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Full text of "Die Congerien- und Paludinenschichten Slavoniens und deren Faunen : ein Beitrag zur Descendenz-Theorie"

808 

1875 
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Sectional Ijbrciy 



ivioll. 



Ausgegeben am 31. Oetober 1875. 



DIE 



CONGEEIEN- und PALUDINENSCHICHTEiN 

SLAVONIENS 



DEREN FAU 



E N, 



EIN BEITRAd ZOR DESCENDENZ- THEORIE 



gecüomcd librcxy 



>< 



VI» 

D" M.^ NEUWÄYR, 

A. Ö. UNITERSITÄTS-PROFESSOR. 



uisD C. M. RAUL, 

BERGRATH KS DER K. K. GEOLOGISCHES REICHSANSTALT. 



MIT 10 LITHOGRAPHIRTEN TAFELN. 




ABHANDLUNGEN DSU K. K. GEOLOGISCHEN EEICHSANSTALT. BAND VH, HEFT Nr. 3= 



(PREIS Oe. W. Fl. 15.) 



WIEN, 1875. 



ALFBED HOLDER, K. K. UNIVEHSITÄTS - BUCHHÄNDLER 

ROTHEKTHDRMSTRASSE 15. 



A 



Druck von J. C. Fischer & Comp. Wien. 



Vorbemerkungen. 



Im Jahif 1861 liatte Bergrath Stur die geologischen Uebersichtsaufnahmen in Croatieii und 
Slavonien durchgeführt und die ersten Mittheilungen über die in mehrfacher Hinsicht sehr interes- 
santen jungmiocänen Süsswasserablagerungen der erwähnten Gegenden gemacht. ') Die von Stur 
mitgebrachten Suiten von Fossilien hatten schon damals, obwolil über die Lagerungsverhältnisse und 
engere Gliederung der erwähnten Schichten noch wenig belcannt war, die Aufmerksamkeit der Palaeon- 
tologen auf sich gezogen. M. Hörn es nahm die dort gesammelten Bivalven in sein grosses Werk 
über die Molhisken des Wiener Tertiär-Beckens auf; v. Frauenfeld beschrieb die merkwürdige 
Vivipara Vukotinovici -') und Dr. M. Neumayr machte die Gasteropoden zum Gegenstande eines 
kleinen im Jahrbuch der geologischen Reichsanstalt veröffentlichten Aufsatzes. ^) 

Im Jahre 1870 besuchte C.M.Paul bei Gelegenheit einer Untersuchung der Lignitablagerungen 
Slavoniens einige der wichtigsten Fundorte der in Rede stehenden Versteinerungen und gewann hiebei 
die Ueberzeugung, dass die betreffenden Schichten eine weitere stratigraphische und palaeontologische 
Gliederung erkennen lassen, deren Constanz schon damals auf bedeutende Streichungserstreckung nach- 
weisbar erschien.*) 

AVeitere Aufschlüsse in dieser Beziehung ergab die von C. M. Paul im Sommer 1871 durch- 
geführte Detailaufnahme der slavonischen Militärgrenze '") ; es stellte sich namentlich bei Durclisicht 
des von dieser Aufnahme mitgebrachten, genau nach Schichten gesammelten Versteineningsmaterials 
eine so überraschende Beziehung zwischen dem constanten relativen Horizonte der Formen und deren 
Gestaltentwicklung heraus, dass die Verfasser sich veranlasst sahen, speciell zur weiteren Verfolgung 
dieser in geologischer wie in palaeontologischer Beziehung gleich interessanten Fragen im Mai 1872 
eine gemeinsame Reise nach der slavonischen Militärgränze zu unternehmen, bei welcher das detaillirte 
Studium der jungmiocänen limnischen Ablagerungen den ausschliesslichen Zweck der Reise bildete. 
Die theils aus den Aufnahmsarbeiten des Jahres 1871, theils aus den Beobachtungen der letzt- 
genannten Reise geschöpften Resultate bilden den Inhalt der folgenden Blätter. 



') Stur, die ueogentertiäreu Ablagerungen von Westslavonien. Jahrb. der geolog. Reichsaustalt. 1862. Bd. XII. pag. 28.5. 

-) Frauenfeld, Verhandlungen der zoologisch-botanischen Gesellschaft iu Wien. 1862. Bd. XII. pag. 972, Ebeud. 1864, Bd. XIV 

pag. 151. 
'■') Dr. M. Keumayr, Beitrage zur Kenntniss fossiler Binnenfaunen. Jahrli. der geolog. Reichsanstalt. 1869. Bd. XIX. pag. 370. 
'') Paul, Beiträge zur Kenntniss der Congerienschichten Westslavoniens. Jahrb. der geolog. Reichsanstalt 1870. Bd. XX. p. 251. 
") Verhandlungen der geolog. Reichsanst. 1872. pag. 25. pag. 119. 



IV 

In der Zwischenzeit wurden dieselben Ablagerungen und ihre Fossilreste auch von den Henen 
Spiridion Brusina und Dr. G. Pilar in Agram einem eingehenden Studium unterworfen, und es 
erschienen mehrere kleinere Aufsätze von den genannten Herren, die, in croatischer Sprache geschrieben, 
uns unzugänglich waren ; in neuester Zeit erschien dann eine grössere , ebenfalls croatische Arbeit ') 
über die geologischen Verhältnisse jener Gegenden von Dr. Mar, während Brusina in deutscher und 
croatischer Sprache eine sorgsame palaeontologische Monographie der gesammelten Binnenmollusken 
lieferte. 

Bei unserer hiei- vorliegenden Arbeit waren es nicht sowohl die gewonnenen genaueren Kemitnisse 
über Gliederung, Lagerung und Verbreitung des in Rede stehenden Schichtencomplexes 3), noch die 
zahlreichen neuen Conchylienformen , die bei der Verarbeitung des gesammelten Materials sich voi-- 
fanden, welche uns bewogen, die slavonischen Binnenablagerungen zum Gegenstande einer besondei-en 
Publication zu machen; Resultate anderer allgemeinerer Art ergaben sich aus dem Studium dieser in 
seltener Klarheit aufgeschlossenen Ablagerungen und ihrer reichen Fauna, Resultate, welche den Vor- 
gang der Form- und Artveränderung unmittelbar vor unsere Augen legen und für die Descendenz- 
lehre in mehr als einer Richtung von grosser Bedeutung sind. Diese Folgerungen, welche sicli im 
dritten Abschnitte zusammengestellt finden, bilden den Hauptzweck unserer Mittheilung. 

Die Arbeit zerfällt in drei Abschnitte, von welchen der erste geologische von C. M. Paul, 
der zweite palaeontologische von Dr. M. Neumayr bearbeitet ist; der dritte Abschnitt endlich ist 
gemeinsam verfasstund enthält die Resultate aus den vorhergehenden Einzelbeobachtungen. 



Dr. M. Neumayr. 
C. M. Paul. 



') Trecögorje i podloga rau u dlinskom Pokupju. Zeitschrift der siidslavischen Akademie iii Asram. 1873. Bd. XXV. 
^) Fossile Binnenmollusken aus Dalmatien, Croatien und Slavonien. Ap-am 1874, 

'■') Vergl. aucli C. M. Paul, die Kriuinkohlenablanpruiifren von Croatieu und Slavonien. Jahrb. d. geolog. Reichsanst. 1874. 
Bd. XXIV. pag. 287. 



INHALT. 



Seite 

I. Geologischer Theil 1 

Einleitimg 1 

Das Vorkommen der Congerien- und Paludinenschichten in 
Westslavonien 6 

a) We stlichesBecken 7 

Novska 7 

Obei-Raic 8 

Ceraik 9 

Cigelnik 9 

Malino 10 

Kuynik U 

b)Oestliches Becken 11 

Sibin 11 

Gromafcnik 12 

Varos ■ 12 

Caplathal 12 

Podwin 13 

Toniica 13 

Gliedeiimg der Congerien- imd Paludinenschichten in West- 
slavonien 15 

1. Congerienschichten 15 

2. PaUulinenscliichten 15 

a) Untere Paludinenschichten 16 

b) Mittlere Paludinenschichten 16 

a. Die Schichte der Viv. bifarcinata 17 

ß. I>ie Schichte der Viv. stricturata 17 

y. Die Schichte der Viv. notha 17 

c) Obere Pahidineusehichten 17 

ß. Die Schichte der Viv. Sturi 18 



Seitfc 

ß. Die Schichte der Viv. Hörnesi 18 

y. Die Schichte der Viv. Zelebori 18 

rf. Die Schichte der Viv. Viikotinoviti . . . . ■. 18 

Il.Palaeontologlseher Theil 19 

C'ongeria 20 

Cardium 21 

Pisidiuni 24 

ünio 26 

Neritina 34 

Melania 35 

Melanopsis 37 

Vivipara 55 

Bythinia 73 

Lithoglyphus 74 

Hydrobia 75 

Valvata 73 

Enierieia 79 

Plauorbis 80 

Lininaeiis 80 

Valencieunesia 80 

Castor 82 

in. Resultate 83 

Geologische Gliederung nnd Parallelen ....... 83 

Zoogeographische Beziehungen 89 

Die Methode der palaeontologischen Untersuchung ... 92 

Das Auftreten und die Bedingungen der Variation ... 97 

Die Species in der Palaeontologie 103 

Verbreitungstabelle 107 

Register lOS 



I, GeoloRischer Theil. 



Einleitung. 



Bevor wir näher in die Schilderung des Auftretens der jung-miocänen Siisswasserschichten Slavoniens ein- 
gehen können, erscheint es wohl, um auch in geologisch-topischer Beziehung kein aus dem Zusammenhange geris- 
senes Fragment zu bieten . erforderlich , eine kurze Uebersicht der allgemeinen geologischen Verhältnisse der 
slavonischen Gebirgsinsel einleitung'^weise vorauszuschicken. 

Zwischen den Niederungen der Drau und Save, westlich vom Thale des lUowaflusses begrenzt, östlich in die 
Donauniederung verflachend, erhebt sich jenes Bergland, das man mit dem Namen des westslavonischen Gebirges 
zu bezeichnen pflegt. 

Dieses allseitig isolirte Gebirge bildet, mit dem Ivancica-, Sleme- und Moslavina-Gebirge im Westen, und 
dem ostslavonischen oder Vrdnik-Gebu-ge im Osten die südöstliche Fortsetzung der Centralkette der Alpen, welche 
hier, wie in ihrer nordöstlichen Fortsetzung, den Karpathen, nicht mehr als zusammenhängende Zone auftritt, 
sondern in einzelne, inselförmig aus dem Tertiär- und Diluvial-Gebiete hervortretende Centralstöcke aufgelöst 
erscheint. 

Es dürfte wohl wenige Gebirgsgruppen geben, in denen der Zusammenhang zwischen orographischer und geo- 
logischer Gliederung deutlicher, als im westslavonischen Gebirge ausgeprägt erscheint, und es können die engeren 
Berggruppen, in welche das in Rede stehende Gebirge in orographischer Beziehung ungezwungen eingetheilt werden 
kann, zugleich als die Hauptverbreitungsbezirke der einzelnen gebirgsbildenden Formationsglieder bezeichnet werden. 

Die. im Ganzen betrachtet hufeisenförmig angeordnete Gebirgsgruppe zeigt einen westlichen Hauptstock (das 
Orljava-Gebirge) welcher seinerseits in eine nördliche imd eine südliche Parthie (das Papuk- und Psunj-Gebirge) 
zerfällt, und zwei von dem genannten Hauptstocke in west-östlicher Richtung abzweigende Ausläufer und zwar 
einen nördlichen als östliche Fortsetzung des Papuk-Gebirges, (das Krndja-Gebirge), und einen südlichen als öst- 
liche Fortsetzung des Psunj-Gebirges (das Poieganer- und Broodergebirge). (s. F. 1.) 

Das Papuk -Gebirge, die nördliche Parthie des Orljava-Gebirges ist im Norden durch die Niederung 
der Drau, im Westen durch die der Illova begrenzt, und im Süden durch das Thal des Pakraflusses vom Psunj- 
Gebirge getrennt, mit welchem es nur durch den schmalen Pass bei Kamensko zusammenhängt. Im Osten ist 
die Grenze gegen das Krndja-Gebirge, mit welchem es bei Drenovac in unmittelbarem Zusammhange steht, durch 
die weit nach Norden heraufgreifende Tertiärbucht von Merkopolje augedeutet. Das Gebirge besteht in seinem cen- 
tralen Theile aus Granit, an welchen sich am Südrande (bei Sirac) eine kleine Partie krystallinischer Schiefer- 
gesteine anschliesst. Im Westen (bei Daruvar) erscheint eine ziemlich mächtige Partie triadischer Kalke und 
Schiefer dem Granite aufgelagert, im Norden (bei Vucin) ist derselbe durch eine nicht unbedeutende Trachyt- 
Eruptionsmasse durchsetzt. Mit Ausnahme jener Partien im Osten und Süden, wo das Gebirge mit dem Krndja- 
und Psunj-Gebirge zusammenhängt, ist es allseitig von einer Randzone neogener Bildungen (Leithakalk und sar- 
matische Mergel) umgeben, au welche sich dann die Lösshügel der lUowa- und Drau-Niederung anschliessen ; 
unter den letzteren treten in der Gegend von Drenovec, Rienci und Slatina stellenweise jung-miocäne Tegel und 
Sande mit Lignitflötzen hervor. 

Das Psunj-Gebirge, dessen nördliche Begrenzung bereits angedeutet ist, grenzt im Westen an die 
lUowa-Niederung, im Süden an das Savethal, und steht im Osten durch die niedrigeren Tertiärhügel der Gegend 
von Opatovac nut dem PoÄeganergebirge im Zusammenhange , während es weiter nördlich den Westrand der 
Po^eganer Niederung bildet. Wie das Papuk-Gebirge das Hauptverbreitungsgebiet des Granits, ist das Psunj- 

Abhandlungen der k. k. geolog. Reichsanstalt. (Noumayr u. Paul.) Band VII. 3. Hoft. 



2 Dr. NeiiDiaiir und C. M. Paul. Die Congerien- und Pnludinenschichten Slavoniens und dcrai Faunen. 

Gebirge dasjenige der kiystallinischen Schiefergesteine (Gneiss, Glimmerschiefer, Hornblendeschiefer), die es, mit 
Ausnahme einer kleinen und untergeordneten Granitpartie am Westrande, und einer räumlich noch unbedeuten- 
deren Partie älterer Tertiärgesteine am Siidraude, ausschliesslich zusammensetzen. Eine Zone neogener Vor- 
hügel umgibt, wiewohl namentlich am Südrande vielfach von Löss verdeckt, das Gebirge, und ist nur bei dem 

Fig. 1- 
Niederung der Drau. 




Jfovska 



Tomica 
"oPodvin 



SoMJ^ S^/fval 



Mal/ino ° Badovanje 



Houert-s (Tebiiije; 

Gebirgsglieder bis zum 
Neoaren. 



Niederes Gebirge; Hügelland uud Ebeue; Lignitlager der Paludinen- 

Aelteres Neogen (mediterrane jüngeres Neogen. (Congerien- schichten, 

und sarmatische Schichten.) u. Paludinen-Schichten) und 

Diluvium. 



obenerwähnten Kamenskopasse, wo die Schiefergesteine des Psunj-Gebii-ges an den Granitstock des Papuk stossen, 
unterbrochen. 

Das Kr ndja- Gebirge, die östliche Fortsetzung des Papukgebirges, trennt die Niederung von Poieg von 
der der Drau. Die Zusammensetzung dieses Gebirges ist complicirter als die der vorangehenden. Im Norden 
des Gebirges zieht sich, als direkte Fortsetzung des Papuk, eine Granitzuuge bis etwa in die Mitte der west- 
östlicheu Gebirgserstreckung , während der Süd- und Ostrand des Gebirges durch einen aus Granit und krystal- 
linischen Schiefergesteinen zusammengesetzten Höhenzug (die Krndja im engeren Sinne) gebildet wird. Zwischen 
diesen beiden erscheint, die Hauptmasse des Gebirges constituirend , in einer vielfach gefalteten Mulde eine 
Ablagerung , die in ihren tieferen Lagen aus Quarziten , Quarzitschiefern und chloritischen Schiefern . in ihren 
höheren aus wahrscheinlich triadischen Kalken besteht. Untergeordnet erscheint am südöstlichen Painde des 
Gebirges ein Rhyolitartiger Trachyt; neogene Randzonen sind an der Nord- und Südseite des Gebirges entwickelt. 

Das Po^eganergebirge, die östliche Fortsetzung des Psunj-Gebirges, zwischen der Po^eganer Niederung, 
dem Savethale und dem Orljavathale besteht seiner Hauptmasse nach aus Conglomeraten und Sandsteinen . die, 
mindestens in ihren höheren Partien, den Sotzkaschichten Steiermarks entsprechen und mit einem eigenthümlichen 
Eruptivgesteine und dessen Tuffen in Verbindung stehen.') Dieses Eruptivg-estein zeigt an den wenigen Stellen, 
wo es unverwittert beobachtet werden kann, eine quarzige Grundmasse mit eingesprengtem Sanidin und ent- 
spricht petrographisch wie auch seiner geologischen Stellung nach dem von Stur'-) in den Sotzkaschichten Steier- 
marks beobachteten, „Hornfelstrachyt" benannten Gesteine. Bezeichnend für dieses Gestein ist das Vorkommen 
von Eisenglanz, der in einer, dem Hauptstreichen parallelen Linie, in Linsen und Mugeln an zahlreichen Punkten 
in demselben auftritt. In sehr beschränkter Ausdehnung treten am Rande dieses Eruptivgesteines ältere Schiefer 
auf, die wohl den Quarzitschiefern des Krndja-Gebirges entsprechen mögen. Eine Zone älterer Neogengesteine 
(Leithakalk und weisse Mergel) ist mit unbedeutenden Unterbrechungen rings um das Gebirge entwickelt. 



') Vgl. Paul, die Braunkohlenablageruugen vnn Croatien und Slavonien. Jahrb. d. Ic. k. G. 11. A. 1874, 3. Heft. 
') Geologie der Steiennark, Wien 1871. 



/. Geologischer Thell. 3 

Das Brooder Gebirge, der südostlichste Theil der in Rede stebeudeu westslavonisdien Gebirgsgruppe, 
ist von dem Vorhergehenden durch das Orljavathal getrennt. Es besteht vorwiegend aus weissen Neogenmergeln, 
unter denen an vielen Stellen Leithakalke hervortreten. Am Südraude des Djilkammes erscheint eine Insel des 
obenerwähnten Hornfelstrachyts, der auch hier Eisenglanz in ziemlich bedeutenden Linsen enthält. 

Das ebene und hügelige Land, das die genannten Berggruppen umgibt, und die, zwischen dem Pozeganer-, 
Psunj- und Krndja-Gebirge sich ausbreitende Pozeganer Niederung bildet, besteht aus Diluvialgebiklen , unter 
denen, namentlich in der Nähe der Gebirgsränder m tiefer eingerissenen Thälern und Schluchten die jüngsten 
Neogenbildungen hervortreten. 

Im Diluvium selbst sind zwei petrographisch einander sehr ähnliche, aber in ihrem gesammten Auftreten 
scharf von einander zu trennende Ablagerungen zu unterscheiden: der ältere Löss, welcher deutlich markirte 
Hügelketten am Rande der älteren Gebirge bildet, und der jüngere Diluviallehm, der terrassenförmig die Nie- 
derungen der heutigen Flussläufe erfüllt. Schotterablagerungen stehen mit beiden, stets aber nur untergeordnet 
in Verbindung.') 

üeber die älteren Gebirgsglieder , deren Hauptverbreitung in der vorstehenden Uebersicht in allgemeinen 
Zügen angedeutet ist, liegen in den Aufnahmsberichten von Stur-) und in meinen eigenen Reiseberichten^) 
Mittheilungen vor ; sie können daher unter Hinweis auf die citirten Publikationen, um unuöthige Wiederholungen 
zu vermeiden, hier wohl übergangen werden. Nur über die älteren Neogenbildungen der Gegend, da sie mit dem 
Hauptgegenstande unserer Mittheilung in engerem organischem Zusammenhange stehen, scheinen noch einige kurze 
Notizen erforderlich. 

Vergleichen wir die Entwicklung der Neogenablagerungen, wie sie an den Rändern unserer westslavonischen 
Gebirgsinsel auftreten mit der im Wiener und im grossen Pannonischen Becken bekannten, so sehen wir nicht 
ganz unauflallige Unterschiede hervortreten. 

Zeigen auch die älteren (marinen) Glieder im allgemeinen wohlbekannte Typen, so verschwindet doch gegen 
oben diese Analogie immer mehr, und nur selten zeigen noch einzelne Straten die gewohnte petrografische und 
palaeontologische Entwicklung. 

So fällt vor allem das Zurücktreten typischer sarmatischer Schichten auf. und sind solche in dem ganzen 
ausgedehnten Gebiete nur an einer einzigen Stelle bekannt geworden, während sonst allerorts der Leithakalk 
durch Ablagerungen bedeckt wird, die einen fremdartigen, in den obenerwähnten Neogengebieten unbekannten 
Typus zeigen; auch gegen unten ist die Grenze dieser Abtheilung undeutlich, indem Cerithienbänke mitten zwischen 
NuUiporenbänken eingelagert, an mehreren Stellen beobachtet werden können. 

Die autiallendsten Eigenthümlichkeiten zeigen endlich die jüngsten neogenen Süsswasserbilduugen , worüber 
unten ausführlicheres mitgetheilt werden soll. 

Die Gliederung, welche die westslavonischen Neogenablagerungen erkennen lassen ist (von unten nach oben) 
die folgende : ^) 

Marine Sande und Tegel. Nur eine einzige, räumlich nicht sehr ausgedehnte Parthie hiehergehöriger 
Bildungen ist in dem Gebiete bekannt geworden, nämlich die gelblichen oder grauen sanJig-tegeligen Gebilde, 
welche den oberen Theil des Slobostina-Thales nördlich von Benkovac erfüllen. 

Diese Schichten, welche in der genannten Gegend an mehreren Punkten in mächtigen Wänden aufgeschlossen 
anstehen, sind (besonders deutlich am Wege von Rogolje nach Caglich und westlich von Benkovac) von typischem 
Leithakalk (NuUiporen- und Amphisteginenbänkenj überlagert, und liegen unmittelbar auf den krystallinischen 
Schiefern des Rogoljer Psunj und der Glimmerschieferinsel von Bielastiena, stellen somit sicher das tiefste Neogen- 
glied dar.^) 



') Die Ursadieu, die mich Ijewogeu, den Hügel bildeudeu, bald mehi- sandigen, bald mehr thonigen Lehm Westslavoniens als 
diluvialen Löss, und iiicht, wie es frülier geschali, als ein Aequivalent des neogenen Belvederesaudes zu betrachten, habe ich bereits in 
meiner obeucitirten Notiz (Jahrb. G. R. A. 1870 H. 2) angedeutet. Neuere Beobachtungen bestätigen meine Auffassung. Was nament- 
hch das stellenweise Vorkommen neogener Fossilreste in diesen Bildungen betrifft, so haben wir solches bei unserer letzten Anwesen- 
heit in Westslavonien selbst wiederholt beobachtet ; stets aber fanden sich Vergesellschaftiuagen, die an sich schon den Beweis lieferten, 
dass man es hier nicht mit Fossihen auf ihrer ursprünglichen Lagerstätte zu thnn habe. Es wäre wohl auch ganz unerklärlich , wena 
in einer Gegend, wo mächtige, fast ausscliliesslich aus Neogen-Conchyhen zusammengesetzte Bänke meilenweit an der Oberfläche an- 
stehen, aus diesen nicht ebenso, wie aus den übrigen in der Nähe auftretenden Gebirgsgliedem Geschiebematerial in eine jüngere Lehm- 
und Schotterbildung gelangt wäre. 

2) Jahrb. d. k. k. G. R. A. XU. B. Verh. S. 115 u. 20Ü. 

=) Verh. d. k. k. G. R. A. 1871 Nr. II, 12 u. 16. 

■*) Vgl. Paul, die Braunkohlenablagerungen von Croatien u. Slavoiiien. Jahrb. d. G. R. A. 1874. 3. 11 und Stur, die neogen-ter- 
tiäreu Abi. von Westslavonien. Jahrli. G. R. A. 1862. p. 285—299. 

■■) Die den Sotzkaschichten parallelen Bildungen sind hiebei nicht in Rücksicht gezogen. 

1* 



4 Dr. Ni'umaijr und C. M. Paul. Die Congerim und Paludinenschichten Slavoninis und deren Faunen. 

• An zwei Punkten im Gebiete dieser Bildung wurden bereits von Stur Fossilreste gesammelt, nämlich am 
nördlicliea Ende von Benkovac und bei Rogolje. 

Bei Benkovac fand sich in den härteren Knollen des Tegels VagincUa depressa Dand. häufig, ausserdem 
eine ziemlich bedeutende Anzahl von Foraminiferen, die von Hrn. F. Karr er einer näheren Untersuchung unter- 
zogen wurden.') Es sind (i Formen die aus Baden, 8 die aus Baden und Nussdorf, endlich 9 als selten bezeich- 
nete Formen, die fnis Nussdorf allein bekannt sind. Gasteropoden , Bivalven und Bryozoen fehlen, Cj-pridinen 

sind selten. 

Bei Rogolje kommen zahlreiche Bryozoen vor, und zwar (nach der Bestimmung von Stoliczka) Crisia 
Edwardsi B., Filispara biloba R., Idmonea foraminosa R., J. tenuisulcata B., Scrupacellaria eUiptica R. 
Salicornin muniinata Gold f. und Eschara polystomdla R. Von den 17 hier vorkommenden Foraminiferen-Arlen 
kommen S in Baden und Nussdorf, ij in Nussdorf allein, 3 in Baden allein vor; die Schichte ist somit den 
Foraminiferen nach jedenfalls etwas höher als die von Benkovac, doch aber noch tiefer als Nussdorf, etwa (nach 
Karr er) wie Ehrenhausen, Porzteich und Grinzing im VVienerbecken. 

Sicher liegt somit in Slavonien eine unserem Badner Tegel parallele Ablagerung unter dem Leithakalke. 

Leithakalk. Die hiehergehörigen Ablagerungen, welche den Nord- und Westrand der Gebirgsinsel in 
einer nur an wenigen Stellen unterbrochenen Zone umsäumen, und sich stellenweise in tiefen Buchten in das 
Innere derselben hineinziehen, sind mit Ausnahme der obenerwähnten Gegend von Benkovac überall dem Grund- 
gebh-ge unmittelbar aufgelagert. 

Die Leithakalkbildungen erscheinen als Kalke und Conglomerate. Die letzteren, stellenweise zu losem Schotter 
aus krystallinischen Geschieben aufgelöst, kommen vorwiegend im Hintergrunde der tieferen, zungenförmig in 
die Grundgebirge eindringenden Buchten, so bei Zwecowo, Merkapolje etc. vor, scheinen jedoch kaum ein con- 
stautes Niveau den Kalken gegenüber zu bezeichnen. 

Die Kalke zeigen meistens die aus dem Wienerbecken bekannte Entwicklung. 

Bei Brussovac fanden sich darin : Chjpeastcr (irandiflorus Br. Reden latissimus Brocc. u. Ostreu Cocldear P. 

Bei Pakrac sind zahlreiche Steinbrüche im Leithakalke eröffnet. Man beobachtet hier (namentlich in dem 
kleinen Bruche hinter der Kirche) eine aus Nulliporen, Pectentrümmern und anderen undeutlicheren Conchylien- 
resten zusammengebackene Breccie, wechselnd mit Bänken, die Ccrifh. rubiginosum Eichw. und C. pictum Bast. 
in grosser Menge enthalten. 

Bei Rogolje, am Wege nach Öaglich, folgt über die obenerwähnten, dem Badner-Tegel entsprechenden san- 
digen Schichten unmittelbar ein Wechsel von Amphisteginen- und Xulliporenbänken, die jedoch nur wenige Klafter 
mächtig, bald von weissen Mergeln überlagert werden. 

Im Hintergrunde des Thaies von Oberraic findet sich ebenfalls Pecten latissinms Brocc. in einem fast ganz 
aus Amphisteginen zusammengesetzten Leithakalke. Er ist hier überlagert von blaugrauen Sandsteinen, feinen 
Conglomeraten und Schiefern mit Pflanzen- und Insectenspuren. 

Unter denselben blaugrauen Sandsteinen tritt bei Benkovac ein Kalkconglomerat mit Crustaceenresten auf, 
das seinerseits auf dem Badner-Tegel aufliegt, und daher hier die Leithakalkzone repräsentirt. 

Von Benkovac gegen Ost ist die Leithakalkzone am Südrande des Gebirges unterbrochen und tritt erst 
wieder bei Maticevic auf. Hier erscheint unter echtem Cerithienkalke eine Schichte von weissem weichen Kalk- 
sande mit Nulliporenkugeln, die auf lichten Mergeb mit Cinnamomum lanceolatuw TJng. (Niveau der Sotzka- 
Schichten) aufliegt. 

Von hier weiter gegen Ost treffen wir erst wieder im Brooder-Gebirge Leithakalk. Im Thale nördlich von 
Sibin fand sich darin Ohjpeaster grandifhrns Br. und Pecten latissimus Brocc. 

Am Nordrande des Krndja- und Papuk-Gebirges zieht sich eine ununterbrochene Zone von Leithakalk und 
Conglomerat von Orahovitza bis Kuzna. Von Interesse ist hier namentlich die Gegend von Vucin, wo sich zwischen 
die Leithakalkzone und das Granitgebirge die bereits oberwähnte Trachytpartie einschiebt. Am Schlossberge 
und am Eingange des Rupnicathales sieht man Leithakalk, von weissen Mergeln überlagert, in steilen Schichten 
(unter 50 — 60") vom Trachyt abfallen. Der Leithakalk enthält hier zahlreiche Bryozoen und Amphisteginen, 
Bruchstücke von Ostreen und Spuren kleiner Nulliporen. 

Es sind endlich noch die Leithakalkvorkommeu an den Rändern der Po^eganer Niedemng zu erwähnen. 
Eine zusammenhängende Zone hiehergehöriger Bildungen findet sich nur am Nordwestrande der Niederung von 
Velika bis Orljavac. Bei Velika erscheint als Liegendes des Leithakalks ein grober Sand, der seinerseits auf den 
chloritischen Schiefern des Grundgebirges aufliegt und vielleicht ein Analogon des Vorkommens von Benkovac ist. 



') Die Aufzählung der Foraminiferen aus dieser und der nächsten Localität findet sich in Sturs Mittheilung. Jahrb. d. k. k. G. 
E. A. 1862, S. 288 u. 289. 



1. Geologischer Theil. 5 

Oestlich bei Poieg erscheint an der Poststrasse eine sehr lileine Parthie Bryozoenkalk ^), ebenso tritt bei 
Gradistje noch in beschränkter Ausdehnung Leitliakalk mit Bryozoeu, Amphistegiuen, Pecten, Ostrea etc. auf. 

Tiefere sarma tische Schichten. Die einzige Localität, wo sarmatische Schichten vom Typus des 
Wienerbeckens auftreten, ist die bereis obenerwähnte bei Maticevic am Südgehänge des Po^eganer Gebirges. 
Von Süd gegen Nord (vom Hangenden zum Liegenden) fortschreitend beobachtet man hier einen sehr instructiven 
Durchschnitt. Die Gehänge des Lipovac-Thales zwischen Uuter-Lipovac und Maticevic bestehen aus weissen 
Mergeln. Dieselben werden gegen unten kalkig und gehen endlich in festen weissen Kalkstein mit Cerithivm 
pictnm Bast. u. Cef. ruhif/inosum Eichiv. über. Dieser Kalk bildet die höheren Kuppen östlich und westlich vom 
südlichen Theile des Dorfes Maticevic. Unter demselben beobachtet man an mehreren Stellen eine weiche Muschel- 
breccie, bestehend aus den obengenannten Cerithien und Mactra podolica Eichte, Ervüia poäoJica Eichw.. Car- 
dium vinäohonvnse Partsch. Diese Schichte besitzt nur geringe Mächtigkeit (3 — 4') und liegt auf weissem Kalk- 
sand mit Nulliporenkugeln (Leithakalk). Unter diesem folgt (am ersten Hügel nordwestlich vom nördlichen Ende 
des Ortes) ein Mergel, der theils weisslich und dann den obenerwähnten höheren weissen Mergeln sehr ähnlich, 
theils gelblich oder lichtgrau und plattig abgesondert ist. Er enthält Abdrücke von Cinnamowum laiiceolatum 
Ung. Unter demselben folgt (im Bache nördlich von Maticevic aufgeschlossen) weicherer l)lauer Mergel und 
unter diesem (beim Eintritt des Weges in den Wald) grüner Sandstein, der ein schwaches Braunkohlenflötz ent- 
hält. Li einer, dieses Flötz im Hangenden begleitenden Schichte schwarzen Schiefers finden sich undeutliche 
Planorben. Unter dem Flötze liegt gleicher grüner Sandstein wie ober demselben, und geht gegen das Liegende 
zu durch Wechsellagerung in grobes Conglomerat (das sogenannte Pozeganer Conglomerat) über, welches endlich 
(an der Grenze zwischen Civil- und Militär-Slavonien) allein herrschend wird. Es besteht aus Geschieben von 
Kalk und krj'stallinischen Gesteinen, die zuweilen eine beträchtliche Grösse erlangen. Auch hier, wie an den 
meisten' Stellen des Auftretens dieser Conglomerate tritt der bereits mehrerwähnte Hornfelstrachyt (bei der Quelle 
an dei- Landesgrenze) darin auf. Alle Schichten dieses Durchschnittes fallen S oder SSW. Die Schichten unter 
dem Leithakalke glaube ich ihrer petrographischen Entwicklung nach, sowie wegen des Auftretens von Ctnnawomum 
lanceolatum als ein ziemlich sicheres Analogon von Stur 's Sotzka-Schichten (limnisches Aequivalent der Zone des 
Cerith. margaritacemn) bezeichnen zu können. 

Die Kenntniss dieses, hier sicher und deutlich unter dem Leithakalke liegenden Schichtencomplexes ist wegen 
seiner grossen Aehnlichkeit mit einer anderen, ebenso sicher über den Leithakalk folgenden Ablagerung auch für 
das Studium der jüngeren slavonischen Neogenablagerungen von Wichtigkeit. 

Im Thale nördlich von Ober-Raic und am Gehänge des Slobostinathales westlich der Kirche von Benkovac 
sowie im Thale nördlich von Zavrsje bei Sibin schaltet sich nämlich zwischen den Leithakalk und die weissen 
Mergel ein Complex blaugrauer Schiefer, Sandsteine und feinkörniger Quarzconglomerate ein, der. wenn die Lage- 
rungsverhältnisse minder deutlich wären als an den genannten Punkten, wo die Ueberlagerung durch weisse Mer- 
gel und die ünterlagerung durch Leithakalk unmittelbar zu beobachten ist, leicht mit den erwähnten Sotzka- 
schichten zu verwechseln wäre. 

Diese Schichten, die ich vorläufig als Schichten von Ober-Raic bezeichnen möchte, enthalten auf den san- 
digen Platten stets zahlreiche Spuren von verkohlten Pflanzen und (seltener) Lisektenflügeln. Wahrscheinlich ge- 
hören die braunkohlenführenden Schichten von Kutjevo und Gradistje am Nordrande der Poäeganer-Niederung 
ebenfalls hieher, da sie jedoch auf dem Glimmerschiefer des Krndja-Gebirges unmittelbar aufruhen und von Dilu- 
viallehm bedeckt werden, auch ausser undeutlichen Fischresten keine Petrefacten lieferten, so ist die Möglichkeit 
nicht ausgeschlossen, dass dieselben auch den Sotzka-Schichten des Poiegauer-Gebirges aequivalent sein können. 

Da der Durchschnitt bei Maticevic echte Cerithienkalke mit Mactra etc. unter den weissen Mergeln, jedoch 
mit denselben in innigem Zusammenhange zeigte, die Schichten von Ob.-Eaic aber, wo sie erscheinen, dasselbe 
Niveau bezeichnen, so müssen dieselben wohl als ein Aequivalent der Cerithienkalke von Maticevic, oder als der 
tiefere Theil der sarmatischen Schichten Slavoniens bezeichnet wejden. 

Weisse Mergel. Mit Ausnahme der wenigen, in dem vorigen berührten Punkte, wo Cerithienkalk oder 
die Schichten von Ob.-Raic auf dem Leithakalke liegen, folgt überall in Westslavonien unmittelbar eine mächtige 
Ablagerung weisser, zuweilen etwas kalkiger Mergel über demselben. 

Diese weissen Mergel stellen das mächtigste und bei weitem verbreitetste Neogenglied in der in Rede stehen- 
den Gegend dar, bilden eine beinahe ununterbrochene Zone von Vorhügeln am Nord-, Ost- und Südrande der 
ganzen Gebirgsgruppe und setzen den grössten Theil des Brooder- Gebirges zusammen. Sie besitzen jedoch auch 
ausserhalb der westslavonischen Gebirgsgruppe eine weite Verbreitung. Ich selbst beobachtete sie gegen West 



') Stur 1. c. S. 295. 



6 Dr. Neumayr u. C. M. Paul. Die Congerien- und PaludinenschicJden Slavonkns and diroi Faunen. 

im Moslaviner Gebiise und am Südgehänge des Sleme-Gebirges bei Agram'), nach Foetterle und Tietze 
erscheinen sie auch in dem Gebiete der ehemaligen croatischen Militärgrenze in bedeutender Entwicklung '). 
Auch östlich vom Westslavonischen Gebirge setzt sich nach Lenz^) das Verbreitungsgebiet dieser Ablagerung am 
Nordrande des Ostslavonischen oder Vrdnik-Gebirges fort. 

Diese Ablagerung ist sehr arm an Petrefacten. In Westslavonien fanden sich nur bei Derwischaga (östlich 
von Po^eg) sowie an der Poststrasse westlich von Po^eg ziemlich zahlreiche, aber nicht näher bestimmbare Plan- 
orlmi, daneben seltenere kleine Cardivn. Bei Vucin kommt ausser den erwähnten Planorben auch ein Limnosus 
ziemlich häutig, aber in schlechtem Erhaltungszustande vor. Von Beocsin in Ostslavonieu gibt Leuz^) undeut- 
liche Abdrücke von Planorbis und Cyclas aus denselben an. Dass die höheren , petrefactenreicheren Schichten 
von Beocsin (die Valenciennesia-Mergel) nicht mehr zu den weissen Mergeln Westslavoniens zu ziehen, sondern 
ein Aequivalent der Congerienschichten sind, wurde bereits von R. Hörnes^) nachgewiesen. 

Aus diesen dürftigen Petrefactenfuuden Hessen sich wohl allerdings für die stratigraphische Horizontirung 
dieser Ablagerung, die an der Zusammensetzung ausgedehnter Landgebiete einen so wesentlichen Antheil nimmt, 
keine genügenden Anhaltspunkte gewinnen , doch gewähren die Lageruugsverhältnisse , in denen die.se Bildung in 
Westslavonien auftritt, in dieser Beziehung hinreichenden Aufschluss. 

Die weissen Mergel liegen, wie der Durchschnitt bei Maticevic zeigt, über Cerithienkalk und gehen langsam 
in denselben über ; wo die, den Leithakalk stellenweise unmittelbar überlagernden Schichten von Ober-Raic ent- 
wickelt sind, stehen die weissen Mergel mit diesen, sowie mit den Cerithienkalken durch allmäligen Uebergaug 
in engem Zusammenhange; wo Cerithienkalke oder Schichten von Ober-Raic fehlen, folgen die weissen Mergel 
unmittelbar und concordant über dem Leithakalke und machen die Schichten derselben alle Störungen der marinen 
Kalke mit ; nach oben endlich wurde in Westslavonien keine Stelle bekannt , wo irgend ein Zusammenhang 
zwischen den Schichten der weissen Mergel und der dieselben überlagernden jüngeren neogenen Bildungen con- 
statirbar wäre ; die Grenze ist hier orographisch und petrographisch scharf und es kann auch an der Existenz min- 
destens localer Transgressionen der jüngeren Brack- und Süss wasserschichten über die weissen Mergel kaum 
gezweifelt werden. 

Nach allen diesen Gründen ist die Deutung der weissen Mergel als oberer Theil der sannatischen Gruppe 
wohl den thatsächlichen Verhältnissen am entsprechendsten und wird wohl auch gegenwärtig von allen Geologeni 
die diese Bildung kennen zu lernen Gelegenheit hatten, angenommen. 

Wir kommen nun zur Besprechung der, die weissen Mergel überlagernden Bildungen, der Congerien- 
und Paludinen-Schichten uad sind somit bei dem Hauptgegenstande unserer Mittheilung angelangt. 



Das Vorkommen der Congerien- und Paludinen-Schichten in Westslavonien. 

Wie schon in der Einleitung erwähnt, tritt die in Rede stehende Schichtengruppe, die wir der Kürze wegen 
mit dem Collectivnamen der jungmiocäneu Süsswasserschichten bezeichnen wollen (wenn auch die tieferen Lagen 
derselben noch eine mehr brackische Fauna einschliessen), ringsum die ganze Westslavonische Gebirgsinsel, sowie 
in der, das Centrum Westslavoniens einnehmenden Po^eganer Niederung auf, ist jedoch meistens von einer mehr 
oder minder mächtigen Diluvialdecke überlagert und vorwiegend nur in den tieferen Erosionsthälern und Schluchten 
zu Tage anstehend. 

Die weitaus besten Aufschlüsse bietet der Nordrand des Savethales, oder was dasselbe sagen will, der Süd- 
rand des Psunj-, Pozeganer- und Brooder-Gebirges zwischen den Orten Novska und Podwin. 

In dieser, etwa 12 Meilen betragenden Erstreckung bilden die jungmiocäneu Süsswasserschichten, von einer 
oft 10 Klafter und darüber mächtigen Lösschichte bedeckt, einen, nur von dem Erosionsthale des Orljavaflusses 
unterbrochenen niederen Hügelzug zwischen der Save-Ebene und den obgenannten. nordwärts ansteigenden Ge- 
birgen, im Norden stets von einer ebenso Constanten Zone der sarmatischen weissen Mergel, im Süden durch das 
Terassendiluvium der Save begrenzt ^). 



') Verhandl. G. R. A. 1S72 Nr. 6 

'-) Verh. G. R. A. 1871 p. i39 und Jahrb. G. R. A. 1872. 3. H. p. 283. 
") Lenz, Beiträge zur Geologie der Fruska Gora in Syrmien. Jahrb. G. R. A. 1873, 3. H. 
••) 1. c. p. 310. 

^) R. Hornes, Tertiärstudien. Jahrb. G, R. A. 1874. B. 24. 1. H. 

') Auf Fig. 1 ist diese Verbreitung durch die, den Paludinenschichten angehörigen Lignitlager angedeutet ; auf Taf. 1 ist , der 
besseren Uebersicht wegen, der bedecliende Luss ignorirt. 



I. Geologischer Thcü. 7 

Beim Orte Radovanje tritt die Zone der weissen Mergel am Weitesten nach Süden herab, während zugleich, 
gegenüber von diesem Punkte am südlichen Saveufer, das Gneisgebirge der Motaica bis an die Save heranreicht. 
Die hiedurch bedingte auffallende Verengung des Savethales scheidet das Verbreitungsgebiet der jungmiocänen 
Süsswassei-ablagerungen deutlich in zwei Theile, von denen der westliche, mit vorwiegend Westnordwest — ost- 
südöstlichem Hauptstreichen, den Nordrand eines nach Westen und Südwesten offenen Beckens darstellt, während 
der östliche Theil, in welchem rein ost-westliches Streichen vorherrscht, einem nach Osten und Südosten offenen 
Becken angehört. 

Wir wollen nun einige der instruktivsten Aufschlusspunkte in Kürze skizziren, und aus der Zusammenfas- 
sung der einzelnen Beobachtungen die sich ergebende engere Gliederung des in Rede stehenden Schichtencom- 
plexes abzuleiten suchen. 

a) Westliches Becken. 

Novska. Oestlich von den ersten Häusern des Dorfes Kovska schneidet das Thal des Bukovicabaches die 
von Neu-Gradisca herkommende Poststrasse. Verfolgt man dieses Thal aufwärts (gegen Norden), so beobachtet 
man den beifolgenden Durchschnitt : ') 



S 



Fig. 2. 
B u k V i c a t h a 1 bei Novska. 



N 



05 rn 




1. Löss. 

2. Tegel mit Viv. Vukotinovici etc. 

3. Schichten mit gekielten und geknoteten Viviparen. 

4. Graue Tegel mit Viv. Neumayri, Siiessi und pannonica. 

5. Sandige Lege mit Unin maximus. 

6. Lignitflötze. 

7. Weisse Mergel. 

Am linken Gehänge des Thaies, nahe am Ausgange desselben, findet man an dem. zimi alten Kohlenberg- 
baue führenden Wege zuerst eine Stelle, an welcher in geringer Ausdehnung ein sandiger Tegel mit zahlreichen 
Conchylienresten entblösst ist. Unter den hier vorkommenden Formen ist Vivipnra Vulcotinovici besonders häufig, 
neben dieser findet sich noch Vir. Pauli. Melanopsis Esperi und Unio Sfuri. 

Verfolgt man den W^eg weiter längs des Baches gegen Norden, so kann man. vom Austritte des Baches 
aus dem Walde bis nahe an den Kohlenbau , im Bachbette eine reiche Suite gekielter und verzierter Vivipareu- 
formen sammeln. Eine, bei meiner ersten Anwesenheit beobachtete im Bache anstehende Schichte, aus welcher 
ein Theil dieser Viviparen stammte und die ein deutliches Einfallen unter 25" nach SSW (also unter die Schichte 
mit V. Viil-otliiovici) zeigte, war beim zweiten Besuche der Localität verschwemmt und nicht mehr auffindbar ; 
wir mussten uns daher begnügen , im Bache zu sammeln. Es fanden sich hier : Vivipara Hörnesi, V. ornata, 
V. rudis, V. Dezmnnnimia, V. Zelebori, V. sfricfurafa und V. arrllana. 

Verfolgt man das Thal weiter aufwärts (ins Liegende), so gelangt man, etwa 700 Klftr. von der- Poststrasse, 
an den alten, nunmehr stillstehenden Kohlenbergbau von Novska. 



') Die hier lieigegebenen Skizzen machen keinen Anspruch auf exacte Genauigkeit in Beziehung auf Horizontal- und Vertical- 
Distanzen u. dgl.. sondern sollen nur die Lagerungsverhältnisse veranschaulichen. 



8 Dr. Neumayr u. C. M. Paul. Die Congerien- und Paltulinenschichten Slavoniens und deren Faunen. 

Durch einen Zubaustollen, der in einer Länge von 105 Klftr. die Hangendscliichten des Flötzes durchfährt, 
sind graue Tegel aufgeschlossen worden, die auch beim Mundloche des Stollens anstehen und häufig glatte 
Viviparen, nämlich Viv. Neunuiyrl, V. Suessl und V. pamionica enthalten. Aus einer, durch diesen Zubaustollen 
etwa in der Mitte seiner Länge verquerten sandigen Schichte stammt das erste bekannt gewordene Exemplar des 
grossen üiiio maximus. der hier wie an allen weiter zu berührenden Punkten seines Auftretens , ein constantes 
Niveau im Hangenden der Lignitflötze einnimmt. Das Lignitflötz selbst besitzt in Novska eine Mächtigkeit von 
5 — (!' und fällt wie alle hier aufgeschlossenen Schichten unter 2.5° nach SSW. In dem Flötze wurde ein ziemlich 
wohlerhaltener Backenzahn von Castor .^p. gefunden. 

Weitere Liegendschichten sind hier nicht aufgeschlossen ; Reste alter verfallener Baue , die man nordwärts 
antrifft, scheinen darauf hinzudeuten, dass hier, wie überall in diesem Flötzzuge, noch weitere Liegendflötze auf- 
treten mögen. Noch weiter nördlich gelangt man endlich au die weissen Mergel, welche hier die äussersten west- 
lichen Ausläufer des Psunjgebirges bilden. 

Durch diesen Durchschnitt ist die Gliederung der die Lignite überlagernden viviparenreichen Schichten 
bereits angedeutet, indem man hier schon drei Niveaus mit durchaus verschiedenen Faunen unterscheiden kann, 
nämlich zu unterst, unmittelbar über den Ligniten das Lager der glatten Viviparen und des Unio maximus; 
über denselben die gekielten und verzierten Viviparenformen , die wir hier zwar nicht anstehend beobachteten, 
deren relative Niveaus wir aber an weiter östlich gelegenen Aufschlusspunkteu noch genauer kennen lernen wer- 
den, endlich zu oberst die Lage der Viv. Vukotinovici, ein Niveau, das wir weiter östlich in Westslavonien nicht 
mehr wiederfinden, das aber nach Stur's Aufsammlungen weiter im Westen (bei Repusnica) ebenfalls aufzu- 
treten scheint. 

Ober-Raic. Etwa IVa Meile o.stsüdöstlich von Novska finden wir die tieferen Lagen der in Rede stehenden 
Schichten wieder beim Orte Ober-Raic aufgeschlossen. 



Fig. 3. 
Lukathal bei Ober-Raic. 



Save -= El)eue 

o 



SSW 




1. Löss. 

2. Tegel mit Lignitflötzeu. 

3. Tegel und Sande. 

4. Weisse Mergel. 

5. Sandstein. 

6. Feinblättrige Schiefer. 

7. .-imiihisteginenkalk. 



Das Thal des Lukabaches, welches hinter der Kirche von Ober-Raic einmündet, gegen Norden verfolgend, 
trifft man gleich hinter den letzten Häusern im Bachbette senkrecht stehende Ausbisse von Lignitflötzen, die durch 
mehr oder weniger mächtige Tegellagen von einander getrennt sind. Man unterscheidet hier in cii'ca 6(» Klftr. 
Mächtigkeit V^ Flötze. Die Schichten stehen überall senkrecht, das Streichen schwankt zwischen St. 18 und 22. 
In den Tegelschichten findet sich Bythinia tentaculata, ferner Spuren von PJanorbis und Schalentrümmer glatter 
Viviparen. 

Unter dem letzten Flötze folgt noch etwa 70 Klafter weit eine wenig aufgeschlossene Ablagerung, die vor- 
wiegend aus Tegeln zu bestehen scheint, und unter diesen beginnen, mit dem höher ansteigenden Gebirge, die 
sarmatischen Bildungen. Die oberste Lage derselben bilden die niehrerwähnten weissen Mergel , darunter folgen 
Sandsteine und feinblättrige Schiefer mit verkohlten Pflanzenrestcn (Schichten von Ober-Raic) und unter diesen 
endlich, bei der Thalverengung anstehend, Amphisteginenkalk. 



1. Geologischer Theil. 9 

Man beobachtet hier das eigenthüniliche Verhältniss, dass die dem Cerithienhorizonte angehörigen Schichten 
weniger steil aufgerichtet sind , als die jüngeren lignitführenden Süsswasserschichten ; während nämlich diese 
letzteren, wie erwähnt, senkrecht stehen, fallen die weissen Mergel, Sandsteine und Schiefer unter 45 — 55" nach 
SSW ein. 

Cernik 



gelangt man nach etwa ^/ 



Wenn man von Neu-Gradisca ausgehend das sich anschliessende Dorf Malla durchschritten hat 
Wegstunde in nordöstlicher Richtung an den Lignitbergbau von Cernik. 
Unmittelbar westlich neben der Hütte des Alt-Barbara-Schachtes sieht man im Bette des von NNO. her- 
kommenden Baches unter der horizontal gelagerten Lehm- und Schotterdecke steil aufgerichtete Lignitliötze mit 
Zwischenlagen von grauem oder grünlichem Tegel hervortreten. 



SSW I 



Fig. 4. 



Durchschnitt bei Cernik. 



NNO 




L. Lehm mit Schotterlagen. 

T. Tegel. 

V. Lignitflötze. 

S. Sand und weicher Sandstein. 



Die flötzführenden Tegel , die hier in einer Gesammtmächtigkeit von etwa 20 Klftr. aufgeschlossen sind, 
fallen steil (unter 55 — (JO Grad) nach SSW. In den Tegellagen zwischen dem 2. und 3. und zwischen dem 
3. und 4. Flötze fanden sich glatte Viviparen, ausserdem kommen Bivalvenbruchstücke stellenweise in den, die 
Flötze trennenden Tegeln vor. 

Verfolgt man den Lauf des Baches weiter aufwärts (gegen NNO.) , so gelangt man nach etwa 10 Minuten 
an das Liegende der lignitführenden Formation, weisse nnd gelbliche Sande, in denen ein undeutliches Cardimn 
gefunden wurde. ^) Auffallender W^eise zeigen diese Schichten ein etwas abweichendes Streichen (nach NW) und 
ein flacheres Einfallen (nach SW) als die lignitführenden Tegel. 

Während wir hier das Liegende der flötzführenden Schichten vor uns haben, ist das Hangende dieser 
letzteren durch den neuen Maschinschacht aufgeschlossen, der etwas weiter gegen SW. angelegt ist, jedoch 
dermalen das oberste der im Bachbette ausbeissenden Flötze noch nicht erreicht hat. Beim Baue dieses Schachtes 
wurden aus den Hangendtegeln zahlreiche Fossilien gewonnen , nämlich Viv. Neumayrl , Bytlunla tentacidata, 
Lltltoijlyplms pauicum, Lith. f'uscas, Ncritiiui transversa, 3Idanopsis decollata , Hydrobla sc^ndcralis, Unio ata- 
vus und Unio muximus. Die letztgenannte Form kam hier, wie in Novska, in einem begrenzten Niveau, etwa 
40 Ivlftr. über dem oberen Hauptflötze vor. 

Noch hängendere Schichten scheinen im Thale von Kovacevac aufzutreten ; am Eingange dieses Thaies, 
bald hinter den letzten Häusern von Neu-Gradisca findet man im Bachbette Vivip. Zelebori, Viv. stricturata und 
Mclaiwpsis costata. Im Hintergrunde des Thaies wurden die Lignite, von glatten Viviparen begleitet, aufgeschürft. 
Dieselben treten auch östlich von Neu-Gradisca in mehreren tieferen Thälern, so z. B. im Adjamovcer Thale süd- 
Uch von Gunjavce hervor. 

Cigelnik. Die instruktivsten Aufschlüsse jungmiocäner Süsswasserschichten im westlichen Becken Slavo- 
niens sind unstreitig die am linken Gehänge des OrljavaÜusses zwischen den Orten Cigelnik und Becic und der 
Paralleldurchechnitt im Graben nördlich von Malino. 



') Ich hielt dieses Cardium früher für C. plicatum und zählte diese Sande daher schon zu den Cerithienschichten. 
neuereu Beobachtungen ist diese Deutung unrichtig, indem diese Sande wohl sicher den Congerienschichten entsprechen. 

Abhandlungen der k. k. geolog. Reichsanstalt. (Neumayr u. Paul.) Band VII. 3. Heft. 2 



Nach 



10 Dr. Neumayr n. C. M. Paul. Die Conijcrien- und Paludinenschichten Slavoninis und denn Faunm. 

Gleich nördlich hinter rlen letzten Häusern von Cigelnik stehen an der Strasse steil nach S\V. einfallende 
fossilienreiche Schichten an. 

Fig. 5. 
Durchschnitt am linken C»rliavaufer zwischen Cigelnik und Becic. 




1. Weisse Mergel. 

2. Gelber Sand. 

3. Lignitführender Tegel. 

4. Lagen mit Viv. bifarciuata. 

5. Uebergangsfoi-men zwischen V. bifarcinata u. V. 
stricturata. 

6. Feste Bank mit Viv. stricturata. 

7. Tegel mit Viv. stricturata, und V. Dezmanniana. 



8. Feste Bank m. unbestimmbaren Vivipar.-Steinkernen. 

9. Tegel. 

10. Ockerbank. 

11. Grauer sandiger Tegel, Hauptlager von Viv. Sturi 
und avellana. 

12. Sand. 

13. Hauptlager von Viv. Hörnesi. 

14. Lager der Viv. Zelebori. 



Die erste oberste Schichte enthält Vmxxira Zelehori besonders häutig, daneben Melanopsis clavigcra und 
Mel. Braueri ; Viv. Hörnesi und Vir. avellana treten ebenfalls, jedoch sehr selten, hier schon auf. Die darunter 
folgende Schichte dagegen enthält Vivip. Hörnesi massenhaft. Mit dieser kommen häufig Vivip. avellana, Ilela- 
nopsis co^tnta, 3Ii-l. Braueri und Mel. reeurrens vor. 

Unter dieser Schichte liegt ein fossilienarmer Sand, und unter diesem ein grauer sandiger Tegel, der ganz 
angefüllt ist mit sehr wohlerhaltenen Exemplaren der Vivipara Sturi; mit diesen liegen noch Vivip. avellana, 
Viv. altecarinata und Ilelanopsis cosfafa in dieser Schichte. 

Unter dieser sehr in die Augen fallenden Schichte liegt eine durch Ocker gelb gefärbte Bank, unter dieser 
ein fossilienarmer Tegel und unter diesem eine feste kalkige Bank mit unbestimmbaren Steinkernen von Viviparen. 

Unter dieser festen Bank folgt ein Tegel mit Vivip. strietnrata und Viv. Dclmanniana. Unter diesem 
Tegel liegt wieder eine feste Bank, die ebenfalls noch Viv. sfricturata vergesellschaftet mit Uebergangsformen 
zwischen Viv. oneoplwra und Vir. avellana einschliesst. 

Unmittelbar unter dieser festen Bank findet man Yiviparenformen, die zwischen Vivip. stricüirata und Viv. 
lifc(rcinafa in der Mitte stehen; von hier weiter nordwärts gegen Beiic findet man in einigen kleinen Entblös- 
sungen nur mehr Viv. hifarcinata und Viv. nielantiiopsis. 

Bei den ersten Häusern von Becit wurde seinerzeit ein Schacht abgeteuft, dessen Halde noch zu sehen ist, 
und der ein Lignitflötz erreichte. Hiedurch ist die Anwesenheit der tieferen lignitführenden Abtheilung der 
Paludinenschichten auch in diesem Durchschnitte nachgewiesen. 

Weiter im Liegenden, im Orte Becic anstehend, folgen gelbe Sande, die endlich auf den nördlich von Beäc 
entwickelten weissen sarmatischen Mergeln aufliegen. 

Die G esammtmächtigkeit der Paludinenschichten von der obersten Schichte mit V. Zelehori bis an die Grenze 
der gelben Sande dürfte hier etwa 300 — 350 Klftr. betragen. 

M a 1 i n 0. Im Bette des Baches , der vom Kasonya-Gebirge herabkommend , bei Malino einmündet, ist der 
beifolgende Durchschnitt aufgeschlossen, der, etwa 1300 Klftr. dem Streichen nach (in ostsüdöstlicher Richtung) 
von dem obengeschilderten Durchschnitte von Cigelnik entfernt, denselben einerseits ergänzt und vervollständigt, 
andererseits aber auch die Constanz der dort beobachteten Schichtenfolge nachweist. 

Wenn man den erwähnten Bach vom Dorfe aus gegen Norden verfolgt , so findet maa im Bette desselben 
zuerst einen bläulichen Tegel mit undeutlichen Petrefaktenspuren, unter welchem eine sehr in die Augen fallende, 
steil gegen SSW. einfallende Schichte folgt, die beinahe ganz aus Conchylien zusammengesetzt ist. Sie enthält 
besonders massenhaft Vivip. Sturi, ausserdem Melanopsis ef. hastata etc. Von Viv. avellana wurden 3, von Viv. 
Hörnesi ein einziges Exemplar in dieser Schichte gefunden. 



1. Geologischer Theil. 



11 



Unter dieser Schichte folgt eine etwa IV2 Klftr. mächtige Lage eisenschüssiger Saudsteine und fester ockriger 
Bänke, die der bei Cigelnik ebenfalls unter dem Hauptlager der Vivip. Sturi auftretenden Ockerbank entspricht. 

Fig. 6. 



tdo 



Graben nördlich von Malino. 



SSW 



NNO 




1. Weisse Mergel. 

2. Gelber Saud und Sandstein. 

3. Tegel mit Lignitflötzeu. 

4. Tegel mit glatten Paladinen, 

5. Gelber und röthlicher Sand. 

6. Lage von V. liifarcinata etc. 



Byth. tentaculata etc. 



7. Lage von V. melanthopsis etc. 

8. Petrefakteuleerer Tegel. 

9. Lage von Viv. stricturata. 

10. Lage mit Viv. notba und Unionen. 

11. Eisenschüssiger Sandstein. 

12. Lage von V. Sturi. 



Gleich unter diesen Lagen, die ebenfalls Viviparen. aber in minder gutem Erhaltungszustande führen, hegt 
eine zweite sehr conchylienreiche Bank. Dieselbe enthält besonders häutig Vicip. nutha, ausserdem Vic. alte- 
carinata mit Uebergangsfornien zu Vio. Dehnanniana, Zwischenformen von Viv. aveUana und Viv. oncopJiora, 
Mehinopsis lanccolafa, Md. hastata etc. Ausser den Gasteropoden enthält diese Schichte auch zahlreiche Unionen, 
nämlich ü. Stoliczkai, Nivolainnus, nov. S}). cf. Punli, Saiidhcrgcri. 

Die nächste entblösste Schichte, die man, weiter gegen das Liegende der Schichten fortschreitend, im Bach- 
bette anstehend antrifft, ist eine Lage mit Vivip. stricturata und Melampsis Innccolata, unter welcher auf län- 
gere Erstreckung ein ziemlich mächtiger petrefakteuleerer Tegel folgt. 

Das erste, was man nach Durchquerung desselben findet, ist eine graue Tegelscbichte , die zahlreiche 
Exemplare von Vivi^). melanthopsis und (selten) V. Fuchsi und Sadleri, sowie eine Melanopsis enthält. 

Unmittelbar darunter liegt eine nur 1 — IV2' mächtige Bank mit Vivip. hifarcinata und V. nov. sp. cf. 
mehmthopsis. Auch Vio. Fuclisi und V. cf. pamionica wurden, aber nur in je einem Exemplar, in dieser Schichte 
gefunden. 

Unter dieser Schichte folgt ein grober gelber und röthlicher Sand ohne Fossilien, unter welchem die Tegel 
der tieferen Abtheihmg der Paludiueuschichten mit den Ausbissen ziemlich mächtiger Lignitflötze anstehen. 

Sie enthalten (im Hangenden der Flötze) Viv. cf. Nemnayri, Viv. Fuchsi, Bythinia tentaculata, JJnio sp. etc. 

Unter den lignitführenden Tegeln liegt wie in Cigelnik gelblicher Sand und weicher Sandstein, der endlich 
nordwärts auf den weissen Mergeln des Kasonya-Gebirges aufliegt. 

Die Uebereinstimmung der Durchschnitte von Cigelnik und Malino ist, wie sich aus dem Mitgetheilten er- 
gibt, eine vollkommene. 

Wir sehen aus denselben als unterstes Glied, unmittelbar über den weissen Mergeln den gelben Sand, dar- 
über die lignitführenden Tegel mit ihrer Fauna glatter Viviparen, darüber, durch eine Saudschichte getrennt, 
Schichten, in denen die gekielten Vivipareuformen (F. bifarcina, stricturata, notha) ihre Hauptentwicklung er- 
langen, endlich zu oberst die Lagen der verzierten und geknoteten Formen (F. Sturi, Hörncsi, Zdehori). 

Kuynik. Nahe an der Grenze der weissen Mergel wurde im Thale nördlich von Kuynik im Liegenden 
der Lignite Cardiam Fäcgeli und C. cf. Abichi gefunden. Ausser dem obenerwähnten Funde eines unbestimm- 
baren Cardiums bei Cernik ist dieses das einzige uns bekannt gewordene Fossil aus den die lignitführenden 
Tegel unterlagernden Schichten in diesem Beckentheile. 



b) Oestliches Becken. 

Sibin. Der erste Petrefaktenführende Punkt des östlichen Beckens, den man, von AVesten ausgehend, 
antritft, ist südlich unterhalb der Brücke am westlichen Ende des Ortes Sibin, wo am Bachufer in einem dunkel- 
grauen Tegel Vii: bifarcinata ziemlich häutig auftritt. 



12 Dr. Neumayr m. C. M. Paul. Die Congerien- und Paludinensdnchten Slavonicns und deren Faunen. 

Wendet man sich von diesem Punkte nordwärts, so gelangt man nach etwa V'2 Wegstunde an eine, in ost- 
westlicher Richtung quer durch das Thal streichende Schichte, . die stellenweise mehrere Klafter mächtig und fast 
ausschliesslich aus Couchylienschaleu zusammengesetzt ist. 

Wir sammelten daraus: Vivip. uotJia, V. oncophora, V. Dezmanniana, V. strkturata (selten), Melanop- 
sis lanceolata, Mel. hastaia. Unio Nicolaianus, U. Sandbcrgeri, U. Bnrrandei, V. Steichei, V. Hochstetteri, U. 
pannonicus, U. Beyrichi. Ohne Zweifel haben wir in dieser Schichte ein genaues Analogen der auf F. 6 (Durch- 
schnitt von Malino) mit 10 bezeichneten Schichte vor uns. 

Südlich und wie es scheint im Hangenden dieser Schichte wurde im Bachbette auf Kohle geschürft und auch 
ein unbedeutendes Lignitflötz erreicht. Aus der Halde dieses Schachtes liegen Exemplare von Viv. Sturi und Vir. 
avellana vor. 

Leider hatten wir nicht Zeit und Gelegenheit, die nicht ganz klaren Lagerungsverhältnisse dieser Localität 
eingehender zu studiren. 

Nordöstlich von Sibin treten die, das Liegende der Paludinenschichten bildenden Sande weit nach Süden 
herab und sind gleich hinter den letzten Häusern des mit Sibin zusammenhängenden Ortes Zavrsje, sowie überall 
in dem, von hier gegen NO. hinansteigenden Thale, bis zur Thalverengung, wo sie auf weissen Mergeln aufliegen, 
in meist horizontalen Schichten anstehend zu beobachten. Sie stehen stellenweise mit tegligen Lagen in Verbin- 
dung und enthalten Mihtnopsis decollnta, Co)igeria cf. rhomhoidea, Cardium sp. und Unio .^p. ind. 

Die Paludinenschichten streichen hier unter dem Orte Zavr.sje durch und die höheren Lagen derselben mit 
Vw. Hörnesi, V. Zelebori, Melanopsis costata, M. davigera, M. recurrens, M. Braueri und Unio cf. Slavonicus 
finden sich auch im Chausseegraben an der Strasse zwisclien Sibin und Gromacnik aufgeschlossen. 

Gromacnik. Dasselbe Lignitflötz, welches bei Sibin auftritt und das nicht verwechselt werden darf mit 
den, einem viel tieferen Horizonte angehörigen, mächtigeren, qualitativ besseren Ligniten des Hauptflötzzuges, die 
wir bei Novska, Öernik und Malino kennen lernten, und bei Varos und Tomica wiederfinden werden, kommt 
auch nördlich von Gromacnik vor. 

Ueber dem Ausbisse desselben fand sich Melanopsis clarigera und 31. hyhostoma; auf einer alten Schacht- 
halde Vivi}). Dezmanniana in üebergangsformen zu Viv. Zelchori. 

Nördlich im Liegenden des Flötzes tritt eine sehr conchylienreiche Bank mit Vivip. stricfurata, Viv. onco- 
phora. Vir. Dehiiannirtna (mit Uebergängen zu V. nltccarinatci),.Mdanopsis lanceolaia, Mel. hastata und Mel. 
pterochila auf. 

Dieselbe Conchylienbank fanden wir auch in einem westlichen (zur Gemeinde Slobodnica gehörigen) Parallel- 
thale anstehend und sammelten hier in derselben : Viv. stricturata, Viv. Dezmanniana (sowohl in der typischen 
Form, als mit Annäherungen zu V. altccarinata und V. Brusinai), Viv. oncophora, Melanopsis lanceolata und 
Mel. hastata. 

Varos. Im Orte selbst und nahe nördlich von demselben fand sich Vivip. bifarcinata und melanthopsis. 
Weiter nördlich im Liegenden wurden durch Kohlenbaue die tieferen Paludinenschichten mit einem 9' mächtigen 
Lignitflötze und südlichem Einfallen aufgeschlossen. 

Öaplathal. Etwa V* Wegstunde westlich von Podwin mündet, von Norden herabkommend, das unter dem 
Namen der C'apla bekannte Thal in die Saveebene. 

Fig. 7. 
Querdurchschnitt durch den Öaplagraben. 
NO SW 

1. Löss. 

2. Tegel mit Viv. Zelebri. 

3. Liguitflötz. 

4. Sandige Schichten mit Viv. Pilari. 



Verfolgt man dieses Thal von dem Punkte, wo es die Poststrasse schneidet, nach aufwärts, so findet mau 
bald am rechten (westlichen) Gehänge unter der mächtigen Lössdecke Tegel mit Vivip. Zelchori (häufig) und 
Viv. Hörnesi (vereinzelt) hervortreten. Am linken (östlichen) Ufer des Baches steht eine Schichte an, die gegen 
SW. unter die erstgenannte einfällt und sehr reich an Fossilien ist. Dieselbe enthält : Vivip. Filari (sehr häufig) 
Viv. ornata, Melanopsis cf. lanceolata, Mel. curystoma, Mel. pyrum, Neritina sagittifera, Ner. platystoma, Unio 




I. Geologischer Theü. 



13 



thalassinus, U. Vulcofinovici , V. Nicolaianus. U. phjchodes, U. sciüptus, U. cyamopsis, U. cUvosus, IL ciima- 
thoiclcs, Congeria poJynwrplin., etc. 

Zwischen diesen beiden Schichten liegt ein unbedeutendes Lignitflötz, zu dessen Aufschluss in früherer Zeit 
ein Schacht abgeteuft worden war, dessen Reste man noch vo rundet. 

Verfolgt man das Thal weiter aufwärts ins Liegende, so sieht man längere Zeit keine anstehenden Neogen- 
schichten. Das nächste was wieder zu beobachten ist, ist ein gelblicher Sand, unter welchem, nahe am oberen 
Ende des Thaies in einem von Nordosten herabkommendeu Seitengraben graue Tegel der unteren Paludineu- 
schichten mit zahlreichen Viv. Fuchsi, V. punnonica und F. anthracophiln, Md. liarimJa und M. Sandhergrri 
zu Tage treten. 

Podwin. Ostwärts fortschreitend findet man die in Rede stehenden Schichten wieder in den Gräben nörd- 
lich von Podwin aufgeschlossen. 



Fig. 8. 
Graben hinter der Kirche von Podvin. 



N 




1. LÖSS. 

2. Petrefactenleerer Sand. 

3. Schiebte mit Vivipara Hörnesi. 

4. Sand mit Unio Pauli und seltener Vivii^ara Hörnesi. 

5. Tegel mit Melanopsis costata und M. recurrens mit Uebergäiigen zu M. Braueri. 

6. Lignitflötz, 

7. Tegel. 



In dem westlichsten, der Capla zunächst gelegenen Graben kann man deutlich zwei Niveaus unterscheiden, 
von denen das obere Viv. Zelehori, Md. davigera, M. hyhostoma, M. slavonica, M. Braueri und Bijthinia Pod- 
vinensis, das untere Viv. DeUuanniana mit Uebergängen zu V. cdtecarinata und Mii. costata enthält und die 
infolge mehrfacher bedeutender Abrutschungen und Vertical- Verschiebungen sich in ihrer Aufeinanderfolge mehr- 
mals wiederholen. Es ist dies der östlichste bekannte Punkt des Auftretens der Schichten mit Viv. Zelehori. 

In dem Graben, der bei der Kirche von Podvin einmündet, beobachtet man am rechten (westlichen) Ge- 
hänge eine sehr instruktive Entblössung. 

Unter dem Löss liegt hier zunächst ein petrefactenleerer Sand, unter diesem eine Schichte mit zahlreichen 
Vivip. Hörnesi und unter dieser ein Saud, der Unionenreste in ausserordentlicher Menge enthält. Es sind Unio 
Pauli (besonders häufig), U. Strossniaijerianus und Unio Hauer i. Viv. Hörnesi kommt ebenfalls aber in minder 
gut erhaltenen Exemplaren in diesem Sande noch vor. 

Unter diesem folgt Tegel mit Mdunopsis costata, Md. recurrens, Md. cf. Braueri und 31d. pterochila. 
Unter diesem Tegel wurde ein schwaches Lignitflötz, das jedoch keine grössere Horizontal-Ausdehnung zu besitzen 
scheint, aufgefunden. 

Tomica. Oestlich von Podvin verbreitern sich die jungneogenen Schichten, die bis hieher nur eine mehr 
oder weniger schmale Randzone am Südrande der westslavonischen Gebirge darstellten , nordwärts zu einem kleinen 
Becken, dessen Schichten am Südrande als direkte Fortsetzung der genannten Randzone nach Süd fallen, nörd- 
lich von Tomica einen Sattel bilden, jenseits desselben nach Nord einfallen und sich endlich am Nordrande des 
Beckens mit syncliualem südlichen Einfallen an das Djil-Gebirge anlehnen. 

Mit Ausnahme eines Punktes nördlich von Tomica, wo in einem Sande, der ziemlich hoch im Hangenden 
der durch den Ehsabethstollen aufgeschlossenen Schichten liegt, Unionen vom Typus der in den mittleren Palu- 
dinenschichten auftretenden Formen gefunden wurden, kommen in dieser beckenförmigen Erweiterung nur die 
tieferen Glieder unserer Schichtengruppe vor. 

Dieselben sind durch zahlreiche Schachte und Stollen aufgeschlossen und zeigen überall zu oberst einen 
mehr oder weniger mächtigen Hangendsand, darunter die flötzführenden Tegel mit glatten Viviparen, Unio maxinms, 
etc., unter dem tiefsten Flötze eine Schichte dunklen bituminösen Schiefers mit glatten Viviparen, Mdan. dccol- 
lata, Neritina transversalis, B}-thiniendeckeln und einer Congeria ; unter dieser endlich den gelben Liegendsand. 



14 -Dr. Neumuyr u. C. M. Paul. Die Congerien- und Paludinenschichten Slavoniens und deren Faunen. 

Am Rücken zwischen den Thälern von Kinderowo und Oriovac enthält dieser Sand, dessen Schichten 
hier nahezu horizontal, nur sehr schwach gegen Süden geneigt liegen, eine charakteristische Fauna der echten 
Congerienschichten, nämlich Cardimn planum, C. Schmidti, C. Nova-Bosskum , Congeria rhomhoidea, Valencien- 
nesia Reussi. Planorbis etc. 



Fig. 9. 



S 



Rücken zwischen 
Kinderovo und Oreovac. 



^ •« 




WM. Weisse Mergel. 
GS. Gelber Sand. 
F. Lignitflötzparthie. 

Ein zweiter Punkt am Nordrande dieses Beckens, wo man die sandigen Liegendschichten der Lignite petre- 
faktenführend entwickelt sieht, ist nördlich von Oriovac in dem Graben der gegen den alten Versuchstollen 
hinanführt. I\Ian findet in demselben (Fig. 10) gelbliche Sande und sandige Tegel mit Congeria spathulata, 
Cardium slavonicum, Melampsis decoUata etc. anstehend. Ueber diesen liegt ein schwaches Lignitflötz mit einer 
Lage von schwarzem bituminösem Thon im Hangenden, über diesen eine Tegelschichte mit unbestimmbaren Vivi- 
paren und Trümmern kleiner Cardien, darüber endlich graublauer Tegel mit wohlerhaltener Vivii). lignitarum. 

Noch möchte ich hier anhangsweise der Entwicklung der jungneogenen Ablagerungen in der P o 2 e g a n e r- 
Niederung gedenken. Nur an einer Stelle, am Südostrande der Niederung nordöstlich vom Dorfe Ferklevce 
finden wir hier eine, der des Savethales ähnliche Entwicklung. 



Fig. 10. 
Graben unterhalb des Stollens bei Oriovac. 




Graublauer Tegel mit Viv. lignitarum. 
Tegel mit Viv. sp. und Ti-ümraem kleiner Cardien. 
Schwarzer bituminöser Thon. 

Schichte mit undeutlichen Paludinen und Melanopsiden. 
Lignitflötz, 2 — 3' mächtig. 
Sandiger Tegel. 

Gelbliche Sande mit Congeria spathulata, Cardium slavo- 
nicum, Melanopsis decoUata. 



Fig. 11. 
Profil bei Ferklevce. 




1. Gelber Sand mit V. cf. Fuchsi und C. slavonicum. 

2. Schwarzer Sand. 

3. Petrefactenleerer Tegel. 

4. Grauer thoniger Sand mit Cong. rhomboidca. 

5. Weisse Mergel. 



Wir finden hier über den weissen Mergeln zunächst einen grauen tegeligen Sand mit grossen Exemplaren 
der Congeria rhomboidea. üeber diesem liegt ein petrefaktenleerer Tegel mit einer wenige Schuh mächtigen Lage 
von schwarzem bituminösem Sand und darüber gelber Sand mit Cardimn slavonicum., Vivipara cf. Fuchsi und 
Melanopsis decoUata. 

An allen anderen Punkten am Rande der Poieganer Niederung, wo die jüngeren Neogenschichten hervor- 
treten, so westlich von Orljavac und östlich von Velika fanden sich nur unbestimmbare Congerien darin. 



/. Geologischer Theil. 15 

Die in dem vorstehenden mitgetheilten Beispiele dürften genügen, um aus denselben die, mindestens für 
Westslavonien constante Gliederung des jungmiocänen Schichten complexes zu entnehmen. 

Vor allem sehen wir diese Ablagerung in zwei Hauptgruppen zerfallen, von denen die untere, unmittel- 
bar über die weissen Mergeln folgende, eine brackische Fauna einschliesst und den Congerienschicht en des 
Wiener und pannonischen Beciiens entspricht, während die höhere, eine vorwiegend Umnische Fauna enthaltende 
diejenige ist, die wir in neuerer Zeit unter dem Namen der Paludinenschichten ausschieden. 



1. Congerienschichten. 

Die Congerienschichten sind in Westslavonien vorwiegend in der Form von gelben Sauden mit nur sehr 
untergeordneten tegligen Lagen entwickelt. 

Sie bilden im östlichen Theile des Savebeckens (von Radovanje östlich bis Tomica) eine constante Rand- 
zone zwischen den weissen ^lergeln im Norden und den sich südlich daran anschliessenden lignitführenden 
Tegeln der Paludinenschichten und sind ausserdem auch mehr gegen die Mitte des nördlich von Podvin sich 
ausbreitenden kleinen Neogenbeckens durch bergbauliche Aufschlüsse als Liegendes der genannten Tegel consta- 
tirt. Im westlichen Becken linden sich diese Schichten in demselben stratigrafischen Niveau, bilden einen zu- 
sammenhängenden, aus dem Thale nördlich von Kuynik, nördlich bei Malino vorüber bis an das Orljavaufer bei 
Becic streichenden Zug und sind endlich bei Cernik im Liegenden der dortigen Lignitformation entwickelt. 

Ebenso treten sie an mehreren Stellen an den Rändern der Poieganer Niederung hervor und sind stellen- 
weise auch am Nord- und Westrande der westslavonischen Gebirgsgruppe bekannt geworden. 

Im östlichen Savebecken fwie es scheint auch in der Pozeganer Niederung) ist noch eine weitere Gliederung 
dieser Schichten angedeutet. Dieselben zerfallen nämlich hier deutlich in eine tiefere Schichte, die durch 
Congeria rJwmhoidca. 
Cardium Nova-Rossicum, 
Cardimn Schmidt i. 
Cardium planum 
charakterisirt ist und in eine höhere, die als das Hauptlager von 
Cardium davonicum und Cong. sjxifhulata 
bezeichnet werden kann. 

Im westlichen Becken, wo ausser Cardium Riegcli und dem unbestimmbaren Cardium von t'ernik keine 
Fossilien in diesen Schichten gefunden \\Tirden, ist diese TJnterabtheilung der Congerienschichten nicht nachweisbar. 



2. Paludinenschichten. 

Das Verbreitungsgebiet dieser Gruppe, welche am Südrande des westslavonischen Gebirges zwischen Novska 
und Brood in einem zusammenhängenden Zuge im Hangenden der Congerienschichten entwickelt ist, setzt sich 
auch östlich und westlich von der genannten Gegend auf ziemlich bedeutende Erstreckung fort. 

Gegen Westen findet sich die Fortsetzung dieser Schichten zunächst in Croatien, an den Ränderndes 
Moslavina -Gebirges, wo (in der Cigelka genannten Gegend) die Lignite derselben aufgeschlossen wurden, 
während aus mehreren gegen Süden herablaufenden Thälern reiche Suiten von Viviparen vorliegen, die jedoch 
nicht nach Schichten gesammelt wurden und daher die Formen verschiedener Niveaus miteinander gemischt ent- 
halten. ') Besonders reich scheint das, von uns leider nicht persönlich besuchte Repusnicathal zu sein, aus 
dem uns Vicip. Hörnest, arihritica, riidis, puniionicu, Zelebori, stricturata, amhigna, avellnna und Vukotinovici, Mela- 
nopsis deconnfa, costata und recurrens, Limnaeus acuurius etc. vorliegen. In dem benachbarten Drinovska- 
Thale wurde Viv. pannonica, spiiria. cf. Neur.iayri und churnea gefunden. 

Weiter westlich in Croatien sind die Paludinenschichten auch in dem Hügellande der Gegend von Kra- 
IV arsk o, Cc r rj e und Fa r J: a s i c zwischen der Culpa und Save entwickelt, wo sie durch Schürfungen auf Lignite viel- 
fach aufgeschlossen wurden.-) Aus dem Hangenden der Lignite dieser Gegend liegt Viv. Sfnri vor; unter den 
Ligniten liegen Congerienschichten, in denen Cong. rhomboidea an mehreren Punkten gefunden wurde. 



') Vgl. L. Vukotinovic Das Moslaviner Gebirge .Jahrb. G. R. A. 1852. H. 2 und Stur]Die Neogen tertiären Ablag, vou West- 
slavonien Jahrb. G. R. A. 1862. 

-) Vgl. Paul Die Braunkohlenablageriingen von Croatien und Slavonien. Jahrb. G. R. A. 1874. 3. H. 



16 Dr. Neumayr u. C. M. Paul. Die Congerien- und Paludinenscliiciiten Slavoniens und deren Faunen. 

Weiter gegen Westen sind uns gegenwärtig keine sicheren Andeutungen des Auftretens der Paludinen- 
schichten bekannt. 

est lieh von Westslavonien finden wir die Paludinenschiciiten in Verbindung mit Congerienschichteu 
wieder in Ostslavonien oder Syrmien, wo sie sich nach Lenz') als oberste und jüngste Ablagerungen 
rings um das Peterwardeiner-Gebirge herumziehen. Sie enthalten bei Görgetek Viv. Lenzi, Mojsisovicsi, Sad- 
leri, Wolfi und spuria, Card'mm hmigaricum und semisulcatum; bei Karlovitz Viv. Wolfi. V. cf. pannonica, 
Melan. cf. Visianiana, Hydr. si/rmka, Card, speluncarium, C. simplex. 

Nach einer uns durch Hrn. Herbich freundlichst zugemittelten Suite sind die Paludinenschichten auch im 
südlichen Theile Siebenbürgens entwickelt. 

Gegen Norden und Nordwesten finden sich einige Andeutungen, dass die Paludinenschichten im süd- 
westlichen Theile des pannonischen Beckens noch eine ziemlich weite Verbreitung haben. 

So fand sich bei Tab in den Somogy Viv. halatonica und jyannouica ; beiKeuese am östlichen Ufer des 
Plattensees sehr häufig Viv. cyrtoniapliora und Sadleri; bei Fonyod Viv. cyrtuinaphora; bei Zala-Apati 
Viv. Sadleri; bei Acs Viv. Fuchsi; bei Hangacs nördlich von Miskolcz Viv. cyrtomapliora und Sadleri. 

Noch weiter gegen Nordwesten endlich scheinen die Schichten von M o o s b r u n n im Wiener Becken ein 
ziemlich nahes Analogon unserer Paludinenschichten darzustellen. 

Entferntere Fundorte von Paludinenschichten sind bekannt von I p e k in Albanien , von mehreren Punkten 
in der Wallachei und von Kos, vielleicht auch von Rhodus im griechischen Archipel.^) 

Die Paludinenschichten Westslavoniens zerfallen in die folgenden, mindestens in dem oben abgegrenzten 
Gebiete am Südrande des Psunj-, Pozeganer- und Brooder Gebirges constanten Glieder. 

a) Untere Paludinensvhichten. 

Die unteren Paludinenschichten hegen wo das unmittelbare Liegende aufgeschlossen ist, auf den Sauden und 
sandig-mergligen Lagen der Congerienschichten auf und bestehen vorwiegend aus Tegeln, denen nahezu überall 
Lignitfiötze eingelagert sind. Es gehören hieher die Lignite von Novska, Ober-Raic, Cernik, Becic, Maliuo, 
Kuynik, Varos und Tomica. Die tiefste Lage, die im östlichen Becken bei Tomica aufgeschlossen ist, ist eine 
2 — 3' mächtige Schichte schwarzen bituminösen Schiefers, der unmittelbar über dem gelben Sande der Congerien- 
schichten und unter dem tiefsten Liguitflötze liegt und noch eine Mischfauna, nämlich Congerien, glatte Palndinni, 
Melan. dccollata etc. enthält. Ln westlichen Becken ist die tiefste Schichte nirgends entblösst. Nach oben sind 
die unteren Paludinenschichten von den mittleren meistens durch eine Schichte groben gelblichen oder röthlichen 
Sandes getrennt. Dem Petrefaktenmangel dieser Sandschichte, ist die Seltenheit der Bindeglieder zwischen den 
Formen der unteren und mittleren Paludinenschichten zuzuschreiben. 

Eine engere Gliederung der unteren Paludinenschichten wird vielleicht mit der Zeit möghch werden, gegen- 
wärtig reicht das vorliegende Beobachtungsmaterial für eine solche nicht aus. 

Die Fauna der unteren Paludinenschichten ist namentlich charakterisirt durch glatte, unverzierte Viviparen- 
formen und Unio maximus ; die bisher in denselben gefundenen Fossilreste sind folgende : 
Castor sp. LifJioglyplms fuscus 

Vivipara Neumayri „ panicum 

„ Suessi „ histrio 

„ Fuchsi Melanopsis dccollata 

„ pannonica „ Sandbergeri 

„ antliracoplüla „ luirpula 

„ lignitarum Neritina trausversalis 

Bythinia tentaculata „ Coa 

Hydrdbia sepulcralis ünio atavus 

longäva maximus. 

b) Mittlere Pitludinenschichten. 

Die mittleren Paludinenschichten sind namentlich im westlichen Theile des östlichen und im östlichen Theile 
des westlichen Beckens entwickelt und bestehen vorwiegend aus Tegeln, in denen massenhafte Conchylienanhäu- 
fungen, die bis mehrere Klafter mächtig werden und dem Streichen nach weit zu verfolgen sind, häufig auftreten. 



') Beiträge zur Geologie der Friiska Gora. .lahrl). G. R. A. 1873. 3. H. 

^) Auch die von E. v. Martens (Zeitschr. d. Deutsch. Geol. Ges. 1874. 4. Heft) beschriebenen und abgebildeten Süsswasser- 
Conchylien von Omsk in Sibirien scheinen den Formen unserer Paludinenschichten sehr nahe zu stehen. 



/. Geologischer Theil. 17 

Ein in qualitativer Beziehung hinter den Ligniten der tieferen Paludinenschichten weit zurückstehendes 
Lignitflötz (Gromacnik, Slobodnica, Sibin) gehört dieser Abtheilung an. 

Die Fauna der mittleren Paludinenschichten ist durch das vorwiegende Auftreten der gekielten Viviparen- 
formen ausgezeichnet. 

Diese Abtheilung zerfällt in die folgenden, auf grosse Erstreckungen in constanten relativen Niveaus nach- 
weisbaren Unterabtheilungen (von unten nach oben) : 

a. Die Schichte der V i v i p a r a b i f a r c i n a t a. 

Diese Schichte besteht aus einem dunkelgrauen Tegel und ist sowohl im östlichen Becken (bei Sibin und 
Varos) als im westlichen (auf der Strecke zwischen Malino und Cigelnik) entwickelt ; es ist das am wenigsten 
petrefaktenreiche Glied der mittleren Paludinenschichten, indem die Viviparen in demselben zwar häufig im Tegel 
zerstreut, aber nicht zu eigentlichen Conchylienbänken angehäuft vorkommen. Sie enthält : 
Vivipara bifarcinata 
,, melanthopsis 
häufig; glatte Formen, wie V. cf. pdnnonica, V. Ftichsi und F. Sadlrri kommen, jedoch sehr selten und verein- 
zelt hier ebenfalls noch vor. Ausserdem treten Litlmßyphus fuscus, Hydrohia cf. slavonica, Fisklium slavonicum 
hier auf. 

ß. Die Schichte der Vivipara s t r i c t u r a t a. 

Diese Schichte ist im westlichen Becken zwischen Malino und Cigelnik als eine wenig mächtige, stellenweise 
zu einer festen kalkigen Mergelbank verhärtete Tegellage im Hangenden der Bifarcinataschichte , im östlichen 
Becken jedoch, in der Gegend nördlich von Gromacnik und Slobodnica als eine, 600—700 Klftr. dem Streichen 
nach verfolgbare Conchylienschichte entwickelt. Die Fossilien derselben sind : 

Vivipara sfriciurata Bijtlrinia tcntnculata 

„ oncophora „ VukotinoviU 

„ Desmanniana Hydrohia slavonica 

„ avellana (Uebergang zu oncophora) „ pupula 

Melanopsis hastata Valvata Sulekiana 

„ lanceolata Emmericia Candida. 

Litho(jlyp}ms fuscus 

'[. Die Schichte der Vivipara n o t h a. 

Diese Schichte, in welcher neben den Viviparen namentlich Unionen sehr formenreich auftreten, ist im west- 
lichen Becken bei Malino sehr gut entwickelt und auch bei Cigelnik noch zu erkennen. Die mächtigste Ent- 
wicklung erreicht sie jedoch, im östlichen Becken bei Sibin, wo sie eine 2—3 Klftr. mächtige, nahezu ausschliess- 
lich aus Conchylien zusammengesetzte Bank bildet. Die verbreitetsten Fossilien sind : 
Vivipara notha Melanopsis hastata 

„ oncophora Unio Nicolaianus 

Melanopsis lanceolata „ SancTbergeri 

ausserdem noch zahlreiche andere, meist neue Unionenformen. Viv. stricturata tritt hier ebenfalls noch ver- 
einzelt auf. 

c) Ohere Paliulinenschichten. 

Die obere Abtheilung der Paludinenschichten ist in der ganzen Erstreckung von Novska bis Podwin ent- 
wickelt und nimmt im allgemeinen den Südrand der Hügelkette ein; in der Erweiterung des Beckens bei Tomica 
fehlt sie. Wie die unteren Paludinenschichten durch glatte und die mittleren durch schwächer oder stärker gekielte 
Viviparenformen, sind die oberen Paludinenschichten durch das massenhafte Auftreten der scharfgekielten, gekno- 
teten und verzierten Formen dieser Gattung charakterisirt. 

Eine Eigenthümlichkeit dieser Abtheilung ist auch die, dass, während wir die unteren und mittleren Palu- 
dinenschichten im östlichen und westlichen Becken ziemlich analog entwickelt sahen, in den oberen bereits sehr 
augenfällige Unterschiede in petrografischer und palaeontologischer Beziehung zwischen diesen beiden Ablagerungs- 
gebieten hervortreten. 

Es sind, wie in der mittleren, auch in dieser Abtheilung eine Reihe palaeontologisch und stratigrafisch 
scharf markirter Unterabtheilungen zu unterscheiden. 

Abhandlungen der k. k. geolog. Reichsanstalt. (Xeumajr u. Paul.) Band VII. 3. Heft. o 



18 Dr. Neumaijr u. C. M. Paul. Die Congerien- tmd Paludinenschichten Slavoniens und deren Faunen. 

a. Die Schichte der V i v i p a r a S t u r i. 

Im westlichen Becken folgt über den mittleren Paludinenschichten, von denselben meistens durch eine Lage 
ockriger oder eisenschüssiger, manchmal zu festen Bänken conglutinirter Schichten getrennt, ein grauer Tegel, in 
welchem die Viviparenform , nach der wir die Schichte benannten, massenhaft und in sehr schönem Erhaltungs- 
zustande vorkommt. 

In diesem Niveau liegt 

Vivipara Sturi Vivipara avellana 

„ (dtecarinata Melanopsis costata 

häufig ; von F. Hörnesi wurde ein Exemplar gefunden. 

Im östlichen Becken fehlt Viv. Sturi und es scheint das Niveau derselben hier durch die nur an einem 
Punkte, im Öaplagraben bekannt gewordene Schichte mit Viv. ornata und Pilnri , zahlreichen Unionen etc. 
vertreten zu sein. 

ß. Die Schichte der Vivipara H ö r n e s i. 

Im westlichen Becken graue Tegel, die über der Sturischichte liegen und 

Vivi2oara Hörnest Melanopsis recurrens 

„ avellana „ Braue ri 

Melanopsis costata 
in grosser Anzahl, selten eine Uebergangsform von F. Deinianniana zu F. Zelcbori enthalten. 
Im östlichen Becken ist dieses Niveau durch die unionenreichen Sande von Podvin mit 
Vivipara Hörnesi Unio Strossmayerianus 

Unio Pauli „ Haueri 

und durch eine, unmittelbar darauf liegende, ausschliesslich V. Hörnesi enthaltende Schichte vertreten. 

y. Die Schichte der Vivipara Z e 1 e b o r i. 

Das Lager der schönen Viviparenform, nach der wir diese Schichte benannten, bildet eines der verbreitetsten 
Glieder der Paludinenschichten in Westslavonien, ist an zahlreichen Punkten des westlichen und östlichen Beckens 
von Novska bis Podvin nachgewiesen und stellt , wo die nächsthöhere Schichte der F. VuJiotinovivi fehlt , somit 
im ganzen östlichen und im grössten Theil des westlichen Beckens, die höchste Lage der Paludinenschichten dar. 
Die Schichte besteht meistens aus grauem Tegel und enthält 

Tiviparu Zelebori Melanoims slavonica 

Melanopsis clavigera ,, Braueri 

häufig, seltener F. Hörnesi und M. recurrens. 

(5. D i e S c h i c h t e d e r A' i V i p a r a V u k t i n V i c i. 

Die höchste Lage der Paludinenschichten des in Rede stehenden Gebietes bildet ein grauer, sandiger 
Tegel, der, weiter im Westen wie es scheint mehr verbreitet, nur am äussersten Westrande nach Slavonien her- 
einreicht, dem östlichen Becken gänzlich fehlt und eine ganz eigenthümliche Fauna einschliesst. 

Er enthält bei Novska 

Vivipara Vukotinoviii Melanopsis Esperi 

„ Pauli Unio Sturi. 

Oestlich von dem genannten Punkte ist diese Schichte nirgends bekannt geworden. 

Was schliesslich die, an mehreren Stellen in Westslavonien auftretenden Süsswasserkalke betrifft, so halten 
dieselben kein constautes Niveau ein , sondern stellen nur ganz locale petrografische Abänderungen verschiedener 
Schichten dar. Die Mviparen derselben sind stets für eine schärfere Bestimmung nicht genügend erhalten. 

Eine schematische Zusammenstellung der, in dem Vorhergehenden in Kürze gegebenen Gliederung der Con- 
gerien- und Pnludinenschichten Westslavonines soll der. auf Taf. I dem üebersichtskärtclieu angeschlossene Ideal- 
Durchschnitt bieten. 



II. Palseontologischer Theil. 



Der nachfolgende palaeontologische Theil enthält die Beschreibung einer bedeutenden Anzahl von Süsswasser- 
forinen aus dem oberen Miocän Slavoniens ; nur bei der Gattung Vivipara habe ich aus Gründen . die sich beim 
Lesen der Arbeit von selbst ergeben, über das Gebiet dieses Landes hinausgegrift'en und alle mir zu Gebote 
stehenden Formen aus verwandten Ablagerungen von Ungarn , Siebenbürgen und der Wallachei herbeigezogen. 
Vollständigkeit habe ich sonst nur in Beziehung auf die slavonischen Paludinenschichten zu erreichen gesucht und 
die Fauna der Congerienschichten nur von denjenigen Localitäten aufgenommen, an welchen dieselben mit 
den Paludinenschichten räumlich zusammen vorkommen. Zu einer Monographie der Congerienschichten Slavoniens 
ist das vorliegende Material durchaus ungenügend. 

Ich habe schon bei einer früheren Gelegenheit einen Theil der Fauna der slavonischen Paludinenschichten 
beschrieben ^) und es wird vielleicht auffallen, dass ich jetzt in vielen Pimkten von meiner damaligen Auffassung 
abweiche; zum grossen Theile rührt dies daher, dass ich damals noch alle, dmxh Uebergänge mit einander ver- 
bundenen Formen vereinigen zu müssen glaubte, eine Anschauung, die ich jetzt als eine ganz unrichtige betrachte 
(vergl. darüber den Schlussabsatz). Ausserdem finden sich in jener früheren Arbeit auch einzelne direct unrichtige 
Deutungen, auf welche Brusina zum grossen Theil schon aufmerksam gemacht hat ; es war meine erste palaeon- 
tologische Publication, deren in der That bedeutenden Schwierigkeiten ich bei dem damaligen geringeren Material 
und ohne jede Beihülfe nicht gewachsen war, und ich hoffe wol einige Nachsicht für die Fehler jenes ersten 
Versuches beanspruchen zu dürfen. 

Vor kurzem ist eine sehr sorgfältige Monographie der jungtertiären Binnenfauuen von Croatien, Dalmatien 
und Slavonien von Herrn Sp. Brusina erschienen; Herr Brusina hatte die Güte, mir die Typen seiner neuen 
Ai'beit schon vor Erscheinen seines Werkes zur Ansicht mitzutheilen und mir die Abbildung einzelner derselben 
zu gestatten und ich erlaube mir, hier meinen besten Dank hiefür auszusprechen. Ausserdem bin ich noch 
Herrn Professor Dr. Fr. San db erger in Würzburg, Herrn Professor Dr. Brauer und Herrn Gustos Fuchs in 
Wien für die Unterstützung, die sie meiner Arbeit zu Theil werden Hessen, zu grossem Danke verpflichtet. 

Der unerquicklichen Verwirrung in der conchyliologischen Terminologie wegen muss ich hier noch hervor- 
heben, dass ich bei Gasteropoden die der Spirale parallel laufende Sculptur als Längs-, die darauf senkrechte 
als Quersculptur bezeichne. Gewisse Eigenthümlichkeiten der systematischen Behandlung, namentlich das Ver- 
halten gegenüber dem herkömmlichen Species- und Varietätsbegriff finden ihre Begründung im Schlussabsatze. 
Die Anzahl der unterschiedenen Arten ist eine sehr grosse, sie beträgt 140 und nach den Andeutungen, welche 
einzelne unbestimmbare Fragmente geben, bei dem Umstände ferner, dass manche reiche Localitäten noch wenig 
ausgebeutet erscheinen und dass viele Vorkommnisse nur in einem Exemplar vorhanden sind, lässt sich schliessen, 
dass weitere Untersuchungen noch eine bedeutende Bereicherung der Fauna mit sich bringen werden. Es muss 
jedoch berücksichtigt werden, dass diese scheinbar abnorme Formenmenge sich auf 10 wohl unterscheidbare 
Horizonte vertheilt, so dass die auf einen derselben entfallende Artenzahl keine so sehr grosse ist. 



') Jahrbuch der geolog. Reichsanstalt. 1869. 

3* 



20 Dr. Neumayr u. C. M. Paul. Die Congericn- und Paludlnenschichtcn Slavoniens und deren Faunen. 

Die sämmtlichen Originalexemplare , mit Ausnahme von zweien, befinden sich im Museum der geologischen 
Reichsanstalt; nur dasjenige von Melanopsis cf. harpula befindet sich im Hofmineraliencabinet in Wien, zu Vivipara 
Brusinai im croatischea Landesmuseum in Agram. 

Bei Citirung der Literatur habe ich die folgenden Kürzungen gebraucht: 

M. Hörnes, Wiener Becken = M. Hörnes, die fossilen Mollusken des Tertiärbeckens von Wien. Abhandlungen 
der geologischen Reichsanstalt. Bd. III u. IV. 

Brusina, Binnen mollusken == Spiridion Brusina, fossile Binnenmollusken aus Dalmatien, Croa- 
tien und Slavonien. Agram 1874. (Ist auch in croatischer Sprache in den Schriften der südslavischen Akademie 
erschienen.) 



Congeria Partsch. 

Einige der bekannten Congerien des österreichischen und ungarischen Beckens finden sich ziemlich spärlich 
im unteren Theile des von uns betrachteten Complexes in Westslavonien , in den unter den Paludinenschichten 
liegenden Congerien- und Cardiensanden. Den Paludinenschichten fehlen diese Formen, es findet sich dagegen 
bisweilen ziemlich häufig eine kleine, gebrechliche Congerie, welche allen tieferen Ablagerungen fremd ist und von 
der recenten Congeria polymorpha kaum zu unterscheiden sein dürfte. 



Congeria rhombaidea Scernes. 

1860. Cong. rhomhoidea M. Hörnes, Jahrbuch der geolog. Reichsanstalt. Bd. XI. pag. 5. 
1867. „ „ „ Wiener Becken Bd. IL pag. 364. Tab. 48. Fig. 4. 

Fand sich nicht selten in den losen Sanden von Ferklevce und Kindrovo, ein wegen schlechter Er- 
haltung nicht ganz sicher bestimmbares Exemplar fand sich bei Zavräie unweit Sibin. In Westslavonien liegt 
Cong. rhomhoidea so weit die Beobachtungen reichen , im unteren Theile der Congerienschichten und findet sich 
bei Kindrovo, wie an manchen anderen Localitäten ausserhalb Slavoniens, mit grossen Cardien vergesellschaftet. 



Congeria spathulata Partsch. 

1835. Cong. spathulata Partsch, Annalen des Wiener Museums der Naturgeschichte, Bd. I, pag. 100. Tab. 12. 

Fig. 13—16. 
1867. „ „ M. Hörnes, Wiener Becken. Bd. II. pag. 369. Tab. 49. Fig. 4. 

Diese Art liegt bei Oriovac, unmittelbar unter dem Flötz, im obersten Theile der Congerienschichten, 
unmittelbar unter den Paludinenschichten ; auch bei Tomica treten auf der Grenze der beiden genannten 
Schichtgruppen Congerien auf, deren Erhaltung keine ganz sichere Bestimmung gestattet, die aber aller Wahr- 
scheinlichkeit nach hierher gehören. 

Congeria polymorpha Pallas. 

1776. Mytilus polymorphus, Pallas, Reise durch Russland. I. pag. 375. 

1874. Dreyssena polymorpha, Brusina, Binnenmollusken, pag. 121. (Vergl. an letzterem Orte zahlreiche andere 
Literaturcitate). 

Die kleinen Congerien, welche sich an mehreren Localitäten der Paludinenschichten finden und namentlich 
durch Aussuchen des im Inneren grösserer Formen vorhandenen Materials gewonnen werden , hat Brusina mit 
der recenten Cong. polymorpha identificirt und ich stinmie mit dieser Anschauung ganz überein. Ueber die 
Bedeutung dieses Vorkommens hat sich Herr Brusina ausführlich ausgesprochen und ich verweise daher auf 
die citirte Arbeit. 

Cong. polymorpha liegt mir von den folgenden Localitäten vor: C igeln ik mit Viv. stricturata ; Malino 
mit Viv. notha; Öapla mit Viv. ornata; Cigelnik mit Viv. Hörnesi, Öapla mit Vit. Zelebori. 



II. Pulaeontologischer Theil. 21 



Card i um Linne. 

Die Congerieuschichten Slavoniens scheinen ausserordentlich reich an Cardien zu sein und stehen gewiss in 
dieser Beziehung hinter denjenigen keiner anderen Gegend zurück. Leider ist jedoch das bis jetzt vorliegende 
Material noch ausserordentlich ärmlich und gibt kaum eine Andeutung von dem vorhandenen Formenreichthum ; 
so gering aber auch die Zahl der vorliegenden Exemplare ist, so konnten doch neun Arten theils mit schon 
bekannten identificirt , theils als neu beschrieben werden und das Vorhandensein von mindestens ebenso vielen 
meist neuen Formen aus einzelnen Fragmenten und schlecht erhaltenen Stücken erschlossen werden. Eine genaue 
Untersuchung und systematische Ausbeutung würde hier sicher noch eine Menge neuer Typen zum Vorschein 
bringen. 

Die sicher bestimmbaren Formen sind folgende : 

Card, planum Desh. Card. Nova-Rossicum Barb. 

„ slavonicion nov. sp. „ Schmidti Hörn. 

„ speluncarium nov. sp. „ Riegeli Hörn. 

„ Oriovacense nov. sp. „ hungaricum Hörn. 

„ smqüex Fuchs 
Von grossem Nutzen bei der Bearbeitung der Gattung Cardium war mir die sehr schöne Suite aus den 
Congerieuschichten von Ku misch -Burun, welche vor einiger Zeit an die geologische Reichsanstalt gekommen 
ist und von Herrn Dr. R. Hörnes sehr .sorgsam bearbeitet wurde (vergl. dessen Aufsatz im 1. Heft des Jahrganges 
1874 des Jahrbuches der geologischen Reidisanstalt). 

Formengruppe des Cardium planum Desh. 

Unter dem Namen Cardium planum wird ein ziemlich mannigfaltiger Formencomplex zusammengefasst, dessen 
Typus die von Deshayes aus den Congerienschichten von Kumisch -Burun in der Krim abgebildete Form 
darstellt. Verschiedene verwandte Vorkommnisse von anderen Localitäten schliessen sich so enge an, dass es 
schwer wird, sich durchzufinden und dass es mir trotz der guten Abbildung bei Deshayes kaum gelungen wäre, 
einen Ueberblick zu gewinnen, wenn mir nicht eine sehr schone, mehr als GO Exemplare umfassende Suite von 
Kumisch-Burun zu Gebote gestanden hätte. 

Ausser dem typischen C. planum^ liegt mir aus Slavonien eine zweite Art vor, welche in höherem Niveau 
liegt als ersteres und als dessen Nachkommen betrachtet werden kann ; ich habe sie als C. slavonicum beschrieben. 
Weitere Formen, welche in dieselbe Gruppe gehören, aber sich in Slavonien nicht gefunden haben , sind die von M. 
Hörnes in den „Mollusken des Wiener Beckens" von Arpad als C. planum beschriebene Form, die von der 
Deshayes 'sehen Art abgetrennt werden muss und eine noch unbeschriebene Art aus den Congerienschichten von 
Kumisch-Burun, welche durch auffallende Stärke der Rippen und fast tlügelartige Erweiterung des hinteren 
Theiles der Schale ausgezeichnet ist. Ueber die von Rousseau in Demidoff, Voyage dans la Russie meri- 
dionale Tab. X Fig. 3 als Card, planum var. abgebildete Form kann ich mir nach der Zeichnung kein Urtheil 
bilden. — 

Cardium planum Deshayes. 

1838. Cardium planum Deshayes. Mem. soc. geol. tom. III. part. 1. pag. 46. tab. 2. fig. 24 — 30- 
1842. „ „ Rousseau in Demidoff, Russie meridionale. tab. 10. fig. 2. 

Die Abbildung bei Deshayes stellt diese etwas veränderliche Form ausgezeichnet dar, jedoch nicht in 
ihrer gewöhnlichen Form, indem die Mehrzahl der Stücke rückwärts etwas abgestutzt sind. Auch die Rousseau' 
sehen Zeichnungen 2 a, 2 b, 2 c sind sehr gut und namentlich 2 a stellt die Ansicht von oben sehr charakteristisch 
dar, während die Sculptur auf Fig. 2 verfehlt ist. 

Die Variationen von C. planum bestehen, abgesehen von den Altersunterschieden, in stärkerer oder schwächerer 
Wölbung, ferner in der Gestalt des hinteren Endes, welches bald deutlich abgestutzt, bald mehr oder weniger 
gerundet erscheint. 

Vollständig mit dem typischen Vorkommen von Kumisch-Burun in der Krim stimmt eine Anzahl von 
Exemplaren überein, welche in den braunen Sauden mit Cardium Schmidti, Gong, rhomhaidea und Valenciennesia 
Beussi bei Kindrowo, nördlich von Brood, in Westslavouien gesammelt wurden. 



22 J)r. Neumayr u. C. M. Paul. Die Congerien- und Paludinenschichten Slavoniens und deren Faunen. 



Cnrdixim slaronicutn JVeuni. nov. sp. 

Tab. VIII. Fig. 21—23. 

Nah« mit C. pJnnirm verwandt und durch vollständige Uebergänge mit demselben verbunden unterscheidet 
sich diese Art durch etwas geringere Grösse, stärkere Wölbung der Schalen und kräftigere Sculptur und Berip- 
pung. Wie schon erwähnt, linden sich bei K u m i s c h - B u r u n schon gewölbtere und deutlicher gerippte Exemplare 
und einzelne seltene unter denselben gehen darin so weit, dass sie mit den flachsten schwachrippigsten Exem- 
plaren von C. slavonicnm übereinstimmen. 

C. slavonicum findet sich häufig und stets wenig veränderlich bei Oriovac in den höchsten Theilen der 
Congerienschichteu unmittelbar unter dem tiefsten Lignitflötz der Paludinenschichten in Begleitung von Bythinia 
cf. cißdosfoma , Congeria spathulata , üardium Oriovacense ; sie nimmt ein höheres Niveau ein als die in der Nähe 
gelegenen Sande mit Cardium planum, Sehmidti, Cong. rhomhoidea und Valenciennesia Reussi. Ganz überein- 
stimmend findet sich Card, slavonicum bei Ferkle vce in Slavonien , wo es hoch über dem Niveau der dort 
ebenfalls anstehend gefundenen Cong. rhomhoidea liegt. 

Bei der Existenz vollständiger Uebergänge muss Card. pÄammi als Stammform von Card, slavonicum be- 
trachtet werden, da letzteres in einem höheren Horizonte liegt als ersteres. 



Formenreihe des Cardium obsolefum Eichw, 

In den sarmatischen Ablagerungen findet sich sehr verbreitet ein kleines ziemlich stark variables Cardium, 
dessen verschiedene formen unter dem Namen Card, obsoletum Eichwald, zusammen gefasst werden. Unter den 
Abänderungen dieses Typus finden sich auch solche, bei welchen das hintere Ende sich erweitert und den Beginn 
einer Kante zeigt (cf. Hönies Jahrbuch der G. R. A. 1875. Tab. II. Fig. 20.); diese Form bildet den Ueber- 
gang zu einer sehr verbreiteten Gruppe von Vorkommnissen, welche in verschiedenen Gegenden in den Congerien- 
schichteu sich vorfinden und alle durch mehr oder weniger nach vorne gerückte Wirbel, mit Kante versehenen 
Hintertheil und dichte einfache Berippung charakterisirt sind. Icli rechne die folgenden Arten hierher : 

Card, carinatum Desh. Card. Panticapaeum Bayern 

„ suhcarinatum Desh. „ spehiucariuni nov. sp. 

„ Amngeri Fuchs „ Oriovacense nov. sp. 

., modiolare Rouss. „ imdattim Reuss. 

Vielleicht schliesst sich auch C. edentulum Desh. und acardo Desh. hier an. 



Cardium speiuncarium JVeum. nov. sp. 

Tab. Yin. Fig. 24. 

Diese kleine dünnschalige Art hat viele Verwandtschaft mit Cardium AuingcrI. Fuchs, von dem sie sich 
jedoch schon in den Proportionen durch geringere Höhe und im Verhältniss zu dieser bedeutendere Länge unter- 
scheidet; ausserdem ist das hintere Ende von Card, speiuncarium abgerundet ohne Spur von Ecken und endlich 
auf der vorderen Seite weder Kante noch Kiel vorhanden. Das Innere der Schale konnte nicht biosgelegt werden, 
wesshalb über das Schlo.-^s und den Manteleindruck nichts bekannt ist. 

Es liegt mir ein mit beiden Klappen erhaltenes Exemplar von den Räuberlöchern bei K a r 1 o w i t z in 
Syrmien vor. 

Cardium Oriovacense Neum. nov. sp. 

Tab. VIII. Fig. 25. 

Nahe Beziehungen zu dieser dickschaligen Foi'm zeigt das von Deshayes aus der Krim beschriebene und 
nach der grossen Zahl der mir vorliegenden Exemplare bei Kumisch-Burun sehr häufige Card, carinatum. 
Unsere Art unterscheidet sich von diesem durch erheblich mehr in die Länge gezogene, dickere und gewölbtere 
Gestalt, sehr steil abfallende, schwach gerippte Hinterseite und stark ausgesprochene Anwachsstreifen. 



//. Fdlaeontologischer Theil. 23 

Findet sicli sehr selten bei Oriovac im obersten Tlieil der Congerienschichten zusammen mit Card, slavo- 
nicum und Congeria spathulata unmittelbar unter dem tiefsten Lignittlötz. 

Als Anhang zu der Formenreihe des Card, obsoletum erwähne ich noch eine neue Form, welche ebenfalls 
an dem eben genannten Fundorte vorkommt ; leider liegt mir nur ein sehr schlecht erhaltenes Exemplar vor. 
Dasselbe ist namentlich ausgezeichnet durch den ganz nach vorne gerückten Wirbel, welcher etwa wie bei Card, 
modiolare Rousseau steht. Da jedoch die Form aus Slavonien viel länger gestreckt und mit einer kräftigen, 
schräg über die Schale vom Wirbel nach dem Hinterende verlaufenden Kaute versehen ist, so ist die äussere 
Aehnlichkeit miiModiola noch bedeutender als bei der von Rousseau beschriebenen Art von Kumisch-Burun. 
Die Schalensculptur ist sehr schlecht erhalten, sie besteht aus einer radialen Berippung. 

Die übrigen vorliegenden Cardien lassen sich vorläufig noch nicht in Formenreihen ordnen, da deren ver- 
wandtschaftliche Beziehungen zu anderen Vorkommnissen noch nicht genug festgestellt sind. 

Cardium Schmidti Soevnes. 

1861. Card hl m Schmidti M. Hörnes, Wiener Becken. Bd. IL pag. 1Ü3. Tal). XXVIII. Fig. 1. 

Diese grosse Form ist das häufigste Vorkommniss in den Congerien- und Cardiensanden von Kindrowo, 
doch sind alle Exemplare so ausserordentlich gebrechhch, dass es nicht möglich war, sie in einigermassen voll- 
ständigem Zustande zu gewinnen. Bei längerem Aufenthalt und mit .\ufwand von Zeit würde dies jedoch sicher 
gelingen. 

Cardünn Itieyeli Mcernes. 

1861. Cardium Bicgeli M. Hörnes. Wiener Tertiär-Conchyl. Bd. II. pag. 195. Tab. XXVIII. Fig. 4. 

Drei Exemplare dieser Art fanden sich bei Gelegenheit einer Bohrung in den Congerienschichten von 
K u i n i k. 

Cardimn semisulcatum Mousseau, 

1842. Cardium semisulcatum. Rousseau in Demidoft', Russie meridionale Tab. IX. Fig. 1. 

Zwei allerdings nicht vollständig erhaltene Exemplare von Görgetek in Syrmien stimmen so gut mit 
Stücken der citirten Art von Kumisch-Burun in der Krim überein, dass ich keinen Anstand nehme, dieselben 
zu identificiren. 

Cardium hungaricum Mcernes. 

1861. Cardium hungaricum M. Hörnes. Wiener Tertiär-Conch. Bd. II. pag. 194. Tab. XXVIII. Fig. 2. '?>. 

Ein von Dr. Lenz von Görgetek bei Jirek in Syrmien mitgebrachtes Exemplar stimmt, wenn auch 
fragmentarisch erhalten, ganz mit der von Hörnes aus den Congeriensanden von Ar päd beschrielienen Form 
überein. 

Cnrdiiini simpleoc Fuchs. 

1870. Cardium simx^lej: Fuchs, Jahrb. der geolog. lieichsanst. Bd. 20. pag. 3.59 Tab. XV. Fig. 4 — 6. 

Ein Exemplar von den Räuberlöcheni bei Karlowitz in Syrmien lässt sich von der von Fuchs ausRad- 
m an est dargestellten Art nicht trennen. 



Caydium JS^ova-Itossicioi* Barhot. 

1869. Card. Nova-Rossicum Earbot de Marny. Geologie du gouvernement Cherson. pag. lötj. Tab. III. Fig. 4. ö. 
1874. „ „ R. Hörnes, Jahrbuch der geoiog. Reichsanstalt, pag. (32. Tab. IV. Fig. 7. 

Einige Exemplare dieser Art liegen mir aus den Congeriensanden von Kindrowo vor. 

Nur in wenigen Worten wül ich einige der verschiedenen in ungenügenden Exemplaren mir vorliegenden 
neuen Arten schildern. Zunächst eine mit Card. Nova-Rossicum nahe verwandte, aber stärker gewölbte Form, 
bei welcher die Rippen auch auf dem Steinkern l)is fast zur Spitze der Wirbel reichen,' aus den Congeriensanden 
von Kindrowo; ebendaher liegt mir in zwei Exemplaren ein Cardium vor. welches an Card, simplej' Fuchs 
erinnert, aber flacher und mit breiteren, weiter von einander entfernten Rippen versehen ist. Dieselbe Localität 



24 Dr. Nenmayr ti. C. M. Paul. Die Congerien- und Pahulinenschichfcn Slavoniens und deren Faunen. 

hat noch eine isolirte Klappe gehefert, welche durch dünne Schale und die Form der Rippen an Card. Ahichi 
erinnert, von diesem sich aber durch stärkere Wölbung und zahlreichere Rippen unterscheidet. Eine Form aus 
derselben Gruppe liegt von Kuinik vor, doch ist auch hier die Zahl der Rippen grösser als bei Card. Äbklii 
und die ganze Gestalt mehr in die Länge gezogen. 

Von Görgetek in Syrmien liegt mir eine Fonn vor, welche an Cardium Fitfoni d'Orb. erinnert, bei 
welcher aber zwischen je zwei der grossen gedornten Rippen je zwei feinere, scharfe, ungedornte Rippen liegen. 

Ausserdem sind noch einzelne Fragmente vorhanden, welche auf eine noch grössere .Mannigfaltigkeit schliessen 
lassen, aber weiter eben nichts erkennen lassen, als dass sie keiner der oben angeführten Formen angehören 
können. 

Pisidium Pfeiffer. 

Pisidien sind in S 1 a v o n i e n ziemlich verbreitet , aber mit Ausnahme eines einzigen Punktes überall sehr 
selten; man ist daher meist in der unangenehmen Lage, nur eine oder einige wenige isolirte Klappen vor sich 
zu haben, ein Verhältniss, welches gerade bei einer so schwierig zu behandelnden Gattung sehr hindernd ist und 
in manchen Fällen ein ganz sicheres Urtheil unmöglich macht. Dazu kömmt, dass keine genügende Monographie 
dieser kleinen Süsswasserbivalven existirt, so dass auch die Orientirung über die bereits beschriebenen recenten 
Formen sehr gehindert ist; diesem letzteren Umstände wird wohl in kurzer Zeit abgeholfen werden, da wir eine 
erschöpfende Arbeit über dieses verwickelte Formengebiet von Herrn Clessin zu erwarten haben. Wenn diese 
erschienen sein wird, können wol auch die fossilen Formen mit mehr Aussicht auf Erfolg in Angriff genommen 
und ich lasse daher manches hier unentschieden, um später wieder auf diesen Gegenstand zurückzukommen. 

Unter den slavonischen Pisidien herrschen solche vor. welche sich nahe an das jetzt lebende P. amnicum 
anschliessen und namentlich im Bau des Schlosses nahe mit demselben übereinstimmen; Herr Brusina hat die- 
selben direkt mit P. amnicum vereinigt, ein Vorgang, dem ich mich nicht anschliessen kann, da ich nach sorg- 
samem Vergleiche mit dem Material des hiesigen Hof-Naturaliencabinetes in keinem Falle vollständige Ueberein- 
stimmung mit irgend einer Abänderung der genannten Art finden konnte; abgesehen von der geringen Grösse 
aller fossilen Formen mit Ausnahme einer einzigen finden auch im Umriss, Schalensculptur und in den Einzelheiten 
des Schlossbaues merkliche Unterschiede statt; in dieser Ansicht bestärkt mich auch das Urtheil von Herrn Pro- 
fessor San db erger, dem ich die sämmtlichen Vorkommnisse der Paludinenschichten mittheilte und welcher keine 
bekannte Art unter denselben finden konnte. Zu bemerken ist, dass eine der Formen bei sonstiger Verwandt- 
schaft mit P. amnicum sich in ihrer Sculptur an eine wie es scheint noch unbeschriebene Form aus Nordamerika 
anschliesst. 

Ausserdem fand sich noch eine Art, welche dem in Europa lebenden P. supinum sehr nahe steht ; endlich 
stellt einen dritten Typus P. priscxm dar, welches sich in einem Exemplar in den Congerienschichten von 
Sibin gefunden hat. 

Fisidium priscum EicJiw. 

Tab. Vni. Fig. 26. 

1861. Pisidium priscum Hörnes, Wiener Becken H. pag. 161. (Vergl. hier die älteren Citate.) 

Eine einzelne linke Klappe aus den Congerienschichten von Zavrsie bei Sibin stimmt vollkommen mit 
den bekannten Vorkommnissen des Wiener Beckens überein; von allen Formen der Paludinenschichten unter- 
scheidet sich P. priscum sehr bedeutend dadurch, dass die beiden Cardinalzähne der linken Klappe nebeneinander 
nicht hintereinander stehen, so dass ein äusserer und innerer, nicht ein vorderer und hinterer Cardinalzahn auf- 
tritt. Derselbe Charakter trennt auch P. priscum von P. amnicum Müll., von welchem Brusina vermuthet, dass 
es mit Pis. i)riscum- übereinstimme. 

Pisidium not: sp. cf. supinuyn A. Schmidt. 

Tab. Vm. Fig. 27. 

IböO. Pisidium supinum A. Schmidt, Zeitschrift für Malacozoologie. Bd. VII. pag. 119. 

1857. „ conicum Baudon, Monogr. sur les Pis. frang. tab. V. flg. B. 

1871. ,, supinum Clessin, Malacoz. Blätter XVIII. pag. 19ö. 

1872. „ „ idem, ibidem Bd. XIX. Tab. I. Fig. 3. • 



II. Palaeontolog isolier Theil. 25 

Von Görgetek in Synnien liegt mir ein vermuthiich neues Pisidium in einer linken Klappe vor, 
welches dem recenten in Frankreich und Deutschland lebenden P. supinum in dem eigenthümlichen ümriss sehr 
gleicht, ohne jedoch ganz so ausgesprochen dreieckig zu sein als dieses ; da mir das Schloss der recenten Art 
nicht aus eigener Anschauung noch aus einer Abbildung bekannt ist, so kann ich über die Beziehungen beider 
kein sicheres Urtheil fällen. 

Pisidium slavonictim Neuin. nor. form. 

Tab. VIII. Fig. 28—29. 

In den mittleren Paludinenschichten mit Vwipara bifarcinata von Malino fanden sich zwei isolirte 
Klappen einer Form, welche abgesehen von der geringen Grösse dem^Pisidinm anniiruni sehr ähnlich ist; doch 
ist der Wirbel etwas mehr in die Mitte gerückt als bei irgend einer mir bekannten Abänderung der lebenden 
Art; die Anlage des Schlosses ist ganz dieselbe, doch ist dasselbe bei P. slm^onicum etwas schwächer als es bei 
gleich grossen Jugendindividuen von P. aninirum zu sein pflegt. Die besten Unterschiede gibt die Schalen- 
sculptur, indem bei unserer Form zwischen den normalen Anwachsstreifen in unvegelmässigen Abständen einzelne 
hohe, scharfe, concentrische Rippen auftreten; ausserdem ist die Sculptur in geringem Abstände vom Wirbel am 
stärksten und nimmt gegen den Stirnrand ab, während bei P. amnicum die Anwachsstreifen von der glatten 
Wirbelgegend nach aussen stetig zunehmen. 



JPisidium Clessini JVeidn. nor. form. 

Tab. VIII. Fig. 3U. 

Diese zierliche kleine Art ist durch ihre ausgezeichnete Sculptur sehr gut charakterisirt; es treten in regel- 
mässigen Abständen scharfe, hohe, concentrische Rippen auf, zwischen welchen je eine oder zwei feinere sich 
befinden; auch hier wie bei der vorigen Form wird die Sculptur nach aussen etwas schwächer; im übrigen ist 
die Verwandtschaft mit Pis. amnicum sehr gross. Die Verzierung erinnert sehr au diejenige einer wie es scheint 
noch unbeschriebenen kleinen Form aus Connecticut, welche ich im hiesigen Hof-Naturalieukabinet gesehen 
habe. Pisidium slavonicum zeigt die eigenthümlichen Merkmale von P. Clessini in abgeschwächter, man könnte 
sagen embryonaler Weise und kann daher als Stammform betrachtet werden. 

P. Clessini fand sich sehr selten bei Slobodnica in den Schichten mit Vivipurn sfricturata und in 
Cigelnik mit Viv. Sturi. 

Pimdium aeqiiale Neiini. nor. form. 

Tab. Vm. Fig. 31. 

Der Bau des sehr schwachen Schlosses stellt auch diese Form in die nahe Verwandtschaft von P. amnicum, 
doch lässt sie sich durch eine Reihe von Merkmalen gut unterscheiden; der Wirbel ist schwach, sehr wenig vor- 
springend und fast in die Mitte der Klappe gerückt, wodurch diese nahezu gleichseitig wird und sehr an 
Sphaerium erinnert; doch schien es bei der nahen Verwandtschaft mit P. amnicum nicht rathsam unsere Art 
einer anderen Gattung zuzutheilen. Die Sculptur ist sehr zart, so dass man die Schalen auf den ersten Blick 
für glatt halten möchte; erst bei genauerer Betrachtung sieht man, dass die ganze Oberfläche mit zwar feinen 
aber scharfen, sehr regelmässigen concentrischen Streifen bedeckt ist. 

Sehr selten bei Malino in den Schichten mit Viripara notJia. 



Pisidium 2^ro2)inquuni JVeum. nor. form. 

Tab. Vni. Fig. .82—33. 

Unter allen slavonischen Pisidien steht dieses dem P. amnicum wohl am nächsten, ohne jedoch mit dem- 
selben wirklich übereinzustimmen; es ist vorne etwas mehr verlängert, hinten etwas mehr abgestutzt, die Lateral- 
Zähne des Schlosses sind kürzer und die Oberflächensculptur tritt ziemlich stark zurück ; ausserdem bleibt unsere 
Form bedeutend kleiner. 

P. propinfpium ist die einzige etwas häufigere Art ihrer Gattung in den slavonischen Stisswasserablagerungen 
und liegt mir in mehreren Exemplaren aus den Unionensanden des Oaplathales bei Podwin vor, wo sie sich 
mit Vivipara ornata und PiUari zusammen findet. Von derselben Localität liegen mir auch zwei zusammen- 

Abhandlungen der k. k. geolo?. Reichsanstalt. (Neumayr u. Paul.) Band VH. 3. Heft. 4 



26 Dr. Neumayr u. C. M. Paul. Die Congerien- und Pahulinenschichten Slavoniens nnd deren Faunen. 

gehörige Klappen aus den Schichten mit Vix\ Zelehori vor, welche ich von denjenigen des tieferen Horizontes 
nicht trennen kann. 

Pisidium solitarium Neuni, nov. form. 

Tab. VIII. Fig. 35. 

Diese Form ist durch eine einzige linke Klappe aus den obersten Paludiiienschichten von Novska mit 
Vmjyara Vulcotinovici vertreten; unter allen slavonischen Vorkommen zeichnet sie sich durch ihre ansehnliche 
Grösse aus, im übrigen ist sie mit P. i'rojiinqmim nahe verwandt, untersclieidet sich aber durcli nocli kürzere 
Hinterseite und durch auffallend schwache Entwickelung des hinteren Lateralzahnes. 

PisidiitiH rugosuni Neum. nov. form. 

Tab. VIII. Fig. 34. 

Auch diese Art stammt aus den obersten Paludinenschichten von Novska mit Vic. ViÜMtinovili ; es ist 
nur eine einzige rechte Klappe vorhanden. Im Schlossbaue unterscheidet sich P. rwjosiim von P. amnicum und 
seinen Verwandten dadurch, dass der hintere Cardinalzahn der rechten Klappe stark schräg gestellt ist; die 
Oberflächensculptur erinnert durch ihre auffallende Stärke sehr an P. CIrssini, erscheint aber doch bei nälierer 
Betrachtung wesentlich verschieden, indem die starken coucentrischen Rippen weit unregelmässiger stehen und 
keine schwächeren Rippen eingeschaltet sind. , 

UniO Phillipsüii, 

Die Unionen sind in den Paludinenschichten Westslavoniens durch eine sehr bedeutende Anzahl von Formen 
vertreten, deren uns gegenwärtig 25 bekannt sind. Im Gegensatze zu den beiden anderen durch Arteureichthum 
ausgezeichneten Gattungen, Mcfanojjsis und Vlvipara, ist jedoch Ihiio sehr wenig verbreitet, und weitaus der 
grösste Theil des ganzen Materials stammt von nur drei Localitäten. dem Ausbiss von Sibin, dem Capla- 
thale und dem Graben hinter der Podwiner Kii'che; an allen anderen Punkten ist deren Auftreten ein sehr 
vereinzeltes. In Folge dessen ist auch die Zahl der Uebergangsformen gering, die Aufstellung von Formenreihen 
sehr erschwert und etwas unsicher. Trotzdem konnte jedoch die Verwandtscliaft und das genetische Verhältniss 
in manchen Fällen mit einem hohen Grade von Wahrscheinlichkeit ermittelt werden. 

In den unteren Paludinenschichten treten nur zwei Formen auf, nämlich Vnio ■iiiajimiis eine durchaus 
isolirte Form, und Unio atavus., welcher sich auch im Wiener Becken findet. Die letztere Art ist die einzige 
der Paludinenschichten, welche mit den jetzt in Mitteleuropa lelienden Vertretern der Gattung nahe verwandt 
ist; ob sie mit den später auftretenden Vorkommnissen der mittleren und oberen Paludinenschichten in genetischem 
Zusammenhang steht ist vorläufig noch ganz unsicher und es lässt sich weder für noch gegen diese Annahme 
ein Beweis anführen. 

Unter den Unionen der höheren Ablagerungen lassen sich, abgeselien von einigen ganz isolirten Vorkomm- 
nissen, vier Gruppen oder Formenreihen unterscheiden. Eine erste unter denselben aus rnio Nicolaianus, Beyrichi. 
sculptus und Haueri i)estehend ist von sehr gleichmässigem Habitus und durch sehr wenig vortretende, ganz an 
das vordei-e Ende der Schule gerückte Wirbel, entweder ganz fehlende oder scliwache, unregehnässige, auf die 
hintere Hälfte der Schale beschränkte, weder concentrische noch streng radiale Sculptur, und wenig bauchige 
Gestalt charakterisirt. Eine zweite Gruppe aus U. Sandhergeri, Barrandei, StoUcskai. ininnonkus, Zelehori. 
Pilari, Vucasovicianus, Slavonicus, Pauli und pfychodcs bestehend ist durch die ausserordentliche Ueberein- 
stimmung der geologisch jüngeren Arten mit der nordamerikanischeu Gruppe des U. (Lanipsilis) nußihides 
u. s. w. charakterisirt, während die älteren L'ormen, U. Sandhergeri und U. Barrandei die Verbindung mit 
U. Nicolaianus herstellen. 

An diese letztgenannte Art schliesst sich auch die durch den sehr stark excentrisch werdenden aber wenig 
vorspringenden Wirbel ausgezeichnete Gruppe , welche aus l. Hoeh.strffrri , Eakoveciamts (.^), thulassinus. 
excentricus, Oriovacensis, VucotinoviH und Strossmayerianus besteht. 

ü. Stnehei, rlirofins und ryniatoides sind nahe mit einander verwandt: die äussere Form von U. Stachei 
spricht für die Annahme eines Zusammenhanges mit U. Nicolaiamis, doch ist das Verhältniss nicht klar genug, 
um dies mit Bestimmtheit behaupten zu können. 

Als isolirte Typen endlich fasse ich U. Sturi und eyamopsis. 



II. Palaeontologischer Theil. 27 

Die grosse Mehrzahl der westslavonischeu Unionen zeigt entschieden amerikanischen Typus ; so ausgesprochen 
diess aber auch hervortritt, so sehr fällt es schwer für jede einzelne Art ein nahestehendes Analogen zu linden, 
und es ist dies nicht bei vielen möglich. Herr Brusina hat mit grossem Fleisse die nächsten Verwandten aller 
Formen in der jetzigen Fauna aufgesucht, aber in den meisten Fällen konnte nur eine ziemlich weitschichtige 
Analogie gefunden werden. Am grössten ist die Verwandtschaft mit amerikanischen Typen in der Formengruppe 
des U. Sandhergeri, die den amerikanischen Formen aus der Gruppe des U. trigonus, mytiloides, pyramidatu.% 
patuhis sehr nahe stehen. 

Da von Börnes und Brusina über die Beziehungen der slavonischen Unionen zu jetzt lebenden schon 
ausgedehnte Beobachtungen gemacht sind, so konnte ich mich in dieser Beziehung ziemlich kurz fassen; nur wo 
ich neue Vergleiche beizufügen habe werde ich auf diesen Gegenstand zurückkommen und verweise im übrigen 
auf die genannten Autoren. 

TJnio atuvus Partscli, 

1865. TJ. utnrus. Partsch, in Börnes, Wiener Becken. Bd. B. 'JSß. Tab. 37. Fig, 2. 
1874. „ „ Brusina, Binnenmollusken, pag. 117. 

Es ist dies die einzige Form unter den zahlreichen Unionen der Paludinenschichten Westslavoniens, welche 
in ihrem Typus sich einer jetzt in Europa lebenden Art dieser Gattung nähert. Von Börnes wird als nächstes 
recentes Analogen Unio fiinildus aus Norddeutschland citirt. und wenn auch wesentliche Unterschiede vorhanden 
sind, so ist doch die Annäherung an die jetzt lebenden europäischen Unionen ebenso auffallend, als der Contrast 
gegen die übrigen Vertreter der Gattung aus den slavonischen Tertiärablagerungen und deren nächste Verwandte, 
welche jetzt die Flüsse von Nordamerika bevölkern. 

Unio atavus fand sich in den unteren Paludinenschichten von Cernek bei Neu-Gradiska zusammen mit 
Vnio maximus, Vivijmm FncJifii, NcHmaijyl, Vulcata ■plscimdis und Hydrohia sejndcralis. Im Wiener Becken 
findet sie sich nach Börnes in den Schichten von Moosbrunn mit Viv. Fuchsi, Hydrohia sepidcruUs und 
Valvata piscinaiis; ferner in den obersten Lagen der Congerienschichten von Brunn sowie bei Matzleinsdorf. 
Von anderweitigen Fundorten sind Acs bei Komorn und Tihany am Plattensee angeführt (von letzterer 
Localität von Fuchs nicht citirt). 



Utiio maximus Fuchs. 

1870. U. maximus. Fuchs, Jahrb. der geol. Reichsanst. Bd. XX. pag. 256. 
1874. „ . „ Brusina, Binnenmollusken pag. lOG. 

Diese Riesenform von Unio ist die einzige Art der unteren Paludinenschichten, welche nordamerikanischen 
Charakter zeigt, während alle Conchylien in deren Gesellschaft sie sich findet, mitteleuropäischen oder mediterranen 
Charakter zeigen. Von Fuchs wird Unio muxiinu!^ mit Unio tuhercidatiis Barnes verglichen, von Brusina mit 
Unio atcr Lea, doch lässt sich bei letzterem Vergleiche in Folge der sehr bauchigen Gestalt und des ganz ver- 
schiedenen Umrisses von Unio ater nur eine ziemlich entfernte Analogie behaupten. Unio maximus findet sich 
in den unteren Paludinenschichten von Cernek, Novska und Tomica in Westslavonien. 



Formenreihe des Z^nio Nicolaianus Brus. 

In diese Gruppe habe ich diejenigen von U. Nicolaianus abgeleiteten Formen zusammeugefasst, welche in 
ihrem ganzen Charakter der Stammform am nächsten bleiben, während ich die anderen mehr abweichenden 
Vorkommnisse zu besonderen Reihen vereinigt habe. 



Unio Nicolaianus Brusina. 

1874. Unio Nicolaianus Brusina, Binnenraollusken pag. IIB. Tab. VI. f. 1. 2. 

Ich habe zu der von Brusina für diese Art gegebenen Beschreibung nichts hinzuzufügen. Von besonderem 
Interesse ist dieselbe, weil sie oder eine sehr nahe stehende Vorläuferin als die Grundform der Mehrzahl der 
hier aufzuführenden Unionen betrachtet werden muss. Die Gruppirung der derivirten Formen ist in der Einleitung 

zur Gattung Unio gegeben, die Beziehungen der einzelnen Arten sollen bei diesen besprochen werden. 

4* 



28 Dr. Neumayr u. C. M. Paul. Die Conyerien- und Paludinenschichteu Slavoniens und deren Faunen. 

Unio Nicolaianus ist verliältn issnlässig ziemlich verbreitet. B r u s i n a beschreibt ihn aus den Unionensanden 
der Öapla bei Podwin, wo er jedoch ausserordentlich selten zu sein scheint. Ziemlich häufig tritt er am 
Ausbisse von Sibin auf, an welchem das mittlere und obere Niveau der mittleren Paludinenschichteu, der 
Horizont der Viv. stricturata und derjenige der Viv. notha aufgeschlossen. Malino, Schichten mit Viv. nothn 
{Typus und beginnender Uebergang in U. Sandhenjcri). Eine sehr nahe verwandte Form hat ein kleiner 
Aufschluss im Walde nördlich von Tomica geliefert, welche jedoch durch etwas geradere Vorderseite und ein 
wenig stärker vorspringenden Wirbel abweicht; für die Aufstellung einer neuen Art ist die Erhaltung nicht 
ausreichend. 

Unio Beiffichi Neuni. nov. form. 

Tab. III. Fig. 11. 

Diese Form ist nahe mit U. Nicolaianus verwandt, unterscheidet sich aber durch die Charaktere des 
Schlosses wie der Oberflächenskulptur von demselben. Das Schloss ist dadurch charakterisirt, dass der lange 
Lateralzahn auf seinem Kamme eine feine regelmässige Kerbung zeigt; weit aufifallender ist die Diiferenz in der 
Skulptur, indem ein schwach erhabener Kiel vom Wirbel nach der hinteren Ecke verläuft, von dem fiederstellig 
unter spitzem Winkel unregelmässige erhobene Längsrippeu nach unten ausgehen, welche sich in den vom Kiele 
aus nach vorne gelegenen Theile der Schale allmälig in ein Gewirre unregelmässiger Höcker auflösen. 

Sehr selten am Ausbisse von Sibin. 

Unio sculptus Brusina. 

1874. Unio sndpfus Brusina (pars). Binnenmollusken pag. 112. Tab. HI. Fig. 3—4. (non Tab. VH. Fig. 2.) 

Brusina gibt von seinem ihiio sculptus Abbildungen nach zwei Exemplaren, welche jedoch verschiedenen 
Formen angehören. Das auf Tab. HI gezeichnete Exemplar, auf welches die Art gegründet ist, unterscheidet sich 
von dem später aufgefundenen und auf Tab. VH abgebildeten Stücke durch bedeutend kürzere Form ; das Schloss 
ist bei Brusina etwas unklar gezeichnet, doch scheinen auch hier Abweichungen vorzukommen. Ich trenne daher 
die auf Tab. VH abgebildete Form die mir in einer Reihe von Exemplaren vorliegt, als U. Haucri ab. 

U. sculptus in dieser Fassung ist am nächsten mit U. Nicolaianus verwandt, mit welchem er im ganzen 
Habitus grosse Uebereinstimmung zeigt. Unterschiede bilden die etwas mehr verlängerte Gestalt und die Knoten 
auf der Oberfläche bei U. sculptus, welche jedoch in ihren Anfängen sich auch bei V. Nicoluianus zeigen. 
Die Beziehungen sind so innige, dass an einem genetischen Zusammenhange nicht gezweifelt werden kann. Das 
Fehlen vollständiger Uebergänge erklärt sich sehr einfach aus der ausserordentlichen Seltenheit von U. sculptus. 

Das Vorkommen der Art ist bis jetzt auf Becic (Cigelnik) beschränkt, wo Herr Dr. Pilar drei unvoll- 
ständige Exemplare auffand. 

Unio Haueri Neum. nov. form. 

Tab. II. Fig. 5—6. 

1874. Unio scidptus Brusina (pars) Binuenmollusken. Tab. VH. Fig. 2. (non Tab. HI. Fig. 3—4.) 

Die Schale ist verlängert quereiförmig, sehr ungleichseitig, etwas niedergedrückt, auf der hinteren Hälfte 
mit nicht sehr hervorragenden Knoten und pockennarbigen Vertiefungen. Vorne sehr kurz gerundet, rückwärts 
stark verlängert, unvollständig abgerundet. Wirbel breit, nicht vorspringend, stark nach vorne gerückt. Cardinal- 
zähne des Schlosses massig entwickelt, dreieckig, gekerbt. Lateralzähne lamellar, sehr lang. Vorderer Muskelein- 
druck breit, tief, rauh; hinterer Muskeleindruck nicht erhalten. Perlmutter weiss. 

U. Haueri weicht in der äusseren Form ebenso von U. sculptus ab, wie dieser von U. Nicolaianus, so 
dass wir eine regelmässig nach einer Richtung hin sich entwickelnde Formreihe vor uns haben. 

U. Haueri findet sich zienihch häufig in den Unionsanden hinter der Podwin er Kirche, doch sind die 
Exemplare so mürb, dass es etwas schwer hält sie einigermassen vollständig aus dem Sande zu befreien. 



Formentjruppe des Unio Sandberf/eri Nenm,. 

Mit Unio Sandbergeri trennt sich von U. Nicolaianus ein weit verzweigtes Formengebiet ab, dessen Ange- 
hörige durch stark vorspringende Wirbel und allmählige Annäherung an den bekannten Typus der jetzt lebenden 
Unionen aus der Gruppe des amerikanischen U. tritjonus, mijtdoides u. s. w. charakterisirt sind. 



IL Palaeontologiseher Theil. 29 



Unio Sandbevgeri Neutn. nov. form. 

Tab. m. Fig. 1—3. 

Der Umriss ist kurz quer eiförmig, schief, stark ungleichseitig, die Schalen etwas aufgehlasen, mit namentlich 
um den Wirbel ziemlich kräftigen, breiten, concentrischen, gerundeten Falten. Vorne kurz gerundet, nach rück- 
wärts etwas verlängert, Wirbel vorspringend, etwas nach vorue geneigt. Cardinalzähne des Schlosses kräftig, 
gekerbt, Lateralzähne lamellenförmig, massig lang, etwas gebogen. Vorderer Muskeleindruck tief, rauh, hinterer 
Muskeleindi-uck breit und seicht. Perlmutter weiss. 

Die äussere Form ändert sich im Verlaufe des Wachsthumes ziemlich stark, indem jüngere Exemplare 
(Tab. III. Fig. 3) nahezu gleichzeitig sind und erst im weiteren Wachsthurae die Erweiterung der Schale nach 
rückwärts auftritt. 

U. Sandbergeri ist mit U. Nicolaianus nahe verwandt, unterscheidet sich aber sehr deutlich durch 
gewölbtere Schalen, vorspringende Wirbel, kräftigere Schlosszähne und concentrische Faltung; doch finden sich 
in den Schichten mit Vivipara stridurata von Malino Exemplare, welche deutlich den Uebergang vermitteln, 
indem all' die genannten bei U. Sandbergeri entschieden auftretenden Merkmale, bei diesen sich schon in den 
Anfängen zeigen. 

Unio Sandbergeri fand sich ziemlich häufig am Ausbisse von Sibin; selten bei Malino mit Vir. notha. 

Unio Barrandei Neutn. nov. form, 

Tab. m. Fig. 4—5. 

Die Schale ist quer eiförmig, sehr schief und ungleichseitig, sehr wenig aufgeblasen, mit einigen breiten, 
nicht sehr hohen, unregelmässigeu concentrischen Falten. Vorne sehr kurz, gerundet, rückwärts, wie es scheint, 
verlängert, gerundet, doch ist bei keinem Exemplare die Hinterseite ganz erhalten. Wirbel vorspringend, nach 
vorne geneigt. Die Cardinalzähne des Schlosses klein, dreieckig, schwach gekerbt. Lateralzähue lang, etwas 
gebogen. Vorderer Muskeleindruck tief, gerunzelt, hinterer Muskeleindruck konnte nicht beobachtet werden. Perl- 
mutter weiss. 

Unter den bisher betrachteten Formen ist Unio Barrandei am nächsten mit U. Nicolaianus und Sandbergeri 
verwandt ; von ersterem unterscheidet er sich schon auf den ersten Blick sehr leicht durch die Faltung der 
Oberfläche und die vorspringenden Wirbel. Von U. Sandbergeri unterscheidet sich U. Barrandei gut durch den 
mehr verlängerten Umriss und die weit schwächereu Cardinalzähne. 

Da Unio Barravrlei sich einerseits enge au die Gruppe des U. Nicolniamis und Sandbergeri anschliesst, 
andererseits nahe mit den flachsten und dünnschaligsten Formen aus der Gruppe des U. StolicsJcei verwandt ist 
(Vergl. bei dieser Art), so bildet er ein für das Verständniss der hierbei- gehörigen Formen sehr wichtiges Binde- 
glied, die Mutation mit welcher sich die Formen vom Typus der jetzt lebenden amerikanischen Unio mytiloides 
u. s. w. von dem Hauptstamme abzweigen. 

U. Barrandei fand sich nicht häutig am Ausbiss von Sibin; das Lager konnte nicht genau constatirt 
werden, doch gehört er höchst wahrscheinlich dem obersten Theil der mittleren Paludinenschichten mit Viviimra 
notha an. 

JJnio Stoliczkai Neuni. nov. fonit. 

Tal). II. Fig. 9. 

Quer eiförmig, sehr ungleichseitig, schief, schwach gewölbt, auf der Oberfläche mit kräftigen Anwachsstreifen 
und zwei schwachen, von der Wirbelgegend gegen die hintere Ecke verlaufenden Kielen. Wirbel kräftig, stark 
nach vorne gerückt, vorspringend, Vorder- und Hinterseite gerundet, rückwärts stark entwickelt. Cardinalzähne 
kräftig, gekerbt, Lateralzähne lang, etwas gebogen. Vorderer Muskeleindruck tief, rauh, hinterer Eindruck nicht 
erhalten. Perlmutter scheint nicht rein weiss gewesen zu sein. 

Unter den bisher beschriebenen Formen am nächsten mit U. Barrandei verwandt, unterscheidet sich Unio 
Stoliczlcai durch etwas stärker vorspringende Wirbel, das fehlen der schwachen concentrischen Falten und durch 
die zwei wenig ausgesprochenen Kiele. Immerhin sind die beiden Formen sehr nahe mit einander verwandt. 

U. Stoliczlcai zeigt schon ganz den Typus der amerikanischen Formen aus der Gruppe des U. (Lampsilis) 
mytiloides. 

Sehr selten bei Malino in den Schichten mit Vivipara notha. 



o 



30 Dr. Ncumayr u. C. M. Paul. Die Congerlen- tmd Paludinenschichten Slavoniens und deren Faunen. 



ITnio j)anHoniciis J^eiim. nov. form. 

Tab III. Fig. 10. 

Dreieckig mit abgeiundeteii Ecken, etwas ungleichseitig und scliief, ein wenig niedergedrückt, vorne 
gerundet, in der Mitte des Stirnrandes mit einer leichten Ausbuchtung; rückwärts erweitert, unvollkommen 
gerundet. Auf der Oberfläche mit kräftiger Zuwachsstreifung, und einem deutlichen vom Wirbel nach der hinteren 
Ecke verlaufenden Kiel, hinter dem sich noch ein zweiter kaum merklicher Kiel zeigt. Wirbel kräftig, vor- 
springend, ühergebogen. Cardinalzähne kräftig, stark gekerbt, Lateralzähne massig lang. Vorderer Muskeleindruck 
tief und rauh, hinterer Eindruck breit und seicht. Perlmutter weiss. 

Die vorliegende Form ist verhältnissmässig klein ; es ist möglich, dass sie bedeutendere Dimensionen 
erreichte als die, welche das abgebildete Exemplar zeigt, keinenfalls aber kann sie als die Jugendform irgend 
einer der hier angeführten Arten aufgefasst werden. Am nächsten steht ihr unter den vorhergehenden Vorkomm- 
nissen U. 'Stolicskai, doch ist der Unterschied in der kürzeren Gestalt und der geringeren Wölbung sehr deutlich ; 
auch U. Zelehori Börnes steht nahe, doch ist diese Art bedeutend dicker, stärker gewölbt und runder im Umriss, 
wie der Vergleich mit dem Hörnes'schen Original ergab. 

Von jetzt lebenden Formen ist Unio patidus Lea aus dem Ohio ausserordentlich ähnlich. 

Sehr selten am Ausbiss von Sibin. 



Zhiio Zelehori Hörnes. 

1865. Unio Zelehori Hörnes, Wiener Becken. IL pag. 2t)L Tab. 37. Fig. 8. 
1874. „ „ Brusina, Binnenmollusken pag. 110. 

Hörnes hat diese Art aus Slavonien beschrieben und Brusina citirt sie von Becic, Kovacevac und 
Sibin. Unter dem mir vorliegenden Material fand sie sich nicht vor. 

Unio nov. form. (äff. Pauli JS^etim.J 

Bei Malino hat sich in den Schichten mit Vivipara notha eine etwas mehr als zur Hälfte erhaltene rechte 
Klappe eines Unio gefunden, der mit Unio Pcmli ausserordentlich nahe verwandt ist, doch ist derselbe etwas 
flacher, breiter und mit weniger gedrehtem Wirbel versehen als Unio Pauli; auch ist der vordere Muskeleindruck 
bedeutend seichter als bei der letztgenannten Art. Ausserdem treten flache concentrische Falten auf, welche an 
diejenigen von Unio Pilnri Brus. erinnern. Ueberhaupt zeigt unser Unicum von Malino vielfach eine Vereinigung 
von Charakteren, die wir bei Unio PiJari und Pauli getrennt sehen, doch sind diese Charaktere bei jenem 
.sämmtlich weit weniger ausgeprägt als bei den beiden letztgenannten geologisch jüngeren Arten, und es liegt 
sehr nahe, die neue Form aus den Schichten mit Viv. notha als den gemeinsamen Stammvater von Unio Paidi 
und Pilari., sowie der nahe verwandten Unio .slavoniens und ptyehodes zu betrachten. 

JInio Pilari Brusina. 

Is74. Unio Pilari Brusina, Binnenmollusken, pag. 109. Tab. HL Fig. 1. 

Diese Form, welche nahe mit dem jetzt lebenden Unio trigonus aus Nordamerika verwandt ist, wurde von 
Brusina aus den Unionensanden des Caplathales beiPodwin mit F/tv'jj«»-« orua^« beschrieben. Wir erhielten 
sie in ziemlicher Anzahl von derselben Localität. 



TJnio Vucasovicianus Srusina. 

1H74. Unio Vucasovicianus Brusina, Binnenmollusken, pag. 109. Tab. V. Fig. 3. 4. 

Diese mit der vorhergehenden nahe verwandte Form wurde von Brusina von Becic beschrieben.. Das 
Niveau, aus welchem sie stammt, ist nicht bekannt. 



//. Palaeontologischer Theil. 31 



Unio slavonicus Jlörnes. 

1865. Unio slavonicus Hörnes. Wiener Becken IL pag. 291. Tab. 31. Fig. 7. 

Unter dem Namen Unio slavonicus hat Hörnes eine Form beschrieben und abgebildet, welche mit Unio 
Pauli viele Verwandtschaft zeigt, ohne aber ganz damit übereinzustimmen. Unio slavonicus ist auf ein etwas 
mangelhaft erhaltenes Bruchstück einer rechten Klappe gegründet, das in der Zeichnung nicht ganz richtig 
ergänzt ist. ') Von Unio Pauli unterscheidet er sich durch plumperen weniger gedreliten und übergebogenen 
Wirbel, kräftiger concentrisch gefaltete und in der Nähe der Wirbel mit unregelmässigen warzenartigen Erhaben- 
heiten versehene Oberfläche; ferner verlaufen längs des hinteren Schlossrandes zwei deutlich erhabene Linien 
die bei Unio Pauli fehlen oder kaum augedeutet sind. Auch im Schlosse ist einiger Unterschied zu bemerken, 
indem der grosse Schlosszahn der rechten Klappe nicht wie bei Unio Pauli comprimirt ist, und die hinter dem- 
selben stehende Grube durch einen vom Zahne herabreichenden Vorsprung in zwei Hälften getheilt erscheint. 

Trotz dieser Unterschiede sind aber doch beide Arten sehr nahe mit einander verwandt und gehören in 
ein und dieselbe Formenreihe. 

Hörnes citirt Unio slavonicus von „Neu-Gradisca in Slavonien." In nächster Umgebung dieser Stadt 
dürfte der Fundort wol nicht gelegen sein. Jedenfalls stammt die Art aus den oberen Paludinenschichten. In 
späterer Zeit wurde sie nicht wieder beobachtet, nur ein schlecht erhaltenes Exemplar, das in dem aus dem 
neuen Strassengrabeu zwischen S i b i n und G r o m a c n i k ausgehobenen Material gefunden wurde, kann mir 
ziemlicher Wahrscheinlichkeit hieher gezogen werden. Aus dem Aufschlüsse wurden ausserdem gesammelt: Vir. 
Hörncsi, ornafa. Zclcljori, Mclanopsis costata, clari(jera, recurrens, Braucri. lauter Arten der oberen Paludinen- 
schichten, denen also auch der betreffende Unio angehört. Das genauere Niveau kann nicht angegeben werden, 
da das Material aus den einzelnen Horizonten nicht getrennt werden konnte. 



Unio Pauli Xeum. nov. form. 

Tab. IL Fig. 1-4. 

1874. Unio slavonicus Brusiua, Binnenmollusken, pag. 107. (non U. slavonicus Hörn.) 

Der Umriss dieser interessanten Art ist annähernd dreieckig, stark ungleichseitig, schief. Die Schalen sind 
fast kugelig aufgeblasen, sehr dick, vorne abgeplattet, mit gerundeter unterer Ecke, hinten fiügelartig erweitert 
und bisweilen mit zwei sehr schwachen Kielen versehen. Wirbel sehr hervorragend, wie bei einer Isocardia 
übergebogen. Die Oberfläche ist mit kräftiger, unregelmässiger Anwachsstreifung bedeckt, häufig, namentlich in 
der Nähe der AVirbel, mit blatternarbigen Eindrücken. Cardiualzähne des Schlosses sehr gross und kräftig, mit 
i'unzeliger Streifung, Lateralzähne lang. Vorderer Muskeleindruck sehr tief und rauh, der hintere Eindruck konnte 
nicht beobachtet werden. Perlmutter weiss, irisirend. 

Die äussere Gestalt dieser interessanten Muschel ist eine so eigenthümliche, dass man es auf den ersten 
Blick weit eher mit einer Congerie aus der Gruppe der subglohosa als mit einem Unio zu thun zu haben glaubt. 
Die Unterschiede von einigen verwandten Arten, wie U. slavonicus, pUichocles. Vergl. bei diesen. 

U. Pauli fand sich in ungeheuerer Menge in den Unionensanden mit Vivipara Horncsi im Graben hinter 
der Podwiner Kirche, doch zerfällt ein grosser Theil der Exemplare beim Sammeln in Staub. Nach Brusina, 
der sie mit Unio slavonicus identificirt, findet sie sich auch selten in den Unionensanden der Capla. 



Unio j^tychodes Bvusina, 



4 



1874. Unio pAyclioäcs Brusina, Binnenmollusken, pag. 108. Tab. V. Fig. 1. 2. 

Brusina beschreibt diese Form aus den Unionensanden der Capla. Sie ist nahe mit Unio Pmt?/ verwandt, 
unterscheidet sich aber ziemlich auffallend durch kräftige, regelmässige concentrische Faltung. Mir liegt kein 
Exemplar dieser Art vor. 



') Diesen Vorgang als „unverzeihlich" zu bezeichnen, wie Herr Brusina thut. (1. c. pag. 107.) ist sachlich eine Uebertreiliung, 
unpassend aber einem dahingegangenen Meister gegenüber, dem wir die Grundlage für unsere Arbeiten verdanken. 



32 I>r. Neumayr u. C. M. Paul. Die Congerien- und Paludinenschichten Slavoniens und deren Faunen. 



Forniengriippe des TJnio Hochstetteri Netmi. 

Auch diese Gruppe schliesst sich an V. Nicolaianus an und unterscheidet sich in ihren einfachsten Formen 
nur durch extreme Verrückung des Wirbels nach vorne. Die Arten welche ich hierher rechne und welche durch 
die übereinstimmende äussere Form trotz der Abweichungen in der Sculptur aufs innigste mit einander verbunden 
sind, sind U. Hochstetteri, Orioracensis, excenfriciis, Vucotinovici, tStrossntayerianus, thcdassiniis. Provisorisch 
habe ich auch die etwas abweichende Form des U. Bahovccianus hieher gestellt, ohne jedoch über ihre Stellung 
und verwandtschaftlichen Beziehungen klar zu sein. 



Unlo Hochstetteri JV^etim. nov. form. 

Tab. IX. Fig. 1. 

Der Umriss dieser Form stellt ein quergestelltes ziemlich verlängertes Eirund dar; die Schalen sind schief, 
sehr ungleichseitig mit ziemlich kräftigen Anwachsstreifen versehen, vorne abgerundet, nach hinten in eine Spitze 
ausgezogen, Wirbel sehr nach vorne, fast in eine Linie mit dem Vorderrande der Schale gerückt. Cardinalzähne 
schwach entwickelt, an keinem Exemplare vollständig erhalten, Lateralzähue massig lang, gebogen. 

Nahe verwandt sind U. Orioracensis und excentriciis, doch ist U. Hochstetteri abgesehen von anderen 
Abweichungen leicht durch sein zugespitztes Hinterende zu unteischeiden. 

Andererseits ist F. Hoclistetferi durch sein zugespitztes Hinterende innig mit U. fhalassinus verbunden, 
den jedoch seine Sculptur deutlich auszeichnet. 

Es liegen einige Exemplare vom Ausbisse von Sibin vor. 



Unio Oriovacensi.i Hörnes. 

1865. Unio Orioracensis Hörnes, Wiener Becken. H. pag. 292. Tab. 'dl. Fig. 9. 
1874. „ „ Brusina, Binnenmollusken pag. 118. 

Das Original von Hörnes stammt von Cigelnik, von wo mir auch zwei Exemplare aus den Schichten mit 
Vivipara Sturi vorliegen. Brusina gibt Cernik als Fundort an, was mir jedoch einigermassen zweifelhaft erscheint. 



Unio eoccentrictis JSrii.sina. 

1874. Unio excentricus Brusina, Binnenmollusken pag. 117. Tab. VI. Fig. 3. 4. 
Von Brusina aus Kovacevac und Sibin beschrieben. 



Unio VuJxOtinoviH Hörnes. 

Tab. III. Fig. 6—8. 

1865. Unio VuJcotinovici Hörnes, Wiener Becken H. pag. 293. Tab. 37. Fig. 10. 

1873. , „ Sandberger, Land- und Süsswasser-Conchylien der Vorwelt. Tab. XXX. Fig. 4. 

1874. „ „ Brusina, Binnenmollusken, pag. 112. 

Zwar ist diese schöne Art durch ihre Sculptur auffallend von den vorhergehenden verschieden, doch nähert 
sie sich in ihrer charakteristischen äusseren Form denselben so vollständig, dass ich keinen Anstand daran nehme 
sie in dieselbe P'ormenreihe zu stellen. Von jetzt lebenden Formen steht ihr wohl Unio clavus Lea aus dem 
Ohio am nächsten. 

Da Hörnes nur unausgewachsene Exemplare zu seiner Verfügung hatte, so habe ich Abbildungen nach 
grösseren Individuen gegeben. 

Ziemlich häufig im Unionensand der C'apla. 



II. Palaeontologischer Theil. 33 



Unio Strossmayer ianus Brnsina. 

Tab. II. Fig. 10—11. 

1874. Unio Sfrossmayerianus Brusina, Biimenmollusken pag. 113. Tab. VII. Fig. 5. 

Die nahe Verwandtschaft mit U. Vukotinopi^i ist ganz unverkennbar, doch ist die Faltung der Oberfläche 
viel stärker und unregehuässiger. U. Strossmayerianus ist der jüngste Vertreter unserer Formenreihe; er tindet 
sich nicht selten in den Unionensanden im Graben hinter der Podwiner Kirche. 



U7iio tfialassinus Brasilia. 

1874. Unio tJialassinus Brusina, Binnenmollusken pag. 114. Tab. V. Fig. 7. 8. 

Ueber die Beziehungen dieser Art zu Unio Hochstdteri habe ich mich oben ausgesprochen. Sie findet sich 
häufig in den Unionensanden der C'apla. 



Unio Rakovecianus Brasilia. 

1874. Unio RaJcovecianus Brusina, Binnenmollusken pag. 115. Tab. VII. Fig. 3. 4. 

Diese Art wurde von Brusina aus Sibin beschrieben, wo sie sehr selten zu sein scheint. Ich habe nie 
ein Exemplar gesehen und stelle die Form nur provisorisch in Folge einer allgemeinen Aehnlichkeit hieher, ohne 
irgend über ihre wirkliche Zugehörigkeit sicher zu sein. 



Formengruppe des Unio Stachei Neum. 

Die drei Arten, welche ich hier zusammenstelle, Unio Stachei, divosus und cymatoides sind durch ihre 
Sculptur mit einander nahe verwandt; ob sie zu U. Nicolaianus in Beziehung stehen, wie die Form von Unio 
Stachei andeutet, kann ich nicht entscheiden. 



Unio Stachei Neum. nov, form. 

Tab. II. Fig. 7—8. 

Die Schale ist quer eiförmig, sehr ungleichseitig, etwas niedergedrückt, mit concentrischen, unregelmässigen, 
anastoniosirenden Falten bedeckt, die um den Wirbel am stärksten sind und sich gegen den Rand verlieren. 
Vorne kurz abgerundet, rückwärts undeutlich gekielt, etwas erweitert, gerundet. Wirbel ziemlich schwach, etwas 
vorragend, stark nach vorne gerückt. Cardinalzähne schwach entwickelt, gekerbt. Lateralzähne und Muskelein- 
drücke konnten nicht beobachtet werden. 

Eine Verwechselung dieser Form mit einer anderen ist kaum möglich. Auch unter den jetzt lebenden 
Formen ist keine die mit Unio Stachei nahe verwandt wäre, doch hat die Art entschieden amerikanischen 
Habitus. 

Sehr selten am Ausbiss von Sibin. 



Unio clivosas Brusina. 

Tab. m. Fig. 9. 

1874. Unio clivosus Brusina, Binnenmollusken pag. 111. Tab. III. Fig. 1. 2. 

Brusina hat diese Form aus den Unionensanden der Capla beschrieben, und es liegen mir eben daher 
einige Exemplare vor. Ausserdem wurde ein Exemplar bei Cigelnik gefunden, welches die Sculptur sehr gut 
erhalten zeigt, und das ich deshalb habe abbilden lassen. Das Niveau, aus welchem dieses Stück stammt ist 
nicht bekannt. 

Abbandlungen der k. k. geolog. Reichsanstalt. (Neumayr u. Paul.) Band VII. 3. Heft. E 



34 Dr. Neumayr u. C. M. Faul. Die Congerien- und Paludinenschichten Slavoniens und deren Faunen. 



Unio cymatoides Bms. 

1874, Unio cymatoides Brusina, Binnenmollusken pag. 113. Tab. IV. Fig. 3. 4. 
Aus den Unionensanden der Capla. 



Isolirte Formen. 



Vnio Sturi Harnes. 

1865. Unio Sturi Hörnes, Wiener Becken. II. pag. 289. Tab. 37. Fig. 5. 
1874. „ „ Brusina, Binnenmollusken pag. 118. 

Diese vollständig isolirte Form findet sich nur in den allerhöchsten Ablagerungen der Paludinenschichten 
mit Vivipara VuJcotinoviii bei Novska. 

Unio cyaniopsis Brusina. 

1874. Unio cyamopsis Brusina, Binnenmollusken pag. 111. Tab. V. Fig. 5. 6. 

Die Abbildung von Brusina stellt ein vermuthlich jugendliches Individuum aus der Öapla dar. Eine 
ausgesprochene Verwandtschaft dieses indiiTerenten Typus kann ich nach der Abbildung und Beschreibung nicht 
erkennen. 



Neritina Lam. 

Von Neritinen liegt mir wenig und grossentheils schlechtes Material vor, so dass es mir nicht immer 
möglich ist, sichere Bestimmungen zu geben; nur einzelne prägnante Formen konnte ich hervorheben. 

Heritina miiitaris Keumayr. 

1869. Neritina militaris Neumayr, Jahrb. der geol. Reichsanst. Bd. XIX. pag. 379. Tab. 13. Fig. 12. 13. 
1874. , „ Brusina, Binnemnollusken pag. 93. 

Diese Art liegt mir aus den mitteren Paludinenschichten von Sibin vor, wo sie sich mit Vivipara stricfurata 
und notha zusammen findet. Die ursprünglich von mir beschriebenen Exemplare stammen von Repuänica 
(ohne genaue Niveauangabe). Brusina citirt sie von Podwin, Varos, Sibin in Slavonien und Hrastovice 
in Croatien. 

Neritina transversalis Ziegler. 

Tab. IX. Fig. 4. 

1828. Neritina transversalis Ziegler in Pfeiffer, Naturgesch. deutscher Land- und Süsswassermollusken. Vol. III. 

pag. 48. Tab. 8. Fig. 14. 

(Zahlreiche Citate vergl. in Kreglinger, Land- und Süsswasserweichthiere Deutschlands.) 
1874. Neritina amcthystina Brusina, Binnenmollusken pag. 91. (pars. non. Tab. VII. Fig. 7. 8.) 

In den unteren Paludinenschichten von Cernik und Tomica fand sich mehrfach eine 10—12°'°' grosse 
Neritina^ die ich nach sorgsamem Vergleiche mit der recenten Form durchaus nicht von N. transversalis trennen 
kann. Unsere fossilen Exemplare sind ausserordentlich gleichartig und variiren fast gar nicht; sie zeigen durchgängig 
auf heller Grundfarbe drei dunkle Spiralstreifen, das Gewinde ist vollständig niedergedrückt; eben solche Stücke 
finden sich auch häufig unter den lebenden Vertretern, nur scheinen diese in def Regel etwas kleiner zu bleiben. 
Neben ihnen finden sich aber recent auch Exemplare mit etwas hervorragender Spina und abweichender Färbung, 



II. Falaeontologischer Theil. 35 

wie sie fossil nicht vorkommeu. Wir hätten also eine Form vor uns, die erst später in ein Stadium der Ver- 
änderung eingetreten, vielleicht jetzt in der Differenzirung zu zwei divergirenden Mutationen begriffen ist. Es 
zeigt sich hierin ein wesentlicher Unterschied gegen das Verhalten von Lithoglyphts fuscus (vergl. unten). 

Brusina beschreibt nach gut erhaltenen Exemplaren aus den mittleren Paludinenschichten eine neue Art 
als Ncr. amethystina. Damit verbindet er ohne strikten Beweis für die Identität ein abweichend gefärbtes, 
schlecht erhaltenes Exemplar von Cernik. Nach diesem Fundorte, den Angaben über die Färbung des Cerniker 
Exeraplares und der Verwandtschaft mit N. tratisversalis, die Brusina selbst hervorhebt, ist es zweifellos, dass 
ihm in der That ein Exemplar von N. transversalis vorlag. 



Neritina amethystina Brus. 

1874. Neritina amethystina Brusina, Binnenmollusken pag 91. Tab. VII. Fig. 7. 8. 

Mittlere Paludinenschichten von Sibin mit Vivipara nofha nach Brusina. In Beziehung auf die Angabe 
des Vorkommens bei Cernik vergl. bei Ner. transversalis. 



Neritina Coa Xeunt. nov. fomi. 

Ganz isolirt liegt mir aus den unteren Paludinenschichten von Malino ein ziemlich schlecht erhaltenes 
Exemplar einer Neritina vor, welche, wie ich sicher glaube, ganz mit einer Form übereinstimmt, die ich in grosser 
Menge in den Paludinenschichten der Insel Kos gesammelt habe, und welche von dort auch ohne Namen von 
Forbes (Forbes and Spratt, travels in Lycia. Bd. II) abgebildet wurde. Da mein Material aus Griechenland noch 
nicht eingetroffen ist, so kann ich keine ganz bestimmte Behauptung aufstellen, und behalte mir eine nähere 
Beschreibung dieser sonderbaren Art, die durch zwei Längskiele und dazwischen eingesenkte Windungen 
charakterisirt ist, für eine Beschreibung von Kos vor. Die nächstverwandte lebende Art ist Ner. Valentina 
Graells aus Spanien. 

Es liegen mir noch einige Neritinen aus Westslavonien vor. deren genaue Bestimmung mir aber bei dem 
gegenwärtigen Material nicht möglich ist. Dieselben stammen von den folgenden Localitäten: Öapla untere 
Paludinenschichten mit Vir. Fuchsi und pannonica; Gromacnik, mittlere Paludinenschichten mit Viv. 
bifarcinata ; Repusnica. 

Herr Brusina, welchem zahlreicheres und besseres Neritinen-Material zu Gebote gestanden zu haben 
scheint, unterscheidet noch folgende Arten aus den slavonischen Paludinenschichten. 



Neritina danubialis imr. sagittifera Brus. 

1874. Neritina danubialis var. sagittifera Brusina, Binnenmollusken pag. 91. 

Dürfte wohl besser als selbstständige Art zu betrachten sein, doch habe ich die Form zu flüchtig untersucht, 
um ein bestimmtes Urtheil abgeben zu können. Die von Brusina beschriebenen Exemplare stammen aus dem 
Caplathale bei Podwin, vermuthlich aus den Schichten mit Vivipara ornata und Pilari. 



Neritina capillacea Brus. 

1874. Neritina capillacea Brusina, Binnenmollusken pag. 93. Tab. VI. Fig. .'). il. 
Von Var OS bei Brod. Niveau unbekannt. 



Neritina 2>^fxtystonia Br^ts. 

1874. Neritina platystoma Brusina, Binnenmollusken pag. 93. Tab. VI. Fig. 7. 8. 

Von Becic bei Cigelnik, aus dem Öaplathal bei Podwin. Niveau unbekannt. 

6* 



36 Dr. Neumayr u. C. M. Paul. Die Congerlen- und Paludinenschichten Slavoniens und deren Faunen. 



Melania Lam. 

Die Gattung Melania ist in unserem Gebiete durch zwei ganz verschiedene Typen vertreten, von welchen 
jedoch nur der eine genau festgestellt werden konnte. Es ist das eine sehr interessante Form aus der Gruppe 
der Md. Hollandrei Ausserdem ist eine langgestreckte glatte Form vom Umrisse der Mel. Escheri, über welche 
noch nähere Aufschlüsse zu erwarten sind. 

In meiner früheren Arbeit „über die Congerienschichten Westslavoniens" habe ich Mel. EscJieri von Lovca 
angeführt. Dieses Lov6a liegt jedoch nicht in Slavonien sondern in Croatien, und ausserdem scheint das 
Lager der Art tiefer als in den Congerienschichten sich zu befinden, weshalb sie hier nicht wieder aufgeführt wird. 



Melania form, mdeterm. 

Im Tomicaer Hauptstollen und in der Halde eines benachbarten Schachtes fand sich je ein Exemplar 
einer ganz oder fast ganz glatten Melania von Grösse und ümriss von Mel. Escheri. Beim Aufnehmen 
zerbröckelten beide Exemplare vollständig, so dass ich keine weitere Angabe zu machen im Stande bin. 



Melania ricinus Neum. nor. form. 

Tab. Vn. Fig. 34. 

Das einzige vollständige Exemplar, welches vorliegt, ist ll"™ lang, von kurz conisch-eiförmiger Gestalt und 
besteht aus nicht ganz sechs bauchigen Umgängen. Dieselben sind mit einer geringen Anzahl sehr erhabener, 
scharfer, entfernt stehender Längskiele verziert, deren der letzte fünf trägt. Senkrecht zu denselben ver- 
laufen eben so gestaltete gleich starke Querrippen , welche denselben Abstand von einander halten, wie die 
Kiele unter sich. Dadurch wird die Oberfläche mit einer hervorragenden, quadratischen Sculptur bedeckt, welche 
noch dadurch gehoben wird, dass auf jedem Schnittpunkte einer Querrippe mit einem Längskiel ein spitzer 
kleiner Knoten steht. Mündung sehr weit oval, oben und unten zugespitzt; Aussenlippe einfach, scharf, innen 
den Kielen der Aussenseite entsprechend gefurcht. Columellarrand gebogen, Innenlippe schwach callös, ange- 
waciisen. Kein Nabel. 

Diese schöne Form, die auf den ersten Blick aufl'allend an einen Fossarus erinnert, ist sehr interessant 
wegen ihrer grossen Analogie mit der in denselben Gegenden noch heute lebenden Melania Holhoidrei, welche 
allerdings nie die bedeutende Stärke und Schäi-fe der Sculptur von Melania ririmis eri'eicht, aber doch in ihren 
stärkst gerippten Vorkommnissen alle Elemente der Verzierung unserer Art zeigt. Der Abstand von den ganz 
glatten Vertretern der Met. Hollandrei zu den stärkst verzierten Formen dieser Art ist sicher nicht geringer 
als derjenige zwischen diesen letzteren und Mel. ricinus. In consequenter Durchführung einer weiten Species- 
fassung müsste man also all' diese Formen vereinigen. Melania Hollandrei und ricinus nehmen in ihrer ganzen 
Gestaltentwickelung eine ziemlich isolirte Stellung unter den Melanien ein, und ich kann sie an keine andere 
Form anknüpfen. In der Sculptur zeigt Melania ricinus auffallende Aehnlichkeit mit Melanopsis ucanthica aus den 
dalmatmischen Melanopsidenmergeln, ohne dass jedoch die Annahme einer wirklichen Verwandtschaft zwischen 
beiden gerechtfertigt wäre. 

Es liegt mir nur ein einziges vollständiges Exemplar von Mekmia ricinus aus den Paludinenschichten von 
Cigelnik vor. Ich glaube es selbst aus den Schichten mit Viv. Stiiri gesammelt zu haben. Bei dem Verluste 
des Originalzettels kann ich jedoch nicht mit voller Bestimmtheit für die Richtigkeit meiner Erinnerung bürgen. 
Zwei schlechte Bruchstücke ohne Angabe des Horizontes von Novska. 



Melanopsis Fer. 

Die Gattung Melanopsis spielt in den Paludinenschichten Westslavoniens eine sehr hervorragende Rolle 
und ist an Häufigkeit der Individuen allen anderen Gattungen mit Ausnahme von Vivipara überlegen. Die grosse 
Menge des vorliegenden Materials machte es möglich eine Anzahl von Vorkommnissen aus aufeinanderfolgenden 



II. Palaeontoloffischer Theil. ' 37 

Ablagerungeu zu einer Fonnenreihe zu vereinigen, welche als Formenreihe der Melanopsis BouH aufgeführt 
werden soll. Ausserdem finden sich noch mehrere Arten, deren verwandtschaftliche Verhältnisse nicht genau 
festgestellt werden konnten. Die Gesammtzahl der unterschiedenen Formen beträgt li». 

Was das VerhäUuiss der Melauopsideu aus den slavonischen Paladinenschichten zu den Vertretern derselben 
Gattung in der Jetztwelt betrifft, so gestaltet sich dasselbe wesentlich anders als bei Vivipara und Unio. Bei diesen 
findet sich nicht eine noch jetzt lebende Art, und nur die Vorkommnisse aus den unteren Paludinenschichten 
haben den Typus der heutigen europäischen Fauna, während die Formen aus den höheren Schichten ausge- 
sprochene Verwandtschaft zu solchen Arten zeigen, welche jetzt Nordamerika oder Ostasien bewohnen. Bei 
Melanopsis finden sich aus den verschiedensten Horizonten der Paludinenschichten vier Arten, welche so ziemlich 
unverändert noch heute leben, nämlich Melanopsis costafa, pracmorsa, nciculnris und Esperi, lauter Formen, 
welche jetzt noch im Mediterrangebiet vorkommen, und dasselbe Gebiet bewohnen auch die nächsten lebenden 
Analoga der ausgestorbenen Melanopsiden Slavoniens. 



Formenreihe der Melanopsis Bouei. 

Taf VIII. Fig. 1—27. 

Weit verbreitet in den Congerienschichten sehr verschiedener Gegenden findet sich eine sehr variable und 
vielgestaltige Formengruppe, welche man unter dem Namen 2L:la)wpsis Boae't zusammenzufassen ptiegt. All" die 
verschiedenen Abänderungen sind vollständig durch Uebergäiige mit einander verbunden und auf das Niveau der 
Congerienschichten beschränkt, und bilden zusammen ein wahres Muster einer „guten Species", deren scharfe 
Umgrenzung allerdings, wie gewöhnlich eine zufällige und scheinbare ist, und darauf beruht, dass zur Zeit der 
Aufstellung nur ein gewisser Bruchtheil eines grossen Formengebietes bekannt war. 

Wie dem auch sei, jedenfalls war die bezeichnete Auffassung von Md. Bouei als einer einzigen Art 
Ursache, dass über die Reihenfolge der einzelnen hierhergehörigen Formen in vertikalem Sinne, über die gegen- 
seitige Vertretung in geographischer Beziehung, über die Verbreitung der einzelnen keine eingehenderen Unter- 
suchungen angestellt wurden, sondern in der Regel mit gegebener Speciesbestimmung die Sache für erledigt galt. 
Es lässt sich allerdings aus den Sammlungen constatiren, dass jede einzelne Localfauna nur ganz wenige ziemlich 
constante Typen aus dem Gebiete der Mel. Bouei enthält, und es lässt sich daher auf eine gewisse Gesetz- 
mässigkeit in deren Auftreten schliessen; vorläufig aber und ohne zahlreiche Beobachtungen in der Natur lässt 
sich nichts bestimmtes in dieser Beziehung behaupten. Ich kann nichts anderes thun, als ebenfalls Mel. Bouei, 
nach Ausscheidung der von Fuchs ') abgetrennten Mel. Sturi, unter dem einen Namen zusammenfassen und ein 
genaueres Studium dieser Frage der Zukunft überlassen. 

An gewisse Abänderungen von J/eL Bouei, namentlich an eine Form der Congerienschichten von Fünf- 
kirchen in Ungarn, schliesst sich in Slavonien eine neue Art an, welche sich in einigen Exemplaren in den 
unteren Paludinenschichten der Umgebung von Brood gefunden hat, und welche ich als Mel. hmpula bezeichne, 
und von hier aus finden sich dann die Uebergänge zu einer Anzahl anderer Formen, die eine ziemlich verzweigte 
Formenreihe bilden. Ich nehme aus Slavonien hieher: 

Mel. liarpula Mtl. Brauer i 

„ liastata ,. slavonica 

„ lanceolata „ recurrens 

„ cosfata ? hyhostonia 

„ clavigera 

Damit ist jedoch die ganze Menge noch nicht erschöpft und es gehören noch verschiedene Arten aus 
anderen Gegenden hieher. Zunächst sind es einige der in den letzten Jahren von Fuchs ^) beschriebenen Melanop- 
siden welche sich wahrscheinlicli hier anschliesen. 
Mel. gradata Congerienschichten von Tihany. 
„ scripta, Congerienschichten von Kup. 
„ hupensis, eben daher. 

„ defensa, Congerienschichten von Rad man est. 
„ Sttiri, untere Paludinenschichten von Moosbrunn. 



') Jahrb. der geol. Reichsanst. 1S73. Tab. IV. 

=) Fuchs, Jahrb. der geol. Reichsanst. 1870. Heft 3 und 4. 1873. Hett 1. 



38 Br. Xfumayr n. C. 31. Paul. Die Congerien- und Pnludinenschichten Slavoniens und deren Faunen. 

Von anderen Fundorten schliessen sich ausserdem noch die folgenden Formen an : 

Mel. spinicostata von Schönstein, Steiennark. 
,, Daphne aus A 1 1 i k a. 
„ anceps „ „ 

Ob und in welcher Beziehung die Melanopsiden der Süsswassermergel von Dalmatien zu den dieser Reihe 
stehen, ist noch ganz ungewiss.') 

Um ein bestimmtes Urtheil über das Verhältniss der Mehrzahl dieser Arten zu der Grundform, 31eL Bouei, 
abzugeben liegen vorläufig noch nicht die genligenden Anhaltspunkte vor, doch lässt sich nach der Analogie der 
slavonischen Vorkommnisse an einem genetischen Zusammenhang kaum zweifeln. 

Ueber die Abstammung der Formenreihe der Mel. Bow'i ist noch nichts sicheres bekannt, doch sind 
Anhaltspunkte gegeben, aus welchen mit grosser Wahrscheinlichkeit Schlüsse gezogen werden können. In den 
Congerienschichten des Wiener Beckens findet sich eine glatte Art, Mel. pygmaea Partsch an denselben Localitäten 
und in denselben Schichten mit Md. Bovei und beide Arten gehen vollständig in einander über, wie mir dies 
mein verehrter Freund Th. Fuchs, dem ich die Mittheilung dieser Thatsache verdanke, am Material des Hof- 
Mineralien-Cabinetes in Wien gezeigt hat. Es lässt sich daraus folgern, dass Mel. Bouei und pygmaea von einer 
gemeinsamen, älteren Stammart sich abgezweigt haben, welche aller Wahrscheinlichkeit nach glatt war. 



Melanopsis harpiila Xeum. nov. form. 

Tab. Vn. Fig. 1. 

Das abgebildete Exemplar zeigt folgende Dimensionen : 

Höhe 16-5""°. 
Letzte Windung D""". 
Dicke 7-5""". 
Das verlängert eiförmige, zugespitzte Gehäuse besteht aus ungefähr 6 flachen Windungen; diese sind am 
oberen Rande mit einem sehr schwachen Kiele versehen, welcher lö — ^is Knötchen trägt, von jedem derselben 
läuft eine, ausnahmsweise zwei Rippen nach abwärts, welche unmittelbar unter dem Knötchen in der Regel sehr 
schwach sind, dann aber sehr bald wieder kräftig werden, bisweilen sogar noch ein kleines zweites Knötchen 
tragen. Von da an verlaufen sie in sich gleich bleibender Stärke und leichter Schwingung gegen die Basis. 
Mündung verlängert eiförmig, beiderseits zugespitzt, an der Basis mit einem Ausguss. Aussenlippe einfach, scharf, 
Columella mit einer namentlich gegen oben starken Callosität versehen. 

Vorkommen. Öaplathal bei Podwin, in den Schichten mit Viv. Fnchsi und pannonica. G Ex. 
Formen von Mel. Bouei, welche sich der 3fel. It.arpida nähern, sind durchaus nicht häufig, und namentlich 
der Knötchen tragende Kiel macht einige Schwierigkeiten, doch kommen Exemplare vor, z. B. in den Congerien- 



') Ich habe früher (Jahrb. der geolog. Reichsanst. 1869. pag. 356. Tab. XI. Fig. 9—18.) einen sehr vielgestalteii Formenkreis 
au3 den dalmatinischen Süsswassermergeln als Mel. inconstans beschrieben, da ich damals noch der Ansicht war, dass Alles, was durch 
Uebergiinge verbunden ist. in eine Art zusammen gezogen werden müsse. Sobald ich die Verhältnisse der slavonischen Paludiiienschichten 
kennen gelernt hatte, kam ich auf die Verrauthung. dass auch Me!. inconfitcins eine Formeiireihe von chronologisch aufeinanderfolgenden 
Gliedern darstelle. Um mir darüber Gewissheit zu verschaffen, besuchte ich im P'riihjahr 1872 die Localität Miocic bei Drnis, östlich 
von Sehen ico und es gelang mir dort allerdings zu constatiren, dass eine räumliche Trennung des Vorkommens der verschiedenen 
Abänderungen von Mel. iticonstans in der That existirt. Doch sind die Verhältnisse nicht der Art, um die Erreichimg präciser Resultate 
bei relativ kurzem Aufenthalte zu ermöglichen. Die Fossilien liegen aus den Mergeln ausgewittert in Weinbergen u s. w. herum, und 
das Gestein ist so von den Athmosphärilien zerstört und ganz zu Staub zerfallen, dass von Schichtung keine Spur zu sehen ist. Zu oberst 
auf dem Hügel, welcher den Hauptfundort bildet, findet sich die glatte Form von Mel. inconstans, welche Brusina als j'W. Visiaxiann 
abgetrennt hat, ferner Mel. li/rata und Bt/thinia tentaculata. Steigt man an dem äusserst sanften, dem Monte Promina zugekehrten 
Nordgehiinge abwärts, so trifft man zunächst auf schwachrippige, dann auf kräftig gerippte Exemplare von Mel. incom^tcins, und mit 
diesen stellen sich aUmälig Mel. Zifleli, acanthicu, Pi/i-ffuhi Haueri und Prosfisllienid Tournoueri auf, während die glatten Formen von 
Mel. inconstans, sowie Mel. lyrata verschwinden. Ganz an der Basis des Hügels tritt dann vergesellschaftet Bißhinia tentaciilnhi, 
Nemattii-ella dnlmatina, Plmtnrbin cornv, lleli.r und Lininiaeus auf. Das letztere Niveau ist sehr gut von den beiden ersteren geschieden, 
während zwischen diesen eine scharfe Grenze nicht gezogen werden kann, wol nur der starken Verwitterung des Gesteines und der 
Unmöglichkeit des Sammeins aus anstehender Schicht wegen. Diese Verhältnisse sind so ungünstig, dass es nicht einmal möglich ist 
zu entscheiden, welche Ablagerung die älteste, welche die jüngste ist. Vom palaeontologischen Standpunkte ist es allerdings wahr- 
scheinlicher, dass das Niveau mit den glatten Formen von Mel. inconstans älter ist als dasjenige mit den geknoteten. Eine Ent- 
scheidung können aber nur lange fortgesetzte Untersuchungen an Ort und Stelle, unterstützt durch Nachgrabungen liefern und dann 
wird man auch Mel. inconstans naturgemäss in mehrere Arten trennen können. 



II. Palaeontologischer Theil. 39 

schichten von Fünl'kirchen, die sich einerseits von Mtl. hirpula nicht trennen lassen, andererseits mit Mel. 
Bouei in vollständiger Verbindung stehen, so dass au dem genetischen Zusammenhang beider Arten nicht 
gezweifelt werden kann. 

Im ganzen unteren Tlieile der Paludinenschichten von Westslavonien sind Arten aus der Formenreihe der 
Mel. Boiii'i ausserordentlich selten ; ausser den sechs eben erwähnten Exemplaren von Md. harpida kann ich 
nicht ein Stück anführen, welches sicher und nach bestimmter Angabe aus einem tieferen Horizonte als aus 
demjenigen der Vio. siridiirata stammte. In Folge dessen hat es einige Schwierigkeiten, die Uebergänge von 
Md. harpida zu den jüngeren verwandten Arten herzustellen. Wesentlich wird dies jedoch erleichtert durch fünf 
Exemplare, welche sich ohne genaue Niveau- und Fundortsangabe als aus Slavonien stammend in der Sammlung 
des Hof-Mineralien-Cabinetes befinden. Dieselben stammen wohl auch aus einem unter Viv. striduruta liegenden 
Horizonte, wie sich dies aus der sehr nahen Verwandtschaft mit Md. hurpida schliessen lässt. Bei dieser Form 
ist im Durchschnitt die letzte Windung etwas niedriger, die Stellung der Hippen etwas gedrängter als bei der 
typischen Md. harpula. Obwohl jedoch die beiden Formen in ihren charakteristischsten Vertretern sich wohl 
trennen lassen, so kann ich mich doch nicht zur Aufstellung einer neuen Art entschliessen, da ich über deren 
Beziehungen gar keine genauen Anhaltspunkte habe; ich führe sie daher als Mt/. cf. hnrpulu an und habe sie 
auf Tab. VII. Fig. 2. 3. abbilden lassen. Die Unterschiede sind sehr unbedeutend und jedenfalls geringer als 
diejenigen zwischen extremen Formen der typischen 3Id. harpula. 

Mit den Schichten der Viv. stridurata treten zwei verschiedene quergerippte Formen auf, die wir als 
Nachkommen von Md. harpula betrachten müssen. Die beiden neu erscheinenden Typen stehen zwar durch 
Uebergänge in vollständiger Verbindung mit einander, doch glaube ich sie trennen zu müssen, weil die Extreme, 
welche weit häufiger sind als die seltenen Mittelformen, recht gut ausgeprägte und leicht unterscheidbare Vor- 
kommen darstellen. Beide Arten, welche ich als Md. lanccolafa und hasfata beschreiben werde, haben eine Reihe 
von gemeinsamen Eigenschaften, welche sie von 3Id. harpula unterscheiden, und in der That ist der Unterschied 
zwischen den typischen Formen ein recht ansehnlicher. Namentlich höheres Gewinde, und kürzere letzte Windung, 
Fehlen oder wenigstens Zurücktreten des Kieles und der Knötchen am oberen Rande der Windungen, und in 
Folge dessen nicht treppenförmig abgesetzte Umgänge, endlich mehr in die Länge gezogene Gestalt sind es, 
welche eine ziemlich wesentliche Abweichung der geologisch jüngeren Vorkommnisse hervorbringen. 

So gross aber die Unterschiede der Extreme sein mögen so nähern sich doch die Formen in manchen 
Stücken sehr. Namentlich die eben als Mel. cf. harpida aufgeführten Exemplare stellen in der äusseren Form 
den Uebergang vollständig her, indem sie abgesehen von der etwas geringeren Grösse ganz die Gestalt von Md. 
lanceolata annehmen, von der sie sich allerdings durch dichter stehende Querrippen unterscheiden. Wie es sich 
bei der grossen Seltenheit von Mel. harpida und verwandten Formen in den tieferen Schichten voraussetzen Hess, 
sind die vollständigen Uebergänge nicht soweit vorhanden, dass es bei genauer Betrachtung unentschieden 
bleiben könnte, wohin jedes einzelne Stück zu ziehen sei. Dennoch kann die genetische Zusammengehörigkeit 
nicht in Zweifel gezogen werden, da einerseits die noch unüberbrückte Kluft ausserordentlich gering ist, ander- 
seits keinerlei constantes Unterscheidungsmerkmal aufgeführt werden kann. Es gibt kein Merkmal von Mel. 
lanceolata das nicht gelegentlich schon bei Mel. harpula aufträte, und keinen Charakter bei dieser letzteren Art, 
der nicht sich an einzelnen Exemplaren von Mel. lanceolata noch erhalten zeigte. Es zeigt sich also bei Mel. 
harpula schon die Tendenz nach der Richtung von 3M. lanceolata hin zu variiren, und diese zeigt in manchen 
ihrer Abänderungen noch entschiedene Anklänge an die Stammart. Wir können daher mit voller Sicherheit sagen, 
dass der Mangel vollständiger Uebergänge seinen Grund nur in der Seltenheit der betreffenden Vorkommnisse 
in den tieferen Schichten hat. Nimmt man aus einer vollständigen Formenreihe die Vorkommnisse einer Schicht 
heraus, so ergibt sich genau dasselbe Verhältniss, wie wir es hier zwischen Md. harpula und lanceolata vor uns 
haben. (Vgl. Tab. VII. Fig. 4.) 

Melanopsis lanceolata Neuni. nov. form. 

Tab. VII. Fig. 5. 15^ 

Länge eines Exemplares 2 2 •;")""". 

Letzte Windung lo-ö"". 

Dicke 8-5°"". 
Gehäuse thurmförmig aus etwa acht Windungen bestehend, welche nicht treppenförmig abgesetzt und durch 
nicht oder kaum merklich eingesenkte Nähte getrennt sind. Auf jeder Windung stehen etwa 15 gegen die Basis 
etwas geschwungene Längsrippen, die auf dem letzten Umgange in der Regel etwas schwächer werden. Bei 



40 Dr. Neumayr u. C. M. Paul. Die Congerien- und Paludinenschiehten Slavoniens und deren Faunen. 

manchen Exemplaren trägt jede dieser Rippen an ihrem oberen Ende ein feines Knötchen, unter welchem bis- 
weilen noch ein zweites, schwächeres angedeutet ist. Die Mündung ist eiförmig, nach oben zugespitzt, die Lippe 
einfach, scharf und schneidend, Columellarrand namentlich nach oben stark schwielig verdickt. 

Die oben angegebene Messung geben das Verhältniss von Höhe der letzten Windung und Dicke zur 
Gesammtlänge an, wie es bei typischen Exemplaren sich findet, doch ist hierin eine gewisse Veränderlichkeit 
bemerkbar, indem bei manchen Exemplaren der letzte Umgang höher und die ganze Gestalt dicker wird. Es 
wird hiedurch eine Annäherung an 31el. harpula erzielt. Ausserdem finden sich Abänderungen die sich vom 
Typus durch leicht trei>penförmig abgesetzte Windungen abweichen und dadurch ebenfalls an Mel. harpula 
erinnern. (Tab. YII. Fig. 4.) 

Vorkommen. Slobodnica, Schichten mit Vivipara stricfurata 14 Exemplare (Typus und Uebergänge 
gegen Mel. harpula und hastaia. Sibin, Schichten mit Viv. stricturafa 3 Ex. (Typus). Malin o, Schicht mit 
Viv. notha 2 Ex. (Typus und Uebergang in Md. harpula). GromaCnik, Schicht mit Vivipara stricturatu 
2 Ex. (Typus und Uebergang zu Mel. hastata). Mal in o, Schicht mit Vir. strieturata 2 Ex. (Typus und Ueber- 
gang in Mel. Brauer i cf. unten). Capla, Schicht mit Viv. Hörnesi und Fillari vier ungenügend erhaltene 
Exemplare deren Zugehörigkeit fraglich ist (die Form scheint durch höhere, schärfere Rippen von Mel. laneeoljfa 
abzuweichen). Cigelnik, Schicht mit Viv. Sturi 1 Ex. vom Typus abweichend, mit den Exemplaren der 
Capla verwandt. 

Melanopsis hastata nov. form. 

Tab. YII. Fig. 7. 8. 

Länge eines typischen Exemplares 35""". 

Letzte Windung lö"". 

Dicke ungefähr 14""°. 
Steht der vorigen Art namentlich im äusseren Umrisse nahe, unterscheidet sich aber abgesehen von der 
sehr bedeutenden, aber als Artcharakter ziemlich unwichtigen Grössendifferenz namentlich durch minder regel- 
mässige und gröbere Berippung. Besonders aber ist eine Eigenthümlichkeit der Rippenbildung bemerkenswerth, 
nämlich, dass stets das obere Ende jeder Querrippe mit dem unteren einer solchen des nächst höheren Umganges 
zusammenstösst und förmlich ein Verschmelzen der Rippen verschiedener Windungen eintritt, so dass ununter- 
brochene Leisten vom Embryonalende bis zur Basis herablaufen. Diese Leisten sind nun nicht gerade sondern 
unregelmässig wellig hin und her gebogen. Da auf den unteren Windungen die Zahl der Rippen allmählig etwas 
grösser wird als sie es auf den vorhergehenden war, so laufen bisweilen von einer Rippe des höheren Umganges 
zwei Rippen auf dem tieferen Umgange aus, welche gegen unten divergiren. Abänderungen von 1/(7. hastata 
finden nach zweierlei Richtungen statt; einerseits sind es Formen, welche sich der Mel. lanceolata nähern. 
(Tab. Vn. Fig. 6.) Doch ist es kein ganz direkter Uebergang, sondern es haben diese Zwischenglieder in der 
Regel einige Verwandtschaft mit Mel. harpula, so dass wir in Mel. hastata und lanceolata zwei von der eben 
genannten Form aus divergirende Mutationen sehen. Ferner treten etwas abweichende Exemplare auf, die etwas 
kleiner und breiter sind als 3Iel. hastata. Gleichzeitig zeigt sich der Anfang einer treppenförmigen Ausbildung 
und die vollständige Regelmässigkeit in dem Aneinanderstossen der Rippen der auf einander folgenden W^indungen 
vermindert sich, so dass der Uebergang zu Mel. costata angebahnt wird. (Tab. VIIL Fig. 9.) 

Vorkommen: Gromacnik, Schicht mit Vivipara strieturata, 3 Ex. (Typus und Uebergangsform). 
Slobodnica, Schicht mit Viv. strieturata, 10 Ex. (7 Ex. reiner Typus, 3 Uebergangsform). Sibin, Schicht 
mit Viv. strieturata 7 Ex. (5 Ex. Typus). Maliuo Schicht mit Viv. notha, 2 Ex. (Uebergangsform). Malino 
Schicht mit Viv. Sturi, 1 Ex. (Uebergangsform). 

Schon in den Schichten mit Viv. strieturata fanden sich, wie oben erwähnt, Exemplare, welche den Ueber- 
gang zu Mel. costata vermitteln und als grosse Seltenheit finden sich einzelne Exemplare, welche schon ganz, 
entschieden zu Mel. costata gerechnet werden müssen. In den Schichten mit Viv. Sturi und in denjenigen mit 
Vir. Hörnesi dominirt dann unter den gerippten Formen Mel. costata vollständig, und nur spärlich treten neben 
ihr einzelne Exemplare auf, welche theils der Mel. lanceohita, theils der Mel. hastata näher stehen, doch habe 
ich die typischen Formen der letztgenannten Arten von hier nie gesehen. 



//. PaJaroiitolo<jif>ch('y TJicil. 41 



Melanojtsis costata Fei: 

Tab. Vin. Fig. 10-11. 

1823. Melanopsis costata Femissac. Monographie du gerne Melauopsis pag. 155. Tab. VII. Fig. 14. 15. 
1869. „ „ Neumayr, Jahrb. der geolog. Reichsanst. Bd. XIX. pag. 372. Tab. XIII. Fig. 2. 3. 

1874. „ „ Brusina, Biuneumollusken pag. 372. 

(Vergl. hier verschiedene weitere Citate). 

Eine Unterscheidung von der bekannten jetzt lebenden Form halte ich nach Yergleichung bedeutenden 
Materials für unmöglich. Auch in der Art des Variireus zeigt dieselbe manche Uebereiustininmng mit dem jetzt 
lebenden Analogen. 

Vorkommen: In Westslavo nien findet sich Md. costata namentlich in den Schichten mit Viv. Sturi 
und Hörncsi, äusserst seltene Exemplare aus etwas tieferem Niveau. Cigelnik, Schicht mit Viv. Sturi, 2 Ex. 
Cigelnik, Schicht mit Viv. Hörnesi. 2 Ex. Graben zwischen Capla und Podwiner Kirche, unteres 
Niveau, 7 Ex. (Einzehie Exemplare mit Annäherung a.n Mel. clavifjera). Thal hinter der Podwiner Kirche, 
dicht unter den ünionensandeu. 7 Ex. (Einzelne Exemplare mit Annäherung an Md. clavigera. Sibin. Schichten 
mit Viv. stricturata, 1 Ex. Repusnica. ohne Lagerungsangabe, 20 Ex. 

Mau sollte erwarten, dass mit dem Auftreten der recenten Form, mit dem Erscheinen von Mel. costata die 
Entwickelung unserer Reihe ein Ende erreicht und diese von der Zeit der Viv. Sturi bis jetzt jene Gegenden 
ununterbrochen bewohnt habe. Dem ist aber nicht so, sondern wir treffen hier im Gegentheil auf eine Erscheinung 
der auffallendsten Art, In höheren Schichten entwickelt sich aus Mel. costata eine andere Form, die ich Mel. 
clavigera nenne, und diese verdrängt die 3Iel. costata vollständig aus Slavonien, und findet sich in den 
Schichten mit Viv. Zelehori als einzige Vertreterin der geknoteten Melanopsiden (Canthidomiis). In der Jetzt- 
welt ist aber Mel. clavigera vollständig ausgestorben und es existirt gar keine mit ihr vergleichbare Form mehr, 
während ihre Stammform Mel. costata noch jetzt vorkömmt. 

Schon in den Schichten mit Viv. Stnri und Hünusi finden sich einzelne Exemplare, welche von Mel. 
costata durch stärker treppenförmige Umgänge, spitzeres Gewinde und weiter aus einander tretende, am oberen 
Ende etwas geknotete Rippen abweichen. (Tab. VIII. Fig. 12.) Ich habe im hiesigen zoologischen Cabinete 
eine Varietät der lebenden Mel. costata aus dem Jordan gesehen, welche damit einige Uehereinstinimung zeigt, 
doch ist die Form aus Slavonien schon aberrauter als diejenige aus Palästina. Sowie man jedoch in das 
höhere Niveau mit Viv. Zelehori kömmt, so werden die angeführten Unterschiede so bedeutend, dass man jedes 
Exemplar aus diesem oberen Horizonte auf den ersten Blick mit grösster Leichtigkeit von Mel. costata unter- 
scheiden kann. 



Melanojtsis clavifjera N^eiim. nov. form. 

Tab. VII. Fig 13—14. 

Länge eines Exemplares 26""". 
Letzte Windung 11 o"". 
Dicke 12""°. 

Das thurmförmige Gehäuse besteht aus ungefähr acht Windungen, von welchen die drei letzten sehr deutlich 
und kräftig treppenförmig abgesetzt sind. Jeder Umgang trägt 8 — 12 (meist 9) Querrippen, welche namentlich 
auf den drei letzten Umgängen sehr kräftig, am oberen Ende mit einem starken stumpfen Knoten versehen, und 
dicht Unter der Naht durch einen Kiel in Verbindung gesetzt sind. In der Sculptur ist eine gewisse Variabilität 
vorhanden, indem sich einige seltene Exemplare dem Typus der Mel. costata nähern, und ausserdem die Stärke 
der Rippen eine schwankende ist. Ferner nimmt der Kiel bisweilen so sehr an Stärke zu, dass er die ganze 
Sculptur beherrscht. Mundöftnung verlängert eiförmig, oben und unten zugespitzt. Aussenlippe einfach, schneidend, 
Columellarrand callös verdickt, namentlich gegen oben, doch ist die Callosität schwächer als dies bei den meisten 
verwandten Formen der Fall ist. 

Vorkommen: Cigelnik, Schicht mit Vir. Zelehori, 7 Ex. Graben zwischen Podwin und der 
Capla, Schicht mit Viv. Zelehori, 18 Ex. (Ein Stück steht zwischen Mel. clavigera und costata in der Mitte 
und kann eben so gut zur einen wie zur anderen Art gestellt werden.) Capla, Schicht mit Vir. Zelehori, 4 Ex. 
An der Strasse von Sibin nach Gromacnik, mit Viv. Uörnesi und Zelehori, 2 Ex. (Ein Stück von der- 
selben Localität muss zu Mel. costata gestellt werden.) Gromacnik, Höchstes Niveau, 5 Ex. 

Abhandlungen der k. k. geolog. Reichsanstalt. (Keumayr u. PauM Band VII. 3. Heft. g 



42 Dr. Ncumayr u. C. M. Paul. Die Congerien- und Paludinenschicliten Slovoniens und deren Faunen. 

Es ist gewiss sehr bemerken swerth, dass trotz der ausserordentlichen Veränderlichkeit der Melanopsisarten 
in den Paludinenschichten, doch eine so scharf charakterisirte Form einem ganz speciellen Horizont eigen ist, 
so dass kein typisches Exemplar von Mel. deivigcrei tiefer gefunden worden ist, nie eine echte 3Iel. costatei von 
unten in das Niveau der Viv. Zelebori und der Mel. clavigem hinaufreicht, ja dass sogar Uebergangsformen 
sehr selten sind. 

Im Anhange zur Beschreibung von Mel. ehivigerei mag hier noch eine kleine Art folgen, welche mit der- 
selben an manchen Orten zusammen vorkömmt. Ich habe zwar keine ganz vollständigen Uebergänge, dennoch 
glaube ich die kleine Mel. hyhostoma als einen degenerirten Typus aus der Gruppe der Mel. costata und clavigera 
bezeichnen zu dürfen, wie eine gewisse Uebereinstimmung in der Sculptur mit jungen Individuen namentlich 
von 3Iel. clavigera andeutet. Sie einfach als Monstrosität von 3Icl. clavigera zu betrachten hindert mich das 
häufige Vorkommen in Gesellschaft dieser Art, ohne dass sich dabei Uebergänge zwischen beiden fanden. 



Melanopsis Tiyhostotna Neum. nov. form. 

Tab. Vm. Fig. 28. 

1874. Melanopsis hyhostoma (Neum.) Brusina, Binnenmollusken pag. 31. 
Länge eines Exemplares 9'5 """. 
Höhe der letzten Windung 5-5°"". 
Dicke 5""°. 

Gehäuse verlängert eiförmig mit spitzem Gewinde, aus 5 — Li Umgängen bestehend. Die drei unteren von 
ihnen sind mit je 10 einfachen scharfen Querrippen bedeckt, welche gegen die Mündung zu etwas an Stärke 
und Deutlichkeit abnehmen. Die untere Hälfte der letzten Windung ist stark treppenförmig abgesetzt, indem die 
ausserordentlich starke Spindelschwiele das Lumen derselben von der Axe abdrängt. Mündung verlängert 
eiförmig, schräg gestellt, Aussenlippe scharf, einfach, in der Mitte bogig vorgezogen, Spindelrand mit einer 
überaus kräftigen Callosität versehen. 

Vorkommen: Gromacnik, ti Ex. Caplathal bei Podwin (Brusina). 

Mit den bisher aufgezählten Vorkommnissen ist die Formenreihe der Melanopsis Bouei noch nicht erschöpft, 
sondern wir finden noch einen zweiten Zweig, der sich nach anderer, weit verschiedener Richtung abtrennt, und 
seinen Ursprung in den Schichten mit Viv. stricturata von Mel. lanceolata nimmt. Schon in dem ebengenannten 
Niveau finden sich einzelne Exemplare von Mel. lanceolata, bei welchen die Berippung der letzten Windung 
undeutlich und unregelmässiger, die Callosität des Columellarrandes stärker wird. (Malino, Slobodnica u. s. w. 
Tab. VIII. Fig. 16. 17.) In den darauf folgenden Ablagerungen sind damit nahe verwandte Formen selten, und 
die wenigen Exemplare zufällig schlecht erhalten. In den Schichten mit Viv. Zelebori treten aber dann häufig 
Formen auf, welche trotz der bedeutenden vertikalen Distanz sofort an die eben genannte Abänderung von Mel. 
lanceolata erinnern, und trotz der Kluft im Alter der sie beherbergenden Ablagerungen doch durch seltenere 
Uebergangsformen mit derselben verbunden sind. 

Bei den Formen aus den höheren Ablagerungen, die ich hieher ziehe, tritt die Berippung von den tieferen 
Windungen mehr und mehr zurück und beschränkt sich endlich auf die allerersten Umgänge, auf denen sie 
jedoch, ausser in den Fällen von Corrosion der Spitze, ausnahmslos erhalten bleibt, ein Wahrzeichen der 
Abstammung von einer gerippten Art. Abgesehen von dem Verschwinden der Rippen ist namentlich als allen 
drei Mutationen, welche hieher zu zählen sind, gemeinsames Merkmal die bedeutende Verstärkung der Callosität 
des Columellarrandes zu erwähnen. 

■ Unter den Nachkommen der Mel. lanceolata., welche in den Schichten mit Viv. Hörnesi und Zelebori vor- 
kommen unterscheide ich drei Formen, welche ich mit dem Namen 3Iel. Braueri, recurrens und slavonica 
bezeichne. Die seltenen Vorkommnisse aus den Schichten mit Viv. Hörnesi gehören den beiden ersteren Arten 
an, doch treten dieselben hier noch nicht so scharf gesondert und namentlich nicht in so extrem divergirenden 
Formen auf als dies höher, in den Schichten mit Viv. Zelebori der Fall ist. 



//. Pahimnfolo'.iischcr Theil. ■ 43 



Melanopsis Braueri Neuni. nov. form. 

Tab. VIU. Fig. 26-27. 

Die Dimensionen zweier extremer Exemplare sind: 

I. II. 

Länge aS"""" 19""". 

Letzte Windung S""' 8™"'. 
Dicke 8-5""" 8"™. 

Gehäuse mehr oder weniger verlängert thurmförmig, aus etwa 8—9 Windungen zusammengesetzt. Doch ist 
die Zahl derselben selten genau zu constatiren, da die Spitze in der Regel mehr oder weniger corrodirt und 
decollirt ist. Die Embryonal Windung ist, wenn erhalten, glatt, dann folgen meist 2—4 mit scharfen feinen Quer- 
rippen versehene Umgänge, die letzten 3 — 4 Windungen sind wieder vollständig glatt. Der Gehäusewinkel wechselt 
während des Wachsthums sehr stark. Anfangs wachsen die Windungen ziemlich in demselben Masse in Breite, 
wie dies etwa bei Mel. lauceolata und hastata der Fall ist, ja der Winkel ist bei Mel. Braueri etwas stumpfer. 
Mit dem Auftreten der unteren glatten Umgänge ändert sich jedoch das Verhältniss, der Winkel wird bedeutend 
spitzer und die Windungen flach und mit nahezu parallelen Seiten. Gleichzeitig stellen sich die Nähte schief, 
indem die unteren Windungen stark nach abwärts gezogen sind und jede einen ziemlich grossen Theil ihrer 
Vorgängerin unbedeckt lässt; besonders die letzte Windung ist in der Regel stark nach abwärts gezogen, mit 
verengter Mündung, Mundötinung eiförmig, oben und unten zugespitzt, unten mit einem Ausguss. Aussenlippe 
einfach, scharf, Colum.ellarrand mit sehr starker callöser Verdickung. 

In verschiedenen Merkmalen zeigt diese Art eine ziemlich bedeutende Veränderlichkeit, ohne dass es mir 
gelungen wäre irgend constante Typen herauszufinden. In erster Linie ändert die äussere Form ziemlich ab, 
indem gestrecktere und gedrungenere Individuen auftreten. Auch das Verhältniss zwischen der ganzen Länge und 
der Höhe der letzten Windung ist schwankend, doch erreicht letztere fast nie den halben Betrag der ersteren. 
Ferner ist die Gestalt der unteren Umgänge nicht constant, indem dieselben bald nach unten unter schwachem 
Winkel in die Breite wachseu und dann nur schwach eingesenkte Nähte zeigen, bald ganz parallele Seiten haben 
und dann treppenförmig abgesetzt sind. Das Tab. VIII. Fig. 27 abgebildete Exemplar stellt ein seltenes, an's 
Monströse streifendes Extrem dar. 

Neben diesen Schwankungen innerhalb des Typus finden sich auch noch seltener Uebergangsformen zu nahe 
verwandten Arten, von welchen hier nur diejenigen gegen Mel. lanceolata besprochen werden sollen, während die 
Mittelformen gegen Mel. recurrens und slavonica in den diesen Arten gewidmeten Abschnitten zur Sprache 
kommen sollen. 

Der Uebergang von Mel. lanceolaia zu Mel. Bnisinai findet in der Weise statt, dass zunächst auf der 
letzten Windung die Berippung undeutlich und unregelmässig wird, während gleichzeitig die Callosität der 
Columella zunimmt, und die treppenförmige Absetzung der Windung sowie die Unregelmässigkeit der Spirale auf- 
tritt. Die Uebergänge sind auf Tab. VIII. Fig. l(j. 17. 18. 19. 22. abgebildet. 

Vorkommen: Mel. Braueri findet sich an folgenden Localitäten: Cigelnik, Schichten mit Viv. Hörnesi, 
2 Ex. Graben hinter der Kirche von Podwin, unmittelbar unter den Unionensanden, 5 Ex. (Meist 
Uebergangsformeu gegen Mel. recurrens.) Graben zwischen der Öapla und Podwin, Schicht mit Viv. 
Zelebori, 47 Ex. (Meist typisch, einzelne Uebergänge gegen Mel. slavonica und recurrens.) Capla, Schichten mit 
Viv. Zelebori, 9 Ex. (Theils Typus, theils Uebergänge in Mel. lanceolata und recurrens.) Gromacnik, über 
der Kohle, dem Niveau der Viv. Zelebori entsprechend, 13 Ex. (Typus.) St r asseng raben zwischen 
Gromacnik und Sibin, Horizonte der Viv. Hörnesi und Zelebori, 9 Ex. (Meist typisch.) Cigelnik, mit 
Viv. Zelebori, 7 Ex. An den beiden zuerst aufgeführten Fundorten, welche einem tieferen Horizonte angehören, 
als die Schichten mit Viv. Zelebori sind Mel. recurrens und Braueri nicht ganz geschieden. 



6* 



44 Dr. Ncuniai/r ii. C. 31. Faul. Die Congerlm- und Pahidimnschichten Sluvoutcn^ und dcrtn Fuunm. 



Melanopsfs recurrens Neum. nov. form. 

Tab. VIII. Fig. i'O— 21. 

ISütt. IJdanojjfiis dccoUuiu Neumayr ("on Stoliczka), Jahrbuch der geolog. Reichsanstalt. Bd. XIX. pag. 371. 

Tab. 1?.. Fig. 7. 
1869. „ recurrens (Neum.) Brusiiia, Binnenmollusken pag. 42. 

In meiner ersten Arbeit über die slavonischen Süsswasserbildungen habe ich diese Art mit Md. decoUata 
Stoliczka aus den Congerienschichten vom Ufer des Plattensees identificirt und in der That ist scheinbar die 
Verwandtschaft zwischen beiden eine ausserordentlich grosse. Auf einen Unterschied gegen die Zeichnung von 
Stoliczka habe ich schon damals aufmerksam gemacht, nämlich auf die stärkere Callosität der Columella, 
doch glaubte ich damals diese Abweichung einer unrichtigen Zeichnung zuschreiben zu dürfen, allein mit Unrecht 
wie sich jetzt zeigt. 

Jetzt bei abermaliger Bearbeitung mit grösserem Material und mit genauen Angaben und Erfalirungen über 
das Niveau aller Stücke fand ich, dass zwei einander sehr ähnliche Formen aus zwei ganz verschiedenen Horizonten 
vorliegen; die einen aus dem Niveau Viv. Fnchsi und noch tieferen Schichten, die anderen aus den Schichten 
mit Viv. Hörnesi und Zelehori. Bei genauerer Untersuchung fand sich nun, dass die ersteren Vorkommen sehr 
gut mit Abbildung und Original der Stoliczka'schen Md. decoUata vom Plattensee übereinstimmen, letztere 
dagegen sich der von mir im Jahre 1 869 abgebildeten Form von Repusnica anschliessen. 

Diese aus höherem Niveau stammenden Exemplare sind sämmtlich durch weit stärkere Callosität der 
Columella ausgezeichnet, und zeigen ausserdem ein Merkmal dessen Bedeutung ich erst jetzt zu würdigen im 
Stande bin. Die sämmtlichen Stücke aus höheren Schichten zeigen nämlich genau dieselbe feine, scharfe Quer- 
rippung der oberen Umgänge, welche wir eben bei Md. Braurri kennen gelernt haben. Schon dies gibt eine 
Andeutung über die wahren Verwandtschaftsverhältnisse von Md. recurrens, um so mehr, als hier auch die Lage 
und Ausbildung der Callosität ganz wie bei Mel. Braueri ist. Die volle Bestätigung erhält diese Anschauung 
dadurch, dass die vollständigen Uebergänge gegen Md. laneeolata und Braueri vorhanden sind. 

Die Dimensionen eines Exemplares sind folgende: 

Länge ig™". ^) 
Letzte Windung 8-5"". 
Dicke 8-.Ö""". 

Das Gehäuse ist verlängert eiförmig bis thunaförmig, aus etwa acht, häufig an der Spitze corrodirten 
Windungen bestehend, von welchen die drei untersten glatt, oder nur mit unregelmässigen Anwachsstreifen 
versehen, die oberen fein und scharf quer gerippt sind. Embryonalwindung ist an keinem Exemplare erhalten, 
doch ist sie nach Analogie mit Mel. Braueri vermuthlich glatt. Die Umgänge wachsen regelmässig an und sind 
flach gewölbt, die Naht ist wenig eingesenkt. Die Mündung steht schräg, ist eiförmig, an beiden Enden zugespitzt 
und mit einem Ausgusse versehen. Die Aussenlippe ist einfach, schneidend, der Columellarrand stark schwielig 
verdickt. 

Mel. recurrens variirt namentlich in der äusseren Form, indem sie bald schlanker, bald gedrungener auftritt, 
und damit gleichzeitig das Verhältniss zwischen Gesammtlänge und Höhe der letzten Windung ein verschiedenes 
ist; ausserdem finden sich die Uebergänge gegen Mel. laneeolata und Braueri vor. Der Unterschied zwischen 
typischen Exemplaren von Mel. Braueri und recurrens ist ein ziemlich auffallender; namentlich ist es die regel- 
mässige und gleichmässig anwachsende Spirale von Mel. recurrens, welche gegen das so unregelmässige Gewinde 
von Mel. Braueri stark absticht; auch die gleichmässige Wölbung der Umgänge von Mel. recurrens ist sehr 
charakteristisch. So gross jedoch der Unterschied auf den ersten Blick ist, so finden sich doch alle Uebergänge 
zwischen ihnen. Beide stammen nachweislich von Md. laneeolata ab. (Die Uebergänge vgl. Tab. VII. Fig. IG 
bis 20.) In den Schichten mit Viv. Hörnesi sind dieselben noch nicht vollständig dift'erenzirt, indem hier fast nie 
extreme, typische Formen der einen oder der anderen auftreten, diese dominiren erst in den höheren Schichten, 
mit Viv. Zdelori aufs entschiedenste über die Mittelglieder. 

Die Form und das Auftreten von Mel. recurrens ist in mehrfacher Beziehung sehr interessant. In den 
Schichten mit Viv. stricturata ist die Formenreihe der Md. Bouei durch Typen mit mittelstarker Berippung 
vertreten, aus denen sich zweierlei ganz verschiedene derivirte Formen entwickeln, von denen die einen (ilic/. 



') Da die Spitze des Exemplares beschädigt ist, so ist diese Zahl etwa um 0-5™"> zu klein. 



IL Palatonioloijhchcr Tlicil. 45 

davigera) durch entschiedene Yerstärkunfi der Sculptur charakterisirt sind, während bei den anderen {Mel. 
recurrens, Braueri, sJaronka) die Sculptur immer mehr zurücktritt, die Schale glatt wird. Es ist dies eine Er- 
scheinung der Recurrenz auf den unberippten Stammvater, und dieser Stammform steht jedenfalls die regelmässig 
gewundene Gestalt der Mel. recurrens am nächsten. Höchst merkwürdiger Weise steht diese Erscheinung der 
Recurrenz bei der Mehrzahl der hieher zu zählenden Vorkomnisse mit einer Unregelmässigkeit und Verzerrung 
der Spirale, also einem entschieden degenerativen Merkmale in Verbindung. 

Ein weiterer Punkt von Interesse ist die auffallende Formähnlichkeit von 31el. recurrens mit einer genetisch 
grundverschiedenen und geologisch einem anderen Horizonte angehörigen Form, nämlich mit Md. decottata, 
von der wie schon oben erwähnt, die Unterschiede sehr unbedeutend sind. Das Merkwürdigste an der Sache ist 
jedoch, dass nicht nur die Art und Weise, sondern auch das Mass des Variirens in der äusseren Gestalt bei beiden 
vollständig identisch ist, in der Art, dass für jede Abänderung von Md. (lecollata sich ein genaues Analogen 
unter den typischen Md. recurrens findet, während allerdings für die Uebergangsformen dieser letzteren gegen 
Mel. Braueri und lanceolata keine analogen Formen bei Mel. decollafa zu finden sind. 

Vorkommen: In den westlichen Gegenden von Westslavonien ist 3Iel. recurrens die einzige Form, welche 
die glatt werdenden Abkömmlinge von Md. lanceolata vertritt. Weiter nach Osten kommt Mel. recurrens zwar 
auch noch vor, doch ist hier Mel. Braueri häufiger. Repusnica, 4 Ex. (Typus.) Zwar liegen keine genauen 
Angaben über das Niveau vor, aus welchem diese Stücke stammen, doch lässt sich aus den zusammen vor- 
kommenden Exemplaren von demselben Fundorte und nach der Analogie mit den östlicheren Vorkommnissen aus 
der Gegend von Brood und Gradisca fast mit absoluter Sicherheit schUessen, dass dieselben aus einem sehr 
hohen Niveau der Paludinenschichteu stammen. Cigelnik, Schicht mit Viv. Hörnesi, 1 Ex. Öapla, Schichten - 
mit Viv. Zelebori, 7 Ex. (Typus.) Ausserdem liegen noch die verschiedenen Uebergänge gegen Mel. Braueri vor, 
welche schon bei dieser Art aufgeführt sind. Podwin, Graben hinter der Kirche, unter den Unionensanden, 
7 Ex. (Typus und Uebergänge gegen Mel. Braueri.) < 



3Ielanopsis slavonica Neuni. not\ form. 

Tab. Vnr. Fig. 25. 

Länge IS""". 

Letzte Windung 10""". 

Dicke 7°". 

Gehäuse subcylindrisch, mit kurzer Spira, und bei allen Exemplaren corrodirter Spitze. Umgänge, soweit 
sie nicht corrodirt sind, glatt, doch macht es die nahe Verwandtschaft mit Md. Braueri sehr wahrscheinlich, 
dass bei jungen Exemplaren die Windungen quer gerippt waren. Die letzte Windung stark und unregelmässig 
nach abwärts gezogen und gegen die Mündung zu verkürzt. Mündung schräg gestellt, nach beiden Enden spitz, 
eiförmig, unten mit einem Ausguss, Aussenlippe einfach, scharf, bogig vorgezogen, Columellarrand sehr stark 
callös verdickt. 

Diese Art kömmt mit 31el. Braueri an der nämlichen Localität und in demselben Niveau vor, und ist mit 
ihr durch vollständige Uebergänge verbunden. Sie kann als eine ausserordentlich extreme und aberrante Variation 
von Md. Braueri betrachtet werden; dennoch ist die Formverschiedenheit eine so bedeutende und bei einer 
ziemlichen Anzahl von Exemplaren constante, dass ich eine Abtrennung für zweckmässig halte. 

Die äussere Form von Melanopsis slavoniea stimmt ganz mit dem Charakter und Typus der Untergattung 
Lyrcea überein, und ich glaube, dass jeder Conchyliologe, der ohne die Beziehungen zu typischen Canthidomusarten 
{Mel. lanceolata, hastnta) zu kennen, diese Form untersuchen würde , geneigt sein müsste , eine Lyrcea in ihr zu 
erkennen, ebenso wie man Md. recurrens zu Ildanopsis im engeren Sinne stellen müsste. 

Vorkommen: Graben zwischen Podwin und der Öapla, Schichten mit Viv. Zelebori, 8 Ex. Tomitza, 
ohne Niveauangabe, 1 Ex. 

Ich habe die verwandtschaftlichen Beziehungen und genetischen Verhältnisse der verschiedenen Arten aus 
der Formenreihe der Mel. Bouei schon bei Beschreibung jeder einzelnen derselben eingehend discutirt, so dass 
sich der folgende Stammbaum der slavonischen Tertiärformen von selbst ergibt. 



46 Br. Neumayr u. C. M. Paul. Dir Congerien- und Paludinenschkhtcn Slavoniens und deren Faunen. 



slavonica 


? hyhostoma 


recurrens Braueri 
lanceolata 


clavigcra 

costata 

hastata 


harpula 




pygmaea 

Bouei 




sp. proUematica. 





Selbstverständlich verhält sich in der Natur die Sache nicht ganz so einfach als ein derartiges nothge- 
drungen schematisirendes Diagramm es angibt. So wäre es namentlich ein Irrthum anzunehmen, dass mit dem 
Auftreten einer derivirten Art stets das Erlöschen der Stammform Hand in Hand gehe; sehr häufig sehen wir, dass 
von der neuen Form erst einzelne seltene Vorläufer auftreten, dann wird diese ausschliesslich dominirend aber 
vereinzelt finden sich meist noch Nachzügler der Wurzelform. So ist z. B. das Verhältniss zwischen Mel. hastata 
und costata. In einem Falle haben wir sogar das auffallende Verhältniss, dass eine Form ihre Nachkommen 
überlebt. Mel. costata wird allerdings im slavonischen Tertiär allmähhg durch ihren Nachkommen Mel. rlarigera 
verdrängt, in anderen Gegenden aber hat sie sich bis auf den heutigen Tag erhalten, während Mel. elavigera 
längst ausgestorben ist. 

Besondere Beachtung verdient das Auftreten, die verticale Verbreitung und das Zahlenverhältniss der ein- 
zelnen Formen zu einander. Wir finden eine Reihe in ihren Merkmalen ziemlich constanter. ziemlich häufiger 
„Arten", welche mit einander sehr nahe verwandt, und durch seltenere Uebergangsformen mit einander verbunden 
sind. Trotz der ausserordentlichen Variabilität der Formen und der Minutiosität der Unterschiede finden wir aber 
regelmässig und überall, dass die verticale Verbreitung jeder einzelnen Form innerhalb des von uns betrachteten 
Beckens eine eng begrenzte und regelmässige ist und dass die einzelnen Formen ziemlich gut ihr Lager 
einhalten. 

Eine weitere wichtige Thatsache ist die, dass die Formenreihe der 3Iel. Bouei in einer Richtung, von 
Mel. Bouei bis zu Mel. elavigern mehr und mehr ihre Sculptur verstärkt, während eine zweite von dieser sich 
abzweigende Seiteureihe {Mel. recurrens, Braueri. slavonica) die Sculptur wieder verliert, und in auffallendem 
Rückschlag auf die glatte Stammform alle Rippen ablegt, oder sie nur als rudimentäre Spuren auf den ersten 
Windungen beibehält. 

Nur auf einen Punkt möchte ich hier noch aufmerksam machen. Bekanntlich besteht bei vielen, namentlich 
englischen Conchyliologen seit einer Reihe von Jahren die Tendenz, die Gattungen der Mollusken möglichst zu 
vermehren, in der Regel durch weit gehende Spaltung der alten, umfassenden Genera. Ohne mich hier unbedingt 
gegen dieses Princip aussprechen zu wollen, möchte ich doch darauf hinweisen, dass jedenfalls derartige enge 
Abtheilungen nur dann von Werth sein können, wenn sie der natürlichen Verwandtschaft entsprechen. Leider 
ist das sehr häufig nicht der Fall, und viele derselben sind nur nach rein äusserlichen, oder nur einer einzelnen 
Art entnommenen Merkmalen charakterisirt. 

Einen Beleg für den geringen Werth vieler dieser neuen Gattungen liefert die eben betrachtete Formen- 
reihe. Die Gattung Melampsis der älteren Fassung von Ferussac, die hier adoptirt ist, wurde später gespalten 
und der genannte Formenkreis unter Melanopsis im engeren Sinne, Canthidomus und Lyrcea vertheilt. Versucht 
man nun die auf den vorhergehenden Seiten besprochenen Formen darnach einzutheilen, so rauss die Stammform 
jedenfalls eine Melanopsis im engeren Sinne gewesen sein, und eben dahin gehört Mel. pygmaea, während die 
mit dieser letzteren durch zahlreiche Uebergänge verbundene Md. Bouei ein entschiedener Canthidomus ist. Zu 
Canthidomus gehört auch die aus Mel. Bouei sich entwickelnde Reihe der Mel. harpula, hastata, costata, 
clarigera. Dagegen ist die von Mel. harpula sich abzweigende Seitenreihe weit schwieriger. 3Iel. lanceolata ist 
noch ein Caidhidomus, während die aus ihr sich entwickelnde Mel. recurrens wieder eine typische Melanopsis 
ist, Mel. Braueri in gar keine der drei Abtheilungen passtund die aus ihr hervorgehende Melanopsis slavonica 
endlich eine typische Lyrcea darstellt, die von ihren Stammverwandten losgerissen und mit Mel. Martini arm, 
die aus ganz verschiedener Wurzel herrührt, in der unnatürlichsten Weise zusammengestellt werden müsste. Es 
genügt dies um die vollständige Haltlosigkeit der genannten Abtheilungen darzuthun. 

Man wird sich in der Conchyliologie davon überzeugen müssen, dass die Aufstellung von engen generischen 
Abtheilungen nach dem Gehäuse allein zu verkehrten und unbrauchbaren Resultaten führen muss, wenn man 
nicht die palaeontologische Entwicklungsgeschichte des betrefl'enden Formenkreises genau kennt und auf dieselbe 
sich in erster Linie stützt. Man kann mit Bestimmtheit voraussagen, dass ein von diesem Standpunkte aus 
betriebenes, sorgfältiges stratigraphisch-palaeontologisches Studium der Tertiärmuscheln eine wesentliche Umge- 



//. Palaeontologischer Theit. 47 

staltung der conchyliologischen Systematik herbeiführen und eine ziemliche Anzahl von Gattungen wegfegen oder 
durch besser begrenzte, den genealogischen Formenreihen entsprechende Genera ersetzen wird. 

Ausser den eben beschriebenen Arten, welche sich aufs engste an einander anschliessen und eine Formen- 
reihe bilden, finden sich noch mehrere MAanopsiden, deren Verwandtschaftsverhältnisse vorläufig noch nicht ganz 
klar sind, und die daher noch als isolirte Typen aufgefasst werden müssen. Es sind: 

Mel. Matheroni Mayer. Mel. Visianiana Brus. 

„ pferochiJa Brus. „ acicularis Fer. 

„ Sandhinjeri Neum. „ Esperi Fer. 

„ pirum Neum. „ praemorsa L. 

„ decoUata Stol. „ eurystoma Neum. 



Melnnopsis pterochila Britsina. 

Tab. Vm. Fig. 29. 

1874. Mclanopsis pterochila Brusina, Binnenmollusken pag. 80. Tab. I. Fig. 5. 6. 

Eine kleine Art, welche durch ihre unförmliche Gestalt ganz an 31(1. hybostoma erinnert, aber vollständig 
glatt ist, ohne Spur von Rippen. Sie fand sich ziemlich selten in den mittleren Paludinenschichten. Gromacnik 
mit Viv. stricturata. Slobodnica in demselben Niveau. Graben hinter der Podwiner Kirche, unter den 
Unionensanden. Brusina führt sie aus dem Öaplathale bei Podwin an. 



Melanopsis Matheroni Mayer. 

1869. Melanopsis Martinicma Neumayr, Jahrb. der geolog. Reichsanstalt, pag. 372. Tab. 13. Fig. 8. 
1871. „ Matheroni Mayer, Decouverte des couches ä Congeries dans le bassin du Rhone. Viertel- 

jahrsschrift der naturf. Gesell, in Zürich, pag. 201. 
1874. „ Maroccana Brusina, Binnenmollusken pag. 46. 

In meiner früheren Arbeit habe ich eine zur Untergattung Lyrcea gehörige Form von Repusnica als Mel. 
Mariiniuna angeführt, da von Hörnes ganz übereinstimmende Exemplare von Tortona dieser Art zugetheilt 
worden waren. In der Zwischenzeit hat Ch. Mayer für die vollständig identischen Vorkommnisse von Bollene in 
Südfrankreich eine neue Art Mel. Matheroni gegründet. Brusina dagegen hat die in Rede stehende slavonische 
Form mit der sehr nahe stehenden, recenten Mel. Maroccana vereinigt. Es liegt mir nicht genug Material vor 
um mich für die eine oder andere Ansicht entscheiden zu können, wenn mir auch die Richtigkeit der Mayer'schen 
Auffassung wahrscheinlich ist. 

Es liegt mir ein E.xemplar ohne Niveau-Angabe von Repusnica vor. 



Melanopsis Sandbergeri Neum. 

Tab. vm. Fig. 31. 

18G9. Mel. Sandbergeri Neumayr, Jahrb. der geolog. Reichsanst. Bd. XIX. pag. 372. Tab. 13. Fig. 5. 
1874. „ r, Brusina, Binnenmollusken, pag. 35. 

Höhe 29""". 25°"". 

Breite 13""°. 10°"". 

Höhe der letzten Windung 15. 

Das spitze, dicke, verlängert eikegelförraige Gehäuse besteht aus acht glatten, schwach gewölbten, durch 
wenig eingesenkte Nähte von einander getrennten Windungen, von welchen die letzte die Hälfte der Gesammt- 
höhe der Schale oder etwas weniger einnimmt. Die Mündung ist schräg gestellt, verlängert eiförmig, oben zuge- 
spitzt und mit einem breiten ziemlich tiefen Ausschnitt an der Basis; die Spindel ist unten abgestutzt, ziemlich 
stark gekrümmt, nach oben mit einer sehr kräftigen, schwieligen Verdickung. 

Mel Sandbergeri war mir früher nur in einem Exemplare bekannt. Seither sind mir noch einige weitere 
Stücke zugekommen, welche theils genau mit dem ersteren übereinstimmen, theils etwas schlanker und mit 
höherer Spira versehen sind. Ich habe das schon in meiner früheren Arbeit dargestellte Individuum nochmals 
zeichnen lassen, weil damals Mündung und Spindel nicht richtig wiedergegeben war. 



48 Dr. N'eniiiai/r u. C. M. Paul. Die Congerien- und Paludinenschichten Slavoniens und deren Faunen. 

Die nächst verwandte Art ist Mel. callosa Sandb erger aus dem Mainzer Becken, doch unterscheidet sich 
die letztere durch geringere Grösse, flachere "Windungen, höheren letzten Umgang und weniger gekrümmte 
Spindel. 

Das zuerst abgebildete Exemplar stammt aus den Paludinenschicliten von R e p u ä n i c a im westlichen West- 
slavouien, ohne nähere Angabe des Horizontes. Einige weitere Exemplare erhielten wir aus den unteren Palu- 
dinenschichten mit Viv. Fuchst und pannonica aus dem Hintergrunde des Caplathales bei Podwin unweit 
B r d. 

Melano2tsis pyruni Neuni. not\ /'arm. 

Tab. VIII. Fig. 33. 

Höhe 20""°. 
Breite etwa 10""". 
Höhe der letzten Windung 10"". 
Diese aus neun glatten Windungen sich aufbauende Form zeigt entschiedene Verwandtschaft mit Mel. 
Sandbcrc/eri, und namentlich ist die sehr kräftige Callosität und Krümmung der Spindel übereinstimmend. Doch 
lässt sich 3Iel. pi/rnm, abgesehen von der geringeren Grösse, leicht durch ihre äussere Form unterscheiden, 
indem der letzte Umgang stark bauchig ist, während die Spina sich rasch verjüngt und sehr spitz zuläuft. 

Ein Exemplar dieser Art hat sich in den oberen Paludinenschichten mit T7c. ornata und Pihiri im 
Öaplathal bei Podwin in Westslavonien gefunden. 

Die beiden ebeu besprochenen Arten bilden eine kleine durch die eigenthümliche Bildung der Spindel und 
starkem Ausschnitt der Mündung charakterisirte Gruppe, und wenn analoge Formen aus anderen Ablagerungen 
Slavoniens gefunden sein werden, so werden sich Mel. Sandbergeri und juiriim wol als Angehörige einer Formen- 
reihe erweisen, was bis jetzt nur vermuthet werden kann. 

Es tritt noch eine Reihe glatter Melanopsis- Kxten auf die durch unbedeutenderen Ausschnitt der Mündung 
und schwächere Callosität der Spindel von der vorhergehenden Gruppe sich unterscheiden. In allmähliger 
Abstufung treten bei diesen Formen die genannten Merkmale immer schw^ächer und schwächer auf, bis zum 
vollständigen Verschwinden bei einem Vorkommen, welches mit der recenten Mel. Esperi iu engster Verbindung 
steht. Die hieher gestellten Formen sind folgende : 

Mel. decollata Stol. Mel. eurystonw. nov. sp. 

„ acicularis Fer (?). „ Es2H'ri Fer. 

„ cf. Visianiana Brus. „ praemorsa L. 

Die Bearbeitung dieser Formen und namentlich die Feststellung der Beziehungen zu recenten Arten hat 
wesentliche Schwierigkeiten, und in einer Richtung, in der Frage ob mit Mel. acicularis Fer. genau überein- 
stimmende Exemplare in den Tertiärablagerungen Slavoniens vorkommen, konnte ich namentlich in Folge der 
ungenügenden Erhaltung des ziemlich spärlichen Materials zu keinem sicheren Resultat gelangen; hier müssen 
bessere Exemplare die Entscheidung bringen. 



Melanopsis decollata Stol. 

1862. Melanopsis decollata Stoliczka, Verhandlung der Wiener zoologisch-botanischen Gesellschaft, pag. 53G. 

Tab. 17. Fig. 8. 

Stoliczka hat unter diesem Namen eine Form von Zala Apati am Plattensee sehr gut beschrieben 
und abgebildet. In Slavonien findet sie sich ziemlich verbreitet in den Congerienschichten und im tiefsten Theile 
der Paludinenschichten. Früher habe ich diese Form mit Md. recurrens verwechselt (vgl. oben pag. 44). 

In den unteren Paludinenschichten von Cernik, Oriovac, Tomica; in den oberen Congerienschichten 
von Ferklevce; in den Congerienschichten von Zavr^ie bei Sibin. 



? Melan4>i}sis acicularis Fer. 

? 1823. Melanopsis acicularis Ferussac, Monogr. du genre Melanopsis. 

1862. „ „ Stur., Jahrb. der geol. Reichsanst. Bd. XU. pag. 297. 



II. Palaeontologischer TJieü. 49 

18i32. Melanopsis acicularis Stoliczka, Verh. der Wiener zool.-bot. Gesellsch. Bd. XII. pag 533- 

1869. „ . „ Neumayr, Jahrb. der geol. Reichsanst. Bd. XIX. pag. 370. Tab. XIII. Fig. (!. 

1874. ,. ^ Brasilia, Biiiiieuiiiolluskeii. pag. 37. 

In meiner früheren Arbeit über die slavonischen Süsswasserablagerungen habe ich eine Anzahl von Vor- 
kommnissen mit 3IeL arkularis vereinigt. Ein Theil derselben gehört mit Sicherheit nicht hierher sondern zu 
der damals von mir verkannten Md. decoUata Stol. Ausserdem sind aber allerdings einige Exemplare vorhanden, 
welche mit der recenten 3IcI. acicularis ganz ausserordentliche üebereinstimmung zeigen, und solche Stücke dürften 
es auch sein, auf welche sich die Citate von Stur und Stoliczka beziehen. So gross die Aehulichkeit ist, so lässt 
sich doch auch ein sehr naher Anschluss an die schlanksten Abänderungen von Mel. dccoUnta nicht verkennen. 
Ein sicheres Urtheil lässt sich nicht fällen, da an keinem der mir vorliegenden Exemplare die Mündung und die 
Spiudelschwiele ganz erhalten ist, und ich muss es daher vorläufig unentschieden lassen, ob wir es mit der 
echten Mel. acicularis oder mit einer neuen an Mel. decollata sich anschliessenden Art zu thun haben und ob 
Mcl. acicularis vielleicht in die Formenreihe der Mel. decollata gehört. 

Von Jasma, Repusnica und lirestaca in Westslavonien. 



3Ielanopsis cf. Visianiana Brus. 

Tab. Vni. Fig. 32. 

1869. Melanopsis inconsfans Neumayr (pars.), Jahrb. der geolog. Reichsanst. Bd. XIX. pag. 356. Tab. 11. 

Fig. 16. 
1874. „ Visianiana Brusina, Binnenmollusken, pag. 37. Tab. 1. Fig. 7. 8. 

In meiner früheren Beschreibung der Fossilien der dalmatinischen Melanopsidenmergel habe ich ein sehr 
weites Formengebiet wegen des Vorhandenseins von Uebergängen zwischen den extremsten Vorkommnissen unter 
dem Namen Melanoi}sis inconstans zusainmengefasst. Seither habe ich mich genügend überzeugt, dass die 
Zufälligkeit, ob verbindende Uebergänge gefunden worden sind oder nicht, für die Begränzung der Arten bedeu- 
tungslos ist, und ich finde es daher durchaus gerechtfertigt, dass Herr Brusina die glatten Formen von Md. 
inconstans abtrennt und als selbstständig unter dem Namen Md. Visianiana hinstellt. 

Eine Melanopsis., welche häufig in den Paludinenschichten von Karlowitz selten in denjenigen von 
Görgetek in Syrmien vorkömmt, stimmt mit Md. Visianiana nahe überein, nur ist der Ausschnitt an der 
Basis der Mündung etwas breiter nnd die Spindel ein wenig schwächer abgestutzt. 



3Ielanopsis eurystotna nov. form. 

Tab. VIII. Fig. 30. 

Höhe 16°"°. 

Dicke 8°"°. 

Höhe der letzten Windung 9"". 
Das Gehäuse besteht aus sechs glatten, mit Ausnahme der letzten, kaum gewölbten Windungen, von welchen 
die unterste etwas mehr als die Hälfte der Gesammthöhe einnimmt und zwischen welchen die Nähte kaum einge- 
senkt sind. Die Mündung ist etwas schräg, breit, eiförmig, nach oben zugespitzt, nach unten mit einem sehr 
seichten, breiten Ausschnitte versehen. Spindel gekrümmt, mit einer schwachen Callosität bedeckt. Die bei ein- 
zelnen Exemplaren erhaltene Farbenzeichiiung besteht bald aus rostbraunen Tupfen, bald aus breiten unbestimmt 
geformten und begrenzten Querbinden. 

Charakteristisch für Md. eurystomu ist die sehr breite Mündung, die bei schwacher Callosität ziemlich stark 
gebogene Spindel, und die seichte, breite Ausbuchtung an der Basis der Mundöft'nung. Sie fand sich in 10 Exem- 
plaren im Caplathale in den Schichten mit Vivipara Pilari und oniata. 



Melanopsis Esperi Fer. 

1823. Mel. Esperi B'erussac, Monographie du genre Melanopsis. 

1869. „ „ Neumayr, Jahrb. der geol. Reichsanst. Bd. 19. pag. 371. Tab. 13. Fig. 4. 

1874. „ „ Brusina, Binnenmollusken, pag. 36. 

Abhandlungen der k. k. geolog. Reichsanstalt. (Neumayr u. Paul.) Band VII. 3. Heft. 



50 Dr. Neumayr n. C. M. Paul. Die Congerien- und Paludinenschidden Slavoniens und deren Faunen. 

Von dieser in der Jetztzeit ziemlich variablen Art tritt in den Paludinenschichten nur eine einzige 
sehr constante Form auf, welche innerhalb der verschiedeneu Typen, welche als Mel. Esper i. bezeichnet 
werden, eine extreme Stellung einnimmt, durch sehr schlanke, gestreckte Gestalt, sehr schwache Spindel- 
callosität, ganz fehlenden Ausschnitt an der Basis der Mündung und nicht abgestutzte Spindel. Die Mündung ist 
schon eine fast reine Melanienniündung. Die nächstverwandten lebenden Exemplare stammen aus Ober-Ungaru, 
und mit diesen stimmt die tertiäre Form ganz überein, so dass eine Trennung nicht möglich ist. Ob es gut 
gethan ist, der recenten Mel. Esperi eine so grosse Artausdehnung zu geben, kann ich hier nicht untersuchen. 

Mel. Esperi findet sich ziemlich häufig bei Novska im westlichsten Westslavonien in den obersten Lagen 
der Paludinenschichten mit Viv. VucotinoviSi. Vermuthlich demselben Horizont gehört sie auch bei Repusnica an. 



ITelnnopsis praemoi'sa L. 

1874. Melanopsis preiemorsa Brusina, Binnenmollusken, pag. 36. 
(Vergl. hier die sehr zahlreichen Literaturcitate.) 
Von V a s z a r, ohne Niveauangabe. Brusina citirt sie von B e c i c, C a p 1 a bei P o d w i n und von D u g o s e 1 o. 



Vivipara I 



am. 



In dem oberen Theile der in dem vorliegenden Aufsatze bearbeiteten Ablagerungen, den Paludinen- 
schichten, spielt die Gattung Va-ipnra (mit Einschluss von Tulotoma) weitaus die erste Rolle an Menge der 
Individuen wie der verschiedenen Formen. Ebenso bietet sie für die geologische Gliederung der Paludinen- 
schichten und die Parallelisirung ihrer einzelnen Horizonte an verschiedeneu Localitäten die besten Anhalts- 
punkte und vom theoretisch-palaeontologischen Standpunkte aus erhält ihr schwieriges Studium dadurch ausser- 
gewöhnliches Interesse, dass die grosse Zahl der zu Gebote stehenden Exemplare es ermöglicht, sehr oft in 
absoluter Vollständigkeit die Uebergänge zwischen den Formen der verschiedenen auf einander folgenden 
Schichten herzustellen. 

Wie mein Freund Paul im geologischen Theile nachgewiesen hat, sind in den von uns untersuchten 
Gegenden von Westslavonien die glatten Vieipareii mit äusserst geringer Ausnahme auf die unteren, die mit 
ausgesprochenen Kielen und Knoten versehenen Formen vollständig auf die mittleren und oberen Paludinen- 
schichten beschränkt. In der mittleren und oberen Abtheilung konnten zahlreiche Horizonte unterschieden und 
auf grössere Erstreckung nachgewiesen werden und in Folge dessen konnten die rein morphologisch aufgestellten 
Formenreihen der gekielten und geknoteten Viviparen sofort der geologischen Controle unterworfen werden. Für 
die unteren Paludinenschichten konnte eine Gliederung noch nicht durchgeführt werden, und es fehlt daher für 
die glatten, wie für die nicht von uns selbst gesammelten Formen der Nachweis für die Concordanz der chrono- 
logischen und morphologischen Reihe. Die Arbeit der Combinirung der Formenreihen wird durch das Fehlen 
von geologischen Daten ganz ausserordentlich erschwert; doch glaube ich, dass was die lineare Anordnung 
anbelangt kein wesentlicher Irrthum untergelaufen ist. Dagegen habe ich die als Stammform betrachtete Art nur 
nach allerdings schwer wiegenden Wahrscheinlichkeits- und Analogieschlüssen als solche angenommen, und es 
ist daher die Möglichkeit einer Verschiebung in dieser Beziehung gegeben. Ich möchte dies an einer graphischen 
Darstellung erläutern. Nehmen wir an wir hätten eine durch Uebergänge verbundene Reihe von Formen a. h, Ci 
d, e, /', g, /i, von welchen die Extreme a und /; in einem höheren, die sechs anderen in einem nicht weiter 
gegliederten tieferen Niveau liegen , so muss offenbar eine der Formen h. e, d, e, /', (/ die Stammform 
bilden, von der zwei Aeste divergiren, ohne dass jedoch ohne weitere geologische Anhaltspunkte entschieden 
werden könnte, welche von ihnen es ist. Es lässt sich nicht mit absoluter Sicherheit feststellen, welche z. B. von 
den beiden graphisch dargestellten Auffassungen die richtige ist. 

o 
i h 

c 9 

d f 

d e 

Wir werden uns genau diesem Falle gegenübersehen und in demselben nach Analogieen mit grosser Wahr- 
scheinlichkeit aber nicht mit absoluter Sicherheit entscheiden. 





h 


a 
b 


9 
f 


c 


e 



II. Pnlaeontologischer Theil. 



51 



Die Zahl der aufgezählten Arten beträgt 39. 

Viv. alta Neum. 

„ altecariwita Brus. 

„ anceps Neum. 

^ ^ arthritica Neum. 

„ aulacophora Brus. 

„ avclhina Neum. 

„ halafonica Neum. 

„ hifarcinata Bielz. 

„ Brusinai Neum. 

„ ajriomnpliora Brus. 

„ Desmanniana Brus. 

„ eburnca Neum. 

„ Fuchsi Neum. 

„ grnndia Neum. 

„ Hirhichi Neum. 

„ Hönirsl Neum. 

„ leiostroca Brus. 

„ Lenzi Neum. 

„ Ugnitarum Neum. 

„ melanthopsis Brus. 



Viv. Mojsisovicsi Neum. 

,, Neummjri Brus. 

„ notlui Brus. 

,, oncophora Brus. 

„ ornata Neum. 

„ Ovulum Neum. 

„ pannonica Neum. 

„ Pauli Brus. 

„ Pilari Brus. 

,, rudis Neum. 

„ Sadleri Partsch. 

„ spuria Brus. 

„ sfriduratu Neum. 

„ Stvossinuiicriana Brus. 

„ Sturi Neum. 

,, Siiessi Neum. 

„ Vnkoti)iovici Frfld. 

„ Wolfi Neum. 

,, Zelehori Hörnes. 



Yivipara Neiimayri Brus. 

Tab IV. Fig. 1. 

1869. Vivipara unicolor Neumayr, Jahrb. der geol. Reichsanst. Bd. XIX. pag. 373. Tab. 13. Fig. 16. 
1874. „ Nmmayri Brusina, Binnenmollusken, pag. 74. 

Höhe 27»". 

Dicke 21°"". 

Höhe der letzten Windung 14"". 

Das konisch-eiförmige Gehäuse besteht aus fünf glatten, stark gewölbten, durch tiefe Nähte getrennten 
Umgängen, von welchen der letzte etwa die Hälfte der Gesammthöhe einnimmt ; eng genabelt. Embryonalwin- 
dungen abgeflacht, Mündung fast kreisförmig, oben winkelig. ' ) 

Ich hatte früher diese Form mit der in den östlichen Mittelmeerländern noch jetzt lebenden Viv. unicolor 
unrichtiger Weise vereinigt. Viv. nnirolor ist stets kleiner und unterscheidet sich durch etwas flachere Umgänge 
und spitzeres Embryonalgewinde. Immerhin bleibt letztgenannte Form das nächste lebende Analogon für unsere 
Art. Herr Brusina hat sich zuerst von der Unrichtigkeit meiner Identification überzeugt und hat den Namen 
Viv. Keumayri für die fossile Form aus Slavonieii aufgestellt. 

Sehr nahe verwandt mit Viv. NniuKiyn ist Vir. (tchatinoidcs aus den Congerienschichten der Krim, doch 
ist letztere ungenabelt und hat etwas niedrigeres, gedrückteres Gewinde. 

Ich betrachte Viv. Neumayri als den Ausgangspunkt einer grossen Menge verschiedener Formen, welche 
theils durch vollständige Uebergänge mit einander verbunden sind, theils sich so nahe stehen und so viele 
Beziehungen zeigen, dass eine directe Verbindung gewiss erscheint. Ueber die morphologische Zusammen- 
gehöi'igkeit kann ein Zweifel nicht existiren, dagegen ist, wie schon oben angedeutet, nicht mit absoluter 
Sicherheit festzustellen, welche als die Stammform zu betrachten ist, da die tiefste Abtheilung der Paludinen- 
schichten einen noch nicht weiter gegliederten Complex bildet, in welchem mehrere durch Uebergänge mit ein- 
ander verbundene Viviparen liegen. Es fehlt daher das entscheidende, das chronologische Kriterium für die 
Feststellung der Stammform, und es sind nur Wahrscheinlichkeits- und Analogieschlüsse, allerdings ziemlich 
gewichtiger Art, welche für meine Annahme sprechen. 

Von allen ^'iviparen unserer Ablagerungen ist Viv. Neumayri diejenige Form, welche dem gewöhnlichen, 
normalen Typus der Gattung mit gleichmässig gewölbten Windungen am nächsten steht, von dem alle anderen 



') Der Beschreibung jeder einzelnen Art beizufügen : „Mundränder zusammenhängend, einfach, scharf, halte ich fiir überflüssig. 

7* 



52 Dr. Neumayr u. C. M. Paul. Die Congerien- und PalHdincHsehichten Slnvoniens und deren Faunen. 

slavonischen Vorkommnisse, die etwa noch in Frage kommen könnten, durch plattgedrückte Windungen abweichen. 
Es müsste also wenn man Viv. Ncnmmjri nicht als Stammform betrachten wollte, eine andere Art als solche 
betrachten, welche von den gewöhnlichen Typen abweicht, in einem ihrer Nachkommen aber auf diesen zurück- 
schlägt. Ferner sind die Verwandtschaftsverhältnisse der Art, dass jedenfalls Viv. Ncumayri den Stammvater, 
wenn nicht aller so doch jedenfalls einer sehr grossen Anzahl der Formen mit abgeplatteten Windungen darstellt, 
da zwei grosse Gruppen derselben beide mit Viv. Neunuujri nicht aber unter sich durch Uebergänge verbunden 
sind, wie diess unten ausführlich dargestellt werden soll. {Vir. Suessi, pannoniec, hifarcinata u. s. w. einerseits, 
Viv. Fuchsi, Sadleri und ihre zahlreichen Verwandten andererseits.) Wird nun Viv. Neumayri nicht als Stamm- 
form betrachtet, so muss eine Form mit platten Seiten als solche angenommen werden. Aus ihr würde dann die 
gewölbte Viv. Neumayri und aus dieser wieder eine abgeplattete Form hervorgehen, eine Verkettung, die 
entschieden sehr unwahrscheinlich genannt werden muss. 

Ein dritter Grund endlich, welcher mich bestimmt Viv. Neumayri als Stammform zu betrachten, ist deren 
nahe Verwandtschaft mit einer geologisch etwas älteren Form desselben Faunengebietes, nämlich mit Viv. 
ackatinoides. 

Vivipara Neumayri ist nicht sehr häufig und verbi'eitet. Ganz typische Exemplare liegen mir nur von 
Öernek imd von Novska vor; an beiden Localitäten liegen sie im unteren Theil der Paludinenschichten im 
Hangenden des dortigen Lignites. An beiden Localitäten findet sie sich in einer ganz bestimmten Vergesell- 
schaftung von anderen Arten, von welchen die Mehrzahl an anderen Orten fehlen oder sehr selten sind. Diese 
Begleiter sind: Unio maximus, atavus., Hydrohia sepidcralis, Neritina transversalis, Lithoglyphns fmcus, 
Byihinia ientacidata. Mdanopsis decoUafa. Es scheint dies ein ganz bestimmtes Niveau zu sein, welches sich 
vermuthlich noch weiterhin wird verfolgen lassen. 

Ausserdem liegen mir nicht ganz sicher hierher gehörige Exemplare aus den unteren Paludinenschichten 
von M a 1 i n und aus dem Drinovskathale vor. 



Formenreihe der Viv. Suessi. 

Tab. IV, Fig. 2—21. Tab. V. Fig. 1—3. 

Von Viv. Neumayri aus entwickeln sich zwei verschiedene grosse Formenkreise, welche wir gesondert 
betrachten wollen. Die eine der Reihen, welche zunächst beschrieben werden soll, umfasst die folgenden Arten: 
Viv. Suessi, pannoniea, hifarcinata, stricfurafa, nofha, ornata, Uörnesi und Sturi. Die ganze Entwicklung 
besteht darin, dass zunächst die Umgänge sich abplatten und das Gewinde sich zuspitzt. Auf den Windungen 
bildet sich eine Einsenkung, dann über dieser unmittelbar unter der Naht ein Kiel, während der untere Theil 
der Umgänge aufgebaucht erscheint: allmählig tritt auch auf diesem gewölbten Theile ein Kiel auf, so dass jetzt 
die Windungen je zwei Längskiele tragen. Anfangs nur auf den letzten zwei Windungen vorhanden, ziehen sie 
sich immer weiter gegen das Embryonalende hinauf, schärfen sich zu und auf dem unteren von ihnen treten 
breitwellige, etwas von oben nach unten comprimirte Knoten auf (Viv. Hörnesi). Ausserdem tritt noch eine 
Seiten reihe auf, bei welcher keine Zuschärf ung der Kiele vorkömmt, sondern auf dem unteren derselben bilden 
sich rundliche Knoten aus [Viv. Sturi). Die ganze Reihe ist auf Tab. IV. Fig. 1 — 21 und Tab. V. Fig. 1—3 
dargestellt. 

Bei Novska und bei Öernek treten zusammen mit Viv. Neumayri Exemplare auf, welche um ein sehr 
geringes schmäler sind als die typische Form (Tab. IV. Fig. 2). Daran schliessen sich Stücke an, bei welchen 
das Gewinde etwas schlanker wird und auf der letzten Windung die erste Spur einer Kante auftritt. Die Spira 
ist aber noch immer gewölbt, nicht abgeplattet, und die Kante kaum merklich entwickelt, auch eine feine Spirals- 
streifung sowie die bei Viv. Suessi gleich zu schildernde Nabelbilduug ist schon in ihren Anfängen vorhanden, 
indem die Basis um den engen Nabel her eine leichte Kante bildet (Tab. IV. Fig. Ü). 

Die weiteren Uebergänge zu der nächsten Form sind überaus selten, so dass mir der Zusammenhang lange 
nicht klar wurde. Zunächst schliesst sich ein Exemplar von Novska an, bei welchem das Gewinde nicht 
stärker zugespitzt und dessen Windungen eben so stark gewölbt ist, als bei dem vorhergehenden Exemplare, 
nur der letzte Umgang ist etwas abgeplattet und die Kante auf demselben ein wenig mehr entwickelt; auch die 
den engen Nabel umgebende Kante ist etwas schärfer ausgesprochen und die Spiralstreifung deutlicher 
(Tab. IV. Fig. 4). Doch sind alle diese Unterschiede sehr geringfügiger Art. 

Hier schliessen sich nun zahlreiche Stücke ebenfalls von Novska an, bei welchen auch die höheren Win- 
dungen sich abflachen, ganz schwach treppenförmig abgesetzt werden, weiteren, schärfer begrenzten Nabel zeigen, 



II. Palaeontologischcr Theil. 53 

und bei welchen bisweilen im oberen Drittel der letzten Windung eine ganz Hache Einsenkung auftritt. Seit Viv. 

Neummjri ist dies die erste Form, welche gut fassbare Charaktere an einer Anzahl von Individuen zeigt und 
die ich daher unter gesondertem Namen als Vir. Suessi festhalte. 



Vivi'iHtffi St(essi Neuni. nov. form. 

Tab. IV. Fig. 5. 

Höhe 22""". 

Dicke 16""". 

Höhe der letzten Windung 12""°'. 
Das kegelförmige Gehäuse besteht aus vier glatten, flachen, schwach treppenförmig ahge.setzten Windungen, 
welche eine zarte Spiralstreifung und bisweilen im oberen Drittel der Höhe eine flache Einsenkung tragen. Die 
Seiten der letzten W^indung gegen die Basis sind mit einer stumpfen Kante abgesetzt. Mündung rundlich, oben 
zugespitzt. Nabelritze breit von einer deutlich ausgesprochenen Kante umgeben. 

Viv. Üiu'.<:si ist mir bis jetzt nur von Novska bekannt geworden, wo sie sich in den unteren Paludinen- 
schichten in der Nähe des Lignitflützes häuflg vorfindet. 

Von Tab im Somogyer Comitat in Ungarn, in der Nähe des Plattensee"s, liegt mir eine sehr nahe 
verwandte Form vor, die sich wahrscheinlich als eine geographisch-stellvertretende Abänderung von Vir. Suessi 
erweisen wird. Vorläufig liegen über deren Vorkommen u. s, w. keine Angaben vor, aus denen ein sicherer 
Schluss gezogen werden könnte, wesshalb ich die betreffende Form als Vir. Imlatonica provisorisch an unsere 
Formenreihe anschliesse. Weitere Untersuchungen werden über deren Bedeutung mehr Licht verbreiten. 



Vivipara halatonica Xeum. nov. form. 

Tab. IV. Fig. 6. 

Höhe 27""". 

Dicke lO-""". 

Höhe der letzten Windung 14"". 
Nahe mit Viv. Suessi verwandt unterscheidet sich Vir. halatonica durch bedeutendere Grösse, und das 
Fehlen der Spiralstreifen, vor allem aber durch sehr enge, fast ganz verdeckte Nabelritze die Abwesenheit einer 
die letztere umgebende Kante und in Folge dessen flachere Basis. 

Es liegen mir einige Exemplare von auffallend gleichförmigem Habitus von Tab im Somogyer Comitat, 
nahe am Plattensee in Ungarn vor, welche vermuthlich aus einem den unteren Paludinenschichten entsprechenden 
Horizonte stammen. Von anderen Fundorten ist mir Viv. halatonica nicht bekannt. 

Kehren wir zur Verfolgung unserer Foi'menreihe zurück so finden wir in den unteren Paludinenschichten 
des Öaplathales bei Podwin in Slavonien glatte Formen, welche sich an die am stärksten treppenförmig 
abgesetzten Formen von Vir. Suessi so nahe anschliessen, dass die Ziehung einer Grenze unmöglich wird 
(Tab. IV. Fig. 7). Aus diesen entwickeln sich dann Formen, bei denen die Windungen stärker treppenförmig 
abgesetzt sind, und die in Folge dessen nicht mehr die reine Pyramidenform von Vir. Saessi zeigen. Die Umgänge 
sind mehr gewölbt und die auf der Grenze von Basis und Flanken des letzten unter ihnen stehende Kante 
undeutlich. Ich scheide diese weit verbreitete Form als Viv. pannonica aus. 



Vivipara pannonica Ifeuni. nov. form. 

Tab. IV. Fig. 8. 

a i 

Höhe 22 24. 

Dicke 17 17. 

Höhe der letzten AViudung 11,5 12. 

a Typisches Exemplar, h abnorm schlanke Form. 
Das glatte, konisch eiförmige Gehäuse besteht aus 4— 4\/.2 schwach gewölbten, treppenförmig abgesetzten 
Windungen, von welchen der letzte ungefähr die Hälfte der ganzen Höhe einnimmt. Auf den Flanken der Win- 



54 Dr. Neu7nayr und C. M. Paul. Dir Congcrien- und Paludinenschichten Slavoniena und deren Faunen. 

düngen gegen die Basis zu eine undeutliche Kante, und eine zweite stärker ausgesprochene um die ziemlich 
weite Nabelspalte. Mündung breit, oval, gegen oben etwas zugespitzt. 

Vir. pannonica fand sich in grosser Menge in den unteren Paludinenschichten im Hintergrunde der Capla. 
wo sie mit Viv. Fnehsi. nnthraropliila, Melanopsis harpida und Sandlicrf/cri zusanunen vorkömmt. Weitere Exemplare 
liegen mir noch vor von Novska (untere Paludinenschichten), Repusnica (ohne genaue Niveauaugabe), 
Drinovskathal (ohne Niveauangabe) in Westsla vonien, und von Karlowitz in Syrmien. Endhch hat 
sich ein wahrscheinlich hierher gehöriges, beschädigtes Exemplar im untersten Theile der mittleren Paludinen- 
schichten Westslavoniens zusammen mit Viv. hifarcinata bei Malino gefunden. 

Noch ist eine seltene Abänderung von Viv. pminimica zu erwähnen, welche den Uebergang zu der nächsten 
Form vermittelt. Einzelne Exemplare aus dem Caplathale zeigen nämlich eine schwache Einsenkung im 
obersten Drittel der letzten Windung, wodurch der Anfang zur Bildung eines Kieles unter der Naht gegeben ist 
(Tab. IV. Fig. 9). Damit schliesst die Reihe der hieher gehörigen Formen aus den unteren Paludinenschichten 
ab. Auf der Grenze gegen die mittleren Paludinenschichten liegt ein ganz oder fast ganz versteinerungsleerer 
gelber Sand und erst über diesen beginnen wieder fossilführende Ablagerungen. In Folge dieser Unterbrechung 
sind die Uebergangsformen sehr selten aber dennoch vorhanden. Die beiden Zeichnungen (Tab. IX. Fig. 2. 3.) 
•zeigen die einander am nächsten stehenden Individuen. ^) Die F^insenkung auf den Flanken der Windungen wird 
tiefer, das Gewinde spitzer, die Nabelspalte enger und es entwickelt sich die Form, auf welche Fuchs den 
Namen Vir. hifurcinata Bielz angewendet hat. 



Vivipara bifarcinata Bielz. 

Tab. IV. Fig. 10. 11. 

1864. Vir. hifarcinata Bielz. Verhandlungen des siebenbürg. Vereins für Naturwissenschaften, pag. 77. 
1870. „ „ F'uchs, Jahrb. der geol. Reichsanst. Bd. XX. pag. 347. Tab. 17. Fig. 3. 4. 

1874. „ „ Brusina, Binnenmollusken, pag. 79. 

Diese Form ist durch die Beschreibung von Fuchs festgestellt, auf welche ich hier verweise. Der einzige 
Unterschied der slavonischen Exemplare gegen die Abbildung von Fuchs, welche ein Stück von Radmanest 
im Banat darstellt, besteht in schlankerer weniger gerundeter Gestalt der ersten Windungen. 

In Westslavonien findet sich Viv. hifarcinata an der Basis der mittleren Paludinenschichten, wo sie 
einen sehr constanten Horizont bildet. Sie liegt mir in zahlreichen Exemplaren von Sibin, Becic, Malino 
und Varos vor. Fuchs führt sie von Radmanest bei Lugos im Banat an, wo sie aber nach dem 
Charakter des die Mündung ausfüllenden Gesteines nicht in derselben Schicht, wie die übrige reiche Fauna von 
Radmanest zu liegen scheint. Bielz hat sie von Levesz bei Krajova in der Wal lach ei beschrieben. 

Aus Viv. bifarcinata entwickeln sich allmählig Formen mit höherem, schlankerem Gewinde, stärkerem 
Kiele und tieferer Einsenkung auf den Flanken, welche zu Vir. stricturata hinüberführen (Tab. IV. Fig. 12.). 
Diese Uebergangsformen liegen theils mit Vir. hifarcinata beisammen, theils finden sie sich vereinzelt in einem 
gesonderten Niveau zwischen den Schichten mit Viv. hifarcinata und denjenigen mit Viv. stricturata z. B. bei 
Cigelnik. 

Vivipara stricturata Netini. 

Tab. IV. Fig. 13, 14. 

1869. Viv. stricturata Neumayr, Jahrb. der geol. Reichsanst. Bd. XIX. pag. 375. Tab. 14. Fig. 6. 
1874. „ „ Brusina, Binnenmollusken, pag. 79. 

Ich habe diese Art schon früher hinreichend beschrieben. Man kann sie geradezu als eine in allen ihren 
Merkmalen in's Extrem gesteigerte Viv. hifarcinata bezeichnen. In Westslavonien nimmt sie ein sehr 
bestimmtes Lager in der Mittelregion der mittleren Paludinenschichten ein. Aus diesem Horizonte liegt sie mir 
in Menge vor von Sibin, Gromacnik, Cigelnik, Malino und Slobodnica. Ohne genaue Niveauangabe 
kenne ich sie von RepuJnica, Novska und Kovacevac in Westslavonien, aus der Kulpagegend in 
Croatien und aus der Wallachei. 



') Diese zwei Exemplare sind nicht im Zuaaininenhange mit dem Reste der Formenreilie abgebildet, da ich sie erst aufgefunden 
habe nachdem Tab. IV. schon beendet war. 



II. Palaeontologischer Theil. 55 

Bei Sibin wurde Vlv. stridurafd dem Lager uaeh nicht getrennt von einer anderen Form, Viv. notJia, 
in welche erstere allmählig dadurch übergeht, dass das Gewinde etwas an Schlanlvheit verliert, die untere 
bauchige Partie der Windungen sich zuschärft und ebenfalls einen Kiel erhält. (Tab. IV. Fig. 15.) An anderen 
Orten konnte Viv. nothn auch dem Lager nach gut von Viv. stridurata getrennt werden, z. B. bei Malino, 
wo sie im oberen Theile der mitttleren Paludinenschichten liegt. 

Vivipava iiotha BfHS. 

Tab. IV. Fig. 16. 

1874. Vit: notha Brusina, Binnenmollusken, pag. 82. Tab. 7. Fig. 5. C>. 

Höhe 31""". 

Dicke 22""". 

Höhe der letzten Windung li"""". 
Das mit einer sehr engen Nabelritze versehene, kegelförmige Gehäuse, besteht aus sechs treppeuförmig 
abgesetzten Windungen, von denen die oberen abgerundet, die drei unteren mit je zwei sehr kräftigen, stumpfen 
Längskielen versehen sind, wodurch diese Umgänge ein eckiges Ansehen erhalten. Ausserdem verlaufen zarte 
Längsstreifen auf der Oberfläche der Schale und finden sich auf der Basis zwei schwache Kiele angedeutet. 
Mündung etwas schräg gestellt, breit, oval, oben und unten etwas zugespitzt. 

Vorkommen häufig im oberen Theile der mittleren Paludinenschichten von Malino. Li Cigelnik fehlt 
die echte Viv. notha, aber Uebergangsformen zwischen Viv. stridurata und notha liegen über der Bank mit 
der echten Viv. stridurata. Bei Sibin und Gromacnik, von wo Viv. notha in Menge vorliegt, ist eine 
Scheidung ihres Lagers von dem der Viv. stridurata noch nicht durchgeführt, vielleicht aucli nicht durchführbar. 

Bis hierher entwickelt sich die Pieihe der Formen von Viv. Neumayri bis zu Viv. notha., ohne dass ein 
bedeutender Seitenast sich abzweigt. Gehen wir von Viv. notha noch weiter, so finden wir, dass aus ihr in zwei 
räumlich von einander getrennten Becken verschiedene Formen sich herausbilden. In dem geologischen Theile 
ist hervorgehoben, dass in Westslavonien bei Stupnik durch ein Vorspringen der älteren Tertiärbildungen, 
welche den Nordrand des Seebeckens der Paludinenschichten bilden, auf der einen Seite, durch das Vortreten 
des Gneissstockes der M o t a i c a am bosnischen Südufer der Save andererseits das Savebecken sehr stark ein- 
geengt erscheint. Dadurch zerfällt das grosse westslavonische Bassin in zwei weite Buchten, von denen die eine 
die Ablagerungen von Repusnica, Novska, Neu-Gradisca, Cigelnik und Malino, die andere diejenigen 
von Slobodnica, Gromacnik, Sibin, Capla, Podwin, Tomica und Oriovac umfasst. Beide sind nur 
durch die schmale Strasse zwischen der Motaica und Stupnik mit einander in Verbindung. 

Jedenfalls bildet eine derartige Einengung ein relatives Hinderniss der Communication zwischen den 
Bewohnern der zwei Theilbecken. Gegen Ende der Ablagerungen der mittleren Paludinenschichten muss durch 
ein Sinken des Wasserspiegels oder einen anderen äusseren Einfluss die Verbindung noch mehr eingeengt worden 
sein als das früher der Fall war. Li Folge der Aufhebung oder Erschwerung der nivellirenden Wechselkreuzung 
konnten aus der bisher geschlossenen Formenreihe zwei verschiedene Arten der Ausbildung hervorgehen. 

Betrachten wir den weiteren Verlauf zunächst im westlichen Becken. Hier finden sich schon in den Schichten 
mit Viv. notha von Malino einzelne Exemplare der genannten Art, welche auf dem unteren der beiden Kiele, 
welche jede Windung trägt, einen Anfang von Knotung zeigt. (Tab. V. Fig. 1.) Diese Knoten werden stark und 
stärker und es entwickelt sich die Form, welche ich schon früher als Viv. Sturi beschrieben habe, und welche 
mit Ausnahme eines ganz sporadischen Vorkommens ganz auf den westlichen Theil des westslavonischen Beckens 
und das noch weiter nach dieser Richtung gelegene croatische Gebiet beschränkt ist. 



Vivipara Sturi Neuni. 

Tab. V. Fig. 2. 3. 

1869. Viv. Sturi Neumayr, Jahrb. der geolog. Reichsanst. Bd. XIX. pag. 377. Tab. 14. Fig. 12. 
1874. „ „ Brusina, Binnenmollusken, pag. 85. 

Ich habe diese Form schon früher beschrieben und verweise auf das, was ich damals zu ihrer Charakteri- 
sirung gesagt habe. Von Vivipara notha unterscheidet sie sich durch stets etwas kleineren Wuchs, vor allem 
aber in sehr auffallender Weise durch die sehr kräftigen, gerundeten Knoten, welche auf dem unteren Kiele 
stehen. 



56 Br. Neumayr u. C. M. Paul. Die Congerien- und Paludinenschichten Slavoniens und deren Faunen. 

Bemei'kenswerth ist, dass bei der allmähligen Umänderung von Viv. notha in Viv. Stiiri der Beginn der 
Knoten nicht in der Nähe der Mündung sondern auf der Grenze zwischen der letzten und vorletzten Windung 
zuerst auftreten. 

Vir. Sturi könunt im westlichen Theil des westslavonischen Beckens an der Basis der oberen Paludinen- 
schichten vor. In diesem Niveau findet sie sich in Malin o häufig vor. noch weit mehr aber bei Cigelnik, 
wo man sie nach Tausenden sammeln kann. Ausserdem liegt sie mir ohne genaue Niveauangabe von Novska 
vor. Aus den croatischen Paludinenschichten erhielt ich ein Exemplar von Farkasic. Endlich haben sich ganz 
isolirt im östlichen Theil des westslavonischen Beckens zwei Exemplare gefunden. Sie wurden ganz nahe an der 
Grenze der beiden Beckenliälften gesammelt, an der Localität Sibin, wo sie sich in der Schachthalde mit sehr 
vielen Exemplaren von Vir. .stfiefiirafa, notha, oncophora u. s. w. fanden. Nach der von den anderen Fossilien 
ganz verschiedenen Erhaltung und Farbe müssen sie aus einem besonderen Niveau stammen. Ihr Vorkommen bei 
Sibin deutet an, dass auch zur Zeit der Ablagerung der Schichten mit Viv. Sturi die Isolirung der beiden 
Beckenhälften keine vollständige war. 

Während in den westlichen Gegenden Viv. notha in dieser Weise sich umbildete, ging eine Veränderung 
anderer Art im Osten mit derselben vor. Die stumpfen Kiele schärfen sich zu, springen stärker vor, und ziehen 
sich weiter gegen das Embryonalende hinauf, so dass nur die letzte Windung gerundet bleibt. Durch allmählige 
Uebergänge, bei welchen diese Merkmale nach und nach auftreten (Tab. IV. Fig. 17. 18.), entwickelt sich eine 
neue Form, Vivipara ornata, welche im östlichen Theil von Slavouien Viv. Sturi vertritt. 



Tivipara ornata H^eum. not\ form. 

Tab. IV. Fig. 19. 

1869. Viv. Hörnesi Neumayr, pars. Jahrb. der geol. Reichsanst. Bd. XIX. Tab. 14. Fig. 13. (non Tab. 1-4. 
Fig. U. 

Höhe 34°"°. 

Dicke 25°"°. 

Höhe der letzten Windung 15""'. 

Das kegelförmige mit massiger Nabelritze versehene Gehäuse besteht aus sechs stark treppenförmig abge- 
setzten Windungen, von denen nur die oberste glatt und gerundet, alle andern mit zwei scharfen, stark vor- 
springenden Kielen und in Folge dessen stark eckig; jeder der Kiele trägt auf seinem Kamine eine Reihe dicht 
stehender, feiner, tief eingestochener Punkte. Auf der Basis tritt noch ausserdem ein schwächerer Kiel auf, der 
sich bisweilen in zwei einander sehr genäherte auflöst. Mündung wenig schräg stehend, breit oval, etwas 
winkelig. 

Viv. ornata findet sich in grosser Menge in den Unionenschichten der Ö a p 1 a bei P o d w i n mit Viv. 
Filarie Unio Pilari, VuJcotinovici, thalassinus u. s. w. Ferner im Strassengraben zwischen Sibin und 
Gromaiünik. Im westlichen Theile von Westslavonien findet sie sich vereinzelt bei Novska. 

Schon in den Unionensanden der Öapla finden sich nicht selten Stücke, bei welchen der untere Kiel sich 
in Knoten aufzulösen beginnt und zwar zeigen sich die Anfänge hiezu zuerst auf der Grenze vom letzten und 
vorletzten Umgang. Allmähüg nimmt die Knotung zu (Tal). IV. Fig. 20.) und es entwickelt sich Viv. Hörnesi., 
die jedoch in typischer Entwicklung in der Capla sich nicht mehr findet. 



Vivipara Hörnesi Neum. nov. form. 

Tab. IV. Fig. 21. 

1869. Vir. Hörnest Neumayr, Jahrbuch der geol. Reichsanstalt. Bd. XIX. Tab. 14. Fig. 14. (non Tab. 14. 

Fig. 13.) 
1874. „ „ Brusina, Binnenmollusken, pag. 84. 

Vivipara Hörnesi ist mit Viv. ornata sehr nahe verwandt, und ich habe sie früher mit einander vereinigt. 
Der Unterschied zwischen beiden besteht darin, dass bei ersterer Art der untere Kiel auf den T/a letzten Win- 
dungen in eine Reihe breiter, kräftiger, welliger, von oben nach unten platt gedrückter Knoten aufgelöst ist. 

Dieser Unterschied, physiologisch vielleicht sehr bedeutungslos aber leicht in die Augen fallend und mit 
einem steten Unterschied des Lagers in Verbindung nöthigt mich beide I'ormen zu trennen. Von Viv. Sturi 



II. Falaeontologischer Tlieil. 57 

unterscheidet sich Viv. Hörnesi leicht durch Kielung aller Windungen mit Ausnahme des letzten, Schärfe des 
oberen Kieles, und minder wulstige, von oben nach unten comprimirte Knoten. 

Gleichzeitig mit dem Auftreten von Vir. Hörni'si scheint die Verbindung zwischen dem östlichen und west- 
lichen Becken wieder hergestellt worden zu sein ; Vir. Hiirwsi drang nach Westen vor und verdrängte J7r. Sfuri, 
so dass sie ein gesondertes Niveau über letzterer einnimmt: auch im Osten nimmt sie ein besonderes Lager ein, 
so dass wir hier wieder einen durch ganz Westslavonien verbreiteten Horizont haben, welcher überall unter den 
Schichten mit Vir. Zdchori liegt (vergl. den geologischen Theii). 

Viv. Hörmsi findet sieb in den ünionensanden im Graben hinter der Kirche von Podwin in grosser Menge, 
doch so bröcklig, dass es schwer hält ganze Exemplare zu erhalten; im Strassengraben zwischen Sibin und 
Gromacnik; in grosser Anzahl bei Cigelnik. wo sie über den Schichten mit Vir. Stnri und unter denjenigen 
mit Viv. Zelehori ihr Lager hat; in ganz vereinzelten E.xemplaren reicht sie bei Cigelnik auch in die Schichten 
mit Viv. Zelehori hinauf: ein E.xemplar aus den Schichten mit Viv. Sturi von Malino; ferner ohne genaue 
Niveauangabe von Novska und Repusnica. 

Mit Vir. Hörnesi schliesst unsere Formenreihe ab; im oberen Theil der oberen Paludinenschichten treten 
keine neuen Formen mehr auf, die sich hier anschliessen ; Viv. Hörnesi wird durch andere Viviparen-Ty])en ver- 
drängt, und mit ihr stirbt, wenigstens soweit unsere Kenntnisse reichen, die ganze Reihe aus. 

Das Anfangsglied stellt eine ganz echte Viripara dar, während die Endglieder mit voller Entschiedenheit 
zu der jetzt in Nord-Amerika lebenden Untergattung Tulotoma gestellt werden müssen; wir sehen also zwei 
Formen, so extrem verschieden sie innerhalb der Gattung Viripara nur vorkommen, durch Uebergänge verbunden. 
Will man die Untergattung Tnlotomn annehmen, so wird man die Grenze zwischen ihr und Viripara am besten 
da ziehen, wo zum ersten Male ein deutlicher Kiel auftritt, also bei Vir. hifureimda. so dass diese, sowie Viv. 
stricturata. nofha. Shtri. ornata und Hörnesi ebenso gut auch als Tuhfomen angeführt werden können. Ueber den 
Werth oder ITnwerth von Tnlotomn werde ich mich unten am Schlüsse der Beschreibung der Paludinen aus- 
spreclien und will hier nur bemerken, dass diese Untergattung oder Gattung jedenfalls weit berechtigter erscheint, 
als die oben besprochenen bei Melanopsis vorgenommenen Spaltungen; wir werden jedoch die merkwürdige 
Beobachtung machen . dass nicht nur die hier eben beschriebene sondern noch zwei andere Forraenreihen von 
Viviparen in ihren Endgliedern Tiilofonien liefern und erst durch die Berücksichtigung dieses Verhältnisses wird 
ein richtiges Verständniss ermöglicht. 



Formengruppe der Yivipara Fuchsi Neum. 

Ausser der eben beschriebenen Formenreihe der Vir. Surssi lassen sich noch mancherlei andere Formen 
durch direkte und vollständige Uebergänge auf Vir. Neumayri als Stammform zurückführen; namentlich ist es 
eine grosse Anzahl glatter Arten, welche sich anschliessen. deren Beziehungen zu einander zu entwirren jedoch 
hier weit mehr Schwierigkeiten bietet als dies bei der Formenreihe der Vir. Snessi der Fall war. Der Grund 
hiefür liegt darin, dass fast alle näheren Angaben über das Lager der einzelnen Formen und deren zeitliche Auf- 
einanderfolge fehlen; die Mehrzahl des Materials stammt nicht aus dem von uns untersucditen Theile West- 
slavoniens. so dass alle Angaben fehlen, und auch für die von uns selbst gesammelten Vorkommnisse steht die 
Sache nicht viel besser, da fast Alles aus den unteren Paludinenschichten stammt, in denen eine Detailgliederung 
bis jetzt noch nicht gelungen ist. 

In der Mehrzahl der Fälle allerdings sind die morpliologischen Bezieliungen so klar , dass über die wahre 
Verwandtschaft und über die Art der Entwickelung der Reihen auseinander trotz der eben genannten Schwierig- 
keiten kein Zweifel bestehen kann, doch bleiben einige Formen übrig, über deren ganz präcise Stellung ich noch 
im Zweifel bin, wenn auch die Zugehörigkeit zu demselben genetischen Ganzen ausser Zweifel ist. 

Die Arten welche ich hierher rechne sind sehr zahlreicii und aus einem ausgedehnteren Areal bekannt, als 
das bei den meisten Angehörigen der Formenreihe der Vir. Siiessi der Fall war. 

Vir. Fuchsi Neum. Vir. ovuJuw Neum. 

„ SndJeri Bartsch. „ ci/rtotiKqAora Brus. 

„ Lensi Neum. „ Wolfi Neum. 

„ Mojsisovicsi Neum. „ spuria Brus. 

„ Herhichi Neum. „ ehuruea Neum. 

„ VuJcotinovici Frfld. ,, lignitarutn Neum. 

„ Pauli Brus. „ amhif/ua Neum. 

Abhandlungen der k. U. geolo^. Iteichsanstalt. (Neumayr u. Paul.) Band VII. 3. Heft. g 



58 T>r. Neumayr u. C. M. Paul. Die Congerien- und Pahidinenschlchfen Slavoniens und deren Faunen. 

Vit\ aulacophora Bius. Viv. yrandis Neum. 

„ leiostmca Erus. „ rata Neum. 

An den Fundstellen der typischen Vir. Ncumcnjri bei Novska und Cernek finden sich. Exemplare, bei 
welchen die letzte Windung sich leicht abplattet und abtlacht, wahrend die oberen Windungen ganz die gewölbte 
Gestalt behalten; dieser Charakter tritt immer stärker hervor (Tab. V. Fig. 4), so dass endlich ein ziemlicher 
Contrast zwischen dem letzten Umgang und seinen Vorgängern hervortritt. Es resultirt diejenige Form, welche 
früher als Viv. concinna citirt wurde und für welche ich spater den Namen Vir. Fuchsi gegeben habe. 



Vivipara Fuchsi Neumayv. 

Tab. V. Fig. 5. 

1857. Paludina concinna Hörnes, Fossile 3iIollusken des Wiener Beckens. Bd. I. Tab. 47. Fig. 17. 

1869. Vitiipam concimui Neumayr, Jahrb. der geolog. Reichsanst. Bd. XIX. pag. 373. Tab. 14. Fig. 4. 

1872. „ Fuchsi Neumayr, Verhandl. der geolog. Reichsanst. pag. (iO. 

1873. „ loxostoma Sandherger, Land- und Süsswasserconch. Tab. 31. Fig. 21. 

1874. „ Fuchsi Brusina, Binnenmollusken, pag. 75. 

In der treftlichen Beschreibung, welche Hörnes a. a. Orten gibt, ^) habe ich nichts hinzuzufügen, und ich 
brauche daher nur die Namensänderung zu inotiviren. Vir. concinna ist von Sowerby aus den Barton-Schichten 
Englands beschrieben worden und die Identificirung mit den so sehr viel jüngeren Vorkommnissen des Wiener 
Beckens ohne Verglejch von englischen Origiualstücken nach der mangelhaften Zeichnung der Mineral-Conchology 
wegen der Abplattung der letzten Windung vorgenommen. Allein schon die Sowerby'sche Abbildung zeigt einen 
bedeutenden Unterschied gegen die Art der Congerienschichten in dem spitzen Embryonalgewinde. Ausserdem lässt 
ein englisches Exemplar, welches mir vorliegt, in dem Verhältniss der Windungen zu einander Differenzen erkennen, 
indem bei diesem der letzte Umgang zwar abgeplattet ist aber in demselben Verhältniss in die Breite wächst als 
die TOrhergehenden, während bei Viv. Fuchsi die oberen Windungen breit kuppeiförmig gerundet sind, die letzte 
aber eine Abnahme des Zuwachses in die Breite zeigt. In Folge dessen ist die Gesamintform von Vii\ concinna 
viel entschiedener kegelförmig, das Gewinde schlanker als bei Viv. Fuchsi mit ihrer kugelig eiförmigen Gestalt 
und ihrer breit gerundeten Spira. 

In den unteren Paludinenschichten von Öernek, Malino und Novska linden sich ziemlich selten 
Uebergangsformen zwischen Vir. Fuchsi und Neumai/ri und auch einzelne typische Exemplare der ersteren. Häufig 
ist Viv. Fuchsi in Slavonien nur in dem hinteren Theile des Caplathales bei Brood, wo sie in den 
unteren Paludinenschichten mit T7('. kiostraca und pannoiiica zusammen vorkömmt. F)ndlich fanden sich einige 
charakteristische Stücke bei Malino im tiefsten Thede der mittleren Paludinenschichten, in dem Niveau nut Vir. 
hifureinata und melanthopsis, dieses Vorkoumien ist namentlich deshalb bemerkenswerth, weil es den einzigen bis 
jetzt constatirten Fall bildet, in welchem eine Vivipara der unteren Paludinenschichten in typischen Vertretern in 
die mittlere Abtheilung des Complexes hinaufreicht. 

Im Wiener Becken kommt Viv. Fuchsi ganz übereinstimmend mit der slavonischen Form bei Moosbrunn 
zusammen mit HijdroUa sepulcralis und Valvata piscinalis vor ; über die Beziehungen dieser Schichten von Moos- 
brunn zu den Congerienschichten des W^iener Beckens und zu den Ablagerungen Slavoniens wird später die 
Rede sein. 



Von Viv. Fuchsi nehmen zwei Formenreihen ihren Ursprung, deren nächste Glieder Viv. leiostmca in 
der einen, Viv. Sadleri in der anderen Reihe sind; diese letztgenannte Art bildet einen ausserordentlich 
wichtigen Knotenpunkt für die ganze weitere Entwickelung, von welchem eine Menge verschiedener Reihen ihren 
Ausgang nehmen. 

Unter den Exemplaren von Viv. Fuchsi finden sich einige, bei welchen die Depression und Verflachung 
sich nicht auf den letzten Umgang beschränkt, sondern allmählig sich auch über den vorletzten Umgang ver- 
breitet (Tab. V. Fig. Iti); die Abplattung wird stärker und es zeigen sich die ersten Spuren einer treppen- 
förmigen Absetzung der Umgänge, während gleichzeitig das Embryonalende niederer, flacher und breiter gerundet 
wird (Tab. V. Fig. 17); auf die Form, welche endlich sich herausbildet, habe ich den alten Namen Viv. Sadleri 
übertragen. 



') Dagegen übertreibt die H<irnps'schc Zeichnung lüe Abplattunjj ilcr letzten WimUmg. 



II. Pitlaeontologischer Thcil. . 59 

Vhnpai'a Sadleri Partsch. 

Tab. V. Fig. 18. 

1869. Vivipara Sadleri (Partsch) Neumavr, Jahrb. der .geol. Reichsanst. pag. ;)74. Tab. XIV. Fig. 3. (non ibidem 

Tab. XIII. Fig. 17.. non Tab. XIV. Fig, 2.) 
1874. „ r Brusina, Binnenniolluskeu. pag. 78. 

In vielen geologischen Abhandlungen fand sich der Manuscriptname Vir. SntUrri Partsch citirt. ohne dass 
je eine Beschreibung der Form gegeben worden wäre , und es wurden so ziemlich alle Paludinen aus Paludinen- 
schichten von Ungarn, Slayonien u. s. w. unter dieser Bezeichnung zusammengefasst. In meiner ersten Arbeit 
über die slavonischen Süsswasserconchylien griff ich diesen Namen auf und verwendete ihn, da keine Definition 
vorlag, in ganz willkürlicher Weise für eine Anzahl von glatten Formen, die obwohl sehr weit von einander ver- 
schieden doch durch Uebergänge verbuntlen waren. Seither habe ich mich zur Genüge überzeugt, dass man durch 
consequente Anwendung des Grundsatzes, dass Alles was durch Uebergänge verbunden ist, vereinigt werden müsse, 
stets ad absurdum geführt werde, und theile daher die früher von mir als Viv. Sailliri zusamraengefasste Gruppe, 
wobei ich den genannten Namen für die verbreitetste Form beibehalte ; ich lasse hier deren Beschreibung folgen. 

Höhe 25,5°". 

Dicke 17""". 

Höhe der letzten Windung 12,5™°». 
Das abgerundet kegelförmige Gehäuse besteht aus 5 glatten Windungen, von welchen die beiden letzten 
an den Seiten flach und schwach treppenförmig abgesetzt, die oberen gewölbt und niedergedrückt sind. Die Höhe 
der letzten Windung kömmt derjenigen der Spira ungefähr gleich. Die Anwachsstreifen laufen von der Naht stark 
nach rückwärts ; die Mündung bildet ein Dreieck mit abgerundeten Ecken der Basis. 

In Westslavonien ist die ächte Viv. Sadleri sehr selten, doch ist gerade dieses Vorkommen von Wichtig- 
keit, da wir hierdurch genaue Angaben über das Niveau dieser verbreiteten Form erhalten. Sie findet sich ziemlich 
selten an der Basis der mittleren Paludinenschichten mit Vir. hifarcinata \x\\A mdanthopsif^ bei Malino: ausser- 
dem habe ich ein Exemplar ohne genaue Niveauangabe von Eepusnica. Weit grössere Verbreitung hat die 
Form ausserhalb Westslavoniens ; sie liegt mir vor von Görgetek in Syrmien (die typische Form selten), und in 
grosser Menge aus der Plattenseegegend von Kenese und Zala Apati, ferner von Arapatak in Siebenbürgen. 

Unter den kleineren Formenreihen, welche sich von Vir. Sadleri abzweigen, ist zunächst eine, welche damit 
beginnt, dass das bei der typischen Art kaum merklich treppenförmig abgesetzte Gehäuse dieses Merkmal immer 
mehr hervortreten lässt ; unter diesen abändernden Individuen finden sich nun solche, bei welchen die Spira sich 
mehr und mehr verkürzt, während dieselbe bei anderen sich gleich bleibt; nach diesem Merkmale tritt dann 
allmählig eine Differenzirung in zwei Seitenäste ein, welche übrigens beide darin übereinstimmen, dass das Em- 
bryonalgewinde mehr und mehr flach abgerundet erscheint. Das Extrem der einen Seitenreihe mit dem sich an 
Höhe gleichbleibenden Gewinde ist als Vtr. spuria Brus. bezeichnet, der Reihe mit verkürzter Spira gehören 
Vir. q/rtomapliora Brus. und Wolfi Neum. an ; directe Mittelglieder zwischen den Endformen beider Reihen fehlen, 
sondern sind imr indirect über die mit Vir. Sadleri noch nächst verwandten Formen vorhanden. 

Die Zeichnung Tab. V. Fig. 19 zeigt Vir. Sadleri im ersten Stadium der Abänderung gegen Viv. rijrto- 
maphora hin, indem die Spira etwas kürzer, die Windungen etwas deutlicher treppenförmig erscheinen. Noch mehr 
ist diess bei den Tab. V. Fig. 20 abgebildeten Exemplare der Fall, bei welchem auch das Embryonalende sich 
abflacht und die Seiten der Windungen sich etwas senkrecht stellen; alle diese Abweichungen steigern sich noch 
etwas und wir erhalten als Endglied der Reihe Vir. ci/rtomaphora mit ihrer eigenthümlichen Gestalt. 

Vivipara cyrtoniaphoya Brusina. 

Tab. VI. Fig. 2. 

1874. Vivipara njrtomaphora Briisina, Binnenmollusken pag. 78. Tab. I. Fig. 15. Iti. 



mm 



HöheO - 25' 

Dicke 22"°' 

Höhe der letzten Windung 14"" 



') Die Spitze ist etwas abgerieben, docli beträgt die hiedurcli bervorgebrachte Differenz sicher nicht mehr als einen halben Millimeter. 

8* 



60 Br. Ncuimiyr und C. M. Faul. Die Congcrien- und Faludimnschichtcn Slucoiiiens und deren Faunen. 

Das dicke, breite, eiförmige, eiignabelige Gehäuse besteht aus 5 glatteu, stark treppeniörinig abgesetzten, 
durch tiefe Nähte von einander getrennten Umgängen, von welchen der letzte die Spira an Höhe übertritlt und 
senkrecht abfallende Seiten hat; diese letztere Eigenschaft bedingt die höchst eigenthüniliche äussere Gestalt des 
Gehäuses. Das Embryonalende ist breit gerundet, die eiförmige Mündung steht schi'ef und ist am oberen Ende 

zugespitzt. 

Viv. ci/rtoinaphora ist mir nur von den Ufern des Plattensee's bekannt, wo sie bei Fongod häutig, etwas 
seltener bei Kenese vorkönmit. 

Von der Tab. V. Fig. 20. abgebildeten Form zweigt sich neben Viv. rijrtomaphom noch ein zweiter Typus 
ab; es stellen sich Formen ein, bei welchen die letzte Windung statt flacher zu werden und sich senkrecht zu 
stellen, mehr und mehr gewölbt und aufgeblasen wird; die Windungen setzen sich stark treppenförmig ab, die 
Spira verkürzt sich bedeutend und das Embryonalgewinde rundet sich nicht zu; eine derartige Form ist auf 
Tab. VI. Fig. :3. abgebildet. Durch fortgesetzte Steigerung dieser Merkmale entsteht: 

Vivipara Wolfi !Neuiu. noc. f'ot'in. 

Tab. VI. Fig. t. 

Höhe 20-5°"". 

Dicke 1 8°"". 

Höhe der letzten Windung 13""'. 

Das eng genabelte, kugelig-kegelförmige Gehäuse besteht aus 5 glatten, gewölbten, stark treppenförmig ab- 
gesetzten Windungen, von welchen die letzte das Gewinde bedeutend an Höhe übertritit ; die Umgänge sind durch 
tief eingesenkte Nähte von einander getrennt; Embryonalende nur wenig abgeflacht; Mündung etwas schräg ge- 
stellt, eiförmig, oben zugespitzt. 

Viv. Wolfi ist bis jetzt auf Syrmien beschränkt, wo sieBergrath Wolf au den Räuberlöchern bei Karlowitz, 
Dr. Lenz bei Görgetek unweit Yirek sammelte. 

Gehen wir wieder auf Vir. Sadkri zurück, so linden wir wie schon oben erwähnt wurde, unter denjenigen 
Exemplaren, die sich durch treppenförmiges Gewinde von dem Typus zu entfernen, auch solche, bei welchen das 
Verhältniss zwischen der Höhe der letzten Windung und derjenigen der Spira sich gleich bleibt; eine weitere 
Abweichung welche sich einstellt, besteht darin, dass die Windungen mehr und mehr senkrecht abfallen (Tab. V. 
Fig. 21.); das Endglied der Reihe glaube ich als Viv. spurin Brus. bezeichnen zu dürfen. 

Vivipara spuria Brusina, 

Tab. V. Fig. 12, 13. Tab. VI. Fig. 1. 

1869. Vivipara Sudlcri, Neumayr (pars.) Jahrb. der geol. Reichsanst. pag. 374. Tab. 13. Fig. 17. 
1874. „ spuria Brusina, Binnenmollusken pag. 77. 

Höhe 28°"". 29""". 

Höhe der letzten Windung 14""". lö"""". 

I. Exemplar von Repusnica in Westslavonien. 
II. Exemplar von Görgetek in Syrmien. 
Das konisch -eiförmige, trichterförmig genabelte Gehäuse besteht aus 5 glatten, stark treppenförmig abge- 
setzten, durch tiefe Nähte getrennten, fast senkrecht abfallenden Windungen, von welchen die letzte an Höhe 
der Spira gleich kömmt, oder sie wenig übertrifft. Das Embryonalende ist bald etwas mehr bald etwas weniger 
breit gerundet; die Mündung schräg stehend, oval, oben zugespitzt. 

Die Deutung von Viv. spuria gehört zu den schwierigsten Fragen, welche bei der Bearbeitung der Fauna 
unseres Complexes auftritt, und ich kann die Lösung, welclie ich gebe, nur als eine unvollkommene und provi- 
sorische bezeichnen; man wird mit viel grösserem Material und genauen geologischen Daten auf diesen Gegen- 
stand zurückkommen müssen. 

Ich habe unter dem Namen Viv. spuria Brus. Vorkommnisse aus dem westlichen Theile West- Slavoniens 
mit solchen aus Syrmien zusammengefasst; für die ersteren hat Brusina seine Art aufgestellt, und sie bilden 
also den Typus. Die Vertreter aus den beiderlei Gegenden stehen sich in der That überaus nahe und die Diffe- 
renzen zwischen beiden bestehen nur darin, dass das Embryonaleude bei den Exemplaren aus Syrmien etwas 



//. Falaeontologischer Thcil. 61 

flacher die Windungen unmerklich bauchiger sind, als bei denjenigen aus dein Westen'); die Abweichungen sind 
aber so gering, dass ich selbst in consequenter Befolgung der im Schlussabsatze ausgesprochenen Grundsätze eine 
Trennung nicht rechtfertigen zu können glaube, zumal die Abänderungen sich innerhalb der Variationsrichtung 
der Formenreihe bewegen. 

Die Sache scheint somit ziemlich einfach zu liegen, allein es treten uns einige noch nicht erwähnte Schwie- 
rigkeiten entgegen , denen gegenüber ich zu keinem sicheren Resultate habe gelangen können. Nur ganz unter- 
geordneten Werth lege ich der eigenthümlichen geograiihischen Verbreitung bei, dem Um stände nämlich, dass 
Viv. gpurlu nur im äussersten Osten und Westen von Slavonien sich findet, in den dazwischen liegenden Gegen- 
den dagegen fehlt; ein entscheidender Eintiuss auf die systematische Abgrenzung kann derartigen Verbreitungs- 
verhältnissen principiell nicht zugemessen werden, und in diesem Falle um so weniger, als manche Erscheinungen 
auf eine nähere Verwandtschaft der Fauna von Syrmien mit der des Westbeckens von West-Slavonien hinweist, 
als sie mit derjenigen des Ostbeckens besteht. 

Räthselhaft dagegen sind mir noch die Verwandtschaftsbeziehungen von Viv. spuria zu verschiedenen 
anderen Arten. Die üebergänge von Viv. Sadkri zu Viv. .-j/j^ov« finden sich ausschliesslich im Osten, in der 
Plattenseegegend und in Syrmien und gehören dort einem überaus enge verbundenen Formenconiplex an, welchem 
ausser den beiden eben genannten Arten noch Viv. cytioinaj/hora, Wolfi, Lemi und Mojsisoricsi angehören. All diese 
Formen fehlen in den westlichen Gegenden von Westslavonien bis auf Viv. <;puria und ein ganz isolirtes Vor- 
kommen von Viv. Sadleri. und ebenso wie alle Mittelglieder zwischen beiden. Dagegen findet sich in West- 
slavonien eine, einem ganz anderen Formgebiete angehörige Art. die unten zu besprechende Viv. lignitarum, 
welche in einer Weise abändert , dass sie der westslavonischen Viv. .'ipurii/ überaus nahe tritt , ohne dass aller- 
dings absolut vollständige üebergänge vorhanden wären, was übrigens sehr wohl eine Folge des wenig zahlreichen 
mir vorliegenden Materials sein kann. (Vgl. Tab. V. Fig. 11). Bis jetzt bin ich ausser Stande zu entscheiden, ob 
diese letztere Verwandtschaft nur eine scheinbare ist, oder ob die von mir als Vio. spuria zusammengefassten 
Vorkommnisse aus dem Westbecken von Westslavonien und aus Syrmien die einander sehr nahe tretenden End- 
glieder zweier verschiedener, convergirender Formenreihen darstellen. 

Eine genaue Verfolgung und Untersuchung dieser Verhältnisse, welche mir für den Augenblick unmöglich 
ist, wäre von sehr grossem Interesse, weil sie auf die so schwierige und theoretisch ausserordentlich wichtige 
Frage der convergirenden Formenreihen, Licht zu werfen verspricht. 

Viv. spmria liegt mir von Repusnica und aus dem Drinovskathale im westlichen Theile von Westsla- 
vonien und ausserdem von Görgetek in Syrmien vor; Uebergangsformen zwischen Viv. ■•ipnriu und Sadleri 
finden sich bei Görgetek und in der Plattenseegegend. 

In Syrmien und in der Plattenseegegend finden sich neben den Abänderungen von Viv. Sadleri., welche zu 
Viv. cyrtonuiphora und Viv. spuria führen, und im innigsten Zusammenhang mit diesen auch solche Exemplare, 
welche von Viv. Sadleri durch höher werdendes Gewinde abweichen, und bei welchen die Tendenz zur Bildung 
treppenförmig abgesetzter Windungen zwar vorhanden aber wenig ausgebildet ist. (Tab. VI. Fig. 5.) Durch all- 
mählige Steigerung dieser Abweichungen gelangen wir zu Viv. Lenzi. 



Vivipara Lenzi Neum. nov. form. 

Tab. VI. Fig. 6. 

Höhe 31°"". 

Höhe der letzten Windung 14"". 

Das mit engem, trichterförmigem Nabel versehene Gehäuse ist konisch-eiförmig, etwas schlanker als bei 
Viv. spuria; es besteht aus 5 glatten, nicht sehr stark treppenförmig abgesetzten, durch tiefe Nähte getrenn- 
ten, ziemlich flachen Windungen, von welchen die letzte bedeutend niedriger ist als die Spira, Embryonalende 
flach gerundet, Mündung schräg stehend, oval nach oben zugespitzt. 

Von Dr. Lenz in ziemlicher Anzahl in den Paludinenschichten von Görgetek bei Yirek in Syrmien 
gesammelt. 



') In der Abbildung scheint das syrmische Exemplar etwas breiter als die -westslavonisclien. was jedoch uiir vou eiuer leichten 
Quetschung des Stückes herrührt. 



Q2 Dr. Neumnyr u. C. M. PauJ. Die Congerien- und Paludinenschichten Slavonicns und deren Faunen. 



Vivipara Mojsisovics Neuni. nov. form, 

Tab. VI. Fig. 7. 



mm 



Höhe 30 

Höhe der letzten Windung 14"°'. 

Das sehr engnabelige, verlängert ei-kegelförmige Gehäuse besteht aus 5 glatten, gewölbten, treppenfürmig 
abgesetzten, durch tiefe Nähte getrennten Windungen, von denen die letzte etwas unter die vorletzte zurück- 
gezogen ist und hinter der Spira an Höhe zurückbleibt. Embryonalende etwas stärker gewölbt als bei Viv. Lenzi ; 
Mündungen fast kreisförmig, am oberen Ende nur wenig zugespitzt. 

Auch \lr. Mojsisovicsi stammt von Vie. Sadleri ab; unter den von letzterer Form gegen Vin. Lenzi hin, 
abändernden Exemplaren finden sich solche, bei denen die Windungen sich zu wölben beginnen; durch allmähhge 
Steigerung dieses Characters bildet sich Vir. Mojsisovicsi heraus. 

Ziemlich selten bei Görgetek in Syrmien. 

Zum Schlüsse derjenigen Formen, welche auf Viv. Sadleri zurückgeführt werden können, führe ich hier 
kurz die Formen von Arapatak in Siebenbürgen an, deren Entwickelung mit derjenigen von Viv. Len.~i am 
meisten Analogie zeigt. Die Fauna von Arapatak und einigen verwandten siebenbürgischen Localitäteu bildet 
den Gegenstand einer im 4. Heft des XXV. Bandes des Jahrbuches der geologischen Reichsanstalt erscheinenden 
Arbeit^), in welcher ausführliche Beschreibungen und Abbildungen der betreffenden Viviparen enthalten sind; 
hier führe ich nur so viel an, als der Vollständigkeit wegen und zum Verstäudniss der Verwandtschaftsbeziehungen 
der slavonischen Viv. Vulcotinovifi nothwendig ist. Die in Rede stehenden Formen von Arapatak sind: Viv. 
grandis, alta und Herhiclii. 

Von der auch bei Arapatak vorkommenden Viv. Sadleri zweigen sich zunächst Formen ab, welche durch 
bedeutende Grösse, ausgesprochene Kegelform und schlankeres, am Embryonalende nicht so flach abgerundetes 
Gewinde ausgezeichnet sind; das Extrem dieser Reihe ist Viv. rjrandis. 

Vh^ipara grandis Neuni. 

1875. Viv. grandis Neumayr. Jahrb. der geolog. Reichsanst. Bd. XXV. 

Höhe 35""". 

Höhe der letzten Windung lO""". 
Das grosse ungenabelte, kegelförmige Gehäuse besteht aus 5— (3 flachen, glatten, nicht treppenförmig abge- 
setzten, durch massig tiefe Nähte getrennten Windungen, von welchen der letzte höher ist als die Spira. Em- 
bryonalende nur wenig flach zugerundet; Mündung schräg, oval, oben zugespitzt. 
Arapatak in Siebenbürgen. 

Ausserdem schliessen sich bei Arapatak Formen an Viv. Sadleri an, bei welchen die letzte Windung niedriger, 
das Gewinde höher und schlanker, der Gehäusewinkel spitzer wird, und welche uns zu Viv. alta führen. 

Vivipara alta Neumayr. 

1875. Viv. alta Neumayr, Jahrb. der geol. Reichsanst. Bd. XXV. 

Das ungenabelte, schlank kegelförmige Gehäuse besteht aus 5—6 glatten, schwach gewölbten, durch tiefe 
Nähte von einander getrennten Windungen, von denen der letzte an Höhe bedeutend hinter der schlanken Spira 
zurückbleibt. Mündung schräg, breit oval, oben zugespitzt, die letzte Windung bisweilen mit der Andeutung eines 
sehwachen Längskieles. 

Vor allen Vivipara-kxiQW, welche hier besprochen werden, mit Ausnahme von Viv. Herbichi und Vi(kotinovici 
ist Viv. alta durch ihren spitzen Gehäusewinkel ausgezeichnet. 

Ziemlich häufig bei Arapatak in Siebenbürgen. 



') Herbich und Neumayr. Beiträge zur Keiintniss fossiler Birinont'auaen. Nr. 7. .Tahrbuch der geologischen Reichsanstalt. 
Band XXIV. Heft 4 oder Band XXVI. Heft 1. 



IL Palaeonfologi scher TJieil. 63 



Viripara Herbichi Neumayr. 

1875. Vir. Ucrhichi Neumayr, Jahrb. der geol. Reichsanst. Bd. XXV. 

Schon unter den typischen Exemphiren von Viv. alta rinden sich einzelne, welche die Andeutung eines 
Längskieles zeigen; dieser verstärkt sich und es bildet sich nun ein deutlicher feiner Längskiel ungefähr auf der 
Grenze zwischen Basis und Seiten der Windungen, neben dem bei gut erhaltenen Exemplaren noch mehrere 
feinere Längslinien auftreten; unter diesen ragt bisweilen eine in der oberen Hälfte der Seiten an Stärke hervor, 
bleibt jedoch schwächer als der tieferstehende Kiel. Die Grösse bleibt hinter derjenigen von Viv. alta zurück. 

Diese überaus intei'essante Form hat ihr lebendes Analogon in Viv. aeruginosa Reeve aus China. 

Viv. Herhichi findet sich bei Arapatak in Siebenbürgen. 

Das grösste Interesse bietet Viv. Hrrhichi dadurch, dass sie uns in unerwarteter Weise über die Ver- 
wandtschaftsverhältnisse der äusserst merkwürdigen und in Slavonien vollständig isolirt dastehenden Viv. Vukoti- 
novi^i aufklärt; zwischen der eigenthümlichen Sculptur von Viv. Vukotinovici und derjenigen von Viv. Herhichi 
ist kein qualitativer sondern nur ein quantitativer Unterschied vorhanden und auch dieser ist nicht gross, wenn 
man die am stärksten verzierten Stücke der einen und die scliwächsten der anderen Form mit einander vergleicht. 
Auch die Merkmale der äusseren Form, welche Viv. Vulcotinovici auszeichnen, das breite Embryonalende und 
das Hinaufrücken des Kieles über die Involutionsgrenze findet sich schon bei einigen Exemplaren von Arapatak, 
wenn auch in schwächerer Ausbildung. Die Beziehungen sind derart, dass ein genetischer Zusammenhang zwischen 
beiden Formen angenommen und Viv. Vulcotinovici als der Abkömmling von Viv. Htrtikhi betrachtet 
werden niuss. 

Wir haben also hier das merkwürdige Resultat, dass die zwei unter einander und gegen den gewöhnlichen 
T}'pus der Gattung aberrantesteu Formen von Vivipara^ nämlich Viv. Vulcotinovici und Viv. (Tulotoma) Sturi 
auf ein und dieselbe Grundform, nämlich auf Viv. Neumayri zurückgeführt werden können. 



Vivipara Vuk'otinocili Frauen/'. 

Tab. Vn. Fig. 5. 

1864 Viv. VuJcotinovici Frauenfeld, Verh. der Wiener zoolog.-bot. Ges. Bd. XIV. Tab. 5. Fig. 7. 8. 
1869. „ „ Neumayr, Jahrbuch der geol. Reichsaustalt. Bd. XIX. pag. 378. Tab. 14. Fig. 15. 

1873. Pal. „ Sandberger, Land- und Süsswasser-Conchylien der Vorweit. Tab. XXXI. Fig. 23. 

1874. Viv. „ Brusina, Binnenmollusken, pag. 8(). 

Ueber die Abstarannmg von Viv. VuJcotinovi'üi habe ich mich soeben ausgesprochen; zu der von Frauenfeld 
gegebenen Beschreibung habe ich nichts hinzuzufügen. Das nächste jetzt lebende Analogon ist Vivipara ecarinata 
Frauenf. aus China. 

Sehr häufig in der höchsten Lage der Paludinenschichten von Novska. Sehr selten bei Repusnica. 

In den obersten Paludinenschichten von Novska finden sich zusammen mit Viv. Vukotinovici zwei sehr 
seltene Formen, Viv. Pauli und Viv. ovuluni, welche wohl hier am besten angeschlossen werden, wenn ich auch 
bezüglich der zweiten Form über die wahre Verwandtschaft noch unklar bin. 



Vivipara Pauli Brus. 

Tab. VII. Fig. 6. 

1874. Viv. Pauli Brusina, Binnenmollusken, pag. 87. 

Höhe 21°"". 

Höhe der letzten Windung 10""". 
Das dicke, konisch-eiförmige, ungenabelte Gehäuse besteht aus 4—5 mit zahlreichen scharfen Längskielen ver- 
zierten Windungen, welche durch sehr schwache Nähte von einander getrennt sind, und von welchen der letzte nicht 
ganz der Spira an Höhe gleichkömmt. Von den scharfen Längskielen sind auf der letzten Windung 12—13 vor- 
handen; auf der Unterseite stehen zwischen manchen derselben 1—2 immer noch ziemlich kräftige Spirallinien, 
während auf der Oberseite zwischen je zwei Kielen 3 — 4 sehr zarte Längslinien verlaufen, die mit der ebenfalls 
sehr feinen, scharfen Anwachsstreifung eine gitterförmige Zeichnung bilden. Die Mundöft'nung ist fast kreisförmig, 



64 Dr. Nenmaijr n,. C. M. Faul. Dir Congerien- loid Pal udinen^chichten Slnvoniens und deren Faunen. 

oben etwas winkelig, Mundränder zusammenhängend scharf, Innenlippen angewachsen. Embryonalende stark 

abgeplattet. 

So eigenthünilich und auf den ersten Blick von allen anderen Formen verschieden T7r. Pauli erscheint, so 
ist sie doch durch nahezu vollständige Uebergänge an Viv. Vid-otinorici gebunden, so dass über ihre Ver- 
wandtschaftsverhältnisse kein Zweifel bestehen kann. 

Viv. Pauli fand sich sehr selten in den obersten Paludinenschichten von Novska zusammen mit Vir. 
Viiliotimvici, Melanopsis Esperi und Unio Sturl. 

la die Verwandtschaft von Vir. Vukofmovici und Pauli gehiirt auch Vir. Viqw.sncli von Ypek in Albanien. 

Vivipara ovuJnm Netitn. nor. form. 

Tab. VII. Fig. 7. 

Gesammthöhe 15""". 

Höhe der letzten Windung 8""". 

Das ei-kegelförmige, eng genabelte Gehäuse besteht aus vier gewölbten, durch nicht sehr tiefe Nähte 
getrennten, mit starken Längslinien bedeckten Windungen, von welchen die letzte der Spira ungefähr gleichkömmt. 
Das Embryonalende nicht abgeplattet, die Mündung breit eiförmig nach oben zugespitzt, Mundränder zusammen- 
hängend scharf. 

Diese Art zeigt mit keiner anderen ausgesprochene Verwandtschaft und ich habe sie nur ihrer Spirallinien 
wegen vorläufig an Vir. Vnlotlnovici angeschlossen, von der sie allerdings die Form der Embryonalwindungen 
wieder entfernt. 

Sehr selten in den obersten Paludinenschichten von Novska mit Viv. Vul-ofinoriei \n\(\ Melanopsis Esperi. 

Wie schon oben erwähnt, zweigt ausser der Vir. Sadleri und ihre Abkömmlinge umfassenden , noch eine 
zweite Formenreihe von Vir. Fuchsi ab, welcher wir theils mit voller Bestimmtheit, theils mit Vorbehalt, die 
folgenden Vorkommnisse zurechnen: 

Viv. leiostrara Brus. T7r. lignitarum Neum. 

„ ehiirnea Neum. „ nmhigua Neum. 

Im Gegensatze zu der eben besprochenen Entwickelung Vir. Fuchsi-Sadleri mit dem breit gerundeten, mehr 
oder weniger abgeflachten Embr}onalgewinde ist dieses in der Reihe Viv. Fiichsi-leiostraea etwas zugespitzt und 
erhaben, ohne jedoch die schlanke Bildung der Formenreihe Viv. Neumayri-Suessi zu erreichen. 

An derselben Localität im Hintergrunde des Caplathales, an welcher Vir. Fuchsi in grosser Anzahl vor- 
kömmt, finden sich neben ihr Formen, welche die etwas zugespitzte, erhabene Ausbildung der ersten Windungen 
beibehalten, bei denen aber der letzte Umgang im Verhältniss zu der schlankeren Spira niedriger wird, und die 
Abflachung des letzten Umganges sich auch über den vorletzten verbreitet. (Tab. V. Fig. 6.) Die früheren 
Windungen bleiben stark gewölbt und wir erhalten allmählig eine Form die l)edeutend mehr verlängert ist als 
Viv. Fuchsi. 

Vivipara leiostrara Brus. 

Tab. V. Fig. S. 
1874. Vivipara leiostraca Brusina, Binnenmollusken pag. 7o. Tab. I. Fig. 13. 14. 

Gesammthöhe 2t)"". 

Höhe der letzten Windung 12'r)'°"'. 

Das verlängert conisch-eifönnige , sehr enge genabelte Gehäuse besteht aus (i glatten, durch nicht sehr 
tiefe Nähte von einander getrennten Windungen, von welchen die beiden letzten etwas abgeplattet, die früheren 
kräftig gewölbt sind. Der letzte Umgang bleibt hinter dem Gewinde etwas an Höhe zurück : das Embryonalgewinde 
nicht abgeplattet; die Mündung kreisförmig, oben winkelig. 

Ziemlich häufig in den unteren Paludinenschichten im Hintergrunde des Caplathales, wo sie mit l'ir. 
Fuchsi zusammenkömmt; ob beide in demselben Niveau oder von einander getrennt liegen, ist noch nicht 
ermittelt nach Brusina auch bei Kovacevac und Becic. 

Unter den Uebergangsformen zwischen Viv. Fuchsi und leiostraca finden sich auch Exemplare, bei 
welchen die Abplattung der Windungen sich, wenn auch schwach doch höher hinauf erstreckt, bei denen ausser- 
dem der erste Anfang zu treppenförmiger Absetzung der Windungen sich zeigt und bei denen die Mündung etwas 
mehr in die Länge gezogen ist als bei Vir. leiostraca (vergl. Tab. V. Fig. 7); diese Vorkommnisse führen uns 
zu der Form, welche ich schon früher als Vir. ehumea beschrieben habe. 



//. Palaeontoloffischer TJuil. 65 



Vivijxirn eburnea Neumayr. 

Tab. V. Fig. 9. 

1869. Vic. churnea Neumayr, Jahrb. der geol. Eeichsanst. Bd. XIX. pag. 374. Tab. 13. Fig. 18. 
1874. „ „ Brusina, BinueniuoUusken pag. 76. 

Gesammthühe 33°"". 

Höhe der letzten Windung In"". 

Gehäuse ist verlängert conisch-eiförmig, eng genabelt und besteht aus fünf glatten, nach unten etwas treppen- 
lörmig abgesetzten, etwas abgeflachten Windungen, von denen die letzte die Höhe der Spira unmerklich übertrifft; 
Embryonalende hoch gewölbt, Mündung oval, oben winkelig. 

Eine sehr seltene Form von der ein Exemplar aus den Paludinenschichten des westlichen Westslavoniens 
von Bergrath Stur gesammelt wurde; ein Exemplar fand ich verschwemmt im Diluvium und ein drittes liegt mir 
aus den Paludinenschichten der Walachei vor. 

Für die nun folgenden Formen wird die Herstellung der wahren verwandtschaftlichen Verhältnisse sehr 
schwer; ein hoher Grad von Aehnlichkeit knüpft sie an die eben betrachteten Arten, allein doch sind die Ver- 
hältnisse für ein wirkliches Verständniss nicht khir genug ; werden erst genaue Horizonte in den unteren Paludinen- 
schichten festgestellt und grosse Mengen von Material aufgehäuft sein, so wird man an die Lösung auch dieser 
Fragen gehen können. Im östlichen Theile des Ostbeckens von Westslavonien findet sich eine Form, welche in 
ihren Extremen, abgesehen von der geringeren Grösse ausserordentliche Uebereinstimmung mit Vir. eburnea zeigt, 
während die Mehrzahl der Exemplare flachere und stärker treppenförmige Windungen zeigt, als die letztgenannte 
Art, andererseits finden sich auch wieder Stücke, bei welchen das Gewinde plumper und am Embryonalende 
abgeplattet wird, so dass eine Annäherung an Viv. Sadleri stattfindet (Tab. V. Fig. 10); nach keiner von beiden 
Seiten ist jedoch der Uebergang ein ganz vollständiger , und so sicher Viv. liguitantni , wie ich die neue Form 
nenne, in das von Viv. Fuchsi ausstrahlende Gebiet gehört, so imbestimmt ist bis jetzt noch die genaue Stellung 
derselben. 



Vivipara liynitarum yeutn. nor. form. 

Tab. VIII. Fig. 4. 

Gesammthöhe 2.5°"". 

Höhe der letzten Windung 13'ö°'°'. 

Das glatte, conisch-eiförmige, ungenabelte Gehäuse besteht aus fünf durch tief eingesenkte Nähte von 
einander getrennten Windungen, von welchen die beiden letzten abgeflacht und etwas treppenförmig abgesetzt, die 
drei oberen gewölbt sind : Embryonalende nicht abgeflacht, erhaben ; Mündung schräg gestellt, breit-eiförmig, oben 
winkelig. 

Von Viv. eburnea unterscheidet sich diese Art durch stärker abgeflachte, mehr treppenförmige Gestalt der 
fetzten Windungen und durch geringere Grösse, von Viv. Sadleri durch spitzeres, schlankeres Gewinde und 
erhabenes Embryonalende. 

Untere Paludinenschichten von Tomica und Oriovac bei Brood in Westslavonien ; stets in nächster Nähe der 
Lignitflötze. 

Ausser den schon oben angeführten individuellen Abänderungen kömmt noch eine weitere vor, welche darin 
besteht, dass die Windungen noch etwas flacher und deutlicher treppenförmig sind als bei dem Typus (Tab. V. 
Fig. 11), und dadurch wird eine entschiedene Aehnlichkeit mit Viv. spuria von Repuänica hervorgebracht, ein 
Verhältniss, das ich schon unten besprochen habe (vergl. pag. CO). 

Ich schliesse hier noch eine Form an, über deren wahre Bedeutung ich noch ganz unklar bin; ich füge sie 
an dieser Stelle bei, weil manche Beziehungen zu Formen aus dem Kreise der Vic. Sadleri vorhanden sind z. B. 
mit Viv. spuria und lignitarum, ohne dass ich jedoch das Vorhandensein einer wirklichen Verwandtschaft behaupten 
möchte, da es auch an Anklängen an andere Typen nicht fehlt. 



Abhandlungen der k. k. genlog. Reit-beanstalt. tNeuninyr u. Paul j Band VII 3. Htft. 



60 Br. Neumayr u. C. M. Paul. Die Congerkn- und Paludinnischichti'n Slavonims und deren Faunen. 



Vivipara ambigua Neuni. iior. form. 

Tab. V. Fig. 15. 

1869. Viv. Sadleri Neumayr (pars). Jahrb. der geolog. Reichsanst. Bd. XIX. Tab. 14. Fig. 2. 

Das kegelförmige, mit sehr enger Nabelritze versehene Gehäuse besteht aus 4—5 sehr stark treppenförmig 
abgesetzten Windungen, von welchen die letzte der ziemlich schlanken Spira an Höhe ungefähr gleichkömmt. Die 
beiden letzten Umgänge sind in der Mitte etwas eingesenkt und über und unter dieser Einsenkung gleich stark 
aufgetrieben. Die Anwachsstreifen laufen stark nach rückwärts: die Mündung ist schräg gestellt, eiförmig, oben 
zugespitzt. Embryonalende ziemlich breit gerundet. 

Die Beziehungen dieser Form richtig zu erfassen, war mir bisher nicht möglich; die allgemeine Form 
erinnert in Folge der leichten Einsenkung der letzten Windungen und der schlanken Spira an Vir. hifarcinntn 
aus der Formenreihe der Viv. Suessi; allein das breite Embryonalgewinde, die Stellung der Einsenkung in der 
Mitte der Windungen, die gleichmässige Auftreibung oben und unten, endlich die stark rückläufigen Anwachs- 
streifen sprechen gegen eine Zugehörigkeit zu dieser Verwandtschaft trotz aller äusseren Aehnlichkeit. Wahr- 
scheinlicher ist, wie wir oben angedeutet, eine nahe Beziehung zu Viv. »iniria oder li(jnitarmri, obwohl die äussere 
Aehnlichkeit nicht so gross ist als diejenige mit Vir. hifareinata ; namentlich die Form des Embryonalendes und 
die Anwachsstreifen scheinen auf nahe Verwandtschaft mit Viv. spuria zu deuten. Andererseits erinnern Exemplare, 
wie das Tab. V. Fig. 13 abgebildete, sehr an Vir. lignitarum. 

Es liegen mir einige Exemplare von Repuänica vor. 

Anhangsweise füge ich hier eine Art an, welche von Brusina aus Westslavonien beschrieben worden 
ist , aber unter dem mir vorliegenden Material sich nicht wiederfindet ; über deren verwandtschaftliche Ver- 
hältnisse bin ich nicht im Klaren. 



Vivipara atilacopliora Brus. 

1874. Viv. aulncopliora Brusina, Binnenmollusken pag. 88. Tab. 11. Fig. 13. 14. 
Von Cernek. 



Formenreihe der Vivipara Brusinai. 

Das Agramer Museum enthält ein einzelnes Exemplar einer sehr interessanten Vivii)ara, welche in sehr 
vielen Beziehungen sehr an Viv. Sadleri erinnert, in manchem aber auch einen eigenthümlichen Charakter behält ; 
da nur ein einziges Exemplar vorliegt, so konnten keine allmähligen Uebergänge hergestellt werden, aber die 
Verwandtschaft ist, wie später auseinandergesetzt werden soll, eine so enge, dass wir mit Sicherheit behaupten 
können, dass sie entweder von Vir. Sadleri abstammen, oder ein dieser analoges Glied einer parallelen von 
Viv. Fuchst ausgehenden Reihe darstellen müsse. Ich beschreibe diese Form als: 



Vivipara Brusinai Neum. 

Tab. VI. Fig. 8. 

1874. Viv. Brusinai Neumayr in Brusina, Binnenmollusken pag. 7G. 

Das schwach conisch-eiförmige Gehäuse besteht aus fünf glatten Umgängen von denen die beiden letzten abgeplattet, 
fast senkrecht abfallend und schwach treppenförmig abgesetzt sind; der letzte unter ihnen erreicht nicht ganz die 
Höhe der Spira; die drei oberen Windungen sind breit kuppeiförmig gerundet, mit erhabenem Embryonalende; 
Mündung breit eiförmig oben zugespitzt. 

Ein Exemplar aus der Umgegend von Brood befindet sich im Agramer Museum und wurde mir von Herrn 
Brusina gütigst mitgetheilt ; ich erlaube mir diese interessante Form nach ihm zu benennen. 



II. Palaeontologischer Theil. 67 

So gross die Verwandtschaft mit V'ip. Sadleri und manchen anderen Angehörigen desselben P'ormenkreises 
sein mag, so geben doch gegenüber der genannten Art die wenn auch nicht stark, so doch merklich treppen- 
fürmigen Windungen, die senkrechten Seiten der letzten Umgänge und vor allem das obere Ende der Vivipara 
Brusinal ein charakteristisches Aussehen. 

Das zuletzt genannte Merkmal, die Gestalt der drei ersten Windungen, war noch bei keiner der bis jetzt 
betrachteten Formen in dieser Weise entwickelt ; dagegen finden wir genau die nämliche Bildung hei einer Reihe 
anderer Arten , welche hier beschrieben werden sollen und welche ich auf Grund dieses übereinstimmenden 
Merkmales an Vic. Brusinai anhänge; es sind: 

Vivipara Deznianniana Brus. 
„ alfecarinata Brus. 
„ Zdebori Hörn. 

Der Viv. Brusinai stehen Formen am nächsten, welche im mittleren Theile der mittleren Paludinenschichten, 
namentlich am Ausbiss von Sibin sich finden; die oberen Windungen gleichen vollständig denjenigen der eben 
genannten Art, der letzte und ein kleiner Theil des vorletzten Umganges zeigen jedoch zwei kantige Kiele 
(Tab. VI. Fig. 9) ; an diese schliessen sich dann vielfach ähnliche Vorkommnisse mit stärkeren , höher hinauf- 
reichenden Kielen an, zwischen denen die Seiten der Windungen ziemlich stark eingesenkt sind, welche auch meist 
bedeutendere Grösse erreichen; vermuthlich wird man später bei bedeutenderem Material mehrere Formen unter- 
scheiden können, das mir vorliegende Material reicht nicht aus, irgend welche durch Constanz ausgezeichnete 
Abänderung zu unterscheiden und ich fasse daher den allerdings gar nicht ausgedehnten Formenkreis als Viv. 
Dezmanniana Brus. zusammen. 



Vivipara Desinanniana Brus. 

Tab. VI. Fig. 9. 10. 16. 17. 18. 

1869. Viv. rudis Neumayr (pars). Jahrb. der geol. Reichsanst. Bd. XIX. Tab. 14. Fig. 11. (non Tab. 14. Fig. 5.) 
1874. „ Dezmanniana Brusina. Binnenmollusken, pag. 81. Tab. 2. Fig. 07. 

Zu der von Brusina gegebenen Beschreibung habe ich nur noch hinzuzufügen, dass nicht bei allen 
Individuen die letzte Windung höher ist als die Spira, sondern dass viele ein gestreckteres Gewinde besitzen, 
höher als der letzte Umgang. 

Der wesentlichste Charakter, welcher bei Viv. Dezmanniana sofort autfällt, besteht in der Form der 
oberen Windvmgen, deren breite kuppeiförmige Rundung die Art sofort erkennen lässt ; nur Vic. Brusinai stimmt 
in dieser Beziehung ganz überein, doch bilden hier die kräftigen, aber nicht stark vorspringenden Kiele der Vic. 
Dezmanniana einen sehr leicht fassbaren Unterschied. 

Die Art und Weise der Abänderungen, denen Vic. Dtzmanniana unterworfen ist, geht aus den Abbildungen 
hinreichend hervor, so dass es überfiüssig ist, dieselben ausführlich zu schildern. 

Die Art ist in den mittleren Paludinenschichten Westslavoniens verbreitet aber nirgends häufig, in der Regel 
von jeder Localitat durch wenige E.xemplare vertreten: Sibin (Ausbiss), mit Vic. stridurata und notha\ Slobodnica, 
mit Viv. stridurata; Gromacnik, mit Viv. stridurata; Cigelnik zwischen der 2. und 3. festen Bank des Profils 
(über Viv. stridurata und unter Viv. Sturi); Graben zwischen der Podwiner Kirche und der Capla; Repusnica 
und Novska ohne genaue Niveauangabe. 

Von Viv. Dezmanniana aus spaltet sich die Reihe, indem einerseits Formen auftreten, welche sich durch 
stark vorspringende, aber glatte Kiele auszeichnen, andererseits solche, bei welchen der obere sowohl als der 
untere Kiel Knoten bekömmt; im obersten Theil der mittleren Paludinenschichten zusammen mit Vic. notha ündea 
sich Exemplare , welche sich von Vic. Dezmanniana durch stärker vorspringende Kiele unterscheiden (vergl. 
Tab. VI. Fig. 19); es entwickelt sich daraus eine Form, bei welcher das Merkmal schon so stark ausgebildet 
ist, dass wir diese Vorkommnisse als eine eigene Mutation festhalten. 



Vivipara alfecarinata Brus. 

Tab. VI. Fig. 20. 

1874. Viv. aUecarinata Brusina, Binnenmolluskeu. pag. 80. Tab. 11. Fig. 8. 9. 

Diese Art ist von Brusina ausführlich beschrieben; von Viv. Desmunniana entfernt sie sich namentlich 
durch die ausserordentliche Stärke der zwei Kiele, zwischen denen die Flanken der Windungen sehr stark ein- 

9* 



68 Dr. Neumai/r x. C. M. Paul. Die Congerien- und Paludinenschichten Slavoniens und derrn Faunen. 

gesenkt sind ; während die vorige Art sich sehr veränderlich erwies, zeigt Vh: altecarinata einen sich sehr gleich 
bleibenden Habitus, und die nie sehr grossen Exemplare schwanken in ihrer Hohe innerhalb sehr enger Grenzen 

um 25°"°. 

Die Art findet sich an der Basis der oberen, oder im höchsten Niveau der mittleren Paludinenschichten: 
Malino, Schicht mit Viv. notha und Schicht mit Vir. Sturi; Cigelnik, Schicht mit Vir. Sturi. 

Während sich einerseits Vir. altecarinata von Vir. De^manninna abzweigt, finden sich andererseits 
Exemplare, welche sich sehr nahe au die letztgenannte Art anschliessen , bei welchen die Kielung sich allmählig 
weiter nach oben auf dem Gewinde erstrecken und auf dem oberen Kiel sich die erste Andeutung von Knoten- 
bildung zeigt (Tab. VI. Fig. 12); die Knoten werden stärker und zeigen sich allmählig auch auf dem unteren 
Kiele (Tab. VI. Fig. 11). bleiben jedoch hier stets schwächer als auf dem oberen; es entwickelt sich eine neue 
Form durch allmähüg immer stärkeres Hervortreten der genannten Merkmale. 



Vivipara Zelehori Harnes. 

Tab. VI. Flg. 13-15 

18ti9. Vir. Zelehori Neumayr, Jahrbuch der geol. Reichsanst. Bd. XIX. Tab. U. Fig. 1. 

1873. „ „ Sandberger, Land- und Süsswasser-Conchylien der Vorwelt. Tab. XXXI. Fig. ly. 

1874. ^ „ Brusina, Binnenmollusken, pag. SU 

Diese Form unterscheidet sich gut von allen anderen, welche bisher beschrieben worden sind, durch das 
Auftreten von zwei geknoteten Kielen, von welchen der obere stärker und mit kräftigeren Knoten versehen ist, 
ein Merkmal, welches sich ausserdem nur noch bei der gleich zu erwähnenden T7r. arthritiea auftritt. 

Vir. Zelehori findet sich sehr constaut in einem bestimmten Niveau im oberen Theile der oberen Paludinen- 
schichten über dem Niveau der Viv. Hörnesi; mit Ausnahme der allerwestlichsten Gegenden, in welchen ein noch 
höherer, durch Vir. Vneotinovici charakterisirter Horizont auftritt, bildet das Lager der Viv. Zelehori die oberste 
Zone der Paludinenschichten; sie liegt mir von den folgenden Localitäten vor: Caplathal, höchstes Niveau; 
Thal zwischen Öapla und der Podwiner Kirche, höchstes Niveau; im Strassengraben zwischen Sibin und 
Gromacnik; Gromaönik, aus dem Schacht, das bestimmte Lager unbekannt; Cigelnik, höchstes Niveau, 
über Viv. Hörnesi; Kovacevac, ohne Angabe über das Lager: Novska, aus dem Bachgeröll, jedoch von einer 
Stelle, an welcher der Bach nur ältere Schichten als die der Vir. Vucotinovici geschnitten hat. 

Im mittleren und unteren Theil der oberen Paludinenschichten sind es ausschliesslich Formen aus 
der Reihe der Vir. Suessi, welche fast ausnahmslos die dominirende Rolle an allen Localitäten spielen; Vir. 
hifarcinata, stricturata, notha, Sturi, ortiata, Hörnesi übertreffen an Individuenzahl alle mit ihnen zusammen vor- 
kommenden Formen (nur die Unionensande von Podwin bilden eine Ausnahme); neben diesen häufigsten Arten 
treten in zweiter Linie Vertreter der Formenreihen der Vir. Brusinai und derjenigen der unten zu beschreibenden 
Viv. melunthopsis auf. Nach Ablagerung der Schichten mit Viv. Hörnesi tritt eine plötzHche Wendung ein; die 
Formenreihe der Vir. Suessi-Hörnesi sowohl als diejenige der Viv. melantJiopiiis verschwinden fast wie mit einem 
Schlage vom Schauplatze und uur als grosse Seltenheiten wurden vereinzelte Repräsentanten im nächst höheren 
Niveau gefunden; dafür erhebt sich die bisher sehr untergeordnete Reihe der T7?'. Brusinai in Vir. Zelehori zur 
ausschliesslichen Herrschaft und verdrängt im westslavonischen Becken alle anderen Viriparen ; aber auch sie 
dominirt nur ganz kurze Zeit und wird in noch höherem Lager vollständig durch Viv. VucotinoviB verdrängt, eine 
Form, die sich an gar kein westslavonisches Vorkommen anschliesst , sondern deren Vorfahren bisher nur aus 
Siebenbürgen bekannt sind. 

Es findet sich in Westslavonien noch eine weitere Form, die in die Reihe der Vir. Brusinai gehört ; sie ist 
schwach geknotet und dadurch charakterisirt, dass die Umgänge nicht so deutlich treppenförmig abgesetzt sind, 
indem dieselben von der Naht gegen den oberen Kiel schräg abfallen; es liegen mir Exemplare von Novska 
und aus den Schichten mit Vir. Hörnesi von Cigelnik vor, doch sind dieselben für eine Beschreibung zu 
schlecht erhalten. 

Ich schliesse hier noch anhangsweise einige Formen an, welche etwas isolirt dastehen, jedoch weitaus die 
meiste Verwandtschaft mit der in Viv. Zelehori endigenden Formenreihen zu haben scheinen; es ist das Viv. 
arthritiea, rudis, Pilari und Strossmayeriana. 



//. Palaeontologischer TJieil. 69 

Vivipara arthritica Neumayr. 

Tab. VI. Fig 21. • 

1869. Viv. arthritica Neumayr, Jahrb. der geol. Reichsanst. Bd. XIX. pag. :37ö. Tab. 14. Fig. 7—10. 
1874. „ r- Brasilia, Binnenniolluskeii pag. !S(3. 

Diese Form schliesst sich iu der Gestalt der oberen Windungen nahe an Vir. Zdchori an; auch der Rest 
des Gehäuses ist bei beiden sehr ähnlich; doch ist der obere Kiel bei Viv. arthritica viel gröber wulstig und 
die Knoten auf demselben, wenn vorhanden, breiter, gröber und unregelmässiger, endlich ist der letzte Umgang 
breiter und stärker treppenförmig abgesetzt als bei Vir. Zdehori 

Ist demnach auch die Unterscheidung beider, ohne alle Schwierigkeiten, so ist doch die Verwandtschaft eine 
sehr nahe, und es ist mir sehr wahrscheinlich, dass Vir. arthritica eine für Viv. Zelehori geographisch stellver- 
tretende Form ist. 

Vir. arthritica findet sich sehr häufig im westlichsten Theile von Slavonien bei Repusnica; über das 
Lager, welches sie hier einnimmt, ist nichts näheres bekannt, doch kann sie nach ihrer Form nur den oberen 
Paludinenschichten angehören. 

In meiner früheren Arbeit habe ich auch Gradisca als Fundort angeführt, was unrichtig ist; es war diess 
auf Grund einer im Wiener Hofmineraiiencabinete befindlichen Etiquette geschehen, doch habe ich mich über- 
zengt, dass in der genannten Sammlung Süsswasserversteinerungen von den verschiedensten Punkten W'estslavoniens 
als von Gradiska, dem nächsten grösseren Orte stammend liegen. Wahrscheinlich stammen auch die angeb- 
lichen Gradiscaner Exemplare von 17/'. arthritica von Repusnica. 

Vivipara Pilari Briisina. 

Taf VIII. Fig. 1. 2. 

1874. Vivipara Pilari Brusina; Binnenniolluskeii, pag. 84. Tab. II. Fig. 4. 5. 

Die Feststellung der Verwandschaftsverhältnisse dieser schönen Form bietet einige Schwierigkeiten, docli 
leitet auch hier die Form der oberen Wildungen auf die richtige Spur; die breite kuppeiförmige Wölbung des 
oberen Endes hat ganz den Typus der Vir. Bntsinai und der einfachsten zu Vir. Dczmamiiana gestellten Forin 
(Tab. VI. Fig. 9), und an die letztere erinnert auch die Art des ersten Einsetzens der beiden Kiele ; allerdings 
wachsen die Windungen rascher in die Breite, und der zwischen den beiden stumpfen Kielen stehende Theil der 
Umgänge steht nicht senkrecht sondern schräg, wodurch die rasche Breitenzunahme hauptsächlich bedingt wird. 
Das eigenthümliche Aussehen wird namentlich durch die Beschaffenheit der beiden letzten Windungen hervorge- 
bracht, welche auf der Oberfläche unregelmässig höckerig werden, sehr starke Anwachsstreifen tragen und ein 
rauhes Aussehen erhalten, welches etwas an die schwäbische Vir. varicosa erinnert. 

Vir. Pilari hat sich bisher nur an einer einzigen Localität, hier aber in grosser Menge gefunden: es 
ist das im Caplathale bei Podwin, wo sie in den oberen Paludinenschichten mit Vir. ornata und vielen 
Unionen liegt. 



Vivipara rudis Neumayr. 

Tab, VIII. Fig. 3. 

1869. Vir. rudis Neum., Jahrb. der geol. Reichsanst. Bd. XIX. Tab. XIV. Fig. 5. (non tab. XIV. Fig. 11.) 

1873. Tulototna rudis Sandberger, Land- u. Süsswasserconchylien der Vorwelt. Tab. XXXI. Fig. 19. 

1874. Viv. rudis Brusina, Binnenmollusken, pag. 8.3. 

Ueber die ausserordentlich nahe Verwandtschaft von Vir. rudis mit T7/-. Pil/iri kann kein Zweifel bestehen; 
es ist dasselbe Verhältniss, welches wir in den mit Ornamenten versehenen Formenreihen zwischen den älteren 
und jüngeren Gliedern zu finden gewohnt sind ; die stumpfen Kiele von Viv. Pilari sind scharf geworden, 
erstrecken sich auf höhere Windungen hinauf und tragen wellige Knoten ; ein weiterer Unterschied ist nicht vor- 
handen. 

Ich habe in meiner früheren Arbeit Vir. rudis mit Viv. Desmanniana vereinigt, deren grösste Individuen 
allerdings einige Aehulichkeit mit der hier besprochenen Form haben; einen anderen Grund, als die Scheu vor 
vielen neuen Namen, weiss ich für mein damaliges Verfahren nicht anzugeben. Herr Brusina hat die Unrichtig- 
keit meiner Identificirung sofort erkannt, und auf die mit loco citato Tab. 14. Fig. 11 übereinstimmenden For- 
men , seine Viv. Bezmanniana gegründet und icii schliesse mich dieser Anschauung ganz an. Nach dieser 
neuen Fassung kann man Vit-, rudis folgendermassen charakterisiren : 



70 Dr. Neumayr u. C. M. Paul. Die Congerien- und FaludinenschicMen Slavoniens und deren Faunen. 

Schale dick, breit konisch eiförmig, aus ungefähr 5 eckigen, treppenförniig abgesetzten Windungen zusam- 
mengesetzt, von denen die letzte die fast immer corrodirte Spira an Höhe übertritlt. Die drei letzten, mit je zwei 
sehr kräftigen, fast scharfen Kielen versehen, von welchen der untere eine mehr oder weniger starke unregel- 
mässige, wellige Knotung trägt. Die oberen Windungen kuppeiförmig gerundet. Mündung breit eiförmig oben 
winkelig. Höhe des abgebildeten Exemplares 09""". Dicke 26,.ö""". Höhe der letzten Windung 

Vir. nidis liegt mir in einer Anzahl von Exemplaren ohne genaue Niveauangabe von Novska und Re- 
pusnica vor; sie gehören wohl sicher in die oberen Paludinenschichten, etwa in das sonst durch Viv. Hörnesi 
charakterisirte Niveau. 

Vhnpara Sti'ossmayeriana PiJar. 

1874. Vivipara Strossmayer iana Paar in Brusina. Binnenmollusken pag. 83. Tab. H. Fig. 1 — o. 

Unter diesem Namen beschreibt Brusina eine mit Viv. rwrfjs sehr nahe verwandte Form aus dem Öapla- 
thale bei Podwin ; mir ist etwas hierher gehöriges nie vorgekommen. 



Formenreihe der Vivipara melanthopsis. 

Tab. VIII. Fig. 8—19. 

Diese kleine Formenreihe umfasst nur drei sicher bestimmte Arten, nämlich Viv. melanthopsis Brus., Viv. 
oncophora Brus. und Viv. avellunu Neum., an diese schliessen sich noch zwei weitere Formen an, die jedoch nur 
in je einem unvollkommen erhaltenen Exemplare voriiegen und daher in ihren Charakteren nicht ganz sicher fest- 
gestellt werden konnten. Als gemeinsame Charaktere können angeführt werden: der kleine Wuchs, welcher hinter 
demjenigen aller bisher beschriebenen Arten mit Ausnahme von Viv. ovulum zurückbleibt, spitzes Embryonaleude 
kuppeiförmig gewölbte Spira und eine gewisse Unregelmässigkeit in den Wachsthumsverhältnissen, indem vom 
Embryonalende nach abwärts jede Windung von der darauffolgenden t^twas weniger umhüllt wird, als sie selbst 
die vorhergehende bedeckt; ebenso nimmt die Breite und Rundung der Windungen von oben nach unten ab. 

Die geologisch älteste Art unserer Reihe, tritt an der Basis der mittleren Paludinenschichten mit Viv. hifar- 
cinata auf, und von da finden sich die verschiedenen Formen sehr verbreitet bis in die Schichten mit Viv. Hörnesi. 
Hier kommen sie noch in grosser Menge vor, noch höher in den Schichten mit Viv. Zdebori sind sie fast ganz 
ausgestorben und von hier nur mehr in zwei isolirten Exemplaren vertreten. 

Die Art und Weise der Entwickelung der Reihe ist ganz analog derjenigen, welche von Viv. Suessi zu Viv. 
Sturi stattfindet, indem zunächst ein Kiel unmittelbar unter der Naht auftritt, und dann der Knotenreihe von 
Viv. Sturi ganz entsprechend geknotete Querfalten im unteren Theile der Windungen erscheinen. 

Bei der Formenreihe der Viv. melanthopsis war ich im Stande die zugehörigen Deckel zu constatireu ; zu- 
nächst fand ich im Innern eines Gehäuses von Viv. oncophora von Gromacnik einen Deckel, welcher genau auf 
die Mündung des betrefleuden Exemplares passte (Tab. VHI. Fig. 2U.); ausserdem fand ich noch einige ganz 
übereinstimmende Opercula, aber stets nur an Localitäten und in Schichten, in welchen auch Angehörige der be- 
treft'enden Formenreihe vorkommen; überdies existirt etwa mit Ausnahme der überaus seltenen Bythinia Vuko- 
tinovici keine Form in Westslavonien, zu welcher dieser Deckel der Grösse nach passen würde. Derselbe ist kalkig. 

Deckel von Arten aus der Reihe der Viv. melanthopsis liegen mir von den folgenden Localitäten in verein- 
zelten Exemplaren vor: Gromacnik, Schichten mit Viv. stricturata und oncophora; Malino, Schichten mit 
Viv. notha und oncophora; Cigelnik mit Viv. Hörnesi und nvellana; Cigelnik mit Viv. Sturi und avellana. 

Da nur die Deckel dieser einen Formenreihe erhalten sind, so scheinen diejenigen der anderen Arten, wenn 
überhaupt kalkig, jedenfalls nicht den ausserordentlich soliden Bau gehabt zu haben, wie er bei Viv. oncophora und 
avellana vorhanden ist; derselbe ist sehr dick mit einfachem, subcentralem Nucleus ; von jetzt lebenden Formen kenne 
ich keine, welche einen so massig kalkigen Deckel besitzt; in der Form hat er am meisten Analogie mit dem- 
jenigen der recenten Melantho-Arten, während derjenige von Ttdofonia magnifica durch den vollständig lateralen 
Nucleus abweicht; übrigens haben diese lebenden Formen hornige Deckel. Zu bemerken ist, dass wenigstens ViD. 
melanthopsis auch im Gehäuse einige Aehnlichkeit mit den lebenden Melantho zeigt. 



') In Folge der Corrosion kann diese Angabe nur als eine ungefähre gemacht werden. 



//. Palaeontologischer Theil. 71 



Viriltara melanthopsis Bt'us. 

Tab. Vra. Fig. 9. 10. 

1874. ViiK melanthopsis Brusina, BinnenmoUuskeii. pag. 74. Tab. II. Fig. V2. 13. 

Höhe 17—18""". 

Letzte Windung 9- O-ö""". 
Dicke lO-ö— 12"""'. 

Das conisch - eiförmige, bis verlängert couisch-eiförmige, mit sehr enger Nabelritze versehene Gehäuse besteht 
aus sechs glatten, durch eine scharfe aber nicht tiefe Naht von einander getrennten Umgängen, von denen der 
letzte der Spira an Höhe gleich kömmt, oder sie um ein geringes übertrifft. Die oberen Windungen ziemlich 
gewölbt, stärker als die unteren; jeder Umgang vom nachfolgenden etwas weniger verdeckt als er seinen Vor- 
gänger umhüllt. Mündung eiförmig, oben winkelig, Mundränder zusammenhängend, der innere angewachsen. 
Embryonalende spitz, Spira kuppeiförmig gewölbt. 

An der Basis der mittleren Paludinenschichten bei Malino, Cigelnik und Varos westlich von Brood, 
überall zusammen mit Vir. hifarcinata. 

Die Beziehungen von Vir. mi'IaHtho2)sis zu anderen nicht in ihre Formenreihe gehörigen Arten sind ziemlich 
entfernte, so dass die Möglichkeit nicht ausgeschlossen ist, dass dieselbe aus einer anderen Wurzel herstammt als 
all" die bisher betrachteten Viviparen; dennoch ist dies nicht wahrscheinlich; zusammen mit Viv. melanthopsis 
hat sich ein mit der Hauptform durch Uebergänge verbundenes Yorkonmien in einem Exemplare gefunden, welches 
sich durch gedrungenere und regelmässiger gewundene Gestalt auszeichnet; bei besserem und zahlreicherem 
Material wird man hier eine neue Art abtrennen müssen, vorläufig habe ich das betreuende Stück als Vir. cf. 
melanthoims auf Tab. VIII. Fig. 8 abbilden lassen. 

Andererseits liegt mir ein isolirtes schlecht erhaltenes Exemplar einer nahe mit Viv. Jignitarum verwandten 
Form (Tab. IX. Fig. 4) vor, welches von dieser Art aus in der Richtung gegen Viv. cf. melanthopsis hin ab- 
ändert, so dass abgesehen von der verschiedenen Grösse zwischen beiden nur ein sehr geringer Unterschied ist; 
es ist mir daher wahrscheinlich, dass wir in Vir. melanthopsis und Verwandten eine von Viv. lignitarum 
abzweigende Formenreihe vor uns haben , ohne jedoch den Beweis hiefür führen zu können ; volle Sicherheit 
in dieser Richtung können erst neue Funde bringen. 

Ausser in der eben erwähnten Weise, finden Abänderungen von Viv. melanthopsis in der Art statt, dass 
am obersten Theile der letzten Windungen die ersten Spuren eines Kieles unmittelbar unter der Naht auftreten; 
dieser Kiel wird deutlicher und schärfer (Tab. VIII. Fig. 11. 12), und gleichzeitig werden die Exemplare etwas 
grösser und stattlicher, wir kommen in dieser Weise zu T7;'. oncophora, welche im mittleren und oberen Theile 
der mittleren Paludinenschichten ziemlich verbreitet auftritt, während die Mittelformen ziemlich selten sind. 



Vivipara oncopJiora Brus, 

Tab. VIII. Fig, 13. 14. 

1874. Viv. oncophora Brusina, Binnenmollusken, pag. 73. Tab. II. Fig. 10. 11. 

Brusina hat diese Form ausführlich beschrieben und ich kann mich daher auf die Angabe beschränlven, 
dass sie sich von Vir. melanthoijsis abgesehen von der grösseren Gestalt, durch das Auftreten eines kräftigen 
Kieles im obersten Theile der Windungen unmittelbar unter der Naht unterscheidet; sie bildet in der Formen- 
reihe der Viv. melanthopsis dasjenige GUed, welchem in der ganz parallelen Reihe der Viv. Siiessi die als Viv. 
stricturata bezeichnete Mutation genau entspricht. 

Viv. oncophora findet sich im mittleren und oberen Theile der mittleren Paludinenschichten, und liegt mir 
von den folgenden Localitäten vor: Malino mit Vir. stricturata sehr selten; Sibin mit Viv. stricturata und 
notha häufig; Gromacnik mit Viv. stricturata nicht selten; Slobodnica mit Viv. stricturata nicht selten. 

In der individuellen Ausbildung der Exemplare von Viv. oncophora macht sich eine nicht ganz unbedeutende 
Schwankung im Verhältniss des Längen- und Breitendurchmessers geltend, ohne dass es möglich wäre, irgend 
welche constante Abänderungen in dieser Beziehung zu unterscheiden. Ausserdem finden sich vereinzelte Exemplare 
welche die ersten unregelmässigen Anlagen einer Querfaltung der beiden letzten Windungen zeigen (Tab. VIII. 
Fig. 15. IG); die ersten Andeutungen dieser Art treten schon in den Schichten mit Viv. stricturata von Cigelnik 
auf; in höheren Schichten werden die Falten hie und da deutlicher , und an der Basis der oberen Paludinen- 



72 Dr. Neumayr u. C. M. Paul. Die Conycrien- und Paludinenschichten Slavoniens und deren Faunen. 

schichten entwickelt sich in dieser Weise eine Form mit kräftigen Querfalten, welche ich schon vor längerer Zeit 
als Viv. acellana beschrieben habe. 

Yitnpara avellana ISeum. 

Tab. VIII. Fig. 17. 19. 

1869. Viv. acellana Neumayr, Jahrb. der geolog. Reichsanst. pag. 317. Tab. 13. Fig. 14. 15. 

1873. Tulotoma avellana Sandberger, Land- und Süsswasser-Conchylien der Vorwelt. Tab. 31. Fig. 17. 

1874. Viv. avellana Brusina, Binnenmollusken pag. 73. 

Für die ausführliche Beschreibung dieser Form verweise ich auf meine frühere Arbeit ; sie nimmt durch die 
Alt ihrer Verzierung genau die Stelle in der Formenreihe der Viv. melanthopsis ein, welche Viv. Sturi unter 
den Nachkommen von Viv. Suessi inne hat. In der äusseren Form finden wir hei Viv. acellana dieselben 
Schwankungen, welche bei Viv. oncophora vorkommen; zwei extreme Exemplare sind durch die zwei Abbildungen 
Tab. VIII Fig. 17 und 19 dargestellt. 

Die stärkste Verbreitung hat Vic. acellana an der Basis der oberen Paludinenschichten in dem Horizonte 
mit Vic. Sturi, nächstdem in demjenigen der Viv. Hörnesi; in den Schichten mit Vic. Zelehori findet sie sich 
nur als äusserste Seltenheit. Die Localitäten, von welchen sie mir vorliegt, sind folgende: Cigelnik, Schichten 
mit Viv. Sturi und Schichten mit Viv. Hörnesi in grosser Menge; Schichten mit Vic. Zelehori, 2 Exemplare; 
Malin mit Vic. Sturi; Brusina führt sie auch von Brestaca und Kovacevac an. Das Vorkommen ist 
ganz auf das Westbecken von Westslavonien beschränkt. 

Mit Viv. acellana ist die Formenreihe der Vic. melanthopsis nicht abgeschlossen; in den Schichten mit Viv. 
Zelfhori fanden sich zwei Exemplare einer noch jüngeren Mutation, welche durch gröbere, weiter auseinander- 
stehende Falten und schlankere Spira deutlich unterschieden scheint; leider sind die beiden vorliegenden Stücke 
so schlecht erhalten, dass sie zur genauen Fixirung der Form nicht ausreichen ; sie findet sich auf Tab. VIU. 
Fig. 18 abgebildet. 

Eine eingehende Besprechung der theoretisch wichtigen Resultate, welche aus der Untersuchung des grossen 
Formenreichthums der hier angeführten Vicipareii hervorgehen, findet sich im Schlussabsatze; hier sollen nur 
einige Thatsachen hervorgehoben werden, welche später die Grundlage weiterer Betrachtungen bilden sollen. 
Zunächst heben wir die ausserordentlich innige, meist durch vollständige Uebergänge erwiesene Verwandtschaft selbst 
der scheinbar verschiedensten Formen hervor; ferner ist bemerkenswerth die strenge Regelmässigkeit, mit welcher 
durch die ganzen Formenreihen hindurch die Abänderungen in sich gleich bleibender Richtung auftreten, sowie in 
allen Fällen, für welche genügende Beobachtungen vorliegen, die vollständige Harmonie, welche zwischen chrono- 
logischer und morphologischer Aufeinanderfolge in den Reihen. 

Für die weiteren Punkte müssen wir noch die geographischen Beziehungen im Auge behalten, und die 
Unterschiede in der Ausbildung zwischen Westslavonien einerseits , Ostslavonien und der Plattenseegegend 
andererseits auftreten; in Westslavonien wandeln sich die glatten Formen der unteren Paludinenschichten im 
mittleren Theile des Complexes in gekielte um, aus denen sich dann in den oberen Abtheilungen der Paludinen- 
schichten die gekielt - geknoteten Formen entwickeln; dabei finden wir einen fast vollständigen Parallelismus 
in der Art und Weise, in welcher bei drei ganz von einander verschiedenen Formenreihen die Abänderungen 
aul'treten. 

In der Plattenseegegend und in Ostslavonien stellen sich die geknoteten Viciparen nicht ein, von hier 
kennen wir nur glatte Formen, und hier sehen wir, dass fast jede Localfauna ihre eigenthümlich entwickelten 
Typen aufzuweisen hat. Aehnlich geographisch stellvertretende Formen finden wir in Westslavonien weniger, doch 
sehen wir, dass im Beginne der oberen Paludinenschichten Viv. Sturi im Westbecken Westslavoniens für die Viv. 
ornata des Ostbeckens vicariirt und ebenso liegt die Vermuthung nahe , dass ein analoges Verhältniss zwischen 
Viv. Zdebori und arthritica existirt. 

Zum Schlüsse sei hier noch eine systematische Detailfrage besprochen, nämlich die Berechtigung der 
Gattung Tulotoma, welche für die recente Viv. magnifiea aufgestellt worden ist, und zu welcher auch unsere 
geknoteten und gekielten Formen gestellt werden müssten. Dass eine Grenze zwischen Vivipara und Tnlotoma 
in der Natur nicht existirt, hat schon Brusina ausführlich erörtert; für denjenigen jedoch, welcher auf dem Boden 
der Descendenztheorie steht, kann das kein Hinderniss der Anerkennung bilden, wenn nur die Unterschiede 
bedeutend genug und die sonstigen Verhältnisse dem entsprechend sind. Es wird sich also zunächst darum 
handeln, zu constatiren ob dies hier der Fall ist. Dass die in der eigenthümlichen Schaleusculptur und in der Ent- 
wicklung des Deckels hinreichende Unterschiede vorhanden sind, möchte ich nicht bestreiten, und dieselben sind 
jedenfalls bedeutender als diejenigen, auf welche manche allgemein anerkannte Gattung gegründet ist; dagegen 



II. Palaeontologischer Theil. 73 

tritt hier eine andere Schwierigkeit entgegen, indem ziemlich gleichzeitig drei verschiedene Formenreihen, die der 
Vir. Sucssi, der 1''iv. Brusinai und der Viv. melantkopsis sich zwar gleichzeitig aber unabhängig von einander 
zu Tulotomen entwickein; wir haben also in Tulotoma kein monophyletisch entstandenes Genus. Ich war früher 
geneigt, diess als ein unbedingtes Erforderniss für die Berechtigung und Natürlichkeit einer Gattung zu betrachten, 
doch habe ich in der Zwischenzeit einige Fälle kennen gelernt, in welchen theils schon jetzt bestimmt nachge- 
wiesen, theils wenigstens schon sehr wahrscheinlich gemaclit werden kann, dass ausserordentlich eng zusammen- 
hängende Formenkreise aus verschiedenen, allerdings verwandten Wurzeln sich entw^ickeln; so die Gattungen H<n- 
pocirns und Crloccras, auch gewisse von Prrisphindes abzweigende geschlossene Ammonneenformen der Kreide. 
Die principielle Entscheidung über diese Fragen ist eine ausserordentlich schwierige, und vor allem fehlt es 
noch sehr an Beobachtungsmaterial: in derartigen Fällen sollte man nicht nach vier oder fünf, sondern nach 
hundert und mehr Fällen urtheilen. So muss denn auch die Entscheidung über die Beiechtigung der Gattung 
Tulotoma in der Schwebe bleiben, ich habe mich der grösseren Einfachheit wegen, vorläufig dieses Namens nicht 
bedient ; jedenfalls kann die Abgränzung zwischen Vivipara und Tulotoma nur eine künstliche sein, und zwar wol 
am besten so, dass wir das Auftreten eines Kiels als entscheidendes Kriterium betrachten. In den drei Haupt- 
reihen der westslavonischen Viviparen würde dann die Grenze so fallen, dass Viv. Suessi, Brusinai und melan- 
thopsis echte Viviparen bleiben, während Vir. hifdrcinata, Dczmanniana und oncopliom schon zu Tulotoma gehö- 
ren würden; zu dieser Gattung oder Untergattung würden dann die folgenden Formen gehören: 

Tulotoma bifarcinata Tulotoma Dehnanniana. 

„ stricturata. „ altecarinata. 

„ notha. „ Zelchori. 

,, Sturi. „ arthritica. 

„ ornnta. „ rudis. 

„ Hörnesi. „ Pilari. 

„ oncophora. „ Strossmatjeriana. 

,. avcUana. ,, amhigua. 

Schliesslich sei erwähnt, dass die geologisch ältesten Formen, diejenigen der unteren Paludinenschichten 
vorwiegend europäischen Charakter haben, während in den oberen Paludinenschichten amerikanische und neben 
ihnen chinesische Typen auftreten. 



Bythinia. 

Die Gattung Bythinia ist durch fünf Arten vertreten, von welchen jedoch keine häufig ist. 

Bythinia cf. cyclostoma Rousseau. 

Ein Exemplar aus den Congerienschichten mit C. spathulata und Cardium slavonicum von Oriovac steht 
der erwähnten Form aus der Krim nahe, ist jedoch etwas kleiner und schlanker; die Form der Mündung ist un- 
bekannt. 

Bythinia tentaculata. L. 

rCitate vergl. bei Brusina, Binnenmollusken pag. 69.) 

Exemplare dieser häutigen noch jetzt lebenden Form, liegen mir vor aus den unteren Paludinenschichten 
von Cernik bei Neu-Gradisca; aus der Capla bei Podwin und von Ober-Raic; ferner aus den mittleren 
Paludinenschichten von Gromacnik. 

Bythinia Pilari Neuni. nov. form. 

Tab. IX. Fig. 5. 

Das ziemlich grosse, ungenabelte, conisch eiförmige, spitze Gehäuse, besteht aus 6 gewölbten, glatten Win- 
dungen, die durch tief eingesenkte Nähte von einander getrennt sind, und von welchen der letzte nicht ganz so 

Abhandlungen der k. k. geolo?. Reichsanstalt. (Neunjayr u. Paul.) Band TU. 3. Heft. 10 



74 Dr. Ncumayr u. C. M. Faul. Die Congerien- und Pcdudincnschichtcn Slavoniens und deren Faunen. 

hoch ist als die Spira. Mündung eiförmig oben winkelig, Innenlippen dünn, angewachsen. Aussenlippen einfach, 
schaif, Peristom zusammenhängend. 

Ich weiss keine Form, mit welcher Byih. Filari verwechselt werden könnte, von jetzt lebenden steht wol 
die egyptische B. huVmoides Ol. am nächsten, doch ist die Zugehörigkeit zu Bythinia bei der bedeutenden Grösse 
nicht so ganz sicher; vielleicht haben wir es mit einer Vivipara zu thun. 



Bythinia Vukotiuovici Brtt.^. 

1874. Byth. Vultotinwici Brusina, Binnenmollusken pag. uii. Tab. V. Fig. 13. U. 

Es liegt mir ein Exemplar aus den mittleren Paludinenschichten von Gromacnik vor; Brusina gibt als 
Fundorte BeciC und Podwin in Slavouien, Kravarsko und Dubranjec in Croatien. 

Brusina citirt von Becic nur das Vorkommen von Deckeln, welche nach ihrer Grös.-e und Stärke nur hier- 
her gehören können; ich habe solche nie gesehen; nur die Deckel der Formen aus der Gruppe Viv. nuianthop- 
sis würden der Mündungsgrösse von Byfh. VuJcotinovici entsprechen, und zeichnen sich allerdings durch ihre 
Stärke aus. 

Bijthinia Podwinensis Neuni. nov. form, 

Tab. IX. Fis. 6. 

Das glatte ungenabelte, couisch-eiförmige Gehäuse besteht aus fünf massig gewölbten Umgängen, von welchen 
der letzte die Höhe der Spira nicht erreicht. Die Mündung ist eiförmig, oben winkelig, die Mundränder zusam- 
menhängend, der Aussenrand verdickt und doppelt. 

Der ganze Habitus des Gehäuses erinnert an eine schlanke Bifh. tcntaciduta, doch bildet der dop- 
pelte und verdickte Aussenrand ein Merkmal, welches sogar die generische Zugehörigkeit in Frage zu stellen im 
Stande ist. Es ist in neuerer Zeit für die kleinsn Paludinenähnlichen Schnecken der jüngeren Tertiärbildungen 
mit verdicktem oder umgeschlagenem Mundrand eine ganze Anzahl neuer Gattungen geschaffen worden, wie Pyr- 
gydium, Nystia, Fossarulus, Prososthenia, Emmericia, Tournoueria, Stalioa, Nematurella u. s. w., doch will unsere 
Form in keine derselben hinein passen; da ich nicht noch eine neue Gattung beifügen möchte, so belasse ich sie 
bei Bythinia, namentlich wegen der ausserordentlichen Aehnlichkeit mit B. tentaculafa und VuJiotinovici im 
ganzen Habitus, und vor allem wegen des Vorhandenseins von Uebergängen zwischen den genannten Formen, von 
welchen gleich die Rede sein soll. 

Die typische Bythinia Po'hcineusis hat sich in wenigen Exemplaren in den oberen Paludinenschichten mit 
Viv. Zdebori gefunden; dieselben stammen aus dem ersten Thaleinschnitt, östlich vom Öaplathale bei Podwin. 
In dem Thale hinter der Podwin er Kirche fand sich unter den Unionensanden, also ungefähr im Niveau der 
Vivipara ornata ein Exemplar, welches in jeder Beziehung die Mitte zwischen B. tentacidata und Podwinensis 
hält und den Uebergang zwischen beiden vermittelt, so dass der genetische Zusammenhang zwischen beiden sicher- 
gestellt ist, der jedenfalls entscheidender für die systematische Stellung ist, als die bei so vielen verschiedenen 
Formen des südosteuropäischen Obermiocän auftretende Verdickung des Mundrandes, der vielleicht in manchen 
Fällen zu viel Bedeutung beigelegt worden ist. 



Lithoglyphus Müblfeldt. 

Vertreter dieser Gattung finden sich zerstreut an vielen Localitäten, ohne jedoch ausser bei Karlowitz irgendwo 
häufig zu sein, man kann die meisten unter dem Namen L. fic^^ciiü zusammenfassen; ausserdem fand sich eine 
neue Form, L. hisfrio. 

Ltjthoglyphus fuscus Zlcyler. 

(Die ausgedehnte Synonyraie dieser Art versl bei Brusina, Binnenmollusken, pag. 67.) 
Die Formen, welche aus den shivonischen Paludinenschichten vorliegen, entsprechen ganz dem jetzt lebenden 
Lilh. fuscuf:; es ist sehr interessant, dass wir fossil genau dieselben Abänderungen dieser Art auftreten sehen, 
welche auch lebend vorkommen , s i dass dieselbe am Schlüsse der Miocänzeit unter denselben verschiedenen 



II. Palaeontologischcr Theil. 75 

Modificationen auftreten, welfelie noch heute vorkommen; vielleicht wird mau nach der mehr oder weniger 
aufgeblasenen Gestalt der Spira zwei Arten unterscheiden können, doch ist es mir für jetzt nicht möglich diess 
durchzuführen, da es mir an dem nothweudigen, sehr bedeutenden Material lebender Exemplare fehlt. Vom 
höchsten theoretischen Interesse wäre es, zu ermitteln, ob wir es mit zwei seit der Miocänzeit getrennten Racen, 
Mutationen, zu thun haben, oder mit Standortsabänderungen, die unter gleichen äusseren Bedingungen zu den 
verschiedensten Zeiten sich gebildet haben, eine Frage, die mit dem so schwierigen Probleme der einheitlichen 
Artencentra in innigster Beziehung steht. 

LlfJiogl. fuscHS und naticoldes sind sclion mehrfach verwechselt worden und auch ich habe in meiner früheren 
Arbeit das einzige slavonische Exemplar, das mir damals vorlag, irrig zu Lith. naticoidcs gestellt, was Brusina 
berichtigt hat. 

Uebrigens ist es mir zweifelhaft, ob es möglich sein wird, die beiden Arten Litli. fuscus und natlcoides 
in der jetzt üblichen Art von einander getrennt zu halten ; die extremsten Varietäten innerhalb jeder der beiden 
„Species" scheinen durch grössere Abstände von einander getrennt, als derjenige ist, welcher die nächstgelegenen 
Vertreter der zwei Arten unterscheidet. 

L. fuscns liegt mir von folgenden Localitäten vor: Untere Paiudinensch ichten, Cernik, Novska; 
Mittlere Paludinenschichten, Cigelnik mit Vir. stridurata, Malino mit Viv. iiotha und mit Viv. bifar- 
cinata; obere Paludinenschichten, Cigelnik mit Viv. Sturi, Capla mit Viv. omata; von Karlowitz und 
Görgetek in Ostslavonien aus unbekanntem Niveau. 

Paul hat auch Lith. pimicnin aus den unteren Paludiuenschicliteu von Novska citirt, und ich glaube da- 
mals die Exemplare gesehen zu haben; dieselben haben sich jedoch jetzt nicht mehr vorgefunden, sodass wir in 
dieser Beziehung auf neue Funde warten müssen. 



Lithoglyphus histrio. Neum. nov. form. 

Tab, IX. Fig -20. 

Eine ausführliche Beschreibung dieser Form ist überflüssig, da sie sich in kurzem so charakterisiren lässt: 
Die gesammte äussere Gestalt einer Bythinia tcntaailata mit der charakteristischen Mundbildung eines LifJio- 
glijphus. 

An die Betrachtung dieser Form knüpft sich ein eigenthümliches Interesse. Dieselbe ist äusserlich, abgesehen 
von der Innenlippe des Mundrandes nicht von der in denselben Schichten vorkommenden Bi/fhinici tentaculata zu 
unterscheiden, so dass ich sie bei vorläufiger Sonderung des Materials unbedenklich zu dieser Art stellte, bis ich 
bei der eingehenden Bearbeitung bemerkte. <lass sie in eine ganz andere Gattung gehört; die Bildung der Mund- 
ötfnung dagegen erinnert vollständig an LHluxjlijplms fufcus, ja man kann die Form geradezu als eine in die Höhe 
gezogene verlängerte Abänderung des letzteren betrachten; unter diesen Umständen liegt die Vermuthung nahe, 
dass wir es hier in der That mit einem Falle von Mimiery zu thun haben, mit einem Lifhocilifjihus fitscus, der 
die Gestalt von Bythinia tentaculata nachahmt. M 

Lit]t. histrio fand sich in den unteren Paludinenschichten von Malino. 



Hydrobia Hartmanu. 

Ich habe früher die Angehörigen dieser Gattung Litorinella genannt, da mir die Anwendung des Namens 
Hjidroliia neben einem schon existirenden Hi/drol'ins nach den Nomendaturgesetzen unzulässig erschien; ich habe 
meine Ansicht in dieser Beziehung nicht geändert, nachdem aber der Name Hijdrohia ziemlich allgemein Mode 
geworden ist, und ich eine längere Controverse über eine derartige ziemlich gleichgiltige Nomenclaturfrage für 
überflüssig halte, so schliesse ich mich der Mehrzahl an ; jedenfalls wiegt der Vortheil des allgemeinen Gebrauches 
ein und desselben Namens die Bedenken gegen eine neue kleine Inconsequenz in der an Willkührlichkeiten so 
überreichen Nomenclatur auf. 



') Brusina spricht in einigen Fällen von Mimiery, jedoch mit unrichtiger Anwendung dieses Begrüfeä, wie unten gezeigt 
werden soll. 

10* 



76 Dr. Neumayr u. C. M. Faul. Die Congerien- und Puludinenschichten Blavonicns und deren Faunen. 

Hydrohkn rinden sich in Congerien- wie in Paludinenschichten ziemlich verbreitet vor, doch ist bei weitem 
nicht Alles in einem der Bestimnmng fähigen Zustande, ich glaubte hier um so vorsichtiger sein zu sollen, als 
wir es in Hydrohia mit einer ausserordentlich schwierigen Gattung zu thun haben, deren Literatur sich überdies 
in einem ziemlich chaotischen Zustande berindet. 

Von den vorliegenden Formen finden zwei, Hydrobia slaoonica und pupula ihre nächsten lebenden Ver- 
wandten in jetzt in Europa vorkommenden Arten; die Gruppe der Hydr. hnyaeva und synnica nähert sich etwas 
der recenten Hydr. s<«r/»i«//s, ohne dass jedoch die Uebereinstimmung sehr gross wäre; Hydr. sepulcralis., acute- 
carinata und aurita sind isolirte Typen. 

Hydr. acutecarinata bildet den Uebergang zu einer Gruppe von Formen mit ausgezeichneter Spiralsculptur, 
welche in der Regel zu Pyrgula gestellt werden; von jetzt lebenden Formen gehört hierher Hydr. hkarinata 
Desm.; von fossilen Formen die gleich zu beschreibende //(/(ir. turricula von Karlowitz, ferner Hydr. elegant issima 
Frrid., Eugeniae Neum., margarita Neum., pagoda Neum. aus Siebenbürgen, wohl auch manche der von Fuchs 
aus ungarischen Congerienschichten publicirten Arten ; so gross auch in der Sculptur die Aehnlichkeit mit Pyrgula 
ist, so können die genannten Vorkommnisse wegen ihrer zusammenhängenden Mundränder doch nicht zu dieser 
Gattung gestellt werden; vergl. Herbich und Neumayr, Süsswasserablagerungen von Arapatak u. s. w. Jahrbuch 
der geolog. Reichsanstalt 1875. 

Hydrobia longaeva Neum. nm'. form. 

Tab. IX. Fig. 13. 

Gehäuse thurmförmlg, etwas abgestumpft, mit kaum angedeuteter Nabelritze, glatt, aus 5— ti schwach 
convexen Umgängen bestehend; Mündung eiförmig, oben zugespitzt; Aussenlippen einfach, scharf, Innenlippen 
angewachsen, sehr dünn. 

Diese Form fand sich nicht selten in den Congerienschichten von Zavrsie bei Sibin. Untere 
Paludinenschichten des Caplathales mit Vir. Fuchsi, pannonica und leiostraca; untere Paludinen- 
schichten von Malino. 

Hydrobia symiica Neum. nov. form. 

Tab. IX. Fig. 11. 

Nahe mit der vorhergehenden Art verwandt, unterscheidet sie sich durch grösseres, spitzes, aus 7 ganz 
flachen Umgängen bestehendes Gehäuse. 
Sehr häufig bei Karlowitz. 

Hydrobia sepulcralis Partsch. 

Tab. IX. Fig. 14. 

1848. Paludina sepulcralis Partsch in Czizek, Erläuterungen zur geolog. Karte von Wien. pag. 23. 

1857. „ stagnalis Hörnes, Wiener Becken. I. pag. 386. Tab. 47. Fig. 22. 

1869. Litorinella idoae Neumayr, Jahrb. der geol. Reichsanst. Bd. XIX. pag. 363. Tab. 12. Fig. 10. 11. 

1873. Hydrobia stagnalis Pilar, Trecegorje u Glinskom Pokupju. pag. 109. 

1874. „ „ Brusina, Biunenmollusken pag. 62. 

Thurmförmig, spitz, ziemlich dickschalig, glatt, aus ungefähr 6 flachen Umgängen zusammengesetzt; welche 
durch scharfe, aber nicht tiefe Nähte von einander getrennt sind. Mündung eiförmig, oben %twas herabgezogen, 
Mundränder in der oberen Ecke verdickt, sonst scharf, Innenlippe angewachsen. 

Diese Form wurde von Frauen fehl und M. Hörnes mit der recenten Hydr. stagnalis vereinigt, ein 
Vorgang, dem die späteren Autoren, auch ich selbst, sich anschlössen. Nach genauer Vergleichung mit den von 
Frauenfeld im Wiener Hof-Naturalienkabinete bestimmten, recenten Typen kann ich jedoch an dieser 
Identificirung unmöglich fest halten, und greife daher für die fossilen Vorkommnisse, welche hierher gehören, auf 
den alten von Partsch gegebenen Namen Hydr. sepulcralis zurück. Hydr. stagnalis unterscheidet sich schon 
äusserlich deutlich durch gewölbte Windungen und tiefere Nähte; sie ist ausserdem weit dünnschaliger; endlich 
bilden die Verhältnisse der Mündung wie sie für Hydr. sejndcralis eben geschildert wurden, einen sehr wichtigen 
Charakter, welcher dieselbe der neuen Sandbergev'schen Gattung Ncinaturella nähert und zu einem Uebergangs- 
gliede zu dieser stempelt. 



11. Palaeontologischer Theil. 77 

Mit der Hydr. sepulcralis aus Westslavonien stimmen auf's genaueste überein die Exemplare von Ribaric 
bei Veiiicca in Dahnatien und von Moosbrnnn bei Wien; die übrigen als llydr. stagnalis citirten Formen 
der österreichischen Tertiärablagerungen gehören, soweit ich aus Autopsie urtheilen kann, nicht hierher, sondern 
zu einer eigenen Art, vielleicht sind sie wirklich mit der recenten Hi/tlr. sta(/iuili.'^ identisch. 

Aus Westslavonien liegt mir Hi/dr. sepulcralis von Cernik und Novska vor, wo sie nur in den Ablagerungen 
der unteren Palu di nenschichteii mit Vicipara Nmmayri^ Unio nuniimis und atarus sich findet: aus 
anderen Theilen der unteren Paludineiischichten kenne ich sie nicht. 



Hijdrobia pnpula Brus. 

Tab. l.\. Fig 12. 

1874. llydr. pufula Brusina, Binnenmollusken, pag. 04. 

Diese kleine, verhältnissmässig kurze Form, ist ziemlich verbreitet in den mittleren und oberen Paludinen- 
schichten. Da Brusina keine Abbildung von derselben gibt, so veröffentliche ich eine Zeichnung derselben. Ausser- 
ordentlich nahe verwandt ist Hydr. ventrosa. 

Exemplare liegen mir vor von Mali no, aus den Schichten mit Vir. stricfurafn. Cigelnik mit Viv. stridurata. 
Sibin mit Viv. stridurata oder notlia. C'apla mit Vir. ornafa. Ci gel nick mit Vit: Sturi. Cigelnik mit 
Viv. Hörnesi. Capla mit Viv. Zelehori. 



Hydrohia slavonica Brus. 

1874. Hydr. slavonica Brusina, Biuiienmollusken. pag. 65. Tab. V. Fig. 13. 

Hydr. slavonica ist durch schlanke Gestalt und gewölbte Umgänge ausgezeichnet. Sie fand sich an einigen 
Localitäten aber stets selten. Sibin mit Viu. stridurata oder notlia. Slobodnica mit Viv. stridurata. 
Cigelnik mit Vir. Sturi. Eine verwandte aber mit flacheren Umgängen versehene Form liegt mangelhaft 
erhalten aus den Schichten mit Viv._ hifarcinata vor. Sie wird jedenfalls bei genügendem Material abgetrennt 
werden müssen. 

Eine nahe stehende jetzt lebende Form ist Hydr. piyra Frfld. M. S. aus Süd fr an kr eich. 



Hydrohia aurita Heum. nov. form. 

Tab. IX. Fig. 15. 

Eine kleine Schnecke von verlängert conisch-eiförmiger Gestalt, welche sehr auffallend dadurch charakterisirt 
ist, dass der letzte Umgang gegen die Mündung zu sich stark erweitert und diese sehr gross ist. Die übrigen 
nicht besonders hervorstechenden Merkmale können leicht aus der Zeichnung ersehen werden. 

Sehr selten bei Karlowitz. 



Hydrohia acittecarinata Neum. nov. form. 

Tab. IX. Fig. IG. 

Das schlanke, thurmförmige Gehäuse besteht aus 6 — 7 abgeflachten Windungen, welche ganz unten einen 
scharfen Kiel tragen, mit einer schwachen Nabelritze. Mündung eiförmig, oben eckig. 

Diese eigenthümliche Form entfernt sich durch ihren scharfen Kiel von allen mir bekannten Hydrobien 
und nähert sich dadurch der Gattung Pyryula. Sie fand sich sehr selten bei Karlowitz. 



Hydrohia turricula H^eutn. nov. form. 

Tab. X. Fig. 17. 

Das kaum 2"" grosse kegel-thurmförmige, mit schwacher Nabelritze versehene Gehäuse besteht aus 4 treppen- 
förmig abgesetzten eckigen Umgängen, deren jeder zwei scharfe Längskiele trägt. Die Mundöff'nung, deren Höhe 



8 Dr. Nt'umayy ii. C. M. Paul. Die Congerien- und Faludinenschichten Slavoniens und deren Faunen. 



der ganzen Länge beträgt, ist fast ki-eisförmig, oben etwas winklig, die Mundränder zusammen- 
hängend scharf. 

Es liegen mir 4 Exemplare dieser zierlichen Art von Karlowitz in Syrmien vor. 

Die richtige generische Stellung dieser kleinen gekielten Formen bietet namhafte Schwierigkeiten. Vgl. in 
dieser Beziehung Herbich und Neumayr, Süsswasserablagerungen von Arapatak und Vargyas in Siebenbürgen, 
Jahrbuch der geologischen Reichsanstalt. 1875. 



Valvata IMüller, 

Angehörige dieser Gattung sind in den Tertiär-Abtheilungen Slavoniens ziemlich selten, und nur eine Form 
der unteren Faludinenschichten, die ich mit einigem Zweifel zu der lebenden VaJvata piscinalis stelle, liegt in 
etwas grösserer Individuenzahl vor. Ferner ist eine zweite sehr seltene Art von Brusina als Vah: Sidekiana 
beschrieben worden; eine dritte Form endlich, die icii Valvata Sibinensis nenne, liegt in einem einzigen Exem- 
plare vor. Dieselbe bietet grosses Interesse durch ihre vollständige Uebereinstimmung mit der nordamerikanischen 
Untergattung Tropidina, welche durch das Auftreten scharfer Kiele auf den Windungen charakterisirt ist. 



Valvata piscinalis Mitller. 

1869. Valvata piscinalis Neumayr, Jahrb. der geolog. Reichsanst. pag. 378. Tab. XIII. Fig. II. 
1873. . „ Sandberger, Sand- und Süsswasserconch. der Vorwelt. Tab. XXXII. Fig. 5. 

1871. ,, „ Brusina, Binnenmollusken, pag. 88. 

(Zahlreiche Citate aus früherer Literatur vgl. bei Brusina.) 

In den unteren Faludinenschichten findet sich stellenweise nicht selten eine Form, welche der recenten 
Vnh\ 2>>scinalis sehr nahe steht. Allerdings habe ich unter dem mir zu Gebote stehenden Material lebender 
Exemplare keine so hohen, w'enig breiten und eng genabelten Individuen finden können, wie wir sie bei den 
fossilen durchgehends sehen, doch theilt mir Herr Frof. Sandberger mit, dass ihm eben solche Formen auch 
lebend vorliegen, so dass ich eine Abtrennung vorläufig für unzweckmässig halte. 

Untere Faludinenschichten von Öernik und im Caplathale. Brusina citirt sie auch von Becic. Im Wiener 
Becken in den Schichten von Moosbrunn mit Jlv. Fuchsi, Hijdrohia sepulcralis und Unio ntavus. 



Valvata Sulekiana Brus, 

1873. Valvata Sidekiana Brusina, Binnenmollusken, pag. 89. Tab. VI. Fig. 11. 12. 

Diese sehr seltene Form liegt mir von mehreren Localitäten in vereinzelten Exemplaren vor. C igeln ik 
mit Vir. Sturi und mit Vir. Hörnesi. Malino mit Viv. hifarcinata. Novska mit Viv. VuJcotinovici (ein durch 
unmerklich höhere Spira unbedeutend abweichendes Exemplar). Brusina citirt sie ausserdem von Varoä und 
Krawarsko. 

Valvata Sibinensis. 

Tab. IX. Fig. 19. 

Das kleine, niedrige, nicht sehr weit genabelte Gehäuse besteht aus drei gekielten Limgängen, von denen 
die beiden oberen wenig hervorragen. Von der Naht ab sind die Windungen ganz horizontal, tragen dann einen 
sehr scharfen Kiel von dem al) die Flanken senkrecht abfallen. Auf der Basis steht ein zweiter den Nabel um- 
gebender scharfer Kiel, etwas schwächer als der obere. Mündung oben etwas winklig, senkrecht, Mundränder 
zusammenhängend, scharf. 

Diese zierliche Form ist von grossem Interesse, da sie in ausgezeichneter Weise den Typus der heutigen 
nordamerikanischen Valvaten aus der Untergattung Tropidina trägt. Tropidina tricarinata steht unserer Art sehr 
nahe, und trägt nur einen Kiel mehr auf den Windungen. 

Es liegt mir von Valvata Sibinensis ein einziges Exemplar aus den mittleren Faludinenschichten von 
Gromacnik mit Viv. stricturata vor. 



11. PaJaeontologischer Theil. 79 



Emmericia Brusina. 

Brusina hat diese Gattung für die jetzt in den nördliclien und östlichen Küstenländern des adria- 
tischen Meeres lebende, früher in der Regel als Pahulina oder Lq)fo.'is patuhi citirte Form aufgestellt und 
gleichzeitig eine neue Art aus den miocänen Süsswasserablagerungen von Dalmatien als Emnt. caudlkulata 
beschrieben.') Einen dritten Repräsentanten fand Brusina in den oberen Paludinenschichten des Caplathales 
in Slavonien und nannte ihn Emm. Jcnkiann. Unter dem mir vorliegenden Material aus Slavonien linden sich 
ausser der letztgenannten noch zwei neue Angehörige der nämlichen Gattung, die ich als Eiinn. Candida und 
glohidus beschreiben werde. Eine weitere noch unbeschriebene Art aus den Tertiär-Ablagerungen Siciliens habe 
ich im Wiener Hofmineralienkabinete gesehen. 

Die geographische Verbreitung der Gattung ist eine sehr eigenthümliihe. indem sie bis jetzt in ihren 
lebenden und fossilen Formen auf ein ausserordentlich kleines Areal beschränkt ist, ein Verhalten, welches lebhaft 
an die Beziehungen von Mel. ricmuft und HoUandrei erinnert, und in lebhaftem Contrast steht mit dem häufigen 
Mitvorkommen von Typen in den Paludinenschichten . welche jetzt ganz auf Nord-Amerika und China be- 
schränkt sind. 

Emmericia ist eine von Bi/fhinia abzweigende Gattung, welche sich an i'/yf/;. tentaculata anschliesst (vgl. 
Herbich und Neumayr, Süsswasserablagerungen von Arajiatak n. s. w. Jahrb. der geolog. Reichsanstalt. 1H75). 



Etnmericia Candida Xeam. noi\ form. 

Tab. IX. Kig. 10. 

Das kleine, glatte, mit einer sehr feinen Nabelspalte versehene Gehäuse hat eine Höhe von etwa 7"°'" und 
besteht aus vier gewölbten Umgängen, von welchen der letzte höher ist als die Spira. Mündung breit, eiförmig, 
oben zugespitzt, ]\Iundränder zusammenhängend, Aussenlippe etwas umgebogen (nicht vollständig übergeschlagen), 
in der Mitte der Höhe kaum merklich vorgezogen. 

Selten bei Sibin in den Schichten mit Vic. gtricturafa und tiotha, ein Exemplar aus den Schichten mit 
Viv. stricfurafn und G r o m a c n i k. 



Emmericia globttltts Neum. nov. form. 

Tab. IX. Fig. 9. 

Diese zierliche Art scheint etwas kleiner zu bleiben als die vorige. Sie hat nur drei Umgänge, welche 
stärker gewölbt sind als das bei Emm. Candida der Fall ist, und eine Anzahl feiner scharfer, fadenförmiger 
Längskiele tragen. Die Mündung ist etwas breiter als bei der vorigen, und an der Basis nicht ausgebuchtet, der 
Mundrand übergeschlagen, nicht nur leicht umgebogen. 

Emm. globulus findet sich sehr selten in den mittleren Paludinenschichten mit Viv. nofha und stricturata 
von Sibin. Es liegt mir von da ein ausgewachsenes und ein ganz kleines Exemplar vor. Ein zweites grosses 
Exemplar zerbrach beim Reinigen der Schale vom anklebenden Sande. 



Emmericia Jenkiana Brusina. 

Tab. IX. Fig. 7. 8. 

Durch bedeutendere Grösse, als diejenige der beiden eben beschriebenen Formen ausgezeichnet, unter- 
scheidet sieh Emm. Jenhinna von Emm. Candida durch das Vorhandensein einer spiralen Streifung, und an der 
Basis schwächer ausgebuchtete Mündung. Von Emm. (/lohidm unterscheidet sie sich dadurch, dass der Mund- 
rand nicht übergeschlagen sondern nur etwas umgebogen und dass die Längskiele nicht so scharf und deutlich 
hervortreten und nicht so regelmässig stehen als bei jener. Bei manchen Exemplaren steht in der Nähe der 



') Verhandlungen dtr Wiener zoologisch-botanischen Gesellschaft. 137ii. Bd. XX. pag. 92.^. 



80 Dr. Neumayr u. C. M. Paul. Die Congerien- und Paludinenschichten Slavonien.'> und deren Faunen. 

Mündung oder sonst auf einem Punkt der letzten beiden Windungen ein erhabener Querwulst, welcher von einem 
alten Mundrand herrührt. 

Emm. JenUlann hat sich in den oberen Paludinenschichten des Caplathales bei Podwin, zusammen mit 
Vir. ornata, Püari und vielen Unionen nicht allzu selten gefunden. Ausserdem haben sich in den Schichten mit 
Viv. notha in Malino zwei Exemplare mit zerbrochenem Mundrande gefunden, welche aller Wahrscheinlichkeit 
nach hiehergehören. 

Alle drei Arten von Emmericien habe ich wie die grosse Mehrzahl aller kleinen Conchylien durch das Aus- 
räumen des Mundes der grossen Viriparen bekommen, welche neben Thon, Sand und Schalentrümmern stets 
auch eine Anzahl wohl erhaltener kleiner Muscheln und Schnecken enthalten. 



Planorbis Guettard. 

Planorben sind in den Paludinenschichten von Westslavonieu ausserordentlich selten. Es liegen mir nur 
5 Exemplare von fünf Fundorten und eben so vielen Arten angehörig vor. Bei der Dürftigkeit des nicht einmal 
gut erhaltenen Materials war es mir unm.öglich zu einem bestimmten Resultate zu kommen. Je ein unbestimmbares 
Stück lag mir vor von folgenden Punkten: Kindrowo mit Contjeria rJiomhoidea; Sibin, Ausbiss; Öapla, mit 
Vivipara Zelebori; Gromacn'ik mit Vir. sfricturata, Scämmtlich kleine Formen. Das fünfte Exemplar endlich 
konnte ich mit einer Art identiticiren, die mir in zahlreichen guten Exemplaren aus Siebenbürgen vorliegt 
und die ich nach diesem besseren Material nächstens beschreiben werde und daher hier nur kurz dem Namen 
nach anführe. 

Planorbis transsylvanicus Neum. nov. fonn. 

Ein beschädigtes Exemplar .lus dem ersten Graben östlich vom Öaplathal bei Podwin mit Viv. Zelebori. 
Häufig und gut erhalten bei Vargyas in Siebenbürgen. 



Limnaeus Lam. 

Vertreter dieser Gattung sind sehr selten in dea slavonischeii Paludinenschichten. Nur eine einzige bestimm- 
bare Form von entschieden amerikanischem Typus hat sich gefunden. Ausserdem citirt Brusina das sehr seltene 
Vorkommen dürftiger Exemplare aus der Verwandtschaft des recenten L. pereger. 

Limnaeus acuarius Netitn. 

1869. Limnaeus acuarius Neumayr, Jahrb. der geolog. Reichsanst. 1869. pag. 378. Tab. XJII. Fig. 11. 
1874. „ „ Brusina, Binnenmollusken, pag. 98. 

Ich habe schon früher auf die nahe Verwandtschaft dieser Form mit dem recenten nordamerikanischen 
L. gracilis Say hingewiesen, für welchen man die Gattung AceUa vorgeschlagen hat. Dieser ziemlich eigenthüm- 
liche Typus findet sich ausserdem noch in den Tertiär- Ablagerungen von Nag pur im Dec an (Ostindien), wo 
er durch. L. attemiatus und sM?i«7r(^)/.s vertreten ist. Merkwürdigerweise finden sich diese Arten bei Nagpur auch 
mit Unionen von specifisch amerikanischem Habitus vergesellschaftet, von welchen einer (U. üarteri) auft'allend 
an den bekannten TJ. flahellafus der europäischen Miocän-Ablagerungen erinnert. Die Deutung der Süsswasser- 
schichten der intertrappean Formation von Nagpur als Eocän scheint ziemlich zweifelhaft. 

Bis jetzt ist Limn. acuarius nur von Repusnica bekannt. 



Yalenciennesia Rousseau. 

Diese merkwürdige Gattung ist in einer neuen Art aus den unteren Congeriensanden mit nur einem einzigen 
Exemplare vertreten. 



II. Palaeontologischer Theü. 81 



Valenciennesia Iteussi lietitn. noi'. form. 

Tab. LX. Fig. 22. 

Ich kann zwar dieser Art nur ein einziges, überdiess fragmentarisch erhaltenes Exemplar zu Grunde legen, 
doch sind die Merkmale, welche daran zu sehen sind hinreichend, um die Form von den wenigen anderen leicht 
zu unterscheiden, und selbst über die systematische Stellung und natürliche Verwandtschaft dieser eigenthümlichen 
Gattung Aufschluss zu geben. 

Val. Beussi ist ausserordentlich dünnschalig und erreicht eine viel geringere Grösse als Val. annulata, der 
Typus der Gattung. Das vorliegende Exemplar würde bei vollständiger Erhaltung etwa 30"" messen, und wenn 
auch kein Beweis vorliegt, dass dasselbe ganz ausgewachsen ist, so lässt doch die weit zartere Anlage der Sculptur, 
der Schale und des Wirbels mit Sicherheit schliessen, dass kein bedeutendes Wachsthum bis zu der ausserordent- 
lichen Grösse der T «/. annulata zu erwarten ist. 

In Gestalt, Umriss und Sculptur stellt T'. Reussi, so weit der Erhaltungszustand ein Urtheil erlaubt, genau 
eine auf ein Viertheil reducirte Val. annulata dar. Von wichtigen Merkmalen ist nur die Siphonalfurche nicht 
zu beobachten, da der betreffende Theil der Schale fehlt. 

Ein wesentlicher Unterschied gegen Val. annulata liegt ausschliesslich in der Form des Wirbels, welcher 
bei Val. Reiissi kleiner, zarter, weniger vorspringend und vollständig spiral eingerollt erscheint. Das Embryonalende 
ist eine rechts gewundene Schale , welche ganz die Formverhältnisse von Limnacus nohilis Reuss oder velutinus 
Desh. zeigt, und an welche sich dann der plötzlich riesig erweitete letzte Umgang anschliesst. 

Schon früher war von F. v. Hauer auf die Verwandtschaft von Valenciennesia mit Limnaeus nobilis hin- 
gewiesen worden,') und diese Anschauung erhält hier eine mächtige Stütze, indem Val. Beussi, wenn auch eine 
ganz entschiedene Valenciennesia doch den Uebergang zu Limnacus und zwar speciell zu Lim. nohilis anbahnt. 
Jedenfalls bildet Valenciennesia ein Glied der Familie der Limnaeiden zu denen sie auch von Bourgignat,^) 
Deshayes^) und Reuss f") gestellt wird. 

Eine andere Auflfassung hat Fischer vertreten,^) indem er Valenciennesia mit dem landbewohnenden recenten 
Camptony X aus Cochinchina zu einer Gattung vereinigte, und dieselbe von den Limnaccn abtrennte uad 
zu den Otiniden stellte. Reuss ') hat dem gegenüber schon genügend dargethan, dass kein Anhaltspunkt für die 
Annahme vorhanden ist, dass Valenciennesia das feste Land bewohnt habe, dass sie im Gegentheil ganz bestimmt 
eine brakische Form ist, welche immer und an vielen Punkten in Gesellschaft von Cardien und Congerien 
gefunden wurde. Unter diesen Umständen kann denn wohl auch von einer vollständigen Uebereinstimmung der 
Organisation zwischen Valenciennesia und Camptonyx nicht die Rede sein. Es lässt sich zu diesen Argumenten 
wohl noch hinzufügen, dass trotz der in der Hauptsache an Ancylus sich anschliessenden Form und der bei 
beiden vorhandenen Siphonalfurche doch der ganze Habitus der zwei in Frage stehenden Typen ein sehr 
verschiedener ist. 

Auch im zweiten Punkte, der Zutheilung zu den Otiniden kann ich mich der Anschauung Fischer's nicht 
anschliessen, da die Beschaffenheit des Embryonalendes hei Val. Beussi zu deutlich auf den unmittelbaren 
Zusammenhang mit den Limnaeiden hinweist. 

Das einzige Exemplar von Valenciennesia Beussi hat sich in den braunen Sauden mit Cardium Schmidti 
planum, Nova-Bossicum und Congeria rhomboidca, bei Ki ndro wo unweit Bro od in Wests lavonien gefunden. 
Die Ablagerung gehört dem unteren Theile der Congerienschichten an. 

Ich widme diese Art dem Andenken an unseren verehrten Meister Professor August Emanuel 
V. Reuss. 



') Verhandl. der geolog. Reichsanst. 1867. pag. 234. 

-) Amenites malacologiques. Vol. 1. pag. 82. 

") Descr. des auimaux sans vertebres dans le bassin de Paris. Vol. IL pag. 695. 

*) Journal de Conchyliologie. 1858. Vol. VH. pag. 317. 

^) Sitzungsberichte der Wiener Akademie raath. natur-wiss. Classe. 1868. Bd. LVII. Abth. 1. 



Abhandlungen der k. k. geolog. Ueichsanstalt. {Neumayr u. Paul.) Band VIT. 3. Heft, 11 



82 Dr. Neumayr u. C. M. Faul. Die Congerien- und Paludinenschichten Slavoniens und deren Faunen. 



Castor sp. 

Der einzige Wirbelthierrest, welcher uns aus den slavonischeu Binnenablagerungen vorliegt, ist ein Zahn 
eines grossen Nagers, aus dem Kohlenflötze der unteren Paludinenschichten von Novska. Derselbe ist schon früher 
von Dr. Bunzel als Castor fiher bestimmt worden,') doch sind in den Einzelnheiten der Schmelzfalten einige 
Abweichungen vorhanden, welche, zu gering um die generische Zugehörigkeit zu Castor zweifelhaft zu machen, 
doch eine sichere specifische Identiticirung unzulässig erscheinen lassen. Möglicherweise haben wir es mit einer 
neuen tertiären Art zu thun, doch ist es nicht möglich auf einen einzelnen Zahn hin in diesem Falle ein 
definitives Urtheil zu fällen. Die Deutung als vierter Backenzahn des rechten Oberkiefers, welche Dr. Bunzel 
gegeben hat ist wol unrichtig. Die ganze Form spricht dafür, dass wir den dritten Backenzahn des rechten 
Unterkiefers vor uns haben. 



') Jahrbuch der geolog. Reichsanstalt. 1870. pag. 257. 



III. Resultate. 



A) Geologische Gliederung; und Parallelen. 

In dem von uns untersuchten westslavonischen Becken fol^t über den versteinerungsarmen weissen Mergeln, 
dem ungefähren Aequivalent des oberen Tbeiles der ,.sarmatischen Stufe", ein vielgliedriger Complex von Binnen- 
conchylien führenden Tertiär-Ablagerungen, welcher in zwei sehr von einander abweichende Haupt- Abtheilungen, 
die Congerien- und die Paludinenschichten zerfällt. Zwischen diesen existirt in unserem engeren Gebiete 
eine natürliche Grenze und eine vollständige Verschiedenheit der Fauna und der Facies, hervorgerufen durch tief 
eingreifende Veränderungen der physikahschen Verhältnisse und der Lebensbedingungen der Einwohner. Wohl 
tritt auch innerhalb der beiden Haupt-Abtheilungen mannigfacher Wechsel der Fauna ein, allein hier ist derselbe 
durch die allmählige Umänderung der schon vorhandenen Typen durch eine continuirliche Entwicklung ein und 
derselben Bevölkerung hervorgerufen, während auf der Grenze zwischen Congerien- und Paludinenschichten die 
bisherige Fauna durch die Einwanderung einer neuen bisher in Slavonien nicht vorhandenen verdrängt wird. 
Die Continuität ist unterbrochen und es tritt auch ein vollständiger Wechsel der dominirenden Gattungen ein. 
Unten herrschen Cardien und (hngerien vor, ausserdem finden sich vereinzelt Mdannpsis. Hijärohia, Vakncien- 
nesia, Vnio, Pisiäinm eine entschiedene Brackwasserfauna. Oben sind die Caräkn verschwunden, Congeria ganz 
zurückgedrängt. Vmpara. Mehtnopsis, IJnio herrschen vollständig vor, und neben ihnen treten nur limnische 
Formen auf; es muss also die erwähnte scharfe Grenze mit dem Zeitpunkt der Aussüssung des westslavonischen 
Beckens zusammenfallen. 

Nur in einer schmalen Zwischenschicht liegen Cnrdim und Viviparen gemischt, und es muss daher die 
Aussüssung ziemlich rasch vor sich gegangen sein, rasch wenigstens im Verhältnisse zur Dauer der Ablagerung 
unseres ganzen Comple.xes. Ein derartiger schnellerer Verlauf des Processes ist aber nur dann möglich, wenn 
in diesem Zeitpunkt die kleinen slavonischen Buchten von dem riesigen Brackwasserbecken abgetrennt wurden, 
aus welchem sich in ganz Südost-Europa und weit hinein nach Asien die Congerienschichten ablagerten. Nach 
einer solchen Isolirung konnte der kleinere See bei vorhandenem Abflüsse in kürzerer Zeit seinen Salzgehalt 
durch das süsse Wasser einmündender Flüsse verlieren. 

Es ist unsere nächste Aufgabe eine Parallelisirung unserer Schichtenfolge und ihrer einzelnen Glieder mit 
den uäclistverwandten brackischen und limnischen Bildungen der angränzenden Gegenden zu versuchen, allein das- 
Resultat wird nur ein ungefähres sein, da die Begrenzung und Gliederung der „Congerienschichten" und ähn- 
licher Ablagerungen in verschiedenen Gegenden noch eine schwankende und unvollkommene ist, namentlich in 
Folge der ausserordentlich geringen Anzahl von Detailprofilen durch diese Ablagerungen. 

Zunächst muss uns die Feststellung des Typus der Congerienschichten beschäftigen. Der Name umfasst 
noch nicht überall einen bestimmt begrenzten geologischen Horizont. Allerdings bilden in sehr vielen aber nicht 
in allen Fällen nach unten die sarraatischen Ablagerungen mit ErrilUa podolica, Tapes gregaria, Mactra podolica 
und der bekannten diese Formen stets begleitenden Fauna von Westasien bis in die Gegend von Wien eine 

11* 



84 Dr. Neumayr und C. M. Paul. Die Congerien- und Paludinenschichten Slavoniens und deren Faunen. 

sich gleich bleibende Basis. Allein wo diese fehlen, und die versteinerungsarmen weissen Mergel ') oder andere 
Gebilde an ihre Stelle treten, wird die Frage weit schwieriger. Der Abschluss nach oben bietet noch mehr 
Schwankungen, da in sehr vielen Fällen nur dürftige geologische Anhaltspunkte vorliegen; auch die palaeontolo- 
gische Methode gibt keine befriedigenden Resultate, da die aus der Fauna geschöpften Merkmale grossentheils 
nur Faciescharaktere sind. Der Umstand, dass noch heute ein grosser Theil des Verbreitungsbezirkes der miocäneu 
Congerienschichten, nämlich das schwarze Meer, der caspische und der Aralsee und mehrere kleinere 
Binnenbeckeu in deren Umgebung von directen Nachkommen der tertiären Brackwasserformen bewohnt sind, 
führt zu dem Schlüsse, dass aus der Zeit der Pikermifauna bis heute ähnlich gebildete Ablagerungen sich 
in dem genannten Areal abgesetzt haben müssen. In der That zeigen die Arbeiten von v. Hauer-) und Peters^) 
deutlich, welche Schwierigkeiten ihre Vorgänger darin fanden, die tertiären und diluvialen Schichten mit Cardien 
und Congerien von einander dort zu unterscheiden. 

Die Mannigfaltigkeit der Binnenbildungen, welche mit Congerien- und Paludinenschichten in Verbindung 
stehen, ist eine ausserordentlich grosse. Der Typus der Congerienschichten, wie er im Wiener Becken entwickelt 
ist, lässt sich allerdings auf ziemlich bedeutende Erstreckung verfolgen, aber weit häufiger treten uns sehr stark 
individualisirte Localformen entgegen, welche oft auf ganz kurze Entfernung wieder einer ganz verschiedenen 
Entwicklung Platz machen, und wir können neben unserer eigenthümlichen Ausbildung in Westslavonien noch 
eine Menge von Localitäten nennen, deren jede in eigenartiger Weise ausgezeichnet ist. Von solchen Punkten 
sind z. B. zu nennen: Bollene in Frankreich, die Umgebung von Bologna, Radmanest, Tihany, Kup, 
Zala Apati, Acs, Fongod, Tab, Arpad, Hidas u. s. w. in Ungarn, Karlowitz und Görgetek in 
Syrmien, Vargyas und Arapatak in Siebenbürgen, und eine grosse Menge entfernter gelegener Punkte in der 
Moldau, der Walachei, Bosnien, der Krim, um Odessa und im griechischen Archipel. 

Diese grosse Verschiedenheit und der Reichthum an verschiedener Ausbildung hängt von verschiedenen 
Factoren ab. Einerseits hat sicher die verschiedene Fasciesausbildung in Folge von Ungleichmässigkeit in dem an 
sich geringen Salzgehalt des Wassers, in dessen Tiefe, in der Beschaffenheit des Bodens, die gerade hier sehr 
verwickelten Beziehungen von Communication und Abschliessung, einen grossen Antheil, andererseits aber müssen 
wir berücksichtigen, dass wir es mit einer ziemlichen Anzahl altersverschiedener Horizonte zu thun haben. 

Um die Congerienschichten als festen geologischen Horizont benützen zu können, müssen wir vor allem ganz 
willkührlich die Ablagerungen einer Gegend herausgreifen und nur die mit diesem localen Complexe gleichaltrigen 
Bildungen anderer Gegenden als Congerienschichten bezeichnen, die übrigen, ungleichaltrigen, wenn auch in der 
Faciesentwicklung nahe übereinstimmenden Bildungen dagegen ausschliessen. Geschieht dies nicht, so wird man 
Ablagerungen vom Miocän bis zum Diluvium in einen Horizont zusammenwerfen, wie dies in der That schon 
geschehen ist. 

Als ein derartiger Typus eignen sich wohl aus Zweckmässigkeitsrücksichten am besten die Brackwasser- 
bildungen des Wiener Beckens, welche nach unten sehr bestimmt durch die sarmatischen Ablagerungen, nach 
oben wenigstens stellenweise eben so scharf durch die Schichten von Moosbrunn mit Vieipara Fuchst, Vahata 
piscinalis, Hydrobia sepulcralis und Unio atavus abgegrenzt sind. Wo allerdings die Entwicklung der Schichten 
von Moosbrunn fehlt, auf deren Bedeutung namentlich Stur aufmerksam gemacht hat, wird die obere Grenze 
etwas unsicher, da die Beziehungen zum Belvederschotter noch nicht ganz klar sind, zwischen beiden stellenweise 
eine Denudation stattgefunden zu haben scheint und im Schotter keine Conchylienfauna enthalten ist. 

In dem Complexe der Congerienschichten des Wiener Beckens hat Fuchs*) eine Gliederung nachgewiesen, 
indem er zeigte, dass an der Basis Contjeria trianguluris und Melanopsis impressa liegen, darüber folgt ein 
Niveau mit Congeria Fartschi und Melanopsis Martiniana, während die höchsten Theile von Congeria spatulata, 
suhglohosa, Cardiiim conjungens, Melanopsis Vindohonensis, Bouei und pygmaea bevölkert werden. In manchen 
Fällen, in welchen die Uebereiustimmung mit dem Wiener Becken eine ziemlich bedeutende ist, bietet die 
Parallelisirung der analogen Ablagerungen aus anderen Gegenden mit den genannten Horizonten keine Schwierig- 
keit, und auch manche ziemlich abweichende Bildungen konnten von Fuchs in Uebereiustimmung gebracht werden, 
wie die Schichten von Radmanest, Tihany und Kup in Ungarn, welche dem Niveau der Com^c)-/« <>-/«»(/Mians 
entsprechen. 

Eine bedeutende Anzahl von Vorkommnissen konnte vorläufig noch nicht mit derselben Genauigkeit paral- 
lelisirt werden und wir wollen hier versuchen, die geologische Stellung von einigen unter ihnen zu fixiren. Wir 



') Vgl. den geolog. Theil. 

-) F. V. Hauer, lieber die Verbreitung der Jnzersdorfer Schichten in Oesterreich. Jahrb. der geolog. Reichsanst. 1860. 
^) Peters, Grundlinien zur Geographie und Geologie der DolnudscLa. Denkschrift der Wiener Akademie. Bd. 27. 
*) Jahrb. der geolog. Reichsanst. 1870. Bd. 20. pag. 187. Ebend. 1875. Bd. 25. pag. 20. 



III. Resultate. 85 

müssen dabei vor allem berücksichtigen, dass das Wiener Becken eine verhältnissmässig kleine Bucht des riesigen 
Binnensees bildete, welcher das südöstliche Europa und Westasien einnahm und dass wir in Folge dessen nicht erwarten 
können, dass alle Faunen, welche in dem grossen Becken sich entwickelten, in den ziemlich abgeschlossenen Raum 
der Wiener Bucht eindrangen. 

Einen ziemlich weit abweichenden Typus der Congerienschichten bilden die Vorkommnisse der Krim; 
hier finden wir wie im Wiener Becken die sarmatische Stufe als Basis , über welcher die Brackwasserbildungen 
folgen, so dass wir ohne bedeutenden Fehler deren Beginn in beiden Gegenden als gleichzeitig setzen dürfen; 
darüber folgen dann in der Krim Schichten mit Valnicicnnesia annuhdu und dann die bekannten Cardiensande, 
deren typische Localität Kumisch-Burun ist. Die Art der Ausbildung ist von derjenigen im Wiener Becken so 
ganz ver-schieden, dass für eine schärfere Parallelisirung so viel wie gar keine directen Anhaltspunkte vorliegen. 

Die beiden aus der Krim citirten Horizonte finden sich auch vielfach nach Westen verbreitet vor, in Ungarn, 
Slavonien u. s. w., ohne jedoch in die enge Bucht des Wiener Beckens einzudringen ; diese letzteren Vorkomm- 
nisse bieten uns auch einige , wenn auch etwas dürftige Anhaltspunkte für die Parallelisirung mit dem 
Wiener Typus. 

Ueber die Verbreitung des Horizontes der Valcncicunesia anniüata, gibt Reuss ') ausführliche Auskunft, 
und wir sehen denselben im südlichen Theile des ungarischen Beckens, ferner in Slavonien und Croatien vielfach 
vertreten, stets an der Basis der Congerienschichten; unmittelbar über den sarmatischen Schichten, oder über 
den weissen Mergeln, ein Umstand, der uns gestattet, die obere Grenze der letzteren mit derjenigen der sarma- 
tischen Schichten in diesen Gebieten als gleichaltrig zu betrachten. 

Noch grössere Verbreitung haben die dem Cardiensande von Kumisch-Burun analogen Ablagerungen; 
mit denselben Cardien wie in der Krim zeigen sich dieselben an mehreren Punkten in Ungarn (Arpäd, 
Hidas, Csetnek), ferner in der hier von uns besprochenen Gegend West-Slavoniens, endlich in Italien in der 
Gegend von Livorno und bei Bollene in Süd-Frankreich. Von Wichtigkeit ist, dass an den ungarischen und 
slavonischen Fundorten fast immer Comjeria rhomhoklm in Gesellschaft der Cardien von Kumisch-Burun 
vorkommt, eine Art, die ebensowenig wie diese letzteren im Wiener Becken bis jetzt gefimden worden ist. 

In Folge dieses Verhältnisses bietet der Vergleich der Schichten mit Couijeria rhomholdea, Cardium pla- 
num, acardo, Nova-Rossicum u. s. w. mit den Ablagerungen des Wiener Beckens Schwierigkeiten ; einen 
wichtigen Anhaltspunkt bieten die im geologischen Theile geschilderten Verhältnisse in Westslavonien, wo 
der in Rede stehende Horizont deutlich von den Schichten mit Congcria spatlmlata und Cardium slaronicum 
überlagert wird ; die Schichten mit Coiu/. rhoinhoidca sind also jedenfalls älter als das obere Niveau der Con- 
gerienschichten des Wiener Beckens mit Congeria spathulata, subglohosa und Melanopsis Vindohonensis. 

Es kann demnach nur der Horizont mit Congcrin friangnlaris und Melanopsis imprcssa und derjenige mit 
Congeria Partschi in Frage kommen, und es handelt sich dabei zunächst darum, ob die Schichten mit Cong. rliom- 
hoidea und die mit Cong. triangularis einander ersetzende , gleichzeitige , oder ob sie ungleichaltrige Bil- 
dungen sind. 

Constatiren wir zunächst, dass die in beiden gemeinsam vorkommenden Formen ausserordentlich spärlich 
sind ; es ist das zwar ein Verhältniss, welches nicht selten zwischen altersgleichen Ablagerungen vorkommt, aber 
nur dann, wenn vollständige Faciesverschiedenheit herrscht, also ganz andere Gattungen die Faunen zusammen- 
setzen, oder wenn in Folge von Isolirung in verschiedenen Districten divergirende Entwicklung der Faunen ein- 
getreten ist. In unserem Falle findet keines von beiden statt ; beide Horizonte treten im ungarischen Becken oft 
nahe bei einander auf, und doch schliessen sich Congeria triangularis und rliomloidea in ihrem Vorkommen aus ; 
und ebenso enthalten die Schichten mit Cong. triangularis von Radmanest, Tihany und Kup nicht eine 
einzige Art unter ihren zahlreichen Cardien, die sich bei Ä r p ä d , Hidas oder K u m i s c h - B u r u n wiederfindet, 
obwohl sich die einzelnen Formen aus beiderlei Ablagerungen theilweise ziemlich nahe stehen ; ein derartiges 
Verhalten deutet mit aller Entschiedenheit auf Altersverschiedenheit und lässt sich mit der Annahme einer gegen- 
seitigen Stellvertretung nicht vereinigen. 

Für die Entscheidung der Frage, welcher von beiden Horizonten der ältere, welcher der jüngere ist, liegt 
kein geologischer Anhaltspunkt vor, da sie nie in Contact beobachtet wurden ; dagegen finden wir in der Form der 
leitenden Congerien wichtiges paläontologisches Beweismaterial. Der Vergleich von Congeria triangularis., rhoni- 
boidea und suhghhosn zeigt, dass diese drei Arten in der eben genannten Aufeinanderfolge eine Forraenreihe 
bilden, innerhalb welcher Cong. rlioitihoidea das Mittelglied zwischen Cotuj. triangularis und subglohosa bildet ; 
es berechtigt uns dies die Schichten mit Cong. rhomhoidea als jünger als diejenigen mit Cong. triangularis und, 



') Sitzungsber. der Wiener Akad. 1868. Bd. 57. Abth. 1. 



86 Dr. Neumai/r und G. M. Paul. Die Congerien- und Paludincnschichten Slavoniens und deren Faunen 

wie schon oben auf geologischem Wege nachgewiesen wurde, als älter als die Schichten mit Confieria mhglohosa 
zu bezeichnen. 

Wir haben demnacii im ungarischen Becken drei verschiedene Horizonte in den Congerienschichten, von 
welchen die Fauna des niittlei'en nicht in die Wiener Bucht eindringt ; die ungefähren Repräsentanten der 
Schichten mit Congeria rhomhoidea und der Cardienfauna von Kumisch-Burun und Arpäd sind im Wiener Becken 
die Schichten mit Congeria Partschi. 

Der Horizont mit Valenciennesia anrmlata kann dann mit grosser Wahrscheinlichkeit als ein Aequivalent 
der Schichten mit Congeria triangnlaris betrachtet werden, da sie ebenso wie diese jünger als die sarmatischen 
Schichten und älter als diejenigen mit Congeria rhomhoidea sind. 

Unsere jetzige Kenntniss der Gliederung der Congerienschichten ist noch eine sehr unvollkommene, viele 
Schlüsse sind noch mit sehr geringem Beweismaterial belegt und für eine Menge von Ablagerungen ist es noch 
ganz unmöglich, sie hier oder dort einzureihen und zu parallelisii-en. In Slavonien gestaltet sich jedoch die Sache 
verhältnissmässig einfach ; im westlichen Theile sind nur die mittleren und oberen Congerienschichten bis jetzt 
beobachtet , während in Ost-Slavonien , in Syrmien , an der Basis , die Mergel mit Valeneiennema anmilafn 
auftreten. 

lieber den Congerienschichten erscheinen in West-Slavonien die ersten Lignitflötze und mit ihnen die ältesten 
Vertreter der Gattung Vivipara und es entwickelt sich ein mächtiger, reichgegliederter, kohlenführender Schich- 
tencomplex, in dessen Fauna die Pedndinen bei weitem die erste Rolle spielen und den wir desshalb als eine 
den Congerienschichten gleich werthige Abtheilung als Paludinenschichten bezeichnet haben. 
Innerhalb dieser grösseren Gruppe konnten drei aufeinanderfolgende Abschnitte unterschieden werden, von denen 
die beiden oberen wieder in eine Reihe engerer, durch eigenthümliche Faunen charakterisirter Horizonte geglie- 
dert sind, während innerhalb der unteren Paludinenschichten die Unterscheidung kleinerer Niveaus noch nicht 
durchführbar erschien. 

Nur für die unteren Paludinenschichten West-Slavoniens finden wir im Wiener Becken ein genaues Aequi- 
valent in der über den Congerienschichten liegenden Fauna von Moosbrunn, deren wenige Arten sich fast alle 
in den unteren Paludinenschichten West-Slavoniens wiederfinden ; die gemeinsamen Formen sind folgende : 

Viripdfa Fuchsig Valvata piscinalif;. 

IJydrohia septdcralis, Unio atavus. 

Weiterhin wird jeder genaue Vergleich unmöglich , denn während in Slavonien Mollusken fauna über Mol- 
luskenfauna folgt, tritt im Wiener Becken der fast conchylienlose, nur Säugethierreste führende Belvederschotter 
auf, den man wohl auf Grund der ähnlichen Lagerung als ungefähres Aequivalent der mittleren, vermuthlich 
auch der oberen Paludinenschichten ansprechen kann , ohne dass bei der vollständigen Verschiedenheit der 
Ablagerungen und bei. dem Mangel directer Anknüpfungspunkte grosser Werth darauf gelegt werden könnte. 

Die weitere Verbreitung der Paludinenschichten ausserhalb West-Slavoniens ist eine sehr bedeutende, wie 
dies schon im geologischen Theil dargelegt wurde. Zunächst schliessen sich denselben vollständig gleichartig 
beschaffene Ablagerungen im Westen in Croatien an, so übereinstimmend, dass eine weitere Besprechung niclit 
nothwendig ist. 

Sehr ausgedehnt kommen dann ähnliche Gebilde im Osten vor; zunächst ist es das östliche Slavonien, wo 
Bergrath Wolf bei Karlowitz und Dr. Lenz bei Görgetek unweit Jirek in Syrmien Paludinenschichten 
auffand ; in Ungarn ist es namentlich der südliche Theil, die Umgebung des Plattensees, wo dieselben vielfach 
auftreten, so bei Fongod, Zala-Apati, Tab und Kenese; doch finden sie sich auch weiter nördlich bei 
Acs, in der Nähe von Komorn und in der Umgebung von Mi'skolcz; auch aus Siebenbürgen sind einige 
Localitäten, wie Arapatak und Vargyas bekannt. 

Ziemlich verbreitet scheinen die Paludinenschichten in der Walachei und Moldau, doch ist bis jetzt 
noch nicht genug über deren Vorkommen in diesen Ländern bekannt, um sich ein klares Bild derselben machen 
zu können. Ferner sind unsere Ablagerungen noch bei Ypek in Bosnien und im südöstlichen Theil des griechi- 
schen Archipels auf Kos und Rhodus vertreten. 

In neuester Zeit hat auch Martens von Omsk in S i b i r i e n eine kleine Fauna beschrieben '), welche viele 
Analogie mit derjenigen der Paludinenschichten zeigt , und endlich ist noch zu erwähnen , dass vor langer Zeit 
von Girard aus Kamtschatka eine Änodonfa tenuis veröffentlicht worden ist, ^) welche mit unserem Unio 



') Zeitschrift der deutschen geol. Gesellschaft. 1874. Heft 4. 

'•') Ermann's Archiv für wiaaenschaftliche Kunde Russlands. Bd. III. 



in. Eesultaie. 87 

maximus verwandt zu sein scheint, wodurch vielleicht eine Andeutung des Auftretens unserer Ablagerung im 
äussersten Nordosten Asiens gegeben ist. 

Die Paludineuschichten des östlichen Slavonien stimmen in ihrer ganzen Ausbildungsweise ausserordentlich 
nahe ndt denjenigen Ungarns überein, weichen dagegen von dem westslavonischen Typus stark ab, viel weiter als 
dies bei den entlegenen Ablagerungen der Walachei und selbst des griechischen Archipels der Fall ist. In West- 
Slavonien liegen im unteren Theil unseres Schichtencomplexes glatte Vivipara-Arten und ebensolche sind es, 
welche sich in Ost-Slavonien und Ungarn finden, doch sind es mit einer einzigen Ausnahme durchweg von einander 
verschiedene Formen, die in den beiden Gebieten vorkommen. In dem letzteren Territorium finden sich fast nur 
solche Arten, welche sich auf Virijxtrn Sadkri als Grundform zurückführen lassen, während dieselben den unteren 
Paludineuschichten West-Slavoniens vollständig fehlen ; im mittleren und oberen Theile des Complexes treten in 
West-Slavonien fast nur stark verzierte Formen auf, die in Ungarn und Ost-Slavonien nicht vorkommen ; andere 
Fossilien bieten so viel wie gar keinen Anhaltspunkt. 

Unter diesen Verhältnissen wäre ein Vergleich schwierig , wenn nicht das Vorkommen einer ungarisch-ost- 
slavonischen Form in West-Slavonien wenigstens einiges Licht verbreiten würde. Wie eben erwähnt, gehören mit 
ganz geringen Ausnahmen die Paladinen des ersteren Gebietes der Formenreihe der Vivipard Sadlrri an und 
diese wichtige Stammform findet sich in West-Slavonien bei Malino im unteren Theile der mittleren Paludinen- 
schichten mit Viv. bifarciiiafa und Meluiifhopsln, und es spricht daher ein hoher Grad von Wahrscheinlichkeit 
dafür, dass alle die östlich gelegenen Ablagerungen mit von Vii\ SadJcri derivirten Formen jünger als die unteren 
Paludinenschichten seien ; weiter lässt sich die Parallelisirung nicht führen ; den unteren Paludineuschichten kann 
möglicherweise im ungarisch-ostslavonischen Becken Viv. balatonica angehören. 

Während zwischen diesen zwei einander naheliegenden Gebieten ein tiefgreifender Unterschied vorhanden 
ist, schliessen sich die Ablagerungen des viel entfernteren walachischen Beckens aufs engste an die westslavoni- 
schen an, und beide sind durch eine ganze Reihe übereinstimmender Arten wie Viv. bifarcinafa, stricturata, 
eburnea und andere verbunden, ja die Mehrzahl der Arten aus diesen noch wenig bekannten Ablagerungen, von 
denen wir durch Bielz die erste Kunde erhalten haben, stimmt mit West-Slavonien überein. 

Die Fauna der Paludinenschichten auf Kos ist nur erst durch einige unvollkommene Zeichnungen bekannt 
geworden, doch treten ganz den westslavonischen analoge Paludinen auf und auch eine der abgebildeten Neritinen 
findet .sich in Malino wieder. ') 

Diese eigenthümlichen Verhältnisse erlauben einige Schlüsse über die Vertheilung der Binnenseen in jener 
Zeit ; schon oben wurde erwähnt, dass mit Beginn der Ablagerung der Paludinenschichten von dem grossen 
zusammenhängenden Becken, aus welchem die Congerienschichten sich abgelagert hatten, das westslavonische 
Gebiet sich abtrennte und ausgesüsst wurde ; in derselben Weise muss das ungarisch-ostslavonische Territorium 
in derselben Zeit als ein eigener See von dem grossen Binnenmeere losgelöst worden sein. W'ährend die nahe 
Verwandtschaft der Paludinen in West-Slavonien und der Walachei auf eine directe Verbindung dieser beiden 
Gebiete hinweist, deutet die Selbstständigkeit der ungarisch-ostslavonischen Fauna auf eine Isolirung dieses Areals 
von dem vorher genannten, so dass hier eine selbststäudige Entwickelung der Fauna Platz greifen konnte, welche 
vorwiegend durch Viv. Sadleri und ihre Nebenformen charakterisirt ist. Bemerkenswerth ist, dass die ungarischen 
Paludinenschichten nicht selten Cardien führen, welche den westslavonischen Ablagerungen dieses Alters vollstän- 
dig fremd sind ; das Vorkommen dieser typischen Brackwasserbewohner in Ungarn und Ost-Slavonien weist darauf 
hin, dass dieses Becken weit langsamer ausgesüsst wurde als das westslavonische, ein Umstand, der, wie wir unten 
sehen werden, von grosser Wichtigkeit ist. 

Die Verbindung zwischen West-Slavonien und der Walachei muss im Süden stattgefunden haben, wo das 
isolirte Vorkommen von Paludinenschichten bei Ypek in Bosnien, und die Lignitvorkommen von Sophia und anderen 
Punkten in Bulgarien wenigstens eine erste Andeutung über den Verlauf geben. 

Das Verhältniss der Gegend, welche jetzt die Fluthen des aegeischen Meeres bedecken, zu dem grossen 
Binnensee der Congerienschichten, wie er zu Ende der Miocänzeit bestand, ist noch unklar, da die Fauna der im 
griechischen Archipel weitverbreiteten Süsswasserablagerungen noch sehr wenig bekannt ist. 

Schon Hochstetter hat auf das Vorkommen von Mdanopsis und Conyeria führenden Süsswasserablage- 
rungen von höherem Alter als das Sarmatische in der europäischen Türkei aufmerksam gemacht, und die neuesten 
Untersuchungen von Fuchs in der Umgebung von Constantinopel haben dieses bestätigt; ohne Zweifel 



') lu der Zwischenzeit sind die betreffenden Vorkommuisse auf Kos von Einem von uns untersucht worden ; diesellieu scheinen, 
soweit es vor der definitiven Bearbeitung des gesamniten Materials möglich ist, ein Urtheil zu fällen, den unteren und mittleren 
Paludinenschichten West-Slavoniens zu entsprechen. 



88 Br. Nmmaijr und C. M. Paul. Die Congerkn- und Paludinenschichten Slavoniens uud deren Faunen. 

gehören diesem tieferen limnischen Horizonte einige Melanoj)siden an, welche einer von uns im vorigen Jalu-e in 
der Nähe des Schlosses der sieben Thürme bei Constantinopel gesammelt hat und die mit denjenigen von Miocic 
in Dalmatien die grösste Verwandtschaft zeigen, so dass diese mit vieler Wahrscheinlichkeit diesem älteren Süss- 
wasser-Horizonte angehören ^) ; dafür spricht auch die geringe Verwandtschaft, welche die dalmatinischen Mela- 
nopsidenmergel mit den Congerien- und Paludinenschichten zeigen, eine Verwandtschaft, die sich auf eine gemein- 
same Hifdrohia. vielleicht noch einen Ltthoghjplvus und eine Mrlanopsis beschränkt. Im mittleren und südlichen 
Theil des grichischen Archipels fehlt das Sarmatische, wie überhaupt jedes marine Miocänglied, soweit bis jetzt 
bekannt ist ; dagegen treten ungeheuer mächtige Süsswasserablagerungen auf , welche viele Analogie mit den 
„weissen Mergeln" Slavoniens zeigen, deren oberstes Glied auf Kos die Paludinenschichten bilden und w-elche 
vielleicht das ganze Miocän von der sogenannten jüngeren Mediterranstufe an aufwärts vertreten. Jedenfalls be- 
dürfen diese interessanten Verhältnisse noch eingehender Untersuchung. 

Jedenfalls weist die nahe Verwandtschaft der Paludinenschichten auf Kos mit denjenigen in West-Slavonien 
und Rumänien auf eine Verbindung auch in dieser Richtung hin. 

In dieser Weise lösten sich zu Beginn der Ablagerung der Paludinenschichten weite Gebiete von dem 
riesigen Brackwasserbecken der Congerienschichten ab ; noch blieb ihm das Gebiet des schwarzen Meeres, des 
kaspischen und Aralsees und aller Wahrscheinlichkeit nach gehörten ihm auch jene gewaltigen Strecken an, 
welche heute östlich vom Aralsee in Central- Asien als Wassergebiete ohne Abfluss nach dem Meere sich aus- 
breiten , das ganze Gebiet der grossen asiatischen Binnenbecken. Dass auch ein Theil von Sibirien an dieser 
Entwickelung Theil nahm, beweisen die neuerdings von Martens von Omsk am mittleren Ir tisch beschrie- 
benen Fossilien. 

Später nahm die Wasserraenge in diesem Riesenbecken noch mehr ab, das schwarze ]\Ieer, der Caspi- und 
Aralsee trennten sich von einander, ersteres trat in Verbindung mit dem Mittelmeer, während die beiden letzte- 
ren noch heute die abgeänderte Fauna der Congerienschichten beherbergen, die uns diluvial noch überall in der 
Umgebung des schwarzen Meeres entgegentritt , und von der sich auch in letzterem noch einige Cardien 
erhalten haben. -) 

Der Versuch nach den jetzt vorliegenden Daten eine Parallelisirung unserer Binnenbiklungen mit marinen 
Ablagerungen West-Europas vorzunehmen hat jetzt wegen der mangelhaften Daten, die uns vorliegen, wenig 
Werth. Wenn die Ablagerungen, die bei Bollene in Frankreich und bei Bologna über und unter den Con- 
gerienschichten liegen, genau untersucht sein werden, so wird dies manchen Aufschluss geben ; aber auch dann wird 
an eine Detail-Parallelisirung unserer limnischen und brackischen Einzelhorizonte mit speciellen marinen Schichten 
nicht zu denken sein, vor Allem weil es an jedem relativen Zeitniaass fehlt ; beim Vergleiche mariner Ablagerun- 
gen untereinander gibt die Dauer der Constanz der einzelnen Formen , wenigstens für gleichartige Faciesgebilde 
einen ungefähren Maassstab, indem trotz grosser Abweichungen im Einzelnen bei sehr grossem Vergleichsmaterial 
eine gewisse Gleichmässigkeit in der Durchschnittsdauer der Formen aus gleichen Gattungen und selbst Ordnun- 
gen in, den gleichen Becken bemerkbar wird. Beim Vergleiche von marinen mit limnischen und brackischen 
Gebilden fällt dieser Anhaltspunkt ganz weg ; die Süss- und noch mehr die Brackwasserformen zeigen einen sehr 
hohen Grad von Variabilität und dem gemäss scheint hier auch die Entstehung consolidirter Abänderungen, neuer 
Formen weit rascher vor sich zu gehen als im Meere ; es geht dies schon aus den Verhältnissen der Paludinen- 
schichten hervor, in welchen wir 8 Horizonte mit verschiedenen auseinander sich herausbildenden Formen vor uns 
haben, obwohl sie offenbar einen relativ kurzen Zeitraum repräsentiren. 

Noch müssen wir einige Worte über die Frage beifügen, ob die Paludinenschichten als miocän oder als 
püocän zu betrachten sind, welch letztere Anschauung Brusiua adoptirt hat. Wie wir oben gesehen haben, 
müssen wir jedenfalls annehmen, dass der Belvederschotter einem Theile der Paludinenschichten dem Alter nach 



') Die geringe Anzahl von Arten bei gleicher Faciesausbildung, welche die kleinen Süsswasserbecken Dalmatiens mit einander 
gemein haben, macht es in hohem Grade wahrscheinlich, dass dieselben durchaus nicht alle gleichen Alters sind ; die Parallele mit 
den genannten älteren Bildungen gibt nur für die Schicht mit stark knotiger Melanopsis inconstans, Mel. Zitteli und ncanthica von 
Miocic (vgl. oben pag. 38). 

") Bischoff (Lehrbuch der ehem. Geologie) folgert aus dem Salzgehalt des caspischen Meeres, welcher sehr viel geringer ist 
als derjenige des schwarzen Meeres, dass dieselben nicht in Zusammenhang gestanden haben können ; nachdem in Binnenseen, in 
welchen nur die Verdunstung der Wasserzufuhr das Gleichgewicht hält, der Salzgehalt fortwährend steigt, so miisste derselbe im 
Caspisee seit der Sonderung ein grösserer, nicht ein geringerer geworden sein. Dieser Schluss ist an sich richtig, es ist jedoch über- 
sehen, dass damals das schwarze Meer selbst noch ein abgeschlossenes Binnenbecken war, dessen Wasser, wie die Fossilreste zeigen, 
viel weniger Salz enthielt als dies jetzt der Fall ist. Die stärkere Concentratiou im Wasser des schwarzen Meeres trat erst ein, als 
dasselbe mit dem stark gesalzenen Mittelmeer in Verbindung trat. 



III. Resultate. 



89 



gleichzusetzen ist, und da der Belvederschotter noch die miocäne Säugethierfauna enthält, so müssen wir jedenfalls 
auch die ihm dem Alter nach gleichstehenden Theile der slavonischen Süsswasserbildungen als miocän betrachten. 
Immerhin ist dadurch noch nicht ausgeschlossen, dass die Dauer der Paludinenschichten eine längere gewesen sei 
und deren oberer Theil noch in die Pliocänzeit hineingereicht habe. Endgiltig wird diese Frage nur durch Auf- 
findung von Wirbeltliierresten entschieden werden Ivönnen, immerhin aber spricht schon jetzt der Umstand, dass 
die Paludinenschichten von Kos discordant von marinen Pliocänbildungen überlagert werden ^) , sehr entschieden 
für die Zugehörigkeit der ganzen Paludinenschichten zum Miocän. 

Zum Schlüsse dieses Abschnittes haben wir hier versucht, unsere Anschauungen über die Gliederung und 
gegenseitige Parallelisirung der in Rede stehenden Ablagerungen im südöstlichen Europa in Form einer Tabelle 
zur Anschauung zu bringen. 



West-Slavonien 



Obere 
Paludinenschichten 



Mittlere 
Paludinenschichten 



Untere 
Paludinenschichten 



Schichten 

mit 

Congeria spathulntn 



Schichten 

mit 

Congeria yhowhoidea 



Wiener Becken 



Ungarn 

und 

Ost-Slavonien 



? Belvederschichten 
2. Th, 



Belvederschichten 
z. Th. 



Schichten von 

Moosbrunn. 

? Belvederschichten 

z. Th. 



Weisse Mergel 

mit 

Plauorhen 



Schichten 

mit 

Congeria spathulata 



Schichten 

mit. 

Congeria Partschi 



Schichten 

mit 

Congeria triangtdaris 



Sarraatische 
Schichten 



Pahiilinenschichten 

von 

Keuese, Zala-Apati, 

Görgetek u. s. w. 

Paludinenschichten 

von 

Tab ? 



Arpäd, Hidas 



Kup. 

Radmanest, Tihany. 

Schichten mit 

Valenciennesia annulata 



Sarmatische Schichten 

oder 

weisse Mergel 



Krim 



Sonstige 
Vorkommen 



Cardienschichten 

von 

Kuraisch-Biirnn u. s w. 



Schichten 

mit 

Valenciennesia annulata 



Sarmatische 
Schichten 



Vertreten 

in der 
Walachei 



Paludinenschichten 

von Kos, oberer Theil. 

Vertreten in der 

Walachei. 



Paludinenschichten 

von Kos. unterer Theil. 

Vertreten in der 

Walachei 



Cougerienschichteu von 

Bollene (Frankreich) 

und aus der Gegend von 

Bologna 



B) Zoogeographisclie Beziehungen. 

Nicht nur auf der Grenze zwischen Congerieu- und Paludinenschichten findet in West-Slavonien ein tief- 
greifender Wechsel der Fauna statt, sondern auch innerhalb der Paludinenschichten erfolgt mehrmals eine voll- 
ständige Erneuerung der Bevölkerung. Während aber an der erstereu Grenze eine nahezu vollständige Verdrän- 
gung der alten Bewohner durch neue Einwanderer stattfand, trat innerhalb der Paludinenschichten kein bedeutender 



') Forbes und Spratt, travels in Lycia. 

Abhandl-jngen der k. k. seolog. Reiciläauätalt. (Neumayi- u. Paul.) BanJ VII. 3. Heft. 



12 



90 T)r. Neumayr u. C. M. Paul. Die Congerien- und Paliidinenschichten Slavoniens und deren Faunen. 

Facieswechsel, keine rasche Aenderung der Lebensbedingungen ein, so dass die Umgestaltung der Fauna durcli 
ailmälilige Umgestaltung der schon vorhandenen Formen geschah. Trotzdem wurde der Charakter der Bevölke- 
rung auch innerhalb der Paludinenschichten so gründlich modificirt, dass die jetzt lebenden Analoga der Arten 
der oberen raludinenschichten der Mehrzahl nach ganz andere Weltgegenden bewohnen als diejenigen der unteren. 
Der folgenden Besprechung dieser interessanten Verhältnisse liegen ausser den früheren Arbeiten von Hörn es 
und Frauenfeld und mannigfachen eigenen Untersuchungen namentlich die ausgedehnten und interessanten 
Vergleiche zu Grunde, welche Brusina in seiner hier oft citirten Arbeit zwischen den tertiären Formen Slavo- 
niens und der jetzt lebenden Fauna angestellt hat. 

Bezüglich der Congerienschichten ist es eine längst bekannte Thatsache, dass dieselben im Charakter ihrer 
Conchylien die grösste Uebereinstimmung mit der jetzigen Fauna des caspischen Meeres, mit gewissen Formen 
des schwarzen Meeres und der in der Nähe gelegenen Salzseen zeigen ; das gemeinsame Vorkommen der eigen- 
thümlichen Cardien, der Congerien u. s. w. ist so bekannt, dass es überflüssig erscheint, in Einzelheiten einzu- 
gehen. Es wird wohl ziemlich allgemein anerkannt, dass das schwarze Meer, der Caspi- und der Aralsee die 
Ueberreste des riesigen tertiären Binnenbeckens darstellen, aus welchem sich die Congerienschichten abgesetzt 
und in denen die Reste jener Fauna sich erhalten haben. 

Nur ein Punkt verdient noch Erwähnung, dass nämlich in den Congerienschichten das pontisch-caspische 
Element ganz dominirt und dass neben diesem fast nur der Ablagerung eigenthümliche Typen auftreten ; die 
vielfach in der Literatur auftretenden Angaben vom Vorkommen amerikanischer Formen, beziehen sich durchweg 
auf Arten der Paludinenschichten, welche von jenen bisher nicht getrennt wurden ; auch das mediterrane Element 
ist sehr schwach vertreten. Valenclennesia wurde als Analogon des in Hinter-Lidien vorkommenden Camptonyx 
citirt, allein diese Beziehungen eines Bewohners des Brackwassers zu eineyi solchen des festen Landes sind denn 
doch nur sehr entfernt und sehr problematisch (vergl. im paläontologischen Tlieile bei Val. Beussi). 

Mit dem Eintritte in die unteren Paludinenschichten tritt uns sofort eine Bevölkerung ganz anderer Art 
entgegen ; es ist der Charakter unserer jetzigen Mediterranfauna, welchen wir hier finden ; Vivlpara Fuchsi, 
Neumaijfi, die verschiedenen Mrlanopsis., Lithoijhjphus. Hiidrohiu, Valfata, Uiiio afavns tragen den T3'pus der 
mediterranen Länder oder etwas nördlicherer Gegenden. Man sollte nun erwarten, dass von da an eine stetige 
Annäherung an die jetzt lebenden verwandten Formen der Mittelmeerländer, eine allmählige Entwickelung zu den 
jetzt noch in denselben Gegenden vorkommenden Arten stattfinde ; allerdings erscheinen auch noch in den mittleren 
und oberen Paludinenschichten mannigfache Mediterranformen, z. B. die Mehrzahl der hier vorkommenden Arten 
von Melanopsis, Melania ricinus, die Emericien, Pisidien, wol auch die Hydrobien ; neben ihnen aber treten 
zahlreiche andere Typen auf, und zwar meist gerade die Angehörigen der dominirenden Gattungen wie Viriimra 
und f/nio, ferner Livinacns acuarius, Valvata, welche durchaus ein fremdartiges Gepräge an sich tragen und mit 
gar nichts verglichen werden können, was jetzt in Europa vorkommt. 

Unter den Unionen ist in den mittleren und oberen Paludinenschichten vor allem der so leicht kenntliche 
nordamerikanische, nächstens der ostasiatische Typus vertreten ; nicht eine unter den zahlreichen Arten trägt 
einen anderen Habitus ; die T7r/j)ro-«-Arten der mittleren Paludinenschichten haben ein ganz fremdartiges Gepräge, 
nur Viv. melanthopsis erinnert an amerikanische Melanthoformen. 

Gehen wir weiter in die oberen Paludinenschichten, so erinnert die Gestalt und Verzierung fast aller Palu- 
dinengehäuse an Tulotoma^ und ist also der nordamerikanische Charakter vollständig ausgesprochen. Neben diesen 
Formen sind nur noch einige wenige Vorkommnisse zu erwähnen, welche in ihrer charakteristischen Verzierung 
und in den Proportionen sich ganz an chinesische Arten anschliessen, so Vir. Vnliotinovifi und Pauli, denen 
aus Siebenbürgen noch die mit Viv. Vukotinovi'^i in innigster Beziehung stehende Viv. Hcrhiclii beigefügt 
werden kann. 

Es gibt keine tertiäre Binnenablagerung in Europa, deren Conchylienfauna sowohl absolut als relativ, im 
Verhältniss zur Gesanimtzahl der vorhandenen Arten, so viele nordamerikanische Typen enthielte, als die oberen 
Paludinenschichten West-Slavoniens, und ausserdem enthalten noch nahe verwandte Ablagerungen benachbarter 
Gegenden manche Formen, welche denselben Charakter zeigen, z. B. Carinifej' und Tropidina in Siebenbürgen. 
Von besonderem Interesse ist dabei, dass bei den Viviparen die aberrantesten Repräsentanten, sowohl die 
chinesischen als die nordamerikanischen Typen, von gewöhnlichen glatten Formen von mediterranem Charakter 
abgeleitet werden müssen ; wir haben im paläontologischen Theile gesehen, dass diese äussersten Extreme durch 
vollständige Uebergäiige mit Viv. Neumayri in Verbindung stehen, welche überaus nahe mit der jetzt in den 
südlichen Mittelnieerländern lebenden Viv. unicolor verwandt ist. Viv. Neumayri liegt in den unteren Paludinen- 
schichten und ändert in den aufeinander folgenden Ablagerungen so weit ab, dass wir ohne bedeutenden Sprung und 
Lücke zu den chinesischen wie zu den nordanierikanisclien Typen hinübergeführt werden ; diese sind also während 
der jüngeren Tertiärzeit in Süd-Ost-Europa durch allmählige Umformung von mediterranen Formen autochthou 



in. Resultate. 91 

entstanden, und was für Vivipara als sicher erwiesen dasteht , kann auch durch AnalogieschUiss auf andere 
ähidich auftretende Gattungen übertragen werden , insoferne wir auch diese als durcli allmählige Umänderung 
autochthon in jenen Gegenden hervorgegangen betrachten müssen. 

Bekanntlich treten Formen von amerikanischem Typus in westlicheren Gegenden von Europa schon in bedeutend 
älteren Miocänablagerungen auf, als die Paludinenschichten sind ; übrigens stimmt das Verhalten der Flora des 
osteuropäischen Miocän mit dem der Binnenconchylien in gewisser Richtung überein , indem die Flora der sar- 
matischen und der Congerienschichten nach Stur^) ein sehr starkes Contingent von kleinasiatischen, kaukasi- 
schen, persischen Typen enthält, eine Zusammensetzung der Flora, welche mit derjenigen der Couchylienfauna der 
Congerienschichten gut harmonirt; wir dürfen erwarten, wenn einmal die Flora der Paludinenschichten bekannt 
wird, in ihr viele amerikanische Formen zu finden. 

Ich glaube, dass ziemlich allgemeine Uebereinstinmiung darüber herrscht, dass so überaus nahe Beziehungen 
zwischen zwei P'aunen, wie wir sie zwischen derjenigen der Paludinenschichten und der jetzigen Nord-Amerikas 
vor uns sehen, nur durch die Existenz eines directen Zusammenhanges erklärt werden können, und wir sind 
wohl berechtigt einen solchen in diesem Falle anzunehmen. Die Flora des europäischen Miocän zeigt bekannthch 
die grösste Uebereinstimmung mit der jetzigen Flora von Nord-Amerika, und ebenso tragen auch zahlreiche Land- 
und Süsswasserthiere des westeuropäischen Miocän denselben Charakter, und in Folge dessen ist längst angenom- 
men, dass bis gegen das Ende der Tertiärzeit eine Festlandsverbindung zwischen der alten und neuen Welt 
bestanden haben müsse ; es ist also in dieser Richtung lediglich eine weitere Bestätigung längst bekannter Dinge, 
welche die Untersuchung der westslavouischen Biunenmollusken mit sich bringt. Dagegen ist es eine noch nicht 
vollständig entschiedene Frage, wo diese Verbindung stattgefunden hat und in dieser Beziehung werden wir einige 
Schlüsse ableiten können. 

Bekanntlich wurde und wird von manchen Forschern, namentlich von Heer und Unger die Ansicht auf- 
gestellt und vertreten, dass die in Rede stehende Verbindung im Westen Europas durch eine Atlantis stattgefun- 
den habe, dass sie durch einen Strich festen Landes vermittelt worden sei, welcher im Norden bis Island, im 
Süden bis zu den Azoren sich ausgedehnt hätte. Auf dem grössten Theil dieser Region haben wir jetzt Meeres- 
tiefen von mehr als 2000 Faden, und grosse Gebiete derselben liegen mehr als 4000 Faden oder 24.000 Fuss 
unter dem Meeresspiegel, und bis in diesen riesigen Abgrund soll das ungeheure Ländergebiet der Atlantis seit 
den letzten Phasen der Tertiärzeit versunken sein. Lyell führt die Unwahrscheinlichkeit einer so colossalen 
Niveauverschiebung, gegen welche die Entstehung eines Alpengebirges als eine Kleinigkeit erscheint, während des 
kurzen Zeitraumes der Diluvialzeit als schwerwiegenden Beweis gegen die Annahme einer Landverbindung im 
Westen an, und in der That will ein solcher Vorgang mit den gegenwärtigen Anschauungen, welche die 
gewaltthätigen Hebungstheorien mit Recht bei Seite gelegt haben, sich kaum in Einklang bringen lassen. 

Diesen Schwierigkeiten begegnet, wie Lyell bemerkt, die Annahme einer Verbindung zwischen dem nord- 
östlichen Asien und dem nordwesthchen Amerika, also etwa durch ein Aleutenfestland, nicht, indem wie Lyell 
hervorhebt, hier keine bedeutenden Meerestiefen sich befinden. 

Während Lyell sich bei seiner Beweisführung auf die Reliefverhältnisse des jetzigen Meeresbodens stützt, 
sind Asa Gray und Olliver auf ganz anderem Wege, durch Folgerungen aus der Zusammensetzung der euro- 
päischen Miocänflora zu demselben Resultat gekommen. In dieser sind nächst den amerikanischen die ostasiati- 
schen , chinesischen und japanesischen Typen am stärksten vertreten, und es führt dies mit Entschiedenheit zu 
der Annahme, dass die Weiterverbreitung der europäischen Miocänpflanzen nach Osten stattgefunden habe, wobei 
ein Theil nur bis Ost-Asien gelangte und hier sich selbstständig weiter entwickelte, während ein anderer Theil 
auf dem angedeuteten Wege sich bis nach Nord-Amerika verbreitete und dort ein wesentliches Element der 
heutigen Flora dieses Continentes abgab. Dafür spricht auch die vielfach nahe Verwandtschaft der heutigen ost- 
asiatischen mit der nordamerikanischen Flora und Fauna, wie sie z. B. in den Magnolien und Unionen sich kund 
gibt. Auch unter den miocänen Binnenthieren Europas finden sich ostasiatische Formen, z. B. der berühmte 
Andrias Scheuchseri, der seinen nächsten ^^erwandten in dem Cryptobranchus japonicits hat. 

Ohne irgendwie in die Einzelheiten der Begründung einzugehen, haben wir kurz die einander gegenüber- 
stehenden Ansichten dargestellt und werden hier nur die Anhaltspunkte für Beurtheilung der Frage etwas näher 
erörtern, welche sich aus der Untersuchung der westslavouischen Süsswasserablagerungen ergeben. Wie in der 
Flora der europäischen Miocänbildungen , finden wir auch in den oberen Paludinenschichten nordamerikanische 
und ostasiatische Typen nebeneinander; Vivipara VuJiotinovici und Pauli in Slavonien, Vivipara HerbicJii und 



') Stur, Flora der Cougerien- uud Cerithienschichten. Jahrb. d. gpol. Reichsaust. 1867, Heft 1. 

12* 



92 Dr. Neumayr ii. C. 31. Paul. Die Congerien- und Pidudinenschiclilen Slavoniens und deren Faunen. • 

Clausilia limhata in anderen Districten haben ihre nächsten lebenden Verwandten in China, wie tue zahh-eichen 
oben aufgeführten Formen die ihrigen in Amerika haben. Dass diese Vergesellschaftung sich auch hier wiederholt, 
ist eine sehr schwerwiegende Bestätigung der von Gray und Olliver angeführten Beweise für den Festland- 
Zusammenhang im Nordosten von Asien, da man sonst annehmen müsste, dass in all den citirten Fällen ein Theil 
der Fauna nach Osten, nach China, Japan u. s. w., ein anderer nach Westen über die Atlantis nach Nord-Amerika 
gewandert sei. 

Ganz besondere Schwierigkeiten würde die Weiterverbreitung der Fauna der Paludinenschichten nach Westen 
bieten ; der westhchste Punkt, von dem dieselben bekannt sind, ist in Croatien, in West-Europa sind sie nie 
beobachtet worden ; da nun ihre so autfallenden Conchyüenreste in diesen verhältnissmässig gut untersuchten Län- 
dern der Aufmerksamkeit sicher nicht entgangen wären, so darf man wohl annehmen, dass sie überhaupt sich 
nicht nach Westen verbreitet haben. Im Osten dagegen kennen wir sie bis weit hinein nach der Walachei ; im 
pontisch-caspischen Gebiete kann deren Auftreten natürlich nicht erwartet werden, da das Binnenbecken dieser 
Gegenden stets brackisch blieb und nie genug ausgesüsst wurde, um der Süsswasserfauna der Paludinenschichten 
günstige Lebensbedingungen zu bieten. Die weitere Fortsetzung muss also im Süden des pontisch-caspischen 
Gebietes gesucht werden, und in der That treten als eine Etappe in dieser Richtung die Paludinenschichten von 
Kos auf. Wir dürfen hier wohl erwähnen, dass wir auf Grund derartiger theoretischer Betrachtungen zu dem 
Schlüsse gekommen waren, dass im südlichen Klein-Asien das Auftreten von Paludinenschichten zu erwarten sei; 
dadurch wurden wir auf das Studium der Literatur über Klein-Asien geführt und fanden nun erst nachträglich 
als Bestätigung unserer Annahme in den Travels in Lycia von Forbes und Spratt die Angaben über das 
Vorkommen unseres Schichtencomplexes auf Kos. 

Während die vorliegende Arbeit schon im Satze begritfen war , erschien dann noch als eine glänzende Be- 
stätigung dieser Auffassung die von Martens gelieferte Beschreibung der interessanten tertiären Binnenfauna 
von Omsk in Sibirien, welche mit derjenigen der Paludinenschichten die grösste Analogie zeigt. ') 

Endlich wollen wir als einen letzten schwerwiegenden Beweis für die Existenz der Festlandsverbindung 
zwischen dem nordöstlichen Asien und dem nordwestlichen Amerika anführen, dass in den Süsswasserschichten der 
„intertrappean Formation" im Dekan in Ost-Indien"), deren Alter noch sehr problematisch ist, sich Acellen und 
Unionen von nordamerikanischem Typus finden. 



C) lieber die Methode der palaeontologischeu Uiitersncliuiig. 

Wol die wichtigsten Resultate der vorliegenden Arbeit sind diejenigen , welche sich aus der Combination 
der palaeontologischen Untersuchung mit den geologischen Daten über die Aufeinanderfolge der verschiedenen 
Formen ergeben ; es zeigen sich hier Resultate, welche von einiger Bedeutung nicht nur für die Frage nach 
Constanz oder Veränderlichkeit der Art sind , sondern auch über die Ursachen und die Art und Weise der 
Abänderung Schlüsse zu ziehen erlauben. Ehe wir die Auseinandersetzung dieser Verhältnisse beginnen , ist es 
wol nothwendig, einiges über die hier durchgeführte Auffassung, Begrenzung und Begründung von Art und Gat- 
tung vorauszuschicken. Wohl ist dieser Gegenstand von einem von uns an anderen Orten schon besprochen 
worden, allein diese Bemerkungen sind in verschiedenen Aufsätzen über jurassische Cephalopoden zerstreut ^) und 
die betreffenden Anschauungen nirgends vollständig und im Zusammenhang dargestellt : überdies liefert die vor- 
liegende Arbeit vollständigeres Material zur Beurtheilung der genannten Fragen, als es bisher zur Verfügung stand 
und eröffnet einzelne neue Gesichtspunkte, so dass eine Zusammenfassung geboten erscheint. 

Mit dem Auftreten der Descendenztheorie in einer wissenschaftlich berechtigten Form und mit dem ungeheuren 
Einflüsse, den sie sich in kurzer Zeit errungen hat, greift auch ein ganz neuer Factor in die Gestaltung der 
Systematik ein, dem gemäss diese sich modificiren muss, soll sie nicht hinter der Entwickelung anderer Discipli- 
nen zurückbleiben und zu einem geistlosen Schablonenwesen erstarren. Noch ist es nicht möglich, genau die Art 



') Die neu entdeckte, ungeheuer reiche Binnenfauna des Baikalsees, aus welcher bisher nur ein Thtil der Kruster besehrieben 
ist, enthält nach einer vorläufigen Notiz auch eine grosse Anzahl eigenthümlicher Mollusken : es ist zu vermuthen, dass dieselben mit 
denjenigen der Paludinenschichten nahe Verwandtschaft zeigen werden. 

") Hislop in Quarterly Journal of the geological society. 1862. 

=,< Neumayr, Cephalopod(.'nfauna der Oolithe von Baiin; diese Zeitschrift. Band V. 1871. Die Fauna der Schichten mit 
Aspidoc. acanthicum. Ebendaselbst. 1873. Jurastudien ; die Phylloceraten des Dogger und Malm ; Jahrbuch der geol. Reichsanstalt. 
Band XXI. I,s71. 



in. Resultate. 93 

\md Weise dieser Umgestaltung anzugeben, unisomehr als wir uns über die Art des Auftretens der Fornmbände- 
rung, deren Schwankungen und Consolidirung keineswegs klar sind. Hier müssen neue Bahnen erschlossen werden, 
und dies zu erzielen, ist eine weit mehr ins Einzelne gehende Behandlungsweise des Stoßes als die in der Regel 
gebräuchliche nothwendig , vielleicht für immer, jedenfalls so lange, bis wir über die wichtigsten Grundprincipien 
Gewissheit erlangt haben. 

Bei systematischen Arbeiten kann das Beschreiben und Abbilden neuer Formen nicht als letzter und wich- 
tigster Zweck gelten, sondern es bildet dies nur die nothwendige Grundlage für weitere Schlüsse von grösserer 
Bedeutung. In dem jetzigen Stadium unserer Wissenschaft sind bei stratigraphisch-palaeontologischen Detailunter- 
suchungen die wichtigsten Aufgaben diejenigen, welche mit der Descendenztheorie in Zusammenhang stehen und 
es fällt ihnen hauptsächlich zu, den directen analytischen Beweis für die Veränderlichkeit der Arten zu liefern, 
den genetischen Zusammenhang der aufeinander folgenden Faunen und Formen in alle Einzelheiten zu verfolgen, 
und aus genauen Beobachtungen über die Art und Weise des Auftretens neuer und des Verschwindens alter Ab- 
änderungen Schlüsse auf den Vorgang und auf die Ursachen der Artumbilduug zu ziehen. 

Natürlich ist die Art der systematischen Behandlung die beste, welche für Folgerungen dieser Art das beste 
Rohmaterial liefert ; .dazu ist vor Allem eine systematische Einheit nothwendig, der „Species" analog und 
wie diese vorläufig der Träger einer lateinischen binomischen Bezeichnung, die aber unabhängig ist von 
der Species und von allen Vorurtheilen über deren Constanz oder Veränderlichkeit. Dieselbe 
darf ferner nur einen kleinen Fornienkreis umfassen , damit die ganze Mannigfaltigkeit der Abänderungen zur 
Darstellung gebracht und die in theoretischer Beziehung besonders wichtigen minutiösen Variationen fixirt 
werden können. Eine solche Einheit erhalten wir durch möglichst scharf e Unterscheidung und enge 
Begrenzung der Formen, indem wir solche auch auf scheinbar unbedeutende Merkmale hin trennen, wenn 
dieselben nur mit relativer Constanz bei einer Anzahl von Individuen wiederkehren und volle Sicherheit 
vorhanden ist, dass die Unterschiede wirkliche sind und nicht blos auf verschiedenem Wachsthumsstadium, Erhaltungs- 
zustand oder ähnlichen Zufälligkeiten beruhen ^j ; allerdings fällt das Kriterium der relativen Constanz in den Fällen 
weg, in welchen man genöthigt ist, Arten auf einzelne Exemplare zu gründen, allein hier bedarf man desselben 
auch meist nicht, da Vmca in der Regel auch bis zu einem gewissen Grade isolirte Typen sind. 

Vor Allem ist es nothwendig mit dem Vorurtheil zu brechen, dass all das vereinigt werden müsse, was 
durch Uebergänge mit einander in Verbindung steht ; es ist dies eine verderbliche petitio principii, durch welche 
von vorne herein das was geprüft werden soll, die Constanz der „Species" als erwiesen angenommen und das 
Material gefälscht wird, nach welchem diese Fundamentalfrage der Naturgeschichte entschieden werden soll. ^) 

Sind auf diese Art alle einzelnen Formen fixirt, das ganze scheinbare Chaos der vorliegenden Gestalten bis 
in die letzten Einzelheiten zur Darstellung gebracht, so kann dann durch Combiniruug dieses palaeontologischen 
Materiales mit den geologischen Daten über die Lagerung, Aufeinanderfolge u. s. w. näher untersucht werden, 
ob sich mehrere dieser Formen zu einer constanten guten Species vereinigen lassen, oder ob die von uns unter- 
schiedene Form etwas der Species äquivalentes darstellt, oder endlich ob eine allmählige Abänderung der Typen 
stattfindet, in der Art. dass von einer Constanz der Species nicht mehr die Rede sein kann, und ob in dem 
letztgenannten Falle überhaupt noch der Begriff der Species haltbar ist. Dieser Begriff ist aus der Betrachtung 
eines einzigen kurzen Abschnittes, eines Momentes in der Entwickelung der Erde, nämlich aus der Jetztzeit her- 
genommen und berücksichtigt nur die Beziehungen einer Art zu den gleichzeitig lebenden Formen; dessen Ueber- 
tragung In die Palaeontologie war nur so lange unbedenklich, als man es mit lauter einzelnen, scharf getrennten 
Perioden in der geologischen Aufeinanderfolge zu thun zu haben glaubte. Seitdem wir in den successiven 
Formationen eine ununterbrochene, continuirliche Reihe vor uns sehen, ist die Annahme, dass man bei der Com- 
binirung der Faunen verschiedener Horizonte in der nämlichen Weise abgeschlossene Formenkreise wiederfinden 
werde, eine ganz willkührliche geworden und die Uebertragung des Speciesbegriffes mit allem dem, was an ihm 
hängt, in die Palaeontologie, entbehrt noch des Beweises für seine Berechtigung, der übrigens, beiläufig gesagt, 
kaum beizubringen sein dürfte. 

Sind die vorhandenen Thatsachen, wie das sehr häufig der Fall zu sein pflegt, noch nicht sofort zu einer 
Zusammenfassung der angegebenen Art geeignet, so liefern wenigstens die engbegrenzten Formen für eine spätere 



') Es möchte als überflüssig erscheintn, dies ausdrücklich zu erwähnen; wenn nicht einem von uns der abenteuerliche Vorwurf 
gemacht worden wäre , dass es zu seinem wissenschafthcheu Glaubensbekenntnisse gehöre , Arten auch nach Alter und Erhaltung 
zu trennen. 

'•') Wir heben hier nur die Bedeutung dieser Behandlungsweise für die Palaeontologie hervor ; dass auch trotz der Erschwerung 
der Bestimmung der Fossilien nur auf diesem Wege präcise Schlüsse in der Stratigraphie ermöglicht werden, ist schon mehrfach 
betont worden. 



94 Dr. Ncumayr u. C. M. Faul. Die Congerien- und Paludinenschidden Slavoniens und deren Faunen. 

Arbeit, welche mit grösserem Material operirt, brauchbare Bausteine, und namentlicli für diesen Fall ist es vor 
allem nothwendig, dass die systematische Behandlung eine rein objective, von vorgefassten Speciesideen freie sei 
und dass sie alle, selbst scheinbar unbedeutenden Einzelheiten umfasse. 

Jede Form muss mit einem Namen bezeichnet werden, da nothwendig ein mnemotechnisches Hilfsmittel 
geboten werden muss ; vielfach wendet man für die geringfügigeren Abänderungen Varietäten-Namen an und 
manche Palaeontologen fühlen sich vollständig beruhigt über die Unterscheidung einer ungenügend charakterisirten 
Form, wenn sie derselben nur einen Varietäten-Namen geben ; ja stellenweise existirt die Ansicht, dass bei der 
Aufstellung einer Varietät als etwas minder wichtigen nicht mit derselben Genauigkeit und Sorgfalt verfahren 
werden müsse, als bei der Aufstellung einer Art, oder wenn diese Ansicht nicht ausdrücklich ausgesprochen ist, 
so wurde doch in deren Sinne gehandelt. Sehr oft finden sich weite Formenkreise zu einer Species vereinigt, es 
wird der Typus derselben durch eine Diagnose von classischer Präcision festgestellt, und dann noch etwa die 
wesentlichsten Varietäten besprochen; sehr selten aber findet man, dass diesen die nothwendige Aufmerksamkeit 
geschenkt wird, oder dass gar vereinzelte, besonders abweichende Exemplare hervorgehoben und mit der nämlichen 
Genauigkeit beschrieben und abgebildet werden. Und doch sind es gerade diese isolirten Ausläufer, die oft am 
meisten dazu beitragen, einen Nachfolger über Formübergänge und genetischen Zusammenhang aufzuklären ; sicher 
verdanken die „guten Species" einen grossen Theil ihrer Constanz diesem Verfahren und der Anschauung, dass 
man nur ,, typische Vorkommnisse" berücksichtigen könne und solle. 

Man wird unsere Darstellung keiner Uebertreibung beschuldigen können und es sind alle extremen Fehler 
zu nennen unterlassen, da die Durchschnittsbehandlung geschildert werden sollte ; es wäre ein Leichtes, eine 
Menge von Beispielen anzuführen, was wir aber absichtlich nicht thun, da ein System als unrichtig bezeichnet, 
nicht Personen angegriffen werden sollen. So lange die Constanz der Species als unbestrittene Grundlage der 
Systematik galt, konnte man auch in der Palaeontologie einem solchen Verfahren einige Berechtigung nicht ab- 
sprechen, und erst das Eingreifen der Descendenzfrage änderte die Verhältnisse ; auffallend ist es dagegen, wenn 
auch Anhänger der Descendenztheorie dieselbe Methode befolgen. 

Es ist richtig, dass wir bis jetzt nur accessorische Missbräuche der Praxis als Gründe gegen die Einfüh- 
rung von Varietäten-Namen in die Palaeontologie angeführt haben, welche gegen deren Zulässigkeit nichts bewei- 
sen ; in dieser Richtung ist nur entscheidend, dass durch die Gliederung in Art und Varietät sofort in Beziehung 
auf die Hauptfrage eine petitio principii gesetzt wird. 

Quenstedt hat eine andere, allgemein bekannte Art der trinomischen Bezeichnung angewendet, die aber 
auch nur dann gebraucht werden kann, wenn der genetische Zusammenhang der Formen erwiesen ist; für die 
erste Bearbeitung ist daher auch diese Nomenclatur nicht zulässig ; eine derartige Zusammenstellung von drei 
Namen kann nur Werth haben, wenn der erste Namen die Gattung, der zweite die Formenreihe, der dritte 
die Form bezeichnet , eine allgemeine Anwendung ist daher nicht möglich , da die Feststellung der Formenreihe 
nur selten gelingt. 

Es bleibt nur eine Methode der Namengebung übrig, die binomische Bezeichnung nach Linne, welche den 
Vortheil hat, dass über Constanz oder Veränderlichkeit der damit belegten Form nichts präjudicirt wird; es wird 
allerdings oft eingewendet, dass die ausserordentliche Vermehrung der Namen vom Uebel sei, es wird wohl auch 
mit den beliebten Schlagworten von Speciesmacherei herumgeworfen ; in der That wäre es sehr gut , wenn die 
vielen Namen überflüssig würden und ein Mittel dieselben zu vermeiden wäre vom grössten Werthe ; so lange es 
aber nicht gefunden ist, bleibt nur der hier angedeutete Weg offen. Uebrigens ist es auch eine Illusion zu 
glauben, dass durch Eliminirung von Namen die Sache wesentlich vereinfacht werde ; die Complicirtheit und 
Schwierigkeit eines Formenkreises bleibt dieselbe , ob man dessen Angehörige mit 20 oder 200 Namen belegt. 
Wer von einer starken Reduction der Namen eine bedeutende „Erleichterung" der Palaeontologie erwartet, der 
setzt voraus, dass Unterschiede, die durch keinen Namen ausgezeichnet werden, nicht wissenswerth und ohne 
wissenschaftliche Bedeutung seien. Es ist eben nicht die Aufgabe der Naturforschung, ein Bild von übersichtlicher 
Einfachheit, die in Wirklichkeit nicht existirt, eine Schablone zu entwerfen ; sie muss die Natur in ihrer unbe- 
grenzten, die Sinne und den Geist fast erdrückenden Mannigfaltigkeit darstellen und nur wenn es gelingt das auf 
den ersten Blick chaotische Formengewirr bis in seine Einzelheiten zu erfassen und zu beherrschen, kann man 
ein Eindringen oder wenigstens eine Annäherung an die Erkenntniss einer Gesetzmässigkeit hoffen. Das Heraus- 
greifen vereinzelter , leicht fassbarer Züge kann scheinbare Erleichterung mit sich bringen , nie aber zu einem 
Verstehen führen ; eine solche Behandlung ist allerdings bequem für reine Sammler und solche , welche 
von der Palaeontologie weiter nichts verlangen als die Möglichkeit für eine vorliegende Form rasch einen mehr 
oder weniger passenden Namen zu finden, weiter hat sie wenig Werth. Damit hängt auch die vielfach herrschende 
Unsitte zusammen, jede Form nur durch eine kurze Diagnose zu charakterisiren, welche allenfalls genügt, um 
dieselbe unter einer gegebenen beschränkten Anzahl von Verwandten wieder zu erkennen, die aber für jeden, 



111. Resultate. 95 

der nicht nur eine ilim vorliegende Suite rasch bestimmen, sondern einen Formenkreis wirklich studireu will, 
kaum brauchbar ist. 

Eine häufig schon besprochene Frage ist diejenige, welchen Finfluss auf die systematische Behandlung die 
geologischen Daten ausüben sollen oder dürfen. Von mancher Seite wird oder wurde die Ansicht ausgesprochen, 
dass denselben nicht die geringste Rechenschaft getragen werden solle, dass der Forscher den Palaeontologen und 
Geologen in sich trennen müsse, dass der erstere von den Daten des letzteren gar nichts wissen dürfe, während 
von anderer Seite den Verhältnissen des geologischen Vorkommens der weitgreifendste Einfluss eingeräumt, die 
Art vielfach wesentlich nach dem Lager charakterisirt und unterschieden wird. 

Das Extrem in der einen wie in der anderen Beziehung ist unrichtig ; es ist entschieden verwerflich, 
lediglich nach dem Lager übereinstimmende Formen zu trennen, oder von einander abweichende zu vereinigen ; 
andererseits aber wird man mit vollem Recht eher geneigt sein in zweifelhaften Fällen auf kleine Differenzen 
hin zu trennen , wenn mit der Verschiedenheit der Form auch Verschiedenheit des Lagers Hand in Hand geht, 
üeberdies sind die geologischen Daten von grösster Bedeutung für die richtige systematische Gruppirung, die 
Constatirung der natürlichen Verwandtschaft und die Aufstellung von Formenreihen. Es ist durchaus richtig, 
was Quenstedt sagt, dass von einem wirklichen Erkennen, vom Verstäudniss einer Art nur die Rede sein kann, 
wenn sie nach Form und Lager bekannt ist. 

Noch ein Punkt der formellen Behandlung bedarf der Erwähnung ; bei der vorliegenden Arbeit stand uns 
genügendes Material aus grösseren, zusammenhängenden, durch vollständige Uebergänge verbundenen P'ormengebieten 
zu Gebote, als sie, abgesehen von der Classe der Foraminiferen, bis jetzt von einem Palaeontologen bearbeitet 
oder unter Hervorhebung ihres Zusammenhanges zur Darstellung gebracht worden sind. Für diese zusammenhän- 
genden Formengebiete (in den Gattungen Mdanopsis und Vii-ipara) musste eine der Eigenartigkeit des Stoffes 
angepasste Form gewählt werden, in der Art, dass eine Darstellung der allmähligen Entwickelung der Typen 
auseinander zu Grunde gelegt ist, der dann als Ruhepunkte, wie Krystalle in einer Grundmasse, die Diagnosen 
der einzelnen durch relativ constante Charaktere, und in der Regel gleichzeitig durch häufiges Vorkommen aus- 
gezeichneten, mit gesondertem Namen belegten Formen eingestreut sind. 

In der dargestellten Weise ist die palaeontologische Detailuntersuchung des Materials durchgeführt; der 
Schlussabschnitt sucht die geologische und palaeontologische Analyse zur Gewinnung theoretischer Resultate zu ver- 
werthen. In der uns hier zunächst interessirenden Beziehung besteht das dabei erzielte Resultat darin, dass wir 
durch die einzelnen Horizonte hindurch Formenreihen verfolgen können, welche in steter Veränderung begriffen 
sind, in der Art, dass eine neugebildete Form schneller oder langsamer ihren Vorgänger und Stammvater ver- 
drängt und durch die Häufung dieser Abänderungen entstehen successiv sehr weit von der Stammart abweichende 
Gestalten. Innerhalb der allmählig abändernden Reihe treten gleichsam als Ruhepunkte durch prägnante und bei 
einer grösseren Anzahl von Individuen relativ constante Charaktere ausgesprochene Formen, Mutationen nach 
Waagen s Bezeichnung auf, welche wir als systematische Einheit behandelt haben. Es ist dies ein Resultat, wie 
es bei Bearbeitung verschiedener Formengebiete schon vielfach erzielt wurde, wobei nur in der Regel der directe, 
durch ununterbrochene Formübergänge gelieferte Beweis für den genetischen Zusammenhang fehlte. ') 

Innerhalb der Gattung bildet die Formenreihe eine systematische Einheit höherer, die Mutation eine solche 
niedrigerer Ordnung ; letztere ist gleichsam das Dift'erenzial der ersteren ; beide zusammen müssen den Species- 
begriff aus der Palaeontologie verdi'ängen, der nirgends findbar und anwendbar ist, wo man mit einigermassen 
vollständigem Material operirt. 

Dieser Auszug aus den Resultaten musste hier in kurzen Worten vorgeführt werden als unentbehrhche Basis 
für die folgende Discussion ; schon oben wurde erwähnt, dass bis jetzt nur die Foraminiferen so grosse, ja noch 
gi'össere, durch vollständige Uebergänge verbundene Formgebiete aufgewiesen haben, als dies bei dem hier 
behandelten Material der Fall ist. Mehrere ausgezeichnete englische Foraminiferenkenner haben schon lange 
auf dieses Verhältniss aufmerksam gemacht und auf dem Boden der Descendenztheorie stehend danach die 



') Hilgendorf hat bekanntlich auf sehr vollständige Uebergänge zwischen den einzelutu Formen der Steinheimer Planorbiden 
aufmerksam gemacht und hat das Auftreten der einzelnen Abänderungen in verschiedenen Schichten verfolgt ; in neuerer Zeit werden 
jedoch seine Angaben als geologisch wie palaeontologisch unrichtig bezeichnet. Ohne in Steinheim gewesen zu sein und bedeutendes 
Material der dortigen Planorben untersucht zu haben, können wir nur daraufhinweisen, dass Hilgendorf's Hauptreihe morpho- 
logische UnWahrscheinlichkeiten und so bedeutende Unregelmässigkeiten zeigt, wie sie noch keine der bisher beobachteten Formenreihen 
erkennen lässt ; immerhin schlösse der Nachweis einzelner Fehler das Vorkommen von Formenreihen unter den Steiuheimer Planorben 
noch durchaus nicht aus. Jedenfalls ist Hilgendorf der erste gewesen, der den Versuch gemacht hat, durch die palaeontologische 
Detailuntersuchung die allmählige Formveränderung der Organismen zu beweisen , ein nicht zu verkennendes Verdienst, wenn auch 
dieser erste Versuch an manchen Mängeln leiden sollte. 



9G Dr. Neumayr u. C. M. Paul. Die Congerien- tind Paludinetischichten Slavoniens und deren Faunen. 

systematische Behandlung eingerichtet ; die eingeschlagene Methode ist jedoch in vielen wichtigen Beziehungen 
derjenigen diametral entgegengesetzt, welche auf ganz analoge Thatsachen gestützt und von derselben theoretischen 
Basis ausgehend hier als die richtige dargestellt wurde. Dieser einschneidende Coutrast macht es nothwendig, auf 
die Wesenheit der Unterschiede etwas einzugehen, da es unzulässig erscheint, dass derartige schroffe Widersprüche 
in der Wissenschaft neben einander bestehen, ohne dass der Versuch gemacht wird, dieselben durch eine Dis- 
cussion auszugleichen ; es wird w^ohl von der Mehrzahl der Palaeontologeu empfunden, dass die systematische 
Behandlung ihrer Disciplin unter dem Eiufluss der Descendenztheorie eine bedeutende Umgestaltung erfahren 
m.uss ; von vielen Seiten gibt sich ein Streben kund, diesem Bedürfniss gerecht zu werden, und vielleicht kann 
eine eingehende Besprechung dazu beitragen, diese in ihrer Tendenz gleichen Bestrebungen auch in ihrem Wege 
einander zu nähern. 

In den Werken von Brady, Carpenter, Jones, Parker ist stets dieselbe Richtung eingeschlagen 
und die eingehendste Darlegung der befolgten Grundsätze ist wohl in der Monographie der Pohjmorphinen von 
Brady, Jones und Parker enthalten.^) Diese Auseinandersetzung ist grossentheils durch eine Kritik von 
Professor R e u s s 2) veranlasst und dessen gegentheiliger Ansicht gegenüber die Berechtigung weiter speciüscher 
Fassung vertreten. 

Die genannten Autoren erklären, dass eine consequente Durchführung des Speciesbegriffes in der Weise, 
dass sämmtliclie durch Uebergänge verbundene Formen in eine Art vereinigt werden, bei den Foraminiferen un- 
möglich sei, oder wenigstens dahin führe, dass specifische und generische Grenzen zusammenfallen. Da das 
Bedürfniss der Systematik nach weitereu Unterabtheilungen aber trotzdem befriedigt werden muss, so werden rein 
künstliche Schnitte angebracht und die so abgegrenzten Formenkreise mit binomischer Bezeichnung belegt. Zu 
diesen Formeukreisen werden „unter Vernachlässigung kleinlicher und stets schwankender Merkmale" Gebiete 
zusammengefasst , welche ungefähr »unseren Formenreihen entsprechen mögen ; so weit es möglich ist so ver- 
schiedene Organismen wie Foraminiferen und Mollusken zu parallelisiren und insoferne es zulässig ist, ein 
bestimmtes Urtheil ohne eingehendes Studium an grossem Material auszusprechen, scheinen mir die Arten der 
genannten Forscher noch um ein gutes Stück weiter gefasst als unsere Formenreihen, da wohl auch Parallel- 
reihen zusammengefasst sind und ein niclit sehr weitgehender Grad von Uebereinstimmung für die Zusammen- 
ziehung gefordert ist. 

Es könnte nichts oder nicht viel gegen dieses Verfahren eingewendet werden, wenn dann innerhalb dieser 
weitgefassten Arten alle einzelnen feinsten Abänderungen und Varietäten eingehend geschildert, eine chronologisch 
wie zoologisch bis ins kleinste gehende Geschichte der Entwickelung gegeben, wenn nachgewiesen wäre, wie die 
einzelnen Formen aus einander hervorgehen, einander verdrängen, welche mit relativer Constanz gewissen Hori- 
zonten und Localitäten eigen sind, was allmählige, fortschreitende Umänderung, was nur durch äussere Einwir- 
kung hervorgebrachte Standorts-Varietät ist. Wäre dies noch beigefügt , so wäre kein • Unterscliied gegen die 
hier durchgeführte Behandlung als der, dass dort als Art und Varietät bezeichnet ist, w'as hier Formenreihe und 
Form heisst. 

Diese Daten, welche in einer auf dem Standpunkte oder auch nur unter Berücksichtigung der Descendenz- 
theorie verfassten Monographie unbedingt nothwendig sind, fehlen in den Werken der Rhizopodisten, und es wird 
dadurch die tlieoretische A'erwerthung so wichtiger, mit einem ungeheuren Aufwand von Wissen, Sorgfalt und 
Scharfsinn gemachten Beobachtungen sehr erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht. Die ,,kieinnchen und stets 
ändernden'' Merkmale sind nicht nur als zu geringfügig betrachtet, um specifische Treunungen zu begründen, 
sondern auch um beschrieben und erwähnt zu werden; damit fehlt denn auch jeder wissenschaftliche Beweis für 
die Richtigkeit und Naturgemässheit der vorgenommenen Vereinigungen und Zusammenfassungen, und wenn man 
auch persönlich ganz überzeugt sein mag, dass die genannten Autoren als ausgezeichnete Foraminiferenkeuner die 
Verwandtschaftsverhältnisse richtig aufgefasst haben, so stellt doch für die rein objectiv verfahrende Wissenschaft, 
welche von den Personen absieht, die systematische Behandlung in den Werken der englischen Rhizopodisten 
nur eine Aneinanderreilmng von unbewiesenen individuellen Anschauungen dar, die ohne Zweifel auf zahlreichen 
Beobachtungen beruhen werden, für welche aber dieses Beweismaterial nicht mitgetheilt ist. 



') Transactions of the Liimean society. vol. 27. 

-) Verhaudlungen der geol. Reichsanstalt. 1868. pag. 151, Durch eiu Missverständniss scheiuen die genannten englischen 
Autoren der Ansicht zu sein, daSs Professor Reuss sich zu dem Grundsatz bekannt habe, dass in allen Merkmalen mit einander 
übereinstimmende Formen von einander getrennt werden müssen, wenn sie in verschiedeneu geologischen Niveaus angetroffen werden, 
was Reuss meines Wissens nie weder ausgesprochen noch thatsächlich durchgeführt hat, wie zahlreiche von ihm vorgenommene 
Ideutificiruugen von Vorkommnissen aus weit verschiedenen Horizonten beweisen. Seine Ansicht war die, dass zeitlich getrennte For- 
men auch auf minutiöse Differenzen bin stets unterschieden werden müssen. 



///. Resultate. 97 

Hindert schon dieser Umstand die theoretische \'erwerthung sehr bedeutend, so ist das noch mehr dadurch 
der Fall, dass mit der Vernachlässigung der kleinen Aenderungen und mit dem Fehlen aller chronologischen 
Angaben über deren Auftreten und Verbreitung die wichtigsten Anhaltspunkte für alle Schlüsse weggenommen 
werden, welche sich auf die Art und Weise, die Bedingungen, den ganzen Vorgang und die Gründe der Form- 
abänderung beziehen, welche die Förderung und den Ausbau der Descendenztheorie bezwecken. Wer das unschätz- 
bare Material verwerthen will, welches gerade die Foraminiferen für diese erste Aufgabe der Palaeontologie bieten, 
muss geradezu eine neue Bearbeitung vornehmen. 

Die Nomenclatur wird allerdings durch die Arbeiten der genannten Autoren sehr vereinfacht, wol auch die 
Bestimmung erleichtert. Vorzüge, welche für den Sammler von grossem Werth sind, die aber für die Beurtheilung 
des wissenschaftlichen Werthes einer Methode nicht in Betracht kommen ; hiefür ist entscheidend, ob diese die 
in der Natur existirenden Verhältnisse getreu wiedergibt, und dass eine systematische Behandlung, die sich nur 
zur Aufgabe stellt, ein möglichst einfaches Fachwerk zu bieten, die unendliche Mannigfaltigkeit der Natur nicht 
zur Anschauung bringt, steht ausser Zweifel. 

Ein einfaches Zusammenziehen aller verwandten Formen ohne eingehende Berücksichtigung der existirenden 
Unterschiede scheint noch weniger gerechtfertigt als ein einseitiges Zersplittern ohne Rücksicht auf die Verwandt- 
schaftsverhältnisse, da eine Arbeit im letzteren Sinne wenigstens die sichere thatsächliche Basis für spätere syn- 
thetische Combinationen gibt. 

Die Frage, in welcher Weise vom Standpunkte der Descendenztheorie die Gattungen gefasst werden sollen, 
ist eine sehr schwierige ; jedenfalls können auch sie nur in künstlicher Weise abgegrenzt werden, wenn schon bei 
der Art die Anbringung natürlicher Schnitte unmöglich ist ; bleibt aber auch die Abgrenzung eine willkührliche, 
so muss doch das abgegrenzte Gebiet ein natürlich zusammenhängendes sein ; um dieses Ziel zu erreichen und in 
den Gattungen die natürliche Verwandtschaft zum Ausdruck zu bringen , soll die Gattung auf genetischer Basis 
beruhen, soll eine Anzahl aus gemeinsamer Wurzel herstammender Formenreihen zusammenfassen. Einer von 
uns hat sich über die Art und Weise der Durchführung dieses Grundsatzes bei der Classification der Ammoneeu 
an einem anderen Orte ausgesprochen, M allein das Studium der hier beschriebenen Binneuconchylien zeigt, dass 
in manchen Fällen eine bedeutende, anfangs nicht geahnte Schwierigkeit eintritt, welche sich bei den Ammoneen 
zwar ebenfalls, aber bei weitem nicht in dem Maasse geltend macht, wie hier. Diese Schwierigkeit besteht in dem 
Auftreten vollständig paralleler Formenreihen, indem von einander verschiedene, wenn auch nahe verwandte 
Arten unabhängig von einander und ohne vermittelnde Uebergänge zwischen den Reihen in der nämlichen Rich- 
tung variiren und einen ungefähr gleichen Betrag der Abänderung gleichzeitig erreichen. Besonders autfallend 
zeigt sich dies bei den drei oben beschriebenen Formenreihen, welche in Mripam Hörncsi, Zdchori und aveUnna 
endigen. 

In solchen Fällen erreichen zwei oder mehrere Reihen gleichzeitig und ohne untereinander stark abzuweichen, 
einen Grad von Divergenz vom alten Gattungstypus, der eine generische Abtrennung wünschenswerth erscheinen lässt, 
und wir sehen uns dann genothigt, die monophyletische Entstehung der Gattungen aufzugeben, welche a priori 
die natürliche Basis einer genetisch begründeten Systematik zu sein scheint; leider liegt für die Beurtheilung 
dieser interessanten Verhältnisse vorläufig noch sehr wenig thatsächliches Material vor. -) 

Darüber, ob die Gattungen weit oder eng zu fassen sind , lässt sich hier keine bestimmte Antwort geben, 
da diese Frage mit den genetischen Principien nur in losem Zusammenhange steht ; dagegen scheint sicher, dass 
viele der kleineren generischen Abschnitte, in welche in neuerer Zeit die alten umfassenden Gattungen zerlegt 
worden sind, eine Prüfung nach dem Maassstabe der natürlichen Verwandtschaft nicht werden bestehen können, 
sondern aufgegeben werden müssen , sobald mit genügender Berücksichtigung der fossilen Formen ein rationel- 
lerer Weg eingeschlagen wird. Einige Bemerkungen in dieser Richtung finden sich oben bei der Beschreibung 
der Melanopsls- und Vivipam-X^view. 



D) Das Auftreten und die Bedingungen der Variation. 

Für die theoretische Verwerthung der ausgedehnten Formgebiete in den Gattungen Mckmopsis und Vivi- 
para, deren Angehörige durch vollständige Uebergänge mit einander in Verbindung stehen, bieten die Daten über 
die geologische Aufeinanderfolge die wichtigsten Anhaltspunkte ; wir werden daher zunächst diejenigen Reihen 



') Neumayr, die Fauna der Schichten mit Aspidoceras acanthkunt im östlichen Theile der raeditcrraneu Provinz. 

'0 Die Gattung Nautilus in ihrer jetzigen Fassung kann unter anderem nicht als eine monophyletische bezeichnet werden. 

AbhAndluDgen der k. k. geolog. Reicbäanstalt. (Neumayr u. Paul.) Band VII. 3. Heft. ^•^ 



98 



Br. Neumayr u. C. M. Faul. Die Congerien- und FaludinenscJiichten Slavoniens und deren Faunen. 



betrachten, für welche wir genaue stratigraphische Angaben besitzen, d. h. die aus der Brooder Gegend stammen- 
den Vorkommnisse. 

Diese Reihen sind folgende : 

1. Vivipam (Neumayr i, Suesst), pannonica, bifarclnata, stridurata, nothn, Sturi, ornata, Hörnesi. 

2. Viv. (Brusinai), Dezmanniana., altecarinata, Zelehori. 

3. Viv. melanthopsis., oncopliora, avellana. 

4. Melanopsis harpula, hastafa, costata, clavigera, lanceolata, recurrens, Braueri, slavonica. 

Eine Betrachtung der Verhältnisse des Vorkommens dieser Formen zeigt, dass wir es hier durchgehend« 
mit Reihen zu thun haben, bei welchen die in den ältesten Ablagerungen auftretende Grundform allmählig immer 
mehr, und meist nach einer durch die verschiedenen Schichten hin sich gleich bleibenden Richtung abgeändert 
wird, während gleichzeitig mit dem Auftreten einer neuen, deriviiten Mutation die vorhergehende verschwindet 
oder wenigstens aus dem slavonischen Becken verdrängt wird. 

Es sind schon mehrfach, am meisten bei den Ammoneen, derartige Formenreihen nachgewiesen und von 
allen Beobachtern, welche dieselben untersucht haben, im Sinne einer allmähligen Umänderung der Arten gedeutet 
worden; diese Deutung wurde nie bestritten und wir sind hier umsomehr zu einem solchen Schlüsse berechtigt, 
als uns nicht nur einander sehr nahestehende Glieder der Reihen, wie dies bei den marinen Mollusken in der 
Regel der Fall ist, sondern die vollständigen Uebergänge vorliegen. Die Tafeln, welche unserer Arbeit beigegeben 
sind, geben hievon ein Bild ; da jedoch in der Zeichnung alle Formen einander weit ähnlicher sehen, als dies in 
der Natur der Fall ist, so wurden nur wenige Exemplare abgebildet und die Normalsuite, die zusammengestellt 
wurde, enthält ungefähr doppelt so viel Glieder als gezeiclinet wurden, so dass von einem Individuum zum 
anderen nur die feinsten , dem geübten Auge eben noch ersichtlichen individuellen Unterschiede vorhan- 
den sind. 

Betrachten wir als ein Beispiel die in Vivipara Hörnesi endende Formreihe ; hier tritt in den unteren 
Paludinenschichten eine vollständig glatte Form mit gerundeten Umgängen, V. Neumayri auf; allmählig flachen 
sich die Windungen ab und das Gehäuse nimmt eine kegelförmige Gestalt an (F. Suessi), die Umgänge werden 
treppenförmig abgesetzt (F. pannonica), auf ihrer Mitte erscheint eine Einsenkuug (F. hifarcmata), diese Ein- 
seukung wird tiefer, der obere Theil der Umgänge zeigt einen schmalen, wulstigen Kiel, der untere eine breite 
Aufbauchung(F.si;nctorate), die untere Aufbauchung erhält ebenfalls einen stumpfen Kiel (V.notha); nun werden 
beide Kiele scharf und rücken bis auf die ersten Umgänge hinauf (V. ornata) und endlich treten auf dem unteren 
Kiele zackige Knoten auf (F. Hörnesi). 

Diese Abänderungen treten nun in der Weise auf, dass F. bifarcinafa, stridurata, notJia, ornata, Hörnesi 
jede ein eigenes Niveau eine über der anderen einnehmen, so dass die chronologische Reihenfolge genau der 
morphologischen Entwickelung entspricht ; sie nehmen die mittleren uud oberen Paludinenschichten ein, während 
die drei ersten Formen, F. Xenmayri. Suessi und pannonica in dem grossen, noch nicht weiter gegliederten 
Complexe der unteren Paludinenschichten liegen. Dieses Verhältniss ihres Auftretens entspricht vollkommen ihren 
morphologischen Beziehungen zu der Reihe F. hifarcinata-Hörnesi, dagegen haben wir noch keine positive 
Beobachtung über die Anfeinandei-folge von F. Neumayri, Suessi und x)unnonien unter sich. Wir können jedoch 
aus bestimmten Anhaltspunkten schliessen, dass eine Gliederung der unteren Paludinenschichten in palaeontolo- 
gisch unterscheidbare Horizonte existirt ; F. Neumayri kömmt an keiner Localität in derselben Schicht mit den 
beiden anderen zusammen vor und es ist daher ein durchaus berechtigter Analogieschluss aus den sänuntlichen Fällen, 
in welchen die Lagerung der Glieder einer Formenreihe genau beobachtet werden konnte, dass auch F. Neumayri, 
Suessi und pannonica eine ihrem gegenseitigen morphologischen Verhalten entsprechende zeitliche Aufeinander- 
folge zeigen werden. 

Dieser Schluss ist von Wichtigkeit, da offenbar diese Folgerungen auf die Fälle übertragen werden können, 
in welchen dieselben Verhältnisse vorliegen; vor allem muss dies geschehen für zahlreiche Formen von Viripara, 
welche uns aus anderen Gegenden vorliegen und welche ähnliche, wenn auch weniger ausgedehnte Reilien bilden ; 
ferner für die verschiedenen anderen Formen, welche uns in West-Slavonien aus dem nicht weiter gegliederten 
Complexe der unteren Paludinenschichten vorliegen. 

Eine Frage von Bedeutung ist die nach dem Umfange der morphologischen Gebiete, welche unsere Formen- 
reihen umfassen, hier finden wir, dass wir in der Formenreihe der Melanopjsis harpula Repräsentanten der drei 
sogenannten Untergattungen Canthidotnus. Lyrcea und Melanopsis im engeren Sinne vor uns haben ; innerhalb 
der Gattung Viripara stellen Neumayri und Hörnesi zwei so weit von einander verschiedene Typen dar, dass 
es nicht möglich ist, zwei stärkere Contraste innerhalb dieser Gattung selbst in ihrer weiteren Fassung zu finden 
und dass F. Hörnesi bei engerer Fassung einem eigenen Genus, Tulotoma, zufällt. 



III. Resultate. ■ 99 

Diese grosse Ausdehnung der Formenreihen erlaubt uns ebenfalls einige Schlüsse : in einigen Fällen können 
wir eine Formenreihe eine Zeit lang verfolgen, dann verschwinden uns ihre Repräsentanten und erst nach 
einiger Zeit tauchen wieder Formen auf, welche ganz den Charakter der verschwundenen Reihe tragen, 
aber schon etwas abgeändert erscheinen, ohne dass vollständige Uehergänge vorhanden wären ; diese Abänderung 
liegt aber in der Variationsrichtung der alten Formenreihe. Wir haben einige derartige Fälle vor uns und sehen 
dabei, dass die noch nicht ausgefüllte Kluft eine sehr kleine ist im Vergleiche mit der Ausdehnung der comple- 
ten Formenreihen, dass alle anderen Verhältnisse die vollständigste Analogie bieten und dass das Fehlen der 
Uebergangsglieder einer temporären Intermittenz des ganzen Typus in dem betreffenden Gebiete entspricht. Unter 
diesen Verhältnissen dürfen wir daher mit voller Sicherheit schliessen, dass diese Kluft nur eine scheinbare, durch 
die UnVollständigkeit unserer Sammlungen erzeugte ist und dass die betreffenden Zwischenformen vielleicht in 
einem benachbarten Areal sich entwickelt haben. 

Durch Anwendung dieser Schlüsse können wir die sehr geringen Abstände zwischen Viv. Brusinai und 
DeSnianniana. ferner zwischen Viv. Herhichi und Vid-otinorici überbrücken und uns über die Beziehungen einiger 
etwas isolirter Formen, wie Viv. rudis, Pilari, arthritica Klarheit verschaffen, da eben die trennenden Differenzen 
hier ausserordentlich klein sind. Dagegen dürfte es als zu gewagt erscheinen, Viv. melanthopsis an eine der 
Formen aus der Verwandtschaft der Viv. Sadleri anzuknüpfen , wenn auch ein hoher Grad von Wahrscheinlich- 
keit hiefür vorhanden ist. 

Nach diesen Auseinandersetzungen wird es möglich, die Beziehungen der meisten Viviparen und eines 
grossen Theiles der Melanopsiden aus den Paludinenschichten in Form von Stammbäumen darzustellen, wie dies 
auf pag. 4t) und Tab. X. geschehen ist. Bezüglich der Motivirung aller Einzelheiten des letzteren und der 
Gründe, welche uns veranlassen. Vir. Neumayri als die Grundform zu betrachten, linden sich ausführliche Anga- 
ben im palaeontologischen Theile, in welchem die morphologischen Verhältnisse geschildert sind. 

Als bemerkenswerth an diesen Stammbäumen heben wir hervor, dass nicht nur die schon erwähnten Tulo- 
tonirn von amerikanischem Typus, wie Vir. Zdchori. Hörncsi. Sfuri von einer Form vom ganz gewöhnlichen 
europäischen Typus, der Viv. Neumcq/ri herstammen, sondern dass auf dieselbe Grundform noch eine andere, 
ganz aberrante Art zurückgeführt werden kann , nämlich die einen chinesischen Typus repräsentirende Viv. 
VuJcotinovici. 

Ein anderer Punkt von Interesse ist, dass wir in der Entwickelung der Mrhmopsidm einen interessanten 
Fall von Rückschlag auf eine ältere Form vor uns haben. Im palaeontologischen Theile wurde gezeigt, dass unsere 
Stammform, Mel. harpu^a auf Mel. Boiu'i aus den Congerienschichten zurückgeführt werden kann. Diese gerippte 
Form ist nun mit der in denselben Ablagerungen vorkommenden Mel. pitgmarn durch vollständige Uebergänge 
verbunden und eine Reihe von Gründen führen uns zu der sicheren Annahme, dass beide von einer gemeinsamen 
glatten Urform herstammen. Aus dieser entwickelt sich also die gerippte Md. Bonci und von da aus die mit 
immer stärkeren Rippen versehenen Formen Mel. harpula, hasfata, cosfata. clavitjrra. Von Md. Imrpula zweigt 
sich aber noch eine andere Reihe ab, zunächst Md. lanccolafa mit ziemlich schwacher Sculptur, die dann in deren 
Nachkommen, Md. recurrens, Brancri und slaroniea ganz verschwindet, indem diese Formen glatt werden und 
so auf die Urform zurückschlagen ; als Zeichen jedoch, dass in ihrem Stammbaume gerippte Formen eingeschaltet 
waren , zeigen Md. recurrens und ihre Verwandten auf den kleinen oberen Windungen zarte Rippen, wäh- 
rend das Embryonalgewinde die glatte Beschaffenheit der Grundform zeigt. 

Ausser in den Gattungen Vivipara und Melanopsis konnten weit ausgedehnte und durch vollständige Ueber- 
gänge mit einander verbundene Formenreihen nicht aufgestellt und nur in rudimentärer Weise solche bei Cardium, 
Unio und Bythinia angedeutet werden. Es könnte dies auffallen, da die allmählige Abänderung sich nicht wohl auf zwei 
Gattungen beschränken kann. Allein der Grund hiefür ist leicht einzusehen ; Vivipara und Melanopsis sind die 
häufigsten Genera und die einzigen, die ziemlich gleichmässig durch fast alle Ablagerungen vertreten sind. Alle 
anderen Gattungen sind entweder durchaus isolirte Seltenheiten oder treten nur in einer oder einigen wenigen 
Localitäten und Schichten in grösserer Anzahl aufgehäuft auf, so dass die Zusammenstellung von Formenreihen 
und Constatirung von Uebergängen ein Ding der Unmöglichkeit wird. Das Auftreten von Uebergangsformen 
steht in directem Verhältniss zu der Häufigkeit der betreffenden Typen in auf einander folgenden Schichten. 

Die verticale Verbreitung der einzelnen Mutationen ist eine ausnehmend geringe ; in der grossen Mehrzahl 
der Fälle rindet eine der Formen unserer grossen Reihen nur in einer, seltener in zweien der von uns uuter- 
schiedenen Unterabtheilungen der Paludinenschichten ihre Hauptverbreitung, und nur bisweilen greifen äusserst 
seltene Vorläufer oder Nachzügler um ein Niveau tiefer oder höher. Die Mehrzahl variirt bis zu einem gewissen 
Grade und zwar hauptsächlich in der Weise, dass die sehr minutiösen Abänderungen einerseits nach der Rich- 
tung der nächst älteren, andererseits nach derjenigen der darauf folgenden nächst jüngeren Mutation derselben 
Formenreihe bin auftreten. Durch die Combination dieser in der Abänderungsrichtung der Formenreihe gelegenen 

13* 



100 Dr. Neumayr u. C. M. Paul. Die Congerien- und Paludiuenschichten Slavoniens und deren Faunen. 

Variationen können nun die Uebergänge zwischen den einzelnen Formen hergestellt werden ; dabei zeigt sich das 
Verhältniss, dass einige, in der Regel mit prägnanten Merkmalen ausgestattete Formen in überwiegender 
Menge und Häufigkeit sich finden , während die verbindenden Mittelglieder weit spärlicher , meist sehr selten 
auftreten. 

Dieses Verhältniss scheint auf den ersten Blick im höchsten Grade dafür zu sprechen, dass eine Periodicität 
in der Entwickelung der Formenreihen stattfinde, in der Art, dass Perioden rascherer Entwickelung mit solchen 
relativer Constanz , eines zeitweiligen Stillstandes der Veränderung abwechseln. Es liegt dieser Schluss um so 
näher, als auch in anderen Gebieten dieselben Beobachtungen gemacht sind, ja bei marinen Mollusken die Zwi- 
schenglieder in der Regel ganz fehlen, das heisst so selten .sind, dass sie unter der beschränkten Zahl der 
Exemplare, welche unsere Sammlungen enthalten, in der Regel nicht vertreten sind. So plausibel aber diese An- 
nahme erscheinen mag, so sind wir doch in dieser Beziehung zu grosser Vorsicht genöthigt, da in unserem Falle 
eine bedeutende Fehlerquelle vorliegt, welche sich, wie wir zeigen werden, auch in der Mehrzahl der anderen 
Fälle geltend macht. 

Die Fossilien der Paludiuenschichten sind nicht gleichmässig durch deren ganze Mächtigkeit vertheilt , son- 
dern die Hauptmasse der Ablagerungen ist sehr arm au organischen Resten, ja bisweilen ganz versteinerungsleer; 
nur einzelne Bänke und Schichten zeigen grössere Mengen von Conchyiienschalen, die dann stellenweise in 
ungeheuerer Zahl aufgeliäuft sind. Es liegt daher die Vermuthung nahe , dass die häufigen Formen diejenigen 
sind, in deren Niveau gerade fossilreiche Bänke sich finden, während die Armuth der Zwischenlagen die Selten- 
heit der Zwischenglieder verursacht. Wo mächtige, muschellose Lagen eintreten, werden sofort die Uebergangs- 
formen seltener und an der grossen versteinerungsleeren Sandschichte zwischen unteren und mittleren Paludinen- 
schichten brechen einzelne Reihen ab , während bei den anderen nur mit Mühe und durch ungeheures Material 
aus Hangendem und Liegendem die Uebergänge gefunden werden können. 

In Folge dieser wichtigen Fehlerquelle wird für unseren Fall eine Entscheidung unmöglich ; aber auch bei 
den übrigen bisher aufgestellten Formenreihen scheint dasselbe Verhältniss zu herrschen ; wer sich schon mit dem 
Sammeln von Versteinerungen beschäftigt hat, weiss, dass der Fossilreichthum sich in einzelnen Bänken concen- 
trirt, welche hauptsächlich ausgebeutet werden, so dass wir fast nie gleichmässig aus allen Gliedern einer Ablage- 
rung gesammeltes Material vor uns liaben, das allein einen bestimmten Schluss erlauben würde. 

In vielen Fällen können wir die allmählige Veränderung eines Stammes durch mehrei'e Mutationen hindurch 
in einem einzigen Profile beobachten, so dass also mit voller Bestimmtheit eine Veränderung coustatirt werden 
kann, ohne dass irgend welche Isolirung einzelner Individuen nach den Voraussetzungen der Migrationstheorie 
stattgefunden hätte ; dagegen ist uns mit Ausnahme einer speciellen Kategorie von Thatsachen kein Fall bekannt 
geworden, in welchem innerhalb eines beschränkten Districtes eine Spaltung einer Formenreiht! stattfindet. Soweit 
überhaupt genügende Daten vorliegen, können wir in allen Fällen constatiren, dass das Auftreten zweier diver- 
girender Mutationen innerhalb einer Reihe in verschiedenen Bildungsräumen vor sich geht; so entwickelt sich im 
westlichen Becken von West-Slavonien Vivipara nothn zur Vie. Sturi, während sie sich im östlichen Becken 
gleichzeitig zur Viv. ornata umgestaltet; Viv. Sadlerl entwickelt sich bei Karlowitz zur Vir. Wolfi, bei 
Görgetek zur Viv. Lenzi, am Plattensee zu Vin. cyrtomaphora., in Siebenbürgen zu Viv. alta und </rnndi>:. Für 
andere Fälle liegen die Verhältnisse minder klar, aber doch so, dass alle Wahrscheinlichkeit für ein ganz ana- 
loges Verhalten vorhanden ist; so scheint die Entwickelung von Viv. Fnchsi zu Vio. leiostraca eine Eigen- 
thümlichkeit des Ost-Beckens von West-Slavonien zu sein, während nördlich und östlich davon aus derselben 
Stammform Viv. Sadleri entstand. 

Eine Ausnahme hievon findet sich nur in der Hauptformenreihe der Melanopsidcn, in welcher sich die 
beiden divergirenden Zweige, Mel. hurpula - lanceolata - reearrens und Mel. liarpula - hastata - eostntn nach allen 
vorhandenen Anhaltspunkten in ein und dem.selben Bildungsraume entwickelten. Von diesen Zweigreihen ist die 
zuletzt genannte diejenige, in welcher die angefangene Variationsrichtung weiter verfolgt wird, während die 
erstere, wie oben nachgewiesen wurde, in autfallender Weise Recurrenzerscheinungen zeigt und auf den alten 
Stammtypus zurückschlägt. Wir haben sonach eine Spaltung einer Formenreihe in zwei divergirende Arten ohne 
Isolirung der Bildungsräume nur in dem Falle, in welchem der eine dieser Aeste auf den Urtypus zurückschlägt, 
während der andere sich in der angefangenen Richtung weiter entwickelt. 

Es wäre natürlich in hohem Grade übereilt, aus diesen wenigen beobachteten Fällen schon ein allgemeines 
Gesetz ableiten zu wollen ; namentlich da, wo Zuchtwahl und Anpassung stark mit ins Spiel kommen, ') werden 



') Dass eine hervorrageiule Mitwirkung der natürlichen Ziiehlwahl in den uns vorliegenden Reilieu nicht anzunehmen iit, soil 
unten nachgewiesen werden. 



ni. Resultate. 101 

sicli die Verhältnisse noch beileuteiul conii)hciren; jedenfalls aber haben die hier gewonnenen Daten hohes Ge- 
wicht, zumal wenn wir berücksichtigen, dass auch in anderen Gebieten durch lange Zeit ungespaltene Formen- 
reihen constatirt sind ; ') es ist auch sehr leicht einzusehen, dass bei fehlender Isolirung die Wechselkreuzung aller 
Individuen einer Divergenz wesentliche Hindernisse entgegensetzen muss. 

Im Gegentheile weisen die von Nägeli-) über das Auftreten zunächst mit einander verwandter Piianzen- 
arten in der Natur gemachten Deobachtuiigen darauf hin. dass vielfach auch innerhalb ein und desselben engeren 
und engsten Bezirkes ein Divergiren nach verschiedenen Richtungen statthndet ; es ist auflallend, dass die Unter- 
suchungen an recenten Landpflanzen zu anderen Resultaten führen als diejenigen an fossilen Mollusken ; ein 
schwerwiegender Widerspruch ist jedoch hierin nicht gegeben ; es ist in hohem Grade unwahrscheinlich, dass in 
allen Fällen die Veränderung der organischen Formen in derselben Weise und nach derselben Schablone vor sich 
gegangen sei, sondern wir müssen von vorne herein erwarten, hier wie überall in der Natur eine ausserordent- 
liche Mannigfaltigkeit zu finden, und Nägeli hat es auch durchaus vermieden, seine Resultate in unrichtiger 
Weise zu verallgemeinern. Es kann nicht befremden, wenn so verschieden organisirte und unter so verschiedenen 
Verhältnissen lebende W^esen wie Hieracien und Paludinen, auch in der Art und W^eise ihrer Umbildung von 
einander abweichen. Wir sehen in dem besprochenen Verhältnisse nur eine dringende Warnung vor übereilten 
Vei'allgenieinerungen und eine gebieterische Aufforderung zur Vermehrung des Beobachtungsmateriales. 

Betrachten wir irgend eine der nicht recurrenten Formenreihen, z. B. die aus Vir. Ncwimijrl zu Viv. Hör- 
nesi sich entwickelnde Reihe, so finden wir eine ausserordentliche Coustanz in der Art der Abänderung; von der 
ersten Modification der Grundform au gehen alle Veränderungen nach ein und derselben Richtung hin. fast alle 
Moditicatiouen reihen sich geradlinig aneinander au und die sehr spärlichen Variationen, die nach anderer Richtung 
vereinzelt auftreten, erhalten sich nicht (z. B. die leichte Ueberhöhung der Spira, die bei einigen Individuen von 
\^ii\ stricturata vorkommt). Wir haben daher schon mehrfach von der Variationsrichtung einer Reihe 
gesprochen und können dieses thatsächlich beobachtete und nicht abzuleugnende Verhältniss denjenigen entgegen- 
halten, welche behaupten, dass eine chaotische Formverwirruug die nothwendige Consequenz der Descendenztheoric 
sein müsse. Ganz im Gegensatze zu dieser Annahme findet sich in allen bisher von uns und Anderen mit hin- 
länglicher Genauigkeit beobachteten Formenreihen eine durch lange Zeit hindurch gleichbleibende Variationsrich- 
tung, so lange die äusseren Verhältnisse nicht eine Abweichung von derselben bedingen ; tritt eine Spaltung ein, 
so werden die einmal eingeschlagenen divergirenden Richtungen mit grösster Consequenz wieder festgehalten. '■) 
Eine Abweichung ttnden wir nur bei den Fällen von Recurrenz oder Atavismus, welche allerdings in manchen 
Ivillen eine vollständige Umkehrung der Variationsrichtung bedingen ; allein auch hier wird die einmal einge- 
schlagene rückläufige Richtung mit grösster Zähigkeit festgehalten. 

Vergleichen wir die Variationsrichtungen der verschiedenen Formenreihen der Gattung Vivqnirit in den Paludi- 
nenschichten W^est-Slavoniens mit einander, so fällt sofort der vollständige Parallelismus derselben ins Auge. Stets eine 
glatte Grundform ( Vir. melaiithopsis, Brusinai, Suessi) im Anfang, dann eine gekielte Form ( Viv. onropliora, 
Dehn(inni(tna. Mricturat(i)^ endlich geknotete Kiele bei Viv. aveUana, Zelehori, Ilünicsi, Sturi. Die Ueberein- 
stimmung ist eine so auffallende, dass die äquivalenten Glieder verschiedener Reihen einander viel ähnlicher sind 
als nur einigermassen von einander entfernte Glieder ein und derselben Reihe, so dass es grossen Materiales und 
eingehender Untersuchung bedarf, um sich zu überzeugen, dass man es nur mit äusserer Aehnlichkeit, *) nicht 
mit wirklicher Verwandtschaft zu thun hat. 

Als die Hauptcharaktere dieser parallelen Variationsrichtungen sind namentlich Verdickung des Gehäuses 
und Auftreten kräftiger Sculptur, die sich bei allen ungefähr aus denselben Elementen zusammensetzt, zu nennen : 
aber auch wenn wir über den Kreis der Gattung \'ioipa}-a hinausgehen , linden wir noch ziemlich namhaften 



') Vergl. z. B. Neumayr, die Phylloceraten lies Dogger und Malm. Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt. 1871. 

'') Nägeli, Das gesellschaftliche Entstehen neuer Species, Sitzungsberichte der mathematisch-physikalischen Classe der Mün- 
chener Akademie. 1872. Heft 3. 

^) Vergl. z. B. das Verhältniss von üppelia und Oecotraustes; Waagen, Formeureihe des Ammonites suhradiatus in Benecke's 
geognostisch-palaeontologischen Beiträgen, Bd. II. 

■*) Brusina spricht in derartigen Fällen von Mimicry und dehnt ditse Bezeichnung auch auf das Vorkommen von Aehnlich- 
keit zwischen nicht näher mit einander verwandten Formen aus ganz verschiedenen Perioden oder Standorten aus, was entschieden 
unrichtig ist. Unter Mimicry versteht man die durch Anpassung erworbene äussere Aehnlichkeit einer Art mit einer anderen, gleich- 
zeitig und am selben Orte vorkommenden Form, die durch irgend welche vortheilhafte Eigenthümlichkeit vor der Nachstellung voi. 
Feinden gesichert ist, welche Immunität dann die nachäffemle Form in gewissem Grade theilt. Es ist daher z. B. unrichtig, von Mimicry 
zwischen einer tertiären Süsswasserschnecke und einem recenten Meeresbewohner oder gar von emer Mimicry der ersteren, geologisch 
älteren, nach der zweiten, jüngeren Form zu sprechen. Nach dem von Herrn Brusina befolgten Sprachgebrauche ist Mimicry syno- 
nym mit Aehnlichkeit. 



102 Dr. Neuniayr u. C. M. Paul. Die Congerien- und Paludinenschichten Slavoniens und deren Faunen. 

Parallelismus der Variationsrichtung ; so ist die Entwickelung der Formenreihe Melanopsis harpula - clavif/era 
speciell durch Verdickung der Schale und Verstärkung der Sculptur charakterisirt und selbst die atavistische 
Reihe Mel. harpida - recurrens zeigt wenigstens bedeutende Verdickung des Gehäuses ; endlich sind die Unionen 
der höheren Ablagerungen gegenüber den geologisch älteren Formen durch Dickschaligkeit und grossentheils auch 
durch kräftige Sculptur ausgezeichnet. 

Wir sehen daher, dass sehr viele Formen der westslavonischen Paludinenschichten, von deren Abänderung wir 
überhaupt wissen, nach ein und derselben Richtung hin variiren. Betrachten wir dagegen die Entwickelung der Gat- 
tung Viinpara in den benachbarten Districten der Paludinenschichten, so finden wir eine ganz andere Variatious- 
richtung. Die Formenreihen vom Plattensee, aus Syrmien, aus Siebenbürgen, zeigen weder Sculptur noch sind die 
Schalen der jüngeren Formen irgend nennenswerth verdickt. 

Unter diesen Verhältnissen können wir die Ursache der eingeschlagenen Variationsrichtung der westslavoni- 
schen Formenreihen nur in der Einwirkung äusserer Verhältnisse suchen, die im westslavonischen Becken wirkten, 
in den östlich und nördlich angrenzenden Bezirken dagegen fehlten. 

Wir wissen, dass das westslavonische Becken ursprünglich mit brackischem Wasser erfüllt war und dann in 
der Zeit der Paludinenschichten allmählig ausgesüsst wurde, wie das aus dem Verschwinden der brackischen 
Formen, namentlich der Cardien und deren Ersetzung durch reine Süsswasserbewohner hervorgeht. Dieser Aende- 
rung des für die Lebensverhältnisse der Bewohner so überaus wichtigen Salzgehaltes auch die Veränderung der 
Molluskenschalen in der angegebenen Richtung zuzuschreiben liegt sehr nahe, aber immerhin ist dieses post hoc 
ergo propter hoc vor der Hand nur eine, wenn auch wahrscheinliche Vermuthung. Dieselbe wird jedoch zur Ge- 
wissheit, wenn wir nachweisen können, dass kräftige Sculptur und Verdickung der Schale nicht auftritt, wo eine 
Aussüssung nicht stattgefunden hat ; in der That ist dies der Fall, denn sowohl in der Plattenseegegend als in 
Syrmien sterben die Brackwasserformen in den Paludinenschichten nicht aus und finden sich vielfach Cardien in 
denselben vor, als sicherer Beweis für den Salzgehalt des Wassers in den Gegenden, in welchen Verdickung der 
Schale und das Auftreten kräftiger Sculptur nicht stattfand. 

Wir können demnach in den uns vorliegenden Fällen die directe Einwirkung äusserer Verhältnisse als die 
wichtigste Ursache der Veränderung bezeichnen ; wie die einmalige rasche Einwirkung eines Giftes dieselben Er- 
scheinungen bei sehr verschiedenen Organismen hervorbringt, so sehen wir, dass auch die lange andauernde Ein- 
wirkung äusserer Lebensbedingungen und deren langsame Veränderung dieselben Abänderungen in verschiedenen 
Molluskengattungen bewirkt. Neben ihnen ist in zweiter Linie bisweilen der Rückschlag auf eine alte Stamm- 
form, der Atavismus als wesentlich die Form bestimmend thätig. Für eine bedeutende Wirkung der Zuchtwahl 
lässt sich kein Anhaltspunkt oder Wahrscheinlichkeitsgrund anfülu'en, die geänderten Charaktere müssen als mor- 
phologische bezeichnet werden. 

Es wäre thöricht, aus dem Grunde, weil wir in den hier vorliegenden Fällen eine solche nicht constatiren 
konnten, die Thätigkeit der natürlichen Zuchtwahl überhaupt leugnen zu wollen, eines Factors, dessen ungeheure 
Wichtigkeit durch die zahllosen wunderbaren Anpassungen , denen wir im Thier- und Pflanzenreiche auf jedem 
Schritte begegnen, unwiderleglich bekundet wird. Nur den Schluss glauben wir ziehen zu dürfen, dass die directe 
Wirkung der äusseren Verhältnisse eine bedeutend grössere ist, als dies in der Regel angenommen wird, und 
dass dieselbe meist zu Gunsten der natürlichen Zuchtwahl unterschätzt wird. Oft wird es sehr schwer sein, ein 
sicheres Urtheil zu fällen, welche Veränderungen auf diese Ursache zurückzuführen sind und wir wollen hier nur 
eine Kategorie von Fällen anführen, in welchen dieser Schluss geboten erscheint ; es zeigt sich bisweilen, dass 
sehr von einander verschiedene Glieder einer mehr oder weniger isolirten Localfauna oder Flora, gemeinsam 
durch ein Merkmal charakterisirt sind , welches über den Betrag jeuer kleinen Formschwankungen hinaus- 
reicht, die Nägeli^) als Standorts- Abänderungen bezeichnet hat, und das nicht als eine Anpassung ei'klärt wer- 
den kann, und in diesen Fällen scheint eine andere Erklärung als durch ilie directe Wirkung der äusseren 
Verhältnisse kaum möglich. 

Bei sehr vielen Formenreihen aus anderen Gebieten können w^ir dieselbe Constanz der Variationsrichtung 
während langer Zeiträume beobachten, wie bei den Süsswassermollusken der Paludinenschichten, ohne dass ein 
Anhaltspunkt für die Anwendbarkeit oder das Zutreffen der eben besprochenen Erklärung vorhanden wäre, ja 
bisweilen kann sogar gezeigt werden, dass dieselbe durchaus unzureichend ist ^) und diese Fälle bieten vorläufig 



') Nägeli, über Einwirkung äusserer Verhältnisse auf die Varietätenbildung im Pflanzenreich; Sitzungsberichte der Münchener 
Akademie. 1865. U. Heft 3. 

-) Z. B. bei der allmähligen Entwickelung der Ammonitidenlobcn. 



///. Resultate. 103 

noch ein vollständiges Räthsel, zu dessen Lösung noch eine Menge neuer Beobachtungen nöthig ist. Nachdem 
aber feststeht, dass auch ohne die fortgesetzte Einwirkung äusserer, die Abänderung bedingender Einflüsse gi'osse 
Zähigkeit in der Festhaltung der Varietätsrichtung auftritt, so können wir auch in unserem Falle nicht mit Be- 
stimmtheit den ganzen Betrag der Veränderungen dem directen Einfluss der Lebensbedingungen zuschreiben, son- 
dern müssen die Möglichkeit im Auge behalten, dass ohne deren fortwährende Wirksamkeit die anfangs durch sie 
hervorgerufene Variationsrichtung weiter ausgebildet wurde. ^) Züchtungsversuche zeigen, -) dass die Xachkommen 
eines in einer Eigenschaft extrem ausgebildeten Elternpaares den stark hervortretenden Charakter dieser oft noch 
in vermehrtem Maasse erben und es lässt sich die Möglichkeit nicht bestreiten, dass auch in unserem Falle der- 
selbe Vorgang im Spiele war. Ueberhaujjt kömmt der erwähnten Erfahrung bei doraesticirten Formen eine 
grosse Rolle bei der Erklärung der Thatsache zu , dass Amixie keine nothwendige Bedingung der Formverände- 
rung darstellt. 

Die Anschauung, dass Racen und Varietäten die Producte der Lebensbedingungen sind, ist aus leicht 
begreiflichen Gründen, namentlich bei den Anhängern der constanten Species verbreitet, während die Vertreter 
der Desceudenztheorie meist der entgegengesetzten Ansicht zuneigen. Wohl am eingehendsten hat sich in letzterer 
Beziehung Nägel i ausgesprochen, den seine überaus interessanten und wichtigen Untersuchungen über das Vor- 
kommen zunächst mit einander verwandter Formen in der Natur dazu geführt haben, auszusprechen, „dass die 
Bildung der mehr oder weniger constanten Varietäten oder Racen nicht die Folge und der Ausdruck der äusseren 
Agentien ist, sondern durch innere Ursachen bedingt wird." ^) 

Die Beweisführung von N ä g e 1 i ist insoferne unumstösslich, als aus derselben mit grosser Klarheit hervor- 
geht, dass eine Menge von Varietäten durchaus nicht durch den directen Einfluss der äusseren Verhältnisse her- 
vorgebracht sein können ; dagegen scheinen die thatsächlichen von ihm beigebrachten Belege nicht ausreichend, 
um die ümkehrung des Satzes bis zu dem Grade zu gestatten , dass den Lebensbedingungen nur die Hervor- 
bringung der unbedeutenden Standorts- Abänderungen zugeschrieben wird, welche hei einer Aenderung jener sofort 
wieder verschwinden. 

Wir konnten für das von uns untersuchte Formengebiet eine nächste Ursache des Abänderns geben , die 
sicher auch in vielen anderen Fällen gewirkt haben und nachweisbar sein wird. Ein Eindringen in .das wahre 
Wesen , eine Erklärung des räthselhaften Vorganges der Variation ist nicht möglich ; sollte dies je erreichbar 
Sein, so ist dazu vor allem, wie zur Ergründung jedes Gesetzes, grosses Beobachtungsmaterial nothwendig. Jeden- 
falls aber dürfte selbst dieser unser Versuch wenigstens genügen, um zu zeigen, dass die palaeoutologische De- 
tailforschung, wie sie den directen analytischen Beweis für die allmählige Veränderung der organischen Formen 
zu liefern im Stande ist, so auch für die theorische Weiterbildung, für den Ausbau der Descendenzlehre die 
wichtigsten Daten in der Folge liefern kann. Um so mehr ist es zu bedauern, dass ein grosser Theil derer, 
welche in dieser Richtung zu wirken berufen wären , sich ablehnend gegen jeden derartigen Versuch verhalten, 
die Desceudenztheorie vielleicht anerkennen, aber deren Anschauungen zur Grundlage ihrer Arbeiten zu machen 
sich weigern und in emer Methode verharren, die vor dem Auftreten Darwin's berechtigt, heute veraltet 
und unmöglich ist. 



JE) Die Species in der Palaeontologie. 

Die Formenreihen, welche wir namentlich in den Gattungen Viv'ipara und Melanopsis verfolgen konnten, 
zeigen uns mit unzweideutiger Bestimmtheit eine allmählige Veränderung der organischen Formen im Verlaufe 
der Zeit, bei welcher in der Regel die Stammart von den abgeänderten Nachkommen verdrängt wird. Mit der- 
selben Sicherheit ist constatirt, dass von einem Typus mehrere stark divergirende Reihen ausgehen können. So 
sehen wir aus Vlvipara Neiimayri einerseits die Tulotomen, andererseits Vit: Vuliotinovlii sich entwickeln imd 
sehen also drei Formen mit einander verbunden, welche so weit von einander abstehen, dass es nicht wol möglich 



') Askenasy (Beiträge zur Kritik der Darwin'schen Lehre, Leipzig 1872) hat sehr eingehend auf die Bedeutung der bestimmt 
gerichteten Variation hingewiesen ; doch geht derselbe wohl zu weit, wenn er diese als eine von Anfang an den Organismen inhäri- 
rende Eigenschaft bezeichnet. 

-) Vergl. z. B. Darwin, Variiren im Zustand der Domestication. Deutsche Uebersetzung. Bd. II, pag. 29, pag. 320. 

=) Nägeli, über die Einwirkung äusserer Verhältnisse auf die Varietätenbildiuig im Pflanzenreiche. Sitzungsberichte der Mün- 
chener Akademie. 1865. II. Heft 3. 



104 Dr. Neumai/r u. C. 31. Faul. Die Congerien- und FulHclinenschicliten Slavoniens und deren Faunen. 

ist, innerhalb der Gattung Viripara in ihrer weiteren Fassung stärkere Contiaste zu finden. Kaum geringer ist 
das Maass der Verschiedenheit zwischen den untereinander zusammenhängenden Arten der Gattung Melanopsis. 

Die Zahl der sonst bis jetzt beol)achteten continuirlichen Formenreihen ist eine ziemlich geringe ') ; da- 
gegen ist eine grosse Menge von intermittirenden Reilien bekannt geworden, so bei Congerin, Cnrdinm^ Unio, 
Halobia, Daonella, Cerithium, Pectunculus, den verschiedensten Gattungen von Ammonitiden, bei Brachiopoden, 
Belemniten u. s. w. Wo immer man eine Abtheilung von Thierresten betrachtet, welche einigermassen häufig in 
mehreren aufeinander folgenden Ablagerungen vorkommen, zeigt sich diese Erscheinung und dass die constatirten 
J'ormenreihen heute nur nach Dutzenden und nicht nach Hunderten zählen, ist nur Folge davon, dass die 
Arbeitskraft derjenigen, welche in dieser Richtung thätig sind, nicht ausreicht, um alle Gebiete bis ins Einzelne zu 
verfolgen. 

Von den continuirlichen unterscheiden sich die intermittirenden Reihen nur dadurch, dass zwischen den 
einander sehr nahestehenden Gliedern der letzteren die seltenen Uebergangsformeu fehlen, welche bei ersteren 
vorhanden sind. Es ist genugsam nachgewiesen, dass auch in den intermittirenden Reihen mit vollster Bestimmt- 
heit auf einen genetischen Zusammenhang zwischen ihren Angehörigen geschlossen werden kann und eine Wieder- 
holung wäre überflüssig, zumal noch kein Versuch gemacht worden ist , diesen Schluss zu widerlegen ; nur auf 
ein Verhältniss wollen wir hier aufmerksam machen, dass nämlich bei Formen beschränkter Binnenbecken in der 
Regel continuirliche. bei denjenigen des offenen Meeres dagegen intermittirende Reihen, wenn auch nicht aus- 
schliesslich, so doch in der grossen Mehrzahl der Fälle auftreten. Es rührt dies daher, dass bei marinen Ablage- 
rungen die wenigen uns in der Regel zu Gebote stehenden Aufschlusspunkte einen verschwindenden Bruchtheil 
des ganzen Bildungsareales darstellen, während wir diesen bei den verhältnissmässig wenig ausgedehnten limnischen 
Vorkommnissen wenigstens annähernd überblicken. Wir sehen also in den letzteren gleichsam ein verkleinertes, 
für das Studium ausgezeichnet geeignetes Modell der Vorgänge in dem weiten Ocean und können die an ersteren 
beobachteten Vorgänge auf letztere übertragen.'-') 

Wir sehen demnach in allen Reihen der beiden genannten Arten eine allmählige F'ormveränderung gegeben; 
daran aber schliessen sich andere Fälle an, in welchen wir mit logischer Nothwendigkeit zu denselben Schluss- 
folgerungen gezwungen sind. Zunächst finden wir in vielen Fällen, dass ein durch einige Horizonte hindurch nicht 
vorhandener Typus ziemlich unvermittelt auftritt. Seine eigenthümlichen Merkmale liegen aber in der Variations- 
richtung einer aus älteren Schichten tiekannten Reihe, und die Abweichungen von dieser sind zwar grösser als 
diejenigen zwischen je zwei einander nächst liegenden Gliedern der Reihe, aber kleiner als zwischen dem An- 
fangs- und Endglied derselben ; auch hier müssen wir einen genetischen Zusammenhang annehmen. Ferner zeigt 
sich bei selten und in wenigen Horizonten vorkommenden Formen das Verhältniss. dass dieselben ebenfalls nach 
einer Richtung von einander abweichen, dass aber die einzelnen Glieder ziemlich stark verschieden von einander 
sind, aber nicht stärker als Anfangs- und Endglied einer nur schwach intermittirenden Reihe und auch in diesen 
Fällen ist es geboten, die Abstammung der isolirten Glieder von einander anzunehmen. 

Die wichtigsten Bemerkungen, welche uns bei der Beobachtung entgegentreten, sind demnach folgende: 

1. Vollständigkeit und Ausdehnung der Formenreihen steht in geradem Verhältniss mit den folgenden Fac- 
toren : Anzahl der vorliegenden Exemplare, Kenntniss eines grossen Theiles des Bildungsraumes, Bekanntschaft 
mit Vertretern aus vielen Horizonten. 

2. Die morphologischen Gebiete, deren Zusammengehörigkeit zu genetischen Einheiten durch die Beobach- 
tung bewiesen wird, sind in den günstigsten Fällen grösser, als diejenigen, welche man in der Regel zu einer 
Gattung vereinigt. 



') Wir übergehen die von Hil gen dort für nanorbk mulHfonnüs aufgestellten Reilien, da die Richtigkeit der Beobachtung in 
Frage gezogen ist. Für Melanopsis impressn - Marfiniana -Vindobonensis hat Fuchs den Zusammenhang nachgewiesen (Ueber 
chaotischen Polymorphismus). Dass die genannten Formen wirklich eine Reihe bilden und nicht durch Bastardirung der extremen 
Glieder entstanden sein können, geht mit Sicherheit ans den von Fuchs in neuerer Zeit über deren geologisches Vorkommen publi- 
cirten Thatsachen hervor. Jahrb. der geol. Reichsanstalt. 1875. Heft 1. 

■-) Vk. iiofha entwickelt sich im Westbecken von West-Slavonien zu Vir. Sliiri, im Osten zu l'iv. urtuita, welche sich dann in 
Viv. Hi/rnesi umwandelt ; diese letztere wandert dann auch in das Westbecken ein und hier ist die Reihenfolge Vir. iiotha-Sttiri- 
Hörnesi ; diese letztere Form tritt also in dem bezeichneten kleinen Gebiete als ein mit seinen Vorgängern nahe verwandter, aber 
scharf geschiedener, unvermittelt erscheinender Typus auf. In den hier betrachteten kleinen Verhältnissen war die Lösung des 
Räthsels leicht zu finden, denken wir uns aber denselben Fall zu oceanischen Dimensionen erweitert, so wäre der Schlüssel vielleicht 
in einem anderen Erdtheile zu suchen. Dieses Beispiel ist ziemlicli lehrreich, da genau analoge Verhältnisse niclit selten als Einwürfe 
gegen die Descendenztheorie verwerthet werden. 



in. Ecsultate. 105 

Wendet man sich au der Hand dieser Resultate der palaeontologischen Detailuntersuchung an die Beurthei- 
lung der Speciesfrage, so ist es klar, dass von einer Constanz der Art nicht die Rede sein kann ; diese ist 
unvereinbar mit der Thatsache, dass bei manchen Formen eine allmählige Veränderung bis zu einem Betrag 
vorliegt, welcher generische Abtrennung rechtfertigt; selbst die Ausflucht, dass die Species dieselbe geblieben sei, 
nur andere Gestalt angenommen habe, eine Ausflucht, die den Begriff opfert um ein Wort zu retten, ist den 
divergirenden Reihen gegenüber unmöglich. 

Man hat in der Regel die Species in der Palaeontologie in der Weise zu fixireu gesucht, dass man, wie bei 
den Vertretern einer einzigen Periode, so auch bei den aufeinander folgenden Angehörigen mehrerer derselben, all 
das vereinigte, was durch Uebergänge verbunden ist, aber nach dem, was eben gesagt wurde, heisst ein solches 
Verfahren nichts anderes als das, was die „Grundlage wissenschaftlicher Naturforschung" sein soll, von den Zu- 
fälligkeiten der Zusammensetzung unserer Sammlungen abhängig machen. 

Das Resultat kann kein anderes sein, als wenn man aus einer grossen Kiste, in welcher alle Uebergänge 
zwischen zwei weit von einander entfernten Formen durcheinander gemischt liegen, einige Hände voll Fossilien 
herausnähme und nach diesem Material Species fixiren wollte. 

Man könnte die Frage aufstellen, ob die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen den organischen Wesen in 
früheren Perioden andere gewesen seien als heute, nachdem doch in der heutigen Fauna und Flora uns eine 
grosse Menge sehr scharf abgegrenzter Formengebiete entgegentreten, die vollständig ineinander verlaufenden 
Formen dagegen, wie wir sie bei M(danopsis, Ituhns, Rosa, Salix u. s. w. kennen, bei weitem die Minderzahl bilden. 
Dieser Einwurf ist jedoch ganz unbegründet ; betrachten wir die Fauna einer einzigen beschränkten Schicht, so 
finden wir meist gut abgegrenzte Formenkreise und die Reihen treten erst hervor, wenn wir mehrere Horizonte 
in Verbindung bringen, seien es jetzt Zonen des Jura oder Muschelbänke des Pliocän, des Diluvium und der 
Jetztzeit, deren Bevölkerung wir vergleichen. 

Sehen wir in dieser Art die Unmöglichkeit von absolut constauten Species erwiesen, so fragt es sich, ob wir 
in dem alhnähligen Wechsel der organischen Wesen relativ constante Formenkreise finden können, welche an 
morphologischem Umfang denjenigen entsprechen, welche in der Botanik und Zoologie bei den jetzt lebenden 
Vorkommnissen als Species unterschieden werden. Die einzige derartige Einheit, welche hier in Betracht kommen 
könnte, ist die Mutation, welche sich in der That mit ihren Altersgenossen verglichen, wie eben erwähnt, der 
Species analog verhält, dagegen beschränkteres Gebiet umfasst, eine Einheit niedrigerer Ordnung darstellt, sobald 
wir mehr als eine Periode ins Auge fassen. Die Formenreihe andererseits stellt eine systematische Einheit weit 
höherer Ordnung dar, und sie mit der Mutation zusammen ersetzen die Species in der Palaeontologie ; die Ueber- 
tragung des aus der Betrachtung einer einzigen Periode abstrahirten Speciesbegriffes in die Palaeontologie ist 
durchaus ungerechtfertigt und etwas ihm analoges, in allen E'ällen unfindbar, in denen man etwas vollständigeres 
Material zur Verfügung hat. Selbst seine Anwendung für die systematische Behandlung der jetzt lebenden For- 
men ist nur möglich, insoferne man deren Beziehungen zu ihren Vorfahren ignorirt. 

In einer Beziehung wird es vielleicht möglich sein, innerhalb der Mutationen noch untergeordnetere Formen- 
gebiete zu unterscheiden, welche jedoch nicht den Varietäten der Systematik recenter Vorkommnisse entsprechen ; 
Nägel i^) hat in seinen ausgezeichneten Studien über das Vorkommen von Pflauzenformen in der Natur sehr 
scharf zwischen eigentlichen Racen, solchen Varietäten, die einen gewissen Grad von Constanz erreicht haben 
und den „Standorts- Abänderungen" unterschieden, welche letztere unter der Einwirkung gleicher äusserer Ver- 
hältnisse gleich sich entwickeln , mit deren Aenderung sich ändern und mit dem Aufhören der bedingenden Ur- 
sache verschwinden ohne Constanz zu erlangen. 

Es ist in hohem Grade wahi'scheinlich, dass sehr oft bei fossilen Formen dieselben Erscheinungen auftreten, 
aber sehr schwierig dieselben zu constatiren ; wir werden dieselben mit Wahrscheinlichkeit annehmen können, wenn 
in ein und demselben kleinsten Horizonte (einen solchen stellt auch die Jetztzeit dar) dieselben Abänderungen bei 
mehreren verwandten Formen gleichmässig vorkommen, die sich der Beobachtung zufolge nicht zur Varietäts- 
richtung von Reihen ausbilden, ferner wenn zwei einander sehr nahestehende Formen ganz ungeändert und durch 
vollständige Uebergänge verbunden, durch einen langen Zeitraum nebeneinander herlaufen, endlich wenn wir in 
einer Brackwasserablagerung Formen finden, die denjenigen einer naheliegenden Marinbildung sehr nahe verwandt 
sind und sich nur durch geringere Grösse und Schalendicke, etwa noch durch Abschwächung der Sculptur, unter- 
scheiden. 

Ein Beispiel für den ersten Fall bietet das Vorkommen einer „var. rostrata" bei verschiedenen europäischen 
Najaden in der Jetztwelt ^3, so bei Unio tumidus, pktonim, Anodonta ceUensis, piscinalis und anatina und ganz 



') Nägeli. über den Einfluss äusserer Verhältnisse auf die VarietätenbUduQg im Pflanzeareicli. Sitzungsberichte der Münchener 
Akademie. 1865. II. Heft 3. 

^) Vergl. Kobelt. Malacozoologische Blätter. 1871. Bd. 19. pag. 5. 

Abhandlungen der k. k. geolo^. Reichsanstalt. (Xeumayr u. Paul.) Band VII. 3. Heft. \^ 



106 T)r. NfiDiini/r n. C. 21. Paul. Die Congerien- und Pahidinenschichten Slavoniens tmd deren Faunen. 

e.itsprecheude Fälle citirt Quenstedt bei fossilen Brachiopoden '). Für die zweite Kategorie können wir das 
Vorkommen derselben Abänderungen der Haselnüsse in der Schieferkohle von DUrnten und in der Jetztzeit, 
welches Heer erwähnt-), anführen und ganz analog ist das Verhältniss zwischen den zeitlich viel weiter aus- 
einander liegenden Vorkommnissen von Liilioijhiplius fusrus aus den Paludinenschichten Slavoniens und aus der 
heutigen Fauna '). Für die Beziehungen von marinen und brackischen Formen sind sehr viele Beispiele aus den 
jetzigen Meeren bekannt, doch fehlt es für den Augenblick noch an einem Parallelfall aus früheren Perioden. 

Auch hier stehen wir erst an der Schwelle einer Ph'kenntniss und wie in so vielen Fällen macht sich auch 
hier wieder das dringende Bedürfniss nach ins kleinste eingehenden Beobachtungen gebieterisch geltend. Vielleicht 
gibt unsere Arbelt einen kleinen Anstoss zu weiteren Forschungen, w^elche durch möglichst scharfe Untersuchung 
der geologischen Aufeinanderfolge, wie der morphologischen Beziehungen der einzelnen Formen, das nöthige Ma- 
terial für die Beurtheilung der wichtigsten Fragen unserer Wissenschaft herbeischaffen werden. 



') Quenstedt, Brachiopodeii. 
-) Heer, Urwelt der Schweiz. 
") Vergl. oben. 



Berichtigungen. 

Auf pag. ."4 ist unter Nerittfia trausversalis Tab. IX, Fig. 21 zu setzen. 

Auf pag. 13, Zeile 8 von oben, ferner pag. 16 in der Liste, endlicli pag. 51, Zeile 4 von oben, ist statt T'ä'. antliracophüa 
zu setzen Viv. leiosfraca. 



Yerbreitiingstabelle. 



In der folgenden Tabelle ist die Verbreitung der im palaeontologiscben Tbeile autgezäblten Formen angegeben: zu deren Verstiindniss 

ist nur beizufügen . dass ein Kreuz das Vorkommen , ein borizontaler Stricb das Fehlen einer Fonn, ein vertioaler Strich das Auftreten 

äusserst seltener Vorläufer oder Nachzügler im Gegensätze zur Hauptverbreitling bedeutet. Die Angaben „Krim", „Ungani". „Arpad" 

in der letzten Coloiine beziehen sich auf das Vorkommen in Congerienschichten. 





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1. Cmigeriu rhomboidea • ■ 
3. „ spatlmlata ■ ■ . . 

3. „ polymorpha • ■ • 

4. Cardium jiktmim 

5. „ slavonicum ■ • ■ 
0. „ speluncarium ■ ■ 

7. „ Oriovacense ■ ■ ■ 

8. ., Sehviidti ■ ■ ■ 

9. „ KiegeU 

10. „ semisulcutum ■ ■ 

11. „ hungaricum ■ ■ ■ 

12. „ .Simplex 

13. „ Nova-Eossicum ■ ■ 

14. Pisidiiim p)riscum 

15. „ cf. truncatnm 

10. „ slavonicum .... 

17. „ Clessini 

18. „ aequale 

19. „ propinqimm • ■ ■ 

20. „ .solitarium .... 

21. „ rugosum 

22. Unio atavus 

23. „ maximus 

24. ,, Nicolaianus 

25. „ Beyrichi 

26. „ sculptus 

27. „ Haueri 

38. „ Sandbergeri 

29. „ Barrandei 

30. „ Stoliczkai 

31. „ 2"^>'»oiticus 

32. „ Zelebori 

33. ., Pilari 

34. ., Vucasovicianus ■ ■ 

35. ., slavonicus 

30. „ Pa^lli 

37. „ ptychodes 

38. „ Hochstetteri 

.?.9. „ Oriovacensis 

40. ,, excentricus 

41. „ Viikotitiovici 

43. „ Strossmayerianus ■ ■ 

43. ., Bakoveciamis .... 

44. „ Stachei 

45. „ clivosus 

40. ,, cymatoides 

47. „ Sturi 

48. „ cyamop.sis 

49. Keritina militaris 

50. „ transversalis ■ ■ 

51. „ amethystina ■ ■ ■ 

52. „ Coa 

53. „ sagittifera .... 

54. „ capillacea .... 

55. ,, platystoma ■ ■ ■ 
50. Mehtnia ricinus 

57. Melunopsis harpula ■ ■ ■ ■ 

58. „ lanceolata ■ • ■ 

59. „ hastata .... 
00. ,, costata .... 
61. „ clavigera . . . . 
03. „ hybostoma ■ • ■ 
03. „ Braueri .... 

64. ,, recurrens ■ ■ ■ 

65. ,, .slavonica .... 
06. ,, xit^'>'Ochila • ■ • 


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Arpad u, «. w. in Ungarn. 
Verbreitet iu <Ien obeven Congerien- 
schichten. 

Krim. 

Arpad. 

Arpad. 

Ungarn, Krim, 

Arpad 

Radmanest. 

Krim, Ungarn, Bologna, BoUene. 

Sarmatische u. Congerienschichten. 

Obere Congerienschichten. 
Westslavonien. Niveau unbekannt. 

Paludinenschicbten von Westslavo- 
nien. Niveau unbekannt 

Obere Paludinenschicbten v, We^tt- 
alavonien. 

Ko^i. 

Pahidinensehichlen v. Varos (West- 
slavonien). 

Congerienschichten v. Fünfkirclien, 



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Obere 
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67. 3Ielanopsis 3Iiitl)Ci-uiii ■ ■ 

68. „ Sandberyeri ■ ■ 

69. „ pyrum ■ ■ • • 

70. „ decolluta ■ • ■ 

71. „ acicularis • 

72. „ Esperi . ■ ■ 

73. „ cf. Visianiana . 

74. „ eurystoma ■ ■ 

75. „ praemorsa ■ ■ 

76. Vivipura Neumayri ■ • ■ 

77. „ Stiessi 

78. „ balatonica ■ ■ ■ 

79. „ pannonica • ■ ■ 

80. „ bifarcinata ■ ■ ■ 

81. „ stricturata • ■ ■ 

82. _ „ notha 

83. „ Sturi 

84. „ ornuta 

85. „ Hörnesi . . ■ ■ 

86. „ Ftichsi 

87. „ Sadleri 

88. „ cyrtomaphora ■ ■ 

89. „ Wolß 

90. „ S2)tiria .... 

91. „ Lenzi 

92. „ 3Iojsisovicsi ■ ■ 

93. „ graiidis .... 

94. „ alta 

95. „ Herbichi ■ ■ .• 

96. „ Vukotinovili 

97. „ Pauli .... 

98. „ ovultim . . . ■ 

99. „ leiostraca ■ ■ ■ 

100. „ eburnea .... 

101. „ lignitarum ■ ■ 

102. „ nmbigua ■ • ■ 

103. „ a iilacopihora ■ ■ 

104. „ Brusinai ■ ■ ■ 

105. „ DeSmanniana . 

106. „ altecarinata ■ ■ 

107. „ Zelebori ■ ■ ■ 

108. „ nrthritica ■ ■ ■ 

109. „ Pilari .... 

110. „ rudis ■ ■ ■ 

111. „ Strossmuyeriana 

112. „ vielantho2>sis 

113. „ oncophora ■ ■ ■ 

114. „ avelluna • • ■ 

115. Bythinia tentticulata ■ • 

116. „ cf. cyclostoma ■ 

117. „ Pilari • ■ 

118. „ Vukotinoviii • 

119. „ Podwinensis 

120. Lithoglyphtis fuscus ■ ■ 

121. „ histrio • ■ 

122. Hydrobia longaeva ■ ■ • 

123. „ syrmica ■ ■ ■ 

124. „ sepulcralis ■ ■ 

125. „ pupula • • . • 

126. „ slavonica ■ ■ • 

127. „ aurita • • • 

128. „ acutecarinata ■ 

129. „ turricula ■ ■ . 

130. Valvata piscinalis ■ ■ ■ 

131. „ Sulekiana ■ ■ ■ 

132. „ Sibinensis ■ . . 

133. Emmericia Candida ■ • 

134. „ globulus ■ • 

135. „ .Jcnkiana ■ ■ 

136. Planorhis transsijluanicus 

137. Limnaeus acuarius ■ ■ 

138. Valenciennesia Reussi ■ 
139 Castor ^n 


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Wcstslavonien iu unbekannU'iu Ni- 
veau. BoUcne. Tortona. 

Congerieuschiehten am Plattensee. 
Westslavonien (Niveau ':').Congerien- 

ßchichten am Plattensee. 
Diluvial in Ungarn. 
? Sliocic in Dalraaticn. 

Westslavonien. (Niveau V). Fossil 
sehr verbreitet. 

Kos. 

Repusnica in Westslavonien. (Ni- 
veau?) 

Kos. 

Repusnica vermuthlich aus mittleren | 
Paludiuensch. Häufig auf Kos. j 
Westslavonien, Niveau unbekannt. 
Häufig auf Kos. 

Obere Paludinenschichten von Re- , 
pusnica. 

Obere Paludinensohicbten von 

Novska und Repusnica. 
Obere Paludinenschichten; Capla. 

Vielfach in Neog-eu- und Diluvial- ' 
ablagerungen. 

Ribaric in Dalmatien. 

An verschiedenen Punkten foBsil. 

Repusnica, Niveau unbekannt. 









REGISTER. 



(Bei den im Texte sehr häufig Yorkoramenden Namen ist nur die wichtigste Seitenzahl angegeben und daneben „etc." gesetzt.) 



Seite 

Acella 80 

Andrias Scheuehzeri 91 

Anodonta anatina 105 

„ Cellensis 105 

, piscinalis 105 

„ teniiis 105 

Bythinia 73 

„ hulimoides 74 

„ cijclostonm 73 

„ Püari * 73, 74 

„ Podivinensis ] 3, * 74 

„ tentaculata . . 8, 9, 11, 16, 88, 52, * 73, 74, 75, 79 

„ Vukotinovici 17. 70, * 74 

Camptonijx 81 

Canthidomiis 46 

Cardiiim 21 

Abichi 11, 23, 24 

„ acardo 22, 85 

„ Auiiigeri 22 

„ carinatum 22 

„ conjungens 84 

„ edentul'um 22 

„ Fittoiü 24 

„ hiingariciim 16, 21, "'23 

„ modiolare 22, 23 

„ Noca-Rossimm .... 14, 15, 21, * 23, 81, 85 

„ Oriovaeense 21, *22 

„ PaHtkapaeicm 22 

„ 2>t"niim 14, 15, *21, 22, 81, 85 

„ Riegelt 11, 15, 21, * 23 

Schmidti 14, 15, 21, 22, * 23, 81 

„ semistdcatiim 16, * 23 

„ Simplex .' 21, * 23 

„ slavOHicum ~ 14, 15, 21, * 22, 23, 73 

„ spehmearium 21, *22 

„ subcarinatuHt 22 

„ undatum 22 

„ Vindohottense 5 

Castor (iber 82 

, sp 8, 16, * 82 

Ceritkium 104 

„ margaritaceum 5 

„ pictum 4, 5 

,, rubiginosum 4, 5 

Cinnumomum lanceolatuin 4, 5 

ClaiisiUa Uinbata 92 

Clgpeaster grandiflorus 4 



Seite 

Congeria 20 

PartscU 84, 85, 86. 89 

„ polymorpha 13, *20 

„ rhomboidea . 12, 14, 15, * 20, 21, 22, 80, 85, 86, 89 
„ spathulata . . 14, 15. * 20, 22, 23. 73. 84, 85, 89 

sitbglobosa 21, 84, 85, 86 

, friangiilaris 84, 85. 86, 89 

Crioceras 73 

Crisia Edwardsi 4 

CryptobniHckus japonicus 91 

Daonella 104 

Emericia 79 

„ canalifera 79 

„ Candida 17, * 79 

(jMmliis * 79 

,, . Jenkiana * 79, 80 

Errilia podolica 15, 83 

Eschara pohjstomeUa 4 

Filispara bilobn 4 

Fossarulus 74 

Halobia 104 

Harpoceras _ 78 

Hydrobia 75 

„ acutecarinata 76, * 77 

.', aurita 76, * 77 

„ elegantissima 76 

„ Eugeniae 76 

„ loiigaeva 16, * 76 

„ margarita 76 

„ pagoda 76 

>"'i/''« '^'^ 

pupula 17, 76, * 77 

sepulcralis .... 9. 16, 27, 52, 58. *76, 78, 86 

„ slavonica 17, 76, * 77 

„ Mngnidis 76, 77 

,, riyriiiica * 76 

„ tmrictda 76, * 77 

„ ventrosa 76 

Idmoitea foraminosa 4 

„ tenuisulcata 4 

Leptoxis patuJa 79 

Limnaeus 80 

Hcmrius 15. * 80, 90 • 

„ attenuatus 80 

„ graciliS' 80 

„ nobilis 81 

„ pereger 80 



Seitf 

Lininueua suhulatus 80 

„ relutinus 81 

Lithoghjiihus 74 

fuscus . . . . 9. IG. 17, 35, 52, * 74. 75, 102 

„ histrio 16. * 75 

„ naticoiäes 74 

„ pmdcum 9, 16, 75 

LitorineUu 74 

Lyrceit 45, 46 

Muctni podolica 5. 83 

Magnolia 91 

Melania 36 

Eschen' 36 

„ HoUandiei 36, 79 

„ ricinus * 36. 79. 90 

Melanopsis 36 

„ acanthica 36, 38, 88 

„ acicularis 37. 47, * 48. 49 

„ anceps 38 

„ Bouei . . ■ . . . 37, 38, 39. 42, 44, 46, 84, 99 

Brauen 10, 12, 13, 18, 31, 37, 40— 46, * 43, 98. 99 
clariyera 10. 12, 13, 18, 31, 37, * 41, 42, 45, 46, 98, 99 
costata 9, 12, 13, 15, 18, 31, 37, 40, *41, 46, 98, 99. 100 

„ Daphne 38 

„ decollafa 9, 12—16, 44—49, *48, 52 

„ defeiis« 37 

EsiJcri 7, 18, 37. 47—50, * 49, 64 

„ eury Stoma 12, 47, 48, * 49 

„ gradnta 37 

„ harpula 13, 16, 20, 37. * 38, 39, 40, 46, 54, 98, 99. 100 

hastata 10—12, 17. 87, 39, * 40, 45. 46, 98. 99, 100 

hyhostoma 12, 13, 37. * 42, 46 

„ impressa 81, 104 

„ inconstans 37, 38, 49, 88 

„ Kupensis 37 

lanceolata 11, 12, 17, 37, * 39, 40, 42—46,98—100 

„ lyratii 38 

„ »laroccana * 47 

Martiniana 46, 47, 84, 104 

„ Matheruni * 47 

„ praemorsa 37, 47. 48, * 50 

„ pterochila 13. * 47 

„ pygmaea 38, 46, 86, 99 

„ pyrum 12. 47, * 48 

„ recurrens 10, 12, 13,15, 18,31,37,42— 48, »44,98-100 

„ Sandbergeri 13, 16. * 47, 48, 54 

„ scripta 37 

„ slavcmica ... 13. 18, 37, 42—46, * 45, 98, 99 

„ spinicostata 38 

„ Sturi 37 

„ Vindohonensis 84, 104 

„ Visianiana . . . 38, 48, * 49 

„ Zitteli 38. 88 

Melantho 70 

Nematurella 74 

„ dalmatinn 38 

Neritina 34 

„ amethystina 34, * 35 

„ capillacea * 35 

Coa * 35 

„ militaris * 34 

„ plalystovia 12, * 35 

„ sagittifera 12, * 35 

transversalis 13, 16, * 34, 35, 53 

„ Valenlina , , . , 35 

Aystia 74 



Seite 

Oecotraustes 101 

Oppelia 101 

Östren cochlear 4 

Pecten latissimus 4 

Pectunculus 104 

Perisphinctes 73 

Pisiditim 24 

„ aequale * 25 

„ amniciim 24, 25 

Clessini * 25 

,, conicvm 24 

„ priscum * 24 

,, propinquwm * 25, 26 

,, rugosum * 26 

„ slavonicwm 17. * 25 

„ solitarium * 26 

„ supinum * 24, 25 

Planorbis 80 

„ cornu 38 

„ multiformis 104 

„ transsylranicus * 80 

Prososthenia 74 

,, Tournoueri 33 

Pyrgidium 74 

Pyrgnla 76 

,, Haueri 38 

Rosa 105 

Eiibtts . 105 

Salicornia maryinata . . 4 

Salix 105 

Scrupacellaria elliptica 4 

Stalioa 74 

Tapes gregaria 83 

Tournoueria 74 

Tropidina 78 

„ tricarinata 78 

Tulotoma 50 

„ altecarinata 73 

„ artliritica 73 

„ avellana 73 

„ bifareinata 73 

„ Dezmanninna 73 

„ Hörnesi 73 

„ magnifica 70 

iiotha 73 

„ oncophora _ . . 73 

„ ornata 73 

„ PiUri 73 

„ ruäis 69, 73 

„ stricturata 73 

,. Strossmayeriana 73 

„ Sturi 73 

Unio * 26 

,, atavus 9, 26, * 27, 52, 77, 78, 86, 90 

„ ater 27 

,, Barrandei 26, * 29 

„ Beyrichi 12, *28 

,, clarus 32 

„ cUvosiis 13. *33 

„ cyainopsis 13. 27, * 34 

„ cymatoides 13, 33. * 34 

„ exccntricus 26, * 32 

„ flabellatus 80 

„ Haueri 13, 18, * 28 

„ Hochstetteri 12, 27, »32, 33 

„ maxinius 7, 8, 9. 13, 16. 26. * 27, 52. 77 



Seit« 

ünio mytiloides 26. 28 

„ NicoMmnis ... 11, 12, 13, 17, 26. * 27, 28, 29, 34 

„ Orioracensis 26, * 30 

„ pamwnicus 12, 2G, * 30 

„ patuhis 27, 30 

„ Pauli 11, 13, 18, 26, 30, * 31 

„ pictwum 105 

„ Pilari 27, * 30, 56 

„ ptychodes 13, 26, 30, * 31 

„ •pyrawidatus 27 

„ Bakovecümzis 26. 32, * 33 

„ Simdhergeri 11. 12. 17, 26— * 29 

„ sculptus 13, * 28 

„ slavonicm 12, 26, 30, * 31 

,, Stuchei 12. 26, * 33 

„ Stolicslaii 11, 26, * 29, 30 

„ Strossmayerianus 13. 18, 26, * 33 

„ Shoi . . - 7, 18, 26, * 34, 64 

„ thalcissinv.'^ 13. 26, 32, * 33. 56 

„ trigonus 26, 28. .SO 

„ tuberculdtiis 27 

„ tuiiiidus 27, 105 

„ ViikaKOricianus 26. * 30 

„ Vnkofhmifi 13, 26, * 32, 33, 56 

„ Zclehori 27, *30 

Vayinelhi dcpressn 4 

Valencienncsiu 80 

„ anmihta 81, 85, 86, 89 

Reussi 14, 21, 22, *81, 90 

Valvata 78 

„ piscinalis 27. 58. * 78. 86 

„ Sihinensis ''78 

„ Sidekiana 17, * 78 

Vivipara •'''" 

„ achatinoides 51 

„ aeruginosa f"'^ 

alta 51, 58. * 62. 106 

altecm-inata .... 10-13, 18, 51, * 67. 68, 98 

„ amhigua 15, 51, 57, 64, * 66 

Mfhrifica 15, 51, 68, * 69, 72. 99 

„ aulacophara 51, 58, * 66 

„ arellcma 7. 10. 11. 15, 17. 18, 51, 70, * 72. 98. 101 
„ balutonica 16, 51, * 53, 87 



Seite 

Viripara hifarcinata * 54 (etc.) 

Brnsinai 12, 20, 51, * 66. 67, 68, 69, 73, 98, 99, 101 

„ conciiinii 58 

„ cyrtoiiiai>hom 51, 57, * 59, 60, 61, 100 

„ Behminvianu 7. 10—13, 17,51, *67,68,69,73,98,99. 101 

„ ecarinata 63 

„ ehurnea 51, 57, 64, * 65, 87 

„ Fuchsi *58 (etc.) 

„ gnnidis 51. 58, * 62, 100 

HerhiiM 51. 57. 62, * 63, 90, 91, 99 

„ Hörnest * 55 (etc.) 

„ leiostraca ... 13, 16. 51. 54, 58, * 64, 76, 100 

Lensi 16, 51, 57, * 61, 62, 100 

„ lignifarum .... 14, 16. 51, 57, 64, * 65, 66, 71 

. „ loxosfoiiia 58 

„ magnißcn 72 

„ mehmfhopsis 10, 11, 17, 51, 58, 59. 68, 70. * 71, 72, 

73. 74, 87. 98. 99, 100, 101 

Mojsisoricsi 16, 51, 57, 61, * 62 

„ Neumni/ri * 51 (etc.) 

„ nothii * 55 (etc.) 

„ omopliom 11. 12, 17, 51, 56, 70, *71, 72, 73, 98, 101 

ornata 7, 12, 20, 31, 35, 48, 49, 51, 52, * 56, 68, 72, 

75. 80, 98 

„ Ovulum 63. *64 

„ paiinonicv 7, 8, 11, 13. 15, 17, 35. 38. 48, 51—54, 

*53, 58. 76. 98 

„ Pauli 7, 18. 51, 57, * GS, 64, 90. 91 

„ Pilari . 12, 25, 35, 48, 49. 51, 55, 68. * 69, 80, 99 

„ rudis 7, 15, 51, 68, * 69, 70, 99 

,, Sadleri * 59 (etc.) 

„ spuria 51, 57, 59, * 60, 61. 65, 66 

„ stricturatii * 54 (etc.) 

„ Strossmayeriana 51, 68. * 70 

„ Sturi * 55 (etc.) 

„ Suessi 7. 8, 51. 52. * 53, 57, 64, 68, 72. 73, 98, 101 

„ unicolor 51. 90 

„ varicosa 69 

,, Viquestieli 64 

„ Yiikotvnovi'Si * 63 (etc.) 

„ Wolfi IG, 51, 57. 59. * 60, 61, 100 

„ Zelebori * 68 (etc.) 



TAFEL I. 



Die Erklärung nebenstehender Uebersichtskarte ergibt sich aus der beigegebenen Farbenerklärung und aus dem voranste- 
henden Texte (s. geol. Theil). Zur Vermeidung eines Irrthumes muss hier nur hinzugefügt werden, dass die ganze (auf der Karte 
mit gelber Farbe bezeichnete) Zone von Paludinenschichten von Masic bis Bukovje zum grössten Theile von einer, stellenweise sehr 
mächtigen, und nur längs der tieferen Thäler und Wasserrisse imterbrochenen Lössdecke überlagert ist, welche wir jedoch, um das 
übersichtliche Bild der Verbreitung der Paludinenschichten nicht zu stören, auf der Karte gänzlich ignorirten. Die in der Farben- 
erklärung als „beobachtete Pimkte der Paludinenschichten" bezeichneten, durch Chraffirung ausgeschiedenen Stellen, sind diejenigen, 
welche von den Verfassern selbst besucht wurden und den grosseren Theil des im voranstehenden Texte behandelten Materiales 
lieferten. 



Htmnajr u faul ConUnen und PaludinanschicKtei 



Geologische U^sichtskarte 

der Gegend «wischen XoucradxsMd Bpond in Wostslavonicn 

MdpftuH von I ^v^Zoinm' '2 «st .Mi-ii.- 




TAFEL IT. 

Unio Pauli Neumayr. Pag. 31. 

Fig. 1. Exemplar iu Batürlicber Grösse aus den Unionensanden mit Vir. Ilürnesi, hinter der Podwiner Kirche. 

Fig. 2. Linke Klappe in natürlicher Grösse von derselben Localität und aus demselben Niveau; Fig. 2 — 4 sind durch den Zeichner 

schiefgestellt. 
Fig. 3. Linke Klappe von innen in natürlicher Grösse von derselben Localität und demselben Niveau. 
Fig. 4. Rechte Klappe von innen iu natürlicher Grösse; ebendaher; die punktirte Umrissliuie ist unrichtig gezogen; der Verlauf ist 

wie bei Fig. 2. 

Vnio Haueri Neumayr. Pag. 28. 

Fig. 5. Liuke Klappe vou aussen und innen in natürhcher Grosse; ebendaher. 
Fig. 6. Rechte Klappe von innen in natürlicher Grösse; ebendaher. 

Unio Stachei Neumayr. Pag. 33. 

Fig. 7. Vollständiges Exemplar in natürlicher Grösse, Sibin, Schichten der V/eipara strictiirata oder notha. 
Fig. 8. Schloss der linken Klappe; ebendahtr; in natürlicher Grösse. 

Unio Stolicskai Neumayr. Pag. 29. 
Fig. 9. Linke Schale aus den Schichten mit Vir. notha von Maliuo in natürlicher Grösse. 

Unio Strossmayeriamts Brus. Pag. 33. 

Fig. 10. Rechte Klappe aus deu Unioneusandeu mit Vir. Hörnesi hinter der Podwiner Kirche; von aussen uud inü'u in natür- 
licher Grösse. 
Fig. 11. Linke Klappe von innen in natürlicher Grösse; ebendaher. 



Die Origiiial-E.remplare befinde» sich im Musetwi der l: k. geologischen Reichsanstalt in IVien. 



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.\l)liarKilun(|«Mi dop k. k.Ooolofji.srhcii II cicli.s.-in.sliill, Lkmd W . 



TAFEL m. 

Unio Sandbergeri Neum. Pag. 29. 

Fig. 1. Rechte Klappe von aussen und innen in natürlichei' Grosse; aus den Schichten mit Vw. siricturcita oder notha von Sibin. 

Fig. 2. Linke Klappe in natürlicher Grusse von innen ; ebendaher. 

Fig. 3. Linke Klappe eines jungen Exeniplares von aussen und innen; ebendaher. 

Unio Barrandei Neum. Pag. 29. 

Fig. 4. Linke Klappe von aussen und innen in natürlicher Grösse; ebendaher. 
Fig. 5. Rechte Klappe von innen in natürlicher Grösse ; ebendaher. 

Viiio Vükottnovici M. Hörn es. Pag. 32. 

Fig. 6. Linke Klappe von aussen in natürlicher Grösse; aus den Unionensanden der Capla mit Vir. ornriia. 
Fig. 7. Linke Klappe von innen in natürlicher Grösse; ebendaher. 
Fig. 8. Rechte Klappe in natürlicher Grösse von innen ; ebendaher. 

Unio cUvosus Brus. Pag. 33. 
Fig. 9. Linke Klappe von aussen und innen in natürlicher Grösse; vermuthHch aus oberen Paludinenschichten ; Cigelnik. 

Unio pannonicus Neum. Pag. 30. 
Fig. 10. Rechte Klappe von aussen und innen in natürlicher Grösse; Schichten mit Vii\ stricturaia oder iiotlia von Sibin. 

ITnio Beyrichi Neum. Pag. 28. 
Fig. 11. Rechte Klappe in natürlicher Grösse von aussen und innen; ebendaher. 



Die Original-ExemiAare befinden sich im Museum der k\ Je. geologischen ffeichsanstuU in Wiem. 



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TAFEL IV. 

Vivipara Neumayri Briisina. Pag. 51, 52. 

Fig. 1. Exemplar in natürlicher Grösse von Cernik (St. Leonhardt); aus den unteren Paludineuschichten mit Hydrohia sepulcralls, 
Unio »mximiis, ittavus; die Stammform, aus welcher sich die auf dieser und den zwei folgenden Tafeln abgebildeten Formen- 
reihen entwickeln. 

Fig. 2. Vom Typus durch etwas schlankere Form und flachere Windungen abweichend, beginnender Uebergang zu Viv. Sitessi. Von 
demselben Fundorte wie Fig. 1 in natürlicher Grösse. 

Fig. 3. An Fig. 2 anschliessend; die Umgänge etwas mehr abgeplattet und die erste Spur einer stumpfen Kante um den Nabel 
vorhanden. Untere Paludineuschichten von Novska. 

Fig. 4. Mittelform zwischen Vivipara Neumayri und Suessi; der letzte Umgang ist abgeplattet und mit einer stumpfen Kante um 
den Kiel, die Gesammtforra ziemlich pyramidal; die oberen Windungen noch gerundet. Untere Palndiuenscliichten von 
Novska. Die Mündung erscheint in der Zeichnung zu wenig abgeplattet. 

Vivipara Stiessi Neumayr. Pag. 53. 
Fig. 5. Typus; untere Paludineuschichten von Novska. 

Vivipara balatonica N e u m a y r. Pag. 53. 

Fig. 6. Paludinenschichten von Tab in der Somogy westlich vom Plattensee. Möglicherweise eine für Vir. Suessi vicariireude 

Form; wahrscheinlicher in die Verwandtschaft von Vir. ambigua gehörig. 
Fig. 7. Uebergang zwischen Vivipara Sue-^si und pannoniea. Au Fig. 5 anschliessend. Untere Paludinenschichten mit Viv. Fuchsi 

und leiostraca aus dem Hintergründe des Caplathales bei Podwin. 

Vivipara pannoniea Neumayr. Pag. 53, 54. 

Fig. 8. Typus; ebendaher. 

Fig. 9. Beginnender Uebergang zu Viv. bifarciiuäa. Ebendaher. 

Vivipara bifarcinata. Bielz. Pag. 54. 

Fig. 10. Hinneigung zu Viv. piannonicti. Malino an der Basis der mittleren Paludinenschichten; da zwischen Fig. 9 und 10 noch ein 
ziemlich bedeutender Abstand besteht, so wurden auf Tafel IX Fig. 2 und 3 noch zwei dazwischen sich einschiebende 
Exemplare abgebildet, welche die Kluft vollständig ausfüllen. 

Fig. 11. Typus; Malino von der Basis der mittleren Paludinenschichten. 

Fig. 12. Uebergang zwischen Vivipara bifarcinata und stricturata. Cigelnik, 8 Klafter unter der tiefsten festen Bank. 

Vivipara stricttirata Neumayr. Pag. 54, 55. 

Fig. 13. Gestreckte Form; Slobodnica, mittlerer Theil der mittleren Paludinenschichten. 
Fig. 14. Mittlerer Theil der mittleren Paludinenschichten von Malino. 
Fig. 15. Uebergang zwischen Viv. .'itricturata und notha. Ausbiss von Sibin. 

Vivipara notha Brusina. Pag. 55, 56. 

Fig. 16. Typus; oberer Theil iler mittleren Paludinenschichten von Malino. 

Fig. 17. Mittelform zwischen Vivijxtra notha und ornata. Aus den Unionensanden des Caplathales bei Podwin. 

Vivipara ornata Neumayr. Pag. 56. 

Fig. 18. Aus den Unionensanden des Caplathales bei Podwin; noch an Vir. notha erinnernd, 

Fig. 19. Typus. Aus den Unionensanden dm- Capla. 

Fig. 20. Mittelform zwischen Vivipara ornata und Hörnesi. Ebendaher. 

Vivipara Hörnesi Neumayr. Pag. 56. 
Fig. 21. Typus. Obere Paludinenschichten von Novska. 

Die Original-Exemplare befinden sich im Museum der Je. k. geologischen Keichsanstalt in Wien. 



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TAFEL V. 



Fig. ]. MittelforDi zwischen Tivipara notha und Sturi. An Tafel IV Fig. 16 anschliessend. Cigelnik an der Basis der oberen 
Paludinenschichten. Pag. 55. 

Tivipara Sttiri Neumayr. Pag. 55. 

Fig. 2. Noch nicht rein entwickelt. Ebendaher. 
Fig. 3. Tyiius. Ebendaher. 

Fig. 4. Mittelform zwischen Vivipara Neumayri und Fuchsi. An Tafel IV Fig. 2 anschliessend. Untere Paludinenschichten 
des Caplathales bei Podwin. Pag. 58. 

Tivipara Fuchsi Neumayr. Pag. 58. 

Fig. 5. Typus. Ebendaher. 

Fig. 6. Mittelform zwischen Vir. Fuchsi und leiostraca. Ebendaher. 

Tivipara leiostraca Brusina. Pag. 64. 

Fig. 7. Uebergang zu Viv. ehtirnea. Ebendaher. 
Fig. 8. Typus. Ebendaher. 

Tivipara eburnea Neumayr. Pag. 65. 
Fig. 9. Drinovskathal. Niveau unbekannt. 

Tivipara iignitaruni Neumayr. Pag. 65. 

Fig. 10. Zum Formenkreis derselben gehörig; vielleicht ein Uebergangsglied zu Viv. Sadleri. Untere Paludinenschichten im Graben 

nördlich von Oriovac; über dem Flötz. 
Fig. 11. Mittelform zwischen Vhipara lignUaritm und spitria. P'bendaher. 

Tivipara spuria Brusina. Pag. 61, 60. 

Fig. 12. Uebergang zu Vir. lignitarnni. Repusnica. Niveau unbekannt. 
Fig. 13. Typus. Ebendaher. 

Tivipara ambigua Neumayr. Pag. 65, 66. 

Fig. 14. Uebergangsform zu einer noch unbeschriebenen Art von Kos (Vir. Hippoerati.')). Der obere Kiel nicht wulstig genug 
gezeichnet. Repusnica. Niveau unbekannt. 

Fig. 15. Typus. Ebendaher. 

Fig. 16. Uebergangsform zwischen Tivipara Fuchst und Sadleri. An Fig. 5 anschliessend. Untere Paludinenschichten des Capla- 
thales bei Podwin. Pag. 58. 

Tivipara Sadleri Part seh. Pag. 59. 

Fig. 17. Ebenso. Der Vir. Sadleri schon ausserordentlich nahe stehend. Von Repusnica. Niveau unbekannt. 
Fig. 18. Typus. Von Zala Apati am Plattensee. Das Embryonaleude etwas zu spitz gezeichnet. 
Fig. 19. Uebergang zwischen Tivipara Sadleri und cyrtomaphora. Ebendaher. Pag. 59. 
Fig. 20. Ebenso. Der ^'ir. cyrtomaphora noch näher stehend. Ebendaher. 
Fig. 21. Uebergang zwischen Tivipara Sadleri nnd spuria. Görgetek in Syrmieu. Pag. 60. 

- Die Original-Exemplare hefnilen sich im Museum der k. l\ geologisclien Reichsanstalt in Wien. 



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K k Hof Chrornolithografie v. Anr KarlmciK 



Abhandliimjon dor k.k.rieulo(|isrhcn ll<'irli.san>sI.'»It,Ü«ri(l VU. 



TAFEL VI. 

Ticipara sptiria Brusiua. Pag. 60. 
Fig. 1. Vou Görgetek iu Syimieu. An Tafel V Fig. 21 anschliesseud. 

Vivipara vijrtoniaphora Brusiua. Pag. 59. 

Fig. 2. Vou Fongod am Piattt^usee. An Tafel V Fig. 20 anscMiessend. 

Fig. 3. Uebergaugsform zwischen Vieipara Sadleri und JS'olß. Au Tafel V Fig. 19 anschliessend. Von Karlowitz in Ost slavouie u. 
Pag. 60. 

Tivipara Wolfi. Neumayr. Pag. 60. 

Fig. 4. Typus. Ebendaher. 

Fig. 5. Mittelform zwischen Vic. Lenzi und Sadlerf. Görgetek iu Syrraion. Pag. 61. 

Vivipara Lenzi Neumayr. Pag. 61. 
Fig. 6. Ebendaher. 

Tivipara Mojsisocicsi N e u m a y r. Pag. G2. 
Fig. 7. Ebendaher. 

Tivipara Briisinai Neumayr. Pag. 66. 

Fig. 8. Vou uubekauntem Fundort, aus dem Brooder Regimentsbezirke. Wahrscheinlich vou der Basis der mittleren Paludinen- 
schichten. Das Original befindet sich im naturwissenschaftlichen Museum in Agram. 

Tivipara Deznianniana Brusiua. Pag. 67. 

Fig. 9. Das 17c. Bntsinoi am nächsten stehende Exemplar. Schiqjiten mit T/r. strktm-ata und noiha vou Sibin. 

Fig. 10. Schichten mit Viv. stykturata von Sloboduica. 

Fig. 11. Mittelform zwischen Vh\ Deimanniana und ZeUhori. Im ersten Graben östlich vom Caplathal aus der uutereu Hälfte der 

obereu Paludineuschichten. Pag. 68. 
Fig. 12. Uebergang zu TVr. Zelehori; Caplathal mit Vic. Zelebori. 

Tivipara Zelebori Hörues. Pag. 68. 

Fig. 13. Der Viv. Zelebori schon sehr nahe stehend. Graben zwischen der Ca])la und Podwin, höchstes Niveau. 
Fig. 14. Der untere Kiel noch uugeknotet. Ebendaher. 
Fig. 15. Typus. Ebendaher. 

Tivipara Deznianniana Brusina. Pag. 67. 

Fig. 16. Slobodnica, mit Viv. stricturata. 

Fig. 17. Sibin, Schichten mit Vir. strictiiratn und iwtha. 

Fig. 18. Schiebten mit Vic. strictwata. Cigelnik. 

Fig. 19. Uebergang vou Viv. Dehnanniana zu alterarincifo. Ausbiss von Sibin. 

Tivipara altecarinata Brusina Pag 67. 
Fig. 20. Cigelnik mit Viv. Stnri. 

Tivipara arthritica Neumayr. Pag. 69. 
Fig. 21. Obere Paludineuschichten von Repusnica. 

Die Ofiginal-Exemplare mit Atisnalime demjenigen zu Fig. S befinden sich it)i Miiseitin der k. i'. geologischen Beichsanstalt in Wien. 



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\l)li;iii(lliiiu)cii (If-r k.k.(".('ül(M(i,s<licii Ilciclis.iii.sl.ill.U.inil VII. 



Melanopsis pterochila Brus. Pag. 29. 

Fig. 29. Sdiiclitcn mit Vir. utrichnata von Slobodnica; in natürlicher Grösse und in doppelter Vergrosserung mit gtllihraunen 
Farbenspuren. 

Melanopsis eurystoma Neum. Pag. 30. 

Fig. 30. Exemplar mit gelbbraunen, geflammten Querbinden aus den Unionensanden der Capla mit Vh: ornata in natürlicher Grösse. 

Melanopsis Sandbergeri Neum. Pag. 47. 
Fig. 31. Exemplar in natürlicher Grösse von Repusnica; vei-mutblich aus den unteren Paludinenschichten. 

Melanopsis cf. Tisianiatia Brus Pag. 49. 
Fig. 32. Exemplar in natürlicher Grösse von den Rüuberlöchern bei Karlowitz (Syrmien). Die in der Zeichnung von Fig. 32a 
erscheinende schwache Einsenkuiig auf der letzten Windung exisfirt iu der Natur nicht. 

Melanopsis pyrtim Neum Pag. 48. 
Fig. 33, Exemplar in natürlicher Grösse aus den Unionensanden der Capla mit Vir. ornata. 

Melania ricinus Neum. Pag. 3G. 
Fig. 34. Cigelnik, verniuthlich aus den Schichten mit Vir. Sfiiri; in natürlicher Grösse und in doppelter Vergrosserung. 

Die Oriijitial-Exeniplare mit Aitinahnic derjenigen zu Fig. 2 vnd 3 leßiulen sicli im Miz-ietnn der l: l: geologinchen Reich.iuriStall in Wien, 



TAFEL VII. 

Melanopsis harpula Neum. Pag. 38, 39. 
Fig. 1. Exemplar in natürlicher Grösse aus den unteren Paludineuschichteu des Caplatbales bei Podwin. 
Fig. 2. Uebergaug gegen MeL hashita und huiceolata. Das Gewinde ist länger, die Knoten auf den Rippen sebwücher als bei Mel. 

harpiilcr. Exemplar in natürlicber Grösse vermutblicb aus den unteren Paludiuenscbichteu ; Westslavonien. Das Original 

befindet sich im Hofmineraliencabinet. 
P"ig. 3. Uebergang zu MeJ. Umceolata und hastata. Exemplar in natürlicher Grösse aus Westslavonien (untere Paludinenschichten?). 

Das Original befindet sich im Hofmineraliencabinet. 

Melanopsis lanceolatu Neum. Pag. 39, 40. 
Fig. 4. Uebergang zu Md. harpula. Höhere letzte Windung als bei Md. lanceolatu und schwache Knoten auf den Rippen. Exemplar 

in natürlicher Grösse aus den Schichten mit Vir. strictiirata von Sibin. 
J'ig. 5. In der Berippung au Md. hastnta erinnernd. Schichten mit Viv. stricliiruta von Slobodnica. In natürlicher Grösse. 

Melanopsis cf, hastata Neum. Pag. 40. 
Fig. 6. Uebergang zwischen dem Exemplar Fig. 5 und Md. hastata. Schichten mit Vio. strictiirata von Slobodnica. Katürl. Grösse. 

Meianopsis hastata Neum. Pag. 40, 41. 
Fig. 7. Typus. Gedrungenes Exemplar aus den Schichten mit Vir. strictiirata oder notha von Sibin in natürlicher Grösse. 
Fig. 8. Typus. Sehr gestrecktes Exemplar aus den Schichten mit Vir. strictarata von Gromacnik in natürlicher Grösse. 
Fig. 9. Durch Anfang einer treppenförmigen Absetzung der Windung beginnt eine Annäherung an Md. costata; an Fig. 7 anschlies- 
send. Exemplar in natürlicher Grösse aus den Schichten mit Vir. Sturi von Malino. 
Fig. 10. Uebergang zu Mel. costata. Fer. Exemplar in natürlicher Grösse aus den Schichten mit Vir. Sturi von Cigelnik. 

3Ielanopsis costata Fer. Pag. 41. 
Fig. 11. Typus. Exemplar aus dem Graben zwischen Capla und Podwin; unter den Schichten mit 17c. Zdebori (ungefähr dem 

Niveau des Viv. Hörnesi entsprechend); in natürlicher Grösse. 
Fig. 12. Uebergang zu Md. clavigera. Neum. Von derselben Localität und aus demselben Niveau wie Fig. 11. In natürlicher Grösse. 

ßZelanopsis clavigera Neum. Pag. 41. 
Fig. 13. Typus. Schichten mit Vir. Zdebori aus dem Graben zwischen Capla und Podwin in natürlicher Grösse. 
Fig. 14. Extrem ausgebildet; von derselben Localität und aus demselben Niveau wie Fig. 13. In natürlicher Grösse. 

Melanopsis lanceolata Neum. Pag. 40, 42, 43. 
Fig. 15. Typus (an Fig. 5 anschliessend); Exemplar iu natürlicher Grösse aus den Schichten mit Vir. strictiirata und notha von Sibin. 
Fig. 16. Vom Typus durch schwächere Berippuug der letzten Wiudung abweichend. Exemplar in natürlicher Grösse aus den Schichten 

mit Viv. stricturata von Malino. 
Fig. 17. Der letzte Umgang fast glatt. Exemplar in natürlicher Grösse aus den Schichten mit Viv. stricturata von Malino. 
Fig. 18. Uebergang zu Mel. recurrens N«um. Die beiden letzten Windungen zeigen nur mehr vereinzelte Rippen, die in der Zeichnung 

etwas zu stark erscheinen. Capla, Schichten mit T7r. Zdebori in natürlicher Grösse. 
Fig. 19. Uebergang zu Mel. recurrens Neum. Die Rippen sind fast ganz verschwunden. Hinter der Podwin er Kirche, unter den 

Unionensanden. Exemplar in natürlicher Grösse. 

Melanopsis recurrens Neum. Pag. 44. 

Fig. 20. Nahezu typisch aber durch platte Windungen an Md. Braueri Neum. erinnernd. Exemplar in natürlicher Grösse, von der- 
selben Localität und aus demselben Niveau wie Fig. 19. 

Fig. 21. Typus. Exemplar iu natürlicher Grösse von Repusnica; vermutblicb aus oberen Paludinenschichten. 

Fig. 22. Uebergang zu Mel. slavonica Neum. und Braueri Neum.; au Fig. 20 sich anschliessend. Exemplar iu natürlicher Grösse aus 
den Schichten unter den Unionensanden hinter der Podwiner Kirche. 

Fig. 23. Weiter fortgesetzte Annäheruug au Md. slavonica Neum. ; der letzte Umgang verlängert , die Spirale unregelmässig vom 
Beginn der drittletzten Windung an. Die ersten und die letzten Windungen glatt, dazwischen zwei Umgänge mit scharfen 
Querrippen. Pag. 45. Exemplar in natürlicher Grösse aus dem Graben zwischen Capla und der Podwiner Kirche. Schichten 
mit Vir. Zdebori. 

Fig. 24. Uebergang zu Mel. Braueri Neum. Von derselben Localität und aus demselben Niveau wie Fig. 23. Exemplar in natür- 
licher Grösse. 

Melanopsis slavonica Neum. Pag. 25. 
Fig. 25. Typus. Exemplar in natürlicher Grösse von derselben Localität und demselben Niveau wie Fig. 23 und 24: an Fig. 23 sich 
anschliessend. 

Melanopsis Braueri Neum. Pag. 43. 
Fig. 26. Typus; an Fig. 24 sich anschliessend. Exemplar iu natürlicher Grösse von demselben Fundort und aus demselben Niveau 

wie Fig. 25. 
Fig. 27. Extrem gestrecktes Exemplar aus demselben Niveau und von derselben Localität wie Fig. 26, in natürlicher Grösse. 

Melanoi)Sis hyhostoma Neum. Pag. 42. 
Fig. 28. Gromacnik mit Md. clavif/era (Niveau der Viv. Zdebori). In natürlicher Grösse und m doppelter Vergrösserung. 



Neumayr und Paiil.ConifcrieiMind Paliidiiienschichrfii 













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Bmi.ocimiiaclidJaiVge;^ U.JlA KkHof Chromolithograne v.toHarlmgeT <5c Sohn, Wien 

Abhandlungen der k-k-DeuIuyisrhen HcichsanslaU.BandM. 



Pis-idiuni cequale Neumayr. Pag. 25. 
Fig. 31. Linke Klappe in natürlicher Grösse und in dreifacher Vergrössenmg. Malino. Schichten mit Vir. notka. 

Ptsidimm propinquani' N e u m a y r. Pag. 25.- 

Fig. 32. Rechte Klappe in natürlicher Grösse und in vierfacher Vergrösserung. ünioncnsande der Öapla. 
Fig. 33. Linke Klappe nämliche Vergrösserung. Ebendaher. 

Pisidium rutfosum Neumayr. Pag. 26. 
Fig. 34. Rechte Klappe in natürlicher Grösse und in dreifacher Vergrösserung. Novska. Schichten mit \'iv. Vuhotinoriii- 

Pisidium solidariuni N e u m a y r. Pag. 26. 
Fig. 35. Linke Klappe in natürlicher Grösse und iu anderthalbfacher Vergrösserung. Schichten mit Viv. Vukotinoviii von Novska. 

I>ie Original-Exemplare befinden sich im Museum der k. k. geologischen Seichsanstalt in Wien. 



Fig. 


1. 


Fig. 


2. 


Fig. 


3. 


Fig. 


4. 


Fig. 


.5. 


Fig. 


6. 


Fig. 


7. 


Fig. 


8. 


Fig. 


9. 


Fig. 


10. 



TAFEL VITL 

Tivipara Pilari Brusiiia. Pag. 69. 
Exemplar in natürlicher Grösse aus den Schichten mit Vic. ornata des Caplathales bei Podwin. Gestrecktes Exemplar. 
Exemplar in natürlicher Grösse aus den Schichten mit Vw. ornata des Caplathales bei Podwiu. Gedrungenes Exemplar. 

Viviparu rtiilis Neuraayr. Pag. 69. 
Exemplar in natürlicher Grösse aus den oberen Pahidineuschichten des Drinovskathales. 

Tivipara lignitaruin Neumayr. Pag. 65. 
Typus. Zwischen die Formen Tafel V Fig. 10 und Fig. 11 sich einschiebend. Exemplar in natürlicher Grösse aus den 
unteren Paludinenschichten von Üriovac bei Brood. 

Vitnpara Vncotinovic'i Frauenfeld. Pag. 63. 
Exemplar in natürlicher Grösse aus den obersten Paludinenschichten von Novska. 

Viviparu Pauli Brusina. Pag. 63. 
Exemplar in natürlicher Grösse aus den Schichten mit Vk. Vnkotinorici von Novska. 

Tivipara Ovulum Neumayr. Pag. 64. 
Exemplar in natürlicher Grösse aus den Schichten mit Viv. VtikotiitoviTÜ von Novska. 

Tivipara sp. cf. melanthopsis Brusina. Pag. 71. 
Durch kürzere, stumpfere Spira und gedrungenere Gestalt der Vir. Stollen' sich nähernd. Exemplar in natürlicher Grösse 
von der Basis der mittleren Paludinenschichten von Malino. 

Tivipara melanthopsis Brusina. Pag. 71. 
Typus. Schlankes Exemplar in natürlicher Grösse aus den Schichten mit Vir. hifarcinuta von Varos. 
Typus. Gedrungenes Exemplar in natürlicher Grösse aus den Schichten mit Vir. hifavcinata von Malino. 
Fig. 11. Im Uebergang zu Viv. oiicophor« Brusina. Schlankes Exemplar aus den Schichten mit Vir. .s-fricfi(rata von Sibin in natür- 
licher Grösse. Die beiden letzten Umgänge zeigen den Beginn eines Kieles. 
Fig. 12. Uebergang zu Vir. micopliora Brus. Der Kiel, stärker als bei Fig. 11, hat noch nicht die volle Ausbildung erreicht, wie sie 
bei Vir. oncoplwra auftritt. Exemplar in natürlicher Grösse aus den Schichten mit Vir. xfricturuta von Slohodnica. 

Tivipara oncophora Brusina. Pag. 71, 72. 
Fig. 13. Typus. Schlankes Exemplar in natürlicher Grösse aus den Schichten mit Vir. strictiirata oder mit Viv. notha von Sibin. 
Fig. 14. Typus. Grosses, gedrungenes Exemplar aus den Schichten mit Viv. stricturata von Gromacnik in natürlicher Grösse. 
Fig. 15. Uebergang zu Viv. avellana Neumayr, indem auf dem letzten Umgange einzelne Falten auftreten, die in der Zeichnung 
zu schwach angegeben sind, so dass sie einer stai-k entwickelten Anwachsstreifung gleichen. Exemplar in natürlicher 
Grösse aus den Schichten mit Viv. Sturi von Cigelnik. 
Fig. 16. Uebergang von Viv. oncoplwra Brusina zu Vir. areUana Neumayr. Die Querfalten der Windungen sind besser entwickelt 
als bei Fig. 15, aber nicht so stark als bei der echten Viv. avellana. Exemplar in natürlicher Grösse aus den Schichten mit 
Viv. Sturi von Cigelnik. 

Tivipara avellana Neu m a y r. Pag. 72. 
Fig. 17. Typus. Schlankes Exemplar in natürlicher Grösse aus den Schichten mit Vir. Stiiri von Cigelnik. 

Tivipara nov, form. Pag. 72. 
Fig. 18. Zur Beschreibung nicht genügend erhaltenes Exemplar in natürlicher Grösse aus den Schichten mit Vir. Xelebori von 
Cigelnik. Mit Vir. avellana verwandt aber mit stärkeren Falten. 

Tivipara avellana Neumayr. Pag. 72. 
Fig. 19. Typus. Gedrungenes Exemplar aus den Schichten mit 17t'. Sturi von Cigelnik in natürlicher Grösse. 

Tivipara oncophora Brusina. Pag. 71. 
Fig. 20. Deckel von Vir. oncophora Brusina. Aus dem Innern eines Gehäuses herausgenommen, auf dessen Mündung der Deckel 
passt. Exemplar in natürlicher Grösse aus den Schichten mit Viv. stricturata von Gromacnik. 

Cardiiim slavouicum Neumayr. Pag. 22. 
Fig. 21. Vollständiges Exemplar aus den Schichten mit Coiifferia spathidata von Oriovac bei Brood in natürlicher Grösse. 
Fig. 22. Kechte Klappe eines Exeniplares aus den Schichten mit Congeria sptathalata von Oriovac bei Brood in natürlicher Grösse. 
Fig. 23. Linke Klappe in natürlicher Grösse aus den Schichten mit Congeria .tpathitlnta von Oriovac bei Brood. 

Cardittm, speluncariuni Neumayr. Pag. 22. 
Fig. 24. Exemplar in natürlicher (irösse aus dem braunen Sand der Piäuberlöcher bei Karlowitz in Syrmien. 

Cardiimi Oriovacense Neumayr. Pag. 22. 
Fig. 25. Exemplar in natürlicher Grösse aus den Schichten mit Congeria spathnhita von Oriovac bei Brood. 

Pisidiuvt priscum Eichwald. Pag. 24. 
Flg. 26. Linke Klappe aus den Congeriensanden von Zavrs.je bei Sibin; in natürlicher Grösse und in vierfaclier Vergrösserung. 

Pisidinni nov. sp.? Pag. 24. 
Fig. 27. Linke Klappe in natürlicher Grösse und in vierfacher Vergrösserung. Paludinenschichten von Görgetek bei Yirek in 
Syrmien. 

PL-iiiliiun slavonicutn Neumayr. Pag. 25. 
Fig. 28. Linke Klappe in natürliclier Grösse und in vierfacher Vergrösserung. Schichten mit 17c. hifavcinata von Malino. 
Fig. 29. Rechte Klappe in natürlicher Grösse und vierfacher Vergrösserung. Ebendaher. 

Pisidiinn Clessini Neumayr. Pag. 25. 
Fig. 30. Linke Klajipe in natürlicher Grösse und in vierfacher Vergrösserung. Slobodnica. Schichten mit Viv. stricturata. 



iNeumayr jinri Paul. Contferien-und Paludinensrhichtei 



TafW. 




USzmm^ d U gez uM: j, . Hof Chrornohthogi.ne vAntHartmgei &Sohn,Wiea 

AI)harKllim()pii rior k.k.CpulogiscIien Hoich.saii.stnlt.Band VII. 



TAFEL IX. 

Unio Hochstetteri Neiimayr. Pag. 32. 
Fig. 1. Rechte Klappe vou ausseu iu uatürliclier Grösse; Sibin aus den Schichten mit Viv. Mricturato iiud iiofha. 

Vivipora ixtiinonica Neumayr. Pag. 54. 
Fig. '2. Uebergang zu Vir. hifarcinata Bielz. Untere Paludinenschichteu mit Viv. Fuchui und hiostraca ans dem Hintergründe de» 
Caplathales bei Podwin; in natürlicher Grösse 

VivijHtra bifareinatu Bielz. Pag. 54. 
Fig. 3. Uebergang zu Vir. pamioitiva Neura. Exemplar iu natürlicher (rrösse von der Basis der mittleren Paludinenschichteu von 
Malino. Hie Exemplare Fig. 2 und 3 vermitteln den vollständigen Uebergang zwischen den beiden Arten. 

J'tripara cf. lit/nitarum Neumayr. Pag. 71. 
Fig. 4. Exemplar in natiirlicher Grösse aus deu imteren Paludinenschichteu vom Ausbisse im Graben nördlich von Oriova-c, 
unmittelbar über dem B'lötz. Vermuthlich ein Biudeglied zwischen Vir. liynitnnini und inelanthopsis. 

Bythinia Pilafi Neumayr. Pag. 73. 
Fig. 5. Exemplar vou Karlowitz iu Syrmieu in anderthalbfacher Vergrösseruug. 

Byihinia Podwitiensis Neumayr. Pag. 74. 
Fig 6. Exemplar aus den Schichten mit Vir. Zeldmri aus dem Thaleiaschnitte zwischen Capla und der Podwiuer Kirche in 
doppelter A'ergrösserung. Der Mundrand ist nicht umgeschlagen, wie es nach Fig. 6 a scheinen könnte. 

Emtnericia Jenkiana Brusina Pag. 79. 
Fig. 7. Exemplar mit kräftigen, weit auseiuanderstehenden Spiralstreifen aus den Schichten mit I'?V. oniatd und Pllari aus dem 

Caplathal bei Podwin, in doppelter Vergrösseming. 
Fig. 8. Exemplar mit zahlreichen feinen Spiralstreifen, von derselben Localität und aus derselben Schicht, in doppelter Vergrösseruug. 

Einmericia glohulus Neumayr. Pag. 79. 
Fig. 9. Exemplar aus den Schichten mit Vir. sfi-ictui-uta und nofhn von Sibin in dreifacher Vergrösseruug. 

Emmericia Candida Neumayr. Pag. 79. 
Fig. 10. Exemplar in dreifacher Vergrösseruug. Eiiendaher. 

Hi/drobia si/rmiea Neumayr. Pag. 76. 
Fig. 11. Exemplar von Karlowitz in Syrmieu in dreifacher Vergrösseruug; die Windungen etwas zu gewölbt gezeichnet. 

Hydrohia ptipula Brusina. Pag. 77. 
Fig. 12. Exemplar aus den Schichten mit TO'c. Stiiri vou Cigelnik. iu sechsfacher Vergrösserung. 

Hydrohia lonf/aeva Neumayr. Pag. 76. 
Fig. 13. Exemplar aus deu Schichten mit Vir. Fitclisi vom Hintergruud des Caplathales bei Podwin in fünftacher Vergrösserung. 

Hydrohia sepulcralis Part seh. Pag. 76. 
Fig. 14. Exemplar von Ribarif bei Verlicca in Dalmatien in vierfacher Vergrösseruug. 

Hydrohia aiirita Neumayr. Pag. 77. 
Fig. 15. Exemplar von Karlowitz in Syrmieu iu sechsfacher Vergrijsserung. 

Hydrohia aciifecarinata Neumayr. Pag. 77. 
Fig. 16. Exemplar in sechsfacher Vergrösserung. F^beudaher. 

Hydrohia tHrricitla Neumayr. Pag. 77. 
Fig. 17. Exemplar in zehnfacher Vergrösserung. Ebendaher. 

Vafvata piscinalis Mülle r. Pag. 78. 
Fig. 18. Exemplar aus deu unteren Paludinenschichteu mit Viv. Fuchsi aus dem Hintergrunde des Caplathales bei Podwin; iu 
vierfacher Vergrösset-uug. 

Talvata Sibitiensis Neumayr. Pag. 78. 
Fig. 19. Exemplar aus den Schichten mit TV;-, .■ifricfurofn und iwtha von Sibin in vierfacher Vergrösserung. Die Zeichnung Fig. 19b 
ist unrichtig, indem an der Mimduiig der obere Kiel fehlt, und der den Nabel einfassende Kiel zu schwach ist. 

Lithoylyphvs histrio N e u m a y r. Pag. 75. 
Fig. 20. Exemplar aus den unteren Paludiueuschichteu von Malino in dritthalbfacher Vergrösserung. 

Neiitina trunsrersalis Ziegler. Pag. 34. 
Fig. 21. Exemplar aus den unteren Paludinenschichteu von Tomica iu natürlicher Grosse und anderthalbfacher Vergrösserung. 

Talenciennesia JReussi Neumayr. Pag. 81. 
Fig. 22. Exemplar aus deu braunen Sauden ruit Congeria rhomboichd und Cardium Schmidti von Kindrowo bei Brood. 

Castor sp. Pag. 82. 
Fig. 23. Dritter Backenzahn des rechten Unterkiefers aus dem Lignitfiötz der unteren Paludinenschichteu von Novska. 
Fig. 24. Misslungene Figur. (Melanopsis.) 

Mela II opsis Esperi Ferussac. Pag. 49. 
Fig. 25. Exemplar aus den obersten Paludiueuschichten mit Vir. Viikotinorici von Novska in doppelter Vergrösserung, 

Congeria polymorpha Pallas Pag. 20, 
Fig. 2fi. Exemplar aus deu Schichten mit Viv. oniata und Pilari aus dem Caplathal bei Podwin. 

Die Original-Exemplare beßnden sich im Museum der k-. k. geologische» Ifeichsaustalt in Wien. 



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Tal. IX. 



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TAFEL X. 



Dei- auf dieser Tafel cntlialtene Stammbanm gil)t eine graphische Darstellung der verwandtschaftlichen Beziehungen der 
einzelnen Formen der Gattung Viiipam zu einander und ihrer genetischen Verhältnisse, wie dieselben im |)alaeontologischen Theile 
nachgewiesen und beschrieben sind. Das zwischen Viripam lignitarnm und melimtJwpsis eingeschaltete Fragezeichen bedeutet, dass an 
dieser Stelle der genetische Zusammenhang nicht nachgewiesen sondern nur vermuthet ist; einige isolirte Formen, deren Stellung nur 
wahrscheinlich gemacht werden konnte, sind unter den nächst verwandten Arten in Klammern und mit einem Fragezeichen eingefügt 
z. B. I7('. c? rudis), (? Pilari). Die verticale Stellung entspricht nur annähernd dem geologischen Alter, da einerseits der Raum nicht 
gestattete, die Namen aller Formen eines Horizontes in eine Reihe zu schreiben, andererseits das Alter nicht bei allen Formen genau 
bekannt ist. 

Da der Stammbaum erst lange nach der Abfassung des palaeontologischeu Te.\tes lithographirt wui'de, so konnten in den- 
selben noch die Resultate aufgenommen worden, welche einer von uns in der Zwischenzeit beim Studium der Fauna der Paludinen- 
schichten von Kos an der kleinasiatischen Küste erhalten hatte; die Ergebnisse sind folgende: 

1. Virijiara Bfiisiiia/' ist durch vollständige Uebergänge mit Vir. feinstirica verbunden. 

2. Aus Vir. Iciostracit entwickelt sich nach einer andern Seite eine neue Form, I7r. Hippncratis, und ans dieser Vir. amhigiia. 
welche im palaeontologischeu Theile noch als ein zweifelhafter Typus dargestellt wurde; diese gestaltet sich dann zu einer neuen 
Art, Vir. Forbeni, um, welche die Stammform von Viv. arthrit ica darstellt; alle diese Mutationen sind durch vollständige Uebergänge 
mit einander verbunden. Die Beziehimgen von I7r. arthritica zu Vir. Zelthnri sind daher nicht so innig als im palaeontolngischen 
Theile vorausgesetzt w'urde. 

3. Viriparn ('ua, eine bisher nur von Kos bekannte Form, welche nahe mit Vir. Fi(cJisi verwandt ist, wurde an dem ihr 
zukommenden Platze eingeschaltet. 

Die Nachweise und Belege für diese Angaben, werden in einer speciellen Arbeit über die Insel Kos enthalten sein, welche 
bis auf einen kleinen Theil im Manuscript bereits vollendet ist und voraussichtlich im Laufe dieses Winters in dieser Zeitschrift 
erscheinen wird. 



Carddd 



Neitniavi" imi] PaulCongMien und P.iludincnschicIiioTi 



T;.r.X 



Vukolinoviri 
( :' Pcuili ) 
( '.' Ovulum) 
('.'Viquesiieli) 



artlirilica 



Zelebori 
(■■nulis) 

( '' Slrossniayeri ) 



Hörnesi 



notha 



Mojsisovicsi 



spiiPi 




Sluri 



stnclurata 



Lenzi 



bifarcinala 



Neuniavri 



achaliiioides 



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