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Full text of "Die deutschen Familien-Namen geschichtlich, geographisch, sprachlich"

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Die 



Deutschen Familien-Namen 



geschiclitlich, geographisch, sprachlich. 



Von 



Alboi't Hciiitze, 

Oborlohrcr .111 dorn Oymnasiuni zu Stolp. 



Halle a. 8., 

Verlag di'i- llucliliaiidluii-; i|fs AVaiseiiliausos. 

188 2. 



Albert Helntze, 



Die deutschen Familien-Namen. 



/ 



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Die 



Deutschen Familien-Namen 



geschichtlich, geographisch, sprachlich. 



Yon 



Albert Helntze, 

Oberlehrer an dem Gymnasium zu Stolp. 




Halle a. S., 

Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses. 

188 2. 



1) ', \ 



V 



Vorwort. 



Nachdem in den letzten Jahrzehnten eine ganze Litteratur über die 
deutschen Eigen -Namen erblüht ist, habe ich den Versuch gemacht, die 
wesentlichsten Ergebnisse der bisherigen Forschungen, soweit sie die Familien - 
Namen betreffen, einem grössern Kreise, dem der Gebildeten überhaupt, in 
möglichst übersichtlicher und handlicher Form darzulegen. Demgemäss 
schildert der erste Theil dieses Buches zusammenhängend die deutschen 
Familien -Namen nach ihrer Entwickelung und ihren Klassen, während der 
zweite Theil eine lexikalische Zusammenstellung der wichtigsten Bildungs- 
elemente und Namen enthält. 

Die Grundlage dieser Darstellung bilden zunächst die einschlagenden 
Werke von Pörstemann, Pott, Abel, Stark, Andresen, denen 
sich für die Namen der zweiten und dritten Schicht der freilich oft unkri- 
tische Vilmar anreiht. Wenig Ausbeute lieferten im Allgemeinen die 
Namenbücher, welche den Adresskalender irgend einer Hauptstadt, meist 
in ziemlich oberflächlicher Art, behandeln. Als entschieden werth voller 
erwiesen sich dagegen einige Arbeiten in Schulprogrammen, vorzüglich von 
Euprecht, Becker, Pauli (ein Verzeichnis dieser weniger zugäng- 
lichen Schriften s. hinter dem Vorwort). 

Besondere Aufinerksamkeit habe ich auf ein bisher weniger berück- 
sichtigtes Gebiet, nämlich auf die geographische Vertheilung der Familien - 
Namen verwendet. Das bezügliche Material lieferten hauptsächlich, während 
der letzten Kriege (von 1866, 1870 — 71), die Verlustlisten der preussischen 
und deutschen Heere, aus welchen ich viele tausende von Namen zu diesem 
Behufe mit Vorsicht ausgezogen und geordnet habe. 

Auf einem so schwierigen Gebiete, wie die Behandlung und Erklärung 
der Eigen -Namen ist, kann nur durch vereinte Kräfte Vieler grössere 
Sicherheit gewonnen werden. Daher gestatte ich mir an Alle, welche sich 
für diesen Zweig unserer Sprache und Kultur interessiren, die Bitte, mich 



IV Vorwort. 



brieflich durch Beiträge, insbesondere durch Berichtigung etwaiger Fehler, 
die sich in meiner Arbeit finden, freundlichst zu unt^stützen. 

Und so möge denn dieses Buch, auf welches ich im Laufe der Jahre 
so manche Stunde verwendet habe, zum bessern Verständnis unserer Fami- 
lien -ISTamen und damit auch zur Belebung echt deutschen Sinnes an seinem 
bescheidenen Theile beitragen! 



Verzeiclmis 

der benutzten Abhandlungen aus Schulprogrammen. 



Förstemann, über die Bildung der Familiennamen in Nordhausen im 13. und 14. Jahr- 
hundert. Progr. des Gymnasiums zu Nordhausen. 1851. 

Lübben, die Thiemamen im Beineke Yos. Progr. des Gymnasiums zu Oldenburg. 1863. 

Ruprecht, die deutschen Patronymika, nachgewiesen an der ostfriesischen Mundart. Progr. 
des Gymnasiums zu Hildesheim. 1864. 

Becker, die deutschen G^schlechtsnamen, ihre Entstehung und Bildung. Progr. der Gewerbe- 
schule zu Basel. 1864. 

Keichel, die deutschen Geschlechtsnamen unter Berücksichtigung der Marbuiger Namen. 
Progr. des Gymnasiums zu Marburg (Steiermark). 1867. 

Pauli, über Familiennamen, insbesondere die von Münden. Progr. der hohem Bürgerschule 
zu Münden I. IL 1870—71. 

Fick, die Göttinger Familiennamen. Progr. des Gymnasiums zu Göttingen. 1875. 

Tschiersch, Formwandlungen der deutschen Geschlechtsnamen. Progr. des Gymnasiums 
zu Luckau. 1875. 

Koch, Familiennamen und Familien von Saalfeld im 16. und 17. Jahrhundert. Progr. der 
Bealschnle zu Saalfeld. 1877. 



- ^ 



Inhalt. 



I. Abhandlung. S^it^ 

Einleitung 3 

1. Die Elemente der deutschen Familien -Namen (dreifache Schicht) 9 

2. Die Person -Namen überhaupt — ein Spiegel des Volksgeistes. Namen der Griechen, 

Eömer, Israeliten 9 

3. Der germanische Yolksgeist. Das Eigenthümli(^e der altgermanischen Namengebung 

im Allgemeinen (Wuotan) 12 

4. Die altgermanische Namenwelt 14 

5. Übereinstimmung der deutschen Namengebung mit der griechischen 19 

6. Weiterentwickelung der altdeutschen Person -Namen. Ihre Lebenskraft 20 

7. Fremdsprachige (kirchliche) Namen 24 

8. Das Festwerden der Namen: Bildung der Familien -Namen 26 

9. Altdeutsche Person -Namen als Familien-Namen 30 

10. Sprossformen der altdeutschen Person -Namen als Familien -Namen: 

a) Kürzungen und Yerkleinenmgen 32 

b) Genetivische Namen 34 

11. Kirchliche Person-Namen als Familien -Namen 36 

12. Familien-Namen der dritten Schicht: 

a) Stand und Gewerbe 39 

Werkzeuge und Kleidungsstücke 44 

Speisen 46 

13. Familien -Namen der dritten Schicht: 

b) Eigenschaften (Attributiva) 47 

Körpertheile 49 

Satznamen 50 

14. Familien -Namen der dritten Schicht: 

c) Herkunft und Wohnstätte 52 

Adelsnamen 57 

Häusemamen 58 

15. Würdigung der deutschen Familien -Namen nach Gehalt und Form 61 

16. Latinisirungen 62 

17. Jüdische Namen 65 

18. Französirungen , Polonisirungen und andere Metamorphosirungen der Neuzeit ... 66 



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Inhalt. 



Seite 

19. Geographische Yerbreitiing der deutschen Familien -Namen 69 

20. Genauere Angabe der Yertheüung der Familien -Namen in Niederdeutschland ... 72 

21. Stillstand oder Bewegung in der Namenwelt? 77 

Beilage 1. Godeberaht 79 

„ 2. Entwickelung einer Namenreihe während der Neuzeit 80 

„ 3. Fremdsprachige Namen in Deutschland: 

a) Slavische ..;•.. 82 

b) littauische 84 

c) Eomanische 85 

IT. 

Namen-Lexikon 87 



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I. 



Abhandlung. 






Heintze, Deutsche Familien -Namen. 



Einleitung. 



Unsere Geschlechts- oder Familien -Namen erscheinen uns, wenn wir 
genauer nach ihrem eigentlichen Sinne fragen, in der weitaus grössten 
Zahl räthselhaft und imverständlich. Denn was bedeuten Namen wie z. B.: 
Hildebrand, Qundlach, Odeh'echt, Rüdiger, Amelung? Ist das nicht, wie 
wenn eine Keihe von Eittern vor uns aufmarschirte, aber alle mit geschlos- 
senem Visier? Oder kürzere Namen wie: Benz, Wenz, Benz, Bopp, Dapp, 
Bapp, Bupp, Dromtra, Krumtum, Zumtrum! Wird uns da nicht zu 
Muth, als ob wir einen Chor wunderlicher Kobolde sähen, die uns neckend 
umhüpfen ? 

Nun, wir wollen es einmal versuchen, ob wir den Kittem ihr Visier 
nicht öfEnen, ob wir die neckischen Kobolde nicht zwingen können, dass 
sie uns Stand halten und Namen und Abkunft sagen. 

Denn ein merkwürdig und wunderlich Ding ist es im Grunde doch , dass 
der Mensch in seinem Namen so einen Begleiter durch das Leben erhält , der 
ihm stets mit geschlossenem Visier zur Seite geht, einen Gefährten, der ihn 
von der Wiege bis zur Bahre geleitet, siebenzig, achtzig Jahre lang, und 
dennoch in seinem Wesen nicht erkannt wird, stets nur sein Äusseres, nie 
sein Inneres aufweist — dessen wahrer Gehalt also verborgen bleibt. Und 
doch bewahren wir den unerkannten Begleiter so sorgsam , wir dulden es nicht, 
dass er in irgend etwas verkürzt werde, dass ihm ein Buchstab, sollte er 
auch für die Aussprache nichts verschlagen, genommen oder zugesetzt werde, 
wir bewahren den Namen mit allen unorthographischen cJc und»^;sf und dt. 

So wachen wir sorglich über der äusseren Gestalt und Hülle, und 
um den Innern Gehalt und Kern sollten wir uns nicht bekümmern, nie 
danach fragen? 

Etwas Bedeutungsloses ist ein solcher Name jedenfalls nicht, so sinn- 
los imd bedeutungsleer er auch vielfach scheinen mag. Es ist kein leerer 
Schall, welcher rein der WiUkür und der Laune des Zufalls sein Dasein zu 
verdanken hätte. Etwas — das kann hier im Voraus versichert werden — 
etwas bedeutet von Hause aus ein jeder Name, und dieser Satz behält seine 
Wahrheit auch gegenüber den tausenden unserer Familien- Namen, die uns 
so dunkel und unverständlich klingen. 

Aber wie hat denn Sinn und Bedeutung der Namen uns so 
sehr entschwinden können? — Das hat mehr als einen Grund. Vor 
allen Dingen liegt es am Alter der Familien -Namen. Dieselben sind fest 

1* 



Einleitung. 



geworden in der zweiten Hälfte des Mittelalters, also vor mindestens 
500 — 600 Jahren. Damals sind sie fest geworden, d. h. während bisher 
der Name vom Vater auf den Sohn wechselte, wie noch jetzt bei uns die 
Vornamen, so befestigte sich nunmehr allmählich in der Familie ein Name, 
der vom Vater auf den Sohn überging und an dem ganzen Geschlechte 
haften blieb. Diese Entwickelung trat allerdings erst vor etwa einem halben 
Jahrtausend ein; die Namen aber, die sich damals als Familien -Namen 
festsetzten, sind nicht erst damals auch entstanden, sondern gehen, als 
Personen -Namen, meist weit höher hinauf, bis in die Zeiten der Völker- 
wanderung — es braucht hier nur an die hervorragendsten Gestalten des 
Nibelungen -Liedes erinnert zu werden, an Siegfried, Hagen, Günther, 
Dietrich, Rüdiger, Namen, die wir sämtlich, wenn auch vielleicht ein 
wenig verändert, in der Gegenwart als Familien -Namen, zum Theil auch 
als Vornamen häufig finden. Einzelne reichen noch höher hinauf, bis zu 
den Anfangen der germanischen Geschichte, wie sie uns in freilich lücken- 
hafter Kunde Griechen und Kömer überliefert haben, ja über Armin und 
Marbod hinauf in Zeiten, da^wohl noch kein Germane Fuss und Speer auf 
den Boden des nachmaligen Deutschland gesetzt hatte. 

Nun haben aber die Eigen -Namen mit der stetigen Weiterentwickelimg 
der Sprache nicht gleichen Schritt gehalten, sie sind je länger je weniger 
mitgegangen, zumal seit sie als Familien -Namen festgeworden. Die Ver- 
änderungen , welche die Sprache zu erleiden gehabt , haben sie als das 
geheiligte Eigenthum des Einzelnen nicht gleichmässig mitgemacht, sie sind 
stehen geblieben; die Stürme der Zeiten, welche die alten Sitten und Weisen 
hinweggefegt, haben sie nur wenig berührt. So stehen die Namen da gleich 
den Kuinen der Ritterburgen, als Zeugen einer vergangenen Zeit. Die alten 
Wortformen sind untergegangen in dem sonstigen Gebrauch der Sprache, 
manche Stämme und Wurzelwörter ganz abhanden gekommen, wie Zweige 
eines Baumes welken und verdorren; doch in den Namen sind sie noch da, 
wenn auch dem Verständnis entrückt. So verstehen wir von dem Namen 
Hüdebrand die letzte Silbe wohl noch, was heisst aber hUde? Hier giebt uns 
unser Neuhochdeutsch nicht mehr Aufschluss, wir müssen weiter hinaufsteigen, 
zum Altdeutschen, um den Schlüssel für diesen noch jetzt gar nicht 
seltenen Namen zu holen. Hild heisst Kampf, Schlacht, also Hildebrand: 
Kampfesbrand, Schlachtenbrand — gewiss ein trefflicher Name für einen 
Helden, der wie verzehrendes Feuer um sich her wüthet in der Schlacht! 
Ähnlich ist es mit der Silbe mar, berühmt ^ in Wcddemar (berühmt im 
Walten), Germar (speerberühmt), sowie mit rud, welches gleichfalls berühmt 
bedeutet, in Rudolf, Rüdiger, So könnten der verschollenen Wurzeln noch 
gar manche aufgeführt werden; andere haben wenigstens ihre Bedeutung 
geändert, wie schcdk (ursprünglich „Knecht"), und wir als geborene Deutsche 
müssen bei den Gelehrten Kath suchen, um uns diese urdeutschen Namen 
wie fremde erklären zu lassen. Es ist Moos darum gewachsen, Rost hat 



Einleitung. 



sich auf das Metall gelegt und will mit behutsamer Hand entfernt sein , ehe 
uns wieder der edle, reine Metallglanz entgegenstrahlt. 

Warum aber liess man diese Namen, sobald ihr Verständnis ent- 
schwimden war, nicht fallen, warum liess man die alten Wörter, die im 
Verkehr der lebendigen Kede erstorben waren, noch in den Eigen -Namen 
ein langes Traum- und Schlummerleben durch die Jahrhunderte weiter 
führen? Das hat seinen ersten und einfachsten Grund darin, dass es ja 
bei den Namen weniger darauf ankam, diesen oder jenen Gedanken 
durch sie mitzutheUen, als ein Zeichen zu haben, um unter einer Anzahl 
Personen eine bestimmte unterscheiden und bezeichnen zu können. Die 
eigentliche Bedeutung der Namen und die Ursache, warum sie ursprüng- 
lich gewählt worden, trat allmählich in den Hintergrund und wurde viel- 
fach ganz vergessen. 

So nehmen denn die Eigen -Namen eine besondere, eine Ausnahme- 
stellung in der Sprache vor allen anderen Wörterklassen ein; sie gehen 
nicht mit der Zeit mit, sie kümmern sich nicht darum, ob man sie versteht, 
sie haben ihre eigenen Formen, die nicht angetastet werden dürfen, ja ihre 
eigene Orthographie. 

Aber es ist nicht allein das hohe Alter der Namen und ihre von 
daher grossentheüs bewahrte Form, wodurch sie so dunkel und räthselhaft, 
fast hieroglyphengleich geworden sind — auch die mannigfachen Mund- 
arten, in welche sich das Deutsche spaltet, tragen dazu bei, die Bedeu- 
tung der Familien - Namen zu verhüllen. Als diese sich bildeten, waren die 
verschiedenen Mundarten Deutschlands noch in voller Blüte, eine allgemein 
herrschende Schriftsprache war noch nicht vorhanden. So setzten sich denn 
auch die FamiKen- Namen für jede Landschaft zunächst in der dort verbrei- 
teten Mundart fest. Sieht man sich z. B. die lange Keihe pommerischer 
Namen aus der Zeit Herzog Bogislavs X. an, wie sie Klempin in seinen 
„Diplomatischen Beiträgen zur Geschichte Pommerns" aufstellt, so wird man 
alles, was darin an Namen deutsch ist, eben als niederdeutsch erfinden: 
Apenborch, Benekendorp, van deme Berghe, Bilrebeke, Blome u. s. w. Als 
nun nach Luther das Hochdeutsche (urspr. Obersächsische) auch im Norden 
allmählich als Schriftsprache durchdrang, wurden diese „plattdeutschen" 
Namen allerdings zum grössten Theile dem neuen Lautsystem angepasst, 
aber doch nicht ausnahmslos: viel Niederdeutsches blieb und bleibt stehen. 
So schimmert die ursprüngliche Grundlage des Niederdeutschen für ganz 
Norddeutschland in den Familien- Namen noch überall durch in Formen wie: 
Schtdte, Möller, Flashaar, Niebuhr (neben Neubauer), Voss, ütermöhlen 
(„aus der Mühle"), Cassebaum (halbniederd. = Kirschbaum) u. s. w. Dahin 
gehört besonders auch die grosse Zahl der Verkleinerungsformen auf ke, 
die meist von einheimischen oder auch ausländischen Vornamen herrühren, 
z. B. Qerike aus Gerhard, JahnJce aus Johannes. Im Oberdeutschen finden 
wir statt dessen die Endung d, auch z, z.B. Dietd, Dietz für Dietrich. 



Einleitung. 



Diese und viele andere Verkleinerungßwörter , oder wenn man will „Schmei- 
chelformen", die sich vorzugsweise als Familien -Namen festgesetzt haben, 
erfordern zu ihrer Entzifferung, wenn dieselbe mehr als ein blosses Rathen 
sein soll, Kenntnis der Dialekte und ihrer oft höchst eigenthümlichen Formen. 
Wer möchte z. B. durch blosses Vermuthen darauf kommen, dass Hiesel 
aus Matthias, Qilles aus Aegidius, Grolms aus Hieronymus entstanden ist! 
Nicht minder macht sich dies geltend bei der zahlreichen Klasse der von 
Beschäftigungen, von Amt und Gewerbe entlehnten Familien -Namen, da 
die Bezeichnungen gerade auf diesem Gebiete landschaftUch oft sehr ver- 
schieden sind. 

Nicht genug, dass die Mundarten ihre Einflüsse geltend gemacht haben 
— alles das ist immer doch noch deutsch — aber auch von ausserhalb der 
Grenzen unserer Sprache sind bedeutende Einströmungen erfolgt. So wenig 
das jetzige deutsche Volk ein ganz ungemischtes ist, so wenig sind die 
FamiUen - Namen durchweg deutsch. Vor allem ist die Beimischung der 
Slaven hervorzuheben. Diese erfüllten bekanntlich, von den Zeiten der 
Völkerwanderung her, den ganzen Osten Deutschlands bis zur Elbe und 
Saale. Als sie endhch wieder zurückgedrängt wurden, blieben doch viele 
in ihrer seit so langer Zeit eingenommenen westlichen Heimat sitzen und 
wurden erst allmählich und nicht überall germanisirt. Diese Grundlage des 
Slavischen auch in längst wieder deutsch gewordenen Strichen tritt wie in 
den Orts-Namen, so auch in den Familien -Namen hervor, ein bedeutender 
BruchtheU ist slavisch: wendisch, polnisch — selbst Tschechen dringen aus 
Böhmen herauf. Vor allen kenntUch sind die polnischen Namen auf skiy 
wie LichnowsM, Kosinsky; nicht minder aber sind slavisch, meist eben von 
den entsprechenden Orts -Namen entlehnt, die Namen auf ow: Passow; die 
a\d it0: MiltiU, vergröbert itsch: Delitzsch; die auf in: Schwerin — nicht 
zu vergessen die mit slav (Kuhm) selbst zusammengesetzten Personen -Namen: 
Bogislav, Bugslaff, zuletzt Butdaff(jmt lang zu sprechendem m, Gottesruhm). 

Dann ist ein, wenn auch lange nicht so starker, doch immerhin in 
Anschlag zu bringender Bruchtheil romanischen Blutes aufgenommen 
worden, hauptsächlich aus Frankreich, in den Auswanderern, welche unter 
Ludwig XIV. ihres protestantischen Glaubens wegen ihr Vaterland als 
„Eefagi6's" verlassen mussten und in Deutschland üebevoUe Auj&iahnie und 
eine neue Heimat fanden. Daher nun französische Familien -Namen wie 
Palmier, du Mesnil, de Convenant. 

Zum Schluss verdient noch Erwähnung, dass selbst das Littauische, 
so entlegen es dem Völkerverkehr ist, sein Fähnlein gestellt hat, z. B. 
KaprolatiSf Adomeit In Berlin sind üttauische Namen nicht selten, und 
in Königsberg gar wimmelt es von ihnen. 

So sind denn slavische Elemente von Ost und Südost, littauische von 
Nordost, romanische von West und Südwest eingedrungen imd zwar in 
bedeutendem Masse. Man mache die Probe an irgend einer Namenreihe — 



Einleitung. 



eines Eegierungs-Collegiiiins, eines Stadtverordneten- oder Lehrer -Collegiums 
— in dem östlichen Deutschland, und man wird selten die Namen rein- 
deutsch finden. 

Wir haben es also in der Welt der Familien -Namen, wie sie gegen- 
wärtig in Deutschland ist, mit einem Gemisch nicht bloss aus verschiedenen 
Zeitaltern und Mundarten , sondern sogar aus ganz verschiedenen Sprachen zu 
thun. Dadurch wird begreiflicher Weise die Erforschung der Namen ausser- 
ordentlich erschwert. Denn wer vollkommen gerüstet ans Werk gehen woUte, 
um die in Deutschland jetzt vorkommenden Familien -Namen zu erklären, 
müsste eine sehr umfassende Sprachkenntnis besitzen , nicht allein des Deut- 
schen nach seinen Verzweigungen und des Komanischen, sondern vor allen 
Dingen auch des Slavischen, und zwar in seinen verschiedenen Mundarten. 

Aber selbst wer diese umfassende Sprachkenntnis besässe , würde doch 
noch genug Hindemisse zu überwinden haben und oft muthlos das kritische 
Messer sinken lassen. Ja, wenn die Namen in reiner, unverfälschter und 
unentstellter Form vorlägen! Aber wieviel Entstellungen, Verstümmelungen 
und besonders Umdeutungen haben sie sich müssen gefallen lassen trotz 
aller beanspruchten TJnantastbarkeit, die fremden zumal, die man nicht ver- 
stand! Butzlaff statt Bogislav (Bugslaff) ist noch nicht arg; wenn aber 
Warneking (Verkleinerungsform von Werner) sich in Warnhönig, wenn 
Christian sich in Kirschstein, Bernhard (== Bärenstark) oder vielmehr 
dessen Verkürzung Berend in Bierente wandeln konnte, so sieht man aller- 
dings, dass hier Dinge möglich und häufig sind, die auf dem sonstigen Gebiete 
der Schriftsprache glücklicherweise zu den grössten Seltenheiten gehören. 

Das alles sind unabsichtliche Entstellungen; es kommt aber auch vor, 
dass der Träger eines Namens in bewusster Weise diesen Namen, weil er 
ihm nicht zusagt, umändert und entstellt, z. B. ein Fassbinder nennt sich 
Vashender, ein Knieriem schreibt sich wenigstens Gnyrim. Das ist ein 
harmloses Vergnügen; ganz anders ist es, wenn jemand seinen ehrlichen 
deutschen Namen verachtet, weU er eben nur deutsch ist, und ihn in ein 
fremdartiges Gewand hüllt, damit er vornehmer klinge. In der Art ver- 
sündigten sich besonders die Gelehrten im 16. und 17. Jahrhundert, indem 
sie ihre untadeligen deutschen Namen latinisirten, ihnen eine zuweilen recht 
schlotterige Toga umwarfen. Weil man dabei ziemlich wülkürlich und gewalt- 
sam verfuhr, so ist die Kückübersetzung häufig schwierig. Olearius z. B. kann 
die Übersetzung von drei Namen sein: Öhlmann, Öhlerj Öhlenschläger. 
Andere sind gar nicht mehr nach ihrer Bedeutung zu entziffern. 

So haben denn gar mannigfache Einflüsse verschleiernd und ver- 
dunkelnd auf die Familien -Namen eingewirkt. Dieselben sind, um es noch- 
mals zusammenzufassen: 1) das Alter der Namen, das nach Jahr- 
hunderten, zum Theil nach Jahrtausenden zu berechnen ist, und in Ver- 
bindung damit die verschiedenen Entwickelungsstufen der Sprache; 
2) der trübende Einfluss der Mundarten; 3) die Mischung mit fremden 



8 Einleitung. 



Sprachelementen; 4) Missverständnisse und willkürliche Ent- 
stellungen. Daher ist es denn auch kein Wunder, wenn die grosse Mehrheit 
der Famiüen- Bezeichnungen uns so unverstandlich ist, wenn die tausende 
und aber tausende von Namen, die unter diesen Einflüssen zusammengekommen 
sind, das Bild eines dichtverschlungenen Urwaldes darbieten, in welchem 
man fast bei jedem Schritt auf Schwierigkeiten und Hindernisse stösst. 

Aber diese Schwierigkeiten, so gross sie zum Theil sind, dürfen von 
der Betrachtung der Familien -Namen und ihrer Erforschung nicht zurück- 
schrecken. Das verbietet — abgesehen von dem Interesse, welches es doch für 
den Einzelnen haben muss , die Bedeutung seines Namens zu wissen — die 
Wichtigkeit des Gegenstandes überhaupt. Die Eigen -Namen (Person- und 
Ortsnamen) bilden eiaen Theil der Sprache, und zwar in den altdeutschen 
Namen den ältesten, den unsere Sprache überhaupt als erhalten aufzuweisen 
hat. Wenn man nun die übrigen Wörterklassen betrachtet, ihre Bildungs- 
gesetze erforscht und darstellt, so sind die Eigen -Namen dabei nicht zu 
übergehen, ihnen gebührt dieselbe Aufinerksamkeit. Auch in ihnen webt 
und wirkt der Geist der Sprache. Wollte man sie bei Seite lassen , so würde 
die Kenntnis der Spraxjhe an einer bedeutenden Lücke leiden, ein grosses 
Gebiet wäre unerhellt. 

Das ist die Bedeutung, welche die Namenkunde nach der sprachlichen 
Seite hat. Aber in der Sprache spiegelt sich der Geist des Volkes, und in 
ganz besonderem Masse gerade in den Namen. Ihren Stolz und ihre Sehn- 
sucht , ihren Glauben und ihren Aberglauben , ihre ganze Lebensanschauung 
haben ursprüngliche Völker, wie das germanische, in ihre Namen gelegt 
Und weiter, auch die späteren Entwickelungen im Leben des Volkes, in 
Sitten und Einrichtungen, Zuständen und Anschauungen lassen hier ihren 
Niederschlag zurück, so dass wir ein gutes Stück unserer Culturgeschichte 
an den Familien -Namen herabbuchstabiren können. Dieselben gleichen den 
Versteinerungen der Urzeit: aus den Umwälzungen früherer Perioden sind 
sie übrig gebheben als Zeugen von dem, was einstmals war. FreiUch ist 
es schwer und oft gar nicht mehr möglich, die Bedeutung mancher Namen 
zu ergründen; aber wo es möghch ist, da erschhessen sich uns ganz neue, 
unverfälschte Quellen für die Erkenntnis der Denk- und Sinnesart unseres 
Volkes in längst vergangener Zeit. So ist es denn keine undankbare Mühe, 
es ist eine schöne und nach mehr als einer Seite hin lohnende und frucht- 
bringende Beschäftigung, in diese reiche Welt der Namen zu gehen, das 
nur schlummernde Leben in den scheinbar kalten und todten Zeichen wieder 
zu erwecken, der stiUen Sprache zu lauschen, die sie, die unsere Vorfahren 
durch sie zu uns reden. 

„Vergangenheit entsteigt dem dunklen Grab 
Und giebt nns manche wundersame Kunde." 



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1. 
Die Elemente der deutsehen Familien -Namen (dreifaehe Sehieht). 

I Die deutschen Familien- oder Geschlechts -Namen sind als solche, wie 

E schon in der Einleitung hervorgehoben ist, verhältnismässig jung; erst im 
t Ausgange des Mittelalters , im 13. — 14. Jahrhundert, haben diese vom Vater 
:- auf den Sohn vererbenden Beziehungen sich allmählich festgesetzt Die 
i Elemente jedoch, aus welchen sich damals die Familien -Namen gebildet, 
: gehen meist viel weiter zurück; es lassen sich darin drei Schichten unter- 
: scheiden, die sich wie Geschiebe eines Gebirges auf und in einander gelagert 
haben. Diese sind: 

1. alteinheimische, ursprünglich heidnische Person-Namen, 
d. h. nicht forterbende Benennungen einzelner Personen (z. B. AlbrecM und 
Arnold)] 

2. später dazugekommene fremde Person-Namen aus christlicher 
Zeit (z. B. Peter und Paul), 

Beide Klassen haben das gemein, dass sie ursprünglich Person- oder 
Einzel -Namen gewesen sind und auch nach ihrem Festwerden (als F.-N.) 
. grossentheils noch daneben als Person - Namen , d. h. nunmehr Vornamen, 
verwendet werden. Zu ihnen gesellt sich nun aber 

3. eine dritte Klasse von Bezeichnungen, die sogleich als 
Familien-N. verwendet werden: Namen jüngster Periode (z.B. Weber 
und Wittenberg), 

Betrachten wir zunächst die beiden ersten Schichten genauer, um ein 
möglichst anschauliches Bild von den Grundlagen zu gewinnen, auf denen 
die Bildung unserer Familien -Namen beruht. 

2. 

Die Person -Namen Überhaupt — ein Spiegel des Yolksgeistes. 

Namen der kriechen, RSmer , Israeliten. 

Dass in den Eigennamen eines Volkes sich der Geist dieses Volkes, 
der Charakter desselben in seiner Eigenthümlichkeit abspiegele, nicht minder 
als in seinen Sitten und Thaten, dieser Satz gilt in besonderem Masse von 
den ältesten Namen , welche sich bildeten , da das Volk noch unberührt von 
fremden Einflüssen, in voller Selbständigkeit sich entwickelte. So redet 



10 2. Die Person -Namen überhaupt — ein Spiegel des Volksgeistes. 



eben durch die Namen die uralte Yergangenheit zu der Gegenwart, die 
Vorfahren reden durch sie zu den nachkommenden Geschlechtern und ent- 
hüllen ihnen ihren Geist und Sinn. 

Werfen wir zum Beweise einen vergleichenden Blick auf die drei 
Völker, welche für uns die Hauptvölker des Alterthums sind, die Griechen, 
die Kömer und die Israeliten, so treten uns hier die allerbezeichnendsten 
Verschiedenheiten entgegen. 

Das edle, hochbegabte Volk der Griechen zeigt auch in seinen 
Person - Namen eine reiche Phantasie , einen idealen Schwung. Die Namen 
gehen überwiegend auf das Geistige, auf edle Eigenschaften und Beschäf- 
tigungen. Das beweist die Fülle der Namen , die auf Tdes (Kuhm) endigen : 
PeriJcles (sehr berühmt), Sophokles (durch Weisheit berühmt), Themistold^ 
(durch Gerechtigkeit berühmt), KalliUes (durch Schönheit berühmt) — 
oder die mit der Silbe hie anfangen : Kleophanes (ruhmstrahlend). Viele 
beziehen sich auf das Vorangehen und Erster sein, gleichsam Bezeich- 
nungen für Männer, die jenen homerischen Wahlspruch: „Stets der Beste 
zu sein und vorzustreben den Andern" in sich zur Verkörperung gebracht 
haben. So die mannigfachen Bildungen von Aristos (der Beste), femer 
Namen wie Poliarehos (Stadtherrscher) , Agesilaos (Volksführer) , Eurysthenes 
(weit gewaltig) — auch Thrasyhulos (kühn im Kath), Megistophron (das 
Grösste denkend). Auf Kampf und Sieg gehen Nausimachos (zu Schiffe 
kämpfend), Nikophanes (siegprangend). Wie jedoch jene homerischen Helden 
das Wort ebenso treflfüch zu handhaben wissen als das Schwert, so stellt 
sich neben die kriegerischen Namen eine fast ebenso lange Keihe von Namen, 
welche die Beredsamkeit feiern, z. B. Äglaophon (herrlich redend), Anaxa- 
goras, Protagoras — letztere zum Beweise , wie hoch der Grieche seine Agora, 
die Volksversammlung, hielt. Aber in der Eeihe dieser edlen und ruhm- 
würdigen Eigenschaften ist auch die Götterfurcht unvergessen; den Beweis 
geben die vielen ndt Theos (Gott) zusammengesetzten Namen, wie Theodotos 
(gottgegeben), Theophilos (Gott lieb), dazu mannigfache Ableitungen von 
den Namen einzelner Gottheiten, von Dionysos (Bacchus): Dionysios, von 
Hera (Juno): Herodotos, von Apollo: Apollontos, Im Einklänge damit 
stechen unter den Thieren iq der Namengebung hervor der Löwe, das könig- 
Uche Thier, in vorgeschichtlicher Zeit in Griechenland einheimisch: Leon, 
Timoleon, das edle Eoss, dem Poseidon heüig, in besonders zahlreichen 
Namen: Hippias und Hipparchos, Hippokrates, Philippos, Aristippos. 

Während so die griechischen Person -Namen ein ideales, poetisches 
Gepräge haben, indem edle, meistens geistige Eigenschaften in ihnen 
anklingen, bilden dazu den allerschroffsten Gegensatz die Köm er. Hier ist 
von Poesie und Idealität wenig zu finden; die römischen Namen haben ein 
durchaus prosaisches Gepräge und bewegen sich meist in einer sehr 
niederen Kegion. Zunächst halten sie sich an die erste und hauptsächlichste 
Beschäftigung der alten Kömer, den Ackerbau: Agricola (Landbauer), 



2. Die Person -Namen überhaupt — ein Spiegel des Volksgeistes. 11 

Fabiiis, Lenfulus, Cicero, Piso (Bohnen-, Linsen-, Erbsen-, Wickenmann),* 
und in Zusammenhang damit an die Viehzucht : Porcius (Schweinezüchter), 
Asinius (Eselzüchter). Schon bei diesen Namen kann es befremden, dass 
die grossen Römerhelden keine edleren Namen führten als Bohnenmann, 
Erbsenmann, Schweinemann: Doch mögen wir diese Namen trotz ihres 
Erdgeruches noch gelten lassen , da der Ackerbau die Grundlage des römischen 
und überhaupt jedes italischen Gemeinwesens war und derselbe allewege 
eine hochehrenwerthe Beschäftigung ist. Es ist freihch etwas Hausbackenes 
und Massives,^ aber doch immer etwas sehr Praktisches imd Solides in den 
Namen dieses Schlages. Aber was soll man zu der langen Eeihe der Namen 
sagen, die von äusserlichen Zufälligkeiten imd Gebrechen her- 
genommen sind, wie Niger, Rufus, Flavius, Livius (der Schwarze, der 
Rothe, der Gelbliche, der Bläuliche), Longus, Paullus, Crassus, Macer 
(der Lange, der Kleine, der Dicke, der Magere), Calvus (der Kahlkopf), 
CopeYo (der Dickkopf), Naso (der Nasenkönig) , Paetus (der Schieler), Caecus 
(der Blinde), Baibus (der Stammler), Claudius (der Lahme), Plautus (der 
Plattfuss), Scawrw5 (der Klimipfuss) — die Eeihe ist fast endlos, ich breche 
ab , imi nicht dui'ch fernere Aufzählung zu ermüden. Ist es doch , als käme 
man in ein Lazaret oder eine orthopädische Anstalt! Das Äusserste jedoch 
in nüchterner Prosa und Armut an Erfindungsgabe leisten die Zahlnamen: 
Secundus, Tertius, Quintus, Sextus (mit mehrfachen Ableitungen wie Sextius, 
Octavianus) , die bloss herzählen , dass jemand der zweite , dritte u. s. w. 
Sohn seines Vaters sei. Welche geistige Armut, wenn ein Vater seinem 
Kinde nichts weiter im Namen mitzugeben weiss, als dass es Nr. 2, 
Nr. 3 ist ! 

Diese Namen, welche eben die römische Namengebung beherrschen, 
verrathen einen grossen Mangel des römischen Geistes, eine starke Ein- 



1) Ut quisque dliquod optumum genus sereret, Plin, hist not, XVIII , 3, 

2) Diesen Charakter des Derb -Massiven hat man auch sonst in der lateinischen Sprache, 
zumal in der Dichtersprache, gefunden. Vergl. Frommann in seiner fesselnd geschriebenen 
Studie über die „Verschiedenheit des Geschmackes im poetischen Ausdruck bei lateinischen 
und deutschen Klassikern" 1866, woraus ich einige Beispiele hersetze. So wird das dem 
Thierreich entlehnte Bild des Beissens von Horaz und seinen Zeitgenossen mit einer gewissen 
Vorliebe gebraucht: der Muss beisst (mordet) die ihn begrenzenden Gefilde, die Ölpflanzungen 
worden von der Hitze gebissen. Unserer Anschauungsweise nach sitzt die liebe mit dem 
übrigen Gcfühlsvermögen im Herzen; die römischen Dichter lassen sie, vielleicht der grösseren 
Dauerhaftigkeit wegen, in den Knochen wohnen (totis perceperat ossibus aestum Ovid), 
Daliin gehören femer Wendungen wie amorem incutere (LiAcret.)^ Liebe gleichsam ein- 
bleuen; fr an g er e vom Löwen gesagt statt zerreissen: „der gätulische Leu wird dich zer- 
brechen" Horat. (man hört ordentlich die Kippen krachen); extundere artes (Virg.), an die 
Art und Weise erinnernd, wie Peter der Grosse seinen Küssen Bildung beibrachte. Wir 
schmücken bei festlichen Gelegenheiten unsere Stirn mit Kränzen; der Kömer belastet, 
drückt, fesselt oder gürtet sich damit {impediret premere, vincire, cingcre Horat.). 
So tritt überall eine allerdings plastische, aber dabei derbe und knochige Körperlichkeit her- 
vor, die nicht selten selbst in ästhetische Koheit übei*geht. 



12 3. Der gennanische Volksgeist. Das Eigenthümliche der altgermanischen Namengebang. 

seitigkeit der Anschauungs- und AuJBfassungsweise. Fürwahr, man braucht 
nur diese Namenliste anzusehen, um kühnlich zu prophezeien, dass ein 
solches Volk auch auf geistigem Gebiete , namentlich in der Dichtung , wenig 
leisten werde. Auf solchem Boden können die goldnen Hesperidenäpfel 
der Poesie schwerlich gedeihen. Dagegen bekunden derlei Namen eine her- 
vorstechende Neigung und Anlage zur Auffassung menschlicher Schwächen, 
d. h. zur Satire. In der That ist auch die Satire der einzige Zweig der 
poetischen litteratur, worin die Eömer etwas Bedeutendes, Ureigenes 
geschaffen haben. 

Ein Element, welches schon in der griechischen Namengebung, doch 
nur in zweiter Reihe hervortrat, der fromme Sinn, die Alles auf die Gott- 
heit beziehende Lebensanschauung, kommt zur vollen Entfaltung bei den 
Orientalen , namentlich dem Volke der Israeliten. Dies wird durch das Vor- 
wiegen der Namen bezeugt, die mit der Silbe ja (jo, je) — Abkürzungen 
von Jehova (Jahve) — oder mit el anfangen oder auch schliessen. Beides 
bedeutet ,,Gott," also^ Josua (dessen Hülfe Jehova ist), Johannes (den 
Jehova geschenkt hat), mit ähnlichem Sinne Jonathan (den Jehova gegeben), 
Josaphat (dem Jehova Eecht schafft); — Obadja (Knecht Gottes, vergl. 
arabisch Abdallah), Sacharja, Zacharias (dessen Jehova gedenkt); — Elimdech 
(dem Gott König ist) , Elieser (dem Gott Hülfe ist) , in derselben Bedeutung 
Eleasar (Lazarus); — Nathanael (den Gott gegeben), Joel (die beiden Gottes- 
namen verbunden : dem Jehova Gott ist). Hieran reihen sich noch mehrere, 
bei welchen diese Beziehung nicht ausdrücklich ausgesprochen, aber doch leicht 
zu ergänzen ist, z.B. Nathan, abgekürzt aus Jonathan, SatiZ (der Erbetene, 
nämlich von Gott). 

3. 

Der germanische Volksgeist. 
Das Elgenthfimllche der altgermanischen Namengebung 

Im Allgemeinen (Wuotan). 

Wenden wir uns , nachdem wir dies vorausgeschickt , zu unserm Volke 
in seiner ungetrübten TJrsprünglichkeit und fragen: was ist das Eigenthüm- 
liche der altgermanischen Namengebung? 

Der Geist und Sinn, die ganze Anschauungsweise eines ursprüng- 
lichen Volkes spricht sich bezeichnend aus in den Vorstellungen, die es sich 
vom Übersinnlichen, von der Gottheit macht. Wie Gott die Menschen schuf 
nach seinem Ebenbüde , so denkt sich umgekehrt der Naturmensch die Gott- 
heit gern nach seinem menschlichen Bude. Was ihm als das Höchste 
erscheint , das überträgt er auf jene und stellt somit einen Spiegel auf seines 



1) Die nachfolgeiideii Namen sind hier in der uns geläufigen Form der deutschen Bibel 
gegeben, von welcher die ursprüngliche hebräische allerdings mitunter stark abweicht z. B. 
Jochänän (Johannes), Scha-ül (Saul). 



3. Der germanische Volksgeist. Das Eigenthümliche der altgermanischen NameDgebimg. 13 

eigenen Selbst. Wie hat nun der Germane sich die Gottheit gedacht? Hören 
wir darüber den beredten Mund eines neueren Forschers,^ der sich in der 
Hauptsache folgendermassen ausspricht: „Während andere Völker die stille, 
starre Ordnung der Himmelskörper, der Gestirne, über alles' Andere gefeiert 
und das Leben der Menschen zu einem Abbilde dieser stillen, starren Ord- 
nung zu machen gesucht haben; während wieder andere das in den 
Entwickelungen der Dinge bemerkbare Ebenmass und die Schönheit des 
lebendigen, organischen Masses, die Harmonie, gefeiert haben — hat die 
germanische Glaubenslehre an die Spitze aller Götterfiguren eine Personifi- 
cation gestellt des ungebrochenen, rastlos jagenden, todverachtenden Helden- 
geistes, den Wuotan.* Damit ist der ungebrochene, gottbewegte, persön- 
Kche Heldensinn über alles Andere gesetzt und zimi höchsten Gegenstande 
der Verehrung und des sittlichen Strebens gemacht." 

Diesen stürmenden Heldengeist zeigt unser Volk von seinem ersten 
Auftreten in der Geschichte an. Heftig und ungestüm war die Kampfesart 
der Germanen, zumal ihre ersten Angriffe zu Beginn der Schlacht, und nur 
der überlegenen Kriegskunst der Römer gelang es , die furchtbare Kraft der- 
selben zu brechen.^ So in dem Kriege der Cimbern und Teutonen, welche 
fünf Jahre hindurch aUe gegen sie ausgesandten Heere der Römer schlugen 
und vernichteten, bis es endlich dem grossen Feldherm Marius gelang den 
Sturm zu beschwören und das drohende Verderben von Rom abzuwenden; 
so in dem Kampfe Cäsars mit Ariovist, so in allen nachfolgenden Kämpfen, 
bis zu dem gewaltigen Gewittersturme der Völkerwanderung. 

Bekannt sind die Zeugnisse des Tacitus für die Tapferkeit der Germanen 
(nullus mortcHium armis aut fide ante Germanos). Krieg imd gefahrvolle 
Unternehmungen waren ihre Lust — daher jene nie gesättigte Begier nach 
Abenteuern, die Gier, Gefahrvolles aufzusuchen und mit dem Furchtbaren 
zu kämpfen; daher auch im Frieden die Lust, auf ungemessenen, ungebahn- 
ten Pfaden das Wild zu jagen. „Wer hat mehr Muth," ruft der Römer 
Seneca, „als die Germanen?" Wer stürmt mit grösserer Gewalt? Wer 
liebt leidenschaftlicher die Waffen, mit denen sie gleichsam geboren, in 
denen sie aufgezogen werden? Die allein sind ihre Sorge, alles Andere 



1) H. Leo, Vorlesungen I, 109 ff. 

2) Wuotan, niederdeutsch Wodan , nordisch Odin, der Alles durchdringende Greist, der 
Gott des überallhin dringenden Sonnenlichtes und des in den Wolken jagenden Sturmwindes, 
welchem daher das windesgleich dahinbrausende Boss heilig ist. £r ist der Kriegs- und 
Schlachtengott , der die gefallenen Helden um sich sammelt in Walhalla. Auf ihn als Kriegs- 
gott bezieht sich noch jetzt der Auszug des wüthenden Heeres, das sturmesgleich hoch durch 
die Lüfte dahinzieht („wüder Jäger"). 

3) Ein solcher Angriff wird z. B. gescliildort im Nibelungen -Liede Str. 2210 f.: 

„Den Schild rückte Wolf hart, ein schneller Degen gut; 
Gleich einem wilden Leuen lief er auf ihn an, 
Die Schaar seiner Freunde ilim jäh zu folgen begann. 
Mit weiten Sprüngen setzt' er bis vor des Saales Wand." 



14 4. Die altgennanische Namenwelt. 



kümmert sie wenig. ^ Im Einklang damit lässt der jüdische Schriftsteller 
Josephus den König Agrippa zu den Juden sagen: „Ihr haht ohne Zweifel 
von den Germanen gehört Ihr haht ihre Stärke gesehen und die Grösse 
ihrer Gestalt. Sie haben aber einen Geist, der grösser ist als ihre Leiber, 
eine Seele, die den Tod verachtet, und einen grimmigem Zorn als die 
wilden Thiere." 

Dieser wilde Kriegsmuth ist der y,furor Teutonicus,^ der im Alter- 
thume wie zum Sprichwort geworden noch von viel späteren Schriftstellern 
oftmals erwähnt wird. 

So war der Geist unserer Ahnen, und diese todesverachtende Kühn- 
heit, dieser wuotanische Heldensinn spiegelt sich ab auch in der Namen- 
gebung jener Zeit, des Heroen -Alters unseres Volkes. 

4. 
Die altgermanlsche Namenwelt. 

Ein heldenhaftes, kriegerisches Gepräge ist vor Allem den Personen- 
Namen unseres germanischen Alterthums eigen. Und wenn uns keine 
Geschichte und keine Sage Kunde gäbe , so würden diese zahlreichen männ- 
lichen und auch weibhchen Namen vernehmlich genug sprechen, die da 
wiederkhngen von Waffen und Krieg imd Kampf und Sieg. 

Hild, Gund, Had, Bad und Wig sind lauter Ausdrücke für Kampf, 
Schlacht, Krieg, Wortstämme, die, sonst in unserer Sprache längst erstor- 
ben, nur noch in den Namen und zwar hier um so häufiger fortleben. Es 
ist hier nicht der Eaum , alle die Ableitungen und Zusammensetzungen auf- 
zuzählen, von denen die Sprache damals eine staunenswerthe Menge und 
Mannigfaltigkeit besass. Nur zur Probe wollen wir, mn. an einem Worte 
diesen Reichthiun zu zeigen , die. von dem Stanune hild gebildeten Namen 
vollständiger hersetzen:* 

Hildibald, Hildibern, Hildibert, Hildibodo, Hildibrand — Hüdidag 

— Hildifrid, Hildifuns — Hildigang, Hildigar, Hiltigast, Hildegaud, 
Hildigern, Hüdigis, Hildigrim — Hildehoc — Hüdelaic, Hiltilant, Hilti- 
leip, Hiltilouc — Hildeman, Hildimar, Hildeniod, Hiltimund — Hüti- 
nand — Hildirad, Hiltiram^ Hildiric, HiUiroch — Hiltiscalh, HiUistain 

— Hildulf — Hildowcddy Hiltiwar, Hildiward, Hildiwerc, Hiltiwic, 
Hildiwin., 

Dabei sind die weiblichen Namen, wie Hildigunda, Hildiburg (von 
denen späterhin!) noch gar nicht berücksichtigt. 



1) 8en. de vral, 11. 

2) In der ganzen nachfolgenden Übersicht sind die einzelnen Namen in der, soweit 
erreichbar, ältesten und ursprünglichsten Form aufgeführt, ohne weitere Scheidung der Mund- 
arten, worauf es hier nicht ankommt. Vergl. Abel, die deutschen Personen -Namen. — Forste- 
mann, Altdeutsches Namenbuch I.Band: Personennamen. 



4. Die altgermanische Namenwelt. 15 

Von dem Stamme Gund kommen, um nur wenige Namen herauszu- 
greifen , Gundachar (Kriegskämpfer) , Gundobert (kamp^rangend) , Gundemar 
(kämpf berühmt) ; 

von Wig: Wigand (Kämpfer), Wiglef (Kampfessohn), Chlodowich 
(Kuhmeskampf), der Frankenkönig des 5. Jahrhunderts. 

Zu Kampf und Schlacht gehören Waffen. Auch diese sind zahlreich 
vertreten. Haben sich doch ganze Völkerschaften danach genannt, wie 
z. B. die Sachsen nach ihren langen Kriegsmessern, althochdeutsch sahs, 
angelsächsisch seax^ nach welchen selbst ein Gott, der Kriegsgott der 
Oermanen, Saxnot (Schwertgenoss) benannt ist^ 

Die deutsche National -Waffe, die Frame (bei Tacitus), ein Spiess mit 
schmalem, kurzem Eisen, geschickt für den Nahkampf wie für den Fem- 
kampf, begegnet in Framhard (speerkräfiig) — das althochdeutsche ger, 
Wurfspeer, in Gartbcdd (gerkühn), Garihert (gerprangend). Ansigar, 
altsächsisch Osgar (Asenspeer d. i. Götterspeer); — das Schwert, ecka 
(Schwertecke = Schneide, Stamm ag) in Ägahert (schwertglänzend), Ägihardy 
Ehhihart (schwertstark). 

Die Schutzwafifen treten zurück; waren doch die alten Germanen 
damit kärglich ausgerüstet: fast mit nacktem Leibe, nur mit einem langen, 
schmalen Schilde aus Holz und Leder traten sie furchtlos dem wohlaus- 
gerüsteten römischen Legionaren entgegen. 

Der Schild heisst Rand, daher Bantowic (Schüdkämpfer) , Bertrand 
(leuchtender Schild). 

Panzer besassen die Germanen auch zu Armins Zeiten noch nicht, 
selbst nicht einmal eigentliche Helme. Statt dessen setzten sie die Kopf- 
haut von erlegten Thieren auf, deren Fell zugleich als Mantel die Schultern 
bedeckte. Daher die Namen Bernhelm, Ebarhelm, Wolfhalm. Doch später, 
als sie in der Kunst des Schmiedens sich vervollkommnet, traten eherne 
Helme an die Stelle, und somit gewannen Namen wie Helmperht (helm- 
glänzend) eine Berechtigung.* 

Die kriegerische Eigenschaft der Kraft und Stärke klingt an in 
magan, megin: Maginhard (machtstark), Meginbodo (mächtig gebietend); 
in ellan, got. aljan: Ellanperht (kraftglänzend), Äljanmot (kraftmuthig) — 
die Kühnheit in besonders vielen Namen; dahin gehören vor Allem die 
zahlreichen Bildungen mit bald: Baldamn (kühner Freund), Liufbald und 
Theudobald (sehr kühn), Hunibald (riesenkühn); ferner die Zusammen- 
setzungen mit nand : Nandulf (kühner Wolf) , Siginand (siegeskühn). 

Die Gesamtheit der freien, waffenfähigen Männer bildete bei den 
Germanen das Heer, althochd. hari, heri, altfränkisch chari. Hierher gehört, 

1) Nimith eure saxas! ruft bei Nennius bist. Brit. cap. 46. Hengist den Seinen zu. 
^Von den mezzeiin also wahsin Wurden sie geheizen Sahsin' (Annolied). 

2) Zusammensetzungen mit brunja (Brünne d. h. Panzer) und heim treten erst spät 
auf, im 6. Jh. , meist erst seit dem 8. Jh. 



16 4. Die altgermanische Namenwelt. 



um den ältesten überlieferten Namen voranzustellen, wahrscheinlich das im 
römischen Munde wohl etwas entstellte Ariovist, sicher aber Hariman 
(Heeresmann). ^ Hariberaht (heerglänzend), Cariovdlda (der heerwaltende), 
Bataverfürst des 1. Jahrh. Tac. Ann. 11, 11.; dann besonders die vidoi 
Namen, deren zweiter Theü aus diesem Worte besteht, wie SagfMcharj 
Werinheri, 

Aber die Tapferkeit der Germanen, so stürmisch sie war, war dodi 
kein blosses Dreinschlagen, das des klugen Käthes entbehrt hätte. Wuotan 
ist nicht allein der Gott des Sturmwindes , sondern auch der der "Weisheit, 
und neben den stürmenden. Alles vor sich niederwenendeii Wate des 
Gudrunliedes stellt sich der kluge Frute. Welchen Werth die G^nnanen 
auf einsichtsvollen Kath gelegt haben, lehren nun auch lange Beihen von 
Namen. Da sind die mit rat: Ädalrat, Chuonrat; da ist ragan (Bath): 
Raganwald, Raginmund; madal (Versammlungs-, Berathungs- und Gerichts- 
ort des Volkes): Madalwin; hugu (denkender Geist): Ht^gübert, 

Solchem mit Kraft und klugem Käthe zugleich geführten E^ampfe kann 
der Sieg nicht fehlen: Sigifridj Sigiperahty Sigmund und mit erweitertem 
Stamme Sigismund (Siegschutz, durch Sieg schützend). 

So hören wir Alles von Schwertergeklirr und Waffenklang wieder- 
hallen, wir hören die Tapferkeit der Germanen heraus, ihren Schlachten- 
muth, ihre Siegesfreude; wir begreifen, dass Leute, die Büeg und Jagd für 
die einzigen eines freien Mannes recht würdigen Beschäftigungen hielten, 
die sich am liebsten nach ihren Waffen, nach Schwert und Lianze nannten, 
dass diese wohl ihren Nachbarn furchtbar sein mussten, ja den bis dahin 
unbezwinglichen Eömern ein „bis hierher und nicht weiter!" zurafai 
konnten. 

Das mächtige Walten nach Kampf und Sieg liegt in IValdomar (im 
Walten berühmt), Sigiwalt, Berahtold; — femer in rieh (mächtig) : Bicohardf 
Frithuric, Ermanarich (der Gotenkönig aus dem 4. Jahrhundert, der sich 
im Schmerz über die Zurückdrängung seines Volkes durch die Hunnen im 
110. Lebensjahre selbst den Tod gab). 

Der mit solchem Siegen und Walten verbundene Bahm wird, al)g^ 
sehen von dem überaus häufigen beraht, bert, besonders durch die Stamme 
hlod, hrod und hrom dargestellt: Chlodoald (ruhmwaltend); Hrodegang 
(Ruhmesgänger), Bomoald (ruhmwaltend); femer durch fncir, schon aeit 
dem 1. Jh. in Namen wie Catumer, Ingomar (Armin's Oheim, TadL 
Ann. I, 60). 

Im vollen Einklang hiermit werden auch in den aus der Thierwelt 
entlehnten Benennungen starke, kampflustige, herrschende Thiere entschieden 



1) Lange verwechselt mit Ärminius, welches abzuleiten von dem Halbgott Imuno, 
dem kriegerisch dargestellten Wuotan, vergl. Irmingard und Armengardis, Inmnfind imd 
Armenfred u. A. 



4. Die altgermanische Namenwelt. 17 

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bevorzugt, solche, deren Schönheit, Kraft, Schnelligkeit der Germane 
bewunderte, wenn er auch mit ihnen als Jäger oder Hirte in Fehde lag. 

Der Herrscher von Wald und Heide, der grimmige Bär, nahm einst 
in der Anschauung des Nordens die Stelle ein, aus welcher ihn später der 
fremdländische Löwe verdrängt hat: er war König der Thiere. Daher die 
Namen: Berinhard, Beringar, Isanpero. 

Nicht minder passend, als Sinnbild der Grösse und Stärke, ist der 
Ur, das gewaltigste einheimische Thier, oft im Karil^fe mit dem Bären: 
Urold, Uremar. Beiden schliesst sich der Eber an, ebenfalls durch wilde 
Stärke ausgezeichnet. Einfach Ibor (Eber) hiess der älteste , uns überliefierte 
Anführer der Longobarden aus dem 4. Jahrhundert; am bekanntesten ist 
Eharhard. 

Herrscher im Keiche der Lüfte ist der Aar: Arnoald (waltend wie 
ein Aar). 

Doch die beiden königlichen Thiere Bär und Adler treten zurück 
gegen zwei andere von scheinbar geringerer Bedeutung: Wolf und Kabe. 
Dies rührt daher, weil letztere heüige Thiere sind. Freüich war auch der 
Eber schon ein geheiligtes Thier, doch nur des Gottes Fro, während Wolf 
und Kabe Diener des höchsten Gottes Wuotan sind. Zwei Wölfe, Geri und 
Freki (gierig und frech d. i. kühn), und zwei Raben, Huginn und Muninn 
(Gedanke imd Erinnerung) , sind Wuotans ständige Begleiter. Jene begleiten 
ihn als seine Hunde, wenn er in seinen Wolkenmantel gehüllt auf wind- 
schnellem Rosse auszieht. Der Wolf ist daher ein heil- und siegverkünden- 
des Thier. Nach ihm hat der älteste Schriftsteller imserer Litteratur den 
Namen: Vulßa (Ulfila, Wölflein), der westgotische Bischof und Bibelüber- 
setzer aus dem 4. Jahrhundert. Ganz besonders häufig ist der Name des 
Wolfes als zweiter Theil der Zusammensetzung in der abgeschliffenen Form 
ulf (olf): Athaulf, Maginulf, Eparolf. 

Die Raben sind die beutegierigen Thiere des Schlachtfeldes , die Kriegs- 
und Siegesvögel, und so dem Wuotan als dem obersten Schlachtenlenker 
heilig, der auch von ihnen den Beinamen „Rabengott" führt. Einen Raben 
hatte der schreckliche Normannen -Häuptling Bagnar Lodbrokr auf seiner 
Schlachtenfahne; jenachdem er auf derselben munter in den Lüften flatterte 
oder seine Flügel hängen Hess, schloss man auf Sieg oder Niederlage. So 
haben wir nun unter anderen die Namen: Hiltiram und Guntram (Kriegs- 
rabe), Sigihram, Wälaram (Rabe des Wal d. i. der Gefallenen), Wolfhra- 
ban, die beiden heiligen Thiere verbunden. 

Bei den von Wolf und Rabe hergeleiteten Namen stehen wir mit 

einem Fusse schon auf einem anderen Gebiete, welches dicht daran grenzt, 

auf dem Gebiete religiöser (mythologisbher) , von den Göttern entlehnter 

( Benennungen. Die ungeheuchelte Ehrfurcht vor dem Heiligen, den sieg- 

' und segenspendenden Göttern, liegt in zahlreichen Namen zu Tage. 

Ueintzo, Deutsche Familien - Namen. 2 



18 4. Die altgermanische Namenwelt. 

Unser uraltes und ureigenes Wort Gott ist in Godolef (gotisch Gudi- 
laibs, althochd. Cotleip)^ gottgeboren, enthalten; femer in Godefrid, Goda- 
sccUc (Gottesknecht), Goduin (Gottesfreund), Gotahart, Goderam (Gottes 
Eabe) u. a. 

Die Namen der obersten Götter: Wuotan, Donar ^ Ziu, Fro werden, 
wohl aus religiöser Scheu, nicht zu Person -Namen verwendet (nur aus- 
nahmsweise findet sich ein Thunerulf oder Donarperht) — desto häufiger 
die allgemeinen Göttemamen und die Benennungen der untergeordneten 
Götterwesen. So die Änsen (Äsen , Götter) in Änshalm (der mit dem Asen- 
helm, Götterhelm), Änsoin, Änsowald, die uns geläufiger sind in der alt- 
säcßsischen und angelsächsischen Form, wo ans in 6s zusammengezogen 
wird, also: Osvine, Osvald. 

In das geheimnisvolle Keich der Naturgeister, der Albe oder Elfen, 
von denen Sage und Märchen so viel zu erzählen wissen, führen uns 
Namen wie Albarich (Elfengebieter), Alherad^ angels. Alfred (Elfenrath), 
Alfwin, Alhoin (Elfenfreund). 

Den Gegensatz zu dem kleinen, bald gutmüthig helfenden, bald bos- 
haft schadenden Elfenvolke mit ihrem Anhange der Zwerge und Wichtel- 
männer bildet das ungeschlachte, sinnlich rohe, naturkräftige Geschlecht 
der Riesen (Hünen imd Thursen): Hunihaldj Thttrisrmmd, 

Es wird dies genügen, um mindestens in den Grundzügen ein Büd 
von der Namengebung jenes Zeitalters zu gewinnen. Kampf imd Sieg 
tönen aus allerorten aus ihr entgegen mit hellem Wafifenklang; daran 
schliesst sich der kluge Rath und das ruhmvolle Walten — nicht ohne 
den Aufblick zu den sieg- und segenspendenden Göttern. Weiter ins 
Einzelne zu gehen ist für unseren Zweck nicht erforderlich und Alles gar 
zu erschöpfen hier ganz unmöghch , wegen der ausserordentlichen Menge 
der Namen. Wie zur Frühlingszeit in Wald und Mur tausend und aber- 
tausend grüne Sprossen aufschiessen, so ist auch in diesem Frühling deut- 
scher Namengebung eine fast zahllose Menge von Namen erwachsen. Die 
oben angeführten sind nur beispielsweise genannt, sind nur geringe Proben 
aus der Fülle, der Art, dass die einzelnen ganze Reihen vertreten. So 
sind der Namen, die auf bald auslauten, in Förstemann's grossem Werke 
159, der auf ric über 200, der auf beraht (bert) über 300, der auf 
wolf (olf) gar nahezu 400. Mehr als 12000 (männliche und weibliche) 
Namen hat Förstemann aus gedruckten Schriften imd Urkunden gesammelt, 
eine Zahl, die durch spätere Forscher noch sehr vermehi*t worden ist; wie 
viele mögen sich nicht noch in ungedruckten Quellen finden, wie viele nie 
zur Aufzeichnung gelangt sein! 

Es ist eine hochgemuthe, eine ideale, eine poetische Namen- 
gebung, in der uns nichts Unedles stört. Sie ist einheitlich, wie aus 
einem Geist und Guss, gleich dem Germanen -Volke selber, das ein ein- 
heitliches an Abstammung und Aussehen war, „ein eigenes, reines, nur 



5. Übereinstimmung der deutschen Namengebung mit der griechischen. 19 

sich selbst ähnliches Geschlecht." Das Heldenhafte, Kühne, Gewaltige, 
Hohe finden wir in dieser Namenwelt ausgeprägt, das Liebliche, Sanfte, 
Milde tritt zurück — selbst in den weiblichen Namen. Auch diese sind 
wesentUch von demselben Gepräge, Kampf und Schlacht tönen aus ihnen 
fast ebenso wieder wie aus den männlichen. Die Waltüre, die Schlachten- 
jungfrau Wuotan's, erscheint als das Ideal des urgermanischen Weibes. 
War doch in jenen Tagen auch das schwächere Geschlecht dem Kriege, 
seinen Ehren und Gefahren nicht fem. Was uns griechische und römische 
Schriftsteller erzählen, spricht laut genug. Es wird uns da geschildert, wie 
die Frauen mit in den Krieg zogen, um in der Nähe ihrer Anverwandten 
hinter der Schlachtreihe sich aufeustellen, wie sie die Kämpfenden durch 
ihren Zuruf anfeuerten, die Verwundeten verbanden, die Weichenden wohl 
wieder zum Stehen brachten, die Sieger begrüssten und belohnten, aber 
auch mit den Unterliegenden zu sterben wussten, und lieber sich selbst 
und ihre Kinder tödteten, als dass sie sich in Gefangenschaft begaben. 

Bei solcher Sinnesart der germanischen Frauen darf es uns nicht 
Wunder nehmen, wenn auch ihre Namen dieses Gepräge haben und sich 
eng an die männliche Benennungsweise anschliessen. ^ 

5. 

Übereinstimmung der deutschen Namengebung mit der 

griechischen. 

Werfen wir, ehe wir weiter gehen, einen vergleichenden Kückblick 
auf die Namengebung der alten Völker, so lässt sich wohl kaimi ein schrof- 
ferer Gegensatz denken, als zwischen der römischen und der germani- 
schen Namengebung. Dort körperliche Schwächen und Mängel, hier edle 
Eigenschaften und Vorzüge, leibhcher und ganz besonders geistiger Art! 
Dort niedrige Prosa — hier erhabene Poesie! 

Dagegen tritt eine auffallende Übereinstimmung mit der griechi- 
schen Namengebung hervor, zunächst darin, dass die Namen auf beiden 



1) Es finden sich wohl Namen, die mit lieh zusammengesetzt sind: Liuhgard, mit 
hü (sanft): Bilürud, mit flat (schön): Älhofledis (Elfenschön) — aber sie sind mehr ver- 
einzelt in der Menge. Dagegen kommt nach andern Seiten hin das eigenthümlich Weibliche 
zu entschiedenem Ausdruck. So in den auf Eath hinzielenden Namen. Wie sehr Frauen- 
rath bei den Germanen geehrt und beachtet wurde, beweist die Sitte, dass man erst dann 
in den Kampf ging, wenn die Weiber durch Loos oder Weissagung erklärt hatten, dass eine 
Schlacht rathsam sei. Man ghiubte eben in Priesterinnen und anderen geistig hervorragenden 
Frauen eine geheimnisvolle, weissagerische Kraft. Daher nun, abgesehen von den Zusam- 
mensetzungen mit Bath, die zahlreichen Namen, die von dem Worte run (Geheimnis, Zauber) 
gebildet sind: Bunhildt Friderun (Friedenszauberin), Sigirun (Siegzauberin). Das Schaffen 
des Weibes im geschlossenen häuslichen Kreise heben die Namen auf gard hervor, wie 
Ädalgard, Irmhigard; das Bergen (schützen, bewahren) die auf hirga (berga) imd hurg, 
die sämtlich weiblich sind: Avmläbirga, Dietherga, Sigiburg, WaJthurgis, 

2* 



20 5. Übereinsliimnung der deutschen Namengebung mit der griechischen. 



Seiten der grossen Mehrzahl nach zusammengesetzte sind. ^ Namen dieser 
Art sind an sich schon poetischer, schwungvoller als einfache, und so tritt 
bereits hier in erfreulicher Weise übereinstimmend eine edle Anlage beider 
Völker hervor. Dann aber entsprechen sich auch die Zusammensetzungs- 
Elemente in beiden Sprachen grossentheils : so das griechische phanes (glän- 
zend, prangend) imd das deutsche beraht (bert), das griechische Mes 
(berühmt) und das deutsche mar, das griechische krates (kräftig, gewaltig) 
und das deutsche rieh; so ferner medon (waltend) und wcdt (cid), straios 
(Heer) und Am, demos (Volk) imd theod (diet), theos (Gott) und got u.s,£ 

Demnach kann man eine Menge griechischer Namen geradezu mit 
deutschen übersetzen, da sie sich wörtlich decken, z. B. : 
Nikophanes (siegprangend) — Sigibert 
Kleophanes (ruhmstrahlend) — Hrodebert (Kuprecht, Eobert) 
Kleoptolemos (ruhmkämpfend) — Chlodowich (Ludwig) 
FeriUes (vielberühmt) — Vilmar 

Demosthenes (volksgewaltig) — Dieterich 
Thrasybulos (kühn im Rath) — (7Äwowrörf^(Konrad) 
Laomedon (volkswaltend) — Leutold 
Demophilos (Volksfreund) — Volkwin u. a. m. 

Genug, die Anlage unseres Volkes ist, gleich der des griechischen, 
eine treffliche und edle; ein nach dem Hohen gerichteter Sinn tritt uns 
überall in dieser Namengebung entgegen, aus welcher der Geist unserer 
Ahnen mit beredten Lauten zu uns spricht. Unser Volk war berufen von 
der Vorsehung, die Ketten zu zersprengen, in welche römische Tyrannei 
die Welt geschlagen hatte, und als ein edles Reis in die Fäulnis des Römer- 
thums eingesenkt zu werden, um von jetzt an Hauptträger der Entwicke- 
lung des Menschengeschlechtes zu sein. 

6. 

Welterentwickelnng der altdeutschen Person -Namen. 

Ihre Lebenskraft. 

Wie sehr diese Namengebung aus dem innersten Leben und Wesen 
des deutschen Volkes hervorgewachsen, das erweist sich durch die Zähig- 
keit, mit welcher lange Jahrhunderte hindurch an derselben festgehalten 
wird. Die Stürme der Völkerwanderung brausen dahin, die verschiedenen 
Stämme der Germanen lassen sich in den Provinzen des ehemaligen römi- 
schen Reiches nieder und bauen die Erde sich neu. Die staatlichen Ver- 



1) hn Deutschen sind sie es fast ausnahmelos, da auch die einfach scheinenden 
Namen meist Kürzungen aus zusammengesetzten sind. Eine ganz sichere Ausnahme bilden 
nur einige partidpiale Foimen, wie Wigand, Heiland, 



6. Weiteren twickelung der altdeutschen Person -Namen. Ihre Lebenskraft. 21 

hältnisse ändern sich, das Christenthnm stürzt den alten Götterhimmel — 
doch die Namen bleiben imd blühen ohne wesentliche Yeränderung weiter 
auf. einem vielfach umgestalteten Felde. 

Die Beweise liegen zu Tage. Man werfe nur einen Blick auf die 
Namen der deutschen Könige und Kaiser! Ihre Eeihe ist von Karl dem 
Grossen an sechs Jahrhunderte lang rein deutsch: Karl, Ludwig, Konrad, 
Heinrich, Otto, Friedrich sind die herrschenden Namen. Unterbrochen wird 
diese Eeihe erst durch "Wenzel aus dem luxemburgisch -böhmischen 
Hause 1378 und später durch Maximilian den „letzten Kitter" 1493. 
Ebenso ist es- im Kreise der Keichsfürsten. Albrecht der Bär hatte sieben 
Söhne: Otto, Hermann , Sigfridy Heinrich, Adelbert, Dietrich^ Bernhard 
— kein undeutscher Name findet sich darunter, ein Fall, der sich jetzt 
schwerlich wiederholen würde. 

Selbst im Stande der Geistlichen, wo das Eindringen fremder Namen 
am ersten zu erwarten wäre, behauptet sich die deutsche Namengebung 
überraschend lange. Bischöfe und Erzbischöfe, Elosteräbte und Mönche 
erscheinen Tort und fort als Träger der altgermanischen Krieges-, Siegs- 
und Euhmes- Namen. Ich erinnere an Adalbert von Prag, der Preussen 
Apostel , an Otto von Bamberg , der Pommern Apostel , Wiüegis von Mainz, 
Adalbert von Bremen. 

Ähnliches gut von den romanischen Ländern. Trotz der fortwähren- 
den Berührung mit der römischen Welt imd dem theilweisen Aufgehen in 
dieselbe behaupten sich die alten Namen nicht bloss im eigentlichen Deutsch- 
land, sondern auch in Frankreich, Spanien, ja selbst in Italien. Nachdem 
die Sprachen längst romanisch geworden , erhalten sich noch die fränkischen, 
gotischen, longobardischen Namen in überraschender "Weise. Man braucht 
sich nur die Führer des ersten Kreuzzuges zu vergegenwärtigen: Gott- 
fried von Bouillon, Robert von der Normandie, Raimund von Toulouse, 
Boemund von Tarent u. s. w., mn. dies bestätigt zu finden. Fügen wir 
noch ein Beispiel aus Frankreich, eins unter vielen, hinzu! Im J. 991 
versammelten sich zu Kheims die Bischöfe der Diöcese : Gruido von Soissons, 
Adalbero von Laon, Heriveus von Beauvais, Godesmann von Amiens, 
Ratbod von Noyon, Odo von Senlis; ausserdem Erzbischof Baibert (Dago- 
bert) von Bourges , aus der Lyoner Synode die Bischöfe Wcdter von Autun, 
Bruno von Langres, Milo von Ma9on; endlich der Erzbischof Siguin von 
Sens mit den Bischöfen seines Sprengeis Arnulf von Orleans und Herbert 
von Auxerre. Unter diesen dreizehn geistlichen "Würdenträgern findet sich 
keiner mit nichtdeutschem Namen; nur sind einzelne dieser Namen ober- 
flächlich romanisirt, wie Guido aus altdeutsch Wido^ oder latinisirt, wie 
Heriveus aus Herimc.^ 



1) Es sind diese altdeutschen Person -Namen eine Saat, die über die ganze euro- 
päische Welt ausgestreut ist. Denn den romanischen Völkern haben sich später auch die 



22 6. Wciterentwickelung der altdeutschen Person -Namen. Ihre Lebenskraft. 

Geschichtliche Erinnerungen und mehr noch Familien -Überlieferungen 
kamen der Erhaltung der Namen zu Hülfe. Im karlingischen Geschlechte 
waren Karl, Ludwig, Lothar zu Hause, bei den Würtembergern Ulrich 
und Eberhard, bei den Schwai'zburgem Günther u. s. w. Aber auch Stam- 
mes -Überlieferungen machten ihren Einfluss geltend; noch jetzt lässt sich 
erkennen, wie einzelne Namen bei gewissen Stämmen besonders gebräuch- 
lich waren. So konnnen Friedrich, Rudolf, Albert vorwiegend in Schwaben, 
Luitpold, Dietpold bei den Baiem, Heinrich, Ludwig, Konrad bei den 
Rheinfranken vor. Wie behebt der Name Wilhelm noch im 12. Jahrhun- 
dert bei den Normannen war, davon zeugt die Erzählung eines Zeitge- 
nossen. Als nämlich Weihnachten 1171 der junge König Heinrich (Sohn 
Heinrichs II. von England) bei Bayeux ein grosses Fest gab, kamen zwei 
Wilhelme, der Seneschall von der Bretagne imd der Verwalter von der 
Normandie, auf den Einfall, es sollten in ihrem Saale nur Wilhelme sein 
dürfen. Wer einen andern Namen führte, musste hinaus, und als man 
zählte,* waren noch 117 Ritter da, die alle Wühelm Messen, ungerechnet 
die vielen andern , welche in des Königs Halle speisten. ^ 

So behaupteten sich die Namen, nur dass sie mit der Entwickelung 
der Sprache im Wesentlichen Schritt hielten und daher mancherlei Abschlei- 
fungen und Zusammenziehungen erfuhren. Aus Baganhar, wie es im 
6. Jahrhimdert gelautet hatte, entwickelte sich Reginher, Reginer und 
schliesslich (im 10. Jahrh.) Reiner; femer aus 

Gariovalda (1. Jahrb.): Heroald — Herold (10. Jahrh.) 

Hruodperaht: Rtiödpreht, Hruodbert — Ruprecht und Rupert (11. Jahrh.) 

Berinhard: Bernhard, Bernd. 

Nun liegt es aber in der Natur der Sache, dass Eltern ihre Kinder 
mit abgekürzten Namen rufen. Solche Kürzungen, zunächst für den 
Hausgebrauch und vertraulichen Verkehr, kannte die alte Zeit auch schon, 
und sie waren regelmässiger gebildet als die jetzt übhchen. Da nach deut- 
scher Grundregel der erste Theil der Zusammensetzung betont ist, so behielt 
man diesen bei und Hess den zweiten fort, an dessen Stelle ein o trat, 
erwachsen aus dem im Gotischen und Altsächsischen noch haftenden a, 
z. B. God-heraht: Godo; Kuon-rai: Kuono; Sighert: Sigo.* Dies sind 



Slaven und die Magyaren angeschlossen , so dass jetzt bei allen christlichen Nationen Europa's 
und Amenka's diese altdeutschen Namen, wenn auch mannigfach umgewandelt und ziun 
Theil entstellt, sich wiederfinden, zunächst als Vornamen (s. die reichhaltige Zusammen- 
stellung von Michaelis: Vergleichendes Wörterbuch der gebräuchlichsten Taufhamen. Berlin 
1856) — aber auch, wenigstens bei den Komanen, als Familien -Namen, z. B. bei den 
Franzosen: Bertrand (Berhtrand), Ärnat4d (Arnold), Gautier (Walter), Cruerotdt (Gerold), 
Begnier (Reginher, Eeiner), Baudouin (Balduin), Thibaut (Theobald); bei den Italienern 
Crualtieri (Walter), Garibaldi (Garibald), Buggiero (Rüdiger), Allighieri (Altger). 

1) Abel, Personen -Namen S. 44 f. 

2) Dergleichen Kürzungen finden sich noch jetzt in Mundarten häufig, mit der voUen 
Endung o besonders im Friesischen: Edo, EckOy Jjuddo, Willo, s. Allmers, Marschen- 



6. Weiterentwickelung der altdeutschen Person- Namen. Ihre Lebenskraft. 23 

die einstämmigen gekürzten Formen. Häufig wurde jedoch der zweite Theil 
nicht ganz abgeworfen, sondern sein Anfangsconsonant blieb erhalten, und 
so entstand eine zweistämmige gekürzte Form, z. B. Ratpoto: Batpo; Sig- 
bert (Stbert): Sibo; Thietmar: Thiemo, 

Natürlich ist Godo Abkürzung nicht bloss für Godberaht, sondern für 
alle VoUnamen d. i. unverkürzte Namen, deren erster Theil God ist, wie 
Godebaldy Godofridy Godomar u, s, w,^ ebenso Sigo a,\ich füi Sigibrand, 
Sigifrid, Sigimar u. s. w. , Sibo wenigstens für Sigibert und Sigibrand. 

Diese verkürzten Formen erlitten nun noch weitere Veränderungen, 
indem man Verkleinerungssilben an sie hängte. Die einfachste Art der 
Verkleinerung wird durch i bewirkt: Sigi^ Kuni, "Wichtiger jedoch sind 
die consonantischen Suffixe k, l, in den Endungen: iko, ilo, izo. So 
entstanden Bildungen wie: Godiko^ Godilo, Godizo (von Godo); Sigiko, 
SigilOj Sigizo (von Sigo) — ebenso zweistämmig: Sibiko] Oppilo, Oppizo 
(von Oppo =- Otbert). 

Aber damit war man noch nicht zufrieden. Kann doch die elterliche, 
besonders die mütterliche liebe sich in zärtüchen Benennungen nimmer 
Genüge thun. Man verband die Verkleinerungssilben , so dass dann doppelt 
verkleinerte Formen entstanden: ikilo — iliko ,f— iziko, izUo, und mit Zu- 
hülfenahme des dem l so naheverwandten Suffixes n: iMn — Hin — izin, ^ 

Dies sind die Verkleinerungsformen, die liebkosenden Deminutiva 
oder Schmeichelformen , 2 mit welchen wir aus dem Hochwald der altger- 
manischen Namengebung (s. Kap. 4) nunmehr in den Niederwald eingetre- 



buch, Land- und Volksbilder aus den Marschen der Weser und Elbe 1861, S. 139, wo ein 
Verzeichnis von 30 solcher Vornamen gegeben >vird, bei denen freüich jetzt auch schon 
meist in das klanglose e abgeschwächt ist, wie in den norddeutschen (berlinischen) Formen 
l£de (Eduard), Lude (Ludwig). — Der umgekehrte Fall, dass nämlich eine Kürzung im 
Anlaut eintritt, ist selten und dann wohl durch besondere Einflüsse, namentlich fremder 
Sprachen, zu erklären. So Prandus aus Botprandus CStark, die Kosenamen der Germanen 
S. 13), Eole für Karl aus der latinisirten Form Carolus. 

1) Nach Stark's Beobachtungen (S. 11 ff.) sind die ältesten Verkleinerungsformen 
die auf i, demnächst die mit l (nachweislich aus dem 1. Jahrb. nach Christo), während 
solche mit Je erst seit dem 4. Jahrh. auftreten. Alle drei Formen waren bei den goti- 
schen Stämmen sehr beliebt; Sachsen und Friesen dagegen verwendeten vorzugsweise 
k, selten t (entsprechend dem ahd. z). Bei den oberdeutschen Stämmen erscheinen 
Deminutiva mit l in überwiegender Zahl, seltener solche mit z (in sicheren Belägen erst 
seit dem 8. Jahrh. j. Nur sparsam, und zwar erst vom 7. Jahrb. an, finden sich Deminutiva 
mit ch; sie sind wahrscheinlich niederdeutschem Einfluss zuzuschreiben, der z. Th. durch 
Colonisation hervorgerufen ist. 

2) Gewöhnl. „ Koseformen " , eine Benennung , die Steub in seinen „ Oberdeutschen 
Familien -Namen" S. 34 mit ^echt als etwas „ budoirmässig " klingend tadelt und für 
welche er „ Schmeicholform " vorschlägt. Im Gegensatz zu ihnen werden die unverkürzten 
Namen wie Godberaht, Sighert Vollnamen genannt. 



24 6. Wciterentwickelimg der altdeutschen Person -Namen. Ihre Lebenskraft. 

ten sind, der was ihm an Mächtigkeit der einzelnen Stämme abgeht, durch 
ihre Menge und dichtes "Wachsthimi zu ersetzen sucht. 

Staunenswerth ist die Vermehrungskraft, die in diesen alten deutschen 
Person -Namen liegt. Einem einzigen können tausende entkeimen. Sie 
können es — denn freilich sind nicht alle Keime fruchtbar geworden, wie 
nicht aus jeder Eichel im Walde ein Baum entsteht; aber die Möglichkeit 
ist vorhanden. Dies weist sehr anschaulich Pauli an einem Beispiele nach, 
wozu er den Namen GodeberaM wählt. * 

Aus ihm entstehen zimächst die einstännnige gekürzte Form Godo 
und die zweistämmige Godbo mit ihren Nebenformen Gohbo und Gobo. 
Daraus entstehen an einfach verkleinerten Formen vermittelst der Endungen 
ilo, izo und iko 21 Namen; hieraus durch doppelte Verkleinerung 49 For- 
men (s. BeUage 1). 

Das sind 75 Grundformen, deren weitere Entwickelung Pauli mit 
Eticksicht auf das Neuhochdeutsche folgendermassen berechnet. Jede dieser 
75 Formen hat zunächst mindestens eine mundartliche Nebenfonn, indem 
für d auch t, für & auch p, im z niederdeutsch t, f ür i hochdeutsch cä 
eintreten kann. Das gibt also 75 neue Formen, zusammen 150. Nun 
wechseln femer g und j häufig in Namen , und dadurch erhalten wir 150 
weitere Nebenformen , zusammen 300. Der althochdeutsche Vocal o erscheint 
neuhochdeutsch bald als o, bald als ö, verdumpft auch als u und ü. Es 
ist demnach jede der 300 Formen in 4 Variationen möglich — zusammen 
also 1200. Doch wir sind noch nicht zu Ende! Jede der obigen 1200 
Formen kann die drei Arten Patronymika bilden, auf -ing^ auf -sen und 
rein genetivische. Das giebt 3600 Formen, also zusammen bis jetzt 4800. 
Fast wie eine Laune der Sprache erscheint es, wenn sie an den Namen, 
der ja schon die Personen als solche bezeichnet, noch ein -mann anhängt 
Dadurch ergeben sich schliesslich noch 1200 Namen, in Summa also Alles 
in Allem 6000 Namen, die auf die eine alte Form Godeberaht zurückgehen. 

So zeigt auch die Sprache , was wir an der Natur so sehr bewundem, 
eine unendKch reiche Entfaltung eines einzigen Keimes, imd ZMrar mit ver- 
hältnismässig geringen Mitteln. 

7. 

Fremdsprachige (klrcMiche) Namen. * 

Trotz der eben geschilderten Lebenskraft und Zähigkeit der altdeut- 
schen Person -Namen war es unausbleiblich, dass bei der andauernden 
Einwirkung der fremden Gelehrsamkeit, die ja schon im Zeitalter der Otto- 
nen (10. Jahrh.) zu einer deutschen litteratur in lateinischer Sprache führte, 



1) Pauli, über Familien -Namen, insbes. die von Münden. Progr. I, S. 8f. 

2) Abel S. 45 — 48. — Becker, Programm 4er Gewerbeschule zu Basel. S. 17 f. 



7. Fremdsprachige (kirchliche) Namen. 25 

lind bei der zunehmenden Macht der Kirche endlich auch fremde Namen 
Eingang gewannen. Bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts ist die Anzahl 
dieser in Deutschland auftauchenden kirchlichen , also hebräischen und grie- 
chisch-lateinischen Taufiiamen verschwindend klein; seit der Hohenstaufen- 
zeit aber und dem gesteigerten Verkehr mit Italien nimmt ihre Zahl sehr 
zu. Die ersten sind die Namen der hervorragendsten Apostel Johannes, 
Petrus, Paulus, Jacöbus, auch Philippus (so unter den Hohenstaufen selbst 
ein Philipp von Schwaben); daran schliesst sich eine Eeihe Heiliger, als: 
Michael (der Erzengel), Christoph, Martin, Georg. Letztere jedoch, so 
imverdächtig kirchlich ihre Namen klingen, wurzeln im tiefsten Grunde 
noch in altheidnischem Boden. Wie sonst vielfaltig, haben sich auch hier 
volksthümlich- heidnische Vorstellungen unter einem nur leicht darüber 
geworfenen christlichen Gewände erhalten. Bekannt ist die Legende vom 
h. Christophorus , der das Christuskind durch das tiefe Wasser trägt und 
daher eben seinen Namen (Christusträger) empfangt. Ebenso trägt nach der 
nordischen Mythe der Gott Thor (Donar) durch gewaltige Ströme gehend den 
Oervandil auf seinen Schultern, und wie Thor hat auch der h. Christoph 
rothes Haar und wurde vom Volke zum Schutzpatron gegen Blitz und 
Wetterschaden gemacht. 

In St. Georg dem Drachentödter haben wir unverkennbar den alten 
deutschen Nationalhelden Siegfried vor uns, der selbst wieder nur die ver- 
jüngte und vennenschlichte Wuotansgestalt ist. 

Am merkwürdigsten aber ist es, wie der h. Michael in die Stelle 
Wuotans getreten ist. Warum haben neben ihm die beiden andern Erz- 
engel Raphael und Gabriel keinen Platz gefunden? Zunächst war ihm 
schon sein Name günstig, der an das altdeutsche michel (gross) anklang; 
dann aber erinnerte der Erzengel die jungen Christen dadurch an ihren 
Gott, dass er der Führer der himmlischen Heerschaaren (caelestis müitiae 
signifer) und der Vorsteher des Paradieses ist. Wie Wuotan die Seelen der 
gefallenen Helden empfangt und nach Walhalla führt, so wird von Michael 
gelehrt, dass er der Püi-st der Engel und von Gott mit dem Amte betraut 
sei, die Seelen der abgeschiedenen Geister in Empfang zu nehmen und ins 
Paradies einzuführen. 

So leimen auch diese Heiligen sich noch an das altgermanische Heiden- 
thum, dessen Anschauungen und Gestalten unter der durchsichtigen Hülle 
christlicher Benennungen fortleben. 

Ferner setzte sich eine Keihe von Ortsheiligen fest, die besonders 
in einzelnen Landschaften, Städten u. s. w. als Heilige und Schutzpatrone 
verehrt wurden. So Gallus und Columhan im Bereiche von St. Gallen, 
Stephanus in Oesterreich, Küian der Franken -Apostel in Würzburg, 
Martin in Mainz, Florentius in Holland. Ihre Namen wurden Täuflingen 
beigelegt und wurden sehr natürlich Lieblingsnamen des Volkes in dem 
jedesmaligen Bereich. 



26 8. Das Festwerden der Namen: Bildung der Familien -Namen. 

Verwandt mit diesen LocalheiKgen sind die Schutzheiligen ein- 
zelner Stände. St Georg, der Drachensieger im ritterKchen Harnisch, 
war der Patron der Ritterschaft. Ähnlich wurde der h. Nicolaus, ursprüng- 
lich Bischof von Myra in Syrien (Kleinasien), als Patron der Kaufleute 
angesehen, seitdem im 11. Jahrh. italienische Kauf leute seine Gebeine glück- 
lich nach Bari in XJnteritalien entführt hatten. Daher nun unter Anderem 
die vielen Nicolai -Kirchen, besonders auch im Norden Deutschlands, z.B. in 
Berlin, Stettin, Hamburg, daher die Beliebtheit des Namens als Taufiiame 
in früherer Zeit.i 

So drang allerdings ein immer breiter werdender Strom neuer, fremd- 
sprachiger Namen ein ; aber eine eigentliche Hochflut brachte erst das sech- 
zehnte Jahrhundert, das Zeitalter der Reformation. Mit Eifer wandte sich 
das Yolk dem neu erschlossenen Buch der Bücher zu und holte sich dort 
nicht nur seine Glaubenslehren, sondern auch seine Namen. Aus dem alten 
imd neuen Testamente, von Adam und Eva bis zur Offenbarung Johannis 
herab entlehnte man sie. Im Gegensatze zu dem Protestantismus betonte 
der Katholicismus die Heiligenverehrung noch stärker und fügte den schon 
früher eingeführten Heiligen -Namen eine grosse Zahl neuer hinzu; man 
kann sie eben daran erkennen, dass sie ziemlich ausschliessliches Eigenthum 
der Katholiken sind, z. B. Ignatius, Vincent, Äloys, Xaver, Seraphin, 

Als nun vollends durch den dreissigjährigen Krieg das nationale Leben 
in seinem Kern angegriffen und auf ein Jahrhundert fast erstickt wurde, 
da riss wie in Sprache und Litteratur, so auch in der Namengebung eine 
vollständige Verwilderung ein. Doch ist das hier glücklicherweise von 
geringerem Belang, weil längst der grosse Wendepunkt eingetreten war, da 
die Person -Namen fest wurden und sich die Familien -N. bildeten. Auf 
diesen schon im 13. und 14. Jahrhundert in der Hauptsache zum Abschluss 
gekommenen Process hat die spätere Überschwemmung mit fremden Namen 
wenig mehr einwirken können, daher wir uns hier mit diesen kurzen Hin- 
deutungen begnügen. 

8. 

Das Festwerden der Namen: Bildung der Familien - Namen. 

Bei den einfachen Verhältnissen der früheren Jahrhunderte, so lange 
eben das Leben auf engere Kreise beschränkt war, hatte ein Name zur 
Bezeichnung einer Person genügt. So noch während der Herrschaft der 
sächsischen, der fränkischen Kaiser. Die Bevölkerung war verhältnismässig 
dünn imd dazu der Hauptmasse nach bodenständig; Jeder, vom Grafen bis 



1) Übrigens wurden auch Träger alter deutscher Namen zu Heiligen gestempelt, und 
dadurch wurde der Erhaltung dieser Namen selbst Vorschub gethan. Solche Hoiligennamen 
weisen die Kalender , namentlich die katholischen, in grosser Zahl nach , z. B. Alfons , GoU- 
schälk, Hüdebrand, Hubert (Patron der Jäger), Otto, Wüibald u. a. m. 



8. Das Festworden der Namen: Bildung der Familien -Namen. 27 

zum letzten Hörigen, war ein mehr oder weniger abhängiges Zubehör der 
Scholle, die ihn nährte, des Gaues, der Grafschaft. Jeder kannte seine 
Nachbarn, Aus- und Einwanderung fand, die slavischen Marken abgerechnet, 
nur in geringem Masse statt. Handel und Verkehr war nicht bedeutend, 
da die abendländischen Völker wenig Bedür&dsse hatten und was sie brauch- 
ten , meist selbst erzeugten. Da bedurfte es der Geschlechtsnamen so wenig, 
als noch heutzutage im Innern der Familie. Aber allmählich änderte sich 
die Sache. Die Bevölkerung wurde dichter. Es kamen die Kreuzzüge und 
bewirkten mannigfachen Wechsel im Besitzthum; das Land wanderte in die 
Stadt, Fremde siedelten sich hier neben Fremden an; Handel und Wandel 
nahm zu und mit ihm die Zahl der gerichtlichen Verträge und Urkunden. 
So genügte die alte Bezeichnungsweise nicht mehr.^ Da überdies viele der 
alten Namen erloschen waren, andere, ursprünglich verschiedene, in der 
im gewöhnlichen Leben gebrauchten Form zusammenfielen (z. B. BcUdhard, 
BaMram, Baldewin in der F. Baldo vgl. S. 23), so war es unausbleib- 
lich, dass besonders an den Brennpunkten des Verkehrs, in den Städten, 
derselbe Name bei vielen Personen sich wiederholte. Wie häufig der Name 
Wilhelm bei den Normannen gewesen, ist vorhin schon erwähnt (S. 22). 
So finden wir femer in Köln unter den Ministerialen in den Jahren 1141 
— 59 nicht weniger als zwölf verschiedene Hermann. Ähnlich war in Basel 
der Name Burkhard, in Zürich Heinrich verbreitet. Endlose Verwechselungen 
und Verwirrungen mussten daraus im täglichen Leben entstehen. Und wie 
unvollkommen war eine Unterschrift in dieser Art, wie eine Urkunde des 
Bisthums Basel aus dem Jahre 1095 von 19 Personen bezeugt wird, die 
ausser dem dux Berthöldus (nämlich von Zähringen) und comes Erimannus 
nur mit ihrem einfachen Person -Namen unterschrieben sind: ÄrnoU^ Sige- 
holt, Ruodolfus u. s. w., zweimal Burchardus, und zweimal Guano, wo es 
dann höchst einfach heisst: Cuono, item Cuono! 

Die Nothwendigkeit einer genaueren Bezeichnung und Unterscheidung 
machte sich gebieterisch geltend , im täglichen Leben wie bei Ausstellung 
von Urkunden. Um zu wissen, welcher Hermann oder Heinrich oder 
Johannes imter den vielen dieses Namens denn gemeint sei, mussten aller- 
hand Zusätze gemacht werden, wodurch die Einzelnen genauer gekenn- 
zeichnet wurden. Dieselben bestanden in dem Personnamen des Vaters 
oder in der Angabe des Amtes und der Beschäftigung, oder sie waren 
von dem Wohnsitz entlehnt oder endlich von besonderen, an einer Per- 
sönlichkeit hervortretenden Eigenschaften. So finden wir unter jenen zwölf 
Hermann in Köln einen Razd'Sj einen Sohn DittvigSy einen Vogt, einen 
Schultheiss (Amt), einen vom Neumarkt (Wohnimg), einen rothen, 
einen weissen, einen mit dem Bart (Eigenschaften). 



1) Becker, die deutschen Gescblechtsnamen , ihre Entstehung und Bildung. Frogr. 
Basel. S. 26. 



DinMd ZuMlltec^ mm Kingt^n auf dio Nai^hkonnnon übor, kIo boftintli^on 
Hirh in dor KiunlUo tmd wtinUnt ho lUlmllhlioh i(5u KiwnlUon-Ntwnon, wlt^ 
fHoH boi (Idtt olnzolnon KIttMMon (loiwlbon nttltor niu^bgowloHon worden hoII. 
Kr»t (lioM, (luHH Holoho ZuhIUäo \\M\t bloMM oinn boHUntmto oinxolno Porwm 
nllhor konnxolohnon , Hondorn luu^b luif dio Nm^hkontmon fovtorbon, nmoht 
Jh (Ihh WoHon dor Kiunillon- odor (^oM^bloi^htH-Niuno« mm. 

Doob vorltor iMt dor Zoltpimkt, wann dloMo ffroHHo Wondiuig olnpfotrc^ti^n 
(dann iuih {\m lUtnn l'orMomiiunon , imtor IHnxntrlH panx «otior Klomonti^, 

dio KainIHnn - Namon hM\ blldotinO, k<^^^^**<^*' '^^^ ^^*K<^ ^*^^ fnnmw und fwt- 
j5tiHtollon. DioMor Zoitptnikt Int diiivhatin ni(^ht ObonUl domdbo, windorti 
oin Mobr voiwhiodontM', mm T\m>\\ um Jahiiinndi^rto auMoinandor lloKondor, 
obrh in K^^namnn AnnoblttHN an dio Hooialo Kntwii^i^lun^ dor oinxolnon 
hlindor und Landwobatton. Wd bilr^forliobor Vorkobr aufkommt, d» 
wini atidi das Vorbandonnoin foHlor, (n'bliobor Namon nuHtwon(Ujf, und oh 
bildon Hlob Kainillon- Namon, alM natttrliolioH KiwugniM dor VovhftltniHiM\ 
lhn>(t^kobrt int domnaob dan tVflhoj'o odor »plltim^ Ktnporkonunon dor Fimtilion- 
Nan^ott oin (IradmoMHor f(lr di(^ frübon^ mhv nplUoro Kntwlokohittj? d<»K 
Hürgi^r»tatidoH in don Hüldhin. Von don Htlldbm wird (ior notio Bratu^i 
dann atif Am l^id tmd mAmv Htllndo ilbortragon. 

Am fi'ühHton UHm dio OoHobloobtMnwnon in HüddoutHoblund und 
lun Kholno auf; ho nai^b Hookor 

in Kftln HÖH, 

in Züriob 1145, 

in Hanoi 11 88 
otwan Hplitor in Mittoldoutnobland, ho 

in NordbaUHon im IB. Jabrbundort * 
noob Hplitor In Norddoutnobland; wonif^ntonn woinon fi\v Pommorn dio 
VorzolobniHHo dor Kanuninor Prftlaton" auf don Anfang don 14. Jalir- 
bundortD bin. 

1) ^'(^rttUimHan , übor lUo DiUltuiK <i<^ Fiitnllhnt-Nmitoa in NutnUmuit^n Im IH. um! 
14. JiUirhumlort, Vn^tr. 8.4. 

2) Klempin, diploamtinoho })oiti%(« mv (b^itohidhUi Pmnmmtt« mn (l(«r Zolt H(t|riii* 
lufnX. 1B50. 

Zur Vi^nMiwümuHohuug »oUini wir ein Vorainichnii* (ior „Prm»|Hi»iU, DhumprÄUowU»** *lw 

lliHUmn)!« Ktunmin \mi 

SiiViHu» U75-H5 IHlMrandm UiOa=-lft 

CmmHi\^» UH« 1210 Jlt^yinuruH {U0 Wa^hoti) iai7 JU 

TMpimmwi 1222 tWiihHmiH äf SUtUwra Vm 

t'i^batm» 1224 =--^82 mmim th Wt^rh IHHO-^ÜH 

Fhi^tmHuH l2U:j — 40 (UinradßH tUvtuH tip (h^i^wnivoUt lUiia -ao 

Connuim 1241 -40 JimMväun Jkvp \im\ \S\ 

Lnmbm*h$ü 12511 — 01 Mi%rqmifdm dp TmUmp 1(154— (^ u. n. w. 

Jahmim 1297 — 1)0 
Wonn wir dio K\\m\ {\\mAv\^^\\, lindon wir K.-N. idlowlinKi* vltil frtlhw in dwi 

it4UiimiHo)uMi Ht^dWn, in donon hIu nitdi, wlUmnid nio l)ol tuii« im 12. Jidtrhtuulort ttntt im 



8. Das Festwerden der Namen: Bildung der Familien -Namen. 29 

Anfänglich tauchen einzehie Familien -Namen auf, die sich aber schnell 
vermehren, und sehr bald, nach einer verhältnismässig kurzen Übergangs- 
periode, hat der neue Brauch gesiegt und die Umwandlimg ist allgemein. 
Zunächst finden sich die Geschlechtsnamen, nach Beckers Beobachtungen, 
bei den vornehmeren Bürgern der grösseren Städte , nämlich bei den reichem 
Ministerialen oder ritterbürtigen Dienstmannen der Bischöfe imd bei den an 
Bang und Geltung ihnen nahestehenden Preibürgem oder Patriziern. Was 
an Bang über oder unter diesem Stande ist, der hohe Adel und die Geist- 
lichkeit einerseits, der Handwerker und der hörige Bauer andrerseits, das 
hält noch lange an dem alten Brauche der einfachen Namengebung fest. — 
Der hohe Adel nennt sich bekanntlich nach dem Stammsitz. Bei der Geist- 
lichkeit setzen zuerst die Stiftsherm aus städtischen Geschlechtern ihren 
Gteschlechtsnamen der sonstigen Bezeichnung bei, z. B. 1230 in Zürich 
B. Manezo subdiaconus; bei ihnen mochte das bürgerliche Selbstgefühl dem 
geistlichen die Wage halten. Dagegen nannten Bischöfe imd Äbte sich , wie 
meist noch jetzt, mit dem Tau&iamen oder dem angenommenen Kirchen- 
namen, unter Beifügung der Würde, der Diöcese, des KJosters. 

Die Handwerker in den Städten ahmten zwar bald den Brauch des 
städtischen Adels und der Patrizier nach; da sie sich aber stets aus der 
Landbevölkerung ergänzten und deren älteren Brauch in die Stadt hinein- 
brachten, so konnte es vorkommen , dass z. B. in Basel noch 1438 bei der 
Zunft „zu Brotbecken" ein sonst namenloser „Hans des jebsmolers (Gyps- 
müllers) tochtermann" aufgenommen wurde. 

Bei dem Landvolke endüch hängt die Benennung mit dem Grade der 
errungenen Freiheit zusammen. Während die freien Landleute von Uri 
schon 1291 eine grosse Anzahl wirklicher Geschlechtsnamen bieten, ent- 
behren die Leibeigenen in manchen Gegenden derselben bis ins 14., ja 
16. Jahrhundert. 

Doch ist hervorzuheben, dass an den Küsten der Nordsee, in Pries- 
land, Holstein, Schleswig, wie auch in Dänemark eigentUche PamiUen- 
Namen sich am spätesten festgesetzt haben, indem die alte Sitte, sich nach 
dem Yater zu nennen (z. B. Grossvater Clas Petersen, Vater Peter Classen, 
Sohn Clas Petersen, Enkel Peter Classen) erst im vorigen Jahrhundert 
Lchen Verordnimgen gewichen ist^ Es ergiebt sich aus Allem, dass 




sind, bereits seit langen Jahren ganz yerbieitet zeigen. Die ersten Spuren finden 
in Venedig, wo schon im 9. Jahrhundert eine Familie Particiaco begegnet: 809 
P., 829 JiMtinianoP., 864 ürso P., 881 Johannes Particiaco. Hier erbt also der 
fame Partidaco, ursprünglich der Beiname einer einzigen Person, in dem Greschlechte fort. 
1) Allmers in seinem „Marschenbuch^ bemerkt auf Seite 140 f.: „Eigentliche Familien - 
icnen waren bei den Friesen selbst noch bis ins vorige Jahrhundert selten. Der Sohn erhielt 
KL dem Vornamen seines Vaters nur noch einen eigenen Taufhamen, wie es noch jetzt 
anf yielen friesischen Inseln Gebrauch ist. Hiess z.B. der Vater Eke Lübs und 
man taufte seinen Sohn Siade, so hiess dieser Siade Eks, und der Enkel, wenn er n» 



30 9. Altdeutsche Person -Namen als Familien -Namen. 

der Gebrauch der Geschlechts- oder Familien -Namen in den Städten und 
mit der Blüte der Städte entstanden ist; dass dieser Brauch in den einzel- 
nen Städten um so eher aufkommt, je früher sich dieselben entwickeln, und 
dass er sich von der Stadt und ihren Bürgern auf das Land und auf andere 
Stände verbreitet hat. 

Wie wenig befestigt anfangs die einzelnen Familien -Namen waren, 
ergiebt der leichte und häufige Wechsel. So wurde Lucas Cr an ach, also 
benannt von seinem Geburtsort im Hochstifte Bamberg, auch genannt 
j, Lucas Maler,"' Sein eigentlicher Familien - Name war wahrscheinlich 
Sunders (Pott, Personennamen S. 43). 

9. 
Altdeutsche Person -Namen als Familien -Namen. 

Um eine Person genauer zu bezeichnen und von „den Genamen," 
den Namensvettern, zu unterscheiden, war es das Nächstliegende, die 
Abkunft anzugeben, also den Namen des Vaters hinzuzufügen, besonders 
wenn dies eine hervorragende Persönlichkeit war. Nennen sich doch schon 
in der deutschen Heldensage die Helden nach ihren Vätern: Hiltibrant 
Heribrantes sunu, Sigfrid Sigmundes sun — Zusätze, die jedoch damals 
noch nicht erblich geworden. Wurde nun der Name des Vaters beigefügt, 
so geschah dies in der Form „Sohn Arnolds^ oder auch bloss Arnolds^ in 
den BürgerroUen und Urkunden, die meist lateinisch abgefasst wurden: filius 
Arnoldi oder mit Auslassung von filius bloss Arnoldi, Man würde dem- 
nach hier lauter genetivische Familien -Namen als Patronynuka erwarten, 
wie Arnolds, Friedrichs, Otten, AufKllig ist nun, dass die weit über- 
wiegende Mehrzahl der Namen dieser Art nicht im Genetiv, sondern im 
Nominativ auftritt: Arnold, Iriedrich^ Otto (Otte) u. s. w. Woher diese 
auf den ersten Blick überraschende Erscheinimg? Sie ist wohl so zu 



Grossvater Lubhe genannt wurde , Lubhe Siads oder Ehe Lubbe Siads, Das angehängte s ist 
nichts weiter als Bezeichnui^ des Genetivs. — Man kann leicht ermessen , welche bunte Ver 
wirrnng solche Sitte zur Folge haben musste, und wie ganz besonders, wo es wichtige Erb- 
schaftsangelegenheiten betraf, bei denen oft weitläuftige Namenregister in Betracht gezogeo 
werden mussten, die unlösbarsten Verwickelungen oft endlose Processe herbeiführten. Früher 
oder später machte daher in den verschiedenen Marschen ein Gesetz, wonach jede Familie 
einen festen Namen annehmen musste, diesem Unwesen ein Ende, welches in manchen 
Gegenden bis ins letzte Jahrhundert fortdauerte und auf den Inseln sogar heute noch angetroffen 
wird. Denn wenn auch alle Friesen nunmehr Famiüen- Namen angenommen haben, so 
betrachten sie, wenigstens die Landbevölkerung , dieselben als unnütze Anhängsel, die nur vor 
Gericht und bei ähnlichen Gelegenheiten erforderhch sind.*' 

Im OsnabrücMschen haftet noch jetzt der Name in den Bauerschaften weniger an der 
Person als am Hofe. Wenn z. B. Müller zu B, auf den Hof Meyer zu N. heirathet, heisst 
er selbst Meyer zu N,^ nicht mehr Müller, höchstens Meyer geb. Müller, Wenn Kinder oder 
Kindeskinder vom Hofe ziehen, werden sie sich in der Begel Meyer ^ selten Miäler nennen. 
(Fr. Meyer, der Name Meyer S. 8.) 



9. Altdeutsche Person -Namen als Familien -Namen. 31 

erklären, dass man statt des genaueren Genetlvs oder einer sonstigen 
patronymischen Bildung den Namen des Vaters einfach und unverändert 
im Nominativ hinzusetzte — infolge einer schon damals eintretenden Erstarrung 
der Sprache, vielleicht auch, weil man den Namen des Vaters deutlicher 
wollte hervortreten lassen. So finden wir bereits im achten Jahrhundert 
in Urkunden imter Andern einen Sigifridus ßius Sigimundus, und im 
elften Jahrhimdert erscheint der Vater- Name schon oft dem des Sohnes im 
Nominativ als Beiname hinzugefügt, z. B. Uguo Folcaldus (im J. 1030).^ 
Ein besonders belehrendes Beispiel führt Becker aus Köln an. Dort finden 
wir unter den Dienstmannen der Abtei zu St. Pantaleon im J. 1128 einen 
Raso; dann unterzeichnet 1185 unter den Bürgern ein. Henricus Ea^onis, 
derselbe 1195 Henricus BazOj und 1272 ist Theodoricus dictv^ Bazo 
Bürgermeister.* Ebenso erscheint im Göttinger XJrkundenbuch im J. 1245 
der Bitter Johannes Cusen (Genetiv), 1270 der Kitter Johannes Cuso.^ 
Gewiss war dies, die einfache Beifügung des Vaternamens im Nominativ, 
im gewöhnlichen Leben noch häufiger. 

So erscheint denn nun eine Menge jener altdeutschen Personnamen 
nunmehr als Familien - Namen , theils wenig verändert, z. B. Hildebrand, 
Siegfried j Ämelung, theils mannigfach abgeschliffen, wie Kiesel imd GeröU 
des Meeres im Wogenschlag der Jahrhunderte, theils sogar verstümmelt 
und entstellt bis zur Unkenntlichkeit. 

Am deutlichsten treten hervor die zusammengesetzten Namen, von 
denen hier eine Übersicht der gewöhnlicheren Bildungen folgen möge, nach 
dem zweiten Tbeile der Zusammensetzung geordnet. 

bald (bold, belt; polt, pelt): Liebaid, Lieboldy Liebelt, Lippold, Lippelt 

brecht (bert, barth; precht, pert): Siebrechty Siebert, Siebarth; Wie- 

precht, Wiepert, 

fried (fort, fart): Siegfried, Siefert, Seifart 

ger: Bödiger, 

hart (art, ert): Eckhardt y Eckart, Eckert. 

her (er): Walther, Walter. 

mann: Hermann. 

mar (mer): Volkmary Volkmer. 

rieh (reich): Friedrich, Friedreich. 

walt (olt, elt): Beinwald y Beinold, Beinelt 

wart (werth): AMwardty Ädelwerth. 

wig: Hartwig. 



1) Stark, Kosenamen 8. 154. 156. 

2) Becker, Geschlechtsnamen S. 15. 

3) Pauli I. S. 7. Bemerkenswerth ist, dass ja auch Luther vielfältig in der Bibelüber- 
setzung die Eigennamen unverändert, statt im Gren., beifügt, z. B. Kinder Kor ah, Tochter 
Zion, Sohn Isai. 



32 10. Sprossfonnen der altdeutschen Person -Namen als Familien-Namen. 

win (wein): Gerwin; Eberwein.^ 

wolf (olf, umgestellt loflf): Schönewolf; Rudolph ^ Rudioff, 

Durch Abfall der Schlussconsonanten entwickelte sich aus hald^ bdt: 
hall, bei; aus fort: fer; aus old: ohl u. s. w. 

Manche dieser urspr. altdeutschen Namen traten infolge mundai'tlicher 
und anderer Einflüsse in ausserordentlich vielen verschiedenen Formen auf, 
z. B. altdeutsch Ricohard findet sich als: 

Richard, Richert, Riechert — Riegert — Reichhardt, Reichard, Reichert 

— RicJcert, Ritschar d — Ritsert; 

ungerechnet die bloss orthographischen Abweichungen. Liutbcdd tritt gar 
(freilich gemengt mit Liutwald) in mehr als zwanzig Formen auf: 

Idebaldi, lAebold, lAebhold, Libelt, Liebel, Liepelt — Idppelty Lippd 

— Leopold — Lepold, Lepel — Leppelt — Luppold — Luhold — 
Laubhold — Leupold — Leybold, Ldbel, Leibholdy Leipold, Leipel u. s. w. 

10. 
Sprossformen der altdeutsehen Person -Namen als Familien -Namen. 

a) Kürzungen und Verkleinerungen. 

Sehr zahlreich, mitunter zahlreicher noch als die vollen Formen, sind 
die verkürzten, sich anschliessend an die altdeutschen Kürzungen und Ver- 
kleinerungen , die S. 23 behandelt sind. Das o, welches dort an den Toi-so 
gesetzt wurde, hat sich nur in wenigen Familien -Namen, wie Otto, Thilo, 
erhalten; meist ist es in e abgeschwächt: Otte, Thiele, Heine (altd. Heino 
aus Heinrich), Thieme (Thiemo aus Thiedmar) — oder es ist ganz abgefallen, 
so dass der Name eiusilbig wird: Ott, Thiel, Heyn, Thiem. 

Diese Verkürzungen bilden den Übergang zu den eigentlichen Ver- 
kleinerungsformen oder Schmeichelformen. Die verschiedensten Bildungen 
treten hier hervor, imd eine wimdersam reiche Flora beut sich den erstaim- 
ten Blicken. Jede Landschaft hat ihre besonderen Deminutiv -Endungen, 
nach Massgabe der Mundart.^ 

Der Kern der oberdeutschen Verkleinerungs- Endung ist ein l (altd. 
ilo s. S. 23), welches auch in Appellativen in den mannigfachsten Formen 
auftritt: ele^ eZ, le, li, la u. s. w., z. B. Modele^ Mädel, Maidle, Maidli, 
MaMa; Vogd, Vogerl. 



1) Im Althochdeutschen bilden den zweiten Theil der Zusammensetzung am häufigsten 
folgende Stämme, welche hier nach dem Grade der Häufigkeit geordnet sind: toiUf (377 mal 
Förstemann), heraht, wald, hart, hard, rieh, frith, gar, mar, win, rad, hold, 
gaud, man, gis, ward, hrahan (104). — Bei so häufigem Gebrauche war es natürlich, 
dass diese Wörter theüweise zu blossen Endungen herabsanken ; so namentlich ha/rt und rieh, 
welches letztere zu einer Bezeichnung für das männliche Greschlecht wurde, wie in „Täuberich.*^ 

2) Die rein vokalische Yerkleinerungsform i (S. 23) findet sich jetzt nur noch in der 
Schweiz: Bwrcki, Fritschi — Hochuli, Welii. 



10. Sprossfoimen der altdeutschen Person-Namen als Familien -Namen. 33 

Der Kern der niederdeutschen Verkleineriings- Endung ist ein h 
(altd. iko s. S. 23): Äe, Tcen, z. B. Mähe, Mäken. 

Im Schriftdeutschen sind beide .vertreten, und zwar in der Verbin- 
dung mit n (s. S. 23) : oberd. lein^ niederd. chen. 

Demnach finden wir im Oberdeutschen folgende Bildungen in den 
Familien -Namen : 

el (die verbreitetste Form): Dietd^ Merkel. 

1 (bairisch, österreichisch): Dietl, Merkl. 

le (schwäbisch): Dietle, Merkte — mit Bindevocal: Eisele. 

li (schweizerisch): Märkli. 

lin (schwäbisch, schweizerisch): ^ Märklin, BürUin — abgestumpft in: 

len Eisden — 

'*" 

gewöhnlidi, mit der Weiterentwickelung des Neuhochdeutschen Schritt 

haltend : 

lein: Dietlein. 
Weniger mannigfaltig sind die entsprechenden Bildimgen in Nieder- 
deutschland, wo man im Allgemeinen die Verkleinerungsfoimen auch in 
den gewöhnlichen Hauptwörtern weniger liebt. Es ist hier besonders nur 
die Endung 

ke mit Bindelaut: Tedike, Reinicke, Beinecke. 

ohne Bindelaut: Beinke, Wtlke. 
k: Tieck 

Verhochdeutscht 
ch (ich, ig): Dedich; Büdig. 

Daneben finden sich 
ken: TiedkeUy Wilken, welches hierher gehört , sofern es aus dem alten 
kin (ikinj abgeschwächt ist. Doch ist es in vielen Fällen wohl 
genetivische Bildung (s. das folg. Kap.). Die hochdeutsche Form 
chen, die bei den Appellativen zur Herrschaft gelangt ist, findet sich 
gerade bei Eigennamen auffallend selten: Nöldechen, Didtgen. 
Friesisch lautet die Verkleinerungsform je: Meisje (Mädchen), Pottje 
(Töpfchen); so auch in Familien -Namen 
je: Detje, Bat je. 

Diese Verkleinerungen bewirken in der Regel, wie aus den obigen 
Beispielen ersichtlich, den Umlaut, wegen des ursprünglich in der Endimg 
steckenden i (iko^ itq). 

Ausser diesen beiden Hauptsuffixen, t und k, wird in Mittel- imd 
Süddeutschland noch jenes dritte, nur in Eigennamen vorkommende 

gebraucht: 

z (altdeutsch izo, s. S. 23). 

1) Wie Luther „ Wo rtlin " u. a. und noch Fischart in der zweiten Hälfte des 16. Jahrh.: 
„Er hat ein hölzin s Röcklin an." Dass übrigens die Endung hier auch in den EN. nicht 
den Ton hat, ist selbstverständlich. 

U e i n t z e , Deutsche Familien - Namen. 3 



34 10. Sprossformen der altdeutschen Person -Namen als Familien- Namen. 



So wird aus Dietrich: Dietze, nachher einsilbig Diete, aus Gottfried: GötBCy 
Götz (vgl. Götz von Berlichingen), aus Ludwig: Lutze, LutZy aus Heinrich: 
Heinze^ Heinz — aber auch Heinitz (aus urspr. HeinizOy der Grundlage 
für alle drei Formen). 

Diese Kürzungen der Rufuamen, welche als solche in Norddeutsch- 
land , mit alleiniger Ausnahme von FritZy ^ durchaus nicht üblich sind , haben 
von Oberdeutschland her als Familien -Namen weite Verbreitung gewonnen. 
Das z erweichte sich übrigens, der Entwickelung der Sprache folgend, 
häufig in ss: DiesSy Russ, ja in s; Heinse, während es sich andererseits in 
schy tsch vergröberte: Ger seh statt Gerz, Dietsch. 

Da nun aber die Sprache mit einmaliger Verkleinerung noch keines- 
wegs zufrieden ist, so werden diese verschiedenen Endungen verbunden 
und auf solche Weise doppelt verkleinerte Formen gebildet, z. B. von 
Dietrieh: 

licke (altd. iliko s. S. 23): ThielicJce, Tielke. 

kel (altd. ikilö): Tickel. 

zel (altd. izilo)\ Dietzel. 

zke (altd. iziJco): TietzJce. 
Ja es finden sich Formen, in denen alle drei Suffixe (z, l, h) vereinigt 
sind: Bietzelke. 

b) Genetivische Namen. 

Wenn (nach S. 30) auch die Form, in welcher ein Person -Name sich 
als Familien -Name festsetzte, in der Kegel die des Nominativs war, so war 
es doch unausbleiblich, dass bisweilen der Genetiv an seine Stelle trat 
Entsprach es doch der strengen grammatischen Kegel, wenn der Name des 
Vaters zu näherer Bezeichnung eben im Genetiv hinzugefügt wurde: 
Heinrich, Sohn Arnolds, lateinisch Henricus, filius Ärnoldiy wobei die 
Bindeglieder „Sohn" und filius auch wegfallen köimen.* Daher nun eine 
ziemliche Menge Namen, die sich im Genetiv festgesetzt haben nnd in 
dieser Form als Familien -Namen erstarrt sind. Die beiden Biegungsarten, 
welche durch die Declination der Hauptwörter im Deutschen hindurchgehen, 
treten mm auch hier hervor: 



1) Dass ,, Fritz '^ als Eofhame für Friedrich auch in Norddeutschland so allgemein 
verbreitet ist, erklärt sich durch die Verpflanzung der Hohenzollem nach Brandenburg, deien 
Ahnherr, der Burggraf Friedrich von Nürnberg, im J. 1411 von dem Kaiser Sigmund in die 
Marken eingesetzt wurde. Jedoch finden sich einzelne Formen mit auch schon früh in 
niederdeutschen Urkunden: Hence {== Henze) und Hinze mehrfach in Urkunden der Stadt 
Lübeck 13. Jahrh., Thiezo, Winizo, Beinzo und einige andere in der Frekenhorster Hebe- 
rolle, so dass man mit Lübben, die Thiemamen im Eeineke Yos S. 48, wohl hochdeutschen 
Einfluss hier einräumen muss; ebenso hei der Verbindung des z mit k, wie in TtezikOj 
Meinziko, Baziko, die eigentlich Zwitter sind. 

2) Henricus dictus ArnoUz (= Arnolds), Berchtoldus Marchwardi u. a. in üfkon- 
den; deutsch Henning MarJcwardes (wie Darius Hystaspis). 



10. Sprossformen der altdeutschen Person -Namen als Familien -Namen. 35 

die starke, die sich durch ein s, 
die schwache, die sich durch ein n 
im Genetiv kennzeichnet. Erstere tritt an die vollen Namen, wie Diede- 
richSy Hermanns, letztere an die Yerkürzungen : Thielen, Otten (welche 
aber auch häufig das s der starken Biegung annehmen, z. B. Köhns neben 
Konen), 

Dazu tritt als eine dritte Form im Friesischen ena (wie in Hagena, 
Tydena)^ die mit Kuprecht^ wohl als Genetiv Pluralis der schwachen Decli- 
nation zu erklären ist (vgl. den alten Wahlspruch „Eala fr&ya Fresena"), 
Es bedeutet demnach z. B. Focke UcJcena („hovetlink Focke U. von Leer" 
in einer Urkunde von 1455) den Sohn oder Nachkommen der C/Ao, weist 
also nicht bloss auf den Vater, sondern auch auf die Ahnen hin. Da 
diese Bezeichnung besonders für angesehene Geschlechter Werth hatte, bei 
welchen der Name auch einen Antheil an dem alten Besitze und dem 
alten Kuhme der Familie zusicherte, so ist es nicht zufallig, wenn wir 
unter den klangvollen Namen dieser Bildung vielen alten Häuptlingsnamen 
begegnen. 

Der genetivischen Bildungen sind aber mehr, als es auf den ersten 
Bück scheint, da sich dieselben nicht selten hinter entstellender Kecht- 
Schreibung verstecken; namentlich schmilzt ein ^-Laut mit s zu U zusam- 
men: Seifritz (statt SeiMds, Siegfrids), Gompertg (statt Gomperts von Gund- 
brecht), Reinartz (Keinhards). Während in dem letzten ein zum Stamm 
gehöriges h ausgelassen ist, wird ein solches in den Zusammensetzungen 
mit oM (walt) häufig falschlich eingeschoben, so dass der Schein einer 
Zusammensetzung mit Holz entsteht. Reinold^ schon entstellt und umge- 
deutet in Keinhold, nimmt so im Genetiv gar die Form Beinholz an. 

Durch Vermittelung des Lateinischen, welches in den BürgerroUen 
und öffentlichen Urkunden überwog, entstanden die Zwitterfqrmen Arnoldiy 
JRuperti, Friedend, auch mity; JBerwÄarrfy und ähnliche. Formen, die sich 
schon durch das Verschieben der naturgemässen Betonung als Entstellungen 
der deutschen Namen kimdgeben. 

Ganz mit demselben patronymischen Sinne wie die Genetive werden 
auch Zusammensetzungen mit „Sohn" gebildet, welches dabei aber fast 
immer in der abgeschliffenen Form sen erscheint: Wilmsen^ Volquardsen. 
Es ist dies eine alte Bezeichnungsweise; schon in der Edda findet sich „Sig- 
mundr Völsungsson'' (Siegmimd, Völsungs Sohn). Dieselbe ist besonders 
im Norden heimisch, ^ während in einigen süddeutschen Landschaften, 



1) Euprecht, die deutschen Fatronymica, nachgewiesen an der ostfries. Mundart. 
Programm S. 14. 

2) Wir finden sie auch bei den Schweden (Torstenson) , Norwegern (Björnson), 
Dänen (Thorwaldsen) , Isländern (Sturluson), Engländern (Wilson, Bohinson, Thomson), 
Im Schottischen entsprechen die Namen mit Mac (M') : Mac Gregor (Sohn des Gr.) , Mac- 
donald; im Lischen die mit 0: O'Connel, 

3* 



36 11. Kirchliche Person -Namen als Familien -Namen. 



z. B. Kärnten, eine patronymische Bildung auf er (ler) hervortritt: Set- 
bolter, Hartler (aus Leonhard). ^ 

Auch Metronymika (Ableitungen von dem Namen der Mutter) 
finden sich, wenngleich nur sehr vereinzelt. Dahin gehört Vemdleken = 
(Sohn) der „Frau Aleke« (Adelheid).« 

11. 
Kirchliche Person -Namen als Familien - Namen. 

Die Person -Namen der zweiten Schicht, die kirchlichen, mussten 
eben als fremde Namen noch stärkere Umwandlungen erfahren wie die ein- 
heimischen. Aufgenommen sind sie zunächst in der griechisch -lateinischen 
Form, wie die Kirchensprache (nach dem Yorgang der lateinischen Bibel- 
Übersetzung, der Vulgata) sie bot In dieser voUen Form jedoch erscheinen 
sie als Familien -Namen, einige kürzere wie Thomas, Lucas ausgenommen, 
fast nie — es verbietet das schon ihre Länge, da sie meist 4 — 5 silbig sind 

Es musste also eine Kürzung erfolgen. Dabei kam Alles auf die 
Betonung an. Im Althochdeutschen wurde bei den Fremdwörtern der Ton 
zurückgezogen, er strebte noch über die drittletzte Silbe nach vom hin, 
auf die erste Silbe, die im Deutschen in der Kegel als Stamm den höchsten 
Ton trägt, z. B. Äntichristus — AntichristOy Constdntia — Chöstaneoj 
Mathaeus — Mdtheus. 

Die Sprache hatte sich so gewöhnt, den Hochton auf den Anfang des 
Wortes zu werfen, dass in den Fällen, wo dies aus irgend einem Anlasse 
nicht geschehen war, der nun tonlose Anfang wie mit Missachtung behan- 
delt und durch eilendes Drüberhingehen des einen oder anderen Lautes 
beraubt, ja gänzKch abgeworfen wurde, z. B. apostolus — althochd. poshij 
Hispanus — Span, 

Später freilich wurde durch romanische Einflüsse die echtdeutsche 
Betonung der Fremdwörter mehr und mehr verdrängt zu Gunsten einer 
anderen , welche den Ton auf den Ausgang der Wörter wirft Es ist dies die 
französisch -neuhochdeutsche Betonung, die, schon im Mittelalter beginnend 
(s. die zahlreichen Hauptwörter auf ie^ jetzt «^ oder ei)^ nunmehr leider 
zur Herrschaft in unserer Sprache gelangt ist. 

Länger als in der Schriftsprache behauptete sich jene ursprüngliche, 
umdeutschende Betonung im Volksmunde, besonders den fremden Eigen- 
namen gegenüber. Bei denselben wird noch heute der Ton auf die erste 
Silbe zurückgezogen, was dann Kürzungen am Ende (Apokopen) zur Folge 
hat: Andres, Bendix, d.i. Benedictus, CAm^iaw (Christen), Niclas^ u.s.w. 



1) Becker S. 15. Eeichel, die deutschen Geschlechtsnamen. Marburg (Steieimad;). 
Programm. 

2) Vgl. Gisübertus, filius Odüie 1036. Eudolf et Ulrich fiüi Adelheidis 1149 (Steik. 
Kosenamen, S. 155). 

3) Auf süddeutschen Schulen sogar Homer, Höraz, Virgü. 



11. Kirchliche Person -Namen als Familien -Namen. 37 

Oder falls diese Zurückwerfung des Tones unterblieben ist, treten vom 
Yerkürznngen (Aphäresen) ein : Joachim — Achim ^ Erasmus — Rasmus, 
Asmus, Häufig ist beides, Aphärese und Apokope, vereint, wie Boni- 
facius — Fazi, Dionysius — Nis, wo von 5 Silben nur eine, die Tonsilbe 
selbst, übrig geblieben ist.^ 

HinsichÜich dieser weitgreifenden Aphäresen treten die fremden Namen 
den deutschen gegenüber, bei welchen Kürzungen zu Anfang des Wortes 
durch die Betonung gehindert werden. 

Aus diesen mannigfach gekürzten und umgewandelten Taufhamen ist 
nun eine verhältnismässig bedeutende Zahl Familien -Namen erwachsen, 
theils mit einer Kürzung am Ende: Mdthies und MatheSy theils mit einer 
solchen am Anfang: Alexander — Xander. Vielfach treten an demselben 
Namen wechselnd beide Erscheinungen hervor, wie von demselben Stamm 
Äste nach entgegengesetzten Eichtungen ausgehen, und es entstehen Formen, 
die keine Ähnlichkeit mehr mit einander haben. So wird 

aus Ambrosius einerseits Ambrosch^ andrerseits Brose,^ 
„ Andreas „ Enders, „ Drewes, 

„ Nicolaus „ Nickel, „ Claus, Klaas, 

Mitunter haben diese verschiedenen Sprossformen keinen Buchstaben des 
Stammes gemein, z. B. Barthel und Mewes aus Bartholomäus. 

Wie das letzte Beispiel beweist, findet neben der Kürzung bisweilen 
Zerdehnung statt, indem zwischen zwei Vocale sich einw; oder gf einschiebt. 
Dies ist auch der Fall bei Paul, woraus sich Pawel und Pagel entwickelt hat. 

Nicht selten gehen diese Kürzungen, Zusammenziehungen imd Um- 
bildungen soweit, dass die ursprüngliche Namensform vollkommen unkennt- 
lich geworden ist. Lex aus Alexius, Xander aus Alexander ist schon 
ziemlich gewaltsam; doch wird auch dies noch überboten. Wer würde 
z. B. denken, dass der Familien-Name Gille aus Aegidius entstanden ist, 
dass Grolms (der Bauer in der bekannten Fabel), Bohner imd Muss ein 
und derselbe Name und dass alle drei aus Hieronymus entstellt sind?^ 
Und doch beweisen dies die Formen, welche in den alten Schriften und 
Urkunden sich finden, nebst den lebenden der Yolksmundarten. Bei fremd- 
sprachigen Namen dürfen solche Erscheinungen nicht überraschen. 



1) Vergl. W. Wackemagel. die ümdeutschmig fremder Wörter. 2. Ausg. 1863. 
S. 32 ff. 36 f. 

2) Die Scheidung nach den Mundarten ist hier schwierig und nicht immer streng 
durchzuführen. So findet sich Nickel ^ welches Vihnar, Namenbüchlein S. 6 als hochdeutsch 
bezeichnet, auch im Niederdeutschen, hinwieder Klas (wovon KlaslJ auch im Oberdeutschen 
(Bairischen). Jochen, wie nach Vilmar der Hochdeutsche den Namen Joachim abkürzen soll, 
ist dem pommerschen Landmann die gewohnte Form. 

3) Hieronymus: in Sachsen Grüner, in Holstein Harms, in der Schweiz Bonus, 
Bones, Roni, Muss, Müssi, in Hessen Chrohnann (nach Becker S. 19). Am wenigsten hat 
sich von der ursprünglichen Form entfernt der Name Kronymus, den Fröhner aus Karls- 
ruhe anführt. 



38 11. Kirchliche Person -Namen als Fainilien-Namen. 



In Betreff der genetivischen Ableitungen ist Vorsicht vonnöthen; 
namentlich ist das s kein sicheres Kennzeichen, da es vielfach nur von 
dem Nominativ her stehen geblieben, z. B. Staats (aus Eustathius), Metes; 
auch Marx, aus Marcus. Das gilt besonders von der Endung ies (zwei- 
silbig zu sprechen), die aus dem lat. Nominativ ius entstanden ist: ^ Borries 
aus liborius, Plönnies, Lönnies aus Apollonius. Ganz unzweideutig gene- 
tivisch sind fast nur die mit fremden (lateinischen) Genetiv -Endungen auf- 
tretenden Namen auf i, ae^ is: Faulig Matthiae, Michaelis. 

Zusammensetzungen mit „Sohn" sind häufig, und dabei ist mehrfach 
der volle Vocal bewahrt: Andersohn, Matthisson, Petersson, während aller- 
dings in der Mehrzahl auch hier die Abschwächung in sen eingetreten ist 

Deminutiva dagegen sind im Ganzen seltener: Kobke (aus Jakob) und 
Jahnice (aus Johannes), denen Jäckel und Hensel gegenüberstehen, weisen 
die Hauptform des niederdeutschen Deminutivs (mit dem Chaxakterlaute it) 
imd des oberdeutschen (mit l) auf, während z bei den Premdnamen über- 
haupt nicht vertreten ist. 

Ausser dem Genetiv und der Zusammensetzung mit Sohn wird das 
patronymische Verhältnis auch durch Vorsetzung von Jung oder Klein 
bezeichnet. Hiess der Vater z. B. Andreas, so wurde der Sohn, welcher 
denselben Namen in der Taufe erhalten hatte. Jungandres genannt, oder 
Michel: Kleinmichel , und zu den Zeiten der Söhne trat eben das Fest- 
werden der Familien -Namen ein, so dass nun Jungandres und Junghans, 
Kleinmichd und Kleinpaul auch der ganzen Nachkommenschaft des eigent- 
lichen Jungandres u. s. w. zu Theil wurden. Übrigens scheinen es haupt- 
sächlich nur die Fremdnamen Andreas^ Johannes, Michael, Nicolaus und 
Paul^ sowie die einheimischen Konrad QLwd^ Kunz) und Heinrich (Heinz) 
zu sein, welche Patronymica mit Jung und Alt, Klein und Gross bilden.* 

Aus einigen dieser Namen hat sich solchergestalt durch Kürzung. 
Ableitung, Zusammensetzung eine Menge Familien -Namen gebildet; man 
sehe das Lexikon unter Andreas, Nicolaus, Matthaeus, 

Alle überbietet jedoch der Name Johannes. Wie derselbe als Tauf- 
name jederzeit einer der beliebtesten gewesen, so hat er auch als Familien- 
Name die weiteste Verbreitung imd mannigfachste Gestaltung er&hren, so 
dass sich mehr als 100 Familien -Namen aufzählen lassen, die sämflidi 
aus Johannes gebildet sind (s. das Lexikon). Wir haben hier wieder das 
Bild eines Waldes, der allmählich aus einem einzigen Baum entstanden ist 

Indessen sind es nur einzelne unter den fremdsprachigen Namen, 
welche eine solche Fruchtbarkeit entwickeln. Im Allgemeinen können die- 
selben, schon als Fremdlinge, nicht eine so vielseitige Bildsamkeit besitzen. 



1) Vergl. das Mittelhochdeutsche, wo die lateinische Endung vis bei Namen regdredit 
in es abgeschwächt wird: Philippes, 

2) S. Vihnar, deutsches Namenbüchlein 4. Auflage S. 7. 



12. Familien -Namen der dritten Schicht, a) Stand und Gewerbe. 39 

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wie die einheimischen, von vorne herein in deutschem Sprachgrunde 
wurzelnden. Es bleibt daher die Zahl der von kirchlichen Tauf- Namen 
stammenden Familien- Namen im Ganzen eine beschränkte im Vergleich 
mit den Gebilden altdeutschen Ursprunges. 

12. 
Familien -Namen der dritten Sehieht. 

a) Stand und Gewerbe. 

Den aus den Person -Namen gebildeten Familien -Namen gesellt sich 
eine gleich grosse Zahl solcher Bezeichnungen zu, die niemals Person - 
(Tauf-) Namen gewesen. Dieselben wurden zunächst entlehnt von der 
Beschäftigung. Um unter den vielen Konrad oder Johannes einen 
bestunmten zu bezeichnen, setzte man das Handwerk, welches er trieb, 
oder das Amt hinzu. Solchen Zusätzen begegnen wir bereits bei den Goten, 
indem sich imter zwei sonst lateinisch abgefassten Verkaufs -Urkunden, die 
sich aus der ostgotischen Zeit erhalten haben, als Zeugen neben Kömem 
auch finden: Merila hokareis (Merila der Bucherer, d.i. wohl Schreiber), 
Ufitakari papa (U. der Pfaffe), Sunjaifrithas diakun (SunjaiMth der 
Diakone), Viljarith hokareis y GudUub diakun. Dies sind die ältesten ger- 
manischen Zusätze von Stand und Gewerbe zur näheren Bezeichnung einer 
Persönlichkeit. So finden wir denn auch in spätem Urkunden häufig 
solcherlei Zusätze, wie „Herman der Perchmayster" (in einer Marburger 
Urkunde aus dem J. 1290), „Herman der Amman", „Schechel der Mawter" 
(Mautner), „Nicla der Schreiber" (alle ebenda aus dem 14. Jahrb.), „Huch 
de smet" (im Göttinger Urkundenbuch um 1383) u. s. w. 

Eine solche Beifügung konnte nun sehr leicht auf den Sohn über- 
gehen, so sich aUmählich in einem Geschlechte befestigen imd zum Namen 
der gesamten Familie werden, besonders wenn der Sohn, wie es doch ohne 
Frage häufig und häufiger als jetzt geschah, die Beschäftigung seines Vaters 
fortsetzte. Doch war das kaum einmal nöthig: der Name des Familien- 
hauptes wurde ohne Weiteres auf die übrigen Glieder der Familie, ins- 
besondere auf die Kinder übertragen. 

Erscheinungen dieser Art zeigen sich noch heutzutage, da doch längst 
die feststehenden Familien -Namen durchgedrungen sind, im Yolksmunde 
gar nicht selten. So wird in Fr. Keuter's „Keis' nah Belligen" der Pastor- 
sohn nie mit dem Geschlechts-Namen, sondern immer „Heindrich Paster" 
genannt.^ 



1) Pauli I. S. 11 : „In meiner Vaterstadt wurden die Kinder des Conrectors sowie die 
des Cantors nicht mit ihren Familien -Namen Richter, MüUer bezeichnet, sondern fast aus- 
schliesslich als Minna Conrectom, Julius Cantor u. s. w.*' 



40 12. Familien -Namen der dritten Schicht, a) Stand und Gewerbe. 



Hier muss doch ein schon vorhandener Familien-Name verdrängt 
werden, damit die Amtsbezeichnimg an die Stelle trete; wie viel leichter 
war die Sache, wenn solche Verdrängung noch nicht nöthig war! 

Bei dem Übergange zum Familien -Namen fiel zunächst der Artikel, 
wenn er nicht etwa schon von vom herein gefehlt hatte, regelmässig fort 
So bietet das GöttLager Urkundenbuch neben den vorhin erwähnten Huch 
de smet imd Schrift de kremere in demselben Schriftstück aus dem J. 1383 
Eckel Smet und Herman Ejremere. Nur in ganz vereinzelten Fällen ist der 
Artikel stehen geblieben, z. B. in de Potter e (= Töpfer), de Boer (spr. Bür).* 

Eine lange, fast endlose Keihe ehrsamer Meister vom Handwerk zieht 
an uns hi diesen Namen vorüber, die uns einen Blick in die friedliche 
Thätigkeit unserer Vorfahren während des 12. — 16. Jahrhimderts thun lasseo. 
Greifen wir einige Gruppen heraus — solcher Handwerke, die für jene 
Zeit besonders bezeichnend sind.* 

Auf das alte Kriegswesen, wie es vor der Erfindung und allge- 
meinen Anwendung des Schiesspulvers war, gehen Namen wie Harnisch- 
machery Harnischfeger (der den Harnisch fegt, d. i. glänzend macht, poliert); 
Armhrtister, Pfeilschmidt, Bölzer, PfeilsticJcer, niederd. Pielsticker (Verfer- 
tiger der Stecken für die Pfeile); Lersner (Yerfertiger der Lersen d. i 
Lederhosen). 

Während diese durch ihr meist geräuschvolles Handwerk dem Schwerte 
dienten, bewegte in stiller Klause der Bücherabschreiber unermüdlich 
die Feder im Dienste friedlicher Kunst: Bucher, Pucher (der Bücher- 
abschreiber). Ihn unterstützten der Buchfellner (der die FeUe zu Büchern 
bereitet) und der Rothmaler (der die bunten Anfangsbuchstaben malte). 
Alle drei Namen stammen vorzugsweise aus Oberdeutschland, wo die Kunst 
des Bücherabschreibens und des Ausmalens der Titel und Anfengsbuch- 
staben mehr als in Niederdeutschland zu Hause war. 

Begeben wir ims aus der Enge der Städte hinaus aufs Land, in die 
freie Natur, so sprechen uns hier besonders die Namen an, welche der 
Jagd und Waldwirtschaft entlehnt sind. Ist doch das Jagen im 
schönen, grünen Walde von jeher eine Lieblingsbeschäftigung der Deutschen 
gewesen! Und wieviel ausgedehnter war noch im Mittelalter das Jagd- 
gebiet, da die Wälder einen so unvergleichlich grösseren Baum einnahmen, 
der Art, dass die bewohnten Stätten in manchen Landschaften fast nur wie 
Inseln im Waldmeere erschienen! 

Der älteste Name des Jägers ist Waider ^ Weidmann; er bedeutet 
denjenigen, welcher auf Weide, d. i. Nahrung ausgeht, imd weist somit auf 



1) Diese Namen, die Pauli aus Hannover und Ostfriesland beibringt, beruhen aiif der 
Einwirkung des Holländischen, wo noch häufig das de erscheint; man denke an de Buyter, 
de Vrient u. a. 

2) Meist nach Vilmar, S. 22—25. 



12. Familien -Namen der dritten Schicht, a) Stand und Gewerbe. 41 

jene uralteii Zustande in dem Leben unserer Yorväter hin, in welchen die 
Jagdbeute den vornehmsten Theil der Speise ausmachte. Jünger ist das so 
häufige Jäger mit den Zusammensetzungen Gambsjäger, Hasenjäger, wäh- 
rend ein Name wie Bärenfänger beweist, dass auch die wilden, starken 
Thiere des Waldes, die einst der Germane bekämpft hatte, noch nicht aus- 
gestorben waren. Auf die Jagd mit Falken („Federspiel"), einen der belieb- 
testen Zeitvertreibe in der ritterlichen Zeit, gehen Falkner, Hochmeister 
(s. V. a. Habichtmeister, Abrichter der Stossvögel). Die älteste Bezeichnung 
des Waldverwalters dauert noch in dem Familien -Namen Widemarker fort; 
derselbe bedeutet den, welcher für die Holzmark (witu Holz) zu sorgen 
hat. Der Name setzt das Vorhandensein einer gemeinsamen Mark voraus; 
in der Privatwaldung eines Fürsten oder Adligen dagegen war ein Höh- 
Jenecht angestellt — nach Vilmar's treffender Bemerkung ungefähr das, 
was jetzt Oberforst- Kollegium, Ober-Forstrath, Forstinspector, Oberförster, 
XJnterforster und Forstläufer zusammengenommen sind. Yiel häufiger ist 
indes der Name Förster (Yorster). Daneben sind Zeugen für die ehemalige 
verschwenderische Waldwirtschaft die Familien -Namen Äschenhrenner und 
Aschenbrand; dieselben bezeichnen ein eigenes Gtewerbe, welches darin 
bestand, ganze Waldstrecken niederzubrennen, bloss um Asche zu gewinnen, 
tlieils für die Glashütten, theils für die Seifensiederei. 

Die zuletzt angeführten Namen sind zum Theil nicht mehr reine Hand- 
werksnamen, sondern bezeichnen, wie Hachmeister und Förster, ein Amt. 
So reihen wir denn hier die Amtsnamen an. 

Weltliches Amt und weltliche Würde war im Mittelalter meist erblich 
geworden. Somit werden wir uns nicht wundern, in unseren Namen -Yer- 
zeichnissen den vollständigen Hofstaat weltlicher und geistlicher Fürsten, 
vom Kanzler bis zum Schergen, wiederzufinden. Man vergleiche nur fol- 
gendes Yerzeichnis der Hof-Yerwaltungsämter eines Fürsten jener Zeit mit 
deutschen Famüien-Namen;^ Dapifer Truchsess, Broste; Pincema Schenk; 
Marescalcus Marschall; Camerarius Kämmerer; Causidicus oder Scultetus 
Schuldheiss, Schulz; Advocatus Vogt; Minister Ammann; YiOicus Meier; 
Cellarius Keller; Telonarius Zoller, Zöllner; Magister coquinae Küchen^ 
meister; Monetarius Münzer u. s. w. Daran reiht sich eine Menge Namen 
von städtischen und Klosterämtern, richterlichen, polizeilichen und militä- 
rischen Stellen wie Fürbringer (Advocat); Küster, Glöckner, Sigrist (auch 
Sacristan); Stocker und Sulzer (Gefängniswärter); Venner (Fähnrich). 

Während so diese alten Ämter viele Familien -Namen geliefert haben, 
sind die neueren Amtsbenennungen — glücklicherweise — nicht so iBruchtbar 
gewesen. Weder Kanmierherr noch Kammerdiener, weder Präsident noch 
Superintendent, weder Steuerperäquator noch Hauptzollamts-Kassen-Kon- 
troleur werden aus naheliegenden Gründen je zu Familien -Namen werden. 



1) Becker, die deutschen Geschlechtsnamen S. 22. 



4:2 12. Familien -Namen der dritten Schicht, a) Stand und Gewerbe. 

Einige Schwierigkeit machen Namen wie Kaiser, König ^ Hereog und 
ähnliche, bei denen allerdings „gerechte Zweifel sich erheben können, ob 
solche Familien häufig in den Fall gekonmien sind , die durch derlei Namen 
bezeichnete Würde als wirkliche Lebensbürde zu tragen" (Pott). Es sind 
jedenfalls Übernamen, welche die betreffenden Persönlichkeiten in dem sie 
umgebenden Kreise führten.^ Ähnlich ist es mit Bischofs Mönch und 
anderen geistlichen "Würden, die sich freilich auch sehr wohl auf patrony- 
mischem ^fQ^ als Familien-Namen festsetzen konnten — trotz dem Cölibat 

Eeine Spottnamen sind Bratengeiger ^ Mohrenweisser und ähnliche. 

Manche alte Bezeichnungen von Amt und Gewerben sind nur in diesen 
Familien -Namen erhalten, da sie sonst, zugleich mit der bezeichneten Sache, 
erloschen sind — so Fiatner, Ärmbruster. Andere Gewerbe bestehen nodi, 
aber die alten Namen sind erloschen, z. B. Menger = Händler, in Zusam- 
mensetzung Eisenmengery WinTder = Eleinverkäufer, Preiswerk = Pos»- 
montier. 

Interessant sind auch die mundartlichen und landschaftlichen Ver- 
schiedenheiten, die sich hier geltend machen. So ist MüUer, Miller die 
oberdeutsche , Möller die niederdeutsche Form ; Beck (Mehrheit Becken) ober- 
deutsche Form statt des norddeutschen Becher (in Basel Pßster vom lat 
pistor). Leiendecker ist (nach Vilmar S. 24) am Ehein und nach Oberhessen 
hinein wohl verständlich, aber schon in Niederhessen ein Fremdling: ein 
Schieferdecker; denn der Dachschiefer heisst am Mittel- und Niederrhein 
die Leie. Manches Handwerk hat infolge dessen die verschiedensten Bezeich- 
nungen; so heissen die Schlächter: FleischJiatier , Fleischhacker, Fleischer^ 
Metzger, Knochenhauer, Beinhauer; die Töpfer: Hafner, PoUerj Eulner, 
Gröper. Ebenso bedeuten Binder, Küfer, Böttcher, Büttner, Scheffler im 
Wesentiichea dasselbe. 

Manche dieser Gewerbenamen sind ausserordentlich häufig, vor allen 
die fünf: 

Müller, Schuhe, Meier, Schmidt, Schneider, 
die man deshalb auch die fünf Grossmächte in der Namenwelt genannt hat 
Den vier ersten wird man diese Stelle nicht bestreiten ; doch gegen Schneider 
als fünften möchten mehrere andere nicht ohne gute Aussichten in die 
Schranken treten, als da sind: Bauer, Becker, Richter, Weber, Lehmann, 
Zu Berlin gab es im J. 1867 nach Ausweis des Adressbuches 929 Famiüen 
und alleinstehende Personen des Namens Müller und sogar 1267 des Namens 
Schulze (Schulz); nächstdem waren die Schmidt mit 884, die Meyer mit 
509 Nummern vertreten. Die Lehmann und die Krüger brachten es gleich- 
massig auf 474, die Richter und die Hoffmann ebenso gleichmässig auf 354. 
Alle gehören ausnahmslos in diese Klasse, ihre Häufigkeit erklärt sidi aus 
dem häufigen Yorkommen des betreffenden Gewerbes oder Amtes, besonders 



1) Zum Theil mögen sie auch von Wirtshausschildem entlehnt sein. 



12. Familien -Namen der dritten Schicht, a) Stand und Gewerbe. 43 



auch auf dem Lande. Das trifft bei sämtlichen oben angeführten Namen 
zu, vor allen bei Müller und Schulze. Da jedes Dorf seinen Schulzen hatte, 
fast jedes, wenigstens grössere, seinen Müller, so war eine Überfülle daher 
entspringender, meist gleichlautender Familien -Namen unvermeidlich.* Obenan 
steht in dieser Hinsicht unleugbar der Name Schulze (Schulz), den man 
deshalb versucht wäre kaum noch als Namen gelten zu lassen. 

Die hier hervortretende Einförmigkeit wird dadurch noch vermehrt, 
dass die Namen dieser Klasse an Sprossformen so arm sind. Deminutive 
Bildungen, sowie patronymische fehlen fast ganz, auch genetivische, z.B. 
Schiffers^ Snyders, Zimmermanns sind selten und finden sich nur in ein- 
zelnen Landschaften, besonders am Nieder -Rhein. 

Eine Ausnahme macht der Name Schmid, der mehrfache Ableitungen, 
namentlich auch Deminutiva wie Schmiedecke, Schmidel, Schmidtlein bietet. 
Dies erklärt sich daher, dass der Name schon sehr früh vorkommt, schon 
im 9. Jahrhundert in den Formen Smithart, Smido, Smidilo; er gehört 
demnach zu den altdeutschen Personnamen, welche ja eine so grosse XJm- 
bildungsfahigkeit im Bereich der Schmeichelformen entwickeln (s. SMID). 
Nebst Kaufmann (althochd. Caufinan) ist Schmid wohl der einzige vom 
Gewerbe entlehnte Personname der altdeutschen Zeit. Das Schmiedehand- 
werk ist eben das älteste Handwerk der Deutschen; zugleich war es das 
vornehmste, da seine Aufgabe war, Waffen für den Kampf zu liefern. Mit 
den Namen berühmter Schwerter wurde auch der des kunstreichen Ver- 
fertigers fortgepflanzt, so die Namen "Wieland's (in der nordischen "Wilkina- 
sßge), Mime's (in der "Wölsungensage). Li manchen Gegenden hat der 
Schmid noch einen mythischen oder heidnischen Schimmer behalten; viel- 
leicht versteht er die Schwarzkunst; man zieht ihn zu Bathe, wenn man 
bestohlen ist. Daher die zahlreichen Schmiedesagen (wie vom Schmid zu 
Jüterbogk, der selbst den Teufel zu überlisten weiss und ihn auf dem 
Amboss übel zurichtet). Es liegt einmal etwas Gteheimnisvolles in der 
Beschäftigung mit dem glühenden Stahl und Eisen. 

Wenn, von Schmid abgesehen, sich Sprossformen bei dieser Namen- 
klasse selten finden, so sind dagegen Zusammensetzungen häufiger und 
ersetzen zum Theil den Mangel an eigentlichen Sprossformen. Um manche 
dieser Handwerksnamen gruppirt sich eine überraschende Zahl solcher Com- 



1) An Scherzen über diese Namen, insbesondere über Schulze und Müller, hat es 
nicht gefehlt. Angeblich giebt es 30,000 Schulzens innerhalb des Zollvereins. Lustspiele sind 
auf der Häufigkeit dieses Namens erbaut worden, ebenso wie auf der Verwechselung von 
Müller und Müler. — Um diese vielen Namensvettern zu unterscheiden, hat der Volksmimd 
zu allerhand Zusammensetzungen seine Zuflucht genommen: Sünden -Müller (bedeutender 
Theolog, dessen Hauptschriffc „die Lehre von der Sünde" ist), Linden- Müller (ein berliner 
Volksredner aus dem J. 1848, der seine Vorträge „unter den Linden" hielt), Flausch- MüUer 
(ein nach seinem Rocke benannter Student); Blut- Schulze (der Physiolog) , Graupen- Schulze 
(ein berliner Kaufmann), Theater -Schulze u. s. w. 



4:4 12. Familien -Namen der dritten Schicht, a) Stand und Gewerbe. 

positen; dieselben rühren grösstentheils daher, dass das betreffende Hand- 
werk früher in weit mehr Spielarten zerfiel als heutzutage. So finden sich 
in Nürnberg von 1300 — 1500 neben Beck: Brodbeck ^ Fladenpeck, Schwarz- 
pecJc (Schwarzbrotbäcker), Tachspeck (später Täglichsbeck, der alle Tage backt), 
Judenpegk (der den Juden Matzen backt), Pfennigspeck (der Pfenniglaibe 
backt), Wasserbeck (der Wasserwecken backt). 

Obenan steht in Betreff der Zusammensetzungen ohne Frage der Name 
Meier (Meyer, Maier), vom lat. major der Ältere, sodann Aufseher (eines 
Landgutes), Yerwalter. Dieser Name, welchen einer der grossen Sippe, Franz 
Meyer in Osnabrück, in einer besonderen Einzelschrifk behandelt hat, zählt 
weit über 1000 Zusammensetzungen, so dass schwerlich ein anderer Name 
dieser Klasse sich darin auch nur entfernt mit ihm messen dürfte. 

Werkzeuge und Kleidungsstücke. 

Eine nicht unwesentliche Ergänzung erhält diese Klasse durch die 
von "Werkzeugen und Geräthen entlehnten Namen. Womit jemand 
hantierte, danach wurde er benannt. So konnte einen tapfem Krieger der 
Name Degenkolb, einen Schmid der Name Bosshammer zieren (von boßen 
= schwer aufschlagen), wie für einen Koch Schaumlöffel sehr bezeichnend 
war. Pfeffersack ist ein alter Spottname für Kaufleute, während Knieriem 
und Leimpfann noch heutzutage für jedermann verständlich die betreffenden 
Handwerke bezeichnen. 

Unter den hierher gehörigen Familien -Namen nehmen auf dem Gebiete 
der Hausgeräthschaften die der Küche den grössten Kaum ein : Wiegd- 
messer, Fetthake (ein Hauptgeräth der Küche des 15. Jahrh.), Feuerhake, 
Pfannstiel j ÖlJiafen u. a. — unter den Handwerksgeräthen die, welche 
sich auf grobe Holz- und Eisen -Arbeit beziehen: Aa^y Breitbeü, sowie die 
Zusammensetzungen mit Hammer. ^ 

Geräthe der Feldarbeit erscheinen beispielsweis in: ScheUfiegd^ 
Pflug (Keil-), Rolltvagen', Spannagel. 

Doch dieser friedlichen Yereinigung tritt auch hier sofort ein starkes 
Fähnlein kriegerischer Namen gegenüber: Eisenhut, Stahlhuth, Harnisch, 
Kempeisen (die Eisenkolbe der Gottesgerichts -Kämpfe), Bat^rneisen, die 
berüchtigten Kirmessspiesse des 15. — 16. Jahrhunderts, „mit denen die Bauern 
sich leichtlich zur Ader Hessen" ; einen Keitersmann bezeichnen : Kltngspor, 
Holzsadel y den alterthündichen Pfeilschützen Armborst und Pfeil, während 



1) Von diesen ist jedoch ein gutes Theil als nicht hergehörig auszuscheiden, da sie 
(nach Steub, oberd. Familien -Namen S. 148) Ableitungen von Ortsnamen sind auf heim, 
oberbair. ham : Mooshammer =* Moosheimer , Forchhammer, Überhaupt ist bei dieser Klasse 
Vorsicht vonnöthen, insofern viele Namen nur scheinbar hierher gehören, in Wahrheit aber 
auf andere Quellen, namentlich auf Person -Namen zurückgehen, z. B. JRost (auch althochd. 
Eusto, der Gerüstete), Kasten (st. Karsten) auf Christian. 



12. Familien -Namen der dritten Schicht, a) Stand und Gewerbe. 45 

die Feuerwaffen in dem Namen Feuerrohr vertreten sind. Manche dieser 
Namen gehen zugleich auch auf die Jagd. 

Entsprechend dem Goethe'schen „Saure Wochen, frohe Feste" schliesst 
sich ein heiterer Eeigen solcher Namen an, die von Lustbarkeiten und 
dabei gebrauchten Geräthen entlehnt sind. 

Danzglocky Schonibart (Maske), Glückrad ^ Kranz, Maikranz und 
Orünemay , Rosenkranz, Kuttruf (eines der im 15. — 16. Jahrh. äusserst 
zahlreichen Trinkgefasse). Diese Namen stanunen besonders aus Süddeutsch- 
land, wo überhaupt mehr leichtlebiger Frohsinn als im Norden herrscht und 
wo frühzeitig schon im Mittelalter auch ein fixier Bauernstand sich bildete. 
Einen Beleg für die Blüte des letzteren haben wir in der höfischen Dorf- 
poesie des bairischen Eitters Neidhart von Reuenthal. 

Hierher rechnet Yümar auch die Münznamen, deren er volle 20 
aufzählt. Darunter sind freUich manche zu streichen, wie Dreier ^ welches 
die niederdeutsche Form für Dreher, Drechsler ist; auch Schilling und 
Heller sind zweifelhaft zu nennen. Doch bleiben immer noch einige übrig, 
wie Weisspfennig, Bedepenning (barer P£), Wucherpfennig und dessen Gegen- 
theü Schimmelpfennig, Fünf Schilling , bei denen wohl eine Beziehung auf 
die betreffenden Münzen nicht abzuweisen ist. 

Den Geräthen mögen sich die Kleidungsstücke anreihen, wie 
denn schon bei Namen wie Eisenhut^ Harnisch sich beides nicht scharf 
trennen liess. 

Eine Benennung nach einem auffälligen Bleidungsstücke, welches 
jemand trägt, ist auch für uns noch etwas Naheliegendes und Gewöhnliches. 
So sprechen wir von Grünröcken (Jägern),^ Rothröcken (rothen Husaren — 
englischen „Eothröcken"), Schwarzröcken, von Weissmänteln und Roth- 
mänteln. * 

Fangen wir mit der Kopfbedeckung an, so haben wir hier vor Allem 
die Zusammensetzungen mit Hut: Webelhut (d. i. Wackelhut), Wdsshut, 
Grünhut, Spitzhut; vereinzelter Wittkugel (weisse Gogel oder cucullus, 
eine Kaputze, an einem Kragen desselben Stoffes befestigt, der Schultern 



1) Johann Bickweg, Zimmermann nnd kühner Schmuggler, der 1813 im Lande Wursten 
durch seine feurige Beredsamkeit einen Aufstand gegen die Franzosen zu Stande brachte, 
wurde nach seiner beständigen grünen Kleidung im Volke nur Jan Grrön genannt (Alhners, 
Marschenbuch S. 228). 

2) Bekannt ist aus Cooper's amerikanischen Bomanen der „Lederstrumpf ^, so benannt 
von den Moccasins, die dieser alte Jäger nach indianischer Sitte zu tragen pflegte. Wie 
leicht sich solche Benennungen noch jetzt bUden, möge das Beispiel jenes Kapitäns Dilger 
beweisen, der, ursprünglich preussischer Artillerie -Offizier, 1864 nach Amerika ging und als 
Befehlshaber einer Batterie in das Heer der Nordstaaten trat, wo er sich durch Kühnheit 
und Ausdauer herrorthat und unter dem Spitznamen „Lederhose'' jedem Offizier und Soldaten 
bekannt war. „Während des Kampfes stand er immer da in Hemdärmeln und seinen glatt 
anliegenden Hosen von Hirschleder.^ 



46 12. Familien -Namen der dritten Schicht, a) Stand mid Gewerbe. 



und Hals umschloss, so dass vom Kopfe nichts zu sehen blieb als das 
rings umrahmte Gesicht), Rothkepl u. a. 

Das Leibkleid, der Eock, findet sich ebenfells in mannigßicheii Zusam- 
mensetzungen: Blaurock, WittrocJc (a,uch WeisslcUtel) , Langrock, Kurzrock; 
dazu Ärmel in Bothärmel, Weissermel (wohl Spottname für Müller); femer 
der Mantel in Wifdermantel , Rothmantel. 

Die Beinbetleidung haben wir in: Leinhose, Mehlhose (Spottname für 
Müller), Kurthose. ^ Die scherzhaftesten unter allen sind: LodderhosCy 
Schlaphose und Lumphose ^ ein Bleeblatt, in welchem sich die unsinnige, 
zuerst von renommistischen Landsknechten aufgebrachte Pludertracht des 
16. Jahrh. verewigt hat, gegen die der brandenburger Hofyrediger Andreas 
Musculus 1556 in gerechtem Zorn seine „Vermahnung und "Warnung vom 
zxduderten, zucht- und ehrverwegenen Hosenteufel" schrieb.^ 

Die Pussbekleidung endlich ist vertreten durch Knabenschuch, Holtz- 
schue, Bothschuh (Tanzüebhaber), Bundschuh (der von den Bauern getragene 
Schnürschuh, der nicht nur eine sprichwörtliche Bezeichnung des Bauern 
überhaupt, sondern auch ein bekanntes Parteizeichen hat abgeben müssen). 

Speisen. 

Namen von Speisen entlehnt gehören hierher, soweit sie Personen 
bezeichnen, welche die betreffende Speise bereiteten, sie an Gäste ver- 
abreichten, damit handelten; doch ist gewiss auch häufig jemand nach einer 
Speise benannt worden, die er besonders liebte. 

Auf dieser Tafel stehen im Vordergrunde Brot und Fleisch, Bier 
und Wein, die sich in mannigfachen Zusammensetzungen finden: 
Hirsebrod und Boggenhrod, Weichhrodt und Truchenhrod; 
Kalbfleisch und Bind fleisch, Gensfleisch und Sötefleisch; 
Crutbier und Bösbier, DiinneUer und Zuckerbier; 
Altwein und Gutwein, Kühlwein und Sauerwein.^ 
Milch- und Mehlspeisen sind vertreten durch: Süssmüchy Schlegel- 
milch (Buttermilch), Hafermehl, Pfannkuch, Butterweck. 

Mehr Yereinzeltes übergehen wir hier; doch zu erwähnen ist noch ein 
deutsches Nationalessen, die "Wurst, wonach der deutsche Lustigmacher 
den Namen „Hanswurst" (Hans Wurst) erhalten hat, während der franzö- 
sische als „Jean Potage" (Suppe) und der englische als „John Plunippudding" 
auftritt Die Wurst kommt in deutschen Famihen- Namen sowohl einfach 



1) Schon im J. 905 in Verona ein „Johannes, cui alio nomine Braccaciirta vocitabator'' 
(Muratori). 

2) Bud. Schnitze, die Modenarrheiten. Ein Spiegelbild der Zeiten und Sitten f&r das 
deutsche Volk. 1868. 

3) Nicht aber Reichwein, Trauitoein u. a. , die mit dem alten win (nicht win) 
„Freund" zusammengesetzt sind. Auch Altwein und Gutwein sind schon zweifelhaft wegoi 
altd. Aldwin und Godwin. 



13. Familien -Namen der dritten Schicht, b) Eigenschaften (Attributiva). 47 

vor, als auch in genaueren Zusammensetzungen wie: JBluttourst, Kraut- 
wurst, Leberwurst. 

Es ist im Ganzen eine einfache Küche; man braucht sich besonders 
nur die häufigen Zusammensetzungen mit sauer vorzuhalten: 

Sauerbier und Sauerwein, Sauermilch und Sauerbrei, 
Sauermost, Sauersenf t, Saueressig, Savsrbirn — 
um sich mit einem Schlage an die genügsamen Tische des 15. Jahrh. zurück- 
versetzt zu sehen. ^ 

Ausserdem zeigen sich in den Familien-Namen noch Speisen und 
Getränke, die bereits im 16. Jahrh. verschwinden, z. B. Gossenbrodj warmes 
Brot mit Fett begossen, eine lieblingsspeise alter Zeit, selbst von Dichtem 
öfter erwähnt,* und Moros, über Maulbeeren abgezogener "Wein. 

13. 
Familien -Namen der dritten Schicht. 

b) Eigenschaften (Attributiva). 

Wie aus der Geschichte bekannt ist, wurden hervorragenden Personen, 
namenthch fürstlichen Standes, in früheren Zeiten häufig Beinamen gegeben, 
mit welchen der Deutsche in diesem Falle sehr freigebig war. So finden 
wir schon im 9. Jahrhundert unter den Karolingern einen Karl den Dicken 
und einen Karl den Kahlen, später unter den sächsischen Kaisern einen 
Otto den Eothen und einen Heinrich den Heiligen. Was letzteren 
Namen betrifft, so kennt die Geschichte ausserdem noch Heinrich den 
Stolzen, den Schwarzen, den Zänker. Und wie hieraus ersichtlich, 
gab man nicht immer ehrende Beinamen, sondern auch tadelnde und spot- 
tende, und das Mittelalter war darin durchaus nicht blöde. So hiess Kaiser 
Wenzel der „Faule", Landgraf Ludwig von Thüringen der „Unartige", 
Eberhard von Würtemberg der „Greiner", d. i Händelsucher.' 

Zu diesem Zwecke werden zunächst und am einfachsten verwendet 
Eigenschaftswörter selbst, die mit dem Artikel dem eigentlichen Namen 
nachgesetzt werden: Otto der Eothe, Friedrich der Lange u. s. w. Aus 



1) Yilmar, Namenbüchlein S. 48 ff. 

2) Z. B. wird im „Renner*' des Hugo v. Trimberg „ein wol begozzen wecke!* als Lecker- 
bissen genannt. S. Schlosser, Speise und Trank vergangener Zeiten in Deutschland. 1877. 

S. 16 f. 

3) Wie sehr das Mittelalter zu Spott und Satire aufgelegt war, geht unter Anderem 
daraus hervor, dass fast jede Landschaft ihr Schöppenstedt oder Schiida hatte und dass die 
Bewohner gar mancher Landschaft oder Stadt Beinamen führten. So hiessen (und heissen) 
beispielsweis die Illzacher im Elsass „Mondfanger **, die zwischen 111 und Bhein Wohnenden 
„Bheinschnaken**, die Schlesier „Eselsfresser** — in Pommern die Wolliner „Stintköppe** und 
die Eamminer „Flunnerköppe** (nicht Flnnderköppe , wieBiehl angiebt), wegen der vielen dort 
gefangenen Stinte und Flundern. 



48 13. Familien -Namen der dritten Schicht, b) Eigenschaften (Attributiva). 



diesen Zusätzen entwickelten sich dann dauernde Bezeichnungen der Familie, 
wobei der Umstand zu Hülfe kam, dass eben die Eigenschaften des Vaters 
vielfach auf die Kinder vererben. Dabei fiel der Artikel vor dem Zusätze 
fort ; * doch blieb trotzdem sehr oft die flectirte Form des Eigenschaftswortes 
stehen: Weisse neben Weiss, Grote (Grosse) neben Groth (Gross), und in 
manchen Fällen ist es sogar die herrschende Form geblieben, wenigstens in 
Norddeutschland, wie in Krause^ Lange. 

Die Zahl der einfachen Namen dieser Art vermindert sich übrigens 
bei näherer Untersuchung sehr. Einmal finden sich viele davon schon im 
Altdeutschen, gehören demnach — wenn auch vielleicht nicht in allen 
Fällen — zur ersten Schicht; so die Namen Guth^ Fromm, Jung (schon im 
6. Jahrh. ein Godo, im 10. ein Jungo). Dann sind manche auch nnr 
scheinbar Eigenschaftswörter, z. B. ist Voll schwerlich einer, der immer 
„voll" ist, sondern es ist das altdeutsche Falko (vgl Volkbrecht und Voll- 
brecht). Auch Rohde kann zwar die niederdeutsche Form des Eigenschafts- 
wortes roth sein — auf das Haar bezüglich, wie schon Krause; gewiss 
aber mindestens eben so häufig ist es das altdeutsche Hrodo (zu dem Stamme 
hrod „Schall, Euhm"). 

Sicherer sind Zusammensetzungen, wie 

lobend: Gottgetreu j Unverzagt, Wohogen (wohlerzogen); 
tadelnd: Tollkühn^ Umbscheiden, Ungefug. 
Viel seltener finden sich Hauptwörter zur Bezeichnung einer Eigen- 
schaft oder charakteristischen Thätigkeit, wie Becker aus Köln (12. Jahrh.) 
anführt: Fraz (Fresser), Schad (Räuber), Slevere (Schläfer); aus Zürich 
(13. Jahrh.): Manesse (Menschenfresser), Boneze (Bohnenesser). Letzteren 
stellen sich zur Seite von neueren Namen: Ileischfresser nebst Höltfreter 
(niederd. = Holzfresser) und Speckäter — insbesondere aber gehören hierher 
manche Zusammensetzungen mit Mann: Biedermann, Grossmann; auch 
Abstracto wie Frischmuth^ Sanftleben, und präpositionelle Zusammensetzun- 
gen: Ohnesorge, Woltemate (wohl zu Mass). 

In concret-büdlicher "Weise wurden auch Namen von Thieren, an 
denen man bestimmte, stark hervortretende Eigenschaften fand, in diesem 
Sinne verwendet. Bekannt sind aus der Geschichte Heinrich der Lowe und 
Alhrecht der Bär. Noch häufiger waren wohl spottende Zusätze der Art. 
So wird in der Lübecker Bürgermatrikel von dem Jahre 1322 der eine von 
zwei Brüdern Johannes de rode, der andere Eichard Yos genannt, offenbar 
nach derselben Ursache.* 



1) Den Übergang stellen unter Anderem in friesischen Urkunden dar die Namenfoimen 
Kersten rike neben K, de rike, FloreJce wüte neben F. de witte. Im Holländischen ist der 
Artikel geblieben: de Grote ^ de Jonghe; ähnlich im Französischen: Legrand, Lejeune. 

2) Ferner in Urkunden: Marquart der Hunt, 12. Jahrh. Gislebertas pro soa prooeri* 
täte oognominatuB Chrt^s (Kranich) ; Hugo de Wenden dictus Aries (Widder) ; Hugo Catwnm 
(Wachtel). 



13. Familien -Namen der dritten Schicht, b) Eigenschaften (Attributiva). 49 

Körpertheile. 

Die bisher angeführten Namen dieser Gattung beziehen sich, wie 
leicht zu erkennen, theils auf geistige, theils auf leibliche Eigenschaften. 
Familien -Namen der letzteren Art sind nun mit Vorliebe von einem Körper- 
theile hergenommen, der eben von hervorstechender Eigenthümlichkeit sein 
muss, um Anlass zur Benennung der ganzen Person zu geben. Darum 
eignen sich allgemeine und einfache Bezeichnungen wie Haar, Hand, 
Finger, Mund wenig zu Familien -Namen, weil sie als solche meist zu 
nichtssagend wären. 

Die Namen dieser Art, die sich dessenungeachtet finden, sind ver- 
dächtig und bedeuten offenbar grossentheils etwas ganz Anderes. So ist 
Mund sicher meist das altdeutsche Munto (von dem Stamme munt d. i, 
Schutz, vgl. Vormund), Haar das altdeutsche Haro (vom Stanmae hari d. i. 
Heer). * Andere bedeuten allerdings Körpertheile, sind aber durch Häuser- 
zeichen vermittelt (s. weiterhin). 

Mit viel grösserer Sicherheit gehören hierher die zusammengesetzten 
Benenmmgen, unter denen besonders häufig sind die Composita mit Haupt 
und Kopf, mit Haar und Bart, mit Bein und Fuss. Die Beschaffenheit 
und Form des Kopfes, wie andererseits die des Fusses, die Farbe und 
Beschaffenheit des Haares und Bartes, weil ja am meisten in die Augen 
fallend, wurde vorzugsweis bezeichnet. 

Haupt: Breithaupt, Bauchhaupt (= Kauh-), Wollenhaupt 

Kopf: GrossJcopf, BothTcopfy Witthopf (niederd.). 

Haar: Flachshaar, niederd. Flashaar, Geelhaar (= Gelb-). 

Bart: Bothbart, Spitzbart, Weissbart. 

Bein: Einbein, Krummhein, Langbein, 

Fuss: Leichtfuss, Schmalfuss, Stolterfoth (niederd.). 

"Wie sehr Bezeichnungen dieses Schlages sich zu Familien -Namen 
eignen, geht daraus hervor, dass manche derselben noch jetzt appellativ 
gebraucht werden. So reden wir von einem „Flachskopf, Eothkopf", 
einem „Grossmaul", nennen einen Invaliden mit hölzernem Bein „Stelz- 
fuss " u. s. w. * 



1) Doch ist bei Bacmeister, Germanistische Kleinigkeiten S. 36 aus alten ürbmden 
angeführt: Heneke mit dem dumen 1373 Braunschw., Liehhard mit der Hand 1383 Augsb., 
auch Fridericus Mittemmtmde 1190 — Zusätze, die doch wohl so zu verstehen sind, dass 
die genannten Körpertheile wegen irgend einer Eigenthümlichkeit auifaUend waren. 

2) Aus Urkunden des 11.— 15. Jahrh. fuhrt Stark S. 153 an: Everhardus der Spize- 
hart, Jacohua langenase, Hartwig Churzhals — desgl. Eeichel aus Marburger Urkunden: 
Jacob de Chrafuez (Krahenfiiss) — Becker aus Köln 13. Jahrh: Buntehart, Gobelin dictus 
Hardevust. 

In italienischen Urkunden (um das J. 1000): capiU asini (Eselskopf); ja Papst Ser- 
gius IV. hiess vor seiner Erhebung auf den päpstlichen Stuhl Fetrus bocca di Porco 
„Schweinerüssel^ . 

Heintze, Deatsche Familien - Namen. 4 



50 13. Familien -Namen der dritten Schicht, b) Eigenschaft^ (Attributiva). 

Hier, bei den von körperlichen Eigenschaften enüehnten Namen, yer- 
räth sich eine auffallende Übereinstimmung mit der S. 11 geschilderten 
romischen Namengebung, in der Art, dass die Namen beider Sprachen sich 
vielfiEWJh decken: 

Longus: Lange Capito: GrossJcopf 

PauUus: Klein Crispus: Kratze 

Niger: Schwarz Plautus: Plat^fuss (= Platt-). 

Doch sinkt das Deutsche auch hier nicht zu der geistlosen EinfÖrmigkdt 
und Äusserlichkeit der lateinischen Namengebung hinab. Das verhindern 
vor Allem die Imperativischen oder 

Satznamen, 

eine besonders anziehende und reichhaltige Gruppe. 

Die Eigenthümlichkeit, kurze Sätze, namentlich befehlender Art, zusam- 
menzuschieben in uneigentlicher Composition und daraus Hauptwörter zu 
bilden, erscheint innerhalb der deutschen Sprache zuerst im Mittelhoch- 
deutschen, wo Gebilde wie hdbedanc (Danksagung), rümelant (räume das 
Land, ein Landflüchtiger) und einige andere auftreten. Diese Bildungsweise 
scheint dann besonders in der volksthümlichen Idtteratur des 15. — 16. Jahr- 
hunderts geblüht zu haben. So finden wir unter Anderem im Liederbuch 
der Elara Hätzlerin, welches zahlreiche lyrische Stücke, grösstentheils aus 
dem 15. Jahrhundert, enthält: ^Vergiss mein nit das plümlein, das krautt 
denck an mich"' — in Sebastian Brant's NarrenschiEf: Füll den mag, schmir- 
wanst (Namen von Fressern) — bei Fischart: Hehdenmann, ein rechter 
Jag den Teuffei, Beckdendegen, Streichdenbart (lauter Personnamen); Dörf- 
lein Beiteinweil (d. i. "Wart ein "Weüchen), Trotzdenkaiser (N. einer Burg), 
Luginsland (N. eines Thurmes) — dann besonders in Eollenhagens „Frosch- 
meuseler'* bezeichnende Thiemamen wie Blehebauch, Buerdendreck , Buff- 
laut (Frösche); Beisshart, Luginsloch , Spahrkrümlein (Mäuse).* Nieder- 
deutsche Bildungen dieser Art bietet Eeineke de Yos in den Thiemamen 
Merkenouwe (Merke genau, die Krähe), nebst dem Krähensohn Slindepier 
(schlinge den Wurm); Pluckehudel (pflücke den Beutel, die räuberische 
Natur der Eaben bezeichnend). 

Diese Fähigkeit ist allerdings im Neuhochdeutschen, je mehr dasselbe 
Buchsprache wurde und an lebendiger Beweglichkeit einbüsste, desto mehr 
erloschen; trotzdem lässt sich auch jetzt noch eine ziemliche Reihe solcher 
Bildungen zusammenbringen: Habenichts, Störenfried (störe den Frieden), 
Wagehals, Thunichtgut — Lebewohl, Stelldichein u. a., wozu noch die 
Blumennamen Vergissmeinnicht und Gedenkemein zu rechnen. Auch die 
Büchertitel Trösteinsamkeit, Trutznachtigall und Wendunmuih erklären sich 
hieraus. Manche unter diesen Ausdrücken sind allerdings weniger schiift- 



1) Eehreln, Grammatik der deutschen Sprache des 15. — 17. Jahrhunderts TL H. 
S. 261 f., der eine Menge solcher Bildungen anführt. 



13. Familien -Namen der dritten Schicht, b) Eigenschaften (Attributiva). 51 

gemäss als volksthümlich, und begeben wir uns ganz von der einförmigem 
Landstrasse des Schriftdeutschen herunter auf die Nebenpfade volksthüm- 
licher, mundartlicher Eede, so können wir noch manches Blümchen dieser 
Gattung pflücken. 

In ganz besonderem Masse hat diese Zusammensetzungsweise ihren 
Tummelplatz im Bereiche der Person -Namen. Bekannt sind unter den 
Vornamen: Leierecht, Fürchtegott, Traugott — auch wohl Kreuzwendedich 
(hin und wieder einem Kinde gegeben, wenn schon mehrere vor ihm 
gestorben). "Weit grösser aber ist die Zahl unter den Familien -Namen. 
Yilmar hat drittehalb hundert zusammengebracht, eine Zahl, die sich noch 
erheblich vermehren lässt. ^ 

Es finden sich unter diesen Namen, die vorwiegend wohl in den 
Kreisen lustiger Gesellen, Waffen- und Zechbrüder entstanden sind, die 
lebendigsten und launigsten Bezeichnungen, Scherz- und Spottnamen. 

Betrachten wir nach diesen allgemeinen Vorbemerkungen die Satz- 
namen genauer, und zwar zunächst hinsichthch der Form, so haben wir 
unter ihnen 

1) Zusammensetzungen aus zwei "Wörtern (Zeitwort und Eigenschafts- 
wort oder auch Umstandswort): Bleibtreu ^ Trinkaus — viel häu- 
figer aber 

2) Zusammensetzungen aus drei "Wörtern (Zeitwort mit Object und 
davorstehendem Artikel): Hassdenpflug (ein Bauer, der des Pfluges 
überdrüssig geworden), gewöhnlich abgeschliffen Hassenpflug, Jagen- 
teufel, später verkürzt in Jageteufel, so dass nun der Artikel ganz 
ausgefallen ist, wie in "Wagehals (Wa^e den Hals — Wagenhdls 
Wagehals — Waghals) -^ auch WiesweU (= wie es wolle, geh 
es wie es wolle, Bezeichnung eines gelassenen Gemüthes). 

3) Sogar Zusammenschiebungen aus vier Wörtern finden sich, am 
deutlichsten in Haltaufderheide (ein Eitter oder Eeisiger, der auf 
der Halde halt, um Vorüberziehende anzugreifen); aber auch 
Namen wie Fleugimtanz (flotter Tänzer), Qri&pentrog (niederd. 
= greif in den Trog, von Einem, der unbescheiden zulangt), 
Springsfeld (spring in das Feld) und der Gegensatz Bleibimhaus 
gehören hierher. 

Dem Innern Gehalte nach bezeichnen diese Namen zum Theil gute, 
rühmliche Eigenschaften, überwiegend aber, wie nicht anders zu erwarten, 
Schwächen und Untugenden. Unter den ersteren steht auch hier wie bei 
den altdeutschen Namen obenan die Tapferkeit in Namen wie Hauenschild 



1) Andererseits sind freüich auch manche in Yilmars Verzeichnis als nicht hierher 
gehörig zu streichen, wie Bäldauf, Gangauf ^ die richtiger mit Andresen (die altdeutschen 
Person- Namen S. 14) als Ableitungen altdeutscher Person -Namen {BaJdolf, Gangolf) gefasst 
werden; Bichzenhain, Bollenhagen, Stemshorn, welche ursprünglich Ortsnamen sind und 
daher in die folgende Klasse c) gehören. 

4* 



52 14. Familien -Namen der dritten Schicht, c) Herkunft und Wohnstätte. 



(Hauschild), Klübeschedel (tlöbe d. i. spalte den Schädel), Schüttesper 
(schüttle den Speer, englisch Shakespeare), Zuckseisen (zücke das Eisen), 
wohin auch die Zusannnensetzungen mit Teufel gehören: Fressenteufd^ 
Jageteuffely Schlagenteufel, Bitdendüwel (niederd. = beisse den Teufel) — 
Leute, die sich selbst vor dem Gottseibeiuns nicht fürchten.^ 

Einzelne dieser Namen mögen auch schon ein gewisses Ubermass von 
Tapferkeit, eine übermässige Kampfbegier, Streitsucht und Raufsucht 
bezeichnen. Deutlich tritt Letzteres hervor in Namen wie Raufseisen, Habe- 
recht, Hebenstreit (der den Streit anhebt). Unter solchen Spottnamen ragen 
vor allen diejenigen hervor, welche den übermässigen Durst, die leidige 
Trunksucht der Deutschen geissein: Kehrein, Suchentmrih, Findekeller 
(der den Keller zu finden weiss), Schmeckebier und Schltickebier und manche 
andere, denen nur vereinzelt ein Hassenkrug gegenüber steht. 

Kann es nun wohl bezeichnendere Namen geben als diese imperatiYi- 
schen? Kjäfügere als Hauenschild und Schüttesper, neckischere als Finde- 
keller und Greifentrog, schwungvollere als Fleugiintanz ? 

14. 
Familien -Namen der dritten Schicht. 

c) Herkunft und Wohnstätte. 

Die von örtlichkeiten entlehnten Familien -Namen gehören zu den 
ältesten, da diejenigen Personen und Geschlechter, welche Grundbesitz 
hatten, sich schon sehr früh danach benannten. So finden wir unter den 
ritterlichen Sängern und Dichtem der Hohenstaufenzeit einen Heinrich im 
Veldeke, einen Hartmann von Aue (Ouwe), einen Walther von der Vogel- 
weide u. A. ^ Doch war dieser Zuname ursprünglich noch nicht so befestigt, 
dass bei einem Wechsel des Besitzes die Familie ihn beibehalteii hätte; viel- 
mehr wurde in solchem Falle auch der Name vertauscht. So führten z. B. 



1) Eine hühsche Illustration zu den letztangeführten Namen bietet jene höchst 

characteristische plattdeutsche Grahschrift eines mecklenhurgischen Junkers in der Earche zo 

Dobberan : 

Wiek, Düwel, wiek wiet van my! 

Ick scher my nich en Haar um dy; 

Ick bin en Meckelbörgsch Edelmann, 

Wat geit dy, Düwel, min Supen an? 

Ick sup mit mim Herrn Jesu Christ, 

Wenn du Düwel ewig dösten müst; 

Ick sup mit em ne söte EoUeschal, 

Wenn du sittst in de Höllenqual. 

Ürum rad ick: wiek, lop, renn un gah, 

Eh, by dem Düwel! ick toschlahl 

2) „Her Walther von der Vogelweide, swer des vergaeze, der taet' mir leide" (Hugo 
von Trimberg). 



14. Familien -Namen der dritten Schicht, c) Herkunft und Wohnstätte. 53 

■ I ■ ■ «^ ■ »^.«^F^— ^^^.^iM.^wpr^i^— ^ ■!■■■■ ■ I ■ ■ ^^^— »^M^IM^ B— ■■iiiiiM ■■ ^1 ll■^■^■. iii. ■■■■ I ■■■- —i^-^w^^»^^ 

die Freiherm von AUinghausen diesen Namen erst seit ihrer Übersiedelung 
nach Uri; vorher Messen sie nach ihrer Stammburg im Emmenthal die 
Freien von Schweinsberg. So Messen die von Löwenstein früher Bischofs- 
hausen, von Bischofshausen, jetzt BiscMiausen an der Schwalm; als sie 
aber im 13. Jahrhundert ihre neue Burg erbauten, nahmen sie ebenfalls die 
neumodische Benennung an.* 

Diese Weise wurde aber auch von Leuten nicht ritterlichen Standes 
frühzeitig befolgt, indem sie sich nach ihrem Stanunorte oder ihrem Wohn- 
sitz benannten. So begegnen wir unter den hervorragenden Dichtem des 
13. Jahrhunderts einem bürgerlichen „meister" Konrad, der sich selbst 
Konrad von Würzburg nennt* 

Dass solche Zusätze sich allmählich befestigten, war naturgemäss, ja 
fest unvermeidlich, sobald eine Familie längere Zeit in demselben Besitze 
bUeb oder an derselben Stelle wohnte. 

Die aus dieser Quelle geflossenen zahlreichen Namen zerfallen in zwei 
Hauptgattungen, jenachdem sie von allgemeinen Ortsbezeichnungen 
oder von bestimmten Ortsnamen herrühren. Betrachten wir jene zuerst! 

Uns klingen jetzt die Namen mancher Landleute in Schillers Teil auf- 
fällig und fremdartig: (Hans) auf der Mauer, (Jörg) im Hofe, (Burkhart) 
am Bühel u. a. Solcher Benennungen aber, wie sie Mer Schiller im 
AnscMuss an die Schweizer- Chronik von Tschudi gewäMt hat, gab es 
ursprünglich sehr viele, von den verscMedensten örtlichkeiten entlehnt und 
mit den mannigfachsten Verhältniswörtern: von der Au; am Ende (der 
am Ende des Ortes Wohnende); aus dem Werd (Werder, Lisel); beim 
Born; vor dem Baum; aditerm Boil (Mnter dem Bühel d. i. Hügel); unter 
den Weiden; zum Steg u. s. f. ^ 

Später fiel dann das Verhältniswort meist ab, eine FamUie aus dem 
Werd nannte sich einfach Werth, ter Varrentrap (zu der Ochsenspur) 
Varrentrap — oder dasselbe wurde eng an das Hauptwort herangezogen 
und mit ihm vereimgt. So ist eine AnzaM Familien -Namen entstanden, 
die man nur nach ihren Bestandtheilen aus einander zu schneiden braucht, 
um sie sofort zu verstehen: 



1) Becker, Geschlechtsnamen S. 6. — Vilmar, Namenbüchlein S. 15. 

2) „Von Wtirzeburc ich Kuonrat" im „Otto mit dem Barte" Z. 760. 

3) Becker stellt mehrere Reihen alter Namen dieser Art zusammen, aus Köln (12. Jahrh.) 
die Greschlechter: vom Neumarkt, de MontictUo (vom Bühel); aus Zürich: zer Linden, im 
Hof, am Thor; vom Lande aus der Umgegend des Vierwaldstätter Sees: in der Outoe (Aue), 
in der Matta, him Schecken, ze dem Brunnen u. a. 

Pott führt aus Ehrentraut's friesischem Archive Bd. I H. 3 an: WHken Üham dyJce, 
Oltman hi der muren, eylerd mank den schüren u. a.; aber auch schon ohne Verhältnis- 
wort: Böbeke hakhus, horcherd netelhorst, Godeke stengrauen. 

Aus der Kölner Uni versitäts -Matrikel von 1490 füge ich hinzu: Henrichs in der 
sunnen, HenrictM super lapidem. 



54 14. Familien- Namen der dritten Schicht, c) Herkunft und Wohnstätte. 

Amhach: am Bach 
Imhove: im Hofe 
Zumbusch: zum Busch 
Vormhaum: vor dem Baum 
Auffenberg: auf dem Berg u. s. w. 
Bisweilen sind dabei allerdings Entstellungen eingedrungen : TremöTüen statt 
ter MöMen (hochd. zur Mühlen), Äustet^mühle statt aus der Mühle, Am- 
thauer statt Amthor. 

Nur selten hat die ursprüngliche Form, Hauptwort und Verhältnis- 
wort getrennt, sich erhalten, wie in: aus der Ohe, aus^m Werth, ten Brink 
(niederd. = zum Hügel), jsum Bild, ganz vereinzelt Zur -Linde. * 

In entsprechender Weise werden Familien -Namen von bestimmten 
Ortsnamen abgeleitet. "Wer aus einem fremden Orte zuzog, wurde beim 
Eintragen in die BürgerroUen am einfachsten nach dem Orte bezeichnet, 
aus welchem er kam. So ist in den Bürgerrollen von Nordhausen aus dem 
13. und 14. Jahrhundert ein Person-Name aus von (oder lateinisch de) 
und einem Ortsnamen gebildet die gewöhnlichste Bezeichnung, z. B. Hen- 
ricus de Erfordia, Ludovicus de Molhusen. Das von fiel später fort, 
zumal der Adel es mehr und mehr als sein Kennzeichen und Sonderrecht 
hinstellte. Dieser allmähliche Fortfall ergiebt sich deutiich aus einer Zusam- 
menstellung Förstemann's (Programm S. 11), wonach von 27 Mitgliedem 
des Eathes zu Nordhausen im J. 1385 noch 13 das von mit einem Orts- 
namen haben, dagegen 1401 nur 7, 1421 nur 2, 1475 noch einer, endlich 
1484 keiner, obgleich nicht weniger als sieben einen Ortsnamen als Famüien- 
Namen führen. 

Daher stanunt nun eine ausserordentliche Menge von Familien-Nianeii, 
die einfach aus einem Ortsnamen bestehen. Besonders leicht zu erkemien 
sind die zusanunengesetzten, bei welchen etwa folgende Ausgänge die häufig- 
sten sind: 

-au: Fürstenau, 

-bach: Blumenbach; niederd. -beck (spr. bäk): Möllenbeck. 
-bäum: Beerbaum. 
-berg: Lichtenberg, 
-brück: Delbrück. 
-bürg: Homburg. 

-dorf: Holtzendorf, Bernstorff; niederd. -dorp: Oldendorp. 
-eck: Viereck. 
-feld: Birkenfeld. 

-hagen: Hundeshagen; zsgz. -hain: Bosenhain. 
-haus: Brockhaus; im Dat. Plur. -husen (aus altd. husum): Wachen- 

husen, mit neuhochd. Vocal -hausen: llföllhausen. 

1) Anderer Art, wenn auch ähnlichen Sinnes sind die Zusammensetzungen mit Mann: 
Onmdmann, Lohmarm, Buschmann, Ho^stmann, Kampmann. 



14. Familien- Namen der dritten Schicht, c) Herkunft mid Wohnstätte. 55 

-heim: Freinsheim. 

-hof: Mohrhoff; im Dat. Plur. -hofen: Aldenhoven. 

-holz: Buehholz, 

-hörst: Scharnhorst, 

-leben: Älslehen. 

-rode: Benterode; mit Abfall des e: Almeroth, Beekerafh, 

-Stadt: Karlstadt; mit der Nebenf. -stedt (eig. Dativ): Bodenstedt. 

-stein: Lauenstein. 

-thal: Friedenthal; niederd. -dahl: Küchendahl. 

-walde: Schwachenwalde; gew. gekürzt -wald: Arnswald, 
Dazu die Endung 

-in gen (eig. Dat. Plur. von dem Patronymikum s. Namenlexikon): Ehin- 
gen; gekürzt -ing: Bisping, 
Diesen schliessen sich in der Häufigkeit zunächst an die auf 

-born, -busch, -fels, -fürt, -hörn. 
Im Ganzen ist der Ortsnamen, die zugleich als Familien -Namen 
dienen, eine ungezählte Menge, da es kaum einen grösseren Ort in Deutsch- 
land giebt, dessen Name nicht auch als Familien- Bezeichnung sich fände. 
Viele Familien -Namen, die sonst fast als unlösbare Eäthsel erscheinen, 
werden ohne "Weiteres klar, sobald man ein geographisches Wörterbuch zur 
Hand nimmt. ^ 

Freilich wird andererseits auch die sichere Deutung und Heimweisung 
vieler Familien -Namen durch das Hereinspielen der Ortsnamen erschwert, 
da nicht wenige der letzteren mit Person -Namen buchstäblich überein- 
stimmen. Z. B. ist Seeger eine "Weiterbildung des altdeutschen Person- 
Namens Sigher, zugleich aber auch ein Ort in Pommern; Both, für welches 
schon eine doppelte Quelle nachgewiesen (S. 48), findet sich auch häufig als 
Ortsbenennung, von rode abzuleiten (s. oben). Ausserdem tragen viele Orte 
Namen von Gegenständen der Natur, sei es durch zufalliges Zusammentreffen, 
wie in Hahn, welches hier doch nur Zusammenziehung aus Hagen ist, oder 
indem der Name eines Thieres, einer Pflanze ohne Weiteres, ohne Anhängung 
einer Endung, auf einen Ort übertragen wurde. Es tritt an diesem Punkte 
ein Mangel in der Namengebung hervor, da viele Bezeichnimgen imter- 
schiedslos als Person- wie als Ortsnamen dienen, z. B. Baum, Habicht, 
Kranz, Na^ely Wohlgemuth. Daher ist hier besondere Yorsicht geboten, 
und es ist in solchen zweifelhaften Fällen jeder Name möglichst durch 
Einzeluntersuchung klar zu stellen. 



1) Das Verhältnis der Familien -Namen zu den Ortsnamen und das bedeutende Herein- 
spielen der letzteren ist von Manchen nicht genügend in Betracht gezogen worden, namentlich 
nicht von Yilmar, der, zu sehr nach dem äusseren Schein und Klang urtheilend, viele Namen 
falsch einreiht. So stellt er Schönaich, Staudach unter die Pflanzen, berücksichtigt bei 
Baum und Harn nicht, dass diese einfach oder als zweiter TheU der Zusammensetzung 
häufig als Ortsnamen vorkonunen u. s. w. 



56 14. Familien- Namen der dritten Schicht, c) Herkunft und Wohnstatte. 

Leichter sind diejenigen Familien -Namen zu erkennen, welche durch 
Ableitung von Ortsnamen gebildet smd, und zwar mittels der Endung er 
wie: Eppinger, Meissner.^ Diese Bildungsweise hat jedoch geringere Ver- 
breitung und ist hauptsächlich oberdeutsch. So gehören bei Fröhner (Karls- 
ruher Namenbuch) unter etwa 100 von Orten hergeleiteten Familien -Namen 
zwei Drittel hierher, während in HofEtnann's hamiöverschem Namenbuche 
unter etwa 300 derartigen Namen sich (abgesehen von den neueren jüdischen) 
kaum 10 finden, und diese erklären sich durch oberdeutschen Zuzug.* 

Die meisten der auf S. 54 f. aufgeführten Endungen bilden FamiUen- 
Namen dieser Art, wobei sich durch Hinzutreten des Umlantes ans 
manchen zwei Formen entwickeln, so aus -dorf: -dorfer xind -dörfer, aus 
-bach: -bacher und -becher. Demnach haben wir 

-auer: Kronatier, 

-bacher (-becher): Speckhacher — Isselbecher. 

-berger: FranJcenberger; Reichensperger, 

-brücker (-brugger): Haarhrüclcer — Moosbrugger. 

-burger: Hamburger. 

-dorf er (-dörfer): Rudorfef* — Harsdörfer. 

-eck er (-egger): Bernecker — Buchegger. 

-f eider: Hirschfelder. 

-hauser (-häuser): Steinhauser — Steinhäuser. 

-heimer: Sinsheimer. 

-hofer (-höfer): Frauenhofer — Sandhöfer. 

-inger: Ehinger. 

-röder: Blumröder. 

-Städter: Hochstädter. 

-Steiner: Buchsteiner. 

- th al er : Beinthaler. 

Dagegen erweisen sich -hagen, -leben, -see, -wald u. a. für Bildungen 
dieser Art wenig fruchtbar, was sich zum Theil daher erkläxt, dass die 
betreffenden Ortsnamen in Süddeutschland nicht üblich sind. So ist -leben 
auf Thüringen und das nördliche Schleswig beschränkt, -borstel und -bostel 
auf das nordwestliche Deutschland (Hannover). 

In die Lücke treten dafür einige andere Endungen, welche Süddeutsdi- 
land eigenthümlich sind, namentlich 

-kofer: Zollikofer. 

-öder (-eder) : Ameisöder — Hocheder (Leute, die in einer „Öde" wohnen). 



1) Stark S. 156: Eudolfus StruMngar (Straubinger) 12. Jahrh.; Heinrich der Wiener 
14 Jahrh. — Henricus dictus Mijssener (Meissner) Köln. Univ. Matrikel 1390. 

2) In Mempin's Pommersclien Namenverzeichnissen aus dem Ende des 15. Jahrh. findet 
sich kein einziger Name dieser Art, immer ist die Ortsbenennmig unverändert, mit prapo- 
sitioneller Ellipse, verwendet: Arnstorp, Paswdlck, Bosendal, Schenkenbergh u. 8.w. 



14. Familien -Namen der dritten Schicht, c) Herkunft und Wohnstätte.. 57 

Die Namen dieser Gattung zeichnen sich, wie aus den mitgetheilten 
Beispielen hervorgeht, durch ihre Länge aus, da sie meist dreisilbig, zum 
Theil sogar viersilbig sind. Doch giebt es auch zweisilbige in Menge, von 
Ortsnamen, die nur aus einer Silbe oder auch aus zweien bestehen, abge- 
leitet, wie Ulmer, Wiener, Lindner (vom 0. Linden). 

So haben wir denn eine dreifache Weise, FamUien- Namen von Orts- 
namen zu bilden ; alle diese drei Formen finden sich z. B. in dem berühmten 
Baseler Drucker- und Gelehrten- Geschlechte der Amerbach, welche in den 
alten ZunfÜisten auftreten als von Amorbach, Amerbach, Amerbacher, 

Für viele FamUien- Namen, die offenbar Ortsnamen sind, lässt sich 
der entsprechende Ort nicht mehr nachweisen. Gar viele Ortschaften sind 
in den Stürmen der Zeiten untergegangen; so nach Förstemann in der 
Umgegend von Nordhausen an hundert im Umkreise weniger Stunden, und 
Hofftnann von FaUersleben bezeichnet in dem „Kasseler Namenbüchlein" 
unter 120 hessischen Ortschaften 30, also den vierten Theil, als nicht mehr 
vorhanden (auf Grund der „Historisch -topographischen Beschreibung der 
wüsten Ortschaften im Kurfürstenthum Hessen" von Dr. Landau). Die 
grossen Seuchen des Mittelalters, die barbarische Kriegführung, besonders 
die entsetzlichen Yerheerungen des dreissigjahrigen Krieges erklären dies 
zum grossen Theile. 

Wenn aber auch der Ort noch vorhanden ist, so decken sich doch 
dessen Name und der daher entlehnte Familien-Name heutzutage keines- 
weges immer. Das darf nicht überraschen ; denn indem beide Jahrhunderte 
lang selbständig und meist ohne gegenseitigen Zusammenhang fortbestanden 
und sich entwickelten, konnte es nicht ausbleiben, dass hin und wieder der 
eine Wandlungen erftihr, die der andere nicht mitmachte. So weist für die 
Familien -Namen BirJcenhagen und Eschenhagen wenigstens Kitter 's geogra- 
phisch-statistisches Lexikon keine vollkommen entsprechenden Ortsnamen 
nach, sondern nur Birkenhain und Eschen h ahn; beides aber, hain und 
hahn, sind Zusammenziehungen aus hagen (s. Förstemann, die deutschen 
Ortsnamen S. 57). Es hätten somit in diesem Falle die Familien -Namen 
die ältere, ursprüngliche Form bewahrt. Dasselbe gut von Meixner statt 
Meissner, von ZoUiJcofer (aus ZoUikon am Züricher See, urspr. Zollinc 
hovun „zu den Höfen des Zollinc"). 

Sehr viel Familien -Namen, besonders im östlichen Deutschland, sind 
von slavischen Ortsnamen entlehnt und sollen später eine genauere Dar- 
stellung finden (s. Beilage 3 und das Namen -Lexikon). 

Eine besondere Abtheilung in dieser Klasse bilden die 

Adelsnamen, 

die ja, soweit ursprünglich und echt, sämtlich von Ortsnamen abgeleitet 
sind, z. B. von Falkenstein, von der Asseburg, Doch ebenso alt ist die 
schon erwähnte Ableitung auf er: der Bodensteiner ^ der Toggenbwrger. So 



58 14. Familien -Namen der dritten Schicht, c) Herkunft und Wohnstatte. 

nennt sich Hartmann (im 13. Jahrh.) bald ,jder von Outoe^j bald „der 
Ouwaere^K So wird noch im Teil der Freiherr von Attinghausen von dem 
Hirten in der ersten Scene „der Attinghäuser^ genannt 

Jetzt ist die präpositioneile Bezeichnung aUgemein durchgedrungöi 
und zwar die mittels der Präposition von, welche die andern in den Hinter- 
grund gedrängt hat und als Kennzeichen des Adels schlechthin gilt 

Wie aus obiger Darstellung erhellt, hat dieses von einen Sinn nur 
vor Ortsbezeichnungen, und es ist eine Yerirrung, auch Namen anderer 
Art, ursprünglichen Person -Namen, Handwerksnamen u. s. w. es vorzusetzen. 
Von Hermann, von Schmidt, von Schultz u. dergl. ist sprachlich entschie- 
dener Nonsens, und dass man in hunderten von Fällen ein von so ganz 
äusserUch anheften konnte, ist ein unleugbarer Beweis von erloschenem 
SprachgefiihL 

Ein Best dieses Gefühles hat sich in Österreich erhalten; aber wie 
hilft man sich dort? Man bildet aus dem bisherigen Familien -Namen des 
zu Adelnden durch Anhängung von -feld, -bürg, -thal u. s. "w. einen Orts- 
namen, unbekümmert darum, ob es einen solchen Ort in der Welt giebt 
oder nicht, also: Kuhn von Kuhnenfeld^ PlanJc Edler von PlanJcburg, Braun 
von Braunthdl — lauter Namen, welchen man es sofort ansieht, dass sie 
nichts als Phantasie -Gebilde sind. 

Besser ist in dieser Hinsicht eine Namengebung wie: Schiibert^ Edler 
von dem Kleefelde (wegen seiner Yerdienste um den Kleebau geadelt, Pott, 
Personnamen S. 3), und Escher von der Linth, wie der Staatsrath Escher 
wegen Begelung des Laufes der linth und Austrocknung der durch diesen 
Muss gebildeten Sümpfe auf Beschluss des kleinen Käthes von Zürich 
genannt wurde. („Die Staatskanzlei sei beauftragt, künftig in allen betreffen- 
den öffentlichen Schriften den verewigten hochverehrten Herrn Staatsrath 
Hans Konrad Escher und dessen männliche Nachkommen als „Escher von 
der linth" zu benennen, eine Bezeichnung, die jetzt urkundlich um 80 
begründeter festgesetzt wird, da sie schon, während das Yaterland sich noch 
des lebendigen Wirkens des Yollendeten erfreute, von der öffentlichen Mei- 
nung aufgefasst und von Mitbürgern und Eidgenossen übereinstimmend 
geübt ward.") 

Häaser-Namen. 

Wenn in manchen Geschlechtsnamen, z. B. Amthor^ die Bezeichnung 
der Lage des Hauses entnommen ist, so entspringt sie auch sehr häufig 
aus dem Namen des Hauses selbst. Denn jene alte Zeit war, wie Becker 
S. 20 treffend bemerkt, so jugendfrisch, dass sie allen Dingen, wie Adam 
im Paradiese, gleich einen lebendigen Namen zu geben wusste, nicht nur 
Burgen, Höfen und Strassen, sondern auch den Häusern.^ Wir begnügen 

1) Dass in noch Mherer Zeit auch die Waffen der Helden^ namentUch die Schwerter 
Namen hatten (AlteMäre = Hoher Glanz, Freciosa, Angurwadel), ist aus den Epen des Ifittel- 
alters bekannt. 



14. FamUien- Namen der dritten Schicht, c) Herkunft und Wohnstätte. 59 

uns jetzt mit einem todten Numero und littera, während nur die Strassen- 
namen noch fortdauern. An einzehien Orten sind freilich auch diese 
wenigstens vorübergehend abgeschafift, z. B. in Mannheim, wo es statt 
dessen bis vor kurzem armselige Häuserquadrate A, B, C u. s. w. gab, und 
jenseit des Oceans bei den nüchternen, poesielosen Yankees, die da bloss 
zählen 1. 2. 3 Avenue. 

Im Mittelalter dagegen führten auch die Häuser Namen, und zwar 
benannte der Erbauer oder Besitzer eines Hauses dasselbe entweder nach 
seiner alten Heimat — so hiess das Haus, in welchem der Dichter Konrad 
von Würzburg (s. S. 53) in Basel wohnte, Wv/rzburg, andere zum Mai- 
land, zum Venedig — oder nach Thieren, Pflanzen, Geräthen, namentlich 
nach Geräthen oder Erzeugnissen eines Gewerbes oder Dingen, die mit dem 
Berufe des Erbauers irgendwie zusammenhingen. 

Diese Häuser- Namen nun wurden nicht angeschrieben, sondern dem 
lese -unkundigen Volke zu Nutz wurde der im Namen enthaltene Gegen- 
stand angemalt oder auch in einem Holz- oder Steinbild am Hause ange- 
bracht ^ 

Reste dieser Sitte sind die noch jetzt üblichen besonderen Benennungen 
und Bezeichnungen der Gasthäuser und Apotheken, auch der Logir- 
häuser in Bädern. Im Übrigen haben sich nur einzelne dieser Namen 
und Bilder bis in die Gegenwart erhalten. So heisst in Leipzig noch jetzt 
ein schönes, hohes Haus auf dem Neumarkte „dfte hohe Lilie"' (Pröhle), ein 
Haus in Erfurt ^^zum Bebstoche^^ ein anderes in Stettin „die weisse Taube^. 

An diese Benennungen knüpfen sich häufig sagenhafte Erzählungen, 
welche die Yeranlassung und Bedeutung derselben zu erklären suchen. 
Einige theilt Pröhle in seinen „Deutschen Sagen" mit: 

„Zu Erfurt sah einst ein Schäfer in seinem Garten einen Bock und 
ein Schaf an einem Eosenstocke stehn. Das Schäfchen aber scharrte mit 
seinem Puss etwas Geld aus der Erde. Da grub der Schäfer nach und 
fand soviel G^ld, dass er davon drei schöne Häuser bauen konnte. Er 
nannte aber das erste Haus „zum güldenen Schafe", und ist daran auch 
ein Schaf in Stein zu sehen, das andere „zum Eosenstock" und das 
dritte „zum schwarzen Bock". 



1) Ahnlich war es in England noch zu Ende des 17. Jahrhunderts: „Die Häuser (in 
London) waren nicht numerirt. Es würde in der That von geringem Nutzen gewesen sein 
sie zu numeriren; denn von den Kutschern, Sänftenträgem, Lastträgern und Laufburschen 
Londons konnte nur ein sehr kleiner TheU lesen. Es war nöthig, Reichen zu gebrauchen 
die der Unwissendste verstehen konnte. Die Läden unterschieden sich daher durch gemalte 
Zeichen, welche der Strasse ein heiteres und groteskes Ansehen gaben. Der Weg von 
Charingcross nach Whitechapel ging durch eine unendliche Folge von Saracenenköpfen , Königs- 
eichen, blauen Bären und goldenen Lämmern, welche verschwanden, wie sie nicht mehr als 
Leitfaden der gemeinen Leute nöthig waren.*' (Macaulay, Gesch. Englands seit dem Begie* 
rungsantritt Jacobs ü. Bd. 2 in dem Kapitel: Zustand Englands im Jahre 1685.) 



60 14. Familieii- Namen der dritten Schicht, c) Herkunft und Wohnstätte. 



Historischer sind nach allem Anscheine die Angaben über das oben 
erwähnte Haus „zum Bebstock", welches von Otto v. Ziegler im 15. Jahrii 
erbaut worden. „Dieser reiste 1447 zum heil. Grabe und in die 18 König- 
reiche. Er brachte aus dem heil. Lande einen grossen merkwürdigen Beb- 
stock mit, und als er 1451 zu Erfurt in der Puttergasse ein schönes Haus 
als Steinhaus erbaute, nannte er es „zum Bebstock". Oben an dem 
Hause standen auf steinernen Platten die Wappen der 18 Königreiche gemalt,^ 
wodurch der Otto v. Ziegler gereiset. Auch ward der Rebstock, den er 
mitgebracht hatte, daran abgebildet imd ausserdem in seiner Familie auf- 
bewahrt" (Pröhle, deutsche Sagen neue Ausg. S. 248 K). 

Ähnlich über ein Haus in Würzburg in der Domimkanergasse, welches 
den Namen ^^zum rothen Hahn"' führt: Auf das Dach desselben wurde von 
den Leuten des WUh. Grumbach nach Überrumpelung der Stadt Würzbuig 
ein rother Hahn gesetzt imd das Haus angezündet. Der rothe Hahn krähte 
(d. h. die Mamme prasselte) und flog von einem Dache zum andern. Nach 
seiner Wiedererbauung erhielt das Haus den Namen „zum rothen Hahn" 
(Pröhle a. a. 0. S. 237). 

Aus diesen Hausnamen und -Bildern sind mm eine Menge Familien- 
Namen entstanden. So führt Becker aus älterer Zeit unter andern folgende 
an: aus Köln 1116 zum Saphir, 1178 Lembechen (Lämmchen), 1219 vcn 
Gürzenich, 1256 van me Kranen (vom Kranich), 1262 van me JSane; aas 
Basel: 1255 Waltherus ad Stellam, zum Sternen, 1262 Anselm jser Tannen; 
später iser Sonnen, zer Bösen ^ zem Haupt, zeni Trocken (Drachen) u. 8.w. 
Wie hieraus ersichtlich wurden diese Hausnamen vorzugsweis aus der 
Thier- imd Pflanzenwelt gewählt, und daher erklärt sich zum gutei 
Theile der Umstand, dass jetzt so manche Familien -Namen nichts anderes 
als eben Thier- und Pflanzen-Namen sind. Der Hausname würde auf 
den Besitzer übertragen, ursprünglich wie andere Ortsbenennnngen mit 
einem Yerhaltnisworte: von oder zu^ welches später abfieL Einen Bewos 
für diese Entwickelung bietet unter anderem der Familien -Name MolfenUfj 
aus zum Olfenter (Kameel), wo das m von der Yorsatzsilbe noch stehen 
geblieben ist 

Besonders reichliche Beiträge zur, Bezeichnung menschlicher G^ 
schlechter haben unter den vierfiissigen Thieren gegeben: Schaf und 
Ziege^ Stier ^ Wolf^ Fuchs und Hase, nächstdem Hirsch und Beh (BA- 
hein, Rehfuss) — unter den Yögeln ausser dem allgemeinen Vogd nebst 
seinen Zusammensetzungen (Brachvogel, Schreivogel) die Kaubvögel: Adler, 
Geier, Falk, ausserdem der Hahn, Innerhalb des Pflanzenreichs überragt 
die Königin der Blumen, die Böse, die anderen auch hier, zumal in 



1) Schiller im Teil I, 2 von Stauffachers Hause: 

„Mit bunten Wappenschildern ist's bemalt 
Und weisen Sprüchen." 



15. Würdigung der deutschen Familien -Namen nach GehaJt imd Form. 61 

mannigfachen Zusammensetzungen (Rosenblüt, Rosenstiel, Rosenstock, Rosen- 
zweig), ^ 

Jedoch ist wiederholt daraufhinzuweisen, dass wir uns hier auf einem 
sehr trügerischen Gebiete bewegen, in einer Welt, die grossentheüs eine 
Welt des Scheines ist. Wie bei den Geräthschaften und Körpertheilen ist 
auch hier ein gut Theil anderen Ursprungs und triffifc nur zufällig, oft infolge 
einer Entstellung, mit neueren Thier- und Pflanzen-Namen zusammen. So 
ist der Name Strauss die regelmässige Weiterentwickelung vom althochd. 
Struz, der Schmeichelform von Strudolf, Appd ist Zusammenziehung und 
Yerkürzung aus AdcUbold, Hering^ althochd. Herinc, Patronymikum von 
Hero, Regen althochd. Regino (s. Eagan „klug"), Bock meist wohl aus 
Bucco^ Kürzung von Burkhart. Andere bezeichnen wirklich Thiere, stam- 
men aber meistens schon aus der ersten Periode, wie Bär, Ross, Schwan. 



Hiermit schliessen wir diese Übersicht. Wie uns die Person -Namen 
unserer germanischen Altvordern das kampfdurchtobte, waffenfreudige Leben 
und Treiben derselben vor Augen führen, so spiegeln die dem spätem 
Mittelalter entsprossenen Familien -Namen die bunten Erscheinungen mittel- 
alterlichen Lebens wieder. Die Bilder der Baubritter, der „frummen" 
Landsknechte, der theils gedrückten, theils übermüthigen Bauern, besonders 
aber der ehrsamen Bürger in Werkstatt und Bath, in Singschule und Trink- 
stube werden durch diese Namen vor unsere Augen gezaubert 

Wenn die Geduld des freundlichen Lesers uns bis hierher gefolgt ist, 
so wird derselbe mmmehr wenigstens in den Grundzügen ein Bild der 
deutschen Familien -Namen erhalten haben. Es mag dieses einem bunt- 
gewii'kten Teppich gleichen, in welchem die altdeutschen und die kirch- 
lichen Namen den Aufzug, die bürgerlichen Bezeichnungen den Einschlag 
bilden. Damit ist im Wesentlichen die Sache abgeschlossen; was später 
etwa noch hinzukommt, kann den Grundcharakter der deutschen Namen- 
gebung nicht ändern, es dient nur dazu, hie und da noch einen neuen 
Faden in das Gewebe einzufügen, es noch ein wenig bunter zu machen. 

15. 
Wflrdfgung der deutschen Familien -Namen nach Oehalt und Form, 

Nach ihrem Innern Gehalte ist die deutsche Namengebung alles Lobes 
würdig. 

Die Grundlage bilden die altdeutschen Helden-Namen mit ihrem 
schönen, idealen Gepräge und in ihrer reichen Fülle, mit einer verhältnis- 

1) Als bemerkonswerthe Namen nenne ich hier noch: Biedesel (Eeitesel), Schlara/fe 
(vgl. Schlaraffenland); Bmgeltaube, Nachtigdl; Bratfisch; Käsewurm — Petersüie, Meer- 
rettig, Voglbeer, Bohnenbluest (-blütej^i 



62 16. Latmisiningen. 



massig nicht bedeutenden Beimischung fremdsprachig kirchlicher Namen, 
von Glaubenshelden entlehnt. An diese schHesst sich dann, entsprechend 
der gesellschaftlichen Entwickelung, in durchaus gesunder und normaler 
Weise eine fast ebenso grosse Fülle bürgerlicher Namen, hergenommen 
von Amt und Handwerk, von Geburts- und Wohnort. Freilich hat sidi 
der Schwung des heroischen Zeitalters ermässigt, der poetische Blütenstaub 
ist abgestreift. Dafür tritt zum Ersatz der Witz, die scherzende und 
spottende Laune ein, die sich am glänzendsten in den Satznamen 
offenbart. 

Ein Mangel allerdings giebt sich hier sehr bald kund: die zu häufige 
Wiederkehr mancher Namen, besonders der vom Handwerk entlehnten, 
wogegen andererseits auch ein Fernhalten von leerem Prunk anzn- 
erkennen ist. ^ 

Nicht so günstig kann das XJrtheil in Betreff der Form ausfallen. 

Hier ist vor Allem zu beklagen, dass die klangvollen Namen der 
ersten Schicht, wie Hildebrand, Büdiger, Landolf durch spätere Yer- 
kürzungen und Yerkleinerungen doch sehr gelitten haben, so dass eine 
Menge überkurzer, einsilbiger, klangloser Namen entstanden ist: Eck, Steige 
Lemm, Thie, Beetz u. s. w. Hierher gehören auch viele zweisilbige, ins- 
besondere die norddeutschen auf ke: Oeße^ GehrJce, Beetiske, Zieike^ denen 
die süddeutschen auf l entsprechen: Dietl^ Atzl, DcUjsl, Huizl. 

YoUer tönende Namen finden sich unter den von Ortsbezeichnung^ 
entlehnten: Frankenstein , Reinthalery Rudinger u. a. — und diese bilden 
jetzt die Hauptmasse der längeren, mindestens dreisilbigen EamUien-Nam^ 
Manche, viersilbige, haben sogar zuviel Gewicht und etwas Schleppendes, 
wie: Älbrechtsberger , Koberlechner. 

• Ausserdem fallt eine Härte in den consonantischen Verbindungen, 
z. B. tzJc in Bitshey Kratjske, vielfach unangenehm ins Ohr. 

16. 

Latlnlslrii]]|;en. 

Unter den auf S. 61 erwähnten späteren Zuthaten treten hervor die 
Latinisirungen. 

Im Ausgange des Mittelalters und besonders nach der Wiederbelebung 
der klassischen Studien im 15. und 16. Jahrhundert wurde es Sitte bei 
den Gelehrten und studirten Fürstendienem, auch ihre Namen in das Antike 
zu übersetzen. Ein Beispiel haben wir unter Anderm an dem Dr. juris 
Olearius in Goethe's Götz in der Tafelscene des ersten Aufzuges: 



1) Man veigleiclie schwedische Namen wie von Tigerström (ein Strom , an dem Tiger 
hausen, inScandinavien!), Gyllenstorm (goldner Stunn) u. a. — auch die jüdischen EamiüeB- 
Namen (s. weiterhin). 



16. Latinisirungen. 63 



Liebetraut: Ihr seid von Frankfurt? Ich bin da wohlbekannt. — Euer Name ist 
Olearius? Ich kenne so niemanden. 

Olearius: Mein Vater hiess Öhnann. Nur den Misstand auf dem Titel meiner 
lateinischen Schriften zu vermeiden, nennt' ich mich nach dem Beispiel und auf Anrathen 
würdiger Eechtslehrer Olearius. 

Liebetraut: Ihr thatet wohl, dass ihr euch übersetztet. Ein Prophet gilt nichts 
in seinem Vaterlande; es hätt' euch in eurer Muttersprache auch so gehen können. 

Olearius: Es war nicht darum. 

Liebetraut: Alle Dinge haben ein paar Ursachen. 

Die Grundursache, des Übels Wurzel, war eben die leidige Nach- 
ahmung oder vielmehr Nachäffung des Fremden. Es sollte das alte Eömer- 
thimi wieder erweckt und AUes möglichst auf römischen Puss gebracht 
werden. So wurde das heimische Eecht durch das römische Corpus juris 
verdrängt, und auch die deutsche Muttersprache suchte man als eine bar- 
barische, wofür sie den Gelehrten galt, möglichst zu verdrängen und aus- 
zurotten, zunächst in den gelehrten Schulen, damit die lateinische ganz an 
ihre Stelle träte. Man betrachtete es als einen grossen Yorzug der römischen 
Kinder, dass sie von kleinauf Latein sprachen und mit Lateinsprechenden 
umgingen, und bedauerte die armen deutschen Kinder, die nicht schon von 
den Ammen und beim Spielen auf den Gassen lauter Latein hörten. Den 
Lehrern wie den Schülern war darum alles Deutschsprechen untersagt; 
Spielen ward unter der Bedingung erlaubt, dass auch dabei nur Latein 
gesprochen würde. So hoffte man die „barbarische" Muttersprache wenigstens 
aus den Schulen bald auszutreiben. In diesen traurigen Anschauungen und 
Bestrebungen kamen der Strassburger Lehrplan des Joh. Sturm, der würtem- 
bergische des Herzogs Christoph und der der Jesuiten überein. Es war 
eben allgemeine Zeitrichtung. 

Daher darf es nun nicht Wunder nehmen, wenn im Kreise der 
Gelehrten die Namen so eifrig verlateint wurden und man sich wenigstens 
hierin zu Bömem zu lügen suchte. Ein Lutz nannte sich Lucius, ein 
Kurz: Curtius, ein Köpf lin: Capito — ein Fischer übersetzte sich IHscator, 
ein Habermann: Ävenarius — mit Zuhülfenahme des Griechischen einHolz- 
mann: Xylander, ein Hausschein: Oecolampadius. 

Während die vergriechten Namen, fast ausnahmslos zusammengesetzt, 
durch ihre Länge ins Ohr fielen, indem sie mindestens dreisilbig, oft aber 
vier-, fünf-, ja sechssilbig sind: erschienen die einfachen lateinischen Namen 
in ihrer Kürze noch zu kahl; mindestens musste den zweisilbigen wie Sartor, 
Pistor noch eine Endung gleichsam als Schleppe angehängt werden, um die 
Würde ihrer pedantischen Träger recht zu bezeichnen, also: 8a/rtorius, 
JPistorius. 

In jenen Zeiten bestinunte zuweilen der unreife und phantastische 
Einfall eines imbärtigen Litteraten auf Jahrhunderte den Familien-Namen 
seines Geschlechtes. So war, nach Vilmar, ein gewisser Mosmann der Sohn 
eines Schmides zu Gemtinden an der Wohra ; da ihm aber einige lateinische 



64 16. Latinisiruiigeii. 



Yerse gelungen waren, so konnte er nicht mehr Mosmann heissen, sondern 
nahm den lateinischen Namen für das Gewerbe seines Vaters an: Faber. 
Indes das drückte doch nicht den poetischen Schwung aus, den der angehende 
Virgü in sich fühlte, und so nannte er sich denn Fcibronius, weldies 
bedeuten sollte Faber Aonius, d. i. Musenschmid, und diesen Namen behieltei 
seine Nachkommen bei. Seine Landsleute waren HelitAS Eobanfis Hesm 
und Euricius Cordus, von denen bei ihren hochpoetisch klingenden Nmien 
niemand mehr weiss, wie sie recht geheissen haben. 

So entstanden die wunderlichsten und abenteuerlichsten Namengebilde, 
z. B. Oslander aus Hosemann, Chiomusus aus Schneesing, Eucharius ans 
Eckhard, Chelopoeus aus Kistemaker, Namen, die jetzt schwer zu ent- 
räthseln sind, oder gar nicht mehr, wie Ghesnecqphorus. Auch übellantende 
Missbildungen, wie Gudnzius, Heinecdus, Cocceji^ setzten sich fest 

Diese Latinisirungen wucherten am meisten da, wo eben die vorhin 
geschilderte, s. g. humanistische Richtung besonders in Blüte stand, also 
namentlich in Sachsen, in der Pfalz, in Holland, vor Allem aber am Hofe 
des hessischen Landgrafen Philipps des Grossmüthigen. 

Manche kehrten von den Pistorius, Episcopius, MeUssander ihrer Yäfcer 
zu den Becker, Bischoflf, Bienemann ihrer Grossväter zurück; Andere ab« 
behielten die bunten lateinischen und griechischen Namen bei, wenn sie 
sich auch nicht auf der wissenschaftlichen Höhe ihrer Vorfahren behauptei 
konnten, imd so finden wir diese Premdnamen gegenwärtig noch überall in 
Deutschland. * 

Jetzt bekommt diese Namenklasse glücklicherweise keinen Zuwadis 
mehr. Nur einige Stockphüologen haben es in neuerer Zeit noch nicht 



1) Urspr. blosser Koch, aber anmasslicher Weise eiDgedrungen in die romische Geos 
Cocceja (Pott). 

2) Friedrich der Grosse hat gelegentlich darüber seinen Spott ausgegossen , sidie den 
Bericht über seinen Besuch im Ehin- und Dossebruch (1779), verfasst vom ObeiamtmaaD 
Fromme, welcher den König durch den Fehrbelliner Amtsbezirk begleiten musste and Alks 
aufgezeichnet hat, was er an diesem denkwürdigen Tage erlebt und aus des Königs Mond» 
vemonmien. 

König: Wie heisst Ihr? 

Amtsrath (des Amtes Neustadt): Klausius. 

König: Klau-si-us. Was ist das für ein Mensch, der da rechts? 

Fromme: Der Bauinspector Menzelius, der hier die Bauten in Aufsicht gehabt hat 
König: Bin ich hier in Eom? Es sind ja lauter lateinische Namen! — — Wk 
heisst die Kolonie? 

Fromme: Klausiushof. 

Amtsrath: Ihre Majestät, sie kann auch Klaushof heissen. 

König: Sie heisst Klau-si-ushof. Wie heisst da die andere Kolonie? 

Fromme: Brenkenhof . 

König: So heisst sie nicht. 

Fromme: Ja, Ihre Majestät! Ich weiss es nicht anders! 

König: Sie heisst Brenkenhofi-ushof. 



17. Jüdische Namen. 65 



lassen können, Namen in dieser Weise für ihre Zwecke zu antikisiren: 
Öhler in Olearius, Sillig in Siligius. Doch gründlicher verfuhr hierin Eeisig. 
Dieser Gelehrte, der jedesmal, wenn er glaubte eine glückliche Conjectur 
gemacht zu haben, dies der "Welt durch Ti'ompetenstoss von dem Boden 
seiner Wohnung aus verkündete, leistete auch Entsprechendes auf dem 
Gebiete der Antikisirung, besser gesagt, Entstellung der Namen. So ver- 
wandelte er Wunderlich in Vunderilicus, Pqppo ganz unnöthiger Weise in 
Pomponius, Mitscherlich gar in Midoscherilix, als wäre dieser Horazerklärer 
des 19. Jahrhunderts einer von den CeltenhäupÜingen des alten Galliens, 
gleich den Viridovix und Vercingetorix. 

17. 
Jttdische Namen. 

Am spätesten haben die Juden sich dazu verstanden, Familien -Namen 
anzunehmen; meist wurden sie erst durch die Gesetzgebung, in Österreich 
unter Joseph II., in Preussen durch Hardenberges Edict vom 11. März 1812 
dazu genöthigt. Sie hatten nun die Wahl und wählten, was auch am 
nächsten lag, zum grossen Theil hebräische, alttestamentliche Namen, indem 
einfach die bis dahin geführten Person -Namen zu Familien -Namen gestempelt 
wurden: Abraham, Jacob, Moses, Simon — mitunter nach der Aussprache 
der heutigen deutschen und polnischen Juden: Heimann (statt Heman) — 
auch patronymische Ableitungen hebräischer Namen: Jacoby; Jacobson 
(entsprechend dem hebräischen ben^ welches in Benary „Löwensohn" 
erscheint). 

Doch in der Mehrzahl wurden neuhochdeutsche Namen gewählt, 
zunächst Bezeichnungen von Eigenschaften, natürlich guten: Edelj 
Freundlich, Treu — sodann Thierbenennungen: Hirsch, Wolf, Adler^ 
meist wohl mit Eücksicht auf die Bedeutung, welche denselben im alten 
Testamente beigelegt wird* — jedoch mit besonderer YorUebe Ortsbezeich- 
nungen: Cassel, Falkenstein; häufig mit der Ableitungsendung er: Fried- 
länder, Wronher, Exiner, MeseriUer. Diese Namen weisen grossentheils 
nach dem Osten, nach Westpreussen und Posen. 

Eigenthümüch ist hierbei die Vorliebe für schönklingende Namen, 
Zusammensetzungen nicht nur mit Gold* und Silber — sondern auch mit 
Löwen, Eosen und Lilien: Löwenberg und Löwenthal; Bosendorf und 
JRosenberg; Lilienthal u. ähnl. Woher diese prächtig klingenden Namen, 
welche zu den die jüdische Namengebung beherrschenden gehören? Ist es 
noch ein Nachklang jenes poetischen Sinnes, der sich einst in den Dich- 



1) Im Segen Jacobs (1. Mos. 49) wird Naphthali ein Hirsch, Benjamin ein Wolf 
genannt. Der Adler ist ein BUd sich erneuender Jugend (Ps. 103, 5 u. a.). 

2) Golde, Göldmann, Goldenberg, Goldstein, Goldmark, Goldziher u. s.w. 

Ueintze, Deutsche Familien -Namen. 5 



66 18. PranzÖsiningen, Polonisirungen und andere Metamorphosiningen der Neuzeit 



tungen des alten Testamentes kundgegeben, ein Stück von dem Farben- 
reichthum des Morgenlandes nach dem Abendlande verpflanzt? Oder ist es 
nur das Bestreben, wie die Waare so auch den Namen möglichst heraus- 
zuputzen, durch schönes Etikett Eeklame zu machen?* 

Dabei wird nun nicht gefragt, ob derlei Ortsbezeichnungen auch in 
Wirklichkeit vorkommen; diese Lilienthal, Veilchenfeld u. s. tv. sind grossen- 
theils rein erdachte Namen, wie auch Cohnfeld und Cohnheim, Aranbaci, 
Lewinthal — denn wo gäbe es in Deutschland Orte dieses Namens? Es 
gleichen diese scheinbaren Ortsnamen trügerischen Luftspiegelungen, die bei 
der Annäherung zerrinnen. 

Hingegen treten zurück die altdeutschen Namen, die kirchlichen und, 
was besonders bezeichnend ist, auch die Handwerks -Namen. HöchsteL« 
Gerber findet sich, eine Ausnahme, die sich wiederum leicht erklärt 

Im Ganzen hat die jüdische Namengebung etwas Gemachtes, Künst- 
liches,^ was allerdings theilweise mit der Art ihrer Entstehung zusammenhangt 

18. 

FranzOsirungen , Polonisirungen und andere MetamorpIiosimng«ii 

der Neuzelt. 

Die in Kap. 16 geschilderten Latinisirungen fanden eine bemerkens- 
werthe Fortsetzung in der neuesten Zeit. Das infolge der traurigen staat- 
lichen Verhältnisse gesunkene Nationalgefühl der Deutschen hatte schon seit 
dem dreissigjährigen Kriege eine bei andern Völkern unerhörte Schwwihe 
hervortreten lassen, die sich in Missachtung des Heimischen und Über- 
schätzung alles Fremden kundgab. ^ Daher in der litteratur die sklavische 
Nachahmung fremder Muster, in der Sprache die Überschwemmung mit 
fremden, namentlich französischen Wörtern. Auf einzelnen Gebieten über- 
wunden trat diese einmal vorhandene Schwäche und Krankheit wieder io 
andern Symptomen hervor — neuerdings in der Unsitte, in fremden Landen 
seinen deutschen Namen zu entdeutschen, zu französiren, polonisiim 
magyarisiren, wie es gerade kommt 



1) Bemerkenswerth ist es, dass die Frau auch wohl den Vornamen des Mannes mit 
annimmt : Esther Salonion Gottschalk , Bertha Philipp Freundlich — es ist eben dif 
Firma, die so selbst noch auf den Grabsteinen prangt. 

2) So theilten sich zwei Familien in das Wort Israeliten in der Art, dass die eine axk 
Israel, die andere Litten nannte! Kahn und Hahn wurden als Nebenformen von CWU 
(Priester) verwendet , um die verschiedenen Glieder einer weitverzweigten Eamilie zu rarfff* 
scheiden. Dazu nehme man österreichische Namen wie PulverbestandtTieü , Kanalgend! 

3) Früher beseelte die Deutschen ein stolzes Selbstgefühl, über welches als die .Tat- 
tonicis innata superhia" Schriftsteller anderer Nationen klagen. „Seit jenem unseliga 
Kriege," ruft Gfrörer bitter aus, „sind die Deutschen ein Volk von Bedienten geworden!" 

„Ich bin Franzos!" „Engländer!" „Ich Russe!" — Und Sie, mein Yerehrter? 
„Schulze aus Meiningen, Herr! Dero ergebener Knecht!" (Xenien der Gegenwart) 



18. Französirungen , Polonisirangen und andere Metamorpliosirungen der Neuzeit. 67 

So werden denn in Prankreich die Namen französirt: ^ ein Solger 
nennt sich Saulier, ein Nagler — Naguüler^ ein Witzel — Ficelle, und 
ein Vogler schämt sich seines schönen deutschen Namens, nicht Vogler 
mehr — er wohnt ja in Paris — nein, Fouclair! mag auch das Franzö- 
sisch, welches er spricht, noch recht sehr seine Abstammung aus Deutsch- 
land, vielleicht speciell aus Thüringen verrathen. 

Besonders ungerechtfertigt und tadelnswerth ist es, wenn dergleichen 
in Deutschland selbst geschieht, wenn sich z. B. ein Dessauer — Dessoir 
nennt, um durch diesen aufgehefteten französischen Lappen seinem Namen 
ein vornehmeres Aussehen zu geben, oder wenn echt deutsche Namen mit 
französischen Accenten versehen werden: Hoppe, Nägele j SchuUse (!), 
Sälingre, Leder er. 

Während diese Pranzöselei sich häufig bei Schauspielern findet, italieni- 
siren sich Sänger und Sängerinnen: der Schwabe Stiegele in Stighelli^ die 
Sängerinnen Crüwell in Cruvelli^ Köder in Bodani (!) — als ob Deutsche 
nicht singen können und Alles, was gut singt, aus Italien herstammen muss! 

"Wie im Westen die Namen französirt werden, so werden sie im Osten 
polonisirt. Ein Feldmann benamset sich klangvoller Feldmanotvski , ein 
Krauthofer zunächst Krauthofski, dann aber, damit doch ja nicht eine Faser 
einer deutschen Kohlrübe an ihm hängen bleibe: Krotowski, Wird keine 
polnische Endung angehängt, so muss wenigstens die Schreibung eine pol- 
nische sein: Szuman (Schumann), Szrajher (Schreiber), Szule (Schulz).* 

Man sollte dergleichen nicht für möglich halten, da die polnische 
Nation doch in geringerer Achtung steht (s. „polnische Wirtschaft", „pol- 
nischer Keichstag") und die deutsche sich stets überlegen gezeigt hat, und 
doch geschieht es. Hieraus erklärt sich zum Theil das erneute Vordringen des 
Slavischen in manchen östlichen Bezirken Preussens. Es wäre nicht möglich 
gewesen, wenn die Deutschen in polnischer Umgebung die Fahne ihrer 
Nationalität immer hochgehalten hätten, wenn sie nicht in jämmerlicher 



1) Schon lange vor dem letzten Kriege. 

2) Diese lächerlichen Schreibungen finden ein Gegenstück nur in den Entstellungen 
deutscher Namen auf Häuserschüdem in Metz (vor 1870): Chemit (Schmidt), Quoinze 
(Kunz) u. a. 

Über die Polonisirungen früherer Jahrhunderte spricht Winckler, „die Nationalitäten 
Pommerellens" S. 4 f. , welcher dort ein Verzeichnis der während der polnischen Herrschaft 
polonisirten Adelsgeschlechter giebt. So wurde aus Ahlebeck gemacht Alebitzki, aus Behme — 
Bern, aus Hütten — Czapski, aus Eochenstein Kochanski, aus Schönbom — Szum- 
horski u. s. w. Noch häufiger jedoch wurde den deutschen ein polnischer, vom Besitz ent- 
l^mter Name hinzugefügt, so dass nun diese merkwürdigen Zwitter entstanden wie Stein 
von Kaminski, OUerfeld- Bybinski, Doch diese Maskirungen werden durch den Druck der 
mehr als dreihundertjährigen polnischen Grewaltherrschaft in Westpreussen einigermassen ent- 
schuldigt. Welche Entschuldigung aber haben diejenigen, die in der Gregenwart unter einer 
deutschen Begierung ihre Nationalität verleugnen und mit den Feinden des Yaterlandea 
gemeinsame Sache machen? 

5* 



68 18. PranzÖsirungen, Polonisirutigen und andere Metamorphosirungen der Neuzeit. 

Schwäche ihr Deutschthum verleugnet, ja zum Theil sich den Polen im 
Kampfe gegen ihr Vaterland, gegen deutsche Sprache und Nationalität ange- 
schlossen hätten. So weigerte sich 1869 ein Gutsbesitzer Arndt bei Gnesen, 
an einer in deutscher Sprache geführten Gerichtsverhandlung theüzunehmen, 
weil er — ein Pole sei! In Böhmen sind die Bieger und Brauner gerade 
die Vorkämpfer der Tschechen. 

In Österreich, wo überhaupt das deutsche Element sich noch unkraf- 
tiger als anderswo zu erweisen scheint, schUessen sich an die Slavisirungen 
deutscher Namen in den slavischen Landstrichen Magyarisirnngen in 
Ungarn. Die öffentlichen Blätter haben in neuerer Zeit häufig lange listen 
österreichischer Staatsbürger gebracht, denen auf ihren Antrag Magyarisirung 
ihres Namens bewilligt worden. Am bekanntesten unter diesen Pseudo- 
Magyaren ist der berühmte Eeisende Vamh6ry, dessen Name nichts weiter 
ist als eine Verdrehung aus Bamberger. Ähnlich hat sich ein Hundsdöifer 
in Hunfalvy, ein Schedel in Toldy magyarisirt, der dann als Secretär der 
ungarischen Akademie der Wissenschaften im ungarischen XJnterrichtsrathe 
gegen seine Muttersprache wüthete imd die nichtmagyarischen Kationalitätai 
Knall und FaU zu Magyaren zu machen suchte. 

Wird nicht der ganze Name umgewandelt, so muss wenigstens die 
Schreibung magyarisch sein, z. B. Sgontaglu^ 

In Amerika endlich werden die Namen anglisirt: Schmid in Smiä^ 
Grünbaum in Oreenbaum, 

Diese Umwandlung ist übrigens verhältnismässig am unschuldigsten^ 
da es mehr nur Umsetzung aus einer Mundart in die andere, ans der hoch- 
deutschen in die angelsächsische ist. Wenn aber auf diesem Wege ein so 
schöner Name wie Eosenkrantz in Rosecrans entstellt wird, so tritt auch 
hier wiederum das Widerwärtige dieser Erscheinung hervor. 

Alles in AUem — es ist eine sehr betrübende Erscheinung. Dass auf 
diese Weise echtdeutsche Namen verhunzt werden, ist noch das Qeringera 

1) Winckler, die Nationalitäten u. s. w. bemerkt auf S. 94: „Dass gerade im öster 
reichischen Kaiserstaate das deutsche Element überall an Terrain verliert, kann *«£»«<*<■ 
der allgemein bekannten Thatsachen nicht mehr geleugnet werden, und es erscheinen dal« 
die in den weiten Gebieten des ausserdeutschen Österreichs inselartig zerstreuten Deutsdn 
(1,800,000) jetzt als verlorene Posten des germaniscben Volkes." — S. 95: „Wie die einsfoili 
entschieden vorherrschend deutschen Städte Ungarns jetzt nur noch mit magyariscdien Nam 
bezeichnet werden, so sind auch deren deutsche Bewohner, welche deutsche Familien -Nam 
führen, emsig darauf bedacht, rein und vollklingende ungarische Namen zu ersinnen.* - 
Und in der Anmerkung : „Unter vielen Beispielen nur eine Thatsache : die Entwicksliiiig der 
zu Deutschland gehörigen Stadt Triest. Dass diese Stadt, welche Alles, was sie hat, dar 
österreichischen Herrschaft verdankt, die sie aus einem obscuren „Schilfrohmesf zu einem dar 
ersten Handelsplatze der Welt erhoben hat , — dass dieses Triest , welches bereits 1382 eA 
freiwillig Leopold IV. von Osterreich unterwarf, so gänzlich deutschem Wesen, dentaekr 
Cultar und Civilisation verschlossen geblieben ist, bleibt ein die österreichiche StaatBkuit 
stets trefifender Vorwurf und lässt die so oft betonte Mission Österreichs, deutsch« Odtar 
weiter zu verbreiten, in einem sehr wenig vortheilhaften Lichte erscheinen.^ 



«/^- 



19. Geographische Verhreitung der deutschen Familien -Namen. 69 

Schlimmer ist, was damit unvermeidlich zusammenhängt. Wer sich seines 
ehrlichen deutschen Namens schämt, der schämt sich auch seiner Sprache, 
seiner Ifationalität, seines Vaterlandes und sucht sie sobald wie möglich 
abzustreifen, er wird Franzose, Pole, Magyare, Slovene, Slovake, was es 
sei — nur ja nicht Deutscher bleiben ! ^ Einem Franzosen , einem Eng- 
länder, Italiener würde es nicht einfallen, seinen Namen einer fremden 
Sprache zu Liebe zu entstellen — dem Deutschen war es vorbehalten, sich 
so wegzuwerfen! 

Ein edler Stolz — das ist es, was dem Deutschen in den letzten 
Jahrhunderten nur zu sehr gefehlt hat. Und doch hätte er wohl Ursache, 
auf sein Vaterland stolz zu sein ! auf das Land der Guttenberg und Luther, 
der Leibnitz und Humboldt, der Goethe und Schiller, der Schamhorst und 
Stein! 

Wird sich dies ändern nach den grossen Ereignissen des letzten Jahr- 
zehnts, besonders nach dem französisch -deutschen Kriege von 1870 und 71, 
der Deutschland (mit Ausnahme Deutsch -Österreichs) endlich geeint, Elsass 
und Lothringen uns wiedergebracht und das deutsche Eeich zur ersten 
Macht in Europa erhoben hat — wird es sich nach diesen grossen Errungen- 
schaften ändern, dauernd ändern? 

19. 
Oeographlsche Verbreitung der deutschen Familien - Namen. 

Nachdem wir die geschichtliche Entwickelung der deutschen Familien - 
Namen in den Grundzügen verfolgt haben, wird es nunmehr an der Zeit 
sein, auch in geographischer Beziehung einen prüfenden Blick auf dieselben 
zu werfen. 

Stellen wir zu dem Ende vorerst die Grenzen des deutschen Sprach- 
gebietes fest, welche im Wesentlichen ja auch die der deutschen Familien - 
Namen sind ! * 

Wenn wir im Nordwesten beginnen, so folgt die Grenze zwisch^ 
Deutsch und Niederländisch vom Dollart aus im Ganzen der politischen 
Grenze zwischen Deutschland und Holland. 



1) Büstow in seinen „Erinnerungen aus dem Italienischen Feldzage von 1860*^: „Die 
ungarische Legion hestand aus allen Nationen; hesonders waren auch viele Norddeutsche 
darin. Die deutschen Offiziere in derselben hatten sich ungarische Namen gegeben** — 
wozu das Magazin für litterator des Auslandes (1862, Nr. 7) bemerkt: „Es ist wirklich 
rührend und für jeden echten Deutschen erhebend. Man möchte glauben, wenn einmal ein 
Freiheitskrieg der Eongoneger ausbricht, und deutsche Landsknechte dahin kommen, so lassen 
de sich, abgesehen von den schwarzen Namen, die sie natürlich annehmen, mit echtem 
Kienruss färben, um den Negern ihre Farbe und Nationalität nicht missliebig zu machen.** 

2) Bernhardi, Sprachkarte von Deutschland. — Kiepert, Völker- und Sprachen- 
karte von Deutschland und den Nachbarländern. — Ders. Völker- und Sprachenkarte von 
Österreich« 



(0 19. Geographische YerfoTeitang der deatscheD Familien-NamaL. 



Bei Eupen setzt das Französische ein, und die Grenze zwischwi 
Deutsch und Französisch fällt nun seit Rückgewinnung des Elsasses mdst 
wieder mit der politischen zusammen, indem nur bei Malmedy und Metz 
das deutsche Sprachgebiet zurückweicht, während es andrerseits bei Luxem- 
burg bis nach Arlon in Belgien hinübergreift 

Yon der Schweiz ist der JSTorden und die Mitte deutsch, der Art, 
dass etwa Solothum, Freiburg, Gsteig (Canton Bern) und Ijenk (Canton 
Wallis) die äussersten deutschen Punkte nach Westen sind. 

Am Kosa- Berge bUdet Issime den südlichsten Vorsprung in das roma- 
nische — westlich französische, östlich italienische Sprachgebiet Von hier 
geht die Grenze nordöstlich über den St Grotthard, Chnr, Martinsbrack, 
die Ortlesspitze, Salum (Tirol), Brunecken bis Pontafel in Kärnten, wo drei 
Sprachen: Deutsch, Italienisch, Slavisch zusammenstossen. 

Von Pontafel zieht sich die Grenze zwischen Deutsch und Slavisch, 
im Ganzen der Drau folgend, ostwärts bis Badkersburg an der Mur, von 
da nordwärts bis zur Mündung der Feistritz in die Raab, wo wir zueist 
auf das Magyarische stossen. 

Weiteriiin bis Pressburg ist die Sprachgrenze — zwischen Magyarisch 
und Deutsch — in welche sich überdies slavische Sprachinsehi eindrängeD, 
vielfach zerrissen : doch greift das Deutsche bedeutend nach Ungarn hinüber 
bis Körmönd, Güns, Wieselburg, imd bildet auch im eigentlichen Ungarn 
viele Sprachinseln, besonders in der westlichen Hälfte und im Banat 

Bei Pressbuig stossen wir wieder auf das Slavische (Westslaven). 
Durch das mährische Thor zwischen Olmütz und Znavm haben sich die 
Tschechen tief hinein ergossen bis Budweis. Pilsen, Leitmeritz, Tuman, 
Josephstadt, so dass nur die inneren Abhänge der Grenzgebirge Böhmens 
deutsche Landbevölkerimg bewahrt haben. 

In Preussen ist der ganze Ostrand von Pless bis Oletzko zur Zeit 
noch überwiegend slavisch ^^polnisch\ also der Südosten von Schlesien 
etwa bis BatiK^r, Zülz, Xamslau, die grössere östliche Hälfte von Posen, 
das mittlere Drittel von TTestpreussen, nördlich von Bromberg bis zur 
Ostsee (Kassubei), der Süden von Ostpreussen ^Masuren). Doch sind 
auch diese als überwiegend polnisch bezeichneten Landschaften von vielen 
deutschen Sprachinseln durchsetzt und zeigen in dieser Hinsicht ein sehr 
buntes Bild. 

Xoch ist eine slavische Sprachinsel zu erwähnen : die Sorben wenden 
in der Lausitz, zwischen Bautzen, Muskau, Senftenberg, Peitz. 

Osthch von Goldap beginnt die Grenze zwischen Deutsch und 
Littauisch, welche zuerst fast ganz mit der poUtischen Grenze gegen 
Bnsdand übereinstimmt, dann nördlich von Pilkallen sich westwärts wendet 
und an der Mündung der Gilge ins kurische Haff die Küste trifft 

Endhcfa im Xorden die Grenze g<^n das Dänische! Diese wird 
durch eine linie von Hoier an der Xoidsee über Tondern nach 



19. Geographische Verbreitung der deutschen Familien- Namen. 71 

Gravenstein bezeichnet; aber nördlicher gelegene Orte, namentlich Apenrade 
Hadersleben, Christiansfeld sind noch deutsch. 

Ausserhalb dieses Hauptgebietes finden sich noch mannigfache deutsche 
Inseln, besonders an dem ganzen Südost- und Ost-Eande: so Gottschee in 
Krain, viele Kolonien in Ungarn (Arad, Weisskirchen, die Zips), in Sieben- 
bürgen (Hermannstadt, Kronstadt, Bistritz), in Eussisch- Polen (Lodz), in 
den russischen Ostsee -Provinzen Kuiiand, Lievland, Esthland, an der 
Wolga, endlich jenseit des Ozeans in Amerika und Australien. ^ 

Innerhalb des zusammenhängenden deutschen Gebietes sind nun zwei 
sich kreuzende Linien zu ziehen : eine von Nord nach Süd , um die Grenze 
zu bezeichnen, bis zu welcher sich slavische Einflüsse infolge früherer 
Besiedelung (s. Beilage 3) noch heutzutage in der Namengebung bemerklich 
machen — eine zweite von West nach Ost, um die Scheide zwischen Ober- 
and Niederdeutsch festzustellen. 

Die Scheidelinie zwischen Deutsch und Slavisch (Wendisch) 
wird im Allgemeinen gebildet durch Elbe, Saale, Böhmerwald. Das Genauere 
ist, dass eine Linie von der Kieler Bucht in einigen Windungen, doch im 
Ganzen nach Südost verlaufend (zwischen dem 28. und 32. Meridian), über 
Lüneburg, Oschersleben, Naumburg, Koburg, Waldmünchen (im Böhmer 
Walde), Windisch Garsten (in Österreich ob der Enns), Pontafel die äusserste 
Westgrenze der slavischen Eroberungen im 6. — 9. Jahrhundert bezeichnet 

Die Scheidelinie zwischen Oberdeutsch und Niederdeutsch 
geht über Bonn, den Harz, die Niederlausitz — genauer: von Eschweiler 
(an der holländischen Grenze) über Bonn, Siegen, Münden, Aschersleben 
Wittenberg, Lübben, Fürstenberg bis Birnbaum (Posen), wo das Polnische 
beginnt. 

Doch ist diese Linie natürlich nicht haarscharf zu ziehen; denn Über- 
siedelung, gegenseitiger Verkehr, Unterjochung des einen Stanmies durch 
den andern, Vermischungen aller Art haben beide Mundarten — besonders 
an der Grenze — oft durcheinander geworfen. Daher finden sich südlich 
jener Linie noch an manchen Orten niederdeutsche Elemente, nördlich ober- 
deutsche, ja beträchtliche deutsche Sprachinseln am Oberharz (um Klausthal) 



1) Bisher war das Gebiet des Deutschen gegen das Eomanische (Französisch, Italienisch) 
in West und Süd im Zurückweichen, gegen das Slavische im Ganzen, wenn auch nicht ohne 
Schwankungen, im Vorrücken begriffen. Seit der Wiedergewinnung von Elsass und Deutsch - 
Lothringen ist wenigstens im Westen der Eomanisirung ein Halt geboten. Und mi Osten 
wird, nachdem die deutsche Sprache in der Schule und dem amtlichen Verkehr innerhalb des 
deutschen Beiches wieder in das ihr gebührende Eecht eingesetzt worden, auch das Vor- 
rücken des Deutschen, soweit Preussens Fahnen wehen, ein stetigeres sein. In Osterreich 
freilich ist der Stand der Dinge ungleich weniger günstig — bei dem viel höheren Procent- 
satz der Fremden (etwa 10 Millionen Deutsche unter 37 Millionen) und der Gleichgültigkeit 
der Begierung, welche die Deutschen, die doch den Eitt des vielsprachigen Staates büden, 
nicht unterstützt, im Gregentheil, den fremden Nationalitäten preisgiebt. 



72 20. Genauere Angabe der Vertheilung der Familien -Namen in Nieder-Deutscliland. 

und in Ostpreussen (um Wormditt und Guttstadt), letztere wohl durch Ein- 
wanderer entstanden, welche im Anfange des 17. Jahrhunderts aus Ober- 
deutschland in das pestverheerte littauen zogen. 

Durch Ziehung dieser beiden sich kreuzenden Ijinien wird das ganze 
Gebiet in vier Viertel zerschnitten: Nordwest, Nordost, Südwest, Südost 
die wir nach dem Grund -Charakter der Familien -Namen bezeichnen als: 
niederdeutsch, niederdeutsch -wendisch — oberdeutsch, oberdeutsch -wendisch. 

Im Folgenden soll nun für das Gebiet des Niederdeutschen eine 
genauere Charakteristik der geographischen Vertheilung der Familien -Namen 
versucht werden. 

20. 

Oenanere Angabe der Yerthellimg der Familien -Namen 

in Niederdentseliland. 

Nordwest. 

An der Nordseeküste sitzen seit Urzeiten in einem schmalen Streifen 
von der Scheidemündung ostwärts — soweit es Marschen und Inseln giebt - 
die Friesen, „der deutsche Seestamm, zäh xmd spröde im Festhalten des 
Alten, im Vertheidigen der Freiheit, ein kerniges Geschlecht." 

Die Sprache ist erst allmählich durch das nahverwandte Niederdeutsche 
zurückgedrängt worden und behauptet sich gegenwärtig östlich der Ems 
besonders noch im Saterlande (Oldenburg), in der Gegend von Husum und 
Tondem und auf den Inseln. ^ 

In diesen vom Weltverkehr abgelegenen Gauen bildeten sich, den ein- 
fachen bäuerlichen Verhältnissen entsprechend, vorzugsweis patronymische 
Geschlechts -Namen aus. 

Beginnen wir mit Ostfriesland! Hier bilden die genetivisdioi 
Namen wie Beiners, Gerdes, Gerjets, Dirks — Pocken ^ Rippen, Tjaden^ 
Ufken, mit Anschluss der seltneren auf -sen (Bohlsen) in den Kreisen 
Aurich und Emden die Hälfte aller Namen, in Leer noch ein Drittel. Ak 
ganz besonders charakteristisch, nur hier vorkommend, sind dabei die Namen 
auf a (Gen. Plur.) hervorzuheben: Wiarda, Ebbinga, Ukena — ausserdon 
die Zusanmiensetzungen mit ma (mann): Bolema. 

Von Gewerben finden sich nur die einfachsten (ländlichen): Sn^iii, 
Müller, Fischer, Schipper ^ Bakker, Kramer, 

Die Lautverhältnisse haben manches Eigenthümliche : sm (Smidt neben 
Schmidt), tj (Wamses), kk (Dekker), ui = ü (Luitjens), ou = au ("Wilde- 



1) Ein Beispiel dieser sehr abweichenden Mundart ist das saterländische „Skiffen 
sankje'* (Schiffers Gesang), mitgetheilt von Poppe, Globus 1872 Nr. 12. Dass übrigens ii 
diesem ganzen Kapitel nur die Landbevölkening in Betracht kommen konnte, ist «oU 
selbstverständlich. 



20. Genauere Angabe der Verthcilung der Familien -Namen in Mederdeutschland. 73 

bouer). Wie hieraus ersichtlich, weisen sie zum Theil auf das Holländische 
hin, dessen Einfluss sich an der ganzen westlichen Sprachgrenze von Ost- 
friesland bis zum Niederrhein geltend macht. 

Auch im Oldenburgischen treten die patronymischen Namen wie 
Redlefs, Oltmanns, Rieniets, Taddiken, Knutzen (=^ Knudsen) am nörd- 
lichen Küstenrande stark hervor, am stärksten (mit 80 Procent) im Kreise 
Jever. Überhaupt findet grosse Übereinstimmung mit den ostfriesischen 
Namen statt, nur dass die auf a und ma fehlen, wie auch die Anklänge an 
das Holländische. 

Kommen wir nach Hannover, so treten hier, selbst in den Marschen 
zwischen Weser und Elbe, die genetivischen Namen merklich zurück. Ihre 
Zahl wächst erst wieder in Holstein (Ditmarschen: mindestens 40 Pro- 
cent) — und hier, an der schleswig-holsteinischen Küste, treten die bis 
dahin mehr vereinzelten Zusammensetzungen auf -se», je weiter nach 
Norden, desto stärker hervor, namentlich im Herzogthum Schleswig, bis in 
den Kreisen Husum und Tendern die Hansen, Thomsen und Nissen, Chri- 
stiansen und Gidionsen, Detlef sen und Uinrichsen Alles so überwuchern, 
dass sie fast 90 Procent aller Familien -Namen füllen. Doch diese Bildungen 
greifen auch nach der Ostseite des meerumschlungenen Landes hinüber, zum 
Stamm der Angeln, und bilden dort ebenfalls die Mehrheit, im Kr. Flens- 
burg wiederum 90 Procent, im Kr. Schleswig noch die Hälfte, bis sie im 
daran grenzenden Kr. Eckernförde plötzlich nahezu verschwinden. 

Diese Namen auf -sen bilden eine Brücke einerseits zu den dänischen 
und scandinavischen Germanen (vgl. Andersen y Thorwcddsen, Björnsen\ 
andererseits zu den Engländern (Richardson, Johnson, Thompson) und 
verbinden so noch jetzt, fast anderthalb Jahrtausende nach der Einwanderung 
der Angelsachsen in Brittannien, die Stammesbrüder diesseit und jenseit der 
Nordsee. 

Gehen wir wieder nach unserm Ausgangspunkte, Ostfriesland, zurück, 
80 schliessen sich an dasselbe in der Namengebung die südlicher gelegenen 
hannoverschen Bezirke, namentlich Papenburg, wo die genetivischen 
(ungerechnet einige auf ing) wieder die Hälfte aller Namen bilden. 

In Lingen machen dieselben nur noch etwa ein Fünftel aus, und 
andererseits treten als Namenelemente Bezeichnungen von örtlichkeiten wie 
brinkj hörst y auch hoff, desgleichen Zusammensetzungen mit Meyer hervor — 
die Yorläufer der eigenthümlich westfälischen Namengebung. 

Patronymika (auf ing und genet. Bildungen) finden sich durch das 
ganze preussische Westfalen mit Einschluss Osnabrücks — am stärksten an 
der holländischen Grenze. 

Patronymika und zwar genetivische (Giesen, Otten, Wienands, Lud- 
wigs, Gompertz — selbst Namen der dritten Schicht wie Schippers, Kox) 
bilden das Charakteristische auch am preussischen Nieder rh ein, ganz 
besonders auf der linken Seite des Flusses von Kleve bis Aachen, wo die- 



74 20. Genauere Angabe der Vertheiliing der Familien -Namen in Niederdeutschland. 



selben ungefähr die Hälfte aller Namen ausmachen (Höhenpunkt mit min- 
destens 60 Procent im nördlichsten Theile des Regierungsbez. Aachen). 

Dann aber giebt sich das specifisch Eigenthümliche der -westfälischen 
Namengebung in den zahlreichen an die Besonderheiten der örtlichkeit 
angelehnten Namen kund. Die Landschaft hat hier nicht mehr die Ein- 
förmigkeit des Küstenrandes, der Marschen an der Nordsee; Berge und 
Hügel (hövel), hochliegende Grasflächen (brink) treten in ihr hervor; anderer- 
seits Teiche (diek), Brücher (brok), häufig ein Wald oder Gebüsch (lol, 
holt, hörst )^ dann das Feld in abgeschlossene, umhegte Kampe geschied^ 
Alles dies spiegelt sich auch in den Familien- Namen, in welchen demnad 
brink, brock, hörst, kamp, demnächst beck (Bach), dieck, holt^ loh Haiq>t- 
elemente sind, in Namen wie: Hasenbrink, Uhlenbrock, Hasselhorsty Lok- 
kampj Mollenbeck j Buddendieck^ und abgeleitet mit der Endung er: Stein- 
brinker, Hüttenbräuker y Behrhörster, Roggenkämper — oder präpositioneQ: 
auf dem Brauke, Tenberge, Terbeck. 

Eine solche Bezeichnungsweise konnte um so eher Platz gr^en, da die 
Ansiedelung in diesen Gegenden nach altgermanischer Weise eine zerstreute 
ist. Münster und die nördlichen Theile von Minden und Arnsberg gehören 
zu denjenigen Gegenden, wo das Land nicht in geschlossenen Dörfenu 
sondern durch einzelne Höfe angebaut ist, die erst für staatliche Zwe<ie 
zu Bauerschaften zusammengefasst werden. Dazu stimmen auch die vielen 
Namen auf hof (Lohoff) und haus (im Münster 'sehen auch ht^es: Grä- 
hues). 

Auf die Abstufung nach dem Grundbesitz gehen Meyer und Jfö/fer, 
welche In ausserordentlich vielen Zusammensetzungen erscheinen. Insbeson- 
dere tritt Meyer mit seiner Sippe im Minden'schen hervor, bis zu 25 Pro- 
cent aller Namen. 

Eechnen wir nun noch dazu, dass auch andere Namen, mit den» 
man in andern Gegenden an sich zufrieden sein würde, hier gern durch 
Zusammensetzungen noch näher bestimmt werden (wie Bowenschülte , Brinh 
Schröder, Oberste 'Kampmann, Hemkensamkenschnieder) ^ dass femer in 
Sprossformen der ersten Schicht das alterthümliche o sich häufiger erhaltoi 
hat (Danco, Teuto): so werden wir zugeben müssen, dass hier auf echt 
deutschem Boden, wo deutsche Bevölkerung und Sitte sich verhältnismässig 
ungeschwächt erhalten hat, auch die Namengebung eine ureigene und höchst 
bezeichnende ist, wie sie sich kaum in einem andern Theile Deutschlands 
findet. 

Das oldenburgische Binnenland schliesst sich an den Küstenrand 
an, es bietet bei entschieden niederdeutschem Gepräge (sogar -borg st. bmg) 
wieder eine Fülle genetivischer Namen, in Eastede und Westerstede noch 
an 50 Procent, doch nach Osten hin stark abnehmend, während der Süden 
(Vechta) nebst den hannoverschen Kreisen Diepholz und Hoya schon zum 
westfälischen Charakter überleitet. 



20. Genauere Angabe der Vertheilung der Familien -Namen in Niederdeutschland.' 75 



Auch im östlichen Hannover zwischen Weser und Elbe, dem alten 
Ostfalen, finden sich noch bedeutende Anklänge an die westfälische Namen- 
gebung, indem die örtlichen Elemente, namentlich brink, brock, hörst, Tcamp 
noch weithin ausgestreut sind, östlich bis an die ehemalige slavische, südlich 
bis an die hochdeutsche Sprachgrenze. ^ Indessen sind sie doch entschieden 
weniger zahlreich, und die Ableitungen brinker, kämper u. s. w., sowie die 
etwas langathmigen Zusammensetzungen (auch Siuf kötter) fehlen. Dasselbe 
tritt bei dem Namen Meyer hervor, der auch hier ausserordentlich häufig 
erscheint, jedoch überwiegend einfach, während in Westfalen die Zusammen- 
setzungen auf -meyer vorherrschen. 

So bietet diese Namengebung trotz vielfacher Verwandtschaft doch nur 
ein sehr abgeblasstes Bild der westfälischen. 

Dagegen gehen die Patronymika in wesentUch unverminderter Häufig- 
keit hindurch. Als neu treten hinzu eigenthümliche Ortsbezeichnungen auf 
'bostel, -hörn, -sen (Abkürzung aus -sheim)^ z. B. Rodenbostel, Ehrhorn, 
Bdlet*sen (wie diese schon unter den Kreisstädten durch Fallingbostel, Gif- 
hom, Wennigsen vertreten sind. 

Als Verkleinerungsform begegnet hier zuerst häufiger ke (wofür bisher 
das friesische je und das genet. ken oder gen)^ insbesondere nach dem Wend- 
lande und der Altmark hin. 

Im Kreise Dannenberg erinnern Ortsnamen wie Lüchow, Liepe 
daran, dass wir nunmehr die Linie überschritten haben, welche die slavi- 
schen Eroberungen vor dem 9. Jahrhundert bezeichnet, dass wir uns in 
dem hannoverschen Wendlande befinden, wo (in den Ämtern Lüchow und 
Gartow) bis ins vorige Jahrhundert hinein wendisch gesprochen wurde und 
in der Volksmundart noch jetzt einzelne dem Wendischen entlehnte Aus- 
drücke sich erhalten haben. 

Hier stossen nun auch unter den Familien -Namen wendische Formen 
wie Wiebelitz^ Glabbatz^ Gramüsch auf. 

Und so kommen wir zu dem Nordosten Deutschlands, dessen Charakt€(r 
im Allgemeinen als niederdeutsch -wendisch zu bezeichnen ist. 

Nordost. 

Der Nordost umfasst die weitausgedehnten Ebenen östlich der Elbe, 
die seit Gründung der Nordmark in jahrhundertelangem Eingen den Slaven 
(Wenden) wieder abgewonnen wurden, d. h. das östliche Holstein, Meklen- 
burg, Brandenburg, Pommern, West- und Ostpreussen, bis zur polnischen 
beziehungsweise littauischen Sprachgrenze im Osten xmd Südosten (s. S. 70) 
und bis zur Grenze des Hochdeutschen -im Süden. 



1) Westlich durch die niederrheinische Landschaft (besonders Eeg.-Bez. Düsseldorf), 
wenn auch in stark verminderter Menge. 



76 So. Grenauere Angabe der Vertheilung der Familien -Namen in NiederdeutBcWani 

Hier, in der Heimat Pritz Eeuters, wird man auch in den FamiBen- 
Namen noch den niederdeutschen Charakter ausgeprägt erwarten. 

Derselbe zeigt sich in Namen wie Schröder und Schrader, Pieper, 
Voss, woneben die hochdeutschen Formen (Schröter, Pfeifer, Fuchs) wet 
seltener vorkommen, femer in Namen wie Kruse (besonders in HolstöB, 
Meklenburg, Vorpommern), Niemann, Grote (Groth), Möller, Schütte vli} 
ebenso in den von Ortsnamen entlehnten auf -beck (st -bach), -husm 
(st. -hausen). Selbst der ursprüngliche niederdeutsche Name von Salzwedd: 
SoUwedel, als Ortsbezeichnung längst verhochdeutscht, hat sich noch ab 
Familien -Name erhalten. 

Dazu treten die Verkleinerungen auf -ke (Lüdicke, Lemke, Fäfe, 
Jahnke)^ welche hier so recht ihre Heimat und Geburtsstätte haben. 

Doch überwiegt das Niederdeutsche hier im Osten, von Holstdii und 
Meklenburg abgesehen, nicht so wie im Westen. Es ist gerade in deo 
Namen nicht mit solcher Entschiedenheit festgehalten worden ; der tJbeigiog 
in das Hochdeutsche ist merklich weiter vorgeschritten. Als ein aufEall^ida 
Beweis bietet sich der Name Schulz, der in WestMen meist noch Schäk 
lautet (auch in Meklenburg häufig Schult), während dies in Brandraibuij 
und Pommern eine seltene Form ist. 

Andererseits sind entschieden hochdeutsche Formen hier nicht sdten, 
namentlich die Deminutiv -Bildungen mit is und l, wie Barz, Kurne, Wehd^ 
Neitzel, zu denen Zwitterformen wie Neitzke den Übergang bilden. 

Solche Namen auch in der Landbevölkerung weisen Tvohl darauf Üb, 
dass die deutsche Einwanderung in diese dem Slaventhum allmählich wieder 
abgewonnenen Gaue, wenn auch überwiegend aus Niederdeutschland, dod 
theüweis auch aus oberdeutschem Sprachgebiet erfolgt ist 

Patronymische Bildungen, die in Ostholstein noch beinahe 20 Procent, 
in Meklenburg aber nicht mehr 10 Procent betragen, verschwinden wdte- 
hin fast ganz. 

Von der schwedischen Herrschaft sind einige Familien, besondeis 
in Neuvorpommern, welches bis 1815 schwedisch war, sitzen geblieben. 
Doch sind diese „alten Schweden" schon sehr dünn geworden; in einem 
Kataster der Stadt Stralsund vom Jahre 1844 (Verzeichnis der Hauseigen- 
thümer) fanden sich nur noch acht unzweifelhaft schwedische Namen, wie: 
Sjoborg, Wallengreen, Weström. 

Nun aber ist die wendische Beimischung zu charakterisiren. DasB 
in diesen Landschaften ausserordentlich viel wendische Ortsbezeichnungen 
auch nach der Eückgermanisirung in meist wenig veränderter Form stdien 
geblieben sind, ist schon in der Einleitung angemerkt worden (Genaueres 
darüber in Beüage 3). Dies beeinflusst nun auch die Familien-Nameii, 
welche ja zum guten Theüe einfach übertragene Ortsnamen sind Unter 



1) In Meklenburg auch Kroger, Köster, Schriewer. 



21. StUlstand oder Bewegung in der Namenwelt? 77 

ihnen schlagen vor die auf ow, demnächst die auf in (betont) und itis, wie: 
JBütow, Grrabow; Leppin, Ladenthin y Pentisien; Buhlitz, Gerwitz, 

Neben diesen halbschlechtigen Namen, die, auf dem linken Eibufer 
(Altmark), auch noch in Ostholstein vereinzelt, auf dem rechten sich bis zu 
10, ja in Pommern in manchen Kreisen fast bis zu 20 Procent steigern, 
treten nun, zuerst in der Priegnitz, vollgültige wendische Person -Namen 
auf, als da sind: Noack, Mitzlaff^ Petrick, Nimz, Peschek,^ 

Doch bleiben auch hier die deutschen Namen ganz überwiegend in 
der Mehrheit, der Art, dass. Alles zusammengerechnet, die wendischen kaum 
irgendwo ein Drittel der gesamten Zahl erreichen. 

Ihre Zahl wächst allerdings überall nach der slavischen Sprachgrenze 
hin, so in Brandenburg nach der Niederlausitz, in Pommern nach der 
Kassubei hin. In Pommern bezeichnet der Küstenfluss Lupow etwa die 
Grenze, hinter welcher erst das Übergewicht der slavischen Namengebung 
hervortritt. Wunderlich klingende GebUde wie GromoU, Pigorsch, Pio- 
traschke, Quardux beherrschen hier das Gebiet, während südöstüch, hinter 
Bütow, die sich vordrängenden -ski an die Nähe der polnischen Sprach- 
grenze gemahnen. 

Überspringen wir die Eassubei, so kommen wir zu dem schönen 
deutschen Stücke zwischen den beiden Angelpimkten Danzig und Königs- 
berg. Hier an der nördlichen Ostmark deutschen Wesens, wo drei Sprachen: 
deutsch, slavisch (in Masuren), littauisch zusammentreffen, zeigt sich eine 
sehr bunte Mischung auch im Bereiche der Famiüen -Namen. Die Grenze 
gegen diese beiden Sprachen ist im vorigen Kapitel angegeben; aber auch 
in dem verbleibenden deutschen Theüe sind häufig slavische und littauische 
Namen (s. Beilage 3) eingesprengt. Doch können diese weniger auffallen, 
als eine eigeuthümliche Klasse unter den deutschen Namen, nämüch die 
mit entschieden süddeutschem Gepräge wie: Fischöder, Schar fetter y Rohr- 
moser, Obersperger, Diese Namen, welche auf Österreich (und Baiem) 
hinweisen, sind durch die 1724 aufgenommenen Salzburger hierher verpflanzt. 

21. 
Stillstand oder Bewegung In der Namenwelt? 

Der Prozess der Festwerdung der Familien -Namen ist, nachdem auch 
die letzten Nachzügler (s. S. 29 und 65) sich ihm haben anbequemen müssen, 
nunmehr seit länger als einem halben Jahrhundert zum Abschluss gelangt. 



1) Aus -eh entwickelte sich -Tce^ wie in Pawelke aus Pawelek, Mardschinke aus 
Marcinek. In andern Fällen wurden volle Vocale (a, i) abgeschwächt, wie in Jütersonke 
aus Jutrzenka, PaUnteke aus -ki. Dadurch haben die Namen auf ke, aus mehreren Quellen 
fliessend, solchen Zuwachs erhalten, dass sie in Blnterpommem (etwa 15 Froc.) dreimal so 
zahlreich als in Yorpommem sind. 



78 21. Stillstand oder Bewegung in der Namenwelt? 

Es fragt sich aber, ob damit nun ein völliger Stillstand auf diesem Gebiete 
eingetreten, ob nicht auch hier bei genauerer Betrachtung eine Bewegung 
zu erkennen ist, gleichwie der Spiegel eines scheinbar still und todt dalie- 
genden 'Gewässers doch eine leichte Bewegung auf der Oberfläche verrätk 
Diese Frage ist entschieden zu bejahen; eiaen völligen Stillstand giebt 
es auch auf diesem Gebiete nicht 

1. Es sterben Familien aus und damit auch Familien-Nameii 
Dies lässt sich am leichtesten bei adeUgen Geschlechtem verfolgen. So starb. 
um nur ein Beispiel aus diesem Jahrhundert herauszugreifen, im Jahre 1836 
zu Stralsund Graf August Wilhelm von Mdlin als Letzter eines Geschlechtes, 
das nach einer Äusserung des geistreichen und gemüthvollen Mannes „alter 
war als die Stubbenkammer" (Berghaus, Sprachschatz der Sassen). 

2. Vorhandene Namen werden geändert. Besonders häufig ist 
der Übergang aus der mundartlichen in die hochdeutsche Form, namentiidi 
auf niederdeutschem Sprachgebiete : Möller in Müller, RöwenJuzgen in Bubm- 
hagen u. a. noch in neuester Zeit (s. Beilage 2). Davon abgesehen werdöi 
vereinzelte Namen aus den mannigfachsten Gründen geändert: Czech in 
Echtj Kamphaus in Kamphausen (s. das Namen -Lexikon). 

3. Es bilden sich neue Namen — zunächst durch Zusammen- 
setzung zweier: bei adeligen Geschlechtem infolge Verschmelzung zum 
Famüien, deren eine bis auf eine Erbtochter erloschen ist: von KW- 
Retzow, Henckel von Donnersmarck — bei Schauspielerinnen, die im M 
einer Verheirathung den Namen, unter welchem sie berühmt gewordea 
gern beibehalten: Hendel -Schütz, Birchpfeiffer, In einzelnen Fällen ist ein 
solcher Doppelname gestattet worden, um das Aussterben eines berühmten 
Namens zu verhindern, so Bessert-Nettelbeck (des Colberger N. Schwiegersohn). 

In einigen Gegenden ist es Sitte, den Vatemamen der Frau mit dem 
eigenen zu verbinden. Beispielsweise nannte sich Hollweg nach Frankfurter 
Sitte Bethmann- Hollweg ; bei dem Sohne kam dieser Doppelname bald in 
alleinigen Gebrauch und wurde auch 1840 von Friedrich Wilhelm IV. geadelt 

Endlich entstehen Namen, wenn auch nur ganz vereinzelt, durch 
völlige Neubildung. Dies wird hauptsächlich der Fall sein bei Findlingen 
und bei Proselyten. So hat ein dem Verfasser persönlich bekannter fto- 
selyt sich Bussin genannt, von dem Hauptwort „Busse" mit Anlehnung; 
an die Ortsnamen auf in. 



Beilage 1. 
Godeheraht. * 

a) Die im Altdeutschen möglichen Bildungen (s. S. 24). 

Einstämmig gekürzte Form Godo,^ zweistämmig gekürzt Godbo^ mit 
den Nebenformen Gobbo^ und Göbo.^ 

Hieraus als einfach verkleinerte Formen vermittelst der Endung ilo: 
Godilo^ mit den Nebenff. Godlo,'^ Gallo ^ und Golo,^ sowie Godbilo^^ mit 
den Nebenff. Gobbilo^^ und Gobilo^^ — vermittelst der Endung i^o: Go- 
dizo^^ nebst God^o,^^ Goz^o,^^ Gozo,^^ sowie Godbizo^'^ nebst Gobbizo^^ 
und Gobizo^^ — vermittelst der Endung iko: 6rödiÄo*® nebst Godho^^^ 
Gokko^^^ GoJco,^^ sowie Godbiko^^ nebst Gobbiko^^ und Gobiko,^^ 

Daraus wieder als doppelt verkleinerte Formen {l + n) Godilin^'' nebst 
Godlin,^^ Gollin,*^ Golin,^^ sowie Godbilin^^ nebst Gobbilin^^ und Gobi- 
lin^^ — ferner (l + k) Godiliko^^ nebst Godliko,^^ Golliko^^ und Goliko,^'^ 
sowie Godbiliko^^ nebst Gobbiliko^^ und Gobiliko^^ — femer (^ + n) Godi- 
zin^^ nebst Godzin,*^ Gozzin,^^ Goziriy^* sowie Godbizin^^ nebst Gobbi- 
zin^^ und Gobizin^'^ — femer (;8? + Z) Godizilo^^ nebst Godzüo,^^ Gozzilo,^^ 
Gozilo,^^ sowie Godbizilo^^ nebst Gobbizilo^^ und Gobizilo^^ — femer 
(;2r + A) Godiziko^^ nebst Godziko^^^ Gozziko,^^ Goziko,^^ sowie Godbiziko^^ 
nebst GobbiziJco^^ und Gobiziko^^ — femer (ft + w) Godikin^^ nebst öod- 
Äm,^^ Gokkin,^^ Goktn,^^ sowie Godbikin^^ nebst Gobbikin^'^ und Go&f- 
*m«8 — endUch (i + Z) Godikilo^^ nebst Godkilo,'^'^ GokMlo,'^'^ Gokilo,'^^ 
sowie Godbikilo'^^ nebst Gobbikilo'^^ und Gobikilo.'^^ 



h) Die wirklich vorhandenen neudeutschen Familien-Namen. 



1. a) Gottbrechf. 

b) Gottbrath, 

c) Gobbert. 

d) Joppert, 

e) Göppert; Göpper. 

f) Juppert 

g) Gobert 

Gen. Goverts. 

2. a) Gohde, 

Gen. Gohdes — 
patr. A. Goding. 



b) (rode. 

Gen. Göden; Gö- 
dens; Göens, 

c) Gödde, 

d) Gflwfe. 

e) Gwde. 

f) Go^Äe; öö^Ä. 

g) Gö^Äe; G6YÄ. 
h) ÄTom. 

i) Go^^e; öo^^ (^öo^^ 



k) 6fö«e; Gö«. 

Gen. Gölten — 
patr. A. Götting. 
1) Zb«. 
m) 6rw^e (Gtithe); Gut 

(Grutmann). 

Patr. A. Guting. 
n) 6rw^e; 6rw^A. 

Patr. A. Güting. 
o) Gutte(Guttmann), 
p) e/Ä^e. 



80 



Beilage 2. 



4. Gruhbe, 15. 

5. a) Gob, 

Gen. Gaben, 
b) Gube, 

6. a) Godel (Godel- 

mann). 

b) Gödel 

c) Göthel. 
Patr.A. Göthling. 

d) 6r0^ßZ. 

e) GoY^eZ ('ööförf- 
mannj. 

f) Gwi^^eZ. 

7. a) Göttle. ^^^ 

Patr. A. Göüling, ^^• 
b) Patr. A. Güthling. 

8. a) Golle ; Goll (Golh 

mann), 

Patr. A. Golling, 

b) Göüi. 

c) G^M. 

9. a) ööW. 

b) Johl, 21 

c) Golde; Göhl, 
Patr. A. Göhling, 

11. a) Gobbel. 
b) Gö66^i. 

12. a) ööfeeZ. 
b) Göpel, 



50. 



a) Götz (Gotzmann), 
Gen. Götzens. 

b) JS:o^;8f. 

c) Gotsch. 22. 

d) 6rosse; 6ross 

e) G6Y;2fe; GföY^s? 
(Götzmann). 23 
Gen. Götzen. 

f) Gödsche; Götsch, 

g) Gutz(Gutzmann). 
h) 6fie^^. 
i) Gutsch. 
Göz. 

a) Gödike; Gödeke. 
Gen. Gödehen — 

Patr. A. 6föde- 

b) Jödike. 

c) Göttig; Göttich. 

d) Gädeke. 

e) Gedicke. 57. 

f) Güttich. 

a) Gödtke. 

Gen. Gödkens. 62. 

b) Göthge. 64. 
Gen. Götjes. 71. 

c) Gottke. 

d) Gottge, 

e) Gädtke, 



f) Guthke. 

g) Quttke. 
h) öi^^^Ä:^. 

a) Gocke. 

Patr. A. Göckim 

b) Göcke. 
Gen. Göcks. 

Göke. 

Gen. Göken. 

a) Gohlke. 

b) G-öTüke. 

a) Gotzel, 

b) Götzeh 

c) Köt0el. 

d) Gössel. 
Gen. Gossds. 

e) Gössel. 

f) Kössel. 

g) Götschel; Götsc 
h) Gützel. 

a) Göizke. 

b) Götschke. 

c) Gaschke. 

Godeken. 
Göcken. 

a) Gockel, 

b) Gockel. 

c) Göggl; Göggdeh 

d) Gückel. 



Beilage 2. 

Entwickelungr einer Namenreihe während der Neuzeit. ^ 



1600 


1650 


1700 


1750 


1800 


1850 


Arend 


Arendt, Amd 


Arndt 


Arndt 


Arndt 


Arndt 


Bardenflet, 


Bardenfleth 


Barenfleth 


Bahrenfletli, 


Bahnfleth 


Bomfleth 


-fleit 






Bahne- 






Bellin 


Bellin 


Bellin, Bellum 


Bellin 


BeUin 


Bellin 


Boleman 


Boleman 


Boleman 


Bohlmann 


Bohlmann 


Bohlmann 


Brandt 


Brandt 


Brand 


Brandt 


Brandt 


Brandt 



1) Zusanunengestellt nach den Kirchenbüchern der Gemeinde Wachholzhagen (Kr. Gieifeo- 
berg, Pommern), die in den Confirmanden- Verzeichnissen bis 1586, im Übrigen bis 1619 
zurückgehen. 



Beilage 2. 



81 



1600 


1650 


1700 


1750 


1800 


1850 


Donner 


Donner 


Donner 


Donner 


Donner 


Donner 


Ertman 


Ertman 


Erdmann 


Erdmann 


Erdmann 


Erdmann 


Geyer 


Gojar, Goyar 


Gojar 


Gojar 


Gauger 


Gauger 


Hake 


Hake 


Haacke 


Haa^k 


Haak (ck) 


Haak 


KnoUe 


KnoUe 


Knolle 


KnoU 


KnoU 


KnoU 


Köne 


Köne 


Köhne 


Köhne, Keine 


Köhn 


Köhn 


Köpe 


Köpe 


Köpe 


Koipe 


Keupe 


Keup 


ICröger 


Kroger 


Krüger 


Krüger 


Krüger 


Krüger 


Krossin 


Krossin, 
Krössin 


Krössihn 


Krössin 


Krössin, 
Kressin 


Kressin 


Tiftbes 


Labes 


Labess 


I^bs, TjaAbs 


Labs, Laabs 


Tiaabs 


Landtbrecht 


TAndtbrecht 


Tiandbrecht 


Tiandbrecht 




Tjambrecht 


Loitzin 


Loitzin 


Löyssihn, 
Lössin 


Lössin 


Lössin 


Lössin 


Lubbeke 


Lübbeke 


Lübbecke 


Lübbeke, 
Lübke 


Lübke 


Lübke 


Möller, Möller 


Möller 


Möller 


Möller 


Möller 


MüUer 


Nieman 


Nieman, Neu- 


Niemann, Neu- 


Niemann, Neu- 


Niemann 


Niemann 


Oldehaue, -hoff 


Oldehave, 
Olhaf 


Oldhoff, Olhoff 


Olhoff 


Olhof, OUhoff 


OUhoff 


Pagenkop 


Pagenkop 


Pagenkop, -pf Pagenkop 


Pagenkop 


Pagenkopf 


Placke 


Placke 


Placke, Plack 


Rack 


Plack 


Plack 


Bham 


Eham 


I^hanmi 


Bamm 


Bamm 


Bamm 


Ribe 


Rybe 


Biebe 


Biebe 


Biebe 


Biebe 


Bnchel 


Buchel 


Büchel 


Büchel 


Büchel 


Büchel 


Steffen 


Steffen 


Steffen 


Steffen 


Steffen 


Steffen 


Stekelinck 


Stekelinck 


Steckeling 


Stekeling 


Steckling 


Stekh'ng 


Timme 


Timme 


Timme 


Timm 


Timm 


Timm 


Witte 


Witte 


Witte 


Witte 


Witt 


Witt 



An diesen hier durch dritthalb Jahrhunderte verfolgten Namen zeigt sich 

1. ein allmähliches Schwinden der Form, besonders durch Wegfall 
eines e, so dass dreisilbige Namen zweisilbig, zweisilbige ein- 
silbig werden (s. Bardenfleth, Bolemann, Lübbecke, OldehofF, 
Stekelinck — Arend, Hake, Knolle, Köne, Köpe, Labes, Placke, 
Timme, Witte); 

2. ein allmählich stärkeres Hervortreten des Umlautes (s. Krossin, 
Lubbeke, Moller, Euchel); 

3. ein zum Theil schon früher, zum Theil aber auch sehr später 
Übergang aus der niederdeutschen in die hochdeutsche Form: 
Kroger schon um's Jahr 1700 Krüger, dagegen Möller erst seit 1856 
Müller — während andere Namen standhaft die niederdeutsche 
Form behaupten (s. namentlich Ollhof, Stekling), oder nach einigem 
Schwanken wenigstens schliesslich bei ihr beharren (s. Niemann). 

Im Ganzen ist die Entwickelung eine naturgemässe, der sprachlichen 
Entwickelung correspondirend; nur zwei Namen weisen eine Entstellung 
auf: Kressin (st. des richtigeren Krössin) und Bomfleth (st. Bardenfleth, 
0. im Oldenburgischen). 

Hointzo, Deotsoho Familien - Namen. 6 



82 Beilage 3. ^ 

Beilage 3. 

Fremdsprachige Namen in Bentseliland. 

a) Slavische. 

Schon bei der ersten Festsetzung der Familien- KTamen mischten ach 
IQ bedeutendem Mass fremde Sprachelemente ein, und zwar slavischa 
Als die Hauptmasse der Germanen in der Völkerwanderung nach Westen 
und Süden zog, wurde der Osten Deutschlands fast ganz enüeert, und die 
aus dem fernen Osteuropa hervordringenden Slaven rückten über Weidisel 
und Oder in die Lücke ein. Die wenigen Germanen, welche etwa in der 
ursprünglichen Heimat geblieben, konnten der herandringenden Slavenflut 
nicht Widerstand leisten, sie mussten sich unterwerfen und verschmolzen 
mit den neuen Einwanderern. Erst an der Elbe staute sich die Mut, und 
so füllten seitdem die Slaven in ihren verschiedenen Stämmen den Osten 
Deutschlands bis zur Elbe und Saale, ja zum Theil noch darüber hinaua 
In Meklenburg sassen die Obotriten, in Brandenburg die Wilzen, 
Heveller u. a., in Pommern die Pomoren, im Meissnischen die Dale- 
mincier, in Schlesien die Belochrobaten u. s. w. Jahrhunderte lang sah 
die Elbe auf ihren beiden Ufern ganz verschiedene Völker: links die 
Deutschen (Sachsen und Thüringer), rechts die Slaven (Wenden), die sich 
in unaufhörlichen Fehden und Beutezügen bekämpften. Mit den KÄrolingem 
begann der Eückschlag; doch erst seit der Hohenstaufenzeit drang die 
deutsche Nation wieder mit Stetigkeit vor. Im Süden wurde durch die 
Stiftung des Bisthums Bamberg und im Norden durch die Gründung der 
Nordmark an der untern Elbe die Gnmdlage gewonnen zu w^eiterem Tor- 
schreiten. Von da ab mussten die Wenden immer w^eiter nadi Ostoi 
zurückweichen, und in jahrhundertelangen blutigen Kämpfen wurden die 
ausgedehnten Landschaften zwischen Elbe und Oder, sodann zwischen Oder 
und Weichsel grösstentheils dem Deutschthum wiedergewonnen. 

So gewaltsam man auch gegen die Wenden verfahr, es verblieben 
doch viele in ihrer seit Jahrhunderten eingenommenen Heimat, misditeo 
sich zum Theil mit den Deutschen und wurden allmählich germanisirt, oder 
wo sie in grösserer Masse zusammensassen, behaupteten sie sogar ihre Tolks- 
thümlichkeit, ihre Sprache. So gab es in Hannover ein Wendland (im Lüne- 
burgischen), ebenso in Altenburg, wo die höchst eigenthümliche wendisdie 
Tracht sich bis zur Stunde erhalten hat ; in Westpreussen bilden die Kassn- 
ben, in der Lausitz die Sorben noch jetzt bedeutende, wenn auch immer 
mehr zusammenschmelzende Inseln im germanischen Sprachmeer; Ober- 
schlesien ist überwiegend slavisch, und von Südost dringen die Tschechen 
in Böhmen wie eine Halbiasel fast bis in die Mitte Deutschlands vor.* 



1) Bernhardi, Sprachkarte von Deutschland. — Kiepert, Völker- und SjoKiMO- 
karte von Deutschland und den Nachbarländern. — Eich. Böckh, Sprachkaite tob 
pieiusiBcben Staate nach den Zählungsaufnahmen vom Jahre 1861 , im Auftrage des KoiqgL 



Beilage 3. 83 

Diese ursprüngliche Grundlage des Slavischen auch in längst rück- 
gennanisirten Landschaften bekunden noch jetzt die Ortsnamen, die entweder 
slavisch oder neu deutsch sind. Alle Städtenamen auf gard, z. B. Naugard 
(Nowgorod = Neuenburg), alle Ortsnamen auf ow, itz, in — und deren 
ist Legion — sind slavisch. Wie eine Sündflut hat sich das Slaventhum 
auf die Spuren unserer Altvordern gelegt. ^ 

Daher nun so vielfache slavische Elemente auch in den Familien - 
Namen, besonders des östlichen Deutschland! 

Zunächst sind die von slavischen Ortsnamen abgeleiteten hervorzu- 
heben, unter welchen vorschlagen die auf 

in (betont): Cammin, v. Schwerin^ Stqjentin; 
itz: IBublitz, v, Dewitz^ Nemitz; 
ow: V. Flotow, Grabow, Vangerow, 

Doch sind diese nebst vielen mehr vereinzelten Bildungen, wie BcUfanz, 
Laabs (0. Labes), BoggcUz, v. Wolter ^ nur bedingt hierher zu ziehen; 
denn wenn auch die Ortsnamen, welche hier zu Grunde liegen, slavisch 
sind, so ist doch die Art, wie dieselben mit Ergänzung eines Verhältnis- 
Wortes oder auch durch einfache Übertragung (s. Kap. 14) zu Familien -Namen 
gestempelt werden, nicht slavisch, sondern deutsch, und sie treten also zu 
den deutschen Familien -Namen. (Näheres über diese ganze Namenklasse in 
dem Namen -Lexikon unter den Endungen in, itz (mtz), ow). 

Nach slavischer Art wird von den Ortsnamen eine Ableitung gebildet 
mit der Endung shi (häufig im Deutschen sAy geschrieben) , z.B. Grabowski, 
„der Mann aus Grabow", Kaminshy^ „der aus Kammin". So entsprechen 
sich femer: Lassan -Z/as$an5%, "Lo^aYAtz-Loschitzhi, Poblotz-PöWo^Ä u. s. w. 
Nur diese also sind als wirkliche und vollgültige slavische Bezeichnungen 
anzusehen (wenn auch vielfach in halbdeutscher Schreibung). 

Den adligen Namen ist im Deutschen dann noch das von vorgesetzt, 
-welches streng genommen doch nur zu dem Ortsnamen selber passt: von 
Lisiecki, von Zelasinshi. 

Zu diesen eigentlichen slavischen Bezeichnungen treten nun, ähnlich 
wie im Deutschen, Person-Namen mit ihren mannigfachen Sprossformen: 

a) ursprünglich slavische, z. B. die auf -slav (Ruhm): Mieczyslav 
„Schwertruhm"; 



^ statistiBchen Bureaus bearbeitet — Nach der Zählung von 1871 befanden sich in Preussea: 

IL Polen (in den Provinzen Ost- und Westpreussen, Posen, Schlesien) 2415000, Wenden (in 

der Lausitz) 120000, Tschechen (m Schlesien) 50000 — zusammen 2585000 Einwohner 

^ slavischen Stammes. — In Osterreich ist reindeutsch nur eine Provinz, das Erzherzogthum. 

1) Es ist daher um so mehr gerechtfertigt, wenn, wie in neuster Zeit häufig in West- 
*' preossen (und Posen) geschehen, wieder deutsch gewordene Orte auch mit deutschen Namen 
^ yersehen werden, und darin eine „Barbarei^ zu finden, ist eine wunderliche Anschauung. 
' 6* 



84 Beflage 3. 

b) kirchliche: Fawdek (von Paulus); Fictr (Petrus) nebst TdrUk 
Peehatschek, PjcUrask u. a.; 

c) Amts- und Handwerks -Namen: Woita {Scbxüze), JRaÄtifc (Panek 
kleiner Herr, Junker), Koschnik (Malier), Pigarsch (piekan 
Bäcker) u. s. w. 

In überwiegend deutschen (j^enden sind diese ISTamen grossentiieils 
so umgewandelt, dass sie ein mehr deutsches Greprage angenommen haben: 
Mitzlaffy Patüdke,^ Woiih — in überwiegend slavischen bestehen sie in 
unveränderter slavischer Fassung fort. 



b) Littaaische. 

littauisch Redende finden sich unter deutscher Herrschaft hauptsäcMich 
nur noch in den nördlichsten Theilen des preussischen Begierungsbeziikes 
Gumbinnen, nördlich von Insterburg und Pillkallen, doch auch hier Tiel- 
fech durch deutsche Ansiedelungen unterbrochen. Erst die Spitze nördlich 
Yon Tilsit, die alte Landschaft Schalauen, ist überwiegend littauisch, so dass 
hier die deutschen Orte als Inseln (auf Böckh's Karte gelb im littauisdifin 
Blau) erscheinen. Im Ganzen hat die Zählung von 1871 nur noch 147 000 Per- 
sonen mit httauischer Sprache ergeben. 

In den Familien -Xamen tritt der ursprünghch littauische BestandtheO 
natürhch noch in grösserem Masse hervor, da auch in den deutsch gewor- 
denen Gegenden viele Einwohner littauischen Stammes leben und die aten 
N^amen, wenn auch theUweis entstellt, fortfahren. Doch macht sich überall dis 
Eindringen des Deutschen bemerküch, und so überwiegen littauische Eami- 
lien- Namen selbst unter der Landbevölkerung nur noch etwa in den KieäseB 
Heidekrug und Tilsit, halten den deutschen das Gleichgewicht in Moni 
Bagnit, Pillkallen, bleiben aber in allen übrigen Ereisen in der MindeizaU. 

Unter den littauischen Familien-Namen stehen im Vordergrunde die 
ursprünglich patronymisehen Bildungen auf atis und aitis (vgL gried 
eidt-g^ iddrfi)^ welche dann auch verkleinernd gebraucht w^erden — tR 
Baiiraiis von Baltras (Balthasar), Obramaitis von Obramas (Abraham) 
Gewöhnlich haben sie die Endung is abgeworfen und erscheinen in der 
Form at, eit: Peterat (von Peter), Josupeii (Joseph). Ath deutlichsttn 
erkennbar sind nach ihrem Sinne die Ableitungen von Vornamen, wie Ä 
obigen; doch giebt es auch vielfache Ableitungen von AppeUativen, fk 
KaprolcUis von Kaprolas (Korporal), selbst, wie es scheint, von deutedw 
Stämmen: Schfieidereit 



1) An dieser Stelle fliessen Slayiscli und Deutsch theüweis zusanmieii und « it 
gtzQOge Grenze zu ziehen, da manche Namen auf ke sowohl deutscbfin als stzriseta 
Unprai^geB Min können, z. B. Janke deutsche Verkleinemngsform von Johannes imd aä 
I, dnidi Janek Yennittelt 



Beilage 3. 85 

Zu ihnen treten die Namen anfies; StachuUes, und auf us: Schimkus^ 
welche mit jenen zusammen gegen 80 Procent der littauischen Familien - 
Namen ausmachen. Dadurch erhält die Namengebung etwas Eintöniges, 
wenn auch nicht zu leugnen ist, dass manche dieser Namen, wie Ädomaitis, 
Bodaiis, Laugallies recht vollen Klang haben. 

Auf ihrer Wanderung nach Westen erleiden diese fremdartig klingen- 
den Namen, von ihrer Heimat abgetrennt, manche Entstellungen: atis wird 
abgeschwächt in ates (Norekates), Obromeit abgeschliffen in Obermeit, die 
Endung at erscheint in schlechter Schreibung als adt, ath, aat. 



c) Bomanische. 

1. Französisch. Hier kommen weniger in Betracht die 10000 Wal- 
lonen im rheinpreussischen Kreise Malmedy und die im Eeichslande Elsass- 
Lothringen verbliebenen Franzosen (gegen 250 000), als die Hugenotten, 
welche Ludwig XIV. durch seiae Bedrückungen zur Auswanderung ver- 
anlasste. Als derselbe alternd samt seiner Umgebung von leichtsinniger 
Sittenlosigkeit zu heuchlerischer Frömmigkeit übergegangen war, begann er 
die Protestanten in seinem Eeiche zu verfolgen, um durch ihre gewaltsame 
Bekehrung sich ein Verdienst im Himmel zu erwerben. Durch Vertreibung 
und Hinrichtung ihrer Geistlichen, durch Schliessen und Niederreissen ihrer 
Kirchen und Schulen, durch Wegnahme ihrer Kinder, um sie im Katholi- 
cismus erziehen zu lassen , suchte er sie zum Abfall von ihrem Glauben zu 
bringen, sodann durch Entziehung ihrer Gewerbsrechte und ihrer Sitze in 
den Gerichtshöfen, endlich durch die berüchtigten Dragonaden oder Ein- 
lagerungen von Dragonern und andern Soldaten. Schon jetzt wanderten 
viele Protestanten aus, und als gar durch den Widerruf des Ediktes von 
Nantes (1685) der Protestantismus in Frankreich für aufgehoben erklärt 
und auf die Ausübung .dieses Cultus Todesstrafe gesetzt ward, verliessen 
nach und nach , trotz strenger Grenzbewachung und Androhung der Galeren- 
strafe, viele tausend gewerbfleissige Menschen ihr Vaterland und fanden 
theils in den Niederlanden und in England, theils in Deutschland Aufaahme. 
Hier war es besonders Friedrich Wilhelm der grosse Kurfürst, welcher den 
Flüchtigen (Eefugiös) bereitwillig eine neue Heimat gewährte. Seit 1672 
wurden in Brandenburg an 25000 Hugenotten aufgenommen, vorwiegend 
in den Städten. Daher noch jetzt die französisch -reformirten Gemeinden an 
vielen Orten in Preussen, z. B. in Berlin, Magdeburg, Stettin u. a., aber 
auch in Süddeutschland, z. B. Erlangen. 

Zu Ende des 18. Jahrhunderts sind in den Stürmen der Eevolution 
auch Viele geflüchtet (Emigranten), und wenngleich die Meisten später 
wieder nach Frankreich zurückgekehrt sind, so haben doch auch manche 
es vorgezogen, in der inzwischen liebgewonnenen neuen Heimat zu ver- 



86 



Beilage 3. 



bleiben, wie der Dichter Adalhert von Chamisso (mit vollständigem Namen: 
Louis Charles Adelaide de Chamisso de Boncourt, von dem Schlosse B. in 
der Champagne).^ 

Daher nun häufig französische Namen in Deutschland, wie Palmierj 
Betac, du Mesnil, besonders im Heere: LoiicadoUf de Courhiere (der 
„König von Graudenz" 1806), Forcade, de la Motte- Fouque und viele 
andere, darunter manche berühmte Namen auch von Gelehrten: Savigny, 
Michdet, Carriere, du Bois - Reymond. 

Fast immer sind diese Namen unverändert erhalten, wenn sie auch 
im Volksmunde manchmal wunderlich entstellt werden: Boitdet in Budlee, 
Oeneola in Schellack. Nur in vereinzelten PäUen ist eine Verdeutschung 
erfolgt; so hat sich Buttmann , der bekannte griechische Grammatiker, aus 
franz. Boudemont germanisirt. 

2. Italienisch. Italiener sind über die Alpen gezogen besonders als 
Kunsthändler und Conditoren. 

Die italienischen Famüien- Namen enden auf a: Cotta, die berühmte 
Buchhändler- Firma, Sola, Bonewendura (entstellt aus Bonaventura) — auf 
: Belmanzo — meist aber und in grosser Einförmigkeit auf i: Bentivegiüj 
MarsegU, Sparagnapani, Bertinetti Dieses i erklärt sich als Pluralfonn, 
„einer aus der Familie so und so", z. B. der CUttadiniy während das 
Appellativ im SiQg. cittadino lautet. — 

Ganz vereiQzelt erscheinen, damit doch alle Nationalitäten Europa's 
in Deutschland vertreten seien, selbst im Norden, am Gestade der Ostsee 
magyarische Familien -Namen: Böszörmeny^ Kedesdy. Ja dem Verl ist ein 
Nachkomme eines Kosaken bekannt, mit dem klangvollen Namen Nawiki- 
nuJcj dessen Nachkommen sich freilich Iwan (russisch = Johann) nemien. 



1) Bei seiner Eückkehr von der Eeise um die Welt an Bord des „ Burik " (im J. 1818) 
begiüsste Ch. Deutschland mit folgenden so schönen wie einfachen Versen: 

„Heimkehret fernher aus den fremden Landen, 
In seiner Seele tiefbewegt, der Wandrer; 
Er legt von sich den Stab und kniet nieder 
Und feuchtet deinen Schoss mit stiUen Thränen, 
deutsche Heimat! — Woll' ihm nicht versagen 
Für viele liebe nur die eine Bitte: 
Wenn müd' am Abend seine Augen sinken, 
Auf deinem Grunde lass den Stein ihn findet^ 
Darunter er zum Schlaf sein Haupt verberge.** 
Wie viele geborene Deutsche beschämt dieser Fremdling! 



n. 



Namen-Lexikon. 



90 



Adden 



Agin 



Adden 9 Ade b. Ath (einst. E.). 

Adebahr III. mhd. mniederd. adebar (jetzt 

nur noch niederd. „Adebar") „Storch". 
Adel- 8. Athal (V., einst. E.). 
Adelt 8. Ath (V.). 
Adena s. Ath (einst. K.). 
Adeijahn s. Hadrianus. 
Adiekes, Adix s. Ath (einst. E.). 
Adl- s. Athal (V.) — doch 
Adloff B. Ath (V.). 

Adler a) I. s. Athal (V.). b) III. der „Adler", 
der Eönig der Vögel, als Wappen- und 
Häuserzeichen beliebt. Zus. Steinadler. 
Güldenadler. 
Adnot, Adolf, -ph s. Ath (V.). 
Adrian s. Hadrianus. 
Adt 8. Ath (einst. E.). 
Aegidlus II. griech. von der Ägis , dem Schilde 
des Zeus: der „Beschildete" ; ein seinerzeit 
berühmter Augustinermönch, Erzieher des 
nachherigen Eönigs von Frankreich, Philipps 
des Schönen, gest. 1316. 
FN.: Äegidi (aus dem Gen. Aegidii zsgz., 
wie die Monats -N. Juni, Juli aus Junii, 
Julii), Egidy. — Volksthümlich gekürzte 
F. : Grilles (vgl. holl. Gillis, franz. Gilles) ; 
Gillessen, 
Aemilius II. lat., N. der bekannten römischen 
Familie der Aemiüer, vermischt mit dem 
deutschen Emilo (s. Amal). 
FN.: Millies; Mellies (S. 38). Zus. Wester- 
millies (westf.). Gen. Meilen (vgl. den 
ostfries. VN. Melle aus Aemilius). 
Vklf. Mielke; Mielck, 
AG I. ahd. ekka, mhd. ecke, egge (vgl. lat. 
acies) „Ecke", Eante, bes. in dem Sinne 
von „Schneide, Schwertesschärfe; Schwert". 
FN. Agebald: Eihold. 

Agabert: Eggebrecht; Eggehert — 
Eckebrecht; Eckbert — Eiberi; 
Eyber. Gren. Egberts, 
Agafrid: Eiffert, 
Agihard: Eggard; Eggert — Egert 

— Eckhard; Eckard, Eccardt ; 
Eckert — Eichhardt; Eichert 

— Eiert. Gen. Egts. Patr. A. 
Eggerding — Eckarter (südd.). 

Agihari: Egger — Eckher; Ecker 

(Eckermann) — Eier. (Jen. Eggers 

(Eggersmann westf.^ — Egers. 

Patr. A. Eggering. 

Vklf. (1) : EckerU. (1+ n) : Eckerlin. 



Agemar: Eimer. Gen. Eimers. 
Agarich: Eirich. Gren. Eggeridu; 

Eggericks (ostMes.). 
Agiovald: Egold— Eckold; Eckhcid; 

EckeU. Gen. Eckholz. 
Egward: Eckwert. 
Agiolf : Egolf; Egloff — Eckwolf. 
Einstämmige Eürzimg Ag-. 
Agio, Eggo, Ecke, Aio: Egge — Ege — 
Ecke; Eck — Äye; Ey. Gen. Aggeti 

— Eggen; Eggens (Kleinegges weetf.) 

— Ecks, Eden — Eggena (ost&ies.). 
Patr. Zus. Axen (aus Aggesen vom 
ostfries. VN. Agge). 

Vklf. (k) Agico: Eicke; Byk. Gen. 
Aiken^ Eiken. 

Agrgen s. Ag (einst. E.). 
AGIL I. Weiterbildung von Ag (berührt sich 
z. Th. mit Athal, in Formen ohne i in der 
ersten Silbe, wie Ehlert, s. Andresen S. 23). 
FN. Agüperht: Eüebrecht — EUbrecht; 
Elbracht; Elbert. 
Egilger: Elger. Patr. A. Elgering. 
Agilard: Eüha/rd; Eylert — Ehkrt. 
Gen. Eilderts (ostfries.) Patar. A. 
Eüerding — Ehlerding. 
Agelhar: Egeler — Eckler. Gen. 

Ehlers. 
Agilrich: Eihrich. 
Agilward: Elwert. 

Einstämmige Eürzung Agil-. 
Agilo, Egilo, Eilo: Agel — Egel — EyU 
Ekle. Gen. Egells — Eils. Patr. A 
Egeling — Eyling. Patr. Zus. Eüsen. 
Vklf. (k): Eilcke. 

AGIN I. Weiterbildung von Ag. 
FN. Aganbert: Gen. Eigenbertz. 

Aginard (Eginhard, Earls des Großen 
Schreiber und Biograph): Eginard 
— Einhardt; Einert — Enet- 
Gen. Ehnders (ostfries.) — Einis 
(ostfries.). 

Agenar: Agner — Ahner — Egner. 

Aginald: Ahndt — Ahnelt. 

Aginulf: Egenolf. 

Einstämmige Eürzung Agin-. 
Agino, Egino, Eine: Egen — Eine — 
Ehne. Gren. Eins — Ennen (vgl 
ostfries. VN. Enno). 

VMf. (k): Einicke — miigk — 
Enke. Patr. A. Enking. 



Ambrosius 



91 



AOIS I. got. agis, ahd. agiso, ekiso „Schrecken". 
PN. Egisrik: Eisrich. 

(Agisold): Eiswaldt; Eisold; Eiselt. 

Aglaster in. ahd. ägalasträ, mhd. ägelster 
„Elster«. 

Af^er s. Agin. 

Agrieola UI. Latinisirimg für Äckermarm 
und Bauer. Auch für Schnitter (Joh. 
Schnitter aus Eisleben , hervorragender mär- 
kischer Theolog des 16. Jh., von welchem 
auch die bekannte Sprichwörtersammlung 
herrührt). Aus Agricola wieder Grickel (s. 
Tschiersch, Pormwandlungen deutscher Ge- 
schlechtsnamen 8. 6). 

Asrternkamp s. Achtermbosch. 
Ahl-, 1hl- s. Athal (V., einst. K.). 
Ahlff s. Ath (V.). 
Ahmer s. Ath (V.). 
Ahn- s. Agin. 
Ihnelt 8. Agin. 

Ähren-, Ahm- s. Arin (V., einst. K.). 
Alken s. Ag (einst. E.). 
ALB I. (got. albs) ahd. mhd. alp, angels. älf, 
altnord. älfr „Elf" (S. 18). 
FN. Alberad (Alfred): Elfrath. 

Albarich: Elfreich. Gen. Alverichs. 
Einstämmige Kürzung Alb-. 
Albo, Alpho: Elbe — Alf — Elfe. Gen. 
Jlben; Älves — Eiben; Elven. 

Vklf. (1) Albila: Älbel — Elbel. 
(k): Älbig. (k + n): Elpken. 

Alb- s. a) Athal (V.), b) Alb. 

ALD I. got. altheis , ahd. alt „alt", altsächs. ald. 
FN. Altduom: AUum. 
Aldhard: Äläthardt, 
Althar: Älder — Älter; Ältherr. 
Aldman: AJtmann — Oltmann — 
OUma/iMi — Olümann. (Jen. Alt- 
manns - Oltmanns. 
Alderich: Alderich — Oltrich — 

Haltrich. 
Alduig: Altmg — Oltwig — Olwig. 
Aldwin: AUtoein. 
Einstämmige Kürzung Ald-. 
Aldo, Halte: Aide — Alte; Alt — Halte 
». aide — Olle — OhU. Patr. A. 
Alding: Alting. 
Aleff, Alefe s. Ath (Y.). 
Alexander ü. griech. „männerabwehrend''; 
außer Alexander dem Gr. Namen mehrerer 
Päpste. 



FN. Alexander. Mit Küizung im Anlaut: 
Xander — Zander (s. Pott S. 111, 
wonach in Elbing Alexander als VN. in 
Zander gekürzt wird). 

Alexius n. griech. „Helfer", N. vieler ost- 
römischen Kaiser. 
FN. Gen. Alexi. Gekürzte FF.: Allex - 
Lex. Patr. A. Lexer (süddeutsch, s. 
S. 35). 

Alf- s. a) Alb b) Ath (V.) c) Athal (V.). 

Alger s. Athal (V.). 

Alheim s. Athal (V.). 

Alltz s. Athal (einst. K.). 

Aljets s. Athal (V.). 

Alk- s. Athal (V., einst. K.). 

Allard s. Athal (V.). 

Alle s. Athal (einst. K.). 

Allebracht, Allerd-, Allers s. Athal (V.). 

Allerheiligen III. verkürzt aus „Tag aller 
Heiligen", Festtag in der katholischen Kirche 
— auch mehrfach als ON. vorkommend. 

Allex s. Alexius. 

Allgäuer in. „einer aus dem Allgau" in 
Vorarlberg. 
FN. Allgeier; Allgayr; Allgöwer (worin 
noch das urspr. w — ahd. gawi — er- 
halten ist). 
Allgeler, Allgöwer s. Allgäuer. 
Allm-, Allram, Almer s. Athal (V.). 
Alrlch s. Atiial (V.). 
Alt- s. Ald. 

Altherr a) I. s. Ald b) III. mhd. altherre 
„alter, angesehener Herr", insbes. „Vorsteher 
einer Gemeinde". 
Alv- s. Alb. 
Alw- s. Athal (V.). 

AMAL I. wohl zu altnord. aml „Arbeit". 
FN. Amalhari: Ander — Emder — 

Emmier. 
Einstämmige Kürzung Amal-. 
Amala, Emilo: Emele. (Jen. Amds. Patr. 
A. Amalung 5: Amdimg; Amdong; 
Amelang (auch Amerlang); Ambelang; 
Ammeling. (Jen. Amelings (ostfries.). 

Amann s. Ammann. 

Ambelang s. Amal. 

Ambroslos II. griech. „der Unsterbliche" ; der 
berühmte Kirchenlehrer, geb. zu Trier, gest. 
397 als Bischof zu Mailand, ein Haupt- 
begründer des Kirchenliedes in der abend- 
ländischen Kirche, nach welchem auch der 



92 



Ambühl 



Ans 



„ambrosianische Lobgesang^ (Te Deum lau- 
damus) benannt ist. 
JPN. Ambrosius. Gen. Ambrosy, 
Mit Kürzung im Auslaut: Ambras; Am- 
brosch (oberdeutsch, vielleicht aus dem 
tschech. Ambroz). 
Mit Kürzung im Anlaut (niederd. ?) : Bro- 
sius; Brose (s. S. 37). 

Vklf. (1): Brösel (k): Brösicke; 
Bröske — Brösgen. 
Ambtthl m. „der am Bühel d. i. Hügel". 
Amdohr s. Amthor. 

Ameis III. das wegen seines „emsigen" (von 
der Nebenf. Ämse) Fleißes sprichwörtl. ge- 
wordene Insect (s. Sprüche Sal. 6, 6). Doch 
eben so gut zu altd. Amizo 9. Jh. 
FN. Ameis — Omeis. 
Amel- s. Amal. 

Amende III. „der am Ende des Ortes Woh- 
nende"; auch getrennt: am Ende, 
•amer s. Heim HI. 

Ammann III. ahd. ambahtman, mhd. ambet- 
man. ambtman, amman „niederer Beamter; 
urtheilsprechende Gerichtsperson". 
FN. Ammann; Amann — Amman. 
Ammelingr s. Amal. 
Ammer s. Ath (V.). 
-ammer s. Heim HI. 
Ammon s. Ammann. 
Amthor III. „der am Thoro wohnt". Auch 

niederd. Amdohr und entstellt Amthauer. 
Ander- s. Andreas. 

Anderbrttgg III. niederd. „der an der Brücke". 
Anderheit HI. „der an der Haide" vgl. Van- 

derheidt. Auch Anderheiden. 
An der Menlen III. (Geldern) „der an der 

Mühle". 

Andreas II. griecii. „der Mannhafte"; der 

Apostel, Bruder des Petrus (Kai. 30. Nov.). 

FN. Andreas; Andrea; And/res (mit 

langem e); Andrieß; Anders, in breiter 

oberd. .-Vusspr. Andersch — Ander (An- 

der mann). Gen. Andrea; Andrä; An- 

dree (Andree); Andre (Andre). Diese 

Acoente deuten schwerlich auf franz. 

Ursprung, sondern sind leidiger Vor- 

nehmthuerei und Ausländerei entsprungen. 

Patr. Zus. Andresen (mit langem e in 

der mittleren Silbe); Andreessen; An- 

driessen — Andersohn; Anderson; 

Andersen. 

Vklf. (1) : Anderl (bair.) — Anderler. 



Mit ümlautung des a in e (oberd.): En- 
dres; Endriß; Endraß; Enders; 
Endre. 

Vklf. (1) : Enderle (schwäb.). (1+ n): 

Enderlin; Enderlein. 

Mit Kürzung im Anlaut: Drees; Dreese; 

Dreis — mit den Zus. Dreesmann; 

Dräsemann; Driesemann. Patr. Zus. 

Dreassen; Dreessen. 

Vklf. (k): Dräseke — Dreske 
(doch s. auch Thras). 
Zerdehnt: Drewes; Drews; Dreefs (vf^. 
VN. Dreiwes = Andreas in Hildesheim, 
Pott S. 97; Drewes als VN. in KB., 
z. B. Drewes Köster). Patr. A, Dre- 
wing. Patr. Zus. Drewsen. 
Vklf. (k): Brewke. 
Anesorge s. Ohnesorge. 
Angel- s. Angil (V., einst. K.). 
ANGIL I. gemischten Ursprungs: der Stamm 
Ingo (germanischer Gott), erweitert durch 
das Suffix 1, traf mit dem christlichen 
Fremdworte angil (angelus, Bote Gottes, 
Engel) zusammen und bildete so die Doppel- 
quelle dieses zwitterhaften Angil (Försteraann 
S. 89). 

FN. Angilberht: Engelbrecht; Engelbert; 
Engelbrett. Gen. Engdbertz; Engel- 
barts. 
Ingilbodo: Engelboth. 
AngilMd: Engelfried. 
Angilhart: Engelhard — Englert. 

Gen. Engdarts (ostfries.). 
Angelher: Engelei'; Engler. 
Angilman: Engelmann , Englmann. 
Ingalrad: Angelrath. 
Engilscalc: Engelschall. 
Einstämmige Kürzung Angil-. 
Angilo, Engilo, Ingilo: Angdl — Engel 
— Ingel. Gen. Engds (EngdsmannJ. 
Patr. A. Engling. 

Vklf. (k) : Engelke (Vorname Engelke 

Mandüvel 1362). Zus. Engelkemeyer. 

Gen. Engelken; Engelkes; Engel- 

kens. — Patr. A. Engelking. 

Anhnth HI. „ohne Hut" (ahd. äna , mhd. äno 

„ohne"). 
ANS I. zu altnord. äs, angels. 6s „Gott" 
(S. 18). 

FN. Ansobert: Asberth; Asbahr — Os- 
barth; Osbahr. 
Ansiprand: Asbrand — Aspern. 



Ansorg 



Am- 



93 



Ansher: Änser — öser, 
Anshalm: Änselm, 
Osman: Äßmann — Osmann. 
Ansmar: Oßmer. 
Ansmod: Ässemuth; Asmuth, 
Ansemund: Osmimd. 
Ansovald: Osewaldt; Oswald, 
Einstämmige Kürzung Ans-. 
Anso, Aso: Ass. Pata*. A. Assing — 
Ösing. 

Vklf. (1) Ansilo, Ensilo, Asilo: 
Ansei — Ensle — Asel. (l + n) : 
Enslin. (k) Ansich: Oske, 
Ansorgr s- Ohnesorge. 
Anteiibrink III. niederd. „Entenbrink''. 
Antonias II. 1) der h. Antonius, der im 4. Jh. 
als Einsiedler in der thebaischen Wüste 
Ägyptens lebte. 2) Antonius von Padua, 
berühmter Prediger im 13. Jh., der auch 
den Fischen gepredigt haben soll. 
PN. Antonius; Anion, Gen. Antonie 
Antmiy — (deutsch) Antons. 
Mit Kürzung im Anlaut : Tonius ~ Tön- 
nies (VN. in KB.) — Tönges; Tönni- 
ges (Thonyghes van dem bome 1458 
Pomm. Urk.) — mit j ostfriesisch: 
Tonjes; Tönjes, Doniges — Dönni- 
ges; Dönges, 
Apel- s. Ath (V., zweist. K.). 
Apfel III als FN. in den Zus.: Eichapfel. 

Güldenapfel. Kühnapfel. Holzapfel. 
Apitz s. Ath (zweist. K.). 
Apollonius II. griech. ,,der Apollonische*^, nach 
dem Gotte Apollo; Märtyrer unter Kaiser 
Commodus im 2. Jh. 

FN.: Plönnies — Lönnies (dreisilbig zu 
sprechen Plönni-es, oder Plönjes, s. 
S. 38). 
App- s. Ath (V., zweist. K.). 
Aprill, Aprell s. Aberell. 
AR I. got ara, ahd. aro, mhd. ar „der Aar". 
FN. Arawald: Arold — Arlet; Arlitt; 
zsgz. ArU. 
Arulf: Arloff, 
ABB I. got. arbi, ahd. arpi, erbi, mhd. erbe 
,da8 Erbe«. 
FN. Arbogastes 4.: Arhogast. 

Erbhart: Arhert — Arpert — Erbert. 
Erphari: Erher. 
Arbrih: Erbrich; Erhreich. 
Erpold: Erpold — Erbt Patr. A. 
Erpeldi/ng. 



»' 



Einstämmige Kürzung Arb-. 
Arbio, Erbo: Arp (niederd. Taufriame noch 
1770 Brem. Wörterb.) — Erbe. Gen. 
Arps — Erbs; Erbsch; Erben. Patr. 
A. Erbeling — Erpling. 

Ardelt s. Hard (V.). 
Aren- s. Arin. 
Argelander s. Lehmann. 
ABIN I. erweiterte F. von Ar. 

FN. Ambreht: Armbrecht — Arrenbrecht, 
(Arinhart): Arnhard; Arnert. 
Amheri: Erner. 

Amoald: Arnwaldt; Arnold; Arn- 
holdt (zerdehnt Arenhold, Ahrend- 
hold); Arnal; Arneth — Arendt 
mit der Zus. Meierarend] Arnd — 
Ornold, Gen. Arnolds; Arnholds ; 
AhrnJtoltz — Arenz; Arndts, Arntz 
(lat. Arnoldi). Patr. Zus. Arndseti. 

Mit Kürzung im Anlaut (S. 23 Anm.): 
Noldt; Nolte (Abkürzung für Arnold in 
Elbing, s. Potts. 111) — Nölte, Gen. 
Nolden — Zus. Kleine -Nolten (westf.), 
latinis. Noltenius. Patr. A. NÖlting. 

Vklf. (k): Nöld^cke. (k + n): 
Nöldechen. (z): Noltze. 

Einstämmige Kürzung Am-. 
Arno: Arnemann — Ah/ren — Erno. 
Gen. Ahrens. Patr. A. Arning — Ahr- 
ning. Patr. Zus. Arnesen. 

Vklf. (k): AmecJce; ArnJce, Gen. 
Arenkens (ostfries.). 

Arl- s. Ar. 

Armborst s. Armbrust. 

Armbreeht s. Arin. 

Armbriester s. Armbruster. 

Armbrust in. vor dem 12. Jh. nicht erschei- 
nend, durch Verdeutschung aus dem mlat. 
arcubalista entstanden. 
FN. Artnbrust; Armborst. 

Armbruster m. mhd. armbruster. 1) „Ver- 
fertiger von Armbrüsten"; 2) „Armbrust- 
schütze". 

FN. Armbni8ter;Annbrö8ter; Armbriester 
— von Ärmst (Zuszhg. aus Armbrust): 
Ärmster. 
Armengaud, Armerding, Armgard s. Irmin 

(V.). 
Ärmster s. Armbruster. 
Am- s. Arin. 



94 



Amust 



Athal 



ARNUST I. ahd. emust, mhd. emest, ernst 
„Ernst", d. i. urspr. der ernsthafte, ent- 
schlossene Kampf. 
FN. (Zsgesetzte N. bisher nicht nachge- 
wiesen.) 

Amust 8.: Emest — Ernst. Patr. 
A. Ernsting. 
Arp- 8. Arb. 
Arrenbreeht s. Ann. 
Art- s. Hard (V., einst. K.). 
As- s. Ans. 

ASC I. ahd. asc, mhd. asch „die Esche", deren 
Holz zu Sparren und Schiffen verwendet 
wurde, dah. auch „Eschenspeer; Boot". Im 
Mhd. heißt die Esche geradezu sperboum. 
FN. (Asciiard): Äschert — Eschert. 

Aschari: Äscher (Aschermann) — 

Escher. 
Ascman: Eschmann, 
Ascarich: Eschrich. 
Ascolt: Aschhold. 
Asculf: Eschloff. 
Einstämmige Kürzung Asc-. 
(Asco): Asche; Asch — Esche, 

Vklf. (1): Eschle. (k): Aschice — 
Eschke, 
Asehenbrand, -brenner III. s. S. 41. 
Aseher, Asehhold s. Asc. 
Asmüs s. Erasmus. 
Aß-, Ass- s. Ans — doch 
Aßmy s. Erasmus. 
Assemaeher, Assenmaeher III. halbniederd. 

= Achsenmacher. 
ATH I. Stamm zu Athal „Adel", mit welchem 
es mehrfach zusanunenfließt. (Athaulf, Goten- 
könig, Schwager des Alarich 5. Jh.). 
FN. Adabald: Appold; Appelt — Apelt. 
Athuberaht: Abbrecht — Appert — 

Abrecht; Abert. 
Adamar: Ammer — AJimer, 
(Adanot): Adnot. 
Athald: Adelt. 

Athaulf 5.: Adolph; Adloff— Aleff, 
zsgs. Ahlff, Gren. Adolfs — Älefs; 
Acdfs (ostMes.). Patr. A. Alfing, 
Patr. Zus. Adolphsen. 

Mit Kürzung im Anlaut: Dolf. 
Gen. Bolffs, 
Einstämmige Kürzung Ath-. 
Ado, Atto: Ade; Adt. Gen. Addsn — 
AUen, — Adena (ostfries.). — Atsma 
(ost&ies.). 



Vklf. (k) Athacho, Aooo: Adie. 
(Jen. Adickes; Adix, (z) Azo: Atze. 

Zweistämmige Kürzung Athb-. 
Abbo, Abo: Appe — Abo; Abe. (Jen. 
Abben. 

VMf. (1): Appel (Appelmawn) — 
Abele; Abel (AbelmannJ — Apd. 
Gen, Abels, F&tr. A. Abeling. (1 + n): 
Abelem. (k): Ahich; Abick. Qm. 
Abeken — Aapken — Abekena 
(ostfries.). Patr. A. Abeking. (z): 
Apitz, 

ATHAL I. ahd. adal, mhd. adel „Geschlecht. 
Adel", ein in EN. nur anlautend, aber außer- 
ordentlich häufig gebrauchter Stamm. 

PN. Athalbald: Albold. 

Athalberaht: Ätbrechi; Albracht; 
Albert. Zus. Alberternst (München) 
— Allebracht — AhJbrecM — 
Ehlehadit. Gren. Alberts, Albertz 
(lat. Alberti). Elbregts (ostfries.). 
Patr. A. Elperting, Patr. Zus. 
Albertsen. 

Adalbrand: Ahlbrand — EUbrandt, 

Athaldag: Ältag, 

Athalfrid: Alfert (Alfernuinn). 

Adalgar: Alger; Alker, 

Adalgis< Adelgeiß, 

Adalgoz: Adlgos. 

Adalgrim: Ahlgrimm. 

Adalhaid f. : (xen. Aljets (ost&ies. yod 

dem weibl. VN. Aljet = Adelheid, 

s. Buprecht S. 7). 
Adalhard: Addhardt — Aüard; 

Allerdt — Ahlert — Edelhardt - 

Ehlert (doch auch zu Agil). Patr. 

A. Allerding. 
Adalhari: Adeler; Adler — Ahler — 

Edeler, (Jen. Allers — AJUers - 

Ahlers. Patr. Zus. Allerssen. 
Adalhalm: Adelhelm — AlTielm. 
Adakaban: Allram, 
Adalhrod: Ahlroih, 
Adalman: Adelmann — Allmann — 

Ahlmann. 
Adahnar: Almer. Gren. AUmers. 
Athalaricus 4.: Alrid^ — AaMerk 

(fries.). 
Adelstein: Adelstein. 
Athalwart: Adlwerth — AMwardt — 

Edelwerth. 



Atsma 



Angastinus 



96 



Adalwich: Älwich. 
Athaloin: Alwein, 
Einstämmige Eüiznng Athal-. 
Adalo, AUo, Edilo: Adel — Alle — Ahle; 
AM — Edde; Edd — Elle — Ahle; 
Ekl. Gen. Adels — Allen — Ahlen — 
Edels — Ehlen. Patr. A. Adalunc: 
Adelung — Eddeling — Ehling, 

Vldf. (k) Alico: Ahlig; Ahlke. 
Gen. Alken, (z) Alizo: Alüz. 
Atsma, Atten, Atze s. Ath (einst. K.). 
Au III. 1) deutsch vom ahd. awa, ouwa, mhd. 
ouwe, urepr. „Wasser, Fluß" (vgl. Königsau 
in Schleswig) ; diese Bed. tritt aber im Laufe 
der Zeit inmier mehr zurück und die eines 
„bewässerten Wiesengrundes" immer mehr 
hervor. Nhd. Aue, Au — dänisch ö (Insel) 
— friesisch og (Wangeroog u. a.). 
Au in vielen ON. zweites Glied der Zus. 
FN. Btuihenau. Kronau. von Rahenau. 
2) slavisch, aus ow verdeutscht (s. ow). 
FN. Bülau neben v, Bülow, v. Rantzau 
neb. Ranzow. Stremlau neb. Stremlow, 
Ableitung auf -er (oberd.): 
FN. Bltunauer, Eichenauer, Kronauer. 
Bheinauer. Wiesenauer, — Helmsatier 
(Helmsau). Hilsensauer (Hilsens-au) 
(meist jedenfalls von 1) und oberdeutsch; 
aus Norddeutschland nur in modern jüdi- 
schen N. wie Warschauer), 
AUB I. got. aud- (in audags selig), altsächs. 
öd, ahd. 6t- (in otak reich), „reicher Erb- 
besitz, Erbgut". 

FN. Autbald: Oppelt — Opelt; Opet 

Audoberht: AfMUbert — Odebrecht; 

Odehrett; Odenbrett — Oppe^-t 

(Oppermann — Obbermann) — 

Obrecht; Obert; Ober, Gen. Aupers 

- Uppers, 

VUf. (1): Oberle, (\ + n): Auber- 
len — Oberlin. 
Autfrid: Auffemiann — Offer. Gen. 

Offers — Ofers. 
Audagar: Ottiger — ÖHker — Ötker 

— Ockermami — Ocker. 
Autgart: Ockardt — Ökert. 
Audchar (Hothar): Oder — Otter 

(Ottermcmn) — Hotter, Gen. öters, 

Patr. Zus. Otersen. 
Otleib: Otlepp. 
Autmao: Ode^nann — Othemann — 

Ottmawn. 



Audomar: Oihmer — Ohmer — 

Ommer, Patr. A. ömering, 
Audericus: Odrich — Öttrich. 
Audulf: Oloff, Z8gz. Ohlf. Gen, Olfen. 
Patr. Zus. Olfsen. 
Einstänmiige Kürzung Aud-. 
Audo, Odo, Hoto: Audi — Ode — Otto; 
Otte; Ott (mit den Zus. Meierotto; 
Schwarzott) — Otte — Hotho; Roth 
— Hotto; Hotte. Gren. Oden — Ottes.^ 
Otten (Zus. Ottenjan); Ottens (Zus. 
Ottensmeyer). Patr. A. Öding — 
Otting — Odinga (ostfries.). Patr. 
Zus. Ottsen. 

Vklf. (1) Audüa: Aul - Öddel — 
Öttle — Öhle. (k) Audac, Occo: 
Otke — Öck. Gen. Oetken; Oetjen 
(ostfries. oe = 6) — Ottjes (ostfries.) 
— Ocken, Patr. A. Ockinga (ostfries.). 
(k + 1) Ochüo: Ockdy Ockhl (Ockel- 
mann), (z) Auzo: Autze — ötzmann. 
(z + \) Ozilo: Ötzel 
Zweistämmige Kürzung 1) Audb-. 
Oppo, Opo (Stark 118): Oppe. Gen. 
Oppen — Öppen — Oben. 

Vklf. (1): Oppd; Opel; Obel, Gen. 
Öbels, (k): öbbecke. (z) Opizo 
(Stark 145) : Oppitz — Opitz — ObUiz. 
Zweistämmige Kürzung 2) Audf-. 
Offb : Offe — Öff, Gen. Offen. 
Vklf. (1): Ofele. 
Zweistämmige Kürzung 3) Audm-. 
Ommo, Omo: Ohme; Ohm — Ohme. 
Gren. Ohmen — Ohms — Omniena 
(ostfries.). Patr. Zus. Ohmssen. 

Vklf. (k): Ohmich; Ohmehe ~ 
öhmigke ; Ohmke. (k -|- n) : Ohmichen, 
-auer s. Au. 

Auf dem Garten III. s. S. 53. 
Anffenbergr m. = „auf dem Beige", vgl. 
Martinus Updenberge (Elemp.). So auch 
wohl Aufenacker = „auf dem Acker". 
Auffermann s. Aud (V.). 
Auge III. in mehreren Zusammensetzungen; 
bes. nach der Farbe (wie Wemher der 
Grünaug 1404) : Boihauge; Bodaug, Gans- 
äuge. Weinauge. 
Augustus II. lat. „der Erhabene", Beiname 
des ersten romischen Kaisers Octavian. 
FN. At*gust. Gen. Augusti. 
Augustinus II. Ableitung von Augustus; der 
h. Augustinas, der große Kirchenlehrer, 



96 



Aul 



Bach 



Bischof zu Hippo (jetzt Bona) in Afrika, 
gest. 430. 

FN. Augustin — entstellt Äugstein. Gen. 
Äugiistiny. 
Mit Kürzung im Anlaut: Stinus, 
Aul s. Aud (einst. K.). 
Aupers s. Aud (V.). 
ans'm Werth Hl. „aus dem Werder" (Insel) 

8. S. 54. 
AüST I. zu ahd. ostan, mhd. Osten „der Osten" ; 
scheint (wie west. nord, sund) solche Personen 
zu hezeichnen, die aus den genannten Welt- 
gegenden herstammen , deshalh nach Förste- 
mann's Beobachtungen bes. häufig bei den 
so weit nach Westen vorgedrungenen Franken. 
Da der Zug deutscher Stämme in der Völker- 
wanderung wesentlich die Kichtung von Osten 
und Norden her hatte , erklärt es sich auch, 
warum diese beiden Himmelsgegenden in den 
altdeutschen PN. an Häufigkeit der Verwen- 
dung den Westen und Süden so sehr über- 
ragen. Doch haben mythologische Beziehun- 
gen mitgewirkt (Ostara, Gottheit des auf- 
steigenden Lichtes) — bei diesem Stamme 
auch christliche (Ostern), s. Austar. 
FN. Ostold: Osthold. 
(Osterih): Osterich. 
Einstänunige Kürzung: Ohst — Öste (Öst- 
mann). Patr. A. Oostvng (ostfries.). 
AUSTAR I. Erweitenmg von Aust. 

FN. Austrouald: Osterwald (auch ON.); 
Osterhold. 
(Austreman): Austermami — Oster- 

mawn. 
Austrulf: Osterloff. 
Einstämmige Kürzung Austar-. 
Oster: Oster — Öster. 

VUf. 0): österle. Patr. A. Oster- 
ling — österling. (1 + n) Austro- 
lenus: Österlvn; österlein; Österlen. 
Austermtthle HL „aus der Mühle" (S. 54). 
Aatze s. Aud (einst. K.). 
Ayenarlas III. Latinisirung für Habermann. 
Axen, Aye s. Ag (einst. K.). 

B. 

Baader s. a) I. Bad (V.) b) III. Bader. 
Baath, Baatz s. Bad (einst. K.). 
Babendererde HI. niederd. (Meklenb.) „über 

der Erde" (in welchem Sinne?), vgl. Chon- 

rados nf der erde 1194. 



Babst s. Pabst. 

Bach in. ahd. pah, bah, mhd. bach, altsächs. 
biM bildet urspr. Flußnamen, dann auch 
Benennungen von Orten, die an den Flüssen 
liegen — heutzutage hochd. - bach in taa- 
senden von Namen, niederd. ^beek (spr. 
bäk, mit gedehntem, ofien^n e, daher auch 
in der Schreibimg) -&dk, beek; -hecke. 
Häufig elliptisch: Weißenbctch = zum weileo 
Bach; Langenheck. 

FN. Bcich (= am Bach , s. Lubbeke bi der 
beke Mes. ürk. Pott 543). Zunibadi. 

— BachiMmn. Anspcuih (mit dem alt- 
hochd. p). HOspach. Perkhausen wn 
Aiglspach (wie auch Poc^mayr Münch.). 

— Achenbach. Feuerbach. Grumbach. 
Hagefibaeh. Marbach. Roßbach. See- 
bach. Süßenbach. — Niederdeutsch: 
van der Beck, Beeck (Bek niederd. 
weiblich). Terheck. — BiUerbeck (Klemp. 
Bilrebeke). Düsterheck, Einbeck. Gold- 
heck (Klemp. (joltbeke 1369). Langete 
heck (0. in der Altmark, welchem hochd 
Langenbach in Baiem, Nassau entspricht). 
Lilienbeck. Lutterbech (O. Latteibeck 
u. -bek). MuMenbeck; ganz niederd. 
Mollenbeck (westf.). Overbeck. Bohr- 
heck. Schwanebeck. Schtoarzenbed 
(neben hochd. Schwarzenbach). Seebeck. 
Steinbeck. Westerbeck, — Von dem 
Kneseheck (Kn. Dorf in Hannover). 

Selten -hecke: Harbecke (O. im Begb. 
Arnsberg). Thorbecke (flämisch, deutsch 
Thorbeck 0. in Meklenb., Hannov.). 
Ableitung auf -er (oberd.): 

1) "pacher (mit dem ahd. p, nach s): 
Gerspacher. Binderspacher. Bum- 
melspacJier. 

2) -bacher: Embacher. J^Öhrenbaeher. 
Kuchelhacher. Spedkba^iher. Stein- 
hacher. 

Daneben ist bemerkenswerth eine F. mit 
Umlaut : 

3) - hächer , gew. - hecher (wo dann d^ 
Schein einer Zus. mit dem Hanptw. 
Becher entsteht). Da diese F. settner 
ist und bisher nicht recht erkannt la 
sein scheint, dürfte es angiraoessen 
sein, dabei etwas länger za verweikiL 
Während im Hochdeutschen die umlaat- 
freie F. bei solchen Ableitungen von ON. 
auf -bach jetzt alleinige Geltung hat, 



- bacher 



Bakkcr 



97 



z. B. „das Hambacher Fest" , „Weil- 
bacher Bnumen", weisen oberdeutsche 
Mundarten den Umlaut auf, z. B. die 
alemannische (Hebel : „'s Mam b e c h e r 
Hätteli", von Mambach im Oberrhein- 
kreis). Demnach finden sich: 

Weübächer, DörrenbäcJier , auch 
DörrenbecJier, Beichenbächer , auch 
-hecker. Isselbächer, auch -hecher 
(s. Verlustliste No. 91 : Isselbecher aus 
Isselbach, wo demnach die Zusammen- 
gehörigkeit recht in die Augen springt). 
Eherspecher neben EberspacTier (Mün- 
chen). Cumbecher, Eschenbecher, 
Leuthecher, Merschbecher, Nuß- 
hecher. Odenbecher, Schneckenbecher, 
Stürzelbecher. Weidenbecher. Witten- 
becher. 

Zu diesen sämtlichen N. finden sich 
entsprechende ON. auf -bach in Eitter's 
Lex. Dem entsprechend werden auch 
Hülzenbecher und Seidenbecher abzu- 
leiten sein, nnd BelhBt Holsbecher , da 
08 mehrere 0. Holzbach giebt (im 
preuBs. Bgb. Koblenz , in Niederbaiem), 
obwohl der N. auch von einem Geräthe 
abgeleitet, „(der mit dem) Holzbecher", 
einen guten Sinn ergäbe. 
-baeher, -bttchor s. Bach. 
Bäek s. Beck. 
Baeke s. Bald (ernst. E.). 
Baeker s. Becker. 

Baekfiseh HI. „Fisch zum Backen d. i. Brat- 
fisch". 
Baekmeister III. auch Bacmeister, mhd. 
bachmeister „Aufseher der Bäckerei", Ober- 
bäcker. („Lütke oder Lüdeke, d. i. Ludwig 
Willens war oberster Bäcker bei dem Herzog 
von Braunschweig zu Lüneburg, und da er 
hiemach aller andern Bäcker Meister war, 
so wurde er von den Hofleuten gemeiniglich 
„Lütke Backmeister" genannt. Sein Fürst, 
als er dies hörte, befahl, daß er und seine 
Nachkommen diesen N. inmier als dnen 
Geschlechts- und Zunamen führen sollten". 
Adolf Bacmeister, Germanist. Kleinigkeiten 
S. 16). 
BAD I. zu altnord. böd, angels. beado „Kampf", 
die ein ahd. patu voraussetzen (S. 14). 
FN. Patager: Bagger — Bättger. 

Bathari: Bader - Bäder — Päder 
— Better, 

Heintse, Deatiohe Familien -Namen. 



Badomar: Battmer — Bammer — 

Pammer, 
(Badold): Badelt 
Einstämmige Kürzung Bad-. 
Bado, Pato: Bade — Pahde — Bathe; 
Baath — Pathe — Beede — Päthe. 
Patr. A. Badmg. 

Vklf. 0) Patilo: Padell — Pätel, 
(k) Baducho: Badeke — Battig — 
Bätke — Bethge — Pethke. (z) Pazzo, 
Bezo: Batz — Patze — Batsch — 
Baatz. (z + 1) Bezilo: Batzeh 
(z-f-k) Bezeco; Patzke; Patzig, 
Zweistämmige Kürzung Badb-. 
Babo, Papo: Pape (doch s. auch Pfaffe). 
Patr. A. Papinga (ostfnes.). 

Vklf. (1) Babüo: Bebel. (k): Pa^ke 
— Päpke. 
Bade, -ke s. Bad (einst. K.). 
Bader a) I. s. Bad (V.) b) III. urspr. der, 
welcher den Badenden bedient, dann „Be- 
sitzer einer Badestube" (Buggen des baders 
wingarten 1354. Hans Paders Padstuben 
1437 Bacm.). Derselbe schor auch den 
Bart. (Vgl. Badstüber). 
Badelt, Bäder s. Bad (V.). 
Bading s. Bad (einst. K.). 
Badstttber IIL Die öffentliche Badestube 
(ahd. stuba, mhd. stube aus lat. stupa „heiz- 
bares Zinmier") , wo auch zur Ader gelassen 
und geschröpft wurde, spielte früher eine 
große Bolle im städtischen Leben, sie war 
vielfach der Mittelpunkt, an welchem sich 
Bürger zur Besprechung städtischer Ange- 
legenheiten versammelten. Daher zahlreiche 
FN., die auf Besitzer solcher Badestuben 
zurückgehen : 

Badstüber (wie es auch „Badstüber- 
straßen" giebt) — merkwürdig entstellt 
(sächs.) Patfchdieber. 

Dann getheilt 1) Bader, 2) Stiiber — 
Stieher -- Steuber, Niederd.: Stöber — 
Stöwer ((Jött. ÜB. 1383: Stovere). 
Mit dem n der schwachen Bildung: 
Badstübner — Stübener — Stöbener, 
Bagger s. Bad (V.). 
Bahlmann s. Bald (V.). 
Bahr- s. 1) Ber (einst. K.) 2) Berin (V., 

einst. K.). 
Bahre s. Ber (einst K.). 
Baintner s. Bund. 
Bakker s. Becker. 

7 



98 



Bald 



-baig 



BALD I. got. balths, ahd. pald, bald, mhd. 
balt „kühn'' (jetzt nur noch Umstandsw. 
„bald''); vom deutschen entlehnt ital. baldo. 

FN. Baldhard: BoUert — PoUart; PolleH 

— Bohlert, 

Baldher: Bälter — BcUler — Bolder 

— BoUer — Böller — Böller. 
Patr. A. Bcddring, 

Paldhram: PaläramiM — Peldram. 

Baldroh: Poltrock, 

Baldman: Baldemann — Bahlmann 

— Böldemann — BoMtmarm — 
Bollmann — PoUrnarm — Bohl- 
mcmn, 

Baldemar: BaUmer — Pcämer — 

Pollmar. 
Baldaiich: Bäldrich. 
Faldewart: Bollward. 
Baldwig: Ballweg — Bollwöck. 
Baldavin: Baldewein — Bolwin, Böll- 

Wien — Pollwein — Bullwein, 
Baldulf: Baldauf — Balluff; Ballauf 

— BoUuf 

Einstämmige Kürzung Bald-. 
Baldo, Ballo: Bälde; Bald — Bolde — 
Bolte — Bölte — Bolle — Poll — 
Bohle — Bohl Gen. Baldes — Bolten 

— Bohlen, Patr. A. Baidung: Balling 

— BoUing — BöUing — BöMing, 

VMf. (k) Baldiko, Bolko: Balke — 
Backe (s. Stark S. 73; nordjRries. 
Backe = Baidicke) — Bolke — 
Böldicke — Bolk — Bock (s. auch 
Burg). Patr. A. Böcking, (z) Balzo : 
Balze — Balleis — Boltze; Bolz 
(Boltzmann) — Polz, (z + 1): Pölzl, 

Auslautend (159 mal Forst.): 
'bald: Sobald. 
-hold: Siebold. 

'pold: Seypold — selten -polt: Seepolt. 
'blot: Humblot 
'helt: Liebelt. ^ 
'pelt: Leipelt. 
'ball: Niedball. 
-bol: Sambol. 

-bei: Sybel. Gen. -bels: Siebeis. 
-pel: Seyppel. 
'bet: Gerbet. Siebeth. 
'U: Sdbt 

Balke s. Bald (dnst. E.). 
Bau- a. Bald (V., einst E.). 



Ballsehmieter in. niederd. (Bügen) „BaD- 

werfer". 
Balster s. Balthasar. 
Balter s. Bald (V.). 

Balthasar U. altpersisch Beltschazzar, Bel- 
sazar „Fürst des Glanzes"^ einer der h. drei 
Eönige, wozu die Legende die Weis«i aas 
dem Morgenlande gemacht hat (KaL 6. Jan.). 
FN. Balthasar. Zsgz. Balzer (als YN. noch 
im 18. Jh.: Baltzer Broswitz 1709 KB.) 
— Balster. Gen. Balsters (ostfries.). 
Mit Kürzung im Anlaut: Hciuser (bair.). 
Balze s. Bald (einst E.). 
Balzer s. Balthasar. 
Bammer s. Bad (Y.). 

Band I. zu longobaid. bandu „Kriegsbanner', 
vgl. ahd. pant, baut, mhd. bant. Band (doch 
ist auch altsächs. bant, ahd. panz „Gan*' 
in Betracht zu ziehen). 
FN. Bandhard: Bannert. 

(Bandheii): Paeder — Bender. 
(Bandold): Bandhold. 
Einstämmige Kürzung Band-. 
Bando : Bando — Bante — Bonne (fries.). 
Patr. A. Bawning — Pixnning — Ben- 
timk. 

Vklf. (1): Bändel (Bandelmann), 
Bandle — Pandel — Bofntel — 
Bendel, (l-^n): Bandelin. (k):£(M- 
dich — Bantke — Pannecke, Gen. 
Bantjes {osÜnea.). (z) Paozo, Ben»: 
Pantz — PoMsch — Banse — Beut 
— Bense. 
Bann-, Banse, Bant- s. Band. 
Baptista n. griech. „der Täufer'^ ; St Johas- 
nes der Täufer. 
FN. Battist. 
Bar-, BÄr- s. 1) Ber (V., einst K.) - 

2) Berin (V., einst. E.). 
Bardelmes s. Bartholomäus. 
Bardenheuer 111. der Barten (ahd. parta, 
mhd. harte, Beil, Streitaxt) zuhaat, an- 
fertigt. 
Bardolph s. Beraht (Y.). 
Barends s. Berin (Y.). 
Bärenfttnger lU. s, S. 41 — auch allgem. 
„Bärei^äger", da Bärenfang nicht bloß die 
angelegte Grube bed., in welcher sich E 
fangen sollen, sondern auch überhaupt die 
Bärenjagd. 
Bürens s. Berin (einst. E.). 
-barg, -bargen s. Beig. . 



Bart 



Baum 



99 



Bart ni. der „Bart^. Chonrad Mitembart, 
Ch. cum barba 13. Jh.. Borchard mid dem 
barde 1381. Vgl. auch Eberhard im Barte ^ 
H. Ludwig mit dem Barte. 

Seit dem 12. Jahrh. ward (nach Schultze 
Modenarrheiten S. 43) das glatte Gesicht die 
Regel, und alle Bartformen waren Ausnah- 
men, besonders bei hohem Alter und hoher 
Würde (der Fürsten) sich findend. Daher 
mußte ein bärtiges Gesicht um so mehr 
auffallen und konnte um so eher zu einem 
Beinamen Veranlassung geben. 

Erst während der Eeformationszeit begann 
man allgemeiner den Bart wachsen zu lassen, 
imd während des dreißigjährigen Krieges 
war derselbe in den mannigfachsten Formen 
Mode. Als solche zählt Moscherosch auf: 
Zirkelbärtel, Schneckenbärtel, Jungfrauen- 
bärtel, Dellerbärtel, Spitzbärtel, Entenwädele, 
Schmalbärtel, Zuckerbärtel , Türkenbärtel, 
spanisch Bärtel, italienisch Bärtel, Sonn- 
tagsbärtel, Osterbärtel, Lillbärtel, Spill-, 
Drill-, Schmutzbärtel , Stutz-, Trutzbärtei 

U. B. W. 

FN. Bart, Barth. — Zus. Breitbart. 
Buntebarth. Flachsbart. Judenbart. 
Bauschbart (vgl. Eberhard der Bausche- 
bart). Bothbart. Schlitzbart. Schmal- 
bart. Schweizerbarth, Spitzbart („Ever- 
hardus der Spizebart" Stark S. 153). 
Weißbart. 
Bart- s. Beraht (V., einst. K.). 
-bart s. a) I. Beraht b) III. Bart. 
Bartel s. a) I. Beraht (einst. E.) b) II. Bar- 
tholomäus. 
Barthol s. Bartholomäus. 
Bartholoinftas II. hebr. „Sohn des Tolmai'^; 
Apostel. (Kai. 24. Aug.) 
FN. Bartholomäus — Bartelmus — Bar- 
thehneß — Bardelines — Barthne. 
(Jen. Bartholomä. 

Gewöhnlich wegen seiner Länge in zwei 
Hälften zerschnitten: 1) Barthol; Bartel 
(vgl. Schweiz. Bartli, bair. Bartl). 
2) Mewes (mit eingeschobenem w, vgl. 
niederd. Bartelmeews, Meewsdag : 24. Aug. 
üp oUen Bartelmeiwes : 5. Sept. nach 
dem alten, julianischen Kai. Berghaus, 
Sprachschatz der Sassen); Mews — 
Möwes; Möws — das w in b verhärtet: 
Mebus; Mebes — MÖbus. Latinis.: 
Mevius - Möbius. Patr. Zus. Meunssen. 



Bastian s. Sebastianus. 
Bathe, Bätke s. Bad (einst. K.). 
Batt- s. Bad (V., einst. K.). 
Bftttger s. Bad (V.). 
Batsch, Batz- s. Bad (einst. K.). 
Baneh 111. in einigen Zus.: Breitenbauch 
(der mit dem br. B.). Gutschebauch. 
Schmerbauch. 
Bauck s. Baug. 

Bauer III. mhd. bür (auch büwaero, ahd. 
püäri, büäri) „der den Acker baut", Gegen- 
satz zu herre (Ritter), später auch zu bur- 
gaere. 
FN. Bauer, in älterer F. Baur. Oberd. 
Paur; Bauer. Niederd. Buhr — in 
Ostfriesland mit Artikel de Buhr^ in 
holländischer Schreibung de Boer (S. 40). 
Vklf. (1) : Bäuerle (schwäb.) ; Bäuer- 
lein. 
Zus. (bes. zahlreich im eigentlichen Baiem) : 
mit Vornamen: Kasparbauer — mit 
Eigenschaften : Jungbauer — nach der 
Beschaffenheit des Hofes: Hallbau^r, 
niederd. Halbuer (Halb-) — nach der 
Lage: Oberbauer; Oberpaur. Mitter- 
bauer. Donaubauer. Holzbauer, niederd. 
Holtbuer. Moosbauer (Moor-). See- 
bauer — nach den Erzeugnissen: 
Rosenbauer. Ruhenbatier (Rüben-). 
Waitzenbauer — nach der Zugehörig- 
keit und Verpflichtung: Hoffbauer; 
Hofpauer. Kirchewpauer. Königs- 
bauer. 
Bauermeister IH. vom mhd. bür Wohnung, 
eine städtische Obrigkeit = „Bürgermeister", 
auch auf ländliche Gemeinden angewandt 
(z. B. in der Umgegend von Münden in Han- 
nover, Pauli n, 27). 

FN. Burmeister — Baurmeister; Bauer- 
meister. Niederd. Burmester (mit langem 
e in der mittleren Silbe). 
BAÜO I. wohl zu ahd. pouc, mhd. bouc „Ring" 
für Hals, Haupt oder Arm, von biugan 
„biegen". Die bouge waren ein sehr begehrter 
Schmuck der Helden. Baugulf 8. 
FN. Einstämmige Kürzung Baug-. 
Bauco : Bauke ; Bauck — Bauch. Gen. 
Ba/ukes; Bauken. 
Baum III. ahd. poum, boum, mhd. boum, 
altsächs. böm , mittels dativischer Ellipse zu 
ON. verwendet, zuerst im 11. Jh. in Buden- 
bomen — gegenwärtig nicht virf unter 200 

7* 



100 



Baum 



Becker 



bewohnte 0. auf -haum in Deutschland 
(außerhalb Deutschlands z. B. Oranienbaum). 
Andere FN. sind durch Hausemamen ver- 
mittelt , wie ein Haus „zum Mulboum^ 1315 
zu Mainz , im 12. Jh. zu Basel war (s. Bück, 
oberd. Mumamenbuch S. 176 unter Maul- 
beerbaum) — noch andere sind unmittelbar 
von den Baumnamen abgeleitet; eine Schei- 
dung ist schwer durchzuführen. 

Vgl. Henr. Nuzboum 1223. Hmrik Hei- 
sterbom 1413. (Franz. CJerisier, Poirier). 
FN. Bau/m, — Zus. Äpfelbaum. Birn- 
hawm. Eichbaum; Eichelbaum. Esch- 
bäum, Grüfibaum. Holderbaum; Hol- 
linderbaum, Honigbaum, Kienbaum. 
Kirschbaum. Nußbaum, Pappdbaum. 
Pfraumbaum. Quittenbaum, Rosen- 
baum. SMÖhbaum, Weidenbaum — 
halbniederd. : Appelbaum. Beerbaum. 
Blöbawm, Busenbaum, Dannenbaum. 
Kassebaum. Kreikenbaum. Nottebaum; 
NuUebaum -^ 

ganz niederd.: Böhm. Beerboom. 

Dannenbohm. Lindeboom. Nottebohm. 

Plumbohm. Bosenboom. 

Ableitung auf -er (Ck)nrad Holderbäumer 

1285 Nassau. Heinr. dict. Eirsbanmer 

1297. Conrad Eosenbeumere 1299): 

1) 'boMmer: Eschbaumer (Münch.). 
Kerschbaumer (tirol.). Nußbaumer. 

2) Bäumer. Ältenbäumer. Brvnkbäu- 
mer. Hägerbäumer. Hasenbäumer. 
HoUindeibäumer. Strothbäumer — 
alle in Westfalen, wo auch mehr ver- 
einzelt 

3) niederd. 'bömer: Burgböhmer, Stein- 
bömer. 

Baam III. zur Bildung von Greräth-N., im 
Sinne von „Stange, Balken*^. 
FN. Heubaum, Leiterbaum, Maibaum, 
niederd. v. Meibom (Elemp. Meygbom). 
Schierbawn^ScIvu/rbaum (wenn = Schür- 
baum). Schnitzelbaum. Wallbaum. 
Wiesbaum. Zlugbaum. 
Bamnann UI. mhd. büman „Ackerbauer", ein 
etwas edleres Wort als Bauer. (Daher in 
manchen Gregenden Pommerns die Formel: 
„der ehr- und achtbare Baumann und 
Wirt" in Grabschriffcen bis in die Cregen- 
wart herein die stehende Bezeichnung des 
bSneilichen Besitzers). 
JBaunatark III. „stark wie ein Baum"". 



Banrenfeind IH. der „Banemfeind'', vgl. Joh. 
Purenfint 1348. Heintz v. Redwitz, Bawra- 
feind genannt 15. Jh. 
FN. Baurenfeind; Paunifeindt (vermuth- 
lich daraus des übelu Sinnes wegen um- 
geändert: Bau>ernfreund). 

Bayer III. der Baier ^ mit dem alterthüm- 
lichen y, welches auch in der amtlichen 
Schreibimg des Volks- and Landesnameos 
in Bayern immer noch festgehalten wiri 
(Vgl. aber auch beier, baier = Eber 
Grimm DW.). 

Bebe! s. Bad (zweist. E.). 

-beeher s. Bach. 

Beeherer III. Verfertiger hölzerner Trink- 
gefäße, der Becher (ahd. bechar) und der 
Schleif kannen. Förstemann, Progr. S. 4 (der 
hinzufügt, dass die Nordhäuser Gilde der 
Becherer im 15. Jh. verschwunden sei, ver- 
muthlich weil nun die metailen^i und glä- 
sernen Trinkgefäße mehr in Grebrauch ge- 
kommen). 

Beeht- s. Beraht (V., einst. K.). 
Beck HI. ahd. peccho^ mhd. becke, ans der 
Schriftsprache durch „Bäcker" verdrängt; in 
oberdeutschen Mundarten noch jetzt der 
„Beck", Mehrh. die „Becken". 
FN. Beck, Beckh, Back (München: 49 
mal Beck, nur 17 mal Becker). 
Zus. (S. 44). Brodbeck (mhd. brötbecke). 
Fesenbeck. Hofbeck. JuMgheck. Klein- 
beck. Kornbeck („Korn" hier wohl in 
dem engeren Sinne von Boggen). Matz- 
beck. Sauerbeck. Täglichsbeck. Wasser- 
bäch (Würtemb.). 

-beek s. 1) Bach 2) Beck. 
Beekenhnbe lU. „Fickelhaabe"» vgl. Peckel- 
hub 1434. 

Beeker III. ahd. bakari, mhd. becker der 
„Bäcker". 

FN. Becker (mit seltenen Ausnahmen noch 
in der alten Schreibung mit e) , hin ond 
wieder Bekker, welches auf niederiän- 
dische Einflüsse zurückzugehen scheint 
(s. Dekker). In Ostfriesland auch ohne 
Umlaut: Backer, Bakker (Borkum), 
vgl. neuniederl. bakker. Cren. Becken 
(niederrhein.). 
Zus. 1) nach der Art des GlebackeB: 
Kuchenbecker. Semmelbecker. StcUen- 
becker. Weckbecker. Weißbecker - 



-beoker 



Beraht 



101 



2) nach der Art des Backens und dem 
dabei verwendeten Geräthe: Kohlen- 
hecker, Pfannenbecker. WcUerhecker — 

3) nach Unterschieden, die in der Person 
des Bäckers selbst liegen: Jwngbecker, 
Neubecker ^ niederd. Niehecker. 

-beeker s. Bocker. 

Beede s. Bad (einst. E.). 

Beelke s. Bil. 

Beer- s. 1) Ber (V.) 2) Berin (einst. K.). 

Beerboom III. niederd. „Birnbaum". Halb- 
niederd. Beerbaum, 

Behl- s. Bil. 

Behm s. Böhme. 

Behn- s. Berin (V., einst. K.). 

Behr- s. Ber (V., einst. K.). 

Beiderlinden in. „bei der Linde" (S. 53). 

Beil a) I. s. Bü b) HI. mhd. bil das Werk- 
zeug, mit den Zus. Breitbeil. Eisenbeü. 
Klingbeil (Elemp. Elinckebil). 

Beilharz s. Bil. 

Bein a) I. s. Win (Widebein) b) III. das 
Körperglied , in mannigfachen Zus. : Dünne- 
bein. Einbein. Hochbein; Hobein. Hol- 
bein; Hohlbem. Huckelbein. Klapperbein. 
Krwnmbein. Langbein. Löffelbein. Schön- 
bein. Streckbein — besonders auch nach 
Thieren : Hasenbein. Hühnerbein. Kuhbein 
(vgl. Kuhfuß). Otterbein. Ziegenbein. 

(Doch Schiefelbein ist ON. , Städtchen in 
den früher zur Neumark gehörigen Theilen 
Pommerns — imd in süddeutschen ON. tritt 
nach Bacmeister S. 23 bisweilen bein an 
Stelle von -beund =» bünd). 

Beinhaaer III. der „Fleischer" (Knochen- 
hauer). 

Beißenhirz III. Satz-N. „beiß den Hirsch", 
wohl einen eifrigen Jäger bezeichnend. Auch 
Beißenherz. 

Bell- 8. BU. 

Bellaehini, Zauberkünstler aus dem Posen- 
schen, Namens Bdlach, der sich — durch 
bloße Geschwindigkeit, ohne Hexerei! — 
in Bellachini italienisirt hat. 

Bendel s. Band. 

Bender s. a) I. Band b) III. Binder. 

Bendix s. Benedictus. 

Beneeke s. Berin (einst. K.). 

Benedletns H. lat. „der Gfesegnete" ; Benedict 

vonNursia, Stifter des Benedictiner- Ordens 

im 6. Jahrh. 



PN. Benedict; Benedick — Benedix ; Ben- 
dix. — Stidd. Patr. Benedicter. 
Mit Kürzung im Anlaut: Dictua; Dict — 
Dix. 
Benhelm s. Berin (V.). 
Bening s. Berin (einst. K.). 
Benk- s. Berin (einst. K.). 
Benn- s. Berin (V., einst. K.). 
Bense, Benz s.. 1) Band (einst. K.) 2) Berin 

(einst. K.). 
BER I. ahd. bero, mhd. bere „Bär", ehemals 
in der Anschauung des Nordens König der 
Thiere (S. 17). 
FN. (Berhard) : Berardt. 
Berachar: Behrer. 

Perlaic, Berlah: Berlich; BerUck; 
Berlach — Barlach — Bierlich; 
Bierlick. 
Berman: Bermamif Behrv/umn, Bär- 

ma/nn. 
Bemot: Bernot — Biemoth, 
Beroald: Bärtoaid — Berold; Beer- 
hold — Beriet mit der Zus. Gut- 
beriet — Perlett — Biehrhold. 
Gren. Berholz — Bierholz. 
Beroward: Berward; Beerwarth — 

Biertoerth. 
Berewin: Berwvn — Bärwein. 
Benilf: Bärwolf. 
Einstämmige Kürzung Ber-. 
Bero: Behre; Bär, Bahr — niederd. 
Bahre; Bar. (Jen. Behrs. Patr. A. 
Bering; Bährvng — Pering — Ber- 
ring — Bieru/ng. 

Vklf. (1) Berilo: BerU — Perl — 
Bierh Patr. A. Perling — Bier- 
ling. (k) Berico: Berke — Böh- 
recke — Bierig. Patr. A. Berhing. 
(z) Berzo, Bezzo (Stark S. 86 — doch 
auch für beraht S. 84. 87) : Bertz — 
Pertz — Pertfch — Betz — Petz 
(dah. Beiname des Bären) — Pätfi^ 

— Barz — Bartsch, (z -|- 1) : Betzel 

— Petzel — Bessel. 
Ber- s. Ber (V., einst. K.). 

BERAHT I. got. bairhts , ahd. peraht , beraht 
mhd. perht, berht (noch im Englischen bright) 
„glänzend". 
FN. Perahtgar: Prächtker. 

Berhthari: Brechter — Prächter — 
Berchter — Bechter — Bertermann. 
Berahthoh: Bertog; Bertueh, 



102 



Bercht- 



Beiin 



Berahtram: BerPram; Berirab — 

Bartram. 
Berehtmax: Bartmer, 
Bertrand: Bertrand, 
Borahtold: Berchtold — Berthold; 
Berthelt — Bechtold — Pechtold 
Barthold; Bartelt; Barthlott; Bar- 
thol; Ba/rtel. Gen. Bartholz; Bar- 
theides — latinis. Bartholdy. 
Perahtolf : Bertleff — BeMolf; Bech- 
dolf — Bardolph, 
Einstämmige Kürzung Beraht-. 
Perhto, Berto: Bercht, Bergt— Brecht 
— Brecht — Berthe; Bert — Becht — 
Pecht — Bracht — Pracht — Barthe 
(Brecht, Bracht auch ON. s. Brach). 
Gen. Berthes — Perthes — Bartens. 
Vklf. (1) Pirahtüo: Brechtel — 
Berthele; Berti — Bechtel — 
Brachtl — Prächtel — BarteL 
Gren. Bartels — Bartela (ostfiries,). 
Patr. A. Bertling — BartUng. 
(k) : Barthe ; Barttig. Gen. Bertges. 
Auslautend (308 mal Forst.): 

-brecht: Albrecht. Gren. -brechts: Lam- 

brechts. 
'precht: Lamprecht. 
-pricht: limpricht. 
'bracht: Allebracht. 
-berath: HUberath. 
-brath: Hilbrath. 
-bert: Albert. Gen. -berts: Egberts, in 

anderer Schreibung -z (tz): Limbertz. 
-pert: Euppert. Gen. -pertz: Koppertz. 
-brett: Odebrett neben Odebrecht. Engel- 
brett. 
-bart: Herbart. Segebarth. 
-ber: Eyber. Momber. Gen. -bers: Düb- 

bers. 
-per: Lemper. Gen. -pers: Uppers. 
-bahr: Osbahr. 
Bercht- s. Beraht (V., einst. K.). 
Beren- s. Berin (V., einst. K.). 
Berg* in. ahd. perc, berc, mhd. berc — 
neuhochd. ist -berg in ON. die vieltausend- 
fach belegbare F. Daneben die dativische 
F. 'berge mit ursprünglichem Verhältnis- 
wort zu (ze) : ze dem Witten (weißen) berge, 
daraus Wittenberge. 

FN. Van dem Berghe (van deme Berghe 
1383. Gott. ÜB. I. Vgl. franz. Dumont). 
Zum BergCf auch Zumberge. Das. Berge ; 



Berg, Bergk. Zus. Bergemann; Berg- 
mann (doch dies natürlich auch (le- 
werbs-N.). 

Die zusammenges. FN. auf -berg über- 
bieten selbst in Norddeutschland die von 
andern Ortsbezeichnongen abgeleiteten an 
Häufigkeit; so zählt Hofi&nann's hannover- 
sches Namenbuch über 100 PN. auf -beig. 
während -dorf nur 38 mal, -feld. 35, -hof 
29, -bach 19 mal vertreten ist. 
V. Aaersperg, Bluniberg. CMingensperg 
(Münch.). Bannenberg. v. Gottberg. 
V. Hertzberg. Lindenberg. Nürnberg. 
Schönberg. Wittenberg. 
Das -e der dativischen F. fallt in d» 
FN. regehnäßig ab, so daß nur die Beugung 
des Eigenschaftswortes (Witten-, Schwarzco-) 
noch den ursprünglichen Dativ des ON. va- 
räth. Nur vereinzelt findet es sich hier 
noch, namentlich in loserer ZusammenfQgimg, 
wie Schulze - Overberge (westf.). 

Dagegen bleibt die dativische Mehrh^t 
auf -en unverändert: Gandesbergen. 

Niederd. -barg (vereinzelt): Morharg. 
Wienbarg. Wittebarg. — Haabargen (0. 
-bergen in Hannov., Oldenb.). 
Ableitung auf - er (oberd.) : 

1) -berger: Berger. — Albrechtsberger. 
Franhenberger. Henneberger. Wür- 
ternberger. 

2) -perger (nach s) : Güntersperger. 
Haßlsperger. Hersperger. Hett- 
marmssperger. Reichensperger. 

Bergamenter III. „Bereiter von Pergameot" 
mhd. perminter. Bes. in SüddeutschlaDd 
(früher eine „Permentergasse" in Nümbeig, 
Augsburg, Reutlingen) , doch auch in Bnum- 
schweig: Hinnke de permenterer 1406. 
FN. Bergamenter ; Bermenter ; Bermtnter. 

Bergemann s. Berg. 

Berger, -berger s. Berg. 

Bergmann III. 1) s. Berg 2) der „Beig- 



mann". 



Berin I. Erweiterung von Ber (Bär). 
FN. Beringar: Beringer — Böhringer. 
Berinhard : Bernha/rd — PertJiart — 
Bernert; Bernet (im „Etat dar 
Bürgerschaft von St. GaUen*" 18&4 
ist ausdrücklich angegeben , dafi die 
dortige Familie Bernet früher Bein- 
hard, auch Bemath geheissen. Steab 
S. 17) — Bewnert — Behnert. 



Berk- 



Bischof 



103 



Zsgz. Bährendt, Behrend (ent- 
stellt Bierente) — Bemdt (Zus. 
Großhemdt; Schönd)erndt). Gen. 
Bernha/rds (lat. Bemh(Mrä£) — 
Beretides; Berends, Behrenz — 
Barends — Bierewtz. 
Berinher: Berner — Ferner — Benner. 
Bemhelm: Benhelm, 
Bemold : Bernhold — BemuM ; Ben- 
hold. 
Einstämmige Kürzung Berin-. 
Bemo, Benno (Stark S. 25): Beten, Bäh- 
ren — Benri^ — Behn. (Jen. Bürens 
(Zus. Braunbehrens) — Berns {Berns- 
mann). Patr. A. Beming — Benning 
— Bening. Gen. Bennenga; Bemnga 
(beides ostfnes.). Patr. Zus. Beerens- 
son — Bernsen. 

Vklf. (k): Bemicke — Pennecke 
-— Benecke — Penke — Benck — 
Ba,micke. (z): Bemtz — Benze; 
Benz — Bense (Bensemarm), (z + 1) : 
Benzel. 
Berk-, Berle s. Ber (Y., einst. E.). 
Berken- = Birken, in N. wie Berkenkemper, 

-kotier y Berkemeyer. 
Bermann s. Ber (Y.). 
Bermenter, Berminter s. Bergamenter. 
Bern- s. 1) Berin (V., einst. K.). 
Bemklau, auch v. BerncUm III. „Bären- 
klaue". 
Berringr s. Ber (einst. E.). 
Bert-, Berth- s. Beraht (V., einst. E.). 
Berward s. Ber (V.). 
Bessel s. Ber (einst. E.). 
Bethge s. Bad (einst. E.). 
Better s. Bad (V.). 
Betz- s. Ber (einst. E.). 
Betulejus III. latinis. für Berckfnann (betula 

die Birke). 
Biehl, Biehler, -Mehler s. Bühel. 
Biedermann III. mhd. biderman ein „unbe- 
scholtener Mann , Ehrenmann". Biderbeman 
1262. 
(Biegrel) -biegel, -bieirler s. Bühel. 
Biehi- s. a) I. Bü, b) IH. Bühel. 
Bfehrhold s. Ber (V.). 
Blei- s. a) I. Bil b) lU. Bühel. 
Biengrrttber in. der „Bienen aus hohlen Bäu- 
men ausgräbt". 
Bier III. ahd. pior, mhd. hier, das bekannte 
Getränk (S. 46). Marquart Gutpier 1450. 



PN. Bösbier. Bimnebier (Schwachbier, 
Halbbier). Frischbier. Gvibier. Menget- ' 
bier. Satterbier. Strengbier. Süßbier, 
niederd. Sötbeer. Warmbier. Zttcker- 
bier. 

Bier- soweit I. s. 1) Ber (V., einst. E.) 

2) Berin (V.). 
Bierbaam III. „Birnbaum", mhd. birboum 

(ahd. pira, mhd. bir Birne). 
Bietendttwel m. s. Bitdendüvel. 
BilTart s. Bü. 

Bil I. zu ad. bil „Lindigkeit, Milde". 
FN.Bilifrid: Biffart. 
(Biligar): Bülger. 
(Bilhard) : Bühardt; Bülert — Bielert 

— Bellert. Gen. Büharz — PÜartz 

— Beilharz. 

(Bilheri) : BieUer — Pieler — Behkr. 

Gen. Bdlers. 
Biliram: Pilgram. 
Belimar: Bilmer, 
Einstämmige Eürzung Bil-. 
Büo: Biel — Pide - Behl — Beil 
(theilweis). Patr. A. Bülvng; Billung — 
Bieling — BeUing ; BeUinga (ostfnes.) 
— Belmg — Beding, 

VMf . (k) Pilicho : Bülicke — Pidke 

— Beelke — Beilicke. (z): BÜtz 

— Püz. Patr. A. Pützing. 

BiUger s. a) I. Bü. b) m. Püger. 

BUtz s. Bü. 

Binder lU. mhd. binder der „Faßbinder, 
Bötticher" („Bindergasse" in Nürnberg). 
PN. Binder — Binder (oberd. , vgl. „Pin- 
ter" in Marburger Urk. , Eeichel S. 31) — 
mit Abstumpfung des i: Bender. Zus. 
Faßbinder; Vasbender. Bittenbvnder ; 
Büderibänder (Büttenbinder). Btuih- 
binder; Bttchbender, Bürstenbinder. 
Behbinder (vom mhd. re Todtenbare ?). 

Bindseil in. zu den Greräth-N. Vgl. auch 
Gunrad cognom. bintriemo 1339. 

BirehpfeüTer Doppel-N. (S. 78): Charlotte 
PfeifFer, Tochter des Eriegsrathes Pf.iin 
München, verheirathet (1825) mit Dr. Birch, 
die bekannte dramatische Dichterin. 

Bifehof m. aus griech.-lat. episcopus (Auf- 
seher), im Mhd. jeder höhere, auch nichir 
christliche Priester (S. 42) ; im DW. auch 
spottweise ein „Bierbischof". Petrus dictus 
episcopus 12. Jh. 



104 



Bitdendüvel 



Bod 



FN. Bischof, Bischoff, Gren. Bischofs. 
Eigenthüml. F. Bischkop (wohl durch 
Vennittelung des slav. biscup). 
Bitdendttvel III. Satz-N. niederd. „beiß den 
Teufel" (S. 52). Ähnlich Sdiietdendüvel 
„schieß den T." 
Bittenbinder m. „Büttonbinder". 
Bittner s. Büttner. 

Blanc I. ahd. planch, blanch, mhd. blanc 
„blank, weiß" (von blinken). 
FN. Blanchard: Blankart. Gen. Blankarts 
— umgedeut. Blankertz. 
(Blanchar): Blenker. 
Einstämmige Kürzung Blanc-. 
Blancho: Blancke; Blanc — Planck — 
Blencke, 
Blank- s. Blanc. 
Blatner, Blattner s. Fiatner. 
Blatt in den Zus. Kleeblatt. Lindenblatt. 

Bosenblatt 
Bled- s. BM. 
Bleibimhaus III. Satz-N. „bleibe im Haus" 

— Bezeichnung eines Häuslichen. 
Bleibnichtlang III. Satz-N., Bezeichnung 

eines, der nirgend lange bleibt? 
Bleibtreu III. Satz-N. (S. 51). 
Bleieherty Bleiek- s. Blic 
Bleidt, Bleimer, Bleitz s. Bild. 
Blenker s. Blanc. 

Bleudom IH. niederd. „Blühdom" s. Dom. 
BLIC I. ahd. plich, blic, mhd. blic „licht- 
glanz, Blitz". 

FN. (Blichard): Bliechert — BUickhardt 
Bleichert. 
Blieger: Blicker. Gen. Bleickers. 
Einstämmige Kürzung Blic-: Blicke. 
BUD I. got. bleiths, ahd. plidi, mhd. bilde 
„froh, heiter". 
FN. Blidegar: Blediger. 
Blidmar: Bleimer, 
Einstämmige Kürzung Blid-. 
Blido : Blied — PliU - BUde — Bleidt. 
Fatr. A. Bliedung, 
VMf. (z): Bleitz, 
Bliechert s. Blic. 
Blied- s. BUd. 
Blolmit B18m- s. Blom. 
BLOM I. got. blöma, ahd. pluomo, biomo, 
mhd. blnome „Blume". Blumarit. 
FN. (Blomhardj : Bluhmhard — Blümert, 
^kmiheri): Blömer — Blühmer — 
Plümer. 



Einstämmige Kürzung Blum-. 

(Pluomo): Blohtß — Blume; BUtJm. 
Gen. Bloems (ost&ies.). 

Vklf. (1): Blümel. (X + n): Blümr 
lein, (k) : Blömke — Blühmke — 
Plümicke. 
Blulim-9 Blflhm- s. Blom. 
Blume a) I. s. das Vorhergehende b) UI. bes. 
in Zus. wie Kornblum. ScMusaelblwH, - 
Blumenstiel, Blwne^istengel. Blumensdiän; 
Blumschein, 
Bliilidom III. zu den Pflanzen -N. Niederd. 
Blöhdorn — Bleudom., entstellt Bleidorn, 
Blüm- s. Blom. 

Blumensehein III. mhd. bluomen schin „der 

Blumen Glanz und Schmelz^. (Nach Bock 

S. 32, hübscher, leuchtender Blumenstrauß, 

als Wirtshausschild). 

Blumensehmied III. der Schmid gegeDüba 

dem Gasthof „zur Blume" (Becker). 
Bob- s. Bod (V., einst. K.). 
Boek a) I. s. Bald (einst. K.) — Bod (dnst 
K.) — Burg (ernst. K.) b) III. zu den 
Thiemamen, vgl. Gunrat der Bock 1387. 
Vklf. 0): Böcklin. 
Boekhard s. Burg (Y.). 
B)(eking s. Bock a). 
B((ekler UI. „der einen Schild (buckel) fübif . 

FN. BöcTder — PücMer. 
BOB I. zu got. biudan, ahd. piotan, beodao 
im Sinne von „gebieten". 
FN. (Bodebert): Bobardt — Popert. Gol 
Bobertz, 
(Bodfrid): Boffert. 
Botthar: Boder — Buder — BvUer 

— Bilder. 
Bodomar: Bodemer — Bothiner — 

Bommer, 
Poterich: Böd^'ich — Böttrieh - 

Püttrich. 
(Bodoald): BötheU. 
(Bodewig): Bodetoig — Budwig, 
Botolf: Puttloff. 
Einstänunige Kürzung Bod-. 
Poto, Buddo (VN. Bodo): Bode — Btdke 

— Pothe — Bott — Pott — Bude- 
Budde (Zus. Großbudde) — ButU. 
Gen. Boden — Bots; Boten — Polen 

— Budden, Patr. A. Böding — Bü- 
ding — Bütting, 

Vklf. (i) Bodi: Body. Q) Bodüo: 
Potel — Botel — Btidd. (l -f n)BB- 



Bod- 



BÖtticher 



105 



delin: Bodelin. (k) Poticko: Bodeck 

— Foddig — PoUke — Bödke - 
Böttge — Budig — Buddeke — 
(Bock), (z) Bozo: Botz Butze — 
Putfche. (z + 1) : Bötzel 

Zweistämmige Kürzung 1) Bodb-. 
Poppo (nach Andresen) : Bobhe — Bopp — 
Bobe — Poppo; Poppe (Zus. Popma 
ostfries.) — Poppe — Puppe. Gen. 
Poppen (Zus. Kleinpoppen). Patr. A. 
Poppinga (ostfries.). 

Vklf. (1) : Poppet - Bohel — Pobel 

— Puppel. (k) : Boheck — Pöppig 
Puppke. Gen. Popken — Puppkes. 

Zweistämmige Kürzung 2) Bodf-. 

BoflFo (Stark S. 120) : Buff— Puffe; Puff. 
Auslautend (62 mal) Forst.). 
-hode: Gerbode. 

'bothe: Gerbothe; -both: Gerboth. 
'potli: Niepoth. 
'bott: Meerbott. 
-pott: Grerpott. 
'bade (niederd.): Garbade. 
Bod-, BM- s. Bod (V., einst. K.). 
BMdiker, B^deker s. Böttichor. 
Bodenbinder III. „der einen Bretterboden 
legt" (s. Bodmer). 

FN. Bodenbender, Bodenbänder. Niederd. 
Boddenhender. 
Bodmer a) I. s. Bod b) III. von „bödmen", 
d. i. einen Boden (ahd. podam , mhd. bodem , 
das m noch bis ins 17. Jh. erhalten) von 
Brettern zusammenschlagen: ein Faß, ein 
Zinmier, ein Schiff bödmen. 
Boffert s. Bod (Y.). 

BOG I. zu ahd. bogo, mhd. böge „Bogen" (als 
Waffe). Kaum von Baug zu trennen. 
FN. (Bogehard): Bogenhard. 

(Bogold): Böget^öld. 
Finstämmige Kürzung Bog-. 

(Bogo): Böge — Böge. Gen. Bogena 
(ostfries.). 
Böge, B9ge s. Bog. 

Bogen III. in ON. auf eine Biegung, in 

der Regel eines Flusses od. Baches, gehend. 

FN. Bogen. — Elbogen. 

Ableitung auf -er (oberd.): 

Bogner (der Bogenaere ■■= der von 

Katzenellenbogen, Walther 180 Pfeiff.) 

— Bögner. 

Bogner HI. 1) einer aus Bogen, s. das Wor- 
hergehende 2) „Bogenmacher" DW. (eine 



„Bognergasse" in Wien; Marburger Gewerbe- 
Verz. Pogner). 

Bohl-, B9hl- s. Bald (Y., einst. K.). 
B9hme III. einer aus „Böhmen". Conrad 
Bohemus 1281. 

FN. Böhme; Böhm — auch Behm (Hans 
Behem 1476 , vgl. Behaim , mhd. Boheim 
neben Böheim, den alten N. des Landes). 
Auch Böheim; Böhaimb. 

Bohnenbluest III. (schweiz.) „Bohnenblüte", 

vgl. mhd. bluost Blüte. 
Bold- s. Bald (Y., ernst. K.). 
BWd- s. Bald (einst. K.). 
Bolke, B9]k s. Bald (einst. K.). 
BoII-, Bmi- s. Bald (Y., einst. K.). 
Bolt-, Bölt- s. Bald (einst. K.). 
Bolwin s. Bald (Y.). 
Bolz- s. Bald (einst. K.). 
B^maek III. slavisch: ein „Böhme". 
-b9mer s. Baum. 
Bomheuer III. niederd. „Baumhauer" (s. 

-hauer). 

Bommer s. Bod (Y.). 

Bonewendura III. (Ottweiler) aus ital. Bona- 
ventura. 

Bonne s. Band. 

Bopp s. Bod (zweist. K.). 

Boreh-, B9reh-, Borg- s. Burg I. (Y.). 

-Iwrg III. s. Burg (ON.). 

Borger s. Bürger. 

Borges s. liborius. 

Borggreve s. Burggraf. 

Bork- s. Burg (Y., einst. K.). 

Bormann s. Burg I. (Y.). 

Born, -1lM>m s. Brunn. 

Borries, B((rries s. Liborius. 

Borste] s. Buigstali. 

Borz s. Burg I. (einst. K.). 

Bofeh s. Busch. 

Bostel s. Burgstall. 

Bot-, Both- s. Bod (Y., einst. K.). 

B)(tefiihr in. (Süderditmarschen) niederd. 
Satz-N. „zünde Feuer an" (Heizer in Schmelz- 
öfen u. dergl. — doch auch Spottname für 
einen „Rothkopf"). 

B((tel s. Bod (einst. K.). 
B^thelt s. Bod (Y.). 
Bott 8. Bod (einst. K.). 
Bött- s. Bod (Y., ernst. K.). 
B((ttieher III. von Bottich, ahd. potacha, 
mhd. boteche, botege großes Holzfaß , zumal 



106 



Böttaer 



Bieaker 



in Brauereien der „Bötticher^, altniederd. 
Bödeker. 

FN. 1) hochd. Bötticher; BöUchcr — 
Böttiger; Böttger — Bottger — 
Pöttcher (oberd.). 
2) niedord. (bes. im Nordwesten): 
Böddiker ; Böddeker — Bödeker, 
B9ttner s. Büttner. 
BSttrieh s. Bod (V.), 
Botz, BVtzel s. Bod (einst. K.). 
Bowenschulte III. (westf.) „der Schulze oben" 

(s. ^hulze). 
Brabandt III. „einer aus Brabant". 
Brach III. ahd. bracha, mhd. bräche „das 
erste Umbrechen eines zum Anbau be- 
stimmten Landes". Seit dem 8. Jh. in ON. 
Jetzt hochd. Brach, -brach, -brechen — 
doch viel häufiger niederd. Braak, -brock, 
-brdken, -breck, 

FN. Eilerbracke, von Heidebreck, 
Nebenf. Bracht seit 9. Jahrb., und dem 
entsprechend neuere ON. wie Bracht, 
Brecht, die auch zu FN. geworden. 
Bracht s. a) I. Beraht (einst. K.) b) III. s. 

Brach. 
Bradenahl III. niederd. (Meklenb.) „gebratner 
Aal"; vgl. Frideric. cognomento Bradegans 
13. Jh. 
Brambccr III. mhd. brambor die „Brombeere". 
Branckc s. Brand. 

BBAND I. ahd. prant, brant, mhd. brant 
„Feuerbrand; Schwert" (davon ital. brande 
Schwertklinge). 

FN. (Brandiger): Brandiker. 
(Brandhard): Brennert, 
Brandold: Brandholt, 
Einstämmige Kürzimg Brand-. 
(Brande): Brandt (VN. bei Klemp.). 
Gen. Brandes; latinis. Brandts 
( Brands ma ostfries.). Patr. A. Bran- 
ding — Brenning. 

Vklf. (1) Brandüa: Brandel — 
Frantl— Brendel; Brändle (schwäb.). 
(1 + n): Brändlein, (k) Brandico: 
Brancke — Pranckh — Brendicke 
— Brentke — Brennecke, (z) Bran- 
tio: Prantz — Brentz, (z + 1): 
Prentzel, 
Auslautend (50 mal Forst.): 
-brand: Dittebrandt. Hildebrand. Gen, 

-brcmds: Zybrands. 
-brahn: Bobrahn. 



-bam: Dettbam. 

-bern (s. Stark 8. 187): Dibbem. Sibbera. 
Brand III. als ON. eine Waldstelle, welche 
durch Feuer gerodet ward. Jetzt nicht blofi 
einfaches Brand, Brande häufig, scmdeiii 
auch über ein halbhundeit Zus. auf 'hrümd, 
- brenda, 

FN. Brand, Ältenbrand. 
Brand- s. Brand I. 

Braten ni. ahd. brato, mhd. brate. In der 
Zus. FN. Hafenbrädl („Topfbrätchen'-). 
Schweinebrade, (In andern Zus. dürfte 
-brat eher eine zsgz. F. von -beraht hin, 
z. B. Mundbrat, wie deutlich in Hilbrath). 
Bratengreigrer in. „der um den Braten geigt', 

Spottname =^ Bierfiedler. 
Brauer III. mhd. briuwer, biouwer der „Bier- 
brauer''; mit Umlaut Bräuer (eine „Biäaer- 
gasse'^ in Dresden^ auch „Bierbrauer'' im 
Münch. Adressb.). 

FN. Brauer — Brauer^ Bretter, (Jen. 
Brauers — Breuers (niedenrheiB.). 
Niederd. Brüwer (Bruwere 1483 Gott. 
ÜB.). Gen. Browers; JBröyers (beides 
ostfries.). 
Brttucr s. Brauer. 
Brauky -brauk s. Bruch. 
Braun a) I. s. Brun b) UI. von der Farbe: 
ahd. mhd. brün, prün „braun , brünett" 
(vgl. franz. Lebrun). 

FN. Braune; Braun — (südd.) Praun. 
Brttun- s. Brun (V., einst. K.). 
Braunabend III. der „braune Abend'*, eise 
Floskel der 2. schlesischen Dichterschole, 
also nicht vor 1650 (Vilmar). Auch jBnwi- 
abend, 
Brausewetter III. ein „stürmischer Mensch* 

(s. Wetter). 
Brttutigram III. zu den Verwandtschafts-N. 

Niederd. Brüdigam, 
Brecht- s. Beraht (V., einst. K.). 
Breiser III. „Schnürriemenmacher'' (mhi 

brisen schnüren) vgl. Preiswerk. 
Brend- s. Brand. 
-brenker s. Brink. 
Brenn- s. Brand. 

Brenner III. vgl. Otte gen. der brenner 133S. 
FN. Brenner, Zus. Kalkbrenner. Ne*- 
bren/ner, Steinbrenner, Weinbremier. 
Brent-, Brentz s. Brand. 
Breuer s. Brauer. 
Brenker, -breuker s. Bruch. 



Brennle 



Brach 



107 



Breunle s. Bnm (einst E.). 

Briehl s. BriOil. 

-bring s. Brink. 

Bringrewath in. Satz-N. niedord. „bringe 



u 



was 

Brink HI. „(hochliegender) Grasplan"^ — ein 
in norddeutschen Mundarten weit verbrei- 
tetes Wort. Dahin gehört mehr als ein 
halbes Hundert ON. auf -brink in der 
Linie Hannover -Utrecht, mit der Haupt- 
starke in Westfalen. 

FN. Brink (Dorf im Oldenburgischen, 
Münster' sehen , Ealenbergischen). ten 
Brink f auch Tombrink (= zudomBr.); 
von den Brinken. — Brinkmann, Bring- 
mann. 

Bes. häufig in Zusammensetzungen, 
die meist jedoch nicht Städte oder 
Dörfer, sondern in mehr appellativer 
Art einzelne Ortlichkeiten einer Dorf- 
lage oder Feldflur zu bezeichnen schei- 
nen — als FN. demnach der daselbst 
Wohnende, der „Brinksitzer". 

Äntenbrink, Berenbrink. Exern- 
brifüc. Fahrenbrink. Haaenbrink. 
Klockenbrink. Mühlenbrink, Oster- 
brink. Steinbrink. ünterbrink, Lüse- 
brink und Musebrink (offenbar Spott- 
namen für die bezeichneten Ortlich- 
keiten, vgl. pommerisch „Flöhenbrink"). 
— Oberbrinkmann. 

Bisweilen in der Schreibung -bring: 
Finkenbring neben Finkenbrinck. 
Hasselbring. Igelbring. Kregenbring 
neben Krägenbrinck und Krähenbrink. 
Kreidebring neben Kreidebrink. Lehm- 
bring. Piepenbring. 
Ableitung auf -er (westf.): 

• brinker: Britiker. Berenbrinkei'. Stein- 

brinker. 
-brenker: Brenker. Brembrenker (BT&m, 

Bräme = Brombeerstrauch). 
Alle diese Bildungen mit großentheils 
noch nicht verwischtem niederdeutschen 
Gepräge sind als FN. bes. häufig in West- 
falen und den angrenzenden Landschaften 
(Lippe, Osnabrück), wo sie zu den die 
Namengebung beherrschenden gehören. 
BrinkkStter IIL „Brinksitzer, Häusler auf 

dem Brink **, s. Brink und Köther. 
Broek-9 -brock s. Bruch. 
BrOeker s. Bruch. 



Brod-, BrSd s. Brord. 
BrVhl s. Brühl. 

Broieher, -broieh, -broiek s. Bruch. 
Brok-, -brok s. Bruch. 
BrSker s. Bruch. 

Brommer, Brongers s. Bnin (V.). 
Bronn -9 -bronn, -bronner s. Brunn. 
Brons-, Bronzema s. Brun. 
BBOBD I. ahd. prort, brort, angels. brord 
„Schiffs vordertheil; Spitze (einer Waffe)". 
Willibrord. 

FN. Brothar : Broder — Bröder (Bröder- 
mann). Gen. Brors. Patr. A. Bröring. 
Patr. Zus. Brodersen. 
Einstämmige Kürzung Brod-. 
(Brodo): Brode — ProU. 

Vklf. (1) : Brödd — Pröhle. (k) : 
Brodke. 
Bröring, Brors s. Brord. 
Bros-, Br9s- s. Ambrosius. 
Brot in. zu den Speisen (S. 46) in mancherlei 
Zus. 

FN. Bierbrot. v. Casembrod (hoUänd. 
„Käse und Brot"). Eigenbrod. Gut- 
brod. Hirsebrod. Herrenbrod, Boggen- 
brod (Gernod ruckenbrot 1235). Som- 
merbrod. Truckenbrod; Bnukenbrodt. 
Warmbrod. Weichbrodt. Weißbrod. 
Einige dieser FF. sind zweifelhaft, da 
möglicherweise altd. brord, brod — oder 
auch eine Verderbung aus -beraht (brat) 
in ihnen steckt, wie offenbar in Heimbrodt 
aus Haginbert, Milbrod aus Mildebrath 
(s. Mild); auch wohl Treubrodt altd. Trrl- 
prat aus Drudperaht. 
Browers, BrOgers s. Brauer. 
Bruch III. ahd. bruoch, der allgemeinste 
und durch viele Mundarten verbreitete 
Ausdruck für „Sumpf". Neben den ge- 
wöhnlichen FF. auf -brach findet sich in 
ON. niederdeutsches -brook, -brock (bes. 
in Westfalen), niederrheinisches -broich. 
FN. 1) Bruch. HuckUnbruch. Vahl- 
bruch. Wüdehbrucf^. 

2) Brooky Brock, v. Buddenbrock. 
V. Diepenbrock. Papenbrock. Bo- 
senbi'ock. Stuckenbrock, ühlen- 
brock. 

3) Broich. Hiicklenbroich. Klein- 
herzbroich. 

Großentheils sind die Benennungen dieser 
Art, ebenso wie die auf -brink, nicht 



108 



Brüoher 



Bnrn 



Namon für Ortschaften, sondern sie bezeich- 
neten ) als sie auf die Personen übertragen 
wurden, wirklich noch ein Bruch (Moor). 
So die nachfolgenden, die wenigstens in 
Rittor's Lex. sich nicht finden. 
Erlbruch; Elsetibruch. Gosebruch. Hos- 
selbruch (Hasel-). Muhlenbruch, Wei- 
denbruch. 
Ellerbrock (Erlenbruch). Griesenbrock. 
Kerkenbrock. Kersenbrock, Korden- 
brock. Möhlenbrock (Mühlen-). Notte- 
brock. Piepenbrock. Wiesbrock. 
Auf dem Brauke. Osterbrauk. ühUn- 

brauk. 
Kumbruck. Möhlenbrvck. 
V. Diepenbroik'Grüter. v. Kerßenbroick. 
Zus. mit -Mann: 
Brtichmann — Brockmann , Brokmann, 
Brookmann — Braukmann. (Leo 
Broychmann 1483. Köln, üniversit.- 
Matrikel). 
Zus. mit -Müller: 
Brockmüller. Braukmüller. 
Ableitung auf -er (westf.): 
Brücher — Broicher — Broker, Bröcker 
— Breucker. Hüttenbräucker. 
Alle diese niederd. Bildungen mit k sind 
vorzugsweis häufig in Westfalen und ge- 
hören zu den dort die Namengebung be- 
herrschenden. 
Brttcher s. Bruch. 
-bruek s. 1) Bruch 2) Brück. 
Brück III. ahd. prucca, mhd. brücke, brücke, 
• brügge. An der Spitze der davon abge- 
leiteten ON. steht Brügge in Flandern 
(schon im 7. Jh. Brugae) ; jetzt außer- 
ordentlich viele N. auf -brück , -brück, 
-brücken (Dat.-Plur.), -brügge, -brugg, 
-bruggen. 

FN. 1) -brück: von Wydenbrugk (0. 
-brugge). 

2) Brück. Delbrück. Steinbrück. 
Wiedenbrück. Zweibrück (0. 
-brücken). 

3) - brügge : Brügge. Delbrügge. Essel- 
brügge (Westf.). Steenebrügge. 

4) - brücken : v. Zweibrücken. 

5) -brüggen: Osenbrüggen. 
Ableitung auf -er (oberd. und westf.): 

1) -brucker: SrucÄcr (Baden). Haar- 
brv>cker (Salzb.). 

2) -brücker: Brücker. Haarbrücker. 



3) -brugger: Brugger (Baden). 

4) -brügger: Erdbrügger. Ibrügger 
(Westf.). 

Bruckhei III. „Brückenaufseher" (s. Hei). 

Auch Bruggey. 
Brttckmannlll. „Brückenmann" d.i. Brücken- 
aufseher; doch nach Ähnlichkeit von Brink- 
mann , Brockmann u. a. nur den Wohnort 
bezeichnend: einer der auf oder bei einer 
Brücke wohnt. 

FN. Brückmann — Brüggemann; Brüg- 
mann (Klemp. Bruggheman). 
Brückner III. schwerlich ein Brückenauf- 
seher (Reichel), eher ein „Brückenbauer" 
(s. Öffner, Büttner u. a.), am einfachsten, 
da der ON. Brücken wiederholt vorkommt, 
„einer aus Brücken", wie Bru>ckner „einer 
aus Brücken". 
Brüel s. Brühl. 
-brügge, -brüggen, -brogger, -brügger 

s. Brück. 
Bruggey s. Bruckhei. 

Brühl III. ahd. pruohil, Vklf. von bruoh 
„Bruch, Sumpf", mhd. brüel (mittellat. 
brogilus, ital. broglio, franz. breuil), „be- 
wässerter , mit Gras und Gebüsch bewach- 
sener Platz, buschige Wiese." Jetzt in 
ON. Brühl, -brühl, Brüel — Pri^l — 
-bröhl — Briel, -briel. 
FN. 1) Brühl. Waldbrühl. — BrüM- 
mann. — 2) Brüd. — 3) Bröhl. — 
4) Briehl, Briel. — 5) Brügel; Brügl. 
Brohn-, Bruins s. Brun (einst. E.). 
Brummer, Brummer s. Brun (Y.). 
BBUN I. got. brunjö, ahd. brunja, prunja, 
mhd. brünne „Brustharnisch" (von brinnen 
„brennen", des Erzglanzes wegen). Daß 
daneben brun „braun" hineinspielt, ist 
nicht zweifelhaft. 

FN. Brunger: Brtmger — Brünger — 
Brätmiger. Gen. Brtmger s — 
Brongers. 
(Brungard): Braungardt 
Brunhard: Bru>n/nert — Braunhardt; 

Braunert. 
Brunheri: Brunner — Braunher; 

Braxmer — Brävmer, 
(Brunmar): Brummer — Brummer 

— Brommer. 
Brunold: Brunold — Brawnewäld; 

Braunwald. Gen, Brau/nholz. 
Brun wart; Braunwarth. 



Brun- 



Bühel 



109 



Einstämmige Kürzung Brun-. 
Brano : Bruno ; Brune ; Briihn — Brüwne 

— Braune; Brau/n — Praun. Gen. 
Bruhns; Bru/nen — Prüms — Bratms 

— Brons — Bruins (ni = ü ostfries.) 

— Bronsema, Bromema (ostfries.). 
Patr. A. Brüning — Breuning — 

— Brwnmga (ostfries.). Patr. Zus. 
Brunesen. 

Vklf. (1): Brewnle. (1 + n): 
Bräurüein. (k) : Bnmko — Bruknke 
— Brünicke — Bräunig. Gen. 
Brücken, (z): Brauneis. 

Brun-, Brttn- s. Brun (V., einst. K.). 

Bnmabend III. s. Braunabend. 

Brunn III. got. brunna, ahd. pranno, mbd. 
brunne (niederd. bom) „Quelle", im Nhd. 
durch eben dieses Wort zurückgedrängt, 
so dafi es nur noch eine künstlich ange- 
legte und eingefaßte Quelle bezeichnet. 
In ON. schon seit dem 7. Jh. häufig nach- 
weisbar (Baldobrunno) — bei neueren N. 
in drei Formen: 'Immn, -brenn, -born. 
„By deme Borne« 1383 Gott. ÜB. I., 
1316 lat. „apud fontem«. 

PN. I) Bru/nn (vgl. franz. Lafontaine). 
Kaltenbnmn. ScUtzbrunn, Stein- 
brun/n. — v. Schönprunn (bair.). 

2) Bronn. Heilbronn. Neubronn. 

3) von dem Borne (EolofiF van deme 
Borne Klemp.). Born. Eschborn. 
Schonborn. Sonneborn (0. Sonn- 
bom). Tettenhom. Weißenborn. 

Ableitung auf -er (oberd.): 

1) Brwmer; Prunner (bair.). DiestU 
bnmner. Kaltenbrunner. 

2) Bronner. Diefenbronner. Neu- 
bronner. 

Brflnne s. Brun (einst. E.). 

Branner, Bronner a) I. s. Brun b) s. 

Brunn III. 
Brflwer s. Brauer. 
Bueeardt s. Burg (Y.). 
Baeh in. collectiv für „Buchwald«, mhd. 

daz bnoch. 
FN. Buch. WiUenbuch. 

Ableitung auf -er (oberd.): 

1) -bucher: Heimbucher (salzb.). Lan- 
genbucher. Oberbucher. 

2) bücher: KhUbücher (würt.). Bothen- 
bücher (würt). WiUenbücher. 



Buehe ni. ahd. puocha, mhd. „Buche" — 
in Zus. wie Buchmeyer, südd. Puchmayr. 
Niederd. Bohemeyer. 

-bttehe] s. Bühl. 

Bueher III. schon got. bökareis, ahd. puo- 
chäri, mhd. buochaere „Bücherabschreiber, 
Schreiber". 

FN. Bucher; Pucher (doch auch zu 
Buch lU). 

-bueher, -bfleher s. Buch. 

Buehfellner III. mhd. buochveller von buoch- 
vel „Pergament" „der die Felle zu Büchern, 
das Pergament, bereitet". 

Buehflnek III. deutlicher Vogel -N. 

-bttehler s. Bühel. 

Buek, Bttek- s. Burg (einst. E.). 

Bud-, Bttd- s. Bod (V., einst. E.). 

Bttddenklepper III. niederd. „Büttenklopfer", 
Spotttiame für Bötticher. 

Bttdenbttnder III. niederd. „Büttenbinder" 
s. Binder. 

Buff s. Bod (zweist. E.). 

Bügel, -bttgel s. Bühel. 

Bugg- s. Burg I. (V., einst. E.). 

Bühel lU. ahd. puhU, buhU, mhd. bühel 
„Hügel" („Gansbühel" Stadtgegend in 
München) — mhd. in den mannigfachsten 
FF. ON. bildend: Bühl, Biehl, Büchel, 
Bichl, PicM, Bügel, Buckel y Beul u. a. 
FN. 1) Bühl. Guggenbühl. Mümbühl. 

2) Biehl , Biel (doch s. auch Bil I.). 
Wiiidbiel (Baden). 

3) Büchel, Büchl (bair.). Stein- 
büchel. 

4) BicM (bair.). 

5) Klingsbügel. Krumbügel (in Eöln 
eine Straße „Erummenbüchel"). 

6) Krum^biegel. Nußbiegd (vgl. 0. 
NuÄbühl). 

7) zuweilen noch mit dem ahd. p 
(nach s) : Dinkelspiel(0^. Dinkels- 
bühl). WalUsTspiel (Baden). 

Ableitung auf -er (oberd.): 

1) -bühler: Buhier. üngerbüUer 
(salzb.). Varnbühler (= Farn-). 
Weißenbühler. 

2) -biehler: BieMer. 

3) -büchler: BücheUr; Büchler. 
Bürckbüchler. 

4) -biehler (bes. bairisch): Bichkr. 
Äichbichler. EmetsbicJUer. Fried- 
bichler. Fuchsbichler. Guggen- 



110 



Buhr 



Bürgermeister 



hichler (salzb.). Hirschbwhler, 
Moosbichler, Steinhichler. 

5) -picMer: Pichler, Laupichler. 
Oherpichler, Bafchpichler (salzb. 
— sämtlich noch jetzt in Ost- 
preußen). 

6) - hiegler : Eisenhiegler, Oberhiegler. 

7) (8)pieler: Badspielei', 

(Millbüler nacli Stenb S. 141 = 
Mühlbühler). 

Bnhr s. Baner. 

Ballwein s. Bald (V.). 

Bttnd III. ahd. piunt (zu „bauen"), seit dem 

8. Jh. in ON. Jetzt in den FF. -bünd, 

- boind , -peunt (- point) , -paint (Adelpaint). 

Conrat in der Pewnt 1376. Grasbiunder 

1319 Augsb. 

FN. Ableitung auf -er (oberd., bes. bair. 
österr.) ; 

1) 'pointfier: Pointner. Kreuzpoint- 
ner. Mühlpointner, 

2) -paintner: Haarpaintner. Lind- 
paintner, — Baintner. 

Bungener III. altniederd. bungener „Tromm- 
ler", von bunge = Trommel, bungen = 
trommeln. 

FN. Bungener — Bungener; Büngeler. 
Mit der starken Bildung: Bwnger —■ 
Bünger, 

Burcb-, Burck- s. Burg I. (V., einst. K.). 

BURG I. got. baürgs, ahd. pure, mhd. burc 
„Burg" (ital. borge, span. burgo — Stadt 
Burgos in Altkastilien). Von „bergen". 

FN. Burghard: Burgliard; Bivrgard — 
Bwrckhcurd; Burkert — Purhhart 
Bwrchardt — Buccardt — Bug- 
gert — Bürkert — Borghard; 
Borgert — Borchardt; Borchert 
Bockhard. Gen. Bwrghartz; Bwr- 
gartz — Borcherts — latinis. 
Burchardi. Patr. A. Borcherding 

— Borkerding, 

Burghar: Bi4/rger. Gen. Borchers — 

Borchers. 
Burgman : Bwrgmann — Borchmann 

— Bormawn. 
Burgmar: Burgmer. 

Burgoald: Burgold — Purgold — 
Burghold — Borgwaldt. 

Bureward: Burgwardt — Borg- 
wardt. 



Einstämmige Kürzung Barg-. 
Burgio , Bucco: Burck — Bugge — Bvck 
— Borck — Bock. Gen. Bwrgi. 
Patr. A. Bücking — Böckmg. 

Vklf. {i):Burki (Schweiz.). (i+ n) 
Bürgin. (1): Bürge!, - Bürgle - 
Bürkle. (1 + n): Bürklvn — Bwrtk- 
lein — Bückieifu (z): Burti - 
Bo^'Z. (z + 1): Büre^. 
Auslautend in 136 Namen (Forst), die 
sämtlich weiblich sind. 
Borg- s. Burg I. (V.). 
Bürg- 8. Burg I. (ernst. K.). 
Burg III. got. baürgs, ahd. pure, bürg, mhd. 
burc befestigter, bergender Ort, »Burg*, 
Stadt. Schon im 11. Jh. Tentibargium und 
Asciburgium ; einfaches H'wrg erst aus dem 
8. Jh. nachweislich und in derselben F. is 
tausend heutigen N. Niederd. 'borg (so 
immer bei Klempin^ z. B. Brandenborgfa). 
FN. Dillenburg, Brandenburg, Medien- 

bürg, V, d. Malsburg. 
Das ahd. p noch in : MarptM^g. Begenspwf 
Niederd. v, d. Borg. Zhriehorg (0. Dri- 
burg). Humborg (O. -barg). Osborg 
(0. -bürg). Tecklenborg (O. -bmg). 
Wieborg. Winzenborg (O. -bnig) - 
bes. in dem nordwestlichen DeutschlAnd, 
während es in den ON. fast durchweg 
in -bürg verhochdeutsclit zu sein scheint 
Ableitung auf -6r (oberd.): 

1) -burger: Brandenburger. Dillen- 
burger. Luxe^nburger. Naum- 
burger. 

2) - bürger : Heimbürger. Oldenbürger. 
Würzbürger, 

Barger s. a) Burg (V.) b) Bürger. 

Bürger III. ahd. purgäri, mhd. burgaere. 
später burger „Bewohner einer Burg", so- 
dann „Bewohner einer (befestigten) Stadt', 
im Gegensatz zu dem Landbewohner. 
FN. Bürger — Burger. Gen. Bürgert. 
Niederd. B&rger. 

-bürger s. Burg III. 

Bürgermeister III. mhd. burgermeister 
„Vorsteher einer Stadtgemeinde, Bürger- 
schaft" ; auch übertragen anf den Yorstdier 
einer Dorfgemeinde (in Schwaben und » 
Rhein). — Im Schwabenspiegel burcmeiBtef, 
daher „Burgomeister" (wie noch bei 
Goethe); neuniederländ. bnrgemeester. 
FN. Bürgermeister — Burgemeiäer. 



Barggraf 



Christ 



111 



Burggraf III. mhd. burcgräve „Burggraf, 
Stadtrichter" („er was lantgräve Überz 
lant, burcgräve in der stat genant" Bu- 
dolf V. Ems, Guter Gerhard V. 1452). 

Bargmanii a) I. s. Burg b) III. mhd. burc- 
man „auf der Burg wobnender Vasall des 
Burgherrn". 

Bargstall lU. angels. burgstal, noch jetzt 
in Österreich gebräuchlicb , sinnverwandt 
mit „Burg". Im südöstlichen Deutschland 
sind Orte namens Burgstall sehr häufig; 
im nordwestlichen dagegen treten zwei 
abgeschliffene FF. zahlreich auf: Borstel, 
'borstet und Bostel, -bostel. 
FN. 1) V, Hammer 'Pu/rgstälL 

2) V, Borstell. 

3) Bestenbostel, Döhnhostel. Hörn- 
bostel (0. in der Landdrostei Lüne- 
burg). Ohlenbostel. Rodenbostel. 

— Auch Bostehnamt (hannöv.). 
Ableitung auf -er (oberd.): Purgstaller 

(österreichisch). 

Burk-, Bttrk- s. Burg I.JV., einst. K.), 

Burmeister, -mester s. Bauermeister. 

Burtz, Bürzel s. Burg I. (einst. K.). 

Bnsboom III. niederd. „Buchsbaum", ans lat. 
buxus, s. Busenbaum. 

Bosch m. ahd. busc, mhd. husch, pusch 
das gewöhnlichste deutsche Wort für 
„niedriges Gehölz, Buschwerk". Nieder- 
länd. Bosch, In manchen der folg. Namen 
gewiß appellativ, wie -brink, -bruch u. a. 
FN. 1) von dem Busche, Busch, Pusch, 

— Buschmann. Berkenbusch 
(Birken-). Dornbusch. Everts- 
busch. EUerbusch (Erlen-). Fin- 
sterbusch, Hasselbusch. Holder- 
busch, KieckebfMch; Kyekbusch 
(0. in Brandenburg). Näteibusch 
(Nuß-). Schlebusch. VaMbusch. 
Wiedebusch (Weiden-). 

2) von der Bosch, Ächterbosch. — 
Boschmanns (niederrhein.). 
Ableitung auf -er (oberd. — aber auch 
westf. von Appellativen): 

1) Buscher (Münch.). 

2) -büseher: Königsbüsi^^er. Telgen- 
büscher. 

Bosenbaiim m. nach Yilmar „Stammbaum", 
was aber nicht belegbar. Besser mit 
Andresen b> „Buchsbaum", als mittelalter- 
licher Sohmeichelname nach Grimm (kleine 



Sehr. II, 400). Dafar sprechen auch die 
Nebenflf. 
Busebaum und (niederd.) Busboom, 

Bußin III. N. eines dem Verf. persönlich 
bekannten Proselyten, abgeleitet von „Buße" , 
mit Anklang an die ON. auf -in. 

Butenseh^n in. niederd. „auBen schön". 

Büttel III. in ON. zu altsächs. bodl, angels. 
botl „Haus" (9. Jh.: Dallangibudli). 
FN. Edelbüttel auch EddeXbüUel. Sießen- 
büttd. 

Butterfaß III. deutlicher Geräth-N. 

Buttermann III. ein „Butterhändler, -trager". 

Butterweck III. ein aus Butterteig gebacke- 
ner Weck. Halbfranzösirt in barbarischer 
Schreibung Bouterwek, „um der unästhe- 
tischen Butterwecke zu entgehen" (Pott). 

Btttting s. Bod (einst E.). 

Buttmann Pott S. 596 : „Möglicherweise aus 
Butte für Bütte. Oder Verkäufer von 
Butten (butt, Platteise, Rhombus piscis). 
Oder vom hamburg. Adj. butt, von kleinen 
Kindern ; vgl. verhüttet , auch grob, plump." 
Alle diese Vermuthungen sind in die Luft 
gebaut , wenigstens soweit es sich um den 
N. des bekannten Gräcisten handelt; denn 
dieser ist nrspr. gar nicht deutsch, sondern 
französisch, Boudetnont, woraus nur Butt- 
mann verdeutscht worden (s. Verhandlun- 
gen der Frankfurter Philologen- Versamm- 
lung). 

Bttttuer III. mhd. bütenaere (vom ahd. putin, 
mhd. hüten, bütte) „Bötticher" („Büttner- 
straße" in Breslau). 

FN. BüUner, BöUner, Verderbt BiUner 
(Schles.). 

Butze s. Bod (einst. K.). 



c. 

Cammerer s. Kämmerer. 

Camp- 8. Kamp I. 

Cannegieter s. Kannengießer. 

Carels, Carl- s. Karal. 

Carst- s. Christianus. 

Casp- s. Kaspar. 

Cellarius s. Keller. 

Charfreytag III. zu den Zeitnamen gehörig 

(8. Tag). 
Chelopoeus s. Kistmacher. 
Christ, -el, -en s. Christianus. 



112 



Christianas 



CyriacoB 



Christianus II. griech.-lat. Ableitung von 
Christus : „ein Christ" (noch mhd. Christen) ; 
der N. zuerst in Antiochien , Apostelgesch. 
11, 26. 

PN. a) Christian ; Christann ; Christen — 
gleich dem Appellativum bis zur Ein- 
silbigkeit verkürzt: Christ, nebst CJi^-ist- 
mann, ostfries. Christma. Gen. Chri- 
stiani; Christians ; Krystians, Patr. A. 
Christeller (Schlesien). Patr. Zus. 
Christiansen; Christensen (Schlesw.). 
Vklf. (1): Christel; Christi (bair.). 

b) Mit Umstellung des r: Kirsten (Wbing. 
Urk. Kirsten Heyncze 1487); Kürsten; 
Kirschten, woraus durch ümdeutung 
Kir stein ^ Kirschstein; Kerschstein 
(Hessen). — Verkürzt: Kirste, Kirst 
(Patr. A. Kirsting), in breiterer Aus- 
sprache Kirscht — mit Ausstoßung 
des r: Kist. 

c) Mit Umstellung des r und Brechung 
des i in e: Kerstan (in Gott. ÜB. I. 
schon ums J. 1251 Kerstianus als VN.); 
Kersten — verkürzt Kerst. Patr. A. 
Kersting, 

Mit Ausstoßung des r: Kesten; Ke- 
stein; Kest. 

d) Mit Umstellung des r und Verbreite- 
rung des e in a (niederd.): Karsten, 
Carstenn (Carsten Manteuffol KB.); 
Kar siein; Karst. Gen. Carstens; (ost- 
fries.) Karsjens, Patr. Zus. Carstensen. 

Mit Ausstoßung des r: Kasten (als 
VN. 17. Jh. KB.); Kastein; Käst, 

Cbristophorus II. griech. „Christusträger" 
(S. 25) ; die betreffende Logende unter An- 
deren bei Kind: „Offerus war ein Lanzen- 
knecht" u. s. w. 

PN. Christopher; Christoffel; Christoph. 
Gen. Christophory; Christophers; Chri- 
Stoffels. 

Mit Kürzung im Anlaut: Stoppel. Gen. 
Stoffers (Stoffer VN. , Stoffer Prochel 
1644 KB.); Stoffels. Patr. A. Staffier. 

Ciliax, Ciriaks, Cirks s. Cyriacus. 
Glaaß-, Clabs, Claes, Clas-, Claß- s. Ni- 
colaus. 
Claud- s. Hlod (einst. K.). 
Claus- s. Nicolaus. 
Clauth s. Hlod (einst. K.). 
Claw- 8. Nicolaus. 



Clemens II. lat. „milde, gütig" — N.iwa« 
bedeutender Lehrer und Schriftsteller in 
christlichen Kirche der ersten beiden Jh. 
FN. Clemens^ Klemens; Klemmt. 
Clerieus in. lat. Übers, von Pape, io im 
Sinne des mhd. pfaffe „Geistlidier" (s. 
Klempin, Matrikeln der pommerschenRittv- 
Schaft S. 11). 
Cloos s. Nicolaus. 
Cnyrim s. Knieriem. 
Coeeejus s. Koch. 

Cohn a) christlicher N. s. Eon (einstig 
b) häufiger jüdischer N. , zsgz. ans Cohn 
„Priester". 
Cohnfeld, -heim, -stein m. jüdische IW 

tasie-N. (S. 66). 
Cohnreichy Con- s. Eun (V.). 
Cord- s. Kun (Kunrad). 
Cornelius n. berülimtes römisches GescUecH 
zu welchem auch der Hauptmann Coradii 
Apostelgesch. 10, als Nachkomme om 
Freigelassenen des L. Cornelius Sulla, p- 
hört haben ma^. 
FN. CornelitAS; Corneljea (friesisdi; Ge- 
netiv? s. Ruprecht 8. 9); Comd, Cor- 
nehl. Gen. Corneli. Patr. Zus. £l^ 
nelitissen; Comelissen, 
Mit Kürzung im Anlaut: Ndm: 
Nelies, Neljes, NeUies (die dni 
letzten im Fries, auch VN.) — Nedx; 
Niels. Patr. NeUesen. 
Corßen s. Kun (V.). 
Coster, CSster s. Küster. 
Cosmar s. Goz. 

Crabathi in. „kroat« (Pröhner S. 36). 
Cramer s. Krämer. 
Cranaeh in. ON. (S. 30). 
Cremer s. Krämer. 
Cretzsehmar s. Kretschmer. 
Cruse s. Krause. 
Cun- s. Kun (Y., einst. K.)- 
Curdes, Curt, -eurt s. Kun (V.). 
Cyriacus 11. griech. „dem Herrn gehörig*: 
Patriarch von Konstantinopel um 600 n.Chr. 
FN. Cyriacks. Cyriaci, 
Zsgz. CirJcs (fries.), davon Gren. Pior. 
Cirksena, das einheimische Ffinteo* 
geschlecht in Ostfriesland , welches 
mit Karl Edzard 1744 ausstarb; doch 
dauert der N. anderweitig in Ostfr. 
fort, als der einzig^e noch lebende K 
auf sena (sna) s. !Eluprecht S. U - 



Czech 



Dechant 



113 



aber nach Stark S. 135 von Sigerik, 
Sirck, indem fries. für s ein z ein- 
tritt: Zirkzena, wie Zicke = Sicke. 
Mannigfache, z. Th. sehr entstellte For- 
men: Ciriaks; Ciliax — Zilias; Zu- 
ges; Silges u. a. 
Czech III. ein „Tscheche"; auch in der 
Schreibung Tschech, Zschech, (In der 
Eassubei von einigen Familien nach dem 
Attentat des Bürgermeisters Czech auf 
Friedrich Wilhelm IV. in Echt umgewan- 
delt, indem der König, um Verleihung 
eines andern N. angegangen, das Cz vorn 
strich und ein t am Ende zusetzte). 



D. 



Daab s. Dag (zweist. K.). 
Baaeke s. Dag (einst. E.). 
Dabbert, Dabert s. Dag (V.). 
Daffert s. Dag (V.). 

DA€r I. got. dags, ahd. tac, tag, mhd. tac 
„Tag" (wohl in Hinsicht auf Licht und 
Glanz). Seit dem 4. Jh. in N. nachweisbar. 
FN, Tagebold: Tabold. 

Dagobert: Dabbert — Tabbert — 
Tappert — Dapper. Gen. Dappers. 
Tagibod: Taboth. 
Dagafrid: Daffert. 
Dagaher: Täger, 
DiEigalaif 4.: Taglieb. 
Tagarat: Tagart — Tägert. 
Dagarich: Teirich. 
Dagoald: Dagott. 
Mit Erweiterung (Dagin-): 
Dagimpald: Damboldt. 
Taginbert: Dämmert — Dember. 
Einstämmige Eürzuug Dag-. 
Dago, Tacco: DaacJce — Tag — Tack 
(Tackmami) — Däge - - Tage — 
Deg — Tegge, Gen. Tagen. 

Vklf. (1) Dagalo: Degel — Tägel 
FtLir.A. Däglhig — Dahling. (k)Da- 
giko : Deiche. Gen. Deycks. (z) Ta- 
gizo , Tayso : Deitz — Deiß - Theise ; 
Theis. 
Zweistämmige Eürzung Dagb-. 

Dapp — Tapp — Dadb. 
Auslautend (44 mal Forst.): 
'tag: Heiligtag. 
'dach: Hildach. 
Ueintze, Deutsche Familien - Namen. 



Däg- s. Dag (einst. E.). 
Dagott s. Dag (V.). 
-dahl 8. Thal. 
Dahling s. Dag (einst. E.). 
Bahn s. Dan. 

Dfthn- s. 1) Dan 2) Thegan. 
Dam- s. Thanc (zweist. E.). 
DSn- s. 1) Dan 2) Thegan. 
DAN I. der „Däne« — seit dem 7. Jh. in 
N. nachweisbar (Danoald). 
FN. Denihart: Dannert — Denhard — 
Dähnei't. 

Einstämmige Eürzung Dan-. 
Dano, Tenno: Dann — Dahn — 
Dohne; Dehn. 

Vklf. (1) Danila?.: Döhnd, Da- 
nell. (k): Denicke — Dähnke. 
(Fließt zusammen mit Thegan.) 

Danck- s. Thanc. 
Danehl s. Daniel. 
Danhauer III. „Waldhauor, Holzfäller« (s. 

Tann). 
Daniel II. hebr. „mein Richter ist Gott«, der 
bekannte Prophet. 
FN. (zum Theil jüdisch): Daniel (Dani- 
gel) — Danehl — Dannöhl — Dan- 
neil. Latinis. Danelius. Gen. (lat.) 
Danielis — (deutsch) Daniels, Patr. 
Zus. Danielsohn; Danielson. 

Dank- s. Thanc. 

Dann, Dannert s. Dan. 

Dannehl, -eil, -9hl s. Daniel. 

Danz s. Thanc. 

Dapp- s. Dag (V., zweist. E.). 

Däsehler, Dftsehner s. Täschner. 

Dato, Dathe, Daude s. Thiud (einst. E.). 

Daum III. s. S. 49. Heneke mit dem dumen 

1373. Chunrat vnd Friderich die Dovmen ; 

Frideric. Pollex 13. Jh. 

Dautert s. Thiud (V.). 
David II. hebr. „geliebt« ; der Eönig und 
Psalmendichter des A. T. 
FN. (z. Th. jüdisch): David; Dawid. 
Gen. (lat.) Davidis — (deutsch) Davids. 
Patr. Zus. Davidson — Davison. 

de in niederländ. Namen der Artikel: de 
Boer, de Vrient (S. 40). 

Deb- s. Thiud (V.). 
Debbelln s. Thiud (zweist. E.). 
Deehant III. ahd. techant, mhd. dechän (ans 
lat. decanus „der über zehn gesetzt ist«), 

8 



114 



Decker 



Mtz 



ein Vorgesetzter Id rerscliied^nen . oieht 
iloü geistllcli«!]! ÄuiterD. 
FX- Ißoduttä; Iß^^tend, 
Httker IIL . Dachdecker **. 

FX. Decber, in Ostfriesischer ScLreibnDg 
iMkhtr. Gen. Deckers (Diederrhein.). 
IN)i- B. Thiud (V.. eiDst K i. 
DeekeMy Deetz s. Tiiind (eiost. K.i. 
liefert B. Thiod (V.l 
Befre^jg^rr in. .einer ans dem Teferegger 

Thale (Tirol). 
Heisr- s* l^ET Meinet K.i. 
Heeres-, Heip^r s. Tiiegan. 
Deip^ff 6. Graf. 
Helm s. 1) Dan 2j Thegan. 
HehrlMltx B. Diar. 
Hdb- s. Thiud (V-r zweist. K.j. 
Tksltluumm III. .Aufjseher eines Deiches** 
d. L Schatzdammes gegen das Wasser. 
^Da mit der Erdaori^grabang zugleich eine 
ErdanCsebüttung verbanden ist, so hat die 
Sprache dasBelbe Wort einmal in der hoehd. 
Form ^Teich"" für lacus, sodann in der 
halbnlederd. F. „Deich" für agger ver- 
wendet). 

FX. Veichmann. — Xiederd. Dieckmann. 
Gen. Diekmanns (Geldern) — s. anch 
Teichniann. 
Deiek- n. Dag (einst. K.). 
I>efn- H. Thegan. 
I>eiß «. 1) Dag (einst. K.) 2) ThiaJ (einst. 

K.). 
I>eft- 8. Thiud (V., einst. K.j. 
Oeitz s. 1) Dag (einst. K ; 2 > Thiud (einst. K.). 
I>elff, Delfs s. Thiud (Y ). 
Denumt III. „Diamant". Aach Jaspis findet 

sich als FN. 
Bember a. Dag (V.). 
Denant s. Thiud (V.). 
I^eneeke s. Thegan. 
I>engel s. Thanc. 
Benhard s. 1) Dan 2) Thegan. 
hemhi H, Dionysius. 
Denk- s. Thanc. 
Denn- s. 1) Dan 2) Thegan. 
I>eny8 s. Dionysius. 
Denz- s. Thanc. 
Depping s. Thiud (zweist. E.). 
Bereich, Derix s. Thiud (V.). 
Dessoir UI. aus Dessauer verfranzöselt 

(8. 67). 
Bei-, Deth- s. Thiud (Y., einst. K.). 



Dett- s. Thiad (V.K 

Beak- s. Thivd i\\. xreut. K.). 

DeiiieUff s. Thivd fV.i. 

Deat- s. Thiod (F.. eiiwt. EL). 

Denieat lU. nrspr. flümisfh: de Yrient .int 
Frennd*^ (ä. 40 1. 

Dew-, Dejkalit a. Thhid |T.). 

Deyeks s. Dag (einst. K.i. 

Dejkl 6. Thiod (einst. K.). 

Bibken s Thiud (T.i. 

-didL 8. Teieh. 

Biet- s. Benedietos. 

Bidden, Büt^oi s. Thiod (einat E.). 
j Bidolf s. Thiod (Y.). 
jBiek- s. Thiod (V., zweist. E.). 
• -dieck 8. Teich. 
{Bieekaann s. Deiehmaiin. 
i Bied- s. Thiod ( Y. , einst. K.). 

Bief. 8. Thiod (Y.). 

Biehr s. Dior. 

. Bieken s. Thiad (einst. K.). 
; Blekgrilber IIL (nioderd.) .Teicfagräber^. 

Biekgriiwe, -grebe III. niederd. ^Deiek- 
graf^ d. i. Aafseher eines Deiches. 

Blei- 8. Thiud (einst. K.). 
Biem- s. Thiad (Y.. zweist. K.). 
Bienhart; s. Thegan. 
Biepelt s. Thiod (Y.). 
Bier- s. 1) Dior 2) Thiud (V.). 
Bießl s. Thiad (einst K.). 
Biet-, Bieth- s. Thiud (Y., einst. E.). 
Bietsehe, Bietz-, Bihle, Dik-, Bill s. Thiod 
(einst. E.). 

BiU'sebneider III. „Dielschneider'', vom mhd 
dUle Diele. 

-ding, -dink aus ing^ entstanden bei .\d- 
fügang von Yollnamen, die auf einen 
T-Laut ausgehen: 
Heimerding (BelmhATd). VoUheding (Volk- 
bert). Humperdinck (Hunipreht, Hnm- 
pert). 

Bionysios II. griech. „der Dionysische'', tod 
dem Gotte Dionysos (Bacchus). 
FN. DenySy Denis, Mit Eürzang im 
Anlaut Nieß. 

Bip- s. Thiud (Y., zweist. K.). 

Birck-, Birk- s. Thiod (V.). 

Biruff s. Diur. 

Biß s. Thiud (ernst. E.). 

Bit-, Bitt- 8. Thiud (V., einst. E.). 

Bitz s. Thiud (einst. E.). 



Diur 



Dörwald 



115 



BIUR T. 1) got. dius, ahd. tior, dier, mhd. 
tier „Thier" 2) ahd. tiuri, diuri, mhd. 
tiure „theuer". 

FN. Deorovald: Dörwald — Dürholdt. 
Gen. Dehrholtz. 
Deorulf: JHerolf — TJiierolf ■— Dü- 
rolf — Thyrölf — Türloff ~ 
Diruff — Tiroff; Thierauf. 
Einstämmige Kürzung Diur-. 
Dioro : Diehr — Theuer — Duhr. Patr. 
A. Dierink. 

Vklf. (k): Diericke — Theurich — 
Dürrich. Patr. Zus. Dührsen. 
Bix s. Benedictus. 
BJuren s. Georgius. 
Bob- s. Thiud (V.). 
Böb-, Döbb- s. Thiud (V., zweist. K.). 
Boeke, Dod- s. Thiud (einst. K.). 
Böd - 9. Thiud (V.). 
Böhm 3. Dom. 
Bolf 8. Ath (V.). 

Bollmetsch III. gegen Ende des 13. Jh. aus 
dem Slavischen (poln. tlumacz, russ. toi- 
matsch) aufgenommen : „Dollraetscher". 
BOM T. got. döms, ahd. mhd. tuom „Urtheil, 
Gericht" (auch Macht, Ansehen). 
FN. Domhert: Tompert. 

Domard: Dmnhardt — Dommert — 
Dühmert — Dämmert — Dümmerl. 
Domarius: Thomer — Dommer. 
Tuomrih: Domrich. 
Einstämmige Kürzung Dom-. 
(Domo) : Dom^ Dohm - Thum — Tliym. 
Vklf. (l) Duomelo: Dommel — 
Tömmel — Dummel — Dümmel — 
lliümmeh Patr. A. DömUng — 
Thümling. (k): Domke — Da mich 
— Dühmke. (k + n) : Diimichen. 
Auslautend tum: AUum. 
Pom-, B8111-9 Bomm- s. Dom. 
Bominieas II. „dem Herrn angehörig*' (vgl. 
Cyriacus) ; der h. D. , ein Spanier', stiftete 
1216 den Orden der Dominikaner. 
FN. Dominicus; Dominick; Domnick. 
Bon-, B8n- a. Antonius. 
-donk s. Dung. 
Bonner s. Thunar. 

Bonnersmark III. im Zipserlande (Ober- 
Ungam) gelegener Marktflecken, wonach 
das jetzt schlesisohe Grafengeschlecht 
Henckel v. Donnersmarck seinen Namen 
hat, während der N. Henckel durch eine 



Erbtochter „v. Henckel" hinzugebracht ist 
(S. 78). 

Böpel s. Thiud (V.). 

Borf III. ahd. dorf , thorf, mhd. dorf , alt- 
Sachs, thorp, niederd. dorp (dan. torp) — 
in ON. aus dem 7. Jh. zuerst nachweislich; 
neuere FF. -dorf, -torf — niederd. -dorp 
(z.B. Oldendorp), -drup, -trup, -trop, 
FN. a) hochdeutsch: 

1) -dorf: Borsdorf. v. Helldorf. 
Pufendorf Blasendorff. 

2) 'dorp f {-torpf): Teßdxyipf, Graf 
Sierstorpff (0. Siersdorf). 

3) -torf (nach s und t): Gottorf. 
Beinstorf. v. Bernstorff. Estorff. 
Woltersto^'ff neben Woltersdor/f 
(während als ON. nur Wolterdorf). 

4) troff: Hermestro/f. 
b) niederdeutsch: 

1) 'dorp: V. Hogendorp. Oldendorp 
(neben Ollendorff). So immer bei 
Klempin: Benekendorp, Tesken- 
dorp (j. Teschendorf) — nach s 
torp: Beygerstorp (j. Beyersdorf). 

2) 'drop: Daldrop. 

3) 'dmp: Brandrup (0. Branderup 
in Nordschleswig). Sandrup. 

4) 'torp: Quistorp (0. Quisdorf im 
Eutinischen). 

5) 'trop: Gastrop. Bibbentrop (0. 
Ribbontrup in Lippe- Detmold). 

6) trup: Menlrup. Sentrup. Wen- 
irup, Eistrupp (0. Eistrup im 
Osnabrückischen). Schachtrupp (0. 
-trup). 

Ableitung auf -er (oberd.): 

1) 'dorfer (-torfer) : BiUdorfer. Freun- 
dorfer. Helfersdorfer. ÄigUiorfer 
(bair.). 

2) 'dörfer: Herrendörfer. Hunds- 
däi'fer. Neudörfer. Erdmanns- 
dörffer, 

-dorf er, -dörfer s. Dorf. 
B((ring s. During. 

Born III. ahd. mhd. dorn „Dom, Dornbusch". 
FN. Doin. BlüJidorn, niederd. Bleudorn. 

(entstellt Bleidorn). Hagedorn, zsgz. 

Heidom. Maidorn. Schleedorn (Heinric. 

dict. Sleedorn 1266). 
-dorp, -dorpf s. Dorf. 
BSrries s. Isidorus. 
BSrwaid s. Diur. 

8* 



116 



Döscher 



Dung 



Bischer lU. niederd. = Drescher; Dröscher. 
Dotter, D»ttloff s. Thiud (V.). 
Doxie II. aus Eudoxia (FröhD.). 
Brabant s. Trabant. 
Drabsaiift III. Satz-N. „trabe sanft". 
Drftchsle s. Drechsler. 
Drfts- s. Andreas. 
Draudt s. Drud (einst. K.). 
Dreassen s. Andreas. 

Drechsler III. von „drechseln", dem Fre- 
qnentativ von „drehen". 
FN. Drechsler, Drexler — dem mhil. 
draehsel entsprechend die schwäbische 
F. Drächsle (Lörrach). 
Dreefs, Drees- s. Andreas. 
Dreher ni. von „drehen", mhd. draejen, der 
„Drechsler". 

FN. Dreher. Zus. StocJcdreher, 
Niederd. Dreier, Dreyer von niederd. 
drejen. Zus. Schötteldreyer (Bückc- 
burg) „Verfertiger hölzerner Schüs- 
seln". Stuhldreier (Westf.). (So wer- 
den auch die Bernstein -Arbeiter, die 
früher in Danzig, Stolp u. s. w. eine 
besondere Zunft bildeten, in dem 
Stolper KB. noch im 17. Jh. „Bern- 
steindreier" genannt). 
Dreiher s. Dreher. 
Dreis s. Andreas. 

Dreizehner III. wohl mit Bezug auf den 
alten Aberglauben, daß, wenn gerade 13 
Personen sich in einer Gesollschaft zusam- 
menfinden, einer von ihnen bald sterben 
maß. 
Dressel s. Thras. 
Dreuttei s. Drud (einst. K.). 
Drew- s. Andreas. 
Dreyer s. Dreher. 

Driesch III. „unbebaut liegen bleibender 
Acker". 
FN. Van den Driesche, holländ. Gelelir- 
ter des 16. Jh. Von den Driesch. 
Driesemann s. Andreas. 
Drommeter s. Trompeter. 
-drop s. Dorf. 

Droste lU. „Amtmann, Schösser" in Fries- 
land, Westfalen u. a. (s. Truchseß). In 
mehreren Adelsfamilien des Münsterlandes: 
Dr. zu Hülshof; Dr. su Vischering. 
Drube s. Drud (zweist. K.). 
DBUD I. altnord. Thrudr eine Walkyrie 
„Drude" (s. Weinhold, die deutschen Frauen 



S. 14). Inwieweit daneben das Eigensch. 
trüt „traut" in Betracht komme , ist zwei- 
felhaft. 
FN. (Drudbod) : Tratiboth. 

Trudhari: Trüter — TreutUr. 
Trutman : Trutmann — Drumann — 
Trumann — Trautmann — Trau- 
mann. 
Drutmar: Trümmer — Trumer — 
Drummer— Trümmer — Traumer. 
Drudwin: Trautwein. 
Trudulf: Trüloff— TrauÜoff— zgsz. 
Trolf. 
Einstämmige Kürzung Drud-. 

Drudo : Drude — Trude — Drue — 
Trtie — Draudt — Traute; Traut. 
Patr. A. Drudvng — Druiding 
(spr. Drüding, ostfries.) — Treuding. 
Vklf. (1) DrudUo: DreuUd - 
Treutel — zsgz. Drühl. (1 -f- n): 
Treuilevn. (k) (Drudico): Druke — 
TreucJce; Treuge, (z) Truzo: Trautz 
(mit der unorgan. Bildung Traut- 
schold). (z -J- 1): Trutzel. 
Zweistämmige Kürzung Drudb-. 
Trubo: Drube — Truhe — Traube, 
Vklf. (1): Trupel. 
Auslautend (143 mal Forst., doch an- 
scheinend nur in weiblichen N.). 
'trut: Liebetruth. 
'traut: Liebetraut. Eisentraut. 
Drue, Drtthl, Druiding, Drilke s. Drud 

(einst. K.). 
Drumann, Drilmmer s. Drud (V.). 
-drup s. Dorf. 

Dubb- s. Thiud (V., zweist K.). 
Dttbbert s. Thiud (V.). 
Dudd-, Duden s. Thiud (einst. K.). 
Dttlim- s. Dom. 
Dulir, Dtthrsen s. Diur. 
DULD I. zu ahd. mhd. dult „Geduld", bes. 
wohl auf Ausdauer im Kampfe gehend 
(Andresen). 

FN. (Tultperaht) : TulpracU. 
(Dulthart): Duldhardt. 
Einstämmige Kürzung Duld-. 

Vklf. (k): DuOc -^ Tulke. (z): 
Dultz, 
Dulle, Dultz s. Duld. 
DQmiehen, Dumm-, Dttmm- s. Dom. 
Dung, Donlc in. wahrsch. eine kleine Boden- 
erhebung, bes; zwischen Sümpfen (Forste- 



Dünnebacke 



Ehn- 



117 



mann ON. S. 75). Alte N.: Dnng, Meg- 
niedung; neuere bes. in der Gegend von 
Düsseldorf und in Flandern. 
FN. 1) -duuk: Averdtmk. 

2) -donk: Germerdonk. Wesendonk. 

DQnnebacke III. zu den Körpertheilen. 

DOrholdt s. Dinr. 

DURINO I. zum Volksnamen der „Thürin- 
ger". Tiirincpraht, Durinchard. 
FN. During — Düring — Thüring — 
Döring — Thöring — Deuring. 

Bttring a) s. Duiing b) III. ein „Thüringer". 

BUrolf 8. Diur. 

Dürre III. französirt Dürre , s. S. 67. 

Pttrrich s. Diur. 

Pasendtfifel III. „Tausendteufel" (wohl weil 
der Ahnherr diesen Fluch im Munde führte). 

Datschke, Dattke s. Thiud (einst. K.). 

Bttttmann s. Thiud (V.). 

-dyk s. Teich. 



E. 



Eb- s. Ebar. 

EBAR I. zu ahd. ebur, mhd. eher „der 
Kbor" (S. 17). 

FN. Ebarhard: Eberhard — Ehrard — 
Ebhard;Ehart;Ebert. Zm. Meier- 
everth, G an. Eberhards ; Eberts — 
Evertz. Patr. A. Everding. 
Ewurman : Ebermann — Evemumn, 
Eburwin: Eberwein — Ewerwien, 
Einstämmige Kürzung Ebar-. 
Ebaro, Ebo, Eppo (Stark S. 40): Eber 
Eebe — Ebbe — Epp. Gen. Ebers 

— Ebs; Eben — Eppen, Patr. A. 
Eppink; Ebbinga (ostfries.). 

Vklt. (l): Ebel; EbU — Epple, 
Patr. Ebeling. (1 -|- n): Eberlein 

— Eppdein — Eblen — EppUn. 
(k): Ebbecke — Ebke; Ebketna 
(ostfries.). 

Ecc-, Eck- s. Ag (V., einst. K.). 
Eeke in. ahd. ekka, mhd. ecke, egge „Ecke, 
Winkel". Sehr zahlreich in ON.: -eck; da- 
neben -egg (süddeutsch). 
FN. a) Honeck (0. Hoheneck). Viereck. 
Waldeck. 
b) V, Bieberegg, v. Cronegg (0. 
Kronegg). Hohenegg, v. Königs^ 
egg. v. Lichtenegg. ' 



Ableitung auf -er (oberd.): 

a) -eck er: Bernecker. Heidecker. 
Vilsecker. Waldecker. (Bisweilen 
in der Schreibung -äcker: Bien- 
äcker neben Bienecker, vonRieneck 
in ünterfranken, ehem. Grafschaft, 
s. Goothe's Götz II, 8: „Rein- 
eckische Bauern"^ nach Götzens 
Lebensbeschreibung. So auch 
wohl Steinäcker st. Steinecker.) 

b) • egger (südd.): Buchegger (0. 
Bucheggin der Schweiz). Heidegger 
(vgl. Heideck, Oberpfalz). Kalten- 
egger (0. Kalteneck in Steiermark). 
Lichtenegger (0. Lichtenegg in 
Österreich). Bauchenegger neb. 
-ecker. Scheidegger (Scheidegg in 
Baiern, Bezirk Lindau). Steinegger 
(Steinegg in Baden). 

-ecker s. Ecke. 

EB I. mundartl. = Aud, Od „Erbgut". 
FN. Edebert: Gen. Eppers. 

Edfrid: Effert. Gen. Effertz. 

Ether: Eder — Etter. 

Edilef: Patr. Zus. Edlefsen. 

Edrich: Etterich. 

Edward: Edward; Eduard. 

(Edwin): Ettwevn. 

Edulf: Edolph. 
Einstämmige Kürzung Ed-. 
Edo, Etto: EUe — Ed, Gen. Eden. 
Patr. A. Eding. 
Vklf. (k): Ettig. 
Eddeling s. Athal (einst. K.). 
Edel- 8. Athal (Y., einst. K.). 
-eder s. Öd. 
Eebe s. Ebar (einst. K.). 
Eerkes, Eerts s. Era. 
Eff- s. Ed. 
Egbert s. Ag (V.). 
Egel- 8. Agil (V., einst. K.). 
Egen- 8. Agin (V., einst. K.). 
Egers 8. Ag (V.). 
Egidy s. Aegidins. 
Egg- s. Ag (V., einst. K.). 
-C|?gr. -egger s. Ecke. 
Eginard s. Agin (Y.). 
Egner s. Agin fV.). 
Egold, Egolf, Egts s. Ag (V.). 
EM - s. 1) AgU (V. , einst. K.) 2) Athal (V. 

einst. K.). 
Ehn- 8. Agin (Y., einst. E.). 



118 



Ehr- 



£rm 



Ehr- 8. Era. 
Ehren- s. Erin. 
Eib- 8. Ag (V.). 

Eieh ni. in ON. von „Eiche" in collectivem 
Sinne = „Eichwald": Eich, Aich, -aich. 
FN. Eich. V, Schöiiaich, Abi. auf -er 
(oberd.): Breiteneicher. 
Eiehbard, Eichert s. Ag (V.). 
Eiehmann ni. der „bei einer Eiche wohnt"- 
Dreieichmcmn der „bei den drei Eichen". 
Eiek- 8. Ag (einst. K.). 
Eidam III. nebst Kleineidam. Zu den Ver- 
wandtschafts -N. 
Eier, Eiert, Eiffert s. Ag (V.). 
Eigen- s. Agin (V.). 
Eile- s. Ag (einst. E.). 
Eil- s. Agil (V., einst. K.). 
Eim- 8. Ag (V.). 
Ein- s. Agin (V., einst. K.). 
Einerhand III. elliptischer N. : „der mit einer 

Hand" (S. 49). 
Einsiedel III. ahd. einsidilo, mhd. einsidele 
„Einsiedler". 

FN. Einsiedel f Einsiedl — auch Ein- 
siedler. 
Eirich s. Ag (V.). 
Eis- s. Agis. 
Eisen I. s. Isan. 

-eisen a) I. entstanden, wohl durch Umdeu- 
tung, aus eis (ahd. izo (S. 23. 34). 
PN. Grimmeisen neben Grimeis (ad. Gri- 
mizo). Helmeisen (Helmizo). Loth- 
eisen, Lotheißen (Hlodizo). Notheisen 
(Notizo). — Gerdeißen (Gardizo). 

b) III. Zus. mit „Eisen", Geräthe be- 
zeichnend. 

PN. Bauerneisen (S. 44). Hufeisen mhd. 
huofisen). Spereiseti. 

c) III. in Thurneisen entstellt aus urspr. 
Thurnhäuserl220, Thurneyser 1500 (Bacm.). 

Eisenbltttter III. = Eisenplätter , wie Drat- 
plätter vom Plattmachen des Drates zwi- 
schen zwei stählernen Bolzen. 

Eisenhntlll. mhd. isenhuot „Helm". Niederd. 
Iserhot. 

Eisenmenger III. „Eisenhändler" (s. Manger). 

Elb- s. 1) Alb 2) Athal (V.) 3) Agil (V.). 

Elf- s. Alb. 

Elger s. Agü (V.). 

Elias II. hebr. „mein Gott (ist) Jehova"; 
der Prophet 1. Kön. 17 ff. 
FN. Elias. Patr. Eliassen. 



Ell- 8. a) Agil b) AthaL 
Eilends m. ahd. alilanti „yod der Hdmat 
(dem Lande) feni, firemd". 
FN. Ellendt — EMend. 
Elp- 8. Alb, doch 
Elpertine s. AthaL 
Eltester UI. s. S. 48. 
ElTen s. Alb. 
Elwert 8. Agil (V.). 
Em- 8. Ewa. 
-em s. Heim III. 

Emanuel II. hebr. ImmaDuel „Gott mit um' 
vgl. Jes. 7, 14. Matth. 1, 23. 
FN. Manuel — daraus jüdisch: MeM 
mit den patr. Zns. Mendelssohn; Jfai- 
delson. 
Emel- 8. Araal. 
-emer s. Heim III. 
Ender-, Endr- s. Andreas. 
Enet s. Agin (V.). 
Eng- 8. Ingo. 

Engel-, Engl- s. Angil (V., einst. K.). 
Enigk s. Agin (einst. K.). 
Enke a) I. s. Agin (einst. K ). — b) HL iM 
encho „Knecht", bes. der dem Grofikoecht 
untergeordnete jüngere Kieinknechi 
Enking, Epnen s. Aigin. 
Ensle, -in s. Ans. 
Ep- s. Ebar (Eppers s. Ed). 
Er- s. Era. 

ERA I. ahd. era, mhd. dre „Ehre". (Hiri 
Heer spielt hinein, so daß eine genaue 
Sonderung sehr schwierig ist). 
PN. Erhart: Ehrhard; Ehret — Erhard. 
Gen. Eerts (ostfries.). 
Erolt: Ehrhold. 
Einstämmige Kürzung Er-. 
(Ero): Patr. A. Ehring. 

Vklf. a) Eralo : EhrU. (k) Eri«: 
Eriche; Ehrke. Gen. Eerkes (ost- 
fries.). 
Erasmus II. griech. „der Liebenswürdige'. 
FN. Gen. Erasmy. 

Mit Kürzung im Anlaut: ^Üctsmus. hk 
Zus. Easmussen. — AsmtAS. Gen. Jß99. 
Erb- 8. Arb. 
Erbsmehl III. deutlicher Name tos kt 

Pflanzenwelt. 
Erd- 8. Hard (V., einst. K.). 
ERIN I. Erweiterung von Era. 
PN. (Erinbot): Ehrenbot. 
Erindrud: EhrentrauL 



Erl 



Falke 



119 



Erinfrid: Ehrenfried, 

Erenricns: Ehrenreich — Ernreich. 

Ernwin: Ernenwoin. 

ERL I. altsächs. orl „Mann'', angcls. corl 
„Edelmann" (dah. engl, earl), altnord. iarl 
Edelmann^ Gaugraf. 
PN. Erlman: ErUmann. 
Erlach ar: Erler, 

Erliwin: Erlewein — Erlwein — 
Erlemoein. 
Einstämmige Kürzung Er!-. 
Erlo: Erle. 

Vklf. (k); ErlecJce; Erleck. 

£rm- s. Irmin (V., einst. K.). 
- ermel III. in Bothermel. Weißermel (Spott- 
name für Müller (S. 46). 
Ern- s. 1) Arin 2) Erin. 
Emest, Ernst- s. Arnust. 
Erp- s. Arb. 

Ert- s. Hard (V., einst. K.). 
Esch- s. Asc. 

Esel III. vgl. Lambertus asinus 1136, Berh- 
told der esel 1297. 
FN. Lutenesel (E., der die Laute schlägt). 
V. Eiedesel, — Eselkopf. 
Ett- s. Ed. 
Eue 8. Ewa. 

Euler ni. der „Töpfer", von aul Topf (aus 
lat. olla). 

FN. Euler, Gen. Eulers, Mit dem n 
der schwachen Bildung: Eulner, Zus. 
Ohlenmacher. 

(Vgl. Albrecht Ewlnsmid 15. Jh. Nürn- 
berg; noch heute begegnen in der 
Wetterau die EN. Aulen pf ad, Aulen - 
weg u. a. und Eulner gilt allgem. für 
Töpfer DW.). 

Enpert, Eurieh s. Ewa. 
Enstachius II. griech. „der Ährenreiche". 
PN. Stach, 

Eustathius II. griech. „der Standhafte, Ge- 
sunde". 

FN. Statius. Staats (Staatsmann), Stets. 
Patr. Zus. Staassen (fries. Staats VN.). 

Ever- 8. Ebar (V.). 

EWA I. got. aivs, ahd. ewa, mhd. dwe, e 
„uralte Zeit"; (seit langer Zeit geltendes) 
Becht und Gesetz. 
PN. Eubert: Eupert, 

Eumund: Emund. Gen. Emundts; 
Emons. 



Euarix: Eurieh — Erich (doch s. 

auch Era). 
Ewald: Ewald, Gen. Ewolds, 
Einstämmige Kürzung Ew-. 
Ewo , Euo : Ewe — Eue, Gen. Ewes — 
Euen, 
Ew- s. Ewa. 

Exter III. aus Agolstor ahd. ägalasträ 
„Elster", Auch wohl in Exernbrink 
(„Elstombrink"). 
Ey- s. Ag (V., einst. K.) — doch 
Eyl- 8. Agil. 
Eysfenhardt s. Isan. 



P. 



Faber III. Latinisirung für Schmid. 

FN. Faber. Gen. Fabri. Patronymisch 
weiter gebildet: Fahricius (um dadurch 
iu die Namenverwandtschaft dieses be- 
rühmten altrömischen Geschlechts hin- 
einzukommen — so Magister Phil. Fa- 
hricius, der 1561 als Zeuge unterzeichnet : 
D. philips Smidt, s. Gesch. des Gymnas. 
zu Dortmund Progr. 1875 S. 5) — daraus 
verkürzt: Fabriz, 
Fabri, Fabrieius a. Faber. 
Fach-, Pack- s. Pag. 
FAG I. mit der Erweiterung Fagin zu got. 
faheds Freude , got. und ahd. faginön sich 
freuen. 
FN. (Faghard) : Fackert. 

Fagenold: Gen. Feinlwltz. 
Einstämmige Kürzung Pag-. 
Fache: FacJie; Fach. 
Fahland III. mhd. välant der „Teufel", auch 
von Menschen gebraucht ; so wird der wilde 
Hagen des Gudrunliedes „Välant aller 
künege" genannt. 

PN.: Fahland^ Valand — VoMand, 
Filbiirieli in. urspr. der „Fahnenträger"; 
mit euphonischem d Fähndrich (zuerst bei 
Halbsuter: vendrich). 
FN. Fähnrich; Fähndrich — FenHch, 
Fabr- s. Par. 
FStbrmann a) l. s. Par b) in. „Fährmann, 

Ferge". 
Falehner s. Falkner. 
Fnigenmaeher s. Felgenhauer. 
Falke III. ahd. falco, falcho, mhd. valke, 
der „Falk", beliebt in der ritterlichen Zeit 



120 



Falkner 



Findekeller 



als Stoßvogel auf der Jagd, bes. der Eeiher- 
beize; in der mhd. Dichtung ein Bild des 
Geliebten. 

FN. Falke; Falle. Zus. Güldmfalk. 
Praunfalk. 
Falkner III. mhd. valkenaere „der Falken 
abrichtet", bes. zur Eeiherbeize. 
FN. Falkner; oberd. Falchner. Mit 
Umlaut Fdkner. 
-länger III. in mehreren Zus.: Aälfäyiger. 

Bärenfänger. 
FAB I. got. ahd. faran, mhd. vam „sich von 
einem Orte zum andern bewegen, ziehen". 
FN. Faraman: Fährmann ^ Fehrmann. 
Einst. Kürzung Faro: Fahre — Fehre. 
Patr. A. Fehring, Zus. Fehrensen. 
VUf. (\): Fehrle. (k) Farago: 
Farrach — Fahrke, 
Farrach s. Far. 
Faßbänder s. Binder. 

Faßlabend III. zu den Zeitnamen gehörig. 
So auch Faßnacht vgl. Ulrich Vaznacht 1367 ; 
mhd. vasnaht und vastnaht der Tag vor den 
großen Fasten. 
FAST I. ahd. fasti mhd. veste „fest". 
FN. Fastman : Fastmann. 
Fastrad: Fastert 
Fastrih: Fastrich. 
Einstämmige Kürzung Fast-. 
(Fasto) : Fast — Fest, Patr. A. Festing. 
Yk\i.{l): FastUbm.), (k): Fastje 
(fries. Oldenb.). 
Fauk s. Fulc (einst. K.). 
Feehner III. der mit „Fech", mhd. vech 

buntem Pelzwerk, bes. Hermelin, handelt. 
Fedder- s. Frith (V.). 
Federwisch III. ein bis ins 13. Jh. zurück- 
gehender N. (Embricho Federwisch 1213) = 
Gosetoisch. 
Felir- s. Far. 
Feierabend III. Zeitname; Jac. Firabend 

1313. 
Feigre s. Frith (einst. K.). 
Feinaigrie III. „Feinäuglein", mit schönen 

Augen (schwäb. Fröhn.). 
Feinholtz s. Fag. 

Feld III. ahd. feld, mhd. velt „freies, flaches, 
unbewaldetes Land; bebauter Acker". Ist 
Asfeld bei Paulus Diaconus (I, 20) wirklich 
aus dem 5. Jh. überliefert, so gehört -feld 
zu den ältesten deutschen Ausgängen in ON. ; 
das 8. Jh. bietet schon eine große Menge. 



Mit dativischer Ellipse alt -felda, -feldom, 
neu 'felde, -felden; doch dieses e des Sing, 
fällt in FN. mit seltener Ausnahme ab, 
ebenso wie in -bei^. 
FN. von Beer felde. — Hirsch feld (0. 
Hirschfeld und -felde). Lichter feld (0. 
Lichterfeld und -felde). Steinfeld, von 
Winter feld. Marvenfeldt (0. meist -felde). 
Neufeldt. v. Meerveldt, 
Ableitung auf -er (oberd.): 
Hirschfelder, Obstfelder, Schönfelder. 
Schwengfelder. Weidenfelder. 
Felgenhauer HL mhd. velgenhonwer „der die 

Eadfelgen zuhaut", Eadmacher, Wagner. 
Felkner s. Falkner. 

Fels III. ahd. fels, mhd. vels in alten N. wie 
Eotenvels weit seltener als -stein; neue N. 
wie Drachenfels, Weißenfels verhältnismäßig 
häufiger. 
FN. Fels (vgl. franz. La Koche). Harten- 
fels. Lichtenfels. Neuenfels. 
Ableitung auf -er (oberd.): 
Dannenfelser. Steinfelser, 
Femmer s. Frith (V.). 
Fenner III. mhd- venre, verkürzt aas vanaere. 

ahd. fanäri „Fähnrich". 
Fenrich s. Fähnrich. 
Ferber s. Färber. 
Ferd- s. Frith (V.). 

Ferg III. ahd. fario, mhd. verge „der Ferge" 
d. i. Fährmann. 
FN. Ferg — Förg, Vörg, 
Fernand s. Frith (V.). 
Femkom III. „altes Korn" (vgl. Fimhaber). 
Fesenbeek III. der aus „Fese" d. L Spelt 

backt. 
Fetkenhener s. Pfettenhauer. 
Fett- s. Frith (einst. K.). 
Fetthake III. zu den Küchengeräthen s. S. 44. 
Feuerrohr IH. (S. 45). 
Fick- s. Frith (einst. K.). 
Fidicin IH. abgekürzt aus fidicinas, einer 
Weiterbildung des lat. fidicen „Lauten- 
schläger". 
Fidrich s. Frith (V.). 
Fiedler III. mhd. videlaere „der (Jelger". 
FN. Fiedeler; Fiedler^ selten Viedler, 
Fiege, Fietz, Figge s. Frith (einst. K.). 
Filter III. niederd. „Filzer, Hutmacher'. 
Findekeller IH. Satz-N.r „einer, der den 
Keller zu finden weiß , ein guter Zechbruder" 
S. 52). 



Findeklee 



Franc 



121 



Findeklee III. Satzname: glücklicher Finder 

von (vierblättrigem) Klee. 
Fingrerhuth III. der „mit dem Fingerhut".. 

etwa = Schneider. 
Finke III. ahd finco, mhd. vinke der „Fink". 
FN. Finke j Vincke; Finckh. Fink von 
Finkenstein. (Vgl. engl. Finch.) 
Finkler IIL der „Finkler" d. i. Vogelfänger, 
von finkein Finken , dann allg. Vögel fangen. 
Fimhaber III. „alter Hafer", vom ahd. firni, 
mhd. vime alt (wie auch in „Firnewein"). 
Fiseh III. Auch in mannigfachen Zus. : Back- 
fisch = Bratfisch. Buckfisch (vgl. Bück- 
ling, gepökelter Fisch). Faul fisch. Mai- 
fisch, Seefisch, 
Fiselier III. ahd. fiskäri, mhd. vischaere. 
FN. Fischer (sehr häufig) , Vischer. Gen. 
Fischers (niedorrhein.). 
Zus.: Deichfischer, Teichfischer, Hecht- 
fischer, 
Friesisch: Fisser, Visser (vgl. hoUänd. 
Visser) — auf Nordemey sehr häufig. 
Fisser s. Fischer. 
Fittlgrhauer s. Pfettenhauer. 
Fitz- s. Frith (einst. K.). 
FLAD I. mhd. vlät „Sauberkeit, Eeinheit, 
Glanz" (vgl. den (jegensatz im Nhd. „Un- 
flat"). Fladebert 7. u. a. 
FN. (Fladerich): Fläderich, 
Einst. Kürzung: Flade — Flatt, Gen, 
Flatten, 
Flas III. niederd. „Flachs" — in Zus. wie 

Flashaar — Flaßkamp; Flaßdieck, 
Flatt- 8. Flad. 

Fleisch III. In mehrfachen Zus. (vgl. Eggi- 
hart Sulzeflaiske 1180): Gensfleisch (der 
ursprüngliche FN. Gutenberg's). KcUbfleisch. 
Jungfleisch. Klopffleisch, Rindfleisch {vgl. 
ital. Delmanzo). Sötefleisch (niederd. = 
Süßfleisch). 

Fleisehhaeker , Fleisclihauer III. =^ „Flei- 
scher". 

Fleisehfresser III. Spottname, der Seiten- 
stücke findet in Brodesser und Holtfreter 
„Hobfresser". Auch Verkenesser in Kölner 
Urkunden. 

Fleischmann III. „Fleisch Verkäufer". Ver- 
griecht Sarkander, 

Flemming III. mhd. Vlaeming ein „Fla- 
mänder, Vläme". 
FN. Flemming; Flemmig. — Auch das 
Eigenschafts w. Flemisch findet sich als FN. 



-fleth s. FUeß. 

Fleugimtanz III. Satz-N. „fliege im Tanz", 

ein flotter Tänzer. 
Fliegrauf III. Satz-N. Ähnlich Fliegaus (der 

immer „ausfliegt" ?). 
Fließ III. mhd. vllez, altfries. flet (niederl. 
fleete) „Bach". Hochdeutsch Fließ, - fließ , 
doch vorherrschend in niederd. Gestalt: 
Fleethy -fleth (bes. an Elbe- imd Weser - 
Mündung). 

FN. Schönflies. Niederd. Bardenfleth; 
daraus entstellt Bahn fleth., Born fleth 
(S. 80). Stockfleth. 
Flohrschfltz s. Flurschütz. 
Florus II. lat. „blühend". Schon ins Alt- 
deutsche aufgenonunen, wo sich Florebert 
u. A. findet. 
FN. Flohr. 

Vklf. (k): Flöricke; Flörke, 
Von Florus abgeleitet Florianus , dah. FN. : 
Florian, 
Fltth III. ahd. fluoh, mhd. vluo „Felswand", 
Fluh (Schweiz.). Niklas von der Flühe. 
FN. Zurflüh (schweiz.). 
Flursehtttz III. mhd. vluorschütze „der Feld- 
hüter". 

FN. Flurschütz — Flohrschütz, 
Fobbe s. Fulc (zweist. K.). 
Foek-, Föck- s. Fulc (einst. K.). 
Fokes s. Fulc (einst. K.). 
Fol-, FW- s. Fulc (V., einst. K.). 
Fopp- s. Fulc (zweist. K.). 
-forde s. Furt. 
Förg s. Ferg. 

Förster III. ahd. forstari, mhd. vorstaere 
„Aufseher, Vorwalter" der Forst. 
FN. Förster, Zus. Holzförster, Wald- 
förster, Wildförster (Wolfram wilt- 
forstere 1211). 

Ohne Umlaut (wie noch heutzutage in 
Schwaben und Baiem „der Forster"): 
Forster, Vorster. 
Mit dem n der schwachen Bildung: 
Förstner; Forstner, 
Forstmann III. — Förster. 
F9se s. Funs. 
Foss s. Fuchs. 
Fräd- s. Frith (V.). 
Erahne s. Fraw. 

FRANC I. zum Volksnamen der „Franken" 
(ahd. Franko , mhd. Vranke) gehörig. Fran- 
cobert 8., Francard 6. 



122 



Frandscus 



Prith 



FN. Franco, Frenko: Franke; Fr auch ~ 
Frenk. Gen. Franken — Frenken 
(niederrhein.). Patr. A. Frenking. 

Vklf. (1) : Frenkel (1 + n) Fran- 
colin: Franklin. 
Franclscus II. latinis. aus dorn Vorigen; der 
h. Franciscus von Assisi. 
FN. Franz (Zus. Franzmann und Schäfer- 
franz — Franzmeyer) — Frentze. 
Gen. Franzen (niederrhein.) — Frentzen. 
Wieder latinisirt: Frantzius. 

Vklf. (1): Frenzel (Zus. Mühl- 
frenzeT). Latinis. Frenzelius. (k): 
Franzke. 
Frank- a) I. s. Franc. — b) III. als N. des 

Stammes vgl. „Bentz der frank" 1373. 
Franz- s. Franciscus. 

Fraß III. mild, vraz ein „Fresser, Schlemmer", 
80 Heinrich der Fraz 1292 (Bacm.), s. S. 48. 
Fraude s. Frod. 
Franer s. Fraw. 

FKAW I. in der Hauptsache zu got. frauja, 
ahd. fro „Herr", frowa „Herrin, Frau", bes. 
in ihrer mythologischen Beziehung auf Fro 
und Frouwa — weniger zum Eigensch. fro 
„froh". 
FN. Frawipreht: Froharth. 

(Frawiher): Frauer — Freuer. 
Frauirat: Frorath. 
Frorich: Froreich. 
Frowin: Frohwein. 
Mit dem durch n erweiterten Stamme (vgl. 
Frowinlint u. A. Forst. S. 417). 
(Frowinhart) : Frohnert. 
Einst. Kürzung: Frohne — Fr ahne 
(niedord.). Patr. A. Froning -— Fröh- 
ning. 

VUf. (k): Frohncke. 
Freed-, Freel- s. Frith (V., einst. K.). 
Freerks s. Frith (V.). 
Freier, Freiert s. Fri. 
Freimann III. mhd. vriman 1) ein „Freige- 
lassener", libertus 2) „Freiknecht", camifex. 
Freiselimidt III. ein „unzünftiger Schmid", wie 
„Freifleischer", „Freischuster" (DW.), ferner 
„Freischlächter", „Freischneider" (KB.). 
Freitag HI. schon 1197 Sifridus Vrietak s. 
Tag. (Doch findet sich schon ahd. Frittag, 
zu Frith gehörig.) 
Als FN. meist Freytag. Niederd. Friedag. 
Frenk- s. Franc. 
Frenz s. Franciscus. 



Frer- s. Frith (V.). 

Fressentenfel III. Satz-N.: „friß den Teufel". 
Vretenduvel 1383 Gott, ürk.- Buch. (S. 52). 
Freuer s. Fraw. 

Freund III. niederd. FrOndt, Zus. Bier- 
freund. Tausendfretmd, (Vgl. franz. 
Bonami). 
Frey- s. Fri. 

FRI I. got. freis, ahd. fri, mhd. vri „frei". 
FN. Friard: Freiert. 

Friher: Freier, Frey er. 
(Friolt): Freyhold. 
Einst. Kürzung: Frey. 
FBIAS I. zu dem Volksnamen der „Friesen". 
Friskaer, Fresger 9. 

FN. Friaso: Friese; Fries — Frese — 
Freise. Gen. Friesen (doch auch ahd. 
Friasini) — Fresen (latinis. Fresenius) 
— Freisen. Patr. A. Friesenga (ostiries.). 
Vklf. (k) : Friesicke. 
Frick- s. Frith (V., einst. K.). 
Frieb- s. Frith (zweist. K.). 
Fried- s. Frith (V., einst. K.). 
Friel s. Frith (ernst. K.). 
Fries a) I. s. Frias b) IE. deutlich in de Fries, 

de Vries. 
Frille s. Frith (einst. K.). 
Frimmer s. Fritt (V.). 
Frischmuth III. s. S. 48. 
FRITH I. ahd. fridu, mhd. vride, altsachs. 
frith u „Friede", bes. in dem Sinne von 
„Sicherheit, Schutz". Nachweislich in N. 
seit dem 4. Jh. (Gotenfürst Frithigem). 
FN. Frithuger: Fricker. 

Fridehere: Frieder — Fräder — 

Fedder (Jever). Gen. Frieders. 

Patr. Zus. Fedder sen. Verkleinert: 

Feddercke. 

Friduleib: Friedlieb. 

Fridumar : Frimmer — Femmer (Mos.). 

Fridenand: Ferdinand — Fernand. 

Gen. Ferdinands, 
Frithuric (seit 5. Jh.): Friederich; 
Friedrich — Fräderich — Fre- 
dereck — Frerick (westf.) — Fre- 
richmann — Fidrich, Gen. Fre- 
richs. — Latinis. Friederici. Patr. 
A. Frederking — Frerking. Patr. 
Zus. Friedrichsen — Freerksen. 
Fridwald: Friedewald; Friedewold. 
Friduwin: Friedwein. 
Fridulf: Gen. Freelfs (ostfries.). 



Fritsch- 



Falc 



123 



Einstämmige Kürzung Frith-. 
Frido , Feddo (aus Ferdo s. Stark 27) : 
Friede — Frede — Fette, Gen. 
Frieden. 

VMf. (1) Fridilo, FriUo: Friedel; 
Friedle — Frille — Friel. Gen. 
Freels. (1 + n) Fridulin: Friedlein. 
(k)Frideco, Fricco, Feddeco, Ficcho: 
Fredike — Fricke (latinis. Friccius) 
— Fettke — Ficke — Vieck — 
Figge — Fiege — Feige. Gen. 
Ficken. {k-{-l):Fricke1. (z)Frithezo: 
Fritze; Fritz— Fritsche; Fritschi 
(Schweiz.) — ■ Fitze — Fietz. Gen. 
Fritzen — Fritschen — Fitzen. 
(z + 1): Fritzel (z + k): Füzke. 
Zweistämmige Kürzung Fridb-, 
(Fribo): Friebe; Frieb. 
Vklf. (1): Friebel. 
Auslautend (188 mal Forst.). 
'fried: Siegfried. Gen. -fr itz (st. frids): 

Seifritz, 
'fert: Siefert. Gen. -ferts: Nieferz. 
-fart: Seifart, Herr fahr dt. Gen. -fartz: 

Hoffartz, 
'fer: Die f er. Gen. -fers: Offers. 
Fritsch-, Fritz- s. Frith (einst. K.). 
Frobarth s. Fraw. 

FROD 1. got. froths, ahd. fruot, mhd. vruot, alt- 
sächs. frod (lat. prudens) „verständig, weise". 
FN. Frodrich: Frödrich. 
Einst. Kürzung Fruoto: Frohde — Fröde 
— Fraude, Gen. Frödden. 
Vklf. (k): Frutig. 
FrOddeD, Fr9de, Frohde s. Frod. 
Fr^hUeh III. schon 1373 der fröüch. 
Frohm-, From-, Fr9m- s. Frum. 
Frobn-, Fronlngr, Frohwein s. Fraw. 
Frommann a) I. s. Fmm b) III mhd. vrum- 

man „Ehrenmann, Biedermann'*. 
Frosch III. ahd. frosc, mhd. vrosch zu den 

Thiemamen. 
Frttehtenieht III. Satz-N. „fürchte nichts". 
FRUM I. ahd. mhd. frum „firomm", d. i. 
„tüchtig, jvacker". 
FN. (Frumihard): Frommert. 
Frumiher: Frommer. 
Frumirih: Frömmerich. 
Frumold: Frömmelt — Frommhold 
FrämmeU, Gen. Frommholz, 
Einst. Kürzung frum - : Fromme; Fromm — 
Frohme, Patr. A.Fruming: Frömming, 



Vklf. (1): Frommd — Frömmel 
— Frömel, (k): Frömcke. 
Frttndt s. Freund. 
Frutig 8. Frod. 

Fuchs III. meist nach der Farbe des Haares; 
so wird in der Lübecker Bürgerrolle für das 
J. 1322 der eine von zwei Brüdern Kichard 
Vos, der andere Johannes de rode genannt, 
offenbar nach derselben Ursache. Peter der 
fuhs 1360. Emercho dictus de Jungefos 1298. 
FN. Fuchs, latinis. Fuchsins (daher die 
Blume Fuchsie) und Vtdpius. Ver- 
kleinert: Füchsd. 

Zus. Eothfuchs, Sandfuchs. Schrecken- 
fuchs (imperat.). Niederd. de Vos; Voß^ 
Foß, Gen. Vossen (hiederrhein.). Zus. 
SoMdvoß. Voszal (= Fuchsschwanz, 
vgl. Jäck fuchsschwantz 1466 Bacm.). 
Fuck- s. Fulc (V.). 
-fues s. Fuß. 
Fuglsang s. Vogelsang. 
Fulmnann HI. Auch Cren. Fuhiinanns 

(niederrhein.). 
Fuhse s. Funs. 
Ful- s. Fulk (V.). 

FULC I. ahd. folc, folch, mhd. volc „Volk" 
(Kriegs volk). 

FN. Folcberaht: Fvdbrecht; Fulpi'dbht — 
Volbrecht; Volprecht; Volbert; 
Vollbracht; Vollborth; Vollbehr 
— Völber. Gen. Volbers —■ Folpts 
(ostfries. Rup. 7: Folpt = Volcbert). 
Patr. A. Vollbring; Vollbeding. 
Fulbrand: Volbj'and. 
Folhker: Volger. 

Fulchard: Fuckart — Volkhart; 
Volckardt; Volkert — Folchert; 
Folgert — Volhardt; Vollard; 
Votiert. Gen. Folkerts, 
Fulchar: Volcker — Völcker — Föller, 
Gen. Folkers — Völkers — Völlers, 
Patr. A. Völkerling. 
Folcman: Volkmann, 
Folcmar: Volkmar; Volkmer — Voll- 
mar; Vollmer — Föllmer. Patr. 
A. Vollmering, 
Folmuot: Volkmuth. 
Folcnand: Volkenand. 
Fulcrad: Vollrath; Völlrad. 
Fulcrich: Gren. Folrichs, 
Fulcuald, Volcold: Vollgold — Vol- 
kdt. Gen. Volkholtz, 



124 



Ftillekras 



Gab 



Folcward: Volkwarth; Volquardt. 
Gen. VoUquards, Vollquarz. Patr. 
Zus. Volquardsen (schlesw.). 
Folcwin: Folktvein. 
Folciüf: Gen. FtUfs (ostfries). 
Einstämmige Kürzung Fulc-. 
Fulco, Focko: Volke; Volk — Folg — 
Volk — Voll — Föll — Vocke; Fock 
— Faiik. Gen. Volkens — Fölks — 
Fokes (ostfries.) — Fockena (ostfries.). 
Patr. A. Fölling — Föcking — Fockenga 
(ostfries.). 

Vklf . (1) : Fölkel ; Völkle — Föckel 
(1 + n): Völklein, (zj Folzo: Völz 
— Fölz. (z + 1): Völzel 
Zweistämmige Kürzung a) Fulcb-. 

Foppo: Fohbe — Fopp. Gen. Foppen. 
Zweistämmige Kürzung b) Fulcm-. 
Fubno: VÖlm. 

Yklf. (1): Völmle. (k): Völlmicke. 
Fttllekrns III. Satz-N. „füUe den Krug« (s. 

Kraus); auch Füllkruß. 
FulJgraf s. VoUgraff. 
Fttllkragr III. Satz-N. „fülle den Krug" (s. 

FüUekrus). 
FÜNS I. ahd. funs, altfries. füs „bereit, 
willig" (vgl. Alfons). 

FN. Einst. Kürzung Fuso: Fuhse — Föse. 
Gen. Fusen. 
Auslautend : 
-fus (Arifus 8., Garifus), umgedeutet 
in -fuß: Siefuß {BigiixmB). Beil fuß 
(Bilifuns?). (?aiZ/'u/?(Gailfuns). Heite- 
fuß (Heidfuns?). 
Fttrbringer III. der eine Sache vorbringt, 

„Kechtsanwalt". 
Fttrchtenieht III. Satz-N. „fürchte nichts". 
Furt IIL ahd. fürt, mhd. vurt „Furt, Bahn". 
In ON. Fürth j -fürt, -forth — niederd. 
-ford, -forde, -forde. 
FN. 1) Stein fürt Dittfurth. Schwein- 
furth, Erfurdt. 

2) Haßforth (0. -fürt). Eeckforth. 
Steinforth. 

3) Herford. 

4) V. Beverförde. Böckenförde. 
Ableitung auf -er (oberd.): Hasenf orter. 

Fnsen s. Funs. 

Fuß a) I. von Funs, woher der altd. PN. 
Fuso — namentlich in den Zus. Gailfuß, 
Siefuß und vielleicht noch mehreren andern 
(s. Funs). 



b) I. Umdeutung aus latinisirten N. : Bol- 
fus aus Dolf , Abkürzung für Adolf (als PN. 
in Köln Dolfes, s. Andresen S. 23), dann 
Dollfuß geschrieben. Ebenso Rolfus, Roll- 
fuß aus Rudolf zsgz. Rolf. 

c) III. den Körpertheil bezeichnend, vgl. 
Otto Vuoz 1212. Hermann Pes 1204. Vklf. 
(1) Füßli (Schweiz ) und Füeslin (oder zu 
a) gehörig?). 

Bes. in vielen Zus. Barfuß (niederd. Ba^ 
fot, Barfft 1511 Klemp.). Blaufuß. Breit- 
fuß (vgl. Henricus dict. Breytfoz 1306). 
Gelhfvß. Großfuß. Gugelfuß (würtemb.). 
Kaulfuß. Krumfuß. Leicht fuß, halhmederd. 
Lichtfuß. Platzfuß. Rauchfuß, halbniederd. 
Ruhfus. Scharrfuß. Schmalfuß. Schnee- 
fuß. Schönfuß. — Niederd. Kliefoth. 
Stolterfoth. 

Sehr häufig sind Zus. mit Thiernamen, 
wie schon im J. 1212 Hartlieb Gensevuz: 

Hasenfues (vgl. das Appellat. „Hasen- 
fuß"). Hühnerfuß. Kalhfuß. Kranefuß; 
Krohnfuß. Kuhfuß; Kühfuß (eine würtemb. 
Familie d. N. ließ sich vor 30 J. in BeifF 
umtaufen). Lamms fuß. Muckenfuß f Mug- 
genfuß. Rehfues (wohl wegen der Zierlich- 
keit). Rinds fuß. Schwemefuß. Ziegenfuß. 

Imperativisch: Regenfuß. Streckfuß, 



G. 



Gaab s. Gab. 

GAB I. got. giban, ahd. kepan, mhd. geben 
„geben" (auch mit dem Präsens -Ablaut gib 
erscheinend). 
FN. (Gebeberaht) : Gabrecht. 

Gibfrid: Giehfried — Gepfert — 
Geifert. Gen. Giefers — Geffers. 
Gobahard: Gebhard — Gehert — 
Geppert — Gewert — Giebert — 
Kiepert — Gippert: Patr. A. 
Geberding. 
Gibaheri; Geber — Keber. (jen. 

Gebbers — Gevers. , 
Goberad: Gehrat. 
Giperich: Gipperich. 
Gebald: Gaböld — Gebelt — Geppdt. 
Einstämmige Kürzung Gab-. 
Gabo, Gebe, Gibo: Gabe — Jaap — 
Gäbbe — Gapp — Gebbe — Geeb — 
Gewe — Giebe — Kiepe. Gen. Jäbes 



Gab- 



Gar 



125 



— Jobben — Keben — Jippen, Patr. 

A. Japping. 

Vklf. (1): Gabel — Gabele; Ge- 
bell — Geppel — Giebel. (1 + n): 
Gäbelein, (k): Gabcke — Gebecke 

— Gewecke — Geffke — Kiepke. 
Gen. Gebken — Geffken, 

Gab-, GÄb- s. Gab (V., einst. K.). 

Gabbe s. Gab (einst. E.). 

Gaberler südd. Patronym. von Gabriel. 

Gade, GM- s. God (einst. E.). 

Gafher III. ein bemer Geschlecht = „Hütten- 
mann", ygl. in Wallis das Geschlecht zen 
Gafinen „bei den Hütten" aus capanna, in 
der lingua rustica = Bauemhütte, Senn- 
hütte — dah. franz. cabane, engl, cabiue 
(Gatschet, ortsetymolog. Forschungen). 

GAJDL I. ahd. gail, keil, mhd. geil „rauth- 

willig, übermüthig, lustig" (Stamm woi-t für 

ital. gala, franz. galon Borte und galant). 

PN. Geilhard: Kellert — Geiler, Gayler. 

Einstämmige Eürzimg Geil-. 

Gailo, Eeilo, Gelo: Gayle; Geil — Keil 

— GM. Patr. A. Keiling. 
Gaüin: Gehlen. 

Vklf. (k) : Geilich — Keilig. 

Gaißer III. ahd. gai^äri „Ziegenhirt". 

Gallus II. lat. der „Gallier" ; der h. Gallus, 
Irländer von Geburt, Gründer der Abtei 
St. Gallen in der Schweiz, gest. 646. PN. 
Gall. 

Gambsjägrer III. süddeutsch „Gemsenjäger". 
GAND I. zweifelhafter Stamm, vielleicht auf 
altnord. gandr „Werwolf" zu beziehen. 
PN. Ganthar: Ganter — Genther. Gen. 
Genters. 
Gandaricus: Gandrich — Genderich 
— Gennerich — Jennrich. 
Einstämmige Eürzung Gand-. 
Ganto, Canto, Gento: Gante — Kant 

— Jentho — Genthe (GentemannJ. 
Vklf.(l) Cantulo: Gendele— Gentel 

— Kentel. (k) : Gantke. (z) : Gantz 

— Kantz — Genz. Patr. Zus. Gen- 
zensohn. (z 4-i) '• Ganzel — Gentzel. 
(z + k): Ganzke. 

GANG I. zu got. gaggan, ahd. gangan 
„gehen". 
PN. Gangerih: Gengerich. 

Gangulf: Gangeloff; Gangloff; Gang- 
auf. 



Einstämmige Eürzung Gang-, 
(Gange): Genge; Gang. 
Vklf. (1): Gangel 
Auslautend (10 mal Forst.). 
-gang: Wittgang. 
Gans III. zu den Thiernamen. Prideric. 
cognom, Bradegans 13. Jh. Elempin : Vale- 
goeß. 

PN. Gans. — Riedgans. Schneegans. 
Wildegans. 
Gant- s. Gand. 

Gantenbrink III. der „Gänserichsbrink", vom 
niederd. Gant, ahd. ganazo, mhd. ganze 
Gänserich. 
Gantz- Ganz- s. Gand. 
Gapp- s. Gab (einst. E.). 
GAR I. ahd. ker, ger, mhd. ger „Ger, Wurf- 
speer". 

PN. Garibaldi Gerbald; Gerbet; Gerbel. 
Garibert: Gerbracht; Gerb&rt. Gen. 

Garbers. Patr, A. Gerberding. 
Gorbodo: Garbade — Gerbode; Ger- 

both; Gerpott. 
Gerbrand: Gerbrandt. Gen. Gar- 

brands. 
Garehard : Gerhard ; Gerard — Gör- 
hardt — zsgz. Gehrt (Geertmann). 
Gen. Gerhards; Gerards — Gerdes 

— Geerdts — Gerrits (fries.). Zus. 
Gerdesmeyer. Patr. A. Gerding. 
Patr. Zus. Gerdsen (ostfries.) — 
Görritzen (schlesw.) — Geertsema; 
Gerzema; Gersetna (ostfries.). 

Garaheri: Gehrer. 
Gerland: Gerland, 

Gerleip: Garlepp; Garleb; Garlipp 

— Karlipp — umgedeutet Garlieb. 

Geroiah: Garlich; Garlach; Garlei 

— Gerlich; Gei'lach — Görlich; 
Görlach. Gen. Görlichs, 

Garaman: Garmann — Gehrmann 
— Germann — Jerrmann. 

Garimar : Garmer — Jarmer -^ Ger- 
mar; Gei'mer. Gen. Garmer s. 

Germuot: Jarmuth. 

Garimund: Germund. 

Gemand: Gernant — Görnandt. 

Gemot: Gernoth. 

Garivald: Gerold; Gerhold — Jer- 
rold — zsgz. Gerlt Gen. Gar- 
relts (ostfries.) — Gerholz — Ger- 
relts. 



126 



Garb- 



Gaw 



Gerawig: Gerwig. 

Garuin: Gerwin (latinis. Gervinus); 

Jerwien — Kerwien, 
Gariilf : Garleff — Karlauf — Ger- 
loff; Gerlhoff. Gen. Garreifs — 
Graalfs (beide ostfries.). 
Einstämmige Kürzung Ger-. 
Gero , Kero : Gehre — Kehr. Gen. Gee^'s ; 
Geeren — Kehren — Gören.. Patr. A. 
Gehring, Jhering; Gehrung — Gö- 
ring; Göhrung. 

Vklf. (1): Gerle, Patr. A. Gerling. 
(k): Gericke; Jericke — Gehrke; 
Gehrigk; Gehrich — Görcke. Gen. 
Gei'ckens. Patr. A. Gerking. (z): 
Gareis — Geritz — Geerz (auch 
Gen. zu Gehrt). 
Zweißtäramige Kürzung 1) Gerb-. 
(Gerbo): Garhe — Gei'b. 

Vklf. (1): Gerbel (k): Gerbig. 
Zweistämmige Kürzung 2) Germ-. 

Germo: Gen. Germs. 
Auslautend (186 mal Forst.). 

-ger: Hilger. Gen. -gers: Hilgers. 
-eher: Böttcher. 
-ker: Hilker. 
Garb- s. Gar (V., zweist. K.). 
-gardt s. Gart. 
Gareis s. Gar (einst. K.). 
Garl-, Garm- s. Gar (V.). 
Garr- s. Gar (V., einst. K.). 
Gart III. got. gards, ahd. garto, mhd. garte 
„Umzäunung; dann Wohnung; Garten". Jetzt 
nicht bloß in zahllosen Garten -N., sondern 
auch für Städte und Dörfer gebräuchlich: 
in der älteren F. -gart, in der neueren 
-garten. 

FN. 1) Rosengart. Weingart. Baumgardt. 
Schöngardt. Thiergardt (auch 
Diergardt). — Vereinzelt Baum- 
garte, 

2) Baumgarten; von Paumgarten 
(österr.). von Hopfgarten. Wein- 
garten. 

3) -gaard (däniscli): Knudsgaard. 
Möllgaard (beide in Nordschleswig). 

Ableitung auf -er (oberd.): 
-gartner: Baumgartner. 
-garten, -gartner s. Gart. 
Gttrtner III. ahd. gartmari, mhd. gartenaere, 
später auch gertenaere (doch noch im 15. 
bis 17. Jh. auch „gartner") „Gärtner" d. i. 



1) einer, der den Gartenbau kunst- und 
zunftmäßig übt 2) Besitzer eines Hauses 
nebst kleinem Grundstück, aber ohne Feld 
(im östlichen Deutschland, bes. Sachsen, 
Schlesien). 

FN. Gärtner — Gartner. Zus. Baum- 
gärtner. Hopfengärtner. Weingärtner. 
Gassert s. Gast. 

GAST I. got. gasts, ahd. gast, mhd. gast „Fremd- 
ling, Gast", bes. „fi»mder Kri^er". 
FN. Gastrad : Gaster — Jaster — Gassert. 
Patr. A. Gesterding. 
(Gastram): Gastram — Jesstram. 
Castricus: Gestrich — Göstrich. 
(Gastolf) : Gastolph. 
Einstämmige Kürzung Gast-. 
Gaste: Gaste; Gast. Gen. Gasten. 
Vklf. G) : Oastel — Jestel 
Gaß III. ahd. ga^^a, mhd. ga^^e „Gasse". 
Sicher in Ortsbezeichnungen seit dem 10. Jh.; 
jetzt „Gassen" in allen deutschen Städten, 
aber auch etwa 100 ganze bewohnte örter 
gehen auf -gasse, -gaß aus. 
FN. Steingaß. Bothengaß. — Windgassen. 
Ableitung auf -er (oberd.): 
Gaßner. — Kirchgeßner. — Queren- 
gässer, alt Querngeßer und Querch- 
gesser 1507—16 (Koch Saalfeld. FN.). 
Gau 8. Gaw. 

Gauckstert III. niederd. „Kukkuks.'^chwanz". 
GAÜD I. auf den Volksnamen der „Goten" 
zu beziehen (Grimm, Gesch. der deutschen 
Sprache S. 308). 
FN. Gauter: Gauder. 
Gaudomar: Gaumer. 
Einstämmige Kürzung Gaudo: Gaut. 
Vklf. (k): Gaudig. 
Gaue s. Gaw. 
Gaugengigllll. mhd. gugelgige, guckengegel 

„Narr, Geck". 
Gauke s. Gaw. 

Gaukler III. ahd. gouguläri, mhd. gongelaere 
zusanmienfassender N. für mancherlei wan- 
dernde Künstler: „Zauberer, Taschenspieler; 
auch Schauspieler". 
Gaurn s. Gund (zweusl. K.). 
Gaumer, Gausrapp s. Goz. 
Gaut s. Gaud. 

GAW I. got. gavi, ahd. gawi, mhd. gou 
Gau". 
FN. Gawibert: Kaupert. 

Gawiman: Goymann — Göhmann, 



n 



Gayer 



Güb- 



127 



Einstämmige Kürzung Gau-. 
Gawo: Gaue; Gau, 

Vklf. (k): Gauke. Gen. Jaukens. 

Gayer s. Geier. 

Gayl- s. Gail. 

Geb- s. Gab (V., einst. K.). 

Crebaner III. (Ton auf der zweiten Silbe) 
1) mhd. gebür „Nachbar" 2) mhd. gebüre 
„Bauer". Cunrad Gebur 1304. 
PN. Gehatier; Gehauhr. Z\i8. Neugebauer ; 
verderbt Neigehaur (Nygebüre 1385). 

Gedieke s. God (einst. K.). 

Geeb s. Gab (einst. K.). 

Geelhood s. Hut. 

Geer- s. Ger (V., einst. K.). 

€reff- 8. Gab (V., einst. K.). 

Gehl- 8. GaU. 

Gehr- s. Gar (V., einst. K.). 

Geier III. zu den Thiernameu. „Die v. Geyer 
stammen von einem altkölniscben Geschlechte, 
das von seinem Hause „zum Geyer" de Vul- 
ture in der Bheingasse den N. Gyr ange- 
nommen, auch einen Geier im Wappen 
führte. Sie erkauften 1716 die Schweppen- 
burg von den v. Loen, dah. G. v. Schweppen- 
burg". (Kheinischer Antiquarius). 
FN. Geier, Gayer; Geyr. 

Geil- s. GaU. 

Geiß, Geisen s. Gis. 

Geisel-, Geißel-, Geisl- s. Gisal. 

Geldmaeher III. sehr modern klingender N., 
an das amerikanische make money erinnernd; 
jedoch wohl = „Münzer". 

GELF I. ahd. gelf „lautes Schallen, Fröhlich- 
keit". 
FN. Gelfrat: Gelf rat; Gel feit. 

Gelhaar III. „ Gelbhaar" . Gelbe , blonde Haare 
galten bes. auch in der ritterlichen Zeit als 
Schönheit. 

Geliert s. Gisal. 

Gen- s. Gand. 

Gensileiseh Ilf. eine alte angesehene Patrizier- 
Familie zu Mainz. Frielo G. hatte im 14. Jh. 
die Erbtochter Elsa, von dem alten Ge- 
sclüechte derer zum Guttenherge, gehei- 
rathet und dessen Gütar den seinigen hinzu- 
gefügt. Sie wohnten im Hofe zum Gutten- 
berge am St. Christctfels- Kirchhofe, und 
hier wurden ihnen zwei Söhne geboren: 
Frielo und Henne (Johannes), der letztere, 
der berühmte Erfinder der Buchdruckerkunst, 
wahrscheinlich 1397. 



Georgias II. griech. der „Landbauer"; der 

h. Georg, welcher angeblich unter Diocletian 

gelebt hat , Patron der Kitterschaft (S. 26). 

FN. Gen. (lat.) Georgü, gewöhnl. zsgz. 

Georgi. 

Mit Kürzung im Auslaut: George; Georg 
— Jörg — Jürge. Gen. Görgen; 
Görges — Jürgens — Jürriens; Jür- 
rens — Djwren (fries.). Patr. A. Gör- 
ger (Karlsruhe Fi'öhn.). Patr. Zus. 
Georgensohn — Jürgensen — Jirgen- 
söhn. 

Gep- s. Gab (V., einst. K.). 
Ger- s. Gar (V., einst. K. — bei Gerb und 
Germ- auch zweist. K.). 

Gerathewohl III. Satz-N. „gerathe wohl". 
FN. Gratwohl — Gerothwohl — Groth- 
wohl. 

Gerber III. mhd. garwer, gerwer „der das 
Leder gar macht, zubereitet". 
FN. Gerber (auch jüdisch, s. S. 66). 
Zus. Bothgerber. Weißgerher (mhd. wiz- 
gerwer). Splittgerher, in älterer F. 
SpUttegarb. 

Gerngroß III. Cunrad Gerengroz 1333. Noch 
jetzt appellativ: ein „Gernegroß". 

Geselbraeht s. Gisal. 

Geselle III. ahd. glsello mhd. geselle urspr. 
„Hausgenosse" (von sal Haus), dann „Ge- 
fährte, Freund", auch „Gehülfe" bei einer 
Arbeit. Heinrich Geselle 1300. 
FN. Gesell — Gsell (süddeutsch ; Peter 
Gsell 1492 Augsb.), latinis. Gsellius. 
Zus. Frischgesell. Gutgesell. Liebergesell. 
Taggesell. 

Geske s. Gis. 

Geßier s. Gisal. 

Gest- s. Gast. 

Geßwein s. Gis. 

Gevers s. Gab (V.). 

Gew- s. Gab (V., einst. K.), 

Geyr s. Geier. 

Geys s. Gis. 

Gieb- s. Gab (V., einst. K.). 

Giefers s. Gab (V.). 

Giegengaek III. Spottname für „Bierfiedler". 

Giehl-, Giei s. Gisal. 

Gier- s. Gir. 

Gies- s. Gis. 

Giesel-, Gießel- s. Gisal. 

GUb- s. Gisal. 



128 



Gildemeister 



God 



GiJdemeister III. „Vorsteher einer Gilde''. 

Auch Gülmeister, 
GUI-, Oilmer s. Gisal. 
Gipp- 8. Gab (V.). 

GIB I. ahd. giri, kirf, mhd. gir „Begehren, 
Verlangen", nicht sicher von gar zu trennen. 
FN. Girart: Gierhardt — zsgz, Girth, 
Girannus: Cfieram. 
Giroald: Kirwald, 
Girulf : Gürloff — Kierulff. 
Einstämmige Kürzung Gir-. 
Giro: Giere — Eier. Gen. Gieren; 
Giers — Kiers — Giersch. Patr. 
A. Giering, 

Vklf. (1): Girl - Gierl Patr. A. 
Gierling. Gen. Girlings, (k) : Giercke ; 
Gierig; Gier ach, 
Girsehner s. Kürschner. 
GIS I. Stammwort zu gisal (s. das Folgende). 
FN. Gisbert: Giesebrecht — Gishrecht; 
Gisbert, Gen. Gisbertz. 
Gisibrand: Gisebrandt. 
Gisher: Gieaer — Kieser. 
Gisaleicus: Kieslich, 
Gisemar: Geysmer, 
Gissold: Gieswdld\ Gieshold. 
Gisoin: Gieswein — Geßwein. 
Einstämmige Kürzung Gis-. 
Giso, Kiso: Giese — Kiese; Kieß — 
Kiß — Geyso; Geiß. Gen. Geisen. 
Patr. A. Giesing — Gissing. 

Vklf. (k) : Giesecke — Gesice. Patr. 
A. Gieseking. 
Auslautend (116 mal Forst.). 
-gis: Maingis. 
-gies: Ortgies. 
-geiß: Adelgeiß. 
GISAL I. ahd. gisal, kisal, mhd. gisel „Gei- 
sel (Kriegsgefangner). Gisal zsgz. Gill- (so 
Gilla = Gisila im Polypt. Irmin. S. 50. 
GiUebert für Gislebert Pertz Monum. VIII). 
¥N. (Hsalbreht, Güpreht: Gießelbredit — 
Gisselbrecht — Geißelbrecht — 
Geselbracht — Crilhrecht; Gilbert 

— Kübert, Gen. Gilbers, 
Gisalhart: Geisdhardt — Geißelhard 

— Gillert — Geliert. 
Gisilhar: Gieseler — Kieseler — 

Geiseler; Geisler — Geßler — 

Giehler — Giller. 
Gisalmar, Gilmar: Gümer — Killmer. 
Gisalolf: Geislauff — Gichloff. 



Einstämmige Kürzung Gisal-. 
Gisilo: Giesel — Kiesel — Kießel — 
Gissel — Geisel; Geiste — Geißel 

— Giel. Patr. A. Kieseling — 
Kießling. 

Gissel- s. Gisal. 

Glaser III. mhd. glaser — auch mit Umlaut 
(so im KB. noch im 17. Jh. öfters der 
„Gläser'', weibl. Gläserinne). 
FN. Glaser — Gläser. 
Mit dem n der schwachen Bildung „gleß- 
ner" (in einer hessischen ürk. von 1537 
Hoffm.). FN. Gläßner. 

Glttser, GläßDer s. Glaser. 
Glau- s. Glaw. 

GLAW I. got. glaggvuB, ahd. glau, Uaa 
„scharfsichtig , einsichtsvoll" . 
FN. Glauperaht: Glaubrecht; Glaubreth 

— Klauprecht — Glubrecht. Gen. 
Kluhertz. 

(Glauhart): Glatiert, 
(Glawold): Klauhold. 
Einstämmige Kürzung: Glaue — Klaue. 

G19ekner III. mhd. glockenaere. 

PN. Glöckner — Glockner. Auch GlöMer. 
Niederd. Klöckner. 

GIMe, Gloth s. Hlod (einst. K.). 

Glabreeht s. Glaw. 

Glath s. Hlod (einst. K.). 

GSb-, Gobb- 8. God (V., zwoist. K.). 

GSbbel s. God (zwoist. K.). 

Gobert s. God (V.). 

Goek-, G9ck- s. God (einst. K.). 

GOD I. got. guth, gud, ahd. got, kot, mhd. 
got „Gott". 
FN. Godebald: Goppelt — Koppold — 

Kobbelt — Kobelt. 
Godabert: Gottbrecht; Gotthrath — 

Gobbert — Gobert — Göppert. 
(Mafrid: Gottfried — Goffarth - 

Göpfert — Göbfardt - Göfert. 
Gotahard: Godehard — Groddard — 

Gotthardt; Gottert — Gödert — 

Göttert — zsgz. öoÄtt — G&rdt. 

Gen. Gödderz. 
Godehar: Goder — Gotter— Oöder. 
Godolef: Gottlieb (umgedeutet). Gen. 

(zsgz.) Jolfs. 
Godolec: GoUlack; GotÜick; OaiÜidi 

— GätÜich. 
Gotrat: Gorath. 



Öod- 



draf 



120 



Godoscalcus : Gottschxük; Gott- 

schalch (gj; Gottschall. 
Godedanc: Goddang, 
Godovald: Gottwald — Gotthold (so- 
weit aus Godold umgedeutet) — 
Godelt; Godet — Gödelt. 
Goduin: Gottwein - Gowin; Jörnen. 
Godulf : Kottlof — Kolloff. 
Mit Erweiterung dui-ch 1: 

Godalhard: Gollhardt; Gollert. 
Godelmar: Gollmer — Kollmer. 
Sämtliche Sproßformen s. Anhang 1. 
God-, GM- s. God (V., einst. K.). 
G^ddertz s. God (V.). 
Gflens s. God (einst. E.). 
Goffarth s. God (V.). 
G9grg- 8. God (einst. K.). 
Gogrewe III. „Gaugraf" s. Graf. 
Gohl-, G9hl- s. God (einst. E.). 
GShmann s. Gaw. 
Gohrt s. God (V.). 
Göhmng s. Gar (einst. E.). 
Gök- s. God (einst. E.). 
Goldammer III. auch Goltdammer zu den 

Vogel -N. (emberiza citrinella). 
Goldfinger lU. der vierte Finger der Hand, 

an welchem der Goldring getragen wird. 
Goldsticker 111. einer der „mit Gold stickt". 

Verderbt: Goldstücker, 
Goll- s. God (ernst. E., Erweit. V.). 
G»ll 8. God (einst. E.). 
Gom- 8. Gund (V.). 
Gon-, Gön- s. Gund (V.). 
Gtfpel 8. God (zweist. E.). 
Göpfert s. God (V.). 
G»pp-, Goppelt s. God (V.). 
Gör- 8. Gar (V., einst. E.). 
Gorath, Gördt s. God (V.). 
Görg- 8. Georgius. 
Görres, Gorrissen s. Gregorius. 
Oos-, Gös- 8. Goz. 

Gos III. niederd. „Gans", in Zus. wie Gose- 
bruch (halbverhochdeutscht) st. Gänsebruch, 
Gosemeyer u. a. 
Goseh-, Gaschke s. God (einst. E.). 
Goss-, Gössel s. God (einst. E.). 
Gossenbrod III. „warmes Brod mit Fett be- 
gossen", eine lieblingsspeise alter Zeit (S. 47). 
Marquard Bego^;;enbrot 1321. 
GVsser, Gossert s. Goz. 
Göstrich s. Gast. 
Goth-, Göt- 8. God (einst. E.). 
Heintze, Deutsche Familien - Namen. 



Gotsch, Götsch- s. God (einst. E.). 
Gott-, Gott- s. God (V., einst E.). 
Gottbehttt III. Satz-N.: „Gott behüte!". 
Gottgetreu III. deuthche adjectivische Zus. 

(S. 48). 
Götz-, Götz- 8. 1) God (ernst. E.) 2) Goz. 
Gowin 8. God (V.). 
Goymaiin s. Gaw. 

GOZ I. mit Gaud zusammengehörig und auf 
den Volksnamen der Goten zu beziehen. 
FN. Gaosbod: Goshoth — Kosbothe. 
Gauzfrid: Götzfi'ied. 

Gozger: Götzger. % 

Gozhart: Gossert. 

Gozheri : Kotzer ■— Kosser — Gösser. 
Caozhram: Gaasrapp. 
Gozleib: Kutzleb. 
Gozleih: Goslich. 
Cosmar: Cosniar — Götzmer. 
Eozolt: Kotzolt. 
Gozwin: Goß wein — Göswein. 
Gozolf : Gotzlof — Götzlof. 

Die Sproßformen fallen mit denen 
von God (durch z verkleinert) zu- 
sammen. 
Graalfs s. Gar (V.). 
-grübe s. Graf. 

Gräber III. ein „Grabender", als FN. emfach 
und in Zus.: Biengräber. Borngräber — 
Brunngräber. Diekgräber. 
Graf III. ahd. grävo, mhd. grävo, zweifel- 
hafter Abstammung, „höherer weltlicher 
Richter, Vorsteher". 

FN. Gräfe (Job. Grave 1516. Eöhi. Univ. 
Matiikel) ; Graf; Graff — auch mit Art. 
de Graaff. 

Niederd. (in Nordwest -D. . weit ver- 
breitet) Grewe — Greve, Gräfe; Graf 
(Gräff, Greff); mit Art. Degreff — 
Grebe; Greb — auch Vorsteher länd- 
licher Gemeinden, z.B. in Hannover (in 
der Gegend von Münden, Pauli II, S. 27). 
Mit dem leidigen franz. Accent : Greve. 
Gen. Graven — Grefen^ Greven — 
Grewen. 

Zus. Burggraf, niederd. Borggreve. 
Diekgrebe; Dickgräwe. Gogrewe (Gau- 
graf). Hochgrefe — Hogrefe; Hogrebe. 
Holzgrebe; Holzgi'ewe. Kleegraf. Land- 
grabe. Pfalzgraff. Steingräbe. Voll- 
graff; Vollgrebe — auch Fullgraf — 
Füllgraf — Fielgraf Woldgrebe. 

9 



132 



Haberecht 



Hagan 



Habereeht III. Satz-N. „habe Kecht"^, ein 
rechthaberischer Mensch (doch s. auch Hath). 

Hftberlein s. Hath (Y). 

Habicht III. der bekannte Eaubvogel, mhd. 
habich (könnte aber als FN. aus ad. Habicho 
entstanden sein, s. Hath z weist. K.). 

Habltttzel m. Satz-N. „habe wenig" vgl 
Habenicht. 

Uach- s. Hag (V., einst. K.). 

Haehmeister IH. nach Viim. aus „Habicht- 
meister" d. i. Abrichter der Stoßvögel zur 
Jagd. (Ahd. hapuh, mhd. habech zsgz. in 
Hach s. Bück, Flurnamen S. 69). 

Hack-, HÄck- s. Hag (V., einst. K.). 

Had-, Hftd- s. Hath (V., einst. K.). 

Hadank s. Habedank. 

Hadd- s. Hath (einst. K.). 

Hadrianas II. lat. „einer aus der italienischen 

Stadt Hadria", N. eines römischen Kaisers, 

dessen Vorfahren daher stammten, und 

mehrerer Päpste. 

FN. Adrian — Aderjdhn. Gen. Adrians. 

Hafemann nicht mit Pott zu Hafen, sondern 
niederd. „Hofmann", vgl. Klempin, Diplom. 
Beitr. S. 623: Hauolude (Hofgesinde), Haue- 
marschalk (spr. Have-), Hauemeisterinne. 

Hafner III. ahd. hafanäri, mhd. havenacrc 
„Töpfer" — die süddeutsche Bezeichnung, 
wie z. B. in München die Innung der „Haf- 
ner", auch ein „Hofhafnormeister", in Augs- 
burg ein „Hafnerberg", während Töpfer 
mitteldeutsch ist. 
FN. Hafner, Haffner — Hafner. 

Haff. s. Hath (V.). 

HAG I. ahd. hag, hac, mhd. hac „Einhegung, 
Hag". 

FN. Hagabald: Heckehold — Heyhold — 
zsgz. Heipt 
Hagibert: Hcuikebracht ; Hackbarth 

— Hegebart — Heibert; Heiber. 
Gen. Heypertz. 

Hahkis: Haigts, Heigis. 

Hechard: Hagart — Hackert — 

Haackert — Hegert — Heckert. 

Gen. Heiartz, 
Hagihar : Hager — Hacker — Hacker 

— Haker — Hecker (Häckermann) 

— Hager fHägermanv) — Heyer 
(HeiermannJ. 

(Hagiman): Hagemawn — Hegmann 

— Heimann, Gen. Heinumns, 



(Hagimar) : Hagemer — Hechemer — 

Hegemer — Heymer. 
Hachirat: Hackraih — Heckrath. 
Hecgirih: Hährich — Heyricf^, 
Hagoald: Hegewald, 
Einstämmige Kürzung Hag-. 

Hago, Hako, Heio: Hage; Haag — 
Hake; Haack — Hege — Heye; 
Hay. Gan, Hayen. Va,tr,A. Hecking. 
Gen. Hayungs (jeverl.). 

Vklf. (1): Hagd — Hadiel - 
Hakl — zsgz. Hahl — Hegel — 
Häckel — Hechele; Hechel. Patr. 
A. Hegeling, (1 -f- n): Hägelin; 
Hegelein, (k) : Hageck — Hayeck ; 
Heicke, (k -f- 1): Heyckel, 
Hag-, Hag- s. Hag I. (V., einst. K.). 
Hag III. ahd. hag, hac, mhd. hac, dessen 
älteste Bed. nach Förstemann (ON. S. 57) 
Wald oder Bosch; aus dieser entwickelte 
sich die eines schützenden Busches, einer 
Einhegung und dann erst die eines einge- 
hegten Baumes selbst: „Gehego, Wohnort". 
In ON. -hag^ -haag; -heeg, 
FN. 1) 'hage (bes. in Westf. — elUp- 
tischer Dativ?): Grünhage. Hei- 
sterhage. Hohage. Kreuzhage. 
Niehage (Neu-). Osthage. Over- 
hage. Behage. Sandhage. Schnee- 
hage. Voshage (Fuchs-). 
2) 'hege: Domhege. Hundehege. 
Osthege, 
HAGAN I. Erweiterung von Hag I. 

FN. Haginbert: Hambrecht — Heim- 

hrecht; Heimbert; Heimbrodt — 

Hemper. Patr. A. Hemtnerding. 

Vklf. (1): Hemberle. 

Heinhard: Hanhardt — Heinhardt; 

Haynard; Heinert — Hennert. 
Haginher: Hagner — Hanner — 
Hahner — Hähner — Hayner, 
Heiner — Henner mit den Zus. 
Hofhenner. Schmitthemier, 
Hainarad: Hanrath — Hahnrath. 
Haganrih: Handrick — Heinrich; 
Heinreich — Henrich; Hendrieh; 
Hentrich — Hinrich; Hinnerk. 

Zus. Langheinrich, Tiekenhein- 
rich, Westheinrich. Großhenru^. 
Möhlhenrich (Mühlheinrich). Gen. 
Heinrichs; Heinderichs — Hen- 
drichs; Hendrix (Kempen) - Hin- 



-hage 



Hagen 



133 



richs; HinderJc8(oBifnQB.). (Latinis. 

Hemrici — Henrici). Patr. Zus. 

Heinrichsen — Hiwrichaen; Hin- 

drichsohn; Hinderksen. 
(Haginachar) : Hanewacker — Hann- 

wacker — Heinacker. 
Haginold: Hannewald — Hanewald; 

Hanold; Hanelt — Hänelt; Hänei 

— Haynald; Heinold; Heinhold; 
Heinelt; Heinleth. 

Einstämmige Kürzung Hagen-. 
Hagano, Hanno, Heino: Hagen; Hagn 

— Hanno; Hanne — Hahne; 
Hahn — Heino; Haine, Heyne; 
Hayn (Heinemann; Heinevette^') 

— Henne; Henn — Hehn, Gen. 
Hagens; Hagena (ostfries.) — Hei- 
nen; Heins. Patr. A. Hanning — 
Heining — Henning (noch im 17. Jh. 
Vorname, z. B. Henning Woyke, 1681 
Bürgermeister zu Neustettin). Patr. 
Zus. Heinsohn. 

Vklf. G): Heinel; Heindl - 
Henle. (1 + n): Hainlin — Hän- 
lein; Hänlen. (k): Hanke — Hei- 
nicke (Marheineke) ; Heinke; Haink 

— Hennickej Hennig (doch auch 
gekürzt aus Henning) — Henke 
(Bierhenke; Grotehenke ;'*Marhenke 
Schäferhenke; Strothenke) — Hink 
(Stark S. 71). Gen. Hainken (ost- 
fries.) ; Heinks — Hennickens ; Hen- 
niges; Hennigs; Hewnies — Hin- 
ken; Hinkens, Patr. A. Henking. 
Patr. Zus. Hinksen, (k -}- 1): Han- 
kel — Heinkel — Henckel — 
Hinkel (Hinkelmann), (k + n): 
Hänichen — Heineken (Langhei- 
necken) ; Heinichen, (z) : Hämo — 
Heintze; Heinz , Hainz (bair.) 
(Heinzmann — Emmelheinz; Hoff- 
heinz; Kleinheintz; Schönheim) — 
Heinitz — Heinse (latinis. Hein- 
sius; auch der Dichter Wilh. Heinse 
hieß eigentlich Heintze, s. Lessing 
Wieland Heinse von H. Pröhle S. 129) 

— Henze; Hense (Stark S. 76) — 
Hinze — Hientzsch — Hinse; 
Hinsehe. Gen. Heimen — Hinzen. 
Patr. A. Henzing ; Hensing. (z -J- 1) : 
Heinzel (Heinzelmann) — Henzel; 
Hensel; Henschel — Hintzd; 



Hinseimann, (z + k) : Heinzke — 
Hinzke. 
Bern. Mehrere Formen, namentlich die 
mit Han-, Hen- beginnenden, treffen 
mit entsprechenden von Johannes zu- 
sammen. 
-hagre s. Hag 111. 
Hagedorn III. mhd. hagendom, hagdom. 

FN. Hagedorn — Heidorn. 
Hagen- s. Hagan (einst. E.). 
Hagen 111. ahd. hagan , mhd. hagen der „zum 
Einhegen bes. passende Domstrauch", aber 
ursprünglicher das Buschwerk überhaupt. In 
ON. seit dem 9. Jh. nachweislich. Jetzt 
tausende von Ortem auf -hagen (so an der 
meklenburgischen und pommerschen Küste 
in langer Folge von Meklenburg Ms zur 
Kassubei) ; doch läßt sich kaum nachweisen, 
welche davon hierher und welche als Dativ 
Plur. zu Hag zu setzen sind (der Umstand, 
daß die bezeichneten meklenburgischen und 
ponunerschen Ö. meist langgestreckte Dörfer — 
bis zur Länge einer halben Meile — sind, 
dürfte wenigstens bei diesen für den Plural 
sprechen =« „zu den Gehegen"). Hagen 
findet sich auch als Straßen bezeichnung, 
z. B. in Stralsund: Flachshagen, Eeper- 
hagen, Zipollenhagen u. a. 
FN. vom Hagen; von Hagen. Eschen^ 
hagen. Hwndeshagen. Stavenhagen. 
Ableitung auf -er: 
-hager: Gerhager. Hinterhager (0. 

-hagen, oder auch zu -hag?). 
-hager: Poppenhäger (0. -hagen). 
Aus -hagen wird durch Zusammenziehung 
-hain (wie auch das Appellativ „Hain" 
daraus entstanden ist), woneben noch eine 
F. auf -hahn herläuft. Den FF. -Übergang 
zeigt ein hessischer Ort, der 1264 Glimen- 
hagen, 1297 Glimenhahn, im 15. Jh. Glimen- 
hain, jetzt Gleimenhain heißt. 

1) -hain: Espenhain, von Fcdckenhain. 
Mückenhain. Frohsthain. Bosenheyn 
(0. Bosenhain). 

2) -hahn: Dammhcihn (0. nur Danmi- 
hagen Bitt.). Espenhahn (s. oben Espen- 
hain). Fcdkenhahn (0. -hagen und 
-hain). Gräfenhan (0. -hain). Krä- 
?Mhn neben KreJiain (vgl. 0. Kreyen- 
hagen). Langenhahn, Langenhan 
(0. Langenhahn neb. -hagen u. -hain). 
Lindenhahn (0. -hain B.). Neühahn, 



134 



Hägenbarth 



Haleff 



Neuerüiahn (0. -hagen, -hain). Bo- 
senÄaÄn (0. -Lagen, -bain). Wilden- 
ÄaÄw (0. -hagen, -hain). Ziegenhahn 
(0. -hagen, -hain). 

Hilgrenbarth zu Hagen (Y.). 

-hagrer, -hager s. Hagen HI. 

Hagn 8. Hagan (einst. E.). 

Hagner 8. Hagan (V.). 

Hahl s. Hag I. (einst. E.). 

Hahn a) I. s. Hagan (einst. E.) b) III. 

1) ON. (fünfmal Kitt.) — s. Hagen lU. 

2) Thier-N.: de Haan (Düren); auch in 
einigen Zus. meist zweifelhafter Art: Berk- 
han. Kaphahn (Eapaun). Urhahn (Auer- 
hahn, welches mehrfach N. von Forsthäusem). 

-hahn s. a) Hagen III. b) Hahn. 
Hahn-, HKhn- s. Hagan (V., ernst. E.). 
Hährieh s. Hag (V). 

HAID I. got. haidus, ahd. mhd. heit „Art, 
Wesen" (auch Eang und Stand). 
FN. (Heidbreht): Heidebrecht. 
Heitkär: Heitger, 
Heidher: Heider — Heiter. 
Haidrich: Heidrich; Heidreich — 

Heitrich. 
Haidulf : Heydwölff— Heidolf; Heide- 
loff; Heiddauf. 
Einstämmige Eürzung Heit-. 
Haido: Heyde (Heydemann); Haid, 
Heyd (doch s. auch Heide HI). Gen. 
Heyden — Heits. 

VWf. (1): Heydel. Patr. A. Heit- 
ling. (1 + n) : Haidien, (l + k) : 
Heiddk. (k): HeideJce. (k + n): 
Heitchen. (z): Heitz — Heise 
(urkundlich = Heidenreich); Heis. 
Patr. A. Heismg. 
Halde III. got. haithi, ahd. heida, mhd. beide 
ein mit Strauchwerk und Domen bewachse- 
nes „unbebautes Feld". In ON. Haid^ 
-haid; Heide, -heide. 
FN. Vonderheydt, auch getrennt von der 
Heidt; von der Heyden. Holzheide. 
Kirchheide, Knappheide. Krähenheide. 
Ollheide. Ordelheyde. Schlingheide 
(sämtlich in Westfalen, wohl mehr appel- 
lativ zu fassen: Personen, die auf der 
betr. Haide wohnten). Kleinheidt. 
Ableitung auf -er: Stemheider (0. Stein- 
hoide, auch -heid genannt, in Sachsen- 
Meiningen). 
Haigis s. Hag I. (V.). 



HAIL I. got. haiis, ahd. mhd. heil „gesund, 
unverletzt"; Hauptw. ahd. heil. 
FN. Heilker: Gen. Heilgers. 

(Heilher): Heyler (Heüermann). 
Heilman: Heilmann. 
Einstänmiige Eürzung Heil-. 

Hello: Heüe; Heyl. Patr. A. Heüing. 
Participiale Bildung Hailant 8.: Heiland. 

HAILAG I. ahd. heilag, mhd. heilic, altsächs. 
helag, hälag „heilig" (von „Heü"). 
FN. Halegdag: Heiligtag. 
Einstämmige Eürzung Heilig-. 
Halicho: Heilig — Hallich; Halke. 

HAIM I. got. haims Dorf, ahd. mhd. heim 
„Haus, Heim". 

FN. Haimperht: Heimbrecht. 
Heimard: Heimert; Heimer, 
Haimrich: Heimrich; Heimreich — 
Himmrich — auch durch Ab- 
schwächung des m: Heinrich, wo 
dann die FF. mit Hagen- in ein- 
ander fließen. 
Heimoald: Heimhold. 
Einstämmige Eürzung Heim-. 
Haimo: Heime; Heym. 

Vklf. (1): Heimle, (k): Heimke 
— Hiemke. 
Bem. Mischt sich mit Hagen (Hein), 
bes. in den Vollnamen, deren zweiter 
Theil mit b anlautet. 

Hain s. Hagan (einst. E.). 

-hain s. Hagen III. 

Hak- s. Hag I. (V., einst. E.). 

Hake III. in den Zus. Fetthake. Femrhdke. 

Halbrehder HI. doch wohl ^= Halbritter, vgl. 
Halbritter 14. Jh., Halfndder proconsol in 
Grifenbergh (Ealendarium des Earteuser- 
Elosters Marienkron bei Bügenwalde — seit 
1430 zu nekrologischen Aufzeichnungen be- 
nutzt). 

Halhuer s. Hallbauer. 

Halhwachs III. „halberwachsen. Schon 1388 
Cunrad Halbwahs. Auch HaMwa^ihs. 

Halde III. ahd. halda, mhd. halde „Abhang 
eines Berges" (bes. im südwestL Deutsch* 
land). 
FN. auf -er (oberd.): Winterhätter ^ auch 
WiMerhalder (von der „Winterhalde" = 
Nordhalde, z. B. bei Stuttgart Bacm.). 
Spiegelhalter. 
Haleff s. Hath (V.). 



HaUd 



Hard 



135 



HALID I. ahd. lielid der „Held". Halidrich, 
Halidulf u. a. 

PN. Hdido: Held u. s. w. — mit Hild 
zosammengeflosseD , so daß eine sichere 
Scheidung nicht durchzuführen ist. 
Hallbaaer III. „Halbbauer", der nur einen 
halben Hof besitzt, im Gegensatze zum Voll- 
bauer. Niederd. Ualbtier. 
Hallieh, Halke s. Hailag. 
Hallwaehs s. Halbwachs. 
Hals III. als Eörpertheil in den Zus. 

FN. Kwrzhals, niederd. KorthcUs. Langhals 
Schönhals (-hals öfters auch in ON.). 
Haltaufderheide III. Satz-N., ein Eeisiger? 
der auf der Haide hält (doch wohl, um 
Vorüberziehende anzugreifen). 
-halter s. Halde. 

KAM AB I. ahd. hamar, mhd. hamer „Ham 
mer" — wohl mit Bezug auf den m3rtlii- 
schen Hanuner des Donar, den Miölnir, mit 
welchem dieser (jott die Kiesen zerschmet- 
tert (Blitzstrahl). Hamarard, Hamarolf. 
FN. Hamar 8. : Hammer, Vklf. (l) ; Häm- 
merle, 
Hambreeht s. Hagan (V.). 
Hammer s. 1) Hath (V.) 2) Hamar. 
Hammer HI. a) als Werkzeug b) in ON., 
ein Hammerwerk bezeichnend, hat auch 
vielen 0. den Namen gegeben, wo längst 
kein solches Werk mehr besteht, z. B. Silber- 
hammer bei Danzig. 

FN. Hammer. Boßhammer, Pochhammer. 
Schellhammer, Streithammer u. a., doch 
meist zweifelhaft, da hier die Ableitungen 
von ON. auf -heim, oberbair. -Äam her- 
einspielen (s. Heim lU). 
-hammer s. 1) Hammer III., bes. Werkzeug 

2) Heim III. 
Hau-, Hän- s. Hagan (V., einst. E.). 
Haubat III. die „Hagebutte" oder Hainbutte 

(wilde Böse und deren Frucht). 
HAND I. got. handus, ahd. mhd. haut „Hand". 
Handwin, Handolf. 
FN. Hanto : Handt (Handtmarm) — Hente. 
Gen. Handten, 

Vklf. a) : Hantd — Händel, (k) : 
Handtke, 
Hand III. der Körpertheü (s. das Vorher- 
gehende), liebhard mit der Hand 1383. 
FN. Hand, — Geradehand, Luchterhcmd. 
Weichhand, Wolfhand. 
Handrick s. Hagan (V.). 



Handschuh 111. zu den Kleidungsstücken (S. 45). 
Hane- s. Hagan (V.). 
Hiin- s. Hagan (einst. E.). 
Hanffstengel III. zu den Pflanzen -N. 
Hanke s. a) I. Hagan (einst. E.) b) II. Jo- 
hannes 5. 
Hann- s. a) I. Hagan (V., einst. K.) b) II. 

Johannes 4. 
Hannes, Hans s. Johannes 5. 
Hantel s. Hand I. 
Hanzo s. Hagan (einst. E.). 
Hap-, Happ- s. Hath (V., zweist. E.). 
Här- s. Hari (einst. E.). 
Harb- s. Hari (V.). 

HABB I. got. hardus, ahd. mhd. hart „hart, 
fest, stark" (vgl. das urverwandte griech. 
xQarvg und das von dem Deutschen abge- 
leitete franz. hardi). Schon seit dem 3. Jh. 
in EN. nachweisbar. 

FN. Hardher: Härder — Herder — Herter, 
Gen. Härders. 
Hartleip: Hartleib; Hartleb. 
Hartman (Ardeman): Hartman/n — 
Hertmann — Artmawn — Erdmann 
(auch als VN.: E. Laabs EB. 1845). 
Gen. Hartmanns, 
Hartmar: Ertmer. 
Hardmod: Hartmuth, 
Hartomund: Hartmond, 
Hartnagal: Härtnagel. 
Hardarat: Hartrath; Hartert. 
Harderich: Hartrig — Herterich; 

Härttrich. 
Harduwich: Hartwig; Hartweg — 
Hertwig; HertwecJt — Erdwig. 
Patr. Zus. Hartwichsen, 
Artald: Hartelt — Hertelt — Ardelt 

— Erdelt, 
Hardulf: Hertwolf, 
Einstämmige Eürzung Hart-. 
(Harte), Ardo: Harte; Hart — Hertlhe. 
Gen. Harden — Harten. Patr. A. 
Hardung — Harting; Härtung — 
Herding. 

Vklf. (1): Hardell — Herdel - 

H&rtell — Artel — Erdel — EHU. 

Patr. A. Hertling. (k): Hartig; 

Hartke; Hart je (ostfries.) — Hertig, 

(z): Hartz. 

Auslautend (überaus häufig, 250 mal 

Forst., wodurch der Übergang in eine 

bedeutungslose Endung vorbereitet wird) • 



136 



Haren 



Hase 



'havd: Eberhard. Einhardt. Gen -harz: 

Reinliarz. Burghartz. 
-ard: Eckard. Gen. -or^s, -ar-?: Blan- 

karts. Eeinartz. 
-at: Morat, -aht. 
-ert: Eilert. Gen. -erz: Reicherz — 

daraus durch Umdeutung -herz: lieb- 

herz, Lebherz neben lieberz. 

Haren s. Hari (einst. E.). 

Hareng III. französ. Familie aus der Bre- 
tagne, nannte sich in Deutschland Häring 
(so in Soldin) — daher der Bomandichter 
Wilhelm H. (WiUibald Alexis). 

Hargens s. Hari (einst. K.). 

HABI I. got. harjis, ahd. hari, heri, mhd. 
her „Heer". Seit dem 1. Jh. in EN. nach- 
weisbar (Cariovalda Bataverfürst). 

FN. Haribald : Herbold. 

Hariberaht : Harprecht ; Harhert ; Har- 
hart — Herhrecht; Herbert; Her- 
hart ; Herborth ; Herber. Gen. Heri- 
bertz — Herberz — Harbers — Her- 
pers. Patr. A. Harberding. 

Hariobaudes: Harboth — Herbothe; 
Herboth. 

Haribrand : Haarbrandt — Herbrand. 
Harifrid: Herfart, Herrfahrdt. 
Herigaud: Herrguth; Herget; Herkt. 
Harigaoz: Herrgoß. 
Hariger: Herger; Hercher; Herker. 
Hariard: Hei'hard. Gen. Heerhartz. 
Harilaip: Harlepp; Harlieb — Her- 
lepp; Herlieb. 

Charilaigus: Herlach; Herrlich. 
Hariman 7.: Härmen — Haarmann 
Hermann , Herrman — Heermann 

— Hörmann. Gren. Harmans — 
Harms; Harrems (ostfries.). Her- 
manns (lat. Hermanni); Her mens; 
Henns, Patr. A. Harmening. Patr. 
Zus. Harmanssen — Hermanssen. 

Harimot: Harmwth — Herrmuth. 
Haririh: Harrich — Herrig. 
Heridegan: Herdegen; Heerdegen. 
Cariovalda 1. : Herwalt; Herrwald — 
Herold; Herholdt; Herlet; Herlt 

— Hörold. Gen. Herholz — Hör- 
holz. 

Hariward: Harward — Herwarth; 
Herwath — Heerwarth. 



Hariwich: Harwig — Herwig; Her- 
big; Herwegh. 

Hariulf : Harloff - Herloff; Herleff. 
Einstämmige Kürzung Her-. 

Haro, Hero: Haar — Herr; Her — 
Heere; Heer. Gen. Hars; Haren 
— Heers; Heeren. Patr. A. Herinc: 
Haring; Harri/ng — Häring, 
Hering — Herring. — üen. Har- 
ringa — Heringa (beide ostfries.). 
Vklf. a) Herilo: Herel — HärU. 
Patr. A. Harling — Herrling. 
(k) Haricho: Harke — Harig — 
Häricke — Herke. Gen. Harken; 
Harrjes; Hargens — Heerkes- 
Patr. A. Herhing. (z) Harizo: 
Hareis. 
Auslautend (276 mal Forst.). 

-her (doch h nicht mehr lautbar): 
Muther. Eother. 

-er: Deuter. Gen. -ers: Deiters. 

-herr: Dietherr. 

Harig, Haring, Hark- s. Hari (einst. K.). 

Hari- s. Hari (V., einst. K.). 

Harm- s. Hari (V.). 

Harnisch UI. mhd. hamas, hamasch, har- 
nisch, aus dem keltischen haiamaez Eisen- 
geräthe — später eingeführtes Wort statt 
des deutschen brünne (s. Brun). Wemher 
dict. Hamasch 1362. 
FN. Harnasch; Harnisch. 

Harnisehfeger III. „der den Harnisch fegt" 
d.i. polirt, blank macht, reinigt; dann = 
Hamischmacher. 

FN. Harnisehfeger; auch Harnis feger (mit 
dem urspr. s, mhd. hamas). 

Harprecht s. Hari. 

Harr- s. Hari (V., einst. K.). 

Harras III. „Stallmeister'', zugleich Aufseher 

über Harnisch und Waffen (von haradum 

Stuterei). 
FN. Harras ; Harrasser. 

Hart- s. Hard (V., einst. K.). 
Hart- s. Hard (V.). 

Hartfaust III. Zus. mit Faust (geballte Hand), 
niederd. Hardevust Elemp. 

Hartog s. Herzog. 
Hartz s. Hard (einst. K.). 
Harw- s. Hari (V.). 

Hase a) I. zu verschiedenen Stämmen: Hath, 
Hass. b) III. das bekannte Thier (in der 



Hasenclever 



Hauenschild 



137 



Thierfabel: Lampe) vgl. franz. FN. Liepvre, 
Lelievre. 
FN. de Haas; Hase; Haas. Vklf. Häs- 
lein. Zus. Feldhase. Kohlhaas (Conrad 
dict. Kolhase 1317 — also nicht mit Pott 
= Eüllhase d. i. Kaninchen). Lauer- 
hase. Dag^en Kniehase, Lederhas, 
Leinhaas und einige andere zu Hose. 

Die Zusammensetzungen, in denen Hase 
den ersten Theil bildet, sind ziemlich 
zahlreich : 

Hasenbalg (conrad dict. Hasenbaig 
1291). Hasenbein (Cvnrad. dict. Hasen- 
bein 1279). Hasenfuß, Hasenfratz. 
Hasenohr; Hasenöhrl. Hasenschart. 
Hasenschlaf. Hasenzagel; Hasenzahl 
(Hasenschwanz) — Hasenclever. (Aber 
Hasenpoth ist ON., Stadt in Kurland). 
Haseneleyer III. niederd. „Hasenklee", ver- 
muthlich = Sauerklee, auch Hasenkohl ge- 
nannt (oxalis acetosella). 
Hasensehlaf UI. der einen „sehr leisen Schlaf' 
hat, ähnlich den Hasen, die, wie man sagt, 
mit offenen Augen schlafen. 
HASS I. zum Volksnamen der „Hessen". 
FN. (Hassomar): Hessemer. 
Einstämmige Kürzung Hass-. 

Hasso (noch Vorname) , Hesse: Hasse; 
Haß — Hesse. Gen. Hessen. Patr. 
A. Hessing. 

Vklf. (1): Hassel — Hessel. Gen. 
Hesseis. Patr. A. Heßling. (1 -f n): 
Heßlein, (k): Hessig. 
Haßdenpflug III. Satz-N. „hasse den Pflug" 
(ein Bauer , der des Pfluges überdrüssig ist). 
IFN.Haßdenpfltig; Hastenpflug — Hassen- 
pflug (entstellt: Hasenpflug). 
Haßdenteufel III. Satz-N. „hasse den Teu- 
fel" (s. Teufel). 
FN. Haßdenteufel — entstellt Hassen- 
teifel. 
Hassel- III. niederd. „Hasel" coiylus, in Zus. 
wie Hasselhrink, -hörst, -kamp, -meyer. 
Hassenkrng lU. Satz-N. „hasse den Krug", 

ein Wirtshausfeind. 
Hassenpflug s. Haßdenpflug. 
Hassenteifel s. Haßdenteufel. 
Hassenwein III. Satz-N. „hasse den Wein", 

ein Wassertrinker. 
Hassesang III. Satz-N. „hasse den Sang", 

ein Sangesfeind. 
Hastenpflug s. Haßdenpflug. 



Häterich s. Hath (V.). 
HATH I. (got. hathus) ahd. hadu „Krieg" — 
zugleich mit Beziehung auf den altnord. Gott 
Hödhr. 
FN. Hathubald: Hadeball -— Happold — 
Hobelt — Hebold. 
Hadaperht: Hahhert — Happe^'t — 
Haprecht — Hebert. Gen. Hab- 
berts. Patr. A. Haberding. Vklf. 
(1): Heberle; Häberlein. Patr. A. 
Heberling. 
Hadufrid: Haffert; Haffer. 
Hadaleih: Hadlich -r- Hedlich. 
Hadamar: Hattemer — Hammer. 
Hadarih : Hederich ; Hädrich — Het- 
terich. 
Hathuwic: Hattvoich — Hamg — 

Hedewig; Hedwig — Hettwig. 
Hathovulf: Haleff - Hedloff. 
Einstämmige Kürzung Hath-. 
Hatte, Hetto: Had — Hatt — Hedde 
(Hettema ostfries.j. Gen. Hadden; 
Hatts. Patr. A. Hatti/nga (ostfnes.) 
— Heddenga (ostfiies.). 

Vklf. (1): Hedel (k): Hattig; 
Hatje (fries.) — Hädicke — Hettig. 
Gen. Hettgen. (z) : Hatz — Hetz — 
Hetsch. (z -[- l) : Hatzel. — ünorg. 
Hatzold. 
Zweistämmige Kürzung Hadb-. 
Happo, Habo, Heppo: Happe — 
Haabe — Heppe. Gen. Habben — 
Haabes. G. Plur. Habena (ostfries.). 
Patr. A. Habbinga (ostfries.). 

Vklf. (1) : Happel - Habel — Heb- 
bel — Hebel, (k) : Hapke — Hebich. 
Halje s. Hath (einst. K.). 
Hatt- s. Hath (V., einst. K.). 
Hatz- s. Hath (einst. K.). 
Haub- s. Hug (V., zweist. K.). 
Haube III. zu den Kleidungsstücken (Waffen, 
vgl. Sturmhaube). 

FN. Haube. Vklf. Häublein. Zus. Becken- 
hube. 
Haubenschmidt III. Verfertiger von Sturm- 
hauben", vgl. Joh. faber galearum 1347. 
Hauber IH. „Verfertiger von Sturmhauben". 

Auch Heuber. 
Hauenhut III. Satz-N. „hau (in) den Hut" 

8. das Folg. 
Hauenschild III. Satz-N. „haue den Schild", 
Bezeichnung eines tapfem Kriegers. 



138 



Hauer 



Haus 



FN. Hauenschild; Hatmschüd — J7au- 
schild. Auch wolil Hauff schüd ,' woiin 
dann das ursprüngliche w (ahd. altsächs. 
hauwan) noch erhalten wäre. 

Haaer, Haaert s. Hug (Y.). 

-haaer III. der etwas „haut^ (niederhaut, zu- 
haut, verfertigt), in einer Menge Zus., die 
sich meist von selbst erklären. 

FN. Baumhauer, Beinhauer, Brethauer 
Danhauer, Eichenhauer. Eisenhauer 
Felgenhauer. Fleischhauer. Holzhauer 
Lattenhauer. Moldenhauer ; Molden 
hawer. Pfettenhauer. Scheidhau^i 
(Scheit-). Schiffhauer. Schüdhau^er 
Schlothauer — ScTüotz-. Schopenhauer 
Sporrihauer. Staudenhauer. Stuben- 
hauer. Steinhauer, Teigenhauer. Vaß- 
hauer. Waldhauer. 

Mit Umlaut -heuer: Bardenheuer. 
Bomheuer (Baomhauer). Holzheuer, 
Krummheuer, Scharfheuer, Stein- 
heuer. Vatheuer. Waldheuer, 

Hauffe 8. Hug (zweist. E.). 
Hauffsehild s. Hauonschild. 
Hang, Hanhardt s. Hug. 
Hank- s. Hug (einst. E.). 
Haumersen s. Hug (V.). 
Haan- s. Hun (V., einst. E.). 
Haupers s. Hug (V.). 

Haapt a) I. s. Hug (Hugibald, -bodo) b) III. 
got. haubith, ahd. haubit, mhd. houbet: 

1) als Eörpertheil, auch in mannigfachen 
Zus. — Piscator, qui vocatur Durrehou- 
bith 1256. Joh. Hoybit 1339. z. Th. 
durch Häuserzeichen vermittelt (S. 60j. 

FN. Breithaupt. Dünnhaupt. Gulden- 
haupt. Kraushaupt. BauchhoMpt. 
Bothhaupt. Schönhaupt. Weißhaupt. 
Wollenhaupt, 

2) in Bergnamen und für Quelle (z. B. 
Brunhoibet 13. Jh.), ON. bildend auf 
'Tiaupt, -haupten. 

FN. Weidenhaupt, MOhlhaupt. 

Niederd. -höft (mit langem ö), in 
mancherlei Zus. , die wohl meist Orts- 
bezeichnungen sind. 

ITN. Höft, — Bernhöfl (vgl. Conrad. 
Berenhoufed 1278 — wohl ein ON., 
vgl. z. B. Bemhaupten in Baiem). 
Bornhöfft (0. Bomhöved). Bredehöft. 
Düsterhöft. Dü/oelshöft (vgl. hochd. 



FN. TeufelsTcopf). Lamshöfl. Sdiön- 
höß, Wiedenhöft. Wüthaft. 
Haurand III. Satz-N. „zeiiiaae den Band" 
d. i. den Schüd (mhd. rant), älterer Aus- 
druck als Hauschild. 
Haus III. ahd. mhd. altsächs. hüs. Scboo 
bis zum J. 1100 sind nicht viel weniger als 
tausend ON., die dies Wort enthalten, über- 
liefert. Neuhochd. -Tmus — niedord. -äiw, 
in anderer Schreibung -huuSf -hues. 
FN. Neuhaus — Neuenhaus (eUiptische 
Dativform) ; halbhochd. Niehaus — Nienr 
haus. Steinhaus. Niederd. Brockhus — 
Brockenhuus. Düsterhues. Grotkuet, 
Heidhutcs; Heithus. Lieckhues. Olde- 
hus. Osthues. Westhues. 

An der hollandischen Grenze (von 
Anrieh bis Bees) findet sich die F. -huit. 
Joh. Steenhuys 1488. Köln. Univ.-Matr. 
Beckhuis. Groothuis. Nyhms — N^fen- 
huis. Veenhuis. 

Häufig tritt Haus im elliptischen Dati? 
Flur, auf: (diu stat) ze den nordhusen „(die 
Stadt) zu den Nordhäusem*', daraus gekürzt: 
Nordhusen. Daher nhd. die ON. auf - husen, 
-hausen (die auf -hus, -husen endigenden 
sind in der Schriftsprache jetzt sehr be- 
schränkt, wohl eigentiich nur noch niederd.). 
FN. 1) CamphoMsen. von Ernsthausen, 
Holzhausen neben HolÜwusen und 
Holthusen (alle drei FF. aocb als 
ON. : Holzhausen 47 mal in den 
verschiedensten Gegenden Deutsch- 
lands, Holthansen 17 mal aof nie- 
derdeutschem Grebiet, Holthnaen 
dagegen nur 2 mal Bitt.). Schaff- 
hausen. Seehausen. Steinhausen. 
Westerhausen. — v. Gülhaußen. 

2) V. Brockhusen (v^ hochd. Bruch- 
hausen). Niehusen. Biepenhusen. 
Wachenhusen (0. -haoaen). 

3) An der hoUänd. Grenze -hiuysen 
(in vollständig holländ. SciirnbaDg 
-huyzen) : Geesthuysen. Groel- 
huysen, NienJiwysen, Wardhuisen. 

Merkwürdig sind die Abkürzoiigen, die 
bei der Länge dieser Bildungen auf -haosen 
(häufig fünfsilbig: Mengerin^uuuen, Eddig»- 
hausen) hier in besonderem MaBe Ilatz ge- 
griffen haben. Hunderte von N. zeigen jetzt 
nur noch ein -sen^ wie EyereBhnaen jetzt 
Eversen, Elidagshusen — Eldagsen, Otin- 



Hauschild 



Heim 



139 



husen — Ottensen , Ameloiigshasen — Ame- 
Innxen , während in andern Fällen beide For- 
men, die vollständige und die zusammenge- 
zogene, neben einander stehen : Holzen neben 
Holthausen (im Kreise Iserlohn). 
FN. V. Adelebsen, v. Anielnnxen, v, Ben- 
nigsen, Dangersen. Elligsen. Macken- 
sen. Mengersen (neben ON. Mengers- 
hausen). Bohrsen, — t?. Berlepsch (0. 
1442 noch: Berleibessen). 
Ableitung auf -er (oberd.): 

1) -Äawser: Neuhauaer, Botthauser 
(0. -haus und -hausen). Stein- 
hauser. 

2) '?Miiser (im südlichen Theil der 
Eheinprovinz, Nassau, Hessen, Thü- 
ringen, Schlesien) : Häuser; Häusser 
(0. Haus, Hauß mehrfach). Ernst- 
häuser, Frankenhäuser. Frosch- 
häuser. Kaltenhäuser. Nieder- 
häuser. Bothenhäuser (0. -haus 
und -hausen). Steinhäuser imd 
-häußer. Tannhäuser. Windhäuser 
— bisweilen in der Schreibung - heu- 
ser: Anheuser (0. Anhausen). 
Oppenheuser. 

3) niederd. -hüser (westfälisch, selten): 
Hüser. Berghüser. Niehüser. Bode- 
hüser. 

Hauschild s. Hauen schild. 

-hause s. Hose. 

- bansen s. Haus. 

Hauser s. Balthasar. 

-hanser, -hänser s. Haus. 

Hftnsler TU. im östlichen Mitteldeutschland 

1) ein Landmann, der ein eigenes Haus, 
aber wenig oder gar keinen Acker besitzt, 

2) ein Dörfler, der im fremden Hause zur 
Miete wohnt, Tagelöhner. 

Hausmann HI. mhd. hüsman 1) „Vorstand 
einer Haushaltung'', bes. einer ländlichen 
2) „Hausbewohner, Mietsmann" 3) „Wächter 
und Schließer eines Hauses", bes. Burgwart. 
Vgl. das mittelalt. lat. husimanni im 12. Jh. 
„zinspflichtige Hofleute". 
FN. Hausmann , Haußmann. Gen. Huis- 
mawns (ostfries.). 

-haußen s. Haus. 

Hanto III. niederd. Satz-N. „hau zu" — 
auch Hauita/u. 

Hautop s. Hotopp. 

Hantz s. Hug (einst. K.). 



Hawig s. Hath (V.). 

Hay- s. Hag (einst. K.). 

Hayn- s. Hagan (V., einst. 1^.). 

Haza V. Eadlicz 111. ein jetzt westpreußisches 
Geschlecht, urspr. Hase, aus Eadlitz bei 
Steinau stammend, änderte seinen Namen 
so in Polen um (Winckler, Nationalitäten 
Pommerellens S. 91). 

Heb- s. Hath (V., zweist. K.). 

Hebbel s. Hath (zweist. K.). 

Hebenkrieg III. Satz-N. „einer der den Krieg 
anhebt". 

Hebensehimpf III. Satz-N. „der den Scherz 
anhebt", Spaßmacher. 

Hebenstreit III. Satz-N. „der den Streit 
anhebt" (Michel Hebdenstreit 1591) — auch 
Hebestreit. 

Hebestein III. Satz-N. „der den Stein auf- 
hebt" (nach Vilmar ein uralter N., aus der 
Zeit, da noch mit Steinwürfen gekämpft 
wurde — aber die imperativischen Wort- 
bildungen sind verhältnismäßig spät, s. S. 50). 

Hebetanz III. Satz-N. „ein Vortänzer". 

Hech-, Heck- s. Hag (V., einst. K.). 

Hed- 8. Hath (V., einst. K.). 

Hedd- s. Hath (einst. E.). 

Heer- s. Hari (V., einst. K.). 

Heg- s. Hag (V., einst. K.). 

-hege s. Hag III. 

Hehn s. Hagan (einst. E.). 

Hehrlin s. Hari (einst. E.). 

Hei III. ahd. heio, mhd. heie der „Heger, 
Aufseher, Hüter". 

FN. Hey. Zus. Bruckhei; Bruggey. 
Fischhei. Grashei (Cunrad Grashay 
1318). Halmhei; Halmheu. Holzhei, 
Holtzhey — gew. jetzt Holzheu. Kerk- 
hei. öschey. Wieshei; Wiesheu. 

Heiartz, Heib- s. Hag (V). 

Heicke s. Hag (einst. E.). 

Heid- 8. Haid I. 

-beide, -heidt s. Haide III. 

Heidorn s. Hagedom. 

Heier, Heigis s. Hag (V.). 

Heil- s. Hail. 

Heim- s. 1) Hag (V.) 2) Haim I. 

-heim, -heimb s. Heim III. 

Heim III. got. haims Dorf, Flecken, ahd. 
mhd. heim „Haus, Heim" (altsächs. hem, 
angelsächs. häm, dah. engl. -ham). An 
ehrwürdigem Alter können sich die hiermit 
gebildeten ON. denen auf -bürg an die 



140 



Heimer 



Helm 



Seite stelleo : BovCaifiov 1. Jh., TevQioxttl/Liat 
2. Jh. Der sich schon in alter Zeit ent- 
wickelnden Formenfälle steht eine gleiche 
in den neueren ON. gegenüber. 

Die gewöhnliche, tausendfach wieder- 
kehrende Gestalt (in dem Elsaß und der 
Schweiz die einzige) ist -heim, demnächst 
ziemlich häufig -ham (bes. in Oberbaiem, 
in merkwürdiger Übereinstimmung mit den 
englischen ON. auf -ham, in der Art, daß 
ganz unbedeutende bairische Dörfer mit be- 
rühmten englischen 0. im Namen zusammen- 
fallen, wieDurham, Graham) — selten -hem. 
Mit Schwinden des anlautenden h: -am, 
-cw, 'im; 'Umj 'Om (nordwestdeutsch und 
flandrisch z. B. Dahlum, älter Dalehem). 
Zuletzt abgeschliffen in -en (Holzen aus 
Holzheim). 

Aus -heim (ham) mit vorausgehendem 
K-Laut (-incheim) entwickelt sich -kam 
(z. B. 2ieiskam in Bheinbaiem, 1109 Geizenc- 
keim), 

FN. 1) 'heim: v, Pappenheim, v, Veit- 
heim — zuweilen im Auslaut mit 
b : i\ Gilgenheimh. v, Qtiernheimb 
(0. Quemheim). Aronheim jüdi- 
scher Phantasie -N. 

2) 'hem: Berghem. v, Beughem, 

3) -ew: V. Medem (Gott. ÜB. 1390: 
Thylo V. Medeheym; derselbe 1394 
Thile V. Medehem, 1383 Tile v. Me- 
dem genannt). Aussem. Bachem. 
Hohem, Kochern (Kochem, eigentl. 
Kochheim a. d. Mosel). Liessem. 
Olzem (0. Olzheim). v. Einem 
(vgl. 0. Einen wiederholt). 

4) 'im: Arnim, v. Arnim (Amheim, 
- hem in den Niederlanden ; Arnim 
Dorf in der Altmark). 

5) - um : V, Ankum. Borsum. Beckum. 
V. Holtum. Schlickum (0. Schlie- 
kum). 

6) 'Cn: Meeden. 
Ableitung auf -er (oberd.): 

1) - heimer :Dahlheimer. Weinheimer, 

2) 'hawer, 'hammer (schon 1342 
Ulr. Heilhamer Augsb. == Heilhei- 
mer Bacm.): Berghammer (Berg- 
heim häufiger ON., auch in Baiem). 
Esterhammer (=* österheimer Steub 
S. 85). Forchhammer (0. Forch- 
heim) . Froschhammer ; Frohscham- 



mer, Grahammer, Grieshammer. 
Haushammer. Hu/ndhamer. Klug- 
hammer. Lindhammer ^ -hamer. 
Mooshamer (0. Moosham). Ober- 
hammer. Pertenhammer, Both- 
hammer. Schellhammer (= Scheich- 
heimer). Schönhammer, Thalham- 
mer (0. Thalheim 15 mal Ritt, 
Thalham in Österreich ob d. Ens). 
Weühammer, 

3) -amer, -ammer: Holzamer, Holz- 
ammer (0. Holzheim, Holzem). 
Eilgamer — Bigamer (0. Bügheim). 

'kamer, -kammer („ich Klaus 
Langenlohr den man nempt Glein- 
kamer^ — sonst auch Klinghamer, 
-haimer Augsb.) : Bergkammer. 
Volckamer, Vollkamer, 

' satner: Attensamer (Attensbei- 
mer). Beitsamer, Beizamer (Beiz- 
heimer). luffensamer (Tuffenshei- 
mer). Ulsamer (Ulzheimer). — 
Hexamer, 

4) 'Cmer: Bullemer (0. Bullenheim). 
Leidemer. Bügemer ; Bügmer. 
(S. über alle diese Bildungm aof 
-hamer u. s. w. Steub S. 148 f.). 

5) -ner: Hölzner, 

-heimer s. Heim III. 
Hein- s. Hagan (V., einst. K.). 
Heineyetter III. „Vetter Heinrich" v^ niederd. 
Jacobohm, Trinatante. 

Heipt s. Hag (V.). 

Heis- s. Haid. 

Heister III. junger Buchenstamm (davon franz. 

hetre), in Zus. wie Heisterkamp — Hester- 

meyer. 

Heit- s. Haid. 
Helb- s. Hild (zweist. K.). 
Helders s. Hüd (V.). 
Helf- s. 1) Hüd (V.) 2) Hüp. 
Hell- s. Hüd (V., einst. K.). 
Hellenbrecht, Hellm- s. Helm. 
HELM I. got. hüms, ahd. mhd. hehn der 
„Helm" (von helan „hehlen" d. i. bergen, 
schützen). 
FN. Helmbald: Helmbold, 

Helmperht: Helmbrecht — Hellen- 
brecht (zerdehnt, vgl. Hellebarte aus 
Helmbarte). 
Helmdag: Helmentag, 



Heiwert 



Hies- 



141 



Helmhart: Helmeri; Helmer. Gen. 

Hellmers. Patr. A. Heimerding. 
Hilmerad: Helmrath. 
Helmirich: Hellmrich; Hdmreich. 

Gen. Helmerichs. 
Helmold: Helmold; Heimet. Gen. 
HelmhoUz. 
Einstämmige Kürzung Helm-. 

(Helmo): Helm. Gen. Helms. Patr. 
A. Helming. 

Vklf. (1) : Heimle. Patr. A. Helm- 
ling. (k): Helmcke; Helmich. 
(k + n) : Helmchen. Gen. Helmgens. 
Auslautend (83 mal Forst.) -heim: Eeich- 
helm. 
Heiwert s. HUd (V.). 
-hem s. Heim. 
Hemberle, Hemmerding, Hemper s. Hagan 

(V.). 

Hend- s. Hagan (V.). 

Henk-, Henle s. Hagan (einst. E.). 

Henn- s. a) I. Hagan (V., einst. K.) b) II. 
Johannes 5. 

Henrich s. Hagan (V.). 

Hens- s. a) Hagan (einst. K.) b) Johannes 4. 

Henschel s. Hagan (einst. E.). 

Hente s. Hand I. 

Hentrich s. Hagan (V.). 

Henz- s. Hagan (einst. K.). 

Heppe 8. Hath (zweist. E.). 

Her- s. Hari (V., einst. E.). 

Herbst III. ahd. herbist, mhd. herbest eigentl. 
die Jahreszeit der Früchte (vgl. griech. ieuQ- 
TTog, lat. carpo). Jacob dict. Herbist 1315. 

Herd- s. Hard (V., einst. E.) — doch 

Herdegen s. Hari. 

-herder s. Herter. 

Herold a) I. s. Hari (V.) b) HI. der „Herold«. 

Herpffer HI. mhd. harpfaere, härpfer „Harf- 
ner". 

Herr- s. Hari (Y., einst. E.). 

Herrgott III. von gewohnheitsmäßigem Aus- 
ruf (vgl. SiDMuergott u. a.) — wenn nicht 
von Herigaud (s. Hari). 

Hermsehwager HI. „Hahnrei eines Vor- 
nehmen" (Vilm.). 

Hert- s. Hard (V., einst. E.). 

Herter a) s. Hard (V.) b) III. mhd. hertaere 
„Hüter der Gemeindeherde" DW. 
FN. Herter — Herder. Zus. Schap- 
lierder. Nied. auch Härder (vgl. hoU. 
harder, herder). 



Herz HI. ahd. herza, mhd. herze das „Herz", 
bes. wohl in Zus. wie Crutherz. (Auch in 
jüdischen N., Übertragung von Leib, Leb). 

-herz a) I. Gen. von -hart, -hert (s. Hard 
auslautend) b) III. Zus. mit „Herz" (s. das 
Vorhergehende). 

Herzog III. mhd. herzöge „Heerführer" (wie 
magezogo „Enabenführer, Erzieher") s. übri- 
gens S. 42. 
FN. Herzog. Niederd. Hartog. (Franz. 
Leduc.) 

Hess-, Heß- s. Hass. 

Hester- s. Heister. 

Hett- s. Hath (V., einst. E.). 

Hetsch, Hetz s. Hath (einst. E.). 

-heu s. Hei. 

Heuhaum III. „Baum" (Balken), der oben über 
den beladenen Heu wagen gelegt wird. 

Heuher s. Hauber. 

Heubes s. Hug (zweist. E.). 

-heuer s. Hauer. 

Heug- 8. Hug (einst. E.). 

Heun- s. Hun (V., einst. E.). 

-heuser s. Haus. 

Hey 8. a) I. Hag (einst. E.) b) III. Hei. 

Heybold s. Hag (V.). 

Heyckel s. Hag (einst. E.). 

Heyd- s. Haid (V., einst. E.). 

Heydorn s. Hagedom. 

Heyer s. Hag (V.). 

Heyl- s. Hail. 

Heym s. Haim. 

Heymann a) s. Hag (V.) b) jüdischer N. = 
Heman hehr, „treu, zuverlässig", in der pol- 
nisch-jüdischen Aussprache). 

Heymer s. Hag (V.). 

Heyne s. Hagan (einst. E.). 

Heypertz, Heyrich s. Hag (V.). 

Hib-, Hibb- s. Hüd (zweist. E.). 

Hick- s. Hild (einst. E.). 

Hidd- s. Hild (V., einst. E.). 

Hieb- s. Hild (zweist. E.). 

Hiecke s. Hild (einst. E.). 

Hied- 8. Hild (V., einst. E.). 

Hientzseh s. Hagan (einst. E.). 

Hieronymus II. griech. „einen heiligen Namen 

führend" ; der h. Hieronymus, der gelehrteste 

imter den Eirchenvätem des Abendlandes, 

gest. in einer Zelle bei Bethlehem 430 n. Chr. 

FN. Hieronymus. Gen. Hieronymi. — 

Kronymus (S. 37) — Grulms; Chrolms. 

Hies- 8. Matthias. 



142 



Hil- 



Hlod 



Hil- 8. Hild (V., einst. K.) — bei Hilf- s. 
zugleich Hilp). 

HILD I. (s. S. 14) zu ahd. biltja, altsächs. 
hild „Kampf" (vgl. die altnord. Kriegs- 
göttin Hildr). Sowohl anlautend als aus- 
lautend einer der häufigsten Wortstämme; 
erste Spur Thusnelda 1. Jh. Die fränki- 
schen N. mit scharfem Hauch im Anlaut: 
Childerich. 

FN. Hildibert: Hildebrecht — Hülebrecht 

— Hilbrecht; Hilprecht; Hubert; 
Hilberath; Hübrath — Hippert; 
Hipper, Gen. Hilbers. Patr. A. 
Hipperling. 

Hildibrand: Hildebrand — Hilie- 

brandt — Hillebrand — Hilbrand. 

Gen. Hildebrands — Hilbrands; 

Hilberns, 
Hildidag: Hüdach. 
Hildifrid : Htlfert ; Hilfer. Gen, Hei- 

fritz. Patr. A. Helferding (oder 

auch zu Hilp). 
Hildigar: Hüliger — Hilger; Hilker. 

Gen. Hilgers, 
Hildigard: HiMgard — Hilgert 
Childard: Hillardt; Hillert — Hl- 

hardt. 
Hildier: Hilder — Hiller — Heller, 

Gen. Hillers; Hillerns (ostfries.). 
Hildeman: Hildemann — Hiltmann 

— Hillmann — Heldmann (auch 
zu Held) — Hiddemann; Hiddema 
(ostfries.) — Hittmann — Hiede- 
mann — Illmann. 

Hildimar: Hillmar; Hümer — Hell- 
mar — Hlmer, Gen. Hillmers — 
Hellmers (auch zu Helm). 

Hildimod: Hellmuth, 

Hildiric: Hillrich — Heldrich — 
Hellerich — Illerich. Gen. Hil- 
richs, 

Hildiward: Hildewerth — Heiwert, 

Hiltiwic: Hildewig — Hillmch — 
Helwig, Hdlwieg, 

Hildiwin: Hüdwein — Heldwein, 

Hildulf , ntolf ; Ilwof — Ihloff, 

Einstämmige Kürzung Hilt-. 
Hildo, Hillo, Ho, Hiddo: Hild, Hilt 

— Hille — HelU — Hidde — Ihle. 
Gen. Hils, Patr. A. Hilling — 
Hidding — Illing, 



Vklf. (i): Ä7f» (Schweiz.). (l)Hil- 
dulo: Hildel — Hütl (bair.) — 
HüUl — Hittel — Hiedel, (k) 
Hildico, Hicko (Stark 73): Hülig; 
Hilke — Hicke — Hiecke. Gen. 
Hüliges — Illies, (k -|- ^) Hildi- 
kin: Hilcken — Hicken — lUgen. 
(z) Hildizo, Hizo: Hiltz — Hitze 
Hiss. (k -f z)J Hitzke — Hitschke. 
Zweistämmige Kürzung Hildeb-. 
HUbo, Hibbo, Hibo, H)o: Hüb - 
Hippe — Hibo — Hieb — Ibe. 
Gen. Hibben — Hippen — Hieben. 
Patr. A. Helhvng — Hibbing. 

Vklf. (1): Hippel — HiM, (k): 
Hilbig — Heibig — Ilhig — Ibig. 
HILP I. got. hilpan, ahd. helfan „helfen". 
FN. Helpfirid: Hdfert, 

Hilpericus: Hilfrich — Helferich; 
Helfrich. 
Einstämmige Kürzung Hilp-. 
Helpo: Hilfe — Helff, 
Himmelfahrt III. zu den Zeitnamen; ahd. 

himilfart. 
Himmrich s. Haim. 
Hin- s. Hagan (V., einst. K.). 
Hipp- s. Hild (V., zweist. K.). 
Hirsch a) I. s. Hiruz b) III. wohl meist 
durch Vennittelung von Häuser -N. — in 
jüdischen FN. besonders beliebt. 
Hirte III. got. hairdeis, ahd. hirti, mbd. 
hirte. 
FN. Hirth. Zus. Geißhirt (mhd. gei?- 
hirto). Lämmerhirt, Ochsenhifrt (mhd. 
ohsenhirte). Boßhirt (mhd. roshirte). 
Schafhirt (mhd. schäf hirte). ZiegeniUrt. 
HIRUZ I. ahd. hiruz, mhd. hirz der „Hirsch". 
Hirizpero 11. 

FN. (Hirizleip): Hirschleb; HirsMuff 
(niederd.). 
Einstämmige Kürzung Hirz-. 
Hiruz: Hirtz — Hirsch, 

Vklf. (1) Hirzula: Hirzd - 
Hirschel, 
Hiß, Hitschice s. Hild (einst K.). 
Hitt- s. HUd (V., einst. K.). 
Hitz- s. Hild (einst. K.). 
HLOD I. zur Wurzel hlu hören (ahd. hlüt 
„laut") — doch mit dem Sinne des griech. 
xXuTogy lat. (in)clytus „berühmt", welche 
sich nach dem Gesetze der Lantverschie- 
bung mit hlod decken, (Berührt sich schon 



Ho- 



Hof 



143 



früh so nahe mit liud, daß eine sichere 
Scheidung in den wenigsten Fällen, haupt- 
sächlich nur bei den mit E und G anlau- 
tenden FF., stattfinden kann). 
FN. Chlodobert: Löpert, 

Chlodochar: Klöter — Klüter — 
Clauder — Loder — Lotten' — 
Löther — Lau;tei\ Gen. Lodders. 
Hlodmar: Lotmar — Lohmar — 
Lommer — Löhmer — Laumer. 
Gen. LoUmers — Lutmers — Lütt- 
iners, 
Chloderich: Lorich — Löi-ick. 
Clodowald: Lothai. Gen. Lothholz. 
Chlodowich 5.: Ijudowieg; Ludmg^ 
Ludwich. Gen. Ludowigs; Lud- 
wigs (latinis. Ludowici) — Lode- 
Wyks (ostfries.). 
Chlodulf : Ludolf; Ludloff — Löloff 

— zsgz. Looff — Löff — Lauff. 
Gen. Lulfs — Lüdelf s — Liüwes. 

Einstämmige Kürzung Hlut-. 

Chlodio, Hludio, Lotto: Klode — 
Kloth — Ghth — Klott — KltUe 

— Gluth — KluU — Glöde — 
Claude — Clauth (latinis. Olodius, 
Claudius). 

Lode — Loth — Lott — Löhde 

— JLuth — Laute; Lauth. Gen. 
Looden (ostfries.) — Lotinga (ost- 
fries.). Patr. A. Löding. 

Vklf. (1) LuUo: Ludl — Loll 
Patr. A. Lolling. (k) Claodicus: 
Löttge (latinis. Lotichius). (z) Hlu- 
dizo, Lozo: Klotsch — Klatsch — 
Lotze — Lotsche — Lutze (Lutze- 
mann) — Lutsche — Lautz — 
Lautsch. Gen. Lutets (ostfries.). 
Patr. A. Lotzing. (z + 1) : Klötzel. 
Ho- aus Hoch abgeschliffen in Hobaum, 
Hobuschy Homeier u. a. (vgl. Elbinger 
Urk. : Pauwel von Rusdorff homeister 1431 
d. i. Hochmeister). Doch wird auch Hof- 
mitunter in Ho- abgeschliffen (s. Hof- 
meister). 
Hob- s. Höh. 
Hobb- s. Hug (zweist. K.). 
Hobeln III. = Hochbein. 
Hoch- s. Hob. 

Hocker, Hl^cker s. Hug (V.). 
Hodemacher III. ein niederd. Hodemaker 
„Hutmacher ^. 



Hof III. jetzt wie in alter Zeit ein einge- 
hegter oder eingezäunter Raum — in hun- 
derten von alten und tausenden von neueren 
ON.: Hof, -hofj -hofen (elliptischer Dat. 
Plur., ahd. hovum, abhängig zu denken 
von einem Verhältniswort). 
FN. auf dem Hofe. Baumhove (ellipt. 
Dat.). Hoff. Berghoff. Blumhof Eck- 
hoff. Eickhoff. Grönhoff. Hrndiecker- 
hoff. Holtho/f. Kirchhof Nordhof 
Osthof. Sudhof Westhof; Westerhof 
— in vieler dieser N. mehr appellativ, 
indem Nordhof „den von dem Nord- 
hofe", Sudhof „den vom Südhofe" be- 
zeichnet. 

Eschhofen. Frohnhofen. Udelhofen 
0. üdelhoven). v. Westhofen. — v. Ho- 
ven. Äldoihoven. — v. Pfaffenhoffen. 
V. Bichthoffen. 
Ableitung auf -er (oberd.): 

1) -hofer: Hofer. Blumhof er. Dutten- 
hofer. Gsellhofer (bair.). Bitter s- 
hofer. Schweighofer. Staddhofer. 
Kirchhoffer (0. Kirchhof u. -hofen). 
Westenhoffer, 

2) -höfer: Berghöfer. Fronhöfer. 
Sandhöfer. Schweighofer. — Klin- 
gelhöffer. 

Bemerkenswerth ist die schweizerische 
Zusammenziehung -kon, abgestumpft -kevi, 
aus ursprünglichem inc-hovun, z. B. Zolli- 
kon aus Zollinc hovun, (zu) „den Höfen 
des Zollinc"; Hüttikon aus Huntinchovun, 
Luderetikon aus Ludretinchovun ; auchLeut- 
merken aus Liutmarinchova. ~ Vor 1100 
nicht in einer Urkunde gefunden, auch im 
12. Jh. noch sehr vereinzelt, ist diese F. 
-kon das ganze 13. Jh. hindurch fast 
schon die allein herrschende. Die ältere 
F., allerdings mit Ausstoßung des h, ist 
erhalten in Baiern (Gangkofen, Matten- 
kofen) , den preußischen Rheinlanden (Die- 
ponkofen). 

Die FN. nun bewahren die alte F. , auch 
wenn die ON. jetzt nur die jüngere, zu- 
sammengezogene aufzeigen, ein Beweis, 
daß die Ableitung der FN. schon früh, 
mindestens im 12. Jh., stattgefunden hat. 
So steht 

Zollikofer neben Zollikon (Zürich), 

Mörikofer neben Möriken (Aargau) — u. 

Ganghof er neb. Gangkofen (Niederbaiem) 



144 



-höfel 



Hol 



z 



hat sogar das h bewahrt. Dagegen ent- 
sprechen sich Orts- und Fam.-N. in den 
bairischen 
Hüttenkofer (0. Hüttenkofen Nieder- 
baiern). Pangkofer (Pangkofen Nie- 
derbaiern). Badlkofer (Radelkofen 
Niederbaiern). 
Vereinzelte FF. sind Edigkaufer (Mün- 
chen). Messikomer aus Messikon = Mes- 
singhofen. 
-hl^fel s. Hübel. 
-hofen, -hofer, -hOfer s. Hof. 
Höfener s. Huber. 

Hof er III. 1) ein „zu einem Herrenhofe ge- 
höriger Unterthan" vgl. Eberhard von dem 
Houe 1287. Fridrich und Otte die Hofer 
1291 2) Ableitung von dem ON. Hof. 
FN. Hofer — Höfer. 
Hoffartz s. Höh. 

Hoffendmnk lU. Satz-N. „hoffe einen Trunk", 
ein Spielmann , der auf einen Trunk hofft. 
Hoffert s. Hob. 
Hoffmann s. Hof mann. 
Hofmann HI. ahd. hovaman, mhd. hoveman 
1) jemand, der als „Ingesinde" am Hofe 
eines Fürsten lebt (in diesem Sinne auch 
Hößing, welches ebenfalls FN.) 2) der 
einen Hof (Gehöft) bewohnende Bauer, 
„colonus; rusticus, qui colit fundos". 

FN. Hofmann, gew. Hoff mann geschrie- 
ben (Hoffmann von Fallersleben). — 
Vereinzelt: Hovemann. Gen. Hoffmanns. 
Niederd. Hafemann, 

(Daß Hoffmann trotz dem ff nichts mit 
„hoffen", niederd. hapen, hapeninge zu 
thun hat, demnach nur im Scherze mit 
dem griech. Elpenor übersetzt werden kann, 
beweisen die niederd. FF., die das f (v) 
bewahren: Houeman d. i. Hoveman, Hoff- 
mann Klemp.). 

Hofineister lU. mhd. hovemeister 1) hoch- 
gestellter Beamter bei Hofe, „Aufseher 
über die Hofdienerschaft", Ceremonien- 
meister 2) „Aufseher über die Knechte eines 
Gutes" (in Vorpommern und Meklenburg 
„Statthalter"). 

FN. Hofmeister, Hoffmeister — daraus 
abgeschlifren Homeister (vgl. Homester 
im Osnabrückischen). 

Hoge s. Hug (einst. E.). 
Hogrebe, -fe ^^ Hochgrebe s. Graf. 



HÖH I. got. hauhs, ahd. mhd. höh „hoch'' 
(in FN. schwer von hug zu trennen). 
FN. Hochbert: Hobrecht; Höbert. 
Hoffred: Hoffert. Gen. Hoffartz, 
Homan: Hohmann, Homann. 
(Hohmuot): Hochmuth — Homuth. 
Einstämmige Kürzung Höh-: Hohe — 
Hoche; Hoch. 
Hohn III. got. hauns, ahd. höni „niedrig'' 
(woher nhd. Hauptw. „Hohn"). In ON. 
Hohn, 'höhn; Hohne, 

Hierher gehören wohl mehrere in Westf. 
vorkommende FN. auf -höhner, außer dem 
einfachen 

Hohner — Diekhöner. Stranghöner. Well- 
höner. Traphöner und einige andere. 
Hohn- s. Hun (einst. K.). 
Hohnschop lU. niederd. „mit hohem Haar- 

schopfe" (Pott S. 592). 
Hold-, Htfld- s. Huld. 
Holderbaum s. HoUunder. 
Hölger, Holk, HoU- s. Huld. 
HoUinderhanm s. Hollunder. 
Holländer HI. ahd. holantar, von hol and 

tar d. i. triu == „Hohlbaum". 
Holscher, Hölseher s. Holzschuher. 
Holsehmaeher III. „Holzschuhmacher", vgl. 

Holtscomckere 1380 (Braunschw.). 
Holste III. zsgz. aus Holtsate „ein im Holz 
ansässiger", entstellt Holstein (aus der 
Mehrheit Holtsaten, Holsten), Holsteiner. 
Altertbümlich und dichterisch noch jetzt 
„Holste, Holstengau". 
FN. Holsie (schon bei Klempin, wo auch 
Holstendorp = Holtzendorp) ; Holst. 
Holt niederd. = Holz, in Holt mann, Eick- 

holt u. a. 
-hölter s. Holz. 
Holtfreter III. niederd. (Vorpommern) „Holz- 

fresser", Spottname vgl. Fleischfresser. 
Holz a) I. durch Umdeutung aus olds ent- 
standen. Helmholtz aus Gen. Helmolds s. 
Walt. 

b) ni. Holz im Sinne von „Wald", nach 

dem Stoffe, woraus derselbe besteht. In 

ON. seit dem 8. Jh. nachweislich: Holz, 

'holz; niederd. 'holt. 

FN. Holtz (vgl. franz. du Bois, Dubois). 

Zus. Buchholz. Eichholtz. Erlenholz — 

Elsholtz. Fahrenholtz (zweimal ON., 

in Meklenburg -Schwerin und Hannover, 

außerdem Yahrenholz in Lippe-Detmold, 



Holzapfel 



Hose 



145 



Vahrholz in Prov. Sachsen ; daher nicht 
mit Vilmar als imperativischer PN. zu 
fassen = „fahr in das Holz" s. S. 51). 
Niederd. (hes. westfölisch): Bockholt 
(doch wohl = Buchholz , dah. oig. mit 
gedehntem o , wie hei Elempin Bokholt 
nehen Bockholt). Eickholt (Eichholz). 
Graf zu Westerholt. 
Ableitung auf -er: Bauhölzer . Bohn- 
holzer. Niederd. -hölter (westf.): 
Echterhölter, Heithölier, Südhölter. 
c) HL Geräthe bezeichnend: 
FN. Keilholz. Krumbholz. Nabholz. 
Holzapfel III. die Frucht des wilden Apfel- 
baumes. Heinr. Holzappel 1298. 
Holzheuer =^ Holzhauer s. -hauer. 
Holzhey III. „Holzhüter, -aufseher". Auch 

Holzheu, 
Holzmann III. ahd. mhd. holzman „Holz- 
hauer, Holzhändler". — Niederd. Holt- 
mann. (Vergriecht Xylander). 
Holzsadel III. halbniederd. „Holzsattel". 
Holzsehuker III. „Verfertiger von Holz- 
schuhen", die niederd. gekürzt Holtschen, 
Holschen heißen (wie die Handschuhe — 
Hanschen). Holtschuher, Holschuer 1250. 
FJ^.Holzschuher. Niederd. zsgz. Hultscher 
— Holscher — Hölscher (letzteres bes. 
häufig in Westf.). 
Homann s. Höh. 
Homeister s. Hofmeister. 
Homuth 8. Höh. 
Homm- s. Hun (V.). 
Hon-, Win- s. Hun (V., einst. K.). 
-hl^ner s. Hohn. 
H9nerkopf III. halbniederd. = „Hühnerkopf" 

(s. Kopf). 
Honn- s. Hun (V., einst. E.). 
Hl^pfner III. der „Hopfenbauer". 

FN. Höpfner. — Niederd. Höppener; 
Höppner (Klemp. Hoppener). 
Hopkes, HOpken, Hopp- s. Hug (z weist. K.). 
Höppener, Hl^ppner s. Höpfner. 
Hör- 8. Hari (V.). 

HOBN I. got. haurn, ahd. mhd. hörn „Hom" 
als Blasinstrument, wozu urspr. Thierhörner 
verwendet wurden. 
FN. (Homhart): Homhardt. 
(Hornman): Homemann. 
Einstämmige Kürzung Hom-. 
(Homo): Hörne; Hörn. Patr. A. 
Horaung: Hornmg — Hörning. 
Heintze, Deatsche Familien - Namen. 



Vklf. (k): Hornicke; Hoi'nig — 
Hörnigk. ^-\-\)i Hornikel; Hör- 
nigel. 
Hörn a) I. s. das Vorhergehende, b) III. 
„Spitze, Vorsprung" (des Feldes in den 
Wald, des Landes ins Wasser, eines Be- 
sitzthums in die benachbarten Güter). In 
neuerer Zeit in ON. meist die F. Hörn, 
'hom selbst, ferner -hömy -hörne (die 
„Hörne" in Stolp Bezeichnung einer vor- 
springenden Häusermasse), am seltensten 
-hirn. 

FN. 1) Hom (0. 10 mal Ritt.). — Zus. 
(bes. in Nordwest - Deutschland) : 
Ahlhom. Ballhorn. Barghom. 
Buschhom. Eichhorn. Giffhorn. 
Hirschhorn. Schierhorn. Sterns- 
hom. Weißenhorn. Windhorn. 
Ableitung auf -er: 

Oberhorner (bair.). 
2) 'hirn: Dirnhirn. 
c) III. Geräthe: FN. Gdlhorn. Schell- 
hom (wenn s. v. a. „Schallhorn"). 
Hom-, Hörn- s. Hora I. 
Horst III. ahd. hurst, mhd. hörst „Busch, 
Gesträuch" (in dieser Bed. noch in Hebels 
allemannischen Ged.). In ON. seit dem 
9. Jh. nachweislich. 

FN. von der Horst. Terhorst (zur H.). 
Horst. Zus. Brandhorst. Brunkhorst. 
Buchenhorst, Diestelhorst. Eichhorst 
Fahrenhorst (Job. Vahrenhorst Köln. 
Univ. Matr. 1477). Gravenlwrst. HaS' 
selhorst. Hohnhorst (0. Hohnhorst und 
-hurst). Langenhorst, Lindhorst, von 
Petershorst. Babenhorst. Scharnhorst. 
Windhorst. (In manchen wohl appella- 
tiv , wie auch in Horsimann = Busch- 
mann, der im Busche Wohnende). 
Ableitung auf er: Hörster. — Behr- 
hörster, Hanhörster (alle drei in 
Westf.). 
Hose III. ahd. hosä mhd. hose „Beinbeklei- 
dung" (Hose oder Strumpf). Vgl. S. 46. 
In mancherlei Zus. — Grawehoso 1370. 
FN. Hosius (latinis.). Hösle. Hosemann 

— alle drei zweifelhaft, da auch ad. 
Hozo, Hozeman begegnen. Deutlicher 
die Zus. (auch in den FF. -hase und 

- hause) : 

Kniehase. Kurthose. Lederhose; Led' 
derhose — auch Lederhaas und Leder' 

10 



146 



Hotopp 



Hrod 



hause. Leinhose; auch Linnhos — 
Lemhaas, Mehlhose;, auch Mehlhase 
uud Mehlhause (Spottname für Müller). 
Schlaphose, Schlotterhose (S. 46). Trül- 
hose — Tnllhaas, 
Hotopp III. Satz-N. niederd. „Hut auf"! 
Auch Hautop — Hotopf (letzteres unrichtig 
verhochdeutscht, wie Middeldorpf u. A.). 
Houwald s. Hug (V.). 
HtfTel» -htfvel s. Hübel. 
-hoTon s. Hof. 
Hoyer s. Hug (V.). 

HBABAN I. ahd. hraban, mhd. raben „Rabe'S 
der heilige Vogel Wuotans (S. 17) — zsgz. 
hram, ram, ran. 

FN. Hrabanolt, Grannold: Kranold — 
Granold — Babenold; Rabenhold. 
Einstämmige Kürzung Hraban-. 

Hrabano, Rabo, Bamo: Baben — 
Raven ^- Rabe — Rave — Rappe ; 
Rapp — Raap — Ramm. Gen. 
Rabens — Rahms. Patr. A. Ram- 
ming. 
Auslautend (104 mal FÖrst.): 
-ram: Bertram. Wolf ramm. 
-rab: Bertrab. 
-rapp: Gausrapp. 
HRING I. ahd. bring, mhd rinc „Ring", 
bes. Panzerring (die Ringpanzer, aus £isen- 
drat gehäkelt, wurden bis zu Anfang des 
14. Jh. getragen, wo der Plattenpanzer 
sie verdrängte) ; zum Kampfe abgesteckter 
Kreis. 

FN. (Hringhart): Ringhard; Ritigert — 
mit Ableitung Ringelhardt. 
Rincar: Rinker. 
(Hringleip): Ringlepp. 
(Rincman) : Ringmann. 
Ringelt: Ringewald; Ringwald. 
Einstämmige Kürzung Hring-. 

Rincho: Kring — Ringe; Ring — 
Rinke, Gen. Krings — Ringes; 
Ringens. 

Vklf. (1) Hringilo: Ringel - 
Rinkel. Patr. A. Ringling. (1 + k) : 
Ringelke. 
HROC I. wohl zu got. hrukjan, ahd. robon 
— auf den Schlachtruf geh'end. 
FN. Hrohhart: Riickart; Rückert. 
Einstämmige Kürzung Hroc-. 
Hroggo: Rogge — Roche — Rocke 
— Roh — Röcke — Rüge — Ruhe 



— Rücke — Rüge — Ruhe. (Mit 
Hrodg- zusammenfließend). 

Vklf. (1): Röckel. 
Auslautend (22 mal Forst.) : 
-rock: Poltrock (Wittrock). 
HROD I. zu altnord. hrodr „Schall, Ruhni'^ 
(vgl. griech. TCQorog). In Namen seit dem 
5. Jh. nachweislich. 

FN. Hrodbald: Roppelt — RuppoU, 
Ruppelt — Raubold, 
Hrodebert: Rodbert(us) — Robrecht; 
Robert — Röpert; Rober — J2m- 
precht; Rubrecht; Rubert; Ra- 
barth — Rupprecht; Ruppert; 
Rubbert — Räubert, Gen. Robert: 

— Roppcrtz; Roppers — Rovers 

— Robers — Raupers. 
Rotprand: Robrahn, 

Hrotf rid : Röfer — Ru/fert — Rüfferf. 
Gen. Roifers. 

Hrodegang: Rothgang (daraus Roth- 
gänger?). 

Hrodgar: Rogger — Rocker — Roger 

— Rödiger — Röttger; Röttcher 

— Roger — Rudigier — Rugger; 
Rucker — Rüdiger — Rüttiger — 
Rüger — Rüdcer. Gen. Rötger^. 

Hruadgast: Rodigast. 

Hrodhard: Rothhardt, Rohihardt: 
Rothert — Rudhardt; Rudert — 
Ruthat — Rautert. Gen. RÖhrden 
von der zsgz. F. RÖhrd). 

Chrodhari : Kröter — Roder — Roiher 

— Rotter — Roder (zsgz. Röhr) 

— Rötter — Ruder — Rüder — 
Rüter — Rauter. Gen. Röders — 
Rohrs. Patr. A. Rötering. 

Rodleich: Rothlach — Rolack — 

Rödlich. 
Hrodleif : Rohtlieb — (niederd.) Rod- 

laff — Roleff — Rudlaff, 
Hrodlant: Roland — Rvland — Rith- 

land. 
Hrodman : Rodemann — Roitmann — 

Romann — Ruttmann — Rumann. 
Hrotmar: Rohmer — Rumer — 

Raumer. 
Hrodmund : Rothmu>nd (erweitert 

Rothermund — Rottermund) — 

Romundt. 
Hrodric: Rothreich — Rorich — Rüh- 
rig — Rüdrich, 



Hrom 



Hübel 



147 



Hraodstein; Bothstein. 

Rodacar: Bothacker, 

Hrodowald: Bohdewald — Bothwald 

— Bohwa Id ; Bohwoldt ; Bohwohl — 

Budelt — Buwoldt, Gen. Both- 

holtz, 
Hrodwig: Krudewig — Krutioig — 

Krautwig — Bodewig; Bodetoyk 

— Boddewig. 

Hrodiilf : Krolof — Bodloff — Both- 
lauf — Boloff; Bohlhoff; Bolauf; 
Boleff — zsgz. i{oZ/*(latinis.Kolfus, 
umgedeutet in Bollfuß) — Budolf, 
Budolph; Budloff; Bildlauf — 
BtUoff — zsgz. Bidff. Gen. Bu- 
dolfs (latinis. Bud-olphi) — Bol/fs 

— Bülffes — Boelfsema (ostfries.). 
Patr. A. Bohlfing, — Budolfer 
(Mimchen). 

Einstämmige Kürzung Hrod-. 
Hrodo,Euodo: Bode, Bohde, Bhode 

— Boddo; Bodde — Bothe; Both 

— Botte — Böde — Böth — Bud 

— BtUh — Butte — Büte, Gen. 
Boden — Buden — Büths. Patr. 
A. GroUing — Boding — Böding 

— Böthing — Büding — Büthing. 
Vklf. (1) Hruodüo, Rollo: Bodel 

— Bödd — Böthel — Budel — 
Büttel — Bäudel, Zsgz. Formen : 
Bolle (Bollmann) — Bohle — Bolle 

— Buhle — Buhle (Bühlemann) 

— Büllmann, Gen. Bottels — 
Boels (fries., = Rols). Patr. A. 
Bolinck — Böhling — Büdling — 
Büthling — Bühling. — Patr. Zus. 
Bohlsen. (1 + n) Hrodelin : Böth- 
lin. (l + k) Roleko : Bolcke — 
Böhlicke — Böllig — Beideke. 
(k) Hruodiclio: Grottke — Gruttke 

— Kruttge — Bohdich — Botteck; 
Bottig — Böthke — Böttig — 
Budeck — Buttig — Bück — 
Biidig — Bücke, (k + n) Rutechin : 
Bötteken. (k + 1) Rukelo : Bockel 

— Böckel — Buckel, (z) Rozo, 
Ruozo: Botz — Botsch — Bötsch 

— Butz — Bütz — Beutsch — 
z erweicht in s: Büß — Böse 
(Förstemann, Progr. S. 4). Unorga- 
nisch gebildet: Bützer, (z + 1) 
Rozelo : Bözel — Bützel — Bussel 



— Büsel — Bütschle — Bäuzel 

— Bäußel. Patr. A. Bützler — 
Büßler (Steub). (z + k) Roziko, 
Rosico: Boseck — Bösecke; Baske 

— Butschke. Patr. A. Bösing, 

Zweistämmige Kürzung 1) Hrodb-. 
Robbo, Rubo, Ruppo: Böbhe — Böhe 

— Böpe — Bübo — Bupe — Bupp 

— Bube — Baupp. Gen. Boben 

— Buben (ostfries., vgl. Vom. 
Robe). Patr. A. Büping, 

Vklf. (1) Rupilo: Bobel — Böbhd 

— Böhel; BöpeU — Bübel — 
Buppd — Büpel — Büppele. 
(1 + n): Böbbelin — Büpplin. 
(k) Robico: Bobeck — Böpke — 
Bübig — Beupke, Gen. Böpkes. 
(z) Robizo: Bobitzsch. 

Zweistämmige Kürzung 2) Hrodf-. 
Ruffo: Buf — Buoff (würtemb.) — 
Buff. 
Zweistämmige Kürzung 3) Hrodg-. 
Roggo, Rugo: Böge — Bogge — 
Buge — Büge — Bügge — Bauch. 
Vklf. (1): Bügel — Bauchel. 
(1 -j- »)• Bäuchlin. (S. auch Hroc). 
Auslautend (15 mal Forst.): 
-roth: Allroth (aus Adalhrod). 

HROM I. ahd. hrom, hruom, mhd. ruom 
„Ruhm". 

FN. Ruom bald: Bumpdt; Bumpel — 
Bümpd, 
Rumpraht: Bummert. 
Hrumker: Bümcker, 
Romard: Bömert. Patr. A. Bönier- 

ding. 
Romoald: Bömhold; Böhmelt; Böm- 
held. 
Einstämmige Kürzung Hrom-. 
Hruam: Böhm — Böhm — Biihm 

— Bumm. Patr. A. Böming — 
Bomming — Kromminga {ostfries.). 

Vklf. (1): Bommel — Bummel 

— Bümmde. (1 + n): Bümelin. 
Patr. A. Bömeling — Bühmling. 
(k): Gen. Bümckens, (z): Boineiß, 

Hub-, Httb- s. Hug (V, zweist. K.). 

Httbel III. ahd. hubil, mhd. hübel (von 
„heben«) „Hügel«. In ON. hochd. Rubel, 
'hübel; niederd. Hövel, -hövel (auf der 
Linie Münster -Antwerpen). 

10* 



148 



Huber 



Huld 



FN. Hübel. — voti Havel. Ältenhövel. 
Langenhöfd. Meinhovel, Steinhöfel, 
Sturmhöfel, Windiwvel. 

Haber a) I. s. Hng (Hugubert) b) III. mhd. 

hubaere (auch mittellat. hubarius) „Inhaber 

eiuerHufe^y ahd. huoba, mhd. huobe, alt- 

Sachs, höva (im Allgemeiuen = 30 Morgen). 

PN. Huber (selten Huber: im Münchenor 

Adreßbuch Huber 180 mal, Hüber nur 

7 mal) mit vielen Zus. (bes. in Baiern) : 

1) nach dem Wohnsitz: Ängerhuber. 
Bachhuber, Brunnhuber. Kreuz- 
huher. Hinterhuber. Mitterhuber. 
Niederhuber. Osterhuber — 

2) nach dem, was auf der Hufe in 
bemerkenswerther Weise wächst 
oder überhaupt sich befindet : Kohl- 
hvber. Rosetihuber. ScMeehnber. 
— Salzhuber. Fuchshiiber — 

3) nach der Beschäftigung: Jäger- 
huber. Schmidhuber — 

4) nach Vornamen: MärÜhuber. 
Paulhuber. 

Mit dem n der schwachen Bildung, 
mhd. huobenaere: Hübener; Hüb- 
ner — niederd. (selten) Huftier 
mit der Zus. Niederhüfner — 
Höfener (vgl. mittelniederl. hoe- 
vener). 
(Während in der Schriftsprache die nie- 
derdeutsche F. „Hufe" die hochdeutsche mit 
b fast ganz verdrängt hat , herrschen, wie 
obige Aufzählung beweist, in den FN. die 
hochdeutschen Lautverhältnisse durchaus 
vor.) 
Huchel, Httckel s. Hug (einst. K.). 
Hacker s. Hug (V.). 
-haes s. Haus. 
Haff- s. Hug (V.). 
Httff- s. Hug (V., zweist. K.). 
Hilfner s. Huber. 

HUG I. got. hugs, ahd. hugu, mhd. huge, 
hüge „denkender Geist". 
YN. Hugibald: Huppold — Haubold. 
Hugubert: Hubrecht; Hubert; Hu- 
ber — Hupprecht; Huppert — 
Hubert — Haubert; Hauber. Gen. 
Huppertz — Hubers (ostfries., also 
nicht zu Huber lü.) — Hübbers 
— Hübers — Haupei's. 
Hugifrid : Huffert; Huffer — Hüffer. 



Hucger: Hugger; Hucker — Hüfjer 

— Hocker — Höcker — Hoyer. 
Hugihart: Hugart — Hauhardt; 

Hauert; Hauer. 
(Hugilant): Hulajid. 
(Hugiman): Hugemann — Humann. 
Hugimar: Hümer. Patr. Zus. Hau- 

mersen. 
Hugold: Hugold — Huhöld — Hu- 

wald (Houwald). 
Einstämmige Kürzung Hug-. 
Hugo, Hogo: Hugo; Huge — Hüge 

(Hugemann) — Hage — Haug — 

Hauke. 
Vklf. (i) Hugi 8. : Hugt. 0) Hq- 

kili: Hügel — Huggle — Huchel — 

Hügel ; Hügle — Hückel — Hauckel 

— Heugel. (1 -f- n): Hüglin — 
Heuglin. (z) Hugizo,Huzo (Stark 89): 
Hutze — Hautz. (z + 1): Hatzel 

Zweistämmige Kürzung Hngb-. 
Hubo: Hube — Hupe — Huppe — 
Hübbe — Hoppe — Hohhe — Haube. 
Gen. Hoppen — Heubes. Patr. A. 
Hobbing. 

Vklf. (l) : Hubel — Hüppd. Gen. 
Hohbels. (k): Huppke — Hohhie 
(jeverl). Gen. Hopkes. (k -f u) 
Hupichin: Höpken. 
Zweistämmige Kürzung Hugf-. 
Hufo (Stark 113): Hüfftnaym - 
Hauffe. 
Vklf. (1) : Hüffel. 
Hag-, Hüg- s. Hug (V., einst. K.). 
Hakold s. Hug (V.). 
Hahn III. ahd. mhd. huon „das Huhn". 
FN. Huhn (zweifelhaft, da auch zu Hun Li. 
Sicherer sind die Zus. Haselhuhn. 
Kluckhuhn. Bebhuhn, Bqpphuhn. 
Wasserhuhn. Weißhuhn, niederd. 
Witthuhn. 
Hahn-, Hfihn- s. Hun (V., einst. K.). 
-hals s. Haus. 
Haland s. Hug (V.). 

HULD I. got. hulths , ahd. hold , mhd. holt 
„hold, treu" Holdulf. 
FN. Huldear: Holder (Holdennann) — 
Holler — Holder. 
(Huldger): HÖlger. 
Einstämmige Kürzung Huld-. 

(Holdo): HuUe — Hold — HoUe 
(so ist ja auch die Göttin Halda 



Hultscher 



-lg 



149 



im Volksmärchen zur „Frau Holle" 
geworden). Gen. Holden. 
Vklf. (k): Holk. 

Hultscher s. Holzschuher. 

Httin-, Httm- s. 1) Hug (V.) 2) Hun (V.). 

HÜN I. zu dem Volksnamen der „Hunnen", 
alid. Hün, mbd. Hione, auch schon in dem 
Sinne von „Riese, Hüne", mit mythologi- 
scher Beziehung (S. 18). 

FN. Hunibald: Humboldt; Humblot; 
Huinhel ; Humpel; Hummelt ; Hum- 
mel — Hommel. Gen. Hommels. 

Hunbraht: Humbrctcht; Humbert; 
Humpert — Umbrecht — Hümpert 
Patr. A. Humperdinck. 

Hungar: Hungar; Hwnger; Hu/nker 

— Huonker (würt.). 

Hunard: Hühnert — Honert — Heu- 

nert, 
Hunher: Hühner — Honer — Höner 

— Hauner» 

Hunmar: Hummer — Hummer — 
Hommer. Gen. Hommsrs, 

Hunrad: Hunrath — Honrath. 

Hunrich : Huhnrich — Hundrich — 
Honnrich, 

Hunwald: Hunöld; Huhnholdt — 
Hünold — Honold — Honnold, 

Einstämmige Kürzung Hun-. 

Huno: Huhne; Huhn — Hunn — 
Hünn — Honn — Höhne — Haun 

— Hewne. Gen. Hüns — Honens 

— Hönes, Patr. A. Höning. Gen. 
Hönings, 

Vklf. (1) : Höhnel (1 + n) : Hühn- 
lein, (k) Hunico : Huneke — Hunke 
Hünicke — Honecke (auch Honig?) 
— Hönicke. Gen. Hünnickes, (k + 1) ^ 
Hunkel, (k + n) Hunichin: Hüne- 
cken; Hünichen; Hünchen, 

Hun-, Httn- s. Hun (V., einst. K.). 

Hund a) I. Hundo, Hundpreht u. a. viel- 
leicht zu ahd. hunda „Beute" — daher 
vermuthlich FN. Hundert (ahd. Honthard) 
— Hundt (doch schon im 12. Jh. Mar- 
quart der Hund). Dagegen b) III. zu 
„Hund" canis in Zusammensetzungen wie 
FN. Htmdskopf, Hundbiß (1344 huntbiss). 

Hnndemann III. Aufseher über die Jagd- 
hunde, „Rüdenmeister". 



Hundertmark III. von mhd. marke, ein 
halbes Pfund betragend. Schon 1350 ein 
Gevert Hundertmark. 
Hunn, Httnn- s. Hun (einst. K.). 
Hunvalfy III. aus Hundsdörfer magyarisirt 

(S. 68). 
Huonker s. Hun (V.). 
Hup-, Http- s. Hug (V., zwoist. K.). 
-hus, -husen s. Haus. 
-httser s. Haus. 

Hut III. ahd. mhd. huot, „Hut" (auch in 
dem Sinne von Helm). 
FN. Anhuth, Eisenhut, niederd. Iserhot 
Gelhut, niederd. Geelhood, Grünhut. 
Hochhut mit seinem Gegensatz Nedder- 
hut. Schönhut. Spitzhut. Stahlhuth 
(mhd. stahelhuot, „Stahlhelm"). Webel- 
hut. Weißhut ^ halbniederd. Witthut. 
Htttte in. ahd. hutta, mhd. hütte „Hütte, 
Zelt". 
FN. Erdhütte. — Erdhütter, 
Hutz- s. Hug (einst. E.). 
Huwald s. Hug (V.). 
-huysen s. Haus. 



I. 



-i l. zur Bildung von Verkleinerungsff. ver- 
wendet: itrttausLiud- (s. S. 32) — auch 
-y geschrieben: Inity, Ludy (aus Hludio). 
(In italienischen N. s. S. 86). 
Ib- s. Hild (zweist. K.). 
-ich a) I. Verkleinerungsendung: Dedich (zu 
Thiud), Rodich (zu Hrod). 

b) III. End. V. ON. , theils aus ahd. ahi, 
wie in Lindich, Weidich (s. -ach) — theils 
aus römischem iacum , wie in Jülich, £es- 
senich (am Rhein in großer Menge). 
FN. (zu b). Elvenich. Fischenich. Chym- 
nich. Jülich, Kessenich. Lechnich 
(0. Lechenich). Longerich, v. Metter- 
nich, Mündenich. Sinzenich, 
Ableitung auf -er (oberd.): 

Bibricher (0. Biberich). Gimnicher. 
Züricher, 
Ick- s. Ingo. 

-ig a) I. Verkleinerungsendung, andere 
Schreibung für -ich: Lüttig (zu Liud), 
Rüdig (zu Hrod). 

b) UI. in Ortsnamen neben -ich (s. das 
Vorhergehende): Linnig, Breisig u. a. — 



150 



Ihl- 



- logen 



aber auch in slavisch - deutschen ON. wie 
Danzig aus Gdansk, Dolzig, Lanzig (neben 
Lanzke). 

IM- s. Hild (V., einst. K.). 

Ihm- 8. Irmin. 

Ihne s. Ingo. 

Ilbig 8. Hild (zweist. E.). 

111- s. Hild (V., einst. K.). 

Illo III. der wallensteinische Eeldmarschall 
im dreißigjährigen Kriege , nicht etwa ein 
Kroat oder Böhme, oder ein Italiener gleich 
den Piccolomini, sondern ein Märker, eig. 
Ihlow, der Familie v. Ihlow angehörig, 
die im Barnim, dem Lebusischen und in 
der Neumark angesessen war und seit An- 
fang d. Jhs. ausgestorben ist. Das Dorf 
Ihlow, welches der Familie muthmaßlich 
denN. gab, liegt an der Grenze von Bar- 
nim und Lebus. 

Iltgen, Iltz s. Hild (einst. K.). 

Ilwof s. Hild (V.). 

Im = in dem , in Zus. wie Imbnsch , Imhove, 
8. In. 

-im 8. Heim III. 

In III. als Verhältniswort in Zus. zur Be- 
zeichnung des Wohnortes einer Person 
(S. 53). 
FN. 1) Sing, männlich und sächlich (mit 
dem Artikel in eins gezogen (im): 
Imhusch, Imdahl (niederd. ^=^ im 
Thal). Imgart. Imgrund. Im- 
hove; Imhoff. Imhorst. Imkamp. 
Imohersteig. Imthurn. 

2) Sing, weiblich (in der): Inder- 
furth. Inderheide. 

3) Plur. (in den): Indenbirken. 
Inhetween (Kempen) offenbar hoUändisch 

= in dem Moor. 
-in I. altdeutsch. 

Die FN. , welche als hierher gehörig auf- 
gezählt werden, gehören z. Th. als un- 
deutsch gar nicht hierher, z. Th. sind sie 
mindestens zweifelhaft. 

So ist Bodin, latinis. Bodinus, franzö- 
sisch (Bodin Lehrer des Staatsrechtes, 
Herausgeber eines theatrum universae na- 
turae 1590 Lyon). 

Andere sind von slavischenON. abzu- 
leiten, z. B. Rammin (0. Ramin in Pom- 
mern). 

Als deutsch erscheinen (hauptsächl. süd- 
deutsch) unter anderen: Liedin; LtUhin; 



Lüttin (aus altd. Liudin). Höldin. Bürgin. 
Weltin, 
-in HL in ON. slavisch: urspr. besitzanzei- 
gendes Eigenschaftswort auf inu, ina, ioo 
von Stämmen auf a und i, z. B. Babin 
von PN. Baba, Gostin von Gosti = der 
Baba'sche, der Gostische Ort (vgL lat. 
Flavia d. i. urbs, von Flavus). 
FN. (häufig im nordöstl. Deutschi.) Berlin. 
Cörlin. Ladenthin, v. Schwerin — 
bisweilen -ien geschrieben: LeppUn. 
Schöltcien, 
Ableitung auf -er: 

Berliner, Vabriner, Exiner (alle drei 
jüdisch). 
Ing- s. Ingo. 

-ing I. auch unp, patronymische Endong, 
wie im Angels. Vulf Yonredes auch Vulf 
Vonreding genannt wird. In sehr vielen 
Person -N.^ die Abstammung von einem 
Vater oder Ahnherrn bezeichnend; am be- 
kanntesten in der Geschichte die Mero- 
vingi, Charalingi (Ejirolinger) , auch die 
Agilolfinger in Baiem und die Capetinger 
in Frankreich. Jetzt in vielen FN., ohne 
daß die patronymische Bedeutung noch 
gefühlt würde. (Aus der patronymisctien 
Bed. hat sich später eine verkleinernde 
entwickelt, namentlich in Meklenburg and 
Yorpouimem in Formen wie: Männing, 
Hüsing, Wiesing (Luise), in welchen n 
nasal gesprochen wird, ohne daß g deut- 
lich hörbar wäre). 

FN. 1) Götting (eigentl. Sohn oder Nach- 
komme des Gotto). Kuning. 
Büding — 

selten itik geschrieben (ohne Än- 
derung der Aussprache): Eppink. 
Immink, 
2) HarttMg, 
b) in. in ON., und daher auf Familien 
übertragen s. -ingen. 
Ingel s. Angil (einst E.). 
-ingen III. seit dem 8. Jh. in ON., Datii 
Plur. von dem Patronymikum auf ing (s 
vorhin), abhängig von einem Verbältnui- 
worte, z. B. ze den Eppingen „zu den Söii- 
neu (Nachkommen) des Eppo** (Eberhard). 
Verhältniswort nebst Artikel fallt dann fort, 
und so entsteht der N. Eppingen, 

Heutzutage ist das volle ingen bes. in 
Schwaben einheimisch, während in Alt- 



Ingo 



Jack- 



151 



baiern östlich vom Lech und in Österreich 
meist die Kürzang ing an die Stelle ge- 
treten ist. 

In einzelnen Fällen ist ingen Abkürzung 

aus -ingheim: Sickingen aus Sickingheim. 

FN. 1) 'ingen: v, Bei'lichingen, Ehingen. 

Grüningen. Hüningen. Henningen. 

2) 'ing: Bisping. v. Bössing. 

Da diese ON. sich zum allergrößten 

Theile in Oberdeutschland finden, so ist 

auch die oberdeutsche Bildungsform -inger 

in den FN. viel häufiger, wo dann ingen 

und ing zusammenfließen. 

FN. Ädlfinger. Bermeitinger (0. Berma- 

tingen Fröhner S. 37). Büfinger. Böh' 

ringer. Ehinger. Gimdelfinger. Haß' 

linger. Heimerdinger, Offterdinger. 

Sickinger. 

Mallinger (0. -ing). Stockinger (0. 
-ing). 
IN€K> I. schon frühzeitig in N. auftretend 
(1. Jh. Ingomar, Armins Oheim), doch in 
seiner Bed. nicht sicher; wahrscheinlich 
von dem nordischen Gotte Inguio. 
FN. Inghard: Inghardt — Enghardt; 
Engert. 
Inguheri: Enger. 
(Ingman): Ingemann — Engmann. 

Gen. Ingmanns. 
Ingiram: Ingram. 
Ingold: Ingwäld — Engewald. 
Einstämmige Kürzung Ing-. 
Ingo, Engo^ Ino: Enge — Ihne. 
Vklf. (k) Inico, Iko: Icke. Gen. 
Icken; Ix. 
Irm- s. Irmin (V., einst. K.). 
IRHIN I. der kriegerisch dargestellte höchste 
Gott Wuotan (Grimm , Myth. S. 325) ; in 
Zus., als das Höchste überhaupt bezeich- 
nend , ein verstärkender Begriff (s. Lübben 
Progr. S. 9). In PN. seit dem 1. Jh.: 
Arminius der Cheruskerfürst. 
FN. Irmindrud w.: Irmtraut. 
Irmingar: Irminger. 
Irmingard (Armingardis) : Ärmgardt. 

Gen. Irmgartz. 
Ermingaud: Armengaud. 
Irminhard,Emehard: Irmert — Immert 

— Ermert. Patr. A. Ärmei'ding. 
Irminher: Inner — Immer, 
Ermanrih: Ermrich. 
Irminold: Ermold. 



Einstämmige Kürzung Irmin-. 
Irmino, Irmo, Immo (Stark 24): 
Imme; Im — Ihm. Patr. A. 
Immenga (ostfries.). 

Vklf. (1) Imilo, Ermilo: ImmeU 
mann — Imelmann — Ermel. 
Gen. Ihmels. Patr. A. Ermeling. 
(1 + ^)' Iwli^' (k) Imico: Im- 
mig — Ermke. Patr. A. Immink. 
ISAN I. ahd. isan, mhd. isen „Eisen". 
FN. Isanperaht: Isenbart — Eisenharth. 
Isanbrand: Isenhrand — Eisenbrand. 
Isindrut w.: Eisentraut. 
Isangart w.: Isengarth. 
Isangrim: Eisengrein. 
Isanhard: Eisenhart — Eyssenhardt. 
Isanman: Eisenmann. 
Isanrich: Eisenreich. 
Einstämmige Kürzung Isan: Isen — 
Eisen. 
Isen- s. Isan. 

Isenschmid III. „Eisenschmid" (s. Schmid). 
Isidorus II. griech. „Gabe der Isis", der 
ägyptischen Göttin. 

FN. Dörries (wegen d. Aussprache s. S. 38). 
Ißleib I. nicht Imperativisch, sondern ahd., 
zu is „Eis" = Sohn des Eises, altnord. 
Isleif (Andresen). 
-itsch s. das folgende. 
-itz III. in ON., slavischen Ursprungs. Im 
Sla vischen bilden -ice und 'Oioice Patro- 
nymika im Plur., z. B. Bobolice, Plur. von 
bobolic d. i. Sohn des Bobola (Rundbauch), 
also deutsch etwa die „BoboUngen" wie 
Eppingen u. a. — jetzt Buiblitz. Daher 
nun sehr viele deutsche FN. im Osten 
Deutschlands , die von den entsprechenden 
slavischen ON. übertragen sind. 
FN. BxMüz. V. Grävenitz. v. Maltitz. 
V. Nostiz (Dorf in Sachsen: Nostitz). 
Pölitz. V. Prittwitz. v. Zitzewitz. 

Vergröbert 'itsch, 'itzsch (bes. im 
Kgr. Sachsen): Delitsch. Kötteritzsch, 
Ableitung auf -er (oberd.): 

Clausnitzer. Gölitzer. Thalwitzer — im 
nordöstl. Deutschi. jüd. : Meserüzer. 



3. 



Jaap s. Gab (einst. K.). 
Jab- s. Gab (einst. K.). 
Jaek-, Jftek- s. Jacobus. 



152 



Jacobus 



Johannes 



Jacobus II. hebr. Jaakob „der Fersenhalter^ 
d. i. Nachgeborene (als jüngerer Zwillings- 
bruder des Esau); im N. Testamente die 
beiden Apostel Jacobus (Kai. 25. Juli). 
FN. (zum Theil jüdisch). Jacobus; Jacob. 

— Zus. Quadeja^ob. Venjacob, Gen. 
(lat.) Jacobi, Jacoby — (deutsch) Ja- 
cobs, Jakobs (oder zsgz. aus dem Nom. 
Jacobus). Patr. Zus. Jacobsohn; Ja- 
cobson; Jacobsen. 

Verkürzt am Ende : Jach Gen. Jacks. 
— Jock (Schweiz.). 

Vklf. (1, oberd.): Jäckel, Jeckel — 

Jäkel — Jockei (bair.). (1 + n): 

Jäcklin; Jäcklein. 

Verkürzt am Anfang: Kobtis. Gen. 

Kobi — Kob. Gen. Kobes; Köbs, 

Koops (oder aus dem Nom.). 

Vklf. (niederd.): Köbcke, Köpke 
(doch ist bei diesen mit k anlau- 
tenden FF. auch der altdeutsche 
Stamm God in Betracht zu ziehen). 
Jagrendeubel s. Jageteufel. 
Jäger III. mhd. jagaere, jeger. 

FN. Jäger, Zus. Gambsjäger. Hasen- 
Jäger. Latinis. Venator. 
Jageteufellll. Satz-N. = „jage den Teufel" 

(S. 52). 
Jahn-, Jahn- s. Johannes 3. 
Jahr III. in einzelnen Zus.: Langjahr 
(= Schaltjahr Fröhn.). Vgl. Gutjar 1295. 
Jäkel s. Jacobus. 
Jan-, Jan- s. Johannes 3. 
Japping s. Gab (einst. K.). 
Jar- s. Gar (V., einst. K.). 
Jasp- s. Kaspar. 
Jaster s. Gast. 
Jaukens s. Gaw. 
Jeck- s. Jacobus. 
Je£Fke s. Gab (einst. K.). 
Jennrich, Jentho s. Gand. 
Jer-, Jerr- s. Gar (V., einst. K.). 
Jesp- s. Kaspar. 
Jhering s. Gar (einst. K.). 
Jippen s. Gab (einst. K.). 
Jirgensohn s. Georgius. 
Joaehim II. hcbr. Jehojakim „Jehova richtet 
auf«. 

FN. Joachim. Gen. Joachimi; (deutsch) 
Joachims, Abgeschliffen: Jochen — 
Juchem (Köln). Gen. Jochens; Jochums. 

— Verkürzt im Anlaut: Achim, 



Jobst 8. Jodocus. 
Joeh- s. Joachim. 
Jock- s. Jacobus. 
JM- 8. God (einst. K.). 
Jodocus II. griech. etwa „Pfeile enthaltend" : 
St. Jodocus. 

FN. Jobst — Jost (vgl. bair. VN. Jobst, 
hoU. Joost). Zus. Jostarndt (doch s. 
auch Justus). Gen. Josten. Patr. A. 
Jösting. 
Johannes II. hebr. Jehochanan „Gott >ist 
gnädig"; Johannes der Täufer (24. Juni»; 
Johannes d. Apostel u. Evangelist (27. Dec.). 
Dieser als VN. sehr beliebte Name hat eine 
fast unübersehbare Menge von FN. hervor- 
gerufen. 
FN. 1) Johannes (selten); Johanns. 
Gen. Johannis. Patr. Zus.: Johan- 
nessohn; Johannesson, 

2) Verkürzt im Auslaut: Johann — 
mit den Zus. (bes. westfal.) Aide- 
Johann, ÜJngeljohann. Crroßjöhann. 
Jungjohann. Kochjohann. Lütt- 
johann, Meyerjohann, SchmaJ- 
johann, Wittjohann, — Jöhann- 
pötter (yrest{.), Johansmann. Patr. 
A. Johanning — Joanning. Gen. 
Johannings (ostfries.). Zus. Johan- 
ningmeyer (westf.). Patr. Zus. Jo- 
hannssohn; Johannson; Johann- 
sen; Johannzen, 

3) Zusammengezogen a) mit Hervor- 
hebung des Vocals der ersten Silbe: 

John. Gen. Johns ; Johnen. Patr. 
A. Johner (Baden). 

Vklf. (k) :JoÄnÄ» — Joontjes (ob^.). 
b) mit Hervorhebung des Vocals 
der zweiten Silbe: 

Jahn, Gen. Jahns; Jans — 
Jahn, Gen. Jahns, Zus. Ende- 
jann. FuMjahn (der faule J.j. 
Grotjan. Ottenjan. Schmidtjan. 
Schönjahn (auch Schönian). Stra- 
ckerjan (d. i. schlanker J. Pott). 
Wiesjahn, — Janotte (Johann Otto). 
Patr. A. Janning, — Patr. Zus. Jan- 
son; Jansen; Janssen; Janzohn; 
Janzon; Janzen, 

Vklf. (k) : Janecke; Janeck; Jahnke 
— Jancke; Jank — Jänicke; Jäneke: 
Jänke — Jencke — (hochd.) Jäni- 
chen; Jänigen; Jähnchen. 



Johl 



Kalb 



153 



4) Verkürzt im Anlaut: 

a) Hannes; Hans mit den Zus.: 
Alihans. Großhans. Guthans. Jung- 
hans. Kleinhans. Langhans. Lan- 
gerhans. Schwarzhans. 

Fritzehans ; Fritschhans. Elsen- 
hans. Tlkenhans. Josenhans (Hans, 
Sohn der Else, Ilke oder Eilika, 
Josepha). 

Fuhrhans. Guldenhans. Meister- 
hans. Speckhans. Speerhans. Stall- 
hans. Timmerhans (westf.). 

Hansemann; Hansmann. Hans- 
girg (Hans Georg). Patr. A. Han- 
sing. Hanser (südd., Eröhn., Rei- 
cbel). Sankt johanser (M-ünch.). Patr. 
Zus. Hanson ; Hansen (schlesw.); 
Hanssen. 

h) Hennes. Patr. Zus. Hensen; 
Henssen. — Hensmanns. 

Vklf. (1): Hansel (HanselmannJ. 
Hensel. Zus. Aneshensel (der H. 
des Ahni, Großvaters). Peterhensel. 
Patr. A. Henseler. Niederd. (k): 
Henske; Hensken ; Hänsgen. Hans- 
ken (ostfries.). 

5) Verkürzt im Anlaut und Auslaut 
(zusammenfließend mit Hagan). 

a) Hanne; Hawn ('Hannemann). 
Zus. Junghann. Junghäni (schweiz.). 

Vklf. (niederd.): Hannicke; Han- 
neken; Hanke. 

b) Henne , Henn in mannigf. Zus. 
Bauerhenne. Eleinhenne. Opper- 
henne. Weherherme. Wiesenhenne. 
— Großhenn, niederd. Grotehen. 
Ju/nghenn. Hartmannshenn. 

Johl s. God (einst. K.). 

John-, J?(hn- s. Johannes 3. 

Jolfs 8. God (V.). 

Jonas II. hebr. „die Taube"; der Prophet. 
FN. auch jüdisch. 

Joonljes s. Johannes 3. 

Joosten s. Justus. 

Jordan II. Jordanes 5. Jh., vermuthlich aus 
altd. Jemandes, womit es wechselt, unter 
Einwirkung des Namens des heiligen Flusses 
umgebildet. Im Gott. ÜB. als Vorname 
im J. 1229. 
FN. Jordan (auch jüdisch). Gen. Jor- 
d<ins; J Ordens — Jördens — Jörrens. 

JSrgr 8- Georgius. 



JSrrens s. Jordan. 

Joseph II. hebr. „er fügt hinzu" (1. Mos. 30, 
24); als christlicher N. von Joseph, dem 
Manne der Maria, stammend. (Kai. 19. März). 
FN. Joseph , Josef. Gen. Josephi. Patr. 
A. Josepher, Patr. Zus. Josephson. 
Verkürzt im Anlaut: Sepp (südd.). 
Jost s. a) Jodocus b) Justus. 
Jowien s. God (V.). 
Juehem s. Joachim. 
Jump- s. Gund (V.). 

JUNG I. got. guggs, ahd. jung, mhd. junc 
„jung". In altd. EN. weit seltener als alt. 
FN. Jungman: Jungmann. 
Jungarat: Junkert. 
Jungeric: Jungerich. 
Einstämmige Kürzung Jungo: Junge; 
Jung (latinis. Jungius), Ju/ngk. 
Vklf. (1): Jüngel 
Jung a) I. s. das vorhergehende W. b) III. 
(vgl. Hellenbrecht de Junghe 1383 Gott. 
ÜB. I. — auch franz. Lejeune). 
Jttngel s. Jung I. 
Jungbliith III. auch Jungesblut, niederd. 

Jungeblodt (hoU. Jongebloed). 
Jungfer III. Abkürzung aus Jungfrau, vgl. 
Johannes dictus Virgo 1390 Köln. Univ. 
Matr. 
Jungniekel s. Nicolaus. 
Junkert s. Jung I. 

Junker III. aus mhd. juncberre „junger 
Herr" (herre Bezeichnung des ritterlichen 
Standes). 

FN. Junker. Gen. Junkers. 
Jttrg-, Jttrr- s. Georgius. 
Justus II. lat. der „Gerechte". 

FN. Justus; Just — Jost. Gen. (lat.) 
Justi — (deutsch) Joosten, Joesten 
(oe = 6, ostfries.). 

Käehler III. „Kachelmacher, Töpfer", vom 
ahd. chachala mhd. kachele irdenes Ge- 
schirr („Kachel" noch schweizerisch, tiro- 
lisch in diesem Sinne). 

Kaiser III. s. S. 42; auch in der Schreibung 
Kayser, Keiser. — Selten in der ursprüng- 
lichen lat. F. Caesar. 

Kalb III. zu den Thiernamen (S. 48. 60), vgl. 
Cuonrad calf , calp vitulus 1219. Cuonrad 
dict. Kelbelin. 



154 



Kalff 



Kamp 



FN. Kalb. Niederd. Kalif, Zus, Som- 
merkdlh. SonnenkcUh. 

Kalff 8. Kalb. 

Kaltsehmidt III. ahd. chaltsmit, mhd. kalt- 

smit „Schmied, der ohne Feuer arbeitet, 

Kesselschmied". 

-kam s. Kamp III. 

-kamer, -kammer s. Heim III. 

Kämmerer III. ahd. chamaräri, mhd. kame- 
raere, nach dem mittellat. camerarius 
1) „Hofbeamter, der die Aufsicht hat über 
die fürstlichen Gemächer", namentlich über 
die Schatzkammer, auch sonst aufwartet 
und auf Ordnung hält 2) in Klöstern und 
Gemeinden „Verwalter der Einkünfte". 
FN. Cammerer — Kämmerer. 

Kftmmerlingr III. ahd. chamarlinc, mhd. 
kemerlinc „Kammerdiener". (Das Wort 
noch im ital. camerlengo). 

KAMP I. ahd. camph, mhd. kämpf vom lat. 
campus im Sinne von „Schlachtfeld", wo- 
her nhd. Kampf. 

FN. Kamphard: Kempert — Kempfert, 
Einst. Kürzung Camp-. 
Campo, Chempho: Campo; Campe 
— Kampf — Kempe — Kämp/fe; 
Kempf Gen. Kamps; Kampen. 
Patr. A. Overkämping (Westf.). 
Vklf.(k) : Kempke. Gen.Kempkena. 

Kamp III. aus dem lat. campus, welches 
schon früh in das Niederdeutsche und 
Friesische herübergenommen ist, nament- 
lich ein eingeschlossenes, umhegtes Feld 
bezeichnend , das einem einzelnen Bebauer 
zusteht. Alte ON. auf -camp aus dem 
9. — 11. Jh.; heutige auf -kamp, auch ver- 
hochdeutscht -kämpfen, -kämpfen. 

Eine große Menge FN. auf -kamp findet 
sich in Westfalen, hergenommen von 
einzelnen solchen Kämpen, an denen dieser 
Landstrich so reich ist (S. 74). Dabei tritt 
auch das niederdeutsche Sprachelement hier 
sehr in den Vordergrund. 
FN. Von dem Kampe. Van Kampen 
(Kleve; Kampen Stadt in Holland). 
Zus. 1) nach dem , was auf dem Kampe 
wächst: AppeJkamp (Ä]^ie\'). Birken- 
kamp ; Berkenkamp. Bohnenkamp. 
Buschkamp. Distelkamp. Eichelkamp. 
Ellerkamp (Erlen-). Flaßkamp. Grafi- 
kamp. Haverkamp; Haherkamp. 



Hassdkamp. Heisterkamp, Hdt- 
kamp, Horstkamp. Kleekamp. Lüm- 
kamp (Lein-). Lohkamp. NetteOcamp 
(Nessel-). Boggenkamp. Böbekamp; 
Röwekamp (Rüben-). Schleenkamf. 
Wiedenkamp (Weiden-) — 

oder sich dort aufhält (Thiere): 
Ahlkamp. Hasenkamp. Kreienkamp. 
UhUnkamp (Eulen-) — 

oder überhaupt sich dort befindet: 
Brüggenkamp (Brücken -). Kiesekamp. 
Kleinemoorkamp. Kottenkamp (s. 
Kothe). Kreutzkamp. MiMevkamp. 
PoÄZÄawip (Pfuhl-). Steinkamp. Wm- 
serkamp. 
2) Nach der Lage und Beschaffen- 
heit des Kampes: Altkamp. Hoff- 
kamp. Hokamp — Hogetikamp (eUip- 
tisch: auf dem hohen K.). Körten- 
kamp (auf dem kurzen K.). Langen- 
kamp (auf oder von dem langen E.) 
Ostkamp; Osterkamp. 

Verhochdeutscht in -kämpf: v. Heide 
kämpf (vgl. 0. Heidekamp in Hol 
stein). FlaJSkampf (s. Flas). Linden 
kämpf. Lohkampff, Mühlenkampf. 
Siedenkampf (der auf dem ^niedrigen 
Kamp" ; wie manche Orte in Noid 
deutschland durch den Zusatz Hoben 
und Sieden- unterschieden werden) 
Tellkampf. 

Abgestumpft in -kam: Breitenkam 
Kleekam. Osterkam. 

Ableitung auf -er (westf.): Kämper, 
meist mit e: Kemper. Gen. Kern- 
pers. — Zus. Berkenkemper. Engd- 
kemper. Fahlenkemper (Fohlen-)- 
Haarkämper (Haar = Anhöhe aaf 
einer Haide). Hasenkämper. HeO- 
kämper. Holtkemper. Kieskemper. 
Kortenkemper, Kottenkemper. Krütz- 
kemper (Kreutz -). Lehmkämper. Loh- 
kemper. Nordkämper. Pagenkämper 
(Page = Pferd). Piererikemper (Re- 
genwürmer- ?). Hoggenkämper. Steg- 
kämper. Strotkemper (Straßen-). Siu- 
tenkemper. Südkemper. Weiden- 
kämper. 

Auch als erster Theil der Zusam- 
mensetzung findet sich Kamp in: 
Kampmann; Oberste Kampmann. 
Kampmeyer — Kampfmeyer — Ka»- 



Eamp- 



KeUer 



155 



meyer. Kampf müller, Kampfwirth. 
Kampfschulte, — Kampfranz. 
Kamp- 8. a) Kamp I. b) Kamp III. 
-kamp s. Kamp III. 
KSmp- s. Kamp I. 
Kampe a) s. Kamp I. b) Ortsbezeichnung s. 

Kamp III. 
-kftmper s. Kamp III. 
Kampf- s. a) Kamp I. b) Kamp III.. 
- kämpf 8. Kamp III. 
KSmpf- 8. Kamp I. 

Kamphaas III. Fleischermeister in St. , nennt 
sich, seit es einen Finanz -Minister Camp- 
hausen in Preußen gegeben: Kamphausen. 
Kannengießer III. „Zinngießer*" ; man sieht 
aus dem N., daß das Gießen von Kannen 
einst die wichtigste Arbeit in diesem Hand- 
werke war („Kannengießer- Straße" in Braun- 
schweig). 
FN. Kannegießer; Kanngießer , Cann- 
ffießer, Niederd. Cumiegieter (Klemp. 
Kannegeter). 
Kant, Kantz s. Gand. 
Kanzler III. ahd. chanciläxi, mhd. kanzelaere 
aus mittellat. cancellarius „Vorgesetzter der 
Kanzlei^. 
FN. Kanzler, Cantzler. Mit Umlaut 
Kentzler, 
Kaphengst IIL vom mhd. kappen „verschnei- 
den«. 
Kapper s. Kaspar. 

Kapphammel III. vom mhd. kappen „ver- 
schneiden". 
KABAL I. ahd. charal, karl „Mann" (Kerl). 
FN. Karlman: Karlmann, 
Einst. Kürzung Karal-. 
Carol: Karel — Karle; Karly Carl — 
(zerdehnt) Kardd — Kerl — Keerl. 
Gen. Carels — Karls — Kerlen. 
Patr. A. Kerling. Patr, Zus. Carlsohn. 
Kftreher III. oberd. „Kärrner", von Karch 
„Karren", ahd. karruh aus lat. carruca Eeise- 
wagen. 

FN. Kärcher — Karcher, 
Kardel s. Karal. 
Karlanf s. Gar (V.). 
Karsjens, Karst- s. Christianus. 
Kasehube III. ein „Kassube (S. 82). Auch 

verkürzt Kaschuh. 
Kaspar n. persisch Kansbar „Schatzmeister", 
nach der Legende einer der h. drei Könige 
(Kai. 6. Jan.). 



FN. Kaspar, Caspar; Casper — süd- 
deutsch Kapper (s. Melchior Mejrr, Er- 
zählungen aus dem Eies). Gen. Caspary 
(auch jüdisch) — Caspers. 

Vklf. Kasperl (bair.). — Zus. 

Kasparhaii£r. 

Mit Erweichung des k (schon bei Klemp. 

neben einander Kaspar, Gaspar, Jas- 

par) : Jasper, Gen. Jaspers (ostfries.). 

Patr. Zus. Jespersen. 

Kassebaum III. halbniederd. statt karseboom 

„Kirschbaum". Auch Kessebohm. 
Kassebeer III. niederd. statt Kaisebeere 

„Kirsche" (lat. cerasum). 
Käst- s. Christian. 

Kastner III. „Verwalter des Komkastens" 
d.i. Getreidespeichers, dann, weil aus den 
Getreide- und Fruchtzinsen sich die Steuern 
entwickelten, hie und da = Amtmann über 
alle Einkünfte „Kentmeister". So an Höfen 
ein Hof kastner, in Klöstern ein Pater Kastner. 
FN. Kastner — Kästner, Kestner. 
Kathmann, Käthner s. Köther. 
Kauer- s. Kun (V.). 

Kaufmann HI. ahd. choufman, mhd. kouf- 
man „Handelsmann" (s. Krämer). 
FN. Kaufmann, häufig Kauffmann, Nie- 
derdeutsch Kopmann, Koopmann, Gen. 
Koopmanns, 
Kaolbars HI. deutlicher Fischname. 
Kaulfuß III. „Klumpfuß", von Kaule = Kugel, 

schon mhd. kugele zsgz. küle. 
Kaunert s. Kun (V.). 
Kaupert s. Gaw. 
Keb- s. Gab (V., einst. K.). 
Keerl s. Karal. 
Kehr- s. Gar (einst. K.). 
Kehrein III. Satz-N. „kehr ein". 
Keil s. GaU. 
Keiper HI. „Fischmeister", Aufseher über 

Fischereien (ostpreuß.). 
Keiser s. Kaiser. 

Keller III. mhd. kellaere aus lat cellarius 
1) „Kellermeister", Schaffner 2) Kammei> 
beamter; wie vom herrschaftlichen Kasten 
ein Kastner, so bekam vom herrschaftlichen 
Keller ein Keller (KeUner) als Eentbeamter 
seinen Namen (cellarii am Hofe Karls d. Gr.), 
der urspr. die Weinberge und Weingülten 
samt den andern Einkünften, die in die 
Keller einzuliefern waren, zu verwalten hatte; 
bei geistlichen Stiftern der Beamte, der die 



156 



Kellner 



KirieleiB 



EÜDkunfte rerwaltet, die für den Tisch ge- 
ordnet and — oft mit dem Kästner eins 
3> Inhaber eines .Kellerhofes'', einer Art 
Höxter in einigen Theilen Schwabens und 
der Schweiz. (Walter der Kellaer 1288). 
¥S. KtUfr. Lat (rücklatinis.) Cellarius. 
Auch Kenner, 

KtUmer III. mittellat. cellenarius, ah<L kel- 
nari. mhd. kelnaere = keller (Conrade Kei- 
ner, aach C. Keller genannt 1379 BacnL). 

KeM|i- s. Kamp L 

-kemper s. Kamp III. 

K«itel s. Gand. 

Kmtzler 6. Kanzler. 

Kerke lU. niederd. „Kirche*', in Zus. wie 

Kertenbrock (Kirchenbruch); Kerkhei. 
Kerl- s. KaraL 
KenthsMm s. Christianns. 
Kene III. „Kirsche*', aus lat cerasum, in 

Zus. wie Kersenbrock (-bmch), Kerßen- 

hroick — Kessemeyer. 

Kerst- s. Christianus. 

Kesseler IlL ^Kesselschmied". Auch Keßler. 

Kesselhake III. Haken, an welchem der Kessel 

über dem Feuer aufgehängt wird. 
Kesselhut III. eine „Pickelhaube in Kessel- 

form". Auch niederd. Ketdhod. 
Kest- s. Christianus. 
Kestner s. Kastner. 
KetelbSter III. niederd. „K^selflicker'' (böten 

= hd. büßen, d. i. urspr. bessern). 
Ketelhod s. Kesselhat 
Kenn- s. Kun (V., einst. K.). 
Kiefer s. Küfer. 
Kiekuth III. niederd. Satz-N.: „schau aus** 

— doch zunächst wohl ON. und von daher 

übertragen. 

Kienbaum III. mhd. kinboum „Kiefer''. 

Kieale s. Kun (einst. K.). 

Kiep- 8. Gab (V., einst. K.). 

Kier- s. Gir. 

Kiersehner s. Kürschner. 

Kies- 8. Gis. 

Kiesel- s. Gisal. 

Kieser III. „Prüfer" ; in den Städten Deutsch- 
lands waren solche K. besonders für Getränke 
und andere Lebensmittel angestellt. 

Kiesewetter in. Satz-N. „der das Wetter 
prüft, Wetterspäher" (Gudrun 903: Fruote 
bi dem lüfte kiesen dö began). 

Kieß- s. Gis (Gisal). 



Klewitt in. väsAetA. der Kiebitz, sprichwortl. 
wegen seines Zidaackfliigeg ; dalior „Kiebitz- 
gang". (EirerhardiiB Kjvit Köln. Uni?. Matr. 
1390). 
Kilbert s. GisaL 

Kulan IL ein Schotte, Apostel der Franken 
im 7. Jh. 

FN. Küian; KOgan. 
Killmer s. GisaL 
Kimmerie s. Kun (V.). 
Kirehe IIL ahd. kirichä, mhd. kirdie, alt- 
sachs. kirika, kerika, altfries. kerke, ktrke 
(ausgriech. xvqioxov „Haas des Herrn, Gottes- 
hans" — nach der Annahme, die immer 
noch am wahrscheinlichsten). In ON. -kirdt^ 
'kirchen (elliptischer Dativ); niederd. -kerk. 
FN. 1) Altenkirch. Neukirch. TaufkirtA 
(0. -en 4 mal Kitt), v. Tippds- 
kirch. 

2) Giesenkirchen. Herrenkirchen. 
■ Odenkirchen. Bodenkirdten. Born- 

merskirchen. 

Halbniederd. Nienkirchen (Mek- 
lenbuig), hochdeutsch Neunkircken 
(häufig ON., wohl aus Neuenkirchen 
zsgz., zumal bei Dörfern, wo eine 
solche Menge von Kirchen doch 
nicl^ uizunehmen). 

3) f oo^fiJkerÄ; (vgl. Elranp. FN. Hogen- 
kerke). 

Ableitung auf -er (oberd.): 
Feldkirchner. Neukirchner. See- 
kirchner. Steinkirchner. 

Kireher m. mhd. kiichaere „Küster" 2) ge- 
kürzt aus Kirchherr, d. i. „Pfarrer". 

Kirehhoff lU. „der am Kirchhofe" vgL fiies. 
ürkund : roleff bi den kerkhoue (Pott, S. 549). 

Kirehmaim a) I. ahd. Kirihman (aus dem 
9. Jh. als PN. nachgewiesen durch Förste- 
mann, vgl. auch d«i rhein. Namen Kirchartz, 
der auf einen altd. Nomin. Kirihhart zurück- 
weist) b) III. mhd. Mrchman Eingesessener 
einer Gemeinde, „Gemeindeglied**, im (Jegen- 
satz zum Ausmann, ü^an. 

Kirehner III. mhd. Idrchenaere „Küster, Mes- 
ner", bes. ün sächsischen Yc^tlande üblich. 

-kirehner s. Kirche. 

Kirieleis IL aus dem kirchlichen Bufe (grieeb.) 
kyrie eleison „Herr, erbarme dich", vgl. 
Bechtold Kyrieleyson 1366 (Weisthümer 3, 
419). Noch weiter verkürzt Cyrlis. 



Kirmes 



Knochenhauer 



157 



Kirmes III. aus mhd. Kirchmesse, „Fest zum 
Andenken an die Einweihung einer Kii'che" 

— (Zeitaiame, vgl. Tag). 
FN. Kirmes-, Kirmß. 

Kirsehner s. Kürschner. 

Kirsehstein s. Christianus. 

Kirseht-, Kirst- s. Christianus. 

Kirwald s. Gir. 

Kiß s. Gis. 

Kist 8. Christianus. 

Kistenfegrer III. der „Kisten fegt d. i. aus- 
räumt", plündert. 

Kistmaeher III. der „Kisten macht", Tischler. 
Niederd. Kistemaker, latinis. CJielopoeus. 
Entstellt Küstenmacher. 

Kittel III. mhd. Kittel, ein Kleidungsstück 

— mit der Zus. Weißkittel. 
Klaas, Klagr-, Klas, Klaß s. Nicolaus. 
Klau- s. Glaw. 

Klaus- s. Nicolaus. 

Klee III. mit der Zusammens. Grüneidee. 
Auch Kleeblatt (vielleicht mit mystischer 
Beziehung als Sinnbild der Dreieinigkeit, 
wie in Irland, wo es sogar in diesem Sinne 
Nationalzeichen ist). Kleemann. Kleemeyer. 
Schubert Edler von dem Kleefelde (S. 58). 
Niederd. Kiewer. Zus. Hasenclever. 

Kleienstäuber III. nach Hoifmann, Kasseler 
Namenb. S. 69, Bezeichnung des „Müllers". 
FN. Kleyenstäuher , zsgz. Kleinstäuber — 
auch Kleyenstiiber ; Kleinstüber, 

Klein, Kleine III. der „Kleine". Doch wei- 
sen FN. wie Kleinhard, Kleinert (Gen. 
Kleinertz)^ Kleinecke darauf hm, daß dieser 
Stamm schon im Altdeutschen zur Namen- 
bildung verwendet worden, dann im Sinne 
von „fein, sauber". 

Kleinsehmidt III. Gegensatz zum Grobschmied : 
ein Schmied , der kleine , d. i. feine Arbeiten 
macht; bez. hauptsächlich der „Schlosser", 
dann den Büchsenschmied, Sporer, Uhr- 
macher. 

Kleinsorge III. der sich wenig d. i. (bes. nach 

mhd. Ausdrucksweise) gar keine Sorge macht. 
Klemens, -t s. Clemens. 
Kliebensehedel s. Klubeschedel. 
Kliefoth III. niederd. statt Kliefuß. vom ad. 

cliuwa Kugel, Knäuel, also = Klumpfuß. 
Kllngr III. ahd. chlinga, mhd. klinge „Ge- 

birgsbach, rauschender Bergstrom", in Zus. 

wie Klingmüller. 



Klingspor III. „mit klingendem Sporn". 

Klobelauch III. ahd. klobelouh, mhd. dobe- 
louch von kliuban spalten, entstellt knobe- 
louch „Knoblauch" (auch ON.). 

KlSckner s. Glöckner. 

Klode 8. Hlod (einst. K.). 

Kloos, Klos-, Kloss- s. Nicolaus. 

Klostermann III. mhd. kldsterman „Mönch". 

KWter 8. Hlod (V.). 

Kloth 8. Hlod (einst. K.). 

KlVtseh, Klott s. Hlod (einst. K.). 

Klubertz s. Glaw. 

Klubeschedel III. Satz-N. „ein Scbädelspalter" 
(S. 52), von „klöben" ahd. klioban, mhd. 
klieben und klüben spalten. 

Klubeseheit III. Satz-N. „der Scheite spaltet". 

Klute s. Hlod (einst. K.). 

Klttter 8. Hlod (V.). 

Klutendreter III. (Aachen) der „Erdklöße 
tritt", Spottname für einen Landbauer. 

Klutt 8. Hlod (einst. K.). 

Klttver III. „Holzspalter" (s. Klubeseheit und 
-schedel). 
FN. Klüver. Gen. Klüvers. 

Knabe III. ahd. chnabo, mhd. knabe „Knabe, 
junger Bursche", bes. ein im Dienste eines 
Höheren stehender; mit knappe, kneht mehr- 
fach gleichbedeutend. 

Knappe III. Nebenf. zu Knabe (wie Kappe zu 
Babe) ahd. chnappo, mhd. knappe 1) Knabe, 
Jüngling, bes. „der Bitter werden will" 
2) „Diener, Lehrling, Geselle". 
FN. Knappe; Knapp. 

Kneelit III. mhd. kneht sinnverwandt mit 

knabe und knappe, daher auch in der Bed. 

„Lehrling, Geselle", wie in smidekneht. 

FN. Knecht. Zus. Haußknecht. Kammer- 

knecht. Mahlknecht (Müllergeselle). 

Schuknecht. Wagenknecht. 

Knie III. „ein im Waldwinkel liegendes Stück 
Land", in FN. wie Kniemeyer, -möller. 

Knieriem III. ein „Gurt über dem Knie", 
das unentbehrliche Beistück der kurzen 
Landsknechtshosen, jetzt nur noch ein Ge- 
räthe der Schuhmacher. Vgl. Cunrad cog- 
nom. bintiiemo 1239. 

Knoblaueh s. Klobelauch. 

Kuoehenhauer III. „Schlächter, Fleischer", 
noch jetzt in Braunschweig die übliche Be- 
zeichnung, wo sich schon 1380 der FN. 
Knokenhowere findet (in Hannover eine 
Knochenhauer - Straße). 



158 



Kob- 



Kos- 



Kob-9 Ob- s. a) I. God b) II. Jacobus. 
Koch III. ahd. choch, rahd. koch, altsächs. 
kok aus lat. coquus. 
FN. Koch. Gen. Kochs. Äußerlich latinis. 
Cochius — in anderer Weise Coccejus, 
Gen. Cocceji (S. 64). 

Vklf. (1): Köchle (schwäb.); Köchly 
(Schweiz.). — Köchlin. 
Niederd. Koch; auch Koock, Koke (Kok 
Gott. ÜB. I. ums J. 1373, Klemp. 
Coke neben der Bezeichnung Meister- 
kock = ouerste kokenmeister). Gen. 
Kox, Cox (niederrhein.). 
Der N. Kock findet sich lange vor der 
französischen Einwanderang und ist jetzt in 
verschiedenen Gegenden Norddeutschlands 
unter der Landbevölkerang verbreitet, so in 
Westfalen, Mors, Schleswig; er kann daher 
nicht franz. ürsprangs, aus coq Habn, ent- 
standen sein. 
Och-, Kock s. Koch. 
Koen- 8. Kun (V., einst. K.). 
Koerts s. Kun (V.). 
-kofen, -kofer s. Hof. 
Köfer s. Küfer. 
-kohl in Zus. wie Herrenkohl ^ Linnenkohl 

s. Kugel. 
Kohn-, Köhu- s. Kun (V., einst. K.). 
Kohr-, Köhringr s. Kun (V.). 
Koll- s. God (V.). 

Kommallein III. bemerkenswerther Satz-N. 
(auf die Einladung zu einem Stelldichein 
deutend ?). 
Kompert s. Gund (V.). 
Kon- s. Kun (V.). 
Kön- s. Kun (V., einst. K.). 
Onig Ilf. heutiger FN., durch verschiedene 
Ursachen veranlaßt 1) durch persönliches 
Hervorragen in der Umgebung (Schützen- 
könig u. a., jetzt Eisenbahnkönig u. s. w.) 
2) durch N. von Häusern, bes. wohl von 
Gasthöfen (König von Spanien u. a.). — Vgl. 
franz. Leroy. 

FN. König; Königk. Gen. Königs (doch 
ist bei diesen N. auch der altd. Stamm 
Kun zu vergleichen). Zus. Bübenkönig. 
Ounicke s. Kun (einst. K.). 
Koock s. Koch. 
Koops s. Jacx)bus. 
KSper s. Küfer. 

Kopf III. ahd. chuph, copf, mhd. köpf aus 
mittellat. cuppa Faß 1) Trinkschale, Becher 



(so Glaßkopf FN. 15. Jh. = Glasbecher, 
Glasnapf). 2) Hirnschale, Kopf. 
FN. Kopf vgl. Chono der Chophe 1175. 
IHric. der Chopf 1225. 

Mannigfache Zus., sämtlich wohl in dem 
Sinne des Körpertheilß: Breitkopf. Groß- 
kopf. Hartkopf, halbniederd. Barde- 
köpf Krauskopf y niederd. Krushoji. 
Eothkopf. Buhkopf (halbniederd. = 
Eauhkopf). Schönkopff, Schwartzkopff 
(Nie. Zwartekop Kalend.). Weißkopf, 
niederd. Wittkop. Wullkopf, niederd. 
Wullkop — 

nach Thieren (z. Th. vermuthlich durch 
Häuserzeichen vermittelt) : Hönerkopf 
(halbniederd. == Hünerkopf). Ochsenkopf, 
niederd. Ossenkop. Behkopf Rinds- 
kopf. Boßkopf, Schellkopf. Welskopp — 
nach Pflanzen: Mohnkop und Mahn- 
kopf. 
Opke s. Jacobus. 
Kopmann s. Kaufmann. 
Koppold 8. God (Y.). 
K?(rber III, „Korbmacher". 
Kord- s. Kun (V.). 

Korn III. got. kaum, ahd. mhd. kom „Fracht- 
kom, Getreidekom". 

FN. Korn. Zusammens. Femkorn^ Viern- 
körn vom Eigenschaftsw. fem „vorig* 
(Firnewein u. a.). Gerstenkorn. Grün- 
korn, Haferkorn; Haherkorn (Ruprecht 
flaberkom 1385). Hirsekorn. Klövt- 
körn (Spaltkom, in welchem Sinne?). 
Pfefferkorn (Welcher Phefferkom 1282). 
Senfkorn (Ev. Matth. 13, 31). Sommer- 
körn. 
Kombluhm III. deuthcher Pflanzen -N. (cen- 

taurea cyanus). 
Kornbrust s. Probst. 

Körner III. 1) vom got. quaimus, abd. quim. 
mhd. küm Mühle, also „Müller« 2) von 
Kom: „Komkäufer". 

FN. Körner — selten noch in der älteren 
F. Querner. 
Kornmesser III. mhd. komme^^er „vereidig- 
ter G^treidemesser", ein öflTentlicher Beamter. 
Kort-, Kört- s. a) I. Kun (V.) b)in.nieA 

=» kurz , in Kortenkamp u. a. 
Kortum III. niederd. „kurz um«, nach dem 
Bremer Wörterb. ein kleiner, hurtiger Mensch. 
Auch Koi'tüm. 
Kos- s. Goz (V.). 



Köster 



Kraashaar 



159 



KSster s. Küster. 

Kothe a) I. s. God b) III. geringeres Baaem- 
haus, urspr. ohne Feld und Hofstätte, nar 
mit einem Garten; es ist dann freilich auch 
vielfach etwas Land mit solcher Kothe ver- 
einigt worden , doch nicht bis zu einer vollen 
Hufe. Hauptsächlich niederdeutsches Wort, 
auch in ON. ziemlich häufig: - kaihej - kathert^ 
-kothen, - hotten. 

FN. Kothe (auch Kothe — das e soll die 
betreffende Familie für schweres Geld vom 
Landesherm erstanden haben , s. Pauli II, 
S. 5). 

Zus. Boßkoth. — Hollkott, Oldenkott. 
Hofstkoite, Geilenkotten. Vierkotten. 
(Henricus Bemekotte Köln. Univers. Matr. 
1390.) Kothmeyer — Kottmeyer. 
KUther HI. „Inhaber einer Kothe^. 

FN. Köther, Zus. Buschköter (der K. in 
dem Busche). Leimköter (doch wohl = 
Lehmk.). Auch der N. Fetköter gehört 
hierher, wie die Nebenff. Vettköttei' 
(Vegesack) und Fettkotter beweisen. 
In Nordost-D. heißt die Kothe: Käthe, 
Käthen, daher: Käthner. Kathniunn — 

in Westfalen KoUe, daher „Kötter" (s. 
Inmaermann Münchhausen III, 56: „daß ich 
den Halbhüfner , den Kötter und wer es sonst 
sein mag, jeden nach seiner Gebühr nennen 
maß*'). In dieser F. ist das Wort reich an 
Zus., die alle in Westfalen heimisch sind: 
FN. Baumkötier. Buschkötter. Feldkötter. 
Flurkötter, GrundköUer. Heükötter 
(Haid-). HoUkötter, Horstkötter. Kamp- 
kötter. Ktihlenkötter. Marschkötter (s. 
Marsch). Pohlkötter (s. Kühl). Biet- 
kötter (s. Bied). Sandkötter. Strot- 
ifcdttcr (Straßen-). VenneköUer \b. \enn). 
WinkelköUer. Wieskötter — sämtüch 
wohl nach der Wohnstätte benannt , wäh- 
rend Mörtenkötter eine Zus. mit dem 
VN. Martin zu sein scheint. 

Anderer Art sind Neukötter. Hunde- 

hötter (vgl. den niederl. Maler Honde- 

koeter). Schniederkötter. Schultenkötter 

(der K. des Schulzen). Schüttenkötier. 

•Mter 8. Köther. 

K^tt- 8. a) I. Gk)d (V., einst. K.) b) III. 

Kothe. 
-k*tt, -kotte» -ketten s. Kothe. 
-kMter s. Köther. 
letttof 8. God. 



Kotz- 8. 1) (Jod (einst. K.) 2) Goz. 
Kox s. Koch. 
Kraeht s. Kraft. 

KRAFT I. ahd. mhd. kraft „Kraft; Heeres- 
macht". 
FN. Kraftheri: Krefter. 
Einst. Kürzung Graft, Grabt: Kra/ft — 
Kracht. Patr. A. Krefting. 

Kragen- III. mhd. krä, kraeje, kreie „Krähe" 
in Zus. wie Krägenbrifik. 

Kramer s. Krämer. 

Krämer III. ahd. chramari, mhd. krämaere, 
kramer, kraemer der „Krämer**, Kleinhändler, 
im Gegensatz zum „Kaufmann**, der mehr 
den Großhändler bezeichnet. Dem Krämer 
fiel zum Handel Alles anheim, was „Pfen- 
nigsgewerbe** war. (Schon 1175 Ghunrad 
Chramar). 

FN. Krämer^ Cremer — Kramer, Cramer. 
Gen. Kramers (niederrhein.). 

Kranefaß in. „Kranichfuß**. Auch ZroÄw/w/. 

Kranewitter III. vom ahd. khranawitu „Wa- 
cholder**. Entstellt in Kronawetter; Krone- 
bitter; Kronenhitter (Steub). 

Kranieh lU. der bekannte Zugvogel. Ygl. 

franz. Lagrue. 1) Hauszeichen (S. 60) 

2) Eigenschaft bezeichnend, namentlich die 

Schlankheit (S. 48). 
Kranold s. Hraban. 
Kranz III. mit den Zusammens. Maikranz 

(S. 45, doch auch ÖN.). Bautenkranz, 

Bosenkrantz (s. auch S. 68). 
VUf. Kränzlein, 
Kratz -9 Krfttzel s. Pancratius. 
Kraus, Krauß III. 1) s. Krause 2) der 

„Krug**; so namentUch in der Zus. Stein- 

krauß „Steinkrug**. 

Krause III. von dem Eigenschaftsw. , der 
„Kraushaarige** (Crispus). Hainrich der kruse 
1304 (S. 50). 

FN. Krause; Kraus (letzteres süddeutsch, 
z. B. in München 1876: 44 mal Kraus 
und Krauß, Krause nur 3 mal, dagegen 
in der Preuß. Eang- und Quartierliste 
von 1874 Krause 50 mal. Kraus (Krauß) 
nur 4 mal). 
Niederd. Kruse, Gruse. — Latinis. 

Crusius. 

Kraushaar III. == dem Vorhergehenden. 
Yolz von Nüwenegge den man da nemmet 
Crushar 1347 (Bacm.). 



160 



Kräuter 



Kükenbiter 



Kräuter III. „Gemüsegärtner und -Händler" 
(auch Apotheker). Niederd. Krüdener. 

Krautwigr s. Hrod (V.). 

Kreft III. (mit langem offenem e) niederd. 
= Krebs. Auch Krehsscher findet sich 
als FN. 

Kreft- s. Kraft. 

Kreie HI. mhd. kraeje, kreie „Krähe", in 
Zus. wie Kreienkamp^ Kreymeyer, 

Kreikenbaum III. (haJhniederd.) mhd. khe- 
chenboum von krieche d. i. schlechte Pflaume. 

Kreith III. = Greut, Gereute von „reuten"; 
Kreitmeyer = Greutmaier (Steuh S. 13). 

Kretsehmer III. mitteld. crecimer, aus dem 
slav. karczmarz „Schenkwirt", bes. in Schle- 
sien, Posen, der Lausitz, wo auch die Dorf- 
schenke „Kretscham" heißt. Seit dem 14. Jh. 
von Osten her bis nach Thüringen und weiter 
verbreitet, im 16. Jh. z. B. Luthem ganz 
geläufig, jetzt zurückgewichen und auf die 
östlichen Grenzländer beschränkt. 
FN. Kretschmar, Cretzschmar (mit Be- 
wahrung des ursprüngl. a); Kretsehmer 
— Kretzmer, 

Kreuuert s. Gron. 

Kridewiß III. „kreideweiß". 

Krim- s. Grim. 

Kring- s. Hring. 

Kroger s. Krüger. 

Krohnfuß s. Kranefuß. 

Kroloff s. Hi-od (V.). 

Krommiuga s. Hrom. 

Krön III. a) in Adels -N. von dem Hauptw. 
„Krone" : v, Äbercroti. v, Ohlen u. Adlers- 
kron — dagegen 

b) von „Kranich", niederd. kran, krön in: 
Kronbiegel (Kranichbühl, vgl. Kronschna- 
bel, Crohnsuest). Kronenieyer. 

Kronawetter, Kroneubitter s. Kranewitter. 

Kronymus s. Hieronymus. 

Kr»ter a. Hrod (V.). 

Krttdener s Kj-äuter. 

Krudewig s. Hrod (V.). 

Krüger III. mhd. krüeger „Schenkwirt" (auf 
dem Lande). 

FN. Krüger j Crüger. Zus. Altkrüger. 
Heidkrüger (d. Besitzer des Haidekruges). 
Niederd. Kroger. Zus. Buschkröger, 

Krumbiegel, Krumbiigel s. Bühel. 

Krunert, Krttnert s. Gron. 

Kruse s. Krause. 

Kruskop III. niederd. „Krauskopf" (s. Kopf). 



Kruttge s. Hrod (einst. K.). 
Krutwig s. Hrod (V.). 
Krystians s. Christianus. 
Kttbler III. 1) Verfertiger von Kübeln, „Böt- 
ticher" 2) „Häusler", = Köhler (Franken 
und Oberpfalz). 
Kuchen III. in mehrfachen Zusammens.: Eier- 
kuchen. Ffannkuche. Pustkuchen (Ascheo- 
kuchen). Matzkuchen (die ungesäaerteo 
„Matzen" s. Matzbecker). 
Kuchenbeißer III. vgl. Fleischfresser. 
Kttchenmeister III. magister ooquinae, vor- 
nehmere Bezeichnung für Koch. 
KUehler III. „Kuchonbecker". 
Küfer in. mhd. küefaere 1) der „Kufen and 
andere große Gefäße macht'', daher aach 
Großbinder und Schwarzbinder genannt, zum 
Unterschiede von den Kleinbindem, W&&- 
bindern oder ßothbindem, welches die ge- 
meinen Bötticher sind. 2) Diener und Aof- 
wärter in großen Kellereien", bes. in Wein- 
kellem und Weinhäusem. 
FN. Küfer — Köfer — (mit der mittel- 
und oberdeutschen Aussprache des ü) 
Kiefer. 

Mit dem n der schwachen Bildung: 
Küfner. 

Niederd. Küper — Köper. (Jen. finy- 
pers (Geldern). 
Kugel III. ahd. cuculä, mhd. kugele, gugeL 
kogel , vom lat. cucullus „Kappe , über den 
Kopf zu ziehen, Kapuze''. 
FN. Liwnekugel, auch lAnkogel, Linne- 
kvMy Linnenkohl; daraus umgedeutet 
Lindenkohl. Bothkugel^ niederd. Rodf- 
kogd. Wittkugel, 
Ktthfaber IH. entstellt aus Kiffhabor s. Haber. 
Kuhle UI. niederd. „Grube"; in Ortsbezeicb- 
nungen. 

FN. Goldkuhle. LehmhuM (O. Lehmkuhle). 
Sandkuhl — Sandkaül. Voßkuhl. 
Ableitung auf -er (bes. westfälisch): 
BuschkuhUr. Flaßkuhler (Flachs). 
Lehmkühler; Leimkühler. Sand- 
kühler. Steinkühler. 
-kflhler s. Kuhle. 

Kuhn-, KfUm- s. Kon (Y., einst K.). 
Kflhnapfel IIL verderbt aus Eäenapfel, wie 

Kühnbaum aus Kienbaum. 
Kuhrt s. Kun (V.). 

Kflkenbiter m. niederd. „Kükenbeißer", ein 
kleiner Baubvogel. 



I 



Knmmer 



^laf 



161 



£iimiiier,Kttmmerl s. 1) Gund (V.) 2) Kun (V.). 
IfLmpel s. 1) Gund (zweist. K.) 2) Kun (V.) 
{flmpers s. Gund (V.). 
^UN I. 1) got. kuni, ahd. kunni, chunni, 
mhd. künne „Geschlecht^ (lat. genus) 2) ahd. 
kuoni, chuoni, mhd. küene „kühn^. 
PN. Chunipald: Kumpel, 

Ohuniger: Königer — Könker — 

Ketmcker. 
Chunihard : Kunhardt ; Cunardt ; 
Kuhnert; Kvhnat; zsgz. Kuhnt — 
Ktmnert — Kuhnert — Conard; 
Kohnert — Köhnert — Kaunert. 
Patr. A. Conerding. 
Chunihari : Kuner — Kuhner — Koner. 
Gren. Kuhners — Coners, Patr. A. 
Conrifig, 
(Eunimar) : Kummer, Vklf. (1) : Küm- 
mert — Kimmerle (schwäb.). 
Kunimund: Kunimund — Kuhns- 

muMd. 
Chunrad, Chuonrat: Kum'ath — Con- 
rath; Conrad — zsgz. Kuhrt — 
Curt (latims. Curtius) — Korth — 
Körte — Körte — 

mit den Zus. Curtmann — Corde- 
mann — Kortmann — Äclcerkurt; 
Großkwrth; Jimgcurt — Mühlen- 
kord — 

Kauert — Kauer. Gen. Con- 
radts^ Konrads — Koewraads 
(sprich: Kon-, ostfries.) — Curdes 

— Kordes — Koerts (ostfries.) — 
Kohrs — Kauers. Patr. A. Kör- 
ting — Köhring — Kauring. — 
Patr. Zus. Cordsen — Corssen, 

Cunirih: Küfmreich — Cohnreich. 
Kuniald: Kunold — Künold; Küh- 
nelt; Kühnhold. Gen. Köhnhoh. 
Einst. Kürzung Kun-. 

Kuno, Chuono, Cono: Cuno; Kühne 

— Kühne ; Khün — Kimne — C(me 

— Kör^ — Keu/ne. Gen. Koens (spr. 
Kons, ostfries.); Kohnen. Patr. A. 
Kunvng. — Köhns; Konen. 

Vklf. a) Chunulo: Kuhnle — 
Kühneü; Kühtidel — KietUe — 
KohfUe. (1 -|- n): Kühnlein — 
Köhnlein, (k) Chunico: Kunicke; 
Kumg — Künnecke — Könnicke 

— Köhnke — Keunecke. Gren. Kön- 
kes, (k -\- 1): Ku^igel. (z) Chu- 

Ueintze, Deutsche Familien - Namen. 



nizo: Ku>nitz — Kunze — Cuontz 

— Conz. Zus. Kunzmann — Soff- 
kwntz; Jungkunz — Schmidkunz; 
Schmidkonz, (z + 1): Kvmzel- 
marm — Küntzel; Künzli (schweiz.) 

— Kienzle. Patr. A. KüntzUng. 
(z + 1 + Ji)* Küntzlm, 

Kflnii* s. Kun (einst. K.). 

Kant- 8. Gund (V., einst. K.). 

Kunz-, Kflnz- s. 1) Gund ("einst. K.) 2) Kun 

(einst. K.). 
Kttper s. Küfer. 

Kttrsehner HI. mhd. kürsenaere, vom ahd. 
chursinna, mhd. kürsen „Pelzkleid^. In 
Mitteldeutschland (Sachsen) Kirschner. ge- 
sprochen. 

FN. Kürschner, in älterer F. Kürssenei'. 
Kierschner — Kirschner — Girschner 
(s. Förstemann Progr. S. 8). 
Kttrsten s. Ghristianus. 
Kurt s. Kun (Chunrad). 
Korzhalz III. = Kurzhals (s. H^^s). 
Kiisteiimacher s. Kistmacher. 
Küster s. Küster. 

Eflster III. ahd. custor, mhd. kuster aus lat. 
custos (templi), urspr. Hüter des Kirchen- 
schatzes und der heiligen Geräthe , dann der 
bekannte Kirchendiener, hauptsächhch im 
protestantischen Norden noch in Geltung. 
FN. Küster. Gen. Küsters (Heinsberg). 
Zus. Küstermann. — Ohne Umlaut: 
Kuster (Kuste^mannJ ; KuMerer, 

Niederd. Köster, Cöster. Gen. Kös- 
ters (Borken). Zus. Köstermann. 

Mit dem n der schwachen Bildung 
Küstner — Köstner, 
Kflter III. ein „Hausschlächter, so in den 
Garküchen schlachtet" (Frisch). In Pom- 
mern (Klemp. Kuter — „Küterthor" in 
Stralsund), Brandenburg. „Wursthof" oder 
„Küterhof", ältestes bekanntes Berliner 
Schlachthaus im 16. Jh. bei dem Heiligen- 
geist-Hospital. 
Euttruf III. ein Trinkgefäß (S. 45). 



L. 

•laeh, -lacher s. Loh. 

•laf a) deutsch s. I^aif b) slavisch, eig. «iav 
„Ruhm", wobei das s mit einem vorher- 
gehenden t zu z oder tz verschmilzt: Butz- 

11 



162 



La&enz 



Land 



laf (S. 6. 83). Mitzlaff („Schwertnihm**). 
Panzlaf u. a. 
Lafrenz s. Laurentius. 

Lagr^ 111- in ON. kann nach Förstemann Orts- 
namen S. 128 dem ahd. läga Lage (situs) 
etwa in der Bed. „Wohnort" entsprechen 
oder einen tiefliegenden Ort bezeichnen: 
altnord. lag Senkung des Bodens, niederd. 
leeg niedrig. Fast ausschließlich im nord- 
westlichen Deutschland. 
FN. Graflage. Kamplage. Snethlage. 
Steinlage. Weglage. 
Laiber s. Laif. 

LA IG L wohl zu got. laikan „springen", laik 

„Lied, Tanz", ahd. leih „Spiel", mhd. leichen 

„spielen" (noch in Luthers Bibel: wider den 

Stachel löken d. i. ausschlagen). 

FN. Lecard : Leichardt ; Leichert — Leikert. 

Einst. Kürzung Laie-. 

Laico: Leich — Leyck — Liehe. 
Häufiger auslautend (60 mal Forst.): 
'lieh: Grerlich. Gen. -lichs: Gierlichs. 
'lick: Göttlick. 
'lach: Gerlach. 
LAIF I. zu got. laifs überlebend, ahd. leiba, 
mhd. leibe Überbleibsel; daher in Namen 
wohl den Überlebendon d. i. „Sohn" bez^ch- 
nend. Berührt und mischt sich mit Liub. 
FN. Leibher: Laiber, Leiher. 

Einst. Kürzung. Patr. A. Laiping: 

Leibing. 
Auslautend seit dem 4. Jh. (in 62 Namen 
Forst.) : 

1) hochdeutsch 

'leib: Isleib (vgl. nord. Isleif). 
'leb: Ortleb, Hartleb neb. -lieb, -leib. 
'lepp: Ortlepp. Garlepp (ahd. Gerleip). 
- lieb (Vermischung mit liub imd Um- 

deutung): Garlieb. Taglieb. 
'lipp: Garlipp. 

2) niederdeutsch 

'lef: Radleff. Gen. -leftt: Kedlefs. 
'laf: Rudlaff. Sielaff (lat. lauus, Gen. 
laui = lavi : Dytlauus, ßolauus, wäli- 
rend die slavische Silbe laf, eig. slav 
durch 'laus gegeben wird: Pribs- 
lauR, Stanislaus). 
liamb-, Lamfried s. I^and (V.). 
Lamle h. I^ind (zweist. K.). 
Jiamm- a) I.h. Ijand(V., zweist. K.) b) Lamm 111. 
beH. woIjI V. Häusorzeichen entnommen (S.60). 
Vgl. Konrad daij l^amb 1281. Zus. Zicklam. 



Mmml- s. Land (zweist. E.). 
Lamp- 8. Land (V., zweist. K.). 
Lamparter III. mhd. Lampartaere „Lombarde'* 
(Lamparten Lombardei). 
FN. Lamparter. Entstellt: Lampater. 
LAND I. got. land, ahd. mhd. lant „Land". 
Seit dem 5. Jh. in EN. nachweisbar. 
FN. Landoberht: Lambracht; Lambert: 
Lambardt — Lamprecht (un KB. 
noch 1762 Landbrecht); Lampert: 
Lamparth — Lammert — Lern- 
pert; Lemper — Lemmert; Lem- 
mer. Gren. Latnbrechts — Lam- 
mertz; Lämmer s — Lempertz - 
Lemmertz; Lemmers. Vklf. (li. 
Lemperle. Patr. A. Lammerding: 
Lammering. 
Landfrid : Landfried — Lamfried — 
Lempfried; Lempfert. Gen. Len- 
fei'8. Zus. Landfermann. 
Landohard: Lannhardt. 
Lanthar: Lander — Lender — Len- 
ter. Zus. Lantermann. Gen. Lenders. 
Landamar: Lendemer, 
Landerich: Lendrich. Pata*. A. Len- 

derking. 
Landoald: Landolt; LandaJü. 
Landoard: Landwerth. 
(Landwig): Landwich, 
Landulf: Landolph. 
Einst. Kürzung Land-. 
Lande: Lande; Land. 

Vklf. (1): Lendel. (k) : Lefideke- 
Lentge — Lenke, (z) Lanzo: Lant:: 
Lantzsch — Lenze; Lenz; Ijentach. 
Patr. A. Lansing. (z -|- k) Lanziko: 
Lanzke — Lenizke. 
Zweist. Kürzung Landb-. 
Lampo: Lampe — Lamm — Jjeuipe 
— Lemme. Zus. Lampsma (ast- 
fries.). Gen. Lemtnen. Patr. A. 
Lamping — Lammenga (ostfiies.). 
. Vklf. (1) Lampolo: Lampd — 
Lamle — Lämmle; Lemmel. Patr. 
A. Lending. (^ -{- n)', Lämwüein; 
Lemlin. (k) Lambioo: Lamcke; 
Lammich — Lemeke; Lembke 
(Lemmeke als Vorname Kalendar.; 
auch Lemke Ebeling = Lamprecht 
E. 1400 Stark). 
Auslautend (44 mal Forst.): 
'land: Uhland. Holandt. 



Land 



Lederer 



163 



Land III. ahd. mlid. laut „Land^ a) in natür- 
Bchem Sinne: Erde, Boden, Acker b) in 
politischem Sinne: Gebiet. Heutzutage haben 
wir im älteren Sinne Heideland, Friedland, 
Bonlanden, im neueren Holland, England, 
Deutschland. 
FN.: Holland, Saamland (das Samland 
in Ostpreußen, die Bemsteinküste). Sauer- 
land (in Westf., entstellt aus Süderland). 
Wendland (das Wendenland in Hanno- 
ver). Seeland. ^ 
Ableitung auf -er (oberd.): 

1) -länder: Ausländer, Harländer 
(Harlanden). Holländer, Kurlän- 
der, Liefländer, Niederländer. 
Mailänder, Ruhländer (0. Euh- 
land). Sauerländer, Voigtländer. 
— Bolender (0. Bolanden). 

2) -lander: Achterlander, Amer- 
lander, 

-lander, -Iftnder s. Land III. 
Landgraf, -grebe s. Graf. 
Landschade III. mhd. lantschade „Straßen- 
rauber" (s. Schade). 
Lange a) I. ahd. Lango zu got. laggs, ahd. 
lang „lang«, b) Hl. vgl. Gott. ÜB. L: 
Giseke nnde Tyle de Langen a. 1366. 
FN. Lange; Lang (letzteres die süd- 
deutsche F., s. Münchener Wohnungs- 
anzeiger 86 mal Lang und nur 5 mal 
Lange — dagegen in Münster 1877: 
23 mal Lange, 3 mal Lang). 
Lannhardt s. Land I. (Y.). 
Lansing s. Land I. (einst. E.). 
Lantermann s. Land I. (Y.). 
Lanwermeyer s. Schnatmeyer. 
Lanz- s. Land I. (einst. K.). 
Lar III. nach Förstomann in ON. am wahr- 
scheinlichsten zu ahd. und altsächsisch läri 
„le'er" (vgl. Öde). 

FN. V, Buttlar, Fritzlar, Goßlar, Lind- 
lar, V, Uslar, 
Lathwesen III. Satz-N. niederd. „laß sein" 
d. h. der es gehen läßt, wie es will. Auch 
Lattweaen, 
Laub- s. 1) liub (V., einst. K.) 2) liud (V.). 
Laudert s. Liud (Y.). 

-lauer s. Loh (Nebenf. für -loher in Eisen- 
lauer u. a.?). 
Uufer HI. Bedienter, der früher in beson- 
derer Livree vor dem Wagen des Herrn 
herlief (noch 1815 während des Wiener Con- 



gresses als Sitte bei den Yornehmen); doch 

auch „lauffer" zum Einbringen der Forderungen 

eines Klosters (Grimm Weisthümer III, 677). 

FN. Läufer — Lauffer. Zus. WetÜaufer. 

Laulf, Laumer s. Hlod (Y.j. 

Launhardt s. Lew. 

Laurentius II. lat. „der Lorbeerbekränzte«; 
der h. Laurentius , im 3. Jh. Diakon an der 
Gemeinde zu Kom, auf einem Roste ver- 
brannt. 

FN. Laurentius. Gen. Laurenti. — Lau- 
renz; Laurens — Lawrenz; Lafrenz; 
Lawerenz — Lobrentz — Lewrenz; Le- 
werentz — Lieber enz — Lorenz; Lo- 
rinz. Gen. Lorenzen (Schleswig). Zsgz. 
a) Lorz. Patr. A. Lortzing (s. Pott) b) 
Patr. Zus. Lohrenson; Lornsen c) Lenz. 
Laus s. Nicolaus. 
Laut- s. Hlod (Y., einst. K.). 
liautseh, Lautz s. Hlod (einst. K.). 
Law- s. Laurentius. 
Leb- s. 1) Liub 2) Liud (Y.). 
-leb 8. a) I. Laif b) III. Leben. 
Leben III. in ON. Nach Förstemann (und 
Pott, der die deutsche Abkunft dieses -leben 
mit triftigen Gründen verficht S. 488 f.) liegt 
das zu liban gehörige got. laiba, ahd. leiba, 
altsächs. lova zu Grunde, im Sinne von „Hin- 
terlassenschaft, Erbtheil". Urspr. auf -leiba, 
-leva ausgehend haben die ON. erst nach 
1100 die pluralische F. angenommen. Jetzt 
etwa drittehalb hundert deutsche ON. auf 
-leben a) in Thüringen (an der Saale, Helme 
und Unstrut) b) im nördlichen Schleswig 
und südlichen JüÜand auf -leben und -lev. 
Neuere ON. wie Kuhleben, Langeslebeu 
sind mit Leben (vita) zusammengesetzt. 
FN. Alsleben. von Alvenslehen, Erxleben, 
Grohleben, von Holleben, Senftleben. 
Tottieben, Wasserschieben (neben 0. 
Wasserleben). 

Mitunter verkürzt in -leb: Bilieb (wohl 
aus ON. Billeben, s. Pauli H. S. 16). 
So ferner Herbstleb neben ON. Herbs- 
leben, Bingleb^ Rinkleb neben ON, King- 
leben, Witzleb neben v, Witzleben, 
Lebereeht III. Satz-N. „lebe recht" (auch 

YN.) — doch vgl. auch Liud. 
Lebhardt s. liub. 
-leehuer s. liehen. 

Lederer III. mhd. lederaere „Lederbereiter" 
(Grerber) s» Reichel, Marburger Gewerbe - 

11* 



llU 



liedold 



Lew 



Verzeichnis Ledrer; in München eine Lederer- 
straße. 

Ledold 8. Liud (V.). 

Leenderts s. Ijew. 

Lefken s. liab (einst. E.). 

Lehen IIL in zahlreichen ON., woneben auch 
-lecken herläuft, theils zuahd. lohan, mhd. 
lehen „Lehen", theils zu got. hlaiv, ahd. 
hleo, mhd. le „Hügel". 

Scheint fast nur oberdeutsch zu sein, 
daher die 

FN. auf -lehfier und -lechner (bes. in 
Österreich und bei den Salzburger Aus- 
wanderern in Ostpreußen): 

Bachlehner neben Bachlechner. Holz- 
lehner. Köberlechner, Müterlehner. 
MoosUhner; Mooslechner. Mühllechner. 
Oherlechner. Bosenlehner, Steinlechner. 
Weitüeclmer, 

Lehmann IIT. mhd. lehenman, zsgz. leman 
ein „Lehnsmann", der kein eignes Erbe hat, 
sondern eines zu Lehen trägt, vasallus; erst 
seit dem 14. Jh. statt des einfachen man. 
Einer der häu%sten N. (S. 42). — Falsch 
latinisirt Ärgelander (vom griech. ägyilog 
Thonerde, als steckte „Lehm" in dem N.). 

Lehn- s. Lew. 

-lehner s. Lehen. 

Leib- 8. 1) Laif 2) Liud (V.). 

Leibkflchler m. „Lebküchler", von Lebkuchen 
d. i. dünner Honigkuchen. 

Leieh- s. Laie. 

Leichnamsehneider III. ehemalige Benennung 
für „Anatom" ; im J. 1755 war (nach Vil- 
mar) Joseph L. Hof- und Burgpfarrer in 
Wien. 

Leichtfuß III. ein leichtfüßiger, auch wohl 
leichtsinniger Mensch = niederd. Lichteuot 
(Klemp.), auch lichtenuot (spr. -vot); daher 
halbniederd. Lichtfuß. 

Leid- s. liud (V., einst. K.). 

LeiendeclLer III. „Schieferdecker", die Lei am 
Mittel- und Niederrhein = Schiefer (S. 42), 
altsächs. leia, aitklevisch leye Fels. 
FN. Leiendecker, verkürzt Leidecker. 

LeilLCrt s. Laie. 

Leinert s. Lew. 

Leip- 8. liud (V.). 

Leiß 8. liud (einst. K.). 

Leit- 8. liad (Y.). 

Leite m. ahd. hlftft, mhd. Ute „Leite, Berg- 
äbliaqg', seit dem 12. Jh. in ON. auftretend, 



jetzt in ein paar hundert Ortsbezeichnungen 
auf ' leite ^ -leit^ -leiten („Birkenleiten" eine 
Stadtgegend in München); -leiäe, -leuten, 
die alle auch einfach vorkommen; -leden. 
FN. Achleiten. 
Viel häufiger in der oberd. Ableitung 
auf -er: 

1) 'leitet: Lecfdeüer. MetterUeiter. 

Sandleiter. SonnerUeüer (an der 

Sonnenseite eines Berges wohnend). 

A 2) -leitner: Leitner. AcMeitner. 

Bergküner. Haberleitner. Hoch- 

leitner. Niederleitner. Oberleitner. 

Sonnleithner. Steinleitner. - 

Haglaitner. 

3) -leutner: Ackkuihner. Hausleut- 

ner. Niederleutner, SchofUeutner. 

-leiter s. Leite. 

Leitgeb IIL mhd. litgebe „Schenlnnrt", vom 
mhd. lit Obstwein. 

FN. Leitgeb ; entstellt Leigöb , auch Leit- 
gebel und Leitgeher. 
-leitliner s. Leite. 
Leitsch, Leitz- s. liud (einst. K.)- 
Lembke, Lemcke,Lemi - s. LandL (z weist E.). 
Lemm- s. Land I. (V., z weist. K.). 
Lemmerzalil UI. m älterer F. Lemmerzagd 

„Lämmerschwanz" . 
Lemp- 8. Land I. (V., zweist. K.). 
Lemtzer, Lemser m. verlnirzt aus Lemnitzer 
(s. Koch, Saalfelder FN.^ aus dem 16. nod 
17. Jahrh. Progr.). 
Lend-, Lenfers s. Land I. (V.). 
Lenhard s. Lew. 
Lenk- s. Land I. (einst. K.). 
Lennartz s. Lew. 
Lent- 8. Land I. (V., einst. K.). 
Lentsch s. I^and I. (einst. E.). 
Lenz 8. a) I. Land (einst. K.) b) U. Lau- 

rentius. 
Leon- 8. Lew. 
Leop-9 Lep- s. Liud (Y.). 
Lerschmaeher s. das Folgende. 
Lersner HI. Verfertiger von lersen d. i. leder- 
nen Hosen, die zugleich Strümpfe und Schöbe 
vertraten (aus niedeiländ. leers, huurs too 
„leer", Leder; noch im 16. Jh.). 
Leube s. liub (einst K.). 
-leutner s. Leite. 

LEW erweitert LEWON L ahd. lewo nnd 
leo, altsächs. leo „Lowe** läßt sich nach 
Förstemann in einer Anzahl Namen nicht 



Lewald 



Liub 



165 



ableugnen (z. Th. schon aus dem 5. und 
6. Jh. nachweislich: Leogisil, Levald), wo- 
durch die Ansicht, daß das deutsche Wort 
nicht aus dem Lateinischen entlehnt, sondern 
urverwandt ist, großen Halt gewinnt (s. auch 
Grimm kl. Schriften V, 499, wo der gotische 
N. Liuva als Löwe erklärt wird). 
FN. Leonard: Löwenhardt — Leotifiardt; 
Leonard — Lonhardt — Lönhard; 
Löhnert — Larmhardt — Lienhardt; 
Lienert - Linhard — Lehnhard; Leh- 
nert — Lenhard — Leiner t. Gen. 
Linnartz — Lenhartz; Lennartz — 
Leenderts (ostfries.). 

Lewald s. 1) Lew 2) Liud (V.). 

Lewerentz, Lewrenz s. Laurentius. 

Lex, Lexer s. Alexius. 

Leyek s. Laie. 

Libbertz s. Liud (V.). 

Liberias IL FN. Borries; Borges — Börries 
(S. 38). 

Liehe s. Laie 

LiehtfniS s. Leichtfuß. 

Liekleder in. Satz-N. „lecke das Leder", 
Spottname des Schusters. 

Lieb- 8. 1) Liub (V., einst. K.) 2) Liud (V. 
Liudb-). 

Lieberenz s. Laurentius. 

Lieberknecht; Liebeskind — Liebknecht; 
LielMSchwager IIL deutliche Zus. dritter 
Schicht. 

Liebetreu IIL Satz-N. (S. 51). 

Lied- s. Liud (V., einst. K.). 

Lief- s. Liud (V.). 

Lieme s. Liud (zweist. K.). 

Lien- s. Lew. 

Liep-, Lier- s. Liud (V.). 

Liesgrang iIL einer der „leise gehf^. Lis- 
ganck 1352. Vgl. Leisentritt. 
FN. Liesgang — Leisegang, 

Liet- 8. Liud (V.. einst. K.). 

Lietsehe, Lietze s. Liud (einst. K.). 

Liewald s. Liud (V.). 

Lilie lU. SinnbUd der Eeinheit (als Wahr- 
zeichen an Häusern S. 59). 
FN. lAlie, V. Lilien. Kühle v. Lilien- 
stern, 

Limb-, Limm-, Limp- s. lind. 

LIND I. vorwiegend zu ahd. lint, altnord. 
linni „Schlange" (noch in Lindwurm), wo- 
neben allenfalls lind Quelle in Betracht kom- 
men könnte (s. Abel S. 17). 



FN. (Lintbrecht) : Liminecht; LimpruM; 
Limpert; Limper; Limmer, Gen. 
Limbertz; Limpertz, 
Linthart: Lindart. 
(lindher): Linder — Lintermann. 
lindoald: Li/ndhold. 
Lindolf: Lindelof; Lindlo/f. 
Einst. Kürzung Lint-. 
Linto: Linthe — Lind. Gen. Lindena 
(ostfries.). 

Vklf.(k): Lindecke; Lindig. Gen. 
Lindgens, {z) lAnzo : Lintz. (z+l): 
Lintzel. 
Linde III. der eigentliche deutsche Lieblings- 
baum (man sehe die Lieder der Minnesänger 
und die Volkslieder) — im Mittelalter häufig 
Gerichtsbaum, wie noch heute Versanam- 
lungsort des Dorfes. 
FN. Linde. Lindenblatt. Lindenlaub» 
Lindenstrauß. 
Lindenkohl s. Kugel. 
Linhard, Linnartz s. Lew. 
Lint- s. Lind. 

Linth III. Escher von der Linth s. S. 58. 
Lintz- s. Lind. 
Liphard s. Liub. 
Lipp- s. a) I. Liud (V., zweist. K.) b) II. 

Philippus. 
LIST 1. ahd. mhd. Ust „Klugheit, Kunst" 
(List). 

FN. (Listhart): Listhart. 
listhar: Lister. 
Einst. Kürzung List-. 
Lista: List {Listmann). Patr. A. 
Listing. 

Vklf. (1): Listl. 
Litolf s. Liud (V.). 
Litt- s. liud (V., ernst. K.). 
Litzke s. Liud (einst. K.). 
LIUB I. got. liubs, ahd. liub, mhd. liep „lieb". 
FN. Liubdrut w.: Liebetrut; Liebetraut. 
Liupger: Liebcher — Lubiger — 

Lübker. 
Liubhart: Liphard — Liebert — Leb- 

hardt — Lauhhardt. 
Liebheid w.: Liebheit. 
Liubheri: Lieber* (Lieber mann) — 

Luber — Lauber, 
Liupram: Lieberam; Liebram. 
Liubman: Liebmann — Laubmann. 
Liubirih: Liebrich; Liebreich, 
Liupwart: Liebwerth, 



166 



Liud 



Liud 



Einst. Kürzung liub-. 

Liubo: Liebo; Liebe; Lieb — Laiib 

— Leube. Patr. A. Liubing: Lie- 
bing, 

Vklf. (1) Liubilo : Ltebel — Lotbl 
(bair.) — Luibl (bair.). (1 + n): 
Lieblein, (k) Liuvicho: Liebig; 
Liebke; Liebche. O^ + n) liiiikin: 
Liebchen — (nied.) Lefken. 
Auslautend (45 mal Forst., worunter 

16 w.): 

-lieb: Hartlieb. Ortlieb, 
LIUD I. ahd. mhd. Uut „Volk" (Leute) viel- 
fach nur verstärkend, z. B. Liutbald volks- 
kühn, kühn vor allem Volk = sehr kühn 
(s. Lübben , die Thiemamen im Beineke Vos 
S. 7 flf.) — seit dem 4. Jh. in EN. nachweis- 
lich. Fließt z. Th. mit Liub und Hlod zu- 
. sammen. 

FN. Liutbald: Liebaldt; Liebold; Lieb- 
hold; Liebelt; Liebel — Liepold; 
Liepelt — Lippoldt; Lippelt; Lip- 
pel — Leopold — LepoM; Lepel 

— Leppelt — Luppoldt — Luböld 

— Laubhold — Leupold — Lei- 
poldt; Leibhold; Leipelt; Leibel. 
Gen. Liebholz. 

Liutperaht: Liebrecht; Liebert — 
Liepert — Lippert — Leoprecht 

— Lebert; Leber — Lubrecht; 
Luber — Lubbert — Lübbert — 
Laubrecht; Laubert; Lauber — 
Leupert — Leipert. Gen. Lieberz ; 
umgedeutet Liebherz — Libbeiiz 

— Lebherz — Lübbers. Patr. A. 
Leoprechting. 

Liutpot: Lippott. 

Liutbrand: Liebrand — Lübbren 

— Leibbrand; Leipprand; Lei- 
brand. 

Liutfdd: Lieffert; Lief er — Lefarth. 

Patr. A. Lieffering, 
Liudiger: Lüdecker — Lütger — 

Leutiger — Leidiger, 
Idudigast: Leidgast. 
Iduthard: Liethert — Lutha/rdt — 

Luttert — Luithardt (schwäb.) — 

Ludert — Laudert — Leitert. 

Patr. A. Leiterding. 
Liuthari : Lieder — Luder — Luther 

Lutter — Lieder — Leuther — 

Leiter — zsgz. Lühr — Lier, Gen. 



Ludders — Luders — Laien — 
zsgz. Lahrs — Liers — Leurs — 
Luirs (ostfries.). 

Idutrod: Lutteroth, 

Liudman: Liedemann — Littmann 

— Ludmann — Lüdemann — 
LiJiittmann — Lühmann — Leti- 
ma/nn, 

Leudomar: LuÜimer — Lummer — 
Luhmer. 

Liutmod: Lehmuth, 

Liutnand: Leutenant, 

Iduderich: Liederich — Liihiig. 

Liudoald: Liewald — Ledold — Le- 
wald — Ludold — Leuthold - 
Leidhold; Leitelt. (jen. Leuthok 

Liudward: Lewert. 

Liutwin: Leutwein. 

Liudulf: Liedloff — Litolf — LiMf 

— Leudolph; Leutholf; Leuüof 

— Leidolph; Leidloff — LeUiauf. 

Einst. Kürzung liud-. 

Liuto, Luto; Liethe — Lude — LuU 

— Lodde - Leyde. Gen. Lwätn 

— Luths — Lodden — Lütten 

— Luthens. Patr. A. Lieding — 
Leiding. 

Vklf. (i): Litti — Ludy — Lüty. 
(1): Liedl — Ludl — Laidl (bair.j 

— LuUe — LOhl. Patr. A. LüUng. 
(k) Liudiko (Vorname : Ludeke Wot 
Kai.): Liedtke; lAedtgk — Xätb 

— Ludke — LOdecke ; Ludtke (mit 
langem ü) — Lücke (mit langem ä, 
s. auch Stark 69: LtLke) — Lüttig; 
Lüttge — Leucke — Leidieke; 
Leidig. Gen. Liedffen$ — XAft- 
kens — LOddeckens — Luitgens 
(ostfries.). Patr. A. Lüdeddng - 
Lücking, Patr. Zus. LOksen (ost- 
fries.). (k-^ n) Ludechin: Lüdken 

— Lückgen — Luken, (z) Umo: 
Lietze; Lietsche — Leutze; 
Leutsch — Leitze; Leitsch; Leiß, 
(z -f- k) Liuziko: Litzke — Leüzk. 

Z weist. Kürzung a) liudb-. 

Lubbo: Lupp — Lubbe, Gen. Lutbes, 
Patr. Zus. Labsen, 

Vklf. (k): lAMecke; Lübde, 
Lüpke, Gfen. Lüpkes, (z): Lubii: 
-— Lippitßch. 



liObrentz 



Lux 



167 



Zweist. Kürzung b) Liudm-. 
lAeme — Luhme — Lumme. Gon. 
Lümmen. 

Lobrentz s. Laurentius. 

Lod- 8. Hlod (V., einst. K.). 

Lodders s. Hlod (V.). 

IMing 8. Hlod (einst. K.). 

Löff 8. Hlod (V.). 

L9ffler HI. „Verfertiger von Löflfeln". 

Loh Hl. ahd. loh, mhd. loch niedriges Holz, 
„Gebüsch" (vgl. lat. lucus). In ON. Loh, 
Lohe; -loh, -lohe, auch -loch, 

FN. Lohe, v. Hohenlohe, — Altenloh, 
Grünloh. Kirchloh, Kregeloh (Krähen- 
busch?). MandeUloh. Niegeloh, Oster- 
loh. Wieseloh, — Vavi, de Loo (Gel- 
dern). 

Doch finden sich auch schon altdeutsche 
PN. auf -loh, z. B. Swarzaloh 8., ver- 
muthlich der jetzige FN. Schwarzloh, 

Ableitung auf -er (oberd.): 

1) -loher: Eisenloher; Eiscnlohr. 
Eschenloher; EscherUohr, Kefer- 
loher, Oberloher, 

2) -locher: Bärlocher, Hagenlocher, 
Haslocher, 

3) -löcher: Haslöcher, 

4) -locher (wie in Allach, ad. Aha- 
loh „Wasserbusch"): Baierlacher. 
Bernlacher, 

LQhde s. Hlod (einst. K.). 
Lohmann, -meyer s. Loh. 
Lohmar, LShmer s. Hlod (V.). 
Lohrenson s. Laurentius. 
Loibl s. Liub (einst. K.). 
Loidl s. Liud (einst. K.). 
Loll- s. Hlod (einst. K.). 
LQloff, Lommer s. Hlod (V.). 
Lonhardt, LOnhard s. Lew. 
Looden s. Hlod (einst. K.). 
Looff, LVpert s. Hlod (V.). 
Lorenz- s. Laurentius. 
Lorieh, L9rlek s. Hlod (V.). 

Lorinser HI. aus dem Dorfe Lorüns in Vorarl- 
berg stammend (s. Gedenkblätter der Familie 
Lorinser von Dr. Lorinsor 1868). 

Lorinz, Lornsen, Lortz-, Lorz- s. Lau- 
rentius. 

Lot-, Loth- s. Hlod (V., einst. K.). 
Uther s. Hlod (V.). 



Lott- s. Hlod (V., einst. K.). 

Lotsche, LSttge, Lotz- s. Hlod (einst. K.). 

LSwe I. III. als König der Thiere von den 

Deutschen soft den Kreuzzügen angesehen; 

dah. beliebtes Wappenzeichen. 

FN. Löwe; Low (als jüdischer FN. häufig 
aus Lewy) — Leue ; Leu, Latinis. Leo, 
Zus. V. Löwenclau, 

LSwald, LSwenhardt s. Lew. 
Lub- s. Liud (V., zweist. K.) — doch 
Luber s. liub (V.). 
Lttb- s. Liud (zweist. K.) — doch 
Lttbker s. Liub (V.). 
Lubbert s. Liud (V.). 
Liibb- s. Liud (V., zweist. K.). 
Lucas II. lat. zsgz. aus Lucanus; Lucas der 
Evangelist. 

FN. Lucas, Lukas — zusgz. LukSj Lux, 
Gen. Lucä, Südd. Patr. Luggiser (s. 
Keichel S. 23). 

Liick- s. Liud (einst. K.). 
Lud- s. 1) Hlod (V., einst. K.) 2) Liud (V., 
einst. K.). 

Lud- 8. 1) Hlod (V.) 2) Liud (V., einst. 

K.). 
Luggiser s. Lucas. 
Ltthl 8. Liud (einst. K.). 
Luhm- 8. Liud (V., zweist. K.). 
Liihmann, Liihr- s. Liud (V.). 
Luibl 8. Liub (einst. K.). 
Luit- 8. Liud (V., einst. K.). 
Liik- s. Liud (einst. K.). 
Lukas, Luks s. Lucas. 
Lulfs 8. Hlod (V.). 
Liiling, Lulle s. Liud (einst. K.). 
Lttlwes 8. Hlod (V.). 
Lumm- 8. Liud (V., zweist. K.). 
Lümmen s. Liud (zweist. K.). 
Lttpke 8. Liud (zweist. K.). 
Lupp- 8. Liud (V., zweist. K.). 
Lut- s. Hlod (V., ernst. K.). 
Llit- 8. Liud (V., einst. K.). 
Lutsche 8. Hlod (einst. K.). 
Lutt- s. Liud (V.). 

Lütt- 8. 1) Hlod (V.) 2) Liud (V., einst. K.). 
Liittschwager III. zu den Verwandtsch.-N. 

„der kleine Schwager" (vgl. Kleineidam). 

Der ponmjorscho Chronist L. antikisirte sich 

in Micrelius. 

Lutz- s. Hlod (einst. K.j. 
Lux s. Lucas. 



168 



Maag- 



Mahl- 



M. 

Maai?- 8. Mag (V., oinst. K.). 
Maaac b. Mag (einnt. K.). 
Mach- H. Mag (Y., einst. E.). 
• macher 111. in mannigfachen Zus., die aber 
größtontheils neueren Ursprungs sind: 
FN. Axmacher (Achsenmacher) ; halbnietlerd. 
ÄHsenmcicher. Eimermacher. Fatgen- 
mucher (s. l'elgenhauer). Glasmacher; 
(»en. OlasmacJiers (Joh. ülasmecher 1516 
Köln. Univ.-Matr.). Grützmacher, Ku- 
beimacher. Kannenmacher. Käsemacher. 
Lademacher. Lakemacher. Lersch- 
macher. Pflugmacher. Mademacher. 
Sattelmacher. Scharmacher (Pflug- 
schar-). Schirmimicher. Schletermacher. 
Schloß mactier. Schumacher. Spatigen- 
macher, SpießmacJier. Vhrmaxiher. 
Tasciwnmacher. 

Am modernsten klingt Geldmacher 
(doch s. dies W.). 

Niodord. -wafcc^^*: Kettenmaker. Kiste- 
mi^er (s. Kiatmaeher). Radeniaker. 
Sdwnmker; Gen. Schomakers (Langen). 
Tripmiücer. 
Maoht-, Mächt- s. Mäht. 
Maok- 8. Mag (V., einst. K.). 
Mad- 8. a) 1. Mathal b) 11. Matthäus. 
Mäd- s. Matliai. 
Maferdliur s. Mag (V.). 
MA(i 1. zu gi>t. alid. magan „mögen** d. i. ver- 
mögen. 
FN. (Magibald) : Mcbold. 
Magi^K^rt: ^Mert. 
Magubnuit: Mtäcdfrand. 
MagafitMi: Mfifert: Mayffarth — 

Meffert. Patr. A. Maferding. 
(Magihart) ; Maknrt ; Makert — Mach- 

hitrd; yfacKcrt — Meiert. 
Magltor: Mager, Maager — Modder — 
Miiker. G^aa, Magere. T.A.Meiring. 
Magivdd: Mngold — Maeklot — 
Mahit — Madwfd; MaMeU — 
Ma^fcidd: Me^fhoid — Mdiwald, 
itx^x. Mai^^tfU (umgedeutet Maeh- 
h<^l:^; Machals. 
(Ma^;jWÄrt): Mechfcart. 
Kin.^t^imiig^ Kürzni^ Mag-. 
Magi>, Mac<\>: Maag -■- Magg — 
Mack - .V(tc4f — Mrdk — Metg 



Yklf. (1) M^o, Meib: Meckel 

— Mechd — Meyd; Meüe. G«l 

Meiels. Patr. A. Meüing. (1 + k): 

Mechelke — Meütcke, (k) Magioo: 

Meicke — Mecke. (z) Magizo: 

Maaz — Mähtz — Meitz, 

MAGAN I. Erweiterung von Mag, vgl. ahd. 

magan, megin, mhd.magen „Eraft^ — grofieo- 

thoils wohl verstärkend (s. Lübben, Frogr. 

S. 10). 

FN. Maganperht: Memhart; Memmert 
(daraus MemmJiardt). 
(Magingast): Meingast. 
Meginger: Menger — Meniger. 
Maingis: Mengis. 

Maginhard: Megerüiard — Maitihard; 
Meinert — Mennert — Mthnert 
(franz. Menard). Gen. Meinherz - 
Meinderts; Meinders; Meints - 
Meents (die letzten vier ost&ies.). 
Maganhar: Magener — Meyner — 

Menner. Gen. Meiners, 
Maganrad: Meinrad — Menrad. 
Magnerich: Mennrich. 
Maginold: Meimld; MeinhM — 

Menold. 
Maginulf : Meinolf — Mencif, 
Einstämmige Kürzung Magan-. 
Magino, Meino, Menno, Meno (Stark 
51): Magen — Mahn — Meine; 
Meyn — Menno. Gen. Jf«w. 
Meinen — Menen. Tatr.A. Memmj. 
Yklf. (k) Meyneco, Menko, Minoo 
(Stark 71): Manigk; Mahnte - 
Meinicke — Mähnicke; MJehmg - 
Menneke — Menke — Minck. Gen. 
Mentuken — Meenken — Menken. 
(z) Maginzo, Meinzo: Meinz - 
Menze. P!atr. A. Meming (Men- 
^*^)' (« + 1): Mensd. Patr. A, 
MenzUr (Obersdbles.). 
Zwdstammige Kürzung Maginb- : Mampe. 
\W. a): Mämpd. 
Mi^efirma IIL vgl Jungfrau (Ennen, Ge- 
schichte von Kohl), diu Nixe u. a. 
MagUU & Mäht 

- 8. Migan (Y., dnst. K.). 
& a) I. Mag (Y.) b) m. Eigcnschafte- 
wort, TgL lat. Maoer. 
Mag^ & Mag (einst. K.). 
Ma|[ist€r a. Meister. 
lUkl-, Mihi- s. MathaL 



Mahler 



Mai'goff 



169 



Mahler s. a) I. Mathal b) III. = Maler. 
Mahn 9 MÜhnieke s. Magan (einst. E.). 
Mahnkopf III. „Mohnkopf" (halbniederd. — 
oder ist das a noch vom mhd. man, man- 
koph her erhalten?). 
Mahr- s. Mar (Y., einst. K.). 
Milhr- s. Mar (einst. E.). 
MÄHT I. got. mahts, ahd. mhd. mäht „Macht". 
PN. Mahtulf : Machtolf — Magdolf, 
Einstämmige Kürzung Mäht-. 
Mäht: Macht, Gen. Machts, 
Vklf. G): Mächtle, 
Mfthtz s. Mag (einst. K.). 
Maibaum III. ein Baum , der am Maifest auf- 
gepflanzt, geschmückt und dann von der 
Jagend umtanzt wurde (Grimm Myth. S. 738). 
Mainhard s. Magan. 
Mak- s. Mag (V.). 
Mftk- 8. Mag (Y., einst. K.). 
-maker s. -machen 

Maler a) I. s. Mathal b) UI. der „Maler"". 
So wird Lucas Cranach auch genannt Lucas 
Maler (S. 30). 
FN. Maler, Mahier, Zus. Bothmaler, 
MftLser III. mhd. malzaere, melzaere „der das 
Malzgeschäft besorgende Brauknecht *", auch 
schlechtweg = „Brauer" („Mälzergasse" in 
Danzig). 
Mampe, Mämpel s. Magan (zweist. K.). 
MAN I. got. manna, ahd. mhd. man der 
„Mann". In EN. schon seit dem 1. Jh. 
(Mannus Tac. Germ. 2). 

Da magan auch in man zsgz. wird, fließen 
beide Stämme in einander. 
EN. (Manhart): Mannhardt; Ma^nert. 
Manowald: Manold — Mannhold, 
Einstämmige Kürzung Man-. 
Manne: Manno; Mann, Gen. Manns, 
Patr. A. Mamisen, 

Yklf. (k) Mannico: Manke — 
Ma^ncke ; Mannig. (k -}- n) Man- 
nikin: Männchen, (z) Manzo: Manz. 
(z 4- 1) : Manzel, (z -F k) : Manzke, 
Auslautend (132 mal Forst.): 
-mann: Germann, Hermann, Yolk- 
mann, Willmann; an Sproßformen 
angehängt : Götzmann. Gen. - manns : 
Willmanns (auch -men«: Hermens). 
Manger III. ahd. mangari, mhd. mangaere 
vom lat. mango „Händler". 
¥S, Manger — Menger, Zub. Eisenmenger, 
Pferdemenger. Ziegenmenger. 



Manigk s. Magan (einst. K.). 

Mann-, Mann- s. Man. 

-mann auslautend häufiger als jedes andere 
Wort und aus den verschiedensten Perioden: 
a) I. s. Man b)II.: Petermann. Kloßmann, 
c) III. Handwerks- und Standes -Namen bil- 
dend: Schumann. Klostermann. Lehmann. 

Mantel 111. 1) als Kleidungsstück, ahd. mantal 
aus mittellat. mantellus. Hainrich der Lang- 
mantel, Hartman der L., Chonrat der L. 
bürgere ze Augspurch 1292, lat. Longum- 
pallium; dann auch Langenmantel 1339. 
FN. Langenmantel, Begenmantel, Both- 
manteh Weißmantel, Wintermantel. 
2) in ON. vom oberd. mantel == Fichte: 
Hengmantel. 

MAR I. meist zu ahd. märi, mhd. maere „be- 
rühmt" (vgl. das Hauptw. „Märe") — wobei 
man „Meer" z. Th. in Betracht kommt. 
Schon seit dem 1. Jh. in Namen gebräuch- 
lich (Ingomar, Sigmar). 

FN. Meriboto: Meerhothe; Meerhott. 
(Maragot): Margott. 
Maracher: Marer; Marherr — Mehrer. 
Maroald: Mahrwald; Marold; Mahr- 

hold — zsgz. Mahrt — Mardt — 

Marohl — Meerwald — Merold. 

Gen. Mahrholz — Mehrolz — Meer- 

holz. 
Maruin: Meerwein. 

Einstämmige Kürzung Mar-. 
Maro, Marro^ Merio: Ma/re; Mahr — 
Marre — Mähr; Meer. Gen. 
Mehren. Patr. A. Mähring — 
Mehring. 

Yklf. (1): Mardl — Märell — 
Merlo. (1 + ß)* Mahrlein — 
Mährlen. (k) : Mehrke. Gen. Mehr- 
ekens, (z) Marizo : Martz — Mareis, 
(z + k): Martzke, 

Auslautend (mar, mor, mir 185 mal Forst.) : 
-mar: Dittmar. 

-mer: Dittmer. Gen. -tners: Alhners. 
Mar- s. Mar (Y., einst. K.). 
M8r- s. Mar (einst. K.). 
March-9 Marek-, Mttrek- s. Mark I. 
Marcus II. lat.; St. Marcus der Evangelist. 
FN. Marctis; Markes — zsgz. MarkSy 
Marx (Marx als YN. im KB.). 
Marggraf s. Markgraf. 
Margoff s. Mark I. 



170 



Mark 



Matthäas 



MARK I. got. marka, ahd. marka, mhd. marke 
„Mark** d. i. Grenze, Grenzland, Bezirk (das 
eig. doiitRcbe Wort für das aus dem Slayi- 
schen granica aufgenommene „Grenze'^). Auch 
ahd. marah Boß spielt herein. 
FN. (Marcbort): Markbert. 

Marchard: Markart; Markert — 

Merkert, 
Marchari: Marker — Merker. 
Marcoald: Markwald; Markott. 
Marachward, Marcward: Markwart 
(Marquard); Markworth; Markwot; 
Marckord — Morquardt — Mer- 
kord, Patr. Zus. Marquardsen. 
Marculf: Markloff — Margoff. 
Einstämmige Kürzung Marc-. 
Marc: Marco; Mark — March — 
Merke. Gen. Markes — Merks. 

Vklf. (1): Markel — Merkel — 
Märkli (schweiz.). (1 + n) : Mark- 
lein — Märcklin. 
Mark III. in ON. 1) ahd. marka s. das Vor- 
horgivhendo 2) abgeschliffen aus „Markt" 
(vom lat. merfÄtus), welches sich bei etwa 
40 bewobnton 0. in Deutschland findet, z. B. 
Neumarkt; abgeschliffen Käsmark (in der 
Zips) aus Kaisorsmarkt 
PN. von Bi^marck. Freitnark. von Äo- 
nigstnark. Krusemark. Schonermark. 
Uckermark. 
Mark« s. a) Mark I. b) IL Marcus. 
Markirmf III. mhd. marcgrave „Bichter einer 
Mark* d. i. eines Grenzlandes. 
PN. Markgraf; Marggraf — Margraf. 
Marquard s. Mark I. 
Marre s. Mar (einst K.). 
Marsekali III. ahd. marah >scalh eig. ^Pferde- 
kiKvht*, dann Stallmoistor, dann vornehmer 
Hofbeamtcr , dem die Soige für das einhd- 1 
mische wie fiir das fnemde Gesinde (G^olge) , 
XU lYonie i^lag, aber auch häufig die Föh- ! 
nmg der Nachhut im Zv^ nnd Stmte — { 

I 

und so aufwärts bis zu der bekannteD hohen . 

Wüixie. 
FN. von Marf>cfMlk — Maresdtaü; MtvT' 
fichaJL Namentlich auch bei Addsge- 
drhkchtioro , die dann dem Amte rar 
w>ftt«ivii Untensschoidung noch den Stamm- 
siti hinzufügten« £. R Mar^ckaü rom 
Bkhtrstrin. 

(In die rocnan, Sprftchen ubeijc^eg. : fma. 
MaredkaL Ital. Mat^cscaicki KarisnBJieJ. i 



Marstaller III. zum Marstall gehöriger Knecht 
„Pferdeknecht" (E^lempin, S. 625: maretellre 
= stalknechte). 
Mart-, Marth- s. Martinus. 
Martinas II. lat. „ein dem Eriegsgotte Mais 
Angehöriger"; der h. Martinus, Bischof von 
Tours, gest. um 400, dessen (jedenktag der 
11. November, wahrend bei den Protestanten 
der 10. November als Martinstag zu Luthers 
Gedächtnis, der dann geboren und am 11. 
getauft, bezeichnet wird. 
FN. Martin; Märten; Marthen — Mer- 
tin; Merten. Zus. Herdemerten, Get 
(lat.) Martini, Martiny — (deutsd/ 
Martins; Martens — Mertins; Mo- 
tens. Zus. Martenstneyer (westf.). ftö. 
Zus. Martienssen; Martensen — Jfe- 
tinsen. 

VMf. (1): Mörtel (Keichel). 
Martz- s. Mar (einst. £.)• 
Marx s. Marcus. 

Maseh III. = Marsch (Marschland). FN. aoch 
vollständig: Auf der Masch, Maschmyer. 
MiiR^hr III. slavischer Yolksstamm der Masa- 
len in dem südl. Theile der Prov. Preußen. 
Mat- s. 1) Matthaeus 2) Matthias. 
Math- 8. a) I. Mathal b) II. 1) Mattiüus 

2) Matthias. 
Mftth- 8. MathaL 

MATHAL I. got mathl, ahd. madal Jo" 
sammluDgs-, Berathungs- und Geiichtsphir 
des Volkes (giiech. äyogd), EUeßt theil» 
mit Mahal zusammen. 
FN. Madalhart: Mokiert, 

Madalher: Modaler; MadUr-^Miä 
ler — Modler — Mäkler. 
Einstanmuge Künong Madal-. 
Madak), Maio: Mohle — MöM - 
MMe; MM. Patr. A. Maddrm^; 
Maddang — Mefdittg. 
Matt- s. a) L Mathal b) U. 1) Matthäus 

2) Matthias. 
Matth- s. 1) Matthäus 2) Matthias. 
Matthias n. hebr. .Geseheaak*' (JehoTahsi; 
St My***»^« der Apoetd und Evangelist 
lEaL 24. Febr.). 

FN. 1) Matkäms; Maihem; Maäu&: 
Maühes; Matkes (in schkditem 
Sdiräb. Mmtkefi; MaiUs) - Ma- 
the — JÜMfes. Nea latinis.: J^- 
tiberäs. Gen. JfottJbö» - IfattÜA 
(zwdsilbie go^nKhen). Fitr. 1 



Matthias 



Meier 



171 



Matthesing, Fatr. Ziis. Matthees- 
sen; Mattesen. 
2) Im Anlaut verkürzt: Thees (in Ost- 
friesland auch VN.). Gen. Thesen. 
Patr. A. Theessinga (ostfries.). 

Zerdehnt: Thewes; Tews (Tewes 

VN. , im KB. z. B. Tewes Wendorp 

1650). 

Berührt sich sehr nahe mit Matthias, 

so daß die FF. theilweis in einander 

fließen. 

Matthias II. hebr. „Geschenk" (Jehovah's) 

(= griech. Theodor, lat. Deodatus); St. 

Matthias der Apostel (Kai. 24. Febr.). 

FN. 1) Matthias; Matthia; Matthies; 

Matys; Matheis; McUthes — 

Matthix (aus der Zerdehnung 

-tthiges). Gen. Matthiae. Patr. 

Zus.: Mathiasen — Matthisson; 

Mattison; Mathießen, 

2) Im Anlaut gekürzt (Tias, Ties VN. 

in Tias WiUe , Ties Burmester KB.) : 

Thias — Thies - Theis. Zus. 

Thiesmeyer. Gen. Thiesen. Patr. 

A. Thiesing. Patr. Zus. Thiessen 

— Tissen — Thcissen — Tyssen. 

— mit Abfall auch des t : Hiese. 

Vklf. Hiesel (der „bairische Hiesel"). 

Zerdehnt: Tieges; Tiegs — Tig- 

ges (TiggemannJ, 

Matzbeek III. der den Juden ihre „Matzen*' 

backt. 
Maad s. Mod. 

XAUR I. wohl Maurus „ein Maure". 
FN. (Morbrand): Mohrbrand, 

Morhard: Moorhardt; Moraht. 
Morold: Moralt 
Einstämmige Kürzung Mor-. 

Maur, Moro: Mohr (Mohr mann) — 
Mohre, Gen. Mohren, Patr. A. 
Moring — Möhring, 

Vklf. (1) Maurilo: Morell — 
Möhrle, (k) Mohrig — Mörike; 
Mörke, Gen. Mörcken. 
Maurer III. ahd. müräri, mhd. müraere. 
FN. Maurer — mit Umlaut Meurer (der 
„Maurer" z. B. in Schweiz. Mundart, s. 
Pestalozzi, lienhard und Gertrud). Gen. 
Meurers (niederrhein.). — Niederd. 
Mührer, 
Mauritius II. lat. Ableitung von Maurus „der 
Maurische", dem Lande Mauretanien in Nord- 



afrika angehörig. Der h. Mauritius, ein 

Afrikaner von Geburt, soll unter Diocletian 

als Anführer einer christlichen Legion mit 

seiner ISchaar in Gallien niedergemetzelt sein. 

PN. Mauritz — Moritz (auch jüdisch, mit 

Anlehnung an Mo-se). Patr. A. Mo- 

ritzer (südd.). 

Maus III. die „Maus" (Gerlac. dict. Mus 1256). 
FN. Maus. Vklf. Measel; Meuslin (der 
Mewsel, Katz gen. 1388. Andr. Mensel 
brandenburg. General -Superint. im 16 Jh., 
latinisirte seinen Namen in Musculus). 
Zus. Mauskönig. Mausehund. 

Mautner ni. mittellat. niutarius, mhd. mütaere, 
später auch mit dem n der schwachen Bil- 
dung mautner „ein Waarenzoll- Einnehmer". 
FN. Mauter (Schechel der Mawter Marb. 
Urk. 1305). Mautner. 

Mautz 6. Mod. 

Maye s. Mag (einst. K.). 

Mayer s. Meier. 

MayfTarth, Maywald s. Mag (V.). 

Meb- s. Mag (V.). 

Mebes, Mebus s. Bartholomäus. 

Mech- s. Mag (V., einst. K.). 

Meck-, Meeg s. Mag (einst. K.). 

Meen- s. Magan (V., einst. K.). 

Meer- s. Mar (V., einst. K.). 

Meerrettig in. deutlicher Pflanzen -N. 

Meerschneclc III. ahd. merisnecco, mhd. mer- 
sneck Purpurschnecke ; aber auch Schildkröte. 

MefTert s. Mag (V.). 

Megenhard s. Magan (V.). 

Mehl- s. Mathal. 

Mehlmann III. „Mehlhändler". 

Mehn- s. Magan (V., einst. K.). 

Mehr- s. Mar (V., einst. K.). 

Mehwald s. Mag (V.). 

Meiclce, Meiels s. Mag (einst. K.). 

Meier III. a) als christlicher N. aus dem 
lat. major, in dem Süino von major villae 
oder viUicus, d. i. zunächst Aufseher oder 
Verwalter eines Landgutes. In Westfalen 
entwickelte sich das Verhältnis etwa folgen- 
dermaßen. Karl d. Gr. hatte die fränkische 
Eintheilung des Bodens in mansi auf das 
Sachsenland tibertragen. Der ganze bebaute 
Boden mit allem Zubehör an Wald, Weide 
u. s. w. hieß bei den Franken lat. villa, 
deutsch maxka, enthaltend in der Mitte den 
Sitz des Freien (hüs) mit umliegender huobe, 
wovon die liti ihre mansi bekamen. Der 



172 



Moier 



Meier 



Haupthof (fränk. «ala, später lat. curia) be- 
kam von dem Gutsherrn, wenn er selbst als 
ministerialis am Hofe oder als Krieger im 
Felde war, einen villicus, der den Herrn 
vertrat. Die Abgabe der mansi heißt census 
(Zins^ vom villicus erhoben), debitum (Schuld, 
vom Schultheiß erhoben), officium (Pflicht, 
Amt, vom Amtmann erhoben). Der den 
Haupthof bewohnende Villicus war also ent- 
weder nur Wirtschafter und hatte einen 
scoltetus und officiarius neben sich, (xler er 
Übte auch deren Bechte selbst aus. Hatte 
er mehrere Höfe zu verwalten, so hatte er 
wohl wieder einen Unter -Villicus auf dem 
Vorwerke. Seit dem 11. und 12. Jh. wurden 
die villici fast überall auf bestimmte Leistun- 
gen gesetzt , weil sie oft in den eigenen Geld- 
beutel wirtschafteten. Nun entstand bei der 
Bemeierung eine Art Lehnverbältnis , wobei 
der Herr gelobte zu s(;liützen, der Villicus 
treu und hold zu sein. Während der Lan- 
desherr durch Vögte und Gografen richtete, 
bestand das Gemeindegericht des Villicus auf 
dem Thy häufig daneben. Manche Villici 
s<^;hwangen sich zu Rittern auf und eman- 
cipirten sich völlig, so daß die Herrschaft 
si(;h genöthigt sah, die Abgaben von den 
mansi selbst einzuziehen. Wo sie es konn- 
ten, zerstückelten sie daher den Haupthof 
gegen Pacht, und nun bildete sich das eigent- 
liche Meierrecht. Neue Mausen entstan- 
den durch Waldrodung, Haupthöfe wurden 
in Kotten zersplittert , bes. seit dem 14. und 
1 5. Jh. Die Hofbesitzer hießen nun M e i e r ^ 
welche an Stelle des Villicus Theile der alten 
Villication besaßen, oft nur auf bestimmte 
2^it Schließlich ward das Verhältnis doch 
allenthalben erblich; die Meier traten eben 
in Erbpacht und wurden dauernde Besitzer, 
wenn auch nicht Eigenthümer der Höfe. Das 
Kecht der Abmeierung ^ welches die Herren 
besaßen, war, abgesehen von bestimmten 
Fällen, wo klare Gründe vorlagen, eigentlich 
nur theoretisch noch vorhanden. 

So in Westfalen, und in Süddeutschland 
ist (nach der von Pott angeführten Stelle 
aus Goldast rer. Alem. I, 113) wesentlich 
dasselbe Verhältnis gewesen. 

Je häufiger in einer Gegend die Meierwirt- 
schaft, desto häufiger natürlich der Name. 
Ganz den Verhältnissen entsprechend ist er 
in Hannover nirgends häufiger als im Hoya- 



schen und Osnabrückischon. Hier gehören 
die Meierhöfe meist zu den größten, weil 
die Meier, das Land der Herren bewirt- 
schaftend, leicht mehr hatten ab andere 
freie Eigenthümer, zumal wenn sie Besitzer 
von Vollhöfen (heile Erven) waren. Manche 
Meier hatten ganz hen'orragende Kochte in 
ilirer Markgenossenschaft. 

In Ost&iesland dagegen, wo die Meier 
nichts als Pächter der freien Bauern sind, 
haben sie vorwiegend die kleinsten Be- 
sitzungen. 

Was nun die Schreibweise des N. anlangt, 
so ist darin an Mannig£al%keit geleistet, 
was überhaupt mit so wenigen Buchstabeo 
zu leisten war. An das urspr. Major, welches 
sich auch noch ab FN. findet, schließen sich 
die süddeutschen FF. am nächsten an: Majer 

— Mayer, Mayr, Mader, Mair (im Mün- 
chener Adreßkal. 600 mal in den verschieden- 
sten Schreibweisen, doch meist mit ai, ayj; 
in Norddeutschland am häufigsten Meyer (io 
Hofimann's hannöv. Namenbüchlein : 234 ein- 
fache Meyer ^ darunter nur 3 Meier, 3 Mcjer 

— 1 Maier, 1 Mayer) — außerdem Meier, 
Mevr; Mejer — letzteres noch heute auf dem 
Lande in Westfalen die gewöhnliche Au«- 
sprache für Meyer und Meier, im Osna- 
brückischen auch kurz Mejjer gesprochen. 
Die hochdeutsche Aussprache auch für Mejer 
war stets Maier. Erst in diesem Jh. hat 
eine Familie Mejer im Hüdesheimischen auch 
die Ausspr. Mejer angenommen, wohl um si^b 
aus der allzugroßen Sippe besser auszusondern. 
Gren. Maiers, Ma/yers (Österreich.); Mayern, 
Meyem (nach der schwachen Beugung). — 
Die übrigen Ableitungen, welche Fr. Meyer 
anführt, die Vklff. Mayerl, Meyerlein, die 
Patronymika Meyering, Meiring erscheinen 
ab zweifelhaft und dtirften, bes. die letzteren« 
eher zu dem Stamme Mag I. gehören, s. da- 
selbst Magher. 

Im Osnabrückischen hängt dem N. auf 
dem Lande eigentlich immer noch der appel- 
btive Charakter an, auch wenn schon eine 
Zusammensetzung erfolgt ist. Man geht hier 
nach heutigem Sprachgebrauch noch stets 
zum Dütemeyer, man redet noch immer von 
dem Meier zu N. Vielfach bleibt der N. 
unzusammengesetzt, bekommt aber von der 
Bauerschaft oder der Lage des Hofes einen 
Zusatz, der zum Namen gehört Solcher 



M^er 



Meier 



173 



„halbzusammengesetzten'* N. giebt es im 
Osnabrückischen eine große Zahl. Fr. Meyer 
führt ans den Ämtern Iburg, Finsterau, 
Verden, Gronenberg, Wittlage gegen 100 N. 
dieser Art an wie : Meyer zu Atter , M. zu 
Westrup, M, zu Farcke (aus Vorwerk ent- 
standen , woher auch M. zum Varwick) , M. 
zu Weglhorsty M, zu Stockum^ M. zu ÄUen- 
horgloh — selten mit andern Vorwörtern: 
Meyer im Hagen, M, vorm Bohne, 

Viele der ON., die in diesen Bezeichnungen 
stecken, sind sonst völlig von der Karte ver- 
schwunden; aber der N. des Hofes bleibt, 
auch nachdem die größere Bauerschaft den 
ON. aufgesogen hat. Alle diese Bildiuigen 
sind forterbende, mindestens halbe EN., die 
zwar in der Anrede fortgelassen werden , aber 
im Gespräch über den Dritten gäng und 
gebe sind. So kann es kommen, daß die 
Bauerschaft Gellenbeck neben einem Meyer 
zu G. noch einen M. zu Borchsten und einen 
M. zu Spelbrink aufweist. 

Da ist es denn auch nicht zu verwundem, 
daß sich viele wirkliche Zusammensetzungen 
finden, in denen der Zusatz den Wohnort 
angiebt. Doch wollen wir bei Aufzählung der 
Zus. denselben Gang einschlagen, wie in der 
abhandelnden Darstellung der FN. überhaupt, 
und demnach zuerst die Zus. mit altdeutschen 
PN. , dann die mit fremden (kirchlichen) PN., 
dann die nach Gewerbe und Beschäftigung 
gebildeten u. s. w. aufzählen. 
I. Mit altdeutschen Person-Namen: 
Älbertsmeyer. — Ährensfn., Noltem.; 
Meierarend (Arnold). — Anselm.^ Aßm. 
(Anso). — Berensm,, Benningm., Bein- 
kern. (Bernhard, Benno). — Gerdsm., 
Gerkensm. (Gerhard). — Henrichsm,, 
Heinem.y Heinzlmaier , Henkern.; 
Meyerhenrich ^ -Jieine^ -henke (Hein- 
rich). — Kordem., Kohrm.; Meyer- 
kord (Konrad). — Ottom., (Htm., 
Ottensm,^ Ottm. ; Meierotto. — Bolfsm., 
Bolfingsm, (Budolf). — Büpelm. (Ru- 
precht). — Tiem. (Thiud). — Wilmsm. 
(Wilhelm). 
Mögen diese Beisp. genügen ! Die meisten 
der hierher gehörenden N. wird man erken- 
nen , wenn man den altdeutschen Theil nach 
den in diesem Verzeichnis aufgeführten alt- 
deutschen Stämmen aufsucht. So gehört 
Badmeyer zu Bad, Hillm. zu Hild, Lud- 



dekem.y Lükem. zu Liud, Tettm., Tietm., 
Tödtem., TiUem. zu Thiud. 

II. Mit kirchlichen Person-Namen: 

Christoffehmeyer, Stofferm. (Christo- 
phorus). — Clausm., Klußm. (Nico- 
laus). — Dreesm.; Meyerdrees (An- 
dreas). — Gdllm. (Gallus). — Johan- 
nesm., Johanmsm.^ Johannsm.^ Johan- 
nigm.y Ja/nm., Hansm., Henselm,; Meier- 
hans (Johannes). — Josm.; Meyer jobst 
(Jodocus). — Martensm. (Martinus). — 
Neelm. (Cornelius). — Peterm., Pe- 
tringm.; Meyerpeter (Petrus). — Thießm. 
(Matthias). 

III. a) nach der Beschäftigung benannt, 
(vielfach erst in Städten entstanden): 

Amtmeyer (vülicus, qui officiarius est). 
Grevem.; Crrafm. (manche M. waren 
Unter- Holzgrafen). Krugm, ; öster- 
reichisch Kretschmayer. Schmidtm, 
Schröderm. Sehreibm. Schaltern, (villi- 
cus, qui scultetus est). 

(Werkzeuge und Waaren): Eisen- 
meyer. Glasm. Glockem.; niederd. 
KJockein, Goldm. Kesselm. Pielm. 
(Pfeil-). Piepm. (Pfeife, aber in welchem 
Sinne?). Vaßw. 

(Kleidung): Schürzmeyer. Stiefelm. 
Zwilgm. 

(Speise) : Biermeyer, Chiitzem. Milch- 
maier. 

b) Nach Eigenschaften: 

Biedei-meyer. Blaßnu Fröhlichm. 
Grohm. Grotem. (Groß-). Heulm. 
Jungm. Kleinm. Schönem, 

c) Nach dem Wohnort: 

nach Ortschaften: Attermeyer (}&.. 
zu Atter). Bokdm, (Bökel bei Wieden- 
brück). Kiffm. (auf der Kiffe bei Osna- 
brück). Quadkem. (früher, noch 1650 
M. to Quatke in Peingdorf, Amt Grö- 
nenberg). — Stärker verändert: Emptm. 
(1514 noch Meyger to Empten, 1650 
schon Embttm.). Deitem. (alt Dedinckm. 
zu Deitinghausen). BaMenm. (M. zu 
Rattinghausen) — 

nach Flüssen: Dütaneyer (zwei 
Höfe unweit Osnabrück, beide an der 
Düte). JB/s«» (unweit der Else). Hasem. 
Werrem. (im Kreise Lübbecke an der 
Werra) — 



174 



Meier 



Meier 



nach Bergen: Harzmeyer, Hüg- 
gdm. (im Osnabrück., am Hfiggel). 

Allgemein nach der Lage des Hofes: 
Fordermeyer, Ächterm, und Hinterm. 
Mittem, ; Mitielm. ; (niederd.) Middelm, ; 
Mittermaier (ahd. mittar neben mittil). 
Endm, Winkelm, Eckm, Kniem,; 
Kneem, Grenzm. Schnatm, = Lanwer- 
meyer, Obermeyer (-mayer); (niederd.) 
Ove^'m. Hochm, — Niederm.; (niederd.) 
Nedderm, — sogar Oberniedermeyer. 

(Himmelsgegend) : Ostmeyer und 
Osterm. Westm. und Westerm, Nordm. 
(der Inhaber des „Nordhofes"). Süd- 
meyer (Sudmeyer). 

Dorfm, (das Dorf als zusammen- 
li^ende Häusermasse im Gegensatz zu 
den meist ganz zerstreut liegenden 
Bauerschaffcea, entsteht gew. in der Um- 
gebung der Kirche und bildet sich haupt- 
sächlich aus wenigen alten Höfen. 

(Berg U.Thal): Bergmeyer. Hiigslm. 
Höwelm, (s. Hübel). Bühlm.; südd. 
Pichlmaier, Bültem, („Bult" kleine Er- 
höhung, bes. in Wiesen und Sümpfen). 
Brinkm, , Bringm. — Thalm. ; Thall- 
maier; niederd. Da^/m. Schachtmeyer. 

(Wald u. Busch) : Holzmeyer; niederd. 
Holtm, Waldm, Forstm. Buschm. 
Horstm. Lohm.; Lahm. Struckm. 
(Strauch-). 

(Haide): Heidemeyer. Niederheitm. 

(Anger und Wiese): Angermeyer. 
Wiesem.; niederd. Wischm. Driftm. 
(Triftm-). Plaggenm, („Plaggen" zur 
Düngung abgeschaufelte Basen). 

(Moor und Sumpf): BrauJcmeyer ; 
Brokm., Broekm, Siekm. Brühlm. 
Haarm. (Hochmoor-). Moosm^ir („Moob^ 
südd. =» Moor). Moddem, („Modde" 
= Morast). Solm, („Soll, Sohl" kleiner 
Sumpf). Sumpm, P^tee water (Pfützen-). 
Kolkm. und Pohlm. 

(Wasser): Wassermeyer; niederd. 
Waterm, Teichm.; niederd. JDieckm. 
Seem. Brun/nem. Pumpm. Bekem.; 
südd. Pachmayr. Klingm, Canalm. 
(in Emden). Brüggem^; Brückm.; südd. 
Pnuükmaier, Pruggm. (österreichisch). 
Stegm. Wehrm. (Wehr im Wasser). 
Sülzem.; niederd. Sültem. (beim SaJz- 
werk wohnend). 



(Acker und dessoi Beflchaffenheit) : 
Kampmeyer; Kampf m. Marschm. ; 
Maschm, (Marschboden). Gastm. 
(„Geest" leichterer Boden). Sandm. 
Steinm, Kalkm, Mergelmeyer. 

(Umfriedigung der einzelnen Hofbe- 
sitzungen): Dammeyer. Wallm. Gra- 
benm. Heckem. Zaunm, Knickm. 
(„Knick" einen Kamp umgebende Wall- 
hecke). Pdhlm, (Pfahl). Gatterm, (Holz- 
verschlag). Ttoietm, (Durchgang, bes. 
zwischen Hecken). 

(Auf den Hof selbst , seine Größe und 
seine Theile gehend) : Hofm, (Bewohner 
der curia, des freien Hofes). VoUm. 
Heilm, (der ein „heiles" Erbe hat, VoU- 
hüfner). Hälbm. Kottm. ; Kothm, (die 
K. haben nur ein Yiertelerbe oder noch 
weniger). Schünem, Scheuerm. Sta- 
delm.; Stattm, (s. Stadler). Spiekerm. 
(Spieker, lat. spicarium fester Speicher). 

d) Nach Erzeugnissen des Bodens: 

(Getreide -Arten): Gerstemeyer. Ha- 
berm.; niederd. Haverm, lAnsenmaier. 
Weitem. (Waizen). Veesenm. (Spelt). 
— Kleem. Grasmeyer, 

(Blumen , Kraut) : Blom, (alt Blome- 
meyer, also „Blume"). Bosenm, Krutm.; 
südd. Krütim, Salatm, — Pützm, 
Bethm, (Bohr s. Bied). 

(Bäume) : Birkenm.; Berkem.Bttchm.; 
niederd. Bokem, ; Bökem, ; südd. Puchm. 
Danm. (Tanne). Eichm,;medoTd.Eickem. 
Ellerm, ; Elsm, =« Erlenm, Eschenm. 
Hestcrm. (s. Heister). Lindem, Pap- 
pelm,; niederd. Pöppelm, — Kersem. 
(Kirsch-). Ttviesselm. (wilde Kirsche). 
Plumm. (Pflaume). Kreikem, Nußm.; 
niederd. Nottm, Hasselm. Liebes- 
holderm, (Hollunder). Vornmeyer. 

Manche dieser N., bes. die von Ge- 
treide-Arten, können auch auf die Ver- 
pflichtung zu bestimmten Pruchtlieferun- 
gen hinweisen. 

e) Nach Thieren: 

(Erzeugnisse des Hofes und ihm oblie- 
gende Liefenmgen, auf dem Besitzthum 
oder in der Nähe vorkommend, auch 
vielleicht Eigenschaft der Person.) 

Viehm, Bockm. Stehrm. (Widder). 
Kaum. (Kuh). Oßm. Pferdem, Bqfim. 



Meiert 



Metzger 



175 



Hengstm, Stutem. Ziegenm, Geißm, 
(Österreich.). Katzm, Voßmeyer, 

Gosem. (Gans). Schwanem, Dros- 
selm. Finkem, Hafkem. (Habicht). 
Fälkem, Kr ehm.; Kreym, Kroneni. 
(Kranich), ühlem, — Bienm, Imke- 
meyer. 

Froschm, Poggenm. Krabhenm. 
Achelkenm, (Blutegel). Eierm, Käse- 
meyer. 

f) Nach Verpflichtungen: 

Deschmeyer; Dreschm, Zinsm, 
Zehntm.; Zehetmayr (bair.); niederd. 
Tegetm,; Tägtm.; Techtm. 

Aiujh Kirchm. Klosterm. gehen wohl 
auf Kechtsyerhältniflse, Abhängigkeit von 
geistlichen Stiftern und Personen ; ebenso 
Äbtm. Mönchm.; niederd. Mönkem. 
Papem. Probstmeyer. 

g) Nach Berechtigungen: 

Ämtni. Grafm, Schultern, (s. vorhin). 
Sattelm. (die Besitzer der sieben Sattel- 
höfe in der Umgegend von Engem rüh- 
men sich der Abstammung von Witte- 
kinds Gefährten , der in E. einst seinen 
Sitz hatte wie auch sein Grab. Bei der 
Beerdigung eines von ihnen ward — oder 
wird noch? — ein gesatteltes und ge- 
zäumtes Pferd vorangeführt). 

Viele andere sind zweifelhaft und ge- 
statten mehrfache Deutung, manche sind 
ganz räthselhaft: Hiemeyer, Knum. 
Schiern. Zurm. Meyersamst. 
b) Als jüdischer Name (VN. und EN.) 
aus hebr. Me-ir „glänzend". Schon bei Jo- 
sephus,' jüd. Krieg VI, 5, 1 wie Mi^iQog; 
dann öfter in den N. von Gelehrton des 
Mittelalters, so im 12. Jh. der Bibelerklärer 
Samuel ben Me'ir und ein Talmudist Jacob 
ben Metr, im 13. Jh. Mei'r Halevi. 
Meiert, Meifert s. Mag (V.). 
Meli- s. Mag (einst. K.). 
Mein- s. Magan (V., einst. K.). 
Meiring s. Mag (V.). 

Meister III. ahd. meistari , mhd. meister (aus 
lat. magister, ehemals „Gelehrter, Künstler" 
(Arzt), später der Dienstherr gegenüber dem 
Gesellen. 

FN. Meister (vgl. franz. Lemaitre). Gen. 
Meisters (niederrhein.). Zus. Back- 
meister ^ Bac: Baumeister, Bürger- 
meister. Hagemeister; auch Hagemester 



(Münster). Mühlmeister ; Müllenmeister. 
Münzmeister. Neumeister. Bentmeister. 
Bittmeister. Schulm^ter. Schützen- 
meister. Wachtmeister. Wehrmeister. 
Weinmeister. Werckmeister. 

Meitz s. Mag (einst. K.). 

Meixner III. auch Meichsner =» Meißner, 
einer aus Meißen. 

Meleher s. Melchior. 

Melcliior II. hebr. „König des Lichtes", einer 
der h. drei Könige (s. Caspar). 
FN. Melchior; Meleher. Gen. Meleher s. 
Zus. Schneemelcher. 

Melior III. Latinis. für Besser. 

Meilen, Mellies s. Aemilius. 

Melzer s. Mälzer. 

Membart, Memm- s. Magan (V.). 

Men- s. Magan (V., einst. K.). 

Mendel s. Emanuel. 

Mengelbier III. zu den Speisen u. Getränken 
(S. 46). 

Menger s. a) I. Magan (V.) b) III. Manger. 

Menn- s. Magan (V., einst. K.). 

Mensing s. Magan (einst. K.). 

Mentzer III. „Mainzer", Mainz alt „Mentz" 
vgl. Fischart, der sich „Mentzer" nannto. 

Menz- s. Magan (einst. K.). 

Mereator III. Latinis. für Kremer (berühmter 
Geograph des 16. Jh., nach welchem die 
Karten in „Mercator's Projection" benannt 
sind). 

Merlc- s. Mark I. 

MerlLSWohl III. Satz-N., getrennt Mercks 
wohl 1561 (Koch). 

Merlo s. Mar (einst. K.). 

Merold s. Mar (V.). 

Mert- s. Martinus. 

Meßmer s. Meßner. 

Meßner 111. ahd. mesinäri, mhd. messenaere 
aus mittellat. mansionarius d. i. Wächter 
und Hüter des heiligen Gebäudes, „Kirchen- 
diener, Küster". Erhalten ist das ursprüng- 
liche n der ersten Silbe in d^ F. mensner^ 
die sich noch im 14. Jh. findet. 
FN. Meßner. Schwab. Meßmer — Mößmer. 

Methfessel III. nach Pott = „kleines Meth- 
faß", was durch die von Koch angeführten 
Formen Medtfesgen, Metfessichen , die mit 
Methfessel in derselben Form während des 
16. Jh. wechseln, bestätigt wird. 

Metzger III. mbd. metziger „Fleischer" (in 
Süd- und auch Mittel- Deutschi.). 



176 



Metzler 



-moor 



Metzler IIL ahd. mezililri, mhd. metzeler, aus 
mittellat. macellarius „Fleisch Verkäufer'^, spä- 
ter „Fleischhauer". Jacob Mezzellere 1308, 
Chunrad de macello 1200 (Bacm.). 
Metzner III. „Mtihlknappe'* (der das Metzen 

verrichtet. 
Meule III. niederd. „Mühle" : FN. a» der 

Meulen (Geldern). 
Meurer s. Maurer. 
Meusel s. Maus. 
Mey-9 Mew- s. Bartholomäus. 
Mey- 8. Mag (V., einst. K.). 
Meyer s. Meier. 

Meyerbeer der Sohn des jüdischen Bankiers 
Beer in Berlin, wurde von einem reichen 
Glaubensgenossen, Meyer (s. Meier b.), der 
ein Freund der Familie Beer und ein be- 
sondrer Gönner des kleinen Giacomo war, 
zum YoUerben eingesetzt unter der Bedingung, 
daß der Kleine auch den Namen seines Gön- 
ners führe. Daher „Meyerbeer." 
Meyn- s. Magan (V., einst. K.). 
Miehael II. hebr. „wer wie Gott?", der h. 
Michael der Erzengel Offenb. Joh. 12, 7 
(S. 25 — Kai. 29. Sept.). 
FN. Mi4ihael; Michadl; Michal; Micheel; 
Michel mit den Zus. Michelmann — 
Kleinmichel, Kuhmichel. Patümichl 
(bair.) Gen. (lat.) Michadis; Michaeli 
— (deutsch) Michaels; Michels, Patr. 
A. Michder; Michler (oberdeutsch: 
Brieg, Saarbr.). Patr. Zus. Michaelsen; 
Michelsen, (ostfries., schlesw.). Michael- 
sohn; Michaelson (jüd. Neubildungen). 
Miehel-, Miehler s. Michael. 
Mielke s. Aemilius. 
Milb- s. MUd. 

Mileh III. in mehrf. Zus. (s. Speisen S. 46). 

FN. Fettmilch. Lautermüch (Lutermilch 

oberschwäb. 1690). Sauermilch. Süß- 

müch. Schlegelmilch ; Schleemilch ; Schlö- 

müch (Buttermilch). 

MILD I. got. miids, ahd. milti, mhd. mute 

„mUd". 

FN. (MUdbreht) : Mildehrath — Milbrecht ; 
Milbrodt. 

(Mildbrand): Mildbrand — Millbrand. 
(Mildher): Milder — Milter. 
Einstämmige Kürzung Mild-. 
(Mildo): Milde. Gen. Milden. 
MiUbrand s. Mild. 
Miller s. Müller. 



MUling s. Mild. 
Mllner s. Müllner. 
Milter s. Müd. 
Minck 8. Magan (einst. K.). 
MVb- s. Bartholomäus. 
Modersolm III. niederd. „Muttersohn". 
M9dig, Moiile s. Mod. 
MOB I. got. mMs, ahd. mhd. muot „Mutb"* 
In N. seit dem 4. Jh. 
FN. Moathard: Motard. 

Mothar: Moder — Muther; Muth- 

herr — Müther — Mauder. 
Moderich: Mud/rich — Muthreich — 
Müttrich — ^Maudrich. 
Einstämmige Kürzung Mut-. 
Muodo: Mode — Mott — Muth — 
MiUh. 

VUf. (1): Model - Mudd - 
Muihel — Mattel — zsgz. MMe 

— Muhl Patr. A. Mühling. (k): 
Mödig — Muilce, (z) Ifozo: Motz 

— Mutze — Mütze — MauU. 
(z -j- 1): Muzel — Mützel. 

Unorganisch gebildet: Mozart. MozeH. 
Auslautend (103 mal Forst., darunter 
aber viele w.): 

-muth: Hellmuth (Hildimod). Har- 
muth. 
MShler s. Müller. 
MVlilmanii s. Mübhnann. 
Moim-, MVlm- s. Mun. 
Moiir-, MViir- s. Maur. 
-molir H. Moos. 

Moliren weißer III. Spottname (S. 42.). 
Moldenliaaer in. „der die Mulden zuhaut". 

Auch Moldenhawer und MolUnhauer. 
Molfenter III. vom Hause übertragener N. 

(S. 60) vgl. Olfenten 1324. Holfent«n 1374. 
Molitor s. Mfiller. 
Mollenliatter s. Moldenhauer. 
Moller, Miller s. Müller. 
Molner s. Müllner. 
Molter s. Müller. 
Mom-, Momm- s. Mun. 
Mond- s. Mund. 
Mondensehein III. „Mondschein" (in welchem 

Sinne?). 
Mondhold s. Mund. 
Mone, Monn-, MVnn« s. Mun. 
MSnk III. niederd. = Mönch, in Zus. wie 

Mönkemeyer, -möUer. 
-moor s. Moos. 



Moorhardt 



MtiUer 



177 



Moorhardt s. Maur. 

Moos ni. ahd. mos „Sumpf, Moor", in süd- 
deutschen N. seit dem 8. Jh.; auch jetzt 
noch sehr häufig Moos^ mit mancherlei Zus. 
auf -moüs. 

FN. Moos. Zus. Cruggemos — Mooshauer. 
— Kokemoor (westf.). Obermohr (bair.). 
Ableitung auf - er (oberd.) : Moser. Breit- 
moser. Deutehnoser (bair.). Ewne- 
moser (vgl. Ennenmoos in ünterwalden). 
Kältenmoser. Lottermoser (ostpreuß. 
d. i. salzburgisch). Bohr moser (ost- 
preuß., vgl. Eohrmoos in Steiermark). 
Sonyienmoser (würtemb.). Swppen- 
mooser. 
Mor-, MSr- s. Maur. 
Moras HI. über Maulbeeren abgezogener Wein 

— „meto, moraz unde win" (Nib.). 
Morgrenbesser III. Satz-N. (S. 50 f.). 
Moritz s. Mauritius. 
Morquardt s. Mark I. 
MSrtel 8. Martinus. 
Moser s. Moos. 
MQßmer s. Meßner. 
Motard, Mott, Motz s. Mod. 
MVw- s. Bartholomäus. 
Mozart wohl zu Mod. Stoffel Motzhart 1551 
Augsb. Dies wohl die älteste Spur des 
großen Namens ; Mozarts Vater war bekannt- 
lich ein geborener Augsburger (Bacm.). 
Mad-, Miüil s. Mod. 

Mtthle III. der älteste und häufigste Ausdruck 
auf dem Gebiete gewerblicher Anlagen. In 
ON. gewöhnlich in der gekürzten F. -mühl 
(niederd. -möhl), daneben -mühlen (Dat. 
Plur.). 
FN. Brmdeniühl. Sagemühl — Grevis- 
müMen. 

Mit Verhältniswörtern: Tremöhlen. Uter- 
möhlen. Zurmühlen. 
Mtthlenkampf m. „der vom Mühlenkampe" 

(S. 74). 
Mtthler s. Müller. 
Mtthlingr 8. Mod. 
Mflhlner s. MüUner. 
Mohn- s. Mun. 
MfUirer s. Maurer. 
Mttldner s. Müliner. 

Mflllenmeister = Miihlmeister (ahd. muli, 

mhd. müle mit kurzem Vocal in d. ersten Silbe). 

Müller UI. schon im 14. Jh. „der muller", 

durch Angleichung aus mittellat. multor d. i. 

Heintze, Deataohe Familieii - Namen. 



molitor. Erhalten ist der T- Laut -noch in 
den FN. Molter, sowie in der genet. Bil- 
dung Mölders (westf.). 

Gedehnt ikfwÄZcr (Kindervers: „Mühler ist 
ein Koggendieb, Mühlamehler Boggen- 
stehler"). 
Mit verdünntem Selbstlauter: Miller (die 
gewöhnliche englische F. , aber auch in 
Baiern häufig), 
^iederd. Moller — Möller — Mohler 

(Klemp. Moller, Mohre). 
Die Hauptform bleibt MüUer, die über- 
aus häufig ist (S. 42), auch in zahlr. Zus. 

1) Nach der Art der Mühle: 

Bockmüller , womit Dreimüller (Ade- 
nau), wenn anders = Drehmüller, gleich- 
bedeutend ist, da eine Bockmühle auf 
ihrem Untergestell, dem „Bock", nach 
der Windrichtung drehbar ist. Grütz- 
müller. Holzmühler ; - müler (wohl = 
Sägemüller). Kornmüller. Lohmüller. 
Ölmüller; Ohlmüller. Sagemüller 
(Varel, balbniederd. = Sägem.); Seg- 
miller. Schneidemüller. Weitzmüller ; 
Weitzenmiller. Windmüller, niederd. 
Windmöller. 

2) Nach dem Standort der Mühle: 

Ängermüller und -milier. ÄumüUer. 
Bachmüller. Bergmüller. Bornmüller. 
Bruchmüller, halbniederd. Brockmüller. 
Dorfmüller, halbniederd. Dorpmüller. 
Heitmüller (Besitzer der Haidemühle). 
Kampfmüller (s. Kamp). Klingmüller. 
Kniemöller. Mittermüller (Besitzer der 
Mittelmühle). Obermüller. Riethmüller 
(s. Eied). Bosenmüller (Besitzer einer 
Mühle, welche die „Eosenmühle" heißt, 
z. B. im Amte Kaienberg). SeemüUer. 
Stegmüller, niederd. Stegemöller. Teich- 
müller. Waldmüller, Weidemüller. 
WerdmüUer (s. Werth). WeyermüMer 
(der M. am Weiher). Wiesenmüller. 

3) Nach der» Zugehörigkeit (Unter- 
thänigkeit) : 

Fromüller = Frohnmüller (herr- 
schaftlicher M.). Hoffmüller. Mönke- 
möller. 

4) Nach der Beschaffenheit des 
Müllers (oder der Mühle): 

Altmüller. Neumüller; Neumiller 
niederd. Niemöller. Freymüller. Grau- 
müller. GfrünmüUer. 

12 



178 



Müllner 



Nanth 



5) Mit Vorn amen zus.: 

Kunzemüller; KunsemüUer, Westel- 
muUer (wenn anders Westel aus Se- 
bastian). 
Die Zus. mit Möller sind im Nordwesten 
Deutschlands, besonders in Westfalen ein- 
heimisch. 
Mflilner III. ahd. mulinäri, mhd. mnlnaere 
der „Müller" (im Marbui^ger Gewerbe -Verz. 
Mulner; noch 1691 bei Stieler „der MtiUijer"). 
FN. Müllner; gedehnt Mühlner — ver- 
dünnt Milner. Niederd. (Elemp. Molner) 
Molner. HoäUänd. Mölencbar. 
Mummers s. Mun. 
Mun-, Mttn- s. Mun. 

MÜN I. wohl zu altnord. munr „Freude, Lust". 
FN. Muniperht: Momhert; Momber; 
Mommert; Mommer, (Jen. Mwm- 
mers. 
Einstämmige Kürzung Mun-. 
Muno, Menno: Mulme — Mowno — 
Mone; Mohn — Mohn. Gen. 
Mohns - - Monnen. Patr. A. Mön- 
ning. 

VUf. (k): Muncke — Mürmecke 
— Mohnike — Möhnke, 
Mund- s. Mund. 

XUND I. ahd. munt „Schutz" (vgl. Vormund). 
In £N. seit dem 3. Jh. 
FN. (Mundher): MuMder — Mtmter 
(Mwntermcmn) — Munter. 
Mnnderich: Mtmderich. 
Mundoald: Mondhold. 
Einstämmige Kürzung Mund-. 
Mundo: Munte — Mund — Mondt. 
Patr. A. MvMdvng -— Münding — 
Muntinga (ost&ies.). 

Vklf.(z): Mtmz — Münz, (z + 1): 
Mwntzel — Münzel. 
Auslautend 144 mal Forst.) : 
'intmd: Emund. Gen. -viwndts : Emundts. 
-mond: Hartmond. 
Mond m. Frideric. mittemmvnde 1190. Zus. 

Chüdenmund. Lachnmnd. 
Mnndtigler III. einer aus dem rhätischen 

Orte Montiggl (aus lat. monticulus). 
Mfinster III. ahd. monastri aus lat. monar 
sterium „Klosterkirche, Kathedrale". 
FN. Mü/nster. Weilmünster. 
Munt- 9 Mttnt- s. Mund I. 
Mflnter a) I. s. Mund b) III. s. Münzer. 
Münz-, Mflnz- s. Mund I. 



Mttnzer III. ahd. munizäri aus lat. mooeta- 
rius 1) Geldpräger 2) Geldwechsler. Her- 
mann Monetarius 1298. 
FN. Münzer. Niederd. Mü/nter, 

Mttßigrbrod III. ein Müßiggänger oder einer, 
der in Muße sein Brot ißt (Bentier?). 

Müßiggang III. (wie Irregang) „Müßiggänger'. 
Thomas M. 1447. 

Mut-, Math-, Mttth- s. Mod. 

Mntseheller III. von Mutschelle, häufigem 
Hofiiamen in den Alpen, roman. Herkunft, 
vielleicht = mottisella „Hügel" (Bück S. 187). 

Matt-, Mutze, Matz-, Mnzel s. Mod. 

MyHus III. der ehrliche deutsche „MüUer", 
nur in antikem Gewände. Eine Zus. mit 
Mylius ist Missomdius, entstellt aus Meso- 
mylius (Mittelmüller). 



N. 



Naatz s. a) Nath b) Ignatins. 
Nab- s. Nath. 

Naehbaur III. gekürzt aus ahd. nähkapür. 
mhd. nächgebür der „nah Bauende" (Woh- 
nende); noch im 17. Jh. neben Nachbar. 
Naehtigal III. ahd. nahtigala („Sängerin der 

Nacht", von galan). 
Naek-, Nftek- s. Nath. 
Nadol, Nlld- s. Nath. 
NAGAIi I. ahd. nagal, mhd. nagel, sp&ter 
auch zsgz. neil „Nagel". Der Grebnudi 
dieses Namens in EN. scheint sich auf die 
mythischen Schmieden zu gründen. Nagal- 
hard 8. 

FN. (Nagalrich): Neureich. 
Einstänmiige Kürzung Nagal-. 
Nagal: Nagel — Nahl — Nägel — 
Neil, 

VMf. a): Nägele; NägeU. (\+n): 
Negelein; Nägelen. 
Nagel lU. nach Yilmar S. 39 in mehr als 
fünfzig FN. 
Faßnagel. Hufnagel. Kupfemagel,mßäiiBrd. 
Koppernagel. Nothnagel. SchiewnageL, 
österr. Schin/nagl. SUbemagel. Span- 
nagel. Spitznagel. Thümagel. Deutlich 
elliptisch: Blankermagd. 
Nttgel-, Nahl s. Nagal. 
Nahning, Nan-, Nftning s. Nanth. 
NANTH I. got. nantigan wagen, nantfas kühn; 
ahd. nendan, mhd. nenden wigeiL 



Napert 



Nicolaus 



179 



FN". Nandbrecht: Nembhard (ausNembart). 
Nandhari: Gen. Nanders, 
Nantuic: Nenttoig. 
Einstämmige Kürzung Nand-. 

Nando, Nanno, Nonno: Narme — 
Nane — Nerme — Nonne (Nonne- 
mann). Gen. Nannen — Nonnen. 
Patr. A. Nanning — Nahning — 
Nä/ning. — Nannenga (ostfnes.). 
Vklf. (i): Nanny. (1): Nendel, 
• (k) : Nantke — Nancke — Nannig 

— Nennich; Nennicke — Nenke 

— Nonnig — Nöwnig. Gen. Nant- 
kes; Nantjes (ostfries.) ~ Nanken. 
(z): Nantz — Nenz. 

Auslautend -nand (in 30 P. Porst.): Wie- 
nand. Denant. Gen. -^ands: Wienands. 
Napert s. Nath. 
Nase III. in den Zus. 

FN. Spitznase (vgl. auch Halfnase 1376). 
Langnese (Heinricus Langenase 1304). 
NATH I. wohl zu altsächs. nätha, ahd. ginitda 
„Gnade", im Sinne von helfender Geneigtheit. 
FN. Natbold: Nabold. 

(Natbert): Nähert; Naher; Napert. 
(Nather): Nather — Näther. 
(Nadold): Nadol 
Einstämmige Kürzung Nath-. 
Nado, Nato: Nath — Näthe. 

YW. (i) : Nadele, (i -\- n): Näde- 
lin. (k) : Nattke — Nooke — Näke. 
Gen. Nacken — Nacken, (k + J) : 
Näckel. (z) Nazo: Naatz. 
NXth- s. Nath. 
Nau- s. Niw. 
Neander s. Neumann. 
Neb- s. Nibul. 
Nedder niederd. „Nieder" in Neddermeyer^ 

Nedderhut u. a. 
Neels s. Cornelius. 
Negrelein s. Nagal. 
Nciber s. Nid (V.). 
Neid- s. Nid (V., einst. K.). 
Neiflfert s. Nid (V.). 
Neigrebatter s. Gebauer. 
Neil 8. Nagal. 

Neip- s. Nid (V., zweist. K.). 
Neit-, Neitz- s. Nid (einst. K.). 
Nel-5 Neil- s. Cornelius. 
Nembhard s. Nanth. 
Nen- s. Nanth. 
Neo 8. Niw. 



Nettelbladt III. niederd. „Nesselblatt". 
Neu 8. Niw. 

Neubauer III. ein „Bauer", der sich „neu" 
auf einem (vielleicht erst von ihm urbar ge- 
machten) Platze ansiedelt. 
PN. Netthauer. Niederd. Niehuhr (Klemp. 
Niebur). 
Neubert, Neue, Neuf- s. Niw. 
Neugebauer s. Gebauer. 
Neulcomm HI. ein „Neuangekommener". Hans 

Nuwkomm 1393. 
Neumann III. a) I. s. Niw b) III. ein „Neu- 
angesiedelter". Als PN. sehr häufig — wie 
Neustadt als ON. — auch Proselyten-N. 
(=s „neuer Mensch") , in griech. Übersetzung 
Neander (der benihmte Kirchenhistoriker 
dieses Namens hat denselben 1806 in Ham- 
burg angenoiomen, als er zum Christenthimi 
übertrat). 

Niederd. Nieniann (in Münster 22 Niem. 
neben nur 8 Neum.) — Niegeman/n — 
Nipgemann (Klemp. Nieman, Nigeman). 
Neumeister III. ein in die Zunft „neu auf- 
genommener Meister". 
Neupert, Ney s. Niw. 
Nibbe s. Nid (zweist. K). 
Nibel 8. Nibul. 

NJCBÜL ahd. nibul „Nebel", von mythischer 
Bed. in dem altnord. Niflheimr. 
PN. Nivalus: Nibel — Nebel Patr. A. 
Nibulung: Nieheling — Nebeling; Neb- 
limg. 
Nicl-, Nicol- s. Nicolaus. 
Nicolaus II. griech. „Volkssieger"; Nicolaus, 
Bischof von Myra in Lycien 4. Jh. (S. 26). 
PN. Nikolaus — Nikiaus (in schlechterer 
Schreibimg Nücklaus) — Nicolas; Ni- 
cola — NiclaSf Nicklas, Niklaß — 
Nicol mit den Zus. Altnikol und Nicol- 
mann — Nickel mit den Zus. Jung- 
nickel; Kurznickel; Langnickel; MiM- 
nickel (Nickel als VN., N. Hannemann 
16G2 KB.) - Niggl (bair.). Gen. Ni- 
colai, Nikolay ~ deutsch : Nickels, Patr. 
A. Nickling — Niggeler (oberd.). Patr. 
Zus.: Nikiassen. 
Mit Kürzimg im Anlaut: 
a) Klaus, Clauß, mit der Zus. Schäper- 
claus (westf.); Klause — latinis. 
Ckiusius. (jen. Klauben. Patr. A. 
Clausing. Patr. Zus. Jungclaus (Ge- 
gensatz: CrToßklaus); Jungclaussen. 

12* 



180 



-nick 



Nöcker 



b) Klose; Kloosy Cloos; Kloß (z. Tli. 
mit geschärftem Yocal gesprochen, 
deshalb auch Kloss geschrieben, wohl 
vmi den Gleichlaut mit dem Appellat. 
zu vermeiden) — latinis. Clossius. 
Zus. Khßmann, 

o) Klaßy KlaaSy Claes — Zus. Jung- 
hUis; Poggenklas (westf.): Klas- 
mfyer (westf.). Gen. Claßen, Claas- 
seti; Glasen; ClfMsens. Patr. A. 
Claßing, 

d) Durch Zerdehnung aus Klaus : Clawes 
(als Vorname Clawes imd Nicclawes) ; 
(la¥Ni; Clabs — Klctges; Kltiggc 
(Klempin: Klags = Klawes). Zus. 
Klagemann, 

e) l>urch FWtlall der beiden ersten Sil- 
ben: L<IMJ(. 

»aiek III. in slaTischoi ON. ^ 

FN. JaHtrmek. Le^k. Rüthniek. 
Abkatung auf -fr (oberd.): Obomiaiker, 
NlflL« s. Xid (einst E.). 
Nkld»« NieU- s. Xioolaus. 
Mfksf III. ^Xixo*, auf die Wasserg«ster der 
\leut$eh«?fi MAthe lUTückdeutaid. Tjd- Jc^ian- 
iK>i» dioms dim Xixt 1336 Bacm. 
XIB L ^< neith, ahd. md. mhd. m^ ,N<ad'^ 
d. i. fnnd:?«l]giMr Eifar und Zorn des Eiiegeis 
^Kibt^ungen T. 427 LKfanL). 
FX. MdbaW: XifdbaU — XiepM: Nie- 
jHt — A't^^tM; Xijiipei — XeipM^ 
XiH^^rht: ^^Äfifcrrl. li«i. Xeipptrts. 

F^tr. A. JVi<r6rrti«M4|. 
XidaK>lk>: Xti^^kfft. 
lXidfirid>: Xkfifi: Xiefitr - NaOeri. 

Xidkauni: SitidOkKnÜ: Meiaräi: Sie- 

Xither: A«*flr — .^ 
X>iiBir: «yÄPBKr — AI 
Xiank: JVMWdb 
vXWk^>: AfNSMIr. 

XiTih**: JV'nfftf SiiUmammi — XtkAi: 
AVJÄT-. Itöel AÜrtkrti — AAittni — 
A^MTR. Füxir. A. XhaAm^. AV- 

VkiS. v^': A*rtW - A^aM. Rr 
A. Xifißsmfi. } --- ii>; A^mAm^ 
.1 ; A'iflfihf — AÜMbr - AÜobr. 
'i,'}^': A^wsaf — A'icar: AIefc 



Näzsch (Nitschtnofm) — NeiU 
(z + 1): Nietzel — Nißl - NöL 
(z -f k) : Nietzschke — Nüsckke 
Neitzke. 

Unorganische Bildung: Neitzert. 
Zweistämmige Kürzung Nidb-. 
Nippo: Nippe — Nibbe — Neipe. 

Nie- UI. niederd. „neu", in Zus. wie A'i 
becker^ Niemann, Nietneyer u. s. w. 

Nieb- s. 1) Nibul 2) Nid (V.). 

Niebulir s. Neubauer. 

Nieeke s. Nid (einst. K.). 

Nied- 8. Xid (Y., einst K.). 

Nief- 8. Nid (V.). 

Niegemaiui s. Nenmann. 

Nieger s. Nid (V.). 

Memann s. Xeumann. 

Niemer s. Nid (V.). 

Niemetz m. ein „Deatscher''.. pohi. Niemi 
Auch Niwis. 

Niep-, Nierieh s. Nid (V.). 
Niefi s. Dknvsins. 
Niet- 8. Xid (V., einst. K.). 
Nieti- 8. Xid (einst. K.). 
NiggenaBft s. Xeomaim. 
Nlggder, Niggi & Xknlaiis. 
Nik- s. ^oolans. 
NIsBer s. Xid (TA 
NIbi s. Xiemetz. 
Nipp- & ^od (V., z««iBt. K.). 
Nißl s. Xid (einst. K.). 
Nitsdi* Nltx s. Xid (einst K.). 
NIW L ahd. mvi. mlid. nive .,jieu Qaff 
TS. (SiwipM)z Xinboid. 

«Xiv^eitl: Stmberf; Xempert-St 

btft: AaMfaert 
X<nfirod: XtMfert; 2^emgier. 
i^^uvimm): AVmbuuui — Ainwi 

jXaa Docb is zuBdieB Lndscfaft 

srandartikii = bbb. & EockS.! 

läo- «? fnr ^uUeU ho/ea^i « 

Bw^ S.1S&1. 



Ni 



Xiro: AVif* — 
A> - A' 
& Xid {önst 



31 



A «■ - Stt 



. Xi« ,V,, TwmsL K.). 
er ^ Xoc 'T,'l 



Nod 



Öd 



181 



NOB I. got. nauths, ahd. mhd. n6t „Noth, 
Eampfdrangsal; eifriges Streben^. 
FN. Nodbert: Nöbert — Nopper. Gen. 
Noppers. 
Notakar : Nötiger — Nocker — Nöcker. 
Nothart: Nothardt. 
Nothar: Notter — Nöther. 
(Notleih): Nöthlich — Nölich. Gen. 

Nöthlichs. 
Nodulf : Nolohf. 
Einstämmige Kürzung Nod-. 
Noto: Noth, Noodt — NoU — 
Nöthe Gen. Nothen — Nöthen. 
Patr. A. Nöding — Ntiding. 

Vklf. (1) : Nödd — Nötel — Nohl 
Fatr. A. Nöthling. (Isi): Nooke, (z): 
Nootz — Notz (Notzmann); Noß. 
(z + 1): Nötzel; Nößl (z + 1 
+ n): Nötzlin. (z + k): Notzke. 
Zweistämmige Kürzimg Nodb-. 
Noppo: Nobhe — NÖbhe. 

Vklf. (1) Nopeio : Nobel - Nopel 
Patr. A. Nöheling. 
Auslautend - not (28 mal Forst.) : Adnot. 
Gemoth. 
NM-, Nohl s. Nod (einst. K.). 
Nold-, N»ld- s. Ann (Arnold). 
Nolohf, Nölich s. Nod (V.). 
Nolt-, N»lt- s. Ann. 
Non-, Nön- s. Nanth. 
Nonnenprediger III. (Pyritz) „der die Ver- 
pflichtung hatte, im Nonnenkloster zu pre- 
digen**. 
Noodt, Nootz, Nopel s. Nod (einst. K.). 
Nopper s. Nod (V.). 

NORD I. ahd. nord „Norden", ebenso wie die 
drei andern Weltgegenden in EN. gebraucht. 
FN. Nordeman: Nordmann - Normcmn, 
Norrmann. 
Nordoalt: Nordahl. 
Nordwich: Nordwig. 
Einstämmige Kürzung Nord-. 
Nordo: Nord, Nordt, North. Gen. 
Norda (ostfries.). 
Vklf. (z): Norz. 
Normann, North, Norz s. Nord. 
Noß, Nößl s. Nod (einst. K.). 
Noth-, N»t-, Nott- s. Nod (V., einst. K.). 
Nott III. niederd. „Nuß", in Nottehrock, NoU- 

nieyer u. a. 
Nottebohm III. niederd. „Nußbaum". Auch 
Nottehaum, Nuttebaum (halbniederd.). 



N»ttgrer 8. Nod (V.). 

Notz-, Nötz- s. Nod (einst. K.). 

Nowaek III. aus slavisch Nowak der „Neue, 

Neuangekommene" = Neumann. In seinen 

verschiedenen FF. im Osten Deutschlands 

weit verbreitet. 

FN. Nowaek; Nowag — Noack — Nobak. 
Ntteklans s. Nicolaus. 
Nnding s. Nod (einst. K.). 
Nttrmberger III. „Nürnberger", alt Nurem- 

berger 1507. 
Nnßpieker III. vom mhd. bicken : „hauen mit 

einem spitzen Werkzeuge". 
Nnttebaum s. Nottebohm. 



o. 



-Ol) deutsch: die häufigste Endung der ver- 
kürzten Namen, jetzt meist durch das 
characterlose e ersetzt oder ganz abgeworfen 
(S. 22). 

2) slavisch: ebenfalls in verkürzten Per- 
son -N., die dann als FN. verwendet werden, 
z. B. Hanzo, Hanzko (Hantschko) von Jo- 
hannes). 

Mitunter ist auch o entstanden aus ow 
(urspr. slavische Endung für ON.) mit Abfall 
des stummen w : Fanselo , Calo , v. Plotho 
(0. Plothow), welches früher noch häufiger 
fortgelassen wurde; so findet sich in KB. 
Büto, Zastro statt des jetzt üblichen Bütow, 
Zastrow. 

Ob- s. Aud (V., zweist. K.). 

ob- s. Aud (zweist. K.). 

Obbermann s. Aud (V.). 

iibb' s. Aud (zweist. K.). 

Obenderhabighorst III. bemerkenswertber 
westfäl. N., vom Wohnorte hergenonmien 
(S. 53). 

Oberste in westfäl. N. zur Unterscheidung der 
Genamen benutzt, z. B. Oberste- Steinhorst 
= der zu oberst wohnende St. 

Obser III. mhd. obe)5aere, jetzt oberd. Obßer, 
hochd. „öbster, Öbstler". 

Oebs III. mit der Vklf. Öchsle und den Zus. 
Ochsenbein imd (niederd.) Ossenkop. (Doch 
Ochs vielleicht = ahd. Otgoz, 11(X), Ocoz 
oder auch Otgis , beides zum Stanune Aud). 

Oek-, Öck-, Od- s. Aud (V., einst. K.). 

öd III. In Süddeutschland ungemein zahl- 
reiche ON. auf - öd (Altenöd), -ed, -etj -edt 



182 



Oddel 



Ort 



(Einet). Bei dem Mangel entscheidender 
alter ¥F. ist hierbei an got. auths, ahd. ödi 
mhd. oede „öde, leer** zudenken, falls nicht 
angels. ead, altnord. audhr „Besitz" größeren 
Anspruch darauf hat. 

FN. Ableitung auf -er (oberd., bes. bair., 
österr.) : 

1) -öder („die Leute, die einst in der 
Öde wohnten, die Söhne der Ein- 
öde" Steub) nur in Zus.: Ameis- 
öder. Manzenöder, Schusteröder, 
Vgl. der Flachsöder 1490. 

Meist infolge der „alten Unart 
der Bajuwaren, ö und e in der 
Aussprache nicht zu unterscheiden" 
(Steub) in o verwandelt, daher 

2) Eder urspr. Öder, vgl. Albertus 
öder 1262. Allertseder. Fisch- 
eder neben Fischöder, Greifen- 
eder, Hahereder, HcLseneder. Hoch- 
eder. Kroneder. Mittereder. Moos- 
eder. Niedereder. Ohereder. Per- 
waneder (= Bergmannsöder Steub). 
Eoseneder, Spitzeder, Fngleder. 
Herleder. Wendkder, — Lenvpenz- 
eder (zu ad. Lampo). Manzeneder, 
daneben Manznetter. 

3) -eter: Eppeneter. Hemeter (= 
Heimöder). Schlageter (auch in 
Ostpreußen). Weileter, 

4) -etter: Mosetter. Obernetter. Panz- 
etter. Schar fetter (in Salzburg und 
Ostpreußen; in der Namenliste 
der Eingewanderten bei Beheim- 
Schwarzbach Scharffitter; vgl. 
Stephan Scharffeder 1407). 

5) entstellt -ieder: Geißelsieder. 
Hutzelsieder (Steub S. 147). 

öddel, Oding, Oet- s. Aud (einst. K.). 
Of-, Off- s. Aud (V., zweist. K.). 
öfele, öff- s. Aud (zweist. K.). 
Ofbier III. mhd. ovenaere „Ofensetzer". 
Oheim III. mhd. oheim „Mutterbruder". 
OhI- 8. 1) Aid 2) Aud (V.) 3) Othal (V.). 
Öhl- s. 1) Aud (einst. K.) 2) Othal (V.). 
Ohlenmaeher m. „Töpfer" (s. Euler). 
OhlenHchläger, öhlen- s. Öhlschläger. 
öhlmann a) I. s. Othal b) III. „Ölhändler". 

Latinis. Olearius (S. 63). 
öhlsehläger III. „Ölpresser". 

FN. Öhlschläger; ÖhUnschläger - Ohlen- 
schläger — öhligschläger — Ollig- 



schläger (vgl. ölich Weisth. lU, 296, 
niederd. ölje; auch dänisch olio, olie- 
slaaer). 
Ohm III. aus Oheim zsgz. mhd. ömo „Oheim'* 
(Ohm auch ein Zunftgenoß bei den Münzom, 
desgl. Ohmschaft = sodotas monetariorum). 
Ohm- s. Aud (zweist. K.). 
Ohm- s. Aud (V., zweist. K.). 
Ohnesorge III. vgl. Gemod dict. Anesorge. 
Daher noch jetzt Ansorg, 

Ohr III. in den Zus. Langohr; Weibelohr 
(„Wackelohr"). 

Ohrt 8. Ort I. 

Ohst s. Aust. 

ökert s. Aud (V.). 

Ol- s. 1) Aid 2) Aud (V.) 3) Othal (V.). 

öl- s, Othal (V., einst. K.). 

OIb)$ter III. niederd. „Altbüßcr d. i. Altflicker" 
(in Stettin ein „Olböterborg"). 

Olde s. Aid. 

Ölhafen III. FN. v. Ölhafen (mit einem ölknig 
un Wappen, Pott S. 654). 

011- 8. Aid. 

ÖU- s. Othal (V., einst. K.). 

Olligschlttger s. öhlschläger. 

01t- s. Aid. 

Omels 8. Ameis. 

ömering s. Aud (V.). 

0mm- s. Aud (V., zweist. K.). 

Oost s. Aust. 

Op- 8. Aud (V., zweist. K.). 

Opderheek III. niederd. = ob der Bock „ober- 
halb des Baches". 

Opfermann III. „der das Kirchenopfer in 
Empfang nimmt" = Küster, früher allgemei- 
ner in Niedersachson, jetzt noch in Braun- 
schweig (Hoffmann). 

FN. Opfermann. Offermann (vgl. Opfer- 
geld und Offergeid). Niederd. Opper- 
man/n (doch s. auch Audeberht). 

Opp-9 öpp- s. Aud (V., zweist. K.). 

Oppermann s. a) I. Aud (V.) b) III. Opfer- 
mann. 

Optenh^^gel III. niederd. „auf dem Hügel". 

Orban s. Urban. 

Ord- 8. Ort I. 

Omold s. Arin. 

Ort-, Ort s. Ort I. 

-ort in ON. s. Ort HI. 

ORT I. ahd. mhd. ort „Schärfe, Spitze", bes. 
des Schwertes und Speeres. 



Ort 



-ow 



183 



FN. Ortgis: Ortgies, Gen. Ortgiesen. 
OrÜaip: Ortleb; OrtUpp; Ortlöpp, 
OrtUob: Ortlieb. 
(Oitman): Ortmcmn, 
Ortolt: OrteU — Ortelt 
Ortwin: Ortwein. 
Ordulf : Ordolff - Orthff. 
Einstämmige Kürzung Ort-. 
Ort: Ort, Orth — Ohrt. 

Vklf. (1): Ortel — ÖrtU; Örtel 
Patr. A. Örthling, 
Ort m. in ON. a) „Vorgebirge" (z. B. Brüster- 
ort an der ostpreußischen Küste) b) „Winkel", 
bes. bei Flußmündungen (z. B. Buhrort). 
FN. aufTm Ordt. Buhrort, v. Scharfen- 
oH. Steinort. Vierordt. 
Os-, Oß-, ös- 8. Ans. 
Oß ni. niederd. „Ochse", in Ossenkop, Oß- 

meyer u. a. 
ösehhey III. mhd. eschheie „Hüter der Feld- 
flur, Flurschütz". 
Oslander III. von einem fränkischen Schmiede 
Hosemann abstammend und halb vergriecht, 
„so daß die Hose, freilich ohne Asper, daran 
hängen bUeb" (Pott, S. 38). 
Ost-, Ost- s. Aust. 
Oster-, öster- s. Austar. 
Oster III. vom Umstandsw. ahd. östar, mhd. 
öster „ostwärts, östlich", in mannigfachen 
Zus.: Osterbrink; Osterbrauk (-bnich); 
Osterkamp — Ostermeyer u. a. 
Ostertag III. zu den Zeitnamen (s. Tag); vgl. 

Grav Friedrich zohr der Ostertag 1315. 
Ot-, Ott-, öt- s. Aud (V,, einst. K.). 
OTHAL I. ahd. nodal, ödhü „Erbgut; Hei- 
mat". Vgl. Aud und Ed. 
. FN. Odalbreht: Ohlbrecht — Ölbracht — 
Ulbrecht; Ulbricht; Ulber (Ulber- 
mann). Gen. Olbertz; OTbers — 
ülpts (ostfries.). 
OdalMd: Ulfert Gen. Olfers — 

Ulff&rs, 
Odalgar: Ölker. Gen. Ohlckers, 
Odalgart: ölgard; ölgarte. 
Odalhart: Ohlert — ölhardt; Öhlert. 
Uodalhari: Uhler — ülherr. Gen. 

Öhlers — öllers, 
Odolleip: Olepp, 
Odolland: Ohland — (Jhlafid, 
üodalman: Öhlmann — ühlmann — 

Ullmavm, 
üodahnar: Ullma/r, 



üodabich: Olerich — Ölreich — 
öllrich — - Uhkich — Ulrich; 
Uldrich; UlUrich. Gen. OhU 
richs — Ulrichs, Patr. A, öhler- 
king, 

Odalwin: Ohhoein — Ölwein. 
Einstämmige Kürzung Othal-. 

üdilo: Ule — Ühle, Gen. Uhlen. 
Vklf. (i): Hochuli (schweiz.). (1): 
Olke — Öllig — Uhlig — UUich, 
Gen. Uulkes (ostfries.). (z) : Uhlüzsch 
— UUzsch. Gen. OUzen, 

ötz- s. Aud (einst. K.). 

-ow in. in urspr. slavischen ON., die eigent- 
lich besitzanzeigende Eigenschaftswörter auf 
owy, owa, owo sind, den von dem Namens- 
träger gegründeten oder besessenen Ort be- 
zeichnend. So bildet sich von dem N. Grab 
(Weißbuche) das Eigenschaftewort gtabowy, 
-a, -0, weiches nun mit Ergänzung eines 
Hauptwortes wie was (weibl.) = Dorf, mjesto 
(sächl.) = Stadt zum ON. gestempelt wird, 
also Grabowa, Grabowo (= „der Grab'sche 
Ort"), Viduchowa „der Widoch'sche Ort (vom 
PN. Vidoch) — Formen, die sich in slavi- 
schen Gegenden noch häufig finden, während 
in den schon länger germanisirton Land- 
schaften des nordöstlichen Deutschland der 
Endvocal abgefallen und die Endung ow (mit 
stummem w, das auch mitunter in der Schrei- 
bung fortgefallen s. o) herrschend geworden 
ist: Grabowj Fiddichow. 

Daher nun die vielen ON. — von Städten, 
Dörfern, auch Flüssen, z.B. Wamow — auf 
ow, deren im östlichen Deutechland Legion 
ist, und die fast ebenso große Fülle der von 
ihnen entlehnten FN. auf ow (z. B. in Stolp 
im J. 1864 unter 1800 Namen über 50). 

FN. Buckow (spr. Buko). Bütow, Grrabow, 
Massow, Passow, Qued/now, Strippen^ 
tow. Vangerow — nicht minder viele 
Adeia-N,: von Below, von Bülow. von 
Krockow, von Lettow, von Massow, 

Häufig finden sich kleine Abweichungen 
von den bezüglichen ON.: Duchrow (0. 
Ducherow). Münchow (0. Mönchow). Stiro- 
low (0. Strelow) — mitunter auch bedeu- 
tendere wie Leitzow (0. Lewezow, welches 
im Volksmunde in Leitzow zsgz. wird). 

Ableitungen auf -er sind selten, da sich 
diese Endung nicht bequem anfügt; nur in 



184 



Pabst 



Penke 



modern jüdischen N. wie Bojcmower (von 
Bojanowo) scheint sie sich zu finden. 

Häufiger sind Latinisirungen auf ovius, 
ans der Zeit der Benaissance stammend 
(S. 62): Ciborovius. Gregorovius, Gusovius. 
Nicolwdits — z. Th. mit sehr wenig latei- 
nischer Schreibung : Bülowms. Wannowius. 

Nicht selten ist die E. ow bei den ON. 
oder den daher entlehnten FN. in au über- 
gegangen, wodurch dem Namen ein mehr 
deutsches Gepräge gegeben wird: Grabau, 
als wäre es eine rein deutsche Zusammen- 
setzung. So entspricht der PN. Gumtau 
dem ON. Gumtow , Treptau dem ON. Trep- 
tow; umgekehrt NipJcow == dem ON. Nip- 
kau. Aus manchen ON. sind auf diese Weise 
zwei FN. hervorgegangen, z. B. aus ON. 
Lossow die FN. Lossow und Lossau. Beide 
Endungen, ow und au, wechseln eben außer- 
ordentlich leicht mit einander, und früher 
verfuhr man noch willkürlicher darin. So 
wird im Stolper KB. der fürstlich Croy'sche 
Bentmeistor Vanselow auch Vanselau ge- 
nannt, z. B. im J. 1647, dagegen 1651 wieder 
Vcmselow, In manchen Städtenamen sind 
diese Endungen noch im Kampfe, z. B. Span- 
dow und Spandau, Prenzlow imd -au; letz- 
tere sollte hier vorgezogen werden, damit 
auch der Name dieser seit Jahrhunderten 
deutschen Städte den deutschen Lautgesetzen 
ontsproclio. 



P. 



Pabst in. inhd. habest aus griwh. lat. papas. 
FN. Vabst - Bähst (S. 42). 

-paoh, -pacher s. Bach. 

Pächter lll. nouoriMi Verhältnissen entstam- 
mend, daher als FN. sehr seiton. 

Padelt R. Bad (einst. K.). 

PÄder H. Bad (V.). 

Pairt^l H. Pauhis. 

l^aireiiNteehor 111. der die s^'hlcohton Pfenle 
(niodenl. \\\ff>>\\) absticht, „AUlei^kef. 

I^alide H. Bad (oinst. K.V 

-paliitncr s. Bund. 

INildramuN s. Bald (V.V 

l*Nl4«irrliiiiii 8. IMlgrim. 

INiiiiiiior H. Itad (V.V 

PaiicrailuN 11. griivh. dor ,AUhensohende~ 
(Kai. 12. Mai) ■■■ MauH>rtu$, P., Serratius 



die drei sogen, „strengen HerreD*^, wdche 
die späten Frühlingsfröste bringen solleD. 
FN. Pongratz — (mit Kürzung im Anlaat): 
OraZj Kraatz (doch schon ahd. ein 
Chrazo). 

Vkif. (oberd.) Krätzel, latinis. Crt- 
celius; (niederd.) KrcUzke (mit lan- 
gem a). 
Pand- s. Band. 
Pankoke s. Pfannkuch. 
Pann-, Pantsch, Panz s. Band. 
Pape 8. a) I. Bad (zweist. K.) b) lU. Haft. 
Papinga s. Bad (zweist. K.). 
Papke 8. a) I. Bad (zweist. K.) b) DI. P&flt 
Pttpke 8. Bad (zweist. K.). 
Pastor III. lat. „der Hirte", Pfarrer. B 

Gen. Pastoors (Cleve). 
Pathe, Pät- s. Bad (einst. K.). 
Patsch, Patz- s. Bad (einst. K.). 
Panck s. Baug. 
Pauel- s. Paulus. 
Paner s. Bauer. 
Pauker III. mhd. pükaere „Paukenschlägar'. 

FN. Paucker; mit Umlaut Peucher. 
Paulus n. lat. „der Kleine" ; St. Paulus, der 
Apostel. (Kai. 25. Jan. 29. 30. Joni.) 
FN. Paulus; Paul fPatUmann). da. 
Patiit, Pauly — Pauls; Paiick (ost- 
fries.). Patr. A. Pauling — Pauler (ort»- 
reich.). Patr. Zus. Paulsohvh; Paulm; 
Paidsen; Pauelssen (ostfries.) — inäh 
selben Sinne Kleinpaul. 

Niederd. zerdehnt: Pagel — Fad, 
Pavel (Pagel als VN. im KB. z.B. 
Pagel Gustman 1692; Pagel Dobreox. 
sonst Paul Dobrantz — pawel glsseosp 
1518 Klemp.). Gen. Pageis — Powds. 
Paur s. Bauer. 
Par-, Paw- s. Paulus. 
Peeht- s. Beraht (V., einst. K.). 
Ped- 8. Petras. 
Pddram s. Bald (Y.). 
Pelikan III. zeichnet sich nach dem Glauben 
des Alteithoms (s. Aelian 3, 25) vor allen 
Vögeln durch die Liebe zu seinen Jangeo 
aus. die er mit seinem Blut ernährt, qihI 
wenn sie todt sind, zu neuem Leben erweckt 
Daher in der chiistlichen Mystik ein BU 
für den Heiland, der dnrch sein Blut die 
Welt zu neuem Leben erweckt hat 
Pelier III. mhd. belzer „PeLzhändler*'. 
Penke, Penneeke s. Beiin (einst K.). 



-perg 



Pfretzschner 



185 



-perg, -pergrer s. Berg. 

Pering s. Ber (einst. K.). 

Perl- 8. Ber (V., einst. K.). 

Pem- s. Berin (V.). 

Person s. Poixus. 

Perthes, Pertsch, Pertz s. Ber (einst. K.). 

Petersilje III. deutlicher Pflanzen -N., von 

Vilmar als neu bezeichnet. 
Pethke s. Bad (einst. K.). 
Petrus IL griech. „Fels, Felsonmann", Über- 
setzung des hebr. Kephas; St. Petrus, der 
Apostel, mit eigentlichem N. Simon (Kai. 
18. Jan. 29. Juni. 1. Aug.). 
FN. Peter (Petermann) — Petter. Zus. 
Brüggenpeter. Gen. (lat.) Petri, Petry 
— (deutsch) Peters — Petters — Pu- 
ters (ostfnes., vgl. holländ. Pieter). Patr. 
A. Petering. Patr. Zus. Peter sson; 
Peter ssen ; Peter son ; Petersen — niederd. 
Pedersen — vereinzelt Petrikind. 

Durch Zusammenziehung aus urspr. 
Pederson : Person ; Pierson (vgl. schwed. 
Per, englisch Pearson) — entstellt Per- 
sohn. 

Anderweitige Zus.: Kleinpeter. Groß- 
peter (franz. Grandpierre). Gravpeter. 
Peternieier. 
Petter s. Petrus. 
Petz- s. Bad (einst. E.). 
Peneker s. Pauker. 
Pfab 8. Pfau. 

Pfaffe in. ahd. pfafTo, mhd. pfafle aus lat. 
papa der „Geistliche" und zwar „Welt- 
priester", seelsorgender Geistlicher im Gegen- 
satze zu dem Klostergeistlichen und dem 
Laien — erst bei Luther und Aventinus 
(t 1534) in verächtlichem Sinne. Den Über- 
gang zum FN. weisen Benennungen auf wie 
Wemher dictus Paffe 1284; Heinrich des 
Pfaffen sun (Bacm.). 
FN. Pfaff. Niederd. Pape; latinis. Pa- 
pius, Vklf. Papke (doch s. auch Bad). 
Pfannensehmid III. s. Schmid (in Colberg 
heißt eine ganze Straße auf der Münder Vor- 
stadt „Pfannschmieden", "weil hier ehemals 
die Pfannen zum Salzsiedon geschmiedet 
wurden). 
FN. Pfannenschmidt; vorkürzt Pfan/n- 
schmidt. 
Pfannkneh III. s. Speisen S. 46. Niederd. 
Panköke, vgl. Pangkoke 1369 Braunschw.) 
Pf&tehenhaaer, Pfatten- s. Pfettenhauer. 



Pfau III. ahd. phäwo, mhd. phäwe „Pfau" 

aus lat. pavo). Otto dictus pavo 1300. Jörg 

Pfauenschwanz 15. Jh. 
Pfauw s. Pfau. 
Pfeffer III. eine Brühe zu Fleischspeisen, 

wegen der starken Gewürze so genannt (jetzt 

noch „Hasenpfeffer"). 

Pfeffersaek III. der alte Spottname der Kauf- 
leute. Niclas pfeffersak 1419. (S. auch 
Goethe's Götz, Akt 3, Sc. 1: „Wenn ein 
Kaufmann einen Pfeffersaek verliert" u. s. w.) 

Pfeifer IlL ahd. pMäri, mhd. pfifaere, pfifer. 
FN, Pfeifer, Pfeiffer (Pfeuffer) — Pfyff&r 
(Schweiz.). Niederd. Pieper, Piper. 

Pfeilschifter s. Pfeilsticker. 
Pfeilsticker lU. „der die Stecken für die 
Pfeile macht". 

FN. Pfeilsticker; Pfeilstöcker. Niederd. 
Pielsticker. Auch Pfeilschifter (von 
Schaft, s. Marb. Verz. der Gewerbe: 
Pfeilschifter). * 

Pfennig III. s. Münznamen S. 45, ahd. phan- 
tinc (von phant Pfand), mhd. pfenninc 
„Pfennig" (doch häufig in allgemeinerer Bed. 
== Geld, Geldsumme, wie noch jetzt in 
„Mutterpfennig", „Sparpfennig" u. a.). 
FN. Pfennig — mit mehrfachen Zus. : Bar- 
pfennig, Bedepfennig. Weißpfennig. 
Wucherpfennig mit seinem Gregentheil 
Schimmslpfennig. 

Pfettenhauer III. der „die Querbalken eines 
Hauses zuhaut" (Andresen). 
Als FN. in mannigfachen FF.: Pfatten- 
hauer — Pfotenhauer — Pfötkenha/uer ; 
Pfötchenhauer — Fetkenheuer — Fittig- 
hauer, 
Pfeuffer s. Pfeiffer. 
Pflster s. Pistor. 
Pfleiderer s. Pleitner. 
Pflug III. vgl. Eberhardus dictus Pfluoc 1294. 

Zus. Keilpflug. Stellpflug. 
Pflflger III. niederd. Plöger — Pleuger. 
Pförtner in. mhd. portenaere (mittellat. por- 
tenariusj. 

FN. Pfärtner; bes. bemerkenswerth Pfört- 
ner von der Hölle, ein schlesisches 
Adelsgeschlecht. Niederd. Pörtner. 
Pfotenhauer, PfStkenhauer s. Pfettenhauer. 
Pfraumbaum III. „Pflaumbaum" mhd. phrum- 

baum (neben pflümboum) vom lat. prunus. 
Pfretzsehner III. „Kleinkrämer" (Österreich.). 



186 



Pfuhl 



Pommerenke 



Pfuhl m. mhd. pbuol ans lat. palus „Pfuhl*^. 
In ON. seit dem 9. Jh., doch mehr ver- 
einzelt; niederd. -pohl, 
FN. Pfuhh Lehmpfuhl, Niederd. Gause- 
pohl (Gänsepfuhl). Htmdepohl, Otter- 
poM. Cattepoel (Katzen-). 

Piyffer 8. Pfeifer. 

Fhilippus n. griech. „Roßfreund" ; St. Phi- 
iippus a) der Apostel b) der Almosenpfleger 
Apostelg. 6, 5. 8, 26 ff. 
FN. Philipp, Gen. (lat.) Phüippi — 
(deutsch) PMi^^lpen; Phüipps; Phillips 
(wo das 8 jedoch auch vom Nom. her- 
rühren kann, vgl. philipps Sunnenbuch 
1490 Klemp.). Patr. Zus. Phüippsen; 
Philippsohn; -son (die beiden letzten 
jüngere Neubildung, jüdisch). 

Mit Kürzung im Anlaut: lAppvs; 
Upps, Lips (so rodet z. B. Johann von 
Leyden in einem Schreiben den Land- 
grafen Philipp j^on Hessen „myn lewe 
Lips" an). 

Piehler, -piehler s. Bühel. 
Pielilmaier III. „der Meier auf dem Bühel" 
(s. Bühel und Meier). 

Piel- 8. Bil (V., einst. K.). 
-piel s. Bühel. 
Pielstieker s. Pfeilstickcr. 
Pieper s. Pfeifer. 
Pierson, Pieters s. Petrus. 
Pilartz s. Bü (einst. K.). 
Pilger, Pilgram s. a) I. BU (V.) b) IIL 
Pilgrim. 

Pilgrim III. mhd. bilgerin aus lat. peregri- 
nus. Schon 1245: Porogrinus. 
FN. Pügrini — Pälegrimm; auch Pil- 
gram. — Pilger, Das mhd. b noch in 
Billger, (schwäb.) Bilgeri (doch s. auch 
Bil). 

Piller 8. Bil (V.). 

Pilz, Pilzing s. Bü (einst. K.). 

Finder s. Binder. 

Pinkepank m. Spottname f. einen „Schmied". 

Pistor III. Latinisirung für Becker (schon 
1340 im Gott. ÜB. als FN.) ; verlängert 
PistcyrivjS, wovon der Gen. Pistory. Wieder 
umgedeutscht Pfister; Pfisterer (südd.). 

Planck s. Blank. 

Plater, Platner lU. a) mhd. blatenaere, 
platner „Verfertiger derblate", einer Schutz- 
waffe, die vor der Brust über der hals- 



perge getragen wurde (vgl. „Platnergasse" 

in Prag) b) „Pfaffe" von der Tonsur. 

FN. Plater. Platner — PUxttner, auch 

Blattner. Mit Umlaut: Pte<*ner(Klem- 

pin: plctener = harnischmester) — 

Plöttn&i' (Koch, Saalfelder PN.). 

Platzfuß ni. „Plattfuß" (S. 50); niederd 
Plattfaut, 

Pleitner Ul. „der die Bleiden d. i. Warf- 
maschinen (mhd. blide) bedient". Auch 
Pfleiderei'. 

Plettner s. Plater. 

Plenger, Plöger s. Pflüger. 

Pütt 8. Blid. 

Ptönnies s. ApoUonius. 

Plttm- s. Blom. 

Plumbolim III. niederd. „Pflaumbaum". Vgl 
Pfraumbaum. 

Pobel 8. Bod (zweist. E.). 

Poddig 8. Bod (einst. E.). 

Pogge UI. niederd. „Frosch" (Padde), YgL 
ON. Poggendorf , Poggenkrug ; Paddewisch. 
FN. Pogge, Poggenmeyer, 

Poiil III. niederd. „Pfuhl" — in Zus. wie 
Pohlkamp; PoKlmeyer; PoJhlschröder - 
Gausepohl s. auch Pfuhl. 

Dagegen der einfache N. Pohl wohl meist 
zu Paulus. 

Pohland III. älterer N. für „Polen". 

Pointner s. Bund. 

Poll- 8. Bald (V., einst. E.). 

Pollack m. ein „Pole". 

Peilender III. ein „Pole", von PolaDd = 
Polen. 

Poltrock 8. Bald (V.). 

Polz, Pölzl 8. Bald (einst. E.). 

Pommerenke III. ein „alter, elirlicher Pom- 
mer" (Geisheim S. 78); wohl aus dem lit 
Pomeranus mit der niederd. Verkleinerang»- 
endung. Nebenff. Pommrehn; Pommen- 
ning; Pomrämg — Pommerienken (Gen., 
ostfries.). Der Chemnitzer Bector Hager 
sagt in seiner „Ausfuhrlichen Geographie". 
Chemnitz 1747 Th. II. S. 1058 von den 
Einwohnern Pommerns: „Die Emwohner 
sind nunmehro redliche Teatsche, nadukm 
die Wenden daraus vertrieben worden mi 
Der Vorwurff, welcher ihnen wegen der 
Grobheit gemacht wird , rührt ohne Zweifel 
von ihren Feinden her. Und wenn weh 
die £rzählung von einem groben Pom* 
merinken wahr wäre, welchen der Henog 



Pomränig 



Quitt mann 



187 



Bogislaus dem Eayser Bndolpho II. auf 
Begohron geschicket haben soll, so gereichet 
selbige d^n Pommern nicht zum Nach- 
thcUe". 

Pomrttnlg s. Pommorenke. 

Pongratz s. Pancratius. 

Pop- s. Bod (V., zweist. K.). 

Popp-, P9pp- s. Bod (zwoist. K.). 

Portugalini. Länder -N. — vielleicht auch 
von einem Gasthofe („König von Portugal") 
übertragen. 

Potel, Polen s. Bod (einst. K.). 

Potgieter s. Pottgießer. 

Pothe, Pott s. Bod (einst. K.). 

PVtteher s. Bötticher. 

Pötter 8. Töpfer. 

Pottgießer III. halbniederd. = „Topfgießer" 
(der eiserne Töpfe gießt). 
FN. PoUgießer. Ganz niederd. Potgieter 
(vgl. Potgieter 1481 Köln. Üniv.-Matr., 
Potgeter 1518 ebenda). 

Pottke s. Bod (einst. K.). 

Powels s. Paulus. 

Pracht- s. Beraht (einst. K.). 

Prfteht- s. Beraht (V., einst. K.). 

Pramschiefer III. wie die ältere F. Pram- 
schüver (KB.) beweist, s. v. a. „Prahm- 
Bchieber", der einen Prahm (großes, flaches 
Boot) auf dem Flusse schiebend fortbewegt. 

Pranekh, Prantl, Prantz s. Brand. 

Prittorias HI. „Schulze" in der Toga (Gott- 
schalk Schnitze, lat. Abdias Praetorius, 
ausgezeichneter Pädagog des 16. Jh.). 

Prann s. a) I. Brun (einst. K.) b) III. Braun. 

Preeht s. Beraht (einst. K.). 

Preiswerk III. früher Brysswerk „Schnur- 
macher, Posamenter" (s. Breiser). 

Prentzel s. Brand. 

Preser s. Breiser. 

Priester III. aus griech. - lat. presbytcr. (Vgl. 
franz. Lepretre.) 

Probst III. aus lat. pracpositus. Auch Korn- 
IfTobst findet sich, entstellt Kornbrust 
(wie „wainprobst" = tafcrnär) Bacm. 

PrOhle, Prott s. Brord. 

Pruek-, Pmgg- s. Brück. 

-prunn s. Brunn. 

Prunner s. a) I. Brun b) III. Brunn. 

Pueher s. Bucher. 

Pflekler s. Böckler. 

Paff- 9 Pupp-, Pupts s. Bod (zweist. K.). 

-purg s. Burg III. 



Purgold s. Burg I. (V.). 

Purgstall s. Burgstall. 

Purkhart s. Burg (V.). 

Putsche s. Bod (einst. K.). 

Pnttfarken III. niederd. „Pftitzenferkel" (?) 

von altniedord. puto Pfütze (aus lat. puteus) 

und Parken. 

Pnttkamer III. von P. eine der ältesten 
Adelsfamilien in Ostpomuiem, deren N. 
nach Angabe des pommerischen Wappen- 
buches daher stammt, daß ein Familien- 
glied in Polen das Amt eines Podkomorzy 
„Unterkämmeriers" (subcamerarius) führte. 
Dessen Nachkommen nannton sich Pod- 
komer, Puttkumer, Podkamer, dann wech- 
selnd Puttkamer und -kammer, bis 1859 
auf dem Geschlechtstage von allen „Vet- 
tern" beschlossen wurde, sich überein- 
stimmend Puttkavier — mit einem m — 
zu schreiben (wodurch jedoch die Aus- 
sprache dieses Namens, die fortdauernd 
zwei m hören läßt, nicht berührt wird). 
Der N. findet sich übrigens auch als bür- 
gerlicher in beiden Schreibungen: Putt- 
kamer und Puttkammer. 

Pnttloff, Püttrich s. Bod (V.). 



Q. 



Qnadejacoh II. der „böse Jacob (s. Jacobus). 

Quadflieg III. „böse Fliege". 

Qualhert s. Wald I. (Walbert). Qu statt w 
findet sich im Altdeutschen öfter: Quolf- 
win, Quiiibert = Wolfwin, Wilibert. 

Quandt, Qnante, Qaantz s. Wand I. 
((aardocns II. aus Twardocus, der siavischen 
Übertragung von Firminius. 
FN. Qaardocus; Quardux (Kassubei). 

Qnentel s. Wandal. 
Qaentzel s. Wand I. 
Qnercke, Qaering s. War (einst. K.). 
Qaemer s. Körner. 

Querüber III. wohl von der Lage der Woh- 
nung (Pott S. 271), wie auch o. Hinüber. 

Quidde s. Wid (einst. K.). 
Quin, Quincke s. Win (einst. K.). 
Quist in schwedischen N. (S. 76), altnord. 
quistr „Zweig". 
FN. Limlequist, 
Quittmann s. Wid (V.). 



188 



Raach 



Bagan 



B. 

Baach s. Rag. 
Baalt s. Rad (V.). 
Baap s. Hrabai). 

Baaljes, Kaatz s. Rad (einst. K.). 
Rab- 8. 1) Hraban 2) Rad (V.). 
Baeh- s. Rag — doch 
Baehner s. Ragan. 
Baek- s. 1) Rad (V.) 2) Rag. 
Baeker s. Rad (V.). 

BAB I. ahd. mhd. rät, altsächs. räd „Rath". 

In EN. seit dem 5. Jh. nacliwoislich. 

FN. Radbald: Radehold — Bappold; 

Bappohl; Rappel — Rabold; Ra- 

behl; Rahel, 

Radober t: Radber — Rappard — 

Robert — Reppert, Gen. Rabberts. 

Radiger: Radecker — RMck&i' — 

Redeker — Retger — Racker. 
Radheri : Rader — Rather — Räder 
.— Retter. Patr. Zus. Reddersen. 
Ratleib: Radleff — Rahtlev. Hen. 

Redlefs; zsgz. Reelfs. 
Radlcic: Radlach. 

Radman: Rademann; Radmann — 
Rathmann — Redemann; Red- 
mann. 
Ratmar : Rahm er — Redmcr — Rett- 

mer. Gen. Redmers. 
Raderich: Raderick. 
Radoald: Radeicald — Rawald — 

Raalt. 
Radwig: Reddewig. 
Radulf: Radioff — Ralph — Rauf} 
(Stark 138). Gen. Rahlß — Rahh 
wes — Rauls. 
Einstämmige Kürzung Rad-. 
Rado , Rato : Rade — - Radde 
Rathe — Ratte — Rade — Roth 
— Redde. Gen. Raden — Rahts, 
Patr. A. Radi/ng — Rating — 
Reding. 

Vklf. (i): Radi. (1): Radill; 
Radel — Rall — Uahl — Rädel 
^ Redtel. l*atr. A. liedling. (k): 
Radach; Radig; Radeck — Ra^ 
ticke; Rathke — Rattich; liattke; 
Rattjc (Schleswig) — Redeke — 
Räthke — Reddig — Rettke. Gen. 
Ra^ttjes. (k + i^)« R(ihtgen — 
Räthgen. Gen. Ra^hjen». (z) Razo, 



Bezo: Eoto — Baaz — Ratsch — 
Reetz. (z + 1) Bazili: Ratzd; 
Rassel — Retzd; Ressel. (z + k) 
Raziko: Rätzke — Reetzke. 
Auslautend (120 mal Forst.) : 
-rath: Frorath (aus Frowirat). 
-rad: Eonrad. 

-ert: Hartort (noben Hartrath). 
Badde a. Rad (einst. K.). 
Rad- s. Rad (V., einst. K.). 
Bademacker III. „Stellmacher, Wagner''. 
FN. Rademaclher; Radmacher. Nioderd. 
Uademaker. 
Raffensneklll. Satz-N. „raff in den Sack**. 

Auch gekürzt Raff sack, 
BAG I. urs))rünglichore Gestalt des Stammes 
Ragan. 

FN. (Ragibrand): Rmkebra^dt, 
Reguhart: Reckhard; Reckert. 
Racold: Gen. Rachholtz; RachaU. 
Einstämmige Kürzung Rag-. 
Ragio, Raco, Recco: Ragg — Racko 

— Rake — Rache — Baach — 
Recko; Recke - Rech. 

Vklf. (1) Ragilo : Rackel — Ra- 
cM — Regele; Regel — Reckel 

— Reihle. Patr. A. RegUng — 
Recklvng — Reling. (1+ n) : Regdin. 

BAGAN I. got. ragin „Rath", altnord. Flur, 
rogin die Rathschlagenden and Beschluß- 
fassenden. die Götter — meist wohl zur 
bloßen Steigerung vorwendet (a. Lübben 
S. 7 if.). 

FN. Raganbald: Rainhold; Rammelt - 
Reinbold — Reimbold; ReimoU; 
Reiindt Rembold; Rempd; 

Remmel. 
Raginbreht: Regenbrecht — Rein" 
brecht; Reinbert — Rennebarth — 
Reimert — • Remmert; Remmer. 
Gen. Reimei-des — Remmer s. — 
Reemsemxi (ostfries., vgl. VN. 
Reemt). 
Ragim b od : Reinlßothe ; Reineboth ; 

Reinbott. 
Ragemprand: Rembrandt. 
Raganfrid: Renfert — RennefarÜi. 
liagiugar: Ranniger — Reiniger; 
Reinker — Benger. Gen. Rengers. 
Raginhart: Regenhard — Reinhard; 
Reinert — Rienhardt; Bienth — 
Jienard; Jiehfiert — Bennert. Gen. 



Ragg 



Rav- 



189 



Bheinharz; Bemarz; Bemherz; 

Beinders; Remts — Beents — 

Bieniets (ostfries. , jeverl.). Patr. A. 

Bemerdmg, Vklf. (k) : Gen. Beint- 

ges (niederrhein.). 
Baganhar: Bachner — Begenei* — 

Beiner (Beinermann) — Beniner. 

Gen. Beiners, 
Raginman: Beinemann — BeimoMn 

— Ber^nemann — Behmann, 
Raginmar: Beinerner — Beimar; 

Beimer (als VN. Reymer Mantzke 
1453 Pomm. ürk.) — Bemer, Gen. 
Beimers, 
Ragnemod: Beinmuth — Beimuth, 
Raginmund: Beinemund; Beinmund 

— Baymund, 
Raganrich: Bhenrich, 

Raginald: Beinwald; Beinwold; Bei- 
nold; BeinhoM; Bemelt; Beinel 

— Benelt Gen. Beinah; Bein- 
holtz (umgedeutet aus Reinolds) — 
Beendeis (ostfries.). 

Ragin ward: Beinwarth; Beinwerth. 

Raganwin: Beinwein. 
Einstämmige Kürzung Ragan-. 

Raganus, Regino, Rano: Bahn — 
Begen — Beyne ; Bein — Beim — 
Bewno; Benn. Gen. Beinen — 
Behnen — Bennen, Patr. A. Bei- 
nvng; Beininga (ostfries.). Patr. 
Zus. Bahnsen — Beensen — 
Bennsen, 

Vklf. (k) Reinco: Beinecke; 
Beinke; Beinick — Bänicke — 
Behnich — Bennecke — Benke — 
(Bänke Stark 71). Gen. Beinkens; 
Beinken — Benken, Patr. A. Bein- 
king. — Beinkena (ostfries.). (z) 
Reginzo, Renzo (Stark 75): Beinz; 
Bevntzsch — Benz (Benzmann); 
Bensch, (k + n): Beinichen; 
Beinecken, (z + 1): Benzel, 
Zweistämmige Kürzung a) Raginb-. 

Rampo : Bamho — Bampe — Bampf 

— Bamm — Bempe, 
Zweistämmige Kürzung b) Raginm-. 

Raimo: Beime — Behm (latinis. 
Remus). 
ttaggr 8. Rag. 

Etahl- s. Rad (V., einst. K.). 
Kahm- s. 1) Rad (V.) 2) Hraban. 



Ralm- s. Ragan (einst. K.). 

Raht- s. Rad (V., einst. K.). 

Rake s. Rag. 

Rall s. Rad (einst. K.). 

Ralph s. Rad (V.). 

Ramh-9 Ramp- s. Ragan (V., einst. K.). 

Ramm- s. 1) Hraban 2) Ragan (V., zweist. 
K.). 

Ramsehttssel s. Reumschüssel. 

RAND I. ahd. mhd. rant, Gen. randes „Schild- 
rand, Schild". 
FN. Ranthar: Banter — Benter, 

Rantowic: Bandwig — Bannewig, 
Randulf: Bandolf — Bondolf, 
Einstämmige Kürzung Rando: Band, 
Gen. Banda (ostfries.). 

Verkleinert (1): Bändel, (k): 
Bentke. (z) Ba/ntze; Bantsch, 

Ranger s. Ragan (V.). 

Ränicke, Ranke s. Ragan (einst. K.). 

Rann- s. 1) Ragan (V.) 2) Rand. 

Rant-, Rantseh, Rantze s. Rand. 

Rap- s. Rad (V.). 

Rapp- 8. 1) Rad (V.) 2) Hraban. 

Rasmas s. Erasmus. 

Rassel s. Rad (einst. K.). 

Rath a) I. s. Rad (einst. K.) b) III. de Bath, 

Rat-, Rath-.s. Rad (V., einst. K.). 

-rath s. a) I. Rad b) III. Rode. 

Räth- s. Rad (V., einst. K.). 

Rathmann a) I. s. Rad (V.) b) UI. mhd. 
rätman „Rathgeber'^ ; dann „Mitglied einer 
städtischen Rathsversammlung*^. 

Ratseh, Ratt-, Ratz-, Rätzke s. Rad 
(einst. K.). 

Rauh- s. Hrod (V.). 

Rauch- s. Hrod (zweist. K.). 

Rauehfuß III. „rauher Fuß", vom ahd. ruh, 
mhd. rdch rauh, rauch, haarig. 

Rauehhaupt HI. „rauhes Haupt" s. das vor- 
hergehende. 

Räuehlin s. Hrod (zweist. K.). 

Räudel s. Hrod (einst. K.). 

Rauff, Rauls s. Rad (V., Radulf). 

Raumer s. Hrod (V.). 

Raumsehttssel s. Reumschüssel. 

Rauner s. Run. 

Raup- s. Hrod (V., zweist. K.). 

Räußel s. Hrod (einst. K.). 

Raut- s. Hrod (V.). 

Rttuzel s. Hrod (einst. K.). 

Ray- s. Hraban. 



190 



Bawald 



Beut 



Bawald s. Bad (V.)- 

Raymond s. Bagan (V.). 

Rebstoek III. Haus-N. „zum Bebstock" 
(S. 59. 60) , auch bei Gasthöfen. 

Rech-, Reck- s. 1) Bag 2) Bio (V.). 

Red- s. Bad (V., einst. K.). 

Redepfennigr HI. „bereiter, baarer Pfennig". 
Niederd. Bedepenning. Vgl. niedord. Bede- 
geld und Bretgeld; „mit redem golde" 
(Klemp. S, 510). 

Reemsema s. Bagan (Baginbreht). 

Reen s. Bagan (V., einst. K.). 

Reetz- s. Bad (einst. K.). 

Ref- s. Bich (V.). 

Regel- s. Bag. 

Regen- s. Bagan (V., einst. E.). 

RegiomontannsIII. Latinisirung für „Königs- 
berger" — Joh. Müller aus Königsborg in 
Franken, berühmter Mathematiker und 
Astronom, gest. 1476. 

Regllng s. Bag. 

Rehhein lU. wohl von der Schlankheit und 
Zierlichkeit, wie auch Behfues. Andere 
Zus. mit Beh sind: Rehbock (engl. Boe- 
buck). Behkalf (niederd,). Rehkopf. Reh- 
lamb. Rehfell. 

Rehm- s. Bagan (Y., zweist. K.). 

Rekn- s. Bagan (einst. K.). 

Reib- s. Bio (V., zweist. K.). 

Reich- s. Bic (V., einst. K.). 

Releke s. Bic (V., einst. K.). 

Reif- s. Bic (V.). 

Relg- s. Bic (V., einst. K.). 

Reim- s. 1) Bagan (V., zweist. K.) 2) Bic 
(V.). 

Rein- s. Bagan (V., einst. K.). 

Relp- s. Bich (V., zweist K.). 

Reiter III. 1) ahd. ritari, mhd. riter. 
PN. Reiter; de Reyter (Aurich). Niederd. 
Ryder. Zus. Kielreiter (doch s. Beat). 
ÜberreUer (nach Steub dass., was jetzt 
die reitenden Schandannen). 
2) s. Beut. 

Reitgeld HI. „bereites d. i. baares Geld" 
(s. Bedepfennig). 

Reith, -reither s. Beut. 

Reling s. Bag. 

Rekelofs s. Bic (V.). 

Remer, Remh-, Remm- s. Bagan (V.). 

Remp- s. Bagan (V., zweist. K.). 

Renard, Renelt, Renfert. s. Bagan (V.). 

Renger s. Bagan (V.). 



Renk- s. Bagan (einst. K.). 

Renn- s. Bagan (Y., einst. E.). 

Renner III. mhd. rennaere „Rennbube", der 
die Pferde zu besorgen hat; oft = Bote, 
vgl. Klemp. „ronner" (doch s. auch Ragin- 
hari). 

Rensch s. Bagan (einst. K.). 

Rent- s. Band. 

Renz s. Bagan (einst. K.). 

Reppert s. Bad (V.). 

RepschlSger III. niederd. Rei&chlägcr, d.L 
„Seiler" — von got. raip, ahd. mhd. reif. 
niederd. rep Seil; Faßreif; Bing. 

Requard s. Bic (V.). 

Ressel s. Bad (einst. K.). 

Ret-, Rett- s. Bad (V., einst. K.). 

Retzel s. B^d (einst. K.). 

Reuleke s. Hrod (einst. K.). 

Renmschttssel III. Satz-N. „räume die 
Schüssel", von einem tüchtigen Esser 
(Godefredus dict. Bumskottele. 1178 Köln) 
vgl. die alten N. Bumekiste; Rumenkasten: 
Bumzlant und Bumelant (zwei Dichter des 
13. Jh.) — Bumenap (-pf); Baumsattel: 
Baumtaschen. 

FN. Raumschiissel; Meumschüssel — ent- 
stellt Reimschüssel; Ramschüssd. Nie- 
derdeutsch Rumschöttel. 

Rent III. vom ahd. rinti „durch Beutei 
urbar gemachtes Land (lat. novale), weldie« 
seit dem 8. Jh. sehr viele ON. bildet Ui 
neueren Bildungen (südd.) endigen tUs 
auf -reut, woraus durch schlechtere Ab* 
spräche mehrfach -reit geworden, thäb 
auf -ried. 

FN. 1) Bärenretäh. van Kdlkreuth. t» 
Crravenreuth. 

2) Reiih. Herbstreüh. 

3) Rieih. AtUenrieth (O. Autenried) 
u. a. 8. Bied. 

Ableitung auf -er (oberd.): 

1) -reuter (in Baden, WfirtemL 
Baiem, Osterreich, bes. ancfa 
unter den salzbnrgischen N. s. 
Beheim- Schwarzbach, Hohenzol- 
lersche Colonisationen S. 523 i): 
HinterreiUer. Kannreuther. Ku- 
chenreuter. Langreuter. Neurtu- 
ther, Niederreuiher. Oberreviher. 
Pfützenreuter (Pott). Vo^re^- 
Greuter, Grüter (ON. Greuth 
aus Gereut, woher die schweix. 



Reuter 



Ric 



191 



Vklf. örütli, Rtitli, 8. SchiUers 
Teil : „Das Rütli heißt sie bei dem 
Volk der Hirten, weil dort die 
Waldung ausgoreutet ward"). 

2) -reiter: Beither, Greither. Baffen- 
reither, Markreither. Neureiter, 
Niederreiter, Oberreiter. Ahstrei- 
ter, enstellt aus Abtsreuther 
(Steub). 

3) ' rieder s. Ried. 

Mitunter finden sich in demselben 
N. alle drei Formen : Bernreuthei-, 
-reither, rieder. FratienreiUer, 
-reiter f - rieder. 

Reuter in. 1) mhd. riutaere „Ausreuter", 
der Land urbar macht 2) voin Rhein her 
eingedrungen aus raittelniederländ. ruiter 

— wohl aus mittellat. ruptarius, ruterus, 
von rupta Abtheilung eines Heeres (Rotte) 

— „Wegelagerer, Räuber", woraus sich, 
da diese Leute häufig zu Pferde waren, 
die Bed. „Krieger zu Pferde" entwickelte. 

PN. Beuter, Die Zus. gehören sicher 
ihrem allergrößten Theile nach zu dem 
vorhergehenden Worte; nur Kutschen- 
reuter dürfte hierher zu stellen sein. 

Niederd. Büter, Büther; auch noch 
Buiter , Buyter in holländischer Schrei- 
bung (Froren, Lingen — man denke 
an den Admiral de Ruyter). Gen. Büters 
(niederrhein.). 

Beutsch s. Hrod (einst. K.). 

Seyn- s. Ragan (Y., einst. K.). 

Bheinharz, Rhenrich s. Ragan (Y.). 

Bhode 8. Hrod (einst. K.). 

BIb- 8. Ric (Y., zweist. K.). 

BIC I. got. reiks, ahd. richi^ mhd. riebe 
„mächtig" (vgl. lat. rex, rego und das 
deutsche Hauptwort Reich); „reich". In 
PN. einer der häufigsten und der frühsten 
Stämme, schon im 1. Jh. vor Ohr. bei lat. 
und griech. Schriftstellern in germanischen 
sowohl als keltischen N. sich findend : 
Theudoricus — Oaesarix. 

PN. Ricbald: Biebold; Biebel; Bibet — 
Bippold; Bippel — Beibold; Beibel. 
Ricbraht: Bieprecht;Biepert; Bieper; 
Bieber — Bibbert — Beiprecht; 
Beibert; Beiber. Gen. Beibers — 
Bipperts — Bibberda u. Bipperda 
(ostfries.). 



Ricfrid: Biffert; Biffarth — Befert; 
Befardt — Beiffert; Beifarth; 
Beiffer. Gen. Beifers. 

Ricohard: Bichard; Bichert; zsgz. 
Bicht (ostfries. YN. Rieht = 
Richard) — Biegert — Bickert — 
Bitschar d; Bitscher — Bitsert — 
Beichard ; Beichert. Gen. Bidiartz 

— Bigts u. Bichten (ostfries.) — 
Beichartz; Beicherz — Beckerts. 
Patr. Zus. Bichardsen. 

Richari (m. Rieger zusammenfließend) : 
Biecker {Bieckermann) ; Bieckheer 

— Biegger — Bieger — Bickher; 
Bicker — Beicher — Beiger. Gen. 
Biechers — Bichers — Bickers. 

Richhelm: Beichhelm. 

Ricman : Bieckmavm — Bickmann — 
Biemann — Beichmann — Bei- 
mann, 

Ricmar: Beimer (doch s. auch Ragin- 
mar). Gen. Bickmers, 

Rihmot: Beichmuth, 

Ricoäld: Biewaldt; Biewold — Bie- 
keU — Bigal — Beichwald; Bei- 
chöld; BeicheU; Beichhold, Gen. 
Bickelts — Beichholtz, Patr. Zus. 
Bichelsen, 

Ricward: Bickwardt — Beqtuirdt. 
Gen. Biqiiards — Bequards, 

Richowin: Bichwein — Beichwein. 

Riculf: Bikoff — Bieloff. Gen. 
Bickelfs — Bekelofs, 

Einstämmige Kürzung Ric-. 

Rico: Bigo (Borken) — Biecke — 
Bicke — Bieche — Bich — Beicke 

— Beiche, Gen. Bieken — Bicks; 
Bicken; Bickens — Bickena und 
Bykena (ostfries.) — Beiehs. Patr. 
A. Beiching, 

Yklf. (1): Biechel — Biegel — 
Beichel; Beichle — Beigel, (Jen. 
Biegeis, "Psktr, A, Beichling, (1-fn): 
Beichlin, (z) Richizo, Rizo: Bietsch 

— Bitze; Biss, (z-f-k): Bietschke 

— Bitzchen. (z + 1): Bietschel — 
Bitzel; Bissei; Bitschi, 

Zweistämmige Kürzung Rieb-. 

Ribo, Rippe (Stark 114): Biebe — 
Bibbe — Bippe — Beibe, Gen. 
Biehen — Biepen — Bippen — 



192 



ßich- 



Rock- 



Beipen — Riepena (ostfries.). Patr. 
A. Bippmg. 

Vklf. (1): Biepl (k): Biebicke 
— Bipke. Gen. Biepkes — Bipken. 
Auslautend -ric sehr häufig (210 mal 
Forst., fast ausnahmslos männlich); 
daher schon in Namen seiner Bed. 
nach sehr verflüchtigt und im Nhd. 
zu einer hloßen, das männliche Ge- 
schlecht bezeichnenden Endung herab- 
gesunken (Wüterich, Täuberich u. a.). 
-rieh: Dietrich. Gen. -richs: Diede- 

richs. 
-rick: Lörick (Chloderich). Gen. -rix: 

Derix. 
-reich: Dietreich. Gen. -reichs: Hend- 
reichs. 
Bich- s. Ric (V., einst. K.). 
Richter III. ahd. rihtäri, mhd. rihtaere. 
FN. Bichter (sehr häufig, s. S. 42). Zus. 
Altrichter. Bauerrichter. Hofrichter; 
Hofferichter. Jungrichter (-rieht auch 
in ON. des nördlichen Baiern). Gen. 
Bichters (niederrhein.). 
Riek- s. Ric (V., einst. K.). 
Ridder s. Ritter. 
Rieb- s. Ric (V., zweist. K.). 
Rieeh- s. Ric (V., einst. K.). 
Rieek- s. Ric (V., einst. K.). 
Ried III. in ON. 1) ahd. hriot „Ried, Sumpf- 
gras", damit bewachsener Ort 2) ahd. riuti, 
mhd. riute durch Reuten urbar gemachtes 
Land; bairisch Ried = novale und rieden 
= reuten (s. -reut). Die Scheidung ist 
bei der Menge hierher gehörender ON. 
schwer. 

FN. Bied. Äutenrieth. Osterrieth. Schmalz- 
ried. 

Ableitung auf- er (oberd.): Bieder. Bern- 
rieder. Oppenrieder. Osterrieder (0. 
Osterried) , auch Osterritter. Westen- 
rieder (0. Westerried). 
Riedesel III. nach Vilmar „Reitesel" ahd. 
ritesei, was bestätigt wird durch das 
urkundliche her herman Reitesol, Egkhart 
Rietesel 15. Jh. (Bacm.). 
Riegr-9 Rick- s- Ric (V., einst. K.). 
Rieloff, Riemann s. Ric (Y.). 
Riemer III. „Sattler" (doch hin und wieder 
vielleicht zu ahd. Rimheri oder Ricmar). 
In derselben Bedeut. Biemenschneide^- ; 
Biemschneider. 



Rien- s. Ragan (V.). 

Rientteker s. Ecke III. 

Riep- s. Ric (V., zweist. K.). 

Riese III. der „Riese". FN. Biese; Bies; 
de Bies (ostfries.). Doch findet sich auch 
schon ahd. Riso 9. Jh. 

Rieth, -rietli s. Ried. 

Rietseh- s. Ric (einst. K.). 

Riew-, Riff- s. Ric (V.). 

Rig- s. Ric (V., einst. K.). 

Rikoff s. Ric (Y.). 

Rindsmaiü III. Österreich. Grafengeschlecht, 
vgl. Alb. Rindismul 1219, Albert der Rinds- 
maul 1317. 

Ring-, Rink- s. Hring. 

Rip- s. Ric (Y. , zweist. K.), 

Riqnards s. Ric (Y.). 

Riss- s. Ric (einst. K.). 

Ritsch- s. Ric (Y., einst. K.). 

Ritsert s. Ric (Y.). 

Ritter III. ahd. ritari, mhd. ritaere, riter, 
daneben riter, ritter, urspr. allgemein 
„Reiter"; nachdem aber die Yeränderong 
des Kriegswesens seit dem 10. Jh. einen 
besonderen Stand vornehmer Krieger zu 
Roß hervorgerufen hatte, den Ritterstand, 
diente das Wort hauptsächlich zu dessen 
Bezeichnung = „adeliger Streiter zuPferdo". 
PN. Bitter. Gen. Bitters. Zus. Kkin- 
ritter (doch liegt hier wie bei andern 
Zus. mit -ritter vielleicht eine Ableitung 
von -ried vor, = rieder s. Ried, Oster- 
ritter). Niederd. Bidder. Gen. Bidders. 
Die Form Beiter, die sich ebenfalls aus 
mhd. riter entwickelt hat, ist als FN. selten. 

Ritz s. Ric (einst. K.). 

Roh-, R»h- s. Hrod (Y., zweist. K.). 

Roehe s. Hroc. 

Rock- 8. 1) Hroc 2) Hrod (Y., einst. K.). 

Rock HI. in mannigfachen Zus.: Blawrock. 
Bwntrock. Graurock (Gott. XJB. I. : Grawe- 
rokl383). Halhrock. Kurzrock. Langrock. 
Leibrock. Padrock (Pfaidrock, linnener 
Überwurf). Schönrock. Wittrock (niederd. 
= Weißrock). 

Da im Altdeutschen Hroc als zweites 
Glied der Zus. verwendet wird (22 mal 
Forst.), so werden Spuren davon auch in 
neueren Namen noch zu finden sein, z.B. 
Poltrock; auch für Wittrock findet sich 
schon ad. Witroch 8. 

Rock- s. 1) Hroc 2) Hrod (einst. K.). 



Rod- 



Roßtäuscher 



193 



Rod-, RM- 8. Hrod (V., oinst. K.)- 
Kode s. a) I. Hrod (einst. E.) b) lEl. Rothe. 
Rode III. in ON. zu „roden" (reuten), wozu 
ein paar hundert alte Namen seit dem 
8. Jh. und unzählige neuere auf -rode, 
-roda, ^rod gehören. In Niederdeutsch- 
land tritt für ein a ein: -rade, -rath. 
FN. von Boden (von deme Rode Gott. 
ÜB. I. im J. 1377 — latinis. de Novali 
1388). 

Zus. a)'rode: Benterode. Maidderode, 
Mirmige^'ods. v. Nesselrode, Osterode. 
V, Wintzinyerode. — Neti/roda. 
Gewöhnlich gekürzt in: 

b) -roth (Thüringen, Hessen), auch 
wenn der ON. -rode hat: Bülroth (0. 
Billroda). Germer oth (0, -vo^o). Hitze- 
roth (-to^q). V, Siegroth. — Bleichrodt 
(0. Bleicherode). Eichrodt. Elligerodt 
(0. Eiligerode). Güntherodt (0. -rod 
und -rode). Mackenroth und Mackrodt 

c) -rott: Aschrott (0. Ascherode). 
HüUerott (Hüttenrode). PfafferoU. 

d) -rath (in Rheinpreußen): Becke- 
rath (0. Beckrath). Bdlingrath. Blu- 
menrath. Herkenrath. Hilberath. Hei'- 
zogenrath. Lückerath. Owerath. Paff- 
rath. Wallrath. Wingerath. Selbst 
Bergrath (Dorf im Rgb. Aachen), Bau,- 
rath (neben Bauroth, Hessen), Bankrath. 

Ableitung auf -er (obord.): 

a) -röder: Allmenröder. Blumen- 
röder; Blumröder (0. Blumerode 
und Blumroda, alt Blumenroda). 
Hergen/röder (0. Hergenrod). Sa^- 
senröder. 

b) -röther: Hergenröther. 
-röder, -rodt s. Rode HI. 
Roel- s. Hrod (V., einst. K.). 
Rog-9 Rög- 8. Hrod (V., z weist. K.). 
Rogg- s. 1) Hroc 2) Hrod (V., zweist. K.). 
Roh s. Hroc. 

Rohd- 8. Hrod (V., einst. K.). 
Rohl- 8. Hrod (V.). 
Röhl- s. Hrod (einst. K.). 
Rohm- s. 1) Hrod (V.) 2) Hrom. 
Rohm- 8. Hrom. 
Rohn- 8. Run. 

Röhr-, Roht-, Rohw- s. Hrod (V.j. 
Rol- s. Hrod (V., einst. K.). 
Roll- 8. Hrod (einst. K.). 
Rom- 8. 1) Hrod (V.) 2) Hrom. 
Heintze, Deutsche Familien -Namen. 



Rom-, Romm- s. Hrom. 

Ron-, Ron- s. Run. 

Rondolf 8. Rand. 

Röp- s. Hrod (V., zweist. K.). 

Ropp- 8. Hrod (V.). 

Rördanz III. Satz-N. „rühre den Tanz" 
d. i. hebe den Tanz an. Vgl. Hebetanz, 
Schickodanz. 

Rorieh s. Hrod (V.). 

Ros-, Rös- 8. Hrod (einst. K.). 

Rose a) I. s. Hrod (einst. K. Rozo) b) III. 
s. das Folgende. 

Rose III. die Königin der Blumen, in alter 
wie neuer Zeit beliebt; das Sinnbild der 
Schönheit und der Liebe — gern zum Ab- 
zeichen (Hauszeichen S. 60) gewählt, bes. 
in der ritterlichen Heraldik (meist die rothe 
Rose). 

In vielen Zus.: Bosenhlatt. Bosenblüt 
(schon unter den Meistersängern ein Hans 
Rosenplüt). Rosenbaum. Eosenkrantz. 
Bosenf<tengel. von Boaenstern (Rose und 
Stern im Wappen verbunden). Bosenstiel. 
Bosenstock (S. 59). Bosenstrauch. Bosen- 
zweig. 

Mayrose. In vielen ON.: Bosenbach^ 
-berg, -hain, -thal u. a. 

Rosen lU. Ballhorn, Erzieher lippischer 
Prinzen, erhielt statt dieses Namens, der 
ihm unangenehme Spöttereien zuzog, im 
Hinblick auf die Rose im lippischen Wappen 
den N. Ballhorn -Rosen, und seine Söhne, 
die bekannten Orientalisten, ließen den 
urspr. N. ganz fort und nannten sich ein- 
fach: Bösen (Pott, S. 661). 

Rosen- s. Rose HI. 

Rosenbaum HI. mhd. röseboum „Rosen- 
stock". Niederd. Bosenboom. 

Rosentreter III. vgl. bei Klemp. Rosentre- 
der „der auf Rosen wandelt". 

Roß a) I. Horsa 5. (Roß) b) UI. Roß (als Haus- 
zeichen, wie namentlich bei Gastwirten). 

Roßdeutseher s. Roßtäuscher. 

Roßtäuseher III. mhd. rostüschaere der 
„Roßhändler", von tuschen, tauschen (womit 
freilich gerade hier oft auch ein „täuschen" 
verbunden ist) vgl. „Roßtäuscher" im Mar- 
burgor Gewerbe -Verz., auch „Täuscher", 
Schiller Pegasus im Joche. 
FN. Boßtetischer — (wegen des üblen An- 
klanges) entstellt in Boßteutscher; Boß- 
deutscher. 

13 



194 



Bost 



Sägert 



Rost-, BOstel 8. Bust. 

BOtgers s. Hrod (V.). 

Roth- 3. a) I. Hrod (V., einst. K.) b) IILRothe. 

-roth s. Kode. 

Roth- 3. Hrod (einst. K.). 

Rothbarth III. Zus. mit Bart, vgl. Friedrich 

Barbarossa (kann aber in manchen Fällen 

auch == Hrodebert sein). 
Rothe in. nach der Farbe des Haares, s. 

Fuchs. 
-rVther s. Böde. 
Rothermel HL zu den von der Kleidung 

entlehnten N. (S. 46). 
Rothmaler III. „der die rothen und über- 
haupt die bunten Anfangsbuchstaben in 

Handschriften anfertigte", lat. rubricator 

(Rubrik), Illuminator. 
Rovers s. Hrod (V.). 
Rotseh, RStseh, Rotz, R)$zel s. Hrod (einst. 

K.). 
Rnh- 8. Hrod (V., zweist. K.). 
Rflbig 8. Hrod (zweist. E.). 
Rflbsamen III. deutlicher N. aus dem Pflan- 
zenreich. Auch Bübesam, 
Rtthenk^^nig III. offenbarer Scherzname. 
Raek- s. Hrod (Y., einst. K.). 
Rück- 8. 1) Hroc 2) Hrod (V., einst. K.). 
Rttek III. Kürzung aus „Bücken*^, ahd. 

hrukki, mhd. rücke, in Zus. wie: Breit- 

ruck. Weißrück. 
Rnd-, Rüd- s. Hrod (Y., einst. K.). 
Ruf- s. Hrod (V., zweist. K.). 
Rflffert 8. Hrod (V.). 
Rüg-, Rüg- s. 1) Hroc 2) Hrod (V., zweist. 

K.). 
Ruhe, Rflhe s. Hroc. 
Ruhfnß s. Baucbfuß. 

Ruhkopf III. halbniederd. = „Bauhkopf". 
Ruhle 8. Hrod (einst. K.). 
Rtthl- 8. Hrod (V., einst. K.). 
Ruhm-, Rühm- s. Hrora. 
RUhmekorb HL Satz-N. „räume d. i. leere 

den Korb". Niederd. Buhmkorff; Bühme- 

korf (s. Beum Schüssel). 
Ruhn- 8. Bun. 
Rul- 8. Hrod (V., einst. K.). 
Rum- 8. 1) Hrod (V.) 2) Hrom. 
Rttm-, Rumm-, Rttmm- s. Hrom. 
Rumseh?(ttel s. Beumschüssel. 
RUN I. got. runa, ahd. rüna, mhd. rüne 

„Geheimnis" (vgl. „Bunon" und das nhd. 

„Baunen"). 



FN. Bunhard: Bönnert. 

Bunheri: Bohner — Bormer — Bah- 
ner — Bawner. 
Bunuald: Bönelt 
Einstämmige Kürzung Bun--. Bohne; 
Bohn. 

Vklf. (k) Bunico : Bunike ; Buhnke 
— Bunnecke — Bunge; Bu/nck — 
Büncke — Bohnke — Bonge — 
Bönigk. Gen. Buhnken — Böntjen 
(ostfries.). (k + 1): Btmkel, 
Run-, Rttn- s. Bun. 
Ruoff 8. Hrod (zweist. K.). 
Rup- s. Hrod (V., zweist. K.). 
Rttp- 8. Hrod (zweist. K.). 
Ruß, RUßler s. Hrod (einst. K.). 
RüST I. ahd. hrust, rust „Rüstung". 
FN. (Busthart): Bostert, 
Einstämmige Kürzung Busto 9.: Bust 
— Büst — Bo8t 
Vklf. (1): Böstel, 
Ruß wurm m. mhd. ruo^wurm. 
Rttt-, Ruth- 8. Hrod (V., einst. K.). 
Rttter s. Beuter. 

Rutsekke, RUtsehle s. Hrod (einst. K.). 
Rutt-, Rütt- 8. Hrod (V., einst. K.). 
Rutz-, Rfltz- s. Hrod (einst. K.). 
Ruwoldt 8. Hrod (V.). 
Ryder s. Beiter. 
Rykena s. Bic (einst. K.). 



s. 



Saar- s. Sar. 

Saaß s. Sahs. 

Sachs- a) s. I. Sahs b) III. Stammesname: 
Sachse; Sachs. 

Sack a) I. ahd. Sacco zu got. sakan, ahd. 
sachan „streiten" b) III. zu den Geräth- 
namen, bes. in Zus., die wohl großontheils 
Spottnamen sind: Bier sack. Butter sack. 
^o^sacÄ; (Botentasche). Habersack, Hopfen- 
sack. Ledersack. Milchsack (mhd. milch- 
sac „Hirtentasche"). Strohsack, Vollsack, 
Wadsack, 

Sackmann HI. mhd. sacman „Troßknecht" 
(auch == Plünderer). 

Sadler s. Sattler. 

Sager HI. der „Säger", vgl. Ludeke de sager 
Ehrentraut fries. Archiv Bd. I, H. 3. 

Sttgert s. Sig (V.). 



Sahr 



Scarp 



195 



Sahr s. Sar. 

SAHS I. zam Volksnamen der „Sachsen", 
ahd. Sahso, mittold. niederd. Sasse (vom 
ahd. sahs Messer S. 15). Sahsbert, Sah- 
sarich. 

PN. (einstämmig) Saxo, Sasso: Sachse, 
Saxe; Sachs - Sasse — Saaß. 

Vklf. (1): Sassel — Seßle, (k) 
Sahsiko: Snske. 
Sallwerk III. mhd. sarwurke, später ent- 
stellt salwurke (z. B, Berchtold Salwurk 
1373) „Harnischmacher". 
Salomo II. hehr, „der Friedliche". 

FN. (christlich und jüdisch): Salomon, 
Gen. Salomons. 
Salwei III. Pflanzen -N. „Salbei". 
Salzer III. der „Einsalzer". 

FN. Salzer — Sälzer. Niederd. Solter 
— Sölter. 

Dazu die Zus.: Salzgeher. Salzmann. 
Salzsieder. 
Samariter III. wohl mit Bezug auf den 

„bannherzigen Samariter" Ev. Luc. 10. 
Sambol s. Sand. 
-samer s. Heim III. 

Samuel II. hehr. Schemuel „von Gott erhört" 
(1. Sam. I, 20). 

FN. Saniel — Zamel (mit Verhärtung des 
s in z, wie in Niederd. bei fremd- 
sprachigen N. öfter). Gen. Samuels. 
Patr. Zus. Samuelsohn (jüd.) — Samel- 
söhn. 
Sammert s. Sand. 

SAND I. hochdeutsche F. des altsächsischen 
söth (engl, sooth, dän. sand) „wahr". 
FN. Sandebold: Samhol. 
Sandebert: Sammert. 
Sandheri: Sander; Sandherr — San- 
ier — Söder. 
Sandarat: Sandrat. 
Sandelt: Sannwald; Sandol. Zus. 
Sandelman/n. 
Einstämmige Kürzung Sand-. 
' Sando; Sande — Santo; Sandt. 

Vklf. (1): Sandel — Sendel. (k): 
Sannig; Sänke — Senteck. (z) 
Sanzo: Santz — Sentz. 
Sanftlebeii III. niederd. Sachtlehen (schon 

1369 Heneke Sachtelevent). 
Sann-y Sant- s. Sand. 
SAR I. got. sarv, ahd. mhd. sar- (nur in 
Zus.) „Rüstung". 



FN. Saraman: Saarmann — Sermann. 
Serald: Sehrwald. 
Einstämmige Kürzung Sar-, 

Saro; Saare; Sahr — Sarre — 
Serre — Seer. Patr. A. Särmg. 

Vklf. (k): Sarach — Serig; 
Sehrke. 
Sarre s. Sar. 

Sartor III. Latinisirung für „Schneider". 
FN. Sartor; erweitert Sartorius. Gen. 
Sartori (aus Sartorii). 
Saske, Sass- s. Sahs. 
Sattler III. ahd. sataläri, mhd. satldr. 
¥^. Sattler; mit \Jm\&nt Sattler. Niederd. 
Sadler. 
Sauer III. einfach und in mancherlei Zus. 
(S. 47): Sauerbier. Sauerbrei; Saurbrey. 
Saueressig. Sauermilch. Sauermost. Sauer- 
senft. Sauerteig. Sauerwein. — Sauerbeck. 
Säugling III. 
Sauter s. Suter. 

SCAC I. zu altnord. skaka, angels. scacan 
„schütteln, erschüttern" (engl, shake ; Shake- 
speare = Schtittelspeer). 
FN. Schachert. 
Einstämmige Kürzung Scac-. 

Schacko; Schacke; Schack — Schaake 

— Schache. 

SCALC I. got. skalks, ahd. scalc, mhd. 
schale, schalch „Knecht, Diener". Scal- 
coman 8. 

FN. Scalco: Schalke — Schalch. 
Auslautend (10 mal Forst.): 
-Schalk: Gottschalk. 
-schall: Gottschall. 
SOAB I. ahd. scara, mhd. schar „Schaar" 
(Heeresabtheilung) — oder ahd. scar , mhd. 
schar „schneidende Waffe" (Pflugschar). 
Scaramunt. 

FN. (Scaribert): Scheerbarth. 
(Scaraman) : Scherrmann. 
(Scarold): Scharold. 
(Scarolf): Scharloff. 
Einstämmige Kürzung Scar-, 

Scharr — Schar ^ Schaar — Scherr 

— Scheer. Patr. A. Schäring^ 
Schering. 

Vklf. (1) Scherilo: Scharl — 
Scherle. Patr. A. Scherling. (k): 
Scharck — Scherck. 
SOARP I. ahd. scarf, mhd. scharf, scharpf, 
alts. scarp „scharf". Skerfold u. a. 

13* 



196 



Scauni 



Scheid - 



FN. (einstämmig): Scharfe — Scharpff 
— Scherpe — Schär ff e. Gen. Scharpen. 
Patr. A. Scharping. 

Vklf. (k): Sclharpke — Scherfig. 

SCAUNI I. got. skauns, ahd. scöni, mhd. 
schoene „glänzend, rein — schön". 
FN. (Scaunibert) : Schomhert. 

(Sconhart): Schonhardt; Schonert — 

Schönhardt; Schonert. 
Sconhari: Schöner. 
(Sconrich): Schönreich. 
Sconolf: Schönewolf 
Einstämmige Kürzung Scann-. 

Schoon — Schöne; Schön (Schöne- 
mann). Patr. Schöning. 

Vklf. (1) : Schöneil; Schönle. Patr. 
A. Schönimg. (1 + n): Schönlin; 
Schönlein, (k): Schönecke; Schönig. 
(k -f n): Schönichen. 

Sehaar s. Scar. 

Sehaehtsehabel ni.mhd. schächzabel „Schacli- 

brett". 
Sehade lU. ahd. scado, mhd. schade „schä- 
digender Feind, Widersacher" (doch auch 
schon im 8. Jh. Scatto). 
FN. Schade; Schad. Zus. Landschade. 
Seliaf in. (Hauszeichen S. 59) ; mit der Zus. 
Schlachtschap , dem N. eines Wiedertäufers 
in Münster 1534. 
Sehftfer ni. ahd. scaphare, mhd. schaefer 
„Schafhirt". 

FN. Schäfer. Gen. Schäfers. Zus. Horst- 
schäfer. Neuschäfer. Schäfersmann. 
Niederd. Schaper — Schäper. Gen. 
Scheepers, Schäper s (niederrhein.). Zus. 
Buerschaper (Bauernschäfer). — Schä- 
permeier. 

Sehaffenhauer in. „Verfertiger von Schaffen" 
(ahd. scaph, mhd. schaf, altsächs. scap 
Schaff, Holzgefäß), etwa = Bötticher. 

Sehäffer HI. (mit geschärftem Vocal) ahd. 

scaffari, mhd. schaffaere, schaffer, scheffer 

„Schafi&ier" (Verwalter, Hausmeister). 

PN. Sehäffer y Scheffer — auch Schaffer 

— Schöffer (aus dem Gebrauche des 

15. — 16. Jh. in Mitteldeutschland, wo 

man das e in ö vergröberte , woher noch 

Schreibungen wie „Schöpfer, Hölle"). 

Zus. Neuschöffer. Niederd. Schapper. 

Sehaflhieht HI. Satz-N. „schaffe nichts" (ein 
Faullenzer). 



Sehaffrath III. „schaffe Kath" (einer der 
immer Eath zu schaffen weiß) — auch 
Schaffenrath. 

Sehaleh, Sehalk s. Scale. 

Sehaper s. Schäfer. 

Sehapper s. Sehäffer. 

Seharf-, Sehärf- s. Scarp. 

Sehäring, Seharl-, Beharold s. Scar. 

Seharp- s. Scarp. 

Seharr s. Scar. 

Sehauer s. Scur. 

Sehaufert s. Schubert. 

Sehauinsland HL Satz-N.; auch zsgz. 
Schaunsland. 

Sehaumkell III. , Sehauiiil5ffel m. s. S. 41 

Sehaur- s. Scur. 

Scheepers s. Schäfer. 

Seheer a) I. s. Scar b) m. mhd. scher der 
„Scherer, Barbier". 

FN. Seheer (latinis. Rasor). Zus. Bart- 
seheer. Tuchscheer. 

Seheffer s. Sehäffer. 

Seheffler HI. mhd. scheffelaere , von scheffel 
kleines Schaff (niederd. Schapp) , der .Paß- 
binder". In München Bezeichnang des G^ 
werbes (Schäffler). 

FN. Seheffler — Schöffler. Fiedeni 
Schepeler. 

Seheibner lU. einer aus dem O. Scheiba 
(in Böhmen, Steiermark u. a.). 

Seheide III. im Sinne von „Wasserschei* 
seit dem 8. Jh. in ON. Heutzutage & 
einfachen ^b^ete^e. Scheid t und viele Qns 
auf -scheid, die eine zusammenhängeiMie 
Masse in dem Begierungsbez. Amsbeig, 
der preuß. Rheinprovinz, Nassau, LnioD- 
bürg bilden. 

FN. Scheid. Ärnscheidt. Brandscheid. 
Bu/rtscheidt. Dürrscheidt. Langen- 
scheid. Mittelstenscheid. Beifferscheii 
von Rohrseiheidt. Thanscheidt. 
Ableitung auf -er (oberd.): 

Wegscheider (O. Wegscheid mehrmals 
in Baiern). Lttgscheider. Mar- 
scheider. 

Seheidemann HI. mhd. scheideman „Schieds- 
richter". 

Sehein III. in den Zus. Blumenschein. Haus- 
schein (latinis. Oecolampadius). itf«»»- 
scJhein. Monschein, 

Seheid-, Sehell- s. Scild. 






Schellkopf 



Schläger 



197 



Sehellkopf HI. „Kopf des Scheichs" d. i. 
Eiosenhirsches. 

Sehelt- s. Scild. 

Sehenk HL. ahd. scenco, mhd. schenke der 
„Schenke, Mundschenk" — bes. auch ein 
Hofamt; daher in den N. mehrerer edler 
Geschlechter, die dann dem Amte zur 
weiteren Unterscheidung oft noch den 
Stammsitz hinzufügten: Euonrat der 
schenke von Wintersteten. Gegenwärtig 
noch: Schenk von Stauffenberg (ehemals 
Schonken der Hohenstaufen) ; Schenk von 
Geyern; Schenck zu Schweinsberg u. a. — 
Zus. Bierschenk. Weinschenk. 

Sehenkel III. Körpertheil — mit den Zus. 
Kurzschenkel. Langschenkel. 

Sehepeler s. SchofiFlor. 

Seher- s. Scar. 

Seherer III. mhd. scheraere „Schoerer" d. i. 
Barbier, doch auch Feldscher und Tuch- 
scherer. 

Seherf-9 Seherp- s, Scarp. 

Seherr- s. Scar. 

Seheuehenpflug III. Satz-N., vom mhd. 
schiuhen scheuen: „scheue den Pflug". 

Seheuer-, Seheur- s. Scur. 

Sehiekedanz 111. Satz-N. „schicke den Tanz" 
d. i. ordne den Tanz an — auch Schicken- 
dans. 

Sehlfferdeeker III. = Schieferdecker. 

Sehiffimann III. ahd. scefman, mhd. schif- 
man der „SchifiFer" (welches letztere erst 
seit dem 16. Jh. auftritt). Niederd. Schipp- 
mann. 

Sehild- s. Scild. 

Sehildwäehter Hl. der „in voller Rüstung 
Wache stehende Krieger" (s. Luthers Bibel 
Rieht, 7, 11). 

Sehilf-, Sehllk-, SehUl- s. Scild. 

Sehiller I. III. wohl durch Rückangleichung 
aus Schilter, Schilder entstanden, wie Hiller 
aus Hilder. Man vergleiche auch „schil- 
lern" = schildern (Schild wach stehen) in 
einem bei Moscherosch aufbewahrten Volks- 
liede des 17. Jh.: 

„Gott ist des Christen Hülf und Macht, 
Ein' feste Citadelle; 
Er wacht und schillert Tag und Nacht, 
Thut Rond' und Sentinelle." 

(Der N. Schiller findet sich in Ober- 
schwaben schon im J. 1403.) 



Sehilllng III. die bekannte Münze, schon 
im Got. skillings (wohl zu ahd. scellan 
klingen), seitdem in allen germanischen 
Sprachen, mhd. schillinc. (Doch schon im 
Angels. ein Scilling der „Tönende", als 
Gefährte des sagenhaften Sängers Vidsidh). 
FN. Schilling — Schellvng. Gen. Schil- 
lmgs (niederrhein.). — Zus. Fünfschil- 
Ihig. 
Sehilter a) I. s. Scild b) HI. ahd. schiltäri, 
mhd. schiltaere der „Schilde und überhaupt 
Lederwerk anfertigt"; der „Schildmaler, 
^appenmaler" (woher nhd. das Zeitwort 
„schildern"). Wolchwin der Sciltaer 1190. 
FN. Schüter — Schilder — Schiller. 
Sehimmelpfeniiig HI. einer der den Pfennig 
erst mit Schimmel sich überziehen läßt, 
ehe er ihn ausgiebt. 

FN. Schimmelpfemdg. Niederd. Schimmel- 
penninck. 
Schindler III. mhd. schindelaere „Schindel- 
macher". 
Sehipper III. niederd. = Schiffer. Gen. 

Schippers (niederrhein.). 
Sehirmeister III. bei den Schmieden der 
„Vorschläger" ; sonst „Geschirrmeister" auf 
Schiffen, bei den Posten u. s. w. (Kann 
aber z. Th. auch aus mhd. schirmmeister 
„Fechtmeister" entstanden sein.) 
Sehirmer III. ahd. schirmäri, mhd. schir- 

maere 1) „Schützer" 2) „Fechter". 
- sehitz ni. in ON. slavisch , s. S. 83. 

FN. Lipschitz. — Döbschütz (0. Dob- 
schitz). Niebelschütz. 
Sehläehter HI. slahtari, mhd. slahtaere, 
slahter, slehter der „Fleischer". 
FN. Schlächter — Schlachter (südd.). 
Sehladenhauffen s. Schlagdenhauffen. 
Sehladoth in. niederd. Satz-N., ein „Schlage- 

todt". 
Sehlag in. in ON. vom Schlagen eines Wal- 
des: Puoheslaga 9. u. a., jetzt Buchen- 
schlag — mitunter auch aus loh „Busch" 
mit vorhergehendem s entstellt: Adelschlag 
aus Adaloltesloh. (Noch andere Bed. von 
„Schlag" in Flur-N. bei Bück S. 239—40.) 
FN. Asperschlag. Griesenschlag. Eott- 
schlag. 

Ableitung auf -er (oberd.): Parten- 
schlager (Baden). 
Schiftger III. einfach u. in Zus. : JTeasel^c/iZa^er. 
Laiitenschlager (Klemp. ludensleger). 



19S 



Schlagdenhauffen 



Schnatmeyer 



Sehlagrdenhauffen III. Satz-N. für einen 
tapfern Dreinschläger; SLUch Schlaginhaufen 
— aus beiden abgekürzt: Schlagenhauf. 
Ähnlich 

Sehiagrenteufe] HI. Satz-N. s. S. 52. 

Schlagintweit III. niederd. Satz-N. ans 
„Schlag in dat Weite". 

Sehlauderaff III. ein nichtsthuender „schlu- 
deriger Affe" (woher Schlaraffe, Schlaraffen- 
land"). 

FN. Sehlauderaff — Schlau/raffe — 
Schluraffe. 

Sehleemilch s. Schlegelmilch. 

Sehlegrel III. ahd. slegil, mhd. Siegel „Schlä- 
gel", Werkzeug zum Schlagen (auch 
Schlachten). 

FN. Schlegel. Burcard, de Blionsowe dict, 
Bruggenschlegel 1265. 

Schlegelmilch in. „Buttermilch" (von schla- 
gen). Auch Sehleemilch; Schlömileh. 

Schlesing III. ein „Schlesier" — neben dem 
neueren Schlesinger und auch Schlesier, 

ScUichtegroll, auch SchlichtkruU Uh 
Satz-N. „schlichte die Locken", mhd. 
krülle „Haarlocke". 

Schließer in. der „Schließer", bes. in dem 
Sinne von „Gefängniswärter". Niederd. 
Schlüter (Klemp. Matrikeln der pommer- 
schen Eitterschaft S. 136: Sluter = cla- 
viger). 

Sehlockebier s. Schluckebier. 

SchU^hbaom III. „Schleebaum, -busch" (ahd. 
slehä Schlehe, prunella). 

Schlosser m. neuere Bezeichnung statt der 
älteren Kleinschmied. 
FN. Schlosser — Schlösser. 

Schiothauer III. „Schlosser". 

Sehluckebier III. Satz-N. Nach Vilmar ist 
ein ganzes hessisches Dorf von Schlucke- 
bieren bewohnt. Auch Schlockehier. 

Schluraffe s. Sehlauderaff. 

SchmeekeMer HL. Satz-N. „schmecke das 
Bier" (s. Schlucke hier). 

Sehined-9 Schmetje s. Smid. 

Schmid I. III. got. smitha, ahd. smid, mhd. 
smit jeder „der aus Metall Geräthe ver- 
fertigt". 

FN. in verschiedener Schreibung, gew. 
Schmidt, daneben Schmidt Schmitt, 
Schmiedt. Der ursprüngliche Anlaut 
sm ist erhalten in den aus Nordwest -D. 
stammenden FF. Snvidt, Smid, Smitt. 



a) I. s. Smid (anch S. 43). 

b) III. noch häufiger sicherlich aus der 
3. Periode stanuneiid , wohin auch die 
vielen Zus. gehören: 

1) nach dem bearbeiteten Metall: 
Blechschmidt. JEisenschmidt; Isen- 
schmid (mhd. isensmit). Gold- 
Schmidt (mhd. goldsmit). Kupfer- 
schmied (mhd. kupfersmit). Silber- 
schmidt. Stahlschmidt — 

2) nach dem verfertigten Geräthe: 
Beüschmidt. Ih'ahtschmidt. Hachen- 
Schmidt. Hammerschmidt. Hauben- 
schmidt. Hufschmidt. Messer- 
Schmidt (Elemp. Metzersmidt). 
Nagelschmidt. Pfa/nnenschmäi. 
Pfeilschmidt. Schaarschmiäi (der 
Pflugscharen schmiedet). Scheer- 
Schmidt. Segenschmid = Senm- 
schmid (mhd. senssmit). ^(M- 
Schmidt. Waffenschmidt. — Kalt- 
schmidt. Kleinschmidt. Pfennig- 
schmidt (Münzer?). Werschmidt 
(Waffenschmied). Wohl scherzhaft: 
Pusterschmidt (Verfertiger v. Blase- 
bälgen). Wurstschmidt — 

3) auf doppelte Beschäftiguiig 
deutend: Bau£rschmidt (wie aach 
umgekehrt Schmittbauer). Jäger- 
Schmidt — dagegen PVeischmi 
ein unzünftiger Schm. — 

4) auf den Standort der Schmieit 
bezügHch: Bergschmidt. Blun» 
schmid. Dorfschmidt. Gasse*- 
Schmidt. Idndenschmit. SowMit^ 
Schmidt (wohl bei einem Gastiiaos 
„zur Sonne"). Thorschmidt. FoM- 
Schmidt — auch wohl Brügge»- 
Schmidt (der Schm. au der Brücke). 

Seltener bildet das Wort den 
ersten Theil der Zus., was &st 
nur in Verbindung mit PN. statt- 
findet: Schmitthenner (der Heinrich 
von der Schmiede). Schnäy» 
(der Schmiedejohann). Sdmiä' 
ku}iz. Schmidtseifert (-sieg&ied). 
Schmidd-, Sehmied-, Schmitt- s. Smid. 
Schnapauf UI. Satz-N. 
Schnatmeyer UI. Schnat oder auch Land- 
wehr: an der Grenze gelegene Abtheflnog 
der Mark, die einer engeren Gemeinsdiaft 
zugehört. 



Schnee 



Schreiber 



199 



Sehnee III. — auch in der Zus. Kaltschnee, 
Schneekloth; Schneekluth niederd. == 
Schneekloß. 
Sehneeweiß III. mhd. snewiz. 
8elmeewind s. Schneidewind. 
Schneid lU. wohl die (politische) Grenze 
bezeichnend, in ON. seit dem 8. Jh. (Oten- 
snaita). 
FN. Schneid; Schmiith (würt.). Wes- 
sanschneid, 

Ableitung auf -er: Elendschneider. 
Sehneider m. erst mhd. snidaere, snider 
„der ein Gewand zuschneidet und verfer- 
tigt** — einer der häufigsten FN. Gen. 
Schneiders (niederrhein.). 

Zus. Herrenschneider. KampfscJineider 
(westf., der Sehn, vom Kampe). 

Niederd. Schnieder (schon 1383 im Gott. 
ÜB. I. als Snidere vorhanden) — zsgz. 
Schnier. Gen. Snyders — Schnieders (ost- 
fries.). 

Einige merkwürdige Zus. bietet auch 
hier Westfalen: Schockenschnieder ; Hern- 
kensamkenschnieder — was bedeuten die- 
selben? 

(Die Bemerkung Vilmars , daß der N. nur 
aus Mittel- und Oberdeutschland stamme, 
wird durch die obigen Anführungen hin- 
fällig.) 
-Schneider III. in Zus. wie Brettschneider, 
nicht von dem Hauptw. Schneider, sondern 
unmittelbar von dem Zeitw. schneiden. 
FN. Brettschneider, auch Bredschncider. 
DittscJmeider. Holtschneider (halbnie- 
derd. = Holzschneider). Pfeifenschnei- 
der. Beif Schneider. Biemenschneider ; 
Biemschneider (= Riemer). Steinschnei- 
der. Wandschneider (Klomp. Wand- 
snider = Gewandschneider). 

{-Schneider in einzelnen oberd. FN. 
auch zu ON. gehörig s. Schneid.) 
Behneidewind III. ein „unruhiger, umher- 
ziehender Landsk-necht" — als FN. in den 
verschiedensten FF.: Schneidewind; Schnei- 
datoind; Schneidemn; Schneidewendt — 
Schnödewind — Schnietovnd — Schnee- 
wind. 
Schnell- s. Snel. 
Schnetlcer s. Schnittger. 
Schnetzler III. der „Schnitzler**. 
Sclinieder, Sclinier s. Schneider. 
Schniewind s. Schneidewind. 



Sclinitter III. mhd. snitaere, snitter der 
„die Ernte schneidet**. 
FN. Schnitter. Zus. Strohschnitter. 

Schnittger III. niederd. Snittger, der 
„Tischler**. 

FN. (Nordwest- D.) Schnittger; Schnittker 
— Schnetker. 

Schnl^dewind s. Schneidewind. 

Schlaffer s. Schäffer. 

Schölten, Scholz- s. Schultheiß. 

Schomaker s. Schuhmacher. 

Sehomann s. Schumann. 

Sehombart III. mhd. schemebart (bärtige) 
„Larve, Gesichtsmaske**. Nhd. Schönbart 
(doch s. auch Scauni I.). 

Sehomhert, Schon -9 Schien- s. Scauni. 

Schiene, Schien a) I. s. Scauni b) III. der 
„Schöne** (vgl. franz. Lebeau). In Zus.: 
Schönknecht. Schön/rock u. a. 

Schoon s. Scauni. 

Schopenhauer III. der „Schopen d.i.. Schöpf- 
kellen (s. Klempin diplomat. Beitr. S. 487) 
zuhaut**. 

Schlips in. aus slav. skopec castratus — als 
FN. in Schlesien häufig. Der Husaren - 
Oberst Rudorf mußte auf Befehl Friedrichs 
d. Gr. seinen ursprünglichen N. „Schöps** 
ablegen (Pott S. 287). 

Schotte soweit III. „Schotte** d. i. Krämer 
und Hausirer , nach den zahlreichen Schot- 
ten, die im Mittelalter als Hausirer durch 
Deutschland zogen. FN. Schotte; Schott. 

Sehl^ttler s. Scbüßler. 

Schottmttller lU. urspr. Müller: „Anfang 
des J. 1858 bewarb ich mich aus Rücksicht 
auf meine zahlreichen Söhne um die Er- 
laubnis , meinem Vaternamen den FN. mei- 
ner Mutter, einer geb. Schott, vorsetzen 
zu dürfen , und nenne mich seitdem Schott- 
müller**. (In der Lebensbeschreibung des 
Prof. Adolf Seh., welche dem „Luther** 
desselben vorangestellt ist**, deutsche Na- 
tional - Bibliothek , herausgeg. von Ferd. 
Schmidt). 

Schrader s. Schröter. 

Scliraadolph, Schraut s. Scrot. 

Schreiber III. ahd. scribäri, mhd. scribaere 
der „Schreiber**, doch in weiterer Bed. und 
unter Umständen von höherem Eange als 
jetzt: Notar, Rechnungsführer, Kanzler. 
FN. Schreiber. Zus. Quittschreiber. Nie- 
derd. Schriever. Latinis. Scrtba (Hessen). 



200 



Schreur 



Schnhmaclier 



Sehreur s. Schröter. 

SchrieYer s. Schreiber. 

Sehroeke s. Sorot. 

Sehrl^der s. Schröter. 

SchrSdl s, Sorot. 

Schröer s. Schröter. 

Schrot-, Schrötel s. Sorot. 

Schröter III. mhd. scrotaere, neuoiederd. 
Schröder, schröer (vom ahd. sorötan, mitteld. 
schroden, schräden abschneiden) 1) .der 
Kleider zuschneidet, „Schneider" 2) der 
Lasten, namentlich Fässer „schrotet, d.i. 
. auf zwei Leiterbäumen , die oben und unten 
verbunden sind, schiebend fortbewegt oder 
wälzt. In dieser Bed. noch im 16. Jh. all- 
gemein, z. B. bei Luther Jerem. 48, 12. 

FN. Schröter — Schrötter — Schroter. 
Niederd. Schröder ; mit Ausfall des d 
Schröer — Schröder (Scrader, Scroder 
1369 Braunschw. , Schradere 1383 im 
Gott. ÜB. I). Gen. Schröer s — Schreueis 
(niederrhein. an der holländ. Grenze). 

Zus. Bierschröder. — Brinkschröder 
(westf. „der Sehr, auf dem Brinke"). 
Kampschröer (westf.). Pohlschröder. 

Schubert III. mhd. schuochwürhte , schü- 
worhte, schüworte Schuhwirker d. i. „Schuh- 
macher". Aus den mhd. FF. durch weitere 
Abschleifung und z. Th. Entstellung die 

FN. Schuhmrth; Schuhwicht; Schuwert 
— Schuffert — Schau fert - Schubert 
(durch Verhärtung des w in b, zugleich 
wohl mit Anlehnung an die zahlreichen 
EN. auf -bert); Schubart. 

Doch sind die FF. mit b, f zweifel- 
haft, da ein altdeutsches skoch herein- 
zuragen scheint, welches sich in N. 
wie Schuhwein bes. deutlich verräth 
(s. Steub S. 137). 

Schach s. Schuh. 

Schuchmacher s. Schumacher. 

Schnchmann, Schuckmann s. Schuhmann. 

Schuffert s. Schubert. 

Schuh III. mhd. schuoch der „Schuh". 
(Schühlin 1265. Guldinschuh 1462). 
FN. Schuh; älter Schtwh. Zus. Bund- 
schuh (Schnürschuh S. 46). Breitschuh. 
Frauenschuh. Handschuh. Holzschuh. 
Hornschuh. Knabenschuch. Bothschuh 
(nach Vilmar = Tanzliebhaber). Weiß- 
schuh. 



Schuhmann III. ahd. schuohman der „Schuh- 
macher". 
FN. Schuhmamif gewöhnlicher Schumann 

— in älterer F. Schuchmann; Schuck- 
mann. Niederd. Schomann, 

Schuhwerk III. mhd. schuochwürke „Schuh- 
macher". 
Schuhwirth, -wicht s. Schubert. 
Schukneeht III. landschaftl. „Schuhmacher- 

gescUe". Niederd. Schoknecht 
Schult- s. Schultheiß. 

Schultheiß III. ahd. sculthei^o, mhd. schnlt- 
hei^e urspr. der , welcher „Verpflichtungen 
und liOistungen (schult) heißt; d. i. befiehlt" ; 
Civilrichter, Vogt. 

FN. Schultheiß — verkürzt SchuUheß; 
Schultes ; Schults — gew. in der Schrei- 
bung mit z: Schulze (Schnitze); Schulz 
(Schultz; die Form mit e ist die ältere) 

— der häufigste deutsche FN. (S. 43), 
wenn auch im Süden minder häufig als 
im Norden (in München nur 22 mal). 
Gen. Schulzen. 

Mit Abschwäch ung des u in o : Scholze; 
Scholz (schlesisch, wie auch das Zwitter- 
wort „Scholtisei"). Gen. Scholzen (am 
Rhein, Rgb. Trier). 

Niederd. Schulte ^ vgl. mittelniederd. 
scultheite, scultete (westf.). Gen. Schul- 
ten; Schultens — Schölten. 

Latinis. Scultetus. Gen. Scultäy. 
Auch Praetorüis. 

Zus. verhältnismäßig nicht zahlreich: 
Eberschulz. Hirtschulz. Rothschulz. 
Schwarzschulz. 

Bergschulte. Brinkschulte. Bowen- 
schulte. Hofschult (vgl. „Hofschulte" 
Immermann Münchhausen). Kleeschulte. 
Nachbarschulte. Nieder schulte. Voß- 
schulte — alle diese wieder in West- 
falen, wo häufig auch eine Familie 
durch den Zusatz des Ortes in loser 
Verbindung mit dem Namen näher be- 
stimmt wird: Sclvulte - Bocholt. Sch.- 
Castrop. Seh. - Belvng. Seh. - Loh u. s. w. 
durch das ganze Alphabet; auch wohl 
ohne Bindezeichen: Schulte Limbeck. 
Schulz- s. Schultheiß. 
Schumacher III. mhd. schuochmacher. 
FN. Schuhmacher — älter SchuchmacJ^er. 
Niederd. Schomaker. Gen. Schomakers 
(Lingen). 



Schumann 



Scrot 



201 



SchumaHn s. Schnbmann. 
Sehfippelz s. Schüttpelz. 
Schur-, Schür- s. Scur. 
Schfißler III. mhd. schü^^eler „Verfertiger 
von (hölzernen) Schüsseln und Näpfen". 
FN. Schüßler. Niederd. Schattier — 
Schüttler, 
Schuster s. Sutor. 
Schutt- 8. Schütze. 

Schttttenhelm III. Satz-N. „schüttle den 
Helm". Vgl. Schüddekopf'y Schüttesper u. a. 
Schttttesper III. Satz-N, „schüttle den 
Speer" (vgl. englisch Shakespeare, auch 
Breakspeare). Entstellt Schutzbar, 
Schüttler s. Schüßler. 
Schttttpelz III. Satz-N. „schüttle den Pelz" 
(vgl. Schuddefoll). Cnnrad Scutdepelz 1225. 
Auch Schüppelz. 
Schütze III. ahd. scuzzo, mhd. schütze der 
„Schütze". (Meist jedenfalls aus der 
3. Periode, wenn auch vereinzelt schon im 
9. Jh. der EN. Scuzzeo in gleicher Bed.). 
FN. Schütze; Schütz, 

In Zus. wohl nur in der verkürzten 
F.: Büchsenschütz, Fliirschütz; Flohr- 
schütz. Waldschütz, 

Niederd. Schütte. Gen. Schutts (ost- 
fries.); Schütten (niedorrhein. , Mors). 
Zus. Wildschütte (westf.). Schütten- 
kötter (westf.). 
-schütz in ON. slavisch, s. -schitz. 
Schuwert s. Schubert. 
Schwahe, Schwab a) I. s. Swab b) III. einer 

aus dem Volksstamm der Schwaben. 
Schwahel, Schwäbig s. Swab. 
Schwaiger s. Schweiger. 
Schwalbe, Schwalb III. mhd. swalewo die 

„Schwalbe" (auch eine Art Harfe). 
Schwan a) I. s. Swan b) III. der „Schwan" 

(als Häuserzeichen). 
Schwan -9 Schwann- s. Swan. 
Schwarz III. der „Schwarze" (brünette), vgl. 
Burchard der swarze 12. Jh. (doch wird 
auch schon im Ahd. swarz zur Namenbil- 
dung verwendet). 
FN. Schwarze; Schwartz. 
Schwärzfirm III. (München) „Schwertfegor", 
entstellt aus Swertfürb von mhd. vürben 
„putzen, fegen" (vgl. Volrich des swert- 
fürben hüs in der munse ze Tüwingon ge- 
legen. 1315 Bacm.). 
Schweb- s. Swab. 



Schweder s. Swinth. 

Schwegler III. ahd. swegeläri mhd. swege- 
laere „Flötenbläser", vom mhd. swegele. 
einer kleinern Art Flöte , bair. und schwäb. 
noch „Schwegel" (dah. FN. Schwegelhauer). 
Schwehr, Schweier s. Swinth (V.). 
Schweiger HL ahd. sweigäri, mhd. sweiger 
„Hirt, Senne". 
FN. Schweigger, Schwaiger, 
Schwein III. ahd. mhd. swin, Schwein; auch 
Wildschwein. Mit den Zus. Eberschwein; 
Meerschwein — Schweinebraten ; Schweine- 
fuß; Schweinshaupt (z. Tb. ON., wie auch 
Schwein selbst). — Schweinigel dagegen 
wohl = ahd. Suenichilo. 
Schwend- s. Swinth (V., einst. K.). 
Schwenecke s. Swan. 
Schwenn- s. Swinth (einst. K.). 
Schwer- s. Swinth (V.). 
Schwidd- s. Swinth (V., einst. K.). 
Schwiebert s. Swinth (V.). 
Schwied- s. Swinth (V., einst. K.). 
Schwiefert, Schwieg- s. Swinth (V.). 
Schwier s. Swinth (V.). 
Schwietzke s. Swinth (einst. K). 
Schwincke, Schwind-, Schwinn- s. Swinth 

(einst. K.). 
Schwippert s. Swinth (V.). 
Schwitt- s. Swinth (V., einst. K.). 
Seh wob s. Swab. 
Schwon s. Swan. 

SCILD I. got. skildus, ahd. skilt, mhd. 
schilt „Schild". Sciltunc 9. 
FN. (Sciltberaht) : Schilbert — Schelper, 
(Scildfrid): Schilfert, 
(Schilthart): Schildert — Schillert. 
(Schiltheri) : Schilter — Schilder — 

Schiller — Scheuer, 
(Schiltwin) : Schellwien, 
Einstämmige Kürzung Scild-. 
Schilde ; Schild — Schill — Scheldt, 
Gen. ScJielten. 

Vklf. (k): Schilke, (k + n): 
Schildgen — Schilken, Patr. A. 
Schilking, 
SCEOT I. ahd. scrötan, mhd. schroten 
„hauen, schneiden" (schroten). 
FN. Scrutolf: Schraudolph, 
Einstämmige Küizung Scrot-. 
Scroto : Schroth — Schrott Schrauth. 
Vklf. (k): Schrotke — Schrocke, 
(1): Schrötel — Schrödl 



202 



Scur 



Sethe 



SOUB I. got. skora, ahd. scur, mhd. schür 
„Unwetter (Schauer), Sturm, Kampf". 
FN. Scuriprant: Scheuerbrafidt 
Einst. Kürzung Scur-. 
Skuhr — Schure — Schür — Schaur; 
Schauer — Scheuer. Patr. A. 
Scheuring, 

Vklf. (1): Scheuren, (1 + n): 
Scheurleti; Scheuerlein, (k): Scht^ 
rig — Schürch — Schaurich — 
Scheurich, Gen. Schürkens, (z) 
Scurizo: Schurz, 
Seb- s. Sig (V., zweist. K.). 
SelMUstianns II. griech. der „Ehrwürdige"", 
Übersetzung von Augustus ; Märtyrer unter 
Diodetian. 

FN. BiistiaH — Wastian, Gen. Basttans. 
Tklf. (süddeutsch) : Wastl Patr. 
A. Wastler. 
See nL in OX. ahd. seo, mhd. se „See" 
(Landseo und Meer). 

FX. r. Blanekensee. Dut€en;see (0. Duven- 
see), Isensee, r. Laugenjsee. Poygcn- 
see, r. Wald^rsee. Weijiensee. 
Seeb-, See^-, $eeh- s. Sig yW). 
Seemmnn a^ L s. Sew b) lU. der ^Seemann**. 
Seepolt s. Sig 0'-)- 
Seer s, Sar. 

SeeT-, Seewald s. Sig (V.). 
Seei* s. Sig ^^eiust. K.). 
Seifert s, Siir (V.\ 
Segr** Se?re- s. Sig (V.. einst. K.). 
Segler s, Sigil. 
Sef^elke s. Sig v*^"^=*^- ^•^• 
SeireBse^midt III. ^Sonsenschmit-d*' ^>. das 

FolgendoV 
Seadsser III. -Sonsensohmied", vom ahd. 
sogansa. mhd. sesronso, zsgr. Si-nsc. d>ch 
in der alomannischen Mundart Loch .Sä- 
goso"*. 

FX. Srt?i.<«T — S^f-^r «Schweiz., alt 
Soi^^nsor, Soci^^sor 1421 Hasol». 
s. Sig v'^^^i^'t, K.\ 
s. Sat. 

Selb- s, Sig v^\. 2wo:>i- K.i. 
Seid- s. Sind. 

Seldem^ebwaBti 111.. äIi Soa donswinti 1372 
Aucsb. -so:a^.^c Sohle viv" «vcl. n:r.i. sTw;iLj 
Sohloj'^v dos Früiienklvidos • — orsi s;-äicr 
Äur lV£oivV.ii'.;:ic v«os Voci'.> ,<i^< r izch i.*X- •. 
Seide«i$lieker HI. S. ^ij>«k<T4VJffr vie Zi- 
dousiiokox 13S4 Kraunsciiw.V 



^ 
*? 

o 
C 



Selerlen s. Sig (V.). 
Seif- 8. Sig (V.). 

Seifen m. Siefen, niederd. S^epen in ON- 
zu mundartl. siefem, siepen, siepem „durch- 
sickern" (schles. Gebirgsbäche auf -seifen, 
„Siepe" in Westfalen ein Boden, wo überall 
Wasser durchdringt). Jetzt ein paar hun- 
dert ON. auf -seifen, -siefen, -siepen. 
FN. 1) Steifiseifen, WoUseiffen {0, -m- 
fen). Dorntet/* (Bheinprovinz, Kr. 
Lennep). 

2) Giersiefen, Hirzsiefen. 3f«flm- 
siefen. 

3) Bovetisiepen. lMnffen8iepen.Mvli^ 
siepen. — Silbersiepe. — Fink» 
siep, — Brooksiebe (alle nieder* 
rheinisch and westfälisch). 

Ableitung auf -«■.- 1) Domseifer. 8kiia^ 
««/er (oberd.). 2) BcHlsieper. M- 
sieper (westf.). 
Seil- s. Sig (einst. EL). 
Seiler IIL mhd. seilaere. Als FN. auch h 

der Schreibung Sauer, 
Seim- s. Sig (V., zweist. K.). 
Selp- s. Sig (zweist. E.). 
Seiß, Seltz s. Sig (einst. K.). 
Selw - s. Sig (V.). 
Seil- s. Sig (einst K). 
SeloUr s. Sig (V.). 
Seltewreleli m. entstellt ans nrspr. SiUs- 

reich d. i. saelden rieh „reich an ^ 

und Heil''. 
Semmler HL s. Simmeier. 
Senp- s. Sind. 

-seil s. 1) Sohn ^S. 35) 2) Haus. 
Sendel s. Sand. 
SemesehaD IIL ahd. senescalh d. i pnoni 

seiTorum, später „Tra<di8eß". (Indieron. 

Spradien übergegangen, franz. SenediiL) 
Seagebuib IIL Satz-N. (s. Aschenbnid 

S. 41't. Hierher auch wohl Seing^^^] 

Scti^fcald — Sengstock „der die stdia 

gebliebenen Baomstümpfe (Stubben) va- 

brennt*. 
Semtcek. Seatz s. Sand. 
Sepp s. Josephns^ 
SerapUm IL Mehrtieit Tom hebr. Seraph 

(vgL itaL Cherabini). 
Seriek &. Sig iT.). 
Seile« SenuBM s. Sar. 
Sefile s. Sahs. 
Seikc s. Sind. 



Setzepfand 



Siif 



203 



Setzepfand ni. Satz-N. „der statt zu be- 
zahlen, gern ein Pfand setzt". 

Scnl)- s. Sig (V.). 

Seuter s. Sutor. 

Sew-, Sey- s. Sig (V.). 

Siats s. Sind. 

Sib-, Sich- s. Sig (V.). 

Sichler s. Sigil. 

SiclE- s. Sig (V., einst. K.). 

SiclEler s. Sigil. 

Sid- s. Sind. 

Sieb- s. Sig (V., zweist. K.). 

Sieck- s. Sig- (einst. K.). 

Siede s. Sind. 

Sief- s. Sig (V.). 

-siefen s. Seifen. 

Siegr- s. Sig (V., einst. K.). 

-fldegr s. Siek. 

Siegreler s. Sigil. 

Siegresmand s. Sigis. 

Si^rrist III. ahd. sigristo , mhd. sigriste aus 
mittellat. sacrista der „Sigrist, Meßnor" 
(süddeutsch; auch in Schillers Teil). 

Sielü s. Sig (einst. K.). 
Sieliler s. Sigil. 

Sielt III. in jetzigen Mundarten „feuchte 
Niederung", vgl. altnord. sik See, Kanal, 
ahd. gisic Sumpf. 
FN. Bodensiek, Heidsiek (== Heidenie- 
derung). Krumsiek; Krumsieg, Läm- 
mersiek. Nebelsiek. Nordskk. Schacht- 
siek, Ellersig, — Auch Siekmeyer. 

Siel- s. Sig (V., einst. K.). 
Siem- 8. a) I. Sig (V., zweist. K.). h) II. 
Simon. 

Siep- s. Sig (zweist. K.). 

-siep, -siepen, -sieper s. Seifen. 

Sier- 8. Sig (V.). 

Sietseh, Sietze s. Sig (einst. K.). 

SieT- 8. Sig (V.). 

Siew- s. Sig (V.). 

Sif- s. Sig (V.). 

SI€r L got. sigis, ahd. sign, mhd. sige, sie 
„Sieg". In PN. seit dem 1. Jh. nachweis- 
lich (Cheruskerfürst Segimer Tacitus Ann.). 

FN. Sigibald: Siehold; Siehel, Sybel; 
Sibeth — Sehald; Seepolt — Sey- 
hold; Seypold; Seibeld; Seibel; 
Seyppel; Seiht — Seuhel, Gen. 
Siebolds; Sieheis, auch Siebeiis, 
woraus (nach Andresen) umgedeutet 



Siebelist und Siebenlist Patr. A. 
Siebeling — Seibolter (S. 36). 
Sigiperaht: Siehrecht; Siehert; Sie- 
barth, Siebard; Sieher — Zieharth 

— Siphardt — Segebrecht; Sege- 
hart — Sehert; Seeher — Seihert; 
Seiher — Seuhert. Gen. Sybertz, 
Patr. A. Sieherling — Sipperling, 

Sigibrand: Siebrand — Sibbern — 

Seehrandt. Gen. Zybrandts — 

Sieberns, 
Sigibodo: Sieboth — Segehade — 

Seehode; Seehade — Seyboth — 

zsgz. Seiht, 
Sigifrid: Siegfried — Siefert; Sifard 

— Siffert — Seifert — Seifried; 
Seifert; Sey fahrt; Seifhardt; Seif- 
fer (Seifermann) — • Seuffert; Seu- 
fer. Gen. Siefers — Seifritz, 

Sigifuns: Sie fuß, VMf. (}): Seifüßl, 
Sigihard: Sighart; Siegert — Sichart 

— Sickert — Seegert, Sägert, 
Sichar: Sieger — Sicher — Seger — 

Seyer, Zus. Sickermann, Gen. Sie- 
gers — Segers, Patr. A. Seyring, 
Vklf. (1 + n): Seierlen, Patr. A. 
Segerling, 

Sigirod : Siegroth (doch auch ON. s. 
-rode) — Sirot, 

Sigileip: Sielaff, 

Sigilant: Siegland — Sieland, 

Sigiman : Siegmann — Sickmann — 
Sieman/n — Seegtnann — Seemann, 

Sigimar: Simar; Siemer — Simmer 

— Seymer, Gen. Siemers, Patr. 
A. Siemei'vng, Vklf. (1 -(- n): Sim- 
merlevn. 

Sigimund: Siegemwnd; Siegmund — 
Siemund; Simond — Segemtmd 

— Seimund. Gen. Simmonds, 
Sigarich: Sierich; Sierck — Seehrich; 

Serick — Seyrich. 
Sigivald: Siegwald — Seewald — 

Seiwald, 
Sigiwart: Sigwart — Siewerdt — 

Seward — Seiwert, Gen. Siewerts; 

Siewets (ostfries.) — Seevers — 

Süvern. Patr. A. Sieverding; Sieve- 

ring. Patr. Zus. Sieversen (Schlesw.). 
Sigiwin: Siegwein — Siehein, Patr. 

A. Sewening, 
Sigiwolf: Selohff, 



204 



Sigil 



Smith 



Einstämmige Kürzung Sig-. 
Sigo, Sicco: Sieg — Sigge — Siehe 
Siecke — Sy. Zus. Sickama (ostfr.). 
Vklf. (1) Sigilo, Segilo: Siegele; 
Siegel {Sigl bair.) — Sickel — 
Sieckel — Siehl (Sielmann) — 
Sello; Sdle — Seil. Patr. A. Sieg- 
ling — Sieling — Seiling, (1 -|- n) 
Sigolenus : Siglen. (1 + k) : Segelke. 
(z) Sigizo: Sietze; Sietsch — Sitz 

— Segitz — Seez — Seitz; Seiß. 
(z + 1) : Seißl. (z + k) : Sitzke. 

Zweistämmige Kürzung a) Sigib-. 
Sibo: Siel)e — Sipp — Seip. Gen. 
Sieben; Siebena (ostfries.) — Sips 

— Sebes. 

Vklf. (1): Siebel; Siebte - Seible 

— Seipel (k): Siebicke; Siebich; 
Siebeck — Siepke — Süpke. Gen. 
Siepkes. 

Zweistämmige Kürzung b) Sigim-. 
Simo (Stark 114 — durch Anfügung 
eines n oft dem biblischen Simon 
gleichgemacht): Siem — Sehm — 
Seime. Gen. Siemes; Siemen. 

Vklf. (1): Siemel Patr. A. Sie- 
melink. 
SIGIL I. Erweiterung aus Sig. 

Siclehar: Siegeler — SicMer — Sichler 
— Stehler — Segeler. 
SIGIS I. Erweiterung aus Sig. 

Sigismund; Siegesmund. 
Siggre s. Sig (einst. K.). 
Silges s. Cyriacus. 

Sim-, Simm- s. a) Sig (V.) b) Sind. 
Simmeier III. mittellat. similarius „Semmel- 
bäcker" (ahd. simila, semila, mhd. simele, 
semmile vom lat. simila T Weizenmehl). 
FN. Simmeier — Semmler. 
Simmergott III. aus mhd. sam mir got , sem 

mir got „sowahr mir Gott (helfe)". 
Simon II. hebr. Schim-ön „Erhörung'' 
1) der Sohn Jacobs (Simeon) 2) N. zweier 
Apostel : Simon Petrus u. Simon von Cana. 
FN. Schimon — Simon (auch jüdisch), 
Siemon. Zus. Simonmathes. Gen. (lat.) 
Simonis — (deutsch) Simons, Symons; 
Siemens. Patr. Zus. Simonsen. 
Simp- s. Sind. 
Simson II. hebr. SchimschOn „kleine Sonne". 

FN. Simson; Simpson — Samson. 
Sin-, Sind- s. Sind. 



SINB I. got. sinths, ahd. sind, mhd. sint) 
altsächs. sid „Weg, Reise", wobei jedoch 
auch das von sind abgeleitete gisindi Be- 
gleitung (Gesinde) in Betracht zu ziehen ist 
FN. Sindebold: Simbol; Simmel. 

Sindperht: Simprecht; Siinper — 

Semperl; Semper, 
Sinthar: Sinther. Gen. Sinders. 
Sindram: Sinram — Simram. 
Einstämmige Kürzung Sind-. 
Sindo, Sido: Sindt — Sido; Siede 

— Seide — Sethe. (Jen. Sindts — 
Siats (Stade) — Sidden. Patr. A. 
Sinning. 

Vklf. (k) Sindiko, Sidiko : Seidig. 
Gen. Sittjes (ostfries.). (z) Sinzo: 
Sinz. (z + 1): Sinzel. 
Singer in. mhd. singaero „Sänger (lyrischer 
Dichter); Cantor". Dyetmar der mit Zuna- 
men Singer ist genant (Marb. ÜB.). 
Sinther, Sinz s. Sind. 
Sip-, Sipp- s. Sig (V., zweist. K.). 
Sirot 8. Sig (V.). 
Sittjes s. Sind. 
Sitz- s. Sig (einst. K.). 
Skuhr s. Scur. 

SMITH I. got. smitha, ahd. smid, mhd. suiit 

„Schmied", ahd. smida Metall. Mindestens 

seit dem 9. Jh. in EN. nachweislich (S. 43). 

FN. (Smidpoto): Schmittpott. 

Smidhart: Schmittat. 

(Smidher): Schmitter — Schmieäfft\ 

zsgz. Schmier — Schmeder. 
(Smidman) : Schmidtmann — Schmt- 
deman/n. Gen. Smitmans (Mors). 
(Smideald): Smital. 
Einstämmige Kürzung Smith-. 

Smido: Smid — Schmid. Gen. 
Schmits, gew. in der Schreibung 
Schmitz (niederrhein.) — Smets — 
Smedes — Schmedes; Schmeda 
(die letzten drei FF. ostfriesisch). 
Patr. A. Schmidding — Schmitting 

— Schmieding — Schmeding — 
Smeddmg (westf.). 

Vklf. (1) Smidilo: Schmiedd; 
Schmiedle; Schmiedl. (1 + n): 
Schmidlin; Schmidilein. (k) Suii- 
diko: Schmidtke; Schmidge — 
Schmiedicke — Schmetje (ostfries.) 

— Schmädicke. (k -(- n) : Schmie- 
deken; Schmiedchen; Schmiedige^i- 



Snel 



Stadt 



205 



SmBL I. ahd. mbd. snel „schnell '^j bes. auch 
ehrendes Beiwort der Helden. 
FN. Snelhart: Schnellhard. 
Snelmann: ScJmellmann. 
Snelrad: ScJmellrath. 
Einstämmige Kürzung Snel-: Snel — 
Schnelle — Schnöll. 

Snyders s. Schneider. 

SQlter 8. Salzer. 

Sommer I. III. schon im 8. Jh. Snmar 
In örtlicher Zus. wie Sommerhalde bezeich- 
net es die Südseite, sowie Winter- die 
Nordseite. 

Sommerlatte III. ahd. sumarlata, mhd. su- 
merlate „der einen Sommer alte Sprößling, 
Jahresschößling". Hartman Sumerlat 15. Jh. 
FN. Sommerlatte; Sommerlath, 

SoBdermann ni. mhd. sunderman, -liute 
„Hörige" (weil in keiner Genossenschaft 
stehend). 

Sonnabend s. Tag. 

Sonne a) I. Sunno 4. , wohl zu sunna „Sonne" 
gehörig b) III. von Häusemamen (S. 60). 
Nach Bück S. 261 heißen mehrere Edel- 
höfe in Baiern Sonne, Sonnen, dah. Son- 
nenmaier. 

Sonnenkalb III. Algot. sunnunchalbus 1228. 
Bacm. 

Sonntag HI. s. Tag. 

S9tebier III. niederd. „Süßbier" s. Bier. 
Auch Söibeer. 

Spalteholz HI. Satz-N., ein „Holzspalter". 

Spaniol in. = Spanier, von der spanischen 
F. Espafiol. 

Spannan III. Satz-N. — Gegensatz: Spa)i- 
mtth, Spanutht niederd. „spann aus". 

Specht III. der baumhackende Vogel, wel- 
cher in der Volkssage eine Rolle spielt, 
indem er die „Springwurzel" zu finden 
weiß (Grimm, Myth. S. 1222). 

Bpeekftter in. niederd. „Speckesser" (Spott- 
name). 

Bpener III. „Stecknadelmacher". Spenen 
wurden früher die Stecknadeln wegen ihrer 
Ähnlichkeit mit Dornen genannt, gewöhn- 
licher verkleinert, ahd. spinulä, mhd. spi- 
nele, spenel, nhd. (bair.) Spenel, Spen- 
nadel. 

Spengler lü. mhd. spengelaere (vom ahd. 
spangä Spange , Beschlag) , „Blechschmied, 
Klempner". Oberdeutsch (s. „Spenglor- 
gäßchen" in Augsburg). 



Sperling III. anscheinend der Vogel, wie 
sich auch Spatz als FN. findet. Doch giebt 
es ahd. schon die Stämme spar (zu sparen) 
und Spir (Speer) in EN. 

Spielmanns III. (niederrhein.) ahd. spilaman, 
mhd. spilman Spielmann, fahrender Sänger. 

Spindler III. „Verfertiger von Spindeln 
(Drechsler)". 

Splettstößer III. der „SpHtte" (niederd. F. 
zu mhd. splize Span, scindula) bes. wohl 
Dachsplitte „verkauft", vgl. mhd. salz- 
stoe^er der Salz im Kleinen verkauft. 

Splietop III. Satz-N., niederd. „spleiße auf, 
spalte auf" s. Spalteholz. 

Sporer III. mhd. sporaere „Sporenmacher". 
Auch Sporrer u. Sporner. Mit Umlaut Sparer, 

Sprenger III. „Steinsprenger". 

Springer HI. mhd. springaere; die „Springer" 
(Tänzer, Gaukler) gehörten im Mittelalter 
zu den „fahrenden SpieUeuten". 

Springinklee III. Satz-N., Springenklee 
(Altmarburg). Springinreif ^ vgl. Spring- 
inrink (Becker). Springenzaim. 

Springinsgut, verkürzt Springsgut III. Satz- 
N., nach Vilmar Scherzname für einen, 
der mit einem Mal reich wurde. 

Springsfeld III. Satz-N., verkürzt aus 
Springinsfeld, welches noch als Appella- 
tivum einen munteren, bes. im Springen 
gewandten Menschen bezeichnet , vgl. FN. 
Springinslant (Becker). 

Spundflasehe III. von Pauli angeführt aus 
Münden. 

Staaßen, Staats, Staatsmann s. Eustathius. 

Stach s. Eustachius. 

Stadler III. mhd. stadelaere von ahd. stadal, 
mhd. stadel, Scheuer (Stadel noch jetzt 
bairisch und österreichisch) 1) „Aufseher 
über den Stadel" 2) „Inhaber eines Stadel- 
hofes". 
FN. Stadler — Stadler. 

Stadt ni. ahd. mhd. stat, altsächs. stad 
urspr. nur „Ort", in ON. kaum vor dem 
8. Jh. nachweisbar. Heutige FF. 1) - Stadt, 
-statt 2) -stedt, -statt (vom Dativ Sg. 
-steti) 3) niederd. -stede^ -sted (so bei 
Klemp. : Bornestede, Lockstede, deEykstede) 
4) Plur. (Dat. -stetim) -statten, -stetten. 
FN. 1) Oberstadt. Karlstadt 

2) V. Mittelstadt. Bohnstedt Eich- 
stedt, Qttenstedt, Arnstett, Bern- 
stett. 



206 



-städt 



Stephanus 



3) V. Borgstede, Hammenstede, Otter- 
stede, Willstede. Carsted (0. Kar- 
stedt) - auch -stedde: Beckstedde. 

4) V. Benstetten. Manstetten. 
Ableitung auf -er (oberd.): 

Hoffstätter (0. -stett und -stetfen). 
Bastätter, Ächstetter (0. -stetten). 
Helmstetter (0. -städt, auch -stedt 
geschrieben). Hochstetter (0. -stadt, 
-stedt, -stetten in verschied. Schrei- 
bungen). Kirchstettei' (0. -stetten). 
-städt s. Stadt. 

STAHiX ahd. stahal, mhd. stahel „Stahl". 
Stahelhart 8. 

FN. Nur einstämmige FF. mit Sicherheit 
nachgewiesen. 
Stahal, Stalo: Stahel — Stahl — 
Stähle — Stehely (schweiz.). Patr. 
A. Stähling. 

Vklf . (1 + n) : Stähelin — Stehlin. 
(k): Stehleke, 
Stahl-, Stähl- s. Stahal. 
STAIN I. got. stains, ahd. mhd. stein „Stein" 
(als Waffe, vgl. hamar, auch wäfanstein). 
FN. (Steinbreht) : Steinbrecht; Steinhart, 
Staniger: Steiniger. 
Stainhard: Steinhart; Steinert. 
Steinher: Stei/ner; Steinherr. 
(Steinmar): Steinmar — Steimar; 

Steimer. 
(Steinrich): Steinrich. 
Einstämmige Kürzung Stain-. 
(Staino): Stein — Stehn. 

VWf . (1) : Steinel ; Steindel. (1 + n) : 
Steinlein, (k): Steinecke; Stevnigke; 
Stemick; Steinig; Steinke. 
Auslautend -stein (13 mal Forst.): Adol- 
stein. 
Stammler 111. mhd. stamelaere „Stammler" 
(Heinrich der Stammler 1290) ; vgl. lat.Balbus. 
FN. Stammler — Stämmler. 
Standfest III. Satz-N. „stehe fest". Jünger 

auch Stehfest. 
STABC I. ahd. mhd. starc „standhaltend, 
stark". 
FN. Starkhar: Sterker. 

Starcman: Starkmann. 
Starculf: Starklo f. 
Einstämmige Kürzung Stare-. 
Starco: Starke; Starck — Stärke; 
Sterck. 
Vklf. (1): Starkel 



Stark-, Stärk- s. Starc. 
Statins s. Eustathius. 
-stätter s. Stadt. 

Stechmesser III. Satz-N. „einer der bei 
Zechen für sich bezahlen laßt" und durch 
Stechen des Messers in den Tisch an den 
Platz eines andern dies zu erkennen giebt. — 
Niederd. Steckmetz. 
Steckmetz s. Stechmesser. 
Sted-, -stedde, -stede, -stedt s. Stadt. 
Stehl- s. Stahal. 
Stefan, Steffen s. Stephanus. 
Stein- s. Stain. 

-stein s. a) I. Stain b) III. Stein. 
Stein III. ON. Außerordentlich viele Felsen 
und örter tragen diese Bezeichnung. Daneben 
läuft, weil die Bodengestaltung wenig Ver- 
anlassung gab, nur wenig Niederdeutsches 
auf -steen. Schon seit dem 8. Jh. die älte- 
sten dieser N., wie üncunstein. 
FN. Bramdenstein. v. Eberstein. Criehi- 
genstein (0. Giebichenstein). Lauen- 
stevn. Frhr. vom und zum Stein. Stein 
V. Kaminski (S. 67). (Dagegen Holstein 
entstellt, s. H eiste.) 
Ableitung auf -er (oberd.): 

BiLchsteiner. Fahrsteiner. HaHen- 
Steiner. Landsteiner. 
Stein in. zur Bezeichnung von Steinarten ond 
von Werkzeugen, vgl. Zunamen: der Hagel- 
stein 14. Jh., nachher Conrad hagelstain 
(Bacm.). 

FN. Barnstein (niederd. =* Bernstein i l 

Brennstein). Goldstein (jüdisch). Klopp- 

stein (der Klopfstein der Schuhmacher). 

Schornstein. Wettstein (Wetzestein). 

Steinbiek III. „Steinmetz", von bicken = 

hauen. Auch Stevnbicker. 
Steinhauer III. altklevisch steynhouwer „Stein- 
metz". 
Steinmetz III. mhd. steinmetze. Als FN. auch 

Steinmatz. 
Stellmacher m. der Wagengestelle macht, 
„Wagner"; auch norddeutsch (bei Elempin: 
stelmaker). 
Stephanus II. griech. „Kjanz", erster christ- 
licher Märtyrer (Apostelgesch. Kap. 6 — 7). 
FN. Stephanus. Gren. Stephani (mit Vct- 
rückung des Tones auf die mittlere Silbe). 
Stephan, in österreichischer Schreibung 
Stefan — Stephen, (Jen- Stq^iens; 
Steevens (ostfries.) — Steffen, (jen. 



Sterck 



Strid 



207 



Steifem — Stöifen, Patr. Zus. Stef- 
fensen. 
Sterck s. Stare. 

Stern EH. als FN. z. Th. durch Hauszeichen 
vermittelt (S. 60). Zus. Ahendatern, Mor- 
genstern (auch ON.). V. lAlienstern. 
Stets 8. Eustathius. 
-stetter s. Stadt. 
Stea1l>er s. Badstüber. 
Sticker III. in den Zus. Seidensticker , auch 

-stücker. GoldstücJcer. 
Stieber s. Badstüber. 
Stiel- 8. Stü. 

Stier- s. a) I. Stiur b) in. „Stior«. 
Stigrhelli aus Stiegele verwelscht (S. 67). 
STIL l. zu altsächs. stilljan, ahd. stülan, 
mhd. stillen „beruhigen, stillen." 
FN. Stilfiid: StiUfried. 

(Stillihart) : Stülert - Stielert 
Stillihere: Stüler — Stieler, 
Einstämmige Kürzung Stdl- 

(Stillo): Stüle; Stül— Stiele; Stiehl. 
Gen. Stils. Patr. A. Stilling. 

VWf. (k) Stilico 4 (Vandale): 
Stilke. 
StiU- s. Stü. 

STIUR I. ahd. stiuri, stüri „groß, erhaben". 
FN. Stiuri 9.: Stier - Stuhr. Gen. Stiers; 
Stieren. 

Vklf. G + n): Stierlein. 
StSbener, StSber s. Badstüber. 
Stock 1) ON. ahd. stoch, mhd. stoc „Baum- 
stumpf", geht zwar meist auf die stehen 
gebliebenen Wurzel stocke gefällter Bäume; 
doch ist in manchen Fällen auch die Bed. 
„Berg" in Betracht zu ziehen, vgl. Gebirgs- 
stock. In ON. -stock, - stock. 
FN. V. Birkenstock. Haberstock. Hilgen- 
stock, Sengstock. (Slavisch in Rostock 
u. a.). 
2) Pflanzen und Geräthe: 
PN. Bebstock (S. 59) — Klopstock. 
Stoeker III. „Gefangenwärter", von stocken 
in den Stock setzen (stoc urspr. der Block, 
in welchen die Füße der Gefangenen gesetzt 
wurden, dann Gefängnis überhaupt). 
FN. Stocker — Stöcker — auch Stöckler. 
Stoffels B. Christophorus. 
Steffen 8. Stephanus. 
Stoffer, Stöffer s. Christophorus. 
Stollenbecker III. der „Stollen", d. i. eine Art 
feines Weizengebäck, backt. 



Stoiterfoth III. niederd. „stolzer, stattlicher 
Fuß". 

Stolz III. ahd. mhd. stolz „stolz, stattlich". 
FN. Stolze; Stolz. (Doch deuten N. wie 
Stölzely ad. Stolzelin, Stolzke, niederd. 
Stölting darauf hin, daß dieser Stamm 
schon in der 1. Periode zur Namenbildung 
verwendet wurde.) 

Stoppel B. Christophorus. 
Storch ni. ahd. storah, mhd. storch (s. Adebar). 
Storm, StSrmer s. Sturm. 
Stöwer 8. Badstüber. 

STRAL I. ahd. sträia, mhd. strale „Pfeil" 
(die Strahlen der Sonne sind nach der Mythe 
die Pfeile des Sonnengottes). Stralhehn 8. 
PN, (Stralheri): Strahler. 
Einst. Kürzung Stral-: Strahl — Strehle. 
VÜf. (k): Strehlke. 

STRANG I. ahd. strangi, mhd. strenge „stark". 
Strangolf 9. 

FN. (Strangheri) : Stränger. 
Einst. Kürzung Strang-: Strang — 
Strenge. 

Vklf. (z) Stranzo (aus Strangizo): 
Strunz — Strentz. (Jen. Stranzen. 

Stränger s. Strang. 
Stranz- s. Strang. 

Straße III. ahd. sträia, mhd. strafe aus lat. 

(via) strata „geebneter, gepflasterter Weg". 

FN. Wasserstraß. Niederd. Strate, Strote: 

von Salm-Hoogstraeten (niederländ.). 

Strotkötter. 

Ableitung auf -er (oberd.): Steinsiraßer. 

Straubhaar III. „mit struppigem Haar", vom 
mhd. struben rauh emporstehen. 

Straubert, Strauß, Strautz s. Strud. 

Streckfuß III. Satz-N., der Streckfuß 1377. 
Auch Beiname des Todes (Grimm, Myth. 
S. 812). 

Strehl- s. Stral. 

Streisgut III. Satz-N. „streue das Gut" d. i. 
ein Verschwender (wie z. B. Kaiser Fried- 
rich ni., der Träge und Greizige, seinen 
feurigen und unternehmenden Sohn Maxi- 
milian ein „Streudasgütlein" zu nennen 
pflegte). 

Streit- s. Strid. 

Streng-, Strentz- s. Strang. 

Streab-9 Streußel s. Strud. 

STRID I. ahd. mhd. strit, altsächs. strid 
„Streit" (mit Waffen, vor (Jericht). 



208 



Stridde 



Sweers 



FN. . Staither: Strieder — Stritter — 
Streiter. 
(Stridolf): Streitwolf. 
Einst. Kürzung Strid-: Stridde — Stritte 
— Streit. 

Stridde, Stried-, Stritt- s. Strid. 
Strob-, StrSbert, Strodel, StrOdell, StroU 

8. Strad. 

StrSm III. schwedisch „Strom" — zweiter 
Theil der Zus. in einigen Namen, die von 
dem 30jähr. Kriege und der schwedischen 
Beherrschung Vorpommerns herstammen 
(S. 76). 

FN. V. Tigerström (Vorpommern). Wick- 
ström (Herzogt. Lauenb.). 
Strott s. Strud. 
Strubelt s. Strud. 

STRUD I. zu ahd. strudjan „verwüsten, 
rauben". 
FN. (Strudbalt): Strubelt — Stroholt; 
Strobel. 
(Strudbert): Ströbert — Stravbert — 

Streubert; Streuber, 
Strudolf: Strutwolf. 
Einstämmige Kürzung Strud-. 
Strodo: Strud — Strott. 

Vklf. (1): Strodeh zsgz. Stroll 
(Strullo 8.) — Strödell. (z) Struz : 
Strutz; Struß — Strautz; Strauß. 
(z + 1): Strützel — Streußel. 

Struß, Strutwolf, Strutz, Strützel s. Strud. 

Stfibener s. Badstüber. 

Stubenhauer III. vermuthlich = „Stubben- 
hauer", der Baumstubben ausrodet, vgl. FN. 
Stubbenhouwer Klemp. 

Stfiber s. Badstüber. 

Stugart III. mundartl. statt Stuttgart. 

Stulir s. Stiur. 

Stiihrmann III. niederd. „Steuermann". 

Stiller ni. = Stuhlmacher. 

STURM I. Ahd. sturmi, altsächs. storm 
„Aufregung, Kampf". 
FN. (Sturmheri): Stürmer — Störmer. 
Einst. Kürzung Sturmi: Sturm — Storm. 
Gen. Storms. 

Suchenwirth m. Satz-N. „suche den Wirt" 
d. i. einer, der das Wirtshaus zu finden 
weiß. So auch niederd. Sökedrunk (Lübben 
S. 43). 

Suchsland m. Satz-N. „suche das Land". 
Niederd. Sökeland. 



Sud m. „Süd" — in Sudhof; Sudmeyer 

(s. Sund). 
Suder, Sudor s. Sutor. 
Sumsnit m. Satz-N. „säume damit nicht*^. 

Auch Sümenicht. 
Sund m. ahd. sund „Süden", sundar, mhd. 
sunder — mitteld. suder „südwärts gerich- 
tet". In Zus. wie Sunderhofj entstellt Sun- 
derhauf (Andresen Volksetym. S. 62) — 
Sudhof; Sudhaus. 
Sfipke s. Sig (zweist. K.). 
Suter m. ahd. sütari, mhd. sütere, seuter 
(aus lat. sutor) „Schuhmacher, auch Schnei- 
der". 

FN. Sutor — Sudor — Suttor — mehr 
verdeutscht Suter — Suder — Sutter 
(Hermann der Suter 1331) ; auch Suitiier 
— Sauter — Seuter. Vklf. Sütterle; 
Sütterlin — Seuterlin. Zus. Seuter- 
mann — Suttermeister. (Alle diese FF. 
süddeutsch, bes. am Oberrhein.) 

Aus dem zu bestimmterer Bezeichnung 
gebildeten schuochsuter wurde schüchster, 
endlich Schuster (schon 1236 Bacm.). 
Zus. Kleinschuster. 
Sutt-, Stttt- s. Sutor. 
Swaans s. Swan. 

SWAB I. zum Volksstamme der „Schwaben" 
gehörig. Swabperaht u. a. 

Einstämmige Kürzung Suabo: Schwabe; 
Schwab — Schwob — Schwebe. 
Vklf. (1) Suabilo: Schwabel — 
Schwebel. (k): Schwäbig. 
SWAN I. ahd. swäna, mhd. swäne „Schwan". 
Dieser wegen seiner Schönheit gefeierte 
Schwimmvogel spielt auch in der deutschen 
Mythe eine EoUe, namentlich indem die 
Walkyrien, die Dienerinnen des Wuotan, sich 
durch Anlegung des Schwanhemdes (oder 
Schleiers) üi Schwäne verwandeln können: 
Schwanjungfrauen. 
FN. Swanager: Schwaniger. 
(Swanheri): Schwaner. 
Suanehard: Schwanert. 
Einstämmige Kürzung Suan-. 

(Swano): Schwade; Schwan — 
Schwann — Schwon. Gen. Swcums 
(ostMes.). 

Vklf. (k) Suanucho: Schwanecke 
— ScMoannecke — Schwanck — 
Schwenecke. 
Sweers s. Swinth (V.). 



Swidden 



Tegen 



209 



Swidden s. Swinth (einst. K.). 
SWINTH I. got. swinths, iiihd. swinde, alt- 
sächs. swith „stark, heftig, geschwind'^. 
FN. Suidbert: Schwiehert — Schmppert. 
(Saidfhd): Schwiefert. 
Swidger: Schwieger. Patr. A. Schwie- 

gerling. 
Swidher: Schtoieder — zsgz. Schwier 

— Schwidder — Schweder — zsgz. 
Schwehr — zerdehnt Schweier, Gen. 
Schwüters — Schwer s; Sweers 
(ostfries.). Patr. A. Schwering, 

(Swindeman) : Schwendemann, 
(Switald): Swithdl. 
Einstämmige Kürzung Swinth-. 

Saint: Schwindt — Schwinn — 
Schwend — Schwenn — Schwiede 

— Schmtte — ^ Schmdde, Gen. 
Swidden (ostfries.); Schwidden. 
Patr. A. Schwenning. Patr. Zus. 
Schwennsen (Schleswig). 

Vklf. (k) : Schtvindtke — Schwinckc 

— Schwendicke, 
SwJthal 8. Swinth (V.). 
Sy s. Sig (einst. K.). 
Syl)- s. Sig (V.). 
Symons s. Simon. 

SzulCy Szuman, Szumborski u. s. w. Polo- 
nisirungen statt der deutschen FN. Schulz, 
Schumann^ Schönboim (S. 67). 



T. 



Tab-, Tabb- s. Dag (V.). 

Tack- s. Dag (einst. K.). 

Tad- 8. Thiud (einst. K.). 

Tag-, T»g- s. Dag (V., einst. K.). 

Tag III. Person-Namen von der Zeit herge- 
nommen, bes. von Zeit und Umständen der 
Geburt. 

FN. Unter den Wochentagen bes. häufig 
Sonntag („Sonntagskinder") und Frey- 
tag (als Christi Todestag frommen Eltern 
vorzugsweis merkwürdig, daher auch FN. 
Charfreytag) — viel seltener die übrigen : 
Montag. Mittwoch. Donnerstag. Sonn- 
abend. (In Berlin fand sich 1867 der 
N. Sonntag 28 mal, Preytag 24 mal, da- 
gegen Montag nur 8 mal, Sonnabend nur 
4 mal). Außerdem Mittag. Ostertag. 
Martag (= Markttag?). 

Hointzo, Deutsche Familien - Namen. 



Tägener s. Thegan. 

Tagge s. Dag (einst. E.). 

Tftglichsbeck III. „der ein Tägliches backt" 
(s. Beck). 

Tarn- s. Thanc. ' 

Tandler III. „Händler mit alten Sachen, 
Trödler" (süddeutsch, z. B. in München). 

Tang-, Tank- s. Thanc. 

Tann HI. ahd. tanna, mhd. diu tanne „Tanne", 
der tan „Wald" ; bei neueren Dichtem (Uhland) 
noch jetzt Tann = Wald. Daher ON. Tann, 
-tann. 

FN. Tann. v. d. Tann. 
Ableitung auf -er (oberd.): Tanner. 
Critzentanner. 

Tanz- s. Thanc. 

Tapken s. Thiud (zweist. K.). 

Tapp- s. Dag (V., einst. K.). 

Täschler s. Taschner. 

Taschner m. „Taschenmacher" (früher ein 
„Taschnergäßlein" in Nürnberg). 
FN. Taschner — Täschner — Däschner. 
Auch Täschler und Bäschler. 

Taub- s. Thiud (V.). 

Taube in. Bild der Unschuld und Friedlich- 
keit (Noah's T. mit dem Ölblatt; auch die 
entweichende Seele der Märtyrer hat oft 
nach der Legende die Gestalt einer Taube) 
— nach Matth. 3, 16 SinnbUd des h. Gei- 
stes. Daher spielt die Taube eine Kolle in 
der Symbolik des Mittelalters, wo die weiße 
T. auf Johannes den Täufer, die purpurne 
auf Christum gedeutet wird, der sein Blut 
für die Menschheit vorgoß. Die Taube als 
Hauszeichen S. 59. 
FN. Taube. Zus. Bingeltaube. 

Tauscher in. mhd. tüschaei-e „Händler" (s. 
Koßteuscher). 
FN. Tauscher — Teusche^'. 

Tausendfreund IIT. s. Freund (bedeutet hier 
„tausend" eine Verstärkung, etwa wie „Tau- 
sendschön"?). Auch Siebenfreund findet 
sich als FN. 

Taute s. Thiud (einst. K.). 

Tawartmann s. Dag. 

Tebben s. Thiud (zweist. K.). 

Tebedlng s. Thiud (V.). 

Ted- s. Thiud (V., einst. K.). 

Teetz s. Thiud (einst. K.). 

Tegeler in. Klemp. Tegholer, niederd. = 
„Ziegler", Ziegelbrenner. 

Tegen s. Thegan. 

14 



210 



Teget 



Thal 



Tegret == Zehnt, in Zus. wie Tegetpferdf 

Tegethof — Tcgetmeyei' (s. Meier). 
Tegrgre s. Dag (einst. E.). 
Teibel s. Thiud (zweist. K.). 
Teich ni. mhd. tich, alts. dik der „Teich". 
In mannigfachen Ortsbezeichnungen, bes. 
in der niedcrd. F. dieck (dick) in Nordwest- 
Deutschland (wie es auch in Münster eine 
„Dieckstraße" giebt). 
FN. ten Dyck, tom Dieck. 
Beherdieck (Biberteich?). Buddendieck. 
Düsterdieck. Fahldick (Fohlen-). Flaß- 
dieck. Gräfendick. Kastendyk, Casten- 
dyck (0. Kastendick). Krafiendick (Krar 
nich-). Mohr dieck, -dick (0. Moordeich, 
-diek). Mönkendieck. Oherdieck. Papen- 
dieck, Schapdick, Schweckendiek, 
Ableitung auf -er (westf.): Niendiecker, 
Papendiecker, 
Teichmann m. s. Teich (auch Deichmann). 
Niederd. Dieckmann, im Jeverlande = 
Deichmann. 
Teidel s. Thiud (einst. K.). 
Teimer s. Thiud (V.). 
Teipel s. Thiud (V.). 
Teirich s. Dag (V.). 
Telgrenhaaer lU, der Zweige (niederd. Teigen) 

abhaut. 
Tellkampf in. aus Teigenkamp „mit Steck- 
lingen (niederd. Teigen) bepflanztes Feld". 
ten, ter II L niederdeutsche F. für^^wm, zu/r 
(w. m. s.) in Ortsbezeichnungen, die dann 
auf Personen und Familien übertragen 
wurden. 
FN. (bes. häufig in Westfalen und am 
Nioderrhein, in der Nähe der holländi- 
schen Grenze): 

Tenberge; auch Then-Berg. ten 
Brink. Tenbusch. ten Gate und ten 
Doornkaet' Koolman (ostfries.). Ten- 
dahl. TendAfck (zum Teiche). Tenhagen. 
Tenhölt (zum Holze), ten Hompel. 

Terbeck (zum Bache; niederd. de beke). 
Terbrtiggen; Terbrüggen. Terfloth. 
Terhardt (zum Gebirge). Terhoffstedde. 
Terhorst (Gebüsch). Terlinden. Ter- 
möllen (Kr. Tecklenburg) ; ter Meulen 
(Gronau, Landdrostei Hildesheim, vgl. 
hochd. Zurmühlen). ter Nedden (auch 
halbhochd. zur Nedden, vgl. hochd. Zur- 
nieden). Tersteegen. Tervoort (zu der 
Furt). Auffallend mit Wechsel des Ge- 



schlechtes: ter Meer, ter Stein. — Ter- 
överst. 
Tentzel s. Thanc. 
Ter s. ten. 
Tet- 8. Thiud (V.). 
Tett- 8. Thiud (V. , einst. K.). 
Teub- s. Thiud (V.). 

Teafel III. aus dem Kirchenlatein diabolas 
(griech. öiaßolog) „Beschuldiger, Verläste- 
rer" (der Menschen bei (jott, s. Hiob Kap. 
1. 2); schon ins Gotische aufgenommen als 
diabaulus, ahd. tiufal, mhd. tiufel. Vgl. 
Fahland. 

FN. („der Tuvel", Appo dictus Diabolus 
Schweiz, bei Bacm.) Teufel.^ Teuffei. 
Niederd. Düwel. 

Häufig in Zusanmiens. (Satz-N. S. 52) 
Ilaschenteufel. Jagenteufel; Jageteuffel. 
Schlagenteufel. — Niederd. Biete ndüwel 
aus Bitdendüwel. Schietenduivel (schieße 
d. T.). 
Teufelskind III. aus dem 15. Jahrh. von 
Vilmar angeführt, vermuthlich Abkönmaling 
einer „Hexe". 
Teufert s. Thiud (V.). 
Teuseher s. Tauscher. 
Teuth 8. Thiud (einst. K.). 
Teutloff s. Thiud (V.). ' 
Teutzel s. Thiud (einst. K.). 
Tews 8. Matthäus. 
Textor III. Latinisirung von Weber. 
FN. Textor; Texter; Textorius. 
Thad- 8. Thiud (V., einst. K.). 
Thal m. ahd. mhd. tal, alts. dal — in ON. 
seit dem 8. Jh. ziendich häufig. Heutzu- 
tage ist die Zahl der mit diesem Gmnd- 
worte bezeichneten theils wirklichen Thäler, 
theils bewohnten örter unendlich groß: 
a) hochd. -thal b) niederd. -dahl; die 
Kürze des a hat sich erhalten in den fast 
ausschließlich niederösterreichischen N. auf 
c) -thall. 

FN. 1) von Blumenthal. Engelthal, von 
Lilienthal. Bosenthal (28 mal ON. 
Kitter). In jüdischen FN. häufig 
bloßer Phantasie-N. (S. 66) : Veil- 
chenthal. Lewinthal. 

2) Boltendahl (halb verhochdeutscht 
Bolzendahl). Ueidendahl. Oden- 
ddhl. Bosendahl. Wischendahl; 
Wiesendahl. 

3) von DerenthaJl. 



-thall 



Thiud 



211 



Ableitung auf -er (oberdeutsch): 

1) Engelthaler. Reinthaler. (Auch 
die Joachimsthaler, abgoliürzt „Tha- 
ler" gehören bekanntlich hierher). 
Mit Umlaut Lichtenthäler. 

2) Tlidner. Haidenthaller, Wtirtns- 
thdller. 

-thall, -thaller s. Thal. 
THANC I. got. thagks, ahd. danch, thanc, 
mhd. dank „Denken, Gedanke". Vgl. hug. 
FN. Dankhart: Bankert; Dancker — 
Denkert. Patr. A. Tangerding. 
Tancmar, Tammar: Vklf. (1) Tammerl. 
Dankwart: Dankwart; Dankwerth; 
Dankivorth. 
Einstämmige Kürzung Dank-. 

Danko: Danko; Dank — Tanke — 
Denk. 

Vklf. (1) Danchilo: Danckel 
(DanckelmannJ — Dengel. (z) 
Danzo: Danz — Tanz, (z + 1): 
Denzel — Tentzel. Patr. A. (südd.) 
Denzler. 
Zweistämmige Kürzung Dankm-. 

Tammo (Stark S. 115): Tamme — 
Damm. Gen. Tams; Tammen. 
Patr. A. Tamminga (ostfries.). 
Vklf. (k) : Damcke — Tamke. 
That- s. Thiud (V., einst. K.). 
Tliäte 8. Thiud (ernst. K.). 
Thed- 8. Thiud (einst. K.). 
Tliees- 8. Matthäus. 

THEGrAN I. ahd. degan , thegan , mhd. degen 
„Degen" d. i. junger Held (engUsch thane). 
FN. Theganger: Deiniger. 

Theganhard: Degenhard — Dehi- 
hardt; Deitiet — Theinhurdt; 
Theinert — Dähnhardt (s. Stark 
S. 50); Dähnert — Dennhardt; 
Demiert — Dienhart. 
Theganhar: Degener; Degner — Tä- 

gener — Theiner — Dehner. 
Deganolt: Degenhold. 
Einstämmige Kürzung Degan-. 

Thegan, Degano: Degen — Tegen — 
Dein — Tiiein — Dehne. 

Vklf. (1 + n): Deinlein. (k): 
Denecke. 
Thein- s. Thegan. 

Theis s. a) I. Dag (einst. K.) b) II. Mat- 
thias. 
Thel- 8. Thiud (einst. K.). 



Themar, Theo- s. Thiud (V.). 

Thesen s. Matthäus. 

Theaer, Theurieh s. Diur. 

Thewald s. Thiud (V.). 

Thewes s. Matthäus. 

Thias s. Matthias. 

Thie s. Thiud (einst. K.). 

Thiebes s. Thiud (zweist. K.). 

Thieden, Thiel- s. Thiud (einst. K.). 

Thiem- s. Thiud (einst., zweist. K.). 

Thier- s. Diur. 

Thilo 8. Thiud (einst. K.). 

Thimmo s. Thiud (zweist. K.). 

THIUD I. got. thiuda, ahd. diot, mhd. diet 
„Volk" — seit dem 2. Jh. v. Chr. in PN. : 
Teutobod der Teutonenfürst in dem Cimbern- 
und Teutonenkriege. In den mannigfaltig- 
sten FF. auftretend, indem durch Ausfall 
des i die begleitenden Vocale als allein- 
stehende Stammvocale erscheinen. 
FN. Thoudobald: Diehold; Diepolt; Die- 
bel — Typold — Dippoldt; Dip- 
pel — Tippelt — Theobald; TJieo- 
pold — Debald; Debold — Tobald; 
Tobold; Topel — DÖbold; Döpel 

— Taubald — Deubold; Deubel 

— Deybaldt; Deibel — Teipel. 
Gen. Tiebels. Patr. A. Tebeding. 

Theudobert: Dobert — Dubbert — 
Tauberecht; Taubert — Teubert; 
Teuber. Gen. Dobers — Dübbers. 

Deotprant: Dittebrandt — Dibbern 

— Dettbarn — Dubbern. 
Theudofrid: Diefert; Die f er — Defert 

— Teufert. 

Theutegar: Ditger — Tikker (ostfries.). 
Teudhard: Dietert — Dittert — Det- 

hart; Detei't — Dautert. Patr. A. 

Detharding — Dederding. 
Teuthar: Dieter (Dieter mann) — 

Deter (Determann) — Teder — 

Dotter — Dödter — Tödter. Gen. 

Dieders — Deiters. Patr. Zus. 

Dedersen. Patr. A. Detering — 

Dettring. Vklf. (l + n): Dieterlen 

— Döderlein. Pätr. A. Teterling. 
Teuthram: Dietram. 

Teutman: Dietmann — Diedemann 

— Tiedemann — Thiemann — 
Dittmann — Tittmann — Det- 
mann — Tettmann — Tutmann 

— Düttmann. 

14* 



212 



Thode 



Thomas 



Thiudemer 4.: JJiemar; IHemer — 
Thiemer — Dittmar; Dittmer — 
Deltmer — Themar — Teimer. 
Gen. Tieämers — Dittmer s — 
Dettmers. Patr. A. Detmering — 
Diemerling. 

Theotnand: Denant, 

Theudoricus 1.: Dietrich; Dietreich 

— Diederich — Ditterich — De- 
derich — Dereich — Deutrich — 
Deitrich — zsgz. Dirk (z. B. Dirck. 
Graf von Holland 984 — neben 
Diederich). Gen. Diederichs — 
Dieterichs (latinis. Dieterici) — 
Dierks; Dierken — Dirks — 
Dierickx — Derix — Tjarks (ost- 
fries.). Patr. A. Dierking. Patr. 
Zus. Diederichsen — Dirksen. 

Theudoald: Diethold — Diedelt — 
Ditwald — Dewald — Thewcdd 

— Thadewald. Gen. Dedolz, 
Teuduin: Dewin, 

Theudulf : Didolff; Diedloff — Tiet- 
loff — DiUlof — Dedolph - 
DeUloff; DetÜef — zsgz. Delff — 
Dötloff — Deudeloff — Teutloff. 
Gen. Dethlefs — zsgz. Delfs — 
Detheleven (ostfnes.). Patr. Zus. 
Detlefsen, 
Einstämmige Kürzung Thiud-. 

Tiuto, Dieto, Dudo u. s. w. (in mehr 
als 50 altdeutschen FF. bei Förste- 
mann S. 1158 — 60). Diede; Dieth 

— Tiede — Titho — Ditt — Thie 
(Stark S. 38) — Dede — Thede — 
Dato; Dathe — Thate; That — 
Thäte — Dode — Dodt — Thode 

— Tohte; Todt — lliute — Dudde 

— Thutt — Daude — Taute — 
Deut — Theut, Gen. (doch auch 
zu Teudin 8.): Thieden; Tiedens 

— Thyen — Dittes — Didden — 
Tidden — Tedden — Thaden — 
Doden — Duden — Tuhten — 
Dudden — Tjaden (ostfries.). — 
Plur. Tydena (ostfries.). Patr. A. 
(Gen.) Thedinga (ostfries.). 

Vklf. (1) Tlieudila: DieUl; Dietle 

— Diedel — Titel — Dittel — 
Tittel — Dedel — Taddel — Dodel 

— Deitel — Teidel. Mit Aus- 
stoßung des T- Lautes Thilo 8.: 



Dihle — Thilo; ThieU (Thiel- 
mann) — Tülo; Tüle; TiU (Tül- 
mann) — Thele (Thelemann) — 
Tlwle — ThüU — DeyM. — DOltf 

— Tilly, Gen. Detels — Diden 

— Thielen — Tillmanns — The- 
len — Tholen. Patr. A. Tettling 

— Tüing. (1 + n) Teudolin: Diä- 
lein. (1 + k): Thielicke; Tidke 

— Tölke. Patr. A. ThieUdng. (k) 
Theodicho: Tiedge — Diko — Tieck 

— Ticke — Tedicke — Dedich — 
Detje — Tatge — Docke — DuUke 

— Tütge, Gen. Tiedken — Tid- 
Jens (ostfries.) — Dicken — Ditges 

— Decken — Taddiken. Plur. 
Dikena (ostfries.). (k + n): Didt- 
chen — Deutchen, (k + 1) : Tidcel 
(z) Theuzo: Dietze (Dietzmann); 
Dietsche — Tidz; Tietsch — 
Ditz; Diß — Titsch — Dedz 

— Teetz — Deitz; DHß — 
Deutsch. Gen. Tietzen. ünoigan. 
Zus. Dietzer; Dietzold. (z + 1): 
Dietzd; Dießl — Teutzd. (z+k) 
Thieziko: Titzk — Dutschke. (z + 
1 + k): Dietzelke. 

Zweistammige Kürzung 1) Thiadb-. 
(Tiebo) : Tiehe — Dippe — TSbhe — 
Toppe — Dübhe — Tuhhe. Gen. 
Thiehes — Tebben — Toben. Patr. 
A. Depping. 

Vklf. 0): J^iebel — Dippd - 
Tippel — Topel — DÖbd (s. auch 
Theodebald) - Deubel — Deibd 

— Teibel. Gen. Tiebels, (1 + n): 
Debbeli/n — Döbbdin, (k) : Tiebed: 

— Dipke — Döbbecke. Gea. Tap- 
ken — Töpken. 

Zweistämmige Kürzung 2) Thindm-. 
Timo: Dieme — Thieme — Thimmo; 
Timme. Gen. Tiems, 
Vklf. (k): Diemke — Thiemich 

— Timke. 

Thode, Thöle, Tholen s. Thiud (einBt. E.). 
Thom- 8. Thomas. 

Thomas II. hehr, „der Zwilling" — der Apostel 
(Kai. 21. Dec.). 

FN. Tlwmas, Thomaß - latinis. Tha- 
masius — Thoma; Thome; Thom. Gen. 
(lat.) Thomae — deutsch IThoms (was 
aber auch zusanmiengezogener N<Hn. =» 



Thomer 



Träger 



213 



Thomas sein kann). Patr. Zus. Tomas- 
sen — Tkomssen. 

Vklf. (k): Thömsgen. 

Thomer s. Dom. 

Thormann III. „Thorwächter" (oder einer 
„der im Thore wohnt" ?). Latinis. Portius. 

ThQmer s. Thürmer. 

THBAS I. got. thras in thrasabalthei „Streit- 
lust". 
FN. Thrasolt: Tresselt; Tressel — Dresseh 

Thudichum IIE. Satz-N. „thu dich um". 

Thugut III. österreichischer Minister unter 
Maria Theresia, urspr. Thunichtgut (angeb- 
lich oberöstcrreich. Umdeutung des wälsch- 
tirolischen N. Tunicotto Pott S. 39). Als 
er im Staatsdienst zu steigen begonnen, 
änderte die Kaiserin den N. in obiger 
Weise. 

Thttle s. Thiud (einst. K.). 

Thnm, Thttm- s. Dom. 

THUNAB I. ahd. thonar, donar, mhd. doner 
„Donner", in EN. mit Beziehung auf Donar 
(nord. Thor), den Gott des Gewitters, der 
mit seinem Hammer, dem Blitz, die Glut- 
rieson verjagt. Donarperht 9. 
FN. Donner, Gen. Bonners. 

Thurm III. in ON., alterthüml. Thurn^ ahd. 
mhd. tum (aus lat. turris). 
FN. Thurn, Fürst von Thurn u. Taxis. 
V, Weißenthurn. — Hohenthurm. 

Thflrmer III. mhd. tumaere „Thurmwächter" 

(noch in Goethes Götz „Thurn" u. „Thürner"). 

FN. Thürmer — Törmer; in älterer F. 

Thurner; Thurnher — Thürner — 

Thörner, 

Thurn, -thurn s. Thurm. 

Thurner, Thürner s. Thürmer. 

Thute, Thutt s. Thiud (einst. K.). 

Thyen s. Thiud (einst. K.). 

Thym s. 1) Dom 2) Thiud (zweist. K.). 

Thyrolf s. Diur. 

Tlhbe 8. Thiud (zweist. K.). 

Tick-, Tidden s. Thiud (einst. K.). 

Tieb- s. Thiud (V., zweist. K.). 

Tieck 8. Thiud (einst. K.). 

T!ed- 8. Thiud (V., einst. K.). 

Tieges s. Matthias. 

Tielke s. Thiud (einst. K.). 

TIem- 8. Thiud (V., zweist. K.). 

Tier- 8. Diur. 

Tlet- 8. Thiud (V. , einst. K.). 

TIftoeh, TIetz- s. Thiud (einst. K.). 



Tigges s. Matthias. 

Tikker s. Thiud (V.). 

Tiling, Till- s. Thiud (einst. K.). 

Tim-, Timm- s. Thiud (zweist. K.). 

Timmermann s. Zimmermann. 

Tipp- s. Thiud (V., zweist. K.). 

Tiroff s. Diur. 

Tiseher III. mhd. tischer der „Tischler" 

(niederd. noch jetzt „Discher", im Stolper 

KB. hochd. „tischer" 17. Jh.). 
FN. Tischer — Tischler, 
Tlssen s. Matthias. 
Tit- s. Thiud (V., einst. K.). 
Tits^ch, Titzk s. Thiud (einst. K.). 
Tjaden s. Thiud (einst. K.). 
TJarks s. Thiud (V. Dietrich). 
Tob- s. Thiud (V., zweist. K.). 
Tobias II. hebr. Tobijja „Güte Jehovah's". 
FN. Tobias — Tobey. Patr. A. Tobias- 
sen; Tobiesen. 
Toehtermann III. zu den Verwandtschafts -N. 

(s. Eidam). 
Todt s. Thiud (einst. K.). 
Tödter s. Thiud (V.). 
Tohte, Tölke s. Thiud (einst. K.). 
Tolkmit III. ON. Tolkemit. 
TöUner s. ZöUner. 
Tom niederd. = zum in N. wie tom Bieck, 

tom Have, Tombrink, Tombreul (s. Zu). 
Tömmel, Tompert s. Dom. 
Ton-, Töu- s. Antonius. 
Top- 8. Thiud (V., zweist. K.). 
Töpfer III. jüngere Bildung für Hafner, wel- 
ches schon ahd. hafinäri; vgl. im J. 1482 

topfifer = hafher. 

FN. Töpfer, Niederd. Pötter (holl. de 
Pottere S. 40). Latinis. Figulus, 
Tbppe s. Thiud (zweist. K.). 
Tor- in Zusammens. wie Tormählen (s. Zu). 
-torf 8. Dorf. 
Torffstecher 111. bemerkenswcrth als eigen- 

thüml. norddeutscher N. (z. B. in Poromem). 
-torp, -torpf s. Dorf. 
Trabant ni. „Fußsoldat" („Vothknecht" 

Klempin, diplom. Beitr. S. 626). Aus ital. 

trabante, Soldat von der Leibwache der 

deutschen Kaiser (wohl gebildet aus dem 

deutschen „traben" mit der ital. Endung des 

Part. l¥äs.). 
FN. Trabant — Drabayit, 
Träger III. ahd. tragari, mhd. trager (Elbing. 

ürk.: Michel der trogcr 1484). 



214 



Tran- 



Unverdorben 



FN. Träger — in mehrfachen Zus. : Born- 
träger. Eisenträger. Felgenträger. 
Flaschenträger. Kreutzträger. Mehl- 
träger. 
Tran- s. Dnid (V., einst. K.). 
Traabe a) I. s. Dnid (zweist. K.) b) III. die 

„Traube" — auch N. von Gasthöfen. 
Ti^xler s. Drechsler. 
TremOhlen III. niederd. aus ter Möhlen „zur 

Mühle« (S. 54). 
Tress- s. Thras. 

Treacke, Treugre s. Drud (einst. K.). 
Treut- s. Drud (V., einst. K.). 
Trinkaus ni. leichtverständlicher Satz-N. 
Tripmaker III. niederd. „Sammetweber". 
-troff s. Dorf. 
Trolf s. Drud (V.). 
Trommer s. Trümper. 

Trompeter III. mhd. trumpeter, trurameter 
— vom ital. trombetta, franz. trompette 
„Trompete" (aus ital. tromba). 
FN. Trompetter; Trompeter — Trümpter 
— Trompter — Trumeter — Drom- 
meter. 
-trop s. Dorf. 
Trübe s. Dnid (zweist. K.). 
Trachseß III. ahd. truhtsä^o, mhd. truhsae^e 
„im Volke sitzender und ihm versitzender 
Gefolgshauptmann , Anführer und Verpfleger 
der Gefolgschaft (truht) ; später eines der 
vier großen Hofämter: kameraere, schenke, 
truhsao^e (lat. dapifer), marschalc. 
FN. Truchseß. — JVlittellat. drossatus, 
woraus Droste, Gen. Drosten (drosthe 
Klomp. S. 491 im Sinne von Aufwärter 
bei Tische). 
Trade, True s. Drud (einst. K.). 
Trühl s. Drud (einst. K.). 
Trttloff, Trum- s. Drud (V.). 
Trumeter s. Trompeter. 
Trümmer, Trümmer s. a) I. Drud (V.) 

b) III. Trümper. 
Trümper III. ahd. trumpari „Trompeter", vom 
ahd. trumba aus ital. tromba Trompete. 
FN. Trütnper; Trümmer — Trümmer — 
Trommer — auch wohl Trümpier — 
Schweiz. Trümpy. 
Trümpter s. Trompeter. 
-trup s. Dorf. 

Trupel 8. Drud (zweist. K.). 
Trut, Trütcr s. Drud (V.). 
Trutzel s. Drud (einst. K.). 



Tsehudi III. zuerst 1127 Schudi, nach 
Beckers sehr ansprechender Vermuthung 
schweizerische Umbildung des lat. judex 
„Kichter". 

Tubbe s. Thiud (zweist. K.). 

Tuehhändler m. sehr entsprechender jüdi- 
scher FN. 

Tuhten s. Thiud (einst. K.). 

Tulke, Tulpraeht s. Duld. 

Tum in N. wie Tumbretd, Tumbrinck, Tum- 
hült, niederd. (s. Zu). 

Tütgre s. Thiud (einst. K.). 

Tutmann s. Thiud (V.). 

Twiete III. auch Tweete, niederd. „Durch- 
gang", bes. zwischen Hecken, in Twietmeyer. 

Typold s. Thiud (V.). 

Tyssen s. Matthias. 



u. 



ühl- s. Othal (V., einst. K.). 

ühle in. niederd. „Eule", in Zus. wie Uhlen- 

hrauk (Eulenbruch), Uhlenkamp — Uhle- 

meyer. 
Ühle s. Othal (einst. K.). 
Ul-, Uli- 8. Othal (V., ernst. K.). 
-um s. Heim LH. 
Umbseheiden III. = Unbesclieiden, vgl 

Walther gen. Unbezhaiden 1304. Schon mhd. 

angeglichen: umbescheiden, das Gegontheil 

von bescheiden d. i. verständig; rücksichts- 

voU. 
Unbehaun UI. doch wohl s. v. a. (in dem- 
selben Bilde) „ungehobelt, unpolirt". Üllein 

der Unbehowen 1352. 
-ung I. Patronymika bildend (s. ing): Adelung 

— abgestumpft -ong: Ajnelong. 
Ungefug HI. mhd. ungefüege „ungeschickt", 

aber auch „übermäßig groß und stark". 

Fridrich Vngevuge 1260. 
-ungen IH. in ON., Nebenf. zu ingen. 

FN. V. Bodungen. v. Kauffungen. Mit- 
unter abgekürzt in -ung: Breitung (0. 
Breitungen). Gerstung (0. Gerstungen). 
Ableitung auf -er: Hagenunger (Baden). 
Ungenannt IH. merkwürdiger N., eig. einen 

Widerspruch in sich selbst enthaltend. 
Unglenk III. mhd. ungelenke „ungelenk, un- 

biegsam". 
Unverdorben III. mhd. unverdorben „nicht 

unglücklich, erfolgreich". 



Unverzagt 



VogltT 



215 



UnTerzagrt lU. mhd. unverzaget „unverzagt, 

nicht blöde". 
UE I. ahd. uro, mhd. ür der „Ur", Auerochs 
(S. 17). 
FN. (ürschalk): Ur schall 
Einstämmige Kürzung Ur-: 
Uro: Auer. 

Yklf. (k) Urico: Urich. 
Urbanns 11. lat. der „Städtische, Höfliche". 

FN. Urban — Orban. 
UtermOhlen lU. niederd. „aus der Mühle". 
Schon Gott. ÜB. 1426 ut der Molen, und 
1488 Utermolen. 
Unlkes s. Othal (einst. K.). 



V. 

(Aussprache des v: in den rein lateinischen 

Wörtern Valentinus, Venator, Victor, Vin- 

cens und ihren meisten Ableitungen weich, 

wie w, in allen übrigen hart, wie f). 

Tadder s. Vater. 

Tagd, Yagedes, Yagts s. Vogt. 

Taland s. Fahland. 

Talentinas II. lat. Weiterbildung von Valens 

„gesund, kräftig". V. Bischof im 5. Jh. 

FN. Valentin; Vallenthin, Wallentin, 

Gekürzt: Valtin — Veiten (mit hartem 

V?). Gen. (lat.) Valentini. — Veltjes 

(ostfries.). 

Taltin s. Valentinus. 

Vaa niederd. = von, vor Ortsbezoichnungen 
zur Bildung von ¥N, (s. von). 

Tandenhoeck lU. urspr. van den Hoek (so 
Klopstock in einem Briefe an Bodmer 1749, 
8. Döring, Klopstock's Leben S. 99), vom 
niederl. hoek „Ecke, Ende". Vgl. Huck- 
meyer (=» Eckmeyer). 

Tanderbrflck, Yanderburgh u. ähnl. s. unter 
Von. 

Yarrentrap III. (zur) „Ochsenspur" (S. 53). 

Yasbender III. „Faßbinder", Bötticher. 

Taßhauer III. „der Fässer zuhaut", Böttcher. 
— Niederd. Vatheuer. 

Yatebender III. niederd. = „Faßbinder" (s. 
Binder). 

Yater III. zu den Verwandtschafts -N. 
Niederd. Vadder, Zus. Bestvater, 

Yatheuer s. Vaßhauer. 

Yedder s. Vetter. 

Yelt 8. Wid. 



-reidt s. Feld. 
Veiten, Yeltjes s. Valentin. 
Venator s. Jäger. 

Yenn III. ahd. fenna, niederd. fenne, nordfries. 

fehn, niederländ. venne, veen „Sumpf, Moor". 

FN. Van der Venne — Venn. Zus. Venne- 

Jcötter, — Inhetveen. 

Yer- in N. wie Vergeest, VerhoeJc, VermÖhr 

len, s. Von. 
Yernaleken lU. „Sohn der Frau Aleke" d. i. 
Adelheid (S. 63). Ver abgestumpft aus fron, 
z. B. Vem Jutten grabin „der Frau Jutta 
Graben" 1319. 
Vetter III. zu den Verwandtschafts -N. Cunrad 
Vetter 1312. 
FN. Vetter. Niederd. Vedder. Zus. Heine- 
vetter (s. Hagan). Trautvetter. 
Vietor s. Bötticher. 

Villmann III. mhd. vellemann „Abdecker". 
Vilmar I. ahd. Filomar, wohl „vielberühmt". 
In der richtigen Aussprache lautet der N. 
nicht Wilmar, wie man so häufig hört, son- 
dern Filmar (was der Verf. aus persönlicher 
Kenntnis mehrerer Glieder der Familie des 
bekannten Litterarhistorikers bezeugen kann). 
Vincens II. lat. „der Siegende" ; mit der Wei- 
terbildung Vincenüus — der' h. Vincentius 
im 5. Jh. 
FN. Vincens; Vincenz, Winzern (österr. 
Schreibung). Zsgz. Ventz^ woraus Vklf. 
Ventzke (Fentzke). 
Visser s. Fischer. 
Vitzthum III. aus lat. Vicedominus. 

FN. Vicedomini. Vitzthum (Viztum 1311). 
Vocke s. Fulc (einst. K.). 
Vogel III. Hermann dict. Vogel 1159. Hans 
der Vogel 1377. 

FN. Vogel, Vogl (Österreich.). Verkleinert: 
Vögeli; Vögelin. 

Zus. Brachvogel. Eisvogel. Grün- 
vogel (nach Bück S. 90 aus mhd. krimvogel 
„Kaubvogel"). Krautvogel. Schreivogel, 
S ehr ey vogl (= Schreier, Charadrius 
vociferans Pott). Waldvogel. Wildvogel. 
Vogelmann HI. „Vogler". Latinis. Orni- 

tander. 
Yogibeer III. „Vogelbeere", die (rothe) Beere 
der Eberesche, womit Vögel, insbes. Kram- 
metsvögel, gefangen werden. 
Vogler III. ahd. fokaläri, mhd. vogelaere 
„Vogelfänger". 
FN. Vogeler; Vogler — Vogler. 



216 



Vogt 



Wahnschaffe 



Vogrt lU. ahd. fokat, fogit, mhd. voget, voit 
aus mittellat. vocatus st. advocatus „Schirm- 
herr"; der von demselben eingesetzte Stell- 
vertreter, daher bes. „Statthalter, höherer 
weltlicher Kichter". Gegenwärtig auch Vor- 
steher ländlicher Gemeinden (in Schleswig- 
Holstein, Westfalen). 

FN. Voget; Vogt, Voogd, Voght — auch 
de Vogt (Mors). Zusammengez. Voit 
(wie Magd — Maid) ; Voitus (der Schluß 
noch vom lat. advocatus). 

Aus der Vermengung beider FF. (Vogt 
und Voit) ist die sinnlose Schreibung 
Voigt ^ Voigdt (mit stummem i) ent- 
standen. 

Niederd. Vagd (Vaget Klemp.). Gen. 
Voigts. Niederd. Vagedes (westf.); 
Vagts. Vklf. (l): Voigtel — Vögtlin. 

Zus. Dreisvogt. Hünervogt, Land- 
voigt. Waldvoigt. Slevoigt; Schleevoigt; 
Schleenvoigt. — Voigtmann. 

(Slavisch: Woita; Woyte; Woith — 
Wota — häufig in den östlichen Pro- 
vinzen Preußens). 

Yohlaud s. Fahland. 
Voigl;, Voit s. Vogt. 
Vol- s. Fulc (V., einst. K.). 
Völ- s. Fulc (V., einst., zweist. K.). 
Von vor Ortsbezeichnungen zur Bildung von 
FN. (S. 52, Adelsnamen S. 57). 

Getrennt: vom Berge; vom Ende; vom 
Felde; vom Kolke (Wassergrube) — 
von der Borch; von der Hey den. 

In eins gezogen: Vondendriesch (neben 
von den Driesch (Brachland); Vomhof 
— Vonderheydt und Vonderheiden. 

Niederd. van (bes. niederrhein.) : van 
Cleve; van Nuyhs; van Geldern — 
van den Bergh; van den Wyngaert 
(hoU.) — van der Beeck (Bach); van 
der Horst; vayi der Moolen; van der 
Venne; van der Voer (holl. von der 
Furt) — häufig mit dem Hauptwort in 
eins gezogen: Vanderhurgh. Vander- 
brück. Vandersee. 

Van der zsgz. in ver: Vergeest („von 
der Geest", Gegensatz zu der „Marsch"). 
Verhoek (s. Vandenhoek). Vermählen 
(„von der Mühle"). 

Voogrd s. Vogt. 
Yörgr s. Ferg. 



Vorm- in. aus vor dem: Vormhaum. Vorm- 
herg. Vormstein. Vormweg — getrennt: 
vorm Walde. 

Vorreiter III. „der fürstlichen Wagen vor- 
reitet". 
FN. Vorreiter; Vorreuter. 

Vorster s. Förster. 

w. 

Waaek s. Wac. 
Waalkes s. Wald I. 

WAC I. ahd. wak „wach", mit der Ableitung 
wakar, wachar, mhd. wacker, wacher „wach- 
sam". 
FN. Wagheri: Wager. 

Wacald: Gen. Wachholtz. 
Einstämmige Kürzung Wac-, Wacar-. 
Vaco, Wecho, Wacar: Wake; Waack 
— Wage — Wache — Wecke — 
Wacker. Gen. Weckes; Wex; 
Wecken. Patr. A. Weckering. 

Vklf. (1): Weckerle, (l + n): 
Wecklein — Weckherlin; Weckher- 
len; Weckerlein. 
Auslautend -acker: Gunnacker. Hein- 
acker. Eothacker. 
Wach- 8. Wac. 

Wächter III. ahd. wahtari, mhd. wahtaere, 
wehter. 

FN. Wächter — Wächter. Zus. Klein- 
Wächter. 
Wadsaek III. mhd. wätsac „Eeisesack, Man- 
telsack". 
Wagr- s. Wac. 

Wagehals IH. Satz-N. „Wage den Hals", in 
älterer F. Wagenhals (Wagehals auch als 
Appellativ noch in der Sprache). 
Waijener III. ahd. waginäri, mhd. wagener 
„Verfertiger von Wagen". 
FN. Wagener; Wagner — mit Umlaut 
Wägener; Wegner. 
Wagenkneeht IH. „Fuhrmann" (s. Elempin 
Memorab. S. 624: wagenknechte = vorlüde 
„Fuhrleute"). Selbst Wagenschieber findet 
sich als FN. 
Wahl- s. 1) Walah 2) Wald (V.). 
Wahn-, Wähnert s. Wahn. 
Wahnschaffe HI. „ungestalt", auch geistig 
„verrückt". 

FN. Wahnschaffe — Warmschaffe; Wan- 
schaff. 



Wähn- 



Wald 



217 



Wfthn- 8. Wan. 
Wahr- 8. War (V., einst. K.). 
Wahrenholtz s. Warin (V.). 
Waibel III. ahd. weibil, mhd. weibel „Gerichts- 
bote, Amtsdiener" (vgl. SchiUer's TeU II, 2). 

Waitzmann s. Wid (einst. K.). 
Wake s. Wac. 

WAL I. ahd. mhd. wal „Inbegriff der Erschla- 
genen auf der Walstatt" (als der von den 
Walkyrien, den Dienerinnen Wuotans, für 
Walhalla Erwählten). 
FN. Walahraban, Walaram (Rahe der Wal- 
statt S. 17): Wallrafen^ Wallraven; 
Walraff Wallraff; Walram. 

Auch in den ff. Namensippen Walah 
und Wald stecken sicher manche Ab- 
leitungen dieses Stammes, die sich aber 
nicht mit Bestimmtheit aussondern lassen. 

Wal- 8. 1) Wal 2) Walah 3) Wald (V., 
einst. E.). 

WALAH I. ahd. walah, mhd. walch „Frem- 
der, Ausländer" (Name, womit die Deutschen 
ihre keltischen und romanischen Nachbarn 
bezeichneten, jetzt „Wälscher"). 

FN. Walahheri: Walcher — Waller — 
Wahler. 
Einstämmige Kürzung Walaho: Wähle; 
Wahl. Gen. Wahlen. 

Vklf. (k) Walicho: Walich — 
Wallich — Walch — Walke. Gen. 
Wallichs — Walkes — Welches. 

Walbert s. Wald (V.). 
WALD L got. valdan, ahd. waltan, waldan, 
mhd. walten „walten". In N. einer der 
ältesten (schon seit dem 1. Jh.) und häufig- 
sten Wortstämme. 

FN. Waldobert : WaUbrecht ; Walbert ; 
Wallber; Walpert — Wollbrecht; 
Wolbert; Wolpert; Wolper (ent- 
stellt Wolbier; Wohlbier) — Wol- 
bert; Wolpert. Gen. Wolbertz; 
Wolpers. Patr. A. Wolperding 
(die mit den Silben Wol-, Wöl- be- 
ginnenden FF. auch zu Wulf). 
Walbodo: Waldpott — Wallpott. 
Waldburgaw.: Waldbarg — Wallburg. 
Walttag: Woldag — Wohltag. 
Waldifrid: Waltfried. 
Waidegar: Walger. 
Waldhart: Waldhard — Wöltert — 
WohUrt — Wöhlert 



Waldhar: Walther (Waltermann); 

Waldherr; Walthier — Welter 

Wolter — Woller — Wohler — 
Wähler. Gen. Wolters — Wohlers 

— Woiiters (ostfries.). Patr. A. 
Woltering — Wollring. Patr. Zus. 
Woller sen. 

Waldhelm: Waldhelm. 
Walderamnus: Waldraf — Wallramm. 
Waldman : Waldmann — Woltmann 

— Wohlmann. 

Waldomar: Waldemar — Wahlmar 

— Woldemar — Wollmar; WolU 
vier (s. auch Wulf). 

Waldorad: Wallrath. 

Waldirih: Walderich — Waltreich. 
Gen. Walrichs. 
Einstämmige Kürzung Wald-. 

Waldo: Waldo; Walde; Wald — 
Walte — Weide — Weite — 
Wold€ — Wolle — Wohl — Wöll 

— Wohl. Gen. Walis. Patr. A. 
Wöhling. 

Vklf. (i) Waldi: Welti (schweiz.). 
(i + n) Waldin : . Weiden — Welten. 
(1) Waltila: Waldele. (k) Waldiko: 
Weldicke; Weidig — Wöldicke — 
Wöltge — Wöhlke. Gen. Wa^lkes 
(ostfries.). (z) Walzo: Waltz — 
Weltze — Woltze. (z + 1) : Wakel 

— Welzel 
Auslautend (253 mal Forst.) : 

-wald: Friedewald. Amwaldt. 

-alt: Haynald. 

-al: Lothai. Gren. -als: Beinais. 
'hals: Göthals. 

-wold: Friedewold. 

'Old: Arnold. Eckolt. Gen. -olz: 
Dedolz. Macholz. 

'hold: Eeinhold. Amholdt. Gen. -holz 
(S. 35): Amholz. Eeinholtz. 

'Ott: Dagott. 

'Ol: Sandol. 

'lot: Macklot. 

'let: Beriet. Heinleth neben Heinelt. 

-elt: Kudelt. 

-et: Amet. Sibeth. 

-eh Gerel (= Gerelt s. Stark 167). 
Wald- s. Wald I. (V., einst. K.). 
-wald s. a) Wald L b) Wald III. 
Wald m. Kaum ist in den deutschen ON. 
irgend ein Begriff durch eine solche Mannig- 



218 



Wäld- 



Wannschaffe 



faltigkeit von Ausdrücken vertreten, als der 
von Wald und Busch. „Waid", schon seit 
dem 7. Jh. nachweisbar, hat sich unter allen 
diesen Ausdrücken am längsten u. allgemein- 
sten erhalten. 1) Wald, -wald 2) Walde, 
-walde (elliptischer Dat. Sg., urspr. walda 
3) niederd. -wold^ -wohld, -wolde. 
FN. 1) von Äuerswald. Eichwald. Grun- 

wald. Maiwald, Osterwald. 

Schwarzwald, Steigerwald, 

2) Bärwalde, Fürstenwalde. Beck- 
lenwalde. Schwachenwalde (-walde 
in PN. selten, da diese F. dann 
meist in -wald gekürzt ist: Ärns- 
wdld, I/uclcenwaldt aus Amswalde, 
Luckenwalde). 

3) Gronewold. Grotewohlt (Itzehoe). 
Ableitung auf -er (oberdeutsch): 

1) ' walder: Taitgwalder, Unter- 
walder. 

2) -Wälder: Grünewälder, Schwarz- 
wälder, 

WÄld- s. Wald I. 
-Wälder s. Wald III. 

Waldmanu a) I. s. Wald I. b) III. mhd. 
waltmann „Einwohner eines Waldes", auch 
„Förster". 
Walger s. Wald (V.). 

Walker III. ahd. walkäri, mhd. walker der 
„Walker", im 16. Jh. noch „Welker". 
FN. Walker — Welcher, Zus. Hudt- 
walcker. 
Wallb- s. Wald (V.). 
Wallentin s. Valentinus. 
Wallfiseh III. wohl urspr. Hauszeichen und 

daher übertragen. 
Walpert s. Wald (V.). 
Wallpott, -ram s. Wald (V.). 
Walt-, Walz- s. Wald (V., einst. K.). 
Waltsgott III. „walte des Gott" (s. Simmer- 
gott). 
Wambold, Wamperllngs s. Wan. 
Wams III. eines der gewöhnlichsten Kleidungs- 
stücke alter Zeit, daher selten als FN. 
WAN I. ahd. altsächs. wan, altfries. wen 
„Glanz, Schönheit". 
FN. Wanbold : Wamhold, 

Wanibert: Wemper. Gen. Wemmers, 

(Vklf.) Wamperlings. 
Wanfrit: Wanfried — Wahnfried, 
Wauegar: Wanger; Wanker — 
Weniger — Wenger; Wenker. 



Wanhard: Wannert — Wahnert, 
Wanulf: Wannloff, 
Einstämmige Kürzung Wan-. 
Wano: Wahn, Patr. A. Wanning 
— Wening, 

Vklf. (k) Wanicho: Wannicke — 

Wanke — Wenige ; Wenig — Wenke. 

WAND I. zu der weitverzweigten Wurzel 

„winden" und „wenden" gehörig; doch ist 

die genauere Beziehung in EN. noch nicht 

genügend erforscht. 

FN. (Wandhart): Wendert, 

Wanther: Wander — Quander. 
Wandemar: Wendemer, 
Wandarich: Wendrich. 
(Wandelt): Wandelt — WendeU, 
Einstämmige Kürzung Wand-. 
Wando: Wände; Wand — Wende; 
Wendt — Quante; Qtuindt. 

Vklf. (k): Wandike — Wendecke. 
(z) Wanzo, Quanzo: Wenz — Quantz. 
(z+l): Qu^ntzel, (z + k): Wenzge; 
Wenzig. 
Wand III. im Sinne von „Steinwand, Fels- 
wand". 

FN. auf -er (oberd.): Hafllwander (Nieder- 
österr.). Steinwenter ; Steinwender (0. 
-wand). 
WANDAL I. zum Volksstamme der „Vanda- 
len" — doch ist es vielleicht nur einfache 
Erweiterung des Stammes Wand. 
FN. Wandalarius: Wendeler. 
Einstänmiige Kürzung Wandal-. 
Wandalus 5. : Wandel — WendeU — 
Wentel — Quentell, Gen. Wendds. 
Wandsehueider III. „Gewandschneider". 
Wanfried s. Wan. 

Wang III. got. vaggs, altd. „Feld, Aue" 
(„gesenkte Fläche" Gatschet, ortsetym. For- 
schungen), vgl. engl wang. In ON. fast 
ausschließlich süddeutsch: Wang, -wang, 
-Wangen (ahd. wangum Dat. Plur.). 
FN. Haldenwang (würtemb.). 
Ableitung auf -er (oberd.): 

1) Berwanger. Dürrwanger. Ell- 
wanger (0. -en). Feuchtwanger. 

2) Gutwenger. ünterwenger (0. 
-Wangen). 

-wang, -wanger s. Wang. 
Wanger, Wank- s. Wan. 
Wann- s. Wan. 
Wannsehaffe s. Wahnschaffe. 



War 



Weg 



219 



WAR I. 1) zu ahd. waren „wahren" 2) zu 
got. vaijan, ahd. warjan, mhd. wem „wehren". 
FN. Warfrid: Gen. Wehrfritz, 
Warger: Werger; Werker. 
Werigo?: Warkos, 
Warlaicus : Warlich — Wahrlich — 

Werlich. 
Waraman: Wehrmann, 
Warmut: Warmuth — Wermuth, 
(Werwin): Werwein, 
Waraulf: WerUmff, 

Einstämmige Kürzung War-. 
Ware, Wero: Ware — Werr — 
Wehre. Gen. Werr es — Wehrs; 
Weeren. 

Vklf . (i) : Werry — Weh/i< (1) : 
Werle — Wehrte — Wörle — 
Guerle, Patr. A. Warling — Wer- 
ling. (1 + n) Waralenus : Wehrlein, 
(k) : Wahrig — Wehrig — Quercke 
(Guericke?). Gen.Trern6s(08nabr.). 

^ARD I. got. vards, ahd. warto, mhd. warte 
„Hüter, Wart". 

I'N. Wartman : Wartmann — Wortinann. 
(Wartold): Warthold; Warthol, 

Einstämmige Kürzung Ward-. 

Warto: Warth, Patr. A. Warting, 
Vklf. (1): Wardel, (k): Wartig. 

Auslautend (107 mal) Forst.) : 
'WaH: Herwart. Ahlwardt. 
'Wort: Markwort. Dankworth. 
-werth: Dankwerth. 

VARIN I. Erweiterung von War. 

FN. Warinbold: Warnebold — Warmbold 

— zsgz. Warmbt — Wehrenbold, 
Werinperaht: Wehrenbrecht, 
Warinfrid: Warnefried. 
Warengar: Warneger — Werniger — 

Wehringer, 
Werinhard: Wernhart; Wernert; 

Werneth (Baden) — zsgz. Werndt, 

Gen. Warnders (ostfries.). 
Warinhori: Warnherr; Warner — 

Wernher; Wernherr; Werner 

(Wernermann) — Wörnhör; Wör- 

ner. Gen. Warners, 
Werinolt : Gen. Wahrenholtz — Warn- 

holtz. 
Einstämmige Kürzung Warin-. 
Warin: Wern — Wörn. Gen. Wams. 

Patr. A. Warning — Werning, 



Yklf. (i): Werny, Q): Werndl; 
Werndla (München) — Wörnle, 
(l + n): Wernlein. (k): Warnicke 
— Wernicke; Wernigk, Gen. War- 
nekes; Warnken — Warrentjes; 
Warnt Jen (beide ostfr.). Patr. A. 
Werneking (entstellt Warnkönig), 
(z): Wernz — Wörnz, (z-fl) Wezil 
(Stark 93 = Werinhard, aber auch 
Werinhari 94): Wetzet; Wessel, 
Warkos, Warl- s. War. 
Warm- s. 1) War 2) Warin (V.). 
Warn- s. Warin (V., einst. K.). 
Warrentjes s. Warin (einst. K.). 
Wart- s. Ward. 

Wasser III. ahd. wa^ar, altsächs. watar. In 
ON. -Wasser, -water, 
FN. Altwasser, Bornwasser, Kattwasser, 
(Auch FN. Waterfatl,) 
Wast- s. Sebastianus. 
Waterbeeker III. niederd. „der mit Wasser 

backt". 
Wayant s. Wig (Part.). 
Waydelin s. Wid (einst. K.). 
Waypold s. Wig (V.). 
Weber III. mhd. webaere. 

FN. Weber (häufig). — Zus. Dünnweber. 
Leinweber; Linneweber, Bosenweber, 
Scharnweber, Vestweber, Wollenweber; , 
Wottweber; Wullenweber; Wülten- 
weber, Niederd. Wever, 
Webert, Weehmar s. Wig (V.). 
Weck- s. Wac. 

Weckesser III. Spottname — ob , wie Vilmar 
will, für Keformirte, die sich beim h. Abend- 
mahle nicht der Oblaten, sondern der Wecken 
bedienen, bleibe dahingestellt. 
Wed- s. Wid (V., einst. K.). 
Wedd- s. Wid (einst. K.). 
Wede III. ziemlich sicher zu ahd. witu, mhd. 
wite Holz d. i. „Wald". In ON. -wede, 
auch wohl -wied, -wieden, 
FN. Eichioede, von Holwede, Marwede, 
Schmatwede, Schwanewede. 
Wedel III. ungewisser Bed. (ahd. widil Sumpf?) 
— heutzutage in etwa 30 bewohnten örtem. 
FN. Wedel, von Wedelt. Krautwedel, 
Marwedel, Saltzwedel. Steinwedel, 
Weer- s. 1) War (einst. K.) 2) Wig (V.). 
Weg III. got. vigs, ahd. weg, mhd. wec, in 
ON. seit dem 8. Jh. — nicht bloß für Wege, 
sondern auch für bewohnte Örter, 



220 



Weg- 



Weppner 



FN. Höllweg (0. Hollwege) — niederd. 
Hahlweg. Nieweg. Steinweg (amerika- 
nisirt Steinway in Neu -York). 
Ableitung auf -er (oberd.): 

Hollenweger, Kirchweger („der am 
Kirchwege wohnt" Pott). Rittweger. 
Sachsenweger. Zollweger. 
Wegr- 8. Wig (V., einst. K.). 
Wegner s. Wagner. 

Weh- s. 1) Wid (V.) 2) Wig (ernst. K.). 
Wehr- 8. War (V., einst. K.). 
Wehrenhold, -brecht s. Warm (V.). 
Wehrenpfennig III. Satz-N. „wahre den 
Pfennig", ein Pfennigfuchser; vgl. Hüdepennig 
' (Bremer Wß.). 
Wehringer s. Warin (V.). 
Wehrmann a) I. s. War b) III. mhd. wer- 

mann „Gewährsmann". 
Wehrmeister III. „Aufseher eines Wehres". 
Weih- s. Wig (V., zweist. K.). 
Weich-, Weick- s. Wig (V., einst. K.). 
Weid- s. Wid (V., einst. K.). 
Weidemann, Weidmann a) I. Wid b) lU. 

mhd. weideman (S. 40). 
Weig- s. Wig (V., einst. K., Particip) — doch 
Weigang s. Wid. 
Weihhrecht s. Wig (V.). 
Weihnacht III. einer der „zu Weihnacht ge- 
boren". 
Weile- 8. Wig (V., einst. K.). 
Weiler III. ahd. wiläri, mhd. wiler „einzelnes 
Gehöft; kleines, aus wenigen Gehöften be- 
stehendes Dorf". In ON. außerordentlich 
häufig im Südwesten Deutschlands von der 
Schweiz bis nordwärts nach Köln und Aachen. 
FN. Weiler, Ährweiler. Derichsiveiler. 
Dettweiler. Eschweiler. Kunzweiler. 
Lindweiler. Mönchweiler. Scheidweiler. 
Trierweiler. 

(In manchen Fällen ist -weiler auch 
oberd. Ableitung von ON. auf weil: 
Bothweiler vom 0. Eothweil in Baden.) 
Schweiz. Nebenf. -wyl: von Watten- 
wyl. Beriswyl (romanis., Freiburg). 
Göschwiel (Baden, neben 0. Göschweiler). 
Weiling s. Wig (einst. K.). 
Weimann s. Wig (V.). 
Wein- 8. Win (V., einst. K.) — doch 
Weinand s. Wig. 

-wein s. a) I. Wm (Trautwein) b) III. Wein 
in ON. (Keitwein) c) III. Wein als Getränk 
(Sauorwein, Mengewein). 



Wein in. in ON. wohl zu got vmja, abd. 



winne „Weide". 



FN. Beitwein. ScMettwein, 
Wein III. als Getränk in einigen Zus., die 

jedoch fast alle zweifelhaft sind, da hiörbo. 

das altd. Wm stark hereingreift (S. 46). 
FN. Ältwein. Gutwein. Kühlwein. Menge- 
wein. Sauerwein. 
Weinbrenner III. Branntweinbrenner (MaA 

Gewerbe-Verz. „Weinprenner"). 
Weinmann a) I. s. Win b) m. mhd. wimon 

„Wembauer; Wemscbenk" („Weinhändkr*, 

im ältesten Berliner Stadtbuche von 1397^ 
Weinstoek III. z. Th. wohl durch Häuser-X 

vermittelt, wie auch Weintraub, vgl (jas( 

hof „zur Traube". 
Weinzierl III. (bair.) „Winzer" (Fiöhwr 

Karlsruher Namenb. S. 21). 
Weippert, Weirich s. Wig (V.). 
Weis- 8. Wis. 
Weiß a) 8. Wid und Wig (einst. K.) b) Ifl. 

der „Weiße" d. i. Weißhaarige (HellWowfe). 

Vgl. Weißhaar. 

FN. Weiße; Weiß. Niederd. de U 
(Kleve); Witte. 
Weißermel III. s. Ermel (= „Mülto:"?). 
Weißgerber III. mhd. wi^gerber der J» 

Leder weißgar bereitet". 
Weit- 8. Wid (V., einst. K.). 
Weitz- 8. 1) Wid (einst. K.) 2) Wig («t 

K.). 
Welches s. Walah. 
Welcker s. Walker. 

Weld-, Welt-, Welz- s. Wald (V., einstl). 
Well- 8. Wil (V., einst. K.). 
Wemmer, Wemper s. Wan. 
Wend- 8. 1) Wand 2) Winid. 
Wendel- s. Wandal. 
Wendemath III. Satz-N. „der seioen Sim 

leicht ändert". 
-wender s. Wand III. 
Wenger s. Wan. 
-wenger s. Wang. 
Wenig 8. Wan. 
Wenk- 8. Wan. 
Wenndrich s. Wand I. 
Wentel- s. Wandal. 
-wenter s. Wand III. 
Wenz- 8. Wand. 
Wepold 8. Wig (V.). 
Weppner III. mhd. waepenaere, weppeoa 

„GewaSheter, Schildknappe". 



Wer- 



Wid 



221 



Wer- 8. War (V., einst. K.). 
Werd- 8. Wird. 

Werder 8. a) I. Wird b) IIT. Werth. 
Wem- 8. Warin (V., einst. K.). 
Werr- s. War (einst. K.). 
Werth- 8. Wird. 

Werth III. ahd. warid, mhd. wert (von war- 
jan, schützen, wehren), erhöhtes, gegen 
Überschwemmung gesichertes Land in Flüs- 
sen oder zwischen Sümpfen, auch im oder 
am Meere: „Werd, Insel". Schon seit dem 
8. Jh. in einer nicht geringen Zahl ON. — 
jetzt besonders in den FF. -werth, -wörth, 
'Worth; - werden , worden. Neuere F. 
'Werder. 
FN. (bes. in Nordw.-D.) 1) aus'm Werth. 
Neuwerthy niederd. Niewerth. Peter- 
werth. Eottewerth. Schönwerth. — 
Berenschwerdt (neben Behrenswerth — 
Münster). Hessehchw&i'th (st. Hessels- 
werth „Eiland des Hezilo" Steub S. 152 
— wie Ermschwerd a. d. Werra aus 
Ermeswert „Insel des Ermo" s. Andresen 
Volksetymologie S. 52). So auch wohl 
Kockschwerdt aus Kockswerth. 
2) Eggenwörth. Kleinedingwörth. 
3)t?. AllwÖrden. 
Wessel 8. Warin (einst. K.). 
Wesseler III. niederd. = Wechsler, 
WEST I. ahd. wcstan, mhd. westen. 

FN. (einstämmig): West, 
WESTAR I, Erweitemng des Stammes West 
(Westrat, Wistremar). 
FN. (Westerman): Westermann. 
(Westerih): Westerich. 
Einstämmige Kürzung Westar-: Patr. A. 
Westerling. 
Wester III. althd. westar, mhd. wester „west- 
wärts, im Westen", in mehreren Zus. wie: 
( Westermeyer f 'tnillies. 

Westermillies s. Aemilius. 
Westphal III. em „Westfale". Auch West- 

fehling. 
Wett- 8. Wid (ernst. K.). 
Wetter III. in mehreren Zus.: Bösewettei'. 
Brausewetter, Faulwetter, Kuhlwetter. 
Schönwetter — wohl mit Bezug auf Cha- 
rakter und vorherrschende Stimmung, wie 
man von jemand sagt, es sei „bei ihm Gut- 
wetter, Schlechtwetter", er sehe aus „wie 
acht Tage Eegenwetter" u. Ähnl. 
Dagegen Kiesewetter imperat. 



Wetzel s. Warin (einst. K.). 

Wever s. Weber. 

Wex s. Wac. 

Wey- andere Schreibung st. Wei- s. Wig (V., 

einst. E.). 
Wlard- 8. Wig (V.). 
Wih- 8. Wig (V., zweist. K.). 
Wich-, WIek- s. Wig (V., einst. K.). 
WID I. zu got. vidus, ahd. widu, witu, mhd. 
wite „Wald" (noch im Engl, wood vom 
angels. vndu) — wenn auch das Eigenschaf tsw. 
wit „weit" hereinspielen mag. Seit dem 4. Jh. 
FN. Witbald: Wüthold, 
Widbert: Weithrecht. 
Witbrannus: Withrandt, 
Widpurc w.: Widehurg, 
Widukind: Widekind — Widdekind 

— Wittekind — Wedekind — 
Wehkind, 

Widugang : Wittgang — Wiegang — 

Weigang. 
Witgar: Widiger — Wediger, 
Withard: Witthard — Weidert, 
Withar: Witter — Wieder (Wieder- 

mann) — Wieter — Weder (We- 

dermann). Gen. Wieders — Wie- 

ters. 
Withelm: Widhalm, 
Widolaic: Weidelich — Weitlich — 

Wedlich, 
Widiman: Widmann — Wittmann 

— Wiedemann — Weidemann; 
Weidmann — Weitmann — Wede- 
mann. 

Widiomar: Widmer — Wittmar; 
Wittmer — Wedemar, 

(Widimod): Wiedemuth, 

Witirih: Wittnch, 

Widald: Witold; Witholdt — Wüde- 
wald. Gen. Wittholtz — WiethoUz, 
Einstämmige Kürzung Wid-. 

Wide, Wito: Witte — Wiede — 
Weide — WeiUie — Wede — 
Quidde — (Vieth u. Veit durch Ver- 
mittlung des latinis. Yitus). Gen. 
Wiets. Patr. A. Witting — Wie- 
ding — Wieting, 

Vklf. (1): Wittel — Weidel; 
Weidle. (l + n)Widulm: Wayde- 
lin; Weidlin, Patr. A. Wittling 

— Wiedling — Weitling, (k) Wi- 
duoo: Widdig — Wittcke; Wittge ; 



Widd- 



Witlig — Wieddielie — WeUig; 
WeÜke — Wedigo (Wedig als VN, 
noch jetzt in d. Familie v. d. Osten) ; 
Wedeke — WeUke. Gen. WUtickm 

— Weddi^n — Wedigen — Wett- 
ken — Wietjes (oatfries.). Patr. A. 
Wedeking, (z) Witiza, Wizo: Wietzt 

— Weitse (Waitzmann) — Wyß 
(Weiß), (z-f-l): Weiteel. (z + k): 
Wieiike. 

Widd- 9. Wid (V., einst, K.)- 
Widemorter HI. entstellt in Widemarkter 
„der für die Holiraark (witu) za sorgen hat" 
(Vilm.). 
Widmer a) I. a. Wid b) mhd, wideraer der 
Bauer, welcher „den Widum (ahd. widiira, 
mhd. trideme) d. i. das Kirchengut bebaut". 
FN. Widmer; Wütmer — auch Wimmer 
(Heinrich der Wimmer 1294 Bacni.). 
WIek- 8. Wig (V., zweist. K.). 
WIech-, Wleck- s. Wig (V., oinet. K.). 
Wled- s. Wid (V., einst K,). 
Wieg- e. 1) Wid (V.) 2) Wig (V., einst, K.). 
Wle^elmesser III. deuU, Gerätb-N. (S. 44). 
Wlehle 8. 1) Wig (einst, K,) 2) Wil (eioat, 

K.). 
Wiehn 8, Win (einst. K,). 
Wiek- 8, Wig (V., ernst. K.). 
Wiel- 1} Wig (V.) 2) Wil (V., einst. K,). 
Wiem- s. Wig (V.). 

Wien- s. 1) Wig(V.) 2) Win (V,, einst K,). 
Wiener IIl. schon im 14. Jh. (S. 56 Anm.), 
Wlep-, Wler- s. Wig (V.). 
Wies- B, Wi8, 

Wiesand III, abd, wisaut, mhd. nisent 
„Büßelochse ", noch im Nihelungenliede er- 
wähnt 
WlCBlmumlll. mhd. wisbaum, ein Baum, der 
oben auf den Heuwagen gelegt, zur Befesti- 
gung des Heuee dient ■ Auch Hewbaum. 
Wleae HI. abd. wisa, mhd. wise. 

FN. Binneviies. Veppenwiese. — Wiese- 
meyer. Niederd, vonder Wi«ch. VeipeTt' 
wisch. Feldrdsch. Goseurisch. Meyer- 
wisch (westf.). Sethniseh. — Wiseh- 
mann. Wischmeyer. 
Ableitung auf -er: 

-wieser (oherd.): Breitivieser. Omein- 

wieaer. Hohenwieser. 
• Wischer (westt.): Sudwischer. 
Wieswell in, Sati-N, „wie es welle (wolle)" 
d. i. geh es, wie es woUe (S. 51). 



WIet- B. Wid (V,. einst K.). 
Wietz- s, Wid (einst K.). 
WIG I, ahd, wig, wie, mhd. wie „Kampf. 
(Mischt üich mit wth Heiligthum und wid 
Wald.) 
FN. Wigibald; Wicibdld — WieboU - 
Waypold — Wepold. 
Wigherht : Wiepreeht ; Wiepert; 
Wüiier — Wipprecht; Wippet — 
Weypreeht; TTetAtredri ,- Wei- 
bert; Weippert — Webert. Gen, 
Wiegberts — Wiebers — WAeli 
(ostfrieB,). 
Wigbrand: Wipper». 
Wigbard: Wigard — Wickert — 
Wiggert — Wickardt — Wichardt 
Wei^hardt; Weigardt — Weikerl 

— Weichhardl; Weicharl; Wei- 
chert — Wegert. Gen. Wiegarl! 

— Wickerts —■ Wiards (ostfries.) 

— Wicrds (Wierdsiiia). Gen. Flur. 
(ostfries.) Wiarda; Wyerda; Wey- 
erda; Weerda. 

Wigheri (im Zusamnienflufl mit Wig- 
gar) : Wieger — Wieeker — Wig- 
ger — Wichet — Weiger — Weger 

— Weyer (Weyermann). Gen. 
Wiegers — Wiggera — Wichen 

— Weichers — Weyers — Wiett 
~- Weers. Patr. A. Wigeriiijj. 
Patr. Zus. Weyerssen — Weermm 
(beide oslfries.). 

Wicbraban: Wygram. 

Wigleip; Wiegleb — Wielepp — 

Weylepp. 
Wigland: Wiegland. 
Wigman: Wigmann — Wiechmtum 

— Wiemann — Weichmantt — 
Weickhmann — Weimann — Weg- 

Wigmar: Wiemar; Wiemer — Weck- 

mar. Gen. Wiemers. 
Wigmunt; Wiegntund — Wegemund. 
Wignand: Wtenoitd (Guinand) — 

Weinand. Gen. Winands — Weg- 

nands. 
Wigiricb : Wegerich — Weirich. 
Wigold: WiecheU— Weygold; Wei- 

geU; Weigt^ WetcAoM; WeidAold 

— Weydld. 
(Wigwart): Wegwerth. 



Wig 



Win 



223 



Einstämmige Kürzung Wig-. 
Wigo, Wicco, Wego: Wieck — Wigge 

— Wicke — Wiche — Weig — 
Weicke — Weiche — Wey — 
Wego; Wege — Wehke. Gon. 
Wieken — Weiks — Weyen. 

Vklf. (1) Wigilo: Wiegel (Wiegel- 
mann) — Wiechel — Wdgel; Wei- 
gele (schwäb.) — Wdchel — Wegel 

— WiehU. Gen. Wiegels. Patr. 
A. Weüing. (1 + n) : Wicklein — 
Weigelin — Wegelein, (z) Wegezo, 
Wizo: Witze; Witz — Weitz 
(Weiß), (z + 1): Wizel; Witz- 
schel, (z + k) : Witzke — Weitzke. 

Zweistämmige Kürzung Wigb-. 
Wibo, Wippo (Stark 118, aber auch 
zu Wid und Wil) : Wiebe •— Wippo 
(Münster). Gen. Wiehert. 

Vklf. (1) : Wibel - Wippel Gen. 
Wiebels. — Weibels. (1 + n) Wibe- 
lin: Weiblen. (k): Wiebecke — 
Wippich. Patr. A. Wiebeking. 
Participiale Bildung: Wigand (der 
„Kämpfende") ; Wiegent — Weigand ; 
Weigend — Weiand, Wayant. 
Auslautend (86 mal Forst.) : 
-wig: Hartwig. 
-wich: Hartwich. 
Wig: ni. got. veihs, ahd. wich, fries. u. alt- 
sächs. wik — entsprechend dem lat. vicus. 
Seit dem 7. Jh. in ON.: -wig^ -wiek^ -weig. 
FN. Brunswig. Braunschweig. Bardo- 
wicks (Harburg). 

Ableitung auf -er (oberd.): Braun- 
Schweiger. 
Wiggr- 8. Wig (V., ernst. K.). 
WIL I. got. vilja, ahd. wiljo, mhd. wille 
„Wille". In PN. seit dem 5. Jh. nach- 
weisbar. 
FN. Willabald: Wüibald. 

Willaperht: Wilbrecht; Willbarth; 

Wilpert — entstellt Wildbret. Gen. 

Wilbertz; Wübers. Patr. A. Wil- 

berding. 

( WiUibrand) : Willebrandt ; WiU 

brand. 
Williprort: Willebrord. 
Wiliafred: Wilfert; Wtlfer; WiU 

fahrt. 
Williger: Williger; Wilkher. 
Willigard: Wülgert. 



Willihard: Williard; Willard; Wil- 
lert; Willet. Gren. Wilts (ostfries.). 
Patr. A. Willerding. 

Wiliachar: Willer — Wieler — Weller 
(Wellermann). Gen. Wielers. 

Willahalm 8.: Wilhelm; WiUialm, 
entstellt Wilharm (oft Willermus, 
Guillermus 10.^-11. Jh.) — zsgz. 
Wilm — latinis. und im Anlaut 
gekürzt Heimus. Gen. Wilhelms — 
(lat.) Wilhelmi, in eigenthümlicher 
Schreibung Wilhelm j — Willems; 
Wilmes ; Wilms ( Wilmsnieyer). 
Patr. Zus. Wülemssen — Wilmsen. 

Willicumo: Willkomm. 

Williman: Willmann — Wellmann. 
Gen. Wilmanns. 

Willimar: Willemer; Willmar. Gen. 
Wilmers. 

Willimot: Willmuth. 

Willirat: Willrath, Willradt. 

Willierich: Würich. 

Wilitanch: Wildang. 
Einstämmige Kürzimg Wil-. 

WiÜa, WiUo : Wille — WiehU — Welle. 
Gen. Willes. Patr. A. Willing — 
Wieling — Welling. 

Vklf.(k): Willeke; Willige; Wil- 
lich; ^ilko; Wilcke. Gen. Will- 
kes. (k + n) Willikin: Wüleken; 
Wilken. Gen. Willikens; Wilkens. 
Patr. A. Wilkening. (z) Willizo: 
Wiltz; Wiltsch. 
Wil-, Will- s. Wü. 
Wimmer s. Widmer. 

WIN I. ahd. wini, mhd. wine „Freund". Seit 
dem 5. Jh. 
FN. Winibald: WeinptM. 

Winipreht: Weinhrecht. 

Winidrud: Weiwtraud, Weintraut. 

Winiger: Winniger — Winiker — 
Winker. 

Winigard: Weingardt. 

Winihart: Wienert — Weinhart; 
Weinardt; Weinert. Gen. Win- 
nertz. 

Winiheri : Weiner. 

Winileih: Wevnlig. 

Winiman: Weinmann. 

Winimar: Weinmar, 

Winirich: Wienrich — Weinrich; 
Weinreich, 



-V»! 






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Wlnutbaci: Wimuur — Wmar. Yiir" 



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-Tis. 



1 



Wittkugol 



Wulf 



225 



Wittkttgel III. oinor „mit weißer Kapuze" 

(S. 45). 
Witz-, Wizel s. Wid (einst. K.). 
-witz 8. -itz. 

WOD I. zu got. vods wütend, besessen, ahd. 
wuotan, rahd. wüeten „wüten" — mit Be- 
ziehung auf "Wuotan (S. 13). 
FN. (AVodger): Wüdiger. 

(Woderih) : Woderich — Wottrich — 
Wudrich — Wuttrich. 
Einstämmige Kürzung "Wod-. 

Woto: Wode — Wothe - Wöde — 
Wude — Wuthe; Wutli. 

Vklf. a) Wodal : Wödel. (1 + n): 
WöUlin, (k) Wodicho: Wodicke — 
Wothge — Wottke — Wudicke — 
Wuttke — Wüttig. (z) Wuzo: 
Wutzo. 
Wöd- s. Wod. 

Wohl-, Wohl- s. Walt (V., einst. K.) - doch 
Wohlfromm s. Wulf. 

Wohlgemuth III. zu den von Eigenschaften 
entlehnten N. (S. 48). Hainr. Wolgeraut 
1390; entstellt in Wölke luuuth. 
Wohlschlegel III." entstellt aus Wollschlegel 

= „Wollschläger". 
Wohn- s. Wun. 

Wölb-, Wölb- s. 1) Wald (V.) 2) Wulf (V.). 
WOLC I. ahd. wolkan, mhd. wölken „Wolke" 
— in Wolkmar, Wolchanhart u. A. 
FN. Wolchanhart: Wolkenhaar ^ entstellt 
Wolkenhauer (Fick). 
Einstämmige Kürzung: Wolke; Wölck 
— Wölke (auch zu Wald = Waldiko). 
Wold- s. Wald (V., einst. K.). 
Wöldicke s. Wald (einst. K.). 
Woldgrebe III. „Aufseher eines Waldes" s. 

Graf. 
Wolf a) I. s. Wulf — bes. in Zus. wie Ber- 
wolf\ Hertwolf, Streitwolf. 

b) III. vgl. Petrus dictus Lupus 1390 
Köln. Univers. Matr. — Zus. Weißenwolf, 
wohl elliptisch „zum weißen Wolf". 

Als jüdischer N. für Benjamin mit Be- 
ziehung auf den Segen Jacobs 1. Mos. 49, 27. 
Wolf-, WöIf- s. Wulf I. (V., einst. K.). 
Wolfshand, Wolfshelm, Wolfskehl (Philipps 
Wolfskele 15. Jh.), Wolfskinn III. zum 
Theil in dem uralten, heidnischen Glauben 
des Volkes wurzelnd. 
Wölk-, Wölke s. 1) Wald (einst. K.) 2) Wolc. 
Wolker s. Wulf (V.). 

Heintze, Deutsche Familien -Namon. 



Woll-, WöU- 8. 1) Wald (V., einst. K.) 
2) Wulf (V.). 

Wollenschläger III. mhd. woUensleger der 
„durch Schlagen die Wolle reinigt und ver- 
arbeitet". Auch Wollschlägel- . 

Wolp-, WWp- s. 1) Wald (V.) 2) Wulf (V.). 

Wolt-, Wölt- s. Wald (V., einst. K.). 

Woltemate III. niederd. „wohl zu Maße" (der 
das rechte Maß zu halten weiß). Auch 
Woltemade; Woldevnatl^e — halbhochd. 
Woltemas. 

Wolzogen III. „wohlgezogen". 

WÖniger s. Wun. 

Wörn- s. Warin (V., einst. K.). 

Wortmann s. Ward. 

Woth-, Wott-, Wöttlin s. Wod. 

Wouters s. Wald (V.). 

Wucherer III. ahd. wuocharäri, mhd. wuo- 
cheraere, urspr. ohne ungünstigen Nebenbegriff 
(so noch bei Luther, Ev. Luc. 7, 41 — 42). 

Wud-, Wüdiger s. Wod. 
Wulbrauds s. Wulf (V.). 
Wulf- s. Wulf (V., einst. K.). 
Wulf- s. Wulf (ernst. K). 

WULF 1. got. vulfs, ahd. mhd. wolf, altsächs. 
wulf „Wolf", das dem Wuotan heilige Thier 
(S. 17). Seit dem 4. Jh. (Vulfila der West- 
goten-Bischof) in EN. nachweisbar, über 
alle deutschen Stämme verbreitet. 
FN. Wolfbald: Wolhold. 
Wolbero: Wollenbär. 
Wulfbert: Wolpert — Wölpert. Gen. 
Wolberts; Wolbrigts(o8t[ne8.). Patr. 
A. Wolperding. 
Wolfbrand: Wullbrand — Wolbrand. 

Gen. Wulbrands — Wolbrands. 
Wolfgang: Wolfgang. 
Wolfker: Wülker — Wolker. 
Wolfgard w. : Wolfgart. 
Vulfhard: Wulffert ~ Wolffhardt; 
Wolfart (WohlfahrtJ ; Wolfert; 
Wolf&r — Wolfert; Wolf er. Gen. 
Wolferts. 
Vulfhar: Wolfer; Wolfermann — 

Wölfer. Gen. Wolfers. 
Wolfhraban: Wolfram; Wolf gram; 
Wolfrom; Wolfrum — (umgedeutet) 
Wohlfromm. 
Vulfolaicus: Wolf lieh. 
Wulflaib: Wulfleff--- Wolleib. 
Vulfrad: Wolfrath, Wolfradt. 

15 



226 



Wülker 



Zamel 



Wolfrun w.: Wolfrun. 
ülfoard: Wöllwarth, 
Einstämmige Kürzung "Wolf-. 
Vulfo: Wulf— TFoZ/f (als Vom. z. B. 
Wulff Pudwils 1453 Pomm. ürk.). 
Gen. Wolfes; Wolfen, Patr. A. 
Wülfing — Wölfing. 
Vulfin: Wulffen. 

Vklf. (1) Vulfila: Wolfel - Wölfel 
Patr. A. Wölßing. (1 + n) Wulfo- 
lenus: Trö7/7m.(k)Vulficho: Wülfke. 
Gen. Wülfken — Wölfken. 
Auslautend, häufiger als jede andere 
Wurzel (377 mal Forst.) : 
'Wolf: Hertwolf. 
'Ulf: Kierulff. 
- olf (olph) : Landolph. 
'Uf: Dieruf. 
-of: Margoff. 

-auf: Gangauf (Gangolf). Bitterauf. 
-lof: Dettiof. Osterloff. 
'lauf: Kolauf und Rudiauf neben Ru- 
dolf, Heidelauf neben Heideloff (Hei- 
dolf). 
'lef: Bertleff. Garleff (bei Klemp. 
Gerloff, Gerleff als derselbe N.). 
Wülker, Wullbraiidt s. Wulf (V.;. 
Wullenweber, WüUenweber = Wollenweber 

s. Weber. 
WüN I. wohl zu ahd. wunna „Wonne". 
FN. Vunniger: Wönige^'. 
(Wunnihart): Wöhnert. 
Wunnaheri: Wöhner. 
Einstämmige Kürzung Wun-, 

Wunno: Wu/nn — Wünne. Patr. A. 
Wünning — Wöhning, 
Yklf. (k) : Wunnecke — Wüncke. 
Wann-, Wüncke, Wünn- s. Wun. 
Wttrdele s. Wird. 

Wurm III. got. vaürms, ahd. mhd. wurm 
„Wurm; Schlange, Drache". 
FN. von Wurmh; Wurm, 
Zus. Goldwurm, Käsewurm, lAndwurm. 
Maiwu/rm, Rußwurm, 
Wurst m. das deutsche Nationalessen (S. 46). 
FN. Wurst (Hans Wurst 1441). Vklf. 

Wü/rstlin. 
Zus. Blutwurst. Knackwurst, Kraut- 
wu/rst. Leberwurst. 
Wurster III. mhd. wurstaere „Wurstmacher". 
Würthle s. Wird. 
Wuth-, Wüttigr, Wuttrich, Wutzo s. Wod. 



Wyerda, Wygrram s. Wig (V.). 

-wyl s. Weiler. 

Wyn- s. Win (einst. K.). 

X. 

Xander II. s. Alexander. 



T. 

York — in Hinterpommern, etwa eine Meile 
von Bütow, liegt das adelige Gut Groß- 
Gustkow, von früher her unter mehrere 
Familien pommerschen Landadels vertheilt. 
Eine dieser altkassubischen Familien waron 
die Jorken oder Jarken, eines der unzäh- 
ligen armen Adelsgeschlechter des slavischen 
Landes. Schon im Beginne des 17. Jahrb., 
im J. 1607, findet man Lehnbriefe der Jorken 
zu Groß-Gustkow — ein Beweis, daß der 
nachmals berühmteste Träger des Namens, 
der Feldmarschall York von Wartenburg, 
irrte, wenn er behauptete, von dem hoch- 
berühmten englischen Geschleclito der York 
abzustammen; ein Zweig derselben sollto in 
der Mitte des 17. Jh,, etwa 1650, erst nach 
Schweden ausgewandert und von dort nach 
Pommern gekommen sein. 



z. 



Zaeharias II. hebr. „Jehova gedenkt" 1) ein 
Prophet des A. T. 2) der Vater Johannes 
des Täufers. 

FN. Zachariae — Zacher. 
Zagrel III. ahd. mhd. zagel „Schwanz" in 
mehrf. Zus. (die z. Th. wohl ON. smd, vgl. 
Hasenzagel). 
FN. Rattenzagel — gew. zsgz. -zahl: 
Hasenzahl, Lämmerzahl, MäusezdliL 
Voszal. Weibezahl. 
-zahl s. Zagel. 

Zahn III. doch wohl nach einem irgendwie 
ungewöhnlichen Zahne, vgl. lat. Dento, Den- 
tatus (Pott). 

In mehreren Zusammens.: Berzahn (= 

Eberzahn); Weihezahn (= Wackel-), vgl. 

Scharfzahn 1427; — doch nicht hierher ^ 

Yiong Maltzan , welches slavisch. Urspr. ist. 

Zaiser, Zaitz s. Zeiz. 

Zamei s. Samuel. 



Zehender 



Zybrandts 



227 



Zehender III. „Zehntenerheber" (Appo der 
Zehender 14. Jh.). 
FN. Zehender; Zehntner. 
Zeidler III. ahd. zidaläri, mhd. zidelaere 
„Bienenzüchter", bes. mit Hinsieht auf die 
fmher im Großen betriebene Bienenwirtschaft 
im Walde. Die Zeidler bildeten eine Ge- 
nossenschaft mit besonderen Satzungen und 
Hechten. 
Zeis-, Zeiß- s. Zeiz. 

Zeit III. in Zus.: Guttzeit (vgl. franz. Bon- 
temps). Liebzeit. Neuenzeit (elliptisch = 
zur neuen Z.). 
ZEIZ I. ahd zeiz „zart", altnord. teitr „froh" 
(herteitr „triegesfroh", Beiname Odhins). 
FN. Zeizperc: Zeisberg. 
(Zeizger) : Zeisiger. 
Zeizher: Zeißer — Zaiser. 
Einstämmige Kürzung Zeiz-. 

Zeizo: Zaitz (Zeitzmann) — Zeiße; 
Zeyß — Zeise. Patr. A. Zeißing 
— Zeisivg. 
Zell DI. lat. cella, zur Bezeichnung von 
Klöstern angewendet, seit dem 8. Jli. nach- 
weislich in Manegoldescella u. a., einfaches 
Cella schon in demselben Jh. weit verbreitet. 
Jetzt 'Zell. 
FN. Zelle, von Laubei'szell. 
Ableit. auf - er (oberd.) : Zeller. Appen- 
zeller. FinJcenzeller. Pfaffenzeller. 
Zentgraf III. der einer „Cent d. i. Hundert- 
schaft Vorsitzende Graf". Cuntz ZentgrefF 
15. Jh. 

FN. Zintgraf — Zinhgreff. 
Zeyß 8. Zeiz. 
Zickendrath III. Satz-N. „zücke, ziehe den 

Drat", Spott- N. des Schusters (Vilmar). 
Ziebarth s. Sig (V.). 
Ziel-, Ziehl- s. ZU. 

ZI£R I. ahd. ziari, mhd. ziere „zier, schmuck". 
FN. (Zierold): Zierold. 

Einstämmige Kürzung Zier-. 
(Ziero): Ziehr. Gen. Zieren. 
Vklf. (1 + n): Zierlein. 
Zierfuß III. „mit zieren d. i. zierlichen, schö- 
nen Füßen", vom mhd. Eigenschaftsw. zier. 
ZIL 1. ahd. mhd. zil „Ziel", alid. zilön streben. 
FN. (Ziliger): Zieleger — Zilger. 
(Zilhori): Zieler. 
Ciliman: Zillmann. 
(Zilmar); Zillmer. 



Einstämmige Kürzung Zil-. 
Zilo, Zillo: Ziehl. Gen. Zilles; Zils. 
Patr. A. Zilling. 
Verkleinert (k): Ziehlke. 
Zilias, Zilges s. Cyriacus. 
Zill- s. Ziel. 
Zimmermanii III. mhd. zimberman. 

FN. Zimmermann. Gen. Zimmermanns 
(niederrhein.). Niederd. Timmermann 
(Klemp. Tymmerman). Auch Zimmer^ 
Ung findet sich in derselben Bed. 
Zinkgreff, Zintgraf s. Zentgraf. 
Zoller III. mhd. zoUaore, von zollen „Zoll 
fordern". 

FN. ZolUr — Zöller. 
Zöllner III. ahd. zoUanäri, mhd. zolnaere 
(lat. telonarius). 

FN. Zöllner. Niederd. Töllner (Klemp. 
Tolner und Toller). 
Zoons (niederrhein.) hoUänd. F. = deutschem 

Sohns. 

Zu in vielen FN.: Zufelde, Zutafern (ad 

tabemam); doch gewöhnlich mit Artikel: 

zum, zur (niederd. ten, ter). 

FN. Zumbach; halbniederd. Zumbeck. 

Zumbaum ; halbniederd. Zumbohm. Zum 

Bild (doch wohl Heiligenbild). Zum- 

brink; niederd. Tombrink. Zum Brook 

(Oldenb., = zum Bruch). Zumbühl 

(Baden, = zum Hügel). Zumbitsch. 

Zum Felde; Zumfeld (vgl. van dem 

Felde, Gott. UK. im J. 1371). Zum 

Fleth (Fließ). Zutn Hagen. Zum Hofe; 

Zumhoff. Zumholz; halbniederd. Zum- 

holte. 

Zurheide. Zurkaulen (zur Grube). 
Zurmühlen. Zurnieden; zur Nedden. 
Zur Windmühlen (s. über diese und die 
verwandten Bildungen S. 53). 
Zucksehwerdt III. Satz-N. „zücke das 
Schwert". Vgl. Cucksswert (Altmarburg, 
Keichel). 
Zum-, Zur- s. Zu. 
Zilreher III. = Züricher. 
Zwingly III. nach Stalder's Idiotikon aus 
„Zwilling", ahd. zwiniling. Vgl. Petrus 
czwilling 1372. 
Zwirner III. von zwirnen = „zusammen- 
drehen", der Fäden aus Flachs, Hanf oder 
Seide dreht. 
Zybrandts s. Sig (V.). 



Halle a. S. , Bachdmckeroi de» Waisenhauses. 



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