 
tritt die Persönlichkeit hervor, sowohl die des Sängers dem 



Stofl, als die dea Helden der Handlung gegenüber. Immer 
breiter dehnt sich, ganz wie wii dies für die poetüche Sprache 
überhaupt vorauBsetzten, die Formel aus, bis nun Raum einer 
Strophe. Inhaltlich wie formell weicher Abstand swischen 
den Eingängen von Vbr. und Atlm., vim Jir. and HamO.! — 

üiuere Tradition hat nicht überall diese Entartnng mit- 
gemacht. Dem alten ix, das so lange auch in der Dichtung 
sich erhält, entspricht noch Töllig unser Märchen- und Giedicht- 
eingai^ lEs war einmal . . .< (J. Grimm Kl. Sehr, m 3021) 
und oft fehlt diesen Erzählungen selbst diese loee Tünknüpfung 
m den Faden dea Zeitverlaufs (vgL ebd.). — 

Diesem volksthümiichen Eingängen gegenüber verbretoi 
die Einleitungen der age. Rätbsel sehr schön die kunstmasaigen. 
Wo de vom Dichter ausgehen, fangen sie gleich damit an, 
diesen sehr entschieden als Gewährsmann zu bezeichnen (Ic 
yät, ic seah). Die Einführung durch Frage, uns für Räthsel 
die allergeläufigste, fehlt so gut wie ganz; sehr häufig d^für 
Monolog des gesuchten Dinges (hier gleichsam des Helden der 
Handlung), öfters mit Anpreisung (ic eom vunderlicu viht). 
Und auch hier jene gelehrte Einreibung in eine grössere 
Kategorie, die im Mittelalter so beliebte der >3£rabilia< 
(Rät. 32. 33). — 

Besonders ist zu bemerken, dasa eine Art der Gedicht- 
einleitung fehlt, die sonst allgemein volksthümhch ist. In 
meiner Dissertation (Die Reihenfolge der Lieder Neidbarts t. 
Reuental S. 86) hatte ich die Anpreisung der Lieder als >neu< 
dem Dichter als Marktschreierei angerechnet. Herr v. Liliencron 
hatte die Güte, mich auf die Unrichtigkeit dieser Auffassung 
aufmerksam zu machen. Dieselbe ist in der That durchaus 
verfehlt, denn diese Ankündigung von Liedern als neugedichtet 
ist nicht etwa dem Schöpfer der höfischen Dorfpoesie eigen- 
thümlich, sondern uralt hergebracht; von zahlreichen Bellen 



'Will ich hier nor aof die vediscben (Zimmer Altind. Leb^i 
8. 240) verweiaen. Aber der altgerm. Poesie fehlen Bolche 
A tiTmnHig iiTigftn . Ee Bcheist, dass die altec Germflnen auf das 
ehrwürdige Alt«r eines Gedichte viel gröaseren Werth legten 
als auf seine intereaBante Neuheit (foro spjfiU fin l>au er fremet 
TOD man VoL 4,7—8, vgl Vaf. 1,5. 56,5 und Alv. 36,1, auch 
H. a I 37,1). — 

B) Scbluseformelo. 

In der R^el enthält nicht der letzte Vers, sondern der 
B^inn der Schlussstrophe oder des letzten Abschnitts die eigent- 
liche Schluseformel, veil diese sonst zu nachdruckslos stehen 
würde. 

Statt der Eintbeüung nach Sprecher und Stoff empfiehlt 
sieb hier eine solche nach der Zeithaltung dee Scblnssworte. 
Dies kann auf die Vergangenheit deuten, wie sie eben das Lied 
eraählt hat; auf die G^fenwart, in der das Gedicht voigetragen 
wurde; auf die Zukunft, nämlich vom Standpunkt der voi^- 
toigenen Barzahlung aus, bIbo Gegenwart, Vergangenheit seit 
AbschluBS der B^;ebenheit und Zukunft zusammenfassend. Die 
Schlusstormel im Prfisens entspricht dem Eingang a persona, 
sie erklärt das Gedicht für beendet; dieienlgen im Präteritum 
und Futurum entsprechen der Einleitung a re und erklären die 
Geschichte für abgeschlossen, wobei jedoch die Angabe im 
Präteritum dem Sänger immer noch mehr Antheil giebt, als 
die im Futurum. — leb wüsste nicht, dass irgendwo über die 
altgerm. Scblussformeln oder irgend welche andern besonders 
gehandelt wäre. 

1. SchluBsformel im Präsens. 

nü man hann eokkvask (vgl. Müllenhoff S. 14. 36) Vgl. 68 
-vgl. sekkstu gygjarkyn Heh. 14. 

nü skinn — Alv. 36 ; nü eru H&va mÜ kveffin Hiv. 163 



364 

(daa Ränatil); nü er — Reg. 26; ad er am gengmn grtb 
Oddrünar Odd. 31. 

t>Ä er Bökn loMt H. H. I 57 

JSrlmn glloin öd&l batni, snötuin QUom wig at minni at 
|>etta tr^iröf um talit raeri God. hv. 22. — 

2. ScbloBBfoime] im Priteritom.' 

SV& kom 'Odina soor endr at hamii ^r. 33; sri |i& Ondr&a 
sinaa barma Gud. III 10. — 

3. Schlmaformel aus Präteritum und Futurum combinirt. 
kvad ek — en |)ä aldii munt — Lok. 64. ß6 

satt eitt eagilak, bv& mun ek Uta Sig. ak. 71 
saell er hverr sidan er slikt getr foeda jöd at afreki, sems 
öl Gjiiki Atlm. 102. — 

4. Schiuesforme] im Futurum. 

svä komix manna meirr aptr & vit Veg. 14. 

ea veÄr hverjan vel skulu drekka — Hym. 39 

|)ü ert ae rlBastr vera Vaf. 55 

bann akal drekka — Hyndl. 44 

kern ek eigi Aäi — ädr ek hefnt hefik — fi. Hi. 43 

t)Tl skal hugga t>ik — bü mun gipt lagid A, gmm aevi; 
munat maetri madr d mold koma — en ^ü, Sigurdr, ^ykkir 
Grip. 53. 

{>at man ek gsrva Gud. II 44 

ferr engi svä sidan brüdr i brynju — Äkv. 44. — 

Vgl. aucb knättu, mggr sjiä .... mäat SigrdrUa avefni 
bregda — fyr skQpum noma Fif. 44. — 

Ohne Scbluaalormel enden Härb. 60, Skim. 42, Gr. 54, 
Häv. 79 (daa alte Sprucbgedicht Müllenhoff S. 259), H4t. 109 
(das Odinsbeispiel ebd. 266) Hiv. 134 oder 136 (die Loddidif- 
nismÜ ebd. 269); Vkv. 41, H. H. U 56, Hamd. 30. Der SchluBB 
fehlt bei Rig. Sgdr. und ist bei Br. und Gud. I vielleicht duxcb 



die Prosa abgebrochen. — Die übrigen altgerm. Fälle besprechen 
wir beßonders. — 

Die SchluBBfonnel im Prägens bietet Schwierigkeiten. Ein 
eigentlicher AbecfalufiB vom Sprecher aus geschieht nur da, wo 
auBdrücklich das Lied für beendet erklärt wird, d. h. Häv. 163 
nnd Odd. 81 sowie, mit subjectiven Zusäteen, Oud. hv. 22. 
An den beiden ersten Stellen wird sogar (ebenso wie z. B. am 
Schluss der Nibelungennot oder des Waltharius, Holtzmann 
JBdda 487,34) das Gedicht in aller Form benannt. Aber eine 
Zusammenstellung dieser Gredichtschlüsse mit denen von Vol. 
Helr. Alv. Reg. ist dennoch nicht bloss durch das gemein- 
schaftliche Schlagwort »nü« gefordert. Vielmehr müssen wir uns 
all diese Lieder pantomimisch vorgetragen denken, Alv. und 
Reg. fast dramatisch. Vgl. und Helr. als Monologe in der Maske 
der vQlva und Brjmhildens, so dass die ideelle G^egenwart der 
Aufführung mit der thatsächlichen Gegenwart zusammenfällt; 
eobald die Riesin Helr. 14 versinkt, ist eben das Stück zu 
Ehde. Deshalb gehört auch das Futurum Vol. 68 hierher, wie 
die Präsentia mit futurischer Bedeutung Veg. 14, H. Hi. 43, 
Akv. 44 unter die Futura. 

Und nun können wir auch hier eine klare Entwicklung 
übersehen. Die meisten alten Lieder sind noch ohne Schluss- 
formel (Skim., Gr., Häv. I, Vkv., H. H. II). Nur besonders pathe- 
tische Stücke heben den Abschluss des Liedes hervor (Vol. 
Rünatäl), gleichsam um von der im Eingang befohlenen An- 
dacht nunmehr freizusprechen; es ist ein »ite, missa est«. 
Aber ein Fortschritt in der dramatischen Durchführung der 
Sprache (wie wir dergleichen schon im vorigen Paragraphen 
beobachteten) ist es, wenn statt dessen die Begebenheit selbst 
nachdrücklich gegen alle Zukunft abgeschlossen wird (\^eg., Vaf., 
H. BB.). Doch schon hat sich die Subjectivität des Dichters 
geregt: in der J)r., die wir in ihrer Composition schon mehr- 



mala üotirt boden, woat er nachdr&cklich auf die Handlung 
hin und zugleich li^ in dem >8V&< eine leise Bethenemng der 
Wahrheit, wie wir de al£ Eingacg beliebt sahen. Wie wir 
nun den alten Retiain und den dtamatiBch wichtigeren G^eo- 
refrain combinirt trafen, ao wird jetit dieee SchlneBformel im 
Piftteritum mit der futoiiechen vereint (Lok. Sig. sk., mit sab- 
jectiven Zuthaten Atlm.). 

Auch die Dehnung der Formel wiederholt sich. Aus dem 
einfachen Schlu« des Ränatala wird mit breiter Anpreisung der 
TOD God. hy.^ aua dem nachdrücklichen Schlnsswort von Vaf. 
das gehäufte von Grlp. Und während Lok. 66 nnd Veg. 14, 
Hym. 39 wieder auf die Handlung verweisen, heben Atlm. 108, 
Grlp. 53, Akr. 44 noch einmal den Helden aufs Schild — 
gerade wie bei den Eingangsformeln der Mann die Sache ver- 
drängte. — 

Und wie dort hat die ags. Poesie hier ihre eigenartige Ent- 
wicklung. Die meisten Lieder entbehren auch hier der Schluss- 
formel: Gen., Ex., Aa., CrL, Bot, Beöv., Men., Fäder.; Deör 
schlieBst sein Lied wie jede Strophe mit dem Refrain. Der 
Schluss fehlt bei Dan., Sat., Seel, Ruine, Finn., Byrtii., Güth., 
Sal, — Aber es bleiben doch noch genug Stücke mit Schluse- 
formeln. Einzig das Ende von V&ff>rüdnism&l vergleicht sich' 
ihnen: wie dies mit dem Preise Odinns schliesst, so enden Jud., 
Hö., Cra., Vy., Möd., Phon., Seef., An. mit dem lobe Gottes. 
Statt dessen brir^n Dom., Kl., Fata, Jul., EL, Reim., Leds. 
ein Gebet am Schluss, und auch Kreuz, Gnom. IX, Gn. C. nennen 
wenigstens Gott am Ende. Eine fromme Moral beendet SeeL I, 
Schö., Fan., Wal., Reb., Wand., Vid. So ganz sind diese Stücke 
vom Geist der Predigt durchdrungen. — 

As. und ahd. Schluseformeln sind uns leider nicht erhalten. 
Hei. wie Wess. G., Hild., Musp. sind Fragmente, und die kleinen 



367 

ahcL Stücke haben so wenig wie die kleinen age. Gedichte for- 
melhafte SchluBSsätze. — 

Wo eine Strophe für sich ein abgeschloBsenes Gredicht bildet, 
kann sie natürlich auch selbst Anfangs- und Endf ormeln tragen ; 
doch ist es selten, dass so enger Raum noch durch zwei Aussen- 
werke eingeschränkt wird. Am ersten begegnet das noch bei 
Strophen leierhafter Art Die Gegenrefrains sowohl der Lodd- 
fAfnifimAI als der Runenverkündigung (Häv. 111 — 136 und 144 
bis 162) sind Eingangsformeln, die lediglich auf Einzelstrophen 
berechnet sind; sie gehen a persona aus und sind ndt den an- 
preisenden Einführungen von Gud. hv. und Wess. Gebet ver- 
wandt. — Vereinzelt mögen sich auch sonst noch solche Stro- 
pheneinführungen finden, gewiss mit G^dichteingängen im 
Kern identisch. 

Interessanter sind die formelhaften Strophenschlüsse. 
Soweit sie überhaupt selbständigen Charakter haben, tragen sie 
den von kurzen Raumes. Entweder wird in denselben einer 
Lehre oder Aufzählung ein Riegel vorgeschoben, als sollte sie 
vor dem Eindringen fremdartiger Bestandtheile gehütet werden, 
oder der Kernpunkt wird in Form einer Definition nochmals 
der allgemeinen Beachtung empfohlen. 

1. Recapitulationsf ormeln. a) bei Aufzählungen: nü hefi 
ek dverga r^tt um talda Vgl. 16,6 — 8. b) bei Ankündigungen : 
ok blend ek {>eim svä meini mjod Lok. 3,6; ok vaeri J)ä at |)er 
vreidum vegit Lok. 27,6; |)ann kann ek galdr at gala Häv. 
150,6. 

Solche retrospectiven Füllverse stellen sich zu den echten 
Schlussformeln von J)rymskv. und Gud. Hl. Sie kommen ähn- 
lich noch in mhd. Zeit vor, z. B. bei König Heinrich MF. 5,28 
8US kan ich an vröuden üfstigen joch abe, oder bei Rudolf von 
Penis MF. 83,17 sus kan ich wol beidiu vlien unde jagen, und 
83,24 den kumber hän ich mir selber getan, wo jedoch beide- 



mal die RecapituUtion die Znthat tiaet neaen GedankeiiB ent- 
hält. Auch hier wieder bat die jüngeie Entwicklung der deot- 
ecben IHchtnng bereit« in aga. Poesie ihr Q^tenstüclE: der Be- 
(rain in des Sängen Troet verbindet Becfl^tnlation mit duaiu 
gezc^raem Ztupmch. 

2. Definitionsformehi. Diese höchst bemet^enawerthe Fw- 
mfllkkase wirft auf dos Wesen der Gelehrsamkeit mid die Art 
des Unterrichts in ältester Zeit ein helles Streiflicht Nat&rücb 
stehen Definitionsformeln voni^sweiae in Lehrgedichten; da 
aber die uns erhaltenen vorzugsweise zwei tadelnden Beieicfa- 
nnngen gelten, finden wir sie auch in hennschen liedon 
benutet: 

a) Wer ist feige? ok bugda ek |)at arge adal Lok. 23,8 und 
24,6. — Anwendung: mik munu aesir ai^an kalla ef — {». 
16,3; der sl doh nü ai^östo östarliuto der — Hild. 58. 

b) Wer ist thöricht? {>at er ösnotrs adal Häv. 102,9. 

c) Wer ist mannstoU? Anwendung: mik veiztu verda ver- 
gj&masta ef — \n. 12,7 vgl. ])ik kved ek allia kvenna vet^a- 
nasta vera slztu — Lok. 17,2. 

d) Was ist Hilfe? hjalp heitir eitt en |)at — HAv. 144,4. 

e) Was ist »Seelentausch?« (Simrock HAv. 125) sifjum er 
I)i blandat hverr — Hav. 123,1. 

Ich habe hier die Fälle gleich eingefügt, in denen die 
DeßnitionBformel nicht mehr den Schluss der Strophe bildet. 
Denn das ist klar, dass dort ihr rechter Plati ist Ihre Ge- 
schichte läest aus den wenigen Belegen sich mit Sicherheit 



Der Zweck dieser Definitionen ist ein eminent praktischer. 
Nicht unklare Begrifie ein für alle llal zu umschreiben, ist 
ihre .Aufgabe, sondern im Gregentheil einen als gemeinverständ- 
lich vorausgesetzten Ausdruck für eine bestimmte Gelegenheit 
anwendbar zu machen. Ihren Ursprung verdanken sie den 



Sclit'ltstrophen: diese krvsüillisiren f^ich um einen bestimmten 
\'orwurf, und vor allem sind natürlich diejenigen Vor^-ürfe 
gebräuchlich, die dem Getadelten die empfindlichste Kränkung 
zufügen: dem Mann wird Muih und Klugheit, der Frau KeuBch- 
heit abgesprochen (RA. 2,644 e und 646 h). Solcher Schimpf 
musB aber motivirt werden: wie früh schon diese Verbindung 
von beediimpfenden Angaben und resumirendem Scheltwort 
sich festsetzte, zeigen für die gemeingerm. Zeit die Stellen auß 
|)rymBkv. und Hild. Aber bald bildet sich eine festere Form: 
das schliessende Scheltwort wird zu einer festen Schlusszeile 
der Scheltstrophe, deren formelhafte Grestalt die Stellen der 
Lokasenna zeigen. Und wiederholte Verwendung der gleichen 
Kriterien für die gleiche Beschimpfung (wie sie uns allein schon 
in der O^isdrecka mehrfach begegnet) ruft zuletzt eine ganz 
allgemeine und abstracte Lehrstrophe hervor, in der eine Eeihe 
von Kriterien für Dummheit oder Feigheit in der Art der späteren 
Priameln aufgezählt und mit der Definition geschlossen werden 
konnte: so Häv. 102. Wer dann aber im Besitz solcher kanonisch 
gewordenen Definition war, konnte im Rechtsstreit sich darauf 
berufen: deshalb werden solche Strophen gesammelt und über- 
liefert; die Gnomik kann juristische Beweismittel hefenu 

Ich erinnere daran, dass in unserem Jahrhundert E. M. Arndt 
aus der Definitionspoesie eine Specialität gemacht hat: Gredichte 
wie seine »Erinnerungsheder für die hinterpommerschen Zurück- 
treiber« sind ganz in der alten Art: die Motive lenken ein be- 
stimmtes Prädikat auf einen bestimmten Mann. Aber in den 
Gredichten, die definiren, was des Deutschen Vaterland sei, oder 
wer ein Mann sei, ist die Definition vöDig . vom Bpecialf all 
abgelöst. — 

Noch verweise ich für formelhafte Anfänge und Ausgänge 
einzelner Strophen auf den § 20, der es aber nur mit Worter 



iMlcki. matoüeh» T»'*«»*^'*— fOi dieM Stdiu 



ffifl Al^rCBsane' dax AbMduuttbnnsln gogm. ande» Siti- 
frimittw tMü Midi kfline absolitt objectire, denn (flc emoD Ab- 

Mhwit* giebt M kons »n gummngiHJ git TT AwtmnTijMnirfiiin gnj 

sls». kHDft. beatlitten, werden, dam eiiw Foons^ die wii cdnm 
jUxBoknitk aoneichueD linnnn. dies wizklich thirtr ^lataichliiäi 
akcz kdnau so oft bei oimraildh^ten Abeätan 6er SlizUihing 
i Formeln wieder, dam wir sie ruhig bier «iHunmen- 
L dSitob Aucb ist '^"*" eine-epiechende AdinlichkEit 
i SsgkDgi- und ScfaluBafoimelii edgoir selten aber üd 
IM mit £eaen idenÜBch. Es sind ' meiBt 'EinleitaQgBtonnela,' 
dit' aber zuweilen auch ab ScblnaBformelc sieb verwenden 
laeeen. 

I. Die wichtigste Abechnittsformel ist die BSnfHhmTig äts 
BedneiB. In dialc^iBcbeQ Stücken fehlt sie (wie begreiflieb); 
in dei Erzählung fehlt aie selten. J. Orinun aao. 3. 41, Wein- 
haid S. 4—5, Vilmar S. b. — 

a) Ankündigong der Rede. 

velta at ek — vel fyr teljik fom spjnU Um VfiL 4,6 i mil 
er dvei^ i Dvalia lidi — täl Lofon telja VsL 17,1; mAl er st 
{iylja.H. 110,1; au Utta foma ui^a talda HyndL 11,1 t^ 
ef ek skal fyräa lidi telja Üva fjnir H. 157,2 — 3; sva hann gU 
mum ord at tlna ... ]>ä er Jieii Angantyr aettix relqa HyndL 
45,3 L — Ais Scblussfonnel: nü hefi ek dvecga — iMt um 
talda Vgl. 16,6; |iat man ae appi — langni^a taL hatata 
bafat Vgl. 19,5; nii em taldar ngnnur Herjaos Vgl 31,9; ef J)ä 
j rinn barm Hnir Atlm. 54,8. 

f^ bann |Muin t>at orda alls fynt um kvad ^. 2,1 u. & ; ok 
bAa fnl orda alk fyrst um kvaä Br. &,3 

|iä krad |iat — fir. 14,1 u. ö. 



371 

hvBl ek nik maeli ]nr. 2,4. — AI0 8chhi68fofmeI: |>at segir 
6 HA Hteb. 5,1. — 

b) AufEorderong xor Bede. 

Begdo fMt, Eldirl Lok. 1,1 ; eeg {>u m6r ]Mit, V0lundr Vkv.d2,l 
Bgte m«r — Grip. 6,5. 8. 10,1. — G^airefrain in den Alv.j 

fepsOiba — Qegenrefrain in Veg. (vgl. ]>egi fu — jir. 17,8 
ad Qegenrefrain in Lok.) 

c) Einfache Einleitong der Rede. 

nia ord mn kvad Veg. 4,8; kaxl ord xun kvad Hym. 32,5 
- and jÄt vord acväd Gen. 639, Az. 4, CrL 374. 714, Wand. 
1, B. 654. 2046, Byrht. 168, An. 62, ^ vord äcväd Gen. 1110, 
It vord gecväd Fhön. 551, Reb. 4, An. 1174. 1301, 1402, 1665, 
1 344, 440, 1191; and J)ät v^d acväd Jul. 45, 143, 361, 640, 
Mtb. 1321, El. 1073 and {>U6 vordum cväd An. 173, 354, Ps. 
! 30, he ^t vorde cväd An. 716, Jul. 92, J)a gen vorde cväd 
Ji. 727 and gen vorde cväd An. 852, be {>a vorde cväd Jul. 
2 n. B. w. 

sprak im thno mit is uuordon tuo Hei. 1063 u. dgl. m. 

he J)ät sylfa cväd An. 329. 

Rückblickend: Bvä J)at viee men vordum Becgad Ex. 377. 

and |>u {>a vord spricest Cri. 179. — bo thu piidi thinon 
iord6n Bprüda Hei. 143. 158, the hier mid is uuordon gi- 
»rikit H. 1694, tha hie simla mit is uordu gieprikit Hei. 1761. 

d) Eägentliche Einführung des Redners. 

]>ä kväd |)at — {)r. 14f. (ß. o. unter »Gegenrefrain«). 
ord kvad J)ä (hitt) — Atlm. 37,7f. 39f. 
Beövulf maddode, beam Ecgl)eöve8 B. 1099. 1651. 1817. 
[2b ; Eltoe madelode El. 332. 404 u. 8. w. 
Hiltibraht gimahalta Hild. 7 u. ö. 

e) Ankündigung der Antwort. • 

einn {)vi Hogni andßvor veitti Br. 7,1 vgl. Häv. 26,4 und 

s. H. H. I 34,5. 

24* 



372 

f) Einfache ESnleättuig der Aatwtxt 

snaOi HQgni Gktd. 11 10,1. — Rftckbliokflod: kUa >& mAt 
akoetii^ einni srarar H&rb. 69,2. — 

VoUatändigküt ist hier nidit erstrebt. Ich enthalte mkh 
deehalb auch aller Bemerknsgeo, sa denen eine genaue Ueber 
sieht vielleicht Anlaas geben könnte. Gerade bei derartigeD 
ohne jedes Nachdenken verwandten Formeln kfinnen sich Un- 
terschiede ergeben, die der Kritik nnter TJnutftnden von Wich- 
tigkeit sein könnten; x. B. scheint Jnl. ftcr&d, An. georSft sn 
bevorzugen. Die pleonastieche Figur »mit Worten sagen« and 
ihre Abarten verdienteD eine Untersuchung; wie das einfachne, 
■ein Wort sagem ist sie ags. la grosser Beliebtheit gekommen, 
altn. aoch kaom lu belegen. — ■ 

Vtd. 1 ist die Einfähmng des Redners als BSngangsformel 
des Gedichts benutzt. — Besonders mache idi noch auf die 
i^. Redeformeln Weinhold -S. 51 aufmerksam, die homerischen 
ähneln. — 

2. Die Zeitangaben, die innerhalb der Gedichte ein Vor- 
rücken der Zeit markiren, sind schon oben (S. 94 f.) im 
Zusammenhang besprochen. Als Abschnittsformeln dienen sie 
wesentlich an folgenden Stellen: 

var {»ar at kreldi um komit snimma |ir. 24,1 ; dagr var i 
sinnum R. 31,10. — fräs vis on uhtan eall gevorden Sat. 466. 
— Ankündigung des Abends: munom at aptni ^drom verdi 
via veidimat vii |)rlr Ufa Hym. 16,6. — 

Häufiger und wichtiger die allgemeinere Faasoi^: ajt is aa 
dag comen B. 2646 vgl. Byrht. 107, An. 1586, HeL ö. — 

3. Einführung neuer Personen. 

Nur altn. finden wir hierfür eigene Formeln entwickelt 
a) Selten ist es, dass die Einführung von der schon vor 
geführten Person ausgeht: maetti hann hvelpi, Jteim er or hdju 
kom Veg. 2,7; maetti hann {>ör midra garda Jir. 8,7; in Sa*- 



iiiimd? Prosa: ok iann tfollkonu H. Hi. 08. — .Ajiküncliiniiig 
der Begegnung: hittumk i \ik Varins H. Hi. 22,3. 

b) Gewöhnlich wird vielmehr von der neu vorzuführenden 
Person aii4gegaiigen und zwar wird ihre Situation beschrieben: 
üti Btod H. BL I 49,5, Br. 6,1; üti ßtendr — ^^cv. 16. 80,1; 
ein Bat hön ttti VfiL 2,1. Sig. sk. 6; Bat in alsnotara ambött 
fyrir Jnr. 26,1; hjön B^tu J)ar R. 2,7. 15,1. 27,1; in Prosa: 
Qeirrgdr konungr sat . . 6r. 85. 

sat I»r A haugi Vgl. 43,1. I>r. 5,1, in der Prosa H. Hi. 
ziach bX Sk. 10, wozu Müllenhoff (D. Alt. S. 182) zu vergleichen. 
Den Thorr kann noch die spätere Zeit sich nur auf Bergen 
wohnend denken (J. Grimm Gesch. d. 8pr. I 85), gerade wie 
auch die todten Helden auf Hügeln ruhen (Worsaae Dänemarks 
Vorzeit S. 78). Aehnlich noch bei Saem.: er hann sat abergi 
H. Hi. nach 11,2; Granmars synir sdttu ä bjargi nokkuru H. H. 
n nach 16,9. — Von Göttern: Odinn ok Frigg sdttu i Hhdskjalfu 
Gr. 15. — Vom Lachs: sat ä ärbakkanum Reg. 11. — Vgl. auch 
gestr er inn kominn, hvar skal sitja sjÄ? Häv. 2,2. — 

Diese Formel ist recht merkwürdig. Aus späterer Zeit 
sind W. 8,4 »ich saz üf eime steine« und ein osnabrückisches 
Volksliedchen (Germaniens Völkerstinmien her. von Firmenich 
3,160b: »Ich satt up'n kaulen Steene«) die einzigen, mir bekannten 
Beispiele, in denen sie noch (hier als Gedichteingang) verwandt 
wird (doch vgl. Wackemagel in Walther übs. v. Simrock U 124). 
Aber die ältere mhd. Epik hebt noch diese Wendung (Lüning 
Die Natur in der altgerm. und mhd. Epik S. 280). Und ebenso 
heisst es in zahUosen VolksUedem: »Ich stand auf hohem 
Berge«, u. dgl., was noch Heine umgebildet (»Ich steh' auf des 
Berges Spitze« »Buch der Lieder« S. 151) und Geibel be- 
halten hat (»Ich steh' auf dem Berg und grüsse dich tausend 
tausend Mal«). Aber die höfische Poesie hat schon im Mittel- 
alter eine ähnliche Umformung selbst vorgenommen : künsüiche 



374 

Habe fät OAtOrliche önastieQd nagt dt» Uftdchen in den Eäm- 
bergliedem: »ich stoont mir — an nnsr szcoea* (vgL Za. 29,4S). 
Anoh da« haben VolkBlieder tlbOTliehrt und iriedw auch din 
Dicht« onaeres JahiiiundertB un^ri)ildst: so Scbfllar im Biof 
des Polykrates, weit« noch Ooetiie (D. j. O. m 161). — Wes- 
halb vendiwand das Sitzen ans der Poeaie? galt ea nicht mdir 
für poetJBcb? and weshalb eraetzte die Enns^Kteeie den Baf 
durch den Thona? — Jedenfalls ist die altn. Foimel so gut 
wie die hcdti für *Baokc- oder >Sits< beieiohnawl fOr du 
RuhebedüifnisB dw Germanen: — 

4. Symbolische Handlangen. 

Ein Abschnitt in der EruLhluug wird allgemein germ. oft 
dadurch bezeichnet, daee die Helden bestimmte Bew^pmgea 
machen, auflachen u. dgl. 

a) Nur altn. ist die Berafung von VerBammlongen in wich- 
tigen Augenblicken (vgl. o. S. 52). 

|>& gengu regln gll k rokatola VoL 9,1 u. Ö. ; iaii 'm ä {än^ 
Vol. 49,4; senn vdru aeair allir a {>iiigi otc ^ynjar aUar & mal) 
Veg. 1,1. f>r. 13,1 vgL hittusk aeair A Idavelli Vgl. 10,1. 

Aehnlich as. helithoe stuodim u. 8. w. Hei. 1384 — 86. 
1580—83. 

b) Ein bedeutendes Zeichen ist es, wenn der ^Id neb 
erhebt (vgl. Vol. 30,3 bann ajäldan eitr er haou sUkt um fregn}: 

upp reis 'Odinn Veg. 2,1; unz naudig reis Veg. 4,7; t«b 
hann ap {>adan B. 5,3 u. ö.; opp reis Gunnar Sig. sk.; Saem.: 
>ä etöd bann up Gr. 39 — äräs ^ metodes ^e6v Gen. 3429; 
{>ä äräe hiade . . . Loth. Gen. 2460; äatäh up . . . engla acyppend 
Sat. 563; äräs {»ä ae rlca B. 399; verod eaU &r&s B. 651. 3(^; 
dugod eal äräa B. 1790; är&s |>ä tög^nes An. 1013: ans ^ 
mägene röf An. 1471; äräe |tä eorla VTnn Gdth. 1081; iria m 
vuldormago Güth. 1267. 



S76 

Man siefat, me staxr dieee Formel «cb ftfeirtigt hat. — 
AgB. ist das t)eliebte »|>ac hineisgewadiBezi. - — 

c) Nur altn. ist ein ähnliches Zeichen, daae der HeU 4te 
Baal dnrehzDiASt 

en hann ütan st^kk endlangan sal ^r.-27,3; ok h6n in -am 
gekk endlangan aal Vkv. 16,8 30,3 Odd. 3J; gengu inn ^taa 
endlangan aal Vkv. 8,8, Tgl. hvi {>ü einn aitr endlanga Ba£ 
Sk. 3,4; at endlongu hüsi* AÜm. 18,2 25,2. — 

d) Ebenfalls altn. ist es, einen Abschnitt mit dem Er- 
wachen ans dem Schlaf beginnen zulassen, (was aidi denn 
mit den abechnittbezeichnenden Zeitangaben nahe berührt). 

ok hann vaknadi viijalauss Tkv. 12,3; als TCingangsforatcfl. 
«r hann Taknadi pr. 1,2. Aehnlicb werden wichtige BreignisBa 
durch Schilderung der Schlaflosigkeit des Helden aaschatdich 
gemacht: vaki ek ävalt, vilja «k lauss Bit (vgL Vkr. 12,3), 
«ofna ek minnst Vkv. 31,1; svefn {)ü ne sefr Grip. 29^; 
als Schlussformel laega ek sidan n^ sofa vildak Gud. 11 41,1 
— Noch weiter ausgeführt ist diese Schilderung Brot. 12 — 13^ 
TgL auch Sig. sk. 6 — 8. Dagegen Walth. 390 dient die Be- 
-fichreibung von Attilas unruhiger Nacht nur dem Zweck, den 
Eindruck des schon geek^hehenen Ereignisses auf eine Neben- 
person fühlbar zu machen. — 

e) Gremeingermanisch ist wieder das Auflachen in bedeu- 
tungsvollen Augenblicken (vgl. Freytag Bilder I S07). 

hlö Hlorrida hugr i brjösti {>r. 31,1 ; hlaejandi V^hmdr hof^ 
at lopti Vkv. 29,5; hlö |)ä Brynhildr Br. ö,l; hlö J)ä Atlahugr 
i brjößti Gud. m 9,1; hlö |)Ä Hogni Akv. 24,1 Atim. 62,5; 
hlaejandi Gudrun hvarf til skemma 'Gud. hv. 7,1 hlö pk 
jQrmunrdn* ELamd. 21,1. — hlöh |)a and plegode' Gren. 724.; 
hl6h ]>a mddig man ByrÖi 147; ^ä üre m6d ahl6h An. 4M; 
ahlög {>a ee herennc Jul. 189. — Ankündigung: hAtt munu 
hlaeja — Reg. 16,1. 



376 

Ser ist du .*^*' atudi alte, eofaon < 

f) Ebenw wird, doch aar in dw Akv. aaeh von Mteneto, 
geweint. 

Frigg vn grtt — VsL 34,6; gritandi BgOrüdr gfük or 
eyju Vkv. 29,7; leiddu landiQgni lydar — gtAtaadr Akr. 12,1; 
gnetr >ü — H. H. H 44,5; grMa bfim Hdiw Akv. 39,4 
Verbot: grttatta H. HL 41,2. — VgL Ond. I puiim. — 

5. Nor altnordiaoh Bcheint die Verwendung der Conjnnctioa 
»bia daM« für den Schlnaa der Abechnitte. 

iäi BuTB Bjmx bjödtun um Tpda Vgl. 7,1 (doch ^ 
HüUenhofE S. 91); ans ^rj&r krimu -^ VgL 11,5. 20.1; idr Snrtar 
paim aefl of gleypir VgL 48,6; um naodig nia Veg. 4,7; am 
af trygiüam — aagdi Hym. 4,0; fäm — um til EgOa kvAmo 
l^m. 7,1; um t»t in frida frilla kendi — H7m. 30,1; v^ 
besonden nnz — kom ok — kom {>r. 4,7. 9. 8,3. 5. Hier 
tritt die Eigenachaft dieser FormeL zuf^elcb den alten Ab- 
schnitt lu verschlieeseo und den neaea zu öffnen, audi äoaeer- 
I^ hervor. — Aehnlich H. H. 11 48 m&l er mär at rlda. 

Da nur ältere Lieder (bes. VgL und Hym.) die Formel haben, 
ist de wohl später ausgeetorben, als zu kunstlos Termntlich. — 

6. Diesen objectiven Abedmittaformeln stehen, als snb- 
jectJTe, Anmerkungen des Dichters an Rnhepunkten der Er- 
zählung entgegen. 

a) Die Betheuerung der Wahrheit wird aus dem Gredicht- 
eingang hierher übertragen (wie wir sonst öfter das Umge- 
kehrte haben). Vgl. Weinhold S. 3--1. 

Altn. nui im Munde der vorgeführten Figuren: satt hygg 
ek mik s^a HÄrb. &0,1; als AnhTini^ignp g; U dugir siUiD- 
gum satt at mael H. H. I 47,3. — Dagegen werfen sich die 
Sprechenden Lügen vor Lok. 31,1. H&rb. 49,4, H. H. I 38,4, 
Atbn. 94,1, 99,1 vgL t>r. 9,7. Betheuerung der Wahrheit durch 
Lithotes: mundo vist vita at vaetki lygr Grip. 25,6. 



377 

AgB. gern alfi Beralnng auf Quellen : ]ml8 ])e üb eecgad bec 
Oen. 227; üs cydad bte Oen. 969; üs gevita eeog»d Oen. 1121, 
2563, 2611; 8va j[>ät tSm men vordum ee^^ Ex. 377 vgl Ex. 
619 Cri. 702 786 Ph. 666 Athel. 68 Ead. 64 u, ö. u. ö. Vgl. für 
Otfried Schütse (Poetik Otfriede S. 36 f.) Ebenso HeL Daneben 
ags. und as. einiache Wahrheitsversicherung: söd is gecyded 
Ex. 419; söd gecyded Dan. 113; than segghi ic ok teuuaron oc 
Hei. 1468 1478 1627 u. dgl. m., vgl. Weinhold S. 4.- 

Ahd. : das hörtih rahhon diu ueroltrehtuuison Musp. 37 ; dat 
sag^tun mi üser^ liuti Hild. 16. — 

b) Selten Mahnung zur Auimerksamkeit. 

gehyre se |>e ville Ex. 7 (äusserlich ähnlich hyde se .{)e 
ville B. 2766); hliste se |)e ville Met. 10. 

c) Dem schliesst sich wieder die Versicherung der Merk- 
Würdigkeit des zu Erzählenden an, nur ags. als Abschnitts- 
formeL 

vundor is t6 secganne B. 1724; mycel is tö secganne An. 
1483; micel is tb secgan Oüth. 602; long is t6 secganne Rät. 
40,22; tö lang is tö recenne B. 2093. — 

d) Ebenfalls nur ags. erklärende Anmerkungen. 
ä) Er that so, weil es so seine Art war: 

svä he oft dyde Gen. 2586 2632, Cri. 17, B. 447; svä he 
aer dyde Sat. 117 279; svA hie oft dydon Cri. 455; svä he 
nu gyt dyde B. 956; vgl. femer B. 1238 1676 1824 27, auch 
2581 2859 Jul. 110 475 542 643; svä ful oft gedfed Ps. C. 13. 

ß) Er that so, weil es ihm so befohlen war. 

svä him se hälga bebeäd An. 1047, Leäs 39; svä him 
diyhten bebeäd An. 1698; — seö cven — El. 715 980 1018 
vgl. auch Gn. C. 49. 

e) Gemeingerm, sind dagegen Anmerkungen gnomischer 
Natur; vgL Viknar S. 5 f. Weinhold S. 6 f.; für Otfried Schütze 
ß. 32 f. 




S78 

«^ AUgenMÜi: >wie man o» ttom aoU«. WerahaU S. 6 
VOmar S. 4 

BvA skal «um frc«kn hzingdrifi vid (£ca bald« Akr. 32, 10— lt. 

Bvk sceal gleit gnnu — 6. 30 Q. ö. t^ 1172 1634 2166, 
auch 1328 Gäth. 31B: s6 man scesl HeL 1883 o. a. 

ß) >iri« es aich äestt.« Weinhold S. 6. 

Bvi tat gedöfe via B. 561 1670, biA 3175; sri him geftym 
ne vfia B>2332; ^ hit rild ne väa Byrtii. 190; Bv&himfeid^ 
tSs AtheL 7; avä him gemödost Täa An. 694 vf^ bim [lät gifode oe 
via B. 2682; gvä him gecynde väs B. 2696; auch a»6 ^ forirt 
ne y'ie Jul. 258. (Ebenso noch spitmhd. lala gtaam* vgl 
Haofioi ni Walther von Rhemau Zs. 32,36^. 

;■) Speciell aga. Ajmierkmig zur Zeichnong eines FüntM^ 
ideale (vgl; Bartech Vorträge and Aufsätze S. 185f): 

{)ät Täs grim cyning Deör. 23; näa {>ät s&oie cyning Vid. 
67; |)ät väs göd cyning B. 11. 863. 2390; ^ Täs fr6d cyning 
B. 1306 Tgl. 2209; ]>ät is adele cjroing An. 1724; |)ät is aM 
cyning Jul. 224, iMet. 20,246; {»er is rybt cyning Güth. 664; he 
väa riht cyning Hy. 7,120 f>ät is vis cyning Met. 24,34 v^ 
t)ät väs äncyning B. 1885; 36 väs gio cyning Met. 26,35 vgl 
auch ])ät väfi mödig secg B. 1812. — Alts, so nnr einmal 
imd zwar in später Zeit: sem konungr skyldi Akv. 9,6. — 

7. Halb eridSrend und halb betrachtend ist die gemein- 
germ. Anmerkung >wie er das wohl Termochte« v^. Weinhold 
S. 7 J. Grimm Kl. Sehr. II 19 und bes. Vümar S. 4 (vgl. atuäi 
Vkv. 28,2). — 

Ueber die Einführung der neuen Rede und die Zeitangabwi 
wüsBte ich nichts weiter zn bemerken. Interessanter ist die 
Einführung der neuen (oder wie i. B. J>r. 8,7 von neoem «of- 
tretenden) Personen, die diese in einer typischen Situation vor- 
führt. Schwerlich wird in der Poesie ii^nd eines Volks so viel 
. wie in der altgerm. : vgl. auch VTcv. 11,1 u. a. Nnn 



379 

aber« um die Soenen su scheiden, werden diese ruhenden Fi- 
guren in Bewegung gesetzt: es werden Versammlungen berufen 
(ygi Tac. Germ. 11), der Führer erhebt sich und schroitet durch 
den Saal; wir sehen die Helden schlaflos auf dem Lager oder 
sich vom Schlaf erhebend, hören die Männer freudig oder zornig 
auflachen, die Weiber weinen (Tac. Germ. 27,8). Viel sdtener 
und später tritt der Autor selbst auf die Bühne: sein Haupt- 
interesse ist natürhch das Stück selbst: es soll wahr, hörens- 
werth, merkwürdig sein. Um es deutlich zu machen, giebt der 
ags. Dichter als Chorus seinen Figuren erläuternde Worte mit 
auf den Weg. Aber das Stück ist doch nicht das einzige In- 
teresse des Sängers; er ^hat auch ein Heldenbild vor Augen, 
und diesem Ideal vergleicht er,"meist in lobenden Sinn, doch 
zuweilen auch tadelnd die Gestalten seiner Erzählung. Dot 
Held darf die allgemeinen Regeln nicht verletzen, vielmehr 
dient sein Bild, um was recht und schickhch ist einzuschärfen. 
Und dem Angelsachsen ist ein ganz besonderes • Ideal stets vor 
Augen: er sehnt sich nach einem Musterbild des Königs und 
benutzt jede Gelegenheit, diesem Bilde einen kleinen Zug hin- 
zuzufügen. 

Und wenn so in einer noch ganz im Leben lebenden Zeit 
43elbst aus einer so untergeordneten technischen Figur wie die 
Abschnittsformel ist, sich ein anschauliches Bild des Helden in 
«einer täglichen Ruhe und Bewegung entwickelt, wenn sogar 
das Bild des altgerm. Grentleman, des ags. Idealkönigs auB 
diesen leisen Strichen der alten Dichter sich deuthch genug 
zusammensetzen Hesse — wer wiU diese Formeln todt nennen 
imd ihr Studium unfruchtbar? Ein besserer Kenner hätte sie 
wohl ganz zu beleben gewusst und aus ihrer Betrachtung mehr 
gezogen; aber vor jenem Vorwurf schützt imser Thema hoffent- 
lich auch schon meine Arbeit. — 



380 

AtuTCT di«0en Fonaeln, die neue Atwehnitte ao m aageo 
beroisBiiaüg emsuführm haben, dianso oft auch Responsionsn 
-venchiedener Art, vor allem natOriioh Ktäatmiao (beeondeit 
in det Fonn dea G«g«ireftaina) duu, die Gnosen der ******'"■" 
Theile ro maAiren. — 

loh stelle wieder einige Literatur fOr dleae techmschn 
Satcformeln (im G^ensati xn den caremoniellen Satrioimeln, 
die der folgende Paragraph xa bebandeln hat) niaammen. 

Technische Satxformeln aller Art in der altn. Saga: 
Döring Bemerkungen Über T^pos n. Stil der iaL Saga S. 4S. 

Ueber epiBche Eingangslormeln Im AUge m eJaen spricht 
ten Brink (Q. F. 62,28), VAet die dec Bdda Jeasen (Ueber die 
Eddalieder 8. 56 Anm.). Bingangsformeln für MSrchen: J. Grimm 
Kl. Sehr. 3,302 f.; für Volkslieder-. BöckeL Dentsche Volkslieder 
aus Oberheesen S. XCVni; femer z. B. für die altfn. Pastoa- 
rellen: Groeber Die altf». Romanzen imd Pastanrellen S. 17, 
füt neofrz. Vo^Ueder: Scheffler Die frz. VoUudichtang 2,245. 

Ueber Gedichtschlüase im Allgemeinen Viehoff Poetik 
S. 491; für Märchen: J. Grimm Kl. Sehr. 2,104. 

Abschnittaformela im Beovulf : Rönning Beovolfakradet 
124 f.; bei Cynewulf: Jansen Synonymik und Poetik Cynewolfa 
S. 92 f. ; bei Otfrid : Schütze Poetik Otfrids S. 35 f. Für die ISn- 
fübmng des Redners: J. Grimm KL Sehr. 3,280 ond m An- 
dreas S. XLI; für Otfrid: Schütze aao. Ilf. Femer t. B. für 
Homer. und andere Dichter: J. Grimm aao. 2S2. Ueber 8ym> 
boliflche Handlungen als Marksteine der poetischen Handlang 
spricht trefOich Viehoff Poetik S. 182 f. ; für die germ. Dichtung 
apeciell Uhland Schriften 1,395; für das mhd. Volksepoe: 
Scherer L. G. S. 109. — Die Mahnung zur Aufmerksamkeit: 
J. Grimm Kl. Schi. 3,239 Anm., für mhd. Zelt; Schütte Stil 
Zazikhovens S. 7. — 



381 

Einen zweifelhaften Fall von Abbrechen der Rede durch 
gewaltsamen üebergang bespricht Ziegler Poetischer Sprach- 
gebrauch bei Caedmon S. 161. 

EQerher gehört auch Manches, was A. HoSmann in seiner 
Dissertation Der bildliche Ausdruck im Beöwulf und in der 
Edda S. 6 f. bespricht. — Femer vgl. noch z. B. über ägyptische 
Uebergangsformeln Masp^ro Contes populaires de TEgsrpte an- 
cienne S. 6 Anm., für homerische: J. Grinmi Kl. Sehr, III 
282; für mhd.: Schübe Stil Zazikhovens S. 6. 32 f. 



§ 19. Ceremonielle Satzformeln. 

Als sich aus der Alltagssprache eine poetische Sprache in 
bestimmter Form emporhob, da waren es gewiss zuerst jene 
technischen Satzformeln, die sich festigten. Was Refrain und 
Gegenrefrain für die poetische Form sind, das sind Eingangs- 
und Schlussformeln für den poetischen Inhalt: zuerst kaum 
mehr als Symbole, feierlichen von alltäglichem Vortrag zu 
scheiden bestimmt; bald für den feierlichen Vortrag Muster- 
stücke und Merkzeichen. Gerade Anfang imd Ende müssen 
mit kenntlichen Auszeichnungen imikleidet werden, um so die 
Ceremonie des poetischen Vortrags von allem andern Thun des 
Tages abzutrennen. Aber diese Auszeichnung, diese Stilisirung 
überträgt, sich von dem Ganzen allmählich auf die Theile. So- 
bald eine GUederung des Vortrags als nöthig empfunden wird, 
bildet die Nachahmung der Eingangs* imd Schlussformeln zur 
Abgrenzung der Einzelstücke bequeme Handhaben. Die genaue 
Uebereinstimmimg zahlreicher Fälle macht es unzweifelhaft, 
dass diese Kunstmittel schon in urgerm. Zeit sich in den 
Händen Aller, die damals die Poesie pflegten, befanden. 

Aber während dessen wächst auch im Innern mehr und 



nMto dia Am» dar doMb dm CMnook griiriligin ffnn». 
Wto iadv ColtailuuuUai« dwlksdogb lort mid tet WDlUr 
duich Regal owtot, so diingt weh ia daa pitiwtinlHn Vot^ 
tng sia glrinhmlnnipiT Grät foniuod and nMcUlMHod *"* 
80 antiteban die SatifoRncilii ▼enolusdannr Azt, mldM wir im 
nichBtea n«ign^hcn TonnfObna haben. Ik Uert iMi nr- 
folgeii, wie fOr Vielea Behau vor dn l>aiiiiiiBf der Dtaldde 
efaie typieohe Axudmekefoim gefmxUn.iit; fOr andani erwidüt 
ne enrt aof dem Boden der eimdiMn Dielakte. 

J^xm aber ist die Poeöe nicht des eimige (Miat, auf den 
die Foimen der Sprache entanwL Die Voontdhmg von dem 
ebenso nngebondenen als Hebmswfirdigfln yatnrmaosdien der 
Uneit, die Roaeaeaa hegte, ist längst beseiligt. Der UrnuDsdt 
ist ceiemonieU — nat&iüoh noch nicht in der allerUtesten 
Zeit; aber die Anfänge der Civilisation umgeben Menschen und 
Dinge mit einem Netz feierlicher Formen. Vor allem benehen 
diese sich auf den Verkehr zwischen Fremden. Die Begrässong 
wird streng geregelt, wie sie das noch der Fall iat bei dm 
Beduinen der Wüste wie bei den Indianern. AuatOhilich, mit 
spiehnannfimäseigem Interesse an höfischen Nebendingen, schildert 
der Anfang der Grip. das Ceremoniell der B^;rÜBBnng; ab«r 
auch Beövulfs Eintritt bei Hofe wird mit Liebe and SoKgfalt 
ausgemalt. Diese uralten Formeln' hat die Sprache das Dichtos 
nur zu übernehmen. Er findet sie fertig vor und branoht sie 
leichter als die selbetgearbeiteten ; das Verh&ltniss dieser pathe- 
tischen Satzformeln zu den einfach poetischen ist du der 
Metapher znin Ve^eich. Die technischen Saticfiwmeln aind 
künstliche Produkte der Berafsdichter, die gewöhnlichen Sats- 
formeln ihnen aus der Uebnng fast zuKllig sngewacfasen ; da* 
zwischen stehen diese Formeln, welche allgemeine Uel»m([ 
ihnen zuführte und die ihre Kunst dann umformte. — 

Wie sich daraus von selbst versteht, sind alle cetemani- 



383 
dien Satzformeln min dflot c p s der Grondla^ aach gemeinger- 



1) Die Htldep, wenn sie sieb begegnen, fragen zunächgt 
eiaer den andern naob seinem Namen. 

Altn. hverr er Bk eveinn sveina Hirb. 1«1 

l^en er bAl kad karla Hirb. 2,1 

hTat er ]Mct blymja 8k. 14,1; hvAt er {>at manna mer 
öknnnra Veg. 5,1; hvBi er }»! manna Vai 74 ; bvat er {>at fira 
Alv. 2,1, — rekka Alv. 5,1 

bverii 'ro hQldar BL Hl. 12,1; hverr er landreki H. H. I. 
83,3; hverr er fyUdr H. H. U nach 1^,17; hverr er skjQldungr 
R H. U 22,1; hverir rida {mit Beg. 16,1 

faveiJQm ertQ aveini um bonnu? hverra artu manna mQgr? 
Fäf . 1,2— a 

hval er gat it liüa Lok. 44,1 — 

hvat }nü heitir Härb. 9,10; hv^ |)ü heitir H. Hi. 14,1. 

16,1. — 

AgB. hvät ayndon ge eearo — häbbendra bymum verede 
H. 8. w. B. 237 1 

Ahd. er fragfin gistuont foh^m unortum, huer sin fater 
iriui fireö in folche . . . eddo huelihhes cnuosleB dt sie 
Hild. 8f. 

Eine ganze Reihe von Fragen H. H. 11 5 und 7. — Vgl. 
ferner BL H. U 39. — 

Man beachte, dase der Frage nach dem 'Individuum alle- 
mal eine Aussage beigegeben wird über die ClasQe, der es an- 
gehört: wer ist der Jüngling, der Krieger u. s. w. In der Helga- 
kvida HjQrvardssonar folgt eine solche Charakteristik nnt be- 
sonderem Nachdruck: halr inn ämÄtki 14,2; häla nägrädug 16,2. 
— Auch hier wie bei der Einreihung des Eigennamens in die 
Geschlechtsreihe wird der Einzelne als Vertreter einer allge- 
meineren Spedes aufgefasst — 



2. Hienaf oennt ncfa der G«fngt». 

V^tunr ek hsiti Veg. 6,1; B^gnr ek beiti Ix^ 46,1: 
HArfowdi' ek beiti Hazb. 10,1 ; GagniAdr ek heiti V«L8,1 a. e.w.; 
AÜi ek heiti H. Hl. 16,1 a.B.ir. Vgl. beitir YggibrnsQ V«L 
22,1; Helgi bann beitir H. HL 13,1 and so femer VffL 23^. 
37,4. 38,8. 43,7. Bym. 11,10. IaL 1. HAtb. 8.1- 163- Sk. 
3S. 39,1. Vaf. 12,1. Gr. 1. 31. 5,1. 6,4. Hiv. 102.7. R. 12,3. 
23,5 n. B. w. Vgl aoch ekkl nafn feettsk vid bona EL ffi. 
n 2 n. f . 

. . . dat Hiltibrant hett min fater, ik hättn Hadobiant 
Hüd. 17. 

BeÖTulf is min nama B. 343; Sigeferd ia min muna fia. 
24, vgl. väs {)ät engelcyn aer geoemned Ludfer hiten Sat. 367; 
väa him noma cenned Helimus JuL 24. — 

Wie man sieht, hat dch ags. eine andere Foimel ainge- 
bürgert aU altn. und ahd. Sie steht der ceremoniellen Vo^ 
Stellung unserer Tage >Mein Name ist — < gleich, die ältere 
Form dem lässigeren «ich heisse — *. — Komisch soll die 
Aufzählung aller Titel Härb. 9 wirken. — Eine höhnische Ant- 
wort giebt Sinfjetli H. H. I 36. — 

Fr^e und .\ntwort verlaufen gerade wie bei Menachen 
auch bei anderen Wesen : hvat er {»at fiska? — Andvari ek beiti 
Reff. 1,1 und 2.1. 

Oft wird wie bei der Frage auch bei der Antwort der 
Name des Vaters beigefügt; bo Veg. 6,1. Reg. 2,2. Hild.l7u.ö. 

3. Nun folgt feierliche BegruBsung. Weinhold S. 6. Vil- 
mar 51. 66. Die Begrusaung ist (gerade wie noch heutzutage 
Gruss- und Abechiedsphrasen) nur eine Abschwächung der Se- 
gensformeln. Die ausführlichsten bieten die herrlichen Strophen 
Sgdr. 3 — 4. Sie zeigen allein schon ausreichend den Typua: 
Anrufung mit dem Worte beul. Das heilir aeeir bnlar ^ynjnr 
Sgdr. 4,1 wiederholt sieb Lok. 11,1, Die Bedeutung die«ei 



385 

Fonnel zeigt sich am klarsten Gr. 3,1: Heill skaltu, Agnarr! 
allß |)ik heilan bidr Veralyr vera. Der Wunschgott selbst also 
(Myth/ I 114 f.) wünscht dem Agnarr Heil und verleiht es ihm 
dadurch; es ist dieselbe Anschauung, die noch heut unsere 
Willkommensworte »Grüss' dich Gott« ausdrücken. 

In voller Form: ver |)ü heill Hym. 11,1; heill ver |)ü nü 
ix>k. 53,1. Sk. 37,1; heill verdu H. Hi. 40,1.. 

Kurier: heill I)ü nü Vaf. 6,1., Faf. 23,1. 

Ganz verkürzt: heill — Lok. 11,1. Sgdr. 3—4. 

Mit besonderem Nachdruck kom |)ü heill H. Hi. 31,1. In 
Anwendung bei anderen Segensprüchen H. H. I 56,1. 57,1. 

Ags. z. B. B. 707 ves |)ü Hrödgar hal; oder mit Voraus- 
stellung des S^enswortes hal ves |)u, folde Zaub. I 67. — 

Es ist bezeichnend, dass unsere beiden altdeutschen Evan- 
gelienharmonien die Formel beim »englischen Gruss« brauchen: 
O. I 5,15 heil mAgad zieri, HeL 259 hei uuis thu, Maria. Der 
lat. Text fordert es nicht; Ulfilas übersetzt Luc 1,28: fagino, 
anstai iip^fi>>fi.ft4^ — 

Mit aussergermanischen Grussformeln vergleicht die unserige 
J. Grimm Myth. I 13 — 14; er führt Belege für dieselbe an Kl. 
Sehr. 1,334 Anm. - Zu Sgdr. 3-4 vgl. das nd. Tannhäuserlied (bei 
Lüning Die Natur im altgerm. und mhd. Epos S. 14 besprochen). 

Dieselbe Formel beim Abschied: Vaf. 4,1 — 3. — 

4. Diese Segensformeln haben ihr Gegenstück an pathetischen 
Fluchformeln und die lässige Begrüssung am einfachen Fluchen. 

FeierhcheVerfluchung namentlich an zwei Stellen: Skim.25f., 
H. H. n 30f . Die erstere Stelle hat MüUenhoff (Zur Runenlehre 
S. 56) herrhch ausgedeutet. Die andere mit ihren zahlreichen 
Wortspielereien klingt noch nach Jahrhimderten nahezu gleich- 
lautend (Uhland Sehr, m 250 Anm. 327). — Von der feierlichen 
Haltung jener beiden Stellen entfernt sich (gegen S}TnonB P. B. 
4,199) ziemUch weit die Verfluchung Hognis Gud. n 9. — 

Utyn, Altgermaniiohe PomI«. 25 



887 

. dt SV& }>e ])ynce 

ungen im GflBprIch 



■ät Gnom. 1,29, Gn. 
: ByMa. T&t An. 43S, 



Vilmar S. 24^25. 
^167; oe laet>ul>fn 



Schema Smmel — 
:, altD. FormelQ tos 



mg, die wieder auf 
n.: 

:kr — Boemra miklu 
Z,b; vaeija p&t soemt 
, 61,1, vgl. auch Sig. 
ibjectiver gehalten ale 

wir Bchon agE. (aber 

vriBche Wendvingen an- 

und noch im Volkshed 

ich zu den ceremonieUen 

le doch diesen am echick- 

gestatte ich mir, anf meinen 

Auch dies 

wie 




Bin lUnterhaltoiigBäach« ist uns mehifadi aberiiefot: 
faf Ini nä ban |nk haä allan gramir Härb. 60,1 gnunir h*fl 
GoiiBU Br. 9,5, vgL deüi gtqm vid {lik H. H. I 45,8, ^ 
er ^ HcL hafi Fid. 21,6 and vgl Niedner Zs. 31,344 Ann» 
V^ auch Fngm. 304,9: haldi Hei {ivi er hefir. — Ein anderer 
Fluch H&v. 135,10, [i&er t)4r bels bedit. — Andere Flüche in 
den meisten Scheltstiophen; z. T. (wie H. Hi. 16,4 — 5) dsnem 
sie noch fort. 

5. Den Anrufungen in Fluch und Segen sind die Eides- 
formeln verwandt v^l, o, S. 51 — 62. — 

6. Im Gespräch ist es höflich, gelegentlich eine formelle 
Anrede einäiesaen su lassen (gerade wie dies noch heute der 
Briefstil verlangt). >Alloqaendi ratio communis est« Weinhold 
S. 6. Vilmar S. 15. Doch ist hier wieder alto. kein Beispiel 
erhalten; vielmehr wird in der Edda nur mit dem Namen an- 
geredet (i. B. Veg. 14,1, Jir. 2A 3,5, Lc^. 1,1 XL o. Hirh. 38,1 
u. 0. Sk. 1,1, 3,1 u. s. w.). Nur einmal hat der Name einen 
Zusatz, aber einen beschimpfenden: HArbardr ino ragi BArb. 
51,1. Oft freilich schleudern Götter und Helden sich einfach 
Schimpfwörter zu z. B. Lok. 57,1 f. H. H. I 39,1 «. ö. E» 
Hesse sich schon ein ganz ausgiebiges eddisches Schimpfwörter 

\ lexikon zusammenstellen. Die hauptsächlichen Vorwürfe sind, 
wie in volksth timlichen Scheltlledchen noch heut, Unkenachheit 
der Frauen, Feigheit der Männer; eine volle Blüthenlese bringt 
allein Loki in der Oegisdrecka. — Gerade diese Scheltreden 
haben sogar eine besondere Formel erzeugt: [lat er — adal, über 
die schon oben (S. 36S) gehandelt wurde. — Die Angelsachsen 
machen dagegen schon Complimente. — 

7. Auch für den höHichen Befehl ist ags. ein bestimmter 
Typus fest geworden. Precibus allatis pluries easdem voces legi 
Weinhold S. 5, ~ 

dö avä ic |)e bidde Gen. 225 ; död svä ic eöv bidde Gen. 24i>5, 



387 

.1231; död 6vä ic hate Gen. 2323, vgl. dd svä ^ |)ynce 
L 641, — 

8. Auch bestmimte fromme Ermahnungen im Gespräch 
od ags. typisch geworden. 

a) Nur Gott weiss das Verborgene. 

god äna vät Byrht. 94; meotud äna vät Gnom. 1^29, Gn. 
57; drihten äna vM Jul. 62, vgl. ic J)ät sylfa vat An. 433, 
;1. auch Seef. 12. 55, Musp. 66. 

ß) Man soll fest auf Gott vertrauen. Vilmar S. 24 — 25. 

ne laet })u {)e })in möd äsealcan Gen. 2167; ne laet })u })!n 
rhd vesan — Gen. 2194. 

f) Moralische Alternativen nach dem Schema Himmel — 
Slle, die aber wohl ein älteres Muster an altn. Formeln von 
r Art des »svä him ged^fe väs« haben: 

vare him J)onne betre — Cri. 1302. 

g) Dagegen ist eine ähnliche Ermahnung, die wieder auf 
6 was sich schickt zurückgeht, schon altn.: 

J)^r er soemra — H. Hi. 34,5 ; vaeri ykkr — soemra miklu 
. H. I 46,1 ; heldr er soemri — H. H. II 8,5; vaerja J)at soemt 
Ol. 11,1; semri vaeri Gudrun — Sig. sk. 61,1, vgl. auch Sig. 
. 14. — hit is soemre nu Met. 8,42. Objectiver gehalten als 
)Schnitt6formeln s. o. S. 378,6, ß, 

9. Besonders merkwürdig ist, dass wir schon ags. (aber 

I hier und einmal bei Otfrid) einige lyrische Wendungen an- 

tffen, die später in der Minnepoesie und noch im Volkslied 

le grosse Rolle spielen. Ob sie gleich zu den ceremoniellen 

irmeln nicht gehören, reihen wir sie doch diesen am schick- 

hsten an. Zu ihrer Beurtheilung gestatte ich mir, auf meinen 

ifsatz Zs. 29. 121 f. bes. 165 f. zu verweisen. Auch dies 

leinen eben früh fixirte Wendungen der Alltagssprache, wie 

lilich die andern poetischen Formeln auch. Wenn man will, 

ig man sie aus der höflichen und eleganten Conversation 

25* • 



zwischen Herren und Dameo berieiten, wie die vorigen aus dem 
steifen und fonnellen Gespräch der Männer. 

|iä ic hine nehst geseah Gen. 536: ])ät ic {>e mJTiiiTii eägum 
geseab Gen. 820; so er nan eiist gisah O. II 7,3&b; t^ aao. 
144 za MF. 6,2L and ebd. 148 zu M. 12,39 

^t mtc ne gedaelde oemne deid änA EL 28 

ne ]>ia ae dagad eistan Vin. 3 : v^ het dagjiet in den ooatoi 
Uhland Volkslieder I S. 213 (über die lahlreichen Unibfldangen 
Tgl. Vilmar Handbüchlein S. 116 Böhme Altdentschee lieder- 
bnch 3. 701.). So noch Heine: «Heller wird es schon im 
Osten« Bach der Lieder 294. HoSmaon t. FaUerslebai: ->Et 
taget in dem Osten« Gedichte * S. 62. — 

Ist ea uns auch nicht möghch, die Sprache des Alltags- 
lebens za reconstruiren , so kann doch von einer höfisch ver- 
feinerten Conversation, wie sie früh bei den Gennanen in hohem 
Ansehen stand (imälrünan) diese ihre poetische Veredelang 
einen Begrifi geben. Und wir sehen, was vor allem Formeln 
der Sprache für die Gesellschaft reifte : nicht die Staaterede vor 
dem versammelten Volk, nicht die im Füistenrath finden mi 
maaeegebend, sondern die abgemessene Sprache des Einzelnen 
dem Einzelnen gegenüber. — 

10. Eigentliche Zauberformeln sind nicht ans der Alltags- 
rede entnommen, sondern von vomherein poetisch zn denken; 
vgl. oben § 9 über flectirte Wortwiederholung. Zaubersprächt 
werden in alleQ Bunenaufzählungen erwähnt und sind um 
ahd. und ags. erhalten: ihre .\nwendung innerhalb der e^ 
haltenen Reste bleibt auf jene mit Zauber verbtmdene Ver- 
fluchung in Skim. beschränkt. Weder Hav. 137 f. noch in 
den Helgiliedem oder wo sonst Gelegenheit wäre, werden die 
von den Göttern oder Helden ausgesprochenen Zaaberworte 
mitgetheilt. 

1 1 . Rechtsformeln äind wahrscheinlich ebenfalls früh 



389 

poetisch gefestigt worden. Sie haben auch auf poetische For- 
meln eingewirkt, besonders auf die Zwillingsformehi (vgl. z. £. 
über eard and Mel Scherer über Beövulf Zs. f. öst. Gymn. 1869 
S. 99 und dazu Brunner Rechtsgeschichte I 187 f.). Nachge- 
ahmt sind sie vielleicht in der Erbübertragung Reg. 11 (vgl. 
Holtzmann Edda 884,11)> wahrscheinlich in den Bussanerbie- 
tungen H. H. n 34 Gud. 11 26—27 und 33, gerade wie die 
altn. Prosa solche Sätze aufnimmt (Heinzel Saga S. 190), die 
mhd. Poesie, besonders Hartmann von Aue, und die frz. 
(Mätzner Altfranzösische Lieder zu 23,3 und zu 24,15 — 16) sie 
nachahmt Sig. sk. 71,7 — 8 klingt wie eine »Versicherung an 
Eidesstatt« • Wenn man aber mhd. Gedichte wie den Meier 
Helmbrecht u. a. zu einem Corpus iuris poeticum hat ausnutzen 
können, so gestatten die spärlichen Anwendungen von Rechts- 
formeln in den altgerm. Gedichten wenigstens keine Herstellung 
des Wortlautes derselben. Nur sei nochmals an die altfries. 
Rechtssätze mit ihren Alliterationen erinnert. — 

12. Formeln für Schenken und Empfangen hat J. Grimm 
Kl. Sehr. 2, 173 f. liebevoll imd geistreich besprochen; für 
unsere Au^be kommt nur erstens Hild. 37 in Betracht (vgL 
aao. 199), und zweitens die gemeingerm. Formel »brüc ealles vel« 
tu dgl. in Beöv. und Hei. (J. Grimm Kl. Sehr. 1,131) vgl. 
auch Ludwigslied MSD. XI 6. — Vgl. auch Saxo 67, 21 f. — 

13. Eigentliche Gebetsformeln {vrie etwa Hias 1, 37 f.) 
sind nicht erhalten, überhaupt keine Anrufung der Götter (vgl. 
Müllenhoff D. Alt. V. 88). Beides scheint absichtlich vermieden : 
Helg. Hund. H nach 27 steht nur »Dagr Hggna sonr blötadi 
'Odin til födurhefnda«, wo sonst leicht directe Rede in der 
Art wie Reg. 10,4 — 6. 15 erwartet werden könnte. — Doch 
könnte man allenfalls den Schluse des Hyndluljöds hierher- 
nehmen: bid ek 'Ottari qU god duga, was aber doch eigentlich 
nur eine Segensformel ist. — 



^ 



.^ 



390 

Die ceremonielleQ Formeln hoben natürlich frähieitig die Auf- 
merkaamkeit der Literarhistoriker erregt und sind vielfach ge- 
Bammelt worden, ohne dass man übet dasVerhältnies ihres gewöhn- 
lichen Gebrauchs zu ihrer poetischen Anwendung näheres fest- 
gestellt hätte. Die wichtigste und ehrwürdigste der ceremoniellen 
Formeln, das Gebot der Aufmerksamkeit (vg^. Müllenhoff D. Alt 
V 5. 86) fanden wir unter den technischen Satsformeln an erster 
Stelle — einlach weil in alter Zeit auch der dichterische Vorftsg 
ein Thedl des öfientlicben Lebens war. Wie weit aber andere 
Formdn einen Proxess poetiBcher Umformung eist durduiunadien 
hatten, ehe sie aus dem Leben in die PoeaU eingehen konnten, 
das wird kaum je möglich sein festmstellen; denn woher könnten 
wir die Sprache ausserhalb unserer Denkmäler kennen lernen? 

1. — 3. Ceremoniell der Begrüssung: für mbd. Zeit vgl 
Kettner Ueber den Empfang der Gäste im Nibelungenliede 
(Progr. Muhlhausen in Thüringen 1883); Scfaütie Stil Zazik- 
hovens S. 36. 

4. S^en und Fluch vgl. al^meinMythol<^e2, 1023i3,363; 
Verwünschungen: für die altn. Zeit Koseuberg Nordboemes 
aandfiliv 1,95, für das deutsche Volkslied Uhland Schriften 
[3, 269f. — Fluch und Schimpf in der altn. Proea: Heiniel 
Saga S. 34. 

. 5. Eidesformeln hat man bes. auf romanischem Gebiet 
gesammelt: aus dem altfrz. Epos Bekker Homer. Blätter H 22i 
und Keutel Die Anrufung der höheren Wesen in den altfn. 
Ritterromanen (Diss. Marbui^ 1885), femer K. Tolle Das Be- 
thenem und Beschwören in der altrom. Poesie (Erlangen 1883). 
— Die juristischen Formeln RA. 2, 892f. — 

6. Schimpfworte in den Sagaer: Dörii^ S. 33 Heintel 
S. 59. Allgemein vgl. z. B. Schaible Deutsche Stich- und 
Hieb-Wort« (Strassburg 1885). 

10. Zauberformeln: altindische vgl. Zimmer Indisches Le- 



391 

ben S. 344 Kaegi Der Rig\'eda .Anm. 12; alüatemißche: Teufiel 
Gesch. der löm. lit 127,85; äg}7)tiBche: Maßp4ro Contes pop. 
de l'Egypte aDcienne LX, 55. — Ueber die idg. Formeln mit 
flectirter Wortwiederholong vgL § 9. — Ueber Liebeszauber 
spedell VgL Eaegi aao. AimL 362. 

10. Rechtdormeln; in der altind. Poesie kommen z. B« 
Heirathaformeln vor (Eaegi Anm. 223j, die sich mit allgemein 
verbreiteten Minneformeln wie MF. 3,1 berühren. — Die ju- 
ristischen Formeln RA. 1,31 f. 

13. Ueber idg. liturgische Formeln: Kaegi Anm. 85; über 
altgriechische: Usener Altgriech. Versbau 8. 87 f.; allgemein vgl. 
z. B. Herder Versuch einer Greschichte der Dichtkunst (Lebenß- 
büd 1,3) S. 133. — 

§ 20. Andere Satzformeln. 

Die beiden Gruppen von Satzformeln, die wir eben be- 
handelten, hatten das gemein, dass sie ihre t3'piBche Er- 
starrung ihrem Inhalt verdankten. Die technischen Formeln 
mussten die Dichter sich für ihre Zwecke selbst schaffen, die 
pathetischen oder ceremoniellen hatten schon die Leute allge- 
mein sich geschaffen und der Dichter nahm sie nur auf. Ein- 
gangs- und Schlussformeln sind Gruss- und Abschiedswort des 
Dichters, Frage imd Antwort, Bitte mid Ermahnung bezeichnen 
wichtige Abschnitte des Gesprächs. So geht eine durchgreifende 
Analogie durch beide Gruppen, ^^'ohl möchte es sich lohnen, 
auch ihre Grenzen abzumessen. AVie unterscheidet sich die 
feierhche Formel des Gedichts von der des Z^siegesprächs? 
Und manche andere Frage wäre zu thun. Wir lassen sie hier 
bei Seite. 

Aber die poetische Sprache rundet m ihrem immer^^äh- 
renden Fluss jeden noch so eckigen Stein ab, der hinemgeworfen 
wird. Nicht der Inhalt, sondern die Verwendung formt die 



392 

eigeatUchen poetiBcbes Fonneln. Der Dihalt ist bei der WaM 
der Worte und B^riSe jxl prQien; ist der Sati einmal mge- 
laseen, bo modelt ihn der Rhythmus und der Reim. 

Zunächst ist noch der Einwand zu beseitigen, als hatten 
diese Formeln sich ganz selbständig gebildet. Wie gross viel- 
mehr der Einfloas der Form ist, zeigt folgende Beobachtung. 
Ich habe die ersten 1400 Vene des ^liaad mit den entspre- 
chenden Theilen Otfrids Vers für Vers verglichen. Und ob- 
wohl hier der Stoff und die Tendenz gleich sind, obwohl nur 
ein geringer Zeitraum die Abfassung bdder Werke txennt, ob- 
Irohl die Dialekte sich noch ziemlich nahe stehen, ergaben sich 
nur folgende Uebereinstimmungen : 

so man henen scal — H. lllb. 

80 man druhtine scal 0. I 23,14b vgl. I 5,13b. 25,22b. 
n 8,16b. 

idis enatio ful Hei. 261a. 

fol biatu götes ensti 0. I 5,13b. 

cuning thero liudo H. 617a. 729a. 

kuning therero liuto 0. t 5,29b. 

manno lioboeta H. 821b = 0. I 22,43b. 

them liudeon cutda H. 875 b. 

then liutin ouh gikundti O. I 23,6 a. 

eftha thero furisagona H. 1422 b. 

thehein thero forasagona 0. EI 18,3b. 

Von diesen sechs Fällen beruhen drei auf Formeln (»so man 
— scal« moralische Anmerkung, • cuning thero liudo« Titel, 
•manno lioboBta* Anrede). In dem letzten Fall beruht die Aehn- 
lichkeit lediglich auf der Wahl des gleichen fünfsilbigen Worts. 
Hei. 261 und 0. I 5,13 stimmen nicht einmal genau. So bleibt 
das eine zuKilige Zusammentreffen von H. 875b und O. I 



393 

23,6a. Dag^[en gtixmnt gleich das »geomo fulgangan« Hei. 112a, 
das wir von dem Satze abgesprengt haben, genau mit dem 
Halbvers Gen. 782a. 

Eine eingehende Vergleichnng derselben biblischen Stücke in 
ag6.,afi.,ahd.Bearbeitangwäieübrigens sehr zu empfehlen undfür das 
Detailstadium von Versbau wie von Syntax gewiss ergebnissreich. — 

Wir nannten die Formeln schon oben die eigentlichen 
Worte der poetischen Sprache. So suchen wir nun ein kleines 
Lezicon jk)eticum herzurichten oder eigentlich mehrere, indem 
wir dem gemeingermanischen Wörterbuch der poetischen Sprache 
für altnordisch und angelsächsisch kleinere Glossare beigeben. 
Für as. wird von Neuem auf Sievers verwiesen. Ahd. ergiebt 
das knappe Material gar zu wenig. — Wo nur innerhalb des- 
selben Gedichts der Ausdruck formelhaft geworden ist, bringen 
wir den Fall unter die »Wiederholten Verse«, ebenso wo gar 
keine Formel vorzuhegen scheint. — 

1. Gemeingermanische Satzformeln. 

Alter: sceolde hine yldo beniman ellendaeda Gen. 484, vgl. 
öd |)ät hine yldo benam mägenes vynnum B. 1886; habit unc 
eldi binoman elleandadi Hei. 151. 

aufwachsen: Weinhold S. 27. upp öx J)ar Jarl ä fletjum 
R. 35,1; upp öxu })ar Jarli bomir R. 41,1; Saem.: öx Sigurdr 
J»r upp Sinf. 29. — siJ)J)an ic up veöx Kl. 3: ic tüdre ä 
veöx Bo. 2. — Vgl. auch Vaf. 49,6. Odd. 13,1. Atim. 69,1. — 

bald s. Weinhold S. 7. 

bedürfen: was im tharf miHl Weinhold S. 6. Vilmar 
S. 4. 52, vgl. Cri. 255. 751. 848. Byrht. 233. An. 1168. 1607. 
Jul. 695. El. 426 und bes. Hav. 146,2. Vgl. u. S. 431. 

var J)eim vettergiß vant or gulli Vgl. 11,3; era mer gulls 
vant Sk. 22,4 vgl. J)ä var vant vitri AÜm. 3,5. 

I)inß lidfi vaera ek J)ä J)urfi Härb. 32,1; ladax J)urfi Vat. 
8,4; matar ok v4da er manni |)örf Hdv. 3,4 vgl. 3 — 5,1; naer 



394 

Tflriti A vegfam üti gein am ^rf gnnu Hir. 38,6; mala et 
]»arfl Grip. 2fi — nis me vihte fieuf G«n. 878. 

VgL tt. 23,7. H4v. 67,8. Sgdr. 27,1. AÜm. 87.4. — 

beherrBcheo, beaitien: ti er glla nadr V9I. 67,1; et 
einn sksl liäa — Gotna landi Gr. 2,6; hitünbrudam hftigL 
raodr Gr. 16,6; hofum ok hgrgom bann nwdr Vaf. 38,8; hverii 
r^da aesir eigDum goda Vaf. fi0,4; rM bann edim at |«t itün 
bäum R. 29,1 ; sid mnnda — hringum rfUa H. HL 6,1 TgL 11,1; 
sUu guUi |n knÄ bann einn ri^ Faf. 34,4; melan fjärir t^ 
fylki t^aum Sig. sk. 19,5 — raedan on ^ iIm 0«n. 889. 

Iteodan hie rlce raedan mtebm, bozgnm TeoLdon Dan. 7. 

Cftsere veöld Creacom o. B. w. Vtd. 80 f . ; J)& ic foiAom veöld 
u. B.w. B. 466 — erdodesero bnuinAnobdderouaaltanHild.62. — 

bekannt: madr ei ""t""' verdr at mili kudr HAt. 67,4 — 
cbild waa er managöm cbonn^ mannom HÜd. 28 vgL Hild. 
13. — Blut Vilmar S. 63. — BruBt b. S. Weinhold 28. 

coire Weinhold 3. 27. — 

bvilda ek hjä |ieini aystrum sjau Harb. 18,13; knä boD 
bjä jQfri 3ofa H. Hi. 24,5. 

at ek Sigurdi sraefak ä armi Helr. 13,3; Bixta arma {liiia 
lagdir itr|]vegna um \iinn brodurbona Lok. 17,4 (vgL Lok. 20,6) 
muna |>er Sigrün — hrdga. at armi H. H. 11 17,1 bata skalek 
Siguid . . . mer ä armi Sig. sk. 6,6. 

at it t)i6drekr undir ^aki svefid ok lettliga Uni verdid Gud. 
in 2,5; bann vardi mey varmri blaeju Odd. 5.7; ^ er breiddu 
vit blaeju eina Odd. 23,7. 

nema [Kirh einoi er mik armi verr H. 162,7 — 8; myndigs 
ek — JQfur okmmum armi verja H. Hi. 42,7. 

Vgl. Lok. 26,5. 30.6. 52,3, H. 129,5, HyndL 46,7. — Vgl 
auch umarmen. — 

einst: i drdaga VqI. 63,5, Lok. 9,2—25,7 — in ge&rdagum 
B. 1 u. Ö. in fymdagum B. 1451. — 



395 

Erde b. Weinhold S. 8. 

erschlagen, tödten Vilmar S. 63, Weinhold S. 17. 

broedr munu beijask ok at banum verdafik Vol. 46,1» vgl. 
H. H. I 37,7; hverr man Baldri at bana verda Veg. 8,5; ne 
brüdi minni at bana verdir Vkv, 33,7; vardek bani |>eira H. 
H. n 18,8; J)ü munt bädum at bana verda Grip. 4,5; |)eir 
verda J)eir baugar at bana Fäf, 9,6. 20,6 — eddo ih imo ti 
banin werdan Hild. 54. — er ek eigi mäk budlungs monnum 
bana H. Hi. 26,10 — vark .... ordinn einbani Gr. 50,4. 

ek drap ])jaza HArb. 19,1; ek munda })ik i hei drapa 
Hdrb. 27,2 vgl. Athn. 40,1; Saem. : hann drap Sväva konung 
H. Hi. 10 nach 5; hön drap fyrst sonu Atla Akv. 3. 

ok jotna bardak Härb. 23,2; brtidir berBcrkja bardak 1 
lil^eeyju Härb. 37,1, vgl. 38,2. 

en hann slö Sigtrygg Hyndl. 15,3; slns brödur slö hann 
handbana Hjmdl. 29,7 — freö maeg ofsloh Gen. 983. 

unz haim Helgi hj6 H. Hi. 17,6; ßundr hofum Sigurd 
sverdi hoggin Br. 7,3. 

ok hann hardan let Hunding veginn H. H. I 10,5; brägds 
Fkulud hoggnir Athn. 38,4. 

er J)ü feit hefir — H. H. I 56,5; eda hefir J)ü feldan fodur 
6gdr. 35,5; vard f}T Helga Hundings konungr hniga at velli 
H. H. n 9,3; l^tu mog nngan til moldan hniga Hamd. 16,7; 
FMnir lagdi ß\'erdi — Saem. Reg. nach 9,4; laeblondnum hjor 
leggja mik i gognum Gud. U 387. 

ok mjnrdir til hnoßsa Athn. 54,4, er J)ü sonu myrdir Gud. 
hv. 5,4. 

Vgl. auch HAv. 108,7, Vkv. 33,7 Athn. 48 86,5—8. — 

Verbale Kenningar: J)ä er broedr J)inum brjöst raufadr 
H. H. I. 42,7. 

A sifi ungum mer eggiar rjöda Grip. 50,6. 

|)eir er Eyhma aldre srajadu Reg. 15,3, en hami odrum 



befir aldn of arnjat Fäf. 36,7, vg^. 6k 'OSna aaa aldia roena 
Veg. 8.7. 

t>ü froeknan Till fjftrri oaenui Br. 1,7, vgl aldri naemik 
Gva. n 32,12 — ealdrt b^iaeman Jud. 76 

Utta hana gada f^t Sgdr. 26,8 (vgL R^. 10,2). — 
aema |>ü Sigurd svelta Uür Sig. sk. llj, Tgl. Gnd. II 3,7, 
Odd. 18,7. 

Vgl. anch Lok. 60,4, Saem. Reg. 11. — 

fehlen: ee fehlt mir a. a. bedürfen. 

fliegen Ü6 ^ Loki, fjadrfaamr dundi f»r. 4,5, 8,1 

faran an fetherhamon — thia ertba dnnida HeL 5798 — 99, 
vgL Vilmar S. 14. 

fragen a. a. o. 

|)ik vil ek fiegna Veg. 8,2, bona tu ek spyrja Härb. 9,9. 

er |)ü at rdnum apyrr H. 79,2, at B^lverH |)eir spuidn 
Häv. 108,5. 

Vgl. Vsl. 2,5, Sk. 1,4, HAv. 28,1, H. H. 1 17,1; 24,5. Grip. 
3,1, 19,7, Gua.n 5,4; 18,5, Athn. 74,6; 75, 76,4, Saem. Sk. U, 
Gr. 28 — Hüd. 8 u. a. w. 

froh, fröhlich Vihnar S. 6. 

sich fürchten Weinhold S. 29. 

gelüsten — at ykkr vega tiAi Sk. 24,6, alla mik fara 
Udir VaJ. 1,2, ef {)ik fara tidir H. 115,6, ef {»ik Tita lystir 
H. H. n 8,4. Tgl. Atlm. 75,3 — nü dih ea 3* wel lußtilt Hüd. 59. 

Gericht Vihnar S. 34. 

Geschick Vihnar S. 9 f., Weinhold S. 15 a. aoch u. 
»Sprichwörter«. — 

orleg sin viti engl fyrir Hdv. 56,4, {)viat {)ü 1)lluin s^r 5^ 
log fyrir Gr. 28,7. 

Geschlecht Vilmar S. 39. 

Gestalt laegjama liM Vgl. 36,3, vitka liki Lok. 24,4, i lax 
liki Lok. nach 64,1, Saem. |)ursa Uki Alv. 2,4, 1 amarliki Saem. H. 



397 

Hi. 26, i Bteins liki H. Hi. 30,6, i geddu liki Saem. Reg. 9, I 
ökrs liki Beg. 10, i orms liki R^. nach 14,4 — vearp hine 
])& on yyrmee lic Gen. 491. 

i trolle hami VqI. 41,8, jQtun 1 amar ham Vaf. 37,3 
Frininarr jarl hafdi hamask — Saem. H. Hi. nach 5,8. 

Vgl Häv. 128,7. 

i dldes had EL 776 u. ö. b. Grein Wh. 

glänzend Weinhold S. 11. 

nadr fränn VqL 68,3 — inn frAni ormr Sk. 27,6, ormi 
]>eim innin frina Vky. 17,2, orm in fräna Grip. 11,2, inn fräni 
ormr TäL 19,1, frÄnir ormar Gud. hv. 17,7. 

Gott Vihnar S. 8 Weinhold S. 14. 
Götter ginnheilug god Vol. 9,1 u. ö. Lok. 11,3 — rikir 
tivar Veg. 1,6 maerir tivar I^m. 4,1. 

Grab Vihnar S. 37—38 

Harfe Weinhold S. 8. 

ök bIö hgrpu VqL 43,1, hann bIö hgrpu Drap 15 Saem., 
vgL Odd. 26,6, Akv. 32,7, Atim. 63,1. — 

ee — hearpan aerest handmn sinmn hlyn avehte, Bvinsigende 
ßv^ Gen. 1079 — 81 ne hearpan hlyn Ph. 135 vgl. näs 
hearpan 73^1 B. 2262. 

hearpan stirgan, gleöbeäm gretan Cri. 669, hearpan vynne 
gomenvudu grötte B. 2107, sum mid hondiun mag hearpan 
gretan, äh he gleobeämeB gearobrygda üst Crk. 49 — 50, odde 
mid hondiun can hearpan gretan Gnom. 171. 

|)aer vas hearpan sveg B. 89, näs J)aer hearpan sveg 
B. 2758, nallee hearpan sv§g B. 3023. 

heissen s. o. S. 384,2. 
helfen Vilmar S. 52 — 53. 

• herrschen Weinhold S. 20, vgL u. beherrschen. 
Hilfe Vihnar S. 52—53. 69. 



Himmel Vümu S. 17. Weinhold S. 9. V^ o. »Ah- 
nordische Satsformehi*, 

Hoffnung Weinhold S. 30. him eeo via geUh Gen. 49. 
1446, B. 2322, An. 1076. 

Kampf VUmu S. 64, Weinhold S. 21. Vj^ bes. H. H. 
I M, Gen. 1986f. 2060f. Jud. 199f. 

Kämpfer Vihnar S. 63, Weinhold S. 20. 

Kind VilmarS. 42, Weinhold S. 37. beamimveazenGen.2871, 
dld unveazen Ead. 3t, vg^. Ez. 412 — bam onwahsan Hild. 21. 

König Vihnar S. 49. Weinhold S. 18. 

lachen 3. o. S. 376,4. e. — landen Weinhold S. 13. 

lieb heo vaeron leof gode Gen. 247, he y&a leöf gode 
Gen. 1146. 2767, Ex. 12. i)eäh he him leöf vaere B. 203, >eah 
him leof ne väs B. ^467, väa him se man tö {nn leöf B. 1876 
— imo uuaa eo fehta til leop Hild. 27. 

Mann Vllmar S. 44. Meer Weinhold S. 11. 

Menschen Vümor S. 39; Ijöna kdndnm V12L 17,3; gumna 
synir Sk. 26,5; yta 3\Tiir Vaf. 40,4, Hiv. 28,5. 68,2, H. 5,2; 
hQlda ä\-mr H. 93,5. Füf. 19.5: fira sytäx Sgdr. 27.2; alda bsr- 
»um Vgl. 23,10 — 11; alda synir Alv. 10,5 — dlda beamum 
Cri. 937: mimna synii Gr. 41,3 — monna beamum Gen. 403. 
Vgl, Kenningar S. 172. 

Mörder Vilmar S. Ö3. schaffen Weinhold S. 14. 

Schatz VUmar S. 33. Weinhold S. 26, v^. bes. AÜm. 92. 

Schild Weinhold S. 24. 

Schiff Weinhold S. 12. Schmerz Vihnar S. 23. 

Schmuck VOmar S. 33, Weinhold S. 27. 

fjold ä ek menja ^t. 23,5; fjgld var [»ar menja Vky. 21,5. 

schreiben Vilmar S. 36. Schwert Weinhold S. 24. 

Schnur eiila skaltu mer -.iSi alla ^Hnna Vkv. 33,1; it 
munud .'üln eida vinna Grip. 31,1: t)er mun ek alls ^es» eida 



399 

viima Oud. m 3,2; baugeid Odinn hygg ek at unnit hafi H. 
109,1 ; eidar — I>eir er Helga hafdir unna H. H. n 29. 

sem 6t um uxmud eida svarda Gud. 1 21,3, vgl. 10, Akv. 31,3. 

ä gengoek eidar ord ok soeri — Vgl. 30,5; at {)ü eid ne 
everir Sgdr. 23,2, vgL auch Sig. sk. 1,7 — he me ädas svör 
B. 472. 

Sinn Vihnar S. 23. Weinhold S. 28. — Sitte Vilmar S. 37. 

Sonne Weinhold S. 10. 

ßvört Terda ßöl ßkin VqL 42,5; söl t^r Bortna Vgl. 59,1 — 
]>onne veorded sunne sveart gevended Cri.935, vgl. sunne veaid 
adväsoed Cii. 1133. 

Sorge Weinhold S. 29—30. 

sprechen vordft cvedan El. 169. Jul. 92. Rät 60,5 (vgl. 
Jansen Cynewulf S. 79) so ihu midi thinon uuordon eprikis HeL 
143b. 158b, vgl. 1694b. 1760b, auch Hild. 39—40. 

sterben Vilmar S. 15 Anm., Weinhold S. 15 — 16. 

Ufi tyna Gud. 11 12,8; gndu tyndi H. Hi. 37,8; gndu tynu 
Big. sk. 60,4; aldri tyna ebd. 51,8. 62,4. 

ok verdr J)ä J)inn fjgrvi um farit Lok. 57,6; vitid minu 
lifi farit Reg. 10,2. — Vgl. oben S. 179 verbale Kenningar. 

Streit |>ä er sökn lokit H. H. I 57,10; mit einem ähn- 
lichen Bild onband beadurüne B. 501. 

Sturm Wemhold S. 12, vgl. bes. Ex. 459 f. — Sünde 
Vihnar S. 68. 

Teufel Vilmar S. 69. — tödten s. u. erschlagen. 

trauen |)ann6 |)ü vel trüir H. 44,2. 118,6; |)ann6 |)^r vel 
trüir Atlm. 89,4 — {)ann he getruvode vel Gen. 248. 

umarmen, umfangen. 

söl varp sunnan — hendl — um himinjgdur Vgl. 8,1 (vgl. 
Müllenhoff S. 91, Hoffory Eddische Studien I 71 f.) siztu 
arma J)lna lagdir — yxm |)iim brodurbana Lok. 17,4. 




Qjöta, numdu ef [>ü Demr H&v. 111,31.; njottu ef |>ü 
19,8. 

[ Bhdpta BAvAUfi- H. H. I 34.8, rf^ mAlnm skipta 
HamA. 9,4. 

Ri^lmla wiederiioU die etgenen Vsne purim. 

bann QiA) nam at vaza Kg. 9,1 a. 6. = H. H. I 9,1. 

biingr var 1 gaetü Big. 28,6, Ygi bringt er 1 hjalti H. Hi. 9,1. 

bann geldr ok gefr goll TerOnnga HyndL 8,3 — 4 = H. H. 
I 9,5—6. 

b£ vat Bokiim jatäai tnagal ByviSL 38,1—4 = 43,3—4 
— . OaS. n 23,&— 8, vgl Edxaidi Fl O. 23,888. 

Volundarkvifpa mederbolt die eigenoi Worts piMim. (z. B. 
älmvitr Ungar, erleg dryggja 1,3 — 4^3.8 — 10; en eiim Veiliindr 
Bat I Tlfdolum ^'kv. 5,5— 7 = 7,3 — i; blaejandi Valnndr hofak 
at lopti Vkv. 29,&— 6 = 38,1—2 (vgL ITiedner Za. 33,30 Awn.). 

büAlungr sä er rar beztr und sola H. m. 39,3 — 4. 43,3—6, 
vgl H. H. n 28.7—6. 

konui^ öaeisan H. H. I 19,7, vgL jfifur öoelBinn Gud. 
m 4,3 ; konung öblaudan Gud. bv. 18.3. 

ok burum fwira H. H. I 22.8. 11 34.8, rgL Akv. 39,3. 
Hamd 10,2 

ok büiu gulli H. H. I 24,4 = 51,8. 

ok tikr ydrüT teygir at solli H. H. I 36,3—4 = 46,5—6. 

al oUum bug H. H. H 14,6. Grip. 47,6. 

farit er Sigurdr, |>atB ek fyrir vmak Grip. 19,5; faiit {»G 
ek viseak Ghp. 21,8. 

veret hyggjum |)vi Grip. 24. 40,1. 

er munud allir eida vinaa Grip. 31. 37,1 — 2; eida nnna 
Gud. m 3,2. 

Valsungi ungi ok (er) vegit hafdi Reg. 18,3 — 1. Sig.8k. 1,3—4. 

|)er verda t>eir baugar at bana Fäf. 9. 30,6; ^ir munD 
|)er baugar at bana verda Gud. I 21,7 — 8. 



401 

enthaupten hvem l^tu J>eir hgidi skemra Hym. 15,li 
bQfdi Bkemra lati bann inn hrünkalda jQton Tii, d8,l- 

herdaklett diep ek |>6r hüsi af Lok. 57,4, hQfud hQggva 
ek mun {)&- halfii af Sk. 23,4. 

Vgl. Hym. 19,1, Lok, 14,4, (vgL J. Grimm Gesch. d. d. 
Spr. S. 99 f.), Gud. 11 43,4, Atim. 76,4, Gufi. hv. 12,6. 

erbeben fjgll qU skj^a Lok. 55,1, jQrd bifask en allir 
fyrir skjälfa gardar Gymis Sk. 14,4; Saem. ekalf jgrd oll 
Lok. 37. 

Feind Baldrs andakota VqI. 34,4, Hrödrs andskoti Hym. 
11,8, sinn andakota Hym. 13,8, minna andskota H. 146,2. 
VgL Vümax 8. 62. 

Feuer |)ykki m6r or augum eldr mn brenna Gr. 27,7, eld 
si ck up brenna H. 70,4, hyr s^ ek brenna Hyndl. 48,1. 

eldi heitari brennr — fridr Häv. 51,1, i eld.heitan Akv. 20,4, 
Hamd. 24,10, hnigu i eld heitan Akv. 43,8. Vgl. Weinhold S. 10. 

Gelage |)ü ekalt äsum opt sumbl ggra Hym. 2,7, en 
|>ü aldri munt sidan sumbl um gQra Lok. 65,2. Vgl. bes. 
AÜm. 72f. 

Glanz |)Ä hri Ijöma H. H. I 15,1, nema — Ijöma bregdi 
H. H. n 35,5, vgl. Edzardi Pf. G. 23,167. 

Gold bann geldr ok gefr gull verdunga Hyndl. 5,3, bann 
galt ok gaf gull verdunga H. H. I 9,5. — Vgl. Weinhold S. 26. 

Gras or grasi vaxinn Gud. I 18,4 — U 2,4, hrisi vex ok 
h& grasi Grim. 17,1, hrisi vex ok hävu grasi H. 118,8. 

Haus ör salkynni at sjä Lok. 17,6, saUnnin at sja Gr. 9,1, 
Tgl hv6 Vafdrudnis salkjTmi se Vaf. 3,6. VgL Weinhold S. 25. 

Himmel vid himin själfan Vol. 59,3, Ryndl. 42,1. Vgl. 
Vilmar S. 17, Weinhold S. 9. 

Huld — alla hyUi ^t. 29,8, LTlar hyUi Gr. 42,1, ok 
Odine hylli Gr. 51,6, vgl H H. U 14,2. 

sich hüten ef bann vi^ vig varask H4v. 16, kannat ser 

Meyer, Altgermazii«ohe Poeiie. 26 



408 

Tia Titi Tuask Beg. 1,3. v^ Hirb. 89A O^ UA WL 37,6, 
Sgdi. 82, Sum. Gi. 21. 

kaufen golli keTpta Lok. 48,1, gaffl kmpft Akr. 81,8, 
TgL aoch mimdi kaopa Grip. S0,6, Fti. 71,& 

lehren ränar kendi K 36,4, rtoar kama Gxi{k 17,1, t^ 
Hym. 30,1, Saem. Gi. 6. 

Licht ^ biA IJöma al LogafjfiUnm H. H. I 16,1, uma 
at liffi lofdungB Ijöma bregOi K EL II 36,5. 

lieben tyrt 14zk h6n nnoa al Qllnm hog H. H. II li&, 
er ek aÜB hugar mma {»Htamk Grip. S2,7, v^ Odd. 30,6. 

at myndak aldrigi onna Vaningja vd 8k. 87,6, ^einr et 
ek nnna vel Grip. 36,8, unna ek tbI bnadhnn GhiO.'!! 1,4, 
vgl H. 50,4 R 12,2 u. ö., Sig. st 40,1, 68,7, Gu«. hv. 15,3. 
Saem. H. Hi. IV 3. 

Mahlzeit {»im ei tu verdar Vena H. 4,8, 7,8, er tu kTnnia 
kflmt H. 17,2, {>6tt til kynnis komi Häv. 30,3. — T^ Biv. 
31,5, 37,5, 115,7. 

mischen ok blend ek ^im svä meini mj0d Lok. 3,6, ok 
melni blandwn mjek Lok. 32,3, 56,3, vgl auch meinblandum 
mj0dr Sgdr. 8,6, eitri bkndmn mjek Hyndl. 48,7. 

nennen Heidi bana hetu Vgl 1,1, morgtn beta ok mid- 
jan dag Vgl. 9,6. vgl Saem. H. H. II 3. 

mik munu aeair a^an kalla fu;. 16,3, kalla vega vanir 
Alv. 11,3 u. 3. f., er medt Myrkvid kalla Akv. 5,8. 

nött ok nidjum ngfn um gäfn Vgl 9,6, |)ö gefr ^ gott 
nafn dysjum, er ^ä kallar |)aei heimis hauga H&rb. 46, gaf 
bann Helga nafn H. H. I 8,1. 

nefndisk Grimnir Saem. Gr. 27 — Rigr R. 6 — ^ 
R. 10,6 — t>6 {Kiri ek eigi ^aaa at nefna Hyndl. 44,3—4. 

Jarl letu heita R 34,4. 

kennid m^r konnungs nafn H. Hi. 12,6, v^ Ort. 48.5, 
Hyndl. 44,3. — Vgl. auch § 19, S. 384,2. 



403 

rächen {)a er hefnt fQdur VqI. 56,8, froekn at hefna fodur 
Gr. 17,6, fgdur nm hefna Gr. 19,1, vgl mords at hefna Hamd. 12,6. 

nü hefi ek hefnt harma mina \'^. 28,5. 

fä mtm systir — hefna hlyra harms Reg. 10,4, |)a mun 
{>eira son {>in6 harms reka Reg. 11,7, sverdi mtmdi HQgni 
Bliks harms reka Gud. m 6,6, vgl |>eB& mun Vidarr vreka 
Vat 53,3. 

Vgl auch Veg. 10,5, Hym. 3,3, H. Hi 38,7, 43,5, H. H. H 
9,6, Akv. 42,8, Athn. 73,7, 86,4, Gud. hv. 3,5. 

Rath äßtrad miMt Hym. 4,5, 30,3, astrad |)in Sgdr. 21,4. 

Schuld sein an: einn veldr 'Odinn ollu bglvi H. H. n 
33,5, veldr einn AÜi öUu bglvi Gud. I 25,3, ein veldr Brynhildr 
oUu bglvi Sig. ek. 27,7. — vgl. ein veldr |)ü Sigrün H. H. 

n 44,1. 

schlafen adr sofa gengi Hj-m. 15,6, H. H. 11 38,4, vgl 
44,8, at |)ü gangir snemma at sofa Hav. 19,6. 

schweigen |)egiattu, volva Veg. 8,1 u. ö., |)egi |)ü, ^tt 
I)r. 17,3, I)egi I)ü Lok. 17,1 f. 

|)at er bazt at hann |)egi Hav. 27,3, J)a hefir hann bazt ef 
hann I)egi Hav. 79,6 (vgl Müllenhoff S. 259). 

sehen ok 1 augu leit Vgl 2,4, leit i augu Hym. 2,5. 

ok sä xmi heimum aUa Saem. Sk. 2, Gr. 15. 

-sitzen s. o. 

Thau ])adan koma döggvar J)aer i dala falla VqI 22,5; 
{)adan komr döggum dala Vaf. 14,6, vgl. dala döggöta H. H. I 
48,5, vgl Veg. 5,7, Vaf. 45,4. 

Trank maeran dr^'kk mjadar Lok. 6,6, drj'kk ins dyra mja- 
dar H. 104,3. Vgl auch Sk. 35,7—8. Gr. 3,4. 25,6. 

trunken glr ertu, Loki Lok. 47,1 — Geirrodr Gr. 51,1; 
ölr er vard H. 14,1, vgl Lok. 18,5. 

unweise en J)at um byggi hverr ös\ada apa Gr. 34,3; 

0rlQg ösvinns apa Fäf. 11,3. 

2G* 



404 

▼erbergen nh hda 'Offina angk um fidgtt Vgl, 24,1; Tot 
hau Hwimdriliff bljoA am folgit VgL S&.1 ; hsflr ^ SOönib 
bamar nm folginii? {ir. 6,7; er und abtom mir gll mn fblgin 
AlCT. 27,1. 

▼erniehten farit haiai haon «Uli aett gBinobmi H. H. 
I 19,7; ^ er gll firin aett Sigardar Big. ak. 64Ji,- t^ Athn. 
73,6. 

Weg at krUta ganga groenar braatir R. 1,1; gddc Bfgr at 
^ rMtar braatir B. 14,1; äigar biantir R. 40,1; rodtaar biaiitir 
H. H. n 48,3; groenar bnntir FU. 41,S. 

Weltnntezgaog uns ijAfaak ngiii Lok. 40,3; ^ er um 
ijAbak regin Vat 53,6; ans am ijdtMfcia^ Gr. 4,8; ma ija- 
fask regin Sgdr. 19,10, t^ {>£ er regin deyja Vaf. 47,5. 

zerbrechen bjgi^ brotnodu t>r. 21,5; ist brotnadi Hym. 
12,8, VgL I^k. 64.6. Vkv. 26,6. 

zürnen vrei& var ^ Vi&g{iorr |>r. 1,1; vreidlr 'm ^ 
aeeir, vreidar 'ru |>^r £syttjtir Lok. 31,4; rrcödr er ^ 'OdioQ, 
vreidr er |>6r äea bragr Sk. 33,l-~2 — breim inn fr6di »i 
ofreiAi a& Sk. 1,5; |>ar vard m4r 'Odinn ofrridr am ^t ^Ir. 
8,7. — 

3. AngeUäcbsiscbe Satzformeln. 

Bischof Itoda biaceop Gren. 2103; biacop {lom leodum 
An. 1651; biacop |)ä8 folcea EL 1095; biecop |iära leöda 
EL 1127. 

Christus godes gce beam Cri. 744; godea &gen beam 
Möd. 6,80; sigebeam godes Hö. 11. 32. 50, vgl. u. >Ven)- 
ausgängei. 

Himmelskönig 8. u. »Versausgängek. 

König; |>ät väs grim CToing u. s. w., s. o. 8. 378,6. 

bei Lebzeiten on {)&m däge |>yBee8 Ufes B. 197. 806, vg^ 
Güth. 45. 

Macht s. u. >Ver8auBgänge<. 



405 

miBslingen him {ms viree gelamp Sat. 24. 125. 175, vgl. 
auch 478. 569, B. 76. 626. 1252. 2468. 

Paradies neorxenavang — Gen. 208. 217, 889. 929 n. ö., 
B. Grrein Wb. 

preisen {)eöden bfiredon Gen. 15, Dan. 358; drihten here- 
don Ex. 575, vgl Sat. 48. 222; dryhten berede Az. 3. 

scbön maeg älfscieno Gren. 2730; idee äliscinu Jud. 14. 

sterben im Krieg: snme vSg fomom Wand. 80; dat 
inan wie fumam HHd. 43. 

trunken vgL »Altnord. Satzformeln;« vlne svä druncen 
Jud. 67; beor^ druncen B. 531, vgL Dan. 116, Jud. 31 f. 

vergelten be bim |)ä6 leän ägeaf Gen« 1808 — bim |)ä6 
leän forgeald Gen. 2544, B. 1584; be him |)ä8 leän forgeald 
B.* 114 — ledn forgeald Ex. 315 — leän forgüded Cri. 434 — 
hondleto forgeald Cri. 2094. — 

4. Altßäcbsiscbe Satzformeln (nur eine Auswahl; im 
Allgemeinen verweise ich auf Sievere' Synonymik zimi Heliand). 

bebandeln biet that gi it heldin uuel Hei. 130b; endi 
biet sia ina baldan uuel 317b; thu scalt sea haldan uuel 320b; 
tbu scalt sea uel baldan 327b. 

Himmelskönig s. u. »Versausgänge«. 

König cuning thero liudo H. 617a, 729a, vgl. ags. unter 
»Bischof«. 

Mann that uuas so salig man Hei. 76b; dat uuas so 
frixmtlaos man Hild. 24b, vgl. than uuae thar en giuuittig 
man* H. 569b, vgl. auch that uuas so diurlic uuib 255b. 

alter Mann: than uuar thar en gigamalod mann H. 72b, 
pist also gialted man Hild. 41a. 

nach Osten: uso aldiro ostar hinan H. 571a; er r^t östar 
hina Hüd. 22b. 

preisen wie ags.: drobtin diurie 27a; diuridon usan 
drobtin 83a. 2966a. 3722a, vgl. 418a— b. 4250. 4338a. 



406 

Siun: huand hie habda etarkan hugi H. 29b; habda fereh- 
tan hugi H. 73b. 1238 — thura ferehtan hugi 1559b, vg^. auch 
thuru iro feruhtun dadi 1310a. 1957b. 

werth: uualdende uuertha 117a; uualdandi uuirdig 260a. — 

5. Althochdeutsche Satzformeln. 

Die wenigen nur ahd. belegten Satsformeln scheinen besser 
den »Wiederholten Versen« zugerechnet zu werden; sie sind fast 
ausnahmslos dem Muspilli eigenthümlich. 

Wir müssen auf die imvermeidliche Unbestimmtheit der 
Grenzen zwischen den verschiedenen Classen der Satzformeln 
hierbei noch einmal aufmerksam machen. — 

Gelegentlich können wir beobachten, wie eine Satzformel sich: 
herausbildet. Man vergleiche folgende beiden Stellen desRuodlieb 
qui uehat enthecam rebus uariis oneratam (1,19) 
enthecam qui uexit eo modicellam, 
traxit sagmarium uuariis opibus oneratum (5,560 — 61). 

Ganz ähnlich VqL 4,8 im Verhältniss zu Vat 34,4 — 5. — 

Bei häufigerem Vorkommen so nah sich berührender Stellen 
hätte gewiss schon durch die uniformirende Tendenz der Tra- 
ditoren (vgl Scherer Poetik S. 136) sich eine feste Ausdrucks- 
weise aus den mehreren, die möglich waren, herausgebildet 
Dies ist z. B. im Heliand schon erreicht; so HeL 5107 = 5134 
= 5195 = 5236, oder z. B. 1281f. = 1384f. = 15801, wo 
in bestimmten Abständen die gleichen Satzgruppen wiederholt 
werden; ebenso im Muspilli (MSD.^ 271, doch vgl Möller Zur 
Alliterationspoesie S. 36); es ist aber auch in sehr alten kunst- 
massig geformten Gedichten ■ — vielleicht eben erst durch die 
Ueberlieferung — dasselbe nachzuweisen, besonders in der Ve- 
lundarkvi|)a (Niedner Zs. f. d. Alt. 33,30 Anm. 1). Unzweifel- 
hafte Absicht des Autors liegt den periodischen Formeln der 
RigsJ)ula zu Grunde Doch gehören solche Fälle schon in den 
folgenden Paragraphen. — 



407 



§ 21. Wiederholte Verse. 

Ich führe hier bloss solche Fälle auf, in denen einzelne 
Verse oder Verspaare (selten Halb- oder Vollstrophen) sich an ge- 
trennten Stellen wiederholen. Ausgeschlossen bleiben also Fälle, 
in denen grössere Stücke als Bericht oder Botschaft wiederholt 
werden, wie das besonders in |)r3Tn., Skim. und Ykv. mehrmalB 
begegnet; dass in den ags. Gedichten in solchen Fällen meist Vari- 
ation eintritt, wurde schon (S. 118) bemerkt. — Ausgeschlossen sind 
femer Wiederholungen gleicher Strophen in parallelen Gredichten 
wie H. H. I und 11, Atlakvida und Atlamal, Gud. hv. und 
Hamd.; andere Beispiele längerer ^Mederholungen habe ich bei 
der Ldteraturangabe citirt. — Endlich bleiben alle Fälle fort, 
in denen mit Absicht an correspondirenden Stellen die gleichen 
Verse wiederkehren: alle Arten des Refrains so gut wie tech- 
nische und ceremonielle Satzformeln. Was übrig bleibt, pflegt 
man gewöhnlich mit dem Terminus »Reminiscenzen« zu be- 
legen, den ich für irreführend halte imd deshalb vermeide. 

Auch an die Belege für Wortaufnahme (§ 12) und an die 
Sprichwörter imd Citate (§ 22) ist zu erinnern. 

1. Altnordisch. 

ein sat hon üti VqI. 2,1. Sig. sk. 6,1 (vgl. u. »Abschnitts- 
formehi« S. 373,3, b). 

niu man ek heima Vol. 5,5, vgl. niu kom ek heima 
Vaf. 43,6. 

fyr mold nedan Vgl. 5,8; fjT J0rd nedan VqI. 44,6. |)r. 7,4 

är var alda VqI. 6,1 := H. H. I 1,1 (vgl. u. »Eingangs- 
formeln« S. 358,2). 

medan öld lifir Vgl. 19,6. Grip. 23,6. Fragm. 306,16 (vgl 
MüUenhoff Zs. 1 d. Alt. 23,137). 



408 

])at man h6n folkvig fj-rst i beüoi V9I. 26,1; |iat vti ens 
folkvig fyist i heimi VqL 28,3. 

gOTvar at riOa Vgl 31,3. 1 1. 

Halbstrophe VßL 34,1—4 = Veg. 11,5—8. 

via lUf vega VqI 54,4; vid orm vega V9L 58,4. 

Halbatrophe -|- Longxeile Veg. 1—6 = f>r. 13,1—6. 

vreiflr Tar J>ä — f. 1,1, vgl. reiflr varfl — Sig. sk. 13,1. 

ok bann (hon) {tat ocda alla fjrrst um kvad Jir. 2,1 o. Ö. 
Brot. 6,3 — 4 Tgl. u. *AbBchnittaformelD> S. 370. 

fjadrhami dundi |)r. 4,5. 8,1, vgL foldvegr don^ Veg. 3,6. 

um Baknadi ^t. 1,4, vgl eins mlfrin.H Vkv. 11,4; tun sofadi 
Vkv. 28;4. 

hofum erfidi ok ekki arindi Jir. 10,1 — 2, vgL 9,1 — 2 = 
H. Hi. 5—6, TgL Holtzmann Edda S. 220,10. 

guUhymdar k^ J»r. 23,2 = H. HL 4,3. 

endlacgan sal {ir. 27,4. Vkv. 16,30. 4 (vgl u. >VerBaQagäDget). 

astxiA mikit Hym. 4,7. 30,3. Fäf. 35,3. 

ei Hymir ätti Hym. 7,8; ^aims Hymir ätti Hym. 39,4; er 
Guatr ätti Reg. 5,2; er maer ätti Gud. I 16,8; sä er Brynhildr 
ätti Odd. 17,4; er Gimnar ätti Atlm. 6,6. 31,2; er Bu^ ätti 
Atlm. 37,4: er Regina Ätti Fragm. 306,8 (vgl auch ags. ^ 
iseed vyrt Jm Vergulu hatte Zaub. 4,27). 

einu sinni Hym. 35,4. Gud. I 14,2. Sig. sk. 30,3. Hamd. 
15,2. Fragm. 304,40; sinni einu Gud. n 10,2. 

ok blend ek |)eim svä mein! mjed Lok. 3,6; ok meini 
blandin mjek Lok. 32,3. 56,3, vgl auch eitrl blandinu mjok 
Hyndl 48,7; meinblandimi mj0dr S^dr. 8,6 (vgl altu. Satz- 
formehi unter >miscbeni). 

ristu ])ä Vidarr Lok. 16,1; ristu nü Fjflrnir Akv. 10,1. 

Oegia hoUu i Lok. 10,6. 16,6. 18,3; Oegia hflUum i Lok. 
27,2; OegiB ballir I Lok. 3.2, vgl Häva hgUu 1 Hav. 163.2, 
feiner äna ggrdum 1 Lok. 37,3; jstna g^idum i Fiagm. 304,42 



^ — ■-. 



409 

— 'Odins tünum i Vai 41,2 (vgl unter »Stehende Vere- 
BchlüBse«). 

oer ertu — ok ervita Lok. 21,1—2. Odd. 10,1—2, vgl 
Lok. 47,1 und Mtillenhofi Ze. f. d. Alt. 23,130. 

ok tak viA hrimkaUd fullum foms mjaSar Lok. 53,2 — 3 = 
Skim. 37,2 — 8 (auch die ersten Zeilen berühren sich, was aber 
auf der gemeinsamen Anwendung der Grussformel beruht). 

eda verlaus vera Skim. 31,3; verlaus vera Gui. 11 31,7. 

maeli |>arft eda I>egi Vaf. 10,3 = Häv. 19,3. 

öldum at ärtali VaJ. 23. 25,6, vgl arum at telja Vgl 9,10. 

hrlsi vez ok ha grasi Grim. 174 — 2; |)vi&t hrisi vez ok 
havu grasi Häv. 118,8 (vgl »Altn. Satzformeln« unter »Gras«). 

kyss hverjan dag Grim. 8,5; hön kyss hverjan dag 
Grim. 14,5. 

en {)at fair vitu Grim. 18. 22,5 (vgl. u. »Mittelkehrreim« S. 354). 

|)viät dvist er at vita Häv. 1,5—6. 38,4. Faf. 24,1 (vgl. u. 
» Wortepielerei « ). 

enn mannvit mikit Häv. 1,9; en s^ mannvit mikit Häv. 
10. 11,3. 

veita madr hinn er vaetki veit Häv. 27,7 — 8 = 74,1 — 2. 

frödr sä |)ykki8k Häv. 28,1; margr |)ä frödr |)7kkisk Häv. 
30,4; frödr J)ykkisk Häv. 31,1. 

eda sfns fjär Häv. 39,4; fjär sins Häv. 40,1 (für beide 
letzten Fälle s. u. »Wortaufnahme« S. 324). 

gjalda . . . en lausung vid lygi Häv. 42,6; ok gjalda lau- 
simg \id lygi Häv. 45,6. 

veiztu ef {)ü %in ätt |)anns |)ü vel trüir Häv. 44,1 — 2 = 
118,5—6 (vgl »Altn. Satzformeln« unter »trauen«). 

fara at finna opt Häv. 44,6, vgl 118,7. 

ok xmi hug maela Häv. 46,5, vgl Atlm. 71,6 (vgl u. § 20). 

])at ek {)ä reynda H. 95,1; {)ä ek |)at reynda H. 101,1, 
vgl I)at er |)ä reynt H 79,1; |)ü reyndi |)at Brot 19,1. 



410 

njöta numdu ef f)ü nemr Hdr. 111,3!.; njöttu ef |>ü namt 
Sgdr. 19,8. 

ordum skipta Häv. 121,5. H. U. I 34,8, vgL mäluiQ skipta 
Hamd. 9,4. 

Rlg8{mla wiederholt die eigenen Verse passim. 

hann Qfä) nam at vaxa Rig. 9,1 u. ö. = H. H. I 9,1. 

hringr var i gaetti Rig. 26,6, vgl. hringr er i hjalti H. Hi. 9,1. 

hann geldr ok gefr gull verdungu Hyndl. 2,3—4 = H. H. 
I 9,5—6. 

sä var aukinn jardar megni Hyndl. 38,1 — 2 = 43,3—4 
— . Gud. n 22,5—8, vgl. Edzardi Pt G. 23,338. 

V0lundarkvi{)a wiederholt die eigenen Worte passim. (z. B. 
almvitr ungar, orlog dryggja 1,3 — 4 = 3,8 — 10; en einn Velundr 
sat i Tnf dolum Vkv. 5,5—7 = 7,3 — i ; hlaejandi Velundr hofek 
at lopti Vkv. 29,5—6 = 38,1—2 (vgl Niedner Zs. 33,30 Amn.). 

büdlungr sä er var beztr und sölu H. EB. 39,3 — 4. 43,3 — 6, 
VgL H. H. n 28,7—6. 

konung öneisan H. H. I 19,7, vgl. jofur öneisinn Gud. 
m 4,3 ; konung oblaudan Gud. hv. 18,3. 

ok burum J)eira H. H. I 22,8. H 34,8, vgl Akv. 39,8. 
Hamd. 10,2 

ok büin gulü H. H. I 24,4 = 51,8. 

ok tikr ydrar teygir at soUi H. H. I 35,3—4 = 45,5—6. 

af oUum hug H. H. 11 14,6. Grip. 47,6. 

farit er Sigurdr, |)at8 ek fjTir vissak Grip. 19,5; farit {»ts 
ek vissak Grip. 21,8. 

verst hyggjum |)vi Grip. 24. 40,1. 

er munud allir eida \-inna Grip. 31. 37,1 — 2; eida vinna 
Gud. m 3.2. 

Volsungr ungi ok (er) vegit hafdi Reg. 18,3 — 4. Sig.8k, 1,3—4. 

J)er verda {)eir baugar at bana Fdf. 9. 20,6; {)eir munu 
J)er bau gar at bana verda Gud. I 21,7 — 8. 



411 

hvare ßkulu vreidir v^a Fif. 17. 30.8. Sgdr. 27,3. 

brödur minn Fii. 25,4. Sig. sk. 56,10. 

Starophe TU. 34 vgl 38. 

fara tu heljar hödan Fit. 34,3. 39,6. 

oUu golli ^ knä haim einn räda Fäf. 34,4 — 5, vgl. nü 
mÄttu einn, Atli, oUu hör r&Aa Atlm. 70,7. 

f]0ld {>yi er und Fäfni lä Fäf. 34,6, vgl. t>anns mör foerdi 
gull |)at£ und Fäfni U Helr. 10,8. 

bauga rauda TU. 40,2. Sig. sk. 39,5. Odd. 19,6. 24,2. 

gulli goeddaFäf. 40,7; goedda ek gulli 6ud. hv. 16,1, vgl. 
mik bad bann goeda gulli raudu Odd. 14,5 — 6; goeddi okkr 
Grimhildr gulli ok balfimenjum Atlm. 69,5 — 6. 

einu |)vi Hogni andßvor veitti Brot 7,1 — 2. Sig. ßk. 18. 
45,1—2. 

Strophe Gud. 118, vgl. Gud. U 2; andere Berührungen 
beider Gedichte bei Edzardi Pf. iSerm. 23,184. 

ok Bofa lifi Sig. sk. 11,6; h^i ßofid hfi Gud. hv. 2,2. 

oUum betri Sig. ek. 16,2. Gud. II 12,6. Heb. 11,6. Gud. 
hv. 10,6, vgl. auch Akv. 7,11 — 12 und oUum meiri Hradl. 
43,2 (vgl. § 8 S. 217). 

en hon vaknadi vilja fird Sig. ek. 24,5 — 6, vgl. Vkv. 12,3 
— 4 (vgl. u. »Abßchnitteformeln« S. 375,4, d). 

ßvÄ slö hön Bväran sinni hendi Sig. sk. 25,1 — 2. 29,3 — 4. 

ok guUu vid gaess i tüni Sig. sk. 29,7 — 8. Gud. I 6,5 — 6. 

I)jödkonungar Sig. sk. 35,6. 36,10; I)jödkonungi 36,2. Gud. 
hv. 14,4 : |)j6dkonunga Hamd. 4,2. 

ne ä engi hlut Sig. sk. 36,7; ok engi hlut 37,5. 

aldri tjTia Sig. sk. 51,8. 62,4, vgl. lifi tyna Gud. 11 12,8. 

solar geisla Sig. sk. 55,6; solar geisli Gud. hv. 15,8. 

hrafiiar sUta Gud. 11 9,6: hrafnar sUti 10,8. 

af trega storum Gud. II 10,4. Gud. hv. 1,4 (beidemal im 
Reim auf traud vgl. H. H. II 28,1). 



412 

hjQrtu — vid hunang (of) taggin Gut 11 41,6—6. Akv. 
37,3—4. 

g0rya drykkja Odd. 27,4, vgl gerdftk diekka Odd. 11,4. 

sem Brynhildr skyldi Odd. 19,4; sem konungr skyldi Akv. 9,6. 

af geiri gjallanda Akv. 5,3; med — 15,7. 

blodugt ok a bjöd iQgdu ok bära |mt fyr Gunnar Akv. 
22,7—8. 24,7—8. 

ok buri sväsa Akv. 39,8. Hamd. 10,2. 

duldi |)e68 vaetki AÜm. 10,4, vgl dyljuznk ^t eigi Atlm. 
10,4; dylja mun- |)ik eigi AÜm. 77,3. 88,1. 

at endlQQga hüsi Atlm. 17. 25,2. 

lokit I)vi 16tu AÜm. 17,7. 73,1. 

r^sk tokat roeda Atlm. 51. 87,1. 

ef |)ü reynir gerva Atlm. 75,8; ef |)ü gerva reynir 77,6. 

sem |)ü sizt skyldir AÜm. 79,4. 82,6. — 

Wiederholt habe ich durch Parenthese verschiedene Er- 
klärungen für Uebereinstimmung von Versen angegeben. Oft 
fordert der Inhalt fast gebieterisch gleichen Wortlaut, zuweilen 
die metrische Form. Manchmal ist aber auch auffällig, auf 
wie engen Raum sich naheliegende Uebereinstimmungen be- 
schranken (z. B. »einu sinni« oder »bauga rauda«). Dass einige 
Wiederholungen sich nur in älteren Gedichten finden (z. B. fyr 
mold oder jQrd nedan), andere nur in jüngeren (z. B. vers- 
füllende Casus von |)j6dkonung; Grip. hat dreimal dreisilbige 
Formen 1,3 19,4 26,2, denen sich andere Worte gesellen), das 
geht schon aus unserer Zusanmienstellung hervor. — ^ Manche 
Gedichte sind sehr reich an Versen dieser Art, so |)r., Lok., 
Häv., Fäf., Sig. sk., Atlm., auch Grim. und Gud. 11; andere 
haben sie nur ausnahmsweise, so Vaf . und Reg. Gud. I berührt 
sich vielfach mit Gud. EL, wenig mit anderen 'Liedern; Rig. 
hat seinen reichen Schatz wiederkehrender Verse fast ganz für 
sich allein, mehr noch als Mrv. Einzelne Strophen triefen j 



*"•■"•• •• -^->- 



413 

förmlich von »ReminiBcenzen«, 80 beeonders Hiv. 118 und 
TU, 34, beides wohl wirklich Compilationen. 

Mindestens ebenso wichtig als Fälle genauer Ueberein- 
stunmung sind diejenigen, in denen ein anderswo intakt er- 
haltener Vers bearbeitet vorzuliegen scheint (wie Hiv. 46,5, 
Atlxn. 71,6); über diese Erscheinung ist im folgenden Para- 
graphen breiter zu handeln. — Ueberhaupt sind Varianten 
solcher Art nie ungefragt zu lassen. Weshalb steht Oud. 11 
10,3 »sinni einu« g^en vier Belege für »einu sinni« ? weshalb 75,8 
>ef j)ü reynir gerva« und gleich darauf 77,6 »ef |)ü gerva reynir?« 
(vgl. zu BUiv. 95,1.) Mindestens der Versuch muss gemacht 
werden, solche Parallelfälle für die Metrik, insbesondere für die 
Strophik, zu verwerthen. — 

Noch ist in formeller Hinsicht merkwürdig, wie oft unter 
den wiederholten Versen ein und derselbe rhythmische Bau 
sich zeigt, nämlich z ww z w, nach antiker Terminologie also der 
Adonius. Hier einige Beispiele: ein sat hön uti ; niu man ek heima; 
gQrvar at rida; |)at ek |)ä re^'nda; lokit |)vi l^tu. Es ist wohl 
auch kein Zufall, dass gerade in Versen von dieser Form Saxo 
altn. Lieder nachbildete: quis rogo vestrum diriget agmen? 111. 
•(Ein andermal verdoppelt er den Typus: Quid moror in latebris 

opacis «ww.^ w^.w I 33 Holder). Daneben am häufigsten 

die einfachen Sieversschen Typen A und E: einu sinni; ordum 
skipta; bauga rauda; aldri tyna u. a. (vgl. o. bei den Doppelversen) 
nach A; guUhymdar kyr; endlangan sal; verst hyggjum j)vinach 
£. Auch manche Verse, die anders aussehen, klingen mit diesen 
fast gleich. Gefälliger Fluss sicherte natürlich einmal geprägten 
Versen vorzugsweise Beliebtheit und Erhaltung. Eben deshalb 
zeugt aber die Häufigkeit bestimmter metrischer TVpen in 
solchen Lieblings%'ersen für das Alter dieser Tj-pen und ver- 
bietet, die sog. 3^ Auflösungen« als jüngere Umgestaltungen un- 
aufgelöster Typen anzusehen, wo wie hier der »Daktj^us* An- 



414 

erkennung seiner Ursprünglichkeit fordert. Es hat wohl Nienumd 
bezweifelt, dass eine Entwicklungsgeschichte der altgerm. 
metrischen Typen — Sievers wollte zunächst nur eine Aufnahme 
des Bestandes geben — auf einer chronologisch geordneten 
Statistik ruhen müsste; Verse wie die vorliegenden dürften aber 
dabei als älteste Schicht noch dem übrigen Bestand der ältesten 
Lieder vorzudatiren sein. 

2. Angelsächsisch. 

Ich gebe hier nur eine Auswahl und verweise auf die 
unten citirten Sammlungen. — 

lifes brytta Gen. 122. 129. 

häUg diihten Gen. 247. 251. 

heähran on heofonum G^n. 274 a. 283 a. 

and |)urh [his] ofermetto ealra svtdöst Gen. 337. 351. 

|)äs leohtes bescyrede Gen. 392. 94. 

häfde faecne hyge Gen. 473, vgl. häfde hyge strangne 447, 
s. »Altsächsische Satzformeln < unter »Sinn«. 

Gen. 441 = 452? 

nu me mag hreövan Gen. 816; sva me nu hreövan mög 819. 

— bu tu ätsomne Gen. 838. 847. 
atol aefenleod Ex. 165 a. 200 a. 
ryht geryno Cri. 196. 247. 
flotan feldhösum Ex. 133. 223. 

stöpan cynröfe Jud. 200, vgl. stopan headorincas Jud. 212. 

— tö |)aere heän byrig Dan. 38. 54. 

hü J)u in |)aere stöve stille gevunadest Hö. 100. 107. 

nü ic |)e hälsie, haelend üser ebd. 107; svylce ic — 
ebd. 118. 

on |)am miclam däge, {)onne manna cyn [mannum beod — ] 
Seel. 50. 88. 

scyred and scrifed and gesceapo healded Vy. 66, vgl sceop 
and scyrede imd gesceapo ferede 95. 



L'^L. — . _ .. 



415 

1)6 git on aerdagum oft gespraecon Bo. 15. 52. 

se 1)6 hine deäd nimed B. 441; gif — 447, vgl. »Angel- 
BächaiBche Satzformeln« unter »sterben«; vgl. 2236. 2772 u. ö. 

^^eih |>ät vaepen duge B. 1660; ])edt seo bryd duge 2031. 

brüc ealles vel B. 2162; het hine brücan vel 2812, vgl. 
» Alteächsiscbe Satzformeln« unter »behandeln« und »Ceremonielle 
Satzformeki« 8. 389,12. 

ne bid svylc eargee sid B. 2551; ne väs {)ät Me sld 2586; 
|)a vä8 forma sid 2625, vgl. Satzformeln unter »Art«. 

Byrhtnod madelode, bord hafenode Byrht. 42. 309. — 

Unsere Scheidung der »wiederholten Verse« in § 19 von 
den Satzformeln §§ 16 — 18 beruht natürlich auf der Meinung, 
hier lägen in den jüngeren Gredichten (oder in späteren Stellen 
ein und desselben Gedichts) wirkhche Reminiscenzen vor, dort 
dagegen nur übereinstimmende Verwendung des gleichen Satzes. 
Es versteht sich, dass selbst bei genauerer Kenntniss hierüber 
volle Sicherheit sich nur ausnahmsweise gewinnen lässt; und in 
manchen FäUen hielt ich es (wie bei heiti und kenningar) für 
das Beste, das betrefEende Beispiel miter beide Rubriken ein- 
zustellen. Dazu kommt dann noch die nahe Berührung mit 
den Kehrzeilen. Nirgends so sehr wie gerade hier hoffe ich, 
dass meine Arbeit für bessere Vorarbeit werden möge. Denn 
eine sorgfältige Sonderung des Gesammtbestandes formel- 
hafter Sätze und Verse, ganz besonders von sorgfältiger 
metrischer Spezialkritik begleitet, müsste auf die Entwickelungs- 
geschichte der altgerm. Dichtung und der altgerm. Metrik ein 
ganz neues licht werfen. Gerade auf diese Formelklassen, 
(an die man ja auch bei dem Wort »Formel« zuerst zu denken 
pflegt), beziehen sich die Worte Scherers: »Alles was mit dem 
Stile der altgermanischen Poesie zusammenhängt, wird sich 
durch fortgesetzte Sammlung der poetischen Formeln imd Un- 
tersuchung der Eigennamen gewiss noch weiter erhellen« 



4Iß 

(J. Grimm* S. 226, vgl ebd. 295. 327). Wie viel hier Doch m 
thun bleibt, weise ich wohL G«iade hier htltte die Frage nadi 
dem Bestand gemeingemuuiiBcher Poesie einzosetieiL Einen 
anaphoriBchen Dreizeiler, den Angelsachsen und Skandinariw 
vor der Trennung besassen,. hoffe ich nachgewiesen, vielleicfat 
auch eine altn. Friamel als uralt dargethan xa haben; ober 
auch einzelne herumSiegende Verse scheinen u^enn. Zwar 
das Hüdebrandslied steht so gut wie der Heliand zu der ap. 
Dichtung in engerer Verwandtschaft, und es kann daher nicht 
auffallen, einen Vers des Hild. im Beovulf einmal als VoUreis 
und einmal als Halbvers wiederzufinden: 

|K)nne sägdon |)ät saelldende B. 877. secgad saeUdend 
B. 411 

:^ dat sagetun ml sloUdonte Hild. 42; 
(vgl. Merbach Das Meer in der Dichtung der Ags. S. 2), und 
wenn ein anderer im Ludwigslied wiederkehrt: 

leod väs äsungen B. 1159 = sai^ uuas gisnogan Ludw. 48, 
so könnte das Zufall sein. ' Andere Fälle aber iwingen doch 
fast an alte gemeinschaftliche Verse zu denken. Schon Holtzmann 
bemerkte die Uebereinstimmung Von Atlm. 49,10 sem {teiin 
hugr dygdi mit Hild. 40 ibu dir din eilen taoc (Edda 528.49\ 
Wie nah berühren sich Hei. 5798—99 und Veg. 3,6: 

thiu ertha dunida — foidvegr dundi; 
wie ähnlich ist ein formelhafter Vers der alten Vkv. einem 
formelhaften Vers der ags. Poesie: 

endlangan aal ^Tcv, 8,8. 30.4. {)rk. 27,4 — andlaogne dag 
B. 2115. AtheL 21. An. 819. Güth. 1251, 
lind wie ivahrscheinlich ist es von vielen der oben aufgeführten 
gemeingerm. Satzformeln, dasE sie vor der Trennung der 
Dialekte bereits zu Versen oder Halbversen geformt waren, 
z. B. der Halbvers at bana verda Vkv. 33,7, Veg. 8,5. Grip. 
11,5^ Hild, 54! Doch scheint es mir nicht richtig, diese 






417 

DiBge ohne BerückdchtigaDg der Metrik zu beq>recheii und 
idi lasse sie also hier And^wn zur Bearbeitung. — 

Die FSlle, in denen Verse nicht genau wiederholt« aber 
Ton Späteren unzweifelhaft benutzt und nmgeformt worden 
innd, gehören nicht mehr in diese Arbeit, sondern recht 
eigenflich in das Gebiet der Bpedaluntersuchungen zur altgerm. 
Literaturgeschichte. Ich verweise deshalb nur beLapielswäfie 
auf die Beobachtungen Edzardis zu Sig. sk. (Pf. 6. 23, ISO), zu 
Gud. I und n (ebd. 184), zu Reg. und FAf. (ebd. 321), zu 
Grip. (ebd. 326), Symons' zu den Helgiliedem (P.B. 4,166 f.), 
femer Bosenberge (Nordboemes aandsliv 1 175) zur Vegtamskvida, 
Kiedners über Beminiscenzen in der Lokasenna (Zs. 31,225), 
Banisch' über das Verhältniss von Gud. hv. zu Hamd. (Zur 
Kritik und Metrik der Hamfiismäl S. 19 f.) und auf die 
Sammlungen angeblicher »Entlehnungen aus Beovulf« bei 
Bamhorst (Das Gedicht vom hl. Andreas imd der Dichter 
Cynewulf S. 30 und 66 f.) und Sarrazin (Anglia 2,515 f. vgl. 545 
und besonders Beovulf - Studien S. 110 f.); femer vgL z. B. 
zur ags. Grenesie Hönncher (Anglia 7,490 f.). Solche Arbeiten 
führen dann über zu dem Aufspüren charakteristischer Eigen- 
heiten der Gedichte im Brauchen oder Meiden bestimm- 
ter Worte, wie sie namentlich für die ags. Dichtung zahlreich 
vorliegen: für Cynewulf von Fritzsche (Anglia 2,486 f.) und 
Ramhorst (aao. S. 28 f. 3St)j für die Legende von Güthlac 
von Lefövre (Anglia 6,188 f.), für das Gedicht vom Phönix 
von Gaebler (Anglia 2,504 f.), femer in den mehrfach citirten 
Dissertationen von Jansen, Ziegler u. ß. w. Es wäre zu 
wünschen, dasß für diejenigen altn. Gedichte, welche ziemlich 
sicher gleichen Altersklassen angehören, ähnliche Glossare her- 
gestellt würden. Doch liegt das eben von einer allgemeinen 
Beschreibung der altgerm. Poesie ab und darf nur gestreift 
werden. — 

Meyer, Altgermanische Poesie. 27 



418 

Ueb«r formelhafte VerBs vgl t. B. fOr den Bigveds EMgi 
AiuD. 83a, füt die altgriechiacihe Poeräe 0. MQller I 58, fai dk 
altdänüchen Volkslieder W. Oiimm KL Sehr. I 183 f.. för die 
altD. ProM Döring 3. 143, Heiiuel 9. 183, für die Spielnumu- 
dichtang Piper 3. 71; im Binnlnen i. B. fSr Otfrid Schatte 
S. 20, für Layamon Kegel Germ. Stadien I 221 f.. ffir Caedmoo 
Ziegler S. 46 f. o. b. w, — 

Auch an die Doppelvene (b. o. § 13) mtus hier nochmil« 
erinnert werden. — 



§ 22. Stehende VerssuBgange. 

Man hat es bisher fast gänzHch venäomt, die häofigsten 
Anfangs- und Schlussworte der Verse su sammehi. Doch 
wäre dies ein höchst lohnendes unternehmen, welches sowohl für 
die Syntax als auch besonders för die Metrik der altgenn. Zdt 
beachtenswerthes Material liefern würde. Eb verBteht sich yoa 
selbst, dasa die Wortstellung auch im VeiBe vor Allem too 
den allgemeinen Regeln der Wortstellung abhilngt. Aber schim 
hierdurch ist ihre Prüfung metrisch wichtig, weil ja überhaopt 
der Vers nichts ist alfl ein normahsirter Satz. Non geht aba 
weiter der Zwang der WortateUung — soweit überhaupt diese 
geregelt ist — nirgends so weit, das8 er nicht metrÜBchen 
Rücksichten Raum liesse. Jede Abweichung 7on der normaleo 
Wortstellung verdient deshalb Beachtung: selten wird sie ans 
inhaltlichen, meist aus formellen Ursachen abzuleiten sein, und 
somit auf metrische Neigungen oder Regeln ein Licht werf« 
können. 

Ich gebe hierfür nur zwei Beispiele. Ungemräi beliebt 
sind im VersschlusB der altn. Gedichte alle auf an aosgehendoi 
Formen: Adverbia wie austan saman |)adan; Accusatäve wie , 
gödan hvitan u. s. w. Ungemein beliebt sind femer im Vers- j 



\ 



419 

ende alle Worte indefiniter Bedeutung: allr hverr aldrigi ui dgl. 
Beide Kriterien, das formelle und das inhaltliche, treffen zu- 
aunmen, um aus der Form hverjan einen lieblingBschluBS zu 
machen. So steht z. B. Vgl. 24,6 mor^ hvezjan Hym. 39,5 
en vöar hvezjan. Ebenso heisst es Gr. 29,4. 30,7, beidemal 
dag hverjan — aber 8,5 14,5 beidemal hverjan dag. In den 
enteren Fällen stehen die beiden Worte allein, 8,5 tmd 14,5 
nnd sie mit kyss (hön kyss) verbunden; dort stehen sie in 
aechszeiligen, hier in neunzeiligen Strophen. Man kann also 
nicht wohl zweifeln, dass metrische Gründe Gr. 8,5, 14,5 die 
seltenere AusschHessung des hverjan vom Versende verursacht 
haben. — Dasselbe gilt für Gud. I 9,5, wo hverjan morgin 
gegen Vgl. 24,6 morgin hverjan steht. — 

' Sehr gern lässt die altn. Poesie femer Verse mit einem 
einsilbigen offenen Worte schliessen: svA s^ kü u. d^. Ganz 
besonders hat sich die Präposition i in dieser Stellung gefestigt; 
s. B. in der Lokasenna Oegis haUir i 3,2 u. ö., Samseyju 124,2, 
OBSum rgnnum i 6k. 14,3 und so oft. Man ist daher be- 
rechtigt, überall, wo i im Innern des Verses steht, nach einer 
metrischen Ursache zu suchen. So steht Vai. 2,3 i ggrdum 
goda; in Skimisfor aber steht sogar einmal i Gymis gQrdum 
Bk. 6,1 und einmal i ggrdimi Gymis 22,5. Das hängt sicher 
von der Stelle ab, die der betreffende Vers innerhalb der 
Strophe einnimmt. 

Gerade über diesen Punkt aber fehlt es noch völlig an 
Untersuchungen; noch immer hat man die Zeilen einzig danach 
geschieden, ob sie erste oder zweite ELalbverse sind. Man braucht 
aber nur eine Reihe von Eddastrophen hintereinander zu lesen, 
um zu fühlen, dass gerade die älteren Lieder die Strophe oder 
-vielmehr die Halbstrophe so zu sagen rhjihmisch durchcom- 
poniren, dass sie durch bestimmte Anordnung metrischer Ein- 
zelheiten in die ganze Versreihe einen eigenthümJichen Rhythmus 

27* 



430 

briDgen. Du gilt Tnrniiirt von deoienigisn Voten, die den Aof- 
geeong oder Abgeeaog Bc^esaen. Vor ellem in der Volnndu- 
kvida, also geiade dem Slteetm Gedicht, prigt steh ntach d« 
fligmuitige Ttm der Tierten HalbTeree dem Ohr ein: kaue Vene 
vom Severa'achen Typus E, mit einer stark betonten Bube hdl 
aoBklingeodi Vene wie die folgenden: 
4,4 am langan veg 6,4 lindb&aga vel 10,4 wie 4,4 
11,4 eins saknadi 12,4 viljalaoM 16,4 nrnnAng^ bi1 

20,4 l Saevarstod 21,4 er Jwir i aä 26,4 kv&n ^nOadar 
28,4 am aofnadi 30,4 wie 16,4. 

Am SchloBB der Sixophe derselbe Typus, nicht selten der 
selbe Vers z. B. S,8. 17,10; aber kaum je in den HalbTeraea 
1 — 3 oder 5 — 7. — Charakteristisch ist die schon oben her- 
vorgehobene VeiBchiedenheit des Ausdrocks in 12,4 (vilialaoBa) 
and 31,2 (vilja laass). — Ganz ähnlich in der |)rym8- 
kvi^a, wo z. T. dieselben Verse zam gleichen Elffect ver- 
wandt werden : 1,4 am saknadi ; endlangan aal 27,4 ; «ft 
aus fyrst um krad. — Dorch diese Verkürzung der »Ca- 
denz* (um Schmelleis Aasdruck za gebrauchen) von den 
gewöhnlichen zwei Silben auf eine steht die Halbstiophe 
in den älteren ICvi]>uhÄttgedichten dem Ljö|>ahAttr i^er, 
als dies später der Fall ist, nachdem die vierten und achten 
Halbveree den übrigen ganz ai^eglicben worden sind; and eine 
Prüfung des zeitlichen Verhältnisses der beiden altgerm. Stro- 
phenformen dürfte solche Erscheinungen nicht ausser Acht 
laeeen. — Eine Elgenthümlichkeit der zu den Fäfnism&l ver 
arbeiteten Strophen bilden die kurzen Anfangsverse: sveinn ok 
sveinn 1,1; aetteml mitt 4,1; ii räda 10,1; noma dorn 11,1; 
OegiebjÄkn 16,1. 17,1; aber die vierten Vene, weon auch noch 
kurz gehalten, sind hier doch meist schon viersilbig (dreisilbig 
z. B. 25,4 bröäur mlim), 27,4 ist sogar zweisilbig: eißkold), und 
stehen eo zwischen den überkurzen Eingangszeilen und dem i 



421 

StrophenkÜFper auch in dieeeir Hinsicht in der Mitte. 
•^ Natürlich trägt auch die alte li^igor der anaphorischen 
Dreizeiler mit ihrem anschwellenden Baa dacu bei, die 
Ktozverse rhythmisch zn individnaUsiren. — 

Die älteren Gedichte betrachten augenscheinlich in metrischer 
Hinsicht die Halbstrophen als Einheit nnd schlieesen sie des- 
halb dnrch riiythmisch wirksame Abschnittzeilen ab; die spä- 
teren nehmen die VoUstrophe als imtrennbar und stellen 
deshalb vollen Parallelismus aller Langverse her. Der Fluss 
der Verse allein würde .ein Gedicht als jung erkennen lassen, 
das z. B. folgende Strophe enthält: 

'pisr mun ek alls {>ess eida vinna 

at inum hvita helga steini, 

at ek vid {)jödfek |)atki Attak 

er vord n^ verr vinna knätti 

(Gud. m 3), wo nur Vers 7 leise den streng symmetrischen 
Bau stört. (Eine ähnliche Entwicklung hat das mhd. Verspaar 
erfahren, vgl. Q. F. 58,49). — Anders ist es, wenn schon in 
älterer Zeit correspondirende Verse verschiedener Strophen genau 
übereinstinunend gebaut werden, wie z. B. Fäf. 10,1 und 11,1; 
das ist ein Eunstmittel, welches sich der Wortaufnahme im 
Dialog vergleicht, gleichsam Aufnahme des Tonfalls. — 

Auf all solche Untersuchung^! darf ich mich hier nicht 
einlassen, so sehr es mir auch danach in den Fingern zuckt. 
Meine Aufgabe ist hier nur, durch ein paar allgemeinere Be- 
merkungen und Beobachtungen nachzuweisen, dass der formel- 
hafte Charakter der altgerm. Poesie audi den Versbau berührt 
und gestaltet; dass vor allem typische Versausgänge sich den 
Abschnittsformeln für Gedichte, Abschnitte und Strophen als 
Miniaturmodelle zur Seite stellen. — 

Ich theile die beliebtesten Schlussworte in solche ein, derm 
Auswaihl hauptsächlich auf ihrer Bedeutung und somit auf 



48S 

ihrer sTntaktischen StaUnng bmiht, and in solche, die wegen 
ihrer metriflchen BeeobaiffeDfaeit and somit ihiea Klangee tttgm 
aoBgetmcht ecfaeinsiil — Ich habe nor die Gdtterlieder der Eddt 
eineneitB und den Heliand andereraeits auf ihre Vemoagänge 
Tollstfiodig dnrcbgeeehen und mich Mort mit Sttchprobea be- 
gnügt. Auch aus jenen Gedichten sind die Belege nicht toU- 
stftndig gesammelt. — 

I. a) Man stellt an den Versschluss gern Worte von recht 
allgemeiner, Tielumfasaeoder Bedeutung. 

allir V9I. 56,7; allar Vgl. 4,1. >r. 34,7; «U V«L 9,1; alla 
H&rb. 16,2. Vkr. 6,3; all» Bfm. 31,3. 

hverjan V«l 24,6. Hrm. 39,6. Gr. 29,4. 30,7; hvem 14.5: 
hverr B&v. 36. 37,3. 

aldrigi Lok. 8,3. Skim. 20,2. Grim. 3,5. B&r. 92,3. 

i ärdaga VqI. 63,5. Lok. 9,2. Vaf. 28,6; um aldrdaga Vgl. 
66,7, Vaf. 16,5. 

ß) So besonders auch die feierlichen Benennungen gefürch- 
teter Wesen. 

vaitfvar Vgl. 64,7. Hym. 1.1; valtlva Vgl 53,4 — sigtiva 
Vgl. Refrainstrophe — ttvar Veg. 1,6. Hym. 4,2. 

jgtunn Hym. 13,6. Vaf. 8.6; jgtaar >r. 17,5. 

3o auch hiTninB Gr. 39,6; himinn Gr. 40,6. 

7-) Femer aber auch Worte, die in wichtige Kategorien ein- 
reihen; so besondeis Verwandtschaftsbezeichnungen. 

fadir ^m. 5,5; fgdur Vgl. 56.8 — mödir Veg. 13,8 — 
synir Lok. 2,3 — döttur Lok. 42,2 — brödir Vgl. 33,5 — aystir 
t)r. 29,2, aystur ])r. 32.2 — megir Lok. 45,5. Ebenso mey 
Skim. 6,3, meyjar Vgl 23,1. Veg. 12,5. Lok. 34,4. 

i) Ebenso orientirende Adverbia. 

nordan Vgl. 38,1, austan Vgl. 51. 52,1. Hym. 5,1, austr 
Härb. 23,1, aunnan Vgl. 53.1. 

nedan VöL68.3. Hym.22,7. ofan Vgl.67,3. B^27,7. 31.6. 



423 

utan Vkv. 9,7 (innan Bcheint dagegen selten am VersechluBs 
SU stehen, doch z. B. Sig. ak. 8,1). 

hMan Lok. 7,6. 34,2. 35,2. Skim. 33,3. Hyndl. 46. 47,4 
und beaonders oft in Reg. und Fäf., {)adan Vkv. 8,7. Lok. 6,5. 
Big. 5.3. 37,6. 

sidan Vkv. 3,1. 

aaman Lok. 9,3. Skim. 5,4. 

e) Desgleichen Comparative und Superlative. 

hvassara {)r. 25,4, breidara |)r. 25,6, hardari Hym. 30,6, 
tidari Skim. 7,1, betri Häv. 72,1, mÄtkari Hyndl. 44,2. 

bertr Lok. 37,1, naest Häv. 99,1, fegretu H. Hi. 1,3. 

Von Verbalfomaen vorzugsweise Participia und Infinitive. 

talda Vgl. 15,8. 

borinn Akv. 2,6. Hyndl. 43,1, borit Alv. 5,6. Lok. 33,6, 
framgenginn Skim. 12,2, koniinn iSym, 11,3. Alv. 3,5, komit 
Vaf. 43,5. 

verit Lok. 26,3, vegit Lok. 27,6, lagit Lok. 48,3. Skim. 
13,6, farit Lok. 57,6. 

kjösa Vgl. 65,2, fregna Veg. 8,2, verda j)r. 12,7, ganga 
Hym. 14,8, geta Lok. 20,2, gala Lok. 31,3, bidja Hirb. 29,8 
gneypa Skim. 30,1 u. s. w. 

rf) Ausserdem besonders die passiven Verba auf — na. 

losnar Vgl. 51,8, klofnar 53,8, slitna Vgl. Refr. sortna 
Vgl. 59,1, brotnadi Hym. 12,8, rifnadi Hym. 31,8, sofna 
Big. 19,4, losna 6ud. H 42,2 ; nach deren Analogie dann auch 
tyna Sig. sk. 16,8, rejmir Athn. 77,6. 

9) Pur dreisilbige Verbalformen hat die {)rymskvi|)a eine 
besondere Vorliebe. 

vaknadi |)r. 1,2, saknadi 1,4, sitjanda 9,5, liggjandi 9,7, 
fnasadi 12 2 — 

Dass Lifinitive und Participia oft am Schlusß stehen, be- 
ruht auf der normalen Wortstellung; die Vorhebe für die Worte 



4S4 



ifU Babiikea 2 — 5 ha* lo^scht UiHtchen: gefflnhteto yameii 
qiait nun mit ednar gewiBBen Scheu bis tarn Ende aof, oiu 
die SofalBgworte der ffir die altgenn. Poesitt ao wichtigca Sa 
ttgonen klingep wirkiuigBToU tos. Anch die Adrertsa an 
— an und die CompantÜTe und SnpedaÜTe beHicbnen einai 
Punkt bestiinniter T.jTiiaw uai die Lidefluita unuchrsibeii sc 
XU sagen einen geomabischen Ort: lur Sänieichnui^ einseina 
Dinge in bestiminte Besitke dinten auch diese beliebten £nd' 
Worte Ton Voaen. — 

n. a) Ungemein beliebt lind imVensohluM lange ofEo» 
einsilbige Worte. Diese Gewohnheit dauert noch in mhd. Zeit 
fort, beeondeiB gerade bei höfischen Diditem. So ist für Rein 
mar andenwä das Zauberwort, um offene Reime anzubringen 
und Walther hat die Mode in seinen »Vokalspielen« verspottet 
das Flickwort anderswä noch in einem gegen Reinmar gerich 
teten Gedicht 112,2. 

» Häv. 96,2, t& Bäv. 62,6. 92,5, fji Hym. 22,6, frä Hav 
98,3, m& Gr. 34,9, nä AIt. 2,3, sä Gud. m 9,3, sji Alv. 14,5 
sM Lok. 46.4, svÄ Hiv. 190,11, tvÄ Hym. 9.3, vÄ Hyndl 
25,10, I» ^T. 18,1, t)r4 Lok. 39,3. 

U HiT. 76,1, kn6 ^r. 60,6. Hym. 31,1, s6 Gr. 4,2. Hiv. 37,2 

I Lok. 18,3 u. ö. Sk. 14.3. 30,3. Vai. 19,5. Alv. 12,6. Vtr 
10,6. |)vt H. Hi. 33,10. 

drö Gr. 49,5, lö Lok. 55,4. 

kä Häv. 70,3, an Rig. 23,5 (äsbrü Gr. 29,7). 

Besonders beliebt sind &, frä und L 

Auch Versau^änge mit offenem EQatua sind nicht selten- 
bni Häv. 82,6. glöa Alv. 5,3. hlöa Gr. 20,9. rta Hym. 17.3 
20,8. H^T. 81,2; auch kann ausser dem Vokal noch ein Con 
sonant auf den lai^n Vokal folgen: nur Hav. 120,9, träi 
H&v. 118,8, a6it Hav. 108,7; oder s(^ar zwei Consonanten 
öumk Sk. 16,4, firtask Häv. 78,4. 



425 

In flU solchen lUkn behemcht der lange offene Vokal 
den VerBaaagang. 

ß) Langer Vokal, beeondera i, vor r iat beliebt, namentlich 
in den GrimnismU. 

in Big. 484, här Gr. 2,2, mär Lok. 14,5, B6r Lok. 15,5. 
Gr. 6,5, ^ Sk. 4,1. 

byr HyndL 1,4, naer Gr. 28,11. 

f) Sehr beliebt ist der Versauagang — ^an. 

Diesen Anslant haben Aceusative wie hverjan und Adverbia 
wie ofan u. s. w. gemein; femer z. B. sjflfan Vgl. 59,8, angan 
V^L 54,8. 

d) Von einzelnen öfter wiederkehrenden Versschlüssen 
merke ich an: orlgglausa Vgl 20,8, TÜjalanss Vkv. 12,4, ästa* 
lanss Heb:. 5,7, bhUtalansa Gud. n 41,3; i mar V9I. 59,2. Hym. 
24,6; <tevidra apa Gr. 34,3, öBvim[iB apa Fil 11,8; sklnanda godi 
Gr. 38,3. Sgdr. 15,2. — In der Big; oft at {»t: 6. 9. 14 usw. — 

Ans dem Sprachstofi selbst erklärt sich, dass Nasale und 
r am häufigsten schhessen. Doch suchen einige Gedichte 
vokalischen Auslaut (auch mit kurzem Vokal und in zwd- 
fiilbigen Worten), besonders Härb: HArb. 16 und 18 z. B. haben 
last nur vokalische Schlüsse. — 

Es versteht sich, dass die angeführten Worte sämmtüch 
auch ausserhalb des Versschlusses vorkommen. Für hverjan 
und i wurden schon Beispiele angeführt; ebenso steht z. B. 
Veg. 4,2 austan im Innern des Verses, Härb. 14,2 hMan. 

Natürlich kommt auch hier wieder die Stellung in der 
Strophe in Betracht. Die zweiten Verse schliessen gern ein- 
silbig, die Langverse also sind meist stumpf; aber der achte 
Vers ist doch wieder meist kling^id. Dies oft angestrebte 
System ist in der Hymi8kvi|)a mehrmals erreicht, z. B. Hym. 3,8. 
Auch ist dies Gedicht besonders streng in der Gewohnheit, in 
beiden Halbversen klingenden und stumpfen Ausgang wechseln 



xa Itnofin — nur ' tp tii w difl JTuhlnMwrflw «i Hg*""""*"*" , wo 
beidemal zreisilbiger Veruasluit beliebt ist; bo Hfm. 9. 32. 38. . 
Die j^tmlngi'a der mhd. Poesie, in der kliogoule Weise and 
stampfe Venseile sich regelrnttssig entsprechen (Soherer Zs. f. i. 
Alt, 17,669), wird Jedem einleochten. Die Hymiakvi^ hat 
onlte Gewohnheit nur sotgOltiger dnrchgefOhrt; denn die 
Velondarkrifia hat dieselbe Regel, i. B. VW. 38: ebenso die 
VslospA, s. B. VftL 34. Dagegen führen die jflngeran Gredichte 
aberwiegend klingenden Versausgang dorch, besonden Guit. Q, 
1. B. 15 und 29. — 

Beobachtungen über altgerm. Vetaschlüsse sind mir sonst 
kaum vorgekommen. Ist doch du Stadium des >lfamaraB< 
im Sinn der alten Stilistik bei uns noch in den Anfingen. In ^ 
der lateioischen Dichtung hat man Qrpigche Versscblüese liingitf 
beachtet (Teuffei Geschichte der röm. Lit. § 272, Anm. Z}_ 
Für die deutsche Poesie kenne ich keinerlei Besprechung; naar 
über charakterifitische S&tzausgänge in deutscher Prosa findeca 
sich einige wichtige Bemerkungen in Jean Pauls Voischule der 
Aesthetik (Werke 18,389 f.) — freilich noch weit abstehend 
von der Sorgfalt, die die französischen Prosaiker ihren Perioden- 
Bchläesen widmen (Flaubert über seine *chates de phrasex, 
Journal des Groncourt n 14). — 

Weit weniger als stehende Versausgänge sind typische , 
Versanfänge ausgebildet. Fast immer gehören sie Formeln i 
an: entweder Versen, die in dem einzelnen Gedicht wieder- I 
kehren (G^^nrefrain) oder solchen, die sich überhaupt öften ! 
ßnden (AbBchaitteformehi wie mil er — Vsl. 17,1, upp reis — | 
Veg. 2,1 üti stod, — Vkv. 16.30,1, H. H. I 49,6, Brot. 6,1). - 
Einige Wortgruppen treten doch auch hier stärker hervor. 

I. a) Zahlworts stehen in der Regel am Versanfang: 

einn Brot. 7,1. 12,7, ein Sig. sk. 16,1, einu Sig. sk. 18,1, 
einni Sig. sk. 37,2. 



427 

tveir H4v. 73,1. ^rjin Vql 23,3, Gr. 31,1, fimm hundrud 
Grim. 23,1. 

ß) Ebenso unbestimmte Zeitangaben: 

morgin Vgl 9,7, aptan Big. sk. 6,2. 8,4. 

f) Einen häufigen Versanfang liefern Demonstrativa. 

{»adan koma — VqI. 22,6. 23,1, Hyndl. 42,5, H. Hi. 28,8. 

Iwur kemr — VqI. 67. 68,1, Hyndl. 44,1. 

n. Auch hier sind einsilbige Anfangsworte mit offenem 
"^okal bdiebt 

flö j)Ä — I)r. 4,5 = 8,1, flö — Sig. sk. 23,1. 

hlö — {>r. 31,1 u. ö. (auch in der Abschnittsformel, vgl. 
^, 375.4. e). — 

Im Allgemeinen scheint also für die Versanfänge zu gelten, 
^ass hier gern spedelle Begriffe stehen wie im Versschluss allge- 
^^eine. Bei dem engen Raum des Halbverses muss aber an den 
^'^ersanfang schon fast jedes selbständige Wort kommen, das man 
nicht an den wichtigeren Versschluss stellen wilL Der Versan- 
iang ist in der altgerm. Poesie vom Versschluss abhängig. — 

Die Häufigkeit bestinmiter Worte im Versschluss und 
liftpA^li anderer im Versanfang wird also durch das sprachhche 
Material bedingt: zunächst durch den Sprachstoff überhaupt, 
dann spedell durch den poetischen Wortschatz. Dies ist von 
ältester Zeit her so gewesen, und die Versschlüsse in ihrer Ab- 
hängigkeit von dem jeweihgen Vorrath behebter Worte können 
daher cur Altersbestunmung der Gedichte beitragen; nur ist zu 
bedenken, dass gerade an solchen Stellen veraltete Worte länger 
haften und kleben, als in dem freierer Verfügung zugänglichen 
Raum. Eine ganze Schicht von Strophenausgängen ist aber an 
sich für relative Jugend der Geschichte beweisend. Auch hier 
nämlich wiederholt sich das von uns nun schon so oft beob- 
achtete Schauspiel der Verdichtung. Ich habe früher für die 
mhd. Poesie nachgewiesen, wie jüngere Perioden es lieben^ 



formelhafte Verse älterer Zeit in den Vers einzustellen (Zs. f. 
d. Alt. 29,169). Diese »Einstellung«, d. h. wie ich es damals 
definirte^ »die Condensirung eines alten ganzen Verses zu einem 
Theil des neoent seigt sich nun yeroinselt schon in der altn. 
Poesie, massenhaft in der ss« Dlditong. 

Tnnertialh der Edda weisen solehe Fllle besoodsn swei Ge- 
dichte aafi deren Inhalt ebsnfsDs die AufsiiieitQng Ilnnt poetisch 
gefestigten Stoffs bildet: die mythologische Lokasenna und dis 
gnomischen H&yamAl. Ein alter foimelhatter Vers ist s. B. 
»fyr j9rd nedioic (Vgl 44,6, >r. 7,4, ähnlich V9L 5,8); Lok. 23,5 
ist das Versschhiss sn einem fremden Stabwort geworden: 
yarta fyr j9rd nedän. — Wir besprachen die altgenn. »Defini- 
ti<msfonnelnc mui fanden dort als beliebteste Schatte fOr 
Fhuien die Mannstollheit, mid trafen fOr eine solche Sdielt- 
Strophe ein altes Mnster in ^. 12. Dort fflllt »yergjamastac 
wirkungsvoll einm gansoi Vers; Lok. 17,3 ist derselbe Super- 
lativ, 26,3 der Positiv mit der Cq[>nla in einen Vexs 
g nan.TnTwiincf ftH rMjnflr t- —- In den H&vamÜ sind ftolffher BinsteDmuT 

besonders Strophen verdächtig, die mit dem schon behandelten 
Mittd der Wortanfnahme künstlich mid oft gewaltsam aneinander 
gebunden sind. So ist »frödr {»ykkiskc EUv. 31,1 ein formel- 
hafter Vers, wie die Vergleichung mit 28,1, frödr Bi j^ykkiak 
lehrt; aber margr {>ä frödr {)ykkisk 30,4 ist gewiss jüngere 
Nachbildung. Auch von den oben schon angeführten beiden 
Vereen der nicht sehr alten GrimniBmiÜi macht wenigstens der 
eine einen ähnlichen Eindruck: 34,3 im Vergeh mit F^ 
11,3 und 38,3; dagegen scheinen Gr. 38,3 und Sgdr. 15,2 beide 
jüngere Entwicklungen: beide scheinen nicht aus einem Ouss, 
sondern durch Einschmelzung fertiger Stücke gewixmen. Der 
alte Vers wird einfach sktnanda godi gelautet haben, wie 
die Participialverse der alten Priamel H&v. 84 f. : brestanda 
hoga. 



429 



In groflsem HaaaBstab leiigt nun der Heliand fär die 
Veneinstellnng. 

Bin formelhafter age. Ven« und nodi dasu einer ans 
junger, ohrisüicher Zeit, ist >of {neee vorulde« Met. 14,10; das 
wird Bchon ags. VersBchluBs: gevanod on {naee vorulde Gen. 481 
gevitnad fore pieae vorulde Hy. 4,79 und so sahllose Mal im 
HeL: uuarun an thesaro uueroldi 157 a, uuanum te theaaro 
uueroldi 168 a, uuesan an theearo uueroldi 211a, u< b. 1; Hei. 
I — ALL, alao in den ersten 1019 Versen steht uueroldi, meist 
thesaro uueroldi, 25 mal am Schluss des ersten HalbversesI 
— Femer steht mit demselben Schlusswort Met. 8,41 »geond 
J>äs vidan veoruld«, ebenso 11,95. 13,65 ' (Sievers Heliand 406 
Anm. 11), ebenso noch HeL 136 a an thesero uuidun uuerold, 
349 a. 387 a obar thesa uuidun uuerold, 281a an these uuidon 
uuerold, 1132 af thesaro uuidun uuerold: überall hier ist der 
Kiirzvers durch die früh gefestigte Verbindung des Endwortes 
mit einem alliterirenden Epitheton vor der Einstellung geschützt 
worden; aber ein völlig synonymer alter Kurzvers ist Vers- 
schluss geworden 1656 a: that mugi an thesaro bredun uuerold. 

Selten steht altn. »midgard« am Ende: so Vgl. 7,3. Oefter 
ags., so Zaub. V A und B 4 gand (ofer) ealne middaogeai-d. 
HeL 1398 a steht es am Versschluss in einer Zeile, die offen- 
bar jenen eben besprochenen nachgebildet ist: an ihesoro 
middügard; hier ist es noch wie in allen altn. Fällen und wie 
Musp. 54 einziges Stabwort und alliterirt wie Grim. 41,4 mit 
mann — eine gewiss alte Verbindung; ebenso 1712a. Aber 
1301a sind die beiden alten Reimworte (grade wie in, Zwillings- 
formein) aus zwei Kurzvereen in einen gedrückt: mann an 
thesaro middilgardun ; als drittes Reimwort steht muod, wel- 
ches Vgl. 58,5 als einziger Reim auf midgard antwortet. 

Ein typischer Kurzvers der Edda ist »af — hug« mit Ad- 
jectiv: af Qllum hug H. H. n 14,6, Grip. 47,6 af grimmum 



480 

bog Sig. sk. 9,8, ähnlich n^ lUan bog H. H. II 16,3. In dar 

u. Erangelienharmonie wiid dieeem Schlagwort ala zweit« 
Reimwoit das HÜlSTerb haben beigefOgt and dem Granzen 
□nu noch allerlei Torgesobobea: boand hie habda starku 
hngi Hd. 29b thorii imian Btarkan bogi 3946a. Aach bis 
können wir die früheren Stadien beobachten: schon aga. schmilit 
daa Hälbverb an, s. B. Gen. 447 h&fde h]rge stränge, eben» 
HeL 73 im zweiten Halbren habda fenbtan bogi, vgl. 1238b; 
aber erat aa. war ein Vemmgeheaer möglich wie l&&9b bo 
buoat so tha is so tharu ferehtan bagi! 

Wir haben damit aach schon ein Beispiel ffir die bdieb- 
teste Art, alte KotxrerBe zu neuen Vergtheilen zu machen. Es 
ist die Zafügung von Hilfsverbis. Vereinzelt können wir 
aucb diese schon in der Edda beobachten: der Vers Hiv. 46,4 
z. B. wird auf diese Weise Atbn. 71,6 zum Maasa des MAlabAttr ge- 
dehnt: ok um bog maela — kunni um hug maela. Oder ein alter 
LjöJtabÄttschluss *'^t verda |>eir baugar at banat Fit. 9. 20,6 
wird so zu einem Kvi]>uhätt-Lai^er8 : |>eir munu |>^r baugu 
at bana verda Gud. I 21,7 — 8. Im Heliand aber wimmeln 
die scoldi uuoldi muosti mahti, und fast jeder Vers, den sie 
Bcbliessen, ist der Aufblasung verdächtig. So bat sieb eist 
auf weatgerm. Boden das Suffix — acipi zu solcher Beliebtheit 
entwickelt, dass es häufige Versschlüsse liefern kann: lind- 
scepi 44a heriscipie 55a jungerscepi 92a. 110a gibodacepe 
1388. 301a u. a. w. Aber selbst dieser speciell as. Versaua- 
gang kann dem Hilfsverb nicht widerstehen: huo aia is 
gibodscip- scoldin 8b. Es ist das ein poetisches Hülfsmittei, 
das die Kunstdichter aller Zeiten lieben. Wie die mbd. Poetea 
mit dem Hilfsverb spielen, so achreibt Chamiseo an Gustaf 
Schwab: >Wir pfiegten in unserer Strebezeit scherzweise neben 
der deutschen auch eine aooettische Sprache anzunehmen . . • 
vor allen Dingen aber das imuss« 'WiU« imagf um mit den 



431 

Miääv wa reizneD« (Leben und Briefe Ton Adalbert von Cba- 
miMlI 19S). 

Auf dieie Webe gewinnt die Diction im Hei. ein total 
VKiDderlei Aneeehen. Die Edda stellt an den VersBchlnBs 
tek» naehdrBckliche Worte. Der Heliand beläast sie da oft 
im cnten Halbvere, im zweiten hängt er am liebsten Hilfe- 
ittte an. 80 entsteht der seltsame as. Vers, in dem die alten 
Butte tmverdant hemmschwimmen. Bezeichne ich einen alt- 
|BniL Kmsvers als ab nnd Znsätze im ersten Halbvers als a, 
im sweiten als ^, so sieht ein as. Langvers gewöhnlich so aus: 
a i b — ab ß. Der alte Vers wird eingewickelt in Flickworte. 
Dnd wieder ist darin die altn. Poesie schon mit schlechtem 
Uspiel vorangegangen. Völlig unnütz steht Häv. 146,2 das 
l^iitheton: ef mist verSr |>Qrf würde genügen. Aber wie hier 
iQdkilc angehängt ist, so endlos oft im Hei.: niud mikil 182b 
cmft mikil 198a. 899a. 840b. 866b mancrait mikil 792a 
laegmeraft mikU 2734 a giuuit mikil 209b. 575b. 689b. 1278b, 
isDer unillo lioht uuerk uuilspel tharf folc meginfolc gilp sine 
sdkiL 

Weniger ans der Neigung, den Vers zu verlängern, ale 
na dem Ungeschick, den Stoff zu bewältigen, geht es hervor, 
woui wie Slisverba nnd müssige Adjectiva drittens ungemein 
oft »godes« einem fertigen Vers angehängt wird: 2a. 7a. 10b. 
Üb. 17a. 42b. 49a. 87b. 192b. 205b u. s. f. ohne Ende, 
10 dasB hier nnord mäht gibod craft u. s. w. die eigentlichen 
Sdünssworte sind. 

Selten decken sich Heliandverse auch nur mit otfridischen, 
^ z. B. so man herren scal Hei. 1116 wie 0. I 5,136 so 
man zi frowun scal 0. I 23,14b, so man druhtine scal vgl. I 
25j22b. n 8,16 u. s. w. Dies ist ein zweiter Halbvers, und 
im zweiten Halbvers vorzugsweise steht auch der einzige ty- 
pische Schluss, den der Heliand noch mit der Edda theilt: 



43S 

dw AdveiUt der Bichtimg wie hturod 121b. S76b, hood 
137b, thaiM 466b. 544b, tbonaa &31b. 6&0b tmd aehi oft 
OBtaa 641b (dagegen oitaiu 689 a. 694a). TJeberfaaapt und die 
Halbrene hisim venchieden; emig aber sind ne dacm, dan 
ne BtompfeD AuBgmg meiden, doch beilicli der erste noch 
melu. Wo dieser vorkommt, liegt faat allemal ein alter Vtn 
tot; wie alto. bTfltjan dag, ags. andlangoe dSg u. dergL hiufig 
ist, Bo findet man in Heliaodvene eingebaat (ao nnit in so) 
mimugan dag 166b, (bidon) allan dag 174b, (endi them anerod^ 
allan dag 874b, allan langan dag 966a. 2080a. 2818a. Son« 
aber mnd beliebte aa. Versauagftnge 

1. für den asten Halbvert: aooid unordon aailleon aoe- 
rold uoeroldi, Adverbia auf -lice, zweisilbige Praeteritalfonnec 

2. füi den zweiten Halbvers: herod thanau u. s. «., 
drobtin, aftei tbiu. Formen der Hilfsverbs,. 

Im Einzelnen sonderbare Verschiedenheiten: — scepi in 
ersten, — scapu, namentlich giscapu meist im zweiten; mäht 
godes, gibod godes, bam godee in b, aber craft godee in a, 
und ebenso craft mikü in a, während -sonst — mikil fut 
stets in b. — 

Der as. Vera ist also nur das Kesultat einer UebertreibuDg 
früh begonnener Neuerungen. Schon spate Eddastn^hen in 
HAv. Lok. Grim. Athn. n. s. w. haben Einstellung alter Vene; 
die ags. Dichtung, wie sie die Zwillii^foTiDeln cultivirt, treibt 
auch in unveränderte Verse das Stabwort hinein, welches Bonst 
auf dieselben zu antworten päegte; das as. Gredicht scheut fast 
den alten einfachen Vers, schlägt ihm in der ersten HalbieUe 
Worte vor und hängt ihm in der zweiten neue Schlussworte 
an. Wie die alten Historiker Sätze der römischen Geschicht- 
schteiber in die eigene Erzählung einbrockten, wie volleods 
die mittellateinische Dichtung von der Umkleidung classischer 
Reminiscenzen lebt, so steht — was die Form angeht — der 



433 

Dichter des Heliand zur altgerm. Poesie. Hilfsverba, Flick- 
worte, aber auch theologische Termini dienen als Mörtel, um 
die Stücke alten Marmors zu binden und nach aussen zu ver- 
kleiden; aber oft genug blickt und bUtzt noch ein schnee- 
weissee, feingemeisseltes Stück hervor und sjnnbolisirt das 
Hereinragen heidnischer Anschauimgen in die christHche Gre- 
dankenwelt, das Vilmar so schön behandelt hat. Die altgerm. 
Neigung zur Häufung der Worte hat im Heliand von der 
alten Anhäufung wichtiger und vielsagender S^nionyma sich zu 
der AufschicJitung müssiger Hülfsworte verirrt. — 



Capitel Tm. 



Sitze. 



§ 23. Häufung. 

Natürlich gehört einf nähere Betrachtung des poetischen 
Satzbaus in eine altgerm. Stilistik, nicht hierher. Wir haben 
nur noch Vereinzeltes aufzulesen. 

Formelhaft ist der Satzbau in der altgerm. Poesie, soweit 
metrische Regeln eine bestimmte Stellung der Satzgüeder ver- 
langen. Rieger und Riese haben in lehrreicher Weise diese 
schwierige Frage abgehandelt. Formelhaft ist er aber auch, 
wenn er inhaltlich den poetischen Regeln nachgiebt, vor allem 
wenn die Sätze auseinandergereiht werden durch jenes Grund - 
princip der Tautologie. 

Schon die Parallelverspaare sind ein Fall dieser nicht sel- 
tenen Erscheinung: der Häufung, der Aneinanderreihung von 

M«7«r, Altgermaiiische Poesie. ^^ 



mehr alß zwei entsprechenden Gliedern in asyndetischer oder 
polyayndetischer Form. Den breitesten Raum nimmt die Häu- 
fung, in den späteren Heldenliedern» vor allem Gud. H und 
AÜm. ein; die Strophe Atlm. 36 & B. hat schon gans dae Ze^ 
hackte und Banhe» das fBr SpieTinamiahaBadim beMÜdmend iit; 

ff 

diee laed trilgt ja flbeiliaiqit edioii TBUg eiiua apiiihnenmh 
miflogen AnatDch. Eben dimm tagt h i nVelalHga d eo be Za- 
schnitt, die Freude dann, GleiehartigeB uid üng^eiehartigeB 

• 

snsammensawürfehi, der derb hnmoristiflche Ton, der sogar in 
ernsten Momenten dnrchachUgt (Atizn. 59 — 00)^ die hanebacksne 
Moral — all dies hat sich breit fortentwickelt in der gnomischeiaL 
Anwendung und Weiterfaildnng der Häufung; der Priamel, die 
in den H^yamAl die bekannte, immerhin noch vomehm ge- 
haltene Vertretung findet (Häv. 801, yj^ Mttllenhoff D. Alt S. 861; 
priamelähnlich sind auch andere Strophen, wie s. B, H&v. 136. 
141). Inhaltlich ist zu der Priamel von der rechten Zeit tum 
Loben zu bemerken, dass sie auf uralter Tradition bemlit; 
nicht nur lautet der Anfang (At kveldi skal dag Isjfa HIy. 
80,1) fast wörtlich wie der bekannte weise Ausspruch, mit dem 
nach Herodot schon Selon den Eroisos gewarnt haben sdl, 
sondern eben&lls in Priamelf orm . finden sich zwei Mal sehr 
ähnliche Sprüche in der finnischen Yolkspoesie, die (wie die 
germanischen Lehnwörter im Finnischen) alter Torhietorischer 
Berührung beider Völker entstammt sein könnten: 

Rühm dein neues Boss erst morgen, 
Deine Frau im zweiten Jahre, 
Erst im dritten deinen Schwager 
Und dich selber nie im Leben. 

(Paul Eanteletar S. 148). 

Rühm dein Rose nicht vor dem Morgen, 
Nicht den Sohn, bevor er Mann ist, 



' 435 

i 

r ^ Nicht die Tochter vor der Ehe, 

1* Und dich eelbet nicht vor dem Tode. 

i (ebd. 165). 

r Von den altn. Vereen stimmen dazu genau mey er gefin 

^ (60,4) und tmgenau konu er brend er (80,2). Die BinnvoUe 
Klimax besonders in der ersten finnischen Stelle setzt eine 
höhere Eunstform der dort zu Grunde liegenden Priamel voraus. 
Dass wirklich die Form der Priamel in älteste Zeit zurück- 
geht, beweisen schon alte indische und hebräische Beispiele 
(vgL Bergmann La priamäle). Für die germanische Priamel aber 
hMt Bergmann (aao. 25 f.) biblischen Ursprung behauptet, was 
tnir gänzlich unhaltbar scheint. Nicht wahrscheinlicher ist mir 
die Ansicht, die Wendeler (de praeambulis eorumque historia) 
mit grosser Umständlichkeit und geringer Klarheit vorgetragen hat. 
Vielniehr scheint mir die Priamel in der Figur der Häufung ihren 
natürlichen imd sichern Boden zu besitzen, dem ja so viele 
Erscheinungen der altgerm. Poesie entsprossen sind. Ebenso- 
wenig steht die formelle Entwicklung ohne Analogien da. Wir 
sahen schon bei den Parallelversen, wie an ein festes Verspaar 
eine unbestimmte Zahl von analog gebauten Versen sich anhängt 
(vgl. & 385,6). Eine solche Versreihe nun, besonders wenn 
der fertige Satz wie Hyndl. 33 am Schluss steht, ist der Form 
nach schon fast eine Priamel. Die eigentliche Priamel entsteht 
bei genauerer Oekonomie der Einzelzeilen, die alle auf den ab- 
schliessenden SchluBssatz berechnet werden, imd ist unter diesem 
Gesichtspunkt leicht als eine Art Aufblasung des anaphorischen 
Dreizeilers zu verstehen: bei diesem wird an ein Paar symme- 
trisch gebauter Verse gleich die Abschlusszeile gefügt, bei der 
Priamel werden erst noch die Vorbereitungszeilen vervielfältigt. 
Ganz ähnlich steht in der Geschichte der Dichtungsformen die 
italienische Terzine zum Ritomell oder das persische Ghasel 
zum Rubai: Anfang und Schluse bleiben unverändert, der 

28* 



Haupttheil aber wird vemelfältigt. Und zwar hat dieser Kunst- 
griff des Ausspinnens bei der Pnamel die einfachste Form. 
weil das vervielfachte Glied ein einfacher Satz und Vers kt: 
aus a / a/ ab wird a / a : a : a . . . / ab. Es wird gleidunm das 
Dach in die Höhe gehoben^ond das Haas um^ mehrere Stock- 
werke erhöht^ wflhrend Fnndament und Dach ihre alte Gestalt 
bewahren. — Das Ohasel scheint auch Kfa>fi<^Kfli<^i* seiner Art 
der Verwendung in gnomischer Tendern mit loser Ffiguig der 
Glieder der Priamel ähnlichTsa sein. — 

Ueber die Häufung im Allgemeinen y^^ ffir Cynewolf 
Jansen S. 81f., für Caedmon Ziegler S. 66L üeber die Pkiaiad 
spedell die schon dtirten Abhandlungen von Bergmann fmd 
Wendeler. — 

Kurz will ich noch auf eine andere Form» die Hiafong 
zu r^eln, hinweisen: auf die Klimax. Soweit dieselbe im 
Aufbau ganzer Gedichte zur Erscheinung kommt» haben wir 
im Schlussparagraphen darüber zu handeln ; kunstmissige Ver 
Wendung der Klimay in einzelnen Versen ist selten und geht 
nicht über drei Glieder heraus: iQng er nött, langar 'ra tfier, 
hvi um f)re3r]ak |)rjdr? Skim. 42,1 — 3; nt - iSasi • fyrii fwt 
Gr. 64,1—3; mjgk bifaßk — bifdisk hflfu meirr Akv. 23,7—9 
und litt bifask — bifdisk svagi mjQk 25,7 — 9 — alle vier 
Fälle in direkter Rede. — Merkwürdig ist die Zahlen-Steige- 
rung in dem interessantesten der ags. Zaubersprüche : säet smii, 
sloh seax lytel — syx smidas saetan, waelspera vorhtan 2Saab. 
n 13 — 16. — Natürlich beruht allemal die Verwendung der 
Klimax auf künstlerischer Absicht. — 



: 



§ 24. Vergleich und Metapher. 

In anderem Zusammenhang versuchten wir bereits die 
Vergleiche der altgerm. Poesie auf ihren Greist zu prüfen und 



4'.v Dichtung. Hier kommt (?.-- daraiii iiü, lUlder mul Gegeij- 
bilder (wie bei den Kenningen) noch einmal vollständig 
mammenziutellen. Vgl. Heinzel S. 16 f. A. Hofbnann Der 
bfldiche Ausdrock im Beovulf und in der Edda (I Diss. Bres- 
lau 1882, und I und n in den Englischen Studien ^^ 163 f.)- 
Bei den Vergleichen sehen wir wieder deutlich geschiedene 
Stufen in der Entwicklung der poetischen Sprache. Nicht nur 
die beiden grossen Gruppen, Vergleich d. h. bewusste und 
iiachdrückliche Gleichsetzung, und Metapher d. h. lässiger, her- 
gebrachter bildlicher Ausdruck fallen auseinander; sondern auch 
innerhalb der Vergleiche hegen getrennte Schichten vor unsem 
Augen. Vor allem bei den Bildern aus dem Thierreich: altn. 
eine Fülle wechselnder Gleichnisse voll lebendiger Anschauung, 
ags. (ausser dem entlehnten Bilde in dem Gedicht bi manna 
lease) nur noch zwei Vergleichungen. Und diese sind noch 
von wirkungsvoller Einzelbenennung zum blassen GattungsbegriS 
herabgesunken (Vogel statt Adler, wildes Thier statt Bär s. o. 
S. 115). Auch formelle Erschöpfung zeigt sich hier wie in den 
meisten ags. Bildern in dem typischen »gelicost«. — Umgekehrt 
die Vergleichungen aus dem menschlichen Leben tauchen erst 
in späten Eddaliedern auf, um ags. breit und lebensvoll sich 
KU entfalten; es sind dies die einzigen Gleichnisse der ags. 
Alliterationspoesie, die noch nicht zu kahlen Metaphern erstarrt 
sind — natürlich, denn sie heben in dieser Epoche frisch an. 
Grillparzer macht einmal (Werke 9,216) die Bemerkimg: 
»Merkwürdig, dass Dantes Gleichnisse fast nie von leblosen 
Dingen, sondern immer von menschlichen Handlungen und 
Zuständen hergenommen sind.« Nennt man nur ein noch 
frisches, gefühltes Bild Gleichniss und wirft die andern imter 
die Metaphern, so könnte man von der ags. Dichtung dasselbe 
sagen. Es ist biblische Art, besonders neutestamenÜiche, die 



hier befruchtend und zerstörend zugleich eintrat. — Die Bilder 
aus dem Pflanzenreich wieder, altn. treulich die Vertrautheit 
mit dem Walde abspiegelnd und die Freude an stattlichen 
B&amen, die diese göttlich yerehiea liees — ags. sind sie spur 
loe venchwimdeiL Gecmger ist die Vewehiedenheit in den 
andern beiden Grappea; aber wie viel fEiaoher und lebendiger 
ist anoh ^nt» des eddieobe OleiobniMl 

üeber die Gelegenheiten» bei denen Veigleichiingen ein- 
treten» handelt lehrreich A« HbSmann aao. S. 198. — 

Altn. geht in der Begel das Verglichene dem sa Yer 
gleichenden voraus; die typische Form ist svA eir — sem — 
(doch z. B. Härb. 60,1. 62.8 geht das Bild voran). Das ist 
anch ags. noch die Begel, doch pflegt die Winfnhrnng dm 
Gleichnisses sa fehlen; esheisstnor » — geUcoetc, appodtiondl 
nachgesetzt. — H&oiangen von Mdem wie altn. in H. H. 11 
und Gnd. n fehlen ags., so breit anagefflhrte Gleichnisse wie 
in Cii, Beöv. und LeAs fehlen wieder altn. In der Edda pflegen 
die verglichenen Dinge gleichgesetrt zu werden» doch HÜt. 61,1, 
R. 28,11, Sig. sk. 66,3 wird das tertimn oompaiationia dm 
Gegenbild in gesteigertem Grade zugesprochen. Das ist agB. 
häufiger: Cri. 1242. 1662, EL 566, SaL 488. -^ All diei 
rührt aus der einen Ursache, dass die Bilder ags. schon be- 
kannter, halb abgebraucht sind und wo sie nicht bloss als 
nebensächlicher Schmuck angehängt werden sollen, der Auf- 
frischung bedürfen. 

Die ags. Gleichnisse sind also fast nur noch Metaphern; 
es sind eben zur Zeit der ags. Dichtung die alten Yer^eiche, 
die in der Edda noch lebendig sind, zu lissig gebrauchten 
Bildern herabgesunken. Wie sich so in der ags. Dichtung die 
Vergleiche der Edda abgeblasst und verwischt vorfinden, 80 
bewahrt ihrerseits die Edda eine noch ältere Schicht von (u^ 
germanischen) Gleichnissen in ihren Metaphern. — Es ist be- 



439 






2 
31 



Mdmeod, dum die Vergleiche iaat stets substantiviBch, die 
Metqiheni fast stete verbal sind. — 

L Metaphern (vgL A. HofExnann aao. für die Edda S. 203 f. 
für Beovnlf 8. 214 f.). 

Altnordisch. 

1. Vom Menschen und menschlichen Lieben hergenommen. 

Ange: mgrg eru dags augu Häv. 81,4. 

Mörder: tunga er hQfude bani H. 73,2 üäiiA tonga vard 
Unxm at fj^rlagi H. 117,6. 

Menschliche Thätigkeit: 

essen und trinken: ok bland ek {>eim bvä meini mjQd 
Ix)k 3,6, fil var drokkit u. s. w. H. 66,4 — 6, eda tvau laer hen- 
gi u. s. w. H. 67,4 — 6 sorg etr hjarta H. 120,8 lezta eld ota 
jtfra bygdir H. Hi. 10,5; vgL auch bitat {)eim väpn n^ velir 
E 146,6 XL dgL m. 

schlafen: sakar ok heiptir hyggjat svefngar vera Sgdr. 

36.1, hvai hefir {)ü, hihnir, hildi vakda H. H. 11 7,1 (vgl. auch 
H Bofid Ufi Gud. hv. 2,2). 

wandern: at |)ü vid illu ejäir hvem veg at vinum Sgdr. 

37.2, en üti var daudr fyr durum Häv. 70,6 (vgl. das lat. 
Sprichwort »Hannibal ante portae«); vgl. auch hvarfla |>öttu hans 
Yfo^ med himins skautum Hyndl. 14,7 — 8. 

schiften: muna ydvart far alt i sundi Sig. sk. 53,5, i vatni 
H dmknar ef i vindi roer FAf. 11,4 — 5. 

ringen: hildingum a hüsi 6t6d H. H. 11 28,9 (ich erinnere 
an die Erzählung von Valerian: »Wenn zu Pferd stieg Arta- 
^erxeSy ungezahmten Stolz im Blick, Setzte seinen Fuss der 
^Önig auf Valerians Genick« Platen Tod des Carus, metapho- 
tisch 2. B. bei H, F. Sturz Schriften I 205: »er weidete sich 
schon an der Wollust, seinen Fusb auf den Kopf eines Philo* 
sophen zu setzen«). 

spielen: lOk h6n tveim ekjQldum Atlm. 71,8. 



440 

sterben: deyr K HAt. 75 — ^76,1 (eigentlich li^ aber die 
Ikfotsphflt hier in der Vervendtmg von Ü für «Schatsi). 

Tereimeltei : ef |iä eyss & holl regin, A |>ir mann ]iui 
|>erra Jiat Lok. 4,6, vgl. ok nAi haon ^nirfiaUr |irams Hav. 
30,6. — «7 getr kvikr kü Biv. 70,3 (was fast noch an die 
Qizeitliclien Kämpfe am Enhheerden erinaeit, von denea die 
Veden eizählen. InhalÜich entsprechen SchillerB Worte »Und 
der Ueberlebende hat Recht«. Holtanann Edda 107,70 findet 
den Sprach *za ein&ltig« I). 

Kaum metaphorisch zn nennen ist nii bera {>dr vAnar 
Tfil HAv. 77,3; ea ist wie die gaose Strophenhälfte mehg- 
sprichwörtlich, Vert^lgemeinerong eines TWnmlfnna tmd danui^ 
V. 1 im Praeteritum (ygl. allgemein Mällenhoff Zb. 18,1). 

2. Von Thieren und ihrem Thun. 

Nur ok Gunnari gröf til hjarta Odd. 29,5, gleichsam nie 
ein Wurm sich eingraben, — 

3. Von Naturgegenständen. 

Feuer: brann Brynhildi Budla döttur eldr er aogum (tgl. 
0. unter den Vergleichen) Gufl. I 27,3 — 6, — him of eägoiD 
atid lige gellcöst leöht unföger Beov. 726. — 

4. Von verarbeiteten Gegenständen. 

verfertigt werden; 4 hverfanda hveli vira {wdm hj&rtu skg- 
pud HAT. 83,4. Die berühmten Worte (vgl MOUenhofE D. 
Alt. 9. 2&9) sind nicht ganz klar, doch meinen sie wohl, das 
Weiberherz sei schwach und zerbrechlich wie ein Thongefäss, 
das bei dem leisesten Anstoss seinen Inhalt (hier den hinein- 
gelegten Trug) ausBchiitte. Dadurch berührt sich die Metapher* 
nahe mit den beiden folgenden. 

zerbrechen: sleit Fröda frid fjAnda A milli H. H. I 13,& 
— av4 var hön modug, mundi hön springa Gad. I 2,7 (iai 
lebhafter Anschauung heisst es noch spät: >Der treue Heiniicli 
hatte sich so betrübt . . . dass er drei eiserne Bande nm sein 



441 

Ben legen lassen, damit es ihm nicht vor Weh imd Traurig- 
keit lerspränge« Kindermäxchen von den Br. Grimm ^^4. Die 
Btuke Aehnlichkeit der altn. Stelle zeigt, dass Vilmar D. Altert. 
S. 24 das nhd. Citat in eineii falschen Zusammenhang stellt). — 
Auf der Grense zwischen mythologischer imd bildlich- 
metiphozisGher Ausdrucksweise stehen die Spottstrophen H. Hi. 
20—21. Mehr Kenning ist sä er varga vinr H. H. I 6,7. — 
Man wird nicht ohne Erstaunen sehen, dass in dieser 
ältesten Schicht von Gleichnissen, die schon zur Zeit der 
Abfassung der Eddalieder zu Metaphern abgegriffen waren, die 
BQder vom menschlichen Thun noch stärker überwiegen als in 
der chzistianisirten Poesie. Aber welch ein Zwischenraum 
tieont den einfachen Anthropomorphismus, der die gewöhn- 
lichsten menschlichen Beschäftigungen, wie essen, wandern, 
bmpfen auf Dinge überträgt, die sie nicht eigentlich zulassen, 
Von den gesuchten Vergleichen eng umschriebener specieller 
Hiätigkeit, wie die des Diebes, des Wächters, gar des Wüsten- 
Reisenden! Ja die älteste Cultur spiegelt sich ab in der Welt, 
die diese Metaphern skizziren. Sie kennt nur die einfachste 
Iliätigkeit der Menschen, und fast jede dieser Phrasen illustrirt 
einen der Sätze aus jenem Cap. 22 der Germania, dessen 
Xiebensordnung die Germanen noch zur Zeit der Hävamäl führen 
(Müllenhoff aao. S.257). Zuerst natürlich das Schlafen (Sgdr.36,1, 
H. H. II 7,1), dann das Begiessen mid Abtrocknen (Lok. 4,6, 
Häv. 30,6) — dies gehört freilich nicht zum Baden, aber nur 
einen taciteischen Satz weiter zur Einleitung des Mahls, vgl. 
HAv. 4 (Müllenhoff S. 255). Nun das Essen und Trinken selbst 
(Lok. 3,6, Häv. 66,4—6. 120,8, H. Hi. 10,5, vgl. Häv. 146,6 
u. dgl. m.) und dabei nicht selten der Mord, wobei der Aus- 
spruch Häv. 73,117 freihch das traciteische >rixae raro conviciis 
saepius caede et vulneribus transiguntur« corrigirt (vgl. Häv. 42). 
Dann das Spiel (Atlm. 71,8); gerade auch vom Spiel mit 



448 

WaSen, freilich vom Schwerttasx spncht Tadtiu C. 24, und 
der Sdiwerttaiu wud deutseh garsde ohne Schilde gespielt 
(anden als die grieohiwshe PTnhiche, s. Mflllenhoff Uebet 6sa 
Schwertertans). Daneben nodi dai Wandern (Sgdr. 37,1) und 
Sohifiea (FU. 11,4 — Ö, Sig. sk. 63,6); dar Bine^campf mit dem 
barbfldachen Triumph (H. H. tt 28,9); die erbeutete Kuh 
(H&v. 70,3, TgL I. B. GeldnerEaegi 70 Lieder des Rigveda 
S. 168, Amn. 3). Und von allem was menBcbliohe Konst- 
lertij^t schafft, nur das Uteste mid einfachste: das "nioi^iefiss 
von der Drehscheibe (Hav. 83,4). 

Wie wenig bieten daneben die ags. Metapheml Jene älteste 
Schicht hat sich hier fast verloren; nur B. 726 heisst es gans 
wie Gud. I 27 him of edgum stöd Uge geUcdst leöht uofiger 
(vgl übrigens schon Iliaa 1, 104 u. &.). TJi^d doch selbst hier ein 
Unterschied: altn. fehlt jedes Ve^eicbswort, ags. steht das 
imvermeidliche gelicost; d. h. in der eddischen Stelle haben 
wir fast noch ein lebendiges Bild, im Beovulf aber ist die 
Tergleichimg fast schon Metapher geworden. Und so hatten 
wir beinahe alle ags. Metaphern zu alta. Gleichnissen zu ge- 
sellen (vgl. Heinael S. 17, ten Brink. S. 25). IkEt andern 
Worten: die älteste Schicht, ich möchte sagen die Steinzeit der 
uigerm. Gleichnisse ist schon in der altn. Poesie rar Metapher 
verwittert; diejenige Schicht aber, die altn. breit ans vor Äugra 
liegt, ist in den modernen ags. Gedichten schon demselben 
Schicksal nah und eine dritte Epoche hebt dort an. — Biblisch 
sind Metaphern wie svearte gejjöhte Sat. 371, vgL 447 u. 575. 
Eine echt ags. Metapher ist dagegen brynevylmom B. 2336: 
diesem Seefahrervolk sieht es ähnlich, vom Flammenmeer la 
sprechen, woran die Skandinavier schwerlich gedacht hätten. 
Saum noch Metapher ist Gn. Ex. 73 la (sceal) brycgian. — 
Eine vollständige Sammlung und Besprechoog aller meta- 
phorischen Ausdrücke im ags. Epos entMlt die DissertaticHL 
von F. Gummere: The Anglo-sazon Metaphor (Halle 1881), gegen- 



£aMri»am^i^^>B*«M«a^k- - 



443 

deren Grandanschauung» als sei das Vergleichen überhaupt dem 
germanischen Wesen fremd, A. HofEmann (in der dtirten Ab- 
handlung) mit Recht Heinzeis Auffassung vertheidigt. — 

n. Vergleiche (A. HofiEmann aao. für die Edda, 6. 210, 
für Beov. 8. 216). 

A. Gegenstände der Vergleichung. 

Die Bilder sind genommen: 

1. aus dem menschlichen Leben. 

der Mensch selbst: unna f)öttumk . . . sem sjalfri mär 
Odd. 30,6. 

Bruder: [sem hann br6dir minn um borinn vaii Helr. 12,3) 
Bern Vit broedrum tveim of bomar vaerim, also »wie zweier 
Brüder Erzeugtet (Simrock) Odd. 10,7. 

Freund: Bvi, er audr sem augabragd, hann er valtastr vina 
Hiv. 77,4. 

Hierher auch sem fötr Qdrum Hamft. 14,4. — 

todter Mann: oferdrencte . . . svylce hi vaeron deade ge- 
slegene Jud. 31. 

Dieb : Cri. 868 L nach biblischem Vorbild ; vgl ten 
Brink aao. 6. 70. 

Wächter: {)onne se veard svefad B. 1741 f. 

Schütze : se |)e of fiänbogan fyrenum soeöted B. 1744—47. 

Wüstenfahrer: hu mag |)äm geveordan, 'pe on vtetenne 
m6de and metele^ mörland tryded u. s. w. EL 611 f. 

2. aus dem Thierreich. 

Wolf: sjaldan liggjandi ülfr laer um getr, ni sofandi madr 
sigr HAv. 58,4, sem grey noma Hamd. 28,3. — Wölfin: var- 
gjmjur väru |)aer en varla konur Harb. 39,1. 

Adler: gm ä aldinn mar; svd er madr — HAv. 62,3, sem 
emir ä kvisti Hamd. 29,4. 

Ross: Gvä er fridr kvenna — sem aki jö öbryddum ä isi 
hilum Häv. 89,1. 



-rMMh 



444 

Schlange: Qtul vära auga sem ymilmgi R. 34,7 — 8. 

Ziege (bei den Böcken): sem med b^from Heidrün fari 
Hyndl. 47,7. 

Elatze: konmig oneisan sem kattar son H. H. I 19,7. 

Greiss (vor dem Wolf): sem fyr nlfi ödftr rynni geitr af 
fjaJli geiskafullar H. H. n 36,5. 

Hirsch: svä var Sigurdt sem . . . hjQrtr bäbeinn mn 
hvQssmn dyrum Gud. 11 2,5. — Hierher gehört auch der Name 
der HaUe Heorot. — Hirschkalb: svä bar Helgi sem ... sä 
djrrkdlfr dgggu slunginn, er qM ferr Qllum dfrom, ok hom 
glöa vid himin sjWan H. H. 11 37,5. 

Habicht: na em ek svd fegin . . . sem dtfrekir 'Odins 
haukar H. H. H 42,1. 

Affe: noma döm {>ü munt fyr nesjum hafa ok cnrlgg dsvinns 
apa Fäf. 11,1. vgl. Hdv. 74,3. 

Bär: sem bjQm hryti Hamd. 25,4. — 

Vogel: fugle gelicost B. 218, An. 501. 

wildes Thier: svä vilde deör Jul. 597, Güth. 297. 879. 

Biene: anlice beöd, svä f)ä beön berad butn ätsomne u. s. w. 
— svä beöd gellce {)ä leäsan men Leas. 18 f. — 

3. aus dem Pflanzenreich. 

Föhre: hrgmar ^U — svä er madr Hdv. 50,1, (vgl. 
MüUenhofi D. Alt. S. 282). 

Esche (über Domen): svä bar Helgi . . . sem itrskapadr 
ask af I)ymi H. H. U 37,1. 

Lauch (über Halmen): svä var mlnn Sigurdr. . . sem 
vaeri geirlaukr or grasi vaxinn Gud. I 18,1; sem vaeri groenn 
laukr or grasi vaxinn Gud. H 2,1. 

Laub: nü em ek svä litil sem lauf s6 opt jQlstrum Gud. 
I 19,5. 

Birke: eda brendi mik sem birkinn vid Gud. H 12,9. 

Espe: einstoed em ek ordin sem Qsp i holti, fallin at 



445 

fraendum sem furaat kvieti, vadin at vilja sem vider at laufi 
Hamd. 6. — 

4. Andere Natargegenstände. 

Feuer: eldi heitaxi brennr '— fridr Häv. 61,1 [sem logi 
foeri HyndL 24,8, Ijös miMt svä sem eldr biyimi Sgdr. 2] — 
ßvylce eal Pinnsburh fyrenu vaere Pin. 36. 

Gold (über Silber): svi. var Sigurdr sem . . guU glödrautt 
of grii silfri Gnd. n 2,7 — svä smaete gold u. s. w. El. 1309 
—12, oder bid golde glädra Sal. 488. 

Sonne: |)onne on sumera sunne Bcined Dan. 275, sunnan 
gelice Sal. 307, simnan leohtxan Cri. 1242. 1652, ßvä of heo- 
fene hadre scined rodoree candel B. 1571, seo vlitescyne vul- 
dree condel Jul. 454. — 

Sonnenstrahl: svä var Svanhildr . . . sem vaeri soemleitr 
ßölar geisli Gud. hv. 15,5 — 8, ebenso Sig. sk. 5 — min se sv§- 
testa simnan scima Juliana Jul. 166. — 

Stern: gelle väs he |)am leohtrum steorrum Gen. 256 

Wmd: vinde gellcost El. 1272. 

Erde: oder bid gnmdum sveartra Sal. 488. 

Acker: akri arsänum trüi engl madr, ne til snemma 6}Td 
HA\, 88,1. 

Stein: heo vaeron stearce stane heardran El. 565. 

Sand: litilla sanda, htilla saeva, litil eru ged guma 
Häv. 53,1. 

Schnee: hals h\'itari hreird mjollu Rig. 28,11. 

Eiß: ise gelicoßt B. 1608 f. 
Verbal: svä var at heyra . . . sem bjgrg eda brim brotna 
mundi H. H. I 29,1. — 

5. Verarbeitete Naturgegenstände und andere Dinge. 
Altn. : Glas: nü er grjöt J)at at gleri ordit Hyndl. 10,3? 

Kleinod: svö var minn Sigurdr . . . sem . . . vaeri bjartr 
ßteinn ä band dreginn, jarknasteinn Gud. I 18,5. 



446 

Sohoh: emkat ek ni luelbUr aam hiidBkör fom & vir 
mah. 36. — 

AgB.: aiu: BTa pSX acut gUa Cri. 1283. 
Olaa oder Kleinod: srä'glas odOe gim Fh. 300 
Elemod: Btäne gelloAst, {dfu^om gimme o. s. w. Ph. 302, 
gimnuim gellctet Rtm. 11. 

Stahl: 8^ geUcdst B. 985. 

Wachs: bet vaepen vera veze gelictet Ao. 1147. — 
B. Tifiger der Veigleicbiing. 

1. UebennenBchliche Wesen. 

Gott: vergUchen mit der Sonne Cri. 1652. Engel: ver- 
glichen mit der Sonne Dan. 275; mit dem Sternen Gen. 256. 

Seele: lobend vei^cheo mit der Sonne Cri. 1242, mit 
dem Gold EL 1309. Sal. 488; tadehid mit dem Abgrund^ 
Sal. 488. 

Hierher auch der Vergleich der Erallen Grendels min 
dem Stahl B. 985. 

2. Menschen. 

Männer. Lobende Vergleiche a) ans dem menschlichen 
Leben nur verbal: Jemanden lieben wie sich selbst Odd. 30,6; 
zusammengehören wie die beiden Füsse Hamd. 14,4; ß) aus 
dem Thierreich: glänzendes Auge der Schlange R. 34,7; Eatzen- 
8ohn H. H. I 19,7; Hinich und Hirschkalb Gud. II 2,5; Bär 
Hamd. 25,4; r) aus dem PSanzenreich: Esche H. H. II 37,1; 
Lauch GuA. I 18,1. II 2,1; ^ mit anderen Natoig^enstSnden: 
Gold Gud. n 2,7; t) mit andern Dingen: Kleinod Gud. I 18,5. 

Tadehide Vergleiche a) Dieb Cri. 8681.; ß) Wolf H4v. 
58,4, Hamd. 28,3; Geiss (vor dem Wolf) H. H. H 36,6; Affe 
F4f. 11,1. — wüdes Thier Jul. 597, Göth. 247. 879; Bieao 
Leäs 18f; f) Pöhre H4v.50,l; 3) Irühbesäter Acker H4v. 88,1, 
Sand Häv 53,1 — Stein EL 565; c) Schuh Harb. Sb. — Hier 



447 

hs auch der Vergleich der Gedanken mit den Sandkörnern 
mv. 68,1. — 

Besdueibende Vergleiche a) todter Mann Gud. 31 ; Wäch- 
ter B. 17411; Schütse B. 17441.; WüBtenfahrer £1. 611f.; ß) 
Adkr Hiv. 62,8,. Haznd. 29,4. — Der Körper durchsichtig 
^ Glas Cxi. 1283. — 

Frauen. Lobende Vergleiche a) verbal: sich lieben wie 

Geschwisterkinder Odd. 10,7; ß) — ; f) — > ^ Sonnenstrahl 

Gut hv. 16,5, Sig. sk. 65, Jul. 166; Sonne Jul. 454; e) — 

-Sierher auch der Vergleich dee Halses mit dem Schnee R. 28,11. 

Taddnde Vergleiche a) —; ß) Wölfin IWrb. 39,1; Rosß 

Hiv. 89,1; Zi^e (bei. den Böcken) H. H. I 19,7; f) — ; ^ — • 

Beschreibende Vergleiche a) —; ß) Habicht H. H. H 

42,1 (von der Freude); r) Laub Gud. I 19,5; Birke Gud. n 

12,9; Espe Hamft. 6 (alle von der Trauer). — 

3. Thiere werden nicht durch Vergleiche geschildert. 
Doch hierher der Vergleich der Federn mit Glas und Edel- 
stein Ph. 300. 302. — 

4. Naturgegenstände. 

licht, Glanz: mit dem Feuer verglichen Hyndl. 24,8, 
Sgdr. 2. — B. 727, Fin. 36; mit der Sonne B. 1571. 

Sturm: verbal: wie wenn Berg und Brandung zerbrechen 
Bollte H. H. I 29,1. 

Eis: verglichen mit dem Edelstein Run. 11. — 

5. Verarbeitete Gegenstände. 
Mauern: wie Glas Hjudl. 10,3. 
Schiff: wie ein Vogel B. 218, An. 501. 

Verbal: die Waffen zerschmelzen wie das Eis B. 1608 f., 
^e das Wachs An. 1147f. — 

6. Abstracta. 

Freundschaft: dem Feuer verglichen Hdv. 51,1. 



448 

Reichthum: verglichen mit einem falschen Freund BAv. 
77,4, mit dem Winde EL 1272. — 

Ueberblicken wir auch diese Zusanmienstellung. 

Uebermenschliche Wesen werden nur in der christlichen 
Dichtung durch Gleichnisse geschildert, nie die heidnischen 
Götter. Diese ags. Bilder theilen den seligen Wesen den Glanz 
der Grestime (mit der Sonne wechselt wie sonst das Grold), den 
verfluchten Höllenschwärze zu, nach dem Schema der Predig- 
ten. — Interessanter ist die häufigste Gruppe: Vergleiche, die 
dem Menschen gelten. Darüber wurde Einiges schon oben 
bemerkt. Altn. werden alle Reiche herangezogen, besonders 
das Thier- \md Pflanzenreich, ags. sind die Gleichnisse für 
den ^lann aUe vom menschlichen Leben genommen; die Frau 
wird altn. dem Mann analog verglichen, ags. Juliana als seliges 
Wesen mit den Gestirnen. Die Gleichsetzung von Lichtglanz 
und Feuerschein ist allgemein. Hübsch ist das ags. Gleichniss, 
das das schimmernde ELs malt (Run. 11). — Ags. erhält das 
Schifi (An. 501) ein abgeblasstes Bildwort (und auch dies 
beruht noch auf der Quelle, worauf Herr Professor Zupitza 
mich aufmerksam machte). Verschiedene Phasen innerhalb der 
ags. Poesie bezeichnet es, wenn das Schmelzen der Waffen 
Anfangs (B. 1608 f) dem Schwinden des Eises verglichen wird, 
dann (An. 1147) dem Zerfliessen des Wachses. Das letztere 
ist die neuere Ausdrucksweise; es beruht auf directer Nach- 
ahmung der 7:pdHtQ\ die ältere Art steht noch der Natur 
näher, ja fast verräth sie mythologischen Hintergrund (man 
denke nur an das Zerrinnen des Lehmriesen vor Thörr). — 
Endlich ebenso characteristisch verschieden sind die Bilder 
für den Besitz (H. 77,4 — El. 1272). Beide schärfen seine 
Unzuverlässigkeit ein, aber dem heidnischen Germanen ist er 
doch etwas sehr Concretes, ein ungetreuer Freund, der ihn 
verlässt, aber doch selbst Bestand hat, oder doch wenigstens 



^-■«■I-- *a 



449 

BO gat wie der Mensch lebt iind stirbt (BUiv. 75—76); dem 
christlichen Angelsachsen ist er ein Nichts» ein WindeshauclL — 

Von den Vergleichen der Räthsel sehen inr hier ab, 
ebenso natürlich von den biblischen Gleichnissen. Dag^n 
darf man wohl die Traumbilder in den Atlamäl hierher ziehen, 
die ganz demselben Gedankenkreise angehören wie die eben 
gesammelten Bilder: 

Feuer: blaeju hugfia ek {dna brenna i eldi u. s. w. Atlm. 15. 

Bär: bjQm hugda ek hä: inn kominn Atlm. 16, vgL 17: 
bvitabjQm hugdir, I)ar mun hregg austan. 

Adler: gm hugda ek hä: inn flj6ga Atlm. 18, vgl. 19: 
opt er {Mit fyr 0xnum, er qtdm dreymir. 

Schlange (und Galgen): g0rvan hugda ek ^r galga — aeti 
])ik ormar AÜm. 21. 

Todter Mann: blödgan hugda ek maeki u. s. w. Atlm. 23, 
VgL 24: opt verdr glaumr hunda fyr geira flaugum. 

Strom: ä hugfia ek h^r inn renna u. s. w. Atlm. 25. 

Todte Weiber: konur hugfiak daufiar koma i nött hingat 
u. s. w. Atlm. 27. 

Natürlich sind diese Traumbilder unbestimmte Zeichnungen 
des kommenden Unglücks, gerade wie die Wimdererscheinungen 
und Träume vor Julius Caesars Tod, mit denen sie sich zum 
Theil direkt berühren: dem drohenden Bären entspricht dort, 
wie überhaupt in der antiken Thierwelt, der Löwe, dem Adler 
die Nachteule, welche als Unglücksvogel hier erst Shakespeare 
eingesetzt hat (gerade im Gregensatz zu seinen ags. Vor- 
gängern, die für »Adler« das allgemeinere »Vogel« eingeführt 
hatten); das blutige Bild des Helden auch hier. Auch fehlt 
dort so wenig wie hier die günstige Auslegung des zweideutigen 
Vorzeichens, etwas geschickter freilich als Atlm. 19 in dem gewalt- 
samen Wortspiel 0xnum : omu. Vgl. übrigens allgemein Lüning 
Natur S. 180. Die Eigenart dieser Stellen liegt aber darin, dass hier 

Moynr, Altgermanitohe Poesie. 29 



450 

.Handlang mit Handlang Tnglichfln «ird, nicht wie scmat (auch H. 
H. 1 29 tnti der verbalen Fonn) eine Person oder ein Gregenstand 
mit anderen Perwnen oder Dingen. — Aebnliohea gilt von den fal- 
schen ErklUrnngen Lolda]>r7m. 26 28, die sich aoali^ in Volks- 
märchen wiederholen (besondeia in Trage and Antwort Roth- 
käppchens und des WoUes). Die ironische Vet^^eichang wird 
dann in der Schlosaetrophe fir. 38 nochmals in aotläietiacher 
Form aaigenommen. -H. H. II 89 — 40 werden die richtige 
TiwiaiTiTig und die von einem mi^acbbaren ElreigniBs genom* 
mene falsche neben einander gestellt. 

Vergleiche nnd Metaphern aas einseinen .Gedichten sind 
wiederholt besprochen. Für die Edda haben Edxaidi (Germ. 
23,185) und Symona (P. B. 4,200) Master (in H. H. II) und 
Nachabmangen (in Gud. I und I^ zu scheiden versucht. Für 
Be<)Tulf vgL ausser dm Abhandlungen von Gummere und Hofi— 
mann noch Röcnii^ Beowulfskvadet S. 136; für Caedmon Ziegler' 
(S. 75 f. Metapher, S. 161 f. Gleichniss), für Cynewulf Jansen (S. 
113 f. Metapher, S. 134 f. Vei^leich) und Ramhorst (S. 57 f. Meta- 
pher), für Otfrid Schütze (Poetik Otfrids 3. 51 f.). — Üeber die Ver- 
gleichungen und Metaphern im Allgemeinen handeln z. B. Herder 
Ursprung der Sprache (Werke, Stuttgart und Tübingen 1827, 
n 83), Scherer Poetik S. 262. 267 (dessen Anschauungen ich hier- 
bei nicht folgen konnte) und besonders Max Müller Denken im 
Licht der Sprache S. 442 f.; epeciell über Thierbilder F. Brink- 
\mann Die Metaphern Band I (Bonn 1878). Für spätere Zeiten 
z. B. über die altn. Saga Döring S. 38, 41 Heinzel Saga 62 f. ; über 
das mhd. Volkeepoe Schultz Vergleich Metapher Allegorie und 
Ironie in den Nibelungen und der Kudrun Progr. Charlotten- 
bürg 1879 No. 1, auch Gummere aao. 8 Anm., über das mhd_ 
höfische Epos W. Grimm Gleichnisse im Osaian and FarciTa&_ 
El. Sehr. I 48 f.; über das spätmhd. Epos Schütze Stil Zazit- 
hovena S. 15 f. und über die mhd. Gnomik Boethe Reinmar toxi 



461 

Zweier 6. 274 f. üeber Layamon Regel Anglia I 211 i. Für 
die prov. Poesie Stöeeel Bilder und Vergleiche der altprov. 
Lyrik Dies. Marburg 1886. — Uhlaads Abhandlungen über die 
Gleichniese im mhd. Volksepoe I 394 f., im Minnesang V 129 f. 
wurden schon oben angeführt. — Für nhd. Zeit erinnere ich 
nur an die berühmte Vergleichung des »metaphorischen 
Elementesc bei Lessing und Goethe in Danzels Lessing I 424. 

Die FSlle der kaum noch hierherzuziehenden Metonymie 
hat A. Hoffmann aao. für die Edda 6. 203 f., für Beovulf S. 212 f. 
gesammelt. — Auch die Personification grenzt an; vgl. ebd. 
für die Edda 6. 211, für Beövulf 6. 215, femer für Caedmon 
Ziegler 8. 138, für Cynewulf Ramhorst 6. 58, Jansen S. 113. — 

Es sei zum Schluss noch gestattet, die nahe Verbiadimg 

zwischen dem Gleichniss und dem epischen Leben, zwischen 

der idealen und der transcendenten Welt (wenn man so die 

beiden Stufen normalisirter Weltbilder scheiden dürfte, die wir 

in § 5 besprochen haben) an einem mhd. Beispiel zu erläutern. 

N. N. 31,4 heisst es: >vil der edeln steine die frouwen leiten 

in daz gölte Das ist episches Leben: für den Dichter versteht 

sich von selbst, dass nur die werthvoUsten Eleinode, und diese 

nur IQ grosser Zahl, und zwar nur in vornehmster Fassung 

zum Schmuck der Helden verwendet werden. — Und MF. 5,11 f. 

heisst es »du zierest mine sinne . . (nu merke et wiech daz 

meine), als edele gesteine, swa man daz Idt ia das gölte Da 

wird der Geliebte in jene Welt erhoben, in der die Ideale, die 

»Ideen« aller Dinge leben; aber die naive Anschauung dieser 

Zeit vermag sich zu einem höheren Bilde noch nicht zu erheben 

als dem eines Schmuckstückes. — Ganz ebenso bildete man 

einst Gleichnisse von der Drehscheibe des Töpfers oder dem 

Kampf um Viehheerden, als man höhere Sinnbilder noch nicht 

im Sinn trug; später aber sah man sich rings um nach Bildern, 

die einen bestimmten Begriff ausdrücken konnten: Symbole des 

29* 



452 

Hervorragenden, des Glänzenden würden geechafien; und 
schliesslich drang auch hier die Häufung ein: Athn. 70 ist 
der Dichter auf die Büderjagd gegangen und hat im Epos 
Gleichnisse gesammelt, wie sonst die Didaktiker in ihren 
PriameÜL — 

§ 25. Sprichwörter. 

Die Sprichwörter sind eine für volksthämliche Poesie höchst 
bezeichnende Art formelhafter Wendungen; nicht umsonst hat 
der gröeste aller Humoristen seinen derben Sancho Pansa in 
Sprichwörtern sprechen lassen. Landläufige Weisheit wird in 
eine Form gekleidet, die allgemeinste Verwendung gestattet 
Das muss sich auf innere wie auf äussere Form beziehen. Auf 
die letztere pflegt man bei den Sprichwörtern gar zu wenig zu 
achten, wie Schuchardt (Ritomell und Tersine S. 84) gelegent- 
lich seiner höchst interessanten Behandlung des ital. Sprichworts 
in seiner Beziehung zum Ritomell bemerkt. Wir glaubten be- 
haupten zu dürfen, dass in der altgerm. Poesie sich als Haupt- 
form dafür die Ijödahätt-Strophe oder deren Hälfte, spedell 
aber der anaphorische Dreizeiler entwickelt habe. Diese Form 
leitete uns auch schon auf ein weitverbreitetes altgerm. Sprich- 
wort, dasjenige von der Hinfälligkeit aller werthvollen Güter, 
(denn dass f^, fraendr und eigenes Selbst die Summe aller 
Güter bedeuten, beweist Häv. 69). Auf einige andere uralte 
Sprüche werden wir noch hinweisen. Näher können wir aber hier 
solchen Beziehungen nicht nachgehen. Denn das ist klar, dass 
eine Besprechung und Yergleichung der alten Spruchsammlungen 
(Häv.-Gnom.-Fäder larcvidas) von einer Analyse nicht nur der 
einzelnen Gedichte, sondern sogar der einzelnen Strophen aus- 
gehen müsste, welche zwar höchst dankbare Arbeit hier zu weit 
führen würde. Die Gedichte Spervogels würden dabei in der 



453 

GeaunmtaDlage wie im Einzelnen die lehrreichBten Analogien 
Üetem« Wie nah berührt sich ein Spruch wie MF. 25,5 mit 
Hav. 4, oder MF. 27,6 mit H4v. 33! Hier wie dort wird das 
ArandschaftsverhSltniss beeonders liebevoll ausgemalt und hier 
^e dort durch die Figur der flectirten Wortwiederholung sym- 
^lifiirt: Tin sinum skal madr vinr vera £U.v. 42 — 43 und swä 
ein Munt dem andern vriimde bigestat MF. 24,9. Hier wie 
^ort finden sich Strophen, die an sich schon kleine Spruch- 
Sammlungen sind, wie Hä.v. 73 und 118, MF. 21,29; hier wie dort 
Neigung zur Häufung, die an beiden Orten zur Priamelbildung 
'SSkat An beiden Orten auch die Anpreisung der vorgetragenen 
Weisheit: Hiv. 110 (vgl. MüUenhofE D. Alt. S. 269) und MF. 20,17, 
die sich aus dem Werth solcher Sprüche in jener Zeit erklären. 
Der Fahrende war auch ein WafEenschmied ; er verkaufte WaSen 
zum Kampf ums Dasein und pries die Untrüglichkeit seiner 
Waare an (vgl. die schönen Ausführungen von Novalis Schriften 
2,107). Deshalb eben hält er seine Vorschriften so objectiv, 
wie wir schon oben betonen mussten. Solche Sprüche sammelt 
Htm der Lehrdichter; er eröffnet gleichsam ein grosses Verkauf e- 
lager von leicht zu verwerthender Weisheit. Aber auch andere 
Dichter fügen gern solche Perlen in ihre Gedichte ein. Für 
unseren Zweck genügt es, die letzteren Fälle zu sammeln, 
solche also, in denen Sprichwörter sich in nicht didaktische 
Lieder verflochten finden. Die biblischen Sprüche schliessen 
wir natürlich aus. 

Altnordisch. 

einu doegri m^r var aldr um skapadr ok alt llf um lagit 
Skim. 13,4, vgl. lagt er all fyrir Grip. 24,6, munat skopum 
vinna Grip. 52,2, ebenso skopum vidr manngi Atlm. 46,3, 
endlich kveld lifir madr ekki eptir kvid noma Hamd. 29,7; 
vgl. auch Fäi. 44. 



464 

öaudigr madr, er til audigs k0mr maeli frairft edä |)egi 
Vaf. 10,1, vgl H4v. 19. 

[bregdi engl fgsta heiti ffra Alv. 3,6.] 

[sa einn er gjQf faer med godozn Alv. 4,6«] 

H&yamäLl pasaiiiL 

{)ö dugir siküngum satt at maela H. H. I 47,3. 

f6 räda vül fyrda hverr ae til ins eina dags; |>viat einu 
ffinni skal alda hverr fara til heljar h^dan Faf. 10. 

i vatni {)ü droknar ef i vindi roer : alt er feige f orad Fäf . 
11,4^6. 

|)ä |>at finnr, er med fleirum kemr, at engl er eimia hva- 
tastr Fäf. 17,4 — 6, vgL |>at er övist at vita, ^ er kommn aUir 
eaman sigtlva sjmir, hverr öblaudastr er almn; margr er 84 hvatr, er 
hjQr n6 rydr amiars brjöetmn 1 FiL 24. Vgl. auch o. S. 216. 

hugr er betri u. s. w. F&f. 30; hvotmn er betra u. b. w. 
Faf. 31. 

|>ar er mer ülfs vän er ek eyru s^k FaL 35,7 — 8 (ein cha- 
rakteristisches nordisches Gregenstück zu dem lateinischen >ex 
ungue leonemc). 

long eru lyda lae Sgdr. 2,3. 

qU eru mein of metin Sgdr. 20,6. 

Sigrdrifumäl 20—37 passim. 

[en mik Atli kvad eigi. myndu Ifti räda ne Igst g0ra:] en 
sliks skyU synja aldri madr fyr annan, |»ar er munud deilir 
Odd. 22. 

madr hverr lifir at munum sinum Odd. 31,5. 

[svä skal froekn fjandum verjask, sem Hogni vardi hendr 
Gunnars Akv. 20,5—8, vgl. 32,10—12.] 

opt er {>at fyr oxnum |>ar er omu dreymir Athn. 19,3—4. 

»huggisk it, horskarl hvegi er |>at g0rvisk€; maela {>at 
margir, missir |)o störum, morgum raedr Utlu, hve verdr leiddr 
heiman Athn. 34,3 — 8. 



455 

hginom opt gödu AÜm. 67,4. 

koetom drepr kvenna kaxla ofriki u. 6. w. Atlm. 70,1 — 6. 

iUt er vin' Täa, |)aim6 {>er vel trüir Atlm. 89,3—4. 

[saell er hverr bLSbh er slikt getr foeda jöd at afreki, Berns 
Qjüki Atlm. 102,1—4.] 

hvat m^ fötr foeti veita, ne holdgröin hond aonarri? 
LXnA. 14,5 — 8 (ein n^atives Gegenstück zu dem Sprichwort 
ine Hand wäscht die andere«). 

opt or |)eim belg boll rad koma Hamd. 26,3—4. 

xnikils er & mann hvem vant, er mannvits er Hamd. 26,7-8. 

ekki hygg ek okkr vera ülfa doemi, at vit mynim ejalfir um 
jifiky sem grey noma Hamd. 28,1—4, vgL Holtzmann Edda 
t30. — 

Es fällt auf, dass wir nirgends Sprüche aus den beiden 
Bunlungen H£v. und Sgdr. 20 — 37 citirt finden, so nahe auch 
richwörter wie das erste und das vorletzte dieser Zusammen- 
Uung dort stehenden Sätzen kommen« — Eine Anspielimg 
£ alte Sprichwörter vielleicht H. H. 1 36,2, wo wahrscheinlich an 
len Wahrheiteliebe empfehlenden Spruch erinnert wird, vgl. 
d. 46 xmd Holtzmann Edda 336,36. — Vgl. Rosenberg aao. 
243f. — 

Angelsächsisch. 

nyle he aengum änum ealle gesyllan gaestes snyttru, |)y 
\ him gielp scedde |)urh his änes cräft ofer 6dre ford Cri. 
3—85, VgL Crä. 18 f., bes. 28—29; 97 f. 

Wand. 108—9 s. o. S. 321. 

gaed ä vyrd sva hiö sceal B. 455. 

vyrd oft nered unfaegne eorl, {)onne his eilen deah B. 572. 

s^lre bid aeghvaem, {)ät he his freönd vrece, |)onne he 
a mume B. 1384, vgl. ne mag na vandian, se |)e vrecan 
nced freän on folce, ne for feore muman Byrht. 258 — 59. 



456 

de^ bia Bölra eorla oeE^Tylcimi >nine edvlt - llf B. 2890. 
oft sceal eorl monig änea vülan vnec idnögan B. 3077 
(«qnidquid delinmt reg«, plectnntor Ächiyi«). — 
Orein KbL d. ags. Poesie n 14—16 paasim. — 
VgL auch Be<W. 1246 t. — 

Althochdeatach. 
mit görä acal man geba infähan, ort widar orte HÜd. 37. — 
Mit Sntechiedeiiheit drängt sich in den Vordeignmd der 
Sprach von der onausweichlichenMachtdeBSchicksals. Nicht 
bloes die fünf oben am Anfang citirten Stellen (Sk. 1S,4, Gtip. 
24,6. 52,2, Äthn. 46,3, Homd. 39,2—8), auch noch F&f. 10 
imd 44 und vor allein Fäf. 11, ebenso aga. B. 4&5. 572 drücken 
diese Ueberzeugung aus (vgL J. Grimm G«6ch. d. Spr.* S. 89). 
Denselben Spruch erklärt Grundtvig für die leitende Idee der 
Bjaikemil (Udsigt S. 52). Aber diese Erkenntniss ist der eigent- 
liche Grundstein aller Erkenntniss des Volks überall gewesen. 
Wie OuArün spricht: »skgpum vidr manngi«, so sagt Hektor: 
jtoipav ^aSrtuä fTjfu mpuxfievov tfifievat dvdpäv (H. 6,488). 
Und unermüdlich schÖrfeD indische Sprüche diese Lehre ein. 
Jener Ausspruch F&f. 11, dass glückliche Umstände nichts gegen 
das Schicksal vermögen, wird dort wieder und wieder gepredigt 
(Indische Sprüche übs. v, 0. Böthlingk, in einer ßlüthenlese her. 
V. 8. Schwester N. 51. L. Fritze Indische Sprüche N. 15. 217) 
und wieder deckt sich hier das Wort mit dem homerischen: 
iWer entrinnt, wenn feindlich ihm das Schicksal ist gesinnt 1< 
(L. Fritze aao. 217.) Wohl erst die spätere Ethik der Buddhisten 
weiss von einer MJicht des Gemüths über das Schicksal (Böth- 
lingk aao. 163). — Ebenso enthält B. 2890 eine uralte Lehre; man 
denke nur an die Soge von Achilleus. - Uralt ist auch die Wamong 
vor der Trieglichkeit der Frauen und Häv. 83 hat schon 
Zimmer (Altind. Leben S. 342) mit indischen Sprüchen ver- 



457 

^Kdun. — Und sicher geht noch mehr auf einen uralten idg. 

WeisheitSBchatz zurück. Doch hier ist nicht Zeit daraufhin 

otchsograben. Gelegentlich freilich finden sich auch charakte- 

ttgtiflche Verschiedenheiten. Gewiss aus echt germanischer An- 

ichaaung heraus heisst es bei Saxo: ifas est belligerum hello 

proetemere divmnc (Saxo ed. Holder 66,23), wahrend Theognis 

Idirt: pdx hm dvgjtdim irpÖQ d^ayaTouQ fiaj^iaaa^at (Po^tae lyr. 

graed min. ed. J. Pomtow I 220,162). Welche Anschauung 

Odspiicht nun der der Urväter? Die Praxis der Ilias spricht 

ftr die Lehre der Grermanen. — 

Koch leichter wäre ein gemeingerm.- Spruchschatz zu 
Immeln. Auf die Lehre von der Vergänglichkeit des Besitzes 
gfi oeocn wir in altn. und ags. Formulirung schon zweimal (in 
§ 4 und § 12). Und die Sprüche B. 1385, Byrht. 258 klingen 
to sehr an an des Tacitus berühmtes »feminis lugere honestum 
est, viris meminisse« (Germ. 27,9), dass man kaum der Ver- 
suchung widersteht, den Berichterstattern des alten Historikers 
schon ein Sprüchlein ähnlicher Art zuzuschreiben. — 

Doch auch das Entstehen von Sprichwörtern können 
wir hier studiren. Anspielungen auf Gregenstände der Volkssage 
ToxO. Didiwong machen ja überall einen grossen Theil des 
volksthümlichen Citatenschatzes aus und sind im Norden so- 
gar von der Eimstpoesie zum System ausgebildet worden. 
Akv. 20,5 sehen wir zu einer derartigen sprichwörtlichen An- 
wendung den ersten Schritt: überall konnte diese visuhelming 
dtirt werden. Atlm. 102,1 heisst es aber schon wirklich, 
Gjukis Tochter sei sprichwörtlich geworden. Endlich haben 
wir drittens gänzlich formelhaft Frödis Frieden H. H. I 13,5. — 
Die Sprichwörter sind, wie überall die Regel ist, meist 
einfach aussagend. Selbst Ermahnungen geben sich als Er- 
fahrungssätze in der Form: »besser ist es — als — «. So wird 
auch die Gier nach Schätzen Fäf. 10 ganz naiv als allgemeine 



458 

Erfahrung ausgesprochen, ohne jede moralische Nutzanwendung. 
Erst spät tritt die ermahnende Form ein (Odd. 22, Akv. 20 — 
EQld. 37). Ebenso ist es jüngere Art, vorsichtiger statt der 
allgemeinen Aussage ein »oft« zu brauchen (Atim. 67, Hamd. 
26 — B. 572. 3077). — Vgl. auch o. S. 216. 

Fast nur jüngere Lieder bringen Sprichwörter an» altn. 
bes. Grip., F4f., Atlm.. Ags. dagegen ist wieder die älteste 
Schicht auf der Höhe der jüngeren nordischen: nur Beovulf 
und Byrhtnoth sowie der Wanderer haben noch alte Sprüche 
verwandt. Dann treten christliche Sätze dafür ein. TOnmAl 
finden wir einen solchen noch ganz in der alten Form: der 
Vordersatz »sdlre bid äeghvaem« leitet wie B. 1386 jene altgerm. 
Lehre so An. 320 eine christliche Ermahnung ein. — 

Den Sprichwörtern stehen eigentlich Citate, Entlehnungen 
aus andern Gredichten nahe; doch muss man sich hüten, 
beides zu verwechseln. Sie verhalten sich zu einander wie 
das Lehnwort zum Fremdwort. Lehnwort wie Sprichwort sind 
zwar gleichsam nicht angeboren, aber doch angewachsen; 
jeder Einzelne muss sie wie eigenen Besitz empfinden und 
verwenden. Aber bei dem Fremdwort wie beim Citat bleibt 
immer das Grefühl, dass man fremdes Eigenthum^ch ^E)en 
nur leiht. Li der Philologie hat man einst alle Lehnwörter 
unter die Fremdwörter geworfen; jetzt wieder ist man eher 
geneigt, Fremdwörter dem einheimischen Sprachschatz zuzu- 
schieben (z. B. in der Verwerthung des sprachlichen Materials, 
vgL Schrader Sprachvergleichung und Urgeschichte S. 201 f.). 
Umgekehrt hat man in der Literaturgeschichte, besonders der 
des Mittelalters, Entlehnungen gar zu gern angenommen, auch 
wo bloss zufälliges Zusammentreffen oder aber Benutzung von 
formelhaften Wendungen auf beiden Seiten vorlag. Selbst 
MüUenhoff hat vielleicht aus einer zweifelhaften Entlehnung zu 
viel gefolgert, wenn er (D. Alt. S. 280) die Wiederholung des von 



459 

QQi schon besprochenen Satzes »Es stirbt Vermögen, es sterben 
f^onde« in einer yisa des sehnten Jahrhunderts zur Datirung 
^ alten Sprachgedichts benutzt. Wie dies flatternde Sprüch- 
iein in dem ags. Gedicht sich in geringer, zum Theil durch 
^ie Art der Anwendung erklärter Veränderung niedergelassen 
<Vat, 80 kann es da und dort zur Ruh^ gekommen sein, ohne 
^ass Eyvind skaldaspillir oder sein Nachfolger die Hä^vamäd ge- 
kannt hätten. Stehen doch in diesem Sammelgedicht selbst zwei 
"^on einander unabhängige Anwendungen des alten Dreizeilers. — 
Einem Citat steht die Anspielung auf ein Sprichwort H. H. 1 36 
nahe. Sichere Citate bieten die prosaischen Stücke der jüngeren 
Edda in grosser Anzahl. In den Gredichten wüsste ich keine 
nachzuweisen; denn wenn dieselbe Strophe in mehreren Liedern 
Torkommt (vgl. § 18 und Rosenberg aao. I 176), ist das etwas 
Anderes (mhd. kommen schon eigentliche Citate vor, z. B. Mo- 
rangen MF. 132,8, vielleicht auch Spervogel 20,17; öfter in 
Parodien oder sonstigen Strophen persönlichen Inhalts, wie 
Waliher 82,35). — 

Einzelne Stücke aus dem gemeinsamen Spruchschatz der 
Indogermanen hat Eaegi zu heben versucht. Ein Spruch über 
die höchsten Güter (Kaegi Rigveda Anm. 105) entspricht der 
Anlage nach jener Strophe Häv. 69, ebenso ein Skolion des 
Simonides von Keos (Geibel Werke 5,132); über den Spruch vom 
Sinn der Frau (Kaegi S. 114 und Anm. 351) sprachen wir bereits. 
Andere Belege aao. Anm. 162 und 164. — Wie dort mit indischen, 
werden mit altfrz. Sprichwörtern griechische verglichen von 
Bekker Homerische Blätter 11 200,6. — Systematisch vergleicht 
den Sprichwörterschatz der germ. und rom. Sprachen das 
bekannte Werk von Ida von Düringsfeld und 0. von Reinsberg- 
Düringsfeld Leipzig 1872 und 1875. Verarbeitete Sprichwörter 
sind besprochen für die altdeutsche Dichtung von Uhland 
Schriften I 399, für die mhd. vgl. Piper Spielmannsdichtung 



S. 275, auch memen Anfaati Zb. t. d. Alt 89,164; altbamö- 
Bische bei Bekker aao. 225,3. Ein Bebt hübschM BeiBpiel Hr 
den calturhistonschen Werth aolchar Sprichwörter bietet die 
Erläuterung rusaiBcher Sprüche bei Keinholdt GhMch. der mBBJBohen 
Lit S. 95f. — Im Einxelnen vgL für BeoruU Rönning S. 58, 
für Andreas und Elene J. Grinun 9. XXXVI, für Rnodüeb 
Seiler S. 180f., lemer für die altu. Saga Döring S. 31. 40, 
Heinzel S. 19, für Layamon Regel in der Anglia I 199f. — 
Wie lange die Votstellnng von dem hohen Werth der Sprüdie 
(im Verkaufen und Verschenken derselben i. B. im RoodÜeb 
symbolisirt) noch fortdauert, zeigt die Spruchvertheilong des 
^fscbulzen in Immermanns Oberhof (B. II Cap. 4, in Kochs 
Ausgabe S. 154). — 

g 26. Antithese. 
Heinzel (QF. 10 S. 46) und nach ihm ten Blink (Gesch. 
der engl. Lit. S. 70) schreiben den häufigeren Gebrauch der 
Antithese bei Cynewulf der lat. Bildung zu. Ich glaube, mit 
Unrecht. Wie ich gegen Martin (Za. f. d. Alt. 20,58 N. 5) den 
Refrain mittelalterlicher Lieder nicht gelehrtem Einfluss, son- 
dern uralter Tradition zuschreibe, eo möchte ich auch der 
Antithese die Anerkennung ihres grauen Alters sichern, welches 
ihr streitig zu machen moderne Anwendungen Veranlassung 
gaben. Zunächst ist die Antithese überhaupt schon in den 
Anfängen alles Denkens wirksam; jede Wortbildung vermittelst 
Negationspartikel ist antithetisch. Wie aber solche Wort 
Schöpfung gerade dea poetischen Wortschatz der slten Ger 
manen füllen half, haben wir schon in § 6 gesehen: heiti wie 
öblaudr oder hrSdleäs enthalten in sich eine Antithese. In 
groesea Antithesen bewegt sich jede Mythologie, und wir sahen 
diese Gegensätze in der Gruppirung der Persönlichkeiten alt- 
germanischer Dichtung sich abspiegeln. Wie 'Ot>inn und {törr 



461 

im HArbardBÜed bilden Hygd und j[)rydo im Beövulf eine 
leibhaltige Antithese (vgl. Heyne zu Beov. 1927—41) und der 
HarlungenmythuB ist ganz auf den Gregensatz des treuen 
Eckart und des ungetreuen Sibeche gegründet (vgl. MüllenhoS 
Zß. SO, 225 — 26). SpiehnannsUeder arbeiten solche Contraste 
mit grellen Farben aus zu Gegenstücken, wie Hjalli und Hogni 
in Akv. und AÜm. Aber auch die Antithese im eigent- 
lichen Sinn, der pointirte Gregensatz zweier rhetorisch betonter 
Worte, lag einer in Parallelen sich mit Vorliebe bewegenden 
Poesie zu nahe, als dass es fremden Anstosses gebraucht hätte, 
um die Variation der Pendantsätze bis zum Contrast zu treiben. 
und so ist denn auch wirklich die Antithese in der altgerm. 
Poesie breit und voll entwickelt. Allerdinge nimmt die Vor- 
liebe für solche rhetorischen Wirkungen mit der Zeit zu. Wie 
die älteren Lieder gute und böse Figuren diskreter contrastiren, 
als die jüngeren, so sind auch die eigenüichen Nester von anti- 
thetischen Wendungen in Zahlenangaben (besonders pointirter 
Gregensatz von eins und zwei wie Häv. 73,1, aber auch grössere 
Intervalle wie AÜm. 51), in Farben- oder Sto£Ebezeichnungen 
erst in jüngeren Liedern heimisch. Und nur selten fanden wir 
sie zur Klimax gesteigert. Aber schon die hochalterthümliche 
Vkv. erzielt grosse Wirkung durch kimstgerecht ausgebeutete 
Antithese (Vk\\ 29,5 — 7, vgl. 38,1—3) und grosse Theile des 
alten grossen Lehrgedichts laufen ganz und gar auf dem Gegen- 
satz von klug und einfältig (Müllenhoff D. Alt. S. 281). Aber 
allerdings ist das specielle Antithesenmotiv, welches die ags. 
Poesie ausbeutet, christiicher Abstammung: es ist (wie wir schon 
bei den Zwillingsformeln bemerkten) das Doppelpaar Himmel- 
Hölle imd gut-schlecht; und dasselbe Paar beherrscht auch 
Muspilli imd HeUand. Aber ganz anders geartet ist die Anti- 
these der altheidnischen Poesie, wie sie in den antithetischen 
Zwillingsformeln der altgerm. Lieder in sehr merkwürdiger 



463 

W«iBe sich uudifickt Biae wird nimlich eön gmi ibmeriicha 
GMchtspnnkt zur Zwedthcdlung des hierdurch eben zn mn- 
Bchreibendfln G«8anuntb^prifEB heiaaBgsnomineii (ähnlich im 
Romanischen, vgL Leiflholdt E^mol<^;ische Tigoren im Borna- 
niachen S. 94f.)- ^ Rmgang der VqI. ist t. B. die Antitheee 
meiri-minni diirch den Sinn in keiner Weise gefordert, weit weniger 
als in der bekannten anal(^;en Stelle des Soax du ivirginiboa 
poetisqae«. Bs wird eben nach einem gani realistischen, sinn- 
Mligen, praktischen G«sichtspankt in die Fülle heteiiigegrifien 
and zn beiden Seiten gesichtet, Oenau so pflegen als Epitheta 
nicht sonderlich beeeichnende, sondern augenfällige, ftosserliche 
und eben dämm anschanliche Eigenschaften genannt sa werden. 
Namentlich bei den koamologischen Formeln ist die 
Scheidung nach einem sinnfälligen Eriterimu sehr beliebt. So 
also »Erde und Himmel drüber« und nach derselben Scheidung 
noch allgemeiner »Tfir ok undir« (Häv. 105,4); so *lioht endi 
finstri«, wie die Formel >liohtäno&nstTi<(>iSD. Ht, 14Tgl. Aom.) 
es Toraoseetzt mid die Schöpfungsformeln es mit >Tag und 
Nacht« u. dgl. umscbreibeD n. b. w. So nahe liegen grade diese 
TheÜungen, dasa schon die zehn B^riSapaare der Pytibagoreer 
meist abstrakte Formalirungen derselben G^ensätze sind : rechte 
und links wie aostr ok reetr (H. H. I 4,1), männlich und 
weiblich (aesir ok äsynjur s. o., LeiSholdt S. 95), hell und 
dunkel (wie eben erwähnt), und selbst die entferntere tod 
ruhend und bewegt findet ihre Stellung im Scböpfungsbericbt: 
s6l [lat ne Tissi hvar hön sali ätü n. s. w. (welche Verse 
MüllenhofE einem »alten Lied von der ersten Welteinrichtnng« 
zuschob D. Alt. S. 92). Also: allgemein zur Hand liegende Anti- 
thesen werden auf den zu umschreibenden Begriff willkürlich 
angewandt; je augenlSll^r (nicht je wesentlicher) die Scheidung 
ist, um 30 besser. Eine zu scharfe Trennung wäre hier, wo 
die Heerbaufen ja doch nur »getrennt marschiren, vereint 



463 

echlagenc kaum erwünscht So ist eine der häofigsten kosmo- 
logischen Formeln »lopt ok Iggr« (Sk. 6,6 n. o): Lnft und Meer, 
gewiss kein scharfer G^ensatz, und doch in den alten Philo* 
Sophien und vielleicht noch jetzt in der populären Vorstellung 
die Hälfte der vier Elemente. Und »sie ritt Luft und Meer« 
(Prosa zu H. H. n S. 163,9) heisst doch eigentlich nur: sie 
ritt, wo der Sterbliche das nicht zu thun vermag (vgl. Geldner- 
Kaegi 70 Lieder des Bigveda LX. 1,2). — 

Ganz anders verhält es sich freilich mit denjenigen Anti- 
thesen der alten Gedichte, die nicht in Doppelformen verkleidet 
sind. Formell ist der Unterschied anzxmierken, dass hier verbale 
Gegenübersetzung häufiger ist als nominale. Und so erscheint 
denn die rhetorisch oder sonst mit Nachdruck verwandte Anti- 
these der formelhaften und gleichsam zufälligen gegenüber mehr 
in Bewegung, eindringlicher auf den Mann gehend. Wie wirk- 
sam selbst in einem verhältnissmässig schlechten Eddaliede, 
wie die GripispA es ist, das feierliche: »It munud alla eida 
vinna, fullfastliga, fä munud halda« (Grp. 31,1, vgl. 46,6—7). 
Wenn in den Sigrdrifunäl die allgemeine Regel gegeben wird 
iberjask er betra en brenna se« (Sgdr. 31, 4 — 5), so wirkt die 
scharfe Gregenüberstellimg viel kräftiger als selbst bei Anwendung 
in einem bestimmten Fall der Ruf der Nibelungen : iwir möhten 
michel gemer sin in stürme tot« (N. N. 2049,2). Li solchen 
Fällen fasst die altnordische Dichtung fein und scharf den 
wesentlichen Gesichtspunkt und blinde Antithesen, wie sie in 
der frz. Dichtung so beliebt sind, fehlen fast gänzlich. Ohne 
Bezug zum Formelschatz sind doch aber auch diese efiektvoll 
vom Dichter gesetzten Antithesen keineswegs : ihnen entsprechen 
mit ähnlich scharfer Prägung die Sprichwörter. Groesentheils sind 
es (wie die eben citirte Stelle aus Sgdr., wie viele in den Häv.) wirk- 
lich sprichwörtliche Gegensätze, die nach Sitte der alten Volks- 
weisheit an den Scheideweg führen: reden xmd schweigen 



464 

(Veg. 7,7 XL ö.), rorbdgeben tmd eönkehnn (Sgdr. 26, 4 — &, 
TgL Hiv. 34) werden gegen eintmder abgewogm, lieb tmd leid 
(Hat. 36,4, vgl 40,4— &), lachen und veinen (VW. 29,5—7) 
verglichen. Data kommen ZeitbeBtünmnngen, die den G}egeD- 
Batz QOchBohiLrfer heraosdrücken: morgBn-aptan(Atlin.S8,5 — 8), 
& nöttom en xua daga Ijöea (H.- H. II 44,6 — 8). Daa sind 
Gegensätze, die wirklich aus der Situation hervorgehen, nicht 
wie das typische (noch mehr in mhd. Poesie beliebte) >alt und 
jung« u. B. w. wiUkürlich hineingeworfen werden. — 

Ich trage noch einige nachdiflckliche Antithesen nach, die 
oben nicht mit erwfthnt wurden. Negation tmd Position werden 
in den beiden KUften von YgL 21 contrastirt; ätan-innan 
{>r. 4,7 — 9, un^ekehit 8,3 — 5, deiaelbe Gegensatz scharf hervor- 
gehoben in zwei respondirenden Strophenschlüssen aunais 
brjöetmn 1 - annars brjöstnm or HAv. 8. 9,6; grAtaudi - hlaejandi 
(wie in der Vkv.) Brot. 1&,5 — 7; e^nthümlich sali sndroena 
ok avani danska Gud n 14,3—4. — Sprichwörtliche Anthi- 
the&en: vinr-övinr Hiv. 43; lifdum • öUfdmn BAv. 70.1—2, 
Tgl. 75 — 66; hvotum ■ öhvotum Fäf. 31,1—2, alle drei mit 
Negationspartikel, ebenso noch nachdrücklicher aUfi^rf - ö^rt 
mT.163,3 — 4. Femernackt-bekleidetHAv.49; elend • {^ückUch 
Hät.69; gut -echlechtmv. 132,4 — 6, der Bessere - der Schlechtere 
HiT. 124,7—8 (vgl. Lok. 22,5—6); wachen - schlafen Vkv. 
12,2—3, Tgl. HäT. 59, auch HiT. 23. Eine komisch wirkende 
Antithese H&t. 100. Femer ist au die bäofigeD Comparative 
der Lehrsprüche (z. B. H4t. 36 — 37) zu erinnern. Anch Spruch- 
zeilen wie HAT. 44 — 46 sind antithetisch geordnet. 

Die chiifitlichen Gedichte zeigen dagegen solche Antithesen 
die wie schwarz und weiss Hei. 1512b, ja und nein Hei 
1522 — 28, biblischen oder wie bubo - olor bei Saxo (ed. Holder 
35,11) gelehrten Ursprungs sind. — 

Aber nicht nur die Antithese selbst ist schon der altheid- 



465 

lÜBchen Poesie eigenthümlich, wenn auch in anderer Gestaltung 
als bei den christlichen Dichtem -^ selbst das findet sich 
schon in uralter Zeit, dass die Antithese den Aufbau ganzer 
Gedichte bestimmt Denn gewisse Situationen fordern fast 
unwiderstehlich solche Anlage. Vor allem das Motiv des 
Heimwehs oder der Sehnsucht überhaupt (vgl. ViehofE Poetik 
S. 161). Die ags. Poesie hat dies elegische Motiv wiederholt 
ausgeführt, so im »Wanderer«, aber sie hat dabei den anti- 
thetischen Bau erst in jüngeren Gredichten wie der »Ruine« 
und dem »Reimlied« walten lassen; gerade dadurch erinnert 
die Ruine so lebhaft an Goldsmiths unvergleichliches »Deserted 
village«. Aber die altn. Poesie — hier auch durch Saxo gestützt 
— hat einen sehr alten Ausdruck der sehnsüchtigen Klage in 
dem Wechselgesang zwischen Njerd und Skadi auf unsere 
Tage gebracht; und die ableitungsfrohen Analogienjäger brauchen 
nur die Klage der von der Heimatb fremden G<)tter mit einem 
berühmten arabischen liede zu vergleichen, um sich zu über- 
zeugen, wie leicht aus gleicher Situation gleicher Ausdruck 
hervorquillt : die Wüstentochter am prächtigen Hofe der Khalif en 
führt das Heimweh zu fast ganz derselben Anthithesenkette 
wie dort das Götterpaar (Graf Schack Poesie und Kunst der 
Araber in Spanien und Sicilien I 37). Selbst wenn die Anti- 
thesen kunstvoll gekreuzt werden, wie in Gud. HI, wo treue 
Angeklagte und treulose Anklägerin sich gegenüberstehen, selbst 
dann hat diese Anlage eines freilich späten Liedes in zahlreichen 
Volksmärchen seine Analogie, ich nenne nur die G^novefa. 
Uralt sind die Farbencontraste, uralt auch die Zahlengegensätze, 
wie jener berühmte althebräische Siegesgesang bezeugt: »Saiü 
schlug Tausende, David schlug Zehntausende«; und dass selbst 
die Klimax als Grundplan von Gredichten (wie in der Rig6|)ula) 
volksthümliche Entsprechungen hat, werden wir im nächsten 
Paragraphen zu zeigen haben. — So ist ein Gredicht wie 

Meyer, Altgermazüsohe Poetie. 30 



466 

MSD. XXJi TOD alten liedem nicht im Schema verschieden 
sondern nur in det Art des regirenden G^^eneatzes. 

Ich verweise noch für die Vslundarkvida auf Niedner 
Zs. 33,31, für CToewulf auf die Diseertationeo von Jansen S. 99 
und Ramhorst 3. 63. 



Capitel IX. 
Satzgnippen. 

§ 27. Aufbau der Gedichte. 

Dass die Situation, das Grundmotiv für den ganzen Auf- 
bau eines Gedichtes bestimmend sein kann, sahen wir schon 
an der .Antithese; und es wäie eine lockende Aufgabe, den 
typischen Gedankengang in Gedichten verschiedener Classen la 
untersuchen und so festzustellen, wie weit der Stoff selbst, wie 
weit Tradition und Schulung eine bestimmte Anordnung vor- 
schreiben. Diesem interessanten und wichtigen Problem dürfen 
wir aber hier nicht nachgehen, Wohl aber gehört es noch zu 
unserer Aufgabe, die Frage zu beaotworten, ob auch unabhängig 
von dem jeweiligen Thema Regeln des Aufbaues befolgt wurden, ' 
die verschiedenen Gedichten einen typischen Grundplan sicherten. 

Die Vorfrage, ob eine bewusste und kunstmäesige Disposition 
überhaupt nachzuweisen sei, ist unbedenklich zu bejahen. 
Dass die Strenge der Anordnung nicht in allen Gedichten die 
gleiche ist, widerspricht dem nicht. Zunächst fordern von 
vornherein didaktische Gedichte eine andere .\jt des AufbaoB 
als heroische Lieder. Ebenso ist es natürhch, dass ver- 
schiedene Perioden der Heldendichtung verschiedene 



46' 



dec Anll M He fe T«s3ja^ec Tee* Jükzn ist es ein Zestpunki 
in der EntwidkfaiDg der berasdiec Poeek, der geinetensch eine 
neue Tedmik der Geaunmunlage f ofderte. Die ihesten Lieder 
bdundehen imzveifelbftfi ftete nur ein einzefaieE Ereigniss, wie 
etwm den Tod esnes Heiden oder eine grosse Tbat: Drachen- 
moid, Bebciimg esxr gefeaeehen JnngfrmQ n. d^; so noch 
manche VAAaTwAf^ (t|^ z. £. tti^T>TT>g Beoinilfekvadet S. 45 . 
Allmahlich ging man dazu über, verschiedene Ereignisse zu 
einer Erxähhmg zc Tereinigen: es entstanden Sammellieder 
(vgl. Zß. L d. Ah. 32.401 und machten eine überl^te Ver- 
theflmig des Stoffes nöthig. Diese beiden Claseen von Liedem 
also änd in ihrem Aufbau nothwendig Terschieden. 

Aber wie ein Geist durch die gesammte altgenn. Poesie 
geht, so Tersteht es sich von selbst, dass auch diese Verschieden- 
heit eine wesentliche Analogie nicht ausschliesst. Die Dichter 
der ältesten Sammellieder lernten von denen der alten Einzel- 
lieder. Und diese eelbst hatten von älteren Meistern zu lernen 
gehabt Denn auch ein > einheitliche«' Ereigniss setzt sich 
zusammen aus kleineren Momenten, der Drachenmord etwa aus 
den Augenblicken, wo der Held von dem Drachen erfahrt — 
seinen Entschluss fasst — die That vorbereitet — hinzieht — 
kämpft — siegt — seinen Triumph feiert: und selbst der 
Kampf geschieht nicht mit einem Schlag. Da also auch die 
zeitlich kleinste Handlung eine zusammengesetzte ist, muss 
selbst für das einfachste Ereigniss Disposition erst gelernt 
werden : es gab eine Zeit, wo man sie noch nicht verstand, wo 
unaufhörlich die jubelnde oder ächzende Verkündigung des 
entscheidenden Moments mit der regellosen Mittheilung einzelner 
Züge wechselte. Noch haben wir solche Gedichte bei den 
Naturvölkern. Aber .die altgenn. Poesie ist über .diese Stufe 
längst heraus. Für eine ganze Reihe von Emzelliedern ist 
strenge und klare Disposition nachgewiesen worden. Niednor 

30* 



468 

hat für SkimislQr (Zs. 30,139. 142. 149) and H&rbardäljflid 
(ebd. 31,264) eine genaue Anordnung au^^edeckt» die nicht nur 
in strengem ParallelismuB der Handlung fortechreitet, sondern 
auch in regelmässigen Zahlenverhältnissen der Strophen; das 
letztere hat er (aao. 264) auch für die {>r7m8kvida ausgesprochen. 
Den sorgfältigen kunstgerechten Aufbau wenigstens hat er auch 
für die V0lundarkviaa klar gelegt (Zs. f. d. Alt. 33,29). Für 
Muspilli hat dann Möller (Zur ahd. Alliterationsdichtung S. 38) 
Aehnliches, aber schwerlich mit Becht, vermuthet; vg^ ten 
Brink QF. 62,166 f. über Möllers Strophentheorie im Allge- 
meinen (dagegen wieder Möller Englische Studien 13,249 f.). Für 
die wichtigsten vollständig erhaltenen £inzellieder ist aber jeden- 
falls eine bewusste Anordnung festgestellt Typisch ist dabei, dass 
die Wiederkehr der parallelen Abschnitte durch Gregenrefrain 
oder Stropbenwiederholung ausgezeichnet wird. Auch das 
scheint eine Eigenheit der alten Technik, dass nicht mit dem 
Höhepunkt abgeschlossen wird, sondern lyrisch ihm noch einige 
Töne nachklingen; so in Skim. und Vkv.; so besonders auch 
in dem herrlichen Liede von Helgis Wiederkehr, das den 
Schluss der Liedersammlung H. H. 11 bildet; so auch noch in 
alten Sammelliedem wie dem Beovulf , der (wie die Bias) mit 
der Bestattung eines Helden schliesst. (Anders in antiken Ein- 
zelliedem, vgl. M. Haupt Kl. Sehr. HI, I, 50). Und so hätten wir 
bereits einen Berührungspunkt in der Technik der Einzellieder 
und der Sammellieder gefunden. Aber auch jener Aufbau in 
völliger Symmetrie der Glieder ist hier nachgeahmt: wie genau 
sind die entsprechenden Stücke in solchen Ereigniss-Sanmilimgen, 
wie Gud. I oder Deörs Klage abgemessen! Wie deutlich klingen 
die Abschnittsanfänge z. B. aus den Atlamäl hervor! Wir 
dürfen also aussprechen: für die altgerm. Heldenlieder ist es 
typisch, dass sie in genau abgemessenen Stücken vorgetragen 
; werden, deren Paralleüsmus im Grossen den der einzelnen 



469 

Strophen mid Verse abbildet. Dies übrigens ist in den Helden- 
liedern auch anderer Völker beliebt; ich verweise hier nur auf 
das serbische lied von der Aufmauerung Scutaris (J. Grimm, 
Kl. Sehr. 7,544). — Ebenso ergiebt sich aus den Motiven selbst, 
aus dem delbewussten Hinstreben zum Höhepunkt der Handlung, 
dass dieser Parallelismus sich mit einer Steigerung verbindet, 
wie noch in den Volksmärchen (MüllenhoS Märchen Sagen und 
Lieder aus Schleswig-Holstein S. Xm). Solche Steigerung fehlt 
auch nicht bei den christUchen Epikern (für Otfrid vgl. Schütze 
S. 62, für Caedmon Ziegler S. 83 f.) ; Otfrid hat auch in kleineren 
Massen noch den parallelen Aufbau bewahrt (Schütze S. 9). 
Mit gewandter Technik wissen die altn. Sagaer zu steigern 
(Heinzel Saga S. 180, vgl. Döring S. 20). 

Spannung durch retardirende Momente erzielen erst 
jüngere Lieder: wie die Warnung in FäJ. und Drap nur leise 
angedeutet, in Atlm. und Akv. breit ausgeführt wird, haben 
wir schon bemerkt (für Otfrid vgl. Schütze S. 42, für spätere 
Zeit z. B. Schütze Stil Zazikhovene S. 9). Dasselbe gilt von 
Vor- und Rückdeutungen (Heinzel Saga S. 176 Schütze Stil Zazik- 
hovens S . 1 0). Doch gehören Vögel- Vorzeichen zum typischen Beiwerk 
der Jugendberichte (Big. 47, H. H. I 5—6, vgl. Fii. 32—38). — 

In den gnomischen Gedichten ist natürhch die Dis- 
position überwiegend von logischen Gesichtspunkten vorgezeichnet. 
So ist die Fragenkette in den AlvissmAl nach jenen formel- 
haften BegrifEspaaren geordnet, die den Parallelversen und Zwil- 
lingsformeln zu Grunde liegen; und wieder diese Paare sind in 
eine bestimmte Linie gelegt, die wir zum Theil auch beim 
Schöpfungsberieht der Vol. maassgebend finden: Erde und 
Himmel Alv. 10— 13 = Vol. 6,5—7; Mond und Sonne Alv. 
14— 17 = Vol. 8; Wolken und Wind Alv. 18—21, die Reiche 
des »Winddämons« Vödanaz (Hoffory Edda -Studien I 147) 
imd des Wolkengottes Tivaz hohnijaz (ebd. 146) = ond gaf 



470 

'Odiim, 6d gaf Eoeoir Vgl. 21,5-6; Loft and Wasser AIt. 
22 — 25, die Elemeote der WalkOzen (böo var vaU^a ok reid 
lopt ok leg Saem. lu H. H. n S. 163,9) = VqI. 31; Feaer 
und Wald Air. 26—29: das Feuer heisst Helr. 10,4 heir alls 
viOar, ebenso Gnom. 72 fyr (sceal) vudu meltan; endlich Nacht 
AIt. 30 — 31 (vielleicht fehlt danach der Tag) und ntsammen- 
gehörig Saat und AeL (ooch Buma sang das Lied von John 
Barleycom, vgl Onindtvig xu Lok. 44 — 45) Alv. 32—35. Bei 
den Paaren steht nie in den Zwillingsformeln die Erde vor 
dem Himmel und wie die Germanen die Nacht dem Tag 
vorangehen lassen (Tac. Germ. 11,9, vgl. o. S. 93), stellen sie 
den Mond vor die Sonne (dies aber nicht in der VqI.). Die 
ganze Diapoeition aber vergleicht sieb dem Aufbau eines 
riesigen Baumes, einer Weltesche; von der Erde strebt er zum 
TTimmal, doit breitet er sich aus über das Firmament (Mond 
Sonne Wolken Wind) und senkt wieder seine Zweige herab in 
alle Elemente (Lult Wasser Feuer, statt der Erde ihre Be- 
kleidung, den Wald). Und wie in Rückerts Parabel Tag und 
Nacht an dem Baum n^eu, so überschattet er hier die Zeiten 
und ihr Werk; Werden und Frucht. — Auch der kosmogonischen 
Landkarte der Grimnismäl mag ein ähnlicher Plan zu Grunde 
li^n. Zeichnete doch noch dem Traugemuntslied Uhlands 
Meisterhand ein ähnliches Gresammtbild nach (Schriften 3,194). 
Die bedeutendsten altn. Lehi^edichte stehen nun, wie schon 
bemerkt, zu solchen Specialliedem wie Alv. und Grim. in dem- 
selben Verhältnisa, wie die epischen SanimeUieder zu den Ein- 
zelliedem. Sie hat MüllenhoS mit eindringendstem Scharfsinn 
analysirt und gegliedert: die Voluspa D. A. V 5f., die Häva- 
mal ebd. 255 f. Die letztere Sammlung zwar zerfällt selbst in 
Terschiedene kleinere Sammlungen; für diese selbst aber wenig- 
stens hat MüUenbofi nicht nur klare DispositioQ, sondern wieder 
festetehende Theilverhältnisse erwiesen (für das alte Sprach- 



471 

gedieht aao. 260, für die Loddfafmsmal S. 268, für da£ Ljödatal 
8. 275; TgL auch S. 270 für dae Runatal), gerade wie auch für die 
Vglaspä (vgl. die Ueberächt bei Hoffory Edda-Studien I 17), 
die GrimniRmfl (aao. 159) und die Vaf{)rüdniBmäl (ebd. 240 — 
41). Er erst hat dadurch die MögUchkeit eröfEnet, an der 
Technik der alten grossen Dichter ihre Begabung zu ermessen, 
und auf seinen W^en sind ihm für die didaktischen Lieder 
Hoffory (aao. 17. 27. 141 für die Voluspä, 66 für die Häva- 
mfl), für die heroischen Niedner (in den citirten Abhandlungen 
über Hdrb., Skim., Ykv,) gefolgt und mit den Dissertationen 
von Heusler (über die Voluspa), Ranisch (über die Hamdismäl) 
und Hirschfeld (über die Lokasenna), alle drei von Schülern 
Hoffory*s, hat diese Arbeitsrichtung bereits die dritte Greneration 
erreicht Dass sie alle gelegentlich einmal den Vorwurf verdienen 
mögen, den J. Grimm schon dem Meister MüUenhoffs, Carl Lach- 
mann, machte, mit Unrecht von einer zu grossen Vollkommen- 
heit des ursprüngüchen Gredichts auszugehen (vgl. J. Grimm 
Kl. Sehr. 1,156), das soll nicht bestritten werden; dass Müllenhoff 
sich gelegenthch auch von der Voraussetzung symmetrischer 
Zahlenverhältnisse zu unberechtigten kritischen Eingriffen ver- 
leiten hess, hat Hofforj' selbst (Edda -Studien I 42 Anm.) 
zugestanden. Dass aber die Gnmdauffassung dieser Gredichte 
als kunstvoll geghederter Dichterwerke berechtigt ist, berechtigt 
im Gegensatz zu der Art die es vorzieht »von Blritik imgestört 
alle Verderbnisse mit Haut und Haar zu gemessen« (Lachmanns 
Vorrede zur zweiten Ausgabe der Nibelungennot), berechtigt 
im Gegensatz zu der scheuen Furcht, die über der Bewunde- 
rung uralter Dichterkräfte jede Analogie mit modemer Dichter- 
arbeit vermeidet, das beweist schlagend das unwiderlegUche 
Beispiel der Rigs})ula. NatürUch behaupten wir nicht, alle 
Lieder, am wenigsten alle alten Lieder seien so sorgfältig, ja 
pedantisch disponirt wie dies Lied vom Ursprung der Stände 



472 

— aber das behanptan wir, daaB ein so gmaii abgMdricelter 
FUn langer Jahzhmulerte Arbeit im DiBpouirea poetiachan StoBa 
voiaoaeetzt und bewedat 

Ich bexeichne die Bändig wiederkehrendoi (aber jedesmal 
variirt wiederkehmtden) Venpaaie oder Vemgrappen der Bfgs- 
'^' — xaiX mit folgenden Bachstaben: 



a 


at kvtfda gsnga 


b 


gekk bann nieii at ^ 


c 


kom bann at bdsi 


d 


hjön Sita iei 


eii.ee 


Sigr konni Beim 


( 


^tdk — 


B 


^ yar bann at ^t 


h 


lida mcdir at fwt 


i 


jöd öl — 


k 


rar iax 


1 


t^^tT)y| nftm gX Taxa 


m 


|»r kom at gu^ 


n 


midra Setja 





bgm ölu ^aa 



00 : doetr vam ^aer 
p, q, r bezeichnen neu eintretende Veragruppen. — Bei der 
Identification der Strophengruppen sind natürlich neben den 
formellen auch inhaltliche Momente benutzt. 

Wir erhalten danach folgenden Äufriss der R^|>ula: 

a 

b+o+d 



g+b+h 
i k 1 m n oo 



b+c+d+cc 



g+b+h 
i [k] 1 m Q o oo 



b+c+cc+d 
P 



g+b+H 
i[k}lniqqqQimo [oo] 



Auf die EmleitUQgsBtroph« 1 folgt der erste Hauptabschnitt 
2 — 13, der zweite 14—25, der dritte 26 — 42; dann ein ganz 
neuer Haupttheü wie die Blüthe auf dreiecbäitigem Stil, in zwei 
kleinen Theilen 43— -45 und 46 f. — Dieser zweite Haupttheü 
ist ähnlich wie die kleine Volospä, Hyndl. 35 — 44 aufgebaut 
oder vielmehr er vertritt wie diese den festen Typus der he- 
roischen Jugendberichte wie auch H. H. I 1 — 9 und sum Theil 
auch Reg. und Fäf. — Wir handeln hier nur über den Hau der 
Strophen 1 — 42. — Die strenge Gliederung dee ersten Hauptr 
theils Str. 2 — 42 wird vor aUem durch die mit Rlgrs Namen 
beginnende Kehrstrophe e herausgehoben, welche jedesmal in 
zwei Stufen auftritt; Str. 3 und 5, 17 und 19, 29 und 32. Unter- 
stützt wird die Wirkung durch den Gegenrefrain b, der die 
Pendantstrophen 2 — 14 — 26 auszeichnet und atuserdem in 
den Strophen 6 — 20 — 33 den Abgesang eröffnet. So bildet 
jedes der drei Hauptstücke ein übersichtliches Gelmude, dae in 
dch dreitheilig ist: b eröffnet den ersten Gesammt-Stollen und 
igt in den Beginn dee Gesammt-AbgeBangs verwoben; e Bchliesst 
beide StoDen der Strophengruppe: b + c + d — e/f e/g — oo. 

Mit dieeem strengen ParaUelismus geht aber ein der in- 
haltlichen Steigerung entsprecfaendes Anwachsen der correspon- 
direnden Glieder Hand in Hand. Auch dae ist keine Neue- 
rung: schon im dritten Hauptatück der Vgluspi entsprechen 



474 

aich 4 — 7 — 8 Strophen (Tgl. Hoffoiy aao. S, 19) in den auch 
dort durch Eehretrophen (aber schlieeaeode, nicht wie in Rlg. 
beginnende) markirten Abschnitten. So noch feiner abgewogen 
hier. Das erste Glied, b+c-f-d, wächst im zweiten und dritten 
Hauptstück lu b+c-f-d-f-cc bez. b+c-(-cc-(-d: Str. 2 — 14 und 
15 — 26 und 27. Das zweite, e, wird um eine Einlage p 
Teratärkt: 3 — 16 und 17 — 28 und 29. Das dritte, f, wird 
verdoppelt, aber erst im dritten Hauptstück: 4 — 18 — 30 
und 31. Das vierte, ee, bleibt unverändert als hauptsächlicher 
Markstein der Einheit: 5 — 19 — 32. Das fünfte, g+b+h, 
ebenfalls: 6 — 20 — 33. Das sechste, die Masse des Ab- 
g^angs i — oo, wird wieder erst beim dritten Hauptstück 
verstärkt, in dem die zweite Hälfte Einlagen erhält: 7 bis 13 
— 21 bis 25 — 34 — 42; daes hier das zweite Hauptstück 
sogar verkürzt scheint, ist wohl Schuld der Ueberiieferung. Ver- 
gleichen wir nochmals die sechs GHeder, so erhalten wir für 
Str. 2—42 folgendes Schema: AB/CD/EF — erstes Haupt- 
stück; AA BB/CD/EF zweites Hauptstück; AA BB/CC D/ 
E FF drittes Hauptstück. — Der Aufbau erinnert an den jener 
ahd. Gedichte von kunstreich symmetrischer Stmctur, die zu 
MSD.' S. 304. 383 und besonders 297 besprochen sind. Aber 
durch die Hilfsmittel der Kehrstrophen mid Kehrverse (die 
ähnlich im Georglied verwandt sind, doch vgl. MÜllenhoS aao. 
S. 323 u.) ist die Eintheilung hier nachdrücklicher und deut- 
licher. Dafür ist sie noch im Einzelnen überküustelt durch 
Variationen im Kleinen wie midrar brautar 2,2 — rettar brautir 
14,2 und 26,2 und durch weitere Auftheilungen der Kebi- 
strophen: das aufdringlich markirende »at |»at< (2,1; 4,5; 9,3 
imd 7 u. 3. w.) taktirt laut den Schluse jedes Venpaares in 
Str. 6-20 — 33 — 

Wie hier im grossen Maassstab, ist in kleinerem oft in 
gnomischen Gedichten dasselbe Mittel zur Abgliederung benutzt, 



475 

wie in didaktischen: Responsion am Beginn oder Schluss der 
Gruppen. So in Fällen des Gregenrefrains wie in den LoddMf- 
nißmal u. s. w. Zuweilen stehen statt der identischen Verse 
nur Parallelverse, z. B. in den Interpolationen der Sgdr. 6 f., 
besonders 12—13. — 

Und der Aufbau in solcher »Spiralform«, in Theilen, 
welche sich in gesteigerter und verstärkter Form wiederholen, 
kann noch über das Gredicht herausgehen. Granze Gedicht- 
gruppen können sich in solcher Weise entsprechen. Eine 
Anzahl von Liedern kann sich zusammenschliessen zu einer 
symmetrisch aufgebauten einheitlichen Fabel: dies gilt für den 
Cyklus von Sigfrids Ahnen nach MüUenhoSs Nachweisen (Zs. 
f. d. Alt. 23,142 — 45). Und weiter können mehrere Lieder- 
kreise zusammen eine höhere Einheit bilden. Bestimmt« 
Situationen späterer Cyklen werden denen älterer Sagenkreise 
nachgebildet und spielen so dieselbe Rolle, welche im Gedicht 
die wirkungsvollen Kehrstrophen spielen; das behauptet Sjonons 
(PB. 4,200) von den Gudrunliedeni im Verhältniss zu den 
HelgiUedem. Man könnte der Analogie wegen an die Re- 
sponsionen erinnern, die G. Frejrtag selbst in den verschiedenen 
Theilen seiner »Ahnen« aufgewiesen hat CW'erke 1,244). Oder 
gar die ganze Anlage des jüngeren Cyklus wird dem des 
älteren nachgebildet, etwa wie die Aeneis der Odyssee; das 
behauptet Grundtvig (üdsigt S. 38) von den Liedern der Nibe- 
lungennot im Verhältniss zu den alten Volsungenliedem. Und 
zuletzt kann noch der Redaktor, der Liedersammlungen 
veranstaltet, hierbei die einzekien Abtheilungen symmetrisch 
ordnen; dies hat für die Götterheder der Edda Müllenhoff er- 
wiesen (DA. V 158); für die Heldenlieder versuchte ich es zu 
beweisen (Zs. f. d. Alt. 32 ,402 f.). Hier stehen allerdings 
allemal die grösseren Complexe voraus, was sich aber leicht 
erklärt: sie orientiren besser. In den allgemeineren Grundriss 



476 

Üeet aieh becttiimiitei daa TWTigaln« änseichnen. Hat so doch 
schon TadtDa eist in commune de omsitun Germanonim 
origine ac moribns gehandelt, dann «ngnUmm gantimn isstätota 
ritusqae besprochen (Geno. 27,10) nnd gaoa ebenso nach seinem 
Muster Cluverias mid Andere, nnd noch nach achtuhnhondeit 
Jahren Mme. de Stael erst de l'aflpeot de l'Allemagne (Chap. I, 
vgL Tac. Geim. 1 — 2 and beeoodeis 5), des moeurs et da 
caracttoe des Allemanda (Chap. II ^= Tac. Germ. 6 — 17), des 
femmes (Ch^. m = Tac. G«rm. 18 — 19), de l'infloence de 
l'espiit de cheraleiie (Chap. IV) tmd dann erst von den Theilen 
Deutschlands gesprochen. Dennoch erwächst diese umgekehrte 
Anordnnng den gleichen Gründen wie die ansteigende der 
einzelnen Gedichte: nnr verlangt hier der Stofi eine andere 
Form der Steigerung als dort. Bei belehrenden Zusammen- 
stellungen möchte man so viel Einzelheiten wie möglich lernen: 
Steuerung wird deshalb hier gerade erzielt, wenn erst AIl- 
gemeineiea berichtet wird, dann Eigenartiges, Specielles; deshalb 
ordnet der Compilator der alten Liedereammlungen so gut wie 
die Berichterstatter über Deutschland das Vereinzelte nach und 
Uest ao auf grössere Theile kleinere folgen zu demselben Zweck, 
der den Dichter auf kleinere Theile grössere setzen läset. — 
In den ags. Sammelhandschriften , dem Exeterbuch (vgL 
Wülker Grundrise lur Gesch. der aga. Lit. S. 223) und dem 
Vercellibuch ' (ebd. S. 239) ist eine bestimmte Disposition nicht 
zu erkennen. — 

Natürlich übt also stets neben dem Inhalt des Werkes 
auch seine Absicht auf die EinÜieilung so gut wie auf alles 
andere Einäose. Dass aber typische Pläne den Gedichten zu 
Grunde liegen, können wir für die Mehrxahl nunmehr wohl mit 
Bestimmtheit behauptea. Diese werden mit allerlei Fonnel- 
klaasen in Beziehung gestanden haben: es scheinen i. B. für 
die Strophengruppen die formelhaften Zahlen drei and vier be- 



477 

liebt (drei die stehende ZaM der EEauptstücke ; vier in den Ab- 
echnitten des zweiten und dritten Hauptstückes der Vol. DA. 
S. 6 — 7), für epische Lieder aber auch die erst in jüngerer Zeit 
beliebte Dreissig (Niedner Zs. 30,139. 31,264: in Skim. Bäih. 
|>r. je 5x6 Strophen), die im mhd. Epos (freilich in kleineren 
Massen) so gern Abschnitten zu Grunde gelegt wurde. Auf 
jeden Fall aber, wenn wir die bestimmenden Kräfte in Stofi, 
Absicht und Tradition sämmtlich abziehen, bleibt gerade hier 
mehr als sonst der Individualität des Dichters Raum, sich 
zu bethätigen. So fühlen wir uns hier an den Grenzen unseres 
Themas angelangt. Im Einzelnen haben wir Alles von stark 
»nivellirendent Gewohnheiten durchsetzt gefunden; in der Be- 
herrschung des Ganzen vermochte dennoch ein freier Dichter- 
geist auch damals sich geltend zu machen durch alles Formel- 
wesen hindurch. Es ist eben das ein EEauptverdienst Müllen- 
hoSs und seiner Schule, von den abstracten »Gredichten«, die 
aus der Berührung des altgermanischen Bodens mit dem Heroen- 
zeitalter hervorgewachsen sein sollten, zu den concreten Gestalten 
bestimmter Dichter zurückgekehrt zu sein. Statt in jener 
Vermählung von Raum und Zeit finden wir nun den Ursprung 
auch der altgermanischen lieder in jenen beiden grossen 
Leidenschaften dieses Volkes: von den Besten zu lernen — 
und für die Behauptung der freien selbsteigenen PersönHchkeit 
zu kämpfen! Aufdringlich tritt freilich erst in späterer Zeit 
der Dichter aus dem Werk heraus; aber den Pulsschlag eines 
starken Herzens fühlt man schon in so alten Gedichten wie 
Volundarkvida (Niedner aao. 33,41). — 

Ueber den persönlichen Antheil des Dichters in altgerm. 
Zeit handelt im Allgemeinen die schwache aber anspruchsvolle 
Dissertation von Merbot Aesthetische Studien zur ags. Poesie 
Breslau S. 83; im Einzelnen für die Heldendichtung 'W. Grimm 
Heldensage ^ S. 10, für Caedmon Ziegler S. 156 f. , für C)Tiewulf 



478 

Jansens. 60, für Otfrid Schütze bes. S. 36 f. nnd S. 49 ; spedell über 
Sentimentalität im Beovnlf Rönning S. 145 f. 173 f. — üeber das 
Verbältniss des Dichters zum überlieferten Stoff bei Otfrid 
Schütze S. 56 f. und (meist ziemlich mechanisch) bei ags. Dichtem: 
(Andreas) Ramhorst S. 6, (Güthlac) Lefivre Anglia VI 220, 
(Phoenix) Gaebler Anglia UI 491, (Ddmes dag) Brandl Anglia 
IV 97, (Crist und Satan) Groschopp ebd. VI 26 f. Für die Evan- 
gelienbearbeitungen der verschiedenen Dialekte vgl. Hammerich 
Aelteste christliche Epik S. 218 und bes. S. 245. — Damit 
hängt denn das Urtheil über den poetischen Werth der Gedichte 
zusammen, vgl. Simrock Edda S. 349. — Ein Correctiv für aUzu 
rasche Schlüsse auf dichterische Eigenart bildet der Hinweis 
auf Uebereinstimmungen, die sich aus analogen Situationen 
ergeben (vgl. z. B. Talvj Charakteristik der Volkslieder S. 137 f. 
ten Brink QF. 62,191 f. und das oben S. 465 zur Antithese 
Bemerkte): wie böse Folgerungen aus voreiliger Annahme 
individueller Erfindungen, Nachahmungen, Entlehnungen fliessen 
können, hat Müllenhoff an den Bang-Buggeschen Hyx)othesen 
gezeigt, und MüllenhofiEs Schüler HofEory (Eddische Studien I 
126 f.) an Bugges Nachahmer Schullerus. Denn die Haupt- 
eigenthümlichkeit der altgerm. Dichter bleibt doch eben immer 
die, dass sie ausschliesslich dem grossen Formelschatz der 
schon vorhandenen altgerm. heidmschenPoesie ihre Entlehnungen, 
die Muster ihrer Nachahmungen, die Vorbilder ihrer Erfindungen 
entnehmen. Gedichte, denen aus anderen Quellen (Seist und 
Inhalt zufiiesst, wie die gesammte christliche Poesie in ags. as. 
ahd. Sprache, oder die späten Sonderentwicklungen nachgebildet 
sind, wie das ags. Reimlied wahrscheinlich skaldischer Dichtung, 
die gehören eigentlich nicht mehr oder jedenfalls doch nicht 
mehr voll zur altgerm. Poesie. — 

Jener Schatz von Formen und Anschauungen nun, den 
wir in unserer Arbeit vollständig zu beschreiben suchten, ist 
im Wesentlichen die Vorrathskammer, deren nothwendige Be- 



479 

nutzung durch den Dichter wir ale »Stil der altgerma- 
nischen Dichtung« zu bezeichnen pflegen. Freilich kommt 
für den Stil auch noch rein MetiiBches in Betracht und beson- 
ders rein Grammatisches. In dieser Hinsicht verweise ich 
z. B. für die Edda auf Nygaard Eddasprogets Syntax Bergen 
I 1866, n 1867, Wis6n Om ordfogningen i den aldre Edda- 
Limd 1865 ; Hildebrand Conditionalsätze imd Conjunctionen in 
der alteren Edda Leipzig 1871; für Otfrid auf Erdmann 
Untersuchungen über die Syntax der Sprache Otfrids Halle 
1874/76 und Keiles und Erdmanns Beigaben zu ihren Otfrid- 
ausgaben; für den Heliand auf Behaghel Modi im Heliand 
Paderborn 1876 ; für Beovulf auf ENader Zur Syntax des Beo- 
Yulf Brunn 1879/80; für Caedmon auf Hof er Syntactischer 
Gebrauch des Dativs und Instrumentalis bei Caedmon Halle 1884 ; 
für andere ags. Gedichte Holtbuer Syntactischer Gebrauch des 
Genetivs in Andreas Guthlac etc. Halle 1884 u. s. w. ; ich citire 
ohne Auswahl. Wahrend wir doch aber einerseits die Metrik 
vom Stil zu trennen pflegen, ist für Syntax und dergleichen die 
poetische Gewohnheit schwer von der allgemeinen zu sondern. 
So steht auf der Stufenleiter der für die Poesie characteristischen 
Erscheinungsgruppen die Syntax unterhalb, die Metrik oberhalb 
des Formelschatzes und diesem bleibt also hauptsächlich die 
Bestimmung der Eigenart einer Poesie vorbehalten. Um nun 
wieder da einzumünden, von wo wir ausgingen, nenne ich als 
Führer durch diese Schatzkammer nochmals zuerst die oft 
citirten Arbeiten von Weinhold und Heinzel; femer für den 
Stil der altdeutschen Dichtung im Allgemeinen Uhland Schrif- 
ten l,390f., Scherer Vortr. u. Aufs. S. 13; für den der Edda 
und des Beovulf A. HofEmann Engl. Studien 6, 163 f. und für die 
Edda noch Jessen üeber die Eddalieder S. 40, Rönning Beowulfs- 
k^^adet S. 31 f., bes. S. 53, Petersen Bidrag S. 172 f. ; für die ags. 
Dichtung noch Merbot Aesthetische Studien zur ags. Poesie S. 31 f. ; 
für Otfrid Schützes lehrreiches Buch. Ich verweise femer der 




übet ^^^ ^ . Dötio? 
U^ 1 ^^ "t^bäst^t^^^^ ^ir^«^«'^^' sL^ots^-« 

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Stehen »^ 



481 

hältnifle dee Einzelnen znr Gesammtbeit erörtert -vnid: auf 
SchererB Vorteag über das Nibelungenlied (\''orträge und Auf- 
«ätse S. 111) nnd auf ten Biinkfl Beowulf (QF. 62,104 f. )- 
.Die zvä gröesten germanischen Epen dürfen wir so zum Schiusa 
noch einmal nennen als die unvereiegbar äieSBenden Quellen 
der Erbauung mid der Belehrung für Jeden, der das deutsche 
Alteithum liebt; und über jenen beiden Arbeiten strahlt der 
Name unseres grosses Meisters und Pfadfinders auf den Gebieten 
der Literaturgeschichte und Poetik: den Vortrag über das 
Nibelungenhed hielt er im Beginn seiner reichen Tbätigkeit — 
und ten Brink widmete das Werk, das dem Studium der 
inneren Geschichte des Epos neue Bahnen eröffnet, dem An- 
denken dee allzu früh dahingeschiedenen Wilhelm Scherer. 



Capitel X. 

Ergebniise. 

Indem wir die Schatzkammer der altgermanischen Poeteu 
durchmuBterten, sind wir selten dazu gekonmaen, die vollendeten 
Meisterwerke zu bewundem; fast stets hatten wir nur die Roh- 
stoffe oder die Werkzeuge ihrer Verarbeitung zu prüfen. Es 
liegt an dem Plan dieser Arbeit, wenn auch sie selbst mehr 
eine Vorrathskammer für andere Arbeiten geworden ist, als ein 
einheitliches \\'erk. Der Inhalt wirkt immer auf die Form: 
von den altgerm. Stilgewohnheiten der Häufung und der 
Wiederholung hat diese Schrift mehr angenommen, als mir lieb 
ist; und wenn die mangelhafte Centrallsation der stets parti- 
kularistiechen Germanen auch in ihrer epischen Composition 

Utysr, Altg«Tsuuuisti« Pa«(ta. 81 



482 

sich oft genug verräth, wird dies Vorbild auch darin mehr als 
gut auf die Anlage meiner Arbeit eingewirkt haben. Zwar 
könnte ich mich mit den Worten dee tiefidnnigen Novalis 
trösten: »Je willkührlicher das Netz gewebt ist, das der kühne 
Fischer auswirft, desto glücklicher ist der Fange (Die Lehrlinge 
zu Sais Werke 11 87). Wenn aber die Maschen durch allerlei 
Hineingeschwommenes und EQneingeworfenes verstopft werden, 
so kann das für den Fang wahrlich nicht günstig sem. So 
steht es aber leider. In den Jahren vom Beginn dieser Arbeit 
bis zu ihrem Abschluss hat sich von eigenen und fremden 
Beobachtungen zu viel Vorrath angedrängt, als daas jedesmal 
die Vorrathskammer hätte umgebaut werden können; und so 
geriethen die Trophäen späterer Beutezüge und die Geschenke 
befreundeter Häuptlinge oft genug in dunkle Ecken oder hoch 
auf den Boden, wo sie das Auge des Packmeisters selbst Mühe 
hat zu finden. Wäre das aber sogar vermieden worden, so 
bliebe doch stets der Fluch wirksam, welcher auf Jeglichem 
lastet, der für Andere arbeitet: 

sköemidr |)ü verir nö skeptismidr, 

nema |)u själfum ^i s6r; 

skör er skapadr illa eda skapt si rangt, 

|)ä er J)6r bols bedit (Häv. 125). — 
Damit meine Mühe doch nun wenigstens Einer dankbar 
benütze, habe ich hier das Wichtigere zusammengestellt, was 
im Verlauf unserer Sammlungen und Vergleichungen sich zu 
ergeben schien. Wohl habe ich die Hoffnung, daas diese kurze 
Auslese weniger geben möge, als das Buch selbst; aber das 
Wenigere soll sie handlicher geben. Ist man einen langen und 
oft beschwerlichen Weg mit vollem Grepäck gewandert, so ist 
es ein freudiges Grefühl, am Ziele Rock und Ranzen abwerfen 
zu dürfen und aufathmend zurückzuschauen. So thue ich nun 
hier die impedimenta der Belege und Citate nach Möglichkeit 



483 

ab und suche nur mit kunen geraden Linien einige Ergebnisae 
meiner Arbeit, wie der neuerdings beliebte stilistische Kunst- 
ausdruck lautet, zu unterstreichen 1 — 

§ 28. Zur Charakteristik der poetischen Sprache. 

An die Spitze unserer Betrachtungen stellen wir den Satz: 
die poetische Sprache der alten Germanen ist ein kunst- 
mässig he rausgebildeter Dialekt der jeweilig gesproche- 
nen Sprache. 

Wir haben nun erstexis nachzuweisen, inwiefern sich dieser 
durch die Art der Anwendung b^renzte Dialekt mit den 
durch den Ort der Anwendimg bestimmten Dialekten vergleicht, 
und zweitens wodurch er seine spedfische Eigenheit erhält. 

Indem man eine »poetische Sprächet der »Alltagssprache« 
gegenüberstellt, macht man übertreibend die Verschiedenheit 
beider derjenigen zweier Sprachen ^eich. Nun wissen wir 
wohl, dass zwischen »Sprächet und »Dialekte ein nm* gradueller 
Unterschied besteht. Es ist das Verdienst Johannes Schmidts, 
die von seinem Lehrer Schleicher verkündete Anwendimg 
darwinistischer Lehren auf die Sprachwissenschaft zur Wahrheit 
gemacht zu haben: mit seiner neuen Theorie der sprachlichen 
Verwandtschaftsverhältnisse leistete er für seine Wissenschaft 
ganz eigentlich dasselbe, was Darwin mit der Lehre von der 
Variabilität der Arten für die Naturwissenschaften gethan hatte. 
Dass Sprachen so gut wie Dialekte nicht ein jäher Riss scheidet, 
sondern eine lange Kette von Uebergängen, das bezweifelt nun 
wohl Niemand mehr. Aber es bleibt doch jener Unterschied 
des Grades bestehen, und messen wir damit, so fällt eben die 
»poetische Sprache« unter die Dialekte. Sieht man von den 
äussersten Punkten der Peripherie ab, so setzt man für ein 
Sprachgebiet doch voraus, dass sich Alle verstehen, welchen 
Dialekt sie auch reden, während umgekehrt zwei Sprachen nur 

. 81» 



484 

an den znaammenstoBBendeii Grrflnun beide Tentandeii werden. 
Die Sprache der Dichter aber setst vonuu, von allen Stammes- 
genoaaen verstanden zn werden. Und die Dialekte bleiben in 
steter Berührung miteinander und mit höheren Sprschiormen 
(ColtoBsprache, Schriftsprache; für deren Anfänge vgL v. Bradke 
Beiträge zur Torhistorischen Eenntni» der Entwicklung unseres 
Sprachstammes 9. 9); die Sprachen werden einander allmählich 
völlig entfremdet Die Sprache der Dichter aber bleibt mit der 
AlltagBspracbe in steter Berührung und zieht ans höheren 
Sprachformen fortwährend Nahnmg (ceremonielle Satzformeln 
aas der Sprache vornehmer Kreise, aus der Berufssprache der 
Priester und Richter). Beides kann sich ändern: eine gesucht 
dunkle Sprache von Berufedichtem kann auf allgemeines Ver- 
ständniss und auf Fühlung mit der lebendigen Sprache ver- 
zichten ; sowohl die absterbende Poesie der letzten Troubadours 
wie die der Meiaterginger war auf diesem Wege. Die Sprache 
der al^erm. Poesie aber ist Dialekt geblieben. Auch hierin 
scheidet die Skaldendichtung ald Entartung aus. — 

Ein Dialekt also, d. h. eine Schattirung der allgemeinen 
Sprache, von einer bestimmten Anzahl der Stammeagenoesen 
gesprochen, von allen verstanden. Dieser letzte Punkt setzt be- 
reits voraus, dass nicht etwa eine kiimtUcbe Neuschöpfung vor- 
liegt, sondern eine allmählich unter den Händen der damit Be- 
schäftigten sich herausbildende Variation. Auch was innerhalb 
der poetischen Sprache sich der Sprachschöpfung vergleichen 
lässt, ist in Wahrheit stets nur Combination oder Difterenzirung 
vorhandenen SprachstofFes. Wohl mc^ch, dass gerade deshalb 
die Entstehung der poetischen Sprache auf die Entstehung der 
Sprache überhaupt Licht werien könnte. Denn an ein gewalt- 
sames Erfinden und Decretiren werden wohl auch die eifrigsten 
Anhänger der Theorie, das die Sprache &iatt entstanden sei, 
nicht glauben. E^e solche spontane Namengebung erschdnt 



485 

uns 60 gat wie eine Schöpfung auB dem Nichte in mythischer 
Beleuchtmig, wie denn auch die altgerm&nische Schöpfungsge- 
Bchichte gerade vie die hebräische beide Akte einander gesellen : 
Vgl. 9,5, vgl. Gen. 2,19—20. Auch MTiitney, der die allei- 
ältesten Sprachen für ebenso rein conventioneU erklärt, wie die 
jün^rten (Leben und Wachethum der Sprache übs. von Leskieu 
S. 317), hat kein alteE Beispiel dafür beibringen können, daes 
ein freierfundenes Wort (wie das berühmte Paradigma der 
Spracherfinder, ran Helmonte novum nomen gas) fortgelebt und 
fortgewirkt hätte. Eben dies also ^t für die Dichtersprache 
selbst noch der späteren Zeit: auch nicht Ein neuerfundenes 
Wort ist nachzuweisen. Unmt^Uch wäre es ja den Skalden 
nicht gewesen, zur Befriedigung ihrer Variationssucht z. B. für 
»Riese« das heiti »Quinbus Flestrin« (wie Swift seinen Gulliver 
von den Liliputanern benennen lässt) einzuführen und so gut 
wie eine schwierige Kenning durchzusetzen. Oder es hätte ein 
bedeutungsloses Kosewort in die Liebespoesie eindringen können. 
Aber von all dem keine Spur. Die »göttliche innere Sprache«, 
sowohl die ernst gemeinte in den Visionen des 12. und des 
19. Jahrhunderts (vgl. Zs. f. d. Alt. 6,334f. für jene und J. Ker- • 
uers Seherin von Prevorst I 249 für diese) als die pajodistische 
in Lumermanns Münchhausen sind reich an phantastischen 
Wortschöpfungen — wiewohl ich nicht bezweifele, dass zur 
Grundlage auch hier die natürhche, nur difierenzirte und ver- 
zerrte Sprache gedient hat, 'so gut wie in den Volapüks und 
Pasilinguas ; aber es waltet doch jedenfalls in ihnen daneben Will- 
kür. Aber die Gtittersprache der griechischen oder altnordischen 
Sage enthält keine den redebegabten Menschen unTerstandllchen 
Vokabeln (vgl. Myth.* I 275f.). — Die poetische Sprache ver- 
dankt also ihre speeifische Gestaltung keiner Willkür, sondern 
so gut wie die lokalen Dialekte der langsamen und unwider- 
stehlichen Kraft der Uebung und Gewohnheit. Bewahrung alter 



oder Pflege §aoKt sriteng An rii fic k e, < 
''<faiicfa d» Metmm gefordat;, «ptariilirfift Sympathien und 
Astipstfaien » p^ Ait geboi j^"— " TtiilftT wie jedon. Mudaia 
die ^ p***^ *"" i '«*"* ^^^ mHJ P'Pg t die üiq V— ««i — i** hTi«* — _ 

Wenn alm die Kditaspndie an DiMlekx der jewealig gt- 
•pFocbenen Rede igt — -woda zogt se ^eühwtdü allen lokalea 
Dulekten gegenüber Que Sandentellmig? Dadn, kfinnen wir 
sagen, dau sie die Negation aQes THf^fV*' '"'***" ist. Lomittoi 
der tanaend Aeste und Zweige, die Ton dem Gmndatasun sich 
abzweigen, setzt sie allein genuSinig die oigpiäng^icfae Richtang 
der Sprache fort. Die poetische Sprache ist die einsige con- 
sequente Ausbildung des nrspränglichea Sprachatoffes 
— consequent deshalb, weil keine izuiälligeni Öitlichen oder 
zeitlichen Einäüsse zu ihrem Kern dringen. 

Um den Vorwurf der P&radozie abzuwehren, stütze ich 
diese These zunächst durch eine Autorität. Moriz Haapt sagt: 
• Die Poesie ist ein Gemeingut der Völker; sie ist dem Menschen 
von Anfang mitgegeben, von Anfang an in ihm thätig gewesen. 
. . . Das ist die unbewusste Poesie, die sich regt und die Rede 
'der Menschen durchdringt, ehe die Dichtung in » iiiu».TT>n io n hnii- 
genden Formen eich gestaltet, die Poesie der Sprache, die immer 
mehr erblaset. . . Die Dichtkunst weckt diese Sprache wieder 
auf^ (Opuscula 3,139). Das heiest also, wie Beiger (M. Haupt 
als akademischer Lehrer S. 156) es gut erläutert: »Ein echter 
Dichter steht den Dingen mit ähnlicher AufiasBongsktsft gegen- 
über, wie die Menschheit bei dem Werden der Sprache.« 

Oft genug hatten wir darauf hinzuweisen, wie die Dicht- 
kunst die Pfade nachschreitet, die die Sprache vorgezeichnet 
hat. Vor allem gilt das für die Metaphern: wo viele Sprachen 
in ihnen übereinstimmen (vgl. Heinzel QF. 10,3), da beruht 
fast stets die Cebereinstimmung auf Wuizelgemeinschaft. >Wenn 
wir sagen ,daa Meer durchfurchen', oder engl, to plongh tfae 



mi^p— ^1^1— »— . .^■■■■-- * 



487 

Bea, frz. silloner la mer . . . ., wiederholen wir nur die alte 
radicale Metapher, welche der Wurzel AE die Bedeutungen 
erregen, pflügen und rudern gabt (M. Müller Das Denken im 
Lichte der Sprache 8. 448). 8o gilt also in geringerem Grade 
von allen Dichtem, was man besonders Goethe nachgerühmt 
hat: dass er die verblassten Metaphern der Sprache auffrischt 
(M. Müller ebd.). 

Aber wenn man bei der Metapher das etymologische Ele- 
ment längst beachtet hat, so ist es bei andern Figuren um so 
vollständiger übersehen worden. Wir haben von dem etymo- 
logischen Epitheton ausführlich gehandelt: wenn die Germanen 
der Erde das Epitheton »breite geben, erneuern sie die alte 
Namengebung, welche z. B. bei den Indem die Erde schlecht- 
weg »die Breitet nannten. — Wir haben femer ausgeführt, 
dass oft genug das Prädicat der altgerm. Sätze nichts anderes 
ist, als gleichsam ein Aufthauen des eingefrorenen, im Apella- 
tivum latenten VerbalbegrifEs: »der König hieb Spangen entzwei« 
ist ledighch Entwickelung eines Begriffs, der zur Benennung des 
Königs selbst dienen kann: der König kann auch »Bingbrecher« 
heissen. So fällt ein derartiger Satz unter die pseudoetymolo- 
gischen Figuren; er ist einem Satz wie »le roi r^e« innerlich 
gleichartig. — Und wie das Substantiv als führendes Wort 
Adjectiv oder Verb aus sich herausspinnt, so kann ein ganzes 
Gedicht aus diesem Kem herausgeschält werden. Ich führe 
nur wenige Beispiele an: wie schön erläutert der Lehrspruch 
Häv. 58 die etymologische Verwandtschaft von wach, wecken 
und Wucher (natürhch dies Wort im allgemeineren Sinn ge- 
nommen !). — und neben dem gnomischen Beleg einer aus der 
lyrischen Urpoesie, der Begrüssung der Jahreszeiten entnommen. 
Pictet (Origines indoeuropeennee ^ 1,120) leitet das idg. Wort 
für den Frühling von der Wurzel vas induere sibi, vestire her. 
Er fährt fort: »Partout, dans les locutions ordinaires, et dans 



488 

U po^e, rherbe etlea fieun tapiaseot les champs, les arbres 
ae tev^tcnt de fettilles, la vegitatioQ est an maoteau, qoi re- 
nonrelle cfaaque ann^.< Man kann sich in der That des Ge- 
dukena kaum erwehren, daas diee allgemein gebrauchte Bild 
auf dem allgemeinen Wort beruht, oder vielmehr, am es tiefer 
m fassen, dass dieselbe Anschauung, die den Frühling graade 
von dieser Seite seiner Thäti^eit benannte, auch in der Vor- 
Btellong und Schilderung des einziehenden Frühlingsgottes 
mächtig blieb. — Ebenso beim Winter: nur die griechische 
und lateinische Poesie charakterisiTen ihn durch Scbildenisg 
der Stürme, nur die deutsche durch die Klage um den verlo- 
reneu Vogelgesang — alle aber treffen zusammen in der for- 
melhaften Erwähnung des Schnees, und >le aens primitif de 
hima est sana doute celui de neige« (Pictet aao. S, 106). — 
Herrschen bei den Jahreszeiten diese Vorstellungen vor, so 
treten bei den Crottem verschiedene Seiten ihrer Thätigkeit bei 
verschiedenen Ccelegenheiten in den Vordergrund, oder Zeit und 
Ort der Anrufung lässt ursprünghch geschiedene götthche Kräfte 
wieder einzeln hervortreten, in Thor etwa einmal den Donner- 
gott, einmal den Krieg^ott: *Grlmnir hetumk at Geirradar . . . 
'pttr |]ingam at, ViSurr at vlgmn« sagt 'OAinn selbst von sich 
(Gr. 49,1). Sicher wird die chorische Poesie aus dem jedes 
Mal angewandten Namen und Beinamen grossentheils ihren 
Inhalt abgeleitet haben. . Glebt es doch noch jetzt Gedichte, die 
nur breite Ausführung und Umschreibung des Schlagwortes in 
der Ueberschrift sind. Deshalb hat Bergk gewiss mit Recht 
die stehenden Epitheta der homerischen Dichtung auf die ältere 
Chorpoesie der Hymnen zurückgeführt. — 

Etymol<^e ist also ein Hauptmotor der ältesten Dichtung 
— natürUch nicht ängstlich-gelehrte WurzelfoiBchung, sondern 
kühnes Errathen. Oft genug wird dabei irrige Deutung mit 
unteigelaufen sein; ist doch 'die »VoÜEsetymologiec schon in 



der Wortbildung thatig. Aber oft wird auch ein alter ZuBammen- 
haog noch lebhaft gefühlt worden Bein, und die wiBBenechaftliche 
Etymolc^e darf es nicht verschmähen, zu Bolcfaen alten Be- 
ziehungen gelegentlich Stellung zu nehmen (bo Zimmer QF. 13,71 
für germ. acepa — wozu er das etymologische Epitheton xoiXou 
vijci vergleicht). Noch die mhd. Dichtung hat eich von Bolchen 
oft spielenden Erklärungen leiten lassen (J. Grimm El. Sehr. 
1,306) und die poetische Auslegung des Wortes »Frau* hat 
wieder der gelehrte Spielmann Rückert eraent: »Frauen sind 
genajmt vom Freuen«. — Wenn es die Aufgabe der Dichtung 
scheint, das wirklich Gregebene zu deuten und zu formen, 
indem sie geheime Zusammenhänge ahnt oder aufdeckt, so hat 
sie früh sich an dem Stoff der Sprache selbst versucht: schon 
die älteste Poesie ist Interpretation. — 

Doch die poetische Wortdeutung zeigt nur eine Seite des 
Lebens der Dichtersprache. Hier steht sie, den Blick in die 
Vergangenheit gewandt, unbeweglich da; ist sie wirklich, wie 
wir behaupteten, consequente Fortbildung der iQtesten Keime 
der Sprache, so müssen wir sie auch fortschreiten sehen. 

Die Poesie schreitet in der Auswahl der charakteristischen 
Bezeichnungen (im Epitheton) und Beziehungen (im Prädicat 
mid in ganzen 0«dankeng^gen) fort auf den Bahnen der 
Sprache: ihre >iimere Form« ist abhängig von derjenigen der 
allgemeinen Bede (vgl. Scherer Poetdk S. 226 f.). Für die innere 
Form der Sprache ist nun charakteristisch, dass sie durchauB 
ideaÜBtisch ist; und für die der Dicht«rsprache, daes sie diese 
Anschauung steigert und fortbildet. 

Die Sprechende benennen ein Ding oder ein Wesen nach 
einer besonders auffälligen Eigenschaft: diese bIbo bestimmt 
ihre Idee von dem Ding oder Wesen. Jegliches Exemplar wird 
deshalb nothwendig mit dieser Marke versehen, auch wo das 
thatBächhcb eine Fälschung einschlieBst. Heisst einmal ein 



j noii, an col de crm, 
äes bottee bieo cir^e 



^_ die er Bich denken kann, um räe als ideale Enegei 
^^ zu lassen. — Und non sehe Tnn.n daneben, wie 
^ eine Nebenperson einführt: >Binet entra. B ätait 
^me redingote bleue, tombant droit d'elle mfime tout 
^ie eon cotpe maigre, et ea casquette de cuir, ä pattes 
^MT des cordone sur le sommet de Ba t^te, läissait voir. 
. Tisi^ relev6e, un front chauve . . . H portait un gUet 
pantalon grie, et, en toute 
.« (Madame Borary 6. 82). 
n individuell wie mö^ch; denn die genaue Beschreibung 
sntdfi den Zweck, den Leeer von einer voreiligen Ein- 
g der neuen Figur in fertige Kategorien abzuhalten. Man 
ah nicht den Rock, den Hut, die Stiefel denken, die man 
ist etwa dem Steuereinnehmer zutrauen würde, sondern 
ganz bestimmten Rock, gerade diese Mütze, nur solche 
e, damit ja keine fische Figur herauskomme, sondern 
idividuum, gerade wie es in der Welt nur Individuen 
and keine l^pen. 

ieeer Contrafit bebt, hoffe ich, die Art der alten Dichtung 
ih beraus. Sie wiU keine Individuen, denn sie glaubt 
■n Individuen. Sie identificirt jedes Exemplar mit dem 
pna der Gattung. Wie der Sprache jeder Beig hoch ist, 
det Dichtung jede Königsburg ein iHof des Uuihigenc 
teinzel QF. 10.32,i; deshalb kann Neidhart eingen: »ei ist 
schulden, isi diu grüene beide val' (Neidh, 86,36), so 
goldenen Stahlfedern oder bleiernen Zinnsoldaten 
Dicbtersprache bildet die Anlage der Sprache 
idealietif-che Nennung steigert. Vot Allem 
ii-r Poetisirung das Epitheton. So 
:ier Götter und sonstiger wichtiger 
i'jieei dae schwarze Meei mfvTOf 
wohlwollend 




490 

b«etijmnteB Thier iHeuler«, so wizd aach ein stammea E^em> 
plar dieser Gattung »Heuler« heissen müasen; und heiset 
der König >Mann von höbet Abetammung« , «o wird dies 
Prädikat auch einem Usurpator von niedrigetem Stande zufallen. 
Der allgemeine B^rifi der Gattui^ wird unterscbiedaloe jedem 
Vertreter zuerkannt. Zu solcher idealistischen Nennung stellt 
die realistiBche Literatur der Gegenwart mit ihren Beschreibungen 
bewusst und abeicbtUch sich in den schärfsten Gegensatz. *Ce 
qui diffärencie le plus fadicalement la litt^rature moderne de la 
litt^rature ancienne, c'est le remplacement de la g^oeralit^ par 
la particularit^«, sagen die consequentesten Theoretiker der 
modernen Schule (Journal des Goncourt n 261). Man erlaube 
uns das an einem Beispiel zu erläutern. Ein sehr altes Edda- 
lied führt Nebenpersonen, die in die Handlung eingreifen, wie 
folgt ein: 

nöttum föra seggir, negldar väru brynjur, 

aklldir bliku beira vid enn skarda mäna 

(Vkv. 8 ,1 — 4). Das heiest: der Dichter verleiht ihnen als 
aelbetverständliche Attribute die normalen Ausrüstungsstücke. 
Brünne and Schild thun hier nicht das Geringste znr Sache; 
der alte Dichter kann sich aber eiimial einen Krieger ohne 
Brünne und Schild ebensowenig denken, wie ein zeichnendes 
Kind sich einen Mann ohne Pfeife im Mund vorstellen kann 
(Ricci L'arte dei bambini S. 42). — Ein sehr viel jüngeres 
Eddahed erfüllt die gleiche Aufgabe mit folgenden Worten: 
Tnn gengu fiä jQfrum Hlrir 

Langbards Hdar, hofdu loda rauda, 
stuttar brynjar, steypta hj&lma, 

skAlmiun gyrdir, bofdu skarar jarpar 
(Gud. n 20). — Hier soll die Beschreibung schon zur Charakte- 
ristik dienen — aber eben nur zur idealisirenden: der Spiel- 
mann schmückt die Ejieger mit den prächtigsten Waffen und 



491 

Kleidern, die er sich denken kann, um eie eis ideale En^ei 
erecheinen zu lasseii. — Und nun sehe man daneben, wie 
Flaubert eine Kebenpereon einführt: »Biuet eotra. II 6tait 
v^tu d'une redingote bleue, tombant droit d'elle möme tout 
ftutour de Bon corps maigre, et sa casquette de cuir, ä patt«s 
nou^eB par des cordoos sur le sommet de ea t^te, lüBsait voir, 
BOUB la Tieiire relevte, un front chauve . . . H portait un gilet 
de drap noir, un col de crin, un pantalon gris, et, en toute 
Saison, des bottee bien cir^es . . .< (Madame Bovary S. 82). 
Alles so individuell wie möglich; denn die genaue Beschreibung 
hat gerade den Zweck, den Leser von einer voreiligen Ein- 
stellung der neuen Figur in fertige Kategorien abzuhalten. Man 
soll sich nicht den Rock, den Hut, die Stiefel denken, die man 
zunächst etwa dem Steuereinnehmer zutrauen würde, sondern 
diesen ganz bestinunten Bock, gerade diese Mütze, nur solche 
Schuhe, damit ja keine fische Figur herauskomme, sondern 
ein Individuimi, gerade wie es in der Welt nur Individuen 
giebt und keine Typen. 

Dieser Contrast hebt, hoffe ich, die Art der alten Dichtung 
deutlich heraus. Sie wiU keine Individuen, deim sie ^ubt 
nicht an Individuen. Sie identificdrt jedes Exemplar mit dem 
Paradigma der Grattung. Wie der Sprache jeder Beig hoch ist, 
so ist der Dichtung jede Königeburg ein »Hof des Muthigen« 
(vgl Heinzel QF. 10,32); deshalb kann Neidhart singen: >ez ist 
wol von schulden, iet diu grüene heide val' (Neidh. 86,S6), so 
gut wie wir von goldenen Stahlfedern oder bleiernen Zinnsoldaten 
sprechen. Die Dichtersprache bildet die Anlage der Sprache 
fort, indem sie die idealistische Nennung steigert. Vor Allem 
dient ihr zu diesem Akt der Foetisirung das Epitheton. So 
zuvörderst bei den Beinamen der (Jötter und sonstiger wichtiger 
Wesen, Bei den Griechen heiset das schwarze Meer JtdvToz 
iSSeaioi, nicht weil es dem Fremden besonders wohlwollend 



492 

geönnt wäre — was ja bekanntlich gar nicht der Fall ist — 
sondern weil es ihm günstig sein soll Aber ein glücklicher 
Zufall erhärtet denselben Sinn aoch für diejenigen Epitheta der 
altgerm. Poesie, denen er sonst abgesprochen werden könnte. 
Neben den et]rmologischen oder ■peeadoetymologiBCheno Bei- 
wörtern geht eine groese Zahl von Spithetis her, die die 
Wesenheit des bezeichneten Gegenstandes hiebt berühren. 
Schwerlich ist irgendwo z. B. die Welle nach der Kälte, der 
Schild nach der rothen Farbe benannt worden. Und doch 
dienen auch diese Epitheta dam, den Gegenstand aas der 
Sprache des Alltagslebens in die vollendete, poetische Welt 
hinübeizuzanbem. Uns ist in der ags. IMchtong ein Spruch- 
gedicht von unachätzbarem Werth erhalten, in dem eine Reibe 
idealer Typen Eusammeagestollt sind, nicht nur für Menschen, 
sondern auch für Dinge (vgL ten Brink aao. S. 81 f.). Wir sehen 
nun hier auf das deutUchste, wie das Epitheton die gewünschte 
Beschaffenheit des Hauptworts vorausnimmt (vgl. auch Heinzel 
aao. 21). Es heiset hier >das Schiff soll genagelt sein« — und 
>n^ed 3cip< ist eine poetische Formel. Es heisst »Feuer soll 
Holz verzehren« und »herr aUs vidar* ist eine Cenning des Feuers. 
Es heisst >Erde soll grünen«, und deshalb ist >grän< ein 
poetisches Beiwort der Erde. Und sie kann deshalb auch im 
Winter grün genannt werden, demi »grüne Erde« heisst nur 
^eichsam >die Erde der poetischen Welt«. Und so kann jedes 
Schild golden heiseen und jeder FüiBt edel. 

An diesem wichtigen Punkt stehen wir auf der Scheidung 
der prosaischen und poetischen Benennung. Der Name beruht 
hier und dort noch auf gleichen Principien — nicht mehr der 
Beiname. Gerade den Germanen ist es eine Uebe Sitte, 
einzelnen Personen einen stehenden Beinamen zu geben (vgl. 
J. Grimm Kl. Sehr. 3,354 f.). Die Natur der germ. Beinamen 
nun hat Müllenhoff (Zur Btmenlehre S. 54 f.) schön eHäutert. In 



493 

der R^el giebt der Beinaxne wirklich einen Beitrag zur 
Charakteristik der Person und fügt der idealistischen Benennung 
im Eigennamen ein realistisches Gegenstück bei, so dass z. B. 
wenn Jemand Henricus dictos Eselescop (Grimm aao.) genannt 
wird, der Beiname hinter dem Eigennamen hertrottet, wie 
Sancho Pansa im Gefolge des Don Quijote. Selbst die enko- 
miastischen Beinamen historischer Personen sind doch als 
wirklich charakteristisch gedacht. Und von da hat die Poesie 
denn die einzigen eigentlich realistischen Epitheta übernommen: 
nur die genealogischen Beiworte sind nicht idealisirender Natur, 
und sie stammen aus dem wirklichen Leben; ja wir hätten sie 
den ceremoniellen Formeln beigesellen dürfen. 

Insofern berühren doch aber die poetischen Epitheta sich 
noch mit den Beinamen des gewöhnlichen Lebens, als wie diese 
(vgL Weinhold Altnord. Leben S. 277 f.) auch sie meist von 
äusserhchen Eigenschaften hergenommen sind, die sich den 
Sinnen sofort aufdrängen. So sind denn die eddischen Epitheta 
wesentlich von zweierlei Art: Farben- und Stofiangaben. Aber 
deshalb bleibt jener grosse Unterschied bestehen. Ein Allgemein- 
begriff könnte ja überhaupt nicht in derselben Weise mit einem 
ins Kleinste eingehenden realistisch malenden Beiwort versehen 
werden wie ein Lidividuum. Aber unsere wissenschaftliche 
Terminologie versucht dies inamerhin. Die poetische Termino- 
logie hingegen ist idealistisch: nicht wie das Ding ist, sondern 
wie es sein sollte. 

Wie diese idealistische Tendenz der Poesie sich zugleich 
mit der Mythologie berührt, ist für die Lyrik zum Theil ganz 
hübsch von Du Prel (Psychologie der Lyrik Leipzig 1887) gezeigt 
worden; auch hierin erneuert sie alte Anschauungen (vgl. aao. 
94 f.: »Die Lyrik als paläontologische Weltanschauimg«). — 
Wie die altgerm. Poesie und die altgerm. Religion sich im 



494 

Begrifi der Rune beg^nea, spricht Petetsea (Noidisk Mytho- 
logie S. 214) aas. 

Jenes mystisohe Etwas nämlich, welches ein wirklich vor- 
handenea Ding und Wesen iii dem macht, was es sein soll — 
jenes Uniassbare, das als ideale Eigenheit gedacht wird, das 
die Sprache zur Benennong und die Poesie xnr Chaiakteristik 
des Dinges oder Wesens benatzt — das nennt die Philosophie 
der alten Germanen das Geheimnias dieses Gegenstandes, 
dieses GrMchöptes. Wir können deshalb das eben Gesagte dahin 
zosammenfaraen: die poetische Sprache idealisiTt fort im Sinne 
der orsprünglichen Namei^bong, indem sie jeglichem Appellativ 
tmd jeder Person die ihr znkommende Rune noch eigens zu- 
legt. -~ Wir erinnern an unsere Besprechung der alten Zauber- 
formeln. Der fluch ist feierliche Trennung der Rtme von 
ihrem Träger; Gerdr soll nicht mehr sein, was zu sein ihr 
zukäme : eine Jungfrau 7on siegreicher Schönheit und glücklicher 
Lebenshaltung; Dagr soll nicht mehr sein, was er eigentlich 
sein sollte: tapfer im Kampf und glücklich selbst in der Be- 
drängniss. Der Segen ist feierliche Anerkennung der Rune: 
Agnaxi soll ein Musterkönig sein. Die Poesie also erst benennt 
mit ToUem und wahrem Titel, denn nur sie schmückt, was in 
ihr lebt, mit dem zauberkiäftigen runischen Epitheton. Und 
diese Aufgabe der alten Poesie ist in der Edda in mythischer 
Verkleidung geschildert und verherrlicht: sie schildert sie als 
Erfindung der Rimen. 

Sklmir sagt in einer von MüUenhoff (Znz Runenlehre S. 66) 
sehr schön ausgedeuteten Stelle: *Ti\. holte ek gekk ok til hraa 
vidar, gambantein at geta: gambantein ek gat« (Sk. 30), Der 
Typus dieser Verse ist höchst voLksthümlich (vgl. z. B. Uhlands 
Volkslieder N". 21. 24 und noch Goethes Gedicht »Ich gmg im 
Walde 90 für mich hin«; noch genauer stimmt der Elingang 
eiues ruthenischen Volksliedes bei Franzos Aus Halbasien H 



495 

259). Diese Eiiüeitung ist also alt geheiligt und gefestigt. 
Ziehen wir die Einkleidung ab, so sagt sehr ähnlich '0|>inn 
im Runatal: »nam ek upp rünarc (Häv. 138,4). Darf man diese 
Worte, von dem vindga meidi i (HAv. 137,2) hängenden Gott 
gesagt, nicht wörtlich verstehen: ich nahm die Runen auf, d. h. 
ich fand an dem Baum den gambantein? Müllenhofi (D. Alt. 
V, 1,270) übersetzt »ich nahm herauf -erfand« und vergleicht 
mit der schon citirten wichtigen Stelle HAv. 139 die Verse 
Word oder fand s6de gebunden Beov. 871. Wie aber erfand 
'Ot)inn die Runen? und was brauchte Skimir lange zu suchen, 
wenn er in ein behebiges Reis Zeichen schnitzen wollte? Er 
fand die Zauberruthe, die Müllenhofi selbst mit dem Runen- 
stab identificirt. Wie das? Ich denke es mir so, dass zuerst 
Reiser gesucht wurden, die selbst schon die Form einer Rune 
hatten. Skimir also geht in den Wald und findet dort einen 
Stab von der Form ^ Dies ist eine rüna, ein geheimnissvolles 
der Interpretation bedürftiges Zeichen (Müllenhofi Zur Runen- 
lehre S. 31); er nimmt es mit, und sobald er Gerdr zwingen 
will, sagt er »|)urs rist ek |)&r« — d. h. er versieht den surculus 
notis quibusdam, incantamentis quibusdam (liUencron aao. 17), 
die er auch wieder beseitigen kann, wenn er will: »svä ek |)at 
af rist, sem ek |>at ä reist (vgl. auch die Stelle des Runenhed 
über Ing), ef gorask {)arfar ])ess«. Was war das für ein Zeichen, 
von dem das Schicksal der Grerdr abhing? LiUencron (aao. 19) 
hat zwei schwierige Stellen der Edda in höchst scharfsinniger 
^^^eise so erläutert, dass die Antwort auf diese Frage leicht 
scheint: »Der Runenstab ward gesprochen oder gesungen zimi 
Versstab«. Der Vers weckt, wie lihencron schön sagt, die 
Zauberkraft des Zeichens: indem Skimir auf das gefundene 
|)ur6 den zweiten Vers reimt, macht er den tein zum gamban« 
tein. Indem er eine auf Grerdr bezüghche nota in den ge- 
schnittenen Stab schabt (Sigrdr. 18,1—2, MüUeiüio£E |M^& 5(^ 




Betet er >die Wesenhüt der Dinge in xaubeArBftig wirkmde 
Bewegung« (LiliencroQ aoo. 20). 

Es würde viel ta weit führen, wenn ich diese Aufiasaang 
mit der MlUlenfaoSs and Liliencrons nnd ihrer Qoellen näher 
vergleichen wollte, imnal in späterer Zeit gewiss aUgemein 
üblich war, die Ronen sfllbst m schmtzen, nicht bloaa ihre An- 
wendung auf ihnen zn rermerken. Nor die Erfindung der 
Ronen sei es gestattet darai}ihin noch einen Angenblick zu 
prüfen. '0|)inn hängt am windigen Baum (wie der Otso des 
flnnisohen ZanberUeds: Kanteletar übe. von H. Faul S. 338, Tgl. 
Anm. 8) und entdeckt dort die Bedeutung der KeiBer. Von da 
>datirt erst sein ganzes Vermögen, «11 sein Können und VoU- 
biingen« (D. Alt. V 271, vgl. Petersen aao. S. 213). Die Er- 
findung hätte also in der Kunst bestanden, Wort vom Worte 
das Wort suchen zu lassen: in der Findung der Reimstäbe, 
die das Symbol auf die Person anwenden. 

Von dieser Anachauung ausgehend vergleiche man nun mit 
jenen Versen Skimirs: 

f>urB riet ek {>6r ok ]>rjä stafi: 
ei^ ok oedi ok ö|>ola 
die Erzählung von der Schöpfung der Menschen: 

fundn ä landi litt megandi 

Ask ok Emblu orlggiausa. 

Qod |>au n^ ättu, öd {)au ne h^fdu, 

lä n^ laeti ne litu göda; 

ond gaf 'Odion, 66 gaf Hoenir 

U gaf Lödurr ok ütu göda (Vol. 20,5—8. 21). 

Der Zauberspruch vernichtet Gerdr und belebt Ask und 
Embk. Liliencrone geniale Deutung bewahrheitet sich hier 
vollauf: die Rune vertritt jenes Schöpfungswort, du das Licht 
schafft. Wie der göttliche Schöpfer nach der Bibel dem Erdea- 
kloBB, wie Athena dem Werk des Prometheus Leben eist ein- 



497 

hauchen mu66, bo wird durch die Rune aus dem Worte das 
Werk. Während sonst bei Zaubergebräuchen ein Bild die 
Person vertreten muss, die erfahren soll, was der Zauberer sie 
in effigie leiden lässt, steht hier umgekehrt der Stab statt des 
Schicksals (etwa wie die Karten von den Elartenlegerinnen ge- 
braucht werden) und wird auf die Person erst angewandt. 
Darum heissen Ask und Embla »schicksalslos«, bis ihnen die 
Rimen zugetheilt sind. Und Ask und Embla sind Baumnamen ; 
sie sind selbst gleichsam Runenstäbe, die erst das begleitende 
Wort belebt. Das ist die Aufgabe der Poesie, darin eben ist 
sie Vollendung und höchste Stufe der menschlichen Sprache: 
sie belebt die Dinge, indem sie ihr Greheimniss ausspricht. — 

Vor Allem ist also in der Weiterbildung des für die innere 
Form massgebenden Princips die poetische Sprache die folge- 
richtige imd entschiedene Fortbildnerin der allgemeinen Sprache. 
Sie ist es aber auch in Hinsicht auf die äussere Form. 

Zwar der älteste Akt der Sprachformung, die eigentliche 
Wortschöpfung, hat nach unserer schon oben ausgesprochenen 
Ansicht innerhalb der Dichtersprache keine Analogie. Wohl 
gäbe es eine Stelle, die dazu Möglichkeit böte: die Namengebimg 
im engeren Sinne nämlich, die Verleihung von Eigennamen. 
Als eine letzte Gelegenheit zur Worterfindung hat sie sich bis 
in imsere Tage gerettet und leicht mag auch hier wieder die 
Kunstübimg unserer Tage auf die allerältesten Anfänge der 
Rede ein Licht werfen. Ich sammle seit langer Zeit für eine 
Studie über die literarische Namengebung. Jedenfalls ist klar, 
dass in frei gegebenen Personennamen sich zwei Hauptklassen 
scheiden: aussagende Namen, wie z. B. Thorowgood in 
Lillos Kaufmann von London (vgl. Danzel Lessing 1,311) oder 
Mittler in den Wahlverwandtschaften, oder in der Edda selbst 
Fitjimgr (Häv. 77) und die Namen der RigsJ)ula, imd an- 
deutende Namen, die keine bestinamte Vorstellimg, aber eine 

Meyer, AltgermaniBohe Poaiie. °^ 



aobeBtimmte Stimmang erveckeiL Za IsMenta. Zweck bedienb 
Bich >. B. das fnuuösiBche LuBtepiel fremder Namen wie 
Damia, Gluysander a. d^i., die vag idealiairen und dadnrcl: 
■alle lebendige Individualität todtschlagen« (Daniel ebd. 131) 
Spätere aber frei eifnndener Namen, die *auf inationelle malend« 
Weiae, schon doich ihren Klang die individuelle Vorstellung 
die dtt moderne Dichter beabsichtigte, hervoniefenc (Brande) 
Holberg S. 129, vgl. %. B. G. Frejtag Werke 1,180, Can 
leaei:^ and Swift S. 88 f.). Aach hier will ich freilich mein« 
Zweifel nicht onterdrücksn, ob nicht selbst in solchen FäHei 
die gesprochme Sprach« unter Difierenaimngen hervorblickt 
Jedenfalls aber ist freie Umformung hier möglich; mid so wän 
denkbar, dass unter der Masse mythologischer Namen in dei 
Namenstrophen der Voluapä oder Rlgajinla sich auch solch) 
laatphysiognomiBchen Eigennamen beenden. Das wäre abe: 
eben auch der einzige Fall, in welchem Sprachschöpfung der all 
gemeinen und der dichterischen Rede sich vergleichen liessen 
Sobald aber im weiteren X<eben der Sprache Compositio] 
und Analogiebildung an Stelle der ersten Gestaltung treten, un 
den vorhandenen StofE in reichster Fülle auszubilden, zeigt sid 
wieder die Dichtersprache als Nachfolgerin der allgemeine; 
Sprache. Bezeichnend sind vor Allem die Eenningar. Wi 
wiesen darauf hin, dass eine Wortbildung wie >Silbeiling> gan 
eigentlich zu den Eenningen gehört; wir zeigten, dass selbe 
gesucht erschemende poetische Umschreibungen oft in alltägliche 
Wortzusammensetzungen der Sprache ihr Gegenstück ändei 
Wenn die Analc^ebüdung z. B. bestimmte Flexionen an Stamm 
trägt, denen sie von Haus aus fremd sind, so vergleicht sie 
dem deruneigentUche, formelhafte Gebrauch zahlloser Wendunget 
etwa die Uebertragung der Formel >Erde und Ueberhinomel 
auB dem Schöpfongsbericht in eine beliebige Beschwörung od< 
gar in eine allgemeine Aussage. — Wie die Sprache selbi 



499 

gajize Wortklassen fallen lässt oder pflegt, so die Dichtersprache ; 
es ist kdn Zufall, wenn dieser Hauptdialekt der grossen Mutter 
in der Bewahrung und Pflege gerade der Tonbeseichnungen 
nachstrebt. — Und so liesse sich hundertmal im Granzen und 
im Einzelnen die poetische Sprache als Fortsetzung und Aus- 
bildung der jeweilig gesprochenen Rede auch in Hinsicht auf 
die äussere Form erklären. -— 

Vielleicht aber sind wir hierauf bereits zu weit eingegangen. 
Wir wollen deshalb die Charakteristik der poetischen Sprache 
damit zum Abschluss bringen, dass wir ihr Verhältniss zur 
Alltagssprache mit dem vergleichen, welches zu der Dichtersprache 
selbst eine letzte, auf engster Auswahl beruhende »Sprache« 
einnimmt: die Namengebung selbst, die im wirklichen Leben 
blühende Verleihung von Eigennamen. 

Die altgerm. Namenverleihung steht zu der Dichtersprache, 
behaupten wir, in dem gleichen Verhältniss einer steigernden 
Auslese, wie diese zu der Rede des Tags. Das zeigt sich schon 
äusserlich. In der gesprochenen Sprache leben alle Wortklassen 
— die altgerm. Poesie unterdrückt zu Gunsten der Substantiva 
die übrigen, lässt %ie doch aber noch bestehen; die Namengebung 
aber kennt nur Substantiva und höchstens im Beinamen ein 
dienendes Adjectiv. — Zwingt femer die poetische Form, was 
man sonst in lässiger Breite sagen kann, in knappe Form zu 
drängen und ist gerade die altgerm. Poesie diesem Prozess der 
Verdichtung ergeben, so bedeutet der Name die letzte mögUche 
Verkürzung eines Satzes. Die meisten Namen sind freilich 
einfach Umschreibungen: wir erwähnten schon, dass »Heerwolf« 
sowohl Eigenname ist als Kenning; »linnvengis bil« (Odd. 30,3) 
sagt dasselbe wie der Frauenname Koltrün (MüUenhoS Zur 
Runenlehre S. 48). Aber ein Dvandva-Compositum als Name ent- 
spricht deutlich einer Zwillingsformel: Berhtwiz ist gleichartig mit 

der tautologischen Verbindung »uuUtig endi uuunsam« (Hei. 1393 

82* 



600 

vgl Sierera S. 444 a Anm. 16). Und der Name kann weitei 
eine ganze poetiBche Satzfonnel in eine WortzuBammensetziui^ 
vetdicbtet wiedergeben. Eine breite poetische Formel ist die 
folgende: >daz ai . . . gät alsam der liebte eunne hat an einem 
tage slnen achln läter onde reine« (Sperr. 24,3, vgl. Bnrdacfa 
Walther und Beinmar S. 48). Mit dieser ganzen Formel fällt 
ee völlig zosanunen, wenn ein Mädchen SAIberta heisst; der 
Name genügt, mn jene Satzformel in die älteste Zeit hinauf zu 
• datiren. Der Name Madalberta sagt dasselbe wie die Formel 
>er was eö wortapaehe« (Wümannfi Leben Walthers Amn. I 19^ 
mid hier wieder sagt das Compositam dasselbe, wie sonst der 
ganze Satz »wie wol er Edne rede kan.< 

Worauf beruht nun die Namenverleihung der alten Ger- 
manen ? Im Wesentlichen auf der Verbindung zweier Elemente : 
des genealogischen — und des runischen. 

>Eine bei den Griechen und Germanen sich findende Sitte 
war, dass in den Kindesnamen eines der Compositionsglieder 
herübergenommen wurde, die in Vaters- oder Muttemamen ent- 
halten waren : z, B. äa/cxpaxrfi Sobn des iloMud^i . . .- Waldbert 
und Wolfbert Söhne des Hrambert« (Brugmann Grundriss der 
Tgl. Gram, der Idg. Sprachen II 1 S. 32). Diese Sitte ver- 
ewigt in den Kamen die genealogischen Beziehungen; sie er- 
innert an die stofflichen, die realistischen CompositioDSgliedei 
der Kenninge. Es bleibt in den stets componirten Namen ein 
Theil frei — and die Composition selbst i und diese freien 
Theile vergleichen sich den finalen, den idealistischen Compo- 
sitionsgUedem der Kenninge. 

Die alten Namen verbinden gern Abstracta. Denn die 
altgerm. (und jede lebendige und gesunde) Namenverleihung 
wird von der Anschauung beherrscht, dass mit dem Namen 
dem Kinde ein dauernder Segensspruch mitgegeben wird (vgl. 
Scherer L.-G. S. 10). Der Name ist ein Wunsch; wie bei uns 



501 

die Benennung nach beetimmten Heroen, so zeichnet jeder alte 
Name dem Träger ein Ideal vor. Der alte Ismael Mengs nannte 
seinen Sohn Rafael, damit er ein Rafael werde; so soll eine 
Dagahilt eine Eämpferin strahlend wie der Tag werden. Leo 
wunderte sich zwar sehr, dass Tausende von Bäuerinnen imd 
leibeigenen Weibern zu Namen gekommen seien, die auf Ruhm, 
Krieg, Eriegsruhm und Schlacht deuten, und die sich allenfalls 
für Fürstinnen und Ritterfrauen, aber nicht für ancülae passten 
(Ferienschriften I, 101 Anm.). Aber seine keltischen Erklä- 
nmgen haben . die Thatsache nicht weggewischt, dass auch nicht- 
adlige Eltern ihren Kindern solche Ideale vorzuzeichnen wagten. 
Deshalb also ist der eine Theil des Namens meist ein ausge- 
sprochen runischer: es ist der Zauberstab, der dem Kinde in 
die Wiege gelegt wird und zu dem dann der andere Bestand- 
theil des Namens die persönüche nota fügt. Diese aber stammt 
meist aus dem Namen eines Famihenmitgheds, so dass der 
Eigenname dann wieder das Individuum in den Kreuzungspunkt 
zweier Linien stellt: wo das allgemeine Ideal (angedeutet z. B. 
durch den Namenstheil Hilde- oder Hadu-) und die Tradition 
der Sippe (symbolisirt z. B. durch den Namenstheil -brand) sich 
vereinigen (Hildebrand, Hadubrand), da ist seine Stelle. Wie 
Skimir der Gerda die Rune {)urs schnitzt, so weiht der Pathe 
dem Kind etwa die Rune ans; und nun nennt er es 'Asbera 
(nach einer Kostbera) oder 'Asbjgrg (nach einer IngibjQrg) oder 
'Asgerdr oder 'Ashildr u. s. w. (^Veinhold Altnord. Leben S. 275). 
Jedenfalls vereint der Name beide Elemente in sich, mag selbst 
nur der gemeinsame Anlaut das einzelne Glied in die Sippe 
einzeichnen. 

Ja so genau entsprechen sich Namenverleihung und poe- 
tische Sprache — so genau steht die Benennung der lebenden 
Kinder zu derjenigen der Dinge imd Wesen der poetischen 
Welt in Beziehung, dass sogar die Entartung beider auf altn. 



502 

Boden gleichartig ist. Wie die Sk&ldenpoeaie aich schllesBli 
in die Kunst auflöst, deo Dingen möglichst gesuchte Jfam 
zu geben, so hat die VaristioosluEt bei den Eigennuamen 
ähnlichen Extravaganzen geführt. Von hier übersehen wir dei 
diese ganze Entwickelung. Wenn z. B. die zweite Rune ür i 
jedes Thier steht (Liliencron aao. S. 22), so beschränkt ai- 
die ältere Namengebung doch hauptsächlich auf die Verwe 
düng der heiligen Thiere (hrabaa imd wolf Weinhoid D. I 
I 12), wenn auch vereinzelt schon früh Nameu wie Ospii 
begegnen: dagegen die jüngere nimmt Bar, Fuchs, Eber, Mi 
der. Robb, Hund, Katze, Widder, Lamm, Bock, Geiss, Ka 
hinzu — von den Vögelnamen noch abgesehen O^'einhold A 
nord. Leben S. 272). So entfernt die skaldische An des A 
varürens mehr und mehr von der großsen Bedeutung der N 
mengebung. Dem einfachen 'Asbjgrg entspricht bald ein Thöi 
steinn ; und vollends einen bestimmten Mann Ketilbjorn : 
nennen, erscheint uns so gesucht, ja abgeschmackt, wie wer 
der »Held« im Allgemeinen «brjTiJjings ipaldr' heiset. — 

Wir dürfen also unsere zur Charakteristik der poetisch* 
Sprache aufgestellte These wie folgt wiederholen und erläuten 
Die poetische Sprache der alten Germanen ist ein kunstmäss 
herausgebildeter Dialekt der jeweilig gesprochenen Sprache. S 
ist die folgerichtige Fortsetzung der in der Sprache gegeben« 
Richtungen. Für die Art dieser Fortsetzung ist in Bezug ai 
die innere Form ihre ideaUstiache Tendenz, in Bezug auf d 
äussere Form ihr Streben zur Verdichtung, in Bezug auf D 
eignes Fortleben die Uebung, vorhandene Elemente in aeu< 
Weise zu combiniren. bezeichnend und dadurch für das Sprac! 
leben selbst belehrend. Nach all diesen Gesichtspunktea b 
deutet die oltgerm. Art der Personenbenennung eine weite: 
Steigerung in derselben Richtung und diese ist daher zur E 
liiuterung jener Tendenzen zu verwertben. — 



503 



§ 29. -Zur altgermanischen StilgeBchichte. 

Ist der vorige Paragraph etwas lang gerathen, so bittet der 
Autor »gar demüthiglich tun Vergebungc, wie der biedere 
Kortum im zwanzigsten Kapitel des ersten Theils der Jobsiade 
und verspricht ein Gleiches wie derselbe. Denn ich habe in 
meinen Anmerkungen zur StUgeschichte nur kurz auszuführen, 
was oben für die »äussere Form« bemerkt wurde, und ebenso 
in denen zur Poetik nur das auf die »innere Form« Be- 
züghehe. — 

Als leitendes Princip in der Entwickelung der äusseren 
Form innerhalb der poetischen Sprache haben wir die Neigung 
zu zunehmender Condensirung bereits bezeichnet. Fast über- 
all, wo secundäre Formeln primären gegenüberstehen, ist die 
jüngere Form einfach durch Verdichtung der älteren gewonnen. 
Die kenning drängt zwei heiti in Ein Wort zusammen, die 
Zwillingsformel den wesentlichen Inhalt zweier Verse in Ein 
Wortpaar, die Metapher die Satzreihe eines vollen Vergleiches 
in Einen Satz. Diese Bewegung geht Hand in Hand mit der 
zunehmenden Substantivirung: Der Inhalt ganzer Sätze wird in 
Ein nomen agentis versteinert, was besonders deutlich in der 
ags. Substantivirung von Greräuschworten hervortritt. Am Aus- 
gang der altgerm. Literatur erlebt diese Neigung dann ihren 
höchsten Triumph in der massenhaften Einstellung alter Kurz- 
verse in neue Verse. — 

Eine Ausnahme von diesem allgemeinen Gresetz scheint es 
zu bilden, wenn nur ältere Lieder feste Apposition, fast nur 
jüngere stehende Begleitsätze haben. Thatsächhch aber ist 
dieser Fall den vorigen vöUig analog: wie Scherer (QF. I 28) 
gelehrt hat, haben solche Sätze völlig die Geltung fester Epi- 
theta und somit wird hier ein ganzer Satz in den Raum eines 



604 

AdjectiTS gediängt: m&n moas sich solche Faienthesen hastig 
gesprochen denken. 

Eine wirkliche Ausnahme macht dagegen die Umschreibung 
des SaperlatiTs durch den ComparatiT mit »Alle«. Sie hat wie 
gezeigt innere Ursachen: man meidet noch die Form des Super- 
laÜTS and möchte doch den höcbaten Grad ausdrücken ; des- 
halb führt man diese gedehnte Formel ein. Später tritt dann 
wieder der kürzere Superlativ ein. 

Bestimmte Absicht Uegt auch zwei anderen nicht veren- 
genden sondern verbreiternden Formelklassen zu Grunde: die 
Doppelverse bezwecken lyrische, die Netibelebung der Parallel- 
verse in spateren Liedern bezweckt pathetische und zwar ar- 
chaiatißch -feierliche Wirkung. — 

Im Ganzen kann man die Formehi der altgerm. Poesie in 
zwei Hauptklassen theilen: symbolische und accentuirende For- 
meln. Wir könnten sie vielleicht auch in Analogie der Haupt- 
klassen sprachlicher Elemente als prädicative und demon- 
strative Formeln unterscheiden. Symbolische Formeln 
bilden durch die Stellung und Ordnung der Worte diejenige 
der damit ausgedrückten Dinge nach; hierher rechne ich beson- 
ders Wortwiederholung, Wortaufnahme, Parallelismus der Theile 
beim Aufbau der Gedichte. Früher oder später verlieren bei 
all diesen Figuren die Dichter das Gefühl für die Symbolik. 
Am längsten hat es sich beim zaubermässigen Gebrauch der 
flectirten Wortwiederholung lebendig erhalten. Die Wortauf- 
nahme, in der zunächst die Streitenden ihre Worte auffangen 
und. zurückschleudem wie beim Ballspiel, hat sich zwar immer 
behauptet, aber mehr und mehr verwandelt sie sich in eine 
technische Hilfsformel, Die alte rhetorische Wortaufnahme, die 
Seele des lebendigen Dialogs und damit von grosser Bedeutung 
für die Vorgeschichte des Dramas, ist nahezu unter die Arten 
etymologischer Poesie einzureihen: wie wir den Dichter ganze 



505 

Lieder aus einem Scblagworte entwickeln sahen, so leitet oft 
der Gegner die ganze Antwortrede nur aus dem Stichwort des 
Unterredners her — und zuweilen auch die That, mit der er 
antwortet. Hier also ist in der Dichtung wie im Leben rasche 
Bewegung, Wiedergabe, Ausgleich; so im ELarbardslied. Wie 
sticht davon die lahme Wortverschleppung später Heldenlieder 
ab, vor allem der Atlakvida (z. B. Akv. 39,4 — 6 gr6tu bom 
Hüna, nema ein Gudrun, er hön aeva gr^t), nächstdem in den 
HamdismÄl! — Der symmetrische Aufbau aber ist ganz und 
gar aus der symbolischen, abwiegenden Art etwa von Vol. 21 
zu dem kunstmässigen Grundriss eines Gredichtes wie Rigsmal 
geworden. — Ein äusseres Kennzeichen für diese Umwandelung 
ist in den beiden letzteren Fällen (wie auch sonst) das Abster- 
ben des Chiasmus, der symbolische Figuren noch stärker her- 
auszuheben pflegt — 

Alle technischen Formeln sind accentuirend, d. h. sie 
beabsichtigen, der Stelle, an der sie stehen, besondere Aufmerk- 
samkeit zuzuwenden. Wie Leuchten werden sie aufgestellt — 
entweder um einen einzelnen Punkt ins Licht zu stellen, oder 
aber um in fortlaufender Linie einen Weg zu erhellen. Danach 
theilen wir die technischen Formeln in zwei Unterabtheilungen: 
die einen streben einen bestimmten Begriff oder eine einzelne 
Vorstellung, die andern eine hervorragend wichtige Stelle des 
Gedichts, Anfang oder Ende nämlich eines Abschnitts, in ein- 
dringlicher Form auszuzeichnen. 

Das Hauptmittel zur Hervorhebung einer inhaltlich wichtigen 
Stelle ist das uralte, weil einfachste Mittel der Doppelung. 
Wir sind ihm bereits ein Mal sehr nahe gekommen. Das 
tautologische Epitheton steigert den (Jedankenreim der Congruenz 
zwischen Substantiv und Adjectiv (Scherer Z. G. d. d. Sprache 
^ S. 459) bis zum rührenden G^dankenreim : urvi prithivi, »die 
breite Erde« wäre eine asyndetische Zwillingsform tautologischer 



S06 

Natar so gnt irie opt dsjaldan. Diese selbe Form aber, durcl 
Wiederholung den Begriff womöglich zu steigern, jedeufallf 
wirkungsvoller vonofübren, zieht sich durch zahlreiche poetische 
Figuren der altgerm. Poesie (für die romanische vgl. LeiSholdl 
aao. S. 59f.). Wortverdoppelui^ und Versverdoppelung sind die 
einfachsten Formen, die oft freilich auch symbolischer Natoi 
sein können. Dazu tritt das Princip der Variation, und wii 
haben Zwillingsformeln und Parallelveise. Es sei hier ein 
merkwürdiges Beispiel für die Beharrlichkeit solcher Mittel an- 
geführt. Lok. 7,1 heisst es mit nachdrucksvollem Pleonasmus: 
ihvi |>egid 6t svA . . . &t ^r maela nä megnd«. Und- genau so 
nach Jahrbunderteu auf einem fernen Boden, aber freilich is 
volksthümlieher Tradition, bei Neidhart 25,3: »dö geaweic ir 
znnge, daz si niht ensprach," und sogar bei dem echt höfischen 
Reinmar : »so sweic et ich deich niht ensprach« 153,29. Dae 
positiv Gesagte wird negativ wiederholt, genau wie in opi 
ÖBJaldan oder auch in Rechtsfonneln (J. Grimm, RA. S. 27). 
Auch das ist eine Äueschöpfung des Begrifis, anders freilich 
gewandt als bei der etymologischen Gedankenentwicklung 
Und diese Manier steigert sich dann weiter bis zur Häufui^, 
die in bestimmter technischer Regelung die Priamel ei^ebt. 

Und wie inhaltlich über den Höhepunkten der Erzählung 
alles Andere vergessen wird (man denke an W. Grinmis be' 
rühmte Charakteristik der Erzählung in den Volksliedern), so 
ist in technischer Hinsicht den hochbetonten Stellen gegenübei 
der ganze Verskörper blosse Füllung. Als Mittel dieser gewise 
jüngeren formellen Auszeichnung aber benutzt der Dichter den 
ihm schon geläufigen Kunstgriff der Wiederholimg. Den Vera^ 
anfang zeichnet Wortwiederholung aus: Anaphora; den Vers- 
schluas Wiederbringung typischer Worte: stehende Vetsausgäi^e. 
Den Abschnitt leiten ein und sciiliessen wiederkehrende Zeilen 
und Strophen: Refrain, Gegenretrain, 



507 

Und die Form der Wiederholung, die technische Rücksichten 
geschaffen haben, nämlich die Wiederholung an hochbetonten, 
aber durch grössere Zwischenräume getrennten Stellen, sie wird 
nun auch angewandt, um inhaltlich wichtige Punkte gleichsam 
durch herausgehängte Fahnen zu maxkiren: hierher all die 
typischen Abschnittsformeln. Hierher gehört aber auch der 
Brauch, Stellen, die besondere Aufmerksamkeit verlangen, ich 
möchte sngen geistig zu doppeln. Dem Begriff wird ein 
Gleichniss, dem Satz ein Sprichwort oder eine Antithese an- 
gehängt und Bild und Gregenbild, sich wechselseitig erleuchtend, 
zeichnen die betonte Stelle aus. Schon rein äusserlich erzwingt 
des Dichters Verweilen von dem Zuhörer längere Betrachtung 
des Gegenstandes. Und innerlich sucht er die Vorstellung so 
rein wie möghch herauszustellen und mit Nachdruck zu steigern : 
er sucht ein Bild, in dem was er betont, sich klar aufdrängt, 
in dem die zufälligen Momente fehlen, die das Gegenbild in 
seiner Erzählung verunreinigen. Das Eis glänzt, aber es hat 
doch schmutzige Stellen. Er aber will .es als fleckenlos strahlend 
gedacht wissen: er nimmt das Glänzendste, was er kennt, den 
Edelstein, und vergleicht damit das Eis. Und so sehen wir, 
wie auch diese Anhänge nichts anderes sind, als idealisirende 
Beigaben zu dem vorgeführten Begriff, den Epithetis durchaus 
entsprechend, welche das Hauptwort potenziren. 

Wie weit nun diese durchgehende Doppelung auf dem 
paarigen Bau der germanischen Poesie (wir erinnern an jene 
Worte Weises) beruht, wie weit sie aller Dichtung eigenthümlich, 
wie weit sie endlich schon in der Sprache selbst üblich oder 
vorgebildet ist, das haben wir hier nicht zu untersuchen. Das 
aber ist klar, dass mit der Zeit immer mehr die Dichter die 
zu Gebot stehenden Älittel kunstmässig verwenden lernen. 
Mag die Figur ursprüngUch geheinmissvoUes Symbol sein oder 
zufälliges Ergebniss des sprachlichen Stoffes und der metrischen 



508 

Ffigtmg — Ümen wird, wi« B. Auerbach onmal sagt, allf 
Schwelle zam Bau. Wie überlegt sie voigehen, hatten wir b< 
sondets bei Besprechung von Refrain und Gregenrefraiu zu zeigeE 
Mehr einer unwillkÜrUchea Analogiebildnug siebt es dag^a 
gleich, wenn sie der uralten Eingangsfoimel eine Schlussformc 
snr Seite stellen, die ja für die G-liederung der G«dicht 
eigmtlich nichts leisten kann. Und so sind wir auch hie 
dazu gekommen, statt der abetrakten sich selbst dichtendei 
Lieder den piaktiBcheo Dichterrerstand bei der Arbeit m treffe: 
{vgL Scberer J. Grimm ' S. 144f.^ and finden, dass wie überal 
die Grenzlinien schwanken, so auch iwischen Stilgeechichte nn 
Poetik, zwischen der unwiderstehlichea Wirkung der Form an 
des ätofiea auf den Geist des Dichters und der nicht minde 
mächtigen Wirkung seines Geistes auf Form und Stoff. — 



g 30. Zur altgermanischen Poetik. 

Wir suchen uns in die Seele eines Dichters der altgerix 
Zeit zu versetzen und seine Slellung zu Stofi und Form de 
Poesie in wenigen kurzen Lehrsätzen auszudrücken. 

L Innere Form (vgl. Scherer Poetik S. 226f.). 

1. So wenig wir an ein Erfinden bei der Sprache glaubei 
so wenig beim Inhalt der Poesie (vgl allgemein Scherer aao. S. 147 

2. Der Dichter will auch nicht erfinden: als alt, als merli 
würdig preist er seine Lieder an, nicht als neu. 

3. Er ist also völlig objectiv; ob er epische Lieder voi 
trägt oder gnomische Sprüche — immer glaubt er nur Wiasene 
werthes zu berichten. 

4. Vor allem völlig objectiv ist der Lehrdicbter. Spmcb 
Sammlungen giebt es zahllose in der Weltliteratox; aber fre 
von Subjektivität sind weder die Spruche Salomos noch di 



509 

indischen Weifiheitfibücher, weder Winsbeke noch Winsbekin, 
weder Fäder larcvidas noch die Abechiedsrede dee PoloniuB. 
Aber das Spmchgedicht der Hävamäl ist objectiv wie die 
Pharmakopoea Germanica: es giebt Recepte für bestiminte Fälle. 
Auch in den 0|nnn8beispielen zeigt der höchste Gk>tt nicht 
wenig — objective Zweckdienlichkeit. Einen Antunacchiavell 
hätten Fürsten jener Zeit nicht einmal geschrieben, geschweige 
denn befolgt I 

5. Objectiv ist aber auch der Epiker. Er stellt Ideale 
nicht auf, um zur Nachfolge zu reizen, sondern einfach weil er 
an sie glaubt. Tendenziöse anweise verrathen moralische Ab- 
sicht erst in der moderneren ags. Dichtung. 

6. Mit dem. Hervorbrechen der dichterischen Subjectivität 
findet daher die altgerm. Poetik, ihr Ende. Bezeichnend für 
diese Entwicklung ist die Geschichte der Eingangsformeln. — 

n. Stoffwahl (vgl. ebd. S. 205 f.). 

7. Die Individualität des Dichters findet Raum sich zu 
bethätigen zunächst schon in der StofiwahL 

8. Diese Freiheit ist jedoch eingeschränkt durch die für 
selbstverständhch geltende Forderung idealer Gegenstände. 

9. Dieser Forderung wird genügt, indem mindestens im 
Mittelpunkt der Handlung nur Figuren von idealer Charakter- 
anlage und vornehmer sozialer Stellung Raum finden; und in- 
dem wenigstens ausführUch nur Momente gezeigt werden dürfen, 
die zur vollen Bestätigung aller Kräfte Gelegenheit bieten. 

10. Aber auch für Nebenpersonen und untergeordnete 
Momente verschafft ein gewisser Realismus sich erst allmählich 
und spät sein Recht. 

11. Zunächst bleibt somit dem Dichter die Wahl der 
Gattung. Es ist anzunehmen, dass epische und gnomische 
Dichtung selten vereint wurden. Die erstere trägt mehr den 



510 

Charakter vomehmer, aber doch auch bero&znäBsiger Dichtang, 
die letastere scheint vorzugsweise von Spielleuten gepflegt. 

12. Femer hat innerhalb jeder Gattung der Dichter die 
Wahl, ob er Einzelnes neu ausarbeiten oder durch Compüation 
Neues schaffen wüL Doch gehören die Sammelgedichte als 
Gesammtgruppe späterer Zeit an als die Einzelgedichte, welche 
aber nie aufgehört haben. 

13. Endlich bleibt ihm natürlich aus*der Fülle überlieferter 
Stoffe die Auswahl: eine mehr elegisch angelegte Natur konnte 
ein Thema wie Baduhüds Verführung, eine satirisch beanlagte 
einen Stoff wie den von Billings älaid ergreifen. 

14. Bein lyrische Poesie wird schon früh bestanden haben, 
ist aber unter die »literaturfilhigen« Gattungen erst spät auf- 
genommen und deshalb in selbständiger Form erst von den 
Angelsachsen aufgezeichnet. Das Verlangen nach einem idealen 
Helden und die Begehr nach traditionell vererbtem, nicht 
originellen Stoff wirken zu diesem Urtheil zusammen. — 

m. Stil (vgl. ebd. S. 230). 

15. Die Weltanschauimg der alten Grermanen wird von 
der (wahrscheinlich schon ererbten) Grundidee beherrscht, dass 
jeglichem ezistirenden Ding oder Wesen eine allgemeine Idee 
entspreche. 

16. Schon sehr früh i^t die Summe der wichtigsten Ideen 
dieser Art in Runenalphabeten zusammengefasst und dadurch 
für die gesammte heidnische Zeit gefestigt worden. 

17. Wie im Leben allgemein das Individuum oder 
Exemplar als Vertreter der Grattung überhaupt gut, so muss es 
üi der Dichtung, ihrer idealistischen Richtung zufolge, als 
idealer Vertreter der Gattung gelten. Die Idee der Grattung, 
die Rune, wird dem Einzelnen zugetheilt. 

18. Hieraus ergiebt sich als nothwendige Folge, daas die 



511 

altgerm. Dichtung fast völlig von derjenigen Stilform beherrscht 
ifit, die Scherer (aao. 230,2) als »typischen Realißmus« 
bezeichnet: »Am Individumn werden die Züge hervorgehoben, 
welche der Einzelne gemein hat mit solchen Leuten, die zu 
demselben Typus gehören. — Die bleibenden Verhältnisse der 
Menschheit, das typische Grepräge in den sittU'chen Dingen — 
das wird in der Charakteristik herausgearbeitet.« 

19. Insbesondere gilt für die Charakteristik der Figuren 
die Einreihung in eine bestimmte Kategorie als ausreichend; 
der König ist selbstverständlich freigebig (auch bei Geirrodr 
wird der Vorwurf der Kargheit für Verleumdung erklärt), der 
Held tapfer u. s. w. 

20. Um der einzelnen Figur innerhalb ihrer Kategorie eine 
bestimmte Stellung anzuweisen, ist noch die »genealogische 
Coordinate« nothwendig. Zur speciellen Charakteristik hilft sie 
jedoch wenig, da der typische Stil auch für die einzelnen Ge- 
schlechter nicht Familienzüge (wie etwa bei den Griechen die 
Wildheit der Tantaliden) aufkommen lässt. 

21. Auch die ethnologische Charakteristik ist erst in den 
Anfängen begriffen (Jormunrek — Attila im Waltharius). 

22. Individuellere Haltung ist daher vorerst fast nur 
durch Combination fertiger Typen möglich: statt der einfachen 
Rune erhalten Figuren wie z. B. Hünferd gleichsam eine Binde- 
Tune als Charakteristik. 

23. Erst am Ende der altgerm. Literatur beginnt zuerst 
die deutsche Dichtung, durch Aufnahme realer Züge von der 
typischen Zeichnung zur realistischen herüberzugehen. 

24. Ein Interesse an psychologischer Beobachtung zeigt 
«ich jedoch schon früh in der Ausmalung bestimmter seelischer 
Zustände: Schlaflosigkeit bei Sorgen, Auflachen in Momenten 
hoher Erregung u. dgl. 



■- «"^^»^ 



512 

25. Dies führt gegen Ende der behandelten Epoche df 
zu, dasB psychologischen Stadien ganze Gedichte (wie G^ud. ] 
gewidmet werden. 

26. Das realistisch-psychologische Interesse wagt sich nie 
mala an Hauptfiguren und Hauptmomente: in der deutsche] 
Dichtung schildert es Nebenfiguren (in Ruodlieb und Waltha 
rius), in der nordischen Nebenmomente (Klage, Angst). — 

IV. Motivenlehre (vgl. ebd. S. 2 12 f.). 

27. Die Gruppirung der Personen und Dinge wird ▼oi 
der Antithese beheiischt. Allmähliche Uebergänge sind den 
typisirenden Stil fremd. 

28. So sehr ist die Antithese die einzige Art der Claasi 
fication, dass sogar durchaus gleichartige Dinge mit ihrer Hilf< 
aufgetheilt werden (antithetische Zwillingsformeln). 

29. Diese Antithesen sind von äusserlichen, practischei 
(Gesichtspunkten aufgenommen; den moralischen Gegensat 
bringt erst das Christenthum zu gleicher Geltung (nicht einma 
die Gregnerschaft Lokis gegen die Götter ist als ein moraliache 
Contrast zu fassen). 

30. Im Epos ist der Gegensatz in der Regel einfach de 
zweier Kriegsparteien. Doch kommt auch der Elampf de 
Einzelnen gegen seine Feinde vor (Vkv.) oder die Bekämpfung 
von Ungeheuern (Beov., FÄf.). 

31. Halbepisch sind Weisheitakämpfe, speciell in dei 
altn. Dichtung ausgebildet (aber überall vorkommend, vgl 

/7I Holtzmain Edda S. 135). 

32. Erst späte Epochen compliciren den Aufbau dei 
Motive durch chiastische Gruppirung von Fabel und Charaktei 

(Gud. m). 



513 

33. Im Allgemeinen unterscheidet sich die Wahl der 
Motive innerhalb der altgerm. Dichtung nicht von der anderer 
Völker: dieselben Motive werden überall gepflegt, weil Eroberung, 
Rache, liebe für alle Völker das gleiche Interesse haben. — 

V. Aeussere Form (vgL Scherer Poetik S. 235). 

34. Wir bemerken nur anhangsweise, dass bei der Kürze 
der Alliterationsverse die Freiheit des Dichters in Rücksicht 
auf die äussere Form mindestens ebenso sehr beengt war wie 
in Rücksicht auf die innere Form durch die Macht überhefer- 
ter Formeln. 

35. Die Untersuchung über die Grenzen dieser Freiheit 
und das Maass, in dem die eiozelnen Autoren sie sich zu 
Gute machen, ist erst in den Anfangen. Vg^. im Allgemeinen 
§ 27 a. E. — 

VI. Uebergangserscheinungen. 

36. Mit dem Verwittern hergebrachter Formen und An- 
schauungen tritt in Uebergangeepochen allemal ein gewisses 
unsicheres Schillern der Dichtung ein. 

37. Bei sinkendem Glauben wird mythologischer Aus- 
druck als bildlich gefasst (die Augen des Tages Häv. 81,4, 
die Hüd wecken H. H. H 7,1). 

38. Ernst Gemeintes wird als Parodie verstanden (Här- 
bardsljöd und Lokasenna). 

39. Vorzugsweise solche Perioden reizen grosse Talente 
zu dem Versuch, ihre Dichterkraft zu bethätigen: die grossen 
Dichter der altgerm. Zeit stehen alle schon auf der Schwelle 
einer neuen Zeit. 

40. Die neue Zeit selbst charakterisirt sich durch Verfall 
und Auflösung der alten Künste: das Beispiel des Nordens 

Meyer, Altgermenieohe Poeeie. 33 



512 

25. Dies führt gegen Ende der bebandelten Epoche d 
xa, dflSB paychologüchoi Stadien ganze Gedichte (wie Gud. 
gewidmet werden. 

26. Das realiatiBCh-pa7chologiBche Interesse wagt sich nj 
mals an Haaptfigoren ond Haaptmomente : in der deutsch« 
Dichtung schildert es Neben£garen (in Ruodlieb und Waltb 
rius), in der nordischen Nebenmomente ^lage, Angst). — 

IV. Motivenlehre (vgl. ebd. 3. 212f.). 

27. Die Crruppirung der Personen und Dii^ wird vc 
der Antithese beherrscht. AJhnähliche üebergänge sind dei 

typisirenden Stil fremd. 

28. So sehr ist die Antithese die einzige Art der Class 
Scation, dass sogar durchaus gleichartige Dinge mit ihrer Hü 
aufgetheilt werden (antithetische Zwilllngsfonneln). 

29. Diese Antithesen sind von äusBerllchen , practische 
Gesichtspunkten aufgenommen; den moralischen Gegeosa 
bringt erst das Christenthum zu gleicher Geltung (nicht einm; 
die Gegnerschaft Lokis gegen die Götter ist als ein monüiachi 
Contrast zu fassen). 

30. Im Epos ist der Gegensatz in der Regel einfach d< 
zweier Kiiegsparteien. Doch kommt auch der Kampf di 
Einzelnen gegen seine Feinde vor (Vkv.) oder die Bekämpfmi 
von Ungeheuern (Beov., Fäf.). 

31. Halbepisch sind Weisheitskämpfe, apeciell in dt 
altn. Dichtung ausgebildet (aber überall vorkommend, vg 

^ Holtzmaiin Edda S. 135). 

32. Erst späte Epochen compliciren den Aufbau d« 
Motive durch chiastische Gruppirung von Fabel und Charakb 

(Gud. m). 



515 

ziifiB nach bequemen Reimpaaren zuschreiben zu sollen, welches 
diese Neuerung hervorrief. 

Für die allgemeine Bew^^ung der Metrik schien uns eine 
Richtung auf zunehmende Angleichung der Btrophentheile 
charakteristisch. Während ursprünglich die Versformen von 
der Stellung des Verses in der Strophe abhängig waren, wird 
mehr und mehr auf unterschiedslose Uebereinstinunung aller 
Zeüen hingearbeitet. Am längsten widerstand die Schlusszeüe 
dieser Assimilation — nicht nur die Schlusszeile der Strophe, 
sondern, mit geringerer Kraft freilich, auch die der Halbstrophe, 
des Aufgesangs. — Vgl. allgemein Hoffory Eddastudien 1 33 f. 

Eine derartige allgemeine Tendenz erlaubt Schlüsse sowohl 
auf die vorhergehende als auf die nachfolgende Periode. Doch 
stehen uns zur Beurtheilung auch des vorhistorischen Be- 
standes noch andere Mittel zu Grebot: Prüfung derjenigen Verse, 
welche durch wiederholte Verwendung ihre frühe BeUebtheit 
darthun (wiederholte Verse) und ebenso derjenigen Verstheile, 
die sich früh gefestigt haben (stehende Versausgänge). Dass 
bei der Figur der Doppelverse ein bestimmter, alterthümlich- 
einfacher Tjt)US (A nach Sievers) vorherrscht, bestärkt in Ver- 
bindung mit der Beobachtung, dass Doppelverse meist an der- 
selben SteUe, nämlich im Innern des Abgesangs auftreten, 
unsere Vermuthung, dass früher die Stellung in der Strophe 
auf den Rhythmus des Verses mehr als später Einfluss nahm. 
Bestätigt sich die Annahme, dass sehr früh die Finnen sich 
altgerm. Verse angeeignet haben, so würde die Vergleichung 
der metrischen Grundlagen beider Völker (vgl. J. Grimm Kl. 
Sehr. 2,82) auf die urgerm. Metrik Licht werfen können. — 
Für die Zeit des Verfalls konnten wir als ein zerstörendes 
Element die\Einstellung ganzer Verse beobachten. Wirkt 
hierbei das inhaltliche Moment stärker, so hat umgekehrt die 
Dehnung der Verse die Zersetzung alter Formeln durch Zutritt 

33* 



516 

von HUfsverbis und andern Flickworten zur Folge gehabt. 
Sonst, verdanken die Formeln oft genug ihre Erhaltung nur 
der metrischen Festigung: so die Zwülingsformeln. 

üeber die Zunahme des Endreims hatten wir Neues kaum zu 
bemerken und für das Studium der Assonanz haben wir wenig 
gebracht, und so schliesst dieser Theil unserer Aufrechnung 
leider mit einem bedeutenden Soll neben einem geringen EEaben! 



§ 32. Zur altgermanischen Literaturgeschichte. 

Auf Fragen der speciellen Datirung einzugehen, mussten 
wir in dieser Arbeit vermeiden; und in der allgemeinen Perio- 
disirung haben wir uns den herrschenden Ansichten ange- 
schlossen. Was sich im Einzelnen ergab, hebe ich mir für 
eine selbständige Behandlung der altgerm. Literaturgeschichte 
auf; und über allgemeine Bewegungen in der Greschichte dieser 
Poesie haben wir schon in den drei vorhergehenden Paragraphen 
berichtet. Somit bleibt uns hier nur noch Weniges über die 
urgerm. Poesie und über das Auseinandergehen der Dialekte 
vorzutragen. 

Dass es schon idg. Lieder gegeben hat, glaube ich, und 
dass Spuren davon noch nachwasbar sind, halte ich für wahr- 
scheinUch (vgl. Zs. f. d. Alt. 29,234). Dass es aber in urgerm. 
Zeit Lieder schon gab, ist unzweifelhaft. Tacitus berichtet nicht 
bloss von Liedern der Germanen — er hat sogar vielleicht 
lehrhafte Sprüche derselben in seinen Bericht verflochten (Grerm. 
27,9 — Beov. 1385 und Byrht. 258); selbst das wäre nicht ganz 
unmöglich, dass er für die Anordnung seines Kapitels vom täg- 
lichen Leben der Germanen (Germ. 22) den Plan einer alten 
Öpruchsammlung nachgebildet hätte (vgl. D. Alt. V 257). 

Li wenig jüngerer Zeit haben die Germanen, die 98 n. Chr. 
der römische Aristokrat noch als ein »Naturvolk« anstaunt. 



B17 

ihren wilderen Nachbarn schon aus der Fülle eigener Weisheit 
und Kunst wertb^oUe Gaben Bchenken können: in den ersten 
Jahrbunderten unserer Zeitrechnung sind Finnen und Crermanen 
Grenznachbam tThomsen-Sievere EinfluBB der germ. 8pra<^en 
auf die finniBcb-lappiscben S. 121. 124). Vielleicht schenkten die 
Germanen den Finnen ihr Versmaaee (vgl. J. Grimm Kl. Sehr. 
2,82), wahrschdnhch manchen Schmuck ihrer Heldendichtung 
(vgl. J. Grimm aao. S. 86, Thomsen aao. S. 127), ziemlich sicher 
aber ein lehrhaftes G^edicht, das den nationalen Charakterzug 
der Häufung trägt: eine noch erhaltene Priamel. 

Im dritten Jahrhundert entsteht die nrgerm. Runenschrift 
(Wimmer Runenschrift S. 176). Dem fremden Alphabet wird 
ein Runenalphabet nachgebildet und mit Benutzung uralter 
Runennamen durchbenannt, indem man die wichtigsten Begrifie 
auswählt, fUr jeden dasjenige heiti, welcheB mit dem betreffen- 
den Anlaut beginnt, sanctionirt und so die beiden Zwecke zu- 
gleich erfüllt: die Buchstaben und die Hauptbegriffe im Ge- 
dächtniss zu bewahren. Dies geschah unzweifelhaft durch Lang- 
veree, die mit dem Anlaut der Rune allit«rirten. Aue einem 
solchen >goldenen ABC« ist in dem Spruch von der Verg^g- 
lichkeit aller Dinge (Hiv. 75 — 76 — Wand. 108—9) vielleicht 
der Begleitepruch der F-Rune gerettet. — 

Bis hierher haben wir nur didaktische Poesie getrofien. 
Wir suchten aber bei der Besprechung des Runenalphabets zu 
zeigen, dass eine ganze Reihe anderer Liedergattungen alt sei, 
die freilich fast alle auch etwas Lehrhaftes in sich tragen: 
Zauberheder verschiedener Art, aber doch vielleicht auch >Ge- 
eellschaftelieder« (nach der Terminologie HoSmanns von Fallers- 
leben) u. dgl. m. Diese aber sind nur zu erschliessen. Reste sind 
erhalten in der schon idg. Zauberformel zur Heilung verletzter 
Glieder (mittelst der symbolischen Figur der flectirten Wort- 
wiederholung), in der gleichfalls schon idg., ja allen »Denk- 



518 

Völkern« gemeinsamen koemologiBchen Formel »Erde und üeber- 
himmel«, wodurch uns der Antbeil der Germanen aa gemein- 
arischer Medicinpoesie und Schöpfungserzählung verbürgt wird; 
femer in der »Definitionsformel« und jenen Parallelverspaaren, 
die ims altgerm. Scheltlieder und Orakeldichtung zu verrathen 
schienen. — 

Nach der Ansicht Holtzmanns (Edda S. 10. 594) würden 
wir die Eddalieder n\m dieser vorhistorischen germ. Dichtung 
gleich anschUessen können, weil sie noch vor der Völkerwan- 
derung entstanden wären. Wir nehmen statt dessen eine längere 
Periode an, in der ein speciell germ. Charakter der Poesie sich 
erst entwickelt In dieser Zeit scheint die Dichtung fast stets 
in Parallelversen vorgeschritten zu sein und der Refrain spielte 
eine grosse Rolle. Aber schon bereiten sich die specifisch ger- 
manischen Figuren der ZwiUingsformeln und des Gregenrefrains 
vor: um 600 taucht in jenem Epigramm des Dichters, der 
beim Trinkjubel der Grermanen würdige Verse nicht zu schmie- 
den vermochte, die freilich sehr einfache und überall . vorkom- 
mende Zwillingsformel »essen und trinken« auf. Wichtiger 
sind die Gleichnisse, die in merkwürdiger Deutlichkeit den 
Culturstand des Volkes abschildern und in der fossilen Grestalt 
uralter Metaphern sich in die älteste ims erhaltene Schicht alt- 
nordischer Poesie herüber retten. — In dieser Zeit waren wohl 
schon alle Liedergattungen vertreten, welche die altgerm. Poesie 
aufweist. — 

Beim Beginn der uns erhaltenen Denkmäler finden wir die 
Sonderentwicklung weit fortgeschritten: nicht mehr germanische 
Eigenheit allein, sondern sogar schon nordische, angelsächsische, 
continentale Individualität bildet sich heraus. Durchweg sind 
die Angelsachsen in der Fortbildung voran: heisser und eifriger 
leben sie die literarische Entwickelang durch und gelangen 
rascher ans Ende einer Laufbahn, die allen Stämmen durch die 



519 

gleiche Anlage vo^^ezeiclmet war. Sie kommeii dem ChriBten- 
thmn entgegen; äe kommen auch der gelehrten Dichtui^ und 
dem barytonischen Beimprincip entgegen. Für die grosBen Züge 
des StÜB hat Heinzel (QP. 10,25f.) die Sonderstelltmg, die hier- 
durch die age. Poesie einnimmt, au^ewiesen und erläutert; sie 
zeigt eich auch in mancher kleineren Abweichung von dem 
al^rm. TypuE, den die Skandinavier mit den Deut«chen meist 
bewahren (bo bei den Zahlenangaben, den Tonbezeichnongen, 
den Gleichnissen, bei heiü nnd henningar, bei der Anapher, 
bei den Abschnitteformeln, imd mehr als irgendwo bei den 
ZwiUii^ormehi). — Aber freilich entfernen in manchen Pmikten 
auch die anderen Dialekte Edch von der gemeinsam ererbten 
Art: in der Neigung zu realistisch-psychologiachen Studien be- 
gegnen sich die altn. und ahd. Dichtung und swar beide im 
Gegensatz zu dem idealietiechen Stil der altgerm. und der agE. 
Poesie. Freilich hat die germ. Dichtung weder hier noch dort 
die neueu StoSe aufgenommen und verarbeitet wie die alten: 
die altn. Dichtung verhärtete sich in den alten Formen und 
schob die neue Art bald auf die Prosa der Sagaer ab, die ahd. 
Poesie verstob vor der christlichen Reimdichtung und überliees 
die neue Manier der lateinischen Novellendichtung. — Die sub- 
jective Dichtung der Spielleute hat überall die alte Poesie zu 
Grabe geläutet, doch in charakteristisch verschiedener Weise: 
im Norden mit barbarisch prunkhaften Balladen, in England 
mit sentimental gerührten El^en, in Deutachland mit keck 
lachenden Anekdoten und Novellen. Weder der übcrmäßsigen 
Wildheit noch der übermässigen Weichheit ist es gelungen, im 
Mittelalter zu grossen neuen Dichtwerken fortzuschreiten; die 
Deutschen, in altgerm. Zeit weit zurüi^, aber ebenso treu in 
der Bewahrung des Inhalte, wie entschlossen in der Opferung 
der Form sollten allein durch das Nibelungenhed — und den 
Parcival belohnt werden. Nicht die Skandinavier, die am Stab- 



520 

reim kleben blieben, sondern die Deutschen waren die rechten 
Hüter des alten Horts, den die nordischen Hofdichter bald in 
den Strom der enkomiastischen Poesie versenkten. »Der Greist 
entfliegt beim Sterben zuerst« sagt der alte Jahn (Deutsches 
Volksthum S. XVI); »am Längsten überdauert den Tod das 
Grerippe.« 



§ 33. Zur vergleichenden Literaturgeschichte. 

Wir schlössen den vorigen Paragraphen mit einem Aus- 
spruch des Mannes, der das Wort »Volksthum« erschaffen hat; 
was aber eigentlich Volksthum sei, auf die Frage fänden wir 
bei ihm keine brauchbare Antwort Giebt es wirklich dauernde, 
allgemeine Eigenheiten eines Volkes? Gilt nicht vielmehr vom 
Geiste eines Volkes jenes skeptische Wort, das Faust über den 
»G^ist der Zeiten« ausspricht? 

Darüber herrscht kaum ein Zweifel: giebt es wirklich einen 
Geist des Volkes, eine Volksseele, so muss sie sich in allen 
Lebensäusserungen des Volkes aussprechen — deutlicher aber 
als irgendwo in derjenigen, deren Basis die breiteste ist: in der 
Sprache, und vor allem in deren bewusster und kunstmässiger 
Anwendung: in der Literatur. Dass die Poesie die höchste 
Blüthe der Sprache ist, suchten wir noch näher darzulegen. 
Dass sie für das Verständniss eines Volkes den wichtigsten 
Schlüssel abgebe, hat man immer gemeint; und seit Herder 
\md Wilhelm von Humboldt den Begriff der Volksindividualität 
aufgebracht und vertieft baben, war es immer Sprache und 
Poesie in erster Linie, was die Eigenart aufdecken sollte. Auf 
ihren Pfaden schritten J. Grimm und Uhland, schritt dann vor 
Allen Karl MüUenhoff weiter: seine Lebensaufgabe galt der 
Frage, wie die deutsche Nationalität, wie die deutsche Volka- 
individualität entstanden sei. Dem Historiker trat in Wühebn 



521 

Scherer der Vertreter der Tei^eichenden Methode zur Seite. 
Indem er ei^ründeo wollte, was deaa eigentlich die Eigenart 
unserer Nation sei, indem er in der Vorrede zu Beinern ersten 
groeaen Buch >Zu7 Geschichte der deutschen Sprache* die 
Forderung einer beBchreibenäen nationalen Ethik aufstellte und 
in eeiuem letzten Werk, der Poetik, sie erneuerte, hat er von 
Anfang biß ZU Ende stets festgehalten, dass nur durch Ver- 
gleichung zuverlässige Ergebnisse zu erzielen sei. Dennoch hat 
ihn die leidenschaftliche Sehnsucht, den Geist des deutschen 
Volkes gleichsam von Angesicht zu Angesicht zu sehen, zuweilen 
wohl allzu rasch aus Sprache oder Poesie auf den Volksgeiet 
Bchlieesen lassen. Später trat der entgegengesetzte Fehler auf. 
Wenn Heinzel in der schönen Schrift über den Stil der altgerm. 
Poesie und Scberer in dem dtirten Buche oft wohl allzu rasch 
aus der Aeusserui^ auf die psychologische Ursache schlieseen, 
ohne dem sprachhchen Material, das dazwischen steht, genügend 
Rechnung zu tragen, so vergisst umgekehrt eine Arbeit wie 
Kluges lehrreicher Aufsatz zur Geschichte des Reims über der 
realistiächen Erklärung aller Erscheinungen aus dem Sprachstofi 
der bewussten Absicht gerecht zu werden, die Figuren wie die 
flectirte Wortwiederbolung geschafien hat. 

Wir wollen uns nicht mit den Meistern vergleichen; aber 
es ist das Recht des Schülers, auch von den Fehlem der Lehrer 
zu lernen. Vor einer VemachläsEigung des geistigen Inhalts 
glaubten wir uns durch den beständigen Blick auf die Haupt- 
ideen der Dichter geschützt; vor zu schneller Folgerung aus 
der Form auf den Geist sollte uns der Ausblick auf fremde 
Literaturen bewahren. 

Wii fanden, dass es keine einzige Figur giebt, die lediglich 
germanisches Eigenthum sei. Am wenigsten sind es die sym- 
bolischen Figuren; nicht nur stammen sie aus gemeinsamem 
Erbe, sondern sie haben auch überall kräftig fortgelebt. Ich 



622 

greife aab Gfliathewohl znm entea Band der medlichen Aus- 
gabe der Poetae lyrici graeci minores von J. Pomtow und finde 
flectirte Wortwiederholungen wie folgende: fdfa ythmt ywkaiv 
(Alcmaa 42), ^^ tot tdv ira^>ov imipq> ^poinHjuv xrL (Phocy- 
Edea 7). — Beidemal, gerade wie In H&TamAl und bei Sper- 
TOgel, mit dem Wort »Freund«, weil die Figur das Znsammen- 
stehea der Gtenoeeen nachbildet (vgl. o. S. 453); und so noch 
deatlicher gerade wie HAr. 43: 

■mb^ ik xictaüc duUou adv raQ iKoatpifopai 
(Phoc7lide8 3). Ich finde eine verbale Wortanfnahme wie die 
folgende : 

'Ev fjkv ftatvoftivotQ ftäia piaivofiat, hi 3k dacUots 

jrmiToiv dv&panauv tlfä Sacat6Taxo^ 
(Theognis 61), und finde sie abgebl&sst wieder bei Walther von 
der Vc^lweide: 

ich bin den frön bescheidenlicher fröide bi 

und lache ongeme so man bi mir weinet 
(W. 48,1—2, v^. auch Wilmanns Leben Walthers IH Anm. 557) 
tmd mit noch weiterer Schwächung der symbolischen Figur bei 
Goethe: 

Tolle Zeiten hab' ich erlebt und hab' nicht ermangelt. 
Selbst auch thöricht zu sein, wie es die Zeit mir gebot. 
(Gedichte her. von Loeper I 229 Epigr. 55). Dagegen völlig 
das alte Muster kehrt verstärkt wieder bei £. Th. A. Hoffmann: 
>3cbwärme ich nicht mit den Schwärmern? pbantaaire ich nicht 
mit den Phantasten 1* weine ich nicht mit den Weinenden, 
jabilire ich nicht mit den Jubelnden?« (Serapionsbrüder I 51). 
Die Antithese aber, die Walther in den zweiten der angezogenen 
Verse verwoben hat, den in ältester Zeit schon in der Vkv. mit rhe- 
torischem Efiekt verwandten Contrast von lachen und weinen, 
finde ich gleich wieder bei Theognis : ita^it xiaimm jtJUävTtt; mvtafov 



523 

(Theognifl 241). — So treffen wir die Farbencontrafite und 
ZableDcontraste bei allen Völkern; bo führten wir ein arabischee 
Gedicht an, das fa^t dieselbe Antätheaenkette schleppt wie der 
Wechsel Nj^rds mit Skaäi und sahen auch dort den Grund 
gleicher AeosBerungen in der gleichen Ursache: auch die Anti- 
these ist eine symbolische Figur, und gerade die elegische 
Stimmung erweckt nothwendig das Verlangen, Sonst und Jetzt 
abzuwiegen. — 

Auf die internationale Figur der Wortaufnahme, die in 
ähnlicher Stimmung die Selbstermunterung eines Leidenden 
symbolisirt, wurde schon früher hingewiesen (vgl. o. S. 239). — 

Auch Figuren nicht sjrmbolischer, sondern rein typischer 
Art treffen wir auf den entferntesten Gebieten; so löst die 
arabische Poesie so gut wie die germajüsche historische Zahlen- 
angaben in Gruppen Irischer Zahlen auf. — 

Die Uebereinstimmungen gingen weiter. Nicht nur die 
Figuren selbst sind allen Literaturen gemein, deren Sprachstoff 
für die gleichen Gedanken analogen Ausdruck ermöglicht, sondern 
zam Theil auch ihre Schicksale. Bei den Kelten wie bei den 
Hebräern wird die kosmologische Uiformel >Erde und Ueber- 
himmel« durch Einfügung des Wassers erweitert, und nach 
dem MuBter der pleonastischen LithoteE, die ein positiv auB- 
gesprochenes UrÜieü in negativer Form wiederholt (opt ösjaldan) 
wird in den HAvamÄl so gut wie bei TheogniB eine inhaltlich 
und formell abEchhessende Gnome tautologisch verdoppelt. 
Und wenn in solchen Beispielen die Figur selbst zu wirken 
scheint, fast ohne Zuthun des Dichters sich entfaltet, so tritt 
doch gleiche Uebereinstimmung nicht minder in Fällen hervor, 
bei denen bewusete Absicht der Autoren unverkennbar ist ; 
mittelst der Hilfsverba den Versen eine bestimmte neue Form 
zu geben, haben die mbd. Dichter so wenig aus dem Heliand 
gelernt, wie Chamisso von den Minnesängern. 



Rein sprachlicher Art scheüit die zonehmende Sabetanti- 
Tirong; bethätigt sich diese Tendenz in altgenn. Zeit mehr am 
Nomen agentis, 90 wiederholt aie sich heut am Nomen actionis 
(vgl. Rümelin lieber die neuere deuteche Prosa Deutaohe Rand- 
schau 15, 45 f.). 

Wie in einzelnen Tbeilen, so macht auch in der Anlage 
ganzer Gredichte sich internationale Analogie geltend. Die 
poetische Logik verlangt, dass der nnkenntlich heimkehrende 
Gatte nach mehrfacher Prüfung schliesslich erkannt und aner- 
kannt werde (vgl. Scherer Poetik S. 218) und weder Odyssee noch 
SvlpdagsmäJ entziehen sich dieser Forderung. Der idealistische 
Simi der Zuhörer fordert, dase ein Held, um den Wahrheit und 
List vereint werben, von der Wahrheit erobert und dase an 
dieser die Schlauheit zu Schanden werde ; darauf beruht die von 
Scherer hervorgehobene Analogie des sophokleischen Philoktet 
mit der goethischen Iphigenie. Und wenn ein Lehnsfürst sich 
grollend vom Kampfe zurückzieht, so wird kein einigermassen 
kunatbewusster Dichter aus seiner Composition den erschütternden 
Moment verbannen, wo er von demnun siegreichgewordenen Feind 
den lieben Genossen erschlagen sieht und so durch die Ver- 
letzung am eigenen Selbst wieder auf das Schlachtfeld beschworen 
wird: Patavrids Fall zieht den Hagen ins Gefecht, wie der Tod 
des Patroklos den Acbilleus. Und all diese verschiedenen 
Motive — poetische Logik, Forderung der »poetischen Gerechtig- 
keit«, Streben der Composition nach dem höchsten Effekt — 
wirken zusammen um Gedichten, deren Anordnung von der 
Rücksicht auf historische Wahrheit nicht bedingt oder beengt 
ist, einen bestimmten Grundplan geradezu aufzunöthigen. »Le 
defectueux de l'imagination*, sagen wieder so feine Beobachter 
wie die Literatur sie nur in Frankreich gefunden hat, »c'est 
que ses creations sont rigoureusement logiques« (Journal des 
Goncourt II 219). Deshalb muss ein Gedicht, dass eine dog- 



525 

nutiBche Geschichte der Welt entwirft, nothwendig auf die 
Zeit der höchsten Verderboise und der tiefsten entsetzhcheten 
Vemichtoiig umoittelbar dae Gotteereich tolgea lassen: so setzt 
der Prophet I>aniel(T^. Nöldeke AlttestamenÜiche Literatur S. 222) 
genau, wie die t(1v& das Bprichwort >Weun die Noth am 
gröBsten ist , ist die Hilfe am nächsten < mm Motto der 
Frophezeiong. Erwägungen solcher Art haben freihch die eilige 
Erklärung durch »Nachahmung« und »Entlehnung« gerade bei 
der Vslnspä nicht verhindern können. 

Auch bei den grossen Bewegungen und Fortbildungen der 
Literaturen hört die Analere nicht auf. Dass kleinere Lieder 
zu liederhUchem vereint, daee dann dieee Liederbücher zu 
öner Einheit durchcomponirt werden und dass die Lieblings- 
Btoffe und LiehUngshelden immer weiter um sich greifen, bis 
Ein grosser Sagenkreis zahllose Einzellieder au^;e60gen und 
aufgezehrt hat, das ist jene feste Grundlage für die von Moriz 
Haupt geforderte > Naturgeschichte des Epos* (vgl. Scherer 
Anz. f. d. Alt. 1,199 and 2,322), welche durch die classische 
Philologie aufgedeckt, durch die deutsche aber erst bewiesen 
und festgestellt worden ist. — XJebeigangserscheinungen, wie 
wir de oben beeprachen, finden sich überall, und wie das 
Härbardslied schülem die ew^en Werke Arioste und Cervan- 
tes' in jenem zwivel, den der Eingang des Parcival so grosE- 
artig schildert. Hierbei hat beiläufig der Dichter, dessen 
gesuchte Vergleiche Gottfried von Straseburg so heftig angreift, 
mit demjenigen Dichter, den Aristophanee als Vertreter der 
groBsartigen Schlichtheit preist, ein GleichnisE gemein (Lacb- 
Tuann Kl. Sehr. I 483); so leicht ergeben sich solche üeberein- 
stimmungen). — Und wenn in späten Zeiten der längst ab- 
geblühte alte Sang wieder entdeckt und belebt wird, so fehlen 
nie die Dichterlinge, welche die Lücken des alten Kanons 
gerade mit den absurdesten Nachdichtungen auszufüllen sich 



586 

bemfen fohlen. Eb ventand moh von Mlbst, isga hä den HebrSem 
<lear Gesang der drei Jäcglinge im Feoeiofen gedichtet, wie dan 
bei deo SlfMidinftviem Goniun HarfeDacblag gemngen wnrde. — 

Die LitenituTveigleichaiig giebt also die Lehn, aas der 
Bziateoz beetimmter Figareo, -am deren Fortentwickelang, ans 
dem Anfban ganzer Gedichte nnd Cyklen, ja ans der Riditang 
nnd Bewegung der geeammten Literator eines Volkes aof den 
Geist dieser Nation Schlüase nicht m ziehen, ehe man nicht 
geprüft hat, ob jene Thatsachen nicht im Wesen der Sprache 
selbst oder in der Nator aller Poesie' begründet amd. Hat 
man aber diese Vorpröfong vorgenommen und findet man 
wirklich im Leben der poetischen Sprache Eigenthümlichkeiten, 
die nicht aof diese Weise zu erklären sind und bei denen 
auch nicht die Analogie fremder Literaturen den speclfisch 
nationalen Eindruck mindert, so wird man aus diesen Eigen- 
thümlichkeiten mit Recht auf eine besondere geistige Richtung 
der Volksmehrheit, auf einen Zug wahrer VolksLndiridnahtät 
schliessen dürfen. Wobei natürlich stets die Mö^chkeit ofien 
bleibt, daee die einstweilen fehlenden Analogien noch auf- 
gedeckt werden. 

Als solche Züge, die innerhalb des Kreises der Litera- 
turen der altgerm. Dichtung einen eigenartigen Charak- 
ter verleihen, glaube ich anführen zu dürfen 

1. die strenge Beschränkung der Poesie auf einen ei^n 
aristokratischen Kreis von Hauptbegnffen, die allein der poe- 
tischen Bebandlimg und Stüisirung (in Variation der Ausdrücke, 
in Zwillingsfonneln, in Nomengebung) gewürdigt werden, 

2. die logische und poetische Dnrchfühmng des Begrifls 
der Rune, 

3. die folgerechte Durchführung einer Poetisirung des 
Wortschatzes durch die Ersetzung der üblichen Ausdrücke mittelst 
seltener oder umschriebener Benennungen, 



527 

4. die daesification aller Weeen und Dinge durch Ver- 
bindung einee allgemeinen (runiscben) und eines Bpedellen 
(meist genealogischen oder stofDichen) Begriffs. — Diese Eigen- 
heit steht natürlich zu den beiden vorher angeführten in 
engster Beziehung, 

5. die übermässige Lust an der Variation der Benennim- 
gen, welche sogar in technische Kunstformen wie Aufnahme 
der Eede, Wortwiederhol\mg, Refrain störend eindringt, 

6. die starke Ausbildung der Zwillingsformeln, 

7. die starke Ausbildung des Gegenrefrains, 

8. die Figur der Emufung, die an sich schon den altgerm. Zu- 
hörer so sehr erfreut, dass der Dichter sie nur ausnahmsweise 
(zu Priamel oder Klimax) auszubilden wagt, 

9. die Vorliebe für antithetische, beide Theile sorgfältig 
abwägende Gruppirung und Gliederung, 

10. kleinere Einzelheiten, z. B. die grosse Rolle, die das 
Grastmahl spielt; die häufige Erwähnung der ruhenden SteUimg 
(Synonyma für Sitz und Bank, die Abschnittsformel: »er sass 
auf dem Berge« u. dgl.); die Wahl bestimmter specifisch germa- 
nischer Thiere und Pflanzen als Vergleichsobjecte. — 

Man wird es nicht verkennen, dass allerdings ein einheit- 
licher Zug durch diese Idiotismen der altgerm. Poesie geht. 
Die Neigung zu strenger Gliederung zeigt sich in den meisten. 
Sie schafEt eine Hierarchie der Begri£Ee und giebt jeglichem 
Ding in der Rune einen Herrscher, der gleichwohl selbst nur 
»erster Diener seines Staates« ist; sie ordnet mit ernster Folge- 
richtigkeit die poetische Welt der realen über und versäumt 
ee nicht, wie das Mittelalter den Ständen verschiedene Kleider- 
ordnimgen gab, dieser poetischen Welt eine bestimmte Ein- 
kleidung ihrer Glieder vorzuschreiben, die oft zur Uniforminmg 
ausartet. Und daneben, scheinbar im Widerstreit, das particu- 



lariBtifiche Bedürfnisa nach üngebondenheit des Xinxelnea: der 
frühen Auadraclc darf dem Bpätenn nicht präjudicinn ; Respoo- 
sionen hebea Gedichttheile, Zwillingsformeln, Untenbtheilungra 
eines CoUectimmfl ala gleichberechtigt hervor; mid in der 
regellosen Häufung scheint sich fast das taciteische Kid einer 
VolkgYersammlnng abrnspiegeln: Ifissig rückt ein Ausdruck 
nach dem andern an ; wenn schon längst sur Sache gescfaiitten 
werden könnte, kommt noch einer verspätet nachgehinkt; and 
lange Satzreihen werden so cunctatione coeuntiom verbraucht. 
— Ee iflt das der »wlvel, der die deutsche Geschichte erfüllt. 
Wie >daa Weeen des Individuums erat in der Gemeinschaft 
xmu vollen Ausdruck kommt«, das bat mit gewohnter Meister- 
schaft G. Frejrtag im Beginn seiner herrlichen > Bilder aus 
Deutschlands Vergangenheitc (Werke 17,14f.) geschildert, und 
er fügt abschliessend hinzu: »Solche Gebundenheit durch Ord- 
nung und Zucht gehört der epischen Zeit des Volkes am 
(ebd. 21). Aber wie früh sich diese gehorsame Unterordnung 
mit lebhaftem Freiheitsgefühl verband, hat auch er (ebd. 17) 
angemerkt. Weil der Einzelne sich nur als Glied der Gemein- 
schaft fühlt, macht er für sich selbst das Recht der Gemein- 
schaft geltend: ein heiti gilt soviel wie ein anderes, ob es an 
den Platz gehört oder nicht, wenn daa nur ein Platz für ein 
heiti ist ; und well Äsen und Alf en nun einmal beides Katego- 
rien gleicher Art sind, werden sie neben einander gestellt wie 
der freie souveraine Fllrst von Wied-Runkel oder Reuss-Greiz 
sich auf den Reichstagen neben den freien souverainen König 
von Preussen gestellt hat. — Lernen und Kämpfen fanden wir 
als Lieblingsideen der alten Germanen. Lernen heisst ihnen 
die Runen aufnehmen, die Ghederung der wirklichen Welt an- 
erkennen und adoptiren; kämpfen aber heiset ihnen dos Recht 
des Mannes, seine Selbständigkeit zu behaupten, die Gliederung 



529 

der Welt vorstürmend durchbrechen und verhöhnen. Die Linie 
der Entwickelung geht stetig fort von 0|)inn, dem Erfinder 
der Runen, zu Parcival, dem Bewahrer des Grals, und Faust, 
dem höchsten Abbild geistigen Strebens. Liemen, fragen, 
forschen und kämpfen — das geht bei ihnen allen Hand in 
Hand: der deutschen Dichtung ist von ältester Zeit her in 
der Welthteratur ihre Stellung gegeben als der Poesie des 
geistigen Kampfes. Der Dichter des Faust hat in seiner 
ersten Periode auch die Prometheusfabel erneuert: aber nicht 
der kühne Vorauswisser sollte der Träger des höchsten Dicht- 
werks der neueren Zeit werden. Und in dem schönsten 
Gredicht seiner zweiten Periode streift er die Sage von Tanta- 
lus: aber auch der Freund der Götter, »an dessen alterf ahmen, 
vielen Sinn verknüpfenden (Jesprächen Götter selbst, wie an 
Orakelsprüchen, sich ergetzten« (der, wie die Edda sagen 
würde, die Sinnrunen besass Sgdr. 13), auch er ward nicht der 
Held des grossen Kampf spiels zwischen Himmel und Hölle: 
der Mann des Zweifels wird es jedes Mal, OJ)inn, der zwischen 
Himmel und Erde schwebt, Pardval, an dem sint beidiu teil des 
himels und der helle, endlich Faust, in dessen Brust zwei 
Seelen wohnen. Wer immer strebend sich bemüht, der ist 
unserer Dichtung Liebling: sie sucht den Deutschen, wo er 
zu finden ist: bei der Arbeit, und die vornehmste Dichtung 
bei der geistigen Arbeit. Den Vielwisser verspottet in dem 
vollendeten Werk die Gestalt des Wagner: der Lernende ist 
der Held. Nicht umsonst braucht die altgerm. Poesie von 
dem Gott, der den Besitz seiner Machtfülle sich erarbeitet 
(vgl. D. Alt. V 271), denselben Ausdruck, wie von dem 
Heldenjüngling (J)d nam at vaxa — H. H. I 9,1 vgl. Häv. 
140,1 — 3): in der Weltliteratur steht die altgerm. Poesie da 
als die Poesie des Lernens, des geistigen Wachsthums, der 
geistigen Eroberung. — 

lieyer, AltgermaxüBche Poeu«. 34 



§ 34. Zar Methodologie. 

Ich will mich keineaw^ als ein Meister der Methode auf- 
spielen, wenn ich zum Schloss noch einige Bemerkongen zur 
Methodologie der altgenn. literatorgeschichte bringe; nur wie 
der heimgekehrte Wanderer will ich die, welche denselben Weg 
ganz oder zum Tbeil zurücklegen wollen, vor einigen gefähr- 
lichen Stellen and verführerischen Abwegen warnen. 

Eine gröseeie methodologische Abschweifung glaubte ich 
in die Arbeit selbst verflechten zu müssen: sie betrifft die Ver- 
gleichui^ der beiden Synonymenklaesen heiti und kenrnngar. 
Sie trifh in ihrem Ergebniss mit der gleich von uns auszu- 
sprechenden Forderung zusammen, dass man nicht einfach 
ganze Formelklassen vei^leichen darf, sondern nur die ent- 
sprecheudeD Schichten und Gliederungen innerhalb rweier For- 
melklassen. 

Zur niederen Kritik merken wir nur an: Fälle wie die 
S. 118f. besprochenen beweisen unwiderleglich, dass verschiedene 
Varianten von Formeln oder Wendungen nebeneinander vor- 
kommen. Es kann daher nicht als methodisch gelten, wenn 
man ohne zwingenden Grund solche Verschiedenheit zu Gunsten 
einer einzelnen Lesart beseitigt. — 

Für die höhere Kritik haben wir zunächst das Recht, 
nach dem Plan der Composition zu fragen und zu disponiren. 
vertheidigt und mit Beispielen zu stützen versucht. Hier gut 
femer dieselbe Warnung, die wir für die Altersbestinmiung 
wiederholen müssen: man darf auf ein einzelnes Kriterium 
nicht zu viel Gewicht legen. Weder einzelne Strophen noch 
ganze Gedichte darf man auf die Vertretung einer einzelnen 
Fonnelgruppe hin für echt oder unecht erklären. Denn alle 
Formeln können sich lange erhalten, und alle können auch 
nact^eahmt werdeu. Zum Beweis trage ich hier die wichti- 



5«1 

geren Formeln aus den nacheddischen Gredichten Grögaldr 
FjolsvinnsmÄl Grottasongr Hrafnagaldr und Sölarljöd (nach 
Buggee Ausgabe) nach: 

Feste Apposition: framvisar tvaer Fenja ok Menja 
Grott. 1,3> vgl. 13,3 — Hängafy heppnaztan äea Hrafn. 18,2. 

Begleitsätze: Menja, var til meldrar komin Grott. 4,5 — 6. 

Wortwiederholung: aud molum Fro|)a, molum alsaelan 
Grott. 5,1 — 2; flectirte: själfr leid |)ü sjAlfan |)ik Gro. 6,6. 

Zwillingsformeln: sjükum ok särum Fj. 36,3, doegr ok 
daga Fj. 49,3, f^ ok fjorvi Sol. 1,1, vgl. aud n^ heilsu 8,1, 
mat ok drykk Sol. 4,1, vit ok dul Sol. 34,1, ütan ok innan 
Sol. 52,1, rognir ok regin Hr. 10,3, spar e])a spakmäl Hr. 20,5. 

Wortspielerei: galdra {)ü mir gal Gro. 5,1, vgl. 15,6 
urdar ordi Fj. 47,4, galdr gölo Hr. 10,1. — Reim: bei Namen 
Fenja ok Menja Grott.; sonst: sungu ok slungu Grott. 4,1 
rührender Reim: Ijä — Ijä Fj. 30,1 — 6. 

Anapher: vaki |)ü — Gro. 1,1 — 2; anaphorischer Drei- 
zeiler: long er for, langir 'ru f arvegar, langir 'ru manna munir 
Gro. 4,1—3; in Frageform: Fj. 2,1—3 und 46,1—3. 

Doppelverse: vaki {)u FroJ)i Grott. 18,5—^. 

Parallelverse: Grott. 5,5—7. 13,5—8. Gro. 16,5—6. 
23,5—6. Fj. 50,1—3. Hr. 1 passim; 4,5—8. 12,1—4. Chi- 
astisch : |)ötti er |)räins |)ünga draumr, Däins dulo draumr |)6tti 
Hr. 3,5—8. 

Refrain: vitid enn e{)a hvat Hr. 5,8. — Gegenrefrain: 
Halbstrophe Fj. 7f. (mit Variation: 7. 9. 11. 13. 15 fregna, 
17 sp}TJa, 19 fregna, 21. 23. 25. 27. 29. 31 spyrja, 33. 35. 
37. 39. 41 fregna). — Einzelvers: söl ek Bä Sol. 39 f., margan 
mann sä ek — Sol. 59 — 60, menn sä ek J)ä Sol. 611 

Technische Formeln: frä |)vi er at segja Sol. 53,1. — 

Nennung des Liedes* Sol. 81. 83. 

84* . 



Ceiemoiiielle Formeln: bvat er |>at fiagd& Fj. 1,4. 3,1, 
FjfllBvidr ek heiti Fj. 4,1. 

Wiederholte Verse: eld se ek breima Grott. 19,1, ordam 
Bkiptdr — Grog. 14,3, vaÜM ok muivits Gro. 14,4, ae medan 
old lifir Fj. 12,6, lengi ek sat Fj- 49,1, eins kemr aiutac Hr. 
13,1, {itUB hrlmkalda Hr. 13,4. 

Stehende Versanagänge: — ao£na|)i Grott. 4,4, jord 
ne{>an Grott. 11,4, raeyjar Grott. 11,5, hedan Fj. 3,6, aldrigi 
Fj. 4,5, 8}& Fj. 43,3, so Fj. 44,6, al heümn hug 3oI. 4,3, vgl. 
21,2. 

Häufung: Klimax Grott. 9,1 — i. 

Antithese: Grott. 8,5—8. Fj. 16,5—6. Hr. 4,5—8. Sei. 
paasim. — 

All dae hat vöUig denselben Charakter wie die Formeln 
der echten Lieder; obwohl nicht in Abrede gestellt werden soll, 
dasfl gelegentlich die Verwendung der Formel von der alten 
Art abweichen kann. Auch InhaltHch wiederholen sich typische 
Züge der echten Lieder, z. B. hier wie dort Strophen die Eigen- 
namen (Fj. 34. 38). Verbrechen (Sol. 91), Strafen (Sol. 57f.) 
aufzählen; Zauberlieder (Gro. 6 f.: Lösung Gefangener 10, See- 
Bturm 11; Fj. 22 Entbmdung), Opfer (F. 39— 40) und Fluch 
(Fj. 45,1 — 3), Gastmahl (Hr. 20) u. s. w.; Verarbeitmig von 
Sprichwörtern: övinum |ilnum trüdualdregi Sol. 19,1 — 2 u.dgl. m. 
— Besonders mache ich darauf aufmerksam, dass unter den 
Zahlen die heilige Neun fast unbedingt herrscht (vetr niu Grott. 
II. 1, njardldsar niu Fj. 26,6. niu daga Sol. 51.2, Njardar doetr 
niu Sol. 79,3) und nur einmal die seltenere Elf begegnet (vardir 
ellifu Fj. 14,4); auch die Aufzählung Grog. 6f. geht bis neun. 
So sind aU diese jüngeren Lieder reich an echten altepischen 
Forrneb.. — Umgekehrt fehlen z. B. die ZwiUingsfonneln in 
Hell., Gud. II.. Atlm. fast völlig u. a. w. — 

Unmethodisch ist es übrigens auch, mit der Entscheidung 



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der Unechiheit die wissenschaftliche Behandlung eines Gedichtes 
oder Gedichttheils für erledigt zu halten. Auch unzweifelhaft 
jüngere Zusätze oder Nachdichtungen können für die Literatur- 
geschichte ergebnissreich sein. Ich erinnere z. B. an die höfische 
Dorfpoesie des deutschen Mittelalters: für die Geschichte der 
mhd. Lynk hat die Masse »unechter Neidharte« kaum weniger 
Bedeutung als die Lieder Neidharts selbst. — unsere Zeit er- 
laubt wohl ein Gleichniss aus dem Leben der Lidustrie zu 
wählen: wie man erst spät gelernt hat, auch den Abfall zu 
verwerthen und nun z. B. mit dem Strontianit eine ganze In- 
dustrie hervorzuzaubern vermochte, so müssen auch wir von 
unsem Feinden, den Fälschern, zu lernen suchen (vgl. auch 
Scherer Poetik S. 291). — 

Für die literarhistorische Gruppirung haben wir von 
dem hastigen Zusammenstellen mehrerer Lieder nach einzelnen 
Uebereinstimmungen abzurathen. Bei einer Poesie, die ganz 
überwiegend aus Combination vorhandener Motive, Typen, 
^^''endungen, Verse besteht, ist eine ziemhche Zahl sogenannter 
s>Reminiscenzen<( oder »Entlehnungen« immer aufzubringen; 
vor sofortigen Schlüssen auf direkte Abhängigkeit muss aber 
dringend gewarnt werden. Besonders in der ags. Philologie ist 
mit der Verwerthung kleiner Zeichen ein Missbrauch getrieben 
worden, den schon Kluge (PB. IX 442) tadelt. Grewiss ist es 
ein gesunder Gedanke, Dinge sorgfältig zu beobachten, die 
durch ihre Bedeutungslosigkeit sich der Absicht des Autors 
entziehen und deshalb seine unwiUkürüchen Tendenzen ver- 
rathen. An solchen Stellen kann wirklich der Wolf sein Ohr 
vorstrecken (FAL 35) und für die Kunstgeschichte hat Lermoliew- 
Morelli es ja geradezu als Princip gepredigt, nach solchen 
»Ohren« sich umzusehen. Nur übersieht