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Full text of "Die Bücherliebhaberei in ihrer Entwickelung bis zum Ende des 19. Jahrhunderts; ein Beitrag zur Geschichte des Bücherwesens"

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DIE BÜCHERLIEBHABEREI 



DIE 



BÜCHERLIEBHABEREI 

in ihrer Entwickele bis zum Ende des XIX. Jahrhunderts 

EIN BEITRAG ZUR GESCHICHTE DES BÜCHERWESENS 



VON 



OTTO MÜHLBRECHT 



Zweite verbesserte und vermehrte Auflage 
mit 213 Illustrationen im Text und 11 Kunstbeilagen 



,,Eine ausgewählte Büchersammlung ist und bleibt 
der Brautschatz des Geistes und Gemütes." 

JVeder's Demokritos. 




BIELEFELD und LEIPZIG 

VERLAG VON VELHAGEN & KLASING 

1898 



Von diesem Werke ist für Liebhaber und Freunde be- 
sonders luxuriös ausgestatteter Bücher ausser der vorliegenden 
Ausgabe 

eine numerierte Ausgabe 

veranstaltet, von der nur ioo Exemplare auf feinstem Kunstdruck- 
papier gedruckt sind. Jedes Exemplar ist in der Presse sorgfältig 
numeriert (von i — ioo) und in Ganz -Kalbleder gebunden. Der 
Preis eines solchen Exemplars beträgt 20 M. Ein Nachdruck 
dieser Ausgabe, auf welche jede Buchhandlung Bestellungen 
annimmt, wird nicht veranstaltet. 



Die Verlagshandlung. 




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OCT -51965 









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Druck von Fischer & Wittig in Leipzig. 



VORREDE ZUR ZWEITEN AUFLAGE. 



Die erste Auflage dieses Buches erschien im vorigen Jahre als ein 
leicht hingeworfener Fühler, um damit festzustellen , ob in Deutschland 
ein günstiger Boden für die Litteratur der Bücherliebhaberei vorhanden 
sei. Bei der skizzenhaften Anlage hafteten dem Buche Mängel an, die 
ich selbst sehr wohl kannte, und welche die Kritik scharf zu betonen 
nicht unterlassen hat. Trotzdem , und ganz gegen meine Erwartung, 
hat die erste Auflage eine so günstige Aufnahme im Publikum gefunden, 
dass schon nach einem Jahre sich das Bedürfnis nach einer neuen Auf- 
lage herausgestellt hat. Dies erfreut mich besonders deshalb , weil 
damit der Beweis geliefert ist, dass die Bücherliebhaberei in Deutsch- 
land bereits weiter verbreitet ist, als bei dem bisherigen Mangel jeg- 
licher Litteratur darüber angenommen werden konnte. Inzwischen ist 
auch im Verlage von Velhagen & Klasing die von Fedor von Zobel- 
titz geleitete „Zeitschrift für Bücherfreunde" ins Leben gerufen , und ist 
die günstige Aufnahme dieser vornehm ausgestatteten Zeitschrift ein 
weiterer Beweis dafür , dass die Gemeinde der Bücherfreunde bei uns 
in einem erfreulichen Aufblühen begriffen ist. Diese Wahrnehmung ver- 
anlasste mich zur Herausgabe einer zweiten Auflage, bei deren Bearbeitung 
ich mich bemüht habe , strengeren Anforderungen an eine gründlichere 
Behandlung des Stoffes gerecht zu werden. 

Gleich nach Erscheinen der ersten Auflage wurde das Buch von 
R. van der Meulen in Rotterdam in das Holländische übersetzt ; der Text 
war von ihm allerdings vermehrt und von dem Verleger A. W. Sijthoff 
in Leiden reich mit Illustrationen ausgestattet. Ob dies aber ein aus- 
reichender Grund dafür war, meinen Namen als Verfasser auf dem Titel 
der holländischen Ausgabe fortzulassen, will ich an dieser Stelle nicht 
untersuchen ; es wäre zwecklos , denn es besteht kein Litterarvertrag 
zwischen Holland und Deutschland , der mich dagegen hätte schützen 



VI Vorwort. 

können. Auch muss ich anerkennen, dass ich von van der Meulen 
manches gelernt habe, seine Erweiterungen waren z. B. die erste Quelle, 
welche sich mir für die Geschichte der Bücherliebhaberei in Holland 
erschlossen hat. Ich betrachte deshalb die Ergänzungen und Verbesse- 
rungen, die ich von van der Meulen übernommen habe, als eine wert- 
volle Bereicherung meines Buches. Ebenso bin ich dem holländischen 
Verleger A. W. Sijthoff sehr zu Dank dafür verpflichtet , dass er mir 
seine sämtlichen Illustrationen zur Benutzung für meine zweite Auflage 
freistellte. 

Dem neuen Kapitel über die Bücherliebhaberei in Belgien und 
Holland habe ich ein ebenfalls neues über die Bücherliebhaberei in 
Deutschland beigefügt. Ich bitte, diese erste Darstellung mit Nachsicht 
aufzunehmen, denn es war schwierig, aus den Einzeldarstellungen, welche 
wohl zahlreich , aber zerstreut sich in der deutschen Fachlitteratur 
finden , eine abgerundete Arbeit in einem verhältnismässig so kleinen 
Rahmen zu liefern ; es ist das eine Arbeit, die erst nach und nach aus- 
reifen kann in dem Maasse , als die Kritik dem Autor dabei zu Hilfe 
kommt. Ein Einzelner kann dies ausgedehnte Gebiet kaum übersehen, 
das wird jeder erfahren haben , der sich mit der Geschichte des Buch- 
handels jemals beschäftigt hat. 

Neu hinzugekommen ist ferner das Kapitel über die Bibliothek- 
zeichen (Ex libris), die Druckerzeichen (Signete) und die Einbände. Ich 
habe dem Grafen von Leiningen-Westerburg dafür zu danken, dass er 
mir aus seiner Ex libris-Sammlung — wohl der reichsten , die gegen- 
wärtig existiert — eine so interessante Auswahl zur Reproduktion über- 
lassen hat, sie bildet einen hervorragenden Schmuck des Buches. Auch 
dem Freiherrn von Lipperheide bin ich dafür Dank schuldig, dass er 
mir ein so reiches Illustrationsmaterial aus dem Kataloge seiner kost- 
baren Büchersammlung zur Verfügung stellte. Der Bibliothekar der 
Lipperheide'schen Sammlung, Herr B. Jacobi, hat es sich in dankens- 
wertester Weise angelegen sein lassen , mir bei der Verwertung dieses 
Materials behilflich zu sein. 

Selbstverständlich habe ich das Buch in allen seinen Teilen einer gründ- 
lichen Revision unterzogen und überall, namentlich aber in den „Geschicht- 
lichen Grundlagen", nach besten Kräften verbessert und vermehrt. Den 
ganzen zweiten Teil der ersten Auflage, die umfangreiche Bibliographie, 
das Verzeichnis der Drucker , ebenso das der Druckorte , habe ich als 
einen zu schweren Ballast für die Mehrzahl der Leser diesmal ausgelassen, 
auch an anderen Stellen vieles gekürzt und Neues hinzugefügt , sodass 
das Buch eine ganz andere Gestalt gewonnen hat. Viel haben hierzu 



Vorwort. VII 

die Illustrationen beigetragen, welche die Verlagshandlung mit gewohnter 
Meisterschaft ausgeführt hat. Die Bibliothek des Börsenvereins der 
Deutschen Buchhändler in Leipzig hat mir für den Bilderschmuck eine 
reiche Auswahl geboten , und will ich nicht unterlassen, dem verdienst- 
lichen Bibliothekar Herrn K. Burger für seine wertvolle Hilfe bei der 
Auswahl des Geeigneten auch an dieser Stelle zu danken. 

So möge denn das Buch in seiner neuen verbesserten Gestalt hinaus- 
gehen und versuchen, die Gunst der Bücherfreunde in immer weiteren 
Kreisen zu gewinnen. 

GROSS -LICHTER FELDE, Oktober 1897. 



OTTO MÜHLBRECHT. 



INHALTSVERZEICHNIS. 



Seite 

Erstes Kapitel. Einleitung. Der ideale uud der materielle Wert der Bücher i — n 
Die Macht der Presse. Der Begriff der Seltenheit. Schwanken der Bücher- 
preise. Strömungen in der Litteratur. Die Schwierigkeiten bei der Bildung einer 
Bibliothek. Litterarische Überproduktion. Statistik der Erscheinungen. Platzfrage. 
Encyklopädien. 

Zweites Kapitel. Geschichtliche Grundlagen 12 — 116 

Die Holztafeldrucke als Vorläufer der Typographie. Gutenberg, Fust und 
Schöffer in Mainz. Der Anspruch anderer Städte auf die Priorität der Erfindung. 
Die Aldinen (Manutius) in Venedig. Die Giunta's in Florenz. Die Elzeviere in 
Holland. Die Etienne's (Stephanus) in Paris. William Caxton in London. Chr. Plantin 
in Antwerpen. Die Blaeu's in Amsterdam. Die Waesberghe's in Holland. Die 
Enschede's in Haarlem. Anton Koberger in Nürnbei-g. Johannes Froben in Basel. 
Sebastian Gryphius in Lyon. Hans Lufft in Wittenberg. Christoph Froschauer 
in Zürich. Die Didot's in Paris. Giambattista Bodoni in Parma. John Baskerville 
in Birmingham. Joaquin Ibarra in Madrid. Die Decker's in Berlin. Äusserliche 
charakteristische Eigentümlichkeiten der älteren Druckwerke. Die handschriftliche 
Dekoration. Anfangsbuchstaben. Signaturen. Paginierung. Titelblätter. Format. 
Druckfehlerverzeichnisse. Vorwort. Widmung. Drucklettern. Die Theuerdanck- 
Type. Cicero. Corpus. Missal. Antiqua. Cursiv. Druck und Papier. Wasser- 
zeichen. Die Holzschneidekunst. Lithographie. Farbendruck. Photographie. 

Drittes Kapitel. Specielle Richtungen der Bücherliebhaberei .... 117 — 162 
Bibliomanen und Bibliophilen. Die Inkunabeln des fünfzehnten Jahrhunderts. 
Livres d'heures. Editiones principes. Unica und verschwundene Bücher. Vernichtete, 
verstümmelte, und Bücher mit Kartons. Unterdrückte Bücher. Verbotene Bücher. 
Verbrannte Bücher und Autoren. Bücher mit seltsamem Inhalt und sonderbaren 
Titeln. Luxusausgaben. Erhaltung des Papierrandes. Exemplare mit temoins. 
Ausgaben auf Velin- und farbigem Papier. In kleiner Auflage gedruckte Bücher. . 
Auf Kosten der Regierung gedruckte Werke. Mehrbändige Werke mit langen 
Zwischenräumen des Erscheinens. Druckwerke weit entfernter Länder. Kollektionen 
von bedeutendem Umfange. Die Ausgabe in usum Delphini. Die Editio cum 
notis variorum. Bändereiche Riesenwerke. Privatdrucke. Bücher mit berühmter 
Abstammung. Jean Grober. 

Viertes Kapitel. Ex-libris, Druckerzeichen und Einbände 163 — 218 

Geschichte der Ex-libris. Litteratur darüber. Die Ex-libris- Vereine. Berühmte 
Zeichner von Ex-libris. Geschichte der Drucker- und Verlegerzeichen. Grund- 



Inhaltsverzeichnis. IX 

Seite 
prinzipien bei deren Komposition. Berühmte Druckerzeichen. Die Litteratur der 

Druckerzeichen. Entwickelungsgeschichte der Büchereinbände im allgemeinen. 

Klosterbände. Italien : Thomas Maioli, Canevari. Frankreich : die Eves, Geoffroy 

Tory, Le Gascon, Du Seuil, Boyet, Padeloup, Derome. England : John Gibson, 

Thomas Bodley , Harley , Roger Payne. Holland : Magnus Hendrikzoon , Bruno 

Spanceerder, der Verein „Kunst toegepast op boekbanden. Deutschland: Hagmeyer, 

Weidlich, Meuser, Krüger, Kraft, Birk, Bernhard, die Dresdener Schule, Georg 

Krause, die Metallbeschläge des siebzehnten Jahrhunderts, der Aufschwung nach der 

Ausstellung in London 185 1 , die heutige fabrikmässige Massenherstellung der 

Einbände. Die Sächsisch-Thüringische Landes-Ausstellung in Leipzig 1897. 

Fünftes Kapitel. Die Bücherliebhaberei als Leidenschaft 219 — 225 

Der Schätzesammler. Der eitele Bibliomane. Der neidische Bibliomane. 
Der exklusive Bibliomane. Beispiele von Büchernarren. Bibliomanen als Diebe 
und Mörder. 

Sechstes Kapitel. Die Bücherliebhaberei in Frankreich 226 — 251 

Jacques Charles Brunet. Erzbischof Juvenal des Ursins. Jacques de Pars. 
Etienne Chevalier. Charles Duc d' Orleans. Pierre Ronsard. Philippe Desportes. 
Florimont Robertet. Louise Labet. Charlotte Guillard. Arthur Gouffier. Claude 
Gouffier. Franz I. Margarete dAngouleme. Heinrich II. Katharina von 
Medici. Diana de Poitiers. Graf St. Vallier. Guyon de Sardieres. Marie von 
Schottland. Karl IX. Heinrich III. Louise von Lothringen. Heinrich IV. 
Margarete von Valois. Anna von Österreich. Maria Leczinska. Marquise de 
Pompadour. Die Du Barry. Marie Antoinette. Herzogin de Berry. Steigerung 
der Bücherwerte. Einfiuss der Mode. Die illustrierten Werke des achtzehnten 
Jahrhunderts. Eisen. Mavillier. Moreau. Die Klassiker des sechszehnten und 
siebzehnten Jahrhunderts. Moliere. Corneille. Racine. Beispiele von Preis- 
steigerungen. Der Antiquar Morgand in Paris. Girardot de Prefond. Graf de 
Mac Carthy. Duc de la Valliere. Jacques Auguste de Thou. Graf Mosbourg. Die 
Bouquinisten vom Seineufer. Die Auslagen der heutigen Buchhändler in Paris. Statistik 
der Bouquinisten. Xaver Marmier als ihr Wohlthäter. Das Bankett von 1892. 
Anatole, Laporte und Zola. Präfekt Haussmann und die Bouquinisten. Paul Lacroix 
als ihr Beschützer. Pere Foy und Napoleon III. 

Siebentes Kapitel. Die Bücherliebhaberei in England 252 — 267 

Betrachtungen über die Stellung des grossen Publikums zur Litteratur. Warton 
und Joseph Arnes regen das Büchersammeln an. Richard Heber. Lord Spencer. 
Dibdin als Bibliograph. Hochgetellte Männer als Sammler. Heinrich VII. 
Heinrich VIII. Königin Elisabeth. Robert Harley. John Moore. Thomas Bodley. 
Earl von Sunderland. William Beckford. Sir John Thorold. Graf Anton Appony. 
Lord Bridgewater. Lord Arundel. Shakespeare - Ausgaben. William Caxton's 
Drucke. Beispiele von Preissteigerungen. Entwickelung der Americana in London. 
Nicolaus Trübner. Bernhard Quaritch. Henry George Bohn. Die Londoner 
Bücherauktionen. Der Verkauf des Valdarfer Boccaccio. Gründung des Roxburghe- 
Club. Thätigkeit der Vereine von Bücherfreunden. 

Achtes Kapitel. Die Bücherliebhaberei in Belgien und Holland . . . 268 — 284 
Flandern als Heimat der Gelehrsamkeit. Die Brüder des gemeinsamen Lebens. 
Gerhard Groote als Begründer des Ordens. Sein Mitarbeiter Floris Radewynzoon. 
Rafael de Mercatellis. Seigneur da la Gruthuyse. Claude d'Urfe. Die Herzöge 



X Inhaltsverzeichnis. 

Seite 
von Burgund als Bücherliebhaber. Philipp der Gute. Karl der Kühne. Marie 

von Burgund. Margarete von Österreich. Marie von Österreich. Holland in 
führender Stellung im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert. Unterstützungen 
seitens der Regierung. Hugo Grotius. Joseph Athias. Die holländischen Bibel- 
ausgaben. Die Eulenspiegelbibel. Die Staatenbibel. Gedichte des Vader Cats. 
Erasmus über die Rednervereine. Das Unwesen der Rederykerkamer und dicht- 
genootschappen in Holland. Die Liederbücher des siebzehnten Jahrhunderts. Die 
alten Volksbücher. Die Reisebeschreibungen. See- und Landkarten. Holland im 
Anfange unseres Jahrhunderts unter dem Einflüsse der Kontinentalsperre. Die 
Engländer als Aufkäufer der Bücherschätze. Die Bücherauktionen in Holland. 
Einige Beispiele von Preissteigerungen. Die heutige Stellung der Niederlande in 
der Litteratur. Frederik Muller. Martinus Nyhoff. A. L. Krusemann. 

Neuntes Kapitel. Die Bücherliebhaberei in Deutschland 285 — 318 

Ulrich von Hütten. Die Fugger's in Augsburg. Paracelsus in Basel. Die 
Herrschaft der lateinischen Sprache. Die Heidelberger Bibliothek. Mathias 
Corvinus und die Schicksale seiner Bibliothek. Bilibald Pirckheimer in Nürnberg. 
Die Bibel in ihren verschiedenen Ausgaben und deren Verbreitung in allen Ländern. 
Die Kirchenväter. Entwickelung der Litteratur. Einfluss der Kreuzzüge und Ent- 
deckungen im Mittelalter. Der Bücher-Messverkehr in Frankfurt a. M. und Leipzig. 
Der Messkatalog. Statistik der Bücherproduktion in den beiden Centralpunkten. 
Der Einfluss des dreissigj ährigen Krieges. Entwickelung des Buchgewerbes in 
Berlin. Die heutigen Zustände in Berlin und Leipzig. Ernst Eckstein und Eduard 
von Hartmann über die litterarischen Verhältnisse in Deutschland. Kritik dieser 
Urteile. Goethe über das lesende Publikum Julius Rodenberg über die schön- 
wissenschaftliche Litteratur. Grabbe an Friedrich Wilhelm IV. Die heutige ge- 
nossenschaftliche Selbsthilfe der Schriftsteller. Die Leihbibliotheken. Die Zeitungs- 
lektüre. Bücherpreise und Autorenhonorare. Die Kartellverbände der Autoren. 
Das Tantiemesystem. Die Association litteraire et artistique internationale. Martin 
Luther und Hans Sachs im Vergleich mit den übermässigen Ansprüchen der 
heutigen Autoren. Autoren als Selbstverleger. Die Beseitigung der teueren Bücher- 
preise durch Beseitigung des Zwischenhandels. Litteratur-Bezugsvereine und Post- 
buchhandel. Die Reformversuche des vorigen Jahrhunderts. Leibniz. Lessing. 
Klopstock. Die Gelehrtenrepublik. Die Buchhandlung der Gelehrten in Dessau. 
Die Unentbehrlichkeit des heutigen Sortimentsbuchhandels. Die Steigerung der 
Bücherpreise in der älteren Litteratur. Einige Beispiele. Die bescheidenen Grenzen 
der deutschen Bücherliebhaberei. Luxusausgaben deutscher Verleger. Die neu- 
begründete Zeitschrift für Bücherfreunde. Schlusswort. Ausblick in die Zukunft. 



LITTE RATUR. 



Baudet, P. J. H., Leven en werken van W. J. Blaeu. Utrecht 1871. 8. 

Berjeau, J. Ph., Le Bibliophile illustre. Londres 1862. 8. 

Bibelblätter. Hrsg. v. d. Bibelgesellschaft in Basel. Jahrg. 1896. 

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Börsenblatt f. d. deutschen Buchhandel. Leipzig. Jahrg. 1897. 

Brockhaus' Konversations-Lexikon. 14. Aufl. Leipzig 1892 — 97. Lex.-8. 

Brunet, Ch., Manuel du libraire. 5. ed. 5 vols. Paris 1878—80. 8. 

Brunet, G., Du prix des livres rares vers la fin du 19. siecle. Bordeaux 1895. 8. 

Copinger, W. A.. Incunabula biblica. London 1892. 8. 

Delpart, G. H. M., Verhandeling over de broederschap van G. Groote. Utrecht 1830. 8. 

Dibdin, Th. Fr., Bibliomania. New edition. London 1876. 8. 

Ebert, F. A., Allgem. bibliograph. Lexikon. 2 Bde. Leipzig 1821 — 30. 4. 

Elton, C. M., Great book collectors. London 1893. 8. 

Enschede. De lettergieterij van Joh. Enschede & Zonen. Gedenkschrift ter gelegenheid van 

haar i5ojarig bestaan op 9. Maart 1893. Haarlem 1893. 4. 
Falkenstein, C. K., Geschichte der Buchdruckerkunst. 2. Aufl. Leipzig 1856. 8. 
Fertiault, F., Les amoureux du livre. Paris 1877. 8. 

Fischer, Ludw., König Matthias Corvinus und seine Bibliothek. Wien 1878. 8. 
Guigard, A., Armorial du bibliophile. 2 vols. Paris 1870 — 73. 4. 
Hain, L., Repertorium bibliographicum. 2 Bde. Stuttgart 1826 — 28. Lex. -8. 
von Hase, Osk., Die Koberger. 2. neubearb. Aufl. Leipzig 1885. 8. 
Jacob, P. L. (Lacroix), Les amateurs de vieux livres. Paris 1880. 8. 

— Ma republique. Paris s. d. 8. 

Jessen, P., Vorlesungen über die Kunst im Buchdruck, geh. in Berlin 1897. 

Katalog d. Bibliothek des Börsenvereins der deutschen Buchhändler. Leipzig 1885. 8. 

Kirchhoff, Alb., Einleitung in die Bücherkunde. Leipzig 1855. 4. (Aus Rottner's Kontor- 
wissenschaft.) 

Konst- en Letterbode, Allgemeene. Jahrg. 1860. 

Kruseman , A. C. , Bouwstoffen voor een geschiedenis van den Nederlandschen boekhandel. 
2 dln. Amsterdam 1887. 8. 

— Aanteekeningen betreffende den boekhandel in Noord-Nederland in de 17. en 18. eeuw. 

Amsterdam 1893. 8. 
Laianne, L., Curiosites bibliographiques. Paris 1845. 8. 

Ledeboer, A. M., Het geslacht van Waesberghe. 2. uitg. 'sGravenhage en Utrecht. 1869. 8. 
Le Rofux de Lincy, Recherches sur Jean Grober. 1866. 8. 
Lorck, C, Handb. der Geschichte der Buchdruckerkunst. 2 Tle. Leipzig 1882 — 83. 8. 



XII Litteratur. 

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Maherault , T. F. , Catalogue raisonne et descriptif des ouvrages de Moreau le jeune. Paris 

1880. 8. 
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van der Meulen, R., Liefhebberij voor boeken. Leijden 1896. 8. 
Meyer's Konversations-Lexikon. 5. Aufl. Leipzig 1893 — 97. Lex.-8. 
Mühlbrecht, Otto, Der holländische Buchhandel seit Coster. Leipzig 1867. 8. 
Kieuwsblad voor den Nederl. boekhandel. Amsterdam. Jaarg. 1865. 1868. 
Kodier, Ch., Bibliographie des fous. Paris 1835. 8. 
Peignot, G., Dictionaire des ouvrages, qui ont ete brüles. 2 vols. Paris 1806. 8. 

— Repertoire de bibliographies speciales. Paris 18 10. 8. 
Petzholdt, Jul., Bibliotheca bibliographica. Leipzig 1866. 8. 

Querard, J. M., Livres perdues et exemplaires uniques. Bordeaux 1872. 8. 

— Livres ä clef. 2 vols. Bordeaux 1873. 8. 

Roberts, W., The book-hunter in London. London. 1895. 8. 

— Rare books und their prices. London 1895. 8. 

Rouveyre, E., Connaissances necessaires ä un bibliophile. 3. ed. Paris 1879. 8. 

Salon, Der. Leipzig. Jahrg. 1874. 

Schotel, G. D. J. , Geschiedenis der Rederijkers in Nederland. 2. uitg. 2 dln. Rotterdam 

1871. 8. 
Schürmann, Aug., Rechtsverhältnisse der Autoren und Verleger. Halle 1889. 8. 
Schwetschke, G., Codex Nundinarius. Halle 1850. 8. 
Stockbauer, Abbildungen von Mustereinbänden. Leipzig 1881. 4. 
Techener, J. et L., Histoire de la Bibliophilie. Paris 1862 — 64. fol. 
Thoinan, E., Les relieurs francais 1500 — 1800. Paris 1893. 8. 
Trömel, P., Bibliographische Privatdrucke. Dresden 1855. 8. 
Uzanne, Oct., The book-hunter in Paris. London 1893. 8. 
Willems, A., Les Elzevier. Histoire et annales typographiques. Bruxelles 1880. 8. 



ERSTES KAPITEL. 

EINLEITUNG. 

DER IDEALE UND DER MATERIELLE 

WERT DER BÜCHER. 



i jas Thema „Bücherliebhaberei" wird vielleicht von manchem, der 
^-"^ dies Buch in die Hand nimmt, mit Geringschätzung angesehen: was 
hat die Bücherliebhaberei neben den grossartigen Problemen unserer Zeit 
für eine Bedeutung? Diese Frage dürfte mehr noch in Deutschland auf- 
geworfen werden , als in England und Frankreich , wo die Bücherlieb- 
haberei schon seit langer Zeit in einer Blüte steht, von der man bei 
uns im allgemeinen keine Ahnung hat. 

Als Antwort auf solche , durchaus nicht unberechtigte Frage habe 
ich mir die Aufgabe gestellt, das Wesen der Bücherliebhaberei allgemein 
verständlich zu schildern. Diejenigen aber, welche prinzipiell die Bücher- 
liebhaberei verwerfen oder tadeln, möchte ich doch darauf aufmerksam 
machen, dass das gedruckte Buch, so unscheinbar es auch äusserlich 
ist, oftmals eine gewaltige Macht von unberechenbarer Tragweite ist, 
eine Kulturerscheinung, mit der sich ernsthaft und eingehend zu be- 
schäftigen wohl der Mühe lohnt. Hat sich doch die Macht der Buch- 
druckerpresse seit mehr als vierhundert Jahren so unzweideutig in der 
ganzen Welt geltend gemacht, dass daran wohl niemand mehr zu 
zweifeln wagt. 

Die führenden Geister der Menschheit haben sie stets anerkannt. 
Als ein Beispiel dafür , welchen Respekt grosse Männer mitunter vor 
Büchern haben, sei nur auf den Ausspruch eines der Gewaltigsten unter 
den Grossen der Erde hingewiesen. 

Napoleon I. äusserte sich gelegentlich folgendermaassen : „Die 
Buchdruckerei ist wie ein mit gefährlichen Waffen gefülltes Zeughaus, 
das man ungern in den Händen des ersten besten lässt. Die Buch- 

Mühlbrecht, Bücherliebhaberei. I 



2 Erstes Kapitel. 

druckerei ist kein Handelszweig, es genügen deshalb einfache Privilegien, 
um sie zu organisieren. Es handelt sich um einen Stand, an dessen 
Gedeihen der Staat ein Interesse hat , letzterer muss deshalb die Ent- 
scheidung in den Angelegenheiten dieses Standes haben. Der Buch- 
drucker kann ein geschickter, selbst ein gelehrter Mann sein, er ist aber 
kein Kaufmann , kein Fabrikant. Eben weil der Erfolg nicht von ihm 
selbst , sondern von der geistigen Spekulation anderer abhängt , kann 
nur eine gewisse Zahl von Buchdruckern existieren. Beschränkt der 
Staat nicht die Zahl und leidet infolge davon der Buchdrucker Not, so 
kann man nicht auf dessen rechtlichen Charakter zählen, und die Druck- 
kunst ist eine zu gefährliche Waffe , um sie in den Händen von Not- 
leidenden zu lassen. Gut situierte Bürger sind weniger geneigt gegen 
die Gesetze zu handeln, es ist deshalb ebenso human als politisch richtig, 
die Zahl der Buchdruckereien zu beschränken" u. s. w. 

Napoleon steht nun zwar mit dieser seiner Anschauung nicht auf 
dem Boden unserer heutigen Gesetzgebung , und auch in anderer Be- 
ziehung ist der Ausspruch anfechtbar, aber er ist richtig in Bezug auf 
die Macht der Presse , die dem grossen Völkerbezwinger geradezu un- 
heimlich erscheint. Es sei mir gestattet, diesen nüchternen Worten der 
hohen Politik einen anderen Ausspruch gegenüber zu stellen, den eines 
Bücherfreundes, der die Bücher nicht fürchtet, sondern sie liebt, der in 
ihnen nicht seine Feinde, sondern seine Freunde sieht. Der Italiener 
Edmondo de Amicis sagt in seinen „Pagine sparse" : ,,Ein Haus 
ohne Bücher ist ungemütlich, es gleicht einem Wirtshause, einer Stadt 
ohne Buchhandlung, einem Dorfe ohne Schule, einem Briefe, der schlecht 
geschrieben ist, so dass man ihn nicht lesen kann. Wie behaglich ist 
dagegen ein Zimmer mit Büchern ! Wie fesseln sie das Auge, und wie- 
viel Genuss können sie jemandem verschaffen , er braucht gar kein Ge- 
lehrter zu sein, wenn er nur zu seinem Vergnügen liest und etwas 
Gefühl und Phantasie besitzt ! 

Da stehen sie in einem kleinen Räume für jeden erreichbar , die 
verführerischen Geistesfrüchte , die Gottesgaben , oft Resultate ernsten 
Nachdenkens und mühsamer Studien, die auf edeln Denkerstirnen tiefe 
Furchen eingegraben haben; die Früchte der reichsten Phantasie der ganzen 
Welt, in die Form einer Anzahl bedruckter Blätter Papier gebracht, auf 
Bretter gebannt, eingeteilt nach Ländern, Sprachen und Inhalt, geordnet 
wie eine Armee von Soldaten. Eine Abteilung versetzt dich in ver- 
gangene Jahrhunderte , eine andere führt dich in ferne Länder , diese 
spricht zu deinem Gemüt, jene zaubert ein Lächeln auf deine Lippen, 
eine dritte regt dich zum Nachdenken an, eine vierte lässt dich träumen, 



Einleitung. Der ideale und der materielle Wert der Bücher. 3 

eine fünfte lockt Thränen in dein Auge. Du kannst nach Herzenslust 
wählen. Eine Bibliothek ist eine sittliche Apotheke. Da sind Fächer 
mit Büchern für düstere , wehmütige , mutlose Tage, und für Tage, an 
denen sich unser ein leidenschaftlicher Arbeitseifer bemächtigt. 

Und der Verschiedenheit des Inhalts entspricht auch die Verschieden- 
heit der äusseren Erscheinung. Die Riesenwörterbücher und die grossen 
Werke mit Abbildungen bilden die Balken und Sparren dieser kleinen 
Welt. Eine lange Reihe stattlicher Bände, in der Farbe des Einbandes 
verschossen , enthält alte Klassikerausgaben , äusserlich still und sitt- 
sam, innerlich aber voll blühender Lebenskraft, Bücher, die gleich ihren 
Autoren durch bleibende Vorzüge unsterblich sind. Daneben sehen wir 
Werke, die durch Format, Druck, Papier und Einband wie Aristokraten 
den Ehrenplatz in der Bibliothek einnehmen, in leuchtendem Leder mit 
goldenem Schnitt. Und wiederum in bunten Farben Hunderte von zier- 
lichen Ausgaben , alle bemüht , die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. 
Und dann in langen Reihen einfache ärmliche Bändchen , man könnte 
sie die Proletarier der Bibliothek nennen, mit Gleichgültigkeit und wenig 
Achtung vom Besitzer behandelt. Und noch unscheinbarer stehen die 
Duodecimos da, ein unruhiges Völkchen, das gern überall mitgeht, von 
der Stadt aufs Land, auf die Eisenbahn und in den Omnibus, von der 
Rocktasche in den Reisekoffer, vom Koffer auf den Nachttisch, das schon 
zufrieden ist, wenn es nur als Lückenbüsser benutzt wird. In der ganzen 
Gesellschaft haben wir unsere Lieblinge, alte erprobte Freunde, Bekannte 
von gestern, Lehrmeister und Wohlthäter." 

Das ist in der That ein anmutiges Loblied auf den idealen Wert 
der Bücher. Diesem idealen Werte steht der materielle gegenüber, wie 
verhält es sich damit ? 

Scheinbar haben Bücher gar keinen materiellen Handelswert; das 
geringe Quantum bedruckten Papieres kann der Laie nur zum Zwecke 
des Einstampfens nach Gewicht für wenige Pfennige verwerten. Aber 
wie ganz anders gestaltet sich der materielle Wert eines Buches in der 
Hand des gut unterrichteten Kenners , und doch auch wieder wie un- 
berechenbar schwankend ist unter Kennern, unter den Bücherliebhabern 
der Preis des Buches, je nach Zufall, Laune oder Geschmacksrichtung 
der Zeit ! Das mögen zwei Beispiele beweisen : 

Perionius Dialogus, Paris 15 54 ergab in der Auktion Anisson 
du Perron (Paris 1805) 5 Francs, in der Auktion Brunet (Paris 1868) 
dagegen 11 50 Francs. Die Baliverneries d'Eutrapel ergaben in 
der Auktion Soubise (Paris 1788) 10 Francs, in derselben Auktion Brunet 
(Paris 1868) aber 2 120 Francs. 



a Erstes Kapitel. 

Wer mag solchen Thatsachen gegenüber noch von Bücherpreisen 
reden , von einem auch nur einigermassen feststehenden materiellen 
Werte der älteren Druckerzeugnisse! Man kann nur sagen, dass diese 
einen ganz idealen, von den verschiedensten inneren und äusseren Um- 
ständen abhängigen Wert haben, der sich gar nicht definieren lässt, weil 
er nur zu häufig von dem Reichtum und den Neigungen der Käufer 
bestimmt wird. Im allgemeinen allerdings darf angenommen werden, 
dass Bücher um so höher im Preise steigen , je seltener sie werden. 
Aber was heisst „selten" ? *) 

Dies Epitheton, im weitesten Sinne genommen, könnte auf jedes 
Werk angewendet werden , das sich nicht leicht mehr im Buchhandel 
beschaffen lässt, also beinahe auf alle alten Bücher, besonders diejenigen, 
von denen nur eine Ausgabe veranstaltet wurde, die vergriffen ist. Aber 
so darf man den Begriff „selten" nicht auslegen, sonst würden viele 
Werke dadurch geehrt, deren Leser oder Interessenten noch viel seltener 
wären, als sich Exemplare davon auffinden lassen. Verdienen doch viele 
Bücher gar nicht, dass sie überhaupt jemals das Licht der Welt erblickt 
haben. Die Auszeichnung „selten" im bibliographischen Sinne sollte 
nur dann angewendet werden , wenn ein Buch , neben seinem seltenen 
Vorkommen im Handel , auch mehr oder weniger begehrt und ge- 
sucht und infolge dieses Umstandes mehr oder weniger wertvoll ge- 
worden ist. 

Die Seltenheit der Bücher hat auch ihre Abstufung, sie ist absolut 
oder relativ je nach den Umständen. Absolut bei Büchern, von denen 
nur noch wenige Exemplare existieren, relativ, wenn z. B. die betreffen- 
den Bücher wohl genügend in anderen Ländern, aber nicht in unserem 
Lande vorkommen, oder wenn die im Handel vorkommenden Exemplare, 
gleichviel ob in grosser oder kleiner Anzahl, für die Nachfrage nicht 
ausreichen. So kann ein Buch sehr wohl selten sein , ohne deshalb 
wertvoll zu sein. Begehrt sind von den Liebhabern in der Regel nur 
die seltenen Bücher von zugleich innerem oder äusserem Werte. 

Eigentlich sollte der innere Wert allem übrigen vorangestellt wer- 
den , aber in der Praxis geschieht das nicht , und es giebt unendlich 
viele Ursachen, den Wert eines Buches zu steigern oder herabzudrücken. 
Haben doch die Bücher oft einen langen Weg zurückzulegen, und wie 
vielem Missgeschick sind sie mitunter ausgesetzt von dem Augenblicke 
ihres Erscheinens bis zu dem Zeitpunkte ihres Verschwindens von der 
Bildfläche ! 



*) Jacq. Charl. Brunet, Manuel du libraire. Preface. 



Einleitung. Der ideale und der materielle Wert der Bücher. r 

Bei Büchern gewöhnlicher Art, wie sie das Gemeingut der Leser 
zu bilden pflegen , wird der Preis bei Erscheinen nach Massgabe des 
Honorars , des Umfanges , der Druckkosten , der Güte des Papiers und 
der Zahl der hergestellten Exemplare festgesetzt. Solche Werke haben 
viel Konkurrenz zu bestehen, ihr Preis pflegt deshalb von vornherein 
ein massiger zu sein , und spätere erhebliche Schwankungen desselben 
sind ausgeschlossen. Anders liegt die Sache schon , wenn es sich um 
das Werk eines Verfassers handelt, der in der Wissenschaft oder der 
Litteratur einen hohen Rang einnimmt. Da wird sich der Preis des 
Buches in dem Verhältnis erhöhen, als der Verleger für die Erwerbung 
des Manuskriptes grössere Summen aufwenden musste. Dann können 
zwei Fälle eintreten , entweder das Werk hat Erfolg , erregt Aufsehen 
und kann infolgedessen im Preise steigen ; oder es hat keinen Erfolg, 
wird vielleicht bei Erscheinen gar nicht bemerkt, erlebt keinen Neudruck 
und wird dann voraussichtlich nach einigen Jahren im Preise sinken. 

Und doch kommen Fälle vor , dass Bücher , denen bei Erscheinen 
gar keine Aufmerksamkeit geschenkt wurde , später auf das eifrigste 
gesucht werden. Ein interessantes Beispiel hierfür liefern die bei 
F. A. Brockhaus in Leipzig erschienenen Werke von Arthur Schopen- 
hauer. Bei Erscheinen wurden sie gar nicht beachtet, geschweige denn 
gekauft; nachdem sie dreissig Jahre auf der Niederlage geruht hatten, 
begann plötzlich eine so lebhafte Nachfrage nach ihnen, dass die Vorräte 
bald vergriffen waren und neu gedruckt werden mussten. 

Wir bemerken ferner, dass wissenschaftliche Abhandlungen, die ganz 
ausser Gebrauch gekommen und in Vergessenheit geraten sind , nach 
Verlauf eines gewissen Zeitraumes wieder Wert erlangen , ja mitunter 
einen höheren , als sie bei Erscheinen besassen , weil sie ein nützliches 
Material für die Geschichte der geistigen Entwickelung bilden. Es ist 
eine tägliche Erscheinung, dass einzelne Werke plötzlich zum Range 
eines geschätzten Wertobjektes gelangen, weil man ihrer für Sammlungen, 
mit denen sie innerlich im Zusammenhange stehen, notwendig bedarf. 

Am wenigsten sind solchen Wechselfällen des Glücks die gediegenen 
wissenschaftlichen Werke unterworfen, die in einer nicht zu grossen 
Auflage hergestellt wurden. Mögen sie auch anfänglich nur von wenigen 
Leuten beachtet sein , das Urteil kompetenter Richter belebt sie doch 
mit der Zeit, und der Erfolg pflegt dann um so nachhaltiger zu sein, je 
weniger gesucht er im Anfange war. Diese Gattung von Büchern, die 
nur selten in neuen Auflagen erscheinen , sind für die öffentlichen 
Bibliotheken, in denen sie stets mit Nutzen konsultiert werden, unent- 
behrlich, und wohlgeborgen beschliessen sie dort ihr Dasein. 



6 Erstes Kapitel. 

Aber auch in der wissenschaftlichen Litteratur kommen doch mit- 
unter erhebliche Schwankungen in den Bücherpreisen vor, in gleicher 
Weise , wie ja auch die wissenschaftlichen Strömungen einem fort- 
währenden Wechsel unterworfen sind. 

Wir sehen , wie durch die Fortschritte der Wissenschaft ganze 
Kategorien von Büchern entwertet werden ; mitunter wird der Studien- 
gang ganzer Völker durch das Eingreifen einzelner bedeutender Persön- 
lichkeiten total verändert. So dominierten im Anfange unseres Jahr- 
hunderts die philosophischen und die philologischen Wissenschaften, 
dann traten die Naturwissenschaften und die Medizin in den Vordergrund, 
die Theologie dagegen verlor mehr und mehr an Bedeutung, namentlich 
in der jüngsten Zeit. (Im Sommer 1890 studierten auf den deutschen 
evangelischen Universitäten 4527 Theologie, im Sommersemester 1896 
nur 2956, also ein Rückgang von rund 35 Prozent!) Die Rechtswissen- 
schaft sucht überall das lokale Gewand möglichst abzustreifen und strebt 
nach internationaler Einheit. Und weiter sehen wir seit einigen Dezennien 
in der Litteratur der technischen Wissenschaften durch das Eingreifen 
der Elektrizität und anderer Entdeckungen der Neuzeit eine vollkommene 
Umwälzung sich vollziehen. Das alles ist natürlich nicht ohne Einfluss 
auf die Bücherpreise; die meisten älteren Werke sind durch die Resultate 
der neueren Forschungen entwertet , andere wieder erlangen neue 
Geltung als Denkmäler des früheren Standpunktes der wissenschaft- 
lichen Forschung. Einige Beispiele mögen zur Erläuterung des Gesagten 
dienen. *) 

Man kennt die ,,Acta Sanctorum", die von 1643 bis 1793 in 
dreiundfünfzig schweren Foliobänden erschienen sind. Im vorigen Jahr- 
hundert stand dies Werk hoch im Preise , nach der Aufhebung des 
Jesuitenordens aber im Jahre 1763 sank es sehr im Werte, und mehr 
noch bei dem zunehmenden Verfall der katholischen Kirche kurz vor 
und nach der französischen Revolution. Von dem damals kaum voll- 
endeten dreiundfünfzigsten Bande wurde eine Menge von Exemplaren 
als Makulatur verkauft, ja später, zur Zeit des Kaiserreichs, sind viele 
vollständige Exemplare der Sammlung unter dem Gesetz der licenses 
als Schiffsballast eingenommen und , sobald man aus dem Hafen heraus 
war, über Bord in See geworfen. Von der Zeit an ist das Werk nach 
und nach wieder im Preise gestiegen. Im Jahre 1824 galt ein Exemplar 
auf der holländischen Auktion te Water 500 Gulden, 1840 zahlte man 



*) Frederic Muller, Het mit van de kennis der prijzen van oude boeken. Nieuws- 
blad van den boekhandel. Jahrgang 1868. 



Einleitung. Der ideale und der materielle Wert der Bücher. j 

iooo Gulden und im Jahre 1860 2000 Gulden. Im Jahre 1863 hat man 
erst den dreiundfünfzigsten Band, dann die ganze Sammlung mit glän- 
zendem Erfolge neu gedruckt und fünf Jahre später sogar aus dem 
Lateinischen in das Französische übersetzt. 

Die lateinischen Predigtsammlungen in Folio aus dem fünfzehnten 
und sechzehnten Jahrhundert galten seit Jahr und Tag gar nichts mehr, 
man würde es für unmöglich gehalten haben, dass sie sich noch einmal 
neu beleben könnten, und jetzt sieht man sie von Jahr zu Jahr wieder 
im Preise steigen. 

Das grosse exegetische Bibelwerk des belgischen Jesuiten Cornelius 
van der Steen (auch a Lapide) umfasst zehn grosse Foliobände und 
ist im siebzehnten Jahrhundert mehrmals neu gedruckt. Am Ende des 
vorigen und im Anfange dieses Jahrhunderts war das Werk im Preise 
so gesunken, dass der Buchhändler de Bruyne in Mecheln zwei hohe 
Stapel Papier besass, bestehend aus den Titel- und einzelnen Textbogen 
dieses Werkes, die er nach Gewicht als Makulatur verkaufte. Im Jahre 
1840 zahlte man schon wieder 100 Gulden für ein Exemplar, und im 
Jahre 1848 ist das Werk neu gedruckt! 

Ist das Zufall , Laune , oder hat es nicht seinen triftigen Grund in 
dem veränderten Gange der theologischen Studien und Untersuchungen, 
in der Geschichte der katholischen Kirche , in der Entwicklung des 
Zeitgeistes? Für das Verständnis des fortwährend sich verändernden 
litterarischen Geschmacks , dieser interessanten Unterabteilung der all- 
gemeinen Weltgeschichte , ist das Steigen und Fallen der Bücherpreise 
nicht ohne Bedeutung. Man wird gut thun, die Entwickelung der 
Litteratur eines Volkes in einem gegebenen Zeiträume nicht nur nach 
den in den betreffenden Jahren erschienenen Büchern zu beurteilen, 
für die richtige Würdigung des Wertes früher erschienener Bücher 
geben auch die Preise derselben einen guten Massstab. Auch in der 
Litteratur gilt Schiller's Ausspruch: ,,Die Weltgeschichte ist das Welt- 
gericht." 

Aus den Bücherpreisen, oder besser gesagt aus den Schwankungen 
derselben, richtige Schlüsse zu ziehen, ist eine schwere Kunst, und die 
gewiegtesten Antiquare und Bücherkenner lernen darin nicht aus. Ein 
klassisches Beispiel dafür ist der berühmte Bibliograph C h. Brunet. 
Er hatte 1820 eine neue Ausgabe seines Manuel gebracht, 1832 war 
ein Neudruck nötig; der veränderte Geschmack der Bücherliebhaber 
hatte jedoch inzwischen eine solche Umwälzung in den Preisen hervor- 
gebracht , dass Brunet , wie er in der Vorrede zu seinen n o u v e 1 1 e s 
recherches 1836 sagte, zögerte, die hohen und niedrigen Preise, die 



8 Erstes Kapitel. 

er damals für eine vorübergehende Erscheinung hielt, die er zufälligen 
Umständen und der Laune einiger Liebhaber zuschrieb, in sein Manuel, 
den Leitfaden der Bibliophilen , aufzunehmen und damit als richtigen 
Massstab anzuerkennen. Er brachte deshalb keine neubearbeitete Aus- 
gabe, sondern das intermediäre Werk: nouvelles recherches. Aber 
wie wurde seine Voraussetzung betrogen ! Statt dass die Preise wieder 
sanken, stiegen sie höher und höher und er musste 1842 doch eine neue 
Ausgabe seines Werkes und später noch eine bringen , in denen diese 
Preisumwälzungen mehr und mehr befestigt wurden. Die Ursache der 
anfänglichen Zögerung war, dass Brunet die veränderte historische 
Richtung und die nationale Entwickelung seiner Zeit verkannte, dass er 
für die Studien seiner Zeitgenossen kein offenes Auge, dass er den Geist 
seiner Zeit nicht verstanden hatte. 

Auch die Veränderungen, die die menschliche Gesellschaft ununter- 
brochen in der Regierungsform , in den Sitten und Gebräuchen , im 
Geschmack, in der Mode u. s. w., erleidet, sind ebenso viele Ursachen, 
die den Wert der Bücher mehr oder weniger beeinflussen. Eine poli- 
tische Umwälzung z. B. erweckt Nachfrage nach historischen Werken, 
die ähnliche Zustände schildern wie die , in denen die Umwälzung sich 
vollzieht, Nachfrage nach Schriften, die die Theorien behandeln, mit 
denen die Geister sich gegenwärtig beschäftigen. 

Ein Krieg, der Abschluss eines Bündnisses, eine wissenschaftliche 
Expedition, eine wichtige Entdeckung, eine Epidemie, irgend ein ausser- 
gewöhnliches Ereignis , ja einfache litterarische Streitigkeiten , das alles 
kann die Aufmerksamkeit wieder auf Werke lenken, die längst tot waren. 
Am häufigsten wird eine solche Wiederbelebung verursacht durch neue 
litterarische und philosophische Lehren, in der Wissenschaft und in der 
Theorie der schönen Künste. Denn, um bei unserem Jahrhundert zu 
bleiben , haben wir es nicht selbst erlebt , wie die eine philosophische 
Schule die andere in der Herrschaft ablöste , wie in der Litteratur , in 
der Malerei, der Bildhauerkunst und in der Architektur die eine klassische 
Epoche der anderen weichen musste? 

Es wird aus diesem Grunde auch heute für den Privatmann , und 
wenn er noch so reich ist, immer schwieriger, sich eine Bibliothek zu 
schaffen, die nach allen Richtungen hin nur einigermassen vollständig 
sein soll. Eine Schwierigkeit, die vor hundert Jahren in dem Masse 
noch nicht bestand. Das ist auch der Grund, weshalb man sich in 
unserer Zeit bei Bücherankäufen gern auf begrenzte Specialfächer be- 
schränkt , die dem Studium oder der persönlichen Liebhaberei des 
Käufers entsprechen. Angesichts der stets zunehmenden litterarischen 



Einleitung. Der ideale und der materielle Wert der Bücher. q 

Überproduktion*) lässt sich mit Recht die Frage aufwerfen, was wird 
aus allen den Tausenden von Büchern werden , die jetzt in der Mode 
sind? Wie viele von ihnen werden wohl ihr Leben über die nächsten 
fünfundzwanzig Jahre hinaus fristen? Und wie wenige von ihnen werden 
nach fünfzig Jahren noch anderen Leuten als den Bibliothekaren bekannt 
sein ? Es ist lehrreich für uns, dass von den sämtlichen Büchern aus der 
zweiten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts, also aus der Incunabelnzeit, 
nicht mehr als etwa dreihundert noch von besonderer Wichtigkeit für 
den Büchersammler sind. Von den etwa 50000 besseren Erscheinungen 
des siebzehnten Jahrhunderts geniessen heute nur noch etwa 100 Werke 
ein unbestrittenes hohes Ansehen, und von den etwa 80000 hervor- 
ragenden Erscheinungen des achtzehnten Jahrhunderts hat man kaum 
300 Werke in unserer Zeit für wert erachtet, durch einen Neudruck vor 
der Vergessenheit und dem Untergange bewahrt zu bleiben. 

Der französische Bibliophile Peignot, der diese Berechnungen 
aufgestellt , giebt die Gesamtzahl der gedruckten Bücher annähernd 
folgendermassen an : 

1. Jahrhundert von 1456 bis 1536 42000 Werke 

2. „ „ 1536 „ 1636 575 000 „ 

3. „ „ 1636 „ 1736 1225000 „ 

4. „ „ 1736 „ 1822 1839000 „ 



Total 3 681 000 Werke. 



Charles Nodier bemerkt in seinen „Melanges de litte rature 
et de critique", er schätze die Gesamtzahl aller bis 1820 erschienenen 
Werke annähernd auf 3 277 000 Bände , er ist also von Peignot nicht 
weit entfernt. Nimmt man an, dass jedes Werk durchschnittlich in 
300 Exemplaren gedruckt sei und dass jeder Band einen Zoll breit sei, 
so würden alle diese Bände nebeneinander gestellt eine Länge von etwa 
18207 geographischen Meilen, also mehr als das Doppelte des Erd- 
umfanges haben. Diese Berechnungen sind natürlich ganz unkontrollier- 
bar , denn es ist unmöglich , die Zahl aller bisher erschienenen Werke 
jemals mit absoluter Sicherheit festzustellen. Daraus ergiebt sich dann 
aber auch die weitere Unmöglichkeit einer allgemeinen internationalen 
Bibliographie rückwärts bis zur Erfindung der Buckdruckerkunst, ein 
Gedanke , der nach dem Vorschlage des Herrn Jules Lermina aus 
Paris auf dem Kongresse der „Association litteraire et artistique inter- 



*) Die litterarischen Erscheinungen des Jahres 1896 beziffern sich folgendermaassen 
Deutschland 23339, Frankreich 12738, Italien 10110, England 6573, Amerika 5703. 



IO Erstes Kapitel. 

nationale" in Dresden 1895 ernsthaft diskutiert wurde. Von einer 
Beschlussfassung wurde abgesehen , denn es hätte sich wohl schwerlich 
jemand gefunden, der den Plan hätte ausführen können. 

Bei der Bildung einer Privatbibliothek darf heute noch ein anderer 
wichtiger Umstand nicht übersehen werden, das ist die Platzfrage. Unsere 
heutigen Wohnungen haben wenig Raum für die Aufstellung grosser 
Büchervorräte. Ein moderner Gelehrter, wenn er nicht ein eigenes Haus 
bewohnt, wird in seiner Bibliothek kaum zwei- bis dreitausend Bände 
unterbringen können, wenn er überhaupt das Glück hat, sich dauernd 
einen Raum dafür sichern zu können. Das ist mit ein Grund dafür, 
dass der heutige Geschmack sich den Auszügen und Kompilationen, den 
Ausgaben in kleinem Format zuwendet, dass die Gunst sich von den 
Folianten und Quartanten abgewendet hat , die sonst die Grundbasis 
einer jeden guten Bibliothek bildeten. Wenn Werke in solchem Format 
nicht durch andere zu ersetzen sind, so sucht man sie in den öffent- 
lichen Bibliotheken auf, aber man will sie nicht selbst mehr besitzen. 

Unser heutiges Geschlecht wendet sich aus dem gleichen Grunde, 
d. h. wegen Mangel an Raum , den encyklopädischen Werken , einer 
Schöpfung der Neuzeit , zu. Man hat es in diesen mitunter umfang- 
reichen Unternehmungen zu einer wahren Virtuosität gebracht, auf wenig 
Blättern viel zu bieten. Die Konversationslexika von Brockhaus und 
Meyer , um nur ein paar typische deutsche Werke zu nennen , werden 
von einem Generalstab tüchtiger Gelehrter geleitet, haben eine grosse 
Zahl von Mitarbeitern, die alle nach einheitlichem Plane thätig sind, und 
erzielen damit sowohl eine inhaltliche Vollständigkeit und gediegene 
Zuverlässigkeit , als auch eine Raumersparnis , die in jeder Beziehung 
staunenswert sind. Und derartige Encyklopädien haben wir heute auf 
allen Litteraturgebieten und in allen .Kultursprachen, in der Theologie, 
Medizin und Rechtswissenschaft , in den Staatswissenschaften wie in der 
Landwirtschaft, Technik u. s. w. Der Fachmann ist heute in der Lage, 
durch die Anschaffung eines solchen Sammelwerkes eine ganze Bibliothek 
einzelner Werke entbehren zu können. Das hat die encyklopädischen 
Unternehmungen so beliebt gemacht und sie zu so hoher Vollkommen- 
heit entwickelt. 

Neben den hier angedeuteten mancherlei allgemeinen Ursachen, 
welche Einfluss auf den materiellen Wert der Bücher haben , giebt es 
noch eine ganze Reihe von Umständen , welche für die Liebhaber oder 
Fachmänner bei der Beurteilung der Seltenheit und des Wertes in Be- 
tracht kommen. Bevor ich jedoch in die Untersuchung dieser Gesichts- 
punkte eintrete , scheint es mir zweckmässig für das Verständnis der- 



Einleitung. Der ideale und der materielle Wert der Bücher. 



II 



jenigen zu sein, welche mit der Materie nicht vertraut sind, einen kurzen 
Überblick über die Erfindung und Entwicklung der Buchdruckerkunst 
zu geben. Ich beabsichtige keineswegs , eine erschöpfende Darstellung 
zu versuchen, denn es existiert wohl keine andere menschliche Erfindung, 
über die so viel geschrieben wäre, wie über die Buchdruckerkunst, und 
ich möchte es nicht unternehmen, darüber etwas Neues sagen zu wollen, 
es würde mir nicht gelingen. 

Aber es giebt gewisse Hauptpunkte in der Entwickelungsgeschichte 
des Buchdruckes und des Buchhandels, die man notwendig kennen muss, 
um das Wesen der Bücherliebhaberei zu verstehen. Ich werde deshalb 
ganz kurz einige wesentliche Momente hervorheben, von einigen wenigen 
berühmten Druckern und Verlegern sprechen und nur einige der berühm- 
teren Ausgaben kennzeichnen , soweit sie für die Bücherliebhaberei be- 
sonders in Betracht kommen. Auf der so gewonnenen Grundlage wird 
sich ein leichteres Verständnis für die weitere Darstellung des eigent- 
lichen Themas ergeben. 



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ZWEITES KAPITEL. 

GESCHICHTLICHE GRUNDLAGEN. 



|er Rahmen meiner Darstellungen erfordert eine Beschränkung auf 
die Erzeugnisse der Buchdruckerkunst, ausgeschlossen ist demnach 
das handschriftliche Bücherwesen des Mittelalters, wie entwickelt dasselbe 
auch zu jenen Zeiten bereits war. Dagegen dürfen wir die Holztafel- 
drucke (Xylographa), die unmittelbaren Vorläufer der Typographie, 
nicht mit Stillschweigen übergehen. 

In der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts war es schon 
vielfach gebräuchlich, Holzplatten in der Grösse der Bücher derartig mit 
dem Messer oder Stichel zu bearbeiten , dass man entweder die Zeich- 
nung oder den Text tief eingrub, oder die Drucklinien erhaben stehen 
Hess und deren Umgebung hinwegstach. Zuerst schnitt man in dieser 
Weise nur Bilder , meistens Abbildungen von Heiligen ohne Text , bald 
aber versah man die Bilder mit kurzen textlichen Bemerkungen über 
Ablass und dergl., dann mit kleinen Sprüchen (Legenden), die auf Streifen 
gedruckt aus dem Munde der Heiligen kamen. Später wurde der be- 
gleitende Text unter die Bilder gesetzt, oder es wurden neben den 
Abbildungen ganze Seiten in Holz geschnittenen Textes angebracht, 
schliesslich wurden ganze , nur aus Text bestehende kleinere Werke in 
Holzplatten geschnitten und damit gedruckt (Blockbücher). Bücher mit 
Bildern bildeten jedoch die Mehrzahl. Auf diese Weise entstanden ziem- 
lich umfangreiche Bilderwerke, zuweilen 50 bis 60 Seiten stark. 

Als frühestes mit Jahreszahl versehenes Erzeugnis solcher Holztafel- 
Abb. 1. drucke kennt man einen „grossen Christoph", d. h. eine bildliche 
Darstellung des heiligen Christoph, welcher das Jesuskind auf der Schulter 
durch das Meer trägt, darunter eine auf das Bild bezügliche Inschrift 
mit der Jahreszahl 1423. Der Kunsthistoriker von Heinecken fand 
das Blatt in der Mitte des vorigen Jahrhunderts in der Bibliothek der 



Geschichtliche Grundlagen. 



13 



ehemaligen Karthause Burheim bei Memmingen auf die Innenseite der 
hinteren Einbanddecke einer Handschrift vom Jahre 141 7 (Laus Virginis) 
aufgeklebt. 

Ob diese Holztafeldrucke mit Hilfe einer Presse bewirkt, oder mit 
Hilfe eines Reibers hergestellt waren, hat sich mit Gewissheit nicht fest- 




o 



Ttftoßwtftaem^te tpffimmtp turne -}- waefTmocrrc' 



Abb. 1. Der heilige Christoph. Holzschnitt vom Jahre 1423. 



stellen lassen. Von den Büchern, welche als Holztafeldrucke ohne Ab- 
bildungen hergestellt waren , sind die bekanntesten die sogenannten 
„Donate", damals sehr beliebte Schulbücher und zwar ein kurzer Abb. 2. 
Auszug in Fibelform der Sprachlehre des römischen Grammatikers 
Aelius Donatus. Auf einen solchen Donatus hat man in Holland 
lange den Anspruch auf die Priorität der Erfindung der Buchdrucker- 




\A Zweites Kapitel. 

kunst begründet , indem man behauptete , ein holländischer Drucker, 
C oster in Haarlem, habe vor Gutenberg einen Donatus mit beweglichen 
Lettern gedruckt. Ich werde hierauf später noch zurückkommen. Hier 
genüge die Bemerkung, dass es nirgends erwiesen ist, dass der Druck 

x riottiß qttr ppofim aitjs fixe 
titota ojatotö öiimfimno« 
ra^aurcmnjrter. mtummt 
autminuif jS?njöfmoi quotammlr 
Äi?,0tmi?£afiis nnÄor cafoa 
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fn\mmatümtm:uf au. apun. antr 
3BUfrfuro.n0.nfra.aralrirm.ron , a. 
cr^a.frtraanrer4nrra.!nfm.ptao<i 
jjoitf.prr.jßjf < |jjrfi\(föm.poft.tra«0 
ultra.pjfirr.ßipja.nrnfrr.ü^too 
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frratfmpUl.r0nrral)0ftra.ergajpM* 
ij«00.f^iTaffniönaö.ttiffniatif0.iti* 
tra rarataanfra trct iüurra macritatr 
£&au0uroi.p0tw mbimalpariftmi 
^toJJrä.^ffrüifnpltttä frörafo 

Abb. 2. Blattseite eines Donatus, wovon der ursprüngliche Stich in der Nationalbibliothek zu Paris 

aufbewahrt wird. 

der an vielen Orten gebräuchlichen Donate schon vor Gutenberg 
stattgefunden habe , während andererseits feststeht , dass man sich der 
Abb. 3. Holztafeln noch lange nach Erfindung der beweglichen Typen bediente. 
Man scheint sogar von typographisch hergestellten Donaten Überdrucke 
auf Holz gemacht , und die Platten dann nach diesen geschnitten zu 
haben, ähnlich unserem heutigen Stereotypverfahren. 



Geschichtliche Grundlas 



15 



Die meist einseitigen Blätter der Holztafeldrucke pflegte man mit 
den leeren Seiten aneinander zu kleben , doch existieren auch aus der 
Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts doppelseitige Tafeldrucke. Nach- 



iur rcfuftttftttttt jieöam nuilu* frmßana noir 
aaoue feucti lobäius que Gkö raonrtta aua ob 




Abb. 3. Historia S. Joannis Evangelistae. Holztafeldruck um 1465. Unterer rechter Teil von Bl. 46; 
Johannes ruft Drusiana, eine getaufte Christin, wieder ins Leben. 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin. 



weislich kommen Xylographa bis 1475, ja sogar noch 1504 vor. In Beilage 1 
jener Zeit , wo der Buchdrucker auch sein eigener Schriftgiesser sein 
musste , und es dem Formschneider wohlfeiler zu stehen kam, ein ein- Abb. 4 . 
zelnes kleines Buch in Holztafeln herzustellen , als sich deshalb eine 



16 



Zweites Kapitel. 



Abb. 



Buchdruckerwerkstatt anzuschaffen , kann eine so späte Anwendung des 
Holzdruckes nicht befremden, sie gewährte dem Drucker Vorteile. 

Falkenstein giebt in seiner „G eschichte der Buchdrucker- 
kunst" eine genaue Beschreibung von dreissig der hervorragendsten 
Holztafeldrucke , begleitet von Faksimileabdrücken der Abbildungen, 
welche den Werken beigefügt sind. 

Eines der besten Dokumente dieser primitiven Druckkunst ist die 
Abb. 5 . berühmte ,, Armenbibel", oder „Biblia pauperum", eine Sammlung 

von vierzig Bildern, nach den Glas- 
bildern der Fenster im Kloster 
zu Hirschau angefertigt. Jedes 
Bild enthält einige Darstellungen 
aus der biblischen Geschichte, 
um welche herum sich eine kurze 
Erläuterung befindet , ein Hin- 
weis auf den darauf bezüglichen 
Bibeltext. 

Aus derselben Zeit datiert 
auch der ,, Heilsspiegel" 
(„speculum humanae sal- 
vationis", Spieghel der 
menschelyke behoudenis"), 
die „ars raoriendi" , (die 
Kunst selig zu sterben), das 
„Hohelied" („canticum 

canti corum "), die „Offen- 
barung" („apocaly psis "), 
die „ars memorandi" (die 
Kunst , die Erzählungen der vier 
Evangelisten in der Erinnerung 
zu behalten), der „Beichtspiegel" („confessi onale") der „Ent- 
krist" (Legende von dem falschen Messias), „die Legende des 
heiligen Meinrad" u. s. w. Zu den beliebtesten Darstellungen, 
auch noch aus den ersten Jahren nach Erfindung der Buchdruckerkunst, 
gehören auch die Totentänze, Abbildungen, durch welche die 
Herrschaft des Todes über die ganze Menschheit, ob hoch oder niedrig 
gestellt, veranschaulicht wurde. 

Alle Holztafeldrucke, insbesondere vollständige Exemplare der 
grösseren Werke gehören zu den Seltenheiten ersten Ranges, denn ge- 
rade diese Volksbücher sind fast alle verloren gegangen. Sie sind schon 



Abb 



• 7- 



Abb. 8. m 




Abb. 



Abb. 4. Buchstabengiesser aus der Mitte des XVI. Jahr- 
hunderts. Stich von Jost Amman. 



Abb. 



T! TT? 




Historia S. Ioannis Evangelistae. 

[6. Blatt: Uebergang von der Apokalypse zu der Geschichte des Antichrists. 

Nach der mittelrheinischen Ausgabe. 



Beilage 



Geschichtliche Grundlagen. 






2? 6 'WP06oftcff^ 




30fee3aq 




139 /itmftimo^bffipK^thncaopKEe 



Abb. 5. Faksimile -Fragment einer Seite aus der Armenbibel. 

deshalb von besonderer Bedeutung , weil ihre hochentwickelte Technik 
in der Herstellung den Übergang von der Handschrift zu den beweg- 
lichen Typen bildet ; dieses Druckverfahren musste sich ja mit zwingen- 

Mühlbrecht, Bücherliebhaberei. 2 



i8 



Zweites Kapitel. 



der Konsequenz daraus entwickeln, die Erfindung desselben lag gewisser- 
maassen in der Luft und harrte nur der erlösenden That. Den letzten 
entscheidenden Schritt zu dem Verfahren , den gebrauchten Satz aus- 
einander zu nehmen und für ein anderes Werk wieder neu zusammen- 
zufügen, hat dann Gutenberg gethan. Er hat zuerst die naheliegende 

Jbefus Miduseft aö pglatunv2?£t>m Dtne 
cu angeliflras. öa vrtt c 3ft>efu 8 gef utt fü t 
an cicbtecPßlatiim. 




Abb. 6. Speculum humanae salvationis. (Augsburg, Günther Zainer, 1472?) Bl. 236a: Jesus vor Pilatus. 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin. 



Idee ausgeführt und damit der Welt einen unschätzbar grossen Dienst 
geleistet. 
Abb. 12 Johannes Gutenberg, der Erfinder der Buchdruckerkunst, stammt 

aus dem Geschlecht der Mainzer Patrizierfamilie Gensfleisch, die sich bis 
Ende des dreizehnten Jahrhunderts zurückverfolgen lässt. Man nimmt 
an, dass er 1400 (nach anderen 1398) in Mainz geboren wurde. Von 
seiner Jugend weiss man nichts. 1420 war er infolge eines in der 
Stadt ausgebrochenen Aufstandes gezwungen zu fliehen. Wo er die 
folgenden vierzehn Jahre zugebracht, ist nicht bekannt, sein Name taucht 



Geschichtliche Grundlagen. 




Abb. 7. Faksimile vom fünften Druck der ersten Ausgabe des Buches, betitelt „Ars moriendi" 

oder „Das Sterbebuch". 



zuerst wieder 1434 in Strassburg auf, wo er sich nachweislich zwei 
Jahre darauf mit dem Schneiden von Edelsteinen und dem Schleifen 



20 



Zweites Kapitel. 



von Spiegeln beschäftigte. Im Jahre 1436 schloss er mit Johann Riffe 
einen Vertrag zum Betriebe einer ,, geheimen Kunst", in welche Gesell- 
schaft dann noch Andreas Dritzehn und Anton Heilmann auf- 
genommen wurden. Diese geheime Kunst war die Buchdruckerkunst, wie 
sich bald ergab. Denn als nach Dritzehns Tode im Jahre 1438 die Ge- 
sellschaft aufgelöst wurde, verlangten dessen Brüder Georg und Claus 
von Gutenberg, dass er sie entweder als Gesellschafter aufnehmen oder 
ihnen eine Abstandssumme von 100 Gulden zahlen solle. Es kam zum 
Prozess, im Verlauf dessen eine Menge von Zeugen vernommen wurde, 



h\t\ßM^oeiC\hnd)eitmvime tErino^ofta ^ui^cWnhlmy citic 




Abb. 8. Erstes Blatt aus dem ..Canticum' 



der damit endigte, dass Gutenberg den Erben Dritzehns 1 5 Gulden heraus- 
zahlen musste. Bei diesen Zeugenvernehmungen finden die Kunst des Buch- 
drucks mit beweglichen Lettern und die Ausdrücke „Pressen", „Formen" 
und „Drucke" zuerst und wiederholte Erwähnung. Dieser wichtige Um- 
stand war bis 1745 unbekannt geblieben, in welchem Jahre Wen kl er und 
Schöpflin in dem alten „Pfennigturm" in Strassburg die Prozessakten 
entdeckten. Der Text dieser Akten ist von Schöpflin in seinem Werke 
„Vindiciae typographicae" veröffentlicht. Dieser wichtige Text ist dann 
von allen, die sich späterhin mit der Geschichte der Erfindung der Buch- 
druckerkunst beschäftigt haben, in der willkürlichsten Weise interpretiert, 
je nachdem die Betreffenden für oder gegen Gutenberg Partei nehmen 
wollten. Gutenberg blieb noch einige Jahre in Strassburg und kehrte 



Geschichtliche Grundlagen. 



21 



1445 oder 1446 nach Mainz zurück, wo er schon 1443 ein Haus „Zum 
Jungen" gemietet hatte, um dort seine Pressen aufzustellen. Die von Abb. 
ihm bis dahin angestellten Versuche hatten viel Geld gekostet und ihn 
mit verschiedenen Mitarbeitern zusammengeführt, so auch mit Procop 




«HMta 

Abb. 9. Holzschnitt aus der „Ars memorandi' 



Waldvoghel, der ums Jahr 1444 in Avignon Versuche mit der von 
Gutenberg abgesehenen Kunst anstellte. Gutenbergs Vermögen war, 
als er nach Mainz kam , wieder einmal erschöpft , und er sah sich da- 
durch gezwungen, 1450 mit dem reichen Mainzer Johann Fust einen 
Vertrag zu schliessen, dessen Text uns ebenfalls erhalten geblieben ist. 
Fust streckte Gutenberg die Summe von 800 Gulden vor zur Beschaffung 



22 



Zweites Kapitel. 



der für die Druckerei nötigen Utensilien und Instrumente, und weitere 
300 Gulden zur Deckung der Unkosten wie Gehalt, Miete, Heizung, 
Papier, Tinte u. s. w. 

Alan war übereingekommen , dass bei Auflösung der Gesellschaft 
Gutenberg an Fust 800 Gulden zurückzahlen sollte. Anfänglich scheinen 
sich die beiden auf das Drucken mit Holzplatten beschränkt zu haben, 
erst 1452 oder 1453 gingen sie zum Drucken im grösseren Massstabe 
mit beweglichen Lettern über, wobei dann ihr Gehilfe Peter Schöffer 
bedeutende Verbesserungen im Schnitt der Buchstaben vornahm. Um 
diese Zeit, man nimmt das Jahr 1454 an, erschien das erste uns be- 
kannt gewordene, leider undatierte Erzeugnis von Gutenbergs Drucker- 



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Abb. 



Totentanz von Guyot Marchant, i486. ,,Der Papst und der Kaiser." 



Abb. 16. presse , ein Ablassbriet, wie ihn der Papst Nikolaus V. am 
12. August 145 1 allen Christen, die Geld zur Unterstützung des Krieges 
gegen die Türken spendeten , bewilligt hatte. Diese Ablassbriefe wur- 
den in Mainz gedruckt und in Deutschland von Paulinus Zapp 
vertrieben. Nach dem i. Mai 1455 waren diese Urkunden wertlos, 
denn der päpstliche Ablass war nur für die Zeit vom 1. Mai 1452 
bis 1. Mai 1455 erteilt, nach diesem Termin sind die Pergament- 
blätter nicht mehr bewahrt und verloren gegangen bis auf dreiund- 
zwanzig dieser ältesten Denkmale der Typographie , alle aus dem 
Zeiträume vom 25. November 1454 bis zum 30. April 1455 stammend. 
Auf dem gedruckten Ablassformular waren nämlich die Stellen für 
den Ort , das Datum und den Namen des Inhabers offen gelassen 
und wurden bei der Ausstellung handschriftlich ausgefüllt , daher die 
Datierung dieser Drucke. Es ergiebt sich aus diesen , dass Gutenberg 



Geschichtliche Grundlagen. 



23 



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MATTHjEUM MER.IAN 



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Abb. 11. Merian. Todten-Tantz, wie derselbe in Basel gemahlet zu sehen ist. Frankfurt a. M. 1649. Titel. 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin. 



im Jahre 1454 mindestens zwei Schriftgattungen besessen hat, die 
grosse Donattype und eine kleinere , die er jedoch bei keinem Buche 
benutzt hat. 



24 



Zweites Kapitel. 



Gutenberg beschäftigte sich damals mit dem Drucke zweier Bibel- 
ausgaben , über deren Priorität immer noch Meinungsverschiedenheit 
obwaltet; die zweiundvierzigzeilige, sogenannte Mazarinbibel — nach 




Abb. 



Statue von Johannes Gutenberg von Bertel Thorvvaldsen in Mainz. 



dem ersten in der Bibliothek des Kardinals Mazarin entdeckten 
Exemplare benannt — , und die sogenannte S chellhor nsche Bibel 
— der Superintendent Schell hörn hat sich besonders bemüht, ihr 
Recht als erstes Werk Gutenbergs zu wahren — , die sechsunddreissig- 
zeilige. Welchen von beiden gebührt die Priorität? beide sind nicht 



Geschichtliche Grundlagen. 



25 




Abb. 13. Bisher wenig bekannte Medaille auf 

Johannes Gutenberg. Nach dem Original im 

Königl. Museum zu Berlin. 



datiert. Früher hielt man allgemein 
die zweiundvierzigzeilige für die 
ältere , und die sechsunddreissig- 
zeilige für einen Druck Alb. P fi- 
sters in Bamberg. Alle neueren 
Forscher jedoch, wie Didot, Wei- 
g e 1 und Zestermann, Madden, 
de Vinne, van der Linde u. a. 
sind einig darin, dass die sechsund- 
dreissigzeilige Bibel die erste sei 
und ebenfalls aus Gutenbergs Offizin 
stamme. Die sechsunddreissigzeilige 
Bibel umfasst 881 Blätter oder 1762 
zweispaltige Seiten und ist in der 
Regel in drei Bände eingebunden. 
Die Räume für die grossen Initialen 
sind zum Zweck der handschriftlichen Ergänzung derselben freigeblieben. 
Das Druckjahr ist nicht zu entdecken gewesen. Nach Lorck,*) dem 
ich diese Darstellung entnehme, sollen schon im Jahre 1460 Blätter 
dieser Bibel als Makulatur benutzt sein. 

Die zweiundvierzigzeilige Bibel ist ein zweibändiger Foliant von 324 
und 317, im ganzen also 641 Blät- 
tern von zweispaltigen Seiten. Ein 
rubriziertes (d. h. handschriftlich in 
den Blattzahlen , Signaturen und Ini- 
tialen ergänztes) Exemplar ist mit 
dem Datum 24. August 1456 bezeich- 
net. Es sind damals im ganzen ein- 
hundert Exemplare gedruckt, wovon 
ein Drittel auf Pergament. Von den 
Pergamentexemplaren kennt man heute 
noch sechs (davon auch in Berlin 
und Leipzig) , sie sind mit brillant 
gemalten Initialen geschmückt neben 
vielen anderen Goldverzierungen. Die 
auf Papier gedruckten, von denen uns 
noch neun Exemplare erhalten sind 




*) C. Lorck, Gesch. der Buchdruckerkunst. 
Bd. I. S. 30. Lpzg. 1882. 8. 



Abb. 14. Siegel Johannes Gutenbergs. Nach 

dem Original in der Börsenvereins -Bibliothek 

der Deutschen Buchhändler in Leipzig. 



26 



Zweites Kapitel. 



(davon auch in Frankfurt a/M. , Leipzig , München , Wien) , haben ab- 
wechselnd rote und blaue Initialen. Gutenberg gebrauchte damals für 
die Herstellung seiner Bibeln drei Jahre , heute liefert eine Rotations- 
maschine zwanzigtausend Druck in einer Stunde! 

Auch in Mainz geriet Gutenberg im Jahre 1455 mit seinem Mit- 
arbeiter Fust in Prozess, er verlor denselben und damit sein ganzes 
Druckmaterial, das in Fust's Händen blieb. Dieser verband sich darauf mit 

dem sehr tüchtigen Peter 
Schöffer, und diese beiden 
druckten dann gemein- 
schaftlich mit Gutenbergs 
Materialien und Pressen das 
berühmte „Psalterium" 
vom Jahre 1457, das erste 
Druckwerk der Welt , das 
durch die Namhaftmachung 
des Druckers und des 
Druckortes , nebst Angabe 
des Jahres und des Tages 
des Erscheinens nicht nur 
die vollständige Datierung, 
sondern auch die frühesten 
eingedruckten Initialen 
enthält , und an Schönheit 
der letzteren nur von weni- 
gen typographischen Er- 
zeugnissen der späteren 
Zeit übertroffen ist. Die- 
ses kostbare Dokument ist 
nicht sowohl ein eigent- 
licher Psalter, als vielmehr 
ein Breviarium und enthält 
nur einen Teil der Psalmen , mit Antiphonien , Responsorien , Kollekten 
u. s. w. vermischt nach der Folge der Sonn- und Festtage geordnet, 
an welchen sie im Chore abgesungen wurden. Die Schicksale der 
hier genannten Gutenbergbibeln wie des Psalteriums werden uns weiter- 
hin noch beschäftigen , an dieser Stelle sei nur ihrer Entstehungs- 
geschichte gedacht. 

Fünf Jahre später, am 14. August 1462, vollendeten Fust und 
Schöffer den Druck der ersten vollständig datierten Bibel, zwei Bände 




Abb. 15. Der „Hot zum Jungen" in Mainz. (1443.) Aus Alfred 

Börckel, „Gutenberg. Sein Leben, sein Werk, sein Ruhm." 

Zur Erinnerung an die 500 jährige Geburt des Erfinders der 

Buchdruckerkunst. Verlag von Emil Roth in Giessen. 



Geschichtliche Grundlagen. 2 7 

in Grossfolio , welche wegen dieses Umstandes , mehr aber noch wegen 
ihrer hervorragenden typographischen Schönheit unter allen gedruckten 
Bibeln den höchsten Rang einnimmt. Kurz nach Vollendung dieses 
Prachtwerkes, in der Nacht vom 27. auf den 28. Oktober 1462, wurde 
die Stadt Mainz durch den Grafen Adolf von Nassau, der mit dem 
vom Kaiser und Papst abgesetzten Erzbischof Die ther von Isenburg 
in Fehde lag, erobert, geplündert und in Brand gesteckt, wobei auch die 

^fnillttÖÖ ^frife>c!ib;pnt« liffctas iitfrÄWw PätlHrtllS C(wtt»Cön(iTiaii?amb4fi4<djiycUia£örg«i«4T;«5cK* 
iu(hmi Rcgis Cfpn f bac ptc £>alutf in onöCü £>äctifRm? Typ* pr ' &n * «f-ons flicola? oiufa puideha-papON»?. afftutioi tA« -. 
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fricis a jutc "\>cl ab boie ymulgari« quib? fotfao innodati exiftüt abfoluetc . Iniüctap modo eulpe pentteha falutati \>c! aliis qu« 
d* Jute fuetmt mifigcnda 3c eis "vtie peniKtibj * confcffis.>o«l fi foifan ptopter amiflioncm loqucl« ^fitcri tion potetint figita ?tti > 
tionis oftendendo pleifTima ofm pftoi{ fuotü dcquibj otc sfeffi ^ cotdc 3ttiti fiictit Indulgctia ac plcatiä rcmiffioucTemel iu"\>ita ct 
fet 11 <moiti»OÄiculoipis afietc aptica :?ccdc:c^alcat.£>an(Facfoe p cos fefa fi fupuixctim aut p «02; b«*«oe« fi oute ttäfictint »tc 
fflo poft ntdultü sceflum p^>nü anü fingulis fcvtis fctüs"\>cl quadäalia die iciuncUcgitfo impedimeto ccclcfic peepto Hegulan 
obfauätia. pnfa iniiicta">D0to uel alias nori obftaii.Gt lpis impcditis in dteto äito ucl cius pa«e anno fcqucuti ud alias quam > 
juimü potetint ieiunabunt.Gt fi Faliquo anoipoel eov, pattc dictü icmniü cömode adimpletc ticqmu«nntConfcflör aJ> id clccms 
tit alia ^mutatc potetit catitans opeia. que ipf facc2c ctiä tcncät'Diimojio tfi cy ^fidcinia rciflieni« bmöi quoö abfit pcccatc »oh 
ptefumant al ioquröicta concclTio quo ai> plcnatiä rcmilTioncj» motti» attioib «t remiflw quo ao prfa «x »fiocmia^t pmittu" 
^mi(Taiiulli?fintrobojisu«lmomctiGt.quiadcuotu^v.vxj!>c ^V;5cvvo*5 t?ditUcm ^/^ir*/^v?ct?t^ {l?^cb.dbi 
3uxta dicnl inoultum de facultatibu« Uli« pi« aogoA^^r .metito bunifmodi indulgcntiis gauo«i« oebet ln>oaitari« teftimo i 
nium Äigillum ad l)oc otdniatum ptcfonib} litt«is tcftimonialib} «ft aipoifum Datum YXctufC« w$^c aimo örii COcccct» 
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äptoj; ci^ ac aücte aplica micbi ?miflä ct tibi ?c«(Ta 6go t« abfoluo ab oiriibj pcfis tui« stnti« 3f«(Ti« 1 obliti« Gtiö" ab oiiiib} cafi . 
b? excclTib) cnmib; atq> •'klicti» quatücuq) gtauibj &cdi apticc refetuati« flccnon a quibulcüq} «xcöicatiouü fufpoifioii « mtctdicti 
aliifq^ fini« «fum i pone «jcliaftic» a jure *<o«l ab boi« ymulgati« fi qua* mcutrifti banbo tibi pleifTima oün pcfou tuou iiidul ; 
gentia 1 rcmiflioiK }nquätü clau« faitct« mat tisccctic in bac ptc (c «xtcwdüt. }n nomin« patri* 1 filn a fpuitu» fanen amcij . 

ifajnmplmmitraniffiomamramrieammla _ ^ ^ 

UCCCiltür tili ir öii» noftct ut fupta Ggo tc ablöluo aboiiiib^ pefis tui» striti« sfcfRs •* obliti« reftituendo t< 'onita ; 

fidcliü 1 raaamcnti» cecti« Remittent tibrpenas pmgatoru qua« ptopter culpa» ct offeitfat iiKUtrifti öando tibi plcnauam 
ofm pctoiii tuotü t«mi(Honc. Jnquätu clauc* fTc mtf*«ccti* 111 bac pam fc extendüt .}n uoie pri* et filu «t fpiis,fancti ämen « 

Abb. 16. Ablassbrief vom Jahre 1455, gedruckt von Gutenberg auf seiner ersten Presse. 

Druckoffizin zerstört ward. Die zahlreichen Gehilfen derselben zerstreuten 
sich in alle Winde und trugen so, obgleich sie eidlich zur Geheimhaltung 
des Kunstgeheimnisses verpflichtet waren, die Kunst des Buchdruckes in 
nahe und ferne Länder. 

Fust und Schofler setzten nach der Katastrophe die Druckerei fort, 
Fust starb 1466, und Schöffer verlegte noch mit grossem Erfolge 
narnentlich theologische Werke, daneben die berühmte „Sachsen- 
chronik" (1492) und ,,Brey denbach Reis en " (i486), bis auch er 
1503 starb. Sein Sohn führte das Geschäft noch bis 1531 weiter. Das 



28 Zweites Kapitel. 

Abb. i 7 . Druckerzeichen der Offizin , das älteste bekannt gewordene , sind zwei 
durch eine Schlinge miteinander verbundene , an einem Ast hängende 
Schilde. 

Gutenbergs Thätigkeit war nie von Gelderfolgen begleitet , er hat 
das Los so vieler Erfinder teilen müssen, die von der eigenen Erfindung 
selbst keinen Nutzen zogen; finanzieller Ruin war wiederholt der Lohn 
seiner Arbeit, und es hat sich nicht feststellen lassen, was er selbst und 
allein geleistet hat. Nach dem gegen Fust verlorenen Prozesse verliess 
er Mainz und siedelte nach Eltville an den erzbischöflichen Hof über, 
wo er 1467 oder 1468 starb. Bestimmtes über seine letzten Lebens- 

£jns hoc opufcutit) finita ac copletüct acf 
eufebiaj in mduftm m auitatv (pagunti) 
per'Jobanne fiift auc-et fSetru fcfcpifroer £e 
gernfhty m clericü biotrf ctufclc3 cft confus 
roatu. Anno mrarnac6i& öfncc* AV»cccc*l^ti- 
^nvigilia aflumpcöis gfofevirgrnis manc* 




Abb. 17. Druckerzeichen von Fust und Schöffer. (Druck von der im Jahre 1462 von Fust und Schöffer 

gedruckten Bibel.) 

jähre und seinen Tod ist nicht bekannt geworden , der grosse Erfinder 
starb arm und kinderlos. 

Gutenberg hat sich selbst nie als den Erfinder der Buchdruckerkunst 
bezeichnet, seine Zeitgenossen aber erwiesen ihm einstimmig diese Ehre, 
und während des fünfzehnten Jahrhunderts ist dieselbe niemals bestritten. 
Erst im sechzehnten Jahrhundert, als die Bedeutung der Buchdrucker- 
kunst mehr und mehr erkannt wurde, fanden sich Städte, die für sich 
die Priorität der Erfindung reklamierten, so Strassburg für Mentel, 
Bamberg für Pfister, Mainz für Fust und Schöffer, Castaldi für 
Feltre, und in der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts Haarlem 
fürCoster. Alle diese Ansprüche werden aber heute nicht mehr ernst 
genommen, sie sind zurückzuführen auf die Menge von Mitarbeitern und 
Gehilfen, die Gutenberg hatte, und die als seine Jünger die Verbreitung 



Geschichtliche Grundlagen. 



29 



seiner Kunst sich angelegen sein Hessen. Am zähesten hat Holland für 
Co st er gestritten; in den Werken von Koning, Meerman, de 
Vries, van West reenen, Schinkel, Noordziek, Gockinga 
und des Franzosen Paeille sind die scharfsinnigsten Beweisführungen 




ALDVSPIVS- MANVTIVS- Rl 






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Abb. i3. Aldus Manutius. Der Delphin 5m Anker bedeutet das Druckerzelchen der Familie. 



für die Priorität Costers versucht. Nachdem aber van der Linde in 
seinem Werke „De Costerlegende" (2. Ausg. 's Gravenhage 1870) 
und Campbell in seinen ,, Annales de la typographie Neer- 
landaise" (La Haye 1874) den unanfechtbaren Nachweis geliefert, dass 
der vielgenannte angebliche holländische Erfinder Laurenz Janszoon 
Coster thatsächlich niemals gelebt hat, haben sich die Holländer darein 
ergeben, dass sie keinen Anspruch mehr auf den Ruhm der Erfindung 



3o 



Zweites Kapitel. 



Abb. 




Abb. 19. 



Druckerzeichen des Aldus 
Manutius. 



der Buchdruckerkunst erheben können. 
Das Denkmal aber , das Coster auf dem 
Marktplatz in Haarlem errichtet ist , hat 
man stehen lassen , und dem Herrn van 
der Linde ist der Boden in seinem 
Vaterlande so heiss gemacht, dass er von 
Holland nach Wiesbaden übergesiedelt ist, 
wo er im Sommer 1897 starb. 

Von hervorragendster Bedeutung 
unter den ältesten Erzeugnissen der Buch- 
druckerkunst sind die Aldinen, so 
nennt man die Drucke aus den Offizinen 
der venezianischen Druckerfamilie Ma- 
nutius (auch Manuzzi, Manucci, 
Mannucci). Der Begründer derselben, Aldus Manutius, errichtete 
1494 seine erste Druckerei in Venedig, sein erstes Druckwerk ist 
Constantin Lascaris' griechische Grammatik aus dem Jahre 1495. 
Er ist der Begründer des Ruhmes seines Geschlechts , und nach ihm 
werden die Drucke Aldinen genannt; sie sind durch inneren Wert wie 
äussere Ausstattung gleichmässig ausgezeichnet; man zählt unter ihnen 
achtundzwanzig Erstausgaben (editiones prineipes) griechischer und 
römischer Klassiker , hervorragend durch zuverlässige Korrektheit des 
Druckes und in der Geschichte der Buchdruckerkunst epochemachend 
durch die eigenartigen Typen , die Aldus dafür erfand , die berühmte 
schrägliegende, nach dem Muster der üblichen 
Cancellaresca Romana Cursiva geschnittene 
Schrift , für die Petrarca's Handschrift als 
Vorbild gedient haben soll. Diese Schrift be- 
hielt in Deutschland den Namen Cursiv, in 
Frankreich hiess sie Italique, in England 
Italic. 

Das hohe Ansehen, dessen sich die Aldiner 
Ausgaben von jeher erfreut haben , beruht, 
was ihnen zur besonderen Ehre gereicht, mehr 
auf den reellen inneren Vorzügen, als auf den 
äusseren Schönheiten, denn bei aller Originali- 
tät der Cursivtype, die von den Aldus mit Vor- 
liebe sowohl für die lateinischen wie italieni- 
schen Textausgaben verwendet wurde , sind 
diese doch für das Auge auf die Dauer nicht 




Abb. 20. Druckerzeichen des Luc. 
Antonio Giunta von Venedig. 



Geschichtliche Grundlagen. 7 I 

angenehm, sie stehen in ihrer Erscheinung z. B. den späteren französischen 
Drucken nach. Aber die Bücher haben besonderen Wert durch den 
korrekten Druck und das zur Verwendung gelangte vorzügliche Papier, 
und die Pergamentdrucke sind geradezu unübertrefflich schön. Es wird 
erzählt, der Papst Leo X. habe sich erboten, jeden Druckfehler, der 
ihm in den Aldinen nachgewiesen werde, mit Gold zu belegen. Die 
Sorgfalt des Aldus in der Interpunktation , die gerade bei den alten 
Klassikern von Bedeutung ist, weil sie zum richtigen Verständnis ihrer 
Werke viel beiträgt, kann heute noch als Muster für viele Gelehrte dienen. 




Abb. 21. Matthys Elsevier. Nach A. de Reume „Recherches historiques , genealogiques et bibliographiques 
sur les Elsevier". Ad. Wahlen et Cie., Bruxelles. 



Manche alte Handschrift hat Aldus aus den düsteren Klosterbiblio- 
theken an das Licht gebracht und sich das Verdienst erworben , durch 
schöne und elegante Druckausführung die Klassiker auch in höheren 
Kreisen, bis zu den fürstlichen hinauf, einzubürgern, so dass es zu seiner 
Zeit schon zum guten Ton gehörte, römische und griechische Autoren, 
herrlich gedruckt und in kostbaren Pergamenteinbänden auf Prunktafeln 
zu zeigen. Die gelehrte Erziehung der italienischen Fürsten hatte zur 
Folge , dass die Aldinen nicht nur als eine Zierde der Zimmer oder 
Bibliotheken dienten, sondern auch wirklich gelesen wurden. 

Aldus hatte anfänglich die Gewohnheit , den ersten und letzten 
Buchstaben jedes Kapitels mit roter oder blauer Farbe zu drucken, er 



32 



Zweites Kapitel. 



ging aber bald davon ab , weil zu viel Zeit damit verloren ging. Nach 
den Mitteilungen seiner Zeitgenossen, von denen besonders Erasmus 
und Giovanni Pico zu nennen, Hess es sich Aldus besonders angelegen 
sein, gute, weniger bekannte Autoren einzuführen. Über die Alten ver- 
gass er aber auch die Lebenden nicht, man braucht nur hinzuweisen auf 
seine Ausgaben des Erasmus, Dante, Petrarca, Lascaris u. a. 

Insbesondere sind es aber doch 
die griechischen Ausgaben , welche 
den Ruhm der Manutius unvergäng- 
lich machen und namentlich des 
älteren Aldus , der selbst ein un- 
ermüdlicher Gelehrter und Beförderer 
der Studien der griechischen Litte- 
ratur war. Mit rastlosem Eifer z. B. 
schuf Aldus in den Jahren 1495 bis 
1498 eine griechische Ausgabe von 
Aristoteles, die bis dahin noch 
nicht existierte. Um sich von dem 
Umfange und den Schwierigkeiten 
dieses Unternehmens ein Bild zu 
machen , vergegenwärtige man sich, 
dass der Inhalt der fünf Foliobände 
aus zahlreichen noch nicht heraus- 
gegebenen Abhandlungen in verschie- 
denen , oft unleserlichen oder durch 
die Unwissenheit der Schreiber ent- 
stellten Manuskripten zusammen- 
gestellt werden musste , ohne dass 
der Herausgeber eine frühere Aus- 
gabe als Leitfaden benutzen konnte. 
Diese griechischen Erstausgaben 
sind jedoch, obgleich von den Ge- 
lehrten sehr gesucht und in den Bibliotheken sorgfältig gehütet, meisten- 
teils nicht so selten , als viele lateinische Ausgaben der Alduspressen. 
Diese Ausgaben, z. B. der Virgil von 1501 und der von 1505, wie 
der Horaz von 1501, waren damals zum Gebrauch für die studierende 
Jugend bestimmt, wurden stark verbraucht und sind infolgedessen bei- 
nahe ganz verschwunden. Von den griechischen Ausgaben verdienen 
eigentlich nur noch die Galeomyamachia (ein griechisches Gedicht 
von Theodor Prodomos) und die Scholien des Nikander, nebst 




Lvgd Jatavorvm, 
Ex Oflictna. Elzeviriana. Anno j6fj. 



Abb. 22. Titel in Kupferstich einer Elzevier- 
ausgabe des Livius vom Jahre 1654. 



Geschichtliche Grundlagen. 



33 



dem Dioscorides von 1499 die Bezeichnung „sehr selten". Selten 
sind auch noch eine Anzahl von Werken und Flugschriften untergeord- 
neter Art, die während eines Jahrhunderts nach und nach aus den 
Aldiner Pressen hervorgegangen. Ohne inneren Wert, könnten sie 
ruhig der Vergessenheit anheimfallen , aber sie behaupten sich trotz- 
dem als materiell wertvoll , weil 
sie zur Vollständigkeit jeder 
Manutius - Sammlung unentbehr- 
lich sind. 

Aldus der ältere erfreute sich 
wegen seiner grossen Verdienste 
nicht nur der Achtung berühmter 
Fürsten und Gelehrten seiner 
Zeit , sondern auch Privilegien 
wurden ihm von den Päpsten 
Alexander VI., Julius IL und 
Leo X. verliehen. Er verstand 
es, einen Kreis gelehrter Männer 
um sich zu versammeln , die 
von demselben wissenschaftlichen 
Eifer, wie er selbst, erfüllt waren 
und sich mit ihm der Aufgabe 
widmeten, ihren Zeitgenossen die 
Schätze der älteren Litteratur zu- 
gänglich zu machen. Es war stets 
eine grosse Anzahl dieser Männer 
in seinem Hause , ganz von ihm 
unterhalten. Auch mit vielen 
auswärtigen Gelehrten stand er 
in Verbindung , besonders mit 
Erasmus, mit dem er lange 
eng befreundet, später aber arg 

verfeindet war. Man huldigte ihm von allen Seiten, doch waren die 
Besuche von Freunden, Bekannten und Fremden so häufig und der 
dadurch herbeigeführte Zeitverlust ihm schliesslich so lästig, dass er 
eine Tafel in seinem Geschäft aufhing, welche in lateinischer Sprache 
die Bitte enthielt , dass „Jeder , wer es auch sei , von Aldus höflich 
ersucht werde , sein Geschäft möglichst rasch zu erledigen und sich 
dann zu entfernen , mit Ausnahme derjenigen , welche ihre Kenntnisse 
vermehren wollten". 

Mühlbrecht, Bücherliebhaberei. 3 




Abb. 23. Titel der Elzevier- Ausgabe „De Imitatione 
Christi" von Thomas a Kempis. 



34 



Zweites Kapitel. 



Das Jahr 1 5 1 5 wurde für Aldus verhängnisvoll. Als er Ende Januar 
eines Nachts spät zu Hause ging, überfielen ihn Meuchelmörder; er 
entkam ihnen mit genauer Not, starb aber am 7. Februar an den er- 
haltenen schweren Wunden.*) Die Offizin blieb über hundert Jahre im 
Besitz der Familie, nach dem Tode des vierten Inhabers derselben ging 
Abb. 19. sie im Jahre 1597 ein. Das Druckerzeichen der Manutius war ein Anker, 
um den sich ein Delphin schlingt. Die Beliebtheit, deren sich die Aldiner 
Ausgaben vom ersten Erscheinen an erfreuten , hatte zur Folge , dass 
die Lyoner Drucker schon im Anfange des sechzehnten Jahrhunderts 
schlechte Nachdrucke davon veranstalteten , auch die Giunta's druckten 

dem Aldus nicht nur seine Bücher, 
sondern sogar sein Druckerzeichen 
widerrechtlich nach. 

Die Giunta's (auch Junta, G i - 
unti, Zonta) waren gleichfalls eine 
berühmte alte Druckerfamilie, für Flo- 
renz von ähnlicher Bedeutung, wie die 
Manutius für Venedig. Sie stammte 
nicht , wie man behauptet hat , aus 
Lyon, sondern aus Florenz und be- 
gründete anfänglich in Venedig und 
Florenz, später auch in Lyon, Burgos, 
Salamanca und Madrid sowohl Buch- 
druckereien wie Buchhandlungen. Der 
erste Lucantonio Giunta siedelte 
1480 von Florenz nach Venedig über, 
richtete dort eine Buchhandlung ein und verband 15 10 eine Buch- 
druckerei damit. Die Thätigkeit seiner Nachkommen lässt sich durch 
mehrere Geschlechter bis 1657 verfolgen. Der bedeutendste der 
Giunta's war Filippo (geboren 1450, gestorben 15 17), der in seiner 
Druckerei in Florenz den Ruhm der Familie zur höchsten Blüte führte. 
Er war es allerdings auch , der die Aldiner Ausgaben nachdruckte. 
Sein erster datierter Druck erschien 1497, die „Epitome Pro- 
verbiorum" des Zenobius; ferner zeichnete er sich durch die 
Herausgabe griechischer, lateinischer und italienischer Klassiker aus, alle 
mit schönen , der Aldiner Cursiv nachgebildeten Typen gedruckt, meist 
in Klein-Oktavformat. 




Abb. 24. Druckerzeichen der Elzeviere von 
Leiden und Amsterdam. 



*) Louis D. Petit, Jets over Aldus Manutius in „Bijdragen tot de geschiedenis van 
den Nederlandschen boekhandel I". Amsterdam 1884. 



Geschichtliche Grundlagen. 



35 



Sein Sohn Bernhard druckte die berühmte Quartausgabe von 
ßoccaccio's D e c a m e r o n e , die als Prototyp aller späteren Ausgaben 
diente, bis die Entdeckung eines im Jahre 1384 angefertigten Manuskriptes 
den Wert seiner Ausgabe verringerte, die er zu enorm hohem Preise auf 
den Markt gebracht hatte. 

Die Florentiner Offizin 
bestand bis etwa 1623. Die 
Thätigkeit der weitverzweig- 
ten Familie an den oben 
genannten Orten erstreckte 
sich bis an das Ende des 
siebzehnten Jahrhunderts. 
Das Druckerzeichen der Gi- 
unta's ist eine von zwei flügel- 
losen Engeln getragene he- 
raldische Lilie , deren drei 
Blätter von vier natürlichen 
Lilienstengeln eingefasst, 
sind. Eine andere Form 
enthält nicht die Engel, 
sondern nur die heraldische 
Lilie , zwischen deren drei 
Blättern zwei Lilienstengel 
aufschiessen. Die Drucke 
der Venetianer Linie trugen 
ausserdem meist die Buch- 
staben L. A. (Lucantonio). 

Ich wende mich nun 
einer Druckerfamilie zu, 
deren Presserzeugnisse durch 
schöne typographische Aus- 
führung eine fast populäre 

Berühmtheit erlangt haben, einem Geschlecht, dessen Name auch bei Laien 
einen guten Klang hat, dem der Elzeviere (auch Eisevier, Elzevirius). 
Diese berühmte holländische Buchhändler- und Buchdruckerfamilie ist 
von 1592, zuerst in Leyden (bis 17 12), dann in Amsterdam (bis 168 1) 
thätig gewesen. Der Stammvater der Familie, Ludwig E. (geboren 
1540) gestorben 161 7), war Buchhändler und zugleich Pedell bei der 
Universität in Leyden, sein Name als Drucker kommt zuerst im Jahre 
1592 auf einer von P. Merula besorgten Ausgabe des Eutropius 

3* 




ROBERTUS STEIHANUS 

OBERTUM cernls STEPHAMMfa^ Galliau crtis 

/Hiratur. jrrimiu Ctalccg -uphum S t c p li a nus 1 

Quijrüu et doctusjrrvcudit $ctij?ta.jiorum 

Sor&ona ftüc non vu/t impiaferrs virun 



Abb. 25. Robert Stephanus. 



Abb. 



36 



Zweites Kapitel. 



Abb. 



manilI 



'M. 

ASTRONOM I- 

C n N LIBRI 

Q^VI NQ^VE. 



OSEPHVS SCALIG 

I V L. C.AE S. F. RECENSVI 

ac pnftino ordini fuo rcftituit. 



liufdcm los. Scaligeri CommentarifiS 
in eofdem libros,^- Caftigationum 
explicationes. 



vor. Er hinterliess zwei 
Söhne, Matthys und Gil- 
les. Jener erscheint als 
Buchdrucker und Nachfol- 
ger des Vaters in Leyden, 
dieser betrieb im Haag 
einen Buchhandel. Die vier 
Söhne des Matthys waren: 
Isaak, Abraham, Bo- 
naventura und Jakob. 
Das Druckerzeichen des 
alten Ludwig war zuerst 
ein Engel mit einem Buche 
in der einen und einer 
Fackel in der andern Hand, 
später ein Adler auf einer 
Säule, ein Bündel von sie- 
ben Pfeilen in den Klauen 
haltend, mit der Devise 
der holländischen Repu- 
blik: „Concordia res parvae 
crescunt." 

Der eigentliche Begrün- 
der des Ruhmes der Elze- 
viere war Isaak, der 1617 
eine Druckerei anlegte, die 
er durch den Ankauf des 
Schriftenmaterials von Th. 

Erpenius bereicherte. 
Er arbeitete mit sechs Pres- 
sen und verstand es, seine 
Druckerei auf eine ansehn- 
liche Höhe zu bringen. 
Obschon sein Name auf 
einer Anzahl von Werken 
auch als Verleger vor- 
kommt, war er doch meist 
für seinen Oheim und dessen Teilhaber, seinen Bruder Abraham, 
thätig, die zuerst nur als Verleger arbeiteten und denen er 1625 seine 
Druckerei übergab. Sein und ihr Druckerzeichen war eine Ulme, welche 




IVTETII, 

Apud Mamertum PathTonium Typographum 
Regium, in officina Roberci Scephani. 

M. D.LXXIX. 
CVM PR1VILEGIO REGIS. 



Abb. 26. Titel mit dem Druckerzeichen des Robert Stephanus 
von Paris vom Jahre 1579. 



Geschichtliche Grundlagen. 



37 



von einem Rebstock voller Trauben umschlungen wird , mit einem 
Einsiedler daneben und den Worten „non solus". 

Die Handlichkeit und Billigkeit der gleichmässig gut ausgestatteten 
Duodezausgaben machten die Elzevierdrucke von vornherein sehr beliebt. 
Können die Ausgaben auch dem Vorwurfe der Inkorrektheit nicht ent- 
gehen, so stehen sie doch an Eleganz der Typen, Schönheit des Papieres 
und Anordnung des Satzes, wenn man die griechischen und hebräischen 
Drucke der Etienne's in Paris ausnimmt, keinen Büchern nach, die zu 
gleicher Zeit und zu gleichem Zwecke in anderen Ländern erschienen sind. 

Man schätzt heute noch besonders 
die Sammlung der kleinen Republiken 
(„res publicae"), d. h. statistische 
Nachrichten über verschiedene einzelne 
Länder, eine Kollektion, für welche die 
Elzeviers am 15. Mai 1626 von den 
Generalstaaten von Holland ein Privi- 
legium erhielten ; dann die lateinischen 
Klassiker und auch Ausgaben moderner 
Schriftsteller der damaligen Zeit. Jeder 
Band der Duodezausgaben von etwa fünf- 
hundert Seiten kostete bei Erscheinen 
einen holländischen Gulden. Die schön- 
sten Erzeugnisse der Leydener Pressen 
waren die 1634 — 1656 erschienenen Aus- 
gaben desLivius, Tacitus, Plinius, 
Cäsar und Virgil; der Ausgabe des 
letzteren von 1636 wird allerdings der 
Vorwurf grosser Inkorrektheit gemacht. 
Da die Elzeviere Universitätsbuchdrucker 

waren und als solche eine ansehnliche jährliche Unterstützung bezogen, 
so nahmen sie Rücksicht auf die Leydener Orthodoxen , und Hessen 
nicht wenige ihrer Druckwerke, die bei der Geistlichkeit hätten Anstoss 
erregen können, unter falscher Firma erscheinen. Das hat die Elzevier- 
ausgaben zum Gegenstande gründlichster Forschungen und Unter- 
suchungen verschiedener Gelehrten gemacht, doch sind diese verwickelten 
Fragen wohl noch immer nicht völlig gelöst. 

Denn wie die Elzeviere einerseits Verlagsartikel in Brüssel, Lüttich 
und Amsterdam herstellen Hessen, die als Druckorte und Verleger 
Namen trugen, die niemals existiert haben, so waren sie andererseits 
mit ihrer Firma gern bereit, die Vaterschaft von in anderen Städten 




WFL 



wxc 



Abb. 27. William Caxton Aus Charles 
Knight „William Caxton , the first english 
Printer", William Clowes & Sons, London. 



Abb. 22. 



38 



Zweites Kapitel. 



hergestellten Büchern zu verschleiern, deren Drucker oder Verleger sich 
aus Gründen mancherlei Art nicht offen dazu bekennen mochten. Daher 
ist es nicht immer leicht, einen echten Elzevier von einem unechten zu 
unterscheiden, wennschon das vortreffliche Werk von A. Willems*) 
grosse Klarheit über die verschiedenen Ausgaben gebracht hat. 




Abb. 28. Kopfverzierung von William Caxton. 



Eine noch sehr gesuchte Ausgabe ist die „De Imitatione Christi" 
Abb. 23. von Thomas aKempis, von Jan und Dan iel, den Nachfolgern von 




Abb. 29. Monogramm von William Caxton. 



Bonaventura und Abraham, in Leyden ungefähr 1653 gedruckt 
und bekannt als die „Ausgabe ohne Jahreszahl". Von den Meister- 
werken aus der Amsterdamer Zeit sei ferner noch das „Corpus juris 
civilis" von 1663, 2 Bände Folio, und die französische Bibel von 



: ) A. Willems, Les Elzevier. Histoire et annales typograph. Bruxelles 1880. 8. 



Geschichtliche Grundlagen. 30 

1669, 2 Bände Folio, erwähnt. Das Druckerzeichen aus dem Ende 
dieser Zeit war ein Ölbaum, unter dem links eine Eule, rechts Minerva 
steht mit der Ägis in der einen und einem Bande in der anderen Hand ; 
die Devise lautete: ,,ne extra oleas." Die Zahl der Elzevierausgaben Abb. 24. 
beläuft sich auf reichlich zweitausend. 

In den letzten Jahren ist der Wert der Elzeviere nicht im gleichen 
Verhältnis gestiegen, wie dies bei anderen berühmten Druckwerken statt- 
gefunden hat; wenn aber der Fall eintritt, dass ein unzweifelhaft echter 
Elzevier uneingebunden und gar völlig unbeschnitten irgendwo zum Vor- 
schein kommt, so verbreitet sich eine Aufregung unter den Bibliophilen, 
es tritt sofort eine scharfe Konkurrenz und erhebliche Preissteigerung 
des betreffenden Bandes ein. 

In der Geschichte der Elzevierausgaben sind die sonderbarsten Preis- 
erscheinungen vorgekommen ; es sei mir gestattet ein Beispiel davon hier 
mitzuteilen , zugleich als Probe moderner Preissteige- 
rungen überhaupt.*) Die Elzeviere druckten in Amster- 
dam 1655 eine Ausgabe des damals ganz unbedeutenden, 
ziemlich inhaltlosen Buches, betitelt: ,,Le Pastissier 
francois" (kl. i2 mo , VI und 252 S.), ein Nachdruck 
der französischen Originalausgabe, Paris, Jean Gaillard. 
Im Verlagskataloge von Daniel Elzevier, 1675, i st das 
Buch mit dem Preise von 12 Stüber angesetzt. Kein 
Sammler des siebzehnten oder achtzehnten Jahrhunderts 
würde das Buch in seine Sammlung aufgenommen _. . A b ' *°' 

o Christoph Plantin. 

haben , es war durch den Gebrauch der Industriellen, 
für die es bestimmt war, der Pastetenbäcker, völlig absorbiert und 
wurde nicht neu gedruckt. Infolgedessen ward es selten und man kam 
zu der Ansicht, dass keine Elzeviersammlung von Bedeutung das Buch 
entbehren könne. Dieser Ruf besonderer Seltenheit hat sich aller- 
dings vermindert , nachdem Willems in seinem vorher citierten Werke 
ungefähr dreissig Exemplare des Buches mit Angabe der gegen- 
wärtigen Besitzer nachgewiesen hat. Aber bevor dieses bekannt wurde, 
hat ein erbitterter Kampf um das Werk, so oft es im Handel vor- 
kam, unter den Bibliophilen stattgefunden. So figuriert ein Exemplar 
von Montesson abstammend, von Trautz- Bauzonnet reich ein- 
gebunden, in der Auktion der Buchhandlung L. Potier in Paris (März 
1870) mit dem Preise von 2910 Francs, dann in der Auktion Bentzon 
(April 1875) mit 3 2 55 Francs und wurde im März 1877 in Paris für 




G. Brunei, Du prix des livres. Bordeaux 1895. 



40 



Zweites Kapitel. 



2200 Francs nochmals verkauft. Ein anderes Exemplar aus der Biblio- 
thek von La Villestreux galt im April 1872 1200 Francs, war im Kata- 




Abb. 31. Titel in Kupferstich einer Ausgabe von Plantin, 1574. 



löge von Fontaine in Paris 1874 mit 3000 Francs angesetzt und befindet 
sich heute im Besitz des Herzogs von Chartres. 

Ein drittes Exemplar wurde im April 1847 m Paris für 325 Francs 
verkauft; nachdem es von Trautz- Bauzonnet reich eingebunden, ging es, 



Geschichtliche Grundlagen. 



41 




Abb. 32. Druckerzeichen des Balthasar Moretus IL 

(1615— 1674). 

Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen 

Büchersammlung in Berlin. 



auf der Auktion Yemenitz (1867) 
an den Londoner Buchhändler 
Bohn für 1050 Francs über. 

Ein anderes Exemplar, eben- 
falls von Trautz eingebunden, 
war von Fontaine 1875 in seinem 
Kataloge mit 4500 Francs an- 
gesetzt. Ein weiteres Exemplar 
wurde von der Firma Bachelin- 
Deflorenne in Paris im Novem- 
ber 1876 für 5500 Francs ver- 
kauft, und endlich hatte die Firma 
Morgand et Fatout noch ein 
Exemplar in Italien entdeckt, das in ihrem Kataloge mit 10 000 Francs 
angesetzt und dafür verkauft wurde. Wie gesagt , ein inhaltlich ganz 
belangloses Buch etwa im Range unserer besseren Kochbücher, aber es 
war ,,sehr selten" und man bedurfte seiner für die Elzevierkollektionen ! 
Man v/olle aus diesem Beispiele nicht folgern, dass die Elzevieraus- 
gaben im allgemeinen, selbst die besseren davon, besonders selten seien. 
Keineswegs, aber was sie trotzdem sehr gesucht und wertvoll machen kann, 
das ist eine gute Erhaltung derselben , namentlich des Schnittes ; eine 

Linie mehr oder weniger hoch und 
breit macht einen grossen Preisunter- 
schied. So gehören denn diese kleinen, 
für den Gebrauch so handlichen, schönen 
Drucke, bei ihren, einem mittleren Reich- 
tume angepassten massigen Preisen als 
sogenannte ,, Seltenheiten" zu den unter 
den Bibliophilen am meisten verbreite- 
ten, wozu sich jeder gern bekennt. Eine 
der ersten Fragen , die man an jeman- 
den zu richten pflegt, der in dem Rufe 
steht, ein Liebhaber schöner Bücher zu 
sein, ist die, ob er Elzevierausgaben be- 
sitzt. Es verlegen sich denn auch immer 
wieder aufs neue Liebhaber darauf, Elze- 
vierkollektionen zusammenzubringen, die 
doch niemals den Wünschen entspre- 
chend vollständig sein können , und in 
Abb. 33. Druckerzeichen der Plantin. denen nur zu oft die Quantität die 




42 



Zweites Kapitel. 



Qualität der Bücher überwiegt. Um solch eine Sammlung zu vervoll- 
ständigen, werden oft hohe Preise für Bücher gezahlt, denen diese Ehre 
gar nicht zukommt. 




Abb. 34. Willem Jansz. Blaeu. Nach P. J. H. Baudet „Leven en Werken van Willem Jansz. Blaeu", 

C. van der Post Ir., Utrecht. 



Vor kurzem gab der Buchhändler Morgand in Paris den Katalog 
einer köstlichen Elzeviersammlung heraus, deren Kaufpreis 125 000 Francs 
betrug. Diese Sammlung begeisterte Ferd. Brunetiere, den Chef- 
redakteur der ,, Revue des deux mondes" zu einem bemerkens- 
werten Aufsatze : ,,Une dynastie de libraires", der zuerst in ,,Le Temps" 



Geschichtliche Grundlagen. 



43 



am 3. Juni 1896 erschien und später als Vorrede in den erwähnten Kata- 
log aufgenommen wurde. Ich kann es mir nicht versagen, den Artikel 
hier abzudrucken, weil er zeigt, in welch' hohem Ansehen die Elzeviere 
heute noch nicht nur wegen ihrer Meisterwerke der Typographie , son- 
dern auch wegen ihrer grossen Verdienste um die Litteratur und die 
Wissenschaften stehen. 

»Ich glaube nicht,« sagt Brunetiere, »dass es in der ganzen Geschichte 
der Buchdruckerkunst ein berühmteres Geschlecht giebt, noch einen an- 
deren Namen , der sein Ansehen so lange behauptet hat. Freilich ver- 
wechseln wir häufig miteinander die von Leyden und die von Amster- 
dam, die von Utrecht 
und die vom Haag, 
den Isaak und Bona- 
ventura, Ludwig und 
Daniel, Abraham und 
Jakob, nicht zu reden 
von deren Frauen und 
Kindern , aber gerade 
in diesem Wirrwarr 
liegt der Triumph ihrer 
Popularität. Ist es nicht 
thatsächlich so , dass 
wir erst dann wirklich 
berühmt heissen kön- 
nen , wenn wir auf- 
hören, uns selbst an- 
zugehören, um weiter nichts zu sein, als das ,, Symbol" unseres Werkes ? . . . 
A. Willems sagt in seinem Werke über die Elzeviere , dass nicht sie 
selbst die Erfinder ihrer Lettern waren, die so zart in. ihren Linien, so 
sauber und schön in ihrem Maass , so vollkommen in ihrem Verhältnis 
zu einander waren, die ihren Ausgaben einen so einheitlichen Charakter 
gaben. Der Stempelschneider, dem sie ihren Ruhm verdanken, habe 
Christoffel van Dyk geheissen, ein Namen, der erst seit 1880 durch 
Willems bekannt geworden ist. 

Aber woher stammt denn ihre Berühmtheit? Denn die Namen von 
Aldus Manutius, Stephan us Etienne oder von Dolet, die 
doch Gelehrte waren oder ,, Humanisten" ebenso wie Buchdrucker, jeden- 
falls mehr als gewöhnliche Geschäftsmänner, sie sind heute nur noch 
wenig bekannt , sie haben in der Geschichte ihrer Kunst keinen tiefen 
Eindruck hinterlassen .... Die Elzeviere haben zunächst das Glück 




Abb. 35. Druckerzeichen des Willem Jansz. Blaeu von Amsterdam. 



44 



Zweites Kapitel. 



gehabt, in einer Zeit zu leben, wo das noch von dem Ruhm der Siege 
über Spanien und England erfüllte Holland dem Frankreich des grossen 
Kardinals und Ludwigs XIV. den Vorrang auf geistigem Gebiete streitig 

machte und in Europa 
fcg^ * ^ %f *tf V tonangebend war. Die 

l9fcuü&tli UOCfKttt Generaistaaten h atn 

ymtrnr f ^ynvf? ^r^r , w^rw r w'w^ww ihnen gewissermaassen 

atetwas / gDenaemt int JLattjn den weitmarkt eroff- 

AEneidos, betreuen öoo? tun sßft* net ' und nun ist doch 

lecCÖCtl ttltt tJCrmaetben Poec mindestens anzuerken- 

VIRGILIVS MARO: nen > dass > wenn auch 

■ . — T ^ 7" — ^, .,, , den holländischen 

ÖÖttOrO^CldC OberOÖe3Ct: pfölfant «IOC Druckereien einescho- 

Uom&icj) Omlefetl. ne, ja einzige Gelegen- 

heit zur Entfaltung 
ihrer Kräfte geboten 
war , die Elzeviere es 

verstanden haben, 
durch Tüchtigkeit und 
mit Geschicklichkeit 
ihren Vorteil daraus 
zu ziehen. 

Der Ersatz der gros- 
sen unhandlichen For- 
mate durch ihre Duo- 
decimos, sagt Willems, 
brachte in dem Buch- 
handel eine Umwäl- 
zung hervor , ähnlich 
derjenigen, zu der in 
unseren Tagen das 
Format Charpentier 
in Frankreich das Sig- 
nal gegeben; mankönn- 
te fast sagen, dass die 
Elzeviere den Buchhandel „demokratisiert" haben. Man weiss, dass zur 
gleichen Zeit die holländischen Maler die Kunst „demokratisierten" oder 
„naturalisierten" und dieselbe, wenn auch nicht gerade in den Dienst der 
grossen Menge stellten , so doch der Bürgerschaft zugänglich machten. 
Denn diese solide, reiche Bürgerschaft Hess sich nicht mehr darauf ein,. 




TANTWERPEN. 

25p 35an toan iöaeietoersöe imt fcame^ 

fttättjmm$tgaWMVlMtö>lw* * J$j. 

Abb. 36. Titel in Buchdruck einer Ausgabe von Jan van Waesberghe, 



Geschichtliche Grundlagen. 



45 



gegenüber ihren eigenen Porträts oder den Darstellungen aus ihrer 
täglichen Beschäftigung den üppigen Mythologien der italienischen Kunst 
oder der jansenistischen Strenge der französischen Malerei wie bisher 
den Vorzug einzuräumen. Der Umschwung, den die Elzeviere in der 




Abb. 37. Eines der Druckerzeichen der van Waesberghe's von Amsterdam. 



Bücherwelt hervorbrachten, hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem da- 
maligen Umschwünge in der Malerei. 

Freilich , wäre ich ein Zeitgenosse ihrer Duodecimos gewesen , die 
Verdrängung der alten Folianten würde mir vielleicht leid gethan haben, 
dieser ehrwürdigen Folianten, deren Umfang und ganze Erscheinung der 
monumentalen Würde entsprach, welche dem Drucke eines Titus Livius 
oder dem Wortreichtum eines Cicero zukam. Ich würde das grosse 



46 



Zweites Kapitel. 



Buch betrauert haben, das man freilich nicht in die Tasche stecken oder 
gemütlich unter dem Arme tragen konnte , das man nicht in der Hand 
durchblättern, sondern lesen musste, dessen weisse Ränder man mit An- 
merkungen bedeckte , dessen grosser Druck die Augen nicht verdarb. 
Aber die Elzeviere zeigten sich als gute Kauf leute , denn mit der Ver- 
kleinerung des Formates ging die Ermässigung des Preises Hand in Hand. 
Vor ihrer Zeit war es nur den Fürsten der Gelehrsamkeit — modern 
gesagt : den Nabobs der Litteratur vergönnt gewesen, eine Bibliothek zu 
besitzen. Kosteten die Folianten schon an und für sich viel Geld, so 
kostete es noch viel mehr , sie im Hause würdig unterzubringen , aber 

vor allen Dingen : sie 
waren schwerfällig und 
mühsam zu gebrauchen. 
Die allgemeine Ausbrei- 
tung des Studiums hatte 
den Gelehrten schon 
manches alte Vorrecht 
genommen, die Elzevier- 
ausgaben boten dem zahl- 
reichen Publikum , das 
nicht dem Stande der Ge- 
lehrten angehörte , die 
Möglichkeit , auch die 
Klassiker zu lesen, die 
bis dahin nur den Ge- 
lehrten zugänglich waren. 
Ich nehme den Vergleich wieder auf. Wenn die holländischen Maler 
mit ihrem „Naturalismus", in dem so viel Ehrlichkeit und Recht- 
schaffenheit sich mit der Nachahmung der Natur verband, keinen 
weiteren Erfolg gehabt hätten , als die Kunstwelt für Augen zu ent- 
decken , welche bisher keine Ahnung von deren Existenz hatten , so 
müsste man ihnen schon dafür dankbar sein. Ebenso ist es mit den 
Elzevieren. Man kann ihnen keinen Vorwurf daraus machen, mit ihren 
Duodecimos die Folianten entfernt zu haben , der Wechsel war voraus- 
sichtlich unvermeidlich, und es ist ihnen hoch anzurechnen, dass sie die 
Gewinnsucht nicht abgehalten hat , Künstler in ihrem Beruf zu bleiben. 
Mag van Dyk die Stempel für ihre Lettern geschnitten haben, aber sie trafen 
seine Wahl doch selbst, und wer weiss denn, wie viele Modelle der Form- 
schneider ihnen erst gezeigt hat, ehe sie demjenigen zustimmten, dessen 
wunderbare Eleganz zur Befestigung ihres Ruhmes so viel beigetragen hat? 




Abb. 38. Eines der Druckerzeichen der van Waesberghe's 
von Amsterdam. 



Geschichtliche Grundlagen. 



47 



Es ist bemerkenswert, dass die Buchdruckerkunst, nachdem sie seit 
ihrer Erfindung zu so hoher Vollkommenheit gelangt war, plötzlich gegen 
das Ende des sechzehnten Jahrhunderts, wenn auch nicht gerade in Ver- 
fall geriet, so doch weit unter den erreichten Standpunkt herabsank, auf 
den die Werkstätten der grossen Druckereien der Renaissance sie ge- 




Abb. 39. Izaak Enschede. Nach „De Lettergieterij van Joh. Enschede en Zonen" 
Joh. Enschede en Zonen, Harlem. 1893. 



hoben hatten. Was immer die Ursache davon gewesen sein mag, sicher 
ist , dass den Elzevieren die Ehre gebührt , dem beginnenden Verfall 
entgegengearbeitet zu haben und , zur bleibenden Freude der Bücher- 
liebhaber, die Unscheinbarkeit ihres kleinen Formates durch Sauberkeit, 
Schönheit und Zierlichkeit der typographischen Ausführung ausgeglichen 
zu haben. Man rühmt von den vielen Meisterwerken ihrer Pressen be- 
sonders den Cäsar, Plinius und Terentius von 1653, das Psalmen- 
buch von 1653 und den heiligen Augustinus von 1675. Wie viele 



4 8 



Zweites Kapitel. 



andere könnte man noch nennen, von denen man ungern das Auge 
wendet, die man trotz des wenig anziehenden Inhalts lediglich wegen 
der Schönheit des Drucks gern liest! Die „Characteres des Pas- 
sions" von Cureau de la Chambre z. B. haben es nur den Elze- 
vieren zu danken, dass sie heute noch von neugierigen Liebhabern 




Abb. 40. Johannes Enschede. Nach „De Lettergieterij van Joh. Enschede en Zonen", 
Joh. Enschede en Zonen, Harlem. 1893. 



durchblättert werden. Die „Bücherkaufleute" besassen Geschmack für 
viele Autoren, die selbst keinen hatten. Sie begriffen, dass es für den 
Leser . eine Strafe ist , einen guten Text in schlechtem Druck lesen zu 
müssen. Bei ihren Ausgaben befinden sich Format, Lettern, Papier, 
Kopfleisten , Vignetten und Fleurons so in Übereinstimmung, dass man 
nicht an eine Berechnung, sondern an eine Inspiration denkt, denn diese 
Übereinstimmung ist nicht nur Sache der Präzision , sondern eine wirk- 
liche Kunst. 



Geschichtliche Grundlagen. 49 

„L'art s'estend et se resserre avec egale louange de l'artisan" schrieb 
Balzac in einem Briefe, den er an „Messieurs les Elseviers u adressierte, 




€ttamjelwm 
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cttjjeTsacfyarie erjcfyinc.$ac$arias Seetujel m'C 

«Jeßwbet.iwj Sarutrj erjHmet . Y$p mana t»o 9c 

Jcftfc^röj^ ward . vij auf? oermanü^ See en/ 

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Abb. 41. Textprobe: Bl. 494b, Sp. II aus der Anton Koberger'schen Bibel, 1483. 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin. 

um sich dafür zu bedanken, dass sie ihn aufgenommen hatten ,,au nombre 
de leurs auteurs". So haben sie den Burgersdicius, den Tri- 
glandius und den Zevecotius gedruckt, aber sie druckten auch den 
Balzac, Descartes, Corneille, Moliere, die ,, Pensees" von 

Mühlbrecht, Bücherliebhaberei. 4 



5o 



Zweites Kapitel. 



Pascal und die erste Ausgabe der „Maximes" 
von La Rochefoucauld, eine äusserst seltene 
Ausgabe, von der man ohne Übertreibung sagen 
kann, dass sie ihr Gewicht in Gold wert ist. Und 
durch die schönen Ausgaben haben die Elzeviere 
ein redliches Teil dazu beigetragen, die französische 
Litteratur zu verbreiten. 

Ich weiss sehr wohl, dass weder der „Cid" 
noch der „Disco urs de la methode" der Elze- 
viere bedurften , um ihren Weg in der Welt zu 
machen, und man könnte fragen, weshalb sie den 
Descartes nur lateinisch gedruckt haben. Aber 




Abb. 42. Das Strassburger Münster. Illustrationsprobe aus der von Anton Koberger, 1493, gedruckten 

Hartmann Schedel's Chronik. 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin. 



sie haben doch aus ihren Offizinen in Leyden und Amsterdam Central- 
plätze des französischen Einflusses in Europa gemacht. Von 1644 bis 
1677 haben sie nicht weniger als fünf Ausgaben der Werke des 
Descartes und von 1638 bis 1656 auch fünf vom „Cid" gebracht. 
Wenn man doch wüsste , wie gross die Auflagen damals gewesen sind !, 



Geschichtliche Grundlagen. 



51 




Abb. 43. Die Auffindung Mosis. Illustrationsprobe aus dem Koberger'schen „Schatzbehalter", 1491, 

geschnitten von Michael Wohlgemuth. 

Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin. 



52 Zweites Kapitel. 

Die Elzeviere waren es, die zuerst seit 1644 unter dem Titel 
„Illustre Theatre" fünf Stücke von C o r n e i 1 1 e vereinigt haben, und 
— merkwürdig genug — gerade diese fünf sind klassisch geworden, 




Abb. 44. Die Schöpfung der Frau. Koberger'sche Illustrationsprobe aus dem „Schatzbehalter", 1491, 
geschnitten von Michael Wohlgemuth. 

nämlich: ,,le Cid," „Horace," ,,Cinna," ,,Polyeucte" und ,,Mort de 
Pompee". Diese Sammlung ist sehr selten, man kennt davon nur noch 
sieben oder acht Exemplare und das letztverkaufte kostete 6000 Francs. 
Nicht weniger haben sie für die Verbreitung von Moliere gethan; Daniel 
Elzevier veröffentlichte 1675 die erste Gesamtausgabe, die man kennt, 



Geschichtliche Grundlagen. 



53 



vier Jahre später, 1679, war schon ein Neudruck davon nötig. Das kann 
man wohl ein Verdienst um die französische Litteratur nennen, von um 

©ferteunt^enöfirjur 




Abb. 45. Die Tochter von Jephta. Koberger'sche Illustrationsprobe aus dem „Schatzbehalter", 1491 
geschnitten von Michael Wohlgemuth. 



so grösserer Bedeutung, als die Pariser Buchhändler zu jener Zeit wenig 
oder keine Handelsverbindungen im Auslande unterhielten. Die Elzeviere 
waren in der ersten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts thatsächlich die 
Verbreiter der französischen Litteratur in ganz Europa und haben zur 



54 Zweites Kapitel. 

Ausbreitung des Ruhmes ihrer grossen Dichter wesentlich beigetragen. 
Noch sei zur Ehre der Elzeviere erwähnt, dass sie zu einer Zeit, als die 
freie Meinungsäusserung auf religiösem wie staatlichem Gebiete so gut 
wie gefesselt war und Autoren wie Drucker gewisse Fragen gar nicht 
zu erörtern wagten , dass sie trotzdem gerade den ,, gefährlichen Stoff" 




Abb. 46. Der heilige Ambrosius. Illustrationsprobe aus dem „Passional", Nürnberg, Anton Koberger, 1488. 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin. 

von ihren Autoren ruhig behandeln liessen, so dass bei ihren Zeitgenossen 
wie bei ihren Nachkommen das Aufblühen der Gedankenfreiheit mit 
ihren Namen ehrenvoll verbunden ist. Sie haben weder obscöne Bücher 
— mit Ausnahme des „Ragionamenti" von Ar et in o vom Jahre 
1660 — noch Schmähschriften gedruckt, aber andere Bedenken kannten 
sie nicht, sie druckten, was alle Druckereien in Frankreich und England 
nicht drucken wollten oder konnten. So haben sie beinahe ein ganzes 
Jahrhundert hindurch auch das Beispiel freien Mannesmutes gegeben; 



Geschichtliche Grundlagen. 



55 



das schöne Beispiel eines Familiengeschlechtes, das mit Eifer und Fleiss 
die ihm liebgewordene Kunst pflegte« . . . Mit diesem anerkennenden 
Urteil des Franzosen wollen wir Abschied von den Elzevieren nehmen. 
Neben den Geschlechtern der Manutius und Elzeviere verdienen in 
erster Reihe die Etienne's (auch Estienne) genannt zu werden, die 




Abb. 47. Johannes Proben. 

im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert in Frankreich während 
I/O Jahren die Typographie in ganz hervorragender Weise gefördert 
haben. Das Haupt der Familie, Heinrich Etienne, verwandelte 
seinen Namen nach der Sitte der damaligen Zeit in das lateinische 
Stephanus, welcher Name dann von seinen Nachkommen weiter- 
geführt wurde. Er war von 1509 bis 1520 in Paris als Drucker thätig 
und förderte ungefähr 130 Werke zu Tage, deren Inhalt beinahe aus- 



56 



Zweites Kapitel. 



schliesslich theologischer und philosophischer Art war, denn die klassische 
Litteratur war noch immer die Domäne der Italiener und hatte sich noch 
nicht den Weg nach Frankreich gebahnt. 

Von den siebzehn Mitgliedern dieser grossen Buchdruckerfamilie ist 
Abb. 25. der Hervorragendste Robert Stephan us, der von 1526 bis 1559 
thätig war, anfänglich zu Paris. Er druckte hauptsächlich Elementar- 
bücher für das Studium der alten Sprachen, vor allem aber beschäftigte 
ihn die Herausgabe der heiligen Schriften in lateinischer , griechischer 
und hebräischer Sprache. Im Jahre 1532 brachte er eine schöne Aus- 
gabe einer lateinischen Bibel , für die er neue , geschmackvolle Typen 
Abb. 26. erfand, die lange Zeit als ein Muster von Schönheit galten. Aber diese 
Bibel zog ihm die Verfolgung der Sorbonne zu , gegen die ihn nur die 
Protektion des Königs Fr anz I. zu schützen vermochte; dieser Hess ihn 
das Versprechen geben, ohne Zustimmung der katho- 
lischen Fakultät keine religiöse Schriften mehr zu 
drucken. Darauf wandte er sich den griechischen 
und römischen Klassikern zu und schuf die wegen 
ihrer Korrektheit sehr beliebten Ausgaben des Quin- 
tilian, Plinius, Justin, Cäsar, Eutrop, Lucan, 
Ammian Marcellin, Sueton, Herodian, 
Valerius Maximus, Horaz, Virgil, Juvenal, 
Eusebius und Dio Cassius, vor allem aber den 
berühmten ,, Thesaurus linguae latinae". 

Als Anhänger der von Deutschland ausgegangenen 
Glaubensbewegung war er der französischen Geistlich- 
keit schon lange verhasst und deren Verfolgung aus- 
gesetzt. Als er nun 1545 wiederum eine neue Bibel- 
ausgabe erscheinen Hess, sah er sein Leben in Paris 
bedroht und floh deshalb im Jahre 155 1 nach Genf, 
wo er zur reformierten Kirche übertrat, eine neue Offi- 
zin gründete und bis zu seinem Tode im Jahre 1559 
noch eine Menge vortrefflicher Werke druckte. Sein Sohn Henricus 
Stephan us setzte das Geschäft fort, geriet aber in Geldverlegenheiten 
und nahm eine jährliche Unterstützung der Augsburger Fugger an, 
wofür er sich bis 1568 auf seinen Drucken als „Jll. viri Hulrichi Fuggeri 
typographus" bezeichnete. Er setzte den Thesaurus seines Vaters 
fort und Hess ihn 1572 in neuer Auflage erscheinen. Mit Ausnahme 
seines Sohnes, Robert IL, der ihm nachfolgte, reichen die übrigen 
Mitglieder des Geschlechts nicht an die Bedeutung von Robert und 
Henricus heran; der letzte, Robert III., starb 1674, achtzig Jahre 




Abb. 48. Eines der Drucker- 
zeichen von Johannes Fro- 
hen. Nach Paul Heitz ,, Bas- 
ler Büchermarken bis zum 
Anfang des XVII. Jahr- 
hunderts", J. H. Ed. Heitz 
(Heitz & Mündel), Strass- 
burg. 



Geschichtliche Grundlagen. 



57 




Abb. 49. Sebastian Gryphius. 



alt, erblindet, im Hötel-Dieu in Paris. Die Leistungen dieser ausgezeich- 
neten Familie hat der bekannte Bibliograph A. Renouard in seinen 
„Annales de l'imprimerie des Etiennes", Paris 1838, vortrefflich 
geschildert; auch Mittaire's „Historia 
Stephanorum", London 1709, ist be- 
merkenswert, und der griechischen Type der 
Etiennes hat Bernard ein besonderes Werk 
gewidmet: „Les Etiennes et lestypes 
grecs de Francois I." Paris 1856. 

Von den schönen Ausgaben der berühm- 
ten Druckereien aus den verschiedenen Jahr- 
hunderten sind die Erzeugnisse der Aldus 
und der Elzeviere beinahe die einzigen, von 
denen Sammler allenfalls noch Kollektionen 
bilden. Und doch verdienten auch die Eti- 

enne's, sowohl wegen des litterarischen Wertes, wie der Schönheit ihrer 
Drucke halber , eine solche Huldigung. Vielleicht bringt man ihnen 
später einmal den Zoll der Dankbarkeit dar , und steigen dann auch 
wieder die gegenwärtig sehr niedrigen Preise derselben zu den höheren 
Werten, die sie eigentlich niemals hätten einbüssen sollen. 

In England geniesst 
neben den bisher genann- 
ten berühmten alten Buch- 
druckerfamilien der erste 
Buchdrucker Englands das 
grösste Ansehen: William 
Caxton. Caxton (geboren 
142 1, gestorben 1491) er- 
hielt bei einem reichen 
Kaufmann in London eine 
gute Ausbildung in allen 
Zweigen des Handels. Im 
Jahre 1442 wurde er als 
dessen Agent nach den 
Niederlanden gesandt, lebte 
seit 1450 in Brügge und 
zeichnete sich durch seine 
Gewandtheit so aus , dass 
König Eduard IV. ihn 
beauftragte, einen Handels- 



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Abb. 27 
bis 29. 



LVGDVNI APVD SEB* 
G R Y P H I V M, 

Abb. 50. Druckerzeichen des Sebastian Gryphius. 



rg Zweites Kapitel. 

vertrag mit dem Herzog Philipp von Burgund abzuschliessen. 
Nach 1468 erscheint er im Gefolge Margareta's von York, der Schwester 
Eduard's und Gemahlin Karl's des Kühnen, und übersetzte auf deren 
Veranlassung seit 1469 die damals sehr beliebte Sagensammlung 




Abb. 51. Hans Lufft, Luthers Bibeldrucker, gestorben zu Wittenberg 1584, 89 Jahre alt. Nach dem 
Bildnis in der Roth-Scholtze'schen Sammlung von Buchdruckerporträts vom Jahre 1726. 

des Hofkaplans Raoul le Fevre „Recueil des histoires de 
Troyes" in das Englische, übernahm auch 147 1 den Druck des Werkes, 
nachdem er die Kunst wahrscheinlich bei Ulrich Zell in Köln (nach 
anderen bei Colard Mansion in Brügge) erlernt. Er hatte so viel 
Freude an der Buchdruckerkunst gefunden, dass er sich einen voll- 
ständigen Apparat verschaffte und damit nach England zurückkehrte, wo 
er in der Westminsterabtei in London die erste englische Druckerei 



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Titel des ersten Drucks der ersten vollständigen 
Bibelübersetzung Luthers aus dem Jahre 1534 (Hans Lufft in Wittenberg). 

Nach dem Exemplar der fürstlichen Bibliothek zu Wernigerode. 



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I. 



I. 




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mel vnb crben/X>nb bie erbe war wüft 
vnb leer/vnö es war finfter Auff ber tief* 
fe/vnbber ©eift©ottes fc^webet Auff 
öem wAffer. 

X)nb ©Ott fprAc£/£s werbe tiec&t/ 
X)nbe8WArbliec£t/vnb©ott fat?c das 
Ticc^t für gut an/£)a fc^eibet (Sott Das 
uec^t vom finfiernts/ vnb nennet oas 
liect>t/3tog/vnb bie pnfternis/rtac^t/ 
Ca warö aus Abenb vnb morgen öer 
erfletAg. 

X>nb (Bott fpracfc/JCs werbe eine fefle swiftcRen öen wafftm/vnb 
bit fey ein vnterfefpeib 3Wiffd?en ben wafftm/JOa m«c^t (Sott bit Je> 
fte/vnb fc^eibet bfts waffer f?unben/von bem waffer broben ftn ber je* 
tfen/X>nbe8gefc£ac(?affo/:0nb©ott nennet bie5eften/£)imel/2)A 
warb aus ftbcnb vnb morgen ber anber tag* 

Vnb (Sott fprad?/<£s famle ftcfc> bas waffer vnter btm fcimel/aii 
fbnbtredrter/basmanbastrocr/en fe£e/vnb es gefc^acl? alfo/Vnb 
©Ott nennet bas trocr:en/<£rbe/vnb bit famlüng ber waffer nenner er/ 
COttxt/Vnb ©ott fatyt es für gut an. 

Vnb ©ott fprack/<£slaffc bit erbe auff gerben gras vnb t raut/bas 
ftcR befame /vnb fruchtbare beume/bft ein jglic^er nac£ feiner art 
fruc^t trage/vnb Rabe feinen eigen famen bey im felbs/auff erben/ 
:OnbesgefcRacRatfo/X)nb bit erbe lies auffgeRen/gras vnb traut/ 
t>ft8 ftc^> befamet/etn jglicRs nacR feiner art/vnb beume bie bft frucRt 4 
trugen/vnb {ren eigen famen bey fiel? felbs Rattert/ein fglicRer nacR ft*L 
nerart/£mb©ottfaRee8furgut an/iÖft warb ans abenb vnb mör* 
gen ber Dritte tftg. 

X>nb©ott fprftcR/<£s werben ftiecRter Artberjefte besXDimels/ sttQentM» ta 
vnb fctyibzn tag vnb nAcRt/vnb gcben/$eicRen/monben/tAge vnb fonnen/vno mon^ 
f Are/ vnb feien lieefper ftn beruften bes Rimels/bAS fle fc&einen auiff er» JJ fl S«/»uC 
Den/t)nbe8gefcRftcRA[fo/X>nb©ottmftcRt$weygrofferiecRter/^in Da am bimei 
grosuecRt/bASbentAgregire/vnbefnfleinliecRt/bAs bit nftcRt rtgh monoen/ais w« 
ffe/bft5Uftut(?flternen/X)nb.©oftfet5t fiean bit$efitbts Rimels/bas SäSKfjfcSS 
fte fehlen en ftuff bie erbe/vnb ben tag vnb bie nacRt regirten/vnb fcf?ti>, 5» ™ 
DetenliecRt vnb ftnfterms/X)nb ©ottfaRecsfurgutan/2)a warbaus £«s*/ai*Meö>,* 
abenb vnb morgen ber vierbe tag. 2?"4ö £? ftm/ 

X)nb ©ott fpracR/£s errege ftcR bas waffer mit webenben vnb le* We ' <Bu««?b« B / 
benbigen tRiern/vnb mit geuogel bas auff erben vnter ber $eftt bts Ri vnx> antue nam* 
mel8fleuget/X)nb©ottfcRuff groffe walftfcRe vnb allerley tRier/bas *f ü & **& ö» 
ba lebt vnb webt/vnb vom waffer erregt warb/tin jgucRs nacR feiner c * 
ftrt/vnb Allerley geftberts geuogcl/ein jglic^s nftc|? feiner art/Vnb (Bot 
faljt es für gut an/vnb fegnet fte/vnb fprftc^/Öeib fruchtbar vnb me^ 
ret euef?/ vnb erfüllet bAß rvaffer im meer/ vnb bAs geuogel me^re fk$ 
auff erben/23ft WArb aus Abenb vnb morgen ber funffte tag. 

Vnb ©ottfprAC^/SDie erbe bringe erfur lebenbige ttpitr/tin \& 
fic^s nftcR feiner Art/viec^/gewilrm vnb t^ier Auff erben/ein jglkbs 

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Erste Seite des ersten Druckes der 
ersten vollständigen Bibelübersetzung Luthers aus dem Jahre 1534. 

Nach dem Exemplar der fürstlichen Bibliothek zu Wernigerode. 



Geschichtliche Grundlagen. 



59 




Abb. 52. Luther's Bibel, gedruckt von Hans Lufft, 1556. Titel zu Bd. IL 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin. 



5o Zweites Kapitel. 

errichtete. Das erste aus seiner Offizin 1474 hervorgegangene Buch 
führt den Titel „The game and playe of the chesse", es ist 
eine von Caxton selbst nach dem französischen Texte des bekannten 
ursprünglich lateinisch geschriebenen Werkes von Jacobus deCessolis 
bearbeitete Übersetzung. Caxton war dann bis zu seinem Tode 149 1 
als Übersetzer und Drucker noch unermüdlich thätig. Wie gross auch 
sein Verdienst um die Einführung und Verbreitung der Buchdruckerkunst 
in England ist, so halten seine Werke doch keinen Vergleich mit anderen 
Drucken seiner Zeit aus. 

Caxton's Nachfolger, Wynkin de Worde, der zweite Buchdrucker 
Englands, war ein geborener Holländer und hiess eigentlich Wynand 
van Woerden. Er druckte anfänglich, gleich seinem Vorgänger, Aus- 
gaben von Übersetzungen, ging dann aber zu allen mög- 
lichen anderen, für Jung und Alt aller Klassen bestimm- 
ten Werken über. Auch seine Werke sind, wie die 
von Caxton, selten geworden und werden heute mit 
hohen Preisen bezahlt. 

Um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts that 
sich in Antwerpen eine Druckerei auf, die nicht nur 
alle zeitgenössischen Druckereien in Holland und Bel- 
gien verdunkelte, sondern, der Grossartigkeit der Offi- 
zin wegen , allgemein als ein Weltwunder angesehen 
a w wurde , es war Christoph Plantin (geboren 1 5 1 4, 

gestorben 1589). Zu Montlouis unweit Tours in. Frank- 
Lufft-s Druckerzeichen, reich geboren , mit Sprachkenntnissen und anderen 
% Wissenschaften ausgerüstet, erlernte er wahrschein- 
Abb. 31. lieh in einer der berühmten Pariser Werkstätten die Typographie, 
machte alsdann, um sich darin zu vervollkommnen, viele Kunstreisen, 
liess sich in Antwerpen , der damals durch Gewerbfleiss und Handel 
blühendsten Stadt, 1549 als Buchbinder nieder, erregte durch seine 
künstlerisch schönen Lederarbeiten Aufsehen und eröffnete 1555 eine 
Buchdruckerei und Verlagshandlung, welche bald einen Umfang erreichte, 
dem eine ähnliche nicht an die Seite gestellt werden konnte. In allen 
damals in Europa bekannten Sprachen konnte bei ihm gedruckt werden, 
denn bei Plantin waren alle Lettern zu finden. 

Die Chronik berichtet, dass er mehr als zwanzig Pressen unterhielt 
und an seine Arbeiter einen täglichen Lohn von über hundert Dukaten 
auszuzahlen hatte. Er unterhielt mit Deutschland, England, Frankreich, 
Italien und Spanien einen regen Handelsverkehr und wusste seinen Aus- 
gaben überall Eingang zu verschaffen. 




Geschichtliche Grundlagen. 



61 



Plantin folgte der damaligen Zeitrichtung und verlegte meistens 
wissenschaftliche Werke, namentlich auf den Gebieten der Rechtswissen- 
schaft, Sprachkunde, Geschichte und Mathematik. Eines seiner schönsten 
Werke ist die im Auftrage der spanischen Regierung hergestellte Poly- 
glottenbibel in fünf Sprachen, von 1569 bis 1572 in acht Folio- 
bänden erschienen , über deren Druck der gelehrte spanische Theologe 
Montanus die Aufsicht führte und die ihm von Philipp II. den Titel 
eines königlichen „Architypo- 
graphen" verschaffte. Diese Bi- 
bel begründete den Ruhm und 
den Reichtum seines Hauses. 

Seine Drucke gehören jetzt 
noch zu den typographischen 
Meisterwerken , sie zeichnen 
sich ebenso durch äussere Ele- 
ganz der Typen und des Pa- 
pieres , wie durch Korrektheit 
aus; die Typen Plantin's halten 
den Vergleich mit denen seiner 
Zeitgenossen Aldus Manutius 
und Heinrich Stephanus voll- 
kommen aus. Seine Cursiv- 
schrift ist besonders elegant 
und nicht der Schreibschrift so 
ähnlich, wie die Aldiner. Die 
Antiqua ist etwas derb und 
breit, jedoch für das Auge ge- 
fällig , leicht lesbar und den 
Schriften des Stephanus voll- 
kommen ebenbürtig. 

Plantin Hess seine Drucke 
von Gelehrten ersten Ranges korrigieren , Männer wie der berühmte 
Cornelius van Kiel (auch Kilianus) , Pulman, Giselinus, Joh. 
Gubernator u. a. waren für ihn thätig. Er pflegte die durchgesehenen 
und verbesserten Bogen auch noch vor seiner Thür auszuhängen und 
jedem, der noch einen Fehler darin entdeckte, eine Belohnung zu zahlen. 
Aber mehr noch, als seine klassischen Ausgaben, verschafften ihm die mit 
Illustrationen versehenen Werke Ruhm, er übertraf darin alle Zeit- 
genossen. Die Zahl seiner Verlagswerke beträgt über 1500, wofür er un- 
gefähr 1000 Kupferstiche und 10 000 Holzschnitte hatte anfertigen lassen. 




ChRISTÜPHORUS EbstHOUVERUS, 
TYPOGRAPHUS TKflmiNUS 



Abb. 54. Christoph Froschauer. 



62 



Zweites Kapitel. 



Das erste, 1555 von Plantin angenommene Druckerzeichen war ein 
Baumstamm, um welchen sich ein Weinstock schlingt mit zwischen den 
Zweigen herabhängenden Trauben. Ein Weinbauer ist damit beschäftigt, 
die schlechten Zweige abzuschneiden, als Umschrift liest man : „Excerce 
imperium et ramos compesce fluentes." Von 1558 an wählte er ein ande- 
res Druckerzeichen, das ganz seiner Persönlichkeit entsprach : eine Hand 
Abb. 32 m j t einem ausgespannten Zirkel und der Devise : ,,labore et constantia." 

u- 33. 

Als Plantin sich 1582 in Ley- 
den häuslich niederliess, um nach 
langjähriger fleissiger Arbeit Ruhe 
zu finden, übergab er das Geschäft 
in Antwerpen seinem Schwieger- 
sohne, dem gelehrten Franz Ra- 
phelingius (auch Ravelingen). 
Bei seinem Tode im Jahre 1589 
hinterliess er drei verschiedene 
Geschäfte, in Antwerpen, Leyden 
und Paris , die von seinen drei 
Schwiegersöhnen Raphelingius, 
Jan van Moerentorf (bekannter 
unter dem Namen Moretus) und 
Gilles Beys noch eine Zeitlang 
fortgesetzt , aber nicht auf der 
früheren Höhe erhalten wurden. 
Die Firma Plantin-Moretus ist 
erst in unserer Zeit erloschen, im 
Jahre 1876, als die Familie das 
Geschäftshaus mit allen darin ent- 
haltenen Einrichtungen und Samm- 
lungen für 1 200000 Francs an die 
Stadt Antwerpen käuflich über- 
liess. Diese hütet jetzt das „Musee 
Plantin" als eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges. Keine andere Stadt 
der Welt hat ein so wohl erhaltenes, so reich ausgestattetes Patrizierhaus 
aus dem Mittelalter aufzuweisen , dessen hochinteressante Sammlungen 
in verschiedener Hinsicht, namentlich aber für die Entwickelungs- 
geschichte der Buchdruckerkunst, von der höchsten Bedeutung sind. 

Neben Plantin und den Elzevieren verdienen auch die Blaeu's*), 




Abb. 55. Ältestes Druckerzeichen des Christoph Frosch- 

auer, 1521. Nach Paul Heitz „Die Zürcher Büchermarken 

bis zum Anfang des XVII. Jahrhunderts", Fäsi & Beer, 

vorm. S. Höhr, Zürich. 



*) P. J. H. Baudet, Leven en werken van W. J. Blaeu. Utrecht 187 1. 8. 



Geschichtliche Grundlagen. 



63 



die von 161 8 bis 1672 in Amsterdam thätig waren, eine ehrenvolle Er- 
wähnung. Sie erwarben sich besondere Verdienste durch die Herausgabe 
prachtvoller Atlanten und Karten, die heute noch sehr gesucht sind und 
teuer bezahlt werden. 






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Abb. 56. Jüngeres Druckerzeichen des Christoph Froschauer von 1531. 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin. 

Der Begründer des Geschäfts, Willem Janszoon Blaeu, wurde Abb. 34 . 
1571 in Alkmaar, oder Uitgeest in der Nähe von Alkmaar, geboren; er 
muss schon sehr jung in Amsterdam Handel getrieben haben, denn 
P. C. Ho oft schreibt an Hugo Grotius am 29. Oktober 1616 einen 
Brief, worin er Blaeu als Drucker und Verleger empfiehlt. Auf einer Abb. 35 . 



6 4 



Zweites Kapitel. 



Reise war er in Dänemark mit dem gelehrten Tycho Brahe bekannt ge- 
worden und vertiefte sich mit diesem in das Studium der mathematischen 
Wissenschaften, namentlich der Himmelskunde, auch erwarb er tüchtige 
Kenntnisse in der Länder- und Völkerkunde, wie in der Geschichte. 

Von seinen Reisen 
zurückgekehrt , etab- 
lierte er sich in Am- 
sterdam als „globen- 
en kaartenmaker" und 
zwar so gut vorberei- 
tet , dass seine Aus- 
gaben von vornherein 
alle bisherigen an Tüch- 
tigkeit und Schönheit 
der Ausführung weit 
übertrafen. Der von 
ihm selbst entworfene 
und ausgeführte ,,Zee- 
spiegel" (1623) und 
sein ,, Licht der Zee- 
vaert" (1643) waren 
von hervorragender 
Bedeutung. Schon zu- 
vor (16 18) hatte er 
einen grossen Erfolg 
durch die Herausgabe 
des „Journael van 
de reys om de 
w e r e 1 d van J. L e 
Maire en G. Schou- 
ten" erzielt, ein Werk, 
das nicht nur in andere 
Sprachen übersetzt, sondern in Amsterdam selbst von Konkurrenten 
nachgedruckt wurde. Hugo Grotius nennt Blaeu ,,den naerstigsten 
(fleissigsten, betriebsamsten) boeckdrucker van sijnen tijd", die General- 
staaten ehrten ihn durch ein Geschenk von zweihundert Gulden und 
später durch den Titel ,, Kaartenmaker der Republiek". 

Blaeu beschränkte sich keineswegs auf sein Lieblingsfach allein, er 
war in verschiedenen Richtungen einer der grossesten Drucker- Verleger 
seiner Zeit. Neben der grossen Anzahl von Werken über Schiffahrts- 




Abb. 57. Ambroise Firmin -Didot (1790 — 1876). Nach M. Alkan d. Ältere 
„Les gravures de Portraits en France", Emile Martinet, Paris. 



Geschichtliche Grundlagen. 



65 



künde, Astronomie und Mathematik, Atlanten und Karten, die bei ihm 
und unter seiner persönlichen Mitarbeiterschaft erschienen , widmete er 
sich ebenso eifrig der Herausgabe der Werke von Hooft, Heinsius, 
Hugo Grotius, van Baerle und anderer Berühmtheiten. Auch von 
Vondel hat er Dichtungen gedruckt und verlegt, so dessen Prachtwerk 
in Folio mit Kupferstichen, die „Herscheppinge" nach Ovid. 

Sein Geschäft war berühmt im In- und Auslande und beschickte die 
fremden Messen mit glänzenden Erfolgen. Seine beiden tüchtigen Söhne 
Johann und Cornelius, die er 1633 als Teilnehmer aufnahm, halfen 
ihrem Vater den lange vorbereiteten kühnen Plan verwirklichen, die 
Herausgabe eines Weltatlasses, der unter dem Titel „Tooneel des 
Aertrycx" im Jahre 1648 zu erschei- 
nen begann und die Grundlage bildete 
des ,, Atlas major sive cosmo- 
g r a p h i a B 1 a v i a n a ", ein Werk von 
elf Grossfoliobänden, mit prächtigen 
Titeln, Ornamenten, Wappen und auf 
die verschiedenen Länder bezüglichen 
Abbildungen. Die erste vollständige 
Ausgabe des später so berühmt ge- 
wordenen , gegenwärtig noch gesuch- 
ten und in schönen Exemplaren sehr 
teuer bezahlten Atlas erschien 1662 in 
lateinischer Sprache; eine holländische 
Ausgabe in neun Bänden erschien 
1664 bis 1665, während später noch 

eine französische und eine spanische Ausgabe, letztere in zehn Bänden, 
von ihm herausgegeben wurde. Ungefähr gleichzeitig mit der holländischen 
Ausgabe erschien das „Theatrum civitatum Belgici" (Groot 
Stedenboek) in zwei Teilen Grossfolio, eine Sammlung von sorgfältig 
gezeichneten und dabei schön verzierten Plänen der Städte der siebzehn 
Provinzen. 

Willem Janszoon Blaeu, der die Grundlagen dieser prächtigen 
Unternehmungen geschaffen hatte, sollte die Vollendung derselben nicht 
erleben; er starb 1638, und auch sein Sohn Cornelius wurde bald 
darauf dem Geschäft plötzlich entrissen, so dass Johann der alleinige 
Besitzer des angesehenen Handelshauses wurde. Er breitete sein Arbeits- 
feld immer weiter aus , legte neben der Buchdruckerei eine Lettern- 
giesserei und Kartendruckerei in so grossem Maassstabe und mit so vor- 
trefflichen Leistungen an, dass König Adolf von Schweden ihn zu 




X 



Abb. 58. Giambattista Bodoni. 



Mühlbrecht, Biicherliebhaberei 



66 



Zweites Kapitel. 



seinem Hofbuchdrucker ernannte und ein französischer Reisender von 
der Druckerei sagte: ,,on la tient pour la plus belle de l'Europe." 

Als 1662 der Atlas vollständig wurde, war schon lange festgestellt, 
dass dieses Werk in der ganzen Welt ein begehrter Artikel war; das 
spornte Johann Blaeu an, um mit Hilfe von Gelehrten noch allerlei 
Nebenkarten und Abbildungen hinzuzufügen. So wuchsen einige Exem- 
plare zu einer grossen Zahl von Bänden an und vermehrte sich ihr Wert, 

je nachdem sie durch Umfang und 
farbige Handmalereien von Künst- 
lerhand „Unica" wurden. Es wird 
erzählt, dass die Erzherzogin von 
Toscana ein aus Amsterdam stam- 
mendes Exemplar mit 30000 Gul- 
den bezahlte.*) 

Im Jahre 1672 zerstörte ein 
heftiges Feuer die Gebäude, Ma- 
gazine und Druckereien, ein gros- 
ser Teil des Inhaltes ging rettungs- 
los verloren. Johann Blaeu 
starb ein Jahr darauf, sein Geschäft 
zwei Söhnen hinterlassend. Von 
diesen ging die Firma an Johan- 
nes van Keulen über und wurde 
dieselbe noch bis vor wenigen 
Jahren als Buchhandlung für See- 
fahrtskunde unter der Firma Wed. 
G. Hülst van Keulen in Am- 
sterdam fortgesetzt. 

Die holländischen Druckereien 
haben sich auch im siebzehnten und 
achtzehnten Jahrhundert immer auf einer achtungswerten Höhe gehalten, 
wenn auch der Ruhm der Elzeviere , Plantin's und Blaeu's nicht wieder 
erreicht wurde. Dem Geschlechte der Waesber ghe ' s z.B. hatLede- 
boer eine vortreffliche Monographie gewidmet.*) Die Van Waesberghe's 
(auch van Waesberge, van Waesbergen) waren lange Zeit hin- 




Abb. 59. 
Geheimer Oberhofbuchdrucker Rudolf von Decker 



*) A. C. Kruseman, Aanteekenigen betreffende den boekhandel in Nord - Nederland 
in de 17. en 18. eeuw. Amsterdam 1893. 8. 

*) A. M. Ledeboer , Het geslacht van Waesberghe. Een bijdrage tot de geschiedenis 
der boekdrukkunst en van den boekhandel in Nederland. 2. uitg. 's Gravenhage en Utrecht. 
1860. 8. 



Geschichtliche Grundlagen. 



67 



durch thätig. Der Erste, Jan, betrieb seine Druckerei von 1557 bis Abb - 36 
1589 in Antwerpen und siedelte dann nach Rotterdam über. Von diesem 
Stammsitz des Geschlechts ging im Laufe dreier Jahrhunderte die acht- 
bare Zahl von achtundzwanzig Nachkommen aus , von denen sechzehn 
in Rotterdam blieben , neun in Amsterdam , einer in Utrecht , einer in 
Breda und einer in Danzig sich niederliessen , alle als Buchdrucker in 
hervorragender Weise thätig. Der bedeutendste ist Joannes Janssonius 
van Waesberghe, der von 165 1 bis 1681 in Amsterdam als Drucker, 
Verleger, Buch- und Kunsthändler thätig war. Er hatte einen bedeutenden 




— Abb. 60. Textillustration des „Terentius". Herausgegeben von Trischei von Lyon, 1493. 
Stellt den mit Schreiben beschäftigten Verfasser dar. 

Verlag, Hunderte von Erzeugnissen der Pressen der Firma wetteiferten 
mit denen der Elzeviere und Blaeu's und verkündeten den Ruhm der 
holländischen Gelehrsamkeit, wie z. B. „Vossius' Etymologicum 
linguae latinae", Hugo Grotius' „de jure belli", G. Brandt 's 
„leven van de Ruiter", Vauban's „maniere de fortifier", 
van Hoogstraten's„Groot woordenboek" in zehn Foliobänden 
u. a., die von grossem Unternehmungsgeist zeugen. 

Eine ähnliche langandauernde Thätigkeit entwickelte auch das Ge- 
schlecht der Enschede's in Haarlem. Diese angesehene Druckerfamilie, 
mit ihrer reichen Vergangenheit von beinahe zwei Jahrhunderten, lebt 
und blüht heute noch in ihrer sechsten Generation kräftiger als je. Nach 

5* 



68 



Zweites Kapitel. 



Abb. 39. 




Abb. 61. Initial aus der Inkunabelnzeit. 



Abb. 



dem Erlöschen der Elzeviere giebt es 
in der Geschichte der holländischen 
Buchdruckerkunst kein anderes Ge- 
schlecht, das so viele talentvolle, tüch- 
tige Männer aufzuweisen hätte, als die 
Enschede's. Der Stammvater Isaak 
Enschede, 1 681 in Haarlem geboren, 
errichtete dort 1703 eine Druckerei und 
kaufte eine der ältesten Zeitungen, die 
überhaupt existieren, den seit 1656 er- 
scheinenden „Haarlemer Courant", 
der heute noch in derselben Druckerei 
gedruckt wird und immer noch eins der 
in Holland am meisten gelesensten poli- 
tischen Blätter ist. 

Die beiden Söhne des Genannten, 

I z a a k und Johannes, fügten im 

Jahre 1743 der Druckerei eine Letterngiesserei hinzu, deren Grundstock 

die von W e t s t e i n angekaufte war. Die Stempel dieser altberühmten 

Giesserei waren grösstenteils von dem 
^ Crpbflt P« fcHC ttQto bütonm bekannten Stempelschneider Fleisch- 
' — ™ -- « mann geschnitten , dazu kauften die 

Enschede's noch eine ganze Reihe an- 
derer Giessereien an, so 1780 die der 
B 1 a e u ' s , später auch der Elzeviere 
u. a. m. Auf diese Weise glückte es 
den Besitzern, fast alle Originalschrift- 
arten aus der Blütezeit der holländischen 
Buchdruckerkunst in ihrer Hand zu ver- 
einigen, und diese Sammlung ist durch 
die späteren Geschlechter immer dem 
tnatj* Scquoctffio matte fiÜoJJL Geschmacke der Zeit entsprechend ver- 
fo uget gtotti fl jSt fecutoüm fctula m ehrt. Fleischmann hatte 1758 für 

Johannes Enschede seine grosseste Ar- 
beit begonnen , den Schnitt von Stem- 
peln für den Musiknotendruck, etwa 
zweihundert Matrizen , um mit daraus 
gegossenen Typen alle möglichen Musi- 
Abb. 62. Impressum von Gerard van den kalien zu setzen. Obschon bereits im 

Schuerens „Teuthonista", gedruckt von Arnold , t i i i 

ther Home te Keulen, I4 77- Anfange des sechzehnten Jahrhunderts 



«itttttta*oggr^)rto_g loquentiffimo 
mgggjbnog jjgr&clti & f etiugeen 
€acMa\^ttufteffm ri burig CK 
ttgnfig ff btu^rjozaffitermM^. 
^ötim nnibug contttttf piopixjht 
ttu[SmnmmbMg tatoze mqetiti_g 
feripto ftc o^rta^otQ mg ^"^ 
3lrnolbu tbet hörne bUifletttiffimc 
tmpcgflb'fimtn fab anrngforn im« 
ffi*eccc *fort?t}* btc ultimo mettfi g 




Geschichtliche Grundlagen. 



6 9 



C Cot louegöösrii tot fje^Ienfa^ 
licöept a Ire kttütn mtnktim im 10 
bicr oolcpm öar mmaaöfgbc bem: 
oanbmlcu^rttDocrbenpallic omi 
fmiffe en glonofe opuam ouc Ijetg 
itjrfu jrp?ißi mcta&bictm uan ic<?ö* 
m w mo?aim *ff gftrttt^iihen Ircrin 
göen tu öeuorm »mOitacfeti cfi gbe 
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Dmücr um gt?ep)ent in Die $m mt 
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mn Cla^a lecu 3m ia*r 0110 tftemt 
$) <££<t<t lrirjroiö. öetif tioinhcböc 
fcaclMnnotuwtm. jDcograna0 



die Kunst, Musiknoten auf der Buchdruckerpresse zu drucken durch 
Octaviano dei Petrucci in Venedig erfunden war, dessen Ver- 
fahren 16 10 von Frangois 
Jaques Saleque in Paris 
sehr verbessert wurde , so be- 
diente man sich doch im all- 
gemeinen für Musikalien der 
Kupferplatten , da es bislang 
noch nicht erreicht war , alle 
vorkommenden Bezeichnungen 
durch bewegliche Typen wieder- 
zugeben. Dies gelang erst Breit- 
kopf in Leipzig im Jahre 1755, 
und die von ihm 1756 heraus- 
gegebenen „Berlinische Oden 
und Lieder" gaben der Haar- 
lemer Giesserei die Veranlassung 
zur selbständigen Herstellung 
des ersten vollständigen Satzes 
von Notentypen in Holland, mit 
dem 1761 die Ausgabe der 
„Haarlemse Zangen" ge- 
druckt wurde. Die Giesserei 
und Druckerei von Enschede in 
Haarlem hatten damals einen 
Weltruf und wurden von Frem- 
den als eine Sehenswürdigkeit 
der Stadt aufgesucht. In neuerer 
Zeit hat die Firma sich beson- 
ders die Anfertigung von Schrif- 
ten der östlichen Länder , der 
javanischen , arabischen, indi- 
schen u. s. w. Sprachen angelegen 
sein lassen, und ist dadurch zu 
neuem Ansehen gelangt. In der 
gleichen Richtung bewegt sich 
heute noch die Offizin von Brill 




Abb. 63. Ludolphus de Saxonia, Chartusiensis. Das 
Leben Christi. Antwerpen 1488. Schlussschrift und Signet 

des Claes Leeu. 

Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen 

Büchersammlnng in Berlin. 



aus 



in Leyden, welche 

dem altberühmten Druckergeschlecht der Luchtman ' s hervorgegangen 

ist, welche Firma 1683 m Leyden gegründet wurde. Die Enschede's haben 



JO 



Zweites Kapitel. 



es sich, solange das Geschäft existiert, angelegen sein lassen, den Beweis 
zu führen, dass C oster der Erfinder der Buchdruckerkunst vor Guten- 
berg gewesen sei. Das ist ihnen nun zwar, wie ich schon früher aus- 
führte, nicht gelungen, es hat dies Bemühen aber doch den Erfolg ge- 




Abb. 64. Vignette. Gestochen von Baccio Baldini für „El monte santo di Dio". 
Gedruckt in Florenz, 1477. 



habt, dass die Familie eine kostbare Büchersammlung, reich an Inkuna- 
beln, darunter ein bisher unbekannter Donatus und ein Horarium, 
nebst seltenen Stempeln und Matrizen aus dem fünfzehnten bis sieb- 
zehnten Jahrhundert, zusammengebracht hat, eine Sammlung, die leider 
1867 wegen Erbteilung zur Versteigerung kam. Eine bei Gelegenheit 



Geschichtliche Grundlagen. y \ 

der Feier des hundertundfünfzigjährigen Bestehens der Giesserei im Jahre 
1893 veröffentlichte Festschrift*) ist leider von den Geschäftsinhabern 
nicht in den Handel gebracht , sie bietet eine Fülle interessanter Mit- 
teilungen und bildlicher Darstellungen. 




Abb. 65. Illustration aus „Dante" von Bonino von Bononi. Brescia, 1487. 

Neben diesen führenden Geschlechtern im Reiche der Typographie, 
die wir im vorhergehenden kennen lernten, giebt es noch verschiedene, 
die ebenfalls Ausgezeichnetes in ihrem Beruf leisteten, wenn auch ihre 

*) De Lettergieterij van Joh. Enschede" & Zonen. Gedenkschrift ter gelegenheid 
van haar i5ojarig bestaan op 9 Maart 1893. Haarlem 1893. 4. 



J2 Zweites Kapitel. 

Verdienste nicht so bahnbrechend gewirkt haben, wie bei den bisher 
genannten. So war einer der hervorragendsten Männer unter den ersten 
deutschen Druckern Anton Koberger (auch Koburger, Co- 
b erger), geboren 1440, gestorben 15 13, der von 1470 bis 15 13 in 
Nürnberg eine Buchdruckerei betrieb und Ausgezeichnetes leistete. Ein 
Freund der Wissenschaft und Kunst, angesehen, reich und gelehrt, wusste 
er seinem Geschäfte eine solche Ausdehnung zu geben, dass ihn schon 
seine Zeitgenossen den ,, König der Buchdrucker" nannten. In seiner 
Offizin waren täglich vierundzwanzig Pressen im Gange und über hundert 
Gesellen als Setzer, Korrektoren, Drucker, Buchbinder, Posselierer und 
Illuministen beschäftigt. Zugleich Buchhändler, unterhielt er in Nürnberg, 
Frankfurt a.^M., Venedig, Hamburg, Ulm, Augsburg, Basel, Erfurt und 




Abb. 66. Buchdrucktitel vom „Theuerdank". 

Wien und an anderen Orten offene Geschäfte mit besonderen Faktoren, 
und Hess daneben noch in auswärtigen Druckereien z. B. in Basel bei 
Johann Amerbach und in Lyon bei Jakob Sacon für seinen Verlag 
drucken. Er selbst verwendete als Drucker beinahe ausschliesslich die 
gotische Type und legte einen ganz besonderen Wert auf Illustrations- 
werke , für die er die tüchtigsten Holzschneider anstellte. Korrektheit 
und Eleganz zeichnen alle seine Werke aus, deren man über zweihundert 
zählt. Unter seinen Korrektoren waren Männer wie Friedrich Pisto- 
r i u s und Johann Beckenhaub, und von seinen Holzschneidern seien 
Mich. Wohlgemuth, Albrecht Dürer's Lehrmeister, undPleyden- 
wurf genannt, die unter anderem eine 1483 in deutscher Sprache er- 
Abb. 41. schienene Bibel in Grossfolio illustrierten, die Lichtenberger die schönste 
Abb. 42. aller alten deutschen Bibeln nennt, ebenso Schedel's ,,We lt ch r o nik" 
vom Jahre 1493, bekannt als die „Nürnberger Chronik" mit mehr 
als zweitausend Abbildungen ; dann Fridolin's „Schatzbehalter 
oder Schrein der wahren Reichtümer des Heils und ewiger 



Geschichtliche Grundlagen. 



73 



Seligkeit" vom Jahre 149 1 mit 96 Holzschnitten nach Zeichnungen Abb - 4 3 

bis 46. 

von Michel Wohlgemuth; das Buch enthält deren etwa hundert, 




Abb. 67. Theuerdank (Maximilian) in einem Jagdabenteuer. 



jedes eine ganze Folioseite gross. Anton Koberger starb 15 13, einer 
seiner Söhne setzte das Geschäft fort, die Firma erlosch aber schon im 
Jahre 1532. Wer sich für das Leben und Wirken dieses bedeutenden 
Mannes, der im fünfzehnten Jahrhundert das grösste Verlagsgeschäft von 



ja Zweites Kapitel. 

barbarum ■ ae ferum legibus adcuftiofeuita^ufum, 
Craduftü m forma pro umax redegifc 

•HNIS. 

HiTfcorias.ueteres peregrinaq? gefta reuoluo 
luftinusJege me:fum trogus ipfe breuis* 

Me gallus ueneta Iei^fon Nicolaus in urbc 
Formauit:Mauro principe Chriftophoro« 

IVSTINIHISTORICICLARISSIMIIN 
TROGI POMPEII HIStORIAS ÜBER 
XUIII. FELICITER EXPUCIT, 

.M.CCCeLXX, 

Abb. 68. Lateinische Buchstaben von 1470, die bis heutigen Tages in Gebrauch sind. 

europäischem Rufe allein und mit kräftiger Hand führte , näher inter- 
essiert, den verweise ich auf die ausgezeichnete Monographie von 
Dr. Oscar von Hase über die Koberger*), die eine vortreffliche 
Darstellung des deutschen Buchhandels in der Zeit des Überganges von 
der scholastischen Wissenschaft zur Reformation enthält. 

Neben Koberger sei auch seines ebenso tüchtigen Zeitgenossen Jo- 
Abb. 47. hannes Fr oben (geboren 1460, gestorben 1527) gedacht. Zu Hammel- 
burg in Franken geboren und auf der hohen Schule in Basel ausgebildet 
war er zuerst als Korrektor in den Offizinen von Johann Amerbach 
und Hans Petri von Langendorff thätig, und gründete dann 149 1 
in Basel seine eigene Druckerei. Sein erster Druck war nach damaliger 
Sitte eine lateinische Bibel, darauf folgte das von seinem Freunde 
Er asm us von Rotterdam besorgte griechisch -lateinische Testament in 
Folio, Quart und Duodez, sein Augustin und mehrere andere Kirchen- 
väter und Klassiker. Seine Hauptthätigkeit begann zu der Zeit (15 14), 
als Erasmus nach Basel zog und seine Wohnung im Froben'schen Hause 
nahm, wo er, mit wenigen Unterbrechungen, bis zu seinem Tode blieb. 



*) Oscar von Hase, Die Koberger. 2. neubearb. Aufl. Leipzig 1885. 8. 



Geschichtliche Grundlagen. 



75 



Froben druckte erst mit vier, dann mit sieben Pressen über dreihundert, 
meist bedeutende Werke , darunter die erste griechische Ausgabe des 
Neuen Testaments. 

Froben war einer der ersten in Deutschland und der Schweiz, der 
Geschmack und Genauigkeit der technischen Ausführung mit einer glück- 
lichen Auswahl guter Schriftsteller zu verbinden wusste , bei seinen 
Drucken wendete er mit Vorliebe die von Aldus Manutius erfundene 
Form der lateinischen Schrift, sowohl die gerade (antiqua), wie die ge- 
neigte (cursiv) an. Seine Druck- 
werke erregten bei Erscheinen die 
Bewunderung der Bücherkäufer 
wegen des von ihm verwandten 
schönen Papieres und des korrekten 
Druckes. Froben war aber nicht 
nur ein tüchtiger Drucker und Ver- 
leger, er war zugleich ein tüchtiger 
Gelehrter. Sein Haus war der 
Sammelplatz aller gebildeten Män- 
ner von Basel und mit vielen aus- 
wärtigen Gelehrten stand er in 
regem freundschaftlichen Verkehr. 
Sein Freund Erasmus Hess bei ihm 
seine gesammelten Werke in neun 
Foliobänden erscheinen , und kein 
Geringerer als Hans Holbein 
zeichnete und schnitt die Titel- 
einfassungen und Randverzierungen 
vieler seiner Bücher. Übrigens er- 
weckte sein Verhältnis zu Erasmus 

grossen Neid bei seinen Kollegen. Aber nicht nur mit dem Ausflusse 
dieses Neides, auch mit vielen anderen geschäftlichen Sorgen, insbesondere 
mit dem Nachdrucke seiner Bücher hatte Froben schwer zu kämpfen. 
Er verlor sein Leben infolge eines Falles von der Leiter ; sein Sohn 
Hieronymus Froben (geboren 1501, gestorben 1563) hielt das in- 
time Verhältnis zu Erasmus aufrecht, der, wie vorerwähnt, in Froben's 
Hause ,,zur Luft" im Jahre 1536 siebzig Jahre alt starb. Hieronymus 
druckte später noch im Verein mit seinem Schwager Nikolaus 
Episcopius (Bischoff) und seinen Söhnen Ambrosius und Aure- 
liuS Froben eine Reihe von bedeutenden Werken. Interessante Mit- 
teilungen über die geschäftlichen Verbindungen der Firma enthält das 




Abb. 69. Papiermacher. XVI. Jahrhundert. 
Nach Jost Amman. 



76 



Zweites Kapitel. 




Abb. 70. Ältere Wasserzeichen des Papiers. 



in Basel 1 88 1 erschienene „Rechnungsbuch des Froben und 
Episcopius 1537 bis. 1564". Das Druckerzeichen war eine Taube 
Abb. 4 3. auf einem mit zwei gekrönten Schlangen umwundenen Stabe. 



Geschichtliche Grundlagen. 



77 



?ßubli) Oit?güij matröto opera. 




Abb. 71. Titel zu Virgilius, Opera. Strassburg, 1582: „Virgil unter seinen Zeitgenossen." 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin. 



y 8 Zweites Kapitel. 

Hier sei ferner ein anderer Deutscher genannt, der gleich Froben 
die Gutenberg'sche Kunst im Auslande zur Geltung brachte: Sebastian 

Abb. 49- Gryphius (geboren 1493, gestorben 1556). Aus Reutlingen gebürtig, 
kam er jung nach Lyon, war dort von 1524 bis 1556 als Drucker thätig, 
und gab über dreihundert Werke heraus, herrliche Drucke, wozu er mit 
Vorliebe die Aldiner Cursivschrift verwendete. Er druckte hebräisch, 
griechisch und lateinisch , wenig aber französisch. Seine berühmtesten 
Werke sind der „Thesaurus linguae sanctae" von S. Pagn inus 
(1529) in hebräischer Sprache, und eine lateinische Bibel in Folio von 
1550, diese hat den stärksten Typenschnitt, der bis dahin bekannt war, 

Abb. 50. eine scharfe , grosse und gut gerundete Antiqua ; sie bildet einen der 
schönsten Prachtdrucke , die bis zu jener Zeit von der heiligen Schrift 
erschienen sind. Sein Sohn Anton Gryphius setzte das Geschäft 
fort und wusste den Ruhm seines Vaters aufrecht zu erhalten. 

Man kann nicht von den hervorragenden deutschen Typographen 
des sechzehnten Jahrhunderts reden ohne dabei auch des ,, Bibeldruckers" 

Abb. 51. Hans Lufft (geboren 1495, gestorben 1584) zu gedenken. Als ein 
wandernder Buchdruckergeselle nach Wittenberg gekommen , wurde er 
von dem Prior des dortigen Augustinerklosters, Eberhard Brissger, 
bald hierher bald dorthin geschickt, um kleinere Drucke auszuführen, 

Abb. 52. bis er 1523 seine eigene Offizin in Wittenberg errichtete. Es ging ihm 
anfangs kümmerlich und seine Druckerei nahm erst im Jahre 1534 einen 
lebhaften Aufschwung, als Martin Luther ihm den Druck seiner deut- 
schen Bibelübersetzung anvertraute, welches Werk er dann 1 541 , 1545 
Beilage ii und 1546 in schnell aufeinander folgenden neuen Auflagen drucken musste. 

■ 58/59)- j) a der grosse Reformator auch seine Haus- und Kirchenpostille und 
fast alle seine übrigen Werke bei ihm drucken Hess, so hob sich sein 
Geschäft zu ungewöhnlicher Höhe und erwarb ihm ein bedeutendes Ver- 
mögen. Mit dem Bibeldrucke allein waren viele Jahre lang täglich drei 
bis vier Pressen ausschliesslich beschäftigt, und man hat berechnet, dass 
in einem Zeitraum von fünfzig Jahren gegen iooooo Bibeln aus seiner 
Offizin hervorgegangen seien. Man nannte ihn deshalb den ,, Bibel- 
drucker". Seine Drucke sind nicht reich ausgestattet, aber der Satz ist 
sorgfältig, korrekt und sauber gedruckt. Sein Druckerzeichen war ein 
von zwei Händen gehaltenes, und von zwei, in die eine Hand beissen- 

Abb. 53 den Schlangen umringeltes Schwert mit einem Herzen an der Spitze. 

Wie bei Lufft , so bildete in ähnlicher Weise bei einem anderen 
Drucker die Bibel den Mittelpunkt der geschäftlichen Thätigkeit, und zwar 

Abb. 54. bei Christoph Froschauer (geboren ?, gestorben 1564), der eine 
ähnliche Stellung zu den Schweizer Reformatoren einnahm, wie Lufft zu 



Geschichtliche Grundlagen. 



79 




Abb. 72. Titel vom Jahre 151 1. Plautus. Comoediae. Venedig. 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin. 



80 Zweites Kapitel. 

Luther. Er stammte aus Neuburg bei Öttingen in Bayern. Über seine 
Jugendzeit ist nichts bekannt, sein Name kommt zuerst 15 19 vor, in 
welchem Jahre er das Bürgerrecht in Zürich erhielt und auch wohl seine 
Druckerei errichtet hat. Er entwickelte von da ab eine bedeutende 
Wirksamkeit, sein Name findet sich stets in Verbindung mit Zwingli's 
Schriften , die er , der Reformation selbst eifrig zugethan , beinahe alle 
druckte. Auch ging aus seinen Pressen 1524 bis 1529 die erste in der 
Schweiz gedruckte Ausgabe der Bibel in Schweizerdeutsch hervor, wie 
er denn die Bibel, ähnlich wie Hans Lufft, in einundzwanzig verschiedenen 
Ausgaben in allen Formaten, sechzehn in deutscher und fünf in lateinischer 
Sprache verlegte ; er stattete sie aber besser aus als Lufft und Hess be- 
sonders die Illustrationen von den besten Künstlern herstellen. Sein Ruf 
als Bibeldrucker war so gross, dass er von England aus den Auftrag 
erhielt, die erste Bibel in englischer Sprache zu drucken; sie wurde von 
Moses Coverdale besorgt und erschien in Folio 1535, nur die Zu- 
eignung und das Vorwort sind in London gedruckt, sie ist mit Holz- 
schnitten von Hans Sebald Beham geziert. 

Ausserdem druckte er eine Menge vortrefflicher Werke der damals 
lebenden Reformatoren und anderer Gelehrter, wie Zwingli, Bul- 
linger, Bibliander, Pellikan, Peter Martyr, Leo Jud, 
Conrad Gesner, Hans Stumpf, Rudolf Gwalter u. a. m. Sein 
Druckerzeichen hat er mehrfach geändert, immer aber behielt er den 
Frosch darin bei, in der ältesten Ausführung wird dieser von einem be- 
helmten Knaben geritten, der in der Linken den Zaum, in der Rechten 
Abb - 55 eine Fahne mit der Inschrift Cr. Fr. hält. Die Frankfurter Messe besuchte 
Froschauer eine lange Reihe von Jahren zweimal jährlich und machte 
dort mit seinem Verlage vorteilhafte Geschäfte; auch stand er mit den 
Gelehrten des In- und Auslandes auf freundschaftlichem Fusse und zeigte 
sich ihnen gefällig, wo er konnte, beispielsweise räumte er ein ihm ge- 
hörendes Haus flüchtigen englischen Gelehrten , die sich mehrere Jahre 
hindurch in Zürich aufhielten, vollständig ein. 

An seinem Bruder Eustach und dessen Söhnen Eu stach und 
Christoph hatte er noch bei Lebzeiten treue Gehilfen und nach seinem 
Tode, 1564, an letzterem einen thätigen Nachfolger. Die Offizin kaufte 
nach dem Ableben von Christoph im Jahre 1585 Johann Wolf, und 
diese nämliche ist es, die nach vielen Schicksalen zu Anfang des vorigen 
Jahrhunderts an Conrad Orell, den Begründer der heute noch be- 
stehenden Firma Orell, Füssli & Co. in Zürich überging. Die 
Offizin besitzt heute noch grosse Anfangsbuchstaben von Froschauer's 
Zeit her. 



u. 56. 



Geschichtliche Grundlagen. 



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©agenc vo bcit lanben/ itcjypco/ @yrta vo bayben3lrabt<t 

petfta *Jf *&<* 3ön i£cbtopta t>5 bat cjeffalte/ (yrc \w bero 

menfeben leben twb erlauben/ 2U*eb von mamejerlay 

tbyctettttoglenvttb vilanbem in benfelben lanben 

feltjamen wtberjJarlteben jacbm/ Ibaaalleaci: 

felba etfaren t>n i« ayfflter perfon gefeben bat» 




Abb. 73. Titel vom Jahre 1515. Barthoma's (Vartoman's) Reisen. Augsburg, Hans Millei 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin. 
Mühlbrecht, Bücherliebhaberei. (L 



82 



Zweites Kapitel. 



Wenden wir uns den Fortschritten der Typographie im achtzehnten 
Jahrhundert in anderen Ländern zu, so tritt uns um die Mitte des Jahr- 
hunderts in Frankreich eine Familie von Typographen entgegen, welche 
sich den Aldus, Giunta's, Plantin's, Elzevieren und Stephanus' nicht nur 

im Buchdruck würdig an- 
schliesst, sondern die auf die 
Schriftschneide- und Schrift- 
giesserkunst bis zu einer vor- 
her nicht erreichten Höhe ent- 
wickelt hat. Es ist die Familie 
Didot, die noch jetzt in der 
schönsten Blüte der Kraft 
wirkt, rastlos schafft und die 
Kunst ihrer grösstmöglichen 

Vollendung entgegenführt. 
Das ganze Sein dieser Familie 
durch alle Generationen ist 
von einem so edlen Geiste 
durchdrungen, alles, was sie 
geschaffen, trägt so sehr den 
Stempel der Gediegenheit, dass 
der Name Didot noch lange 
Zeit als ein Stern erster Grösse 
glänzen wird. 

Der Stammvater des Ge- 
schlechts ist Francois A m - 
broise Didot (geboren 1730, 
gestorben 1804), Sohn des 
wenig bekannten Buchdruckers 
Francois Didot, der seine 
Buchdruckerei 17 13 in Paris 
errichtet hatte. In der Offizin 
seines Vaters gebildet , über- 
flügelte er diesen bald; aus seiner Hand gingen die schönsten Typen 
hervor, die man bis dahin nicht nur in Frankreich, sondern in ganz 
Europa gesehen hatte. Seine aufrechtstehende lateinische Schrift (antiqua) 
zeigt ein solches Ebenmaass , solche Zartheit und Schärfe , dass sie den 
Charakter des Kupferstichs nachahmt , während die früheren Lettern 
mehr dem Holzschnitt gleichen. 

Epochemachend war auch seine im Jahre 1777 gemachte Erfindung 




Abb. 74. 



Verzierter Titel. Gedruckt von Geoffroy Tory. 
Paris, 1531. 



Geschichtliche Grundlagen. 



83 




Abb. 75. Titel „Der Alten Weisen Exempel" vom Jahre 1548 mit Holzschnitt: „David mit Bathseba". 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin. 

der Buchdruckerpresse mit einem Zuge, statt der bisher gebräuchlichen 
zwei Züge. Die Didot-Drucke zeichneten sich stets durch hervor- 
ragende Schönheit, Korrektheit des Textes und Gleichheit in der Recht- 



8 4 



Zweites Kapitel. 




Abb. 76. Titel: Vico „Le imagini degli imperatori" vom Jahre 1548. 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin. 



Schreibung aus. Bemerkenswert sind von den Unternehmungen die 
„Collection d'Artois", 64 Bände in 1 8° -Format, die prachtvollen 
„Editions du Louvre", Folioformat, der Virgil (1798), Horaz 



Geschichtliche Grundlagen. 



85 



(1799), Racine, 3 Bände (1801 — 1805) unci Lafontaine's Fabeln. 
Fr. Ambr. Didot starb am I. Juli 1804. Sein Bruder Pierre Frangois 
Didot hatte weniger Verdienste, aber dessen Sohn, Pierre Didot, 




Abb. 77. Blattseite aus „Metamorphoses von Ovid" mit Umrahmung und Vignette in Kupferstich. 

Von Petit Bernardi, 1564. 



steigerte inmitten aller Wirren der Revolution die technische Vollendung 
der Druckwerke bis zu einem Punkte , der in den Annalen der Typo- 
graphie noch unerreicht dastand. Der vorerwähnte Virgil von 1798, 
der Horaz von 1799 und der dreibändige Racine wurden von einer 



86 Zweites Kapitel. 

in Paris niedergesetzten Kunstjury für das schönste Erzeugnis typo- 
graphischer Kunst aller Länder und Zeiten erklärt. 

In der Schriftgiesserei verdankt man ihm achtzehn verschiedene 

Abb. 57 . Typengattungen. Sein Bruder Firmin Didot erfand 1795 das Stereo- 
typieren, das er zuerst bei dem Druck von Ca 11 et* s Logarithmen- 
tafeln anwendete; noch zwei andere Didot's, Henri und Jules , haben 
sich in gleicher Weise um die Entwickelung ihrer Offizin verdient gemacht. 
In neuerer Zeit sind umfangreiche Meisterwerke aus den Didot'schen 
Pressen hervorgegangen, z. B. die „Bibliotheque grecque", 70 Bände, 
die „Encyclopedie moderne", 44 Bände, das ,,Dictionnaire 
de la conversation et de la lecture", 21 Bände, die ,,Nouvelle 
biographie generale", 46 Bände, ,,1'Univers p itt o r esqu e ", 
66 Bände, u. a. m. Ein staunenswertes Unternehmen in seiner Art ist 
auch das Dido t-B ottin ' sehe Werk „Annuaire-Almanach du 
Commerce", von welchem einige neunzig Jahrgänge vorliegen; es 
umfasst die Adressen der bedeutenderen Handelsfirmen aller Kultur- 
länder. Das Unternehmen ist jetzt in den Händen einer Gesellschaft, 
die es mit einem Betriebskapital von y 1 ^ Millionen Francs fortführt. 
Die Firma Didot wurde im Jahre 1896 in eine Kommanditgesellschaft 
auf Aktien mit einem Betriebskapital von 4 Millionen Francs umgewan- 
delt , an deren Spitze Alfred Firmin Didot und Jos. M. Firmin 
Didot stehen. Die Druckerei hat sich in letzter Zeit in hervorragender 
Weise den modernen Illustrationsmethoden zugewandt. So ist das Haus 
Didot gegenwärtig eines der bedeutendsten Druck- und Verlagsgeschäfte 
nicht nur von Frankreich, sondern aller Länder der Welt. 

Wie die Didot's in Frankreich, so erhob im achtzehnten Jahrhundert 

Abb. 58. in Italien Giambattista Bodoni (geboren 1740, gestorben 18 13) die 
Buchdruckerkunst zu ungeahnter Höhe. Er gehört noch zu den Künstlern 
der alten Schule, die durch Geist, Kenntnis und Geschmack in einfacher, 
aber dabei doch grossartiger Eleganz die Schrift zu verbessern sich an- 
gelegen sein Hessen. Die Verbesserungen der Neuzeit in der Typographie 
sind alle mehr oder weniger darauf gerichtet gewesen, das Druckverfahren 
zu erleichtern, die Schnelligkeit der Vervielfältigung, die Leistungsfähig- 
keit der Pressen zu steigern, die Fortschritte der Technik, aber weniger 
die Entwickelung der Schriftkunst zu fördern. Darin sind die alten Meister 
der Typographie von den jüngeren der Neuzeit nicht überholt. Einer 
dieser Meister ersten Ranges war Bodoni. Als Sohn eines armen 
Buchdruckers in Saluzzo in Piemont geboren und schon als Knabe im 
Holzschneiden geübt, fand er als Setzer in der Druckerei der Propaganda 
in Rom Beschäftigung und Gelegenheit, sich in fremden Sprachen, nament- 



Geschichtliche Grundlagen. 



87 




Abb. 78. Titel: „Griso, Künstlicher Bericht" etc. vom Jahre 1580. Augsburg. 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin. 



88 Zweites Kapitel. 

lieh den orientalischen, auszubilden. In Parma hatte Herzog Ferdinand 
im Jahre 1766 neben anderen wissenschaftlichen Anstalten auch eine 
Druckerei errichtet und ihm die Leitung derselben angeboten. Hier 
fand sein Talent einen freien Wirkungskreis, und bald erhob er das ihm 
anvertraute Institut zu einem der ersten dieser Art in Europa und erwarb 
sich den Ruhm, alles, was seine Kunst früher an prachtvollen Werken 
geliefert, übertroffen zu haben. In der einfachen Regelmässigkeit suchte 
und fand er das Prinzip des wahren Schönen sowohl im Schnitt der 
Typen, als in der Anordnung des Satzes. In der Schwärze der Farbe, 
der Güte des Papieres und der Gleichheit des Druckes ist er weder von 
seinen Zeitgenossen, noch von späteren Typographen übertroffen worden. 

Die grösste Fertigkeit besass er im Schriftschneiden. Er lieferte 
allein hundertdreiundvierzig Alphabete Antiqua mit ihren Cursiv und ihren 
Kapitälchen , welche Alphabete so vom kleinsten bis zum grössten auf- 
einander folgen, dass die Steigerung kaum sichtbar ist. Die hervor- 
ragendsten seiner Drucke sind die II i ade in 3 Bänden (1808) und ein 
Virgil in 2 Bänden (1793), die Krone seiner Werke aber dürfte das 
,, Vater Unser" in hundertfünfundfünfzig verschiedenen Sprachen und 
Typenformen sein, das im Jahre 1806 unter dem Titel „Oratio 
dominica in CLV linguas versa et exoticis characteribus 
plerumque expressa" in Folio erschien. Leider nur haben seine 
Druckwerke den grossen Fehler, dass sie meist textlich inkorrekt sind. 
Er starb zu Padua hochgeehrt im Jahre 18 13. 

Von den englischen Druckern des achtzehnten Jahrhunderts ist noch 
John Baskerville (geboren 1706, gestorben 1775) zu nennen, der, 
ursprünglich Schreiblehrer, im Jahre 1750 in Birmingham eine Druckerei 
errichtete und in seinen Bestrebungen seitens der Universität Cambridge 
kräftigste Unterstützung fand. Er schnitt für seinen eigenen Gebrauch 
eine vortreffliche Type, die nach ihm nur von Bodoni und Didot 
übertroffen wurde , namentlich in der lateinischen Cursivschrift war er 
ein Meister eleganter Einfachheit. Von seinen Werken schätzt man be- 
sonders einen Virgil in Quartformat (1756), ein Neues Testament 
vom Jahre 1763, nebst Ausgaben lateinischer, englischer (Milton) und 
italienischer Klassiker. Baskerville war ein englischer Sonderling, er war 
z. B. ein Feind des äusseren Gottesdienstes , den er in jeder Form für 
Aberglauben erklärte ; auch hatte er die Eigentümlichkeit, sich sein ganzes 
Druckgerät, bis auf Papier und Schwärze, selbst anzufertigen. Mit seinen 
Lettern druckte Beaumarchais in Kehl, der sie aus Baskerville's 
Nachlasse im Jahre 1779 für 3700 £ käuflich erworben hatte, die Pracht- 
ausgabe von Voltaire in 70 Bänden. 



Geschichtliche Grundlagen. 



8 9 



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Abb. 79. Titel in Holzschnittumrahmung vom Jahre 1581. Reusner, Emblemata. Frankfurt. 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin. 



QO Zweites Kapitel. 

Unter den Druckern Spaniens im achtzehnten Jahrhundert sehen wir 
Joaquin Ibarra (geboren 1725, gestorben 1785) hervorragen, der in 
seiner Druckerei in Madrid als der Reformator der Typographie in 
Spanien thätig war und die Kunst in seinem Vaterlande auf eine bis 
dahin nicht erreichte Höhe brachte. Aus seinen Pressen gingen u. a. 
hervor die Prachtausgabe einer lateinischen Bibel (1780), Mariana's 
„Historia di Espana" in 2 Bänden (1780), Cervantes' „Don 
Quichote" in 4 Bänden (1780) und eine spanische Übersetzung des 
Sallust (1772), welche den Infanten Don Gabriel zum Verfasser 
hatte , sämtlich in Folio , welche Werke noch jetzt den Meisterwerken 
von Baskerville, Bodoni, Didot u. a. rühmlich zur Seite stehen. 

Ich möchte die Aufzählung von Koryphäen der Typographie mit 
einem hervorragenden deutschen Druckergeschlecht der Neuzeit be- 
schliessen, mit Decker. Die Familie stammt ursprünglich aus Eisfeld 
in Thüringen. Die erste Presse dieser hervorragenden Buchdrucker- und 
Buchhändlerfamilie war 1635 von Georg Decker in Basel errichtet. 
Ein Nachkomme desselben, Georg Jakob Decker (geboren 1732, 
gestorben 1799), ging nach Berlin und übernahm dort im Jahre 1755 
die Gry naeus'sche Universitätsbuchdruckerei mit derartig gutem Er- 
folge, dass er 1782 zum Geheimen Oberhof buchdrucker ernannt und ihm 
im königlichen Schlosse eine besondere Buchdruckerei eingerichtet wurde. 
Hier druckte er 1787 bis 1789 die Werke Friedrich des Grossen 
in 25 Bänden. Von seinen Enkeln, die das Geschäft bedeutend erweitert 
hatten, wurde 1846 bis 1857 davon eine neue Prachtausgabe veranstaltet: 
„Oeuvres de Frederic le Grand" in 30 Bänden, grösstes Quart- 
format, mit vielen künstlerischen Beilagen, auf Befehl Fr iedrich Wil- 
helms IV. in nur 200 Exemplaren gedruckt. 

Eine Seltenheit ersten Ranges ist das bei Gelegenheit der ersten 
Industrieausstellung in London im Jahre 185 I in der Decker'schen Offizin 
in nur 80 Exemplaren gedruckte „Neue Testament", deutsch von 
M. Luther nach der Ausgabe von 1545, mit Holzschnitten nach Peter 
Co melius und Kaulbach in Olifant-Folioformat (Ladenpreis bei Er- 
scheinen 875 Mark pro Exemplar), und Graf Stillfried' s Prachtwerk 
über die Krönung König Wilhelms I. in Königsberg 1861 (1868 erschienen, 
Ladenpreis damals 750 Mark pro Exemplar). Das sind monumentale 
Werke , denen so leicht keine andere Druckerei der Neuzeit ähnliche 
wird an die Seite stellen können. Der letzte Inhaber der Firma, Rudolf 
Abb. 59. Ludwig von Decker, geboren 1804, starb 1877. Am 1. Juli des- 
selben Jahres wurden die Decker'schen Grundstücke in der Wilhelmstrasse 
und die „Geheime Oberhofbuchdruckerei" an das Deutsche Reich für 



Geschichtliche Grundlagen. 




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-t?<a-fc>ü <•> -. &<r-yf»^F?i 



HISTORICA NARRATIO 

PROFECTIONIS 
ET INAVGVRATIONIS 

SERENISSIMORVM BELGII PRINCIPVM 

ALBERXK ET ISAIELL^E, 

AVSTRL£ ARCHIDVCVM. 

Et eorum optätiflimi in Belgium Aduentus,. 
Rerumquegeftarum et memorabilium,Gra- 
taktionum,Apparatuum,et Spectaculorum 
in ipiomm Sufceptione et Inavqvratione, 
haclenus editorum accurata Defcriptio . 

AVCTORE 
IOAUNE BOCHIO S.P.QA-A SECBETIS. 



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F«X OFFICINA PLANTINIANA.APVD fOANNEM MORETVM.cID.IDCII. 



Abb. 80. Titel: „Bochius, Narratio inaugurationis Alberti et Isabella;. Antwerpen" vom Jahre 1602. 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin. 



Cj2 Zweites Kapitel. 

die Summe von 6780000 Mark verkauft und am 1. April 1879 mit der 
,, Königlich Preussischen Staatsdruckerei", die ebenfalls am 1. April 1879 
für die Summe von 3 573000 Mark von Preussen für das Reich erworben 
war, verschmolzen und aus beiden die heutige ,, Reichsdruckerei" 
gebildet. — 

Ehe ich dieses Kapitel abschliesse , möchte ich noch einige Mit- 
teilungen machen über die allgemeinen charakteristischen Eigentümlich- 
keiten, welche das Äussere der Bücher vom fünfzehnten Jahrhundert bis 
zum Beginn des unserigen kennzeichnen.*) 

Die ersten Drucker sahen bekanntlich ihren vornehmlichen Zweck 
darin, die geschriebenen Bücher zu ersetzen. Die Anlage und Dekoration 
der Manuskripte war daher in allen Stücken, auch für das Druckwerk 
maassgebend ; wer die früheren Druckwerke verstehen will, muss zunächst 
die handschriftliche Dekoration und ihre Lage zur Zeit der 
Erfindung des Buchdrucks ins Auge fassen. 

Wir können uns heute nur schwer vorstellen, dass es eine Zeit der 
Kultur gegeben hat, in der alle Litteratur geschrieben war, wo alle Er- 
rungenschaften der Wissenschaft, die Werke der Dichter und Denker 
Abb. 60. nur durch den Schreiber vermittelt wurden. Aber der ideale Wert des 
geschriebenen Buches macht es begreiflich, dass man auch auf die Form, 
auf Material , Schrift und Zierat, so unsägliche Liebe, Mühe und Sorg- 
falt verwendet. Fast jede Epoche des Mittelalters hatte ihr Teil dazu 
beigetragen , um die Kunst der Buchausstattung von Stufe zu Stufe zu 
heben und zu entwickeln. 

Die ältesten Schreiber der ausgehenden Römerzeit hatten zunächst 
dem Texte jene klare, gleichmässige Gestalt gegeben, die wir bei dem 
Studium ihrer Schriften bewundern. Während in den ersten Jahr- 
hunderten ausser den rotgemalten (rubrizierten) Überschriften dem Text 
nur Illustrationen beigegeben wurden , fanden dann die Mönche der 
irischen Klöster Müsse und künstlerische Andacht, um die eigentümliche 
Bandornamentik germanisch- keltischer Abkunft zu Anfangsbuchstaben, 
Kopfzeilen , Rändern oder ganzen Seiten in immer neuen Gedulds- und 
Phantasiespielen zu verarbeiten. Gleichzeitig bildeten die Byzantiner die 
illustrative Seite des Buchschmuckes weiter aus. 

Die Karolingerzeit übernahm die Initialornamentik der Iren und 
pflegte auch die Illustration auf selbständigen, westeuropäischen Wegen. 
Neue reizvolle Motive aus seinem Ornamentenschatz brachte der roma- 



*) P. Jessen, Vorlesungen über ,, die Kunst im Buchdruck" gehalten in Berlin 1897 un( ^ 
R. van der Meulen, liefhebberij voor boeken. Leyden 1896. 8. 



Geschichtliche Grundlagen. 



93 




Abb. 81. Holländischer Titel vom Jahre 1682. Nievhofs, Reize. 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin. 



94 



Zweites Kapitel. 




1 \^rl:ooncyn.TooA^rbeeldfngen: vanrAmbachten, 
I KonftenHarCteeringen enBedtyveii;met Versen 



ItoovfichtigOovdeelvangd iti haar Bespiegelingen 
Het ß eeldvans Mensen. D oen, totLeeäng . vooct Getnoed: 

Terwyl dat lAeesbeso rg doeld op cfeAatdse Virig en, 
^aaxKoocjevovecleg hent'wysts naat Heemels Goed; 



fAMSTERVAM.§edaa.iT ? door,Johanncs ) en£aspaatesLwken. 1 (? y 4» 

Abb. 82. Holländischer Titel in Kupferstich vom Jahre 1694: Luiken, menschelyk bedryf. 

nische Stil. Zierliches Blättergeranke spielt in den Buchstaben und ihren 
seitlichen Ausläufern , gern sind auch kleine Bilder in die Initialen ein- 
gefügt. 



Geschichtliche Grundlagen. 



95 



Die Gotik führte alle diese Errungenschaften zum höchsten Ziele 
zusammen. Der Text fest geschlossen, mit kräftigen Buchstaben; die 



" * 



£ 



CcciipJ/cät/a ocülorur. 



ffjWWJTffTW U ' . l l l! ÜPI 




IANEALOGIE 

SACRE'B. 

SERMONS 

Sur toutes tes Euangi = 
ies du Carefme 

fyeßhes a Paris A SJacquCy 
<tehBouchme£An i fo p. 

VarANDPJE VÄLLJLÖIEI\ 

Docieur cn Theologie. Abbe d& ' 
S. Arnoui deMet^ Ordre d& 
S. Benoisi Conseiller Au * 
tnosnier etpredkateur 
ordinaire du Rpy . 






SvV?tW\0« <>»*<£ . 



~Äuei phitiTejc diTRoy'. 



. Lraultu 



{jr\. PARISj Che^Fieirc Cheualhcrrue^.Iacques 'aTimage SlPierre^\ 



Abb. 83. Französischer Titel in Kupferstich aus dem XVII. Jahrhundert: Valladier, Metanealogie. 

Initialen bildlich oder in feinster Federzeichnung geziert, stehen har- 
monisch in diesem Textbild über den vorderen Rand, oder rings auf allen 
Kanten ein anmutiges Spiel reizender Blätter und Spitzen; die Illustra- 



9 6 



Zweites Kapitel. 



tionen in mannigfachen Umrissen in das Seitenbild einbezogen, in Form 
und Färbung völlig abgestimmt zu allen übrigen Bestandteilen der Seite, 




Abb. 84. Französischer Titel um 1660. (Hollar) Livre curieux. 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin. 

eine absolute Harmonie der Dekoration und Illustration , der beiden 
wesentlichen Elemente der Buchkunst , die so oft wie unversöhnliche 
Gegensätze sich befehden. 



Geschichtliche Grundlagen. 



97 



In diesem Sinne sind die besten gotischen Manuskripte klassische 
Vorbilder aller Buchverzierung, es war das grosse Glück der ersten 



**V< 



IMBLEMATA SECVLARIA, 

MIRA ET IVCVNDA VA- 

RIETATE SECVLI HVIVS MORES ITA 

expnmentia,vtSodalitatnm Symbolislnfigniifcjue 

confcribcndis&cdepingendisperac- 

commodafint. 

VERSIBVS LATINIS,. RHYTHMISQ. GER- 

manicis,Ga)licis.Belgicis:fpeclaJiiteiiiDecJa. 

matione de lue rar um ftudii* 

exomata. 

SBeMitfc fuflt^e tum Stmflft&ä V&erie«%eit 

aCemaujffAr6HDert^e/mitartlicftcnilafetnifcf)cii/ 

2enifa>cn / Srnrnjöfifcfeen vno 9*tD«r'ättfcifcben Canm- 

jubus vn& OU-imcn g«jt«tt / fafi Dienfttlcf; j« 

einem 3icrUt{jm 

©ramm ^nb QBapen&üdjteftt. 

ArtifictOi'e & eleganter in areprtmö fculpta .fecunctocfopublicata, 
& muhufigurii hinc inde cogioieautta» 

per 

Io. Theodorvm de Bry, Ciyem: 

OPPEN HEMII 

Typis Hieronymi GailerIj 

Anno MVnDVs fenefClt. 



: ?^:<^m. 



Äfr 



Abb. 85. Titel in Kupferstichumrahmung vom Jahre 161 1. De Bry, Emblemata secularia. Oppenheim. 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin. 

Drucker, dass gerade diese Meisterwerke ihre Vorlagen waren. Diese 
Einheitlichkeit der äusseren Erscheinung in den alten Handschriften ist 

Mühlbrecht, Bücherliebhaberei. 7 



q8 Zweites Kapitel. 

um so bewundernswerter, als diese meist von drei verschiedenen 
Leuten hergestellt wurden, dem Schreiber, dem Miniaturmaler und dem 
Illustrator. 

Dies fanden also die ersten Buchdrucker vor. Ihr Streben ging da- 
hin, das geschriebene Buch zu ersetzen, es in allen Teilen nachzubilden, 
sie folgten fast sklavisch den Handschriften in der bisher gebräuchlichen 
Form der Buchstaben, in den Abkürzungen u. s. w. und erst allmählich 
wurden Veränderungen eingeführt , die zur Bequemlichkeit der Leser 
dienten. Man beschränkte sich zuerst auf den Textdruck, es fehlen den 
am frühesten gedruckten Werken die Titel, Anfangsbuchstaben, Signaturen, 
Seitenzahlen, Namen und Wohnort des Druckers oder Herausgebers und 
die Jahreszahl. 

Alle diese Angaben wurden anfänglich von Schreibern nach beendigtem 
Druck besorgt. Diese Schreiber hiessen „Rubrikatoren"; sie hatten neben 
den Kapitel- und Seitenüberschriften u. s. w. auch die Register handschrift- 
lich zu ergänzen. 

Solange die Maler , ,, Illustratoren", die Verzierung des gedruckten 
Abb. 61. Textes besorgten, wurde der Raum des Anfangsbuchstaben (Initial) 
freigelassen ; ein kleiner gedruckter Buchstabe (director) giebt dem Maler 
zuweilen einen Fingerzeig. In der künstlerischen Ausführung dieser 
Initialen, sowie mit der Verzierung des Randes in farbigen Tinten waren 
die ,, Illuminatoren" des fünfzehnten Jahrhunderts durchaus bemüht, dem 
gedruckten Werke den Charakter der Handschrift zu wahren , dabei 
wurden oft wahre Kunstwerke der Handmalerei geliefert , mit Vorliebe 
in roter und blauer Farbe. 

Die Anzahl der Druckwerke ohne Jahreszahl aus dem fünfzehnten, 
selbst noch aus dem sechzehnten Jahrhundert ist sehr gross. Wenn im 
fünfzehnten Jahrhundert Jahreszahl und Drucker angegeben sind, so findet 
sich dies stets am Ende des Werkes (das sogenannte explicit, impressum 
Abb. 62. oder colophon). Dem impressum folgte gewöhnlich das Druckerzeichen 
Abb. 63. (insignum, signet, marque). Dies bestand anfänglich entweder aus dem 
eigenen Wappen des Druckers oder aus dem Städtewappen, auch einer 
willkürlichen Handelsmarke und (nach 1500) eines Sinnspruches. Diese 
Druckerzeichen sind von Wichtigkeit und ich werde darauf später noch 
besonders zurückkommen. Die übrigen vorgenannten Ergänzungen 
wurden im Druck erst seit ungefähr 1480 vorgenommen. 

Für die Signaturen, die den Zweck haben, die Reihenfolge der 
Druckbogen festzustellen, wurden anfangs nur Buchstaben benutzt, erst 
im sechzehnten Jahrhundert, und da nur selten, bemerkt man an deren 
Stelle arabische Ziffern. Für die Paginierung, oder besser gesagt 



Geschichtliche Grundlagen. 



99 




Abb. 86. Deutscher Titel vom Jahre 1689. Dilichii, Kriegsbuch. Frankfurt. 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin. 

7* 



IOO Zweites Kapitel. 

die Blattzahlen, denn man fing erst in der zweiten Hälfte des sechzehnten 
Jahrhunderts an beide Seiten des Blattes zu zählen, nahm man römische 
Ziffern; arabische Ziffern wurden hierfür erst 1489 gebraucht. Kleinere 
Werke von wenigen Bogen wurden noch das ganze sechzehnte Jahr- 
hundert hindurch häufig ganz ohne Seitenzahlen gelassen. 

Die Gewohnheit , mit dem Texte des Werkes auf der Rückseite 
(verso) des ersten Blattes zu beginnen, so dass die Vorderseite (recto) 
beschrieben werden konnte, oder auch das ganze erste Blatt frei (blanco) 
zu lassen, führte zu den selbständigen Titelseiten oder Titel blättern. 
Anfänglich waren die Titel ganz kurz , aus wenigen Worten bestehend, 
und in eine oder ein paar Zeilen gefasst. Später, als die Überschriften 
ausführlicher, und die Autorennamen hinzugefügt wurden, ordnete man 
die Titel mit Vorliebe in die Form eines Dreiecks mit der Basis nach 
oben , ohne dabei auf eine ordentliche Verteilung und Abkürzung der 
Zeilen zu achten. Rot gedruckte Zeilen in den Titeln kommen schon 
früh vor, der erste ganz rot gedruckte Titel ist von Ulrich Gering 
in Paris vom Jahre 1470. 

Das Format der Werke aus dem fünfzehnten Jahrhundert ist mei- 
stens Folio ; Quart kommt viel weniger vor, Oktav sehr selten, und kleine 
Formate fast gar nicht. Der Satz ist meistens in zwei Kolumnen auf der 
Seite geteilt , und wo sich Anmerkungen finden , was in rechtswissen- 
schaftlichen und theologischen Werken häufig vorkommt, so sind diese 
um den Text herum, und nicht nur unter demselben angebracht. Die 
weissen Ränder (margines) werden erst im sechzehnten Jahrhundert frei 
gelassen. 

Druckfehlerverzeichnisse (errata) sind den Druckwerken 
schon frühe beigefügt, obschon Drucker und Verleger sehr bald Gelehrte 
als Korrektoren in Dienst nahmen. Das erste Druckfehlerverzeichnis 
schreibt man einem Baseler Druck des B er tho ld (Rodt von Hanau) 
in ,,Gregorii expositio in Jobum" vom Jahre 1468 zu. 

In den ersten Decennien nach der Erfindung der Buchdruckerkunst 
wurden während des Druckes fortwährend noch Korrekturen im Satz 
vorgenommen , und ganze Seiten und Blätter neu gedruckt. Daraus 
erklären sich bei Inkunabeln die mitunter vorkommenden Fälle , dass 
gleichzeitig datierte Drucke eines Werkes in verschiedenen Exemplaren 
erheblich im Texte voneinander abweichen. 

Eine eigentümliche Zugabe bei manchen Werken aus dem fünfzehnten 
bis zur zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts sind die dem Text 
vorhergehenden Empfehlungen des Verfassers oder Bearbeiters, 
mitunter lange Lobgedichte über das Werk , den Verfasser oder den 



Geschichtliche Grundlagen. 



10: 




30L3Crei3 



X2d*juj-ri-.u-i.±±±±±i yf,yfyffl^m\immni 



Abb. 87. Spanischer Titel vom Jahre 1622. Lavanha, Viagem del rey D. Filipe II. 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin. 



102 



Zweites Kapitel. 



SHAKESPEARES 



Abb. 64. 



Abb. 65. 



COMEDIES^ 
HISTORIEN & 
TRAGEDIES. 



Publifhed according to the True OriginallCQpies, 



Drucker. Sie dienten bei dem damaligen Mangel jeglichen kritischen 
Apparates zur Orientierung für das Publikum. Ausserdem erhielten die 
meisten Werke eine Widmung, durch welche die damaligen Autoren 

häufig einen Ersatz für 
das mangelnde Hono- 
rar suchten und fanden. 
Diese Widmungen arte- 
ten im Laufe der Zeit 
zu einem wahren Unfuge 
aus, unter dem hervor- 
ragende Leute, wie Für- 
sten, und reiche Persön- 
lichkeiten schwer zu 
leiden hatten. 

Eine grosse Zahl der 
ältesten Bücher sind mit 
Illustrationen ver- 
sehen ; vor 1500 kom- 
men Kupferstiche nur 
selten , meistens Holz- 
schnitte , namentlich in 
Volksbüchern vor. Mit- 
unter kolorierte man sie, 
wenn auch nur schlicht- 
weg rot. Bemerkens- 
wert ist die oft vor- 
kommende Gewohnheit, 
e i n Porträt oder eine 
Zeichnung in demselben 
Buche für verschiedene 
Personen oder Gegen- 
stände zu benutzen. 

Die Drucklettern 
der ältesten Bücher sind 
meistens unregelmässig, 
die ersten Typen haben durchweg das individuelle Gepräge ihres Schrift- 
schneiders, erst gegen das Ende des fünfzehnten Jahrhunderts gewannen 
sie feststehende beliebte Formen. Unsere ersten Typen stammen 
von der halbgotischen Mönchsschrift ab. Das richtige eckige Gotisch 
diente der deutschen Missalschrift als Grundlage , aber die später all- 




Printed by Ifaac Iaggard, and Ed. Bloant. ifo j . 



Abb. 88. Englischer Titel in Kupferstich, 
vom Jahre 1623. 



Shakespeare - Ausgabe 



Geschichtliche Grundlagen. 



I03 



gemein in Deutschland angewandte sogenannte Frakturschrift ist aus der 
Theuerdankschrift hervorgegangen. Diese Bezeichnung stammt von 
dem ersten, mit dieser Art von Lettern gedruckten Buche, dem,,Theuer- 
dank", ein merkwürdiges Rittergedicht des Probstes Melch ior Pfin- 
zing zu St. Sebald bei Nürnberg, zur Erinnerung an die Hochzeit Kaiser 
Maximilian's I. mit Maria von Burgund (1477) veröffentlicht. Das 
Buch schildert allegorisch alle die Abenteuer, die Maximilian zu bestehen 
hatte , bis er in den Besitz der Herzogin Maria gelangte. Sein voll- 




Abb 89. Beispiele von Anfangsvignetten aus dem XVII. Jahrhundert. 



ständiger Titel lautet: ,,Die Geuerlicheiten vnd eins teils der 
geschichten des löblichen streyt baren vnd hochberimbten 
helds und Ritter Teuerdannckhs", auf der Rückseite: ,, gedruckt Abb 66. 
in der Kayserlichen Stat Nürnberg durch den Eltern Hanns en 
Schönsperger zu Augspurg", ohne Jahreszahl aber mit einer vom 
1. März 15 17 datierten Widmung, 290 Seiten Folio. Diese erste und 
auch die zweite Ausgabe von 15 19 sind sehr gesucht, nicht nur wegen 
der 118 schönen Holzschnitte nach Zeichnungen von Hans Schäuffe- Abb. 67. 
lein, sondern besonders der aussergewöhnlichen Typen wegen, mit 
denen der Text gedruckt ist, Buchstaben mit langen, vielfach durch- 



104 Zweites Kapitel. 

einander verschlungenen Schnörkeln, die eine hübsche deutsche Schrift 
bilden, von der Fachleute damals nicht glauben wollten, dass sie mit 
beweglichen Lettern gedruckt sei. 

Noch andere Schriftarten erhielten ihre Namen von den Werken, 
die damit zuerst gedruckt wurden, wie Cicero, Corpus, Missal 
und in Frankreich Kl ein-Augustin. Die halbgotische Schrift wurde 
später in Holland, England und Frankreich von der Antiqua oder 
lateinischen Schrift verdrängt. 
Abb. 68. Die lateinische oder römische Schrift entwickelte sich in Italien aus 

der alten Schreibart und wurde zuerst von Wendelin von Speyer 
(de Spira) in Venedig 1468 angewandt, nach ihm von Nikolaus 
Jenson ebenfalls in Venedig. Nach Deutschland brachte sie 1472 
Günther Zainer in Augsburg, sie diente jedoch bei uns von Anfang 
an nur für lateinische Werke. In England erhielt sie erst 1550 das 
Bürgerrecht , bis zu dieser Zeit gebrauchte man dort die halbgotischen 
blackletters. Auch in Holland wurde sie nicht ohne weiteres angenommen, 
denn man findet dort bis Ende des sechzehnten Jahrhunderts beinahe 
ausnahmslos , und auch noch im siebzehnten Jahrhundert vielfach die 
deutsche Schrift in Gebrauch. Auch die Cur si vschr ift (italique) 
stammt noch aus dem fünfzehnten Jahrhundert, sie wurde, wie früher 
mitgeteilt, von Aldus Manutius in Venedig 1498 erfunden. 

Die erste griechische Schrift findet sich in einigen Stellen des 
1465 bei Fust und Schöffer in Mainz gedruckten ,, Cicero, de 
officiis" und in „Lactantius" von Schweynheim und Pannartz 
in Subjaco. Diesen Proben folgten aber keineswegs bald andere, man 
Hess vielmehr im Satze den nötigen Raum offen , um die griechischen 
Worte hineinzuschreiben , oder man druckte sie nachträglich mit in 
Holz geschnittenen Platten ein. Das erste ganz mit griechischen Typen 
gedruckte Buch ist die Grammatik von Constantin Lascaris, 
Mailand 1476. Aber erst Aldus Manutius schuf in seiner Aus- 
gabe desselben Werkes vom Jahre 1495 griechische Lettern, die den 
berechtigten Anforderungen an eine korrekte Schrift einigermaassen 
entsprachen. 

Die Bücher des fünfzehnten Jahrhunderts zeichnen sich meistens 
durch einen scharfen, sorgfältigen Druck aus, mit schöner, leuchtender 
Druckerschwärze , die rote Farbe erscheint glänzend. Obwohl das aus 
Gewebeabfällen , sogenannten Lumpen oder Hadern hergestellte Papier 
schon etwa einhundertundfünfzig Jahre vor der Erfindung der Buch- 
druckerkunst in Europa bekannt war , so wurde für die ersten Druck- 
werke doch meistens Pergament, wenn auch daneben Papier, benutzt. 



Geschichtliche Grundlagen. 



I05 




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io6 



Zweites Kapitel. 





(f 4 



Abb. 91. Beispiele von Schlussvignetten aus dem XVII. Jahrhundert. 



Es geschah, um dem Druckwerk auch im Material den bisherigen Cha- 
rakter des Manuskripts zu wahren , dann aber auch waren die Bibeln, 
die Gebet- und Schulbücher einer so starken Abnutzung ausgesetzt, dass 
man das haltbarere, wenn auch teuerere Material bevorzugte. Einige 



Geschichtliche Grundlagen. 



I07 




Abb. 92. Holländischer Titel vom Jahre 1726. Antiquitates Romanorum. 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin. 



Io8 Zweites Kapitel. 

Worte über die damalige Papierfabrikation möchten hier wohl am 
Platze sein.*) 

Die nach Europa durch die Araber gebrachte Verfertigung des Hadern- 
papieres fasste mit jenen zuerst in Spanien Wurzel, dann wandte sie sich 

Abb. 6 9 . nach Italien. Bei Mailand, Venedig, Florenz, Bologna, Parma, Padua, 
Treviso, namentlich in Fabriano entstanden Papiermühlen, die nicht allein 
Italien, sondern bis in das fünfzehnte Jahrhundert hinein fast ausschliess- 
lich Süddeutschland versorgten , während West- und Niederdeutschland 
ihren Bedarf aus Frankreich und Burgund deckten. Von den westlichen 
Papiermärkten waren namentlich die in Brügge , Antwerpen und Köln 
bedeutend. In Deutschland selbst war die Fabrikation wenig entwickelt. 
Die Bezugsquellen der Papiere lassen sich aus den Wasser- 

Abb. 70. z e i c h e n , d.h. den Fabrikmarken erkennen , die zugleich beachtens- 
werte Anhaltspunkte für die Zeit des Entstehens undatierter Druckwerke 
liefern. Doch sind diese Merkmale nicht untrüglich. Einige Wasser- 
zeichen, wie Schiff, Anker, Weintraube, Kardinalshut, Bischofsmütze, 
gekreuzte Schlüssel , sowie die Wappen von Ländern , Städten und 
Familien , deuten zwar mitunter auf den Abstammungsort des Papieres 
hin, sind aber mit Vorsicht aufzunehmen, da z. B. Löwen, Lilien, Kronen 
und dergleichen in sehr vielen Wappen vorkommen. 

Übrigens haben auch für deutsche Druckwerke die Wasserzeichen 
weniger Bedeutung, weil das Papier in Deutschland erst zur allgemeinen 
Verwendung zu einer Zeit gelangte, als schon ganz allgemein die Druck- 
orte , Jahreszahlen und Verlegernamen genau angegeben wurden. Die 
älteste deutsche Papierfabrik scheint die von W. Stromer in Nürnberg 
gewesen zu sein, für welche im Jahre 1390 mit der Herstellung vertraute 
Arbeiter aus Italien berufen wurden. Trotzdem sind die ersten Nürn- 
berger Drucke auf italienischem Papier gedruckt, was nicht für die Güte 
des deutschen Fabrikats spricht. In Augsburg wurde 1468, in Kempten 
1477 die erste Papiermühle angelegt. Ein Hauptplatz für die Fabrikation 
war um die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts Ravensburg in Schwaben, 
doch konnte auch dieses Papier keinen Vergleich mit dem des Aus- 
landes aushalten. Das älteste Druckpapier war stark geleimt, kräftig 
aber hart und verschieden in der Stärke, die rauhe Oberfläche war dem 
Druck nicht günstig und das Glätten und Satinieren war damals noch 
unbekannt. Man machte bald die Erfahrung, dass ungeleimtes Papier 
nicht nur billiger , sondern auch zur Aufnahme der fetten Druckfarbe 
geeigneter sei, als das geleimte. 



Lorck, Gesch. d. Buchdr. 



Geschichtliche Grundlagen. 



I09 




Abb. 93. Französischer Titel vom Jahre 1722. Le Sacre de Louis XV. 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin. 

Das sechzehnte Jahrhundert brachte dem infolge der Reformation 
mächtig aufblühenden Buchdruck bald viele äusserliche Veränderungen. 



HO 



Zweites Kapitel. 



Das Quartformat tritt in den Vordergrund, gegen Ende des Jahrhunderts 
fangen auch schon das Oktavformat und noch kleinere an sich zu zeigen. 




Abb. 94. Französischer Titel vom Jahre 1769. Les Graces. 

Die Titel druckte man im Anfange des Jahrhunderts, namentlich im Quart- 
format, beinahe stets in einen breiten Streifen Holzschnittrand, der bald 
durch eine bessere, hübschere Zusammenstellung von Figuren und Orna- 
menten ersetzt wurde. Die Einrichtung der Titel näherte sich mehr und 



Geschichtliche Grundlagen. 



III 




nUmdcT* /runüd /arS(j<?td /'U tnartu 6<?r6di Boo/i^t/f, t> 



ttUdioea» /Cead£7'luti*./triitffr- 



Abb. 95. Englischer Titel vom Jahre 1740. Bickham, Musical entcrtainer. 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin 



112 Zweites Kapitel 

mehr der heute gebräuchlichen Form ; die einzelnen Zeilen druckte man 
mit verschiedenen Schriftarten , wenn es auch lange dauerte , bis man 
dabei zu einer guten Einteilung und einer richtigen Gradierung gelangte. 
Gegen Ende des Jahrhunderts wurden die Titel immer länger und aus- 
führlicher, Autor und Drucker scheinen sich darin zu überbieten, keine 
weisse Stelle offen zu lassen, man wetteiferte in vielversprechenden, selt- 
samen , oft unpassenden Titeln. Zur Abwechselung druckte man darin 
einige Zeilen mit roter Farbe. Ungefähr um 1520 erscheinen zuerst auf 
Abb. 7 i ^ em Titel, statt wie bisher am Ende des Buches der Name des Druckers, 

bis 70. 

sein Signet , die Jahreszahl und später auch die Adresse des Verlegers. 
Die Marken, die zuweilen noch am Ende des Buches vorkamen, verlieren 
ihren einfachen Charakter und gestalten sich zu symbolischen Figuren 
mit Sprüchen. 

Im Anfang des Jahrhunderts druckte man auch schon die Initialen 
gleichzeitig mit dem Text , doch nicht in einfacher Form , sondern mit 
vielen , oft übertriebenen Schnörkeleien und Verzierungen. Die sehr 
grossen wurden auch in Holz geschnitten , oft von berühmten Meistern. 
Weiter wurden der Kopf der Vorrede, die Widmung, der Anfang und 
das Ende der Kapitel mit Linien, Vignetten und zahlreichen Arten von 
Schnörkeln und Ornamenten versehen, die mitunter ohne jeden Zusammen- 
hang aneinander gefügt waren. Erst in der zweiten Hälfte des sech- 
zehnten Jahrhunderts wurden die Fileten so eingerichtet, dass sie sich 
zu einem übereinstimmenden Ganzen zusammensetzen liessen und durch 
Verlängerungsstücke für jedes Format passend gemacht werden konnten. 
Man benutzte dieselben auch bei einzelnen Werken in kleinerem Format 
zur Umleistung und lllustrierung aller Seiten um den Text herum. 

Das siebzehnte Jahrhundert schuf wieder kleinere Formate , die 

Oktavausgaben gewannen die Oberhand und in der zweiten Hälfte des 

Abb - 8o Jahrhunderts wurden diese wieder von den noch kleineren I2 m0 -, i6 mo -, 

u . 81. 

Abb. 82. 18 mo - und 24 mo - Formaten verdrängt. Die holländischen Drucker be- 
haupteten hierin den ersten Platz und behielten ihn mit ihren geschmack- 
vollen Ausgaben, bis sie darin im achtzehnten Jahrhundert von den Fran- 
zosen überflügelt wurden. Allen Druckern dienten die kleinen zierlichen 

Abb. 83 Elzevierausgaben als Muster. 

u. 84. 

In Deutschland wurde damals aus der Fortbildung der Typographie 

in den Nachbarländern wenig Vorteil gezogen, die deutschen Werke des 

siebzehnten Jahrhunderts zeigen keine geschmackvolle Ausführung, so 

Abb. 85 li e f er ten z. B. die Versuche, die Elzeviere nachzuahmen, ganz ungünstige 

Abb. 87 Resultate. Nur wenige deutsche Druckereien erhoben sich über das 

n. 88. Mittelmässige. Besonders geschmacklos zeigen sich die damaligen deut- 



Geschichtliche Grundlagen. 



113 




ifp . Thc-&rum Sw 



^neÄt^un^r^n^^^erT. 



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Abb. 96. Italienischer Titel vom Jahre 1783. Viero, Raccolta di 126 Stampe. 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin 



Mühlbrecht, Bücherliebhaberei. 



114 



Zweites Kapitel. 



sehen Titel , sie arteten zu vollständigen Abhandlungen aus, gleichzeitig 
machten die einfachen Druckerzeichen grossen Zeichnungen mit langen 
Sinnsprüchen Platz. 

Eine Eigentümlichkeit der Bücher aus dem siebzehnten Jahrhundert 
besteht darin, dass sie meistens mit doppeltem Titel versehen sind, 
der eine in Buchdruck, der andere, voranstehende , in Kupferstich, eine 
Abbildung von sinnbildlichen, auf den Inhalt des Buches bezüglichen 
Darstellungen enthaltend. Zuweilen wird auch der gewöhnliche Buchdruck- 
titel ganz fortgelassen und die Überschrift des Buches auf dem Kupfer- 
titel vermeldet. Dieser Gebrauch stammt aus Frankreich, kam aber auch 
seit etwa 1620 bei den Holländern oft vor. 



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£<j> c ViütQrü. ' &&WZ&*» 



Abb. 97. Vignette. Florenz, 1727. 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin. 



Abb. 



Abb. 



Die Initialen behalten noch ziemlich denselben Charakter, sind 
meistens in Holz geschnitten und verziert, haben aber nicht mehr den 
grossen Umfang, wie im sechzehnten Jahrhundert. Leisten um die Text- 
seiten und Vignetten am Anfang und Schluss der Kapitel werden noch 
viel angewendet, einzelne Druckereien wahren sich darin einen besonderen 
Charakter, wie z. B. die Büffelköpfe als Motiv für Verzierungen bei den 
Elzevieren sich häufig finden. 

Die Holzschneidekunst war im Anfang des siebzehnten Jahr- 
hunderts ganz in Verfall geraten, es herrschte der Kupferstich, der da- 
mals fast ausschliesslich für Illustrationszwecke angewandt w r urde. Kupfer- 
stiche kamen nicht nur als besondere Blätter neben dem Text vor, 
sondern man findet sie auch in vielen Büchern aus jener Zeit im Text 
verwendet, wie vorher und später wieder den Holzschnitt. 



Geschichtliche Grundlagen. 



15 



Das achtzehnte Jahrhundert gestaltete in seiner zweiten Hälfte das 
Äussere der Bücher sehr günstig um , und gegen Ende desselben 




Abb. 98. Umrahmung eines französischen Titels vom Jahre 1758. 



nimmt die Herausgabe von grossen Prachtwerken einen bemerkens- 
werten Aufschwung. Die Schriften werden durch die Didot's erheblich 
verbessert und in England entwickelt sich aus der Antiqua eine hübsche 
rundlichere Form. Man bestrebt sich allgemein wieder, geschmackvoll 

8* 



I l6 Zweites Kapitel. 

zu drucken , das kleine Oktavformat und das französische Duodecimo 
kamen in Aufnahme. Die Druckerzeichen schrumpfen zu einfachen 
Namenszügen zusammen und verschwinden schliesslich ganz. Die Vig- 
Abb. 9 o. netten auf dem Titel und am Anfang und Ende der Kapitel (en-tetes, 
fleurons, culs de lampe) wurden zierlich in Kupfer gestochen, die wissen- 
schaftlichen Prachtwerke allgemein mit selbständigen Kupferstichen 
versehen und diese zuweilen aus der Hand in vortrefflicher Weise 
koloriert. 

Das früher sehr beliebte Rotdrucken der Titel verschwand seit der 
Mitte des Jahrhunderts, und gegen Ende desselben umgab man die Titel- 
blätter häufig mit hübschen Linien, Blumenguirlanden u. s. w. in Kupfer 
Abb. 92 gestochen, während zugleich das Papier für Titel und Abbildungen von 
besserer Qualität gewählt wurde, wie das für den Text. Namentlich die 
Franzosen haben es im vorigen Jahrhundert verstanden, ihren Büchern 
durch die Verschiedenheit der Einfassungen und durch reizende Illustra- 
tionen ein anziehendes Äussere zu geben. 

In unserem Jahrhundert ist das Äussere der Bücher anfänglich dem 
des vorigen Jahrhunderts ziemlich gleich geblieben. Indessen die An- 
wendung der Lithographie in ihren verschiedenen Methoden, die 
Wiederbelebung der Holzschneidekunst seit 1850, die Entwicklung des 
Farbendruckes, die Einführung der Photographie in das Druck- 
verfahren, die Verbesserungen im Buchdruck durch die Schnellpressen, 
und wie die verschiedenen Errungenschaften unserer Zeit sonst noch 
heissen , sie alle haben in wenigen Jahrzehnten ganz gewaltige Um- 
wälzungen in der äusseren Erscheinung der Bücher zur Folge gehabt, 
Veränderungen , an welche die der früheren langen Zeiträume nicht im 
entferntesten heranreichen. Wir leben im Zeitalter der täglichen neuen 
Erfindungen. 

Hiermit schliesse ich den allgemeinen geschichtlichen Teil meiner 
Darstellungen. Wir wollen uns nunmehr mit der Bücherliebhaberei selbst 
beschäftigen, mit den verschiedenen Richtungen, in denen sie sich bewegt, 
mit dem Einfluss , den sie auf die Preise, namentlich der älteren Litte- 
ratur, ausübt. 



DRITTES KAPITEL. 

SPECIELLE RICHTUNGEN DER 
BÜCHERLIEBHABEREI. 



' |ie Bücherliebhaberei entspringt einem Antriebe, der bei jedem 
^-^^ Menschen mehr oder weniger zum Ausdruck gelangt. Jedermann, ob 
alt oder jung, reich oder arm, hat die Neigung, irgend etwas zu sammeln. 
Je mehr dieser Neigung nachgegeben wird, umsomehr wächst der Eifer, 
der sich zuletzt bis zur Leidenschaft entwickeln kann. Der Knabe schon 
sammelt Briefmarken oder Knöpfe, Käfer oder Siegel, wie der Erwachsene 
Münzen, Kupferstiche oder Porzellan; und der Naturforscher jagt einem 
seltenen Schmetterlinge ebenso leidenschaftlich nach , wie der Bücher- 
liebhaber der seltenen Ausgabe eines Buches. 

In der Bücherliebhaberei haben wir es mit zwei Gattungen von 
Sammlern zu thun , mit den Bibliomanen und den Bibliophilen. 
Der Bibliomane ist Sammler aus Leidenschaft, ihn interessieren an 
einem Buche die rein äusserlichen Eigenschaften, der Einband, die gute 
Erhaltung, vor allen Dingen aber die Seltenheit des Exemplares ; er 
sammelt kostbare Schätze , ohne sie zu benutzen , lediglich um sie zu 
besitzen. Wir werden uns später noch mit ihm beschäftigen. 

Der Bibliophile will die Bücher besitzen, weil er sie wegen ihres 
Inhaltes liebt , er schätzt sie mit Überlegung , oft mit Hingebung und 
Verehrung. Alle guten und schönen Bücher haben ein Anrecht auf sein 
Interesse, seine Bewunderung; viele kennt er nach ihren inneren Vor- 
zügen und Fehlern, er beschränkt sich nicht darauf, sie nach ihrem 
Äusseren zu beurteilen, ihr Papier mit den Fingern zu prüfen, die Güte 
des Einbandes mit Kennerblick zu mustern, Titel und Jahreszahl mit den 
Angaben von Brunet zu vergleichen, damit er nicht einen unechten 
Diamant erwirbt, nein, er ergründet ein Buch bis in seine inneren Tiefen, 
presst den geistigen Saft für sich heraus und stapelt es in seinem Ge- 
dächtnis ebenso auf, wie in seiner Bibliothek. 



I 1 8 Drittes Kapitel. 

Der Bibliophile achtet typographische Kostbarkeiten, mögen sie auch 
von den Fortschritten der modernen Typographie überholt sein , doch 
stets als Ehrendenkmäler der Kunst. Aber häufig ist er ebenso un- 
empfindlich gegen auf Pergament gedruckte Exemplare , gegen seltene 
Ausgaben, gegen die Arabesken alter Einbände, wie gegen das vornehmste 
Gewand der neueren Werke. 

Er zeigt keine Verachtung gegen das wertlose Konglomerat von 
Prosa und Dichtung, das sich fortwährend in allen Katalogen breit macht, 

bicitur in oaqu.vöe confe^ccr^el altari9, Wec miru <p xüx infiteliö 
per mutierem fanchficar hteltsma ccomra*iao corm • vii»jqfeiü*q* 
\y*$*i**bi tarnen papa faentcr afprobat pirsiäam confuetuomej' 
benc proecoeret^afo non xt Dioint in glo* boföcn^et ali)»ao boc not» 
Zx cog.fpi*fuper eo*pena«eriam beneoieentis TccunDas nuptias mitu 
gata eftper quanbam e)crrauagante«q mapir cocertatio^ antique* 

iDcogratias. 
iFinir Kbellus muma ecdefic facrameta«quc numero feptcnv ei aha 
qmplurima fecum x>erfan9 perfalubna^ viris eoclefialKris majrie 
curati9-fubottop aiato yuioe baberite -cui titul? i capire fulgious» 
a (öinrbero 3emer *Q Reutlingen ♦aitis bmue ingeniofe magiftro« 
in wbe auguOenfi impirffus frtidter. A pattu Virginia falurifcro 
anno currmte JYlillcfimo quaimngentdimo Tejcagefimonono» 

Abb. 99. Inkunabel vom Jahre 1469. Augsburg, Günther Zainer. Nach „Deutsche^und italienische 
Inkunabeln", herausgegeben von der Direktion der Reichsdruckerei zu Berlin. 

denn der verständige Bibliophile ist nachsichtig gegen die Schwächen 
seiner Mitmenschen ; aber er gerät auch nicht in Extase über einen 
Druckfehler, der eine Ausgabe von einer anderen unterscheidet; er be- 
trachtet es nicht wie ein Wunder, wenn sich in einem Exemplare eines 
Werkes Stellen vorfinden, die in einem anderen Exemplare unterdrückt 
sind ; er ist nicht untröstlich über einen Riss oder einen Wasserfleck im 
Papier , denn es ist nicht die Art des feingebildeten Bibliophilen , den 
Ruhm seiner Bibliothek der Ignoranz eines Setzers, der Unaufmerksam- 
keit eines königlichen Büchercensors oder einem aussergewöhnlichen 
Zufalle zu verdanken , ihm gilt der innere Wert des Buches mehr als 
solche Äusserlichkeiten. 



J de eu dies pmilP asueuerit feqro* 
\lnco:po*e 

^^|©cimus frudua fpuseft mo/ 
\^^ oeflia de qua i cradacu se ce' 
peräcia eddidtu io ad ptis nifyii dt 
jliciwi 

TDdecimus f mdns eft cotine 
:ia de qua in tradatu de cofa> 
i° vc caflitate dictum eil * 

[odecimns frudus efl: cafti' 
cas de qua fimiliter in trada 
>ftUj8 caplö d caflitate t>cm e 
©ft tradatu de frudibus 
fpiritus oicendü eft de ge> 
nerali iudicio. 3^* cnim ^ odaua 
dpeta a frudibus bonop opep vtm 
re as> iudiciu ertremü JDc genera 
U iudicio ä. Tue gener aUeer netäda» 
fcj figna que p2emttte£.fcripta que 
aperientur.^ba que dicentur.fcä q- 
fequüf Signa que pinittÜ peptozi/ 
e citaconea.f cpta.f. libri q apperief 
eft qoäada et ^gieff' irritaco et 
teftiü publicacö Ü3erba que vidi 
erüt Reut quedä fentencie ,pmulga' 
tio 3Fada q fequüf erüt ftcur qdaj 
laee et pmulgate {entitencie erecu . 
fpamog°p2ecedeciHuo iudiciu m 
m vicit lu.zi.figna ficut qdä citaco 
peremptotta.que figna weit f^iero. 
fe fperifTe t biftozijs ^ebieof Ipri 
ma die eriget fe mare H.cubitis fr 
alcitudinem roociü Aans in leco fuo 
quafi murus ©ecüda oJe veki 
«et ita g? ei.t pideri poterit TEtr 
da die pifees n marine beliue appa 
rences oabüt rugitus pfq3 ao celü 
Quarta vie ardebit mare et aq 
Quinta berbe et arbo2es oabüt ro 
.rem fanguineum Serta vie ruet 

f £ 

Inkunabel vom Jahre 1474. Köln, Johannes Koehlhofif. 

Nach „Deutsche und italienische Inkunabeln", herausgegeben von der Direktion der Reichsdruckerei 

zu Berlin. 



fufeicaco momiof iö dicit rps 3o". 
in.fi oga no fecilTem i eis q neo ali* 
fecit peccatu 110 baberent io ap'.po/ 
Jens oiffinire ftdem ait. IFides efl 
fubfläcia re£ fpandap argumitü ü 
afparenciü ä° Fides efl ficut inffcru ' 
metu ao feandenoü videmus itacust 
liter gp omnis rea babet locü ^um 
ao que naturaliter tendit ficut gia ' 
uia-oeozfu3 ec boc er natura giaui' 
eatis.leuia furfü a rJ er natu^f leuic/ 
tis mouetur bo ctl fit oim creatura' 
f cozßatiuj nobilioz babet locu fuß 
omnia cozpoialta«aü ^ locü an pec^ 
catum poterat per gzaciam afeede • 
yuis nö polTet per naturam 6 jpt 
peccatu gzaria fuic fibi ablata et no 
totaliter faticiata et ideo ao boc »gp 
polTet ao locü ,jpriü zemeare idige/ 
bat inflrumco quodä qd nullus per* 
fuam fapienciam vd pitä potuit fa' 
bzicare pter cridü qui fabzicacus e 
aurozam et folem. ideo omnes quC 
faluari füt per mifrerium ipfius rps 
fc3 per fidem faluati füt«q qdq efl: 
i?elut feata per qua at> celü afeeda/ 
tur cotinens iz. gzadus er izarti^ 
culis per aplop oeclaratis iur num • 
Ä. celof ineipiendo ab aere q dicii 
celü t?fq3 ao celü empireü in q duo/ 
detiarius nuerus terminaMate^ ät 
i(li° feate füt diuimtas et bumaitas 
q feala fuit per deü et boine fabii/ 
cata 6 nobia fuit per iz.apolloloa f 
uelata 3(la efl feala qua tridic iacob 
patriareba cui° cacumen ptingebat 
gyfqj ao celü cui eciam erat innirus 
per qua afcendebät angeli et uefee^ 
debät.De qua augufli in $ mone vc 
afeenftone afeendamus tä cozdeXfi 



Beilage HI. 



Specielle Richtungen der Bücherliebhaberei. 



119 



Das sind die Bibliophilen ersten Ranges, aber nicht alle, selbst von 
diesen, haben einen weiten Blick und diese Toleranz. Meistens sind die 




Abb. 100. Illustration aus „Grandes heures" von Antoine Verard. Paris, XV. Jahrhundert. 



Bibliophilen bestrebt, entweder für die Zwecke eines bestimmten Wissens- 
gebietes eine Bibliothek der besten und brauchbarsten Bücher anzulegen, 
oder sie beginnen wenigstens specielle Sammlungen in der Absicht, einen 
wissenschaftlichen Gebrauch davon zu machen. Diese nach bestimmten 



I 20 Drittes Kapitel. 

Plänen zusammengebrachten Sammlungen gehen dann meistens später 
in den Besitz öffentlicher Bibliotheken über. Der eine sammelt z. B. 
Bibelausgaben (Bibliothek in Wernigerode über 3200, die öffentliche 
Bibliothek in Stuttgart über 7200) oder griechische und römische 
Klassiker (editiones principes) und andere Schriftsteller; ein anderer 
sucht Schriften über gewisse Begebenheiten und die gleichzeitig damit 
erschienenen Schriften , wie über die Erfindung der Buchdruckerkunst, 
über das Reformationsjubelfest (königliche Bibliothek in Berlin) , den 
dreissigjährigen Krieg (königliche Bibliothek in Dresden) und den deutsch- 
französischen Krieg von 1870 (königliche Bibliothek in Berlin). Andere 
Sammlungen beziehen sich auf ganz besondere Gegenstände, wie das 
Schachspiel (die Bledow'sche Sammlung in der königlichen Biblio- 
thek in Berlin)*), auf bestimmte Persönlichkeiten, einzelne Länder 
und Orte , oder auf bestimmte Litteraturgebiete (z. B. die Meuse- 
b a c h ' sehe Sammlung von Schriften über die ältere deutsche Littera- 
tur seit der Reformation in der königlichen Bibliothek in Berlin)**), 
auf den Altkatholicismus , ja sogar auf die Quadratur des Zirkels 
u. a. m. 

Werke dieser Art werden stets gleichmässig geachtet und geschätzt 
werden und sich auch auf einer anständigen Höhe des Preises halten, 
ohne gerade „selten" zu sein; sie sind es namentlich, mit denen sich 
die vernünftige Bücherliebhaberei stets beschäftigen wird, bei ihnen tritt 
immer der innere Gehalt mehr in den Vordergrund , wenn auch die 
Schönheit und Eleganz der Ausstattung wie des Einbandes bei der Preis- 
bestimmung sehr ins Gewicht fallen. Abgesehen aber von solchen Werken 
unbestrittener wissenschaftlicher Bedeutung werden doch auch von Biblio- 
philen ganze Gruppen von Druckwerken anderer Art gesucht, die aller- 
dings teilweise schon auf das Gebiet der Bibliomanie hinüberspielen. 
Mit diesen Gruppen, denn man kann sie sehr wohl in bestimmte Klassen 
einteilen, wollen wir uns nunmehr näher bekannt machen. Wir begegnen 



*) Ludwig Bledow, ein berühmter Schachspieler, starb 1846 als Lehrer der Mathe- 
matik am Köllnischen Realgymnasium in Berlin; er war der Begründer der Berliner Schach- 
schule, deren Blütezeit in die Jahre 1837 bis 1842 fällt; 1846 gründete er die erste deutsche 
„Schachzeitung". Seine hinterlassene grosse Schachbibliothek wurde von der königlichen 
Bibliothek in Berlin angekauft. 

**) Freiherr von Meusebach, ein bedeutender Germanist, war Präsident des Kassa- 
tionshofes in Berlin und starb als solcher 1847 au f seinem Gute Baumgartenbrück bei Potsdam. 
Er hinterliess eine prachtvolle Bibliothek, in der die deutsche Litteratur des sechzehnten und 
siebzehnten Jahrhunderts ausserordentlich reichhaltig vertreten war; sie kam 1847 durch Kauf 
an die königliche Bibliothek in Berlin. 



Specielle Richtungen der Bücherliebhaberei. 



12 




£ü6 in adiutcmum meß inte I 
de W omine ad adiuuandü 

mcfittinäSlom patrt et fi | 




Abb. 101. Heures. Paris, Simon Vostre um 1502. Verkündung der Geburt Christi auf dem Felde. 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin. 



122 



Drittes Kapitel. 



ut not) foffte $eccatüm\zü:(zqaatt not) 
fete miquitate m<H£cct nunc it) pufc 
iieze tonmioiqtß mane meqnefterte nö fu6 
ifEanj.^2 . iftebo g> reöepf ox meue ^mit 
tnjiouiflimo öie öetetrajurtecfutuefu 
£*tt5catnemea13ibe6o beutn fafuatoze 
mai.*.{Du£9tfimi6 fö egotjfe (Z n5 ah 9 
jrocufi mci 9fpectuti ßtfct t catne. £.ü. 
ESffW.&tf man) mtä *3itemce : öirmttä 
J^gJabuerfurt)mecfoqutflmeutn Ca 
quar tn amaritubmc aic mecöicä bcoJßo 
fi me conöenare.Jnöica rmcfiircur me ita 
mbicce. IGimqutb 6onö ti6i IJiöetur ft cat 
föntet 16 (Z oppztmae me ppue manutl tua 
tHit),\t conftfiti ipioul aömuce? lÄunquib 
ocuft carnei ti6t funt:autficut53tbet 0omo 
(i tu ^tbeÖie^föuagutb ficutbiee jfarmme 
biee tut (t annt tut (tcur 0um<ma funt tm\s 
pQiai Ät querae tmqurtflf? meä et pecca* 
tun) meuicruterte^t fctae qi nicfjif Iptö 
fccenn) eil ftt nemo qut be manu tua pof 
fit entere, lfc. öiut fa$atum tefiifcttaifc a 
monumeto fettbti JCu ete fcfie bona requte 
(t foeä mbuf^entte.*. Äut ^cturue ee tu 
bteare *Stuo6 (? moxtuoe p feeufö per t£nc 
*2£u ete öomtne bona requtettj.(zc. r &ni. 




» g 



Abb. 99 c j a zuers t den Inkunabeln oder Wiegendrucken (vom lateinischen 

und & V 

Beilage in cuiiabula, die Wiege), auch Paläotypen (Erstlingsdrucke) genannt.*) 

Die ersten Anfänge der Druckerkunst , wie die bemerkenswertesten 
Ausgaben der Hauptstädte Europas , welche unmittelbar nach diesen 

kostbaren Erstlingswer- 
ken erschienen sind, bil- 
den ohne Frage biblio- 
graphische Seltenheiten 
ersten Ranges. Indessen 
muss man doch auch 
unter diesen Ausgaben 
des fünfzehnten Jahrhun- 
derts eine Auswahl treffen, 
denn keineswegs alle sind 
gleichwertig kostbar. Man 
kann die Zahl dieser Wer- 
ke ungefähr auf 25000 
bis 30000 schätzen. Die 
zeitliche Grenze , bis zu 
welcher sie den Namen 
Inkunabeln führen , wird 

verschieden angesetzt, 
einzelne Bibliographen, 
wie Maittaire, Panzer 
und Uffenbach, er- 
weitern den Zeitraum bis 
1520, 1526, ja bis 1536; 
Hain setzt sie in seinem 
Repertorium bis 1500 fest, 
dem ich mich in Bezug 
auf die eben genannte 
Gesamtziffer der Erschei- 
nungen anschliesse. Die 
Länge der Zeit und der 
namentlich bei der Aufhebung der Klöster und während 



Abb. 102. Heures ä l'usage de Rom. Text mit Umrahmung, aus 

vier Teilen zusammengestellt. Von Pigruchet, für Simon Vostre 

von Paris, 1488. 



Vandalismus 

der Revolutionen früherer Jahrhunderte , haben viele derselben zu 



*) Das bedeutendste Werk über die Inkunabeln ist Hain's „Repertorium bibliographicum". 
2 Bände (4 Teile), Stuttgart 1826 — 28. Die Firma Sotheran cy_ Co. in London zeigte vor kurzem 
das Erscheinen eines Supplementes zu diesem Werke an von W. A. Copinger, dem Präsi- 
denten der Bibliographical Society in London, in 2 Bänden. Der erste Band soll etwa 



Specielle Richtungen der Bücherliebhaberei. 



123 




Häfen: 



Grunde gehen lassen , was um so eher geschehen konnte , als sie bei 
Erscheinen meist nur in kleinen Auflagen von 200 bis 300 Exem- 
plaren gedruckt zu werden pflegten. 

Die Eigentümlichkeiten der Inku- 
nabeln beruhen darauf, dass die Eigen- 
art der handschriftlichen Bücher noch 
längere Zeit nach der Erfindung der 
Buchdruckerkunst durchgeführt wurde, 
wie wir im vorigen Kapitel gesehen 
haben. 

Für die Sammler werden die In- 
kunabeln natürlich um so wertvoller, 
je älter sie sind, ein Jahr macht dabei 
viel aus; als unbedingt selten sind die 
bis zum Jahre 1470 oder 1472 ge- 
druckten Werke anzusehen , bei den 
späteren wird schon mehr der innere 
Gehalt mit in Betracht gezogen. Vor- 
züglich geschätzt sind die mit Holz- 
schnitten oder den ersten Proben 
der Kupferstecherkunst ausgestatteten 
Werke , namentlich die Bibeln. Man 
kennt aus dem fünfzehnten Jahrhundert 
allein etwa hundertvierundzwanzig ver- 
schiedene lateinische Bibelausgaben, 
deren genaue Beschreibung sich bei 
Copinger*) findet. 

Neben den Bibeln sind es die 
französischen Andachtsbücher 
(Horae , Heures , livres d'heures) , für 
welche hohe Preise gezahlt werden. 
Sie sind auch deshalb wertvoll , weil 
die meisten hübsche Proben von 
Bücherverzierungen enthalten. Die 

livres d'heures wurden anfänglich nur auf Pergament gedruckt und 
von den Miniaturisten, von denen die berühmtesten in Paris waren, mit 
zum Teil grösseren bildlichen Kompositionen, Initialen u. s. w. bemalt. 




attt3lcCw0encroi^ 
tmw?tfftimce*e(k 

HoumscÄ&ieitfint 



Abb. ioc 
bis 104. 



Abb. 103. Figurenrätsel aus einem Livre d'heures. 
gedruckt zu Paris. Von Guillaume Godard, 1513. 



7000 Berichtigungen und Zusätze zu Hain enthalten, der zweite eine Beschreibung von etwa 
6000 Werken, die Hain unbekannt geblieben. Band I ist inzwischen erschienen. 
*) Copinger, Incunabula biblica. London 1892. 8. 



I 24 Drittes Kapitel. 

Diese Abbildungen haben in der Regel Bezug auf irgend ein Ereignis 
in dem Leben der Jungfrau Maria oder des Erlösers. Der Text ent- 
hält meistens ausser den eigentlichen Betstunden (horae intermeratae 
beatae Mariae Virginis) einen Kalender, Gebete, die sieben Busspsalmen, 
die Litaneien der Heiligen, die Stationen der Leiden Jesu und die 
Vigilien des Todes. Der Druck des ersten datierten französischen livre 
d'heures wurde 1487 von Antoine Verard in Paris ausgeführt. 
Abb. 105. Auch in Holland sind schon vor 1500 viele Ausgaben der „Ghetiden- 

boecxens" erschienen (Ausgabe van der Meer in Delft von 1480, 
van Woerden in Leyden von 1494 u. a.) , aber die holländischen 
können in der Schönheit der Ausführung mit den französischen Aus- 
gaben nicht wetteifern. 

Die farbigen, in byzantinischer Manier auf Goldgrund gemalten Bild- 
chen der livres d'heures machen noch heute einen brillanten Eindruck. 
Später suchte man diese Miniaturmalerei, soweit das ohne Farbe möglich 
war, durch Holzschnitte zu ersetzen, und schon um 1488 hatte man es 
darin so weit gebracht , dass diese Andachtsbücher , dem verfeinerten 
Geschmack des Publikums angepasst , auf der Buchdruckerpresse allein 
hergestellt wurden. 

Die hübsche Ausführung dieser Gattung von Büchern und ihr billiger 
Preis — billig im Vergleich mit den Summen, die man früher für mit 
der Hand kolorierte Gebetbücher zahlte — hatten einen grossen Absatz 
derselben zur Folge. Aus den verschiedensten Ländern und Städten 
kamen Bestellungen darauf nach Paris , wodurch der dortige Buchdruck 
und die Holzschneidekunst grossen Aufschwung nahmen. Aber die 
Massenfabrikation dieser Horae beeinträchtigte später die Güte der Aus- 
führung sehr. Die Feinheit der Vignetten in einigen der ersten und 
besten von französischen Pressen gelieferten Ausgaben lässt an Relief- 
schnitt in Metall denken, was durch den Buchdrucker Jan Dupre (1488) 
Bestätigung findet, der von Vignetten „imprimes en cuyvre" spricht. 
Wie hoch diese Breviere von unseren Sammlern geschätzt werden, erhellt 
aus dem Umstände, dass die Preise derselben gegenwärtig etwa fünfzig- 
mal so hoch sind, als im Anfang unseres Jahrhunderts. 

Ich möchte hier noch ein anderes epochemachendes Buch aus der 
Inkunabelnzeit anführen, allerdings ganz anderer Art: „Das narren 
Abb. 106 sc hy ff" von Sebastian Brant, ein merkwürdiges Volksbuch, dessen 
erste, ursprünglich deutsche Ausgabe 1494 bei Bergmann von Olpe 
in Basel erschien, der bald lateinische, französische und englische Aus- 
gaben folgten. Diese sonderbare , vielleicht die erste gedruckte humo- 
ristische Dichtung fand bei Erscheinen und noch lange nachher in den 



Specielle Richtungen der Bücherliebhaberei. 



125 




li&JbjPaj&i 



1&BI\ 



Cespzefenreelxureöalufaigeoe Tftöme f<3t 
au lös (Se reqnr % onr efte faictes pour Sfmö 
yoftre&ib:atre;Demouram: aparte ala rue 
neiwenoflreoamea lenfeigne fama Jeban le 
uangeliftepar ^jbbiltppepigoucbek ^^^ 




Abb. 104. Heures. Paris um 1502. Titel mit dem Signet des Simon Vostre. 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin. 



126 



Drittes Kapitel. 



weitesten Kreisen grossen Absatz, und die hundertvierzehn eigenartigen, 
zwischen eine grosse Anzahl abwechselnder Randverzierungen in den 
Text gedruckten Holzschnitte machen das Werk immer noch zu einer 
von Liebhabern sehr gesuchten Seltenheit. Eine von Karl Simrock 
in unser heutiges Hochdeutsch übertragene Ausgabe mit allen Illu- 
strationen des ersten 
Druckes erschien 1872 
bei Fr. Lipperheide 
in Berlin. 

Die Erstlingsdrucke 
kamen um die Mitte 
des sechzehnten Jahr- 
hunderts ganz ausser 
Gebrauch und gewan- 
nen die Gunst der 
Bücherfreunde erst wie- 
der im Anfange des 
achtzehnten Jahrhun- 
derts, genauer bestimmt 
etwa gegen das Jahr 
1740, als man bei Ge- 
legenheit der dritten 
Säkularfeier der Buch- 
druckerkunst begann, 
sich ernsthaft mit der 
Erfindung und den er- 
sten Erzeugnissen der 
Buchdruckerkunst zu 
beschäftigen. 

Die Notwendigkeit, 
bei dieser Gelegenheit 
die alten typographi- 
schen Denkmäler sorg- 
fältig zu sammeln , um sie genau kennen zu lernen , ihre Chrono- 
logie festzustellen , sie systematisch und geographisch zu ordnen , und 
die Aufklärung zu gewinnen , die durch die Werke selbst allein zu 
finden war , diese Notwendigkeit förderte alles zu Tage , was bis dahin 
verborgen und unbeachtet geblieben war. Und nachdem nun dieser 
wichtige Teil der bibliographischen Wissenschaft einmal so gründlich 
erforscht und jedes Buch auf seine Bedeutung hin geprüft war, da wurde 




Abb. 105. Der „Dood van de H. Maagd", Stich aus einem 
getijenboek von Simon Vostre, 



Speciellc Richtungen der Bücherliebhaberei. 



12' 



man bald genauer in der Auswahl dessen, was der Beachtung mehr oder 
weniger wert war. Man wandte sich nicht mehr ausschliesslich den ersten 
Presserzeugnissen von Mainz, Bamberg, Köln, Strassburg, Rom, Venedig, 
Paris und der anderen Städte zu, in denen die Buchdruckerkunst schon 
vor dem Jahre 1475 
oder wenig später aus- 
geübt war , sondern 
bevorzugte neben den 

ältesten Inkunabeln 
auch die Erstlings- 
drucke der verschie- 
densten Städte , die 
ersten Ausgaben in 
hebräischen , griechi- 
schen und anderen 
Schriftzeichen, und an- 
dere Werke, die eine 
besondere bemerkens- 
werte Eigentümlichkeit 
aufwiesen, vornehmlich 
aber die ersten Aus- 
gaben der alten latei- 
nischen und griechi- 
schen Klassiker. Und 
so finden wir bei den 
Inkunabeln wieder eine 
ganz besondere, von 
den Sammlern sehr ge- 
schätzte Gruppe , die 
der sogenannten „Edi- 
tiones principes" 
oder ,, Erstdrucke". 
Die ersten Ausgaben 
haben für den Lieb- 
haber meistens einen 
reelleren Wert, als den der Seltenheit, sie geben den genauen Text 
der Manuskripte wieder und sind für Gelehrte z. B. , die heute eine 
gute Textausgabe eines alten Autors herausgeben wollen, eine unersetz- 
liche Hilfe. Trotz dieser allgemein bekannten, feststehenden Vorzüge 
der glorreichen Zeugnisse für die Gelehrsamkeit des fünfzehnten Jahr- 




^""-^ tbaqTvcKvvvsAt 



r^vw*— 



Abb. 106. Sebastian Brant. Nach dem Bildnis in Reusner's „Icones" 
(Sammlung von Bildnissen hochgelehrter Männer in Deutschland), er- 
schienen zu Strassburg 1587. 
Unterschrift aus einem eigenhändigen Schreiben. Original im Stadt- 
archive zu Strassburg. 



128 



Drittes Kapitel. 



Den t>ovbatt3 fyat man mir getan 
ban ic|> on nui$ r>il biityev tyan A 
bie i<^> nit ü* nnb nit rerftan. 



i sS 




Abb. 107. Holzschnitt und Randleisten aus der ersten Ausgabe von 
Sebastian Brant's Narrenschiff (Basel 1494). Ein Gelehrter mit Brille, 
Schlafmütze und zurückgestreifter Narrenkappe sitzt vor einem mit Büchern 
belegten Doppelpulte und scheucht mit einem Wedel die Fliegen von 
einem aufgeschlagenen Buche. 



hunderts sind die Erstausgaben bei den Samm- 
lern heute doch nicht mehr so gesucht , als sie 
es noch im Anfange unseres Jahrhunderts waren. In England, wo man 
früher so begierig darauf fahndete , wendet man sich mehr und mehr 



Specielle Richtungen der Bücherliebhaberei. 



129 



davon ab, und auch in Frankreich vernachlässigt man die gediegenen 
alten Ausgaben und treibt lieber einen Bücherkultus mehr äusserlicher 
Art, mit dem wir uns weiterhin noch zu beschäftigen haben werden. 

Bei dieser allgemein wahrnehmbaren Erscheinung, dass die ,,Editiones 
principes" ihren alten Marktwert nicht mehr behaupten , zeigen jedoch 



SmltiferaiHattfo. 




iflarragotuce pfü tiome nimm 

fatis laudata Nauist per Sebaftianu Brant: vernaeufo vuk 
gariep fermone& rhythmo^cüdfco^tnortaliumfatuitatis 
femitas cfFugere cupiettü directione/ fpeculo /cömodoqj & 
falute : proq^tncrtisignau^jftukici^ppctuaitifamia/cxes 
cratione/& confutatione/nup fabricata : Atq* iampridem 
per Iacobum Locher/cognometo PhilomiifumrSücuii un 
latinu tradu&a eloquiu : & per Sebaftianu Brant : denuo 
feduloq* reuifa:foelici exorditurprincipiö. 

.1497« 

Nihil (ine caufe- 

XoideOlpe 



Abb. 



Titel der lateinischen Ausgabe von Sebastian Brant's ,,Narrenschifif" 
Gedruckt 1497 zu Basel durch Bergmann von Olpe. 



verschiedene davon, insbesondere die ältesten Denkmäler der Typographie 
und einige der wichtigsten klassischen Autoren in den vor 1470 gedruckten 
Ausgaben, die Tendenz, auf alle Fälle im Preise nicht zu sinken, sondern 
fortwährend noch zu steigen. 

Es zeigt sich da die besondere Anziehungskraft einer ersten Ausgabe, 
die den Stempel trägt, frisch aus dem Geiste des Verfassers entsprungen 



Mühlbrecht, Bücherliebhaberei. 



I 30 Drittes Kapitel. 

zu sein, oder als erster Triumph typographischer Leistungen zu gelten. 
England ist immer noch das Land, wo die Inkunabeln und die ,,Editiones 
principes" am meisten geschätzt werden, und dort finden sich auch grosse 
Privatbibliotheken, die davon gebildet sind. Die Sunderland-Bibliothek 
z. B. enthielt eine bedeutende Anzahl, beinahe alle Werke von Wert in 
den Erstausgaben und eine Serie von berühmten Werken , deren jedes 
seine eigene Geschichte hatte, so 85 Ausgaben des Aristoteles, 40 des 
heiligen Au g ustinus, 75desOvid, 71 von Pet rar c a, 45 des älteren 
Plinius, 79 Ausgaben des Homer, 181 von Horaz u. s. w. Es 
möge an einigen Beispielen gezeigt, werden, welche Preise man in Eng- 
land zahlt.*) 

Nehmen wir die von Gutenberg und Fust gedruckte zweiund- 
Beiiage iv vierzigzeilige , die sogenannte ,, Mazar in "-Bibel , von der schon im 
»•I30/I3I)- vorigen Kapitel die Rede war. Auf der Pe rkins- Auktion in London 
(1873) tauchte das erste, im neueren Privatbesitz berühmt gewordene, 
auf Pergament gedruckte Exemplar auf und brachte 3400 £, daneben 
ein Exemplar auf Papier gedruckt 2690 £. Auf der Thor old- Auktion 
(1884) schon ergab ein schönes Exemplar auf Papier 3900 £, also 
500 £ mehr, als das frühere Pergamentexemplar. Im Jahre 1889 erzielte 
das Hop et o u n -Exemplar , das einige leichte Beschädigungen aufwies, 
2000 £, und im März 1891 das I v e s - Exemplar mit fünfzehn hand- 
schriftlich ergänzten Blättern 14800 Dollars. Am 28. Juni 1897 kamen 
bei Sotheby in London einige hundertundfünfzig verschiedene Bibel- 
ausgaben aus dem Nachlasse des Lord Ashburnham zur Versteigerung, 
darunter auch eine Mazarin-Bibel. Das erste Gebot darauf begann mit 
20000 Mark, sprang sofort auf 40000 und stieg um Tausende, bis 
schliesslich der Antiquar Quaritsch das Werk für 80 800 Mark erstand. 

Leichte Beschädigungen oder Defekte machen bei einer derartigen 
Seltenheit ersten Ranges gleich einen grossen Preisunterschied. Der Wert 
dieser selben Bibel hatte bis Ende des ersten Viertels unseres Jahrhunderts 
den Preis von 100 £ noch nicht überschritten, der bis dahin erzielte 
höchste Preis war 6260 Francs, die auf der Mac Carthy- Auktion (1817) 
dafür gezahlt waren. Im Jahre 1769 waren auf der Gaignat -Auktion 
für ein Exemplar sogar nur 1200 Francs gezahlt. 

Die erste datierte Bibel (1462) von Fust und Schöffer giebt ein 
anderes gutes Beispiel moderner Preissteigerung. Das Gaignat-Exemplar 
auf Pergament wurde 1769 für 3200 Francs verkauft, das Edwards- 
Exemplar, ebenfalls auf Pergament, im Jahre 181 5 für 175 £. Im Jahre 



W. Roberts, Rare books and their prices. London 1895. 



Specielle Richtungen der Bücherliebhaberei. i 3 j 

1823 schon galt ein anderes schönes Exemplar auf der Perry- Auktion 
215 £, im Jahre 1873 aber wurde das Pe rk in s- Exemplar, das seinem 
Besitzer 173 £ gekostet hatte, für 780 £ verkauft, und acht Jahre später 
wurde das Su n der 1 an d- Exemplar , auch auf Pergament , für 1600 £ 
versteigert. 

Das grossartigste Beispiel moderner Preissteigerung seltener Bücher 
ist das von Fust und Schöffer 1459 gedruckte Psalterium , wofür 
B. Quaritsch in London 1884 auf der Thor old- Auktion 4950 £ 
(99000 Mark) gezahlt hat, der höchste Preis, der bis dahin jemals für 
ein Buch gezahlt wurde. Es ist die zweite Ausgabe des ersten mit 
Jahreszahl versehenen Druckwerkes und unzweifelhaft eine der alier- 
seltensten ältesten Proben der Typographie , neben ihm ist die in etwa 
fünfzehn Exemplaren bekannte berühmte Maz ar in- Bibel ein verhältnis- 
mässig gewöhnliches Buch. Die Seltenheit des Q uar itsch- Exemplars 
ist insofern festgestellt , als es das einzige bekannte Exemplar ist , das 
von Zeit zu Zeit auf dem Büchermarkte auftauchte; es war zuerst 18 17 
in der Mac Carthy- Auktion für 3350 Francs verkauft, dann in der 
Sykes- Auktion für 136 £ 10 sh., und hat nun über zwölf Jahre in 
Quaritsch's Hand geruht; die ,, Nationalzeitung" vom 5. Januar 1896 ent- 
hält die Notiz, dass das Exemplar für 5256 £ (105 120 Mark) in London 
weiterverkauft ist, an wen wird nicht gesagt. Peter Schöffer ver- 
anstaltete von diesem Psalterium 1490 noch eine dritte, 1502 eine vierte 
und sein Sohn Johann 15 16 noch eine fünfte Auflage. 

Die erste Ausgabe des Psalteriums vom Jahre 1457, das erste Beilage v 
überhaupt datierte Druckwerk der Welt , ist von mir bereits früher bei ^ " I32 ' 133 ^ 
der Thätigkeit von Gutenberg, Fust und Schöffer erwähnt; es 
sei hier noch ergänzend bemerkt, dass die ganze Auflage dieser ersten 
Ausgabe auf schönem Pergament in grossem Folioformat gedruckt ist ; 
man kennt davon nur sechs Exemplare , die alle unveräusserlich fest- 
liegen, und zwar an folgenden Orten.*) 

Ein Exemplar wurde von Schöpflin den Vorstehern des St. Victor- 
Stiftes in Mainz , die von dem Werte gar keine Ahnung hatten , ab- 
geschwatzt, dann im Jahre 1754 für 2000 Livres verkauft und, nach 
mehrfachem Besitzwechsel, im Jahre 18 17 bei der Versteigerung der 
ausgezeichneten Büchersammlung des Grafen Mac Carthy in Toulouse, 
obgleich sechs Blätter an dem Exemplar fehlen , von dem Könige von 
Frankreich für 12000 Francs für die öffentliche Bibliothek in Paris 
erworben. Das zweite Exemplar, ebenfalls aus dem St. Victor -Stift in 



• r ) Falkenstein, Geschichte der Buchdruckerkunst. 2. Aufl. Leipzig 1856. 

9* 



1^2 Drittes Kapitel. 

Mainz stammend, ziert jetzt die grossherzogliche Bibliothek in Darmstadt. 
Das dritte Exemplar wurde 1643 m der Domkirche zu Freiberg auf- 
gefunden und bildet gegenwärtig , obwohl es nicht ganz vollständig ist, 
einen Hauptschatz der königlichen Bibliothek in Dresden. Das vierte 
Exemplar, früher Eigentum der Prämonstratenserabtei Roth bei Mem- 
mingen, wo es Schelhorn im Jahre 1768 entdeckte, ging 1798 für 
3000 rheinische Gulden an die Bibliothek des Lord Spencer über. 
Das fünfte Exemplar befindet sich in der Residenzbibliothek in Windsor; 
es war früher Eigentum des Klosters der Ursulinerinnen zu Hildesheim, 
dann des Hofrats Duve in Hannover, von wo es an die Göttinger 
Bibliothek kam , die es dem Könige von England abtrat. Das sechste, 
schönste und vollständigste Exemplar befand sich früher auf Schloss 
Ambras in Tirol, wo es Lambeccius 1665 entdeckte; es schmückt 
heute die k. k. Hofbibliothek in Wien. 

Ein siebentes Exemplar, früher in der Domkirche zu Mainz, wo es 
Würdtwein 1787 auffand, dann in Aschaffenburg befindlich, und ein 
achtes Exemplar , ehemals in der Stadtbibliothek in Mainz befindlich, 
sind beide während des französischen Revolutionskrieges spurlos ver- 
schwunden. Die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, dass mit der Zeit 
noch einmal ein Exemplar davon irgendwo in der Welt wieder ent-. 
deckt wird. 
Abb. 109. Ein anderer der ersten Drucke von Gutenberg's Pressen möge 

hier noch genannt sein, das sogenannte ,,Katholikon" vom Jahre 1460, 
eine zu jener Zeit sehr beliebte und viel gebrauchte grammatikalisch- 
lexikalische Kompilation des Dominikanermönchs Johannes deBalbis 
von Genua , auf Pergament in Folio gedruckt , die Initial- und Versal- 
buchstaben in Gold- und Purpurfarben eingemalt. Sir John Thorold 
hatte dafür 65 £ 2 sh. gezahlt , und beim Verkaufe seiner Sammlung 
im Jahre 1884 ergab das Exemplar 400 £. 

Unter den ersten Ausgaben der Inkunabeln nimmt auch der Valdarfer 
Boccaccio vom Jahre 147 1 eine hervorragende Stelle ein. Von diesem 
ausserordentlich seltenen Werke ist nur ein vollständiges Exemplar be- 
kannt , neben dem etwa noch ein halbes Dutzend defekte Exemplare 
existieren. Auf der berühmten Roxbu rghe- Auktion von 181 2 wurde 
für das vollständige Exemplar dieses Werkes von dem Marquis von 
Blandford die damals enorme Summe von 2260 £ gezahlt, es hatte 
dem Herzog von Roxburghe 100 Guineen gekostet; dieser Roxburghe- 
Boccaccio wird uns späterhin noch in interessanter Weise beschäftigen. 

Fast ebenso wertvoll wie der Boccaccio ist die erste datierte 
Vir gil- Ausgabe von Windelinus de Spira (von Speyer), 1470 in 



■/ 




1 



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£ßp 



mto ir 
är,6ttmuan$iit 



Probe des Fust & Sc hoff ersehen Psalters von 1457. Erst 
auf Pergament gedruckt, nur noch in 6 Exemplaren vorhanden, das 
Dresden, zwei in England. Die letzte Zeile der genauen Probe (An) 
durch welche dieser Psalter das erste Druckwerk der Welt ist, we 
Dieselbe lautet wörtlich übersetzt: „Gegenwärtiges Buch der Psalme 
mit den unterscheidenden Rubriken versehen, ist durch die künstln* 
Schrift der Feder so gemacht und zur Verehrung Gottes mit Fleis: 
Peter Schöffer von Gernsheim, im Jahre 1457 am Vorabend der Hi^ 



Beilage V. 



fatuö Dir gui non 

^tjtm^riliaimuioq: 

Hntriaptffatomnon 

to^inratljtörajjffti 

intirnonfeöif.Sfü 
iilpgtöjmmitioiütao 
Itüitaütmrötearno* 

Infi quofrtrtaratu rfl- 



Erstieite: Beatus vir qui non abiit etc. Psalm I, i ff. Format gross Folio, 
önste in der K. K. Bibliothek zu Wien, die anderen in Paris, Darmstadt, 
domini Millesimo CCCCLVII etc.) ist der Schluss der Druckdatierung, 
j \vel)s Namen der Urheber, Ort und Zeit der Entstehung genau angiebt. 
^mßkurch die Schönheit der Hauptbuchstaben geschmückt, und hinlänglich 
^tlij Erfindung, zu drucken und Buchstaben zu bilden, ohne irgend eine 
t Fleissp 1 Stande gebracht worden durch Johann Fust, Bürger zu Mainz und 
k . fliielfahrt" (d. i. d. 14. August). 



Specielle Richtungen der Bücherliebhaberei. j?2 

Venedig gedruckt. Das von der Su n de r lan d- Auktion (i 88 1) her- 
stammende Exemplar ist gegenwärtig in einem englischen Kataloge mit 
iooo £ angesetzt, während das Ives-Exemplar 1891 für 3000 Dollars 
fortging; beide Exemplare sind auf Pergament gedruckt, Genau vor 
hundert Jahren in der Cr eve nn a- Auktion (1791) ergab ein Exemplar 
dieses Werkes 4150 Francs, dagegen brachten fünfzig Jahre später einige 
auftauchende Exemplare kaum die Hälfte , eines davon ging sogar für 
den niedrigen Preis von 1301 Francs fort. Typographisch gleich prächtig 
und ebenso interessant, wenn auch nicht entfernt so selten, ist die erste 
griechische Ausgabe des Homer, in Florenz 1488 gedruckt. Ein 



/Utiffimi prcfioio nriuc mihi mfäntmm linguc fi 
mit öiförre.Quj q? iinofepc guulio rcuolat quoö 
ßpientibuo cclaf.toic libcr cgw^uo.catbolicon. 
Dnicc rncarnarionio amiis 00 crcc Ix /Uma m ur 
bo maqjtntina narionio mdire gsrmanicc.Quam 
tßi dcmenaa tarn alrc> mg^mi lurmne.öono qj $• 
ttotu.ccteris rerrai; nadonibuc pHßfcro.illuflrranj 
<$ Oign/ittis ort- Aon calami.ftili.aut pcnnc fiiffra 
qpo.f? mira patronau forma** <# concD20?a#or 
aonc et moöulo.imprdTuß atqj confectus cftr. 
l^inc tibi faneh? pat«r natt> cii flamme facro.tau& 
et bono* öfio trino tribuatiu et uno Gcdofic lau 
Zs libro hoc exthohe? plawos Qui MuDai* piam 
(emper non Ijnquc manam JD(£(D»<gR/fl&lfl lL 

Abb. 109. Impressum des „Katholikon", von Gutenberg im Jahre 1460 gedruckt. 

Exemplar aus der Bibliothek des Herzogs von Grafton wurde 1819 
mit 69 £ bezahlt, den höchsten Preis erzielte ein unbeschnittenes Exem- 
plar in der Co tte- Auktion 1804 mit 3601 Francs. Ein anderes Exemplar, 
eins der schönsten, die bekannt sind, wofür Mr. Wodhull 1770 nur 
1 5 Guineen bezahlt hatte , ging bei der Versteigerung seiner Bibliothek 
im Jahre 1886 für 200 £ fort. 

Die erste Ausgabe des ersten , in griechischer Sprache gedruckten 
Buches, die „Grammatica graeca" von Lascaris, Mailand 1476, 
wovon nur etwa sechs Exemplare bekannt sind, ging in der Heber- 
Auktion 1834 für die damals hohe Summe von 34 £ fort, während ein 
halbes Jahrhundert darauf der Wert sich verdreifacht hatte, das Thorold- 
Exemplar ging 1884 für 105 £ fort. Es ist eins der seltensten Bücher, 
die existieren, und schon in der AI dus- Ausgabe von 1495 heisst es 



134 Drittes Kapitel. 

in der Vorrede, es sei festgestellt, dass die erste Ausgabe trotz eifrigster 
Nachforschung nicht mehr aufzufinden gewesen sei. Ein Exemplar davon, 
aus der B u r n ey- Bibliothek stammend, besitzt die Bibliothek des British 
Museum in London. 

Die erste Ausgabe des Ovid, Bologna 1471, ist vielleicht die seltenste 
aller Erstausgaben der alten Klassiker, man kennt davon nur ein einziges 
vollständiges Exemplar. Die erste Ausgabe von Plinius' historia 
naturalis, Venedig 1469, obgleich auch selten, ist viel leichter zu 
erhalten, als der Ovid. 

Was ich schon vorher von den ersten Ausgaben im allgemeinen 
bemerkte , dass ihr Marktwert im Abnehmen begriffen sei , trifft ins- 
besondere auch bei den Erzeugnissen der Aldus -Pressen zu, sie 
haben beinahe ganz die frühere Beliebtheit verloren, wenn es sich nicht 
um Pergamentdrucke oder andere Exemplare , die einen besonderen 
Charakter tragen, handelt. Die erste Ausgabe des „Musaei opus- 
culum de Herone et Leandro", Venedig 1496, in Quartformat, 
ist etwa 36 bis 42 £ wert ; wirklich schöne Exemplare davon kommen 
nur selten auf die Versteigerungstafel, merkwürdigerweise aber auch keine 
schlecht erhaltenen, fast immer sind es Exemplare in guter Beschaffen- 
heit, offenbar eine Folge davon , dass die Werke sich in Händen nicht 
lesender Sammler befunden haben. Der Musaeus unterscheidet sich 
in dieser Beziehung sehr vorteilhaft von der ersten Aldus- Ausgabe 
des Virgil vom Jahre 1501, dem ersten in Cursivschrift gedruckten Buche; 
es ist beinahe unmöglich , hiervon ein vollständiges Exemplar zu be- 
kommen, sowohl das Beckford- wie das Harn ilt on -Exemplar waren 
defekt; ein wirklich gutes Exemplar dürfte heute etwa 155 £ wert sein, 
das Ives-Exemplar, das vollständig war, ergab im Jahre 1891 250 Dollar, 
vor etwa hundert Jahren stand das Werk etwa um den vierten Teil 
höher im Werte. 
Abb. ho. Die von Aldus 1499 gedruckte Hypnerotomachia Poliphili 

wird weniger ihres Textes , als der Bilder wegen geschätzt , die Ab- 
bildungen, deren Entwürfe von einigen Raffael, von anderen dem Gio- 
vanni Bellino zugeschrieben werden , sind von ganz eigenartiger 
Schönheit und empfehlen das Buch dadurch dem Bibliophilen. Bei 
diesem Buche ist denn auch eine aufwärts steigende Tendenz des Wertes 
bemerkbar, ein schlechtes Exemplar kostet heute viermal so viel, als ein 
gut erhaltenes vor fünfzig Jahren. Mr. Cheney zahlte an Quaritsch 
45 £ für ein Exemplar, das sechs oder sieben Jahre später 119 £ ein- 
brachte; das Beckford-Exemplar ergab 1882 130 £, und das aus- 
nahmsweise gut erhaltene Exemplar der Tu r n e r- Bibliothek 137 £. 



Specielle Richtungen der Bücherliebhaberei. 



135 



Trotzdem vermögen diese vereinzelten guten Erfolge einzelner Exemplare 
und einzelner Werke den andauernden Preisherabgang der Aldinen 
im allgemeinen nicht aufzuhalten. Es würde z. B. 10 bis 12 £ jetzt 
schon ein schöner Preis für die Aldiner erste Ausgabe des „Lucretius" 
von 1500 sein, während Grolier's Exemplar der zweiten Ausgabe noch 
vor wenigen Jahren 300 £ ergab. Der Unterschied liegt allerdings in 
Äusserlichkeiten , in dem berühmten Einbände , und ist deshalb ein ab- 
strakter, immerhin aber liegt er vor. 




Abb. 110. Illustration aus „Hypnerotomachia Poliphili", gedruckt von Aldus Manutiu^ 

zu Venedig, 1499. 



Die Veränderungen, denen alles im Menschenleben, intellektuell und 
materiell , unterworfen ist , machen sich auch in der Bücherliebhaberei 
bemerklich, man giebt die alten Richtungen auf, und die heutige 
Generation fängt an , sich mehr für erste Ausgaben der modernen 
Autoren zu interessieren. Die Anziehungskraft erster Autoren gegen- 
über den späteren fällt unter die Erscheinungen, die sich psychologisch 
und nach gewöhnlichen Prinzipien nicht erklären lassen, es ist Gefühls- 
sache. Die Bücherliebhaberei gehört überhaupt zu den Passionen , die 
weder einer Entschuldigung, noch einer Verteidigung bedürfen. Alle 
Begründungen dieses Steckenpferdes, das auf manchen Sammler geradezu 
fascinierend wirkt, haben noch niemals einen Bibliophilen selbst befriedigt, 
noch einen der Philister, die über die Verschwendung staunen, beruhigt. 



1^5 Drittes Kapitel. 

Man soll deshalb gar nicht versuchen, die exorbitanten Preise zu recht- 
fertigen, denn man könnte dabei leicht zu einer Verdammung derselben 
kommen. 

Und doch verdient es keinen Tadel , wenn die Phantasie und der 
Ehrgeiz der Sammler sich darauf kaprizieren , alles , sei es gut oder 
schlecht , in ihrer Hand zu vereinigen , was ein berühmter Drucker ge- 
schaffen hat; wenn von reichen Leuten das Gold mitunter pfundweise 
für Bücher von wenigen Blättern Umfang gezahlt wird aus dem einzigen 
Grunde, weil die Titelblätter den Anker der Aldus oder das Drucker- 
zeichen der Elze viere tragen, oder weil sie besonders „selten" sind. 
Denn das Bedürfnis , diese Leidenschaft zu befriedigen , ist wohl das 
unschuldigste , das ein gebildeter Mann haben kann , und diese Leiden- 
schaft hat viel dazu beigetragen , sonst unbedeutende Bücher wieder in 
Umlauf zu bringen, sie hat mehr als ein wichtiges Dokument dem Staube 
der Vergessenheit entrissen und zum Nutzen der Menschheit wieder an 
das Tageslicht befördert. 

Der Kultus mit ersten Ausgaben hat so lange einen berechtigten 
Anspruch auf Geltung, als er nicht zu sinnlosen Excessen ausartet. Die 
Anziehungskraft einer Erstausgabe kann ja sentimentaler Art sein , es 
kann das Papier, worauf sie gedruckt ist, jetzt nicht mehr angefertigt 
werden, die damalige Type kann jetzt im Gebrauch gänzlich verschwunden 
sein , das Material und die Zeichnungen , die Einbände können gänzlich 
aus der Mode und nicht mehr zu beschaffen sein. Solche Attribute, 
vereinzelt oder in Verbindung miteinander , erscheinen besser geeignet, 
den Söhnen oder Enkeln die „gute alte Zeit" ihrer Väter und deren 
Vorfahren näher zu bringen, als irgend eine geschriebene oder gedruckte 
Erläuterung es vermag. Also man lasse die Sammler gewähren. 

Ich verlasse mit dem Leser das Gebiet der Inkunabeln und ersten 
Ausgaben, um eine andere Gattung seltener Bücher ins Auge zu fassen: 
die aus Gründen der verschiedensten Art vom Büchermarkte ver- 
schwundenen Bücher, die sogenannten Unica (exemplaires uniques). 
Streng genommen sollte von solchen Werken stets nur ein einziges 
Exemplar existieren, nur in wenigen Fällen aber dürfte eine so ausser- 
ordentliche Seltenheit nachweisbar sein, und man erweitert deshalb den 
Begiff bibliographisch dahin, dass man darunter solche Werke versteht, 
von denen zur Zeit nur ein oder das andere Exemplar bekannt ist. 

So kennt man z. B. bis jetzt nur ein einziges Exemplar (in der 
Bibliothek in Klagenfurt) der Schrift „Euangelium Nicodemi usz 
dem Latein ins teudsch bracht" 1496, 8, ohne Angabe des Er- 
scheinungsortes oder Druckers. Ebenso ist nur ein Exemplar der be- 



Spccielle Richtungen der Bücherliebhaberei. 1^7 

rüchtigten Geschichte des in Trient ermordeten Christenkindes bekannt. 
Dies Buch beginnt gleich auf der ersten Seite folgendermaassen: „Das 
erste Capittel ist der Rat, den die Juden haben gehabt in der heiligen 
Marterwoche an dem pfingstag vor ostern," und der Schlus slautet: „Und 
das hat gedruckt Alb er tu s Duderstadt von dem Eiksvelt zu Trient 
in dem jar alsz man die Juden hat verprant do man schrieb tausend vier 
hundert und sibncz jar an dem mitwuchen vor unser lieben frauwen der 
purt. u Zu den Büchern, deren Existenz lange Zeit bezweifelt wurde, 
gehört auch das berüchtigte: „De tribus impostoribus" ed. Anno 
MDIIC (die drei Betrüger: Moses, Christus, Mahomed).*) 

Als die Ursache solcher vereinzelten Erscheinungen von nahezu 
totaler Vernichtung kann man Naturereignisse oder zufällige Umstände 
annehmen, wie Feuersbrunst, Schiffbruch, feindliche Plünderung und Zer- 
störung, richterliches Urteil u. dergl. In diese Kategorie gehören auch 
Bücher, die nachweislich in grosser Auflage gedruckt, aber vielleicht 
nur in etwa zwanzig Exemplaren verkauft sind , und deren Restbestand 
dann, weil sich kein Käufer dafür fand, eingestampft wurde. 

Dahin gehören ferner die absichtlich verstümmelten Bücher, 
und solche, denen später aus besonderen Gründen ergänzende Kartons 
beigefügt wurden. Im ersteren Falle sind natürlich die unverstümmelten 
Exemplare die seltenen, im letzteren Falle diejenigen, in denen sich die 
Kartons befinden. Unter Umständen können auch die amtlich beschädigten 
Exemplare als Denkmäler geistiger Unduldsamkeit Interesse erwecken. 
Hierher ist weiter die grosse Anzahl von Werken zu rechnen , welche 
in früheren Zeiten bei ihrem Erscheinen oder bald darauf von der geist- 
lichen oder weltlichen Herrschaft aus religiösen, sittlichen oder politischen 
Gründen unterdrückt oder durch Aufkauf und Vernichtung dem 
Verkehr entzogen wurden. 

Als ein Beispiel dieser Art nenne ich das Werk von Lieuwe 
van Aitzema: „Historie of verhael van Saken van Staat 
en Oorlog in en omtrent de Vereenigde Nederlanden", 
s' Gravenhage, 1657 — 1671. 14 Teile in 4 . Dieses Werk erschien aller- 
dings in den Jahren 1669 — 1672 in einer neuen Ausgabe in sechs Folio- 
bänden, doch enthält diese nicht alles, was in der ersten Ausgabe vor- 
kommt. Es stand nämlich in der ersten Ausgabe manches , was man 
lieber nicht veröffentlicht sehen mochte; die ausgegebenen Exemplare 
davon wurden deshalb so viel als möglich wieder aufgekauft und ver- 
nichtet. In der späteren Folioausgabe wurde vieles ausgelassen oder 



*) van der Meulen, Boekenliefhebberij S. 147. 



I38 Drittes Kapitel. 

verbessert „vermits de schrijver goed vond zieh naar den tijd te schikken". 
Eine der wesentlichsten , Verbesserungen" hat Bezug auf die damals Auf- 
sehen machende Angelegenheit der Prediger in Utrecht , die 1660 auf 
Befehl der staatlichen Provinzialregierung und der städtischen Behörde 
die Stadt verlassen mussten. In der ersten Auflage äussert sich Aitzema 
nicht zu Gunsten der Utrecht'schen Regenten , in der zweiten dagegen 
nimmt er ihre Partei. Die Folioausgabe ist wegen grösserer Korrektheit 
später zu mehr Ansehen gelangt, als die erste, diese aber steht höher 
im Preise und ist gesuchter, weil sie selten geworden. 

In der Gruppe der sogenannten verbotenen Bücher werden 
heute viele als Seltenheiten ersten Ranges betrachtet, namentlich solche, 
die auf Befehl der Obrigkeit vernichtet wurden. So z.B. der „Tractatus 
de Deo" von Conrad Vorstius, welches Buch auf Befehl des Königs 
Jakob I. in England wie Holland öffentlich verbrannt wurde. Dasselbe 
Schicksal hatten in Frankfurt die Schriften von Michael Servetus. 
Der Jesuitenpater Anton Koniatz in Böhmen, der 1760 starb, that, 
was er konnte , um die Bücher der Hussiten zu vernichten. Wo er 
predigte, machte er es seinen Zuhörern zur Gewissenspflicht, ihm alle 
Bücher ohne Ausnahme zur Durchsicht vorzulegen ; was ihm darunter 
verdächtig erschien, verdammte er zum Feuertode; er soll auf diese Weise 
über sechzigtausend Bücher verbrannt haben und trägt einen nicht ge- 
ringen Teil der Schuld , dass die ganze böhmische Litteratur des sech- 
zehnten Jahrhunderts heute nahezu verschwunden ist. 

Zuweilen mussten auch die Autoren das Schicksal ihrer Schriften 
teilen. Geoffroy Vallee wurde 1574 in Paris wegen seiner „Ars 
nihil credendi" verbrannt. Dieses Buch ohne Datum noch Angabe 
von Druckort und Drucker erschien unter dem sonderbaren Titel : 
„Beatitudes des Chretiens, ou le Fleo de la Foy, par 
Geoffroy Vallee, natif d'Orleans, fils de feu Geoffroy 
Vallee et de Girande le Berruyer, auxquels noms de pere et 
mere assembles il s'y trouve : Lerre Geru vrey Fleo de la Foy Bigarree. 
Et au nom du fils : Va Fleo, regle Foy ; ou autrement : Guerre la Folie 
Foy." Das Buch wurde ebenfalls dem Scheiterhaufen überliefert und 
bis auf ein Exemplar vernichtet. 

Der wegen seiner atheistischen Schriften zum Feuertode verurteilte 
Pole Casimir Leszynsky wurde, weil er um eine mildere Strafe 
gebeten hatte , gezwungen , seine Schriften selbst zu verbrennen , dann 
schlug der Henker ihm die Hand und zuletzt den Kopf ab. Sein Leich- 
nam wurde darauf verbrannt und dessen Asche durch eine Kanone in 
die Luft geschossen. Einem ähnlichem Schicksale wusste sich Helot, 



Specielle Richtungen der Bücherliebhaberei. 



139 




mt 



J- 




der in Paris heimlich ein obscönes Buch, betitelt: „L'ecole des 
filles" hatte drucken lassen, durch die Flucht zu entziehen; sein 
Buch wurde verbrannt und sein Bild gleichzeitig am Galgen gehenkt.*) 

Die zahlreichen ,,indices librorum prohibitorum", die hol- 
ländischen „placaten" und andere staatliche Verzeichnisse verbotener 
Schriften geben heute noch die besten Mittel einer ziemlich genauen 
Kontrolle solcher Bücherschicksale. 

Auf Werke dieser Art wird seitens der Bibliophilen und Bibliomanen 
eifrig gefahndet, ja sie bilden 
häufig den Gegenstand ganz be- 
sonderer Fürsorge, mit der man 
bemüht ist , sie vor gänzlichem 
Untergange zu bewahren. Eine 
ganze Reihe derartiger Unica ist 
neu gedruckt , teils auf Kosten 
Einzelner, teils auf Kosten von 
Vereinen, sei es in Einzelausgaben 
oder in Sammelwerken. Die Ver- 
einigungen der Bücherliebhaber 
in England und Frankreich haben 
in dieser Beziehung vieles und 
Gutes geleistet, und sind unaus- 
gesetzt noch bemüht, dieses Ge- 
biet zu durchforschen. Der fran- 
zösische Bibliograph G. Brunet 
hat sich das Verdienst erworben, 
im Jahre 1872 ein Verzeichnis 
solcher „livres perdus et 
exemplaires uniques" her- 
ausgegeben zu haben; er ver- 
zeichnet dabei auch eine Anzahl von Werken, deren Existenz nur noch 
aus älteren Katalogen festzustellen ist, ohne dass sie seit fünfzig Jahren 
und länger jemals irgendwo sichtbar geworden sind. Als Grundlage für 
seine Schrift haben ihm die von J. M. Querard nachgelassenen Papiere Abb. 
gedient, der ein genaues Verzeichnis derartiger ihm bekannt gewordener 
Unica angelegt hatte. Für die Bibliophilen ist die Brunet' sehe Schrift 
der beste Fingerzeig, nach welcher Richtung sie ihre reproduzierende 
Thätigkeit verwerten können. 



. 



Abb. 



in. J. M. Querard. Nach „Le Bibliophile 
francais", Bachelin-Deflorenne, Paris. 



G. Peignot, Dictionaire des ouvrages, qui ont ete brüles. Paris 1806. 2 vis. 8. 



I40 Drittes Kapitel. 

Eine andere Klasse von Büchern erregt das Interesse der Bücher- 
liebhaber, nicht wegen ihrer Seltenheit, sondern wegen ihres sonder- 
baren Inhaltes. Die Bestimmung derselben nach allgemeinen Merk- 
malen ist ganz unsicher und schwankend, sie lässt sich in das Unendliche 
je nach den Neigungen der Sammler ausdehnen. Es sei vor allem der 
heterodoxen Theologie unserer Vorfahren gedacht, deren Schriften früher 
sehr gesucht und hoch im Preise waren, jetzt aber nur noch ein unter- 
geordnetes historisches Interesse erwecken , seitdem neuere Werke mit 
viel grösserer Kühnheit der Gedanken, als die alten, frei unter uns cirku- 
lieren können. Dahin gehören viele Specialabhandlungen über einzelne 
Zweige der Wissenschaft, dann verschiedene Dichter des Mittelalters und 
der Renaissance, insbesondere die Mystiker, Moralisten und Possendichter. 
Ferner die Ritterromane , die französischen Novellisten des sechzehnten 
und siebzehnten Jahrhunderts und die italienischen Novellieri ; hierher 
gehören auch die altdeutschen Schwanke, die sonderbaren Dissertationen, 
die persönlichen Satiren , die geschichtlichen Flugblätter und die auf 
interessante Ereignisse oder berühmte Personen bezüglichen Pamphlete, 
die einzelnen fliegenden Blätter (pieces volantes) , Lieder, „neuen Zei- 
tungen" u. dergl. Jede politisch oder religiös aufgeregte Zeit hat zahl- 
lose ephemere Schriften hervorgerufen , die bei Erscheinen wenig Be- 
achtung finden, sich bald verlieren, in ihrer Gesamtheit aber später ein 
wichtiges kulturhistorisches Denkmal bilden. 

Zu dieser Gruppe kann man auch die Schriften mit sonder- 
baren Titeln zählen, in denen zuweilen die ausschweifendste Phantasie 
wahre Orgien feiert, wie z. B. in der Schrift betitelt: „Geist- 
liche Klistierspritze für durch Sünde verstopfte Seelen" 
u. dergl. 

In diesem grossen Mischmasch so verschiedenartiger Kuriositäten 
befindet sich stets eine gewisse Anzahl mehr oder weniger seltener 
Schriften, welche sich erfolgreich auf dem Büchermarkte behaupten; 
aber wie viele andere auch verdanken den nichtssagendsten Zufälligkeiten 
ein unberechtigtes Renomme. Im allgemeinen neigen die Bibliophilen 
mehr dazu , eine erklärte Berühmtheit als solche anzunehmen , als zu 
untersuchen, ob der Ruf des Buches sich wohl auch durch Gründe 
rechtfertigen lässt. Es genügt mitunter , dass einer ihrer Koryphäen 
eine gewisse Gattung von Schriften in Mode bringt, wonach dann viele 
andere gerade diese Bücher auch besitzen möchten. Es hört dabei jede 
vorherige Berechnung des Wertes auf. Oft sind es winzige, unschein- 
bare Schriften, einfache fliegende Blätter, die auf Auktionen die höchsten 
Preise erzielen. Die Käufer derartiger Kuriositäten sind mitunter in 



Specielle Richtungen der Bücherliebhabcrei. 141 

ihrer individuellen Eigenart ebenso kurios und sonderbar , als es der 
Inhalt der von ihnen gesammelten Schriften ist. Wollte man die Biblio- 
theken der Kuriositätenspecialisten untersuchen , es würde manche den 
Stoff zu einer amüsanten Geschichte der Geistesverirrungen liefern. Was 
haben nicht die unzähligen religiösen, wissenschaftlichen und politischen 
Schwärmer der verschiedenen Zeitalter an teilweise ganz ehrlich ge- 
meinten, naiven und ernsthaften Extravaganzen geleistet ! 

Nach Gutenberg's epochemachender Erfindung haben beispiels- 
weise die gerichtliche Astrologie und die Alchemie zwei Jahrhunderte 
hindurch die Welt regiert, und wie spiegelt sich in der damaligen Litte- 
ratur der beschränkte Geist des Zeitalters wieder ! 

Es sei nur an einem Beispiel aus dem siebzehnten Jahrhundert ge- 
zeigt, wie naiv damals die Autoren mitunter waren. Ein gewisser 
Bernard de Bluet d'Arberes in Paris benachrichtigt in seinem 
Werke „Intitu lation et Recueil de toutes mes oeuvres" den 
Leser: ,,qu'il ne scait ny lire ny escrire et ny a jamais apprins", er 
stellt sich also als einer vor, der weder lesen noch schreiben kann, und 
das Publikum davon, wie von einer ganz natürlichen Sache, in Kenntnis 
setzt ; dabei hat der Mann drei oder vier Bände ganz wertlosen Inhaltes 
geschrieben ! Und nun kommt das Seltsamste von der Geschichte, dass 
nämlich dieses Werk unter den Bibliomanen sehr gesucht, weil es selten, 
und in einem vollständigen Exemplare kaum jemals vorgekommen ist; 
Charles Nodier giebt den Preis eines Exemplares im Jahre 1835 m it 
600 Francs an , das ist dreimal so viel , als damals ein Exemplar der 
Encyclopedie von Diderot und d'Alembert wert war! W T er sich 
für diese närrische Litteratur näher interessiert , den verweise ich auf 
die interessante Monographie von Ch. Nodier,, Bibliographie des 
Fous" Paris 1835. 8. 

Von besserem Geschmack zeugt es jedenfalls, wenn Bücherliebhaber 
sich den Luxusausgaben, den Werken mit Illustrationen und denen 
auf kostbarem Material, wie Pergament, Seide, Asbest u. dergl. gedruckten 
zuwenden. Will man die Korrektheit des Textes, die Schönheit der 
Schriftzeichen, die Sauberkeit und Gleichartigkeit des Drucks und die 
gute Beschaffenheit des Papieres als die Hauptkennzeichen der Schönheit 
eines Buches ansehen, so könnte man getrost eine grosse Zahl der ge- 
wöhnlichen Ausgaben unserer ältesten Drucke als Luxusausgaben be- 
zeichnen, wenn man sie mit dem, was heute gedruckt wird, in Vergleich 
bringt. Indessen hat es doch , unabhängig von der allgemein üblichen 
guten Ausstattung der früheren Jahrhunderte, zu jeder Zeit und in allen 
Ländern besondere , für den Gebrauch reicher Liebhaber bestimmte 



ja2 Drittes Kapitel. 

Luxusausgaben gegeben; insbesondere die Erzeugnisse berühmter Pressen, 
wie der Bodoni, Basker ville, Ibarra, Didot u. a. sind häufig 
hervorragend durch ihr sehr grosses Format und die schönen Illustra- 
tionen in Stich und Schnitt. Hier sind auch die naturgeschichtlichen 
Prachtwerke mit kolorierten Abbildungen zu nennen, die Reproduktionen 
der Denkmäler des Altertums, die pittoresken Reisebeschreibungen, und 
die kostbaren Werke über die schönen Künste , die von Zeit zu Zeit 
erscheinen und Aufsehen erregen. Bei den meisten dieser Werke sind 
zahlreiche Abbildungen unentbehrlich zum Verständnis des Textes, und 
die Rücksicht auf die Illustrationen rechtfertigt oft das gewählte über- 
grosse Format , so unbequem es für die Handhabung des Werkes auch 
sei. Anders liegt die Sache bei rein textlichen Werken ; es kann nicht 
überraschen , dass die grossen Luxusausgaben der Klassiker , die früher 
so beliebt waren, gegenwärtig gänzlich in Misskredit geraten sind. Denn 
ein echter Bücherfreund wird wohl darauf bedacht sein , einige schöne 
Proben der Buchdruckkunst aus Offizinen zu besitzen , die sich durch 
Talent und Geschmack auszeichnen, aber sein Kultus wird ihn doch 
weniger auf die übergrossen kostbaren und prächtigen Seltenheiten , als 
auf die ihm nützlichen Werke hinführen. 

Als eine Art von Luxus ist es auch anzusehen, wenn die Sammler 
Wert auf eine möglichste Erhaltung des Papierrandes legen. 
Darin sind namentlich die Elzevier- Sammler gross, sie messen die Breite 
des Randes und die Höhe des Exemplars mit eigens dafür angefertigten 
Elzeviermaassstäben aus und betrachten ein unbeschnittenes , oder gar 
unaufgeschnittenes Exemplar als eine ganz besondere Zierde ihrer 
Sammlung. Exemplare mit „temoins" nennt man solche, in 
denen der Hobel des Buchbinders nicht alle Blätter getroffen hat, so 
dass einzelne noch den rauhen Rand des Papieres zeigen , wie es aus 
der Bütte kam, also ein untrügliches Zeichen geringen Beschneidens. 

Das führt uns zu den auf Ve lin p ap ie r gedruckten Ausgaben, die 
man auch zu den verhältnismässig seltenen Büchern rechnet , denn es 
wird davon in der Regel nur eine beschränkte Anzahl von Exemplaren 
abgezogen, mitunter nur ein bis zwei Exemplare. Wer kennte nicht die 
ausgezeichneten Velindrucke der Pariser Pressen ! Diese schönen Werke, 
besonders wenn sie mit in Handmalerei ausgeführten Miniaturbildern 
geschmückt sind, werden allezeit neben den kostbaren alten Handschriften 
die Zierden einer jeden Bibliothek bilden. 

Es ist w r ohl keine Bibliothek reicher an solchen Schätzen , als die 
Nationalbibliothek in Paris. Man kann dort genau verfolgen , wie seit 
der zweiten Hälfte des sechzehnten bis zum Anfang des achtzehnten 



Specielle Richtungen der Bücherliebhaberei. 14-3 

Jahrhunderts das Velinpapier im Buchdruck nur selten mehr verwendet 
und dass erst gegen das Ende des achtzehnten Jahrhunderts sein 
Gebrauch wieder in Aufnahme gekommen ist. Von dieser Zeit an bis 
auf unsere Tage ist kaum ein für den Luxusgebrauch bestimmtes Buch 
erschienen , von dem nicht auch einige Exemplare auf Velinpapier ab- 
gezogen wären. Das hat den Wert der älteren Velinausgaben sehr ver- 
mindert, und man wird heute schwerlich jemanden finden, der ein Buch 
deshalb mit dem doppelten Preise bezahlt , weil es auf Velinpapier ge- 
druckt ist , wenn daneben ein Exemplar auf gewöhnlichem Papier zu 
haben ist. Gesuchter schon sind Ausgaben auf sogenanntem Gross- 
papier und auf farbigem Papier, doch betrachtet der Sammler 
solche Exemplare nur als Seltenheiten zweiten Ranges. In Ausnahme- 
fällen können allerdings diese Nebenumstände den Preis von Seltenheiten 
ersten Ranges ganz erheblich beeinflussen , das pflegt dann aber mehr 
eine Folge der Konkurrenz zu sein, welche dem seltenen Objekt von 
vornherein gesichert ist. 

Bücher, die nur in sehr kleiner Auflage gedruckt und 
besonders , wenn sie nicht in den Handel gebracht sind , werden später 
allemal selten, doch sind die hierauf bezüglichen Angaben in den Kata- 
logen stets mit grosser Vorsicht aufzunehmen, weil dabei der Täuschung 
viel Spielraum gegeben. So liest man in der Vorrede von Naude, 
,, C o nside ratio ns politiques sur les coups d'etats", Rome 
/Paris) 1639. 4 > dass davon nur zwölf Exemplare gedruckt seien, während 
man doch mit Sicherheit weiss , dass mehr als hundert Exemplare 
gedruckt wurden. Der bekannte Dibdin in London Hess verschiedene 
seiner bibliographischen Prachtwerke nur in sehr kleiner Auflage her- 
stellen und erklärte zugleich , dass er keine neue Auflage erscheinen 
lassen würde, ja, er liess sogar die für seinen ,,Bibliographical 
Decameron" benutzten Kupferplatten und Holzschnitte gleich nach 
dem Gebrauch vernichten. Das hatte die Folge, dass diese Werke bald 
in feste Hände kamen, selten wurden und im Preise stiegen. 

Bibliophilen suchen diese Art von Büchern zwar eifrig, wenn sie ein 
litterarisches Verdienst haben oder ihr Inhalt sonst interessant ist , und 
sie werden mitunter recht teuer bezahlt ; in vielen Fällen aber sind der- 
artige bibliographische Seltenheiten von geringem innerlichen Gehalte. 

Als Seltenheiten sind auch manche Werke zu betrachten , die a u f 
Kosten von Regierungen gedruckt wurden, meistens umfang- 
reiche, bändereiche Werke, die oftmals nur geschenksweise verbreitet 
und gar nicht in den Handel gekommen sind , sow r ie Werke , die erst 
nach Verlauf langer Zwischenräume vollständig wurden. 



1A.A Drittes Kapitel. 

Von Werken dieser Art sind die einzelnen Teile oft an verschiedenen 
Orten und bei verschiedenen Verlegern erschienen , und die Auflagen 
der späteren Teile wurden immer kleiner bemessen, weil die Abnehmer 
der ersten Teile häufig die Anschaffung der späteren unterliessen. Über 
das Erscheinen verschiedener Sammelwerke sind ganze Generationen 
hingestorben. Da sind dann die Exemplare defekt geworden und un- 
vollständig geblieben und vollständige Exemplare schwer zu erlangen. 

Zu den relativ seltenen Werken sind auch solche zu rechnen , die 
in weit entfernten Ländern, in Mexiko, in den kleineren süd- 
amerikanischen Ländern, in Indien oder China, erschienen sind, doch 
sinken solche ausländische Drucke neuerdings mehr und mehr im Preise. 
Die in Asien und Amerika gedruckten Bücher , die man sich noch vor 
fünfzig Jahren als eine Merkwürdigkeit zeigte , sind nur vorübergehend 
selten und gesucht gewesen , man begegnet ihnen heute oft genug auf 
öffentlichen Versteigerungen. Die Druckereien in Calcutta und Serampur, 
die in Macao und Lima, wie die in Mexico, sie alle liefern jetzt täglich 
ihren Beitrag zur Bereicherung der Bibliotheken in Europa , sogar 
Australien zollt uns jetzt reichlich seinen litterarischen Tribut. Immer- 
hin werden diese Werke , wenn sie auch nicht mehr als Seltenheiten 
gelten, doch noch auf lange Zeit hinaus ihres Ursprungs halber zu den 
wertvollen Büchern zu rechnen sein. 

Eine weitere Gattung von Werken steht hoch im Werte , das sind 
die Klassikerausgaben in Kollektionen von bedeutendem 
Umfange. Der lateinischen, französischen und italienischen Klassiker- 
ausgaben der Elze viere in dem bekannten kleinen Formate habe ich 
schon bei Schilderung der Thätigkeit dieser hervorragenden Familie 
gedacht. In erster Reihe sind hier die Ausgaben ,,in usum Del- 
phin i" zu nennen. Die Bezeichnung ist abzuleiten von dem Worte 
Dauphin (lateinisch Delphinus) , dem früheren Titel des ältesten Sohnes 
der Könige von Frankreich, dem ursprünglichen Herrschertitel der sou- 
veränen Herren der französischen Provinz Dauphine. Ludwig XIV. 
Hess zum Gebrauch für den Unterricht des Dauphin unter der Aufsicht 
von dessen Gouverneur, dem Herzog von Montausier, durch die 
beiden Lehrer des Prinzen, Bossuet und Hu et, eine Ausgabe der 
lateinischen Klassiker ,,in usum Delphini" (zum Gebrauch des Dauphins) 
unter Weglassung der anstössigen Stellen besorgen, die, mit Ausnahme 
des in Lyon gedruckten Ovid, in 64 Quartbänden in Paris 1674 bis 
1730 erschienen ist. 

Eine andere Sammlung, bezeichnet als „ editio cum notis 
Variorum", besteht aus einer grossen Zahl lateinischer und griechischer 



Spccielle Richtungen der Bücherliebhaberei. IjC 

klassischer Autoren , die teils in Holland , teils in England während des 
siebzehnten und der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts gedruckt 
wurde. Die Bände, aus denen sich diese schöne Sammlung zusammen- 
setzt , sind im allgemeinen gut und auf schönem Papier gedruckt ; aber 
wenn auch der Text durchweg korrekt, so lassen die Anmerkungen doch 
sehr viel zu wünschen übrig. Trotz dieses Mangels haben die „Variorum" 
lange Zeit hindurch in allen besseren Bibliotheken einen Ehrenplatz ein- 
genommen, bis sie nach und nach anderen, wenn auch nicht so schönen, 
so doch gelehrteren Ausgaben weichen mussten. Heute sind die Aus- 
gaben „cum notis Variorum" wenig mehr gesucht, mit Ausnahme der 
Exemplare, welche von den ausgezeichneten Buchbindern aus dem Ende 
des Jahrhunderts Ludwigs XIV. so prachtvoll eingebunden sind, dass 
sie in Frankreich und England sehr hoch im Preise stehen. 

Von Bedeutung ist auch die von Mittaire besorgte Ausgabe der 
alten römischen Klassiker, in den Jahren 1715 bis 1722 in 27 Bänden 
Duodezformat gedruckt von Tonson und Watts in London, eine sehr 
korrekte Ausgabe mit wertvollen, den Text begleitenden Noten, von der 
Exemplare auf Grosspapier gedruckt sind, die aber ausserordentlich selten 
vorkommen. 

Genannt sei ferner die bei Coustelier, Barbou u. a. in Paris 
gedruckte Ausgabe der lateinischen Klassiker in Duodezformat, 71 Bände 
stark, 1757 bis 1791 erschienen. Auch die bei Brindley in London 
gedruckte Ausgabe der lateinischen Klassiker, 24 Bände in Octodezformat, 
1744 bis 1760 erschienen. 

Und hervorragend sind daneben die von der typographischen Gesell- 
schaft in Mailand gedruckte Ausgabe der italienischen Klassiker, 251 Bände 
in Oktavformat, 1804 bis 18 14 erschienen, mit 26 Supplementbänden, 
18 18 bis 1825 bei Capurro in Pisa gedruckt; und die von derselben 
Gesellschaft 18 18 bis 1838 gedruckte Ausgabe der italienischen Klassiker 
des achtzehnten Jahrhunderts, 153 Bände in Quartformat. 

Hierher gehören auch Sammelwerke wie die schon im ersten Kapitel 
erwähnten „Acta Sanctorum" der sogenannten Bollandisten, 
einer Gesellschaft von Jesuiten , die als Mitarbeiter und Herausgeber im 
Auftrage des Jesuitenordens zuerst in den Jahren 1643 bis 1794 in Ant- 
werpen, Brüssel und Tongerloo Nachrichten über die Heiligen der römisch- 
katholischen Kirche unter obigem Titel veröffentlichten. Sie führten den 
Namen nach Johann Bolland (geboren 1596, gestorben 1665), dem 
ersten Bearbeiter der von Heribert Rosweyd aus Utrecht (gestorben 
1629)' angelegten Sammlung. Die erste Ausgabe erschien in 54 Bänden 
Folio und ist seitdem (bis 1892) bis zum fünfundsechzigsten Bande fort- 

Mü hl brecht, Bücherliebhaberei. * io 



IA.C Drittes Kapitel. 

geschritten; eine neue Ausgabe veranstaltete Victor Palme in Paris, 
1863 bis 1868 in 57 Bänden erschienen; Nachträge dazu sind unter dem 
Titel „Analecta Bollandiana" seit 1882 in Paris und Brüssel (bis 
1896 15 Bände) erschienen. 

Aus der holländischen Litteratur nenne ich als Proben solcher 
umfangreichen Druckwerke die in Leyden , Utrecht , 's Gravenhage und 
Leeuwarden erschienenen drei Serien (84 Foliobände) von Graevius' 
und Gronovius' „Thesaurus anti quit atum " (1697 — -1725), 
dessen erste Serie 1732 bis 1737 in Venedig neu gedruckt wurde. Die 
,, Flora Batava, afbee lding • en beschrijving van Neder- 
landsche gewassen" von J. Kops, fortgesetzt von F. W. van 
Eeden, wovon seit 1800 bis 1895 3 12 Lieferungen oder 19 Teile in 
Quart erschienen, insgesamt mit etwa 1500 kolorierten Bildern, ein Werk, 
dessen Subskriptionspreis bis jetzt 780 Gulden beträgt. Ferner Sepp's 
„Nederlandsche Insecten", fortgesetzt von S. C. Snellen van 
Vollenhoven, A. Brants und P. C. T. Snellen, ein seit 1762 
erscheinendes Werk, von dem bis heute 12 Bände in Quartformat, mit 
circa 600 prächtig gezeichneten und kolorierten Tafeln erschienen. Dann 
die ,, Ägyptische Monumenten", herausgegeben von C. Leemans 
und W. Pleyte, wovon seit 1839 °i s 1896 33 Lieferungen in Gross- 
folio zum Preise von 587 Gulden erschienen. Und dann die Veröffent- 
lichungen der „Historisch Genootschap", 130 Bände umfassend 
mit einem Ladenpreise von etwa 700 Gulden. 

Auch die deutsche Litteratur hat ähnliche Riesenunternehmungen 
aufzuweisen, ich nenne aus der neueren Zeit z. B. die „Monumenta 
Germaniae historica", die seit 1830 erscheinen, von denen bis jetzt 
etwa 50 Bände zum Ladenpreise von nahezu 3000 Mark vorliegen; die 
von Heeren, Ukert und von Giesebrecht begonnene „Geschichte 
der europäischen Staaten", seit 1829 erscheinend, bis jetzt etwa 
100 Bände zum Preise von nahezu 1000 Mark ausmachend; die Er seh 
und Grub er' sehe „Allgemeine Encyklopädie der Wissen- 
schaften und Künste", von der seit 1818 bis 1882 etwa 156 Teile 
zum Ladenpreise von nahezu 1800 Mark erschienen. Dieses Verzeichnis 
Hesse sich leicht noch weiter fortsetzen , doch werden die mitgeteilten 
Proben zur Kennzeichnung der Gattung genügen. 

Unter den Werken , welche jederzeit die besondere Beachtung der 
Bücherfreunde gefunden, sind auch die Privatdrucke zu nennen, 
d. h. die Erzeugnisse von Druckereien, deren Besitzer die typographische 
Kunst nicht als Erwerbsmittel, sondern nur zu ihrem eigenen Vergnügen 
ausüben, keine fremden Bestellungen annehmen und die selbstgedruckten 



Specielle Richtungen der Bücherliebhaberei. \aj 

Bücher zum eigenen Gebrauche oder als Geschenke an Freunde ver- 
wenden. Wie England allen anderen Staaten durch Institute vorleuchtet, 
welche nicht sowohl von der Regierung, als von Privatleuten oder Körper- 
schaften aus der Mitte des Volkes hervorgegangen sind, so sind auch 
die Engländer im Privatbücherdruck von keiner anderen Nation über- 
troffen. Freilich versteht man in England unter dem Ausdruck ,,privately 
printed books" auch alle diejenigen Werke , die auf Kosten der Krone 
und des Parlaments neben denen der Privatpersonen gedruckt sind. Es 
würde zu weit führen, die verschiedenen Prachtwerke aufzuzählen, welche 
auf Befehl der Regierung seit Heinrich VIII. erschienen sind ; auch ist es 
überaus schwierig, die englischen Privatdrucke festzustellen und biblio- 
graphisch zu verzeichnen; um so verdienstlicher ist die Arbeit von John 
Martin*), der diese Aufgabe in einer Weise gelöst hat, die kaum etwas 
zu wünschen übriglässt. Er hat sich der Verzeichnung der Drucke in 
chronologischer Reihenfolge vom Jahre 1572 an in musterhafter, bei den 
englischen Bibliographen sonst seltenen Sorgfalt und Genauigkeit unter- 
zogen. Trotz der Bedeutsamkeit dieses Werkes ist es im Auslande nicht 
so bekannt geworden, wie es um seines Wertes willen zu wünschen 
wäre. Aus diesem Grunde , und um insbesondere die Aufmerksamkeit 
in Deutschland darauf hinzulenken , hat der leider zu früh verstorbene 
Paul Trömel aus dem umfangreichen Werke einen Auszug bearbeitet 
und mit Verbesserungen und Zusätzen in Petzholdt's ,, Neuem Anzeiger 
für Bibliographie", Jahrgang 1856 (Seite 233 bis 246 und Seite 265 
bis 271), erscheinen lassen. 

Auch Frankreich hat eine ganze Reihe von Privatdruckereien ; zu 
beginnen mit der von Franz I. im Jahre 1531 begründeten, unter 
Leitung des berühmten Robert Etienne (Stephanus) geführten 
königlichen Buchdruckerei, zählte man bis I/89 etwa dreissig derartige 
Offizinen. Mehr als in irgend einem anderen Lande haben die Aristo- 
kraten es sich in Frankreich angelegen sein lassen, Privatdruckereien zu 
errichten. Bereits während der Regierung Heinrichs IV. besass der 
Kardinal Duperron eine Druckerei in Bagnolet bei Paris, ebenso später 
Kardinal Richelieu auf seinem Schloss in der Touraine. Der Kanzler 
d'Auguesseau, die Marquise von Pompadour, die Dauphine 
Marie Josephe, Mutter Ludwigs XVI., der Herzog von Burgund, 
Bruder Ludwigs XVI., und manche andere Grosse waren Besitzer von 
Privatdruckereien. 



*) John Martin, Bibliographical catalogue of privately printed books. 2. ed. 
London 1854. 8. 



148 



Drittes Kapitel. 



Kein Land hat daneben so viele geheime Druckereien besessen als 
Frankreich, wo bald religiöse Verfolgungswut, bald politischer Parteikampf 
das offene Auftreten den Druckern misslich erscheinen Hess. Ich nenne 
von solchen die Handpressen der Jesuiten in Clermont, die „imprimeurs 
de la sainte union" aus dem Orden der Benediktiner, und der 
„Nouvelles ecclesiastiques" der Dominikaner. 

Ebenso verhielt es sich mit fingierten Druckorten , die auf in Paris 
gedruckten Büchern angegeben wurden, um die Behörden irre zu leiten, 




Abb. 



Der Schmerzensmann. Titelbild zu dem Holzschnittwerk Albrecht Dürers 
„Die grosse Passion". 



wie Quevilly, ein Marktflecken in der Normandie, Charanton, ein Ort auf 
dem Eilande Isle de France, Cologne (Pierre Marteau), Cythere, Paphos 
u. s. w\, von denen die ersteren besonders bei irreligiösen oder ketzerischen 
Schriften , die letzteren bei unsittlichen Büchern zur Anwendung ge- 
kommen sind. 

Die merkwürdigste Druckerei der Welt ist die der Mönche von 
Meuville im nördlichen Frankreich, wo alle Bücher für den klösterlichen 
und gottesdienstlichen Gebrauch der Mitglieder des Karthäuserordens auf 
der ganzen Erde gedruckt werden. Exemplare dieser Werke sind nicht 



Specielle Richtungen der Bücherliebhaberei. 



149 




Abb. 113. Aus dem Holzschnittwerk Albrecht Dürers „Die heimliche Offenbarung Johannis" (1498): 
Die vier Reiter (Apokal. 6, 2—8). 



I^o Drittes Kapitel. 

käuflich ; sie werden nur an die Ordensbrüder verabfolgt. Es sind sehr 
schöne, auf dem feinsten Handmacherpapier (mit dem Wasserzeichen des 
Ordens) hergestellte Erzeugnisse, vom grössten bis zum kleinsten Format, 
in Rot oder Blau gedruckt und mit Noten und verzierten Initialen ver- 
sehen. Die Mönche des Klosters giessen auch ihre Lettern selbst, binden 
die Bücher ein und sind in allen Nebenfächern erfahren , so dass sie 
sogar die Zeichnungen für die Lettern, wie auch Holzschnitte und Licht- 
druckbilder für Bücher in ihrer vielseitigen Anstalt herstellen. 

In Deutschland tauchte die erste Privatdruckerei 1534 auf, dem 
Professor der Mathematik in Ingolstadt Peter Apianus (Bienewitz) 
gehörig, vom Kaiser Karl V. begünstigt. Er druckte das berühmte 
Werk ,,Inscriptiones sacrosanctae vetustatis" etc. in Folio 
mit vortrefflichen Holzschnitten. Auch der berühmte Astronom Tycho 
B r a h e legte in dem Schlosse Uranienburg auf der Insel Huen zum 
Drucke seiner Schriften 1596 eine besondere Offizin an. Alb recht 
Abb. 112. Dürer druckte seine unvergleichlichen Holzschnittwerke der Passion, 
Abb - II3 Ap okalypse und das Leben Maria auf eigener Presse. Ulrich 
Fugger zu Augsburg begründete zur Beförderung der Litteratur 1558 
eine eigene Druckerei. Ulrich von Hütten, der Freund des Eras- 
mus und Verteidiger Luther 's, tief verletzt durch den Tod seines 
Vetters Hanns von Hütten, den Herzog Ulrich von Württem- 
berg hatte töten lassen, beschloss , diese Greuelthat der ganzen Welt 
bekannt zu machen. Da er im Vaterlande keinen Drucker finden konnte, 
der sich der Arbeit unterziehen wollte, so errichtete er selbst auf seinem 
Stammsitze Steckelberg in Franken eine Presse und druckte die bekannte 
,, de plo ratio " in lateinischen Versen, welcher ein Trostbrief an den 
Vater des Gemordeten, die fünf ,,Philippicae" an den Herzog Ulrich, 
der Dialog „Phalarismus" nebst Apologie und ein Aufruf an König 
Franz I. von Frankreich zur Rache, in lateinischer Prosa beigefügt war. 
Es ist ein kleiner Quartband mit blumenreichen Initialen und zwei grossen 
Holzschnitten. 

Auch Thomas Münzer, der Urheber des Bauernaufstandes in 
Thüringen, hielt sich in Altstadt eine eigene Druckerei für seine schwär- 
merischen Schriften. Dann begegnen wir Leonhard Thurneysser 
zum Thurn, einem brandenburgischen Leibarzt. Er war einer der 
merkwürdigsten , abenteuerlichsten Menschen des sechzehnten Jahrhun- 
derts. Geboren 1530 zu Basel, war er nacheinander Goldschmied, Natur- 
historiker, Chemiker, Bergmann, Arzt, in allen Eigenschaften tüchtig, 
bald reich, bald arm. Nach langen Reisen in Europa und Asien kam 
er 1568 zurück und erwarb sich als Arzt Ruf durch seine Wunderkuren, 



Specielle Richtungen der Bücherliebhaberei, 



15 



die er auch mit Glück an der Gemahlin des Kurfürsten Johann Georg 
übte. Der Kurfürst berief ihn von Frankfurt a/O., wo er sich wegen 
des Druckes seiner Werke aufhielt, nach Berlin und überwies ihm im 
„Grauen Kloster" Räume für ein alchemistisches Laboratorium ; daneben 




Abb. 114. Titelbild zu dem Holzschnittwerk Albrecht Dürer's „Das Marienleben" (isio). 



legte er eine eigene Druckerei an , worin er die meisten seiner Werke 
selbst druckte. Von diesen verdient in typographischer Hinsicht seine 
Ausgabe eines Polyglottenalphabets in 32 europäischen und 
63 asiatischen Sprachen besondere Beachtung. 

Ferner hat Johann Kepler, der grosse Mathematiker und Astronom, 
seine in Linz begonnenen ,,Ephe meriden " zu Sagan im Schlosse des 
Herzogs Albrecht von Friedland und Sagan (Wallenstein) im 



1 1 2 Drittes Kapitel. 

Jahre 1630 vollendet. Neben diesen und vielen anderen Privatdrucke- 
reien kennt man auch in Deutschland eine ganze Reihe von fürst- 
lichen eigenen Druckereien , deren Aufzählung uns indessen zu weit 
führen dürfte. 

Ein besonderes Gewicht legen viele Bücherliebhaber auf eine be- 
rühmte Abstammung der Bücher. Es hat zu allen Zeiten Männer 
gegeben, ebenso ausgezeichnet durch Geist wie Wissen, die es sich an- 
gelegen sein Hessen, nur ausgewählte Exemplare von Werken in schönen, 
kostbaren Einbänden in ihre Bibliothek aufzunehmen. Wie sie gute 
Bücher als solche liebten, so gefiel es ihnen auch, sie in schönen Exem- 
plaren zu besitzen, es war dies Verlangen eine Art Huldigung gegen die 
Autoren, die sie besonders schätzten und bewunderten. So erklärt sich 
der Luxus von Bibliotheken wie der von Grolier, Maioli, Gren- 
ville, de Thou, Colbert, d'Hoym und vieler anderer berühmter 
Sammler, welche uns Bücher hinterliessen, die von den Bibliophilen heiss 
begehrt sind. Wenn C h. Nodier sagt, dass echte Bücherliebhaber bei 
dem Anblick gewisser Wappen auf den Einbänden geradezu gerührt sind, 
so entspringt dieses Gefühl gewiss der Erinnerung an die prachtvollen 
Bibliotheken , denen die Bücher entstammen ; es geschieht , weil solche 
Insignien gewöhnlich die Garantie bieten , dass die betreffenden Bücher 
mit Geschmack gewählt, elegant und solide eingebunden, mit Schonung 
und Sorgfalt benutzt und aufbewahrt sind von den Kennern, deren Chiffre 
oder Wappen sie tragen. 

Das ist der Grund, weshalb ein Grolier in einer Auktion hundert- 
mal besser aufgenommen wird, als ganze Bibliotheken anderer Sammler. 
Wer war Grolier? Er gilt dem heutigen Geschlecht der Bibliophilen 
als der König im Reiche des guten Geschmackes und geniesst von allen 
früheren Sammlern das höchste Ansehen. Ihm sei deshalb eine ein- 
gehendere Betrachtung gewidmet.*) 

Mit Stolz nennt man, besonders in Frankreich, den Namen Jean 
Grolier Vicomte d'Aiguisy, 1479 in Lyon geboren. Seine Familie 
stammte ursprünglich aus Verona, war aber schon lange in Frankreich 
naturalisiert. Er war vorübergehend als Finanzverwalter in Italien zur 
Zeit der französischen Okkupation daselbst thätig. Als solchen finden 
wir ihn 15 10 in Mailand, als Papst Julius die heilige Ligue gegen 
Frankreich bildete, die in der Schlacht bei Ravenna (15 12) unterlag. 
Jung, reich und mächtig, ein Freund der Künste und freigebiger Be- 
schützer der Wissenschaft war er der Gegenstand höchster Achtung für 

*) Elton, Great book Collectors. London 1893. 



Specielle Richtungen der Bücherliebhaberei. 



53 




Abb. 115. Grolier-Band, 1520 — 1565. Macrobius de Somno Scipionis. Folio. Brixiae, 1501. 

Gebunden für Jean Grolier um 1528 (Vorderseite). 

Nach „Facsimiles of Book-Bindings", Bernard Quaritch, London. 



die italienischen Autoren und Buchhändler. Mit den Mitgliedern der 
Familie der Aldus (Manutius) in Venedig war er ebenso befreundet 



Abb 



I Ca Drittes Kapitel. 

wie mit Gry p hius , dem berühmten Drucker in Lyon ; undErasmus, 
der von Grolier sehr verehrt wurde, sagte ihm einmal eine Schmeichelei, 
die der Wahrheit sehr nahe kam. „Sie schulden den Büchern keinen 
Dank," schrieb er ihm, ,,aber diese Ihnen sehr viel, denn mit Ihrer Hilfe 
werden sie auf die Nachwelt kommen." Er sammelte schon in Italien 
viel und Hess von geschickten Meistern eine grosse Anzahl griechischer 
und lateinischer Werke nach eigenen Zeichnungen und Angaben ein- 
binden ; er liebte seine Bücher ihres inneren Wertes halber und als 
Kunstwerke der Typographie , und als solche schmückte er sie auch 
äusserlich künstlerisch. Sein Einband ist meist einfarbig von braunem 
Leder mit originellen, stets wechselnden Zeichnungen im schönsten Re- 
naissancestil in Goldpressung. Man erkennt die Bände , die fast alle 
dem Einflüsse der Zeit gut widerstanden haben , leicht an der auf- 
gedruckten Devise: „Portio mea, Domine, sit in terra viventium" und 
115 der stolzen Eigentumsbezeichnung: ,,Gio. Grolier ii et amicorum" 

und 116 . & S " ' 

und womit wohl angedeutet werden sollte , dass sie auch das gemeinsame 
Beilage vi Q ut se i ner Freunde sein sollten. 

(S. 154/155). 

De Thou's grosses Geschichtswerk enthält auch einen Bericht über 
Grolier's Lebenslauf. Nach ihm hat sich Grolier später in Paris als 
Schatzmeister Franz' I. in der rue de Bussy ein prachtvolles Haus ge- 
baut, das bekannt war unter dem Namen Hotel de Lyon. In einem 
grossen Saal hatte er seine Bücher aufgestellt, so sorgfältig und mit 
feinem Geschmack gebunden und geordnet, dass seine Bibliothek nur 
mit der von Pollio in Rom errichteten zu vergleichen war. Und so 
gross war seine Freigebigkeit gewesen , dass nach seinem Tode jede 
einigermaassen bedeutende Bibliothek in Frankreich in der Lage war, 
einige seiner herrlichen Einbände als ihre Hauptzierden aufzuweisen. 
Grolier wurde im hohen Alter durch Verdächtigungen seiner Amts- 
führung sehr heimgesucht, und sein Vermögen schwebte zu gewissen 
Zeiten in grosser Gefahr. ,,Er war so vertrauend in seiner Unschuld," 
sagt de Thou, „dass er keine Hilfe bei seinen Freunden suchte; er 
würde zuletzt wohl gefallen sein, wenn er nicht durch meinen Vater, den 
Präsidenten, beschützt wäre, der sich seiner Hilfe immer bediente, um 
den Schwachen gegen den Stärkeren zu stützen, und den Lernbegierigen 
gegen die Ignoranz der Menge." Der alte Schatzmeister starb (1544) im 
sechsundsechzigsten Jahre in seinem Hotel de Lyon, inmitten seiner 
Bücher, und wurde in der Nähe des Hochaltars in der Eglise de 
St. Germain des Pres beigesetzt. 

Nach Grolier's Tode wurde sein Eigentum unter die Familien seiner 
Töchter verteilt ; unzweifelhaft wurden viele der Bücher verkauft , aber 




Grolier- Einband. Venedig 1530. 

Nach William Younger Fletcher „Foreign Bookbindings in the British Museum", 
Kegan Paul, Trench, Trübner & Co., London. 



Beilage "VI. 



Specielle Richtungen der Bücherliebhaberei. 



155 



der grössere Teil der Bibliothek wurde Eigentum von Meric de Vic, 
des alten Schatzmeisters Schwiegersohn. Meric war Siegelbewahrer 
Ludwigs XIII.; sein Sohn Dominique wurde Erzbischof von Auch. 




Abb. 116. Grolier-Band, 1520 — 1565. Macrobius de Somno Scipionis. Folio. Brixise, 1501. 

Gebunden für Jean Grolier um 1528 (Rückseite). 

Nach „Facsimiles of Book-Bindings", Bernard Quaritch, London. 



Beide waren Bücherliebhaber und hüteten sorgfältig die etwa dreitausend 
Prachtbände von Grolier, deren Besitzer sie nach und nach geworden 
waren. Sie wohnten in einem grossen von Budaeus erbauten Hause in 
der rüe St. Martin und hier wurden die Bücher bis zu ihrer grossen 
Zerstreuung im Jahre 1675 bewahrt. Bonaventura d'Argonne be- 



I 5 6 Drittes Kapitel. 

schreibt die Auktion der Bibliothek: „Ganz Paris war im Hotel de Vic 
zu sehen , eine solche glänzende Sammlung hätte mancher gern allein 
erworben, aber, wie die Sache lag, erhielt jeder Bieter nur einen Teil 
der kostbaren Beute." Bonaventura kaufte selbst einige der schönsten 
Werke, da er aber notorisch nur ein armer Mönch war, so können die 
Preise unmöglich sehr hoch gewesen sein. Ein fleissiger Gelehrter, 
Le Roux de Lincy, hat ein Werk über Grolier veröffentlicht*), das 
sein Leben und seine Bücher behandelt. Er hat mit vieler Mühe ver- 
sucht , die weiteren Schicksale der in der Auktion von 1675 m a ^ e 
Winde zerstreuten Bücher zu ermitteln. Nach ihm gingen sie damals 
hauptsächlich in den Besitz über von Paul Petau, einem Antiquar, 
dann des Historikers de Thou, des Juristen und Staatsmannes Pithou, 
sowie von Jean Ballesdens, eines damals berühmten Sammlers, dessen 
Bibliothek nach seinem Tode (1677) noch neun Grolierbände enthielt. 
Ferner erstanden sie de Mesmes und Bigot, Colbert und La- 
moignon, Kapitän du Fay, Graf d'Hoym, der Fürst de Soubise 
u. a. m. Einige der schönsten erstand Baron Hohendorff, ein öster- 
reichischer Bibliophile, der mehrere davon in dem Kataloge seiner reichen 
Bibliothek verzeichnete. Mit dieser Bibliothek gingen sie 1720 in den 
Besitz der kaiserlichen Bibliothek in Wien über. De Lincy hat den 
Verbleib von mehr als dreihundert Grolierbänden festgestellt, die meisten 
derselben liegen jetzt in öffentlichen Bibliotheken für alle Zeiten fest. 
Den wertvollsten Teil der Bibliothek erstand in der Auktion der schon 
obengenannte Henri de Mesmes, ein Freund Grolier's , er erwarb 
eine grosse Menge von Geschenkexemplaren, auf Pergament gedruckt 
und prachtvoll eingebunden. 

De Mesmes sammelte mit Vorliebe Seltenheiten aller Art, auch scheint 
er Liebhaber frühester Druckerzeugnisse gewesen zu sein, flämischer und 
italienischer illustrierter Werke , und arabischer und armenischer Ab- 
handlungen , die ihm seine Agenten im Osten besorgten. Seine Biblio- 
thek gestaltete sich zu einem wertvollen Museum und wurde von allen 
seinen Zeitgenossen gepriesen, mit Ausnahme von Frangois Pithou, 
der de Mesmes einen litterarischen Totengräber nannte und es be- 
trauerte , dass so viele gute Bücher in diesem kalten, düsteren Grabe 
ruhen mussten. 

Die normannische Familie der Bigot rivalisierte mit de Mesmes in 
ihrem Eifer Bücher zu sammeln. Jean Bigot hatte 1649 eme aus- 
gezeichnete Bibliothek von etwa 6000 Bänden, die er zum Teil von seinen 



*) Le Roux de Lincy, Recherches sur Jean Grolier. Paris 1866. 8. 



Specielle Richtungen der Bücherliebhaberei. IC7 

Vorfahren geerbt, zum Teil aus den Klosterbibliotheken von Fecamp, 
Mont St. Michel und anderen benachbarten Orten erworben hatte. Sein 
Sohn Louis-Emeric übernahm die Bibliothek als seinen Erbschafts- 
anteil und sah in der Verbesserung derselben seine Lebensaufgabe ; er 
unternahm weite Reisen, um Bücher zu erwerben; wenn er zu Hause 
sich befand , war seine Bibliothek ein Rendezvous aller , die sich für 
Litteratur interessierten. Die Bücher wurden dann Robert Bigot 
unter Bedingungen hinterlassen, die ihre Zerstreuung verhindern sollten. 
Trotzdem wurden sie 1706 öffentlich versteigert, bei welcher Gelegenheit 
die Regierung viele Klosterarchive und die meisten Handschriften erwarb. 

Die Gelegenheit dieser Auktion benutzte das Oberhaupt der Familie 
de Mesmes, um ihre Bibliothek mit zu versteigern. Sonderbarerweise 
wurde damals gar keine Notiz davon genommen , dass die Mesmes- 
Bibliothek den schönsten Teil der Grolierbibliothek enthielt. Die 
kostbaren auf Pergament gedruckten Aid inen fielen einem Ignoranten, 
einem Notar, in die Hände, der alle die schönen Einbände, Wunder 
der italienischen Kunst , abreissen Hess , und sie durch aufgedonnerte 
Prachtdecken ersetzte , die seinem hausbackenen Geschmack mehr zu- 
sagten. 

Le Roux de Lincy bemerkt, dass Grolier's Bücher fast das ganze 
achtzehnte Jahrhundert hindurch merkwürdig vernachlässigt geblieben 
sind. Erst gegen Ende dieser Periode hatte Graf Mac Carthy den 
guten Geschmack, einige derselben seiner Sammlung von Pergament- 
drucken einzuverleiben. Und etwa 1793 begann Mr. Cracherode alle 
Grolierexemplare , die in den Handel kamen, aufzukaufen; seine Biblio- 
thek, die er dem British Museum vermachte, enthielt nicht weniger als 
achtzehn schöne Werke Grolier's. Acht weitere enthielt im Jahre 1846 
die ebendorthin vermachte vortreffliche Bibliothek von Tho mas Gren- 
ville. 

Die Engländer haben zuerst den Wert der Grolierbände erkannt, 
und lange vor den Franzosen sie zu erwerben getrachtet. Hier be- 
wahrheitete sich wieder einmal das Sprichwort: der Prophet gilt in 
seinem Lande nichts. Als Gaignat, dessen Bibliothek als eine in 
jeder Hinsicht vollkommene betrachtet wurde, im Jahre 1768 starb, 
besass er nur einen Grolierband, ein Exemplar von Paolo Giovio's 
Werk über die römischen Fische ; es ging lautlos an den D u c de 1 a 
Valliere über, in dessen Auktion es mit noch zwei anderen Grolier- 
bänden für wenige Livres von unbekannten Käufern gleichgültig er- 
worben wurde. 

Erst spät erwachte in Frankreich die Grolierliebhaberei , erst seit 



•58 



Drittes Kapitel. 



etwa fünfzig Jahren hat sich die Gunst der Bücherliebhaber in immer 
steigendem Maasse diesen Werken zugewandt, heute ist jeder Sammler 
stolz darauf, wenn er nur einen Grolierband sein eigen nennen kann, 
und man bezahlt fabelhafte Preise dafür. So wurde 1887 bei einer Ver- 




Abb. 117. Französischer Einband des XVI. Jahrhunderts. Gebunden für Heinrich II. und Diana von Poitiers 
um 1555. Nach „Facsimiles of Book-Bindings", Bernard Quaritch, London. 



Steigerung von Techener in Lyon ein Grolier-Heliodorus mit 
12000 Francs bezahlt; man sagt, er sei nach New York gegangen, der 
Stadt, wo vor nicht langer Zeit von Bibliophilen ein Grolier-Club ge- 
gründet wurde. Ein anderer Grolier , der 15 15 von Aldus gedruckte 
Catull, mit einem köstlichen, vorzüglich erhaltenen Einbände, ging 
bei der Auktion Lignerolles (1894) für 10 000 Francs fort. — 



Specielle Richtungen der Bücherliebhaberei. 



159 



Einer grossen Gunst erfreuen sich auch bei den heutigen Biblio- 
philen die Bücher, deren Einbände mit dem doppelten Halbmond, dem 
Lieblingsmonogramm Heinrichs IL , und der Diana von Poitiers Abb. 
geschmückt sind, und das mit um so grösserem Rechte, als diese viel 




Abb. 118. Französischer Einband, für Franz I. gebunden. Paris 1541. 
Nach „Facsimiles of Book-Bindings", Bernard Quaritch, London. 



seltener im Handel vorkommen, als jene des Schatzmeisters Franz' L, 
denn der grösste Teil dessen, was von den Schätzen Heinrichs II. 
überhaupt noch existiert, ist in den Besitz der Nationalbibliothek in 
Paris übergegangen, dieser an Schätzen so reichen, auch an Proben alter 
Einbände ungemein reichhaltigen Bibliothek. Neben diesen Chiffren 
dienen der Molch Franz' L, der Totenkopf Heinrichs III. und das u . „ 9 . 



l6o Drittes Kapitel. 

Doppelwappen Heinrichs IV. den damit geschmückten Büchern zur 
Abb. 120. besten Empfehlung, dann die drei Bienen von de Thou. Ein in Saffian 
gebundenes , mit diesem Wappen geschmücktes und damit erw iesener- 
maassen aus der Bibliothek des grossen Historikers Jacques-Auguste 
de Thou abstammendes Buch ist zehnmal mehr wert, als ohne diesen 
Einband, und diese Progression kann sich noch je nach dem Werte des 
Buches selbst steigern , zumal wenn das Buch ein französisches ist , in 




Abb. 119. Französischer Einband, für Heinrich III. gebunden. Paris, 1583. 
Nach W. Y. Fletcher, F. S. A. „Bookbinding in England and France'', Seeley & Co., London. 

welcher Sprache der berühmte Parlamentspräsident sonderbarerweise 
wenig zu sammeln pflegte. 

In gleichem Ansehen steht das Wappen des Grafen d'Hoym, des 
Gesandten des Königs von Polen in Frankreich im Anfange des acht- 
zehnten Jahrhunderts. Dieses Wappen, das berühmter bei den Biblio- 
philen als bei den Heraldikern ist, verzehnfacht ebenfalls den Preis eines 
Buches, wenn der Einband gut erhalten ist. Ein Gleiches gilt von dem 
Wappen des Girardot de Prefond, das sich nur auf Einbänden 
von ganz vorzüglicher Beschaffenheit findet. In Nachahmung dieses 



Specielle Richtungen der Bücherliebhaberei. 



161 



Girardot'schen Wappens hatte Ch. Nodier sein „ex museo" auf die 
1300 schönen Bände seiner Büchersammlung gesetzt, die er mit so viel 
Geschmack und Verständnis zusammengebracht hatte, dass nach seinem 
Tode die Versteigerung seiner Bibliothek im Jahre 1844 die hübsche 




Abb. 120. Einband aus der Bibliothek des Jacques- Auguste de Thou. (Rückseite.) 
Nach W. Y. Fletcher, „Bookbinding in England and France", Seeley & Co., London. 



Summe von 68 000 Francs ergab , dank der lebhaften Konkurrenz 
mehrerer passionierter Bibliophilen. Diesen klangvollen Namen seien 
noch die einiger anderer berühmten französischen Sammler hinzu- 
gefügt: Dupuy, de Ballesdens, Madame de Chamillart, Abbe 
de Rothelin, Gaignat, Randon de Boisset, Bonnemet, 
Naigeon u. s. w. , deren Bücher heute noch zu den gesuchtesten 
gehören. 

Mühlbrecht, Bücherliebhaberei. II 



1(52 Drittes Kapitel. 

Die Merkmale und Beweise der Abstammung der Bücher aus 
früherem Besitz ergeben sich für den Sammler aus den Bibliotheks- 
oder Bücherzeichen , sowie aus den Einbänden. Da aber diese Biblio- 
thekszeichen für sich, losgelöst von den Büchern, in neuerer Zeit be- 
sonderer Gegenstand des Sammeins geworden sind, so wird es sich 
empfehlen , sie in einem eigenen Kapitel zu behandeln. Damit lässt 
sich zugleich eine Besprechung der Druckerzeichen verbinden, die eben- 
falls unabhängig von den Büchern gesammelt werden. Und auch der 
Entwicklungsgeschichte des Einbandes wird am besten in gesonderter 
Darstellung gedacht. Wenden wir uns also diesen Gegenständen nun- 
mehr zu. 



VIERTES KAPITEL. 

EX LIBRIS, DRUCKERZEICHEN UND EINBÄNDE. 



L^ x libris bedeutet wörtlich übersetzt „aus den Büchern"; die 
^^ lateinische Form hat sich ein internationales Bürgerrecht er- 
worben , bei uns in Deutschland sagt man auch ,, Bibliothek - 
zeichen", „Bücherzeichen", in England „book-plate", in 
Holland „boekmerkteeken", die Franzosen haben noch kein ein- 
gebürgertes eigenes Wort dafür gebildet, sie bedienen sich meistens des 
lateinischen Exlibris, selten auch „marques de possession". Die 
Bibliothekzeichen bestehen entweder aus dem vollen Namen oder einem 
Namenszuge, mit oder ohne Wappen, Emblem, oder Symbol und Wahl- 
spruch, meistens in Form eines kleinen Bildchens auf die innere Seite 
des oberen Einbanddeckels eingeklebt. 

Die Ex libris sind beinahe so alt , wie die Buchdruckerkunst und 
haben von Beginn an wohl den Hauptzweck gehabt, das Verlorengehen 
ausgeliehener Bücher zu verhüten ; sie haben den weiteren Vorteil, dass 
man später ein Buch sofort als Bestandteil einer bestimmten Bibliothek 
erkennen kann ; und drittens dienen sie dazu, dem Eigentumsgefühl des 
Besitzers Genüge zu leisten, der durch das Bibliothekzeichen sein Ansehen 
als Bücherliebhaber verstärken, oder damit auch mitunter einen Hinweis 
auf seine Persönlichkeit oder seine Stellung im Leben verbinden will. 

Der persönliche Charakter des Bücherliebhabers wird oft durch ein 
Bibliothekzeichen und den Sinnspruch sehr verständlich angedeutet, wie 
auch die ex libris von dem Geschmack und der Neigung des Besitzers 
Zeugnis geben. Die heraldischen Darstellungen, die früher selten bei 
einem Ex libris fehlten, standen unzweifelhaft mit der wechselnden Mode 
des Mittelalters in enger Verbindung und haben , vom Standpunkte der 
Kulturgeschichte betrachtet, einen nicht zu unterschätzenden Wert. Aber 
auch in ästhetischer Hinsicht enthalten manche der älteren Bibliothek- 



IÖ4 



Viertes Kapitel. 



zeichen in ihrer hübschen Ornamentik brauchbare Motive für die heutige 
dekorative Kunst. 

Bibliothekzeichen lehnen sich gern an symbolische und allegorische 
Darstellungen, und vielen sieht man es sofort an, dass sie von genialer 
Herkunft sind. Berühmte Männer und Frauen bedienten sich für ihre 
Bücherschätze der Ex libris. Man kennt solche von Washington, 
Carlyle, Victor Hugo, Dickens, Gladstone, Gambetta 

u. s. w., und viele Fürstlichkeiten 
aller Länder versahen ihre Bücher 
mit solchen Zeichen. Wo eine 
historische oder litterarische 
Grösse so ein originelles Ex libris 
hinterlassen hat , mit einem ker- 
nigen Spruch oder einer eigen- 
artigen Allegorie, z. B. einem 
Stapel Bücher, auf deren Rücken 
die Namen der Lieblingsautoren 
des Besitzers stehen, oder etwas 
auf die Musik, Malerei oder Bild- 
hauerkunst Bezügliches , da thut 
man auch einen Blick in das innere 
Leben , den Geschmack und die 
Wünsche des Betreffenden. 

Viele Ex libris sind von den 
Besitzern selbst entworfen und 
gezeichnet , ihr Studium führt 
mitunter zu interessanten Ent- 
deckungen. Der Sammler kann 
durch Übung dahin gelangen, bei 
undatierten Büchern aus dem 
Stile des Sinnspruchs , wie der 
Ausführung der Zeichnung des Ex libris nicht nur das Alter des Buches, 
sondern auch den Meister des Bibliothekzeichens zu erkennen, was zur 
Feststellung der Abstammung des Buches für den Liebhaber von grosser 
Wichtigkeit ist. 

Wenn also die Ex libris in ernsthafter Weise gesammelt, geordnet 
und studiert werden , so sind sie jedenfalls der Mühe und Kosten des 
Sammeins nicht weniger wert, als Münzen, Briefmarken, Wappen, Siegel 
u. dergl. Das heutige Ex libris -Sammeln ist, nachdem es lange Zeit 
hindurch ganz geruht hatte , noch sehr jungen Datums ; es begann erst 




Abb. 



Dr. phil. Albrecht Kirchhoff. 







Bücherzeichen des Hiltbrand Brandenburg 
um 1480. 



Bücherzeichen des M. Reichart, Ende des 
XV. Jahrhunderts. 



Bücherzeichen der Artistenfakultät in Ingolstadt, 1482. 



Aus der Ex libris- Sammlung der Bibliothek des Börsenvereins der deutschen Buchhändler 

in Leipzig. 



Beilage VII. 



Ex libris, Druckerzeichen und Einbände. 



165 




Abb. 122. Bibliothekzeichen des Dr. Joh. 

Pet. Merenda, 1548. 

Aus der Sammlung des Grafen K. E. zu 

Leiningen -Westerburg in München. 



dem Titel „les Ex-libris 
francais depuis leur 
origine jusqu'ä nos 
jours", Paris 1874, 8, her- 
aus, und kürzlich (1897) er- 
schien in London ,,French 
book plates, an illu- 
strated handbook for 
collectors of ex-libris" 
von Walter-Hamilton. 
Die schönsten Ex libris der 
Nationalbibliothek in Paris 
sind von Henri Bouchot 
beschrieben: „Les ex- 
libris d'Art de la Bi- 
bliotheque Nationale", 
Paris 1897, 8. Die Biblio- 
thek des Börsenvereins der 
deutschen Buchhändler in 
Leipzig besitzt auch eine 
bedeutende Kollektion von 



vor etwa fünfundzwanzig bis 
dreissig Jahren ; heute aber ist 
die Kollektiomanie auf diesem 
Gebiete schon fast epidemisch, 
jedenfalls aber kosmopolitisch 
geworden , sie hat sich über 
ganz Europa und Amerika ver- 
breitet und überragt an Be- 
deutung fast das Autographen- 
sammeln. 

Es existiert bereits eine an- 
sehnliche Litteratur darüber. 
Die erste Schrift von Bedeutung 
gab Poulet-Malassis unter 




Abb. 



[23. 



Das Bibliothekzeichen des Johannes Froben. 
Von Hans Holbein. 



66 



Viertes Kapitel. 



Abb. 




-m; Sa wnrfch l 

PANTA KA0APÄ" TÖfe KAGAPOIX**' 
OMN I A MVN DA MVND1S 
D.HECTOR POMERPR&POS & LAVRj 



Abb. 124. Bibliothekzeichen des Propstes von St. 

Lorenz in Nürnberg, Hektor Pommer, von Albrecht 

Dürer. 1525. Holzschnitt. Unterschrift in drei 

Sprachen : „Dem Reinen ist alles rein." 



schichte des Buchornaments. In 
neuester Zeit sind durch Tausch 
namentlich neuere Ex libris hin- 
zugekommen. 

Aus Anlass des siebzigsten 
Geburtstages (30. Januar 1897) 
des Dr. Alb recht Kirchhoff, 
dem die Bibliothek für alles, was 
er für sie gethan, zu so grossem 
Danke verpflichtet ist, ist im Ver- 
lage des Börsenvereins eine Aus- 
wahl der schönsten dieser Ex 
libris von dem verdienstlichen 
Bibliothekar des Börsenvereins, 
Herrn B u r g e r , veröffentlicht 



Ex libris , deren Grundstock die 
von Dr. Albrecht Kirchhoff 
angelegte Sammlung bildet , die 
er zusammen mit seinen anderen 
auf die Geschichte des Buchhan- 
dels bezüglichen Kollektionen im 
Jahre 1875 der Bibliothek als Ge- 
schenk zur Verfügung gestellt und 
seitdem durch fortwährende Gaben 
beständig vermehrt hat. Eine 
grosse Bereicherung erfuhr die 
Sammlung im Jahre 1876 durch 
den Ankauf der Lempertz' sehen 
Sammlungen. Eine Reihe wert- 
voller Stücke fand sich ferner in 
der 1887 angekauften Sammlung 
von A. F. B u t s c h , Zur Ge- 




Abb. 125. Bibliothekzeichen Pirckheimer's von Albrecht 
Dürer, Holzschnitt. Mit dem Pirckheimer'schen und 
Rieter'schen Wappen, demnach vor dem Tode von 
Pirckheimer's Gattin Crescentia Rieter (1504) gezeichnet. 
,,Für sich und seine Freunde aufgestellt, Buch des 
Willibald Pirckheimer." 



Ex libris, Druckerzeichen und Einbände. 



167 



worden. *) Diese Bibliothekzeichen 
verteilen sich auf das fünfzehnte bis 
neunzehnte Jahrhundert und repro- 
duzieren die grössten Seltenheiten. 

Ein besonderes Verdienst haben 
sich bei uns in Deutschland War- 
necke durch sein Buch ,,Die deut- 
schen Bücherzeichen von ihrem 
Ursprünge bis zur Gegenwart", 
Berlin 1890, 8, und G. Seyler durch 
sein ,, Illustriertes Handbuch 
der Ex libris-Kunde", Berlin 
1895, 8, erworben. Auch der Biblio- 
thekar Heinemann in Wolfenbüttel 
hat 1895 eine Sammlung von hundert- 
undsechzig ausgewählten Bibliothek- 
zeichen der herzoglichen Bibliothek 

Non eß mortale quod opto. 




Abb. 126. 



Bibliothekzeichen der Bün 
Winterthur, 16 . . 



;rbibliothek 




JOANNES ALBERTUS 

D.G.Coadju:Epis:Ratceb; 

DuxMcgapolitanus. 



Abb. 127. Bibliothekzeichen des Joh. Albrecht 
Herzog von Mecklenburg, c. 1620. 
Aus der Sammlung des Grafen K. E. zu Leiningen- 
Westerburg in München. 



Aus der Sammlung des Grafen K. E. zu Leiningen- 
Westerburg in München. 

reproduziert herausgegeben ; und die 
,,42 Ex libris" des genialen Jos. 
Sattler, die Warnecke l $9$ 
herausgab, können sich dem Besten 
an die Seite stellen , was die deut- 
sche Kleinkunst auf diesem Gebiete 
geleistet hat. Ebenso die Entwürfe 
von E. Doepler dem jüngeren. 

Ich nenne ferner Norna La- 
bouchere „Ladies book pla- 
tes", London 1896, 8, und Aug. 
Stoebers „Petite Revue d'ex 
libris Alsaciens", Mühlhausen 
1881, 8, sowie endlich J. Leicester 
Warren ,, Guide to the study 
ofbook p lates", London, 1880. 8. 



*) Aus der Ex libris-Sammlung der Biblio- 
thek des Börsenvereins der deutschen Buch- 
händler. 65 meist unveröffentlichte Blätter auf 
50 Tafeln. Leipzig 1897. 4- 



68 



Viertes Kapitel. 




Abb. 128. Bibliothekzeichen des Joh. Christof von Engelshofen, 1623. 

Aus der Sammlung des Grafen K. E. zu Leiningen-Westerburg 

in München. 

veröffentlichte, die aber wieder eingegangen ist. 
Und in Berlin hat sich 1891 auch ein „Ex 
libris-Ver ein" , der jetzt unter dem Vorsitz 
des Professors E. D ö p 1 e r dem jüngeren steht 
gebildet, der eine vortrefflich redigierte „Ex 
libris-Zeitschrift" herausgiebt, die sich die 
Erforschung alter und die Herausgabe neuer Ex 
libris-Zeichen ebenso zur Aufgabe macht, wie die 
vorher genannten anderen Zeitschriften. Diese 
Gesellschaften zählen zusammen etwa neunhundert 
Mitglieder. Eine der bedeutendsten Sammlungen 
ist die des Grafen K. E. zu Leiningen-Wester- 
Abb. 122 bürg in München, die jetzt zwölftausendvier- 
bis I57 ' hundert Nummern zählt, und aus der wir eine 
Reihe von Abbildungen hier veröffentlichen. 



In London wurde 
1890 die „English 
ex-libris-society" 
begründet , die ein 
eigenes ,, Journal of 
the ex-libris-so- 
ciety" herausgiebt 
und gegenwärtig über 
vierhundert Mitglieder 
zählt. Auch in Paris 
hat sich 1893 eine Ge- 
sellschaft gebildet, die 
ein monatliches Organ: 
„Archiv es de la 
Societe frangaise 
des Collection- 
neurs d'Ex-libris" 
erscheinen lässt. Ferner 
wurde in Washington 
eine amerikanische 
,,Ex-libris-society" 
ins Leben gerufen, die 
seit Oktober 1896 eine 
Zeitschrift „Ex libris" 




Abb. 129. Bibiiothekzeichen des 
Collegium theologorum, in Pia- 

cenza, 17 . . (Italien). 

Aus der Sammlung des Grafen 

K. E. zu Leiningen-Westerburg 

in München. 



Ex libris, Druckerzeichen und Einbände. 



169 



Man ist gegenwärtig in 
lobenswerter Weise bestrebt, 
den Bibliothekzeichen künst- 
lerischen Wert zu verleihen, 
und geht gern auf die schönen 
Muster zurück, die wir in den 
Zeichnungen von Dürer, 
Burgkmair, Holbein, Lu- 
cas Cranach, Jost Am- 
man, Bartolozzi, Eisen, 
Boucher, Chodowiecki, 
Ludwig Richter u. a. be- 
sitzen. 

Unter den heutigen Ex 
libris-Zeichnern steht der ge- 
niale Max Klinger obenan, 
von dessen Hand bereits acht 
Bibliothekzeichen herrühren. 
Das heutige Ex libris soll 
dem Besitzer auch eine Zierde 
seines Buches sein. Es giebt 
Bücherliebhaber, die damit 





Abb. 131. Bibliothekzeichen des Karl Alexander- 
Gymnasiums, Ansbach 17 . . . 
Aus der Sammlung des Grafen K. E. zu Leiningen- 
Westerburg in München. 



Abb. 130. Bibliothekzeichen des Ferd. Barth von 

Harmating, 1694. 

Aus der Sammlung des Grafen K. E. zu Leiningen- 

Westerburg in München. 



noch nicht zufrieden sind und die 
ihre Einbände noch aussen auf dem 
Deckel mit einer Marke, einem Motto, 
einer Zeichnung oder einer heral- 
dischen Darstellung verzieren. Diese 
Kennzeichen der Abstammung auf 
dem äusseren Einbanddeckel nennt 
man Super-Ex-libris; sie sind 
ebenso alt, wie die Ex libris. 

Es werden zuweilen von Personen, 
die mit den äusserlichen Eigentüm- 
lichkeiten der Bücher nicht genauer 
bekannt sind, die hier besprochenen 



170 Viertes Kapitel. 

Bibliothekzeichen oder Ex libris verwechselt mit den „Drucker- 
und Verleger zeichen" ( auch Signete , Druckermarken genannt, 
englisch printer marks, französisch marques typographiques), 
die auf dem Titelblatte vieler Bücher gedruckt stehen , gewissermaassen 



^^acensis Ord jvjf% 




Abb. 132. Bibliothekzeichen der Abtei Amarbach, 17 . . . 
Aus der Sammlung des Grafen K. E. zu Leiningen-Westerburg in München. 

als Handelsmarke des Druckers oder Verlegers. Sie haben die gute 
Eigenschaft, die Monotonie und Steifheit der geradlinigen Satzzeilen des 
Titels angenehm zu unterbrechen , entspringen im übrigen denselben 
Motiven wie die Ex libris. 
Abb. 17.19. Schon fast alle berühmten älteren Drucker, wie Fust und Schöffer, 

die Aldus, Giunta's, Elzeviere, Plantin's u. s. w., hatten ihr 



Ex libris, Druckci 



:hen und Einbände. 



171 



Druckerzeichen, wie wir bereits bei der Besprechung von deren Thätig- 
keit im zweiten Kapitel gesehen haben. Namentlich im sechzehnten und 
siebzehnten Jahrhundert ist die Sitte mit viel Geist und Geschmack 
geübt und zwar nach gewissen Grundprinzipien , nach denen sich die 
Signete in bestimmte Grup- 
pen einteilen lassen. 

1. Solche, die lediglich 
als Erkennungszeichen die- 
nen , aus denen sich nichts 
Besonderes für die Person 
des Benutzers folgern lässt; 
für diese sind meistens Ab- 
bildungen mythologischer 
Tiere , Figurenbuchstaben, 
Monogramme u. dergl. be- 
nutzt. 

2. Solche, die bildlich 
mit besonderer Bezugnahme 
auf den Namen des Besitzers 
gewählt sind, wie z. B. für 
den Namen Müller eine 
Mühle , für Schuster ein 
Stiefel , für Leo ein Löwe, 
für Gryphius ein Greif u. 
dergl. ; sie sind gewöhnlich 
mit einem Sinnspruch ver- 
sehen. Besonders beliebt 
waren in dieser Gattung die 
rebusähnlichen Wortspiele. 
Das Wappen von Baumann 
in Breslau zeigt ein unfer- 
tiges Haus mit dem Bau- 
meister davor. Apianus 
(Bienewitz) in Ingolstadt sen- 
det einen Bären baumauf- 

wärts und lässt ihn von Bienen umschwärmen. Froschauer in Zürich 

mag für seinen schlechten Rebus einige Entschuldigung in dem Humor Abb - ss- 56. 

finden, mit dem er einen Jungen auf einem Riesenfrosch reiten lässt. 

Für Granjon lag das Wortspiel fertig in der grossen Binse (grand 

Jone). Das Schiff (Galliote) des Galliot du Pre fährt unter vollen 




Abb. 



[70. 



Abb.- 50. 



Abb. 133. Bibliothekzeichen des Kardinals Graf 

von Schönborn, 17 . . . 

Aus der Sammlung des Grafen K. E. zu Leiningen-Westerburg 

in München. 



Abb. 162. 



172 



Viertes Kapitel. 



Segeln. Namentlich die Engländer gefielen sich oftmals in bis an die 
Grenze des Zulässigen getriebenen Wortspielen. William Middleton 
stellte sein W. M. mitten anf eine Tonne. William Griff ith zeigt 
uns einen Greif mit einer Bartnelke (Sweet William) im Schnabel. 
Abb. 164. Thomas Woodcock (Holzhahn) setzte einen Hahn auf einen Scheiter- 
haufen. Thomas Pavier führte als Zeichen einen arbeitenden Pflaster- 
setzer (pavier). Raynard Wolf lässt seine Namensvettern Fuchs und 
Wolf seinen Schild halten. Das Zeichen John Day's (Tag) zeigt eine 

von der aufgehenden Sonne 
beleuchtete Landschaft, im 
Vordergrunde ein Schlafen- 
der, den ein Engel mit den 
Worten weckt: ,,arise ! for 
it is day" (steh auf, denn 
es wird Tag). 

3. Solche, die einen mit 
dem Namen des Druckers 
in Verbindung stehenden 
Bibelspruch enthalten. So 
benutzte Mart. Brandt 
1620 in Amsterdam das 
Bild eines Emmausgängers 
mit den Worten (Evang. 
Lucä Kapitel 24, Vers 32) 
„brannte (!) nicht unser 
Herz in uns, da er mit uns 
redete auf dem Wege". 
Paulus van Ravesteyn, 
der grosse Amsterdamer 
Bibeldrucker, gebrauchte ein 
Bild des Elias in der Wüste, dem ein Rabe die Speise bringt, u. s. w. 

4. Solche, die ohne Anspielung auf den Namen des Druckers einer 
Bibelstelle entlehnt sind, wie z. B. Albert Hendrickszoon in Delft 
im siebzehnten Jahrhundert, der sein Signetbild dem Matthäus (Kap. 13, 
V. 44) entnimmt, den Schatzgräber auf dem Acker. 

5. Solche, die irgend einem philosophischen oder wissenschaftlichen 
Sinnbilde entlehnt sind , aus dem man die Lebensanschauung oder das 

Abb. 35. Specialfach des Benutzers erkennen kann. So gebrauchte Willem 

9 Janszoon Blaeu in Amsterdam das Bild der Himmelssphäre als Hin- 

Abb. 32. 33. weis auf seinen astronomischen Verlag. Plantin kennzeichnete den 




Abb. 134. Bibliothekzeichen des Herzogs Ludwig Rudolf 

von Braunschweig, f 1735. 

Aus der Sammlung des Grafen K. E. zu Leiningen -Westerburg 

in München. 



Ex libris, Druckerzeichen und Einbände. 



173 



Geist, der seine Arbeiten leitete, durch eine Hand mit dem Zirkel. Abb. 32. 33 . 
Fr oben führte einen von Schlangen umwundenen Stab, auf dem eine Abb. 4 s. 
Taube sitzt (Schlangenklugheit und Taubeneinfalt). Marne f wählte den 
Pelikan , der sich die Brust zerfleischt , um seine Jungen zu ernähren. 




Abb. 135. Bibliothekzeichen des Königl. Preuss. Admiralitäts- und Licentkollegiums, Königsberg i. Pr., 17 . 
Aus der Sammlung des Grafen K. E. zu Leiningen-Westerburg in München. 



Künstlerisch schön ist das Zeichen des Oporin: der auf dem schwim- 
menden Delphin sich wiegende Arion, der von den Winden getragen zu 
werden scheint. Ebenfalls bemerkenswert ist der Saturn des Colinäus 
und das schöne Sinnbild der Gioleti, mit dem keck in die Sonne 
schauenden grossen Adler und dem Motto ,,semper eadem". Voll Kraft 



1/4 



Viertes Kapitel. 



Abb. 50. und Grazie ist der Greif der Familie Gryphius und der Pegasus der 
Familie Wechel. Und originell das Symbol des Hie ron. Scott, eine 







f 







et 




Abb. 136. Bibliothekzeichen des Karl Otto Freiherrn von und zu Gymnich 17... 
Aus der Sammlung des Grafen K. E. zu Leiningen-Westerburg in München. 



weibliche Figur auf einer Erdkugel, welche dem Drucke der Zügel, die 
sie führt , zu gehorchen scheint. Mitunter hatten diese Zeichen eine 
bedeutende Grösse; riesenhaft ist der wilde Löwe des Mylius von 
Strassburg, ebenso die drei reissenden Bestien Brylinger's, 



Ex libris, Druckerzeichen und Einbände. 



175 



während C oute au 's kolossaler Löwe friedlich auf einem Schild von 
Blumen ruht. 

6. Solche , die von Amts wegen benutzt wurden , wie Staats- oder 
Städtewappen u. dergl, die also nicht eigentlich als persönliche Drucker- 
zeichen gelten können, wie z. B. Plant in mitunter das Wappen von 
Antwerpen und van Graue in Löwen den Stern der dortigen Akademie 
gebrauchten, letzteres bei- 
läufig bemerkt ein hervor- 
ragend schönes Drucker- 
zeichen. Gewisse einfache 
und leicht verständliche 
Embleme scheinen als ein 
Gemeingut der Drucker 
aller Länder gegolten zu 
haben; so gebrauchten 
Oeglin , Notary , Mar- 
tens, Thanner und 
Weissenburger die Erd- 
kugel. Die Druckerpresse 
wurde benutzt von Asce- 
nius, Vascosan, Roigny, 
Schilders, dePreux, 
Hanns Lufft u. s. w. 
Kreuz , Stern und Anker 
wurden in allen erdenk- 
lichen Zusammenstellungen 
verwendet , die Zeit zeigt 
sich in allerlei Gestalten, 
die Schlange windet sich 
durch eine Menge Drucker- 
zeichen. Die oft vorkom- 
mende Axt , welche einen 

Holzblock spaltet, erhielt eine schreckliche Vorbedeutung in dem Zeichen 
des grausam hingerichteten Etienne Dolets. 

Eine Zusammenstellung dieser verschiedenen Ergebnisse mensch- 
lichen Scharfsinnes wäre wohl der Mühe wert; es würde sich daraus 
unter anderem auch feststellen lassen, wie einige die Gedanken anderer 
übernommen haben, sei es ganz oder in veränderter Form. Als Probe 
führe ich an, dass die Elze viere ihren Ölbaum dem 
Stephanus (Etienne) entlehnt haben, der ihn schon 1545 benutzte 







Abb. 137. Bibliothekzeichen des Ferdin. Reichsedlen von Hosson, 

München 17 . . . 

Aus der Sammlung des Grafen K. E. zu Leiningen-Westerburg 

in München. 



Robert Abb - 2 4 

u. 26. 



i 7 6 



Viertes Kapitel. 



Abb. 



Die Elzeviere haben sein Signet wenig verändert, nur der Sinnspruch 
lautet anders; Stephanus sagt: ,,noli altum sapere, sed time" (Ausspruch 
des Apostels Paulus : strebe nicht zu hoch, sondern sei besorgt), die Elze- 
viere sagen: ,,ne extra oleas". Von solcher Übernahme oder Nachahmung 
älterer Signete Hesse sich mancher Nachweis führen ; es würde aber doch 
immer schwer zu beweisen sein, dass der zweite das Zeichen des ersten 
wirklich gekannt hat , während es , auch wenn dies der Fall war , stets 

eine Härte wäre , zu ver- 
langen, dass der zweite ein 
für ihn passendes Signet 
hätte aufgeben sollen , weil 
es kein ursprüngliches war. 
Anders aber liegt die Sache 
in Fällen wie der , wo sich 
Aldus darüber beklagt, dass 
ihm die Nachdrucker in Lyon 
nicht allein seine Bücher 
nachdruckten, sondern auch 
sein Druckerzeichen dazu, 
den weltberühmten , von 
einem Delphin umschlun- 
genen Anker. 

Als nach und nach die 
Buchdrucker aufhörten, zu- 
gleich die tonangebenden 
Verleger zu sein und Lohn- 
drucker der Buchhändler 
wurden , mussten sie den 
Verlegern den Platz auf dem 
Titel räumen und bescheiden 
in den Hintergrund treten. 
Die Verleger nahmen nun 
ihrerseits vielfach Embleme an , in der Regel jedoch allgemeiner Art, 
z. B. eine brennende Lampe, ein aufgeschlagenes Buch, eine Presse im 
Strahlenkranze, einen Greif oder vielfach einen Schild mit den Anfangs- 
buchstaben der Firma. 

Die allegorischen Druckerzeichen waren etwa um die Mitte des 
vorigen Jahrhunderts ganz durch einfache Namenszüge, Rosetten u. dergl. 
verdrängt und gelangten erst gegen die Mitte unseres Jahrhunderts all- 
gemein wieder in Aufnahme. Gegenwärtig bilden die Drucker- und 




Abb. 138. Bibliothekzeichen des Kanonikus Heinr. Braun. 
München 17 . . . 
Aus der Sammlung des Grafen K. E. zu Leiningen-Westerburg 
in München. 



Ex libris, Druckerzeichen und Einbände. 



177 



Verlegersignete ebenso den Gegenstand des Sammeins für Liebhaber, 
wie die Ex libris , namentlich in Belgien und Frankreich sind grosse 
Kollektionen davon zusammengebracht. 

So besitzt der Cercle de la librairie in Paris etwa zweitausend ver- 
schiedene meist ältere Signete , in denen alle Länder Europas vertreten 
sind. Der Cercle hat sich 
durch die Herausgabe 
eines Werkes , das diese 
sämtlichen Signete in Ab- 
bildungen enthält , ein 
grosses Verdienst erwor- 
ben.*) Auch der Börsen- 
verein der deutschen Buch- 
händler besitzt in seiner 
Bibliothek zu Leipzig eine 
umfangreiche Sammlung 
vonSigneten, deren Grund- 
stock er mit der Lem- 
p e r t z 'sehen Sammlung 
erworben hat. Die deut- 
schen Drucker- und Ver- 
legerzeichen der Gegen- 
wart hat Paul Heichen 
1892 in seinem, übrigens 
recht unvollständigen Wer- 
ke nachgebildet und über- 
sichtlich zusammengestellt. 

Für Privatleute ist 
das Sammeln der Drucker- 
zeichen nicht leicht, wenn 
sie sich nicht lediglich 
auf diejenigen beschränken 

wollen, welche auf Ver- A bb.i S 8bis 

lags- und Antiquarkatalogen vorkommen. Während die Ex libris-Zeichen x 73- 
von den Einbanddecken durch Wasser abzulösen sind, ohne die Bücher 
dabei zu beschädigen, geht beim Entfernen eines Druckerzeichens immer 
das ganze Titelblatt verloren oder wird wenigstens arg verstümmelt. 




Abb. 139. Bibliothekzeichen des J. H. V. Chev. de Valvry, 

gezeichnet von Boucher, gestochen von Valvry, 17 . . . (Frankreich). 

Aus der Sammlung des Grafen K. E. zu Leiningen -Westerburg 

in München. 



*) P. Delalain, Inventaire des marques d'imprimeurs et de libraires de la collection 
du Cercle de la librairie. 2. ed. Paris 1896. 8. 

12 



Mühlbrecht, Bücherliebhaberei. 



i 7 8 



Viertes Kapitel. 




Abb. 140. Bibliothekzeichen des A. Lumisden , von 

R. Strange, 17 . . (England). 

Aus der Sammlung des Grafen K. E. zu Leiningen- 

Westerburg in München. 



ersten Decennien aut die Gestaltung 
der Büchereinbände ohne merklichen 
Einfluss geblieben ist. Im fünfzehn- 
ten Jahrhundert erst traten Buch- 
binder auf, die nicht den klöster- 
lichen Verbänden angehörten ; sie 
arbeiteten zuerst unter dem Schutze 
der Universitäten , unabhängig von 
den Zünften. 

Seit dem Ausgange des Mittel- 
alters bildete sich in dem äusseren 
Schmuck der Bücher ein eigener Stil 
aus, die Verzierungen wurden in 
Leder eingeschnitten, auch getrieben, 
gepunzt, oder mit Stempeln einge- 
presst. Den früher blindgepressten 
Decken trat seit dem sechzehnten 



Bei den Merkmalen einer be- 
rühmten Abstammung der Bücher 
habe ich im vorhergehenden 
wiederholt auf die Einbände Be- 
zug nehmen müssen, die zu jeder 
Zeit in der Bücherliebhaberei eine 
grosse Rolle gespielt haben und 
dies noch heute, mehr als je zu- 
vor, thun. Wir wollen uns des- 
halb nunmehr mit der Ent- 
wickel ungsgeschichte der 
Büchereinbände beschäftigen. 

Wie die Handschriften und 
Buchmalereien , so wurden auch 
die Büchereinbände anfänglich in 
den Klöstern gefertigt, daher 
schreibt sich die oft vorkommen- 
de Bezeichnung „Mönchsbände", 
,, Klosterbände" ; sie erhielt sich 
noch geraume Zeit nach Erfindung 
der Buchdruckerkunst, die in den 




Abb. 



Bibliothekzeichen Chodowiecki's. 



Ex libris, Druckerzeichen und Einbände. 



179 



Jahrhundert die vom Orient, von Persien und Arabien überkommene ver- 
goldete Lederdecke gegenüber, die zu Ende des achtzehnten Jahrhunderts 
die Oberhand gewann. In der äusseren Buchornamentation gingen 
zwei Haupttypen nebeneinander: die architektonische Ordnung und die 
Flächendekoration, die besonders im Orient gepflegt wurde. Im ersteren 
Falle wurden die Deckel 
ähnlich den Titelblättern 
häufig mit Frontispizen 
geschmückt, in deren mehr 
oder weniger phantasti- 
scher Architektur man Fi- 
guren oder Medaillonköpfe 
mit Namen aus der rö- 
mischen Mythologie und 
Geschichte einordnete ; im 
letzteren Falle breiteten 
sich Arabesken über die 
ganze Fläche aus , durch 
Spitzenmuster begrenzt, in 
der Mitte Raum lassend 
für Schrift, Wappen oder 
Embleme des Eigentümers, 
mitunter auch die Arabes- 
ken zu Mittel- oder Eck- 
stücken vereinigt. Grös- 
seren Reichtum in der 
Erscheinung erlangte man 
durch die Ledermosaik, 
das Einlegen grüner, weis- 
ser, roter u. s. w. Leder- 
streifen in den gewöhn- 
lichen braunen Leder- 
grund. Der um die Ver- 
goldekunst sehr verdiente Italiener Thomas Maioli verzierte mit Abb. i 74 
seltenem Kunstverständnis die Einbanddecken vorzugsweise durch Band- 
und Kartuschemuster in Blindpressung, die von Goldlinien eingefasst 
und mit Blättern und Ranken in Golddruck durchflochten waren. Nach 
seinen Mustern schuf der vielgenannte Jean Grolier seine farben- 
prächtigen Ledermosaikarbeiten , bei denen er bald hellere Farben ver- 
wendete , die Band- und Kartuscheornamente farbig auslegte und sie 




Abb 



42. Bibliothekzeichen des David Friedländer, Berlin, von 
Dan. Chodowiecki, 179 . . 
Aus der Sammlung des Grafen K. E. zu Leiningen-Westerburg 
in München. 



Abb.115.116. 
u. Beilage VI 

(S. 154/155)- 






i8o 



Viertes Kapitel. 




4 






Abb. 143. Bibliothekzeichen des Dr. m. 

Diethelm Lavater, Zürich, f 1801. 

Aus der Sammlung des Grafen K. E. zu 

Leiningen-Westerburg in München. 

haupten, Canevari habe viele 
seiner Bücher fertig einge- 
bunden gekauft — die Bücher 
kamen damals meistens ein- 
gebunden in den Handel — 
und nur sein Superlibros- 
Zeichen darauf gesetzt. 

Auch der Buchdrucker 

Abb. 175. Geoffr oy Tory hatte zu 
jener Zeit grossen Anteil an 
der künstlerischen Vervoll- 
kommnung der Bücherein- 
bände. Unter Heinrich III., 

Ab b. 119. dessen Totenkopf als Sym- 
bol auf den Einbänden ich 
bereits erwähnte, wurden die 
Arabesken weniger schwung- 
voll, mehr geometrisch und 
machten dann alle Wande- 
lungen des Geschmacks im 
kleinen mit durch. 



mit Goldlinien zur Begrenzung der 
Farben umzog. 

Ein anderer italienischer Bücher- 
liebhaber, Demetrio Canevari, 
Leibarzt des Papstes Urbanus VIII., 
entwarf für seine Bibliothek , die er 
in der zweiten Hälfte des sechzehnten 
Jahrhunderts anlegte, ebenfalls eine 
Reihe schöner Einbände. Die meisten 
derselben sind einfach, aber ge- 
schmackvoll in den Ornamenten und 
kennbar an seinem Superlibros, Apollo 
mit dem Zweigespann am Fusse des 
Parnassus, vermutlich die Nachahmung 
einer antiken Kamee. Einige be- 




Abb. 144. Bibliothekzeichen des Ministers Alph. Van den 

Peereboom, 18 . . (Belgien). 

Aus der Sammlung des Grafen K. E. zu Leiningen-Westerburg 

in München. 



Ex libris, Druckerzeichen und Einbände. 



181 



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Ich habe schon darauf hingewiesen, wie zuerst durch Grolier der 
Bucheinband künstlerisch gestaltet wurde. Frankreich gebührt der 
Ruhm, die Buchbinderei zuerst zu einer Kunst entwickelt zu haben, die 
dann fortschreitend weiterentwickelt wurde und stets der Buchbinder- 
kunst aller übrigen Länder überlegen war. Die Namen der französischen 
Einbandkünstler haben eine 
Berühmtheit erlangt , die 
weit in das Ausland ge- 
drungen ist. Sie verdienen 
es , dass auch von ihnen 
einige Namen an dieser 
Stelle genannt werden.*) 

Gegen das Ende des 
sechzehnten Jahrhunderts 
begegnen wir in Paris zwei 
tüchtigen Buchbindern : 
Clovis und Nico laus 
Eve. Clovis führte den 
Titel „relieur du Roi", er 
arbeitete für Heinrich IV. 
und Ludwig XIII. Nico- 
laus war beauftragt, eine 
Anzahl von Exemplaren 
der Statuten des Ordens 
vom heiligen Geist einzu- 
binden, ein Buch, das gegen 
Ende des Jahres 1578 er- 
schien und wovon sich 
noch ein Exemplar in der 
Nationalbibliothek in Paris 
befindet, einer der wenigen 
Einbände, die uns heute 
noch Zeugnis von der Thätigkeit Nicolaus Eve's geben. Das Schicksal 
der Eve's ist dunkel geblieben; die Bibliographen, die davon reden, 
widersprechen sich, und die darauf bezüglichen Dokumente sind unsicher. 
Man kann die Meister nur nach den uns erhaltenen Bänden beurteilen. 

In der Manier der Eves tritt zuerst der naturalistische Zug der Ver- 
zierungen auf, die Ranken, Blumen und Blätter sind unregelmässig, er- 




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Abb. 145. Bibliothekzeichen des Dr. Wellens aus dem 
XVIII. Jahrhundert. 



*) Ernest Thoinan, Les relieurs frangais 1500— 1800. Paris 1893. 8. 



182 



Viertes Kapitel. 



Abb. 




Abb. 146. Bibliothekzeichen der Columbia College Library, 

New -York, 18 . . (Amerika). 

Aus der Sammlung des Grafen K. E. zu Leiningen -Wester- 

burg in München. 



gelassen. Diese Blumenver- 
zierung mit ihren behaglichen 
Formen findet sich in der 
verschiedensten Mannigfaltig- 
keit auf den Einbänden, die für 
die Schwester Heinrichs III., 
späteren Gemahlin Hein- 
richs IV. , IMargarete 
von V a 1 o i s , angefertigt 
wurden; nach ihr werden sie 
heute Margaretenbände ge- 
nannt. Gleichzeitig traten auch 
die mit anderen kleinen Mo- 
tiven in den Verzierungen, 
wie Krönchen, Lilien u. s. w. 
bestreuten (semes- )Einbände 
auf. Eves-Einbände kommen 
heute selten vor und stehen 



sichtlich der Natur nachge- 
bildet. Diese Eigentümlich- 
keit kommt besonders in den 
kleinen , zierlichen Bänden 
zum Ausdruck, die dem An- 
schein nach zuerst von dem 
jüngeren Eve angefertigt wur- 
den, die Deckel ganz bedeckt 
mit Blümchen, Zweigen und 
Blättern , die mit wenigen 
leichten Umschliessungslinien 
eingerahmt sind, der ziemlich 
breite Rücken in derselben 
reichen Weise behandelt wie 
die Deckel. Die Grundregel 
der mathematischen Eintei- 
lung der Fläche und die sy- 
stematische Entwickelung des 
Ornaments, welche bis dahin 
als ein Haupterfordernis bei 
der Verzierung des Einbandes 
galt, ist hier ganz ausser acht 




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Abb. 147. Bibliothekzeichen des Grossherzogs Friedrich 

Franz I. von Mecklenburg-Schwerin, ca. 1830. 

Aus der Sammlung des Grafen K. E. zu Leiningen- Wester- 

burg in München. 



Ex libris. Druckerzeichen und Einbände. 



183 



hoch im Preise. In dem Kataloge von 
Karslake & Co. in London von 1897 fand 
ich einen Band von Clovis Eve , ein Mis- 
sale Romanum, Paris 1605, mit 31 £ 
10 sh. (620 Mark) angesetzt. 

Einer der bedeutendsten Buchbinder 
des siebzehnten Jahrhunderts war Le Gas- 
con, so genannt nach der Provinz (Gas- 
cogne), wo er heimisch war, sein eigentlicher 
Name ist verloren gegangen. Auch über 
ihn fehlen authentische Nachweise , es sind 
die widersprechendsten Behauptungen auf- 
gestellt. Nach den einen soll er seine Kunst 
zur Zeit Heinrichs IL ausgeübt haben, 
nach den anderen soll er von Colbert an- 
gestellt gewesen sein. Die erste amtliche 
Kunde datiert aus dem Register der Pariser 
Buchbindergilde. Nach dieser soll 161 5 ein 
etwa zwanzig Jahre alter Meister Le Gas- 
c o n in die Gilde aufgenommen sein , der 




Abb. 179 
u. 180. 



Abb. 148. Bibliothekzeichen des Stifts- 
probsts Dr. J. J. Ign. v. Döllinger, Mün- 
chen 1860, 
Aus der Sammlung des Grafen K. E. zu 
Leiningen -Westerburg in München. 




Abb. 149. Bibliothekzeichen des Kaisers Alexander III. 188 . 

(Russland). 

Aus der Sammlung des Grafen K. E. zu Leiningen-Wester- 

burg in München. 



dann als solcher etwa vierzig 
Jahre hindurch thätig war ; 
man hat also seine Arbeiten 
in den Jahren 161 5 bis 1655 
zu suchen, ein hervorragen- 
der Bibliophile aus jener 
Zeit , Herbert de Mont- 
mort, gilt als der hauptsäch- 
lichste Auftraggeber des Le 
Gascon. 

Die Gascon-Bände stehen 
heute nicht so hoch im Preise, 
wie die Eve's , werden aber 
immer noch gut bezahlt. Der- 
selbe Katalog von Kars- 
lake & Co. in London ver- 
zeichnet auch ein von Le 
Gascon gebundenes Exem- 
plar eines ,,Office de la 



8 4 



Viertes Kapitel. 



Semaine Sainte", Paris 1660, mit 10 £ 10 sh. (210 Mark), das 
Exemplar enthält aber ausserdem das Ex libris des Lordkanzlers 
von Irland Sir Edward Sullivan, was den Preis wohl mit be- 
einflusste. 




Abb. 150. Bibliothekzeichen S. M. des Kaisers Wilhelm II. 
Von E. Doepler dem jüngeren. 



Dem Le Gascon wird eine Reihe neuer Stempel zugeschrieben, deren 
Motive mit Vorliebe Spitzenmustern, zum Teil auch der Goldschmiede- 
kunst entlehnt sind. Seine Punktstempel für Spirallinien z. B. erinnern 
an Muster auf den Bücherbeschlägen aus dem Anfange des sechzehnten 
Jahrhunderts. Die Grundzüge der Le Gascon'schen Verzierungen sind 



Ex libris, Druckerzeichen und Einbände. 



185 



nicht immer dieselben , eigentümlich sind ihm nur die ungewöhnlich 
feinen, sauberen Punktstempel (pointilles), die sich einmal an Laubwerk 
anschliessen, dann wieder als Arabesken mit feinen Ausläufern die vom 
Laubwerk freigelassenen Zwischenräume wie ein Filigrangewebe über- 
decken. 

Weiter verdient der Name des Du Seuil (geboren 1673) als her- 
vorragender Buchbinder genannt zu werden ; bei der Eintragung des 
Todes seiner Frau (1740) 

ist er amtlich als der Buch- |.^iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiii iiiniiiiiiiiiiiiiiii 1 iiiiiiiiiiiiiujiife'i 

binder des Herzogs und der 
Herzogin von Orleans be- 
zeichnet. Aus dem acht- 
zehnten Jahrhundert sind 

uns eine Menge Proben „ ^ M'£L-<£L t r ~\ \**Ji 

davon erhalten , was da- 
mals in Einbänden geleistet 
werden konnte , es sei 
auf einige derselben hinge- 
wiesen. 

Ludwig XIV. hatte in 
blinder Gunst die Verwal- 
tung der Departements des 
Krieges und der Finanzen 
dem Marquis de Chamil- 
lart anvertraut, der sich 
als völlig unfähig erwies. 
Auch seine Gemahlin nennt 
Saint Simon die dümmste 
Frau der Welt, aber für 
die Bücherliebhaber hat der 
Name de Chamillart trotz- 
dem den besten Klang, 
denn die Frau hatte mit 

dem Einbinden ihrer kleinen ausgewählten Bibliothek den Meister 
Boy et beauftragt, der für einen der geschicktesten Buchbinder seiner 
Zeit galt. 

Man zahlt für Bände aus seiner Werkstatt heute hohe Preise, 
z. B. für 

St. Augustin, lettre s. 6 vols. Paris 1701, in der 

Auktion La Roche La Ca r eile (1888) ... Fr. 9000,— 




Abb. 151. Bibliothekzeichen des Fürsten Otto von Bismarck, 

gezeichnet von Frau Lina Burger, Leipzig, 1895. 

Aus der Sammlung des Grafen K. E. zu Leiningen-Westerburg 

in München. 



i86 



Viertes Kapitel. 



Pierre Corneille, Theätre. 10 vols. Paris 1706, 

in der Auktion Soleinne (1843) ,, 5 50,- 

in der Auktion Brunet (1868) ....... ,, 4100,- 




Abb. 152. Bibliothekzeichen des Wm. E. Gladstone, von T. E. Harrison, 1889 (England). 
Aus der Sammlung des Grafen K. E. zu Leiningen-Westerburg in München. 



Pascal, les Provinciales. 2 vols. Cologne 1700, 

in der Auktion Brunet (1868) „ 1620,— 

in der Auktion des Marquis de Ganay . . ,, 10 000, — 
u. s. w. 

Im Zeitalter Ludwigs XV. treffen wir einen weiteren Buch- 

Beila ^ eVin binder ersten Ranges, Antoine Michel Padeloup (geboren 1685, 

gestorben 1758), um ihn von seinen minder bedeutenden Brüdern zu 

unterscheiden , wird er gewöhnlich Padeloup der jüngere genannt. 

Er nahm 1733 den Titel Buchbinder des Königs von Portugal an, 



Ex libris, Druckerzeichen und Einbände. 



87 



man weiss nicht , welchem 
Umstände er diese Auszeich- 
nung verdankte , jedenfalls 
würde es interessant sein, wenn 
sich in einem der Paläste in 
Lissabon noch Bücher finden 
sollten , die durch seine ge- 
schickten Hände geschmückt 
sind. Im Jahre 1734 erhielt er 
die Konzession als Hofbuch- 
binder des Königs von Frank- 
reich. Er war in Paris der 
erste, der die aus seiner Werk- 
statt hervorgegangenen Ein- 
bände mit einer Etikette versah. 
Kenner schätzen von seinen 
Arbeiten die Mosaikbände am 
höchsten, die er in grosser An- 



,\S 



N . KAESS Ep/s 





Abb. 154. Bibliothekzeichen von Fedor von 
Zobeltitz, von Carl Leonh. Becker in Berlin. 



Abb. 153. Bibliothekzeichen des Bischofs Raess, 

Strassburg, ca. 1887. 

Aus der Sammlung des Grafen K. E. zu Leiningen- 

Westerburg in München. 

zahl fertigte , und die heute sehr 
teuer bezahlt werden. Ernest Thoi- 
nan sagt von ihm: „Die Arbeiten 
Padeloup's sind meistenteils von be- 
merkenswerter Vollendung , wie sie 
keiner seiner Rivalen erreicht hat, die 
Kritik kann fast nichts daran aus- 
setzen , die Ausführung ist in der 
Regel tadellos , und das Auge ruht 
mit Wohlgefallen auf diesen reizenden 
Bänden. Padeloup war der ge- 
suchteste Buchbinder seiner Zeit, er 
arbeitete für alle Bibliophilen von Paris 
und beschäftigte eine grosse Zahl von 
Arbeitern ; dies erklärt wohl den Um- 
stand , dass mitunter Einbände mit 
seiner Etikette vorkommen , deren 
Ausführung weniger gelungen ist." 
Die Meisterwerke von ihm aber werden 
heute geradezu mit Gold aufgewogen, 



188 



Viertes Kapitel. 



Abb. 184. 



NIL 
NILTIMII 




FREIHERRLy.LIPPERHEIDE'sche 
BtJCHERSAMMLUNG 

Nr. 



Abb. 155. Bibliothekzeichen des Freiherrn 
von Lipperheide. 



deutendste von allen Mitgliedern 
der zahlreichen Familie der De- 
rome's. Nicolaus Denis De- 
rome (geboren 173 1) folgte 
seinem Vater im Geschäft im 
Jahre 1760 und erweiterte die 
ansehnliche Kundschaft bedeu- 
tend; unter den vielen Bänden 
seiner Werkstatt sind manche 
völlig tadellos , da er aber nicht 
wohl alles selbst machen konnte, 
so lassen viele Bände zu wünschen 
übrig, und die heutigen Biblio- 
philen machen in diesem Punkte 
feine Unterschiede. Etwa um das 
Jahr 1775 kamen englische Ein- 
bände in die Mode und Derome, 
immer bereit , sich dem Ge- 
schmacke des Publikums anzu- 



so z. B. die Contes de la Fon- 
taine, 2 vols, Ausgabe der Gene- 
ralpächter vom Jahre 1762, Ein- 
band in rot Saffian mit Mosaik- 
druck in grünen, blauen und 
gelben Feldern. Diese zwei Bände 
sind in der Auktion Mac Carthy 
(18 17) mit 575 Francs verkauft, 
erreichten 1840 den Preis von 
7500 Francs, und sind jetzt schon 
bei der respektablen Ziffer von 
1 1 000 Francs angelangt. 

Unter dem Regiment Lud- 
wigs XVI. florierten die Derome 's. 
Besonders Derome der jün- 
gere gelangte zu höchstem Ruhme 
in seiner Kunst, er war der Be- 




Abb. 



Aus 



156. Bibliothekzeichen des Prof. Hans Hübner, 

Göttingen, 1868. 
der Sammlung des Grafen K. E. zu Leiningen- 
Westerburg in München. 



Ex libris, Druckerzeichen und Einbände. 



189 



bequemen, bemühte sich die- 
selben nachzuahmen , hatte 
aber wenig Glück damit, 
und wandte sich bald wieder 
den Verzierungen seiner 
eigenen Erfindung zu. De- 
rome der jüngere starb 
etwa 1788, sein Nachfolger 
im Geschäft war Alexis- 
Pierre Bradel, sein Neffe, 
der aber den Betrieb nicht 
auf der bisherigen Höhe 
halten konnte. Man findet 
dann noch den Namen De- 
rome als Buchbinder in den 
Jahrgängen 1801 und 1821 
desAlmanach du Commerce, 
nachdem ist das Geschlecht 
verschollen. 

Leider hat die Buch- 
binderei in Paris seit dem 






Abb. 157. Bibliothekzeichen der Tokio Library, ca. 1872 

(Japan). 

Aus der Sammlung des Grafen K. E. zu Leiningen-Westerburg 

in München. 



Abb. 158. Signet des Johannes 

Grüninger, 1502. 
Aus. dem Katalog der Freiherrl. 
von Lipperheide'schen Büchersamm- 
lung in Berlin. 



Tode Derome's des jüngeren bis etwa 1820 
ganz darniedergelegen. Während dieser Zeit 
hat England eine grosse Menge der guten, 
alten Einbände aus Frankreich entführen können, 
weil die damalige revolutionäre Zerstörung der 
Bibliotheken die Bücher zwangsweise in Um- 
lauf setzte. Was damals für ein Nichts ver- 
schleudert wurde, hat man später mit grossem 
Kostenaufwande in Frankreich von England 
zurückzuerwerben sich bemüht. 

Die kunstindustrielle Bewegung, die etwa 
um die Mitte unseres Jahrhunderts entstand, 
das Bestreben, den verlorenen Geschmack für 
die schöne Form bei Gegenständen des täg- 
lichen Gebrauches wiederzufinden, offenbarte 
sich in der Buchbinderkunst Frankreichs einige 



ICO 



Viertes Kapitel. 



Jahre früher als in anderen Ländern. Neben den Anleihen, die bei den 
Grolier-, Le Gascon- und D e r o m e - Bänden gemacht wurden, 
fehlte es nicht an Bestrebungen, Ursprüngliches zu schaffen und eigenen 
dekorativen Gedanken Eingang zu verschaffen. Die bedeutendsten Meister 

jgcörucfet vn volcnöet^n öcrKonigktieben 
jSStat ;ßrcf5lan> - JBmch mich £onrafcmm 
3Saumgartben^m mitwocben vo: göban 
nis öcs teuffers. lRacb £riftt geburöt Xau 
fenrfmiflfbönoert vnöym vjroen rare* 




Abb. 159. Signet des Conrad Baumgarten, 1504. 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin. 



der Gegenwart in Paris sind: Pagnant, Magnin, Michel, Trautz-Bauzonnet 
und Amand. Wer sich weiter über den modernen französischen Ein- 
band unterrichten will, den verweise ich auf das Werk von Uzanne 
„La reliure francaise". Paris 1881. 

Auch die englische Buchbinderei hat sehr achtbare Leistungen 
aufzuweisen. Der einfache bürgerliche Einband mit Blinddruckpressung 
war auf der anderen Seite des Kanals in der ersten Zeit nach Erfindung 



Ex libris, Druckerzeichen und Einbände. 



IQI 



der Buchdruckerkunst sehr in Schwang. Daneben allerdings auch kost- 
bare Einbände , die namentlich für den Hof und den Adel angefertigt 
wurden. Im British Museum wird noch eine Anzahl von diesen auf- 
bewahrt. Sie sind meistens mit Sammet und anderen kostbaren gewebten 
Stoffen, wie z. B. Damast und Goldbrokat, überzogen und mit reichen 
Gold- und Silberaufschlägen versehen. Heinrich VIII. und Königin 
Elisabeth zeigten Liebhaberei für Bücher und schöne Einbände, wie 



Abb. 185. 
Abb. 186. 




Abb. 160. Signet des Jacques Jacon, 1514. 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin. 



aus den uns erhaltenen Rechnungsbüchern der königlichen Haushaltung 
zu ersehen ist. Unter Elisabeth nahm man für Handverzierungen 
seine Zuflucht auch wohl zu Stickereien , in der das Mittelstück des 
königlichen Wappens ausgeführt wurde; mit Vorliebe stattete man Bibeln 
und Andachtsbücher in dieser Weise aus. Dieser Gebrauch ist wahr- 
scheinlich von Flandern nach England gekommen, denn diese Art Ein- 
bände sind dort schon im Anfange des siebzehnten Jahrhunderts üblich 
gewesen , und Flandern war ja nächst Italien das klassische Land der 
Stickerei- und Spitzenindustrie. In der zweiten Hälfte des sechzehnten 
Jahrhunderts kam in England der vergoldete lederne Einband in Auf- 



92 



Viertes Kapitel. 



nähme, und für die königliche Bibliothek behauptet dieser seit der Zeit 
Jakobs L die Oberhand, während der Sammetband und die kostbaren 
Beschläge nur noch in Ausnahmefällen benutzt wurden. Die Einführung 
des italienisch-französischen ledernen Einbandes wird mit einem beson- 
deren Ereignis in Verbindung gebracht, nämlich mit der Gefangenschaft 
des französischen Bibliographen Louis de St. Maure, Marquis de 
Nesles, der 1559 als Geisel nach England ausgeliefert wurde, dort 




Abb. 161. Signet des Johannes Schöffer 1530. 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin. 



später blieb und Stammvater des hochangesehenen Geschlechts der 
Seymour wurde. 

Der Hofbuchbinder Jakobs I. hiess John Gibson; aus einer 
Rechnung , die von ihm erhalten geblieben ist , kann man ersehen , was 
das Einbinden damals kostete. Gibson erhielt für einen vergoldeten 
Folioeinband 20, für einen ebenfalls vergoldeten Oktavband 10 sh., und 
für einen gewöhnlichen Pergamentband 3 sh. 

Unter den Bücherliebhabern jener Zeit steht Sir Thomas Bodley 
obenan, der die Universität in Oxford durch eine grosse Büchersammlung 



Ex libris, Druckerzeichen und Einbände. 



93 



(die Bodleiana) bereicherte , für 
die er selbst, wie behauptet wird, 
200 000 £ aufgewendet hatte; da- 
neben schenkte er noch eine wei- 
tere grosse Summe für die Unter- 
haltung und Vermehrung der 
Sammlung. Die Hochschulen in 
Oxford und Cambridge wetteifer- 
ten mit dem Hofe in schönen 
Einbänden. Eine gediegene, sorg- 
fältige Arbeit ist seit jener Zeit 
eine ins Auge fallende Eigen- 
schaft des englischen Bücherein- 
bandes geworden , und diese aus- 
gezeichnete Eigentümlichkeit wuss- 
ten sich die englischen Buchbinder 
auch im achtzehnten Jahrhundert 
zu erhalten , während in dieser 
Zeit beinahe überall sonst ein Ver- 





,J Abb. 163. Signet des Andreas Gessner in, 

Zürich, 1558. 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'sche 
Büchersammlung in Berlin. 
Mühlbrecht. Bücherliebhaberei. 



Abb. 162. Signet des Mathias Apianus in 

Bern, 1539. 

Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen 

Büchersammlung in Berlin. 



fall der früheren Gediegenheit zu 
bemerken ist. 

Eine eigenartige englische, 
vielleicht durch Jakob I. von 
Schottland mitgebrachte Verzie- 
rung des Einbandes trifft man 
in der ersten Hälfte des sieb- 
zehnten Jahrhunderts. Das Cha- 
rakteristische darin ist der Blüten- 
zweig oder Stempel , der , mit 
dem Fussende nach dem Rand 
gerichtet , oder auch umgekehrt 
vom Mittelfelde nach dem Rande 
zu wachsend , bei fortwährender 
Wiederholung oder mit einem 
gleichartigen Motiv abwechselnd, 
die Zierleiste bildet, die sonst jeden 
festen Verband entbehren würde. 
13 



194 



Viertes Kapitel. 



Abb. 187. 




Abb. 164. Signet des Thomas Woodcock, 

1570 — 1594. Nach J. Ph. Berjeau „Printer's 

Marks", E. Rascol, London. 



Im achtzehnten Jahrhundert gab der 
grosse Bücherliebhaber Harley, Graf 
von Oxford, für die Einbände den 
Ton an. Seine Büchersammlung wurde 
später mit der Bibliothek des British 
Museum vereinigt. Das Ornament der 
Harley -Einbände stammt ersichtlich von 
den früheren Stickereimustern ab , sucht 
jedoch die Naturform von Knospen und 
Blumen damit in Verbindung zu bringen. 
Die Harley -Einbände sind in der Regel 
mit rotem Saffian bekleidet, die Vorder- 
seite zeigt ein Mittelornament in breiter 



Abb. 



Umleistung , während die 
Ecken gewöhnlich unver- 
ziert sind. 

In der zweiten Hälfte 
des achtzehnten Jahrhun-' 
derts steht Roger Payne 
(gestorben 1797) an der 
Spitze der englischen Buch- 
binderkunst. Seine mit der 
grössten Sorgfalt behandel- 
ten Einbände wurden im 
wahren Sinne des Wortes 
mit Gold aufgewogen. Er 
arbeitete hauptsächlich für 
Lord Spencer, der ihm 
einmal für einen einzigen 
Einband 80 £ (1600 Mark) 
bezahlte. Ein bekanntes 
Meisterstück von ihm ist 
der Einband der Folio- 
ausgabe der Trauerspiele 
des Aischylos, Glasgow 
1 795 ; die Rechnung hier- 
für ist erhalten geblieben 
und beträgt 16 £ 7 sh. 
Roger Payne entlehnte die 




Abb. 165. Signet des Hippolito Tromba & Hercoliano Bartoli 

zu Cremona, 1585. 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Bücher- 
sammlung in Berlin. 



Ex libris, Druckerzeichen und Einbände. 



195 



Motive seiner Verzierungen der Natur 
und charakterisierte dieselben mit ein- 
fachen Mitteln, Blättern und Blumen, 
wie er sie sah. Der realistische Zug 
der englischen Malerei aus dem vori- 
gen Jahrhundert kommt auch in die- 
sen kleinen Ornamenten deutlich zum 
Vorschein. 

Auch im neunzehnten Jahrhundert 
hielt sich die Buchbinderkunst in Eng- 
land auf der erreichten Höhe. Kein 
anderes Land hat so viele reiche 
Bücherliebhaber hervorgebracht als 
England , es ist deshalb begreiflich, 




Abb. 166. Signet des Gio. Bernardo Sessa 

in Venedig, 1598. 

Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipper- 

heide'schen Büchersammlung in Berlin. 




Alib. 167. Signet des Dominicus Custos in Augsburg, 1600. 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Bücher- 
sammlung in Berlin. 



dass auch in keinem an- 
deren Lande so viele tüch- 
tige, vortreffliche Buchbinder 
zu Wohlstand und An- 
sehen gelangten, wie in 
England. 

Ober die Thätigkeit der 
älteren holländischen 
Buchbinder ist wenig be- 
kannt; es fehlt zwar nicht 
an schönen Einbänden aus 
dem Mittelalter, auch kennt 
man die Namen einer Menge 
von Buchbindern aus den 
alten Gildenbüchern , aber 
es fehlt an jedem Nach- 
weise , um beides in Ver- 
bindung miteinander zu 
bringen, mit der Ausnahme 
von Magnus Hendrick- 
zoon, der von 1657 bis 
1674 in Amsterdam thätig 
war. Von ihm ist z. B. 
festgestellt, dass er im Auf- 



196 



Viertes Kapitel. 





Abb. 168. Signet des Jean de Glen in 

Lüttich, 1601. 

Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipper- 

heide'schen Büchersammlung in Berlin. 



Abb. 169. Signet des Jodocus Jansen in 

Amsterdam, 1649. 

Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipper- 

heide'schen Büchersammlung in Berlin. 



trage von Daniel Elzevier den Virgil von 1676 für den fran- 
zösischen Dauphin gebunden, welcher Einband von hervorragender 
Schönheit war. Auch sein Sohn Albertus Magnus war ein aus- 
gezeichneter Buchbinder, der von seinen Zeitgenossen wiederholt rüh- 
mend erwähnt wird. Unlängst ist ein Einband von ihm zum Vor- 
schein gekommen , der in mehrfacher Beziehung bemerkenswert ist. 
Es ist ein Exemplar der 1664 bei Ravesteyn in Amsterdam ge- 
druckten Staatenbibel, mit einer kalligraphisch schönen Widmung in 
Versen an seine Frau, bei Gelegenheit seiner Verheiratung im Jahre 1670. 
Es war also ein Hochzeitsgeschenk , für das der 
berühmte Buchbinder gewiss seine beste Kraft 
eingesetzt hat. Das Exemplar ist gegenwärtig 

im Besitze der Firma 
Burgersdijk en Nier- 
mans in Leyden und 
zeigt einen Schnitt von 
solch künstlerischer Voll- 
endung, wie man kaum 
etwas Ähnliches wieder- 
finden dürfte. Auf Gold- 
grund sind in herrlicher 
Zeichnung und bunten 
Farben Blumen und Vögel 
eingepresst , ähnlich den 





Abb. 170. Signet des Fred. 
Müller in Amsterdam, 1843. 



Abb. 171. Signet des Franz 
Lipperheide in Berlin. 



Ex libris, Druckerzeichen und Einbände. 



197 




Abb. 172. Signet des A. W. Sijthoff zu Leiden. 

Miniaturbildern in alten Handschriften. Man kann bei der Betrachtung 

des Bildes, von dem Van der Meulen*) ein vortreffliches Faksimile 

in Chromolithographie giebt , nur bedauern , dass 

so viele Mühe und Arbeit auf dem unsicheren 

Boden eines Bücherschnittes steht. Die Familie 

Magnus hat für alle grossen Druckereien Hollands 

gebunden, für die Elze viere, die Blaeu's 

u. s. w. , wahrscheinlich sind die schönen Atlanten 

und Städtebücher der letztgenannten Firma, deren 

so viele an ausländische Fürsten und Gesandten 

abgegeben wurden, alle von Magnus gebunden. 

Auch Bruno Spanceerder in Amsterdam 




*) Van der Meulen, Liefhebberij voor boeken. Leyden A bb. 173. Signet von Vel- 
1886. S. 234. hagen & Klasing in Bielefeld. 



198 



Viertes Kapitel. 



(1627 bis 1685?) lieferte schöne Einbände, die der Amsterdamer 
Archivar N. de Roever in neuerer Zeit , ebenso wie viele Magnus- 




Abb. 174. Einband von Maioli. Nach „Le Bibliophile francais", Bachelin-Deflorenne, Paris. 



Bände, entdeckt und festgestellt hat. Spanceerder arbeitete viel mit 
jüdischen und christlichen Kaufleuten, von denen im siebzehnten Jahr- 
hundert jüdische Gebetbücher und andere Werke, in Massen eingebunden, 
nach Deutschland , Polen und Russland eingeführt und von dortigen 



Ex libris, Druckerzeichen und Einbände. 



199 



Agenten der grossen niederländischen Handelshäuser verkauft wurden. 
Das Gewerbemuseum in Düsseldorf besitzt einen Einband, der als „Nieder- 
deutsche Decke" aus der Zeit von 1650 bis 1680 bezeichnet wird; seine Abb. 189. 
naturalistischen grossen Blumen, in Verbindung mit Netzwerk und Spitzen, 
erinnern an alte Tapetenmuster. 




Abb. 175. Einband von Geoffroy Tory. Collection Didot ,,Gaz. des Beaux-Arts". 



Die holländischen Einbände des achtzehnten und der ersten Hälfte 
des neunzehnten Jahrhunderts verdienen mit wenigen Ausnahmen keine 
Beachtung, denn man findet in den Entwürfen wie in der Ausführung 
weder Kunstsinn noch Geschmack. Erst seit 1840 bis 1850, als von 
England her die Erfindung des Kattunstoffes , Calicot genannt , nach 
Holland kam, hat man begonnen, dem Einbände mehr Aufmerksamkeit 
zuzuwenden , und erst seit wenigen Jahren legt das dortige gebildete 



200 Viertes Kapitel. 

Publikum Wert auf einen schönen Einband. Jetzt sucht man das Ver- 
säumte in der so lange vernachlässigten Buchbinderei nachzuholen; in 




Abb. 176. Einband von Clovis Eve. Nach „Facsimiles of Book-Bindings", Bernard Quaritch, London. 

verschiedenen grossen Städten Hollands haben Fachmänner und Bücher- 
liebhaber sich vereinigt , dieses Handwerk zu einer Kunst zu erheben ; 
so hat sich 1895 in Utrecht ein Verein unter dem Titel: „Kunst, 



Ex libris, Druckerzeichen und Einbände. 



20I 



toegepast op boekbanden" gebildet, der sich die Aufgabe stellt, 
durch Ausstellungen schöner Einbände in den verschiedensten Städten 
Lust und Liebe dafür zu erwecken. Es sind denn auch schon von ver- 
schiedenen Buchbindereien, wie C. J. Mensing, Brandt & 



Zoon, Abb - 19 ° 

bis 192. 




Abb. 



[77. Einband von Nicolaus Eve. Nach W. Y. Fletcher, „Bookbinding in England and France'' 
Seeley & Co., London. 



Langenhuysen und van Bommel, alle in Amsterdam, J. Smits 
in Haarlem, Verschoor im Haag u. a. Proben geliefert, die einen 
gedeihlichen Erfolg dieser Bestrebungen mit Sicherheit erwarten lassen. 
In Deutschland war durch den dreissigjährigen Krieg, der überall 
das Kunsthandwerk zerstörte, auch die Buchbinderkunst in Verfall geraten, 



202 



Viertes Kapitel. 



nach demselben zeigen sich Merkmale des Rokoko und des Barockstils 
in den Einbänden, ein charakterloses Allerlei trat als Zierat an die Stelle 
von Kunstleistungen , die deutsche Vergoldung stand bei weitem nicht 
auf der Höhe der italienischen und französischen Kunst, wenn auch hier 
und da die Behandlung der Formen an Blatt- und Blütenornamenten von 
künstlerischer Gewandtheit zeugt. An Begünstigung von oben hatte es 
der Buchbinderei nicht gefehlt, die bayerischen Herzöge, die Kurfürsten 




Abb. 178. Margareten-Einband. Nach „Facsimiles of Book-Bindings", Bernard Quaritch, London. 



von der Pfalz und von Sachsen , Herzog Albrecht von Preussen (der 
Besitzer der Silberbibliothek), sowie die Patrizier der reichen Handels- 
städte thaten viel dafür , auch lieferten Künstler wie Holbein der 
jüngere, Virgil Solis, Peter Flötner, Hans Mielich und 
Lucas Cranach viele Entwürfe, und es gab denn auch tüchtige Buch- 
binder, namentlich in Süddeutschland, die sich diese Protektion zu nutze 
machten, z. B. Joh. Hagmayer in Ulm, Jakob und Christoph 
Weidlich in Augsburg, Kaspar Meuser, Theodor Krüger und 
Kaspar Kraft in Wittenberg, Christoph Birck in Leipzig, Jörg 
Bernhard in Heidelberg u. a. m. 



Ex libris, Druckerzeichen und Einbände. 



203 



Unter den deutschen Fürsten haben vor allen die sächsischen die 
Buchbinder auf die Bahnen der italienisch -französischen Verzierungen 




Abb. 179. Einband von Le Gascon. (Nach „Bouchot, Reliure".) 

hingeleitet. Die Hofbibliothek in Dresden enthält eine grosse Anzahl 
von Bänden , bei denen entweder an dem Aufdruck der Buchstaben 
A. H. Z. S. C. (August, Herzog zu Sachsen, Churfürst) , oder an dem Abb. 
Charakter der Verzierungen zu erkennen ist, dass sie zur Bibliothek des 



204 



Viertes Kapitel. 



Kurfürsten August von Sachsen (1526 bis 1586) gehört haben. 
Dieser Fürst hatte in dem alten Kanzleigebäude in Dresden eine Buch- 
binderei eingerichtet, die seit 1566 unter der Leitung des von Augsburg 
herberufenen Georg Krause stand, dem 1578 Kaspar Meuser im 



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Abb. 180. Einband von Le Gascon für den Kardinal Mazarin. (Mazarin-Bibliothek.) 



Amte nachfolgte. Von letzterem sind in Dresden wahre Prachtbände in 
der Ornamentierung und Goldpressung erhalten. 

Besondere Sorgfalt wurde in Dresden dem Schnitt zugewendet. Auf 
dem Goldschnitt schlug man mittels Punzen eine Zeichnung ein und 
malte die Zwischenflächen aus. Interessant ist auch die Technik , den 




Einband von A. M. Padeloup. 

Nach „Facsimiles of Book-Bindings", Bernartl Quaritch, London. 



Beilage, VIII. 



Ex libris, Druckerzeichen und Einbände. 



205 



ein wenig verschobenen Schnitt zu bemalen und dann den nachträglich 
scharf zusammengepressten Schnitt zu vergolden. Wird ein so gebun- 
denes Buch aufgeschlagen und dadurch der Schnitt verschoben , so tritt 
die Untermalung in Farben wieder hervor. In neuester Zeit ist diese 
Spielerei wieder aufgenommen. 

Sehr praktisch waren die Bände der kurfürstlichen Reisebibliothek 
gebunden; damit sie nicht zu sehr ins Gewicht fielen, band man sie in 




Abb. 181. Französischer Mosaik-Einband aus dem XVIII. Jahrhundert. (Nach „Gaz. des Beaux-Arts".) 



feines Pergament ohne Pappdeckel. Eine Übereinstimmung mit der 
Dresdener Manier zeigt eine Anzahl von Bänden in der herzoglichen 
Bibliothek in Wolfenbüttel , die ebenfalls mit den aufgedruckten Buch- Abb. 
staben F. D. H. Z. S. versehen, also wohl auch für einen Herzog oder 
eine Herzogin von Sachsen gebunden sind. Von besonderer Schönheit 
sind bei diesen Bänden das häufig auf der Vorderseite stehende kur- 
sächsische und das auf der Rückseite befindliche markgräflich branden- 
burgische Wappen, inmitten von Schnörkeleien und aus Blättern gebildeten 



206 



Viertes Kapitel. 



Ornamenten. Die Umleistung wird durch mehrere , gewöhnlich mit der 
Rolle eingepresste Randornamente , selten nur durch eins gebildet. Ist 
die Verzierung in orientalischer Manier ausgeführt, so strebt sie gegen 




Abb. 182. Mosaik -Einband aus dem XVIII. Jahrhundert. (Nach „Bouchot".) 



die Ecken, während das Mittelfeld eine Kartusche im Stil der deut- 
schen Renaissance , auch wohl ein Wappen oder ein zirkelartiges 
Ornament zeigt. 

Im siebzehnten Jahrhundert erneuerte sich bei uns vorübergehend 
die Vorliebe für Metallbeschläge, wie sie schon vor Erfindung der Buch- 



Ex libris, Druckerzeichen und Einbände. 



207 



druckerkunst bei den Klostereinbänden üblich gewesen war. Da bei uns 
in neuerer Zeit im allgemeinen der Buchbinderkunst vom Publikum wenig 
Mittel zur Verfügung gestellt wurden, so haben wir auf diesem Gebiete 
auch keine so hervorragenden Künstler aufzuweisen, wie sie in Frank- 




Abb. 183. Einband von A. M. Padeloup. Nach „Gaz. des Beaux-Arts". 



reich und England sich bilden konnten. Wenn tüchtige deutsche Buch- 
binder einen besseren Wirkungskreis finden wollten , so wanderten sie 
nach Frankreich oder England, und mancher davon hat dort als Meister 
die • traditionelle solide deutsche Arbeit zur Geltung gebracht , wie der 
Deutsch-Böhme Zähnsdorf in London (gestorben 1886) und Purgold, 



208 



Viertes Kapitel. 




Abb. 184. Mosaik -Einband von N. D. Derome. 
Nach „Facsimiles of Book-Bindings", Bernard Quaritch, London. 



jetzt Trautz-Bauzonnet in Paris. Die moderne deutsche Buch- 
bindung datiert von dem Umschwünge, der infolge der ersten Londoner 



Ex libris, Druckerzeichen und Einbände. 2CX) 

Ausstellung (185 1) in den industriellen Künsten allgemein eintrat. Man 
knüpft heute bei Prachtwerken gern an die Weise der byzantinisch-mittel- 




Abb. 185. Einband Heinrichs VIII. 
Nach „Facsimiles of Book-Bindings", Bernard Quaritch, London. 

alterlichen Bucheinbände an , eine selbständige neuzeitliche Stilart oder 
charakteristische Verzierungsweise hat sich jedoch noch nicht heraus- 

Mühlbrecht, Bücherliebhaberei. 14 



2IO 



Viertes Kapitel. 



gebildet ; beliebt sind die Einbände nach Grolier'schen Vorbildern, welche 
die Anwendung von Gold-, Schwarz- und Blinddruck und die Leder- 
mosaik gestatten und in fein stilisierten Blumen, zierlichem Rankenwerk, 
Arabesken und Schildereien die reichste Abwechselung zulassen. Dieser 




Abb. 186. Einband, gefertigt für die Königin Elisabeth von England. 
Nach „Facsimiles of Book-Bindings", Bernard Quaritch, London. 



Stil wird deshalb auch von den tüchtigsten Buchbindern in Wien, Leipzig, 
Berlin, Düsseldorf, Altenburg u. s. w. mit Vorliebe gepflegt. 

Einer der hervorragendsten Künstler , was Erfindungskraft in der 
Ornamentik und gediegene Handarbeit betrifft, ist gegenwärtig der Hof- 
buchbinder Co Hin in Berlin, ein Schüler von Zähnsdorf in London. 

Durch die heutige fabrikmässige Massenherstellung eleganter Buch- 
decken in Buntdruck werden viele Geschmacklosigkeiten hervorgerufen, 






Ex libris, Druckerzeichen und Einbände. 



die Buchverzierung hat sich mitunter ganz vom Buche selbst losgelöst 
und tritt in Gemälden, Landschaften, Genrebildern, Blumen u. dergl. 




Abb. 187. Englischer Einband zu Beginn des XVIII. Jahrhunderts. 
Nach Wheatley, „Remarcable bindings of the British Museum", London, 



vordringlich auf, statt in künstlerisch -bescheidener und geschmackvoller 
Weise den Charakter des Buches zu ergänzen; in dieser Beziehung hat 
bis vor einigen Jahren noch die Industrie in den buchhändlerischen 

14* 



212 



Viertes Kapitel. 



Centralorten Leipzig und Stuttgart viel auf dem Gewissen. Doch ist 
gerechterweise anzuerkennen, dass namentlich die grossen Buchbindereien 
in Leipzig in jüngster Zeit grosse Anstrengungen machen, nur Leistungen 
ersten Ranges, sowohl in den ornamentalen Entwürfen, wie in der soliden 
Ausführung zu bieten. Man ist heute in Deutschland auf dem besten 
Wege , in der Massenherstellung der guten Büchereinbände Frankreich 
und England zu überflügeln. Unsere Handarbeit einzelner Exemplare 
allerdings kann im allgemeinen mit der in England und Frankreich schon 
aus dem einfachen Grunde nicht in Konkurrenz treten, weil man bei uns 
nicht solche Preise wie dort zahlt. 




Abb. 188. Stempel von Roger Payne. 
Nach „Adam, Bucheinband". 



Beilage IX 

(S. 216,217). 

Beilage X 

(S. 218/219). 



Und doch enthielt die Sächsisch-Thüringische Gewerbeausstellung in 
Leipzig 1897 in Einzelbänden ganz Hervorragendes, das vom Auslande 
schwerlich übertroffen werden dürfte. Die Handarbeiten von Baum- 
bach&Co., Knauer, Bösenberg, H. Sperling und Gustav Fritzsche 
zeigten in Handvergoldung und Ledermosaik, sowie im Lederschnitt, 
köstliche Feinheiten , z. B. ein persisches Muster der Jubelausgabe des 
Mirza Schaffy, Ausgabe von 1875, De i der sich der Einband eines Exem- 
plars auf 350 Mark stellte (Sperling). Derselbe Meister hatte zu den 
Kramer'schen dreissig Kompositionen , betitelt „Lob des tugendsamen 
Weibes 1 ', mit Text von Karl Gerok (München, Ströfer), einen Ein- 
band in vierfarbiger Ledermosaik geliefert, bei dessen Ornamentik das 
Motiv , Erdbeeren in Blättern , Blüten und Früchten , reizend durch- 
geführt war. 



Ex libris, Druckerzeichen und Einbände. 



213 



Was heute in Deutschland in Lederschnitt geleistet wird, davon sah ich 
ebenfalls auf dieser Leipziger Ausstellung eine Probe: Gustav Fritzsche 
hatte eine Prunkbank in Lederschnitt in farbiger Übermalung (Preis 
1600 Mark) geliefert, und darüber, in einer Länge von neunzehn Meter, 
bei einer Höhe von siebzig Centimeter, einen Fries nach Entwürfen des 




Abb. 189. Niederdeutscher Einband mit grossen naturalistischen Blumen. 
Nach „Adam, Buchfeinband". 



Bildhauers Lehnert in Leipzig geschaffen , die zusammen ihm auf jeder 
Ausstellung den ersten Preis sichern dürften. Auf dem Fries war in 
Lederschnitt , alles Handarbeit , in elf Bildern eine Geschichte der Ent- 
wickelung der Buchbinderkunst zur Anschauung gebracht. 

Alles in allem war die Einbandausstellung in Leipzig mustergültig. 

'Bei der Herausgabe von Katalogen war es früher nicht Sitte, von 

hervorragend eingebundenen Werken den Namen des Buchbinders zu 



214 



Viertes Kapitel. 



nennen , erst seit etwa fünfzig Jahren haben diese Angaben , die nicht 
selten das Glück eines Buches beim Verkauf begründen, begonnen, die 
Begierde der Bücherliebhaber zu reizen. Charles Nodier in Paris 




Abb. 190. Holländischer Einband von Jan Mensing, in Firma C. J. Mensing, Amsterdam. 



war der erste, der (etwa um 1830) die Namen der Buchbinder seinen 
Titelangaben in den Katalogen beifügte ; aber die meisten dieser Namen 
wurden vergessen , und es vergingen Jahre , bis die Augen der Biblio- 
philen sich daran gewöhnten, diese neue ihnen gewiesene Richtung des 
Sammeins zu beachten. 



Ex libris, Druckerzeichen und Einbände. 



215 



Das Signal dazu ging von dem berühmten Bibliographen J. Charles 
Brunet aus; er war mit einem Bibliophilen der alten Schule, dem tüch- Abb. 195. 
tigen Gelehrten Davison, befreundet gewesen; bei der Versteigerung 
von dessen Bibliothek zahlte der Verfasser des Manuel du libraire 




Abb. 



Holländischer Einband von Jan Mensing, in Firma C. J. Mensing, Amsterdam. 



200 Francs für ein Exemplar der Aventures de Telemaque, das 
bis dahin auf etwa 30 Francs geschätzt war; es war in rot Saffian ge- 
bunden und mit dem goldenen Vliess , dem Insignum des geschätzten 
Bücherliebhabers Longepierre, geziert. Im Jahre 1868, nach dem 
Tode Brunet's , ging in seinem Auktionssaale , der im Laufe der Jahre 
so viele der kostbarsten Bücher gesehen , dieser Telemaque schon für 



216 



Viertes Kapitel. 



1770 Francs fort. Für die damalige Welt der Bibliophilen war das noch 
ein Ereignis, niemand konnte sich den hohen Preis erklären, und mehr 
als einer nannte die Kühnheit des Käufers Narrheit. Aber die Recht- 
fertigung dessen, was man damals als Narrheit bezeichnete, ist nicht 




Abb. 192. Holländischer Einband von Jan Mensing, in Firma C. J. Mensing, Amsterdam. 

ausgeblieben, der Telemaque des Longepierre ist seitdem durch mehrere 
Hände gegangen und zuletzt auf der Auktion La Roche La Carelle (1888) 
mit 5050 Francs bezahlt ! 

Es bedarf nach dem bisher Angeführten wohl keiner weiteren Beweis- 
führung dafür, dass der äussere Zustand eines Buches grossen Einfluss 




Moderner Bucheinband. 

Ausgeführt von der Leipziger Buchbinderei -Actien- Gesellschaft 

vorm. Gustav Fritzsche. 

Entwurf von Professor M. Honegger. 



Beilage iX. 



Ex libris, Druckerzeichen und Einbände. 



217 



auf dessen Geldwert hat. Wasserringe und Schmutzflecke, Wurmstiche, 
Motten- und Mäusefrass können ein sonst wertvolles Buch sehr im Preise 




Abb. 193. Deutscher Einband mit den Buchstaben F. D. H. Z. S. aus der Herzoglichen Bibliothek 

zu Wolfenbüttel. 
Nach Stockbauer, „Abbildungen von Mustereinbänden" etc., Leipzig 1881. 



benachteiligen. Es wird deshalb die Wiederherstellung beschädigter 
Exemplare, das Reinigen von Flecken, die Entfernung farbiger Stempel 



218 



Viertes Kapitel. 



auf dem Titel u. dergl. namentlich in England und Frankreich, als Aus- 
fluss der Bücherliebhaberei in grossem Maassstabe betrieben und meist 
mit gutem Erfolge. Es würde zu weit führen , hier auf Einzelheiten 
einzugehen; ich begnüge mich damit, auf das Werk von A. Bonnardot 
zu verweisen: ,, Essai sur l'art de restaurer les estampes 
et les livres", 2. ed., Paris 1858, und dessen Fortsetzung: „De la 
reparation des vieilles reliures", Paris 1858. 8. 




Abb. 194. Bücherladen aus dem XVII. Jahrhundert. 




Moderner Bucheinband 

ausgeführt von H. Sperling J. R. Herzog, Leipzig. 



Beilage X. 



FÜNFTES KAPITEL. 

DIE BÜCHERLIEBHABEREI ALS LEIDENSCHAFT. 



~^Ve Grenze, wo die Liebhaberei ihren harmlosen Charakter verliert 
^-^^ und zur Leidenschaft wird , ist schwer zu bestimmen. In vielen 
von den Fällen, die ich vorher genannt habe, kann schon nicht mehr 
die Rede von Bibliophilie sein , wir begegnen vielmehr der Bibliomanie 
dabei , die in ihren leidenschaftlichen Erscheinungen die sonderbarsten 
Gattungen von Sammlern aufweist. 

Ich adoptiere eine treffende Einteilung der Büchernarren nach 
Lacroix*) in solche, die Schätze sammeln, um sie zu besitzen; in 
andere , die durch Anlegung einer Sammlung ihrer Eitelkeit fröhnen ; 
dann in neidische und endlich in exklusive Sammler. 

Der Schätzesammler ist glücklich im Besitze seiner Bücher, 
wie der Geizhals im Besitze des blanken , baren Geldes. Er liebt sie 
eifersüchtig , kein anderer soll besitzen , was er hat , kaum dass er je- 
mandem gestattet, einen Blick in seine Bibliothek zu thun ; er streichelt 
stillvergnügt und liebkosend seine schönen Einbände, hütet die Bücher, 
als ob er stündlich den Einbruch eines Diebes zu gewärtigen habe, und 
fühlt sich unbehaglich , wenn man ihn öffentlich auf seine Schätze an- 
redet. Lieber leugnet er den Besitz eines rechtmässig erworbenen kost- 
baren Buches, ehe er sich zu dem Besitze desselben bekennt und damit 
vielleicht unbekannte Gefahren heraufbeschwört. Er hält seine Bücher 
unter Schloss und Riegel und liest sie still und verschwiegen, der Welt 
bleiben sie ein Mysterium. Der Egoismus dieser Gattung von Biblio- 
manen konzentriert sich mitunter in unglaublicher Weise auf ihre Bücher- 
schätze ; allerdings schlagen auch manche derselben bisweilen in ihren 
Sammlungen Richtungen ein , die vom sittlichen Standpunkt aus be- 
trachtet sehr bedenklich sind und das Tageslicht nicht immer vertragen. 



; ) P. L. Jacob (Lacroix), Ma Republique. Paris s. d. 



220 Fünftes Kapitel. 

Der eitele Bibliomane sammelt, im Gegensatz zu dem vorher- 
gehenden , möglichst ostensibel seine Kostbarkeiten , namentlich Pracht- 
werke mit Miniaturen und schön gemalten Anfangsbuchstaben , Drucke 
auf Pergament und Velin , wenn möglich auf Grosspapier (mit sehr 
breitem Rande) , dann Drucke mit Gold , Silber und anderen Farben, 
Bücher, deren Text ganz in Kupfer gestochen ist, Fürstenausgaben und 
dergleichen. Eine ausgewählte Bibliothek in bester Ordnung zu besitzen, 
von der alle Welt mit Bewunderung spricht , das ist sein Stolz ; sie zu 
vervollständigen , giebt er als reicher Mann grosse Summen aus , dieser 
Sorge giebt er sich, jedermann sichtbar, ausschliesslich hin, und lediglich 
für diesen Zweck unterhält er mit einem tüchtigen Antiquar, der ihm in 
der Regel an Kenntnissen weitaus überlegen ist, ein intimes Freundschafts- 
verhältnis. 

Übrigens liest er seine Bücher nie, er sammelt eben schöne Bücher, 
wie er sonst Gemälde , Muscheln , Mineralien oder Pflanzen sammeln 
würde, wenn er damit, statt mit Büchern begonnen hätte Seine Biblio- 
thek ist eine Sehenswürdigkeit, die er gern jedermann zeigt, ohne Aus- 
wahl: Frauen, Kindern, Bankiers, Sportsleuten u. a., es ist ihm ganz 
einerlei, ob die Leute eine Ahnung von dem Werte eines Buches haben, 
wenn sie nur über seinen Besitz gebührend staunen. Er sagt es jedem, 
der es hören will oder auch nicht: ,,Ich besitze für mehr als iooooo Francs 
Bücher" und wohlgefällig wiederholt er „dieser Schrank enthält für mehr 
als iooooo Francs Bücher." Mögen andere ihre Kapitalien in Gemälde- 
sammlungen , in Pferden und Hunden anlegen , der eitele Bibliomane 
fühlt sich als Gelehrter von feinem Geschmack , der sein Vermögen in 
Elzevierausgaben , in berühmten Einbänden u. dergl. anlegt. Das ist 
eine Prahlerei, die beinahe einen litterarischen Wert haben, ein Luxus, 
der beinahe achtenswert erscheinen könnte ! 

Der neidische Bibliomane fahndet auf alles, was er nicht hat; 
sobald er es besitzt, geht sein Verlangen andere neue Wege. Wenn er 
in Erfahrung bringt, dass ein anderer Bibliomane, mit dem er rivalisiert, 
ein gewisses ihm fehlendes Buch besitzt, so ist es um seine Ruhe ge- 
schehen ; er isst schlecht und schläft unruhig. Über kurz oder lang 
begiebt er sich auf den Kriegspfad, er schreckt nicht vor Intriguen und 
Verführung anderer zurück, wenn er sich dadurch das begehrte fremde 
Gut verschaffen kann ; Misserfolge und Schwierigkeiten feuern sein Gelüst 
nur mehr an, ja, er wäre imstande, ein ganzes Vermögen für den Besitz 
des einen begehrten Buches zu opfern ; aber ein Nichts kann ihn auch 
plötzlich von seiner Leidenschaft befreien : das unerwartete Auftauchen 
eines zweiten Exemplares desselben Buches, ein Neudruck, eine abfällige 



Die Bücherliebhaberei als Leidenschaft. 221 

Kritik von gewichtiger wSeite u. dergl. genügen, um sein Feuer ganz er- 
kalten , seine Begeisterung schnell verrauchen zu lassen. Nun mag der 
Besitzer des Buches ruhig weiterleben, er, der Bibliomane, wartet nicht 
mehr ungeduldig auf seinen baldigen Tod, um sich aus seinem Nachlasse 
zu bereichern. Ein derartiger Büchersammler ist immer unglücklich, wie 
das auch jeder neidische Mensch zu sein verdient, sein Unglück er- 
neuert sich stets wieder bei jedem neuen Verlangen nach Besitz. Er 
ist eine Art von Vampyr, der seine Opfer verfolgt, bis er sie in Händen 
hat , dann verlieren sie für ihn den Wert und er sucht sich ein neues 
Opfer. 

Es ist vorgekommen , dass ein solcher Tollhäusler in dem Wahne 
lebte, ein Buch entdecken zu müssen, das nur in seiner Einbildung 
existierte ; er starb aus Ärger darüber, dass er es nicht auffinden konnte, 
und war bis zu seinem Tode der festen Meinung, irgend ein Rivale be- 
wahre diesen kostbaren Schatz , gegen den er den Stein der Weisen 
dahingegeben haben würde. 

Der exklusive Bibliomane schätzt nur eine bestimmte Gattung 
von Büchern , ihm liegt wenig an der Seltenheit noch an der Eigenart 
eines Buches, er hat eine „Kollektion", das ist sein Gott und sein Ideal. 
Was ausserhalb dieser „Kollektion" ist, interessiert ihn nicht, aber für 
seine „Kollektion" scheut er keine Mühe der Nachforschung und keine 
Kosten der Erwerbung. 

Der exklusive Bibliomane opfert bereitwilligst seine Zeit, sein Geld 
und seine Gesundheit für die Anhäufung einer möglicherweise seltsamen 
Bibliothek, die aber stets eine ganz monotone bleiben wird. Er besitzt 
z. B. zwölfhundert verschiedene Ausgaben von Petrarca, oder von Vol- 
taire's Schriften hat er nach und nach einige tausend Nummern in allen 
möglichen Ausgaben zusammengebracht, oder die französische Revolution 
liegt friedlich begraben in einem wahren Kirchhofe von wertlosem litte- 
rarischen Wissen aller Art, die solch ein Bibliomane in Jahrzehnten seines 
Lebens sammelte. 

Über die Art und Weise, wie diese Leute ihre Bücher suchen und 
zu finden wissen, Hesse sich viel sagen, jeder „Specialsammler" hat seinen 
Anekdotenschatz von Bücherschicksalen, wie der Jägersmann seine Jagd- 
anekdoten. Denn wenn einmal die Seltenheit eines Buches bekannt ge- 
worden ist , so ist kein Ende bei dem Wettrennen nach dem Erwerbe 
desselben abzusehen. 

Die Narrheit beginnt vollends, wenn Liebhaber von zwei oder drei 
Nationalitäten sich zur Jagd auf ein seltenes Buch von besonderem Inter- 
esse rüsten; dann erwacht unter den Reichen des Landes neben der 



222 Fünftes Kapitel. 

Bibliomanie der Nationalstolz, es wird zur Ehrensache, Sieger im Bieten 
zu bleiben; der Wert des Buches kommt dann mitunter weniger in 
Betracht , als die Frage , wer es am längsten im Bieten aushalten 
kann. 

Welche Ungereimtheiten zuweilen bei Büchernarren vorkommen, 
mögen ein paar Beispiele zeigen. 

Zehn Jahre hindurch konnte man täglich in der Nationalbibliothek 
in Paris um die Mittagszeit ein mageres ältliches Männchen mit ge- 
pudertem Haar stets auf demselben Platze sitzen sehen, das regelmässig 
mindestens vier Stunden sich in die Lektüre von Gilbert Longueil's 
Leben des Apollonius von Tyana vertiefte. Neben ihm sass 
ebenso regelmässig ein anderer alter Mann, der sehr eifrig in Vege- 
tius' Kriegskunst zu lesen schien. Man glaubte es mit einem alten 
Militär zu thun zu haben, täuschte sich aber sehr, denn eine Nach- 
forschung ergab, dass es ein Steuerbeamter war. Eines schönen Tages 
geriet der Leser des Apollonius in heftigen Streit mit seinem Nach- 
bar; es fehlte nicht viel, dass sie handgemein wurden, und man musste 
die Streitenden auseinander bringen. Seitdem wurden beide nicht mehr 
in der Bibliothek gesehen. 

Zu den merkwürdigen Narren kann man auch den Besucher der 
Arsenalbibliothek in Paris rechnen , der sich zwanzig Jahre hindurch 
einen Haufen Bücher nach dem anderen herbeischleppen Hess , die er 
alle sorgfältig durchblätterte, aber niemals las. Er ging aber regelmässig 
mit acht bis zehn Blättchen Papier voller Notizen fort, die er sich ge- 
macht hatte. Man brachte es nicht heraus, wer der Mann war. Plötz- 
lich blieb er fort. Zwei Monate später erhielt die Bibliothek zwei grosse 
Koffer voll Notizblätter , sie waren ihr von den Erben des Sonderlings 
gesandt, der inzwischen gestorben war und in seinem Testament die Zu- 
sendung angeordnet hatte. Als man den Inhalt untersuchte, stellte sich 
heraus, dass es lauter Nachweise der Seiten und Zeilen von Büchern 
waren, in denen der Name Julius Cäsar vorkam; Plutarch's Leben 
Cäsar's kam aber nicht dabei vor ! In derselben Bibliothek verkehrte 
zehn Jahre hindurch ein fröhlicher Herr, der immer und ewig in ,,Paul 
et Virginie" von Bernardin de St. Pierre las; er kannte nach 
und nach den ganzen Roman auswendig, und abends konnte man ihn 
hier und da ganze Kapitel daraus herdeklamieren hören. Als zuerst 
die Oper ,,Paul et Virginie" von Masse zur Aufführung ge- 
langte , ging er ins Theater , entfernte sich aber nach dem ersten 
Akte sehr missmutig, man hatte ihm mit der Musik den ganzen Text 
verdorben ! 



Die Bücherliebhaberei als Leidenschaft. 



223 



Fertiault*) erzählt, dass jemand drei Jahre hindurch täglich acht 
Stunden angestrengt arbeitetete, um herauszubekommen, dass die Bibel 
enthält : 

66 Bücher, 
1 189 Kapitel, 
31 173 Verse, 
773 656 Worte, 
3566560 Buchstaben, 

6855 mal das Wort „Jehovah", 
46227 mal das Wort „und" u. s. w. 

und wozu ? lediglich aus litterarischem Ehrgeiz, um etwas zu leisten, was 
bis dahin noch kein anderer fertig gebracht , um von sich reden zu 
machen! 

Auch in Holland tauchen ab und zu unter den dortigen Bücher- 
liebhabern derartige ,, Belastete" auf. So erzählt Kruse man**) einen 
sonderbaren Fall. „Als im Jahre 1856 gelegentlich der Costerfeste in 
Haarlem eine Ausstellung von Inkunabeln und seltenen Drucken ver- 
anstaltet war, wurde einem der Festkommissare gemeldet, dass ein an- 
ständiger , gut gekleideter Herr aus einem der Glaskästen ein Buch an 
sich genommen habe. Er folgte dem Schuldigen und stellte ihn schliess- 
lich in einer Bodenkammer , wo er versteckt hockte mit dem unschein- 
baren Pergamentbändchen in seinen krampfhaft zitternden Fingern. 
Traurig gab er den Band zurück. Als dieser , in der Welt einsam 
stehende Mann später im Sterben lag, besuchte ihn derselbe Kommissar, 
der inzwischen mit ihm befreundet war, in seiner Krankenstube. Da lag 
der abgezehrte Leidende, Bücher rings um sich herum, Bücher auf allen 
Möbeln seines ärmlichen Gemachs , selbst auf dem Rande seiner Bett- 
stelle stand eine Reihe kleiner Oktavbände. Und dieser Mann, der bald 
sterben sollte, und dem eine bessere Pflege und Wohnung sehr not that, 
weigerte sich ängstlich , dass man ihn fortbringe , weil er ja dann seine 
Bücher, seine Schätze verlassen müsse, das Schlimmste, was ihm passieren 
konnte. War dieser Mann ein Dieb oder Geizhals ? Nein, wahrlich nicht, 
aber er stand auf dem Punkte , es zu werden : er war ein Bibliomane. 

Frederik Muller schrieb in einem Nekrologe***) über denselben 
Mann: ,,J . . . . betrieb den Buchhandel mit Liebe zu seinen eigenen 



*) Fertiault, Les amoureux du livre. Paris 1877. 8. 
**) Kruseman, Bouwstoffen voor een geschiedenis van den Nederl. 
boekhandel. Band IL S. 322. Amsterdam 1887. 8. 
***) Nieuwsblad voor den boekhandel 1865. 



22A Fünftes Kapitel. 

Büchern. Geld achtete er nicht. Es war eigentlich schade , dass er 
Händler war ; seine ungünstigen Verhältnisse gestatteten ihm nicht , die 
von ihm so geliebten Bücher immer zu behalten ; ungern trennte er sich 
davon , ja mitunter versteckte er seltene Bücher , die von Fremden bei 
ihm gesucht wurden , damit sie nicht deren Aufmerksamkeit erregten 
und er nicht in Versuchung kommen möchte, sie zu verkaufen. Er war 
mehr Liebhaber als Händler, daher kam es, dass er, obgleich unver- 
heiratet und sehr einfach lebend, sich doch stets in misslichen Verhält- 
nissen befand. Traf man ihn auf einer Auktion , so hätte man ihn für 
einen reichen Mann halten können, so kühn und stolz bot er mit, und 
doch wusste ich, dass er manchmal nicht zu Mittag ass, um Geld für 
Auktionen zu sparen. Als er einst, von Gläubigern hart bedrängt, einige 
sehr seltene Bücher an einen Fremden teuer verkauft hatte , schrieb er 
mir: ,Sie haben mein schönes Exemplar von .... und von .... gekannt, 
ach ! ich habe mich davon trennen müssen ! ich habe Geld , viel Geld 
dafür bekommen, aber, werde ich meine Juwelen jemals wiedersehen?' 
Er erlebte an sich ,toutes les miseres de la vie humaine en bloc', wie 
Jules Janin sie treffend schildert in einem Artikel, der am 5. April 
1858 im Journal des de bat s' erschien: ,Voulez-vous connaitre 
en un bloc toutes les miseres de la vie humaine ? Eh bien ? vendez vos 
livres ! disait un ancien. O ciel ! que je vende mes livres ! Mais ils 
sont ma force et ma gloire ! Ils m'egalent aux plus riches; ils me rap- 
prochent des plus pauvres. Ils sont le guide eternel de ma causerie et 
de mon ambition; j'y songe eveille , j'y reve endormi ! Absent, je les 
pleure, et je les salue ä mon retour. O mes amis! mes confidents, ma 
cohorte, et mon cortege ! Enfants, que j'ai choisis, mes fetes, mes econo- 
mies et mes amours , o ! mes livres. — Et quand je les aurai vendus, 
qu'aurai je ä vendre et qui donc saura que je suis mort?' So war es 
auch J . . . . unmöglich, bei Lebzeiten sich von seinen Büchern zu trennen. 
Er glich darin dem Prediger van Steenwyk, demeine grosse Summe 
für seine ausgezeichnete Bibliothek mit der Bedingung geboten ward, 
dass er sie bei sich behalten könne, solange er lebe; er schlug es ab, 
weil es ihm schien, als verkaufte er einen Teil seines Ichs, seiner Seele, 
seines Körpers bei Lebzeiten !...." So kann die Leidenschaft für Bücher 
bei Reichen sowohl, wie bei den mit Glücksgütern weniger Gesegneten 
zu einer Manie werden, die an Narrheit grenzt. 

Solange es bei der persönlichen Narrheit bleibt, solange der Biblio- 
mane nur sich selbst schädigt, kann ihn die menschliche Gesellschaft 
sich selbst überlassen. Aber es giebt auch Bibliomanen, die von ihrer 
Leidenschaft derartig verblendet sind, dass sie zu Verbrechern, und als 



Die Bücherliebhaberei als Leidenschaft. 



225 



solche für ihre Mitmenschen gemeingefährlich werden ; man denke an 
den Prediger Tinius in Poserna, der im Anfang dieses Jahrhunderts 
aus Bücherliebhaberei zum Dieb und Mörder wurde; seine Bibliothek 
wurde am 5. November 1821 in Leipzig versteigert. Und wie gross ist 
nicht die Zukunft der Kleptomanen , die nur Bücher stehlen , wo sich 
ihnen irgend eine Gelegenheit dazu bietet. So wurde dem Dr. Alois 
Pichler im Jahre 1871 der Prozess in -Petersburg gemacht, weil er 
die Kaiserliche öffentliche Bibliothek in schmählichster Weise be- 
stohlen hatte. 

Und von dieser Manie des Bücherstehlens werden nicht nur Männer, 
sondern auch Frauen ergriffen, und es Hessen sich viele Beispiele davon 
anführen, mit welchem Aufwände von raffinierter Schlauheit diese unglück- 
lichen Menschen ihrem Laster fröhnen , das ihnen keinen anderen Vor- 
teil oder Genuss verschafft, als den heimlichen Besitz eines Buches, das 
sie nicht einmal weiter verwerten können, ohne sich der Entdeckung 
und Bestrafung auszusetzen. Merkwürdigerweise leben diese Bücherdiebe 
meistens in den besten Verhältnissen , aber gerade der Umstand , dass 
sie ein begehrtes Buch auf ehrliche Weise nicht erwerben können, reizt 
sie zum Verbrechen. Doch diese Verirrungen liegen auf einem anderen 
Gebiete als dem , womit wir uns hier beschäftigen wollen , ich verlasse 
deshalb diese Schattenseite der Bücherliebhaberei, um in den folgenden 
Kapiteln eine Charakteristik der Bibliophilie in den Hauptländern zu ver- 
suchen. 



Mühlbrecht, Bücherliebhaberei. 15 



SECHSTES KAPITEL. 

DIE BÜCHERLIEBHABEREI IN FRANKREICH 



W 



enn auch das Verdienst der Erfindung und der ersten Entwicklung 
der Buchdruckerkunst Deutschland gebührt, so sind wir in der 
Wertschätzung und Pflege der älteren Litteratur seit mehr als zweihundert 
Jahren von Frankreich weit überholt worden, und Erscheinungen in der 
Würdigung seltener litterarischer Kostbarkeiten , wie sie dort alltäglich 
vorkommen, sind bei uns völlig unbekannt. 

Kein Land hat so viele tüchtige Bücherkenner und Sammler gehabt, 
als Frankreich; kein anderes Land hat eine so reiche Litteratur über 
die Bücherliebhaberei, und kein Land kann dem weltberühmten Jaques 
Charles Brunet einen ebenbürtigen Bibliographen gegenüberstellen. 
Abb. 195. Brunet (geboren 2. November 1780, gestorben 16. November 1867) 

widmete sich als Sohn eines kleinen Buchhändlers in Paris dem Berufe 
des Vaters. Er kann als der eigentliche Begründer des wissenschaft- 
lichen Antiquariatsbuchhandels in Frankreich angesehen werden ; seine 
Berühmtheit verdankt er seinem Manuel du libraire, von dem 18 10 
die erste, 1865 die fünfte Auflage erschien, und dessen Vervollkommnung 
er als seine Lebensaufgabe betrachtete. Seine Angaben sind unbedingt 
zuverlässig, er nahm keinen Titel auf, wenn er das Buch nicht selbst in 
Händen gehabt hatte. Nach langen Jahren fleissigster Arbeit trat er das 
Eigentumsrecht an seinem Werke an Firmin Didot fr eres & Co. 
für eine Leibrente ab und verbrachte seinen Lebensabend in ruhiger 
Beschaulichkeit. 

Brunet hatte einen tüchtigen Vorgänger an dem 1765 in Paris 
geborenen Antoine Augustin Renouard, der in hervorragender 
Weise die Eigenschaften des Buchhändlers, Sammlers und Schriftstellers 
in sich vereinigte. Er hat vortreffliche Werke über die Thätigkeit der 
Aldus und der Etienne geschrieben, die noch jetzt in hohem An- 
sehen stehen. 



Die Bücherliebhaberei in Frankreich. 



227 



.?! 



Über die Bücherliebhaberei in Frankreich in der ersten Zeit nach 
Erfindung der Buchdruckerkunst finden sich interessante Mitteilungen bei 
Elton,*) denen ich einige wenige entnehme. 

Als einer der ersten Bücherliebhaber Frankreichs wird uns der Erz- 
bischof Ju v en al des Ursins genannt, um die Mitte des fünfzehnten 
Jahrhunderts gestorben. Er wird als ein Kenner guter Bücher gerühmt, 
obgleich nur ein einziges Exemplar aus seiner reichen Büchersammlung 
auf unsere Generation gekommen ist, ein köstliches Missale auf Perga- 
ment , mit den ausgesuchtesten 
Miniaturen geschmückt, und be- 
kannt als die schönste Probe 
jener Büchergattung , früher im 
Besitze des Fürsten Soltikoff. 
Das Buch ging für 36000 Francs 
bei der Versteigerung der fürst- 
lichen Bibliothek in den Besitz 
von Fir min-Didot über, der 
es im Jahre 1861 der Stadt Paris 
übergab. Leider ist das Buch, 
wie so viele andere Schätze 
Frankreichs , durch die Brand- 
stiftungen der Commune im Jahre 
1871 vernichtet. 

Jacques de Pars, der 
Arzt Karls VII. , vermachte 
seine wissenschaftliche Biblio- 
thek der Ecole de medicine in 
Paris; der Wert seines Geschen- 
kes ist aus dem Umstände zu 
ersehen, dass dem mächtigen 

Ludwig XL verboten wurde, eine medizinische Abhandlung der Samm- 
lung, die er übersetzen lassen wollte, zu entnehmen, wenn er nicht sein 
Silbergeschirr als Pfand geben und sich zur Rückgabe in unbeschädigtem 
Zustande verpflichten wollte. 

Etienne Chevalier, der Schatzmeister Ludwigs XL, baute sich 
einen grossen Palast in der rue de la Verrerie in Paris ; seine Bibliothek 
war reich an ausgesuchten Handschriften , die meisten illuminiert von 
Jean Foucquet, dem vortrefflichen Miniaturisten von Tours. Nicolaus 




Abb. 



[95. 



J. Ch. Brunet. Nach „Bibliophile frangais". 
Bachelin-Deflorenne, Paris. 



;: ") Elton, Great book collectors. London 1893. 



■5 



228 Sechstes Kapitel. 

Chevalier, sein Nachkomme im sechzehnten Jahrhundert, war gleich- 
falls ein hervorragender Bibliophile , der unter seinen selbstgedruckten 
Folianten und in blauen Sammet eingerollten Stammbäumen auch ein 
livre d'Heures von wunderbarer Schönheit aufweisen konnte, von 
dem heute nichts weiter übriggeblieben ist , als eine kleine Anzahl von 
aus dem Text herausgeschnittenen Bildern. 

Le Roux de Lincy hat eine lange und interessante Liste der 
französischen Bibliophilen zusammengestellt, welche vor und nach Gro- 
lier's Zeit lebten. Es seien auch hiervon einige wenige genannt. 

Unter den Dichtern finden wir Charles, Duc d'Orleans, den 
Besitzer von achtzig herrlichen Bänden , die jetzt noch in dem Schloss 
zu Blois bewahrt werden , und Pierre Ronsard, sowie den Abbe 
Philippe Desportes, berühmt nicht nur als Rivale Ronsard's, 
sondern auch wegen seines üppigen Lebens und der hohen Summen, 
die er für seine Bibliothek ausgab. 

Von Staatsmännern möge Florimond Robertet genannt sein, 
der erste eines grossen Geschlechts von Bibliophilen. Unter den gelehrten 
Frauen des sechzehnten Jahrhunderts sehen wir Louise Labe, genannt 
,,La belle Cordiere", die eine Sammlung besonderer Art, bestehend nur 
aus französischen, spanischen und italienischen Werken, gebildet hatte. 
Dann Charlotte Guillard, die sowohl Bücher selbst druckte wie 
sammelte, und die auf eigene Kosten einen Kommentar der Auslegungen 
des heiligen Hieronymus veröffentlichte. 

Einer der bedeutendsten Privatsammler jener Periode war Arthur 
Gouffier, Seigneur de Boissy; er war ein grosser Liebhaber 
schöner Einbände im Stile des berühmten Grolier. Eines seiner Bücher 
gehörte dem verstorbenen Baron Jeröme Pichon, dem Präsidenten 
der französischen Societe des Bibliophiles, und es war anerkannt, dass 
nichts, selbst aus Grolier's eigener Bibliothek, diesen Einband an Schön- 
heit der Ausführung jemals übertroffen hat. Sein Sohn, Claude 
Gouffier, zum Duc de Ro u an na is ernannt, war ein Sammler haupt- 
sächlich modernen Genres. Er kaufte mit Vorliebe Autographen und 
historische Porträts , seltene Handschriften und gute Druckproben und 
war bemüht, alle seine Bücher in modernen geschmackvollen Einbänden 
zu haben. Claude Gouffier wurde Erzieher des jungen Herzogs 
d'Angouleme, der als Franz I. auf den Thron kam und seinem 
Lehrer wohl die Vorliebe für seine Bücher verdankt , die alle mit dem 
Salamander im Feuer und den silbernen fleurs-de-lys geschmückt waren. 

Franz I. hatte weniger Neigung für gedruckte Bücher wie für 
seltene Manuskripte ; der Bibliothek von Fontainebleau fügte er nur 



Die Bücherliebhaberei in Frankreich. 2 29 

wenig hinzu ausser dem, was er von seiner Mutter, der Königin Louise, 
and seiner Schwester, Margarete d'Angouleme, an Geschenken 
erhielt. Die Nationalbibliothek verdankt viele der schönsten Manuskripte 
dem feinen Geschmack dieser Prinzessin , die von den Dichtern als die 
,,Marguerite des Marguerites" gefeiert wurde. Der König gefiel sich in 
dem Bemühen, litterarische Entdeckungen im Osten zu machen ; er zog 
viele Erkundigungen von Johannes Lascaris ein und entsandte den 
Pierre Gilles, um Ankäufe in den morgenländischen Klöstern zu 
machen. In gleicher Kommission schickte er Guillaume Postel 
hinaus , einen der grössten Linguisten , die jemals gelebt haben , aber 
dermaassen überspannt, dass er sich selbst für den wiedererstandenen 
Adam hielt, dabei so unglücklich, dass er nur selten sich ausser Gefangen- 
schaft befand. 

Die Regentschaft Heinrichs II. ist von grosser Bedeutung in den 
Annalen der Bibliophilie. Heinrich erliess 1558 eine Ordonnanz, die 
man auf den Einfluss der Diana de Poitiers zurückführt, wodurch 
jeder Verleger angehalten wurde, Geschenkexemplare seiner Werke, auf 
Pergament gedruckt und geschmackvoll eingebunden, an die Bibliotheken 
zu Blois und Fontainebleau und andere , die der König nach Belieben 
bestimmte , abzuliefern. Ungefähr achthundert Bände der National- 
bibliothek in Paris bezeugen noch heute den Erfolg dieser Büchersteuer, 
sie sind alle mit der zweideutigen Chiffre markiert, die ebensogut die 
Initialen des Königs und der Königin darstellen können , wie die der 
Namen Henri und Diana. 

Königin Katharina von Medici sammelte mit Enthusiasmus. Bei 
ihrer Ankunft als Mädchen in Frankreich brachte sie eine Menge Manu- 
skripte mit, die früher den östlichen Kaisern gehört und durch Cosmo 
de Medici angekauft waren. Später ergriff sie Besitz von der ganzen Abb. 196. 
Bibliothek des Marschalls Strozzi unter dem Vorwande , dass sie als 
„Medici -Bücher" anzusehen seien, die seinerzeit durch Erbschaft auf 
einen Neffen Leo 's X. übergegangen wären. Bei ihrem Tode 1589 
stellte sich heraus , dass sie über achthundert griechische Manuskripte, 
alle äusserst wertvoll und selten , besessen hatte. Es lag die Gefahr 
nahe, dass diese von ihren Gläubigern mit Beschlag belegt würden, aber 
man verständigte den König , dass solch eine Kollektion nie wieder , in 
keinem Lande und für keine Kosten zusammenzubringen sei. So wurden 
sie also für Krongut erklärt , und auf Veranlassung De T h o u ' s ent- 
kleidete man die Werke ihrer kostbaren Decken und verbarg sie in 
einfachem offiziellen Gewände. 

Diana de Poitiers war unermüdlich in der Jagd nach alten 



2^o Sechstes Kapitel. 

Schmökern („chasseresse des bouquins"), war sie doch die Tochter eines 
Bibliophilen! Graf de St. Vallier liebte die Bücher in italienischem 
Einbände, man kennt einen Roman de Perceforest in der Samm- 
lung des Duc d 'Au male, der die Wappen St. Vallier's und seine Marke 
als Eigentümer trägt , obgleich bestimmt angenommen wird , das Werk 
sei für Grolier gebunden, als es dem Könige Louis-Philippe gehörte. 
Heinrich II. und die Herzogin Diana unterhielten einen wahren 
Schatz von Büchern in dem herrlichen Schloss zu Anet. Nach ihrem 
Tode blieben die Bücher unbekannt und unverzeichnet in den Schloss- 
hallen bis zum Tode der Prinzessin de Conde im Jahre 1723. Die 
damalige Auktion war eine Schwelgerei in litterarischen Schönheiten. 
Alle Bücher fanden sich in gutem Zustande und in den prachtvollsten 
Einbänden. Auch zeigte sich eine bemerkenswerte Vielseitigkeit in 
ihrem Bestände, die Kirchenväter und die Poeten standen Seite an Seite 
mit den medizinischen Werken und den volkswirtschaftlichen Schriften, 
als ob sie planmässig vom Buchhändler bezogen wären. Man sagt, dass 
die meisten Werke von dem unerschrockenen Bücherfreunde Guyon 
de Sardieres erworben w T urden, dessen ganze Bibliothek mit den 
mannigfaltigen Büchersammlungen des Duc de la Valliere ver- 
schmolzen wurde. 

Die drei Söhne der Katharina von Medici waren alle Bücher- 
freunde in ihrer Weise. Franz II. starb, ehe er die Zeit zur Bildung 
einer Bibliothek fand ; wäre er am Leben geblieben, so würde ihn wohl 
Marie von Schottland, die den Thron nur wenige Wochen mit 
ihm teilte, auf die höheren Pfade der Litteratur geleitet haben. Einige 
ihrer Lieblingsbücher sind uns erhalten geblieben; die Bücher des jungen 
Königs tragen aussen den Delphin oder das Wappen von Frankreich; die 
Königin band alles in schwarz Saffian mit dem Emblem des Löwen von 
Schottland. Karl IX. hatte Vorliebe für die Litteratur, wie es sich für 
den Zögling des Bischofs Amyot geziemte; er studierte Archäologie 
und kaufte Grolier 's Münzkabinett. Seine Bibliothek brachte er von 
Fontainebleau nach Paris, wo sein Vater eine neue Sammlung aus dem 
konfiszierten Eigentum des Präsidenten Ranconnet gebildet hatte; 
das Ganze liess er von dem ehrwürdigen Amyot verwalten. 

Sein Bruder, der verweichlichte Heinrich III., gab viel für Ein- 
bände, aber wenig für Bücher aus ; man sagt, er sei selbst ein tüchtiger 
Buchbinder gewesen, wie auch sein Bruder Karl in einer Waffenschmiede 
arbeitete und einige seiner Nachkommen die Technik eines Barbiers, 
Kochs und Schlossers ausübten. Er selbst war ein extravaganter Müssig- 
gänger, für seine Unterthanen aber verbot er den Luxus durch Gesetze. 



Die Bücherliebhaberei in Frankreich. 



231 



So verbot er Pelzwerk und schwere Ketten, erlaubte aber goldene Ecken 
und Arabesken auf Büchern und stellte seine Ornamente alle aus massiv 
goldenen Linien her. Sein eigener Geschmack verband das Düstere mit 
dem Grotesken, seine Kleider wie Bücher waren mit den Emblemen dcr 
Trauer bedeckt. 




Abb. 196. Italienischer Einband für Katharina von Medici. Nach Bouchot. 

Louise von Lothringen zog sich nach des Königs Tode aul 
Schloss Chenonceau zurück und pflegte als Witwe in ihrem ,, Feenpalast" 
eine ausgewählte kleine Bibliothek. Ihr Katalog beschreibt etwa achtzig 
Bände, die meisten von Nicolas Eve gebunden, der helle Lederband 
in Rot, Blau und Grün war mit brillanten Arabesken oder gesprenkelten 
goldenen Lilien bedeckt. Es ist kaum eine vollendete Probe davon in 



2 2 2 Sechstes Kapitel. 

der Nationalbibliothek erhalten geblieben. Sie waren von der Königin 
an ihre Nichte, die Herzogin de Vendome, vermacht, in der Hand 
eines späteren Besitzers aber wurden sie durch Verkauf verstreut und 
sind heute beinahe ganz verschwunden. 

Man sagt, dass Heinrich IV. bei seinen Büchern Trost suchte, 
nachdem ihn Gabriele d'Estrees verlassen hatte. Obgleich kein 
Bücherliebhaber, war er doch ängstlich bemüht, alles zu thun , was die 
Interessen der Litteratur fördern konnte. Er ging mit dem Plane um, 
eine ausgezeichnete Bibliothek in dem College de Cambray zu gründen, 
starb aber vor der Ausführung dieser Idee. Dagegen wurden die Bücher 
von Blois nach Paris übergeführt und für den Gebrauch der Studierenden 
freigestellt. Die schon von Fontainebleau hergebrachten Bücher und 
die Handschriften der Katharina von Medici wurden nach dem 
College de Clermont zurückgebracht und unter die Obhut des berühmten 
De Thou gestellt. 
Abb i 97 . Margarete von Valois stimmte, wenn auch in keinem anderen 

Punkte, mit dem König in der Beförderung der Wissenschaften überein. 
Sie war eine ebenso gelehrte Dame , wie passionierte Büchersammlerin. 
Kein Zweig der Wissenschaft, ob heilig oder profan, war der „Reine 
Margot" zu gering. Sie kann als die Königin der ,,femmes Biblio- 
philes" betrachtet werden, die in der Geschichte der Höfe von Frank- 
reich eine so wichtige Rolle spielten. Im guten Geschmack übertrifft 
sie alle übrigen , in geistiger Hinsicht lässt sich der Abstand kaum ab- 
schätzen zwischen Margarete und den eleganten Sammlerinnen, die 
wir den Namen ihrer berühmten Buchbinder verdanken. Anna von 
Österreich ist bekannt geworden durch die spitzenartigen Muster des 
Le Gascon, und Königin Marie Lesczinska berühmt durch die 
Pracht ihrer von Padeloup gefertigten Einbände. So sind auch die 
Bibliotheken der Töchter Ludwigs XV., drei fleissige, wohlunterrichtete 
Prinzessinnen , nur bekannt geworden durch das von D e r 6 m e für die 
Einbände verwandte farbige Saffianleder. Die Bücher der Pompadour 
würden ohne die drei Türme oder den herzoglichen Mantel des Buch- 
binders Biziaux kaum erwähnenswert sein, und niemand, ausser 
Ludwig XV. selbst, würde wohl die intelligente Auswahl der Du 
Barry gelobt oder einen Blick auf ihre sonderbaren Bücher und Laden- 
hüter geworfen haben, wenn sie nicht durch prachtvolle Einbände deko- 
riert gewesen wären. 

In allen den Listen der ,, Damen der alten Zeit", die Guigard, 
Quentin-Bauchart, Uzanne und andere moderne Bibliophilen 
aufgestellt, ist es schwer, eine zu entdecken, die das Innere der Bücher 



Die Bücherliebhaberei in Frankreich. 



233 







s 



ft Sritfpsl!-. 



Abb. 197. Margarete von Valois. 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin. 



dem Äusseren derselben vorgezogen hätte. Uzanne behauptet, dass 
kein weiblicher Bibliophile in Frankreich jemals eine Leidenschaft gezeigt 
habe, wie sie Grolier oder De Thou begeisterte; dass selbst Marie 
Antoinette in Trianon ihre Tausende von Büchern wie Vögel in einer 



234 Sechstes Kapitel. 

Voliere hielt, ohne Begriff von ihrem inneren Werte oder Befähigung, 
sie richtig gebrauchen zu können. 

Diesem harten Urteile gegenüber mag ein Beispiel vom Gegenteil 
anzuführen erlaubt sein. Die Herzogin de Berry aus unserer eigenen 
Zeit besass eine ernsthafte Sammlung, die unter ihrer Leitung gebildet 
war; man fand darin das Livre d'Heures von Heinrich IL, das 
Gebetbuch der Johanna von Neapel, die besten Bücher der 
Margarete de Valois und der Marie Lesczinska. Auch die 
Prinzessin Pauline Buonaparte war Besitzerin einer auserlesenen 
Bibliothek. 

Von jeher herrschte in Frankreich weniger die Bücherliebhaberei im 
Sinne der englischen Sammler, die enorme Summen für ein mangelhaftes 
Produkt zahlen, wenn es nur alt und selten ist ; man fand und findet in 
Frankreich mehr Lust an dem Besitz „schöner" Ausgaben , wie auf 
Luxuspapier, in feinen, kostbaren Einbänden und mit Stichen in ersten 
Abdrücken. Um dieser Liebhaberei zu genügen , sind in Frankreich 
viele Bücher nur der Ausstattung wegen gedruckt und gekauft, und ein 
französischer Liebhaber erwirbt unter Umständen zehn Exemplare des- 
selben Werkes , wenn er es in zehn schönen verschiedenen Ausgaben 
haben kann. 

Über die spätere Zeit der Sammler und über die Preissteigerungen 
in unserem Jahrhundert enthält die Monographie von M. G. Brunet*) 
bemerkenswerte Notizen, denen ich das folgende entnehme. 

Wie der Wert seltener Bücher ganz allgemein in unserem Jahr- 
hundert enorm gestiegen , haben wir aus dem vorhergesagten überall 
gesehen, und die Ursachen davon sind leicht zu erkennen ; die Zahl der 
reichen Bücherliebhaber hat sich verdoppelt und verdreifacht, die Zahl 
der seltenen alten Bücher aber , wie sie vor etwa hundertundfünfzig 
Jahren schon bekannt waren, hat sich eher verringert als vermehrt, denn 
es ist genau bekannt, in welchen öffentlichen Bibliotheken und Archiven 
eine grosse Anzahl derselben nach und nach ein Asyl gefunden haben, 
aus dem sie schwerlich jemals wieder in den Handel gelangen werden. 
Auch übt die Mode , und gerade in Frankreich , einen bedeutenden 
Einfluss auf Bücher aus , sie steigert vorübergehend den Preis ganzer 
Büchergattungen und drückt ihn ebenso herab; die Elzevier- Ausgaben 
haben, wie Wertpapiere, Zeiten der Hausse und der Baisse gehabt; die 
ersten Ausgaben der alten Klassiker waren früher sehr beliebt, während 
man damals eine Gattung von Büchern verschmähte , die von unserem 



M. G. Brunet, Du prix des livres rares. Bordeaux 1895. 8. 



Die Bücherliebhaberei in Frankreich. 



235 



Zeitalter sehr bevorzugt wird, die illustrierten Wer ke des acht- 
zehnten Jahrhunderts. Man legt in Frankreich gerade diesen 
Büchern, mit Zeichnungen von Künstlern wie Eisen, Marillier und 
namentlich Moreau dem jüngeren, einen so hohen Wert bei, dass be- 
sondere beschreibende Kataloge darüber erschienen sind.*) 

Der Geschmack der Bücherliebhaber ist in Frankreich in den letzten 
hundert Jahren mehr als in anderen Ländern grossen Veränderungen 
unterworfen gewesen ; zeitweise hat man sich z. B. mit besonderer Vor- 
liebe mit dem heiligen Lande und den Pilgerfahrten dorthin beschäftigt; 
dann wieder waren vorübergehend die Werke der die römische Kirche 
bekämpfenden Reformatoren sehr gesucht, die in Deutschland und der 
Schweiz gedruckten Schriften Luther's, Calvin' s u. a. In neuerer 
Zeit sind auch die Originalausgaben der französischen Romantiker seit 
1830 sehr begehrt, es hat z. B. die erste Ausgabe des Romans von 
Theophile Gautier ,,Mademoiselle de Maupin" einen Preis 
von 1600 Francs erzielt. Neben diesen mehr oder weniger individuellen 
Neigungen behauptet sich in Frankreich ziemlich konstant eine Vorliebe 
für die ersten Ausgaben der französischen Klassiker des 
sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts, besonders aber 
werden die älteren illustrierten Werke gesucht. 

So giebt es eine Liedersammlung , die ein Generalpächter in Paris 
in vier Bänden im Jahre 1772 veranstaltet und von den beliebtesten 
Künstlern der damaligen Zeit hat illustrieren lassen, Moreau z. B. lieferte 
fünfundzwanzig Kupferstiche dazu. Die Poesie des Werkes ist ganz 
wertlos, aber sie wird auch nicht von den Bibliophilen bezahlt, sondern 
die Illustrationen ; man konnte das Werk vor fünfzig Jahren noch für 
60 Francs haben, heute werden 2000 Francs und mehr dafür bezahlt. 
Ein anderes Exemplar, allerdings ein Unikum, dieser ,, Chansons de 
la Borde", mit den Originalzeichnungen Moreau 's, erzielte auf der 
Radziwill-Auktion 7050 Francs. 

Von den „Contes de Lafontaine" giebt es eine Ausgabe, zwei 
Bände, im Jahre 1762 in Paris unter dem fingierten Verlagsort Amster- 
dam gedruckt und zwar unter dem Protektorat der Madame de 
Pompadour. Das der schönen Marquise angebotene Handexemplar, 
wozu Eisen Illustrationen geliefert hatte, vereinigte in sich alle erdenk- 
lichen Vorzüge der Ausstattung. Nachdem es durch verschiedene, nicht 
mehr nachweisbare Hände gegangen, tauchte es 1844 zuerst öffentlich 



*) T. F. Maherault, Catalogue raisonne et descriptif des ouvrages de Moreau le jeune, 
avec notes iconographiques et bibliographiques. Paris 1880. 8. 



2^5 Sechstes Kapitel. 

bei der Versteigerung der Bibliothek des Akademikers Charles Nodier 
auf, wir finden es dort mit dem Spottpreise von 355 Francs notiert. 
Aber das Buch bewährte bald glänzend den ihm vorangegangenen Ruf 
einer hohen Seltenheit; nachdem es in dem Katalog eines grossen Pariser 
Antiquars mit 7000 Francs angesetzt gewesen , ist es schliesslich vor 
kurzem in den Besitz eines enthusiastischen Sammlers , des Herrn 
Beraldi, übergegangen, der ohne Zaudern 15000 Francs dafür bezahlte. 
Unter den Klassikern des sechzehnten Jahrhunderts haben die 
Originalausgaben von M o 1 i e r e die grösste Zugkraft ; wem es gelingt, 
eine der ersten Ausgaben der Komödien des unsterblichen Franzosen 
für 1500 Francs zu erhalten, der kann sich glücklich schätzen, und die 
ersten Gesamtausgaben seiner Werke nehmen unter den Seltenheiten 
eines französischen bibliographischen Feinschmeckers den ersten Rang 
Abb. 198. ein. So brachten Moliere's Werke, Ausgabe in sieben Bänden, Paris 
1673, Duodezformat, in der Auktion Lignerolles (1894) 16200 Francs, 
und die Ausgabe der „oeuvres, avec des remarques par Bret", 
Paris 1773, 7 vols. , 4 , mit 33 Abbildungen von Moreau, auf der- 
selben Auktion 22 100 Francs. Die Originalausgaben von Moliere's 
Theaterstücken, früher ganz vernachlässigt, sind durch den Bibliophilen 
de Soleinne in Paris in Aufnahme gekommen; er war der erste, der 
mit grosser Mühe eine vollständige Sammlung derselben zusammen- 
gebracht hatte, an der nur ein Stück fehlte (Les Fourberies de Scapin). 
Bei der Versteigerung seines Nachlasses (1843) ging diese Sammlung 
für 747 Francs fort, eine lächerlich kleine Summe, wenn man damit die 
heutigen Preise der einzelnen Stücke vergleicht, z. B. Les Precieuses 
ridicules, Paris 1660 (Auktion Lignerolles 1894), 2000 Francs; 
Sganarelle, Paris 1660, in derselben Auktion, 2550 Francs. Ihm bei- 
nahe gleich gilt Corneille, seine Ausgaben in Folio und Duodez, die 
man vor hundertundfünfzig Jahren kaum ansah, bilden heute ein Streit- 
objekt bei allen Auktionen. Racine kommt erst in dritter Reihe, wird 
aber immer noch hoch geschätzt. 

Als ein Beispiel verirrter Geschmacksrichtung aus der damaligen 
Zeit möchte ich ein Buch erwähnen , das inzwischen den Ruf eines 
Unikums allerersten Ranges erlangt hat. Der Generalpächter de 1 a 
Popeliniere, ein bekannter Verleger aus der Zeit Ludwigs XV., 
hatte ein Buch „Tableaux des mceurs du temps" in einem ein- 
zigen Exemplare drucken lassen, das die wenig verschleierten Episoden 
eines abenteuerlichen Lebens erzählt und in dem die beigefügten, ebenso- 
wenig verschleierten Aquarellbilder mit dem Texte harmonieren. Die 
skrupulösen Erben waren nach dem Tode des Generalpächters auf dem 



Die Bücherliebhaberei in Frankreich. 



237 




Abb. 198. Illustration von Boucher aus den ,,CEuvres de Moliere", Paris, 1734. 



Punkte, das Buch zu vernichten, der König aber, der davon gehört hatte, 
verhinderte dies und erwarb es für sich. 

Nach verschiedenen Wanderungen , die sich nicht mehr verfolgen 
lassen, gelangten die Tableaux in die Bibliothek des Fürsten Ga litzin 



2^8 Sechstes Kapitel. 

in Moskau, kamen von da wieder nach Paris zurück, und darauf in den 
Besitz eines reichen englischen Sammlers Frederic Hankey, Sohn 
eines englischen Gouverneurs der Ionischen Inseln und Offizier bei den 
Horse Guards der Königin von England. Dieser hatte ausschliesslich 
Seltenheiten eines Genres zusammengebracht, die aus Sittlichkeitsrück- 
sichten öffentlich nicht versteigert werden konnten, und in dieser Samm- 
lung nahmen die „Table au x des mceurs du temps" einen Ehren- 
platz ein ; die Bücher wurden nach seinem Tode durch freihändigen 
Verkauf sehr zerstreut, und die „Tableaux" tauchten erst im Jahre 1894 
bei der Versteigerung der Bibliothek eines Bibliophilen wieder auf, der 
sich bei Lebzeiten den Namen ,,Le Toque" (der Verrückte) beigelegt 
hatte. Man war auf einen erbitterten Kampf um die „Tableaux" gefasst, 
es wurde von 50000 Francs gesprochen, die ein Liebhaber daransetzen 
wollte, indessen — habent sua fata libelli — bei dem nicht gerade sehr 
lebhaften Wettbieten erfolgte der Zuschlag für 25000 Francs. Das Buch 
ist durch Rezensionen verschiedener Bibliographen, wie Charles 
M o n s e 1 e t , G. Brunet u. a. bekannt geworden , auch ist es durch 
einen Neudruck , zwei Bände kleines Quartformat , reproduziert , aber 
dieser Neudruck kann doch das Unicum nicht ersetzen, das für alle 
Zeiten eine der kostbarsten Seltenheiten der Bibliophilie bleiben wird. 

Noch ein anderes berühmtes Buch des vorigen Jahrhunderts sei er- 
wähnt, das durch Eigenschaften ganz entgegengesetzter Art bekannt ge- 
worden ist, das „Office de la Semaine Sainte" par l'Abbe de 
Bellegarde, Paris 1732. 8. ,,ä l'usage de la maison du Roi", ein 
Exemplar in rot Saffian eingebunden, der Fürstin de Lamballe 
dediziert, mit einer Widmung des Königs, einem Autograph der Marie 
Antoinette, einigen Zeilen der Maria Theresia, einem Briefe der 
Marie Antoinette und einigen Zeilen Ludwigs XVI. Dieses 
Buch ist in der Auktion Lignerolles 1894 für 30000 Francs fort- 
gegangen. 

Zur Erklärung dieses exorbitanten Preises ist darauf hinzuweisen, 
dass in Frankreich unter den Royalisten ein kleiner Kreis von Biblio- 
philen existiert , der mit allem , was sich auf die unglückliche , viel- 
geschmähte Königin bezieht, einen wahren Kultus betreibt. 

Ein drittes seltenes Illustrationswerk aus jener Zeit ist durch seine 
Abb. 199. Schicksale in neuerer Zeit bekannt geworden. Sein Titel lautet „Suite 
d'estampes pour servir ä l'histoire des mceurs et du 
costume desFrancois", Paris, Folio. I. suite 1775, II. suite 1776, 
III. suite 1783, das schönste Werk zur Kostümkunde des achtzehnten 
Jahrhunderts mit Zeichnungen von ausserordentlicher Feinheit, der erste, 



Die Bücherliebhaberei in Frankreich. 



239 




JJX^iot.-au.Ljcun.c dU 




a arando ^.odctto 

Abb. 199. Ein Blatt aus: „Suite d'estampes" von Moreau d. j. 
Aus dem Katalog der Freiherrl. von Lipperheide'schen Büchersammlung in Berlin. 

Teil nach Zeichnungen Freudenberg's, der zweite und dritte nach Moreau 
dem jüngeren gestochen, jeder zwölf Tafeln enthaltend, die vierundzwanzig 



2AO Sechstes Kapitel 

Originale von Moreau als Federzeichnungen in Sepia ausgeführt. Auf 
einer Versteigerung in Berlin im Mai 1891 hat das Werk, zusammen 
mit vier Zeichnungen von Freudenberg, 109500 Mark aufgebracht, 
und zwar ging es in den Besitz des Barons Edmond de Roth- 
schild über, für den es der Pariser Antiquar Morgand erstand. 
Man erzählte sich, das Exemplar habe dem verstorbenen König Lud- 
wig IL von Bayern gehört und sei aus dessen Nachlass auf einer 
Auktion in Leipzig zum Vorschein gekommen. Diese Behauptung hat 
sich aber als unrichtig erwiesen. Eine bei dem betreffenden Berliner 
Antiquar , der die Blätter versteigerte , eingeholte Erkundigung hat er- 
geben , dass sie aus dem Besitze eines in Wiesbaden ansässig ge- 
wesenen adeligen Herrn stammten, der sie in Berlin zum Verkauf stellte, 
nachdem er vergeblich versucht hatte , sie in Leipzig durch öffentliche 
Ausstellung im Museum für den angesetzten Preis von 5000 Mark zu 
verkaufen. Der hohe Kunst- und Geldwert der Blätter war dem da- 
maligen Besitzer völlig unbekannt. Ohne die ganz zufällige Konkurrenz 
zweier Händler in Paris würde ein nicht annähernd so hoher Preis 
erzielt sein. Morgand war von Rothschild beauftragt, ,,ä tout prix" 
zu kaufen, ein anderer Pariser Händler war zum gleichen Zwecke er- 
schienen; er hätte in seiner Konkurrenz Morgand die Blätter ohne jedes 
Risiko auf den doppelt hohen Preis steigern können, da er den Auf- 
traggeber kannte! Morgand ist gegenwärtig der tüchtigste Antiquar 
in Paris , er vereinigt ein umfassendes bibliographisches Wissen mit 
grossem Geschäftseifer; man sagt, er setzte für seine Bücher erstaunlich 
hohe Preise an, doch macht ihm seine reiche Kundschaft daraus keinen 
Vorwurf. Das genannte Werk kam dann aus Rothschild's Besitz in 
die Hände des Bibliophilen Pierre van Loo in Gent. Der Text, 
welcher den reizenden Darstellungen der eleganten Welt des vorigen 
Jahrhunderts beigegeben ist, stammt von Restif de la Bretonne, hat 
aber wenig Wert. 

Welch hohe Preise gegenwärtig auf den Pariser Auktionen gezahlt 
werden, davon will ich noch einige weitere Beispiele hier anführen. 
Abb. 7 . Die „Ars moriendi", auch unter dem Titel: ,,De temptationibus 

morientium" oder: „Tentationes daemonis" in einer ausführlicheren 
Darstellung auch unter dem Titel „speculum artis bene moriendi" 
bekannt, ergab auf der Auktion Yemeniz (1867) 9550 Francs. Es ist 
ein Holztafeldruck aus dem fünfzehnten Jahrhundert, ein vielfach über- 
setztes, überarbeitetes und in einer Menge späterer typographischer 
Drucke bekanntes Werk, ein Übergang von den Sammlungen blosser 
Heiligenbilder und Bildertexte , wo Figuren und Schrift zugleich auf 



Die Bücherliebhaberei in Frankreich. 24 1 

♦ 

einem und demselben Blatte stehen , zu den eigentlichen Büchern ; das 
Pariser Exemplar, ohne Ort und Jahr, enthielt dreizehn Blätter mit elf 
Holzschnitten, ein Zwiegespräch zwischen dem Teufel und einem Engel 
am Bette eines von seiner Familie umgebenen Sterbenden. 

Der Stoff war ein sehr beliebter und das Buch wurde in allen ger- 
manischen und romanischen Sprachen bearbeitet. Der Verfasser ist nicht 
bekannt. Ein früher im Besitz von T. O. Weigel in Leipzig befind- 
liches, später dem British Museum in London einverleibtes Exemplar 
der ars moriendi gilt als die erste, zugleich als die vollendetste Aus- 
gabe. Sie besteht aus zwölf Bogen Kleinfolio, in bräunlicher Farbe ge- 
druckt. Das Buch erzielte in der am 27. bis 29. Mai 1872 abgehaltenen 
Versteigerung der Weigel'schen Sammlung die Summe von 21450 Mark. 

Dann Boccaccio ,,de la Ruine des nobles hommes et 
femmes", Bruges 1476, in Folio ä 2 col. ergab in der Auktion 
Techener (1876) 20000 Francs. Es war ein sehr schönes Exemplar 
des äusserst seltenen Buches, das für das erste datierte Druckerzeugnis 
von Brügge gilt, und stammte aus der Sun der 1 and- Bibliothek. 

Ferner: ,,Le Chevalier delibere", ungefähr i486 in Gouda 
gedruckt, ergab in der Auktion Mosbourg (1893) 13520 Francs, es 
ist das einzige bekannte Exemplar. 

Heliodori ,,Aethiopicae Historia libri decem", Basileae 
1552, Folio, ergab in der Auktion Te chener (1876) 12000 Francs, es 
war einGrolier-Band, der schönste, denLe Roux de Lincy beschrieben, 
und derjenige, der bis jetzt von den Grolier-Bänden den höchsten Preis 
erzielt hat. Das Exemplar trug ausserdem die Insignien Heinr ichs IL, 
verbunden mit denen der Diana de Poitiers; man weiss, wie eine 
solche Abstammung den Wert eines Buches erhöht ; es ging in den 
Besitz eines Sammlers in New York über. 

La Fontaine's ,,Fables choisies", 5 vols., Paris 1678 bis 1694, 
I2 m0 , ergaben in der Auktion Mosbourg (1893) 10 000 Francs. Der 
Boyet'sche Einband hat wohl in diesem Falle den hohen Preis bestimmt, 
der sonst nicht zu rechtfertigen wäre. 

Longus, ,,Daphnis et Chloe", Paris 1757, 4 , erzielte bei der 
Auktion La Roche La Carelle 6700 Francs. Das Exemplar war 
ursprünglich in Ungarn entdeckt und dort mit 10 Francs angekauft; 
nach Paris gebracht, erwarb es ein Antiquar für 200 Francs, auf der 
Auktion Brunet (1868) schon ergab es 6000 Francs, denn es war ein 
Padeloup-Einband ! Dasselbe Buch in der Ausgabe Paris 17 18, 8°, eben- 
falls in einem Padeloup- Einbände mit dem Wappen des Regenten, ergab 
in der Auktion Mosbourg (1893) 12 500 Francs. Die Ausgabe ist gar 

Mühlbrecht, Bücherliebhaberei. 16 



242 Sechstes Kapitel. 

nicht selten, aber die fürstliche Abstammung und der Einband von 
seltener Schönheit hatten den hohen Preis bestimmt. Ein anderes 
Exemplar derselben Ausgabe, auf den Einbanddecken in Gold die be- 
kannten drei Türme des Wappens der Pompadour, gab ebenfalls den 
Sammlern Gelegenheit zu erbittertem Kampfe. 

Montesquieu, „Le Temple de Gnide", Paris 1794, 8°, ergab 
auf der Auktion Lignerolles (1894) 14000 Francs. Es war das ein- 
zige bekannte Exemplar auf Velin , mit den Originalzeichnungen von 
Eisen, zehn Abbildungen in Gouache gemalt, welch seltene Eigen- 
schaften den hohen Preis begründeten ; bei der Versteigerung trieben 
sich zwei Sammler in erbittertem Kampfe den Preis gegenseitig in 
die Höhe. 

Mlle. de Montpensier, ,,Recueil de Portraits", Paris 
1659, 8°, ergab auf der Auktion La Roche La Carelle (1888) 
1 5 080 Francs. 

Thomas Morus' ,,Description du royaume d'Utopie", 
Paris 1550, 8°, ergab auf derselben Auktion 9100 Francs; das Exem- 
plar trug die Wappen von Ludwig XIII. und der Anna von Öster- 
reich, es erzielte den hohen Preis dieser königlichen Abstammung 
wegen und als berühmtestes Werk des englischen Kanzlers. 

„Songe de Poliphile", Venise 1499, Folio. Ein prachtvolles 
Exemplar in reichem Einbände des sechzehnten Jahrhunderts erzielte 
auf der Auktion Mosbourg (1893) 10 000 Francs. Es ist ein eigen- 
artiges Werk mit Holzschnitten von ganz besonderer Schönheit, war 
zwei Jahrhunderte hindurch ganz vernachlässigt , erregte dann aber be- 
rechtigtes Aufsehen und wurde von verschiedenen Schriftstellern, unter 
anderem von Paul de Saint-Victor, rühmend erwähnt. 

Einer der feinsten Kenner der Litteratur des achtzehnten Jahr- 
hunderts war Girardot de Prefond; er gehörte dem Handelsstande 
an , wurde durch Schicksalsschläge gezwungen , seine reiche und mit 
vielem Geschmack gesammelte Bibliothek zu verkaufen, gelangte dann 
aber wieder zu grossem Vermögen und brachte eine zweite Bibliothek 
zusammen , welche der ersten nichts nachgab. Später überlies er auch 
diese en bloc dem hervorragenden Bibliophilen Graf de Mac Carthy. 
Aus dieser Sammlung seien einige Werke erwähnt. 

Bruno Giordani ,,Degl' Heroici furori", Parigi 1585, 8°, 
ging in einem schönen Einbände von Padeloup in der Auktion La 
Roche La C ar eile (1883) für 7100 Francs fort. Der Verfasser dieses 
seltenen Buches war ein Neapolitaner Mönch, der aus seinem Kloster 
entfloh, einen Teil von Europa durchzog, und eine Menge von Schriften 



Die Bücherliebhaberei in Frankreich. 243 

ziemlich unverständlichen Inhalts in lateinischer und italienischer Sprache 
veröffentlichte. Er endete auf dem Scheiterhaufen der Inquisition. 

Ein anderes Werk von Bruno Giordani „La Cena de le 
Ceneri" s. 1. 1584, 8°, ging auf der Auktion Mac Carthy (1817) 
für 549 Francs nach England, wo es auf der Auktion Hanrott (1844) 
12 £ brachte; dasselbe Buch tauchte in einem reichen Padeloup- Ein- 
bände in der La Roche La Car eile- Auktion (1888) auf und ergab 
bei der Gelegenheit 8100 Francs, eine Folge des Einbands. 

Ich unterbreche diese Aufzählung kostbarer Werke , um den Leser 
nicht zu ermüden, und wende mich einer berühmten Bibliothek zu, der 
umfangreichsten, welche jemals von einem Privatmanne in Frankreich zu- 
sammengebracht ist. 

Louis-Cesar de la Baume LeBlanc, duc de LaValliere 
(geboren 1708, gestorben 1780), ein Grossneffe der berühmten Karme- 
literin, gilt für einen der tüchtigsten Bibliophilen, die Frankreich jemals 
besass, vielleicht wird man niemals einem Rivalen begegnen, der sich mit 
ihm vergleichen Hesse. Seine Inkunabelnsammlung ist nie übertroffen, 
sie erhob sich noch über die reiche Specialbibliothek des Grafen 
de Mac Carthy aus dem Ende des vorigen Jahrhunderts, die 18 17 
zur Versteigerung kam. 

Unabhängig von den wertvollen anderen Werken aus den ver- 
schiedensten Litteraturgebieten , von denen der Buchhändler Nyon im 
Jahre 1788 einen sechsbändigen Katalog veröffentlicht hatte, fielen die 
erwähnten Werke des fünfzehnten Jahrhunderts als konfisziertes Emi- 
grantengut der öffentlichen Domäne als Staatseigentum zu, nachdem sie 
vorher nach des Herzogs Tode (1780) en bloc von dem Marquis 
de P a u 1 m y angekauft , und von diesem an den Grafen von Artois 
abgetreten waren. Sie bilden seitdem den wertvollsten Bestandteil der 
Arsenalbibliothek in Paris. Vorläufig dort begraben, wird der Tag noch 
kommen, wo sie von sich reden machen werden. 

Der Herzog de La Valliere, ungeduldig, wenn es sich um eine 
Vermehrung seiner reichen Bücherschätze handelte , kaufte wiederholt 
ganze Bibliotheken, wenn er Gelegenheit dazu fand; so erwarb er auch 
die gut ausgewählte Bibliothek eines reichen Handelsherrn, Namens 
Bonnemet, für 18000 Livres. Der Verkauf der katalogisierten Ab- 
teilung de La Valliere ergab im Jahre 1784 die Summe von 
454677 Livres, für die damalige Zeit eine ganz bedeutende Summe, 
heute würde dieselbe Bibliothek bei der inzwischen eingetretenen Preis- 
steigerung unzweifelhaft mehrere Millionen ergeben. Für den Umfang 
der Bibliothek spricht die Thatsache , dass der Nyon'sche Katalog, 

16* 



244 Sechstes Kapitel. 

dessen erster Teil von dem berühmten de Bure redigiert war, 
32205 Nummern enthielt; und für die Reichhaltigkeit zeugt, dass 
de La Valliere unter anderen zwölf Rab elai s'sche Druckschriften 
aus dem sechzehnten Jahrhundert besass , die so ausserordentlich selten 
sind , dass von manchen ersten Ausgaben dieses Schriftstellers nur ein 
einziges Exemplar bekannt ist, während die Existenz von anderen nur 
vermutet werden kann, denn es fehlt an Beweisen dafür, sie sind gänz- 
lich verschwunden. 

Vier Jahre nach der Versteigerung de La Valliere fand die der 
Bibliothek des Fürsten de Soubise statt, welche die ganze Sammlung 
des berühmten Parlamentspräsidenten Jacques-Auguste de Thou 
umfasste. Diese Bibliothek, die schönste und ausgewählteste, die am 
Ende des siebzehnten Jahrhunderts in Paris zu finden war, enthielt über- 
wiegend lateinische, ernsten Studien gewidmete Werke, meistens histo- 
rischen Inhalts, die sogenannte Belletristik hatte keinen Raum in ihr ge- 
funden ; die Bibliothek war an Umfang nicht sehr bedeutend, etwa acht- 
tausend gedruckte Bücher und tausend Handschriften, aber in vorzüglicher 
Auswahl, schön eingebunden und in vortrefflicher Beschaffenheit, sie war 
en bloc von dem Cardinal de Rohan angekauft, der sie einem Fürsten 
in seiner Familie hinterliess. 
Abb. 120. Die von de Thou abstammenden Bücher tragen alle sein Wappen, 

das sich viermal infolge zweimaliger Verheiratung verändert hat ; sie sind 
gesucht, aber nicht selten, und die heutigen Preise haben die der ersten 
Versteigerung derselben im Jahre 1788 nicht erheblich überschritten; 
ausgenommen einige wenige , die besondere Schicksale gehabt haben, 
davon seien genannt : 

„Entree d'Henri II. ä Paris" 1549, ein Meisterwerk der Holz- 
schneidekunst des sechzehnten Jahrhunderts , ergab in der Auktion 
Beckford (1882) 11750 Francs, in der Auktion Destailleur (1891) 
20200 Francs, in der Auktion Mosbourg (1893) 13000 Francs. Das 
Exemplar Destailleur war in elfenbeinfarbigem Pergament mit Wappen 
und Chiffre J. A de Thou gebunden, tadellos erhalten, daher der hohe 
Preis. Auf der Auktion Lobris (April 1895) m München ging ein Exem- 
plar für 1285 Mark fort, ein Beispiel für den Unterschied in den Preisen, 
die in Frankreich und Deutschland gezahlt werden ! 

,,Histoire universelle par de Thou", depuis 1543 jusqu'en 
1607, J 6 vols., Paris 1734, 4 , ergab in der Auktion de Soubise (1788) 
108 Livres, in der Auktion Lignerolles (1894) 1090 Francs. 

„Ronsard, CEuvres", Paris 1609, Folio, ergab in der Auktion 
Le Double (1862) 1250 Francs. 



Die Bücherliebhaberei in Frankreich. 245 

„Recueil d'Estampes representant les tro übles mas- 
sacres, survenus en France", Paris 1583, Folio, ergab in der 
Auktion de Soubise 115 Livres , in der Auktion La Roche La 
Carelle (1888) 12000 Francs u. s. w. 

Von den vielen berühmten Auktionen sei nur noch eine aus der 
jüngsten Zeit, die der Bibliothek des Grafen Mosbourg, vom Jahre 
1893, erwähnt. Man kennt aus den letzten Jahren kein zweites Beispiel 
einer so reichen Sammlung, es seien nur einige der kostbarsten Bücher 
davon genannt. 

„Cicero, de officiis" Elzevier, 1642, i2 mo , ging fort für 
3450 Francs. 

,, Suite d'Estampes pour servir ä l'histoire des moeurs 
et du costume en France", Abbildungen von Fr eu denbe r g und 
Moreau, 9000 Francs. 

,,Joviani Pontani opera", Aldus, 1 5 18, 4 , ein Grolier-Band, 
4520 Francs. 

L'Eschole de Salerne, Elzevier, 165 1, 10060 Francs. Dies 
Exemplar der Sammlung ärztlicher Rezepte in burlesquen Versen war 
in prachtvollen blauen und roten Saffian gebunden, das einzige bekannte 
Exemplar mit völlig unbeschnittenem Rande, daher der hohe Preis. 

„La Fontaine Fables", 5 vols. , Paris 1678 bis 1694, I2 m0 , 
10 000 Francs. 

Mosbourg besass auch ein Unikum ganz besonderer Art, die be- 
rühmte ,,Gu irl an de de Julie", ein Meisterwerk der Kalligraphie und 
Blumenmalerei, das der Herzog de Montausier als eine Huldigung 
für Mlle. de Rambouillet, seine spätere Gemahlin, hatte anfertigen 
lassen. Dieses in seiner Art einzige Buch war mit einem sehr schönen 
Einbände von Le Gascon geziert und ergab in der Auktion 19000 Francs, 
womit es nach dem einstimmigen Urteile der gewiegtesten Kenner nicht 
zu hoch bezahlt war. Damit möge es genug der Bücherpreise in Frank- 
reich sein. 

Wenn man von der französischen Bibliophilie spricht, so können die 
Bouquinistes (von bouquin , ein alter Schmöker) in Paris nicht un- 
erwähnt bleiben, sie behaupten ihren Platz in der französischen Ge- 
schichte , wie sie ihren Stand an den Seinequais seit Anfang des sieb- 
zehnten Jahrhunderts konsequent behauptet haben ; mögen die Vertreter 
ihrer Zunft fortwährend wechseln , die Kolonie der Bouquinisten als 
solche bleibt bestehen , sie hat Revolutionen überdauert , die noch ganz 



246 Sechstes Kapitel. 

andere, höhere Interessen, als die ihrigen, zerstört haben. So möge 
auch ihrer hier mit einigen Worten gedacht sein.*) 

Wenn man, vom rechten Seineufer kommend, den Pont des Saints- 
Peres oder, wie er gewöhnlich genannt wird, du Carrousel, überschreitet 
und sich links wendet, dann sieht man von hier bis zum Pont-Neuf die 
breiten Uferquadern des Seinequais mit den Schätzen der Bouquinisten 
bedeckt. Ein Bücherkasten reiht sich an den anderen, ein „Buchhändler" 
löst den anderen ab. In den flachen Holzkästen, den primitivsten Läden 
der Welt, findet sich Spreu und Weizen. Jeder Kasten ist mit einer 
Etikette versehen, auf der sich der Preis, schwankend von wenigen Cen- 
times bis zu 2 und 5 Francs, angegeben findet. Ein gemeinsames Merk- 
mal zeigen aber alle aufgestapelten Bücher : sie sind mehr oder weniger 
schmutzig. Kein Wunder — denn sie sind Regen und Sonnenschein, 
Staub und Rauch vom frühen Morgen bis zum späten Abend aus- 
gesetzt. Mehr noch als die elementaren Mächte schaden ihnen die eben- 
falls mehr oder weniger schmutzigen Hände der Kauflustigen. Kauf- 
lustig ist für die Mehrzahl der Klienten übrigens ein etwas euphe- 
mistischer Ausdruck. Wie man stundenlang den Parisern Anglern , die 
in derselben Gegend in hundert und aberhundert Exemplaren ihrem 
Handwerk nachgehen, zusehen kann, ohne zu bemerken, dass ein Fisch- 
lein an ihrem Haken zappelt, so kann man auch vor den Bouquinisten- 
kästen die Beobachtung machen, dass sich zwar vielerlei Volk vor ihnen 
tummelt und die ausgelegte Ware nicht nur von aussen , sondern auch 
sehr gründlich von innen mustert, dass aber selten jemand an der dar- 
gebotenen Lockspeise anbeisst. Der Bouquinist verliert deswegen seine 
Ruhe ebensowenig wie der Angler , beide sind Philosophen und warten 
— kühl bis ans Herz hinan — ihre Zeit ab. 

Der Pariser Bücherliebhaber pflegt mit demselben Behagen, das dem 
Jäger bei seinen Jagdanekdoten eigen ist, von den Glücksfunden zu er- 
zählen , die er gelegentlich bei den Bouquinisten gethan. In der That 
konnte man früher unter den alltäglichen Büchern für einige Sous mit- 
unter eine unbekannte Ausgabe eines Dichters aus dem sechzehnten 
Jahrhundert finden, einen Original- Mo liere, ein hübsches altes Volks- 
buch, die unaufgeschnittene Ausgabe eines Romanciers oder dergleichen. 
Heute aber, in dem Zeitalter, wo jedermann alles weiss, ist solch ein 
Glück eine Seltenheit. 

Wie oft hat man diese demütigen , bescheidenen Bouquinisten als 
ein Hindernis für den freien Verkehr auf der Strasse erklärt ; wie oft ist 



*) Octave Uzanne, The book- hunter in Paris. London 1893. 8. 



Die Bücherliebhaberei in Frankreich. 



247 



ihnen die Hehlerei von gestohlenen Büchern vorgeworfen , und wie oft 
spricht man von ihrem unlauteren Wettbewerb mit den konzessionierten 
Buchhändlern , die teuere Mieten und hohe Steuern zu zahlen haben ! 
Alles ist nicht imstande gewesen , die Bouquinisten mit ihren Trödel- 
lagern von den Quaimauern der Seine zu vertreiben. 

In Amsterdam haben die Strassenbuchhändler ihren Stand auf dem 
populären Botermarkt aufgeben müssen, seitdem dieser in den vornehmen 
Rembrandtsplein umgewandelt wurde. Und in London verschwindet der 
Büchertrödel mehr und mehr von der Strasse , ebenso wie er in Berlin 
schon lange von den Hausfluren vertrieben ist ; der Pariser Bouquinist 
aber weicht nicht vom Platze , weil er einen Rückhalt hat an seiner 
Beliebtheit bei der Bevölkerung, namentlich dem studierenden und ge- 
lehrten Bruchteil derselben. Denn in den Bücherläden mit hocheleganten 
Schaufenstern mit grossen Spiegelscheiben kauft der Pariser seine Bücher 
nicht gern, sie finden sich auch eigentlich nur auf den Boulevards. Lieber 
geht man zu den Buchhändlern, die ihre Vorräte vor dem Laden auf 
der Strasse so weit auslegen, als es die Polizei erlaubt, und wo die mit 
Preisen versehenen Bücher von jedermann in die Hand genommen werden 
können. Unter den Buchhandlungen dieser Art erfreuen sich eines lebhaften 
Besuches namentlich die in der Passage des Odeon und in dem Säulen- 
gange des Palais Royal. Hier flanierten schon im siebzehnten Jahrhundert 
die Pariser, um ihre Neugierde oder Kauflust an den Ausstellungen vor 
der Thür zu befriedigen. Noch heute findet man in diesen Passageaus- 
stellungen stets die jüngsten Neuigkeiten aller Litteraturgebiete ausgelegt. 

Dass auch der antiquarische Buchhandel der Kastenhändler an den 
Seinequais nicht ohne Bedeutung ist, ergiebt sich einigermaassen aus 
folgenden Zahlen. 

Im Jahre 1893 zählte man in Paris an den Seinequais im ganzen 
156 Bouquinisten mit 1636 Kästen. Rechnet man jeden Stand zu durch- 
schnittlich zehn Metern Länge, so ergiebt das zusammen eine Länge von 
1560 Metern, die mit den in den 1636 Kästen enthaltenen Büchern, ab 
und zu durch Intervalle durchbrochen, bedeckt sind. Jeder Kasten mag 
durchschnittlich 60 Bände enthalten, das ergiebt im ganzen 98 160 Bücher, 
die unausgesetzt für die Vorübergehenden ausgelegt sind. Die Einnahmen 
eines Bouquinisten kann man auf durchschnittlich 10 Francs täglich ver- 
anschlagen, was eher noch zu niedrig als zu hoch gegriffen sein dürfte, 
das macht bei 156 Bouquinisten zusammen eine Tageseinnahme von 
1560 Francs, oder im Jahre mehr als eine halbe Million. Wer möchte 
dieser, zum Wohl und Nutzen der Bevölkerung von Paris dienenden 
Einrichtung die Berechtigung der Existenz absprechen ! 



248 Sechstes Kapitel. 

Wie angesehen und beliebt früher die Zunft bei den Gelehrten war, 
möge folgendes beweisen. 

Als der bekannte Akademiker Xavier Marmier sein Ende nahen 
fühlte , erinnerte er sich in seiner Herzensgüte der vielen glücklichen 
Stunden , die er dem Verkehr mit den Bouquinisten am Seinequai zu 
verdanken hatte. Er bestimmte in seinem Testament eine Summe von 
1000 Francs für eine Anzahl derselben vom Pont Royal bis zum Pont 
Saint Michel, mit denen er fast täglich verkehrt hatte ; die Leute sollten 
dafür eine gute Mahlzeit halten. Dieser Wunsch des gütigen alten 
Herrn ging am 20. November 1892 in Erfüllung. Es vereinigten sich 
an dem Tage fünfundneunzig Bouquinisten zu einem Diner bei dem be- 
rühmten Vefour, und wenn man das von Uzanne mitgeteilte Menü sieht, 
und die bei der Gelegenheit gehaltenen Reden liest, so muss man sagen, 
dass das unter dem Vorsitz von A. Choppin d'Arnouville ab- 
gehaltene Bankett in würdigster Weise verlief. Viele der Geladenen 
hatten ihre Frauen mitgebracht , es wurde getanzt , und die Festlichkeit 
verlief zu jedermanns Zufriedenheit. 

Die Sache erregte damals in Paris nicht geringes Aufsehen , man 
sprach in den Zeitungen und im Publikum tagelang davon. Denn bei 
aller Beliebtheit , der die Bouquinisten sich erfreuen , haben die Zeiten 
sich doch auch für sie geändert. Die schönen Tage sind verschwunden, 
wo ein Jules Janin und ein Jules Simon und so viele andere 
Akademiker bei ihrem Gang ins Institut mit dem Bouquinisten einen 
kordialen Händedruck tauschten und in seinem Lager eine kurze , aber 
verständnisvolle Umschau zu halten beliebten. Der heutige Akademiker 
würdigt ihn kaum noch eines Blickes, höchstens dass Anatole France, 
der aus einer Buchhändlerfamilie stammt und selbst einst Buchhändler- 
lehrling gewesen ist, bisweilen seinen Schritt hemmt und ein bisschen 
,, schmökert". 

Die besseren unter den Bouquinistenseelen fühlen sich — kann man 
es ihnen verdenken? — durch dies Benehmen der „Unsterblichen" ver- 
letzt. Sie hausen so nahe beim Institut und rechnen sich ein wenig zum 
Handwerk. Die Institutsmitglieder mögen sich nur in acht nehmen. 
Wenn sie ihren unkollegialen Hochmut zu weit treiben , werden die 
Bouquinisten einen Specialstreik veranstalten , deren Bücher auf den 
Index ihres Bücherkrams setzen, und — mit ihrer Unsterblichkeit wird 
es künftig kläglich bestellt sein. 

Einer unter den Bouquinisten, ein gewisser Antoine Laporte, 
gewissermaassen der Doyen seiner Kaste , der seinen Stand am Quai 
Malaquais, gegenüber der Statue Voltaire's, also in unmittelbarster Nähe 



Die Bücherliebhaberei in Frankreich. 



249 



des Instituts hat, zählte sich mit Stolz zu den besten unter seinen Berufs- 
genossen. Er hatte also ein ganz besonderes Recht , sich gekränkt zu 
fühlen. Ist er doch selbst Schriftsteller und hat eine Anzahl kleiner und 
— nach seiner Meinung — sehr schöner Büchlein verfasst, Monographien 
und Biographien und sogar eine „Literaturgeschichte des neunzehnten 
Jahrhunderts". Zu seinem tiefen Schmerz musste er erleben, dass diese 
Werke in seinem Stande am Quai Malaquais oder in seinem Laden in 
der Rue des Saints - Peres viel weniger gekauft werden , als z. B. die 
Zola's. Der Ruhm dieses Mannes, der doch auch nur Bücher geschrieben 
hat wie er, Laporte, selber, Hess ihn nicht mehr ruhig schlafen und 
stachelte sein Herz zur Rache an. Zola ist zwar nicht Akademiker, 
aber das ist nur „Zufall"; dass er es sein will, hat er seit vielen Jahren, 
sobald ein Sessel frei geworden ist, durch unermüdliche Anmeldung seiner 
Kandidatur bewiesen. Erst unlängst — am 10. Dezember 1896 — ist 
er wieder, als die Stühle von Alexandre Dumas und Leon Say 
zu besetzen waren, in beiden Fällen mit Glanz, denn er erhielt immerhin 
vier, bezw. drei Stimmen, durchgefallen. Nachdem Antoine Laporte 
lange überlegt hatte , wie diesem litterarischen Götzenbilde am besten 
beizukommen sei, holte er zu einem vernichtenden Schlage aus und warf 
als Frucht seiner Rachegedanken ein Buch auf den Markt, das Ende 1896 
erschienen ist und den Titel führt: ,,Zola contre Zola. Erotica 
naturalistes des Rou gon-Macqu art." Wie es Sammlungen giebt, 
die nur die Obscönitäten der griechischen und lateinischen Klassiker ent- 
halten, so besteht dieses Buch ausschliesslich aus den gewagtesten und 
ganz besonders naturalistischen Stellen der Zola'schen Romane und Er- 
zählungen. Die duftende Blütenlese ist mit einem Titelbilde von aus- 
gesucht feinem Geschmack geziert: eine Menge von — Abfuhrkübeln ist 
vor dem Institutsgebäude aufgehäuft und versperrt den Zugang zu diesem, 
jeder Eimer trägt den Namen einer Schrift Zolas. 

Man sieht, Laporte ist ein politischer Kopf. Er greift Zola nicht 
direkt an , sondern lässt ihn sich durch sich selbst zu Grunde richten. 
Der brave Bouquinist schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe, er verschafft 
seinem persönlichen Hass und Neid Befriedigung und spielt gleichzeitig 
die Rolle eines Sittenverbesserers, denn als solcher will er aufgefasst und 
genommen sein. Zola ist nach seiner Meinung der Krebsschaden von 
Frankreich, und indem er durch die Herausgabe eines „konzentrierten" 
Zola diesen Schaden in aller seiner Hässlichkeit blosslegt, will der edle 
Laporte dem im Schlamme der Unsittlichkeit versinkenden Jahrhundert 
wieder auf die Beine helfen. 

Der Buchhändler Fasquelle in Paris, Verleger der Werke Zola's, 



250 Sechstes Kapitel. 

strengte einen Prozess gegen Laporte an, er behauptete, der „Zola 
contre Zola" sei ein unerlaubter Nachdruck und beantragte die Kon- 
fiskation desselben. Das Gericht war aber der Meinung, dass Laporte 
die zulässigen Grenzen der litterarischen Polemik nicht überschritten habe, 
sprach Laporte frei und verurteilte Fas quelle zu den Kosten.*) 

Originale dieses Schlages finden sich unter den Bouquinisten gar 
nicht selten , darunter auch Männer mit ganz tüchtigen Litteraturkennt- 
nissen, die im Brunet, Querard und anderen bibliographischen Hilfs- 
mitteln gut unterrichtet sind. Die meisten wenden sich ihrem mühevollen, 
grosse Anforderungen an die Gesundheit stellenden Berufe erst in späteren 
Jahren zu, nachdem sie mitunter mehrfach Schiffbruch im Leben erlitten 
haben. Wie mancher früherer Student aus guter Familie , nachdem er 
von Stufe zu Stufe gesunken , zieht schliesslich jeden Tag mit einem 
Bücherkarren zum Seinequai ! 

Einmal ist in neuerer Zeit ernstlich der Versuch gemacht, die Zunft 
der Bouquinisten zu beseitigen, aber dieser Versuch ist gescheitert, es 
war unter dem strengen Regiment des Präfekten H aus s mann. Der 
Baron — dem die Angehörigen der Baukunst in Paris unverantwortlicher- 
weise immer noch kein Denkmal gesetzt haben , obwohl er für die 
architektonische Schönheit von Paris mehr gethan hat , als irgend ein 
anderer — der Baron beschloss, die Seinequais zu reinigen, sein ästhe- 
tisches Gefühl wurde durch die unregelmässigen und sonderbaren Aus- 
wüchse an denselben beleidigt. Er wollte den Weg neben den langen, 
niedrigen Mauern dadurch feiner, vornehmer und geradliniger gestalten, 
dass er die Parasiten beseitigte und den Boden asphaltierte ; um dies 
Ideal zu verwirklichen, erliess er ein einfaches Dekret, der Büchertrödel 
an der Seine habe aufzuhören. 

Aber es geschah nicht, und der grosse Seinepräfekt konnte in diesem 
Falle sein gewohntes Radikalmittel der Expropriation nicht zur Anwen- 
dung bringen. Die bedrohten Händler schlugen Alarm, und es erstand 
der Zunft ein Retter in der Not in der Person des gelehrten, gutmütigen 
und witzigen „Bibliophile Jacob" (Pseudonym von Paul Lacroix), 
der sich seiner guten Freunde anzunehmen beschloss. Er ging direkt 
zum Kaiser und wusste diesem die Sache in so menschenfreundlicher 
Weise darzustellen, dass Napoleon ihm versprach, die Bouquinisten 
unter seinen Schutz zu nehmen. Eines schönen Tages besuchte der 
Monarch unter des Bibliophilen Führung die Bücherstände. Bei dieser 
Gelegenheit, als es sich um das Leben oder Sterben der Zunft handelte, 

*) Börsenblatt für den deutschen Buchhandel. Jahrg. 1897, Nr. 6 u. 50. 



Die Bücherliebhaberei 



351 



fand ein Mitglied derselben, der alte Pere Foy, absichtlich oder un- 
absichtlich , Gelegenheit , seinen Namen berühmt zu machen. Als der 
Kaiser auf seiner Wanderung an den Ständen entlang am Quai Mala- 
quais , der Rue de Saints Peres gegenüber , angekommen war , sah er 
einen alten Mann an einem kleinen , tragbaren Ofen sich die Hände in 
der Weise wärmen, dass er aus seinem Bücherkasten einen Band heraus- 
langte, eine Handvoll Blätter herausriss und das Feuer damit neu belebte. 
Der Kaiser trat heran und fragte nach dem Titel des Buches , das so 
wertlos sei, dass es als Brennmaterial benutzt werde. Pere Foy reichte 
ruhig seinem Souverän den Band und Napoleon las mit Überraschung 
den Titel: „Conquetes et victoires des Francais." Welche 
Gedanken mögen wohl das Gehirn des Träumers durchkreuzt haben, als 
er dieses Buch, das bestimmt war, die patriotischen Flammen im Herzen 
des Volkes zu entzünden , von dem alten Bouquinisten zur Speisung 
seines Ofens benutzt sah? Der Haussmann'sche Erlass wurde zurück- 
genommen, und Pere Foy war über Nacht ein berühmter und gemachter 
Mann geworden , denn jedermann wollte den sonderbaren Kauz sehen 
und bei ihm kaufen. Und so wird wohl auf lange Zeit hinaus noch die 
Existenz der Bouquinisten gesichert bleiben. 



SIEBENTES KAPITEL. 

DIE BÜCHERLIEBHABEREI IN ENGLAND.*) 



1-^ ngland ist das Eldorado der Bücherliebhaber, doch sind diese nur 
^-^ unter den „oberen Zehntausend" zu finden. Im allgemeinen hat der 
Engländer wenig Neigung, Bücher zu kaufen; wenn der gut situierte 
Kaufmann oder der reiche Fabrikant zur Weihnachtszeit oder bei Gelegen- 
heit eines Geburtstages einige Pfund Sterling für Bücher ausgiebt, so 
gewinnt er dadurch die Überzeugung , ein Schutzpatron der Litteratur 
geworden zu sein. Es dürften nicht viele Leute drüben existieren, die 
bei einem jährlichen Einkommen von iooo £ monatlich i £ für Bücher 
ausgeben. Die Bibliotheken der begüterten Mittelklassen legen unter 
hundert Fällen neunundneunzigmal ein trauriges Zeugnis von der 
Intelligenz ihrer Besitzer ab; sind wirklich ein paar Bände darunter, die 
den Namen Buch verdienen, so ist das oft nur ein glücklicher Zufall. 
Die Hefte des ,,Sunday at homc", der ,,Leisure hour", von „Cassell's 
Magazine" und vielleicht noch ein paar andere Weeklys oder Monthlys 
werden zwölf Monate hindurch sorgfältig gesammelt , oft gar nicht auf- 
geschnitten und gelesen , und dann am Ende des Jahres eingebunden ; 
mit solchem Lesefutter ist der Bücherschrank des wohlhabenden Eng- 
länders meistens gefüllt. 

Es giebt auch manche reiche Häuser in England mit prachtvoll ein- 
gerichteten Studierzimmern , in denen kostbare Bibliotheken aufgestellt 
sind ; aber die Besitzer trifft man wohl bei allen Wettrennen und -rudern, 
man sieht sie eifrig fischen und jagen, Fussball und Lawn tennis spielen 
und eifrig im Klub verkehren, dagegen niemals mit einem Buche in der 



*) W. Roberts, The book hunter in London. London 1895. 8. W. Roberts, Rare 
books and their prices. London 1895. Carl B. Lorck, Geschichte der Buchdruckerkunst. 
2 Teile. Leipzig 1882— 1883. 8. C. M. Elton, Great Book-Collectors. London 1893. 8. 



Die Bücherliebhaberei in England. 253 

Hand, um es zu lesen. Mark Pattison geht so weit, zu behaupten, 
dass, obgleich der allgemeine Wohlstand in England grösser geworden, 
der Kreis der Bücherkäufer und der Bücherliebhaber kleiner sei, als früher. 
Man könnte einwenden, dass jemand mit 1000 £ jährlichem Ein- 
kommen davon gewöhnlich 100 £ für Miete auszugeben habe und dass 




Abb. 200. Herzog von Roxburghe. 
Nach „Typographical Antiquities" Longman, Hurst, Rees, Orme and Brown, London. 

derartige Wohnungen den Luxus eines besonderen Bibliothekzimmers 
nicht gewähren. Das mag wahr sein , ist aber keine Entschuldigung, 
denn ein Bücherregal von vier zu drei Meter an der Wand kann nahezu 
tausend Bände in Oktav fassen, und schon in hundert Bänden kann man 
den Geist der Welt in seinen achtungswertesten Leistungen bei sich 
aufspeichern. Ein Amerikaner giebt seinen Lesern den Rat: ,, Erwirb 
alle Bücher , die du erreichen kannst , gebrauche alle Bücher , die du 
besitzest, und noch viel mehr, als du besitzen kannst." 



2 Ca Siebentes Kapitel. 

Der Rat ist gut, wenn man bedenkt, dass die grosse Mehrzahl be- 
rühmter Büchersammler ein hohes Alter erreicht hat; die Bücher als 
Lebensgefährten sind der beste Schutz gegen die Stürme des Lebens, 
und ihr Studium ist die beste Medizin für die Verlängerung des Lebens. 
Deshalb sammle man Bücher ! 

In England gab Warton in seiner ,,History of English poetry" 
vor etwa hundertundzwanzig Jahren und Joseph Arnes in seinen 1749 
erschienenen ,,Ty p ographic al Antiquities" die erste Anregung 
dazu , seltene Bücher zu sammeln. In jener Zeit hat die moderne Art 
des Büchersammelns aus Liebhaberei begonnen , wie sie Männer von 
Rang und Vermögen und intelligente Buchhändler ausübten, Männer wie 
James Watt, Top ha m Beauclerk, Major Pearson, der Herzog 
Abb. 200. vonRoxburghe, David Garrik, Georg Steevens, der Reverend 
Jonathan Boucher u. a., die sich in England als Bibliophilen hervor- 
gethan haben, alle überragt von dem unvergleichlichen Richard Heber 
(geboren 1773, gestorben 1833), der nicht nur ein Sammler ersten Ranges, 
sondern auch ein tüchtiger Gelehrter war , der die von ihm gekauften 
Bücher auch las, ein Mann, der in den Jahren 1810 bis 1833 a ^ es zu- 
sammenbrachte, was für Geld zu haben war und dessen Bibliothek später 
eine Quelle der seltensten Schätze war. 

Als Sammler ersten Ranges hat auch George John Lord Spencer 
auf Althorp epochemachend in England gewirkt. Er war am 1. Sep- 
tember 1758 geboren und folgte 1783 seinem Vater im Besitz von dessen 
Titeln und fürstlichem Vermögen. Es war sein Stolz, die Notabilitäten 
der Wissenschaft und Kunst um sich zu vereinigen , und wo er konnte, 
förderte er deren Bestrebungen in liberalster Weise. Sein Sohn war 
von gleicher Gesinnung beseelt. Lord Spencer hatte einen Mann zur 
Seite, der als Bibliograph für England eine ähnliche Bedeutung hat, wie 
Brunet für Frankreich: Thomas Frognall Dibdin. 
Abb. 201. Dibdin stammte aus Kalkutta, er erhielt, nachdem seine Eltern 

dort gestorben waren, in England eine sorgfältige Erziehung und wählte 
den geistlichen Beruf. Von Lord Spencer als Pfarrer nach Althorp 
berufen , fungierte er zugleich als dessen Bibliothekar und leistete in 
dieser Stellung sowohl dem Lord, wie der Bibliophilie im allgemeinen 
grosse Dienste. 

In den Jahren 18 14 bis 181 5 erschien seine Beschreibung der ihm 
unterstellten Sammlung unter dem Titel: „Bibliotheca Spenceriana", 
von 1810 bis 1819 seine „Ty p ogr aphical Antiquities", 1817 der 
„Bibliograp hical Decameron", 1811 seine ,, Bibliomania or 
bookmadness", die 1876 in neuer Auflage herausgegeben wurde; 



Die Bücherliebhaberei in England. 



255 




1821 sein „Bibliographical, antiquarian and picturesque 
tour in France and Germany" (2. Ausgabe 1827), in welchem 
Werke der Verfasser eine in Begleitung des Zeichners George Lewis 
im Interesse der Spencer 'sehen Bibliothek unternommene Reise schildert. 
1838 folgte noch „A bibliographical, antiquarian and pictu- 
resque tour in the northern countries of England and 
S c o 1 1 a n d ". Diese Wer- 
ke brachten zuerst System 
in das Büchersammeln in 
England, haben allerdings 
auch viel dazu beigetragen, 
die sonderbarsten Einfälle 
zur Manie auszubilden. 
An Zuverlässigkeit der An- 
gaben ist D i b d i n mit 
Brunet gar nicht zu ver- 
gleichen. Dibdin's biblio- 
graphische Kenntnisse wa- 
ren fragmentarisch und un- 
zusammenhängend, und i n 
seinem Hauptwerke, dem 
Decameron, finden sich 
neben vielen trefflichen 
Notizen , zu welchen ihm 
die herrlichen englischen 
Sammlungen reichen Stoff 
gaben, nicht zu entschuldi- 
gende Fehler. Seine, aus 
den gewöhnlichsten Quel- 
len ohne Auswahl , Ge- 
schmack und Kritik zusammengetragenen kritischen Angaben können nur 
den Unbelesenen blenden. Ausserdem ist das Werk schwer lesbar ge- 
schrieben. Trotz seiner Mängel steht Dibdin aber in England heute 
noch in hohem Ansehen. 

Ein mächtiger Hebel für die Entwickelung der Bücherliebhaberei in 
England war es, dass neben den Fürsten so viele hochgestellte und reiche 
Männer sich nicht nur für die technischen Fortschritte der Typographie inter- 
essierten, sondern auch eine Ehre darein setzten, das Schönste, Beste und 
Seltenste in ihren Büchersammlungen zu vereinigen. Einige Namen habe 
ich eben schon genannt, wir wollen noch einige andere ins Auge fassen. 



'• ''Aai 



Abb. 201. Thomas Frognall Dibdin. 
Nach „Le Bibliophile frangais", Bachelin-Deflorenne, Paris. 



256 Siebentes Kapitel. 

Heinrich VII. war der Begründer einer königlichen Büchersamm- 
lung, die mit der Zeit einen wesentlichen Bestandteil der Bibliothek des 
British Museums bildete. Sparsam mit dem Gelde umgehend, war er 
doch bemüht , jedes in Frankreich erschienene Buch zu erwerben ; er 
kaufte unter anderem die ganze Verard'sche Serie der Klassiker auf 
Pergament gedruckt, mit Initialen in Gold und prachtvollen Illustrationen, 
von denen einige den Drucker darstellen, wie er die Bücher dem könig- 
lichen Sammler übergiebt. 
Abb. 185. Heinrich VIII. errichtete eine besondere Bibliothek in St. James, 

bestimmt für den Unterricht der königlichen Prinzen und ausgestattet 
mit einer Menge von Drucken aus der Inkunabelnzeit , sowie den ver- 
schiedensten Werken, die aus den Trümmern von zerstörten Kloster- 
bibliotheken gerettet waren. 

Königin Elisabeth war auch Liebhaberin schöner Bücher, sie 
besass schon, ehe sie auf den Thron kam, eine hübsche Sammlung, die 
später reich vermehrt wurde durch kostbar ausgestattete Geschenk- 
exemplare , die ihr von allen Seiten zugingen. Ihre Büchergalerie in 
Abb. 186. Whitehall gewährte einen prächtigen Anblick , die Handschriften und 
Klassiker meist in roten Sammet eingebunden mit goldenen Beschlägen 
und juwelenbedeckten Deckeln ; die französischen und italienischen 
Bücher in Saffian mit Vergoldung eingebunden. Erzbischof Parker 
versuchte wiederholt , sie zur Umwandlung dieser reichen Sammlung in 
eine Nationalbibliothek zu bestimmen, sie ging aber nicht auf den Plan 
ein und gestattete dem Erzbischof nur , sich für seinen eigenen Bedarf 
aus den Beständen der früheren Klosterbibliotheken herauszusuchen, was 
ihm beliebte. 

Robert Harley, Earl of Oxford, machte im Jahre 1705 bedeutende 
Ankäufe aus den früheren königlichen Privatbibliotheken und sammelte 
dann weitere zwanzig Jahre zur Erweiterung seiner bedeutenden Bibliothek. 
Sein Sohn, Earl Eduard, folgte ihm in diesem Bestreben mit Eifer 
und hinterliess bei seinem Tode über fünfzigtausend Bände , daneben 
eine grosse Menge von Handschriften und eine unglaubliche Anzahl von 
Flugschriften. Ol dys, der mit Dr. Johnson sich der schweren 
Aufgabe der Anfertigung eines Kataloges dieser Bibliothek unterzogen, 
sagt darüber: Der Earl hatte die seltensten Bücher aller Länder, 
Sprachen und Wissenschaften , Tausende von Fragmenten , darunter 
manche über tausend Jahre alt , Pergamente , von denen verschiedene 
abgeschabt und neu überschrieben waren, sogenannte Palimpseste; eine 
bedeutende Sammlung von Bibeln und Ausgaben von ersten Drucken, 
erste Ausgaben von Klassikern, Caxton - Drucke , Ausgaben von 



Die Bücherliebhaberei in England. 2 57 

Wynkyn deWorde, Pynson, Berthelet, Rastall, Grafton 
und eine grosse Zahl von Flugschriften u. s. w., und an Originalbriefen 
hervorragender Personen eine solche Menge, dass man zweihundert Bände 
damit füllen konnte. Alles die Blüte von mehr als hundert anderen 
Bibliotheken, die er ganz oder teilweise erworben hatte. 

Neben der Harley- Bibliothek war die - von Jo hn Mo o r e, Bischof 
von Ely, eine der bedeutendsten; auch diese hat Ol dys in seiner Be- 
schreibung alter Londoner Bibliotheken besonders hervorgehoben. Der 
Bischof, sagt er, hatte eine ausgesuchte Büchersammlung, Handschriften 
sowohl wie Pergamentdrucke, einige sehr alte, manche köstlich illuminiert, 
darunter erste Drucke der Mainzer Pressen und anderer. Es wurde be- 
absichtigt, diese mit der Harley- Bibliothek zu vereinigen, aber Georg I. 
kaufte sie 17 15 für 6000 Guineas und überwies sie der öffentlichen 
Bibliothek in Cambridge. Die Harley- Bibliothek ist später in den 
Besitz des British Museums übergegangen. 

Die Universität Oxford zollt heute noch alljährlich öffentlichen Dank 
dem Sir Thomas Bodley für die Überweisung seiner reichen Bibliothek. 
Als dieser sich 1597 von seinem Amte zurückzog, erwarb er die arg 
verwüstete Bibliothek des Herzogs Humphrey und beschloss, sie wieder 
zu ergänzen. Er stattete sie in wenigen Jahren so reich aus mit Büchern, 
Geldmitteln und Gebäuden , dass sie eine der berühmtesten in England 
wurde. Als Meric Casaubon einige Jahre später Oxford besuchte, 
fand er die Säle schon alle mit Büchern angefüllt. ,, Glaubt nicht," so 
schrieb er, ,,dass hier so viele Handschriften sind, als in der königlichen 
Bibliothek in Paris , aber die Anzahl gedruckter Bücher ist wunderbar 
und vermehrt sich noch in jedem Jahre." Sir Thomas Bodley war 
in ähnlicher Weise wie Lord Spencer gut beraten durch seinen ersten 
Bibliothekar James und den Buchhändler John Bill, der für ihn in 
Frankfurt a/M. , Lyon und anderen Hauptplätzen des Kontinents fort- 
während sammelte. 

So war auch die Sunderland- Bibliothek *) zu Anfang des vorigen 
Jahrhunderts in etwa zwölf Jahren gesammelt, zu einer Zeit, wo Bücher, 
die jetzt unschätzbar sind, noch für eine kleine Summe zu haben waren. 
Die Bibliothek kam bei Puttick& Simpson in London vom Dezember 
1881 bis März 1883 zum Verkauf und brachte in einundfünfzig Auktions- 
tagen die Totalsumme von 56581 £ 6 sh. für vierzehntausend Nummern 
auf. Und dabei war die Mehrzahl der Bücher von einer nichts weniger 



*) Der Begründer, Charles, dritter Earl von Sunderland, wohnte in Althorp, die Bibliothek 
war in seinem Stadthause in London, Piccadilly, untergebracht; er starb am 19. April 1722. 
INI ühlbr echt, Bücherliebhaberei. 17 



2C8 Siebentes Kapitel. 

als gut erhaltenen äusseren Beschaffenheit infolge des Umstandes , dass 
die Bibliothek während eines Zeitraumes von mehr als hundert Jahren 
in Blenheim der Zerstörung durch Luft und Sonne bei offenen Fenstern 
derartig ausgesetzt war , dass die Vögel zwischen den Bänden genistet 
hatten ; später hatte ein Provinzialbuchbinder die Bände übermässig stark 
beschnitten und mit schauderhaften Einbänden versehen. Das Ergebnis 
der Versteigerung würde ein bei weitem grösseres gewesen sein, wären 
die Einbände besser gewesen ; glücklicherweise waren die Bücher im 
Inneren völlig unberührt von der Zeit und gut erhalten geblieben. 

Die William Beckford-Bibliothek, welche 1882 bis 1883 bei 
Sotheby in London in vierzig Auktionstagen zur Versteigerung kam, 
ergab bei 9837 Nummern einen Ertrag von 73551 £ 18 sh., also ver- 
hältnismässig beinahe das Doppelte der Sunde rland- Bibliothek. Aber 
Beckford's Bücher waren auch alle in vortrefflichem Zustande, reich 
eingebunden, mit Wappen und Devisen von Fürstlichkeiten und anderen 
distinguierten früheren Besitzern, denn Beckford versäumte keine 
Gelegenheit , wo er ein Buch mit berühmtem Stammbaum erlangen 
konnte, und der Wert derselben wurde noch erhöht durch die pikanten 
und sarkastischen Notizen , die er auf den Vorsatzblättern der Bücher 
einzutragen pflegte. Beckford war ein ungemein belesener und sehr 
reicher Mann , der seine Liebhaberei mit Verständnis betreiben konnte, 
wie er wollte. 

Mehr noch kam der Wert seltener Bücher , wenn sie gut ein- 
gebunden sind, zur Geltung in der Syston Park -Bibliothek des Sir 
John Thorold, die zweitausend Bände stark 1884 bei Sotheby 
in London versteigert wurde und 28 000 £ ergab, also etwa 14 £ für den 
Band. Der Besitzer hatte im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts 
zu sammeln begonnen, sein feines sachkundiges Urteil und sein sicheres 
Gefühl waren unübertoffen ; er besass Einbände der besten französischen 
Buchbinder wie der beiden Eve's, von Le Gascon, Mo unier, Du 
Seuil, Padeloup, Dero in e und anderen. Die Syston Park - Ver- 
steigerung wird heute noch als ein Höhepunkt der englischen Bücher- 
auktionen angesehen , und doch ist ihr Durchschnittsertrag noch nicht 
der höchst erzielte gewesen. Die Totalsumme der fünftägigen Versteige- 
rung der Baron S e i 1 1 i e r e - Bibliothek, die im Februar 1877 bei Sotheby 
unter den Hammer kam, betrug bei 1 147 Nummern 18000 £, also nahe- 
zu 16 £ für den Band, es ist dies der höchste Durchschnittsertrag irgend 
einer englischen Bücherauktion. Diese Bibliothek bestand unter anderem 
aus der besten Sammlung altfranzösischer Ritterromane, die jemals gleich- 
zeitig im Handel vorgekommen, es kam noch hinzu, dass die Einbände 



Die Bücherliebhaberei in England. 259 

im feinsten Geschmack alles übertrafen , was auf dem Gebiete über- 
haupt bekannt geworden, die Grolier- Bände spielten eine grosse Rolle 
dabei. 

Unter den bemerkenswerten neueren Londoner Bücherauktionen 
verdient noch die App ony -Versteigerung genannt zu werden. Graf 
Anton App ony, ein tüchtiger Gelehrter, hatte im Anfang dieses 
Jahrhunderts in Nagy Appony in Ungarn eine vortreffliche Bibliothek 
gesammelt, die im November [892 beiSotheby versteigert wurde und 
in fünf Tagen bei 1359 Nummern 3364 £, also etwa 2 £ 10 sh für den 
Band ergab ; es kamen hier verschiedene Exemplare derselben Ausgaben 
vor, die auch in der Beckford- und der Syston Park -Auktion verkauft 
waren und zwar zu erheblich höheren Preisen ; das hatte aber darin 
seinen Grund, dass die Appony-Bibliothek in Bezug auf künstlerisch 
schöne Einbände mit den beiden anderen Bibliotheken gar nicht zu ver- 
gleichen war. 

Zu nennen ist auch Francis Egerton Lord Bridge water, 
der vor seinem Tode im April 1829 gegen 6000 £ Honorar für den 
Verfasser eines Werkes ausgesetzt hatte, das die Weisheit, Macht und 
Güte Gottes, wie sie sich in der Schöpfung offenbaren, zum Gegenstand 
haben sollte. Dies gab Veranlassung zu den sogenannten Bridgewater- 
Büchern, durch welche die populärwissenschaftliche Litteratur in Eng- 
land mächtig gehoben wurde. 

In ähnlicher Weise wirkte Thomas Howard, Lord Arundel. 
Als Bewunderer der alten griechischen Kunst gab er 1848 den Anstoss 
zur Begründung der Arundel Society, deren Hauptziel es ist, die leicht- 
vergänglichen , dem Verderben besonders ausgesetzten, älteren, nament- 
lich vorraffaelischen Werke der Kunst in vorzüglichen Farbendrucken der 
Nachwelt zu erhalten. Die Reproduktion geschieht hauptsächlich unter 
Beihilfe der besten deutschen und französischen Anstalten. 

Obenan stehen bei den Liebhabern in England natürlich die Shake- 
speare-Ausgaben, namentlich die ersten in Quart- und Folioformat, 
die bei Erscheinen vielleicht den Wert von einigen Pence gehabt haben 
mögen. 

Von Shakespeare's Werken giebt es vier Folioausgaben aus den 
Jahren 1623, 1632, 1664 und 1685; ausserdem zahllose frühere Einzel- 
ausgaben seiner verschiedenen Schauspiele, ein Beweis, dass sie seiner 
Zeit sehr gesucht wurden. 

In den hundert Jahren von 1650 bis 1750 war Shakespeare in 
England nicht beliebt , man betrachtete ihn als veraltet , absonderlich, 
man las und kannte ihn nicht mehr. Da kommt der Kritiker Sam. 

17* 



2ÖO Siebentes Kapitel. 

Johnson und weist auf seine Verdienste aufs neue hin; die Ausgaben 
seiner Werke von Reid und Malone werden von der Bevölkerung 
günstig aufgenommen, und langsam, aber stetig erwacht aufs neue die 
Vorliebe für ihn. Es werden die alten Folio- und Quartausgaben seiner 
Werke bei den Antiquaren wieder gesucht , die wohl ganze Haufen da- 
von liegen hatten, meistens aber infolge des früheren starken Gebrauchs 
defekt geworden. Die Preise steigen, ein Buchhändler hat sogar einmal 
die Unverschämtheit (wie sich ein derzeitiger Gelehrter äusserte) für 
einige Bogen eines defekten Folio-Shakespeare 2 bis 3 £ zu fordern! 
Aber die Preise steigen immer noch, sie steigen im Anfang dieses Jahr- 
hunderts auf 50 bis 100 £ für die erste Folioausgabe, auf 1 bis 2 £ für 
eine Tragödie in Quarto. Da erscheinen etwa 1860 die Amerikaner als 
Mitbewerber auf dem Felde, und sofort steigen die Preise bis 400, 500, 
600, ja 800 £ für die erste Folioausgabe, und auf 1 50 £ für ein Quarto, 
für ein dünnes , schlecht gedrucktes Quartbüchelchen von etwa hundert 
Seiten, für ein Buch, das früher mit einigen Schillings bezahlt war. Und 
heute bietet man vergebens 120 £ für vier Blätter eines Folio -Shake- 
speare, während es früher eine Unverschämtheit genannt war, wenn 
jemand 2 £ dafür verlangt hatte.*) 

Schon in der Stee vens-Auktion im Jahre 1800 erhielten Bücher- 
liebhaber einen Vorgeschmack von den Preisen, die unser heutiges Jahr- 
hundert für Shakespeare zahlen sollte. 

Ein leidlich gut erhaltenes Exemplar der ersten Folioausgabe, 1623 
von Heming and Condell gedruckt, das gegen Ende des vorigen 
Jahrhunderts noch 30 £ gekostet, ergab in der Roxburghe -Auktion 
181 2 bereits 100 £, und heute würde jeder Sammler mit Vergnügen 
fünfmal soviel dafür zahlen; das Tho rold- Exemplar wurde 1884 mit 
570 £ verkauft, und ein Londoner Antiquar hat jüngst ein tadelloses 
Exemplar dieses ersten Folio - Shakespeare mit 1200 £ in seinem Kata- 
loge angesetzt ! 

Neben den Shakespeare -Ausgaben wird gegenwärtig ein wahrer 
Kultus mit William Caxton's Presserzeugnissen getrieben. Es 
existieren im ganzen etwa noch 560 Caxton - Drucke , ungefähr vier 
Fünftel davon sind festgelegt in den Bibliotheken des British Museum 
in London, in den Universitätsbibliotheken in Cambridge und Oxford 
und in den Privatbibliotheken des Herzogs von Devonshire und 
des Earl von Dysart, sowie in der R y 1 a n d s (früher Spencer' sehen 



*) Frederik Muller, Het nut van de kermis der prijzen, im „Nieuwsblad voor den 
boekhandel". Jahrg. 1868. 



Die Bücherliebhaberei in England. 26 1 

Sammlung in Manchester. Neben dieser Gesamtzahl kennt man ein- 
unddreissig Caxton-Unika und sieben Drucke in defektem Zustande. 
Unter diesen Umständen darf man annehmen, dass an ein Sinken der 
gegenwärtig hohen Caxton-Preise nicht zu denken ist, wie immer auch 
Mode und Geschmack wechseln mögen. Interessant ist es, zu sehen, wie 
die Preise stetig in die Höhe gegangen sind. In den Wats o n Tay lo r- 
und Perry-Auktionen im Jahre 1823 ergaben fünf Bände Caxton - 
Drucke, beinahe alle schön erhalten, zusammen 239 £, es waren ,,the 
life of Jason" (1476 bis 1477) 95 £ II sh. , „the book called 
Caton" (1483) 30 £ 19 sh., „Troylus and Cresside" (1484) 66 £, 
und ein sehr schönes vollständiges Exemplar von Virgil's „Eneidos" 
(1490) 46 £ 15 sh. Von den beiden ersten Werken sind nur je sechs 
Exemplare bekannt , vom dritten zwölf Exemplare , vom vierten vier 
Exemplare. Viele Jahre hindurch war von den drei ersten nicht ein 
Exemplar irgendwo aufgetaucht, von Virgil's ,, Eneidos" verkaufte 
Quaritsch in London 1877 ein Exemplar für 300 £. 

Ein paar weitere Beispiele mögen die Preissteigerung zeigen. Die 
höchste für einen Caxton gezahlte Summe von 1950 £ erzielte das 
H a r 1 e y - Exemplar des einzig bekannten vollständigen ,,King Arthur" 
vom Jahre 1485 in der Versteigerung von Lord Jersey's Bibliothek 
im Jahre 1885, es ging an einen Sammler in Amerika fort, einen 
Mr. Pope. In derselben Auktion ging ein Exemplar des ersten in 
englischer Sprache gedruckten Buches ,,Histories of Troy" für 
1820 £ fort. Es ist dies die von Caxton veranstaltete Übersetzung des 
Le Fe vre, die er, wie wir vorher gesehen haben (S. 58), 147 1 selbst 
noch auf dem Kontinente druckte; man kennt davon nur noch zwanzig 
Exemplare, von denen nur drei vollständig, die übrigen defekt sind. Im 
Jahre 18 12 hatte der Herzog von Devonshire für ein Exemplar 
desselben Werkes, an dem das letzte Blatt fehlte, 1060 £ 12 sh. gezahlt, 
es gehörte der Gemahlin König Hei nrichs IV., und der Herzog von 
Roxburghe hatte wenige Jahre vorher 50 £ dafür gezahlt. Im Jahre 
1885 erreichte ein Exemplar von Higden's Polycronicon (1482) die 
damals sehr hohe Summe von 66 £, Quaritsch in London aber setzte 
ein Exemplar, allerdings das besterhaltene der drei überhaupt bekannten, 
mit 500 £ an. Das P er kins -Exemplar dieses Buches ging 1873 für 
365 £ fort, dasselbe Exemplar sank aber im Preise, als es 1891 auf der 
Ives- Auktion für 1500 Dollars nach Amerika verkauft wurde, und so- 
eben (1897) melden die Zeitungen, dass in einer Londoner Auktion kürzlich 
für' einen Abdruck der von Caxton im Jahre 1478 hergestellten grossen 
Ausgabe von Chaucer's „Canterbury Tales" von Quaritsch 



2Ö2 Siebentes Kapitel. 

20400 Mark gezahlt sind. Von dieser Editio princeps existieren noch 
neun^Exemplare, von denen nur zwei vollständig sind. 

In ähnlicher Weise , wie die älteren Druckwerke , zeigen auch ver- 
schiedene Bücher aus dem achtzehnten Jahrhundert die Tendenz an- 
dauernder Preissteigerung. Die erste Ausgabe von Goldsmith's 
,,Vicar of Wakefield" vom Jahre 1766 war vor hundert Jahren für 
5 £ zu haben, 1891 ergab ein Exemplar bei Sotheby 90 £ und im Mai 
1892 94 £. Gray 's berühmte „Elegy" vom Jahre 175 1, ursprünglich 
für 6 Pence zu haben, war 1888 schon auf 36 £, und 1892 auf 59 £ ge- 
stiegen, und das zuletzt im Dezember 1893 au f den Markt gekommene 
Exemplar ergab 74 £. Ebenso ist es mit den ersten Ausgaben von 
Fielding, Smollett, Stirne, Swift und Defoe gegangen. 

Eine Erscheinung anderer Art ist auf dem Londoner Bücher- 
markt zu beobachten, es ist die Entwicklung der „Americana". 

Je reicher Amerika im Laufe der Zeit geworden , um so mehr hat 
sich sein Geschmack an Dingen ausgebildet , die das Leben angenehm 
machen , dazu gehören auch Bücher. Und dieser Geschmack hat einen 
würdigen Ausdruck gefunden durch hervorragende Männer wie der ver- 
storbene Bibliograph Henry Ste evens ofVermont, und durch frei- 
gebige Donatoren wie Lenox und andere Begründer von ,,free libraries". 

Seit etwa 18 10 haben die Amerikaner begonnen, die Geschichte 
ihres Landes und ihrer Städte eifrig zu studieren ; ihre Untersuchungen 
haben sich weiter und weiter erstreckt, der Studierenden drüben sind 
mehr und mehr geworden, dadurch sind eine Menge vergessener Bücher 
wieder ans Licht gebracht und neue Quellen entdeckt. Aber auch die 
Preise dieser Litteratur sind gewaltig in die Höhe gegangen. Bücher, 
die in dem Kataloge von Crofts im Jahre 1797 mit einigen Schillingen 
angesetzt waren, kosten jetzt 10, 50, ja 100 £. 

Für alles , was ihr Land betrifft , zahlen die Amerikaner gern hohe 
Preise, und London ist der beste Markt für „Americana". Wie man 
drüben alle Aufträge auf seltene Werke nach London dirigiert, so wan- 
dern auch manche hinterlassene Bibliotheken von drüben wieder nach 
London zum Verkauf zurück. Es Hessen sich darüber interessante No- 
tizen mitteilen, ein Beispiel möge genügen, um zu zeigen, wie hoch die 
Americana von den Amerikanern selbst geschätzt werden. Bei der im 
Jahre 1888 bei Christ ie in London versteigerten Bibliothek des früheren 
Lord Chancellor Hardwick befand sich ein unansehnlicher schmaler 
Quartband mit etwa einem Dutzend zusammengebundener Abhandlungen 
aus den Jahren 1583 bis 1657, die sich auf amerikanische Angelegen- 
heiten bezogen, dieser Band ging für 555 £ nach Amerika. 



Die Bücherliebhaberei in England. 



263 



Das Verdienst, die litterarischen Beziehungen zwischen London und 
Amerika gefördert und auf die gegenwärtige Höhe gebracht zu haben, 
gebührt in erster Reihe dem am 30. März 1884 verstorbenen Nico laus 
Trübner, einem Deutschen von Geburt, der durch seinen 1859 v er- Abb. ao?. 
öffentlichten ,,Bibliographical guide to American literature", 
namentlich aber in seinem seit 1865 erschienenen (nach Trübner's Tode 
leider nicht fortgesetzten) „Ame- 
rican andOriental Lite rar y 
Record" eine Menge von Wer- 
ken über Amerika überhaupt erst 
für das Publikum entdeckt und sich 
dadurch um diese Litteratur grosse 
Verdienste erworben hat. 

Als Bahnbrecher für den gross- 
artigen Betrieb des Antiquariats ist 
Henry George Bohn aus Rich- 
mond anzusehen. Sein 1 841 er- 
schienener Guinea- Catalogue war 
die imposanteste Ankündigung eines 
Bücherlagers , die man bis dahin 
kannte. Derselbe hatte einen Um- 
fang von 1448 Seiten und kostete 
an Herstellung 40000 Mark. Bohn 
wirkte auch als Schriftsteller und 
Verleger , seine nach damaligen 
englischen Vorstellungen sehr bil- 
ligen Standard Volumes zu 5 sh. 
6 d. waren allgemein beliebt. 

Bei dieser Gelegenheit sei noch 
eines anderen Deutschen gedacht : 

Bernhard Quaritsch. Bernard Quaritch in London, wie er sich drüben Abb. 203. 
schreibt, wird heute als der König aller toten und lebenden Antiquare 
Englands angesehen, Roberts nennt ihn ,,the Napoleon of booksellers". 
Geboren 18 19 in Worbis in Preussen, lernte er den Buchhandel in Nord- 
hausen und kam 1842 als Buchhandlungsgehilfe zu H. G. Bohn in London, 
bei dem er, mit Unterbrechung von zwei in Paris zugebrachten Jahren, 
bis 1847 blieb. Er ging von Bohn im April dieses Jahres ab und ver- 
abschiedete sich mit den Worten: „Mr. Bohn, Sie sind der erste Buch- 
händler in England , aber ich glaube der erste Buchhändler in Europa 
werden zu können." Quaritsch besass kein anderes Kapital als seine 




Abb. 202. Nicolaus Trübner. 



25a Siebentes Kapitel. 

Kenntnisse ; sein erster Katalog war ein kümmerlicher Broterwerb , er 
enthielt die Titel von etwa vierhundert Büchern im Preise von ein bis 
zwei Schillingen. 

Den ersten fetten Bissen erwarb er im Jahre 1858, wo er bei der 
Versteigerung der Bibliothek des Bischofs vonCashel ein Exemplar 
der Mazarin-Bibel für 595 £ erstand. In demselben Jahre gab er seinen 
ersten grösseren Katalog heraus mit etwa 5000 Nummern, zwei Jahre 
später wuchs dieser Katalog von 182 auf 408 Seiten mit etwa 7000 Num- 
mern; 1868 folgte ein Hauptkatalog von 1080 Seiten mit 15000 Nummern, 
1880 hatte er ihn bereits auf 2395 Seiten mit einer Beschreibung von 
28000 Werken erweitert, und sieben Jahre später, 1887, gab er seinen 
berühmten Generalkatalog heraus, 4500 Seiten stark, mit einer genauen 
Beschreibung von über 40000 Werken. In der Vorrede wird gesagt, 
dass die bei den Büchern angesetzten Preise im allgemeinen niedrig zu 
nennen sind ; gewöhnliche Bücher sind nicht höher notiert , als sie in 
anderen Katalogen zu finden sind, während aussergewöhnliche Exemplare 
oder seltene Ausgaben bei der grossen Konkurrenz der französischen 
und amerikanischen Liebhaber auch höher als früher notiert werden 
mussten ; Seltenheiten ersten Ranges und ausgezeichnete Exemplare wird 
man ja niemals zu teuer kaufen — meint Quaritsch. 

Neben diesen hervorragenden bibliographischen Leistungen hat 
Quaritsch als Bücherkäufer alle bisherigen Käufer weit in den Schatten 
gestellt. Im Juli 1873 kaufte er den ganzen nichtwissenschaftlichen Teil 
der Bibliothek der Royal Society in Norfolk, wenige Wochen darauf 
erstand er in der Pe rkins- Auktion , die im ganzen 25000 £ ergab, 
Manuskripte und Bücher im Werte von iiooo£ (220000 Mark), bei der 
Sir W. Tites-Auktion 1874 kaufte Quaritsch für 9500 £ (190000 Mark), 
in den D i d o t - Auktionen in Paris (1878 bis 1879) mr 290000 Francs 
(232000 Mark), bei der berühmten Beckford- Auktion 1882 erstand 
Quaritsch mehr als die Hälfte des Ganzen für etwa 40 000 £ (800000 Mark), 
und bei der Sunderland-Auktion, 1 88 1 bis 1883, hatte er eine Rechnung 
von über 33000 £ (660000 Mark) zu bezahlen. In ähnlicher Weise ist 
Quaritsch bei allen übrigen Auktionen in den letzten zwanzig Jahren 
überall einerseits der gefürchtetste, andererseits der willkommenste Käufer 
gewesen und ist es auch heute noch. Der Leser wird sich aus der Be- 
schreibung der Inkunabeln (S. 131) erinnern, dass Quaritsch im Jahre 1884 
für ein kleines Buch, das Psalterium von 1459, den kolossalen Preis von 
4950 £ (99000 Mark) zahlte , den höchsten Preis , der jemals für ein 
einzelnes Buch gezahlt ist. Quaritsch hat sein 1847 gegebenes Ver_ 
sprechen gehalten, er ist heute der erste Buchhändler in ganz Europa. 



Die Bücherlicbhaberei in England. 



265 



Neuerdings haben die Preise für kostbare , seltene Bücher bei den 
Auktionen in London eine wahrhaft schwindelnde Höhe erreicht, und 
in der Bibliophilie (oder Bibliomanie?) behaupten die Engländer einen 
Rang, den ihnen weder die Franzosen, Amerikaner, Italiener oder 
Holländer und noch weniger die kleine Zahl der bescheidenen deutschen 
Sammler streitig zu ma- 
chen vermögen. 

Ein chronologischer 
Bericht über die Bücher- 
auktionen in London wür- 
de ein interessanter und 
wichtiger Beitrag zur Lit- 
teraturgescichte sein. Aber 
ich fürchte, den Leser durch 
eine zu weit ausgedehnte 
Vorführung von Zahlen zu 
ermüden; ich will deshalb 
von den vielen bei diesen 
Versteigerungen vorgekom- 
menen interessanten Ein- 
zelheiten nur noch eines 
Ereignisses gedenken, das 
eine gewisse Berühmtheit 
in den Annalen der eng- 
lischen Bibliophilie erlangt 
hat, des Verkaufs der ersten 
Ausgabe des Boccaccio, 
des sogenannten Val dar- 
fer Boccaccio („II De- 
camerone di Messer 
Giovanni Boccaccio", 

Venedig 147 1, gedruckt bei Christ. Valdarfer), den ich schon bei 
den Inkunabeln erwähnt habe (S. 132). 

Das Buch hat bei seinem Erscheinen einen Wert von ungefähr 
10 Mark gehabt. Auf welche Weise ein Exemplar davon um die Mitte 
des vorigen Jahrhunderts in die Hände eines Londoner Buchhändlers 
kam , ist unbekannt. Sicher aber kannte dieser Mann bereits damals 
den hohen Wert des seltenen Buches, als er dasselbe den beiden damals 
berühmtesten Sammlern, dem Lord Oxford und dem Lord Sunde r- 
land, für den hohen Preis von 100 Guineen anbot. Während die beiden 




Abb. 203. Bernard Quaritch. 



266 Siebentes Kapitel. 

Sammler, jeder für sich, ohne voneinander zu wissen, noch darüber 
verhandelten, sah ein Vorfahre des späteren Herzogs von Roxburghe 
das Buch und kaufte es. Bald darauf speisten die beiden Edelleute 
einmal bei dem Herzog und die Rede kam auf den Boccaccio. Lord 
Oxford und Lord Sunderland sprachen von dem seltenen Buche ; 
das ihnen angeboten sei; der Herzog von Roxburghe meinte, er sei 
in der Lage , den Herren ein Exemplar derselben ersten Ausgabe zu 
zeigen , was bezweifelt wurde. Nun brachte er das Werk herbei , und 
die beiden Herren konstatierten mit schmerzlichen Gefühlen, dass ver- 
loren hat, wer zaudert. Das Exemplar kam dann im Mai und Juni des 
Jahres 1812 mit der Ro xb u rghe- Bibliothek , die über eine halbe 
Million Mark Ertrag gab, unter den Hammer, und der Marquis of 
Blandford erstand es für 2260 £ (55200 Mark), man sagt, er sei 
darauf vorbereitet gewesen, bis zu 5000 £ zu gehen. Es boten damals 
drei Sammler darauf, der Herzog von Devonshire, Earl Spencer 
und Marquis of Blandford, auch war ein Agent Napoleon's als 
Bieter aufgetreten. Die Konkurrenz dieser reichen Männer hatte den 
Preis so in die Höhe getrieben, später beim Verkauf der Bland ford- 
Bibliothek im Jahre 18 19 kam dasselbe Exemplar wieder zur Versteigerung 
und ergab nur 918 £. Bekanntlich hat der damalige Verkauf des Boccaccio 
Anlass zur Begründung des Roxburghe-Klub gegeben. Dieser Klub 
ist der berühmteste aller Bibliophilenvereine der Welt, es möge deshalb 
gestattet sein, einige Mitteilungen über ihn zu machen. 

Die zwanzig Begründer dasselben traten am 17. Juni 18 13, an dem 
Tage, an welchem vor einem Jahre der berühmte B o c caccio verkauft 
war, in St. Albans Tavern in London zur Bildung des Klubs unter dem 
Vorsitz des Earl Spencer zusammen; die Mitgliederzahl wurde auf ein- 
unddreissig bestimmt, später aber auf vierzig erweitert; anfänglich hatte 
alljährlich der Reihe nach ein Mitglied ein seltenes Buch oder eine 
Broschüre für seine Kosten drucken zu lassen und den anderen Mit- 
gliedern in je einem Exemplare geschenksweise anzubieten , später hat 
der Verein selbst noch eine Reihe wertvoller Werke drucken lassen, die 
Auflagen haben niemals dreissig bis sechzig Exemplare überstiegen. 

Auf diese Weise sind im Laufe der acht Jahrzehnte eine Menge 
ausgezeichneter Bücher durch den Klub neu gedruckt. Eine vollständige 
Kollektion dieser Privatdrucke, die niemals in den Handel gebracht 
werden , zusammenzubringen , ist fast unmöglich , jedenfalls ein Luxus, 
den sich nur Millionäre gestatten können. Der Roxburghe-Klub kommt 
noch jetzt alljährlich einmal zu einem opulenten Diner in St. Alban's 
Tavern zusammen. Der gegenwärtige Präsident ist der Marquis of 



Die Bücherliebhaberei in England. 2Ö7 

Salisbury; unter den Mitgliedern sind die besten Namen vertreten, 
ich nenne davon: den Duke ofDevonshire, den Earl of Rose- 
berry, den Marquis ofBath, Lord Houghton, Lord Bishop of 
Salisbury, John Murray (der Verleger), Sir Edward Maunde 
Thompson (Hauptbibliothekar des British Museums) u. s. w., mit dem 
Präsidenten im ganzen vierzig Mitglieder , die erlauchteste Gesellschaft 
aus den besten Kreisen Englands , zugleich die bekanntesten der jetzt 
lebenden englischen Bibliophilen , von denen fast jeder im Besitz einer 
wertvollen Bibliothek sich befindet. Wer sich dafür interessiert, den ver- 
weise ich auf die Beschreibung dieser einzelnen Bibliotheken bei Roberts 
(The book-hunter in London, S. 299 ff.). 

Neben dem Roxburghe-Klub existiert in England noch eine ganze 
Reihe von Vereinen von Bücherfreunden; die meisten derselben haben 
eine beschränkte Mitgliederzahl, sie veröffentlichen, wie der Roxburghe- 
Klub , ihre Werke entweder auf Kosten einzelner Mitglieder oder der 
Vereine. Die Auflagen sind in der Regel klein , fünfundzwanzig bis 
hundert Exemplare , viele der Werke werden nicht in den Handel ge- 
bracht. Die Veröffentlichungen bestehen bei vielen Vereinen in dem 
Neudruck alter, selten gewordener Bücher oder in Luxusausgaben, Aus- 
gaben in Grosspapier , zum Teil mit dem aufgedruckten Namen des 
Mitgliedes als Empfänger. Einige Vereine specialisieren sich auf die 
Erforschung der Litteratur nach bestimmten Richtungen hin, wie in der 
Geschichte, Genealogie, Topographie, Sprachwissenschaft u. s. w., auch 
für einzelne Provinzen von England und Schottland; auch Original- 
ausgaben alter und neuerer Klassiker werden reproduziert. Umfangreiche 
Werke über die Naturwissenschaften, Chemie, Reisen, auch geographische 
Berichte werden mit Illustrationen , Karten u. dergl. auf das kostbarste 
ausgestattet, und so hat die Bücherliebhaberei innerhalb dieser Vereine 
in neuerer Zeit eine Richtung eingeschlagen , welche der Wissenschaft 
sehr förderlich ist. 



ACHTES KAPITEL. 

DIE BÜCHERLIEBHABEREI IN BELGIEN 
UND HOLLAND*) 



L landern war in der früheren Zeit so recht die Heimat der Bücher- 
gelehrsamkeit. Die Grafen von Hennegau und die Herzöge von 
Brabant waren schon Beschützer der Litteratur, als noch die meisten 
Fürsten von Europa nur der Beschäftigung mit der Jagd lebten. Die 
flämischen Mönche bewahrten die litterarische Tradition. In Alne, bei 
Lüttich, besassen die Mönche eine Bibel, welche der Erzdiakonus Philipp, 
der Freund des heiligen Bernhard, schon vor dem Jahre 1140 übersetzt 
hatte. In Löwen gab es eine andere Bibel, ungefähr ein Jahrhundert 
später datiert , durchweg mit Initialen in Blau und Gold , deren Her- 
stellung drei Jahre gedauert hatte. Deventer hiess schon vor den Tagen 
des Thomas a Kempis ,,die Heimat der Minerva". Der Wald von 
Soigny gewährte den Gelehrten die Zuflucht der Einsamkeit in den 
Häusern von Val- Rouge, Val-Vert und Sept-Fontaines. Die „Brüder 
des gemeinsamen Lebens" hatten sich schon lange mit der Her- 
stellung von Büchern beschäftigt, ehe sie dieselben den Druckerpressen 
in Brüssel übergaben. Thomas a Kempis beschreibt selbst ihre 
Lebensweise in Deventer: ,,Ich war entzückt," sagte er, „von der frommen 
Unterhaltung, dem tadellosen Betragen und der Demut der Brüder; nie 
zuvor hatte ich solche Frömmigkeit und Nächstenliebe gesehen; von 
dem, was draussen vorging, nahmen sie keine Notiz, sie blieben zu 
Hause, beschäftigt mit Beten oder dem Studium oder mit dem Abschreiben 
nützlicher Bücher." Diese Arbeit an guten Büchern bezeichnet er wieder- 
holt als die Bewahrung der Quellen des Lebens. „Gesegnet sei die 
Hand des Schreibers, denn was wäre wohl von den Schriften der Welt 



*) Elton, Great Book-Collectors. London 1893. 8. Van der Meulen, Liefhebberij 
voor boeken. Leyden 1896. 8. 



Die Bücherliebhaberei in Belgien und Holland. 269 

erhalten geblieben, wenn nicht fromme Hände sie abgeschrieben hätten!" 
Er selbst kopierte während seines Aufenthaltes in Deventer eine Bibel, 
ein Missale und vier Werke des heiligen Bernhard, und als er nach 
Zwolle kam , schrieb er eine Chronik der Brüderschaft. Diese „Brüder 
des gemeinsamen Lebens" haben sich um die Verbreitung des Bücher- 
wesens und der Buchdruckerkunst in den Niederlanden so grosse Ver- 
dienste erworben , dass sie es verdienen , hier eingehender erwähnt zu 
werden.*) 

In Deventer, einer der drei Hauptorte Overyssels (Deventer, Zwolle, 
Kampen), welche durch ihre Beteiligung am Hansabunde Bedeutung erlangt 
hatten, lebte Gerhard Groote (Gerhardus magnus , geboren 1340 in 
einer dortigen Patrizierfamilie). Gerhard bildete sich erst in Paris, 
dann in Köln aus, trieb scholastische Philosophie, Gottesgelahrtheit und 
Magie und lehrte in uneigennütziger Weise unter ansehnlichem Zulauf. 
Er fasste den Entschluss , der Welt zu entsagen , ohne jedoch in einen 
geistlichen Orden zu treten, denn er wollte „keine Seele eines Menschen 
auf seine Verantwortung nehmen". Öffentlich verbrannte er seine kost- 
baren magischen Bücher und nahm ein einfaches Diakonat an , welches 
ihn berechtigte, öffentlich zu predigen. 

Es ward nun seine Hauptaufgabe , den das Volk verdummenden 
Einfluss der Bettelmönche zu untergraben. Seine Predigten in Deventer 
und an anderen Orten waren so stark besucht, dass die Kirchen die 
Menge nicht fassen konnten und er im Freien reden musste. Selbst- 
verständlich war die Wut der Bettelmönche gegen ihn gross, und 
es gelang ihnen auch , ein Verbot gegen sein Predigen zu er- 
wirken. Groote unterwarf sich demütig, um alsdann durch Übersetzen 
und Unterweisung der reiferen Jugend zu wirken. Er lehrte seine 
Schüler Bücher abzuschreiben und damit Geld für ihren Unterhalt zu 
verdienen. Bei der sich bald mehrenden Arbeit hatte er in Floris 
Radewynzoon (Florentinus Radewini) eine vortreffliche Stütze gefunden. 
Was dieser mit den Schülern verdiente, gab er an Groote ab. ,,Was 
hindert uns" — rief Florentinus einmal aus — , ,,dass wir und diese 
Brüder vom guten Willen (fratres bonae voluntatis) die Früchte unserer 
Arbeit zusammenlegen und uns als Brüder zu einem frommen gemein- 
samen Leben (fratres vitae communis) verbinden?" 

Hiermit war der Gedanke einer freiwilligen Vereinigung ohne klöster- 
liches Gelübde ausgesprochen, um zu Gunsten der Bildung und derWissen- 



*) G. H. M. Delpart, Verhandeling over de broederschap van G. Groote. Utrecht 1830. 8. 
Lorck, Geschichte der Buchdruckerkunst. I. 



2 7(3 Achtes Kapitel. 

schaft die Zeit zu verwenden und das Erworbene in eine gemeinschaft- 
liche Kasse niederzulegen , aus welcher die Bedürfnisse aller bestritten 
wurden. Auch eine gleichmässige Kleidung bezeichnete die Brüder 
als solche. 

Groote selbst sollte die eigentliche Ausbildung der Gesellschaft 
der Brüder nicht erleben, er starb, indem er liebevoll andere pflegte, am 
20. August 1384 an der Pest. Seine Stiftung hob sich in Deventer 
mehr und mehr. Florentinus fand in dem gebildeten Gerhard 
van Zütphen eine wesentliche Hilfe. Andere Städte folgten dem 
Beispiel Deventers, wie Delft und Münster. Der Neid veranlasste Ver- 
folgungen, die Brüder wurden beim Papste Martin V. als der Todsünde 
schuldig, als Mörder und falsche Propheten denunziert, jedoch frei- 
gesprochen, und eine Bulle Eugens IV. aus dem Jahre 1431 bedrohte 
diejenigen , welche dem Wirken der Brüder etwas in den Weg legten, 
mit dem Banne. 

Nach Erfindung der Buchdruckerkunst nahmen die Brüder statt des 
Abschreibens das Drucken in die Hand und erwarben sich namentli h 
in Holland , Westfalen und den Nordwestmarken Deutschlands grosse 
Verdienste um die Anlegung von Druckereien. — 

Die Abtei von St. Bavon in Gent war mit einer grossen Anzahl von 
Büchern ausgestattet von Rafael de Mercatellio, dem hochange- 
sehenen Sohne Philipps des Guten, Herzogs von Burgund. Er Hess 
es sich als Abt sehr angelegen sein, den Glanz seines Klosters zu ver- 
mehren. Die illuminierten Handschriften desselben haben die Gefahren 
der Kriege und die Exzesse der Revolutionen überlebt und sind heute 
noch in der dortigen Universitätsbibliothek mit der Signatur des Abtes 
auf den glänzenden Titelblättern zu sehen. 

Eine andere sehr bedeutende Sammlung gehörte Louis de Bruges, 
dem Seigneur de la Gruthuyse. Als Earl of Windchester 
war er auch in Beziehungen zu England. Er war Gouverneur von Hol- 
land, als Edward IV. von England floh, gewährte diesem Zuflucht und 
bestritt seine Ausgaben, wofür ihn Edward, nachdem er seinen Thron 
wiedergewonnen , durch Titel und Ämter belohnte. Die Bibliothek von 
La Gruthuyse wird derzeit beschrieben als ,,das Wunder des Zeit- 
alters", sie war berühmt wegen ihrer Pergamentsammlung, ihrer aus- 
gezeichneten Klassiker und der vortrefflichen Illustrationen. Louis 
de Bruges war ein Freund und Beschützer des Colard Mansion, 
der in Gemeinschaft mit William Caxton druckte. Man kennt drei 
Exemplare des von Mansion gedruckten Werkes „Buss e des Adam", 
eins in der Staatsbibliothek in Paris; ein anderes hatte der Duc 



Die Bücherliebhaberei in Belgien und Holland. 27 I 

d ' I s c n g h i e n , ein enthusiastischer , aber nicht gerade skrupulöser 
Sammler, einem Kloster ,, entliehen", dieses Exemplar wurde in der 
Gaignat- Auktion 1769 verkauft. Das dritte war Eigentum des Herrn 
L am bin et in Brüssel, besonders bemerkenswert durch ein Miniaturbild, 
das Mansion darstellt, wie er das Buch seinem Gönner im Garten von 
La Gruthuyse überreicht. Nach dem Tode Louis' kamen seine 
Bücher an seinen Sohn Jean de Bruges; die meisten derselben wur- 
den dann sehr bald von Ludwig XII. erworben, der sie der Bibliothek 
in Blois überwies, wo die Insignien von La Gruthuyse durch das 
Wappen von Frankreich ersetzt wurden. Andere fielen an Ludwig XIV. 
als Vermächtnis des Bibliophilen Hippolyte de Bethune, der ein 
grossartiges Angebot der Königin Christine von Schweden zurück- 
wies mit der Bestimmung, dass seine Bücher Frankreich erhalten bleiben 
sollten. 

Ein schönes Exemplar der „Fort er esse du Foy" aus der 
G ruthuyse - Bibliothek gehörte dem Claude d'Urfe, der eine 
Bibliothek von viertausend Büchern, alle in grünen Sammet gebunden, 
in seinem Schlosse zu La Bastie unterhielt. Nachdem alle übrigen 
Bände dieser Sammlung zerstreut waren, kam der G ruthuy se-Band 
durch Erbgang an Honore d'Urfe, den traurigsten aller Roman- 
schreiber. Im Jahre 1776 gehörte er dem Duc de la Va Liiere und 
wurde von der französischen Regierung angekauft. Einige der flämischen 
Bücher verblieben in ihrer ursprünglichen Heimat ; in der letzten Gene- 
ration entdeckte man in Gent einen Band wallonischer Lieder, und zwei 
andere Gruthuys e 'sehe Bücher in derselben Sprache, aus der grossen 
Sammlung van Hulthem, befinden sich jetzt noch in der Burgunder 
Bibliothek in Brüssel. 

Die Herzöge von Burgund waren aus dem bücherliebenden 
Geschlecht der Valois. Die Brüder Karl der Weise, Johann 
Herzog von Berry und Philipp der Gute waren Begründer be- 
rühmter Bibliotheken. Philipp vermehrte seinen Bücherbestand durch 
seine Heirat mit der Erbin von Flandern ; er unterhielt einen grossen 
Stab von Schreibern und machte fortwährend Ankäufe bei den Antiquaren 
in Paris. Herzog Johann, sein Nachfolger, ist bekannt wegen seiner 
Erwerbung eines wundervollen ,,Valerius Maximus" von dem Biblio- 
thekar der Sorbonne. Aber die Sammlungen , deren Überbleibsel jetzt 
noch in Belgien aufbewahrt werden , waren beinahe alle das Werk des 
Herzogs Philipp des Guten. 

Er unterhielt Bibliotheken an verschiedenen Orten , eine in Dijon, 
eine andere in Paris, eine kleinere in der Schatzkammer in Gent, etwa 



272 Achtes Kapitel. 

eintausend Bände in Brügge und etwa ebenso viele in Antwerpen. Es 
wurde ausgerechnet, dass er im ganzen mehr als dreitausendzweihundert 
Handschriften besass, und wenn das richtig ist, so war das Haus Bur- 
gund-Valois in dieser Hinsicht das reichste aller in Europa regieren- 
den Familien. 

Unter Karl dem Kühnen scheint man die Bibliotheken sich selbst 
überlassen zu haben , abgesehen von einigen wenigen charakteristischen 
Ergänzungen. Nach dem Tode Karls des Kühnen wurde seine Bibliothek 
in Dijon vom Könige von Frankreich an George de laTremouille, 
den Gouverneur der Provinz, geschenkt. Später an die Familie des 
Guy de Roche ford übergegangen, fanden im Laufe der Zeit viele 
der besten Bücher ihren Weg in die Nationalsammlung. Die anderen 
Bibliotheken behielt Maria von Burgund in Brüssel. Nach ihrer 
Heirat mit Maximilian wurden diese Familienschätze zum grössten 
Teile nach Frankreich, Deutschland und Schweden hin zerstreut, weil 
der Fürst der Versuchung, die Bücher zu entwenden und zu ver- 
pfänden, nicht widerstehen konnte. Aber Margarete von Öster- 
reich, selbst eine Sammlerin schöner Werke, namentlich erster Aus- 
gaben , war so grossmütig , den Verlust nach Kräften zu ersetzen , und 
Maria von Österreich, welche 1530 an die Regierung kam, setzte 
ihr Werk fort. 

Holland nahm im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert eine 
führende Stellung in der europäis hen Litteratur ein. Wenn man die 
Bücherverzeichnisse von Joh. van Abcoude und R. Arrenberg, 
welche die Erscheinungen von 1640 bis 1787 umfassen, durchsieht, er- 
staunt man über die grossartigen Unternehmungen , namentlich auf den 
Gebieten der Geschichte , Naturkunde und Geographie. Prächtige 
Folianten und Quartausgaben mit Schätzen von Abbildungen und vielen 
Bänden von Umfang geben noch heute Zeugnis davon. Damals schon 
erfreuten sich nicht selten Autoren wie Verleger einer thatkräftigen Unter- 
stützung seitens der holländischen Regierung. So empfing Hugo Grotius 
im Jahre 1 6 1 o für seine „Antiquitates Reipublicae Batavae" 
300 Gulden, Abr. Wicquefort 1200 Gulden für seine „Historie", 
Roldanus 2500 Gulden für sein „Repertorium der synodale 
acten", L. W. de Graaf 2000 Gulden für seine „astronomische 
tafele n" u. s. w. Mitunter waren diese Geldspenden eine Gegen- 
leistung dafür, dass der Verfasser sein Werk dem Staate widmete oder 
ihm Exemplare schenkte. So sandte der reiche Dichter Jacob Cats 
im Jahre 1655 den Staaten von Holland und Westfriesland ein Exem- 
plar seiner Werke und erhielt dafür ,,eene somme van hondert ende 



Die Bücherliebhaberei in Belgien und Holland. 2/3 

vijftigh Caroliguldens". Der gelehrte portugiesische Jude Joseph 
Athias, Buchdrucker in Amsterdam, erhielt von den Professoren zu 
Leiden die Erlaubnis zur Herausgabe einer hebräischen Bibel und bekam 
dafür im Jahre 1677 von den Generalstaaten eine goldene Halskette. 
Die Firma Blaeu in Amsterdam wurde für ihre Atlanten und Seekarten 
wiederholt mit Geld belohnt. 

Selbstverständlich bildeten die grossen und kostbaren Werke nicht 
die Mehrzahl der Erscheinungen des sechzehnten und siebzehnten Jahr- 
hunderts , es gab neben dem Korn viel Spreu. Aber für die Bücher- 
liebhaberei kommen nur die hervorragenden Erscheinungen in Betracht, 
die damals und heute noch begehrt waren und sind. Da giebt es eine 
besondere Gruppe, die in erster Reihe unsere Beachtung verdient, das 
sind die niederländischen Bibelausgaben, die noch heute hoch 
im Preise stehen und von denen das British Museum in London eine 
reiche Kollektion besitzt. 

Professor J. J. van Toorenenbergen sagt, dass in Holland allein 
von 1556 bis 1572 mehr als achtzig verschiedene Bibelausgaben erschienen, 
in etwa zwanzig verschiedenen Übersetzungen nach Luther. Aber die 
holländische Geistlichkeit verlangte auch andere Bearbeitungen als die 
von Luther, und so erschien in Emden 1562 die holländische Übersetzung 
der verbesserten Genfer Bearbeitung, die fortan bei den Reformierten in 
Gebrauch blieb, bis sie 1637 durch die vom Staate herausgegebene Über- 
setzung verdrängt wurde. Diese Emdener Bibel führt in den ersten Aus- 
gaben den Beinamen ,,Deus Aes", nach einer Randbemerkung, die bei 
Nehemia III, Vers 5 vorkommt: ,,De Armen moeten het Kruyce draeghen, 
den Rijcken en geven niets. Deus Aes en heeft niet, Six Cinque en 
geeft niet, Quater dry, die helpen vry." Man nennt sie auch die Eulen- 
spiegel-Bibel, weil in einer Anmerkung zu Jesus Sirach XIX, 5, von Eulen- 
spiegel die Rede ist. Derartige, mitunter sehr dunkle Randbemerkungen, 
in Form von Einfällen und Ermahnungen waren in der ersten Zeit der 
Reformation zur Verbreitung der Bibel sehr in Mode. Selten geistreich, 
sind sie meistens sehr naiv und unschuldig und passen wenig in eine 
Bibel. Le Long teilt in seinem Werke „Boek-zaal der Neder- 
landsche Bijbels" eine Menge derartiger Kuriositäten mit. 

Die eben erwähnte noch heute in Holland unter dem Namen 
,,Staatenbijbel u bekannte Bibel vom Jahre 1637 war aus den ur- 
sprünglichen Sprachen in das Holländische auf Beschluss der Dordrechter 
Synode von 161 8 von Hillebrandt Jacobszoon van Wouw 
im Haag übersetzt. Von dieser Bibel allein erschienen bis zum Ende 
des siebzehnten Jahrhunderts hundertsechsunddreissig vollständige Aus- 

Mühlbrecht, Bücherliebhaberei. l8 



2 74 Achtes Kapitel. 

gaben, darunter achtundfünfzig in Folio, neben einer Menge von Separat- 
ausgaben des Neuen Testamentes und der Psalmen, die auch in ver- 
schiedenen Übersetzungen, z. B. malaiisch, formosanisch u. s. w. im Auf- 
trage der ostindischen Kompanie gedruckt wurden. 

Neben der Bibel wurde in den bürgerlichen Kreisen des siebzehnten 
und achtzehnten Jahrhunderts in Holland kein anderes Buch so gesucht, 
als die Gedichte des Jacob Cats (Vader Cats), die auf alle Stände 
eine besondere Anziehung ausübten. Von den vielen Ausgaben seiner 
Werke in Folio und Quart, deren mehrere mit herrlichen Kupferstichen 
geziert, sind verschiedene heute noch sehr gesucht. 

Auch die übrigen Dichter des siebzehnten Jahrhunderts werden seit 
etwa dreissig Jahren in Holland von den Bücherliebhabern wieder ge- 
sammelt, nachdem sie bis dahin gänzlich vernachlässigt waren, z. B 
Bredero, Vondel, Hooft, Huygens, Asselyn, Spieghel und 
andere mehr , natürlich nur die hervorragenden und nicht die Dichter- 
linge, an denen gerade Holland ganz besonders reich gewesen ist. Es 
giebt wohl kaum ein anderes Land, wo die gedankenlose Dichterei von 
alters her so gewütet hat, wie in dem nüchternen, prosaischen Holland. 
Schon Erasmus zählt, indem er gelegentlich die „Rednervereine" 
(rederykerskamers) die „Brutstätten der geistigen Beschränktheit 
seiner Zeit" nennt, nicht weniger als zweihundertfünfzig solcher Vereine 
auf. Diese heute noch an vielen Orten in Holland bestehenden Redner- 
vereine sind eine ganz eigenartige Erscheinung im holländischen Volks- 
leben. 

Wahrscheinlich zu dem Zwecke begründet, die äussere Beredsamkeit 
durch mündliche Vorträge eigener oder fremder, besonders poetischer 
Produkte zu pflegen, Schauspiele aufzuführen, um das Volk dafür zu ge- 
winnen, artete diese Kunstrednerei derartig aus, dass schon Spieghel, 
Coornhert, Hooft, Vondel u. a. dagegen eiferten. Gegen Ende 
des siebzehnten Jahrhunderts waren denn auch die Rednervereine vor- 
übergehend nicht mehr beliebt, aber an ihre Stelle traten die „Dichter- 
gesellschaften" (dichtgenootschappen), die bald einen grossen 
Platz im gesellschaftlichen Leben einnahmen. Es gehörte zum guten 
Ton, dass jeder ehrbare Bürger Mitglied einer Dichtergesellschaft seines 
Wohnortes war, und der eine reimte noch mehr, als der andere. Wer 
es sich nur irgend leisten konnte , der Hess seine Verse drucken. Die 
Drucker und Buchhändler wurden von Musensöhnen belagert, die ganze 
Sammlungen oder einzelne Gedichte zu veröffentlichen wünschten. Um 
nur ein Beispiel anzuführen: nach dem Brande des Theaters (de groote 
Schouwburg) in Amsterdam am n. Mai 1772 erschienen nicht weniger 



Die Bücherliebhaberei in Belgien und Holland. 275 

als sechsundncunzig dichterische Jeremiaden , die das Unglück be- 
sangen ! 

Ganz so schlimm ist es zwar heute nicht mehr, aber die modernen 
Rednervereine und Dichtergesellschaften mit ihren Liebhabertheater- 
vorstellungen verleiten immer noch manchen Schwachkopf, sich für 
einen gottbegnadeten Dichter zu halten , wenn er mit hohlem Pathos 
abgeschmackte Verse schlecht deklamiert.*) 

Zu den dichterischen Erzeugnissen niederer Art des siebzehnten 
Jahrhunderts, die, obgleich für die Litteratur ohne jede Bedeutung, auf 
dem heutigen Büchermarkte doch noch gut bezahlt werden , gehören 
auch die Liederbücher (liedeboekjes). Sie sind alle mehr oder 
weniger erotisch in dem derben Geschmack der damaligen Zeit gehalten. 
Einige der beliebtesten haben es bis zu zehn Auflagen gebracht , wie 
„de Amsterdamsche Kermisvreugd" (Kirmessfreude) und andere. 
Diese „Jufferboekjes" oder „Mopjes" (Jungfernbüchlein oder 
Pfeffernüsslein) sind meistens weiter nichts, als gereimte Quasselei und 
verliebter Bombast mit schönen Titeln, wie z. B. ,,Cupidos Ambacht" 
(Cupidos Handwerk), ,,Appollos Harp" (Apollos Harfe), ,,Pans 
Fluitje" (Pans Flöte), „de Haarlemmer Leeuwerik" (Haar- 
lemer Lerche), ,,de Leydsche Nagtigal" u. s. w. Man versah sie 
mit Titelbildern in Radierung, fügte auch Melodien zum Singen dabei, 
Hess sie mit kostbaren Einbänden von Schildpatt mit Silberverzierung 
versehen, und so dienten diese geschmacklos kostbar ausgestatteten 
kleinen Bücher in lang 8° oder 1 2 mo - Format zu den beliebtesten Ge- 
schenken, mit denen ein Jüngling eine Jungfrau überraschen und er- 
freuen konnte ; sie wurden von diesen in Eimerchen von Fischbein 
oder Ebenholz mit silbernen Ketten an den Gürtel gehängt, in Gesell- 
schaften mitgenommen und spielten da in der Unterhaltung eine 
grosse Rolle. 

Da die meisten derselben natürlich im Laufe der Zeit durch den 
Gebrauch sich abnutzten oder verloren gingen, so kommen gut erhaltene 
Exemplare auf den heutigen Auktionen selten vor und erzielen gewöhn- 
lich gute Preise. 

Ebenso verhält es sich mit den alten Volksbüchern, wie 
„Floris en Blanche fleur", „Genoveva", „Griseldis", „de 
schoone Helena", „de Heemskinderen" (Haimonskinder), „de 
Ridder metter Swane" (Schwanenritter) „Reynacrt de V o s ", 



•) G. D. J. Schotel, Geschiedenis der Rederykers in Nederland 2. uitg. 2 dln. 
Rotterdam 1871. 8. 

18* 



2y6 Achtes Kapitel. 

„Fabelen van Es opus" u. a. m., die im siebzehnten Jahrhundert in 
vielen Ausgaben erschienen. 

Besonderer Beliebtheit erfreuten sich auch damals schon die Reise- 
beschreibungen der Zeitgenossen. Die ältesten dieser Bücher sind 
sehr selten geworden und so gesucht, namentlich in England und Amerika, 
dass die Firma Frederik Muller in Amsterdam eine Anzahl der ersten 
kleinen Ausgaben photographisch reproduzierte und noch jetzt fortgesetzt 
in den Handel bringt. 

Die in Holland im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert er- 
schienenen Beschreibungen von Reisen, Ländern und Völkern waren bei 
allen Ständen , den gelehrten wie ungelehrten , gleich beliebt und er- 
schienen deshalb fast alle in wiederholten Auflagen, mit Abbildungen, 
Karten und Plänen ausgestattet, stattliche Folianten und Quartbände. 
Auch veranstalteten die holländischen Verleger Übersetzungen davon in 
die französische , lateinische oder deutsche Sprache , um Absatz damit 
im Auslande zu erzielen. Auf die Weise führten diese Bücher ein langes, 
vielbewegtes Leben, und keine andere Nation der damaligen Zeit konnte 
den holländischen Reisebeschreibungen ähnliche Druckwerke in gleicher 
Menge und Schönheit der Ausführung gegenüberstellen. P. A. Tiele 
hat in seiner „Nederlandsche Bibliographie van land- ert 
volkenkunde" etwa zwölfhundert der holländischen Reisen und 
Kartenwerke genau beschrieben. Ich will nur einige davon erwähnen. 

Die erste Beschreibung, noch vor 1600 erschienen, galt den Reisen 
von Jan Huygen van Linschoten, die allgemeines Erstaunen und 
Interesse erweckten: „VoyagievanbijNoorden om längs Noor- 
wegen, de Noortcaep, Laplant, Vinlant, Ruslant", seine 
„Reis-gheschrift van de Navigatien der Portugaloysers 
in Orienten", seine ,,Voya ge o f t e schipvaert naarOost ofte 
Portugacls-Indie". Hierher gehören auchW. Bar entsz' „Nieuwe 
beschrijvinghe endeCaertboeck van deMidlantsche zee", 
„Eerste Scheepvaart der Hollanders naar Oost-Indien 
onder C. Houtman", dannOlivier van Noort's „Journal van 
de Reyse door de St rate Magellana en andere vreemde 
Koninckr ij ken" u. s. w., alles dickleibige Folianten und Quartanten 
mit vielen Bildern und Karten, noch vor 1600 gedruckt, die trotz ihrer 
Kostbarkeit guten Absatz fanden. Das ermutigte die Verleger. Von 
allen Reisen wurden fortan für den daran zunächst interessierten Handels- 
stand und das allgemeine neugierige Publikum , Beschreibungen ver- 
anstaltet. Die Befehlshaber der Expeditionen , die für Rechnung der 
reichen holländischen Handelshäuser hinausgingen , oft nach den ent- 



Die Bücherliebhaberei in Belgien und Holland. 277 

legensten Ländern, erhielten von Verlegern den Auftrag, sich Notizen 
und Bleistiftskizzen zu machen , auf Grund deren nach der Rückkehr 
ausführliche Beschreibungen und anschauliche Bilder hergestellt wurden. 
Zuweilen, bei dringender Eile, unterliess man jede Bearbeitung und wur- 
den die nüchternsten Tagebücher vom Publikum gierig verschlungen. 
Klein oder gross, einfach oder kostbar ausgeführt, jede Reisebeschreibung 
wurde mit leidenschaftlichem Interesse entgegengenommen. Liess doch 
in vielen Fällen schon das persönliche Interesse die Angehörigen der see- 
fahrenden Nation nach allem greifen, was darüber von der Presse kam. 
Das ganze siebzehnte Jahrhundert hindurch waren diese Bücher für die 
Buchdrucker, Verleger und Buchhändler von hoher Bedeutung, weil sie 
unter den Begüterten des Landes fortdauernd Käufer fanden. Als Beweis 
dafür nur ein Beispiel : W. Ysbrantsz Bontekoe, „Journael ofte 
Gedenkwaerdige Beschrijvinghe van de O. Indische Reyse" 
1646 in 4 erlebte neunundvierzig Auflagen! 

In der ersten Hälfte des folgenden Jahrhunderts hielt diese Vorliebe 
für Reisebeschreibungen noch an, dann nahm sie ab, sowohl in der An- 
zahl , wie auch im Format der Werke , das vom kostbaren Folio nach 
und nach zum Quart und Oktav überging. Immerhin wagten sich die 
Verleger noch an grossartige derartige Unternehmungen , wie z. B. der 
Leidener Buchhändler Pieter van der Aa, der 1707 eine „Nauw- 
keurige verzameling der Ge denk - wa ardigste Zee- en 
Landreysen na Oost- en West-Indie" in 28 Bänden mit vielen 
Karten und Abbildungen herausgab, dem er 1730 eine „Galerie 
agreable dumonde, Empires et Peuples", 66 Teile in 25 Folio- 
bänden mit mehr als 3000 Abbildungen und Karten folgen liess. 

Neben diesen Reisebeschreibungen produzierte Holland im sieb- 
zehnten Jahrhundert eine grosse Menge von See- und Landkarten, 
die weltberühmt waren wegen ihrer Zuverlässigkeit und Schönheit der 
Ausführung. Der Kartenhandel war, namentlich in Amsterdam, ein 
blühender Handelszweig, dessen Spuren noch heute zu finden sind, wie ich 
früher schon bei der Druckerfamilie Blaeu erwähnte (S. 65). Die Firma 
Nijhoff in Haag hat jüngst ein vollständiges, schön erhaltenes, pracht- 
voll eingebundenes Exemplar der Blaeu 'sehen ,, atlassen en stede- 
boeken", 14 Bände, mit 1000 Gulden in ihrem Kataloge notiert, was 
als Beweis für den heutigen Wert dieser Werke gelten mag. 

Aus dem Gesagten ist zu ersehen, in welcher Blüte die Buchdrucker- 
kunst und der Buchhandel früher in Holland standen. Es ist zu be- 
klagen, dass die Gleichgültigkeit, welche im Anfange unseres Jahrhunderts 
als Folge der ungünstigen politischen Zustände auf den Gebieten von 



2^8 Achtes Kapitel. 

Litteratur, Kunst und Wissenschaft dort herrschte, die Ursache wurde, dass 
so viele der schönsten und merkwürdigsten holländischen Werke in die 
See geworfen wurden oder nach England gingen und für den Handel 
wie für die Wissenschaft als verloren zu betrachten sind. 

An dem ersteren ist mittelbar Napoleon schuld , der durch die 
Kontinentalsperre jeden Handel mit England verbot und alle Einfuhr 
und Ausfuhr nach dort und von dort untersagte. Einzelne grosse Handels- 
häuser in Holland wussten sich trotzdem von der Regierung eine so- 
genannte ,,license u zu verschaffen, die ihnen gestattete, von bestimmten 
Waren für den gleichen Betrag einzuführen , wie von anderen Gütern 
ausgeführt wurde. Um nun dies Geschäft so gewinnbringend als möglich 
zu gestalten, war es ratsam, für geringe Werte hohe Fakturen auszustellen, 
um möglichst viel von den erwünschten Kolonialwaren einführen zu 
können. Die Grosshändler kauften im Buchhandel für geringe Preise 
grosse Serien alter Werke , setzten sie auf ihren Rechnungen mit den 
ursprünglichen teueren Ladenpreisen an und warfen sie auf hoher See 
einfach über Bord, um Raum für die gewünschten Einfuhrartikel zu be- 
kommen. Auf diese Weise ist z. B. manches Exemplar der später so 
seltenen „Acta Sanctorum", 53 Foliobände, und des „Groot 
Placcatboek", 10 Foliobände (die man für 20 Gulden kaufte und bei der 
Ausfuhr mit 775 Gulden auf der Faktur notierte) in die See geworfen, 
von anderen Büchern sind ganze Schiffsladungen vernichtet (siehe S. 6). 

Nach Aufhebung der Kontinentalsperre durch Napoleon's Niederlage 
im Jahre 181 5 kamen die Engländer in Menge nach Holland, um alte 
und seltene Bücher und Handschriften zu kaufen, ihr Verlangen danach 
war durch die Auktionen vonRoxburghe und andere, 1812 und 1813, 
erwacht. Die Preise alter Bücher waren gerade durch diese Auktionen 
enorm gestiegen, die Einfuhr der Bücher aber war jahrelang unterbrochen, 
denn der Gewinn der License würde zu gering gewesen sein, wenn man 
für die ausgeführten Bücher wieder Bücher eingeführt hätte. So hungerte 
und dürstete man in England nach Büchern und Handschriften, und 
Holland war das gelobte Land , wo noch alles zu haben war , was 
Bücherfreunde oder Gelehrte haben mochten. Kein Wunder also, dass 
englische Antiquare und Liebhaber in Scharen herüberkamen ! Buch- 
händler, wie Longman, Bohn, Deighton, Cochrane und Baynes, 
besuchten die Niederlande fünf- bis zehnmal im Jahre , die von ihnen 
auf den Auktionen zu kaufenden Bücher waren häufig schon wieder mit 
Gewinn weiterverkauft, bevor sie noch zur Stelle waren. Die bedeutenden 
Auktionen der Bibliotheken von Musschenbroek, Te Water und 
Meer man, die alle 1824 stattfanden, wurden erheblich durch diese 



Die Bücherliebhaberei in Belgien und Holland. 2 7Q 

Käufer unterstützt. Bei der Auktion Meer man verbanden sich die 
englischen Buchhändler heimlich untereinander, kauften zusammen für 
viele tausend Gulden und veranstalteten später in London eine Auktion, 
die Tausende von Pfunden Gewinn ergab.*) 

Dieser Strom der englischen Besucher hat von 1815 bis etwa 1840 
gedauert. Man beklagt es in Holland mit Recht, dass in diesen Jahren 
so viel von dem Überfluss an Büchern und Kunstwerken ausgeführt ist. 
Nach der Umwälzung von 18 13 war man in Holland mehr denn je 
vaterländisch gesinnt, die Dichter jener Tage wurden gefeiert, die aus 
dem fünfzehnten, sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert wurden nicht 
angesehen , und man verschleuderte für wenig Geld , was man heute 
vergeblich mit Gold zurückzukaufen versucht. 

Die Bücherauktionen spielen heute noch in Holland eine grosse 
Rolle und bieten häufig Gelegenheit, einen Blick in den kostbaren Privat- 
besitz an Büchern zu thun, der sich in den alten Familiengeschlechtern 
bis in die Neuzeit erhalten hat. Das war z. B. der Fall, als vom No- 
vember 1858 bis Januar 1860 in sechs Auktionen die etwa neunzehn- 
tausend Nummern starke Bibliothek Van Voorst versteigert wurde, 
eine der bedeutendsten , die jemals in Holland unter den Hammer 
gekommen. 

Wenige Jahre darauf (1867) wurde die Familienbibliothek der En- 
schede's in Haarlem versteigert, die ich früher schon erwähnte (S. 70). 
Diese, im Zeitraum von mehr als hundert Jahren vom Grossvater, Sohn 
und Enkel zusammengebrachte Sammlung von Handschriften, Inkunabeln, 
älteren Druckwerken u. s. w. ist in ihren Versteigerungsresultaten so 
interessant , dass ich es mir nicht versagen kann , dabei zu verweilen. 
Es hatten sich zu dieser .Auktion die ersten Bücherliebhaber und Anti- 
quare aller Länder eingefunden, Frederik Muller und Martinus 
Nijhoff versteigerten die Bücher, und wenn auch dreiviertel derselben 
in Holland verblieben , so gingen doch gerade die schönsten und kost- 
barsten zum grossen Kummer der Holländer in das Ausland. Es mögen 
einige hervorragende Nummern des Katalogs hier genannt sein. 

Ein „Abecedarium" oder „Horarium" von 8 Seiten kl.- 12- 
Format wurde für 1000 Gulden für die Teyler's Genootschap in Haarlem 
erstanden. Man hielt damals dieses Büchelchen für das älteste in Holland 
mit beweglichen Lettern gedruckte Buch. 



*) Fred. Muller, Bibliographie, in „Bydragen tot de geschiedenis van den Neder- 
landschen Boekhandel". I. Amsterdam 1884. 8. 



2 So Achtes Kapitel. 

Ein „Donatus", 4 Seiten, Quart-Format, auf Pergament, wurde 
von der Familie Enschede der Stadt Haarlem als Geschenk überwiesen. 
Es ist das von Joh. Enschede ungefähr 1760 entdeckte Fragment des 
Donat, auf den man in Holland die Behauptung, Coster habe vor Guten- 
berg mit beweglichen Lettern gedruckt, mit stützte. Ein, wie früher er- 
wähnt , jetzt aufgegebener Standpunkt (S. 29). Dasselbe gilt von dem 

,,Spieghel der Behoudnisse", 40 Seiten Folio. Dies Buch 
wurde für eins der bedeutendsten Erzeugnisse der sogenannten Coster- 
Presse gehalten und ging für 8250 Gulden in den Besitz von 
B. Quaritch in London über, der es auf Spekulation kaufte. Didot 
aus Paris und andere Mitbewerber hatten ihm den Preis so in die Höhe 
getrieben. 

,,Lijden en Passie ons Heeren", Haarlem 1483, kl. -4, ergab 
650 Gulden. Ein Unikum , das erste in Haarlem mit Jahreszahl ge- 
druckte Buch. 

„Horae B. Virgin is", Paris 1502, 8, ein Pergamentdruck, ergab 
700 Gulden. Der Käufer entdeckte, dass ein Blatt fehlte, es wurde des- 
halb nochmals versteigert und ergab dann nur 505 Gulden. 

„Heures de Rorne' 1 , Paris, S. Vostre, (?i52o), ein Pergament- 
druck mit 21 prachtvoll gemalten Miniaturen, ergab 925 Gulden. 

„Raoul le Fevre, Historyes of Troye", London, Winkin 
de Worde, 1503, kl. -Folio, ergab 2000 Gulden. Von diesem äusserst 
seltenen Buche giebt es noch eine frühere Ausgabe, London, Caxton, 
1471, kl. -Folio, wie früher erwähnt (S. 58), das erste in England gedruckte 
Buch, wofür in der Jersey- Auktion in London (1885) 1820 £ gezahlt 
wurden. Das Ens ch ed e -Exemplar hätte sicher einen noch höheren 
Preis erzielt , wäre nicht ein kleines Loch in einem Blatt und zugleich 
von einem anderen Blatte ein kleines Stück abgerissen gewesen. 

,,Ludovici de Roma Singular ia Juris", 30 Seiten, kl. -Folio, 
ergab 600 Gulden. Ein seltenes und eins der ersten Bücher der hollän- 
dischen Presse. Das hier verkaufte Exemplar galt lange für ein Unikum, 
im Jahre 1866 jedoch kam ein zweites Exemplar in der Auktion der 
schönen Bibliothek von Van Coetsem in Gent vor, das für mehr als 
den doppelten Preis von der königlichen Bibliothek im Haag erworben 
wurde. 

Es ist interessant, bei Frederik Muller nachzulesen,*) wie er 
bei seinen Betrachtungen über die Auktionen Van Voorst (die im 
ganzen 65000 Gulden ergab) und Enschede einen Zusammenhang 



Allgemeene Konst- en Letterbode. 1860. Nr. 20. 2, 



Die Bücherliebhaberei in Belgien und Holland. 28 I 

zwischen den Bücherpreisen und der Literaturgeschichte findet und den 
Einfluss der Litteratur auf die Entwickelung der allgemeinen Bildung 
nachweist. Doch das würde uns hier zu weit führen. 

Auch Muller konstatiert dieselbe Erscheinung für Holland, der 
wir schon in anderen Ländern begegnet sind: die Zeit der umfangreichen 
Werke ist auch dort vorbei , die kleinerc-n Werke und Monographien 
dagegen sind gesucht, eine Folge des Mangels an Platz und des Mangels 
an Zeit, die beide zur Konzentrierung zwingen. 

Alt französische, altspanische, englische und italie- 
nische Litteratur ist heute noch reichlich in Holland zu finden; 
wenn man sich fragt , wie diese von den Nachbarländern so hoch ge- 
schätzten und so sehr gesuchten Werke in dem kleinen Holland durch 
Jahrhunderte hindurch erhalten bleiben konnten , so findet dies wohl 
seine Erklärung darin, dass die Bewohner in früheren Jahrhunderten bei 
grossem Reichtum früher schon als andere Nationen Privatbibliotheken 
zu sammeln pflegten und dass bei einem im allgemeinen hohen Bildungs- 
grade der Bevölkerung die Presse dort allezeit Freiheiten genossen hat, 
wie in keinem anderen Lande. Das alles hat zusammengewirkt, um 
der Buchdruckerkunst und der Pflege der Wissenschaften in Holland 
eine Bedeutung im öffentlichen Leben zu verschaffen , auf die man 
in den Nachbarländern Jahrhunderte hindurch mit Bewunderung und 
Neid blickte. 

A. C. Kruse man sagt in seinen Bouwstoffen, *) dass dem kleinen 
Holland unter allen Ländern der Erde, was den Buchhandel betrifft, die 
Krone gebühre ; nach Verhältnis der Bevölkerungsziffern werde nirgends 
so viel fremde Litteratur eingeführt und produziere kein Volk so viel 
eigene Geisteserzeugnisse, als in Holland. 

Es ist dies eine scheinbar auf Statistik beruhende kühne Behauptung, 
die mit Zahlen schwerlich zu beweisen sein dürfte, das stark entwickelte 
Selbstgefühl, das vielen Holländern eigen zu sein pflegt, spricht daraus. 
Richtig ist nur — und ich habe im vorhergehenden wiederholt darauf 
hingewiesen — dass die Niederlande seit Erfindung der Buchdrucker- 
kunst ganz hervorragende Leistungen aufzuweisen haben und dass der 
holländische Buchhandel noch heute eine litterarische Produktionsziffer 
aufweist, die im Verhältnis zur Bevölkerungsziffer erstaunlich wäre, 
wenn nicht der Umstand sie erklärte, dass man es bei unseren Nachbarn 
bis heute verstanden hat, sich unter rücksichtsloser Hinwegsetzung über 



*) Bouwstoffen voor een geschiedenis des boekhandels, Band II, S. 814. Amsterdam 
1887. 8. 



282 Achtes Kapitel. 

die Autorenrechte anderer Länder die freie Benutzung aller Litteratur- 
rrzeugnisse von Deutschland , England , Frankreich , Italien u. s. w. zu 
sichern, wofür diese Länder schwerlich Holland die Krone zuerkennen 
werden. Da ist es freilich leicht , zu drucken und zu verlegen , wenn 
einem die besten Werke aller Autoren mühe- und kostenlos als reife 
Frucht, gleichsam wie ein Geschenk vom Himmel in den Schoss fallen! 
Es bleibt abzuwarten, wie lange das noch dauern wird; es mehren sich 
die Anzeichen, dass es mit der in Holland so viel gepriesenen Freiheit 
auf diesem Gebiete bald vorbei sein wird , man wird sich der Berner 
Konvention nicht lange mehr entziehen können, und dann wird es sich 
zeigen, ob unter den veränderten Verhältnissen die Produktion des 
holländischen Buchhandels die gleiche bleiben wird , wie bisher. Ich 
bezweifle es. 

Übrigens könnte man gegen Kruseman den Ausspruch von Fre- 
derik Muller anführen, der sich am angeführten Orte (S. 280) darüber 
beklagt, es scheine ihm die Liebe zu guten Büchern in Holland beinahe 
ausgestorben zu sein. Angesichts dieses Widerspruches zwischen den 
Behauptungen zweier der hervorragendsten Vertreter des neuesten 
holländischen Buchhandels darf man auch hier getrost die goldene 
Mittelstrasse wählen und wird dann wohl das Richtige treffen. 

Ich möchte dieses Kapitel nicht schliessen, ohne der Verdienste 
zweier Männer zu gedenken, die in den letzten fünfzig Jahren die Bücher- 
liebhaberei in Holland neu belebt und gefördert haben: Frederik 
Muller und Martinus Nijhoff. Muller machte sich 1843 auf 
bescheidenstem Fusse in Amsterdam selbständig, errang aber bald 
Erfolge durch die von ihm veranstalteten Auktionen und namentlich 
durch seine Kataloge, die sich auszeichneten durch sorgfältige Beschrei- 
bung der Titel, streng systematische Einteilung und wichtige Anmer- 
kungen , die von einer ungewöhnlichen , umfassenden Bücherkenntnis 
Zeugnis ablegten. 
Abb. 204. Muller wurde schnell berühmt als Bibliograph, die Gelehrten des 

In- und Auslandes erholten sich Rat bei ihm, und das Katalogisieren 
und Versteigern kostbarer Bibliotheken ward ihm mit Vorliebe über- 
tragen. Mit grossem Geschick knüpfte er mit den Bibliotheken aller 
Länder Verbindungen an, die ihm glänzende Aufträge brachten. So 
sammelte er für die kaiserliche Bibliothek in Petersburg alles , was in 
Holland über Russland erschienen ist. An das British Museum in 
London lieferte er eine umfangreiche Sammlung von Werken der hollän- 
dischen Belletristik , die ganze Jansenistische Litteratur , eine Kollektion 
holländischer Spottschriften und Bilder zur englischen Geschichte. 



Die Bücherliebhaberei in Belgien und Holland. 



283 



Die Bibliothek des Observatoriums in Pulkowa versah er mit einer 
Bibliothek alter astronomischer und mathematischer Werke. Für die 
Bibliothek der Grossen Synagoge in New York beschaffte er eine 
Menge seltener hebräischer und jüdischer Bücher, die Bibliothek des 
Surgeon-general's Office in Washington erhielt von ihm eine vollständige 
Sammlung der holländischen medizinischen Litteratur, und eine andere 
amerikanische Bibliothek ver- 
sorgte er mit mehr als zehn- 
tausend theologischen Disserta- 
tionen. Daneben verkaufte er 
an die holländische Regierung 
Sammlungen von dreissigtausend 
politischen Flugschriften , von 
siebentausend Portraits von Hol- 
ländern, von zwölftausend hol- 
ländischen geschichtlichem Bil- 
dern u. s. w. Wie Muller 
alle diese Sammlungen hat zu- 
sammenbringen können, ist rät- 
selhaft, er war eben Meister in 
seinem Beruf, wie es heute noch 
Quaritch in London ist. 
Muller war am 22. Juli 18 17 
geboren und starb am 4. Ja- 
nuar 1881. 

Zehn Jahre nach Muller's 
selbständigem Auftreten eta- 
blierte sich (1853) einer seiner 
tüchtigsten Zöglinge, Martinus 
Nijhoff im Haag, der in glei- 
chen Bahnen, wie sein Lehrmeister, sich bewegte. Er gab in den 
Jahren 1853 bis 1894 ungefähr zweihundertfünfzig Kataloge seines 
Bücherlagers heraus, die dieselben Vorzüge, wie die von Muller zeigen. 
Während Muller beinahe ausschliesslich sich mit älterer Litteratur befasste, 
erkannte Nijhoff von vornherein, dass er sich in der Residenz seines 
Landes auch auf der Höhe der neueren und neuesten Litteratur zu halten 
habe. Er folgte deshalb, sowohl in seinen Auktionen, wie in seinen Kata- 
logen, den litterarischen und wissenschaftlichen Bewegungen seiner Zeit 
mit Aufmerksamkeit und Geschick. Vor Muller hatte Nijhoff voraus, dass 
er ebenso in der neueren Litteratur, wie in der älteren zu Hause war. 




Abb. 204. Frederik Muller. 
Nach der Gedenkschrift über „Frederik Muller". 



284 Achtes Kapitel. 

Nijhoff war geboren am 26. Dezember 1826 und starb am 24. Sep- 
tember 1894. 

Muller, Nijhoff und Kruseman sind das Dreigestirn, auf das 
der heutige holländische Buchhandel mit Recht stolz ist. Ich habe alle 
drei persönlich gekannt und in der Begegnung mit ihnen stets den 
Eindruck gehabt , dass sie nicht nur tüchtige Buchhändler , sondern 
überhaupt bedeutende Menschen waren. 



NEUNTES KAPITEL. 

DIE BÜCHERLIEBHABEREI IN DEUTSCHLAND. 



A ls einer der ersten deutschen Bücherliebhaber ist Ulrich von Hütten 
(geboren am 21. April 1488, gestorben am 29. August 1523) anzu- 
sehen, der gelehrte Ritter, berühmt durch seine, meistens in lateinischer 
Sprache geschriebenen Streitschriften. Die lateinische Sprache herrschte im 
fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert im Verkehr der Gelehrten noch 
überall in Deutschland, nur in den niederen Schulen wurde die deutsche 
Sprache geduldet; vor Studenten deutsch zu sprechen hat nur ein Mann 
des sechzehnten Jahrhunderts gewagt: Paracelsus zu Basel, und sein 
Vorgang blieb ohne Nachfolge. Ulrich von Hütten war 15 18 für Abb. 205. 
seine lateinischen Schriften vom Kaiser Maximilian zu Augsburg mit 
dem Lorbeer gekrönt , eine Sitte , die mit dem Aufblühen des Huma- 
nismus von Italien zu uns gekommen war. Er hat nur einzelne deutsche 
Bücher geschrieben, darunter ein Reimgedicht ,,Clag und Vermanung 
gegen dem übermässigen unchristlichen Gewalt des 
Bapsts zu Rom und der ungeistlichen Geistliche". 

Aufgestachelt durch die Geistlichkeit gegen ihn drohten die Mainzer 
seine Bibliothek zu zerstören, worauf er ihnen antwortete : „Verbrennt ihr 
meine Bücher, so werde ich euere Stadt verbrennen." 

Hervorragende Bücherliebhaber waren auch die reichen Fugger 
in Augsburg, von denen Karl V. zu sagen pflegte, wenn er irgendwo 
eine Prachtentfaltung sah: ,,Ich habe einen Bürger in Augsburg, der das 
noch besser versteht." Der Reichtum der Fugger war so gross, dass sich Abb. 206. 
das Volk erzählte, sie hätten den Stein der Weisen gefunden; sie fanden 
ihn einfach durch ihren Handel mit dem Osten und in den Quecksilber- 
gruben von Almaden, welche sie über hundert Jahre von der spanischen 
Krone gepachtet hatten und mit Harzer Bergleuten ausbeuteten. 

Raimund Fugger hatte am Ende des fünfzehnten Jahrhun- 
derts eine stolze Bibliothek zusammengebracht. Seinen Nachfolger 



286 



Neuntes Kapitel. 



Ulrich haben wir schon bei der Beschreibung der Thätigkeit der 
Etienne als den Freund von Henricus Stephanus kennen ge- 
lernt, der sich auf vielen seiner Büchertitel als den Drucker der Fugger be- 
zeichnete (S. 56). Und Ulrich Fugger gab so viel Geld für Bücher aus, 
dass ihn seine Familie unter Kuratel stellen Hess. Es hiess damals, seine 
Bibliothek habe so viel Bücher, als der Himmel Sterne ; einen bedeuten- 
den Zuwachs hatte sie durch die käufliche Erwerbung der bedeutenden 

Sammlung des Achilles Gas- 
parus erhalten. Nach seinem 
Tode hinterliess Ulrich die 
ganze Masse seiner Bücher dem 
Kurfürsten, und von diesem sind 
dann die kostbaren Schätze in 
den Besitz der Heidelberger 
Bibliothek übergegangen. Als 
Tilly 1622 Heidelberg ein- 
nahm, bot er die Bibliothek 
dem Vatikan an ; von Rom wur- 
de der Bibliothekar Leo Alla- 
t i u s entsandt , um eine Aus- 
wahl daraus zu treffen und den 
Transport nach Rom zu über- 
wachen. Später hat Napo- 
leon I. von den Heidelberger 
Manuskripten die besten nach 
Paris entführt, die Verbün- 
deten aber Hessen 181 5 den 
ganzen Raub wieder nach Hei- 
delberg zurückbringen. 

Ich führe hier noch einen 
hervorragenden Sammler an, der zwar nicht in Deutschland lebte, von 
dessen Bibliothek aber nach deren Auflösung vieles nach Deutsch- 
land gekommen ist: Matthias Corvinus, König von Ungarn. 
Er hatte seiner Zeit die grösste Bibliothek in Europa, ihren Bestand 
schätzte man auf mehr als fünfzigtausend Bände , und ihre Vernichtung 
im Türkenkriege muss als ein grosses Unglück für die Litteratur be- 
trachtet werden 

Matthias kam 1458 an die Regierung und hat während der zwei- 
unddreissigjährigen Dauer derselben unermüdlich seine Büchersammlung 
in Ofen vermehrt. Er lies es sich zugleich angelegen sein, die Bildung 




Abb. 205. Ulrich von Hutten's Bildnis, von einer seiner 
Streitschriften gegen Erasmus. Nach dem Exemplare in 
der Bibliothek des Börsenvereins der deutschen Buch- 
händler zu Leipzig. 



Die Bücherliebhaberei in Deutschland. 



287 



des ungarischen Volkes zu heben. Für seine Bibliothek beschäftigte er 
fortlaufend dreissig Schreiber in Ofen , ausserdem vier , denen es durch 
die Erlaubnis des Lorenzo de Medici gestattet war, für M a 1 1 h i a s 
in Florenz zu arbeiten. Seine Bibliothek gestaltete sich dadurch in ge- 
wissem Sinne zu einer Kolonie der Florentiner Schätze. Fontius, der 
Hauptagent des Königs in der Levante , war als Gelehrter in Florenz 
sehr geachtet; sein Kommentar 
des Persius, den er dem 
Matthias einst zum Geschenk 
gemacht , befindet sich jetzt in 
der herzoglichen Bibliothek in 
Wolfenbüttel. Attavante, ein 
Schüler des Fra Angelico, 
war als Illuminator der Hand- 
schriften bei dem Könige an- 
gestellt. Ein schöne Probe 
seiner Kunstfertigkeit, ein Bre- 
viarium des heiligen Jeremias, 
aus dem Ofener Palast stam- 
mend , kam in den Besitz des 
Herzogs de la Valliere und 
gelangte nach Paris in die Na- 
tionalbibliothek. 

Wir besitzen den Bericht 
eines Reisenden, Brassica- 
nus, der Ungarn schon früher, 
zur Zeit der Regierung Lud- 
wigs des Grossen, besuchte 
und von dem schon damals 
stattlichen Bibliotheksgebäude 
in dem grossen Palaste am 

Donaufluss erzählt. Man geleitete ihn durch die Säle, und er ver- 
wunderte sich über die grossen goldenen und silbernen Globen, die 
wissenschaftlichen Instrumente an den Wänden und die unzählige Menge 
wohlgeordneter und wohlerhaltener Bücher. 

Als So lim an IL, der Prächtige, 1527 Ofen eroberte, wurden der 
Palast und die Bibliothek zerstört. Der kommandierende Pascha wies 
eine grosse Summe Geldes zurück, die man ihm anbot, falls er die 
Bibliothek schonen wollte. Seine Janitscharen rissen die wertvollen Metall- 
beschläge von den seltenen Handschriften ab und warfen die letzteren 




Abb. 206. Porträt Jakob Fugger's, Begründers der Fugger- 

schen Grösse. Silberstiftzeichnung Hans Holbein's des 

älteren nach dem Leben, jetzt im Berliner Museum. 



288 Neuntes Kapitel. 

beiseite; das einzige bekannte Exemplar des Heliodorus, von dem 
alle unsere Ausgaben der Erzählung von Chariclea abstammen, wurde in 
einer offenen Dachrinne gefunden. Viele Bücher wurden verbrannt, andere 
zerhackt und verstümmelt oder mit Füssen getreten, viele auch in be- 
nachbarte Orte verschleppt oder nach Konstantinopel geführt. Ungefähr 
vierhundert speicherte man in einem verlassenen Turm auf und schützte 
sie durch das angelegte Siegel des Grossveziers vor der Zerstörung. 

Diese Gefangenen hatten traurige Schicksale zu erleiden. Mancher 
neugierige Wanderer musste unverrichteter Sache vor dem einsamen 
Turme wieder umkehren. Einmal, wurde es dem Reisenden Busbec, 
der als Gesandter des Kaisers kam, gestattet, in den Turm, der auf ihn 
den Eindruck eines grossen Beinhauses machte, einzutreten ; er sah die 
wundervollsten Manuskripte dort in wilden Haufen aufgetürmt, eine Be- 
rührung derselben aber wurde ihm nicht gestattet. Erst im Jahre 1686 
gelang es mit Waffengewalt etwa vierzig der so arg misshandelten Werke 
zu befreien und sie in der kaiserlichen Bibliothek in Wien in Sicherheit 
zu bringen. Kaiser Rudolf hatte schon vorher durch einen Dr. Sam- 
bucus die benachbarten Orte um Ofen absuchen lassen, um die über- 
all verstreuten Bücher möglichst vor dem Untergang zu retten. 

Es ist seitdem eine Lieblingsbeschäftigung vieler gewesen, die Spuren 
der wenigen übriggebliebenen Corvinus - Manuskripte bis in ihre ent- 
legensten Schlupfwinkel zu verfolgen. Man fand einige im Vatikan, 
andere in Ferrara , und verschiedene kamen an ihrem ursprünglichen 
Geburtsorte Florenz wieder zum Vorschein, wieder andere will man hier 
und da in Ungarn gesehen haben. Venedig besitzt eine ,,Ge seh ich te 
des Hauses Corvinus" aus der Bibliothek, und Jena hat ein Werk 
von Guarini mit den Insignien des Königs auf dem Titel sehr sauber 
gemalt. 

Auf einem anderen Bande, den der Herzog August von Braun- 
schweig für seine Bibliothek in Wolfenbüttel erwarb, finden sich die 
Porträts des Königs Matthias und seiner Gemahlin. Maria von Öster- 
reich, die Wittwe König Ludwigs, schenkte der Bibliotheque de Bour- 
gogne in Brüssel zwei Bände aus der Corvinus -Bibliothek, der eine ein 
Missale, von Atta v ante reich geschmückt, auf das später die Fürsten 
von Brabant vereidigt wurden, der andere, ein ,, goldenes Evan- 
gelium", wanderte nach Spanien und war dort lange der Stolz des 
Escurials, ist jetzt aber an Belgien zurückerstattet. 

Die Spuren anderer Bände aus der Corvinus-Bibliothek sind in ver- 
schiedenen französischen und deutschen Städten entdeckt. Man hat auch 
lange darüber gestritten, ob Exemplare nach England gekommen sind. 



Die Bücherliebhaberei in Deutschland. 



289 



So halten einige verschiedene der Arunde 1 -Handschriften im British 
Museum in London für von Ofen herstammend. Bekannt ist, das Tho- 




IUB ALDI • PIRKEYJWHERT EKFIöiES 
• AElÄTlS'SVAE'ÄNNO'Laii- 
I WITVR.' iNGEMIO CAETERA-AVORTIS • 

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Abb. 



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207. Wilibald Pirckheimer's Bildnis aus dem 53. Jahre seines Lebens, 

1524 von Albrecht Dürer gestochen. 

„Vivitur ingenio caetera mortis erunt." 

Am besten durch das Schiller'sche Wort zu übersetzen: 

„Wenn der Leib in Staub zerfallen, lebt der grosse Name noch." 



mas, Earl of Arundel, auf einer seiner Expeditionen, die er zur 
Erlangung seltener Bücher öfter unternahm, auch nach Heidelberg kam, 
und dort mancherlei aus der berühmten Palatina- Bibliothek kaufte. 

Mü hl brecht, Bücherliebhaberei. 19 



290 Neuntes Kapitel. 

Und in Nürnberg erwarb er auf derselben Reise über hundert Hand- 
schriften aus dem Nachlass des grossen deutschen Büchersammlers 
Abb. 207. Pirckheimer, der sie, nach dem Urteile von damaligen Autoritäten, 
aus der Schatzkammer in Ofen gekauft hatte. Bilibald Pirck- 
heimer, der Senator von Nürnberg, starb 1530, drei Jahre nach der 
Zerstörung von Ofen durch die Türken. An Gelegenheit, sich manche 
der wüst zerstreuten Bücher zu verschaffen, hat es ihm nicht gefehlt, 
denn er sagt in eigenen Briefen, dass er Besitzer von seltenen 
Manuskripten geworden sei , die aus ungarischen Beutestücken her- 
stammten.*) — 

Als eine der segensreichsten Wirkungen der Erfindung der Buch- 
druckerkunst ist die rasche Durchführung der Reformation anzusehen. 
Luther hatte in seiner Bibelübersetzung dem deutschen Volke 
ein Licht angezündet, das nicht wieder verlöschen sollte und das seinen 
Glanz weit über die Grenzen Deutschlands hinaus über die ganze Welt 
verbreitete. Wir haben im vorhergehenden gesehen, wie die Bibel- 
ausgaben bei allen Nationen, namentlich in Holland (S. 273), eine grosse 
Rolle spielten ; man kann sich aber nur schwer eine Vorstellung davon 
machen , in welchen unzähligen Mengen dies Buch seit der Erfindung 
der Buchdruckerkunst Verbreitung gefunden hat und auch heute noch 
immer findet. 

Nicht selten wird die Frage aufgeworfen, in wie viele Sprachen und 
Mundarten der Welt die Bibel bis jetzt übersetzt sei. Die Antwort, die 
man hierauf gewöhnlich erhält, dass die heilige Schrift in nahezu vier- 
hundert Sprachen übersetzt sei , ist nur mit einer gewissen Ein- 
schränkung richtig. Sie ist es nur insofern, als damit einzelne Teile 
der heiligen Schrift gemeint sind, deren Übersetzungen sich allerdings 
auf nahezu vierhundert belaufen. Versteht man aber unter jener Frage 
die vollständige Bibel Alten und Neuen Testaments in allen ihren Teilen, 
so beziffert sich die Anzahl ihrer Übertragungen in die verschiedenen 
Sprachen der Welt auf hundertundacht. Wir ersehen dies aus einer Liste, 
die der Sekretär der britischen und ausländischen Bibelgesellschaft, 
J. G. Watt, vor kurzem aufgestellt hat.*) Nach ihr ist bis jetzt die 
heilige Schrift in vollständiger Ausgabe in vierzig europäischen, einund- 
vierzig asiatischen , vierzehn afrikanischen , zehn australischen bezw. 
oceanischen und drei amerikanischen Sprachen erschienen. Dabei ist 
aber zu beachten, dass die Ausgaben von verschiedenen Übersetzern in 

*) Ludwig Fischer, König Matthias Corvinus und seine Bibliothek. Wien 1878. 8. 
**) Mitteilung der „Bibelblätter", herausgegeben von der Bibelgesellschaft in Basel. 
Jahrg. 1896. 



Die Bücherliebhaberei in Deutschland. 29 1 

einer und derselben Sprache , sowie solche in verschiedener Schrift als 
eine Ausgabe gezählt sind. Ebenso sind solche, die nur in Bruchstücken 
existieren, wie z. B. die gotische Bibelübersetzung, in der Liste nicht mit- 
eingerechnet. 

Bemerkenswert ist die grosse Anzahl von Bibelausgaben in asiatischen 
Sprachen. Fast alle derselben sind erst im Laufe dieses Jahrhunderts 
hergestellt worden. Sie sind ein beredtes Zeugnis von dem Fleiss und 
Eifer der heutigen Missionen , durch deren Arbeiter dieses mühevolle 
Werk gethan worden ist. Asien hat hierin sogar Europa bereits über- 
holt, und noch stehen für jenes manche Übersetzungen in Aussicht, 
während das bei Europa wohl kaum der Fall sein dürfte. 

Die vierzehn afrikanischen Bibelausgaben, sowie die zehn der Südsee 
gehören ihrer Entstehung nach alle ebenfalls diesem Jahrhundert an. 
Bei Afrika sind es sozusagen erst die Erstlingsausgaben , und es ist zu 
erwarten, dass bei der Rührigkeit der Missionare auf diesem Gebiet die 
Zahl der Übersetzungen sich von Jahr zu Jahr mehren werde. 

Ich will noch darauf hinweisen, dass die englische Bibelgesellschaft, 
die British and Foreign Bible Society, seit ihrer Gründung im 
Jahre 1804 bis 1881 mit einem Aufwände von etwa 175 Millionen Mark 
nicht weniger als 93 953 000 Exemplare der heiligen Schrift druckte und 
allein im Jahre 1881 davon 2938000 Exemplare verbreitete. Die 18 16 
gestiftete Amerikanische Bibelgesellschaft, deren Jahres- 
einnahme jetzt etwa drei Millionen Mark beträgt, druckte während der 
sechzig ersten Jahre ihres Bestehens über dreiunddreissig Millionen Bibeln 
in zwanzig verschiedenen Ausgaben. Und die Preussische Haupt- 
bibelgesellschaft hat allein im Jahre 1896 ebenfalls 107679 Bibeln 
und 48 827 Neue Testamente ausgegeben. Man rechne zu dieser Thätig- 
keit auch diejenige anderer Nationen und früherer Jahrhunderte. Kein 
Wunder, dass die Heilige Schrift als das Buch aller Bücher gilt und als 
einer der bedeutendsten Faktoren unserer ganzen Kulturentwickelung be- 
trachtet wird. 

Neben der Bibel waren es gleich im Anfange die Kirchenväter , 
die man in korrekten und schönen Ausgaben druckte, wie Lactantius, 
Augustinus, Eusebius, Nemesius u. a. War der Nutzen dieser 
Werke für die Wissenschaft auch kein durchweg unzweifelhafter , so 
wurden doch mancherlei nützliche Kenntnisse durch sie verbreitet. 

Gross waren die Fortschritte in der klassischen Litteratur und der 
Philologie. Die römischen Dichter erschienen fast alle schon in den 
ersten fünfundzwanzig Jahren nach der Erfindung der Buchdruckerkunst, 
die griechischen in den letzten Decennien des fünfzehnten und in den 

19* 



2Q2 Neuntes Kapitel. 

ersten des sechzehnten Jahrhunderts. Der Lieblingsdichter war Virgil, 
von dem im Jahre 1500 schon siebzig verschiedene Ausgaben existierten. 
Auch von Cicero's Werken erschienen bis zum Jahre 1 500 über hundert 
verschiedene Ausgaben.*) 

Frühzeitig schon hat sich die Typographie den Er d- und Reise- 
beschreibungen zugewandt. Die Holländer haben darin, wie wir 
gesehen haben (S. 276), Bedeutendes geleistet. Die Kreuzzüge und die 
grossen Entdeckungen gaben reichlich Stoff dafür. Die Kreuzzüge 
setzten die Streiter für die Kirche massenhaft in Bewegung, aber auch 
friedliche Reiselustige, Minstrels und Abenteurer aller Art zogen nach 
dem Orient. 

Dadurch entstanden die romantischen Legenden vom heiligen Lande, 
von den Heldenthaten und Abenteuern der Ritter. Mitunter gingen auch 
europäische Gesandtschaften an die Herrscher Asiens. Als Reisender 
wurde zuerst der Venetianer Marco Polo berühmt, die erste italienische 
Ausgabe seiner Reisebeschreibungen erschien 1496. Von noch grösserer 
Bedeutung als die Kreuzzüge waren die Entdeckungen von Columbus 
und Cortez in Amerika, von Vasco de Gama und Albuquerque 
in Afrika und Indien , die durch die Presse rasch zur allgemeinen 
Kenntnis kamen. In der Rechtswissenschaft waren es die Institutionen 
des Justinian, zuerst von Schöffer 1468 gedruckt, welche nach der 
Erfindung der Kunst in vielen Ausgaben erschienen. So kam in die 
verschiedensten Verhältnisse der damaligen Zeit ein ganz neues helles 
Licht, ein Erwachen der Geister zu neuem Leben. 

Das Buchgewerbe in Deutschland hatte anfänglich grosse Schwierig- 
keiten, die neugedruckten Werke in weiteren Kreisen bekannt zu machen; 
wenn die Gelehrten nicht zufällig durch Briefwechsel von dem Erscheinen 
eines Buches Kenntnis erhielten, so waren sie ganz von ihren Buch- 
händlern abhängig. Hatten sie mit ihrem Auftrage eine „Messe" ver- 
säumt, so musste in der Regel die nächste Messe abgewartet werden. 

Der Bücher-Messverkehr, welcher nahezu drei Jahrhunderte 
hindurch den Geschäftsverkehr der Angehörigen des Buchgewerbes in 
Deutschland ganz wesentlich beeinflusste, lässt sich bis in das fünfzehnte 
Jahrhundert verfolgen und entwickelte sich besonders im sechzehnten 
Jahrhundert. 

Frankfurt a. M. war zu jener Zeit schon einer der berühmtesten 
und bedeutendsten Messplätze Europas und gestaltete sich zuerst zum 
Büchermarkt , da in Süddeutschland , der Wiege des deutschen Buch- 

*) L o r c k , Geschichte der Buchdruckerkunst. I. S. 92 ff. 



Die Bücherliebhaberei in Deutschland. 293 

handeis, kein anderer Handelsplatz für den internationalen Verkehr so 
günstig, wie Frankfurt, gelegen war. Von fremden Besuchern waren die 
Holländer und Belgier, die Pariser und Lyoner Buchhändler die wich- 
tigsten. Daneben verkehrten auch Engländer, Italiener, Österreicher und 
Ungarn. Aber nicht nur die Buchhändler kamen zur Messe nach Frank- 
furt , sondern alle Personen , die mit dem Buchgewerbe in Verbindung 
standen. So waren viele Universitäten durch Gelehrte aller Fakultäten, 
Schriftsteller u. s. w. vertreten , auch die Dichter fehlten nicht , daneben 
sah man auch Papierhändler, Buchbinder u. a. m. 

Dieser internationale Verkehr fand statt, solange sich die Bücher- 
produktion vornehmlich auf die scholastische, ausschliesslich in lateinischer 
Sprache verfasste Gelehrtenlitteratur beschränkte. Als aber die deutsche 
Litteratur durch die Reformation zu hoher Geltung kam und die latei- 
nische Sprache mehr und mehr verdrängte, da blieben die fremden Buch- 
händler nach und nach aus, namentlich auch weil der Absatz ihrer eigenen 
Bücher durch die Obersetzungen der deutschen Verleger immer geringer 
wurde. 

Der Verkehr mit Italien war schon um 1570 durch den Index 
librorum prohibitorum des Papstes Julius IV. so gut wie ver- 
nichtet. Mit den spanischen Niederlanden verfiel der buchhändlerische 
Verkehr nach den Ordonnanzen Philipps IL Am längsten erhielt sich 
der Verkehr mit Holland , bis der dortige Buchhandel dem klassischen 
Verlage untreu wurde und sich den französischen Artikeln und dem 
Nachdrucke zuwandte. 

Als Rivalin Frankfurts trat bald Leipzig auf, als bedeutende 
Handelsstadt hauptsächlich besucht von Mittel-, Nord- und Ostdeutschland, 
im Gegensatz zu Frankfurt a. M. den spezifisch deutschen Büchermarkt 
pflegend. Der Schwerpunkt der Kultur war nach der Reformation in 
Deutschland immer mehr nach dem Norden verlegt, hier wehte eine 
frischere Luft, während der Süden mehr unter dem Einflüsse der katho- 
lischen Kaiser, den Einflüsterungen der Geistlichkeit und den Plackereien 
der kaiserlichen Bücherkommissionen und Censoren stand. Das hatte 
die natürliche Folge, dass sich der Norden von den Frankfurter Bücher- 
messen zu emancipieren suchte. Zu Gunsten Leipzigs wirkte auch noch 
die Gründung der Universitäten in Wittenberg, Frankfurt a. O. und 
später in Königsberg und das Interesse der sächsischen und branden- 
burgischen Kurfürsten für Kunst und Wissenschaft. Das alles zusammen 
verschaffte Leipzig nach und nach ein Übergewicht über Frankfurt a. M. 

Die Entstehung des litterarischen Verkehrs in diesen beiden Mess- 
plätzen liegt zeitlich nicht weit auseinander , den urkundlichen Beweis 



294 Neuntes Kapitel. 

hierfür liefern die St ehlin' sehen Regesten,*) aus ihnen geht hervor, 
dass der Bücherverkehr auf der Leipziger Messe schon in der ersten 
Hälfte der siebziger Jahre des fünfzehnten Jahrhunderts bestand. Der 
Streit um den Vorrang zwischen diesen beiden Centren des Bücher- 
verkehrs, der sich im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert besonders 
lebhaft entwickelte, ist ein Charakteristikum des deutschen Buchhandels 
und muss deshalb auch hier betont werden. 

Der erste Frankfurter Messkatalog, von Georg Willer in 
Augsburg herausgegeben, erschien 1564, er gelangte bald zur allgemeinen 
Anerkennung, je mehr er den Charakter eines allgemeinen Bücherverzeich- 
nisses annahm. Anfangs war die innere Einrichtung eine sehr primitive. 
Angaben der Verleger und Verlagsorte fehlten ganz, späterhin wurde 
der Verlagsort ohne den Verlegernamen hinzugefügt, Ladenpreise an- 
zugeben war nicht üblich. Die verzeichneten Bücher wurden in zwei 
Hauptabteilungen geschieden, in die lateinischen, denen noch die orien- 
talischen und griechischen beigefügt waren, und die deutschen. Seit der 
Herbstmesse 1592 unterschied man drei Hauptabteilungen, die dritte um- 
fasste die italienischen, spanischen und französischen Werke. Innerhalb 
dieser Hauptabteilungen wurden die einzelnen Werke, je nach der Wissen- 
schaft, der sie angehörten, eingeteilt und zwar bis 1592 ohne alphabetische 
Ordnung, dann wird auch diese für die erste und zweite Hauptabteilung 
eingeführt. 

Dieser Will er 'sehe Katalog erschien bis 1592 jährlich zweimal. 
Vom Jahre 1598 an Hess der Rat der Stadt Frankfurt einen offiziellen 
Katalog („Cum permissu superiorum") erscheinen, der von 161 8 an unter 
kaiserlichem Privilegium ausgegeben wurde. Neben diesem amtlichen 
Messkataloge erschienen bis etwa 1630 noch verschiedene Privat -Mess- 
kataloge, deren Bedeutung aber von Jahr zu Jahr geringer wurde. Und in 
dem Maasse , als Frankfurt von Leipzig überflügelt wurde , schrumpfte 
auch der Inhalt des amtlichen Frankfurter Messkatalogs immer mehr zu- 
sammen, bis er 1734 ganz zu erscheinen aufhörte. 

Da der Frankfurter Katalog von Anfang an eine günstige Aufnahme 
fand , so wurde das Unternehmen in dem rivalisierenden Leipzig bald 
nachgeahmt. In der Michaelismesse 1594 erschien der erste Leipziger 
Messkatalog, herausgegeben von dem Buchhändler und Drucker Hen- 
ning Gross, zu dem sich in den Jahren 1598 bis 1619 ein zweiter 
Katalog von Abraham Lamberg gesellte, der 1620 mit dem von 



*) St ehlin, Regesten zur Geschichte des Buchdrucks bis zum Jahre 1500. Archiv für 
die Geschichte des Buchhandels. Bd. XI. S. 13. No. 41. 



Die Bücherliebhaberci in Deutschland. 



295 



Gross vereinigt wurde und bei den Geschäftsnachfolgern von Henning 
Gross bis 1759 ohne Konkurrenz erschien. Von 1759 an erschien der 
Messkatalog im Verlage der Weidmann' sehen Buchhandlung. Der letzte 
Messkatalog ward von dieser Firma Ostern 1852 ausgegeben. 

Zwar konnte Leipzig als Verlagsplatz im Jahre 1 595 nur 68 Artikel 
gegen 117 in Frankfurt aufweisen, aber schon 1600 war das Verhältnis 
ein besseres, 125 gegen 148, und 1632 hatte Leipzig gesiegt mit 221 
Werken gegen 68 in Frankfurt, 1689 mit 310 gegen 90, 1699 mit 319 
gegen 109 und im Jubeljahre 1740 mit 253 gegen 74.*) Die Messkata- 
loge, die Gradmesser des damaligen Buchhandels, verzeichnen von 1565 
bis 1640: 8216 in Leipzig erschienene Werke, davon kommen 243 als die 
stärkste Jahresproduktion auf das Jahr 161 3, und von 1641 bis 1740: 
19 711 Erzeugnisse von Leipzig, unter denen das Jahr 1698 die stärkste 
Produktionsziffer mit 401 Artikeln stellt. 

Die traurige Zeit des dreissigjährigen Krieges hatte den Auf- 
lösungsprozess des Deutschen Reiches eingeleitet, uns des Elsasses be- 
raubt und jede Spur geistigen und politischen Lebens unter Roheit und 
Barbarei begraben. Die Kriegsnot hatte auf ganz Sachsen besonders 
schwer gelastet und den ungünstigsten Rückschlag auf den Buchhandel 
und die Buchdruckerei in Leipzig geübt. Wie sich unser ganzes Vater- 
land nur sehr langsam von den gewaltigen Schlägen erholte, so dauerte 
es auch nach dem Friedensschluss nochiange, ehe sich das Buchgewerbe 
in Leipzig von seinem tiefen Verfall erholen konnte. Ein dauernder 
Aufschwung datiert erst aus dem Ende des siebzehnten Jahrhunderts, 
wovon die angesehenen Verlagshandlungen von Weidmann, Gle- 
ditsch, Fritsch, Zedier, Heinsiusu. a. Zeugnis ablegen.**) Seit- 
dem hat das Wachstum des Leipziger Buchgewerbes stetig zugenommen, 
und dieses hat heute Dimensionen, welche alle anderen Städte in Deutsch- 
land weit hinter sich lassen. 

Nach dem Beispiele anderer Länder sollte die Reichshauptstadt zu- 
gleich auch die Hauptstadt des Buchhandels sein, wie es thatsächlich in 
Paris, London, Brüssel und Rom der Fall ist. Nicht so in Deutschland, 
wo in den vielen Einzelstaaten jede Residenz um die Palme und den 
Ruhm, eine Pflanzstätte für Kunst und Wissenschaft zu sein, sich bemüht 
hat. Die heutige deutsche Reichshauptstadt Berlin ist in der 
Entwicklung des Buchgewerbes hinter Frankfurt und Leipzig anfänglich 
weit zurückgeblieben. 



•) G. Schwetschke, Codex Nundinarius. Halle 1850. 
*) L o r c k , Geschichte der Buchdruckerkunst. I. 



2q6 Neuntes Kapitel. 

Noch im Jahre 1500, obschon die Residenz eines Kurfürsten, war 
Berlin eine so unbedeutende Stadt , dass sie keine einzige Druckerei 
besass, während benachbarte kleine Orte, wie Kloster Zinna bei Jüterbogk 
und Stendal schon vor dem Ende' des fünfzehnten Jahrhunderts sich einer 
Druckerei rühmen konnten. In Frankfurt a. O. lies sich 1502 Martin 
Trether als Drucker nieder. Erst im Jahre 1 540, als der Süden Deutsch- 
lands bereits seine typographische Glanzzeit hinter sich hatte, berief Kur- 
fürst Joachim II. den Johann Weiss, der seit 1525 als tüchtiger 
Drucker in Wittenberg thätig war, nach Berlin. Das erste von ihm in 
diesem Jahre in Berlin gedruckte Buch war die „Kirchenordnung 
im Kurfürstentum der Marken". Weiss lieferte bis 1544 noch 
etwa zwanzig Druckwerke. Nach ihm fehlt dreissig Jahre lang jede Spur 
einer anderen Druckerei, bis 1574 Leonhard Thurneysser er- 
schien, den wir schon früher bei den Privatdruckereien kennen gelernt 
haben (S. 1 50). Von der Zeit an lassen sich dürftige Spuren des Buch- 
gewerbes in Berlin verfolgen. 

Im Jahre 161 5 wurde die erste Zeitung in Berlin gedruckt, 1660 der 
erste Hofbuchdrucker ernannt , Georg Schultze, der mit seiner 
Druckerei von Guben nach Berlin übersiedelte , wo ihm im Schlosse 
Räumlichkeiten angewiesen wurden. Seine Nachfolger brachten es alle 
nicht weit und erst in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts nahm 
das Buchgewerbe in Berlin Aufschwung. 

Heute rivalisiert Berlin mit Leipzig sehr stark, doch nur in seiner 
eigenen Produktion, in der Bedeutung für den Gesamtbuchhandel kann 
sich Berlin nicht entfernt mit Leipzig messen. Nach Schulz' Adress- 
buch für den deutschen Buchhandel, Jahrgang 1896, zählt Berlin jetzt 
828 Firmen, Leipzig 760. In dieser Zahl ist sowohl der Buch-, Kunst-, 
Musikalien- und Landkartenhandel enthalten , wie auch deren sämtliche 
Hilfsgewerbe. 

Leipzig ist in seiner gesamten Herstellungstechnik Berlin noch weit 
überlegen, auch an Zahl und innerem Werte der eigenen Verlagswerke. 
Dagegen ist Leipzig von Berlin im Zeitungs- und Zeitschriftenwesen in 
den letzten dreissig Jahren gewaltig überholt. Anfang 1897 erschienen 
in Berlin nicht weniger als 1054 Zeitungen und Zeitschriften, darunter 
47 täglich und 25 wöchentlich erscheinende politische Zeitungen. Die 
grossen politischen Berliner Zeitungen sind nur insofern tonangebend für 
Deutschland, als sie ihre Nachrichten aus den Regierungskreisen schöpfen 
und deren Anschauungen wiedergeben. Im übrigen kann sich ihre Be- 
deutung nicht mit der von Weltblättern, wie der Times, der Kölnischen 
Zeitung u. a. messen. 



Die Büchcrlicbhaberei in Deutschland. 2Q7 

Die Zeitschriftenpresse aber beherrscht das ganze Deutschland , es 
erscheinen z. B. 160 Zeitschriften für die Gewerbe aller Art, 90 für den 
Handel , 62 für die Rechts- und Staatswissenschaften und die Volks- 
wirtschaft, 54 für die Religion, 34 für das Theater und die Musik, 52 für 
die belletristische Unterhaltung, 39 für das Bau- und Ingenieurwesen, 
35 für die Frauen und die Mode, 24 für die Geographie und Ge- 
schichte u. s. w. Um die gewaltige Aufgabe der Herstellung dieser 
1054 periodischen Unternehmungen zu erfüllen, sind 660 Buchdruckereien 
und 324 lithographische Anstalten und Steindruckereien mit einer Armee 
geschulter Arbeiter unausgesetzt thätig. Es ist auf diesem Gebiete recht 
ersichtlich , dass Berlin der Brennpunkt des geistigen Lebens von ganz 
Deutschland geworden ist. Welcher Unterschied zwischen dem Berlin 
von 1540, wo hundert Jahre nach Erfindung der Buchdruckerkunst die 
erste Druckerei errichtet wurde, und dem heutigen Berlin, in dem nahe- 
zu tausend Druckereien der verschiedensten Art thätig sind ! - 

Was lässt sich nun [über die heutige deutsche Bücher- 
liebhaberei im engeren Sinne sagen ? Dürfen wir dem Urteile zweier 
bekannter Autoren Glauben schenken, so ist es damit schlecht bei uns 
bestellt. Hören wir das Urteil von Ernst Eckstein und von Eduard 
von Hart mann, um alsdann zu prüfen, inwieweit dasselbe richtig ist. 

Eckstein, der durch langjährigen Aufenthalt in Paris die dortigen 
litterarischen Zustände kennen lernte , stellt in seiner Schrift ,, Leichte 
Ware" einen Vergleich an und sagt unter anderem folgendes : ,,Es ist 
nicht schwer statistisch nachzuweisen, dass gute und gediegene Bücher in 
Frankreich wenigstens fünfmal so eifrig gelesen und zwanzigmal mehr 
gekauft werden als in Deutschland. Wenn das Volk der Denker sich 
wirklich einmal herablässt, eine Novität wie Freytag's Ahnen oder Paul 
Heyse's , Kinder der Welt' zu lesen, so geschieht dies auf einem 
sehr zweifelhaften Umwege, durch die Leihbibliothek. Unsere vornehmsten 
Damen erröten nicht, einen Band in die Hand zu nehmen, der durch so 
und so viele unsaubere Hände gegangen ist und alle Düfte eines Material- 
warenladens in sich vereinigt. 

In Frankreich existiert die Leihbibliothek nur für arme Nähterinnen 
oder Droschkenkutscher. Wer sich einigermaassen zur Gesellschaft rechnet, 
der ersteht seinen Bedarf an Büchern käuflich. Vom Standpunkte des 
Deutschen ist es alles mögliche , wenn er ein Buch überhaupt nur liest, 
obschon auf illegitimem Wege. In der Regel aber unterlässt er selbst 
dies, denn — er hat keine Zeit! Der Deutsche hat wohl Zeit, all- 
abendlich sein Bier zu trinken, er hat Zeit für Bälle, Theater und Kon- 
zerte, für Skatgesellschaften, Billardpartien und Kegelabende ; er hat Zeit 



2q8 Neuntes Kapitel. 

für zweckloses politisches Kannegiessern, für Stiftungs- und Schützenfeste 
und Weltausstellungen. Aber für eine behagliche Aufnahme geistiger 
Nahrung, für das, was am unmittelbarsten zu Herz und Verstand spricht, 
für das , was jedem gebildeten Menschen ein unabweisliches Bedürfnis 
ist, für das Lesen von Büchern hat er keine Zeit. 

Es ist in der That ein Mangel an wahrhaft idealem Interesse, der 
unsere sogenannten gebildeten' Zirkel in traurigster Weise kennzeichnet. 
Ich sehe hier natürlich von einzelnen auserlesenen Miniaturkreisen ab 
und taxiere die Gesellschaft nach der tonangebenden Majorität. 

Wie anders der Franzose seinen Autoren gegenübersteht, als der 
Deutsche, davon liefern die Annalen des Buchhandels in beiden Ländern 
höchst charakteristische Beispiele. Wenn Francois Coppee ein Genre- 
stück, wie seine , Greve des forgerons' schreibt, ein Werkchen, 
das zwar anmutig gearbeitet, aber gewiss nicht epochemachend ist, so 
kauft allein Paris binnen sechs Wochen dreizehntausend Exemplare ! 
Und die Greve des forgerons ist nicht etwa ein Roman, sondern ein 
Gedicht. Nun möge einer unserer gefeiertsten Autoren, wie Paul Heyse, 
Julius Wolff oder Georg Ebers den Versuch machen , etwas Ähn- 
liches wie das Coppee' sehe Gedicht auf den Markt zu bringen ! Das 
Resultat wäre jammervoll. Dafür sind die Deutschen das Volk der 
Dichter und Denker, das über Frankreich mit olympischem Stolze die 
Achseln zuckt ! 

Ich weiss nicht, wie hoch sich die Honorare belaufen, die Emanuel 
Geibel für seine lyrischen Gedichte geerntet hat; ich zweifele indes 
fast, dass sie ausgereicht haben würden, ihm eine Existenz zu gründen. 
In Frankreich würde ein Dichter, wie Geibel, sein eigenes Hotel in der 
Rue d' Amsterdam und eine Villa in Meudon besitzen , Equipagen und 
Diener halten und sich mit der Zeit eine hübsche Gemäldegalerie an- 
legen. Man frage Victor Hugo, wieviel Hunderttausende er seiner 
Lyrik verdankt , von den Romanen und Dramen ganz zu schweigen. 
Ich weiss aus des Dichters eigenem Munde , dass er für die kurze Ein- 
leitung , die er zu dem Pariser Fremdenführer (Paris - guide) schrieb, 
ioooo Francs erhielt. Solche Honorare sind in Frankreich möglich, 
denn der Autor von Ruf erfreut sich hier einer geschlossenen Riesen- 
kolonne von Lesern. In Deutschland schrumpfen die Verhältnisse lilipu- 
tanisch zusammen, denn der Deutsche möchte wohl, aber — er hat 
keine Zeit!" 

So weit Ernst Eckstein. Hören wir nun, was Ed. von Hart- 
mann in seinen „Modernen Problemen", in dem Kapitel ,,Der Bücher 
Not" sagt. 



Die Bücherliebhaberei in Deutschland. 



299 



„Deutschland verdankt seine hervorragende Stellung im wissenschaft- 
lichen Wettkampf der Völker neben der Tüchtigkeit seiner Schulen und 
Hochschulen wesentlich dem Umfange und der Bedeutung seiner wissen- 
schaftlichen Litteratur. Weil die jährliche Bücherproduktion Deutschlands 
grösser ist als diejenige von Frankreich und England zusammengenommen,*) 
deshalb kann auch jährlich eine grössere Zahl hervorragender Erschei- 
nungen auf dem deutschen Büchermarkt gefunden werden , als auf dem 
französischen und englischen , w T ährend die übrigen Nationen als Kon- 
kurrenten auf dem Gebiete der Wissenschaft noch wenig in Betracht 
kommen. In neuerer Zeit treten Erscheinungen hervor , welche die ge- 
deihliche Fortentwickelung der wissenschaftlichen Litteratur in Deutsch- 
land in Frage stellen ; und diese Gefahr ist wichtig genug, um ihren Ur- 
sachen und ihrer Bekämpfung einige Aufmerksamkeit zu widmen. Der 
Absatz auch der wirklich wertvollen wissenschaftlichen Bücher wird im- 
mer geringer .... Ich sehe die Gründe für die Abnahme des Ankaufs 
wissenschaftlicher und schöner Litteratur in folgendem. 

1. Die Abnahme der Mussezeit der Gebildeten und ihrer Fähigkeit, 
dieselbe mit Ernst und Sammlung zu benutzen, begünstigt eine Litteratur, 
welche der Erholung und Zerstreuung dient, und benachteiligt solche, 
die zur Lektüre eine gewisse Stetigkeit und Konzentration verlangt. 

2. Das Überwuchern der politischen Interessen drängt diejenigen an 
Wissenschaft , Kunst u. s. w. in den Hintergrund und die zerstreuende 
und aufreibende Unruhe des modernen grossstädtischen Lebens in Berufs- 
arbeit und Geselligkeit macht die Sammlung immer schwerer. 

3. Die Verteuerung der städtischen Mietswohnungen und die zu- 
nehmende Häufigkeit der Umzüge machen einen grösseren Bücherbesitz 
zu einer immer wachsenden Last, vor deren Aufbürdung der Deutsche 
sich scheut, während erst das eigene Haus (wie in England) ein Behagen 
an eigenen Büchern aufkommen lässt. 

4. Die aus der Steigerung der Setzerlöhne folgende Verteuerung der 
Bücherpreise ist dem Sinken des Geldwertes beträchtlich vorausgeeilt 
und trägt dazu bei, vom Ankaufe neuer Bücher abzuschrecken. 

5. Das Anstandsbedürfnis an Bücherbesitz wird durch billige Klassiker- 
ausgaben, Sammel- und Nachschlagewerke, populärwissenschaftliche Mark- 
bibliothen, Moderomane, gelegentliche Geschenkslitteratur und unentbehr- 
liche Hilfsmittel des Berufs befriedigt ; meist wird auch der in der Woh- 
nung verfügbare Raum durch dieselben erschöpft. 

6. Die für Lektüre verfügbare Zeit wird durch das Bestreben, in der 



') Siehe die Anmerkung auf Seite 9. 



?00 Neuntes Kapitel. 

eigenen Berufswissenschaft notdürftig auf dem Laufenden zu bleiben, 
durch eine Zeitung, einen Journalzirkel und die neuesten Moderomane 
meist vollständig ausgefüllt, ohne dass Lust und Zeit zur Lektüre wissen- 
schaftlicher Originalwerke übrig bleibt. 

7. Die Gewöhnung an Journal- und Zeitungslektüre verdirbt den 
Geschmack und die Fähigkeit zum Lesen zusammenhängender Werke 
und schon rückt auch uns Deutschen die Zeit näher, wo der ,Leitartikel' 
bereits als eine zu grosse Zumutung an das Konzentrationsvermögen gilt 
und in ein Mosaik von ,Entrefilets' aufgedröselt wird. 

Die Gefahr, welche in dem erdrückenden Einfluss der Zeitungen 
und Journale liegt, muss auf doppeltem Wege bekämpft werden. Die 
Jugend muss begreifen, dass sie mit der Hingabe an den flüchtigen Reiz 
dieser Lektüre ihre Seele verkauft, d. h. auf die gründliche und allseitige 
Ausbildung ihres Geistes verzichtet. Die Älteren aber müssen selbst 
aufhören, der periodischen Litteratur aus Bequemlichkeit einen Wert bei- 
zulegen , den sie nicht verdient , müssen sie als ein notwendiges Übel 
betrachten und namentlich die Tagespresse mit der gebührenden Miss- 
achtung behandeln, damit die Jugend nicht durch den Nachahmungstrieb 
verführt werde, mit derselben ihre kostbare Mussezeit zu verderben. Die 
gebildete Jugend bis zu dreissig Jahren sollte ebensowenig Zeitungen 
lesen, wie Politik treiben, sondern alle ihre verfügbare Zeit auf Bücher 
verwenden ; der Schnee vom vergangenen Jahre ist nicht wesenloser als 
der Inhalt der Zeitung von gestern. Die Jugend soll aber auch keine 
Journale lesen, weil solche nur die Aufgabe haben, den auf ein gewisses 
fertiges Bildungsniveau Gelangten auf dem Laufenden zu halten, aber 
nicht geeignet sind, eine noch fehlende Bildung zu vermitteln. Sie sind 
um so weniger schädlich, je zusammenhängendere und umfangreichere 
Abhandlungen sie bieten, je ähnlicher sie also dem Buche werden; um 
so schädlicher, je mehr sie sich dem Charakter der Zeitung annähern. 
Die reifen Männer sollten zu der Einsicht gelangen, dass man die , grossen, 
Tageszeitungen bekämpfen und die „kleinen" kurzen Blätter begünstigen 
muss, und zwar um so mehr, je weniger sie einer bestimmten Partei 
dienen und je mehr sie sich bemühen , die wichtigeren Thatsachen der 
Tagesgeschichte und die wichtigeren Urteile über dieselben in un- 
parteiischer Kürze zu registrieren. Von Journalen sollten sie nur so viel 
in ihr Haus kommen lassen, als notdürftig ausreicht, sie auf dem Laufen- 
den zu erhalten und namentlich sie auf wichtige Erscheinungen der Litte- 
ratur hinzuweisen. Dann aber soll auch der beschäftigtste und angespann- 
teste Mann nicht unterlassen , an freien Sonntagen oder in Ferienzeiten 
persönlich zu den Quellen hinabzusteigen, aus denen der Geist der natio- 



Die Bücherliebhaberei in Deutschland. 3OI 

nalcn Kultur sich verjüngt, d. h. zu den Originalwerken der Forscher, 
Denker und Dichter." 

Ich habe hier zwei Vertreter verschiedener Litteraturgebiete zu Worte 
kommen lassen: Eckstein beklagt sich, dass keine schönwissenschaft- 
liche Litteratur gekauft und gelesen wird, dasselbe behauptet von Hart- 
mann von der wissenschaftlichen Litteratur, weil seiner Meinung nach 
zu viel schönwissenschaftliche Litteratur konsumiert wird. Die Urteile 
stehen sich also direkt gegenüber, denn jeder der Herren spricht pro 
domo ! Eckstein schreibt nur Romane , Bücher , die man zu seinem 
Vergnügen, zur Unterhaltung liest ; von Hartmann schreibt nur wissen- 
schaftliche, philosophische Werke, beide sind mit ihrem Publikum offen- 
bar unzufrieden. Was ist Wahres daran? 

Es muss zugegeben werden, dass die Herren in vieler Beziehung 
recht haben, aber ich bin doch weit entfernt davon, den Klagen in dieser 
allgemeinen Fassung ohne Widerspruch beizustimmen. Es stände wahr- 
lich schlimm um die Bildung in Deutschland, wenn namentlich die Eck- 
st e i n ' sehen Vorwürfe unanfechtbar wären. Er urteilt einseitig als Bel- 
letrist und verfällt in den Fehler, den ich auf verschiedenen internationalen 
Litterarkongressen in den letzten Jahren mehrfach habe beobachten 
können, dass nämlich unsere heutigen Belletristen und Journalisten sich 
gern als die Vertreter der gesamten Litteratur betrachten und ganz ausser 
acht lassen, dass sie doch nur einen Bruchteil der Gesamtlitteratur produ- 
zieren, dass der Schwerpunkt einer nationalen Litteratur mindestens 
ebenso in der wissenschaftlichen und der Fachlitteratur liegt, wie in 
der schöngeistigen und journalistischen, lediglich der Unterhaltung ge- 
widmeten. 

Ich bin in meiner mehr als vierzigjährigen Berufsthätigkeit als Buch- 
händler zu ganz anderen Resultaten gelangt, als die beiden Herren und 
behaupte , dass weder in Frankreich , noch in England so viel Bücher 
gelesen werden, als in Deutschland, und darauf kommt es doch wohl 
im Grunde genommen am meisten an ! Wenn bei uns nicht so viele Bücher 
gekauft werden , als bei unseren Nachbarn , den Engländern , Franzosen 
und Holländern — und ich gebe das als richtig zu — , so liegt das daran, 
dass unsere Nation nicht so reich ist, wie jene es sind. Wäre der Deutsche 
wohlhabender, so würde er sich zunächst wohl, wie von Hartmann richtig 
bemerkt, eine behaglichere Wohnung, womöglich im eigenen Hause 
schaffen, damit Raum für Bücher gewinnen, und dann auch die Bücher 
mehr liebgewinnen können, als es heute möglich ist. Trotzdem habe 
ich sehr oft die Wahrnehmung machen können, dass der in äusserlich 
beschränkten Verhältnissen lebende Deutsche von seinem bescheidenen 



^02 Neuntes Kapitel. 

Einkommen einen nicht unerheblichen Bruchteil dazu verwendet, in seiner 
Fach litteratur sich gewissenhaft auf dem Laufenden zu erhalten. Es hat 
bei uns mancher eine ansehnliche Bibliothek, deren Anschaffung eigent- 
lich über seine Vermögensverhältnisse hinausgeht ; die benutzt er fleissig, 
mehr kann er sich aber nicht leisten, und schon deshalb wird die Unter- 
haltungslektüre von vielen als eine für sie minderwertigere gar nicht 
beachtet. 

Das mag schmerzlich für die Belletristen sein, aber es ist eine That- 
sache. Der ernstere sinnige Deutsche thut es freilich den Franzosen in 
dem Konsum der Tageslitteratur auch unter günstigeren Verhältnissen 
nicht gleich, aber doch aus anderen Gründen als sie Eckstein angiebt. 
Erst kommen bei uns die älteren Klassiker wie Goethe, Schiller, 
Lessing u. s. w. in den Bücherschrank, ehe man daran denkt, die mo- 
dernen Tagesromane anzuschaffen. 

Ein sprechender Beweis hierfür liegt vor in einem kürzlich veröffent- 
lichten Bericht der Verlagshandlung von Philipp Reclam jun. in Leipzig 
über ihre Verlagsthätigkeit. In der bekannten Reclam'schen Universal- 
bibliothek, eins der edelsten und erfolgreichsten Mittel unserer Zeit zur 
Hebung der Volksbildung , zur Läuterung des Geschmackes , zur Ver- 
breitung nützlicher Kenntnisse und zur Erweckung reiner und erhabener 
Gefühle namentlich bei der jüngeren Generation, finden wir, dass unsere 
Klassiker heute noch die grösste Lesergemeinde haben. Schiller's ,,Tell" 
hat einen Absatz von 619000 Exemplaren gehabt, Goethe's „Hermann 
und Dorothea" von 490000 Exemplaren. Der erste Teil von Goethe's 
,, Faust" ist in 290 000 Exemplaren verkauft. Eine andere Tragsäule der 
Sammlung bilden Shakespeare's Dramen. Ja, zwei Romane, die von un- 
seren modernen Realisten schon längst in die Rumpelkammer geworfen 
sind, erfreuen sich im Publikum immer noch grosser Beliebtheit : Walter 
Scott's ,,Ivanhoe" und Dickens' ,,Pickwickier" haben es bei Reclam auf 
45000 und 40000 Abnehmer gebracht. Solcher Erfolge können sich 
unsere heutigen Belletristen allerdings nicht rühmen ! 

Übrigens ist diese Klage über die Teilnahmlosigkeit des Publikums 
der schönwissenschaftlichen Litteratur gegenüber nicht neu. Wir hören sie 
schon deutlich genug aus einem jener Briefe, welche Goethe im Jahre 
1 797 aus seiner Vaterstadt Frankfurt , als er sie nach langer Abwesen- 
heit zum erstenmal wiedersah, an seinen Freund nach Jena schrieb. 

,,Sehr merkwürdig," schrieb der an die Andacht seiner kleinen Ge- 
meinde gewöhnte Jupiter von Weimar, ,,sehr merkwürdig ist mir auf- 
gefallen, wie es eigentlich mit dem Publico einer grossen Stadt be- 
schaffen ist. Es lebt in einem beständigen Taumel von Erwerben und 



Die Bücherliebhaberei in Deutschland. 303 

Verzehren und das, was wir Stimmung nennen, lässt sich weder hervor- 
bringen noch mitteilen .... ich glaube sogar eine Art von Scheu gegen 
poetische Produktionen, oder wenigstens insofern sie poetisch sind, be- 
merkt zu haben, die mir aus eben diesen Ursachen ganz natürlich vor- 
kommt. Die Poesie verlangt, ja sie gebietet Sammlung, sie isoliert den 
Menschen wider seinen Willen, sie drängt sich wiederholt auf und ist in 
der breiten Welt (um nicht zu sagen in der grossen) so unbequem, wie 
eine treue Liebhaberin." 

Nun, wenn schon Goethe vor hundert Jahren in seiner eigenen, 
stilleren und den. litterarischen Interessen mehr zugewandten Zeit solche 
Wahrnehmungen machte, was dürfen wir dann von der unserigen erwarten, 
die von den grossartigsten politischen Erfolgen ebenso berauscht wurde, 
wie sie von den gewaltigen technischen Fortschritten, von den Erfindungen 
der Neuzeit immer wieder aufs neue in Mitleidenschaft gezogen und in 
Bewegung gesetzt wird. Von der heutigen Gesellschaft, die in einer Über- 
fülle des Luxus das materielle Geniessen zu einer raffinierten Kunst aus- 
gebildet, von welcher man zu Goethe's Zeit noch keine Ahnung hatte. 

Darüber allerdings kann kein Zweifel sein, dass die schönwissenschaft- 
liche Litteratur in Deutschland gegenwärtig nicht so populär, im weitesten 
Sinne des Wortes ist, als in England, Amerika und besonders in Frank- 
reich. Darüber klagt auch Julius Rodenberg in einem Vortrage, 
den er im Jahre 1874 in Brunn gehalten.*) Er meint, es läge wohl 
daran, dass Deutschland während unseres ganzen Jahrhunderts in erster 
Linie ein politischer Militärstaat war und noch heute ist. Populär sei 
bei uns vor allem erst der Staatsmann, der Feldherr, die Armee und 
was sonst mit der Vorbereitung, der Gründung und der Erstarkung des 
neuen Deutschen Reiches zusammenhängt. Der Schriftsteller, der Dichter 
wird erst in zweiter Linie beachtet. 

Und doch ist das heute schon besser, als es z. B. in den dreissiger 
Jahren unseres Jahrhunderts war, für deren Misere der Dichter Grabbe 
ein sprechender Zeuge ist. Der unglückliche Mann richtete an den da- 
maligen Kronprinzen von Preussen, den nachmaligen König Friedrich 
Wilhelm IV. einen Brief, in dem er sagte, er stehe auf dem Punkte 
unterzugehen, wenn jener, der Kronprinz, sich seiner nicht annehme. Die 
Leute behaupteten, er wäre ein Genie ; er wisse nicht, was daran sei, aber 
etwas fühle er, das er eins mit dem Genie habe — den Hunger ; er sei 
z. B. wegen Geldmangels genötigt , diesen Brief mit einem Span zu 



*) Die Litteratur und das Publikum. Abgedruckt im „Salon" 1874. Heft 1. Seite 26 ff. 
Leipzig. 



7.0A Neuntes Kapitel. 

schreiben, weshalb er zu gleicher Zeit wegen der schlechten Handschrift 
um Verzeihung bitte. Der Fluch vollständiger Vereinsamung, unter welcher 
dieser Dichter erlag , war so gross , dass selbst die Nachwelt sich nicht 
die Mühe nahm, eine seiner Dichtungen kennen zu lernen, bis Rudolf 
Gottschall Anfang der achtziger Jahre dem Dichter durch Herausgabe 
seiner gesammelten Werke zur Anerkennung verhalf. 

Heute dürfte so etwas kaum vorkommen, dank der wohlorganisierten 
genossenschaftlichen Selbsthilfe der Schriftsteller, deren 
Einrichtungen, die Schillerstiftung an der Spitze, den Dichtern eine ge- 
wisse feste Stellung in der Gesellschaft verschafft haben. 

Und was nun das Leihbibliotheks- Unwesen angeht, so ist diese 
bei uns leider nur zu beliebt gewordene Einrichtung im Grunde ge- 
nommen doch nicht nur eine Folge des geringeren allgemeinen Wohl- 
standes in Deutschland , denn bekanntlich ist das Bücherleihen in dem 
reichen England noch viel mehr eingebürgert, als bei uns, man denke 
nur an das grosse M u d i e ' sehe Institut in London. Es erscheint sehr 
fraglich , ob die Vorteile des Bücherverleihens nicht die Nachteile über- 
wiegen. Ich gebe aber zu, dass die schmutzige Beschaffenheit der Bücher 
in Deutschland häufig eine recht hässliche Zugabe bei den Leihbiblio- 
theken ist. 

Ed. von Hartmann geht darin zu weit, wenn er den sonst reifen 
Mann in der Politik und dem Zeitungslesen bis zum dreissigsten Lebens- 
jahre unter Kuratel stellen will. Was er aber sonst bezüglich der Zei- 
tungen sagt, ist mir aus der Seele gesprochen. Dieses tägliche Naschen 
an Bruchstücken aus den verschiedensten Gebieten führt zu einer un- 
glaublichen Verflachung des guten Geschmackes. Da werden durchein- 
ander sensationelle Gerichtsverhandlungen, öffentliche Skandale und pikante 
Stadtneuigkeiten gelesen, dann die Fortsetzungen von Romanen, die wie 
ein Bandwurm drei Monate lang unter dem Strich der Zeitung umher- 
kriechen, täglich in einer genau nach Zeilen abgehackten Portion; dann 
kommen die Parlamentsverhandlungen an die Reihe , in den Leitartikeln 
werden allenfalls die fettgedruckten Stellen flüchtig angesehen, den Be- 
schluss machen die buntscheckigen Inserate. 

Wenn ein moderner Zeitungsleser sich durch diesen täglichen zu- 
sammenhanglosen Wust glücklich durchgearbeitet hat, so legt er das 
Blatt erschöpft beiseite und ist dann meistens nicht mehr imstande, noch 
ein Buch im Zusammenhange zu lesen oder zu studieren. Und so sitzt 
er täglich hinter seiner Zeitung wie ein Eichhörnchen im drehenden 
Rade ; er arbeitet und arbeitet und kommt doch nicht von der Stelle, 
alle Mühe ist umsonst. 



Die Bücherliebhaberei in Deutschland. 



305 



Wenn nun aber E. von Hart mann klagt , dass auch die wissen- 
schaftliche Litteratur nicht die ihr zukommende Berücksichtigung fände, 
so kann ich auch ihm darin nicht so ganz beistimmen. Allerdings wer- 
den auch hier die teueren Ausgaben gescheut, wiederum weil der Deutsche 
kein Geld dafür übrig hat. Ich habe schon in der Einleitung des Buches 
daraufhingewiesen, wie der Zug der Zeit darauf bedacht ist, in den encyklo- 
pädischen Unternehmungen einen Ersatz für den kostspieligen Apparat 
der Monographien zu schaffen (S. 10). Auch ich beklage es vom Stand- 
punkte des Buchhändlers, wie von Hartmann vom Standpunkte des wissen- 
schaftlichen Autors , dass die teueren wissenschaftlichen Werke bei uns 
verhältnismässig wenig gekauft werden. Aber man kann deshalb doch 
nicht behaupten, dass die wissenschaftliche Litteratur vom Publikum ver- 
nachlässigt werde. Es ist den Lesern in den grossartig angelegten Sammel- 
unternehmungen von Cotta, Brock haus, Spemann, dem Biblio- 
graphischem Institut, Tauchnitz, Teubner, Weber, Weidmann, 
Seemann und (last but not least) Philipp Reclam jun. ermöglicht, 
die Schätze unserer Litteratur sowohl auf wissenschaftlichem , wie bel- 
letristischen Gebieten in den billigsten Ausgaben zu erwerben , so dass 
darunter notwendig der Absatz der teueren Werke leidet. Ich beklage 
das , wie gesagt , mit mehr oder weniger berechtigtem Egoismus , aber 
die Leserwelt steht sich gut dabei und fragt mit Recht nicht danach, 
ob Autor und Verleger viel oder wenig verdienen. 

Man kann es, namentlich im Auslande, oft hören, dass unsere deut- 
schen Bücher, d. h. die neu erscheinenden Originalwerke zu teuer 
seien ; das hat zum grossen Teil seinen Grund in den hohen Hono- 
raren, die bei uns gezahlt werden, neben dem kleinen Absatzgebiete, 
das im eigenen Lande durch den mangelnden Wohlstand der Bücher- 
käufer und im Auslande sprachlich viel begrenzter ist, als das der Eng- 
länder und Franzosen. Für belletristische Werke zahlen letztere aller- 
dings bei w T eitem höhere Honorare als wir, haben aber auch ganz an- 
deren Absatz. Und dann haben es namentlich die Franzosen in den 
letzten Decennien fertig gebracht , sich durch Kartellverbände 
mancherlei Art das Publikum für die Benutzung ihrer Geistesprodukte 
in einer Weise tributpflichtig zu machen, die es allerdings ermöglicht, 
die modernen Autoren , namentlich die Theaterdichter und auch die 
Komponisten in der von Eckstein angedeuteten Art zu Millionären zu 
machen. Das Tantiemesystem ist von den Franzosen heute schon 
.in der raffiniertesten Weise ausgebildet, und doch ist man drauf und 
dran, das Publikum auch noch für die Benutzung der älteren Litteratur, 
womöglich bis zum Vater Homer hinauf heranzuziehen. 

Mühlbrecht, Bücherliebhaberei. 20 



?q6 Neuntes Kapitel. 

Auf dem achtzehnten Kongress der Association litte raire et 
artistique internationale in Bern im August 1 896 hielt der Ad- 
vokat Ed. Mack aus Paris darüber einen Vortrag. Er forderte, dass 
den Erben der Urheber die Tantieme an den Erträgnissen ihrer Werke 
auch dann noch gesichert bleiben müsse, wenn nach Ablauf der gesetz- 
lichen Schutzfrist das Urheberrecht erloschen und das Werk Allgemeingut 
geworden sei. Und wenn solche Erben nicht mehr vorhanden seien, so 
sollten an deren Stelle Gesellschaften treten , die zu Gunsten der heute 
lebenden Schriftstellergeneration mit öffentlichen Rechten auszustatten 
seien, damit sie noch ad infinitum ein Einkommen an den Werken ihrer 
Vorfahren einheimsen könnten ! Der Kongress folgte den Ausführungen 
Mack's zustimmend und mit grossem Interesse , lehnte indessen vor- 
läufig noch eine Beschlussfassung darüber ab. Aber die Sache ist für 
die Herren doch zu verlockend, als dass sie nicht darauf wieder zurück- 
kommen sollten. 

Vergleiche man mit diesen heutigen Ansprüchen unsere fruchtbarsten 
Autoren des Mittelalters , Martin Luther und H a n s S a c h s , sie haben 
für ihre vielen Schriften nicht einen Pfennig Honorar erhalten, und sie 
haben mehr geschrieben als unsere modernen Autoren. Luther hat 
das grosse Werk seiner Bibelübersetzung in dreizehn Jahren (1 52 1 bis 
1534) zustande gebracht. Seine Prosaschriften belaufen sich auf etwa 
fünfhundert, alles grundlegende, stilistisch bahnbrechende, sprachgewaltige 
Muster und Vorbilder , von denen das heutige Geschlecht noch viel 
lernen kann. In der 1826 bis 1886 in Erlangen und Frankfurt er- 
schienenen Ausgabe seiner Werke machen die deutschen Schriften acht- 
undsechzig Bände, die lateinischen achtunddreissig Bände aus. 
Abt.. 208. Und Hans Sachs, der berühmte Nürnberger Meistersinger, w 7 ar 

nicht weniger fruchtbar; als er selbst 1567 die Summe alle seiner Dich- 
tungen zog, fand er 4257 Meisterlieder in 275 verschiedenen ,, Tönen", 
208 Tragödien, Komödien, Spiele und Fastnachtsspiele, etwa 1700 Ge- 
dichte, Schwanke, Gespräche, Fabeln u. s. w. , 73 Kirchen-, Gesellschafts- 
und Liebeslieder und 7 Prosadialoge. Er hat damit der deutschen Dich- 
tung gewaltige , die Bildung fördernde Stoffmassen zugeführt. Und 
diese beiden haben niemals ein Honorar für ihre Schriften be- 
ansprucht ! 

Die Autoren waren in früheren Zeiten häufig Selbstverleger, 
riskierten selbst den Gewinn und Verlust und dedizierten ihre Schriften 
hochgestellten Persönlichkeiten. Dafür erhielten sie, aber gar nicht selten 
auch erpressten sie ansehnliche klingende Gegengeschenke. Das genau 
fixierte Honorar der Autoren ist erst eine Errungenschaft Verhältnis- 



Die Bücherliebhaberei in Deutschland. 



307 



massig neueren Datums, es hat aber auch bei uns in diesem Jahrhundert 
so gewaltige Fortschritte gemacht, dass Herr Eckstein sehr irrt, wenn 
er glaubt, Fälle, wie er sie bei den Franzosen allein finden will, kämen 
bei unseren Belletristen und Gelehrten nicht vor. Die Diskretion ver- 
bietet es, hier Namen von Lebenden zu nennen, es würde mir sonst ein 




I S"A 5" 1 HANS I SACHSn. JUXRjS MAR 



x - ' N > " , , N; ; 



%^€ &*fr~ 



Abb. 208. Hans Sachs im einundfünfzigsten Lebensjahre. 

Holzschnitt von Hans Brosamer (1545). Verkleinert. Original in der Kupferstichsammlum 

der k. k. Familienfideikommiss-Bibliothek zu Wien. 

Unterschrift aus einem der Gedichtbände der Königlichen Bibliothek zu Dresden. 



Leichtes sein , eine ganze Reihe von deutschen Autoren nachzuweisen, 
die durch ihre schriftstellerische Thätigkeit zu grossem Vermögen ge- 
kommen sind. Man denke nur an die Theaterdichter und deren Tan- 
tiemen ! 

Herr von Hart mann sagt, dass die Steigerung der Setzerlöhne 
die Bücherpreise verteuert habe, aber von der Steigerung der Autoren- 



tq8 Neuntes Kapitel. 

honorare schweigt er. Beides ist aber nur die Folge der für jedermann 
gesteigerten Ausgaben für die ganze Lebensführung, wie Wohnung, Ge- 
hälter, Steuern, Lebensmittel u. s. w. Alles ist teuerer geworden, also 
auch die Bücher. 

Herr von Hartmann schlägt nun (am angeführten Orte) ein eigen- 
tümliches Radikalmittel vor, um die teueren Bücherpreise zu be- 
seitigen. Nach ihm erhalten die Verleger in Deutschland einen zu ge- 
ringen Teil des vom Publikum gezahlten Preises, — weil ,,der Zwischen- 
handel zu hohe Provisionen verschluckt"! Er fährt dann fort: „Dem 
Publikum müsste die Möglichkeit eröffnet w r erden, direkt mit den Ver- 
legern in Verbindung zu treten und die Distributionsspesen zu ersparen, 
wenn es keine Bemühungen des Distributeurs (Sortimentsbuchhändlers) 
in Anspruch nimmt. Dies ist ausführbar durch Bildung eines Litte- 
ratur b e zu gs v er eins , der als Sortimentsbuchhandlung ins Handels- 
register eingetragen wird und den Mitgliedern nur die wirklichen Aus- 
lagen als Aufschlagsprovision berechnet. Gründlicher freilich wäre die 
Abhilfe, wenn die Post ebenso die Bücherspedition wie die Zeitungs- 
spedition übernähme, neben dem periodischen Postzeitungskatalog einen 
periodischen Postbücherkatalog zu billigem Abonnement herausgäbe und 
ein Centralbücheramt zur Beantwortung von Anfragen und zur Er- 
gänzung ungenauer Bestellungen einrichtete. Bücherbezug zur Ansicht 
auf bestimmte Frist würde auch beim Postbuchhandel unter Hinterlegung 
des Preises als Pfand ganz wohl möglich sein, und nur die unverlangten 
Büchersendungen zur Ansicht würden in Wegfall kommen, welche ich 
wegen ihres zerstreuenden Einflusses für überwiegend schädlich halte." 
Diesen Gedanken führt dann von Hartmann noch weiter aus , es 
wird aber diese Probe genügen , um zu zeigen , wohin sich ein Autor 
verirren kann , der , wie Herr von Hartmann, gewohnt ist , alles was er 
schreibt , vom Publikum gut aufgenommen zu sehen , und der infolge- 
dessen wohl glaubt, es ginge mit den Werken anderer Autoren ebenso 
glatt zu, wie mit den seinigen. 

Die Organisation des deutschen Buchhandels , das Ergebnis einer 
jahrhundertelangen Entwicklung , ist namentlich in dem Vertriebe der 
Neuigkeiten eine so vorzügliche, den Interessen der Autoren und Ver- 
leger, wie des Publikums gleichmässig dienende, dass uns alle anderen 
Länder bekanntlich darum beneiden. Und diese Organisation glaubt 
Herr von Hartmann einfach von heute auf morgen durch einen moder- 
nen litterarischen Konsumverein nach Schulze -Delitzsch'schem System, 
oder durch die kaiserlich Deutsche Reichspost mit ihren stramm militärisch 
geschulten Beamten ersetzen zu können ! Bei der langjährigen schritt- 



Die Bücherliebhaberei in Deutschland. 3O0 

stellerischen Thätigkeit des berühmten Verfassers hätte derselbe mit den 
einschlägigen Verhältnissen eigentlich genauer bekannt sein können. 

Von Zeit zu Zeit sind früher schon Reform versuche gemacht, 
um den buchhändlerischen Zwischenhandel zu Gunsten der Autoren und 
des Publikums zu beseitigen. Schon L e i b n i z , der sich viel mit der Auf- 
besserung des Bücherwesens zu schaffen machte, gab 171 5 die Anregung 
zur Organisation des Selbstverlages der Autoren ; er hatte wenig Mei- 
nung von den Buchhändlern, die er geldgierig, unwissend und anmaassend 
in der Abwägung des praktischen Wertes von Gclehrtenarbeit schalt. 
Noch schlechter darauf zu sprechen war L e s s i n g. Er kommt in seiner 
Dramaturgie auch auf das Erwägenswerte des L e i b n i z ' sehen Gedankens 
zu sprechen. Klop stock brachte denselben 1773 in seiner „Ge- 
lehrtenrepublik" zur Ausführung, gab aber das Unternehmen trotz 
guter Erfolge bald wieder auf. Gegen Ende der siebziger Jahre des 
vorigen Jahrhunderts endlich entstehen die sogenannten „Gelehrten- 
buchhandlungen", welche ganz nach der Leib niz' sehen Idee den 
Selbstverlag zusammenfassen , ihn erleichtern und dem Autor möglichst 
die vollen Früchte seiner Thätigkeit zuführen sollen. Das hervorragendste 
Institut war die 1781 eröffnete „Buchhandlung der Gelehrten" 
in Dessau, deren Selbstverlag immerhin so bedeutend war, dass sie zur 
Ostermesse 1782 hundertfünfzig, und Ostern 1783 zweihundert auf Kosten 
der Autoren erschienene Bücher auf den Markt brachte. Der gelehrte Leiter 
derselben, Magister Reiche, gelangte jedoch im Laufe weniger Jahre 
vollständig auf den Standpunkt des regulären Buchhandels , und da er 
seinen schriftstellerischen Kommittenten keine richtigeren Anschauungen 
der Verhältnisse beizubringen vermochte, zog er sich ärgerlich und ver- 
drossen zurück. Damit nahm auch dieser vielversprechende Versuch 
gleich den anderen sein Ende. Seitdem wird es vom Selbstverlage der 
Autoren stiller.*) 

E. von Hartmann hat nun allerdings ein anderes Ziel vor Augen ; 
er will die Bücherpreise im Interesse des kaufenden Publikums billiger 
stellen, aber sein Mittel ist dasselbe : Beseitigung des buchhändlerischen 
Zwischenhandels. Er darf versichert sein, dass die Verleger längst schon 
selbst den direkten Verkehr mit dem Publikum eingerichtet hätten, wenn 
der Zwischenhändler, der Sortimentsbuchhändler, nicht unentbehr- 
lich für sie wäre. Es giebt ja einzelne Fälle, in denen dies Vermitte- 
lungsglied zwischen Produzent und Konsument entbehrlich sein mag, 

*) August Schür mann, Rechtsverhältnisse der Autoren und Verleger. Halle 1889. 
Seite 104. 



?jo Neuntes Kapitel. 

aber im allgemeinen wird jeder Verleger, der nur direkt mit dem Publi- 
kum verkehren wollte , ebenso sicher zu Grunde gehen , als es bei den 
Gelehrtenbuchhandlungen und den sogenannten Selbstverlegern früher 
der Fall war und noch heute geschieht. Eine Darlegung der mancherlei 
tiefer liegenden Ursachen hierfür wäre zwar eine interessante lohnende 
Aufgabe, würde mich hier aber zu weit führen. — 

Wir haben in den vorhergehenden Kapiteln gesehen, zu welcher 
Höhe die Preise seltener Bücher in anderen Ländern gestiegen 
sind ; auch in Deutschland beginnt man in neuerer Zeit mit hohen Preisen 
zu rechnen. Um einige Beispiele davon anzuführen greife ich aufs Gerate- 
wohl einen Antiquarkatalog heraus , denn Katalogpreise geben einen 
besseren Maassstab für den heutigen Bücherwert als Auktionspreise. Bei 
den Versteigerungen ersten Ranges sind immer Vertreter aller Länder 
zur Stelle und treiben sich mitunter im Interesse ihrer reichen Auftrag- 
geber die Preise gegenseitig künstlich in die Höhe. Ich nehme Katalog 7 
von Jacques Rosenthal in München ( 1 897 erschienen) zur Hand und 
finde darin unter anderem : 

„Copia der Newen Zeytung aus Presillg Landt". 16000 Mark. 

Ein Buch in 4 , ohne Angabe des Druckers, des Erscheinungsortes 
und der Zeit. Wahrscheinlich um 1520 gedruckt. Weller giebt in 
seinen Annalen (315) das Druckjahr 1505 an. Dies ausserordentlich 
seltene und interessante Büchelchen enthält die Beschreibung der An- 
kunft eines brasilianischen Schiffes in einem nicht näher bezeichneten 
Hafen. Rosenthal behauptet, es sei dies das erste in den Handel kom- 
mende Exemplar. Daher der kolossale Preis. 

Laurentius Friess: „Underweisung . . . der Cartha 
Marina oder M er carte." Druck von Joh. Grieninger in 
Strassburg 1530. 3000 Mark. 

Enthält nur 22 Blätter in Folio, mit 3 Holzschnitten. Man kennt 
nur zwei Exemplare dieses einzig seltenen Americanums (Harrisse 
No. 151, 158 and Add. 90). 

L e v i n H u 1 s i u s : „Sammlung der Schiffahrten." 22 Tle. 
in 3 Bänden. 4 . Frankfurt a. M. 1606 — 29. 3000 Mark. 

Das Werk enthält 197 fein gestochene Kupfer und Karten. Ein 
Originalpergamentband. Brunet giebt nur 191 Kupfertafeln an, in Asters 
bibliographical essay sind nur 186 angegeben. Ein Beispiel, wie hoch 
auch bei uns Reisebeschreibungen im Preise stehen. 

A 1 b e r i c u s Vespucius: „Mundus nouus." Aug. Vind. Joh. 
Otmar. 1504. 8000 Mark. 



Die Bücherliebhaberei in Deutschland. 311 

Die erste (und wahrscheinlich älteste) Ausgabe mit Angabe des 
Ortes, Druckers und Jahres dieses berühmten Werkes über Amerika, 
andere bekannte Ausgaben sind undatiert. 

„Das alt vnnd New Testament, dütsch , der vrsprünglichen 
Ebreischen waarheyt nach vff das allertrüwelichcst verteutschet" 
(von Leo Juda). 6 Tle. Folio Gebunden mit zahlreichen Holz- 
schnitten. Zürich, Froschower 1524 — 29. 1200 Mark. 
Diese erste Ausgabe der ersten Schweizer Bibelübersetzung ist von 
grosser Seltenheit ; ganz vollständige Exemplare , wie das vorliegende, 
kommen fast nie in den Handel. 

„Ars moriendi" kl. fol. 4000 Mark. 

Das Fragment eines Holztafeldruckes, enthaltend 5 Holzschnitte und 

6 Seiten Text. Ein vollständiges Exemplar dieser Ausgabe besitzt die 

Königliche Bibliothek in München. (Siehe auch die Notiz auf Seite 240.) 

Joseph us Flavius: ,,Li dieci ultimi libri di Giosefo de le anti- 

chita giudaiche" Vinezia, Vicenzo Vaugris 1544. 2800 Mark. 
Das Exemplar ist in herrlichem braunen Maroquin gebunden , mit 
der Devise von D. Canevari, dem Arzte des Papstes Urban VII., dessen 
Einbände sehr geschätzt werden. 

Gerle, H. : ,T a b u 1 a t u r au ff die Laudten etlicher Pre- 
ambel, Teutscher, Welscher vnd Francösischer stück, von Lied- 
lein, Muteten vnd schöner Psalmen" Nürnberg, gedr. v. Jeor. 
Formschneider 1533. 95 Blatt Quer 4 . 6000 Mark. 
Einzig bekanntes vollständiges Exemplar dieses für die Geschichte 
der Musik äusserst wichtigen Werkes. Man kennt nur noch ein zweites 
Exemplar, dem aber das Titelblatt fehlt; es wurde vor einiger Zeit von 
einem Wiener Antiquar für 6600 Gulden ausgeboten und gelangte in den 
Besitz des British Museum in London. 

„Missale Herbipolensc" Herbipoli, Geo. Reyser 1481. 378 Bl. 

gr. folio. 1000 M. 
Hoch im Preise wegen des schönen Einbandes mit dem Wappen 
Rudolphs von Scherenberg. Von diesem seltenen liturgischen Werke 
sind nur defekte Exemplare bekannt, auch an diesem Exemplare fehlen 
verschiedene Blätter. 

„Breviarium Toletanum." Venetiis, Joh. Herborn de Seigen- 
stadt 1483. 262 S. in 4 . 3000 Mark. 
Ein bisher unbekannter Pergamentdruck. Die erste bisher bekannt 
gewordene Ausgabe ist von 1493. Also ein Unikum. 

„Gratiani Dccretales cum apparatu Barth. Brixiensis." Argen- 
tinae, Henr. Eggesteyn 14.71. 459 S. gr. folio. 2500 Mark. 



3 i 2 Neuntes Kapitel. 

Die Editio princeps einer Seltenheit ersten Ranges, zugleich das erste 
in Strassburg gedruckte mit Jahreszahl versehene Buch. 

Diese Zusammenstellung wertvoller Bücher aus deutschen Katalogen 
Hesse sich leicht vermehren , man brauchte nur die Kataloge einiger 
grösseren Antiquariate, wie Oswald W e i g e 1 in Leipzig, Baer in Frank- 
furt, Alb. Colin in Berlin, Karl W. Hiersemann in Leipzig u. a. 
zur Hand zu nehmen , um sich zu überzeugen , dass auch bei uns hohe 
Preise für Seltenheiten angesetzt werden., die dann allerdings mehr in 
das Ausland gehen, als in Deutschland bleiben. 

Denn die Buche r lieb hab er ei bewegt sich bei uns noch in be- 
scheidenen Grenzen , verglichen mit der Sammelwut der französischen 
und englischen Bibliophilen , die für kostbare Einbände und sonstige 
Äusserlichkeiten übertrieben hohe Preise zahlen. Dahin wird es bei uns 
voraussichtlich niemals kommen , dieses System des Sammeins , das sich 
mehr auf das Äussere, wie auf das Innere richtet, widerspricht der Natur 
des Deutschen. Aber an der Liebe zu Büchern , die zur Liebhaberei 
wird , wenn sie mehr kaufen lässt , als zur Befriedigung des eigenen 
Wissensdranges nötig ist, fehlt es auch in Deutschland nicht. Jedem 
Antiquar wird eine ganze Anzahl von Sammlern bekannt sein. Der eine 
sammelt nur Bücher mit Kupfern von Chodowiecki, ein anderer be- 
müht sich, die ersten Klassikerausgaben vollständig zusammenzubringen; 
ein dritter trachtet danach, alles anonym Erschienene zu erlangen, und 
selbst an Sammlern, die nur Bücher kleinsten Formates kauten, fehlt es 
in Deutschland nicht. Bisweilen ist von deutschem Sammelfleisse mit 
geringen Mitteln , aber zäher Ausdauer Staunenswertes geleistet , Samm- 
lungen wie die von Bledow 7 , Goedecke, Hagen, Heyse, Hirzel, 
Klemm, M a 1 1 z a h n , Meusebach, Mittler u. a. legen beredtes 
Zeugnis davon ab, und man kann diesen Männern nur Anerkennung und 
Bewunderung zollen. 

Unter den neueren deutschen Sammlern ragt die Familie Weigel in 
Leipzig ganz besonders hervor , der Vater Johann August Gottlob und 
seine beiden Söhne Rudolf und Theodor Oswald. Der Vater, Universi- 
tätsproklamator in Leipzig, legte den Grund zu den ausgedehnten Samm- 
lungen, durch welche das Haus Weigel berühmt geworden ist. Er sam- 
melte Kupferstiche, Radierungen, Handzeichnungen und Ölgemälde und 
veröffentlichte eine Reihe von hervorragenden Arbeiten über seine 
Schätze. 

Sein ältester Sohn Rudolf erbte den künstlerischen Sinn des Vaters, 
er eröffnete noch zu Lebzeiten desselben eine Kunsthandlung, deren in 
fünfunddreissig Abteilungen erschienener Katalog noch heute als ein vor- 



Die Bücherliebhaberei in Deutschland. 



313 



zügliches Nachschlagemittel gebraucht wird. Er veröffentlichte daneben 
ein Supplement zu dem berühmten „Peintre graveur" von Bartsch 
und anderes mehr. 

Uns interessiert hier besonders der zweite Sohn Oswald , der die 
Buchhandlung des Vaters übernahm und in den weitesten Kreisen der Abb. 209. 
Kunstfreunde und Bücherliebhaber bekannt geworden ist durch sein 




Abb. 209. Oswald Weigel. 



grosses, zusammen mit Professor Zestermann herausgegebenes Werk, ,,Die 
An f ä nge der Druckerkunst in Bild und S ehr ift " mit hundertund- 
fünfunddreissig farbigen Tafeln, Leipzig 1866. Diesem Werke lag seine 
eigene, ganz hervorragende Sammlung zu Grunde, die im Jahre 1872 
versteigert wurde, nachdem sie vorher dem Museum in Berlin vergeblich 
für 150000 Mark angeboten war; sie ergab auf dem Auktionswege 
250000 Mark. 

. Neben den Weigels sei noch H. L e m p e r t z in Köln genannt und 
J. M. H e b e r 1 e , ebenfalls in Köln, ersteren namentlich führte sein Anti- 
quariat zu eingehenden Studien über Bücher und Buchhandel ; er ver- 



■2\a Neuntes Kapitel. 

öffentlichte ,, Bilderhefte zur Geschichte des Buchhandels", die in drei- 
zehn Jahrgängen von 1854 bis 1866 erschienen sind; seine kostbaren 
Sammlungen sind von dem Börsenverein der deutschen Buchhändler für 
dessen Bibliothek erworben. 

Von den heutigen Privatsammlungen will ich nur eine nennen, aller- 
dings eine der hervorragendsten : die Freiherrlich von Lipperheide- 
Abb. 210. sehe Sammlung für Kostümkunde in Berlin, die an interessanten und 
wertvollen Werken zur Kunst- und Kulturgeschichte wohl nur von wenigen 
Privatsammlungen übertroffen wird, die aber in ihrer Art und auf dem von 
ihr beherrschten Gebiete der Kostümkunde einzig dasteht. 

Allerdings haben auch staatliche Institute, wie das Berliner Kunst- 
gewerbemuseum, das Museum für Kunst und Industrie in Wien, das baye- 
rische Nationalmuseum in München, das Germanische Museum in Nürn- 
berg, die Pariser Nationalbibliothek, die grossen Porträtgalerien in 
Florenz , London , Kopenhagen u. s. w. die Trachtenkunde in Büchern, 
Einzelblättern , Gemälden und anderen Dokumenten in wertvoller Weise 
berücksichtigt, doch immer nur als kleinen Teil eines Ganzen, während die 
Lipperheide' sehe Sammlung seit zwanzig Jahren nach dieser Richtung 
planmässig ausgebaut worden ist. Der Besitzer hat in dem genannten, ver- 
hältnismässig kurzen Zeitraum Ungewöhnliches geleistet. Die Sammlung 
enthält 686 Ölbilder, fast durchweg Familienporträts aus dem sechzehnten 
bis neunzehnten Jahrhundert, 200 Miniaturbildnisse, an 30000 Hand- 
zeichnungen, Kupferstiche, Holzschnitte, Lithographien und Photogra- 
phien, 45 Handschriften und über 5500- Bände kostümgeschichtlicher 
Werke, 840 Jahrgänge von Modealmanachen, 1620 Jahrgänge von Moden- 
zeitungen, 410 Jahrgänge illustrierter Zeitungen allgemeinen Inhalts und 
155 Jahrgänge von Zeitschriften für Kunst und Gewerbe — wie man sieht, 
ein enormes Material. Von den Katalogen ist zunächst derjenige der 
Büchersammlung im Erscheinen ; er wird vollständig drei starke Bände 
umfassen. Der erste Halbband liegt bis jetzt vor und ist für sich schon 
ein Prachtwerk , sowohl in Bezug auf bibliographische Genauigkeit , wie 
auf typographische Schönheit der Ausstattung. 

154 Abbildungen in gleichmässig trefflichen Reproduktionen schmücken 
den Band von 288 Seiten. 88 Bilder illustrieren die Tracht verschiedener 
Zeiten und Völker; die Reproduktionen von 21 Büchertiteln und 18 Buch- 
druckerzeichen liefern einen Beitrag zur Geschichte der Typographie ; ver- 
schiedene Abbildungen haben vorzugsweise kunsthistorischen Wert; andere 
sind für die allgemeine Kulturges hichte von Interesse. In den Unter- 
schriften finden die Illustrationen ergänzende Erklärungen in einer Weise, 
wie es bisher kaum der Fall gewesen ist. Wahrlich, in diesem Kataloge 



Die Bücherliebhaberei in Deutschland. 



315 



ist von der sonst üblichen Trockenheit der bibliographischen Wissen- 
schaft keine Spur mehr vorhanden! 

Als eine Art Vorgänger dieses Werkes darf der schon vorher bei 
der Bücherliebhaberei in England von mir erwähnte von Dibdin so treff- 
lich gearbeitete Katalog der Bibliothek des Lord Spencer gelten, der 
18 14 in vier stattlichen Bänden, mit Holzschnittreproduktionen ge- 
schmückt, erschien und der die Inkunabeln dieser damals wertvollsten aller 
Privatbibliotheken ausführlich be- 
schreibt. Sodann ist zu nennen 
der siebenbändige Katalog der 
Bibliothek Ambroise F i r m i n - 
Didot, Paris 1877 bis 1884, 
von P a w 1 o w s k i ausgearbeitet 
und mit vielen Tafeln versehen. 
Nach den Vorbildern Englands 
und Frankreichs erscheint nun 
zum erstenmale in Deutschland 
ein Werk, das sich den oben 
genannten würdig anreiht, wenn 
es in einzelnem sie nicht über- 
trifft. Als Bibliographie der 
Kostümkunde ist der Lipper- 
heide'sche Katalog auch von her- 
vorragender praktischer Bedeu- 
tung. 

Die Bibliothek des Lord Spen- 
cer wurde im Oktober 1892 
an Mrs. Henry R y 1 a n d s für 
225000 £ (4 1 /., Millionen Mark) 

verkauft ; sie ist jetzt als John Rylands Library in Manchester zur 
öffentlichen Benutzung aufgestellt ; die Bibliothek des Herrn F i r m i n - 
Didot ergab bei den Versteigerungen in den Jahren 1877 bis 1884 
den Betrag von gegen 3 Millionen Francs ; die Lipperheide' sehe 
Sammlung wird nach dem Tode des Besitzers als Schenkung an den 
preussischen Staat übergehen, ihre von mehreren Bibliothekaren ver- 
walteten Schätze sind aber der öffentlichen freien Benutzung bereits 
übergeben. Auf diese Leistung eines Privatsammlers kann Deutsch- 
land stolz sein. 

Eine andere hervorragend schöne Bibliothek, die des Grafen Lobris 
in Schlesien, kam im April des Jahres 1895 bei Rosenthal in München 




Abb. 210. Franz Freiherr von Lipperheide. 



316 



Neuntes Kapitel. 



zur 

darauf 



Versteigerung und erzielte hohe Preise. Ich beschränke mich 



bemerkenswerte Americana zu nennen , die 



einige bemerkenswerte Americana zu nennen , die dort fort- 
gingen. 

(Sebastien Cabot) D e c 1 a r a t i o chartae novae navigatoriac 

Domini Almirantis erzielte 3 300 Mark. 
Ein Heft von vierundzwanzig Seiten in Quart, ohne Ort, Drucker 
und Jahr , man vermutet einen Antwerpener Druck aus 1 544. Es ist 

dies der erläuternde Text in latei- 
nischer und spanischer Sprache 
zu der 1544 von S. Cabot ge- 
zeichneten grossen Karte , von 
der sich nur ein einziges bekannt 
gewordenes Exemplar in der 
Nationalbibliothek in Paris be- 
findet. Dies Exemplar des Textes 
ist ebenfalls das einzige bekannt 
gewordene. 

Extraict 011 r ecueil des 
isles nouellement trou- 
ues en la grand mer oceane 
ou temps du roy Despagne 
Fernand et Elizabeth sa 
femme, faict premierement 
en latin par Pierre Martyr 
de Millan et depuis trans- 
late en languaige francoys. 
Paris 1532, impr. par Simon 
de Colines. 3400 Mark. 
Eine äusserst seltene Aus- 
gabe der Übersetzung des Be- 
richtes von Ferd. Cortez über seine Entdeckungen. 

Provinciae sive regionis in India occidentali noviter repertae 

ultima navigatione. Ex Valleoleti septima Martii 1520. 4600 

Mark. 

Ein kleines Heft von vierzehn Seiten klein Quartformat , enthaltend 

dem Bericht über den Feldzug des Diego Velasquez auf Cuba, aus dem 

Spanischen in das Lateinische übersetzt, sehr selten. 

Vespucius, Americus, Mundus Nouus. 5000 Mark. 
Ohne Ort, Drucker und Jahr, etwa I 502 gedruckt, umfasst die Schrift 
nur vier Seiten in Quart. Dies ist das erste in den Handel gekommene 




Abb. 211. August Klasinj 




Titel der „Zeitschrift für Bücherfreunde", entworfen von J. Sattler. 

Verlag von Velhagen & Klasing, Bielefeld und Leipzig. 



Beilage XI. 



Die Bücherliebhaberei in Deutschland. 



31/ 



Abb. 212. 



Exemplar des Vespucius, prachtvoll eingebunden und vorzüglich er- 
halten. 

Diese Auktion war eine hochinteressante ; schon der Katalog zeigt 
in seinen Faksimile - Illustrationen und den den Titeln beigefügten biblio- 
graphischen Anmerkungen, dass der Verkauf in den besten Händen war ; 
und solch tüchtiger antiquarischer Buchhändler in Deutschland Hesse 
sich eine ganze Reihe nennen. 

Wir haben allerdings keine Gesellschaften, die sich nach Art 
der englischen Societies mit der 
Reproduktion seltener alter Bücher 
befassen, dafür aber haben wir 
Verleger, die mit Vertrauen 
auf die deutsche Bücherliebhaberei 
geschmackvolle Luxusausgaben auf 
den Büchermarkt bringen. Vel- 
hagen & Klasing's Ausgaben 
der Bücherfreunde, Hirth's Lieb- 
haberbibliothek alter Illustratoren, 
die Luxusausgaben von Müller- 
Grote und Lipperheide in Ber- 
lin, von Hanfstängl und Bruck- 
m a n n in München, Seemann' s 
Elzevierausgaben u. s. w. sind Er- 
scheinungen , die nur bei vor- 
handener Bücherliebhaberei be- 
stehen können. Und die „Zeit- 
schrift für Bücher fr eunde", 
welche Fedor von Zobeltitz 
seit April 1897 im Verlage von 
Velhagen & Klasing herausgiebt , ist ihrer ganzen Anlage und 
gediegenen Ausführung nach ein so vornehmes Unternehmen, wie die 
anderen Nationen kaum ein zweites aufzuweisen haben werden. Das 
Bildnis des Begründers dieser Zeitschrift soll hier nicht fehlen, sie war 
eine der letzten Unternehmungen des um den deutschen Buchhandel 
hochverdienten Verlegers. August Klasing in Bielefeld starb am Abb. 2 . 
5. August 1897 in dem hohen Alter von 88 Jahren. Wo solch schöne 
Erscheinungen, wie die hier genannten, Aufnahme finden, da muss 
ein guter Boden für die Bücherliebhaberei sein ! — 

Ich bin am Ende meiner Betrachtungen, die ich leicht noch weiter 
ausdehnen könnte, das Gesagte wird aber wohl genügen und Beachtung 




Beilage XI 
(S.316/317): 



Abb. 212. Georg Hirth. 



318 



Neuntes Kapitel. 



bei denen finden, welche die Liebe zu guten und schönen Büchern als 
eine nobele Passion betrachten und pflegen. 

Die Wissenschaft der Bücherkunde nimmt fortwährend einen wei- 
teren Aufschwung, unser Jahrhundert hat eine ganze Reihe biblio- 
graphischer Arbeiten von der grössten Bedeutung entstehen sehen, auf 
denen das kommende Jahrhundert weiterbauen kann. Wir können auf 
diese Werke gestützt übersehen, auf welchen breiten, unerschütter- 
lich kraftvollen Grundlagen die Litteratur im allgemeinen beruht. 
Aus diesem Bewusstsein schöpft auch die Bücherliebhaberei die wun- 
derbare Lebenskraft und Energie , die sie die blutigsten Revolu- 
tionen hat überstehen lassen, die sie befähigte, sich nach den heftigsten 
politischen Erschütterungen, die die ganze Welt durchzitterten, stets 
wieder neu und kräftiger als zuvor aufzurichten , die ihre Jünger 
von Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer begeisterter und opferfreudiger 
werden lässt. 

Unwillkürlich drängt sich uns die Frage auf: Was wird in Zukunft 
aus den seltenen Büchern w T erden, die heute schon so teuer bezahlt 
werden ? Wird ein Rückschlag eintreten ? Werden die drohenden Krisen 
des nächsten Jahrhunderts die Bücherliebhaberei vernichten? 

Das glaube ich nicht , ich nehme vielmehr an , dass unsere Nach- 
kommen ihre Vorfahren ebenso achten und lieben werden, w T ie wir selbst, 
und zwar auch in ihren Büchern. 




Abb. 213. Abbildung einer Buchdruckerpresse von 1520. 
Aus der Sammlung des Börsenvereins der deutschen Buchhändler zu Leipzig. 



REGISTER. 

(Die beigefügten Zahlen geben die Seiten an.) 



van der Aa, Pieter, Zeereysen 277. 

van Abcoude, Joh. 272. 

Abecedarium 279. 

Ablassbrief 22. 

Abstammung der Bücher 152. 

Acta Sanctorum 6. 145. 278. 

Admiralitätskollegium zu Königsberg 173. 

Adolf von Nassau 27. 

Adolf von Schweden 65. 

Aischylos 194. 

van Aitzema, Lieuwe 137. 

Albrecht von Friedland 151. 

Albrecht, Herzog von Mecklenburg 167. 

Albuquerque 292. 

Aldus 30. 153. 157. 170. 176. 226. 

d'Alembert 141. 

Alexander III., Kaiser 183. 

Alexander VI., Papst 33. 

Allatius, Leo 286. 

Amarbach, Abtei 170. 

Amerbach, Joh. 72. 74. 

Americana 262. 

Arnes, Jos., typ. Antiquities 254. 

Amicis, Edm. de 2. 

Amman, Jost 169. 

Amyot, Bischof 230. 

Analecta Bollandiana 146. 

Andachtsbücher, französ. 123. 

Anfänge der Druckerkunst 313. 

Angelico, Fra 287. 

d'Angouleme, Herzog 228. 

d'Angouleme, Margarete 229. 

Anna von Österreich 232. 242. 

Antiqua 104. 

Apianus 150. 171. 193. 

Apocalypsis 16. 

Appollos Harp 275. 

Appony, Graf Anton 259. 



Archiv f. d. Gesch. d. Buchh. 294. 
Aretino, Ragionamenti 54. 



Aristoteles 



130. 



Armenbibel 16. 
d'Arnouville, Chopin 248. 
Arrenberg, R. 272. 
Ars memorandi 16. 
Ars moriendi 16. 240 311. 
Ars nihil credendi 138. 
von Artois, Graf 243. 
Arundel 259. 289. 
Ascenius 175. 
Asselyn 274. 

Association litteraire internat. ; 
Athias, Joseph 273. 
'Attavante 287. 288. 
d'Auguesseau, Kanzler 147. 
August von Braunschweig 288. 
August von Sachsen 204. 
St. Augustin, lettres 185. 
Augustinus 130. 291. 
d'Aumale, Duc 230. 

de Balbis, Joh. 132. 

Ballesdens, Jean 156. 161. 

Balzac 49. 

Baer in Frkft. 312. 

Barbou 145. 

Barentsz, Midlantsche zee 276. 

van Baerle 65. 

du Barry 232. 

Bartoli, Hercolino 194. 

Bartolozzi 169. 

Bartsch, Peintre graveur. 313. 

Baskerville, John 88. 142. 

Bath, Marquis of 267. 

Baudet, P. J., G.rotius 62. 

Baumann 171. 



320 



Register 



Baumbach & Co. 212. 

de la Baume Le Blanc, Louis 243. 

Baumgarten, Conrad 190. 

Baumwollenpapier 104. 

Baynes 278. 

Beatitudes des Chretiens 138. 

Beauclerk, Topham 254. 

Beaumarchais 88. 

Beckenhaub, Joh. 72. 

Beckford 134. 244. 258. 259. 264. 

Beham, H. S. 80. 

Beichtspiegel 16. 

de Bellegarde, Abbe 238. 

Bellino, Giov. 134. 

Benediktiner 148. 

Beraldi 236. 

Bergmann von Olpe 124. 

Berlin als Verlagsort 296. 

Bernard, Les Etiennes 57. 

Bernard de Bluet d'Arberes 141. 

Berner Convention 282. 

Bernhard, d. heilige 268. 

Bernhard, Jörg 202. 

de Berry, Herzog Johann 271. 

de Berry, Herzogin 234. 

Berthelet 257. 

Berthold 100. 

de Bethune, Hippolyte 271. 

Beys, Gilles 62. 

Bibelausgaben 291. 

Bibelausgaben, niederländ. 273. 

Biblia pauperum 16. 

Bibliander 80. 

Bibliograph. Institut 305. 

Bibliomanie 117. 219. 

Bibliophilie 117. 

Bibliothekzeichen 163. 

Bibliotheque grecque 86. 

Bienewitz 150. 171. 193. 

Bigot 156. 

Bilderhefte zur Gesch. d. Buchh. 313. 

Bill, John 257. 

Biographie generale 86. 

Birck, Christ. 202. 

Bischoff, Nikol. 75. 

Bismarck, Fürst Otto von 185. 

Biziaux 232. 

Blaeu 63. 68. 172. 197. 273. 

Blandford, Marquis 132. 266. 

Bledow, Ludw. 120. 312. 



Blockbücher 12. 

Boccaccio, Decameron 35. 132. 265. 

Boccaccio, Ruine des hommes 241. 

Bodley, Sir Thom. 192. 257. 

Bodoni, Giambat. 86. 142. 

Bohn, Henry George 263. 278. 

de Boisset, Randon 161. 

de Boissy 228. 

Bollandisten 145. 

van Bommel 201. 

Bonaventura, d'Argonne 155. 

Bonnardot, A. 218. 

Bonnemet 161. 243. 

Bontekoe, Journal 277. 

Book-plates 163. 

Börsenblatt f. d. Buchh. 250. 

Bösenberg 212. 

Bossuet 144. 

Boucher 169. 254. 

Bouchot, Henri 165. 

Bouquinistes 245. 

Brabant, Herzog von 268. 

Bradel, A. P. 189. 

Brahe, Tycho 64. 150. 

Brandt, Mart. 172. 

Brandt, de Ruyter 67. 

Brandt & Zoon 201. 

Brant, Seb., Narrenschiff 124. 

Brants, A. 146. 

Brassicanus 287. 

Braun, Kanonikus Heinr. 176. 

Braunschweig, Herzog Ludw. Rud. 172. 

Bredero 274. 

Breitkopf 69. 

Bret-Moliere 236. 

Breviarium Toletanum 311. 

Breydenbach's Reisen 27. 

Bridgewater, Lord 259. 

Brill 69. 

Brindley 145. 

Brissger, Eberh. 78. 

Brockhaus 305. 

Bruckmann 317. 

Brüder d. gemeins. Lebens 268. 

de Bruges, Louis 270. 

Brunet, Ch. 7. 117. 186. 215. 226. 241. 

250. 255. 
Brunet, G. 39. 139. 234. 238. 
Brunetiere, F. 42. 
de Bruyne 7. 



Register. 



32 



ßrylinger 174. 

Bücherauktionen in Holland 279. 

Bücherauktionen in London 265. 

Büchermessverkehr 292. 

Bücherpreise 308. 

Bücherzeichen 163. 

Buchhandlung der Gelehrten 309. 

Bullinger 80. 

Buonaparte, Pauline 234. 

de Bure 244. 

Burger 166. 

Burgersdyk en Niermans 196. 

Burgkmair 169. 

Burgund, Herzog von 147. 

Burney 134. 

Busbec 288. 

Busse des Adam 270. 

Butsch, A. F. 166. 

Cabot, Sebast., Declaratio 316. 

Callet, Logarithmen 86. 

Calvin 235. 

Campbell 29. 

Canavari, Demetrio 1 80. 311. 

Canticum canticorum 16. 

Capurro 145. 

Carlyle 164. 

Cäsar, Julius 222. 

Casaubon. Meric 257. 

von Cashel, Bischof 264. 

Cats, Jacob 272. 274. 

Caxton, W. 57. 256. 260. 270. 

Centralbücheramt, postal. 308. 

Cervantes, Don Quixote 90. 

Cheney 134. 

Christoph, d. grosse 12. 

de Chamillart 161. 185. 

Chansons de la Borde 235. 

Chaucer, Canterbury Tales 261. 

Chevalier, Etienne 227. 

Chevalier, Nicolaus 228. 

Chevalier delibere, Le 241. 

Chodowiecki 169. 178. 312. 

Christie 262. 

Christine von Schweden 271. 

Cicero 104. 245. 292. 

Coberger 72. 

Cochrane 278. 

Cohn, Alb., in Berlin 312. 

Colbert 152. 156. 183. 

Mühlbrecht. Bücherliebhaberei 



Colinäus 173. 

Collection d'Artois 84. 

Collin 210. 

Colophon 98. 

Columbia College Library 182. 

Columbus 292. 

de Conde, Prinzessin 230. 

Confessionale 16. 

Conquetes et victoires des Frangais 251, 

Coornhert 274. 

Copia der Newen Zeytung 310. 

Copinger, W. A. 122. 

Coppee, Frangois, Greve 298. 

Corneille 49. 186. 236. 

Cornelius, Pet. 90. 

Corpus 104. 

Cortez 292. 316. 

Corvinus, Matthias 286. 

Cosmographia Blaviana 65. 

Coster 14. 28. 70.' 280. 

Costerlegende 29. 

van Coetsem 280. 

Cotta 305. 

Cotte 133. 

Coustelier 145. 

Couteau 175. 

Coverdale, Moses 80. 

Cracherode 157. 

Cranach, Lucas 169. 202. 

Crevenna 133. 

Crofts 262. 

Cupido's Ambacht 275. 

Cureau de la Chambre 48. 

Cursiv 30. 104. 

Custos, Dom. 195. 

Dante 32. 

Davison 215. 

Day, John 172. 

Decker 90. 

Dedicationen d. Autoren 306. 

Defoe 262. 

Deighton 278. 

Delalain, Inventaire des Marques 177. 

Delpart, G. Groote 269. 

Derome 188. 190. 208. 232. 258. 

Desportes, Phil. 228. 

Destailleur 244. 

De temptationibüs morientium 240. 

De tribus impostoribus 137. 



322 



Register. 



Deus Aes- Bibel 273. 

von Devonshire, Herzog 260. 261. 266. 

267. 
Diana von Poitiers 159. 
Dibdin, Thom. Frognall 143. 254. 315. 
Dichtergesellschaften, holländ. 274. 
Dichtgenootschappen 274. 
Dickens 164. 302. 
Dictionnaire de la conversation 86. 
Diderot, Encyclop. 141. 
Didot 25. 82. 142. 226. 227. 264. 280. 
Didot, Ambroise Firmin 315. 
Didot -Bottin, Annuaire 86. 
Diether von Isenburg 27. 
Dioscorides 33. 
Dolets, Etienne 175. 
Döllinger, Ign. 183. 
Dominikaner 148. 
Donattype 23. 
Donatus 13. 70. 280. 
Döpler 167. 
Dritzehn, And. 20. 
Druckerzeichen 98. 163. 
Druckfehlerverzeichnisse 100. 
Drucklettern 102. 
Duderstadt, Alb. 137. 
Dumas, Alexandre 249. 
Duperron, Kardinal 147. 
Dupre, Jan 124. 
Dupuy 161. 

Dürer, Albr. 72. 150. 166. 169. 
Du Seuil 185. 258. 
Duve 132. 

van Dyk, Christ. 43. 
von Dysart, Earl 260. 

Ebers, Georg 298. 

Eckstein, Ernst 297. 

Editio cum notis variorum 144. 

Editio in usum Delphini 144. 

Editiones principes 127. 

Editions du Louvre 84. 

Eduard IV. 57. 

Edwards 130. 

Edward IV. 270. 

van Eeden, F. W. 146. 

Einbände 163. 178. 

Eingestampfte Bücher 137. 

Eisen 169. 235. 242. 

Elisabeth, Königin 191. 210. 256. 



Book - Collectors 152. 227. 



144. 170. 175- 195- 



226. 286. 



Elton, C. M., 
252. 268. 
Elzevier 35. 68. 142. 

197. 
Encyclopedie, moderne 86. 
von Engelshofen 168. 
Enschede 67. 279. 280. 
Entdeckungen 292. 
Entkrist 16. 
Episcopius, Nikol. 75. 
Erasmus 32. 33. 74. 150. 154. 274. 
Erd- und Reisebeschreibungen 292. 
Erpenius, Th. 36. 
Ersch, Encyklop. 146. 
Erstdrucke 122. 127. 
L'Eschole de Salerne 245. 
Esopus, Fabelen 276. 
d'Estrees, Gabriele 232. 
Etienne 37. 55. 147. 175. 
Euangelium Nicodemi 136. 
Eugen IV., Papst 270. 
Eulenspiegel -Bibel 273. 
Eusebius 291. 
Eutrapel, Baliverneries 3. 
Entropius 35. 
Eve 18 [. 200. 201. 231. 
Exemplaires uniques 136. 
Ex libris 163. 
Fxplicit 98. 

Falkenstein 16. 131. 

Fasquelle 249. 

du Fay 156. 

Feltre 28. 

Ferdinand, Herzog 88. 

Fertiault, amoureux 223. 

Fielding 262. 

Fischer, Matthias Corvinus 290. 

Flavius, Josephus 311. 

Fleischmann 68. 

Floris en Blanche fleur 275. 

Flötner, Peter 202. 

Fontius 287. 

Format der Werke 100. 

Forteresse du Foy 271. 

Foucquet, Jean 227. 

Foy, Pere 251. 

France, Anatole 248. 

Frankfurter Messen 292. 

Franz I. 147. 154. 159. 228. 



258. 



Register. 



323 



Freudenberg 239. 245. 

Frey tag, Ahnen 297. 

Friedländer, David 179. 

Friedrich d. Gr. Werke 90. 

Friedrich Wilhelm IV. 303. 

Friess, Laurentius, Underweisung 310. 

Fritsch 295. 

Fritzsche, Gust. 212. 

Froben, Joh. 74. 165. 173. 

Froschauer, Christ. 78. 171. 

Fugger 56. 150. 285. 

Fust, Joh. 21. 26. 28. 104. 130. 170. 

Gabriel, Don 90. 

Gaignat 130. 157. 161. 271. 

Galeomyamachia 32. 

Galitzin, Fürst 237. 

Galliot du Pre 171. 

Gambetta 164. 

de Ganay, Marquis 186. 

Garrik, David 254. 

Gasparus, Achilles 286. 

Gautier, Theoph. 235. 

Geibel, Emanuel 298. 

Gelehrtenbuchhandlungen 309. 

Gelehrtenrepublik 309. 

Genoveva 275. 

Georg I. 257. 

Gerhard van Zütphen 270. 

Gering, Ulrich 100. 

Gerle, H., Tabulatur 311. 

Gerok, Karl 212. 

Gesner, Conr. 80. 

Gessner, Andr. 193. 

Ghetidenboecxens 124. 

Gibson, John 192. 

v. Giesebrecht, Gesch. d. europ. St. 146. 

Gilles, Pierre 229. 

Gioleti 173. 

Giordani, Bruno, la cena 243. 

Giordani, Bruno, Heroici 242. 

Giovio, Paolo 157. 

Giselinus 61. 

Giunta 34. 170. 

Gladstone 164. 186. 

Gleditsch 295. 

de Glen, Jean 196. 

Gockinga 29. 

Goedecke 312. 

Goldsmith, Vicar of W. 162. 



Goethe, Hermann und Dorothea 302. 

Goethe und Karl August 302. 

Gottschall, Rudolf 303. 

Gouffier, Arthur 228. 

de Graaf, L. W. 272. 

Grabbe 303. 

Grafton, Herzog von 133. 257. 

Granjon 171. 

Gratiani Decretales 311. 

van Graue 175. 

Graevius, Thesaurus 146. 

Gray, Elegy 262. 

Gregorii expositio in Jobum 100. 

Grenville 152. 157. 

Griffith, William 172. 

Griseldis 275. 

Grober 135. 152. 179. 181. 190. 228. 230. 

233. 241. 245. 259. 
Gronovius, Thesaurus 146. 
Groote, Gerhard 269. 
Gross, Henning 294. 
Grosspapier 143. 
Grote 317. 

Grotius, Hugo 63. 64. 67. 272. 
Gruber, Encyklop. 146. 
Grüninger, Hans 189. 
Gruthuyse, Seigneur de la 270. 
Grynaeus 90. 
Gryphius 78. 154. 174. 
Guarini 288. 
Gubernator, Joh. 61. 
Guigard 232. 
Guillard, Charlotte 228. 
Guirlande de Julie 245. 
Gutenberg 14. 18. 280. 
Gwalter, Rud. 80. 
Gymnich, Freiherr von und zu 174. 

Haarlemer Courant 68. 
Haarlemmer Leeuwerik 275. 
Hagen 312. 
Hagmayer, Joh. 202. 
Hain, Repertorium 122. 
Hamilton 134. 
Hanfstängl 317. 
Hankey, Fred. 238. 
Hanrott 243. 
Hardwick 262. 
Harley 194. 256. 261. 
von Harmating, F. B. 169. 



324 



Register. 



von Hartmann, Eduard 297. 299. 

von Hase, Ose, Koberger 74. 

Hausmann, Präfekt 250. 

Heber 133. 254. 

Heberle, J. M., in Köln 313. 

Heemskinderen, De 275. 

Heeren, Gesch. d. europ. St. 146. 

Heichen, Paul 177. 

Heilmann, Ant. 20. 

Heilsspiegel 16. 

v. Heinecken 12. 

Heinemann 167. 

Heinrich II. 159. 183. 229. 230. 234. 

241. 
Heinrich III. 159. 182. 230. 
Heinrich IV. 147. 160. 181. 232. 261. 
Heinrich VII. 256. 
Heinrich VIII. 191. 209. 256. 
Heinsius 65. 295. 
Helena, De schoone 275. 
Heliodorus 241. 288. 
Helot, ecole des filles 139. 
Heming and Condell 206. 
Hendrickzoon, Albert 172. 
Hennegau, Graf von 268. 
Heures 123. 
Heures de Rome 280. 
Heyse 312. 

Heyse, Paul, Kinder der Welt 297. 
Hiersemann, K. W., in Lpzg. 312. 
Higden, Poycronicon 261. 
Hirth's Liebhaberbibliothek 317. 
Hirzel 312. 

Histories of Troy 261. 
Hohelied, das 16. 
Hohendorff, Baron 156. 
Holbein, Hans 75. 169. 202. 
Holzschneidekunst 114. 
Holztafeldrucke 12. 
Homer 130. 133. 
Honorar 102. 306. 
Hooft, P. C. 63. 274. 
van Hoogstraaten, Woordenboek 67. 
Hopetoun 130. 
Horae 123. 280. 
Horarium 70. 279. 
Horaz 32. 130. 
von Hosson, Ferd. 175. 
Houghton, Lord 267. 
Howard, Thomas 259. 



p'Hoym 152. 156. 160. 

Hübner, Hans 188. 

Hugo, Victor 164. 298. 

Hulsius, Levin, Schiffahrten 310. 

Hülst van Keulen 66. 

van Hulthem 271. 

Humphrey, Herzog 257. 

Huet 144. 

v. Hütten, Ulrich 150. 285. 

Huygens 274. 

Jacob, P. L. 219. 250. 

Jacobus de Cessolis 60. 

Jacon, Jaques 191. 

Jakob I. 192. 193. 

James 257. 

Janin, Jules 224. 248. 

Jansen, Jodocus 196. 

Ibarra, Joaquin 90. 142. 

Jenson, Nikol. 104. 

Jersey, Lord 261. 280. 

Jessen, P., Vorlesungen 92. 

Jesuiten 148. 

Illustrationen 102. 

Illustrierte Werke 235. 

Impressum 98. 

Index librorum prohibitorum 139. 293. 

Initialen 112. 

Inkunabeln 122. 

Inscriptiones sacros. vetustatis 150. 

Joachim IL, Kurfürst 296. 

Johann Georg, Kurfürst 151. 

Johanna von Neapel 234. 

Johannes van Keulen 66. 

Johnson 256. 260. 

Journallektüre 300. 

d' Isenghien, Duc 271. 

Italique 30. 

Jud, Leo 80. 

Jufferboekjes 275. 

Julius, Papst 152. 

Julius IL, Papst 33. 

Julius IV., Papst 293. 

Junta 34. 

Justinian, Institutiones 292. 

Juvenal des Ursins 227. 

Ives 130. 133. 134. 261. 

Karl V., Kaiser 150. 285. 
Karl VII. 227. 



Register. 



325 



Karl IX. 230. 

Karl der Kühne 272. 

Karl der Weise 271. 

Karlslake & Co. 183. 

Kartellverbände der Autoren 305. 

Katholikon 132. 

Kaulbach 90. 

Kepler, Joh. 151. 

Kermisvreugd, Amsterdamsche 275. 

van Kiel, Cornelius 61. 

King Arthur 261. 

Kirchenordnung der Marken 296. 

Kirchenväter 291. 

Kirchhoff, Albr. 164. 166. 

Klasing, August 316. 317. 

Klein - Augustin 1 04 . 

Klemm 312. 

Kleptomanie 225. 

Klinger, Max 169. 

Klistierspritze, Geistliche 140. 

Klopstock 309. 

Klosterbände 178. 

Knauer 212. 

Koberger, Anton 72. 

Koniatz, Anton 136. 

Koning 29. 

Kops, J., Flora Batava 146. 

Kraft, Kasp. 202. 

Kramer, Lob d. t. Weibes 212. 

Krause, Geo. 204. 

Kreuzzüge 292. 

Krieg, d. 30 jährige 295. 

Krüger, Theod. 202. 

Krusemann, A. C, 66. 223. 281. 

Labe, Louise 228. 

Labouchere, Nora 167. 

Lacroix 219. 250. 

Lactantius 291. 

Lafontaine 187. 235. 241. 245. 

de Lamballe, Fürstin 238. 

Lambeccius 132. 

Lamberg, Abraham 294. 

Lambinet 271. 

Lamoignon 156. 

von Langendorff, Hans Petri 74. 

Langenhuyzen 201. 

Laporte, Antoine 248. 

La Roche La Carelle 185. 241. 242. 245. 

Lascaris, Const. 30. 104. 133. 



Lascaris, Johannes 229. 

Laus Virginis 13. 

Lavater, Diethelm 180. 

Ledeboer, Waesberghe 66. 

Le Double 244. 

Leemans, C, Monumenten 146. 

Le Fevre 261. 

Le Gascon 183. 190. 203. 204. 245. 258. 

Legende vom Messias 16. 

Lehnert in Leipzig 213. 

Leibniz 309. 

Leihbibliotheken 297. 304. 

zu Leiningen - Westerburg 168. 

Leipziger Messen 293. 

Le Long 273. 

Le Maire, J., Journael 64. 

Lempertz 166. 177. 313. 

Lenox 262. 

Leo X., Papst 31. 33. 229. 

Lermina, Jul. 9. 

Le Roux de Lincy 156. 157. 228. 241. 

Lesczinska, Marie 232. 324. 

Lessing 302. 309. 

Leszynski, Casimir 138. 

Lewis, George 255. 

Leydsche Nagtigal 275. 

Licenses 278. 

Licht der Zeevaert 64. 

Lichtenberger 72. 

Liedeboekjes 275. 

Lignerolles 158. 236. 238. 242. 244. 

v. d. Linde 25. 29. 

van Linschoten, Jan Huygen 276. 

v. Lipperheide, Fr. 126. 188. 196. 314. 315.317. 

Lithographie 116. 

Litteratur - Bezugsverein 308. 

Livres d'heures 123. 228. 

Lobris 244. 316. 

Longepierre 215. 

Longman 278. 

Longueil, Gilb. 222. 

Longus, Daphnis 241. 

van Loo, Pierre 240. 

Lorck 25. 108. 252. 292. 296. 

Louis - Philippe 230. 

Louise von Lothringen 231. 

Luchtman 69. 

Lucretius 135. 

Ludovici de Roma Singularia 280. 

Ludwig II. von Bayern 240. 



326 



Register. 



Ludwig XL 227. 

Ludwig XII. 271. 

Ludwig XIII. 155. 181. 242. 

Ludwig XIV. 144. 185. 271. 

Ludwig XV. 186. 232. 236. 

Ludwig XVI. 188. 238. 

Ludwig der Grosse 287. 

Lufft, Hans 78. 175. 

Lumisden, A. 178. 

Luther, Martin 78. 90. 150. 235. 273. 290. 

306. 
Luxusausgaben 141. 
Lyden en Passie ons Heeren 280. 

Mac Carthy 130. 131. 157. 188. 242. 243. 

Mack, Ed. 306. 

Madden 25. 

Magnus, Albertus 195. 196. 197. 

Maherault, T. F. Catalogue 235. 

Maioli 152. 179. 198. 

Maittaire 122. 

Malone 260. 

Maltzahn 312. 

Mansion, Colard 58. 270. 

Manutius 30. 75. 104. 

Marco Polo 292. 

Margareta von York 58. 

Margareteneinband 202. 

Margarete von Österreich 272. 

Margarete von Valois 182. 

Margot, Reine 232. 

Mariania, Espana 90. 

Marie Antoinette 233. 238. 

Marie von Burgund 103. 272. 

Marie von Österreich 272. 288. 

Marie von Schottland 230. 

Marie Josephe, Dauphine 147. 

Marie Theresia 238. 

Marillier 235. 

Alarmier, Xavier 248. 

Marnef 173. 

Marques de possession 163. 

Marques typograph. 170. 

Martens 175. 

Martin, John 147. 

Martin V., Papst 270. 

Martyr de Millan, Extraict des isles 316. 

Martyr, Peter 80. 

Masse, Paul et Virginie 222. 

de St. Maure 192. 



Maximilian I. 103. 272. 285. 

Mazarin, Kardinal 204. 

Mazarinbibel 24. 130. 131. 264. 

Mecklenburg, Friedr. Franz I. von 182. 

von Medici, Katharina 229. 231. 232. 

von Medici, Lorenzo 287. 

v. d. Meer in Delft 124. 

Meerman 29. 278. 

Mensing, J. C. 201. 214. 215. 216. 

Mentel 28. 

de Mercatellio, Rafael 270. 

Merenda, J. P. 165. 

Merula, P. 35. 

de Mesmes 156. 157. 

Messkataloge 294. 

v. d. Meulen, R. 92. 137. 197. 268. 

v. Meusebach, Freiherr 120. 312. 

Meuser, Kaspar 202. 204. 

Middleton, William 172. 

Mielich, Hans 202. 

Missal 104. 

Missale Herbipolense 311. 

Mittaire 57. 145. 

Mittler 312. 

Moliere 49. 236. 237. 246. 

Mönchsbände 178. 

Monselet, Charles 238. 

Montanus 61. 

de Montausier, Herzog 144. 245. 

Montesquieu, Temple de Gnide 242. 

de Montmort, Herbert 183. 

de Montpensier, Mlle. 242. 

Monumenta Germaniae bist. 146. 

Moore, John 257. 

Mopjes 275. 

Moreau 235. 236. 238. 239. 245. 

van Moerentorf, Jan 62. 

Moretus 62. 

Morgand 42. 242. 

Morus, Thom., Utopie 242. 

Mosbourg 241. 242. 244. 245. 

Mounier 258. 

Mudie 304. 

Muller, Frederik 6. 206. 223. 276. 279. 

280. 
Münzer, Thomas 150. 
Murray, John 267. 
Musaei de Herone 134. 
Musschenbroeck 278. 
Mylius 174. 



Register. 



32i 



Naigeon 161. 

Napoleon I. 1. 266. 278. 286. 

Napoleon III. 250. 

Naude, Coups d'etats 143. 

Nemesius 291. 

de Nesles, Marquis 192. 

Nicander 32. 

Nikolaus V., Papst 22. 

Nodier, Ch. 9. 141. 152. 161. 214. 

236. 
Noordziek 29. 

van Noort, Olivier, Journal 276. 
Notary 175. 

Nürnberger Chronik 72. 
Nyhoff, Mart. 279. 283. 
Nyon 243. 

Ofen, Eroberung von 287. 
Offenbarung 16. 
Oeglin 175. 
Oldys 256. 
Oporin 173. 
Orell, Conr. 80. 
d'Orleans, Charles Duc 228. 
Ovid 65. 130. 134. 142. 
von Oxford, Graf 194. 256. 265. 

Padeloup 186. 207. 232. 241. 242. 258. 

Paeille 29. 

Paginierung 98. 

Pagninus, Thesaurus 78. 

Paläotypen 122. 

Palme, Victor 146. 

Pannartz 104. 

Pans Fluitje 275. 

Panzer 122. 

Papierrand 142. 

Paracelsus 285. 

Parker, Erzbischof 256. 

de Pars, Jacques 227. 

Pascal, Provinciales 186. 

Pastissier francais 39. 

Pattison, Mark 253. 

de Paulmy, Marquis 243. 

Pavier, Thomas 172. 

Payne, Roger 194. 212. 

Pearson, Major 254. 

van den Peereboom 180. 

Peignot 9. 139. 

Pellikan 80. 

de Perceforest 230. 



Perionius Dialogus 3. 

Perkins 130. 131. 26 1. 264. 

Perry 131. 261. 

Persius 287. 

Petau, Paul 156. 

Petit, Louis 34. 

Petrarca 30. 32. 130. 

Petrucci, Octave 69. 

Pfmzing, Melchior 103. 

Pfister, Alb. 25. 28. 

Philipp II. 61. 293. 

Philipp von Burgund 58. 

Philipp d. Gute 270. 271. 

Philipp, Erzdiakonus 268. 

Pichler, Dr. Alois 225. 

Pichon, Jerome 228. 

Pico, Giov. 32. 

de St. Pierre, Bernardin 222. 

Pirckheimer 166. 289. 290. 

Pistorius, Friedr. 72. 

Pithou 156. 

Placcatboek, Groot 278. 

Plantin 60. 170. 172. 175. 

Pleydenwurf 72. 

Pleyte, W., Monumenten 146. 

Plinius 130. 134. 

Plutarch, Cäsar 222. 

de Poitiers, Diana 229. 241. 

Poliphili Hypnerotomachia 134. 

Pollio 154. 

Polyglottenbibel 61. 

Pommer, Hektor 166. 

v. Pompadour, Marquise 147. 232. 235. 

242. 
Pontani, opera 245. 
Pope 261. 

de la Popeliniere 236. 
Postbuchhandel 308. 
Postel, Guillaume 229. 
Poulet - Malassio 165. 
de Prefond, Girardot 131. 160. 242. 
de Preux 175. 
Printer - Marks 170. 
Privatdrucke 146. 
Prodomos, Th. 32. 
Psalterium 26. 131. 264. 
Pulman 61. 
Purgold 207. 
Puttick & Simpson 257. 
Pynson 257. 



328 



Register. 



Quaritsch, B. 131. 261. 263. 280. 283. 
Ouentin - Bauchart 232. 
Ouerard, J. M. 139. 250. 

Rabelais 244. 

Racine 236. 

Radewynzoon, Floris 269. 

Rafael 134. 

de Rambouillet, Mlle. 245. 

Ranconnet, Präsident 230. 

Raoul le Fevre 58. 

Raphelingius, Fr. 62. 

Raess, Bischof 187. 

Rastall 257. 

Ravelingen 62. 

van Ravesteyn, 172. 196. 

Reclam jun., Phil. 302. 305. 

Rederykerskamers 274. 

Rednervereine, holländ. 274. 

Reformversuche, Buchhändl. 309. 

Reiche, Magister 309. 

Reichsdruckerei 92. 

Reid 260. 

Reisebeschreibungen, holländ. 276. 

Renouard, A. 57. 226. 

Restif de la Bretonne 240. 

Reynaert de Vos 275. 

Richelieu, Kardinal 147. 

Richter, Ludw. 169. 

Ridder metter Swane, De 275. 

Rieter, Crescentia 166. 

Riffe, Joh. 20. 

Robertet, Florimond 228. 

Roberts, \V., Rare books 130. 252. 

Roberts, W., Book hunter 252. 267. 

de Rocheford, Guy 272. 

Rodenberg, Julius 303. 

Rodt von Hanau 100. 

de Rohan, Kardinal 244. 

Roigny i?5- 

Roldanus 272. 

Romantiker, Französ. 235. 

Ronsard, 228. 244. 

Roseberry, Earl of 267. 

Rosenthal, Jacques 310. 316. 

Rosweyd, Heribert 145. 

de Rothelin 161. 

de Rothschild, Edmond 240. 

de Rouannais, Duc 228. 

Raoul de Fevre, historyes 280. 



de Roever, N. 198. 

Roxburghe 132. 253. 254. 260. 261. 266. 

278. 
Rubrikatoren 98. 
Rudolf, Kaiser 288. 
Rylands 260. 315. 

Sachs, Hans 306. 307. 

Sachsenchronik 27. 

Sacon, Jakob 72. 

Saint Simon 185. 

de Saint -Victor, Paul 242. 

Saleque, F. J. 69. 

Salisbury, Marquis of 267. 

de Sardieres, Guyon 230. 

Sattler, Jos. 167. 

Say, Leon 249. 

Schätzesammler 219. 

Schäuffelein, H. 103. 

Schedel, Weltchronik 72. 

Schellhorn 24. 132. 

von Scherenberg, Rud. 311. 

Schilders 175. 

Schiller, Wilh. Teil 302. 

Schinkel 29. 

Schöffer, Joh. 192. 

Schöffer, Peter 22. 26. 28. 104. 130. 192. 

von Schönborn, Graf 171. 

Schönsperger, H. 103. 

Schopenhauer, A. 5. 

Schöpf lin 20. 131. 

Schouten, G., Journael 64. 

Schotel, Rederijkers 275. 

Schultze, Georg 296. 

Schulz, Adressbuch 296. 

Schulze -Delitzsch, Konsumvereine 308. 

Schürmann, Aug., Rechtsverhältnisse 309. 

Schwetsckke, G., Codex nund. 295. 

Schweynheim 104. 

Scott, Hieron. 174. 

Scott, Ivanhoe 302. 

See- und Landkarten, holländ. 277. 

Seemann 305. 317. 

Seilliere, Baron 258. 

Selbsthilfe der Schriftsteller 204. 

Selbstverleger 306. 

Sepp, Insekten 146. 

Servetus, Mich. 138. 

Sessa, Bern. 195. 

Seyler, G. 167. 



Register. 



329 



Seymour 192. 

Shakespeare 259. 302. 

Signaturen 98. 

Signete 170. 

Simon, Jules 248. 

Simrock, Karl 126. 

Smits, J. 201. 

Smollett 262. 

Snellen 146. 

Soleinne 186. 236. 

Soliman II. 287. 

Solis, Virgil 202. 

Soltikoff, Fürst 227. 

Sortimentsbuchhandel 308. 309. 

Sotheby 259. 262. 

de Soubise, Fürst 156. 243. 244. 

Spanceerder, Bruno 197, 

Speculum artis bene moriendi 240. 

Speculum hum. salvat. 16. 

Spemann 305. 

Spencer, Lord 132. 194. 254. 257» 260. 266. 

315- 
Sperling 212. 
Spieghel 274. 

Spieghel der behoudnisss 16. 280. 
Staatenbijbel 273. 
Stedenboek, Groot 65. 
v. d. Steen, Cornelius 7. 
van Steenwyk 224. 
Steevens, Georg 254. 260. 
Steevens of Vermont, Henry 262. 
Stehlin, Regesten 294. 
Stephani, Schatzbehälter 72. 
Stephanus 55. 147. 175. 286. 
Stillfried, Graf 90. 
vStirne 262. 
Stoeber, Aug. 167. 
Stromer, W. 108. 
Strozzi, Marschall 229. 
Stumpf, Hans 80. 
Suite d'estampes pour l'histoire des mceurs 

245- 
Sullivan, Sir Edward 184. 
Sunderland, Lord 130. 13 1. 133. 241. 257. 

264. 265. 
Super ex libris 169. 
Swift 262. 
Sykes 131. 

Syston - Park - Bibliothek 258. 
Sythoff, A. W. 197. 



Tableaux des mceurs du temps 236. 

Tantiemesystem der Schriftsteller 305. 

Tauchnitz 305. 

Taylor, Watson 261. 

Techener 158. 241. 

Tentationes daemonis 240. 

Teubner 305. 

Teyler's Genootschap 279. 

Thanner 175. 

Theatrum civitatum Belgici 65. 

Theuerdank 103. 

Thoinan, Ern. 181. 187. 

Thomas a Kempis 38. 268. 

Thompson, Edw. Maunde 267. 

Thorold 130. 131. 132. 133. 258. 260. 

de Thou 152. 154. 156. 160. 229. 233. 244. 

Thurneysser zum Thurn 1 50. 296. 

Tiele, P. A., Land- en volkenkunde 276. 

Tilly 286. 

Tinius, Prediger 225. 

Titel, doppelte 114. 

Titel, sonderbare 140. 

Titelblätter 100. 

Tites, Sir W. 264. 

Tokio Library 189. 

Tonson und Watts 145. 

Tooneel des Aertrycx 65. 

Le Toque 238. 

van Torenenbergen, J. J. 273. 

Tory, Geoffroy 180. 199. 

Totentänze 16. 

Trautz - Bauzonnet 208. 

de la Tremouille, George 272. 

Trether, Martin 296. 

Tromba, Hippolito 194. 

Trömel, Paul 147. 

Trübner, Nicolaus 263. 

Turner 134. 

Uffenbach 122. 

Ukert, Gesch. d. europ. St. 146. 

Ulrich yon Württemberg 150. 

Unica 136. 

Univers pittoresque 86. 

Urban VII, Papst 311. 

d'Urfe, Claude 271. 

Uzanne 190. 233. 246. 

Valdarfer, Christ. 265. 
Valerius Maximus 271. 



330 



Register. 



Vallee, Geoffroy 138. 

de St. Vallier, Graf 230. 

de la Valliere, Duc 157. 243. 271. 287. 

Valois 271. 

von Valois, Margarete 232. 233. 234. 

de Valvrey, Chev. 177. 

Vasco de Gama 292. 

Vascosan 175. 

Vauban, fortifier 67. 

Vegetius, Kriegskunst 222. 

Velasques, Diego 316. 

Velhagen & Klasing 197. 317. 

Velinausgaben 142. 

de Vendome, Herzogin 232. 

Verard 124. 256. 

Verbotene Bücher 138. 

Verschoor 201. 

Verschwundene Bücher 136. 

Verstümmelte Bücher 137. 

Vespucius, Alb., Mundus novus 310. 316. 

de Vic, Meric 155. 

Vignetten 116. 

de Vinne 25. 

Virgil 32. 132. 196. 261. 292. 

Volksbücher 275 

Voltaire 88. 

Vondel 274. 

van Voorst 279. 280. 

Vorstius, Conrad 138. 

Vossius, Etymologicum 67. 

de Vries 29. 

Waldvoghel, Proc. 21. 

Walter - Ham ilton 165. 

Warnecke 167. 

Warren, Leicester 167. 

Warton, hist. of Engl, poetry 254. 

Waesberghe 66. 

Washington 164. 

Wasserzeichen 108. 

Te Water 278. 

Watt, James 254. 290. 

Weber 305. 

Wechel 174. 

Weidlich 202. 

Weidmann'sche Buchhdlg. 295. 305. 

Weigel 25. 241. 312. 



Weiss, Joh. 296. 

Weissenburger 175. 

Wellens 181. 

Weller 310. 

Wendelin von Speyer 104. 

Wenkler 20. 

van Westreenen 29. 

Wetstein 68. 

Wicquefort, Abr. 272. 

Widmung der Bücher 102. 

Wiegendrucke 122. 

Wilhelm II., Kaiser 184. 

Willems, Elzevier 38. 

Willer, Georg 294. 

Windchester, Earl of 270. 

Windelinus de Spiro 132. 

Wodhull 133. 

Wohlgemuth, Mich. 72. 73. 

Wolf, Joh. 80. 

Wolf, Raynard 172. 

Wolff, Julius 298. 

Woodcock, Thomas 172. 194. 

van Woerden 124. 

van Wouw, Hillebrandt 273. 

Würdtwein 132. 

Wynkin de Worde 60. 257. 

Xylographa 12. 

Yemeniz 240. 

Zähnsdorf 207. 

Zainer, Günther 104. 

Zapp, Paul. 22. 

Zedier 295. 

Zeespiegel 64. 

Zeitschrift für Bücherfreunde 317. 

Zeitschriften in Deutschland 297. 

Zell, Ulrich 58. 

Zenobius' Epitome 34. 

Zestermann 25. 313. 

Zinna, Kloster 296. 

von Zobeltitz, Fedor 187. 317. 

Zola, Emile 249. 

Zonta 34. 

Zwingli 80. 



VERZEICHNIS DER ABBILDUNGEN IM TEXT. 



Abb. Seite Abb. 

i. Der heilige Christoph. Holzschnitt. 16. 

vom Jahre 1423 13 

2. Blattseite eines Donatus, wovon der 
ursprüngliche Stich in der National- 
bibliothek zu Paris aufbewahrt wird 14 

3. Historia S. Joannis Evangelistae. 18. 
Holztafeldruck um 1465. Johannes 19. 
ruft Drusiana, eine getaufte Christin, 
wieder ins Leben 15 

4. Buchstabengiesser aus der Mitte des 21. 
XVI. Jahrh. Stich von Jost Amman 16 22. 

5. Faksimile - Fragment einer Seite aus 

der Armenbibel 17 23. 

6. Speculum humanae salvationis. Augs- 
burg, Günther Zainer 1472. Jesus 24. 
vor Pilatus 18 

7. Faksimile vom fünften Druck der 25. 
ersten Ausgabe des Buches betitelt 26. 
„Ars moriendi" oder „Das Sterbe- 
buch" 19 

8. Erstes Blatt aus dem „Canticum" . 20 27. 

9. Holzschnitt aus der „Ars memorandi" 21 28. 

10. Totentanz von Guyot Marchant i486. 29. 
„Der Papst und der Kaiser" . . 22 30. 

11. Deutscher Titel v. Jahre 1649. Merian, 31. 
Totentanz. Frankfurt 23 

12. Statue von Johannes Gutenberg, von 32. 
Bertel Thorwaldsen, in Mainz . . 24 

13. Bisher wenig bekannte Medaille auf 33. 
Johannes Gutenberg. Nach dem Ori- 34. 
ginal im Kgl. Museum zu Berlin . 25 35. 

14. Siegel Johannes Gutenberg's. Nach 

dem Original in der Börsenvereins- 36. 

bibliothek der Deutschen Buchhändler 

in Leipzig 25 37. 

15. Der „Hof zum Jungen" in Mainz. 

Nach Alfr. Börckel „Gutenberg" . 26 38. 



Seite 
Ablassbrief v. Jahre 1455, gedruckt 
von Gutenberg auf seiner ersten Presse 27 
Druckerzeichen von Fust u. Schöffer. 
(Druck von der im Jahre 1462 von 
Fust u. Schöffer gedruckten Bibel) . 28 
Aldus Manutius. Porträt .... 29 
Druckerzeichen des Aldus Manutius 30 
Druckerzeichen des Luc. Antonio 

Giunta von Venedig 30 

Matthys Elzevier. Porträt ... 3 f 
Titel in Kupferstich einer Elzevier- 
ausgabe des Livius vom Jahre 1634 32 
Titel der Elzevierausgabe „De Imi- 
tatione Christi' ' von Thomas a Kempis 3 3 
Druckerzeichen der Elzeviere von 
Leiden und Amsterdam .... 34 
Robert Stephanus. Porträt . . . 35 
Titel mit dem Druckerzeichen des 
Robert Stephanus von Paris vom 

Jahre 1579 36 

William Caxton. Porträt . . . 37 
Kopfverzierung von William Caxton 38 
Monogramm von William Caxton . 38 
Christoph Plantin. Porträt . . .39 
Titel und Kupferstich einer Ausgabe 

von Plantin, 1574 4° 

Druckerzeichen des Balthasar Mo- 

retus II 41 

Druckerzeichen der Plantin . . . 41 
Willem Jansz. Blaeu. Porträt . . 42 
Druckerzeichen des Willem Jansz. 

Blaeu von Amsterdam 43 

Titel in Buchdruck einer Ausgabe 
von Jan van Waesberghe. 1589 . 44 
Eines der Druckerzeichen der van 
Waesberghe's von Amsterdam . . 45 
Ebenso 46 



332 



Verzeichnis der Illustrationen im Text und der Kunstbeilagen. 



Abb. 



Seite 
47 
48 



49 



50 



5i 



52 



Porträt .... 

40. Johannes Enschede. Porträt 

41. Textprobe: Bl. 494b Sp. II aus der 
Anton Koberger'schen Bibel, 1483 

42. Das Strassburger Münster. Illustra 
tionsprobe aus der von Anton Ko 
berger 1493 gedruckten Hartmann 
Schedel's Chronik 

43. Die Auffindung Mosis. Illustrations 
probe aus den Koberger'schen Schatz 
behalter", 149 1 

44. Die Schöpfung der Frau. Kober 
ger'sche Illustrationsprobe aus dem 
„Schatzbehalter", 149 1 

45. Die Tochter von Jephta. Kober 
ger'sche Illustrationsprobe aus dem 
„Schatzbehalter", 1491 . . . 

46. Der heilige Ambrosius. Illustrations 
probe aus dem „Passional" Nürn 
berg, Anton Koberger, 1488 

47. Johannes Froben. Porträt 

48. Eines der Druckerzeichen von Jo 
hannes Froben 

49. Sebastian Gryphius. Porträt 

50. Druckerzeichen d. Sebastian Gryphius 

51. Hans Lufft, Luther's Bibeldrucker. 
Porträt 

52. Luther's Bibel , gedr. v. Hanns 
Lufft, 1556, Titel zu Bd. II . . 

53. Lufft's Druckerzeichen .... 

54. Christoph Froschauer. Porträt 
5 5 . Ältestes Druckerzeichen des Christoph 

Froschauer, 1521 

56. Jüngeres Druckerzeichen des Christopl 
Froschauer, 1 531 

57. Ambrosius Firmin Didot. Porträt 

58. Giambattista Bodoni. Porträt 

59. Geheimer Oberhof buchdrucker Ru 
dolf von Decker. Porträt 

60. Textillustration des Terentius. Hersg 
v. Trischei von Lyon, 1493. Stellt 
den mit Schreiben beschäftigten 
Verfasser dar 67 

61. Initial aus der Inkunabelnzeit . . 68 

62. Impressum von Gerard van den 
Schueren's „Teuthonista" gedruckt 
von Arnold ther Hörne te Keulen, 
1477 68 

63. Ludolphus de Saxonia , Chartu- 



Abb. 



64. 



65. 

66. 

67. 

68. 



69. 



53 


70 




71 


54 




55 


72 


56 


73 


57 




57 






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58 






75- 


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61 


76 


62 


77 


63 




64 




65 


78 


66 


79 



80. 



82. 



Seite 
siensis. Das Leben Christi. Ant- 
werpen 1488. Schlussschrift und 
Signet des Claes Leeu .... 69 
Vignette. Gestochen von Baccio 
Baldini für ,,E1 monte santo di 
Dio". Gedruckt in Florenz, 1477 70 
Illustration aus „Dante" vonBonino 
von Bononi. Brescia, 1487 . . 71 
Buchdrucktitel vom „Theuerdank" 72 
Theuerdank (Maximilian) in einem 

Jagdabenteuer 73 

Lateinische Buchstaben von 1470, 
die bis heutigen Tages in Ge- 
brauch sind 74 

Papiermacher. XVI. Jahrhundert. 

Nach Jost Amman 75 

Ältere Wasserzeichen des Papiers 76 
Titel zu Virgilius, Opera. Strass- 
burg 1502. „Virgil unter seinen 

Zeitgenossen" 77 

Titel vom Jahre 15 1 1. Plautus, 
Comoediae. Venedig .... 79 
Titel vom Jahre 15 15. Barthema's 
(Vartoman's) Reisen. Augsburg, 

Hans Miller 81 

Verzierter Titel. Gedruckt von 
Geoffoy Tory. Paris, 1531 . . 82 
Titel „Der alten Weisen Exempel" 
vom Jahre 1548 mit Holzschnitt 
„David mit Bathseba" .... 83 
Titel: Vico „Le imagini degli im- 
peratori" vom Jahre 1548 . . . 84 
Blattseite aus „Metamorphoses 
von Ovid" mit Umrahmung und 
Vignette in Kupferstich. Von 
Petit Bernardi, 1564 .... 85 
Titel: Griso, Künstl. Bericht vom 
Jahre 1580. Augsburg ... 87 
Titel mit Holzschnittumrahmung 
vom Jahre 1 58 1 . Reusner, Em- 

blemata. Frankfurt 89 

Titel : Bochius, Narratio inaugura- 
tionis Alberti et Isabellae. Ant- 
werpen 1602 91 

Holländische Titel vom Jahre 
1682. Nievhofs Reize .... 93 
Holländischer Titel in Kupferstich 
vom Jahre 1694. Luiken, Men- 
schelyk bedryf 94 



Verzeichnis der Illustrationen im Text und der Kunstbeilagen. 



333 



Abb. Seite 

83. Französischer Titel in Kupferstich 
aus dem XVII. Jahrhundert. Val- 
ladier, Metanealogie 95 

84. Französischer Titel um 1660. 
(Hollar) Livre curieux . , . . 96 

85. Titel in Kupferstichumrahmung 
vom Jahre 1 6 1 1 . De Berg, Em- 
blemata secularia. Oppenheim . 97 

86. Deutscher Titel vom Jahre 1689 

Dilchii, Kriegsbuch. Frankfurt . 99 

87. Spanischer Titel vom Jahre 1622 
Lavanha, Viagem del rey D 
Filipi II 

88. Englischer Titel in Kupferstich 
Shakespeareausgabe vomjahre 1623 102 

89. Beispiele von Anfangsvignetten 

aus d. XVII. Jahrhundert . . . 103 

90. Deutscher Titel um 1700. Mar- 
garethe Helm ,,Neh- u. Stickbuch." 

Joh. Christ. Weigel, Nürnberg . 105 

9 1 . Beispiele von Schlussvignetten aus 

dem XVII. Jahrhundert . . . 106 

92. Holländischer Titel vom Jahre 
1726. Antiquitates Romanorum 107 

93. Französischer Titel vom Jahre 
1722. Le Sacre de Louis XV. . 109 

94. Französischer Titel vom Jahre 
1769. Les Graces 110 

95. Englischer Titel vom Jahre 1740. 
Birkham, Musical entertainer . . III 

96. Italienischer Titel vom Jahre 
1783. Viero, Raccolta di 126 
Stampe 113 

97. Vignette. Florenz 1727 . . . 114 

98. Umrahmung eines französischen 
Titels vom Jahre 1 758 . . . . 115 

99. Inkunabel vom Jahre 1469. Augs- 
burg, Günther Zainer . . . . 118 

100. Illustration aus „Grandes heures" 
von Antoine Verard. Paris, XV. 
Jahrhundert 1 1 9 

101. Heures. Paris um 1502. Ver- 
kündung der Geburt Christi auf 
dem Felde 121 

102. Heures ä l'usage de Rom. Text 
mit Umrahmung, aus vier Zeilen 
zusammengestellt. Von Pigruchet 

für Simon Vostre von Paris 1488 122 



Abb. Seite 

103. Figurenrätsel aus einem livre d'heu- 
res gedruckt zu Paris. Von Guil- 
laume Godard 1 5 1 3 123 

104. Heures. Paris um 1502. Titel 

mit dem Signet des Simon Vostre 125 

105. Der ,,Dood van de H. Maagd", 
Stiche aus einem getijenboek von 
Simon Vostre 126 

106. Sebastian Brant. Porträt . . . 127 

107. Holzschnitt und Randleisten aus 
der ersten Ausgabe von Sebastian 
Brant's „Narrenschiff". Basel 1494 128 

108. Titel der lateinischen Ausgabe von 
Sebastian Brant's „Narrenschiff". 
Basel 1497, Bergmann von Olpe . 129 

109. Impressum des „Katholikon" von 
Gutenberg im Jahre 1460 gedruckt 133 

110. Illustration aus „Hypnerotomachia 
Poliphili", gedruckt von Aldus 
Manutius zu Venedig 1499 . . 135 

111. J. M. Querard. Porträt . . . 139 

112. Der Schmerzensmann. Titelbild 
zu dem Holznittwerk Albrecht 
Dürer's „Die grosse Passion" . 148 

113. Aus dem Holzschnittwerk Albrecht 
Dürer's „Die heimliche Offenbarung 
Johannis". Die vier Reiter . . 149 

114. Titelbild zu dem Holzschnittwerk 
Albrecht Dürer's „Das Marien- 
leben" 151 

115. Grolierband, 1520 — 1565. Macro- 

bius de Somno Scipionis . . . 153 

116. Grolierband, 1520 — 1565. Das- 
selbe 155 

117. Französischer Einband des XVI. 
Jahrh. Gebunden für Heinrich II. 

und Diana von Poitiers um 1555 158 
.118. Französischer Einband, für Franzi. 

gebunden. Paris 1541 . . . . 159 

119. Französischer Einband, für Hein- 
rich III. gebunden. Paris 1583 . 160 

120. Einband aus der Bibliothek des 
Jacques -Auguste de Thou . . . 161 

121. Dr. phil. Albrecht Kirchhoff. 
Porträt 164 

122. Bibliothekzeichen des Dr. Joh. 

Pet. Merenda, 1548 . . . . .. 165 

123. Bibliothekzeichen des Johannes 
Froben 165 



334 



Verzeichnis der Illustrationen im Text und der Kunstbeilagen. 



Abb. Seite 

1 24. Bibliothekzeichen des Propstes von 
St. Lorenz in Nürnberg , Hektor 
Pommer 166 

125. Bibliothekzeichen Pirckheimers, 

von Albrecht Dürer 166 

1 26. Bibliothekzeichen der Bürgerbiblio- 
thek Winterthur 167 

127. Bibliothekzeichen des Joh. Al- 
brecht Herzog von Mecklenburg, 

ca. 1620 .167 

128. Bibliothekzeichen des Joh. Christof 

von Engelshofen, 1623 . . . . 168 

129. Bibliothekzeichen des Collegium 
theologorum in Piacenza . . . 168 

130. Bibliothekzeichen des Ferd. Barth 

von Harmating, 1694 .... 169 

131. Bibliothekzeichen des Karl Alexan- 
der-Gymnasiums, Ansbach . . . 169 

132. Bibliothekzeichen der Abtei Amer- 
bach 170 

133. Bibliothekzeichen des Kardinals 
Graf von Schönborn 171 

134. Bibliothekzeichen des Herzogs Lud- 
wig Rudolf von Braunschweig . 172 

135. Bibliothekzeichen des K. Preuss 
Admiralitäts- und Licent - Kolle- 
giums, Königsberg i. Pr. . . . 173 

136. Bibliothekzeichen des Karl Otto 
Freiherrn von und zu Gymnich . 174 

137. Bibliothekzeichen des Ferd. Reichs- 
edlen von Hosson 175 

138. Bibliothekzeichen des Kanonikus 
Heinr. Braun 176 

139. Bibliothekzeichen des Chev. de 
Valvrey 177 

140. Bibliothekzeichen des A. Lumisden 178 

141. Bibliothekzeichen Chodowiecki's 178 

142. Bibliothekzeichen des David Fried- 
länder 179 

143. Bibliothekzeichen des Dr. m. 
Dietheim Lavater 180 

144. Bibliothekzeichen des Ministers 
Alph. van den Peereboom . . . 180 

145. Bibliothekzeichen des Dr. Wellens 181 

146. Bibliothekzeichen des Columbia 
College Library, New York . . 182 

147. Bibliothekzeichen des Grossherzogs 
Friedrich Franz I. von Mecklen- 
burg-Schwerin 182 



Abb. Seite 

148. Bibliothekzeichen des Stiftspropst 

Ign. Döllinger 183 

149. Bibliothekzeichen des Kaisers 
Alexander III. von Russland . . 183 

1 50 Bibliothekzeichen des Kaisers Wil- 
helm II 184 

151. Bibliothekzeichen des Fürsten Otto 

von Bismarck 185 

152. BibHothekzeichen des Wm, E. 
Gladstone 186 

153. Bibliothekzeichen des Bischofs 
Raess 187 

154. Bibliothekzeichen des Fedor von 
Zobeltitz 187 

155. Bibliothekzeichen des Freiherrn von 
Lipperheide 188 

156. Bibliothekzeichen des Prof. Hans 
Hübner 188 

157. Bibliothekzeichen d. Tokio Library 189 

158. Signet des Johannes Grüninger . 189 

159. Signet des Conrad Baumgarten . 190 

160. Signet des Jaques Jacon . . . 191 

161. Signet des Johannes Schöffer . . 192 

162. Signet des Matthias Apianus . . 193 

163. Signet des Andreas Gessner . . 193 

164. Signet des Thomas Woodcock . 194 

165. Signet des Hippolito Tromba und 
Hercoliano Bartoli 194 

166. Signet des Giv. Bernardo Sessa . 195 

167. Signet des Dominicus Custos . . 195 

168. Signet des Jean de Glen . . . 196 

169. Signet des Jodocus Jansen . . 196 

170. Signet des Fred. Muller . . . 196 

171. Signet des Franz Lipperheide . 196 

172. Signet des A. W. Sijthoff. . . 197 

173. Signet von Velhagen & Klasing . 197 

174. Einband von Maioli 198 

175. Einband von Geoffroy Tory . . 199 

176. Einband von Clovis Eve . . . 200 

177. Einband von Nicolaus Eve . . 201 

178. Margareteneinband 202 

179. Einband von Le Gascon . . . 203 

180. Einband von Le Gascon für den 
Kardinal Mazarin 204 

181. Altfranzösischer Mosaikband aus 
dem XVIII. Jahrhundert ... 205 

182. Mosaikeinband aus dem XVIII. 
Jahrhundert 206 

183. Einband von A. M. Padeloup . 207 



Verzeichnis der Illustrationen im Text und der Kunstbeilagen. 



335 



Abb. Seite 

184. Mosaikeinband von N. D. Derome 208 

185. Einband Heinrichs VIII. . . . 209 

186. Einband, gefertigt für die Königin 
Elisabeth 210 

187. Englischer Einband zu Beginn des 
XVIII. Jahrhunderts 211 

188. Stempel von Roger Payne . . . 212 

1 89. Niederdeutsch. Einband mit grossen 
naturalistischen Blumen . . . 213 

190. Holländischer Einband von Jan 
Mensing 214 

191. Holländischer Einband von Jan 
Mensing 215 

192. Holländischer Einband von Jan 
Mensing 216 

1 93. Deutscher Einband aus derHerzogl. 
Bibliothek zu Wolfenbüttel . . 217 

194. Bücherladen aus dem XVII. Jahr- 
hundert 218 

195. J. Ch. Brunet. Porträt . . . 227 

196. Italienischer Einband für Katha- 
rina von Medici 231 



Abb. 

197. Margarete von Valois. Porträt . 

198. Illustration aus den (Euvres de 
Moliere 

199. Illustration von Moreau dem Jün- 
geren, vom Jahre 1769 

200. Herzog von Roxburghe. Porträt 

201. Thomas Frognall Dibdin. Porträt 

202. Nicolaus Trübner. Porträt 

203. Bernard Quaritsch. Porträt 

204. Frederik Muller. Porträt . 

205. Ulrich von Hütten. Porträt . 

206. Jakob Fugger. Porträt . . . 

207. Wilibald Pirckheimer. Porträt . 

208. Hans Sachs. Porträt .... 

209. Oswald Weigel. Porträt . 

210. Franz Freiherr von Lipperheide 
Porträt 

211. August Klasing. Porträt . 

212. Georg Hirth. Porträt .... 

213. Abbildung einer Buchdruckerpresse 
von 1520 



Seite 
233 

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253 
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316 
317 

318 



VERZEICHNIS DER KUNSTBEILAGEN. 



Beilage zwischen Seite 

I. Apokalypse zur Geschichte 

des Antichrists 16/17 

II. Titel der Bibel Luther's vom 

Jahre 1534 (Hans Lufft) . 58/59 

III. Inkunabel vom J. 1474 . . 118/119 

IV. Seite aus Gutenbergs 42 zeili- 
ger Bibel um 1455 . . . 1 30/1 31 

V. Psalterium von Fustu. Schöffer 

von 1457 132/133 

VI. Grolier-Einband . . . . 154/155 



Beilage zwischen Seite 

VII. Proben von Ex libris aus dem 

XV. Jahrhundert .... 164/165 
VIII. Einband von A. M. Padeloup 204/205 
IX. Moderner Bucheinband von 

G. Fritzsche 216/217 

X. Moderner Bucheinband von 

H. Sperling & J. R. Herzog 218/219 
XI. Umschlag der ,, Zeitschrift für 

Bücherfreunde" 316/317 



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Muhl brecht, Otto 

Die bücherliebhaberei in 
ihrer entwickelung bis zum 
ende des XIX. Jahrhunderts 
<d. verb. und venn. aufl. 



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