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Full text of "Die deutschen Vogelnamen : eine wortgeschichtliche Untersuchung"



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FOR-THE.PEOPLE 

FOR. EDVCATION 

FOR SCIENCE 



LIBRARY 

OF 

THE AMERICAN MUSEUM 

OF 

NATURAL H1ST0RY 



Die deutschen Vogelnamen, 



Eine wortgesckichtliche Untersuchung 



von 



Hugo Suolahti, 

Dozent an der Universität Helsingfors. 



Straßburg 

Verlag von Karl J. Trübner 

1909. 



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M. DuMont-Scbauberg, Strasburg. 



. Vorwort. 

In der heutigen Wortforschung greift das rein Sprachliche 
fortwährend in das Sachliche über. So ist denn auch die vor- 
liegende Untersuchung der deutschen Yogelnamen mit der 
systematischen Ornithologie eng verknüpft. Die ornithologischen 
Schriften, die seit dem 16. Jahrhundert reichlicher zu fließen 
beginnen, nehmen unter den Quellen den hervorragendsten Platz 
ein. Da die Beschreibungen der Yögel in diesen Schriften oft 
höchst mangelhaft und ungenau sind, ist die Identifizierung 
des beschriebenen Vogels recht oft mit beträchtlichen Schwierig- 
keiten verbunden. Dies gilt insbesondere von den Strandläufern, 
Regenpfeifern u. a., die je nach der Jahreszeit ihre Farbentracht 
ändern und demgemäß von den alten Ornithologen oft als be- 
sondere Arten aufgefaßt werden. 

Ton der älteren ornithologischen Literatur glaube ich das 
Wichtigste berücksichtigt zu haben. Ich zweifle freilich nicht 
daran, daß eine weitere Ausbeutung der Quellen verschiedenster 
Art noch manches Interessante zutage bringen würde, aber da 
die Frist, während deren ich die Bibliotheken in Deutschland 
benutzen konnte, ausgelaufen und das wichtigste Material schon 
gesammelt war, entschloß ich mich, vorläufig der Lektüre, die ja 
beinahe ad libitum fortgesetzt werden kann, ein Ziel zu setzen. 

Die Untersuchung der Namen ruht auf geschichtlicher 
Grundlage und umspannt demnach alle Epochen der sprachlichen 
Überlieferung. Aus der althochdeutschen (bezw. altniederdeutschen) 
Zeit habe ich die Belegstellen vollständig mitgeteilt, weil sie 
bisher noch nicht lexikalisch verzeichnet worden sind und weil 
ich hoffte, daß die Sammlung vom Herausgeber des zu erwar- 
tenden althochdeutschen Wörterbuchs verwertet werden könnte. 

Suolahti, Vogelnamen. 



IV Vorwort. 

Beim Zitieren dieser Belege, die sich durch verschiedenen Druck 
vom übrigen Texte abheben, habe ich dasselbe Verfahren ein- 
geschlagen wie in meiner Abhandlung über die althochdeutschen 
Namen der Säugetiere 1 . 

Da die Feststellung der ältesten Belege und der geogra- 
phischen Verbreitung derselben in vielen Fällen eine notwendige 
Bedingung für die richtige Beurteilung des betreffenden Namens 
ist, habe ich ganz besonders auf diese Dinge mein Augenmerk 
gerichtet. Zur Bestimmung der heutigen Verbreitung der Namen 
sind natürlich die Dialektwörterbücher zu Kate gezogen worden. 
Leider sind einige von diesen nicht so kritisch wie man wünschen 
möchte. Manchen Irrtum kann man wohl mit Hülfe anderwärtiger 
Berichte korrigieren, aber eine eingehende Prüfung der Angaben 
in den Wörterbüchern, wo weitere Hinweise fehlen, ist natür- 
lich unmöglich. 

Die Anordnung des Stoffes folgt der üblichen zoologischen 
Einteilung, wobei die wissenschaftlichen Benennungen nach den 
Werken von Naumann-Hennicke und Martin angegeben worden 
sind. Ein besonderes zoologisches Register zählt die lateinischen 
Rubriken auf, während die entsprechenden deutschen im Uni- 
versalregister durch fetten Druck hervorgehoben sind. 

Als Anhang sind zwei wichtige Quellen aus dem 16. Jahr- 
hundert in extenso abgedruckt. 

Herzlichen Dank spreche ich Herrn Professor Friedrich 
Kluge aus für die freundliche Teilnahme, mit welcher er meine 
Arbeit begleitet hat. 

Helsingfors, den 5. Juli 1909. 

Hugo Suolahti. 



1 (Suolahti-) Palander, Die althochdeutschen Tiernamen I. Die Namen 
der Säugetiere. Darmstadt. 1899. 



Einleitung. 

Für eine geschichtliche Untersuchung der deutschen Vogel- 
namen bieten die zusammenliängenden, fast ausschließlich religiös 
gefärbten Texte der ersten literarischen Sprachperiode nur äußerst 
dürftiges Belegmaterial. Um so wichtiger ist der in den Glossen 
aufgespeicherte Wortschatz, welcher in dem großen Sammelwerke 
von Steinmeyer und Sievers dem Forscher bequem zugänglich 
ist. Freilich hat die kirchliche Richtung jener Zeit auch auf die 
lexikalische Arbeit ihren Stempel aufgedrückt, so daß von den 
gesamten Glossen die zu der Bibel und anderen religiösen Schriften 
gehörigen einen besonders breiten Raum einnehmen. Aber unter 
ihnen befinden sich doch auch die vielen Yogelnamen, welche 
im Leviticus (11, 17) und Deuteronomium (14, 17) aufgezählt 
werden und die uns also in zahlreichen Übersetzungen über- 
liefert sind. Auch von den Schriften der profanen Schriftsteller 
sind einige gut glossiert worden und aus dem Charakter in den 
Werken des Vergilius, Prudentius u. a. folgt, daß manche Vogel- 
namen unter den Glossen vorkommen. Das reichhaltigste Material 
enthalten jedoch die alphabetisch und sachlich geordneten Glos- 
sare, von denen das unter dem Namen Summarium Heinrici 
bekannte spätalthochdeutsche Gruppenglossar und die etwas früher 
entstandenen Glossen zu einem hexametrischen Verzeichnis der 
Tiere und Pflanzen besonders ausgiebig sind. 

Die letzterwähnte Quelle (Versus de volucribus etc.) ist 
nicht nur wegen der Glossen des Originals interessant, sondern 
auch durch die vielen Abschriften, welche aus verschiedenen 
Zeiten und Gegenden stammen und dementsprechend oft nicht 
geläufige Namen in der Vorlage gegen übliche Dialektausdrüeke 



VI Einleitung. 

austauschen. So bewahren uns die Handschriften der Versus 
manche alte Zeugnisse für mundartliche Vogelnameh. In einer 
Melker und einer Wiener Handschrift finden wir z. B. an der 
Stelle von wa^erstelza 'Bachstelze' des Originals die Glosse 
hardil(a\ in welcher die ältere Form des volksetymologisch um- 
gebildeten steirischen Ausdrucks {Schaf)halterl, (Kuh)herterl er- 
halten ist. Die später korrigierte Glosse tvurgelhälw in einer 
bairischen Handschrift aus dem 12. Jh. zeigt uns die alte Gestalt 
einer dialektischen Bezeichnung für den Neuntöter, die wir in 
der Form würgelhöch bei Konrad von Megenberg und als Wölger- 
hod bei Hans Sachs finden. Interessant sind ferner die Zeugnisse 
in Wiener, Zwettler und Admonter Handschriften für den rätsel- 
haften bairischen Namen Uttenschwalbe und das Wort Unvogel, 
die österreichische Benennung des Pelikans, sowie die Ausdrücke 
erdhuon und pirchhven, in welchen alte Namen einer heute in 
Europa ausgestorbenen Ibisart stecken. Manchmal geben die 
Handschriften der Versus die Originalglosse in zahlreichen Spiel- 
arten wieder, welche in vielen Fällen wirkliche mundartliche 
Varianten des Namens repräsentieren und daher sorgfältig aus- 
geschieden werden müssen von den Entstellungen und Irrtümern 
der Schreiber. Ein instruktives Beispiel hierfür liefert die Glosse 
dorndrdil e Dorndreher', für welche eine Handschrift dorndral, 
eine andere dornorahil, eine dritte dornacreiel, eine vierte dorn- 
droscel schreibt. Die erste Variante kommt heute als Dorntral 
und Dorndraller in Tirol und Steiermark, die zweite als Doarn- 
raU in Lienz vor, die dritte liegt der bairischen Dialektform 
Dornkroeel zugrunde und die vierte ist als Dorndröscherl in 
Steiermark gebräuchlich. 

Die althochdeutschen Glossare, welche oft Konglomerate 
sind, deren Bestandteile aus verschiedenen Zeiten und Gegenden 
stammen, sind nur zum Teil inbezug auf Heimat und Ent- 
stehungsweise untersucht worden, so daß die Glossen erst einer 
genauen Prüfung bedürfen, bevor man sie für chronologische 
oder sprachgeographische Schlüsse verwertet. Es fehlt auch 
ferner eine Untersuchung über den angelsächsischen Einfluß 
auf die deutsche Glossenliteratur, welcher auf die Tätigkeit der 
englischen Missionäre bei der Einführung des Christentums in 



Einleitung. VII 

Deutschland zurückgeht. Manche angelsächsisch gefärbte Glossen 
in deutschen Handschriften sind leicht als Ifischlinge zu er- 
kennen, andere dagegen, welche durch die Hände vieler Schreibet 

gegangen sind, verraten nicht so deutlich den fremden Ursprung. 
Yen den Vogelnamen sind die Leviticusglossen nmtihapuli, fctefer. 
nectrefn, roredumble, dopfugul ans angelsächsischen Vorlagen 
abgeschrieben, und die Glossen coscirila, struth, secgwner in einem 
Pariser Glossar des 9. Jahrhunderts sind ebenfalls angelsäch- 
sischen Ursprungs. Interessanter ist, daß alle althochdeutschen 
Belege für den Möwennamen auf ein angelsächsisches Original 
zurückzugehen scheinen. 

Da die Textquellen in der mittelhochdeutschen Periode riel 
reichlicher und mannigfaltiger sind als in der althochdeutschen 
Zeit, bieten sie auch viel mehr Belege für Vogelnamen. Immer- 
hin ist die Ausbeute verhältnismäßig gering und man ist daher 
noch immer hauptsächlich auf Glossare und Vokabulare ange- 
wiesen. Da diese meistens kompilatorischer Art sind, ist hier 
dieselbe Vorsicht geboten wie bei der Benutzung der althoch- 
deutschen Glossen. Eine wichtige Quelle der ausgehenden mittel- 
hochdeutschen und der beginnenden neuhochdeutschen Periode 
ist die von Brucker herausgegebene Sammlung Straßburger 
Zunftverordnungen des 15./16. Jahrhunderts, wo eine Anzahl 
Dialektnamen für jagdbare Yögel zum erstenmal bezeugt sind. 
Diese Namen finden wir wieder in dem Gedicht eines unbe- 
kannten Straßburger Verfassers vom Jahre 1554, welcher die 
ganze Vogelwelt unter ihren heimischen Namen Revue passieren 
läßt und dadurch eine Quelle von höchstem Wert bildet. Ein 
Gegenstück zu diesem Vogelbuch ist Hans Sachs' Gedicht "vom 
Regiment der anderhalb hundert Vögel" (1531), wo wir die in 
Nürnberg gebräuchlichen Vogelnamen kennen lernen. Aber im 
16. Jahrhundert ist für unsere Kenntnis der Vogelnamen auch 
gut gesorgt durch Quellen anderer Art als die genannten Vogel- 
gedichte. Die Zoologen fangen nämlich jetzt an, in ihren wissen- 
schaftlichen Werken den Namen der Tiere eine besondere Auf- 
merksamkeit zu widmen. 

Die zoologische Wissenschaft des klassischen Altertums 
hatte im 13. Jahrhundert eine Wiedergeburt erlebt, indem die 



VIII Einleitung. 

drei Dominikaner Albertus der Große, Thomas von Cantimpre 
und Yincenz von Beauvais den Aristoteles wieder zu Ehren 
brachten und im Anschluß an ihn umfassende systematische 
Darstellungen schrieben. 

Von den drei Männern kommt für uns besonders Albertus 
in Betracht, der in den lateinischen Text seiner Ornithologie 
manchmal deutsche Yogelnanien einfügt. Unter diesen Namen, 
die in den Drucken leider sehr verstümmelt erscheinen, befinden 
sich auch die interessanten Dialektworte Gors (= Grasmücke), 
Marcolfus {= Häher) und Brobuxe (= Weihe), welche Albertus 
offenbar während seines langjährigen Aufenthaltes in Köln hatte 
kennen gelernt. Aber von den genannten drei Zeitgenossen ist 
nicht allein Albertus, sondern auch Thomas für uns von Be- 
deutung, denn seine Schrift "De naturis rerum" erfuhr im 
14. Jahrhundert durch den bairischen Geistlichen Konrad von 
Megenberg eine deutsche Bearbeitung, die unter dem Titel 
"Buoch der Natur" in mehreren Abschriften erschien. Die hier 
vorkommenden deutschen Yogelnamen sind freilich meistens 
nur allgemein übliche Gattungsbenennungen, aber manchmal 
teilt Konrad doch auch Namen aus seiner heimischen Mundart 
mit. So erfahren wir, daß der Neuntöter dort würgelhoch und 
der Pirol pruoder Piro genannt wird. Derartige Mitteilungen 
sind jedoch ganz zufälliger Art; ein besonderes Interesse für 
die Namen finden wir bei Konrad noch nicht. Erst im 16. Jahr- 
hundert tritt dieses in der wissenschaftlichen Fachliteratur deutlich 
hervor und erreicht seinen Höhepunkt in Konrad Gesners groß- 
artigem Werk "Historia animalium", dessen dritter Teil (im 
Jahre 1555 erschienen) die Yögel behandelt. Yon den acht ver- 
schiedenen Abschnitten, in welche Gesner die Darstellung jedes 
Yogels einteilt, ist der erste der Nomenklatur gewidmet. Hier 
werden die Synonyma aus den verschiedensten Sprachen (u. a. 
aus italienischen Mundarten) mitgeteilt. Die Gewissenhaftigkeit 
und Gründlichkeit, welche die Arbeitsweise Gesners überhaupt 
kennzeichnen, erstrecken sich auch auf die reichhaltigen Samm- 
lungen von Namen. 

Die deutschen Yogelnamen hat Gesner zum Teil aus den 
ornithologischen Schriften seiner Yorgänger kennen gelernt, 



Einleitung. IX 

welche immer gewissenhaft zitiert werden. Einige am Riittel- 
und Niederrhein gebräuchliche Ausdrücke werden nach Albertus 

Magnus angeführt, andere stammen aus drin kleinen Namens- 
rerzeichnis in dem unbedeutenden "Dialogus de avibus" (1544) 
des kölnischen Arztes Gybertus Longolius oder aus der reich- 
haltigeren Sammlung in der im selben Jahre erschienenen 

Monographie "Avium praeeipuarum, quarum apud Plinium et 
Aristotelem mentio est, breuis et succineta historia" deren 

Verfasser, der Engländer William Turner, ebenfalls in Köln 
lebte. Für die in Sachsen üblichen Namen hatte Gesner in 
Georg Agricolas et De animantibus subterraneis" (1540) eine 
ziemlich dürftige Quelle, wichtiger waren dagegen die von Eber 
und Peacer im Jahre 1552 herausgegebenen Vocabula, wo die 
bei Aristoteles vorkommenden Vogelnamen zusammengestellt, 
mit kurzen Erklärungen versehen und ins Deutsche übersetzt 
sind. Neben den hier befindlichen sächsischen Benennungen er- 
scheinen jedoch auch Xamen, die zweifelsohne aus Turner über- 
nommen worden sind. Die bei Eber und Peucer vorhandenen 
Irrtümer hat Gesner zum Teil korrigiert, aber einige Fehler 
haben bei späteren Autoren viel Verwirrung zustande gebracht. 
Alle die Namen, welche Gesner den genannten Vorgängern ab- 
geschrieben hat, bilden nur einen geringen Teil des in der 
Historia avium zusammengebrachten deutschen Namenmaterials ; 
den weitaus größten Teil desselben hat er in der schweizerischen 
Heimat oder durch seine vielen Korrespondenten in den ver- 
schiedenen Teilen Deutschlands kennen gelernt. 

Die Autorität Gesners, welche in der ornithologischen 
Literatur der folgenden Zeiten deutlich zum Vorschein tritt, 
beherrscht auch die Verzeichnisse von Vogelnamen, so daß sie 
entweder direkt oder indirekt von Gesner abhängig sind. Dies 
gilt nicht nur von den Namensammlungen in der eigentlichen 
Fachliteratur, sondern auch von den Listen in den Vokabularen, 
wie z.B. in den Nomenciatoren von Junius (1570) und Chy- 
traeus (1581), dem Onomasticon von Golius (1575h. dem Vokabular 
Ostermanns (1591), auch vom deutschen Wb. Eenischs (1616) u. a. 
Alle haben sie den Charakter der Unselbständigkeit und schreiben 
einander mehr oder weniger ab. Um so willkommener ist es daher. 



X Einleitung. 

daß einige Autoren der nachgesnerschen Zeit in ihren Werken 
auch dialektische Synonyma selbständig anführen. So hat z. B. 
Ostermann neben den aus Gesner abgeschriebenen Namen auch 
bisweilen moselfränkische Synonyma mitgeteilt, der schlesische 
Arzt Schwenkfeld, der in seinem Theriotropheum Silesiae (1603) 
ebenfalls die Namen aus Gesner übernimmt, gibt meistens die 
mit dem Yermerk Sil. versehene heimatliche Benennung an, 
und die preußischen Ornithologen des 18. Jahrhunderts Frisch, 
Klein und Reyger führen manchmal Dialektnamen aus ihrer 
Heimat an. Eine noch stärkere lokale Färbung haben die Vogel- 
namen in der Jägerliteratur, wie z. B. in den Jägerpractica von 
Döbel (1743) und in der Angenehmen Landlust (1720) eines 
unbekannten Verfassers. Im Vogelbuch des Fischers Leonhard 
Baldner vom Jahre 1666 lernen wir eine Anzahl mehr oder 
weniger seltener Vögel unter den in Straßburg verwendeten 
Benennungen kennen, aber auch hier findet man einen ver- 
einzelten Namen nach "Dr. Geßners Thierbuch" zitiert. 

Wenn man das in der ornithologischen Literatur enthaltene 
Namenmaterial einer eingehenden Prüfung unterwirft, so findet 
man bald, daß durch das kritiklose Abschreiben der Quellen 
viele Namensformen geschaffen worden sind, welche in der 
Literatur immer weiter geschleppt werden, ohne irgend weiche 
Entsprechung im lebendigen Sprachgebrauch zu haben. Teils 
erweisen sie sich als Druck- oder Lesefehler bei irgend einem 
Autor, wie z. B. Höllfine (statt Böllhine) e Bläßhuhn' bei Henisch, 
Nemnich usw. und Schlichtente (statt Schluchtente) bei Schwenk- 
feld u. a., teils beruhen sie auf alten Irrtümern, wie z. B. Pfaff 
als Name des Ziegenmelkers bei Turner und vielleicht Triel 
neben Griel bei Gesner, teils sind sie endlich gelehrte Bildungen 
der Ornithologen, wie z. B. Eselschryer und Kropfvogel als Be- 
zeichnungen des Pelikans und Baumgrille 'Baumläufer', eine 
Analogiebildung nach Hirngrille. An diese schließen sich die 
Übersetzungen oder Nachbildungen der in fremdsprachlicher 
Quellenliteratur befindlichen Vogelnamen an, wie z. B. Goldadler 
und Meerteufel in Kleins Historiae avium prodromus, welche 
auf griech. chrysaetos und frz. diable de mer in Aldrovandis 
Ornithologie zurückgehen. Daß derartige totgeborene Ausdrücke 



Einleitung. XI 

wie die vorhingenannten unter Umständen neue- Lehen erhalten 
und sich in weitere Kreise verpflanzen können, lehn die Ge- 
schichte des Wortes Immenwolf, welches ron Gtesner im Anschluß 
an ein italienisches lupo de Vapi gebildet wurden ist 

Wichtiger als diese zufälligen Übersetzungen der deutschen 
Qrnithologen sind einige Nachbildungen lateinischer Vogelnamen, 

welche durch gelehrte oder religiöse Literatur sich verbreitet 
haben und im Laufe der Zeit auch in die Volkssprache ein- 
gedrungen sind. Ein solches Wort ist der Ausdruck Ziegenmelker 
(= lat caprimulgus), welcher auf dem Glauben beruht, daß der 

Vogel in der Nacht den Ziegen die Milch aussaugt. Ein anderer 
derartiger Name ist wohl Beinbrecher (= lat. omfragus\ womit 
der Seeadler bezeichnet wird, w r eil man vermutet, daß er die 
Knochen von seiner Beute gegen die Felsen zerschmettert. 
Volkstümlicher als die beiden eben erwähnten Ausdrücke ist 
der König-^mie geworden, der in Verbindung mit der Sage 
von der Königs wähl der Vögel durch klassischen Einfluß in 
Deutschland bekannt wurde und bereits in althochdeutscher 
Zeit die alte germanische Benennung des Zaunschlüpfers ver- 
drängte. Möglich ist, daß der neue Name, der in den Kom- 
positionsbildungen Zaunkönig, Mäusekönig usw. besonders populär 
wurde, bei der Bildung des Ausdrucks Wachtelkönig als Muster 
gedient hat, aber die Vorstellung des Wiesenknarrers als Führer 
der Wachteln, welche diesem Namen zugrunde liegt, scheint 
auf das griech.-lat. Synonymon ortygometra (d. h. Wachtelmutter) 
zurückzugehen. Im Gegensatz zu diesen Worten, welche die 
gelehrte Literatur vermittelt hat, hat sich der Ausdruck Nacht- 
rabe (= griech.-lat. nycticorax) als biblisches Wort eingebürgert 
und ist durch moralistische Bücher und Predigten in die breiten 
Schichten des Volkes gedrungen, wo man den Namen auf 
Nachtvögel der einheimischen Vogelwelt übertrug und mit 
mythischen Vorstellungen in Zusammenhang brachte. Es ist 
anzunehmen, daß eben die sagenhaften Vorstellungen, die sich 
an alle diese klassischen Vogelnamen anknüpfen, die weite Ver- 
breitung derselben ermöglichten. Die Namen bieten ein instruk- 
tives Beispiel dafür, daß manche volkstümliche Vorstellungen 
auf gelehrten Einfluß zurückzuführen sind und daß die Mitwirkung 



XII Einleitung. 

der Gebildeten bei dem Entstehen von Volksvorstellungen über- 
haupt nicht außer Acht gelassen werden darf. 

Als direkte Entlehnung hat die lateinische Literatur wohl 
nur den biblischen Namen turtur (> Turteltaube) in die deutsche 
Sprache eingeführt. Weitaus größer ist aber die Zahl der auf 
volkstümlichem Wege entlehnten lateinischen Vogelnamen. Be- 
reits in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung haben 
die Germanen durch die Römer den Pfau « lat. pävo) kennen 
gelernt. Gleichzeitig müssen sie auch die Bekanntschaft mit 
dem Fasan gemacht haben, dessen lateinischer Name phasiänus 
im Althochdeutschen im Anschluß an huon zu fesihuon umge- 
staltet wurde. Die Zeit der Übernahme dieser Namen läßt sich 
nicht genauer feststellen, spätestens hat die Entlehnung im 
6. Jahrhundert stattgefunden. Zu beachten ist, daß der Name 
des Fasans im Angelsächsischen sich nicht findet, während der 
Pfauenname dort als päwa, pea bezeugt ist. Zu der ersten Schicht 
der lateinischen Lehnworte scheint ferner der Name Strauß 
« lat. strütio) zu gehören, denn er hat den Charakter eines 
alten volkstümlichen Lehnwortes. Dagegen ist der Name des 
Sittichs « lat. psittacus) erst in der althochdeutschen Periode 
übernommen worden, ebenso wie der Ausdruck ca{p)po 'ver- 
schnittener Hahn', den die in Italien hochstehende Hühnerzucht 
den Deutschen zuführte. Auch einige lateinische Benennungen 
einheimischer Vögel haben sich in der deutschen Sprache ein- 
gebürgert, aber sie sind nur auf bestimmte Gegenden beschränkt. 
Das lat. Wort merula 'Amsel' hat sich am Mittel- und Nieder- 
rhein als Merle (ahd. merla) festgesetzt und der Ausdruck Mösch 
(ahd. musca), welcher in diesen Gegenden für den Sperling gilt, 
ist wahrscheinlich auch lateinischen Ursprungs. Eine weitere 
Verbreitung als diese Worte erhielt der lateinische Name mergns 
'Taucher', welcher im Althochdeutschen als merrieh(o) bezeugt ist. 
Von enger Wechselwirkung zwischen Germanen und 
Romanen zeugt die Terminologie der Falkenjagd, die in den 
ersten nachchristlichen Jahrhunderten — wahrscheinlich vom 
Osten her — in Europa bekannt wurde. Während in den roma- 
nischen Sprachen einige wichtige Namen für Falken und Habichte 
(frz. gerfaut, eme'rillon, epervier) germanischen Ursprungs sind, 



Einleitung. XIII 

stammen andererseits die mittelhochdeutschen Termini mityäre 
(= anord. mütari) 'Mauserfalke' (= lat. mutarius), terzil 'Habicht- 
oder Falkenmännchen' ( = mittellat. tertiolus), pilgerin 'Wander- 
falke' (= lat. peregrinus), lauer 'unedler Falke' (= mittellat. 
lanarlus) aus dem romanischen Sprachmaterial. Auch der Name 
falco selbst ist wohl ursprünglich ein lateinisch-romanisches 
Wort. Erst spät bezeugt ist der Ausdruck Bussard, welcher auf 
afrz. busart zurückgeht. 

Die mächtige französische Kulturströmung, welche im 12. 
Jahrhundert in Deutschland einsetzt, hat auf die Vogelnamen 
keinen dauernden Einfluß ausgeübt. Nur am Niederrhein hat 
sich das französische Wort perdrix 'Rebhuhn', das in der höfisch- 
niederdeutschen Form pardrisekin in der oberdeutschen Epik 
erscheint, erhalteü. Als höfisches Wort drang auch frz. calandre 
(> f/alander) 'eine Lerchenart' in die deutsche Literatur, aber 
in der Volkssprache konnte der Name, der keinen heimischen 
Vogel bezeichnete, nicht Eingang finden. — In den Quellen 
des 16. Jahrhunderts kommen die aus dem Französischen ent- 
lehnten Vogelnamen Pidvier (Pülross) 'Goldregenpfeifer' (= frz. 
pluvier) und Pittouer 'Rohrdommel' (= frz. butor) vor; der letzt- 
genannte Name ist noch am Niederrhein üblich. Aus den Jäger- 
kreisen hervorgegangen ist das französische Lehnwort Bekassine) 
(aus becasse, bScassine), das in der ersten Hälfte des 18. Jahr- 
hunderts üblich wird. Dasselbe gilt wohl auch von dem gleich- 
zeitig auftretenden französischen Namen Milan. Die in der 
ornithologischen Literatur verwendeten Ausdrücke Balle « frz. 
rdle, mittellat. rallus) und Cormoran « frz. cormoran < lat. corrus 
marinus) sind der Volkssprache fremd geblieben. In den an der 
französischen Sprachgrenze gelegenen Landschaften und beson- 
ders in Luxemburg, wo das Deutsche mit französischen Elementen 
durchsetzt ist, findet man unter den Fremdworten auch manchen 
Vogelnamen. Von den elsässischen Dialektnamen ist wohl Boller 
'Mandelkrähe' französischen Ursprungs. Auch die in der Schweiz 
für Eulen verwendeten Benennungen Huri, Hüruiv stammen 
vielleicht aus dem Französischen. 

Durch den Vogelhandel, den die südlich der Alpen wohnenden 
Romanen in deutschen Grenzbezirken trieben, sind einige ita- 



XIV Einleitung. 

lienische Namen in die südöstlichen Mundarten gedrungen. 
Gesner erzählt in seinem Yogelbuch, daß nach der Schweiz be- 
stimmte fremde Eulenarten importiert wurden, für die man einen 
verhältnismäßig hohen Preis zahlte. Diesem Eulenhandel haben 
wir es wohl zuzuschreiben, daß der italienische Dialektname 
chiuino, welcher die Zwergohreule bezeichnet, in einem althoch- 
deutschen Glossar als kiuino erscheint. Dieselbe Eulenart ist 
heute unter dem Namen Tschafit(tel), Schofüttel (im 15. Jh. be- 
zeugt), der dem gleichbedeutenden italienischen ci(o)vetta ent- 
lehnt ist, im Südosten des deutschen Sprachgebiets bekannt. 
Hier kommen auch für die Gartenammer und den Leinfinken 
die italienischen Namen Ortolan (im 17. Jh. in der italienischen 
Lautform Ortolano bezeugt) und Ziserinchen (= ital. sizerino) vor. 
Wie diese beiden Ausdrücke, so kam ital. citrinella, der Name 
des südlichen Zitronenfinken, durch den Vogelhandel in die 
Sprache und ist als Zitrinle(in) im 16. Jahrhundert öfters belegt. 
Der Hauptimport von Vögeln nach Deutschland wurde je- 
doch nicht von Italienern, sondern von slavischen Vogelhändlern 
besorgt. Die Bedeutung des slavischen Vogelhandels geht am 
besten hervor aus den vielen Lehnworten, welche er in die 
deutsche Sprache eingeführt hat. "Wir können diesen Handel 
bis ins 13. Jahrhundert zurück verfolgen, wo die slavischen 
Vogelnamen zisic 'Zeisig' und stiglüz 'Stieglitz' in den Abschriften 
der Versus die Originalglosse distilftnco 'Distelfink' zu ersetzen 
beginnen. Von Albertus Magnus erfahren wir, daß der Name 
stiglüz um die Mitte des 13. Jahrhunderts noch eine beschränkte 
Verwendung ("apud quosdam") hatte ; der Zeisig-Name wird von 
ihm als Vulgärausdruck bezeichnet. Heute sind beide Namen 
in Deutschland allgemein üblich. In das 14./15. Jahrhundert 
fallen die ersten Zeugnisse für das Wort Krinitz 1 (= wend. 
slcrjnc), mit dem man in den ostmitteldeutschen (nach Popowitsch 
auch in schwäbischen) Mundarten den Fichtenkreuzschnabel 
bezeichnet. Aus dem 15. Jahrhundert haben wir auch einen 
deutschen Beleg für das Wort hyl (bei Gesner Hau), die czechische 
Bezeichnung des Gimpels; ein anderes slavisches Synonymon 
(poln. mieguta) ist im 18. Jahrhundert als Schnigel belegt. Im 

1 Vgl. S. 141 und Weigand Deutsches Wörterbuch P, 1153. 



Einleitung. XV 

ganzem östlichen Deutschland verbreitet ist der Ausdruck Tschet- 
scher(lein) 'Leinfink', dem das poin.-czechische Wort cecet(ka) 
zugrunde liegt. Wenn zu den zahlreichen Varianten dieses 
Namens — wie höchst wahrscheinlich ist — auch das schweize- 
rische Synonymem Schössli gehört, so haben wir das früheste 
Zeugnis für die Entlehnung in der Glosse schessliti aus dem 
Ende des 15. Jahrhunderts zu sehen. Ungefähr aus derselben 
Zeit stammt der erste Beleg für den in Niederdeutschland vom 
Bluthänfling gebrauchten Ausdruck Ertsche, Iritsch, dessen 
Etymon das gleichbedeutende czech. jiric ist. In Sachsen und an- 
grenzenden Mundarten wird heute der Grünfink Wonitz (SrJncunsch) 
genannt; der Name, welcher im 16. Jahrhundert auftaucht, ist 
entlehnt aus dem polnischen Synonymon dzwoniec. Slavischen 
Ursprungs ist wohl auch der im 16. Jahrhundert bezeugte ost- 
mitteldeutsche Ausdruck Wüstling 'Hausrotschwanz'. In Schlesien 
hat sich der czechische Name dlesk, dlask 'Kernbeißer' als Leske, 
Laschke eingebürgert; das czechische jikavec, die Benennung des 
Bergfinken, hat sich wieder in den südöstlichen Dialekten Öster- 
reichs und Steiermarks festgesetzt. Hier ist auch das Synonymon 
Pienk heimisch, das ebenfalls eine slavische Entlehnung zu sein 
scheint. 

Alle die vorhingenannten slavischen Lehnworte sind Be- 
zeichnungen für Sing- und Käfigvögel, welche von den Vogel- 
stellern auf den Markt gebracht wurden. Im Gegensatz zu dieser 
Gruppe finden wir wieder einige andere aus den slavischen 
Sprachen übernommene Vogelnamen, welche nicht durch den 
Vogelhandel vermittelt worden sind. Der ältest bezeugte Name 
unter diesen ist Trappe (> poln.-czech. drop). Das Wort, das 
schon ums Jahr 1200 belegt ist, ist heute allgemein gebräuchlich. 
Die übrigen Namen haften nur an dem ehemals slavischen 
Sprachboden, wo die beiden Nachbarstämme früher in enger 
Berührung mit einander lebten. Solche Dialektnamen sind Lietze 
(vgl. poln. lyskd) 'Bläßhuhn', Korke « czech. norek, wend. norjak) 
'Steißfuß', Tschoie « sloven. Sota) 'Häher' und Göksch « czech. 
kokos) 'Hahn', Husche « wend. huze) 'Lockruf und Name der Gans'. 

Aus den verwandten germanischen Sprachen haben die 
Deutschen überhaupt keine Vogelnainen entlehnt. Doch ist zu 



XVI Einleitung. 

bemerken, daß einige Wasservögel des hohen Nordens an der 
norddeutschen Küste unter ihren skandinavischen Namen be- 
kannt sind, und der isländische Name der Eidergans hat eine 
weite Verbreitung durch den Daunenhandel gefunden. Die nach 
Deutschland importierten exotischen Vögel haben teils ihre 
heimischen Benennungen bewahrt, wie der Sackerfalke und der 
Papagei, deren Namen arabischer Herkunft sind, teils werden 
sie nach ihrer Heimat benannt, wie der Kanarienvogel und 
das indianische Huhn (= Truthuhn). 

Wenden wir uns nach der Ausscheidung der Lehnworte 
dem heimischen Namenmaterial zu, so finden wir, daß alle 
germanischen Sprachen gemeinsame Bezeichnungen für den 
Kuckuck, den Staar, den Sperling, den Zaunkönig, die Schwalbe, 
die Drossel, die Lerche, die Meise, die Krähe, die Saatkrähe, 
den Baben, die Taube, das Huhn, die Eule, den Uhu, den Adler, 
den Habicht, die Schnepfe, den Kranich, den Storch, den Beiher, 
den Schwan, die Scharbe, die Möwe, die Gans und die Ente be- 
wahrt haben 1 . Den westgermanischen Sprachen gemeinsam sind 
Benennungen für die Nachtigall, die Amsel, die Goldammer, 
den Finken, den Distelfinken, den Pirol, den Neuntöter, den 
Häher, die Dohle, die Elster, die Wachtel, das Auerhuhn 2 , die 
Bekassine, den Seeadler, die Wasserläufer (elsäss. Steingellel = 
ags. stängella), die Taucher (elsäss. Bauche = ags. cluce) und die 
Pfeifente. Mit dem Nordischen hat das Deutsche einige Namen 
gemeinsam, av eiche dem Englischen fehlen : ahd. späht ~ anord. 
spdtr 'Specht', ahd. wa^arstelh ~ anord. stelkr 'eine Art Wasser- 
läufer'; andererseits fehlen wieder dem Deutschen manche Be- 
nennungen, welche dem englischen und nordischen Sprachzweige 
eigen sind, vgl. ags. (geolw)earte ~ anord. ertla 'Bachstelze', ags. 
glida ~ anord. gleda 'Weihe'. Auf Grund dieses Namenmaterials 
kann man natürlich keine richtige Vorstellung davon gewinnen, 
welche Vögel in der urgermanischen Zeit als verschiedene Arten 



1 Dem ahd. müsäri 'Bussard' entspricht in den angelsächsischen 
St. Galler Glossen die Form miiseri; doch ist es sehr fraglich, ob diese 
Glosse rein angelsächsisch ist. 

2 Von den Varianten ürhano und orrehuon hängt die erstgenannte mit 
ags. wörhana zusammen, während die letztere mit anord. orre übereinstimmt. 



Einleitung. XV!I 

von einander unterschieden and mit besonderen Namen benannt 
wurden: denn ohne Zweifel sind eine ganze Menge alter Vogel- 
namen im Laiite der Zeit spurlos verloren gegangen. Diesen 
Verlust alter Namen können wir in der historischen Zeil oft 
deutlich verfolgen. s»> zeigen uns z. 1>. die Denkmaler der alt- 
hochdeutschen Sprachperiode, daß das Wort wrcmlo, der alte 
Name des Zaunkönigs, bereits im Absterben ist und dal! der 
auf antiken Einfluß zurückgehende König-Name dessen Platz 
einnimmt. Den westgermanischen Namen da<, Seeadlers, der in 
il^Y althochdeutschen Form eringrio% öfters belegt ist, können 
wir bis ins 15. Jahrhundert verfolgen, wo die letzten Spuren 
davon verschwinden. Nur selten ist das Yerschwinden des Namens 
in einer bestimmten Gegend durch das Aussterben des betreffen- 
den Tegels verursacht, wie z. B. beim Namen des AValdraben 
der Fall ist. In den allermeisten Fällen ist die Ursache dieses 
Prozesses darin zu suchen, daß immer neue mundartliche Syn- 
onyma aufkommen, welche sich auf Kosten der schon vorhandenen 
verl »reiten. Ein charakteristisches Beispiel hierfür bieten die zum 
Teil aus der Kindersprache hervorgegangenen Dialektnamen für 
die Ente, die Gans und den Hahn, welche an manchen Orten die 
alten Gattungsnamen ganz, verdrängt haben. Dieser fortwährend 
sich wiederholende Ersatz alten Namenmaterials durch neues 
ist der Hauptgrund dazu, daß so wenige indogermanische Vogel- 
namen im Deutschen erhalten geblieben sind. Europäischen und 
asiatischen Sprachen gemeinsam sind nur die Namen Ente und 
Gans. Auf mehrere europäische Sprachen sich erstreckende Ur- 
verwandtschaft zeigen die Namen Aar, Kranich und Belche 1 , 
auch wohl Drossel und Sperling] dagegeu findet das Wort Staar 
nur im Latein und die Namen Elbs und Rebhuhn (?) nur im 
Slavischen Entsprechung. Unsicher sind die Gleichungen Storch 
= griech. töptoc, Amsel = lat. merula, ahd. kreia "junger Kranich' 
= lat. grüs : ganz problematisch wieder Specht = lat. jn<-u.<. 
Schwalbe = griech. dXxudiv, Fink = griech. cirrftoc, Gaudi = 
lit. geguze. 

Die Schwierigkeiten, welche sich der lautgesetzlichen Er- 

1 Über die Verwandtschaft des Wortes Belche mit den entsprechenden 
lateinischen und griechischen Namen vgl. S. 302 f. 



XVIII Einleitung. 

Schließung des vorgeschichtlichen Wortmaterials hemmend in 
den Weg stellen, sind besonders auf dem Gebiete der Vogelnanien 
fühlbar, wo die zahllosen onomatopoietischen Neuschöpfungen 
in den urverwandten Sprachen oft ein übereinstimmendes Aus- 
sehen haben, das leicht den Schein der Urverwandtschaft er- 
weckt. Hier hat man auch mehr als auf manchem anderen Gebiete 
mit volksetymologischen Analogiebildungen zu rechnen, welche 
dem vergleichenden Sprachforscher verborgen bleiben. In der 
historischen Zeit lassen sich diese Wirkungen der Volksetymo- 
logie in vielen Fällen klar durchblicken. Besonders leicht fallen 
der Volksetymologie zum Opfer die aus fremden Sprachen ent- 
lehnten Namen, die im einheimischen Wortschatz keine Stütze 
haben. So hat sich das lat. phasiänus im Anschluß an das nahe- 
liegende ahd. huo)i e Huhn 3 zu fesihuon und die französische Form 
faisan im Anschluß an Hahn zu Faßhahn verwandelt. Die sla- 
vischen Lehnworte Krinitz und Schivnnz werden zu Grünitz 
und Schwanz umgebildet und der aus dem Französischen über- 
nommene Name Bussard ist im Anschluß an Aar zu Bußaar 
umgestaltet worden. Aus dem Kanarienvogel haben die Mund- 
arten einen Kanaljenvogel gemacht. Aber auch eine Menge ein- 
heimischer Vogelnamen sind volksetymologischer Umbildung 
anheimgefallen. Nachdem im althochdeutschen Kompositum hor- 
gans der erste Teil ungebräuchlich geworden war, wurde daraus 
Heergans gemacht und in ähnlicher Weise haben sich aus ahd. 
*horsnepfa die Formen Heerschnepfe, Haarschnepfe und Harr- 
schnepfe entwickelt. Der althochdeutsche Name ivargengil e Neun- 
töter' hat in der heutigen schlesischen Mundart die Varianten 
Wagenkrengel und Gartenkrengel ergeben, die sich an das Wort 
krengeln 'quälen 5 anlehnen, und aus dem althochdeutschen Syno- 
nymon dorndrdil sind in den Dialekten die Formen Dornreich, 
Dorndreckeier, Dornkrdeel, Dorngreuel usw. hervorgegangen. Viel- 
fach umgestaltet worden ist auch der ^4wmer-Name, der in der 
abgeleiteten Form Ämmerling zu Hämmerling und in der zu- 
sammengesetzten Form Goldammer zu Goldhammer, Gaulammer 
und Gaideimer geworden ist. Aus dem alten steirischen Ausdruck 
hardiUa), der die Bachstelze bezeichnet, hat man später die Formen 
Schafhalterl (Schafhirt), Sauherterl und Kuhherterl (Sau- und 



Einleitung. XIX 

Kuhhirt) gebildet und im Elsaß erscheint die althochdeutsche 
Falkenbenennung wannentveho als Manntwächter. Durch rolks- 
etymologische (Jmgestaltang entsteht ferner aus ahd. distilzwio 
die Form Distelzweig, aus ahd Ißkfinco nhd. Lobfinke, aus andd. 
hliun'nig und. Hiiling und aus ahd. heharu, Hera nhd. Herrewogel. 
In ähnlicher Weise wird Blaurack zu Blaurock, 8chneekatel zu 
Schneekater, Bachstelze zu Bockstelze, Gelegen zu Gelgerst oder 
Gelegos, Neunmörder zu Einmörder, Hanfmeise zu Handmeise, 
Pirol zu Bierhol, Bierholer oder Biereule, Haselhuhn zu Hasen- 
huhn, Rötelweih zu Rötelweib, Holbrot(er) zu Holbruder, Krichente 
zu Kriechente, Mer(r)ach zu Meerrache, Seeteuchel zu Seeteufel usw. 
In anderen Fällen, wo der Verdacht an volksetyniologische Um- 
bildung nahe liegt, ist die ursprüngliche Namensform nicht 
sicher erreichbar, vgl. z. ß. Grasmücke, Rebhuhn, Wachtel und 
Hirngrille. 

Eine auffällige Umgestaltung der zusammengesetzten Vogel- 
namen ist die Umstellung der Kompositionsglieder, welche man 
in verschiedenen Mundarten beobachten kann. In der Schweiz 
heißt das Rotkehlchen nicht nur Rotbrüsteli, Husröteli und Dach- 
röteli, sondern auch Bruströteli, Rothuserli, Rotdacheli. Man könnte 
annehmen, daß hier eine gegenseitige analogische Beeinflussung 
der erstgenannten Namensformen stattgefunden hätte, aber die- 
selbe Umstellung der Glieder kommt auch in Thüringen vor, 
wo neben Radkelchen die Form Kälredchen, neben Rodzdel die 
Form Zdlroden vorkommt, und durch dasselbe Umstellungsprinzip 
sind die Doppelformen Beinsterze und Sterzbeinchen 'Bachstelze' 
in Oberhessen, Wihoppe und Hopwiweken 'Wiedehopf in Altmark 
zu erklären. Ohne Zweifel setzt auch der westfälische Name Kel- 
witte (d. h. Kehlweiß) 'BachamseT eine Form *Witkele voraus; 
unsicher dagegen ist, ob Bomphorn, eine niederdeutsche Be- 
zeichnung der Rohrdommel, aus Hordump, und Rappenkeib 
(d. h. Rabenaas), ein elsässisches Dialektwort für den Raben, 
aus Keihrappe umgebildet ist. Diese sprachliche Erscheinung, 
welche übrigens einer eingehenden Untersuchung wert wäre, 
scheint in einer Art Spieltrieb zu wurzeln. Darauf deuten auch 
solche Formen wie schmalkald. Steinherze statt Beinsterze. 

Eine andere Art Umbildung der Komposita findet dadurch 

Suolahti, Vogelnamon. 



XX Einleitung. 

statt, daß das zweite Kompositionsglied ausgelassen wird. Dieses 
Abkürzungsprinzip, das aus dem Bequemlichkeitstrieb sich leicht 
begreifen läßt, ist in der Sprache keine ungewöhnliche Er- 
scheinung. Unter den Yogelnamen findet man mehrere Beispiele 
dafür. Im Elsaß wird die Misteldrossel kurzweg Mistel und der 
Krammetsvogel wieder Krammets genannt; in der Schweiz er- 
scheint die Form Räckholter statt Räckholtervogel. In derselben 
Weise werden im Elsaß und in der Schweiz Distelfink zu Distel, 
Goldfink zu Goll verkürzt und in Schlesien kommt die Form 
Luh statt Luhfink vor. In Steiermark hat der Auerhahn den 
Namen Brom, der eine Verkürzung von Bromhahn ist. Vielleicht 
ist auch die dialektische Form Bleß als Verkürzung von Bleß- 
huhn und Burz, Bürzel als Verkürzung von Burzhuhn, Bürzel- 
taube aufzufassen. — Neben den zusammengesetzten Vogelnamen 
kommen manchmal auch abgeleitete Namensformen vor, welche 
als Kurzformen zu jenen aufgefaßt werden können, vgl. Krana- 
beter, Kramser neben Krammetsvogel, Sprosser neben Sproßvogel, 
Zäunert neben Zaunkönig, Nussert neben Nußhäher, Stocker 
neben Stockente usw. Es ist jedoch schwer eine Grenze zu ziehen 
zwischen diesen Kurzformen und den Ableitungen, welche ohne 
Rücksicht auf ein Kompositum gebildet sind. 

Wenn wir das Augenmerk auf die ableitenden Formantien 
richten, welche bei der Bildung von Vogelnamen zur Anwendung 
kommen, so finden wir, daß unter den Namen, welche uns in 
der althochdeutschen Periode entgegentreten, einige maskuline 
a-Stämme mit unterlaufen : gouch, speht, hraban, hruoh, eringreo%, 
gir, storah, swan; von den zwei femininen i-Stämmen gans und 
anut hat jener früher konsonantisch flektiert 1 . 

Den weitaus größten Teil des überlieferten althochdeutschen 
Namenmaterials bilden die maskulinen (J)an-Stänime und die 
femininen (J)dn-Stämme (eventuelle o-Stamme sind nicht nach- 
zuweisen), vgl. die Maskulina wrendo, amero, finco, sparo, hrabo, 
hano, krano, odobero, heigaro, ivio, (tvannen)weho, aro, sprinze und 
die Feminina swalwa, drösca, lerahha, meisa, sprd, krdwa, daha, 

1 In den «-Stämmen habuh und kranuh und in dem maskulinen 
t'-Stamm elbiz, ist der auslautende Konsonant ein ableitendes Element, 
s. S. XXII. 



Einleitung. XXI 

kd, kakO) a;/((. iichara. tüba, u<iht<d<i. kr* ■///. an'da. Von manchen 

Namen kommen sowohl maskuline wie feminine Können vor. 
vgl. wituhopfo nel>on wituhopfa^ snepfo neben snepfa, staro neben 
aftzra, belihho neben bclihha, soarbo aeben »carba. — Von den 
Bildungen auf (,;>« und (;>m sind and. distüzufo (d h. Dfetel- 
rupfer), nihd. icun/c/Jtdhe (d. )i. Wülgerhenker) und rorp/tose (d. h. 
Rohrzischer) sowie ahd. nahtigala (d. h. Nachtsängerin) und wahr- 
scheinlich auch wa^erstelza (eigtl. wohl Wasserstelzerin) und 
grasemueka (eigtl. wohl Grasschlüpferin) von Verben abgeleitete 
Nomina agentis. Die neueren Mundarten bewahren noch andere 
derartige Bildungen, die in der älteren deutschen Überlieferung 
nicht bezeugt sind: der Tagschlaf, der Kernbeiß, der Bienen- 
schnapp, der HolzscJier, der Haber blarr, der Erdbüll und die »S'tetn- 
srhmatz, die Schnarre, die Nuatebicke, die Nattenvinde (vgl. die 
Glosse nadaruuinda in Ahd. Gll. IY, 206 35 ), die Glucke, die 
Bauche (= ags. cfofce). Es sind diese Xamensfornien erstarrte 
Reste der alten Bildungsweise, die schon seit langem aufgehört 
hatte, produktiv zu sein. 

Das heute übliche Suffix zur Bildung maskuliner Nomina 
agentis ist er (ahd. dri), welches in Yogelnamen nicht nur zur 
Ableitung von Nomina agentis aus Yerben, wie z. B. Zerrer, 
Kleber, Baumläufer, Nußbicker usw., zur Anwendung kommt, 
sondern auch von Substantiven Namen bildet, welche mit dem 
Grundwort in einem viel loseren Zusammenhang stehen, vgl. 
Löffler, Mistler, Gabler, Bruster, Kröpper, sowie Kranabeter, 
Stocker 1 u. a. — Bereits im Althochdeutschen finden wir das 
ar/-Suffix in den Namen müsdri sjxiruxlri, welche wohl aus 
älteren Komposita müs-aro und spanv-aro umgebildet sind, und 
in dem Nomen agentis tuhhdri (d. h. Taucher). Neben der letzt- 
genannten Namensform findet sich auch die Form tühhil die 
eine Ableitung mittels des *7a-Suffixes ist. In der althochdeutschen 
Periode war dieses zur Bildung von maskulinen Nomina agentis 
noch produktiv und konkurriert somit mit der alten (/)a«-Bildung 
und dem Suffix dri, von dem es später verdrängt worden ist; 
wir finden das Suffix üa mit dieser Funktion außer in tühhü 
noch in den althochdeutschen verbalen Ableitungen dorndrdil 

1 Vgl. S. XX. 



XXII Einleitung. 

'Dorndreher', stÖT&il 'Stösser', in mhd. boumheckel 'Bauinhacker', 
gümpel (d. h. Hüpfer), beinbrüchel 'Beinbrecher', in nhd. dial. 
Steingellil, Nnßbickel, Mattknitzel. Auch von Nomina werden mit 
ila oder mit dessen erweiterter Form ilan, ilon Namen gebildet, 
vgl. ahd. rötil und rotilo 'Rotkehlchen* (zu rot), hardila 'Bach- 
stelze' (wohl zu ahd. hard), mhd. grez^el 'Leinfink* (zu gra%), nhd. 
dial. der Hanfei 'Hänfling {zu Hanf), die Horbel 'Bläßhuhn' 
(zu ahd. horo). Möglicherweise hat das Suffix in den letztge- 
nannten Vogelnamen auch eine deminutive Nebenbedeutung. 
Deutliche Deminutivbildungen sind dagegen ahd. ivrendilo 'Zaun- 
könig' neben wrendo und dröscala 'Singdrossel' neben drosca 
'Drossel', nhd. Atzel (ahd. *agazala) neben ahd. agaza, vielleicht 
auch uwila 'Eule' neben Schweiz, Uiv 'Uhu' und hüchila 'Eule' 
neben ndd. hüc 'Uhu', mhd. tvergel 'Neuntöter' zu wäre 'Wolf. 
Undurchsichtiger ist die Bildungsweise in ahd. amsala, wigla, 
ivahtala, deren Etymologie nicht ganz sicher ist. 

Die Ableitungen auf il sind manchmal durch das Suffix 
inga erweitert worden und haben so dazu beigetragen, die Suffix- 
form linga ins Leben zu rufen, welche bei der Bildung von 
Yogelnamen besonders beliebt ist. Die altgermanischen Dialekte 
weisen vereinzelte Namen auf, welche mit der einfacheren Form 
inga gebildet sind, vgl. anord. meisingr, andd. hliuning, ahd. 
amering ; dazu noch nhd. dial. Ziering, Fiting, Schnir(r)ing, Hüting. 
Besonders produktiv ist aber die Suffixform linga geworden, 
die ebenfalls schon in den altgermanischen Sprachen Yogel- 
namen bildet, vgl. anord. kjtiklingr, ags. swertling, yrdling, duce- 
ling, slcerling, ahd. amerling, Sperling, mhd. durling, rudeling, 
mnd. geiteling, in neueren Mundarten Bleßling, Dröschling, Düme- 
ling, Fisterling, Flinderling, Gerstling, Gilbling, Greßling, Grinsch- 
ling, Grünling, Hänfling, Hüling, Iserling, Sprinzling, Sticherling, 
Winterling, Wüstling, Zaunling, Zehrling, Zitscheding. Das Suffix 
gibt diesen Namen, welche fast ausschließlich Bezeichnungen 
kleiner Singvögel sind, einen deminutiven Anstrich. 

Ein altes ^-Suffix zeigen got. ahaks 'Taube' und die alt- 
hochdeutschen Yogelnamen habuh und kranuh (neben einfacherem 
krano)', wahrscheinlich haben wir dieselbe Bildungsweise auch 
in mhd. ivitewalch 'Pirol' (neben einfacherem witewal) und viel- 



Einleitung. XXIII 

leicht in andd. küc (aus hü(w)uc?). Bin ähnliches Suffix, das 

noch einer genaueren Untersuchung bedarf, finden wir in einigen 
ostmitteldeutschen Vogelnamen: thür. Spatzi<h. sächs. Sp<>f:i ; /, 
schles. Sj)atz(/er (zu Spatz), thüring. Lihvich 'Gimpel' (zu Loh, das 
aus Lobfink verkürzt ist, ähnlich wie schles. Luh, Lüch aus Luh- 
fink, Lohfink), sächs. Zschwunschig "Grünfink' (zu Srhwunsch aus 
poln. dzwonice), schles. Gamchich 'Gänserich' (zu Gansch), ferner 
auch in mnd. wedich 'Enterich' (zu ndd. Wet) und nnd. Duwek 
'Täuberich', denen in niederdeutschen Mundarten die Bildungen 
Wederik, Dütverik zur Seite stehen. Ein erweitertes Suffix ikan : 
ikön findet sich in ahd. belihho, belihha und steir. Srhmelche 
'Singdrossel, Stadtschwalbe usw.* (falls aus *smal-ihha entstanden), 
sowie in spätahd. sperche (aus *sparihho oder *sparihha), dessen 
k schon vorgermanischen Ursprungs zu sein scheint. Ob auch 
in ahd. lerihha der germ. Är-Laut ableitend ist, muß wegen der 
dunklen Etymologie des Wortes dahingestellt bleiben. 

Das urgermanische Suffix astrjoin) : istrjo(n), welches im 
Englischen und Niederländischen produktiv blieb, um weibliche 
Nomina agentis zu bilden, hat sich in einigen Yogelnamen er- 
halten: andd. agastra, ahd. agalastra (neben aga = ags. agu) 
'Elster' und ags. hulfestre, ostfries. wüster (vgl. ags. hwilpa) 'Regen- 
vogel', auch wohl im amittelfränk.-andd. list(e)ra 'Drossel'. 

Ein altes Ableitungselement ist ferner -it- im ahd. elbi% 
'Schwan' (zu lat. alb-us) und wohl auch im spätmhd. knüllis 
'Streitschnepfe' (zu knüllen 'prügeln'). In der Weiterbildung it-jö 
finden wir dieses Suffix in ahd. agazza (zu aga) 'Elster' und 
amirzo, emirza (zu amar) 'Ammer', welches in der Schweiz als 
Emmeritze und Emmeritz vorkommt. 

Die Form Emmeritz hat sich an eine Anzahl Namen an- 
gelehnt, welche auf itz ausgehen. Dieser Typus ist in die Sprache 
entlehnt mit den slavischen Vogelnamen auf -ec oder -4c (vgl. 
dzwoniec usw.) : Stieglitz, Krinitz, Iritsch, Ikairitz. Woinfz. An diese 
Gruppe haben sich dann Krammitz (aus Krammets(vogel)) y Kibitz 
(aus Libi%) und Emmeritz angeschlossen, und nach dem Muster des 
letztgenannten Namens hat man dann die Synonyma GeliU (in 
Schwaben) und Golitschke, d. h. Golditzke (in Schlesien) geschaffen. 
Auch die Namen Girlitz und Giritz zeigen das fremde Suffix. 



XXIV Einleitung. 

Die verschiedenen Geschlechter der Vögel werden entweder 
durch suffixale Ableitung oder durch ganz besondere Namen 
ausgedrückt. Überhaupt wird jedoch der Geschlechtsunterschied 
bei Yögeln wenig beachtet. Wie in der Klasse der Säugetiere, 
so kommt er auch in der Yogelwelt hauptsächlich in Betracht 
bei den zahmen Tieren. Für den Jäger aber, der zu wilden 
Yögeln in nähere Beziehung tritt, ist der Geschlechtsunterschied 
auch hier von Bedeutung, und so unterscheidet er wie bei dem 
Hausgeflügel den Hahn und die Henne, die Gans und den 
Gänserich, die Ente und den Enterich. Ebenso hatte der Falkner 
besondere Namen für den männlichen Falken, Habicht und 
Sperber; dieser wurde mit dem Namen sprinze, die beiden erst- 
genannten wieder mit dem Ausdruck terzil von den weiblichen 
Yögeln unterschieden. Auch der Vogelsteller, welcher mit der 
befiederten Welt besonders vertraut ist, unterscheidet immer 
das Männchen vom Weibchen und verwendet für sie auch 
manchmal verschiedene Ausdrücke ; so wird der männliche Gimpel 
als Gügger von dem weiblichen, der Quetsch, unterschieden. Aber 
wenn wir von Jägern und Vogelstellern absehen, so wird auf 
den Unterschied der Geschlechter bei wilden Yögeln wenig Acht 
gegeben. Wo er deutlich hervorgehoben werden soll, geschieht 
dies heute durch die Ausdrücke Männchen und Weibchen 1 . In 
den Dialekten kommen jedoch für den Spatzen, welcher in der 
nächsten Nähe des Menschen lebt, die Maskulinbildungen Spetzert, 
Spetzerich und Sparkäz neben Spatzenmännel vor. 

Eine wichtige Rolle spielt der Geschlechtsunterschied natur- 
gemäß beim Hausgeflügel, zu dem außer Huhn, Gans und Ente 
auch die Taube gezählt werden muß. Nach der Annahme von 
Hahn, Schrader u. a. wurde das Huhn bei den Germanen erst 
in verhältnismäßig später Zeit zum Nutzvogel gemacht, aber 
vorher war der Hahn als Zeitverkünder schon lange in der 
Umgebung des Menschen gewesen. Dazu stimmt, daß die ger- 

1 In älteren Perioden wurde das weibliche Geschlecht durch Ab- 
leitung mittels des Suffixes innjö ausgedrückt. Von solchen Feminin- 
bildungen sind ahd. arm 'weiblicher Adler', swanin 'weiblicher Schwan' 
und h?nin 'Henne', pfdwin 'Pfauhenne' überliefert. Erhalten hat sich diese 
Ableitungsart in dem letztgenannten Namen und in Bezeichnungen der 
weiblichen Taube : Täubin, Schweiz. Chütin. 



Einleitung. XXV 

manischen Sprachen den Hahn mit einem gemeinsamen Namen 
benennen; auffällig ist aber, daß daneben als Gattungsname ein 
neutraler es-Stamm *h6niz vorkommt, dessen Vokalablaut auf 
eine sehr frühe Zeit zu weisen scheint. Das weibliche Huhn 
wird im Westgermanischen mittels eincr/VJ-Ableitung vom Hahnen- 
namen, im Nordischen mittels einer Jon- Ableitung von der kom- 
munen Benennung bezeichnet. Beim übrigen Hausgeflügel, der 
Gans, der Ente und der Taube, wo der Gattungsname feminin 
ist, genügt dieser meistens zur Bezeichnung des Weibchens, 
während für das Männchen besondere Maskulinbildungen nötig 
sind ! . — Das Verhältnis der alten maskulinen Namensform 
ahd. gana^o, ganzo zum Gattungsnamen Gans ist nicht völlig 
klar. Auch im ahd. anutrehho, der ältesten Bezeichnung des 
Entenmännchens, die man offenbar als Kompositum aufzufassen 
hat, ist das zweite Element (ndd.-engl. drake) nicht durchsichtig. 
Im Anschluß an die Eigennamen auf -rieh ist aus ahd. anntrehho 
die nhd. Form Enterich hervorgegangen, welche die Analogie- 
bildungen Gänserich, Täuberich, Wederik, Spetzerich und auch 
wohl Wuderich, Schisshöfferich 'Wiedehopf hervorgerufen hat 2 . 
— Die älteste deutsche Bezeichnung der männlichen Taube ist 
das im 12. Jahrhundert belegte Kompositum tübhai, d. h. Tauben- 
hüter. Im 14. Jahrhundert tritt dann in gleicher Bedeutung die 
abgeleitete Form tuber = mnd. düver auf; im 15. Jahrhundert 
finden wir die ähnlich gebildete Form ganzer, ganser 'Gänserich/, 
und in neueren Mundarten erscheint auch die Form Enter 
'Enterich'. Neben den Maskulinbildungen Tauber, Ganzer und 
Enter kommen in mittel- und niederdeutschen Mundarten die 
Formen Taubert, Ganzert, Entert vor, die ihren Typus von den 
Eigennamen -hart bekommen haben 3 ; der früheste Beleg gansz- 

1 Für das Taubenweibchen werden jedoch auch die Femininbildungen 
Täubin, Ciültin verwendet (s. S. XXIV), und für die Gans und Ente kommen 
im Elsaß die Formen Gansläre und Entläre vor, s. S. 4:24. 

2 Wenn die mittelniederdeutsche Form düven'ch aus der im Anfang 
des 16. Jahrhunderts bezeugten Form düverinc entstanden ist, die als 
Weiterbildung von der Maskulinbildung düver aufgefaßt werden kann, so 
könnte sie bei der Bildung des Typus auf -rieh mitgewirkt haben. Aber 
düverinc ist doch wohl eher als Umbildung von düverich aufzufassen. 

3 Dieser Typus findet sich auch in anderen Vogelnamen, vgl. mnd. 



XXVI Einleitung. 

hart stammt aus dem 15. Jahrhundert. Schließlich erscheinen 
auch die Suffixformen ar(n) und hom in mnd. düvar(n) und 
duphorn, niederhess. Dubhorn. Wahrscheinlich liegt allen diesen 
Varianten ein altes maskulines Suffix zugrunde, welches bereits 
in ahd. kataro 'Kater' und ags. gandra 'Gänserich' zum Yorschein 
kommt. Für Kluges Annahme, daß die ursprüngliche Lautgestalt 
des Suffixes als haro anzusetzen sei, sprechen die Varianten 
hart und hörn. — Außer den eben erwähnten alten Maskulin- 
bildungen kommen in den Mundarten auch neuere Zusammen- 
setzungen (wie Entenmann und Antvogel) und vom Gattungs- 
namen ganz unabhängige Ausdrücke vor. Von den letztgenannten 
knüpfen Gockel e Hahn', Ratsche (und vielleicht Erpel) 'Enterich', 
Rucker und Küter 'Täuberich' (schon im 14. Jahrhundert als küto 
belegt) an die Stimme des Vogels an, während Wet 'Enterich' 
und Geidl 'Gänserich' wohl mit Lockrufen in Verbindung stehen 
und Gäred, Gäber 'Gänserich' Personennamen sind; der nord- 
deutsche Name Wart 'Enterich' bedeutet 'Hüter' und bildet also 
eine Parallele zu tübhai 'Täuberich'. 

Das Junge des Hausgeflügels wurde im Althochdeutschen 
durch Ableitung mittels des gehäuften Deminutivsuffixes inkittn 
bezeichnet: huoninkilin, gensinkilin, anitinkilin, tübiklin. Nur die 
erstgenannte Bildung hat sich als Kunkel neben der alten 
deminutiven ^-Bildung Kuchen (= ndd. Küken, ags. cycen) bis 
auf unsere Tage erhalten, die übrigen sind von jüngeren Ab- 
leitungen oder von anderen Ausdrücken verdrängt worden. 

Die neuen Ausdrücke, die nicht allein die alten Deminutiv- 
benennungen, sondern auch die anderen altererbten Nameu für 
die Hausvögel in manchen Gegenden verdrängt haben, sind zum 
Teil onomatopoietische Bildungen, die oft aus der Kindersprache 
hervorgegangen sind, zum Teil stehen sie in Verbindung mit 
den Lockrufen, welche gegen die Vögel verwendet werden. Das 
Verhältnis dieser Rufe zu den entsprechenden Namen ist nicht 
immer dasselbe. Während in einigen Fällen der Ruf dem Namen 
zugrunde liegt, ist in anderen Fällen wieder jener aus diesem 
sekundär gebildet. Aber wie sich Name und Lockruf auch zu 

rökart 'Saatkrähe', Zäunert 'Zaunkönig', Nussert 'Tannenhäher', Wuppert 
'Wiedehopf, Spetzert 'Spatzenmännchen 5 . 



Einleitung. XXVII 

einander verhalten mögen, in beiden ist der onomatopoietische 
Charakter in die Augen fallend. Dies führt uns aber über zur 
Betrachtung der onomatopoietischen Namenbildung und der 

semasiologischen Gesichtspunkte, di<- bei der Bildung vom Vogel- 
namen in Betracht kommen. 

Daß der Naturlaut, der ja ein so charakteristisches Merk- 
mal der Vögel ist, bei der Benennung derselben eine bedeutende 
Rolle spielen muß, leuchtet ohne weiteres ein. Für die Erklärung 
der Vogelnamen ist daher das Studium der Naturlaute eine 
notwendige Bedingung. Schon bei den älteren Ornithologen be- 
gegnet gelegentlich eine Bemerkung über die Stimme des Vogels, 
aber solche Bemerkungen sind ganz zufälliger Art. Die erste 
systematische Beschreibung der Vogelstimmen linden wir in 
der Naturgeschichte Naumanns, der hier seine wertvollen Be- 
obachtungen über diesen Gegenstand mitteilt. Das wichtigste 
Hilfsbuch ist aber das vor einigen Jahren erschienene "Ex- 
cursionsbuch zum Studium der Vogelstimmen" von A. Voigt. 
Mit Hülfe der hier gegebenen exakten Schilderungen kann man 
in vereinzelten Fällen den Zusammenhang zwischen Naturlaut 
und Namen ohne Schwierigkeit erkennen. Aber zugleich zeigt 
das Buch auch, daß man manchmal einen solchen Zusammen- 
hang auch da zu finden meint, wo keiner vorhanden ist, und 
daß man leicht geneigt ist, einen bekannten Namen in den Ruf 
des Vogels hineinzulegen; denn sogar ein so scharfer Beobachter 
wie Voigt ist in dieser Hinsicht schlimm hereingefallen. So 
behauptet er u. a. im Rufe des Grünfinken das Wort Schwunisch 
zu hören, obgleich dieser Name der polnischen Namensform 
dzwoniec entlehnt ist. Auf irrtümlicher Auffassung sprachlicher 
Erscheinungen beruht auch die Äußerung, daß ein scharf vibrie- 
rend ausgezogener Laut dem Namen Lerche und dem englischen 
Synonyinon lark zugrunde liege, während, wenn er mehrsilbig 
gebraucht wird, man auch die niederdeutschen Bezeichnungen 
Lawerik und Lirike heraushören könne ; alle diese Varianten haben 
sich bekanntlich aus einer Grundform *laiiv(a)rik6n entwickelt, die 
entweder ein Kompositum oder ein abgeleitetes Wort ist. Aber der 
Philologe hat nichts gegen die Behauptung einzuwenden, daß im 
Namen des Finken dessen heller Paarungsruf 'pink' steckt. 



XXVIII Einleitung. 

Von den in althochdeutscher Periode überlieferten Vogel- 
namen sind die Bezeichnungen des Finken (ahd. finco), der 
rabenartigen Vögel (hraban, kräwa, hruoh, daha, kä, kaha, hehara) 
und Eulen (üvo, hüivo, üwild), des Wiedehopfs (witu-hopfa), des 
Reihers (h(r)eigaro), des Kranichs (krano, kreia), der Rohrdommel 
(horo-tumil) und wohl auch des Kuckucks (gouh) lautbildenden 
Ursprungs und in der späteren Überlieferung häufen sich die 
onomatopoietischen Synonyma. Wir finden in den neueren Mund- 
arten auch lautnachahmende Benennungen für Drosseln, Laub- und 
Rohrsänger, Grasmücken, Strandläufer, Enten u.a. Besonders zahl- 
reich sind hier die lautbildenden Benennungen für den Wiedehopf, 
den Pirol und den Kibitz, welche sich durch auffällige, der 
menschlichen Stimme ähnelnde Rufe auszeichnen. Derartige Vogel- 
stimmen werden oft vom Volke in Worten gedeutet. Im Wachtel- 
schlage z. B. hört man eine Aufforderung Flick de Büx\ oder 
Bück den Riickl, in dem hellen Frühlingsrufe der Kohlmeise eine 
Ermahnung Sieh dich für\ oder Spitz die Schar \ und in dem 
unheimlichen Geschrei des Kauzes den verhängnisvollen Befehl 
Komm mit\ Solche Deutungen können, wie es in den genannten 
Fällen geschehen ist, zu Benennungen der betreffenden Vögel 
werden. So wird auch der Rotschwanz Hütik genannt, weil sein 
Gezwitscher ein drohendes hüt dich\ enthalten soll, und der Pirol 
heißt nach seinem hellen pfeifenden Rufe Junker Bülow, Bier- 
holer usw. — Zahlreicher als die direkten Nachbildungen der 
Stimme sind in den Mundarten die Namen, welche sich an ein 
lautbezeichnendes Verbum anschließen und also die Art des 
Naturlautes angeben. Die Nachtigall ist der Nachtsänger (ahd. 
nahtigala), der Nachtschläger oder der Wirbier (mhd. durlinc), der 
Wiedehopf der Rufer, die Misteldrossel der Schnarrer oder Zerrer, 
die Grasmücke der Buschstotterer, derWeidenlaubvogel der Wisper, 
die Alpenbraun eile der Heidepfeifer oder Berglisper, der Häher 
der Holzschreier, der Regenpfeifer der Flöter, der Turmfalke 
die Lachiveihe, der Nachtreiher der Quakreiher usw. Die Stimme 
des Vogels gibt auch manchmal Anlaß zu einem Vergleich, dem 
der Name entspringt : Finkenmeise, Wasserrabe, Brellochs, Himmels- 
ziege, Saidocker u. a. 

Außer der Stimme kommt bei der Benennung der Vögel 



Einleitung. XXIX 

auch ilnv äußere Erscheinung in Betracht Bin «richtiger 
Faktor ist hierbei die Farbe des Vogels. Diese kann bisweilen 
durch eine Ableitung (wie and elbty (vgL tat albus), Rötete 
Grünling, Bleßling) ausgedrückt werden, gewöhnlich rerlangt 
sie aber eine Kompositionsbildung, vgl. Rotfink, Rotkehlchen, 
Blaumeise. Blaufuß, Weißärschel, Schwarzkopf, BUektterz usw. 
Oft wird die Farbe in diesen Komposita nicht direkt, Bondern 
indirekt durch einen Vergleich angegeben, z. B. Brandvogel, 
Bußvogel Kohlmeise, Aschenente, Blutfink, Ziegelhänfling, Hiunnel- 
meise\ zu beachten ist die häufige Verwendung (\c> Wortes Schild, 
um bunte Färbung zu bezeichnen: Schildamsel, Schildfink, Schüd- 
hahn, Schild krähe, Schildreiher, Schildspecht. — An diese farben- 
bezeichnenden Namen schließen sich diejenigen an, welche an 
irgendein anderes äußeres Merkmal anknüpfen, vgl. z. B. Zwerg- 
vogel, Schranzmeise, Großmaid, Mauskopf, Krummschnabel, Dirk- 
fuß, Ohreule, Löffelente, ferner Wendehals, Wippstert je, Schüttelkopf. 
Eine dritte Hauptgruppe bilden die Namen, welche ein 
besonderes Moment in der Lebensart des Vogels hervor- 
heben. Hierher gehören zunächst die Ausdrücke, die den Auf- 
enthaltsort angeben, wie z.B. Waldamsel, Grasmücke, Rohrsperling, 
Zaunkönig, Bachstelze, Dachschwalbe, Steinschmätzer, Turmeule, 
Saatkrähe, Misteldrossel. Die letztgenannten zwei AVorte führen 
über zu den Namen, welche auf die Nahrung des Vogels hin- 
weisen, vgl. z. B. Hänfling, Kornvogel, Talghacker, Kernbeißer, 
Fliegenschnepper. Fischadler, Lerchenstößel, Hühneraar, Lämmer- 
geier. Die Einrichtung des Nestes hat solche Benennungen ver- 
anlaßt wie Backofenkriecher, Wollenspinner, Kleiber und Hohl- 
taube, während wieder die Unsauberkeit, die im Neste herrscht 
dem Wiedehopf die Namen Stinkhahn, Dreckstecher und der 
Hohltaube den Namen hortübe (d. h. Kottaube) eingetragen hat. 
Bestimmte Eigenschaften der Vögel werden ferner betont in 
Ausdrücken wie Tagesschlafe, Klapperstorch, Klatscher, Stößer, 
Streitschnepfe u. a. Eine besondere Kategorie bilden unter diesen 
die Namen, welche die Vögel nach der Zeit ihres Erscheinens 
benennen, vgl. Märeamsel, Oste renpfiff 'er, Ostervogef, Pfingstvogd, 
Frühlingsvogel, Sonnner rötele und Winterrötele, Herbstkrähe und 
Winterkrähe. Besonders zahlreich sind die Namen, die an das 



XXX Einleitung. 

winterliche Vorkommen eines Vogels anknüpfen, und oft wird 
dies durch die Worte Eis oder Schnee ausgedrückt: Eisente, 
Eisvogel, Schneeamsel, Schneefink, Schneevogel, Schneegitz, Schnee- 
kater, Schneeleschke, Schneemeise, Schneekächli, Schneetahe, Schnee- 
huhn, Schmegekr. Einige von diesen Namen beruhen jedoch 
auf der Vorstellung, daß das plötzliche Erscheinen des betreffen- 
den Vogels im Spätherbst ein Vorzeichen von Schneefall und 
Kälte ist. Daß die Schneegans den Namen erhalten hat, weil 
sie durch die Art ihres Fluges Schneefall verkündigt, wird be- 
reits von Albertus dem Großen erwähnt. Andere Vögel haben 
sich wieder durch ihr Geschrei den Ruf von Wetterverkündigern 
erworben. Als besonders sichere Propheten gelten die Regen- 
pfeifer und der Brachvogel, der in den Mundarten daher Regen- 
vogel, Windvogel, Wettervogel und Gewittervogel heißt. Das Pfeifen 
des Zaunkönigs, das ebenfalls Regen verkünden soll, hat ihm 
den Namen Naßarsch eingetragen, und der Wendehals und der 
Pirol sind an einigen Orten unter den Namen Regenbitter und 
Regenkatte bekannt. 

Aber in der Volksvorstellung sind die Vögel nicht nur 
Wetterpropheten, sondern auch Unglückspropheteu. Das un- 
heimliche nächtliche Geschrei des Kauzes, das als ein Befehl 
'komm mit!' gedeutet wird, gilt als todverkündigend, und daher 
hat der Vogel die Benennungen Todesvogel, Sterbekauz, Leichen- 
huhn bekommen; auch der gotische Name hraiwadübö 'Leichen- 
taube' dürfte in ähnlicher Weise zu erklären sein. Ferner er- 
weckt das unerwartete Vorkommen gewisser Vögel in der Nähe 
der Häuser oder ihr plötzliches Erscheinen in einer bestimmten 
Gegend unheimliche Vorstellungen. Besonders wird das Auf- 
treten der in großen Scharen ziehenden nordischen Vögel, wie 
Seidenschwänze, Bergfinken und Rotdrosseln, als ein böses Omen 
betrachtet, und man nennt sie daher Totenvögel, Pestvögel oder 
Kriegsvögel. Das sporadische Auftreten des Leinfinken hat den 
Volksglauben veranlaßt, der dem Namen Mäusevogel zugrunde 
liegt. Die plötzlich verschwindenden Leinfinken sollen sich 
nämlich in Mäuse verwandeln, aus denen dann zu bestimmter 
Zeit wieder Vögel entstehen. Eine ähnliche Vorstellung gilt auch 
von dem Kuckuck, der sich jedes Jahr für eine gewisse Zeit 



Einleitung. XXXI 

in einen Sperber verwandeln soll und daher dessen Namen 
Vogelstößer führt; der Grund zu dieser Vorstellung ist hier in 
der Ähnlichkeit der beiden Vögel zu Buchen. Einem Volks- 
glauben ist ferner der Ausdruck Neuntöter und auofa wohl der 
preußische Name Hexe als Bezeichnung der lautlos Siegenden 
Nachtschwalbe entsprungen. — Von der Heimat der Belten oder 
unregelmäßig erscheinenden Vogelarten haben sich unter dem 
Volke bestimmte Vorstellungen gebildet, die auch für die Namen 
verwertet werden. Die bereits erwähnten nordischen Zugvögel 
werden an manchen Orten Böhmen oder Friesen genannt, der 
Bergfink heißt Spanischer Buchfink, der schwarzstirnige Würger 
Spanischer Dorndreher, die Blaukrähe Ungarischer Häher, der 
Austernfischer Türkischer Kibitz. Manchmal wird die fremde 
Heimat eines Vogels unbestimmter durch das Epitheton welsch 
(Welscher Hänfling oder Welsche Goldammer) angegeben, oder 
der Vogel wird als überseeisch bezeichnet, vgl. MeeramseL Meer- 
häher, Meerzeisig, Meergans, Meerhuhn. Aber auch nach heimischen 
Landschaften werden bisweilen solche Namen gebildet, vgl. Rhein- 
schwalbe, Rheingans, Eisleker Feldhong (Öslinger Feldhuhn). 

Die bei der Bildung von Vogelnamen in Betracht kommen- 
den drei Hauptfaktoren, Stimme, äußere Erscheinung und Lebens- 
art, werden in dem betreffenden Namen nicht immer direkt, 
sondern sehr oft in der Form einer Metapher ausgedrückt, vgl. 
z. B. Ochsenäuglein, Däumling, Pfannenstiel, Blutzapfen. Manch- 
mal ruft das zu betonende Merkmal einen Vergleich mit anderen 
Vögeln hervor, wie in Nachtschwalbe, Hohlkrähe, Otterfink, Wald- 
häher] besonders häufig sind natürlich die Vergleiche mit dem 
Hausgeflügel, vgl. z. B. Kothahn, Goldhahn, Leichenhuhn, Trapj)- 
gans, Gelbgans. Auch Vergleiche mit anderen Tierarten kommen 
manchmal vor, wie die Namen Birkel (d. h. Bärchen), Wieselchen, 
Baumkatze, Meisenwolf, Habergeiß, Wasserochs, Filzlaus zeigen. 
Interessant sind die Metaphern, welche auf einer Übertragung 
menschlicher Verhältnisse auf die Vogelwelt beruhen. Der auf 
Dachfirsten ruhende Mauersegler heißt Leendecker (d.h. Schiefer- 
decker), die auf Schornsteinen weilende Rauchschwalbe Kämet nc- 
botzert (d. h. Schornsteinfeger), und der weißgezeichnete Fluß- 
uferläufer Fisterling (d. h. Bäcker); die klappernde Grasmücke 



XXXII Einleitung. 

ist der Müller, die dem Landmann folgende Bachstelze der Acker- 
mann, der in gewölbten Nestern wohnende Laubvogel der Oefener, 
die in klirrenden Tönen singende Grauammer der Strumpfwirker 
und der grausame Neuntöter der Radebrecher. Besonders beliebt 
sind Vergleiche mit Geistlichen. Die mit schwarzen Kopf platten 
versehenen Grasmücken, Rotschwänzchen, Dorndreher und die 
Haubenlerche sind Mönche, die schwarz und weiß gezeichneten 
Säger wieder Nonnen, der dickleibige Blutfink mit der schwarzen 
Kappe ist der Dompfaff und die in schwarz-weißen Farben ge- 
kleidete Bachstelze das Kloster fräulein; eine gehaubte Taubenart 
ist ein Kapuziner und das Bläßhuhn ein Pf äff. Der scherzhafte 
Zug, der sich in den Namen dieser Art bemerkbar macht, kommt 
deutlich zum Vorschein im Ausdruck Straßenräuber, der für die 
auf Landstraßen lebende Haubenlerche verwendet wird, und in 
den halb schimpfenden Namen Faule Magd oder Alter Knecht, 
welche dem im Kornfeld sich versteckenden Wiesenknarrer ge- 
geben werden. Andere Schimpfnamen sind Windracker für den 
Grünspecht und Jude oder Tscheche für den Spatzen. 

Die Übertragung von Benennungen menschlicher Wesen 
auf die Vögel erstreckt sich auch auf die Eigennamen. Daß 
gezähmte Vögel wie Papageien, Raben usw. menschliche Namen 
bekommen, ebenso wie die Hunde, Kühe und Pferde, ist eine 
psychologisch leicht begreifliche Erscheinung. Solche indivi- 
duelle Namen können aber in manchen Gegenden auch in 
appellativischen Gebrauch übergehen. So wird der Staar Staar- 
Matz (d. h. Matthäus) genannt, der Rabe heißt in Luxemburg 
Hans, der Täuberich in Westfalen Arend (Arnold), der Gänserich 
in der Schweiz Gäber (Gabriel), in der Pfalz Gäred (Gerhard) ; in 
Norddeutschland sind Hannekin (Johannes), Klaos (Nikolaus), Aleke 
(Adelheit) Bezeichnungen für die Dohle. Li anderen Fällen ist 
der appellativische Gebrauch von Eigennamen aber nicht auf 
diesem Wege entstanden. Die Namen Jak als Bezeichnung für 
die Rotdrossel und Louis als Benennung des Brachvogels sind 
eigentlich Deutungen des Naturlautes, ebenso vielleicht Oelrick 
als Name des Bussards. Liebig 'Gimpel' und Isenbart 'Eisvogel* 
sind offenbar volksetymologische Umbildungen alter Vogelnamen, 
und der andere Vögel nachahmende Häher hat den Namen 



Einleitung. XXXI II 

Markolf nach dem Spötter in der Heldensage bekommen. — 
Häufiger ist die Verwendung von beliebten Personennamen in 
Kompositionsbildungen, wo sie überhaupt leicht appellatnren 
Charakter erhalten, vgl. Alsferkatel, Tratsehkatel 'Elster', Rotkatd 
'Rotkehlchen', Schneekater 'Ringdmssel' (zu Katel = Katharina), 
Oelemäite 'Goldammer' (zu Matte = Mathilde), ferner (Irot-Jocfan 
'Zaunkönig', Dreckjockei, Taljockei, Ziehholzjockel, Wahljakel 'Buch- 
oder Bergfink' (zu Jockei, Jalcel = Jakob), Dackpeter, Seherphans 
'Spatz', Gklhänsjen 'Goldammer' und Schwarzer Kasper 'Ralle', 
Wiesenkasper 'Wiesenknarrer'. 

Es würde hier zu weit führen, die Frage näher zu er- 
örtern, in welchem Grade die Vogelsteller und Jäger beim 
Schaffen der Vogelnamen beteiligt gewesen sind und wie die 
in diesen Kreisen entstandenen Ausdrücke sich weiter ver- 
breitet haben. In der folgenden Untersuchung sind eine ganze 
Anzahl von Namen als Jägerworte und Termini der Vogelsteller 
ausdrücklich bezeichnet worden, ohne Zweifel geht aber der 
Anteil der genannten Berufsklassen an der Namenbildung über 
die angegebenen Fälle weit hinaus. 



I. Papageien, Psittacidae. 

Sittich, Papagei, psittacus. 

Ahd. sitich: Sg. Nom. — sitach psitacus: H. S. Uraordn. 111,8. 
. Versus de volucr. (3 Hss. 12. Jh.), sitich (i Hs. 13. Jh., 1 Hs. 13./14.JH., 
3 Hss. 14. Jh., 3 Hss. 15. Jh.), sittich (1 Hs. 15. Jh.), aitik (1 Hs. 12. Jh.). 
sitih: cod. Vindob. 1325, 90b l (U. Jh.), sitech: cod. Mellic. K. 51, 
131 (U. Jh.). Versus de volucr. (1 Hs. 14. Jh.), such (1 Hs. 13. Jh.), 
sisitich (1 Hs. 14. Jh.), sie sitich (1 Hs. 13. Jh.), psitich (2 Hss. 13. Jh., 
1 Hs. 15. Jh.), pisitech (1 Hs. 12. Jh.), pesitich (1 Hs. 12. Jh.). siti- 
chust: cod. Oenipont. 711, 30a (13. Jh.). siticust: Versus de volucr. 
(1 Hs. 13. Jh.), sitkfct (1 Hs. 14. Jh.), pechsteon (1 Hs. 14. Jh.). 

Ahd. mhd. sitich m. = mnd. sidik, sedek sind dem griech.-lat. 
psittacus (in der vulgären Aussprache *psiticus; wegen -actis ~ -icus 
s. Kluge Vorgeschichte 8 § 16 d) entlehnt. Die Zeit der Entleh- 
nung, deren Terminus a quo sich aus dem unverschobenen Dental 
ergibt, kann nicht näher festgestellt werden ; ahd. ch < lat. c beruht 
kaum auf Verschiebung, wie Franz Lat-rom. Elemente S. 33 meint, 
sondern auf Lautsubstitution. Offenbar hat sich das Wort, welches 
in den romanischen Volksdialekten nicht vorhanden ist, zunächst 
in den gelehrten Kreisen in Deutschland eingebürgert. Auf diesen 
halbgelehrten Charakter der Entlehnung weist auch das Vor- 
kommen der Form sitikus(t) mit Bewahrung der lat Endung. 
Hieraus ist im 16. Jh. durch Assimilation Sickuft l (bei Gesner 
Hist. avium (1555) S. 691) hervorgegangen. 

Verschieden von sitikusf ist die Variante hineust in H. S. Xlb: 
cod. Admont 269, 61b 2 ; sie geht auf lat. (avis) indicus zurück. 

Leider fehlen historische Zeugnisse, aus denen man auf 
den ersten Import der Papageien nach Deutschland schließen 



1 Wegen des unorganischen t vgl. Paul Mhd. Gramm. 5 § 36 Anm. 7. 
S uol ah ti, Vogelnamen. 1 



2 Sittich, psittacus. 

könnte. Im Mittelalter wurden Sittiche von Edeldamen in Käfigen 
gehalten, und Abbildungen derselben erscheinen oft als Ver- 
zierungen auf Kleidern und Stoffen, auch im priesterlichen 
Ornat, vgl. z. B. Meyer Helmbreht 18 (Zs. f. d. A. IY, 322) und 
Du Cange II, 367 s. v. citacus. Essewein beschreibt im Anzeiger 
f. Kunde d. d. Yorzeit v. J. 1869 Kr. I Sp. 4 f. einen im Nürn- 
berger Museum befindlichen Seidenstoff, der angeblich dem Kaiser 
Heinrich dem Zweiten (1002 — 1024) gehört hat; auf violettem 
Grunde sind da in olivengrüner Farbe einander zugewandte 
Sittiche abgebildet. — Yon den Hunderten von Papageienarten, 
die man heutzutage unterscheidet, war es der bei den Römern 
beliebte grüne Halsbandsittich (psittacus torquatus), welcher im 
Mittelalter nach Deutschland kam. Auf diesen Yogel bezieht sich 
die Erklärung des Wortes psittacus mit "auis Indiae loquens 
uiridis coloris" in den Glossen ebenso wie das Epitheton "grüene 
als ein gras 3 ' in den mittelhochdeutschen Texten. Die Berichte 
einiger mittelalterlichen Dichter von dem schönen Gesang der 
Papageien brauchen nicht gerade auf Erfindung zu beruhen, 
denn der Halsbandsittich soll recht angenehm singen können, 
vgl. Martin Naturgeschichte I, 2, 48. 

Eine weitere Verbreitung als das lat-griech. psittacus er- 
hielt der arabische Name babaghä, der sich in fast allen euro- 
päischen Sprachen eingebürgert hat. Yon den romanischen Namens- 
formen hat sich ital. papagallo, dem afrz. papegaut am nächsten 
steht, an gallo e gallus' angelehnt, während afrz. papegai (nfrz. dial. 
papegai) = span.-portug. fapagayo wohl an afrz. gai (vulgärlat. 
gaius 1 ) 'Häher' anknüpfte. Der orientalische Ursprung der ro- 
manischen Worte, auf den schon Adelung aufmerksam gemacht 
hatte, wird von Anderen bezweifelt, die das arabische Wort für 
ein portugiesisches Lehnwort halten. Eine völlig sichere Ent- 
scheidung ist schwer zu treffen so lange man von der Geschichte 
der Papageien in Europa nicht besser unterrichtet ist als jetzt. 
— In der mittelhochdeutschen Literatur tritt das Fremdwort zuerst 
im Anfang des 13. Jhs. und zwar in der Form papegdn m. auf; 
zunächst papegdn in Gottfrieds von Strassburg Tristan 10 999, 

1 Thomas Romania XXXV, 14 ff. leitet den Vogelnamen von dem 
Personennamen Caius ab. 



Sittich, psittacn ;. 

darauf babidn in Strickers Daniel vom Blühenden Tal (Ed. Rosen- 
hagen) 550 und papigdn bei Konrad von Wtirzburg (Ed. Keller 

S. 378) 81 678. Diese Namensform kann kaum aus dem altfran- 
zösischen papegai erklärt werden, sie scheinl vielmehr eine direkte 
Entlehnung ans arab. babagän* zu sein, welche durcb die Kreuz- 
züge vermittelt wurde, s. Feit Korrespondenzbl. t udd, Sprachf. 
XXV, 83ff. Die heute üblich gewordene Form Papagei m., die im 
15. Jh. als papegey, papagey bezeugt ist, stammt aus dem Fran- 
zösischen ebenso wie mnd. papagoie, papegoie, nndl papegaai* (als 
"Pfaffenhäher*, zu gaai 'Häher*, aufgefallt); aus dem Niederdeut- 
schen ist das Wort ins Dänische als papegßie, ins Schwedische als 
papegoja übernommen. Auch mittelengl. papegai, popegat, spätme. 
und m\ popin ja y haben ihre Quelle in dem französischen Worte. 

Eine schweizerische Variante des Vogelnamens ist Bappen- 
gei 3 in der Stadt Basel, im 16. Jh. als Pappengeij von I fesner S. 691 
bezeugt. Aus dieser Quelle stammt wohl Pappengeij bei Grolius Ono- 
masticon v. J. 1579 Sp. 294; die heute im Elsaß volkstümliche 
Form \stBappegei*. — Adelung (1777) III, 956 verzeichnet Pap- 
chen mit Belegen aus Zachariä 5 , das ndcl. Pape (Brem. Wb. III, 
29 k 2) bezeichnet er als 'ungewöhnlich'. Diese Namensformen ebenso 
wie ostfries. Päpje (Xdd. Jb. XI, 112) sind als Verkürzunuvn von 
Papagei aufzufassen ebenso wie Pa(p)perl*> m. u. n. in Baiern, Tirol 
und Steiermark ; wahrscheinlich gehören sie eigentlich der Kinder- 
sprache an. In Luxemburg heißt der Papagei auch Jako 7 m., das 
mit dem Personennamen Jakob identisch ist. Als Nomen proprium 
für Käfigvögel kommt dieser Name öfters vor. 

Der Name Kakadu m., mit dem man eine Papageiengattung 
benennt, stammt aus dem malaiischen Worte kakatüa. Bereits 
in dem Orientalischen Reisebericht Andersens v. J. 1669 S. 189, 
wo "der weissen Papagayen" gedacht wird, tritt das Fremdwort 
in der umgedeuteten Form Kaketlnin auf: Reyger. schreibt da- 

1 Im modernen Vulgärarabisch vorhanden. 

2 Im Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XXV, 60 erklärte J. Winkler 
das holländische Wort für die ursprüngliche Quelle aller hierhergehörigen 
Namensformen überhaupt. — 3 Staub-Tobler IV, 1415. 

4 Martin-Lienhart II, 67. — 5 Vgl. Grimms Wb. VII. L43*. 
6 Schmeller-Frommann I, 399, Frommann D. Mundarten IV, 216 und 
Unger-Khull 41. — 7 Wb. d. Luxemburg. Mundart. 3. 198. 

1* 



4 Kuckuck, cuculus canorus. 

gegen in seiner Yerbess. Hist. der Vögel (1760) S. 25 die fremde 
Namensform Kakatoeha. Adelung Wörterbuch (1775) II, 1467 
bucht die Namensform Kakadu. 



IL Kuckucksvögel, Coccygomorphae. 

Typische Kuckucke, Cuculinae. 

Kuckuck, cuculus canorus. 

Ahd. gauh: Sg. Nom. — gauh (cre)cuculus : cod. S Galli 913, 
203. gaulj geometrix 1 : cod. Parisin. 12269 f. 58b. gouh: cod. S Galli 
299 p. 33. cod. S Galli 242, 248 a. Sprichwörter in St. Galler Hs. Notker 
WPs. 48, 11 (2). ciculos . . . idem dicuntur tucos 2 : Gll. Salom. a 1. 
goiih stultus: Notker Ps. 48, 11. gouh: Notker Ps. 48, 11. gouch: 
Versus de volucr. H. S. XI a 2 b. e, cuculus i fols 3 : g, tucus s . i cucu- 
lus: III, 17. gouhc: Clm. 14689 f. 47a. kovhc: cod. Selestad. 110a. 
ghoch: cod. sem. Trevir. f. 112b, koch: cod. Berol. Ms. lat. 8° 73, 
123 b 2 , gok : cod. Guelpherbyt. Aug. 10. 3. 4° f. 89 a, cuculus. i psi- 
tacus: cod. Parisin. 9344 f. 42b. — Akk. — gouhlarum: Deuteronom. 
14, 15: cod. Oxon. Laud. lat. 92, 21a. gouch: Horatius Serm. I, 7, 31: 
cod. Parisin. 9345, 74b. — Dat. — kouche stvlto: Notker Ps. 57, 11. 

— PI. Nom. — goucha stulti: Notker Ps. 93, 8. koücha: Notker 
Cantic. Deuteronom. 21. coucha: Notker W. Cantic. Deuteronom. 21. 

— Gen. — dero göucho: Notker de cons. phil. 1, 8. 

Ableitungen und Komposita. — gauhlihhoAdv.'dem Toren 
gleich, töricht': couhlicho insipienter: Notker Ps. 21, 3 Gl. — gauhheit 
f. 'Torheit': göuhheite stultitie: Notker de cons. phil. 1,9. — u reiz gauh 
m. 'Kriegsnarr': — PI. Akk. — ureizkoucha: Notker de cons. phil. 
3, 117. — gauhhes-ampfaro 'Gauchampfer' (vgl. Grimm Deutsche 
Mythologie II 4 , 568): gouches amphere cuculo panis : cod. Vindob. 10, 
337 a, trifolia: Clm. 2612, 93 b 1 , cod. Bern. 722, 1, 2 b, cod. Vindob. 
2400, 129a. gohesamphera acitvla: cod. Bonn. 218, 49b, trifolia: 
Rotul. com. de Mülin. Bern, goiesamphera trifolia: cod. Bonn. 218, 49b. 

In den indogermanischen Sprachen wird der Kuckuck 
meistens nach seinem charakteristischen Rufe benannt. In vielen 
Namen ist dieser lautmalende Ursprung noch ohne Weiteres zu 
erkennen, vgl. z. B. lat. cücülus, griech. kokkuH (kökku e Ruf des 

1 Gemeint scheint ortigometra. 1. gauh nach Wright-Wülcker 24, 17 
geumatrix geac (Steinmeyer). 

2 Vgl. Isidor Origines XII, 7, 67 u. die Anm. bei Forcellini s. v. 

3 Fols = follis = frz. fou (Steinmeyer). 



Kuckuck, cnculua canorus. 5 

Kuckucks 5 , kokkucuj "rufe Kuckuck*), ai. kökilda 'der indische 
Kuckuck 1 , hökos *eine Gansart, auch Kuckuck'. \t. cuoch, cymr. 
c<>g, akslav. kukavica, poln. kuhdka : rus8. feufeuäfea, ilit. knküti 
'Kuckuck rufen'). 

Eine abweichende Lautgestall zeig! der alte germanische 
Name, der allen Dialekten gemeinsam ist: ahd. gauh^ mhd. gouch 
m. = mud. <7o/f, mndl.grooc (beide Letztgenannten Worte nur in der 
übertragenen Bedeutung Mummer Äfensch'), ags. giac und anord. 
gaukr, dän. #;>#, schwed. ^oX-; aus dem Altnordischen stammen 
me. ^o/^-e, m\ (joirk (in Schottland und nördlichen Dialekten). .Mit 
den vorhin erwähnten Synonyma der urverwandten Sprachen 
läßt sich germ. *gauk~a nicht durch sicher erkannte Lautgesetze 
verbinden; Bugges Kombination PBB. XII, 424 ff. (Noreen Abriß 
S. 13:5) beruht auf der Annahme von ganz hypothetischen Laut- 
übergängen. Auch Meillets Versuch in Memoires de la Soc. 
Linguist, de Paris XII, 213 eine Verwandtschaft des germanischen 
"Wortes mit dem gleichbedeutenden litauischen gegazi nachzu- 
weisen, läßt sich nicht ungezwungen durchführen. — Der Vogel- 
name muß daher von intern germanischem Gesichtspunkte aus 
beurteilt werden. Man kann darin (mit Kluge Et.TVb. 6 S. 135) das 
auslautende h als Suffix (wie in *habuk- 'Habicht 9 , *kranuk- 
'Kranich') auffassen, wodurch der Name zum idg. Stamme *</hcu- 
'rufen' (altind. havati 'er ruft', akslav. züvaü 'rufen', anord. geyja 
'spotten, schelten") geführt werden könnte. Doch machen das 
Aussehen des germanischen Lautkörpers und das damit im Ab- 
lautsverhältnis stehende Verbum guckon 'Kuckuck rufen' (Müllen- 
hoff-Scherer Denkmäler I 3 , XXVII, 5) es wahrscheinlich, daß es 
sich hier um eine ursprünglich onomatopoietische Bildung handelt, 
die dem germanischen Sprachzweige eigen war. 

Eine originelle Deutung hat Uhlenbeck in Arkiv f. nord. fil. 
XV, 151 ff. für germ. *gai(k-a- erfunden. Danach ist diese Xamens- 
form durch die Zwischenstufe *gd-uko- aus gd-auko- entstanden 
und bedeutet eigtl. 'den mit eigenen Kindern Miternährten oder 
Miterwachsenen (viell. den fremden Pflegesohn)'. Diese Erklärung 
knüpft aber nur an den jungen Kuckuck an und läßt sich auch 
sonst nicht in Einklang bringen mit den einfachen Prinzipien, 
die man in älterer Zeit bei Benennung der Vögel beobachten kann. 



6 Kuckuck, cuculus canorus. 

Auf dem niederd.-niederländischen Sprachgebiete ist die 
altgermanische Benennung in der ursprünglichen Bedeutung 
Terloren gegangen. Statt dessen erscheinen hier junge Bildungen, 
die mit dem Kufe des Yogels identisch sind : mnd. kukuk, mndl. 
cucuuc, cuccuc, coccoc, coecoec und cockuut (Verwijs-Verdam Mndl. 
Wb. III, 1657 u. 1694), nndl. koekoek. Zu den niederländischen 
Namensformen stimmen die in französischen Dialekten neben 
dem schriftsprachlichen coucou (afrz. cucn) vorkommenden 
Varianten coucouq, coucut, aber wegen der onomatopoietischen 
Natur dieser Namen ist das gegenseitige Verhältnis derselben 
schwer zu bestimmen. 

Vom Norden her verbreitet sich cuccuc, das zum ersten 
Mal in Glossen des 13. Jhs. (cuccuc cod. Oxon. Jun. 83, 4, Ahd. 
GH. III, 364 67 und gouch. t cucuc cod. Darmstad. 6, 26a, Ahd. Gll. 
III, 87 67 ) bezeugt ist, allmählich auch über das oberdeutsche Gebiet 
hinaus. Auf den frühen Beleg des Wortes in dem oberdeutschen 
Seifried HelbUng (Ed. SeemüUer) II, 284: "hiknk hiur unde wert" 
ist kein Gewicht zu legen, da diese Namensform nicht im Reime 
steht und vom Schreiber der späten Handschrift herrühren wird; 
dasselbe gut von dem Belege guckgug im Meister Alts wert (Ed. Hol- 
land u. Keller) 158 2 . Im 14. Jh. wird das neue Wort von dem 
Baiern Konrad von Megenberg (Buch der Natur, Ed. Pfeiffer 
178 10 ) neben dem alten erwähnt: "cuculus haizt ain cuhuh oder 
ain gauch 33 . Erst im 15. Jh. beginnen aber die eigentlichen 
oberdeutschen Zeugnisse; vgl. Grimms Wb. V, 2520 ff. Die alte 
Benennung Gauch weicht allmählich zurück und dürfte jetzt 
bis auf geringe Reste verschwunden sein; Martin und Lien- 
hart Wb. d. Eis. Ma. I, 197 erwähnen das Vorkommen des Wertes 
im Münstertal. 

Häufig sind in den oberdeutschen Quellen des 15.116. Jhs. 
die zusammengesetzten Namensformen Guckgauch und Gutzgauch, 
deren erster Teil zu dem Verbum gucken (ahd. guckön) oder dessen 
Intensivum guckezen > gutzen 'Kuckuck rufen' gehört. Daneben 
kommen auch direkte Ableitungen von diesen lautnachahmenden 
Verba vor: Gucker, Guckezer. In den verschiedenen Versionen 
des Märchens vom Zaunkönig (Germania VI, 87 ff. und Bartsch Er- 
lösung S. XLIV), die aus dem 15. Jh. stammen, wird der Kuckucks- 



Kuckuck, cueuius canoras. 7 

oame durch verschiedene Varianten wiedergegeben: gouch (Ger- 
mania VI, 87), der guczgäuch (a. a. 0. SS), der guggou/ch (Erlösung 
a.a.O.), guckitzer (Germania VI, 90), kukuk (a.a.O. L03). Im 
Elsaß wird Gutzgauch durch Bracks Vocab. v.J. 1 L95 8. 49a, das 
Straßburg. Vogelb. v. ,J. L554 7.275, Guckgauch durch Dasy- 
podius(1535) S. K 4 a bezeugt Heute sind dort beide Namensformen 
ausgestorben; nach Martin und Lienhart [,204 ist Gaguck fast 
allgemein geworden, in Sulzmatt und Rufach ist Gucker üblich 
(I, 208). Die Form Guggouch wird für die Schweiz durch Buef 
Adam und Eva (1550) V. 936 und Gesner (Guggauch) S. 548, 
Guckgauch für Schwaben durch Crusius Lat. Gramm. ( L562) S. 302 
und Frischlin Nomenciator (1588) S. 108 bezeugt, Gutzgauch be- 
gegnet auf bairischem Sprachgebiet bei Pinicianus Prompt. (1510) 
C 3a und H. Sachs Regim. der Yögel (1531) V. 231. — ffier 
findet sich auch die Variante kuku zunächst in zwei Voka- 
bularen des 15. Jhs. 1 , dann im 16. Jh. bei Stirpianus Gramm. 
Etym. (1537) S.B7b, bei Pinicianus Prompt(Auszugv.J.1521)C4b 
Gugkw, heute Gugku 2 m. in Tirol, Guggu 2 m. in Kärnten, Guck 7 ' 
m. (neben Guckatz(er)) in Steiermark, Gugku 41 m. (neben Gucker, 
Guckezer) in Baiern. Entlehnung dieser Namensform aus ital. cucco 
ist möglich, wahrscheinlicher ist aber, daß sie direkt dem Kuckuck- 
rufe abgelauscht ist. Einige schwedische Dialekte fassen diesen 
ebenfalls als kucku auf und benennen den Vogel danach ; außer- 
halb der indogermanischen Sprachen findet sich dieselbe Auf- 
fassung im Finnischen, wo der Ruf mit "kukkuu" wiedergegeben 
wird. — In der Schweiz kommt die obenerwähnte Xamensform 
als Guggü m. (auch als Interjektion) vor; daneben Gugger (allgem.), 
Guggauch, Guggus, Guggiher (bei Gesner S. 548 Gugckuser) und 
das ursprünglich mitteldeutsche Guggug 5 . 

Der Kuckuck ist ein Frühlingsbote, als solcher wird er in 
Sachsen Frühlingsvogel 6 oder, weil er gewöhnlich dort zur 
Osternzeit eintrifft, Ostervogel 6 genannt. 

Der Ausdruck Vogelstösser 6 im nördlichen Böhmen (Vogel- 
stössel 6 in Oberösterreich) ist eigentlich der Name des Sperbers. 

1 Diefenbach Nov. gloss. S. 122 b. — 2 Lexer Kämt. Wb. S. 126. 

3 Unger-Khull 312. — 4 Schmeller-Frommann I, 886. 

5 Staub-Tobler II, 105. 184. 188. — 6 Zs. f. d. Phü. XXI, 208. 



8 Eisvogel, alcedo ispida. 

Auf den Kuckuck ist er übertragen, weil man meint, daß dieser 
sich zu einer bestimmten Zeit in einen Sperber verwandele. Der 
weitverbreitete Aberglaube 1 , den schon Aristoteles und Plinius 
kennen, erklärt sich aus dem habichtartigen Flug des Kuckucks, 
vor allem aber aus seinem gesprenkelten Gefieder, das dem des 
Sperbers in täuschender Weise ähnelt. Überhaupt sind wenige 
Vögel derartig von Sagen umwoben wie der Kuckuck; durch 
seinen auffälligen Kuf und sein sonderbares Leben und Gebaren 
bietet er der Yolksphantasie zur Mythenbildung reichen Stoff. 
Der monotone Ruf hat wohl die Veranlassung dazu gegeben, 
den Vogel für einen Narren zu halten; in mehreren Sprachen 
ist sein Rufen des eigenen Namens geradezu sprichwörtlich ge- 
worden, und bereits bei Notker ist das Wort gouch in über- 
tragenem Sinne e Tor' bezeugt. Für die bei Staub-Tobler Id. 
II, 105 geäußerte Vermutung, daß dies die ursprüngliche Be- 
deutung des Wortes sein könnte, fehlt jeder sichere Anhalt. 

Eisvögel, Alcedinidae. 
Eisvogel, alcedo ispida. 

Der Eisvogel wird in Deutschland an den Ufern von Ge- 
wässern häufig gesehen. Auch im Winter bleibt er da, wenn er 
eisfreie Stellen oder Löcher im Eis findet, wo er seiner Nahrung 
nachgehen kann. Die Franzosen nennen den Vogel Martin 
pechear und die Engländer kingfisher. Die deutsche Benennung 
Eisvogel knüpft an sein winterliches Leben an ebenso wie der 
Ausdruck Eisente an das des Zwergsägers. Der Name, der zuerst 
in den spätahd. Glossen (Versus de volucribus und H. S. III, 17) 
als isuogel (= aurificeps) bezeugt ist, findet sich sonst noch im 
Niederländischen (mndl. nndl. ijsvogel) ; dän. isfiigl, schwed. isfägel 
sind aus dem Deutschen entlehnt. 

Ein schwieriges Problem steckt in dem niederdeutschen 
Namen isenbart, der in den Quellen des 1 5. Jhs. begegnet ; zu den von 
Schiller-Lübben Mnd. Wo. II, 393 und Diefenbach Glossar. S. 62a, 
Novum glossar. S. 43 b. 298 b verzeichneten Varianten yserenbort, 
ysenbort, isernbart, ijsenbard {yshornbart, yshornbort), die mit au- 

1 Vgl. Swainson The Folklore S. 113, Rolland Faune populaire II, 95. 



Eisvo( el, al( edo üspida, 9 

rifurps glossiert sind, kommt Doch ein weiterer i I < ■ 1 » "_ r yzerbort 
in einem Glossar 7. J. 1461 (Reifferscheid lütteil. ans Hand- 
schriften der 8t tfikolaibibliothei zu Greifewald (1902) S. 12). 
Eine andere Variante ist ysengrin | aurificeps) in einem an- 
geblich mitteldeutschen Vokabular ans dem L5. Jh. bei Diefen- 
bach-Wülcker Wb. S.422. Auch einige andere Zeugnisse des 
Namens finden sich in hochdeutschen Quellen. Im Elbinger Voka- 
bular (BernekeT Die preuss. Sprache 1896, S.244) wird (772) 
Ysenbart unter den Yogelnamen angeführl und im Vocab. theuton. 
(Nürnberg) v. J. 1482 p 7 a wird ebenfalls "Isenpart ein 
aurificeps" erwähnt. Die erhaltene Vokallänge in diesem Belege 
verrät den niederdeutschen Ursprung. Gesner, der in Beinern 
Vogelbuch (1555) S. 550 die Variante Ysengart schreibt, bemerkt 
ausdrücklich, daß der Name ihm aus Pommern bekannt ist Aus 
dem Vogelbuche hat wohl Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 194 
Eysengartt übernommen; Frischs Teutsch-lat. Wb. verzeichnet 
(I, 223a) sowohl Eisen-Gart m. wie Eisen-Bart m. nach älteren 
Quellen. Adelungs irreführende Angabe (I, 1637), daß der Aus- 
druck oberdeutsch sei, beruht offenbar darauf, daß er nur die 
Zeugnisse in den oberdeutschen Quellen kannte. 

Alle drei Varianten Isenbart, Isengrin, Isengart, in welchen 
der Vogelname überliefert ist, sind alte Personennamen 1 . Die Sitte, 
Vögel mit Namen der Menschen zu benennen, ist besonders in Eng- 
land und Frankreich wahrzunehmen, aber auch in Deutschland gibt 
es eine Anzahl Beispiele dafür. In diesem Falle deuten jedoch ver- 
schiedene Indizien darauf, daß die obenerwähnten Namen des 
Eisvogels erst auf sekundärem Wege entstanden sind. Die alten 
angelsächsischen Epinaler Glossen glossieren lat. alcyon mit isern - 
(Sweet Old. Engl. Texts S. 381), und dieselbe Glosse begegnet n< >ch- 
mals im 11. Jh. in der Form isen bei Wright-Wülcker Vocab. I. 
349 5 . 350 7 . Auf dem Kontinent entspricht dem ags.Worte die Glosse 

porfirionem isarn: Leviticus 11, 18: cod. S.Pauli X.W s a . porfirio 

isam: cod. Stuttg. th. et phil. 218, 13c; isarn porfirionem: Clin. 22201, 

1 Vgl. Förslemann Altd. Namenbuch I», 973. 975. 976. 

2 Daß die Glosse alcion (alchior) nicht = x«\xeiov 'ehern' (Corp. Gll. 
lat. VI, 48) oder aciarium (Diefenbacli Glossar. S. 21 s. v. alchioi 
steht außer Zweifel. Bereits Holthausen Litbl. f. germ. u. rom. Phil. X. Hfi 
hat auf den richtigen Sachverhalt hingewiesen. 



10 Eisvogel, alcedo ispida. 

238 b, isarin: Clm. 13002, 219 b*, isarnun: cod. Vindob. 2723, 18 b, cod. 
Vindob. 2732, 22 b, Clm. 14689, 38 a, cod. Gotwic. 103, 49 b, isarnvn por- 
phirio: Clm. 18140, 14a. Das lat.- griech. porphjrio (Purpurhuhn), 
das zu den biblischen Vogelnamen gehört, wird in den Glossen 
mit dem Epitheton e piücherrima avis' erklärt, und da die Glossa- 
toren keinen Namen für den ausländischen Vogel hatten, so haben 
sie das lat. Wort mit der Bezeichnung des schönen Eisvogels 
wiedergegeben. — Der Name isarn ist offenbar als Kompositum 
is-arn d. h. 'Eis-Aar' aufzufassen \ aber das Gefühl dafür ist früh 
verloren gegangen, und der Vogelname ist mit dem Worte isarn 
'Eisen' zusammengefallen. Die Bezeichnung des Eisvogels als 
'Aar' ist nicht so befremdend, denn er konnte wegen der raub- 
vogelgleichen Art, mit der er sich ins Wasser stürzt, um die Fische 
zu packen, gut mit den Seeadlern verglichen und danach halb 
scherzhaft benannt werden ; sonst wird er als 'Amsel', 'Schwalbe' 
'Specht', 'Huhn' bezeichnet. Das unverständlich gewordene Isarn 
wurde durch den Zusatz 'Vogel' verdeutlicht: isanuogal Clm. 
14689 f. 47 a (Ahd. Gll. III, 460 42 ) und isinuogil cod. Oenipontan. 
711 (Ahd. Gll. III, 671 33 (13. Jh.); beide Glossen werden mit 
porphyrio übersetzt. So werden auch die niederdeutschen Na- 
mensformen Isenbart, Isengart, Isengrin durch Anlehnung des 
Namens Ise(r)n, Isenfogel an die betreffenden Personennamen 
entstanden sein. 

Außer der Leviticusglosse isarn, die vielleicht auf angel- 
sächsischem Einfluß beruht, begegnet die Namensform isaro in 
Heinrichs Summarium III, 17 (auch XI a 2. b. d. g.). Die Bedeutung 
des Wortes ist dem Redakteur jedoch nicht klar gewesen; denn er 
bringt es unter den Adlernamen (aro, stocaro) und erwähnt isfogal 
an anderer Stelle. Das lat. Lemma 'porphyrio' zeigt, daß er die 
Glosse aus einer Vorlage mit biblischen Glossen übernommen hat. 

In den meisten Gegenden Deutschlands ist der Name Eis- 
vogel bekannt. Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 193 gibt ausdrück- 
lich an, daß Eyßvogel der schlesische Ausdruck ist; daneben er- 
wähnt er die Benennungen Waffer Hünlinl Seefchivalme. Die 



1 Falk und Torp Et. ordb. 1, 133 halten isarna für den 'Eisenfarbigen'; 
dabei bleibt jedoch die Bildungsweise des Vogelnamens, der mit tsarna 
'Eisen' sich deckt, unklar. 



Wiedehopf, upupa epops. 1 1 

erstere von diesen komml in Luxemburg als Wdsserhtnchen 1 ^ 
in Westfalen als Wdterhainken 1 vor. [n der Schweiz (im Wehn- 
tal) heißt der Eisvogel Blauam$eli 8 : m Sulzmati (im Elsaß) 
WasseramstelK Wegen der bunten Farben und des langen spitzen 
Sohnabels nennt man ihn in Steiermark Wasserspecht 5 ', auch 
in Luxemburg ist der Name Wasserspieckt üblich. Bereits Gesner 
(S. 684) kennt den Ausdruck Ein grün Maie WafferfpechÜi, ob- 
gleich er nicht weil;, welchem Vogel er gehört. — Bin Luxem- 
burgisches Dialektwort ist Mattevn/l r ' (d. h. Mottenvogel). Dieser 
Name erklärt sich aus dem Volksglauben, daß die Haut des 
Eisvogels die Kraft besitze, die Motten zu entfernen; Albertus 
Biagnus erzählt, daß die Tuchhändler getrocknete Häute von Eis- 
vögeln unter die Stoffe zu legen pflegten, um diese vor Motten- 
fraß zu schützen. Der luxemburgische Ausdruck wird jedoch 
aus dem Französischen übernommen worden sein, wo die gleich- 
bedeutenden Namen arniS, ar(g)n3\i. a. 7 eine weite geographische 
Verbreitung haben. 

Wiedehopfe, Upupidae. 
Wiedehopf, upupa epops. 

Ahd. wituhoffa: Sg. Nom. — uuituhoffa upupa 8 siue opopa 
id: Leviticus 11, 19: cod. Guelpherbyt. Wiss. 29, 82a, Glm. 6227, 
50a, i. nvüuhoffa: Clm. 18528, 1, 73b, i. wituhoffa-. Clm. 5116, 80b, 
uuittuhoffa: cod. Vindob. 1042, 130b; vuäuhoffa: Clm. 18140, 14a; 
uuHtohoffa: cod. SGalli 283, 483, uuitohoffa: cod. Carolsruh. Aug. 
GCXXXI, 12a; cod. Carolsruh. Aug. IC f. 101a, mätohoua: cod. Oxon. 
Jun.25f.,107b. vuitohoffa upupa 8 : Deuteronom. 14, 18: cod. SGalli 29(>, 
116. uuiteiJwffa: Leviticus 11, 19: cod. SGalli 295,127; idest witehoffa : 
cod. mon. herem. 184, 298; videhoffo: cod.Vatic. Pal. 288, 55 d: uiti- 
hof 9 : cod. S Pauli XXV d/82,38a. uuituhopfa 10 oppoba: cod. SGalli 
242, 248b. ivitihopfa: cod. Selestad. 110a. uuitihopha: Leviticus 
11, 19: cod. SGalli 9, 277, witihoppha: cod. Stuttg. th. et phil. f. 218, 
13 c; witihopha upupam: cod. Turic. Rhenov. 66, 19, wifehopha upu- 



1 Wb. d. Luxemburg. Mundart 477. — 2 Woeste 317. 
3 Staub-Tobler I, 241. — 4 Martin-Lienhart I, 41. 
5 Unger-Khull 621. — 6 Wb. d. Luxemburg. Ma. 478. 
7 Vgl. Rolland Faune populaire II, 72 f. — 8 upupam Vulg. 
9 Rasur vono: uitihof: (Steinmeyer). 
10 f sicher, a aus o korr. (Steinmeyer). 



12 Wiedehopf, upupa epops. 

pam: cod. Stuttg. herm. 26, 13 b. Clm. 14689 f. 47 a. vvithoppha upu- 
pam: Leviticus 11, 19: cod. Angelomont. 14/11, 10 b. uvito houpfo 
uppupam: Servius in Vergil. E. VI, 78 : Clm. 18059, 10 a. widehopfo: 
Rotul. comit. de Mülinen Bern, ivitehopho: Versus de volucr. H. S. 
III, 17. XI a 2. GH. Salom. a 1, opupun hvpupa : a 2, withopfo perdix: 
a 1. witihophe: Versus de volucr., witehopfe: Versus de volucr. 
witehophe: cod. Vindob. 804, 174 a. opupun huppupa : Gll. Salomon. 
a2. Leviticus 11, 19. Clm. 4606, 101b, withoph: Clm. 22201, 288b; 
uuidohoppa vpupam : cod. Carolsruh. SPetri 87, 64 a 1 . uuidehoppa: 
cod. sem. Trevir. R. III. 13, 106 a. uidehoppa upupam : Servius in 
Vergil. E. VI, 78 : cod. Lips. civ. Rep. I, 36 b, 19 b. uuindehoppa : cod. 
sem. Trevir. f. 112 b, uuidehopa : cod. Guelpherbyt. Aug. 10. 3. 4° f. 
89 a, wideopa : cod. Parisin. 9344 f. 42 b, vuiduhoppo : cod. Berol. 
Ms. lat. 8° 73, 123b 2 . witohoppo upupam: Leviticus 11, 19: Clm. 
14584, 130 a. uuiduhoppe upupam : Servius in Vergil. E. VI, 78 : cod. 
Oxon. Jun. Auch F. 1. 16, 33b. — Akk. — vuitahophun : Leviticus 
11, 19 : cod. Vindob. 2723, 18 b, cod. Vindob. 2732, 22 b, witahopphun : 
cod. Gotwic. 103, 49b, vvitihophun: Clm. 14689, 38a, withopphen: 
Clm. 13002, 219 b 2 . witeopphen (Terei) Tereus rex tracie mit. et 
mutatus est in upupam : Vergil. E. VI, 78 : cod. Trident. 1660, 8 a. 

Wie der Kuckuck seinen Namen von der auffälligen, der 
menschlichen Sprache gleichenden, Stimme erhalten hat, so kehrt 
auch der eigentümliche Paarungsruf des Wiedehopfs, ein dumpf 
klingendes e upup' oder 'huppupp' in den Namen des Yogels 
wieder. Man vergleiche mit diesem Rufe die zahlreichen Benen- 
nungen des Wiedehopfs, welche bei Naumann-Hennicke IV, 376 
aus den verschiedensten Sprachen gesammelt sind und der ono- 
matopoietische Charakter der meisten Ausdrücke wird ohne Wei- 
teres in die Augen springen. So schließen sich in den indoger- 
manischen Sprachen direkt an die Naturlaute an z. B. lat. upupa, 
griech. erroiy, armen, popop, neupers. püpü, lett. puppukis usw. 

Auch in den deutschen Mundarten finden sich Bezeich- 
nungen des Yogels, deren lautbildende Natur ebenso leicht zu 
erkennen ist, vgl. Hupphupp, Huppke in Preußen \ Hupup in 
Mecklenburg 2 , Hupphupp in Holstein 2 , Huppupp und Wupp- 
ivupp 3 in Altmark, Huppe, Hupke^ im Münsterkreise. An diese 
schließen sich mndl. hoppe, nndl. hop an, die wohl nicht mit Ver- 
coullie Et. Wb. S. 116 aus frz. huppe herzuleiten sind; im Gegen- 

1 Frischbier I, 306. — 2 Schiller Zum Tierbuche II, 12. 

3 Danneil 251. — 4 Korrespondenzbl. f. ndd. Spracht". XVI, 85. 



Wiedehopf, upupa epops. 13 

teil scheint das französische Wort germanischen Ursprungs zu 
sein. Aber engl, hoop, hoopoe (me. huppe) ist wahrscheinlich ein 
französisches Lehnwort; übrigens ist der 'Wiedehopf in England 
äußerst selten. 

Der Name Wiedehopf ist die altüberlieferte Benennung des 
Vogels, die im Althochdeutschen als trituhoffa, wituhoffo. uitu- 
hopfa, irituhopfo öfters bezeugt ist; dazu stimmen andd. ivido- 
hoppa, uiiiduhoppe (Wadstein Kleinere altsächs. Denk mäl.S.74 32 und 
109 20 ), mnd. mndl. iredehoppe. In dieser Form ist der Vogelmime 
ein Kompositum, dessen erster Teil and. witu 'Holz, Wald' ist; 
das zweite Glied gehört zu mhd. hopfen (= ags. hoppian) und 
bedeutet demnach eigentlich e Hüpfer(in)'. Aber die Auffassung 
des Wiedehopfs als e Holzhüpferin' ist sicher erst sekundär. Ur- 
sprünglich beruht die Zusammensetzung in ihrem letzten Gliede 
auf dem hup(p)-Rvde des Vogels, der den obenerwähnten nieder- 
deutschen Dialektworten zugrunde liegt und der sich lautgesetz- 
lich zu *hoff-6n, *hopf-ön entwickeln mußte. Gleichwie das zweite 
Kompositionsglied wird auch das erste anfänglich onomatopoieti- 
scher Natur gewesen sein. Der Kuf des Wiedehopfs wird nicht 
überall in gleicher Weise aufgefaßt; an manchem Ort hört man 
darin nicht ein nupphupp' sondern 'wudwucl', e butbut s und der- 
gleichenLautgebilde. Im Altkirchenslavischen lautet daher der Vogel- 
name vudodü 1 , und ähnliche Bildungen finden sich auch auf dem 
deutschen Sprachboden : in der Vorderpfalz Wuddwudd m. 2 , 
ebenso in Neumarkt (Tirol) Wud-Wud 3 , an der kärntischen 
Grenze Wudi* (in Salurn Hod-Hod*) ; in Steiermark heißt derVogel 
Wudhupf Wudhup oder Wilderer* m., in Schleital (im Elsaß) WtUt- 
hahn 5 . Diese Namensformen machen es sehr wahrscheinlich, daß 
die Benennung Wiedehopf in ihren beiden Teilen lautbildend war 
und in alter Zeit wudhup(p) lautete. Daraus ging durch Anlehnung 
an wudu~widu (ags.wudu ~ ahd. witu) die spätere Lautform hervor. 

Der Name Wiedehopf kommt heute nicht nur in hoch- 
deutscher sondern auch in niederdeutscher Lautgestalt vor. In 



1 Miklosisch Et. Wb. S. 396. 

2 Heeger Tiere im pfälz. Volksmunde II, 10. 

3 Frommann D. Mundarien IV, 56. — 4 Unger-Khull 639. 
5 Martin-Lienhart I, 341. 



14 Wiedehopf, upupa epops. 

Göttingen und Grubenhagen ist durch Umstellung der Kompo- 
sitionsteile in Wihoppe 1 m. die Namensform Hopiviweken 1 n. (d.h. 
Hopweibchen) zustande gekommen, außerdem wird der Yogel 
wegen des beweglichen Federbusches hier auch Wupkam 1 m. 
genannt. An die ahd. Variante (witu)-hoffa knüpft der Ausdruck 
Höfferich 2 m. in Hessen, welcher ebenso wie Wuderich 5 m. in 
Steiermark nach dem bekannten Typus von Enterich, Gänserich 
usw. gebildet ist. 

Häufig erscheint das hessische Wort in der Zusammen- 
setzung Schiesshöfferich 2 (eigtl. Schisshöfferich). 

Schon bei den Römern war der Wiedehopf wegen der 
Unsauberkeit des Nestes in üblem Ruf 4 , und in moderner Zeit 
ist es damit nicht anders bestellt. Der Ausdruck Kothahn er- 
scheint bereits in einem Glossar v. J. 1512 (upupa kothan, kathan 5 ), 
darauf Kadthan bei Ryff Tierb. Alberti (1545) S. Q 5 b, Kothan 
im Strassburg. Yogelb. (1554) Y. 553, Kathaan, Kaathane bei 
Gesner (1555) S. 744 f.; heute Gewothdn 6 (Quothahn zu mhd. 
qiiät e Kot') oder Dreckvogel 6 in der Pfalz, Chothan 1 in der 
Schweiz, Kothahn, Kothüehnel, Stinkhahn, Schissdreckvogel 8 im 
Elsaß, Misthahn 9 in der Mark Brandenburg, Dröckstöchar 10 im 
Sarntal (Tirol). An diese Namen reiht sich noch der Ausdruck 
Heervogel an, der nach Heyne Grimms Wb. IY, 761 aus älterem 
*Hor-fogel (= Kotvogel) entstanden ist; aus dem Deutschen sind 
dän. hcerfagl (neben hcerpop) und schwed. härfägel entlehnt. 

Den Namen Kuckucksküster, Kuckucksköster, der in Holstein 11 , 
Mecklenburg 9 und Altmark 12 vorkommt, hat der Wiedehopf er- 
halten, weil er gewöhnlich 14 Tage früher als der Kuckuck er- 
scheint und durch seinen Ruf die Ankunft dieses Yogels ver- 
kündigt. Die Erklärung des Namens hat schon Colerus Calendar 

1 Schambach 85. 297. 307. 

2 Pfister Nachträge zu Vilmars Id. S. 106 und Kehrein 346. 

3 Unger-Khull 639. 

4 Plinius nennt den Wiedehopf c avis pastu obscoena'. 

5 Diefenbach-Wülcker Wb. S. 713. 

6 Heeger Tiere im pfälz. Volksmunde II, 10 und Pfalz. Id. S. 53. 

7 Staub-Tobler II, 1308. — 8 Martin-Lienhart I, 101. 340. 341. 346. 
9 Schiller Zum Tierbuche II, 12. — 10 Frommann D. Mundarten IV, 56. 

11 Schütze Holst. Id. im Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVII, 4. 

12 Danneil 87. 



Blaukrähe, coracias garrola. 1~> 

s.s.", (Schiller Zum Tierbuche II. L2) gegeben : "die Ifeckelburger 
Bagen, der Widehopffe sei desGuckucks Küster. Denn wenn sieb 
drv mit seinem Närrischen gelächter oder geschrey auff den 
Bewmen hören lest, so Lesl sich auch bald hernach der ander 
narr, der G-ukgug hören". Aus demselben Grunde nennt man 
den Wiedehopf in Luxemburg Riffer 1 (d. h. Ausrufer). 

Da der Vogel sich gerne auf Viehweiden aufhält, um dort 
der Nahrung nachzugehen, heißt er in Tirol Gänsehirt und Fuhr- 
mann*, in Preußen Ossepüper 3 (d. h. Ochsenpuper). Anderescherz- 
hafte Ausdrücke sind Wachmeister l in. in Preußen, Ifiippüpper- 
geselle 5 in Fallersleben , Giggas-Gäggas 6 in Tirol (Inntal, Leu- 
tasch). — Von den onomatopoietischen Bezeichnungen des Wie- 
dehopfs in Luxemburg ist Butbut 1 m. entlehnt aus dem frz. 
boutt boutt (in den Nachbardialekten), dagegen ist wohl {Bösch)- 
buppert 6 m. (vgl. elsäss. Puphahn, Pupelhahn s ) nicht auf frz. 
boubou, poupou zurückzuführen, sondern als selbständige Bildung 
aufzufassen ; daneben kommen auch die Yarianten Wuppert 7 m. 
und Flippen 1 m. vor. Unklar ist luxemburg. Mitok 9 m. 

Raken, Coraciidae. 

Blaukrähe, coracias garrula. 

Die Blaukrähe ist in Deutschland nicht gerade selten, aber 
da sie die sumpfigen Gegenden durchaus vermeidet und mit 
Vorliebe ebene sandige Waldstriche aufsucht, ist ihr Vorkommen 
sporadisch. Das Brutgebiet des Vogels umfaßt nach Naumann- 
Hennicke IV, 365 die östlichen Teile des deutschen Sprachge- 
biets. Hier kennt man ihn meistens unter dem Namen Racke{r), 
der seinem gewöhnlichsten Kufe, welcher nach Voigt Excursions- 
buch S. 167 und Naumann-Hennicke a. a. 0. aus einem einfachen 
oder wiederholten 'rack' besteht, nachgebildet ist. Schwenkfeld 



1 Wb. d. Luxemburg. Mundart 361. 

2 Vgl. Zs. f. d. Phil. XXI, 211. 

3 Kein korrumpiertes Wort wie Frischbier II, 113 annimmt. 

4 Frischbier II, 450. — 5 Frommann D. Mundarten V, 148. 

6 Frommann D. Mundarten IV, 56. 

7 Wb. d. Luxemburg. Mundart 40. 51. 122. 493. 

8 Martin-Lienhart II, 341. — 9 Wb. d. Luxemburg. Mundart 288. 



16 Blaukrähe, coracias garrula. 

Ther. Sil. (1603) S. 243 gibt Rache als die schlesische Namensform 
an; Döbel Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 52 nennt den Yogel Blabrack 
(Blaurack) wegen des blauen Gefieders, Klein hist. av. prodr. (1750) 
S. 62 Blaue Raacke oder Racker. Die letzte Variante, die an den 
Schimpfnamen angelehnt ist, kommt heute neben Blauracker in 
Preußen *, Fallersleben 2 , Altmark 3 und Göttingen und Gruben- 
hagen 4 vor, aus der Stainzer Gegend in Steiermark wird von 
Unger-Khull S. 487 Racke als die übliche Form angegeben. 
Popowitsch (Versuch 1780, S. 347), der eine große Anzahl Syno- 
nyma nach älteren Quellen zusammengestellt hat, führt nach Zinke 
die volksetymologisch umgebildete Namensform Blaurock an. 

Sonst wird der Vogel meistens als Krähe, Häher oder Elster 
aufgefaßt und benannt. Eber und Peucer Vocab. (1552) S. F6a 
nennen ihn Krigelfter oder He\jdenel[ter\ die erstere Zusammen- 
setzung ist in ihrem ersten Bestandteile onomatopoietisch gleich- 
wie Krichentte (= Krikente) a. a. 0. S. E 4 a, vgl. Krick-Elster in 
Döbels Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 78. Die Varianten Krigelelster 
oder Kugelelfter (bei Schwenkfeld a. a. 0.), welche in den Werken 
der späteren Ornithologen begegnen, sind nur falsche Lesarten 
von dem Belege bei Eber und Peucer. — Den Ausdruck Mandel- 
krahe bezeugt zuerst Schwenkfeld a. a. 0. und erklärt ihn daraus, 
daß die Vögel zur Erntezeit sich auf den Garbenhaufen, welche 
man '^landein' nennt, aufzuhalten pflegen; darauf Mandel- 
Krähe in Döbels Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 52 neben Blaue Krähe, 
bei Popowitsch a. a. 0. auch Garbenkrähe, Grünkrähe nach 
Zinke zitiert. In Obersteiermark soll der Vogel nach Popowitsch 
Weizhäher heißen, das auf denselben Grund zurückzuführen ist 
wie das synonyme Mandelkrähe. Wegen des sporadischen Auf- 
tretens sieht man an einigen Orten die Blaukrähe für einen 
Fremdling an, daher der von Hohberg Adeliches Land-Leben 
(1687) II, 810 Kap. CXXIII angeführte Ausdruck der Ungarische 
Häher und die Xamen Meer-Häher in Österreich 5 (Angenehme 
Land-Lust (1720) S. 177), MeergraUch* (zu Grätsch = Häher) 
in Tirol. Die Vorstellung, daß fremdartige Vögel überseeisch 

1 Frischbier II, 208. 

2 Frommann D. Mundarten V, 289. — 3 Danneil 19. 168. 

4 Schambach 167 gibt als Bedeutung 'Elster' mit Fragezeichen. 

5 Vgl. Popowitsch a. a. 0. — 6 Zs. f. d. Phil. XXI, 211. 



Ziegenmelker, caprimulgtu earopaeui. 17 

sind oder vom Meere her kommen, ist nicht mir m diesen Be- 
nennungen, senden) auch öfters zu beobachten. 

Gesner, dem die in der Schweiz fehlende Blaukrähe nichi von 
eigener Anschauung bekannt ist. erwähnt (8. 770) die Meißener 
Dialektnamen Ein wilde Hdtzkrae and Ealckregel (vielleicht 
= Holzkregel), Oalgenregel; anderwärts hat er den Ausdruck Eiti 
Teütscher Pappagey gehört, d^v dem V'ogel wegen der bunten 
Federn gegeben worden ist Schwenkfeld führt die von Gesner 
verzeichneten Namensformen an, ersetzt alter das Ealckregel 
seiner Vorlage mit Gals Kregel Der letzte Teil des offenbar 
dialektisch variierenden Namens gehört zu ahd. kragil 'garrulus' 
(kragilön > nhd. krägelri) und bezieht sich auf das krächzende 
Geschrei der Blaukrähe. Vgl. auch Blaograok 1 in Mecklenburg. 

Als Straßburger Dialektnamen führt Gesner den Ausdruck 
Roller an, der auch im Strassburg. Vogelb. (1554) V. 436 vor- 
kommt. Der Name ist entlehnt aus dem gleichbedeutenden frz. 
rollier. 



III. Langliänder, Macrochires. 

Ziegenmelker, Caprimulgidae. 
Ziegenmelker, caprimulgus europaeus. 

Der seltsam klingende Name Ziegenmelker beruht auf 
einem alten weitverbreiteten Volksglauben, von dem bereits die 
griechischen und römischen Schriftsteller zu erzählen wissen. 
In der Historia Naturalis (X, 40) berichtet Plinius, daß der Vogel 
caprimulgus (= griech. arro0r|\ac) in der Nacht die Ziegen in 
den Ställen besuche, um ihnen die Milch auszusaugen, und daß 
die Tiere infolge dessen blind werden. Diese Anschauung hat in 
den verschiedensten Sprachen die Veranlassung zu den Be- 
nennungen des eigenartigen Nachtvogels gegeben, vgl. z.B. ital. 
succiacapre, frz. tette-chfore, poln. kozo-doy, lit. oszka-meUe, engl. 
goat-suckcr, goat-owl, dän. gjedemelker. 

Auf welche Weise die Vorstellung von dem nächtlichen 
Übeltäter sich unter den verschiedenen Völkern verbreitet hat, 

1 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 84. 
Suolahti, Vogelnamen. 2 



18 Ziegenmelker, caprimulgus europaeus. 

muß hier dahingestellt bleiben. Jedenfalls darf man ziemlich 
sicher behaupten, daß sie in Deutschland auf gelehrten lateinischen 
Einfluß zurückzuführen ist. In den Yolksmundarten ist der Aus- 
druck Ziegenmelker nicht fest eingebürgert, und die ersten 
Zeugnisse des Namens im Mittelalter haben einen gelehrten 
Charakter. Konrad von Megenberg, dessen naturhistorisches Buch 
auf Plinius fußt, erwähnt S. 206 22 den 'caprimulgus' und fügt 
hinzu te daz spricht ze d autsch gaizmelk"', darauf begegnet gaiss- 
molch in einem Glossar des 15. Jhs. (Diefenbach Glossar. S. 98 b). 
Gesner kennt den Namen gar nicht und den daran sich knüpfenden 
Aberglauben nur aus Plinius, Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) be- 
merkt, daß die Hirten niemals den Yogel in den Ziegen stallen 
gesehen haben. Auch in den anderen Quellen dieser Zeit ist 
der Ausdruck Ziegenmelker nicht zu finden. Popo witsch Versuch 
S. 407 führt ihn nach Halle an, Klein Hist. av. prodr. (1750) 
S. 81 nennt Milchsauger, Ziegensauger, Kinder-Melcker. Nach 
Staub-Tobler IV, 197 soll Geissmelcher heute in Bern vorkommen, 
und Schambach führt in seinem Wörterbuch von Göttingen und 
Grubenhagen (S. 308) Zegenmelker an ; dazu noch Kuhmelker l 
und Kuatutlar 2 in Tirol. 

Ein ähnlicher auf gelehrten Einfluß zurückgehender Name 
wie der vorige ist der Ausdruck Nachtrabe, der gelegentlich 
auf unseren Vogel bezogen wird. Das Wort, das in ahd. Quellen 
oft belegt und dort als Rohrdommel oder Nachtreiher interpretiert 
wird, ist eine Übersetzung des griech.-lat. Bibelwortes nocticorax. 
In breiteren Volksschichten hat sich der Name offenbar durch 
Predigten und religiöse Literatur eingebürgert. Hier erscheint er 
z. T. als Ziegenmelker gedeutet wie z. B. in dem moralisierenden 
Buche Albertini e Der Welt Tummel- und Schaw-Platz* (München 
1622) IV, 480. Das erste Zeugnis von der volkstümlichen An- 
wendung des Namens in diesem Sinne gibt Turner, der in einem 
Briefe an Gesner (vgl. Hist. avium S. 235) behauptet, den Vogel in 
der Umgegend von Bonn gesehen zu haben, wo derselbe mit dem 
Namen Naghtrauen bekannt sei. Diese Nachricht wird bestätigt 
durch Angaben von Heeger (Tiere im pfälz. Volksmunde II, 10) 
undWoeste(Wb. derwestf.Ma. S.182), daß der Ausdruck Nachtram 

1 Zs. f. d. Phil. XXI, 211. — 2 Frommann D. Mundarten IV, 55. 



Ziegenmelkor, caprimulgus curopaeus. 19 

in der Pfalz, Nachträge in Westfalen den Ziegenmelker bedeute. 
8. "Weiteres s. v. Nachtreiher. 

Das sehr auffällig Synonymon Pfaff, «las in den ornitholo- 
gischen Werken der vier letzten Jahrhunderte immer wiederkehrt, 
beruht auf einer Mystifikation, die bis auf Turner zurückgeht 
In seinem Buche Avium hist. (1544) S. C5b erzählt der eng- 
lische Naturforscher von einer Unterhaltung tiber die Untaten 
des Ziegenmelkers, die er auf einer Reise in der Schweiz mit 
einem alten Mann gehabt hatte; als schweizerischen Namen 
habe der Mann 'paphum, id est sacerdotum' angegeben. Aber 
Turner spricht zuletzt den Verdacht aus, daß der Greis ihn nur 
zum Besten gehabt hat. Eber und Peucer, die Turner benutzt 
haben, haben das Wort Ff äff in die Vocab. v. J. 1552 S. E 5a auf- 
genommen, und so ist es weiter gewandert. 

Ein alter volkstümlicher Name des Ziegenmelkers scheint 
das von Schwenkfeld für Schlesien bezeugte Wort Nachtschade 
zu sein, das in der Form Nachtschatten 1 in Wien, Oberschlesien 
und dem nördlichen Böhmen vorkommt; dazu noch die umge- 
deuteten Formen Nachtschotte und Nachtsspade - in der Gläger 
Monatsschrift (1799) S. 85. Das Kompositum kann auf eine ahd. 
Grundform *naht-scato (d. h. Nachtschatten) zurückgehen, und dann 
wäre der Name auf den geräuschlosen schattenhaften Flug des 
Yogels zu beziehen. Aber wenn man bedenkt, daß der Ziegen- 
melker auch als eine Art Nachtgespenst aufgefaßt wird, so könnte 
man den Namen aus ahd. *nahtscado (vgl. ags. scapa 'Übeltäter') als 
'Nachtbeschädiger', 'Nachtübel täter' deuten. Die skandinavischen 
Namensformen, dän. natskade 'Ziegenmelker' und schwed. natt- 
skata 'Fledermaus', beruhen offenbar auf dem deutschen Worte, 
das im Anschluß an skade (bezw. skata) 'Elster' umgedeutet wurde. 
Als schlesische Benennung des Ziegenmelkers führtSchwenk- 
feld noch den Ausdruck Tagefchläffer an, Naumann 3 bezeugt ihn 
für seine anhaltische Mundart, Popowitsch Versuch S. 407 in der 
Form Tagfchläfer auch für Niedersachsen. Eine ältere Bildungs- 
weise tritt zutage in der bei Döbel Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 59 

1 S. Popowitsch Versuch S. 407 und Zs. f. d. Phil. XXI, 208. 

2 Frommann D. Mundarten IV, 178. 

3 Naumann-Hennicke IV, 244. 



20 Mauersegler, cypselus apus. 

überlieferten Form Tages- Schlaffe, die mit preuß. Tagschlaf 1 
m. auf eine ahd. Grundform Hagasläfa, Hagasldfo (d. h. Tagschläfer) 
hinweist. Der Name reicht als westfäl. Dagsläper 2 in das nieder- 
deutsche Sprachgebiet hinein. 

Die nächtliche Lebensart und der schattenhafte Flug haben 
dem Yogel in Preußen den Namen Hexe 3, f. (Klein Hist. av. prodr. 
(1750) S. 81) und in Luxemburg die Benennung Doudevull* 
(d. h. Totenvogel) verschafft. Andere Dialektausdrücke knüpfen an 
das Aussehen des Vogels an. Wegen der schwalbenartigen Gestalt 
heißt er in Baiern Nachtschwalbe (Popo witsch Yersuch S. 406), 
wegen des krötenartig dicken Kopfes mit dem großen Bachen 
in Preußen Großmaul*, in Luxemburg Nuetsniouk* f. (d. h. Nacht- 
kröte) ; der letztgenannte Ausdruck kann jedoch durch frz. crapaud 
volant veranlaßt worden sein. Als eifriger Insektenfänger führt 
er die Namen Mückenstecher' in Österreich, Fleimouk* f. (d. h. 
Mückenkröte) in Luxemburg. In vielen Gegenden wird er einfach 
Nachtvogel (Schwenkfeld a. a. 0.) genannt. 

Segler, Cypselidae. 

Mauersegler, cypselus apus, apus apus. 

Die Mauersegler, die nur ein geübtes Auge im Fluge von 
den Schwalben unterscheidet, werden meistens als Schwalben 
bezeichnet. Eine spezifische Benennung für diese Yogelart ist 
mhd, spire. Der erste Beleg des "Wortes findet sich bei Hugo 
von Montfort, der die Pluralform spiren mit saphirn (in der 
Hs. speyrn: sapheyrn) reimt (106, 163); dazu die Glosse spier 
in einem Yocab. rerum v. J. 1466 bei Diefenbach Novum glossar. 
S. 222 a. Im 16. Jh. wird der Ausdruck von Gesner S. 160 als 
schweizerisch bezeichnet ("nostri Spyren nominant"). Für das Elsaß 
kommt als erstes Zeugnis in Betracht die Namensform spiren 
in der übertragenen Bedeutung e Seeschwalbe' in der Strassburg. 
Ordnung des Yogelfangs v. J. 1449 (Brucker Strassburg. Zunft- 
verordn. S.226), dann Spiren apodes bei Dasypodius (1535) S. Clb, 
Speiren bei Golius Onomasticon v. J. 1579 Sp. 290, ein Speirer 

1 Frischbier II, 391. — 2 Woeste 47. — 3 Frischbier I, 256. 288. 

4 Wb. d. Luxemburg. Mundart 64. 111. 308. 

5 Popowitsch Versuch S. 407. 



Mauersegler, cypsehu apus. 21 

in Baldners Vogelb. \. J. 1 666 8. 43. Eeute kommt der Vogelname 
als Speier 1 f. in Ober-Steiermark, 8pei(e)r m. in Tirol, Spirm., 
Spir* f. in Bchweizerischen Mundarten N/^'/v f.. Spirle, Spirel* 
n. im Elsaß v.>r; rielfach werden damit auch andere Schwalben- 
arten oder die Schwalbengattung überhaupt bezeichnet In der 
Zusammensetzung mit Schwalbe erschein! <I<t Name schon Erüh 
auf niederdeutschem Gebiet; im L5. Jh. isl spirsuale ein paar 
Mal hier bezeugt, im L6. Jh. Spyrfwalecke/Waterswalecke bei 
Chytraeus Nomenclator (1582) S. 370. Auch aus Mitteldeutschland 
stammen einige Zeugnisse für das Kompositum. Eber and Peucer 
Yocab.(1552) S. F 2b haben Spirfchwalben apodes, Gesner führt in 
Hist. avium S. 160 Spi rfchealben (hirundo riparia) nach (J. Agricola 
(Sachsen) an, in Sibers Gemma v. J. 1579 S. 40. 42 Spirfchiralbe. 
Aber die erhaltene Vokallänge zeigt, daß die Benennung in diesen 
Gegenden eigentlich nicht heimisch war, und in den heutigen mittel- 
deutschen Mundarten scheint der Ausdruck auch nicht bekannt 
zu sein. Aus Niederdeutschland führt Schiller Zum Tierbuche II, 17 
unter mehreren Synonyma für den Mauersegler auch (S)p/er- 
mäUcen an und Franck Et. Wb. 935 verzeichnet spier als früh- 
neuniederländisches Wort. — Der Ursprung von mhd. spire ist 
umso schwieriger zu ermitteln, da man nicht mit Sicherheit 
sagen kann, ob das Wort von Ober- oder Niederdeutschland sich 
weiter verbreitet hat; manches spricht jedoch für die erstere Alter- 
native. Weigand Wb. II 4 , 674 denkt an Zusammenhang mit mnd. 
spir 'kleine Spitze, bes. Kornspitze 5 (ags. spir 'langer Schößling' u.a.) 
und dieselbe Auffassung vertritt Franck a. a. 0.; der Mauersegler 
hätte danach seinen Namen von den langen spitzen Flügeln er- 
halten. Wenn man von der erwähnten Wortsippe ausgeht, konnte 
man auch an die Bedeutung Turmspitze' anknüpfen, die in dän. 
spir, schwed. spira und (nach Grimms Wb.) in niederd. spyr (in 
einem Beleg v. J. 1392) bezeugt ist, denn der Vogel hält sich 
auf Türmen und anderen hohen Gebäuden auf und wird auch 
deshalb Turmschwalbe genannt. Aber in Oberdeutschland, wo 
der Vogelname verbreitet ist, ist das angenommene Grundwort 
nicht heimisch. 



1 Unger-Khull f>L j :;. 

2 Vgl. Grimms Wb. X, 1, 2434. — 3 Martin-Lienharl II, 546. 



22 Mauersegler, cypselus apus. 

Eine synonyme Benennung ist Geierschwalbe, das vorzugs- 
weise am Rhein und in mitteldeutschen Gegenden nachweisbar 
ist. Zum ersten Male belegt ist der Ausdruck in Turners 
Avium hist. (1544) S. F 2, wo Geyrfwalbe als hochdeutsch 
bezeichnet wird. Gesner führt S. 160 die Formen Gerfchwalm 
und Geijrfchwalb als nicht-schweizerische Worte an; das Strass- 
burg. Yogelb. (1554) Y. 433 schreibt Gerfchwalbe, Schwenkfeld 
Ther. Sil. (1603) Geyer Schwalbe und Hertel bezeugt Girschwalwe 1 
aus der heutigen Nordhausener Mundart in Thüringen. Als hol- 
ländischer Name wird Ghier fwaluwe von Junius Nomenciator 
(1581) S. 54 b angegeben. Yercoullie Et. Wb. S.91 und Woorden- 
boek der nederlandsche Taal IY, 2310 deuten gierzwaluw aus 
dem lautbildenden Yerbum gieren (mnd. giren), so daß der Name 
mit Rücksicht auf das schrille Geschrei des Yogels gebildet 
wäre. Darauf geht auch der westfälische Name Kritswalwe (Woeste 
Wb. S. 145) zurück, der zu westfäl. kriten 'kreischen' gehört; 
dazu ndl. steenkrijter in gleicher Bedeutung. 

Den Ausdruck Turmschwalbe, der heute im nördlichen 
Böhmen 2 , in Anhalt 3 und wohl noch anderwärts geläufig ist, 
haben Döbel Eröffa. Jägerpr. (1746) S. 65 und Popowitsch Yersuch 
(1780) S. 526. Ihm entsprechen Münsterfpyre bei Gesner a. a. 0., 
Mauer fchwalbe bei Schwenkfeld und Döbel a. a. 0., Mauer-, 
Steinfchwalbe in Kleins Hist. av. prodr. (1750) S. 83. In Meck- 
lenburg sind nach Schiller Zum Tierbuche II, 17 die drei Aus- 
drücke Türnswälken, Müerswälken, Stenswälken neben Spier- 
swälken üblich, aus Sachsen werden die Namen Rauchschwalbe, 
Mauerschwalbe, Raubschwalbe 2 , aus Steiermark Zugschwalbe*, 
aus Mittelsteiermark Speiche 4 f. angegeben ; ndd. Synonyma 
sind Thieswalwe 5 in Münster und Tönswalw' in Reckling- 
hausen. — In Luxemburg nennt man den Yogel wegen seiner 
Ruheplätze auf den Dachfirsten Leendecker 6 m. (d. h. Schiefer- 
decker). 



1 Thüringer Sprachsch. S. 104. 

2 Zs. f. d. Phil. XXI, 208. — 3 Naumann-Hennicke IV, 232. 

4 Unger-Khull 523. 656. 

5 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 86. XVII, 5. 

6 Wb. d. Luxemburg. Mundart 263. 



Schwalbe, hirundo. 88 

Schwalben, II i ru n d i d idae. 
Schwalbe, hirundo. 

Ahd. Bwalwa: Sg. Nom. $uualuuua hirundo: cod. SGalÜ 
■21-2. 248b. 8valuwa\ Prisciani instit 128,7: Qm. 280A, 22b. 
sualuuua: aldhelmi Aenigm. 268, 2^\: cod. SGalli 242, 82. cod Bern. 
Trevir. f. L12b, suala uua: cod. Parisin. 9344 f. 42b. iuakuma: 
Esaias 88, 14: Clm. 19440, 296. iwtüawa: cod. Selestad 109b. V 
de volucr.Gll. Salomon. a 1. auaktuua: Vergil. 0.1, -'577: cod Parisin. 
9314, 14a; aualiuua: cod. Berol. Ms. lat 4° 'Jlö, 26b. turaliwa: 
H. S. III, 17. suualeuua herodium 1 : Deuteronorn. 14, 16: COcLOxon 
Land. lat. 92, 21a. svalewa: Rotul. com. de Mttlinen Hein, tuualuua: 
Clm. It689 f. i7a. sualuua: cod. Vatican. Reg. 1701, 2b. zoizzi- 
rondiu sualuua arguta hirundo: Vergil. G. I, 377: cod. Selestad 
sied un: Carmen de Philomela26: cod.'Vindob. 247, 223 a. swalwa: 
H. S. III, 17, XI a 2 b e. suala: cod. Guelpherbyt. Aug. 10. 3. 4° f. 
89a, cod. Berol. Ms. lat. 8° 73, 123b. — Gen. — sualauun: Esaias 
38, 14: Clm. 18140, 107a. sualeuuun: Notker Cantic. Ezech. Reg. 14. 
sualiuun: Notker WCantic. Ezech. Reg. 14. 

Das Wort Schwalbe ist ein gemeingermanischer Vogel- 
name, vgl. ahd. swalwa, mhd. swalwe, andd. suala (cod. Oxon. 
Auct. F. 1, 16, 33 b in Ahd. Gll. II, 724 24 ), mnd. swalewe, swale, 
nnd. swalwe, swale, mndl. zwaleive, nndl. zwaluu\ afries. suala 
= ags. swealwe, rae. swalowe, ne. swallow und anord. svala (statt 
*solm, Noreen Anord. Gramm. 3 § 79, 8 und § 81 Anm.), dän. smle, 
schwed. svala. 

German. *swalwön- hat de Saussure in Memoires de la So- 
ciete Linguist, de Paris VI, 75 mit griech. (xXkuujv 'Eisvogel* 
verbunden, was lautlich gerechtfertigt ist (germ. Grdf. *sical$vvn), 
aus semasiologischen Gründen aber höchst bedenklich erscheint. 
Ganz unsicher ist auch die von Schade Altd. Wb.Il 2 , 900 f., Franck 
EtWb.S.1226f. und Falk und TorpEt.ordb.il, 326f. angenommene 
Verwandtschaft mit mhd. mnd. swalm 'Schwärm', lert. swalstiht 
'sich hin- und herbewegen', griech. cdXoc 'unruhige Bewegung'; 
dabei bleibt übrigens der germanische tp-Lant vor dem Suffixe 
unberücksichtigt. 

In mehreren mundartlichen Varianten ist der alte Name 



1 Offenbar hat der Übersetzer die Worte hirundo und herodius mit 
einander verwechselt. 



24 Rauchschwalbe, hirundo rustica. 

in ganz Deutschland fast die einzige Bezeichnung des Yogels, 
vgl. alemann. Schwalm (aus swalw'n), westerwäld. Schwabelchen 1 , 
luxemburg. Schmielber, Schmirbel, Schmollef, Schmorbel Schmurbel, 
Schmier wel, Schmuelmesch 2 , ndd. Swale, Schwdlke, Swöoegelke 3 , 
Swäoelke 3 , Swäfelk, Sivallig, Sweigelk^ usw. 

In Steiermark führt die Schwalbe den Namen Muttergottes- 
vogel 5 . 

Rauchschwalbe, hirundo rustica. 

Yon den drei Schwalben arten, welche in Deutschland nisten, 
hat die Rauchschwalbe durch ihr zutrauliches Wesen in ganz 
besonderem Grade die Gunst des Menschen erworben. Zum ersten 
Mal ist der Ausdruck Rauchswalbe 6 bei Trochus (im J. 1517) 
bezeugt 7 , wo er mit e caminaria a glossiert wird; Popowitsch 8 , 
der den Namen aus dem Eichsfeldischen kennt, deutet ihn daraus, 
daß der Vogel in Küchen nistet. Daher heißt er bei Klein Hist. 
av. prodr. (1750) S. 82 außer Bauch fchwalbe auch Paarerfchivalbe 
(Bauernschwalbe), Küchen-Schivalbe. Die Luxemburger nennen 
ihn Schäschtechschmuelef 9 (d. h. Schornsteinschwalbe) und Ka- 
meinebotzert 9 m. (d. h. Kaminputzer). — In vielen Gegenden 
ist die Rauchschwalbe mit dem Namen Hausschwalbe bekannt. 
In dem Regiment der Yögel von H. Sachs (1531) Y. 230 wird 
die Haußschwalb erwähnt, Gesner (1555) S. 528 bezeugt den Aus- 
druck Hußfchwalm für seine Heimat, das Strassburg. Yogelb. (1554) 
Y. 521 gibt Rauch fchwalm und Haußfchwalm nebeneinander. 
Bei Eber und Peucer Yocab. (1552) S.F2a, Schwenkfeld Ther. 
Sil. (1603) S. 286, Döbel Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 65 und Po- 
powitsch a. a. 0. ist Hausfchwalbe ebenfalls die Benennung der 
Rauchschwalbe. In Steiermark wird sie wiegen des tief gefurchten 
Schwanzes das Spaltet, Spalkel 10 oder die Gabelschwalbe 10 
genannt ; ein steirisches Dialektwort ist auch der Speik 10 . 



1 Kehrein 371. — 2 Wb. d. Luxemburg. Mundart 387. 388. 389. 
3 Schambach 223. — 4 Danneil 217. — 5 Unger-Khull 466. 

6 Der Ausdruck ist auch in Niederdeutschland üblich, vgl. Rök- 
swälk im Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 86. 

7 Diefenbach Glossar. S. 93 a. — 8 Versuch S. 526. 
9 Wb. d. Luxemburg. Mundart 207. 375. 

10 Unger-Khull 261. 521. 524. 



Stadtschwalbe, hirundo arbica, chelidonaria arbica. 36 

Die rotbraune 8tirn und Kehle haben «lern Vogel den Namen 
Blutfchuxübe eingetragen, den Popowitech als fränkisch angibt 
Schwenkfeld a. a, 0. beziehl auf diese Schwalbenarl die Be- 
nennung Gtibelfchuxxlbe^ die sonst von der folgenden An ange- 
wendet wird. In Sibers Gemma (1579) und der Ausdruck 
Matcrfchtoalbe, der gewöhnlich \..n der Turmschwalbe gilt, auf 
die Rauchschwalbe bezogen. 

Stadtschwalbe, hirundo arbica, chelidonaria arbica 

Die Stadtschwalbe ist kleiner als die Rauchschwalbe; ihre 
Oberseite ist stahlblau gefärbt, die Unterseite und der Bürzel 
sind weiß. Dieses Weiß <h>s Gefieders hat den österreichischen 
Namen Weissärschel (Popowitsch Versuch S. 526) veranlaßt, dem 
im Zillertal Blekarsch 1 (zu ahd. blecchen Veiß schimmern') ent- 
spricht; der Plickstertz, der in H. Sachs' Gedicht Begim. der Vögel 
(1531) V. 198 mit der Heiibellerch tanzt, wird auch die Stadt- 
schwalbe sein. 

Turner Avium hist. (1544) S. F 2 a nennt diesen Vogel Kirch- 
fwalbe, ebenso führen Eber und Peucer Vocab. (1552) S. F2a 
Kirch fcluvalbe in derselben Bedeutung an. Schwenkfeld Ther. 
Sil. (1603) S. 288 zählt die Synonyma Leimfchwalbe, Lauben- 
fchivalbe, Fenfterfchiralbe, Dachfchivalbe auf. Diese Namen nehmen 
alle Bezug auf das Nest, welches die Stadtschwalbe in Fenster- 
nischen und unter der Dachrinne anlegt und bis auf ein kleines 
Schlupfloch zumauert. 

Den Namen Spire teilt die Stadtschwalbe mit dem Mauer- 
segler. Gesner, in dessen Heimat die Benennung den letztge- 
nannten Vogel bedeutete, nennt in Hist. avium S. 544 ohne 
genauere Ortsangabe die Ausdrücke Murfpyre, Münfierfpyre, 
Murfchwalbe und nach G. Agricola Berg fcluralben inj ffe Spuren 
im Sinne von Stadtschwalbe. Popowitsch a. a. 0. kennt Spir- 
fchwalbe nur in dieser Bedeutung, und nach Unger-Khull S. 523 
soll die Speier in Obersteiermark ebenfalls die 'hirundo urbica' 
bezeichnen. Vgl. auch S. 20 f. 

Nach Heeger Tiere im pfälz. Volksmunde II, 10 heißt die 
Stadtschwalbe in der Germersheimer Gegend Drecksteier; schon 

1 Nemnich Polyglottenlexicon II. 164. 



26 Uferschwalbe, hirundo riparia, clivicola riparia. 

bei Pinicianus Prompt. (1516) S. C 3a begegnet der Name Steyr 
in der Bedeutung Uferschwalbe. 

In Steiermark wird die Stadtschwalbe Schmelcherl 1 n. ge- 
nannt. Eine einfachere Form des Vogelnamens, dessen Demi- 
nutivform hier vorliegt, ist steir. Schmelche l f. 'Singdrossel', das 
offenbar auf ahd. *smelihha beruht und als Ableitung vom Adj. 
smal 'klein' aufzufassen ist; die Bildungsweise ist dieselbe wie 
in Belche aus ahd. belihha 'Blässhuhn'. Die Benennung wird auf 
die genannten Yogel bezogen, weil diese im Verhältnis zu an- 
deren Arten derselben Gattung klein sind. Vgl. auch S. 95. 

In Mederdeutschland kennt man die Stadtschwalbe auch 
unter dem Namen Stenswalwe 2 . 

Uferschwalbe, hirundo riparia, clivicola riparia. 

Die Uferschwalben haben den Namen 3 von ihren Nist- 
plätzen erhalten, zu denen sie lehmige Uferwände und Sand- 
gruben wählen. Zuerst wird der Ausdruck von Turner Avium 
hist. (1544) S. F2a belegt: "Germani eyn Über fwalbe aut Speiren 
nominant", danach Vberfchwalben bei Eber und Peucer Vocab. 
(1552) S.F2 b, Uferfchwalbe in Döbels Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 65. 
Ein Synonymon ist Erdschwalbe, das Klein Hist. avium prodr.(1750) 
S. 83 und Popowitsch Versuch (1780) S. 526 aus anderen Quellen 
belegen ; schon im Elbinger Vokab. 741 ertswale (Berneker 
Die preuß. Sprache S. 244). Aus Österreich führt Popowitsch 
a. a. 0. den Ausdruck Gestatten fchwalbe an, der eine ähnliche 
Bildung wie ags. stoeßswealwe (= ripariolus) ist. Weitere Syno- 
nyma sind Feelfchwalm (wohl für Felsfckwalm) und Waffer fchwalm 
bei Gesner Hist. avium S. 545; bei Klein und Popowitsch a.a.O. 
Waffer fchwalbe, heute in Luxemburg Wdßerfchmirbel^ und Grond- 
schmuelmesch 4 (d. h. Grund-, Bodenschwalbe). Golius Onomasticon 
(1579) Sp. 292 nennt die Uferschwalbe Speir fchwalb ebenso wie 
Turner (s. oben); Gesner glaubt, daß dieser Name in Nieder- 
deutschland von der Uferschwalbe, auf hochdeutschem Gebiet 
von der Turmschwalbe angewendet wird. 

1 Unger-Khull 547. — 2 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 85. 

3 Ndd. Oewerswalwe, Korrespondenzbl. a. a. 0. 

4 Wb. d. Luxemburg. Mundart 156. 478. 



Specht, picus. 27 

Eine ursprünglich Lokale Benennung isl das Worl Ilhein- 
dchuxdbe, das sich aus den Rheingegenden dann weiter verbreitet 
hat. Das Btrassburg. Vogelb, r. J. L554 7.52] erwähnt anter 
den Schwalbenarten die Rhein fchwalmen, and Gtesner(8.54 t) kennt 
den Ausdruck Ehynvogel ebenfalls als Straßburger Dialektwort 
Aber auch H;ms Sachs ist der Name geläufig, denn im Etegim. 
der Vögel (1531) 7.76 tritt die Reinschtoalb au£ Schwenkfeld, 
Klein, Popowitsch u. a. verzeichnen den Aufdruck Rheinfchuxdbe 

unter den Synonyma für die Uferschwalbe. In vielen Gegenden 

wird der Xame alter v.>n den Seeschwalben gebraucht, die in 
den Rheingegenden wegen ihrer schwalbenförmigen Gestalt auch 
Spirschwalben genannt werden. Bei Eber und Peucer Vocab. 
(1552) S. E 2 b sind die Reinfchwalben oder Spir fchivalben (marinae 
aves) gerade die Seeschwalben. Dasypodius (1535) S. C lb setzt 
die Reinschwalben ebenfalls den Spiren gleich, ohne daß es recht 
klar ist, welche Vogelart er meint. 

Vgl. noch Nachtschwalbe 'Ziegenmelker', Vttemchwalbe e der 
schwarze Storch*. 

IV. Spechte, Picidae. 

Specht, picus. 

Ahd. speht: Sg. Nom. — speht picus: Clm. 14747 f. 63a.merops : 
cod. Guelpherbyt. Aug. 10. 3. 4° f. 89 a. loaficus. et picus. unum 
sunt, i.: cod. Bonn. 218, 62 b. merops: Carmen de Philomela43: cod. 
Vindob. 217, 223 a. Prudent. Contra Symmach. I, 23k cod. Bruxell. 
9968, 119 d. Clm. 14689 f. 47 a. Versus de volucr. H. S. III, 17, fron- 
dator: XI b. meropes : Gll. Salomon. a 1. cod. Selestad. f. 110 a. cod. 
Vindob. 804 f. 185 b. spfht picus, unus deorum ( ) pica dicitur agalstra : 
Prudent. Contra Symmach. I, 234: cod. Parisin. nouv. acquis. 241, 
165 a, Clm. 14395, 171b. speht t boumfrosc frondator: Vergib E. I, 56: 
cod. Berol. Ms. lat. 4<> 215, 2b. speht t hehera: H. S. XI d. g. speth. t 
hehara: cod. SGalli 299, 26. speth: Comment. Anonymi in Vergib 
A. VII, 48: cod. Oxon. Auct. F. 1. 16, 98 b. Versus de volucr. fron- 
dator: cod. Berol. Ms. lat. 8° 73, 124 b, sphet: cod. Parisin. 99 
42 b. spect' picus. inde pica aga : cod. Bruxell. 10072 f. 88 b. spe't: Horat. 
Carm. III. 27, 15: cod. Parisin. 931"). 27a. spet : H. S. III, 17. vespet 1 : 
cod. Berol. Ms. lat. 8<> 73, 123 b. speJUe: Versus de volucr. H. S. XI a 2 



1 = vel speht ? (Steinmeyer). 



28 Specht, picus. 

(12. Jh.), e (1 Hs. 12. Jh.). speh: cod. SGalli 299 p. 33. spfh: Prudent. 
Contra Symmach. I, 234: cod. Colon. LXXXI, 99b. — Dat. — spehte 
at hehera perdix. auis similis colore pico : Regum I, 26, 20 : Clm. 
19440, 105. 

Ableitungen und Komposita. — spehteszunga 'Pflanzen- 
name'. scehteszunga pici lingua: Rotul. comit. de Mülinen Bern. 

Den Namen Specht hat das Deutsche nur mit den skan- 
dinavischen Dialekten gemein. Es entsprechen dem ahd. mhd. 
speht, mnd. specht m. im Altnordischen spcetr, dän. spette, in nor- 
wegischen Dialekten spetta und spett, auch hakke-spet = schwed. 
hackspett. Im Englischen ist speight kein heimisches Wort, son- 
dern stammt aus dem Deutschen; der angelsächsische Ausdruck 
war fina. Auch das niederländische specht wird von Vercoullie 
Et. Wb. S. 270 und Kluge Et. Wb. 6 S. 369 als eine Entlehnung 
aus dem Hochdeutschen betrachtet, während Franck Et. Wb. S. 930 
es für einheimisch hält. 

Der Name ist verschieden gedeutet worden. Ältere Ety- 
mologen, wie Grimm KL Schriften I, 267, Schade Altd. Wb. IP, 
849 und Weigand Wb. II 4 , 753, dachten an Zusammenhang mit 
ahd. spehön 'spähen', wobei verschiedene Gesichtspunkte hervor- 
gehoben wurden : der Specht sei der spähende, d. h. weissagende 
Yogel oder der Yogel, der die Insekten in der Baumrinde 
erspäht. 

Nach einer anderen Auffassung wäre der Specht eigentlich 
als bunter Vogel benannt. So stellte schon Pott Et. Forsch. I, 235. 
II, 600. 602 und KZ. VI, 31 f. ahd. speht zu lat. picus e Specht', 
pica 'Elster' und erblickte die Grundbedeutung des Vogelnamens 
in lat. pingo 'male', griech. ttoikiäoc 'bunt'. Andererseits hält Kluge 
a. a. O. Verwandtschaft mit ags. specca 'Fleck' für möglich, wobei 
lat. picus doch wohl fern bleiben müßte; ebenso zieht Tamm 
Et. ordb. s. v. hackspett das ags. Wort und dän. spcette 'Fleck', 
rßdspcette 'eine Art Flunder mit roten Sprenkeln' zum Vergleich 
heran. In der Zs. f. d. Wf. II, 285 f. versucht Much diese Ansicht 
durch neue Beweise zu begründen, indem er auf die Rindernamen 
Spicht im Salzburgischen und Specht, Spöcht in Kärnten hinweist, 
wo die alte Bedeutung 'bunt' noch zutage trete; es handelt sich 
aber hierbei höchst wahrscheinlich nur um eine Übertragung 
des Vogelnamens. 



Specht, pico«. 96 

bd die Etymologie, wonach der Specht wegen des honten 
Gefieders den Namen halte, könnte man bemerken, dafi sie 
auf die kleinen Spechtarten Bezug nimmt, weniger auf den 
Grünspecht und <leu Schwarzspecht Doch sind es gerade die 
Letzteren Vögel gewesen, die in der Volksvorstellung die wichtigste 
Rolle spielten. Besonders an den sagenumwobenen Marsvogel 
der Römer, in dem man dm Schwarzspecht erkennt l , knüpfen 

sieh auch auf germanischem linden die meisten Bfärchen viun 

Spechte, 8. Grimm Deutsche Mytlml. II 1 , 560ff, [mmerhin ist von 
den gegebenen Deutungen die Letzterwähnte am wahrschein- 
lichsten. 

In dem Vogelnamen muß der auslautende Dental sekundär 
herangetreten sein. Das zeigt die im Althochdeutschen vor- 
kommende Nebenform spech 2 (mhd. spech in zwei Glossenhand- 
schriften des 14. Jhs., Ahd. GH. III, 21 24 ) ? die Martin-Lien- 
hart I, 534 für das Elsaß und Heeger Tiere im pfälz. Volks- 
munde II, 9 für die Pfalz bezeugen; ferner tirol. Speck {Grün- 
speck) 3 . Sie kommt auch zur Anwendung in elsässischen und 
pfälzischen Ortsnamen, vgl. Spechbach in Socins Namenb. S. 342. 
598. 621. 640. 682 neben Spechtbach, Spechtrein bei Förstemann 
Altd. Namenb. II, 1359. Eine alte Variante dieser dentallosen 
Form liegt vor in elsäss. Grünspeich f. und dem Ortsnamen 
Speicheshart (neben Spehtesliart) bei Förstemann a. a. 0. Zu dieser 
Lautstufe stimmt auch schwed. hackspik 'Specht', wo die An- 
lehnung an spik 'Nagel' unverkennbar ist. — Aus ahd. speh 
erklärt sich afrz.espeche (nfrz. Speiche) e Specht\ während das gleich- 
bedeutende afrz. espoit auf ahd. speht zurückgeht. 

In einem großen Teil des bairisch-österreichischen Dialekt- 
gebiets und auf dem gesamten schwäbischen Sprachboden ist 
der alte Name Specht vor neueren Bildungen zurückgewichen. 
Schon in mittelhochdeutscher Zeit erscheint in bairischen Quellen 
die Benennung poumheckel m. (ahd. *boum-1wckil) 'Baumhacker*; 
zuerst paumheckel bei Konrad von Megenberg( Kd. Pfeiffer) S.3S0 11 , 
dann poumheckel in einer Version des Märchens vom Zaunkönig 

1 Keller Tiere des klassischen Altertums s. v. Specht. 

2 Vgl. auch die Belege s.v. Grünspecht. 

3 Frommann D. Mundarten IV, 55. 



30 Schwarzspecht, picus martius, dryocopus martius. 

aus dem 15. Jh. (Erlösung herausg. von Bartsch S. XLY), päm- 
hachkel in einem Vokab. v. J. 1421; andere Belege in Glossaren 
bei Diefenbach Glossar. S. 358 s.v. merops, 433 s.v. picus, 
Novum glossar. S. 252 s.v. merops. Im 16. Jh. ist Paumheckel 
durch H. Sachs Regim. der Yögel (1531) Y. 179 für Nürnberg 
bezeugt, Gesner Hist. avium (1555) S. 675 führt Baühecker aus 
Kärnten an. Popowitsch Versuch S. 544 bezeichnet Baumhecker 
als die in Österreich übliche Benennung des Yogels, Unger- 
Khull S. 55 geben das Wort in der Form Baumhackel m. aus 
Steiermark. Synonyme Ausdrücke sind Baumreiter, Baumrutscher 
bei Popowitsch a. a. 0. nach Heppe zitiert, Baumjürgel l m. in 
Steiermark. 

Im schwäbischen Dialekt ist Specht nach Fischer Wb. I, 719 
schriftsprachliches Lehnwort; der landläufige Name ist Baum- 
picker (zu picken 'mit dem Schnabel hauen 5 ). In den nördlichen 
Teilen der Pfalz gilt ebenfalls dieser Ausdruck neben Binden- 
picker 2 , in der Schweiz bezeichnet man stellenweise als Baum- 
bicker 3 den Grünspecht. Auch im Ostfriesischen kommt Böm- 
bicker 4 als Name des Spechtes vor. Auf Helgoland heißt er der 
Holtbecker 5 (d. h. Holzpicker), in Preußen der Holtzhacker (Klein Hist. 
avium prodr. 1750 S. 26); im badischen Oberlande der Zimmermann. 

Der Ausdruck Schiesshuivwerig , den Kehrein Yolksprache 
S. 346 aus dem Nassauischen anführt und mit schiwwerig verbin- 
den möchte, ist eigentlich der Name des Wiedehopfs. In diesem 
Sinne verzeichnet Pfister Nachtr. zu Yilmar Id. S. 106 die Namens- 
formen Höfferich und Huwwerig aus Hessen, bemerkt aber, daß 
die letztere auch vom Specht angewendet wird; vgl. S. 14. 

Schwarzspecht, picus martius, dryocopus martius. 

Yon den zwei Spechtarten, welche der Redakteur des althoch- 
deutschen Summariums unterscheidet, ist buohspeht (zu buohha 
'Buche') 'Buchenspecht' wohl der picus martius. Die Belege in 
den Hss. des Summariums III, 17 (böchspeht, bvhcspehte, prücspet) 
sind das einzige Zeugnis des Ausdrucks. 

1 Unger-Khull 55. 

2 Heeger Tiere im pfälz. Volksmunde II, 9. 

3 Staub-Tobler IV, 1120. — 4 Jb. f. ndd. Sprachf. XI, 111. 
5 Frommann D. Mundarten III, 32. 



Schwarzspecht, picoi m&rtitu, dryocopua martiot. 31 

In vielen Gegenden Deutschlands wird der Schwarzspecht 

als Krähe benannt, weil er schwarz von Farbe ist Und aucfa in der 

Größe der Krade annähernd gleich kommt; daher auch Bchwed 
wüUcrdka. Der Name Hohlkrähe, welcher auf ahd. 'holaerd 
(d, h. Böhlenkrähe) zurückgeht und auf das Nisten des Vogels 
in Baumhöhlen Bezug nimmt, begegne! zum ersten Mal in den 
Glossen hoUchra parua parra («I. h. Dnglücksvogel) In cod. Oeni- 
pontan. 711, ."»oh (13. Jh.) and hdera Bepicecula in cod. Vindob, 
3213, lKi (1 1. Jh.), s. Ahd. GH III. 28" u. 672»*; im L5. Jh. 
holekro im Elbinger Vokal). 724 (Berneker Die preufi. Sprache 
S. 244). Eine andere Variante isl mhd. holzkrä 'Waldkrähe*, das 
zunächst in der Glosse holtzchra merops in cod. Mellic. K. 51, 
242 (14. Jh.) belegt ist, s. Ahd. Oll. III, 21 M . In Hist. avium 
(1555) 8. G80 erwähnt Gesner sowohl Holkräe wie lloltzkräe 
als schweizer. Ausdrücke und Staub-Tobler II, 805 führen aus 
den heutigen Mundarten außer Hol-Chräj und Holz-Chräj noch 
die Synonyma Berg-Ghräj und Tül-Chräj an. Die Benennung 
Hohlkrähe dürfte von diesen Varianten am weitesten verbreitet 
sein. Aus Sachsen wird sie durch G. Agricola (bei Gesner a. a. 0.) 
als Holkrahe und durch Eber und Peucer Vocab. (1552) S. E7a 
als Holkrae bezeugt; dazu Holkrae in Sibers Gemma(1579) S. 40. 
Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 338 bezeugt Holkrahe speziell 
für seine schlesische Heimat. Auf oberdeutschem Sprachboden 
begegnet Holkro bei H. Sachs Regim. der Yögel (1531) V. 194, 
Hohlkrahe in der Angenehmen Land-Lust (1720) S. 102. Popo- 
witsch Versuch S. 202 bezeugt für Österreich die Form Hohlkran 
(zu Kran 'Krähe'); heute im nördlichen Böhmen HohIkroh\ in 
Tirol Holderkra 2 , in Kärnten Hollekrör/e 3 m. — Unter den Syno- 
nyma, die Popowitsch a. a. O. zusammengestellt hat, wird auch 
der Ausdruck Spechtgrähe nach Halle erwähnt; umgekehrt heißt 
der Vogel auch Crafpecht bei Turner Avium hist. (154 1) S. H 5b 
und bei Schwenkfeld a. a. 0. 

Einige oberdeutsche Bezeichnungen des Schwarzspechts 
sind durch das Geschrei des Vogels veranlaßt, das mit dem 
Krähen eines Hahns oder Huhns verglichen wird. Gesner be- 

1 Zs. f. d. Phil. XXI, 208. 

2 Frommann D. Mundarten IV, 55. — 3 Lexer Kämt. Wb. S. 143. 



32 Grünspecht, picus viridis. 

richtet in Hist. avium (1555) S. 680, daß einige den Yogel "un- 
richtig" Holtzhün nennen; Popowitsch a. a. 0. teilt den schwä- 
bischen Ausdruck Holzgöcker (zu Göcker e Hahn ) mit. Nach Staub- 
Tobler II, 194 ist der Name Holzgüggel (zu Güggel c Hahn a ) in 
der Schweiz üblich. 

Die heute geltende literarische Benennung Schwarzspecht 
kommt schon im Elbinger Yokab. 744 (Bemeker Die preuß. 
Sprache S. 244) vor; auch das Strassburg. Vogelb. v. J. 1554 Y. 
423, Döbel Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 581, Klein Hist. avium prodr. 
(1750) S. 26 führen das Kompositum Schivartzfpecht an. Nach 
Popowitsch a. a. 0. ist es in Sachsen und Franken geläufig. 

In der Schweiz nennt man diese Spechtart in einigen 
Gegenden Tannbicker oder Forenbicker 1 (d. h. Tannen-, Föhren- 
hacker), in Steiermark Baumnirgel 2 m., vgl. steir. Nirgel e certhia 
familiaris\ Unger-Khull verzeichnen auch den Namen Baum- 
katze 2 aus einer Quelle v. J. 1786 als Bezeichnung einer Spechtart. 

Grünspecht, picus viridis. 

Ahd. gruonspeht:Sg. Nom. — gruonspeht merops nomen avis : 
Priscian. instit. 322, 9 : Clm. 18375, 80 b. merops. I loaficus : cod. Parisin. 
9344, f. 42 b. Clm. 14689 f. 47 a. grxonspfht* : Vergil. A. IX, 702: cod. Pa- 
risin. 9344, 147 a. gruon speht frondator: cod. Berol. Ms. lat. 8° 73. 
grünspeht : cod. Lugdun. Voss. lat. 4° 51 f. 162 b. Versus de volucr. 
H. S. XI a 2. b. d. e. GH. Salomon. a 1. gruenspeht : Priscian. instit. 
322, 9: Clm. 280 A, 45 b. laoficus : H. S. III, 17. gronspeht loaphicus 1 
merops: cod. Cheltenham. 7087, 144a. ghronspeht: cod. sem. Trevir. 
f. 112b. cruonspeht loaficus: Clm. 14689 f. 47 a. grvnispeht merops. ei 
loaficus: cod. Selestad. 110 a. gröner speht: cod. Vindob. 804 f. 185b. 
gruonsphet: cod. sem. Trevir. R. III. 13, 107 a, loaphicus : cod. sem. 
Trevir. R. III. 13, 107 a. gruon sp h &: Carmen de Philomela 43: cod. 
mus. Britann. Add. 16894, 245b. gnwnsp&h loaphicus ei merops: 
cod. Vatican. Reg. 1701, 2b. gruonspeth loaficus : cod. SGalli 299, 26. 
grunspeth: H. S. XI g, laoficus: g. gruonspet: Priscian. instit. 322, 9: 
cod. Colon. CC, 62 b. cod. Berol. Ms. lat. 8<> 73, 123 b. grunispet picus : 
Vergil. A. VII, 189: cod. Parisin. 9344, 116b. grvnspechto: Gll. Salo- 
mon. c: cod. mus. Britann. 18379, 109b (13. Jh.). cruonspheto: cod. 
Florentin. XVI, 5, 141a (13. Jh.). grünspeht e loaficus: HS. XI a 2 
(1 Hs. 12. Jh.), grvnspech: b (1 Hs. 13./14. Jh.), grvnspech laoficus: g 
(1 Hs. 12. Jh.). grunespech: Clm. 14584 f. 118a (14. Jh.). — PI. Nom. 
grvonspehta : Vergil. G. IV, 14 : Clm. 18059, 175 c. 



1 Staub-Tobler IV, 1119. 

2 Steir. Wortsch. 55. 56. — 3 D. h. gruonspecht. 



Grünspecht, picua viridis. 88 

Mit dem altüberlieferten Namen ls1 der Grünspecht heute 
in den meisten Gegenden bekannt, wo das Wort Specht noch 

erhalten ist; Popowitsch nennt \<>n diesen Gebieten Sachsen, 

Franken \uu\ Wetterau. 

Der Vogel verrat seine Anwesenheit schon ans der Ferne 

durch Beinen hellen Ruf, der an da- Wiehern eines Pferdes 
erinnert und daher den Ausdruck Wieherspecht hervorgerufen 

hat. Diesei- auffällige Ruf wird als Zeichen bevorstehenden 
Ungewitters aufgefaßt \\\u\ ist die Veranlassung gewesen zur 
Entstehung der Benennung Windracker, welche in Altmari vor- 
kommt Nach Danneil Wb. S. 247 heißt der Grünspecht hier 
auch Schreiheister (zu Heister 'Elster') und bei den Bienenwirten 
hnmcmvidf weil er im AVinter den Bienen in den Körben 
nachstellt. 

In den Benennungen Immenivolf Bienenwolf hat Grimm 
(Wörterbuch I, 1820) eine uralte Bildung von dem Typus Beo- 
wulf zu erkennen geglaubt und nach der Angabe Danneils konnte 
man in der Tat geneigt sein, den Ausdruck für volkstümlich zu 
halten. Doch ist der Name sicher eine ganz junge gelehrte Bildung, 
die von Gesner erfunden ist. In seinem Vogelbuche (1555) S. 575 i. 
schildert er den im südlichen Europa brütenden aber in Deutsch- 
land und in der Schweiz seltenen Bienenfresser (merops apiaster), 
für den er Namen aus den romanischen Sprachen anführt. Unter 
diesen Ausdrücken nennt er auch das napolitanische Dialektwort 
lupo de Vapi und nach diesem hat er den deutschen Ausdruck 
Imbenwolff gebildet, den er übrigens ausdrücklich als erfundenes 
Wort bezeichnet. Auf Gesners Autorität hin hat sich die Neu- 
bildung bald weiter verpflanzt; Golius Onomasticon ( 1 579) Sp. 293 
übersetzt 'merops' mit 'Grünfpecht oder ein Immen wol ff , ebenso 
Junius Nomenciator (1581) S. 58a, Chytraeus Nomenciator (1582) 
S. 374 u. a. In Spangenbergs Ganskönig V. 124 figuriert Immen- 
wol ff unter anderen Vogelnamen. Klein Hist. avium prodr. (1750) 
8. 111 führt Imb-Wolff mit derselben Bedeutung wie Gesner an. 

Eine steirische Bezeichnung des Grünspechts ist Grün- 
nigel 1 m., das eine ähnliche Bildung wie Saunigel (als Schimpfwert) 
ist; in der Schweiz heißt der Yogel Baumbicker-, vgl. S. 30. 

1 Unger-Khull 311. — 2 Staub-Tobler IV, 1120. 
Suolahti, Vogelnamen. 3 



34 Rotspecht, picus major, dendrocopus major. 

Rotspecht, picus major, dendrocopus major. 

Im Verhältnis zu den beiden großen Spechtarten spielen 
die Buntspechte in der Volksvorstellung eine untergeordnete 
Bolle. Sie werden meistenteils nach der gesprenkelten Farbe 
benannt und in der früheren ornithologischen Literatur nur teil- 
weise als besondere Arten von einander unterschieden. 

Die Benennung Rotfpecht, welche auf die roten Scheitel- 
und Schwanzfedern der Buntspechte zielt, findet sich zuerst 
belegt bei Pinicianus Prompt. (Auszug v. J. 1521) S. C 4 b, dann 
im Strassburg. Vogelb. (1554) V. 424 und bei Gesner Hist. avium 
(1555) S. 684 (nicht aus der Schweiz), Roth- oder Bunt- Specht 
in Döbels Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 58. — Das Synonynion Elster- 
fpecht wird zuerst von Turner Avium hist. (1544) S. H 5 b, dann 
von Eber und Peucer Vocab. (1552) S. F6a bezeugt. Gesner a. 
a. 0. S. 680 teilt auch die schweizerische Namensform Aegerft- 
fpecht (Agerftenfpecht) mit und erwähnt den Ausdruck Wyßfpecht; 
Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 339 verzeichnet ebenfalls Elfter 
Specht! Weis Specht. Popowitsch, der a. a. 0. den Namen Bunt- 
fpecht für den normalen hält, gibt die Variante Atzelf pecht aus 
der Wetterau. — Im Strassburg. Vogelb. v. J. 1554 V. 423 wird 
der Ausdruck Schilt fpecht genannt, der gleich Buntspecht ist; in 
Vogelnamen bezeichnet Schild (in der Bedeutung 'Flecken') öfters 
die bunte Gefiederfarbe, vgl. Schildamsel, Schildkrähe, Schildhahn. 
Nach Martin-Lienhart II, 904 heißen die Buntspechte in Wald- 
hambach (im Elsaß) Ziemer m. (d. h. Drossel), was ebenfalls durch 
die Gefiederfärbung veranlaßt ist; in Sulzmatt nennt man sie 
Krüzvögel 1 . 

Die obengenannten Namen werden nicht allein von dem 
Kotspecht, sondern auch von den übrigen Buntspechten, vor Allem 
vom picus medius (dendrocopus medius) angewendet. Mehr- 
deutig ist Gras fpecht, das bei Eber und Peucer Vocab. (1552) 
S. F 6 a auf den Kleinspecht (picus minor, dendrocopus minor), 
von Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 338 in der Form Gräfe 
Specht auf den Grünspecht bezogen wird. Beide Spechtarten 
bewegen sich oft auf dem Boden im Gesträuch und Gras. — In 



1 Martin-Lienhart I, 100. 



Wendehals, jyni lorqnilla. 

Ostermanns Vocab. (1591) S, 333 wird der Kleinspechl ■.• 
seiner Winzigkeit MeiflmfpschÜen (d h. Ifeisenapechtlein) genannt 

Wendehälse, Jyngidae. 
Wendehaie, jyni torqnilla. 

Sein. mi Namen hat der Vogel von den eigentümlichen 
Geberden bekommen, welche er mit dem schlangenartig dreh- 
baren Halse ausführt. Im IG. Jh. ist die Form Windhals (zu 
winden, im Bind, wint-halsen e den Hals drehen') in Oberdeutschland 
öfters bezeugt: in H. Sachs' Regim. der Vögel (1531) V. L26 der 
Windhals, im Strassburg. Vogelb. v. J. 15 öl V. 444 Windthals, 
in Gesners Hist. avium (1555) 8.552 und bei Golius Onomasti- 
con (1579) Sp. 292Windhalß. Aus Mitteldeutschland ist Winth als 
durch Eber und Peucer Vocab. (1552) S. F 4a bezeugt, aber 
die Bedeutung des Namens ist den Glossatoren nicht klar. Die 
eigentlich mitteldeutsche Form scheint Wendehals zu sein; 
Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 356 bezeichnet sie als schlesiseh. 
und aus Sachsen wird sie durch Sibers Gemma (157!*) 8.40 
und Döbels Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 59 bezeugt. Ein Syno- 
nymon ist Trdehalß bei Gesner a. a. 0. Heute im Elsaß Dräj- 
hälsel 1 n., Renkhälsle, Wildhälsle n., Windhals 2 , in Luxemburg 
Dreihälsjen' 3 m., in Preußen Drehhals*, auf Helgoland Drdiervink 5 . 

Andere Namen sind durch den Vergleich des Halses mit 
einer Schlange veranlaßt. Bereits bei Gesner a. a. 0. werden 
mehrere Varianten: Naterhalß, Naterwendel, Naterzwang erwähnt; 
bei Hohberg Adel. Land-Leben (1687) II, 799 Kap. CXIX die 
Natterwinde, in der Angenehmen Land-Lust (1720) S. 238 das 
Natterwindel. Von diesen Benennungen verzeichnet das preußische 
Wörterbuch Frischbiers II, 56 den Ausdruck Nattcrwendel m. 
(auch Matterwendel), der in Steiermark Natterwindel 6 m. lautet; 
dazu Otterfink 7 im Sarntal (in Tirol). 

Von steir. Natterwindel verschieden ist Natterwidel 8 m., 
dessen zweites Kompositionsglied eine Ableitung von dem Natur- 

1 Staub-Toblcr geben Träjhals mit der Bedeutung 'Wiedehopf. 

2 Martin-Lienhart I, 328. — 3 Wb. d. Luxemburg. Mundart 70. 
4 Frischbier I, 148. — 5 Frommann D. Mundarten III. 32. 

6 Unger-Khull 473. — 7 Frommann D. Mundarten IV, 55. 

3* 



36 Nachtigall, lusciola luscinia, erithacus luscinia. 

laute des Vogels ist. JS T ach Yoigt Excursionsbuch S. 178 klingt 
dieser ungefähr so wie man das Weidweidweid beim gewandten 
Vorlesen sprechen wird. Daher heißt der Wendehals in Girlan 
(in Tirol) Wid-Wid 1 . Wie der Kuf der Spechte, so gilt auch 
der des Wendehalses als Vorzeichen des Regens; daher der 
Name Regenbitter 1 an der Grenze von Kärnten und Tirol. In 
der Mitte des April pflegt dieser Frühlingsvogel in Deutschland 
einzutreffen ; in der Schweiz ist er als Oster en- Pfiffer 2 bekannt 3 . 
Als eifriger Nachsteller von Ameisen hat der Wende- 
hals in Lübeck den Namen Myrenjäger bekommen; vgl. nndl. 
mierenjager, frz. dial. fourmilier, engl. dial. emmethanter neben 
den allgemein geltenden Benennungen, die wie im Deutschen 
auf den drehbaren Hals Bezug nehmen. 

V. Sperlingsvögel, Passerinae. 

Erdsänger, lusciola. 
Nachtigall, lusciola luscinia, erithacus luscinia. 

Ahd. nahtagala: Sg. Nom. — nahtagala filomella : cod. 
Parisin. 12269 f. 58 b. nocticorax : cod. Carolsruh. Aug. CXI, 85 c. 
lvscinia : cod. SGalli 299 p. 33. Noctuam. id est que nocte uolat. 
I coruus marinus. siue vuuila. ut alii uolunt. alii lusciniarn uo- 
luerunt esse id est nahtagala. Nocturnus nahtram : Leviticus 11, 16: 
cod. SGalli 295, 126. 127, nahtagalah: cod. SGalli 9, 276. nathagala 
luscinia : cod. S. Galli 242, 248 b. achalantida id est auis : Commentar. 
Anonymi in Vergil. G. III, 338: cod. Oxon. Auct. F. 1. 16, 89 b. nahthrä 
t naht ig ala corax: cod.Vindob. 162, 20a. nahtigala: cod. sem. Trevir. 
R. III. 13, 105 b. natigala*: cod. Berol. Ms. lat. 8° 73, 124. nachtigala 
luscinia: Gll. Salomon. a 1. nachtigal luscinia: Versus de volucr. 
naht egala luscia l filomela: Clm. 14747 f. 62b. nahtegala paruula 
[ales]: Aviani fabulae 21, 1: cod. Trevir. 1464, 263 a. Carmen de 
Philomela 3: cod. Vindob. 247, 222b. lusciniarn: Versus de volucr. 
luscinia: H. S. III, 17. XI a 2, nathegala: b : cod. Kilian. 47, 15 b. 
luscinia l philomela: Clm. 14689 f. 47a. nahtecala noctua: cod. 



1 Frommann D. Mundarten IV, 55. — 2 Staub-Tobler V, 1084. 

3 In England und Skandinavien spielt der Wendehals dieselbe 
Rolle als Verkündiger des Kuckucks wie der Wiedehopf in Deutschland; 
daher heißt er in englischen Mundarten cuckoos footman, cuckoos mate usw. 
(Swainson The Folklore S. 103), in Schweden göktyta, in Finnland käenpüka 
(d.h. Kuckucksmagd). — 4 Das mittlere a aus Korr. (Steinmeyer). 



Nachtigall, lusciola luscinia, erithacus Luscinia. 87 

Vindob. 162, 35a. nachtegala de achalantide 1 . flvscinia: Aldhelmi 
Aenigm. 252, 26: cod. SGalli 242, 26. Lusciniam: Servius in Vergil. 
E. VI, 78 (II, 141 L): cod. Lips. civ. Rep. I. 36b, L9b. nahtegalle 
luscinia: H. S. XIa2: cod. Vindob. 2400, L06b. nahtegal lusciniam: 
Versus de volucr., filomenam: Versus <l<> volucr. Ivscinia: II. S. III. 
17 (1 Hs. 12. Jh.), XI g (1 Hs. 12. Jh.) ». naht gala : cod. Guelpherbyt. 
Aug. 10. 3. 4° f. <S!hi, nahtgaJa: cod. sem. Trevir. f. 112b. luscinia: 
cod. sem. Trevir. R. 111.13, 107 a. nathgala acredula: Gll. Salomon. 
a 1. natgala noctua: Vergil. G. I, 403: cod. Parisin. 9341-, 14 a. cara- 
drion. $ laudula. et lucinula: cod. Parisin. 9344 f. 42 b. nahtgal lus- 
cinia. Gll. Salomon. a 1. nahtigela lusciniam : Versus de volucr., nahte- 
gila: Versus de volucr., nahtegela: Versus de volucr. nahtegela lus- 
cinia: H. S. XI b. g, nahtegel: e (1 Hs. 12. Jh.). luscinia: Versus de 
volucr. (1 Hs. 12. Jh.). nahkela nocticorax: cod. SGalli 911,211. naht- 
gella acredula: Gll. Salomon. a 1: Clm. 22201, 5c. nahtegula luscinia: 
cod. Selestad. f. 110a. lusciniam: Versus de volucr. : cod. Admont. 476, 
nahtegla nicticorax: cod. princ. de Lobkow. 489,56b. luscinia: Gll. 
Salomon. a 1 : Clm. 13002, 89 c. — Akk. — noctuam. nus nocturnvs. 
nahtram. noctuam. i. coruus marinus que in nocte uolat. i. uwilla. 
alii lusciniam. i. nahtegulun uolunt esse : Leviticus 11, 16 : cod. 
Stuttgart, th. et phil. f. 218, 13c. — PI. Akk. — nahtegelun: Horat. 
Serm. II, 3, 245: Clm. 375, 151a. 

Die Nachtigall hat ihren Namen von dem berühmten 
Gesänge erhalten, den sie in nächtlicher Stunde ertönen läßt; 
german. *nahtagalön ist in dem zweiten Kompositionsgliede eine 
Ableitung von galan 'singen 5 . Die Bildung, die also den Yogel 
als 'Nachtsängerin' bezeichnet, ist westgermanisch : ahd. nah- 
tagala, mhd. nachtegal(e) = andd. nahügala (Wadstein Kleinere 
altsächs. Sprachdenkm. S. 107 22 ' 23 ), mnd. nachtegal(e), nnd. nachte- 
galle, mndl. nachtegale, nndl. nachtegaal, fries. nachtegael und 
ags. nihtegale 3 , me. nightengale, ne. nightingale 4 . In die skan- 

1 De Achalantide $ fehlt Ed. (Steinmeyer). 

2 al auf Rasur (Steinmeyer). 

3 Whitman The birds of Old English Literature XIX verzeichnet als 
angelsächsische Namen der Nachtigall auch die Ausdrücke frocx, heapene 
und geoleivearte. Von diesen ist jedoch der erste = frox Trosch'; das lat. 
Lemma luscinius bezeichnet den Laubfrosch. Das zweite Wort ist in der 
angeführten Glosse richtig hearpen geschrieben und bedeutet also die 
Harfen; griech. dnbövec (aidoneae), womit der ags. Ausdruck glossiert ist, 
wird in übertragener Bedeutung von Musikinstrumenten gebraucht. Wegen 
des dritten Wortes s. S. 93. 

4 Von dem eingeschobenen Nasal in engl, nightingale handelt Ritter 
in Arch. f. d. Stud. d. neuer. Sprach, u. Lit. CXIII, 31 ff. 



38 Sprosser, lusciola philomela, erithacus philomela. 

dinavischen Sprachen ist der Name aus dem Deutschen über- 
nommen : dän. nattergal, älter dän. auch nakte(r)gale, schwed. 
näktergal. — Ähnliche Bildungen wie Nachtigall sind elsäss. 
Steingall (Sfeingellel) 'Wasserläufer 9 (= ags. stängella) und engl. 
yafflngale 'Grünspecht' . 

Der i -Vokal in der Kompositionsfuge von nhd. Nachtigall 
ist nicht sicher erklärt. Behaghel in Pauls Grundriß I 2 710 sieht 
darin einen alten Laut, der durch Einfluß des folgenden (/-Lautes 
erhalten blieb (wie in Bräutigam). Ob im Althochdeutschen ein 
Wechsel des Mittelvokals (a : i) vorhanden war, ist jedoch schwer 
zu ermitteln. Abgesehen von dem Beleg nahtigala in cod. Yindob. 
162 fehlt jede Stütze für die Annahme einer i-Stufe des Kom- 
positionsvokals, und eine umgelautete Form ist auch später 
nirgends bezeugt. Die Form Nachtgall, die bereits im Althoch- 
deutschen belegt ist, begegnet in oberdeutschen (und mittel- 
deutschen) Quellen des 15./ 16. Jhs. öfters neben Nachtigal(l) 
und Nachtig alle. 

Andere Namen für die Nachtigall sind selten. Als Aus- 
druck der Vogelsteller nennt Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 296 
das Wort Dörling, welches nach Frommanns D. Mundarten IV, 
165 in der Gegend um Breslau gebraucht wird; Adelung be- 
zeichnet in seinem Wörterbuche I, 338 Därrling als preußisch. 
Der Name ist schon im 13. Jh. in der Glosse durlinc (= turdus) 
in cod. Admont. 759 (Ahd. Gll. III, 26 38 ) bezeugt und gehört 
zusammen mit dem in Thüringen vorkommenden Verbum dorlen 
'wirbeln' (wozu Dorl 'Kreisel'). Die Nachtigall hat also diesen 
Namen ('Wirbier') von dem trillernden Gesänge. 

Eine luxemburgische Bezeichnung des Vogels ist Blieder- 
männchen m. l (eigtl. Blättermännchen). 

Sprosser, lusciola philomela, erithacus philomela. 

In Deutschland ist der Sprosser heute ein östlicher Vogel, 
dessen Brutgebiet sich nach Naumann-Hennicke I, 7 auf die 
nordöstlichen Teile des Reiches beschränkt; doch auch in Nieder- 
österreich und Steiermark kommt er vereinzelt vor. Schwenkfeld, 
der ihn in Ther. Sil. (1603) S. 296 als eine groffe Nachtigalle 

1 Wb. d. Luxemburg. Mundart 35. 



Rotkehlchen, lusciola ruheeula, crithacus rubeculus. 39 

von der vorhingenannten kleineren Art unterscheidet, gib! außer 
der naturwissenschaftlichen Beschreibung keine anderen Nach- 
richten von dem Vogel, als dass er im Winter Schlesien verläßt, 

um in wärmere Länder zu ziehen. Ausführlicher ist der Yen , 
der Angenehmen Land-Lust (1720) S.334, welcher erzählt, daß 

der Sprof/'er oder Sproßvogel "in Leipzig [ehr wühl bekannt" ist 

"und foll" — wie man ihm versichert hat — "aus dem An- 
haltilehen dahin gebracht werden, allwo... es deren Co viel 
als anderer Orten der gemeinen Nachtigalen giebet"; "weil die 

SprolTer vor rar -ehalten werden / gilt ein folcher vier tTmff / 
auch fechs Thaler". Weiter heißt es a. a. 0., daß der Vogel sieh von 
der gewöhnlichen Nachtigall dadurch unterscheidet, daß er "am 
Schwantz nicht fo roth ift / daher auch eben zu Leipzig die 
gemeinen Nachtigalen zum Unterfchied / Rothvogel genennt 
werden". . . — Es handelt sich bei den angeführten Namen 
offenbar um Fachausdrücke der Vogelsteller, welche die beiden 
Nachtigallenarten auf den Markt brachten. Im Gegensatz zu dem 
lebhafter gefärbten Rotvogel wurde die größere Art, die eine 
trübere muschelfleckige Zeichnung an der Brust hat, Sprossvogel 
(zu Sprosse 'Hautflecken') genannt. Der Unterschied in der 
Färbung der beiden Arten ist aber so gering, daß nur Fachleute 
die obengenannten Ausdrücke haben erfinden können. Aus dem 
Kreise der Vogelsteller stammt auch der Ausdruck Davidsvogel, 
der die Schlagweise der Sprosser angibt, vgl. Naumann-Hennicke 
a. a. 0. S. 8 und Voigt Excursionsbuch S. 30 f. 

In Preußen werden — wie Klein Hist, avium prodr. (17f>0) 
S. 73 berichtet — die Sprosser als Nacht fehl dger von den ge- 
wöhnlichen Nachtigallen oder Tagschlägern unterschieden. 

Rotkehlchen, lusciola rubecula, erithacus rubeculus. 

Die Heimat dieses kleinen Waldsängers ist, den höchsten 
Norden ausgenommen, ganz Europa, und überall ist er mit Namen 
bekannt, welche die rote Farbe der Kehle und Brust hervor- 
heben, vgl. z. B. engl. Robin redbreast, schwed. rödhake. frz. 
rouge-gorge, ital. petti-rosso, russ. krasnoseiku usw. 

Die älteste deutsche Benennung ist ahd. rötil oder rötilo: 
cupude = rotil in Versus de volucribus,cupuda = rotilo in Heinrichs 



40 Rotkehlchen, lusciola rubecula, erithacus rubeculus. 

Summarium in, 17. Außer dieser Bildung vom Adj. rot mittelst 
des - üa(n) - Suffixes, das hier wolü deminutiven Charakter hat, ist 
noch eine ling- Ableitung rüdelinc (in der Hs. rüdeline) belegt in 
cod. Oxon. Jun. 83, 4 (Ahd. Gll. III, 365 22 ) = nhd. Röthling (Ange- 
nehme Land- Lust (1720) S. 285). Den deutschen Worten entspricht 
im Angelsächsischen rudduc > me. ruddök, ne. dial. ruddock mit 
demselben Suffix wie in ahd. habuh und kramih. 

Auf ahd. rötilo beruht nhd. Rötete, ein alemannisches Wort, 
das im 16. Jh. bei Gesner Hist. avium (1555) S. 699 angeführt wird 
und in Fischarts Gargantua 308 begegnet 1 . Der einfache .Name 
ist in neuerer Zeit meistens zurückgetreten vor Kompositions- 
bildungen, von denen Gesner a. a. 0. Waldrötele und Winterrötele 
erwähnt. In Baiern und Österreich entspricht der Ausdruck 
Rotkropff bei H. Sachs Regini. der Yögel (1531) Y. 102, Rot- 
kröpflein bei Hohberg Adel. Land-Leben (1687) II, 805 Kap. CXXI; 
auch Gesner verzeichnet a. a. 0. Rotkropff, Rotkröpfflin, Eber 
und Peucer Yocab. (1552) S. F 7a Rotkröpfflin. Popowitsch 
Yersuch S. 478 bezeichnet Rotkröpfel n. als österreichisches 
Wort, Unger-Khull S. 507 verzeichnen es aus Steiermark. 

In Mitteldeutschland (und im bairischen Dialekt) scheint 
eigentlich das schriftsprachliche Rotkehlchen heimisch zu sein. 
Turner Avium hist. (1544) S. H 8a liefert den ersten Beleg Röt- 
kelchen, darauf Rotkelchyn bei Eber und Peucer Yocab. (1552) 
S. F 7 a, Rotkälinden im Yocab. triling. (1560) S. 89, Rotkelchin 
in Sibers Gemma (1579) S. 43, Rottkählichen bei Schwenkfeld 
Ther. Sil. (1603) S. 345, das Rothkehligen in der Angenehmen 
Land-Lust (1720) S. 282. Yilmar Id. 331 gibt an, daß Rotkehlchen 
in Hessen vorkommt, Hertel Sprachsch. S. 198 bezeugt dasselbe 
für Thüringen, und Scham bach Wb. S. 166 führt Rddkelken 
aus der benachbarten niederdeutschen Mundart von Göttingen und 
Grubenhagen an. Dan. rMkielk 'Rotkehlchen* ist ein deutsches 
Lehnwort. 

In einigen Gegenden von Thüringen (Winterstein, Yogtei, 
Euhla) gilt anstatt Rädkelchen die Namensform Kälredchen 2 , die 
durch Umstellung der Kompositionsglieder zustande gekommen 
ist. Die gleiche Erscheinung ist auch in den Namen des Rot- 

1 Martin-Lienhart II, 306. — 2 Vgl. Hertel 198. 



Blaukehlchen, lusciola Buecica, erithacus cyaneculos. 41 

Schwänzchens zu beobachten and zwar in verschiedenen Mund- 
arten. Auf ostmitteldentschem Sprachgebiet erscheinen von 
dem Namen Varianten, die an den Eigennamen Kdte 'Katharina* 
anknüpfen: Rotkätchen 1 in Sachsen, Rotkatel 1 in Schlesien and 
im nördlichen Böhmen. 

Die weiteste geographische Verbreitung von allen Bezeich- 
nungen des Vogels hat der Name Rotbrust mit seinen Varianten. 
Zuerst ist dieser Ausdruck bei Turner a.a.O. belegt, darauf 
Rotprilftlin im Strassburg. Vogelb. (1554) V. 630, UoibrufÜe bei 
Gesner a. a. 0. S. 699, Rotbruftlein bei Gtolius Onomasticon (1579) 
Sp. 294, Rothbrüftlein bei Aitinger Bericht v. d. Vogelstellen 
(1631) S. 376 usw. Heute ist die Benennung als Rotbrüstle, Rot- 
briixterle 3 im Elsaß, Rotbrüstel, Rotbrüstler, Rotbrüsteli und Brust- 
röteli v in der Schweiz üblich; in Luxemburg lautet der Name 
Routbröschtchen 5 , in Hessen Rötbrüstchen G , in Altmark Rötböst, 
Rötbosk 7 , iu Westfalen Rodbörstken 8 , in der Grafschaft Ranzau 
Rödboss 9 , im Ostfriesischen Rodborst je neben Gelbor st je l0 (d. h. 
Gelbbrüstchen), im Nordfriesischen Gülbük u (d. h. Gelbbauch). 

Weitere Synonyma derselben Art wie die vorigen sind 
Rothälseli 12 , Rotgügger 12 (Gügger 'Gimpel 3 ) und Rökle f., Rekli, 
Rekelti 12 (vgl. Röki 'starke Röte', roken e sich röten') in der Schweiz, 
Routschatzla 13 in Schlesien. — Gesner berichtet in Hist. avium 
S. 700, daß die Vogelsteller seiner Heimat eine Art Rotkehlchen 
Kdtfchrötele nennen. 

In der Schweiz werden einige Namen des Rotschwänzchens 
auch vom Rotkehlchen gebraucht. 

Blaukehlchen, lusciola suecica, erithacus cyaneculus. 

Weit weniger bekannt als das Rotkehlchen ist sein Vetter, 
das Blaukehlchen, welches den Namen dem schönen blauen 

1 Albrecht Die Leipziger Mundart S. 193. 

2 Weinhold Beitr. zu einem schles. Wb. S. 41, Zs. f. d. Phil. XXI, 210. 

3 Martin-Lienhart II, 200. — 4 Staub-Tobler V, 864. 

5 Wb. d. Luxemburg. Mundart 365. 

6 Vilmar 331. — 7 Danneil 175. — 8 Woeste 217. 
9 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVII, 2. 

10 Jb. f. ndd. Sprachf. XI, 111. — 11 Johansen Nordfries. Spr.S. 119. 
12 Staub-Tobler II, 197. 1209. VI, 842. — 13 Zs. f. d. Phil. XXI, 210. 



42 Rotschwanz, ruticilla. 

Kehlfleck verdankt, der durch ein schwarzes und ein rostrotes 
Band von dem heller gefärbten Bauche geschieden wird. Mitten 
auf der blauen Brust tritt ein ganz weißer Stern hervor, der 
die Farbenschönheit des Yogels noch erhöht. Auf diese eigen- 
tümliche Färbung bezieht sich der Ausdruck Wegflecklin, den 
Gesner Hist. avium (1555) S. 793 aus Straßburg kennt. In der 
deutschen Bearbeitung des Vogelbuches durch Heuslin wird der 
Name wohl richtig gedeutet: "Der teutsch namen ist im vom 
weg her gegeben : dann es in wegen, ackeren stets sitzt; anders- 
teils von der blauwen masen der brüst". Allerdings wird diese 
Erklärung von Staub und Tobler I, 1190 angezweifelt, die unter 
Hinweis auf Wegesterz 'Bachstelze 3 den Namen mit wegen 'be- 
wegen' verknüpfen möchten. Aber für die Kichtigkeit der 
Heuslinschen Auffassung spricht der Yogelname Erdfleckel im 
Strassburg. Yogelb. v. J. 1554 Y. 434. Die Namen Erd-Fleckel 
und Wegflecklin beruhen wohl auf einer älteren Zusammensetzung 
Fleck-Kele, Fleck-Kelin (d. h. Fleckkehlchen), die eine ähnliche 
Bildung wie Rotkelin ist. Das Kompositum ist aber dann als 
Fleckel 'Fleckchen' aufgefaßt worden, und daraus erklärt sich 
die Bildung Weg fleck im Strassburg. Yogelb. Y. 432. 

Auch andere Namen des Yogels sind genaue Parallelen zu 
denen des Rotkehlchens, Ygi.Blaubrüstli, Blänwerli 1 in der Schweiz, 
Blaukropf 2 , Blaukröpf et 2 n. in Steiermark, Blöbröschtchen 3 f. 
in Luxemburg, hochd. Blaukehlchen (in der Angenehmen Land- 
Lust (1720) S. 122 "von etlichen Blaukehligen genennet") = 
ndd. Bldgkelken 4 in Göttingen und Grubenhagen; auf Helgoland 
nennt man ihn Blauhemmelvink 5 . — Im Münsterkreise heißt das 
Blaukehlchen Knechtvügelken 6 , wohl weil der Yogel im Herbst 
auf Kartoffel- und Krautfeldern sich aufhält; übrigens gilt der 
Ausdruck auch vom Rotkehlchen. 

Rotschwanz, ruticilla. 

Den Namen Rötele teilt der Rotschwanz mit dem Rot- 
kehlchen. Im Gegensatz zu diesem, dem Winterrötele, heißt 

1 Staub-Tobler V, 864. — 2 Unger-Khull 90. 

3 Wb. d. Luxemburg. Mundart 36. — 4 Schambach 25. 

5 Frommann D. Mundarten III, 32. 

6 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 85. 



Rotschwanz, ruticilla. !•"» 

jener bei Gesner (1555) 8, 699 Summerrötele, "weil ei beim 
Herannahen des Winters wegzieht oder sich versteckt". Als 

schweizerischen Ausdruck nennt Gesner Doch llnßrotele, das 
BT ans dem Aufenthalt dr* Vogels in der Nähe der EäUSei und 

in Gärten erklärt In den heutigen schweizerischen Mundarten 
ist Hüaröteli oder — mit Qmsteilung der Kompositionsteile 
Röthüserli 1 die allgemein übliche Bezeichnung für Elotschwänze 

(und Rotkehlchen), daneben auch Baumröteli, Dachröteli 1 und 
umgestellt Rotdacheli 1 , ferner Räkle, RSkH, Rekelti (s. 8. 41). 
Im Elsaß kommt neben Husröterle 2 (in Reichenweier) die Be- 
nennung Hassel f. (in Oltingen im südlichsten Elsaß) vur, die 

bei Martin und Lienhart T, 386 (mit Fragezeichen) als 'Hausseele' 
gedeutet wird. Vielleicht liegt hier eine Umdeutung von *Hüserle 
vor, die eine Kompromißform von R6thüse(r)li und Rötele sein 
könnte. 

Aus Deutschland kennt Gesner den Namen Rotfchwentzel 
durch seine Straßburger Korrespondenten, und ein direktes 
Zeugnis aus dieser Gegend ist Rotfchwentzlin im Strassburg. 
Vogelb. (1554) V. 631 f.; in den heutigen elsäss. Dialekten 
Rotfchwänzle, Rotschivänzel n., Rötschwanzer m., Hüsrötschuänzele' 2 . 
Der Ausdruck ist auch in Mitteldeutschland stellenweise 
volkstümlich; Hertel Sprachschatz S. 198 bezeugt ihn für die 
Yogtei, und Schambach Wb. S. 166 führt aus dem benachbarten 
niederdeutschen Dialekt in Göttingen und Grubenhagen Rdd- 
fwenfeken an. Von älteren Autoren verzeichnen Schwenkfeld 
Ther. Sil. (1603) S. 346 Rottschwanz und der österreichische Ver- 
fasser der Angenehmen Land-Lust (1720) S. 285 Rothfchväntzlein 
(heute Roatschivenzle* in Sette Communi). 

Die Bezeichnung des Vogels als 'Rotschwanz' ist in allen 
Gegenden Deutschlands geläufig, aber die Namensform variiert 
je nachdem welches Synonymon für den zweiten Kompositions- 
teil in der betreffenden Landschaft gilt. Aus der Gegend um 
Frankfurt am Main nennt Gesner die Variante Rotzagel w r elche 
auch in Salzungen (in Thüringen) als Rodzäel (Dem. RodzMche) 4 

1 Staub-Tobler II, 1748. V, 864. VI, 842. 

2 Martin-Lienhart II, 305. 528. 

3 Frommann D. Mundarten IV, 54. — 4 Hertel 198. 261. 



44 Hausrotschwanz, ruticilla tithys. 

vorkommt. Die Ruhlaer Mundart hat wie beim Namen des Rot- 
kehlchens (s. S. 40) die beiden Kompositionsteile umgestellt, so daß 
der Name hier Zälroden 1 lautet. In Turners Avium hist. (1544) S. 
H8a wird das Rotschwänzchen eyn Rötftertz genannt, danach Rot- 
ßertz bei Eber und Peucer Yocab. (1552) S. F 7a; Golius Onoma- 
sticon (1579) Sp. 294 führt Rotfchwenzlein I Rotftertzlein vielleicht 
nach Gesner an. Für die niederdeutsche Lautform Rotstert hat 
Diefenbach Glossar. S. 230 a zwei frühe Belege aus dem Anfang 
des 16. Jhs., Gesner kennt sie aus Murmelius ; Junius Nomenciator 
(1581) S. 60 a verzeichnet Rootftertken als niederländisches Wort. 
Heute ist R6(d)stert in Niederdeutschland allgemein 2 ; Hertel 
Sprachsch. 198 bezeugt Rudsderze für Altenburg in Thüringen. 

Wie sich der Vogelname Rotschertz in H. Sachs' Regim. 
der Vögel (1531) V. 197 zu der vorhin benannten Benennung 
verhält, ist schwer mit Bestimmtheit zu entscheiden, da die Be- 
deutung des Namens nicht feststeht und andere Zeugnisse dafür 
fehlen. Aber die Umgebung, in welcher der Vogel in dem Ge- 
dichte erscheint, läßt vermuten, daß es der Gartenrotschwanz 
ist. Wenn das Wort einfach nicht für Rotstertz (: Plickstertz) 
verdruckt ist, so liegt die Annahme an eine Umdeutung nahe. 

Zu den vorhinerwähnten Namensvarianten gesellt sich 
noch Rotschwaferl oder Rotschiveiferl (d. h. Rotschweifchen) in 
den östlichen Alpen 3 , in Tirol auch Roatvogl^. 

Nach Gesner Hist. avium (1555) S. 699 sollen die Rot- 
schwänze irgendwo auch Wynuögele genannt werden. 

Hausrotschwanz, ruticilla tithys. 

Die ältere ornithologische Literatur trennt die beiden Rot- 
schwänze nicht als besondere Arten von einander, und in den 
heutigen Mundarten werden sie auch oft mit demselben Namen 
benannt. 

Das enge Zusammenleben mit dem Menschen hat dem 
Hausrotschwanz den Namen eingetragen, dessen schweizerische 



1 Hertel 198. 261. 

2 Vgl. Woeste 218, Schambach 166, Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. 
XVII, 1. 5. — 3 Zs. f. d. Phil. XXI, 210. 

4 Frommann D. Mundarten IV, 54. 



Hausrotachwanz, raticilla tiiliys. 16 

Form Hüsroteli bereits erwähnt wurde; aus demselben Vot- 
Btellungskreise ist auch Dachröteli hervorgegangen. Zu diesen 
gesellen sich die Ausdrücke Dachgrätzer 1 (zu grätzen 'mit 
spreizten Beinen ausschreiten') and Dachspatz 1 aus dem Elsaß; 

ii Husduper m. vgL Martin-Lienharl Wl>. d. eis. IIa, II. 702. 

In den südöstlichen Gegenden ron Deutschland ist der 

! mit Namen bekannt, «Ii'- mil dem Worte Brand zusammen- 
hängen. In Steiermark (Wechselgebiel und Brnstal) nennt man 
ilm das Branderl oder Brandvogel 9 ; in Kärnten der Branter*, 
in Tirol das Brantele\ in Baiern der Prandvogel (11. Sachs Regim. 
der Vögel V. 196), das Rotbrändelein \ im schwäbischen Tirol 
dos Brandelein 9 . — Man hat dir Namen in Zusammenhan 
bracht mit der abergläubischen Vorstellung-, daß das Rotschwänz- 
chen, wenn man ihm etwas zuleide tut, das Feuer in das Haus 
bringt; das Brandzeiserl, welches in Unger-Khulls Steir. Wortsch. 
S. 109 als sagenhaftes und geheiligtes Vöglein erwähnt wird, ist 
offenbar das Rotschwänzchen. In diesem Aberglauben ist jedoch 
die Feuersbrunst nichts Charakteristisches; denn das Unglück 
kann nach anderer Version auch in anderer Form das Haus 
treffen, z. B. so, daß die Kühe rote Milch geben usw. Die oben- 
genannten Namen des Rotschwänzchens haben nichts mit mytho- 
logischen Vorstellungen zu tun, sondern erklären sich aus der 
schwarzen Brustfärbuug des Vogels, die ihm in Baiern den 
Namen Brandreiterl und in den Alpen die Benennung Bussvogel 7 
verschafft hat; vgl. auch die Namen des Gartenrotschwanzes. 
Es ist eine ganz gewöhnliche Erscheinung, daß man schwarz- 
gefärbte Tiere mit Russ, Kohle, Brand vergleicht und sie danach 
benennt; so heißt der schwarzgefärbte Fuchs Brandfuchs, die 
schwarzgezeichnete Meise Brandmeise, die schwarze Seeschwalbe 
und der Auerhahn Brandvogel, die Amsel Kohlamsel, der Rabe 
Kohlrabe. 

Ein steirischer Name des Hausrotschwänzchens ist Mar- 
vogel (aus ahd. *marah-vogel Tf erdevogel' ?) bei Unger-Khull S.450. 

1 Martin-Lienhart I, 287. II, 552. — 2 Ungor-Khull 10S. 

3 Lexer Kämt. Wb. S. 38. — 4 Frommann D. Mundarten IV, 54. 

5 Schmeller-Frommann I, 360 f. — 6 Fischer I, 1317. 

7 Zs. f. d. Phil. XXI, 210. 



46 Gartenrotschwanz, ruticilla phoenicurus. 

Gartenrotschwanz, ruticilla phoenicurus. 

Dieser Name, durch welchen man in der Wissenschaft die 
ruticilla phoenicurus von ihrem nächsten Verwandten zu unter- 
scheiden pflegt, erklärt sich aus der Yorliebe des Vogels für 
Obstgärten, worin alte Bäume sind. Dem ungenannten Verfasser 
der Angenehmen Land-Lust (1720) S. 287 ist der Ausdruck 
Garten-Roth fchiväntzlein bereits bekannt. 

Im Gegensatz zu dem Hausrotschwanz, dessen eintönige 
Laute kaum Gesang genannt werden können, ist der Gartenrot- 
schwanz ein guter Sänger; daher wird er in Luxemburg als 
Stenuechtegeilchen 1 f. (d. h. Steinnachtigällchen) von dem Rout- 
schwänzchen 1 m. unterschieden. Der Vergleich mit der Nachtigall 
tritt schon zutage in den Ausdrücken B aumnachtg dllin \ Hol- 
nachtgällin (Ein Rotfchwänzlin), die in Ostermanns Vocab. (1591) 
S. 337 begegnen; der letztere Ausdruck bedeutet Höhlen- 
nachtigair und bezieht sich auf das Nisten des Vogels in Baum- 
höhlen. Die Benennung Baum nacht gallen wird auch von Henisch 
Teutfche Sprach (1616) Sp. 219 im Sinne von Rotschwanz er- 
wähnt; daneben steht als Synonymon Baummifch, das als Baum- 
müsch (ahd. *boummusca) = Baumsperling zu verstehen ist. — 
Das steirische Dialektwort Hollerrötel 2 m. u. n. ist = Hollunder- 
rötel (zu steir. Holler). 

Der Lockruf des Gartenrotschwanzes hat mit dem des Haus- 
rotschwänzchens große Ähnlichkeit; Voigt Excursionsbuch S. 36 
umschreibt ihn mit "fuid teck teck teck". In der Schweiz deutet 
man dies als eine Warnung "Hüete dich ! Hüete dich ! 3 " und 
stellt es in Zusammenhang mit Unglücksfällen, die der Rot- 
schwanz dem Plünderer seines Nestes bringen kann. Nach Dan- 
neils Wb. S. 88 wird das Locken des Gartenrotschwanzes in Alt- 
mark als £ Hüt-dick-dick-dick s aufgefaßt und der Vogel daher 
Hütik oder Hüting genannt. Dieser Name ist auch in der ost- 
friesischen Mundart üblich 4 . In Preußen hat der Ruf — wie 
Klein Hist. avium prodr. (1750) S. 77 bezeugt — dem Rotschwänz- 
chen die Benennung Saulocker eingetragen, "weil er also fchmatzet, 
wie die Landleute, wenn sie die Schweine zum Troge rufen; 

1 Wb. d. Luxemburg. Mundart 366. 424. — 2 Unger-Khull 353. 
3 Staub-Tobler II, 1748. — 4 Jb. f. ndd. Sprachf. XI, 112. 



Gartenrotschwanz, ruticilla phoenicurus. \ , 

welches er thüt, l'o lange die Jungen noch anter feiner Pflege 
find" 1 . Bin Synonymen ist Koschkdocker*, 7gL Erischbier Preuß. 

Wh. i, U2 f. 

In Ther. Sil. (1603) 8. 346 nennt Schwenkfeld als Bchle- 
Bische Bezeichnung des Rotschwanzes den Ausdruck Wüßling; 

für Sachsen wird derselbe durch Eber und Peucer Vocab. 
(1552) S. E 7a und für die Nürnberger Gegend durch II. Sachs 
Etegim. der Vögel (1531) V. 104 bezeugt. In diesen ostlichen 
Gegenden Deutschlands ist der Name auch heute in verschiedenen 
Varianten üblich: in Schlesien als Wustlig 9 , im nördlichen Böhmen 
als Schwär zw istlich* m., in Sachsen als Rotwispel' 6 . Bei Naumann- 
Hennicke I, 56 werden für den Vogelnamen drei Etymol* 
als möglich hingestellt: 1) Das Wort könne in der Form Wüstling 
ursprünglich sein und sei auf den Aufenthalt des Rotschwanzes 
bei öden Ruinen usw. zurückzuführen ; 2) es könne mit dem 
engl. Yerbum ivhistle 'pfeifen' zusammenhängen; 3) der Name 
könnte aus dem Slavischen stammen und mit dem böhmischen 
Dialektworte Chcistek identisch sein. Die letzte Annahme ist w r ohl 
die richtige. Das Fehlen des Ausdrucks im Westen des Landes 
und die divergierenden Namensformen in den östlichen Mund- 
arten, von denen einige kein deutsches Aussehen haben, weisen 
auf slavischen Ursprung. 

Neben Wüftling wird bei Eber und Peucer a. a. 0. das 
Synonymon Schnepfflein (d. h. Schnapperchen) angeführt; vgl. 
Fliegenschnepper. In Preußen nennt man den Vogel Bienen- 
schnapp A m., im Elsaß Immenbicker b . 

Einige Namen des Gartenrotschwanzes sind von der hüb- 
schen Färbung des männlichen Vogels hergeholt. In Altmark 
nennt man ihn wegen der weißen Stirn Stärmann Hütik 6 , in 
Steiermark Weissblattei 1 n. (zu mhd. plate 'kahler Kopffleck , ): 
andererseits teilt er hier mit der schwarzköpfigen Grasmücke die 
Benennung Scluvarzblattel 1 n., was sich aus dem schwarzen 
Flecken auf der Kehle begreifen läßt. Bei Reyger wird Schuarz- 

1 Vgl. Reyger in der Bearbeitung des Kleinschen Werkes (1760) 
S. 78. — 2 Frommann D. Mundarten IV, 191. 

3 Zs. f. d. Phil. XXI, 210. — 4 Frischbier I, 81. 
5 Martin-Lienhart II, 27. — 6 Danneil 209. 
7 Unger-Khull 562. 628. 



48 Steinmerle, petrocincla saxatilis, monticola saxatilis. 

kehlein als wissenschaftlicher Name erwähnt. An diese Namen 
reihen sich noch an : Zälmynich x (d. h. Zagelmönch) in Thüringen, 
Smockkeikel 2 (Smock 'Rauch') auf Helgoland, Kaminbutzel s n. (d. 
h. Schornsteinfeger) im Elsaß. 

Ein schweizerischer Ausdruck für diesen Yogel ist Hüs- 
gütterli bei Staub-Tobler II, 534. 

Merle, petrocincla. 
Steinmerle, petrocincla saxatilis, monticola saxatilis. 

Der schöngefärbte Yogel ist in Deutschland eine seltene 
Erscheinung. Nach Naumann-Hennicke I, 126 rindet man die 
Steinmerle vereinzelt in der Schweiz, Yogesen, Tirol, Österreich, 
Salzburg und in dem Rheingebirge; sehr selten ist sie in den 
böhmischen, schlesischen und thüringischen Bergen. Aus diesen 
Gegenden stammen auch die wenigen älteren Zeugnisse für die 
Namen dieses Yogels. 

Gesner, der ein Exemplar der Steinmerle aus Graubünden 
erhalten hatte, berichtet in Hist. avium S. 701, daß der Yogel dort 
Steintröftel (d. h. Steindrossel) oder Steinrötele genannt werde. Der 
letztere Ausdruck, den er S. 265 auch für Österreich bezeugt, 
begegnet bereits bei H. Sachs Regim. der Yögel (1531) Y. 87 
in der Deminutivform das Stainrötlein. Den Namen Steinrotl 
(als Maskulinum) nennt im 17. Jh. Hohberg, welcher angibt, 
daß der Yogel "an dem Fluß Etfch / wo er mit den Tyrolifchen 
Gebürgen gräntzet / in den Schroten und Felfen gefunden" wird, 
daß er selbst ihn aber auch "zu Unter-Oefterreich bey Zebing 
und Schönberg / und zu Drofendorff in den alten Gemäuern 
gefehen" (Adeliches Land-Leben II, 805 Kap. CXXI). Auch 
Schwenkfeld, der in Ther. Sil. (1603) S. 347 die Steinmerle in 
seiner Heimat als äußerst selten bezeichnet, kennt sie aus eigener 
Anschauung; er hat einen Yogel erhalten, der nicht weit von 
Schmiedeberg gefangen worden war. Außer dem Namen Stein 
Rötete werden a. a. 0. die Ausdrücke Blaiv Stein Amfel \ Stein 
Droffel I Klein Blaw Zimmer (d. h. Drossel) erwähnt. In Döbels 
Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 54 heißt der Yogel Stern- Am fei ; heute 

1 Hertel 261. — 2 Frommann D. Mundarten III, 33. 
3 Martin-Lienhart II, 131. 



Steinschmätzer, saxicola oenanthe. ;** 

in Luxemburg Gfrousae Rouüchtcänaxhen l . Aus Steiermark wird 
der Ausdruck Steinrötel m. durch Dnger-KhuU s. 573 bezeugt; 
Stmnridel m. bei Schmeller-Frommann Bayer. Wb. IL 59. Bin 
bäurisches Synonymem ist Birglerch (d. h. Berglerche) a, a, 0. 

Blaumerle, petrocincla cyanea, monticola cyanus. 

In seinem Vogelbuche handelt Gesner S. 266 von dem Blaw- 
uagel, den sein Augsburger Ereund Raphael Seiler ihm ausführlich 

-•'schildert hat, und vermutet, daß es der 'turdus saxatilis' oder 
die Steinmerle sei. Liest man jedoch die Schilderung, die Seiler 
a. a. 0. von dem Vogel gibt, so findet man, daß es sich hier 
um die Blaumerle handelt. Nach Naumann-Hennicke I, 131 
kommt diese nur in den südlichsten Provinzen des deutschen 
Sprachbodens, z. B. Tirol, in der Schweiz und den Vogesen vor. 
Gesners Gewährsmann gibt an, daß der Blauvogel nur in dem 
Gebirge um den Etschfluß und in der Umgebung von Innsbruck 
zu finden sei. — Ein frühes Zeugnis des Ausdrucks Blauvogel ist 
die Glosse blaifögeli turdus im Vocabularius optimus XXX \ IL 
113 (Ed. Wackernagel S. 43). 

Steinschmätzer, saxicola. 
Steinschmätzer, saxicola oenanthe. 

Die öden unfruchtbaren Landschaften mit Steinbrüchen, 
Ziegeleien, großen Steinhaufen u. dgl. sind die Orte, wo man 
die Steinschmätzer antrifft und ihre schmatzenden oder schnal- 
zenden Töne hören kann. Von diesen ist der Name des Vogels 
hergeleitet, der in den Mundarten in verschiedenen Variationen 
vorkommt. In der Literatur des 16. Jhs. begegnet er zuerst in 
der femininen Form Stainschmatzs bei H. Sachs Regim. der 
Vögel V. 174; Eber und PeucerVocab. (1552) S. FSa erwähnen 
ebenfalls die Stein fchmatzen, aber im Sinne von Turmfalke. 
Dieselbe Bildungsweise wie in Stein schmatze (zu mhd. smateen) 
erscheint auch im Kompositum die Steinklatsche in Döbels Eröffn. 
Jägerpr. (1746) S. 63; in der Angenehmen Land-Lust (1720) 
S. 302 wird der Vogel der Steinbeiffer genannt. — Naumann 
erwähnt aus dem Anhalter Dialekt die Namen Steinfletschker und 

1 Wb. d. Luxemburg. Mundart 366. 
Suolahti, Vogelnameu. 4 



50 Braunkehlchen, pratincola rubetra. 

Steinpicker. Auch in Niederdeutschland kennt man den Vogel 
mit dem Namen Stenbicker x (in Altmark), Steinpicker 2 (in Gröt- 
tingen und Grubenhagen), Stenpicker 3 (in Mecklenburg); aus dem 
Deutschen stammt dän. stenpicker. 

Verschieden von diesen zusammengesetzten Benennungen, 
welche mit Rücksicht auf die kurzen harten tök-tök-Rufe des 
Steinschmätzers gebildet sind, ist mitteld. Steinrutscher 4 (in Thür- 
ingen), das wohl als Ableitung von Steinrutsche (mnd. stenrudse) 
'Steinhaufe' aufzufassen ist. In Göttingen und Grubenhagen wird 
der Vogel auch Steinartsche 5 (d. h. Steinhänfling) genannt, in 
Luxemburg heißt er Bröchschösser 6 (d. h. Brachfeldscheißer) ; 
Campe verzeichnet den Namen Schollenhüpfer. 

Von der Färbung des Gefieders sind hergeleitet die Aus- 
drücke Wissbrüstli 7 in der Schweiz, Witkeleken 8 (d. h. Weißkehl- 
chen) in Göttingen und Grubenhagen, Blackstiärt 9 (d. h. Schwarz- 
schwanz) im Münsterkreise. Auf die schwarzweiße Farbe bezieht 
sich auch der ostfriesische Name Walhäkster 10 (d. h. Wallelster). 

Wiesenschmätzer, Pratincola. 
Braunkehlchen, Pratincola rubetra. 

Die beiden Wiesenschmätzer haben mit dem Steinschmätzer 
manche gemeinsame Züge, auch die schmatzenden Laute sind 
jenen charakteristisch. Daraus erklärt sich, daß die Namen dieser 
Vögel teilweise in einander übergehen. Der von Schwenkfeld 
Ther. Sil. (1603) S. 330 geschilderte Steinfletfche ist der braun- 
kehlige Wiesenschmätzer, und in diesem Sinne wird das 
schlesische Wort in Frommanns D. Mundarten IV, 187 aus 
einer Quelle v. J. 1781 abermals belegt. Nach Frischbiers Wb. II, 
367 werden die Ausdrücke Steinfletscher und Steinpatscher auch 
in Preußen von den Wiesenschmätzern gebraucht. 

Nach der Brutzeit pflegt das Braunkehlchen die feuchten 
Wiesen zu verlassen und begibt sich dann auf Kräuterfelder und 

1 Danneil 211. — 2 Schambach 209. 

3 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 84-. — 4 Hertel 201. 
5 Schambach 209. — 6 Wb. d. Luxemburg. Mundart 47. 
7 Staub-Tobler V, 865. — 8 Schambach 301. 
9 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 85. 
10 Jb. f. ndd. Sprachf. XI, 114. 



Drossel, turdus. ">i 

in Gemüsegärten, am zwischen den hohen Stengeln der Pflanzen 
den [nsekten nachzugehen. Es bat daher in der Schweiz (in Bern) 
den Namen Krütvögeli* bekommen; in Baiern wird das Vor- 
kommen des Ausdrucks Krautvogd bereits durch BLSaohe Eft 
der Vögel (1531) V.206 bezeugt, aber hier scheint erden Wiesen- 
pieper zu bedeuten. Eine synonyme Benennung i-t vielleicht das 
Straßburger Wbrl Biirftner, das Gesner in Eist avium (S. 357. 
604. 7()(i) nicht Identifizieren kann; der Name ist vielleicht ver- 
wandt mit schwci/. Burst c mit Borstengras bewachsene Wiese' 
und drv da/u gehörigen Wortsippe. 

In Luxemburg hat man für das Braunkehlchen eine s 
Menge verschiedener Dialektnamen. Von diesen sind Jödek* dl 
und Jtgßppchen a m. lautnachahmende Bildungen ebenso wie frz. 
chiek chack* im wallonischen Teile von Luxemburg. Andere 
Ausdrücke sind Wisegimchen m. (d. h. Wiesenkümmel), Wisepiüo 
(zu Pillo 'Gimpel'), Grdsjrillo, Wisevilchen (d. h. Wiesenvögelchen), 
Keivilchen (d. h. KuhvÖgelchen), Strefmännchen* m. (zu strafen 'die 
Samenkapseln vom Flachs abtrennen'). 

Im Gegensatz zu dem Braunkehlchen, dem Brünbrüstli, nennt 
man in der Schweiz den schwarzkehligen Wiesenschtnätzer (pra- 
tincola rubicola) Schwarzbrüstli 5 ; in Göttingen und Grubenhagen 
teilt er den Namen Witkeleken 6 mit dem Steinschmätzer. — 
Ein schweizerisches Synonymon ist Grasrägg (vgL Staub-Tobler 
Id. VI. 768); im Münsterkreise heißt der Vogel Heidefink 1 . 

Drosseln, Turdinae. 

Drossel, turdus. 

Ahd. drösca, dröscala: Sg. Nom. — throsga tvrdella: cod. 
SGalli 299 p. 33. drosca: cod. SGalli 299. 26. cod. SCalli 2i2. 2-»'Sb 
turdus: Carmen de Philomela 17: cod.Vindob.2i7. 222 1». ärusca: cod. 
mus. Britann. Add. 1689k 2i4b. trosca turdus: cod. Selestad. 109b. 
dröschet uiscum mistil ( ) uiscus nascitur de fimo turdelarum auium 
id est: Vergil. A. VI. 906: Clm. 18059. 199c. ,/roscha: Clin. 11689 



1 Staub-Tobler I, 695. — 2 Wb. d. Luxemburg. Mundart 201. 

3 Vgl. Rolland Faune populaire II. 267. 

4 Wb. d. Luxemburg. Mundart 222. 336. 129. 488. 

6 Staub-Tobler V, 865. — 6 Schambach 301. 

7 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI. 86. 



52 Drossel, turdus. 

f. 47a. drorcha: H. S. III, 17. droscala turdus: H. S. XI b. droshilla: 
Versus de volucr. droschela: H. S. III, 17: Gm. 2612, 34 b, XI a 2. 
droshla: cod. Vatican. Reg. 1701, 2 b. trosla merulus: cod. sem. 
Trevir. R. III. 13, 107a. drosel: Versus de volucr. drossele: H. S. 
ffl, 17: cod. Vindob. 2400, 42 a. 

Der Name der Drossel erscheint in den germanischen 
Idiomen in mehreren Varianten, die mit einander zusammen- 
zuhängen scheinen, aber lautgesetzlich sich nicht unter einen 
Hut bringen lassen. Die im Althochdeutschen bezeugte Namens- 
form drösca (droscala) stimmt wohl zu dem einmal (im Corpus- 
glossar 2063, Sweet Old. Engl. Texts S. 103) belegten ags. 
ßraesca (Grdf. *prauskian-), mit welchem die Form prysce 1 (> me. 
ne. thrush) aus *pniskiön im Ablautsverhältnis steht. — Verschieden 
von diesen Worten ist mnd. drösle, das mit ags. prostle ( > me. 
prostet, ne. throstk) vielleicht aus einer Grundform *pramstalön her- 
vorgegangen ist; die Länge des 6 (aus älterem d) wird erwiesen 
durch die weitere Entwicklung der niederdeutschen Namensform 
zu Drässel im Westfälischen, Drausel(e) 2 in Göttingen und Gruben- 
hagen und Draussel im Mecklenburgischen 3 . — Eine dritte 
Nebenform ist mhd. drostel, das wohl als Schwundstufenbildung 
zu anord. prgstr (> dän. trost, schwed. trast) aufzufassen ist. Diese 
Namensform weist auf urgerm. *prastu-, das mit mittelir. truid 
(aus Hrozdi-) am nächsten verwandt ist und mit lat. turdus 
'Drossel' (aus *trzdos), lit. sträzdas und lett. strazds Mass/ im 
Verhältnis des Vokalwechsels steht. Griech. crpouGoc 'Sperling, 
kleiner Vogel' ist kaum verwandt. Auch akslav. drozgü, czech. 

1 prysce = sturtius Zs.f.d.A. XXXIII, 241 53 , pryssce = strutio Wright- 
Wülcker I, 286 24 , prisce = trutius Wright-Wülcker I, 260 30 . Die lat. Lemmata 
trutius und truitius (im Corpusglossar a. a. O.), die Solmsen IF. XIII, 138 
Anm. 2 unklar sind, sind keltisch-lat. Glossen, vgl. mittelir. truid 'Drossel'.— 
In den Corpus-Gll. gehört das Lemma trita zu breton. tret. 

2 Schambach 47. 

3 Die Quantität der ahd. und ags. Worte wird sehr verschieden an- 
gesetzt: Bosworth-Toller Ags. Dict. u. Sweet The Stud. Dict. of Ags. schreiben 
sowohl prysce wie prostle ohne Längezeichen, ebenso Falk u. Torp Et. ordb. 
II, 382; Walde Lat. et. Wb. S. 642 nimmt für ahd. drösca und ags. prysce 
Länge, für ags. prostle sowohl Länge wie Kürze an. — Richtig scheinen 
Kluge Et. Wb. 6 S. 83 und Sievers IF. XUI, 138 f. die Quantität des Stamm- 
vokals beurteilt zu haben. Vgl. auch Kluge Litbl. f. germ. u. rom. Phil. (1898) 
XIX, U. 



Drossel, turdus. 

poln, drozd, russ. drozdü, serb. drozd, drozak "Drossel' sind eher 
als Entlehnungen aus dem Deutschen denn als urverwandte 
Worte zu betrachten. Anklingende NTamensformen bieten noch 
bretonische Dialekte: drask (Belle-Ile-en-Mer, Ch. de La Tünche), 
drasM (Morbihan, Tasle) '. Henry Lexique etymologique 8. L06 
führt sie auf älteres tresklo- Cur *tredsklo zurück and verbindel Bie 
nntbreton.*rwrStaar', während BaistZs.1 rom. Phil XXXII. 132 
das keltische Wort für eine frühe Entlehnung aus dem Angel- 
Bächsischen hält; a.a.O. wird auch hz.trdle mit Diez als german 
Lehnwort betrachtet im Gegensatz zum Dict general, wo keltische 
Herkunft angenommen wird. 

Eine klare Lautgesetzliche Ordnung in die Menge von Varian- 
ten zu bringen, will nicht gelingen; vgl. Walde KZ. XXXIV, 516. 
Es ist möglich, daß in letzter Instanz den idg. Drosselnamen 
ein onomatopoietiscb.es Wort zugrunde liegt, das von der 
Stimme des Vogels geholt ist. Im Lateinischen wird diese Stimme 
durch das Verb um trucüäre wiedergegeben (Carmen de Philo- 
mela V. 17: "Dum turdus trucilat, sturnus dum pusitat ore", 
s. Anthologia latina, Ed. Riese I, 2, 224, Leipzig 1870). 

Von den ahd. Namensformen drösca und dröscala scheint 
die letztere deminutive Bedeutung zu haben und die kleine 
Singdrossel zu bedeuten. In dieser Bedeutung hat sie sich er- 
halten, während drösca schon in der ahd. Periode ausstirbt 
und in den Mundarten durch andere Synonyma ersetzt wird. 
Bind, dröscele ist vorzugsweise dem bairisch-österreichischen 
Sprachgebiet eigen; im 16. Jh. Troschel bei H. Sachs Regim. der 
Vögel (1531) V. 109, in Sachsen Sangdrufchel bei Eber und Peucer 
Vocab. v.J. 1552 S. F8 b . Heute reicht bair.-österreich. Drosche! 
auch in das oberhessische Gebiet und als DrouxcheL Druschel in 
die Wetterau ; ein vereinzeltes Dröschet im Westen des schwäbi- 
schen Gebietes (Neuhausen) 2 . Daran schließt sich der Bezirk 
von schwäb. Dröstl 1 , Schweiz. DroxiL Tröstie, elsäss. DrosteL 
Drostle 3 , in Tirol Drostle, Dradstl x , auch anhält Dniste/ : \ thüring. 



1 Vgl. Rolland Faune populaire II, 240 u. 244. 

2 Fischer IL 405. 

3 Martin-Lienhart II, 766. — 4 Frommann D. Mundarten IV. 346. 
5 Naumann-Hennicke I, 202. 



54 Amsel, turdus merula. 

Drosdel 1 (im Harz), die auf mhd. drostel beruhen; im 16. Jh. 
elsäss. Troftel bei Dasvpodius (1535) S. Jla und im Strassburg. 
Vogelb. (1554) Y. 397, Schweiz. Troftel in Euefs Adam und Eva 
(1550) V. 968 und in Gesners Hist. avium (1555) S. 729 neben 
Drofchele. 

Die heute in der Schriftsprache geltende Form Drossel 
gehört eigentlich den nieder- und mitteldeutschen Mundarten 
an. In ahd. Zeit ist trosla in den wahrscheinlich moselfränkischen 
Glossen der Trierer Hs. belegt; dazu drosel und drossele in zwei 
Hss. des 11./12. Jhs., drosilla in cod. Florentin. XYI, 5 (13. Jh.), 
drossela in cod. Oxon. Jun. 83, 4 (13. Jh.). Einige spätere Belege 
führen in die Gegend von Köln: im 14. Jh. drosela im Kölner 
Doppelblatt (Ahd. Gll. III, 26 25 ), im 16. Jh. Droeffell bei Lon- 
golius Dial. de avibus (1544) S. G 2 a , eyn Droffel aut eyn Durftet 
bei Turner Avium hist. (1544) S. J 6a; Gesner Hist. avium 
S. 729 führt die Formen Troffel nach Tragus, Trusel nach 
Murmellius an. Schwenkfeld Ther. Sü. (1603) S. 361 gibt Drossel 
als schlesisch an. Auf dieser Namensform beruht auch Drusel 2 
f. in der Pfalz. 

Amsel, turdus merula. 

Ahd.amsala, amusla: Sg. Nom. — amsala merula . . . : H.S.III, 
17. Gll. Salomon. a 1. amslala 3 : cod. Selestad. f. 110a. amsela: cod. 
Wirziburg. Mp. th. 4° 60, 104a. Versus de volucr. amsila: Gll. Salo- 
mon. a 1. amsila: H. S. XI b. Versus de volucr., amsel: Versus de 
volucr. cod. Vindob. 804 f. 172b. H. S. XI a 2, amsla: a 2. Carmen 
de Philomela 13: cod. Vindob. 247, 222b, cod. raus. Britann. Add. 
16894, 244 b. cod. Vatican. Reg. 1701, 2 b. Glm. 14689 f. 47 a. 
amfsla : cod. SGalli 299 p. 33. cod. SGalli 299, 26. cod. SGalli 242, 
248b. amphsla: Gll. Salomon. a 1. Gregorii dial. 2, 2 p. 213 : cod. 
Vindob. 2723, 106 a, cod. Vindob. 2732, 120 a, Clm. 19440, 232, amphHa : 
Glm. 18140, 228 a, amphsala: Cgm. 5248, 2, 2 b. amphsela: H. S. XI g. 
ampsila: Versus de volucr. amasla: Gregorii dial. 2, 2 p. 213: cod. 
Carolsruh. SPetri 87, 85b. amusla: cod. sem. Trevir. R. III. 13, 107a. 
amissila: Versus de volucr. amissel: H. S. XI e. ansia: cod. Parisin. 
9344 f. 42b. ansla: cod. Parisin. 12269 f. 58b. amela: cod. Oxon. 
Jun. 83, 4 (13. Jh.). — PI. Akk. — amfsda : Horat. Serm. II, 8, 91: 
Clm. 375.164 a. 



1 Hertel 85. — 2 Heeger Tiere im pfälz. Volksmunde II, 11. 
3 Das mittlere a aus Corr. (Steinmeyer). 



Amsel, turdus merula. 55 

Die Amsel wird in <I<t VolksYorstellung gewöhnlich nicht 
als eine Drosselart aufgefaßt, ebensowenig wie in der alteren 

zoologischen Literatur. D;is gehl auch aus den Namen des Vogels 
hervor, die meistens keine Beziehungen zu Drosselbenennungen 
aufweisen. 

Dem ahd. amsala (mini, amsel) entspricht im Angelsäch- 
sischen ösle "Amsel' (nie. ösle, ne. ousel) < *amsle. aber in den 
nächstverwandten kontinentalen Dialekten fehlt der Name; statt 
dessen gelten hier listera und merla (vgl. unten). 

Die meisten mundartlichen Formen des Vogelnamens sind 
aus der ahd. Form amsala hervorgegangen, vgl. elsäss. Amsel 
(Amstel) 1 , Schweiz. Amstel, Schwab. Amsl und Amsl 2 , die Letztere 
Form auch im östlichen Thüringen 3 , in Baiern und Kärnten 1 , 
Omsl z in der AVetterau. Dagegen beruhen elsäss. Amalse 1 , hess. 
Ummelse 3 , mansfeld. Amessl 3 , hanau. Omeste 3 , heanz. Omischl, 
Amischl' , bair. Amuksl, Österreich. Omaksl 3 (schon im 14. Jh. 
ammuxsel Ahd. Gll. III, 26 57 ) auf der ahd. Nebenform amnsla. 
Die im Hennebergischen und Westthüringischen üblichen Be- 
nennungen Ansbel, Onspel, Unsbel (im Westerwald Anspel, Unspel, 
in Marienberg Ospel, Uspel) 6 haben sich wohl aus der ahd. 
Variante ampsla durch die Zwischenstufe *amspel > anspel ent- 
wickelt. Der Labial der ahd. Namensform ist ein sekundärer 
Übergangslaut, ebenso wie in dem alten Völkernamen Ampsi- 
varii neben Amsivarii oder in der frühneuhochdeutschen Form 
Mmpst statt körnst usw.; vgl. auch die Schreibung Ambfel bei 
Aitinger Bericht v. d. Vogelstellen (1631) S. 180. Eine sekun- 
däre Lautform ist auch das altbezeugte ansla 1 , das durch An- 
gleichung des Nasals an den folgenden s-Laut aus amsala her- 
vorgegangen ist, wie ahd. haranscara aus harmscara. 

Eine sichere Deutung des westgerman. Vogelnamens fehlt. 
Am wahrscheinlichen ist noch die alte Zusammenstellung mit 
lat. merula 'Amsel', das sich mit westgerman. *amuslön-: *amsl<ht 
aus idg. *ames- entwickelt haben kr» nute. 

1 Martin-Lienhart I. 41. — 2 Fischer I, 169. 

3 Kluge Et. Wb. 6 S. 13. — 4 Lexer Kämt. Wb. S. 6. 

5 Frommann D. Mundarten VI, 3-40. 

6 Kluge Et. Wb. 6 S. 13, Hertel 60, Kehrein 301. 

7 ansia ist wohl verschrieben für ansla. 



56 Amsel, turdus merula. 

In den Gegenden am Mittel- und Niederrhein ist der 
germanische Amselname durch lat. merula verdrängt worden. 
Der früheste Beleg des Lehnwortes ist merla = merula in cod. Berol. 
Ms. lat. 8° 73, 124a; später amsla f merla: H. S. III. 17: cod. Darmstad. 6, 
26 (13. Jh.); merla: Versus de volucr. : Kölner Doppelbl. (14. Jh.); merlin: 
cod. Mellic. K. 51, 99, cod. Vindob. 1325, 79 b (u. Jh.). Im 16. Jh. Merll 
bei Longolius Dial. de avibus (1544) S. G 2a (Merl bei Turner 
Avium hist. (1544) S. F 6b). 

Heute gilt Merel, Mierel 1 f. (in Komposita auch von anderen 
Drosselarten) in Luxemburg, Merdel 2 f. in Westfalen; im Nieder- 
ländischen meerl aus mndl. merle. Wann die Entlehnung aus 
dem Lateinischen stattgefunden hat, ist nicht möglich genauer 
zu bestimmen, aber zur frühesten germanisch-römischen Ent- 
lehnungsschicht gehört das Wort nicht. Da der Stammvokal 
nicht zu i erhöht worden ist, muß ein vulgärlat. * merla ohne 
Mittelvokal (ital. merlo, frz. merle) das Etymon gewesen sein. 
Durch den höfischen Einfluß des 12./13. Jhs. (speziell auf die 
Autorität Heinrichs von Yeldeke hin) wurde der niederrheinische 
Ausdruck auch in der oberdeutschen Poesie eingeführt, ohne 
daß er sich jedoch in der lebenden Sprache einbürgern konnte. 
Tirol. Merle 3 (im Sarntal) ist aus dem Italienischen übernommen. 

In denselben Gegenden, wo das lateinische Lehnwort sich 
verbreitet hat, hat man für die Amsel auch einen einheimischen 
Dialektnamen, der im Niederländischen gieteling und in West- 
falen (Recklinghausen und Münster) Geitlink 4 m. lautet ; Woeste 
Wb. S. 70 gibt westfäl. Gaidling m. in der weiteren Bedeutung 
'Drossel' (grise und swarte Gaidling = Singdrossel und Schwarz- 
drossel). Im Ostfriesischen entspricht Geitel 5 mit anderem Suffix. 
Diefenbachs Glossarium S. 358 c bietet für das niederrheinische 
Wort einen Beleg geytelinck aus der Gemma gemmarum v. J. 1507 
und im Novum glossar. S. 252 a wird ghetelinck nach einer nieder- 
ländischen Gemma aus dem Jahre 1500 belegt. Die ältesten 
Zeugnisse für das Auftreten des Vogelnamens sind die Glossen 



1 Wb. d. Luxemburg. Mundart 284. 

2 Woeste 174 — 3 Frommann D. Mundarten IV, 52. 
4 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 85. XVII, 5. 
o Jb. f. ndd. Sprachf. XI, 111. 



Kingdrossol, turdus torquatus. f>7 

getfugla merula in cod. sein. Trevir. f. L12 b , getfugüe: cod. 
Guclpherbyt. Au- 10. 3. 1° l 89* Altniederd gHfugal gehört 
zum Worte get, geit 'Geiß' und bedeutet also eigentlich 'Geiß- 
rogeF ; mnd. geitelink und ostfries. greife/ sind Ableitungen (mir 
Suff, inga, ila) von demselben Worte 1 . Daß Vögel nach Haus- 
tieren benannt werden, kann man öfters beobachten. Synonyme 
Bezeichnun-on derselben Art sind westfäl. Kaudrässel (d. h. 
Kuhdrossel) 'Misteldrossel' (swarte Kaudrässel 'Amsel'), schweizer. 
Rossamsel e Ringamser. 

Wegen der schwarzen Färbung nennt man die Amsel in 
der Schweiz auch Kolamsel 2 ', in Hessen ist Schwarzamsel 3 der 
übliche Name des Vogels, in der Grafschaft Ranzau Swattdrössel*. 
Auf den gelben Schnabel der Amsel weist der Ausdruck Gül- 
nabbet 5 auf Helgoland. Luxemburgische Benennungen sind 
Stackmierel ( = Stockmerle, d. h. Waldamsel) und Mierzmerel* 
(d. h. Märzamsel). 

Ringdrossel, turdus torquatus. 

Von der Schwarzdrossel unterscheidet sich diese größere 
Art vornehmlich durch ein weißes halbmondförmiges Schild 
auf der Brust. Daher hat der Vogel die Namen Ringamsel 
(zunächst bei Gesner Hist. avium (1555) S. 583), Schildamsel (in 
Döbels Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 53), in Steiermark Kranzamsel % 
in Luxemburg Krdchmierel 8 (d. h. Kragenamsel) erhalten. 

Von den beiden Varietäten der Ringdrossel ist die südliche 
Ringamsel (turdus alpestris) ein Gebirgsvogel, der die böhmischen 
und sächsischen Bergketten und die Alpen in Baiern und der 
Schweiz bewohnt. Auf diese Lebensweise beziehen sich die 
Ausdrücke Pirgamschel bei H. Sachs Regim. der Vögel (1531) 
V. 141, Pirckamfell bei Eber und Peucer Vocab. (1552) S.F3b, 
Birgamfel \ Steinamfel bei Gesner (1555) S. 584 (und Sclnwnk- 

1 Franck Et. Wb. S. 296 vermutet Verwandtschaft mit mhd. giuden 
'jubeln, prahlen'. — 2 Staub-Tobler I, 241. 

3 Vilmar 377. — 4 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVII. 2. 

5 Frommann D. Mundarten III, 32. 

6 Wb. d. Luxemburg. Mundart. 285. 418. — 7 Unger-Khull 408. 
8 Wb. d. Luxemburg. Mundart 242. 



58 Ringdrossel, turdus torquatus. 

feld Ther. Sil. (1603) S. 301), Bergamfel (Burgamfel) bei Henisch 
Teutfche Sprach (1616) Sp. 69; auch in Schwaben (Memmingen) 
Bergamsel ] . 

Auf die Bewohner der Ebene muß der Gebirgsvogel den 
Eindruck eines Fremdlings machen, und in noch höherem Grade 
gilt dies von der nordischen Ringamsel, die im Winter nach 
Mittel- und Südeuropa wandelt. Daher erklären sich die Aus- 
drücke Meeramfel, Seeamfel bei Aitinger Bericht v. d. Yogelstellen 
(1631) S. 352, in der Angenehmen Land-Lust (1720) S. 288 und 
bei Döbel Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 53; vgl. Meerhäher S.16. Für 
gewisse Gegenden in der Schweiz galt die Ringamsel zu Gesners 
Zeit als eine Kureramfel (Hist. avium S. 584), welche die Heimat 
in der Stadt Chur in Graubünden hatte; in Luxemburg wird 
der Yogel Reimerei 2 (d. h. Rheinmerle) genannt. — Da der Vogel 
im Winter, im März, zu erscheinen pflegt, heißt er in Meißen, 
Hessen und Thüringen — wie Gesner (a. a. 0. S. 730) von seinen 
Korrespondenten erfahren hat — ein Meertzifche Drueffel ; auch 
Aitinger a. a. 0. S. 343 führt den Ausdruck Mertz Ambfel an. 

Schwenkfeld erwähnt a. a. 0. den Namen Schneeamfel: in 
Steiermark noch heute Schneeamschel 3 . In Baiern heißt der Yogel 
Schneekater*. Offenbar ist dieser letztgenannte Name, den bereits 
Ostermann Yocab. (1591) S. 337 als Schneekatter ~° und Henisch 
a. a. 0. als weiß Schneekater bezeugen, ebenso wie der bairische 
Pflanzenname Schneekater, Schneekaterle, eigentlich identisch mit 
der Koseform des Eigennamens Katharina, welche Katel, Katerle 
lautet; vgl. Rötkatel 'Rotkehlchen' S. 41. 

Andere Synonyma, die in der älteren Literatur begegnen, 
sind Waldamfel, Hagamfel (zu Hag 'Gehölz') bei Gesner S. 580. 
584 und Schwenkfeld S. 301. 302, Stockziemer (zu Ziemer 
'Drossel') bei Döbel a. a. 0. — Den Ausdruck Eoßamfel erklärt 
Gesner daraus, daß der Vogel im Pf erdemiste Würmer sucht. 
Daher heißt die Ringamsel auch in einer englischen Mundart 
coivboy 6 'Rinderhirt'. 



1 Fischer I, 869. — 2 Wb. d. Luxemburg. Mundart 355. 
3 Unger-Khull 551. — 4 Schmeller-Frommann II, 563. 

5 Der Name wird hier als Bezeichnung der Misteldrossel angegeben. 

6 Vgl. Swainson The Folklore S. 8. 



Misteldrossel, turdus viscivorus. 

Misteldrossel, turdus vi. sei vorus. 

In den althochdeutschen Glossen erscheint der Ausdruck 

brächfogul im Sinne von Drossel: brachfogil turdus: Versus de 
volucr. brachvogel : II. S. III, 17. prachvogel: cod. Vindob. 804; f. 185b. brat- 
uogel 1 : cod. Bcro\. Ms. lat. 8° 73, 124b. Nur. Nom. —brahuogele turdis: 

Horatius Serm. ii, 2, 74: cim. 375, 14-ib. A.us mittelhochdeutscher Zeit 
bringen Diefenbachs Glossar. S. 602b und Nbvum glossar. S. 374 a 

einige Zeugnisse für brachvogel, wo das Wort ebenfalls mit 'turdus' 

übersetzt wird. 

Welche Drosselart hier gemeint ist, kann man natürlich 
nicht aus den Belegen ersehen. Auch in Ebers und Peucers 
Vocab. (1552) S. E 5 a, wo brachvogel als Übersetzung des lat 
'collurio' mit dem Zusatz "ex turdorum genere" angeführt wird, 
steht die Bedeutung der Glosse nicht fest; aus der kurzen 
Beschreibung möchte man auf die Weindrossel schließen. In 
Niederdeutschland ist Bräkvagel aber heutzutage in einigen 
Landschaften der Name der Misteldrossel, vgl. z. B. Schiller Zum 
Tierbuche III, 18. — Der Begriff in dem Ausdrucke, der den 
Yogel nach dem Aufenthalte auf Brachfeldern bezeichnet, ist 
überhaupt ein sehr dehnbarer, und die Ornithologen des 16. Jhs. 
bemühen sich oft vergebens zu ermitteln, welche Vögel in 
gegebenem Fall mit der Benennung gemeint sind. 

Der Name Misteldrossel, der zur wissenschaftlichen Art- 
bezeichnung geworden ist, erklärt sich daraus, daß der Yogel 
im Herbst sich hauptsächlich von Mistelbeeren nährt. Diese 
Eigenschaft der Misteldrossel war schon den alten Römern be- 
kannt, und das lateinische Sprichwort "turdus ipse sibi cacat 
malum" 2 nimmt darauf Bezug. Inwiefern der deutsche Ausdruck 
durch den lateinischen Zunamen Viscivorus' beeinflußt worden 
ist, kann nicht mit Bestimmtheit ermittelt werden. Jedenfalls 
ist der Vogelname schon im 16. Jh. in den deutschen Mund- 
arten geläufig. Gesner bezeugt in Hist. avium (1555) S. 728 die 
Ableitung Miftler und das Kompositum Mißdfinck l'iir seine 
schweizerische Heimat und in Baiern ist Miftler bei H. Sachs 

1 = bracuogel. 

•1 Durch den Unrat des Vogels gedeiht das Mistelgewächs, woraus 
der Vogelleim zum Fangen der Drosseln bereitet wird. 



60 Misteldrossel, turdus viscivorus. 

Eegim. der Yögel (1531) V. 190, bei Aitinger Bericht v. d. Vogel- 
stellen (1631) S. 343 und in der Angenehmen Land-Lust (1720) 
S. 208 belegt; im Vocab. triling. (1560) S. 89 lautet der Name 
Mitzier. Aus dem Elsaß ist Mifteler zunächst durch das Strassburg. 
Vogelb. (1554) Y. 437 bekannt, darauf Mistler in Spangenbergs 
Lustgarten (1621) S. 493. Martin und Lienhart verzeichnen diese 
Bildung gar nicht, geben aber (I, 734) aus Altenschweiler die 
Namensform Mistel f. Man hat wohl hierin eine Verkürzung 
von Misteldrostel zu sehen, von der gleichen Art wie Schweiz. 
Reckholter (für RecJcholterdrostel). Popowitsch Versuch (1780) 
S. 379 gibt den Ausdruck Miftler auch als sächsisch an. 

Viele Mundarten benennen die Misteldrossel mit onoma- 

topoietischen Benennungen, die auf den schnarrenden Lauten des 

Vogels beruhen. Gesner bezeichnet a. a. O. die Bildung Schnerrer 

als bairisch, Schwenkfeld Ther. Sü. (1603) S. 359 bezeugt neben 

Schnarre 1 den Ausdruck die Schnerre für Schlesien. Durch einen 

Beleg bei Döbel Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 53 kommt dieser auch 

für Sachsen in Betracht; im nördlichen Böhmen der Schnarrer 

(Zs. f. d. Phil. XXI, 210), in Anhalt Schnarre 2 , in Mecklenburg 

Schnarr 3 , im Oberinntal (in Tirol) Schnarrezer i (vgl. mhd. snarz), 

auf Helgoland Snarker 5 . Diese Namensformen werden auch von 

dem Wiesenknarrer angewendet. — Aus Kärnten nennt Gesner 

a.a. 0. für die Misteldrossel den Namen Zerrer; Popowitsch a.a.O. 

S. 380 führt Zarrezer aus Österreich und Zärrer aus Steiermark 

(bei Unger-Khull S. 643 Zarer, Zarrer m.) an. In Steiermark 

bedeutet das Verbum zaren, zarren dasselbe wie schriftd. 

zerren (auch 'laut schreien'); dazu auch Zarheher 'Häher*. Zum 

selben Stamme wie die zuletztgenannten Synonyma gehört noch 

Ziering, das Gesner erwähnt, ohne die Heimat des Ausdrucks 

anzugeben. 

Eine in hochdeutschen Dialekten verbreitete Bezeichnung 
für Drosseln ist das Wort Ziemer, welches in verschiedenen 



1 Nach Popowitsch "die Schnarre in Schlesien" 

2 Naumann-Hennicke I, 226. 

3 Schiller Zum Tierbuche III, 18. 

4 Frommann D. Mundarten IV, 55. 

5 Frommann D. Mundarten III, 32. 



Misteldrossel, tnrdua viscivorus. ttl 

Lautgestaltangen auftritt Die ersten Zeugnisse des Namens 
fallen in das 15. Jh. Im Vocab. theuton. (Nürnberg l 182) S.pp 5b 
lautet die betreffende Glosse zemer fpecht prachuogel turdus i 
oranwidsfogel und im Vocab. ine. theuton. ante lat (Nürnberg 
1482) S. 15a ziemer turdus; dazu szimar im Elbinger Vokabu- 
lar 730 (Berneker Die preuß. 8prache 8. 244). In Straßburg 
ist d<T Vogelname durch Ordnungen d<-s Vogelfangs (Brucker 
Strassburg. Zunft-Verordn. S. 183. 226. 229. 258. 266)im Lö.Jh. 
(zuerst im J. 1425) öfters bezeugt; hier werden dm Ziemern 
(Ziem(m)er) unter den jagdbaren Vögeln aufgezahlt A.U8 der- 
selben Gegend stammt der Beleg Weckolder ziemer im Strass- 
burg. A r ogolb. v.J. 1554 V. 436; darauf Ziemer in Spangenbergs 
Lustgarten (1621) S. 493 und Zimmer im Ganskönig Y. 123. Aus 
den heutigen elsäss. Mundarten führen Martin und Lienhart II, 
904 Ziemer mit den Bedeutungen 'Drossel', 'Krammetsvogel', 
'Buntspecht' an; die letztere Bedeutung, die schon im Yocab 
theuton. (s. oben) erscheint, ist offenbar sekundär, vgl. S. 34. Auf 
mitteldeutschem Sprachgebiet wird das "Wort zunächst für Sachsen 
bezeugt durch die Variante Zimmer bei Eber und Peucer Vocab. 
v.J.1552 S.F8a; Branky Zs. f.d. Phil. XXI, 210 gibt als sächsische 
Lautformen Ziemer, Zehner, Zeiner, Zeumer mit der Bedeutung 
' Wacholderdrossel' an. Bei Schwenkfeld, der im Ther. Sü. (1603) 
Ziemer als schlesisch bezeichnet, wird der Name von den drei 
Drosselarten 'turdus pilaris', 'turdus viseivorus' und 'turdus 
iliacus', aber nicht von der Singdrossel 'turdus nmsicus' ge- 
braucht. Auch Gesner behauptet in Hist. avium S. 720, daß Ziemer 
in gewissen Gegenden die gemeinsame Bezeichnung für Drosseln 
ist. Aitinger Bericht von dem Vogelstellen (1631) hat von dem 
Begriff keine deutliche Vorstellung wie aus S. 343 a. a. O. her- 
vorgeht: "Es ftreiten viel Weidleut / ja auch wol gelahrtere 
Manner ob ein Mifteler ein Zimmer sey oder nicht / dieweil ich 
dann daffelbige felbft nicht gewiß weil) / kan ieli auch nicht- ge- 
wifl'es darvon fetzen". Popowitsch versucht die mundartlichen 
Bedeutungsunterschiede einigermaßen zu bestimmen, indem er 
VersuchS. 283 und 380 angibt, daß Ziemer in Schlesien und Sachsen 
die Wachholderdrossel und die Rotdrossel bedeute, wählend in 
der Niederpfalz die Misteldrossel Ziemer und im Hohenlohischen 



#2 Wachholderdrossel, turdus pilaris. 

Zemer heiße. — Wie manche andere Ausdrücke für Drosseln 
(ahd. listera, merla, mhd. kraneuitvogel, altniederd. getfugel), hat 
wahrscheinlich auch Ziemer ursprünglich eine bestimmte Art 
bezeichnet, dann aber seinen Geltungsbereich erweitert, insbe- 
sondere dort, wo der alte Drosselname nur auf die Singdrossel 
beschränkt wurde. Der Ursprung des Wortes ist dunkel. 

In Luxemburg nennt man diese Drosselart Schneileischter l 
m. (d. h. Schneedrossel); sonst wird diese Bezeichnung von der 
Kingamsel und von der Wachholderdrossel angewendet. 

Wachholderdrossel, turdus pilaris. 

Wie die vorhin erwähnte Art, so hat auch die Wach- 
holderdrossel den Namen von der Nahrung bekommen, welche 
bei diesem Yogel aus Wach holderbeeren besteht. Je nach dem 
Synonymon, welches die Mundarten für den Wachholderbaum 
gebrauchen, erscheint auch der Vogelname in verschiedenen 
Varianten. In der mittelhochdeutschen Zeit ist kraneivitevogel 
(zu kranewite < ahd. kranaivitu e Wachholder') die übliche Be- 
zeichnung des Vogels. In den Quellen des 13., 14. und 15. Jhs. 
ist das Wort öfters in der volleren Lautgestalt belegt, daneben 
aber in kontrahierter Form kramatvogel z. B. in einem Vocab. 
rerum v. J. 1468 aus Augsburg 2 , im 16. Jh. bei Hans Sachs Fabeln 
V, 58, bei Dasypodius (1535) S.Jla, Kramatsvogel im Strassburg. 
Vogelb. (1554) V. 583, Kromtvogel in Bracks Vocab. rerum (Boden- 
see) 2 , Krometfogel bei H. Sachs Begim. der Vögel (1531) V. 88. 
In Mitteldeutschland ist der Name in der Form Krammeßvögell 
überliefert bei Longolius Dial. de avibus (1544) S. G2a, Krammef- 
uögel bei Turner Avium hist. (1544) S. J6a, Eber und Peucer 
Vocab. (1552) S.F8a, Kramet(s)vogel bei Schwenkfeld Ther. Sil. 
(1603) S. 358. Auf diesen Varianten beruhen Kranawetsvogel in 
Österreich (Popowitsch S. 283), Krammetsvogel und Krammsvogel* 
in Steiermark, Krammetsvogel 4 im Elsaß, Kransföggel 5 in Fallers- 
leben, Krammsvogel in Mecklenburg 6 , Holstein 7 , der Grafschaft 

1 Wb. d. Luxemburg. Mundart 391. 

2 Diefenbach Novum glossar. S. 374 a. — 3 Unger-Khull 408. 

4 Martin-Lienhart I, 100. — 5 Frommann D. Mundarten V, 153. 

6 Schiller Zum Tierbuche III, 18. 

7 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVII, 4. 



Wachholderdrossel, tarda« pilaris. 

Kan/au \ Krdm(e)svuog€l % in Westfalen. An einigen Orten er- 
scheinen statt des zusammengesetzten Namens Kurzformen wie 
Kranabeter* m. in Steiermark, Krammser * dl in Thüringen, 
Krammtäzer^ Krammis, Krammitz 6 m im Elsaß; die letzge- 
nannten zwei Varianten sind ähnliche Bildungen wie Mistel 
(s.s. HO), wobei die Vogelnamen ani-ite(Etnmerüz : Sfigr/itz- nsw.) 
auch mögen mitgewirkl haben. Ans dem ndd. Kramwogd 
(= nndL kramsvogel) sind dän. hramsfugl ww\ schwed. kram* 
fäycl entlehnt 

In der Schweiz ist Chrammisvogel in Aargau und Basel 
geläufig, die übliche schweizerische Nameiisform ist aber lleckol- 
terrogel, welches Staub-Tobler I, (594, II, 1189 schon aus mittel- 
hochdeutscher Zeit belegen; Räckholter in Ruefs Adam und Eva 
(1550) V. 968 ist eine Verkürzung <h^ vm-hingenannten An- 
drucks, vgl. Mistel S. 60. Bei Dasypodius (1535) S. J La erscheint 
def Name in (hu- umgedeuteten Form Rechtholterrogel. 

Die dritte Namensform ist Wachholteruögel bei Turner a. 
a. 0., Weckolderziemer im Strassburg. Vogelb. V. 436, Wacholter 
Ziemer bei Golius Onomasticon (1579) Sp. 295. 

Meistenteils werden diese Namen von der Wachholder- 
drossel gehraucht, doch sclnvankt auch hier in einigen Gegenden 
die Bedeutung. In Mecklenburg ist nach Schiller Zum Tierbuche 
III. 18 Krammsvogel eine Bezeichnung für alle Drossel arten, 
abgesehen von den Amseln. In Luxemburg ist der Krömesvull* 
die Rotdrossel, und in diesem Sinne wird auch z. B. in Reckling- 
hausen der Ausdruck gebraucht, während die AVachholderdi 
dubbelde Krdmsvuogel heißt. 

Das letzterwähnte Wort ist eigentlich ein Terminus der 
Jägersprache, welche für die Drosseln auch die Ausdrücke Halb- 
vogel und Ganzvogel gebraucht Nach Döbels Eröffn. Jägerpr. 
werden die großen Drosselarten, von denen 1 zu einem Spieß 
gehen, zu (\(n\ Ganzvögeln gezählt, während die kleineren Arten. 
d. h. die Weindrossel und die Amseln Halbvögel heißen. Diesen 
Ausdruck kennt scheu der Verfasser des Strassburg. Vogelb. 

J Korrespondenzbl. f. ndd. Spracht. XVII, 2. — 2 Woeste 57. 

3 ünger-KhuD 408. — 4 Hertel 146. — 5 Martin-Lienhart II. 619. 

6 Wb. d. Luxemburg. Mundart 249. 



64 Rotdrossel, turdus iliacus. 

(1554) Y. 590 sowie Gesner Hist. avium S. 730 (aus der Gegend 
um Frankfurt am Main), Hohberg Adeliches Land-Leben (1687) 
II, 809 Kap. CXXII zählt auch die Kranwetsvögel zu den Halbvögeln. 

Wie die Misteldrossel, so ist auch die Wachholderdrossel 
vielfach nach ihrer Stimme benannt worden, für welche u. A. 
die schak-schack-Kufe charakteristisch sind. Auf diesen Lauten 
beruhen die Benennungen Schacker, Schachtdraussel l in Mecklen- 
burg, Schacher 2 in Lübeck, Schacher 3 in Altmark, Schacke 4 * 
f. in Göttingen und Grubenhagen, Schnagezer 5 in Steiermark. In 
Luxemburg heißt der Vogel Tschahtschakat 6 m. (= frz. chack- 
chack 7 im wallonischen Teile von Luxemburg) und mit Anschluß 
an den Eigennamen Jakob auch Jako m. und Jäkerl 6 m., vgl. 
Jako 'Papagei' S. 3. — Auf die Stimme der Misteldrossel bezieht 
sich auch das westfälische Dialektwort der Schrick, welches 
mit ags. scric 'turdus' übereinstimmt; die alte Bildung ist auf 
dem Kontinent im Sinne von Wiesenknarrer im 16. Jh. bezeugt, 
vgl. s. v. Wiesenknarrer. 

Von der blaugrauen Färbung des Oberkörpers hat dieWachhol- 
derdrossel bei Schwenkfeld (1603) S. 360 den Namen Blaiv Ziemer, 
welcher neben Gros Ziemer als schlesischer Ausdruck bezeichnet 
wird. Frischbier Preuß. Wb. I, 88 verzeichnet Blauziemer nach 
Bujacks Naturgeschichte, aber dieser hat wohl den Ausdruck von 
seinen preußischen Vorgängern Klein und Reyger, die ihrerseits 
aus Schwenkfeld geschöpft haben. — Da der Vogel in Deutschland 
ein Durchzugsvogel ist und noch bis in den Winter hinein 
zieht, begreift sich der Name Schneevogel 8 , der in Steiermark 
vorkommt. Auf Helgoland nennt man ihn den Lansknecht 9 . 

Rotdrossel, turdus iliacus. 

Die Rotdrossel gehört dem Norden Europas an und unter- 
nimmt von dort aus regelmäßige Wanderungen nach dem Süden. 

1 Schiller Zum Tierbuche III, 18. 

2 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 83. 

3 Danneil Wb. S. 181, wo das Wort als Misteldrossel erklärt wird. 

4 Schambach 180. — 5 Zs. f. d. Phil. XXI, 210. 
f5 Wb. d. Luxemburg. Mundart 198. 444. 

7 Rolland Faune populaire II, 238. 

8 Unger-Khull 551. — 9 Frommann D. Mundarten III, 32. 



Rotdrossel, turdua üiactu . 66 

Wie dw Bergfink und der Seidenschwanz, erscheint si< 
wohnlich in zahlreichen Scharen and in den Gegenden, wo die 
Vöge] sich dann plötzlich niederlassen, hat die Landbevölkerung 
von der Beimal der Breradlinge ihre eigenen Gedanken. In 
einigen Landschaften werden Bie als Böhmen aufgefaßt, und 
diese Ajischauung läi'.t Bich in das L6. Jh. verfolgen. In Beinern 
Vogelbuche bemerkt Gesner von den Rotdrosseln, daß sie fremde 
Vögel sind, die — wie man ihm versichert hat — in Ungarn 
oder Böhmen ihre Brntplätze haben. Aus diesem Glauben er- 
klären Bich die Ausdrücke Boemerle I Bömerlin I Beemerziemar I 
Behende, die S. 729 als Bezeichnungen der Rotdrossel erwähnt 
werden l . Bei II. Sachs Regim. der Vögel (1531) V. L72 ist das 
Bemlcin dagegen der Bergfink und im Strassburg. Vogelb. (155 \\ 
V. 383 wird die schwarze Meerschwalbe Bömerlin genannt In 
Deutschland sind diese Ausdrücke weit verbreitet; YVoestes Wb. 
der westf. Ma. S. 25 f. nennt Bemer und Beimchen als Bezeich- 
nungen der Rotdrossel und des Seidenschwanzes, das Luxem- 
burgische Wörterbuch S. 17 führt Beimchen m. ebenfalls als Xamen 
der Rotdrossel an, und in der Pfalz werden die Bergfinken 
Behemmer - genannt. 

Turner, der in Köln lebte, nennt in Avium hist. S. J 7 a die 
Rotdrossel Uiieingaerdsuoegel (d. h. Weinbergvogel) und dieser 
Ausdruck ist noch heute in jenen Gegenden lebendig, denn das 
Luxemburgische Wörterbuch verzeichnet S.47~> Wangertsdreisehel 
(d. h. Weinbergdrossel) und Wangertsvull (d. h. AVeinbergvogel) als 
Namen der Rotdrossel. Von Turner haben vielleicht Eber und 
Peucer Yocab. (1552) S. F8b den Ausdruck Weingart vogel über- 
nommen, den sie neben Weindrufchel anführen. Gesner Hist. 
avium (1 555) 8. 729 nennt den letztgenannten Xamen in der Form 
Wyntroftd. Später ist das AVort öfters belegt: bei Schwenkfeld 
Thor. Sil. (1603) S. 361 Wein Droffel, ebenso bei Aitinger Bericht 
v. d. Vogelstellen (1631) S. 347, Döbel Eröffn. Jägerpr. (1746) 
8. 53 usw. — Offenbar haben die nordischen Vögel diese Xamen 
wegen ihrer herbstlichen Raubzüge in den Weinbergen erhalten. 

1 Danach Böhmlein, Bohemle, Bemerk, Hehemle, Behemerle bei 
Henisch Teutsche Sprach (1616) Sp. 252. [48. 

2 Heeger Tiere im pfälz. Volksmunde II, 11. 
Suolahti, Vogelnaraen. 5 



66 Singdrossel, turdus musicus. 

Die Naniensforrnen Wintze und Winfel, die Gesner a. a. 0. 
aus seiner eigenen Heimat kennt, schließen sich an die vorhin- 
genannten Benennungen an und sind als 'Winzer' zu deuten. 
Man möchte die weite Verbreitung dieser Ausdrücke auf den 
Einfluß der Vogelsteller zurückführen, welche sicherlich auch 
zur Verbreitung des Böhmennamens beigetragen haben. — Ganz 
unklar ist der Ausdruck Wisel, der in Buefs Adam und Eva 
(1550) Y. 968 begegnet und in anderer Lautform als Weisel 
(= turdus montanus) im Yoc. triling. (1560) S. 89 bezeugt ist. 

Lokale Ausdrücke, welche Gesner aus den schweizerischen 
Mundarten kennt, sind Bergtrostel (in Glarus) und Gixerle (in 
Basel) ; der letztere ist von dem Verbum gixen e in hohem feinem 
Tone pfeifen' abgeleitet. Wegen der pfeifenden Stimme wird der 
Yogel auch von Schwenkfeld a, a. 0. Pfeif drof fei genannt; als 
spezifisch schlesische Ausdrücke werden die Namen Heide 
Droffel und Klein Ziemer erwähnt. In Österreich heißt der 
Yogel — wie Popowitsch Versuch S. 475 angibt — Leimdroffel 
"weil die Eichelmisteln, aus denen der Leim gemacht wird, um 
Vögel zu fangen .... ihre Nahrung ist" und Winterdroffel "weil 
sie zu Anfang der Kälte" nach Österreich kommt. Der wissen- 
schaftliche Ausdruck Rotdrossel, welcher auf die rostroten Unter- 
deckflügel deutet, findet sich schon bei Gesner a. a. 0. in der 
Form Rottroftel. 

Der Vulgärname Bitter, welcher aus der Kölner Gegend durch 
Longolius Dialog, de avibus (1544) S. G 2 a belegt ist, hängt offenbar 
zusammen mit dem westfälischen Namen Bitterfinke, der nach 
Woeste Wb. S. 32 "einen gewissen Vogel, der mit Krammets- 
vögeln auf Yogelherden gefangen wird" bezeichnet. Weitere 
Beziehungen fehlen. 

Singdrossel, turdus musicus. 

Vor allen Drosselarten kommt der alte Gattungsname der 
Singdrossel zu. Ob das Deminutivum dröscala schon in althoch- 
deutscher Zeit vorzugsweise diese kleine Art bezeichnete, läßt 
sich nicht sicher ermitteln, obgleich das Gegenüberstellen von 
'turdus = brachfogaV und 'turdela = dröscala im Summarium 
Heinrici auf eine beschränktere Bedeutung des letzteren Wortes 



Singdrossel, turdus musinis 07 

deutet. Jedenfalls unterscheidet Albertus Magnus De animalibufl 
S. Y4b mittellat tun/da von turdus and deutet es als die Sing- 
drossel: "turdella eft auis muüca quantitatem «-t fere eolorem 
turdi preferens, quae Tulgo drofchele vocatur". In der mittelhoch- 
deutschen Poesie wird mit dröschele oder drostel besonders die 
Singdrossel gemeint, und im 1(>. Jh. wird der Name in weitem 
Umfange als spezifische Bezeichnung dieses Vogels gebraucht Für 
die Schweiz kann man diese Bedeutung aus Qesners Hist avium 
S. 729 feststellen, denn hier wird von dem 'turdus minor' gesagt, 
daß die Schweizer ihn "einfach" Troftel nennen. Ebenso ist im 
Strassburg. Vogelb. V. 397 die Troftel, welche als Sänger der 
Nachtigall nicht viel nachsteht, die Singdrossel. In Mitteldeutsch- 
land gilt Drossel gleichfalls in diesem engeren Sinne. Für die 
Kölner Gegend wird dies durch Turner erwiesen, der in Avium 
hist. S. J 7 a die drei Arten, den Krammetsvogel, den Weinberg- 
vogel und die Drossel aufzählt; für Schlesien kommt Schwenkfelds 
Ther. Sil. (1603) in Betracht, wo e turdus niusicus' als Droffel den 
Ziemern gegenübergestellt wird. Naumann 1 gibt an, daß die Sing- 
drossel im Anhaltischen schlechtweg Drustel heiße ; in Steiermark 
gelten die Deminutivbildungen der Dröschling 2 und das Dröscherl 2 
in diesem Sinne. 

Das heute in der Literatur übliche Kompositum Singdrossel 
geht auf Eber und Peucer Vocab. (1552) S. F 8 b zurück, wo 
es in der Form Sangdrufchel vorkommt; daher haben Gesner, 
Schwenkfeld u. a. die Bildung aufgenommen. Der Ausdruck 
Wyßtrofteh den Gesner zuerst erwähnt, charakterisiert diese 
Drosselart gegenüber der Rotdrossel und dem Blauziemer. 

Weiter verbreitet sind in den deutschen Mundarten Namen, 
welche dem Lockruf des Vogels abgelauscht sind. Die Varianten 
weichen nur wenig von einander ab. Die nord- und mittel- 
deutsche Namensform Ziepdrufchel ist Gesner speziell aus 
Sachsen bekannt; daher stammen auch die Belege Zipdrossel in 
Sibers Gemma v. J. 1579 S. 44, Zipp Droffel und die Zippe 
in Döbels Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 53; heute in Thüringen die 
Zib z , in Altmark Zipp K im Münsterkreise Sippe 5 , in Mecklen- 

1 Naumann-Hennicke I, 202. — 2 Unger-Khull 175. — 3 Hertel 265. 
4 Danneil 252. — 5 Korrespondenzbl. f. ndd. Spracht. XVI, 86. 



68 Singdrossel, turdus musicus. 

bürg Zipp{draussel) l . Aitinger Bericht v. d. Vogelstellen (1631) 
S. 341. 345 scheint die Benennung Zihdroffel ("so etzliche 
Nationen Weißdroffel nennen") von Gesner zu haben. In der 
Wetterau lautet die entsprechende Benennung Zitdroffel' 2 , in 
Steiermark Zickdröfcherl 2 . 

Nach Popo witsch Versuch S. 615 heißt diese Drosselart 
(und nicht die Rotdrossel) in Österreich Weindrossel. Andere 
Synonyma sind Mueramstel 3 (= Sumpfamsel) in Zinsweiler im 
Elsaß, Buschdrädel* in Recklinghausen, Schmelche 5 f. in Steier- 
mark (s. S. 26); vgl. auch Geitlink S. 56. 

Ein alter Vogelname ist vorhanden im westfäl. Lister 6 m., 
das im Lüdensch. und Bergischen die Singdrossel bezeichnet. 
Die älteste überlieferte Form ist listera (= sepicecula) in den 
althochdeutschen Versus de volucribus ; einige Hss. dieser 
Gruppe schreiben listra (so auch cod. Oxon. Jun. 83, 4 (13. Jh.)), 
andere auch listir. Das Verbreitungsgebiet des Namens deckt 
sich mit dem von merla und geitlink und umfaßt demnach die 
Gegenden am Mittel- und Niederrhein. Auf dem altmittel- 
fränkischen listera beruhen luxemburg. Leischter (Leischtchen) 7 f. 
und siebenbürg. Leister; dazu stimmen mndl. lijstere, nndl. lijster 
und friesisch lijster (klyster). Die mittelniederdeutschen Belege 
lassen auf die Singdrossel schließen, was mit der westfälischen 
Bedeutung des Wortes übereinstimmt, in Luxemburg wird damit 
die Misteldrossel und im Friesischen und Neuniederländischen 
die Drossel im allgemeinen bezeichnet. Vielleicht hat sich auch 
hier aus der Artbenennung ein Gattungsname entwickelt wie 
bei den Worten Krammetsvogel, Merle, Ziemer, Gaidling u. a. — 
Die Vorgeschichte des Vogelnamens ist nicht aufgeklärt; als 
verfehlt müssen die Deutungsversuche in Verwijs und Verdams 
Mndl. Wb. IV, 642 und von Lehmann KZ. XXXXI, 392 be- 
trachtet werden. 



1 Schiller Zum Tierbuche III, 18. 

2 Popowitsch Versuch S. 616. 

3 Martin-Lienhart I, 41. 

4 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVII, 5. 

5 Unger-Khull 547. — 6 Woeste 162. 
7 Wb. d. Luxemburg. Mundart 265. 



Grasmücke, Bylvia bortenaia oder Bimplex; Bylvia oiaoria o.a. 69 

Sänger, Sv I \ iadae. 
Grasmttcke, Bylvia bortensia oder Bimplex; Bylvia aiaoria u.a. 

Ahd. graaemucca: Sg.Nom. grtuemucca philomenam (luaci- 

niami: Versus de volucr. (2 Haa. 12. n. 1 1. Jh. . graeimugga 2Haa.ll 12. 
u. 12. Jh.), graaemugge \\ Ha. 13. Jhe }, grosemukt <1 II-. 13. Jh.), 
grattmueh{\ EIa.12.Jh.), grctamueka I II . LS. Jh.), grtumuga 1J-. Jh.), 
grasmuggo (13. Jh.), gntamuche (18. Jh.), gr<umuc(l Ha. L2. Jh., 1 II 
I i. Jh., .") Hss. 15. Jh.). — Akk. — grcmtokun\ Versus <l<- ralncr. 
(1 11s. 12. Jh.) 

\)w Ausdruck Grasmücke^ welchen wir den im Gras, Schilf 
und Gesträuch lebenden Singvögeln geben, ist trotz der Kleinheit 
derselben etwas auffällig. Die vielen Varianten, in denen diese 
Benennung vorliegt, legen den Verdacht nahe, daß wir mit einer 
sekundären Bildung zu tun haben. Aber die Umgestaltung liegt 
in der Zeit sehr weit zurück, denn bereits in althochdeutscher 
Zeit wurde das Kompositum ähnlich wie heute aufgefaßt. Die 
Vermutung, daß der Name auf einer älteren Zusammensetzung 
*grä-smucka beruhen würde 1 , ist nicht sehr wahrscheinlich, eher 
wird das Kompositum * grasa-smucka gelautet haben. Der zweite 
Bestandteil ist eine alte Ableitung von smucken (mlid. smiieken 
'schmiegen 5 , vgl. mhd. smiegen = schmiegen, ags. smugan. anord. 
smjugan c sehleichen 5 ) und hat Parallelen in skandinavischen 
Yogelnamen wie schwed. gärdsmyg 'Zaunschlüpfer 5 , dän. grees- 
smutte 'Urasmücke 5 (eigtl. Grasschlüpfer), gjwrchsmuüe 'Zaun- 
sehlüpfer'. Danach sind die 'Grasmücken 5 eigentlich c <iras- 
schlüpfer', wie sie denn noch heute in Niederdeutschland 
Heckenkrüper 'Heckenschlüpfer' und in England nettlecreeper 
•Nesselschlüpfer' usw. heißen. 

Der Name ist über das ganze hochdeutsche Gebiet ver- 
breitet. Im 16. Jh. ist er in Nürnberg bei H. Sachs Kegim. 
der Vögel (1531) V. 142, in der Schweiz bei Gesner Hist. avium 
(1555) 8. 357, im Elsaß bei Dasypodius (1535) S. J 1 b und im 
Strassburg. Vogelb. (1554) V. 639 belegt. In Mitteldeutschland 
wird der Ausdruck durch die Glosse Grasmucklein bei Eher und 
Peucer Vocab. 1 1 552) S. E 6b als säehsisch bezeugt, Schwenkfeld 



1 Vgl. z. B. Schiller Zum Tierbuche II, 11. 



70 Grasmücke, sylvia hortensis oder simplex; sylvia nisoria u. a. 

Ther. Sil. (1603) S. 255 bezeichnet die alte Form Grasemücke 
(die auch Gesner erwähnt) als schlesisch, und aus Sachsen wird 
diese durch Sibers Gemma v. J. 1579 S. 40 belegt. Schmeller- 
Frommanns Bayer. Wb. I, 1567 gibt Grasmuck als Maskulinum 
an, was für die Echtheit der sonst zweifelhaften ahd. Form 
grasmuggo zu sprechen scheint. — Auch in Niederdeutschland 
ist der Name heute nicht unbekannt, so gilt Gras{s)mügg l z. B. 
in Mecklenburg und Lübeck. 

Am Mittelrhein wird im 16. Jh. die Namensform Graf- 
mufcha von Turner Avium hist. S. D 6 a erwähnt ; Diefenbach- 
Wülckers Wb. S. 633 bringt einen Beleg grafemufch schon aus 
dem Jahre 1420. Dies ist die mittelrheinisch-niederrheinische 
Variante des Vogelnamens, heute als Gräsmösch 2 f. in Luxem- 
burg und gräsmusch, gräsmösch in den Niederlanden vorhanden. 
Im Süden reicht sie als Grasmisch 5 f. (für Grasmüsch) in das 
nassauische Gebiet hinein. In Luxemburg gilt daneben Gräsmek 2 f. 
(zu Mek 'Mücke') ; auch Turner kannte die Form Grafmuklen 
(S. C 3 b). — Das rheinländische Wort bedeutet eigtl. 'Grassper- 
ling' (altmittelfränk. musca = ndl. mösch 'Sperling'). Daher auch 
Grasspatz bei Schwenkfeld a. a. 0. ; vgl. mhd. grasvink 'Grasmücke' 
Ahd. Gll. III, 30 50 . 

Nach dem Typus von Grasmücke sind die gleichbedeutenden 
Namen Hedmucke 4 in Westfalen und Stoasmack' in Sette Com- 
muni sowie Schweiz. Hüsmugg 6 'Rotschwänzchen' geschaffen 
worden. 

In Waldeck gilt die Variante Grashucke 7 , in der west- 
lichen Pfalz Grashetsche, Grashitsche 8 , wo der zweite Teil der 
Zusammensetzung zum onomatopoietischen Verbum hetschen 
gehört. Mit Rücksicht auf den Grasmückengesang sind auch 
andere Synonyma gebildet, vgl. Dorngätzer d in der Wetterau, 
Heckenschmätzerle (im Eselkönig 223) 9 , Schmetsche 10 in Hessen, 

1 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 83 und Schiller a. a. 0. 

2 Wb. d. Luxemburg. Mundart 152. 

3 Kehrein 171. — 4 Woeste 97. 

5 Frommann D. Mundarten IV, 55. — 6 Staub-Tobler IV, 130. 

7 Schiller Zum Tierbuche II, 11. 

8 Heeger Tiere im pfälz. Volksmunde II, 11. 

9 Grimm Wb. II, 1297. IV, 2, 748. — 10 Vilmar 359. 



s« hwarzkopf, sylvia atricapilla. 71 

Buschstatzger 1 in Sohwaben (zu Statzger "Stotterer* bei ßolius 
Onomasticon), Heckenstöceterhsn 1 (d h. "Heckenstotterer*) sylvia 
cinera in Göttingen and Grubenhagen, Staudemceltscher 1 (d.h. 
Buschstotterer, zu wdtschen "unverständlich reden') sylvia 
hortensis oder simplex, Kerschgagele* (d. h. "Kirschengackler*) 
sylvia curruca in Tirol. Luxemburgische losdrücke für die 
Grasmücken sind Grätsch ' f. und Schatterchen ■ 1. (d. h/Klapper- 
grasmücke', zum tonmalenden Verbum schattern, vgL el 
Schauer 'Kinderlvlappor, Blechbüchse mit Steinen 1 usw.). 

In Westfalen heißen die Grasmücken Smielenstrieper oder 
Smielentrecker 6 (d. h. 'Halmstreifer* oder 'Halmaener*), im 
Münsterkreise I)ragge c \ in Thüringen Grawische 1 (d 1). Grau- 
weißchen), in der ostfriesischen Mundart Hofsinger 9 . 

Sehwarzkopf, sylvia atricapilln. 

Die Kirche und das Klosterwesen spielen bei Benennungen 
von Pflanzen und Tieren eine hervorragende Rolle. Besonders 
bei Pflanzennamen kommt die kirchliche Nomenklatur in großer 
Ausdehnung zum Vorschein, aber auch in der Yogelwelt findet 
man die Mönche und Nonnen, Pfaffen und Klosterfrauen. 

Unter den Grasmücken ist die sehwarzkopf ige sylvia 
atricapilla der Mönch. In dem Regim. der Vögel (1531) V. 140 
betet das Münchlein das gracias, wodurch das Vorkommen des 
Ausdrucks im bair.-fränk. Dialekt erwiesen wird. Für die säch- 
sische Mundart kommt der Beleg Münchlein bei Eber und Peucer 
Vocab. (1552) S. E4b in Betracht, und für Schlesien wird der 
Name durch Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 227 bezeugt In 
Anhalt nennt man den Vogel Plattmönch , im nördlichen Böhmen 
{Platt)mönch und Schi rar zblattl 10 n. (zu Platte 'Tonsur der Mönche'); 
in Preußen heißt er — bei Reyger Verbess. Hist. der Vögel (1 760) 
S. 80 — Kloster ivenzel 11 (zum Eigennamen Wenzel 'Wenceslaus') 

1 Fischer I, 1554. — 2 Schambach 78. 

3 Frommann D. Mundarten IV, 53. 55. 

4 Wb. d. Luxemburg. Mundart 152. 375. — 5 Woeste 21 1. 

6 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprach! XVI. 85. 

7 Hertel 109. — 8 Jb. f. ndd. Spracht XI. 111. 

9 Naumann-Hennicke II, 151. — 10 Zs. f. d. Phil. XXI. 210. 
11 Frischbier I. 381. 



72 Dorngrasmücke, sylvia cinera. — Zaungrasmücke, sylvia curruca. 



und Mauskopf 1 . In der Schweiz sind die Namen SchwarzblättW* 
und Schicarzchopf 2 (schon bei Gesner Hist avium (1555) S. 370 
für die Schweiz bezeugt) üblich, in Sette Communi Sbarzköpfle*, 
in der Pfalz Schwarzplättel*, ndd. Swattköppken b in .Reckling- 
hausen, Swattplättclien' im Münsterkreise. 

Unklar ist der elsässische Ausdruck Jüntele (Rebjüntele) 6 . 

Dorngrasmücke, sylvia cinera, sylvia sylvia. 

Der Ausdruck Kuckucksamme, welchen man manchmal 
den Grasmücken beilegt, scheint besonders der Dorngrasmücke 
zu gehören. Schon die Zoologen des klassischen Altertums 
kannten die Sitte des Kuckucks, die Eier von kleinen Singvögeln 
ausbrüten zu lassen, und in der mittelalterlichen Ornithologie 
werden die Äußerungen, welche sich bei Plinius über diesen 
Gegenstand finden, öfters wiederholt. Aber nicht nur in der 
wissenschaftlichen Literatur wie z. B. bei Konrad von Megenberg 
(Ed. Pfeiffer) 178, 24 u. a., wird von der Grasmücke als Amme 
des Kuckucks geredet, auch in der Poesie findet man An- 
spielungen auf das Verhältnis dieser Vögel zu einander, vgl. 
z. B. Freidanks Bescheidenheit (Ed. Grimm) 143, 22 f. und Hugo 
von Trimbergs Renner V. 7668. In den lebenden Mundarten 
scheint diese Anschauung nicht zu wirklicher Namengebung 
verwertet worden zu sein. 

In Anhalt und im nördlichen Böhmen wird diese Gras- 
mücke Weißkehlchen 7 genannt, doch wird der Ausdruck auch 
von der folgenden Art gebraucht. Auf Helgoland heißt sie Gröt 
Kattünjer* ('große Katzengrasmücke', zu Ünjer 'Grasmücke'). 

Zaungrasmücke, sylvia curruca. 

Der Gesang der Zaungrasmücke besteht aus einem ener- 
gischen und lauttönenden Klappern, das Voigt Excursionsbuch 

1 Frischbier I, 381. — 2 Staub-Tobler III, 415. V, 200. 

3 Frommann D. Mundarten IV, 55. 

4 Heeger Tiere im pfälz. Volksmunde II, 10. 

5 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 85. XVII, 5. 

6 Martin-Lienhart I, 408. 

7 Zs. f. d. Phil. XXI, 209 und Naumann-Hennicke II, 168. 174. 

8 Frommann D. Mundarten III, 32. 



Gartenlaubvogel, sylvia hippolais, hypolaia philomela. 73 

S. 75 mit "didlididlidlidlidlid* umschreibt Daraus erklären sich 
die Namen Müller ' in der Schweiz, Müllerl* In Obersteiermark, 
Tuddelgrdtsch 8 (zu tuddelen 'unverständlich schwatzen') und 
Jadekerchen* m. (zu jaderen 'leer.- Gerede führen') in Luxem- 
burg, vgl auch S-Iiaffnrlipn (S. 71).— Andere luxemburgische 
Ausdrücke sind Böschgrdtsch * (eigtl. Waldgrasmücke), Hecke- 
grätsch, Heckerchen* m. und Jdkchen* m. im Anschluß an den 
Eigennamen ./<;£ 'Jakob'. In der Grafschaft Ranzau nennt man 
diesen Vogel (und auch den Schwarzkopf) Tar<l '. 

Die Grenzen, welche die Wissenschaft dem Grasmücken- 
namen setzt, werden nicht von dem lebendigen Sprachgebrauch 
innegehalten; der Ausdruck wird auch von anderen kleinen 
Sängern als den erwähnten fünf Sylvia-Arten angewendet, wie 
z. B. von dem Zaunkönig, dem Braunkehlchen usw. 

Gartenlaubvogel, sylvia hippolais, hypolais philomela. 
Als Sänger überragt der Gartenlaubvogel alle seine Ver- 
wandten. Voigt, der in seinem Excursionsbuch S. 58 ff. den 
Gesang dieses Vogels ausführlich schildert, weist auf die große 
Kunstfertigkeit und die Mannigfaltigkeit der Motive, die darin 
zutage treten ; auch als Nachahmer von Stimmen anderer Vögel 
ist der Gartenlaubvogel ein Meister. Diesen Eigenschaften ver- 
dankt er die Namen Spottvogel (nndl. spotuogel, frz. contrefaisant, 
moqueur), Luxemburg. Kapellemeschter' , böhm. Sprachmeister ^ 
Holstein. Lischallerlei, Lischenallerlei 1 . An diese Benennungen 
schließen sich die von Naumann (Ed. Hennicke) II, 82 aus dem 
Anhalter Dialekt mitgeteilten Ausdrücke Tideritchen und Schock- 
ruthehen an, die offenbar onomatopoietischer Natur sind. Unklar 
ist der schlesische Name Min bei Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) 
S. 307 ; daneben der Ausdruck gelber Sticherling, der den Vogel 
als Fliegenschnapper bezeichnet. Unter den Namen Stich[er\Ung 

1 Staub-Tobler IV, 186. — 2 Unger-Khull 468. 

3 Wb. d. Luxemburg. Mundart 44). 171. 198. Üb. 

4 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVII, 1. 

5 Wb. d. Luxemburg. Mundart 210. 

6 Zs. f. d. Phil. XXI, 209. 

7 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVII, 1. 2. 



74 Fitislaubvogel, sylvia trochilus, phylloscopus trochilus. 

und Mückenstecher werden mehrere Arten kleiner Singvögel ver- 
standen. 

Das Nest des Gartenspötters besteht aus Hähnchen und 
Wollfasern, Spinngeweben usw. und zeichnet sich durch große 
Sorgfalt und Kunst in der Bauart aus. Daher nennt man den Yogel 
im Münsterkreise Siedenspinner 1 ; bei Woeste Wb. d. westfäl. 
Ma. S. 329 wird der Vogelname Wullenspenner ohne Bedeutungs- 
angabe angeführt. — Luxemburgische Dialektausdrücke sind 
Biervilchen 2 (d. h. Beervögelchen) und Ichteichen, Ichterchen 2 . 
Das letztere Wort scheint = lat. Icterus (griech. iKiepoc) zu sein, 
welches einen kleinen gelblichen Vogel bezeichnet, dessen 
Anblick von Gelbsucht befreien soll. Danach kann man zweifeln, 
ob der Name in volkstümlichem Gebrauch ist. 

Fitislaubvogel, sylvia trochilus. phylloscopus trochilus. 

Von dem Gartenspötter unterscheiden sich die übrigen 
Laubsänger bezüglich ihrer Nistart dadurch, daß jener sein Nest 
auf Bäumen anlegt, während diese wieder tief in dichtem Ge- 
strüpp oder unmittelbar auf dem Boden nisten. In der Form 
erinnern die Nester, welche gewölbt sind und ein seitliches 
Schlupfloch haben, an Backöfen, und dieser Umstand ist oft 
der Anlaß gewesen zur Benennung des Vogels, vgl. z. B. engl. 
ovenbird, oventit, finnisch uunilintu (Ofenvogel) usw. 

In Deutschland sind derartige Benennungen aus den mittel- 
und niederdeutschen Mundarten bekannt. Bereits Gesner erwähnt 
in Hist. avium (1555) S. 762 einen kleinen hübsch singenden 
Vogel, den man in der Gegend um Frankfurt am Main Oefener 
nenne. In Hessen werden die Ausdrücke Backofenkröffer 3 und 
Backöfelchen 3 von dem Fitislaubvogel und dem Zaunkönig 
angewendet, im Münsterkreise und in Recklinghausen ist 
Backüöfken 4 der Weidenlaubvogel. In diesen Zusammenhang 
gehört auch Eädmügelken 4 in Münster als Bezeichnung des 
Fitislaubvogels ; die Bildung ist wohl als Erdmücklein aufzu- 
fassen und im Anschluß an das Wort Grasmücke entstanden. 



1 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 86. 

2 Wb. d. Luxemburg. Mundart 28. 192. — 3 Vilmar 23. 
4 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 85. XVII, 5. 



Waldlaubvogel, sylvia silnlatrix. phylloscopus sibilatrix. 75 

Die Namen Fitis, Fit i inj and Fitichen, welche Naumann 
(Ed. Hennicke) II, 117 aus Beiner heimatlichen Mundart nennt und 
auf denen der heute übliche wissenschaftliche Ausdruck beruht, 

sind von dvn weichen sanften Tonen des Vogels hergeleitet 
Auch in Westfalen kommt der lautnachahmende Name vor; 
es ist leicht, in dem Vogel Filting, dessen Stimme nach V 
Wb. S. 313 füt* lautet, den Fitislaubvogel zu erkennen. In 
Nordtirol lautet der entsprechende Ausdruck Wuiterle 1 . Staub- 
Tobler 1 695. IV, 1119 führen nach Meisner und Schinz die 
Namen Laubvogel und Widenpickerli als Bezeichnungen des 
Fitislaubvogels an. 

TValdlaubvogel, sylvia sibilatrix, phylloscopus sibilatrix. 

Der unbekannte Verfasser der Angenehmen Land-Lust 
(1720) schildert S. 322 einen kleinen Vogel, der im April "feine 
Ankunfft an allen Ecken der Gärten ausruffet" und der unter 
dem Namen das Wifperlein bekannt sei; Popowitsch Versuch (1780) 
S. 628 und Unger-Khull Wortsch. S. 637 nehmen den Ausdruck 
für Steiermark in Anspruch. Der Vogelname ist eine Ableitung 
von mhd. ivispeln 'pfeifen' (imfpeln oder pfeyffen als die Hangen = 
fibilare, Vocab. theuton. Nürnberg 1482 S. oo 3 a) ebenso wie 
steir. Wispert 'Weidenpfeifchen'. 

Die Benennung bezieht sich auf den Waldlaubvogel, dessen 
Stimme aus einer Reihe schwirrender Töne besteht; in Voigts 
Excursionsbuch S. 57 sind sie notiert als e st wst wistist wst 
wist wist wist wististist — sippsippsipsipsipsirrrrrrrr'. Aus diesen 
Lauten erklärt sieh auch der Ausdruck Stbchen 2 m., womit der 
Vogel in Luxemburg bezeichnet wird. Ein anderes luxem- 
burgisches Wort ist Bliedervilchen 2 (d. h. Blättervögelchen). 

Als Synonymon zu Wisperlein wird in der Angenehmen 
Land-Lust S. 115 Weidenzeißlein erwähnt; bei Döbel Erüffn. 
Jägerpr. (1746) S. 66 begegnet ebenfalls der Name Weidenzeisig. 
Dieser Ausdruck — und wahrscheinlich auch Wisperlein — wird 
noch von anderen kleinen Laubsängern angewendet Ans der 



1 Frommann D. Mundarten IV. 56. 

2 Wb. d. Luxemburg. Mundart 35. 408. 



76 Weidenlaubsänger, sylvia rufa, phylloscopus rufus. 

Beschreibung des Yogels in der Angenehmen Land-Lust möchte 
man fast auf den Fitislaubvogel schließen. 

Als österreichisches Synonymon zu Wisperlein führt Popo- 
witsch a. a. 0. Nifferl an. 

Weidenlaubsänger, sylvia rufa, phylloscopus rufus. 

Der kleinste aller Laubsänger ist der Weidenlaubvogel, 
der sich in Erlengebüsch und Weidendickicht aufhält und von 
dort seinen eintönigen Gesang erschallen läßt. Diese charak- 
teristischen Töne des Yogels, die gleichmäßig auf einander 
folgen, hörte Yoigt (Excursionsbuch S. 54 f.) als e dalp dalp 
dalp dalp zip 3 oder 'zilp zilp zilp zalp', und als e zilp-zalp' werden 
sie gewöhnlich auch von anderen Beobachtern der Yogelstimmen 
wiedergegeben. Es ist danach nicht schwer, in dem kleinen 
Yogel, welchen Gesner in Hist. avium (1555) S. 763 Wyderle 
(von Wide e Weide') oder Zilzepfle ee a frequenti uoce Zilzel I uel 
tiltapp 3 nennt, den Weidenlaubvogel wiederzuerkennen. In 
Luxemburg ist er noch heute als Zillzäppchen 1 bekannt Ygl. 
engl, chip-chop, chiff-chaff 2 in gleicher Bedeutung. 

Das immer in gleichem Takt wiederholte e zilp-zalp' des 
kleinen Sängers scheint auch den Schlüssel zum Yerständnis 
des bei H. Sachs im Regim. der Yögel (1531) Y. 104 be- 
zeugten Yogelnamens Flinderling zu liefern, für den sonstige 
Zeugnisse vollständig mangeln. In Nürnberg wurden — wie 
man aus Adelungs Wb. II, 207 ersehen kann — von dünnem 
Messing ausgestanzte Figuren verfertigt, die man Flinder nannte, 
und die Handwerker dieser Art hießen Flinderschläger. Wahr- 
scheinlich ist der Yogelname Flinderling ein Nürnberger Dialekt- 
wort und bezeichnet den Weidenlaubvogel, dessen eintönige 
Hammerschläge an das Hämmern der Flinderschläger erinnerten; 
derselbe Yergleich liegt auch den synonymen Benennungen 
Schmittl, Schmiede! 3 d. h. der Schmied (bei Wien) zugrunde. 
Zu beachten ist noch, daß der Flinderling in dem genannten 
Gedichte mit dem Wüstling die Tischgesellschaft vor Mücken 



1 Wb. d. Luxemburg. Mundart 504. 

2 Swainson The Folklore S. 25. 

3 Naumann-Hennicke II, 103. 



Goldhähnchen, sylvia eristata, regulus regulus. 77 

wehrt, was zu den Eigenschaften des Weidenlaubsängers (bair. 
Mückenvogel 1 ) gu1 stimmt. 

Goldhähnchen, Bylvia eristata, regnlna regnlns. 

Der Name des Vogels Lsl hergeleitet von dem gelben 
Scheitelfleck, der den Vergleich mit einem Hahnenkamm heraus- 
gefordert hat. Diefenbach-Wülckers \Vi>. s. 630 belegi das Wort 
zuerst in der Form golthune (wohl für goUhane) und gMhomdei 
aus zwei Vokabularen des L5. Jhs. Im 16. Jh. erscheint Goldhan 
bei H.Sachs Regim. der Vögel (1531) V. 167, GoMhetdin bei 
Eber und Peucer Vocab. (1552) S. F8a, Goldhenlein in Sibers 
Gemma v. J. 1579 S. 43. Daneben begegnet die bereits erwähnte 
umgedeutete Form mit dem sekundären Dental als Goldhendlin 
in Turners Avium bist. (1544) S. J 5 b und Gesners Hist. avium 
(1555) S. 696. Gesner kennt den Namen aus Frankfurt am Main, 
Straßburg und Baiern, Popowitsch Versuch (1780) S. 139 aus 
Österreich, Franken und Schlesien; ein direktes Zeugnis aus 
Schlesien ist Gold Hänlin bei Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) 
S. 345. Zu den schon angeführten sächsischen Belegen kommt 
noch Gold- Hähngen in Döbels Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 66. 
Aber der Name ist auch auf niederdeutschem Sprachgebiete 
bekannt; das Korrespondenzbl. f. ndd. Sprach! XVI, 85 bezeugt 
Goldhüinken aus dem Münsterkreise. — In der Schweiz findet 
sich neben Goldhäneli 2 auch die umgestaltete Namensform 
Goldhämmerli' 1 , die im Anschluß an den Namen der Goldammer 
entstanden ist; ebenso ist Goldhämmerchen oder GoldhämmelcJun ; 
im Anhalter Dialekt die Bezeichnung des Yogels. In Steiermark 
kommt neben Goldhahnl* der Ausdruck Asterhahnl* (im Enns- 
tal) vor. 

Als lokale Benennungen des Goldhähnchens nennt Gesner 
a. a. 0. Straffte 'Sträußchen' (aus Bern), Thannmeißle Tannen- 
meislein' und Ochfeneugle 'Ochsenäuglein'; das letztgenannte Wort, 
das auf die Kleinheit des Vogels zielt, ist eine Nachbildung 

1 Naumann-Hennicke II, 103. 

2 Staub-Tobler I, 218 und II, 1307. 

3 Naumann-Hennicke II, 224. 

4 Unger-Khull 30. 299. 



78 Drosselrohrsänger, sylvia turdoides u. a. 

des ital. Namens occhio bovino (= frz. dial. ceil de boeuf 1 ). Wegen 
seiner Kleinheit heißt der Vogel bei Popo witsch a. a. 0. S. 160 
auch der teutfche Kolibri. Der Name Wald Zinslin 'Waldzeisig', 
den Schwenkfeld a. a. 0. erwähnt, soll sich auf den "sittichgrünen 
Rücken" beziehen, s. Popowitsch a. a. 0. 

In der Eifeler Mundart benennt man das Goldhähnchen 
mit dem Eigennamen Geliert (eigtl. Goldhart?) 2 , in der Heanzer 
Mundart heißt es GuldstangerP n. (vgl. Stangel 'kleines Stück'), 
in Luxemburg Dommendek* (d. h. Daumendick). Luxemburg. 
Domenek^ m. ist umgebildet aus der vorhingenannten Namens- 
form im Anschluß an den gleichlautenden Eigennamen (Dominik). 
Eine dritte Namensform ist Doumvilchen*. 

Gelegentlich gibt man dem Goldhähnchen den Namen 
Sommerkönig, im Gegensatz zu dem Zaunschlüpfer, welcher der 
Winterkönig ist, vgl. z. B. Klein Hist. av. prodr. (1750) S. 76. 
In volkstümlichem Gebrauch dürfte dieser Ausdruck jedoch nicht 
sein; die lebenden Mundarten halten immer den Zaunschlüpfer 
für den König der Yögel. Tgl. auch Zaunkönig S. 80 ff. 

Rohrsänger, Calamoherpinae. 
Drosselrolir sänger, sylvia turdoides u. a. 
Die Kohrsänger werden in den meisten Gegenden einfach 
als Rohrsperlinge benannt und teilen diesen Namen mit der 
Kohrammer (emberiza schoeniclus), s. Rohrammer S. 108. Der 
Vergleich mit dem Sperling mag zum Teil auf der Ähnlichkeit der 
Gestalt und Färbung beruhen, zum Teil mag dabei auch das 
laute Geschnatter dieser Yögel mitgewirkt haben. Besonders der 
Drosselrohrsänger (sylvia turdoides, acrocephalus arundinaceus) 
zeichnet sich durch eigentümliche Töne aus, die aus mehreren 
Kehlen hervorgebracht eine ohrenbetäubende Wirkung machen. 
Voigt 5 umschreibt den Gesang dieses Vogels mit e karr karr 

1 Rolland Faune populaire II, 302. 

2 Frommann D. Mundarten VI, 14. 

3 Frommann D. Mundarten VI, 344. 

4 Wb. d. Luxemburg. Mundart 66. 

5 Excursionsbuch S. 65. 



Drosselrohrsänger, sylvia turdoides u. a. 79 

karr kiet kiel Irietf; daher deT holländische Name KarraJIM, in 
Mecklenburg Karrakarraktktk 1 . In Deutschland hal dieser Ge- 
sang "der dnllcn Rohrsperlinge" ■ die Redensari "schimpfen wie 
ein Rohrsperling" hervorgerufen. 

In IFist. avium (1555) beschreibl Gtesner 8. 627 einen 
Vogel, den die Vogelfänger der Schweiz Wydenfpatz 'Weiden- 
spatz' nennen und der in der Straßburger Gegend als Rorgytz 
odrv Eorgeutz bekannt ist; aus der Beschreibung wird man 
nicht recht klug, welche Art Rohrsperlinge hier gemeint ist 
Der Name, der auch im Strassburg. Vogelb. (1554) V. 437 be- 
zeugt ist beruht auf einer älteren Form *B6rgickez(> (zu gickezen 
> gitzeti, wie mhd. guckezen > gützen, Gatz-gauch); die Frequen- 
tativbildung gickezen (aus gickeri) gehört zu dem onomatopoie- 
tischen stamme gick, der auch in anderen Vogelnamen, wie 
Gucker, Gickerlein, zur Anwendung kommt. 

Überhaupt gleichen die einzelnen Arten der Rohrsänger 
einander derartig, daß es einem Ungeübten schwer fällt, sie 
von einander zu unterscheiden; daher werden sie auch gewöhn- 
lich mit dem gemeinsamen Namen Bohr Sperling (bei Klein Hist. 
av. prodr. (1750) S. 72 Bruch-Broffel, Weiden-Broffel, Bohr-Broffel) 
bezeichnet 

Der Drosselrohrsänger führt in Luxemburg den Namen 
Jeizert* m. (eigtl. Schreihals, zu jeizen 'schreien'). 

Luxemburgische Dialektausdrücke für den Sumpf sänger 
(sylvia palustris, acroeephalus palustris) sind Wässer grätsch* f. 
(d. h. Wassergrasmücke), Weidepeiferchen* m. (d. h. Weiden- 
pfeiferchen), Weideschlöfferchen 8 m. (d. h. Weidenschlüpferchen) 
und Hiddemecher s m. (d. h. Hutmacher); im Münsterkreise heißt 
der Yogel Leisdragge 1 (d. h. Rohrgrasmücke) und Beidmese l (d. 
h. Rohrmeise). 

Der Teichrohrsänger (sylvia arundinacea, acroeephalus stre- 
perus) wird in Preußen Rohnorangd 4 m. (zu (w)rangen 'ringen') 
genannt. 



1 Schiller Zum Tierbuche II, 16. 

2 Aitinger Bericht v. d. Vogelstellen (1631) S. 335. 

3 Wb. d. Luxemburg. Mundart 180. 199. 477. 480. 

4 Frischbier II, 231. 



80 Zaunkönig, troglodytes europaeus. 

Schlüpfer, Troglodytinae. 

Zaunkönig, troglodytes europaeus. 

Ahd. wrendo: Sg. Nom. — uurendo betriscus: cod. Parisin. 
9344 f. 42 b, uurendilo: cod. sem. Trevir. f. 112 b, vurendelo: cod. 
Guelpherbyt. Aug. 10. 3. 4o f. 89 a, vuertlo : cod. Berol. Ms. lat. 8<> 73, 
124 a. uurentol: cod. sem. Trevir. R. III. 13, 104 a. r{entil6) (biturus) 
l rupido : Cgm. 187. rentile biturus l rupido : cod. Oenipont. 711, 30 b 
(13. Jh.). renzilo bitunvs; C od. Vatic. Reg. 1701, 2b. 

In dem spärlich belegten ahd. wrendo, tvrendilo ist ein 
alter Name des Zaunkönigs bewahrt. Zu wrendo stimmen ags. 
wrcenne 1 , me. wrenne, ne. wren mit gleicher Bedeutung; die 
Worte weisen auf eine gemeinsame Grundform *wrandian-, wo 
ein lautgesetzlicher Schwund von d eintreten konnte, vgl. Kluge 
Vorgeschichte 2 § 55 a. Eine andere Ablautstufe scheinen anord. 
rindill (in rindilpvari, Snorra-Edda II, 489 3 ), isländ. rindill 
(Fritzner Ordb. III, 114 und Cleasby-Vigfusson Icel. dict. S. 497) 
zu haben; die Bildung ist hier dieselbe wie im deutschen 
wrendilo, wo das Suffix ila(n)- deminutive Bedeutung hat. In 
Kluge-Lutz' English Etymology S. 231 wird die Vermutung aus- 
gesprochen, daß der Vogelname mit ahd. asächs. (w)renno 'Zucht- 
hengst' identisch sei. Aber abgesehen von semasiologischen 
Bedenken, die die Zusammenstellung der beiden Worte erweckt, 
scheint das Wort wreno 'Hengst' eine ältere Lautstufe wrainio 
vorauszusetzen, vgl. Palander Ahd. Tiernamen I, 87 f. — Die ahd. 
Belege des Vogelnamens deuten auf mittelfränkisch-niederfränk. 
Sprachgebiet ; daher wird man die in cod. Vatic. Reg. 1701 
belegte Form renzilo für eine falsche Verhochdeutschung des 
Schreibers halten können. 

Ein anderer althochdeutscher Name des Zaunkönigs ist 
kuningilin 'Königlein', das in den Versus de volucribus als 
cuni(n)gilin, kuninc (= pitrisculus) und in H. S. III, 17 ebenfalls 
als kunicli, chunegel, kunich belegt ist. An den König-Namen 



1 Whitman The birds of Old English Literature XX schreibt un- 
richtig wr&nne mit Längezeichen und identifiziert den Namen mit dem 
Adj. wrdene 'geil 5 . Die Kürze des Stammvokals wird schon durch die 
Nebenform woerna erwiesen. 



Zaunkönig, troglodytes europaeus. 81 

knüpft sich die weitverbreitete Sage von der Königswahl der 

Vögel. 

Kinos Tages sammelten sich alle Vögel — so erzählt diese 
Sage — um einen aus ihrer Mitte zum König zu wählen. Die 
Krone sollte demjenigen zuerkannt werden, der beim Wettfliegen 

sicli in die höchsten Luftregionen aufschwingen könnte. Der 
Adler erhob sich höher als alle anderen, aber als er siegesfroh 
wieder sich senken wollte, schwang sich ein kleines Vögelchen, 
das unbemerkt auf den Rücken des Adlers geschlichen war, 
noch höher in die Luft hinauf. Trotz dem Zorn des Adlers 
wurde das Königreich diesem Vogel — dem kleinsten von 
allen — zugesprochen, und er wurde mit einer Krone ge- 
schmückt. — Die Sage ist alt. Schon Plinius Naturalis hist. X, 74 
spielt auf sie an, indem er sagt: "[Dissident] aquilao et trochilus, 
si credimus, quoniam rex appellatur auium"; auch bei Aristo- 
teles Hist. animalium IX, 11 findet man eine ähnliche Anspielung. 

Die verschiedenen Sprachen erteilen die Königswürde ent- 
weder dem Goldhähnchen oder dem Zaunschlüpfer; in Deutsch- 
land ist der letztgenannte Vogel der anerkannte König. Daß aber 
das Goldhähnchen der echte König war, dafür spricht die Krone, 
mit welcher die Natur es ausgestattet hat — die lebhaft ge- 
färbten Kopffedern, die, wenn sie gesträubt werden, eine kronen- 
artige Form annehmen. Es besteht kaum Zweifel daran, daß 
gerade dieser eigenartige Kopfschmuck des Vogels die Sage 
von der Königswahl « veranlaßte, wie auch Unland bereits ver- 
mutet hat. 

Der lat. Name regulus bezieht sich auf das Goldhähnchen, 
ebenso die griechischen Ausdrücke ßctciXeuc, ßaciXicKoc und 
Tupavvoc. Mit der Sage eng verbunden ist der Königsname für 
die beiden Zwerge der Vogelwelt bei verschiedenen Völkern 
zu finden, vgl. afrz. rottetet, rottet, lit. karalius, poln. krolik usw. 
Man darf annehmen, daß die Sage und der Name durch antiken 
Einfluß sich verbreitet haben und daß sie zu den Deutschen 



1 Die Sage vom Zaunkönig ist behandelt worden von Pfeiffer in 

Germania VI, 80ff., Unland Fabellieder in den Schriften zur Geschichte 

der Dichtung und Sage III, 83, Hildebrand in Grimms Wb. V, 1700 f.; vgl. 

auch Swainson The Folklore S.35ff. und Rolland Faune populaire II, 293 ff. 

Suolahti, Vogeluamen. 6 



82 Zaunkönig, troglodytes europaeus. 

erst in christlicher Zeit gekommen sind. Denn die übrigen alt- 
germanischen Idiome wissen nichts von dem Königsnamen ; der 
altgermanische Name des Zaunkönigs war das bereits erwähnte 
ahd. wrendo. — Daß in Deutschland und größtenteils auch in 
Frankreich der Königsname von dem Goldhähnchen auf den 
Zaunkönig überging, kann man aus der viel größeren Popularität 
erklären, welche der letztere Yogel hier genießt. Sobald der 
eigentliche Grund der Sage vergessen war und nur der Gegen- 
satz von dem größten und dem kleinsten Yogel übrig blieb, 
war es natürlich, daß die Sage sich an die vielen anderen 
Legenden und Vorstellungen anschloß, welche sich an den 
Zaunkönig bei den westeuropäischen Yölkern knüpfen. 

Das althochdeutsche kuniclin, vor dem der altgermanische 
Name wrendo zurückwich, wird im 15. Jh. z. B. in dem Yocab. 
theuton. (1482) S. r 7 b als kuniglein überliefert und unzweideutig 
auf den Zaunkönig bezogen ; schon früher wird diese Bedeutung 
von Albertus Magnus bezeugt. In dieser einfachen Namensform ist 
das Wort an einzelnen Orten bis in die Neuzeit hinein erhalten 
geblieben, vgl. Chünigli, Chüngeli 1 n. in der Schweiz, Künigle 2 
n. in Liebsdorf im Elsaß, Kinniachal 3 n. in der Heanzer Mundart; 
auch verdeutlicht als Kineksvilchen 4 - in Luxemburg, Königvögerl b 
in Steiermark. 

Weit üblicher sind aber in den heutigen Mundarten Zu- 
sammensetzungen mit dem alten Namen, wo das erste Kom- 
positionsglied irgend eine Eigenschaft des Yogels hervorhebt. 
Bereits im 15. Jh. begegnet in Niederdeutschland der Ausdruck 
nettelko(n)ni(n)c 6 (Diefenbach Glossar. S. 413 c, Nov. glossar. S. 281 a). 
Der Yocab. theuton. (1482) S. x 4b verzeichnet neffelkunig in 
hochdeutscher Form, aber die Glosse stammt ohne Zweifel aus 
Niederdeutschland wie manches andere Wort in diesem Yoka- 
bular. Gesner Hist. avium S. 626 kennt Neffelkunig aus der 
Gegend um Rostock ; heute kommt der Ausdruck Nettelkönning 7 



1 Staub-Tobler IU, 327. — 2 Martin-Lienhart I, 447. 

3 Frommann D. Mundarten VI, 333. 

4 Wb. d. Luxemburg. Mundart 223. — 5 Unger-Khull 4Q3. 

6 Vgl. auch Jb. f. ndd. Sprachf. VI, 127. XVI, 113. 

7 Schiller Zum Tierbuche II, 17. 



Zaunkönig, troglodytes curopaeus. 83 

in Mecklenburg, Nwtdkfonink* in Westfalen, Nette/könink 2 in 
der ostfriesischen Mundart vor. Der Name zielt auf das Schlüpf en 

des Vogels im Gras und Gestrüpp hin. 

Da er auch dm Winter in Deutschland verbringt und 

mitten im Schnee und Eis sein munteres Lied ertönen Läßt, 
hat man ihn in Mitteldeutschland Schneekönig getauft Gesner 
ji. a. 0. S. 626 bezeichnet Schnykünig als sächsisch, daher denn 
auch Schneeköning bei Eber und Peucer Yocab. (1552) 8. F 8 a. 
Für Schlesien wird dieser Ausdruck von Schwenkfeld Hier. Sil. 
(1603) S. 324 und für Böhmen durch Popowitsch Versuch S. 633 
bezeugt; in Thüringen ebenfalls Schneekönig z und in Oberöster- 
reich Schneekinigerl*. Eine andere Variante ist Winterküninck, 
das Gesner aus Rostock anführt ; undl. winterkongje. Diefenbachs 
Glossar. S. 413 c belegt das niederdeutsche Wort als winterkoninc 
schon aus einem Vokabular v. J. 1420. 

Auf die gleiche Anschauung wie Nesselkönig geht der 
Name Dornkönig zurück; Gesner führt ihn in der Form Thurn- 
könick aus Sachsen an. Ein tirolischer und kärntischer Dialekt- 
name ist Pfutschkini, Pfutschkünig' (zu pfutschen 'schlüpfen'). 

In den westlichen Gegenden von Deutschland ist der Zaun- 
schlüpfer der Mäusekönig. Aus dem Elsaß, wo Müskünig 6 heute 
weit verbreitet ist, bezeugt das Strassburg. Vogelb. v. J. 1554 
V. 537 Meuß konig als volkstümlichen Namen des Vogels. Im 
Norden reicht er über das pfälzische Sprachgebiet hinaus als 
Meiskinek 7 in das Luxemburgische und als Muysconinxken (bei 
Junius Nomenciator (1581) S. 60 b) in das Niederländische. 

Von allen zusammengesetzten Namensformen, welche auf 
dem alten Königsnamen beruhen, hat der Ausdruck Zaunkönig die 
weitaus größte geographische Verbreitung ; er ist heute auf dem 
gesamten deutschen Sprachgebiete bekannt. Zuerst tritt der Aus- 
druck im 15. Jh. (in einem mitteldeutschen Glossar) 8 auf. im 
16. Jh. begegnet er bei Turner Avium hist. (1544) S. H 7a, Eber 



1 Woeste 185. — 2 Jb. f. ndd. Sprachf. XI, 112. 
3 Hertel 217. — 4 Zs. f. d. Phil. XXI, 219. 

5 Frommann D. Mundarten IV, 55. 487. VI, 304. 

6 Martin-Lienhart I, 447. — 7 Wb. d. Luxemburg. Mundart 282. 
8 Diefenbach Glossar. S. 413 c. 490 b. 

6* 



84 Zaunkönig, troglodytes europaeus. 

und Peucer Yocab. (1552) S. F 8 a, Siber Gemma (1579) S. 43. 
Es sieht aus, als ob das Wort aus Mitteldeutschland ausgegangen 
wäre und sich dann südwärts verbreitet hätte, denn für Gesner 
gilt der Ausdruck noch als sächsisch, und die früheren ober- 
deutschen Quellen haben dafür andere Bildungen. Auch heute 
scheint der Name in Oberdeutschland nicht recht heimisch zu 
sein. Die ältere oberdeutsche Benennung ist Zaunschlüpfer, 
welches schon im 13. Jh. in der alten Bildungsweise zünsluphe 
(Ahd. Gll. III, 714 38 ) begegnet; daneben die ila- Ableitung zün- 
sluphil auch schon seit dem 13. Jh. in den Yersus de volucribus 
(Ahd. GU. III, 24 16 . 28 26 - 27 . 29 5 ) belegt. Im 15. Jh. ist zawn- 
flupffel im Yocab. theuton. (1482) S. r 7 a, zunfchlijpfel in Bracks 
Yocab. v.J. 1495 S. 49 a verzeichnet; im 16. Jh. Zaun fchlilpff er- 
lin in Kyffs Tierb. Alberti (1545) S. K 5 a, Zaunfchlipffldn, 
Zunfchlipffle bei Gesner a. a. 0., Zunfchlüpffer im Strassburg. 
Yogelb. (1554) Y. 541 usw. Neben Zaunschlupfer und Zaun- 
schliefer kommt in Steiermark auch die Namensform Zaunkerl 1 
(in Tirol Zaunkonkerl 2 ) n. vor, im Elsaß die Kurzform Zümerle^n. 
neben Zum{eri)schlüpfer(le) z (zu Zum e Zaun') und Hag schlüpf erle 5 
(d. h. Heckenschlüpferlein) nebst anderen Yarianten ; Zaunling bei 
Henisch-Wizaldus 900 Geheimnuss S. 333, Zäunert bei Goekingk 
Gedichte (1782) II, 51. In Mecklenburg und Göttingen und 
Grubenhagen gilt Tünkrüper(ken) 4 , in Schlutup Tünhüpper 5 , in 
Preußen Tünkeschliker 6 = hd. Zaunchenschleicher*, in Ostfries- 
land (Hdge)krüperke 7 (d. h. Heckenkriecherchen). 

Einige Dialektnamen des Zaunkönigs sind von seiner 
Stimme hergeleitet. Charakteristisch für diese sind die schnurren- 
den zerrr-Laute, welche nach Yoigt Excursionsbuch S. 84 mit 
kurzen harten zick- oder tjick-Lauten abwechseln. Im Elsaß nennt 
man den Yogel Zisele* (d. h. Zeisig), auf Helgoland Tjürk, Tjürn 9 ; 
der letztgenannte Name geht von den schnurrenden Lauten aus, 
die dem Zaunkönig im Anhalter Dialekt die Benennung Zaun- 

1 Unger-Khull 644. — 2 Zs. f. d. Phil. XXI, 210. 

3 Martin-Lienhart II, 455. 470. 904. 

4 Schiller Zum Tierbuche II, 17, Schambach 236. 

5 Korrespondenzbl. f. ndd. Spiachf. XVI, 84. 

6 Frischbier II, 488. — 7 Jb. f. ndd. Sprachf. XI, 113. 

8 Martin-Lienhart II, 915. — 9 Frommann D. Mundarten III, 32. 



Zaunkönig, troglodytes europaeus. K5 

schnurz 1 und im Elsaß Zünschnärzer* (vgl Ifisteldn 

s. 60) eingetragen haben. Zu dieser Namensgruppe gehören 

noch ostfries. Tünkrtter* (zu fcrftöti 'schreien', vgl. westfäl. Kftt- 

s/nihre) und «»Im»' Zweifel auch elsäss. Zümenriger 1 . Dieses Wort 
ist in seinem zweiten Bestandteile identisch mit den alten 
Straßburger Ausdrücken Reger, Rieger, die Regenpfeifer be- 
zeichnen, ferner auch mit elsäss. Rigerle 'Grille*. Diese Bcheinen 
mit steir. Regerl 'Krickente' lautmalende Worte zu sein; 
vgl. steir. regeln 'schnattern'. — Da das Pfeifen des Zaunkönigs 
als Zeichen des Regens gilt, hat er in Nassau den Namen 
Naßarsch, Naßaschelche :> erhalten. 

Schließlich hat auch die Winzigkeit des Vögelchens eine 
Menge mundartlicher Benennungen desselben veranlaßt. Gesner 
nennt unter den Synonyma, die er zusammengetragen hat, den 
Ausdruck Dumeling (d. h. Däumling), den Woeste Wo. S. 62 s. v. 
Dihnling als westfälisches Wort verzeichnet (ndl. Dumeling bei 
Junius Nomenciator (1581) S. 60 b); im Elsaß kommen die Namen 
Dümenzwitscherle und Düme?ischlupferle 6 vor. Auch in Schweden 
nennt man den Zaunkönig tummeliten, in Dänemark tommeliden 
'Däumling*. Ähnliche Ausdrücke sind noch Zitzerl 1 n. (eigtL 
kleines Stückchen) in Österreich und Steiermark, Zivergvogerl 1 
in Steiermark, Müsevogel 8 (vgl. oben Mäusekönig) in der Schweiz, 
Zonkbutz m., Zonkebitzchen d m. (aus Zonh 'Zaun' und Butz 'Ge- 
schöpfchen 5 ) und Spizelek 9 m. (zu spizech 'schmächtig') in 
Luxemburg, Gröt- Jochen 10 (d. h. Groß- Joachim) in Mecklenburg. 
Die südöstlichen Synonyma Buserle (d. h. Nüßchen) und Ochsen- 
ögele, die in Frommanns D. Mundarten IV, 55 erwähnt werden, 
sind Übersetzungen der entsprechenden italienischen Namen. 

Das backofenförmige Nest des Zaunkönigs, welches an die 
Nester der Laubsänger erinnert, hat die Benennungen Back- 
öf eichen, Backofenkröffer 11 in Hessen, Backofenschhqrfer 1 ' 2 in der 

1 Naumann-Hennicke II, 197. — 2 Martin-Lienhart II. 508. 
3 Jb. f. ndd. Spracht XI, 113. — 4 Martin-Lienhart II, 243. 
5 Kehrein 291. — 6 Martin-Lienhart II, 470. 928. 

7 Popowitsch Versuch S. 633, Unger-Khull 650. 659. 

8 Staub-Tobler I, 695. — 9 Wb. d. Luxemburg. Mundart 415. 508. 
10 Schiller Zum Tierbuche II, 17. — 11 Vilmar 23. 

12 Heeger Tiere im pfälz. Volksmunde S.U. 



86 Wasseramsel, cinclus aquaticus. 

Pfalz und Backowelken, BacJcöivenkrüperken 1 n. in Göttingen und 
Grubenhagen veranlaßt. 

Wasser Schwätzer, Cinclus. 

Wasseramsel, cinclus aquaticus. 

Der Name begegnet zuerst bei Gesner Hist. avium (1555) 
S. 584 neben dem Synonymem Bachamfel. Heute sind diese Aus- 
drücke die üblichen Bezeichnungen des Vogels, doch variiert das 
zweite Kompositionsglied nach den mundartlichen Synonyma 
des Amselnamens, vgl. westfäl. Wätergaidling 2 , luxemburg. Bach- 
mierel, Wdssermerel 3 : Sonst wird die Wasseramsel auch als Star 
aufgefaßt und benannt, vgl. altwestfäl. bikistam bei Woeste Wb. 
S. 317, luxemburg. Wdsserspron^ ; ähnlich nndl. water spreeuw, 
norweg. strömstare. Die blendend weiße Kehle des Yogels hat 
in Westfalen den Namen Kelwitte, Kidlivitte^ (eigtl. Kehlweiß) 
veranlaßt, der aus demselben Umstellungsprinzip hervorgegangen 
ist wie Schweiz. Bruströteli, thüring. Kälredchen u. a., s. S. 40. 

Braunelle, Accentor. 
Heckenbraunelle, accentor modularis. 

Das Wort Braunelle macht den Eindruck eines Fremdworts, 
ist aber ohne Zweifel eine einheimische Bildung. Für Gesner 
gilt der Name als ein Ausdruck der Vogelfänger: "Prunellas 
aueupes nostri vocant auiculas a colore qui obscure ruffus est", 
Hist. avium (1555) S. 627. Doch ist das Wort im 16. Jh. auch 
schon in weiteren Kreisen bekannt, denn Hans Sachs erwähnt im 
Kegim. der Yögel (1531) Y. 119 das Pralinellen (: Zimelschellen) ; 
in der Angenehmen Land-Lust (1720) S. 107 und in Zorns 
Petino-Theologie (1742) II, 390 wird Braunellein, bei Klein Hist. 
avium prodr. (1750) S. 79 Braunelchen geschrieben. 

Der Name ist eine Ableitung von mhd. brün e braun 5 und 
bezieht sich auf das Gefieder des Vogels, welches aus braunen, 
rötlichen und grauen Federn besteht. Parallele Benennungen 
in anderen Sprachen sind frz. brünette, mittelengl. donnek, neuengl. 

1 Schambach 15. — 2 Woeste 317. 

3 Wb. d. Luxemburg. Mundart 15. 478. — 4 Woeste 124f. 



Heckenbraunelle, accentor modularis. 87 

dunnoek (zu dun 'braun'); beute kommt Brand, Brunle m der 

Schweiz als Name brauner Kühe und Pferde vor. Der Vogelname 

*brünele ist dann mit dem Pflanzennamen liruncllr oder liraunelle 
zusammengefallen. 

Wegen der schieferfarbigen Brusl beiß! der Vogel in 
Luxemburg BUkchö&er 1 (d.h. Blauscheißer). Offenbar isl auch das 
ndd. Synonymon Iserling in Gtöttingen und Grobenhagen als 
eine Ableitung von tser 'Eisen' zu verstehen und auf die Farbe 
der Braunelle zu beziehen; vgl. norweg. jernspurv (d. b. Eäsen- 
sperling). 

Luxemburgische Ausdrücke sind ferner Heckesteisser l (d. 
h. Heckenstößer) und Zonkschlöffer x (d. h. Zaunschleieher). Im 
Münsterkreise nennt man den Vogel Piepvngel 2 , in der Graf- 
schaft Ranzau Heidpiper 2 , in der Schweiz Muggenbicker 3 und 
Herdvögeli*. 

In den Alpen wohnt eine verwandte Art von Braunellen, 
die lerchengroße Alpenbraunelle oder Alpenlerche (accentor 
alpinus, collaris), welche in der Schweiz mit den Namen 
Bluemvogel, Bliiemdvogel, Gadenvogel, Gadenröteli z bekannt ist. 
Wegen des vibrierenden Pfeifens nennt man sie hier auch 
Tüiteli. Trittli 3 , in Tirol Berggrötscherle 4 (vgL steir. gritschen 
'zirpen'). Wahrscheinlich ist auch der Ausdruck Jochlisper, den 
Schmeller-Frommann Bayer. Wb. II, 680 für einen kleinen Alpen- 
vogel anführen, die Bezeichnung der Alpenbraunelle. In Baiern 
werden gewisse Stellen in der Alpenkette Joch genannt ; der Vogel- 
name hängt mit diesem Ausdruck zusammen und bedeutet dem- 
nach "Berglisper 9 oder 'Bergsperling' (zu -spar > -sper 'Sperling'). 

Bachstelzen, Motacillinae. 

Weiße Bachstelze, motacilla alba. 

Wegen der steifen stelzenartigen Gangart hat die Bach- 
stelze im Althochdeutschen den Namen wazzerstelza-, d. h. 'Wasser- 
stelzler': wazzerstelza luciliis: Versus de volucr. ydrox: H. 8. 

1 Wb. d. Luxemburg. Mundart 37. 172. 508. 

2 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 86. XVII. 2. 

3 Staub-Tobler I. 694. IV, 1119. 

4 Frommann D. Mundarten IV, 52. 



88 Weiße Bachstelze, motacilla alba. 

III, 17. tappula: Gll. Salomon. a 1. Daneben ist auch ivazzerstellia 
(= tappus 1 ) in cod. Lugdun. Voss. lat. 4° 51 f. 162b belegt, und 
diese Form wird bestätigt durch wazzerstella (= ydrox) in H. 
S. III, 17 : cod. mon. herem. 171, 24. — Ahd. ivazzerstelza ist eine 
dem oberdeutschen Sprachgebiete gehörende Namensform, welche 
in den alemannischen und schwäbischen Quellen des 15./16. Jhs. 
öfters begegnet. Heute gilt diese Bildung im Elsaß, in Schwaben, 
in der Schweiz und als Wasserstelzer 2 m. auch in Steiermark. 
Auf dem mitteldeutschen Sprachboden ist Waffer fteltz bei Turner 
Avium hist. (1544) S. D 3a und wohl danach bei Eber und Peucer 
Vocab. (1552) S. F4a bezeugt; in mitteldeutschen Mundarten 
ist das Wort nicht geläufig. 

Dagegen ist die heute in der Schriftsprache geltende 
Form Bachstelze sowohl in Oberdeutschland wie in Mitteldeutsch- 
land heimisch. Sie erscheint zuerst in bairischen Handschriften 
des 14. Jhs.: pachsteltz in cod. Oenipontan. 355, 15 a, cod.Vindob. 
3213, 116 b, pachstelze in Clm. 4350, 3 a (Ahd. Gll. III, 28 25 
u. 30 33 ), schwäb. bachstelz in fol. Stuttgart. (Ahd. Gll. III, 28 25 ); 
im 15. Jh. ist das Wort öfters in oberdeutschen und mittel- 
deutschen Glossaren belegt. Von den Autoren des 16. Jhs. haben 
H. Sachs Regim. der Yögel (1531) V. 143 die Maskulinform Pach- 
steltz, Eber und Peucer Yocab. (1552) S. F 4a Bachsteltz, Waffer- 
fteltz, Gesner Hist. avium S. 593 (1555) Wafferfteltz und Bach- 
fteltz, das Strassburg. Yogelb. (1554) Y. 454 Bachfteltzen (PL). 
Heute kommt im Elsaß neben Bachstelz 3 f. ein maskulines 
Bachstelzer 3 vor, in Schwaben ist Bachstelz 4 ' (woneben die um- 
gestaltete Form Bockstelz 4 ) regelmäßig maskulinen Geschlechts. 
Eine landschaftliche Verschiedenheit in der Anwendung der Aus- 
drücke Bachstelze < *ahd. bachstelzo, -a e Bachstelzler(in)' und Wasser- 
stelze scheint auf oberdeutschem Sprachgebiet nicht bestanden zu 
haben, vielmehr findet man sie als parallele Synonyma. In der 
Straßburger Gegend z. B. gebraucht Baldner Vogelb. (1666) 

1 Sonst ist nur das Deminutiv tappula belegt ; in der Hs. . . azzer- 
stellia. (Steinmeyer). — Unsicher ist, ob stibola = stelze in Ahd. Gll. IV, 
217 64 als tippula (= tappula) = tvazzerstelze aufzufassen ist, wie Stein- 
meyer a. a. 0. vermutet ; stibola gehört wohl eher zu stiua. 

2 Unger-Khull 621. — 3 Martin-Lienhart II, 594. 
4 Fischer I, 562. 



Weiße Bachstelze, motacilla alba. 89 

S. 71 den Letzteren Ausdruck, im Gegensatz zu dorn Verfasser 
des Vogelbuchs v.J. L554, der nachstehe verwendet 

Verschieden von diesen Namensformen sind mitteldeutsche 
und niederdeutsche Komposita, die als zweiten Teil das Wort 
Stürz (ndd. Stört) aufweisen. Diese weisen auf den beweglichen, 
fortwährend wippenden Schwanz des Vogels hin und schließen 
sieh an eine Reihe von Synonyma anderer Sprachen an, welche 
die Bachstelze von demselben Gesichtspunkte aus benennen, 
vgl. z. B. engl, wagtail, diin. rumpevrikker, frz. hoche-queue, 
ital. squassa-cod«, auch griech. ceicoTTUTic. In Niederdeutschland 
sind derartige Bildungen schon in mittelalterlichen Glossaren 
bezeugt. Die mnd. Variante quikstert, que/c[e)stert gehört zum 
Adj. quik lebendig' (qneken 'beleben'), doch mag bei den Formen 
mit e im Stamme auch Anlehnung an quek 'Vieh' bestanden 
haben (vgl. Viehstelze, Kuhstelze und auch Bockstelze), wie in 
der Form quakstert an quaken 'schwatzen'. Auf diesen älteren 
Namensformen beruhen jetzt Kivickstert in Altmark 1 , Lippe 2 , 
Lübeck 3 , Quickstyärt im Münsterkreise 4 , Queckstert in Hol- 
stein 4 , im dl. kwikstaart, ostfries. Kivikstert 5 ; schwed. quickstjert 
stammt aus dem Niederdeutschen. In Preußen kommt neben 
Quekstert 6 (Queksterz) und Quikstert 6 (Quiksterz) auch Quekstelz 6 
vor, die eine Kompromißform von den vorhingenannten Worten 
und dem hochd. Bachstelze ist. 

Eine andere Variante ist Wippstert (je) (zu nippen) in 
Ostfriesland 5 , Westfalen 7 , Holstein 4 , Fallersleben 8 , Göttingen 
und Grubenhagen 9 , Altmark l , den niederdeutschen Bezirken 
von Hessen 10 und in Preußen, wo auch die Bildungen Wip~ 
2)(en)zagel n (Wöppzägel) und Wippquecksterz 11 vorkommen; dän. 
vipstiert ist ein ndd. Lehnwort. — Eine oberdeutsche Parallele 
Wipperer wird in Unger-Khulls Wortsch. S. 631 aus Steiermark- 
angeführt. 



1 Danneil 2.-2 Frommann D. Mundarten VI, 365. 

3 Schumann Zs. f. d. Wf. IX Beih. S. 3. 

4 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 83. XVII, 4 f. 

5 Jb. f. ndd. Sprachf. XI, 112f. — 6 Frisclibier II, 202. 
7 Woeste 326. — 8 Frommann D. Mundarten V, 296. 

9 Schambach 300. — 10 Vilmar 455. — 11 Frischbier II, 202. 



90 Weiße Bachstelze, motacilla alba. 

Eine dritte Variante ist mnd. ivagestert (zu ivagen e sich 
bewegen'), wovon Wagenstertje 1 in Altmark und Fallersieben 2 
eine Urnbildung ist. Auf hochdeutschem Gebiet entspricht 
wegstarcz (zu wegen 'bewegen') in einer Handschrift aus dem 
15. Jh. (Ahd. GH. III, 28 25 ). 

Auch die Form Bewesterz 3 (d. h. Bebeschwanz) kommt (in 
Göttingen und Grubenhagen) vor. 

Schwer zu beurteilen ist begistarz, begisterz (= sepicedula) 
in Heinrichs Summarium III, 17 (cod.Vindob. 2400, 42 a, Clin. 
2612, 24b, cod. mon. herem. 171, 24, cod. sein. Trevir. 31, 15a, 
cod. princ. de Lobkow. 434, 9 a, bechsterz : cod. Darmstad. 6, 27 a, 
begester: Clm. 23796, 173a; dazu aus den Versus de volucribus 
bechesterze im Kölner DoppelbL, Ahd. Gll. III, 31 85 ). Die Belege 
weisen auf die westmitteldeutsche Mundart, und hier begegnen 
heute Namensfornien, welche auf der ahd. Form zu beruhen 
scheinen : Bäisterz, Beisterz und Beinsterze ^ im Westthüringischen, 
Henoeb ergischen und Schmalkaldischen; diese sind im Anschluß 
an Bein umgestaltet. Bereits in einem Vokabular v. J. 1502 er- 
scheint beijnstercz und in einem noch früheren v. J. 1421 beinstelcz, 
danach fusszstelcz in einem Vocab. rerurn aus dem 15. Jh. 5 . Durch 
Umbildung und die Umstellung der Kompositionsglieder, welche 
man auch sonst bei Vogelnamen beobachten kann, sind die Aus- 
drücke Steinberz* im Schmalkaldischen, Stealtsbainche, Stoarze- 
bainche 1 in Oberhessen zustande gekommen, vgl. S. 40. 86. — 
Wahrscheinlich ist altwestmitteld. begisterz aus einer mnd. 
Namensform *bekestert < *bekestelt (Bekesteltje 8 in Göttingen und 
Grubenhagen) 'Bachstelze' zu erklären. Für diese Annahme 
spricht der Umstand, daß eine Komproinißform von Wegestarz 
und Bachstelz schon früh bestanden hat, wie der Beleg pach 
stelcz stercz in einer Glosse des 15. Jhs. (Ahd. Gll. III, 31 34 ) 
beweist. Ferner fällt ins Gewicht, daß diese Form gerade in 
dem Grenzbezirk zwischen Hochdeutsch und Niederdeutsch vor- 



1 Danneil 2.-2 Frommann D. Mundarten V, 296. 

3 Schambach 23. — 4 Hertel 66, Vilmar 30. 

5 Diefenbach-Wülcker Wb. S. 226. — 6 Vilmar 30. 

7 Nach einer Mitteilung von Prof. Kluge. 

8 Schambach 20. 



Weiße Bachstelze, motacilla alba. 91 

kommt, welcher hier in Betracht kommt, vgl. oberhess. Bach- 
stearz\ Luxemburg. Bdch$tierzelchen* : westfäL Bükstert*. 

Nach (\v\\ bereits vorhandenen Typen sind dann noch 

weitere mundartliche Varianten geschaffen worden. In Luxem- 
burg sind die Ausdrücke Pänestierzchen (& h, Pfannenstielchen), 
Pänesteisserchcn, Pdnestirchen, Pänewippchen ' m. gebräuchlich, in 
der Grafschaft Ranzau Plögstert und Pluchstert 6 (d. h. Pflugsterz), 

von denen die ersteren auf den langes Schwanz der Bach- 
stelze 6 hindeuten, die letzteren wieder in die Gruppe von 
Synonyma hinüberführen, welche den Vogel in Zusammenhang 
mit dem Ackerbau bringen. 

Die Bachstelze ist nämlich ein treuer Freund des Land- 
mannes, in dessen Fußstapfen sie fortschreitet, um in der auf- 
gepflügten Furche Würmer zu sammeln. Daher wird sie auch 
in vielen Gegenden Ackermann genannt Im 16. Jh. ist der 
Ausdruck Ackermennchen in einem mitteld. Yocab. rerum v. J. 1517 
und in der niederdeutschen Form Acker menneken bei Chytraeus 
Nomenciator v. J. 1581 Sp. 374 bezeugt. Gerade in Mittel- und 
Niederdeutschland ist dieser Name heute am weitesten verbreitet. 
In der Form Ackermann oder gewöhnlich als Deminutivum Acker- 
männchen, bezw. Ackermcenneken ist er vorhanden in Thüringen 7 , 
Niederhessen 8 , Göttingen und Grubenhagen 9 , Altmark 10 , Hol- 
stein 11 , Preußen 12 ; in Ostfriesland Akkermantje und Bötnantje 13 . 
Auch auf oberdeutschem Sprachgebiet ist der Ausdruck nicht 
unbekannt; in Steiermark heißt der Vogel ebenfalls Ackermannl l K 
in Tirol Bancogel 1 '*. Das steirische Dialektwort Hotterl 1 * n. 
gibt der Bachstelze die Rolle eines Pferdetreibers auf dem 

1 Nach einer Mitteilung von Prof. Kluge. 

2 Wb. d. Luxemburg. Mundart 15. — 3 Woeste 31. 

4 Wb. d. Luxemburg. Mundart 327. 

5 Korrespondenzbl. f. ndd. Spracht. XVII, 1. 

6 Im Geistlichen Vogelsang S. 4 wird der Schwanz der Bachstelze 
Tfannenstiel' genannt; "Die Bachsteltz thut offt schnappen vnndt fengt der 
mucken viel, es hört nicht aufT zu knappen ihr langer Pfannenstiel", 
s. Grienhaber Aeltere deutsche Sprachdenkmale religiösen Inhalts (1842). 

7 Hertel 58. — 8 Vilmar 7.-9 Schambach 6. 

10 Danneil 1 f. — 11 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVII, 3. 

12 Frischbier I, 15. — 13 Jb. f. ndd. Sprachf. XI, 111. 

14 Unger-Khull 11. 351. — 15 Frommann D. Mundarten IV, 54. 



92 Weiße Bachstelze, motacilla alba. 

Felde, denn hott von dem der Yogelname offenbar abgeleitet 
ist, ist der Anruf für Zugtiere. Zu dieser Gruppe von Synonyma 
gehört noch der Ausdruck Schollenhoppler 1 (d. h. Schollenhüpfer) 
im Elsaß. 

Yon der gelben Art wird die weiße Bachstelze in einigen 
niederdeutschen Gegenden als Blau Ackermann oder Wite Acker- 
mann 2 (d. h. Weißer A.) unterschieden. Wegen der schwarz- 
weißen Tracht nennt man sie auch — wie Gesner Hist. avium 
S. 593 berichtet — Klo fter fremde, vgl. Schwarzkopf S. 71. 

S. auch Gelbe Bachstelze. 

Gelbe Bachstelze, motacilla flava, budytes flavus. 

Im Gegensatz zu dem Ackermann oder der weißen Bach- 
stelze ist die gelbe der Viehhirt, der in der Gesellschaft von 
Rindern und Pferden angetroffen wird und auf den niederen 
Viehtriften seiner Nahrung nachgeht. In Preußen wird der Yogel 
Kuhstelze (Klein Hist. avium prodr. (1750) S. 78), anderwärts auch 
Viehstelze genannt. — In Steiermark wird die gelbe Bachstelze 
als Schaf halterl 3 von der weißen unterschieden, die Sau- 
halterl oder Kuhhalter'* genannt wird; neben diesen Namens- 
formen kommen auch die Varianten Sauherterl 3 und Kuhherterl* 
(d. h. Sau- und Kuhhirt) vor. Die Ausdrücke haben sich offen- 
bar erst sekundär zu der heutigen Form entwickelt, denn eine 
ältere Namensform ist bewahrt in den mhd. Glossen hardell in 
cod. Mellic. K 51, 242 und wazz s stelcz hard s lla in cod. Vindob. 
1325, 106 b (Ahd. Gll. III, 3P 2 ) und diese läßt sich nicht als 
'Hirt' deuten. — Unwahrscheinlich ist die von Lehmann in 
KZ. XXXXII, 87 gegebene Erklärung, wonach das althoch- 
deutsche Wort zu ags. hrapian, hradian, hratian 'hasten' ge- 
hören würde. Der Vogelname ist wohl eine Ableitung mittels 
des Suffixes -ila von ahd. hard* "Wald*. In Baiern hat dies Wort 
die Bedeutung 'Boden, aus Sand und Kies bestehend und nur 
mit weniger trockenen und an sich unfruchtbaren Damm-Erde 



1 Martin-Lienhart I, 361. 

2 Vgl. Schambach und Danneil sowie Korrespondenzbl. a. a. 0. 

3 Unger-Khull 419. 519. 

4 Das Wort hat im Ahd. auslautendes d, nicht t, vgl. PBB. XXX, 567. 



Weiße Bachstelze, motacilla alba. 93 

aberzogen*, im Elsaß bedeutet Eard auch Bumpfiges Wiesen- 
gelände usw. 

Die Vorliebe dos Vogels für Viehweiden bat ihm den 
Namen Rinder fchyffer eingetragen, den ßesner 8.594 ans der 
Schweiz anführt; bei B. Sachs Regim. <1<m- Vögel (1531) V. 225 
beißt er die Küschemen und eine elsässische Variante ist 
Rofsdrcdiin im Strassburg. Vogell). (1554) V. 382. — In Tirol 
soll dm- Volksglaube vorkommen, dal! die Seelen der Bachstelzen 
früher vierfüßigen Haustieren, besonders Kühen, gehörten; diese 
Vorstellung ist aus dem Zusammenleben der Vögel mit den 
Viehheerden leicht begreiflich, vgl. Zs. f. d. MythoL II, 422. 

Überhaupt wird die gelbe Bachstelze mit denselben Namen 
benannt wie die weiße; wo der Unterschied deutlich gemacht 
werden soll, geschieht dies durch die Voranstellung der charak- 
teristischen Farbenbenennung. — In Thüringen heißen die gelben 
Bachstelzen Kiesläufer oder Kiespidlchen 1 (zu Pulle 'Hühnchen'). 
Unklar ist der Ausdruck Ryferle bei Gesner a. a. 0. 

Diese Bachstelzenart ist ein Frühlingsvogel, der im April 
erscheint, wenn die Saatzeit beginnt; daher heißt sie in Preußen 
der Sämann' 2 . 

Der luxemburgische Name Wanterpänestierzchen (d. h. AVin- 
terbachstelze), der im Wb. der Luxemburg. Mundart S. 475 mit 
der Bedeutung 'Kuhstelze' angeführt wird, ist ohne Zweifel 
die Gebirgsbachstelze (motacilla sulphurea, motacilla boarula). 
die öfters den Winter über in Deutschland bleibt. Im nördlichen 
Böhmen kennt man sie mit dorn Namen Waaserbachstelze' 6 (in 
der Angenehmen Land-Lust (1720) S. 96 bezeugt); auf Helgoland 
heißt sie GülblttbberK In der Schweiz teilt der Vogel den Namen 
Herdvögeli 5 mit der Heckenbraunelle und dem Wasserpieper. 
Die angelsächsische Glosse geoleuearte = luscinus bei 
Wright-Wülcker Vocab. I, 132* 3 , welche Whitman The birds of 
Old Engl. Literature XIX, 3 unter den Ausdrücken für die 
Nachtigall verzeichnet, ist offenbar als geolew-earte 'gelbe Bach- 
stelze' aufzufassen. In dem hier vorkommenden ags. earte haben 

1 Hertel 131. — 2 Frischbier II, 246. 

3 Zs. f. d. Phil. XXI, 210. — 4 Frommann D. Mundarten III. 32. 

5 Staub-Tobler I, 694. 



94 Baumpieper, anthus arboreus oder trivialis. 

wir nämlich eine westgermanische Form von dem alten Namen 
der Bachstelze, welcher in der abgeleiteten Form ertla (aus 
*artilö) im Altnordischen vorhanden ist; auf dieser beruhen 
schwed. ärla, dän. erle. Das lat. Lemma der ags. Glosse findet 
sich als luscinus in deutschen Glossaren. 

Pieper, Anthus. 

Das Straßburg. Vogelb. v. J. 1554 nennt unter kleinen Vögeln 
die in der Gesellschaft des Meyvogels auftreten, das Gickerlin 
graw (Y. 433), Gickerlin grün (Y. 434) und das Weidengickerlin 
(Y. 435). Gesner kennt diese Ausdrücke durch seine Straßburger 
Korrespondenten; in Hist. avium erwähnt er S. 762 f. das Gicker- 
lin oder Gückerlin und das Weidengückerlin ; im 17. Jh. begegnet 
Gickherlin (Geikerlen, Ginckherlin *) nochmals in der Straßburger 
Gegend, in Baldners Yogelb. (1666) S. 71. Es sind mit diesem 
Straßburger Ausdruck Pieperarten gemeint, die den Namen ihrem 
pfeifenden Lockrufe verdanken; das Wort ist eine Ableitung 
von dem onomatopoietischen Yerbum gicken 'piepen'. In der 
Schweiz lauten die entsprechenden Benennungen Gipser(li) und 
Gixer' 2 (zu gipsen, gixen e in feinem hohem Tone piepsen'); das 
Synonym on Winsler (zu winseln), das Staub-Tobler II, 395 er- 
wähnen, erscheint als Winserlein schon in der Angenehmen 
Land-Lust (1720) S. 336. Ein niederdeutscher Ausdruck ist 
Pieperken' 6 im Münsterkreise. 

Baumpieper, anthus arboreus oder trivialis. 

Der häufigste von den Piepern ist in Deutschland der 
Baumpieper, welcher sich auf Bäumen aufhält, aber ebenso oft 
auch auf einer mit Schmielengras und Heidekraut bewachsenen 
Lichtung angetroffen wird. Dieser Yogel ist das Gickerlin graw 
des Straßburger Yogelbuchs. 

Gesner erwähnt den Baumpieper an zwei verschiedenen 
Stellen seines Yogelbuchs (S. 76. 762) unter den Namen Grynerlin 
und Griennögelin, ohne freilich zu wissen, welcher Yogel damit 
gemeint ist. Das erstgenannte Wort, das von greinen 'weinen, 

1 Vgl. Martin-Lienhart I, 206. — 2 Staub-Tobler II, 395. 
3 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 86. 



Baumpieper, anthui arborecu oder trivialis. 

winseln' hergeleitet ist, begegnet als Oreynerlein 1 bei EL Sachs 
im Etegim. der Vögel (1531) V. 205 and als Greineriin in Sachsen 
bei Eiber und Pencei Vocab. (1552) 8. El 4a; später haben ver- 
schiedene Quellen das Wort aus Qesner abgeschrieben. Die 
Variante Orienvogd ist an Grien "Kiessand' angelehnt worden. 

Neben dem Gfreynerkin tritt in dem Etegim. der V 
V. 206 der Krautvogel auf; Popowitsch Versuch S. 515 bezeichnet 
dieses Wori als einen Dialektausdruck, welcher "in Nürnberg 
und im Land«' ob der Acns" vorkomme. Eans Sachs meint 
a. a. o. mit den beiden Namen offenbar den Baum- und den 
Wiesenpieper (oder den Brachpieper), deren Benennungen meisten- 
teils in einander übergehen. Ähnliche Bildungen wie Krautvogel 
sind die Synonyma Breynvogel* (zu Brein "Körner der Hirse, des 
I tat* ts usw.') in ( teterreich und (vielleicht) Schmel-, Sclimelchvogerl'K 
(zu Schmele, SchmelcJw 'Federgras') in Steiermark. Die letzteren 
Namen können jedoch ebenso wie das gleichbedeutende Schmelcherl 
auf dem mhd. Adj. smal 'gering, klein, schmal', beruhen ; 
auch S. 26. Wahrscheinlich ist der Xame Schmervogel, der nach 
Popowitsch S. 514 in Sachsen, Schlesien, Krain und der Lausitz 
gilt, nur eine Umbildung der vorhingenannten Benennung; 
Popowitsch glaubt freilich, daß die Vögel diesen Namen wegen 
der Fettigkeit haben. — Schlesische Dialektnamen für den 
Baumpieper sind Stoppelvogel, Stöpling (von dem Aufenthalt des 
Vogels auf Stoppelfeldern) und Spies Lörche bei Schwenkfeld 
Ther. Sil. (1603) S. 349. In Sachsen ist der letzterwähnt.' Name 
durch Döbel Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 58 bezeugt, wo von der 
Spieß-Lerche, welche "an etlichen Orten Kraut Vögelgen' heißt, 
gehandelt wird; im Anhalter Dialekt ist Spisslerche^ die übliche 
Bezeichnung dieses Piepers. Der Name ist wohl daraus zu er- 
klären, daß der Vogel spießweise verkauft wurde, vgl Grimms 
Wb. X, 2471. 

Meistens werden die Pieper als Lerchen aufgefaßt, denen 
sie in mancher Hinsicht sehr ähnlich sind; andererseits haben 



1 "Das Greynerlein thet auch sehr weynen" bei H. Sachs a. a. 0. 

2 Popowitsch Versuch S. 514. 

3 Unger-Khull 547 und Popowitsch a. a. 0. 

4 Naumann-Hennicke III, 46. 



96 Lerche, alauda. 

sie auch mit den Bachstelzen einiges gemeinsam. In der 
Angenehmen Land-Lust (1720) S. 96 beziehen sich die Ausdrücke 
Gereuthlerche I Waldbach fteltze, Feldbach fteltze auf den Baum- 
pieper (oder den Brachpieper, anthus campestris). Eine schwei- 
zerische Benennung des Yogels ist Baumbicker 1 , eine steirische 
Leimvogel 2 . Dieser Ausdruck kommt als Leimen- Vögelein bei 
Frisch Vorstellung der Vögel (1763) II, II, 5 vor und wird dort 
von den "Leimen-Klösen" erklärt, unter denen die Vögel ihr 
Nest bauen. 

Den Wiesenpieper (anthus pratensis) kennt man in Luxem- 
burg mit dem Namen Wiseschnipsert* m.; in der Schweiz (in Bern) 
heißt er PtplercheK — Die Ausdrücke Diester und Hiester, 
welche Naumann aus dem Anhaltischen erwähnt, sind ebenso wie 
viele andere ähnlich lautende Varianten, onomatopoietisch und 
beruhen auf den ist-ist-Lauten des Vogels, welche Voigt Ex- 
cursionsbuch S. 110 schildert; vgl. auch ital. pispola in gleicher 
Bedeutung. 

Die seltenste von den Pieperarten ist der Wasserpieper 
(anthus aquaticus oder spinoletta), ein Gebirgsvogel, dessen 
Brutplätze nach Naumann-Hennicke III, 87 in den höchsten 
Kegionen der deutschen Mittelgebirge und in den Alpen sind. 
Dieser Vogel ist das Gickerlin grün des Straßburg. Vogelbuchs und 
das Geikerlen bei Baldner Vogelb. (1666) S. 71, wo als Synonymon 
auch der Ausdruck Ein Wafferlerch angeführt wird. In der 
Schweiz wird der Wasserpieper Arenpfiff er 5 , GipserU, Gixer 
(s. oben S. 94) genannt. 

Lerchen, Alaudidae. 
Lerche, alauda. 

Ahd. lerihha:Sg. Nom. — lerihha caradrion: Leviticus 11, 19: 
cod. SGalli 9, 277; lefricha: cod. SGalli 283, 488; reliha 6 . lericha: 
cod. SPauli XXV d/82, 38 a, heiffr t ardua at lericha 7 : cod. Stuttg. th. et 
phil. 218, 13c; lericha. i. aloda: Gm. 17114, 74a; lericha: cod. 



1 Staub-Tobler IV, 1119. — 2 Unger-Khull 435. 

3 Wb. d. Luxemburg. Mundart 488. — 4 Staub-Tobler III, 1381. 

5 Staub-Tobler V, 1084. 

6 lericha über (dem damit getilgten) reliha (Steinmeyer). 

7 r aus c corr. (Steinmeyer). 



Lerche, alaoda. 97 

SGalli 896, 1l j 7-, cod. Guelpherbyt. Wies. 29, 82a; cod Carolnmh. 
Aug. GCXXXI, L2a; cod. mon. herem. L84, 298. cod Vindoh. 10, 
888a. cod. SGalli 299, 26. Laudula: cod. SGalli 299 p. 88*. lau- 
deola: dm. M7i7i. 63a. Urieha: Deuteronom. M. 18: Clm. 1606, 
L04b; Urieha: cod. SGalli 296, 116; cod, Tun.-. Rhenov. 66, 22. lau- 
dala: Liber glossarum: fragm, Carolsruh. U II If. ! a. ecylla: Vergil. 
G. I, 405: cod. Berol. Ms. lat l" 215, 27b. laudula : Verrat de rolucr. 
laudula: II. s. in, 17, XI a 2, caradrion: a 2. b, laudula: b, <-. cara- 
drion: <\ g, laudula: g. laudula et caradriv» et philomela: cod. 
Sclcstad. 109b. cod. Lambac. cart. 291, la. philomena: Arnulfi delic. 
cleri520: cod. Vindob. 388. Urica, i. aloda : Leviticus 11. 19: cod. 
Vindob. 1042, 180b, Clm. 6227, 49b, Clm. 18528, I. 73b, Clm. 5116, 
80b, lerehha. i. aloda: Clm. 18140, 14a. lericla*-. Rotöl. com. de 
Mülinen Bern. leraha: cod. SGalli 242, 248 b. leracha laudula : cod. 
Valic. Reg. 1701, 2b. laudula: Clm. 14689 f. 47 a. cod. sem. Trevir. 
R. III. 13, 104a. Gll. Salomon. a 1. Deuteronom. 14, 18: cod. Admont. 
508, 8b. Uracra* karradria : cod. Cassell. Astr. f. 2 f. 9b. Jercha: cod. 
Vindob. 804, 169a, cod. Wirziburg. Mp. th. 4° 60, 101a, laudula: cod. 
Vindob. 804, 172b, cod. Wirziburg. Mp. th. 4<> 60, 103 b. Wehe: H. S. 
XI a 2, laudula: a 2. Versus de volucr., lerich: Versus de volucr., 
lerch : Versus de volucr. le uuerka scylla : Vergil. G. I, 405 : cod. 
Parisin. 9344, 14b. cod. Guelpherbyt. Aug. 10. 3. 4<>f. 89a, leuuerea: 
cod. Berol. Ms. lat. 8<> 73, 124a. cod. Vatican. Reg. 1701. 2b. 
lecverca luscina. et acredula. unum. est: cod. Bonn. 218, 58a. lewerka 
alauda -F caradrion: cod. Cheltenham. 7087, 144a. lewereh: cod. 
Vindob. 804 f. 185 b. — Akk. — lericha (Scylla) mutata inlaudulam: 
Vergil. G. I, 405: cod. Trident. 1660, 18 b. leracha charadrionem 4 : 
Leviticus 11, 19: Clm. 22201, 238b, lerahhun: cod. Vindob. 2732, 
22 b, cod. Vindob. 2723, 18b, lerachun: cod. Gotwic. 103,49b, leraehm: 
Clm. 13002, 219b. 

Der Xame der Lerche ist gemeingermanisch : ahd. ISrihha^ 

mhd. lerche, lerche, mnd. leiverike, lewerke, nindl. leeicerike. leewerke, 
nndl. /eew/<?r/£m.,neuwestfries. ljuerck « *liürk{e\ s. PBB. XIX, 379), 
ags. Idwrike und (daraus durch Metathese entstanden) hiicerke: 
Idicerke, \m\ larke, ne. larh (dial. laverock, lavrock bei Swainson 
The Folklore S. 92) und altnorweg. Iceiirke m., altschwed. kerikia 
(< *laiicr?ki<<), dän. /erke, schwed. lärka. Die verschiedenen Namens- 
formen sind aus einer Grandform *lain'{i)rik-dn (*bntc(a)rikön) 

1 lericha: e von zweiter Hand aus i corr. (Steinmeyer). 

2 Wohl verschrieben für lericha, 

3 DieVerschreibung wohl durch das lat. Lemma Ä-ar/Wr/« verursacht. 

4 Charadrion in der Vulgata (Steinmeyer). 

Suoluhti, Yo£eln;imen. 7 



98 Lerche, alauda. 

hervorgegangen. Den germanischen Vogelnamen hatten Pictet 
KZ. VI, 192 nnd Jacob Grimm Kleine Schriften II, 124 mit gleich- 
bedeutendem alauda (nach Thurneysen Thesaurus s. v. ein gal- 
lisches Lehnwort im Lateinischen) zu kombinieren versucht; 
heute wird dieselbe Zusammenstellung von Falk und Torp 
Et. ordb. I, 453 aufrechterhalten und Verwandtschaft mit lat. 
laus 'Lob 5 , gäl. luaidh 'sprechen 6 , got. liußön 'singen' angenommen. 
Diese Annahme setzt voraus, daß germ. *laüvaz aus idg. *lawd 
entstanden sei, was Bugge PBB. XXIV, 451 f. mit Hinweis auf 
anord. /o, loa (aus *löw < *läw) 'Strandpfeifer' beweisen wollte. Eine 
sicherere Deutung des Namens bleibt noch zu wünschen. — An 
germ. *laiica-(riköri) erinnert finn. leivo, estn. löhc 'Lerche', aber 
gegen Entlehnung aus dem Germanischen spricht die dialektische 
Nebenform lieve. Möglicherweise hat die Übereinstimmung des 
germ. und des finn. Wortes ihren Grund darin, daß beide ursprüng- 
lich onomatopoietische Bildungen sind. — Aus alter Zeit sind 
einige Ortsnamen erhalten, welche mit dem Lerchennamen 
gebildet sind : Lerihhunfelt , Lerikfeld bei Förstemann Altd. 
Namenb. II, 983. 

Die niederdeutsche Form, die das inlaut. w behält, erstreckt 
sich auch über das mittelfränkische Gebiet. Daher im Karlmeinet 
lewercke; heute in Luxemburg Leüveck(elchen) m., Leierchen 1 f. 
In cod. Vatic. Reg. 1701 und cod. Vindob. 804 stehen sowohl 
leraha als lewerka\ die Schreiber haben die Narnensformen, die 
in ihren Vorlagen verschieden glossiert waren, als verschiedene 
Vogelnamen aufgefaßt und daher wohl beide aufgenommen. 

Der alte Name ist heute auf dem gesamten Sprachgebiet 
geläufig. Synonyma sind selten; in Aargau und Basel kommt 
ein Ausdruck Rerekli 2 (Erekli) vor, der nicht sicher deutbar 
ist, in Luxemburg wird von der Lerche auch der Name Lütvidl l 
gebraucht. Das luxemburgische Synonymon Leimännchen 1 m. 
beruht auf dem alten Namen. 

Eine genaue Scheidung der einzelnen Artbenennungen, 
welche in der älteren ornitliologischen Literatur begegnen, ist 
nicht möglich, denn die Bedeutung der Namen variiert oft je 

1 Wb. d. Luxemburg. Mundart 263. 267. 273. 527. 

2 Vgl. Staub-Tobler I, 403. VI, 1227. 



Haubenlerche, alauda cri lata, jalerita cristata. 99 

nach der Landschaft Auch werden die Lerchen and Pieper 
vielfach zusammengeworfen. 

Baobenlerche, alauda cristata, galerita cristata. 

Das Strassbnrg. V ogelb. v. J. L554 erwähnt au Lerchenarteo 
die "Fehlt lerch Lerch im Wahl , im Tobel Berbfl Lerch 
vnd Lerch mit dem Kobel". — Die letzte Art ist die Hauben- 
lerche, welche in den heutigen elsäss. Mundarten Kobellerch* (zu 
Kobel 'Federhaube') heißt; aus der Schweiz tulnt Gesner Bist 
avium s. TD KobeUerch an. Auch die Synonyma der übrigen 
Mundarten sind last alle von dem charakteristischen Schöpfe 
des Vogels hergeleitet Iu Baiern ist der entsprechende An- 
druck HeubeUerch zuerst bei H. Sachs im Regim. der \ 
(1531) Y. L98 belegt, Eber und Peucer Vocab. (1552) 8. E 3b 
bezeugen ihn aus Sachsen, Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. L92 
wahrscheinlich aus Schlesien; Turner Avium bist. (15 14) S.EI b 
hat den Ausdruck Copera von den Kölner Vogelstellern ge- 
hört. In Preußen hat man für den Vogel die Namen Hauben- 
köbbellerche, Kapplerche (zu Kappe 'Mütze"), Schubslerche (zu 
Schubs 'Schopf) und Spitzkopf, Spitznickd- , welche auf die 
spitzige Form des Kopfschmuckes hinweisen. Auf schwäbischem 
Dialektgebiet kommt der Name Butschlerche* (zu Butsch 'Feder- 
schopf ) vor, in Luxemburg Hauiceleierchen* (d. h. Haubenlerche), 
in Niederdeutschland Toplärk» und Töppeüdrk* (d. h. Zopflerche). 

Jm Adelichen Land-Leben (1687) II, 79] Kap. »Will 
nennt Bohberg "die Häubel Lerchen / die man in Oefterreich 
Kottmünch nennet". Der Name "Kotmönch 3 zielt auf die Eaube 
des Vogels, nimmt aber auch auf seinen Lieblingsaufenthalt 
auf den breiten Landstraßen Bezug, wo er seine Nahrung an 
den verschiedenartigen Abfällen findet. Mehrdeutig ist die Be- 
nennung Koihlerche, die nach dem Verfasser der Angenehmen 
Land-Lust (1720) S. 339 in Mähren eine Lerchenart, in seiner 
eigenen Heimat aber "die Steinbeiffer" bezeichnen soll A.us der 
Schweiz wird der Ausdruck Wäglerche zuerst von Gesner a. a. 0. 



1 Martin-Lienhart 1,418. 609. — 2 Frischbier 1,275. 
3 Fischer I. 1560. — 4 Wb. d. Luxemburg. Mundart 170. 
5 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI. 83. XVII. - 



100 Heidelerche, alauda arborea. — Feldlerche, alauda arvensis. 

S. 79 bezeugt. Unter den vielen preußischen Dialektnamen kommt 
auch der scherzhafte Ausdruck Strassenräuber 1 vor. 

Heidelerche ; alauda arborea, lullula arborea. 

Diese Lerchenart hat den Namen von den dürren Heide- 
landschaften, welche sie für ihren Aufenthalt bevorzugt. In 
Mitteldeutschland ist der Ausdruck Heydlerch in Turners Avium 
hist. (1544) S. E 1 a zuerst belegt, darauf als schlesisches Wort 
bei Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 193; H. Sachs Regim. der 
Yögel (1531) Y. 122 gebraucht die Form Heydellerch. Heute 
ist diese Benennung auch in Xiederdeutschland verbreitet 2 . — 
Andere Namen sind Sanglerch bei Eber und Peucer Yocab. (1552) 
S. E 3 b, Holtzlerch bei Longolius Dial. de avibus (1544) S. F6a, 
Baumlerch, Waldlerch bei Ryff Tierb. Alberti (1545) S. J 5 b, 
Gesner Hist. avium S. 79, Miltellerche bei Schwenkfeld a. a. 0. 
Heute im Elsaß Säglerch 3 , in Luxemburg Böschleierchen (d. h. 
Waldlerche), Böschlütert i m. 

Der charakteristische Gesang der Heidelerche wird durch 
mehrfach wiederholte Tonsilben 'lulululu' wiedergegeben ; bereits 
Gesner bezeichnet ihn als "lü lü saepius repetitum". Darauf be- 
zieht sich die Benennung Lurlen, welche in Hist. avium S. 78 
aus der Umgebung Basels angeführt wird. 

Feldlerche, alauda arvensis. 

Bekannter als die Heidelerche ist in den meisten Gegenden 
die größere Feldlerche. Der Name Veldt Lerche erscheint zu- 
nächst in Kyffs Tierb. Alberti (1545) S. J 5b und darauf bei 
Schwenkfeld a. a. 0. S. 91, Hohberg a. a. 0., u. a. Eber und 
Peucer Yocab. (1552) S. E 4a haben dafür den Ausdruck Stein- 
lerch, bei H. Sachs a. a. 0. Y. 237 Stainlerch; in der Angenehmen 
Land-Lust (1720) S. 213 begegnet das Synonymon Kornlerche. 
Schweiz. Himmellörchli ist bereits bei Gesner Hist. avium S. 178 
als Himmellerch bezeugt. 

Eine große Rolle spielte in der Dichtung des deutschen 

1 Frischbier II, 378. 

2 Vgl. Schiller Zum Tierbuche II, 13, Korrespondenzbl. f. ndd. 
Sprachf. XVI, 85. 

3 Martin-Lienhart I, 609. — 4 Wb. d. Luxemburg. Mundart 41. 



Goldammer, emberiza citrinella, 101 

Mittelalters <li<- b. g. Kalanderlerche (alauda calandra, melano- 
oorypha calandra), welche wegen des kräftigen schönen Gesanges 
in ihrer Heimal besonders geschätzt wird. Diese wird aur im 
Süden Europas angetroffen; in Deutschland isl der \ 
nicht heimisch. Der mini. Name galander^ golander i mnd 
galander) wurde in der Zeit der französischen Kulturströmung 
(etwa ums Jahr \'2iH)) aus dem gleichbedeutenden afrz. ealandn 
entlehnt In der eigentlichen Volkssprache hat sich das Wort 
nicht eingebürgert; vgl. Grimms Wo. IV. I. 11.",:,. 

Finken, Fringillidae. 

Goldammer, emberiza citrinella. 

Alid. amero: Sg. Nom. — amero amarellus : EL S. III, 17. amere: 
cod. Oxon. Jim. 83, 4. amare: Versus de volucr. : cod. Stuttg. th. et 
phil. 218 f. 22 b, cod. Stuttg. th. et phil. 210, 135a, amer: cod. princ. 
(!«• Wallerst. I. 2. fol. 21, 17öb, amirzo: cod.mon.herem. 239 p. 784, cod. 
Prag, princ. de Lobkow. 489, 56 b. H. S. XI d: cod.Florent.XVI, 5, 89 b. 
amarze : Versus de volucr. : cod. Admont. 106, cod. Admont. 476, 
Clm. 22213, 163 a, emerza : folium Frankofurtense, ameriz: fol. sem. 
theot. Gotting. Müller I, 6. amirz : H. S. III, 17 : cod. princ. de Lob- 
kow. 434, 9a. amerinch: H. S. III, 17 : cod. Vindob. 2400, 42a. Versus 
de volucr.: Clm. 19488, 121a, cod. Admont. 759, 55b, Clm. 4350, 3a. 
Clm. 17194 f. 221b, cod. ol. Argentor. 157, cod. Zwettl. 293, 25 a, ama- 
ringk: cod. Vindob. 12840, 2a, amrlnch : Clm. 12665, 142a, cemerinch : 
Clm. 4660, 56a, cod. Vindob. 85, 42b, emerinch: cod. Vindob. 1325, 
106b, cod. Mellic. K 51. 242. Clm. 23496, 10 a, ämärinkk: Clm. 
11481, 82b, amerlinch: Clm. 614, 31b, ämerling; Cgm. 649, 526b, 
emerling: cod. Gotting. Luneb. 2 f. 181 ab, ämmerling : folium Stutt- 
gartense. 

And. amero (mhd. atner) ist ein westgermanischer Vogel- 
name, vgl. asächs. atner (in Ahd. CiL IV. 245»*) und ags. amore 
(älter omer, emer\ ne. yellow-ammer. Dvn Namen, der auf die 
Grdf. *am«r-(un): *amar-dn: *amir- zurückweist, hat Weigand 
Wb. 4 s. v. Ammer (und später Liebich PBB. XXIII, 223 f.) mit 
ahd. amar 'Sommerdinkel' verbunden, was mit Rücksicht auf 
synonyme Benennungen wie Kornvogel, Gerstammer semasiolo- 
gisch ganz ansprechend ist. Xur bleiht dabei die Bildnngsweise 
des Vogelnamens unklar, denn dieser fällt mit ahd. amer, amaro 
'Sommerdinker (s. Björkman Xs. f. d. Wf. III, 263) vollständig zu- 



102 Goldammer, emberiza citrinella. 

sammen. Danach ist es nicht ganz sicher, ob der Znsammenhang 
der beiden Worte primär oder erst sekundär ist, wie etwa in 
ahd. distelzwi, das sowohl Distelzweig wie Distelfink bedeutet; 
vgl. auch unten Gelgerst, Gelgirsch. 

Neben amaro begegnen im Althochdeutschen auch erwei- 
terte Bildungen, einerseits amering, amerling (mit Suffix -inga, 
-linga gebildet, wie asächs. hliuning 'Spatz', nhd. Hänfling u. a.), 
andererseits amirzo : amirza (mit einer Hj-an : *£/-öw-Erweiterung, 
wie im ahd. agazza 'Elster' neben aga). 

Die erstere Ableitungsform ist in dem Beleg ämrinch bei 
Konrad von Megenberg (Ed. Pfeiffer) S. 223 31 vorhanden ; im 16. 
Jh. Emerling bei H. Sachs Kegim. der Yögel V. 175, Emmer- 
ling bei Eber und Peucer Yocab. (1552) S. F 3 b, Eimmerling bei 
Ostermanü Yocab. v. J. 1591 S. 336, darauf Eimerling bei 
Henisch Teutfche Sprach (1616) Sp. 836 usw. Yon Popowitsch 
Yersuch (1780) S. 159 wird Aemmerling für Österreich und 
"mehr andere Gegenden" angegeben. Es ist dies die bairisch- 
österreichische Xamensform, welche in Steiermark in der Form 
Ammering l vorhanden ist, als Emmerling und Hemmerling 2 sich 
in das schwäbische Dialektgebiet hineinstreckt und Ausläufer 
in die mitteldeutschen Mundarten sendet. Für Sachsen kommen 
außer dem Belege bei Eber und Peucer im 16. Jh. noch die 
von Gesner Hist. avium (1555) S. 628 nach Agricola angeführte 
Variante Hemmerling und die gleichlautende Glosse in Sibers 
Gemma v. J. 1579 S. 41 in Betracht; später Aemmerling in 
Döbels Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 61. Heute kommt Hamerling 3 
in Thüringen vor. 

Auf der anderen Ableitung amirizo, amiriza beruhen 
Emhritz und Emmeritz, die Gesner a. a. 0. als heimatliche 
Xamensformen angibt. Heute gelten die Varianten Ammeritz, 
Emmeritze, Ämerze, Imbrütze 4 (doch auch Gelwamer, Gelivämmetli*) 
in der Schweiz ganz allgemein, ebenso Emmeritz, Embritz 2 m. 
u. f. auf dem schwäbischen Dialektgebiet. Der Labial in Embritz 
ist als Übergangslaut aufzufassen ; die ältere Form war am{i)rizo. 
— Nach Fischer a. a. 0. erscheint in Schwaben neben den an- 



1 Unger-Khull 18. — 2 Fischer II, 702. — 3 Hertel 59. 
4 Staub-Tobler I, 218 f. 



Goldammer, emberiza citrinella, LOS 

geführten Namensformen auch eine weit verbreitete Form 
Lemerüz '; das vorgeschlagene l is1 hier "im«' Zweifel durch 
eine falsche Auflösung des Kompositums Qt^-Emerüsi 'Gelb- 
Ammer' entstanden. 

Die alte einfache NTamensform amar(o) ist in den üund- 
arten last nur in Zusammensetzungen erhalten geblieben, deren 
erstes Glied die hochgelbe Gefiederfarbe am Kopf and unterteil 
des Vogels hervorhebt Bereits in Glossen des L3. l I. Jhs. tritt 
«las Kompositum goUamir auf (cod. Oenipont 355, L4b, cod. 
Vindob. 3213, L16b in And. Gll. III, 25*), daneben die im 
Anschluß an Hammer umgedeutete Form goli kam <■ in cod. Ups. 
L06, 1 c (Ahd. Gll. III. 24 w ) und dann öfters belegt»; in mnd. 
Bss. gdtamer. Im 1(5. Jh. wird Goldammer durch Eber und 
Peucer Vocab. (1552) 8. F3b aus Sachsen bezeugt, daher auch 
Goldammer in Döbels Eröfm. Jägerpr. (1746) S. 61 ; als schlesisch 
wird dies.« Form von Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 228 be- 
zeichnet Popowitsch Versuch (17S0) S. 158 nennt außerdem 
noch Thüringen und Hessen als ihr Verbreitung^« 'l>i, ^ ; im 
Nachbardialekt von Göttingen und Grubenhagen ist der Ausdruck 
als Golddmel 3 m. oder als deminutives Goldöoemerken^ ebenfalls 
vorhanden. 

Übrigens reicht diese Namensform über das Hessische 
in die Pfalz und tief in das Elsaß hinein. Auf diesem Gebiete 
ist das Kompositum teilweise durch Assimilierung und Kontrak- 
tion zu abweichender Lautgestalt gekommen. Schon im L5. Jh. 4 
begegnet die assimilierte Variante GoUammer, die Gesner a. a. 0. 
erwähnt; in Zehners Nbmenclator v. J. 1645 Vorrede v. J. 
1609 S. 232 ist Golmar, bei Popowitsch S. 139 Gollmer m. (nach 
Ludwig und Krämer) belegt. Heute kommen in Thüringen die 
Formen Galanter, Gabner* m., in der nördlichen Pfalz Gohm 
im Elsaß Gölammer, Galammei vor. — Etwas auffälliger ist die 
Variante Gavlammer, die Gesner a. a. 0. aus der Straßb 
Gegend anführt; zu der Ortsangabe stimmt Gatdhamer im Strass- 

1 Fischer II. 702. 

2 Vgl. Diefenbach-Wülcker Wb. S. 629. — 3 Schambach 67. 

! Diefenbach Glossar. S. 28a. 283c s. v. amarellus und icter. 

5 Hertel L08. 

6 Pfalz. KI. s. 55, Heegcr Tiere im pfälz. Volksmunde II. 12. 



104 Goldammer, emberiza citrinella. 

bürg. Vogelb. v. J. 1554 Y. 446. Aus den heutigen elsäss. 
Dialekten führen Martin und Lienhart Wb. I, 36 und 335 
Gelgaulammer (Ingweiler) und Guelhammer (Illkirch) an. Eine 
Anlehnung an Gaul scheint sicher vorzuliegen, aber befremdend 
ist, daß diese Variante als goulammll bereits im 15. Jh. 1 zu finden 
und im 16. Jh. auch in Baiern bezeugt ist. Hier gibt Ostermann 
Yocab. v. J. 1591 S. 336 Gauleimer und Golammer als heimat- 
liche Formen an, daher wohl Gauleimer I Golammer bei Henisch 
Teutfche Sprach (1616) Sp. 836. — Bei Popowitsch Versuch 
S. 158 gilt von den verschiedenen Varianten des Namens der 
Goldhammer als die normale Naniensform ; sie wird als volks- 
tümliche Form in der Pfalz von Heeger 2 angegeben. Die gleiche 
Anlehnung an das Wort 'Hammer' hat auch der angelsächsische 
Vogelname erfahren. Die Glosse clodhamer bei Wright-Wülcker 
Vocab. I, 287 17 bedeutet nicht den Krammetsvogel, wie Sweet 
in The Stud. Dict. S. 35 und Whitman The Birds of Old Engl. 
Lit. XVII, 5 behaupten, sondern die Goldammer ; vgl. wegen des 
ersten Kompositionsgliedes Goldie und Coldfinch 2, in heutigen 
Dialekten. 

In niederdeutschen Gegenden ist der alte Vogelname 
meistenteils unbekannt; dafür begegnen hier andere Synonyma, 
von denen der niederländische Name Gors bereits alt bezeugt 
ist. Die ersten Belege zeigen, daß das Wort am Mittel- und 
Niederrhein heimisch war. In dem lateinischen Texte des Albertus 
Magnus (s. Gesner a. a, 0.) wird der Vogel 'citrina' erwähnt, "quam 
alij gurfam, alij ameringam vocant". Einige Jahrhunderte später 
taucht der Name in der zusammengesetzten Form gelegorse 
(Horae belgicae 7, Nr. 5) 4 , gelegorsze (Vocab. v. Trochus 1517) 4 , 
gheylgoersz (Kölner Gemma 1507) 4 auf, darauf wieder in der 
Umgebung von Köln eyn Geelgorft in Turners Avium hist. 
(1544) S. F4a, eyn Geelgörß bei Longolius Dial. de avibus (1544) 

1 Diefenbach-Wülcker Wb. S. 629. 

2 Pfalz. Id. S. 55, Heeger Tiere im pfälz. Volksmunde II, 12. 

3 Swainson The Folklore S. 70. 

4 Diefenbach-Wülcker Wb. S. 624, Diefenbach Glossar. S. 159c. 164a. 
413 c; die Belege gelegurze, ghelewurcze kommen hier nicht in Betracht, 
da sie mit crucus glossiert sind und damit wohl crocus 'Safransblume' 
gemeint ist. 



Goldammer, emberiza citrinella 

s. G 2a. Eber and Peucer erwähnen Vocab. (1552) 8. B8a l 
gor ff. als eine ihnen geläufige Benennung ( M ©go «'.1111 efle 
conijcio, quam uocamus "); der Bele edocfa nicht füi 

Sachsen in Anspruch genommen werden, denn achon die Ortho- 
graphie beweist, daß er ?on Turner herstammt Gesner a.a.O. 
spricht die Vermutung aus. daß diese Namensform nieder- 
deutsch sei; Popowitsch führt das Kompositum nach alteren 
Quellen an, daneben aber auch die einfache Form der Gert 
als "altes Wort". Eranck hat im EtWb.S.310 fVir oiederläncL 
Gort an Zusammenhang mit »/ras -«'(lacht, dabei geht er aber 
von der unrichtigen Annahme ans, dar» die alte Bedeutung des 
Wortes 'Grasmücke* gewesen sei Die vielfach vorkommende 
Verwechslung der Grasmücke (curruca) und der Goldammer in 
den Vokabularen beruht offenbar darauf, dal) beide Vögel als 
Pflegeeltern des Kuckucks gelten. Dieses Verhältnis zum Kuckuck 
tritt zum Vorschein in dem von Gesner zitierten alten Sprich- 
wort: "Du loneft mir wie der Guckauch dem Gorfe" (auch 
. . . "wie dem Guckauch die Gorfe", vgl. S. 35(3. 628), wobei 
Gesner Gors mit curruca übersetzt. Nur im Niederländischen 
ist der Name Gors oder Geelgors, für den bis jetzt eine sichere 
Deutung fehlt, unverändert erhalten geblieben. Aber seine weitere 
Verbreitung in Niederdeutschland geht hervor aus den Aus- 
drücken Geele Girsch 1 (um Neuwied) und Gälgerft (Gä!gat*ch, 
Gülyäsk)' 2 in Altmark, welche als Umdeutungen des alten Namens 
im Anschluß an Girsch oder Gdeseke 'Girsch, Geißfuß 1 einerseits 
und Gerste andererseits aufzufassen sind. Sonst wird die Gold- 
ammer in niederdeutschen Mundarten vielfach als e (ielhgan>' 
benannt. Gesner kennt Galgen fiken durch seine Rostocker Kor- 
respondenten. Heute heißt der Vogel Gelegös, Gelgäseken* in 
Westfalen, Gelgösch 1 in Lübeck, Gellgaus* in Mecklenburg, 
Geäle Gaus in der Mark, Gelbgüsse! 1 in der Ukermark usw. 
Möglicherweise beruhen auch diese Ausdruck»' ursprünglich 
auf der Benennung Gelegors. Zum ersten Mal ist Gelegose in 
den Eorae belgicae (Diefenbach Glossar. S, 413c) bezeugt 

Von den sonstigen Bezeichnungen der Goldammer knüpfen 

1 Schiller zum Tierbuche II. 11. — 2 Danneil 60. 

3 Woeste 75. — 4 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprach. XVI. 83 f. 



106 Goldammer, emberiza citrinella. 

die meisten, ebenso wie die vorhinerwähnten Komposita, an die 
gelbe Farbe des Vogels an. 

In Gesners Hist. avium S. 628 werden von derartigen Syno- 
nyma Gilbling (ohne Ortsangabe) und Güwertfch, Gilberifchen 
(heute in der Schweiz Gilwerich, Gilberisch, Gilbrätsch, auch 
Gilber, Gilwer 1 ) aus Freiburg im Breisgau erwähnt. Es sind 
wohl diese Xamensformen analogisch mit (Gelb-) Emmerling und 
(Gel-) Emmeritz gebildet; nach dem letzteren Typus auch Schwab. 
Gelitz (zu gel e gelV). In Preußen heißt der Yogel Gelbbauch 
oder Gelbauch und Gelbfink 2 , wozu Gelpfiter (zu Pfit 'Fink') 
in Stüelingen (Schwarzwald) eine Parallelbildung ist. In der 
Grafschaft Ranzau heißt die Goldammer Gelkomesch'% das im 
Korrespondenzblatt XVI, 83 als 'Gelbkopfmeischen gedeutet 
wird; eher zu Musch (Gelkomusch = Gelbkopfsperling). Der 
westfälische Name Gelemätte* beruht auf der Koseform des 
Eigennamens Margarethe oder Mathilde; luxemburg. Gielhännsjen 5 
m. ist eigtl. e Gelbhänschen'. Sonst heißt der Vogel in Luxem- 
burg auch Gielemännchen b oder Gieleker 5 m. Nicht ganz klar 
ist der Ausdruck Grinschling* im Anhaltischen, Grünschling, 
Grünschleng 1 in Preußen, Grinsling 6 im Brandenburgischen, 
nach Adelung (1774) I, 219 Grünzling in der Mark; bei Colerus 
Oecon. rar. (1603) Gründschling 8 , bei Döbel Eröffn. Jägerpr. 
(1746) S. 61 Grünschling. Schles. Golitschke d ist eine slavische 
Bildung. 

Die Goldammer verbringt auch den Winter in Deutschland 
und hat daher den Namen Winterlerche (bei Popowitsch nach 
Heppe Wohlred. Jäger angeführt) erhalten. In der schwäbischen 
Mundart nennt man sie Schneegitz, d. h. Schneepfeifer (von 
gickezen oder gitzen 'pfeifen'), vgl. Rörgitz S. 79. — Zur Winters- 
zeit sieht man die Goldammern bei den Kornscheunen auf dem 
Lande oder auf den Straßen in den Städten, wo sie ihre Nahrung 
suchen. Daher nennt man sie im Elsaß Kotvogel und Gersten- 

1 Staub-Tobler II, 295. — 2 Frischbier I, 224. 

3 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprach. XVI, 83 f. — 4 Woeste 75. 

5 Wb. d. Luxemburg. Mundart 135 f. 

6 Popowitsch Versuch S. 139. — 7 Frischbier I, 258. 

8 Vgl. Zs. f. d. Phil. XXI, 213. 

9 Weinhold Beitr. zu einem schles. Wb. S. 28. 



Grauammer, emberiza miliaria, miliaria calendra. 107 

vogelK in der Schweiz auch KoriWOgd*] der letztgenannte Auf- 
druck, den Gesner a. a. 0. aus Glarus bezeugt, begegnet bereits 
im i:.. Jh.». 

Das elsäss. Dialektworl Ptotzer wird von Martin-Lienhari II. 
L76 auf den schwebenden Bing des Vogels [platzen fallen 
(mit Geräusch) 1 \ bezogen. 

Grauammer, emberiza miliaria, miliaria calendra. 

Nach Brehms Tierlehen (Vögel t 8 , 343) bat die Granammer, 
vom Osten kommend, erst im vergangenen Jahrhundert sich in 
Deutschland als Brutvogel verbreitet Gesner, derein im Winter 
eingefangenes Exemplar gesehen hat, gibt dem Vogel den Namen 
ein wyffe Emberitz wegen der weißüchenünterseite,vgLHist avium 
s. 629. Mit einigem Zweifel identifiziert er die Grauammer mit 
dem 'passer magnus', den Turner in Avium bist. (1544) S. 
G 6b Gerfthammer nennt; von dieser Quelle baben Eber und 
Peucer Vocab. (1552) S. F 6 b, Schwenkfeld u. a. den Namen 
aufgenommen. Als schlesische Bezeichnungen des Vogels gibt 
Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 290 die Namen Gerftling und 
Gerftvogel; daneben wird auch der Ausdruck Welfcher Goldammer 
erwähnt, der die Grauammer als Einwanderer bezeichnet. Klein 
hat in Hist. avium prodr. (1750) S. 91 für den Vogel die offenbar 
preußischen Ausdrücke Knust und Knipper, von denen der 
erstere eigtl. 'kleine dicke Person' bedeutet und die Fettigkeit 
des Vogels hervorhebt. Der Name Knipper bezieht sich auf die 
Stimme, die aus einem klirrenden e zick zick zick schnirrrrps' 
besteht; vgl. preuß. knippen 'mit hörbarem Knipp schließen, 
z. B. ein Schloß*. Nach Voigt Exeursionsbuch S. L18 sollen die 
Vogelsteller den Gesang der Grauammer mit dem Geräusch 
vergleichen, welches eine Strumpfwirkermaschine verursacht 
und ihr daher den Namen Strumpfwirker gehen. 

Ein Zugvogel ist in Deutschland die Gartenammer (embe- 
riza hortulana), welche in der Wissenschaft auch der Ortalan 
genannt wird. Der Name stammt aus dem Italienischen und 
wird v.m Bohberg Adeliches Land-Leben (1687) 0,803 in der 

1 Martin-Lienhart 1,100. — 2 Staub-Tobler 1,6 
3 Vgl. Diefenbach Glossar. S. 283c. 



108 Rohrammer, emberiza schoeniclus. 

italieuisclieu Lautgestalt Ortolano angeführt ; in der Angenehmen 
Land-Lust (1720) S. 197 der Hortulan, in Döbels Eröffn. Jägerpr. 
(1746) S. 56 der Ortolalin usw. 

In den südwestlichen Gegenden Deutschlands trifft man 
als Nistvogel die Zaunammer (emberiza chius), in der Schweiz 
Zün-Gilwerig genannt; in diesen Teilen von Deutschland, in der 
Schweiz und in Österreich nistet auch die sogenannte Zipp- 
ammer (emberiza cia), welche den Namen von ihrem Lockrufe 
hat. Es ist dies der Yogel, den Gesner a. a. 0. beschreibt und 
nach den schweizerischen Vogelstellern Wisemmertz (d. h. Wiesen- 
ammer) nennt. 

Ein Bewohner des hohen Nordens ist die Schneeammer 
(emberiza nivalis, plectrophenax nivalis), in schneereichen Wintern 
erscheint sie aber scharenweise in Deutschland und läßt sich 
auf Stoppelfeldern und Heiden nieder. Schwenkfeld Ther. Sil. 
(1603) S. 256 nennt diesen Yogel Winterling und erwähnt als 
volkstümliche Ausdrücke die Namen Schneevogel und Neuvogel. 
Im Münsterkreise heißt er Snefink 1 , in Steiermark Schnee- 
ammerling 2 . 

Rohrammer, emberiza schoeniclus. 

Der Yogel hat seinen Namen von dem Aufenthalt im 
Rohr und Schilf bekommen; er vermeidet das Gebirge und 
sucht nur die scliilf reichen Teiche und Sümpfe auf. In der 
Angenehmen Land-Lust (1720) S. 231 wird er mit den Namen 
der Moß-Emmerling oder Rohrsperling genannt. Meistenteils 
kennt man die Rohrammer mit dem letzteren Namen und zählt 
sie mit den Rohrsängern zu den Sperlingen. Gesner (S. 627) 
bezeichnet den Ausdruck Rorfpar als schweizerisch. Im Elsaß 
wird der Yogel Riedspatz oder Rohrspatz 3 (zuerst im Strassburg. 
Yogelb. (1554) Y. 533), in Mitteldeutschland Rohrsperling (zuerst 
Rhorfperling bei Eber und Peucer Yocab. (1552) S.F6 b) genannt; 
auch schon mnd. rörsperüng. Die mittelrheinische Namensform 
Reydtmüß (= Reitmüsch) gibt Turner Avium hist. (1544) 
S. F 2 b, heute in den Niederlanden rietmosch, in Luxemburg 



1 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 86. 

2 Unger-Khull 551. — 3 Martin-Lienhart II, 552. 



Fmk, rringilla. 

Weidtmfach ' t Im Munsterkreise isl die entsprechende Form 
J.clxlün'nih'. ostfries. Reitlünittk*. Vgl auch Rdrg itz und Wyden- 
spatz s. TD. 

Fink, Fringilla. 

Ahd. finco: Sg. Nom. «/wo fringilla : cod. SGalli 913, l ; "1 b 
cod. Guelpherbyt. Aug. 10. 8. i- f. 89a. Jim»: cod SGalli 
singellus: cod. SGalli 242, 248b. peringellus: cod. Bern. Trevir. f. 
112b, vineo: cod. Parisin. 9344f. t2b, cod. Berol. Ms. lat. - 
123b. cod. Selestad. 1 10a. Versus de volucr. Gll. Salomon. a 1. II. S. 
III. 17. XIa 2.b.d.e.f.g. uincho: Clm. 1 I689f. (7a. fincKo. cod.Vatic. 
Reg. 1701. 2b. flngo peringellus: cod. Bern. Trevir. R. III. L3, 
rinh-e: Versus de 70lucr., vinch: Versus de volucr. 

Der Finkenname ist in den westgermanischen Sprachen 
verbreitet, ygl. mnd. mndl. vinke, nnd. finke, nndl. vink and 
/*nc, me. ae. /Swcä; dän. finke : schwed. fmk (älter /wfo) sind nach 

Falk und Torp Et. ordb. I, \'^ entlehnt aus dem Niederdeutschen. 
Die kontinentalgermanischen Namensformen gehen auf die Grdf. 
*fink-{i)an- zurück, während die englische Benennung auf einem 
»-Stamm *fink-i- beruht. In den romanischen Sprachen ist der 
Vogelname in annähernd gleicher Form wie in den germanischen 
vorhanden: ital. pincione, span. pinchon, pinzoii, frz. pinson < 
Grdf. *pinciönem. Aus direkter Entlehnung kann die Überein- 
stimmung der beiden Sprachgruppen jedoch nicht erklärt werden, 
ebensowenig wie das Verhältnis zu dem Keltischen, das eben- 
falls Finkennamen mit übereinstimmendem Aussehen aufweist: 
cymr. pinc, breton. pint, daneben auch cymr. ysbineyn (*spink). 
Thurneysen Keltoromanisches S.73, der die Unmöglichkeit einer 
Urverwandtschaft der germanischen und keltischen Worte betont, 
erklärt die cymr. Form *spink für eine Entlehnung aus dem 
engl, spink 'Fink', das seinerseits wieder aus dem Nordischen 
(schwed. spink 'Spatz', dän. dial spinke 'eine Art Sperling') 
stammt Die romanischen Namensformen und cymr. pinc 
wieder aus eine]- Vermischung des deutsehen fink und spink 
oder direkt aus der letzteren Form geflossen. Aher die Ahnlieh- 

1 Wh. d. Luxemburg. Mundart KX). 

2 Korrespondenzbl. f. udd. Spracht. XVI, 86 

3 Jb. f. ndd. Sprachf. XL 113. 



HO Buchfink, fringilla caelebs. 

keit in dem Lautkörper erstreckt sich noch über andere Sprach- 
gebiete, vgl. czech. penkava 'Fink', slovak. pinka, penkava, pin- 
kavka, sloven. penkica 'Zeisig' u. a. slavische Namen, die vielleicht 
hierher gehören; dazu niagyar. pinty, pinc, pintyöke 'Fink', die 
Schuchardt Zs. f. rom. Phil. XV, 113 aus roman. *pincio oder aus 
Vermischung des roman. *pincione und des deutschen finco 
(daraus venez. finco) erklärt. 

Es ist nicht nötig, die weitgehende Übereinstimmung der 
oben angeführten Finkennamen durch direkte oder indirekte 
Entlehnung zu deuten, denn sie hat offenbar ihren Grund in 
dem onomatopoietischen Charakter des Vogelnamens, welcher 
auf dem kurzen, hellen pink-pink-Rufe des Buchfinken beruht. 
In mehreren von einander divergierenden Varianten kommt 
dieser charakteristische Ruf des Finken in seinen Benennungen 
zum Vorschein; zu der bereits erwähnten Xamensform gesellen 
sich noch engl. dial. chink-chink, pink, pink-twink\ schwed. 
tvinnt 2 'Buchfink' in Angermanland, Vesterbotten, Norrbotten, 
frz. dial. quinquin, toin, touin, breton. tint (neben pint) 3 u. a. Wegen 
der onomatopoietischen Natur des Finkennamens scheint die 
Möglichkeit ausgeschlossen, das Verhältnis des germanischen 
Wortes zu griech. ctuytoc 'ein kleiner Vogel (Fink)' (Hesych: 
cttittov. cmvov) neben CTri£a Mass.' zu bestimmen; die von 
Benfey I, 535 angenommene Urverwandtschaft bleibt ganz hypo- 
thetisch. 

Buchfink, fringilla caelebs. 

Der bekannteste und allgemeinste von allen finkenartigen 
Vögeln ist der Buchfink, welcher diesen Namen seiner Vorliebe 
für Buchein verdankt. Der Ausdruck, der heute ziemlich all- 
gemein gilt, ist seit dem 13. Jh. belegt; die ersten Zeugnisse 
für buchfinke, huchfinck finden sich in den Handschriften der 
Versus de volucribus (Ahd. Gll. III, 24 45 ). Bei Eber und Peucer 
Vocab. (1552) S. E 7 a wird der Buchfink mit dem Namen Rot- 
finck benannt. Auf die Färbung des Vogels weist auch der Aus- 
druck Schildfink hin, den Staub-Tobler I, 868 anführen ; wie in 

1 Swainson The Folklore S. 62. 

2 Rietz Svenskt dialektlexicon S. 767. 

3 Rolland Faune populaire II, 174- f. 



Bachfink, fringilla caelebs. 1 1 1 

den Namen Schückpecht, Schüdkräe, wird mit Schild hier die 
Buntheil des Gefieders ausgedrückt 1 . Sons! trird der Buchfink 
auch ofi nur mit dem bloßen Gattungsnamen genannt; im Bchle- 
sischen Dialekt wrird Finke weiblich gebraucht* Weit verbreitet 
sind die Ausdrücke Dreckfink, Mistfink (schon Im L3.Jh. mühdnke 
And. G1L III, 55 18 ), Kotfink (zuerst bei II. Sachs Eteginx der Vögel 
(1531) V. 171), schwäb, Dreckjockei 6 (zu Jockei 'Jacob*), «reiche 
sich daraus erklären, daß die Buchfinken mit Hausspatzen, Gold- 
ammern und anderen Vögeln ihre Nahrung an den Abfällen auf 
den Straßen suchen. 

Wie bereits erwähnt wurde, wird der Lockruf des Buch- 
finken als 'pink' oder in ähnlich klingenden Lautgebilden als 
Name des Vogels verwendet Dem Verfasser des Strassburg. 
Vogelb. ist der Zusammenhang zwischen dem Rufe und dem 
Namen aufgefallen, wie aus seiner Bemerkung "Finck ' fiurk , 
finck ift doch ihr gefchrey" hervorgeht. Ähnlich wird der Finken- 
ruf in Altmark aufgefaßt, wo der Vogel singt: "ick, ick, ick 
will hin zu dir! Du, du, du komm her zu mir! Flink, flink, 
flink !".. oder 'Tschink! t'schink! t'schink will ick, un vor en 
twe Dri Ber!" 4 . In Luxemburg wird der Buchfink der Pen- 
kerchen 5 genannt. Andere Namen sind dem kurzen klangvollen 
Pfiff nachgebildet, den Voigt Excursionsbuch S. 138 mit dem 
'huitf des kloinen Laubsängers vergleicht. Daher heißt der \ 
in Frankreich hi(ä G , im Elsaß PfU 1 , in Luxemburg Boupitt* dl 
Onomatopoietisch sind auch die synonymen Benennungen Boufek* 
m. in Luxemburg = Bofex 9 m. in der nördlichen Pfalz, Bueck- 
tschippes 10 m. im Elsaß. 

Bei den Vogelstellern und Finkenliebhabern werden die 
Buchfinken als Sänger beurteilt und danach in viele verschiedene 

1 Der angelsächsische Ausdruck ragufine meint ebenfalls den Buch- 
finken, denn das lat. Lemma scutacus, scutatis (Wright-Wülcker Vocab. I. 
260 24 . 286 ,9 ) ist = 8cutatu8 und gehört zu acutum 'Schild*. 

2 Weinhold Beilr. zu einem schles. Wb. S. 20. — 3 Fischer 1! 
I Danneil 21. — 5 Wb. d. Luxemburg. Mundart 334 

6 Rolland Faune populaire II, 175. — 7 Martin-Lienhart II. lil. 

8 Wb. d. Luxemburg. Mundart 38. 40. 

9 Heeger Tiere im pfälz. Volksmunde II, 11. 
10 Martin-Lienhart II, 773. 



112 Bergfink, fringilla montifringilla. 

Arten eingeteilt. Je nach der Melodie des Schlags werden die 
Yögel verschieden benannt. In dem Bericht von dem Vogelstellen 
(1631) S. 360 handelt Aitinger von dem Finkengesang: "Der 
Fincken ift gar mancherley Gefchlecht / fo nirgend dann am 
Gesang zu vnterfcheiden / . . . doch fallen die Fincken auf nach- 
folgende Gesänge gerne ein. Als vff Reiterzu / Bioweide / Blotz- 
diebier / zum Bier gehe Fritz / Heintzerweh / vnd Zwatgrion etc." 
Eine noch größere Auswahl von solchen technischen Ausdrücken 
bietet Georgica Helvetica curiosa (1705) S. 831, wo auch bloß 
die 'fürnehmste' Sänger aufgezählt werden : "Ritfcher oder Weit- 
fchuh / der Ziehende vnd Lachende / der Wildsfeuer oder Diß- 
dered / darauff folgen der Groß- rollende / der Klein- rollende / 
der Sitzaufrühl / der Mufquetierer / der Malvafier / der Kuh- 
Dieb / der Sparbarazier / der Doideret / der Gut-Jahr / der Mit 
fo viel / der Zizigall / der Pfinkeifter etc." Aus Thüringen nennt 
Hertel Sprachsch. S.176. 256. 259 einige bekannte Finkenschläge: 
"Reit- zu- schlag, Weinbeere, Weingesang, Kotschengewirr". Weit 
über die fachmännischen Kreise bekannt war der berühmte "Reit- 
zu- schlag"; bereits das Strassburg. Yogelb. v. J. 1554 Y. 409 
erwähnt unter den Singvögeln den Beitherzü. In den Beiträgen 
zu einem schles. Wb. S. 77 zitiert Weinhold nach Stoppe den 
Yers "das Ohr hört keine Finken nicht den fogenannten Reiter 
schlagen" und in Hauptmanns Versunk. Glocke (1897, 7. Aufl. 
S. 157 (5. Akt)) beruht der Xame Finkferling ebenfalls auf einer 
Schlagart des Buchfinken. — Wahrscheinlich steht auch der in 
Steiermark vorkommende Ausdruck Ziehholzjokel 1 irgendwie im 
Zusammenhang mit dem Gesang des Buchfinken. In Obersteier- 
mark wird der Vogel auch einfacher Holzjocjgel 1 genannt; der 
zweite Teil des zusammengesetzten Xamens ist eine Koseform 
von Makob', vgl. oben schwäb. Drecljockel. 

Ein luxemburgischer Dialektname für den Buchfinken ist 
Schivengskäppchen 2 (d. h. Schweinsköpfchen). 

Bergfink, fringilla montifringilla. 

Die Heimat der Bergfinken ist in den nördlichen Ländern. 
Von da aus wandern sie im Herbst in großen Scharen nach 

1 Unger-Khull 354. 651. — 2 Wb. d. Luxemburg. Mundart 403. 



Bergfink, bringüla montifringiiia 113 

Deutschland und im Winter rieht strenge Kälte oder starker 
Schneefall sie m die NTähe der menschlichen Wohnungen. In 
einigen Gegenden werden sie wegen dieser Lebensart, ebenso wie 
die Rotdrossel und der Seidenschwanz, als 'Böhmen* aufgefaßt; 
m der Pfalz wird der \ain<> Behemmer* gerade für den Bergfinken 
gebraucht, und auf diesen Vogel können sich auch die schwäbi- 
schen Belege für BÖhemlein, Böhemerlein (Bechenüin aus dem 
J. 1560) beziehen, welche Bischer \VI>. I, 737. L268 anführt. 
In Luxemburg heißt der Vogel der Eideher Pbufank 1 d. h. 
der Oslinger Buchfink (von öslingen, einem bergigen Teil*' des 
lux. Landes), im Münsterkreise der Spaneke Bookfink 3 (der 
spanische Buchfink). — An anderen Orten, wie in Obersteier- 
mark, hat der Bergfink den Namen Schneefink 1 ] bei Eber und 
Peucer Vocab. (1552) S. E7a Schneefingk, Winterfingk. 

Gesner Hist. avium S. 374 gibt an, daß man in der Schweiz 
den Bergfinken Walclfinck oder Thanfinck nenne; beide Ausdrücke 
sind im Elsaß durch das Strassburg. Vogelb. (1554) V. 1691 
bezeugt. Heute ist auch in Schwaben Tannfink 5 die übliche 
Bezeichnung dieser Vogelart, Daneben kommt auch der Name 
Taljockei'' m. (d. h. 'Taljakob') vor, der sicli aus dem Lieblings- 
aufenthalte des Bergfinken, den Gebirgstälern mit ausgedehnten 
Nadelholzwaldungen, erklärt; so auch der Ausdruck Bergfinck in 
der Angenehmen Land-Lust (1720) S. 3. In Steiermark ist der 
entsprechende Ausdruck Waldjakd* 'WaldjakoV (s. Holzje. 
8.112). Ein luxemburgischer Name bezeichnet den Bergfinken 
als Akervilchen 1 m. (Ackervögelchen); ähnlich auch Stoppelfink* 
im nördlichen Böhmen. Gelegentlich wird der Vogel auch als 
Mistfink* bezeichnet aus demselben Grunde wie der Buchfink. 

Für die Stimme des Bergfinken ist ein hingezogener quak- 
Laut charakteristisch, welcher dem Vogel den Namen Quecker 
verschafft hat Zunächst wird der Ausdruck durch Eber und 
Peucer Vocab. (1552) S. F 7 a als sächsisch bezeugt; in der betref- 

1 Heeger Tiere im pfälz. Volksmunde II, 11. 

2 Wb. d. Luxemburg. Mundart 340. 

3 Korrespondenzbl. f. ndd. Spracht XVI. 85. I Unger-KhuL 561 
. r > Fischer 11,39. 55. — 6 Unger-Khull 615. 

7 Wb. d. Luxemburg. Mundart 4 — 8 Zs. f. d. Phil. XXI. &10. 
9 Vgl. z. B. Staub-Tobler I, 867, Zs. f. d. Phil. a. a. 0. 
suoiahti. Vogelnamen. 8 



114 Bergfink, fringilla montifringilla. 

fenden Glosse werden mehrere Einkenarten zusammengeworfen. 
Schwenkfeld, der in Ther. SQ. (1603) S. 229 auf die Quec-Quec- 
Laute hinweist, gibt Quecker als schlesisches Wort ; darauf Quecker 
bei Aitinger Berieht v. d. Yogelstellen (1631) S. 162 und Hoh- 
berg Adeliches Land-Leben (1687) II, 799 Kap. CXX, Quäcker 
in der Angenehmen Land-Lust (1720) S. 248 und bei Döbel 
Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 61. Wie aus den erwähnten Zeugnissen 
hervorgeht, ist der Ausdruck vorzugsweise auf ostmitteldeutschem 
Boden heimisch; heute in Thüringen und dem nördlichen Böh- 
men 1 Quäcker 2 , in Göttingen und Grubenhagen und Preußen * 
Quceker^ m., aber auch auf Helgoland der Queker 5 . 

In Baiern und in der Schweiz lautet der entsprechende 
onomatopoietische Name Gegler 6 (zuerst bei Hans Sachs Regim. 
der Yögel V. 189), in Tirol Gäggezer 1 . Auf das zerrende Ge- 
schrei des Yogels bezieht sich ferner noch der Ausdruck Zehr- 
ling in Döbels Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 61 ; vgl. Zerrer, Ziering 
'Misteldrossel' S. 60. 

Die Benennung Igaivitz (Igowitz, Igaivitzer) 8 , welche in Mittel- 
und Oststeiermark für den Bergfinken gebraucht wird, ist 
entlehnt aus dem gleichbedeutenden czechischen Namen jikavec. 
Eine Nebenform mit unorganischem n im Anlaut (wie Nigel 
für Igel usw.) ist Nigoivitz, Nigowitzer 8 . Diese ist schon bei Hoh- 
berg Adel. Land-Leben (1687) II, 799 Kap. CXX als Nickawitz 
belegt; in der Angenehmen Land-Lust (1720) S. 248 wird Nica- 
bitz als österreichischer Name des "Quäckers" erwähnt. — Auch 
das österreichische Synonymon der Pienk 9 ist eher als Ent- 
lehnuni: aus dem Slavischen denn als eine direkte Nachbildung 
des Lockrufes des Buchfinken zu betrachten; vgl. S. 109 f. 

In der Literatur des 16. Jhs. begegnet der Ausdruck Ro- 
wert als Bezeichnung des Bergfinken. Das Wort ist aus Turners 
Avium bist. (1544) S. D 6a abgeschrieben, wo es als deutsche 
Benennung des Yogels angeführt wird. Der Yogelname ist iden- 

1 Zs. f. d. Phil. XXI, 210. — 2 Hertel 187. 
3 Frischbier II, 19G. — 4 Schambach L63. 

5 Frommann D. Mundarten III, 32. 

6 Schmeller-Frommann 1,882 u. Staub-Tobler 11,140. 

7 Frommann D. Mundarten IV, 54. — 8 Unger-Khull 865. 478. 
9 Schmeller-Frommann I, 394. 



Distelfink, fringilla cardaelii I 16 

tisch mit dem Eigennamen Robert und bildet also eine Parallele 
zum schwül». Jockei^ steir. Jakel : Jogget. Doch liegl der Verdacht 
nahe, daß der in Köln lebende Engländer Turner den Vogelnamen 
aus seiner Seimal kannte, di-ww in englischen Dialekten ist /«'"- 
berd 1 ein Name des Buchfinken, in Deutschland finden -ich aber 
keine weiteren Beziehungen dazu. 

Distelfink, fii nv illa carduel i - 

Ahd. distilfi n<'<» : Sg. Nom. — thistilfinco caxduelus : cod. SGalli 
242,248b. cod. SGalh' 299,26. thütil uineo aealantida: Vergil. G 
III. 338: cod. Parisin. 9344, 29a. distilflncho ; cod. Vatic. Reg. 1701, 
2b. Versus de volucr. distiluincho : cod. Selestad. 110a. II S. III. 
17. Xle. 'Hstiiui, *cho\ cod. Lambac. cart. 291, La diatüuinco 
lantis el carduelis: cod. sem. Trevir. R. III. 13, 103a. H. S. XI, i 2, 

achalantus cardnelis I cardueüus : e.distüuinez*: Gll.Salom.al : 
cod. Admont. .">. t9a. <iistehiinke: cod. Cheltenham 7087, 1 

Der Distelfink ist nach dvn Disteln benannt worden, deren 
Köpfe er plündert, um sieh von den Samen zu nähren. Ebenso 
gehört der lateinische Name cardnelis (ital. cardello. frz. char- 
donneret) zu cardnns "Distel*. 

Eine ähnliche Benennung wie Distelfink aus ahd. '//>•//'/- 
/?'///ro (mndl. nndl. distelvink\ auch engl. dial. ihisüefinch) ist ahd. 
distilztoi distilzuui carduelus: cod. Yatican. Reg. 1701,2 b. achanthis 
auis i.: H. S. Xlh: fragm. mus. germ. acc. 42517, lc. distüziu: 
Clm. 14689f. iTai. Diese Variante hat eine Entsprechung im 
gleichbedeutenden ags. pisteltwige (linetmge 'Hänfling'), welches 
die ältere Lautform bewahrt Der zweite Teil des Kompositums ist 
eine Ableitung von ahd. zwiön\ zwetön 'rupfen, pflücken* (mhd. 
zwigen 'abzwicken, pflücken*; vgl. auch mhd. zwicken "rupfen, 
zerren' - ags.ttmccian Mass. 5 ), sodaß der Name eigentlich "Distel- 
rupfer* 8 bedeutet. Die erst im 11. Jh. bezeugte Form distüzwi 
hat bereits eine volksetymologische Umbildung in Anlehnung 
an zwt 'Zweig' erfahren. Dagegen hat man wohl in distüwizo 
in cod. Elorent Wl. 5, 92a (Ahd. (.11. III. 296 18 ) für Hidüzwte 



1 Swainson The Folklore S. 63. 

2 am z geändert. I. dustiluinco (Sievers). Vielleicht hat aber di 
läge distüzuuie gehabt. 

3 Vgl. Weigand Zs. f. d. A. IX. 392. 

8* 



116 Distelfink, fringilla carduelis. 

die ursprünglichere Lautgestalt zu sehen. Eine abweichende 
Bildung ist ags. pisoeltunga 1 , dem mhd. distelzwang entspricht. 
Auch hier bewahrt das Angelsächsische die ältere Bildimgsweise 
gegenüber dem bereits umgestalteten mittelhochdeutschen Worte. 
In seinem zweiten Bestandteile enthält das Kompositum eine 
Ableitung von ags.tivengan 'rupfen, zerren' = ahd. zwangen ; die 
Bedeutung dieser Namensform ist also ebenfalls e Distelrupfer\ 

Aber noch eine dritte ahd. Variante scheint aus demselben 
seniasiologischen Ausgangspunkt zu deuten zu sein. Der Vocabu- 
larius SGalli (cod. SGalli 913, 203) bietet die Glosse zimistilauin™ 
cardelle, die Kluge in seinem Etymol. Wb. 6 s. v. zwitschern 
als 'Zwitscherfink' erklären möchte, indem er darin eine germ. 
Wurzel Huis 'zwitschern' vermutet. Doch fragt es sich, ob nicht 
hier vielmehr eine Parallele zu den vorhingenannten Varianten 
vorliegt, denn zwistila- kann als Ableitung von dem Stamme 
Hwist- mit der Grundbedeutung 'spalten' (anord. tvistra 'zerteilen', 
ags. ttoislian, westfäl. tuisseln 'spalten') aufgefaßt werden. 

Heutzutage ist der Ausdruck Distelfink sowohl auf hoch- 
wie niederdeutschem Sprachgebiet allgemein verbreitet In 
der Schweiz ist daneben auch die Namensform Disteli 2 . im 
Elsaß DischeU Dissele, Disserle* (neben Dischelfink 3 ) vorhanden. 
Diese Formen sind als Kurzformen des zusammengesetzten Vogel- 
namens zu verstehen, ähnlich wie Schweiz, ßeckholter für Reck- 
hdtertrostel, elsäss. Mistel für Misteldrostel vgl. S. 60. 63. 

Die alten Varianten distilzwi und distelzivang (zuerst 
tistelzwang folium Francofurtense in Ahd. Grll. III, 31 54 ) sind 
in der Schweiz, im Elsaß und in Schwaben heimisch, vgl. 
schweiz.-elsäss. Distelzwig 3 (zuerst in Ryffs Herb. Alberti 
(1545) S. I 5 b Distelzweig\ Schwab. Distel ziveiglehu Distelztring- 
Uin x \ s. auch Grimms YYb. II. L197. Der schweizerisch-schwä- 
bische Ausdruck Distelvogel, welcher im 16. Jh. bei KyfT a. a. 0. 
und Gesner Rist, avium (1555) S. 236 begegnet, ist schon im 
13. Jh. Ahd. (Ül. III. 71 I ■■■ bezeugt 

Aus der Rostocker Gegend führt Gesner Hist. avium 

1 Nur einmal belegt in den Glossen Zs. f. d. A. XXXIII, 241. 

2 Staub-Tobler I, 868. — 3 Martin-Lienhart II. 720. 723. 92H. 
4 Fischer Ji. 232. 



Distelfink, fringilla cardoelis. 1 17 

(15Ö5) 8. 236 den tarnen Roikögelken d. h. Rotkäppchen (rahd. 
hogel 'Kappe') als Bezeichnung des Distelfinken an; «regen dec 
roten Kopfbandes hat der Vogel auch in englischen Dialekten 
die Namen redcap oder King Harry Redcap 1 . Bei den deutsch 
redenden Rhätiern soll der Distelfink, wie Gtesner sich zn er- 
innern glaubt, Turm heißen; als Friesischen Ausdruck bezeichnet 
er Pettcr. vgl. ostfries. Pütterke in den Jahrb. f. udd. Sprachf. 
XI, 113. Bin Luxemburgisches Synonymon für den Distelfinken 
ist Goldtrilchen* m. oder Goldschmatt* m. (d. h. Goldschmied); der 
letztere Ausdruck ist identisch mit mittellat. aurifieeps 1 auri- 
ie\ . womit Goldfink (Dompfaffe) glossiert wird. 

Eine weite Verbreitung hat dasslavische Lehnwort Stieglitz 
erhalten, welches im 12. Jh. aus dem sloven. idegljec* 'J)i>t»'l- 
fink' entlehnt wurde. Das früheste Zeugnis von dem Worte 
auf deutschem Sprachboden gibt Albertus Magnus inDeanimalibus: 
"Carduelis est auicula parua que carduis insidet que apud 
nos diftelfinch apud quosda v-o ftygelicz ab imitatione vecatur 
vecis". Die ältesten Eandschriften der Versus de volucribus 
schreiben distilfinco, vom 13. Jh. an erscheint daneben das 
Fremdwort in den <»stmitteldeutschen und bairischen Abschrif- 
ten, vgl. disteluinch. stigliz cod. Ups. Paulin. 106, 1 d. sti(/lif; t 
distelvinch cod. Mellic. K 51, 242, *figlitz. distelvink cod. Oeni- 
pont, 355, L5a, stigelicz distelvink: cod. Vindob. 3213, L16b, 
stiglite Cgm. 649, 526b, stiglicz Clm. 3537, 330b, cod. Vindob. 
L2840, 2b, stigliz Clm. L2665, L42c, stiglite cod.Yindob. L325, 
107a. stigdiez Clm. 4350, : ( >a (Ahd. (dl. Ml. 31' * n '\ stiglicz Clm. 
:*5;!7, 380b (Ahd. (dl. 25±). Im Niederdeutschen ist Str., c)litze. 
Stegdisse seit dem 15. Jh. bezeugt 4 . 

Im 16. Jh. wird SHgditz neben Distdfinck von Turner 
Avium bist. (1544) 8. C 2a angeführt, Eber und Peucer Vocab. 
I L552) S. K 5a halten ebenfalls Stiglitzen neben Diftdvincken\ für 
Schlesien wird das Fremdwort Stieglitz von Schwenkfeld Ther. 



1 Vgl. Swainsoo The Folklore S 68 

2 Wb. d. Luxemburg. Mundart 1 ES 

3 = czech. stehlik, poln. szczygiet. 

I Vgl. Diefenbach-Wülcker Wb. S. 866 und Jb. f. ndd. Sprachf . VI. 

127. XVI. 113. 



118 Erlenzeisig, fringilla spinus, chrysomitris spinus. 

Sil. (1603) S. 233 als die übliche Benennung des Vogels bezeugt. 
Aber Gesner kennt es nur aus seinen literarischen Quellen. — 
Teilweise umgestaltet scheint der Ausdruck heutzutage im ganzen 
östlichen Deutschland und am Mittelrhein sich in den Mund- 
arten eingebürgert zu haben, vgl. bair. Stigelhitz 1 , thüring. 
Sdeleze 2 , preuß. Stieglitzk z , mecklenburg. Stiegellitsch*, in Ham- 
burg und Holstein Steüitseh*, auf Helgoland Siblitschvink-\ in 
Altmark Stiglitsch 6 und in Luxemburg Stirlitz 1 m. 

Erlenzeisig, fringilla spinus, chrysomitris spinus. 

Der heute in Deutschlau d allgemein gebrauchte Ausdruck 
Zeisig ist, ebenso wie Stieglitz, ein östliches Lehnwort, dem czech. 
ciz, cizek (= poln. czyz, russ. cizü) zugrunde liegen. Auf den 
beiden czechischen Parallelformen beruhen mhd. ztse (schon bei 
Gottfried von Strassburg) und zisic (zuerst bei Albertus Magnus 
De animalibus : quoddam autem croceum paruum quas vulga- 
riter cisich vocatur) und mnd. *sise {czitze\ sisek, mndl. sijs\ dän. 
sise (alt) und schwed. siska sind aus dem Niederdeutschen über- 
nommen. Die kürzere Namensform, als zijs (cicendula, cincedula) 
in Clm. 614, 31b und czeis in Clm. 11481, 83 a (Versus de volucr.) 
überliefert, ist in Steiermark als Zeis* m. vorhanden. Sonst ist 
das Fremdwort in der Form Zeisig oder in der vorzugsweise 
oberdeutschen Weiterbildung Zeislein, Zisle verbreitet. Die letzt- 
genannte Namensforni erscheint in den Glossen zeisel cod. Mellic. 
K 51, 242, czeislen: cod. Gotting. Luneb. 2 f. 181 ab, caiselin Clm. 
4350, 3 a und in anderen Belegen bei Lexer Mhd. Wb. III, 1135. 
Im 15 u. 16. Jh. ist der Ausdruck ganz geläufig : zeyßlein im 
Vocab. theuton. (1482), S. pp 5 a, zißlin in Bracks Vocab. (1495) 
S. 49 a, Zeißle bei Pinicianus Prompt. (1516) S. C 2 b, Zißlin im 
Strassburg. Vogelb. (1554) V. 409. Auffällig ist die Nebenform 
Zinsle bei Gesner S. 1, Zinßlein bei Golius Onomasticon v. J. 1579 
Sp. 293. Heute ist Zisel, Zeisel in Oberdeutschland allgemein, 



1 Schmeller-Frommann II. 743. — 2 Herlei 235. 

3 Frischhier 11, 371. 

4 Korrespondenzbl. f. ndd. Spraclif. XVI, 84. XVII, 3. 4. 

5 Frommann D. Mundarten III, 32. — 6 Danneil 212. 

7 Wb. d. Luxemburg. Mundart 425. — 8 Unger-Khull 647. 



Bmthanfling, fringilla cannabina, acanthii cannabina. iü> 

auch in der Pfalz Zetsel^Zeia^rle 1 and in Luxemburg ZeMchen 1 m.; 
8chwenkfeld Ther. Sil. (1603) 8. 297 gibl alß BchJesische Formen 
Zeifel und Zeisich. Die letztere isl die eigentliche mitteldeutsche 
Lautform; daneben auch schles. Zei '.< '. preuß. Ztsfo 4 ndd.Ztaü 
(in Altmari auch Zickrdütach*). An odd. stsiktn 6 (im Münster- 
kreise Siesken 1 ) tnitteld. cisichin /.. B. im Kölner Doppelbl. Ahd. 
GH. III, 39 11 , thüring. Zi^m* stammen engl, sieben, dftn. .w /■<„. 
.svs//r// (älter miken). 

Andere Namen für den Zeisig sind selten. Nach Tarnen 
Avium bist. (1544) S. F 11) ><>II der Vogel von einigen Engel- 
chen genannt werden. Martin und Lienhart führen Wb. I. 
aus Colmar das Synonymon \\ r <thlhüsele an. 

Von seiner Vorliebe für Erlen, deren Samen er frißt, hat 
der Zeisig den Namen Erlenzeisig erhalten; Hohberg Adeliches 
Land-Leben II. 802 Kap.CXX gebrauclit (\en Ausdruck Erlenfinck. 

Blnthänfling', fringilla cannabina, acanthis cannabina 

Wie der Distelfink nach seiner Lieblingsnahrung benannt 
worden ist, so bat auch der Hanffink oder der Hänfling seinen 
Namen von den Sämereien erbalten, welche er verzehrt; daher 
heißt der Vogel im Französischen Unotte. im Russischen kofUh 
pljanka (zu konopeli 'Hanf') usw. 

Die mhd. Komposita haneffinke (= mnd. hanepvinke 9 im 
Lübecker Schulvokab. v.J. 1 r> 1 1 ) und Jianefvogel (bei Hohberg 
Adel. Land-Leben IT. 801 Kap. <X\ Hanfffink oder Hänfling) 
fehlen in den meisten heutigen Mundarten. Diese benennen 
den Voi^el mit Namen, welche als Ableitungen von Hanf ge- 
bildet sind. Im Mittelniederdeutschen erscheint zunächst die 
-föfi^a-Bildung hennepling : welche besonders dem nieder- und 
mitteldeutschen Sprachgebiete eigen ist: in Mecklenburg Hömp- 
Unk 1{ \ in Altmark llämpl'uuj. Hämperling ll : in Göttingen und 

1 Heegei Tiere im pfälz. Volksmunde 11. 11. 

2 Wb. d. Luxemburg. R!undar1 199. 

3 Weinhold Beitr. zu einem schles. Wb. S. los. 

4 Frischbier II. 495. — ö Danneil 232. 

6 .Ib. f. ödd. Sprach! XVI. 11:;. 

7 Korrespondenz!)!. I'. odd. Spracht XVI, 80. — 8 Hertel 263. 

9 Jb. f. ndd. Sprachf.XVI, 113; die Handschrift schreibl Häneprinke, 
10 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 84. — 11 Danneil 74. 



120 Bluthänfling, fringilla cannabina. acanthis cannabina. 

Grubenhagen Hemperling l 5 in Thüringen Hemperling und Hamp- 
flch 2 , in Hessen Henfterling* (im Poet Staarstecher (1730) 
S. 158 Hämpferling), in Schlesien Henffling (Schwenkfeld Ther. 
Sil. (1603) S. 294); ans dem Niederdeutschen ist das Wort als 
hämpling ins Schwedische übernommen. — In der bairisch- 
österreichischen Mundart entspricht eine ^«-Bildung: bair. 
Häuf dein 4 *, österr. Hanöferl b , steir. Hanefel m., Haneferl* n. 

Eine synonyme Variante ist Flachsfink 7 im Elsaß, Flues- 
f enkelchen 8 in Luxemburg, Flassfinke 9 in Westfalen, vlasvink 
in Holland; im 16. Jh. Flasfink in Turners Avium hist. 
(1544) S. I lb, Flacksfinckle in Ryffs Tierb. Alberti (1545) 
S. K 6, Flachsfinck im Strassburg. Yogelb. (1554) V. 469, bei 
Gesner Hist. avium S. 567 Flachsfinck und Lynfinck. 

Eine niederdeutsche Bezeichnung des Hänflings ist Arische, 
Ärtje 10 in Göttingen und Grubenhagen, Art seh (Grauarisch n ) 
in Altmark, Arische 12 f. in Fallersieben, Frische, Ertseke 13 in 
Holstein. Irdisk u auf Helgoland. Die Annahme von Falk und 
Torp Et. ordb. I, 333, daß dieser Name mit anord. ertla 'Bach- 
stelze' und weiterhin mit anord. arta 'Krickente' zusammenhängen 
würde, ist nicht richtig. Die älteste gemeinsame Form, auf 
welche alle Dialektvarianten zurückgehen, ist mnd. ertse{ken) 
(Ratsversamml. d. Tiere Ed. Bruns 15 ) oder vielmehr yrfz(ke) im 
Lübecker Schulvokab. v. J. 1511 (Jb.f. ndd. Spracht XYI, 113), und 
diese Form ist eine Entlehnung aus gleichbedeutendem czech. jiric. 
Das Lehnwort, das in Lübeck und der Grafschaft Ranzau noch 
als Iritsch 10 (> dän. irisk(e)) bewahrt ist, gehört zur selben Gruppe 
östlicher Entlehnungen wie Zeisig, Stieglitz u. a. 

Wegen der grauen Farbe des Gefieders nennt man den 
Hänfling in Hessen Grohenfterüng 11 , in Altmark Grauartsch 1 *, 

1 Schambach 79. — 2 Hertel 114. 

3 Saul Beitr. zum Hess. Id. S. 9. — 4 Grimm Wh. IV, 2. 435. 

5 Zs. f. d. Phil. XXI, 212. — 6 Unger-Khull 327. 

7 Martin-Lienhart I, 122. — 8 Wb. d. Luxemburg. Mundart 113. 

9 Woeste 302. — 10 Schambach 13. — 11 Danneil 7. 

12 Frommann D. Mundarien V. 50. 

13 Korrespondenz};!, f. ndd. Sprachf. XVII. 3. 

14 Frommann D. Mundarten III, 32. — 15 Schiller-Lübben Wb. I, 733. 

16 Korrcspondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 83. XVII. 2. 

17 Saul a. a. 0. — 18 Danneil a. a. 0. 



Leinfink, rringilla Linaria, acanthu linaria. 121 

in der Grafschaft Ranzau QrauiriUeh 1 ^ während wieder der 
Alpdruck Blaudartoche* in Göttingen und Grabenhagen auf 
die blutrote Stirn- und Brustfarbe des männlichen Vi 
weist. Darauf bezieht sich ebenfalls der ostfriesische Name 
l\nhhttjr\ den schon Gesner a.a.O.S.567 in der Form Rubin 
kennt — Die verschiedene Färbung des männlichen und weib- 
lichen Vogels hat gelegentlich zu der Annahme geführt, daß 
von den Hänflingen zwei verschiedene Arten existierten, Bei 
Eber and Peucer Vocab. (1552) 8. V s '> werden dafür die 
Namen Zigdhemfßing und Heidenhemffling angeführt ; der 
eretere Ausdruck bezeichnet das Männchen nach der ziegelfar- 
bigen Brust. 

Als 'Sperling' benennt t\rw Hänfling der ndd. Name Hemp- 
lühnke 4 (ostfries. Hemplüning) ; vgl. schwed. dial. hampetäkling 
(Rietz Svenskt Dialektlexicon S. 240). Luxemburgische Dialekt- 
worte sind Wangerts/1 lies fenlel che >t : > und Grosangsvilchen* in. 

Bin straßburger Dialektname für den Hänfling i>t Gyntd, 
den Gesner a. a. 0. S. T « > ; 5 verzeichnet. Hei Wickram Pilger 
3670 (IY, 241) begegnet das sonst nicht nachweisbare Wert 
in der Form GinÜin. 

Leinfink, fringilla linaria, acanthis linaria. 
Bin naher Verwandter des Hänflings ist der Leinfink 
oder (U}v Birkenzeisig, welcher in Deutschland nur als Durch- 
zugsvogel erscheint Seine Wanderzüge linden ganz anregel- 
mäßig statt, und da, wo die Scharen der Birkenzeisige plötz- 
lich erscheinen, wird dies vielfach als ein Dnglückszeichen 
aufgefaßt und mit Tod und Pest in Zusammenhang gesetzt 
Daher erklärt sieh deT Name Toten vogel. den Schwenkfeld Ther. 
Sil. (1603) S. 344 anführt. Auch andere abergläubische Vor- 
stellungen knüpfen sieh an die streichenden Birkenzi 
Schwenkfeld erzählt a.a.O.. daß bei den schlesischen Dauern 
geglaubt wird, daß die Vogel aus Mäusen entstehen und im 
Frühjahr wieder zu Mäusen verwandelt werden, weil man sie 

1 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVII, 2. 

2 Schambach a. a. 0. : , > Jb. f. ndd. Sprachf. XI. 113. 
i Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVII. 3. 

.") Wh d. Luxemburg. Mundart 156. 175. 



122 Leintink. fringilla linaria, acanthis linaria. 

im Sommer nicht mehr sieht. Deswegen werden sie denn auch 
von den Bauern Meusevogel genannt. — Wegen der streichenden 
Lebensart faßt man die Leinfinken in vielen Gegenden als 
überseeische Yögel auf, ähnlich wie Seidenschwänze, Mandel- 
krähen und andere sporadisch auftretende Vogelarten. In der 
Angenehmen Land-Lust (1720) S. 158 wird für sie der Name 
Meer-Zeißlein verwendet. Popo witsch Y ersuch S. 477 bezeugt 
den Ausdruck Meerzeisel für Österreich, Baiern und Franken, 
Unger-Khnll Wortsch. S. 456 führen Meerzeiserl aus Steiermark 
an. Der Name wird in einigen Gegenden auch auf verwandte 
Yögel übertragen, vgl. Zs. f. d. Phil. XXI, 211. 

Gesner, der in Hist. avium S. 568 den Leinfinken als einen 
seltenen Gast in der Schweiz bezeichnet, nennt ihn mit dem 
Namen Schöfferle, welchen er von den Vogelstellern gehört hat 
und erwähnt dazu die Variante Tschütscherle, die ihm aus Nürn- 
berg bekannt ist. Dieser Ausdruck ist in zahlreichen Variationen 
auf deutschem Sprachboden verbreitet. Die nürnbergische Na- 
mensform begegnet als Zötscherlein bereits bei Hans Sachs Regim. 
der Vögel (1531) V. 169. Aus Sachsen wird Zötfcherhn durch 
Eber und Peucer Vocab. (1552) S. F 7 b und aus Schlesien durch 
Schwenkfeld a. a. 0. bezeugt; ein älterer schlesischer Beleg v. 
J. 1583 ist TschetscherleinK Döbel Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 64 
schreibt Zitscherling oder Zicitscherling ; heute in Schlesien Tschcet- 
scher, in Thüringen und Steiermark der Zetscher 2 . Bei Hohberg 
Adeliches Land-Leben (1687) IT, 801 Kap. CXX lautet die 
österreichische Namensform Tschekerle, bei Klein Hist. av. prodr. 
(1750) S. 99 wird die Variante Tschetzke als preußisch auge- 
geben, in Litauen "mundgerechter" Schefschke, Scheschke ($. Frisch- 
bier Wb. IL 414). Im nördlichen Böhmen ist Tschädschlich 3 die 
übliche Lautform, in Anhalt das Schatteten*. - I 'hytraeus No- 
menclator (1582) S. 376 führt den Namen in der Form Schnetz 
an. Die von Gesner angeführte heimatliche Form, welche heute 
in der Schweiz als Schössli (Bluetschössli)'' vorkommt, ist schon 
in der Glosse Scheßlin (canapellus) in Bracks Vocab. (1495) S. 49a 

1 Frommann D. Mundarten IV, 189. 

2 Hertel 263, Ünger-Khull 645. — 3 Zs. f. d. Phil. XXI, 211. 

4 Naumann-Hennicke III, 301. 

5 Slanb-Tobler I. 868 s. v. Ltnfink. 



Leinfink, fringilla linaria, acanthia lim 128 

belegt; nachher Gefchößlin in Ostermanns V\>cab. (1591) 8. 335. 
— Diese letzteren Namensformen, Eür welche in Grimma Wb. 
b. t. Schösserle Zusammenhang mit schiessen vermutet wird, 
können von den vorhingenannten nicht getrennt werden; sie sind 
ohne Zweifel all«' auf denselben Ursprung zurückzuführen. Eine 
direkte Bildung dieses Namens im Anschluß an den Lockruf des 
Vogels, welcher nach Naumann tschüttschütf lautet, wäre denk- 
bar. Zieht man aber in Betracht, daß der Birkenzeisig in Deutsch- 
land kein einheimischer Vogel ist, dagegen in «hat slavischen 
Ländern sehr häufig ist, so darf man die deutschen Namens- 
varianten als Entlehnungen ans dem czech.-poln. Synonymon 
cecrtka, (ruSS. crcrtü) betrachten. Dafür spricht auch der 1 in- 
stand, daß der Name in den westlichen Gegenden von Deutsch- 
land fehlt Demnach reiht sich Zötscherlein an die Namen St,r>i- 
litz, Zeisig, Iritsch, Ikawetz an, welche ihre Heimat in den sla- 
vischen Sprachen haben. 

Eine österreichische Bezeichnung des Leinfinken ist 
Gradein bei Hohberg a. a. 0., Gräslein, Gräßlein in der An- 
genehmen Land-Lust (1720) S. J und 158, Graset nach Popowitsch 
Versuch S. 477 um Wien: Gesner (S. 248) kennt den Ausdruck 
in der Form Greßling. Der Xame begegnet als grezel schon in 
dem mhd. Gedichte 'Jüngling' Konrads von Haslau V. 259 
(Zs. f. d. A. VIII, 558). Mhd. gre/cL nhd. Gressling sind abgeleitet 
von mhd. gra^ Tannen- und Fichtensprossen' und beziehen sich 
ebenso wie Henfel, Hänfling {zw Hanf) auf die Nahrung des V 

Dem Hänfling kommt der Leinfink in der Färbung ziem- 
lich nahe. Auch der männliche Leinfink hat eine rote Brust 
und ein rotes Stirnhand. Auf dieses bezieht sich der Ausdruck 
Rotblettle (zu mhd. Uate *Kopfplatte') bei Golius Onomasticon (1579) 
Sp. 292, Rotplättlein bei Popowitsch a. a. ()., Plättlein-Ztitig hei 
Schmeller-Frommann II, 1 15(i. — Oft wird der Vogel zu d<>\\ Hänf- 
lingen gezählt und als Rothänfling oder Heiner Karminhänfling 
von dem gemeinen Hänfling oder dem Steinhänfling (Ange- 
nehme Land-Lust (1720) S. 341, Popowitsch 8.475) unterschieden. 
(lesnor führt (S. 568) das Synonymen Stoc/:Jienfiing an- der 
Gegend um Frankfurt am Main an. In Steiermark wird auch 
der Xame Steinzeiscrl ' gebraucht 

1 Unger-Khull 573. 



124 Zitronenfink, fringilla citrinella, chrysomitris citrinella. 

Das Wort Ziserinchen, welches Popo witsch a. a. 0. als 
Bezeichnung des Leinfinken anführt, ist romanischen Ursprungs : 
frz. sizerin, ital. sizerino. 

Zitronenfink, fringilla citrinella, chrysomitris citrinella. 

Die eigentliche Heimat des Zitronenfinken ist in den süd- 
europäischen Ländern. Nach Naumann-Hennicke III, 288 ist 
er auch in der Schweiz, in Österreich und Tirol nicht selten 
und geht in Deutschland bis zu den Gebirgen Norddeutschlands, 
Schlesiens, Sachsens und Thüringens herauf. 

Gresner 1 nennt den Vogel mit dem italienischen Namen 
citrinella, den er aus Trient und anderen Gegenden in Italien 
kennt; im Index des Vogelbuchs ist Zitrynle unter den deutschen 
Benennungen erwähnt. In Baiern begegnet Zitrinlein bei Hans 
Sachs Regim. der Vögel (1531) V. 120; darauf Citrinlein bei 
Golius Onomasticon (1570) Sp. 291, Citrynlin in Ostermanns 
Vocab. (1591) S. 335, Citrinlein bei Hohberg Adel. Land-Leben 
(1687) II, 806 Kap. CXXI. Bei Chvtraeus Nomenciator (1581) 
S. 371 Citrinichen, in der Angenehmen Land-Lust (1720) S. 196 
Citrinigen. Heute gilt Zitrenl 2 in Tirol und teilweise in der 
Schweiz; hier werden die Zitronenfinken auch Schneevögel* 
genannt. 

Haussperling, fringilla domestica, passer domesticus. 

Ahd. sparo: Sg. Nom. — sparo passer: cod. SGalli 913, 200b. 
cod. SGalli 242, 248b. cod. Guelpherbyt. Aug. 10. 3. 4P f. 89a. cod. 
Vatic. Reg. 1701, 2 b. Versus de volucr. H. S. III, 17. cod. Selestad. 
f. 109 b. Notker Ps. 83, 4. 123, 7, 101, 8 (Glosse). Notker WPs. 101, 
8 (3 Mal). 123, 7. sparo: Notker Ps. 83, 4. 101, 8 (2 Mal), spar: 
Versus de volucr. — Dat. — (mit demo) sparen: Notker WPs. 101, 
8. — PI. Nom. — sparen: Notker Ps. 113, 7. sparen: Notker WPs. 
10, 2. 113, 7. — Dat. — sparon: Tatian 44, 20. — Akk. — sparon: 
Tatian 44, 20. 

Der Name des Sperlings ist gemeingermanisch, vgl. ahd. 
sparo, mlid. spar(e), mnd. nur in der Ableitung sparUnk, sperlink, 
ags. spearwa, me. sparwe, ne. sparrow, got. sparwa, anord. spprr, 

1 Hist. avium S. 248. 

2 Frommann D. Mundarten IV, 52. — 3 Staub-Tobler I, 696. 



Haussperling, fringilla domestica, pasaei domesticos. L86 

d;in. sperrt?, Bchwed. tparf. Im urdeutscheu Paradigma sparwo-: 
*apar(ic)un konnte w lautgesetzlich Bch winden, wodurch die 
Nebenform ohne w erklärt wird, welche im ah& s/mm. mhd. 
tpar{e) (neben mini, gpartoe im 15. Jh. 1 und sparwdri 'Sperber') 
vorhanden ist 

\)i>\- germanische Name isl urverwandt mit altpreuß. 
spurglis 'Sperling' (sperglas in sperglawanags 'Sperber*), griech. 
CTrtpTOuXoc 'kleiner Vogel', crrop-fiXoc Mass.' (J. Schmidl KZ. X X II. 
31b) and crrupuciov in der Hesychglosse cTrupfkiov. 5pv€ov 
cucpepk cTpouüuj 'ein (I.mi) Sperling ähnlicher Vogel* (Hoffmann 
BB. XXI, l Mi); in den erstgenannten slavischen und griechischen 
Worten scheint der Guttural g ein Suffix zu Bein, das seine 
germanische Entsprechung in der spätahd. Namensform sperfa 
hat. Nach Schade Altd. Wh. N -'. s 1 7 deutel man die idg. Benennung 
des Sperlings ans der Wurzel *spar 'zappeln' (in griech. CTraipw 
'zucke, zapple*, altind. sphurdti "zuckt' u. a.) ; der Sperling wäre 
danach der "Hüpfling' im Gegensatz zu den fliegenden Vögeln, 
vgl. Hoffmann a. a. 0. 

Die normale ahd. Form sparo, welche bis in die und. Zeit 
hinein sich verfolgen läßt, ist heute in den Mundarten überall 
ausgestorben, vgl. Grimms Wh. X, 1, 1919. Doch findet man 
hie und da noch erstarrte Koste der alten Namensform. Auf 
niederdeutschem Gebiet zeugen von ihrem einstigen Vorkommen 
der Ortsname Sj><trenberg 2 und die Kompositionsbildungen Spar- 
ten/* "Sperling' (vgl. unten). Sparkäz* m. "männlicher Sperling' 
in Göttingen und Grubenhagen, Sperlotze* in Wresserode hei 
Gandersheim, Sparlüntje* in Dörfern hei Braunschweig. Auch 
der hessisch«' Dialektname Huspe, welcher nach Pfister Nachtr. 
zu Yilmar Id. S. 112 im Niederlahngaue üblich sein soll, ge- 
hört zu diesen Resten, denn darin steckt offenbar »'in früh 
verdunkeltes Kompositum Husspar (> Husper) 'Haussperling', 
welches in dieser Form noch im 1(>. Jh. hei Gesner Bist 



1 spanca Kölner Doppelbl. (Versus de volucr.) Ahd. GH. HI, 31", «pari*«, 
sparbe in kölnischen Hss. des 16. Jhs. bei Diefenbach Glossar. S. 4 Loa 
wdinc in einer kölnischen Quelle des 15. Jhs. in Fro mm a nns P. Mund- 
arten II, 453b. 

2 Korrespondenzbl. I. ndd. Sprachf. XXVII. 18. < 

3 Schambach 202. 203. 



126 Haussperling, fringilla domestica, passer domesticus. 

avium S. 619 bezeugt ist. An die Stelle des allmählich seltener 
werdenden alten Namens rücken Nebenformen, welche in der 
Übergangszeit des Althochdeutschen in das Mittelhochdeutsche 
zuerst zu belegen sind. Im 11. Jh. erscheint die Ableitung 
Sperling mit demin. Ungar Suff., ursprünglich um den jungen 
Sperling zu bezeichnen l : sperüig passer : cod. Berol. Ms. lat. 8° 73, 123b, 
darauf im 13. Jh.: sperlinc: Versus de volucr. : cod. Lipsiens. Paul. 106, 
Id. sperlinh mirle: cod. Vindob. 1118, 79b; mnd. sparlhik, sperlinh. 

Diese heute schriftsprachlich gewordene Xamensform ist 
eigtl. mittel- und niederdeutschen Mundarten eigen. Die Ab- 
leitongsform sperch{e), deren ^-Suffix möglicherweise vorger- 
manischen Datums ist, ist zuerst in Glossenhandschriften des 11. 
und 12. Jhs. belegt: sperche passer : H. S. III, 17: cod. Vindob. 2400,42a, 
sperch: Versus de volucr.: cod. Vindobon. 85, 42 b. darauf : sperche : cod. 
Admont. 759, 55b, sperch: cod. Vindob. 1118. 79b (13. Jh.), cod. Mellic. 
K51, 242, cod. Vindob. 1325, 107a, speck: cod. Zwettl. 293, 25a, spirch: 
Clm. 11481, 83a (14. Jh.), sperh: cod. Vindob. 3213 r 116b; sperchh: 
H. S. III, 17: Clm. 23796, 173 a (15 Jh.); in Priester Konrads Predigt- 
buch: zwene sperchen (s. Lexer Mhd. Wb. Nachtr. S. 368) und 
sperche in Wernhers Marienlied, Hoffmann Fundgruben II, 154 usw. 
Für die in Grimms Wb. X, 1, 1941. 2163 ausgesprochene Ver- 
mutung, daß die Xamensform eigentlich femininen Geschlechts 
gewesen sei und das Sperlingsweibchen bezeichnet habe, fehlt 
es an Beweisen. In der älteren Überlieferung sind beide Genera 
bezeugt, und in den heutigen Mundarten ist Sperk (Spirk) meistens 
Maskulinum. Das Verbreitungsgebiet dieser Variante umfaßt 
Steiermark 2 , Kärnten 3 , Baiern 4 und Franken 1 und reicht im 
Xorden als Sberke 5 bis Salzungen in Thüringen. 

Eine Xebenform zu ahd. sparo ist mhd. spatz (zuerst bei 
Albrecht von Halberstadt Anfang des 13. Jhs. bezeugt). Nach 
dem Vorgang von AVeigand Wb. II 2 , l'rl wird das Wort meistens 
als eine Koseform zu sparo aufgefaßt. Eine andere Deutung 
geben Falk und Torp Et ordb. II. 260 s.v. spat IT, welche 

1 Ob das lat. Lemma passercalus bei Scheraeus (Zs. f. d. Wf. II, 
199), wie in Grimms Wb. X, 1, 2163 angenommen wird, noch für den 
deminutiven Charakter des Suffixes spricht, ist fraglich. 

2 Unger-Khull 525. — 3 Lexer Kämt. Wb. s. v. sporkn. 
4 Schmeller-Frommann II, 685. — 5 Hertel 240. 



Haassperling, fringilla d »ti< n W7 

mhd. spate als selbständige alte Bildung zu griech. cqxxbdZuj 
'zappeln* stellen. Diese Auffassung beruht demnach hauptsäch- 
lich auf der ansicheren Bypothese, daß ahd. aparo 'der Eüpf- 
ling' bedeute. CTrsprtinglicb eine oberdeutsche Bildung, bal Spate 
im Verlaufe der Zeil sich immer weiter in den Mundarten ver- 
breitet, so daß das Worl auch in der Pfalz 1 und Luxembu 
in hessischen und nassauischen Mundarten (als Femininum*) 
geläufig ist; in Thüringen kommt eine Weiterbildung Spatzich 4 
= sächs. Spateg 6 vor. AIht auch in das niederdeutsche Sprach- 
gebiet dringl das Woii sehen ein; aus Göttingen and Gruben- 
hagen and aus der Umgebung von Bannover 1 wird es aus- 
drücklich angegeben. 

Eine niederdeutsche Benennung des Sperlings isi Lüning 
aus mnd. lunink, altniederd. hliuning schon im 9. Jh. ( ,€ duo pas- 

Miuningos") in den Essener Evangeliarglossen bei Wadstein 
Kleinere asächs. Sprachdenkm. S. 49 19 u. Ahd. G1L IV. -Jvs-i'). Das 
Wort ist völlig anklar; ein neuer Deutungsversuch von Berneker 
IF. VIII, 284 befriedigt nicht. Am Mittel- und Niederrhein wird 
<\(>v Sperling mit einem eigenen Dialektnamen benannt, d 
älteste historische Lautform in der Glosse muscha in cod. Parisin. 
9344f. t2b begegnet. Xaeh Steinmeyer Zs. 1 d. A. XV, 30 ist 
das Glossar mit Tiernamen, von dem die Pariser 11-. des 1 1. Jhs. 
eine Abschrift bietet, in der zweiten Hälfte des 9. Jhs. auf mittel- 
fränkischem Sprachgebiet in der Lahngegend — entstanden, 
tn diese Gegenden führt auch der Beleg aggermuscha in 
Darmstad. des Summarium Seinrici aus dem 13. Jh. (Ahd. 
Gll. III. < s * ; '): darauf wüsche in cod. Oxon. Jun. 83, l ebenfalls 
aus dem L3. Jh., tausche in einer niederfränkischen Psalmen- 
übersetzung des 14. Jhs. (Lexer Mhd. Wb. 1. 2257) und einer 
kölnischen Quelle des L5. Jhs. in Frommanns 1). Mundarten 

II. 146a. Ferner mnd. musche bei Schiller-Lübben Mnd. Wh. 

III. 139, mndl. mussce [musce : m>iy><-h. musch^ mossche ) mosch) hei 
Verwijs-Verdam Mndl. Wb. IV. 2026. Bei Gesner a, a. <>. 

1 Heeger Tiere im pfälz. Volksmunde II, II. 

2 Vgl. Wb. d. Luxemburg. Mundart L05 s. v. Feldäpatz. 

3 Kehrcin 380. - -i Hertel 230. 

ö Albrecht Die Leipziger Mundart S. 213. <> Schamba 

7 Häpke Volkstümliche Tiernamen S. 303. 



128 Haussperling, iringilla domestica, passer domesticus. 

S. 619 wird Müsche als niederdeutscher Ausdruck bezeichnet. 
Der Name ist wahrscheinlich entlehnt aus lat-roman. musca. Im. 
klassischen Latein bedeutet das Etymon 'Fliege' ; als Vogelname 
erscheint es nur in Ableitungen im Französischen: afrz. mussun, 
mousson. normann. moison 'Sperling', welche auf eine Grundform 
*mnscio hinweisen. Aus dieser erklärt sich die umgelautete 
deutsche Maskulinform Müsche K 

Heutzutage kommen in Niederdeutschland die drei Syno- 
nyma Sparlink, Lünink und Müsche vor, und zwar sind die erst- 
genannten Worte hauptsächlich in den Gegenden östlich von 
der Elbe verbreitet, während das letztgenannte westlich von der 
Elbe heimisch ist. Die Grenzen sind jedoch nicht scharf ge- 
zogen, und an manchen Orten werden zwei oder sogar alle drei 
Synonyma neben einander gebraucht Auf Grund der vor- 
handenen Angaben lassen sich die Verbreitungsbezirke ungefähr 
folgendermaßen bestimmen. Der Name Masch oder Mosch gilt in 
den Niederlanden und im Friesischen 2 ; in den Rheingegenden, 
wie in Geldern, Viersen, ßreyell, in Köln 3 , in der Eifel, in 
Luxemburg Mosch* f. (= siebenbürg. Mosch). Am rechten Rhein- 
ufer kommt der Name in Westfalen in der Form Müsche» f. vor 
und erstreckt sich als Mosch im Nordosten bis Lübeck 6 ; in 
Mecklenburg wird das Wort zwar im Ausdruck Musch-Lünk 
angewendet, aber nicht mehr als Vogelname empfunden, sondern 
als Musch = frz. monsieur aufgefaßt, s. Tremsens platte!. Gedichte, 
herausg. v. Eggers (1875) S. 21. Als Grenzpunkte des Ver- 
breitungsgebietes kommen weiterhin in Betracht Elberfeld und 
Unterbarmen (Mösche f.), im Süden der Wester wald, wo Müsche m. 
nach Pfister Nachtr. zu Vilmar Id. S. 18o als minder üblicher 
Ausdruck vorkommt, im Südosten der Ravensberg, wo Mösche 
neben Lilling gebraucht wird. Vgl. auch nassauisch. Grasmisch 
S. 70. — In dieses Verbreitungsgebiet des Wortes Müsche, Mösch 

1 Als Kriterium für die Zeitbestimmung der Entlehnung kann ags. 
tnusefleotun = bibiones bei Wrigbt-Wülcker I, 121 n nicht verwendet werden. 
Die Glosse ist nämlich nicht mit Sievers Anglia XIII. 319 mfocfldoge zu 
lesen, sondern als muatftioga d. h. Mostüiege aufzufassen (so aucli bei 
Sweet The Stud. Dict. S. 121). — 2 Dijkstra Wb. s. v. 

3 Hoenig Wb. S. 115. — 4 Wb. d. Luxemburg. Mundart 291. 

5 Woeste 180. — 6 Schumann Zs. f. d. Wf. IX. Beih. S.3. 



Haussperling, fringilla domestica, passer domettiais. 129 

greif! vielfach dasjenige von Lümng and dessen Nebenformen 
über. Im Nordwesten reicht Lünkig } Lünkik ins oetfriesische 
Gebiet hinein (Jb. f. n*ld. Sprach! XI, l L2), ostlich davon kommt 
es vor in I ftdenburg, davon südlich im Künsterlande und in Lippe 1 
und Waldeck [IAuUng)\ hier sind Recklinghausen und Duisburg 
(Link) die westlichen Grenzpunkte, im Süden kommt das 
Bächsische und westfälische Hessen- in Betracht und al 
östliche Grenzpunkte Göttingen und Grubenhagen*, wo der 
Name schon selten ist Im Norden geht das Verbreitungsgebiet 
ostwärts von Oldenburg über I »reinen, Bamburg, Lübeck nach 
Holstein, Mecklenburg und Altmark 4 . — Östlich von hier 
herrscht der Ausdruck Sparling, Sperling (in Preußen, Pomnie- 
rellen und Pommern). Im Nordwesten geht er nach Mecklen- 
burg-^ trelitz, wo er neben Lüning, Lünk, und nach Lübeck, 
wo er neben Lünk und Mosch vorkommt; in Göttingen und 
Grubenhagen ist Sparling der übliche Ausdruck, während Lüning 
selten ist. Ferner gilt jener Name auf dem ganzen niederd. Harz, 
in Quedlinburg und Schöppenstedt, bei Gandersheim in "Wres- 
serode (selten); auch in den Wesergegenden soll Sparling. Sper- 
ling der geläufige Name des Yogels sein. Vgl. Korrespondenz^, 
f. ndd. Sprach! XVI, 83 ff., XVII, 1 ff. und XXVII, IS ff. 65. 72, 
auch IV, 52. 68 f., V, 55. 

In manchen Gegenden von Niederdeutschland wird der 
Haus- oder der Feldsperling als der Stehler des Korns be- 
zeichnet: in Göttingen und Grubenhagen Spardeif m. (Sperling- 
Dieb) 5 , im Münsterkreise Debbert 6 , in Geldern und Umgegend 
Korrefräter 1 '; in Kleins Eüst. av. prodr. (1750) S. 8S werden die 
Ausdrücke Speicher-Dieb und Korn Werffer erwähnt. Ein Lübecker 
Ausdruck für den Vogel ist Dackpeter (Dach-Peter) oder Dack- 
lünk s . Andere niederdeutsche Lokalnamen für den Sperling sind 
Schruppte) 1 ni Kempen, Seherphans 1 'Zirphans' (vgL westfäL 
schirpen "zirpen', preuß. Scherp "Wachtelkönig') in Leuth (Geldern); 



1 Frommann D. Mundarten VI, 36 I >.. 

2 Vilmar 254. — 3 Schambach 127. — i Danneü 12'.». 

5 Schambach 202. — 6 Korrespondenz!)! f. ndd. Spraclif. XVI, s "- 

7 Korrespondenz^, f. ndd. Spraclif. IV. 68. 

8 Korrespondenzbl. f. ndd. Spraclif. XVI, 83. 

Suolahti, Vogeluamcn. 9 



130 Feldsperling, fringilla montana, passer montanus. 

Hüling in Oberbarraen ist wahrscheinlich eine Entstellung aus 
hüling im Anschluß an hülen 'weinen', vgl. Korrespondenzbl. f. 
ndd. Sprach! IV, 52. 

In hochdeutschen Mundarten schließen sich an die letzt- 
genannten Synonyma Ausdrücke an, welche ebenfalls von der 
zirpenden Stimme des Sperlings ausgehen. Aus Thüringen führt 
Hertel Sprachsch. S. 268 den Namen Zivulg unter Hinweis auf 
hess. ziviigen 'zirpen 3 an ; dazu elsäss. Zwilch m. als gelegentliche 
Benennung für einen jungen Spatz bei Martin-Lienhart IT, 925. 
In Steiermark ist Tschirp 1 m. (zu tschirpen, zirpen) eine ähn- 
liche Bildung; in Luxemburg wird der Sperling Jadeker 2 m. 
(vgl. jader en 'schwätzen') genannt. 

Luxemburg. Kärbiitsch 3 (aus Kar 'Korn' und wahrschein- 
lich Butz 'Geschöpfchen') ist eine Art Kosename für den Spatzen 
ebenso wie hess. Spirrwatz 4, m. (vgl. thüring. Watz 'kleiner, 
dicker Mensch'). Dagegen wird der Yogel an anderen Orten 
mit Schimpfnamen benannt, vgl. Dachscheißer' in der Leipziger 
Mundart. Im Elsaß heißt er Jud 6 (Jude), in Steiermark Tschech 1 
m. (Tscheche). Unklar ist der Ausdruck Spunsk s m. in Sal- 
zungen (Thüringen). 

Der männliche Spatz heißt in Göttingen und Grubenhagen 
Sparkäz, in Luxemburg Möschemännchen 9 m., in der Pfalz 
Spatzenmännel 10 , daneben aber auch Spetzert 10 und Spetzerich 10 
nach dem Typus von Tauber, Ganser, Täuberich, Gänserich, 
Enterich. 

Feldsperling, fringilla montana, passer montanus. 

Die althochdeutsche Glosse ahasparo (abasparo) in H. S. 
III, 17, die eigentlich 'Wassersperling' (aha = Wasser) bedeutet, 
enthält den ältestüberlieferten Namen für den Feldsperling. 
Die mittelfränkische Darmstädter Handschrift des Summariums 



1 Unger-Khull 179. — 2 Wb. d. Luxemburg. Mundart 198. 

3 Wb. d. Luxemburg. Mundart 212. 

4 Saul Beitr. zum Hess. Id. S. 15. — 5 Albrecht 98. 

6 Martin-Lienhart I, 403. — 7 Unger-Khull 179. — 8 Hertel 232. 
9 Wb. d. Luxemburg. Mundart 291. 
10 Heeger Tiere im pfälz. Volksmunde II, 11. 



Peldsperling, ftringilla montana, passer montanoi 131 

übersetzt das lat Lemma 'pa i 1 mit aggermuBcha d. h. 

Ackersperling; im L5. Jh. begegnet der Ausdruck ackernpar 
(Diefenbach Novum glossar. 8. 282a). 

Auch die heutigen Mundarten bezeichnen vielfach den 
Feldsperling nach Beinen Aufenthaltsorten, zu denen ei Bchilf- 
reiche Lachen und freie Felder und Wiesen wählt; sein Nesl 
legt der Vogel in <l< i n Höhlen der Bäume an. Biber und Peucer 
Vocab. S. F6b nennen ihn Baumfperlink, Mos fperling/:: zu dem 
Letzteren Namen stimmt Moßsperck bei Hans Sachs im Regim. 
dm- Vögel (1531) V. 169. Gesner Hist. avium s. 627 führ! 
nach Tragus ^\vn Ausdruck Wuldfpatz an; in Döbels Eröffn 
JSgerpr. S. 65 wird der Feldsperling oder "der wilde Sperling^ die 
Holtz-Mufchel genannt, das offenbar eine Umdeutung des rhei- 
nischen Synonymons Musehe ist. — Die Namen Wydenfpatz^ 
Weiden fperling 1 , Rorfpar bei Gesner, Schwenkfeld u. a. teilt der 
Feldsperling mit den Rohrsängern und der Rohrammer. Nach 
Naumann-Hennicke III, 371 ist Rohrsperling im Anhalter Dialekt 
der übliche Name des Vogels. Der Ausdruck FeldSperling ist 
zuerst bei Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 323 bezeugt. 

Als Korndieb steht dieser Sperling in ebenso üblem Ruf 
wie sein Verwandter, der Haussperling. Im 16. Jh. begegnet 
'das leidige Spetzel' als Bezeichnung dieser Vögel : "paffer 
ist das leidige Spetzel" in Ryffs Tierb. Alberti (1545) S. Q 2a 
und "Haußfpatz und Rhorfpatz wer fie kent/Vnd das leidig 
Spetzel genent" im Strassburg. Vogelb. (1554) V. 534. Der Ver- 
fasser des Vogelbuches hat offenbar den Ausdruck seinem Vor- 
gänger abgeschrieben. — Klein nennt in Hist. av. prodr. (1750) 
S. 88 den Feldsperling Gerften-Dieb, Feld-Dieb: in Luxemburg 
heißt er Kärmösch 2 f. Bei Hans Sachs Regim. der Vögel (1531) 
V. 195 ist Korspercken offenbar als Kornspercken aufzufassen. 

In Niederdeutschland begegnet in einem Urkundenbuche 
v. J. 1313 Muyr fperling als Eigenname 3 . Das Wort ist eine 
Bezeichnung des Feldsperlings, der 'Mauersperling' genannt wird. 



1 Vgl. frz. saulet in gleicher Bedeutung, Rolland Faune populaire 
II, 163. 

2 Wb. d. Luxemburg. Mundart 213. 

3 Korrespondenzbl. f. ndd. Spracht XXVII, 65. 

9* 



132 Girlitz, fringilla serinus, serinus serinus. 

weil er sein Nest auch auf Mauern anbringt, vgl. luxeinburg. 
Mauerspatz 1 m. = frz. moineau de mur(aille) 2 . 

Der Pirgfpatz im Regim. der Vögel (1531) Y. 146 kann 
der Feldsperling oder der in Deutschland seltene Steinsperling 
(fringilla petronia, petronia petronia) sein. 

Girlitz, fringilla serinus, serinus serinus. 

Die eigentliche Heimat des Girlitzes sind die Mittelmeer- 
länder, aber im Laufe der letzten Jahrhunderte hat er seinen 
Verbreitungsbezirk immer mehr nordwärts verschoben, so daß er 
schon früh in Süddeutschland heimisch geworden und in der 
letzten Zeit bis nach Norddeutschland vorgedrungen ist. Stati- 
stische Angaben über die Erweiterung des Verbreitungskreises 
geben Brehm Tierleben (Vögel I 3 , 304 f.) und Naumann-Hennicke 
III, 275. 

Zum ersten Mal begegnet der heute übliche Name des 
Vogels in der Form Girlin im Strassburg. Vogelb. (1554) V. 409 
im Zusammenhang mit anderen Finkennamen ; Gesner Hist. 
avium (1555) S. 249 gibt Gyrle als die elsässische Namens- 
form und aus Frankfurt a. M. die Varianten Girlitz und Grylle. 
Die letztere Form ist als Kompositum (der) Hirngrill schon 
bei Hans Sachs Kegim. der Vögel (1531) V. 113 und dann als 
Hirengryll bei Eber und Peucer Vocab. S. E 5b und bei Gesner 
(Hirngryllen) bezeugt. Später begegnet Hirngrillen bei Hohberg 
Adel. Land-Leben (1687) II, 806 Kap. CXXI, der Hirngrill in 
der Angenehmen Land-Lust (1720) S. 196. Heute soll Hirn- 
grilla 3 im Oberinntal (Tirol) vorkommen, Unger-Khull Wortsch. 
S. 349 verzeichnen Hirngrillerl n. als steirischen Namen. 
Allem Anschein nach ist der Name Hirngrille von den süd- 
östlichen Gegenden des deutschen Sprachgebietes weiter vor- 
gedrungen und zwar durch die Vogelsteller dieser Gegenden. 
Gesner berichtet a. a. 0., daß die Vögel in Kärnten und in der 
Umgegend von Trient gefangen werden und noch der Verfasser 
der Angenehmen Land-Lust (1720) S. 196 nennt die "Hirngrillen 3 ' 
fremde Vögel, welche aus Tirol nach Deutschland gebracht 



1 Wb. d. Luxemburg. Mundart 280. — 2 Rolland a. a. 0. S. 164 
3 Frommann D. Mundarten IV. 54. 



Kanarienvogel, rringilla canaria. 

werden« Wie der Vogelname, welcher qut in der omgebiL 
LautgestaK überliefert ist, ursprünglich gelautet bat, ist Bchwei 
zu sagen. Der zweite Teil des Kompositums kann aus der Form 
Qtrle entstanden sein, welche in den westlichen (tagenden 
Deutschlands zuerst auftritt und als eine Nachbildung d^v Stimme 
des Vogels aufgefaßt werden kann. Daraus kann die Variante 
Qirlüz 1 , welche nach Gesners Vogelbuch von Chytraeus Nomen- 
clator (1582) 8.376 wiederholt wird, im Anschluß an Sfoglite 
gebildet worden sein. Andererseits hat man aber den Verdacht, 
daß alle diese Namensformen auf einen fremden Namen zurück- 
gehen. Nach Unger-Khull a. a. 0. 8. 293 ist der Ausdruck GirUz* 
heute in Obersteiermark in der Bedeutung 'Fink' vorhanden. — 
In der älteren ornithologischen Literatur erseheint der Name 
Hirngrille oft als Bezeichnung des Baumläufers. Der Irrtum. 
der dann die analogische Neubildung Baumgrille veranlaßt hat. 
rührt, wie viele andere, von Eber und Peucer her, welche das 
Wort als Glosse zu 'certhia 9 geben. 

Zu Gesners Zeit wurden die Girlitze auch in einigen Teilen 
der Schweiz gefangen und liier Schioäderle oder Fädemle genannt. 
Die Ausdrücke sind nicht ganz klar: der erstere wird in Grimms 
AVb. IX, 2173 vielleicht richtig aus schwadern 'schwatzen' gedeutet. 

Kanarienvogel, fringilla canaria. 

Der Vogel ist nach seiner afrikanischen Heimat. t\rn Kana- 
rischen Inseln, benannt worden. Für den Import der Kanarien- 
vögel nach Europa, der im 16. Jh. angefangen hat, sind einige 
Angaben in der damaligen ornithologischen Literatur von be- 
sonderem Interesse. Zum ersten Mal werden die Vogel 70D 
dem in Köln Avohnenden Engländer Turner (im Jahre L544) 
erwähnt, der sie aus seiner Heimat kennt: "Huius generis sunt, 
quas Anglia aues canarias uocat", vgl. Avium historia S. F Lb. 
Gesner selbst hat noch keinen Kanarienvogel gesehen, aber in 
-einem Vogelbuche (1555) S. 234 druckt er eine Schilderung 
desselben ab, welche er seinem Augsburger Freunde Rafael 
Seiler verdankt. Der hier beschriebene Vogel ist noch der grün- 



1 Das gleichbedeutende slovenische Wort grüec scheint eher au.- 
dem Deutschen zu stammen als umgekehrt. — 2 Unger-Khull 293. 



134 Kernbeißer, coccothraustes vulgaris, coccothraustes coccothraustes. 

gefärbte Stammvogel, von dem sich später der gelbe Kanarien- 
vogel in den Käfigen entwickelt hat. Nach Seiler nannten die 
Yogel Verkäufer die Kanarienvögel Zuckervögele, weil diese in 
ihrer exotischen Heimat sich von der Zuckerpflanze nähren. 

— Noch zur Zeit Schwenkfelds waren die Vögel äußerst selten, 
denn im Ther. Sil. (1603) S. 298 wird erzählt, daß die kostbaren 
Fremdlinge nur von den Reichen und Vornehmen gehalten 
werden. So besitze der kaiserliche Kammerherr Sigismund 
Czedlitz ein Paar von diesen Vögeln, welche Schwenkfeld 
Canarien Vogel, Zucker Vogel, Canarien Zeisle nennt. 

In den Reisebeschreibungen des 17. Jhs. wird der Kanarien- 
vögel öfters gedacht; es kommen da die Namensformen Canarien- 
vogel (Rollenhagen Ind. Reysen (1605) S. 268, Schultze Ostind. 
Reise (1676) S. 3a), Canarivogel (Hemmerham Reisebeschr. (1664) 
S. 4, Hesse Ostind. Reisebeschr. (1687) S. 26) zur Anwendung. 

— In den heutigen Mundarten ist der Name in volkstümlicher 
Weise umgestaltet, vgl. z. B. Kanari 1 m. in Steiermark, Kanari, 
Kanali, Kardinali, Kanal f 6kl, Kanänefoejele 2 im Elsaß, Karnari- 
wgel, Kardinarienvogel, Kardinalvogel 3 in der Schweiz, Kanaljen- 
cogel* in Thüringen, Sachsen und Preußen, Kanäljen 5 m. in 
Luxemburg, Kalummer Vauhl, Kalummer 6 in Niederhessen usw. 

Kernbeißer, coccothraustes vulgaris, coccothraustes 
coccothraustes. 

Die Kernbeißer nähren sich von allerlei Baumknospen, 
ganz besonders gerne verzehren sie aber Kirschen, deren Kern 
zuerst von dem Fleische befreit und dann mit dem dicken 
Schnabel aufgeknackt wird. Nach Brehm Tierleben (Vögel I 3 , 
277) geschieht dies mit solcher Gewalt, daß man es auf 30 
Schritt hören kann. 

Der Name, welcher diese Eigenschaften des Vogels charak- 
terisiert, ist in der alten Bildungsweise *kernbi7 t e in einer Ver- 
sion des Märchens vom Zaunkönig (Germania VI, 90) überliefert; 



1 Unger-Khull 377. — 2 Martin-Lienhart I, 100. 445. 468. 

3 Staub-Tobler I, 694. 

4 Hertel 129, Albrecht Die Leipziger Mundart S. 142, Frischbier 1, 332. 

5 Wb. d. Luxemburg. Mundart 208. 

6 Pfister Nachtr. zu Vilmar Id. S. 124. 



Kernbeißer, coccothr&ustei vulgaris, coccothranstea coccothraostes. 136 

die Handschrift des Lö.Jhs. schreibt hembeyss. Gesner Eist avium 
8.264 bezeichnet diese Bildung als österreichisch, ebenso Popo- 
witscb Versuch S.235; in der Angenehmen Land-Lust d 720) 8. L97 
der Kernbem. (Tnger-Khulls Wortsch. 8. 384 gib! Kernbeiß 
in. aus Steiermark. In Baiern Isl <li« 1 Form Kerenbeisser zuerst 
bei Haus Sachs im Regim. der Vögel (1531) V. L30, in Sachsen 
Kernbptjffer bei Eber und Peucer Vocab. (1552) 8. V 2b bezeugt 
Eine schweizerische Variante ist Steinbyffer bei Gesner a.a.O. 
(aucli heute Steinb/sser 1 ): Bchweiz. BollebicL (Knospenbeißer), das 
vorwiegend für den Blutfinken angewendet wird, hat Gesner 
auch im Sinne von "Kernbeißer' gehört In Ostermanns Vocab. 
(1591) S. 334 begegnet unter anderen Synonyma für den \ 
die Bildung Steinknipper. 

Andere Namen bezeichnen ihn speziell als Kirscheniri 
Im westlichen Deutschland wird Kirtfincke zuerst von Turner 
Avium bist (1544) S. F)>a erwähnt, danach Kirchfincke bei Eber 
und Peucer a. a. 0., Kirschfincke bei Aitinger Bericht v. d. Vogel- 
stellen (1631) S. 165 und Döbel Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 55. 
Gesner kennt Kirßfinck aus Frankfurt a. M. Weiter südlich 
ist Kirsfinck im Elsaß zuerst durch das Strassburg. Vogelb. (155 1) 
V. 469 bezeugt, darauf Kirschfinck{e) bei Golius Onomasticon (1579) 
Sp. 291 und Spangenberg Ganskönig V. 137; heute ist der An- 
druck im Elsaß ganz geläufig 2 . Chytraeus Nomenciator (1582) 
s. .",7 1 hat die Variante Kaffeberfinck (Kirschbeerfink). 

Aus der Schweiz führt Gesner u. A. das Synonymen Klepper 
(zu Meppen = ndd. kneppen 'knallen'), ohne bestimmte Ortsangabe 
dagegen den Ausdruck KirfefchneUer an: bei Aitinger a. a. 0. 
Kirfchkyiepper, bei Döbel a. a. 0. Kirfchkneppcr, Kirfchschneüer. 
Heute kommt die Form Chirsichlepfer* in der Schweiz vor: im 
Elsaß Kirsenklepfer. Kirsenklcppe{ri). Kirschenknuppe^r)^ in Rhein- 
hessen KirschenJcnäpper*, in Luxemburg Ktschteknäppchen, 
K$8chteknappert b m. (zu Ktsche 'Kirsche'), im Münsterkreise 
Kiässenknäpper*. 



1 Staub-Tobler IV, 1692. — 2 Martin-Lienhart I. L22. ü>6. 506 
3 Staub-Tobler III, 679. — 4 Kehrein 225. 

ö Wb. d. Luxemburg. Mundart _ ) _ , ">. 

6 Korrespondenz!)!, f. ndd. Spracht". XVI, 85. 



136 Grünfink, coccothraustes chloris, chloris chloris. 

Wegen des starken Schnabels wird der Kernbeißer in 
Steiermark Dickschnäbel 1 genannt; der gleichbedeutende Name 
Dickmaul begegnet zuerst bei Aitinger a. a. 0. — Das schlesische 
Dialektwort Lesske, KirfchLeske bei Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) 
S. 236 (heute auch Laschke 2 m.) ist entlehnt aus czech. dlesk, dlask 
= poln. klesk. — Der Ausdruck Lyßklicker, den Schwenkfeld a. a. 0. 
unter den Synonyma für den Kernbeißer erwähnt, ist eine Be- 
zeichnung des Flußuferläufers. Der Irrtum ist dadurch veranlaßt, 
daß Eber und Peucer diesen Yogel Steinbeiffer nennen. Schwenk- 
feld hat mit diesem Namen auch den Straßburger Ausdruck Lyß- 
klicker, welchen Gesner als Synonymon zum "Steinbeiffer" Ebers 
und Peucers erwähnt, auf den Kernbeißer bezogen. 

Grünfink, coccothraustes chloris, chloris chloris. 

Der Yogel wird meistenteils mit Namen bezeichnet, welche 
sich auf die gelbgrüne Farbe des Gefieders beziehen. Gesner 
Hist. avium S. 247 nennt die Ausdrücke Grünfinck und Grünling, 
welche heute in den Mundarten ziemlich allgemein verbreitet 
sind; im Elsaß heißt der Yogel Gelbfink 3 . Aus Frankfurt a. M. 
erwähnt Gesner das Synonymon Tutter, welches wohl als e (Ei-) 
Dotter' zu verstehen ist und auf die gelbe Farbe hinweist. 

Einige Benennungen bezeichnen den Grünfinken nach 
seiner Nahrung, die aus Hanfsamen, Rübsamen und dergleichen 
besteht. Solche Ausdrücke sind Bappfinck (zu Bapp e Keps 5 ) und 
Hirßaogel (zu Hirse) bei Gesner S. 248, Hirschvogel* heute in 
Steiermark. Der von Gesner S. 247 angeführte Name Kuttvogel 
wird durch das Strassburg. Yogelb. (1554) Y. 591 nach dem 
Elsaß verlegt; in dem Onomasticon von Golius (1579) Sp. 291 
und in Spangenbergs Ganskönig Y. 141 kommt das Wort eben- 
falls vor. Frischs und Adelungs Erklärungsversuche, welche von 
dem Naturlaut ausgehen, sind verfehlt. Wahrscheinlich beruht 
der Ausdruck auf dem elsässischen Jägerworte Kütt 'Schwärm 
von Yögeln' und erklärt sich daraus, daß die Grünfinken scharen- 
weise umherstreichen. Wegen dieser unsteten Lebensweise heißt 
der Yogel in Schlesien Welfcher Henffling (Schwenkfeld Ther. 

1 ZsTf. d. Phil. XXI, 210. 

2 Weinhold Beitr. zu einem schles. Wb. S. 51. 

3 Martin-Lienhart I, 122. — 4 Unger-Khull 349. 



Gimpel, pyrrhula europaea, pyrrhula pyrrhula. I R 

Sil. (1603) EL 295). Der Käme OrSnhämp(er)ling l In AJtmark 

bczeiclinot ebenfalls «l< -n Grünfinken als 'Hänfling'. 

In Bans Sachs' Regim, der Vögel (1531) V. 101 bege 
der Vogelname Wonitz, den Eber and Peaoer Vocab. 1 1 552) 8. V 3 a 
dem Grünfinken beilegen. Das Worl ist entlehnt ans gleich- 
bedeutendem poln. dzwoniec. Darauf gehl auch zurück die Laut- 
form Schwank in Döbels Bröffn. Jägerpr. (1746) 8. 61 u.a.: heute 
Schumnsch* in Anhalt. Sunmach* In Altmark. Daneben erscheinen 
auch zahlreiche umgestaltete Namensformen. Frisch Teutsch-lat 
Wb.II,251c erwähnt eine von diesen Varianten, indem ei 
daß die Wenden den Grünfinken "Schwunitz genannet, woraus 
die nnwiff enden Vögel-F&nger Schwanz gemacht und diesen \ 
Grunfchwanz genennet". In Dähnerts Pommer. Wb. (1781) S. L62 
ist der Ausdruck Grönfchivanz verzeichnet ; Döbel a. a. 0. nennl 
neben Schwunte auch Schwan fchel. Aus Sachsen werden die Laut- 
varianten Quuntsch, Schtcunz, Zschwunschig angegeben K 

Gimpel, pyrrhula europaea, pyrrhula pyrrhula. 

In dem Vogelglossar der Pariser Handschrift 12269 i. 58b 
aus dem 9. Jh. begegnet der Name lohfinco (= aieeido), den 
Kluge Engl. Studien XXII, 563 aus der heutigen westfälischen 
Mundart nachweist. In mittelhochdeutscher Zeit begegnet fori, ihr '■ 
nur einmal in der "lere von guoter spise" (Zs. f. d. A. V, 14). 
Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 262 bezeichnet Loh Fincke als die 
schlesische Benennung des Gimpels, Aitinger Bericht \ . d. Vogel- 
steilen (1631) S. 364 führt ebenfalls LoheFincle (fem.) an. 
Branky Zs. f. d. Phil. XXI, 211 bezeugt den Ausdruck Lokfink 
für das nördliche Böhmen. Wahrscheinlich ist der Vogelname 
eine Zusammensetzung mit ahd. 16h 'Wald, Gebüsch 9 und be- 
deutet demnach 'Waldfink'. In der umgestalteten Form Lobfind 
wird er aus Sachsen durch Eber und Peucer Vocab. (1552) 
S. E 1 b bezeugt und dazu stimmt ndd. Looffmh bei Berghaus 
Sprachsch. der Sassen II, 412. — Die schlesische Form Luh 

1 Danneil 70. — 2 Naumann-Hennicke 111. 349. — 3 Danneil 319. 

I Zs. i. d. Phil. XXI. 210. 

:> Wackernage] Zs. f. d. A. V, 14, Schmeller-Frommann 1. 1601 and 

Lexer Mhd. Wb. I, 1883 lesen lovirke und bringen den Namen mit Uwerke 
Lerche' in Zusammenhang. 



138 Gimpel, pyrrhula europaea, pyrrhula pyrrhula. 

bei Schwenkfeld a. a. 0. und Lüch bei Zehner Nomenciator 
(1622) S. 270 sind wohl Verkürzungen des Kompositums wie 
Mistel für Misteldrostel (s. S. 60). — Ebenso sind sächs. Scluvarzlob l 
und schmalkald. Luft 2 offenbar als Kurzformen der umgestalteten 
Kamensform Lobfink aufzufassen. Wahrscheinlich gehört auch 
westthüring. Lüwich 3 zu Lob ebenso wie Spatzich zu Spatz, in 
dieser Form ist der Name aber identisch mit dem Eigennamen 
Liebig (ahd. Liuaicho). 

Eine synonyme Benennung des Gimpels ist Goldfinck bei 
Eber und Peucer a. a. 0. (danach bei Gesner Hist. avium S. 702, 
Golius Onomasticon (1579) Sp. 292); Turner 4 , von dem der 
Ausdruck vielleicht in die vorhinerwähnten Werke aufgenommen 
ist, hält ihn als gleichbedeutend mit Distelfink. Heute wird der 
Gimpel in einigen Gegenden von Niederdeutschland (im Münster- 
kreise und in Recklinghausen) Goldfink 5 genannt ; ndl. goutvink 
(bei Junius Nomenciator (1581) S. 55a Goutvincke). — Unsicher 
ist, ob Schweiz. Gol(l) G (zuerst bei Gesner a, a. 0. S. 702), Götter G , 
elsäss. Gol n., Botgolle (Kol, Koller) 1 als Gold aus Goldfink (wie 
Golammer aus Goldammer) aufzufassen sind; dann wären die 
alemannischen Synonyma ähnlich zu beurteilen wie die mittel- 
deutschen Luh und Schwarzlob. 

Wegen der zinoberroten Unterseite, die dem Yogel die 
Benennung Goldfink verschafft hat, heißt er bei Turner Avium 
hist. (1544) Blödtfinck, Gesner a. a. 0. S. 702 Blidfinck, im 
Yocab. triling. (1560) S. 89 und in der Angenehmen Land- 
Lust (1720) S. 151 Blutfink, bei Hohberg Adel. Land-Leben (1687) 
IT, SOI Kap. CXX Blut- oder Rohtfinck. Heute kommt Bluetfink* 
in der Schweiz und im Elsaß vor, auch in der Siegerländer 
Mundart Blötfenke*. Das Vokabular von Ostermann (1591) S. 335 
nennt das Synonyinon Bluedzapf (Blutzapf en), auch bei Henisch 
Teutfche Sprach (1616) Sp. 1173 Blutzapff. Zu dieser Gruppe 

1 Zs. f. d. Phil. XXI, 210. — 2 Vilmar 254. 

3 Kluge Et. Wb. 6 S. 146. — 4 Avium historia (1544) S. G 2a. 

5 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 85. XVII, 5. 

6 Staub-Tobler II, 214. — 7 Martin-Lienhart I, 212. 431. 

8 Staub-Tobler I, 868, Martin-Lienhart I, 122. 

9 Heinzerling Probe eines Wörterbuches der Siegerländer Mundart 
Progr. des Realgymn. zu Siegen (1891) S. 27. 



Gimpel, pyrrhula europaca. pyrrhula pyiihula. I '- * 

gehört noch Hotrocjcl bei Gesner a. a. 0., in Strassburg. Vogelb. 
(1554) V. 591, und bei Goliua Onomasticon (1579) 8p. 294. 

Auf die Färbung des Vogels bezieht rieh auch <1<t An- 
druck Dompfaff-, der Gimpel wird wegen der schwarzen Kappe 
und vielleicht der rollen Figur mit einem Geistlichen verglichen. 
Zuerst ist der Name Thumpfaffam Sachsen bezeugt durch Eber 
und Peucer Vocab. (1552) 8. K 1 b, daher auch hei Döbel Eröffn. 
Jägerpr. (1746) 8. 62. Eine andere Variation isl ndd. doemhet 
(= fringilla) in einem Vokab. v. J. L542 1 ; Gesner kennt Thum* 
herr durch seine Rostocker Korrespondenten. Die Ausdrücke 
sind heute auf mittel- und niederdeutschem Sprachgebiet ver- 
breitet: Dönpfaff 2 in Thüringen, Daumpäpe 3 in Göttingen und 
Grubenhagen, Dömpaop* in Altmark und Mecklenburg, Dömp&p, 
Dütnpdp* in Preußen. Aus dem Niederdeutschen ist der Vogel- 
name als domherre {dompap) ins Dänische, als domhärre ins Schwe- 
dische übernommen worden. — Für die Gegend von Frankfurt 
am Main bezeugt Gesner die einfache Bildung Pf äfft in. 

Da der Yogel sich von den Knospen verschiedener Baum- 
arten nährt, hat er in der Schweiz die Nanien Bollenbisser (Knos- 
penbeißer), Boll{en)bick(er)* (Knospenpicker) erhalten; Gesner er- 
wähnt neben Bollenbyffer, BoUebick auch die Benennung Brommei/i 
(Knospenmeise). 

Der heute häufig gebrauchte Name Gimpel ist ein vor- 
zugsweise bairisch-österreichisches Wort. Zuerst kommt Gümpel 
— doppelsinnig gebraucht — bei Oswald von Wolkenstein 71, - 
vor, darauf Gümpel bei Hans Sachs Regim. der Vögel (1531) 
V. 135, Gympel bei Gesner als österreichische Namensform, 
(ifnnpel bei Hohberg Adel. Land-Leben (IGST) II, 801 Kap. OXX, 
Gimpel in der Angenehmen Land-Lust (1720) S. 151. Aber auch 
in Sachsen ist Gumpell bei Eber und Peucer Vocab. (1562) 
S. E 4 b bezeugt, danach Gümpel in Döbels Eröffn. Jägerpr. a. a. I >. 
Der Name ist abgeleitet von gumpen 'hüpfen' und bezieht siel: 
auf die ungeschickten und hüpfenden Bewegungen de. v 
auf der Erde. 



1 Jb. f. ndd. Sprachf. VI, 127. — 2 Hertel 83. — 3 Schambach 40. 
4 Danneil 36 und Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 84. 
ö Frischbier I, 143. — 6 Staub-Tobler IV, 1120. 



140 Fichtenkreuzschnabel, loxia curvirostra. 

Unter der Menge von Synonyma, die Gesner a. a. 0. zu- 
sammengetragen hat, wird auch der Name Hau erwähnt. Damit 
identisch ist der Vogelname hyl in einer Version des Märchens 
vom Zaunkönig aus dem 15. Jh. (Erlösung herausg. von Bartsch 
S. XLIV). Der Name ist ein slavisches Lehnwort und geht auf 
czech. heyl, hyl = poln. gil zurück. Ebenso ist Schnigel (danach 
vielleicht Roth fchlegel) bei Döbel a. a. 0. entlehnt aus poln. snieguta l . 
Im deutschen Luxemburg wird der Gimpel Pillo 2 m. genannt. 
Der Name, welcher auch auf andere Vögel übertragen wird, 
kommt als pilo 3 im französischen Luxemburg vor ; dazu Pilart 
als brabantisches Wort bei Gesner a. a. 0. 

Nach Voigt Excursionsbuch S. 125 unterscheidet sich die 
Stimme des weiblichen Gimpels von dem Pfeifen des männ- 
lichen Vogels dadurch, daß sie weniger rein ist und tiefer 
klingt. Nach diesen Lauten ist der Ausdruck Quetsch gebildet, 
den Eber und Peucer a. a. 0. als spezielle Bezeichnung des 
Weibchens anführen; er begegnet schon früher bei Hans Sachs 
im Regim. der Vögel (1531) V. 229. — Ein schweizerischer 
Name für den männlichen Vogel ist nach Gesner die Bildung 
Giigger (zu güggen 'pfeifen'; vgl. S.94); heute wird das Wort (ge- 
wöhnlich zusammengesetzt Rotgügger) in der Schweiz ohne Unter- 
schied des Geschlechts für den Gimpel verwendet 4 . Die Geschlechts- 
bezeichnungen sind offenbar Termini der Vogelsteller, ebenso 
wie der Ausdruck Hellfchreyer in der Angenehmen Land-Lust 
(1720) S. 153. 

Fichtenkreiizschnabel, loxia curvirostra. 

Von den loxia-Arten ist der kleine oder der Fichten- 
kreuzschnabel der einzige in Deutschland heimische Vogel. Er 
lebt in dem deutschen Mittelgebirge, besonders im Harz und 
in Thüringen, doch ist sein Aufenthaltsort von dem Samen- 
reichtum der Nadelwälder in hohem Grade abhängig und daher 
sehr veränderlich. 

Im 15. Jh. begegnet als Name des Kreuzschnabels der 
Ausdruck crinis in einer Version des Märchens vom Zaunkönig 

1 = vvend. snühula, czech. snehule, russ. snigiri 'Gimpel'. 

2 Wb. der Luxemburg. Mundart 336. 

3 Rolland Faune populaire II, 168. — 4 Staub-Tobler II, 196 f. 



Fichtenkreuzschnabel, Icoria corvirostra. lli 

(Germania \'I, 99) and die Nebenform hriwiäze im Elbinger 
Vbkab. (Bernekei Die preuß. Spr. 8. 244), im L6. Jh. Krinite 
bei Eber and Peucer 7ocab. (1552) 8. F I a. In Schwenkfeidfl 
Tber. Sil. (1603) 8. 252 werden die Formen Kriniti and Krim 
als schlesisch in Anspruch genommen; Döbel Eröffn. Jägerpr. 
(1746) S. 56 Bchreibt GhrinUz^ der Verfasser der Angenehmen 
Land-Lust (1720) 8.336 Gruniiz. Popowitscfa Versuch (1780) 
8.293 kennl Kriniz ans Schlesien und Schwaben; dazu wird 
aus Schlesien auch die Variante Qrims* angegeben, aus dem 
nördlichen Böhmen Krims 2 , ans Mähren Grems\ ans Thüringen 
(allgemein) unnütz*. Der Name ist, wie so viele andere Be- 
nennungen für Finkenvögel, ans den slavischen Sprachen über- 
nommen; hier entspricht als Etymon dem mhd. krinis czech. 
(russ.) krivonos b (d. h. Krummschnabel). Im Anschluß an die 
Bildungen Stiglitz,Wonitz, Girlitz ist die Form Krinite entstanden, 
welche dann teilweise an grün angelehnt und zu Gruniiz um- 
gebildet worden ist. 

Eine einheimische Bezeichnung für diese Vögel ist krump- 
schnabl in einer Version des Märchens vom Zaunkönig (Ger- 
mania VI, 90), Krumbschnabel bei Hans Sachs Regim, der Vögel 
(1531) V. 226, Krumfchnabel bei Gesner Hist. avium S. 508. 
Popowitsch S. 294 bezeichnet diesen Ausdruck als österreichisch. 
Ein synonymer Name, welcher ebenfalls von den hakenförmig 
gekrümmten Schnabelspitzen des Vogels hergeleitet ist. ist Kreuz- 
vogel in Steiermark (Unger-Khnll Wortsch. S. U3), Krüzvogd 6 in 
der Schweiz (Krützvogel bei Gesner a. a. 0.) und im Elsaß 
(Creutzvogel in Spangenbergs Ganskönig V. 121); Martin und 
Lienhart I, 100 geben allerdings 'Buntspecht' als Bedeutung 
an. Nach Popowitscli S. 293 ist der Name Kreuzvogel auch in 
der Wetterau üblich. Als schlesisch«^ Synonymon führt Popo- 
witsch den Ausdruck Chridcogel an, den er daraus erklärt. 
daß der Kreuzschnabel "um Weihenachten auf den Fichten- 
bäumen seine Jungen aushecket". Wahrscheinlicher ist jedoch, 



l Frommann D. Mundarten IV, 170. — 2 Zs. f. d. Phil. XXI. 210. 
3 Frommann D. Mundarten V, 4G5. — •£ Hertel 110. 

5 = poln. A-rzi/conon. Sloven. grinec stammt wohl aus dem Deutschen. 

6 Staub-Tobler I, 094. 



142 Grauer Fliegenfänger, muscicapa grisola. 

daß dieser Name durch die Benennung Kreuzvogel veranlaßt 
wurde, indem man hier das Kreuz im christlichen Sinne faßte. 

In Kleins Hist. av. prodr. (1750) S. 96 wird der Ausdruck 
Kreutz-Schnabel erwähnt, der als Krützschnoabel 1 in Mecklen- 
burg und Krützsnauel 1 in Lübeck vorkommt. Aus Preußen wird 
das Synonymem Zapfenbeißer 2 angegeben, welches Popo witsch 
S. 294 mit den Ausdrücken Tannenvogel, Tannenpapagey nach 
Halle anführt; bei Unger-Khull a. a. 0. S. 641 gilt Zapfenbeißer 
als steirischer Name. 

Schwenkfeld gibt im Ther. Sil. S. 253 an, daß die schlesischen 
Vogelsteller nach der Farbe verschiedene Arten Kreuzschnäbel 
unterscheiden: "Kote, Geelbe, Graue, Bundte, Recht oder Lincks 
gefchrenckte Kriniffe". Durch diese Farbenbenennungen sind die 
verschiedenen Stufen angedeutet, durch welche die lange 
dauernde Unifärbung des Fichtenkreuzschnabels stattfindet. 

Dagegen sind die Roß Kriniffe oder groffe Kriniffe a. 
a. 0. wirklich eine verschiedene Art. Die Ausdrücke beziehen 
sich auf den im Norden heimischen Kieiernkreuzschnabel oder 
Hakengimpel (loxia enucleator, loxia pityopsittacus), der in 
Deutschland manchmal angetroffen wird. In Preußen soll dieser 
Vogel Paradiesvogel* genannt werden. 

Wie die unregelmäßig streichenden Vögel überhaupt, so 
gelten auch die Kreuzschnäbel als Vorzeichen von Pest oder 
teueren Zeiten, vgl. Schwenkfeld a. a. 0. 

Fliegenfänger, Muscicapidae. 
Grauer Fliegenfänger, muscicapa grisola. 
In den althochdeutschen Glossen wird der Vogelname 
smpfo bezw. snepfa (d. h. Schnepfe) manchmal mit lat. ficedtda 
übersetzt, das die Bezeichnung für Grasmücken oder Fliegen- 
fänger ist; in den späteren Vokabularen wird daher der lateinische 
Ausdruck auch mit grasmucke wiedergegeben. — Daß es sich in 
den betreffenden althochdeutschen Belegen nicht bloß um eine 
falsche Glossierung des Namens der Schnepfe (scolopax) handelt, 
zeigt die weitere Geschichte. 

1 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 83. 84. 

2 Frischbier II, 487. — 3 Frischbier II, 121. 



Grauer Fliegenfänger, muscicapa grisola. 143 

Im H». Jh. erscheint Sehnepffiein wieder einmal mit fic*- 
dula glossiert bei Eber and Peucer Vocab. (1552) 8. K Tu, und 
bier bezeichnet das Wort anzweideutig einen vom Fliegenfang 
lebenden Singvogel, den Rotschwanz. Der tfame Schnepfflin 

wird a.a.o. damii begründet, daß der Vogel mit offenem Munde 
gierig Dach Fliegen trachtet. Junius, der diese Glosse durch 
die Vermittlung Gesners in Beinen Nomenclator (1581 1 8. 56a auf- 
genommen hat, bezeichnet Sneppe als entsprechenden nieder- 
ländischen Namen. In dieser Lautgestalt begegnet der Vogel- 
namc bereits im 15. Jh. in der Glosse Eicedula = fliege, sneppe 1 , 
welche in fliegesneppe 'Fliegenschnepper' zu verbessern ist Die 
Bildung Fliegenfchnepper (Dübel Erüffn. Jägerpr. (1746) 8. 62) 
ist heute besonders in Niederdeutschland als Name ^> grauen 
Fliegenfängers (oder des Rotkehlchens) geläufig. In Göttingen 
und Grubenhagen und im Münsterkreise lautet die Namensform 
Fleigensnepper 2 , anderwärts auch Jtöuggensnapper * ; auf hoch- 
deutschem Sprachgebiet Fliegen fchnäperl* in Österreich, Fliegen- 
schnapperl* in Steiermark. 

Im ahd. Ausdruck snepfo sind offenbar zwei verschiedene 
Vogelnamen zusammengefallen: snepfo = scolopax, Schnepfe 
{vgl. dieses Wort) und snepfo (aus *snap-j-an) Tliegenschnepper'. 
Der letztere ist nur in der niederdeutschen Lautform * sneppe 
erhalten geblieben. Aus diesem Zusammenfall der beiden Xamen 
erklärt sieh dann der Umstand, daß lat. ficedula gelegentlich 
auch im Sinne von Schnepfe aufgefaßt wurde. So z. B. bei 
Albertus Magnus De animalibus S. Y 3a: "Xepa est auis longi 
rostri, in dorso colores habet perdicis et in venire nisi . . . haue 
flscedulam quidam vocant". 

Eber und Peucer Yocab. (1552) S. E 6b haben für den 
grauen Fliegenfänger den Xamen FUgenßecher, wozu Muggen- 
ftecher bei Gesner Hist. avium S. 594 eine Variante ist; später 
begegnet Muckenftecher in Spangenbergs Ganskönig V. 13S, 
Mückenftecher bei Popowitsch a. a. 0. neben FUegenfpießcr, 



L Diefenbach Novum glossar. S. 173 a. 

2 Schambach 272, Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 85. 

3 Häpke Volkstümliche Tiernamen S. 302. 

•i- Popowitsch Versuch S. 398. — 5 Unger-Khull 2 12. 



144 Seidenschwanz, bombicilla garrula, ampelis garrulus. 

das nach Halle augeführt wird. Als schlesische Namensform 
gibt Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 307 Sticherling an. 

Weitere Varianten sind Muggen-Chlöpfer l in der Schweiz, 
Beiefrösser 2 (d. h. Bienenfresser) in Luxemburg, Mücken fanger * 
in der Grafschaft Ranzau. — In Preußen heißt der graue 
Fliegenfänger Schurek m., das bei Frischbier Wb. II, 323 als poln. 
szurek 'Schelmchen' oder als onomatopoietische Bildung gedeutet 
wird. Der Dialektname scheint eher auf russ. stsurka 'Bienen- 
fänger' zurückzuführen zu sein. Unklar ist der luxemburgische 
Name Izeckelchen 4 m. 

Aus Mecklenburg erwähnt Nemnich Polyglottenlexicon II, 
666 als Bezeichnung des grauen Fliegenfängers den Ausdruck 
De graag Häting (= Das graue Rotschwänzchen); ein anderes 
ndd. Synonymon ist Tünsinger' . 

Vom grauen Fliegenfänger wird der schwarze (muscicapa 
atricapilla) gewöhnlich nicht durch besondere Benennungen 
unterschieden. Iu Bern (in der Schweiz) heißt die letztgenannte 
Art Töte-Vögeli 6 (Toten vogel). Gesner bezeichnet a. a. 0. S. 763 
den Namen Todtenaögele, welchen er als Synonymon zu Flügen- 
ftecherlin anführt, als einen Ausdruck der Vogelsteller. An den 
Namen knüpft sich die Vorstellung, daß der Vogel vor heran- 
nahender Pest häufiger wahrzunehmen ist. Schwenkfeld Ther. 
Sil. (1603) S. 307 nennt den schwarzen Fliegenfänger mit dem 
schlesischen Namen Nöffelfincke, welcher nicht sicher deutbar ist. 
Dieser Vogel wird in Luxemburg als Fleiefänker 7 (Fliegenfänger) 
bezeichnet. 

Seidenschwanz, bombicilla garrula, ampelis garrulus. 

Der Seidenschwanz gehört, wie die Rotdrossel, der Berg- 
fink xl a., zu den nordischen Brutvögeln, die als Wintergäste 
die südlicheren Länder besuchen und deren plötzliches massen- 
haftes Erscheinen hier als Zeichen des Unglücks aufgefaßt wird. 
Als Fremdling teilt der Seidenschwanz den "BöhmeVNamen mit 

1 Staub-Tobler III, 679. — 2 Wb. d. Luxemburg. Mundart 24. 

3 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVII, 2. 

4 Wb. d. Luxemburg. Mundart 197. 

5 Häpke Volkstümliche Tiernamen S. 302. 

6 Staub-Tobler I, 697. — 7 Wb. d. Luxemburg. Mundart 111. 



Seidenschwanz, bombicilla garrula, ampelis garrulus. 145 

den vorhingenannten Vögeln, Gtesner, der (II ist. avium 8. 674) ihm 
sogar die wissenschaftlich*' Benennung 'garrnlus bohemicus' 

gibt, kennt den Ausdruck Beliemle oder Beemerle ans Nürnberg; 
hier ist das Bemlein schon früher direkt bezeugt durch Bans 
Sachs Regim. der Vögel (1531) V. 17'_\ In den schweizerischen 
Quellen des 17. Jhs. werden die Seidenschwänze öfters Behtnen 

oder BöJiembli genannt; ebenso begegnet Bohemlein in diesem 
Sinne bei Aitinger Bericht v. d. Vogelstellen 8. 3:54, Böhmlein 
in der Angenehmen Land-Lust S. 104. Heute findet sich Bemer ' 
als Bezeichnung des Seidenschwanzes in Westfalen, und in 
Frankreich ist jaseur de Boheme (der böhmische Schwätzer) 
der allgemein geltende Ausdruck. Zur Verbreitung dieses Namens 
mag einerseits die literarische Tradition beigetragen haben, 
andererseits werden auch die Vogelsteller ihren Anteil daran 
haben. — In Oberschlesien werden die Seidenschwänze nach 
Popowitsch Versuch S. 539 nicht Böhmen sondern Friesen genannt. 
Vgl. S. 65 und 113. 

Der italienische Gelehrte Ulysses Aldrovandi erwähnt in 
seiner Ornithologie mehrere Fälle, wo die Seidenschwänze in 
seiner Heimat als Verkündiger schwerer Pestepidemien erschienen 
seien. In Deutschland wird dieses Aberglaubens von Aitinger 
gedacht, der in seinem Berichte von dem Vogelstellen (103 1) 
S. 339 berichtet: "Es feynd viel Leute der fonderlichen meynung / 
daß wenn diefer Vogel [der Seidenschwanz] bey uns gefehen 
werde / daß es jederzeit ein befonder Omen vnd bedeutung habe I 
ja der drey Principal Heuptftraffen / Krieg / Peft / Thewrung I 
oder Hunger mit fich bringen | wiewol fie vielmahls in etzlichen 
Landsarten in viertzehen vnd mehr jähren nicht gefehen werden 

•'. Auf diesen Volksglauben beziehen sich die Namen 

Pestvogel 2 in Österreich, der Schweiz und Schwaben, Todtenvogel 2 
in Österreich und Steiermark, Kriegsvogel 2 in der Schweiz, Pest- 
vngeP im Münsterkreise. 

Da der Seidenschwanz in Deutschland ein Wintergast ist, 
nennt ihn Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 229 einen "Schnee- 
vogel" oder Schnee Lefchke (d. h. Schneekernbeißer). Ein regens- 

1 Woeste 26. — 2 Popowitsch Versuch S. 539. 540, Fischer I. 943, 
Staub-Tobler I, 694 f. — 3 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 86. 
Suolahti, Vogeluamen. 10 



146 Würger, lanius. 

burgisches Dialektwort ist Pfeffervöglein, das Hohberg Adel. 
Land-Leben (1687) II, 796 Kap. CXYII als einen Ausdruck der 
"gemeinen Leute" erwähnt; die Benennung soll sich auf das 
zarte, "wolgefchmackte" Fleisch beziehen, das wie "lieblich 
gewürzt" ist. 

Der heute allgemein übliche Ausdruck Seydenfchwantz wird 
zuerst in Sachsen durch Eber und Peucer Vocab. (1552) S. E 7b 
belegt und in der Form Seide fchwantz von Schwenkfeld a. a. 0. 
als schlesisch bezeichnet. Auch bei Golius Onomasticon (1579) 
Sp. 292 wird Seiden fchiventzlein und bei Chytraeus Nomenciator 
(1582) S. 373 Sidenfchwentzken verzeichnet; weiter Seiden fchwäntzel 
bei Hohberg, Seidenfchwentzlein bei Aitinger (S. 334) und in der 
Angehmen Land-Lust a. a. 0., Seiden-Schwantz bei Döbel Eröffn. 
Jägerpr. (1746) S. 55. Der Name, den Popowitsch Versuch S. 539 
aus "Sachsen, Schlesien, der Wetterau etc." anführt, ist nicht nur 
in Mitteldeutschland, sondern auch in Niederdeutschland (Mecklen- 
burg 1 ) und in Oberdeutschland (z. B. Steiermark 2 ) verbreitet. 
Nach dem deutschen Namen, der sich auf das weiche Gefieder 
des Vogels bezieht, ist schwed.-dän. sidensvans gebildet. 

Synonyme Namen sind Zinzerelle bei Gesner a. a. 0. und 
Österreich, das Zuserl bei Popowitsch S. 540 ; für beide Aus- 
drücke wird von den genannten Autoren onomatopoietischer 
Ursprung vermutet. 

Würger, lanius. 

Ahd. dorndräil: Sg. Nom. — dorndragel furfario s : H. 
S. III, 17, dorndragil: III, 17. furfarius : Versus de volucr. : cod. 
Admont. 106, dornodrdgil: fol. sem. theot. Gotting. Müller I, 6, A 13 
(13. Jh.). H. S. III, 17: cod princ. de Lobkow. 434, 9a (13 Jh.). dorn- 
dregil: Versus de volucr., dorndrigil: Clm. 23496, 10 b, dorntugel: 
Clm. 22213, 163a. dorndra : l : cod. Vatic. Reg. 1701, 2 b. dorndräil: 
Clm. 14689 f. 47a. GH. Salom. a 1. dorndral: Versus de volucr. dorn- 
drel: Versus de volucr. 



1 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 84. — 2 Unger-Khull 591. 

3 Das unklare mittellat. Wort furfario, furfarius ist vielleicht als 
perforarius (d. h. Durchstecher) aufzufassen ; auch perforaculum erscheint 
im Corp. Gll. lat. II, 453* 7 (IN, 204 24 ) als furfuraculum. Dabei kann das 
Wort sich an für 'Räuber' angelehnt haben. 



Würger, lanius. 147 

Die Lebensweise der Würgerarten ähnelt in mancher Hin- 
sicht derjenigen der Raubvögel, Wie diese, so greifen auch die 
Würger, sofern ihnen passende Nahrung mangelt, ander«' Vögel 

an, die nicht viel kleiner sind als sie seihst, und würgen die- 
selben ab. — Diese gransamen Eigenschaften kommen denn auch 
zum Ausdruck in den volkstümlichen Benennungen der laniuß- 
Arten; in England nennt man sie butcherbird, murderingpie, in 

Frankreich icorcheur oder agasse enteile usw. 

Der althochdeutsche Name dorndrdil enthalt als zweiten 
Bestandteil eine -*Ya-Ableitung vom Verbum dräen 'drehen' und 
bedeutet demnach e Dorndreher\ Der Ausdruck erklärt sich ans 
der Eigenart des Vogels, seine Beute auf spitze Dornen aufzu- 
spießen. In zahllosen Umbildungen läßt sich diese Bildung in 
den hochdeutschen Mundarten weiter bis in die Neuzeit hinein 
verfolgen. Im 16. Jh. begegnet Dorendreer bei Hans Sachs Regim. 
der Vögel (1531) V. 147 auf bair.-fränk. Sprachgebiet, Doren- 
dreer bei Eber und Peucer Vocab. (1552) S. F 3a in Sachsen, 
Thorntrder bei Gesner Hist. avium S. 557, Dorndretver im 
Strassburg. Vogelb. V. 442 (dorndrewe 1 schon in den Hildegard- 
glossen des 13. Jhs.) und Dorndräher bei Grolius Onomasticon 
(1579) Sp. 293. Heute ist Dorndreher (im Elsaß Dorndräjer 2 ) 
in süd- und mitteldeutschen Mundarten allgemein verbreitet; 
auch im Münsterkreise soll ndd. Däondreiher* üblich sein. Die 
ältere s7a-Bildung ist in Steiermark in den Formen Dornt raiL 
Dorndraller* m., in Tirol (Oberinntal) in Doarnträl 5 m. erhalten. 
— Schon in den frühmittelhochdeutschen Handschriften der 
Versus de volucribus, welche diesen Namen abschreiben, er- 
scheint er vielfach umgestaltet. Eine solche Umgestaltung ist 
dorndrahsel: Clin. 4350, 3a, dorndrechsel: Clm. 3537, 330b, Clm. 614, 
31b, Cgm. 649, 526 b, eine andere dorndroscel (-drosei -drösele, 
-droschel, -drauschel) in cod. Oenipont. 355, 14 b, cod. Vindob. 
3213, 116b, cod. Lips. Paulin. 106, lc, Clm. 247271 106b. 107a, 
cod. Mellic. K 51, 242. Aus der heutigen mittelsteirischen Mundart 
führt das Wörterbuch von Unger-Khull S. 162 Dortid rösche rl und 

1 Ahd. Gll. 111, 404 17 . — 2 Martin-Lienhart II, 747. 

3 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 85. — 4 Unger-Khull 162. 

5 Frommann D. Mundarten IV, 54. 

10* 



148 Würger, lanius. 

Dorntreischerl n. (d. h. Dorndrossel) an, gibt aber — auffällig 
genug — als Bedeutung Drossel' an. In einem Glossar des 
13./14. Jhs. (Zs. f. d. Wf. V, 20) wird die Form dornacreiel belegt 
wo der Yogelname an krceen angelehnt und also als 'Dornkräher' 
aufgefaßt worden ist ; daher Dornkrceel l in Baiern und weiter 
umgebildet Dorngreuel 2 in Österreich (Totengräuel 3 in Salzburg). 
— Eine alte Variante ist ferner dornorahil in cod. Admont. 476, 
daraus Doarnrale^ in Lienz, der Dornreich in der Angenehmen 
Land-Lust (1720) S. 111, Dornreicher bei Popowitsch Versuch 
S. 416 als österreichische Form bezeichnet; Dornreiher 3 in Ober- 
österreich. — Im 16. Jh. begegnet bei Gesner die Bildung Thorn- 
kretzer, die von Schweiz, kretzen "kratzen, ritzen' (kretzo 'alietus* 
im Vocab. optimus XXXVII, 35, S. 42) abgeleitet ist; später ist 
das Wort nochmals belegt 5 . Im Schwäbischen findet der 
Vogelname sich umgebildet zu Dorndreckeier 5 , im Anschluß an 
dreckelen 'mit Dreck arbeiten' ; in Steiermark kommt die Variante 
Dorntreiber 1 vor, im Etschtal (Tirol) Dorngansl^ (Dorngänschen). 
Ungefähr auf demselben Verbreitungsgebiet wie der eben- 
erwähnte Ausdruck mit seinen Varianten kommt das althoch- 
deutsche Synonymon wargengil vor, welches in mehreren Hand- 
schriften überliefert ist. 

Belege: Sg. Nom. — wargengil cruricula: H. S. III, 17: cod. 
mon. herem. 171, 24, cod. princ. de Lobkow. 434, 9 a, cod. Darmstad. 
6, 27 a. wargengel: Versus de volucr. : cod. Mellic. K 51, 242, wark- 
engel: fol. Francofortense, cod.princ.de Lobkow. 489, 56b, cod. 
princ. de Wallerst. I, 2 (Lat.), 175 b, warchengil : cod. Admont. 106, 
cod. Admont. 476, Clm. 17194 f. 221b, cod. olim Argentorat. A 157, 
cod. Stuttgart, th. et phil. 210, 135 a, cod. Stuttg. th. et phil. 218 f. 22 b. 
H. S. III, 17: cod. Trevir. 31, 15 a, warchengel: cod. Vindob. 2400,42 a, 
Clm. 23796, 173a. Versus de volucr.: Clm. 23496, 10b, warechengil: 
cod. mon. herem. 239 p.784. warcgengel: Gll. Hildegardis. wargingel: 
cod. Oxon. Jun. 83, 4. ivarchelgel : Versus de volucr. : fol. Stutt- 
gartense. 

Die Belegstellen reduzieren sich auf ein einziges selbst- 
ständiges Zeugnis des Vogelnamens in den Versus de volucribus. 

1 Schmeller-Frommann I, 542. — 2 Popowitsch Versuch S. 416. 
3 Zs. f. d. Phil. XXI, 209. — 4 Frommann D. Mundarten IV, 54. 

5 Staub-Tobler III, 934 und Popowitsch Versuch S. 415. 

6 Fischer II, 280. — 7 Unger-Khull 162. 



Würger, lanius. 14H 

Aus dieser Quelle hat offenbar das Summarium das Wort auf- 
genommen, und die Bildegard- und Junias-Glosseo sind irieder 

vom Summarium abhängig. 

[n der Form, wo dieser Name des Würgers überliefert 
ist, seheint es ein Kompositum zu sein. Wilhelm Grimm hat 
es in Zs. f. d. A. VI, 333 als irarr-grngil (d. h. Wolfgänger) ge- 
deutet, so daß der Vogel eigentlich ein in WolfegestaH omher- 
streichender böser Geisl sei. Eine ähnliche Auffassung i>t im 
Schweizerischen Idiotikon 1, 334 vertreten. Eher könnte man 
vielleicht an ags. wergenga, Longobard. irargengus(\j>x Rothari 390) 
e V r aräger, umherstreichender Fremdling' anknüpfen. Da manche 
Würgerarten nordische Vögel sind, welche in Deutschland nur 
als wandernde Gäste angetroffen werden, so konnte man sie 
als Varäger auffassen, ebensogut wie man in dem Seidenschwanz 
einen Böhmen oder einen Friesen sah. 

Aber das Aussehen des ahd. Wortes als Kompositum ist 
offenbar erst sekundär, denn die entsprechende angelsächsische 
Namensform wearginkel bewahrt die ursprünglichere Stufe des 
Vogelnamens und diese läßt sich am einfachsten als eine demi- 
nutive Ableitung mittels des Suffixes -inkil von ags. wearg 
(ahd. wäre 'Kaliber', anord. vargr "Wolf) deuten. Demnach wäre 
der Würger wegen seiner grausamen Tätigkeit als 'der kleine 
Wolf* benannt worden. Eine Würgerart wird noch heute als Meisen- 
wolf bezeichnet 1 . — Im Englischen ist weargincel später umge- 
staltet worden; es kommt im Mittelenglischen in der Form wariomgie 
einmal bei Chaucer Canterbury Tales 2 vor und findet sich als 
ivariangle, weirangle, wirrangle 3 in den heutigen Mundarten. 

In Deutschland ist Warkengel, Werkengel im 16. Jh. bei 
Gesner a. a. 0. S. 558 bezeugt, der den Ausdruck aus "Strass- 
burg, Frankfurt und anderen Gegenden" hat. Ein direktes Zeug- 
nis aus dem Elsaß ist Werckkengel im Strassburg. Vogelb. (1554) 
V. 444. Nachher ist der Ausdruck in den westlichen Gegenden 
von Süd- und Mitteldeutschland ausgestorben. Länger hat er 
sich dagegen im Osten erhalten, obgleich die Umgestaltung hier 

1 Vgl. Verf. Zs. f. d. Wf. IX, 176 f. 

2 Vgl. Wright Engl. Dial. Dict VI, 385. 

i Vgl. Wright a. a. 0. und Swainson The Folklore S. 47. 



150 Würger, lanius. 

immer weiter fortgeschritten ist, so daß die alte Namensform 
fast unerkennbar geworden ist. Bereits in einer Handschrift der 
Versus de volucribus aus dem 12. Jh. (Clm. 2612, 34 b) begegnet 
die Variante warchrengil, worauf die schlesische Form War 
Krengel, welche Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 291 neben Wan- 
krengel bezeugt, und die heutigen Variationen Wartenkrengel 1 
(in Glaz), Gartenkrengel 1 , Wagenkrengel 1 und auch einfach 
Krengel 1 (im Anschluß an krengeln 'quälen') beruhen. Eine 
andere von Schwenkfeld erwähnte Lautform ist Würg Engel, 
heute in Göttiugen und Grubenhagen Wörgengel 2 m. 

Eine Parallelform zur westgermanischen Deminutivbildung 
warginkil ist mhd. wergel (im Renner Hugos von Trimberg V. 8689 
und im Jüngling Konrads von Haslau V. 259 3 ) = mnd. worgel; 
in den ahd. und mhd. Versus de volucribus sind die Formen 
luargil, wergil, worgel öfters belegt. Diese Namensform ist mittels 
des Suffixes -ila-, das hier offenbar deminutiven Charakter hat, 
von wäre abgeleitet, so daß hier ebenfalls 'der kleine Wolf die 
ursprüngliche Bedeutung war. Heute in Baiern Wörgl*, in 
Fallersieben Spet-Wörgel b . — Den jetzt von der Wissenschaft an- 
genommenen Ausdruck Würger nennt Popo witsch Versuch S.415. 

Besondere Aufmerksamkeit verdient die Glosse wurgelhahe 
(crupicula) in Clm. 19488, 121a (Versus), die ein späterer 
Schreiber durch Änderung des u in e und Ausstreichen von 
hohe in wergel korrigiert hat; in Clm. 4460, 56a ist die un- 
verstandene Namen sform als wurdelhahe abgeschrieben worden. 
Hier liegt wieder eine von den vielen Varianten des alten 
Namens vor. In dem Kompositum, dessen erster Teil eine -ila- 
Ableitung von würgen 'würgen' ist, gehört der zweite Teil zu 
hähan 'hängen', so daß die Bildung eigtl. 'Würgerhenker' be- 
deutet ; vgl. hacher 6 'Henker' (im Jahre 1408 belegt). Eine 
französische Parallele dazu ist pendibre 1 (d. h. Henkerin) als 
Bezeichnung des Würgers in den Vogesen. Das spätalthochd. 



1 Weinhold Beitr. zu einem schles. Wb. S. 47. 

2 Schambach 304. — 3 Zs. f. d. A. VIII, 558. 

4 Schmeller-Frommann II, 998. 

5 Frommann D. Mundarten V, 295. 

6 Frommann D. Mundarten V, 371. — 7 Rolland Faune populaire II, 149. 



Würger, lanius. 161 

ivurgelhdhe ist eine bairische Variante, die im I L Jh. eon 
Konrad von Rfegenberg (Ed. Pfeiffer) 8. L79, 15 als volkstümlicher 
Ausdruck bezeichne! wird: "und w®n, ez (corednlus) Bei ain 
klain rogel, der haizt auf «Irin gita würgelhdch". Aul diesei 
Bonn beruht ohne Zweifel auch der Vogelname Wölgerhod, der 
bei Hans Sachs Regina, der Vögel V. L95 begegnet 

Auffällig isl der Ausdruck Handwerk, mit dem die öster- 
reichischen Falkenfänger den großen Würger benennen. Vielleicht 
liegt diesem Worte ein Kompositum hang-warc Henker-Würger' 
von der gleichen Art wie die vorhingenannte Variante zugrunde. 
Den Anlaß zu dergleichen Bildungen konnte der alte Vogelname 
ivarchengil durch falsche Auflösung der Glieder (warc-hengü = 
Wolfhenker) bieten. 

Ein Dialektwort aus Göttingen und Grubenhagen ist Bad- 
breker, Rddbräker 1 m. (Radebrecher). 

Besonders auf mittel- und niederdeutschem Gebiete heimisch 
ist der Name Neunmörder, welcher der Volksvorstellung ent- 
sprungen ist, daß der Würger an einem Tage neun Vögel tötet 
Zuerst begegnet Nuin mürder in Turners Avium bist. (1544) S. 
F 8a, darauf Neunmörder im Strassburg. Yogelb. (1554) V. 1 L3. 
Gesner, der den Aberglauben kennt, welcher sich an den Vogel- 
namen knüpft, bezeugt die Varianten Nüntöder I Xünmörder 
für Westfalen, Hessen und Thüringen. Heute kommen im Elsaß 
die Formen Nüntöter, Niinemörder, Ülenmörder, RitnSrder* ror, 
in der Pfalz Neuntöter* (bisw. umgebildet zu Eintöte r). in 
Luxemburg Neimerder* und LeimörderK in Westfalen Nhgen- 
märder' (Nidgenmäner^), in Göttingen und Grubenhagen Necjen- 
döter, Negenmarder 6 , in Altmark Nägnmörer 1 , in Hannover 
Negenmörder*, in Mecklenburg Negenmürer und Negendöder*. 

In manchen Gegenden werden die Würger als Bistern 
oder Häher benannt, wobei wohl das Geschrei der verbindende 



1 Schambach 166. — 2 Martin-Lienhart I, 706. II. 727. 

3 Heeger Tiere im pfälz. Volksmunde II, 10. 

4 Wb. d. Luxemburg. Mundart 265. 298. — ö Woeste 186 
6 Schambach 144. — 7 Danneil 143. 

8 Häpke Volkstümliche Tiernamen S. 302. 

9 Schiller Zum Tierbuche 1h 14 



152 Würger, lanius. 

Vergleichungspunkt ist. Gesner a. a. 0. S. 557 nennt die Aus- 
drücke Waldhäher und Waldherr aus Freiburg; vielleicht ist 
die Glosse walder in Clm. 23496, 10 b (Versus de volucribus) 
12. Jh. mit diesen Namen identisch, obwohl sie als Lemma fulica 
hat. — Popowitsch Versuch 415 f. gibt unter den Synonyma für 
den Würger die Namen Dornhäher, Grigelalfter (nach Kramer), 
Krückälfter (vgl. Krigelster = Blaurake S. 16) und Wildälfter; 
in Westfalen heißt der Vogel Dämexter 1 (Dornelster), im Elsaß 
Dornägerste 2 , in Preußen Kaddigheister 3 (Wachholderelster), 
Sprockheister* (Strauchelster), und in Oberösterreich Buschälster*. 
Die Bildung Speralster, welche Popowitsch a. a. 0. aus Österreich 
angibt (in Steiermark Sperr 'galster 5 ), ist vielleicht aus *Spar-alster 
(Sperlingselster) entstanden. Eine ähnliche Bezeichnung des 
Würgers ist it&l. gazza sparuiera oder passera gazera bei Aldrovandi 
Ornithologia (1610) I, 198b. 

Gelegentlich werden die Würger mit Namen bezeichnet, 
die auf den dicken Kopf dieser Vögel Bezug nahmen, so z. B. 
Dickkopp Näg7imörer G in Altmark, der Dickschädel 7 in Steiermark. 

In erster Linie beziehen sich die obengenannten Synonyma 
auf den rotrückigen Würger (lanius collurio), welcher die häu- 
figste Art in Deutschland ist. In Oberösterreich soll dieser Vogel 
Blaukopf, Alsterweigl oder Kiemer Stecher, im nördlichen Böhmen 
Dornhitsche oder Steinfletscher heißen 8 . In der Angenehmen 
Land-Lust (1720) S. 113 wird er Schilfdornreich genannt; auch 
sonst werden kleine Würgerarten Rohrspatzen oder Rohrsperlinge 
genannt, vgl. Popowitsch Versuch S. 416 und Reyger Verbess. 
Hist. der Vögel (1760) S. 53. 

Seltener ist der schwarzstirnige lanius minor, der jedoch 
in verschiedenen Gegenden von Deutschland als Brutvogel vor- 
kommt. In der Angenehmen Land-Lust (1720) S. 112 wird er 
der Meifenkönig genannt, "weil er natürlich einer Hanfmeife 
gleich fiehet"; im nördlichen Böhmen heißt er Meisenwolf*, in 
Steiermark Spanischer Dorndreher 8 . Wegen der schwarzen Kopf- 

1 Woeste 48. 

2 Martin-Lienhart I, 21. — 3 Frischbier I, 324. II, 357. 
4 Zs. f. d. Phil. XXI, 209. — 5 Unger-Khull 525. 

6 Danneil 143. — 7 Unger-Khull 153. 
8 Zs. f. d. Phil. XXI, 209. 



Meise, parat. 153 

platte bat der Vogel von den österreichischen Vogelkrämern den 
Namen Mönch ■ bekommen. 

Einige ?on diesen ausdrücken gelten anch gelegentlich 

von dem großen Würger (lanius excubitor), der bei den stei- 
rischen Vogelfängern anter «lein tarnen der Zwergel ' bekannt 
ist. Wenn dieser Ausdruck nicht eine Verdrehung des Namens 
Wergel ist, so konnte der Zwergname dem Vogel gegeben worden 
sein, weil er im Verhältnis zu den Falken als der kleinste Raub- 
vogel erschien. Reyger, der in der Verbess. Eist der \ 
(1760) s. 52f. nach seinem Vorgänger Klein die Würger zu den 
Falken zählt, nennt sie a. a. 0. Afterfalken. In Preußen heißt 
der große Würger Wächter 2 , wahrscheinlich deshalb, weil er auf 
strauchspitzen Umschau zu halten pflegt; SpottvogeP wird er ge- 
nannt, weil er den Gesang der kleinen Singvögel geschickt nachahmt. 
In Süddeutschland tritt der Rotkopfwürger (lanius rufus 
oder Senator) häufiger auf als in den nördlicheren Gegenden. 
Gesner hat ihn nur in Italien gesehen und weiß für ihn keinen 
deutschen Namen zu nennen. In manchen Gegenden wird er 
als Rotkopf von den übrigen Arten unterschieden. 

Meise, parus. 

Ahd. nieisa: Sg. Nom. — meisa parix : cod. SGalli 299, 26. 
cod. SGalli 242, 248b. cod. Guelpherbyt. Aug. 10. 3. 4<> f. 89 a, cod. 
Parisin. 9344 f. 42b, cod. Berol. Ms. lat. 8<> 73, 123b, cod. sem. 
Trevir. f. 112b. petrix : cod. Lugdun. Voss. lat. 4° 162b. cod. Vatic. 
Reg. 1701, 2 b. Versus de volucr. H. S. III, 17. XI a 2. b. e. g. petrix : 
Gll. Salom. al. Clm. 14689 f. 47a. cod. Selestad. 110a. mesa : cod. 
sem. Trevir. R. III. 13, 108a. 

Die Benennung Meise ist in allen germanischen Sprachen 
vorhanden, abgesehen vom Gotischen, wo Belege naturgemäß 
fehlen. Zu ahd. meisa, mhd. meise und mnd. nnd. mese, mndl. 
niese, nndl. mees stimmen ags. mäse, nie. rngse, ne. (umgestaltet im 
Anschluß an mouse 'Maus') tit-?nonse 4 , coedmouse* und schwed. 



1 Popowitsch Versuch S. 416. — 2 Frischbier II, 451. 

3 Zs. f. d. Phil. XXI. 209. 

4 Dieselbe Umbildung im dän. musvit und im schweiz. Maus (in 
Zusammensetzungen), wo die Vermischung der umgelauteten Form Müusli 
(aus Matts) mit Meisli die Umgestaltung veranlaßt hat. 



154; Kohlmeise, parus major. 

mes, norweg. meis, dän. meise. Im Altnordischen ist nur eine 
deminutive Ableitung meisingr belegt, aus welcher frz. mesange 
(dial. misingue in der Normandie, mesingle in der Picardie usw.) 
entlehnt worden ist; schon im 10. Jh. ist mittellat. misinga bezeugt, 
vgl. Hatzfeld-Darmesteter s. v. mesange. Die Vorgeschichte 
des germanischen Vogelnamens *mais-ön ist dunkel. Die von 
Stokes Urkelt. Sprachsch. S. 205 angenommene Verwandtschaft 
mit eyinr. mwyalch, corn. moelh, breton. moualch "Amsel' < Grdf. 
*meisalko- (und lat. merula Mass. 9 ) ist unsicher. 

Kohlmeise, parus major. 

Dieser Name, den der Vogel seinem kohlschwarzen Scheitel 
verdankt, begegnet als kolmeis zuerst im 15. Jh. in einer Version 
des mhd. Gedichtes vom Zaunkönig (Germania VI, 94); im Angel- 
sächsischen entspricht dieselbe Bildung colmäse. Der Ausdruck 
ist in Deutschland weit verbreitet. Im 16. Jh. ist Kölmeyfe in 
der Kölner Gegend bezeugt durch Turner Avium hist. (1544) S. 
G5b und (Kölmeyß) durch Longolius Dial. de avibus (1544) S. 
G2a. Im Elsaß erscheint die Benennung Kölmeyfe zuerst im 
Strassburg. Vogelb. (1554) V. 453, in Baiern Kolmaiß bei Hans 
Sachs Regim. der Vögel (1531) V. 176, in Sachsen Kolmays 
bei Eber und Peucer Vocab. (1552) S. F 5 a, in Schlesien ein Kol- 
meife bei Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 318. Gesner Hist. 
avium S. 615 kennt Kolmeiß aus seiner Heimat, aber als Be- 
zeichnung der ähnlich gefärbten Sumpfmeise. In Niederöster- 
reich wird die Kohlmeise Kohlmann 1 , im nördlichen Böhmen 
Meisköhler 1 genannt; ähnlich in Frankreich charbonniev. 

Ein synonymer Name, der ebenfalls mit Rücksicht auf 
den schwarzen Schädel des Vogels gebildet ist, ist Brantmeyfe 
im Strassburg. Vogelb. V. 452, heute in Straßburg das Brandele 2 ; 
vgl. auch S. 45. 

Ein dritter derartiger Ausdruck ist Schweiz. Spiegelmeiß 
bei Gesner a. a. 0; auch in Sachsen Spigelmays bei Eber und 
Peucer a. a. 0., heute Spiegelmeise :i in Steiermark und Nieder- 



1 Zs. f. d. Phil. XXI, 209. - 2 Martin-Lienhart II, 193. 
3 Unger-Khull 526 und Zs. f. d. Phil. XXI, 210. 



Blaumeise, partu coeruleut 

Österreich. — Wegen der gelben Unterseite heißt der Vogel in 
Steiermark auch Gelbmeise 1 . 

Der gewöhnliche Lockruf der Kohlmeise ist Dach \ 
Exoursionsbuch S. 88 ein kurzer, heller pink-Laut, bist wie 
der des Buchfinken ; daher erklärt sich der NTame Finkenmek 
bei Popowitsch Versuch 3.344. Di«' Töne in dem am all- 
gemeinsten bekannten Brühlingsrui des Vogels werden 
Voigt a. a. 0. von dem Volke mit 'Sitzida Sitzida' omschri 
oder je nach der Provinz mit anderen Variationen. Im nassau- 
ischen Dialekt hat die Kohlmeise von diesen Tönen <\<-\\ Namen 
Schmidetseasch* d. h. 'Schmiede das Sech' erhalten; am Rhein 
heißt sie Spitzeschar 2 d. h. 'Spitz die Pflugschar*. In der Alt- 
marker Mundart werden die Schlagweisen der Kohlmeise als 
f Si di väör' (Sieli dich für), Düwelsdreck', 'Kik int Ivrös'. *Ktk 
in' t Ei' oder 'Schinkendew* verstanden, daher die Dialektnamen 
Kik-int-Ei, Schinkendew s . Der letzterwähnte Ausdruck weist 
auch auf die Vorliebe des Vogels für Fleisch und Speck hin. 
Bereits im Altnordischen begegnet als Bezeichnung der Meise 
der Name spiki, welcher aus spik 'Speck' abgeleitet ist v ; im 
Angelsächsischen entspricht die Zusammensetzung spic-mdse, 
nndl. spekmuis. Im Schwedischen wird die Kohlmeise talgoxr 
(Talgochs), im Dänischen auch JcJBdmeis (Fleischmeise) genannt; 
in Frankreich heißt sie lardüre (von lard 'Speck'). — Eine 
ähnliche Bildung wie die vorigen ist ndd. Spinndicke 6 im Münster- 
kreise; der Name gehört zu asächs. spind 'Speck'. Preußische 
Ausdrücke sind Talgmöske und Talghacker 6 ; bei Döbel Eröffn. 
Jägerpr. (1746) S. 64 Pickmeise. 

Blaumeise, parus coeruleus. 

[n Zürich, der Heimatstadt Gesners, heißt diese Meise 
Bldmeis (Staub-Tobler IV, 466). In Hist. avium hat Gesner S.616 
nach der heimischen Benennung Blaivmeiß den wissenschaft- 
lichen Ausdruck 'parus coeruleus' gebildet, der noch heute all- 
gemein gilt. Im Elsaß ist das Wort Blawmeyfe durch das Strass- 



1 Unger-Khull 278. — 2 Kehrein 356. — 3 Danneil 99. L36. 16 

4 Falk und Torp Et. ordb. 0,961. 

5 Korrespondenzbl. f. ndd. Spracht. XVI, 86. — 6 Frischbier 11, 399. 



156 Blaumeise, parus coeruleus. 

bürg. Vogelb. (1554) V. 452 bezeugt, heute kommt ueben Blaümeis 
auch die Ableitungsform Blänele ] in Straßburg vor (in Niederöster- 
reich Bloritschn, Blauhedschn 2 ). Diese Benennung, welche durch die 
blaue Farbe der Flügel veranlaßt worden ist, ist ziemlich all- 
gemein verbreitet. In Sachsen wird Blaiv Mays durch Eber und 
Peucer Yocab. (1552) S. F 5a bezeugt (später Blawmeise in Döbels 
Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 64), in Schlesien schreibt Schwenkfeld 
Ther. Sil. (1603) S. 320 Blaw Meißlin, in Niederdeutschland Blaw- 
mefeke bei Chytraeus Nomenciator (1582) S. 375 ; heute im Münster- 
kreise Blaomeise 3 . Auf die blaue Farbe des Vogels bezieht sich 
auch der luxemburgische Name Himmelmes*; Ostermanns Vocab. 
v. J. 1591, welches auch moselfränkische Worte enthält, ver- 
zeichnet bereits den Ausdruck Himmelmeis. 

Ein mitteldeutscher Ausdruck ist Meelmeyfe in Turners 
Avium hist. (1544) S. G 5b, Meelmeyß bei Longolius Dial. de 
avibus (1544) S. G 2 a, Meelmays bei Eber und Peucer Yocab. 
(1552) S. F 5a; schon im 15. Jh. begegnet melmeise in zwei mittel- 
deutschen und einem oberdeutschen Vokabular 5 . Aus Steiermark 
wird Mehlmeise 6 heute in der Bedeutung 'Kohlmeise' angegeben. 
— Nach der Nahrung, welche die Blaumeisen auf den Höfen 
und bei den Häusern finden, haben sie auch noch andere Namen 
erhalten. In Kl eins Hist, av. prodr. (1750) S. 85 werden sie 
Kdfemeischen genannt; der Ausdruck Kcesemese(ke) 1 ist heute 
in Göttingen und Grubenhagen und in Westfalen üblich. Ein 
anderer westfälischer Name ist HampmSse* (daraus vielleicht 
umgestaltet Handmese 'Kohlmeise'), dem im Elsaß Kudermeis* 
(zu Kuder 'Hanfabfall') entspricht. In der Angenehmen Land- 
Lust (1720) S. 219 wird wieder die Sumpfmeise mit dem Namen 
Hanfmeise benannt. — Vor allen anderen Arten ist die Blau- 
meise ein Insektenfresser; daher der Name Pynmaiß (d. h. 
Bienenmeise) bei Hans Sachs Regim. der Vögel (1531) V. 170, 
Bymeyfe bei Gesner S. 616 als Nürnberger Ausdruck angeführt; 



1 Martin-Lienhart I, 722. II, 150. — 2 Zs. f. d. Phil. XXI, 209. 

3 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 85. 

4 Wb. d. Luxemburg. Mundart 181. 

5 S. Diefenbach-Wülcker Wb. S. 757. 

6 Unger-Khull 456. — 7 Schambach 97 und Woeste 121. 
8 Woeste 91. — 9 Martin-Lienhart I, 722. 



Sumpfmeise, parus palustris oder subpalustris. 157 

heute Bennmeiae 1 in Obersteiermarfc (vielleicht aas Binmmm im 
Anschluß an Henne 'Krippe' umgestaltet). 

Am liittelrhein heimisch ist der Ausdruck Pimpelmeyß. 
den Loogolius DiaL de avibus (1544) 8. Q 2a zuerst erwähnt; am 
Niederrhein wird Pimpelmeefe (neben Medmeeß] von Jnnias 
Nbraenclator (1581)8. 59a bezeugt Im heutigen Niederländischen 
wird neben pimpelmees auch einfach pimpel gesagt; in Nieder- 
deutschland wird Piimpclmesk in der Bedentang 'parus major' 
von Danneil Wh. 1(53 als altmärkisches Wort verzeichnet 

Sumpfmeise, parus palustris oder subpalus tr is. 

Die Sumpfmeise hat einen schwarzen Scheitel und Hinter- 
kopf und wird daher — wie Gesner S. 615 berichtet — in der 
Schweiz Kolmeiß genannt; heute Sivattkoppmese 2 im Münster- 
kreise. Oben ist der Yogel graugefärbt, unten weiß, und die 
ganze Tracht hat in England den Vergleich mit einer versehleier- 
ten Nonne hervorgerufen: ce Angli nonnam ä similitudine cum 
velata monacha habet, nominant", Turner Avium historia (1544) 
S. G 6 a. Iu Döbels Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 64 wird der Vogel 
aus diesem Grunde Schleyer- Meife genannt. — Auf die graue 
Rückenfarbe beziehen sich die Synonyma Aefchmeißle (d. h. 
Aschenmeise) bei Gesner und schles. Graw Meißlin bei Schwenk- 
feld Ther. Sil. (1603) S. 320. 

Die übrigen Namen des Vogels benennen ihn nach den 
sumpfigen Stellen, in denen er den Sommer gerne verbringt. 
Ein derartiger Name ist Kotmaiß in Hans Sachs' Regim. der 
Vögel (1531) V. 143, Kaatmeißle bei Gesner a. a. 0.; heute 
Chötmdse 3 in der Schweiz, Keatnerle* in Kärnten. Im Stras- 
burg. Vogelb. (1554) V. 455 ist der entsprechende Ausdruck 
Murmeyfe (zu Muer 'Sumpf'), bei Gesner ein Mürmeiß oder 
Reitmeiß; in Niederdeutschland Reitmeefke (im Brem. Wb. III, 
469), Reitlünk, Reitnüsker 5 . In Mittel- und Untersteiermark heißt 
der Vogel Lahnmeise 6 (zu Lahne 'träge fließendes Wasser, ver- 
sumpfter Einbruch eines Flusses an dessen Ufer'). 



1 Unger-Khull 6Q. — - 2 Korrespondenzbl. f. ndd. Spracht. XVI. 86. 

3 Staub-Toblor IV, 466. — 4 Lexer Kämt. Wb. S. 165. 

5 Häpke Volkstümliche Tiernamen S. 303. — 6 Unger-Khull 424. 



158 Tannenmeise, parus ater. — Haubenmeise, parus cristatus. 

Tannennieise, parus ater. 
Da auch diese Meisenart einen schwarzen Oberkopf und 
Hals hat, wird sie gleich der großen Meise und der Sumpf- 
meise in manchen Gegenden 'Kohlmeise' genannt, wie bereits 
Gesner Hist. avium S. 616 bemerkt. In Döbels Eröffn. Jägerpr. 
(1746) S. 64 heißt sie Schivarzmeife. 

Gesner, der a. a. 0. S. 617 eine besondere Art 'parus 
sylvaticus 5 aufstellt, die jedoch nur eine Spielart ist, nennt 
dafür die Namen Waldmeißle I Thannmeißle und Waldzinßle 
(Waldzeisig); in der Angenehmen Land-Lust (1720) S. 219 
lautet der entsprechende Name Holtzmeife, heute in der Schweiz 
ebenfalls Holzmeisli l . 

Die schlesische Bezeichnung der Tannenmeise ist Hunds- 
Meife (Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 320); in Steiermark heißt 
sie Spermeise 2 (Grimms Wb. X, 2063), in Österreich Sperrmaife* 
und Kreuzmai fe 3 , in Nassau Hannesmieschen^ (d. h. Johannes- 
meise), in Luxemburg Wantermes 5 (d. h. Wintermeise), im Elsaß 
dagegen Summerkränzle 6 . 

Im Regim. der Yögel (1531) V. 170 läßt Hans Sachs 
unter den Meisenarten auch die Thonmaiß auftreten; damit 
scheint die Tannenmeise gemeint zu sein, aber der Name ist 
nicht ganz durchsichtig. 

Als synonyme Benennung mit den bereits angeführten 
Ausdrücken führt Gesner das Wort Zilzelperle an und weist 
dabei auf die Laute c zul zilp zalp 5 , welche der Yogel singen soll. 
Ygl. auch S. 76. 

Haubenmeise, parus cristatus. 
Von den anderen Meisenarten unterscheidet sich dieser 
Vogel besonders durch den spitzen Federbusch, der ihm zu 
dem Namen verholfen hat. Je nach den Ausdrücken, welche in 
den verschiedenen Landschaften für den Kopfschmuck gebräuch- 
lich sind, variiert auch der Yogelname. Bei Hans Sachs im 
Regim. der Yögel (1531) V. 145 heißt die Haubenmeise Heubel- 

1 Staub-Tobler IV, 466. 

2 Unger-Khull 525. — 3 Popowitsch Versuch S. 344. 
4 Kehrein 185. — 5 Wb. d. Luxemburg. Mundart 475. 
6 Martin-Lienhart I, 521. 



Schwanzmeise, parofl caudatus odef aegithaltu caudatus. 159 

maiß, ebenso Heybdmcds bei Eber und Peucer Vocab. (1552) 

S. F 5b, in Gesners Bist avium 8. (>17 Kobelmeiß I Strußmeißlin, 

im Strassb. Vogelb. v. 156 Koppelmeyfe, bei Schwenkfeld Ther. 
Sil. (1603) S. 321 Straumeidin, bei Chytraeus Nomenciator (1582) 
S. 375 ndd. Topmeseke, bei Döbel ßröffn. Jägerpr. (1746) 
Kupp-Meifc, in der Angenehmen Land-Lust (1720) 8. 219 
Schopf mcife, bei Klein Eist av. prodr. (1750) 8. 85 Haubenmeise. 
Im Elsaß kommt heute der Ausdruck Kobelmeis 1 vor, in der 
Schweiz Huppmeisi und Waldhuppeli- , in Tirol Tschaupmoa$\ 
im uördlichen Böhmen Koppmeise 4 '. Vgl Haubenlerche 8.99. 
Eine synonyme Benennung ist Heidenmuys bei Eber und 
Peucer a. a. 0. 

Sehwanzmeise, parus caudatus oder aegithalus caudatus. 
Wie bei der vorigen Art der spitze Federbusch, so fällt 
bei dieser der lange Schwanz auf. Lexers Mhd. Wb. belegt 
aus den spätmittelhochdeutschen Weistümern den Namen sterz- 
meise, der in der niederdeutschen Form Styärtmese b (= nndl. 
staartmees) im Münsterkreise üblich ist; Stertmefeke bei Chy- 
traeus Nomenciator (1582) S. 375. In Baiern erscheint die Variante 
Zaglmaiß bei Hans Sachs Regim. der Yögel (1531) V. 197 
und in Sachsen Zagelmays bei Eber und Peucer Vocab. v. 
J. 1552 S. F5b; daraus ist die Form Zahl-Meife bei Klein 
Hist. av. prodr. (1750) S. 85 geworden. Aus der Schweiz führt 
Gesner Hist. avium S. 617 die Namensform SchwantzmeißUn 
an; auch Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 319 und Döbel Eröffn. 
Jägerpr. (1746) S. 64 schreiben Schicantz-Meife. In Luxemburg 
heißt der Vogel Läng Schwänzchen« m. (= nndl. langstaart). 

Ein charakteristischer Ausdruck für den langbeschwänzten 
kleinen Vogel ist Pfannenstil, das Gesner a. a. 0. aus der 
Schweiz kennt; im Elsaß, wo der Name noch heute gebräuch- 
lich ist 7 , begegnet er zuerst im Strassburg. Vogelb. (1554) V. 449 



1 Martin-Lienhart I, 722. — 2 Staub-Tobler IV, 466. 

3 Frommann D. Mundarten IV, 55. — 4 Zs. f. d. Phil. XXI, 209. 

5 Korrespondenz!)! f. ndd. Sprachf. XVI, 85. 

6 Wb. d. Luxemburg. Mundart 259. 

7 Martin-Lienhart II, 592. 



160 Spechtmeise, sitta caesia. 

und bei Golius Onomasticon (1579) Sp. 294. Nach Fischer 
Wb. I, 1012 ist der Ausdruck auf schwäbischem Sprachgebiet 
wohl allgemein verbreitet; auch in der Pfalz Pfannenstielchen 1 , 
in Niederösterreich soll ebenfalls Pfänastiel 2 bekannt sein. Eine 
Verdrehung dieses Namens ist Pfanne ftiglitz bei Eber und 
Peucer a. a. 0. — Auch in französischen Dialekten findet man 
ähnliche Ausdrücke wie TfannenstieF, vgl. manche de poele, 
queue de casse u. a. bei Rolland Faune populaire II, 309. 

Bei Gesner heißt die Schwanzmeise auch Berckmeißle, 
weil sie häufig im Gebirge angetroffen wird ; vielleicht ist auch 
der von Lexer Mhd. Wb. aus den Weistümern angeführte Vogel- 
name bermeise als bercmeise zu lesen. — Im Südosten des 
deutschen Sprachgebietes kommt der Ausdruck Schneemeife vor, 
den der Verfasser der Angenehmen Land-Lust (1720) S. 219 
zuerst bezeugt; heute gilt der Name auch in Nord-Böhmen 2 
und Ober-Steiermark 3 , Schneamoas in Tirol 4 , Schneemasn, Schnee- 
guckerl in Niederösterreich 2 . — Nicht ganz klar ist, wie man 
die tirolische Benennung Pelzmeüe auffassen soll. Vielleicht ist 
sie eine Umgestaltung von *Bolzmeise, wo Bolz auf den langen 
Schwanz hinweisen würde. Der Vogel wird auch Teufelsbolzen 
und im Anhalter Dialekt Teufelspelzchen 5 genannt. 

In der Schweiz kommen die Ausdrücke Bräm-Mos, Brom- 
Mos 6 (Knospenmeise) vor, die dann auch für den Gimpel ver- 
wendet werden. — Ein luxemburgischer Dialektname ist Krei- 
ehen 1 f. (Deminutivform von Krei 'Elster'); der Vergleich mit 
der Elster ist durch den langen Schwanz veranlaßt. 

Spring- oder Spechtmeisen, Sittinae. 

Spechtmeise, sitta caesia. 

Eine Art Übergangsform zwischen Meisen und Spechten 
ist der Klettervogel, der in der heutigen Wissenschaft als 



1 Heeger Tiere im pfälz. Volksmunde II, 12. 

2 Zs. f. d. Phil. XXI, 209; vgl. auch Schmeller-Frommann I, 886. 

3 Unger-Khull 551. — 4 Frommann D. Mundarten IV, 55. 
5 Naumann-Hennicke II, 24-6. — 6 Staub-Tobler IV, 466. 
7 Wb. d. Luxemburg. Mundart 244. 



Spechtmeise, sitta caesia. 161 

Spechtmeise bezeichnet wird. Wie die volkstümlichen Benen- 
nungen zeigen, wird der Vogel einerseits eu den Spechten, an- 
dererseits anch zu den .Meisen gezählt 

Turner Avium hist (1544) 8. I 3a führ! als deutsche Be- 
zeichnung der Spcclitiiifist' den Ausdruck Meijfpecht an. den 
Gesncr Hist. avium S. 683 mit "picus Maij" übersetzt Sachlich 
ist diese Deutung etwas zweifelhaft, und man wird deshalb die 
Namensform eher auf eine ursprünglichere LnutgentiM Meyf-fpecht 
'Meisenspechf zurückzuführen haben. Wegen der blangrauen 
Oberseite hat der Vogel den Namen Blair fpechtle erhalten, den 
Gesner besonders für Kärnten bezeugt. Schwenkfeld Ther. Sil. 
(1603) S. 340 scheint Blaw Specht als die schlesische Benennung 
zu betrachten, weil er sie den anderen Synonyma voranstellt, 
und als sächsisch wird Blaufpecht von Popowitsch Versuch (1780) 
S. 545 ausdrücklich angegeben; daher denn auch Blaw-Spechi bei 
Döbel Bröffn. Jägerpr. (1746) S. 59. 

Aus den mhd. Weistümern belegt Lexer Wb. I, 335 den 
Ausdruck botimmeise (Baummeise), und als Meise wird der Vogel 
auch durch den bairischen Namen Klebermaiß bei Hans Sachs 
Regim. der Vögel V. 180 bezeichnet. Gerade aus der Heimat- 
stadt Sachs' kennt auch Gesner Hist. avium S. 6S3 die Nebenform 
Kläber. In der Zusammensetzung Rinnenkläber führt Gesner 
S. 244 diesen Namen als Bezeichnung des Baumläufers an ; in 
derselben Bedeutung auch Rindenkleberlin bei Ostermann Vocab. 
(1591) S. 333. Das Strassburg. Vogelb. (1554) V. 445 hat das 
Kompositum Baumkleber. Eine andere Lautstufe dieses Namens 
erscheint im bair. Klayber bei Hans Sachs a. a. 0. V. 102 und 
Schweiz. Chleiber 1 (in Graubünden), steir. Kleiber 2 . Mit den 
deutschen Benennungen hängt offenbar ags. rindeclifer (einmal 
überliefert, s. Wright-Wülcker I,427 29 ) zusammen. Der Vogelname 
ist eine Ableitung von ahd. kleiben 'kleben': kleben Mass/ und 
läßt sich aus dem Umstände erklären, daß die Spechtmeise die 
Öffnung ihres Nestes, das sie in Baumhöhlen einrichtet, bis auf 
ein kleines Flugloch mit Lehm und Speichel zuklebt. Doch ist 
auch eine andere Auffassung des Namens *kleibäri: *klebäri mög- 
lich. Geht man von der intransitiven Bedeutung des betreffen- 

1 Staub-Tobler III, 615. - 2 Unger-Khull 392. 
Suolahti, Vogelnamen. *■*■ 



162 Spechtmeise, sitta caesia. 

den Verbums 'festkleben, sich anklammern' aus und knüpft man 
dabei besonders an das anord. klifa 'klettern' an, so kann man 
den Vogelnamen als 'Kletterer' deuten. Dann würde das Kom- 
positum Rindenkleber mit dem westfälischen Dialektnamen Renne- 
klceter 1 (aus *Rendeklceter) begrifflich zusammenfallen und dessen 
Gebrauch im Sinne von Baumläufer (certhia familiaris) sich ohne 
weiteres begreifen; dieser Vogel ist nämlich ein Kletterer wie 
die Spechtmeise, aber kein Nestkleber. 

Dieselben Gesichtspunkte machen sich auch geltend bei 
der synonymen Benennung Chlän bei Gesner S. 683 (heute in 
der Schweiz auch Baum-Chlan, Bopper- Chlän 2 ) oder Kiener, 
die in der Angenehmen Land-Lust (1720) S. 104 und bei Popo- 
witsch Versuch (1780) 545 als österreichische Namensform be- 
zeichnet wird. Der Name ist abgeleitet von dem Verbum klenen, 
in dem die Bedeutungen 'kleben' und 'klettern' sich ebenfalls 
berühren; mhd. klenen ist nur im ersteren transitiven Sinne 
bezeugt, Schweiz, chlänen bedeutet wieder 'klettern'. Wenn der 
Vogel ursprünglich als der Kletterer bezeichnet worden ist, so 
hat jedenfalls später sich auch die Auffassung desselben als 
'Kleber' geltend gemacht. In französischen Mundarten heißt die 
Spechtmeise sowohl grimpard 3 'Kletterer' wie magon 3 'Maurer'. 

Von der Eigenheit, harte Samenkörner in Baumritzen auf- 
zuhacken, hat die Spechtmeise den Namen Nufßbickel, welchen 
Gesner von seinen Strassburger Korrespondenten erfahren hat, 
aber auch aus anderen Gegenden kennt. Im Elsaß, wo Nusbickel 
zuerst im Strassburg. Vogelb. (1554) V. 442 und Nußbicker bei 
Golius Onomasticon v. J. 1579 Sp. 295 bezeugt ist, kommt der 
Ausdruck noch heute vor 4 , ebenso Nussbicker(li) 5 in der Schweiz. 
In Mitteldeutschland kennt Popowitsch Versuch S. 545 den 
Namen Nußpicker aus der Wetterau, nach Pfister Nachtr. zu 
Vilmar Id. S. 354 wird er hie und da in Hessen gebraucht, 
und als westfäl. Nudtebicke G i. erstreckt er sich in das nieder- 
deutsche Sprachgebiet hinein. Andere Varianten dieser Be- 
nennung sind mittelfränk. Nushdkker bei Turner Avium bist. 

1 Woeste 213. — 2 Staub-Tobler III, 650. 

3 Rolland Faune populaire II, 76 f. — 4 Martin-Lienhart II, 27. 

5 Staub-Tobler IV, 1119. — 6 Woeste 187. 



Baumläufer, certhia familiaris. 

(1544) s. I 3a, Bachs. Nushacker, Niuhatr bei Eiber and Peucer 
Vocab. (1552) s. v Tb, ndd. NdtibUer (Noßbeißer) bei Chytraeue 
Nomenciator (1582) S. 376; beute in Westfalen auch Ntutbap 1 dl 
Ähnliche Synonyma Bind engL nuthatch, frz. casso wotg, schwed. 
nötväcka u. a. 

Unklar sind die Namen Tottter mi'l Kbftfor, die Gesner 
für die Spechtmeise ans der schwäbischen .Mundart anführt 
Möglicherweise sind es onomatopoietische Bildungen nach dem 
Lockrufe des Vogels, der nach Voigt Excursionsbuch 8. LOO 
tuitf oder e twat fcwät twät s lautet. Als Ableitung von schwäb. 
tötelen würde der erstere Name einen Vogel bedeuten, der 
klagend wie eine Glocke zur Leiche läutet. Popo witsch Versuch 
S. 545 gibt den Namen nach Maaler in der Form Todter. 

In Tirol wird die Spechtmeise Höllenjaggl 2 und Schmalz- 
bettler 2 genannt. 

Baumläufer, certhia familiaris. 

Die Lebensart der Baumläufer erinnert in mancher Be- 
ziehung an die der Spechtmeisen; vor allem ist beiden das 
Klettervermögen gemeinsam. Daher werden auch vielfach die 
Benennungen der ersteren auf die letzteren übertragen und 
umgekehrt. 

In der Schweiz werden sowohl Spechtmeisen wie Baum- 
läufer mit dem Ausdruck Chlän bezeichnet; gelegentlich werden 
diese als Haberchlänli* von jenen, den Spitzchlänli*, unterschie- 
den. Eine charakteristische Bezeichnung des Baumläufers ist 
Blindchldn bei Gesner Hist. avium S. 683, denn das rastende 
Kriechen des Vogels durch das Laub erinnert an die Bewegungen 
der Blinden. 

Überall auf dem deutschen Sprachboden kehrt in den Namen 
des Vogels der Begriff 'Baumläufer' wieder, obschon die Aus- 
drücke landschaftlich immer etwas variieren. In Sachsen begegnet 
die Benennung Baumkletterlein bei Eber und Peucer Vocab. 
(1552) S. E 6b; Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 348 bezeichnet 
Baumkletterlin als schlesisch. Im Elsaß kommt Baihnklettle i n. 



1 Woeste 187. — 2 Zs. f. d. Phil. XXI, 211. 

3 Staub-Tobler III, 650. — 4 Martin-Lienhart I, 498. 

11" 



164 Baumläufer, certhia familiaris. 

heute stellenweise vor. Die Variante Baumläufer wird zuerst 
von Ostermann Vocab. (1591) S. 333 in der Bedeutung 'Specht- 
meise' bezeugt, dagegen ist Baumläufferlein in dem Sinne von 
'certhia' in der Angenehmen Land-Lust (1720) S. 104 ver- 
wendet. Popowitsch Versuch (1780) S. 545 gibt ausdrücklich 
Baumlauferl n. als österreichisches Wort an, auch in Luxemburg 
Bdmläfert 1 m., Bämläferchen 1 m. (certhia und sitta) neben 
Böschläfer 1 m., in Eecklinghausen Bömlöper 2 , im Münsterkreise 
Balkenleiper 3 . — Andere Spielarten von diesem Namen sind 
sächs. Baumritterchen (Beleg aus dem Jahre 1517 4 ), Baumreuter 
(Döbel Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 59); Bdmkrecher 5 in Luxemburg, 
Baumkrebsler 6 in Schwaben, Bamreffler, Bamkröffler 1 in Tirol. 

Die Benennung Paumheckel, welche der Baumläufer mit 
dem Spechte gemein hat, scheint bei Hans Sachs Regim. der 
Vögel (1531) V. 179 jenen Vogel zu bedeuten; in derselben 
Bedeutung erscheint das Wort auch bei Eber und Peucer Vocab. 
(1552) S. E 6 b. Auch Baumbicker* in der Schweiz und im Elsaß 
ist eine gemeinsame Benennung für Baumläufer und Spechte, 
s. S. 30. Andere Varianten sind Ränenbkker* im Elsaß, Boll(en)- 
bick(er)* (Knospenpicker), Muggenbickerli* (Mückenpicker) in der 
Schweiz, Baumkipperlein 9 in Schwaben. — Der Ausdruck Scher- 
zenvögelin, den Ostermann Vocab. (1591) S. 333 anführt, gehört 
zu moselfränk. Scherze 'Rinde* und bedeutet also 'Rindenvöglein'. 

In Göttingen und Grubenhagen wird der Vogel die Sna?re 10 
'Schnarrerin* genannt; vgl. S. 60. 

Irrtümlich wird der Baumläufer bei Schwenkfeld und 
anderen Ornithologen mit dem Namen Hirngrille bezeichnet, 
der dem Girlitz gehört, vgl. S. 133. 

Eine Zwischenform von Spechtmeise und Baumläufer ist 
der Alpenmauerläufer (tichodroma muraria). Der hübschgefärbte 

1 Wb. d. Luxemburg. Mundart 17. 40. 

2 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVII, 5. 

3 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 85. 

4 Diefenbach-Wülcker Wb. S. 170. 

5 Wb. d. Luxemburg. Mundart 17. — 6 Fischer I, 718. 

7 Frommann D. Mundarten IV, 54. 

8 Staub-Tobler IV, 1119 f., Martin-Lienhart II, 27. 

9 Fischer I, 718. — 10 Schambach 199. 



Slaar, sturnus vulgaris. 165 

Vogel ist ein Bewohner des Bochgehirgefl *on Mittel- und 
Südeuropa, im I leihst zieht er sich aber in naheliegende Städte 
und Dörfer der Ebene und wird hier aui .Mauern und Türmen 
angetroffen. Gesner Bebildert <\<'n Vogel, den er von eigener 

Anschauung kennt, unter dem Namen Murfpecht und Kldtten- 
fpecht; heute ist er als Mürchlän, FluehcMän (auch einfach 
Chlän) 1 in der Schweiz bekannt Popowitscfa Versuch 3.545 hat 

ebenfalls den Mauer fpecht an (\an steilen Mauern und F< )ls- 
wänden beobachtet, wo der Vogel mit großer Geschicklichkeit 
klettert. — Die Bedeutung e sitta europaea', welche Marti n-Lien- 
hart IT, 534 für Murxpechtle angeben, ist wohl nicht richtig; auch 
die Heimat des Ausdrucks in den Vogesen (Sulzmatt) spricht 
dafür, daß es sich um den Alpenmauerläufer handelt. 

Staare, Sturnidae. 

Staar, sturnus vulgaris. 

Ahd.stära: Sg. Nom. — stara sternulus: cod. SGalli 299 p. 83. 
tvrnus l sturnus: cod. SGalli 299, 26. turdus : cod. SGalli 242, 248b. 
Clm. 14747 f. 63a. sturnus: cod. SGalli 270, 65. turdus: cod. Parisin. 
9344 f. 42b. tvrdvs; cod. Vatic. Reg. 1701, 2b. sturnus: Carmen de 
Philomela 17 : cod. Vindob. 247, 222 b, cod. mus. Britann. Add. 16894, 
244b. turdus: cod. sem. Trevir. R. III. 13, 109b. sturnv» 1 sternulvs. 
et fassa*: cod. Selestad. 109b. fassa: Clm. 14689 f. 47a. strunius : 
Clm. 14689 f. 47a. sturnus: Versus de volucr. sturnus: Gll. Salom. 
a 1. sturnus: H. S. III, 17, XIa2. d. e, turdus: a2, staro sternus t 
sternulus: b, star: g. sturnus: Versus de volucr., stare : Versus 
de volucr., fulica 8 : Clm. 22213, 163a. — PI. Nom. — stara comum 
herba letalis et perniciosa hac sturni veseuntur sine periculo : H. 
S. XI e: cod. princ. de Lobkow. 435, 10 a. 

Der Name Staar ist die alte gemeingermanische Bezeich- 
nung des Vogels. Dem ahd. stara, mhd. star entsprechen in 
den verwandten Dialekten ags. steer (nie. ne. stare) und daran? 
abgeleitet starling (Zs. f. d. A. XXXIII, 241 54 ), nie. Sterling, ne. 
starling sowie anord. stare, dän. star, schwed. stare. Gterman. 

1 Staub-Tobler III, 650. 

2 = griech. qpdcca 'Ringeltaube', das offenbar mit lydp 'Staar' ver- 
wechselt wurde. 

3 stare kann hier für scare stehen, das wieder aus scarbe ent- 
standen ist. 



166 Staar, sturnus vulgaris. 

*stara-(n)- : *staro-(n) ist urverwandt mit gleichbedeutendem lat. 
sturnus (aus *strn-)\ unsicher ist die Verwandtschaft mit ags. 
stearn 'Seeschwalbe' (tearn bei Wright-Wülcker I, 286 7 ), ne. dial. 
starn, stern (Swainson The Folklore S. 202. 204), fries. steern 
Mass/ (Häpke Volkst. Tiernamen S. 307) und anord. perna, dän. 
terne, schwed. tärna Mass/, die mit gleichbedeutendem apreuß. 
starnite urverwandt sind. 

Inbezug auf die Quantität des Stammvokals im german. 
stär- herrscht Schwanken; während einige für ahd. stara und 
ags. stcer Länge ansetzen, sehen andere den Stammvokal für kurz 
an. Entscheidend für die Yokalkürze des ags. Wortes ist die 
Pluralform stearas in der Rushworth-Handschrift der altnor- 
thumbrischen Evangelien Übersetzung (Lindelöf Glossar S. 80). 
Für die ahd. Form wird wieder Länge vorausgesetzt durch 
die heutige schwäbische Form Kstör (bei Kauffmann Schwab. 
Mundart S. 43) und die Schreibungen stör: Clm. 12265, 142a 
(13. Jh.), stuare: cod. Zwettl. 293, 25a (14. Jh.) und in anderen 
Glossenhandschriften. Andere mundartliche Formen deuten aber 
auf alte Kürze in Übereinstimmung mit dem Sachverhalt im 
Angelsächsischen . 

Eine Prüfung der mhd. Reimbelege erweist, daß, abgesehen 
von dem schwäbischen Dichter Manier und einem Beleg in 
der Reimchronik Otakers, die — bairisch-österreichischen — 
Dichter des 13. Jhs. 1 mhd. star mit Worten reimen, welche kurzen 
Stammvokal haben ; die Reime des 14. Jhs. 2 sind nicht beweisend. 
Innerhalb des deutschen Sprachgebietes zeigt der Yogelname 
stära also den Ablaut a : d. 

Das mask. Geschlecht des Namens, das später überhand 



1 Marner (Ed. Strauch S. 97) XI, 3: stär: Regimär: här: jär; Tann- 
häuser (v. d. Hagen Minnesinger II, 92 b): stär : är; Der Taler (v. d. Hagen 
a. a. 0. II, 147a): stär: dar: offenbar; Ulrich von Lichtenstein Frauendienst 
(Ed. Lachmann S. 92, 11): stärn: varn ; Ulrich v. d. Türlin Willehalm (Ed. 
Singer S. 183) CL, 31 : stärn : värn ; Lohengrin (Ed. Rückert) S. 73, V. 2719 : 
stärn: gevärn ; Otakers Reimchronik V. 48269: stärn: schärn, dagegen 
V. 96059 : stärn : warn. 

3 Hadamar v. Labers Jagd (Ed. Stejskal) V. 528 : stären : fären; Meister 
Altswert (Ed. Holland u. Keller S. 221, 14): stärn: gebärn; Liedersaal (Ed. 
Lassberg II. 388) V. 124: stär: war. 



Staar. sturmis vulgaris 167 

nimmt, ist zuerst in der Bchwachen Form ttaro im L2. Jh. bezeugt 
In neuerer Zeit geht die Bchwache Flexion b. T. in die starke Ober, 
n lcI. hierüber Grimms Wb. X, 2, 256t Bair.-Österr. tUni ist als 
deminutive -tJo-Ableitung aufzufassen, v-1. Grimms Wb. a. a, 0. 

Da der Staar ein guter Freund des Weideviehs ist, das 
er von lästigem Ungeziefer befreit, bat er den Namen Binder- 
ftaar erhalten, den Gesner Bist avium s. 715 raerst erwähnt 
Eine andere ffompositionsform ist Feistar (Feldstar) bei Hans 
Sachs im Regim. der Vögel V. 72. im Namen St<uinn<i/:. den 
man an Dianchen Orten besonders den Käfigvögeln beilegt, ist 
Matz eine Koseform des Namens Matthäus. Überhaupt aberträgt 
man gerne Personennamen auf gezähmte Vögel; so heißt z. B. 
der Papagei und der Rabe Jakob, der Kanarienvogel Emanutl 
usw., vgl. Wackernagel Germania TV, 154. 

Eine beschranktere geographische Verbreitung als ahd. 
stära > nhd. Staar hat die synonyme Benennung sprä, sprea, 
welche in den Glossen einige Mal belegt ist: spra turdus: 
cod. Guelpherbyt. Aug. 10. 3. 4° f. 89 a; sturnus 1 : H. S. III, 17: 
cod. Darmstad. 6, 26b (13. Jh.); stara spra sturnus: cod. Oxon. 
Jim. 83, 4 (13. Jh.), sprea sturnus: cod. sem. Trevir. R. III. 13, 
109 b. Die Belege entstammen Handschriften, welche auf mittel- 
fränkischem Gebiet geschrieben sind oder niederdeutschen 
Einfluß aufweisen. — Im 15./16. Jh. ist der Name als spree, 
sprehe, sprew 2 einige Mal in den Glossaren bezouirt; auf nieder- 
deutschem Sprachgebiet erscheinen gleichzeitig auch Formen 
mit Nasal nach dem Stammvokal {spren, spraen, sprien, spreyn, 
spryne 2 ), welche in den heutigen Mundarten weit verbreitet 
sind. Diese letzteren haben sich offenbar aus den obliquen 
Kasus der älteren bezeugten Formen zu selbständigen Namens- 
formen entwickelt und den Nasal also aus den sehwachen 
Kasusendungen bezogen. 

Heute ist dieses Wort in Niederdeutschland und in den 
Rheingegenden die übliche Benennung des Vogels. In Preußen 



1 spra auf Rasur. (Steinmeyer.) 

2 Diefenbach Glossar. S. 558 b. 602 b, Nov. glossar. S. 252 a. 374b, 
Schiller-Lübben Mnd. Wb. IV, 344. Jb. f. ndd. Sprachf. VI, 127, Grimms 
Wb. X. 2. 9 



168 Staar, sturnus vulgaris. 

kommt es in den Varianten Spreh(e), Sproh f. und Spren l (im 
Samlande) vor, in Pommern Spren 2 , in Vorpommern Sprei*, 
in Mecklenburg Spren 4 , in Lübeck Spre, Sprei*, in der Graf- 
schaft Ranzau Spre f. 4 , auf Helgoland Sprin'°, in Altmark SprS, 
Sprägn 6 , in Göttingen und Grubenhagen Spree, Spreie, Sprene 7 f ., 
in Westfalen Spräwe, Spräle s f. (im Münsterkreise Spreie, Spraol 9 , 
in Recklinghausen Spränke 9 ), in den Niederlanden spreeuw 
(aus mndl. sprewe), in Groningen Sproa 10 , nordfries. Sprien. 
Am Rhein geht der IS T ame weit hinauf nach dem Süden: in 
Luxemburg Spreif f., Sprö f., Spron n m. ( = siebenbürg.-sachs. 
Sprö 12 ), in Hessen-Nassau Sprah, Sprahl, Sproh 13 , in Oberhessen 
Sprin 1 *, in Kurhessen Sprin, Spren, Spre, Sprehe lb f., im ganzen 
Elsaß bis zur schweizer. Grenze Spree, Gespree, Sprehe, Spreele, 
Sprejer 16 . Hier berührt sich das "Wort mit dem Synonymon Star; 
"der Spreh, den man ein Staren nennt" heißt es im Strassburg. 
Vogelb. (1554) V. 415. 

Die Grundformen, aus denen die mundartlichen Varianten 
sich entwickelt haben, dürften als *sprd(w)-ön, *spräj-6n anzu- 
setzen sein und diese weisen auf Zusammenhang mit mhd. 
sprcewen, spräjen, mndl. spraeien 'spritzen' usw., so daß der Staar 
— wie Schindler (-Frommann) Wb. II, 695 angenommen hat — 
wegen der gesprenkelten Färbung des Gefieders, die nach be- 
endigter Mauser eintritt, benannt worden wäre. Im Elsaß wird 
Sprehe auch für andere buntscheckige Vögel, die Drossel und 
den Tannenhäher, verwendet. Vgl. auch lat. sturninus e staar- 
farbig, gesprenkelt'. — Aus dem Deutschen ist die Benennung 
als esprohon (nfrz. dial. eprouon) in das Altfranzösische über- 
nommen worden; wallon. sproon und sprewe bei Rolland Faune 
populaire II, 152. 

1 Frischbier II, 355. — 2 Dähnert Wb. (1781) S. 450. 

3 Wb. d. Mecklenburg.-Vorpommerischen Mundart s. v. 

4 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 84. XVII, 2. 

5 Frommann D. Mundarten III, 32. — 6 Danneil 205. 
7 Schambach 206. — 8 Woeste 251. 

9 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 86. XVII, 2. 
10 Molema Wb. S. 398. — 11 Wb. d. Luxemburg. Mundart 416 f. 
12 Kisch Wb. d. Nösner Mundart s. v. — 13 Kehrein 384. 
14 Crecelius 801. — 15 Vilmar 394. — 16 Martin-Lienhart II, 555. 



Pirol, oriolui galbula, oriolus oriohw, 168 

Mehrdeutig ist der alte Beleg tirala tordus cod. Parisin. 
122691 58b. Kluge Engl. Stud. XX, 263 ünderl die Glosse in 
sprala (= westfäL Sjprdfc), Steinmeyer AhcLGlL IV, 356 M nimmt 
den Beleg für die Namensform ttara in Anspruch, indem er 
darin Verderbnis aus stala vermutet Es fragl sich jedoch, ob 
die Glosse überhaupt geändert werden soll; Brehm Tierleben 
(Vögel E 8 , 381) nennt den Staar Strahl, Naumann-Hennicke IV, 7 
erwähnen anter den Synonyma für den Vogel a. A. Rinderstral, 
und der buntscheckige Tannenhäher oder Staarhäher hat mich 
Nemnich Polyglottenlexicon [, L237 n. a. den Namen fValddral. 
Ältere neuhochdeutsche Zeugnisse für diese Namensform fehlen. 

Das niederdeutsche Dialektwort Sprutter, welches Häpke 1 
aus Emden anführt, gehört wohl zu mnd. sprote 'Flock, Sprosse', 
sprilt{e) 'Sommersprosse' und nimmt also wie Sprehe Bezug auf 
das weißgetüpfelte Gefieder des Vogels; vgl. Sprosser 8. 38. 
Molema a. a. 0. führt aus Groningen den Namen in der Form 
Prutter an. Andere niederdeutsche Dialektnamen des Staars sind 
Quatter 1 in Emden, Blutter 1 im Ostfriesischen. 

In Steiermark (in der Umgebung von Graz) soll der Staar 
Zimmermann* genannt werden, im Elsaß (in Niffer) heißt er 
Pfersichklepfer 1 (d. h. Pfirsichverzehrer). 

Pirol, oriolus galbula, oriolus oriolus. 
Der älteste historisch überlieferte Name für den Pirol ist 
mhd. uiteual Die frühesten Belege stammen aus Handschriften 
der Versus de volucribus, welche die Originalglosse 'herodius 
wiltfalco mit dem Pirolnamen vermischen: herodius wild'valch 
od 9 witwal Clin. 614, 31b, iviteical cod. princ. de Wallerst. I. 2 
(Lat.) f. 21, 175b. Ein dritter Beleg — wie die beiden vorhin- 
genannten aus dem 13. Jh. — ist wedewal icter in cod. Oxon. 
Jun. 83, 4. Später begegnet der Name öfters in mittelhoch- 
deutschen, mittelniederdeutschen und mittelniederländischen Glos- 
saren. Heute ist weduuaal die niederländische Namensform; ost- 
fries. Wideuäl b , in Altmark Wideuaol 6 , in Preußen Wiedewol. 

1 Volkstümliche Tiernamen S.30H. — 2 Jb. f. ndd. Sprachf. XI, 111. 
3 Unger-Khull 652. — 4 Martin-Lienhart I, 496. 
5 Jb. f. ndd. Sprachf. XI, 113. — 6 Danneil 247. 



170 Pirol, oriolus galbula, oriolus oriolus. 

Wittewald 1 . In der umgedeuteten Form Wiegelimgel 2 kommt der 
Name im Münsterkreise vor, daneben Wielewal 2 { = ndl. wielewaal). 

Mehrere übereinstimmende Zeugnisse beweisen, daß der 
Ausdruck am Mittel-Rhein geläufig war. Zunächst kommt als 
Gewährsmann Albertus Magnus in Betracht, der in seinem Buche 
De animalibus als deutsche Bezeichnung des Pirols veide vuali 
(auch widdewal) angibt; darauf wedewal im mittelfränkischen 
Karlmeinet-Gedicht (Ed. Keller S. 88 34 ) und dem damit zusammen- 
hängenden Gedichte von Karl und Ellegast (Germania IX, 337) 
sowie weduwal in den niederrheinischen Marienliedern von Bruder 
Hans (Ed. Mynzloff) Y. 4075. — Im 16. Jh. ist Witwol, Weidwail 
durch Turner Avium hist. (1544) S. I 7 a und Wedewal durch Lon- 
golius Dial. de avibus (1544) S. G 2 a in der Kölner Gegend bezeugt. 

Eber und Peucer Yocab. (1552) S. E 8a können die Glosse 
Widivol von Turner übernommen haben, aber die weitere Ver- 
breitung des Namens auf hochdeutschem Gebiet wird durch 
Gesner Hist. avium S. 684 bezeugt, der ihn in der Form Witte- 
walch als in der Schweiz üblich bezeichnet. Diese erweiterte 
Namensform, welche als Wiedeivalch 3 noch heute in der Schweiz 
vorkommen soll, ist bereits im 15. Jh. in der Glosse wilwalch 
(für witwalch) cod. Yindob. 12840, 2a (in Ahd. GU. III, 23") 
und als wittenivalch * im Yocab. rerum von Liebinger zu Landau 
(1466) belegt. In Österreich kommt Witwaldlein (mit der Bedeu- 
tung eines grüngelben Laubsängers) in der Angenehmen Land- 
Lust (1720) S. 322 vor. 

Der in Deutschland früher offenbar allgemein verbreitete 
Vogelname (mhd. witewale, mnd. wedewale) ist eine westgerma- 
nische Bildung, welche in England auch erst seit der mittel- 
englischen Zeit als wudewale (heute in Dialekten whitwall woodwal' ) 
begegnet. In der Grdf. *ivuduwal-ön : *ividuwal-on ist nur das 
erste Glied (= Holz, Wald) erkennbar, das zweite, welches auch 
im engl, hickwall (älter highwale, hecheival, hygichele) 'Grünspecht* 
vorhanden ist, entzieht sich einer sicheren Beurteilung. 

Daß die alte Bildung in Deutschland auf sporadische Reste 

1 Frischbier II, 468. 477. 

2 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 87. XVII, 5. 

3 Stalder Id. II, 450. — 4 Diefenbach Nov. glossar. S. 273 b. 
5 Swainson The Folklore S. 100. 



Pirol, oriohu galbula, oriolui <>iiolus. 171 

beschränkt geworden ist, dazu bat das Auftreten synonymer 
Popnlärnamen beigetragen, welche in neuerer Zeit entstanden 
sind und sich rasch verbreitet haben. 

Von diesen ist am weitesten verbreitet der heut«' in der 
wissenschaftlichen Sprache angewendete Name /W mit seinen 

Varianten. Nach einem Hinweis bei l'Yiseh Tmitsoh-lat. Wh. 
1, 161h haben anter anderen Lexer .Mhd. Wh. 11. 274, Martin 
und Lionhart Wh. ,1. ElsäSS. Ma. IL 81 den Ausdruck auf mittel- 

lat. pirtdua zurückgeführt Aber dieses Wort tritt erst im 13. Jh. 

im Cod. Reg. 1120 als Name des Stars auf und entbehrt jeder 
Stütze in den romanischen Volksdialekten. 

Das älteste erreichbare Zeugnis des deutschen Vogelnamens 
findet man bei Konrad von Megcnberg (Ed. Pfeiffer) S. 217 27 : 
:c AVir haizen in ze däutsch pruoder Piro nach seiner stimm: 
wan er ruoft mit seinr stimm, sam er Sprech pruoder Piro". 
Im Vocab. theuton. (Nürnberg) 1482 S. e 3b werden zwei verschie- 
dene Varianten desselben Namens angeführt: "Bruder hiltroff. 
hictrix auis quedä gilfa ictrix ide oder brnder birolff ide". 
Gesner Hist. avium S. 684 kennt Bierolff I Brüder berolff aus 
Krankfurt am Main, im Elsaß ist Birolff durch das Strassburg. 
Vogelb. (1554) Y. 272 bezeugt, bei Golius Onomasticon (1579) 
8p. 296 Byrolt, vulgo Brüder bierolff. Auf sächsischem Sprach- 
gebiet erscheinen die Formen Byrolt, Tyrolt bei Eber und Peucer 
Vocab. (1552) S. F 8b, die letztere begegnet in Baiern bei Hans 
Sachs Regim. der Vögel (1531) V. 105. Als hessische Variante 
gibt Gesner den Ausdruck Gerolff und ohne Ortsangabe (S. 763) 
Zierolf. Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 312 verzeichnet Bier- 
holt Bierolff, Beerhold, Kirfchholdt; die beiden letzteren Namens- 
formen deuten auf die Vorliebe des Vogels für Kirschen. 
Henisch Teutfche Sprach (1616) Sp. 374. 529. 578 hat die ver- 
schiedenen Varianten aus den älteren Quellen abgeschrieben. 

Zu diesen Namensformen in der älteren neuhochdeutschen 
Überlieferung gesellen sich aus den heutigen Mundarten 
Bieroller 1 in Geudertheim (im Elsaß), in Sachsen (Leipzig) 
Pirholer\ (Dresden) Biercule'K in Preußen Bierhol Bierhahn, 

1 Martin-Lienhart II, 81. 

2 Albrecht Die Leipziger Mundart S. 18*. 



172 Pirol, oriolus galbula, oriolus oriolus. 

Bierhold, Bülau, Bülow, Herr von Bülau, Junker Billow, Schulz 
von Thierau oder Tharau 1 , in Altmark Schult von Bülau oder 
Tülau, (im Süden) Koch von Külau 2 , in Göttingen und Gruben- 
hagen Vogel Bülo z , ebenso in Lübeck und der Grafschaft Ranzau 
Vagel BüloK — Schon Frisch Teutsch-lat. Wb. (1741) I, 161b 
berichtet, daß die Bauern in Havelland in der Mark Branden- 
burg den Vogel den Schuhen von Milo nennen und daß er "bei 
den dürftigen Brüdern, an einigen Orten Bier-Hohler' heißt. 

Die zahllosen Namensformen stehen in engster Verbindung 
mit dem hellen flötenden Rufe des Pirols, in dem man sich 
leicht einbildet, menschliche Worte zu hören. In Niederdeutsch- 
land ist der auffällige Ruf mit dem bekannten Namen Bülow 
verknüpft worden, in vielen Gegenden wird er wieder als e Bier 
hol!' gehört. Ältere Varianten knüpfen teilweise an die auf 
-olf oder -holt endenden Eigennamen an, wobei ohne Zweifel 
die Hähernamen Markolf, Marivolt und Herold als Muster ge- 
dient haben. — Der alte Typus, auf den die alten Dialektnamen 
weisen, ist bair. piro, das man wohl mit Megenberg für eine 
direkte Nachbildung des Naturlautes halten darf. Aus diesem 
läßt sich auch der Name vichauz in einer Version des Mär- 
chens vom Zaunkönig aus dem 15. Jh. (Erlösung herausg. von 
Bartsch XLIV) begreifen, der als Gugelfyhaus bei Hohberg 
Adel. Land-Leben II, 796 Kap. CXVI belegt ist und heute in 
Wien Gugelvieraus, in Steiermark Gugelfliehauf, Gugelfrühauf, 
Gugelüberdichhab b (Gugler 5 m.) lautet. Eine ähnliche Bildung 
ist Weyrauch-Vogel* bei Döbel Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 54 so- 
wie ostfries. Goliath 7 . In der finnischen Sprache wird der Pirol- 
ruf als e kuha kiehuu' (der Zander kocht) gedeutet, und der 
allgemein übliche Name lautet daher 'kuhankeittäjä* (Zander- 
kocher). — Die schriftsprachliche Form Pirol stammt aus der 
sächsischen Mundart; sie begegnet als Pyrohl bei Döbel Eröffn. 

1 Frischbier I, 82. — 2 Danneil 189. — 3 Schambach 35. 

4 Korrespondenz^, f. ndd. Sprachf. XVI, 84. XVII, 2. 

5 Unger-Khull 313. 

6 Vgl. Frisch Vorstellung der Vögel (1763) III C la: "Gleichwie 
andere feinen Namen Wyrock, welcher das i und o hat, für Plat-teutfch 
angesehen, und haben ihn verfälfcht Weihrauch ausgefprochen" 

7 Häpke Volkstümliche Tiernamen S. 302. 



Pirol, oriotafl galbula. oriolus oriolus. 173 

Jägerpr. (1746) 8. 54. Der Name finde! Anklang im csech. brhel 
Tirol', das wohl als < i in«' deutsche Entlehnung zu betrachten ist. 
Die umgekehrte Möglichkeit, daß das Blavische Wort das Etymon 
der deutschen Wortsippe wäre, ist weniger wahrscheinlich. 

In einigen Gegenden hat der Pirol den Namen 1 x fing*tvogel 
erhalten, weil er erst spat im Frühjahr, um die Pfingstzeit, 
eintrifft. Der Ausdruck, der von Döbel a. a. 0. anter anderen 
Synonyma erwähnt wird, ist in Steiermark 1 , Preußen 1 und 
Göttingen und Grubenhagen 8 gebräuchlich. In Letztgenannter 
Gegend kommt neben Pinkestvögel* auch der Name Uegenkatte* 
( Hegen katze) vor, der den Pirol unter die vielen Regen ver- 
kündenden Vögel weist. 

Da der Vogel zur Zeit der Fruchtreife die Obstgärten 
besucht, um Kirschen und Beeren zu holen, heißt er auch 
Kirschvogel Döbel nennt den Namen in Eröffn. Jägerpr. (1746) 
S. 54, ebenso der Verfasser der Angenehmen Land-Lust (1720) 
S. 201 und Klein Hist. av. prodr. (1750) S. 66; in Westfalen 
Kirssfiwgel*, nndl. kersevogel, ostfries. Karsvogel*. Turner Avium 
hist. (1544) S. I 7 a führt den kölnischen Dialektnamen Kerfenrife 
(d. h. Kirschenreifer) an. Auf die Vorliebe des Pirols für Früchte 
weisen auch die umgedeuteten Namensformen Beerhold und 
Kirschhold hin, vgl. oben S. 171. 

Die schöne gelbe Gefiederfarbe und die helle flötende 
Stimme haben den Namen Goldmerle, den Gesner S. 684 aus 
Niederdeutschland anführt, veranlaßt. Heute ist Goldmerel 6 f. 
in Luxemburg die übliche Bezeichnung des Pirols, ebenso 
goudmerel in den Niederlanden; in der Pfalz lautet der ent- 
sprechende Ausdruck Goldamsel, Gelamsel "', in der Schweiz 
Goldamsel*, in Tirol Goldschmeazr* (d. h. Goldschmätzer). 

Gesner erwähnt a. a. 0. S. 763 einen schöngefärbten Vogel, 
der in der Umgebung von Frankfurt am Main Wiggügel heißen 
soll. Damit ist wohl der Pirol gemeint und der Name ist wohl 

1 Unger-Khull 77. — 2 Frischbier II, 139. 
3 Schanibach 155. 169. — 4 Woeste 127. 

5 Häpke Volkstümliche Tiernamen S. 302. 

6 Wb. d. Luxemburg. Mundart 149. 

7 Heeger Tiere im pfälz. Volksmunde II, 10. 

8 Staub-Tobler I, 241. — 9 Frommann D. Mundarten IV, 54. 



174 Rabe, corvus corax. 

als Wit-gückel (vgl. elsäss. Gucker S. 94, Schweiz. Gügel) d. h. 
'Waldpfeifer* zu verstehen. 

In Ostermanns Yocab. (1591) S. 334 wird der Name Hind- 
vogel als Bezeichnung des Pirols in der Moselgegend erwähnt. 

Rabenvögel, Corvidae. 

Rabe, corvus corax. 

Ahd. hraban: Sg. Nom. — hraban coruus : cod. SGalli 242, 
248a. raban: cod. Parisin. 12269 f. 58b. raban: Williram 88, 2. 
rauan: cod. Guelpherbyt. Aug. 10. 3. 4° f. 89 a. rabbo. t ravin : Versus 
de volucr. : cod. Admont. 106. — hram: cod. SGalli 911,79, cod. 
Parisin. 7640, 128 e. cod. SGalli 913, 198 a. ram: Aldhelmi Aenigm. 
266, 25 : cod. SGalli 242, 37. Rotul. com. de Mülinen Bern, corax : 
Phocae ars 425,22: Clm. 14689,46 a. rdm: Carmen de Philomela 
28: cod. Vindob. 247, 223a. — rabo corvvs X cauannus : Clm. 14689 f. 
47a. rdbo: Versus de volucr. : cod. Admont. 476. rabe: cod. Vindob. 
804 f. 185 b. Versus de volucr., rab: Versus de volucr. — rappo : 
cod. Selestad. f. 110a. Versus de volucr. rabbo; Versus de volucr. — 
PI. Nom. — rdbena: Notker Capella de nupt. I, 21. — ramma: Se- 
dulii Carm. pasch. I, 170: cod. Carlsruh. Aug. CGXVII, 10ib.— Gen. 
— (dero) rammo: Notker Ps. 146, 9. (dero) ramme: Notker WPs. 
146, 9 (2 Mal). 

Die germanischen Sprachen haben für den Raben eine ge- 
meinsame alte Benennung: ahd. hraban, mhd. raben, mnd. raven, 
ags. hrwfn, me. ne. raven, anord. hrafn, dän. ravn. Der aus dem 
6. Jh. stammende Runenstein von Järsbärg bewahrt das ur- 
german. *hrab-n-az in der Form Harabanan mit svarabhaktischen 
a- Vokalen. Aus derselben Zeit wie der runische Eigenname ist 
auch Hraban als Name des Sohnes des Frankenkönigs Chlotar 
geschichtlich überliefert, s. Förstemann Altd. Namenbuch l 2 , 870. 

Durch Assimilation hat sich aus *hrab-n- die Nebenform 
*hramn-a-, *hramm-a- entwickelt, die sich im ahd. hram(-mes\ 
ags. hrcemn, hram, hrcem, norweg. ramn, aschwed. ram(p)n, 
schwed. dial. ramn vorfindet. Gewöhnlich hält man die Assi- 
milierung erst für einzelsprachlich 1 . Doch findet sich die assi- 
milierte Form schon in Eigennamen des 6. Jhs. ebenso früh 

1 S. z. B. Noreen Abriß S. 141, Braune Ahd. Gramm. 8 § 125 
Anm. 1, Sievers Ags. Gramm. 3 §§ 188, 1 und 193, 2, Bülbring Altengl. Ele- 
mentarb. § 485. 



Rabe, corvus corax. L75 

wie die nichtassimilierte : Gumthechramnus (bei Venantiua Por- 
tunatus), Oundkrarnnw, Cramnus Markig s. Förstemani) Altd. 
tfamenb. I*, 703 ff. and 869 ff. Eine andere Assimilationgform 
ist erhalten im ahd rappo^ das auf westgerm *hrabb-n mit 
Konsonantenverdoppelung vor » zurückgeht 

Schließlich liegt im ahd. rabo^ mhd. n/fo = mnd. rat*?, 
vestfäL&tew, nndlraafeine urgerman, Elexionsvariante *hrab-an 
zugrunde. In dieser Form hat man wohl die älteste Elexions- 
weisc des Namens zu erblicken. Während das german. Wort 
früher mit gleichbedeutendem griech. KÖpaH, Kopwvn. 'Krähe', lat. 
cornix Mass', für urverwandt gehalten wurde, hat es Holthausen 
in KZ. XXVII, 623 von den letzteren getrennt und mit lat. 
crepo 'knattere, krache', ai. kfpati "jammern' verbunden 1 . Daß 
das germ. Virab-an eine onomatopoietische Bildung ist, die von 
der Stimme des Vogels hergeholt wurde, dürfte sicher sein; 
doch ist es kaum mehr möglich, den Grad der Verwandtschaft 
mit den auswärtigen Schallworten zu bestimmen. Am ehesten 
möchte man, von dem Rufe des Vogels ausgehend, den Labial 
für ein idg. Suffix -bh- halten, wobei zunächst griech. KÖpcupoc 
'ein Vogel (wahrscheinlich aus dem Rabengeschlechte)' heran- 
zuziehen wäre; die übrigen Synonyma in den verwandten 
Sprachen würden erst in zweiter Linie in Frage kommen. 
In den germanischen Sprachen war der Rabenname bei der 
Bildung von Eigennamen ganz besonders beliebt, vgl. Forst« •- 
mann a. a. 0. 

Die nordischen Sprachen bieten außer dem gemeinger- 
manischen Vogelnamen noch zwei alte Synonyma : anord. korpr 
(schwed. norweg. korp) und krummi, krumsi, kramsi (norweg. 
dial. krump). Das erstgenannte Wort wird bei Falk und Torp 
Et. ordb. I, 404 (nicht ganz überzeugend) mit schwed. dial. garpa. 
karpa 'schnattern' in Zusammenhang gebracht, das letztere zu 
mhd. klimmen 'mit den Krallen greifen' gestellt. Der anord. Name 



1 Eine andere Auffassung vertritt Hirt PBB. XXIII, 306, indem er 
die germ. Form *hramn-a für die ursprüngliche hält, woraus *hrabna sich 
sekundär entwickelt habe. Im idg. *kr*m*o sei Mm Suffix, mit dem ger- 
manischen Worte urverwandt wären gr. KÖpaE 'Rabe', Kopwvn 'Krähe', 
lat. cornix 'dass.', lit. szdrka 'Elster' u. a. 



176 Rabe, corvus corax. 

Jcrummi aus *krump-a-n , womit mhd. krimvogel 'Raubvogel* 
sich vergleichen läßt, hat vielleicht einen westgermanischen 
Reflex in dem Ortsnamen Cramfestnesta (im 8. Jh., s. Förste- 
mann Altd. Namenb. II, 422) hinterlassen ; dieselbe Bildung 
ist der Ortsname Rammennest 1 im Elsaß. Übrigens scheint der- 
selbe Vogelname auch im estn. kromp (Gen. krombi) 'Rabe' 
vorhanden zu sein, das im westlichen Estland üblich ist 2 . Das 
estnische Wort ist offenbar als Entlehnung von den benach- 
barten schwedischen Inselbewohnern anzusehen. 

Yon den vier althochdeutschen Parallelformen raban, rabo, 
ram, rappo ist die erste bereits in mittelhochdeutscher Zeit 
ausgestorben. — In ganz Nieder- und Mitteldeutschland gilt 
die zweite Lautform, die sich als Rabe in der Schriftsprache 
eingebürgert hat; stellenweise wird das Wort feminin gebraucht, 
so in Luxemburg die Röf 3 und in Göttingen und Grubenhagen 
die Räwe*. In der Pfalz ist Rabe selten, im Elsaß kommt die 
Form nur in den Komposita Nachtraab und Wasserraab im 17. Jh. 
bei Baldner vor. — Auf diese westlichen Landstriche beschränkt 
ist die dritte Variante Ramm, die im Mittel- und Nord-Elsaß 
als feminines die Ramme (im Strassburg. Vogelb. (1554) V. 299 
Plur. Rammen), in der Westpfalz als Ramm' , in Luxemburg 
als Ramm 6 f. gilt. 

Im Süd-Elsaß und in der Schweiz, wo ahd. ram von 
Notker geschrieben wurde, ist diese Form verloren gegangen. 
Dafür wird hier die vierte Variante Rapp gebraucht, die all- 
gemein süddeutsch ist und auch in das Mitteldeutsche hinein- 
reicht. Auf schwäbischem Dialektgebiet, im Elsaß 7 und in der 
Pfalz 5 ist die Nebenform Krapp allgemein verbreitet, in Basel hat 
Chrapp* oder Grapp* die Bedeutung 'Krähe'. Nach Kauffmann 
Schwab. Mundart S. 199 ist Krapp aus *Ge-Rapp (mit dem übli- 
chen Präfix) entstanden. Ältere Zeugnisse für diese Form 
mangeln ; das Strassburg. Vogelb. kennt sie nicht, erst Popowitsch 



1 Martin-Lienhart I, 790. — 2 Wiedemann Estn.-deutsches Wb. s. v. 
3 Wb. d. Luxemburg. Mundart 362. — 4 Schambach 168. 

5 Heeger Tiere im pfälz. Volksmunde II, 10. 

6 Wb. d. Luxemburg. Mundart 349. — 7 Martin-Lienhart I, 521. 
8 Staub-Tobler II, 786. III, 841. 



Rabe, corvus corax 177 

(1780) s. 483 führt üe ans der hohenlohisohen Mundart an. 
Der Beleg crab, den Bildebrand in Qrimmi Wh. V. 2066 ron 
dem Holzschnitt im Simplicissimus für die Variante Krapp ia 

Anspruch nimmt, ist wohl als craui?) 'Krähe' aiilxufa>^-n. 

In manchen Gegenden werden Raben und Krähen nicht 
von einander unterschieden, Bondern beide Arten unter <*in- 
nnd derselben Benennung begriffen, andererseits wird der 

Rabe auch durch rei deutlichende Komposita bezeichnet, welche 
an einigen Orten d^n einfachen Rabennamen gänzlich verdrängt 
haben. — Eine solche Bildung ist Kokkrabe, das Gegner Eist 

avium S. 32] aus Sachsen anführt; im 18. Jh. wird es hier durch 
Döbel Eröffn. Jagerpr. (1746) S. 79 bezeugt. Popowitsch a. a. 0. 
schreibt Golkrabe. Der Ausdruck erstreckt sich auch in das 
niederdeutsche Dialektgebiet, wo er als Kidkrabe 1 in EaUersIeben, 
Kxdckrave in Braunschweig, Kolkrdwe 2 im Münsterkreise üblich 
ist. Möglicherweise ist die Behauptung Gesners, daß der Name 
onomatopoietisch sei, richtig; in diesem Fall würde er sich aus 
kolken 'aufstoßen, sich erbrechen' erklären. Doch ist auch denk- 
bar, daß in dem Kompositum ein ursprünglicheres *ko!-krdue 
(Kohlkrähe) steckt, wo das erste Glied, wie öfters in Vogelnamen, 
die kohlschwarze Farbe bezeichnet. Für diese Annahme spricht 
die Kompositionsform Kohlrabe im Vocab. triling. (Prag 1560) 
8. 88, Kol-Rabe bei Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) 8. 244. Die 
Namensform Goldrabe, welche Popowitsch Versuch (1780) 8. 154 
aus dem Hohen lohischen und der Wetterau angibt und aus 
dem im Sonnenschein wie Gold glänzenden Gefieder des Vogels 
deuten möchte, ist umgedeutet aus Kolkrabe. — Eine andere 
Variante ist ndd. Kluncker-Rdve 3 in Hamburg (Khmkräv* in der 
Grafschaft Ranzau). — In Steiermark wird der Ausdruck Jochrabe* 
(vielleicht zu Joch 'Berggipfel 3 wie Jochlisper, S. 87) angewendet. 
In der mittelhochdeutschen Literatur begegnet zweimal 
der Ausdruck kopp(e) als Bezeichnung des Raben. Im 16. Jh. 
kommt das Wort bei Hans Sachs im Regim. der Vögel (1531) 



1 Frommann D. Mundarten V. 154. 

2 Korrespondenzbl. f. ndd. Spracht. XVI, 85. 

3 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVII, 2. 3. 

4 Unger-Khull 367. 

Snolahti, Vogelnamen. 1- 



178 Rabe, corvus corax. 

V. 93 vor, wo "der Kop den Pirckhan zum Rappen" schickt; 
ferner im Strassburg. Yogelb. (1554) Y. 299, wo Kopp mit den 
verwandten Namen Rappen / Steinrappen / Rammen er- 
wähnt wird. Heute ist Kueb 1 in Luxemburg, Kob 2 auf der 
Eifel der Name des Kolkraben. Vielleicht ist der Vogelname 
ursprünglich eine Koseform des Personennamens Jakob (vgl. 
z. B. tirol. Kob 3 ) gewesen, den man öfters als Nomen proprium 
dem Raben beilegt und der als Schaak* (aus Jacques) in der 
Pfalz zum Appellativuni des Vogels geworden ist. In Luxem- 
burg wird Hans 5 als Appellativbenennung für den Raben an- 
gewendet, im Elsaß heißen die gezähmten Raben Hansel 6 . 

Für die Auffassung des mhd. hopp als Jakob spricht der 
Umstand, daß in den beiden Belegstellen (Hadamar von Laber 
V. 529 Ed. SchmeUer S. 132 und Der Wartburgkrieg V. 1749 Ed. 
Simrock S. 231) das Wort als Anrede und in geringschätzigem 
Sinne gebraucht wird. Mhd. koppen (koppezen) 'krächzen' könnte 
eine Ableitung von dem Namen sein. 

Vielfach ist der Rabenname vor neueren Bildungen zurück- 
gewichen, die in direktem Anschluß an das Gekrächze des Vogels 
gebildet sind. So gibt Hertel Sprachsch. S. 190 an, daß in 
Salzungen (Thüringen) für Rabe gewöhnlich Krake gesagt wird; 
nach Vilmar Id. S. 222 ist dies der Name des Raben auch im 
sächsisch- westfälischen Hessen und sonst einzeln im hessischen 
Dialektgebiet 7 . Im östlichen Hessen ist Gdke der übliche Aus- 
druck, im Schmalkaldischen der Gdk* (dazu gdken 'schreien' 
[von rabenartigen Vögeln]), an der mittleren Werra Kake*. 
Ähnliche onomatopoietische Bildungen kommen auch in anderen 
Mundarten vor: in Luxemburg der Gäkgäk 10 , Hansgäk 10 (vgl. oben 
Hans), in der Schweiz Gdgg, Gdgger, Gugdgger 11 , im Elsaß Quä- 
ker^ 2 , im badischen Oberlande die Quäke, in der Pfalz Krack 13 u.a. 

1 Wb. d. Luxemburg. Mundart 252. — 2 Frommann D. Mundarten VI, 16. 

3 Frommann D. Mundarten VI, 158. — 4 Pfalz. Id. 120. 

5 Wb. d. Luxemburg. Mundart 164. — 6 Martin-Lienhart I, 359. 

7 Nach Pfister Nachträge zu Vilmar Id. S. 221 hier Kracke. 

8 Vilmar 114. — 9 Pfister (Erstes) Ergänzungsheft S. 6. 

10 Wb. d. Luxemburg. Mundart 124. 165. 

11 Staub-Tobler II, 164. — 12 Martin-Lienhart II, 210. 
13 Heeger Tiere im pfälz. Volksmunde II, 10. 



Krähe coivus corone und cornix. 17H 

An die Eigenschaft der Raben, sich bei Aas und Leichen 
einzustellen, knüpft der Nanu; Galgenvogel (in der Schweiz 1 und 
im Elsaß-) an, für den Grimms Wh. [V, I, L, 117!> einige Belege 

bringt 3 ; vgl. auch Galgenrabe a. a. 0. 117(>. Vielleicht hat auch 
der Schreiber der Glosse "ciconia storch. w\ gdUhrdbf' 1 in cod 
Mcllic. K 51, 31 mit dem zweiten deutschen Worte den 'Galgen- 
raben' (mhd. galc 'Galgen') gemeint Jedenfalls hat. er die Vorlag 
unrichtig abgeschrieben; denn hier muH die betreffende Stelle 
galchrahe gelautet haben, welches, ebenso wie Latciconia, Brunnen- 
stengel bedeutet. — Im Elsaß wird der Rabe auch Iiappenkeib* 
(ursprünglich wohl Keib-Eapp e Aasrabe') genannt, in der Schweiz 
PlägvogeV (d. h. Aasvogel). 

Krähe, corvus corone und cornix. 

Ahd. krä(w)a: Sg. Nom. — chraa cornix: cod. SGalli 299 p.33. 
<raa: Paralipom. I, Prol. Hieronymi 5 : cod. SGalli 292, 117, cod. 
Carolsruh. SPetri 87, 77 a. chrmiua: cod. SGalli 242, 248 a. craica : 
H. S. XI a2: Clm. 2612, 68b. 69a. craha garrula: cod. Parisin. 
12269 f. 58b. craia: Prudent. Apoth. 298: cod. SGalli 292, 171 ; cod. 
mon. herem. 316, 135 b. Versus de volucr. cornicula : cod. sein. Tre- 
vir. f. 112b, kraia: cod. Berol. Ms. lat. 8» 73, 123b. chraia: Clm. 
14747 f. 63 a. chraga cornicum ( ): Paralipom. I, Praefatio : Clm. 
18140, 52a. crage: Versus de volucr. erä: Prisciani inst. 165, 14: 
Clm. 280 A, 30a. cra cornicula: cod. Guelpherbyt. Aug. 10.3. 4° 
f. 89a. erd: cod. Selestad. f. 109b. kra : H. S. III, 17. XIa 2. b. e. g. 
chra: Versus de volucr. GH. Salom. a 1. Clm. 14689 f. 47a. Vergil. 
E IX, 15: cod. Selestad. f. 59b. erha noetva l cornix : Clm. 14689 
f. 47a. kre: Horat. Carm. III, 27, 16: cod. Parisin. 9345, 27a. — PI 
Gen. — chraiono: Paralipom. I, Praefatio: cod. Vindob. 2723, 31b. 
cod. Vindob. 2732,38a, chraona: Clm. 14689, 39b, craion: Clm. 
22201, 239 g, orain: Clm. 13002, 222 a. chrarior 6 cornine : Prudent. 
Contra Symmach. II, 571 : cod. Parisin. nouv. acquis. 241, 187 a. 

Wie für den Raben, so haben die germanischen Sprachen 
auch für die Krähe eine gemeinsame Benennung: ahd. krdja. 
krä(w)a, mhd. krä(w)e, Arm, asäehs. kraia in den Straßburg. GH. (Wad- 
stein Kleinere altsächs. Denkm. S. 107 19 ), mnd. krei{g)e, krä, mndl. 

1 Staub-Tobler I, 693. 695. — 2 Martin-Lienhart I, 100. .'17. 

3 Zu den zwei Belegen, die Grimms Wb. aus Spangenberg und Stieler 
bringt, ist ein älterer bei Lindener Katzipori (1558) S. 180 hinzuzufügen. 

4 Ahd. Gll. IV. 183 59 . — 5 cornicum in der Vulgata. 

6 ari auf Rasur. Entstellt aus chraion? (Steinmeyer). 

12* 



180 Krähe, corvus corone und cornix. 

cräie, crä, nndl. kraai, fries. krie, ags. crdw, me. crfwe, ne. crow\ 
die nordischen Sprachen haben nur eine erweiterte Bildung, 
welche im Altnordischen als krdka 'Krähe' und krdkr 'Rabe' 
(schwed. kräka, dän. krage, norweg. kraake) erscheint. Der Name 
*krce-6n steht im engsten Zusammenhang mit dem Yerbum krce(j)en 
'krähen', das im ahd. kräwen, mhd. kräjen, ags. crdtvan usw. vor- 
liegt. In letzter Instanz liegt den Worten eine Schallwurzel zu- 
grunde, die eine Nachbildung des krächzenden Geschreis raben- 
und krähenartiger Yögel ist. 

Die erweiterte Form der nordischen Benennung wird 
verschieden beurteilt. Kauffmann PBB. XII, 523 führt sie auf 
eine germ. Grdf. *krceg-n- (> *krcekk-) zurück, ebenso Heiluvist 
Arkiv f. nord. fil. YII, 143 und Noreen Abriß S. 164, wobei 
dieser an Ablautsverhältnis mit ahd. kragil 'schwatzhaft' und 
lat. graculus 'Dohle' denkt. Bei Falk und Torp Et. ordb. I, 407 
wird ein besonderes ^-Suffix mit Hinweis auf alke, finke u. dgl. 
angenommen ; aber in den angeführten Vogelnamen ist k nicht ab- 
leitend, und überhaupt kommt wohl in Vogelnamen ein derartiges 
Suffix nicht vor. Wahrscheinlich sind die nordischen Formen als 
onomatopoietische Weiterbildungen aufzufassen wie auch gleich- 
bedeutendes Krake in deutschen Mundarten. Es ist nicht mög- 
lich, einen strengen lautgesetzlichen Maßstab an diese schail- 
nachahmenden Worte anzulegen, welche sich auch an vor- 
handene onomatopoietische Yerba haben anlehnen können. 

Aus germ. *krä-ön- sind im Althochdeutschen vier ver- 
schiedene Parallelformen entstanden, je nachdem, ob ein Über- 
gangslaut sich entwickelte oder nicht. Im ersteren Falle bildeten 
sich die Namensformen kräja, kräwa und krdha, während im 
letzteren Falle durch Kontraktion die Namensform krd hervor- 
ging. Diese vier Formen liegen den späteren mundartlichen 
Varianten zugrunde, deren Einzelheiten zu verfolgen der Mund- 
artenforschung überlassen werden muß. Eine frühe Bezeichnung 
des Umlauts erscheint in der Glosse cre aus dem 11. Jh. (andere 
Fälle bei Braune Ahd. Gramm 2 . § 34 Anm. 2). Wegen der Bezeich- 
nung des Übergangslautes mit g in chraga vgl. Braune a. a. 0. 
§ 117. — Reichhaltiges Belegmaterial für die einzelnen mund- 
artlichen Varianten aus den späteren Entwicklungsperioden in 



Krähe, corvus corone und cornix. 181 

(irimms Wb. V, 1965. In manchen Mundarten sind an die 
Stelle des alten Krähennamens neuere Bildungen getreten, von 
denen einige bereits anter den Benennungen des Raben angeführt 
wurden. — In Möhra und Breitingen (Thüringen) ist Gake, das 
in Hessen und in der Schweiz den Haben bedeutet, die Bezeich- 
nungfür die Krähe 1 . Ebenso werden Krake (Krage) f. in Salzungen 
und Waldfischa und Krak m. in Brotteroda (Thüringen) für 
die Krähe gebraucht l ; auch schweizer. Grdgg 2 m. und f. 
in derselben Bedeutung. Schon in ahd. Zeit erscheint eine 
derartige erweiterte Bildung in der moselfränkischen Glosse 
crecula (== cornicula) cod. Parisin. 9344 f. 42 b. Nach dem Vogel- 
namen ist der Ortsname Creklenbach (südöstl. von Darmstadt) 
gebildet, der aus derselben Zeit — dem 11. Jh. — überliefert 
ist (Förstemann Altd. Namenb. II, 421). Die einfachere Bildung, 
von der altmoselfränk. krekula mittels des Suffixes -lo{n) abgeleitet 
ist, ist bewahrt im luxemb. Krek 3 f. 'Elster'. Mit anderer Vokal- 
stufe wird der Naturlaut wiedergegeben in mnd. krakelen 'lautes 
Geschrei erheben', krakele 'Geschrei, Lärm (von Vögeln)' usw. Eine 
dritte Vokalstufe erscheint in Krikelster, Krikente. — In Kärnten 
heißt die Krähe Poangratsche* (d. h. Bohnengrätscher) ; das von 
Lexer erwähnte Synonymon Tschoie* m. ist ein slovenisches Lehn- 
wort. Aus der Kindersprache stammt der ndd. Ausdruck Krei- 
ahlke'° (vgl. Alke 'Dohle', eigentl. eine Koseform des Namens 
Adelheit) in Hamburg und Holstein, sowie sächs. Huppelkrah* 
(Hüpferkrähe) in Leipzig, Hoppdekroe (aus Hopp du Kröe) in 
Schlesien (Weinhold Beitr. zu einem schles. Wb. S. 46). 

Von der schwarzgefärbten Rabenkrähe (corvus corone), die 
bei Eber und Peucer Vocab. (1 552) S. E 7 a Schivartzkrae, bei Gesner 
Hist. avium S. 308 Hußkräe ( = Hauskrähe) genannt wird, 
unterscheidet sich die Nebelkrähe (corvus cornix) allein durch 
die Farbe des Gefieders, das nur an den Flügeln, am Kopf und 
am Schwanz schwarz, sonst aber aschgrau ist. Auf diese Fär- 



1 Hertcl 102. 145. — 2 Staub-Tobler II, 725. 

3 Wb. d. Luxemburg. Mundart 246. 

4 Frommann D. Mundarten IV, 493. 

5 Korrespondenzbl. f. ndd. Spracht. XVII, 3. i. 

6 Atbrecht Die Leipziger Mundart S. 138. 



182 Krähe, corvus corone und cornix. 

bung weist der Ausdruck Schiltkrae, der in Sachsen durch Eber 
und Peucer a. a. 0. bezeugt und von Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) 
S. 241 (Schilt Krähe) als schlesisch bezeichnet wird; das erste 
Glied des zusammengesetzten Namens ist in gleicher Bedeutung 
wie 'bunt' gebraucht (vgl. Schildspecht S. 34). 

Das Synonymem Bundtekräe(Pundterkräe) gibt Gesner a. a. 0. 
S. 319 aus Niederdeutschland an. Hier sollen die Knaben beten: 
"Pundterkräe gott gäbe dir den raage Du bringft den kalten 
winter ins lande", und in Westfalen gilt nach Gesner das Sprich- 
wort "Eine Bundtekräe macket gheinen winter". In manchen 
Gegenden von Deutschland erscheint die Nebelkrähe als Bote 
des Winters im Spätherbst und hat auch daher die Namen 
Winterkrae (Gesner S. 308), Winterkrey (Strassburg. Yogelb. 
(1554) Y. 297) und Herpftkräe (Ostermann Yocab. (1591) S. 333) 
erhalten. 

Auch der in der Wissenschaft geltende Ausdruck Nebel- 
krähe erklärt sich gerade daraus, daß der Yogel zu der Zeit 
einzutreffen pflegt, wo die Herbstnebel sich einstellen. Schon 
bei Walther von der Yogelweide findet sich der Name nebelkrä. 
nachher im Yocab. theuton. (1482) S. x 3b nebelkrä oder nebelrapp, 
im 16. Jh. Nebelkrä bei Haus Sachs Regim. der Yögel (1531) 
Y. 124, Nebelkrae bei Eber und Peucer a. a. 0. Danach ist 
der Name also eigentlich in Baiern, Sachsen und angrenzenden 
Mundarten heimisch ; in Thüringen (Winterstein) kommt der Aus- 
druck Nawelrawen 1 vor. Im Elsaß kommt die Benennung nicht 
vor 2 ; Golius (Onomasticon 1579 Sp. 291) und Fischart haben 
sie aus literarischen Quellen, ebenso der Verfasser des Strassburg. 
Yogelb. Y. 296. 

In den althochdeutschen Glossen begegnet einige Mal der 
Ausdruck herbistram (d. h. Herbstrabe) : herbistram istrix: Clm. 14747 
f. 63a. herbistra istria: cod. SGalli 299 p. 32. herbistramu : cod. Selestad. 
f. 109b. herbistram: H. S. III, 17. Trotz der mittellat. Lemmata, die 
'Eule' bedeuten (ital. dial. istria, stria), ist hier wohl die Nebel- 
krähe gemeint; vgl. luxemburg. Hierschtkueb 3 (= Herbstrabe) als 
Bezeichnung der Saatkrähe und den Ausdruck Herbstkrähe. 

1 Hertel 172. — 2 Martin-Lienhart I. 516. 
3 Wb. d. Luxemburg. Mundart 177. 



Saatkrähe, corvus frugilegus. 183 

Saatkrähe, corvus frugilegus. 

Ahd.hr u oh: Sg. Nom. — hruoh graculus : cod. SGalli 242, 248a. 
hruok: cod. Parisin. 9344 f. 48b, hrok: cod. sem. Trevir. f. 112b. 
hruohc: Aldhelmus de laiul. virg. 142, 19: cod. Turic. C59, 6b, 
rofah 1 : cod. mon. herein. 32, 195; :: ruoh-: cod. SGalli 242, 60, 
ruoh: cod. Parisin. 16668, 26b, Clm. 19440, 87 ; cod. Vindob. 969, 
5b; Clm. 23486, 7b. cod. SGalli 299, 26. Carmen de Philomela 28: 
cod. Vindob. 247, 223a, cod. mus. britann. Add. 16894, 245a. cod. 
Vatican. Reg. 1701, 2b. ruoh: cod. SGalli 270, 64. ruok: cod. Guel- 
pherbyt. Aug. 10. 3. 4° f. 89 a. ruohc: Leviticus* : cod. Fuld. Aa2, 
43a. craculus I garrvlvs4 : Clm. 14689 f. 47 a. ruoch: Versus de vo- 
lucr. Gll. Salomon. a 1. rvch: cod. Selestad. f. 110a. H. S. III, 17. 
XI a 2, g, roch: b. cod. Vindob. 804 f. 185b. ruch: Versus de volucr. 
rvch: H. S. III, 17 : Clm. 2612, 34a, rvcho: XI e: cod. princ. de Lob- 
kow. 435, 16b, rvche: a2: cod. Vindob. 2400,102b. ruche: Versus de 
volucr.: 22213, 163a, röche: Clm. 19488, 121a. rouca garula: Leviti- 
cus : cod. Parisin. 2685, 50b ; ruoph garrula a garrilitate uoce dicitur. 
id: cod. SPauli XXV d/82, 39a. rüz: Gll. Salom. al: Clm.17152, 70e. 

Für die Saatkrähe besitzen die germanischen Sprachen 
einen besonderen alten Namen, der im Althochdeutschen hruoh 
lautet. In den verwandten Dialekten entsprechen mnd. rök(e), 
mndl. nndl. fries. roek, ags. hröc, nie. rgk, ne. rook und anord. hrökr, 
dän. raage, schwed. räka. Wie überhaupt die Benennungen der 
zum Rabengeschlechte gehörigen Vögel, ist auch dieser Name 
nach dem Gekrächze des Vogels gebildet, welches nach Voigt 
Excursionsbuch S. 152 aus verschieden abgetönten kräh, kroah, 
oder knarrendem krrr besteht. Zum germ. *hröka- (aus idg. *krö u g-< 
vgl. griech. Kpuu£uj 'krächzen, kreischen') gehört durch Ablauts- 
verhältnis anord. hraukr e Seerabe (pelecanus ater)'; eine dritte Ab- 
lautsstufe ist got. hrükjan 'krähen*. Die anklingenden Benennungen 
der slavischen Sprachen (akslav. krukü 'Rabe', lit. kraukhjs) sind 
ähnliche onomatopoietische Bildungen wie der germanische Vogel- 
name. Ob estn. rögas (Gen. rökd) 'Saatkrähe' eine alte german. 
Entlehnung ist oder erst spät aus dem Deutschen übernommen 
worden, läßt sich nicht absolut sicher entscheiden, da in Finn- 
land der Vogel nicht vorkommt und die ausschlaggebende finnische 



1 d. h. roah (Steinmeyer). — 2 Rasur von ro (Steinmeyer). 

3 graculus nicht in der Vulgata (Steinmeyer). 

4 t garrvlv* Zusatz zweiter Hand (Steinmeyer). 



184 Saatkrähe, corvus frugilegus. 

Benennung daher fehlt. Aus dem Althochdeutschen entlehnt ist 
gleichbedeutendes franz. freux, s. Hatzfeld-Darmesteter I, 1120. 

Im Verhältnis zu den Namen der anderen Krähenarten 
begegnet die alte Benennung der Saatkrähe in der literarischen 
Überlieferung selten. Teils hängt dies davon ab, daß der Vogel 
von den Raben oder Schwarzkrähen, denen er in der Färbung 
ziemlich gleich kommt, nicht immer unterschieden wird, teils 
aber auch davon, daß der alte Name in manchen Landschaften 
außer Gebrauch kam. 

Von den Autoren des 16. Jhs. verzeichnet Longolius Dial. 
de avibus (1544) S. G 2b die Namensform Roeck, welche sich 
mit der niederrheinischen Lautform deckt. Als Name des Raben 
wird Rök im Hamburg. Id. von Richey (1755) und in Schützes 
Holst. Id. (1800) angeführt, in Westfalen werden die Formen 
der Rauk und die Röke von Woeste Wb. S. 211 bezeugt. In 
Mitteldeutschland erscheint Roocke \ Rooche bei Schwenkten! 
Ther. Sil. (1603) S. 242 und wird hier als schlesisch bezeichnet. 
Eine abweichende Lautstufe zeigt sächs. Rücke f. in Döbels 
Eröffu. Jägerpr. (1746) S. 79 (schon im Jahre 1502 rucke 1 in 
einem alphab. Wb.), dazu Hafer-Ricke in Meißen nach Nemnich 
Polyglottenlexicon I, 1242. Ob hier alte Ablautformen oder 
Neubildungen bezw. Umdeutungen vorliegen, ist schwer zu ent- 
scheiden. In Grimms Wb. VIII, 1341 wird als Name der Dohle eine 
Form Ruchert angeführt, welcher mnd. rökart 'Saatkrähe* ent- 
spricht; es sind Erweiterungen des alten Namens im Anschluß 
an die gewöhnlichen Eigennamen auf -(h)art. — Von den ober- 
deutschen Quellen der älteren neuhochdeutschen Zeit hat das 
Regim. der Vögel (1531) V. 177 die Akkusativform die Rüchen, 
der Vocab. triling. (1560) S. 88 Ruhen (= spermologus) ; in 
Gesners Hist. avium S. 503 Ruch als volkstümlicher Ausdruck. 
Der elsässischen und schweizerischen Volkssprache fehlt der 
Name; auch in der bairisch-österreichischen Mundart scheint 
er nur sporadisch vorzukommen. 

In mittelniederdeutschen Quellen ist Karok als Name der 
Saatkrähe belegt; Dähnert Wb. (1781) S. 219 verzeichnet es 
als pommerisches Wort. In Preußen lautet der Name Karechel 

1 Diefenbach Novum glossar. S. 196 b. 



Dohle, rorvus monedula; lycus monedula 185 

(Klein Hist. av. prodr. (1760) 8. 59), Kareichel, Kareikel 1 . Wenn 
das niederdeutsche Wort nicht aus einem darischen Dialekte 
(akslav. krukü) (Mitlehnt ist, könnte 08 als ein Kompositum 
Kd-Jiök (zu Ka ■Dohle') "Dohlenkrähe' aufgefaftt werden. Die 

erweiterten preußischen Formen seheinen an ndd. Bibel 'fauler 
Mensch' angelehnt worden zu sein. 

An einigen Orten, wie in Steiermark, wird mit dem Aus- 
druck Winterkrähe* die Saatkrähe und nicht die Nebelkrähe 
verstanden; ebenso in Luxemburg Wanterkueb* m. (Winterrabe). 
Nach dem Luxemburgischen Wb. S. 177 würde auch mit dem Aus- 
druck Hierachtkueb hl (Herbstrabe) die Saatkrähe gemeint sein; 
vgl. S. 182. 

Der wissenschaftliche Name Saatkrähe ist in Westfalen 
volkstümlich, vgl. Woeste Wb. S. 222 s. v. Sädkraige und Korre- 
spondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 86; ältere Zeugnisse für das 
Wort fehlen. 

Dohle, corvus monedula; lycus monedula. 

Ahd. taha: Sg. Nom. — tdha gariola et monedula: cod.Selestad. 
f. 110a. taha monedula: Ruodliep III, 174: Olm. 19486, IIb, X, 21: 
cod. SFloriani 2a. monedula: Versus de volucr. cariola: Clm. 14689 
f. 47 a. cornicvla: Clm. 14689 f. 47 a. cetauca: GH. Salom. a2. Hythin, 
filius progne. et dicitur taha. 1 pro 4 pirihhön I. auis italica que 
fasan dicitur: Horat. Carm. IV, 12, 5: Clm. 375, 62b. tdha mone- 
dula : H. S. III, 17, cetauca : XI a 2, daha corriola : b. trahe monedula: 
Versus de volucr.: Clm. 23496, 10a. 

Der althochdeutsche Dohlenname taha ist verwandt mit 
mittelengl. dawe (seit dem 15. Jh. nachweisbar), ne. dair (juck- 
daw) 'Dohle'; die vorauszusetzenden westgermanischen Grund- 
formen *dahw-ön und *da(c/)w-6n zeigen grammatischen Wechsel. 
— Wahrscheinlich war der alte Name eine lautnachahmende 
Bildung, ebenso wie ahd. kaha, altniederd. ka, neuengl. jack, 
poln. kava u. a. In den verschiedenen Gegenden wird der hell 
klingende kurze Lockruf der Dohle zwar etwas verschieden 
aufgefaßt, allein man erkennt doch in den nachgebildeten Namen 

1 Frischbier I, 337. 

2 Unger-Khull 635. — 3 Wb. d. Luxemburg. Mundart 475. 
4 Ausradiert (Steinmeyer). 



186 Dohle, corvus monedula; lycus monedula. 

die charakteristischen Töne e kja , e jack' in annähernd übereinstim- 
mender Weise. Außerhalb der indogermanischen Sprachen bietet 
das Finnische die Dohlennamen naakka und hakki(nen), die mit 
engl, jack und etwa vorgerm. *dhakiv denselben Typus aufweisen. 

Das althochdeutsche Wort ist, wie die weitere Entwicke- 
lungsgeschichte lehrt, auf ein relativ enges geographisches Gebiet 
beschränkt. In mittelhochdeutscher Zeit begegnet tahe in den 
Gesta Romanorum S. 114, bei dem Baiern Konrad von Megen- 
berg (Ed. Pfeiffer) S. 206, 28 ff. und dem Tiroler Hans Vintler 
Y. 1621. 1626. 1630 ; ferner dach im Yocab. theuton. (1482) S. e 5b, 
iahen 1 Yocab. ex quo (Inntal 1429), tachen 1 Yocab. rerum 
(Milstatt 1502). Im 16. Jh. ist Tahe in Nürnberg bezeugt durch 
Hans Sachs Regim. der Yögel (1531) Y. 124, Gesner Hist. 
avium (1555) S. 503 führt Taha als rätisches und Steintahe als 
bairisches Wort au. Yon Popowitsch Yersuch (1780) S. 83 wird 
die Benennung die Däche aus Steiermark (Dahe, Dache f. bei 
Unger-Khull Wortsch. S. 139) und die Form der Dächer aus Wien 
angegeben; in Tirol Däche, Dächt 2 , in Sette Communi Taga>, 
lusern. Tachele*, weiter in der schwäbischen Mundart Dahe, 
Dache, Dählein 5 . — Aus dem Deutschen ist Hahala als taccola 
(mittellat. tacula Du Cange YI, 487) in das Italienische über- 
nommen. Die Bedeutung des ital. Wortes wird von Körting Et. 
Wb. 3 S. 942 und in anderen Wörterbüchern fälschlich als "Elster* 
angegeben; Gesner S. 509 kennt es im Sinne von Alpenkrähe 
aus der Gegend von Locarno und Yerona und in der Bedeutung 
'Dohle' aus anderen Mundarten. 

Yerschieden von ahd. taha, obgleich für identisch damit, 
angesehen, ist unser neuhochdeutsches Wort Dohle. Die Ge- 
schichte desselben läßt sich bis ins 13. Jh. zurück verfolgen. Zuerst 
erscheint tole (= monedula) in cod. Lips. Paul. 106, 1c (Yersus^ 
de volucribus), im 14. Jh.: tul vel cach fol. Stuttg., tut fol. 
Francofurt. (Ahd. GU. III, 22 46 ), tula Yocab. optimus 82 (Ed. 
Wackernagel S. 43); im 15. Jh. ist der Name öfters in Glossaren 
belegt. Yon den Quellen des 16. Jhs. hat Dasypodius (1535) 

1 Diefenbach Novum glossar. S. 256a. — 2 Schöpf Id. s. v. 
3 Frommann D. Mundarten IV, 55. — 4 Zingerle Wb. s. v. 
5 Fischer II, 31. 



Dohle, corvus monedula; lycus monedula. 187 

S. H 4b Dol oder Du!, das Strassburg. Vogelb. (1554) V. 293 
Dülen (Plur.), Colins Onomasticon döT!») 8p. 292 Dül\ heute 
ist Duel, Doht 1 im Elsaß im Absterben. In der Schweiz 
schreibt Ryff in seinem Tierbuche ilberti (1545) 8. I .'5 Duole» 
and 8. P4b />?</. Gesner Hist. avium 8. •',():; Tut I Dole, bei 
ftnicianus Prompt (1516) S. C 2 b TW*, im Vocab. triling. (Frag 
1560) S. 88 7Vr; in Mitteldeutschland bei Alheims Dikt 
(1546)S.Z2b Dol, auch bei Luther TVio/, Dole. Heute ist /JoAfe 8 
in Thüringen üblich, auch in Westfalen Dole* f.; auf schwäbi- 
schem Sprachgebiet Dull f. [Dullach m.), daneben auch 7>o/ 4 f. 
Eine Nebenform ist dalle (= monedula) in cod. princ. de 
Wallerstein 1, 2 (Lat.) fol. 21, 175b (Versus de volucribus), 
tallen in Hugos v. Trimberg Renner V. 19431, tale in einem 
Gedicht aus dem 14. Jh. (Zs. f. d. A. V, 15), talichin in den Mittel- 
deutschen Gedichten herausg. von Bartsch III, 5; im 15. Jh. 
dale, thale in Glossaren bei Diefenbach Glossar. S. 366b. Von 
den Quellen des 16. Jhs. haben u. a. Ebers und Peucers Yocab. 
(1552) S. F lb Dale und Talhe (für Thale), darauf schles. Thale 
bei Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 305. In den heutigen Mund- 
arten findet sich Dale 5 f. in Schwaben, Dale, Tale, Dälke, Talke 6 in 
Preußen, Däleke, Täleke {Döleke) 7 f. in Göttingen und Grubenhagen, 
Taleke* f. in Fallersleben, Taolk 9 in Altmark und Mecklenburg. 
Auf den Anklang des Wortes Dohle an das lat. Suffix in 
monedula, acredula usw., welcher Gesner a. a. 0. S. 501 veranlaßte, 
in dem deutschen Namen eine Korrumpierung des lat. Wortes 
zu erblicken, haben nachher Frisch Teutsch-lat. Wb. I, 200 c. 
Kauffmann Schwab. Mundart S. 74 und andere aufmerksam ge- 
macht. Doch ist die lautliche Übereinstimmung hier ohne Zweifel 
zufällig. Wahrscheinlich gehören die verschiedenen Varianten des 
Vogelnamens zu einem halb onomatopoietischen Stamme, der in 
mundartlichen dalen, tallen 'schwatzen', füllen, dulitschen USW. 
vorhanden ist; danach hat der Vogel seine Namen wegen der 
sprichwörtlich gewordenen Geschwätzigkeit erhalten. 



1 Martin-Lienhart II, 678. — 2 Hertel 82. — 3 Wocstc 54. 

4 Fischer II, 447. — 5 Fischer II, 38. — 6 Frischbier I, 129. II, 393. 

7 Schambach 38. — 8 Frommann D. Mundarten V, 298. 

9 Danneil 222, Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI. 84 



188 Dohle, corvus monedula; lycus monedula. 

Sicher onomatopoietisch ist das mittel- und niederdeutsche 
Synonymon, welches in althochdeutschen Handschriften als kä(a) 
überliefert ist: cda ciptacus 1 : cod. Guelpherbytan. Aug. 10. 3. 
4° 89a, fcaa phsitachus l : cod. sein. Trevir. f. 112b; ka monedula: 
cod. Cheltenham. 7087, 144a; cha chuvueta : cod. SGalli 299 
p. 33 ; im 13. Jh. : ca monedula : H. S. III, 17 : cod. Darmstad. 6, 23b, 
ka: cod. Oxon. Jun. 83, 4, cha : Ahd. Gll. IV, 184 49 . Der Charakter 
der Handschriften weist die Benennung kä(a) in das mittel- 
fränkische und niederdeutsche Sprachgebiet; hier ist mnd. ka 
öfters belegt, ebenso mndl. cauwe. Heute gelten in den Nieder- 
landen kaum und ka, in der friesischen Mundart ka, in Osnabrück 
Kde (BB. II, 225), im Münsterkreise Hillekan und Hülekane 2 (zu 
Hille für Hilde 'Heuboden'), in Hessen Kaeje z (in der Bedeutung 
'Elster* "im Kreise Hünfeld, bei Vacha, Heringen und weiter"). 
Im Anhalter Dialekt heißt die Dohle Schneekäke*, das wohl = ndd. 
kä(e)ke (bei Gesner S. 504 Kaycke und Gacke als sächsische Worte) 
ist. Unsicher ist, ob altmärkisches Kauk'°, helgoländ. Kauk 6 , 
preuß. Kawke 7 aus den slavischen Sprachen stammen (poln. kava, 
kavka, czech. kavka) oder ob die slavischen Worte als germanische 
Entlehnungen zu betrachten sind. Bereits im Lübecker Schul- 
vokabular v. J. 1511 findet sich die Form Kauke s (vielleicht 
= *Käiveke). 

In den verwandten germanischen Idiomen finden sich 
Dohlennamen, die an andd. käa anklingen : dän. ka (selten), norweg. 
kaie, seh w ed. kaja, nordmittelengl. kaa, ka (auch coo, co), ne. 
dial. kae, ka', engl, caddaw, cawdaw ist ein Kompositum aus 
ca + daw ebensowie jack-daw, niederd. Krei-Ahlke. Die eng- 
lischen Worte werden im NED. Y, 648 für Entlehnungen aus dem 
Nordischen angesehen; bei den nordischen Namen ist jedoch die 
Möglichkeit der Entlehnung aus dem Niederdeutschen nicht aus- 
geschlossen. — Nach Körting Et. Wb. 3 S. 568, Hatzfeld-Darmesteter 



1 Da die Dohle, wie der Sittich, ein redebegabter Vogel ist, erklärt 
^ich die Glossierung des Wortes psittacus mit cda. 

2 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 85. — 3 Vilmar 190. 
4 Naumann-Hennicke IV, 79. — 5 Danneil 97. 

6 Frommann D. Mundarten III, 32. — 7 Frischbier I, 350. 

8 Jb. f. ndd. Sprachf. XVI, 113. 



Dohle, corvus monedula ; lycus monedula. 189 

1, 433 ist ndd. käa (randl. kauwe) als Grundwort für afrz. choe 
1 Alpenkrähe' ' und frz. chouette 2 r Döhle' zu betrachten. 

Der angelsächsische Name c<fo, eib, des Sievera Ags. Gramm. 1 
§ 114, 2 auf eine Grundform *cf-6* (in den Kpinuler-Krfurter 
Glossen c%ae, aae) zurückführt, hängt mit den vorhin be- 
sprochenen Ausdrücken nicht direkt zusammi'ii. Man hat wohl 
darin eine selbständige Dialektbenennung zu sehen, welche dem 
kjäh-Rufe des Vogels nachgebildet ist. 

In Niederdeutschland werden die Dohlen an manchen 
Orten mit Personennamen benannt, welche zu völligen Appellativ- 
benennungen geworden sind. Bereits im Mittelniederdeutschen 
begegnet Al{l)eke :i (Koseform von Adelheit) als Bezeichnung der 
Dohle; Gesner führt a. a. 0. S. 503 Aelke als sächsischen 
Ausdruck an. In Göttingen und Grubenhagen ist Äleke, Alice* 
f. die übliche Benennung des Vogels. In Altmark heißt er 
Klaos b , in Lübeck Klas 6 (aus Nicolaus). Auch Hannckin\ das 
Gesner a. a. 0. 504 als die in Flandern vorkommende Benennung 
der Dohle bezeichnet, ist eigtl. ein Personenname, das Deminu- 
tivum von Hann für Johann ; in Elsf leth kommt das Kompositum 
Hannekä* vor. Im Elsaß werden die Raben Hansel genannt. 

Auffällig ist als Dohlenname das Wort Wachtel, welches 
Gesner aus der Gegend um Rostock kennt und das durch Nemnich 
PoLyglottenlexicon I, 1245 bestätigt wird. Preußische Dialekt- 
ausdrücke sind Kollatz und Bijacke f. sowie Litauer 9 . 

Teils wird die Dohle in den lautmalenden Namen mit ein- 
begriffen, welche von Krähen und Raben gelten, so z. B. in den 
schweizerischen Ausdrücken Gägg und Gwdgg 10 . Schon Gesner 
kennt Graacke im vSinne von Dohle. 



1 Vgl. Zs. f. roman. Phil. XVI. 520. 

2 Vgl. chuvueta in Cod. SGalli 299 p. 33. 

3 Aus dem Niederdeutschen sind dän. allike, schwed. alika in 
Schonen) entlehnt. 

4 Schambach 6.-5 Danneil 103. 

6 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 83. 

7 Bei Junius Nomenciator (1581) S. 57 b wird der Name Hanneken 
geschrieben. 

8 Häpke Volkstümliche Tiernamen S. 303. 

9 Frischbier I, 83. 404. — 10 Staub-Tobler II. 164. 843. 



190 Alpendohle, corvus pyrrhocorax oder pyrrhocorax pyrrhocorax. 

Alpendohle, corvus pyrrhocorax oder pyrrhocorax 
pyrrhocorax. 

In zwei alten St. Gallener Handschriften aus dem 8. und 
10. Jh. (cod. SGalli 913, 203 und cod. SGalli 242, 248 a) findet 
sich die Glosse caha cornicula, Dieses Wort darf nicht mit dem 
niederdeutschen Namen kd verwechselt werden ; die weitere 
Geschichte des Wortes lehrt, daß es sich hier um eine Dialekt- 
benennung für die in den Schweizer-Alpen wohnende Alpen- 
dohle handelt. 

Im 14. Jh. ist der Ausdruck in der Glosse tul vel cach 
in fol. Stuttg. (Versus de volucr.) zufällig belegt. Gesner erwähnt 
ihn (Hist. avium S. 509) in der Zusammensetzung Alpkachlen (Plur.), 
welche ihm aus der Umgebung von Glarus als Bezeichnung 
der Alpendohle bekannt ist. Aus den heutigen schweizerischen 
Mundarten bezeugen Stalder Id. II, 80 Kächli und Staub-Tobler 
Id. III, 120 Schnechächli in derselben Bedeutung ; einfaches 
Chäch kommt im Sinne von 'Häher' vor. — Der Name *kah-ö(ri) 
gehört zum selben Stamme wie mhd. kacheln, ahd. cahhezen 'laut 
Jachen' usw. und schließt sich an die vielen Benennungen von 
rabenartigen Vögeln an, welche sich auf die Stimme derselben 
beziehen. Mittelengl. choge, ne. chongh 'Alpenkrähe' ist mit dem 
deutschen Worte nicht direkt verwandt. 

Der schweizerische Ausdruck ist in der mittellateinischen 
Form caccula einmal belegt, s. Du Cange II, 11. 

Turner Avium hist. (1544) S. E 5b unterscheidet die Alpen- 
dohle von der gemeinen Art als Bergdöl, ebenso machen Eber 
und Peucer Vocab. (1552) S. F lb einen Unterschied zwischen 
den Berckdalen und vnferen Baien. Gesner nennt a. a. O. S. 507 
mehrere Synonyma aus den schweizer. Mundarten. Außer Alp- 
kachlen sollen die Vögel in Glarus auch Wilde Tulen genannt 
werden, in Wallis Alprapp (Alpenrabe), bei den Kätiern Beenen, 
anderwärts Steinhetzen (zu Hetze 'Elster'). Nach Staub-Tobler Id. 
IH, 805 heißt die Alpendohle in einigen Gegenden der Schweiz 
Alp-Chräje, Berg-Chräje, Schne-Chräje, nach Stalder Id. s. v. 
Schneetahe. Auch in Steiermark sind die Vögel unter den Namen 
Almdahe, Schneedahe und Steindahe 1 bekannt. 



1 Unger-Khull 16. 551. 572. 



Bister, (<>i uis pica. 191 

Gesner (s. 503) kennt den Ausdruck Steiniahe aus Baien 
als Bezeichnung der Alpenkrähe (corvus graculus, pyrrhocorai 
graculus); dieser Vogel soll bei den Rätiern mit dem Namen 
Taha verstanden werden, während dir gemeine Dohle hier Tulla 
genannt wird. An der tiroL-kärntischen Grenze wird die Alpen- 
krähe Täglästrr x (eigl. "Dohlenelster', zn Tage Dohle') genannt, 
im Obcrinntal Tarha, Schnratächa 1 . - I)i<- THrgkra bei Hau. Sachs 
im Regim. der Vögel (1531) V. 227 ist entweder die Alpendohle 
oder die Alpenkrähe. 

Elster, cor vus pica. 

Ahd. agalstra: Sg. Nom. — dgahtra pica'-: Anhang /.. alten u. 
neuen Testam. : Clm. 14747, 96b. agalstra: Clm. 14747 f. «Ha. cod. 
SGalli 299, 26. cod. SGalli 242, 248a. cod. Berol. Ms. lat. 8<>73, 123h. 
cod. Parisin. 9344 f. 42b. Carmen de Philomela 33: cod. Vindob. 
247, 223a, cod. mus. Britann. Add. 16894, 245c. gaia: 611. Salomon. 
a 1: cod. Admont. 3, 148a, Clm. 17152, 66a, cod. mon. s. cruc. 17, 
101a, cod. Zwettl. 1, 70a, über impressus 84a, piales : Clm. 17152, 
119a^ pica: Gll. Salom. c: cod. mus. Brit. Add. 18379, 121b. Versus 
de volucr. : cod. mon. herein. 239 p. 784. picu^. unus deorum spfhi 
( ) pica dicitur : Prudent. Contra Symmachos 1, 234 : cod. Parisin. 
nouv. acquis. 241, 165a, Clm. 14395, 171b; agalastara: cod. Prag. 
VIII H 4, 65 a. aga, i«stra graia : * : cod. Vatic. Reg. 1701, 2 b. hehera 
agalastra*: Clm. 14689 f. 47a. agalastra gaia: Gll. Salom. a 1 : Clm. 
22201, 64e, agalestra piales: cod. mon. s. cruc. 17, 164b, cod. Zwettl. 
1, 126a. agalstera: H. S. XI d : cod. Florent. XVI, 5, 110b. ag>htra: 
e: cod. princ. de Lobkow. 435, 25b. piales: Gll. Salom. a. 1: lib. im- 
pressus 160b. Versus de volucr. : cod. Vindob. 85, 42 b. Clm. 23496, 
10a, agilstra: cod. Admont. 106, cod. Admont. 476, cod. Stuttg. th. 
et phil. 210, 135a, cod. Stuttg. th. et phil. 218 f. 22b. cod. Sei 
f. 109b. gaia: Gll. Salom. al: cod. mus. boh. Prag. 126b, piales: 
Clm. 17403, 126a. egelstere: cod. Oxon. Jon. 83. 4. agelestra: H. S. 
III, 17: Clm. 2612, 34a, XI g: Clm. 17151, 17c, Clm. 17153, 60a, 
Clm. 17194, 203, egelestra: a 2: Clm. 2612, 81a. agelstere: cod. 
Vindob. 2400, 112a, agelstre: III, 17: cod. Vindob. 2400, 41b. age- 
leistera : Versus de volucr: Kölner Doppelbl., agehtir: Clm. 614, 31b, 
agelsturr: fol. Stuttgart, agelster: cod. Vindob. 804 f. 185b.H.S.XI a2 
cod. Graec. 859, IIa, aglestera: b: cod. Admont. 269, «2a. aglas- 
tra gaia: Gll. Salom. a 1: Clm. 13002. 62c, aglistra piales: Clm. 



1 Frommann D. Mundarten IV, 53. 55. 

2 pica nicht biblisch (Steinmeyer). — 3 1. gaia (SteinmeyerV 
4 agalastra von zweiter Hand unter hehera (Steinmeyer). 



192 Elster, corvus pica. 

22201, 123e, Clm. 13002, 117c, aglister gaia: cod. Vindob. 2276, 71c. 
aglistre: cod. Mellic. K 51, 242, agilst* : Clm. 4660, 56a, aglest« : cod. 
princ. de Wallerst. I. 2 (Lat.) fol. 21, 175b, cod. Vindob. 1118, 79b, 
aglaster: Clm. 3537, 330b, agerlasf ': cod. Gott. Luneb. 2 f. 181 ab, 
agerlust': Clm. 11481, 82b, algester: Clm. 17194 f. 221b, allster: 
cod. Admont. 759, 55b, alster: cod. Oenipont. 355, 14b, cod. Vindob. 
1325, 106b, Cgm. 649, 526b, cod. Vindob. 3213, 116b, alst*: Clm. 
19488, 121a, Clm. 4350, 3a. H. S. III, 17: Clm. 23796, 173a. allster: 
cod. Vindob. 901, 26a. alstlra gaia : Gll. Salom. a 1 : Clm. 17403, 71h. 
alstra: H. S. III, 17: cod. Darmstad. 6, 24a. aq einst : Versus de 
volucr. : Clm. 22213, 163a, agelst: fol. Francofurt., agilst : fol. sem. 
theot. Gotting. Müller I, 6, agilst" : cod. olim Argentor. A. 157. agel, *st a : 
H. S. III, 17 : cod. sem. Trevir. 31, 14b, algerlst: cod. mon. herm. 171, 
23, algerlst" ': fol. olim. Heidelberg, aglstra : cod. sem. Trevir. R. III. 13, 
108a. agalstra: cod. sem. Trevir. f. 112b, agestra: cod. Guelpherbyt. 
Aug. 10. 3. 4o f. 89a. aglst: Versus de volucr.: cod. Zwettl. 293, 25a. 

Der Name der Elster erscheint in den angeführten Glossen- 
handschriften in zahlreichen Varianten, welche in der weiteren 
Sprachentwicklung sich noch vermehren. In einem ausführlichen 
Aufsatz in KZ. XXXIV, 344—380 hat Bruinier die einzelnen 
Namensformen zusammengestellt und dabei eine Fülle von Beleg- 
material zusammengetragen, aber in seiner Beurteilung des Stoffes 
dürfte der Verfasser oft nicht das Richtige getroffen haben. 

Die überlieferten althochdeutschen Belegformen lassen 
sich auf zwei Grundformen agalstra und agastra zurückführen, 
von denen die erstere die normale althochdeutsche Benennung 
ist, während die letztere auf mittelfränk.-niederfränk. Gebiet ihre 
eigentliche Heimat hat. Daß wir es hier mit bereits erweiterten 
Namensformen zu tun haben, beweist das einmal belegte angel- 
sächsische Synonymon agu bei Wright-Wülcker I, 132 n . Auf 
dem Kontinent ist die Kurzform in einer deutschen Glosse über- 
liefert, die nicht ganz frei von dem Verdachte angelsächsischen 
Ursprungs ist: aga picus spect'. inde pica: cod. Bruxell. 10072 f. 
88 b (Ahd.Gll.IV,228 3 ); doch scheint die aus dem 14. Jh. stammende 
Glosse age pica in Clm. 14745 f. 82 c der Versus de volucribus 
für kontinentales Weiterleben des Wortes zu sprechen. Dazu die 
Erweiterung agazza in der Glosse pica. X agaza 1 agilst in cod. 
Florentin. XVI, 5, 141a aus dem 13. Jh. 



1 z aus h korrigiert (Steinmeyer). 



Rliter, eornu pica 193 

Die Geschichte des westgerm. Namens *0£-d ist noch un- 
aufgeklärt. Bruiniers Meinung, dafl das Wort eine Ableitung von 
genn. *agan 'sich fürchten' sei und daß die Bister eigtl. als 
'die scheue* aufgefaßt worden «rare, iai nicht sehr wahrschein- 
lich; auch läßt sie sich nicht gut in Einklang bringen mit den 
semasiologischen Gesichtspunkten, welche sich bei Benennung 
von Vfcgeln geltend machen. 

In den skandinavischen Sprachen wird die Elster mit in- 
ternen Benennungen benannt Schon im Altnordischen bezeugt 
ist der Ausdruck skj<h\ woraus norweg. skjor, skjjsr neben skjeere 
= schwed. dial. sker, skära. Eine sichere Deutung des Namens 
fehlt. — Eine synonyme Benennung ist dän. skade, schwed. tkata, 
die bei Falk-Torp Et. ordb. II, 167 mit Rücksicht auf den langen 
spitzen Schwanz des Vogels zu schwed. skate 'hervorstechende 
Spitze' gestellt wird. 

Von den erweiterten Formen, in welchen der westgerma- 
nische Elstername sich in spätere Perioden hinein erhalten hat, 
zeigt ahd. agaza ein noch nicht ganz aufgeklärtes Suffix, welches 
auch im ahd. amirzo, *amirza (Schweiz. Emmeritze) vorhanden ist. 
In dieser Form haben die romanischen Sprachen den deutschen 
Vogelnamen übernommen : af rz. nfrz. agace und ital. gazza 'Elster' 
(dial. agassa, agazza, s. Tommaseo und Bellini Dict. s. v.); die 
mitte) lat. agazia und aigatia bei Du Cange I, 139 c, 154 c sind in 
ganz späten Belegen überliefert. Das französische Wort liegt den 
englischen Synonyma haggess, haggiss zugrunde, s. NED. V, '20. 

In der vollen Lautgestalt ist das vereinzelte ahd. agaza 
später nicht nachweisbar. Aber in der heutigen schwäbischen 
Dialektbenennung Hetze wird man trotz der Behauptung von 
Fischer Wb. I, 115 eine Fortsetzung von ahd. *agiza zu sehen 
haben; Bruiniers Annahme, daß hier eine Koseform von hehara 
vorläge, ist unwahrscheinlich. 

Neben ahd. agaza ist also eine Form *agiza mit i als Binde- 
vokal wie im ahd. *amin'za (Schweiz. Emmeritze) anzunehmen. 
Darauf beruhen Hätz bei Pinicianus Prompt. (1516) S. C 2b, 
Hetz in Bracks Vocab. (1495) S. 49 a, im Auszug von Pinicianus 
Prompt. (1521) S. C 4b, Hetze im Strassburg. Vogelb. (1554) V. 
270 usw. Das anlautende h in Hetze (*egeze) ist sekundär wie in 

Suoluhti, VogeliKinu-n. !•' 



194 Elster, corvus pica. 

Hemmerling für Emmerling. Nach Fischer a. a. 0. gilt Hetze heute 
auf dem schwäbischen Gebiete nördl. vom obersten Neckar, Saal- 
gau (Scheer), Biberach bis in den äußersten Norden des Landes. 
Um die Donau bis Ehingen und am oberen Neckar bis Rothen- 
burg wird eine Namensform Nagelhetz (sporadisch dafür auch 
Adelhetz) angewendet, welche man mit Fischer für eine Konta- 
mination von Agelster und Hetz anzusehen hat; das Anlauts-n 
ist sekundär wie in Nigoivitz neben Igowitz (vgl. S. 114) und 
sonst öfters. 

Aus einer erweiterten Form *agazala ist, wie Kluge Et. 
Wb. 6 s. v. Elster bemerkt hat, die heutige Namensform Atzet 
entstanden ; nach Bruiniers Ansicht wäre auch diese eine Kose- 
form (von agd). Die Zwischenstufe, welche die seit dem 15. Jh. 
öfters bezeugte erleichterte Form Atzel mit der hypothetischen 
ahd. Grundlage verbindet, ist ackzel 1 in einem Dict. lat.-germ. 
(Mainz) des 15. Jhs. Auf *agizala beruht mhd. etzelein in den 
Sieben Meistern 91, 24 2 . — Nach Popowitsch Versuch (1780) S. 35 
ist Atzel die in Hessen, im Elsaß und in der Wetterau übliche 
Namensform. Im Süden reicht diese bis in die Schweiz hinein, 
wo sie als aargauisches Atzle selten, aber in den Formen Hatzle, 
Hätzle (auch Häxle) z mit unorganischem Anlaut als Bezeich- 
nung des Hähers weiter verbreitet ist. Über das Elsaß 4 , die 
Pfalz 5 , Hessen-Nassau 6 , Westerwald und Wetterau erstreckt sie 
sich an den Ufern des Rheins bis nach Waldeck und Kassel 
im Norden, vgl. Bruinier S. 353. In Kurhessen wird Atzel nach 
den Angaben von Yilmar Id. S. 18 im Fuldaischen, im Haun- 
grund und sonst einzeln im Osten angewendet, im Schmalkal- 
dischen 7 sowie in Göttingen und Grubenhagen 8 ist das Wort 
nur in übertragener Bedeutung vorhanden. Nach Preußen, wo 
Atzel von Frischbier Wb. I, 34 verzeichnet wird, ist es — wie 
Bruinier vermutet — von den Auswanderern gebracht worden. 

Für die althochdeutsche Normalform agalstra gibt Bruinier 



1 Diefenbach-Wülcker Wb. S. 36. — 2 Bruinier a. a. 0. S. 354. 
3 Staub-Tobler II, 1881. — 4 Martin-Lienhart I, 86. 

5 Heeger Tiere im pfälz. Volksmunde II, 10. 

6 Kehrein 50. — 7 Frommann D. Mundarten VII, 139. 
8 Schambach 14. 



Bister, corvus pica. 195 

eine eigentümliche Erklärung. Von der Variante alster ausgehend, 
konstruiert er eine Urform a/ltxtm, welche mit althochd. alacra 
'mergulus' und griech. üXkuwv 'Eisvogel* zu einer Wurzel *alk- 
'schillernd glänzen* (altind.arc 'strahlen (gehöre. Die Form agalstra 
sei aber ein Kompositum *ag-alh8tr6 'der scheue Schillervoger. 

Diese Etymologie, welche die alid. (ilosse alucni Unrichtig ver- 
wertet, nuil) als gänzlich verfehlt bezeichnet werden. 

Wie agaza, so ist auch agalstra eine Erweiterung von aga, 
wo zwei verschiedene Suffixe, -l- (vielleicht in deminutiver Be- 
deutung) und -(i)strjÖH (wie im ags. hulfestre (neben huilpe) und 
vielleicht im andd. listera 'Amsel') zu erkennen sind. Die durch 
Häufung der Suffixe und Schwund des unbetonten Mittelvokals 
entstandene schwere Konsonantenverbindung ist bereits in alt- 
hochdeutscher Zeit in verschiedener Weise erleichtert worden, 
so daß mehrere Lautvarianten entstanden sind, welche in den 
Mundarten sich bis in die Neuzeit hinein verfolgen lassen. 

Von diesen wird Aegerft bei Gesner Hist. avium S. 666 
als schweizerisch bezeugt; in Staub-Toblers Schweiz. Id. I, 125 
wird sie mit einer Menge anderer mundartlicher Varianten an- 
geführt. Im Elsaß läßt sich nach den Angaben von Martin- 
Lienhart Wb. I, 21 Ägerste nordwärts bis in die Nähe von Colmar 
verfolgen; auf dem schwäbischen Dialektgebiet wird der Ver- 
breitungsbereich dieser Namensform von Fischer a. a. 0. an die 
obere Donau bis nach Sigmaringen im Osten verlegt. Von hier 
ab östlich in Oberschwaben, Allgäu, Bairisch-Schwaben und an 
der Donau unterhalb Sigmaringen und Südhang der Alb herrscht 
die Lautform Kägersch, deren k man vielleicht aus onomato- 
poietischer Umbildung erklären darf. 

Die Variante alster (aus aglster) erscheint schon in bairisch- 
österreichischen Handschriften des 12. Jhs. und ist auch heute 
die bairisch-österreichische Namensform geblieben; im Norden 
reicht sie in das Schmalkaldische und kommt als Galalsder l in 
Thüringen (Brotteroda) vor, in Göttingen und Grubenhagen ist 
Alster 2 selten. Neben der kontrahierten Form finden sich in 
Steiermark die volleren Aglaster, Aglister, Agalster :? ; aus der 
letztgenannten hat sich wohl Galster 3 (im Anschluß an Gaht 

1 Hertel 89. — 2 Schambach 8. — 3 Unger-Khull 13. 264. 

13* 



196 Elster, corvus pica. 

'Lärm, Geschrei') dadurch entwickelt, daß der Mittel vokal einen 
stärkeren Ton an sich zog und den anlautenden Yokal stumm 
machte. In Schlesien wird nach Weinhold Beitr. zu einem 
schles. Wb. S. 5 Agldster, Master 1 betont, ebenso tirol. Agldster 2 . 
In Kärnten lautet der Name Agälster, Aglester, Agläster'*, im 
Erzgebirge Alastr 4 . — Neben diesen Namensformen kommen in 
einigen Gregenden auch auffällige Varianten vor. Aus dem 
Anhalter Dialekt führt Popowitsch Versuch (1780) S. 35 Scha- 
laster, aus dem Glazischen und aus Großglogau Schulaster an. 
Weinhold a. a. 0. nennt Schuldster aus Schlesien ; weiter ist diese 
Form in Siebenbürgen 5 vorhanden. In Schlesien (und der Ober- 
lausitz 4 ) finden sich auch die Namensformen Schuldster, Schö- 
laster 6 ; in Böhmen Schalaster 5 . In Deutschungarn und Posen 
kommt eine Form Tschokalaster oder Tschögelester (vgl. Tsclwi 
'Häher' S. 201), in letztgenannter Gegend auch Schagaster vor 5 . 
— Die Komposita Alsterkddl 7 in Preßburg, Schirigadl 8 in Tirol 
und Galsterkatel 9 (in übertragener Bedeutung) in Steiermark sind 
mit der Koseform des Eigennamens Katharina gebildet, ebenso 
wie die Vogelnamen Rotkdtel 'Rotschwänzchen' und Schneekater 
'Ringdrosser. Der steirische Ausdruck TratschkateP gehört zum 
Verbum tratschen 'schwatzen', die Synonyma Tschaderkatel f., 
Tschadel f., Tschaderer m. in derselben Mundart gehören mit 
dem schallbildenden Verbum tschadern 'rauschen, plätschern" zu- 
sammen ; weniger durchsichtig ist Goister 9 f. in Oststeiermark. 
Die schriftsprachliche Namensform Elster ist die sächsische 
Lautform, welche im 16. Jh. bei Eber und Peucer Vocab. (1552) 
S. F 6 a belegt ist ; nach Bruinier ist sie auch in den Mundarten 
von Hessen, Thüringen und der Wetterau heimisch. Wahrschein- 



1 Die Variante Algarte, die Bruinier nach Naumann II, 101 an- 
führt und mit Eisengart 'Eisvogel' vergleicht, ist schon bei Schwenkfeld 
Ther. Sil. (1603) S. 333 verzeichnet. Sie beruht wohl auf ahd. *algastra 
(im 12. Jh. algerist). 

2 Schöpf Id. s. v. — 3 Lexer Kämt. Wb. S. 84. 

4 Kluge Et. Wb. 6 s. v. Elster. 

5 Vgl. Bruinier a. a. 0. S. 355. 367. 

6 Mitteilungen der schles. Gesellsch. f. Volkskunde Heft XIX, 82. 

7 Frommann D. Mundarten VI, 181. — 8 Zs. f. d. Phil. XXI, 208. 
9 Unger-Khull 164. 178. 264. 298. 



Klst.T. corvus pica. W7 

lieh hat sich diese Variante ans ahd fgüistra i eglstra) ent- 
wickelt, wie Alster aus ahd. agalastra. 

An den althochdeutschen T^pus agdUtora mit seinen Varian- 
ten schließt sich in Niederfranken and Niederdeutschland die 
Form agastra\ agistra an, wo «las Suffii -(a)strj6n : -(i)strj(m 1 
direkt an den stamm *ag-(6) angetreten ist. Anfiel der Glosse 
agistra in der Trierer und der Wolfenbüttler Handschrift be- 
gegnet in *1* i älteren Periode asächs. agastriun (= pice) in 
den Straßburger Glossen. Im weiteren Verlaufe der Sprachent- 
wicklnng erscheinen neben mndl. eestre^ ankster, mnd. egester, 
exter auch die Lautformen hegester : heister mit anorganischem /* 
wie in Hefeg und Hämmerling. J)a die niederdeutschen Namen 
wie die Bezeichnungen der Elster überhaupt — auch für den 
Häher verwendet werden, ist es wohl möglich, daß das Anlauts-// 
durch mnd. heyer beeinflußt worden ist; Bruinier nimmt eine 
Kompromißform von Heyer und Agastra an. 

Heute findet man auf niederländisch -niederdeutschem 
Sprachbodeu die Formen mit und ohne h neben einander: nndl. 
Ekster, ostfries. Äkster, Häkster (Akster, Heister, Hester) % in 
Recklinghausen Jäkster 3 , westfäl. Ekster 'Elster', Hisilater 4 f. 
'Häher'; auf Helgoland 5 , in Holstein r \ Angeln 7 , Ditraarschen 7 . 
Lübeck 8 , Mecklenburg 9 Heister, in letztgenannter Gegend ebenso 
wie in Altmark 10 auch Hester, Häster, in Pommern Haster \ in 
Preußen Heister, Heiyster, Higster, Häster, Heisker 11 m. ; in Göt- 
tinnen und Grubenhagen berühren sich ndd. Ekster und Hekster 1 * 
mit den hochdeutschen Formen Alster (und Atzel\ welche hier 
jedoch selten sind. — Die preußische Dialektbenennung Spach- 
heister, Spochheigster (vgl. Frischbier Wb. IL 345) ist nicht recht 
deutlich. Es scheinen darin zwei verschiedene Ausdrücke kon- 



1 Vgl. Kluge Stammbildung 2 § 48 ff. 

2 Doornkaat-Koolman Ostfries. Wb. I, 20, Jb. f. ndd. Sprachf. XI. 111 

3 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVII, 5. 

i Woeste 66 und 101 f. — 5 Frommann I). Mundarten III, 32. 

6 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVII. 2. 

7 Kluge Et. Wb. 6 s. v. Elster. 

8 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 84. 

9 Schiller Zum Tierbuche I, 9. — 10 Danneil 80. 
11 Frischbier I, 283. — 12 Schambach 55. 



198 Eichelhäher, corvus glandarius. 

taminiert worden zu sein. Vielleicht lautete der Yogelname 
eigentlich Sprachheister (Schwatz -Elster), wie das Yerbum 
sprachheistern 'lästern' vermuten läßt. Bruinier will auch dieses 
Dialektwort aus *speg- 'schillern' als den 'Schillervogel' erklären. 

Aus der Mundart von Fallersleben wird in Frommanns 
D. Mundarten Y, 291 der Ausdruck Schare f. als Bezeichnung 
der Elster angeführt. 

In Hessen wird die Elster in einigen Gegenden mit den 
lautbildenden Namen Kaeje, Kaeke, Käke bezeichnet, die eigent- 
lich Bezeichnungen der Dohle sind. In Luxemburg heißt die 
Elster Krei> f. (= Krähe) oder Krek f. (vgl. oben S. 181). 

Eichelhäher, corvus glandarius. 

Ahd. hehara: Sg. Nom. — speth. £/£e&am picus :cod:SGalli 299, 
26. hehara: cod. SGalli 242, 248b. pica: Gll. Salom. a 1. orix 2 : Ver- 
sus de volucr. : cod. Vindob. 85, 42 b. atacus: Leviticus 11, 22: cod. 
Vindob. 2723, 18b, cod. Vindob. 2732, 22b, hehera: Clm. 18140, 14a, 
Clm. 14689, 38a; cod. Stuttg. theol. et phil. fol. 218, 13c; hehera: 
Anhang z. alt. u. neuen Testam. : Clm. 14747, 96b. hehera perdix. 
auis similis colore pico spehte al: Regum I, 26, 20: Clm. 19440, 
105. gagis: cod. Vatic. Reg. 1701, 2b. orix: Versus de volucr. orix. 
J glandare: H. S. III, 17, attacus: XI a2. b, picus : b. cod. Selestad. 

f. 109b. pica: Gll. Salom. a 1, attacus auis : d : Clm. 23496, Id. hehera 
agalastra 3 pica: Clm. 14689 f. 47a. hehera. t. uel ut quidam uolunt 
hiumbel attacus : H. S. XI e, hehera t hümel : g, speht t hehera picus : 

g. hehar attachus : Leviticus 11, 22: cod. Gotwic. 103, 49b, wehir: 
Clm. 13002, 219b, heher: Clm. 22201, 238b. orix: Versus de volucr. 

Als Bezeichnung des Eichelhähers ist der Ausdruck Häher 
m den westgermanischen Sprachen verbreitet. Dem ahd. hehara 
entsprechen mit grammatischem Wechsel mnd. heger (zuerst in 
der Glosse hegher (= graculus) in cod. Cheltenham. 7087, 144a 
belegt) und ags. higre (higora)^. Der angelsächsische Name wurde 

1 Wb. d. Luxemburg. Mundart 244. 246. 

2 Das Lemma orix ist wohl nicht mit Diefenbach-Wülcker Wb. S. 644 
s. v. Häher als ortyx (d. h. <5pxu£ "Wachtel') aufzufassen, sondern als lat. 
oricus = loquax (Corp. Gll. lat. VII, 31) zu os 'Mund' ; der Häher ist also 
der Schwätzer wie im lat. Lemma garrulus die Dohle. 

3 agalastra von zweiter Hand unter hehera (Steinmeyer). 

4 Whitman The Birds of Old Engl. Lit. XXV, 1 gibt unrichtig die 
Bedeutung als 'Specht' an. Das Lemma picus ist mehrdeutig, aber gaia 



Eichelhäher, corvüfl glandarins. 198 

in mittelenglischer Zeit 7on dem altfraozösischen Worte gai,jcti 
(ne. jay) verdrängt, das auch ins Mittelniederländische als gay 
(nndL ^aat) eindrang. Die skandinavischen Dialekte haben 

für den westgermanischen Eähernamen jüngere einheimische 
Bildungen : schwed. */:>■//>■</ {nötskrika\ norweg. skrike (zom Verbum 
tkrika "schreien'). 

Ziemlich allgemein gilt der westgermanische Vogelname 
"h< : har-ö{n): *hig{u)r-6n als urverwandt mit griech. icicca (*MKia) 
"Häher* und altind. Mki(-div%) 'der blaue Bolzhäher*. Aber ab- 
gesehen davon, daß das altindische Wort streng lautgesetzlich 
nicht zum griechischen stimmt 1 , bleibt bei der Znsammen- 
stellung dieser Worte mit dem germanischen Vogelnamen der 
stammauslautende Konsonant im letzteren unberücksichtigt 
Dagegen stimmt die westgermanische Benennung in ihrer Bil- 
dungs weise vollständig überein mit den altnordischen Reiher- 
namen here {*heharo) und hegre, welche mit dem gleichbedeu- 
tenden ahd. heigaro durch Ablaut verbunden sind, und dieses 
kann von ags. hrägra nicht getrennt werden. Die zweifache 
Bedeutung, welche in diesen mit einander zusammenhängenden 
Namensformen zutage tritt, erklärt sich aus dem onomatopoie- 
tischen Ursprung derselben. Sowohl der Reiher wie der Häher 
sind nach ihrem rauhen Geschrei benannt worden, und der 
gemeinsame Name wird etwa *kraikr- *krikr- gelautet haben. 
Der Ausfall des erste ren r-Lautes, der die nordischen Benen- 
nungen und die althochdeutsche Parallelform heigaro neben 
reigaro geschaffen hat, ist dissimilatorischer Art gewesen-'. Der 
gebrochene Stammvokal in anord. hegre ist vielleicht analogisch 
eingeführt nach der Parallelform hehara, anord. here, wo die 
Brechung vor h als lautgesetzlich gilt. 

Während das schriftsprachliche Häher die regelmäßige Fort- 
setzung von ahd. hehara ist, in welchem die Kürze des Stamm- 
bezeichnet den Häher. Entscheidend ist die Stelle in den Rätseln 85, wo 
Higora als Nachahmer von verschiedenen Vogelstimmen dargestellt wird. 

1 Vgl. Brugmann Grdr. 1-, 57ii. 

2 Osthoff PBB. XIII, 415 erörtert die Gründe, welche die Dissimilation 
haben hervorrufen können; doch läßt sicli wohl die sporadische Erleichte- 
rung des Lautkörpers auch ohne weiteres aus dem onomatopoietischen 
Charakter desselben begreifen. 



200 Eichelhäher, corvus glandarius. 

vokals u. a. aus mhd. Keimen hervorgeht 1 , finden sich in einzelnen 
Mundarten auch kontrahierte Formen, die schon im Althoch- 
deutschen bezeugt sind. Bereits im 9. Jh.: hera tragis 2 : cod. Pa- 
risin. 12269 f. 58b; im 12. Jh.: hera Versus de volucr.: cod. mon. herem. 
239 p. 784 {hera fol. Francof., 14. Jh.); im 13. Jh.: heera: cod. Oxon. Jun. 
83, 4, hera: H. S. III, 17: cod. Darmstad, 6, 24a. Die kontrahierten 
Namensformen kommen heute in der Schweiz als Her m., Here 
f. und Herenvogel 3 vor. 

Diese Lautformen wurden volksetymologisch mit Hör 'Herr* 
in Zusammenhang gebracht, und dadurch entstanden die Neben- 
formen Herre (im Strassburg. Vogelb. (1554) V. 270) und Herren- 
vogel, die Gesner Hist. avium (1555) S. 673 aus Freiburg (in der 
Schweiz) kennt. Heute wird der Ausdruck Herrenvogel von 
Martin-Lienhart Wb. I, 100 aus Dehlingen im Elsaß angeführt; 
auch im badischen Oberlande (z. B. in Freiburg im Breisgau) 
ist er der übliche Name des Yogels und kommt auch in der 
westlichen Pfalz 4 vor. 

In Glarus (in der Schweiz) hat die kontrahierte Namensform 
Herenvogel einen gutturalen Vorschlag erhalten, so daß hier Geren- 
vogel z gesagt wird. Auch in Mitteldeutschland kommt dieselbe Er- 
scheinung vor; denn thüring. Ker'° muß auf Her beruhen, ebenso 
wie osthess. Kere' (an der Werra) auf Here und schmalkald.Za'Aer 6 
auf Häher; vgl. schwäb. Kägersch für Ägersch 'Elster' S. 195. 

Der Übergang des mhd. höhere (ahd. hehara) in das mas- 
kuline Geschlecht, das nicht nur in der Schriftsprache sondern 
auch in den meisten Mundarten vorkommt, ist zuerst im Jüngeren 
Titurel (Ed. Hahn S. 202) Y. 2031 sicher bezeugt. Die Geschlechts- 
veränderung wurde dadurch veranlaßt, daß der Name nach 
Schwund des unbetonten Auslauts-e sich an die vielen mas- 
kulinen Nomina agentis auf -er anschloß. Neben dem einfachen 
Hähernamen kommen in einigen Landschaften auch zusammen- 

1 Bei Wolfram v. Eschenbach Willehalm (Ed. Lachmann 6 ) 407, 10: 
heher : sweher. 

2 Die Bedeutung der Glosse wird sichergestellt durch ags. higrae 
ass traigis bei Wright-Wülcker Vocab. I, 52 7 . 

3 Staub-Tobler I, 693 f. II, 1555. 

4 Heeger Tiere im pfälz. Volksmunde II, 10. — 5 Hertel 132. 
6 Regel Die Ruhlaer Mundart S. 214 und Vilraar 189. 



Eichelhäher, corvna |landahnt. 201 

meiste Namensformen vor. Im Ther. BiL (1603) 8.336 gibt 
Bohwenkfeld Nu* Här als schleeischen Ausdruck; in Steiermark 
MAI der Eichelhäher wegen des kreischenden Geschreis auch 
Xttrhcher 1 (vgl. Zarer, Zarrer 'Misteldrossel'). Ans der Stimme 
des Vogels ist der tirolische Name Korngreggen - und viel- 
leicht auch das Svnnnvinun Grätsch* (in Kärnten A r hr rg ratsch') 

hergeleitet; das letztgenannte Wbrl wird auch für die Bister 
verwendet. Oberhaupt gehen die Namen für Bäher and Elstern 
vielfach in einander über. So hängen z. B. die Ausdrucke HaUrl. 
Haider und Baumhatder, die Gesnera.a.0. 8. « *» T : ; als Namen des 

Eichelhähers anführt und die heute in diesem Sinne in der Schweiz 

weitverbreitet sind, mit den Bisternamen lautlieh zusammen, ?gL 

s. L94. Die Benennung Hürde-' im Aargau, Härzel* im Elsaß (Ob- 
bruck und Boilern) ist vielleicht auf älteres Här- (= Hähm)- 
Hatzel oder Här-Atzel zurückzuführen. Andere lokale Ausdrücke 
ans der Schweiz sind Gertsche 5 f. und Gehvetsch b m. (zu gelte 'gelb^ 
sowie (Heren-)Gägg{el) 6 und Gägsch 5 ] auch in der westlichen Pfalz 
Eerrengäker 1 (vgl. ital. gagia im Kanton Tessin und die roma- 
nische Glosse gagis in cod. Vatican. Reg. 1701). — Kämt. Tschoie- 
und steir. Tschoi* m. stammen aus dem sloven. sola. 

Als schwäbische Bezeichnung für den Eichelhäher erwähnt 
öesner den Ausdruck Jack, der heute an manchen Orten in 
der Schweiz geläufig ist 1 ' und als Jacke 1 im Vorarlberg vor- 
kommt. Ks ist dies eine Kurzform (U^ Eigennamens Jakob 
ebenso wie eugi.jack als Name der Dohle. Da in Frankreich 
Jacques als Name des Hähers sehr weit verbreitet ist, so darf 
man wohl für die deutschen Ausdrücke romanischen Ursprung 
annehmen; allerdings ist auch in Preußen Jäckel 10 die Bezeich- 

1 Unger-Khull 643. — 2 Frommann D. Mundarten IV. 53. 
3 Staub-Tobler II. 1657. — 4 Martin-Lienhart I, 377. 

5 Stanb-Tobler I, 694. II, 167 f. 295. 447. 

6 Aus einem Kochbuch v. .1. 1672 führen Martin-Lienhart Wb. d. 
Klsiiss. Ma. I, 205 s. v. Gägge die Vogelnamen "hären Gägge oder Specht, 
gerupfft. . ."' usw. an, wobei sie auf bair. Gagker c Goldfink\ Gägkler 
'Bergfink' verweisen. Hier ist jedoch wohl Hüroujägge (= Eichelhäher) 
zu lesen. 

7 Heeger Tiere im pfälz. Volksmunde II. 10. — 8 Unger-Khull 179. 
9 Staub-Tobler III, 34. — 10 Frischbier I, 286. 



202 Eichelhäher, corvus glandarius. 

nung für den Häher. Die Namen Girau und Richau, welche Gesner 
als brabantische Synonyma anführt und die Henisch Teutsche 
Sprach (1616) Sp. 1623 ihm abgeschrieben hat (auch bei Diefen- 
bach Nov. glossar. S. 164 s. v. glandarius), sind französisch. 
Girau ist = frz. Gerard, Richau = frz. Richard : beide Eigennamen 
werden in französischen Mundarten für den Häher verwendet. 

In Niederdeutschland gilt in manchen Gegenden der alte 
Name Heger 1 , an anderen Orten wird der Vogel mit denselben 
Benennungen bezeichnet, welche für die Elster verwendet werden, 
vgl. westfäl. Hidkster 'Häher' (Exter 'Elster'), in Recklinghausen 
Hikster 'Häher' (Jäkster 'Elster'), im Münsterkreise Hykster 
'Häher' (Jüngster 'Elster'), in Natangen (Ostpreußen) Heigster 
'Häher'; vgl. S. 197. 

Auf mnd. holtschrage beruht mecklenburg. Holtschräg 2 , auf 
mnd. holtschere wieder Holtscherre 2 in der Mark. Die mecklen- 
burgischen Varianten Holtschräf 2 oder Holtschraow^ bezeichnen 
ebenfalls den Vogel nach seinem schnarrenden Laut als 'Wald- 
schreier', vgl. anord. skrafa 'schwatzen, plaudern', isländ. skräfa 
'einen rasselnden Laut von sich geben'. Auch in mitteldeutschen 
Dialekten kommt diese Benennung vor. Eber und Peucer Vocab. 
(1552) S. E 7b führen den Ausdruck Holtzfchreyer unter anderen 
Synonyma an; Diefenbach Glossar. S. 267 c belegt hd. holtzschere 
f. reche (1. ruche) (neben ndd. holtscere) aus einem Vocab. lat- 
german. In Preußen heißt der Vogel auch Holzhacker i = Holt- 
häk r ° in Lübeck. 

Den Namen Markolf, der als Bezeichnung des Hähers an 
manchen Orten geläufig ist, haben die Naturforscher aus dem 
Geschrei des Vogels heraushören wollen; u. a. meint Brehm, 
daß der Häher "gar nicht selten und recht deutlich das Wort 
Margolf" ausspricht. Die richtige Deutung hat Jakob Grimm 
im DWb. II, 419 gegeben; danach ist der Name von dem Spötter 
Markolf in der Heldensage auf den Vogel übertragen worden. 



1 Vgl. Schambach 77, Danneil 73, Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. 
XVI, 83. XVII, 2. 

2 Schiller Zum Tierbuche II, 11. 

3 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 84. 

4 Frischbier I, 297. — 5 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 85. 



Eichelhäher, corvua glandarins. 906 

Dor Häher ist ein geschickter Nachahmer von Stimmen 
anderer Vögel und wird als solcher schon in dem angelsächsischen 
Runenrätsel dargestellt Der älteste Beleg des genannten Namens 
ist Marcolfus bei Albertus Magnus (De animabilos 8. 5 
der auch <lic Erklärung desselben gibt: "hec suis omnes in- 
clamat < v t omnium uoces imittatur propter quod etiam a qui- 
busdam marcolfus uocatur". Im L5. Jh. isl der Ausdruck öfters 
bezeugt: maredf (= leter) in einem lat-niederdeutschen Vocab. 
v. J. L420, markolf ( garrulus) in einem ndd Vocab., maredff 
reger ( graculus) in einem Lat-niederd. Vocab. ex quo 1 , marc- 
kopff in einer Version des Märchens vom Zaunkönig (Germania 
VI, ss); darauf rucke margkolff' 1 in einem aiphabet Wh. aus 
dem Jahre L502. — In Avium historia (1544) S. II 3b erwähnt 
Turner Mercolphus als den deutschen Namen des Hähers, Eber 
und Peucer Vocab. (1552) 8. E 7 b führen das Wort ebenfalls in 
der latinisierten Form Marcolfus an, danach Gesner, Schwenk- 
feld u. a. Die Verbreitung des Namens beschränkt sich auf die 
Gebiete am Mittel- und Niederrhein: Märkola, Markolief 5 in 
Luxemburg, Moadkohlf* auf der Eifel, Markohle* in Münster 
Mdrkol 5 in Breckerfeld, Marolwe in Marienheide, Markölwe b , 
Makölwe b in Hemer, Marklof b in Elberfeld, Markolf' in Reckling- 
hausen; in den Niederlanden maarkolf meerkol. Ein volkstümlicher 
Ausdruck in strengem Sinne ist der Vogelname wohl nicht ge- 
wesen. Im westfäl. Markölwe verrät der Akzent den gelehrten 
Ursprung aus Marcolfus ; auch gibt Winkler Korrespondenzbl. 
f. ndd. Spracht. XXVI, 22 von dem niederländischen Worte an, 
daß es nicht volkstümlich gebraucht wird. 

Außer Markolf finden sich bereits im 15. Jh. andere 
Varianten, die ebenfalls den Häher als den Spötter benennen. 
Von den verschiedenen Versionen des Märchens vom Zaun- 
könig hat eine statt Markolf den Namen Marwolt (Germania 
VI, 90), eine andere setzt dafür Herolt (Germania VI, 100), 



1 Diefenbach Glossar. S. 258a. 267 c. 283 c. 

2 Diefenbach Nov. glossar. S. 196 b. 

3 Wb. d. Luxemburg. Mundart 277. 

4 Korrespondenzbl. f. ndd. Spracht. XVI, 85. — 5 Woeste 170 
6 Korrespondenzbl. f. ndd. Spracht. XVII, 5. 



204 Eichelhäher, corvus glandarius. 

dazu herolt (= graculus) in einem Yocab. ex quo des 15. Jhs. 
(Diefenbach Glossar. S. 267 c). Beide Ausdrücke sind Bezeich- 
nungen des Narren oder des Spötters ; Morolt ist die komische 
Person in der Sage (Salomon und Morolf), Herolt wird im 15. Jh. 
histrio (= Narr, Possenreißer) glossiert. In Frischbiers Preuß. 
Wb. I, 286 wird Herold (Herolz) als Name des Hähers ver- 
zeichnet. Doch ist es damit nicht gesagt, daß der Ausdruck 
wirklich in Preußen noch üblich sei, denn in das genannte 
Dialektwörterbuch sind auch Yogelnamen von Klein Hist. avium 
prodr. und Reyger Yerbess. Hist. der Vögel aufgenommen, 
welche diese ihren Yorgängern abgeschrieben haben. Die ge- 
nannten Autoren geben Heerold als Namen einer ausländischen 
Häherart; für den einheimischen Yogel hat Klein (S. 61) die 
Ausdrücke Holtz-Heher und Heerholtz, von denen der letztere 
eine falsche hochdeutsche Auslegung von Heer-(h)olt zu sein 
scheint. Zur Entstehung der Yariante Herolt hat wahrscheinlich 
die kontrahierte Benennung Her (für Heher) auch beigetragen. 
Man könnte sogar vermuten, daß hier der Ausgangspunkt für 
die anderen Yarianten Markolf und Marwolt zu suchen wäre; 
doch lassen sich die Anfänge der Geschichte des Wortes Herold 
nicht klar erkennen. 

Nachdem einmal die Namen Markolf und Marwolt da 
waren, wurden weitere Yarianten dadurch geschaffen, daß man an 
anklingende Ausdrücke anknüpfte — eine Erscheinung, die man 
besonders an den Namen des Pirols verfolgen kann. Das Wort 
Markolf gab den Anstoß zum Namen Markwart 1 , womit in dem 
Reineke Yos der Häher genannt wird ("Markwart de Hegger"); eine 
andere Yariante ist Margraff 1 , die Gesner a. a. 0. S. 673 erwähnt. 
Auf dieser beruht der Name Margrub 2 'Häher' in der Pfalz. 

Tn dem Kapitel des Vogelbuchs, wo Gesner von dem Tannen- 
häher handelt, nennt er (S. 238) einen Vogel, den man in 
Meissen Nufßhäer und in der Lausitz Gabich nennt. Als Name 
des Hähers ist Gabecht, Gabsch 3 noch heute in Sachsen üblich. 
An ags. gabban (anord. gabba) 'spotten' wird man wohl nicht 

1 Die älteren Deutungen dieser Namen von Woeste Korrespon- 
denzbl. f. ndd. Spracht*. II, 40 und Jellinghaus a. a. 0. S. 64 sind verfehlt. 

2 Pfalz. Id. S. 91. — 3 Zs. f. d. Phil. XXI, 208. 



Tannenhäher, corvus caryocatactes, nueifraga caryocatactes. 205 

denken können. Der gleichbedeutende wendische yogelame 
kabija (Pfuhl Wb. s. 242) ist vielleicht ein deutsches Lehnwort 
In Luxemburg heißt der Eichelhäher Brachfrlkmr* (vgl. 
Brach 'sinnloses Gerede', Braehjäk "Schwätzer* u.a.), ein anderer 
luxemburgischer Lokalausdruck ist Gotte9vergies8 ] oder (lottes- 
verreider l . 

TannenhUher, corvus caryocatactes, nueifraga caryocatactes. 

Den Hähornamen hat der Vogel mit der vorigen Art 
gemein, von der er sich sowohl in Aussehen wie in Lebensart 
deutlich unterscheidet Das Vorkommen des Tannenhähers ist 
in Deutschland nur sporadisch und hängt teilweise von der 
Reichlichkeit der Zirbelnüsse oder Zapfen ab, von denen er 
sich hauptsächlich nährt. 

Die Namen des Vogels nehmen meistenteils gerade auf 
diese Lieblingsnahrung Bezug. Im Regiment der Vögel (1531) 
V. 148 ist der Nußheer wohl der Tannenhäher; Schwenkfeld 
verwendet den Ausdruck für den Eichelhäher, Eber und Peucer 
geben Nushaer im Sinne von Spechtmeise. Gesner Hist. avium 
S. 237 führt außer Nußhäher noch die Varianten Nußbrecher, Nuß- 
bretfeher, Nußbicker an; Nußkrahe bei Schwenkfeld Ther. Sil. 
(1603) S. 310, bei Popowitsch Versuch (1780) S. 554 (nach Halle) 
Nußbeißer, Nußknacker. Im Elsaß nennt man den Tannenhäher 
Nussenk racher 2 , in der Schweiz Nussbicker, Hasel nussvogel und 
Nussjäk* (zu Jak c Häher'), in Steiermark Nussbeißer (in der 
älteren Sprache), Nusskragel m., Nusstschagele m., Nusstschargel m., 
Nussgrankel m. und Nusserl 4 n. (vgl. z. B. steir. Haneferl = 
Hänfling S. 120), in Tirol Nussg ratscher 5 (vgl. Grätsch 'Häher'), 
Nusskretscher 5 , in Kärnten Nussgraggl, im nördlichen Böhmen 
Nusshackl 6 , in Sachsen Nusshäher 6 , Nussert 6 (vgl. Zäune rt e Zaun- 
schlüpfer' S. 84). — An diese Benennungen schließen sich an : 
Holzkrähe 1 , Zirbentschoi 1 (Zirbel* Alpenkiefer 5 + Tschoi "Häher'), 
Zirbenheher 7 in Steiermark, Zirmkräge (Zirbelkrähe), Zirm- 

1 Wb. d. Luxemburg. Mundart 43. 151. 

2 Martin-Lienhart I, 514. 

3 Staub-Tobler I, 695. III, 34. IV, 1119. — 4 Unger-Khull 480. 

5 Frommann D. Mundarten IV, 56. V, 410. 

6 Zs. f. d. Phil. XXI, 210. — 7 Unger-Khull 355. 653. 



206 Taube, columba. 

grätsch 1 in Tirol. Den Ausdruck Tannenhäher führt Popowitsch 
a. a. 0. nach älteren Quellen an ; von den a. a. 0. verzeichneten 
Synonyma bezieht sich Staarhdher auf das staarartig weiß be- 
tüpfelte Gefieder des Yogels, Birghäher (im Lande ob der Aens) 
bezeichnet ihn als Gebirgsvogel. 

Wegen des kreischenden Geschreis hat der Tannenhäher 
in der Schweiz die Namen Raggi, Rägher, Zäpfenräggi 2 er- 
halten. Popowitsch führt a. a. 0. nach Hübner die alte Bildung 
Holzfcheer m. (d. h. Waldschreier) an, vgl. S. 202. — Onoma- 
topoietisch ist vielleicht auch der Name Tschack (Tschank) 3 m., 
der in Steiermark vorkommt ; doch kann er auch mit Schweiz. 
Jak 'Häher' identisch sein. Ein anderes steirisches Synonymon 
ist Grauamaschel 3 (d. h. Grauamsel). 



VI. Tauben, Columbidae. 

Taube, columba. 

Ahd. tüba: Sg. Nom. — tuba columba: cod. SGalli 242, 248b. 
tüba: Williram 43, 2. 5. 12. 77, 6. 104, 1, tuba: 38, 2. 3. 77, 2. Notker 
Gantic. Ez. regis 14. Carmen de Philomela 20: cod. Vindob. 247, 
222b, cod. mus. Britann. Add. 16894, 244b. Versus de volucr. cod. 
Selestad. f. 109 b. Notker Ps. 67, 14 Gl. Notker W Gantic. Ez. reg. 14. 
tvba: Clm. 14689 f. 47 a. tüpa: Aldhelmi Aenigm. 256, 1: cod. SGalli 
242, 38. duba: Otfrid I, 26, 8. Rotul. com. de Mülinen Bern, duua: 
cod. Berol. Ms. lat. 8<> 73, 123b, du ua: cod. Guelpherbyt. Aug. 10. 
3. 4o f. 89a, dufa: cod. sem. Trevir. f. 112b. tube: cod. Vindob. 804 f. 
185b. tubp columba spiritus sanctus: Gll. Salom. a2: Clm. 17152, 
194c. — Gen. — tubun: Tatian90, 2. tübun: Notker Ps. 54, 7. 67, 
14. chind tupun filius columbe : cod. Parisin. 7640, 126 f, khindtupü: 
cod. SGalli 911, 48. dubun : Otfrid II, 7, 36. — Dat. — dubun : Otfrid 

1, 25, 25. — Akk. — tubun: Tatian 14, 4. 6. tübun: Notker Capella 
de nupt. 2, 45. — PI. Nom. — tubun: Tatian 44, 11. palumbe: cod. 
SGalli 299 p. 33. tübon: Williram 89, 1. 11. — Gen. — tubono: Lucas 

2, 24 : cod. SPauli XXV a/1, 2 a. dubono : Otfrid 1, 14, 24. tübon : Willi- 
ram 22, 2. 54, 2. 7. — Akk. — tubun: Tatian 117, 2. 

Komposita. — tübberi (Pflanzenname): tüpbere mora.: Clm. 
2612, 92b, cod. Bern. 722, 1, lb, cod. Vindob. 2400, 128a. dufbere: 
cod. Bonn. 218, 50. mulbere t dvbere : H. S. IV, 6 : cod. Turic. C 58,97. 



1 Frommann D. Mundarten IV, 56. 

2 Staub-Tobler V, 770. — 3 Unger-Khull 178. 304. 



Taube, columba. 807 

— tübünkropf (Pflanzenname) : itenaiä od Utmbieropf ubena 1 i 
columbina: L. Apuleii de med. berbar. hl>. IV: cod. Londin. Ilarl 
1086, 8a tübhaie (palumber): tubkaU palumber: cocLVindob, 
804 r. ls. r )l>. tübhüa (Taubenhaus): tubhus columbar: II. s. VII, 8 

Das Wort Taube ist ein gemeingermanischer Vogelname, 
Aus den verwandten Dialekten stellen sich dem ahd ttiba (mhd 

ttibe) zur Seite: mnd. iiiihII. düvc, nndl. duif. nie. doutr, w. </<>re. 

anord. düfa : dän. due, schwed. dufva\ das Gotische bewahrt den 
Namen in dem Kompositum hraiwardtibö d. h. Leichen-Taube 
(= griech, Tpirfdiv). 

Im Angelsächsischen ist der Name oichi bezeugt Die 
Wörterbücher von Kluge, Kluge-Lutz, Falk-Torp u.a. verzeichnen 
freilich ein ags. düfe, allein diese Form scheint mit Unrecht 
aus dein Belege düfedoppan westennes (= pellicano solitudinis) 
in Land». Psalmen (ums Jahr 1000) erschlossen worden zu sein. 
Es handelt sich hier um den Namen eines Wasservogels, der 
nichts mit dem Taubennamen zu tun hat. Der zweite Teil des 
Kompositums dufedoppa, der von dem Verbuni ■ duppjan 'tauchen' 
(ags. dyppan, norweg. duppa, schwed. doppa) abgeleitet ist and in 
den Namen dop-enid und dop-fugel 'Tauchente, Taucher' vorkommt, 
erscheint als selbständiger Vogelname in der ags. Glosse fugel- 
doppe (bei Wright-Wülcker I, 131 20 ), die offenbar in fuge! 
doppe zu trennen ist, vgl. auch schwed. dopping e anas clangula' 
mit anderem Suffix. Das erste Kompositionsglied gehört zum 
Verbum düfan 'tauchen' und ist als Verdeutlichung des in seiner 
Bildungsweise nicht mehr durchsichtigen Namens doppe aufzu- 
fassen. Ähnlich sind auch die heutigen mundartlichen Formen 
divedapper, divedop, divy duck neben diver und dabber (Swainson 
The Folklore S. 216) zu beurteilen. 

Der gemeingermanische Taubenname ist im Englischen 
erst um das Jahr 1200 bezeugt (s. Murray XKD. III. 621). In 
der angelsächsischen Überlieferung begegnen dafür die Aus- 
drücke ctdfre und cuscote, von denen der erstere vielleicht mit 
lat. columba zusammenhängt. Pogatscher nimmt in der Fest- 
schrift zum VIII. allgem. deutschen Neuphilologentage (1898) 
S. 103 ff. als Etymon mittellat. columbula (roman. *columbra) 

1 1. U s bena ; verbenacam Ed. (Steinmeyer). 



208 Taube, columba. 

an, das durch keltische Vermittlung in England eingeführt 
worden sei. 

Die synonyme Benennung cuscote 1 welche in den Mund- 
arten als ciishat 'Holztaube' weiter lebt, ist als alte Komposi- 
tionsbildung aufzufassen. Dies geht hervor aus den skandi- 
navischen Namensformen skiida 2 in dem dänischen Dialekt der 
Insel Bornholm und skuta 3 in der schwedischen Mundart auf 
der Insel Färö bei Gotland; beide Mundarten gebrauchen das 
Wort im Sinne von 'Holztaube'. 

Der Name *scot-6n- ist wohl eine Tiefstufenbildung vom Ver- 
bum sceotan e sich rasch bewegen, sich stürzen' und bezieht sich auf 
den Flug des Vogels. Der Anlaut im angelsächsischen Namen cu- 
scote war ursprünglich vielleicht eine Nachbildung des kü-Rufes 
der Holztaube (vgl. Girr-Taube usw.), wurde aber dann an cü 
'Kuh' angelehnt; vgl. cowscot und cowshot (Wright Engl. Dial. Dict. 
I, 847). Auf deutschem Sprachboden kommt der Vogelname 
in dem Glossar des Pariser codex 12269 (9. Jh.) als coscirila 
(= palumpos) vor. Die Glosse ist aus einer angelsächsischen Vor- 
lage abgeschrieben. 

In dem alten Vogelnamen *dübön- hat man eine Ableitung 
von ags. dufan, anord. düfa 'tauchen' sehen wollen, die eigentlich 
einen Wasservogel bezeichnet habe und dann auf die Taube 
übertragen worden sei; dabei wird auf das Verhältnis von lat. 
columba 'Taube' und griech. KÖXuußoc 'Taucher' hingewiesen 4 . 
Wie man sich auch zu der angenommenen Verwandtschaft des 
griechischen und lateinischen Wortes verhalten mag (vgl. z. B. 
Prellwitz BB. XXII, 1021), so ist die gegebene Deutung unwahr- 
scheinlich, denn in einer Bildung dübön 'Tauchvogel' hätte man 
doch den Zusammenhang mit dem dazu gehörigen Verbum ebenso 
fühlen müssen wie in dem deutschen Vogelnanien 'Taucher', 
und eine Übertragung des Namens auf die Taube ist daher 
nicht denkbar. Eine andere von Feist Got. Et. S. 27 aufgestellte 
und von Kluge und Falk-Torp als möglich angenommene Er- 
klärung knüpft an die Farbenbezeichnung an, welche im altir. 

1 In den Epinaler Glossen 829: cuscutan palumbes. 

2 Kaikar Ordbog til det seldre danske Sprog III, 805. 

3 Rietz Svenskt dialektlexicon S. 609 a. — 4 Vgl. Kluge Et. Wb. 6 
S. 390, Skeat A concise Et. Dict. S. 151, Falk-Torp Et. ordb. I, 118 u. a. 



Taube, cohunba. «M 

,luh 'schwarz' und griech. xucpXoc 'blind* rorli< daß die 

Taube oach der Farbe benannt worden «rare, wie etwa griech. 
ireXem 'Waldtaube' (zu ttcXiöc 'grauschwarz') n. a. Auch diese 
Etymologie scheint jedoch mii Einsicht darauf, daß das be- 
treffende Adjektn in den germanischen Sprachen nirgends nach- 
zuweisen ist, ganz hypothetisch. 

Am meisten Beachtung verdient die Annahme, daß der 
germanische Name *dübön eine onomatopoietische Bildung sei 
Außerhalb der indogermanischen Sprachen bietet das Finnische 
ein instruktives Beispiel. Eier heißt die Taube kyhky(nm\ 
und es besteht kaum ein Zweifel daran, daß der Ausdruck 
das Rucksen der Eolztaube wiedergibt, welches Voigt Bxcur- 
sionsbuch S. 211 (ohne diesen Namen zu kennen) mit hihku, 
huhu umschreibt. Das Charakteristische in dem Ruf des V 
besteht in dem langgezogenen dumpfen Vokallaut, der denn 
auch bei Auslegung der Taubenstimme in verschiedenen Sprachen 
zum Vorschein kommt. Nach Swainson The Folklore 8. K><>f. 
umschreibt man in England den Ruf der Holztaube u. a. durch 
die Verse : "Take two-o coo, Taffy ! Take two-o coo. Taffy"! oder 
"Curr dhoo ! curr dhoo ! Love nie and I'll love you", oder "The 
dove says, coo, coo, what shall I do? I can scarce m a intain two". 
Ähnlich nach Rolland Faune populaire VI, 124 in Frankreich, 
wo der Ruf als "Roucou!" oder "Brou! Brou! Brou! Coucou" 
auigefaßl wird; daher roucouler e rucksen\ — Dazu stimmt auch 
die Auslegung dieses Rufes bei den Deutschen als 'ruck, rucku' 
(in den Gedichten Beheims aus dem 15. Jh. (IX, 622): "»'in 
taub auch schreiet rucku"). 

Ob im german. *düb-ön der Labial noch zum Stamm« 
hört oder ein idg. Suffix-^- (wie im griech. Kopaqpoc, KaXaqpoc) 
ist 1 , muß dahingestellt bleiben. 

Nachdem die Taube bei den Deutschen zum Zuclm 
geworden und auf die-«- Weise dem menschlichen VorstellungS- 
kreis näher getreten war. wurde naturgemäß der Unterschied 
zwischen den Geschlechtern mehr betont, als dies hei wilden 
Vögeln der Fall ist. Wie bei dem anderen Hausgeflügel, der 
Ente und der (Jans, wo der Gattungsname weiblich ist, so 
1 Vgl. Falk und Torp Et. ordb. I 118. 
Snola h 1 1. Vogelnamen. 



210 Taube, columba. 

wird auch bei der Taube das Männchen durch abgeleitete 
Maskulinbildungen benannt. Die älteste uns überlieferte Bezeich- 
nung für den Täuberich ist das Komposituni tubhaie(d. h. 'Tauben- 
heger' oder 'Taubenhüter') in cod. Yindob. 804 f. 185 b (mit 
c palumber' glossiert). Der Ausdruck scheint dem bairischen 
Sprachgebiet eigen zu sein und ist nochmals im 14. Jh. als 
taubhai bei Konrad von Megenberg (Ed. Pfeiffer) S. 181 17 belegt. 
Andere Maskulinbildungen sind aus der althochdeutschen 
Sprachperiode zufällig nicht bezeugt; erst im 14. Jh. erscheint 
die Ableitungsform tuber 1 = mnd. düver 1 . Die alte Lautgestalt 
des Suffixes, das zur Maskulinbildung bei Tieren (Ganser, Enter, 
Kater) angewendet wird, ist noch nicht sicher ermittelt worden ; 
vgl. Kluge in PBB. XIV, 585 f., wo als Grundform *haro angenommen 
wird. Dasselbe Suffix wie in der mhd. und mnd. Lautform tilber~ 
düver ist jedenfalls -ar und -am in mnd. düvarne, düvar(n). Die 
allgemeine Annahme, daß hier der mnd. Vogelname arent 'Adler' 
stecken würde, welcher dieselbe indogermanische Urbedeutung 
wie griech. öpvic 'Vogel' noch bewahrt hätte, ist durchaus un- 
wahrscheinlich. Das westfäl. Wort Arent 'Täuberich', welches 
als Beweis herangezogen wird, ist die mundartliche Form des 
Eigennamens Arnold und gehört in dieselbe Gruppe von Vogel- 
namen Avie pfälz. Gäred (d. h. Gerhard), Schweiz. Gäber (d. h. 
Gabriel) für den Gänserich, ndd. Klaos (d. h. Nicolaus) oder Aleke 
(d. h. Adelheid) für die Dohle u. a. — Der Maskulintypus Tauber 
ist in Nieder- und Mitteldeutschland heimisch: in Holstein 
Duffert 2 , in Hamburg und Lübeck Düffer(t) 2 , in Altmark Düwer, 
Diwwert, Düffert 3 , in Fallersleben Debber 4 , in Preußen Taubert, 
Täubert Tiffert, Düffert' , in Thüringen Duberd, Diberd, Dyberd 6 , 
in der Pfalz Täubert 1 ; der schwäbischen Volksmundart scheint 
Tauber (Täubert), das in den literarischen Quellen vorkommt, 
eigentlich nicht anzugehören, vgl. Fischer Wb. II, 104. In ganz 



1 Hugos von Trimberg Renner V. 7020, Diefenbach Glossar. S. 134a, 
Schiller-Lübben Wb. I, 607, Jb. f. ndd. Sprachf. VI, 127. 

2 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 83. XVII, 2. 3. 

3 Danneil 37. — 4 Frommann D. Mundarten V, 53. 
5 Frischbier L 140. II, 396. 401. — 6 Hertel 242. 

7 Heeger Tiere im pfälz. Volksmunde II, 9. 



Taube, colnmba 21 I 

Niederhessen und Fulda ist Dubhom, Dübhom die üblichste 
Namensform, sie beruht auf mnd. düvarn und Ist im 15. Jh. 
als duphorn^ duyfhorn und dubhern (in einer Es. bei Konrad 
von fctegenberg gegenübei tubhai der älteren Bss.) bezeugt; bei 
Vilmar Id. s. L09 wird I>i<bl><>ni Bchon im l LJh. als Name einer 
adeligen Familie im Odenwald nachgewiesen. 

Eine Erweiterung mittelst des bekannten maskulinen inga- 
Suffixes ist mnd. duverinc in Borae belgicae VII, ll 1 und im 
Lübecker Schulvokabular \. J. L511*, und daraus ist vielleicht 
durch Erleichterung duverich (Kieler Vokab. aus dem Jahre 1 I L9) 
entstanden, wie etwa ktinic für kuning. Durch Anlehnung an die 
Eigennamen auf-Hfc, hd. -rieh (wie Friderich usw.) wäre dann der 
Typus Täuberich {Enterich, Gänserich) hervorgegangen. Wahr- 
scheinlicher ist jedoch, daß der Ausgangspunkt für diesen Typus 
im ahd. anuttracho 'Enterich 5 zu erblicken ist, das im Anschluß 
an die genannten Eigennamen sein Suffix umbildete und die 
analogischen Neuschöpfungen Gänserich und Täuberich hervor- 
rief. In diesem Fall wäre mnd. duverink als eine Umgestaltung 
aus duverich zu betrachten. — Diese Bildungsweise ist wie Tauber 
auf nieder- und mitteldeutschem Sprachgebiet heimisch: in Alt- 
mark Döwuerk 3 und DöwweJe 3 , in Westfalen Düwek l (für Düwerik. 
wie Lewek für Leiverk), in Preußen Diwrik, Diffrick, Düfrick 1 : 
Tuberich 6 in Örmingen (im nördlichen Elsaß). 

In Oberdeutschland wird das Taubenmännchen durch ono- 
matopoietische Maskulinbildungen benannt, welche das Rucksen 
des Vogels wiedergeben. Aus der Schweiz ist eine derartige 
Benennung in der Glosse tub kiito im Vbcabularius optimus 
XXXVII, 37 (Ed. Wackernagel 8. 42) bezeugt: heute Schweiz. 
Chüt 1 . Weiter verbreitet ist das Wert in der Weiterbildung 
kuter, die zuerst im 15. Jh. bei Diefenbach Glossar. S. 134a 
{tubenkutter in Bracks Vocab. (1495) S. 49a) belegt und im 
Ib. Jh. als Kuuter in Gtesners Mist, avium S. 268 und als Keutter 
bei (Julius Onomasticon (1579) Sp. 291 bezeugt ist; heute in der 



1 Schüler-LübbeD Wl>., Nachträge S. 112. 

2 Jb. f. ndd. Sprachf. XVI, 113. — 3 Danneil 37. 
4 Woeste 64.-5 Frischbier I, 140. 

6 Martin-Lienhart 11,644. — 7 Staub-Tobler III. 670f. 

14* 



212 Holztaube, columba palumbes. 

Schweiz Chuter, Chutter 1 , im Elsaß Kutter 2 , in Schwaben Kauter 3 . 
Das Yerbum, das die Stimme des Taubenmännchens wieder- 
gibt, lautet in der Schweiz chüten, chüteren (elsäss. kitteren) aus 
mhd. kuteren, kuttem; im Schwedischen ist der entsprechende 
Ausdruck kuttra, außerhalb des indogermanischen Sprachzweiges 
im Finnischen kuhertaa. 

Ein synonymer Name, der von mhd. ruckezen (nhd. rucksen, 
ndd. rüküken; frz. roucouler) ausgeht, ist Schweiz. Rügger*, elsäss. 
Rucker-* (pfälz. Grugser 6 ), in Mittelhessen Ruckert 1 , siebenbürg. 
Rilkes*. Ein elsässischer Lokalausdruck ist Roller 9 (in Lutter- 
bach), welcher das geschlechtliche Moment hervorhebt; vgl. 
rollen 'schäkern, rammeln'. 

Gewöhnlich wird das Weibchen der Taube im Gegensatz 
zum Männchen einfach mit dem femininen Gattungsnamen be- 
zeichnet. — Seltener sind feminine Ableitungen wie bair. Täubinn 
bei Schuieller-Frommann Wb. I, 579, elsäss. Tübene* (in Bracks 
Vocab. (1495) S. 49a tubin, bei Golius Onomasticon (1579) Sp. 291 
Teubin), thüring. Diiven 10 , oder Schweiz. Chütin u . 

Um das Junge der Tauben zu bezeichnen, gab es im Alt- 
hochdeutschen die gehäufte Deminutivbildung tubiclin, welche 
im Tatian VII, 3 belegt ist; dazu tubiklin pipiones in den Lich- 
tentaler Glossen in Zs. f. d. Wf. IX, 222 a. — Später werden 
die üblichen Deminutivsuffixe angewendet oder der Begriff 
wird durch ein Adjektiv umschrieben. Aus seiner Mundart gibt 
Gesner Hist. avium (1555) S. 269 an: "Nos circumscribimus 
ein junge Tub ; uel diminutiuo utimur ein Tüble". Hie und 
da kommen Ausdrücke vor, welche auf Lockrufen beruhen, so 
z. B. Tise oder Tisse 12 f. in Schlesien. 

Holztaube, columba palumbes. 

Dieser Ausdruck, mit dem die wilde Taubeuart bezeich- 
net wird, begegnet schon in den althochdeutschen Glossen: 

1 Staub-Tobler III, 570 f. — 2 Martin-Lienhart I, 483. 
3 Fischer II, 101. — 4 Staub-Tobler VI, 776. 

5 Martin-Lienhart II, 250. — 6 Heeger Tiere im pfälz. Volksmunde II, 9. 
7 Vilmar 333. — 8 Frommann D. Mundarten IV, 195. 
9 Martin-Lienhart II, 251 f. 644. — 10 Hertel 242. 
11 Staub-Tobler 111,572. — 12 Weinhold Beitr. zu einem schles.Wb. S. 98. 



Holztaube, columba paluml IIS 

Sg. Nihil hohtuba s»u loijetuhu palumlprs VeittUl de TOlOCnbOl, ko U f 

tuba. Venus de yotacribne. Vergil B 1,67: cod. Seleetad. f. 62 b IM. 

Non».— holst ui>ni : i! s in, it. Dazu die d iederdeu I jche Glosse holt 
duua in cod Berol. Ms. lai 8° 73, L24b, im Mittelniederdeutschen 
holtdüve, mndl. lioutJi'in. inidl. houtduif. Dem deutschen Namen 
entspricht im Angelsächsischen das gleichbedeutende wudu~ctdfre 
Waldtaube. 

Als Holztaube bezeichnet man beute Bowohl die palumbe 
dir oenas-Art; die ersterc wird von Gesner Eist avium 8. 298 
als groß ll<>ii:tnl> \ r on k\w letzteren unterschieden I).»- 8ynonymon 
l } h>clttul>. welches Gesner a. a. <>. erwähnt, begegnet als Floek- 
t>üd> (elsäss. Hoch 'Baumstamm*) im Strassburg. Vogelb. (1554) 
i ): heute in Steiermark Blochtaube 1 . Ein anderes steirisches 
Synonymen ist Biiniaube 1 (zu burren 'murren, knurren*), das 
auf das Rucksen des Vogels hinweist. In Luxemburg wird die 
große Holztaube Böschdauf* (Waldtaube) oder Dekdauf* (dicke 
Taube) genannt. 

Weit verbreitet sind die Namen, welche den Vogel nach 
dem weißen Halsring benennen. In alten Glossen erscheint: 
rin gil du ua palumbes: cod. Guelpherbyt. Aug. 10. 3. 4° f. 89a. rfgelduffe: 
Juvencu< I. 231: cod. Guelpherbyt. Helmostad. 553, 77b. Der Ausdruck 
ist besonders in Mittel- und Niederdentschland heimisch. In 
Köln ist Ringel taube durch Turner Avium bist. (1541) 8. 1) 1 b, 
in Sachsen durch Eber und Peucer Yocab. (1552) S. K 6a, 
in Schlesien durch Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. oll bezeugt; 
BingeUauin im Strassburg. Vogelb. ( 1 f>.>4) V. :>:>4, RingeUlib ebne 
Ortsangabe bei Gesner a. a. 0. In mnd. Vokabularen kommt 
ringelduve öfters vor. Heute wird der Ausdruck RingMüwe* 
aus Westfalen und Recklinghausen. Rengeldauf 4 aus Luxem- 
burg angegeben; ndl. ringduif, schwed. rmgdufva^ engl, ringdove. 

In Steiermark lautet dm- entsprechende Name Kreistaube*. — 
Als 'Ringtaube' ist wohl auch andd. mrnixtuba aufzufassen in der 
Glosse: menistuba palumbes. columbe sunt, quas dicimus : Comment. 
Anonymi in Vergil. E I. 57 : cod. Oxon. Auct. 1. 16. 83b. Der Name scheint 

t Unger-Khull D.S. 131. — 2 Wb. d. Luxemburg. Mundart 40. 59. 
9 Woeste 215, Korrespondenzbl. f. ndd. Sprach. XVU. 5 

4 Wb. d. Luxemburg. Mundart 368. 

5 Unger-Khull 411. 



214 Hohltaube, columba oenas. 

asächs. meni (ahd. menni) 'Halsband' als erstes Glied der Zu- 
sammensetzung zu haben. 

Gänzlich rätselhaft ist die ahd. Benennung attüba in einigen 
Glossenhandschriften : addubun. t. heitubin palumbes : H. S. Xlb : cod. 
Admont. 269, 62a (12. Jh.), addubim: Glm. 3215, 20a (13/14. Jh.), at* tube 
palmides : H. S. XI f : Glm. 12658, 230 a (14. Jh.). Das Wort taucht noch 
einmal auf bei H.Sachs im Regim. der Vögel (1531) V. 200 und 
zwar in der Form Ataub ; später verschwinden alle Spuren. Daß 
es sich hier um die Benennung der großen Holztaube handelt, 
ergibt sich aus dem Textzusammenhang bei Hans Sachs, wo die 
Ataube neben den zwei anderen Hauptarten "Holtaub" und "Türtel- 
taub" auftritt. Zusammenhang des Wortes mit got. ahaks 'Taube', 
wie ihn Grimm im DWb. I, 590 vermutet, ist nicht wahrscheinlich. 
Übrigens ist auch das got. Wort selbst noch nicht sicher auf- 
geklärt; nach Holthausens Hypothese in IF. Y, 274 würde es 
eine urverwandte Entsprechung in lat. accipiter 'Habicht' (aus 
*aci-püer) haben, indem dies eigtl. den Taubenstößer bedeutet 
hätte. Der &-Laut des gotischen Wortes ist vielleicht das be- 
kannte Suffix, welches in ahd. habuh und kranial erscheint, vgl. 
Kluge Stammbildung 2 § 61b. 

Hohltaube, columba oenas. 

Wie der Ausdruck 'Holztaube', so ist auch 'Hohltaube' 
schon in althochdeutscher Zeit belegt: 

Sg. Nom. — heigituba t holotuba palumbes: cod. Selestad. f. 
109 b. heketuba holetvba 1 : Clm. 14689 f. 47 a. ho le duba: cod. Pari- 
sin. 9344 f. 42b. — PI. Nom. — holatubun: Carmen de Philomela 
21 : cod. Vindob. 247, 222b, cod. mus. Britann. Add. 16894, 245a. 

Der Name, der mit ahd. hol e Loch' gebildet ist, erklärt sich 
daraus, daß diese Taubenart in Baumhöhlen nistet (vgl. holicrd 
'Specht' S. 31). Im 16. Jh. begegnet Holtaub bei Hans Sachs 
Regim. der Yögel (1531) V. 202, Hültaub im Strassburg. Vogelb. 
(1554) V. 334, Holtaube bei Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 240 
(nicht als schlesisches Wort). Popowitsch Versuch (1780) be- 
zeichnet Höh Itaube als österreichischen Namen. Unger-Khulls Steir. 
Wortschatz S. 353 belegt Holltauben aus einer Quelle aus dem 

1 holet rba von zweiter Hand unter heketuba (Steinmeyer). 



Turteltaube, columba turtui 816 

Jahre 1689; die Bedeutung ist unrichtig angegeben. Beute kommt 
Uolduirr 1 in Westfalen, HuMauf* in Luxemburg vor. 

Der schweizerische A.usdruob bei Gte&ner 8. 295 ist Loch' 

tub, «las nach Martin nml Ln-uhart II. 644 auch im ELsafi (in Bulz- 

matt) gebräuchlich ist Vielfach werden diese Tauben ebenso 
wie die größere Art auch schlechthin als 'wild'- Tauben' be- 
■eichnet. Schwenkfeld gibl a. a. 0. ausdrücklich an. dafl dies 
m Schlesien die volkstümliche Benennung ist. — In einigen 
mittelhochdeutschen Handschriften, weiche die Vogelnamen der 
Versus de volucribus abschreiben, kommen <lc Glossen \6rtaub 
(dm. II isi. 82b), hartobe dm, L4746 f. 82c), Aornto«*« (Ahd. GU. m, 26 ■ 
vor. Ans ihnen Iaht sich ein althochdeutscher Name *horottiba 
'Kottaube' erschließen und damit kann nur die Eöhlentaube 
gemeint sein, welche ebenso wie der Wiedehopf und die Blau- 
rake den Schmutz vom Neste nicht fortträgt, so dal) ein wirk- 
licher Verwesungsprozeß entsteht. Wie überhaupt die zusammen- 
gesetzten Vogelnamen, welche mit horo gebildet sind, bo ist auch 
dieser Ausdruck Umgestaltungen anheimgefallen, nachdem das 
erste Kompositionsglied angebräuchlich wurde. AusSteiermark be- 
zeugt Unger-Khulls Wortschatz S. 32s die Benennung Harttaube. 
welche auf dem althochdeutschen *horotuba zu beruhen scheint. 
Als Bedeutung wird zwar Turteltaube* angegeben, aber die Be- 
deutungen der Benennungen für Taubenarten sind a.a.O. auch 
BOnst nicht immer richtig mitgeteilt. Xaumann-Ilennicke ver- 
zeichnen Haortaube = columba oenas ohne nähere Angabe. 

Turteltaube, columba turtur. 

Ahd. turtulatüba: Sg. Nom. — turtuUUvba* turtur: cod. S( ralli 
242, 248b. turtulatüba: Carmen de Philomela 20 : cod. Vindob 247 
•>2-2h. turtilituba: cod. mus. Britann. Add. 16894, 244b. tur tut duba : 
cod. Parisin. 9344 f. 42b. turtulduua: cod. Guelpherbyt. Au- L0. 3 

4»f.89a. turtultube: HS. XIa2: cod. Vindob. 2400, 121a. turtel- 
tuba : Clin. 2(>12. 87b. turteltube: Versus de volucr. cod. Vindob. 
804 f. 185b. turtiltuba: Versus de volucr. II. S. III. 17. cod. Sotastad 
t. 109b. trrtiltrba: Clm. 1468» f. 47a. — Gen. — türtultübon. Willi- 
ram 16, l, turtelt itbun : 40, 1. — PL Akk. turtilitubun : Tatian7.8. 



1 Woeste 1(>4. — 2 Wb. .1. Luxemburg. Mundart L89. 
3 So am wahrscheinlichsten (Steinmeyer). 



216 Turteltaube, columba turtur. 

Von den alten germanischen Dialekten hat nur das Gotische 
für die Turteltaube eine einheimische Bezeichnung. Wenigstens 
wird angenommen, daß got. hrahva-dübö (eigtl. Leichen-Taube) 
die Turteltaube ist, weil das griech. TpuYwv des Bibeltextes diese 
Bedeutung hat. Der gotische Ausdruck erklärt sich aus dem 
bei indogermanischen Völkern nicht ungewöhnlichen Glauben, 
daß die Taube ein Unglücksvogel ist. Schrader, der im Real- 
lexikon S. 607 ff. hierfür mehrere Beispiele bietet, will die aber- 
gläubische Auffassung gewisser Vögel als Unglücksboten oder 
Todesverkündiger aus dem plötzlichen überraschenden Erscheinen 
derselben erklären. 

Doch hat man hier auch mit anderen Faktoren zu rechnen, 
vor allem mit dem unheimlichen und düsteren Geschrei gewisser 
Vogelarten, ganz besonders der Eulen, die daher Leichenhühner 
und Totenvögel genannt werden. Wahrscheinlich ist auch der 
gotische Name hraiwa-dubö durch das dumpf und melancholisch 
klingende e kuh ku' oder e huh huhhuh 5 der wilden Taubenarten 
veranlaßt, das man als ein Vorzeichen des Todes empfunden 
haben mag. In England ist die Felsentaube (columba livia) der 
Todesbote, s. Swainson The Folklore S. 168. 

Abgesehen vom Gotischen haben die altgermanischen Idiome 
den lateinischen Namen der Turteltaube, die onomatopoietische 
Bildung turtur, entlehnt, die im Angelsächsischen als turtur(e) 
und (gewöhnlich) turtle, im Altnordischen als turture überliefert 
ist. Daß es sich hier nicht um eine gemeinsame germanische 
Entlehnung handelt, zeigt vor allem der unverschobene Dental 
im althochdeutschen turtulatüba. Das Wort ist mit der christ- 
lichen Literatur bei den germanischen Völkern bekannt ge- 
worden, und die häufige Anwendung des Vogelnamens beruht 
meistens nicht auf lebendiger Anschauung, sondern steht im 
Zusammenhang mit der christlichen Tradition, in welcher die 
Turteltaube eine symbolische Bedeutung hat. 

Der älteste althochdeutsche Beleg aus dem 8. Jh. gibt 
noch das lat. Wort in unveränderter Gestalt: zuuei. kenestidiu. 
turturono par turturum: Luc. II, 24: cod. SPauli XXV a 1, 2 a 1 . 

1 Später hat Notker das lateinische Wort im deutschen Texte : der 
turtur in der Psalmenübersetzung 83, 4 



Turteltaube, columba tnrtar. 817 

In cod. sein. Trevir. Et. III. 13, L09b ist die dissimilierte Namens- 
fonn rtulo, in cod. sem. Trevir. l. L12b ftüa belegt, die n 
tga ttirffo stimmt. Daraus sind elsäss. TurUl 1 i. and Schwab. 
Turtc/- hervorgegangen; im L6. Jh. Turteltübl TurUü bei Gesner 
Bist avium S. 303. 

Die Qormale althochdeutsche Namensform isl jedoch /">•- 
toda-ttiba (mhd. turtel-tübe rund, turtrl-. iortd- : tariddüv^ ondL 
tortelduif). In « I « *i Nebenform turtüüüba (Tatian) isl das Suffu 
des Fremdwortes im Anschluß an einheimische Bildungen auf 
//-(///) amgestaltet; daher die mhd. Dmlautsform türidttibe, im 
16. Jh. Türtdtaub bei Bans Sachs Regim. der Vögel V. 204 
Auch sonst hat das Lehnwort Lokale [JmgestaltungeE erfahren. 
Wahrscheinlich liegt eine solche vor in der Glosse turdella 
ftifofti in cod. Selestad. 109b, die Steinmeyer Ahd. (ill. III, t60»° 
mit der Glosse drosilla (= Drossel) in cod. Florent. XVI. 5, lila 
vergleicht Die Variante in den Schlettstädter Glossen erhalt 
Dämlich eine Bestätigung durch die heute in Ölungen, Heid- 
wriltT und Wittenheim (im Elsaß) übliche Namensform Tuttel- 
tube 3 . Auch die Variante Gürteltaube, die Schmeller-Erommanns 
Bayer. Wb. I, 944 als mhd. gürteUübe aus bairischen Handschi iften 
belebt und die in Vokabularen des 15. Jhs. in der Form gurtel- 
taub ' begegnet, mag aus tnrtel-, türteltübe umgestaltet worden sein. 
Zu beachten ist noch gulte = turtur in Clm. 1474"» f. 82 c (14. Jh.) 
in Ahd. GM. III, 22 38 . Wenn elsäss. Kränzletube wirklich — 
wie Martin-Lienhart Wb. II, 644 angeben — die Turteltaube 
und nicht vielmehr die Ringeltaube bezeichnet könnte man die 
Ausdrücke aus dem schwarzen silberfarbig gezäumten Quer- 
Streifeu am Halse des Vogels verstehen. — In Luxemburg hat 
man den Namen Dürteldauf zu Ürtddauf* "Urteilstaube' um- 
gebildet. 

Außer den drei bereits erwähnten Taubenarten nistet in 
Europa noch die Felsentaube (columba li via). Nach Brehm 
Tierleben (Vögel) II \ 414 beschrankt sich ihr Brutgebiet hier 



1 Martin-Lienhart II, 718. — 2 Fischer II, 513. 

3 Martin-Lienhart II, 644. 

1 Diefenbach Glossar. S. H03a, Frommann D. Mundarten IV. 906 

ö Wb. d. Luxemburg. Mundart 452. 



218 Haustaube. 

auf einige nordische Inseln und die Küsten des Mittelmeerge- 
bietes. In Deutschland kommt sie als Brutvogel nicht vor. Gesner 
kennt diese Tauben von Hörensagen ; sie sollen in einigen 
rhätischen Gegenden vorkommen und dort Steintuben, columbae 
saxatiles, genamit werden (Hist. avium S. 294). Im Forst- und 
Jagdlexicon (1773) III, 544 wird der Yogel ebenfalls Steintaube 
genannt ; den in der Fachwissenschaft üblichen Ausdruck Felsen- 
taube bezeugt Popo witsch (1780) S. 570 nach Halle. Von der 
Felsentaube stammt unsere gezähmte Haustaube ab. 

Haustaube. 

Ahd. hege tu ba: Sg. Nora. — hegetuba palumbes: H. S. XI a2. 
g. Versus de volucr., holztuba. seu hegetuba: Versus de volucr. 
heketuba holetvba l : Glm. 14689 f. 47 a. heigituba t holotuba : cod. Se- 
lestad. f. 109b. hagetvba: H. S. XI e : cod. princ. de Lobkow. 435, 25 a. 
hagetöb: Versus de volucr.: cod. Vindob. 85, 42 b. heitöbe : Versus 
de volucr. heitube: Gll. Salom. a 2: Glm. 17152, 210b. haitube: cod. 
Vindob. 804 f. 185b. — PI. Nom. — hegetubun palumbes, columbe : 
Horat. Carm. III, 4, 12: Glm. 375, 35a. Horat. Serm. II, 8, 91: Glm. 
375, 164a. hekitubin: Vergil. E. I, 57: cod. Selestad. f. 62b. addubun. 
t heitubin: H. S. XI b: cod. Admont. 269, 62 a. 

Wann die Taube bei den germanischen Völkern zum Nutz- 
vogel wurde, kann aus Mangel an historischen Zeugnissen 
nicht festgestellt werden. In den Kapitularien Karls des Großen 
werden die Tauben zu dem Hausgeflügel gezählt, das "dignitatis 
causa" gehalten werden sollte, vgl. Schrader Reallexikon S. 852 ff. 

Die älteste deutsche Bezeichnung der gezähmten Taube 
scheint im ahd. hegetuba vorzuliegen. Aus dem Lemma 'palumbes', 
wonach die Bedeutung des deutschen Wortes als 'Holztaube* 
angesetzt wird, kann nicht erschlossen werden, welche Tauben- 
art gemeint ist. Aber wenn man von der deutschen Glosse aus- 
geht, so deutet der Zusammenhang von ahd. hegetuba mit hegen 
und hagetüba mit hac 'Gehege' darauf, daß es sich hier um 
zahme oder halbzahme Tauben handelt, die in Parks oder Ge- 
hegen vorkommen; vgl. tübhaie S. 210. In mhd. Zeit ist der Aus- 
druck heitube, haciübe noch belegt, stirbt aber bald aus. In den 
Quellen des 16. Jhs. werden die gezähmten Tauben Zamctauben 

1 holetvba von zweiter Hand unter heketuba (Steinmeyer). 



Haustaube. 219 

(bei Eher und Peuoer Vocab. (1552) 8. ES 5b), Zamtaub (im 
Strassburg. Vogelb. (1554) V. 332), Hußtube (bei Gesner Bist 
avium s. 268) genannt Bei Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) 8.237 
werden die tarnen Eeimifche Taube, Flug Taube und fkhlag 
Taube angeführt Der Letztgenannte Ausdruck, der bereits im 
Vocabularius optimua XXXVII. 95 (Bd. Wackernagel S. t3) be- 
legt ist, wird von Gesner (kaum richtig) als Synonymen zu 
"Holtztub" angeführt Bei Juniua Nbmenclator (1581) S. 55b ist 
ndl. Slach duym die Haustaube. 

Die Flugtauben erwähnt auch Eohberg Adeliches Land- 
leben IL 397 Kap. TXYII als gemein«' Art im Gegensatz zu 
anderen kostbaren Arten. Genaue Angaben über die Tauben 
findet man bei Popowitsch Versuch (17S0) S. 568. Kr unter- 
scheidet die Haustauben, "die nicht auf das Feld fliegen, sondern 
in den Stuben erzogen werden", von den Feldtauben oder Flug- 
taube}^ "welche außer dem Winter ihre Nahrung auf den Keldern 
suchen, und gemeiniglich kleiner als die Stubentauben sind". 

Diese "Feldtauben" werden schon im 15. Jh. erwähnt. 
In einer Version des Märchens vom Zaunkönig (Erlösuug, heraus- 
gegeben von Bartsch S. XLY) erscheint neben der haetübe auch 
die felttube, außerdem kommt der Ausdruck in einem Vokab. 
aus dem Jahre 1466 * vor, im 16. Jh. Feldttaub im Strassburg. 
Yogelb. Y. 333. Gesner nennt S. 268 die Veldtuben bij den hüferen 
auch Veldböck, im Strassburg. Yogelb. V. 340 heißen sie Feld- 
recken 1 . In Westfalen, Altmark, Göttingen und Grubenhagen und 
in Preußen sind diese Tauben unter dem Namen Feldflüchter 6 
bekannt; bei den Taubenliebhabern in Holstein heißen sie Hicksen\ 
in Preußen Spocht : \ Der Ausdruck Pastetentaube, den Klein Hist. 
av. prodr. (1750) S. 118 neben Pauertaube erwähnt, kommt nach 
Adelung III, 978 daher, daß man die Feldtauben in die Pasteten 
zu füllen pflegt. Synonym mit Feldtaube ist wohl der Ausdruck 



1 Diefenbach Novum glossar. S. 278a. 

2 In dem Vogelnamen hat Recke die verschlechterte Bedeutung, 
die in der Schweiz und im Elsaß vorkommt. 

3 Woeste 288, Danneil 44, Schambach 258, Frischbier I, 184. 

4 Korrespondenzbl. 1. ndd. Spracht. XVI 1. 3. 

5 Frischbier II. 355. 



220 Haustaube. 

haidtaub 1 in einem Yokab. vom Jahre 1429 und heidentube 2 im 
Yocab. ine. theuton. ante lat. (1515); in Unger-Khulls Steir. Wortsch. 
S. 336 wird für Heidtaube die Bedeutung 'Wildtaube' angesetzt. 
Wahrscheinlich ist der Name aus ahd. heitüba (hegetüba) hervor- 
gegangen. 

Eine Art Feldtauben sind wohl auch die Kirchtauben, die 
bereits im 13/14. Jh. erwähnt werden : kilchtübe bei Heinzelin von 
Konstanz V. 602, kirchtuber im Renner Hugos vonTrimberg V. 7020. 
Im Strassburg. Vogelb. V. 340 heißen sie Kirchrecken*. Es sind 
wohl die "colunibae saxatiles", von denen Varro berichtet, daß 
sie aus natürlicher Furcht sich auf den höchsten Firsten der 
Dächer aufhalten. 

Mit der allmählich wachsenden Taubenzucht kamen eine 
Menge von Spielarten der Tauben auf, die in der Sprache der 
Liebhaber ihre besonderen Namen erhielten. Ausländische Tauben- 
arten werden zuerst im 16. Jh. von Gesner Hist. avium S. 269 ge- 
nannt. Danach gab es in der Schweiz Tauben, die ganz weiß, 
andere die ganz schwarz waren, eine dritte Art, die bis auf den 
Kopf und die Füße schwarz und eine vierte, die graublau war. 
Abgesehen von diesen Farbenschattierungen kennt Gesner Tauben 
mit geschöpften Köpfen, die man "Cypriae" nennt, andere wie- 
der von Lerchengröße mit schmächtigen Schnäbeln und bis auf 
die Zehenspitzen dicht befiederten Füßen, die wegen ihrer 
Heimat Russicae oder "besser" Anglicae genannt werden (ge- 
hößlet oder Reuffifch Tauben); von diesen sollen die besten in 
Venedig zu haben sein. Ungefähr gleichzeitig mit Gesner nennt 
der Verfasser des Strassburg. Vogelb. V. 332. 333 u. a. auch 
kriechisch und citrinifch Tauben. Die erstere Art ist wohl 
mit den cy prischen Tauben bei Gesner identisch, die letztere 
scheint nach der gelben Farbe (mittellat. citrinus) benannt wor- 
den zu sein. - - Schwenkfeld, der im Ther. Sil. (1603) S. 239 
die gehosteten oder Reuffischen Tauben nach Gesner anführt und 
für die beschopfte Art den Ausdruck Köppichte Tauben (bei 



1 Diefenbach Novum glossar. S. 278 a. 

2 Diefenbach Glossar. S. 408 a. 

3 In dem Vogelnamen hat Recke die verschlechterte Bedeutung, 
die in der Schweiz und im Elsaß vorkommt. 



Haustaube. 831 

Bohberg a. a. 0. die haubeton Tauben) gebraucht, erwähnt außer- 
dem noch die florvegifchen Tauben and WoUeckte Tauben, bei 
denen «las Gefieder brausig ist 

In Kinns Bist av. prodr. (1750) 8. L18t werden von den 
Varietäten zahmer Tauben der Kropffer : Oropper oder Krepper, 
die Pfautaube, die Vavedette, die Trummdtaube, der Klatzfcher, 
der Taumln- and der Bastard aufgezählt Die erstgenannte 
Art die bei Bohberg und Popowitsch ferro/fe) Türkifche Täubt 
oder Kropftaube ("bläßt ihren groffen Kropf im Beulen auf") 
genannl wird, heißt in Holstein. Preußen und Altmarh Kr^ßper 1 , 
in der Pfalz und Luxemburg Kröppn-r', in Göttingen und 
Ghrubenhagen Brögfer 8 , in Thüringen lin<si<r\ tote Pf auentaube 
(auch bei Bohberg erwähnt), die im Gehen den Schwanz aus- 
breitet, wird von Popowitsch Schüttelkopf genannt, "weil sie den 
Kopf und Hals immer beweget"; in Luxemburg heißt Bie 
Poschwan2 : > Tl'auenschwanz'. Unklar ist der zuerst von Klein 
bezeugte Ausdruck Pavedette für die Brieftaube. In diesei 
Fenn ist das Wort von Adelung Ui, 986 gebucht, der die 
Varianten Povedette, Pawedette und Pandette (so auch bei Schütze 
Holst. Id. 1800 6 ) als niedersächsisch bezeichnet; bei Popowitsch 
Pavedotte. In Holland wird das Wort pagadet nicht nur für 
die dickschnäbelige Brieftaube sondern auch für den Kern- 
beißer verwendet. — Die Trummeltaube (columba cypria), 
deren Vaterland nach Popowitsch Rußland und England ist. 
hat den Namen erhalten, weil rt sie purt als wenn man eine 
Trommel rührte"; Trummeldüw 7 in Altmark. Dem Klatschet 
ist der Name gegeben worden, "weil er klatschet, indem er 
einen Laut von [ich giebt wie die Kutfcher, wenn fie Pferde 
zum Gehen antreiben" (Popowitsch). 

Allgemein bekannt sind die Taumln: welche im Fliegen 
Purzelbäume zu schlagen pflegen 8 . In Göttingen und Gruben- 

1 Korrespondenzbl. f. ndd. Spracht XVII, 3, Frischbier l. i:U. Dan- 
neil 44. 

2 Wb. d. Luxemburg. Mundart 250 und Heeger Tiere im pftlz. Volks- 
munde II, 9. 

3 Schambach 52. — 4 Hertel76. B Wb.d. Luxemburg. Munda; 

6 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVII. 3. 

7 Danneil U. — 8 Vgl. Hahn Haustiere S. 333 f. 



222 Haustaube. 

hagen nennt man sie Tümelmr 1 , in Altmark Dümmler*, in 
Holstein Tümmler*: in Steiermark heißen sie Purzeltaube*, im 
Elsaß Bürzeltube 5 , in Luxemburg Bürzel m. (für Burzeltaube, 
wie Mistel für Misteid rostel, s. S. 60). 

Popowitsch unterscheidet außer den erwähnten Spielarten 
noch die afrikanische oder numidische Taube, die Monattaube 
(in Sachsen Mondtaube, in Altmark Maondüw 2 ), welche alle 
Monate heckt, das Mövchen, welches zart ist wie die Möven, 
und die Zopftaube, welche wohl mit der von Gesner erwähnten 
beschopften Art übereinstimmt. Der Ausdruck Mewe 1 e Möve' 
kommt in den Mundarten von Göttingen und Grubenhagen und 
von Altmark vor, in Luxemburg wird diese Taube Bibedeck, 
Bidebeck 8 genannt. — Die gehaubten Tauben haben in Göttingen 
und Grubenhagen den Namen Mönek 9 (Mönch), in Luxemburg 
Kapeziner 10 m. (Kapuzinermönch) oder Mourekäp 10 f. (Mohren- 
mütze), auch in Altmark Mörnköpp oder Schleierdüw 2 . Weitere Art- 
benennungen sind Stardauf 10 f. (Startaube) in Luxemburg, Muter 11 
m. (eine Varietät mit schwarzer Farbe) in Göttingen und Gruben- 
hagen, Rotgalster 12 m. (eine rothalsige Taubenart) in Schlesien; 
der letztgenannte Ausdruck ist als e Rotelster a (Galster in Steier- 
mark = Elster) zu verstehen, vgl. Elster 2 als Namen einer Tauben- 
art in Altmark. 

Eine nahe Verwandte der Turteltaube ist die in der 
Angenehmen Land-Lust (1720) S. 311 und von Popowitsch ge- 
nannte Lachtaube (kleine Türkifche Taube), columba risoria 13 ; 
in Luxemburg Ldchdauf li . 



1 Schambach 236. — 2 Danneil 44. 

3 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVII, 3. 

4 Unger-Khull 132; die Bedeutung ist nicht richtig angegeben. 

5 Martin-Lienhart II, 644. 

6 Wb. d. Luxemburg. Mundart 58. 

7 Danneil 137 und Schambach 52. 

8 Wb. d. Luxemburg. Mundart 32. — 9 Schambach 52. 

10 Wb. d. Luxemburg. Mundart 210. 291. 419. 

11 Schambach 140. 

12 Weinhold Beitr. zu einem schles. Wb. S. 25. 

13 Hahn Haustiere S. 340 f. 

14 Wb. d. Luxemburg. Mundart 256. 



Strauß, struthio camelufl 383 



VII. Kurzflttgler, Brevipennes. 

Straufi, b1 rui li io camelus. 
ahd. strü;:Sg.Nom. rfrtorstrutio MdhelmiAenigm. 266,26 
cod. SGalli 242, 31. Job 80, 29: Clm. L9440, L85 '. Cod. Vatican. Reg. 
1701, 2b. Leviticus LI, L6 f : Clm. 18140, 14 a, cod. Turic. Rhenov. 
66, is. cod. Stuttg. herm. 26, 13 a, cod. Angelomont. I MI. 10b: 
cod. Lugdun. I'.'i I'. 66a. Esaiaa 13,21: Clm. 18140, L16b, Clm. 13002, 
222a. Versus de irolucr. H. S. III, 17. XI a2. b. Clm. I4689f. 17;. 
cod. Selestad. 109b. cod. Vindob. 804 f. 186b. cod. Guelpherbyt. Aug. 
10. •'». fco f. 89a, struua: cod. Berol. Ms. lat. S" 7:;. 124a, ttorud: cod. 
sem. Trevir. f. 112b. tiruth'. cod. Parisin. 12269 f. 58b. strux: cod. 
SGalli 242, 248b. rtral: Leviticus 11, 16: Clm. 14584, 129b. struze: 
Versus de volucr. — Akk. — struz: Anhang z. alt. u. neuen Testam.: 
Leviticus 11, 16: Clm. 14747, 96b; struz: cod. SGalli 295, 126, cod. 
SGalli 9, 276, cod. SPauli XXV d/82, 37a, strnz: cod. Stuttg. 11. . ei 
phil. f. 218, 13c. — PI. Nom. — struzza: Esaias 13, 21 : cod. Wirzib. 
Mp. th. f. 20, 10b: Clm. 14689, 39a, struza : Clm. 18140, 188b, Clm. 
19440, 343, cod. Vindob. 2723, 35b, cod. Vindob. 2732, 43a, struzo: 
cod. Gotwic. 103, 55b, struzzi: Clm. 22201, 240c. struzen: Job. 30. 
29 : cod. Stuttg. herm. 26, 29 b, cod. Angelomont. 1 4/11, 41 a, struizin 
cod. Turic. Rhenov. 66, 69. — Gen. — struzo: Job 30, 29: Clm. 4606, 
128b, struli: Clm. 14584, 144a. 

Über die erste Bekanntschaft der germanischen Völker mit 
dem Vogel Strauß geben die historischen Quellen keinen Auf- 
schluß. Die Sprachgeschichte zeigt aber, daß der südliche Vogel 
den Germanen durch die Römer bekannt wurde, denn sein 
Name ist in die germanischen Sprachen aus dem Latein über- 
nommen. Hier lautet die Benennung struthio oder strüthocamdus 
(nach dem griechischen cipouGöc n, uerdXn. (Xenophon Anab. I. 
5, 2) oder crpouööc 6 ev Aißun. und crpouBiujv, cTpouOiov). Ans 
der lat. Form strütio erklärt sich nur ags. strtfta* in den Corpus- 

1 struthionum Vulg. — 2 struthionem Vulg. 

'» Schwer zu beurteilen ist ags. finita in Glossen des 10/11. Jhs. bei 
Wright-Wülcker I, 258'. Nach Pogatscher Zur Lautlehn- der lat.-rom. Ele- 
mente S. 131 § 217 läge hier nur eine graphisch ungenaue Variante von 
strt/tu vor. Als angelsächsische — und nicht altsächsische — Glossen sind 
wohl strud und struth in dem Pariser Glossar mit Vogelnamen und im 
Trierer Codex zu betrachten, denn diese Handschriften weisen auch sonst 
angelsächsisch gefärbte Glossen auf : coscirila (= cuscote) in den Pariser 
Glossen und radam* (= hreapemiis) in dem Trierer Glossar. 



224 Pfau, pavo cristatus. 

glossen aus dem 8. Jh. bei Wright-Wülcker I, 48 37 , dagegen 
setzt die entsprechende ahd. Namensform strÜT, lautgesetzlich die 
Vorstufe * strüt- ohne folgendes geminierendes j voraus. Die 
Grundform * strüt- ist vielleicht aus der germanischen Flexion 
(*strütj-o : *strüti-) zu erklären; an die lat. Namensform strüto- 
camelus neben strütio(camelus) ist dabei kaum zu denken. Die 
Entlehnung wird in der Zeit der ersten germanisch-römischen 
Beziehungen stattgefunden haben. Vgl. Kluge Vorgeschichte 2 
S. 345. Spätere Entlehnungen, welche bereits die Assibilierung 
der Konsonantenverbindung tj- voraussetzen, sind anord. strüz 
(in der Didriksaga), dän. struds, schwed. struts und mnd. mndl. 
strtls, nndl. struis. Die letzteren Formen können auch aus dem 
Hochdeutschen entlehnt sein. 

In den romanischen Sprachen finden sich neben den Fort- 
setzungen des lat. strüthio (ital. struzzo, provenz. estrus) auch 
Namensformen, welche einem Etymon avis strüthio entflossen 
sind: span. avestruz und frz. aufrücke aus afrz. otruche (daraus 
nie. ostriche, ne. ostrich). Eine ähnliche Bildung ist im Deutschen 
Vogel Strauß (elsäss. Vogel Struß 1 ), doch ist die Übereinstimmung 
mit den romanischen Bildungen nur zufällig. Der verdeutlichende 
Zusatz wird auch vor anderen Vogelnamen angewendet, so z. B. 
Vogel Pfau, Vogel Pirol — Während in der deutschen Schrift- 
sprache die starke Flexion des Namens herrschend geworden 
ist, haben sich die schwachen Formen, die in der alt- und 
mittelhochdeutschen Sprachperiode nur spärlich belegt sind, noch 
in Mundarten erhalten. 

VIII. Hühner, Rasores. 

Pfau, pavo cristatus. 

Ahd. pfä(w)o: Sg. Nom. —phao* pao : cod. Gasseil. th. 4° 24, 16a. 
cod. SGalli 242, 248 a. Carmen de Philomela 26: cod. mus. Britann. 
Add. 16894, 245a, phaho 2 : cod. Vindob. 247, 223 a. fao : Aldhelmi 
Aenigm. 251, 16 : cod. SGalli 242, 25. pao 3 : cod. Parisin. 12269 f. 58 b. 
cod. Berol. Ms. lat. 8<> 73, 124a, po: cod. Parisin. 9344 f. 42b. pauos: 



1 Martin-Lienhart II, 636. 

2 Wegen Ausfalls des inl. w und Eintretens von h s. Braune Ahd. 
Gramm. 2 § 110 Anm. 1 u. 3. — 3 Der Beleg ist wohl niederdeutsch. 



I'l'au. pavo rri.statiiv 

Re um lll. LO, 82 cod. angelomonl I I LI, 21b. pauuo Jnnoniuj ai<.-s : 
Aviani fabulae L5, l : cod. Trevir, I i 1 famto anii I 

Jerem. 12. '.»: cim. I'.t« K), :;i:t .,,;,., is de volucr. H > III 17 

XII,. e. phauo: Gll. Salom. d: Clm. 28496, 2&.phou»: cod. Vindob. 
804 r. L86b. Versua .!<■ volucr. II. s. III. 17. XI a 2. phau: cod 
■tad. f. L09b, phnr •: ein.. 1 1689 i <7.i. IM. Akk. — pmrn* \ i 

um 111. 10,22: cod. Caroteruh, Aug. CXXXV,98b, pmm*. phauun 
cod. Stuttg. tli. ei phil. fol. 218, 31b; (»kun. cod. SGalli 296 UM 
pfahon: Clm. L4684, 136 a, phawon: cod. Stuttg. berm. 26, I9b,pha- 
irin : cod. Turic. Rhenov, 66, 36. 

Ableitungen und Komposita: pfftwin 'Pfauhenne* (eine 
Feminine >»v4- Ableitung): phain paua : Cod. Cassell. Ih. 4fl 21. L6a. 
— pfawenfßdera "Pfauenfeder' : fduuenftderon (ex) pauonum 
pennia : Notker Capella de nupt. 1, 33. 

Wie der Strauß, so ist auch der Pfau den germanischen 
Völkern von Rom aus bekannt geworden. Und zwar fallt die 
Übernahme dos lat. jxlvo in die gleiche Zeit der ält<-st<'n germ.- 
römischen Beziehungen wie die des Straußennamens: als chrono- 
logische Kriterien kommen hier die Beibehaltung der lat. Qualität 
des r-Lautes und die Verschiebung des anlaut. p ebenso wie die 
Beteiligung der Angelsachsen an der Entlehnung in Betracht 
Direkte geschichtliche Zeugnisse für die Einführung von Pfauen 
oder von deren Federn in den germanischen Ländern sind nicht 
zu finden. Zur Zeit der Entstehung der Volksgesetze hat der 
el in Deutschland keine größere Bedeutung gehabt, da er in 
!i nicht erwähnt wird; im Kapitular Karls dos Großen gehört 
or zu dvn Ziervögeln, welche "pro dignitatis causa* 1 gehalten 
wurden, vgl. Schrader Reallexikon s. iils und 854. — Das 
Lehnwort findet sich in allen germanischen Dialekten, 
ahd. pfdwo, mhd. pfätoe, mnd. pdive, mndl. pmt. nndL paauw, 
Mes.jxiH. zgs.pdwa (gewöhnlicher pic^ «las Sievers A.gs. Gramm. 8 
£111 Anm. 2 aus der urags. obliquen Form *pa(w)un erklärt), 
me. pd (gewöhnlicher pöcock > ne. peacock, -hen) und anord. ptft, 
pd-fugl, dän. paafugl, schwed. päfägel; die nordischen Namens- 
formen sind jedoch wohl aus dem Englischen übernommen 
worden, vgL Cook VF. V, 166. 

I oder phao (Steinmeyer). 

•_> h ist einer angelsächsischen Vorlage abgeschriel* 

3 i. penn im Context (Steinmeyer). 
sn olahti, Vogelnamen. ' 



226 Fasan, phasianus colchicus. 

Auffällig sind die in mittelniederdeutschen Quellen neben 
pawe, panue vorkommenden Namensformen paw(e)lün, pagelün, 
die in den heutigen Mundarten verbreitet sind. Turner Avium 
hist. (1544) S. G 8a und Gesner Hist. avium (1555) S. 630 
führen Pagelün als die niederdeutsche Namensform an; auch 
bei Chytraeus Nomenciator (1582) S. 375 Pagelün. Richey Id. 
Hamburgense (1755) betrachtet Pauluhn als die normale Laut- 
form und bezeichnet Pageluhn als einen Ausdruck der Bauern- 
sprache. Schütze Holst, Id. (1800) verzeichnet Pauluiin und Page- 
luun. Heute gilt Pagelün 1 in Hamburg und der Grafschaft 
Ranzau 1 , Mecklenburg 2 , Pommern 3 und Altmark 4 , Pa{g)gelünel. 
in Fallersleben 5 und Fürstenberg 6 , Pdgelon in Paderborn 6 , 
Pdgalün, Pdgalüne 1 m. und Patvelüneike) 1 m. in Göttingen; im 
Ostfriesischen Paulüne*. Aus frz. pavillon kann der Ausdruck 
nicht erklärt werden 9 . Aber möglich ist, daß der Vogelname 
in der Form Päwenhön Tfauenhuhn 5 sich an das französische 
Lehnwort Pawelüne, Pauhm(e) anlehnte. Dafür spricht der Um- 
stand, daß die Umdeutung nur in Niederdeutschland, avo beide 
Worte im Anlaut übereinstimmen, nachweisbar ist. Die Namens- 
form Päwenhän 10 , wo der Pfauenname durch Hahn verdeutlicht 
ist, kommt in Recklinghausen vor; in Thüringen Pfaumenhän 11 . 
Auch sonst wird der Name durch Hahn oder Huhn, Henne 
(ebenso wie engl, peacock, peahen) gerne erweitert, wo es gilt, das 
Geschlecht hervorzuheben, vgl. elsäss. Pfönhahn 12 'männlicher 
Pfau, Pfäuhuhn 12 "weiblicher Pfau', luxemburg. Pohong™ Tfau- 
weibchen' {Pohunn, Poahunn n m. Tfau'). Die alte Feminin- 
bildung pfdwin (bei Gesner (1555) S. 630 Pfchciri) ist bis auf 
den heutigen Tag noch üblich geblieben. 

Fasan, phasianus colchicus. 

Ahd. fesihuon:Sg. Nom.— fasihuon fasianus : Versus de volucr ., 
fasehün: Versus de volucr.. fashön: Versus de volucr. fesahuon: 

1 Korrespondenz^, f. ndd. Sprachf. XVII, 2. 

2 Schiller Zum Tierbuche 1, 9. — 3 Schambach 151 f. 

4 Danneil 151. — 5 Frommann D. Mundarten V, 158. — 6 Woeste 93. 

7 Schambach 151 f. — 8 Jb. f. ndd. Sprachf. XI, 112. 

9 Vgl. S< hiller-Lübben Mnd. Wb. 111, 311. 
10 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVII, 5. — 11 Hertel 179. 
12 Martin-Lienhart I, 311. 346. — 13 Wb. d. Luxemburg. Mundart 340. 



Fasan, phasianus colchicus. 887 

fasida 1 : Ksaias ; cod. Stuttg. th. et phil. 818, Mb. - PL N«»m. — 
fusihuanir pha&ides aucs * : I 'ruuVril ins Ham. COd. fluHpherbyt. 

Wiss. 77,40b; fe*ihon4r: cod. mos. Britann. Add. 16894, 166 h 

hnnur : COd. Gotwfc. ■•■(. 66 d : phtsi hOHOT COd, Turic. C 164, 147 b; 

fisiohoncr ' : cod. com. de Apponyi 119 b; fori huner: Clm. L8106, 
99b (13. Jh.). 

Als dritter in der Reihe südlicher Vögel, welche die 
Deutschen von den Römern kennen Lernten, geselll sich zu dem 
Pfauen und dem Strauß der Fasan. Die Römer, in derei 

i der Kasan in großer Zahl vorkam 4 , nannten ihn mit der 
griechischen Bezeichnung (avis) phasianus (= griech. cpaciavöc) 
oder (avis) phasis, d. h. der Vogel vom Flusse Phasis. Diese 
Benennung wurde von den Deutschen als *fasian übernommen 
und im Anschluß an das naheliegende Wort hon zu fasihön 
; ffShhuon umgestaltet. Die Zeit der Entlehnung ist schwer 
festzustellen, da lautliche Kriterien ebenso wie geschichtliche 
Zeugnisse hier gänzlich versagen. Zu bemerken ist jedoch, daß 
die Angelsachsen das Lehnwort offenbar nicht gekannt haben; 
in den Glossen wird lat. phasianus immer mit dem einheimischen 
Vogelnamen wiWhana 'Auerhahn' glossiert. Zum ersten Mal ist 
der Fasan in England erst im Jahre 1299 bezeugt, wo er bereits 
mit dem französischen Namen fesaund bezeichnet wird (s. XKD. 
VII. 770). Ein von Swainson The Folklore S. 171 angeführtes 
früheres Zeugnis für das Vorhandensein des Vogels in England 
ist ein lateinisch geschriebener Küchenzettel für Priester aus 
dem Jahre 1059; doch ist nicht ganz klar, ob unus phasianus 
hier den Fasan oder den Auerhahn meint. — In Deutsehland 
waren die Fasanen jedenfalls zur Zeit Karls des Großen in den 
Gehegen der vornehmen Leute nicht selten, wie aus den Kapi- 
tularien zu ersehen ist. Die späteren Zeugnisse für die Ver- 
breitung dieser Vögel hat Hahn a. a. 0. zusammengestellt 

Die in ahd. Handschriften belegte Benennung fesihwm wird 

1 Diese Glosse kann ich nicht nachweisen (Steinmeyer). 

2 In einer der Hamartigenie angehängten, nur «renige Zeilen be- 
fassenden Glosa. Diese Glosse erschein! in anderen Hss. bei Ham. 368 
- inmeyer). 

3 Am Rande am Schluß einer Bemerkung zu V. 368 (Steinmeyer 
I Vgl. Hahn Hanstiere S. 323. 

15* 



228 Huhn, gallus. 

verdrängt durch das französische Lehnwort fasän, fasant (aus 
afrz. faisan, faisant), welches mit der fremden Kulturströmung 
des 12. Jhs. sich einbürgert. Zum ersten Mal ist die französische 
Namensform in einer Glossenhs. des 12. Jhs. bezeugt: Hythin, 
filius progne. et dicitur taha. I pro pirihhön l auis italica qu§ 
fasan dicitur: Horat. Carm. IV, 12, 5: Clm. 375, 62b; vgl. auch 
Ahd. Gll. III, 27 5 (Versus de volucribus), Lexer Mhd. Wb. III, 27, 
Diefenbach Glossar. S. 226 c. 227 a. Derselben Quelle wie die 
mhd. und mnd. Lautform entstammen auch mndl. fasaen, faysant, 
nndl. fazant, fries. fesant, me. fesaunt, ne. pheasant. 

Die Umdeutung Fas(s)han, welche in mhd. Quellen begegnet 
und im 16. Jh. z. B. bei Hans Sachs Regim. der Vögel V. 86 
vorkommt, findet man auch in neueren Zeiten; in der älteren 
steirischen Mundart Fashuhn 1 . 

Wie der Pfau, so wird auch der Fasan als Huhn aufgefaßt. 
Die Geschlechter werden als Fasanhenne (mhd. vasanthenne) und 
Fasanhahn (mhd. vasanthan) unterschieden. 

Huhn, gallus. 

Ahd. huon: Sg. Nom. — fhaz hnan Otfrid IV, 13,36. 18, 34. 
huon pullus : Cgm. 5248, 2 nr 2 f. 2 b. cod. Guelpherbyt. Aug. 10. 3. 
4o f. 89 a, hunt 2 : cod. Parisin. 9344 f. 42 b, hon : cod. Berol. Ms. lat. 8<> 
78, 124b. höon: cod. sem. Trevir. R. III. 13, 108b. hun : cod. Vindob. 
804 f. 185b. — PI. Nom. — honir: cod. Cassell. th. 4° 24, 16a. cod. 
Cheltenham. 18908 f. Ib. huanir : Abdiae De Johanne 582: cod. 
SGalli 292, 151, hnaner: cod. Carolsruh. SPetri 87, 83a. hvnir: cod. 
Selestad. 109 b. 

Ableitungen und Komposita: huoninkilin n. 'Küchlein, 
junges Huhn': Sg. Nom. — honchli pulcins s : cod. Cassell. th. 4° 24, 
16 a. huonnichili pullicinus : Cgm. 5248, 2 nr 2 f. 2 b. hunichlin pul- 
cinus: cod. Vindob. 804 f. 185b. huneclin pullus: Rotul. com. de 
»Mülinen Bern, huniklin pullus. X pulcinus : H. S. III, 17, höninchil 
pulcina: H. S. XI b : cod. Admont. 269, 63a. — PI. Nom. — honic- 
chili pulcini : cod. Cheltenham. 18908 f. 1 b. honicli pulcini : cod. 
Vatican. Reg. 1701, 2 b. hvnicliv pullini : cod. Selestad. 109b. — 
Akk. — zuuei. iungi. huaninchili duos pullos: Lucas 2,24: cod. 
SPauli XXV a/1, 2a. huoniclin pullos: Tatian 142, 1. hudnichlin 
pullos : Notker Ps. 108, 5 (Glosse). 



1 Unger-Khull 214. 

2 ein unorganisches / findet sich auch sonst in diesem Glossar. 

3 frz. poussin aus lat. imllicenus (Steinmeyer). 



Huhn, gallo*. 

huonirin Adj. vom Huhne, Hühner-*: huonfrinerkano gallus 
gafficinius 1 : Btaiaa 82, 17: Clm. L8140 f. 189a, Clm. 19*40 
hponiriner: cod. Vindob. 2728, B6a, hfontolner: cod.Vindob. 2732, 
48b, huoneriner: cod. Gotwic. LOB, 66b, humHner: Clm. 22201, 

840C, h'tnritur. Clin. 18002,222a, h« ,nri ,*>■ r : Clin. 14689, i";t 

liiiiim rdarm (Pflanzenname): hunerdarm moron: cod. Vindob. 
2400,128a, cod. Bern. 722, I. Lb, Clm. 2612, 92 b. 

Alul. hano : Sg. Nom. — hano gallüS : cod. SGalli 911, M 
Parisin. 7640, L24e. Parabola 30, 31 : cod. Carolsruh. Aug. IC, 88b. 
Murbacher Hymnen 26, 6, 2. 4. Monseer Fragmente 23, 17. 19. 
Tatian L61, l L88, 5.6. Otfrid IV, 13, 36. 18, 33. cod. Cassell. th. 
I" 24, 16a. cod. Cheltenham. 18908 f. lb. cod. SGalli 242, 246a. 
Aldhelmi Aenigm. 253, 13: cod. SGalli 242, 27. H. S. III, 17, allo- 
brox: XIa2. b, gallus gallinatius: a 2, gallus gallinatius : b. Gll. 
Salom. a 1. cod. Selestad. f. 109 b. hano heninnono gallus gallinatius : 
Sapientia 2 : cod. Carolsruh. Aug. IC, 90 b. huonirinerhano gallus gal- 
licinius 3 : Esaias 22, 17: Clm. 19440, 344, Clm. 18140, 189a. ranü 
hano 4 gallinatiu s gallus : cod. sem. Trevir. R. III. 13, 106a. hone: 
Rotul. com. de Mülinen Bern. cod. Vindob. 804 f. 185b. — Dat. — 
henin: Murbacher Hymnen 25, 6, 1. — PI. Nom. — hanon galli 
castrati: H. S. XI g, t hanin: e. 

Ableitungen und Komposita: henna f. 'Henne' : Sg. Nom. 
— henna (gallina) : cod. Cheltenham. 18908 f. lb. Notker Ps. 108. 5 
(Glosse). H. S. III, 17. XIa2. b. Gll. Salom. al. heinna 5 cornix !* 
gallina: Cgm. 5248, 2 nr 2 f. 2b. cod. Selestad. f. 109b. Henne: cod. 
Vindob. 804 f. 185b. hene: Rotul. com. de Mülinen Bern. 

henin f. 'Henne' : Sg. Nom. — hanin gallina: cod. Cassell. th. 
4o 24, 16a. henin: Tatian 142,1. cod. SGalli 242, 248a. H.S.XIa2: 
cod. Berol. Ms. lat. 93 8°, 15b. — PI. Gen. — hano heninnono gallus 
gallinatius: Sapientia 2 : cod. Carolsruh. Aug. IC, 90b. 

hanenbein (Pflanzenname): hanenbein gallicrus: Rotul. com. de 
Mülinen Bern. 

hanaberi (Pflanzenname): haneberi labrusca: Sedulii Carmen 
paschale 1, 45: cod. Carolsruh. SPetri 87, 93b. 

hanafuoz, h an enfuoz (Pflanzenname): hanefüz herba scele- 
rata. 1 apium rusticum. i. : H. S. Anhang a. gallipes. J gallicrvs: Clm. 
2612, 92a, hanenfuz: cod. Bein. 722, l, ta. capnos: cod. Vindob. 10, 



1 gallus gaUinacetu Vulgata. 

2 gallus gaUinacius nur Esaias 22, 17. hier wohl durch avie 5, 11 
veranlaßt (Steinmeyer). 

3 gallus gaUinaeem Vulgata. — 4 = reiniee >'■ nmeyer . 

5 Wegen der Schreibung ei vgl. Braune Ahd. Gramm. 2 § 26 Anm. 4. 
'i J scheint nachgetragen (Steinmeyer). 



230 Huhn, gallus. 

336 d. herbam exsceleratam : Rotul. comit. de Mülinen Bern. Z. IM, 
hanin uuoz exscelerata : Rotul. com. de Mülinen Bern, gallicrus: 
Gll. Salom. a 1. gallicrus : Apuleii de medicam. herbarum liber XLV 
z. 1: cod. Londin. Harl. 4986, 15b. 16a. brennekrut vel hanenfüz : 
Umordn. H. S. II, 15. H. S. IV, 7: cod. Turic. C 58, 98a. 

hanenkamb (Pflanzenname): haninchamp heraclea : Apuleii de 
medicam. herbarum liber LXXII: cod. Londin. Harl. 4986, 24a. Gll. 
Salom. a 1. d. hanencanp crista : Prudent. Psych. 117 : cod. Vatican. 
Reg. 469 f. 47b. Xrista: Rotul. com. de Mülinen Bern. cod. Vindob. 
2400, 127 a. Glm. 2612, 91b. 

hana erat 'Krähen des Hahns; Zeit dieses Krähens': zi hana- 
crati Tatian 147, 7. hanachrdt pullorum cantum : Tobias 8, 11 : cod. 
Vindob. 2723, 64 a, cod. Vindob. 2732, 74b, Clm. 19440, 327, Clm. 
18140, 87b, cod. Gotvvic. 103. 74a, hancret: Clm. 22201, 246e, hane- 
chrat: Clm. 13002, 225 b. gallicinium : cod. Cheltenham. 7087, 143 b. 
gallicinium : H. S. XI a 2. 

hanavvurz, hanenwurz (Pflanzenname): hanenivrz pulpedo 1 : 
cod. Vindob. 2400, 128 b, Clm. 2612, 93a, cod. Bern. 722, 1, 2 a 
gallipes. ( gallicrvs: cod. Vindob. 2400, 127a. exscelerata: cod. Vin- 
dob. 10, 337 c. Rotul. com. de Mülinen Bern, brennewrz. t hanembz 
herba scelerata: H. S. IV, 7, brennkvrz. t haneivz: Clm. 2612. H7a. 

Alles was sich über die Geschichte des Haushahns er- 
mitteln läßt, deutet darauf, daß die Indogermanen während ihres 
Zusammenlebens den Yogel noch nicht gezähmt hatten, sondern 
daß er bei den einzelnen Völkern zu sehr verschiedenen Zeiten 
eingeführt ist. Über die Gründe, welche die Zähmung des 
wilden Bankivahahns (gallus ferrugineus) zunächst bewirkten, 
sind die Meinungen sehr geteilt. Hahn Haustiere S. 299 ff. 
betont dabei die Eolle des Yogels in Kampfspielen und als 
Zeitverkündiger; erst allmählich im Laufe seines Zusammen- 
lebens mit dem Menschen habe man gelernt, den Haushahn auch 
als Nutzvogel zu schätzen. Vgl. auch Schrader Reallexikon 
S. 322ff. 

Über die älteste Geschichte des Haushahns bei den Ger- 
manen geben uns keine historischen Quellen Aufschluß, und 
aus der Sprachgeschichte kann man ebenfalls keine sicheren 
Anhaltspunkte gewinnen. Die germanischen Sprachen benennen 
ihn mit einem gemeinsamen Namen: ahd. asächs. hano, mhd. mnd. 

1 Das Wort scheint aus polipodium zu pulli pedem umgedeutet 
(Steinmeyen. 



Huhn. gallUS. 

tnndl. hatte, imdL Äoan, ags. hrnm. afries. hona, got hana, anord. 
/icftti. dän. schwed. hane. Daneben findet -ich als kommune 
Bezeichnung ein ablautender neutraler 09-Stamm N A4nt2 im ahd. 
ftuoti (Plur. -in nilid. ////o//. asächs. mnd. hön, tnndl ondL /*<*?>*, 
anord. //«//>-. äjbm, aus der Pluralfonn hJti(i)sn entstanden (Noreen 
Anord. Gramm. 1 §§ 239, I und 250), dän. htm*. schwed. höns und mit 
derselben Vokalstufe die Femininbildung hdniön im anord. hünn. 
dän. tane, schwed. höna 1 . Der germanische Name hanan- i>r 
schon bei Ihre mit lat auwtf "singen' zusammengestellt and als 
•Sänger* gedeutet 8 ; derselbe stamm \&i noch vorhanden im lat 
gaüiciniwn 'Hahnengesang' und wie man allgemein annimmt 
im griech. n.i-Kav6c 'Hahn' (d. h. Frühsänger) in der Sesychg 
)]i-kuv6c. aXeKTpuLÜv. Auch in anderen Sprachen Lassen die 
Namen des Hahns die Auffassung als 'Sänger* oder 'Rufer' zu, 
so MLgaidys zu giedöti 'singen'. Aiw.pietlü zu peti 'singen', alban. 
h zu kendöri 'singen', vgl. Schrader a. a. 0. S. 323. Unwahr- 
scheinlich ist dagegen die Annahme, daß auch lat. ckvttia 'Storch' 
verwandt wäre und mit der germ. Lautstufe *hdn-iz sich ver- 
gleichen ließe. Die finnischen Volker haben den germanischen 
Vogelnamen in der Maskulinbildung als hana übernommen; das 
Lehnwort wird jedoch nicht vom Kahn, sondern von der Henne 
oder als Kollektiv um gebraucht 

Mit der zunehmenden Hühnerzucht, welch.' die germa- 
nischen Völker in größerer Ausdehnung erst <V\\ Römern ab- 
lernten 8 , trat das Haushuhn in immer engere Beziehung zu 
dem Menschen, und daraus entsprangen eine Menge neuer Aus- 
drücke für die verschiedenen Geschlechter, verschiedenen Alter- 
stufen usw. Zum großen Teil sind die vielen mundartlichen 
Benennungen für das Hausgeflügel einfache rudimentäre Bil- 
dungen, welche sowohl als Lockrufe wie Namen angewendet 

1 Aschwed. h&na i worin Noreen Abriß S. (."> eine dritte Ablauts 
erblickte, erklärt er neuerdings in der Ältschwed. Gramm. §174 durch Be- 
einflussung des mittelniederdeutschen Femininums kenne. 

■1 Die zweite bei Ihre Glossar. Suiogothicum (1769 1 ebene 

Etymologie, wonach der Vogelname *hanan: */>ön-i? auf deu im Nordis 

idenen Pronominalformen han Vr\ hon 'sie' beruht, scheitert schon 
an lautlichen Hindernissen. 

3 Vgl. Schrader a. a. 0. 



232 Huhn, gallus. 

werden und in vielen Fällen eine deutliche Beziehung zum 
Naturlaut des Vogels aufweisen. Manche von diesen Ausdrücken 
— sogar die allermeisten — gehören in den Bereich der 
Kindersprache und entziehen sich den Gesetzen, die der Sprach- 
forscher sonst in der Sprachentwickelung beobachtet. 

Bereits in den altgermanischen Idiomen begegnet man 
außer dem alten Namen des Haushahns einer synonymen Be- 
nennung onomatopoietischer Natur: ags. cocc, älter -nndl. cocke, 
anord. kokr (nur einmal belegt) > dän. kok, schwed. dial. kokk. 
Im Angelsächsischen weicht das alte Wort hana vor der Neu- 
bildung zurück, die sich als mittelengl. neuengl. cock fortsetzt. 
Das früheste Zeugnis des germanischen Namens ist saalfränkisches 
coccus in der Lex Salica. Darauf beruht wahrscheinlich auch 
frz. cöq\ doch ist hier wie in finn. kukko, akslav. kokotü u. a. 
die Möglichkeit einer selbständigen Neubildung nicht ausge- 
schlossen. — Wie im Englischen der gemeingermanische Name 
des Hahns verdrängt wurde, so ist er in Skandinavien in manchen 
Mundarten verloren gegangen. In schwedischen Dialekten finden 
sich dafür die Neubildungen kokk, tocke u. a., in der Schrift- 
sprache ist tupp das übliche Wort, während haue selten ist. 

Einen analogen Entwicklungsgang kann man auch in 
Deutschland beobachten. Hier ist das Wort Hahn in ober- 
deutschen Mundarten fast vollständig außer Gebrauch gekommen, 
und an die Stelle sind lautbildende Ausdrücke getreten, die weit 
in das mitteldeutsche Sprachgebiet eingreifen: bair. Gockel(han), 
Göcker, Gilker, Gückel 1 , Schwab. Gockler, Schweiz. Güggel(han), 
Gifgelhan 2 , elsäss. Gockel, Guckel(han), Gückel, Gogai z , pfälz. Gockel, 
Gickelhahn*, hess. Gickel(han) b , schmalkald. Gückel», thüring. 
GückelQiahn), Gikel ß , schles. GickeV. In der niederdeutschen 
Mundart von Göttingen und Grubenhagen ist Kükelhän* die 
übliche Lautform; schon im Mittelniederdeutschen kukelhän. — 
In der älteren Überlieferung lassen sich diese Namen nicht 
weit zurück verfolgen. Für Gugelhan hat Lexer 9 einen Beleg 

1 Schmeller-Frommann I, 885. 

2 Staub-Tobler II, 192. 1307. — 3 Martin-Lienhart I, 203. 206. 340. 
4 Heeger Tiere im pfälz. Volksmunde II, 8.-5 Vilmar 126. 

6 Hertel 111. — 7 Weinhold Beitr. zu einem schles. Wb. S. 27. 
8 Schambach 115. — 9 Mhd. Wb. I, 1114. 



Huhn, gallos. 233 

aus «Ich spätmittelhochdeutschen Weistümern; im Kl. Jh. Oüggd 
bei Gesner (1555) 8. 380, später Ouglar 1 in einem oberechwäb. 

Liede aus dem Jahre L633 usw. 

Außer diesen Lautbildenden Gtockelnamen werden stellen- 
ireise Namensformen angewendet, deren elementare Bildungs- 
weise dem Natuiiaut noch näher steht und die Herkunft aus 
der Kindersprache ganz deutlich verrät, vgLelsäss. Qigetigig* (in 
Straßburg), Gigkerigki* m. in Tirol, Kukeriku, Kukerikiwn* m. 
(frz. oocorico) in Luxemburg, Kückerükü* in Altmark, Bachs. 
Kir/,rrilufti r ' (in Leipzig), Kikerhan 1 in Thüringen (Altenburg), 
Qüggehü* in der Schweiz. Einige ältere Belege für diese Art 
von Eahnennamen geben Grimms Wb. V, 2520 und Kluge 
Et Wb. 6 S. 205. Die Interpretation des Rufes, die in den Namen 
zum Vorschein kommt, ist auch in anderen Sprachen annähernd 
gleich und daher auch die darauf beruhenden onomatopoietischen 
Benennungen. In einzelnen Fällen ist es deshalb schwer zu 
entscheiden, ob die Übereinstimmung des Lautkörpers in ver- 
schiedenen Sprachen aus spontaner Bildung oder Entlehnung 
zu erklären ist. Für schles. Goksch, Göksch 9 und siebenbürg.- 
sächs. Kokesch 10 ist jedenfalls slavischer Ursprung (czech. kokos) 
anzunehmen. 

Von dem gewöhnlichen Typus onomatopoietischer Hahnen- 
namen weicht Schweiz. GM 11 (bei Gesner Hist. avium S. 380) 
ab; der Ausdruck beruht jedoch wahrscheinlich auch auf ono- 
matopoietischer Nachbildung bezw. dem Lockruf gegen den 
Hahn, ebenso wiedie heute üblichen Formen Gulli und Guttigü 11 
in der Schweiz, Gulli, Guller 12 im Elsaß. 

Das weibliche Huhn wurde in den altwestgermanischen 
Sprachen durch die Bildung *hanjo, welche von *hanan ab- 

J Frommann D. Mundarten IV, 98. 

2 Martin-Lienhart I, 203. — 3 Frommann D. Mundarten V, 434. 

i Wb. d. Luxemburg. Mundart 253. — 5 Danneil 119, 

ti Albrecht Die Leipziger Mundart S. 146. 

7 Hertel 111. — 8 Staub-Tobler !1. L92. 

9 Weinhold Beitr. zu einem schles. Wb. S. 28. 

10 Frommann D. Mundarten V. 35. 

11 Andere Belege aus älterer Zeit bei Staub-Tobler 11,220; II. 221. 

12 Martin-Lienhart 1. 212. 



234- Huhn, galius. 

geleitet war, benannt : ahd. henna, inhd. mnd. mndl. kenne, 
nndl. hen, ags. kenn, nie. ne. 7i^n. In dem nordischen Sprach- 
zweige wurde das femin. Jo-Suffix an die Bezeichnung des 
Kollektivums angefügt, s. oben S. 231. 

Diese femininen Bildungen haben sich bis auf den 
heutigen Tag erhalten, dagegen ist die mittels des femininen 
zw/o-Suffixes gebildete althochdeutsche Namensform henin früh 
ausgestorben. 

Zur Bezeichnung des jungen Huhns gab es in den altwest- 
germanischen Dialekten eine Bildung *kiuk-ina-, die im ags. cijcen 
(woraus engl, ducken), mnd. küken, mndl. kieken, kuken, nndl. 
kicken vorliegt. Der nordische Sprachzweig bewahrt denselben 
Stamm, aber anstatt des deminutiven wa-Suffixes erscheint 
hier das Suffix -linga: anord. kjuklingr, schwed. kyckling, nor- 
weg. dial. kjiikling, dän. kijlling. Ob hier alter Ablaut mit *kok- 
'Hahn' vorliegt, wie man annimmt, ist zweifelhaft. Wenn nämlich 
wirklich die Zähmung des Haushuhns in so späte Zeit verfällt, 
wie Schrader u. a. sie ansetzen, so erscheint eine Deminutiv- 
bildung mit Ablaut sehr befremdend. Wahrscheinlich ist der 
Stamm *kßtk- eine direkte Nachbildung des Naturlauts beim 
jungen Huhn, wie *kok- dies beim Hahn ist. 

Eine spezifisch hochdeutsche Benennung für das Küchlein 
ist ahd. huoni(n)kli(n), das mit dem gehäuften Deminutivsuffix in- 
kilina- gebildet ist. Heute ist der Ausdruck in westmitteldeutschen 
Mundarten heimisch. Im Osten und Norden grenzt er an das 
ndd. Synonymon Küken 1 (in Göttingen und Grubenhagen und 
Altmark), das in der mitteldeutschen Lautform Küchen 2 (Kichen) 
in Thüringen verbreitet ist. Im ganzen westlichen und südlichen 
Hessen ist Hinket* nicht allein die Benennung des Küchleins, 
sondern auch des Huhns; das Wort erstreckt sich im Westen 
als Henkel, Hinket* n. nach Luxemburg und Hönketchen* nach 
der Eifel, südlich davon Hinket' e Huhn 5 in der Pfalz und 
Hünkel 6 in den Kreisen Zabern und Hagenau des nördlichen 



I S( hambach 115, Danneil 119. — 2 Hertel 149. — 3 Vilmar 170. 

4 Wb. d. Luxemburg. Mundart 177. 181. 

5 Heeger Tiere im pfälz. Volksmunde II, 7. 

6 Martin-Lienhart 1, S4ß. 



Huhn, gallo 386 

Elsaß. Weiter südlich im Elsaß 1 und in der ganzen Schweiz 1 
herrscht die Deminutivform Hüenle resp, Hüen{dJ/ti. 

In den Mundarten kann man für die Bezeichnungen dei 
Henne und des Küchleins sowie des Kollektivums dieselbe Be 
obachtung machen wie bei den Elahnennamen : es treten Neu- 
bildungen an die Stelle der altüberlieferten Ausdrücke. Teils 
sind auch diese onomatopoietischer Natur, zum größten Teil 
beruhen sie aber auf dem Lockruf, der in der betreffenden 
ml für das Eausgeflügel üblich ist 
In Grimms Wb. Vü, 2211 ist ein solcher Lockruf aus 

Roths Dici (1571) belegt : pul ein Worte] damit man den hanlein 

lockt. Nach Fischer Schwab. Wh. I, L512 werden die Hühner 
in Schwahen mit hu/r gelockt; das kleine Huhn wird das Puüeifl 
genannt (S. 1514). In Tirol und Kumten ist Palle 3 f. die Be- 
zeichnung für die Henne. Wahrscheinlich beruht dieser Lockruf 
ursprünglich auf frz. poule 'Henne' (lat. puüus)] daher auch 
Luxemburg, die PdU 4 (hoüäiid. poelje) 'junge Henne'. In Schweden 
ist pull ebenfalls der Laut, mit dem man die Hühner lockt, 
und Hennen und Küchlein werden allgemein pull oder puüa* 
genannt 

Ein anderer Lockruf ist put, der nach Adelung (1777) III. 
1184 im gemeinen Leben gebraucht wird, um die Hühner, 
besonders aber die Truthühner und deren Jungen, zu locken. 
Daher heißen — wie Adelung angibt — in einigen Gegenden, 
besonders in der Kindersprache alle Hühner, besonders junge 
Hühner Puttel, Puttchen, Puthühnchen ; bereits im 16. Jh. put- 
hünelein bei Mathesius Sarepta (1562) S. 227b. In Übereinstimmung 
damit verzeichnet Frischbier Wb. II, 194 aus Preußen Put, Pütt, 
Putte als Name und Lockruf für Küchlein und Huhn und 
Putthahn, Putthuhn als Kinderwort im Sinne von Hahn und 
Huhn überhaupt. Auch in Sachsen und Schlesien gilt derselbe 
Lockruf für Hühner (und Tauben); in Leipzig heißen diese 

I in i\<'\- Kindersprache Puühühner, Putttauheu w\v\ Buä- 



1 Martin-Lienhart [,346. 2 Staub-Tobler II. I".7l 

3 Schöpl hl. S. 619, Lexer Kämt. Wh. 5 

I \VI». (I. Luxemburg. Mundart :ü 1 

.*) Vgl. Rietz Svenski dialektlexicon S. 512b. 



236 Huhn, gallus. 

chen\ in Schlesien ist Putte 2 f. der Name für die Henne, in 
Thüringen (Nordhausen) Puttküchen' 1 die Bezeichnung des jungen 
Huhns. Auch in Niederdeutschland sind diese Ausdrücke ver- 
breitet; Danneil (Wb. S. 164) gibt den Lockruf put mit langem 
Vokal und verzeichnet die darauf beruhenden Worte Putchen, 
Patlwner als Bezeichnung für Hühner, dagegen Pitjn, Pittkn, 
PU X für eine junge noch nicht ausgewachsene Henne. — Un- 
gefähr derselbe Lautkörper wie in den letztgenannten Ausdrücken 
erscheint auch im elsäss. Bittele' n. 'Huhn'. Ein anderes elsäs- 
sisches Synonynion ist das Bippele oder das Bippi* e Huhn und 
Küchlein', in der Schweiz Bibi 7 e Huhn oder Taube', in Schwaben 
Biberlein 8 'junges Hühnchen, Gänschen, Entchen' (Lockruf 
bibi)\ in Steiermark die Biberl oder die Piperl 'Hernie', das 
Piperl 9 'kleines Huhn'. — Nach Ünger-Khuli Wortsch. S. 180 
lockt man in Steiermark die Hühner u. a. mit Duckl Duckl 
Als tack tuck ist der Lockruf in Niederdeutschland weit ver- 
breitet ; daher heißen die Hühnchen in der westfälischen Kinder- 
sprache Tuckhainken oder Tücksken 10 . In Altmark wird nur der 
Hahn mit tuck tuck gerufen und Tuckhöncken ll genannt, während 
wieder tick tick der Lockruf und Tickhon 11 der Name für das 
Huhn, Tickelkn 11 für das Küchlein ist. Auch in Luxemburg 
werden die Hühner mit dik dik gerufen und die Küchlein als 
Dikdik m. oder Dickelchen 12 bezeichnet; vgl. noch schwed. ticka xz 
als Lockruf und Name für das Huhn. Aus Göttingen und 
Grubenhagen teilt Schambach Wb. S. 236 f. außer tuck tuck noch 
den Lockruf tut tut mit: im Ostfriesischen ist Tut oder Tütje 1 * 
die Bezeichnung für das Küchlein. 

Nach Albrecht Die Leipziger Mundart S. 200 kommt in 
Halle a./S. der Lockruf srhipp vor, und dementsprechend werden 
die Küchlein in Leipzig Schippchen genannt. Dieser Typus läßt 

1 Albrecht Die Leipziger Mundart S. 187. 

2 Weinhold Beitr. zu einem schles. Wb. S. 74. 

3 Hertel 149. — 4 Danneil 156. — 5 Martin-Lienhart II. 116. 
<; Martin-Lienhart II, 69. — 7 Staub-Tobler IV, 911. 

8 Fischer I, 1092. — 9 Unger-Khull 81. — 10 Woeste 276. 

11 Danneil 223. — 12 Wb. d. Luxemburg. Mundart 62. 

13 Rietz Svenskt dialektlexicon S. 743. 

14 Jb. f. ndd. Spracht. XI, 113. 



Huhn, {alias. 

Biofa aber noch weiter verfolgen. Auch in Luxemburg heißt das 
Küchlein Schippchen 1 , in Steinbach (Elsaß) Tschüpperle*, in Ost« 
preußen der Schipeer 1 (dazu whipeen vom Laut'' der Küchlein). 

Schwäbische Lockworte Bind du dis oder dt de und auf 
diesen beruhen Distelein "Huhn*, Deis$U4n : Didelein 4 "junges 
lliilui'. Bin weiteres Synonymen ist Buttelein n. (Büttel "Gluck- 
henne', Butie "junge Ente'), womit Fischer Wo. I. L662 den Lockruf 
hu.di. wudi (gegen Gtötnse) vergleicht [n Untersteiermari werden 
Eühner mit pudl 6 gelockt, andere steirische Lockrufe sind 
Haugeri b ) /Vsr/7 \ Wuserl*; dazu wuseln 'winseln', Wuterl u. 'kürz- 
lich ausgeschlüpftes Eühnchen*, Woteerl 6 "Hühnchen', woieeln 
"jammern, winseln'. — In Tirol heißt »las Küchlein auch Pi<ele r ' n. 
(Lockruf pta* 6 ), im Elsaß Duttle 1 und Sclüllele\ in der Pfalz 
Pülchen*, in Göttingen und Grubenhageu PSfe 9 L in Thüringen 
Lüffchen 10 . In Xiederhessen ist Gippel n., Gippelchen n ausschließ- 
lich herrschendes Schmeichel- und Lockwort für Hühner, im 
Haungrunde Gaupelchen ll . 

Die Sitte, die Hähne zum Zwecke der Mästung zu ver- 
schneiden, haben die Deutschen in Italien kennen gelernt, wie 
die Entlehnung des lat. Ausdrucks capo (in der roman. Lautfonn 
cappo) 'verschnittener Hahn' zeigt. Das Lehnwort ist in den 
althochdeutschen Glossen öfters belegt: 

Nom. — cappo gallinacius. pullus l : Prisciani inst it. I 
Clm. eins. L7b;cod. Lugdun. Voss. lat. 8» 37, LOb. cod. Cheltenham. 
7087, lila, cod. Berol. Ms. lat. So 73, L24a, cod. ParisiiL 9 

bappo : cod. Guelpherbyt. Aug. 1" ; 39a, cod. sem Trevir. 

f. 1 L2b. -alias galligatius l2 : Rotul. com. de Mülineo Bern, li.s.lli, 17. 
ehappo -alias gallinatius: Esaias 22, 17: Clin. L606, 134b, cod. 
Turic. Rhenov. 66, 7s. chapo: cod. Angelomont. I f II. 46a, cappho: 
cod. Stuttgart, herm. 26, 32b. 



1 Wb. d. Luxemburg. Mundarl 380. 

2 Martin-Lienharl Q, 774 3 Frischbier [1,275. 

! Fischer II. L39. L92. 231. 6 Unger-Khull 126. L32 

6 Frommann D. Mundarten I\'. 332. 

7 Martin-Lienharl II. 409. 729. 

s Beeger Tiere im pfälz. Volxsmunde II. 8. — 9 Schambi 

l" Hertel 160. — 11 Vilmar L27. 

L2 I. gallinatius (Steinme^ 



238 Huhn, gallus. 

Wie aus den obenangeführten Belegen hervorgeht, ist die 
Entlehnung erst nach der Lautverschiebung geschehen. Eine 
Verschiebung des Doppelkonsonanten, die uns berechtigen würde, 
mit Franz Lat.-roman. Elemente S. 13 das Gegenteil anzu- 
nehmen, ist nirgends nachzuweisen, denn cappho in der späten 
Stuttgarter Handschrift ist nur eine graphische Variante für 
chappo der übrigen Handschriften in derselben Gruppe. In den 
oberdeutschen Handschriften, die sonst regelrecht dieVerschiebung 
eintreten lassen, ist hier pp geschrieben ; dazu die oberdeutschen 
Keime kappen ( : knappen) bei Joh. von Hadloub (XX, 3, 8 Ed. 
Ettmüller) und im Liederbuch der Clara Hätzlerin (I, 91, 67 
Ed. Haltaus). Aus lat-roman. cappöne(m) stammen mhd. kapün, 
mnd. kappün, mndl. capoen, nndl. kapoen (dän.-schwed. kapuri) ; im 
Angelsächsischen ist capun ( > engl, capon) bei Aelfric ums Jahr 
1000 (AVright-Wülcker I, 132 32 - 34 und 286 32 ) bezeugt. In ein- 
zelnen Mundarten kommt heute die Namensform Kapphahn 1 
vor, die im 13./14. Jh. in Ahd. Gll. I, 605 13 als cappan erscheint 
Man hat wohl darin nicht eine Verdeutlichung des mhd. kappe, 
sondern vielmehr eine Urndeutung von kapün im Anschluß an 
Hahn {Fashahn usw.) zu sehen. Auf mhd. kappe (daraus kappen 
'verschneiden'), welches noch in der älteren nhd. Literatur öfters 
begegnet, beruht wohl bair. Kopp(e) (in Ostermanns Vocab. (1591) 
S. 322 Koppe, in Bracks Vocab. v.J. 1495 S. 49 b kophan\ kämt. 
und tirol. Kopp 2 (nicht nur vom verschnittenen Hahn, sondern 
überhaupt vom Haushahn). Einheimische Bildungen für den 
Kapaun sind Hahnrei (vgl. Kluge Et. AVb. 6 S. 157), ostfries. Hän- 
rüne (Jb. f. ndd. Sprachf. XI, 111). — In Mittelsteiermark heißt 
das verschnittene Huhn Polakel n. = schwäb. Polläcklen n. (d. h. 
Pole). Bei Unger-Khull Steir. Wortsch. S. 101 und Fischer Schwäb. 
Wb. 1, 1270 wird der Ausdruck als Umdeutung aus frz. poularde 
gedeutet. 

Im Gegensatz zum verschnittenen Hahn hieß der Zuchthahn 
im Althochdeutschen reithano (id reithbno gallus gallinatius: Esaias 



1 Vgl. Albrecht Die Leipziger Mundart S. 143, Frischbier I. 335, 
Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVII, 2; Diefenbach Glossar. S. 97c 
und 256 c. 

2 Frommann D. Mundarten IV, 55, Lexer Kämt. Wb. S. 164. 



Huhn. gallos. 

22, IT: cod. Vindob. 751, 133a). Der Name beruht an! einer 
Ablautsstufe des Verbums ritan "reiten*, die z. B. im ag rdd 
'das Eleiten', rdd-cnehi 'Reitknecht' vorhanden ist, und zeigt, daß 
dieses Verbum bereits in althochdeutscher Zeil in dem Über- 
tragenen Sinne "betreten' gebraucht wurde; vtfL auch mhd reU- 
ohee "ZuchtBtier', reüviht luselvieh'. 

Pur die alten Hennen, welche brüten oder bereits Köchlein 
haben, ist die Benennung Bruthenne schon im Althochdeutschen 
bezeugt: bruothenna fouenis: GM. Salomon al. Nach den gluck- 
senden Lauten, welche diese V'ögp] ausstoßen, aennt man sie 
Gluckhenne "der Qlucke (zu mhd. glucken 'gracillare*) ; zuerst 
Iduck in einer Urkunde von Mosbach aus dem Jahre L409 in 
Mnnes Zeitschrift EU, 409, Khaken in Ryffs Kerb. Alberti 
1 15 i.")) s. X 6b, Gluggeren bei Gesner (1555) s. i ]."». Kluckhennen 
bei Eber und Peucer Vocab. (1552) S. E 8b. Heute Glucke 1 in 
Hessen und Thüringen, Klncke 2 in Preußen, Kluck 3 in Alt- 
mark und Luxemburg, Kluckhenne in Becklinghausen 4 , Gluck- 
(henn), Gluckeret, Gluxeri* im Elsaß, Glutsch{henni) 6 in Tirol. 

Ein synonymer Ausdruck ist Lei kenne bei Longolius 
üial. de avibus (1544), das im Strassburg. Vogelb. (1554) V. 571 
als Leghenn belegt ist ; heute Legghenne oder Leggeri 7 f. in 
der Schweiz, ndd. Legghenne* in Kecklinghausen, Leggehaun* 
in Göttingen und Grubenhagen. — In Steiermark wird die 
Henne mit Küchlein Hähnlhenne 9 oder Hühnerhenne-* genannt: 
die Henne, welche zum ersten Mal Eier legt, heißt das Jarzd* 
(d. h. wnhl eigtL Mas ein Jahr alte Huhn'). 

Im Gegensatz zu den alten Hennen weiden die jungen, 
welche ein Jahr alt sind und noch nicht brüten, bei Eher und 
Peucer Vocab. (1552) S. 8b Mertzhennen, im Strassburg. Vogelb. 
(1554) V. 571 Junghenn genannt. 



1 Vilmar 130, Hertel L07. — 2 Frischbier [,382 
3 Danih'il L06, Wh. .1. Luxemburg. Mundart 231. 
i Korrespondeuzbl. f. ndd. Spracht XYll. 5. 

5 Martin-Lienharl I, 258. 264 3*1. 

6 Frommann 1). Mundart« n V, !^7 

7 Staub-Tobler II, 1313. m, 1195. 

8 Schambach 120. - 9 Ünger-Khull 321. 368 



240 Huhn, gallus. 

Die etwas auffällig klingende ahd. Benennung bruotkappo 
d. h. Brutkapaun (bruotkappo fotor: Gll. Salorn. a 1) erklärt sich 
aus der Sitte, junge Hühner von verschnitteneu Hähnen pflegen 
zu lassen. Davon erzählt Albertus Magnus in seinem Buche 
De animalibus : "Gallus gallinatius eft castratus et effemi- 
natus. . . gallinatius depilatus pectore et ventre et vrticis fricatur 
paruulos poftea fouet pulliculos tactu fuam ad prurientem carneui 
delectatus : cum ita delectatus allectus fuerit femper poftea pullos 
diligit et fouet et pascit et ducit et hoc iam expertum vidi et 
miratus funr". 

Die mittelhochdeutschen Rechtsaltertümer und Weistümer 
zeigen, welche Bedeutung die Hühnerzucht zu dieser Zeit bereits 
bekommen hatte; außer den Termini für Abgabehühner wie 
rouchhuon. järhuon, vogeihuon usw. begegnen hier auch die Aus- 
drücke gaterhenne (die bereits auf das Gatter fliegen kann), 
stadelhenne (die in der Scheune gehalten wird), grashenne (die 
mit Gras gefüttert wird), hupfhan (Hüpfhahn). 

In Dialog.de avibus (1544) S. C 4a erwähnt Gybertus Lon- 
golius zwei Spielarten des Haushuhns : eine Art Riesenhühner mit 
glänzendem Gefieder und hohen Füßen, im gewöhnlichen Leben 
"Lombartfche honer 1 (Longobardicos)" genannt, und Zwerghühner 
mit kurzen Füßen und kriechendem Gang, welche mehr hinkend 
als gehend sich fortbewegen. Der Name Kriel, den Longolius 
für diese Art gebraucht und den Junius Nomenciator (1581) S. 56b 
in der Form Krielt ausdrücklich als niederrheinisches Wort be- 
zeichnet, ist identisch mit ndl. kriel 'kurzer, dicker Mensch' 
(vgl. krielen 'kriechen'). Ein synonymer Ausdruck bei Junius 
ist Kriephenneken (d. h. Kriechhenne), bei Chytraeus Nomenciator 
(1582) S. 372 Kruphöneken, westiaLKrüperhaünken 2 , in Mecklen- 
burg und Altmark Krüphön 3 , preuß. Krupfhiihn 4 (vgl. krupfen 
in Grimms Wb. Y, 2471). — Gesner Hist. avium (1555) S. 381 
kennt für die Zwerghühner den Namen Erdhennle, der auf das 
Kriechen des Vogels auf der Erde hinweist. Das Synonymon 



1 Auch bei Ostermann Vocab. (1591) S. 822: "Die grolle Well'che / 
oder Lombardifche Hannen / wie mans bey uns nennet". 

2 Woeste 147. — 3 Schiller Zum Tierbuche III. 14, Danneil 119. 
4 Frischbier I, 487. 



Huhn, gallus. !4J 

DdsehünU a.a.O. wird bei Staub-Tobler Id. II. L377 mit Bchweia 
. // 'leise gehen* verglichen, 

Aus seine!' 1 1 < - i 1 1 1 ;i t erwähnt Gesner den A 08(1 i'i ich Schott" 

.. der vielleicht als 'schottische Senne' aufzufassen ist; die 
in Grimms Wo. IX. Lß09 ausgesprochene Vermutung, daß das 
Wort eigentlich 'Schutthenne' sei. \si nichl richtig. In der Bifeler 
Mundart werden die schwanzlosen Bühner Schothün 1 , in der 
Pfalz und in Nassau Schottert 9 genannt; in Luxemburg heißen 
hdd-äsch oder Schröd-dsch* (zu Schrei 'abgeschnittenes Stück*). 
Diese Yarietäl der Hühner 4 scheint besonders volkstümlic 
worden zu sein, nach den zahlreichen Lokalnamen zu urteilen, 

welche die Mundarten aufweisen. Preußische Dialektnamen sind 

Kluthahn (Reyger Verbess. Eist der Vögel (1760) 8. 115), Klüt- 
ch und Klüte b f. (= ndd. KliUc 'Klumpen'). Weiter verbreitet 
ist der Ausdruck Kaidarsch = ndd. Külnärsch, Kull{ern)drsch 
"der Kulhh) (vgl. Kaut, Kuller usw. 'Kugel'), der in Preußen 5 , 
Schlesien r * und Sachsen 7 üblich ist und in der Form Kuliarsch 
in Hessen, K u Harsch s in Thüringen, Keilarsdi in Baiern vor- 
kommt Andere Synonyma sind Buttaars 9 (zu ndd. butt e plump*) 
in Holstein, Bollärs l0 (zu boll 'stumpf, abgerundet') in Mecklen- 
burg und Lübeck, Butterarsch u (von der dotterartigen runden 
Form) in Thüringen, Stüppken 12 (zu stupp 'stumpf) in West- 
falen Stüphaun 1 * in Göttingen und Grubenhagen, Stumpf- 
wadd 14 (d. h. Stumpfschwanz) im Elsaß, Mutz 15 f. (vgl. Mutz m. 
'überhaupt etwas Verschnittenes, Tier ohne Schwanz') in Thüringen 
(Nordhausen), im Elsaß und in der Schweiz neben Mutdiuen. 
Guggdtnutz 1 * '»der Muttihuen, Muttigockel 15 . In den letzterwähnten 



1 Frommann 1). Mundarten VI, 19. 

2 Heeger Tiere im pfälz. Volksmunde II, 8, Kehrein s. v. 

3 Wb. d. Luxemburg. Mundart 393. 398. 

I Hahn Haustiere S. 296. — 5 Frischbier I. 348. 385. 

6 Weinhold Beitr. zu einem schles. Wb. S. b*. 42. 

7 Albrecht Die Leipziger Mundart S. 144. — 8 Hertel 150. 
9 Korrespondenzbl. f. ndd. Spracht". XVII. 2. 

10 Schiller Zum Tierbuche III, U, Korrespondenzbl. f. ndd. Spracht. 
XVI. 82. — 11 Hertel 87. — 12 Woeste 261. — 13 Schambach 216. 
1 i Martm-I. umhart 11.789. 
15 Hertel 170. Martin-Lienhart [,206.744, Staub-Tobler II. 1375. 

Suolahti, Vogelnumen. 1^ 



242 Truthuhn, meleagris gallopavo. 

Landstrichen und auf schwäbischem Sprachgebiet heißen die 
schwanzlosen Hühner auch Burz, Bürzel, Burzhenne, Borzhuen l 
usw. (vgl. borzen 'hinten ausstehen*). 

Bei Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 269 wird außer den 
Kiesenhühnern oder Welschen Hennen {groß ivelfch kennen bei 
Gresner) als Abart des Haushuhns die wollechte Henne oder 
Turchifche Henne genannt; dieselbe Yarietät wird von Klein 
Hist. av. prodr. (1750) als ec die straubige Henne mit verkehrten 
Federn" erwähnt, In Preußen nennt man sie Kraushuhn 2 oder 
Straubhuhn 2 , in der Sclnveiz Strübhuen 3 . 

Hühner mit stark befiederten Füßen heißen im Elsaß Feder- 
fuess* oder Basterdhuen (Batscher) 4 , eine andere Spielart, deren 
Federbekleidung am Kopfe besonders entwickelt ist, wird Kobel- 
huen~°, in der Schweiz auch Huppihuen, Schupenhuen' (= Schopf- 
huhn) genannt. 

Truthuhn, meleagris gallopavo. 

Über die Herkunft des Truthuhns findet man in der wissen- 
schaftlichen Literatur der vergangenen Jahrhunderte verschiedene 
Vermutungen und Behauptungen. Heutzutage herrscht nur eine 
Meinung darüber, daß die Heimat des Yogels in der neuen Welt 
ist, wo er in wildem Zustande die Landstrecke von Nord- und 
Ost-Amerika bis Mexiko bewohnt. Wie lange Zeit nach der 
Entdeckung von Amerika noch verstrich, bevor man anfing, Trut- 
hühner nach Europa einzuführen, ist nicht ganz genau fest- 
gestellt worden. Conrad de Heresbach gibt in De re rustica 
(1595) IV, 621 und 640 f. an, daß die Yögel vor 1530 unbekannt 
gewesen seien und diese Jahreszahl wird auch von Hahn Haus- 
tiere S. 328 als ungefährer Terminus für den Import nach Europa 
in Anspruch genommen. Nach Deutschland wäre das Truthuhn 
— wie in Brehms Tierleben (Yögel) II 3 , 612 angegeben wird — 
um das Jahr 1534 eingeführt worden. Diese Zahl ist jedoch 
zu spät angesetzt. Denn in dem Gedichte "Das Regiment der 
anderhalb hundert vögel", das im September des Jahres 1531 

1 Staub-Tobler II, 1376, Martin-Lienhart I, 346. 

2 Frischbier I, 425. — 3 Staub-Tobler II, 1377. 

4 Martin-Lienhart I, 151. II, 109. 123. 

5 Martin-Lienhart 1,346. Staub-Tobler II. 1374. 1376. 



Truthuhn, meleagris gallopavo 

gedichtet ist, läßt II.ni> Sachs bereit sin indianisch kenn und 
hun (V. 212), d. li. einen Truthahn and eine Trathenne, auf- 
treten. Durch dieses früheste Zeugnis für das Vorkommen des 
eis m Europa wird seine Einfuhrung in die zwanziger Jahre 
des 16. Jhs. hinaufgerückt. In der wissenschaftlichen Literatur 
findet man die erste Nachrichl von Truthühnern in Deutschland 
bei Turner in Avium liist. (1544) S. El I ;i. wo ganz kurz die \ 
erwähnt werden, welche einige "pauones tndicos" nennen. In dem- 
selben Jahre, in dem Turners Buch erschien, schildert auch Gy- 
bertus Longolius im Dialogus de avibus einen Truthahn, welchen 
er in der Sammlung des Kurfürsten von Köln gesehen habe 
und der "pauo Indicus" genannt werde. G-esner gibt im Vogel- 
buche (1555) S. H)l eine Abbildung von dem Truthuhn, seine 
Beschreibung stützt er aber lediglich auf die Aussagen von 
Longolius und Gyllius 1 . Eine Anzahl Benennungen, welch»' Gtesner 
aus verschiedenen Sprachen zusammengestellt hat, benennen alle 
den Vogel als 'das indische Huhn': ital. gattina d'India. span. 
pauon de las Indias, frz. poule d'Inde, engl, a kok of lüde, deutsch 
ein Indianifch oder KaJekuttifch I oder Welfch hün. Dieser 
weitverbreitete Ausdruck für den amerikanischen Vogel hat 
nicht wenig zu der Verwirrung beigetragen, welche früher in 
der Heimatfrago herrschte. Er läßt sich einfach aus dem [Jmstande 
erklären, daß man gewohnt war, die fremden Dinge, welche die 
Schiffe nach heimischen Häfen brachten, als indisch (bezw. ka- 
lekuttisch) zu betrachten. Überhaupt sind die volkstümlichen 
Namen, welche fremde Vögel nach ihrer Heimat benennen, nicht 
genau; gewöhnlich faßt man sie als indische "der türkische auf. 
In din\ .Mundarten sind die Ausdruck" Kalekuiischet Hahn 
oder Indianischer Hahn vielfach vereinfacht und umgebildet 
worden. Bereits der holländische Beleg Calkoenfc/te Heime bei 
Junius Nomenciator (1581 1 S. 57a, wo das Adjektiv auf Kalk{utsch) 
Hoen (nndl. kalkoen) zurückgeht, zeigt, daß der Name unver- 
ständlich geworden war. Nach Popowitsch Versuch (1780) 8. 579 
"fprechen die Niederfachsen und Dänemarker KdUcun". In dieser 

I Es mag hier bemerk! werden, daß & V isser des S1 
Vogelbachs (1554 . der eine Anzahl verschiedene] Hühner aufzählt, die 
Truthühner noch nicht nennt. 

L6* 



244 Truthuhn, meleagris gallopavo. 

Form erscheint der Name noch im Ostfriesischen 1 und in Preußen 2 , 
daneben hier auch Kalkaun 2 ; schwed. kalkon, russ. kalkunü, lit. 
kcdkunas aus dem Niederländischen. In Mecklenburg und Lübeck 
ist hieraus durch weitere Vereinfachung Kun, Kimhan 3 ge- 
worden. — Andere Varianten gingen aus der Namensform 
Calecuter, die bei Klein Hist. av. prodr. (1750) S. 112 bezeugt ist, 
hervor; im Ostfriesischen Küfer ±, schles. Gauderhahn 5 , schwäb. 
Kurier, Kutter, tirol. Gauder 6 . Adelung verzeichnet im Wb. I, 
11 66 f. neben der Form Calecut auch den Ausdruck Kutschhuhn 
(aus Kalekutschhuhn). 

Auf dem Ausdruck Indianisches) Huhn beruht Janischhuhn 7 
n. in Steiermark, daneben auch nur der Janisch 7 ; in Österreich 
das Indiana. 

In der bereits genannten Glosse von Junius wird die 
synonyme Benennung Turckifche Henne (vgl. engl, turkeij) an- 
geführt, danach Kalekuttifclie I Turckifche Henne in Sibers Gemma 
(1579) S. 41; der Ausdruck Türkifche Hühner ist Adelung ge- 
läufig und Popowitsch kennt ihn aus der Lausitz. Nach dem 
letztgenannten Gewährsmann nennt man den Vogel in Regens- 
burg Zitränisfch, in Franken Wdlfches Hun\ auch in der Pfalz 
Welschhahn 9 , im Elsaß Welschhuhn und Welschgidler 10 '. — In 
Steiermark heißt der Vogel auch Windischspatz, ivindischer Spatz 11 
(wendischer Spatz) ; wahrscheinlich ist jedoch windisch aus indisch 
umgebildet. Der luxemburgische Ausdruck ist Mierhong 1 ' 2 f. 
(d. h. Meerhuhn, überseeisches Huhn) = frz. dindon de mer u . 

Den heute in der Schriftsprache geltenden Namen des 
Vogels bezeugt Weise Erznarren (1673) S. 202 : "wie einem 
Calecutifchen Hahn, oder wie man das Wildpret auff hoch 

1 Jb. f. ndd. Sprachf. XI, 112. — 2 Frischbier I, 329. 
3 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 83 und Schiller Zum Tier- 
buche III, 17. — 4 Jb. f. ndd. Sprachf. XI, 112. 

5 Mitteilungen der schles. Gesellschaft für Volkskunde Heft XIX, 84. 

6 Frommann D. Mundarten IV, 54 und V, 344. 

7 Unger-Kliull 363. — 8 Popowitsch Versuch (1780) S. 579. 
9 Heeger Tiere im pfälz. Volksmunde II, 8. 

10 Martin-Lienhart I, 213. 34-1. 346. — 11 Unger-Khull 635. 

12 Wb. d. Luxemburg. Mundart 284. 

13 Rolland Faune populaire II, 344. 



Truthuhn, meleagrit gallopavo. 

Teutsch nennet, einem Truthahn". In der Verbess. Eist der \ 
(1760) S. L16 führt ßeyger Truthuhn unter anderen Synonyma 
an. Nach Adelung IV, 1094 (1780) ist -der Nähme Trut eine un- 
mittelbare Nachahmung des eigentümlichen Lautes, welchen die 
Thiere von sich geben, wenn sie ihre Jungen locken, daher man 
diefe im gemeinen Leben trut trut zu locken pflegt". Pur 
matopoieüschen Charakter des Ausdrucks scheinen die Varianten 
Orutte 1 (in Oberdeutschland), Schruuthahn, Schrunthahn 1 (in 
Niedersachsen), die Schrate* in Westfalen zu sprechen. 

Lautbildende Synonyma sind jedenfalls Kurrhahn und 
Kurr(e) f., von denen die letztere Namensform nach Frischbier 
I, 44t) in Preußen speziell die Truthenne bedeuten soll. Im 
18. Jh. ist Kurve durch Klein und Reyger in Preußen be- 
zeugt; «las Kompositum Kürhaen* kommt schon bei Longolius 
Dial. de avibus (1544) S. D 3 b, Kiterhenne bei Eber und Peucer 
Vocab. (1552) S. E8b vor. Ein ähnlicher Ausdruck ist Gurri* m. 
in der Schweiz (Zürich) ; der Lockruf auri wird auch für 
Gänse und Enten gebraucht. — Auf den kollernden Laut des 
Vogels beziehen sich noch die Namen KuUerham* (zu kullern 
'kollern') in Altmark und Puran* m. (für Purhan zu puren) 
in Steiermark. 

In enger Verbindung mit Lockrufen stehen die Namen 
Gulli und Gullifjü 7 in der Schweiz und Buh Buli 8 im Elsaß ; 
in Preußen die Gull 9 . In diesen Zusammenhang gehört der 
niederdeutsche Ausdruck Pute oder Puter. Nach Popowitscfa 
lautet dieser Name in Hildesheim Pudhun, in Niedersachsen, 
Braunschweig, Magdeburg usw. Puthun, im Eichsfeldischen der 
Puter ; in Göttingen und Grubenhagen Pütchen 10 , in Preußen die 
Pate 11 . Für die Annahme H. Schröders Zs. f. d. Ph. XXXVII. Jon 
daß Puter aus Brahmaputer entstanden sei, gibt es keinen Anhalt, 
da man in der älteren Überlieferung keine Formen findet, 
welche auf eine solche Bezeichnung hinweisen. Als Lockruf 

1 Adelung a. a. 0. — 2 Woeste 232. 

3 Die Beschreibung des Vogels ist so unbestimmt, dafi man nicht 
recht weiß, was Longolius sich bei 'gaüus sylvestris' eigentlich denkt. 

4 Staub-Tobler II. 410. — 5 Danneil 120. — 6 Unger-Khull ! 
7 Staub-Tobler 11,221. - 8 Martin-Lienharl I! 

9 Frischbier 1, 259. — K) Schambach 162. — 11 Frischbier II. L94 



246 Truthuhn, meleagris gallopavo. 

ist put gegen Hühner in weiten Landstrichen nachzuweisen; 
Oken gibt an, daß damit auch Truthühner gelockt werden, und 
Schambach bezeugt den Lockruf put put in diesem Sinne aus 
Göttingen und Grubenhagen. Vgl. S. 235. 

Ebenso verhält es sich mit dem oberdeutschen Ausdruck 
Pipe oder Piper. Nach Popowitsch gilt Piper in Schwaben, 
die Pipe zu Anspach, Piphun zu Passau und in Franken ; Fischer 
Wb. I, 1091 schreibt die schwäbische Namensform Biber (auch 
Bibgöckel), Unger-Khulls Wortsch. S. 81 gibt Piperhahn aus 
Steiermark und in Frommanns D. Mundarten IV, 54 wird Piep 
als tirolischer Name verzeichnet 1 . In der schweizerischen und 
der schwäbischen Mundart ist hihi der Lockruf für Hühner, 
und das junge Huhn heißt daher Bitri, Biberlein usw. Vgl. S. 236. 

Im 16. Jh. begegnet der Ausdruck wilder han als Be- 
zeichnung des Truthahns bei Golius Onomasticon (1579) Sp. 293, 
ein ivildthane bei Chytraeus Nomenciator (1582) S. 374. Der luxem- 
burgische Name Schnuddelhong 2 n., Schnuddeli-roude-Rock 2 m. 
gehört zu Schnuddel 'Nasenschleim' und weist auf den roten 
Fleischlappen, der vom Oberschnabel des Vogels herabhängt. 
Darauf zielt auch der Vers "Bul, Bul, Rotznas", mit dem die 
Kinder im Elsaß die Truthähne necken. — Nach Popowitsch 
wird der Truthahn bei den deutsch redenden Ungarn das Bockerl 
genannt. Dieser Ausdruck ist, ebenso wie das Synonymon Trutz- 
bock 3 in Steiermark, eigentlich ein Schimpfname, der in dem 
leicht erregbaren und jähzornigen Wesen des Vogels seine Er- 
klärung findet. Schwieriger ist zu erraten, warum man ihn in 
Steiermark den Schustervogel 3 und den Weinzerl, Weinzierl 3 , d. h. 
Winzer nennt. Unklar ist auch das steirische Synonymon Gratsch- 
hahn 2 (vgl. siebenbürg. Kartschhuhn 4 ) und der tirolische Aus- 
druck Ghider' (vielleicht onomatopoietisch). 

Die Truthähne sollen nach Popowitsch scherzweise zu 
Leipzig Confiftoriah'ögel genannt worden sein, "weil diejenigen, 
welche in Ehefachen vor diesem Gerichte rechten, dergleichen 



1 Vgl. auch Schmeller-Frommann II. 399. 

2 Wb. tl. Luxemburg. Mundart 293. 

3 Unger-Khull 177. 30J. 560. 628. 

4 Adelung Wb. IV. 1094. — 5 Frommann D. Mundarten IV. 54. 



Perlhuhn, onmida melea 247 

(iefchenko zu bringen pflegen". Frischbier, der im Preuß. Wb. 
II. 536 den Ausdruck verzeichnet, stellt ihn in Verbindung mit 
den [nspektionsreisen der bTonsistorialräte, denen Entenbraten 
vorgesetzt wurde. 

Perlhuhn, nti I;i melea 

Im Gegensatz zum Trathuhn ist das Perlhuhn ein \ 
der alten Welt, dessen ursprüngliche Eeimal in Afrika ist 

Den Römern war die gallina africana oder gallina numidica 
wohl bekannt und wurde von ihnen wegen des schmackhaften 
Fleisches sehr geschätzt Die Griechen erwähnen die \ 
mit dem Namen ueXeüfpiöec. Jm Mittelalter sucht man jedoch 
vergebens nach Notizen und Nachrichten, die sieh auf diesen 
Vogel bezögen; das Perlhuhn scheint verschwunden zu sein. 
Erst in neuerer Zeit tauchen wieder Spuren von ihm in r>uropa 
auf 1 , ftesner kennt deu Vogel von eigener Anschauung noch 
nicht 2 ; das Bild und die Beschreibung desselben in Hist. avium 
(1555) S. 772 f. verdankt er seinem englischen Freunde Jo. Caius. 
Das Strassburg. Vogelb. und andere gleichzeitige Quellen aus 
der Mitte des 16. Jhs. wissen nichts von dem Perlhuhn. Etwas 
mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Erscheinen von Gesners 
Vogelbuch führt der Holländer Junius in seinem Nomenciator 
s. 56h unter den Vogelnamen die Gallina Meleagris* an und 
übersetzt den Ausdruck mit dem einheimischen Namen Dootshoof- 
deken (Totenkopf), der den kahlen scharfeckigen Schädel des 
Vogels charakterisiert Den Namen Perlhuhn, welcher sich auf 
das betüpfelte Gefieder des Vogels (lat gallina guttata) bezieht, 
erwähnt Klein Hist. avium prodr. (1750) S. 111, darauf Keyger 
u.a.: ein ndd. Synonymon ist Scheckhaun* in Göttingen und 
Grubenhagen. Die von Nemnich Polyglottenlexicon II. 732 neben 
Perlhuhn, Perlin angefühlten Synonyma Guineische Henne, Afri- 
kanisches Huhn, Pharaonshuhn sind Übersetzungen aus gelehrten 
Werken. 



1 Vgl. Hahn Haustiere S. 311fr. 

2 Davon zeugen die Abschnitte !>•■ Meleagrid« and De Grallina 
Africana sive Numidica" in Historia avium S. 462 f. 

lallina Meleagris und Gallina Africana werden bei Junius ver- 
wechselt. I Schambach 182 



248 Auerhuhn, tetrao urogallus. 

Wald- oder Rauhfußhühner, Tetraouidae. 

Auerhuhn, tetrao urogallus. 

Ahd. ürhano, ürhuon, or(re)huon: Sg. Nom. — hurhano 
fasianum *: Servius in Vergil. E. VI, 78 (II, 141 L) : cod. Lips. civ. 
Rep. I. 36b, 19b. hurhon graculus : cod. Berol. Ms. lat. 8<> 73, 124b. 
vrhunt* ortigomeira 3 : cod. Parisin. 9344 f. 42b. urhun ortigometra: 
H. S. III, 17: cod. Darmstad. 6, 25 b (13. Jh.). urhün: cod. Oxon. Jun. 
83, 4. — orichhuon ortigometra: Versus de volucr.: cod. Stuttg. th. 
et phil. 210, 135a (11/12. Jh.), cod. Stuttg. th. et phil. 218 f. 22b 
(12. Jh.), cod. Admont. 476 (12. Jh.), cod. mon. herem. 239 p. 784 
(12. Jh.), orechhvn : cod. Admont. 106 (12. Jh.), orrehuon : Clm. 17194 
f. 221b (14. Jh.), cod. Admont. 759, 55b (13. Jh.), cod. Zwettl. 293, 
25 a (14. Jh.), Clm. 23496, 10b (12. Jh.), Clm. 4660, 56 a (13/14. Jh.), 
horrehun: cod. Lips. Paul. 106, lc (13. Jh.), Clm. 22213, 163a (12. Jh.), 
orrhön: cod. Vindob. 85, 42 b (11. Jh.), Clm. 19488, 121a (12. Jh.), 
Arrhven : cod.Mellic.K51, 242 (14. Jh.), orehün Clm. 614, 31 b (13. Jh.), 
horhun: Cim. 27329, 9 a (14. Jh.), orhön: cod. olim Argentorat. A 157 
(12. Jh.), folium Stuttg. (14. Jh.), fol. Francof. (13/14. Jh.), Clm. 12665, 
142a (15. Jh.), orhan: Cgm. 649, 526b (15. Jh.), Clm. 11481, 83a 
(1390), vrhün: cod.princ. deWallerst. I. 2. (Lat.) fol. 21, 175b (13. Jh.), 
Kölner Doppelbl. (15. Jh.), vrhan: Clm. 3537, 330b (15. Jh.), aiverhan: 
cod. Gotting. Luneb. 2 f. 181ab (15. Jh.). orhün: H.S.III, 17, orrehün: 
cod. Vindob. 2400, 42a. coturnix: cod. Vindob. 804f. 185b. 

Der Xame des Auerwilds ist in althochdeutschen Glossen 
seit dem 11. Jh. bezeugt. Eine einheitliche Grundform läßt sich 
aus diesen verhältnismäßig späten Belegen nicht gewinnen ; der 
Namensform orrehuon (orichuon) steht eine andere ürhano (ürhuon) 
gegenüber, deren langes ü durch später eintretende Diphthongie- 
rung erwiesen wird. — Von den Quellen des 15. Jhs. hat Konrads 
von Haslau Jüngling V. 261. 601 die Lautform orrehan, orrehuon, 
der Vocab. ine. theuton. ante lat. (1482) S. p 1 a orhan und eine 
Version des Märchens vom Zaunkönig (Germania VI, 100) urhan. 
Die diphthongierte Form <nverluin begegnet zum erstenmal in 

1 Phassam Ed. 

2 Wegen des unorganischen t vgl. S. 228 s. v. huon Anm. 2. 

3 ortigo und darüber meira, als wäre dies deutsch, während das 
ganze nur ortigometra bedeutet und die nächste Glosse vrhunt (fälschlich 
über Rinocerus) hierher gehört (Steinmeyer). 



Aucriiulm, tetrao arogallaB. - ; I l 

einer Glossenhandschrift des L5. Jhs. 1 . Em 16. Jh. findet sich 

Am- ihm bei I);is\-|)n. lius (1537) 1 im Elsaß, At«-r/)></> bei Eber 
und Peucer Vocab. (1552) 8. P 1 ;i und Auwhan in Bibers Qemma 
(1579) S. 40 in Sachsen; in Sohlesieii Auer-Han bei Sohwenkfeld 
Ther. Sil. (1603) 8. 369. Zu der hochdeutschen Lautform Auerhahn 
stimmt mnd ürhane (ürhenne, Ürh6n\ im LÖ.Jh. Vrham b'-i Longo- 
lius Dialog, de avibus ( 1 5 1 1 1 8. E 3a, \'/ir/t<>/t<> bei ( Ihytraeos Nbmen- 
olator (1582) 8. 373, heute Urhdne* in Gtöttingen und Qruben- 
a und Örhdne* (mit regelrechtem Obergang von ü in 6) in 
tfalen. In den hochdeutschen Dialekten liat sieh die alt" 
Form orhuio teilweise erhalten: in der Schweiz ()rl{i)hun und 
Ordslhuen neben Ur(l)Jutn, Urhuen* (bei Gesner Hist. avium 
(1555) S. M'lii.VrJunu Orkan), im Elsaß Ur{en)h<ni r ' (im Strassbnrg. 
•II). (1554) V. 553 Vrhan\ in Tirol Örlwn\ 
Das erste Glied des althochdeutschen Kompositums orrehuon 
ist als selbständiger Yogelname vorhanden in anord. schwed. 
orre und norweg. dial. orre neben orrfugl 'Birkhuhn'; die ent- 
sprechende dänisch-norwegische Benennung ist aarfugl (aarhane). 
Den germanischen Namen *orr-an hat Hellquist in der Schrift {Ety- 
mologische Bemerkungen S. VII f. von älterem *urzi~ abgeleitet 
und mit griech. epcnv, appnv 'Männchen, männlich', avest. ursmi 
'Mann, Männchen' zusammengestellt. Der Ausdruck sei nämlich 
ursprünglich eine Bezeichnung des männlichen Vogels gewesen. 
Feminine Ableitungen von dem maskul. *urzun- liegen vor im 
schwed. dial. ijnn (< *yrn < ''urz-n-i) \Birkhenne' und (nach Falk- 
Torp Et. ordb. I, 5) im norweg. dial. yrhna (aus *yr(t)na). Da 
das Männchen beim Auer- und Birkwild sich nicht nur in der 
Farbe und Größe von der Henne unterscheidet, sondern in der 
Jägerwelt auch als Balzvogel eine hervorragende Rolle spielt, 
ist schon denkbar, daß es als 'Männchen' besonders benannt 
wurde und daß dieser Name dann zum Gattungsnamen wurde. 
Für die althochdeutsche Variante orihhuon, welche in 
mehreren älteren Handschriften der Versus de rolucribus ge- 



1 S. die Belege oben. — 2 Martin-Lienharl [,341. 
8 Schambach 260. - J Woeste L91. 

5 Staub-Tobh-i II. L307. L373. — *i Martin-Lienharl I. ül 

7 Schöpf Id. S. 182 



250 Auerhuhn, tetrao urogallus. 

schrieben wird, findet sich keine sonstige Bestätigung und sie 
kann daher nicht mit Sicherheit als selbständige Nebenform in 
Betracht kommen. Vielleicht ist orichuon in der Vorlage der 
Yersus nur eine Verschreibung für das selten gewordene orrehuon 
im Anschluß an birichhuon. 

Schwer zu beurteilen ist das gegenseitige Verhältnis von 
ahd. orrehuon und tirhuon (= nhd. Auerhuhn). Allgemein wird 
angenommen, daß das letztere Wort aus orrehuon im Anschluß 
an ahd. ür(ohso\ nhd. Auerochs umgebildet worden sei. Für diese 
Vermutung findet man jedoch keinen Anhalt in der historischen 
Überlieferung, wo die Formen mit u im Stamme ebenso früh 
wie die o-Formen erscheinen 1 . Bei der Beurteilung der Form 
urlutno fällt besonders ins Ge wicht der angelsächsische Vogel- 
name wörhana, der mit mndl. woerhane, nndl. woerhaan (woerhen) 
'Fasan' identisch ist und von der deutschen Namensform kaum 
getrennt werden kann. Die Bedeutung des angelsächsischen 
Wortes darf nicht nach dem lat. Lemma 'phasianus' als 'Fasan 1 
angesetzt werden 2 . Denn auch wenn man annimmt daß der 
Fasan in der frühangelsächsischen Zeit, aus der die ersten Belege 
stammen, in England bekannt war, so ist es nicht wahrschein- 
lich, daß er mit einem einheimischen Namen benannt wurde. 
Mit ags. wörhana ist vielmehr wohl der Auerhahn gemeint 3 ; in 
diesem Sinne wird auch lat. phasianus öfters gebraucht. 

Wahrscheinlich ist ahd. ürhano eine alte Ablautsform zu 
dem angelsächsischen und dem niederländischen Worte und 
kann als solche mit Schweiz, ür 'wild, stürmisch (vom Wetter), 
grob, zornig (vom Menschen)', norweg. schwed. yr 'wild, geil' zu- 
sammenhängen, welche bei Falk und Torp Et. ordb. II, 466. 474 
mit anord. arr 'sinn verwirrt, heftig, gewaltsam', dän. Br 'tau- 
melnd', schwed. dial. ör 'wild, toll', ahd. wuorag 'berauscht' usw. 

1 Wenn die Zoologen des 16. Jhs. den Auerhahn als den größten 
Jagdvogel mit dem Auerochsen als dem größten Jagdtier vergleichen und 
die beiden Namen miteinander in Zusammenhang bringen, so ist dies 
durch die gleiche Lautgestalt derselben veranlaßt; sonst bietet sich der 
Vergleich der beiden Tiere nicht gerade leicht dar. 

2 So z. B. bei Whitman The Birds of Old Engl. Literature LXIII. 

3 Sweet The Stud. Dict. übersetzt wörhana mit "moorcock'. ohne 
daß der Grund zu dieser Übersetzung ersichtlich ist. 



Birkhuhn, tetrao tetrix. 2f>l 

(aus *ivöi\i)(t-) zusammengestellt worden sind. Diesen letztge- 
nannten Worten würden ags. wörhana und mndl. woerhane am 
nächsten stehen. Wenn man für den Vogelnamen von einer 
Grundbedeutung- 'wild' ausgeht, wäre der *Auerhahn J eigentlich 
als •Wildhahn' aufzufassen. Dann würde sich aber auch and. 
ur(ohso) (nhd. Auerochs), dessen Zusammenhang mit altind. uard 
'Stier' sehr problematisch ist, einfach als 'Wildochs' erklären, 
ebenso mhd. ürgtil 'alter Eber' als 'Wildeber'. 

In der Schweiz und in Steiermark wird das Auerwild 
Wildhuhn 1 und W<ddhahn x genannt, in Obersteiermark Groß- 
hahn 2 (bezw. Großhenne) 2 ; steirische Ausdrücke sind ferner 
Bramhahn* (wohl zu Bram 'dunkler, schwarzer Fleck', vgl. 
Schildhahn S. 252) und Pranghahn 2 . 

Den Ausdruck Auerhenne für das Weibchen des Auerwilds 
bezeichnet Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 372 als schlesisch. 
In der Schweiz begegnet im selben Sinne der Name Grügeli., 
der mit bair. grügeln 'heiser reden' (Schmeller-Frommann I, 992) 
verwandt ist und sich also auf die Stimme des Yogels bezieht. 
Das Kompositum Grügelhan, unter welchem Gesner offenbar 
die Auerhenne ("grygallus major") meint, wird nach den An- 
gaben von Staub-Tobler II, 1307 in der Schweiz vom Birkhuhn 
gebraucht. 

Birkhuhn, tetrao tetrix. 

Ahd. birihhuon : Sg. Nora. — Hythin, fihus progne. et dicitur 
taha. t pro pirihhön. I auis italica que fasan dicitur: HoratCarm. 
IV, 12, 5: Gm. 375, 62b. pirchuon fassam: Servius in Vergil. E. VI. 
TS II, 141 L): Clm. 18059, 10a. birickhön attage : Versus de volucr. 
birchuon nuillis : H. S. III. 17, pirus : Xlg. 

Die Benennung Birkhuhn (ahd. birihha = Birke) hat der 
Vogel erhalten, weil er in Birkenwaldungen angetroffen wird 
und sich von den Knospen dieser Bäume nährt. Mit Rücksicht 
auf diesen umstand ist auch der in der Schweiz vorkommende 
Name Laubhan 9 (zuerst bei Gesner Hist avium (1555) S. 1=75) 
gebildet Charakteristisch für den Aufenthaltsort des Birkhuhns 

1 Staub-Stobler II, 1310. 1377, Unger-Khull 615. 634 

2 Unger-Khull 107. 109.309. 

3 Staub-Tobler II. L309. 



252 Birkhuhn, tetrao tetrix. 

ist ferner das von Popowitsch Versuch S. 59 nach Heppe Wohlred. 
Jäger angeführte Synonymon Mooshun, denn der Yogel hält sich 
gerne in moorigen Gegenden auf. Dagegen ist der Name Berghun 
a. a. 0. für die Birkhühner nicht besonders charakteristisch und kann 
in einigen Gegenden eine Umbildung von Birkhuhn sein. Doch wird 
man die Namen Bergvogel l in Steiermark und Birghan, Birgfasan, 
welche Gesner im Sinne von Auerhahn anführt, für ursprüng- 
lich halten müssen; in dem schweizerischen und steirischen Hoch- 
gebirge sind diese Namen leicht begreiflich. In Steiermark nennt 
man die Auer- und Birkhühner ebenso wie die Schnee- und 
Steinhühner mit dem gemeinsamen Namen Almhühner 1 , d. h. 
Alpenhühner. Im Gegensatz zum Großhahn, dem Auerhahn 
heißt der Birkhahn hier auch Kleinhahn 1 . Der Ausdruck ist 
ohne Zweifel eigentlich aus der Jägersprache hervorgegangen, 
ebenso wie Spielhahn (zuerst bei Gesner a. a. 0. Spilhan) in 
schweizerischen 2 und bairisch-österreichischen Mundarten. Der 
erste Teil des Kompositums ist nicht mit Kehrein Wb. der Weid- 
mannssprache S. 276 als Spill = Spillbaum aufzufassen, sondern 
ist identisch mit dem Worte Spiel, das bei den Jägern den 
Schwanz der wilden Hühner bezeichnet (s. Grimms Wb. X, 
2319. 2399); der Name wird nur vom männlichen Yogel ge- 
braucht und zielt auf die umgebogenen Schwanzfedern des- 
selben. Das im Kanton Glarus vorkommende Synonymon Schild- 
han ist bei Staub-Tobler II, 1309 mit dem Berge Schilt (im 
selben Kanton) in Zusammenhang gebracht worden. Diese Deu- 
tung wird jedoch schon dadurch hinfällig, daß der Name kein 
Glarner Lokalausdruck ist, sondern auch in Österreich gebraucht 
wird 3 . Unwahrscheinlich ist auch die in Grimms Wb. IX, 133 
wiedergegebene Erklärung Höfers, welche an die ausgebreiteten, 
wie ein Schild aussehenden Flügel des Vogels anknüpft. Das 
Wort Schild hat in diesem Vogelnamen dieselbe Bedeutung wie 
in Schildspecht, Schildfink, Schildkrähe (s. S. 34) und hebt die 
farbigen Flecken des Gefieders hervor. 

Von den heiseren Lauten, welche die Birkhähne bei der 
Balz ausstoßen, haben sie in der Schweiz den Namen Grügelhan 

1 Unger-Khull 16. 67. 392. — 2 Staub-Tobler II, 1310. 
3 Popowitsch Versuch S. 59. 



Haselhuhn, tetrao bonasia, bonasia bonasia. 253 

erhalten (vgl. S. 251). Bin ähnlicher Ausdrucfc in Niederdeutsch- 
land ist Kurrhön* (im Äfünsterkreise). Nach Kehrein a, a. 0. 
8, 192 \\ird der Birkhahn in der Jägersprache Kurte und der 
Balzlaut desselben hurten genannt Im Vocab. triling. (1560) 
J8 begegnet für <!< i n Birkhahn der Name Bickerhan. 

Die Bezeichnungen für Auer- und Birkhühner gehen 
manchmal in einander über. Gesner gibt an, daß der Name 
Vrhan in der Schweiz auch vom Birkwild gebrauchl wird, bo 
dal» man dort Ideine und groffe Orkanen unterscheidet. Mehr- 
deutig ist der Name Bromhenne, der mit Schweiz. Brom 'Baum- 
knospe' gebildet ist und sich auf die Nahrung der großen wilden 
Hühner bezieht Nach Popowitsch Versuch (1780) S. 72 wird 
dieser Name in Ungarn von der Birkhenne, in Obersteiermark 
von der Auerhenne angewendet; der Auerhahn soll in Steier- 
mark kurzweg Brom genannt werden. Den Ausdruck Bromhenn 
gebraucht schon Gesner a. a. 0. S. 475 von einer Hühnerart, 
welche angeblich größer als die Haushenne ist und am Etschfluß 
gefangen wird ; er vermutet darin entweder den Birkhahn oder 
den grygallus major (mit welchem Namen wohl die Auerhenne 
gemeint ist). Vielleicht ist der von Gesner erwähnte Vogel dasselbe 
Bromhun, welches Hohberg Adeliches Land-Leben (1687) II, 788 
erwähnt und Popowitsch als "ein von Auerhüner- und Birk- 
hünergefchlächtern verschiedenes Gefchlächt groffer Bergvögel" 
beschreibt, Es handelt sich wohl hier um eine Bastardart von 
Auer- und Birkwild (tetrao hybridus oder medius). In Steier- 
mark heißen diese Vögel Halbhuhn 2 oder Backelwild 2 (wohl 
zu röcheln, racketzen 'einen knarrenden Laut von sich geben'). 

Haselhuhn, tetrao bonasia, bonasia bonasia. 

Wie das Birkhuhn, so hat auch das Haselhuhn den Namen 
von seinem Aufenthaltsorte erhalten ; der Vogel sucht mit Vor- 
liebe Haselwälder auf. Die Benennung ist zuerst in den alt- 
hochdeutschen Glossensammlungen Versus de volucribus und 
Heinrici Summarinm als hasalhuon, hastthuon* (= sparaius ; 

1 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI. SG. 

2 Unger-Khull 322. 488. 

3 Einige Handschriften der Versus schreiben huselgans. das eine 
hybride Bildung (von den Glossen haseUiuon und hagelgans) ist. 



254; Alpenschneehuhn, lagopus alpinus. 

attage) bezeugt. Dem nihd. haselhuon entspricht mnd. haselhon 
und im Niederländischen hazelhoen\ dän. hasselhßna stammt aus 
dem Deutschen. In Steiermark ist der Name volksetymologisch 
zu Hasenhuhn 1 (schon im 14. Jh. hasenhun: Versus de volucr. : 
Clm. 27329, 90) umgebildet. Ein luxemburgischer Ausdruck ist 
Böschhong 2 m. (Waldhuhn). 

Im Gegensatz zu den grauen nordischen Haselhühnern 
sind die deutschen lebhafter gefärbt und vielfach mit Rot ge- 
zeichnet. Daraus erklärt sich der Name Rotthun bei Schwenkfeld 
Ther. Sil. (1603) S. 277 und späteren Ornithologen ; gewöhnlich 
wird mit diesem Namen jedoch das Steinhuhn bezeichnet. 

Im Anfang des 13. Jhs. war das Haselhuhn, das heutzutage 
in Deutschland stark im Abnehmen begriffen ist, überaus häufig, 
wie man von Albertus Magnus erfährt. 

Alpensclineehuhn, lagopus alpinus. 

Da die Schneehühner in dem deutschen Sprachgebiet 
fast nur das schweizerische Hochgebirge bewohnen, ist es be- 
greiflich, daß die Vögel in den altdeutschen Glossaren und 
Vokabularen nicht genannt werden. Das erste Zeugnis des Aus- 
drucks Schneehuhn liefert Gesner Hist. avium (1555) S. 556, der 
in seiner Heimat Gelegenheit genug hatte, den Vogel zu beob- 
achten : "Auis quem ego pro lagopode pinxi , a nostris et 
montium incolis Germanice nominatur ein Schneehün / Schnee- 
uogel I ein wyß Eäbhün I ein wild wyß hün I Steinhün, circa 
Lucernam Schrathün". Der Übersetzer der Bücher Plinii (1651) 
berichtet S. 587, "daß die Schneehüner auff den Alpen gemein 
sind . . .", Hohberg Adeliches Land-Leben (1687) II, 673 kon- 
statiert nur, daß "das Schneehün in unfern landen nicht be- 
kannt" ist und bei dem Verfasser der Angenehmen Land-Lust 
(1720) S. 344 heißt es: "In Tyrol / in der Schweitz / und andern 
Schnee-Gebürgen / foll es auch Schneehüner geben / welche fo 
weiß als der Schnee". Die oben angeführten Belege beziehen 
sich alle auf das Älpemchneehuhn, welches heutzutage in der 
Schweiz Schmehuen 3 oder Wiss-, WUdhuen* genannt wird. Auch 

1 Unger-Khull 330. — 2 Wb. der Luxemburg. Mundart 40. 
3 Staub-Tobler II, 1377. 



Reblmliii. perdix cinerea oder perdix perdix. 856 

der von Gtesner angeführte Ausdruck Schratthuen ist noch in 
Lasern üblich; Staub und Tobler II. L376 bringen ihn in Zu- 
sammenhang mit dem Berge Schratten, der von Alpenschnee- 
htihnem bewohnl wird. 

Die andere An der Lagopus-Gattung, das im Norden 
beimische Moorschneehuhn (iagopus albus), soll nach Martin 
Naturgeschichte | L88 h I, 2, 436 an der nordöstlichen Grenze von 
Deutschland in einer Anzahl von einigen hundert Paaren Leben, 
Aus dieser lobend stammen denn auch einige Berichte von 
dem Vogel um die Mitte des 18. Jhs. Der in Danzig Lebende 
Ornithologe Klein erwähnt in Hist. av. prodr. (1750) S. 116 das 
Weiffe Haffelhun, das in Preußen um die Stadt Tilsit und in 
Kurland vorkommt und der Bearbeiter Kleins, Gottfried Reyger 1 
(Verbess. Hist. der A^ögel (1760) S. 121) bemerkt an der be- 
treffenden stelle u. a. : "Diele Vögel haben wir auch in Preußen, 
in der Gegend von Tilfit, und in Curland; sonder Zweifel auch 
in Liefland; doch unterscheiden fich die unfrigen in einigen 
Stücken von denen, die fich in Lappland aufhalten. Ich habe 
1747 einige diefer Schneehühner aus Tilfit bekommen". Bei 
Frisch Vorstellung der Vögel (1763) IX, Clb ist das Bild eines 
Moorschneelmhns nach einem Exemplar gemacht, das dem Chur- 
Pfaltz- und Baierischen Gesandten von Beckers aus Preußen 
zugeschickt worden war. Dazu wird a. a. 0. bemerkt : "Diefe 
Art wilde Hühner läffet (ich in unfern Gegenden gar feiten, ja 
faft gar nicht leben" 

Feldhühner, Perdicidae. 

Rebhuhn, perdix cinerea oder perdix perdix. 

Ahd. reb(a)huon: Sg. Noni. — rebhu on perdix: Priscianj 
instit. 169, 15: Clm. 18375, 48a; rebhuon. cod.Vindob. 1 1 i. 9a. cod. 
Bern. 224 f. 73b. Rotul. com. de Mülinen Bern. Versus de volucr. 
H. S. III, 17. XIa 2, coturnix: a 2. coturnix perdix: e. g, perdix : g. 
olhhi t rebhhi perdix et cotvrnix: Clm. L4689 f. na. rephuan: 
Ecclesiasticus LI, 32: cod. Carolsruh. SPetri 87, 7(51«. rephuun: cod. 
SGalli 292, 114: rephuon : cod. Vindob. 2723, 60a, cod.Vindob. 2732. 
69b, Clm. L8140,71b, Clm. L9440, 313. Regum I, 26, 20 : Clm. 9634, 



1 Der Ausdruck Hasenfuss, den Reyger neben Schneehuhn, Weißt* 

Hafelhuhn hat. ist natürlich nur eine Übersetzung von griech. \<rfüJTTOuc. 



256 Rebhuhn, perdix cinerea oder perdix perdix. 

48b; Clm. 18140, 34b, cod. Vindob. 2723, 26a, Clm. 14689, 38b; 
cod. Stuttgart, th. et phil. f. 218, 27c. Jeremias 17, 11: Clm. 18140, 
193a, Clm. 19440, 350, Clm. 14689, 40a, cod. Gotwic. 103, 56b. orty- 
gometra: Sapientia 16, 2: Clm. 19440, 310, cod. Vindob. 2723, 59 a, 
cod. Vindob. 2732, 67b. Prisciani instit. 169,15: Clm. 280 A, 30b. 
cod. sem. Trevir. R. III. 13, 108 a. rephvn: Versus de volucr. cod. 
Selestad. f. 110a. cod. Vindob. 804 f. 185b. reph huon: cod. Guel- 
pherbyt. Aug. 10. 3. 4<> f. 89 a, rephount : cod. Parisin. 9344 f. 42b. 
rephün coturnix: cod. Vatic. Reg. 1701, 2 b. rephun: Regum 1,26, 
20: cod. Gotwic. 103, 52 b, Clm. 13002, 221b. ortygometra: Sapientia 
16,2: Clm. 13002, 225 a. Ecclesiasticus 11, 32 : Clm. 13002, 225 a. 
Jeremias 17, 11: Clm. 13002, 222b, rephon: cod. Vindob. 2723, 39b, 
rebhun: Clm. 22201, 240f. Ecclesiasticus 11, 32: Clm. 22201, 246a. 
ortigometra: Sapientia 16, 2: cod. Gotwic. 103, 72 a, Clm. 22201, 
245h. Regum 1,26,20: Clm. 22201, 239b, repahuon: cod. Vindob. 
2732, 31a. cod. SGalli 270, 64. Jeremias 17, 11: cod. Vindob. 2732, 
46a. repahun ortigometra: Liber de propr. sermonum: Clm. 19440, 
25. ortygometra: Sapientia 16, 2: Clm. 14689, 42b. rebehuon cotur- 
nix: Notker Wps. 104, 40. rebehun coturnices: GH. Salomon. al: 
Clm. 22201, 33 d. rebehun : Versus de volucr. : cod. Admont. 476. H. 
S. XI b: cod. Admont. 269, 62a, rebohonh coturnix perdix: cod. Ad- 
mont. 269, 49b. rebuhuon: Ecclesiasticus 11, 32: cod. Gotwic. 103, 
72 b. — Akk. — rebhvon ortygometram : Sapientia 16. 2: Clm. 4606, 
125b, rephun: Clm. 18140, 69b. 

Der Ausdruck Rebhuhn ist in althochdeutschen Glossen 
seit dem 10. Jh. als reb(a)huon, rep{a)huon belegt. Diese Formen 
lassen sich als 'Rebenhuhn' deuten, aber der vermutliche Zu- 
sammenhang mit ahd. reba 'Rebe' ist offenbar erst sekundär; 
ebenso scheinen die entsprechenden niederdeutschen Formen 
mnd. raphön, nnd. rapphön = mndl. raaphoen, nndl. raphoen sich 
sekundär an das Adjektiv rapp 'rasch, heftig' angelehnt zu haben. 
Im Angelsächsischen fehlt dieser Name (dafür erscheint einmal 
ersehenn, zu ersc 'Stoppelfeld'); auch die skandinavischen Worte, 
dän. rappham, schwed. rapphöna, sind nicht einheimisch, sondern 
Entlehnungen aus dem Niederdeutschen. 

Die Benennung des Yogels erinnert an die Laute, die 
man von aufgescheuchten Rebhühnern hört und die Naumann 
mit e ripripripriprip', andere Beobachter mit e zirrep' und ähn- 
lichen Lautgebilden wiedergeben. Aber der onomatopoietische 
Ursprung des Namens, den einige auf Grund dieser Überein- 
stimmung angenommen haben, erscheint doch unsicher in An- 



Rebhuhn, perdix cinerea oder perdix perdix 257 

betraehl dessen, daß die baltisch-slavischen Sprachen Synonyma 
von verwandtem Aussehen aufweisen und »lall die Bildung des 
Vogelnamens somit in eine weil zurückgelegene Zeil zu fallen 
scheint. — G-leichbedeutend mit ahd. rSb{a)huon sind russ. rjabka, 
sloven. jerch, sevb.jareb (aus akslav. jarfbi, jerfbi), <li<' auf dem 
akslav. Adjektiv /r/>u 'bunt* beruhen, und lett. irbe. Das gegen- 
seitige lautliche Verhältnis dieser Synonyma haben u. a. Noreen 
Abriß s. 89, Mtach Zs. i d. Wi IL 285 und Falk und Torp Et 
ordb. I, 293. IL L29 zu bestimmen versucht. Nach Falk und Torp 
wäre «las althochdeutsche Wort aus einer german. Greif. *rep- 
umgebildet, die sich mit den slavischcn Synonyma aus einer 
idg. Basis *(e)re{m)b- begreifen ließe; mit den vorhingenannt«'n 
Worten sei von Hause aus identisch auch anord. jarpe "Hasel- 
huhn 1 (schwed. hjärpe, norweg. hjerpe) aus jarpr c braun' = ags. 
earp 'dunkelfarbig', ahd. erpf (idg. Grdf. *erdbo-). Weiterhin wei- 
den durch Annahme hypothetischer idg. Wurzel Variationen anord. 
rjüpa (norweg. rype) 'Schneehuhn', lit. erube\ jerube Mass.", lett. 
rubenis 'Birkhuhn' (idg. Grdf. *(e)reub-) und schwed. ripa 'Schnee- 
huhn', lit. ratbas e graugesprenkelt (von Yögeln)' (idg. Grdf. *(e)reib) 
herangezogen. 

Eine synonyme Benennung mit ahd. rebhuon, rephuon ist 
feUhuon 'Feldhuhn': felthuon coturnix grece. hortigoraatra hebraice. 
perdix latine : cod. Bonn. 218, 61b. ortigometra : cod. sem. Trevir. f. 112 b, 
veltihuon: cod. Guelpherbytan. Aug. 10. 3. 4° f. 89a, feldhon: cod. Berol. 
Ms. lat. 8° 73, 124a. uelthon perdix: cod. Cheltenham. 7087, 14* a. ueUhun. 
cod. sem. Trevir. R. III. 13, 105a. velhvn i rebhvn perdix et coturnix: Clm. 
14689 f. 47 a; dazu andd. ueldhön in den Straßburger Glossen (Wad- 
stein Kleinere altsächs. Denkm. S. 107 *), mnd. velthon. Der Aus- 
druck ist heute in den Rheingegenden üblich: westtäiLFeldhaun 1 , 
luxemburg. Feldhony 2 m., elsäss. Feldhuen (Feldhünkel)*. 

Mit dem französischen Einfluß der Ritterzeit drang frz. 
perdrix in der picardischen Form pardrix, partrix 'Rebhuhn' 
in das Niederländische und das Niederdeutsche. Das Fremdwort 
begegnet zunächst als patris (= wis) bei Berthold von Holle 
Demantin (Ed. Bartsch) V. 3697 und in der Glosse partrise ( = ornix) 



1 Woeste 288. — 2 Wb. d. Luxemburg. Mundart 520. 
3 Martin-Lienhart I, 346. 

Suolahti, Vogelnameu. 17 



258 Steinhuhn, perdix saxatilis, caccabis saxatilis. 

des Lichtentaler Glossars (Zs. f. d. Wf. IX, 221b); im Mittel- 
niederländischen partrijs, nndl. patrijs, ostfries. patrise (Jb. f. 
ndd. Sprach! XI, 112). Als höfisches Wort drang der Name 
dann auch in das oberdeutsche Epos; schon in Wolframs Par- 
zival kommt die ndd. Deminutivform pardrisekin vor. Auch 
ins Englische wurde das französische Wort als me. pertriche, 
ne. partridge übernommen. 

Steinhuhn, perdix saxatilis, caccabis saxatilis. 

Nach den Angaben von Brehm Tierleben V 3 , 530 und 
Naumann-Hennicke VI, 152 bewohnt das Steinhuhn, der nächste 
Verwandte des Rebhuhns, die Südgebirge der Schweiz und Tirols 
und wird auch in Oberösterreich und im bairischen Hochge- 
birge hie und da angetroffen. 

Im 15./ 16. Jh. ist das Vorkommen von Steinhühnern in 
den Rheingegenden bezeugt. Eine Straßburger Stadtordnung des 
15. Jhs. 1 nennt neben dem grauen Feldhuhn (ein gro velthün) 
oder dem Rebhuhn auch ein rot velthün, womit wahrscheinlich 
das Steinhuhn gemeint ist. Sicher ist es dieser Vogel, den 
Gybertus Longolius in seiner Schrift Dialogus de avibus (1544) 
im Sinne hat, als er von Rebhühnern mit roten Schnäbeln erzählt, 
die in der Umgebung der Stadt Köln sich in hoch gelegenen 
Weinbergen, wo dichtes Gebüsch in der Nähe ist, aufhalten; 
man nenne sie hier Roithöner (= Rothühner). Ausführlicher 
wird das Steinhuhn von Gesner geschildert, der in Hist. avium 
(1555) S. 655 sich auf Longolius beruft, aber auch Berichte 
über diesen Vogel aus älteren Quellen wie der Chronik Stumpfs 
u. a. abdruckt. Außer dem Namen Rothün (ein rot Räbhün), der 
sicher aus dem Dialogus de avibus übernommen ist, nennt 
Gesner den Ausdruck ein Pernijfen I oder Parnijffe, der auf 
itdl. pernice zurückgeht. Nach Italien, wo das Steinhuhn besonders 
häufig ist, weist auch die Benennung ein Weltfch Rdbhün (d. h. 
ein welsches Rebhuhn) a. a. 0. Die ornithologischen Werke des 
17./ 18. Jhs. erwähnen das Steinhuhn gar nicht oder reproduzieren 
die Angaben der Vorgänger; Reyger Verbess. Hist. der Vögel 
(1760) übersetzt den von Longolius genannten Ausdruck perdix 

1 Brucker Straßburg. Zunftverordn. S. 266. 



Wachtel, coturnix communis. < oturnix coturnix. 269 

graeca. Der ungenannte Verfasser der Angenehmen Land-Last 
(1720) 8. 342 meint mit den "rothen ßebhunern" deren er 
kcins in Deutschland, aber in Prankreich gar riele gesehen, 
die in Südfrankreich vorkommende perdii rufa. 

Heutzutage isi Steinhuen 1 «li< i in der Schweiz übliche Be- 
zeichnung für perdix Baxatilis, wird aber auch (wie schon bei 
Gesner) vom Schneehuhn angewendet; in Steiermark isl Stein- 
hähnl- n. der Name des Steinhuhns und des Siornellregenpfeifers. 
Lexers Bind. Wb. Nachtrag S. 370 verzeichnet bereits ein mhd. 
steinhuon, Eerner auch (I, 185) den mehrdeutigen Ausdruck 
berchuon. Zum Unterschiede von den Schneehühnern, welche 
stellenweise in der Schweiz whd Wildhenne* genannt werden, 
heißt das Steinhuhn hier grdwi Wildhenne 1 . — Das Luxem- 
burgische Wörterbuch hat für das Bothuhn die volkstümlich 
aussehenden Ausdrücke Ruktfeissert (S. 367) (d. h. wohl •Rauch- 
fuß') und Eisleker Feldhong (S. 105) (d. h. das Öslinger Rebhuhn). 
Danach scheint der Yogel in den Gegenden, wo er einst von 
Longolius beobachtet wurde, noch nicht verschwunden zu -ein 4 . 

Wachtel, coturnix communis, coturnix coturnix. 

Ahd. wahtala: Sg. Nom. — nuahtäla coturnix : Anhang z. 
alten u. neuen Testament: C.lm. 14747, 96b. uvahtala lusciniam : 
Servius in Vergil. E. VI, 78 (II, 141 L): Clm. 18059, 10 a. uua : htala 
quaquara: cod. Vatic. Reg. 1701, 2 b. nuahtäla quaquadra : Clm. 
14689 f. 47 a. coturnix . . . quasquilas : Psalmen 104, V) : cod. Stuttg. 
herm. 26, 25b, wahtala: cod. Turic. Rhenov. 66, 57, Clm. 222öS, lila. 
quarqua: GH. Salomon. a 1. quaquaria: H. S. III, 17. XI B 2. qua- 
caria auis : b. g. vvahtila coturnix . . . quasquilas : Psalmen 104, 40: cod. 
Angelomont. 14/11, 33a. wahtilla: cod. Selestad. 110a. wahtila quas- 
quila: Versus de volucr. quaquara: GH. Salomon. a 1. coturnix grece 
ortigometra dicitur similibus 5 auibus que quasquile uocantur sed 
maior: Exodus 16, 13: Clm. 4606, 97b, cod. Admont. 508, 3b. uuaht- 
hala : Clm. 14584, 127 b, wahtilae: cod. Turic. Rhenov. 66. 12, irahtile: 



1 Staub-Tobler II, 1377. — 2 Unger-Khull 573 

3 Staub-Tobler II, 1313. 

4 Leider gibt das Wörterbuch der Luxemburg. Mundart niemals 
die in der Naturwissenschaft angewendeten lateinischen Ausdrücke : des- 
halb ist oft die Bedeutung der naturwissenschaftlichen Begriffe nicht 
sicher zu erkennen. 

5 1. similis (Steinmeyer). 

17* 



260 Wachtel, coturnix communis, coturnix coturnix. 

cod. Stuttg. herm. 26, IIa, cod. Angelomont. I 4/11, 7a; cod. Stuttg. 
th. et phil. f. 218, 10b; wathtila: cod. Lugdun. 191 E, 63b. watala: 
cod. Parisin. 9344 f. 42 b, cod. Berol. Ms. lat. 8° 73, 124a. H. S. XI b: 
cod. Kilian. 47, 5b. — PI. Nom. — -wahtilun quasquile : Psalmen 
104, 40: Clm. 4606, 120 b. wdhtelon coturnices *. ortigometra: Pru- 
dentius H. a. ine. lue. 102 : cod. SGalli 292, 168. 

Die Wachtel lebt verborgen vor menschlichen Blicken im 
tiefen Ährenfelde ; selten würde man von dem Vorkommen des 
Vogels etwas wissen, wenn das Männchen es nicht durch seinen 
charakteristischen Ruf meldete. Dieser Ruf oder der sogenannte 
Schlag wird in den meisten Gregenden in menschlichen Worten 
ausgelegt und ist auch vielfach bei der Bezeichnung des Vogels 
verwertet worden. Voigt umschreibt den Wachtelschlag in seinem 
Excursionsbuch S. 209 mit e pückwerwück 3 oder e pickperwick', 
wo der Ton auf der letzten Silbe liegt. Eine andere Interpre- 
tation geben Haacke und Kuhnert Das Tierleben Europas I, 293 ; 
danach ist der Ruf ein in Daktylusrhytmus vorgetragenes e püt 
püt püt'. In den volkstümlichen Auslegungen erkennt man 
ebenfalls eine doppelte Auffassung, indem einerseits der k-Laut, 
andererseits der t-Laut gehört wird; gemeinsam ist aber der 
kurzsilbige Staccato-Rhytmus. Nach Swainson The Folklore S.173 
ruft die Wachtel in England Weet my feet oder Wet my lip oder 
Quick me dick; in den englischen Mundarten sind diese Um- 
schreibungen auch zu Benennungen des Vogels selbst geworden. 
In Frankreich hört man im Wachtelschlage die Worte "paye 
tes dettes" oder "tres per un, tres per un" oder "j'ai du ble, 
j'ai pas de sa (= sac)"; in anderen Dialekten wird er mit "cour- 
calihat, carcaillet" u. dgl. wiedergegeben, vgl. Rolland Faune po- 
pulaire II, 342. In Deutschland hört der Schwabe den Ruf des 
Vogels als "sechs Paar Weck", der Elsässer als "Bäwele, wit mi 
nit" oder "Beck verreck" 2 , der Luxemburger als "bekderek" = 
siebenbürgisch "bäk dem xäk (da fauler sträk)" 3 . Die letztge- 
nannte Deutung ist als Bück den Rück auch auf dem nieder- 
deutschen Gebiet bekannt. Andere Interpretationen in Meder- 
deutschland sind "Weck den Knecht" oder "Flick de Bücks" 4 , 



1 alites in der Edition. — 2 Martin-Lienhart II, 787. 
3 Wb. d. Luxemburg. Mundart 25. — 4 Danneil 242. 



Wachtel, coturnix communis, coturnix coturnix. 261 

d. h. 'Flicke die Eose' (in Altmark): in Albringweide ruft die 
Wachtel "wak di wak" zn Bracke] bei Dortmund "küpken- 
blick", zu Hemer "smet mi uit", vgl. Woeste Erommanns D. Mund- 
arten V, 76. Einzelne von den Deutungen halten sieh dann in 

dvn Mundarten als Namen <\rv Wachtel festgesetzt So beißt der 
Vogel in der ostfriesischen Mundart Kütjenblik, GiHjenblik 1 , 
in der Groningenschen Mundart Kutdjeblik* : in Mecklenburg 
und Lübeck Flick de Büx 9 ) in Albringwerde Kwabbelfett^ in 
Preußen Ptdpurlüt 5 . 

Im Verhältnis zu diesen durchsichtigen onomatopoietischen 
Bildungen ist der alte westgermanische Name des Vogels, welcher 
in and. wahtala, mhd. mnd. mndl. wachtele und ags. ivyhtel 6 vor- 
liegt, dunkel. Bin Zusammenhang mit dem Yerbum wachen ist 
nicht zu verkennen 7 , aber dieser ist sicher nur sekundär, durch 
einen zufalligen Gleichklang verursacht worden. Wahrscheinlich 
liegt dem durch das (a)/o-Suffix (mit deminutivem Sinne) gebil- 
deten Namen der Wachtelschlag, als wak gedeutet, zugrunde. 

Neben dem deutsch- niederländischen Wachtel (daraus 
schwed. vaktel, dän. vagtel) gehen altbezeugte Namensformen mit 
anlautendem Qu-. Die ältesten Belege fallen in das 10. Jh.: 
Sg. Nom. — quattula ortigometra. dux ortigiarum. i. coturnicum: Sa- 
pientia 16,2: cod. Carolsruh. SPetri 87, 76b. qudttala coturnix: Exodus 
16, 13 : cod. SGalli 292, 9. quatala coturnix : cod. Guelpherbyt. Aug. 10. 3. 
4o f. 89a, {ivatala cod. Parisin. 9344 f. 42b, cod. Berol. Ms. lat. 8<> 73, 124a). 
quattele quaquara: cod. Oxon. Jun. 83, 4 (13. Jh.). qttele coturnix: cod. 
Cheltenham. 7087, 144a. quahtila gabia: GH. Hildegardis (13. Jh.). — PL 
Nom. — quattulon coturnices: Psalmen 104, 40: cod. Carolsruh. SPetri 
87. 74a. quahtelun ortigometre . . . coturnices: Exodus 16, 13: cod. Vatic. 
Pal. 288, 58 c. — Yon den obengenannten Handschriften sind die 

1 Jb. f. ndd. Sprachf. XI, 112. — 2 Molema Wb. S. 232. 

3 Schiller Zum Tierbuche II, 11 und Schumann Beiheft zur Zs. f. 
d. Wf. IX, S. 3. 

4 Woeste 151. — 5 Frischbier II, 194. 

6 U. a. von Sweet The Stud. Dict. S. 206 verzeichnet. Nach einer 
freundlichen Mitteilung Dr. Sweets ist das ags. Wort in Glossaren belegt, 
welche nicht vor dem 10. Jh. entstanden sind. 

7 Vgl. z. B. den Vers bei Rückert : "Die Wachtel wacht die ganze 
Nacht" und "Nur die Wachtel, die sonst immer frühe schmälend weckt den 
Tag, schlägt dem überwachten Schimmer jetzt noch einen Weckeschlag" 
bei Unland, Sonnenwende. 



262 Wachtel, coturnix communis, cotumix coturnix. 

drei, in welchen die Bibelglossen enthalten sind, Parallelhand- 
schriften, die einer gemeinsamen Vorlage entstammen. Da alle 
Abschriften die Lautform mit Qu- schreiben, muß sie dem Ori- 
ginal angehören. Nach Steinmeyer Anz. f. d. A. XXVI, 206 war 
dieses fränkisch. Von den heutigen fränkischen Mundarten kennt 
die mittelfränkische den Wachtelnamen in der Form Quattel 
(J. Müller Aachener Mundart (1836) S. 193). Von den anderen 
oben aufgezählten Handschriften weist der cod. Cheltenham. 7087 
Eigentümlichkeiten der Osnabrücker Mundart auf 1 . Auch der 
Charakter der übrigen zitierten Glossare und die späteren Zeug- 
nisse bei Diefenbach Glossar. S. 154 f. s. v. coturnix, 480 s. v. 
quiscula, Novum glossar. S. 117 s. v. coturnix sprechen 
dafür, daß die Namensform quattula > Quattel am Mittel- und 
Niederrhein heimisch war. Hier begegnet auch die Variante 
quackele bei Diefenbach a. a. 0. und S. 401 s. v. ortigometra, 
425 s. v. perdix, heute ndl. -fries. kwakkel Eine dritte Variante 
ist ndl. kwartel. 

In romanischen Sprachen finden sich anklingende Synonyma, 
afrz. quaille (daraus me. quaile, ne. quail), nfrz. caitte, prov. calha 
(mittellat. quacules in den Keichenauer Glossen, Germania VIH, 
410). Ein mittellat. quacara, das dem rätoroman. quacra am 
nächsten steht, begegnet bei Monachus SGalli De Gestis Karoli 
Imperatoris I Kap. 20 (Pertz Monumenta Germaniae Historica 
Scriptores II, 739), dann auch in Glossen quaquara quasquila, 
quisquila 2 . Da die vulgärlat. Bildung quacula oder quaquara, welche 
sicher aus dem Eufe des Vogels hergeleitet ist, im Spanischen 
und Italienischen ursprünglich nicht heimisch gewesen zu sein 
scheint, so kommt für die alte Heimat des Namens das gallisch- 
niederrheinische Gebiet (auch Westfalen eingeschlossen) in Be- 
tracht. Danach ist saalfränkischer Ursprung des Vogelnamens 
möglich. Doch fehlen uns Kriterien, die näher entscheiden können, 
ob die Bildung auf fränkischem oder romanischem Boden ent- 
standen ist. Ahd. quattula ist wohl als eine Kompromißform von 
wahtalu und quacula aufzufassen; vgl. ahd. quahtala, quahtila. 

1 Vgl. die Anmerkungen von Steinmeyer in Ahd. GH. III, 721. 

2 Vgl. prov. quisquila (in alter Zeit belegt), s. Rolland Faune popu- 
laire II, 339. 



Großtrappe, otis tarda. 868 

Hie und da findet man in deutschen Mundarten auch 
Bezeichnungen der Wachtel, welche nicht onomatopoietisch sind. 
rgi. z. B. elsäss. Dreekvogel\ preuß. Kornmutter* (eigtL die 
Benennung für eine Sagengestalt, die im Kornfelde hausen soll). 
Aus dem Slavischen entlehnt ist preuß. Perpetitze*. 

IX. Erd- und Sumpfläufer, Cursores. 

Trappen, Otididae. 

Großtrappe, otis tarda. 

Die Trappe, die die Jäger zur sog. hohen Jagd zählen 
und als Edelvogel bezeichnen 3 , ist in Deutschland da zu finden, 
wo weite baumlose Ebenen mit unbegrenzter Fernsicht vor- 
handen sind. Nach Naumann-Hennicke VII, 60 ist der Vogel 
im nördlichen und mittleren Deutschland häufig, namentlich in 
den preußischen Provinzen Brandenburg und Sachsen. 

Gesner glaubt sich zu erinnern, daß Trappen in seiner 
Heimat nur drei oder viermal gefangen wurden, aber im Elsaß 
und um die Stadt Breisach waren die Vögel zu seiner Zeit 
nicht ungewöhnlich. Die von Gesner Hist. avium (1555) S. 469 
erwähnten Namen Trapp und Trapganß kommen schon in 
mittelhochdeutschen Texten und Glossaren als trappe oder trap- 
gans öfters vor; zum ersten Mal ist trappe bei Hartmann von 
Aue im Erec belegt. Das Kompositum Ackertrapp begegnet da- 
gegen zuerst bei Gesner und ist dann von Junius Nomenciator, 
Schwenkfeld Ther. Sil. u. a. aufgenommen. — Im Adelichen 
Land-Leben II, 628 Kap. CVI berichtet Hohberg, daß die Trappen 
in Österreich gar selten sind, auch der Verfasser der Ange- 
nehmen Land-Lust (1720) S. 343 findet, daß "die Trappen nicht 
unbillig unter die feltenen Vögel gezehlet werden, ob fie gleich 
in Thüringen und anderen orten bekannt find". 

Wenn man bedenkt, daß der Vogel auf dem ehemals 
slavischen Sprachboden Deutschlands seine liebsten Weideplätze 
hat und in Polen, Galizien und Rußland besonders häufig ist, 



1 Martin-Lienhart I, 99. — 2 Frischbier I, 411. II, 134. 
3 S. Kehrein Wb. der Weidmannssprache S. 88. 



264- Kibitz, vanellus cristatus, vanellus vanellus. 

so darf man annehmen, daß der mittelhoch- und mittelnieder- 
deutsche Name trappe eine Entlehnung aus dem entsprechenden 
polnisch-czechischen Ausdruck drop ist. Die in Luxemburg vor- 
kommende Benennung weld Mierhong 1 f., d. h. wilder Truthahn 
(eigtl. Meerhuhn), ist nur eine Übersetzung des in benachbarten 
französischen Dialekten vorkommenden Ausdrucks dinde sauvage, 
dindon de mer. 

Die kleine Trappe (otis tetrax) ist in Deutschland nicht 
heimisch. Doch ist es vorgekommen, daß dieser Vogel auch nach 
Deutschland und Österreich verflogen ist. So erzählt Martin in 
seiner Naturgeschichte I, 2, 452, daß im Jahre 1870 ein zahl- 
reicher Flug Zwergtrappen sich in Thüringen niederließ. Mehr 
als hundert Jahre früher erzählt der Danziger Ornithologe 
Klein Hist. av. prodr. S. 18 von einer Zwergtrapphenne, welche 
im Jahre 1737 geschossen und ihm gebracht wurde. Er nennt 
den Yogel Trieltrappe oder Grieltrappe (zu Triel, Griel 'Brach- 
huhn 2 ). 

Regenpfeifer, Charadriidae. 

Kibitz, vanellus cristatus, vanellus vanellus. 

Der bekannteste von allen Regenpfeifern ist der gehäubte 
Kibitz, der besonders zahlreich in Holland und den nord- 
deutschen Sumpfgegenden und Marschlanden vorkommt, aber 
auch in anderen Teilen Deutschlands recht häufig ist. Der Name 
des Yogels ist in den Mundarten in zahlreichen Lautvarianten 
verbreitet. Zum ersten Mal begegnet er im 13. Jh. in der Form 
gibiz, (: elbiz,) in Konrads von Haslau Jüngling Y. 258 (Zs. f. d. 
A. Yni, 558), darauf im 14. Jh. giwiz in Hadamars von Laber 
Jagd Y. 528 (Ed. Schindler S. 132) und in der Glosse giwicz 
des Stuttgarter Pergamentblattes 3 (Yersus de volucribus in Ahd. 
Gll. III, 25 32 ), im 15. Jh. gybicz in einem Yocab. ex quo v. J. 
1432 (Frommanns D.Mundarten IY, 298), geybitz in einem Yocab. 



1 Wb. d. Luxemburg. Mundart 284. 

2 Frischbier verzeichnet das Wort Trieltrappe im Preuß. Wb. II, 411 
nach Bujack, der es wohl aus Klein hat. 

3 In Mones Abdruck, den Steinmeyer als "offenbar mehrfach fehler- 
haft" bezeichnet, s. Ahd. Gll. IV, 620. 



Kibitz, vanclhis < iistatus. vanellus vanellus. 265 

v.J. L419 1 and im Vocab. theuton. (1482) S.ee 2a, and gawbitz in 
einem Vocab. v. .). L445 1 uml in einer Version des Märchens 
vom Zaunkönig (Germania VI, 90), im 16. Jh. Qeubiü bei EL Sachs 
Regim. der Vögel (1531) V*. l<)'_\ Diese Zeugnisse entstammen 
dem bairisch-ö8terreichischen (oder schwäbischen) Dialektgebiet, 
wo die diphthongierte V^v\\\ Geibitz* aoch heute vorkommt An 
diese schließt sieh die Form Gifitz in der Schweiz (im L6. Jh. 
Gyftte bei Gesner Hast avium 8.723) und im Elsaß (vgL Mar- 
tin-Lienhart 1, L99) an, dazu die schweizerischen Varianten Gibiz, 
Gifix, Giwix sowie Gewitz* in Elurnamen bei Staub-Tobler II, 
130. Dem ostmitteldeutschen Sprachgebiet eigen ist die Lautform 
Kibitz, welche in Sachsen zuerst bei Eber und Peucer Vocab. 
( 1 552) s. E3 7 l) (Kybitz) begegnet und im 17/18. Jh. in die Wörter- 
bücher eindringt In Schlesien schreibt Schwenkfeld Ther. Sil. 
(1(303) S. 365 Gijbitz {Gyfitz, Gywitt); seine Orthographie ist von 
seinem Vorgänger Gesner teilweise beeinflußt. In Niederdeutsch- 
land ist die entsprechende Namensform als ktvü (= mndl. kievit) 
in mittelniederdeutschen Quellen bezeugt, heute ndd. Kiwit(t) 
(auch als Familienname, vgl. Jb. f. ndd. Spracht. VI, 149), ndl. 
kievit allgemein. 

Dem deutschen Vogelnamen sieht das gleichbedeutende 
russische cibizü, cibezü ziemlich ähnlich, doch darf man deswegen 
nicht an Entlehnung denken. Die Übereinstimmung der beiden 
Sprachen hat ihren Grund in dem onomatopoetischen Charakter 
des Namens, der dem Warnungs- und Lockruf des Vogels nach- 
gebildet ist. Naumann 4 schildert diesen Ruf als ein ziemlich hell 
und vernehmlich klingendes 'kibit' oder 'biwit', auch e kihbit\ 
In Niederdeutschland wird der Kibitzruf manchmal in Kinder- 
liedern umschrieben ; so in Osnabrück : "Kiewitt, wo bliw ick, 
wenn die Welt vergeht und nix mehr steht", in Altmark : 
"Kiwitt, avo bliw ick? im Brummelberbüsch ! Dao sing' ick, 
dao fleit ick, dao hebb' ick min Lust" 5 . — Manche Indizien 
machen es wahrscheinlich, daß gerade Niederdeutschland, die 

1 Schmeller-Frommann I, 868. 

2 Schmeller-Frommann I, 868, Höfer Et.Wb. II, 131, Schmid Wb. 226. 

3 Im 15. Jh. begegnet gebytz im Vocab. theuton. (1482) S. k 6 a. 

4 Naumann-Hennicke VIII, 9. 

5 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. X, 1 und Danneil 101. 



266 Kibitz, vanellus cristatus, vanellus vanellus. 

bevorzugte Heimat des Kibitzes, auch die Heimat des Namens 
ist, und daß dieser allmählich von dort nach dem Süden vor- 
gedrungen ist. Jedenfalls hat sich das Wort, dessen ältestes Zeug- 
nis gibii, dem ndd. kivit entspricht, auf hochdeutschem Sprach- 
boden an die auf -Hz endenden, aus dem Slavischen entlehnten 
Vogelnamen (Stieglitz, Wonitz, Grinitz u. a.) angeschlossen und 
danach sein Suffix umgebildet. 

Neben dem in hoch- und niederdeutschen Mundarten weit 
verbreiteten Namen Kibitz (Gifitz) ~ Kiwit begegnen eine Menge 
landschaftlicher Varianten, die teils als Umgestaltungen von jenem, 
teils als direkte Interpretationsvariationen des Kibitzrufes an- 
zusehen sind. Bereits im 15. Jh. tritt die Lautform Fifitz in den 
Straßburger Stadt Verordnungen auf: vifitze (im J. 1425), vifitz 
(in den Jahren 1449. 1459 und öfters), s. Brucker Straßburger 
Zunftverordnungen S. 183. 226. 229. 258. 266; in Baldners Vogelb. 

v. J. 1666 S. 52 ein Fifitz ein Geijfitz oder Fijfitz. Heute ist 

diese Form bereits ausgestorben l ; in Blotzheim (Süd-Elsaß) kommt 
die Variante Sifitz 1 vor. 

In Hessen-Nassau lautet der Name des Kibitzes Piewiiz, 
Püewitz oder Püwik 2 , im Westerwald Piwitz (im Vogelsberg um- 
gedeutet zu Peterwitzel 2 \ in Luxemburg Piwitsch 3 oder Piwek, 
Peiwek 3 (daneben auch Kewitsch, Kiiviz, Kibiz 3 ); in Oberhessen 
sind die entsprechenden Formen Bewittig (Boemttig) und Bebich 
(Boebich) 4 . Von diesen westmitteldeutschen Varianten ist Piwitz 
offenbar im Anschluß an den allgemein bekannten Typus Kibitz 
aus dem Kufe des Vogels gebildet, den man als piwit deutete; 
diese Auslegung liegt auch dem in den englischen Dialekten 
verbreiteten Synonymon peewit' (= frz. daaüL. jpivit 9 ) zugrunde. — 
Die Lautform Phvik stimmt vollständig überein mit russ. piwikü 
(neben phvinü) ; ob die deutschen Dialekte sie aus dem Slavischen 
übernommen haben, oder umgekehrt, ist schwer zu entscheiden. 

Eine direkte Nachbildung der Vogelstimme ist mnd. tymt 
(= formipedus) im 15. Jh. (Diefenbach Glossar. S. 243b), worauf 

1 Martin-Lienhart I, 96. II, 329. 

2 Kehrein 806, Pfister Nachtr. zu Vilmar Id. S. 206. 

3 Wb. d. Luxemburg. Mundart 222. 225. 337. — 4 Vilmar 35. 

5 Swainson The Folklore S. 184. 

6 Rolland Faune populaire II, 349. 



Tricl, oedicnemus crepitans, oedicnemna oedicnemus. 267 

TifittiL 1 (Ttßteke, TefiUek 1 ) in Göttingen and QTubenhagen be- 
raht; vgl frz. dial. tt-huü* (volksetymologisch umgebildet zu dix- 
huit' 2 ) und engl, dial teuß*. In der rerhochdeutscbten Gestalt 
ZiehfiUich 4 kommt die Variante im benachbarten Nbrdhausener 
Dialekt (in Thüringen) vor. Westerwäld. Ziwik* scheinl aus einer 
Kontamination dieser letztgenannten Variante mit Ptwik entstanden 
zu sein, ebenso wie rheinhess. Qiewick* ans Oißz and Piurik. 

Zu den bereits erwähnten niederdeutschen Variations- 
formen gesellt sieh noch Kliwit 1 in Göttingen und Grubenhagen. 

Unter den Benennungen des Kibitzes führt Klein Bist 
av. prodr. (1750) S. 19 den Ausdruck Feld-Pfau an, welchen 
Keyger Verbess. Hist. der Vögel S. 20 aus dem Federbusch auf 
dorn Kopfe des Vogels erklärt, Adelung (1775) II, 1568 aber 
aus dem schönen Gefieder und Frisch Vorstellung der Vögel 
XII, II, B2a aus den aufrichtbaren Nackenfedern, dem hoch- 
trabenden Gang und dem Geschrei deutet. — Unklar ist das 
Synonymon Zweiel bei Gesner a. a. 0. S. 732, das auch von 
Adelung verzeichnet wird. 

In England ist eine alte Bezeichnung des Kibitzes er- 
halten in dem Worte lapwing, das auf ags. hUapewince zurück- 
geht. Das Kompositum bedeutet einen e der beim Laufen herum- 
dreht' (zu ags. lileapan 'laufen' und ivincian 'drehen'), ist aber 
in dieser Gestalt bereits volksetymologisch umgestaltet. Eine 
ältere Form ist in den Erfurter Glossen als IcepmänccB bezeugt, 
dessen erster Teil im synonymen nordfries. Map f. (Johansen 
Nordfries. Spr. S. 11) als selbständiger Vogelname vorkommt. Eine 
Deutung des Wortes ist nicht gefunden. — Die modernen skan- 
dinavischen Dialekte haben für den Vogel eine gemeinsame Be- 
nennung: dän. vibe, schwed. vipa, norweg. vtpa. Die Erklärung des 
Ausdrucks bei Falk und Torp Et. ordb. II, 441 aus dem Federbusch 
des Kibitzes (mnd. unp 'Büschel') will nicht recht einleuchten. 

Triel, oedicnemus crepitans, oedicnemus oedicnemus. 
Wie der Kibitz, so wird auch der Triel oder der Dich- fuß von den 
Regenpfeifern in engerem Sinne als besondere Gattung gesondert. 
1 Schambach 230. — 2 Rolland Faune populaire II, 349. 
3 Swainson The Folklore S. 184. — 4 Hertel 2i)i. 
5 Pfister a. a. 0. — 6 Kehrein 164. — 7 Schambach 104. 



268 Regenpfeifer, charadrius. 

Der Ausdruck Triel begegnet zuerst bei Gesner Hist. avium 
S. 245 neben der Variante Griel l . Diese ist heute die in Holland 
übliche Lautform. Wahrscheinlich ist der Ausdruck ein schall- 
nachahmendes Lautgebilde ebenso wie frz. courli 'Triel und großer 
Brachvogel'. Wenn Voigt Excursionsbuch S. 255 behauptet, daß 
man unter Umständen den Namen des Vogels wie e Trie-ir vom 
Rufe heraushören kann, so ist diese Angabe nur mit Vorsicht 
aufzunehmen, da Voigt in solchen Fällen, wo ihm der Vogel- 
name bekannt ist, sich von diesem irreführen läßt. Naumann 
umschreibt die Stimme des Triels mit 'Krärlüth' oder e Kräüth' 2 . 
Vgl. S. 282. 

Ob die in der Wissenschaft üblich gewordene Variante 
überhaupt eine reale Existenz hat, kann bezweifelt werden, denn 
der Beleg bei Gesner, der sonst durch keine Zeugnisse gestützt 
wird, scheint etwas unsicher. Den in der Schweiz seltenen Vogel 
hat Gesner zwar bei einem Freunde in gezähmtem Zustande 
beobachtet, aber der Name ist ihm offenbar nicht geläufig, denn 
er äußert sich hierüber a. a. 0.: [Der Vogel] wird irgendwo 
auf deutsch — wenn ich mich nicht irre — Triel oder Griel ge- 
nannt. Aitinger Bericht v. d. Vogelstellen (1631) und Nemnich 
Polyglottenlexicon, welche die Form Triel anführen, berufen 
sich ausdrücklich auf Gesner; ebenso Baldner im Vogelb. (1666) 

S. 56: "Ein Thriehl diefer Vogel wird in Hr. Doctor Geßners 

Thierbuch alfo genennt". 

In Preußen heißen die Triele Sandhühner ,3 , in Holland 
doornsluiper (d. h. Dornschlüpfer). 

Regenpfeifer, charadrius. 

Die Regenpfeifer sind besonders in der nördlichen Hemi- 
sphäre häufig, einige Arten sind jedoch über ganz Europa, ja 
sogar über die ganze Welt verbreitet. Die kurzhälsigen, dick- 
beinigen, hübschen Vögel bewohnen zum Teil sandige Fluß- 
ufer und öde Heiden, zum Teil Moore und Sümpfe und lassen 
hier ihre helltönende, schwermütig klingende Stimme hören. 

1 Frischbier I, 253. II, 538 gibt den Namen Grülvogel, Krülvogel 
mit der Bedeutung 'Grüner Kibitz'. 

2 Naumann-Hennicke VIII, 130. — 3 Frischbier II, 246. 



Regenpfeifer, charadrius. 269 

Besonders vor Eintritt eines Regenwetters soll das Pfeifen laut 
tönen, und die Vögel haben daher den Ruf unfehlbarer Wetter- 
propheten. Dem deutschen Ausdruck Regenpfeifer entspricht 
im Französischen der Name plurier. 

Eine alte Benennung für Regenpfeifer steckt wühl in dem 
angelsächsischen Worte hwilpe, das im Gedichte Seefahrer V. 21 
einen Wasservogel bezeichnet. Der Name ist den an ftfeeres- 
ufern wohnenden Westgermanen gemeinsam, rgl. ndl. wilp, wic/p, 
ostfries. Regen icilp ) ndd. Waterwolp als Namen für Regenpfeifer 
und Schnepfen; eine abgeleitete Bildung tritt zutage in ags. hui- 
festre *Regenvoger = ostfries. mlster (vgl. Kluge Stammbildung 2 
§ 49). Nach H. Schröder Zs. f. d. Phil. XXXVII, 393 f. gehören 
die Namen mit ahd. weif, ags. hwelp 'junger Hund* zu einem 
Stamme *hicelpa- oder *hwe%fa- 'Schreier'. 

Die Stimme einiger Arten der Regenpfeifer besteht n. a. 
aus Lauten, welche von den Ornithologen mit e tüht' oder Mut' 
wiedergegeben werden. Diese flötend ausgestoßenen Laute, die 
in Lübeck dem Goldregenpfeifer den Namen Fleäer 1 (= Flöter) 
eingetragen haben , liegen dem Ausdruck Tüte l zugrunde, 
welcher in Niederdeutschland verbreitet ist und im Münster- 
kreise speziell vom Goldregenpfeifer gebraucht wird: vgl. Rin- 
tütar 2 'Regenpfeifer' in der nordfriesischen Mundart und Ttite- 
welle x neben TüteweJp (vgl. Regenivilp oben) = numenius arquatus 
in Münster. In Döbels Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 51 heißen die 
kleinsten "Brachvögel" Dittgen, das eine Deminutivform Dütchen 
von dem eben erwähnten ndd. Tüte ist; damit sind offenbar 
der Fluß- und der Halsbandregenpfeifer gemeint. Andere Syno- 
nyma für Regenpfeifer und mit ihnen nahe verwandte Vögel 
sind Sand-Lauffer oder Grieß Huhn bezw. Grießhünlein bei 
Hohberg Adel. Land-Leben (1687) II, 758. III, 355 und Döbel 
a.a.O. S. 71; vgl. steir. Grieshuhn* und tirol. Griesgand 4 
(= Kiesgänschen). Bereits im 15. Jh. in einer Version des 
Märchens vom Zaunkönig (Germania VI, 90) wird der Name 
Gryes Yogi genannt. — Der Name Pardel, den Frischbier in 

1 Korrespondenzbl. f. ndd. Spracht. XVI, 83. 86. 

2 Johansen Nordfries. Spr. S. 141. — 3 Unger-Khull 307. 
4 Frommann D. Mundarten IV, 54. 



270 Regenpfeifer, charadrius. 

seinem Preußischen Wörterbuch II, 121 als Bezeichnung für 
den Kibitz verzeichnet, geht auf Keyger Yerbess. Hist. der 
Vögel (1760) S. 19 zurück. Das Wort ist nur eine gelehrte Bil- 
dung nach dem mittellat. pardalus 'Regenpfeifer' in den älteren 
naturwissenschaftlichen Werken und beruht auf griech. TidpbaXoc 
(bei Aristoteles). 

In seinem Yogelbuche S. 488 ff. schildert Gesner eine 
Anzahl Sumpf-, Strand- und Wasserläufer auf Grund der Ab- 
bildungen, welche der Straßburger Maler und Vogelsteller Lukas 
Schan von denselben verfertigt hatte. Aus den unkolorierten 
Reproduktionen, die Gesner von diesen Bildern gibt, kann man 
nicht sicher den betreffenden Vogel erkennen und die Beschrei- 
bungen sind leider sehr ungenau. Da gerade bei diesen Vogel- 
gattungen die Farbentracht je nach der Jahreszeit sehr ver- 
schieden ist, und die Schilderung vielfach an die Färbung 
anknüpft, fällt es schwer, die einzelnen Arten, welche mit den 
in der Straßburger Gegend üblichen Benennungen bezeichnet 
sind, mit Sicherheit festzustellen. Doch glaubt man in den letz- 
ten zwei Bildern, denen die Namen Riegerle und Koppriegerle 
beigefügt sind, Abbildungen von Regenpfeifern zu erkennen. 
Und zwar scheint der erstgenannte Vogel der Flußregenpfeifer 
(charadrius fluviatilis), der letztgenannte der Halsband- oder 
Sandregenpfeifer (charadrius hiaticula) zu sein. Die angeführten 
Namen begegnen auch sonst in Straßburger Quellen: im Strass- 
burg. Vogelb. (1554) Regerlin (V. 348), Kopp Riegerlin (V. 354), 
in Baldners Vogelb. (1666) S. 67 ein Riegerlin, Kop Riegerlin 
(= eh. hiaticula), S. 73 ein kleines Riegerlin (= eh. fluviatilis). 
Die Namen scheinen jedoch keine Straßburger Lokalworte zu 
sein, denn aus Zorns Petino-Theologie (1743) II, 425, wo "die 
fo genannten Riegerlein" erwähnt werden, bekommt man den 
Eindruck, daß der Name in der bairischen Mundart des 
Verfassers geläufig war. Die Beschreibung, welche Zorn von 
den ihm bekannten drei Arten gibt, paßt besser auf totanus- 
und tringa- Arten als auf die Regenpfeifer. Auch Schwenkfeld 
Ther. Sil. (1603) S. 281 verzeichnet die Ausdrücke ein Kop 
Riegerle, Kobel Regerlin als Benennungen des Halsbandregen- 
pfeifers; die Namen ein Riegerlin, Sand Regerlin im Sinne von 



Regenpfeifer, charadrius. 271 

Blnßregenpfeifer gibt er als schlesisohe Worte an. Frischbiers 
prenß. Dialektwörterbuch führt (II. 247) Sand regerlein 'Sand- 
titafer, Wasserschnepfe' nach Mühling an; der Name stammt 
wohl aus den ornithologischen Werken [Heins und Beygers, 
die ihn aus Schwenkfeld übernommen haben. Der Ausdruck 
Rieger (»der Reger bezieht sich wohl auf die Stimme des Vogels; 
im Elsaß heißt dov Zaunkönig, dessen Pfeifen ebenfalls Regen 
verkündigt, Zumen-Riger] vgl. S. 85. 

Der erste Teil des Kompositums Kop{p)-Riegerlin ist offen- 
bar identisch mit dem Fischnamen Kopp = cottus gobio. Wie 
diese Fischart, so zeichnet sich auch der Regenpfeifer durch 
einen auffallend runden Kopf aus; der Vogel wird daher ebenso 
wie der Fisch in manchen Gegenden Kaulkopf genannt. An 
einigen Orten kommt auch 'Eulenkopf als Name des Regen- 
pfeifers vor; in der Schweiz heißt eine Eulenart Chöppli 1 . Der 
Name ist verwandt mit ahd. cuppa 'weiblicher Kopfputz' und 
der weitverzweigten Wortsippe, die an das Wort Kopf anknüpft. 
Als selbständiger Vogelname erscheint die Form Köpel in Baldners 
Vogelb. (1666) S. 55 neben dem Kompositum Gyfitz Köpel: beide 
Ausdrücke beziehen sich hier auf den Goldregenpfeifer (chara- 
drius pluviatilis). Bereits in einer Straßburger Stadtordnung (um 
das Jahr 1500) begegnet der Name vivitz köpplin (Brucker Straß- 
burg. Zunftverordn. S. 258), im Strassburg. Vogelb. (1554) neben 
Fifitzköppel (V. 354) auch Reinkoppel (V. 352). Aitinger Bericht 
v. d. Vogelstellen (1631) S. 97 giebt den Namen in abweichender 
Lautform : "Von dem grawen Kybitz vnd Brachvögeln fo Gefnerus 
Triel oder Griel / etzliche Pulurer vnd Köpffle nennen". 

Das von Aitinger erwähnte Synonymon Pulurer ist als 
Name des Goldregenpfeifers schon im 16. Jh. öfters belegt. 
Longolius Dialog, de avibus (1544) gibt das Wort in der Form 
Puluier, Turner Avium hist. (1544) S. G 6 a als Häuer. Gesaer, 
der den Vogel nur aus Abbildungen kennt, reproduziert (S. 614) 
die Namen, die er bei seinen Vorgängern gefunden. Der Aus- 
druck Pulu(i)er ist eine Umbildung des gleichbedeutenden fran- 
zösichen Namens plurier (= lat. pluvialis\ der in unveränderter 
Form bei Junius Nomenciator (1581) S. 59a (Puluier. Pluuier 

1 Staub-Tobler III, 405. 



272 Regenpfeifer, charadrius. 

B. et G. [= batavice et gallice]) und Hohberg Adel. Land-Leben 
(1687) II, 638 Kap. CXY (der Pluvier oder Pulvier) bezeugt ist. 
Eine andere Variante, die auf frz. pluviers zurückgeht, ist Pül- 
roß bei H. Sachs Kegim. der Yögel (1531) V. 79, Pidros (neben 
Puluier) bei Eber und Peucer Yocab. (1552) S. F 6 b. 

Sehr dehnbar ist der Ausdruck Brachvogel (vgl. S. 59), den 
Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 317 als die schlesische Bezeich- 
nung des G-oldregenpfeifers bezeichnet 1 . In diesem Sinne wird 
das Wort auch in der Angenehmen Land-Lust (1720) S. 345 
("der Brachvogel, den man in Franckreich Pluvier nennet"), in Zorns 
Petino-Theologie (1743) II, 425 und Frischs Vorstellung der Yögel 
Xu, B2a angeführt. Heute wird der Goldregenpfeifer in Lübeck 
Brakvagel 2 genannt, in Preußen Brachvogel 3 oder Brachhuhn 3 , 
in Luxemburg Bröchhong 4 ; ein ähnlicher Ausdruck ist Saat 
Hüner in Döbels Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 51. — Da der Yogel 
ungefähr die Größe einer Turteltaube hat, wird sie auch See-Taube 
(bei Schwenkfeld a. a. 0.) genannt; aus den hübschen gelben 
Flecken, womit die Oberseite dieses Regenpfeifers bedeckt ist, 
erklärt sich der Name Goldschnepfe (bei Popowitsch Versuch 
(1780) S. 160) sowie die wissenschaftliche Artbenennung. 

In Deutschland wird der Goldregenpfeifer nur in den nörd- 
lichen Gebieten wie Hannover, Holstein, Ostpreußen als Brut- 
vogel angetroffen und erscheint in übrigen Teilen des Landes 
bloß auf der Wanderung im Frühjahr und Herbst, vgl. Nau- 
mann-Hennicke YIH, 24. 

Auch der Kibitzregenpfeifer (charadrius squatarola) ist 
ein nordischer Vogel, der nur auf dem Durchzuge nach wärmeren 
Ländern in Deutschland erscheint. Schwenkfeld, der in Ther. 
Sil. (1603) S. 316 ihn unter den Namen Eine Brach Amsel I groffer 
Brachvogel l grawer Gyfitz erwähnt, giebt an, daß der Vogel in 
Schlesien nur höchst selten gesehen wird. 

Häufiger sind von den charadrius-Arten der Halsband- 
regenpfeifer, der bei Schwenkfeld S. 281 Sandvogel heißt, und 
der Flußregenpfeifer, der a. a. O. S. 282 Tullfiß genannt wird. 

1 "proprie et simpliciter Brachvogel" a. a. 0. 

2 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 83. 

3 Frischbier I, 101. — 4 Wb. d. Luxemburg. Mundart 46. 



Schnepfe, scolopax. 273 

Dieser Ausdruck, der schon bei II. Such- Regim. der Vögel 
(1531) Y. 178 als Ditlfid in. begegnet, ist wohl aus einem mlid. 
*tollfüe'/,e 'Dickfuß' (vgL bair.-schwäb. Dollfueß, Dullfueß 'an- 
geschwollener Fuß') zu erklären; den Regenpfeifern Bind die 
dicken Fußgelenke charakteristisch. Sonst ist der mit diesen 
Vögeln nahe verwandte Triel als Dickfuß, Dickknie (engl, thick- 
knie) bekannt, s. s. 267. — Unklar ist das luxemburgische Dialekt- 
wort Paketinchen 1 m. "Flnßregenpf eif er* ; der Ausdruck Wdke- 
läfer 1 m., der in Luxemburg den Halsbandregenpfeifer bezeichnet. 
bedeutet eigtl. 'Kiesläufer 3 (von Wdk "kleiner rundlichter Stein'). 
Mit den Regenpfeifern verwandt sind der an Meeresküsten 
wohnende Steinwälzer (srepsilas interpres), von Reyger a. a. 0. 
S. 21 Grünschnäbler genannt, und der an der Nord- und Ostsee- 
küste häufige, sonst aber in Deutschland seltene Austernfischer 
(haematopus ostralegus), Augstermann (Klein Hist. avium prodr. 
(1750) S. 23) oder Austerndieb (Reyger Verbess. Hist. der Vögel 
(1760) S. 24). Die Holländer nennen diesen Vogel Mathoen (bei 
Junius Nomenciator (1581) S. 58 a: Haematopus Mathoen quasi 
haemathoen, a fanguineis cruribus), d. i. wohl 'Wiesenhuhn', 
vgl. Mattknillis, Mattkern S. 297 f. Der in Preußen vorkommende 
Ausdruck Türkischer Kiwit 2 (d. h. Kibitz) zeigt, daß der Vogel 
dort den Eindruck eines Fremdlings macht. 

Schnepfenvögel, Scolopacidae. 

Schnepfe, scolopax. 

Ahd. snepfa: Sg. Nom. — snepfa ficetula : cod. SGalli 242, 
248b. cardolus: cod. Parisin. 12269 f. 58b. H. S. XIa 2. b. c. snepha: 
cod. SGalli 299, 26. Versus de volucr. GH. Salom. a 1. sneppha : cod. 
Selestad. f. 110a. Clm. 14689 f. 47a. snefpha ficetula. et onoeratula: 
cod. Vatic. Reg. 1701, 2b. sneppa: cod. sem. Trevir. R. III. 13, 106a. 
cod. Parisin. 9344 f. 42b, senppa: cod. Berol. Ms. lat. 8° 73, 124a. 
seneffa ficitule auis quedam : Hieronymi libri contra Jovianum II p. 330 : 
cod. mon. herem. 32, 201. finieffa: H. S. XI g. snepho: H. S. III, 17. 
XIa 2 : Clm. 2612, 73a. — Akk. — snepha onoerotalum : Anhang zum 
alten und neuen Testament: Leviticus 11, 18: Clm. 14747, 96b. 

Es ist zweifelhaft, ob die angeführten althochdeutschen 
Belege alle sich auf das Schnepfengeschlecht beziehen, oder 

1 Wb. d. Luxemburg. Mundart 326. 473. — 2 Frischbier I, 366. 
Suolahti, Vogel na nie n. 18 



27-4 Schnepfe, scolopax. 

ob die mit ficedula glossierten Belege ein and. snepfa 'Fliegen- 
fänger' enthalten, welches mit unserem Worte zusammenge- 
flossen ist; vgl. S. 142. Jedenfalls wurde das lateinische 'ficedula 3 
— wohl gerade durch die Verwechslung der beiden deutschen 
Yogelnamen — schon im 13. Jh. als Schnepfe verstanden, wie 
aus Albertus Magnus De animalibus S. Y la zu ersehen ist. 

Die im ahd. snepfa, mhd. snepfe vorliegende Namensform 
ist nur dem deutsch-niederländischen Sprachgebiet eigen, vgl. 
mnd. sneppe, snippe, nndd. sneppe, nmdl. sneppe, snippe, nndl. snep, 
snip. Dan. sneppe (älter snippe) und schwed. snäppa sind nieder- 
deutsche Lehnworte 1 ; die echte nordische Benennung liegt vor 
in anord. myri-snipa (in den Glossen der Snorra-Edda), norweg. 
snipa, isländ. snipa. Damit übereinstimmend ist mittelengl. snipe 
(neuengl. snipe), dessen einheimischer Ursprung wohl ohne Grund 
angezweifelt wird. Im Angelsächsischen ist das Wort nicht 
belegt; dafür findet sich die Bildung mite 2 (spärlich bezeugt). 
Die aufgezählten Namensformen, deren lautliches Verhältnis zu 
einander sich nicht recht bestimmen läßt, sind offenbar Vari- 
anten eines alten germanischen Namens, welchen die Schnepfe 
wegen des auffällig langen Schnabels erhalten hat (vgl. mnd. 
snippe 'Schuhschnabel', sneppel 'Schnipfer, snibbe 'Schnabel', 
nndl. snippe, snip 'Zipfel', sneb 'Schnabel', norweg. dial. snipa 
'Schnabel' usw.). Auch synonyme Namen in anderen Sprachen 
haben in diesem charakteristischen Merkmal des Vogels ihren 
Ausgangspunkt: frz. becasse (zu bec 'Schnabel 5 ), sloven. kljunac 
(zu kljun 'Schnabel') usw. Das Geschlecht des deutschen Wortes 
ist in Übereinstimmung mit den englischen und nordischen 
Formen meistens feminin. Seltener wird der Name maskulinisch 
angewendet; im Mittelhochdeutschen begegnet der snepfe (in 
den Minnesingern herausg. von v. d. Hagen III, 91b), im Alt- 
hochdeutschen snepfo in Heinrichs Summarium. 

Die heute mit dem Namen Waldschnepfe (rusticola) allge- 
mein bekannte Art führt schon im Angelsächsischen den Namen 



1 Aus dem Deutschen ist der Name als sgnep(pa) auch ins Italie- 
nische übernommen. 

2 Noch in Dialekten erhalten geblieben, s. Swainson The Folklore 
S. 192. 



Bekassine, gallinago scolopacina ^7- r > 

wudu-snite { Waldschnepfe). Longolius Dialog.de avibus (1544) 
nennt den gleichbedeutenden Ausdruck Holdtfnepff | Holtz- 

fnepff bei Turner Amiiiii bist (1544) 8. E3 i;i). bei Gesner Bist 
avium (1555) S. l s 7 Waldschnepff \ HoUzschnepff^ Schwenkfeld 
Ther. Sil. (1603) s. :;•_>!) Schnepfe I Schnep Em Pufch Xchneppel 
Wald Schneppe I II<>tt: Sch>up/>c I Berg Xrhneppe /; m <l<-n Ar- 
beiten späterer Schriftsteller gewöhnlich Waldschnepfe. Ans der 
älteren Literatur Steiermarks wird von Ünger-Khull S. ~» s <> das 
Synonymon Stockschnepfe (d. h. Waldschnepfe) angeführt Wegen 
des eigentümlichen < tesichtes mit den hoch am Scheitel stehenden 
großen Augen hat der Vogel in Sulzmatt (Elsaß) den Namen 
Totenkopf 1 bekommen. 

Bekassine, gallinago scolopacina. 

Die Sumpf Schnepfen, gallinago (im Altnordischen myri- 
snip<() werden im Yocabularius optimus XXXYII, 53 (Ed. Wacker- 
nagel S. 42) mit dem Namen rietsnepfe bezeichnet, darauf riet- 
schnepff in einem Vocab. v. J. 1468 bei Diefenbach Nov. glossar. 
S. 173a, in den von v. d. Hagen herausgegebenen Minnesingern 
III, 91b der snepfe in deme riede\ im 16. Jh. begegnet Rietfchnepff 
(neben Schnepffhün) bei Gesner Hist. avium S. 485, nach Martin 
und Lienhart II, 503 ist der Ausdruck Riedschnepfe heute im 
Elsaß üblich. Eine synonyme Benennung ist Pfuhlschnepf in 
Spangenbergs Ganskönig V. 129, Ried-Pfnhl-Puhl-Schncpffe in 
Döbels Eröfrn. Jägerpr. (1746) S. 71; in Preußen Pfuhlschnepfe* 
(=scolopa\ media), ndl. poelsnip (bei Junius (1581) S. 57h Poel- 
snippe). In Luxemburg werden Sumpf Schnepfen Brach sc h nepp ^ 
f. (Brachschnepfe) genannt; Bruchschnepfflin bereits bei EL Tra- 
gus im 16. Jh., vgl. unten. Mehrdeutig sind Wafferhunle bei 
Gesner, Wafferhünlin, Wafferfchnepfe bei Schwenkfeld a. a. 0. 

Die gewöhnlichste von den drei Sumpfschnepfenavten ist 
gallinago scolopacina, die mit dem Namen Beckasine (aus frz. 
be'ccasine) bekannt ist. Zuerst ist das Fremdwort in Zorns Petino- 
Theologie (1742) I, 593 belegt: "die im Graß liegende Eiett- 
Schnepff'en oder Pegafins". Nach Klein Hist. avium prodr. (1750) 

1 Martin-Lienhart I, 461. — 2 Frischbier IL 140. 
3 Wb. d. Luxemburg. Mundart 517. 

18* 



276 Bekassine, gallinago scolopacina. 

S. 100 und Keyger Verbess. Hist der Vögel (1760) S. 101, die 
den Namen noch nicht als einheimisches Wort betrachten, ist 
dieser aus den Kreisen der Jäger ausgegangen : "Ton den Jägern 
wird sie [die Heerschnepfe] infonderheit Beccaffe und von den 
Schriftstellern Capella coelestis genannt". In der angeführten 
Namensform (frz. becasse) hat sich das Fremdwort in einzelnen 
Mundarten eingebürgert, vgl. preuß. Beckas 1 m., luxemburg. Be- 
geisjen 2 f. Adelung (1774) I, 690 bucht die Form Beckasine. 
— Das von Klein und Reyger erwähnte lat. capella coelestis ist 
eine Übersetzung des in Mundarten verbreiteten Ausdrucks Him- 
melgeiß oder Himmelsziege. Die auffällige Benennung verdankt der 
Yogel den meckernden Tönen, die er beim Balzflug durch Vibrie- 
ren der Schwanzfedern hervorbringt. Diese seltsam klingenden, 
zitternden, knurrenden Laute, welche Voigt mit einem lachen- 
den e Huhuhu', Naumann mit einem möglichst schnell gesproche- 
nen 'Dudududu' vergleicht, erinnern in so auffallender Weise 
an das Meckern von Ziegen und Schafen oder an das Wiehern 
von Pferden, daß der Vergleich mit diesen Tieren gleich wie 
von selbst sich einstellt. Daher erklärt sich die über die ver- 
schiedenen Sprachen sich erstreckende Übereinstimmung in 
Benennungen des Vogels, welche auf diesem Vergleich beruhen : 
dän. horsegJ0g, liingstefugl, norweg. horsebukk, mwkregauk, schwed. 
himmelsget, frz. chevrelle, chevre Celeste, lit. perkuno ozys 'Donner- 
ziege', russ. barasekü usw. 

Ein alter germanischer Name dieser Art ist vorhanden 
im ags. hceferblcete (älter hcefreblete). Der zweite Teil des Kom- 
positums ist abgeleitet von blcetan 'blöken', das erste Glied ent- 
hält einen alten aus indogermanischer Zeit her ererbten Namen 
des Bocks, der im Angelsächsischen als hcefer, im Altnordischen 
als hafr bezeugt und mit lat. caper, cymr. caer-iwrch 'Rehbock*, 
griech. Kchrpoc e Eber' urverwandt ist. Eine Entsprechung dieser 
angelsächsischen Bildung ('Bockblöker, Bockmeckerer') ist auf 
dem Kontinent der in Mecklenburg und Lübeck übliche Name 
Hawerblarr, Hawerbldr 3 (zu blarren 'meckern, blöken'). Eine 

1 Frischbier I, 59. — 2 Wb. d. Luxemburg. Mundart 23. 
3 Vgl. Schiller Zum Tierbuche I, 8 und Korrespondenzbl. f. ndd. 
Sprachf. XVI, 83. 



Bekassine, gallinago BCOlopacina. 277 

größere geographische Verbreitung hat die Benennung in der 
Form Habergeiß, deren fcautologische Bildnngsweise dadurch zu 
erklären ist, daß «las alte Wort Naher (im Deutschen nirgends 
als Simples bezeugt) bereits unverständlich geworden war. Das 
erste Zeugnis dieser Namensform findet sich im Vocab. inc.theuton. 
ante lat. L482, wo 'onoerotalus' mit habergeiß übersetzt wird 1 
im 16. Jh. wird sie von Gesner S. 488 anter Berufung auf 
HL Tragus erwähnt: "Hieronymus Tragus interaues mensis requi- 
sitas meminit illarum quae Germanice dicantur Bruchfchnepfflin 
oder Habergeißlin". Heute ist der Ausdruck Habergeiß 2 als Be- 
zeichnung der Schnepfe im Elsaß verbreitet. In anderen süd- 
deutschen Mundarten kommt das Wort nur in übertragenen 
Bedeutungen vor, so in Tirol, Kärnten, Steiermark als Bezeich- 
nung von Eulen oder als Name eines gespenstischen Wesens 8 . 
Diese Bedeutungsentwicklung erklärt sich daraus, daß die meckern- 
den Töne des Vogels abergläubische Vorstellungen hervorriefen 
und dem Namen Habergeiß einen unheimlichen Klang ver- 
liehen. — Eine hessische "Variante des Vogelnamens ist Huder- 
geiß, Huidergeiß*, das sich an das Verbum hudern, mit dem 
das Wiehern der Pferde ausgedrückt wird, anschließt. In Pommern 
und Mecklenburg entspricht dem hochdeutschen Habergeiß 
die der niederdeutschen Mundart angebrachte Form Haverzeg b 
(= Haberziege). Eine andere Variante, die den unverständlichen 
ersten Teil des Namens durch das entsprechende moderne Syno- 
nymon wiederholt, ist Haoivrbuck in Altmark 6 = Haberbock in 
Preußen 7 ; ostfries. Bäferbuk*. Dem mittel- und niederdeutschen 
Sprachgebiet eigen sind die Namensformen Himmelgeiß und 
Himmelsziege. Gesner a. a. 0. S. 284 kennt Himmelgeiß ans 
Frankfurt am Main, Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 380 nimmt 
Himels Ziege und Himels Geiß als schlesische Worte in An- 
spruch; darauf Himmels-Ziege in Döbels Eroffn. Jägerpr. (1746) 
S. 71 und in Kleins Hist. avium prodr. (1750) S. 100. Heute gilt 
auch Hidmelssiege" in Westfalen, Himelszege 10 in Göttingen und 

1 S. Diefenbach Glossar. S. 396c. — 2 Martin-Lienhart I, 237, 
3 Vgl. z. B. Frommann D. Mundarten II, 513. V, 445, Schmeller- 
Frommann I, 1034, Unger-Khull 317. — 4 Vilmar 177. — 5 Schiller a. a. O. 
6 Danneil 78. — 7 Frischbier I, 262. — 8 Jb. f. ndd. Sprachf. XI. 111. 
9 Woeste 102. — 10 Schambach 82. 



278 Kleine Schnepfe, scolopax gallinula. 

Grubenhagen, Himmelsziege 1 in Preußen und in Thüringen 1 ; aus 
der Schweiz wird Himmelsgeiß 2 als Name des Wachtelkönigs 
angegeben. — Andere Varianten dieser vielverzweigten Be- 
nennung sind riedgaiß in zwei Vokabularen des 15. Jhs. (Diefen- 
bach Nov. glossar. S. 173a) und Mosbock in Baiern. 

Kleine Schnepfe, scolopax gallinula. 
Im Vergleich mit der gemeinen Bekassine ist die kleine 
Sumpf schnepfe in Deutschland ein seltener Vogel; doch ist nach- 
gewiesen worden, daß sie in allen Gegenden, wenn auch ver- 
einzelt, als Brutvogel vorkommt vgl. Naumann-Hennicke IX, 
196. Die erste Nachricht von dieser Schnepfenart findet man 
bei Longolius Dialog, de avibus (1544) S. F 3 a, wo sie mit dem 
Namen Härfnepff als in Holland heimisch erwähnt wird. 
Gesner Hist. avium (1555) S. 487 wiederholt den von Longolius 
gebrauchten Namen, fügt aber hinzu, daß einige den Vogel auch 
Herrschnepff nennen. Eber und Peucer Vocab. (1552) S. F 4 
schreiben Harfchnepff, Schwenkfeid Ther. Sil. (1603) S. 330 
Heer Schnepff, Junius Nomenciator (1581) S. 57 Haarfchnepff, 
so auch Döbel Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 71. Bei Klein Hist. 
avium prodr. (1750) S. 100 ist ein Unterschied gemacht worden 
zwischen der Haar-Schnepffe, d. i. der kleinen Schnepfe und 
der Heer-Schnepffe, d. i. der gemeinen Bekassine. Die erster- 
wähnte Benennung soll auf die schmalen haarartig feinen Federn 
der kleinen Sumpf schnepfe sich beziehen; die Namensform Heer- 
schnepfe (bezw. Herrschnepfe) erklärt Klein in Übereinstimmung 
mit Gesner und Schwenkfeld als "dominorum et nobilium galli- 
nago". Popowitsch Versuch (1780) S. 184 beanstandet die Schrei- 
bung Haarfchnepfe, "den der Namen kömmt nicht von Haar, 
sondern von harren, weil diese Schnepfe sitzen bleibt, wenn 
man fich ihr nähert"; daher solle man Harrfchnepfe schreiben. 
Nach Adelung II, 869, der den von Klein gemachten Unter- 
schied akzeptiert, hat die Heerschnepfe den Namen daher, weil 
sie in Scharen oder Heeren ihre Züge anstellt oder sie ist nach 
ihrem hohen Fluge Hehrschnepfe benannt worden; beide Deu- 
tungen beruhen jedoch auf unrichtigen Voraussetzungen. Das 

1 Frischbier I, 289 und Hertel 119. — 2 Staub-Tobler II, 462. 



Kleine Schnepfe, Bcolopax gallinula. 279 

Richtige triff! ohne Zweifel Eeyne mit seiner in Grimms \Vi>. 
IV, 2, .'57 ausgesprochenen Vermutung, daß die ursprüngliche 
Lautform des Samens ¥ hor-m(fpfa d. li. Sumpfschnepfe gewi 
sei. Die Richtigkeil dieser Annahme wird bewiesen durch die 
Entwicklung (bezw. Qmdeutung) von ahd. horgana "Wasserhuhn' 
zu spätmhd. hwrgan&i hergans, und. Heergans] vgL auch Heervogel 
'Wiedehopf S. 1 l. Der Ausdruck HärbuU\ welcher in Mecklen- 
burg von der kleinen Sumpfschnepfe, bei den Wakenitzfischern 
von dem Bläßhuhn und bei den Wismarer Blschern ron dem 
kleinen Taucher gilt, ist eine Umdeutung von Horbel : das aus 
ahd. *hartpü(a) (zu ahd. hor<>, -ives 'Schlamm, Sumpf) entstanden 
ist. Vgl. S. 306. 

Auffällig- klingt die Benennung Pudel- Schnepffe, die Klein 
Hist. avium prodr. (1750) S. 100 unter den Synonyma für die kleine 
Schnepfe erwähnt; vielleicht liegt hier eine Umbildung des ndd. 
Pohlmeppe (d. i. Pfuhlschnepfe) vor. Der Ausdruck Rohrfchnepfe 
wird nach Popowitsch Versuch S. 184 sowohl von der gemeinen 
Bekassine wie von der kleinen Sumpfschnepfe gebraucht. Eine 
ähnliche Bildung ist der in älteren steirischen Quellen vor- 
kommende Name Sacher Schnepfe 2 , der aus Saher (ahd. sahar) 
'Schilf, Riedgras* zu deuten ist. 

In Schwaben wird die kleine Schnepfe Bocker(lein)' 5 , in Öster- 
reich und Steiermark Bockerl 4 * n. (d. h. Böcklein) genannt. Ben 
Namen kann man nur als deminutive Ableitung von einer Be- 
nennung der Bekassine ([Haber-] Bock) verstehen, denn die 
Stimme der kleinen Schnepfenart ist nicht, wie die der ver- 
wandten Art, ziegenartig meckernd. Nach Naumann Läßt die 
kleine Schnepfe nur ausnahmsweise schwache ätsch-Laute lauen, 
manchmal hört man von ihr auch einen hohen scharfen Pfiff. Mit 
Rücksicht auf diesen letzteren Ton darf man vielleicht in der 
Benennung Pfeiferschnepfe*, die aus y\^\' alteren Literatur Steier- 
marks angeführt wird, die kleine Sumpfschnepfe vermuten. Die 
Ausdrücke die Stumme oder Stummschnepfe, welche in Jägerkreisen 
bekannt sind, erklären sich wohl daraus, daß der Vogel dem Jäger 

1 Schiller Zum Tierbuche I, 9. — 2 Unger-Khull öli. 

3 Fischer I, 1250. 

4 Popowitsch Versuch S. 184 und Unger-Khull 97. 

5 Unger-Khull 75. 



280 Große Schnepfe, gallinago major. 

seinen Versteckplatz durch die Stimme nicht meldet, sondern 
stumm bleibt. In Preußen lautet der betreffende Name Stumpf- 
Schnepfe 1 (wohl zu ndd. stump in der Bedeutung 'dumm'). Da 
die kleine Sumpfschnepfe außerordentlich fest liegt, heißt sie bei 
deutschen Jägern auch die Filzlaus 2 ; die Franzosen nennen 
sie wegen dieser Eigenschaft la sourde (die taube Schnepfe). — 
Dem schwankenden lautlosen Fluge, der nach Naumann-Hen- 
nicke IX, 197 dem der Fledermäuse erstaunlich gleich ist, ver- 
dankt der Vogel den in Preußen vorkommenden Namen FUder- 
maus* ; übrigens erinnert auch seine ganze Lebensart an die 
Fledermäuse. Aus den Jägerkreisen hervorgegangen, wie alle 
diese Namen, ist ohne Zweifel auch ndd. Masken 4 - (d. h. 
Mäuschen); der Vergleich ist durch die Kleinheit des Vogels 
veranlaßt. Die Luxemburger nennen ihn Fengschnepp 5 d. i. 
feine Schnepfe (frz. fin > eifel. feng). 

Große Schnepfe, gallinago major. 

Die große Sumpfschnepfe liebt das Wasser weniger als 
die anderen Arten; sie liegt gerne im kurzen Grase der feuchten 
Wiesen. Ihr gebührt eigentl. der Name Graßfchnepff, den Gresner 
Hist. avium S. 487 der kleinen Art beilegt. Popo witsch Ver- 
such S. 162, der den Ausdruck Gräfe fchnepfe mit der richtigen 
Bedeutung angibt, nennt als österreichisches Synonymon der 
Wiefenfchnepf; auch in Steiermark wird die große Schnepfe 
Wiesenschnepfe 6 genannt. Eine andere steirische Benennung ist 
Moosschnepfe 6 ; der Moßfchnepf in der Angenehmen Land-Lust 
(1720) S. 232. Unklar ist steir. Tscharker 6 mit gleicher Be- 
deutung. 

In der Jägersprache unterscheidet man die große Sumpf- 
schnepfe als die Mittelschnepfe (schon bei Döbel Eröffn. Jägerpr. 
(1746) S. 71) oder die Doppelschnepfe [Düppel-Schnepfe bei Klein 
Hist. avium prodr. S. 99) von der gemeinen und der kleinen 
Schnepfe, von denen die letztere auch Halbschnepfe (frz. le deux 



1 Frischbier II, 385. — 2 Naumann-Hennicke IX, 199. 

3 Frischbier I, 196. — 4 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 86. 

5 Wb. d. Luxemburg. Mundart 106. 

6 Unger-Khull 178. 465. 633. 



Großer Brachvogel, numenioa arquatus. 881 

pour im bei N"emnich Polyglottenlexioon II. L254) heißt Der 
Ausdruck Doppehchnepfe wird aber auofa von der gemeinen 
Schnepfe gebraucht 

Großer Brachvogel, numenius arquatus. 

Der Ausdruck Brachvogel, dessen älteste Belege an ande- 
rem Orte bereits mitgeteilt sind, wird infolge des dehnbaren 
Charakters des Wortes von mehreren verschiedenen Vögeln ange- 
wendet; in der heutigen Schriftsprache werden darunter jedoch 
meistens die Qumenius-Arten verstanden. Bei Gesner Eist, avium 
(1555) s. 215, wo Brachvogel im Sinne von numenius arquatus 
für die Gegend um Oppenheim bezeugt wird, weiden als Syno- 
nyma Regenuogel, Winduogd,Wetteruogel angeführt; dazu Gewüter- 
vogel bei Popowitsch Versuch S. 175 nach Halle zitiert. Von 
diesen Benennungen sind Regenvogel und Wetter cogel heute im 
Elsaß üblich; die erstere begegnet hier bereits in Straßburger 
Stadtordnungen des 1 5. Jhs. (Brucker Straßburg. Zunftverordn. 
S. 187. 258. 266), dann in Baldners Yogelb. (1666) S. 21. Die 
Namen hat der Brachvogel, weil er für einen besonders sicheren 
Wetterpropheten angesehen wird; ertönt sein wohlklingender 
Ruf in der öden Moorlandschaft, so darf man auf Regenwetter 
gefaßt sein. Daher hat der Brachvogel viele Namen mit den 
Regenpfeifern gemeinsam. In Ostermanns Yocab. (1591) S. 332 
wird Regenvogel als Synonymon mit Giwitz angeführt, und die in 
Niederdeutschland üblichen Ausdrücke Regenwölp (in Mecklen- 
burg), Regengiilp 1 (auf Wangerog), Tütewelp, Tüteweüe 2 (im Mim- 
sterlande) gelten nicht nur vom Brachvogel, sondern auch von 
den Regenpfeifern, vgl. S. 269. 

In Preußen heißt der Brachvogel GUvogel und Gütrogel = 
Jiitrogel 1 in der Mark Brandenburg, Gütfugel 1 auf AVangerog. 
Frischbier I, 235 erklärt den Namen aus dem Geschrei des 
Vogels, das e git, gif lauten soll. Diese Deutung ist kaum richtig. 
Die niederdeutschen Dialektworte sind offenbar identisch mit 
synonymen Ausdrücken in hochdeutschen Mundarten: Gießvogel* 
in Steiermark, schles. Geißvogel bei Schwenkfeld Eher. Sil. (1603) 

1 Schiller Zum Tierbuche III, 19. 

2 S. Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 86. 

3 Unger-Khull 292. 



282 Großer Brachvogel, numenius arquatns. 

S. 315 und dem Wiener Dialektworte Goiser bei Popo witsch 
(1780) S. 175. Die gemeinsame Grundform dieser offenbar um- 
gestalteten Varianten ist nicht mit Sicherheit zu erreichen. Unklar 
ist auch der gleichbedeutende Ausdruck Giloch bei Schwenk- 
feld a. a. 0., sowie schweizer. Gräser m. bei Staub-Tobler II, 812. 

Am Bodensee führt der Brachvogel den Namen Grüel 1 ; 
daraus scheint das Synonymon Moosgrille, das Yoigt Excursions- 
buch S. 233 aus dem Dachauer Moos und den Gegenden an 
der Amper kennt, umgedeutet zu sein. Neben der Benennung 
Grüel erscheint eine einfachere Namensform Grüy bei Gesner 
Hist. avium S. 215. Wenn dieser Name auf onomatopoietischer 
Lautbildung beruht, so müßte ihm der von Naumann-Hennicke 
IX, 146 beschriebene kreischende Angstruf e Kräh 3 oder e Krüh' 
zugrunde liegen. An Entlehnung aus dem frz. Worte grue 
'Kranich' darf man wohl kaum denken, obgleich der Yogel in 
Deutschland auch 'Kranichschnepfe' heißt (s. unten). Offenbar 
ist Grüel identisch mit dem Worte Griel (S. 268), das als Name 
des Triels bezeugt ist; auch in Frankreich ist courli eine gemein- 
same Bezeichnung für den Brachvogel und den Triel. 

Der gewöhnliche Ruf des Brachvogels ist ein wohllautender, 
flötend klingender Ton, den Yoigt a. a. 0. S. 234 mit e tloiht' 
bezeichnet; daraus ist die in der Schweiz vorkommende Benen- 
nung Louis 1 geworden. 

Auf den sensenartig gekrümmten langen Schnabel zielen 
die Namen Sichler und großer Feldmäher bei Reyger Yerbess. 
Hist. der Yögel (1760) S. 112. Denselben Ausgangspunkt hat 
auch der Ausdruck Keilhaken oder Keilhacke, worin man die 
Umgestaltung eines alten Yogelnamens hat sehen wollen. Nach 
Frisch Vorstellung der Yögel XII, C 2b nennen "die Hallorum 
oder Salzfieder im Magdeburgifchen diefen Schnepfen Keilhacke, 
weil der Schnabel einen Bergwerck-Inftrumente, oder einer langen 
bogigt gekrümmten Hacke ähnlich, welche diefen Namen führet". 
— Der Name, welchen Nemnich mit der umgestalteten Neben- 
form Heilhacker in seinem Polyglottenlexikon II, 1252 verzeich- 
net, begegnet auch bei Döbel Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 51: "Von 
Brach- Vögeln und erftlich von Keylhacken. Es werden felbige 

1 Staub-Tobler II, 730. 



Pfuhlschnepfe, limosa ferraginea und liinosa melanura. 

auch Faftenfchlyer genannt". Dieser letzterwähnte Ausdruck be- 
zeichnet den Brachvogel als einen Fastenvogel 1 , der von den 
Katholiken auch an Fasttagen gegessen werden darf. Das Letzte 
Glied in dem zusammengesetzten Vogelnamen ist nicht ganz 
durchsichtig; vielleicht gehörl es zu schlieren im sinne von 
'lecken, naschen' (G'schlier 'Naschwerk*), so daß der Name eigtl. 
*Fastenleckeressen s bedeuten würde. 

Der -rolle Brachvogel wird zu den Schnepfen gezählt und 
hat in der Luxemburg. Mundart wegen seiner schönen Haltung 
und beträchtlichen Größe den Namen Schneppekinek 2 m. (d. h. 
Schnepfenkönig) erhalten. Sonst unterscheidet man ihn von den 
übrigen Schnepfen auch durch die Ausdrücke Haidschnepfe :i in 
Österreich, Heidenschnepfe* und Brachschnepf' 6 in Steiermark. In 
Mecklenburg und Mark Brandenburg nennt man den Yogel Kron- 
snepp, Krönschnepfe 4 ', d. h. Kranichschnepfe (zu Krön 'Kranich'). 

Weit seltener als diese größere Art ist der kleine Brach- 
vogel (numenius phaeopus), der überhaupt mit demselben Namen 
benannt Avird wie der große. Ein schwäbisches Dialektwort ist 
Wirchelen (bei Schmeller-Frommann II, 998), dessen Ursprung 
ganz schleierhaft ist. 

Pfuhlschnepfe, limosa ferruginea oder lapponica und 
limosa melanura oder limosa limosa. 

Die Heimat der Pfuhlschnepfe ist der hohe Norden, doch 
sind die beiden europäischen Arten auf der Küste der Nordsee 
in großer Zahl vorhanden und streichen auch gelegentlich im 
Inneren Deutschlands umher. Gesner Hist. avium (1555) S. 499 
schildert beide Vögel, und zwar knüpft die Schilderung an das 
Winterkleid derselben an. Den Namen Polfchnep oder Pful- 
[chnepff kennt er aus der Küstengegend Norddeutschlands. 

Die ostfriesischen Küstenbew^ohner nennen diese Vögel 
heute Grita oder Greta 5 , im Bremer Land heißen sie Greto*. 
Der Name wird schon bei Gesner S. 488 in der Form Grüfte als 



1 Vgl. Schmeller-Frommann 1, 773. 

2 Wb. d. Luxemburg. Mundart 391. 

3 Popowitsch Versuch S. 175 und Unger-Khull 336. 

4 Schiller Zum Tierbuche III, 19. — 5 Jb. f. ndd. Sprachf. XI, 111. 
6 Vgl. Voigt Excursionsbuch S. 237. 



284 Kampfläufer, philomachus pugnax. 

friesisches Wort angeführt. Diese Namensformen gehören eigent- 
lich nur der schwarzschwänzigen Schnepfe (limosa melanura) 
an, deren Geschrei aus einem dichtgereihten e Greto s besteht 1 . 
Die Beobachtungen der einzelnen Ornithologen stimmen in diesem 
Punkte ziemlich genau überein. Altum bezeichnet den Ruf als 
Grütto, Helm als Gritto, Sonnemann als Gretav, vgl. Naumann- 
Hennicke VII, 117. 

Kampfläufer, philomachus pugnax. 

Nach den Angaben bei Naumann-Hennicke VII, 260 ist 
dieser sonderbare Vogel in der letzten Zeit in Deutschland 
immer seltener geworden, so daß er jetzt nur in den sumpfigen 
Gegenden Norddeutschlands, in der Lausitz und in Schlesien als 
Brutvogel vorkommt. Die Männchen, welche im Frühjahr durch ihre 
verschieden gefärbten Kragen sich von einander unterscheiden, 
zeichnen sich besonders aus durch die Kampfspiele, die sie in 
der Balzzeit veranstalten. Daher der Name Kampfläufer. 

Klein Hist. avium prodr. (1750) S. 102 schildert den Vogel 
unter dem in seiner preußischen Heimat üblichen Namen Kampf - 
Hänlein\ den Namen Hauß-Teuffel bezeichnet er als pommerisch. 
Dieser Ausdruck, von Popo witsch Versuch S. 566 nach Halle 
und von Adelung IV, 822 verzeichnet, erklärt sich aus der Sitte, 
Kampfhähne in der Gefangenschaft zu halten. 

Frisch Vorstellung der Vögel (1763) XII D lb, der den 
Kampf hahn mit dem Namen Streit fchmpf erwähnt, gibt an, daß 
dieser Vogel in Preußen und angrenzenden Ländern in großer 
Menge vorkommt. Nach Frischbier Wb. I, 251 wird er heute 
in Preußen Grasschnepfe genannt. Popowitsch scheint den Vogel 
nicht aus seiner Heimat zu kennen, da er nur angibt, daß der 
Kampfhahn in Engelland und Ungarn vorkommt. Er schildert 
ihn unter dem Namen Streithun und erwähnt nach Halle das 
Synonymon Kampfhun. Den Ausdruck Braushahn, den Adelung 
und andere Lexikographen buchen, bezeichnet Klein, der die 
Vögel bei einem Bekannten in Schweden beobachtet hatte, als 
schwedisch (aus brushane); auch auf Helgoland ist Brüshän 2 der 

1 Vgl. Voigt Excursionsbuch S. 237. 

2 Frommann D. Mundarten III, 33. 



Wasserläufer, totanus. 285 

übliche Name. — In Luxemburg wird der Vogel Wand-mecher 1 , in 
der ostfriesischen Mundart von Juisl wegen des großen Feder- 
kragens — Ruehhalahahn* genannt Baldnerscbildertden Kampfbahn 
im Vogelb. (1 666) 8. 65 anter dem Namen Mattknitzel, vgl. S.288. 

Wasser läufer, totanus. 

Von den sechs verschiedenen Arten europäischer Wasser- 
läuf er, welche die heutige Wissenschaft unterscheidet, hat Deutsch- 
land drei als Brutvögel; die übrigen Arten kommen als Zug- 
vögel vor. Bereits in den altgermanischen Idiomen findet man 
einige Benennungen, welche für diese zierlich gebauten hoch- 
beinigen Watvögel in Anspruch genommen werden können. 

Der s. g. Rotschenkel (totanus calidris oder totanus totanus) 
wird in Norwegen mit dem Namen stelk oder stilk benannt, der 
auf anord. stelkr beruht; färöisch und isländ. stelkur. Das Wort 
wird von Falk und Torp Et. ordb. I, 366 s. v. kjeld und II, 283 
s. v. stalke mit dän. stalke e mit Stelzenschritten gehen', ags. steakian 
'vorsichtig gehen' verbunden und auf die steife Gangart des Vogels 
bezogen. Der Ausdruck ist aber ursprünglich nicht nur auf die nor- 
dische Sprachgruppe beschränkt gewesen, sondern hat früher eine 
weitere Verbreitung gehabt. Außerhalb der nordischen Sprachen 
hat der alte Vogelname einen Reflex im ahd. wa^ar-stelh hinter- 
lassen, das in einer Glosse aus dem 10./11. Jh. bezeugt ist: 
uuazarstelh^ Herodii domus alia editio fulice domus: Psalmen 
103, 17 : Clm. 19440, 120. In das Finnische ist das Wort aus 
dem Nordischen als telkkä übernommen worden. 

In den Straßburger Quellen des 15./16. Jahrhunderts 
wird der totanus calidris mit dem Namen Rotbein erwähnt; 
wiederholt begegnen Rotbein und Rotbeinlin in den Straßburger 
Zunftverordnungen des 15. Jhs. (Ed. Brucker S. 187. 226. 229. 
258. 266), im 16. Jh. Rothbein im Strassburg. Vogelb. v. J. 1554, 
V. 346, Rotbein bei Gesner Hist. avium S. 488 (als Straßburger 
Ausdruck). Baldner unterscheidet im Vogelb. (1666) den totanus 
calidris als grohes Rothbeinel (S. 59) vom totanus ruscus, den er 

1 Wb. d. Luxemburg. Mundart 474. — 2 Jb. f. ndd. Sprachf. XI, 117. 
3 Die Glosse braucht demnach nicht, wie Steinmeyer Ahd. GH. I, 
524 21 meint, in uuazarstelz geändert zu werden. 



286 Wasserläufer, totanus. 

als ein groß Rothbeinel (S. 61) erwähnt. Schwenkfeld Ther. Sil. 
(1603) S. 281 führt Rottbein, Rotfüffel, Wafferhünlin mit Roten- 
beinen offenbar nach Gesner an, danach auch bei Klein, Reyger, 
Adelung usw. In heutigen Mundarten ist der Yogel als Rot- 
füssel 1 und Gekv-Füessler 1 bekannt. Auf die Stimme des Rot- 
schenkels bezieht sich der Ausdruck Dütchen, welcher auch 
von Regenpfeifern gilt, s. S. 269. In Mecklenburg hat der Ruf 
dieser Yögel den Namen Tülüt 2 hervorgerufen; im Gegensatz 
zu dem Regenpfeifer, dem Lütt Tülüt, wird der Rotschenkel 
Grot Tülüt genannt. Andere in Mecklenburg vorkommende 
Synonyma sind Blarrvagel, Blarrsnepp 2 (zu blarren 'meckern, 
blöken'), auf Pol Rödbent Snipp, Grot Snipp 2 ; in Luxemburg 
heißt der Vogel Sandpeifer 3 . Ein Jägerausdruck ist offenbar 
Viertels-GrüeP in der Schweiz (vgl. Grüel S. 282). 

Von den Wasservögeln, welche Gesner in Hist. avium nach 
Straßburger Abbildungen beschreibt, ist der "Khodopos" ohne 
Zweifel der punktierte Wasserläufer (totanus ochropus). Der a, a. 0. 
S. 492 angeführte deutsche Name Steingälliß findet sich auch 
im Straßburg. Yogelb. v. J. 1554, wo die Steingellelin (Y. 349) 
mit verwandten Arten erwähnt werden. Baldner Yogelb. (1666) 
S. 57 gebraucht die Namensformen Steingall und Steingellel. Der 
Name, dessen Bildungs weise die gleiche ist wie in dem Worte 
Nachtigall (zugalan), läßt sich bis in die westgermanische Periode 
zurück verfolgen; der deutschen Benennung entspricht im Angel- 
sächsischen stdn-gella (in den Glossen bei Wright-Wülcker Yocab. 
287, 10 und in Spelmans Psalter 101, 7), vgl. giellan 'schreien'. 
Wegen der Glossierung mit pelecanus darf die Bedeutung des 
ags. Yogelnamens nicht als Telikan' angesetzt werden 4 ; das 
lateinische Literaturwort wurde, da man für den fremden Yogel 
keinen Namen hatte, mit Bezeichnungen einheimischer Wasser- 
vögel wiedergegeben (mit düfedoppe in den Lamb. Psalmen ; mit 
wanföta bei Wright-Wülcker a. a. 0.). — Das luxemburgische 
Synonymon Kublan' ist = frz. cul-blanc (d. h. Weißarsch). 

Der Grünschenkel (totanus glottis oder littoreus), der in 
1 Staub-Tobler I, 1096. II, 730. — 2 Schiller Zum Tierbuche II, 17. 

3 Wb. d. Luxemburg. Mundart 370. 

4 Wie z. B. bei Whitman The Birds of Old Engl. Literature XXXVIII, 
2, Sweet The Stud. Dict. u. a. — 5 Wb. d. Luxemburg. Mundart 252. 



w.i jerläufer, totanus. 2H7 

Deutschland auf dem Durchzug ziemlich häufig ist. hat Beinen 
wissenschaftlichen Namen glottis Gesner zu verdanken, der den 
Vogel in Eist, avium s. L89 beschreib! and den von Lukas Schan 
gebrauchten Straßburger Ausdruck Gluti mit einem von Aristo- 
teles gebrauchten Vogelnamen tXujttic in Zusammenhang bringt: 
"quod Gluti nominant, quasi glottidem.' 1 ÄJle Zeugnisse des 
Namens führen nach Straßburg. Hier begegnet er wiederholt 
in den Stadtordnungen des L5.Jhs.: Sluten (pro Glitten) imJ. 
L425, Glitten im J. L449 n. L459, Glütten im J.1449, Glut 
15116. Jh., Glutte Lö.Jh. (Brucker Straßburg. Zunftverordn. s. L83. 
iss 226.229.258.266); im L6.Jh. Glüten im Strassburg. Vogelb. 
v.J. 1554 V. 362, im 17. Jh. G7w*ä, Glute in Baldners Vogelb. 
s. 58. NVmnieli Polyglottenlexicon 1, 1680 hält den Grünschenkel 
für eine fulica-Art (fiüica fistulans) und stellt das Vorkommen 
desselben in Deutschland und im Elsaß (an den Flüssen und 
Teichen) fest. Die Angaben bei Nemnich gehen auf Buffon zurück, 
nach dem er auch frz. le glout 2 als Namen des Yogels verzeichnet; 
eine deutsche Benennung ist nicht angegeben. Der Ausdruck 
Glul{te) ist nicht ganz durchsichtig. Da auf Helgoland ein Syno- 
nymon Juliüt 3 lautet, so darf man vielleicht die Namen für 
onomatopoietische Bildungen halten. 

Unter den von Gesner behandelten Wasservögeln, die ihm 
aus den genannten Straßburger Abbildungen bekannt sind, gehört 
der S. 495 als grünschenkelig beschriebene Mattkniüis wahr- 
scheinlich zu den totanus- Arten ; es scheint damit eine Variation 
von totanus ochropus oder totanus littoreus gemeint zu sein. 
Mackbiliß im Strassburg. Vogelb. v. 1554 V. 346 muß mit dem 
von Gesner genannten Namen identiscli sein. Schwenkfeld Ther. 
Sil. (1603) S. 282 gibt die Namen Mattknülis I Grunfüffel im An- 
schluß an Gesner, danach bei Klein liist. avium prodr. (1750) 
S. 101 Grünbeinlein, Grün-Fiiffel, MattkuiUis. Den Druckfehler 
im letzteren Worte hat Reyger von Klein übernommen. Aus 
den Werken der genannten preußischen Ornithologen ist das 
Straßburger Dialektwort in das Preußische Wörterbuch von 

1 Die Laute des Vogels klingen verschieden, s. Voigt Excursions- 
buch S. 244. 

2 Buffon hat den Namen gloutt, den er als schwedisch angibt, 
von Linne. — 3 Frommann D. Mundarten III. 33. 



288 Wasserläufer, totanus. 

Frischbier II, 55 in der Form Matkrillis geraten. Eine ganz 
ähnliche Bildung wie dieser Yogelname ist Rotknillis bei Gesner 
a. a. 0. S. 494 ; nach der Beschreibung zu urteilen, ist damit der 
Alpenstrandläufer (tringa alpina) gemeint. Auch das Strassburg. 
Vogelb. v. J. 1554 nennt den Rothknillis (V. 348) unter den Wasser- 
vögeln. Ein einfaches Knüllis findet sich bereits im 15. Jh. in 
einer Straßburger Stadtordnung (Brucker Straßburg. Zunftverordn. 
S. 266). Man könnte geneigt sein, die auffälligen Namen aus knellen 
'schreien' zu deuten und in ihnen dasselbe Suffix zu erblicken, 
wie in ahd. elbiT, 'Schwan'; aber gleichbedeutende Namensformen, 
welche mit den vorhingenannten zusammenzuhängen scheinen, 
geben für die Etymologie andere Anhaltspunkte. In Baldners 
Vogelb. (1666) erscheint der Name des Alpenstrandläufers S. 65 in 
der Form Rothknittzel und die parallele Bildung Mattknittzel ist 
a. a. 0. S. 60 als Name des Kampfhahns bezeugt. Klein, der Baldner 
als seine Quelle zitiert, schreibt Rothknuffel (S. 101). Wenn man 
diese Varianten zum Ausgangspunkt wählt, so kann Knitzel bezw. 
Knützel als eine i/a-Ableitung aus *knuü-a aufgefaßt werden und 
dieses deckt sich mit engl. knot{t) 'Roststrandläufer, tringa canutus'. 
Der englische Yogelname, der seit dem 15. Jh. bezeugt ist, ist von 
Camden Brit. 1586 x mit dem dänischen König Knut in Yerbindung 
gebracht und als 'der Knutsvogel' gedeutet worden ; man habe diese 
Yögel nach Knut benannt, weil man glaubte, daß sie aus Dänemark 
kämen. Diese Annahme ist nicht richtig; wir haben hier vielmehr 
einen alten germanischen Yogeln amen, der sich an die alten Namen 
verwandter Wasservögel, wazarstelh, Steingall, anreiht. 

Ob der von Gesner S. 490 erwähnte Wasservogel Deffyt zu 
den totanus- Arten oder zu den Strandläufern zu zählen ist, kann 
man aus der mangelhaften Beschreibung nicht mit Bestimmtheit 
schließen. Der nicht sicher deutbare Name erscheint in den Straß- 
burger Stadtordnungen (um das J. 1500) einmal als defyt (Brucker 
a. a. 0. S. 258), nachher im Strassburg. Vogelb. (1554) Y. 349 Deffet. 
Mit dem Namen könnte auch der Sanderling (calidris arenaria) 
gemeint sein, dessen hoher pfeifender Ton nach Naumann-Hen- 
nicke VIII, 179 sich durch die Silbe pitt veranschaulichen läßt. 
Danach wäre Deffyt eine ähnliche Bildung wie ndd. Tiwit 'Kibitz'. 

1 Im NED. V, 2, 743. 



Flußuferläufer, actilis hypoleucus. — Strandläufer, tringa. 289 

Flußiiferläufer, actitis hypoleucus oder tringoides hypoleucus. 

Unter den öfters erwähnten Abbildungen der zwölf in 
Straßburg erlegten Watvögel bei Gesner Eist avium erkennt 
man in dem S.493 abgebildeten und beschriebenen Fyfterlin den 
Blußuferläufer. Das Strassburg, V'ogelb. v.J. L554 belegt den Aus- 
druck 7.347 in der Form Fiflerling\ in Baldners Vogelb. (1666) 
S. 66 Pfifterlin. Der Vogelname bedeutet eigentlich 'Bäckerlein'. 
Wahrscheinlich ist der Vergleich mit einem Bäcker (Pflster) durch 
die weiße Farbe des Unterkörpers veranlaßt. 

In Gesners Hist. avium wird S. 593 ein Vogel abgebildet, 
der in der Umgebung von Straßburg Lyßklicker heißen soll. Nach 
der beigefügten Beschreibung zu urteilen, ist es der Flußufer- 
läufer. Das Strassburg. Vogelb. (1554) V. 431 führt den Xamen 
in der Form Leußklücker an; bei Golius Onomasticon (1579) 
Sp. 291 Steinbicker I Leußklicker. Eine andere Variante findet 
sich in Ostermanns Yocab. (1591) S. 332: "Cinclus vel cinchlus 
Ein Rysklicker (rectius Ryesklicker) Mofellanis, ein Ryöl auis 
magnitudine merulae cinerea, collo et pedibus longiusculis, voce 
acuta ac querula, per crepidines flurainum celerrime curfitans, 
mufcis, ac pifciculis victitat". Der Name ist nicht ganz durchsichtig. 

In Steiermark heißt der Flußiiferläufer Grieshahn, Gries- 
hähn! 1 (d. h. Kies- oder Sandhahn), in Luxemburg gröe Matte- 
vutt* (eigtl. 'Mottenvogel'), Sizi, Suchen 2 ni., Zidderehen' 2 m. 

Strandläufer, t r i n g a. 

Die Strandläufer sind in Deutschland keine seltenen Gaste. 
Wenn sie von ihrer nordischen Heimat nach dem Süden ziehen, 
um die Winterquartiere aufzusuchen, erscheinen sie oft in großen 
Scharen und sind auf den norddeutschen Küsten sehr häufig. 
Die einzige Art, welche in Deutschland als Brutvogel angetroffen 
wird, ist der kleine rotgefärbte Alpenstrandläufer, der im Elsaß 
mit dem bereits erwähnten Namen Rotkniitzel oder RotknUHs 
früher benannt wurde 3 . Nach den schwarzen Füßen des Vogels 
benennt ihn Gesner Hist. avium S. 494 "melanopos"; bei Baldner 

1 Unger-Khull 307. — 2 Wb. d. Luxemburg. Mundart 279. 409. 504. 
3 Vgl. S. 288. 

Suolahti, Vogelnamen. 



290 Kranich, grus cinerea oder grus grus. 

Vogelb. (1666) S. 65 Eothknittzel oder Schwartzfüeß. Vielleicht 
ist auch die angelsächsische Glosse wanfota (= pellicanus), die 
bei Bosworth-Toller als 'Schwarzfuß' (wann 'schwarz') gedeutet 
wird, auf unseren Vogel zu beziehen. 

PopowitschV ersuch S.605f. spricht von einem kleinenWasser- 
vogel, dem Wasserschnepfchen, der sich bei der Jagd sehr dumm 
zeigt ; die Österreicher sollen ihn das Sandlauferl nennen. Offen- 
bar meint er hiermit den Meinen Strandläufer (tringa minuta). 
Die Benennung Sandläufer wird nicht nur von den tringa- Arten, 
sondern vielleicht noch öfter von den Wasserläufern (totanus) 
gebraucht; ebenso wird der in Norddeutschland den Strand- 
läufern gegebene Name Tüt(e) 1 von verwandten Vögeln ange- 
wendet. Auch Bezeichnungen wie Wasserhuhn und Wasserschnepfe 
sind mehrdeutig. Vgl. S. 275. 301. 

Den Säbelschnabler (recurvirostra avocetta) mit dem auf- 
wärts gebogenen Schnabel beschreibt Baldner in seinem Vogel- 
buch (1666) S. 61 unter dem Namen TJeberfchnabel. 

Kraniche, Gruidae. 
Kranich, grus cinerea oder grus grus. 

Ahd. kranuh: Sg. Nora. — cra^uh grus 2 : cod. SGalli 913, 
204b. granuh grux 3 : cod. SGalli 242,248a. chranoh : cod. Vindob. 
162, 28 d. Carmen de Philomela 23: cod. Vindob. 247, 223a, cod. 
mus. Britann. Add. 16894, 245 a. hranach : Lex Alamann. XCIX 
p. 169, 11: Clm. 4460, 22a. Rotul. comit. de Mülinen Bern, cranich: 
cod. Selestad. f. 109b. Versus de volucr. chranih : Glm. 14689 f. 47a. 
kranich: H. S. III, 17. XI a 2. b. e, cranech: g, granich: b: cod. Ad- 
mont. 269, 54b. chranch : Versus de volucr. grus X grues : cod. 
Vindob. 804 f. 185b. — PI. Nom. — graniche: Vergil. G. I, 120: 
cod. Selestad. f. 61a. 

Komposita. — kranuhhessnabul (Pflanzenname) : craneche- 
snabl reumatica : cod. Vindob. 10, 339a. Rotul. com. de Mülinen Bern. 
chranehesnabel : Clm. 2612, 93a, cod. Bern. 722,1,2a. chranchesnabel : 
cod. Vindob. 2400, 128b. H. S. IV, 7: cod. Turic. C 58, 98a, XIa2: 
cod. Vindob. 2400, 114b, granescesnabel : Anhang a: cod. Vindob. 
2532, 133 b, chranechesnabel : H. S. XI a, cranichesnabel : b, e, IV, 7 
g'ranichisnabel : cod. mon. herem. 171, 31b. cranihes snabel agri- 
monia . . : Rotul. com. de Mülinen Bern. 



1 Vgl. z. B. Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVII, 2. 3. 

2 Sweet 995 Grus gruis cornoch (Steinmeyer). 

3 Vielleicht stand doch grues (Steinmeyer)- 



Kranich, grus cinerea oder grus grus. 291 

Tn dem Namen Kranich ist uns ein alter indogermanischer 
Vogelname erhalten geblieben. Die Bildnngsweise, die in der 
deutschen Namensform zutage tritt, ist nur auf westgermar 
nischem Sprachgebiet nachzuweisen: zn ahd. kranuh (dazu der 
Ortsname Cranahfeld bei Pörstemann AH<I. Namenb. II. L22), mhd. 
hranech stimmen mnd. kranek (nur im Pflanzennaraen hranekes 
mavel belegt), westfäl. Krdnek : sowie &g8.cranoc, comuc(die letztere 
Form delleicht durch Metathese entstanden, s. Sievers Ags. 
Gramm. 8 § 179, I). Wie einfachere Namensformen zeigen, ist im 
westgerm. *hranuka- das /• als Suffix aufzufassen, und zwar liegt 
hier eine in Vogelnamen öfters nachweisbare Ableitungsart vor, 
vgl. got ahaks Taube', ahd. habuh 'Habicht' usw. bei Kluge No- 
minale Stammbildung 2 § 61b. Ob mhd. hrenich 1 und Schweiz. 
Kranch wirklich auf altem Suffixablaut beruhen, ist unsicher. 
Vorläufig liegt kein zwingender Grund vor, das ahd. Suffix in 
anderer Form als mit dem Vokal tt anzusetzen. Im Althoch- 
deutschen ist die kürzere Namensform als krano an folgenden 
Stellen bezeugt : crano: cod. Parisin. 9344 f. 42b, cod. Berol. Ms. lat. 8° 
73, 123b, cod. sem. Trevir. f. 112b, kranno: cod. Guelpherbyt. Aug. 10. 3. 
4° f. 89a. krane: cod. Cheltenham. 7087, 144a. crano: cod. Oxon. Jim. 83.4-. 
Außerdem im Pflanzennamen Jcranafuo%: cranuoz polpedum: cod. 
Bonn. 218, 49b und im Baumnamen kranaboum: wachiltpovm i ehra- 
napöm X spurcha [subter] iuniperum : Regum III, 19,4: Clm. 4606, 113 b 
und kranaivitu : kreozpaum vel khranauuitu iuniperum : Fragm. SEmme- 
rami deperdita. chraneuuito arciotidus: cod. Wirziburg.'Mp. th. f. 146 f. 2a. 
cod. Vindob. 804 f. 171b, cod. Wirziburg. Mp. th. 4° 60, 103b. Versus de 
arboribus. — Dem ahd. hrano entsprechen mnd. krän*, westfäl. 
Krane, mndl. creme, nndl. kraan und ags. crem, me. ne. crane, 
in den nordischen Sprachen mit auffällig abweichendem Anlaut: 
anord. trana, dän. träne, schwed. trana. Diese nordischen Worte 
können nicht von den westgermanischen Namensformen getrennt 
werden, obwohl die Lautverschiedenheit durch kein bisher be- 
kanntes Gesetz erklärt werden kann. Bei Falk und Torp Et. 



1 Lexer Mhd. Wb. I, 1709; auch in den von Brucker herausg. Straß- 
burg. Zunftverordn. des 15. Jhs. S. 188. 226. 229. 

2 Die altniederdeutsche Glosse grues hraru in dem Straßburger 
Glossar ist verderbt; Holthausen liest crani, vgl. Wadstein Kleinere alt- 
sächs. Sprachdenkm. S. 107 l8 . 

19* 



292 Kranich, grus cinerea oder grus grus. 

ordb. II, 376 wird angenommen, daß auch auf nordischem 
Sprachgebiet die erweiterte Namensform *kranuka- existiert 
hätte; durch Dissimilation der beiden &-Laute sei der Anlaut 
hier zu tr geworden. 

Der germanische Name *krana(n) ist urverwandt mit griech. 
fepavoc 'Kranich', cymr. corn. garan 'Kranich', gall. garan- (in 
der Inschrift tarros trigaranus über einem Stier mit drei Vögeln 
auf dem Rücken), lit. garnys 'Reiher, Storch'. Ferner stehen die 
baltisch-slavischen Kranichnamen lit. gerv'e, apreuß. gerive, akslav. 
zeraxi, die aus demselben Stamme *ger- anders gebildet sind 
(Grdf. *geru-). Die Namen beruhen auf dem heiseren Geschrei des 
Kranichs, das Naumann als ein schnarrendes "Kruh oder Grün", 
auch "Kurr und Kürr" (nebst anderen Yarianten) bezeichnet; 
ähnlich wird die Stimme des Yogels auch bei Yoigt Excursions- 
buch S. 226 beschrieben. 

Die einfache Namensform Kran, Kräne kommt in Nieder- 
deutschland vor; die einstige Verbreitung derselben auf hoch- 
deutschem Gebiet geht aus den obenangeführten Baum- und 
Pflanzennamen kranaboum, kranawitu (heute im Kompositum 
Krammetsvogel < kranaivitu-vogal erhalten) und kranafuo^ sowie 
mhd. cranin snabil in Ahd. Gll. III, 50 38 hervor. 

Als Ablautsform zu germ. *kran-a ist mnd. krön (= mhd. 
kruon) aufzufassen (vgl. hana~hön). Auf hochdeutschem Boden 
ist sie bezeugt in der Erlösung (Ed. Bartsch) 59, 6, wo grün mit 
fasetün reimt, und in den Minnesingern (Ed. v. d. Hagen) EU, 21b, 
wo krün im Reime mit huon steht. Im Mittelniederdeutschen ist 
krön öfters bezeugt, vgl. Diefenbach-Wülcker Wb. S. 715 s. v. 
Kran und dessen Kompositionsformen sowie S. 720 s. v. Krön, 
auch Kroen = grus im Vokabelb. v. J. 1542 in Jb. f. ndd. Spraclif. 
VI, 127. Diese Vokalstufe ist heute bewahrt in mecklenburg. 
Krohn, Kraun (Kronsnepp eigtl. 'Kranichschnepfe'), s. Korrespon- 
denzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 84 und AVb. d. Mecklenburg.-Vor- 
pommerischen Mundart S. 46. — Westfäl. Krükrdne und Krüne- 
krdne 1 f. sind offenbar aus der Kindersprache übernommene 
reduplizierte Bildungen; J. Müller Aachener Mundart S. 125 kennt 
Krünekräne aus einem Kinderliede. 



1 S. Woeste 146. 147 und Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVII, 5. 



Kranich, gras cinerea oder gros grus. 29:', 

Eine andere Bezeichnung des Kraniche ist ahd. fcrwa mit 
der Ablautsform krta. 

Die ahd. Belege Bind folgende: Sg.Nom. creia gras: Prii 
ciani inst. 1(54, 1: Clm. 880 A 29b, chreia; Clin. 18376, 46b, e*rt&i 
Brchanberti ars: Clm. 6414, IIa. fcra^a esternotas: II. S. III. 17. Dmordn. 
H.S. in, 8. 611. Salomon. e: cod. ums. Britann. add. 18879, 86a d 
Gll. Salom. a I, cWa: Clin. 22201, 69g, Die Bedeutung 'Staar'. dm 

man auf Grund des Lat Lemmas 'esternulus' in Eeinrichs Sum- 
marium für «las Wert angesetzt hat (vgLz. B. Eildebrand in Grimms 
Wb. 7,2137 s. v. Krei), ist zu streichen. Die betreffende Glosse 
steht zwischen kranich und storch und ist vom Redakteur des Sum- 

mariums als Name des Kranichs aufgefaßt. In nihd. Zeit ist der 
Name spärlich belegt Er erseheint in Boners Edelstein (Ed. Pf eiff er) 
XI, 25, wo von vier Hss. des 15. Jhs. zwei kry{g)en und die zwei 
anderen kräyen, Lretcen schreiben; statt dessen haben zwei Hand- 
schriften storken. Weiter krie nel krauch im Vocabularius op- 
timus (Bd. Wackernagel S. 42) XXXVII, 67, hryg in einem alle- 
mannischen Vokabular bei Diefenbach Nov. glossar. S. 198a; 
hreigen und kregen in Straßburger Stadtordn. aus den Jahren 
1449 und 1459 (Brucker Straßburg. Zunftverordn. S. 226. 229). 
Im 16. Jh.: ein kry und krauch bei Frisius S. 614b, jung kryen 
oder krenich a. a. 0. S. 1386 a, ein krauch ein krei bei Uasypodius; 
in Gesners Hist. avium (1555) S.509: "Germanis hran uel krane 

uel kranich kranch: & noftris etiam kryc". Nach den Be- 

legen zu urteilen, ist die Form krta in der Schweiz, kreia dagegen 
im Elsassischen und Baltischen üblich gewesen. Heute dürfte der 
Name ausgestorben sein. Da creio im Summarium Heinrichs 
neben cranuh und in den Straßburger Stadtordnungen junge 
hreigen neben krenichen angeführt wird, so ist das Wort wohl 
die Bezeichnung für den jungen Kranich gewesen. Zu beachten 
ist auch das Deminutivum estemulus in Heinrichs Summarium. 
Die jungen Kraniche wurden früher auf den Markt gebracht, 
wo ihr Fleisch als besonders delikat angesehen wurde. — Daß 
diese Bezeichnung des (jungen) Kranichs onomatopoietischen 
Ursprungs ist, darf man für sicher halten. Falls lat. grüs aus 
älterem *groi- enstanden ist, könnte ahd. kreia damit urverwandt 
sein; vgl. Kluge Et. Wb. 6 S. 224. Sonst ließe sich das deutsch.' 



294 Wiesenknarrer, ortygometra crex, crex crex. 

Wort als eine ^-Bildung *kra-j6 auffassen, neben welcher 
*hra-n-a sich als eine ^-Erweiterung herausstellte. 

Rallen, Kallidae. 
Wiesenknarrer, ortygometra crex, crex crex. 
Der Wiesenknarrer gehört zu den furchtsamsten Geschöpfen 
der Yogelwelt. Auf den Wiesen, wo er im Schutze der Gräser 
hin- und herläuft, lebt er so versteckt vor dem menschlichen 
Auge, daß nur wenige ihn zu sehen bekommen. Xur seine auf- 
fällige schnarrende Stimme klingt in schönen Sommernächten 
unaufhörlich in das Ohr. Die Volksphantasie hat wegen dieser 
Lebensart des Vogels ihm verschiedene Namen geschaffen. So 
nennen die Leute in Preußen den Wiesenknarrer oder die da- 
mit verwandte Wasserralle Gespenst \ in Sachsen und Schlesien 
heißt er Faule Magd 2 . Der schlesische Ausdruck Alter Knecht 2 
ist schon bei Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 313 (Alte Knechte) 
bezeugt, im nördlichen Böhmen lautet der Name Wachtelknecht 2 . 
Gewöhnlich wird der Vogel jedoch nicht als Wachtelknecht, 
sondern als Wachtelkönig bezeichnet, so in Mecklenburg 3 , Preußen 4 , 
Böhmen 5 , in Luxemburg 6 , im Kreise Münster 7 und in Anhalt 8 . 
Diese Benennung ist bereits Gesner bekannt: "Ortygometram 
uulgo Itali coturnicum regem appellant (el re de qualie) maiorem 

aliquanto et nigriorem. Quidam Gallice interpretatur, aut 

potius circüloquitur, le roy & mere de cailles, proprij nominis 
ignoratione, ut etiam Germanice quidam der ivachteln Minig" in 
Hist. avium S. 346. Die Auffassung des Wiesenknarrers als 
Wachtelkönig erklärt sich nach Naumann -Hennicke VII, 183 
"bei einer oberflächlichen Ähnlichkeit mit unserer Wachtel, im 
Vergleich zu dieser, aus seiner beträchtlichen Größe; ferner 
weil er meistens mit den Wachteln ankommt und oft in ihrer 



1 Frischbier I, 231. 

2 Zs. f. d. Phil. XXI, 211 ff. und Weinhold Beitr. zu einem schles. 
Wb. S. 19. 

3 Schiller Zum Tierbuche II, 18. — 4 Frischbier I, 231. 

5 Zs. f. d. Phil. XXI, 211. — 6 Wb. d. Luxemburg. Mundart 492. 

7 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 87. 

8 Naumann-Hennicke VII, 180. 



Wiesenknarrer, ortygometra crex, crei c 295 

Nähe, noch öfterer zu Ende der Erntezeit an gleichen Orten 
angetroffen wird, and deshalb beim gemeinen .Mann für deren 
Anführer auf der Reise gilt". Es ist jedoch höchst zweifelhaft, 
ob diese Vorstellung in Deutschland volkstümlichen Ursprungs 
ist. wie man annimmt; wahrscheinlich ist sie durch den Namen 
veranlaßt und dieser ebenso wie der entsprechende französische 
Ausdruck eine Nachbildung ^\^> griech.-lai ortygometra (Wachtel- 
mutter). Wie Nachtrabe, Ziegenmelker, Immenwolf und andere 
durch gelehrten Einfluß entstandene Namen, ist wohl auch der 
Ausdruck Wachtelkönig im Laufe der Zeit bis zu einem gewissen 
Grade volkstümlich geworden. In der Form Wachtelkönig be- 
gegnet der Name in Ostermanns Yocab. (1591) S. 337 und bei 
Schwenk fehl a. a. 0. 

Die allermeisten von den volkstümlichen Dialektnamen 
knüpfen naturgemäß an die Stimme des Vogels an. 

Eine alte Avestgermanische Benennung dieser Art liegt 
in dem Ausdruck Screek vor, den Longolius Dialog, de avibus 
(1544) S. E 8b anführt; aus dem selben Jahre stammt der Beleg 
bei Turner Avium bist. S. G 4 b : "Aliqui ortygometram uolunt 
esse Germanorum fericam". Gesner, der in Hist. avium (1555) 
S. 347 die Namensformen Schnjck und Screcke schreibt, stützt 
sich dabei offenbar auf die eben angeführten Kölner Ornitho- 
logen; die letztere Lautform findet sich im Xamensverzeichnis 
bei Longolius. Bei Eber und Peucer Yocab. (1552) S. E 7 a 
stimmt die Form Schrich überein mit dem Beleg bei Turner 
a. a. 0. In dieser Lautstufe deckt sich der Xame mit westfäl 
Schrik 'Wachtelkönig, Krammetsvoger aus mnd. schrik (Lübben 
Mnd. Wb. S. 336) und ags. scric 'turdus', engl, shrike Weuntöter'. 
Der Vogelname, der auf verschiedene Vögel, welche sich durch 
ihr Geschrei auszeichnen, bezogen wird, ist am nächsten ver- 
wandt mit mittelengl. senken (ne. shriek) 'schreien'. Ähnliehe 
Bildungen sind fries. Schrye 'Brachvogel' bei Gesner S. 4S0, 
ein Schreer 'cenchramus dux coturnicum' bei Eber und Peucer 
Vocab. (1552) S. E 6b sowie schwed. skrika : aorweg. shrike 'Eichel- 
häher' (zu schwed. skrika 'schreien'). Die von Longolius l)elegte 
e-Stufe des Stannnvokals ist auch bezeugt in Screk bei Oster- 
mann Vocab. (1591) S. 337, Schrecker Brachvogel in der Über- 



296 Wiesenknarrer, ortygometra crex, crex crex. 

Setzung der Bücher Plinii v. J. 1651 S. 546, Schrecke bei Reyger 
Verbess. Hist. der Vögel (1760) S. 105 und Frisch Vorstellung 
der Vögel (1763) XII, B 2 a. Sie beruht wohl auf volksetymolo- 
gischer Anlehnung des Vogelnamens an mnd. scricken, screcken 'er- 
schrecken'. Vgl. auch S. 64. 

Weit verbreitet sind die Namen des Wachtelkönigs, die 
von dem schnarrenden Ton des Naturlautes ausgehen. In Ai- 
tingers Buch v. d. Vogelstellen (1631) S. 289 wird der Vogel 
Heckschnarr, in Zorns Petino-Theologie (1743) II, 284 und Reygers 
Verbess. Hist. der Vögel (1760) S. 105 die Schnarre genannt; 
heute gilt Snarr 1 in der Grafschaft Ranzau, Dhauschnarre 2 in 
der Mark Brandenburg, Thauschnarre* (bei Frisch Vorstellung der 
Vögel (1763) XII, B 2a) in Preußen, Wiesenschnarre^ in Hessen, 
Schnarrhuhn' in Sachsen, Schnarricachtel, Schnarrwach 6 in Lübeck 
und Mecklenburg. Dan. (eng)snarre stammt aus dem Deutschen. — 
Eine Variation dieser schallnachahmenden Benennung ist spät- 
mhd. schnartz (vgl. das Verbum schnarzen oder schnerzen) in einer 
Version des Märchens vom Zaunkönig (Germania VT, 90); "vom 
Schnertz oder Wachtel-Könige" in Döbels Eröffn. Jägerpr. (1746) 
S. 57, preuß. Schierz 1 , in Mecklenburg Snartendart 2 . Vgl. S. 60. 

An die Erweiterungsform des Stammes snar-, welche im 
Verbum schnarchen vorliegt, schließen sich die Namen Snark 1 in 
der Grafschaft Ranzau und Grasschnarcher 8 in Preußen, Wiesen- 
schnarcher 9 in Hessen an; im 15. Jh. snerker im Elbinger Vokabular 
(Berneker Die preuß. Sprache S. 244) und bei Diefenbach Glossar. 
S. 253 a, Schnercker bei Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 313. Vgl. 
S. 60. — Eine weitere Variation der genannten Schallwurzel liegt 
dem preußischen Dialektnamen Schnarp 10 zugrunde; auf hoch- 
deutschem Boden die Schnerffen bei Aitinger a. a. O. (1631) S.289, 
Schnerf oder Thauschnarre in Frischs Teutsch-lat. Wb. II, 212 a, 
Schnerpf bei Heppe Wohlred. Jäger (Schmeller- Frommann H, 



1 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVII, 2. 

2 Schiller Zum Tierbuche II, 18. — 3 Frischbier II, 396. 
4 Vilmar 454. — 5 Zs. f. d. Phil. XXI, 211. 

6 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 84. 

7 Frischbier II, 304. — 8 Frischbier I, 251. — 9 Vilmar 454. 
10 Frischbier II, 251. 



Wiesenknarrer, ortygometra crex, crex crex. 297 

583). Vgl. auch sohwed. äkersnarp, ängsnärpa in derselben 
Bedeutung. 

In dem alteu Glossar mit Vogelnamen, das in der Pariser 
Handschrift 12269 enthalten ist, findet sich fol. 58b die Glosse 
wcgisner cicatus. Wie einige andere Glossen des Vokabulars, so 
ist auch diese einer angelsächsischen Vorlage abgeschrieben; die 
zugrunde Liegende angelsächsische Namensform Ist In der Glosse 
secggescere nel haman (d.h. Wiesenknarrer oder Grille) = cicad 
bei Wright-Wülcker Vocab. I, 13 6 überliefert. Steinmeyer Alid. 
Oll. IV, 356 gibt an, daß in secgisner der Pariser Gll. n auf Rasur 
Bteht. Offenbar ist das angelsächsische Wort durch die Leichte 
Änderung dem deutschen Leser mundgerecht gemacht worden; 
in dieser Gestalt bedeutet die Glosse 'Grasschnarrer' (zu ndd. 
segge 'Riedgras' und mhd. snerren 'schnarren'). Der angelsächsische 
Vogelname l ist dagegen aus scieran 'schneiden' zu deuten und als 
'Grasschneider' zu verstehen. Ähnliche Bildungen sind Eggenschär, 
Heggeschär und Heg g schär , welche Gesner a.a.O. S. 478 als 
von Vogelstellern für den "Wiesenknarrer oder die Wasserralle 
gebrauchte Bezeichnungen anführt; heute gelten Eggenschär in 
schweizerischen und Eggscheer 2 in schwäbischen Mundarten von 
der Wasserfalle. Vgl. schwed. ängsskära, äkerskära 'Wiesenknarrer'. 
Mehrere moderne Mundarten fassen den Wiesenknarrer als e Gras- 
schneider' auf, vgl. preuß. Gras-Meher bei Klein Hist. avium prodr. 
(1750)8.103, Grot Schneider 3 im Oberinntal (Tirol), Strohschneider, 
Wiese nmahder 4 - in Steiermark. 

Unter den zwölf Sumpfvögeln, welche Gesner nach den 
Abbildungen von Lucas Schan beschreibt und mit den in Straßburg 
üblichen Namen bezeichnet, ist der Mattkern S. 496 geschildert. 
Die Schilderung der äußeren Gestalt und der Farben ist ziemlich 
summarisch, aber der im lateinischen Texte zitierte deutsche 



1 Whitman hat in der angelsächsischen Glosse keinen Vogelnamen 
erkannt; wenigstens ist das Wort in seiner Belegsammlung The Birds 
of Old Engl. Literature nicht aufgenommen. Daß die Bedeutung des Wortes 
nicht nach dem lat. Lemma cicada als 'Grille' angesetzt werden darf, be- 
weist schon die Glosse ortigometra segcscara bei Wright-Wülcker Vocab. 
I. 287 " unter den Vogelnamen. 

2 Fischer II, 544. — 3 Frommann D. Mundarten IV, 54. 
4 Unger-Khull 584. 633. 



298 Wasserballe, rallus aquaticus. 

Satz, welcher die Stimme des Vogels charakterisiert, läßt darin 
gleich den Wiesenknarrer erkennen : "Er fchryet vnnd fchnurret 
wie die wullen waber wenn fy die wnllen fchlahend". Schwenkfeld 
Ther. Sil. (1603) S. 284 führt wie Gesner den Namen Mattkern als 
Straßbnrger Wort an ; in Baldners Yogelb. (1666) S. 73 begegnet 
die Form Mattkernel. Der zweite Bestandteil des Kompositums, 
der als selbständiger Name im Sinne von Krickente bezeugt 
ist, ist verwandt mit dem lautmalenden Worte kerren und benennt 
die Yögel nach dem knarrenden Tone der Stimme, vgl. dän. 
knerkand, knarand 'Krickente und Wachtelkönig'. Das erste 
Glied in Mattkernel kann wie in Mattknillis, Mattknützel als Matte 
'Wiese' verstanden werden, wahrscheinlich ist diese Lautform 
jedoch erst sekundär aus Mott 'Schlamm' entstanden. 

In Ostermanns Yocab. (1591) S. 337 wird unter den Syno- 
nyma für den Wiesenknarrer der Ausdruck Wifenhünlin genannt, 
bei Keyger Verbess. Hist. der Yögel (1760) S. 105 heißt der Yogel 
Grasläufer, Wiesenläufer. Andere ähnliche Namen sind Wischen- 
knarker l in Göttingen und Grubenhagen, Wisekrips 2 in Luxem- 
burg, Wiesenkrätzer 3 im Fuldaischen, Gerstenratzer oder Korn- 
hühnchen 1 in Sachsen, Grasrätsch, Rätschvogel' in der Schweiz. 
Ein preußisches Dialektwort ist Scharp, Scherp, Scharpvogel 6 
vgl. S. 129. 

Wasserralle, rallus aquaticus. 

Im Gegensatz zu dem Wachtelkönig, der auf trockenem 
Lande sich aufhält, wählt die Wasserralle zum Aufenthaltsorte 
ausgedehnte Sümpfe und Teiche mit schlammigen Ufern. Die 
beiden Yögel sind von gleicher Größe und haben auch sonst 
mit einander große Ähnlichkeit, so daß sie oft mit einander ver- 
wechselt werden. Manche von den Namen des Wiesenknarrers 
werden daher auf die Ralle bezogen. In Preußen wird die 
Benennung Tauschnarre von beiden Yögeln angewendet, ebenso 
der Ausdruck Gespenst. Hier sind die beiden Yögel auch unter 
dem Namen Casper bekannt. Zum Unterschiede von dem Wiesen- 



1 Schambach 300. — 2 Wb. d. Luxemburg. Mundart 488. 

3 Vilmar 454. — 4 Zs. f. d. Phil. XXI, 211. 

5 Staub-Tobler I, 696. — 6 Frischbier II, 258. 268. 



Tüpfelsnmpfhühnchen, ortygometra porzana. 299 

rasper nennt man die schwärzlich gezeichnete Kall«' den Schwarzen 
Caspcr; "noftrates vocanl schtoartze Cafpar" bei Klein bist avium 
prodr. (1750) S. 103. In der Schweiz gilt Eggenschär (schwäb. 
Eggschär)mcht nur vomWiesenknarrer, sondern auch von der Balle. 

Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) 8.283 nennt für die Balle die 
Namen Samet- Eünle Schnürt; Waffer Eünle und Mott-Hünlin. 
Der Letztgenannte Ausdruck bedeutet 'Sumpfhühnchen' (zu Moti 
'Sumpf). In den ersterwähnten zwei Belegformen verrät die 
Lautgestalt den allemannischen Ursprung; in der Schweiz Lsl 
Sammet-Hüenli 1 heute geläufig. Im Elsaß sind die synonymen 
Benennungen RohrlutncL Rohrhünlin in Baldners Yogelb. (1666) 
S.52, Rorhänlin* in Fischarts Gargantua 376 bezeugt; Eohberg 
Adel. Landleben (1687) II, 636 (Kap. CXIV Buch 11) gebraucht 
den Ausdruck Rohrhünlein in weiterem Sinne, indem er darin 
auch die Teichhühner mit einbegreift. In Luxemburg heißt die 
Ralle Wässer ivisekrips* m. (Krips = Krebs), vgl. oben S. 298. 

Die heute in der Wissenschaft übliche Benennung Ralle 
beruht auf dem frz. Namen rdle A (afrz. raalle) oder vielmehr auf 
dessen latinisierter Form rallus, ralla, vgl. Gesner Hist. avium 
S. 346. 377 : "De rallo Italorum" "Gallorum rasle uel ralla". Klein 
hist. avium prodr. (1750) S. 103 f. übersetzt rallus cinerevs mit 
Graue Rall (Braune Roll, Bengalsche Rall), danach bei Reyger 
(1760) S. 105 Schwarze Ralle als Bezeichnung der einheimischen 
Art Adelung (1777) III, 1239 bucht die Ralle und der Rall. 

Tüpfelsunipfhülniclien, ortygometra porzana. 
Den Übergang von den vorhergehenden Arten zu den 
Wasserhühnern bilden die Sumpfhühnchen, welche sich schon 
gut im Wasser zu bewegen verstehen. Vielfach werden diese 
mit den eben erwähnten größeren Arten verwechselt und aus 
den Schilderungen der älteren Ornithologen ist es meistens äußerst 
schwierig, die verschiedenen Arten dieser Gattung zu bestimmen. 
Der von Gesner Hist. avium S. 497 abgebildete und geschilderte 
Yogel, den er Wynkernneü nennt, scheint das Tüpfelsumpf- 
hühnchen zu sein. Der Straßburger Ausdruck, dessen erster 

1 S. Staub-Tobler IL 1376. — 2 Martin-Lienhart I. 341. 
3 Wb. d. Luxemburg. Mundart 478. — 4 Daraus engl. raü. 



300 Purpurhuhn, porphyrio hyacinthinus. 

Kompositionsteil dunkel ist, begegnet auch mit der Orthographie 
Weinkerml im Strassburg. Vogelb. v. J. 1554 V. 353; vgl. die 
Parallelbildung Mattkernel S. 297 f. Auf diesen Yogel beziehen 
sich vielleicht auch die von Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 283 
angeführten Ausdrücke Bundt Waffer Hünlin I Gescheckt Mott 
Hürde, vgl. Mott hünlin S. 299. In Steiermark kommen die Syno- 
nyma Bohrhähnl 1 und Blätterhuhn 1 vor. 

Die beiden kleinsten Arten, das Brachhühnchen (ortygo- 
metra minuta oder parva) und das Zwergsumpfhühnchen (ortygo- 
nietra pygmaea oder pusilla), hat erst Naumann als besondere 
Arten erkannt. Es ist nicht recht klar, ob Schwenkfeld a. a. 0. 
mit der siebenten Art der Gattung glareola oder mit gallinago 
cinerea eins von diesen Sumpfhühnchen meint; die deutsche 
Bezeichnung Aefch-Hünlin (d. h. Aschhühnchen) bezieht sich 
auf die Farbe. Überhaupt werden die Sumpfhühnchen wohl 
meistens mit den üblichen Namen des Wiesenknarrers oder der 
Ralle bezeichnet. 

Purpurhuhn, porphyrio hyacinthinus. 

Das Purpurhuhn ist kein deutscher Yogel, aber da es zu 
den in der Bibel aufgezählten Yögeln gehört, erscheint der Name 
in den älteren deutschen Bibelglossen. 

In angelsächsischen Glossaren wird der lateinische Name 
porphyrio mit felufor, felofor, fealfor, fealefor wiedergegeben; 
einige Mal werden die Worte auch mit onocrotalus 'Rohrdommel* 
glossiert. — Auch in deutschen Glossensammlungen erscheinen 
diese Namensformen: felefer onocrotalum. auis que sonitum facit in 
aqua: Leviticus 11, 18: cod. SGalli 295,127, felefor: cod. SGalli 9,276, 
cod. SPauli XXV d/82, 37 b, horotrugis t felefor a onocrotalvs. animal olori 
elbiz simile: cod. Stuttg. th. et phil. 218, 13c; felefor: cod. Lugdun. Voss, 
lat. f. 24 f. 101a. philfor porfilio: Deuteronomium 14, 17 : cod. Parisin. 2685 
f. 51b; id pheluphur: cod. Fuld. Aa 2, 46 a, iö feluphur: cod. Carolsruh. 
Aug. CCXLVIII, 110b. Alle obengenannten Belege sind jedoch ohne 
Zweifel von angelsächsischen Schreibern geschrieben und können 
als deutsche Glossen nicht in Anspruch genommen werden. Das 
angelsächsische Glossen wort ist eine Umdeutung des im Leviti- 
cus 11, 18 und Deuteronom. 14, 17 bezeugten lat. porphyrio (aus 

1 Unger-Khull 88. 508. 



Teichhohn, Btagnicola chloropus, gaOinula chloropua. 801 

griech. Tropcpupiuuv); der einheimische Vogelname d&alfor scheint 
hierbei mitgewirH zu haben. Die einzelnen handschriftlichen 
Varianten p&rßio, /W//Y, f<>lfu\ philfor^ phduphur illustrieren den 
Entwicklungsgang. Wie solche gelehrte Verdeutschungen la- 
teinischer Vogelnamen entstehen, kann man z. B. bei Kmir.nl 
von Megenberg beobachten, der ans porphyrio ein porphiri, ans 
onocrotalus ein ankrättel macht (Bd. Pfeiffer 8. 212). .Mit dem 
umgedeuteten Namen des Purpurhuhns hat ags. fehle f«rr 'Kram- 
metsvogel', das damit in Verbindung gebracht worden ist, 
nichts zu tun. 

In spateren Vokabularen wird porphyrio mit purpirvogel 
oder purpurfaruogd übersetzt, s. Diefenbach Glossar. S. 448a und 
Nov. glossar. 8.298b. 

Teichhuhn, stagnicola chloropus, gallinula chloropus. 

In der Wissenschaft wird das mit roter Stirnplatte ver- 
sehene Sumpfhuhn meistens als Teichhuhn von dem weißstirnigen 
Wasserhuhn unterschieden. In den Mundarten wird jedoch die 
letztere Benennung von den beiden verwandten Vögeln angewendet ; 
die Bedeutung wechselt je nach den betreffenden Gegenden. Der 
Ausdruck Wasserhuhn ist bereits in althochdeutscher Zeit in einer 
Gruppe von Handschriften bezeugt : vuazarhuon onocrotalus : cod. 
Guelpherbyt. Aug. 10. 3. 4<> f. 89a, uuazarhuon: cod. sem. Trevir. f. 112b. 
teazzerhu nt x : cod. Parisin. 9344 f. 42b, xoatharhum: cod. Berol. Ms. lat. 8" 

73,124a; im Mittelhochdeutschen begegnet öfters wazzerhtum— mnd. 
waterhön, mndl. waterhoen. Gesner gebraucht den Namen im zwei- 
fachen Sinne von Blaßhuhn und Teichhuhn, bei Baldner Vogelb. 

(1666) S. 50 wird nur der letztere Vogel Wafferhünel genannt. 
Popowitsch Versuch (1780) 8. 604 meint mit den Deminutiv- 
bildungen Wafferhendel (in Österreich) und Waffe rhüendel (in 
Steiermark) die Wasserraüe; in Westfalen wird dm- Eisvogel 
Waterhainken 2 genannt (schon bei Gesner Hist. avium s. B5 
Auch in der Schweiz kommt Wasserhüeiüi* in der Bedeutung 
Eisvogel vor. Doch wird Schweiz. WasserhüenU allgemein im 
Sinne von 'Teichhuhn' angewendet; ebenso Wasserhong { in 

1 Mit unorganischem t. — 2 Woeste 317. 

3 Staub-Tobler II, 1377. — 4 Wb. d. Luxemburg. Mundart 477 



302 Bläßhuhn, fulica atra. 

Luxemburg und Wdterhöhnken l im Münsterkreise. Mehrdeutig 
ist auch die Benennung Bohrhünlein bei Hohberg Adel. Land- 
Leben II, 636 und Meerhün (d. i. wohl = Moorhuhn) bei Aitinger 
Bericht v. d. Vogelstellen (1631) S. 69. 

In Straßburg heißt das Teichhuhn heute Ducherle 2 (d. h. 
Taucherlein). Ein älterer Straßburger Name ist Eothplettel (ab- 
geleitet von Platte) im Strassburg. Yogelb. v. J. 1554 V. 384, wo 
gerade das Teichhuhn gemeint zu sein scheint; gleichbedeutend 
ist anhält. Roibläßchm* (vgl. unten Bläßhuhn). 

Bläßlmlin, fulica atra. 

Ahd. belihha, belihho : Sg. Nom. — pdüfia fulix : cod. Flo- 
rentin. XVI, 5, 141 a (13. Jh.). fuluo et Pielico 4 antit chunni 5 : cod. 
Vatican. Reg. 1701, 2b. belico anud cunni fulica: cod. sem. Trevir. 
R. III. 13, 106a. — PL Nom. — pelichon fulice: Vergil. G. I, 363: 
Gm. 305, 37 a, Clm. 21562, 43 a. 

Ahd. belihha, belihho (mhd. belche) 'Bläßhuhn' hat in den 
übrigen altgermanischen Dialekten keine Entsprechung, aber die 
verwandten indogermanischen Sprachzweige bieten anklingende 
Benennungen mit gleicher Bedeutung: lat. fulica und griech. 
qpaXnpic, cpaXäpic. Zugrunde liegt diesen Namensformen ein Stamm 
*bal- 'weiß', der in griech. maXöc 'glänzend', cpdXioc 'weiß', 
qpaXnpöc 'glänzend', lit. bältas 'weiß', cymr. bal 'weißgesichtig 
(von Tieren)', breton. bal 'weißer Stirnfleck' vorhanden ist. Auf 
germanischem Boden hat Edward Schröder denselben Stamm in 
dem Namen Bäht, mit dem das Streitroß Belisars benannt wurde, 
nachgewiesen, s. Zs. f. d. A. XXXV, 237 ff. Das Bläßhuhn hat 
also den Namen erhalten wegen der blendend weißen Stirnplatte, 
welche den Yogel bei sonst durchgehend schwarz gefärbtem Ge- 
fieder auszeichnet. Man hat die Übereinstimmung von ahd. 
belihha mit den angeführten Namen im Lateinischen und Griechi- 
schen einfach als Urverwandtschaft bezeichnet. Aber damit ist 
der Grad der Verwandtschaft vielleicht nicht richtig angegeben. 
In der Bildungsweise stimmt ahd. belihha nicht zu lat. fulica; 

1 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 87. 

2 Martin-Lienhart II, 647. — 3 Naumann-Hennicke VII, 142. 

4 aus fulica resp. dem deutschen pelicha verderbt (Steinmeyer). 

5 1. anit chunni; das letzte * angehängt (Steinmeyer). 



Bläßhuhn, falica atra. 808 

ebenso ist das Suffo im griechischen Worte ganz verschieden. 
Daher darf man den Vogelnamen nichl ohne weiteres in die 
indogermanische Zeil tunaufrücken. Die Namensformen der ver- 
wandten Sprachen können auch anabhängige einzelsprachliche 
Bildungen von dem urverwandten Wortstamme sein. Auch in 
englischen Dialekten wird das Bläßhuhn heute mit stammesver- 
wandten Namen bezeichnet, vgl. bald-coot, bald-duek^ bald-foid \\. a. 
(zu bald e haarl«»s. mit Weiß gezeichnet*, bau 'weißer Bleck*) bei 
Swainson The Folklore 8. L78; schon ums Jahr 1300: ane blarye 
a baüed cote bei Wrighl Vocab. L65 (NED. I. 633). Die Bildungs- 
weise < i < ■ s deutschen Wortes hal vielleicht eine Parallele in dem 
Bteir. Vogelnamen Schmelche (aus ahd. &malihha\ s. 8. 26. Mög- 
licherweise ist das Suffix ikan : ikdn eine Weiterbildung von dem 
german. & -Suffix 1 , das in ahd. Jcranuh und hafmh zutage tritt; 
in diesem Falle würde Suffixablaut vorliegen. Der mhd. Pferde- 
name Bei die im Biterolf und die gleichlautenden Bergnamen in 
Süddeutschland sind offenbar als Übertragungen des Vogelnamens 
aufzufassen. 

Gesner Hist. avium S. 396 bezeugt den alten Namen rar 
die Schweiz in den Formen ein Böllhinen und Belchinen, speziell 
für die (regend um den Bodensee die Form ein Belch. Popowitsch, 
der (Versuch S. 61) diese Benennungen nach Gesner zitiert, kennt 
aus Frisch die umgedeutete Xamensform Bellhenne und aus Heppe 
Wohlred. Jäger auch die Variante Bölcher. Schwenkfeld hat 
diesen Namen nicht aufgenommen, das Strassburger Vogelbuch 
nennt ihn auch nicht. Heute lebt das Wort als maskuL Beiehe 2 
in der Schweiz und in Schwaben, als femin. die Beiehen ' in 
Baiern; die frühere Verbreitung läßt sich an Bergnamen im 
Schwarzwald, in den Vogesen uud in Hessen verfolgen, 
Martin Jb. des Vogesenklubs II, 193 f. und Vilmar Id. S. 31. 

Weit verbreitet ist in den jetzigen hoch- und nieder- 
deutschen Mundarten der schriftsprachliche Name Bläßhuhn 
nebst Varianten. Den frühesten Beleg bieten die von v. Bänder 
Germania XXIII herausgegebenen Gedichte des Königs von Oden- 
wald, die aus dem Anfang des 14. Jhs. stammen; liier erscheint 

1 Vgl. Kluge Nominale Stammbildung § Gl b. 

2 Staub-Tobler IV, 1193. — 3 Sehmeller-Frommann I. 233. 



304 Bläßhuhn, fulica atra. 

(Germania XXIII, 309) die Namensform blazzen im Keime mit 
lazzen. Popowitsch Versuch (1780) S. 60 führt Blaße als frän- 
kische Dialektform an. Im 16. Jh. ist das Deminutivuni Pleß- 
lein durch H. Sachs Eegim. der Vögel (1531) V. 185 bezeugt; 
heute gilt Bläßlein 1 in Baiern und Schwaben. Die veraltete 
schwäbische Form Bläßling belegt Fischer I, 1163 aus dem Jahre 
1621; schon Gesner Hist. avium (1555) führt BUßling und BÜß 
als schwäbische Dialektformen an. Aber auch in Österreich ist 
Bläßling durch Hohberg Adel. Land-Leben (1687) II, 636 (Kap. 
CXIV) bezeugt. Popowitsch, der a. a. 0. Bläßling nach Zorn 2 u. a. 
zitiert, gibt als österreichische Form Bläßel', selbst sieht er 
Bläßchen für die normale schriftsprachliche Form an. In Nord- 
deutschland scheint der Name besonders in Kompositionsbildungen 
gebräuchlich zu sein. Klein Hist. avium prodr. (1750) S. 150 
schreibt Blashan, Reyger Yerbess. Hist. der Vögel (1760) S. 161 
Blashuhn; heute in Preußen Bläshenne, Bläsente 5 , in Mark Branden- 
burg Bläßente, in Mecklenburg Blesshön, Blesnörx, Blestnörx*, 
im Münsterkreise Blesshohn' 3 , in Luxemburg der Bless, Blesshong 6 . 
Die angeführten Namen sind, ebenso wie das Synonymon Belche, 
durch die weiße Stirnplatte des Vogels veranlaßt und hängen 
zusammen mit spätmhd. blasse, nhd. Blässe, mnd. lies, Messe 'weißer 
Stirnfleck'. Der Vogelname scheint in der mhd. Form blasse, 
nhd. dial. BÜß (daraus abgeleitet Bläßlein, Blässei, Bläßling) mit 
dem vorhingenannten Worte vollständig identisch und ist wohl 
semasiologisch als 'Kahlkopf zu verstehen; vgl. anord. blese = 
1) weißer Stirnfleck, 2) Pferdename und schwäb. Blasse = 1) weißer 
Stirnfleck, 2) Kahlkopf. Die Kompositionsformen haben Analoga 
in ahd. blasros, mnd. blasenhengst 'Pferd mit weißem Stirnfleck'. 
Daran schließen sich Worte mit Rhotazismus: mndd. blare, midi. 
blaar 'weißer Stirnfleck', norweg. blarand (dän. dagegen blisand) 
'Blässhuhn', frz. (picard.) blarie 'dass'. 

Im Elsaß ist Blaßhenn nur einmal bei Baldner Vogelb. 



1 Fischer I, 163, Schmeller-Frommann I, 330. 

2 Zorn Pethino-Theologie II, 418. 

3 Frischbier I, 87. — 4 Schiller Zum Tierbuche I, 10. 

5 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 85. 

6 Wb. d. Luxemburg. Mundart 36. 



Bläühuhn, fulica atra 905 

(1666) S. 49 bezeugt, wo als Synonymon Pfaff angeführt wild. 
Dieser A.usdruck, der schon im L6. Jh. im Strassburg. Vogelb. 
V.362 begegnel und in den ornithologischen Arbeiten Gtesners 
(S. 376) and Schwenkfelds (8. 263) erwähnl wird, ist in der 
heutigen Straßburger Mundart ausgestorben 1 . Dagegen boU das 
Wort — nach Prischbier Wb. [, 265. II. L21. L90 — in der platt- 
deutschen Gestali Pdpke : Haffpdpke (<l. h. 8eepfäffchen), auch 
IVtp/.r. heute in r^reußen geläufig sein; Klein Bist avium prodr. 
(1750) s. 151 and Reyger Verbess. Eist der Vögel (1760) S, L61 
haben die hochdeutsche Form Pfiffe offenbar nicht aus ihrer 
preußischen Eeimat, sondern aus Schwenkfeld. Den tarnen ver- 
dankt der Vogel dem schwarzen Gefieder und der weißen Kopfplatte, 
welche mit der Tracht und der Tonsur eines Pfaffen verglichen 
wurden. Bei Henisch Teutsche Sprach (1616) Sp. 416 findet sich 
neben Pfaff I Bleßlinc/ noch ein drittes Synonymon FtäÜing (von 
Platte hergeleitet): vgl. elsäss. Rothplettel Teichhuhn' S. 302. 

Wegen des schwarzen Gefieders heißt der Vogel in der 
Schweiz und in Schwaben der Mör, die Möre 2 . 

Frischbier Preuß. Wb. II, 459 verzeichnet nach Mühlings 
Tiernamen als Namen des Bläßhuhns den Ausdruck Wasserteufel. 
Dieser scheint jedoch kein volkstümliches Wort zu sein, sondern 
auf Klein Hist. avium prodr. zurückzugehen, wo Meer-, Wasserteufel 
wohl nur Übersetzungen des von Aldrovandi angeführten fran- 
zösischen Ausdrucks diable de mer sind; nach Rolland Faune 
populaire II, 366 wird der Yogel im Provenzalischen diabU de 
mar, im Spanischen diablo de mar genannt. Auch dem in Nemnichs 
Polyglottenlexicon 1, 1679 u.a. angeführten Synonymon Höllfine, 
welches das Bläßhuhn ebenfalls mit Teufel und Hölle in Ver- 
bindung setzt, fehlt eine reale Existenz. Hier ist nur ein Druck- 
fehler aus Henischs Teutscher Sprach weitergeschleppt, wo die 
aus der Vorlage (Gesner) übernommene Namensform BöUhinen 
fehlerhaft als Höllfineti abgedruckt ist. 

Von dem Aufenthalte an schlammigen Ufern hatte der Vogel 
im Althochdeutschen den Namen horgans (zu horo 'Schmutz, 
Schlamm'): horgans fulica: H. S. III, 17 ; fulice: GH. Herrad. : 



1 Martin-Lienhart IL 132. — 2 Staub-Tobler IV, 379, Fischer I. 832. 
Suolahti, Vogeluameu. 20 



306 Bläßhuhn, fulica atra. 

cod. olim Argentor. Daraus ist mhd. hargans (im Yocab. ine. 
theuton. ante lat. S. i lb), hergans (in Bracks Vocab. rerum 1495), 
nhd. (die) Heergans bei Popowitsch Versuch (1780) S. 61 (nach 
Frisch) geworden. Vgl. Reiher S. 379. Die Namensform (die) 
Horbel welche Popowitsch (1780) S. 61 nach Heppe Wohlred. 
Jäger u. a. zitiert, ist nicht, wie bei Grimm Wb. IV, 2, 1802 
vermutet wird, aus einer Zusammensetzung *Hor-B elchine ent- 
standen, sondern geht auf *horwil-6n zurück, das eine Ableitung 
mittelst des Suffixes -il(ön) von dem oben genannten ahd. Sub- 
stantiv horo ist. Zuerst ist die Bildung in der verderbten Glosse 
horbollem t swartzducher in einem Vokabular aus dem Jahre 1517 
bezeugt 1 , bei Döbel Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 70: von Horbeln, 
oder Bldß-Enten, oder Bläßgen; bei den AVakenitzf ischern Harbull 2 . 
Der alte Name *horw-il- erscheint heute auch in anhält. Kurbel 3 , 
preuß. HurdelK Vgl. auch S. 279. 

Unter den landschaftlichen Benennungen des Bläßhuhns 
nennt Gestier Taucher und Schivartztaucher, Aitinger Bericht 
v. d. Vogelstellen (1631) S. 89 die Bleffe vnd Deucher, Popowitsch 
a. a. 0. Tauchhun (nach Frisch) ; in der Mundart von Fallersleben 
Dyker, Blesdyker' 3 , in Preußen Duckente 6 . Diese Ausdrücke sind 
mehrdeutig, ebenso wie Borhennle bei Gesner, Rohr-Henne bei 
Schwenkfeld Ther.Sil. (1603) S. 263; nach Popowitsch Versuch 
(1780) S. 61 heißt das Bläßhuhn in Schlesien Bohrhun, in Österreich 
Bohrhendel, zu Würzburg Schwarzes Bohrhun. Den Namen Wasser- 
huhn, der von Gesner, Baldner und Klein diesem Vogel beigelegt 
wird, hat er mit dem Teichhuhn gemeinsam, vgl. S. 301. 

Unklar ist das von Gesner aus Rostock angeführte Syno- 
nymon Zappe < mnd. sappe, sapke 7 . Der Ausdruck ist im nord- 
östlichen Deutschland heimisch: in Lübeck 8 , Mecklenburg 6 , 
Pommern Zapp(e) 6 , in Preußen Zopp, Zupp, Zapke*. Das 
Aussehen des Namens legt den Verdacht an Entlehnung nahe, 

1 Diefenbach Glossar. S. 250c. 

2 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 83. 

3 Naumann-Hennicke VII, 122. — 4 Frischbier I, 306. 

5 Frommann D. Mundarten V, 54. — 6 Schiller Zum Tierbuche I, 10. 

7 Vgl. Lübben Mnd. Wb. S. 316. 

8 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 84. 

9 Frischbier II, 487. 498. 



Uhu, bubo maximus, bubo bubo. 307 

aber Beziehungen in den Nachbarsprachen fehlen. Sicher slavisch 
ist dagegen «las gleichbedeutende Lietze 1 in der Mark Branden- 
burg, vgl. poln. ///>. lyska 'Bläßhuhn'. 

unter den fielen I Y<>\ inzialnamen des populären Vogels führt 
(irsnrr noch dir Namensform Florn an. Das Ls1 die AJtknsativ- 
form des Namens. Der Beleg finde! nämlich eine Bestätig 
durch Baldner, welcher (Vogelb. (1666) 8. 50) berichtet, daß das 
Bläßhuhn am Altrhein bei Roxheim (in der Nähe von Worms) 
Flohr heißt Das Wort ist vollkommen dunkel. Turner Bist. 
avium 8. D 6 b spricht unterden Vogelnamen'Me Bloro' 1 und beruft 
sich dabei auf Aristoteles. 

In Holland nennt man das Bläß huhn Jcoet, meerkoet ( Mecr- 
coetebei Junius Nomenciator (1581)S.56a); die Namen sind mit 
engl, cool imc cote^ coote) verwandt. Ein anderes niederländisches 
Svnonvmon ist meerkol, fries. Markol (DijkstraWb.s.v.). Mit dem 
Hähernamen Marholf, mit welchem das Wort in Zusammenhang 
gebracht worden ist, hat es gar nichts zu tun. Der erste Teil 
des Kompositums hat wohl die Bedeutung 'Sumpf (vgl. S. 302 
Österreich. Meerhün), der zweite Teil ist offenbar das Wort kol 
'Blässe'. 

X. Landraubvögel, Kaptatores. 

Eulen, Strigidae. 

Uhu, bubo maximus, bubo bubo. 

Ahd. üfo. hüwo: Sg. Nom. — üuo* bubo: Glossae Abactor: 
Clm. 14429. 222 a. Vergilius A. IV, 462 : cod. Parisin. 9344. 83 b. Phocae 
ars 413, 15 ' : Clm. 14689, 46a, vuo: cod. Vindob. 2723. 123 b. dm. 
19440, 229. üvo 4 : Vergilius A. IV, 462: Clm. 18059, 192 d. ouo: Car- 
men de Philomela 37: cod. Vindob. 247, 223a, cod. mus. Britann. 
Add. 16894, 245a. uuo: Erchanberti ars: Clm. 6414, 14a. Cgm. 187. 
Versus de volucr. noctua : II. S. Xlb. Leviticus 11, 17: cod. Gotwic. 
103, 49b; hu. uuo t. uuo bubonem. qui rustice dicitur buf : cod. SGalli 
295, 127, i. huuuo uel uiio: cod. SGalli 9. 276, iä huuo. t uuo: cod. 
SPauli XXV d/82, 37 ab, buf t huwo t wo : cod. Stuttgart, th. et phil. 



1 Schiller Zum Tierbuche I, 11. 

2 Von jüngerer Hand übergeschrieben (Steinmeyer). 

3 bufo Edit., s. aber die Varianten (Steinmeyer). 

4 Von zweiter Hand (Steinmeyer). 

20* 



308 Uhu, bubo maximus, bubo bubo. 

f. 218, 13c. üfe noctua autem non est bubo : Gll. Salomon. al : Clm. 
17152, 105 f, üve 1 bufo: Clm. 17152, 18 f. vve: H. S. III, 17: cod. 
Vindob. 2400, 41b. vfe. vue: cod. Vindob. 804 f. 185b. — Akk. — 
rifun: cod. Vindob. 162, 35a. uuun: Leviticus 11, 17 : Clm. 14689, 
38 a, vuin: Clm. 4606, 101a. 



Sg. Nom. — hi'muo bubo: Clm. 14747 f. 63a. huuuo: Vergil. 
A. IV, 462 : cod. Mellic. non sign. 98a. Gll. Salom. a 1 : Clm. 17152, 
130d. huuuo: Leviticus 11, 17: cod. Carolsruh. SPetri 87, 63b. buf. 
hu uuo. t uuo : cod. SGalli 295, 127, i. huuuo uel uiio : cod. SGalli 
9, 276, id huuo. t uuo: cod. SPauli XXV d/82, 37 ab, buf t huwo t 
wo: cod. Stuttgart, th. et phil. 218, 13c; huuo: cod. Fuld. Aa2, 43a. 
Gll. Salomon. a 1 : Clm. 13002, 18 f. huuo: Phocae ars 413, 15: 
cod. Vindob. 2732, 141b. huivo: Versus de volucr. cod. Selestad. 
f. 109b. Gll. Salomon. al. Leviticus 11,17: cod. Vatic. Pal. 288, 
55 c. H. S. XI a 2 : Clm. 2612, 82 a. Mo nocticorax : Psalmen 101, 7 : 
cod. SGalli 292, 91. huo: cod. SGalli 299 p. 33. Clm. 14689 f. 47 a 2 . 
Versus de volucr. Gll. Salomon. a 1. H. S. III, 17. XI a 2. b. e. g. Levi- 
ticus 11, 17: Clm. 22201, 238b. hufi: Versus de volucr.: Clm. 19488, 
121a. — Akk. — (den) huuuen: Notker Ps. 101, 7. huwin: Leviticus 
11, 17 : cod. Turic. Rbenov. 66, 19, huwen : cod. Stuttg. herm. 26, 13a, 
huvven: cod. Angelomont. 14/11, 10b, huwn: Clm. 14584, 130a, hu 
in: Clm. 13002, 219b, huvn: cod. Vindob. 2723, 18b, cod. Vindob. 
2732, 22b. — PI. Nom. — huuuen: Notker Boeth. de consol. phi- 
los. 4, 33. 

Unter den Eulen zeichnet sich der Ulm durch die Größe, 
die der des Adlers nahekommt, ganz besonders aus. Daher be- 
zeichnen auch die volkstümlichen Namen ihn meistens nicht als 
'Eule', sondern geben dem Yogel neben den verwandten Arten 
eine gewisse Sonderstellung. — Die allermeisten Bezeichnungen 
des Uhus sind von den unheimlichen Rufen hergeleitet, die 
er des Nachts erschallen läßt und die zur Entstehung mancher 
mythischen Vorstellungen und Sagen Anlaß gegeben haben. Popo- 
witsch (Yersuch S. 583) vergleicht "den abscheulichen Laut" mit 
dem Jauchzen eines betrunkenen Bauern; daher heißt der Yogel in 
Steiermark Juchetzerl, Jutzerl, Juchetzäugel, Jutzeule (zu juchetzen 
'jauchzen'), vgl. Unger-Khull Wortsch. S.369f. Nach Naumann 
Naturgesch. (Ed. Hennicke) Y, 64 klingt die Stimme des Uhus 
verschieden, manchmal wie das Bellen einer Meute von Hunden, 

1 ve und der Zirkumflex von anderer Hand (Sievers). 

2 h aus u korr. (Steinmeyer). 



Ulm. bubo maximus, bubo bnbo. 309 

manchmal wie «las Wiehern von Rossen usw.; a. a. 0. wird dieses 
Geschrei mit 'Puhu' oder "Puhue 1 umschrieben. Voigt schildert 
im Excursionsbuch S.189 seine Beobachtungen folgendermaßen : 
"Aus ca. 200—300 m Ebitfernung war's ein einfacher Laut, ein 

tiefes "buh'. Nahestehend hörl man mindestens zwei Silben 'nhii', 

wovon die eiste, aber auch die zweite betont sein kann, [st's 
die erste, so kommt in der Regel ein eigentümlicher Anlaut 

hinzu, der schwächste von allen". In vielen Namen des V"'_ r <-1- 

ist dieser dumpfe Ruf ohne Schwierigkeit zu erkennen, so in 
lat bübo (bübulo = bu bu rufen [vom Uhu]), griech. ßuac ß0£a 
(ßu£uj = schreie wie ein Uhu), armen, bu, büße (Eule), rnss. 
puga£ü\ finn. huuhkaja. 

In der ältesten deutschen Überlieferung wird der Uhu als 
uro und hu(w)o bezeichnet; beide Namensformen haben ihre 
besondere dialektische Begrenzung. Von ihnen erweist sich üvo 
als altgermanisches Wort, denn aus den verwandten Sprachen 
stimmen dazu — abgesehen von der Flexion — ags. uf, anord. 
ufr (schwed. uf). Der onomatopoietische Charakter des german. 
*üf- ist nicht zu verkennen; Hellquists Annahme (Arkiv f. nord. 
fil. VII, 3), daß der Vogelname auf dem substantivierten alt- 
nordischen Adjektiv«//- e ruffled, rough' beruhe, ist unwahrschein- 
lich. — Die althochdeutschen Glossare, welche die Glosse üvo x 
schreiben, haben mehr oder weniger bairischen Sprachcharakter, 
und die späteren Zeugnisse beweisen, dal) diese Namensform ein 
bairisches Dialektwort ist. Konrad von Megenberg (Ed. Pfeiffer 
S. 173 8 ) kennt sie aus seiner Heimat: "Bubo haizt ain auf oder 
in anderm däutsch ein haw"; in dem vonPetter herausgegebenen 
Vokabular ex quo in Prag aus dem Jahre 1432: bubo auff noctua 
awphel'\ im Vocab. theuton. (Nürnberg) v.J. 1482 S. C la: axfj'c. 
in einer Version des Märchens vom Zaunkönig (Germania VI. 90): 
der aufe (gegenüber den Namensformen die huwe und schafittl 
der anderen Versionen). Im 16. Jh. begegnet der Auff bei Eans 

1 Den Beleg uuof bononem im Leviticus II. 17: cod. Parisin 

50b könnte man als uuo (mit in den Text eingetragenem f= francice) 
lesen, wenn nicht der Sprachcharakter des Glossars angelsächsischen 
Einfluß zeigte; danach ist die Glosse als eine Mischung von uuo und 
ags. uuf aufzufassen. 

2 Frommann D. Mundarten IV, 294. 



310 Uhu, bubo maximus, bubo bubo. 

Sachs Regnn. der Yögel (1531) Y. 98, Gesner Hist. avium (1555) 
S. 229 führt Steinauff als kärntische Benennung an; heute in 
Steiermark der Auf, Auff(en)vogel, auch Stockauf 1 (d. h. Walduhu) 
e Uhu, Eule', in Tirol Stockauf 'strix aluco 3 , Auffelein e strix passe- 
rina' bei Höfer. Auvogl 2 in der Heanzer Mundart ist aus Auf- 
rogl entstanden. — Als Eigenname ist Uro, Üva, Üvilo in bairischen 
Quellen öfters bezeugt, vgl.FörstemannAltd. Namenbuch I 2 , 1486. 

Ein von dem vorigen gänzlich verschiedenes Wort ist ahd. 
hü{w)o, dessen anlautendes h fest ist; die manchmal in den Glossen 
vorkommende Zusammenwerfung der beiden Namen beruht darauf, 
daß die betreffende Namensform der Vorlage in dem Dialekte 
des Abschreibers nicht geläufig war 3 . Ahd. Mo ist eine direkte 
Nachbildung nach dem hü- Rufe des Yogels, den er nach Naumann 
a. a. 0. im Affekte hören läßt. — Die genannte Namensform ist 
vorzugsweise in allemannischen Quellen belegt und läßt sich in 
der Schweiz bis auf die heutigen Tage verfolgen; im 16. Jh. 
z.B. bei Gesner a. a. 0. S. 229 Huw, Berghuw als heimatliche 
Namen verzeichnet, heute Hüw(e\ Hüe, Hui, Hü bei Staub-Tobler 
Id. II, 1822 ff. Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 203 schreibt 
Berghu nach Gesner. 

Im Elsaß findet sich eine Variante im Strassburg. Yogelb. v. 
J. 1554 V. 300: "Nachtrammen vnd Hugen (: Kautzen vnd Klu- 
gen)"; luxemburg. der Hugo e ühu 4 . Es scheint, daß der Vogel- 
name sich hier an den Eigennamen angelehnt hat. An diese 
Namensformen schließt sich altmittelfräuk.-altniederd. hüc an: 
zunächst in den Straßburger Glossen bubo huc (Wadstein Kleinere 
altsächs. Sprachdenkm. S. 107 24 ); mittelniederd. hük bei Schiller- 
Lübben Wb. IT, 328 öfters belegt. Dazu noch folgende Belege aus 
den Althochdeutschen Glossen: huc bubo: cod. Parisin. 9344 f. 42b, 
huk : cod. Guelpherbyt. Aug. 10. 3. 4° f. 89 a, cod. Berol. Ms. lat. 8° 73, 124a; 

1 Unger-Khull 31. 579. 

2 Frommann D. Mundarten VI, 24; der Auvogl = Nachtigall hat 
natürlich einen anderen Ursprung. 

3 Der von Whitman The Birds of Old Engl. Literature XXVIII, 2 
angeführte Beleg huf = sublinguium ist kein Vogelname; ags. hüf ist 
= ndd./mc, hd. Auf 'Zäpfchen im Halse'. Einmal begegnet auch hüf= Uhu 
mit unorganischem h bei Wright-Wülcker Vocab. I, 287 9 . 

4 Wb. d. Luxemburg. Mundart 189. 



(Hui. bubo maximus, bubo bubo, 311 

cod. sem. Trevir. f. 112!>. cod. Bern. Trevir. R. III. LS, 104a. huck: Leviticns 
11. 17: cod. Oxon. .lim. 88, M (13. Jh.). cod. Oxon. Jua 83, I L3. Jh.). 
hirh buhalus: Versus de volucr.: Clm. 23*96, 10c, huc: Clm. 27329, 9a 
(lt. Jh.). Il.s. III, 17: cod. Darmstad. 6, 26b (13. Jh.). Leviticna LI, 17: 
cod. Goslar. L12b (14. Jh.). Der auslautende Guttural in hüc könnte 
als Sni'i'ix aufgefaßt werden (wie in ahd. kranuh 'Kranich*, habuh 
"Habichtf), so daß die Grdf. ¥ hü\w)uh- anzusetzen wäre. Doch 
kann der Guttural auch zum Wortstanune gehören and dieser 
mit dem Verbum hauchen verwandt sein. 

In den heutigen niederdeutschen Dialekten is1 diese alte 
Bildung verloren gegangen, Sie ist verdrängi worden durch mnd. 
schüvüt, schüvöt = mndl. seuvuit, die allgemein als Entlehnungen 
aus afrz. choete angesehen werden. Doch kann das deutsche 
Wort ganz gut eine einheimische Bildung sein, die auf volks- 
etymologischer Deutung des Naturlautes als schuf üt 'schieb 
aus' beruht. Der Name ist besonders auf dem niederd.-niederläml. 
Sprachgebiet verbreitet: nndl. schuifuit, in Westfalen Schtibüt, 
Schüivüt (dazu der Ortsname SchübMaige 'Uhusfelsen', eine Fels- 
wand, in der sonst Ulms horsteten) 1 , in Hamburg, Holstein-. 
Mecklenburg 3 und Altmark 4 Schufüt, in Preußen ScMunti, Schuf ut. 
Schämt, SchubuU Schubit b (der Schaff ut bei Colerus, der Schiff ut 
bei Frisch Vorstellung der Vögel VIH, C 1 a, Schubut-Eule bei 
Klein hist. avium prodr. (1750) S. 55). Aber der Vogelname 
erscheint auch in hochdeutscher Lautform: schüfüß in einem 
Vocab. rerum aus dem Jahre i486 6 , eyn Schliff auß eyn Schüffei 
bei Turner Avium hist. (1544) S. C 4b, danach Schuffans 1 (statt 
Schuffaus) bei Eber und Peucer Vocab. (1552) S. E 4 a. Mesner 
zitiert die Namen nach Turner; bei Colerus und Popowitsch 
(1780) S. 583 der Schuffaus, Schufeule nach Gesner. Die Glosse 
Schliff auß im Vocab. triling. (1560) S. 88 stammt vielleicht aus 
derselben Quelle. 

Der heute in der Schriftsprache geltende Name Uhu, der 
den Ruf des Vogels zweisilbig wiedergibt und schon in der 
Form den onomatopoietischen Charakter verrät, ist in älteren 

1 Woeste 233. — 2 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVII. 3. 4. 
3 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI. 84. — 4 Danneil 188. 
5 Frischbier II. 325. — 6 Diefenbach Novum glossar. S. 60b. 
7 In den späteren Auflagen ist der Druckfehler korrigiert. 



312 Uhu, bubo maximus, bubo bubo. 

Sprachperioden nicht nachweisbar. Die Xamensform ist vom 
mitteldeutschen Dialektgebiete ausgegangen. Zunächst ist sie als 
Vho bei Eber und PeucerYocab. (1552) S.F8b belegt, Gesner a.a.O. 
S. 229 verzeichnet sie als sächsisches Wort; darauf auch bei 
Colerus und Schwenkfeld a. a. 0. S. 230 in der Form Vhn. Der 
Vocab. triling. (1560) S. 88 hat die Form vielleicht aus Gesner 
übernommen, ebenso wie Golius Onomasticon (1579) Sp. 290. 

Eine ebenfalls reduplizierte Lautform ist Huhu in Ryffs 
Tierb. Alberti (1545) S. I 6b und Plb, bei Agricola De ani- 
mantibus subterraneis (1549) S. 26 Gros Huhu; danach Großhuhu 
bei Junius (1581) S. 55 a, in der Übersetzung der Bücher Plinii 
(1651) S. 520 Huhu. Andere Variationen dieser Benennung sind 
Huhuy bei Schwenkfeld a. a. 0. S. 203 (Huhay bei Klein hist. 
avium prodr. (1750) S. 55), Huhui, Huhai, Huher, Huheler usw. 1 , 
auch Huivogel x in der Schweiz. — Möglicherweise beruht Huhu 
auf der älteren Form hü(h)o 1 die im Anschluß an den Naturlaut 
umgebildet wurde ; bereits im 13. Jh. begegnet huho in cod. 
Stuttg. th. et. phil. 218 f. 22b (Ahd. Gll. III, 22 36 ). 

Als dritte Yariante schließt sich an Uhu und Huhu noch 
Schuhu an, das in der Angenehmen Landlust (1720) S. 131 und 
Zorns Petino-Theologie II, 255 belegt ist 2 . Nach Popowitsch Ver- 
such (1780) S. 584 gilt diese Lautform in Sachsen und Schwaben; 
nachHertel Sprachsch. S.222 kommt sie heute auch in Thüringen 
und nach Unger-Khull Wortsch. S. 559 in Steiermark vor. Martin- 
Lienhart II, 770 geben Tschuhu (für Schuhu, wie Tschachtel für 
Schachtel) aus Rappoltsweiler (im Oberelsaß); in Telleringen 
Tschudderlehu , in Basel Tschuderihu {tschuderen = schaudern). 
— Steir. Schuhetzer (Unger-Khull a. a. 0.) ist eine analoge Bildung 
zu Juchezer (S. 308). 

In althochdeutschen Bibelglossen findet sich als Synonymon 
zu hüwo oder üfo einige Mal büf (vgl. oben S. 308) ; dazu büf. 
horothuchil im Anhang zum alten und neuen Testam. : Leviticus 
11, 17: Clm. 14747, 96b. Diese Glosse ist wohl nicht deutsch, 
sondern romanisch, und beruht auf dem italienischen Dialekt- 
worte bufo\ "uulgari lingua lo bufo" heißt es in Aldrovandis 

1 Staub-Tobler I, 23. 694. 

2 Spätere Belege in Grimms Wb. IX, 1865. 



Uhu, bubo maximus, bubo bnbo. 313 

Ornithologia tom. I p. 504. A.ber auch auf deutschem Sprach- 

bodon kommen (Jhunamen mit anlautendem Labial vor. Sie sind 
zuerst ums Jahr L600 bezeugt und scheinen im Südosten ihre 
eigentliche Heimat ZU haben. Im Tlmr. SÜ.(1603) S.230 nimmt 
Schwenkfeld die Lautform Puhuy für Schlesien in Anspruch, 
Popowitsch Versuch (1780)8.583 kennt Buhu, Puhu aus Öster- 
reich; heute in Schlesien Puhu, Bauhau, PotÄo» 1 , in Steiermark 
Buhu(vogel) 2 , in Tirol und Kärnten PuhinK auch in der Schweiz 
Puhui) Puivogel, Büvogd K Der Anklang an die gleichbedeutenden 
slavischen Ausdrücke wie z.B. poln. puhaez, kleinruss. puhak, 
russ. pugucü ist aus dem onomatopoietischen Charakter dieser 
Namen und nicht durch Entlehnung zu erklären. 

Für die luxemburgischen Synonyma Hubo, Hup* ist vielleicht 
französischer Einfluß anzunehmen. — Wahrscheinlich sind auch 
die schweizerischen Worte Huri, Nachthüri, Hauri, Nachth"i(ri 
e Eule, bes. Nachteule, stellenweise Uhu', für welche bei Staub- 
Tobler II, 1519. L582 lautmalender Ursprung (hauren Maute Rufe 
ausstoßen') oder Zusammenhang mit huren 'kauern' angenommen 
wird, auf französischen Einfluß zurückzuführen; vgl. onomato- 
poietische Synonyma in französischen Mundarten, wie hourouhoa. 
hourougou, hoaran (in den Vogesen), wallon. hourette, hu rette. 
Der Name Hürmv, Hüru, erscheint schon bei Gesner Hist. avium 
(1555) S. 229 im Sinne von Uhu. Das a. a. 0. in gleicher Bedeu- 
tung verzeichnete Wort Hertzog ist eine Übersetzung des in 
Frankreich sehr verbreiteten Namens duc = strix otus [Je grand 
duc = strix bubo). Eine scherzhafte Bezeichnung des Uhus ist 
schweizer. Fülenz 6 Taulenzer, Müßiggänger'. 

Gelegentlich werden von dem Uhu Namen gebraucht, die 



1 Mitteilungen der schles. Gesellschaft für Volkskunde Heft MX. S.90. 

2 Unger-Khull 127. 

3 Frommann D. Mundarten IV, 54-, Lexer Kämt. Wb. s. v. 

4 Staub-Tobler I, 24. — Verschieden von diesen lautbildenden 
Namensformen ist Pöggl an der tirol.-kärnt. Grenze. Die ursprüngliche Be- 
deutung dieses Wortes ist 'Maske, Schreckgespenst' : wie andere Ausdrücke 
aus derselben Begriffssphäre wird auch dieser von Eulen und Uhus ange- 
wendet. Vgl. auch Böggl bei Staub-Tobler IV, 1085. 

5 Wb. d. Luxemburg. Mundart 188. 189. 190. 

6 Staub-Tobler I, 790. 



314 Ohreule, asio. 

sonst hauptsächlich anderen Eulenarten gehören. So heißt der 
Uhu nach Staub-Tobler Id. III, 601 in Bern Ghütz (Kauz); öfters 
begegnet der Ausdruck Nachteule in diesem Sinne. 

Ohreule, asio. 

Ahd. üwila: Sg. Nom. — uuuila 1 noctuam : Deuteronom. 14, 
15 : cod. Oxon. Laud. lat. 92, 21 a. vlula : H. S. III, 17. wuuila bubo 
multi contendunt quod sit nicticorax id est noctua. multi uero 
adserunt quod sit auis orientalis que nocturnus coruus appellatur 
alii dicunt quod maior sit bubo quam noctua : Leviticus 11, 16 : 
cod. Oxon. Jun. 25 f. 89 b. uuila: cod. Carolsruh. Aug. IC f. 60 b; 
uufuila l natrfam siue luscinia noctuam. nocticorax ipsa est et 
noctua qui noctem amat: cod. Vindob. 1761, 46 b, nahtagalah. siue 
uuuilah ut alii uolunt. alii . . . : cod. SGalli 9, 276, vuuila. ut alii 
uolunt . . . : cod. SGalli 295, 126. 127, id nahtram. t uuila. ut alii 
uolunt . . . : cod. SPauli XXV d/82, 37 a, uiuilla. alii lusciniam . . . : cod. 
Stuttg. th. et phil. fol. 218, 13 c ; uula noctua . . . : cod. Vatic. Pal. 288, 
55 c; vuuila noctua . . . : cod. Carolsruh. SPetri 87, 63 b. ulula : cod. 
SGalli 299, 26. ulula: cod. Vatic. Reg. 1701, 2b. Vergilius G. 1,403: 
Clm. 18059, 169 b ; vwila : cod. Selestad. f. 62 a, noctua. lucifuga. i. 2 : 
cod. Selestad. f. 52 b. Versus de volucr. H. S. XI a 2. uvuila : Pruden- 
tius Contra Symm. II, 574: cod. com. de Apponyi 188b. villa vlula: 
cod. Selestad. f. 110a. vwela ulula: H. S. XI a 2, öwela noctua : g, 
vvele : e, uvvil vlula : b, vivel bubo : a 2. üla : Rotul. com. de Mülinen 
Bern, vle: cod. Vindob. 804f. 185b. cod. Cheltenham. 7087, 144a 3 . 
huela vlula : Rotul. com. de Mülinen Bern, hula lucifuga : cod. Berol. 
Ms. lat. 8° 73, 124a. — Akk. — {die) hiüuuelun: Notker Psalmen 
101, 7. — PI. Nom. — uwilun ulule. i.: Vergilius E. VIII, 55: cod. 
Selestad. f. 53a; huuuillon 1 : cod. Parisin. 9344, 5 a. hüuueld: Notker 
Boethius de cons. philos. 4, 33. 

Der Eulenname ist allen germanischen Sprachen gemeinsam : 
ahd. üivila, mhd. iuwel, iule, mnd.nnd.4fe, mndl. nie, nndl.mY, ags. 
üle, me. oule, ne. owl, anord. ugla, dän. ugle, schwed. uggla. Diese 
Namensformen, welche auf einen german. Stamm *uww- zurück- 
weisen, zeigen im Suffixvokal Ablaut: während die hochdeutsche 
Form aus *uwmlö (> üwila, vgl. Braune Ahd. Gramm. 2 § 113 
Anm. 2) hervorgegangen ist, haben die verwandten Formen ein 
a als Bindevokal gehabt, s. Kluge Vorgeschichte 2 S. 408 § 117. 

1 Von zweiter Hand (Steinmeyer). 

2 Die ganze Glosse auf Rasur im Context (Steinmeyer). 

3 Von jüngerer Hand übergeschrieben (Steinmeyer). 



Ohreule, asio. 816 

Das Suffix im germ. uwwila: ¥ uuwala hat wohl deminutiven Sinn 
und das Grrundworl *uww~ konnte dann als eine onomatopoie- 
tische Bezeichnung der größten Eulenart, des Onus (wie die 
Synonyma üft hütvo, Uhu, Huhu) aufgefaßt werden; in den 
Schweizerdialekten finde! sich l'n\ u als Name des CThus. Mit 
den Lat Worten ulucus 'Kauz' uwd ulula Mass/ haben die 
manischen nichts gemeinsam. 

Neben der normalen althochdeutschen Namensform üwüa^ 
woraus und. Eule (in Dialekten auch EiweV und Auucl\ Aubel 

U8W.) sieh entwickelt hat, kommt auch liiiui'a \ or. Diese Form, 

welche Notker zweimal bezeugt, hat festes h im Anlaut und 
gehört dem allemannischen Dialekte an. Der ^ocabularius opti- 
mus Ed. Wackernagel S. 43) XXXVII, 11.7 schreibt huwel neben 
inrila (a.a.O. XXXVII, 110), und so findet man auch in der 
späteren schweizerischen Literatur beide Formen promiscue ge- 
braucht. Heute hat nach Staub-Tobler Id. I, 614 Hiiivel [Hüwelj 
Hiiel. IJöüel) die Ä-lose Form fast gänzlich verdrängt; das Ge- 
schlecht des Wortes ist meistens maskulin geworden. In der 
Form Heujel 3 erstreckt es sich in den südlichsten Teil vom Ober- 
elsaß. Das allemanische Dialektwort ist wohl ursprünglich eine 
deminutive Ableitung von htuvo e Uhu 5 . 

Ein dritter Eulenname von derselben Bildungsart ist im 
ahd. htwhila vorhanden: huchila filex: Clm. 14689t 17a. huehela 
lucifuga: cod. Parisin. 9844 f. 42b. Das lat. Lemma filex ist nicht 
sicher zu deuten; vielleicht hat man darin nur eine Korrupte] 
von ftrix zu sehen. Lucifuga wird von [sidor Origines XII, 
8, 7 im Sinne von noctua (Nachteule) gebraucht, auch in den 
Glossen begegnet das Wort einige Mal in diesem Sinne. Der 
Schreiner des Yogelnamen enthaltenden Glossars in cod. Parisin. 
93441 4 k 2b hat die Form huehela nicht aus dem oberdeutsehen 
Original übernommen, wie die isolierte Stellung dieser I 
den verwandten Handschriften gegenüber zeigt. Kr kannte also 
die Namensform aus seiner moselfränkischen Heimat. Da hier 
die Benennung hoch für den Uhu geläufig Ist, so stellt sich 

1 Hertel Thür. Sprachsch. S. 91. 

2 Vilmar Id. von Kurhessen S. IM. 

3 Martin-Lienhart I. 314. 



316 Waldohreule, asio otus. — Zwergohreule, asio scops, pisorhina scops. 

hüchila dazu als deminutive Ableitung wie hüivila zu hüwo und 
üwila zu *üwo (Schweiz. Uw). Doch kann man auch den Namen 
hüchila als eine direkte Ableitung von mhd. hüchen 'hauchen' 
verstehen; nhd. hauchen wird gelegentlich lautmalend von der 
Stimme des Uhus gebraucht. 

In Xiederdeutschland ist die Lautform Ule, UM die Fort- 
setzung von andd. üwala. 

Waldohreule, asio otus. 

Die Waldohreule hat überhaupt die Kennzeichen des Uhus, 
nur ist sie bedeutend kleiner als dieser. Gesner Hist. avium 
(1555) S. 610 nennt im Anschluß an die schweizerischen Vogel- 
steller diese Eulenart ein Orhilwel (d. h. Ohreule) und Orkutz 
(S. 596). Das Strassburg. Vogelb. v. J. 1554 V. 317 nennt eben- 
falls die Orealen', bei Golius Onomasticon (1579) Sp. 293 Ohr kautz, 
bei Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 309 Ohr Kutz I Vhr Eule im 
Anschluß an Gesner. Wegen der aufgerichteten Ohren heißt 
die Waldohreule in Westfalen auch Hamide 1 , in Luxemburg 
Härechel, Huerechel, Huereil 2 (zu Här, Huer e Horn a ). Dagegen 
ist Harül im Elsaß = Haareule und bezeichnet den Schleierkauz; 
die Waldohreule wird hier Ohrenheiijel, Hörnerül, Hörnlekutz 
genannt 3 . Der Ausdruck Ohreule wird in einigen Gegenden auch 
vom Uhu gebraucht, während umgekehrt Uhu als Name der 
Ohreule vorkommt. 

In Zorns Petino-Theologie (1743) II, 258 wird die Ohreule 
auch Fuchs-Eule genannt. Der Name erklärt sich aus der rost- 
braunen Farbe des Gefieders. Eine onomatopoietische Bildung 
ist luxemburg. Bubert*, vgl. frz. boubote (aus lat. bubo). 

Zwergohreule, asio scops, pisorhina scops. 

Ein Zwerg unter den Eulen ist die kleine Ohreule, die 
kaum größer als eine Singdrossel ist. Sie bewohnt die südlichen 
Länder Europas; in der Schweiz und in Süddeutschland wird 
sie zwar noch angetroffen, ist aber hier selten. Unter diesen 

1 Woeste 94. — 2 Wb. d. Luxemburg. Mundart 166. 190. 

3 Martin-Lienhart I, 31 f. 315. 487. 

4 Wb. d. Luxemburg. Mundart 49. 



Zwergohreule, asio Bcops, pisorhina scops. 317 

Umstünden ist es leicht erklärlich, daß die deutschen Namen 
des Vogels meistenteils fremden Ursprungs sind. 

Bin solcher Name steckt bereits in der ahd. Glosse kivmo : 
«reiche in den Abschriften eines alten Vogelnamenglossars be- 
gegnet: hyuino passerarius : c<n\. Guelpherbyt. Aug. LO. 3. 4° f. 89 a, kiuino: 
cod. Berol. Ms. lat,8°73, L24a; rodeikiuino erodion: cod. Guelpherbyt Aug. 
10. 3. -t"i. 89a, roder kiuino: cod. Berol. Mb. lat. 8* 7:5. L24a, fcuwM 
sem. Trevir. f. 112b. Mit den Lateinischen Lemmata i><i.<<erarius 

und herodion werden überhaupt Falkennamen glossiert, und so 
hat denn auch die vierte zu dieser Gruppe gehörige Handschrift 
(cod. Parisin. 93 1 1 f. t2b) pa sserar ins mit k^o "Weihe* übersetzt 
Das Wort kiuino in den übrigen Handschriften bezeichnet aber 
nicht eine Falkenart; die Glosse ist identisch mit ital. chiuinc 
■Zwergohreule*, welches von dem gleichbedeutenden onomato- 
poietischen tarnen chiu abgeleitet ist. Das italienische Dialekt- 
wort kennt Aldrovandi Ornithologia I, 530 aus seiner heimat- 
lichen Mundart: et Eam uero auem quam nos argumetis paulo 
post adducendis Scope esse putamus, Itali uulgo Chiuino Bononi§ 
pfertim uocät". Da die Zwergohreule zum Fangen kleiner Yögel 
angewendet wird, so kann man verstehen, daß der Glossator 
das Wort passer arius (Spatzenfänger) in diesem Sinne auffaßte. 

Daß die Zwergohreulen von den Vogelstellern als italienische 
Eulen aufgefaßt wurden, erfahren wir von Gesner Hist. avium 
S. 596; in der Schweiz nannte man die Yögel Meine frembde 
oder Welfche, Kützle, Kopple. Der Ausdruck Kopple scheint 
dasselbe Wort wie elsäss. Kopp- (Riegerlin), Köpel Köjpel 'Regen- 
pfeifer' (S. 270) zu sein und bezieht sich auf den runden Kopf 
dieser Yögel. Unklar bleibt das Verhältnis zu frz. dial. cop 1 
'Zwergohreule'. 

Nach den Untersuchungen, die über die Verbreitung der 
Zwergohreule angestellt worden sind, kommt sie in Steiermark 
und Tirol recht häufig vor 2 . In diesen Landschaften (und Kärnten) 
heißt sie Tschaß 3 , gewöhnlicher TsrhafitteP (im Oberinntal Tschdl- 



1 Rolland Faune populaire II, 54. 

2 Vgl. Naumann Naturgesch. (Ed. Hennicke) V, 50. 

3 Frommann D. Mundarten IV, 52. 451. VI, 199, Unger-Khull 178. 
554, Lexer Mhd. Wb. II, 633 s. v. schafitelin. 



318 Zwergohreule, asio scops, pisorhina scops. 

vit\ steir. Schofüttel 1 m., Österreich. Schofittl). Der Name stammt 
aus dem Italienischen, wo das entsprechende Wort civetta oder 
in der dem deutschen Worte am nächsten liegenden Form cio- 
vetta 2 lautet. Die Entlehnung ist zuerst im 15. Jh. bezeugt: 
schaßtl in einer Yersion des Märchens vom Zaunkönig (Ger- 
mania YI, 90). Im 16. Jh. begegnet Schafitle otto aurita auis bei 
Pinicianus Prompt. (1516) S. C 2b (Schaffittle otus im Auszug 
vom J. 1521 S. C 4b); in Gesners Hist. avium (1555) S. 596 
wird Tschauytle als schweizerischer Vulgärausdruck bezeichnet. 
Bei H. Sachs Regim. der Yögel (1531) Y. 219 kommt der Name 
in der Form SchafficM (: einwickeln) vor. 

In den Sitzungsberichten der Wiener Akademie XXXIY, 
306 erwähnt Haupt ein mhd. zinslin strix noctna (Cgm. 649 fol. 
587). Die Glosse ist wohl als zinslin zu lesen, und wir haben 
dann hier eine Ableitung von zus, das in italienischen Dialekten 
die Zwergohreule bedeutet ; vgl. die Glossen lodix zussa 1 auis : 
Prisciani inst. 165, 14: Clm. 18375, 47 a; lodix. zussa. avis J herba: 
cod. Yindob. 114, 9a (Ahd. Gll. II, 371 10 . 375 32 ). Der von Nau- 
mann-Hennicke 3 erwähnte svnonyme Ausdruck Tschuk ist = 
sloven. cük. 

Auf die Zwergohreule bezieht sich auch der Name das 
Wichte! bei Popowitsch Yersuch (1780) S. 621, Unger-Khulls 
Wortsch. S. 631 gibt das Wort aus Steiermark mit der ungenauen 
Erklärung 'Nachteule, Bubo'; das Kompositum Todtenwichtel wird 
a. a, 0. S. 159 aus Ober- und Mittelsteiermark mit der Erklärung 
'Käuzchen' angeführt. Der Name, welcher in Baiern das Wicht* 
lautet, ist identisch mit mhd. tvihh das u. a. Zwerge und Kobolde 
bezeichnet. In Steiermark wird das Wort auch im selben Sinne wie 
Schmelcherl (vgl. S. 26), also von kleinen Yogelarten gebraucht; in 
Siebenbürgen heißt eine kleine Falkenart, der Turmfalke, Wichtel 5 . 

Im Westen des deutschen Sprachgebiets kommt die Zwerg- 
ohreule in Luxemburg vor. Das Luxemburgische Wörterbuch 

1 Frommann D. Mundarten IV, 52. 451. VI, 199, Unger-Khull 178, 
554, Lexer Mhd. Wb. II, 633 s. v. schafitelin. 

2 Tommaseo-Bellini I, 2, 1442. 

3 Vgl. Naumann Naturgesch. (Ed. Hennicke) V, 50. 

4 Schmeller-Frommann II, 843. 

5 Kramer Idiot, des Bistritzer Dialektes (Bistr. Progr. 1876). 



Kauz, olula. 319 

verzeichnet die einheimischen Ausdrücke StSneüehen and Doude- 
ruin (auf der Etfel Duhdefujel Totenvogel'). 

Einige von den obengenannten Bezeichnungen der Zwerg- 
ohreule werden auch von der kleinen Sperlingseule (athene passe- 
rina) gebraucht, welch' 1 in der Größe jene nicht einmal erreicht 
Auch diese Eulenart ist in Deutschland höehsl selten. Gesner 
Hist avium S. 596 spricht von Knien, welche in die Schweiz 
aus Norddeutschland importiert werden und die man Nider- 
lendifch kotzen nennt; damit ist wohl eine von den nordischen 
Eulenarten gemeint. 

Kauz, ulula. 

Die Wissenschaft unterscheidet unter den Eulenarten einer- 
seits die Ohreulen und andererseits die Käuze; im volkstüm- 
lichen Gebrauche wird aber der letztgenannte Name vielfach 
auch auf die erstgenannten Arten bezogen. 

Die Geschichte des Wortes Kauz läßt sich nicht weiter 
als in das 15. Jh. zurückverfolgen; aber da es bei seinem Auf- 
treten eine weite geographische Verbreitung hat, so muß der 
Ausdruck schon früher dagewesen sein. Die ersten Zeugnisse 
sind: kutz 2 in zwei mitteldeutschen Vokabularen, steinkutz' 2 in 
einem oberdeutsch gefärbten Vokabular und steinkeutz 2 in dem 
aus Nürnberg stammenden Vocab. theuton., ferner kützlin ( = cu- 
tius) in Bracks Vocab. rerum v. J. 1495 S. 49 a und kützlin in 
einer von Lexer MM. Wb. I, 595 zitierten Quelle. Im 10. Jh. 
begegnet Kutz (obliqu. Kutzen) in der Schweiz bei Ruef Adam 
und Eva (1550) V.909, und Gesner gibt Hist. avium (1555) S. 596 
an, daß Kutz, Kützlin in der Schweiz geläufige Ausdrücke sind. 
Im Elsaß ist das Wort in der Pluralform Kautzen zuerst durch 
das Strassburg. Vogelb. (1554) V. 301 f., dann durch Gtolius Ono- 
masticon v. J. 1579 Sp. 290 bezeugt. — Auf bairisch -frän- 
kischem Dialektgebiet erscheint die Deminutivform Keutzlein hei 
H. Sachs Regim. der Vögel (1531) V. 217, in Sachsen Keutzlin 
bei Eber und Peucer Vocab. ( 1 552) S. F 4b, in Schlesien Kautz bei 
Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 308; in der Gegend um Köln 
ist Kautz bei Turner Avium hist. (1544) S. G lb belegt. 

1 Wb. d. Luxemburg. Mundart 423. öl 7. 

2 Diefenbach Glossar. S. 83 a, Diefenbach-Wülcker Wb. S. 692 b. 



320 Kauz, ulula. 

Der Anklang des deutschen Namens an griech. ßö£a 'Eule' 
berechtigt nicht die Annahme, daß hier ein alter indogermanischer 
Yogelname {güdjd) vorläge; vielmehr scheint sowohl das griechische 
wie das deutsche Wort eine interne Bildung zu sein. Yon diesem 
Gesichtspunkt aus könnte man mhd. kütze als eine Ableitung von 
*küchezen (zu Jcüchen 'hauchen, keuchen') betrachten, so daß der 
Name wie die allermeisten Synonyma sich auf die Stimme der 
Eulen beziehen würde, vgl. auch ahd. hücliüa S. 316. Mhd. kütz 
wäre danach eine ähnliche Bildung wie die steirischen Dialekt- 
worte Jutzerl neben Juehetzerl, Jutzeule neben Juchetzäugel c Eule, 
Uhu* (zu juchetzen 'jauchzen'); vgl. auch Rorgiz 'Rohrpfeif er' 
(zu gicketzen), Gutzgauch 'Kuckuck' (zu gucketzen). 

Aus der nächtlichen Lebensart der Eulen folgt, daß sie ver- 
hältnismäßig selten in den menschlichen Gesichtskreis kommen. 
Man kennt sie oft nur aus dem Geschrei, das in verschiedenen 
Modulationen durch die Nacht klingt und geeignet ist, unheim- 
liche Vorstellungen zu erwecken. Kein "Wunder daher, daß 
gerade um die Eulen der Volksglaube seine mythischen Fäden 
besonders reich spinnt, und daß diese Vögel fast überall als 
Unglücksboten gelten, deren Geschrei den Tod v erkündet. Der 
deutsche Aberglaube scheint vor allen anderen Eulenarten die 
Käuze, den Wald- und den Steinkauz, als Totenvögel aufzufassen. 
In der Schweiz ist der erstere nach dem Volksglauben das Weib- 
chen der Eule, seine Stimme hat einen klagenden Ton, und wenn 
sie in der Nähe des Hauses gehört wird, deutet sie an, daß 
jemand dort sterben soll. In manchen Mundarten ist er mit dem 
Namen Wiggle (Gmggli, Wigweg, Wigger) l bekannt, andere 
Dialekte wenden das Wort vom Steinkautz an; in dieser Bedeutung 
kommt das Wickelt 2 auch im südlichen Elsaß vor. Diese Benen- 
nung ist schon alt, wie ein zufälliger Beleg in den Hrabanisch- 
Keronischen Glossen aus dem 8. Jh. beweist. In der verderbten 
Fassung, in welcher der Text hier (cod. SGalli 911, 211) über- 
liefert ist, lautet er folgendermaßen: Nocticorax noctua multi 
bubone esse contendunt alii auem in orientem que nocturnus 
corbus appellant nahkela naht fokal daz iz uuiclaf uuari sume daz 

1 S. Staub-Tobler I, 615, Seiler Die Basler Mundart S. 315. 

2 Martin-Lienhart II, 810. 



Kauz, ulula. 321 

\z uuari in ostanond focal kerne daz sc nahtfocal heizzant Die 
deutsche Glossierung wird in der Vorlage lt « - 1 ; 1 1 1 1 « - 1 haben: daz 

iz nitida uuari surnc daz iz uuari in <>r>taimnd focalkutine daz 36 

nahtfocal heizzant; das auslautende ^in uuiclaf stand ursprünglich 
über dem Texte und Isl als Verkürzung von francice aufzufassen, 
In dem Codex SGalli ist c im hdant tiberwiegend das Zeichen 
eines hochdeutschen g ' ; man hat auch hin- \<>n einer Lautgestalt 
wigla auszugehen. In dieser Form ist das Wort im Vocabu- 
iarius optimus XXXY1I, 110 überliefert; Wackernage] (8. L3) 
hat es fälschlich in uwila geändert. Darauf begegnet uigglc' 1 
in einem Vokabular aus dem J. 1438; im 16. Jh. Nahtwigglen 
und Wiggle in Ruefs Adam u. Eva (1550) V. 912. Ahd. wigla 
ist vielleicht eine Ableitung (mittels des ttö-Suffixes) von einem 
german. Stamme "'icig-, der in ags. wiglian 'prophezeien 5 , wigole 
fugules "prophezeiende Vögel' (bei Wright-Wülcker Vocab. 1, 133 2 ), 
wiccian 'zaubern', mnd. wichen 'prophezeien' usw. vorliegt. Die 
Kauze wären also als prophezeiende, unheilverkündende benannt 
worden. Mit ahd. wigla steht in grammatischem Wechsel die 
Namensform wihila 'Nachteule', die in den Salomonischen Glossen 
bezeugt ist: cauan(d.h. cauarmus) vuihilla: cod. Zwettl. 1, 38a. wihilla: 
Clm. 13002, 22, cod. Admont. 3, 52a, liber impressus 30d, wibilla: Clm. 
17403, 31h, vvihil: Clm. 22201, 25e, ivihil: cod. mus. hohem. Prag töc. 
Diese Eulennamen stehen vielleicht mit anklingenden Benennungen 
von falkenartigen Vögeln (weho, wanneweho, xiigil) in Verbindung. 
aber das semasiologische Verhältnis derselben bleibt dunkel. 

Von den von Konrad v. Megenberg (Ed. Pfeiffer S. 223 81 ff.) 
angeführton Bezeichnungen für Eulen und Käuze sind säuser, 
zitraer, zandklaffer weiter nichts als Auslegungen des lateinischen 
Namens strix. Dagegen ist der a. a. O. (Ed. Pfeiffer S. 227 80 ) 
erwähnte Ausdruck klagerogel volkstümlich. Adelung verzeichnet 
die Synonyma Klagefrau, Klagemutter; in Lexers MhA Wb. Nachtr. 
S. 273 wird klagemuoter nach einer Quelle des 15. Jhs. zitiert. 
Wahrscheinlich ist auch der luxemburgische Name Ecket B als 
*achita aus mhd. achen 'klagen' zu deuten. 



1 Vgl. Kögel Über das Keronische Glossar S. 110. 

2 Diefenbach Glossar. S. 26c s. v. aluco und 556a s. v. strix. 

3 Wb. d. Luxemburg. Mundart 79. 

Suolahti, Vogelnameii. -1 



322 Steinkauz, athene noctua, glaucidium noctua. 

Steinkauz, athene noctua, glaucidium noctua. 

Yon den Käuzen ist es besonders der Steinkauz, den das 
Yolk für den Todesverkündiger hält. Über den Grund dieses 
Aberglaubens äußert sich Naumann in der Naturgeschichte (Ed. 
Hennicke) Y, 12 : "Ganz anders und viel gewandter fliegt (der 
Steinkauz) des Nachts, wo er auch noch stärker als die andern 
Eulen nach dem Lichte fliegt, seine Stimme fleißig hören läßt 
und dadurch die Furchtsamen schreckt. Man weiß von ihm, 
daß er, aus eigenem Naturtriebe, vielleicht durch den Geruch 
geleitet, gern an die Fenster der Krankenstuben fliegt, durch sein 

Lärmen die Leute in Furcht setzt. Ob aber Übertreibungen 

diese merkwürdige Sage nicht verunstaltet haben, lasse ich da- 
hingestellt sein; so viel ist gewiß, daß es der wahrhaften Bei- 
spiele dieser Art unzählige gibt, und daß sie unsern Yogel bei den 
Abergläubigen in ein gehässiges Licht gestellt haben, aus welchem 
betrachtet, er ihnen oft ein Yorbote des nahen Todes war; was 
auch die ominösen Namen: Todtenvor/el, Leichenhuhn usw. be- 
zeichnen sollen. Dieser Aberglaube ist übrigens ziemlich all- 
gemein verbreitet. Auch in meiner G-egend gibt es noch Schwach- 
köpfe genug, die dem armen Käuzchen eben nicht viel Gutes 
zutrauen, und mit Zittern davon sprechen, wenn es in der Nähe 
einer Wohnung seine Nachtmusik hören läßt 3 '. Eine ähnliche 
Äußerung finden wir schon bei Frisch Yorstellung der Yögel (1763) 
YIII C 2b: "Weil diefe kleinfte Art der Kautze fich gemeinig- 
lich wegen der Einfamkeit in denen Kirchen, Gewölben und 
Kirchhöfen oder Gottesäckern, die mit vielen Begräbniffen be- 
bauet find, aufhält, fo nennen es einige das Kirchen- oder Leichen- 
huhn. Ja weil es lieh auch, wegen des Todtengeruchs, fo Sterbende 
von fich geben, oder Todtkrancke hinweg dunften, zuweilen auf 
folchen Häufern auch wohl vor den Fenftern einfindet, und fich 
fowohl durch Gefchrey als flattern an den Fenftern hören läßt; 
fo nennt es der abergläubifche Pöbel das Sterbe- oder Todten- 
huhn, Leichhuhn, den Sterbevogel, weil man glaubt, daß diefer 
Yogel anzeigen wolle, der Krancke muffe fterben". Der von 
Frisch und Naumann verpönte Aberglaube wird gut veranschau- 
licht durch die angeführten mundartlichen Bezeichnungen des 



Steinkauz, athene noctua, glaucidium noctua. 323 

Steinkauzes. Der Name Leichenhuhn, den Naumann aus Beiner 
Eeimat, dem Herzogtum Anhalt , erwähnt, wird von Hertel 
Sprachsch. S. L57 auch für einige Gegenden in Thüringen be- 
zeugt, ebenso in der niederdeutschen Form Ltkhaun durch Scham- 
bach Wb. S. 1-1 für Göttingen und Grubenhagen; ferner Liek- 
hSnken 1 im Münsterkreise, Liekhön 1 in Holstein; nach Danneil 
Wb. S. 127 wird in Altmark jede klein* 1 Eule Ltkhdn genannt 
In Salzungen (in Thüringen) gilt der Ausdruck Sterbekauz*. 
Der gefürchtete Ruf dr> Vogels, ans dem verhängnisvolle 
Worte herausgehört werden, ist nach Voigt Excursionsbuch s. L87 
ein zweisilbiges kumff, kwmff, dessen zweite Silbe bis eine Sexte 
höher liegt als die erste. Es klingt dem abergläubischen Gemüt 
wie ein Befehl 'Komm mit! Komm mit!'; daher heißt denn der 
Kauz z. B. in Preußen KommitK Ein anderer preußischer Name, 
dessen Richtigkeit von Frischbier a. a. 0. ohne Grund bezweifelt 
wird, ist Kirnt. Dieser Ausdruck wird schon von Frisch erwähnt: 
"Wegen feines ftarcken Gefchreyes, welches Kimtt, Kiwitt, klingt, 
hat diefes Kautzlein auch in einigen Gegenden den Nahmen 
Kimtt- oder Kliivitt-Huhn bekommen". Die letztgenannte Va- 
riante kommt in Westfalen als Kleivitt 4 *, im westfälischen Hessen 
als Klawit' (meist Klaivitcheri), in Göttingen und Grubenhagen 
als Kliwitken 6 vor. Auf hochdeutschem Gebiet ist daraus Kleider- 
weiß 1 (in Thüringen) oder Krideivißchen*, d. h. Kreideweißchen 
(im östlichen Hessen und in der Grafschaft Ziegenhain) geworden. 
Wahrscheinlich gehört auch das schlesische Wort Bihceiße e Hexe J \ 
das schon Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 353 in der Form 
Pihceiffen belegt, in diesen Zusammenhang. Öfters werden unter 
Eulennamen auch gespensterische Wesen verstanden. Doch tut 
man Unrecht, wenn man die in althochdeutschen Glossen mit 
'strix' glossierten Worte schrato und holzmuoja als Eulennamen 
anführt. Das lat. Lemma hat hier die Bedeutung 'Hexe*. Wenn 
Gesner Hist. avium S. 707 unter die Vogelnamen auch e strix' 
aufgenommen hat und es mit den Ausdrücken das Seh rüttele, 



1 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 86. XVII, 4. 

2 Hertel 235. — 3 Frischbier I, 406. — 4 Woeste 130. 
5 Vilmar 206. — 6 Schambach 104. — 7 Hertel 136. 

8 Vilmar 226. — 9 Weinhold Beitr. zu einem schles. Wb. S. 40. 

21* 



324 Waldkauz, ulula aluco, syrnium aluco. 

Schretzlin, Jochimeken, Nachtmänle übersetzt, so geht er von dem 
lat. Wort aus und folgt hier nur der römischen und griechischen 
Yolksvorstellung. Ebensowenig versteht Schwenkfeld a. a. 0. unter 
den Namen Ein Milchfauger \ Kinder Melcker, die das lat. strix 
übersetzen, irgend einen bestimmten Yogel. 

Der heute in der Wissenschaft geltende Name Steinkauz 
ist zuerst im 15. Jh. belegt (s. S. 319); Konrad von Megenberg 
(Ed. Pfeiffer S. 224 u ) gebraucht den Ausdruck stainäul (andere 
Zeugnisse dafür bei Diefenbach Glossar. S. 556 c und 625 c). 
Im 16. Jh. kommt Steinkutz bei Gesner a. a. 0. S. 596, die Plural- 
form Steinkutzen im Strassburg. Yogelb. v. J. 1554 Y. 302 vor; 
Staineivl bei H. Sachs Regim. der Yögel (1531) Y. 224, Steineule 
bei Eber und Peucer Yocab. (1552) S. F 4b, Steineul bei Golius 
Onomasticon (1579) Sp. 290. 293, Stein Eule \ Mittel Eule bei 
Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 308. 

Die elsässischen Synonyma Wäckerle, Quäckerle, Quickli 1 
können als onomatopoietische Bildungen aufgefaßt werden; sie 
erinnern besonders an das bellende, hohe quäck des Waldkauzes. 
Doch fragt es sich, ob nicht ursprünglich das alte Wort Wickerle, 
Wigla ihnen zugrunde gelegen hat. — Der lautbildende Name 
Buhu{vogel), den Unger-Khull Steir. Wortsch. S. 127 mit der Be- 
deutung 'Steinkauz' verzeichnet, ist eigentlich eine Bezeichnung 
des Uhus. 

Waldkauz, ulula aluco, syrnium aluco. 

Gesner, der in Hist. avium (1555) S. 740 den Waldkauz 
unter der Rubrik ulula schildert, gibt gerade diesem Yogel die 
Namen Vwel I Ül I Eid l Nachteul I Stockeul, welche seiner An- 
sicht nach mit Unrecht auf andere verwandte Arten bezogen 
werden. 

Das Kompositum Nachteule, das in mittelhochdeutschen 
Yokabularen öfters belegt ist 2 , wird von allen Yögeln des Eulen- 
geschlechts angewendet. So erscheint es in Ryffs Tierb. Alberti 
(1545) S. I 5 b und P 1 b synonym mit Uhu gebraucht, Schwenkfeld 



1 Martin-Lienhart II, 210 f. 

2 Ahd. Gll. IV, 109 4 * und Diefenbach Glossar. S. 380a, Novum 
glossar. S. 264a. 



Schleierkauz, strix flammea. 825 

Ther. Sil. (1603) 8. 308 meint damit den Steinkauz; nach Martin- 
Eienhart 1. 31 1 bedeutet Nachtheujel im Elsaß den Waldkauz und 
die Schleiereule usw. 

Der von Gesner erwähnte Ausdruck Stockewl erscheint bei 
II. Sachs Regim. der Vögel (1531) V. 223, dann Stockeule bei 
Agricola De animantibus subterraneis (1549) 8. 3a und im Vocab. 
triling. (1560)8. 88, Stock Eul in Spangenbergs Ganskönig (V. 1 t9); 
der erste Teil der Zusammensetzung hat, wie öfters in Vogel- 
namen, die Bedeutung e Wald*. Das Strassburg. Vogelb. v.J. L554 
nennt V.302 die Waldkutzen undY.316 die Waldeid. Bin drittes 
gleichbedeutendes Wort ist Pusch Eule (daneben Graw Eule) 
bei Schwenkfeld a. a. 0. S. 867, "schlechthin Eulen, Buscheulen" 
bei Reyger Verbess. Hist. der Vögel (1760); heute Püscheile in 
Schlesien (Mitteilungen der seines. Gesellsch. f. Volkskunde 
Heft XIX, 83). 

Durch den runden Kopf des Vogels ist der Vergleich mit 
einer Katze hervorgerufen , auf welchem die Ausdrücke Kdze- 
kapp 1 m. (d. h. Katzenkopf) in Luxemburg, Katül 2 (d. h. Katzen- 
eule) in der Grafschaft Ranzau, Kadul 3 in der nordfriesischen 
Mundart beruhen. In Steiermark wird sowohl der Wald- wie der 
Steinkauz Katzenauff (zu Auf 'Uhu/) oder Katzenauge! 1 genannt. 

Im Mimsterkreise heißt der Waldkauz Knappule 5 , in Luxem- 
burg ist der Zwergkauz die Knappeilchen*. Der Name, der in der 
Form Knapp-Eide bei Frisch Vorstellung der Vögel VIII B vor- 
kommt, ist mehrdeutig, weil die Eigenschaft mit dem Schnabel 
zu knappen oder zu klappern mehreren Eulenarten eigen ist, vgl. 
auch Knepper (== Klapperstorch) S. 371. 

Schleierkauz, strix flamm ea. 

Der Vogel hat seinen Namen von dem sogenannten Euleu- 
schleier, d. i. einem strahlenartig um die Augen sich verbreiten- 
den Gewebe kleiner, steifer Federn, welches bei den meisten 
Eulenarten vorkommt, bei dieser aber besonders schön und seiden- 

1 Wb. d. Luxemburg. Mundart 217. 

2 Korrespondenzbl. f. ndd. Spracht". XVII, 2. 

3 Johansen Nordfries. Spr. S. 111. — i Unger-Khull 373. 

5 Korrespondenzbl. f. ndd. Spracht. XVI, 85, Woeste 133. 

6 Wb. d. Luxemburg. Mundart 232. 



326 Schleierkauz, strix flammea. 

glänzend ist. Den ersten Beleg für schleiereul 1 liefert der Vocab. 
ine. theut. ante lat., im 16. Jh. Schlaerule bei Agricola De ani- 
mantibus subterraneis (1549) S. 3 a, Schlayreul bei H. Sachs Regim. 
der Yögel (1531) V. 222, eyn Schleier eul bei Turner Avium hist- 
(1514) S. G 5 a, Schleyer eul bei Eber und Peucer Yocab. (1552) 
S. F4b, Schleyer eyl im Strassburg. Yogelb. v. J. 1554 Y. 319, 
Schleierül bei Gesner Hist. avium (1555) S. 742, Schleyer eul bei 
Golius Onomasticon (1579) Sp. 293, ein Schleier Eule als schlesisches 
Wort bei Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 368, ferner bei Aitinger 
Bericht v. d. Yogelstellen (1631) S. 234, Klein, Reyger usw. In 
Luxemburg heißt derYogel Seideneil 2 , im Münsterkreise Pählule* 
(d. h. Perleneule). Der Name Perl-Eule, der auf das tropfen- 
weise gesprengte Gefieder zielt, kommt zuerst bei Frisch Vor- 
stellung der Vögel (1763) VIII, C 2a vor. 

Da die Schleiereule ihre Schlupfwinkel gerne in Kirch- 
türmen aufsucht, heißt sie in Preußen Turmeule^ in Luxemburg 
Türeil* \ schon mhd. turniule in den Minnesingern herausg. von 
v. d. Hagen III, 261 b. Das Synonymon Kirchul wird nach Gesner 
a. a. 0. S. 230. 742 in Flandern und einigen Teilen von Deutschland 
gebraucht; bei Juuius Nomenciator (1581) S. 54b wird Kerckwl 
als niederländisches "Wort angeführt. Im Elsaß ist Kircheule im 
Strassburg. Vogelb. v. J. 1554 V. 317 bezeugt, Kirch Eule bei 
Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 368 ; heute Kirchkäuzlein * in 
Graubünden, Kilchül 6 in Bern. 

Der Name Ranfeul, der bei Turner Avium hist. (1544) 
S. G 5a vorkommt, ist niederländisch und lautet heute ransuil; 
Gesner führt a. a. 0. die niederländische Lautform Ranfulle an, 
bei Junius Nomenciator (1581) S. 54 c Bau fiele. Schwenkfeld 
Ther. Sil. (1603) S. 309 hat das Wort in der Form Rantz Eule; 
der Druckfehler Rautz Eule S. 368 ist von späteren Autoren 
wiederholt worden. Der Name ist nicht sicher deutbar. 

Von der Stimme, die nach Voigt Excursionsbuch S. 188 
oft das Tempo und die Klangfarbe eines schnarchenden Menschen 

1 Diefenbach Glossar. S. 382 a. 

2 Wb. d. Luxemburg. Mundart 406. 

3 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 86. — 4 Frischbier II, 416. 

5 Wb. d. Luxemburg. Mundart 446. 

6 Staub-Tobler I, 616. III, 603. 



Falke, fair... B27 

hat. hat der Schleierkauz den Namen Schnarchkauz 1 erhalten; 
bereits In dem von Schxöer herausg. Vokabular aus dem Jahre 
1 120 snerker (3199 Ahm. ulula. 

Nach der Angabe von Schambach Wb. 8. 209 wird die 
Schleiereule in Göttingen und Grubenhagen fi oannt 

Bin steirisches Synonym isl Tschungd^ Tschunkel* m. 

Falken, Falconidae. 
Falke, falco. 

Ah.l. falco: Sg. Nom. — falco capus: cod. SGalli 242,248b. 
Clm. L4747f. 63 a. ixon 8 : Deuteronom. I 4, 13: cod. Oxon. Land. lat. 

20b. herodio: Leviticus II. L9: cod. Guelpherbyt. Wis 29 82 
cod.Vindob. L042, L30b, Clm. 6227,49b, Qm. 18628, 1. 73b, fakto: 
Clm. 5116, 80 b. cod. mon. herem. 184, 298; herodion forma fulice 
similis. sed maior. id est capiet. 4 quasi falcho. quod dicitur uualai : 
hchabuhc: cod. Fuld. Aa 2,43a; Clm. 18110, 14a; cod. Stuttg. th. 
et phil. 218, 13c; cod. Carolsruh. Aug. CCXXXI. 12a, faflco: cod. 
SGalli 283, 483. fctlko : cod. Selestad. f. 109 b. fal ko erodius : cod. sem. 
Trevir. f. 112 b, ualco cappns : cod. Guelpherbyt. Aug. 10. 3. 4° f. 89 a, 
valco : cod. Berol. Ms. lat. 8° 73, 124a, falco : cod. Parisin. 9344 f. 42 b. 
Versus de volucr. H. S. III, 17, erodius: III, 17, capus: XI a 2. b 
alietus auis: g. cod. sem. Trevir. R. III. 13, 104b, erodius : cod. sem. 
Trevir. R. III. 13,105b. falcho: cod. Gheltenham. 1S908 f. 1 a. cod. 
SGalli 299 p. 33. cod. SGalli 299, 26. herodio: Deuteronom. 14, 16: cod. 
SGalli 296, 116. herodius: cod.Vatic. Reg. 1701, 2b. herodio: Erchan- 
berti ars: Clm. 6414, 16b. Gll. Salomon. al, falcones: al. herodion: 
Clm. 13002, 68 f,capis: b:fragm.Labac.Clm.l4689f.47a.cod.Vindob. 
804f. L69a, cod. Wirziburg. Mp. th. 4° 60, 100b. NotkerWps. 103, L8. 
ualcho herodii. herodius: Psalmen 103, 17 : cod. Angelomont. 1 I 11. 
33a, ualcha: cod. Turic. Rhenov. 66, 56, ualcha-. cod. Stuttg. herm. 
26,25b. ualche: cod.Vindob. 804f. 18öb. falucho herodion: Anhang 
z. alten u. neuen Testament.: Leviticus 11, 19: Clin. 14717, 96b. 
falc herodius: cod. Bruxell. 10072 f. 88b. valeh: Versus de volucr. 

— Gen. — (des) falchen herodii: Notker Wps. 103, 18. — PI. Nom. 

— ualkon (fulice): Vergüras Georg. 1.363: cod. Parisin. 9344, L3b. 

Den Falkennamen haben die Germanen mit eleu Romanen 
gemeinsam, abgesehen von dem Rumänischen ist falco in allen 
romanischen Sprachen vorhanden: ital. fcUco : falco>u\ afrz. faueon, 

1 Vgl. Staub-Tobler I, 617. — 2 Unger-Khull 179. 

3 ixion Vulgata, ixon Vercellone (Steinmeyer). 

4 1. capus (Steinmeyer). 



328 Falke, falco. 

span. hakon, portugies. falcäo; auf germanischem Boden ent- 
sprechen ihm ahd. falco (mhd. mnd. mndl. valke) und ein spät- 
bezeugtes anord. falki (dän. schwed. falk). Ob das Wort ur- 
sprünglich germanisch oder romanisch war, darüber sind die 
Meinungen sehr geteilt. 

Die Geschichte des Falkennamens steht, wie es scheint, 
in engster Verbindung mit der Geschichte der Falkenjagd: falco 
war offenbar ein Jagdterminus, dessen Entstehung mit dem 
Aufkommen der Beize bei den Germanen oder Komanen gleich- 
zeitig ist. Für diese Auffassung spricht zunächst die Tatsache, 
daß die Falken sich von den nächstverwandten Kaubvögeln durch 
keine solchen Merkmale unterscheiden, daß sie dem ungeübten 
Auge als besondere Gattung erschienen; eine gemeinsame Be- 
nennung derselben schiene daher auffällig, wenn sie nicht die 
Grundlage in der Verwendung dieser Vögel als Jagdvögel hätte. 
Bei Völkern, wie z. B. den Finnen, welche die Jagd mit dem 
Falken nicht gekannt haben, gibt es keinen besonderen Ausdruck, 
der diesen Vogel von Bussarden, Habichten usw. unterscheidet. 
Aber auch abgesehen von diesen Erwägungen allgemeiner Art, 
macht das erste Auftreten des Wortes falco im Zusammenhang 
mit den ersten Nachrichten von der Falkenbeize in Europa den 
Eindruck, daß wir es hier mit einem Jagdausdruck zu tun haben. 
Leider weiß man durch geschichtliche Nachrichten gar zu wenig 
von den ersten Anfängen der Falkenjagd in Europa, um daraus 
irgendwelchen Aufschluß über den Ursprung des Vogelnamens 
zu erhalten. Im Gegenteil hat man versucht, aus der Etymologie 
des Namens Beweismittel für die Geschichte der Beize zu 
gewinnen. 

Zum ersten Mal begegnet der Ausdruck falco — wie schon 
Gesner bemerkt hat — um das Jahr 300 bei Julius Firmicus 
Matemus, der die Jagd mit diesem Vogel beschreibt; darauf 
folgen Zeugnisse des Namens bei Servius Grammaticus, Isidor 
u. a. Im klassischen Latein ist der Vogelname also nicht nach- 
weisbar; ein gleichlautendes Wort ist einmal in dem Auszug 
des Priesters Paulus aus Sextus Pompejus Festus in der Bedeutung 
'einer, der krumme Zehen hat' bezeugt: "falcones dicuntur, 
quorum digiti pollices in pedibus infra sunt curvati, a simili- 



Falke, falco. 

tudine falcis". Manche haben hier das Grundwort des Vogel- 
nameiis erblicki and ihn auf die krummen Klauen oder den 
krummen Schnabel zurückgeführt 

Dieser Annahme ist Baist in einem längeren Artikel in 
Zs. f. d.A. XX VII, 60 ff. entgegengetreten, iro er ausführlich die 
Geschichte der Heize und des Palkennamens behandelt; vgL 
auch A.i.d.A. XIII. 301 lt. und Zs.lfrz.Spr. ii. Lit. XIII. 2, L85f. 
Nachdem Baist zunächsl festgestellt hat, daß die römischen 
Schriftsteller niemals die Falkenjagd erwähnen und daß keine 
einzige Palkenbenennung im klassischen Latein nachzuweisen ist, 
folgert er hieraus, daß die Beize in Europa erst in romanischer 
Zeit nicht lange vor der eisten sicheren Nachricht von derselben 
bei Julius Pirmicus — vielleicht im 2. Jh. n.Chr. aufgekommen 
ist. Da die keltischen Ausdrücke für den Falken aus d>'n ger- 
manischen Sprachen entlehnt sind, kommen die Kelten als Er- 
finder der Beize nicht in Betracht; sie müsse auf germanischem 
oder romanischem Boden entstanden sein. Nach Baist (hüten 
verschiedene Indizien darauf, daß die Germanen — und nicht die 
Romanen — die Jagd erfunden haben. Vor allem fallt ins Gewicht, 
daß sich mehrere Ausdrücke, die sich in den romanischen 
Sprachen auf die Beize beziehen, als germanische Entlehnungen 
erweisen. Von Falkenbenennungen sind dpervier = ahd. sparicdri, 
tmerillon = ahd. smirl, gerfaut = anord. geirfalki germanischen 
Ursprungs. An diese Reihe schließe sich auch das Wort falco 
selbst an, dessen Herleitung aus lat. faix 'Sichel 1 deshalb un- 
wahrscheinlich sei, weil in der Benennung "der (Jesiehelte' 
man möge sie nun auf die Klauen oder den Schnabel de- Palken 
beziehen — nichts für den Vogel Charakteristisches wäre, was ihn 
von den verwandten Raubvögeln unterscheiden würde. Dagegen 
lasse sich der Name aus dem germanischen Wortmateria] an- 
sprechend deuten, wenn man ihn als eine Ableitung mittels des 
Ä-Suffixes aus faüan 'fallen' ebenso wie habuh aus haben ( = capere) 
auffaßt Der Falke hätte den Namen "Stößer* erhalten, weil 
gerade die Art von oben herab auf die Heute zu stoßen die 
Jagdweise des Vogels charakterisiert. Außerdem beweise das 
Vorkommen des Wortes falco als Eigenname bei Langobarden, 
Westgoten und gallischen Franken, sowie als Bestandteil in dem 



330 Falke, falco. 

Yölkernamen Falcovarii und dem angelsächsischen Namen Wester- 
faka 1 , daß es auf germanischem Sprachboden alt sei. 

Gegen diese Theorie des gelehrten Romanisten kann man 
jedoch manche Bedenken geltend machen. 

Die zitierten Stammesnamen können kaum als Beweis für 
den Ursprung des Falkennamens verwertet werden, denn in 
dem angelsächsischen Königsnamen Westerfalca und dem Yölker- 
namen Falchovarii steckt wohl nicht der Yogelname, sondern ein 
Farbenadjektiv, das im elsäss.-schwäb. falch (= fahl) vorhanden 
ist; vgl. Kossinna PBB. XX, 299 ff. Aus dem Personennamen 
Falco ist auch kein Beweis zu gewinnen, denn — angenommen, 
daß er wirklich mit dem Yogelnamen identisch ist, — kann er 
in den germanischen Sprachen nicht sehr alten Datums sein. 
Das Wort falco war ja ein Jagdterminus, der mit der Beize 
aufkam; erst nach dieser Zeit konnte man also Personen mit 
dem Yogelnamen nennen. Da der Jagdausdruck jedenfalls sehr 
bald von dem einen Yolke zu dem anderen kam und sich dort 
einbürgerte, so ist es für den Personennamen irrelevant, ob 
das Wort in der betreffenden Sprache entlehnt war, oder nicht. 
Daß eine beträchtliche Anzahl wichtiger Jagdausdrücke von den 
Germanen zu den Romanen gekommen sind, muß mit Baist 
festgestellt werden ; an der von ihm betonten germanischen Pro- 
venienz der Falkennamen epervier, emerillon, gerfaut darf nicht 
gezweifelt werden. Hieraus folgt jedoch nicht, daß auch falco 
germanischen Ursprungs sei. Der Austausch von Jagdausdrücken 
ist gegenseitig gewesen, wie man es bei der engen gallisch- 
fränkischen Gemeinschaft verstehen kann. Yon den Romanen 
haben die Deutschen z.B. die Ausdrücke terzel = tertiolus^piligrim 
= peregrinus, lauer = lanier, mu^ozre (auch andd. mütäri) = mu- 
tarius übernommen. 

Direkt gegen germanische Herkunft des Falkennamens spricht 
das Fehlen des Wortes bei den Angelsachsen, denn diese hätten 
doch den Ausdruck auf dem Kontinent kennen müssen, wenn 
er schon im 2/3. Jh. bei den Germanen bekannt gewesen wäre. 
Und man kann nicht gut annehmen, daß die Angelsachsen — 

1 Andere Varianten dieses Namens sind Westoncealcna, Westor- 
walcna, s. Searle Onomasticon Anglo-Saxonicum S. 484. 



Falko, falco. 831 

ein Teil der Germanen, welche die Jagdkunsl erfanden hätten 
diese wichtige Erfindung wieder aufgegeben, oder den wich- 
tigsten Jagdausdruck verloren hätten. In der angelsächsischen 
Literatur, wo eine Menge verschiedener Babichtarten erwähnt 
werden (gdshafoc, müshafoc, 8pearhafoc\ wird der Jagdfalke 
wealhhafoc 1 , d. h, der wälsche Eabicht genannt Daß dieserName 

als 'Wanderfalke' aufzufassen und nur auf den vornehmsten 

Jagdfalken zu beziehen wäre, ist nur eine Hypothese, denn 
man weiß ja nicht, wie viele Falkenarten die Angelsachsen i innten 
und ob der Wanderfalke unter diesen die wichtigste Rolle spielte. 
Das Wort wealhhafoc erscheint in den angelsächsischen Quellen 
als allgemeine Bezeichnung des Jagdfalken und wird genau in dem- 
selben Sinne angeführt, wie falco in althochdeutschen Glossaren 
Ungefähr ähnlich ist der Sachverhalt im Altnordischen. Hier 
ist das Wert falki erst seit dem 12. Jh. bezeugt und wird als 
Lehnwort aufgefaßt. Der ältere Ausdruck für den Jagdfalken 
ist vah\ d. h. c der AVälsche'. Daß auch dieser Name als Wander- 
falke zu deuten wäre, läßt sich nicht wahrscheinlich machen. 
Vielmehr deutet die Auffassung des abgerichteten Falken bei 
den Angelsachsen und Skandinaviern als ein Fremdling darauf, 
daß die Beize ihnen ursprünglich nicht bekannt war. In den 
germanischen Volksgesetzen ist der Xame falco nicht erwähnt, 
— die Lex Salica nennt nur den Sperber (speruarius\ das alle- 
mannische und hairische Gesetz haben für den Falken einheile: 
Benennungen {cranohari, ganshabuh). 

Die obenangeführten Gründe machen es wahrscheinlich, 
daß der Falkenname nicht germanischen, sondern vielleicht ru- 
mänischen Ursprungs ist. Die Ableitung des Vogelnamens aus 
lat. falx und die Deutung desselben als e der Vogel mit krummen 
Klauen' ist semasiologisch nicht unwahrscheinlich. Der Xame 

1 In ahd. Glossenhandschriften erscheint der Ausdruck einige Mal: 
uualhapuh herod. herodius : Leviticus 11, 19: cod. SPauli XXV d 82. 38a; 
mtaluc hasc fueh: cod. Parisin. 2685, 50b: uualai: hchabuhc herodion forma 
fulice similis. sed maior. id est capiet (1. capus). quasi falcho. quud dicitur : 
cod. Fuld. Aa 2, 43 a. uuale auuc: Job 39, 13: cod. Parisin. 2685 f. 55b, 
ualchc fue: cod. Lugdun. 69 f. 26b, ui/Ichefuc: cod. Bern. 258 f. 16 a. — Alle 
diese Belege sind jedoch aus einem ags. Original abgeschrieben. Auf 
deutschem Boden ist der Ausdruck nicht heimisch. 



332 Falke, falco. 

hebt ja ein charakteristisches Merkmal des Vogels hervor. Daß 
die Vogelnamen immer auf einem solchen Charakteristicum 
beruhen, welches die betreffenden Vögel von anderen scharf 
abhebt, darf man nicht erwarten. Man braucht nur an die 
vielen mehrdeutigen Ausdrücke wie Brachvogel, Weißschwanz 
usw. zu denken. 

Die von Baist vorgeschlagene Deutung des Wortes falco 
aus fallan 'fallen' stößt auf formelle Schwierigkeiten. Eine Ab- 
leitung mittelst des ^-Suffixes würde ahd. *falluh ergeben; ohne 
Mittelvokal ist die Anfügung des Suffixes an den auf Doppel- 
konsonanten ausgehenden Stamm nicht denkbar. 

Woher die Kunst mit Falken zu jagen ursprünglich stammt, 
ist eine Frage, die hier dahingestellt bleiben muß. Nicht un- 
wahrscheinlich scheint die Annahme, daß die Beize vom Osten 
her nach Europa kam. Bereits im 6. Jh. n. Chr. war sie hier so 
allgemein geworden, daß sie auf Kirchenversammlungen verboten 
wurde. Ihre volle Entfaltung fällt aber erst in spätere Zeiten, ins 
12. u. 13. Jh., wo zahlreiche Abhandlungen über Falkenjagd zu 
erscheinen beginnen 1 . — Mit der Entwicklung der neuen Kunst 
wird die hierhergehörige Nomenclatur in Deutschland durch ein- 
heimische und fremde Ausdrücke immer mehr bereichert. 

In der Sprache der Falkner hieß der männliche Falke, der 
bedeutend kleiner ist als das Weibchen, terzil. Das Wort ist ent- 
lehnt aus mittellat. tertiolus, das den romanischeu Synonyma, 
ital. terzuolo, frz. tiercelet, span. torzuelo und portug. treco zugrunde 
liegt. Den lat. Namen erklärt Crescentius folgendermaßen: et Ter- 
tiolus uocatur mas in accipitrum et falconum genere, quia simul 
tres in nido nafcuntur, duae foeminae et tertius mas". Andere 
wollen den Ausdruck daraus deuten, daß das Männchen ungefähr 
um ein Drittel kleiner ist als das Weibchen. Der erste Beleg 
des deutschen terzil fällt ins 12. Jh. : tercel herodius : cod. Vindob. 
804 f. 185 b; darauf tercil: Versus de volucr. : cod. Admont. 759, 
55b (13. Jh.). Im Mittelhochdeutschen wird terzel sowohl als Mas- 
kulinum wie als Neutrum behandelt; daneben auch terze, falken- 
terze, smirUnterze. Aus dem Französischen stammen nndl. tarsel 
und engl, tiercel, tossei, tercel. Vgl. auch Habicht S. 361. 

1 Vgl. Schrader Reallexikon S. 210. 



Sackerfalkc falco Bacer. 

Durch den [mporl ausländischer Jagdfalken und die Kreu- 
zung der einzelnen Arten entstehen neue Palkennamen, welche 
jedoch oft nicht konsequent angewendet und besonders von Laien 
fortwährend verwechselt werden. Daher ist es in vielen Fällen 
geradezu unmöglich zu entscheiden, welche von den jetzt bekannten 
Falkenarten von den .dien Tutoren gemeint werden. In der mittel- 
alterlichen Fachliteratur herrscht meistens eine Einteilung der 
sogenannten edlen Falken in zehn verschiedene Arten; außer- 
dem werden verschiedene Arten unedler Kalken aufgezählt. 

Diese Einteilung findet man zuerst bei Albertus Magnus 
De animalibus S. X 1 a, wo für die edlen Falken folgende Ausdrücke 
angewendet werden: 1. sacer, 2. gyrofalco, 3. monianarius. 4t.pere- 
arhms, 5. gybbosus, 6. falco niger, 7. falco albus, 8. falco rnbeus, 
9. falco qui habet pedes azurinos, 10. falco paruus qui mirle 
uocatur. Unedler Falken giebt es nach Albertus drei Arten; dazu 
kommen durch Kreuzung von edlen und unedlen Vögeln noch 
weitere drei Arten und schließlich eine Bastardart, die besonders 
erwähnt wird. Es sieht aus, als ob Albertus diese Gruppierung 
nicht auf Grund wissenschaftlicher Beobachtung gemacht, sondern 
sich dabei nach den Einteilungen von Aristoteles und Plinius 
gerichtet hätte, von denen jener zehn, dieser sechzehn Arten 
unterscheidet. 

Der Ausdruck edelfalke als Bezeichnung der besten Jagd- 
falken begegnet zuerst im Minnefalkner 184, 66, edlvakkh in 
einer Version des Märchens vom Zaunkönig (Germania VI. 90); 
später ist das Wort öfters belegt. 

Sackerfalke, falco sacer. 

Das mittellat. Wort sacer, das bei Albertus die vornehmste 
Falkenart bezeichnet, ist entlehnt aus arab. caqr Magdfalk' 
(vgl. Baist a. a. 0.); bei dem arabischen Schriftsteller Auicenna 
(980 — 1037) lib. 2, cap. 246 ist es als sachari bezeugt. Die Ent- 
lehnung ist dem Deutschen und den romanischen Sprachen 
gemeinsam: mhd. sacker = frz. span. sacre, ital. sacro. In dem 
Minnefalkner, wo diese Falkenart mit dem Blaufuß gleichgestellt 
und im Gegensatz zu dem edlen Wanderfalken für einen minder- 
wertigen Jagdvogel betrachtet wird, erscheint der Name in der 



334- Der nordische Jagdfalke, falco gyrofalco. 

Form sackers. Vielleicht ist das auslautende s aus der französischen 
Flexionsform sacres zu erklären, wodurch französische Yerniitt- 
lung bei der Einführung des Lehnworts anzunehmen wäre. 
Mynsinger, der in seiner Darstellung der Falken Albertus Magnus 
reproduziert, zählt den sackerfalken (S. 7) zu der "ersten edeln 
Zucht". Bei Oswald von Wolkenstein (Ed. Schatz 2 S. 254) 110, 
31 erscheint der Name in der Form sägger. Die Form saiger 
(in einer Handschrift) ist nur eine orthographische Yariante der 
vorhingenannten Namensform und kein selbständiges Wort; da- 
nach ist seigcere (= eine Falkenart) bei Lexer Mhd. Wb. II, 855 zu 
streichen. Im 16. Jh. kommt der Name bei Gtesner Hist. avium 
S. 64 vor; neben Sacker wird die Yariante Sockerfalck erwähnt 
und als Synonymon Kuppel angeführt. Dieser Ausdruck wird 
a. a. 0. mit lat. 'copulatus' gleichgestellt und daraus erklärt, daß 
die Sackerfalken paarweise jagen. Die späteren Ornithologen 
wiederholen die Angaben Gesners. Hans Sachs erwähnt den 
Sacker (: wacker) im Kegim. der Yögel (1531) Y. 153. Noch im 
18. Jh. kommt der Ausdruck in den Königsberger Carmina nupt. 
L 264 1 vor. 

Der nordische Jagdfalke, falco gyrofalco. 
Die zweite edle Falkenart ist der nordische Jagdfalke oder 
vielmehr eine bestimmte Yarietät desselben. Der Name, der in 
der mittellateinischen Literatur als gyrofalco, girifako, gerfalco 
oder grifalco erscheint, wird von Albertus Magnus (dem in neuerer 
Zeit u. a. Diez Et. Wb., Körting Wb. u. a. folgen) aus dem Yer- 
bum gyrare "drehen, schnurren hergeleitet; der Zusammenhang 
mit dem Yerbum wird damit begründet, daß der Yogel sich 
mehrere Mal im Kreise herumdreht, bevor er sich auf die Beute 
stürzt. Dies trifft aber faktisch auf den nordischen Falken 
nicht zu, und damit fällt auch die angeführte Etymologie. Un- 
wahrscheinlich sind auch die Deutungen von Wackernagel Yoces 
var. animant. II, 135 Anm. und Lexer Mhd. Wb. I, 1022, welche 
vom Deutschen ausgehend das Wort mit ger 'Speer* oder mit 
ger, gir 'Gier 3 verknüpfen ; nach Wackernagel wäre der Yogel 
als 'der auf dem Speer (als Sitzstange) ruhende', nach Lexer 

1 S. Frischbier I. 401. 



Der nordische Jagdfalke, falco gyrofalco. 886 

als 'der gierige* Falke aufgefaßt Audi Eatzfeld und Darme- 
Bteter II. 1164 «lenken an die Raubgier des Vogels, indem sie 
den tarnen mit gtr 'Geier* verbinden. In dem obenerwähnten 
Aufsatz erklärt Baisl den Ausdruck als gleichbedeutend mit 
TSdelfalke', ohne daß jedoch der Gebrauch des Wortes gir im 
Sinne 'edel- überzeugend bewiesen würde. Bei Falk und Torp 
Et. ordb. I, 220 werden die germanischen Namensformen ohne 
Motivierung von den romanischen (ital. gerfalco : span. gerifaUe^ 
prov. girfalC) Erz. gerfaut) abgeleitet — Da der gyrofalco aus den 
skandinavischen Ländern nach Mitteleuropa importiert wurde, 
so ist sehen dadurch romanischer Ursprung des Namens höchst 
unwahrscheinlich, um so mehr alter, weil er aus romanischem 
Wortmaterial nicht gedeutet werden kann. Der natürlichste Aus- 
gangspunkt für die Erklärung des Namens ist die nordische 
Namensform geirfalM, welche seit dem 12. Jh. belegt ist. Be- 
sonders charakteristisch für den Vogel ist das blendend weiße 
Gefieder mit den dicht bestreuten Schaftstrichen, die wie Pfeil- 
spitzen aussehen. Wenn mau an diese Färbung des Gefiedeis an- 
knüpft, so kann der erste Teil des Kompositums auord. geiri e speer- 
förmiges Stück, Striemen' (and. rjero, ags. gära) sein; vgl. norweg. 
gere-stud "Stute mit weißen Füßen', geret e mit weißem Striemen 
(vom Vieh)', sclrwed. geret Veißrandig', ger (j/era) e Ochs (Kuh), 
der weißgezeichnet ist'. In deutschen Quellen ist der Name 
dem 14. Jh. bezeugt: zuerst als gerucUch in cod. ILellic. K öl, 
242 iAhd. Gll. III, 23 22 ), in der umgedeuteten Form greiffalk 
(= mittellat grifalcui) bei Konrad von Megenberg (Ed. Pfeiffer 
S. L85, 26) \ greyffalk im Vocab. theuton. (1482) S. m 7 a, geir- 
fakk (in einem Vokabular des 15. Jhs.) bei Diefenbach-Wülcker 
Wb. S. 626, ferner girovalcke (nach Albertus) bei Mynsinger 
S. 8. Ob der Personenname Gervalcus (ums Jahr 1070) in So- 
cins Namenb. S. 218 hierher gehört, ist nicht ganz sicher. Im 
16. Jh. schreibt Ryff Herb. Alberti (1545) S. L2b Gerfalck, 
das Strassburg. Yogelb. v. J. 155 I Y. 284 Geyrfalck, Gesner Hist. 
avium (1555) S.66 Gerfahh Gierfalvh\ ein groffer FaJck. Schwenk- 
feld Ther. Sil. (1603) S. 259 bezeichnet die Namensform Gier 
Fahl: als schlesisch und verzeichnet außerdem die Synonyma 



1 Der hier beschriebene Vogel ist der falco candicans. 



336 Wanderfalk, falco peregrinus. 

Ger Falck I Mittel Falcke I Reger Falck (d. h. Reiherfalke); in 
Spangenbergs Ganskönig Y. 81 Gier falck, bei Klein Hist. avium 
prodr. (1750) S. 48 Gyr falck, Ger falck, in den Königsberger 
Carmina nupt. I, 264 Gier(falk) 1 . 

In den mittelhochdeutschen Handschriften der Yersus de 
volucribus wird die Glosse herodius außer mit gerualch auch mit 
herfalke glossiert: herfalke: cod. Lips. Paul. 106, lc (13. Jh.), herrenvalch: 
Clm. -4550, 3a, ernalch: Glm. 14745 f. 82c (14. Jh.); dazu eriualcho in der 
Umordnung H. S. III, 8, ervalch: Glm. 14584 f. 118a. Hiermit ist wohl her- 
falke, d. h. Edelfalke gemeint. Schon in der Xotkerschen Psalmen- 
übersetzung (103, 17) ist herodius mit herfogil glossiert und 
damit offenbar der 'Edelfalke' gemeint. Das lat. Bibelwort, das 
auf griech. epwöioc 'Reiher' beruht, wird öfter als Falke aufgefaßt. 
Bei Notker macht sich an der zitierten Stelle dieselbe Auffassung 
geltend: "Herodius ist maior omnium uolatilium. der überuuindet 
den dren". Dazu stimmt die Glossierung im Corpus gll lat. Y, 
498 63 : "erodion, auis maior qui etiam aquilam prendit" und die 
Erklärung des Glossators von Deuteronomium : "herodius vulgo 
girfalco dicitur et rapit aquilam". — Ganz verschieden hiervon 
ist hierofalcho in der mittellateinischen Literatur. Das Wort ist 
eine gelehrte Bildung Paolo Giovios (vgl. Gesner a. a. 0. S. 66) 
und knüpft an griech. iepaH 'Falke' an, das im Sinne von e sacer, 
heilig' genommen wird. Auch mhd. zwirbelvalke bei Lexer Mhd. 
Wb. s. v. ist nur eine Bildung Mynsingers (S. 8), der dabei an 
lat. gyrare bei Albertus anknüpft. 

Den montanarius, der bei Albertus Magnus die dritte Art 
edler Falken bildet, interpretiert Mynsinger S. 9 mit bercfalke; 
daneben kommt auch der Ausdruck montaner vor. In späterer 
Zeit erscheint Bergfalck bei Ryff Tierb. Alberti (1545) S. L 3 a, 
und bei Eber und Peucer Yocab. (1552) S. L 3b, Birgfalck bei 
Gesner a. a. 0. S. 68, Birck Falck I Berg Falck bei Schwenkfeld 
a. a. 0. S. 258 u. a. 

Wanderfalk, falco peregrinus. 

Erst als der vierte in der Reihenfolge kommt bei Albertus 
der peregrinus oder der Wanderfalk, der seinen Namen von der 

1 Frischbier I, 401. 



Wanderfalk, falco pcrcgrinus. .'5'57 

herumstreichenden Lebensart in dem weiten Verbreitungsbeziri 
hat Bei Oswald von Wolkenstein (Bd. Schafes 1 8.254) L00, 21 wird 
er für die vornehmste Art gehalten. Der Name pügertn (aus 
dem lat peregrinus) begegnet als bilgerin bereits in Gottfried 
von Straßburgs Tristan. Ryff libersetzl «las lat peregrim seiner 
Vorlage mit Frembdling] bei Schwenkfeld The,-. Sil. (1603) S. 258 
rin /runder Falck I gemeiner Falck 1 frembdling Falck. in dem 
Tristan von A. W. Schlegel Str. 84f. (1800) Pilgerfalke. — In 
Lübbens Mittemiederd. Wörterbuch S. 273 wird als Bedeutung 
von pelegrime das lat. Glossenlemma fulica (Wasservogel) ange- 
geben. Der < Glossator des lat.-ndd. Wörterbuchs v.J. 1117. aus dem 
der Beleg stammt, hat fulica (bezw. fuJca) und falco verwechselt 
Ein umgekehrter Fehler findet sich in einer Handschrift mit 
Vergilglossen, wo fulica mit falco übersetzt ist (s. oben S. .T27). 

Gesner nennt in Hist avium S. 60 als Varietät des Wander- 
falken den aeeipiter medianus; der Ausdruck erscheint in der 
Pluralform Medianen in den Königsberger Carmina nupt. I, 264 l . 

Auf den Wanderfalken folgt bei Albertus der falco gglbosus, 
den Mynsinger unter dem Namen hoverfalcke anführt. Ryff 
Tierb. Alberti v. J. 1545 übersetzt genauer dem lat. Originale 
entsprechend der hoferig Falck. Die Benennung bezieht sich 
auf den hover ( = Höcker) des Vogels; dieser hat nämlich — 
nach Mynsinger S. 11 — "als ainen kurtzen hals, das man den 
kopff vor den ansein seiner flügel, so sy erhöcht sind recht als 
ob er ainen Hofer hab, nit wol gesehen mag". Bei Gesner a. a. 0. 
S. 71 wird der Name in der mundartlichen Lautvariante Ho</er falck, 
Hager filck angeführt; Hoker(falk) in den Königsberger Carmina 
nupt. a. a. 0. Danach in der französischen Falknerei hagarid). 

Der falco niger des Albertus wird — wie Gesner Hist. avium 
S.71 berichtet — wegen seiner schwarzen Farbe von den Deutschen 
Kolfalrk genannt (vgl. S. 45), bei Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) 
S. 258 Kohlfafrke, in Carmina nupt. a. a. 0. Kohl(falk) 2 . Der 
Name ist volkstümlich. 



1 Frischbier II, 59 ; die Bedeutung wird unrichtig "falco milvus ('?)" 
angegeben. 

2 Frischbier I, 401 gibt fälschlich als Bedeutung des Wortes 'Rabe' an. 

Suolahti, Vogelnameu. 22 



338 Merlinfalk, falco aesalon. 

Im Gegensatz zu den "schwarte valcken" nennt Mynsinger 
als "sibende edle zucht" nach Albertus die weiss falcken. Damit 
ist eine Varietät des nordischen Falken (falco candicans) gemeint. 
Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 259 nennt sie Ein weiffer Falcke I 
Mofchowitterische (d. h. Moskauer) Falck. 

Für die achte Falkenart {falco rubeus bei Albertus, Rott 
Falcke bei Mynsinger S. 14, ein Roter Falck bei Gesner S. 72) 
gibt es in der Literatur keine Synonyma. 

Ein allgemein bekannter Vogel war der Blaufuß oder der 
"valcke von der Newnden edeln zucht". Ob damit eine Variation 
des Wanderfalken oder des Würgfalken (falco lanarius) geraeint 
wurde, ist schwer zu entscheiden. In der niederdeutschen Laut- 
form blauot (= glaucus) ist der Name schon im 12. Jh. in cod. 
Cheltenham. 7087, 144a belegt; hd. blauüz in Handschriften des 
13. 14. 15. Jhs. der Versus de volucribus. In der mittelhoch- 
deutschen Literatur kommt bldvuoz (ndd. bläuöt , mndl. blau- 
roet) öfters vor. In den heutigen Mundarten ist der Ausdruck 
aber selten; im Herzogtume Anhalt wird damit, wie Naumann 
bemerkt, "sehr uneigentlich" der Wanderfalke benannt. 

Merlinfalk, falco aesalon. 

Als letzte Art der edeln Falken beschreibt Albertus Magnus 
den Jagdvogel, der im gewöhnlichen Leben mirle oder smirlin 
hieß. Damit ist der Merlinfalk gemeint. Wie viele andere 
deutsche Falkennamen, so ist auch dieser von Albertus angeführte 
Vulgärname in den romanischen Sprachen vorhanden: ital. 
smeriylio, smeriglione, afrz. esmeril, esmerillon, nfrz. emerillon. Die 
deutsche Benennung ist zuerst in Glossenhandschriften des 11. Jhs. 
bezeugt: smirl nisus: Vergil. Georg. I, 404: cod. Tridentin. 1660, 18b. mirlvs: 
H. S. III, 17. mirle : Versus de volucr. (6 Hss. aus dem 12. 13./14. 14. 14./15. 
15. Jh.), smirli (1 Hs. d. 12. Jhs.), smirle (5 Hss. aus dem 12. 12. 13. 14. 15. 
Jh.), smirlinc (2 Hss. des 13. u. 14. Jhs.), smerlin (1 Hs. des 13. Jhs.), smerli 
(2 Hss. d. 12. Jhs.), smerle (4 Hss. aus dem 12. 13. 13. 14. Jh.), merle (2 Hss. 
aus dem 13. u. 15. Jh.), sm'lekT (1 Hs. d. 14. Jhs.). smirle: H. S. XI d (13. Jh.). 
smerle: cod. Oxon. Jun. 85, 4 (13. Jh.). In mhd. Texten smirel, smirlin. 
Als normale althochdeutsche Form ist smerlo, smiril, smirli{n) n. 
anzusetzen. In den verwandten Dialekten entsprechen mndl. 



Turmfalke, falco tiiiiiiiiuulus, tirmuwulus tinnunculus. 839 

smerl(e) und anord. smyrill (auf den Euröern umirif. dän. Mtttrfa, 
smcri). Die gewöhnliche Annahme, daß der Name ans lat. mertda 
'Aiiim'!' herzuleiten sei, ist — wie Baist wiederhol! betont hat - 
sowohl aus lautlichen wie sachlichen Gründen nicht zulä 
Kim- sichere Deutung des Namens fehlt Nach Baisi wäre dei 
Vogelname identisch mit dem mittelhochdeutschen FLschnamen 
smerle, smerlinc (cobitis barbatula); die Übertragung würde Bich 
aus dem Vergleich des kleinsten Palken mit dem kleinsten Fische 
erklären. Ana dem Französischen stammen mittelengL merlion, 
ueuengl. merlin, sowie ondL merUn (beiJunius Nomenciator L581 
S.53a meerlijn). Im 16. Jh. wird efer Schmirl öfters erwähnt; in der 
wissenschaftlichen Literatur zunächst smerla bei Turner Avium 
bist (1544) S. B La, Schmirlin bei Ryff Tierb. Alberti (1545) 
S. M 1 a, Smirle I mirle bei Gesner llist. avium (lööö) s. i:; (nach 
Albertus); bei Schwenkfeld Ther. Sil. (K)03) S. 348 Smyrle I Smyr- 
Unl Myrle. Hans Sachs führt im Regim. der Vögel (1531 ) Y. 1 ö7 
den Namen in der Form das Schmierlein an; bei Pop< »witsch Ver- 
such (17 SO) S. 511 der Schmerl. Vgl. bair. das Schmer/ in bei 
Schmeller-Frommann I, 554, preuß. der Schmirl bei Frischbier 
II, 298. 

Turmfalke, falco tinnunculus, tinnunculus tinnunculus. 

Im Gegensatz zu den Jagdfalken nannte man die nicht- 
dressierten Vogel Wlfdfalken oder Waldfalken. In diesem Sinne 
ist nämlich ahd. wütfalco oder wcdtfalco zu verstehen. Bei.--.': 
iciltfalco herodius : Versus de volucr. H. S. XIa2. b. e. g. üüU- 
dentalcho: Clm. L4689 f. 47a — uualdfalcho herod. herodius: 
Leviticus 11, 19: cod. SGalli 9, 277, ruafdfalcho : cod. SGalli 
295, 127. waltfalcho: H. S.XIa 2: cod. Berol. Ms. lat. 93 8°, 12a. 

Die unedlen Falkenarten, welche in der Falknerei eine 
untergeordnete Rolle spielen, bezeichnet Albertus mit dem Namen 
lanarius. Er meint damit die Bussarde, welche ihre Heute im 
hohen Bing nicht packen können, sondern sie entweder auf einem 
Baume sitzend, oder nahe an der Erde streifend ergreifen. Unter 
diesen unedlen Vögeln, welche vom Mäusefang leben, nennt 
Albertus auch einen roten Falken, der dem Merlinfalken ähnelt. 
Dieser ist ohne Zweifel der Turmfalke, der in manchen Mund- 

22* 



340 Turmfalke, falco tinnunculus, tinnunculus tinnunculus. 

arten unter dem Namen Wannenwäher bekannt ist. Dieser Name 
begegnet zum ersten Mal in den althochdeutschen Versus de 
Yollicribus : wänoweh loaficus (1 Hs. des 12. Jhs.), wannewehe (5 Hss. aus 
dem 11./12. 12. 12. 13. 14. Jh.), ivaneivche (1 Hs. des 13. Jhs.), ivanweh (1 Hs. 
des 12. Jhs.), wanwecht (1 Hs. des 13. Jhs.), wanweha (1 Hs. des 15. Jhs.), 
wannowehol (1 Hs. des 12. Jhs.), wannenivehil (1 Hs. des 13. Jhs.), wänüwehel 
(1 Hs. des 13. Jhs.), wannewehel (1 Hs. des 14. Jhs.), wamenivechel (1 Hs. des 
14. Jhs.), wannenivecher (1 Hs. des 14. Jhs.), wäneweh (1 Hs. des 15. Jhs.); 
waneweho: cod. Oxon. Jun. 83, 4 (13. Jh.). Mit anderer Yokalstuf e : 
wintwel: cod. Vindob. 1118, 79b (13. Jh.). wintwech : Versus de volucr. (1 Hs. 
des 14. Jhs.), wintwechel auicula (1 Hs. des 14. Jhs. Ahd. GH. III, 31 U. 12). 
Der zweite Teil des Kompositums erscheint als selbständiger 
Yogelname weho ebenfalls in den Versus: weÄoibis(lHs.desl2. Jhs.), 
wehe (3 Hs. aus dem 12. 13. 14. Jh.), weht (1 Hs. des 13./14. Jhs.), tvethe (1 Hs. 
des 12. Jhs.), mit laoficus glossiert : we wo (1 Hs. des 14. Jhs.), ivehe (1 Hs. 
des 11. Jhs.), ivech* (1 Hs. des 14. Jhs.), ivech (1 Hs. des 14. Jhs.), wecht (1 Hs. 
des 15. Jhs.), weht (1 Hs. des 14. Jhs.), wahe (1 Hs. des 15. Jhs.), weher (1 Hs. 
des 14. Jhs.), wehel woz (1 Hs. des 14. Jhs.) ; weho in den Gll. Hildegardis : 
cod. Wiesbad. 2, cod. Cheltenham. 9303 (13. Jh.). 

Über die Bedeutung von ahd. weho vermögen die Lemmata 
loaficus und ibis keinen Aufschluß zu geben. Aber die Bedeutung 
des Namens kann nicht sehr verschieden sein von derjenigen 
des Kompositums wannenweho. Wie dieses, so wird auch das 
einfache Wort einen Vogel von der Habichtgattung bedeutet 
haben. Zum selben Stamme wie ahd. weho gehört offenbar auch 
der Name mgil, tviliil in den Salomonischen Glossen a 1 : ivigil 
alchiones aues marinae: Glm. 22201, 8 c, cod. Zwettl. 1,16 b, liber im- 
pressus 7a, wigel: Clm. 17152, 5a, wehel. wihil: cod. mus. boh. Prag. 9c. 
Daß mit der Glosse ein Raubvogel gemeint ist, geht hervor aus 
der Version C der Salomonischen Glossen, die "alciones aues 
marinos" mit distozl wigil glossiert (cod. mus. Britann. Add. 18379, 
10 a). Der Ausdruck stoTßilwigil (Stößer-) bezieht sich wohl auf 
den Fischadler oder die Rohrweihe. Die Salomonische Glosse 
diHolzi = alchion (Clm. 22201, 8b), welche Sievers unverständlich 
ist, scheint mit Rücksicht auf die ebengenannte Glosse der Version 
C als diftozil zu lesen zu sein. — Ahd. iveho scheint also auf 
einem alten Namen für Raubvögel zu beruhen, der in mehreren 
Bildungsvarianten erhalten ist. In welcher Weise diese Namen- 



Tannfalke, fulco tinnuncuhis, timrancaloi tmnunculus. Ml 

sippc mit di>n anklingenden Eulennamen wihil K wigla zusammen- 
hangt, ist nicht mii Bestimmtheil zu sagen, denn diese sind 
wohl als •Wahrsager', 'Wahrsagerin' zu deuten (s. 8. 321). Daß 
die Weihen, Eabiehte und Falken als prophezeiende Vögel gelten, 
ist nicht bekannt; einige ron ihnen sollen allerdings durch ihr 
Geschrei Regen verkünden. 

Das ahd. Kompositum wannen-weho Turmfalke' läßl sich 
an zahlreichen Variationen bis in die Neuzeit verfolgen. Im 
16. Jh. erscheint das Wort als Wannaber in Ryffs üerb. AJberti 
(1545) S. I 3, als Wannenwäher^ Wandwäher, Wannhoehen, Wieg- 
wehen bei Gesner Hist. avium (1555) S. 53, danach Wannenwaherl 
Wandicaher/Wandtmhel Wiegwehen bei Junius Nomenclator v. 
J. L581 S. 53b, Wannen umher bei Golius Onomasticon v. J. 
157!» Sp. 294, Wannen Wäher I Wandwäher bei Schwenkfeld 
Ther. Sil. (1603) S. 304, Wannenwäher in der Übersetzung der 
Bücher Plinii v. J. 1651 S. 573; Wannenwäher in Spangenbergs 
Ganskönig V. 83. Eine Umbildung des Xamens liegt vor im 
elscäss. Manne Wächter 2 , womit auch die Nachteule bezeichnet wird. 
Sonst hat er sich im Elsaß auch an die Benennung der Weihe 
angelehnt: Wannen wyh, Wannenweg (zu Wei 'Weihe') im 
Strassburg. Vogelb. v. J. 1554 V. 291, Wannemeier 2 (zu Wier 
'Weihe*) inDunzenheim (im Kreise Straßburg). Xach Popowitsch 
Versuch(1780) S. 6021 ist die Xamensform Wannenwäher sächsisch, 
der Windwächel österreichisch 3 . — Daß der Vogelname wehe 
auch in dieser zusammengesetzten Namensform alt ist. geht aus 
synonymen Benennungen in heutigen englischen Mundarten, wind- 
horer, windeuffer, wind sticke i\ windbibber und vannerhawk^ wind- 
fanner*, hervor, welche — obgleich vielfach umgestaltet — den- 
selben Ausgangspunkt wie der deutsche Name gehabt haben. 
Gesner stellt zwei Etymologien für den Vogelnamen als möglich 
hin: entweder ist der erste Teil Wanne Tutterschwinge' und 
dann hat der Falke den Namen davon, daß er die Flügel gleich 

1 Zu beachten ist, daß der czechische Glossator der Salomonischen 
Glossen an der Stelle von utihü = eauannus (d. h. Nachteule) den Namen 
postolcu Turmfalke' hat. 

2 Martin-Lienhart 11, 777. 787 

3 Vgl. auch Schmeller-Frommann II. 921. 

4 Swainson The Folklore S. 140. 



342 Turmfalke, falco tinnunculus, tinnunculus tinnunculus. 

Futterschwingen ausbreitet, oder das erste Glied ist mit Wand 
identisch und bezieht sich auf das Nisten des Vogels in den 
Mauern der Türme. Eine sicherere Deutung ist noch nicht 
gefunden ; Grimms Vermutung in der Geschichte d. d. Spr. I, 34, 
daß der Turmfalke nach den Wannen benannt worden sei, die 
man ihm aus mythologischen Gründen an die Häuser angehängt 
habe, entbehrt einer sicheren Grundlage. Möglicherweise kann 
man an got. winpjan 'worfeln' anknüpfen, denn das Hangen und 
Flattern mit den Flügeln in der Luft, das dem Turmfalken eigen 
ist, kann das Bild vom Worfeln hervorgerufen haben. Dann 
wäre die Namensform wanne(n)-weho aus *wanßna- entstanden. 
In dem mittelhochdeutschen Renner des Bambergers Hugo 
von Trimberg (V. 5520. 21455) wird der Turmfalke rotelwie genannt; 
auch in den Glossen ist mhd. rotelwie, mnd. rodelwige, radehvige 1 
öfters bezeugt. Ein früherer Beleg dieses Falkennamens ist 
erhalten in der Glosse rodelkiuino erodion in cod. Guelpherbyt. 
Aug. 10. 3. 4° f. 89a (roder kiuino in cod. Berol. Ms. lat. 8° 73); 
hier sind wohl zwei verschiedene Vogelnamen : rödel 'Turmfalke' 
und kiuino e Zwergohreule 5 (vgl. S. 317) von dem Schreiber zu- 
sammengeschrieben. Der Ausdruck rotil ist mittels des bekannten 
Suffixes ila- vom Adj. rot (got. rauds) abgeleitet und nimmt Bezug 
auf das rötliche Gefieder des Turmfalken ; es liegt also hier die- 
selbe Bildung vor, wie im ahd. rotil(o) 'Rotkehlchen 5 . Im Ther. 
Sil. (1603) S. 304 verzeichnet Schwenkfeld neben Rötehveih die 
umgestaltete Form Rotelweib als schlesisch ; Popo witsch Versuch 
(1780) S. 603 führt Rötteliveibel als oberschlesischen Vulgärnamen 
an. Die Variante Rötelgeyer ist zuerst bei H. Sachs Regim. der 
Vögel (1531) V." 219 bezeugt, darauf Rotelgeyer bei Eber und 
Peucer Vocab. (1552) S. E 3b, Rödelgeyer in der Angenehmen 
Land-Lust (1720)8.167, Röthel-Geyer bei Frisch Vorstellung der 
Vögel (1763) I, 84. Die Namensform Rüttelwy kennt Gesner 
a. a. O. (1555) S. 46 aus Sachsen. Auch Popowitsch a. a. O. be- 
zeichnet Rüttelweih als sächsisch; als schlesische Dialektform 
nennt er Rüttelgeyer. In Sachsen ist Rittelgeyer durch Döbel 
Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 76 bezeugt. Ein modernes Zeugnis 

1 S. Diefenbacli Glossar. S. 158 c und Novum glossar. S. 120 b 
s. v. cristula. 



Turmfalko, falco linunculus. tmnuiKulus tinnunculus. 843 

aus Oberschlesien bietet Hauptmanns Versunkene Glocke (1897) 
7. Autl. s. 139: "Den Rüitelfalhm hör ich Kajak rufen". Der 
Zusammenhang des Vogelnamens mit dem Verbum "rütteln*, das 
in der Falknersprache vorkommt and auf die Qatternde Plugart 
des Turmfalken bezogen werden kann, ist offenbar ersl durch 
Bekundäre Anlehnung zustandegekommen. Ursprünglich ist die 
Namensform rutdwte, die zuerst in Glossaren des L5.Jhs. belegt 
ist, eine Variante von rötdtote und beruht auf der schwachen 
Lautstufe des A.djektivstammes na)/«/- "rof, ebenso wie ags. 
rudduc "Rotkehlchen*. 

Kiiit« onomatopoietische Benennuni;' des Turmfalken ist 
Krechd oder Krechelek 1 in Luxemburg. Schon in der Darm- 
städter Bandschrift des Summarium Heinrici findet sich das 
Wort krichel am Rande geschrieben, mit dem lat. Text grac a 
garrvlitate uocis] die übrigen Handschriften schreiben an dieser 
Stelle ruoh d. h. Saatkrähe; vgl. luxemburg. Krek 'Elster' 
S. 181. Im Sinne von 'Turmfalke' ist krichel in einem Vokabular 
ex quo aus dem Jahre 1476 bezeugt, dessen Mundart als rhein- 
ländisch angegeben wird (eyn rudelwihe o. eyn krichel =■ cristula-). 
In Ostermanns Yocab. v. J. 1591 S. 328 wird der Name aus- 
drücklich als moselfränkisch bezeichnet: "Tinnunculus, Mofel- 
lanis, Ein Kriechelen I accipitris genus usw." Der Ausdruck 
beruht auf der verschobenen Lautstufe des lautbildenden Stammes 
krek, krik (vgl. Kriechente), während der unverschobene Guttural 
in luxemburg. Krek (altmoselfränk. crecuhi) vorhanden ist (vgL 
Krikente). An das deutsche Wort klingt die gleichbedeutende 
frz. Benennung crecerelle (afrz. crecele\ woraus engl, kestrel (für 
kesrel) entlehnt ist, an; aber der Gleichklang scheint nur zufällig 
zu sein. Das Geschrei des Turmfalken beschreibt Voigt Ex- 
cursionsb. S. 192 als ein helles, kicherndes gik, gik, welches 
mit dem Rufe des Kleinspechtes große Ähnlichkeit hat. Es sind 
diese Töne, welche dem Yogel den Namen Lachweihe (bei Schwenk- 
feld a. a. 0.) verschafft haben. 

Im Münsterlande wird der Turmfalke Kribbe* genannt 



i Wb. d. Luxemburg. Mundart '2\ i. 

2 Diefenbach Novum glossar. S. 120 b. 

3 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 86. 



344 Lerchenfalk, falco subbuteo. 

(vgl. gleichbedeutendes frz. dial. criblette 1 ). Sonst heißt er dort, 
wie die vom Mäusefang lebenden Bussarde, auch Müsehawk 2 ; 
in der Schweiz ist Hennen- Vogel 3 eine gemeinsame Bezeichnung 
dieser Raubvögel. Den wissenschaftlichen Ausdruck Turmfalke 
(schwäb. Turntveih 4 ) führt Popowitsch (1780) S. 603 f. mit der 
synonymen Benennung Kirchenfalk (S. 602) nach Halle an. 

In Deutschland selten ist der mit dem Turmfalken nahe- 
verwandte Rotfußfalke (falco vespertinus). Er hat im Sarntale 
den Namen Zullenfalk erhalten, weil seine Nahrung hauptsächlich 
aus Käfern (Zull) besteht. 

Lerchenfalk, falco subbuteo. 

Durch Kreuzung der edlen Falken untereinander oder mit 
den unedlen Falken gewann die Falknerei Arten, welche man 
Mittelfalken oder vermischte Falken nannte. Ein Bastardvogel, 
der den Wanderfalken und den Hoverfalken' als Eltern hatte, 
wird stainfalck genannt und "ist gleichzuhalten als der pilgrin- 
falck", s. Mynsinger S. 18. Der Name kommt auch im Minne- 
falkner Y. 25 vor. Gesner Hist. avium S. 74 übersetzt falco lapi- 
darius des Albertus mit Steinfalck. 

Eine andere Bastardart enstand durch Kreuzung des e Hover- 
falken' und des e Schmirlins' ; nach Mynsinger S.18 ist der Vogel 
"mitelmässig und ettlich haissent in dem pämfalcken 3 . Der 
Name Baumfalke ist aber die gewöhnliche Bezeichnung des 
Lerchenfalken. Einige Zeugnisse des Namens stammen bereits 
aus althochdeutscher Zeit : boumfalco herodivs : cod. Selestad. f. 109b. 
bom ualho: cod. Guelpherbyt. Aug. 10. 3. 4° f. 89a. bom falco: cod. sem. 
Trevir. R. III. 13, 105 a. Im 16. Jh. ist Paumfalck bei H. Sachs Regim. 
der Yögel Y. 157 , Bawmfalck bei Eber und Peucer Yocab. 
(1552) S. E3b, Baumfalck im Strassburg. Yogelb. v. J. 1554 
Y. 284, Baumfalck und Baumfelckle bei Gesner a. a. O. S. 74 — 
doch wie es scheint, nicht aus der Schweiz — bezeugt; auch 
niederl. boomvalk. Den Namen hat der Falke erhalten, weil er 
gerne sein Nest auf Bäumen anbringt. 

1 Rolland Faune populaire II, 31. 

2 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 86. 

3 Staub-Tobler I, 694 — 4 Fischer II, 506. 



Adler, aquila. 846 

8chwenkfeld Ther. Sil. (1603) 8. 261 nennt für diesen \ 
die Namen Ein Stos Fälcklin I kleiner Faleke Lerch Fälcklin. In 
der Angenehmen Land-Lust | L 720)8. L67 heiß! er Lerchenhächtiein 
(bair. Hackt Eabicht) and (wegen der weißen Wangen) Weiß- 
bäcklein. Am meisten verbreitet is1 wohl heute der Name Lerchen' 
fdUce\ im Elsaß auch Lerchenstößel 1 . Der Ausdruck Stoßfalke is< 
in diesem sinne selten; gewöhnlich wird er vom Eühnerhabicht 
gebraucht, Stoßfelcklin bei Gesner a.a.O. auch vom Merlinfalken 
Im Münsterkreise ist der Lerchenfalb als Stoaltcenfänger* bekannt 

Adler, Aquilinae. 
Adler, aquila. 

Ahd. aro: Sg. Nora. — aro aquila: cod. SGalli 911, 37, cod. 
Parisin. 7640, 126 b. cod. SGalli 913, 198 a. cod. SGalli 242, 248 a. 
aro : Aldhelmi Aenigm. 261, 17 : cod. SGalli 242, 35. Notker Cantic. 
Deuteronom. 11 (2 Mal), cod. Selestad. f. 110a. aro: Versus de volucr. 
H. S. III, 17. Gll. Salom. al. Clm. 14689 f. 47 a. Notker W. Cantic. 
Deuteronom. 1 1 (2 Mal), cod. Guelpherby tan. Aug. 10. 3. 4" f. 89 a. hera : 
cod. Berol. Ms. lat. 8° 73, 124a. am: cod. Parisin. 12269 f. 581). — 
Gen. — dren: Notker Ps. 102, 5. — Akk. — dren: Notker Ps. 
103, 17. aren: Notker Wps. 103, 18. — PI. Nom. — arun: Monseer 
Fragm. 19, 1. Carmen de Philomela 27: cod. Vindob. 247, 223a. arin 
alies: cod. Vatican. Reg. 1701, 2b. erni: Tatian 147, 5. 

Ableitung: arin f. 'Weibchen vom Adler' (mittels des fem. 
mtyö-Suffixes gebildet): aro uel arin aquila: Umordn. H. S. III. 8. 
— Gen. — arinne: Notker Wps. 102, 5. 

Die altgermanischen Sprachen haben für den Adler einen 
gemeinsamen altererbten Namen, der in zwei Varianten *aran 
und *arn-u erscheint. Die erstere Grundform wird vorausgesetzt 
durch ahd. aro, got. ara, anord. «/^(norweg. dial. are, schwed. dial. 
a/-), während die erweiterte Namensform in ahd. mhd. am, mnd. 
arn(e\ arnt, mndl. arent, ags. eam, me. em, eine, und anord. gm, 
diin. 0rn, schwed. öm vorliegt; in deu heutigen englischen Dia- 
lekten ist ern selten, das gewöhnliche Wort ist eagle « nie. egle) ans 
frz. aigle (lat aquila > anord. poet. sglir). Die germanische Be- 
nennung *ar-an, aus deren Flexionsformen der //-Stamm sekundär 
hervorging (vgl. Kluge Vorgeschichte- § 222), ist urverwandt mit 
akslav. nrilü, lit. erelis "Adler*, com. breton. er, cymr. eryr 'dass.*, 

1 Martin-LienhartII,618. — 2 Korrespondenzbl.f.ndd. Spracht'.XV1.86. 



346 Adler, aquila. 

auch wohl mit griech. öpvtc Wogel 5 . Gewöhnlich wird als Grund- 
bedeutung des indogermanischen Yogelnamens die weitere Be- 
deutung des griechischen Wortes angesetzt; dieselbe solle auch in 
westfäl. Arent 'Tauber', das herangezogen wird, erhalten sein. Dies 
ist jedoch kaum richtig; der westfälische Ausdruck gehört nicht 
hierher, sondern ist wahrscheinlich mit dem Personennamen 
Arnold identisch, vgl. S. 210. 

Im Althochdeutschen ist aro die normale Form und scheint, 
soweit man aus der althochdeutschen und mittelhochdeutschen 
Überlieferung schließen kann, allgemein hochdeutsch zu sein, 
während am dem mitteldeutschen Gebiete eigen ist. Wie der 
Beleg arin = alies Ahd. Gll. III, 463 15 aufzufassen ist, ist nicht 
ganz klar; Steinmeyer liest alites und hält arin für eine Plural- 
form. Ob in Ahd. Gll. III, 458 17 die Glosse Jiera als eine alte 
Femininbildung zu verstehen ist, bleibt zweifelhaft, da der Schreiber 
des Glossars öfters grobe Fehler macht. 

Unser neuhochdeutsches Wort Adler, von welchem der 
alte Name verdrängt ist, beruht auf der Zusammensetzung *adal- 
aro (d. h. Adel-Aar, Edel- Aar). Das Kompositum tritt zuerst im 

12. Jh. auf (adelare aquila: cod. Yindob. 804 f. 185b). Die spät- 
althochdeutschen Versus de volucribus und das Summarium Hein- 
richs, welches verschiedene Adlerarten aufzählt, haben in der 
ursprünglichen Fassung die neue Bildung noch nicht. Erst seit 
dem 13. Jh. tritt sie in den Abschriften der Versus auf: adlar 
aquila (2 Hss. des 14. u. 15. Jhs.), adlär (1 Hs. des 14. Jhs.), adiler (1 Hs. d. 

13. Jhs.), adler (2 Hss. des 14. u. 15. Jhs.), adell* (1 Hs. d. 14. Jhs.). Ein 
Personenname Adeler ist im späten Mittelalter einmal bezeugt 1 , 
unter den älteren zusammengesetzten Personennamen, welche das 
Wort aro enthalten, findet sich diese Bildung nicht 2 . Man wird 
wohl kaum fehlgehen, wenn man annimmt, daß die Bezeichnung 
des Vogels als e der edle Aar' auf die Anschauung der gerade im 
12. Jh. zur Blüte gelangenden Falknerei zurückgeht, wonach die 
Jagdvögel in edle und unedle eingeteilt wurden. In der mittel- 
hochdeutschen Periode gewinnt die neue Benennung immer mehr 
Verbreitung neben ar(e\ das allmählich zu verschwinden beginnt; 

1 Socin Namenb. S. 408. 

2 Vgl. Förstemann Altd. Namenb. I 2 , 135. 



Adler, aquila. 



M'i 



besonders als zweites Kompositionsglied m Vogelnamen wie müsar^ 
Uar usw. behauptel sich jedoch das alte Wort. Charakteristisch 
für diese Entwicklung sind die Worte Bfynsingei : "Er (der 
Sackerfalke) yssel noch gleich als vil als der groe* .\r. den 

man den Adler nennef, "Sein (des HabichtB) Flügel sind 

auch nach Lidmas spitziger denn an dem Adler oder an dem 
andern Arn". Im 16. Jh. führt Turner Avium hist (1544) 8.B 5b 
noch ein Asm n< -1 »• -m ein Adler an, Gesner Hist. avium (1555) 
s. im nennt ebenfalls noch Aar, Ar, Arn, Art(türArnfy be- 
merkt aber, daß in «Im- Schweiz und in den meisten Gegenden 
Deutschlands Adler das üblichere Wort ist. Im 17. Jh. stirbt 
das einfache Wort Aar fast aus, taucht aber wieder als poetischer 
Ausdruck seit der zweiten Hälfte des 18. Jhs. auf und hat sich 
mit dem in. ,1h. dauernd eingebürgert. In den hochd. Mundarten 
ist Aar überall wohl untergegangen, abgesehen von dem Walliser 
Dialekt, wo Aro noch heute üblich ist 1 ; doch ist zu bemerken, 
daß auch die Benennung Adler seit dem Verschwinden des Vogels 
in vielen Gegenden nicht mehr volkstümlich ist. Vgl. Kluge Zs. f. 
d. Phil. XXIV, 3111, Jeitteles a. a. 0. XXLX, 177 ff., von Bänder 
PBB. XXII, 5191 sowie Kluge Et. Wb. 6 S. 1. 

In althochdeutscher Zeit wird das Wort aro auch von 
kleineren Raubvögeln angewendet, aber nur in Zusammen- 
setzungen (wie sparivth'i, miisari), wo das erste Glied den be- 
treffenden Yogel genügend charakterisierte. Das einfache AVort 
bezeichnet immer die aquila-Art. Dies ist offenbar auch die alte 
Grundbedeutung gewesen, und die Erweiterung derselben in 
Komposita setzt erst einen Vergleich mit dem Adler voraus, 
ebenso wie z. B. der landschaftliche Ausdruck Fischadler = 
Scharbe. Xachdem aber die Adler selten geworden oder gar 
verschwunden waren, wurde auch der einfache Name auf andere 
große Raubvögel bezogen 2 . 



1 Staub-Tobler I, 385. 

2 Wie aus den oben angeführten Worten Mynsingers hervorgeht, 
wurde das einfache Wort Ar schon zu seiner Zeit in dem erweiterten 
Sinne 'großer Raubvogel' verwendet. Zu beachten ist auch, daß von den 
Handschriften des Summariuni Heinrici der Cod. Qm. 23796, 173 a 1 15. Jh.) 
das lat. Lemma mütms mit ein ar übersetzt. 



34-8 Steinadler, aquila fulva. 

Steinadler, aquila fulva. 

Im Summarium Heinrici wird eine Adlerart mit dem Namen 
stocaro bezeichnet, der als e Waldadler' aufzufassen ist, vgl. Stock- 
merle S. 57, Stockauf S. 258, Stockeule S. 272. Das ist die 
'aquila truncalis' des Albertus Magnus, heute Stein- oder Gold- 
adler genannt. Außer in dem Belege stocaro gradipes im Sum- 
marium III, 17 kommt der ahd. Name noch in den Versus de 
volucribus vor, wo er mit 'alietus' übersetzt ist; ferner stochar 
in cod. Yindob. 804 f. 185b. Gesner Hist. avium S. 197 erwähnt 
den Ausdruck Stockarn im Anschluß an Albertus. Im Elsaß ist 
Stochar im Strassburg. Yogelb. v. J. 1554 V. 251 belegt, nachher 
in Spangenbergs Ganskönig Y. 83 Stockahrn. Schwenkfeld Ther. 
Sil. (1603) S. 188 bezeugt Stock- Ahr als schlesischen Vogelnamen, 
aber mit der Bedeutung 'Hühnerhabicht'; danach wird auch 
bei Klein Hist. avium prodr. (1750) S. 50 Stock-Ahr in diesem 
Sinne angeführt. Hohberg Adel. Land-Leben (1687) II, 777, der die 
Form Stock-Adler gebraucht, nennt zuerst den von der späteren 
Ornithologie angenommenen Namen Stein- Adler. Bei Klein a. a. 0. 
S. 40 wird daneben das Synonyinon Gold-Adler erwähnt, das nach 
"Chrysaetus" bei Aldrovandi Ornithologia, "aquila fulva seu aurea, 
the Golden Eagle" bei Willughby (1676) S. 27 gebildet ist. Es 
scheint danach fraglich, ob der Ausdruck Goldadler, den Unger- 
Khull Steirischer Wortsch. S. 298 verzeichnen, volkstümlich ist. 

Als besondere Art unterscheidet Schwenkfeld Ther. Sil. 
(1603) S. 218 von der "aquila regalis" die "aquila nigra" oder 
den Schwartzen Adeler, in Schlesien Schivartzer Ahr, anderwärts 
auch Hasen-Geyer I Hasen Ahr genannt. Der Ausdruck Hasen- 
geyer wird auch von Eber und Peucer Yocab. (1552) S. E 2 b 
von einer Adlerart gebraucht: "Yaleria id est fuluia colore nigri- 
cano minima magnitudine". Da die Namen Geier und Adler in 
manchen Landschaften von Weihen, Falken, Habichten und 
anderen Raubvögeln gebraucht werden, so sind Ausdrücke wie 
Hasengeyer usw. oft mehrdeutig. In der Schweiz wird mit den 
Namen Berggir und Steingir heute der Steinadler bezeichnet; in 
Steiermark teilt er mit dem Lämmergeier den Namen Gamsgeier 1 . 

1 Unger-Khull 265. 



Schreiadler, aquila nacvia. — Seeadler, haliafitafl albicilla. 

Schroiadler, aquila naevia oder pomarina 

Verhältnismäßig selten ist in Deutschland der Schreiadler. 
Nach Xauniann-IIennioke V, 232 Lsl er ein mehr oder weniger 
häufiger Brufr ogel in I )st- und Westpreußen, Pommern, der Mark, 
Polen, Galizien, Österreich-Ungarn, Böhmen; in Schlesien, Mecklen- 
burg und Schleswig-Holstein ist der Vogel seltener. Bei Schwenk- 
feld, der im Ther.SiL (1603) S.219 eine Beschreibung des Schrei- 
adlers gibt, heißt er Ein Rötlichter Meufe Ahr. Diesen Adlermeint 
auch Gesner Hist. avium 1 1 555) S. 192, wo er \ on einem am Boden- 
see vorkommenden Raubvogel spricht, der größer ist als die Weihe 
und von dm dortigen Anwohnern Entenftöffel genannt wird. In 
Ostermanns Vocab. (1591) S. 328 kommt neben Enietutöffer das 
Synonym Ein Gelpher vor. Das Wort gehört zu mhd. <jelpfen 
"schreien', so daß der Name *gelpf-ar eine genaue Parallele zu dem 
modernen Namen Schreiadler ist Ein dritter gleichbedeutender 
Ausdruck ist Schelladler (zu mhd. schellen 'ertönen lassen'' neben 
Emi Iten- Adler bei Klein Hist. avium prodr. (1750) S. 41. 

Seeadler, haliaütus albicilla. 

Ahd. eringreoz: Sg. Nom. — e. ringreoz alies : cod. SGalli 
299p. 33. eringrioz: Cgm. 187. erin: grioz 1 : cod. Berol. Ms. lat. 8° 
73. 127b. erinfgreoz: Leviticus 11, 13: cod. Vindob. 1761. 46a, erin- 
grieoz: cod. SGalli 295, 126, eringreez: cod. Stuttg. th. et phil. 218, 
13c, eringreez: cod. SPauli XXV d/82, 37a, cod. SGalli 9, 275 ; eringrioz : 
cod. Vindob. 2723, 18 b, cod. Vindob. 2732. 22b, Clin. 181 i". 1 I a, cod. 
Gotwic.lQ3,49b,mn$rrie3: Clin. 13002, 219b, eringriet.Om. I 
38a, eringriz: Clin. 22201, 238b. 611. Salomon. al. eringriez: H. S. 
III. 17. XI e, erengrii ; a2. eringroz: cod. sem. Trevir. R. III. L3, L03a. 
arangroz: Leviticus 11, 13 : cod. SGalli 283, 482, cod. Carolsruh. Aug. 
CCXXXI, IIb, cod. Guelpherbyt. Wiss. 29, 81b, Clm. 18528, 1, 73a, 
cod. mon. herein. 184, 297. eringeoz. id eligriu*: Anhang z. alten u. 
neuen Testament: Leviticus 11, 13: Clm. 14747, 96b. 

In den obengenannten Belegen ist der althochdeutsche 
Name des Seeadlers bezeugt, dem in angelsächsischen Quellen 
die Varianten earngeot, earngfat, earngeup, eamgeap, arngeus 
entsprechen. Der germanische Vogelname ist ein altes Kompo- 
situm, desseu erster Teil den Adlernamen *aran- : *arm- enthält. 
Als selbständige Namensform ist das zweite Glied der Zusammen- 

1 Rasur von ? g (Steinmcyer). — 2 eligriu ist vollständig dunkel. 



350 Seeadler, haliaetus albicilla. 

Setzung wohl im gleichbedeutenden anord. gjodr (norweg. gjo, 
jo, fiske-gjo, schwed. fiskgjuse, fislijuse) vorhanden. Die Divergenz 
der angeführten Lautformen deutet auf frühe Umgestaltung des 
Namens. Wahrscheinlich hat die überlieferte althochdeutsche 
Normalform eringrioT, bereits eine solche Umbildung des zweiten 
Kompositionsteils erfahren, denn den angelsächsischen und alt- 
nordischen Formen fehlt der dort vorkommende r-Laut und die 
alten Personennamen Arimus, Aragoz, Aringaud, Arnegaus, 
Arnghot 1 , welche auf dem Yogelnamen beruhen, zeigen ebenfalls 
nicht das inlautende r. In BB. XIII, 117 hat Johansson den 
Namen als eine Ableitung von idg. *ahju- 'Fisch 5 (griech. ixöuc 
'Fisch', lit. zuvis, schwed. gös (aus aschwed. gius) 'Zander') gedeutet, 
so daß der Seeadler als 'Fischer' benannt worden wäre. Doch 
ist diese Deutung unwahrscheinlich, denn der Vogelname erscheint 
in zwei verschiedenen Ablautsformen *geu- : *gaa-. Der aus- 
lautende Labial im ags. earngeap, earngeup erklärt sich wohl aus 
Anlehnung an geopan 'schlucken' (anord. gaupa 'Luchs'). 

Yon den ahd. Zeugnissen stimmt eringeoz in Clin. 14747 
zu ags. earngeot, doch ist die reale Existenz jener Form auf 
deutschem Sprachboden fraglich, da die Handschrift nicht ganz 
frei von angelsächsischem Einfluß zu sein scheint. In Deutsch- 
land ist der alte Yogelname in mittelhochdeutscher Zeit unter- 
gegangen. Zwei unabhängige Zeugnisse aus dem 15. Jh. sind 
die einzigen Spuren von dem Namen in dieser Sprachperiode. 
Schmeller-Frommanns Bayer. Wb. 1, 129 belegt Erngries im Osten 
Deutschlands aus dem Jahre 1484 (auch als Personennamen 
Henricus Erngries). Im Westen des Sprachgebiets erscheint die 
zweite Ablautsform in dem niederrheinischen Gedichte der Anna 
von Köln "Sehnsucht nach dem Himmel" (Zs. f. d. Phil. XXI, 151): 
"Hed ich die vlogelen eyns aren grijs ich suld so hoge vleigen 
bouen int dat paradijs". Der Verfasser der anderen Version des 
Gedichtes hat das Wort nicht mehr verstanden und hat es gegen 
'Seraphim' ausgetauscht. Auch die ornithologische Literatur des 
16. Jhs. weiß nichts mehr von dem alten Namen. 

Gesner, der für den ossifragiis der Alten die klassische 
Literatur ausführlich zitiert, bietet nichts Eigenes; er hat den 

2 S. Förstemarm Altd. Namenb. I», 135. 139. 



Fischadler, pandion haliai : lus. 351 

Vogel selbst nicht gesehen. Aus erhaltenen Mitteilungen weiß 
er jedoch (Hist. avium s. i!)!i) zu berichten, daß der Seeadler im 
schweizerischen Gebirge Beinbrecher und Steinbrüchen heißt, ireil 

er die Knochen von seiner Bente aus der Böhe fallen läßt und 
sie so an den Felsen zerschmettert. Das Werl Benbrüchel kommt 
schon unter den Vogelnamen des Vocabularina optimus (Ed. 

Wackernagel S. 4.°,) XXXVII. !)1 iror; darauf in Bracks Vocab. 
v. J. 1495 S. 49a. Es Eragt sich jedoch, ob diese Namen wirk- 
lich von Hanse ans volkstümlich sind, und nicht vielmehr auf 
das lat. ossifragu3 'Knochenzerbrccher'' zurückzuführen sind, das 
in afrz. orfraye, ospres (engl, osprey) einen Reflex hinterlassen 
hat. In diesem Fall würden die deutschen Ausdrücke ähnlich 
zu beurteilen sein, wie Nachtrabe, Ziegenmelker u.a. auf klas- 
sischen Einfluß weisende Vogelnamen. 

Eine ausführliche Beschreibung des Seeadlers gibt Schwenk- 
feld Ther. Sil. (1603) S. 220, der dafür die Ausdrücke ein Bein- 
brecher I yroffer Hafen Ahr und als spezifisch schlesische Be- 
nennung Skaft anführt. Da der Seeadler außer Fischen, die er 
in großer Menge vertilgt, auch kleineren Säugetieren und be- 
sonders den Wasservögeln eifrig nachstellt, so heißt er heute 
in Preußen Gänseaar 1 , in der Altmark Gösaornd 2 , im Nord- 
friesischen Gusaarn 3 . — Der Ausdruck ist bereits im 13. Jh. in 
der Glosse gansar Versus de volucribus: cod. Admont. 759 (Ahd. 
GM. III, 22 10 ) belegt. 

Fischadler, pandion haliaetus. 

Die von dem Seeadler geltenden Namen werden vielfach 
auch von dem Fischadler verwendet, den Turner Avium hist. 
(1544) S. B 8a unter dem Namen Visharn (bei Eber und Peucer 
Yocab. (1552) S. E 3a Fischarhn) erwähnt. Gesner, der selbst 
keinen Namen für den Yogel kennt, wiederholt (Hist. avium 
S. 195) den von Turner gebrauchten Ausdruck Fischarn. 

Im Regim. der Vögel (1531) V. 181 nennt H. Sachs den 
Vogel Fischgeijer. Von den Synonyma Fisch Ahr \ Fisch Adler 
Bohr Falckel Meeradler, welche Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 216 

1 Frischbier I, 216. — 2 Danneil 68. 
3 Johansen Nordfries. Spr. S. 3. 



352 Mäusebussard, buteo vulgaris, buteo buteo. 

aufzählt, bezeichnet er den erstgenannten Ausdruck als schlesisch. 
In der Übersetzung der Bücher Plinii v. J. 1651 S. 497 werden 
die Xamen Fisch- oder Meeradler angeführt, bei Hohberg Adel. 
Land-Leben (1687) II, 777 Meer-Adler. 

In Luxemburg heißt der Yogel heute Plompert oder Fösck- 
plompert 1 . Der Name ist ein Schallwort (vgl. plompsen) und 
charakterisiert das laute Geräusch, mit dem der Fischadler sich 
in das Wasser stürzt, so daß es hoch hinaufspritzt. 

Bussarde, Buteonidae. 

Mäusebussard, buteo vulgaris, buteo buteo. 

Ahd. müsäri: Sg. Nom. — musari larus: cod. Vatic. Reg. 1701, 
2b. cod. sem. Trevir. R. III. 13, 106b. musare: Versus de volucr. H. 
S. III, 17. XI a 2. b. e. g. alititius : Gll. Salomon. larus 2 ipse est gaia 3 
que solet semper supersedere aquis. Larus est teutonice : Leviticus 
11, 16: Clm. 2571, 36 b, cod. Erlang. 242, 37 b, müsas e 4 : Clm. 4112, 
41a, musere: Clm. 7997, 36b; musare: Clm. 5515 f. 131b. mvsare: 
cod. Vindob. 804, 172 b, muscere: cod. Wirziburg. Mp. th. 4° 60, 104 a. 
musara: cod. Berol. Ms. lat. 8° 73, 124a. musaro ixon: Gll. Salomon. 
al, musear 5 litic 9 : Clm. 17152, 5 c. — Akk. — mufsare larus uocatur 
saxonice meü. nostri: Leviticus 11, 16: cod. Vindob. 1761, 46 b, 
musare: cod. Stuttg. th. et phil. 218, 13c; musari: cod. Vindob. 2723, 
18 b, cod. Vindob. 2732, 22 b, Clm. 18140, 14 a, cod. Gotwic. 103,49b, 
musara: Clm. 14689, 38a, musaro: Clm. 13002, 219b, musar: Clm. 
22201,238 b. 

Die althochdeutsche Bildung müsäri (mhd. muscere = mnd. 
müser), welcher im Angelsächsischen ein einmal bezeugtes müseri 
(St. Galler Gll. in Kluges Ags. Leseb. 3 S. II) 6 entspricht, ist in 
dieser Form eine Ableitung von mus 'Maus' und bezeichnet 
einen vom Mäusefang lebenden Raubvogel. Nach Kluge Et. 
Wb. 6 S. 370 s. v. Sperber war der Name aber ursprünglich 
ein Kompositum müs-aro 'Mause- Aar*, das im Anschluß an die 
mit Suffix ärja- gebildeten Worte umgebildet wurde; ebenso 

1 Wb. d. Luxemburg. Mundart 116. 339. — 2 larum in der Vulgata. 

3 Larus gabia idest genus auis CGL. V, 553, 45, vgl. Diez I 3 , 204 
(Steinmeyer). 

4 Der Zircumflex mit dunklerer Tinte auf Rasur, wie es scheint 
(Steinmeyer). 

5 oder inusear (Steinmeyer). 

6 Die ags. Wörterbücher verzeichnen das Wort nicht. 



Mäusebussard, buteo vulgaris, buteo buteo. 353 

werden a. a. 0. auch tparwdri und kranuhdri (in <I«m- Lei Salica) 
aus *sparto-aro ) *kranuh-aro gedeutet Da die genannten drei 
Vbgelnamen zur Terminologie der Beize gehören and diese von 
enger Wechselwirkung der Germanen and Romanen zeug! 
darf man vielleicht annehmen, daß der Anstoß zur Umbildung 
der auf -aro ausgehenden Falken- and Babichtnamen speziell von 
den romanischen Bezeichnungen der Jagd vöge] auf -arius (fer) aus- 
gegangen ist, v.m denen mutarius and lanarius auch ins Deutsche 
übernommen u orden. 

In den Bibelglossen wird ahd. müsäri als Synonymon zu 
ags. meu 'Möwe' genannt und mit larus "Möwe J glossiert; auch 
die Erklärung des lat Wortes "quo solet semper supersedere 
aquis" deutet auf die MLÖwe. Doch ist es sehr fraglich, ob der 
Übersetzer mit »ins<(ri die Möwe meinte. Ihm, dem Süddeutschen, 
war dieser Vogel vielleicht nicht bekannt, und so wird er wohl 
zum Namen des Bussards gegriffen haben. Denn diese Bedeu- 
tung steht für ahd. müsäri fest, wie man aus dem Platze des 
Wortes unter Falken- und Habichtnamen im Summarium und 
den Glossierungen mit alititius (d. h. alietus) und ixon ersehen 
kann. Mvnsinger nennt (S. 12. 16) alle unedlen Falken, zu denen 
er außer den Bussarden auch den Turmfalken zahlt, meüser. 
Die althochdeutsche Bildung (im 16. Jh. im Strassburg. Yogelb. 
V. 250 Mufer) ist heute in vielen Gegenden erhalten geblieben, 
vgL steir. Mauser 1 m. 'Mäusebussard, Turmfalke 9 , anhält. Mauser 1 
'Mäusebussard', Schweiz. Stockmüser* 'Mäusebussard 9 . Als Kom- 
positum Meuß Ahr kommt der Name bei Schwenkfeld Ther. Sil. 
(1603) S. IST vor; preuß. Mause-Falck bei Klein Hist. avium 
prodr. (1750) S. 50, Mause-Geyer bei Döbel Eröffn. Jägerpr. (1746) 
S. 75, Mausgeierl 4 n. in Steiermark. Im Mittelniederdeutschen 
ist musebiter = larus einmal belegt; in Westfalen Miisekibbese, 
Müsebickeler b . Ähnliche Ausdrücke sind in den verwandten 
Sprachen ags. miishafoc, fries. müzebiter 6 , dän. mua(e)vaag 

her in der Literatur übliche Name Bussard stammt aus 
dem Französischen, wo ihm die afrz. Namensform busari zu- 



1 Unger-Khull 455. — 2 Naumann-Hennicke V. 180. 
3 Staub-Tobler IV, 481. — 4 Unger-Khull 455. — 5 Woes 
6 Dijkstra Wb. IL 183. 
Suolaht i, Vogeluamen. '-'' 



354 Mäusebussard, buteo vulgaris, buteo buteo. 

gründe liegt. Turner Avium hist. (1544) S. B la belegt Busharda 
nur als englisches Wort. Als deutsches Wort wird Bushard 
zuerst von Gesner Hist. avium (1555) S. 46 angeführt, darauf 
im Elsaß Bußhard bei Golius Onomasticon (1579) S. 290, Büß- 
hart in Spangenbergs Ganskönig V. 81, heute Bussert 1 in Hoch- 
felden; ndl. buizerd ist zuerst bei Junius Nomenciator (1581) 
S. 53 a als busart, buysard belegt. Eine Umdeutung dieser Namens- 
form im Anschluß an Aar (ndd. Arn) ist schon in der Glosse 
Busahm bei Eber und Peucer Vocab. (1552) S. E 3 a bezeugt, 
darnach Busarhn bei Gesner a. a. 0., Bus-Ahr (neben Bushard) 
bei Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 187. — Auf eine altfran- 
zösische Variante buson geht die Form büsant zurück, welche 
Lexers Mhd. Wb. I, 399 aus den von v. d. Hagen herausgegebenen 
Gesamtabenteuern belegt. Im 16. Jh. begegnet diese Lautform 
im Elsaß zunächst als Bussant in dem Narrenschiff des Geiler 
von Keisersberg v. J. 1520 l , darauf Busandt (: landt) im Strass- 
burg. Yogelb. v. J. 1554 V. 258, heute Busam 1 in Achenheim. Da- 
raus umgestaltet ist Bushen (neben Busant) bei Gesner a. a. 0. Eine 
dritte Variante ist das von Gesner genannte Buse {== afrz. buse). 
Eine eigentümliche Bezeichnung des Bussards führt Alber- 
tus Magnus De animalibus S. U 7 b an: "Buteus uocatur auis rapax 

subnigra quam germanice brobuxen vocamus **; danach bei 

Ryff Tierb. Alberti (1545) S. I 6: "Buteus — inn Teutfcher fprach 
ein Brobuxen genannt". Bei Gesner a. a. 0. S. 46 wird Brobuxen 
unter Berufung auf Albertus und Murmellius als niederdeutsches 
Wort erwähnt. Der Name Brobuxe, dessen Akkusativform bei 
Albertus bezeugt und von den späteren Autoren mechanisch 
wiederholt worden ist, enthält als zweites Kompositionsglied 
ndd. Buxe aus Buk-hose 'Hose, Schifferhose', welches hier (bei 
Albertus) zum ersten Mal bezeugt ist. Der Mäusebussard ist 
also nach den breiten Hosen benannt, welche die Oberschenkel 
bedecken. Bei Klein Hist. avium prodr. (1750) S. 51 wird wieder 
der Milan als "caligatus quasi piscator, mit Schipper- Fischer- 
Hosen" beschrieben. Der erste Teil des zusammengesetzten Vogel- 
namens kann als mnd. brök 'Bekleidung der Oberschenkel' auf- 
gefaßt werden, so daß ein tautologisches Kompositum *bröch- 

1 Martin-Lienhart II, 104 f. 



Mäusebussard, butoo vulgaris, buteo buteo. 866 

biue zugrunde Liegen würde. Wahrscheinlicher ist jedoch, daß 
wir es hier mit mml. brdk, mhd bruoeh "Moor, 8mnpf zu 
tun haben; oüttelfränk. brobuM steht VXsbfdehbuxe gleichwie elsäss. 
Brofogel für Brachvogel. In Luxemburg heißl der Bussard heut- 
zutage Brokeiz 1 ) in Preußen Brüchhabicht) Brüchhafho*] rgLauch 
westtal. liräkmyge Vin Weihe, der durch Bein Geschrei B 
verkündet* 8 . 

Dievon Schwenkfeld unter **buteo M angeführten Bchlesischen 
Bezeichnungen Fischknecht I Fisch Ahr (daneben Rohr Ahr) sind 
offenbar Namen der Rohrweihe, denn die Bussarde nähren sich 
nicht von Fischen. Dagegen ist der Ausdruck Froschgei/er in 
der Angenehmen Land-Lust (1720) S. 167 für diese Vögel cha- 
rakteristisch. — Eine gemeinsame Benennung für alle Bussard- 
arten ist im Münsterlande Oellrick, Ollrick* (d. h. Ulrich). Rolland 
Faune populaire IT, 16 bringt den Namen mit der mythologischen 
Frau Holle in Zusammenhang, hält aber auch onomatopoietischen 
Ursprung für möglich. Man muß sich hier wohl nur mit der 
Tatsache begnügen, daß Vögel überhaupt oft mit Personennamen 
benannt werden. Der Grund zu dieser Namengebung ist nur 
in wenigen Fällen genauer zu ermitteln. 

Unter Falkennamen findet sich in dem althochdeutschen 
Vogelnamenglossar der Pariser Handschrift 9344 f. 42b die 
Glosse doni clin = frodium, welche in der Berliner Handschrift 
Ms. lat. 8° 73, L24a donieliri = erodium lautet. Da der Beleg 
jeder Stütze in der althochdeutschen und mittelhochdeutschen 
Überlieferung entbehrt ist ein Versuch, das schwielige Wort zu 
deuten, sehr mißlich. Vielleicht ist die Namensform als Deminu- 
tivuni von einem Vogelnamen abgeleitet, der mit dem /r-Suffix 
(wie in habuh usw.) gebildet ist. Im Stamme könnte der Farben- 
name stecken, der im ags. dunin), me. don, ne. dun 'dunkelbraun, 
schwarzbraun' vorliegt und der auch zur Bildung von anderen 
ilnamen gedient hat, vgl. anord. dunna 'anas boschas', me. 
donek 'accentor modularis 9 (ne. dunnock) usw. Die Benennung 
bezieht sich wohl auf eine kleine Falken- oder Bussardart, im 
letzteren Falle auf den Wespenbussard (pernis apivorus); im engl. 

1 Wb. d. Luxemburg. Mundart 47. — 2 Frischbier I, 111. 
3 Woeste 39. — 4 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI. 88. 

23* 



356 Weihe, milvus und circus. 

puttock 'Bussard' liegt ebenfalls eine Ableitung mittels des k- 
Suffixes vor. Vgl. Zs. f. d. Wf. IX, 174. 

In der Falknersprache nannte man die unedlen Bussarde 
lauer. Der Name, der aus dem französischen lanier entlehnt 
ist, wird zuerst von Albertus Magnus De animalibus S. X 4a 
erwähnt : "Lanarij potius quam falcones uocant et hoc uocabulum 
quidam germanicorum imitantes eo suo ydyomate lanete (1. lauere) 
uocant" ; bei Mynsinger lauer. Der einheimische Ausdruck sweimer 
oder sivemer (d. h. 'Schweber', wegen des schwebenden Fluges) 
kommt ebenfalls bei Albertus a.a.O. vor: "Quidam autem fvvemere 
uocare confueuerunt et funt butherii quidam mures in campis 
insequentes" ; in Ryffs Tierb. Alberti (1545) Schweijmer und 
Schimmer. Das Wort begegnet auch in der umgestalteten Form 
Schwimmer. 

Der häufigste aller Bussardarten ist in Deutschland der 
Mäusebussard, der mit dem obengenannten Namen meistens 
gemeint ist. Nur im Winter erscheint in Süddeutschland der 
Rauhiußbussard (archibuteo lagopus, buteo lagopus) und wird 
daher in Steiermark Schneegeier 1 genannt. 

Weihe, milvus und circus. 

Ahd. wio: Sg. Nom. — uuiio miluus: cod. SGalli 913, 200b. 
der uuio: Notker Ps. 62, 8. uuio: cod. Parisin. 12269 f. 58 b. cod. 
Guelpherbytan. Aug. 10. 3. 4° f. 89 a. ivio : Carmen de Philomela 24 : 
cod. Vindob. 247, 223 a. Versus de volucr. H. S. III, 17. cod. Selestad. 
f. 109b. GH. Salomon. al: Clm. 22201, 102c. wigo (Gallina congregat 
pullos) . . . protegit contra miluum : Evang. Matthäi 23, 37 : cod. Mogunt. 
non sign. 50 b. passerarius : cod. Parisin. 9344 f. 42 b. wigio : Versus 
de volucr. uuiuuo: cod. SGalli 242, 248 a. wiivo: Clm. 14689 f. 47 a. 
vviwo: H. S. III, 17: Clm. 2612, 34b, wiwe: cod. Vindob. 2400, 41b. 
vuiho: cod. Berol. Ms. lat. 8° 73, 124a. wiho asida: Gll. Salomon. al. 
tvihe: Versus de volucr., wie: Versus de volucr. cod. Vindob. 804 f. 
185b. wige: Gll. Salomon. al. 

Der Name Weihe, der auf ahd. wio, mhd. wie = mnd. wie, 
mndl. wouwe (nach Franck Et.Wb. S. 1183 aus älterem wuwe aus alt- 
niederl. *wiwöu) beruht, findet weder im Englischen, noch in den 
nordischen Dialekten Entsprechung. Diese Sprachen haben für die 

1 Unger-Khull 552. 



\\< ihe, iml viis und circus. 867 

Weih» 1 eine gemeinsame Bezeichnung in vaoTfLgleöa [d&iL gkede) 
ags. glida (engl. glede\ welche zum Verbum <//!f)<tn 'gleiten' 
gehören, über diese und verwandte Namensformen irgL Bellquist 
Etymologische Bemerkungen 8. III. — Den deutschen tarnen 
*%ct-an verbindet Bellquist a. a. 0. 8. 1 mit dem Worte Qeumh und 

führt ihn auf idg. irei-o 'aus zwei bestehend, Zweig* ZUrfick, wo- 
nach der Vogel nach dem gespaltenen Schwänze benannt worden 
ist. Persson Wurzelerweiterung s.u. 1 1 1. 233 gehl von av. >■/- 
'eilen, fliegen' aus, Kluge BtWb. 6 S. ll^ denkt an einen stamm 
*vf- 'jagen*. 

In semasiologischer Hinsicht ist Bellquists Deutung an- 
sprechend; die charakteristische Schwanzspalte der Königsweihe 
hat ihr auch in modernen Mundarten manchen Namen verschafft, 
\L:\.m\(\.Twelstert l im Münsterkreise und in der Grafschaft Ranzau, 
TtcSlstSrttoih* in Lübeck, Splanthaowk 2 (zu Splant 'Spalte') in 
Altmark, hochcL Furkeli, Furkeligh; Gabeliurt* in der Schweiz, 
Gabel wei* im Elsaß. Der Ausdruck Gabler kommt in Zorns 
Petino-Theologie (1743) II, 243 vor, das Synonymon Sehwufben- 
scluranz (holländ. zwaluwstaart) ist belebt bei Döbel Er« »ff n. Jägerpr. 
(1746)8.75, Popowitsch Versuch (1780) S.527; bei Adelung 
wird daneben Scherschivanz angeführt, Scheersrhwdnsel bei Klein 
Hist. avium prodr. (1750) S. 51. 

Sowohl auf hochdeutschem Gebiet wie in Niederdeutsch- 
land ist altd. \mo als allgemeine Bezeichnung für Milane und 
Weihen erhalten geblieben; oft wird der Name ahm- auch von 
Habichten und Bussarden gebraucht Die heute m oberdeutschen 
Mundarten vorkommende Namensform 117er 4 , Weder, Weiher \ 
welche schon im 14. Jh. in einer Handschrift der Versus als 
tveir erscheint und im 16. Jh. bei Eber und Peucer Vocab. 
(1552) S. F3a als Weiher, im Vocab. triling. (1560) S. 88 als 
Weyer bezeugt ist, ist aus einer Zusammensetzung Weih-ar 
(d.h. Weihenadler) zu deuten. Eine umgekehrte Kompositions- 
bildung ist arfueei in Handschriften der Versus de volucribus 
aus dem Lö.Jh. (Ahd. (Hl. III, 25 11 ' 18 ), Arwei, Ahrwei bei Heuisch 

1 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 83. 86. XVII. li 

2 Danneil 204. — 3 Staub-Tobler I. 1013. 

4 Martin-Lienhart II, 777. — 5 Schmeller-Frommann II, 825. 



358 Weihe, milvus und circus. 

Teutsche Sprach (1616) Sp.126; daraus wohl Härweih, Härrweih 
in Hessen-Nassau, Haiveih l hie und da auf dem Westerwald. 
Unklar ist Curwij in Döbels Eröffn. Jägerpr. (1746), Kurwy bei 
Naumann (Ed. Hennicke) V, 134 als Anhalter Ausdruck bezeugt. 
Adelungs Erklärung (III, 500), wonach der Name aus dem kir- 
renden Geschrei des Yogels herzuleiten sei, ist nicht richtig ; eher 
kann man an den niederdeutschen Jägerterminus kuren'dem Wilde 
auflauern* (sonst in der Bedeutung 'spähend schauen') denken. 

Da die Weihen den Hühnern arg nachstellen, so haben 
sie in vielen Gegenden danach den Namen erhalten. Zu Gesners 
Zeit (vgl. Hist. avium S. 586) war der landläufige Ausdruck für 
Weihen in der Schweiz Hünerdieb, auch bei Golius Onomasticon 
v. J. 1579 Sp. 293 Hünerdieb, heute im Elsaß Hüehnerweih 2 
und Wiherdieb-. Bei Aitinger Bericht v. d. Vogelstellen (1631) 
S. A 8 heißt der Vogel Keuehleindieb = ndl. Kieckendief bei Junius 
Nomenciator (1581) S.58b, ndd. Kükewih*, Kükeiviw 3 in Lübeck, 
Kikeui* in Holstein. Der Ausdruck hüenerar erscheint bereits bei 
Konrad von Megenberg (Ed. Pfeiffer) S. 193, 8, im 16. Jh. Hunerarh 
bei Agricola De animantibus subterraneis (1549) S. 3 a, Hünerahr 
in Sibers Gemma v. J. 1579 S. 42 und Hüner AhrlEaw Ahrl 
Hünerdieb als schlesische Namen bei Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) 
S. 303. Im Nordfriesischen kommt der Name Hanjüghar* vor. 
— Wie Huwei' in der Eifeler Mundart und Huhiveh 6 in Mecklen- 
burg zu beurteilen sind, ist nicht ganz sicher; Hidewyh 1 in 
Anhalt ist als 'Gänseweihe' (vgl. sächs. Hule e Gans') zu verstehen 
und hat eine Parallele in preuß. Gesselhabicht 8 (zu Gessel 'Gäns- 
chen'). — Wie die Bussarde, so heißen auch Weihen — bei 
Schwenkfeld a. a. 0. S. 303 f. die beiden Milane — wegen des 
gleitenden Fluges Schweimer; auch den Namen Mauser teilen 
sie mit den Bussarden. Der schlesische Name Grimmer, der 
bei Schwenkfeld a. a. 0. als Bezeichnung der Königsweihe an- 
geführt wird, ist als *grim-ar (zu mhd. grimmen 'die Klauen 
zum Fangen krümmen', vgl. mhd. Jcrimvogel) zu verstehen. 

1 Kehrein 189. — 2 Martin-Lienhart II, 777. 

3 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 83. XVII, 4. 

4 Johansen Nordfries. Spr. S. 140. — 5 Frommann D. Mundarten VI, 15. 

6 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 84. 

7 Naumann-Hennicke V, 134. — 8 Frischbier I, 231. 



Habicht, astur palambariot. B69 

Die heutige Wissenschaft unterscheide! die beiden milvus- 
Aiim (milvus regalis und milvus migrans) als Milane von den 
oircus-Arten oder den Weihen^ welche sie mil den Eabichten 
unter einer Gruppe vereinigt Der Name Milan, der ans dem 
gleichbedeutenden Erz, müan entlehnt ist, tritt erst im l s . Jh. 
auf als Maskulinum der Milan in Zorns Petino-Theologie 
(1743) IL 243, als Femininum die Mtilane bei Döbel Eröffn. 
Jfigerpr. (1746). Nach Adelung, der (EI, 500) das Wort sowohl 
in der maskulinen als der femininen Form bucht, wurden die 
Milane zur Jagd abgerichtet, und am kaiserlichen Bofe in Wien 
gab es eine Milanparthei, Milanknechte und Milanjungen. 

Von den älteren Ornithologen nennt Gesner anter dem 
Namen milvus nicht nur die beiden Milane, von denen der rote 
(llist. avium S. 585) den Namen liötehnj führt sondern auch die 
Rohrweihe (circus aeruginosus), welche er S. 192 schildert. Nach 
Gesner wird dieser Vogel in der Schweiz Masswy (im Register 
Mosswy geschrieben) oder Masshuw, anderwärts Fischer genannt. 
Die zwei erstgenannten Namen sind mehrdeutig: Masshuw (d. h. 
Mooruhu) ist eigentlich der Name einer Eulenart, Masswy (d.h. 
Moorweihe) wird auch von Bussarden gebraucht. Der Ausdruck 
Fischer beruht vielleicht auf einem Kompositum Fisrh-Ahr, das 
bei Klein Hist. avium prodr. (1750) S. 44 als Name der Rohr- 
weihe (daneben auch Braun Geyer) erwähnt wird. Schwenkfeld 
Ther. SiL (1603) S. 261 behandelt den Vogel als eine Falkenart 
und gibt als schlesische Benennung Rohr Falch an. 

Den Namen Entenftöffel schreibt Gesner sowohl dem Schrei- 
adler als der Rohrweihe zu; In der Obersetzung der Bücher 
Plinii (1(351) S. 497 Entenstösser, S. 196 Enten Adler, auch bei 
Hohberg Adel. Land-Leben (1687) II. 777 Endten-Adler. — Der 
Ausdruck Rohrweihe gilt in der Anhalter Mundart, s. Naumann- 
Hennicke V, 267. 

Habichte, Accipitrinae. 

Habicht, astur palumbarius. 

Ahd. habuh: Sg. Nom. — hapuh accipiter: cod. SGalli 913. 
198a. habuh: cod. SGalli 242, 248a. habuck, cod. Parisin. 12S 

58b. cod. Selestad. f. 109b. hapueh: Clin. 1 V741 63a ha i apus : 
Gll. Abactor: Clin. 1U29. 222 b. hnuuk: cod. sein. Trevir. I. 112 b. 



360 Habicht, astur palumbarius. 

hauohc : cod. Guelpherbyt. Aug. 10. 3. 4° f. 89 a, hauog : cod. Berol. 
Ms. lat. 8° 73, 124a, hauok: cod. Parisin. 9344 f. 42b. hauoh accipitres : 
Carmen de Philomela 24: cod. Vindob. 247, 223 a, haboh: cod. mus. 
Britann. Add. 16894, 245 a. hapoh: Job 39, 26 l : Clm. 6225, 36 b. 
habich: Versus de volucr. habech: H. S. III, 17. XI a 2. Versus de 
volucr. Clm. 14689 f. 47a. cod. Vindob. 804 f. 185b. — Dat. — (uöre 
demo) hdbeche: Williram 43, 14. — Akk. — habuch: Leviticus 11, 
16: cod. Gotwic. 103, 49 b, hapoh: cod. Vindob. 2723, 18b, cod. Vindob. 
2732, 22b, Clm. 18140, 14a, habich: Clm. 13002, 219b; cod. Stuttg. 
th. etphil. fol. 218, 13 c. 

Ableitungen und Komposita. — habuhhesswam (Pflan- 
zenname): habechesswum agaricum : cod. Vindob. 10, 336 a. habcsamo: 
cod. Vindob. 2532, 136 b. 

Der Habichtnanie ist gemeingermanisch. Es entsprechen 
dem ahd. habuh, mhd. habech : asächs. habuk- (in Ortsnamen Habuc- 
horst, Habocas-broc\ mnd. havec, mndl. nndl. havik, ags. hafoc : hea- 
foc, me. hauk, ne. hawk und anord. haukr (aus *hobukr\ dän. h#g, 
schwed. hök. — Im urgerman. Viabuk-a- ist k ableitend, wie in 
kranuh (s. S. 291), und der Stamm *hab- (in got. hafjan usw.) ist 
urverwandt mit lat. capto "nehmen, greifen', so daß der Habicht 
eigentlich der 'Greifer' ist. Ebenso ist mittellat. capus 'Habicht* 
eine Ableitung von capio. Es liegt kein Grund vor, diese alte 
Etymologie zugunsten einer neuen von Uhlenbeck PBB. XXII, 
540 vorgetragenen aufzugeben, wonach der german. Vogelname 
auf einem idg. *kapa-ghna 'Rebhuhnfänger' beruhen würde. — 
Cymr. hebauc (air. sebac e Falke s ) ist nach Thurneysen Keltoroma- 
nisches S. 22 ff. mit dem germanischen Worte nicht urverwandt, 
sondern stammt aus dem Angelsächsischen. Auch russ. kobezü 
(eine Falkenart) wird wohl mit Recht als ein germanisches Lehn- 
wort betrachtet. 

Die schriftsprachliche Lautform Habicht (wegen des sekun- 
dären Auslaute vgl. Paul Mhd. Gramm. 5 § 36 Anm. 7) tritt seit 
der Mitte des 15. Jhs. auf 2 . Daneben besteht die alte Form ohne 
den sekundären £-Laut fort und in den heutigen Mundarten ist 
sie sehr weit verbreitet. 



1 haefuc accipitres: Job 39, 13: cod. Lugdun. 69 f. 26b, hyefa 
accipitris : cod. Bernens. 258 f. 16 a stammen aus einer angelsächsischen 
Vorlage. 

2 Vgl. Diefenbach Glossar. S. 7 s. v. accipiter. 



Habicht, astur palumbarius 961 

Wie die Weihe and andere verwandte Raubvögel, jo ist 
auch der Babichl dem Hausgeflügel des Landmannee «'in gefähr- 
licher Feind, und in vielen Gegenden nennl man Ihn daher mit 
Namen, welche darauf Bezug nehmen, vgi Stößel, Stoßvogel, Stoß- 
fdlk, Hüenerräüber, Hüenervogel im Elsaß 1 , Stoßvogel, Hühner- 
fresser, Hühnerstößer in Hessen 2 . Hengerdeif (d. h. Hühnerdieb), 
Veideier (d. h. Viehtier) 8 in Luxemburg 4 , Hennengtr, HennenrabU, 
Hüenergtr, Tüoengtr in der Schweiz 5 , Stoßgeier in Steiermark, 
Stößer, geflügelter Teufel* in Sachsen, Stößer, Stießer, Hühner- 
geier 1 in Schlesien. Taubenstessl in Obßrösterreich 6 , Düwenstöceter 
in Göttingen und Grubenhagen 8 , Höhnerhawk 9 in Lübeck, HÖhner- 
hawk, Duwenhawk 9 im Münsterkreise, dose- Aar 9 in Hamburg. 
Viele v^on diesen Namen teilt clor Hühnerhabicht mit verwandten 
Raubvögeln, besonders mit dem Sperber (s. unten). Einige der- 
selben sind bereits in der älteren Literatur zu belegen, so z.B. der 
Ausdruck stozvalch, der einmal im 14. Jh. in den Versus de voluc- 
ribus (Ahd. G11.IV, 354* 8 ) vorkommt, dann im 16. Jh. Stofffalck 
und Stoffer im Strassburg. Vogelb. V. 259. 234 und Stosfalck bei 
Eber und Peucer Vocab. (1552) S. E 3b, wo es als Synonymen 
mit gyrofalco angeführt wird. Der Habicht wird hier mit dem 
Namen Tauhenfalck erwähnt; Golius Onomasticon (1579) Sp. 289 
hat sowohl Stoßfalck wie Tauhenfalck. 

Als schlesische Bezeichnung des Hühnerhabichts führt 
Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 188 Stock Ähr an, in der An- 
genehmen Land-Lust v. J. 1720 S. 167 wird der Vogel der grosse 
Stockhabicht genannt, vgl. S. 348. 

In der Falknersprache hieß das Mannchen des Habichts — 
das kleiner als das Weibchen ist — terze oder terzil nach dem 
mittellat. tertiolus, vgl. S. 332. Der echt deutsche Ausdruck war 

1 Martin-Lienhart I, 100. 101. 114. II, 218. 618. 

2 Kehrein 204 und Vilmar 138. 

3 Bei Mynsinger: der Ar der da vich vaucht. 

4 Wb. d. Luxemburg. Mundart 176. 455. 

5 Staub-Tobler II. 406. V. 13. 

6 Zs. f. d. Phil. XXI, 207. 

7 Mitteilungen der schles. Gesellschaft f. Volkskunde Heft XIX, S. 86. 

8 Schambach 53. 

9 Korrespondenzbl. f. ndd. Spracht. XVI, 83. 85. XVII, 3. 



362 Sperber, astur nisus, accipiter nisus. 

mhd. habichlin, vgl. Mynsinger S. 2: "vnd ich will kain vnder- 
schaide vnder dem grossen habich vnd dem klainen, den sie 
Tritzlin haissen, vnd wie wir das häbichlin nennen, vnd setzen, 
das der gross ist: Sy, Als vnder allen widerm vederspil, 
vnd der clainer ist : Er." In einer Version des Märchens vom 
Zaunkönig aus dem 15. Jh. (Erlösung herausg. von Bartsch 
S. XLIV) wird neben habich auch hebichel genannt; vgl. steir. 
Habachel 1 m. 

Sperber, astur nisus, accipiter nisus. 

Ahd. sparwäri: sparvvari sir: Clm. 14689 f. 47a. sparauuari 
sir i spar: cod. Vatican. Reg. 1701, 2b. erodion: cod. sein. Trevir. 
R. III. 13, 105b. spariuuari nisus: Vergilius Georg. I, 404: cod. Berol. 
Ms. lat. 4° 215, 27 b. nisus : Clm. 14689 f. 47a. sparwar e nisus : Clm. 
17154 f. 164a. nisus: Versus de volucr. nisus: H. S. III, 17. spareuuere: 
nisus: Vergil. G. I, 404: cod. Parisin. 9344, 14b. spenvere nisus: cod. 
Vindob. 804 f. 185 b. 

Im Gegensatz zum Angelsächsischen und Altnordischen, die 
den Sperber als 'Habicht' benennen (vgl. ags. spearhafoc, anord. 
spprrhaukr), verwendet das Althochdeutsche eine Bildung spar- 
wäri (mhd. spencare = mnd. sparwer, sperwer, mndl. sperware), 
welche auf der Zusammensetzung *sparw-aro 'Sperlings- Aar' 
beruht. Die Umbildung des zweiten Kompositionsgliedes im An- 
schluß an die Bildungen auf -äri ist wohl zunächst durch die 
romanischen Falkennamen, welche auf -arius (ier) enden, veran- 
laßt, vgl. müsäri S. 352. Aus dem deutschen Worte, das schon 
in der Lex Salica als speruarius bezeugt ist, stammen die ent- 
sprechenden Benennungen der romanischen Sprachen, ital. spara- 
viere, sparviere, afrz. espervier (frz. Spervier). 

In der Falknerei war der Sperber als Jagdvogel besonders 
geschätzt und als solcher spielt er in der Literatur der Ritter- 
zeit eine hervorragende Rolle. Den männlichen Sperber nannte 
man mit dem Namen sprinze, welcher zuerst im 12. Jh. in cod. 
Vindob. 804 f. 185 b bezeugt ist. Das Wort ist bereits von Schwenk- 
feld Ther. Sil. (1603) S. 190 aus der gesprenkelten Farbe des Vogels 
erklärt worden und ist danach verwandt mit mhd. sprenzen e in 

1 Unger-Khull 316. 



Sperber, attm nisus, accipitei nisus. 863 

verschiedenen Farben Btrahlen', springe 'Lanzensplitter*, sprinzeUn 
"kleiner Eautflecken' usw. Ebenso isl auch der entsprechende 
französische Name mowcte* (mittellat mutatus) als "der mit Mücken 
(mauehe aus musca) d.h. Blecken gezeichnete' aufzufassen vgl. Diez 
BtWb.8.v.moschetto und Baisl Zs. t frz. Spr. u. Lit. Km, 2, L88. 
In den heutigen Wörterbüchern vrird mhd.«prin^ vielfach als 
Femininum angegeben. Offenbar haben die häufig gebrauchten 
Deminutivformen die Vermutung veranlaßt, daß der Name das 
Weibchen bezeichne. Aber beim Sperber ist der männliche V 
wie überhaupt bei Raubvögeln, bedeutend kleiner als der weib- 
liche, und die Deminutiva sind daher gerade als Bezeichnungen 
des Männchens am Platze. Bereits Albertus Magnus und nach 
ihm Mynainger stellen dieses Verhältnis richtig dar. So heißt 
es z. B. bei Mynsinger: "Desselben gleichen will ich kain andern 
vnderschaid setzen vnder dem grossen Sperber vnd vnder dem 
clainen, den sie Mustet haissen vnd wie die Sprintzen haissen, 
dann das der gross ist: Sv, vnd der clainer ist: Er". In dem 
von Wackernagel edierten Schwabenspiegel (S. 262) 279, 6 ent- 
spricht die in den Text aufgenommene feminine Akk.-Form eine 
sprinzen nicht dem Original, denn die älteste Hs. (13. Jh.) und 
zwei jüngere Hss. des 15. Jhs. schreiben eitlen. Die Verdrehung 
des richtigen Sachverhältnisses findet man schon in alten Glos- 
saren. So erklärt ein niederdeutscher Glossator (Diefenbaci 
viini glossar. S. 264b): "nisus sperwer vnd is de he, vnd de 
see het sprenseke". Möglicherweise war der Ausdruck sprinze ) 
sprinseke, welcher — wie aus der hochd. Lautform zu ersehen 
ist — im Niederdeutschen von Hause aus nicht heimisch war, 
dem Schreiber nicht geläufig. Doch sind auch Ornithologen wie 
Schwenkfeld von dem Irrtum befangen, daß der weibliche Sperber 
kleiner ist als der mannliche. Neuerdings hat Baist diesen Irr- 
tum wiederholt berichtigt — In der ornithologischen Literatur 
begegnet man öfters dem Ausdruck Sprinzc und seinen \ arianten. 
Gesner (Hist. avium S. 51) nennt die Formen Sprint:, Sprintzd^ 
Sprintzle, Sprint :lin</. Schwenkt cid a. a. 0. Sprint:. Sprintzd, 
Sjn'intziing. die Angenehme Land-Lust (1720) S. L68 das Sprinz- 
leitu Döbel Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 76: Vom Sprentzgen oder 
Schmer!. In den lebenden Mundarten dürfte der Jagdausdruck 



364 Bartgeier, gypaetus barbatus. 

jedoch nicht geläufig sein 1 ; hier wird Sperber als Gattungsname ohne 
Rücksicht auf das Geschlecht verwendet. Dieser Name ist sowohl 
in Niederdeutschland wie auf hochdeutschem Gebiet üblich. 

Andere Bezeichnungen für den Vogel sind Spuervull (d. h. 
Sperlingsvogel), Stoussvull oder Dauwesteisser 2 in Luxemburg, 
Tübenstössel* im Elsaß, Sperlingstößer, Stiesser, Waldgeier i in 
Sachsen, Vogelstessl, Kleiner Geier, Falkel, Vogelhabicht, Lang- 
schwanz 4 ' in Oberösterreich, Stößer, Vogelstößel, Taubenstößer 5 , 
Spatzengeier 4 in Steiermark, Spitzhabch 6 in Hessen-Nassau, Vugel- 
haivW im Münsterkreise, Kleine Stöthäk 1 in Recklinghausen, Stot- 
haivk 1 in Lübeck. In der Angenehmen Land-Lust (1720) S.128 
wird der Sperber Taubenhabicht genannt. 

Geier, Yulturidae. 
Bartgeier, gypaetus barbatus. 

Ahd. gir : Sg. Nom. — giir uultur: cod. Cheltenham. 18908 f. la. 
gir : Leviticus 11, 14 : cod. Carolsruh. Aug. IG f. 101 a, cod. Oxon. Jun. 
25 f. 107 b. gkr (vbicumque fuerit corpus) Naturale ponit exemplum 
quod cottidie cernimus. Aquile et uultures : Evang. Matth. 24, 28: cod. 
Moguntin. non sign. 51b. Jcir uulturum: Prudent. P. Rom. 807: cod. 
SGalli 136, 139. Jcir: Leviticus 11, 14: cod. SGalli295, 126; gir: Clm. 
18140, 14 a. Alcuini gramm. p. 516: cod. Fuld. Aa 2, 33 b. H. S. III, 
17. XI a 2. Versus de volucr. Clm. 14689 f. 47b. Rotul. com. de Mülinen 
Bern. cod. Vindob. 804 f. 185b. cod. Berol. Ms. lat. 8° 73, 123b, giro: 
cod. Parisin. 9344 f. 42b, gis: cod. sem. Trevir. f. 112b, gir: cod. 
Guelpherbyt. Aug. 10. 3. 4° f. 89 a. Notker de cons. phil. 3, 122 (2 Mal). 
cod. Selestad. 109b. cod. Vindob. 804, 174a. giger: H. S. III, 17: cod. 
Vindob. 2400, 41a. giger: Versus de volucr.: Clm. 19488, 121a. — 
Akk . _ Ur\ Leviticus 11, 14: Clm. 14747, 96b. — PI. Gen. — 
deregiro : Prudent. P. Rom. 807 : cod. Kilian. K. B. 145, 92 a. 

Bereits in den allerältesten althochdeutschen Glossaren 
begegnet gir (mhd. ^r = mnd. gire, mndl. nndl. gier) als Be- 
zeichnung des größten und gefürchteten Raubvogels; über die 

1 Branky Zs. f. d. Phil. XXI, 207 gibt der Sprinz, die Sprinze aus 
Niederösterreich an, Unger-Khull S. 528 die Sprintze aus Steiermark; die 
Namensformen sind wohl aus literarischen Quellen entnommen. 

2 Wb. d. Luxemburg. Mundart 56. 418. 428. 

3 Martin-Lienhart II, 618. — 4 Zs. f. d. Phil. XXI, 207. 
5 Unger-Khull 144. 245. 581. — 6 Kehrein 383. 

7 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 84. 86. XVII, 5. 



Bartgeier, gypaötua barbataa. 866 

Grenzen des deutsch-niederländischen Sprachgebiets hinaus laßt 
sich die Benennung aber nichl verfolgen. Der Vogelname gtr-a(n) 
ist eigentlich ein substantiviertes Adjektiv, das in ahcL <fM 
"gierig* alsja-Stamm vorhanden ist, vgl. westmitteld, geier 'gierig*. 
\'mi den in Europa vorkommenden Geierarten wbx der 
Bartgeier noch im vorigen Jahrhundert in allen Alpenländern 
verhältnismäßig häufig; nach Naumann-Hennicke V, 296 i 

aher mit der /weiten Hälfte (U^ letzten Dezennium- -«»wohl in 
der Schweiz wie in Uro] gänzlich verschwunden. 

(hsner beschreibt den Bartgeier an zwei verschiedenen 
Stollen seines Vogelbuchs (S. 524. 750) unter dem Namen Gddgyr, 

dm er von der rötlichen Rücken Earbe df^ Vogels herleitet. Da 
er offenbar keinen lebenden Vogel gesehen, sondern ihn nach 
einem ihm aus den Rhätischen Alpen geschickten Balge beschreibt, 
so erklärt sich daraus der Widerspruch zwischen der Beschreibung 
und der Abbildung des Goldgeiers. In dieser erkennt man näm- 
lich nicht den Bartgeier, sondern den Gänsegeier. Als Namen 
des Goldgeiers nennt Gesner noch die Ausdrücke Keibgyr (zu 
Keib e Aas') und Rofßgyr, welches daraus erklärt wird, daß der 
Geier das Aas der Pferde frißt. Die bei Eber und Peucer Vocab. 
(1552) S. Gla stehende Glosse Hafengeyer & Osgeyer zitiert 
Gesner S. 749 und ändert dabei den letztgenannten Ausdruck 
in Aßgyr (d.h. Aasgeier). Weitere von Gesner mitgeteilte Syno- 
nyma sind Stcingyr ("a rupibus in quibus nidificat") und das 
undurchsichtige Wort Hotzgyr, welches aus Glarus angeführt 
wird. Staub-Tobler Id. II, 406 führen den Namen Keibgir aus 
der Baseler Gegend und Steingtr aus Graubünden an. — 
Besonders eingehend schildert Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) 
S. 375 den Bartgeier; als schlesische Benennung desselben 
wird Grimmer (mhd. *grim-ar) angegeben, s.S. 358. Die a.a.O. ge- 
brauchten Ausdrücke XeuxoKeqpaXoc, mdtur aXbo capite, ein ircis- 
köpffichter Geyer, Weis Kopff beziehen sich auf den alten \ 
dessen Kopf weißlich gefärbt ist. Noch im vorigen Jahrhundert 
wurde der Name Wisshopf 1 in gleicher Bedeutung in dm- Herner 
Gegend und Graubnnden verwendet. Umgekehrt hieß der \ 
in diesen Gegenden auch Scluexr-kopf 1 wegen der schwarzen 

1 Staub-Tobler III, 415. 417. 



366 Gänsegeier, gyps fulvus. 

Kopffärbimg des jungen Bartgeiers. — Der Ausdruck Jochgeir, 
welcher von Schmeller-Frommann 1, 1200 verzeichnet wird, ist 
schon bei Ostermann Yocab. (1591) S. 328 bezeugt. Die Angabe 
von Popowitsch Versuch (1780) S. 48, daß Jochgeier die in der 
Schweiz übliche Bezeichnung des Vogels sei, wird von Staub- 
Tobler Schweiz. Id. nicht bestätigt. Der erste Bestandteil des 
zusammengesetzten Namens bezeichnet einen Bergrücken zwischen 
zwei hohen Berggipfeln, worüber gewöhnlich ein Weg führt. 
Eine synonyme Benennung ist Berggeyer bei Popowitsch a. a. 0. 
Aus Steiermark und Tirol kennt er (S. 146) den Namen Gämsgeyer. 
Heute soll dieser Ausdruck in Steiermark auf den Steinadler 
übertragen worden sein 1 . 

In der Schweiz wird jeder große Raubvogel Gtr 2 genannt. 
Den Geier nennt man hier in den meisten Mundarten Lämmer- 
gir. Gesner führt in seinem Vogelbuch den Ausdruck Lammer- 
zig ('Lämmerzieher', zu Schweiz, ziehen, ziegen) an, welcher ihm 
aus Luzern, Chur und anderen Gegenden bekannt war. In 
Ostermanns Vocab. (1591) S. 327 erscheint der nach Gesner 
zitierte Name in der Form L ämmer •zücker ; als Synonymon ist 
hier Lämmer f reffer angegeben. 

Eine Variante der heute in der Wissenschaft üblichen 
Benennung Bartgeier ist Bartadler in der Übersetzung der 
Bücher Plinii (1651) S. 499; nach dem Übersetzer sollen "die 
Völcker Umsei" den Namen, nicht wie "etliche wollen" einer 
Adlerart, sondern dem Beinbrecher geben. 

Gänsegeier, gyps fulvus. 

Der häufigste unter den in Deutschland vorkommenden 
Geiern ist nach Naumann-Hennicke V, 311 der Gänsegeier. In 
Baiern und Schlesien wird er verhältnismäßig oft angetroffen, 
aber auch nördlich von Baden bis nach Wetterau und West- 
falen und in Ostpreußen ist der Vogel erlegt worden. 

Soweit man aus der knappen Schilderung schließen kann, 
welche Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 375 von dem "vultur 
leporarius" oder dem Ganfe AJir gibt, meint er damit gerade 



1 Unger-Khull 265. — 2 Staub-Tobler II, 405. 



Gänsegeier, gypa totalis. .'567 

den Gänsegeier. Die von Gesner für den G-oidgeier angeführten 

Namen Aßgeyer ! Kibgeijer \ Bosge^er legt Schwenkfeld diesem 
Vogel bei unmöglich ist freilich auch nicht, dafi hier won dem 

selteneren Kuttengeier (vultur monachus) die Rede tat, der 

wie Naumann berichtet in Schlesien, Sachsen und Franken 
angetroffen worden ist. Ebenso schwer ist zu entscheiden, ob 

mit dem mini, phittengeier (zu plate 'kahler Kopfi'leck'). d* 8 Lo^er 
Mlid. Wb. II. 278 nach Liliencrons Ausgabe der historisches 

Volkslieder vom 13. bis 16. Jh. zitiert, diese Gteierarl "der der 
Goldgeier gemeint ist. Vielleicht ist auch der dunkle Name huti- 
geir in Ottokars Keimchronik 1 als 'Haubengeier' (mhd. huot "Hut, 
Haube') zu deuten und entweder auf den Kuttengeier oder 
den Goldgeier zu beziehen-. Dem Schreiber der Wiener Hs. der 
Reimchronik war der Ausdruck bereits unverständlich, denn er 
ändert hutigeyr in hungeriger geirr. 

Ein Bewohner der heißen und warmen Zone ist der Schmutz- 
geier (neophron perenopterus), aber man findet ihn auch, wenn 
schon selten, in den südlichen Kantonen der Schweiz. Nach 
Naumann-Hennicke V, 305 hat man ihn in den Gebirgen bei 
Genf öfters beobachtet, und einzelne Vögel haben sich sogar 
mitten in die Schweiz verflogen. Es ist ohne Zweifel gerade 
dieser Vogel, von dem Gesner in Hist. avium S. 193 eine Abbil- 
dung gibt. Diese hatte ihm "der berühmte Typograph" 
Jo. Heruagius geschickt, der den Vogel bei sich im Hause ge- 
halten hatte. Nach seiner Mitteilung war der Geier im Jahre 1551 
am 29. September, wo ein Schneefall eingetroffen war, gefangen 
worden; in Farbe und Gestalt soll er ganz an einen Storch er- 
innert haben. Gesner versichert, daß die schweizerischen Vogel- 
steller diese Geierart nicht kennen, folglich weiß er auch für 
sie keinen Namen. Aber der von dem Übersetzer der Bücher 
Plinii verwendete Ausdruck Bergstorck bezeichnet offenbar gerade 
den Schmutzgeier (vgl. die Ausgabe v. J. 1651 8. 49b s. 7. 
Geieradler). 



1 Monumenta Germaniae Historica, Deutsche Chroniken V (Ed. See- 
müller S. 381) V. 28875. 

2 Dieser Deutung widerspricht jedoch die dritte Handschrift der 
Reimchronik, die hüttegeyr schreibt. 



368 Storch, ciconia. 

XL Sumpfraubvögel, Ciconidae. 

Storch, ciconia. 

Ahd. storah: Sg. Nom. — storah 1 ciconia: cod. SGalli 242, 
248 a. Aldhelmi Aenigm. 257, 10: cod. SGalli 242, 28. cod. Vatican. 
Reg. 1701, 2 b, opimachvs contra serpenFpugn: cod. Vatican. Reg. 
1701, 2 b. Carmen de Philomela 29: cod. Vindob. 247, 223 a, cod. mus. 
Britann. Add. 16894, 245a. ophimachus : Leviticus 11, 22 : cod. Vindob. 
2732, 22b, Clm. 18140, 14a, storah: cod. Vindob. 2723, 18b; storach: 
cod. Gotwic. 103, 49b, storich: Clm. 13002, 219b, ostorch*: Clm. 22201, 
238b. storoch: Gregorii homil. II, 39 p. 1645 (Jer. 8, 7): Clm. 18140, 
242a. storuch : Jerem. 8, 7 : Clm. 18140, 192b, Clm. 19440, 349. störh: 
Notker Capeila de nuptiis 2, 36, (ter egypzisco) störh ibis: 2, 36. 
storch: cod. Parisin. 12269 f. 58b. Versus de volucr. H. S. III, 17. 
XI a2. b. e. g. Rotulus com. de Mülinen Bern. cod. Vindob. 804 f. 
185b. cod. Vindob. 804, 169 a, cod. Wirziburg. Mp. th. 4° 60, 101a. 
odoboro. storch: cod. Selestad. f. 109b. storhc: Clm. 14689 f. 47a. 
stork opimachus . . . : Leviticus 11, 22 : cod. Stuttg. theol. et phil. 
f. 218, 13 d. ibis : Gll. Herrad. : cod. olimArgentorat. cod. Guelpherbytan. 
Aug. 10. 3. 4° f. 89a, strok: cod. Parisin. 9344 f. 42b, Hork 3 odoboro: 
cod. sem. Trevir. f. 112b. storche: Versus de volucr. H. S. III, 17: 
cod. Vindob. 2400, 41a. — PL Nom. — storke ibices: Gll. Herrad.: 
cod. olim Argentorat. 

Ableitungen und Komposita. — stör ahhessnabul (Pflan- 
zenname): storkessnabid reumatica. I scolastica: cod. Bonn. 218, 49b. 
storkesneuel aquileia : cod. Cheltenham. 7087, 144 a. 

Den Storch benennen die germanischen Sprachen mit einem 
gemeinsamen Namen: ahd. storah, mhd. storch, mnd. stork, mndl. 
stork, ags. storc, me. ne. stork und anord. storkr, dän. schwed. stork. 
Nach Falk und Torp Et. ordb. II, 303 beruht german. *stork-a 
auf idg. *strg-o, der Schwundstufe des Stammes *sterg- c steif sein', 
so daß der Yogel nach dem steifen Gange benannt worden ist. 
Deshalb braucht jedoch Urverwandtschaft mit griech. ropToc 
'großer Yogel' nicht unmöglich zu sein. Aus dem Germanischen 
entlehnt sind die gleichbedeutenden baltisch-slavischen Worte 
akslav. strükü und lit. starkus, ebenso körn, stork. 

Neben dem alten, in den germanischen Idiomen verbreiteten 
Namen haben einige deutsche Mundarten für den Storch die 

1 storah mir wahrscheinlicher als sturah (Steinmeyer). 

2 5 aus Corr. (Steinmeyer). — 3 Hork im Context (Steinmeyer). 



Morel). (Koma 300 

Benennung Adebar, welche in zahlreichen Varianten erscheint 
Dir ersten Zeugnisse für diesen schwierigen Vogelnamen findet 
man in Glossenhandschriften aus der ausgehenden althoch- 
deutschen Sprachperiode: odoboro. Horch ciconia: cod. Selestad. 109b 
Hork odoboro: cod. scm. Trevir. f. L12b, odoboro: cod. Berol. Ms. lat 8* 73. 
123b. odobero. cod. Bern. Trevir. R. III. 13, H>{l>. ttore.t odoboro: II. S. IM. 
17: cod. Darmstad. <'». 32a. udoboro ophiomachus . . . qttidam ciconiam po- 
tant: H. S. XI u 2: Clin. 2612, 79a, cod. Vindob. 2400, L09b, ddeboro: cod. 
Graec. 859, '.<<•. ödebero: Xlb: Clin. 32 15, \*n, otibero: XI d. : cod. Floren- 
tin. XVI, ö. 108b, ttorc rel otiuctro: (Jmordn. II. S. III. 8, odebore: cod. Oxon. 
Jun. 83,4. Aus diesen spärlichen Belegen ist die damalige genaue 
Verbreitung dos Namens schwer zu erschließen. Jedenfalls kommt 
dasntittelfränMsche (bezw. moselfränkische) Gebiet durch dieTrierer 
und Darmstädter Handschriften in Betracht, denn diese haben 
die (ilusse selbständig geschrieben dem "storch" des Originals 
gegenüber; die Berliner Hs., die mit der Trierer parallel läuft, 
ist niederdeutsch gefärbt. Abgesehen von odoboro, stork in den 
Schlettstädter Glossen repräsentieren die übrigen Zeugnisse offen- 
bar nur einen selbständigen Beleg, dessen Ursprung unbekannt ist. 
Von den vielen Handschriften der Versus schreibt nur das Kölner 
Doppelblatt aus dem 14. Jh. odobero. Überhaupt deuten die alt- 
hochdeutschen Zeugnisse auf das Vorkommen des Xamens auf 
dem mittel- und niederdeutschen Sprachgebiet und das Fehlen 
desselben in süddeutschen Dialekten. Tm 14. Jh. spricht denn 
auch Konrad von Megenberg den Ausdruck seiner heimischen 
(bairischen) Mundart indirekt ab: "ciconia haizt ein storch und 
haizt in anderr däutsch ain ödbar" (1 Hs. d. 14. Jhs. schreibt 
ötbär, eine andere aus dem 15. Jh. u e deber), vgl. Ed. Pfeiffer 
S. 175, 7. Die übrigen Zeugnisse für das Wort im 14. 15. Jh. 
sind vorwiegend aus niederdeutschen Glossaren, wo verschieden.' 
Varianten, adebar, edebar, edebere, odever, odevare, belegt sind: 
im Mittelniederländischen odevare. — Von den Autoren des 
16. Jhs. erwähnt Turner Avium bist. (1544) S. 7a die 
Namensform ei/n Ebeher. die er als sächsisch bezeichnet, danach 
Ebeher bei Gesner Hist. avium (155:)) s. 251 ebenfalls mit dem 
Zusatz "saxonice". Aus Rostock und "anderen Gegenden" werden 
hier die Formen Adebar I Odeboer. aus Flandern Houare angegeben. 
Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 234 verzeichnet neben Storch / 

Suolahti, Vogelnameu. -^ 



370 Storch, ciconia. 

Storck die eigentümliche Namensform Eibiger, ohne aber diese 
ausdrücklich für seinen schlesischen Dialekt zu bezeugen. In 
der Übersetzung der Bücher Plinii (1651) S. 540 sind Odeboer, 
Ebeher ohne Zweifel aus dem Yogelbuche Gesners übernommen, 
ebenso Adebar bei Henisch Teutsche Sprach (1616) Sp. 20. — 
Heutzutage ist der Name fast in ganz Niederdeutschland ver- 
breitet: in Preußen Adebär, Hadebdr, (Ad'bor) 1 , in Mecklenburg 
Aodabar 2 , in Lübeck Adebor, Ebeer 5 , in Altniark Aodebaor, Ede- 
baor, Odebarr, Heilebaor^, in Braunschweig Heilebärt 5 , auf Use- 
dom Adebor 6 , in der Grafschaft Ranzau Eber, Otjebdr 1 , in Geldern 
Uiver, Heiluüer, in Groningen Aiber, Eiber s , in Holstein Otte- 
bar, im westlichen Schleswig Aarbar*, nordfries. Aribär 9 , Arre- 
barre, Earrebarre 10 , ostfries. Adebar, Hädebar, Hädbar, Abar 11 , 
ndl. oudevaar, ouwevaar, ooievaar. In Westfalen scheint das Wort 
ausgestorben zu sein; in Göttingen und Grubenhagen ist Abar 
selten und wird wie die Nebenformen Ebere, Eber nur für den 
Storch als Kindbringer verwendet 6 . Aber der Ausdruck reicht 
auch ins hessische Sprachgebiet hinein als kurhessisches Ade- 
bar 12 (im Schaumburgischen und an der Diemel), oberhess. Iw- 
werch,Iwwerich, JJlwer 1 ' 6 , nassau. Urwel 1 *. In der Marburger Gegend 
(in Fronhäuser Heide) findet sich der Name Udeahrs-Nest 15 , und 
Uddemarsche erscheint als Name der Besitzerin eines Bauern- 
hauses in Holzhausen, wo der Storch von undenklichen Zeiten 
genistet habe 12 . Bis in das schwäbische Dialektgebiet hinein 
kann man die Spuren des Namens verfolgen; hier wird der Storch 
— wie Fischer Wb. I, 313 berichtet — auf den Fildern Aiber 
oder Auber genannt, und nach den Ortsnamen zu urteilen ist 
die Verbreitung dieser Namensformen früher größer gewesen. 
Eine befriedigende Erklärung für diesen seltsamen Vogel- 
namen hat man noch nicht gefunden. Grimm sah darin ein 
Kompositum von got. aud (ahd. 6t ~ ags. ead) 'Besitz, Reichtum, 

1 Frischbier I, 16. — 2 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 84. 

3 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 82. — 4 Danneil 7. 

5 Frommann D. Mundarten 147. — 6 Schambach 153. 

7 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVII, 2.-8 Molema Wb. S. 3. 

9 Johansen Nordfries. Spr. S. 3. — 10 Dijkstra Wb. S. 316. 
11 Jb. f. ndd. Sprachf. XI, 111. — 12 Vilmar 4. — 13 Crecelius I, 16. 
14 Kehrein 419. — 15 Pfister Nachtr. zu Vilmar Id. S. 200. 



Schwarzstorch, ciconia nigra. 371 

Segen' und bero, boro (Nom. ag. zu Lh-an) "Träger*, so daß der Storch 
eigtl. "der Glücksbringer* wäre *. Die Bauptschwierigkeit bei der 
Deutung van and. odoberc besteht in der Zerteilung des Komposi- 
tums in seine Bestandteil» 1 . Aberaucfa die ursprüngliche Qualität des 

Stammvokals bleibt ansicher, denn die mundartlichen Varianten 
lassen sich nicht auf eine bestimmte Lautform zurückführen. 

Einige von diesen Dialektformen sind als neue Komposi- 
tionsbildungen von dem alten Namen aufzufassen. Sn enthalten 
wohl die in Altmark vorkommenden Benennungen Ileinotter, 
ILuuiotter- als zweites Glied die Namensform Otber (vgl. mhd. 
otbär, in Holstein Ottebar), welche hier unter dem Nebenton 
zu Otter assimiliert wurde. Der erste Teil des Kompositum- ist 
der Eigenname Heini ( = Heinrich), der in manchen Gegenden 
für den Storch verwendet wird 3 . Die Varianten Heilebaor in 
Altmark, Heiluiver in Groningen, welche man im Anschluß an 
die angeführte Etymologie von Grimm als 'Heilbringer' gedeutet 
hat, sind offenbar nur Unideutungen von Heinebaor, Heiwiver 
und ebenso zu beurteilen wie Heinotter. 

An einigen Orten in Preußen nennt man den Storch wegen 
der steifen Beine Knäkerben* m. (d. h. knöchernes Bein); andere 
preußische Dialektnamen sind Knachosbot* m., Knacknoicie (um 
Neustettin), Knackmeer b (in der Neumark). Für den Namen 
KlapperxtorcK den man in Mitteldeutschland dem Yogel wegen 
d'^ Ivlapperns mit dem Schnabel beilegt, hat Grimms AVb. V, 
977 mehrere Belege aus dem 17. Jh. Eine Variante Klepptier 
erwähnt Frisch Vorstellung der Vögel (1763) XII. A 2b. Die 
niederdeutsche Namensform ist Knepner in der Mark (bei Colerus 
Oecon. ruralis (1656) S. 40), Knepper in der Ukermark, s. Kluge 
Et. Wb. 6 S. 5. 

Schwarzstorch, ciconia nigra. 

Nach den Angaben, die man bei Xaumann-Hennicke über 
die Verbreitung des schwarzen Storchs findet, kommt dieser 

1 Auch die Möglichkeit, daß im ersten Teil ein Subst. *6d 'Kind' 
(aus dem altsächs. Partiz. ödan 'genitus' erschlossen) stecken kennte, wurde 
von Grimm erwogen, vgl. Deutsche Mythol. II 4 , 560 und Kl. Schriften III, 117. 

2 Danneil 7.-3 Germania IV, 154. — 4 Frischbier I. 386. 
5 Altpreuß. Monatsschrift XXIX, 164 f. 

24* 



372 Schwarzstorch, ciconia nigra. 

Vogel in Jütland, auf den dänischen Inseln und in Norddeutsch- 
land vor, ist aber im mittleren und südlichen Deutschland sehr 
spärlich vertreten, vielerorts unbekannt, hie und da gelegentlich 
des Zuges als Seltenheit erscheinend. G-esner beschreibt ihn 
in Hist. avium (1555) S. 261 unter der Benennung ein schwartzer 
Storck und bezeugt sein häufiges Vorkommen in den Wäldern 
der Schweiz, "circa Eremum D. Yirginis, circa Lucernam oppi- 
dum, circa Tosam fluuium et alibi". 

Ein alter Name des schwarzen Storchs scheint vorzuliegen 
in den spätalthochdeutschen Glossen vtsualui (fulice): Ambrosii 
Hexaemeron 3, 4 p. 38: Clm. 13079, 21b und vtinsvvval folica 1 : 
Versus de volucr. : cod. Zwettl. 293, 25a (14. Jh.). Die Belege 
stammen aus dem bairisch-österreichischen Dialektgebiet, und hier 
taucht der Vogelname im 16. Jh. in einigen zufälligen Zeugnissen 
wieder auf. Der bairische Chronist Wiguleus Hund erzählt in 
Bayrisch Stammen Buch II, 132 von der Genealogie "der von 
Mülperg hernach genannt die von Closen" und macht dabei 
folgende Bemerkung: "Die von Closen / follen / wie ich gehört / 

von alter allein den Vttenfchwalben geführt haben" Darauf 

folgt die Beschreibung dieses Vogels: "Der Vttenfchwalb ist ein 
feltfamer Vogel / inn disem Land find man zu Zeiten vmb die 
Tonaw / in eins Reigers gröffe / rot Füffe vnd Schnabel, auch ein 
roten Fleck an der Brust / fönst fchwartz / Man malet ihn gemeink- 
lich in eins Schwannen geftalt / auf f er der Färb." Mit dieser 
Schilderung kann kaum ein anderer Vogel gemeint sein, als 
der schwarze Storch oder vielleicht der Waldrabe (S. 373). Ein 
anderes Zeugnis des Namens finden wir bei Gesner Hist. avium 
(1555) S. 12: "Rursum alias mihi narrauit in aula ducis Bauariae 
ali aue nomine ütenfchivalb, magnitudine et roftro ardeae, longo 
acuto, collo forte breuiore aliquanto, albo et nigro colore di- 
ftinctam, cruribus altis et rubris, uertice modice criftato ut co- 
lumbae, uefcentem omnibus ijs fere quae e culina reijciuntur, 
quadrupedum fcilicet ac piscium inteftinis, etc.". Leider ist die 
Schilderung des Vogels auch hier nicht ausführlich genug, um ihn 
identifizieren zu können; Gesner vermag ihm in seinem System 

1 Das anklingende hotino porphirio in cod. sem. Trevir. R. III. 13, 
108a gehört kaum hierher. 



Waldrabe, geronticufl eremita \\-<?> 

keinen Platz zuzuweisen. Die sohopfartigen Kopffedern, die auf- 
ttUigerweise mit denjenigen einer Taube verglichen vrerden, lassen 
auf einen Reiher Behließen, Sonst paßt die Schilderung auf den 
schwarzen Storch, »Irr sich ja mich Leicht zähmen läßt An zwei 
?erschiedenen Stellen Beines Vogelbuchs spricht Gesner ron 
einem Vogel, der dem Storch ganz gleich, aber nur ein wenig 
kleiner ist und dessen Bleisch Behr geschätzt wird; diesen Vogel 
nenne man in Dänemari ' Otuchval. Ein Bolcher Vogelname ist 
aus der dänischen Literatur freilich nicht aufzubringen, aber 
in Gothland (in Südschweden) heißt der schwarze Storch oden($y 
snila-. (I. h. die Schwalbe Odins. Dieses Wort könnte mit bair. 
utenschwcdbe identisch sein, und dann hätten wir hier einen alten 
tarnen für den Storch, drr von ahd. odobero nicht gerne getrennt 
werden könnte. Aber so lange die Bedeutung des bairischen 
Dialektwortes nicht sicher feststeht, bleibt diese Vermutung doch 
hypothetisch. Der Anklang an das schwedische Wort kann auch 
zufällig sein. 

Ibisse, Ibidae. 
Waldrabe, geronticus eremita. 
In Hist. avium (1555) gibt Gesner das Bild eines Vogels, 
den er unter der Rubrik "coruus sylvaticus" eingehend be- 
schreibt. "Avis, cuius effigies habetur**, heißt es a. a. 0. S. 337, 
tc a noftris nominatur uulgo ein Waldrapp id eft coruus l'ylua- 
ticus. quod locis syluosis, montanis et defertis degere foleat: 
ubi in rupibus, aut rurribus defertis oidificat quare etiam Stein- 
rapp uocatur, et alibi (in Bauaria et Stiria) ein Waußrapp: a 
petris feu rupibus et pylis (nam pylas, id eft anguftiäs inter duos 
montes G-ermani claafen appellant, hoc eft loca claufa) in quibus 
nidos i'truit. Lotharingi, ut audio, Corneille de mer, id eft cornix 
marina: quam et in uglandibus aliquando oidificare f erunt fed 
forte ea alia auis el't. Circa lacum Verbanum coruus marinus 
dicitur. alibi in Italia coruus sylvaticus, ut in [ftria circa Pro- 
montorium Polae, ubi homine per funem remiffo per rupes uidis 

1 S. -212 "ilanico sermone", S. 2til "germanica". 

2 RietzSvensktdialektlexiconS.481, DalinOrdboköfver del svenska 
spräket II, 168, Parallele des langues francoise et suedoise par Mr. Weste 
IV, 99 usw. 



374 Waldrabe, geronticus eremita. 

eximuntur. et inter menfaruin delicias habentur, ut apud nos 
quoque in montium quorundam rupibus, fic enim Fabarias ther- 
mas repertas effe aiunt, cum auceps quidam per altiffimas rupes 
propter has aues fe demififfet. Alibi in Italia coruo fpilato, id 
eft coruus depilis, quoniam fenefcens caluefcat. Germanice 
quidam nuper conficto a f e a fono uocis eius nomine Scheller 

uocabat Locuftis gryllis pifciculis et ranunculis eos uefci 

audio. Yt plurimum nidificat in altis arcium deftructarum muris, 

qui in Helueticis montium regionibus frequentes funt Edunt 

et uermes e quibus fcarabei ä Maio menfe dicti nafcuntur 

Laudantur ijdem pulli in cibis et in deücijs etiam habentur, 
fuaui carne offibus mollibus." 

Die neueren Ornithologen rieten lange hin und her, ohne 
daß es ihnen gelang festzustellen, welcher von den heute be- 
kannten Vögeln mit dem corvus sylvaticus gemeint sei. Manche 
vermuteten daher, daß die Beschreibung in Hist. avium sich 
nur auf einen fingierten Vogel bezöge. Der Waldrabe Gesners 
war schon vergessen, als man vor einigen Jahren durch einen 
Zufall entdeckte, daß es sich a. a. 0. um eine heute in Afrika 
vorkommende, aber in Europa nunmehr ausgestorbene Ibisart 
handelt 1 . 

Da alles was die ornithologische Wissenschaft über die 
Lebensart und Verbreitung dieses seltsamen Vogels in Europa 
weiß, fast nur auf die obenerwähnte Schilderung Gesners zu- 
rückgeht, mögen einige ergänzende Nachrichten hier Platz finden. 

Schon vor Gesner hat der in Köln lebende Engländer 
Turner, der auch in der Schweiz gereist war, den Vogel in seinem 
Buche Avium historia (1544) S. E 6a geschildert: "Jam ut fciatis 
quahY nam auis fit Heluetiorum Vualtrapus, quam conjicio phala- 
crocoracem efze, et tertium genus graculi, auis eft corpore longo 
et ciconia paulö minore, cruribus breuibus fed crafzis, roftro 
rutilo, parum adunco, et sex pollices longo, albam quoque in 
capite maculam et eam nudam, nifi male memini, habuit. Si 
palmipes sit et interdum natet, indubitanter tertium graculorum 
genus effe adfirmarem: uerüm licet auem in manibus habuerim, 
an palmipes fuerit nee ne, et caluus, non memini, quare donec 

1 Vgl. Naumann-Hennicke VII, 199 ff. 



Waldrabe, geronticoa eremita 375 

ift haec certiufl uouero nihil [tatuerim". Dafl die Größe det 
Vogels von Turner mit der eines Storchs verglichen wrird, während 
Gesner ihn nur mit einem Eaushahn vergleicht, hat nicht viel 
zu bedeuten, denn Turner 9chein1 auch sonsl keine genaue ESr- 
innerung von dem Waldraben zu haben. A.ber auch bei stumpf 
Schweytzer Chronick (Ausgabe v.J. L606) *.i')\^ begegnet der 
Vergleich mit dem Storch : "Waldrappen ein gemein wildprat, 
ift am hefte f<» <t noch jung auss dem näft köpl ein großer 
fchwarer vogel / gätz (chwartz als ein Kapp/ bat fein oafl in den 
hohen vnwagfamen reifen: allermeift niftet er in dem alten 
gemeür der zerftörten und außgebrenten Schlöffen] deren \il 
in den Alpifchen lendern gefehen werde. Sie find von Leib bey 
naht- fo groß und fclnvar als ein Storck". 

Daß die Waldraben im 16. Jh. gehegt und gezähmt wurden, 
dafür liegen mehrere Zeugnisse aus verschiedenen Gegenden vor. 
Die Rat- und Richtebücher der Stadt Zürich v.J. 1535 l melden, 
daß J. Schwytzer zu einer Geldstrafe von 1 pfd. 5 ß bar ver- 
urteilt wurde, "als er Felixen von Jonen einen waldrappen one 
ursach zuo tod geschlagen het". Eine andere Nachricht- stammt 
aus Steiermark: "Am 1. Jänner 1528 war K. Ferdinand in < riätz 
und verschrieb dem Freiherrn Sigmund von Dietrichstein und 
dessen männlichen Leibeserben das landesfiirstliche Hubamts- 
haus, im Sack der Stadt und endlich mit der besonderen 

Verpflichtung: "daß er und seine Leibenserben die sogenannten 
Klausraben, welche ihre Wohnung bei demselben Hause am Schloß- 
berge haben, wie von den Inhaber bisher beobachtet wurden ist, 
hegen und dieselben nicht beschädigen oder verderben la>>.m". 
In Ostermanns Vokabular v.J. 1591 S. 331 ist der Waldrabe 
ganz richtig als eine Ibisart bezeichnet worden : "Ibis Pelusiaea, 
feu nigra ein fchwarzer Ibin / vulgo, ein Steinrapp ! niften vil 
in einem hohen runden Fellen bey Salzburg an d s Stat man- 
fuefeunt et habentur in hortis vi eos a serpentibus lacertifl 
ranist jue purgent." 

Das Vorkommen des Vogels im 17. Jh. hißt sich an zwei 
in Grimms Wb. XIIL 1180 zitierten Zeugnissen verfolgen. In 

1 Staub-Tobler VI. 1173. 

2 Geschichte der Steiermark von Dr. Alb. v. Muchar VIII, 365 (1867). 



376 Löffler, platalea leucorodia. 

der Raetia Gulers von Weineck (1616) S. 81a heißt es: "als er 
[der Jäger] in die ungeheüwre klufft . . . waldrappen auszzunehmen 
gestiegen", und im Jahre 1620 werden die Yögel von Rebmann 
Naturae magnalia (Bern) S. 142 erwähnt: "die waldrappen in 
höchstem birg, der reiger auch da g'funden wirt". Schwenkfeld 
Ther. Sil. (1603) S. 245 nennt die Namen Ein Alprappe, Wald- 
rappe, Nachtrabe i Steinrabe ohne irgend etwas Selbständiges zu 
bieten. Auch Aldrovandi Ornithologia (1605) hat nichts zu der 
Schilderung Gesners hinzuzufügen. Klein Hist. avium prodr. (1750) 
S. 111 erwähnt den Yogel nach Gesner und stellt ihn wegen des 
Schopfes unter die Wiedehopfe als "upupa montana, Eremita 
montanus helueticus Waldrapp, Steinrapp"; danach bei Reyger 
Verbess. Hist. der Yögel (1760) S. 114: Waldhoff (nachWiedehoff), 
Waldrapp, Steinrapp, Schweizereinsiedler, Bergeinsiedler. Die 
Wörterbücher verzeichnen die Namen des Yogels meistens in 
der von Gesner angegebenen schweizerischen Form, daneben 
auch die Form Waldrab, Steynrab schon bei Wombach Sylva 
quinquelinguis vocab. (1592) S. CC 3 a. Zum ersten Mal begegnet 
der letztgenannte Name bei Pinicianus (Auszug v. J. 1521) S. C 4a 
in der Glosse porphirio = stainrapp. 

Namen für den Waldraben sind schon sehr früh — bereits 
im 12. Jh. — bezeugt. Yon den Handschriften der Yersus de 
volucribus (Ahd. Gll. 111, 22 14 ) übersetzen der cod. Admont. 106 
und der cod. Admont. 476 das lat. Wort ibis mit erdhuon; der 
codex Admont. 759, 55 b hat statt dessen pirchhven, das als 
'Berghuhn' zu verstehen ist, und der cod. Yindob. 1325, 106b 
übersetzt das lat. Lemma mit stainmuck. Mit diesen Namen ist 
offenbar der Waldrabe gemeint. 

Löffler, platalea leucorodia. 

Die wahre Heimat des weißen Löfflers ist die gemäßigte 
und warme Zone. Sein Yorkommen in Holland ist ein isoliertes. 
In Deutschland hat man ihn gelegentlich in Böhmen, Thüringen, 
Schlesien, der Mark und im Rheintale angetroffen. Häufiger ist 
der Yogel in England, Friesland, Schleswig-Holstein, namentlich 
kommt er aber im Südosten Europas, in dem Donaugebiete von 
Ungarn ab vor. Ygl. Naumann-Hennicke YH, 8. 



Reiher, ardea. 377 

Der Name des Löfflers, dei auf den breiten löffelartigen 

Schnabel zielt, ist in <I<t Form Lcfhr bei Turner Avium bißt 

(ir»M) s. II lih i)('ici;t, daneben auch das Kompositum Löffel goß. 
Qesner berichtet in Bist avium (1555) 8. 641, daß dii 
selten in der Schweiz gefangen weiden, aber in Böhmen und 
England häufiger vorkommen sollen. Außer den Namen Löfflet 
Löffelgenß und der friesischen Lautform Lepler führt Q-esner 
nach Sigis. G-elenius das Synonymen Fauser an. In den Quellen 
des 16. J hs. wird der Löffler öfters erwähnt. H. 8achs Regim. 
der Vögel (1531) 7.221 schreibt Löffer, Ryff Tierbuch Alberti 
(1545) s. I 4 Löfler, das Strassburg. Vogelb. (1554) V. 347 Leffeler. 
Eber und Peucer Vocab. (1552) S. F6b und Sibers Gtemma 
(1579) S. 43 haben das Kompositum Löffelgens. Schwenkfeld 
Ther. Sil. (1603) S. 341 bezeichnet Löffel Gans als schlesischen 
Ausdruck. 

Reiher, Ardeidae. 
Reiher, ardea. 

Ahd. heigaro: Sg. Nom. — heigaro ardea: Verg. A. VII, 411 : 
Clm. 18059, 205b. heigero: Verg. A. V, 278: cod. Paris. 9344. 91a. 
H. S. III, 17. hegero: cod. Berol. Ms. lat. 8° 73, 124a, cod. sem. Trevir. 
f. 112b, heiro: cod. sem. Trevir. III. 13, 103a, cod. Paris. 9344 f. 42b, 
heigro pellicanus : cod. Guelpherbyt. Aug. 10. 3. 4° f. 89a. pellicanus : 
cod. Parisin. 12269 f. 58 b. caradrion : Anhang z. alten und neuen '! 
ment : Leviticus 11, 19: Clm. 14747, 96b. alcedo t ardea l tantalu- 
1 87. Vergilius G. 1, 364: cod. Parisin. 9344, 13b 1 ; heikira : cod. Selestad. 
f. 59a; hagir: cod. Berol. Ms. lat. 4° 215, 26a. haigir cod. Selestad. t. 
110a. Versus de volucr., haiger: Versus de volucr. heiger: Vergilius 
A. VII, 411 : cod. Selestad. f. 50a. Gll. Salom. a 1, alcedo : Gll. Salom. 
al, caradrius : Gll. Salom. a 1, alcedo: Gll. Salom. d : Clm. 23496, lc. 
Ae&r «f ardua s Af Lericha caradrion: Leviticus 11, 19: cod. Stuttg. 
th. et phil. fol. 218, 13c. regero. heigero 8 : Vergil. G. 1, 364 : cod. Parisin. 
9344, 13b. regero pellicanus i alcedo : cod. Berol. Ms. lat > s 73, : 
regro: cod. Guelpherbytan. Aug. 10. 3. 4° t*. 89a. retgero : II. S. 111. 17: 
Clm. 2612, 34a, reiger: cod. Vindob. 2400, 1 1 a. reier 4 : cod. Darm- 
stad. 6,22a (13. Jh.), reiger: a2: cod. Vindob. 2400, 92b, Clm. 2612, 
67a, regera: b, reier alcedro: 1: cod. Darmstad. 6, 97b. rtdger: Versus 
de volucr. reiger: Gll. Salomon. al : cod. mus. bohi-m. Prag i 



1 Quer am Rande (SteinmeyerV 

2 1. ardea (Steinmeyer). — 3 Von zweiter Hand (Steinmi 
4 Das zweite r aus n korrig. tSteinmeyer). 



378 Reiher, ardea. 

Der Reihername erscheint in der althochdeutschen Überlief e- 
mng in zwei Parallelformen heigaro und reigaro (mhd. keiger ~ 
reiger, mnd. reiger, reger, mndl. reigher). Daß die letztere ein an- 
lautendes h verloren hat, beweist gleichbedeutendes ags. hrägra. 
Dem germanischen Vogelnamen *hraig-r-an- liegt eine onomato- 
poietische Schallwurzel hraih-r- zugrunde, welche das heisere 
Geschrei des Reihers wiedergibt; Voigt Excursionsbuch S. 217 
umschreibt den Ruf des Fischreihers u. a. mit e kraik', e kra', e chroä' 
usw. Durch dissimilatorischen Einfluß ist, wie bereits J. Grimm 
bemerkt hat, aus krai-Jc-r, bezw. *hraigr-an die Grundform *haigr-an 
entstanden, auf welcher ahd. heigaro beruht. Im Ablautsverhältnis 
zu dieser Lautform stehen anord. here und (gewöhnlicher) mit 
grammatischem Wechsel hegre, welches in adän. hegre, norweg. dial. 
hegre, heigr{e) und schwed. hager weiterlebt. Mit den nordischen 
Benennungen des Reihers sind — trotz der Bedeutungsverschieden- 
heit — ahd. hehara, mnd. heger und ags. higora'H.äher' identisch. Der 
gemeinsame Ausgangspunkt für die Bildung der beiden Vogel- 
namen war das Geschrei, das durch die Lautstufen hraig-r : h(r)ig-r- 
wiedergegeben wird. Das älteste Zeugnis für die dissimilierte Form 
liefert das finnische Lehnwort haikara (estn. haigri, haigru). Auch 
in das Altfranzösische wurde der germanische Name als haigron 
(aigron) übernommen, woraus im Neufranzösischen heron geworden 
ist. Me. heiraten, ne. heron gehen auf das französische Wort zu- 
rück. Vgl. auch S. 199. 

Die normale ahd. Namensform ist heigaro (auch in Orts- 
namen Haigrahe, Hegirbuoch, Hegirmos bei Förstemann Altd. 
Namenbuch II, 698). Der Beleg heikira in den Schlettstädter 
Glossen ist zu spät, um als eine feminine Bildung gelten zu 
können; man hat darin nur eine graphische Variante von heigaro 
zu sehen. Schon in der angehenden mhd. Periode verschwindet 
die Namensform heigaro gänzlich und an die Stelle rückt die 
ursprünglich wohl auf mittel- und niederdeutsches Dialektgebiet 
beschränkte Form reiger. Die Lautform Reigel wird von Gesner 
Hist. avium (1555) S. 202 als schweizerisch angegeben. Heute 
kommt sie stellenweise auch im Elsaß l und als Raget in Schwaben 
vor. Die Varianten Greger und Gröger, welche Frischbier Wb. I, 

1 Martin-Lienhart II, 2-43. 



Nachtreiher, aycticorax griseus, aycticorai aycticorax. I 

254 aus dem Samland verzeichnet, sind rielleicht durch onomato- 
poietische CTmbildung entstanden. Die hente in der Schriftsprache 
geltende Form Reiher beruhl auf mitteld.-niederd. Reier (Beer\ 
das aus Beiger entstanden isl (wie Laie wasleige). In der Schrift 
ist die Form reier Beil dem L3. Jh. (cod. Admont 759, 55b, And. 
G1L HI, 22 84 ; s. auch oben 8.377) nachweisbar. 

Der Name Heerganß, den Öesner a. a. 0. als Bezeichnung 
für den Reiher erwähnt und der bei Schwenkfeld Ther. Sil. 
(1603) S. 223 Eerrgans geschrieben wird, ist •■in«- CTmbildung 
von and. horgam (d. h. Sumpfgans), s. S. 305. 

V..n den vielen Reiherarten, welche in Europa vorkommen, 
ist nur der graue Reiher (ardea cinerea) in Deutschland häufig; 
man findet ihn fast überall im Lande an den Elüssen und 
Teichen, besonders in den wasserreichen und niederen Gegenden 
von Norddeutschland. An vielen Orten ist er unter dem Namen 
Fischreiher bekannt 1 , in Thüringen heißt er Fischaar' 2 , in Preußen 
Scheißrekel Scheißregel 3 (-reger, -rigel\ in Mecklenburg Schiff rei. 
Schitterrei, Schüttre(er)K — Ein elsässischer Ausdruck ist Giriks 5 
(in Wittenheim); Martin und Lienhart verweisen auf Schweiz. 
Giriz \Möwe', aber ein direkter Zusammenhan- zwischen diesen 
beiden Namen besteht kaum. 

Die selteneren Reiherarten, den Purpurreiher (ardea pur- 
purea), den Silberreiher i ardea alba, herodias alba) und den 
Seidenreiher (ardea garzetta, herodias garzetta), welche in den 
Donauniederungen heimisch sind, unterscheidet man meistens nur 
durch den erklärenden Farbennamen 'roter' oder 'weißer'. Für den 
in Schlesien nicht sehr seltenen Purpurreiher gibt Schwenkfeld 
Ther. Sil. (1603) S. 225 Sandreger als schlesischen Namen an. 

Nachtreiher, nycticorax griseus, nycticorax nycticorax. 

Ahd. nahthram: Sg. Nom. — nahthram nocticorax: cod. Vin- 
dob. 162, 35a. nahthrä t nahtigala corax: cod. Vindob. 162. 20a, 
ndhtrdm: Notker Boethius de cons. phil. 4-, 33. ndktram : Notker Ps. 
101, 7. nahtram : Notker WPs. 101. 7. 8. Wrsus de volucr. Clm. 14689 



1 Vgl. z. B. Naumann-Hennicke VI. 203. Wb. d. Luxemburg. Mundart 
116, Martin-Lienliart II. 243, Schiller Zum Tierbuche II. 16. 

2 Hertel 57. — 3 Frischbier II. 264. — 4 Schiller a. a. 0. 
5 Martin-Lienhart I, 230. 



380 Nachtreiher, nycticorax griseus, nycticorax nycticorax. 

f. 47a. nahtrü corax: Phocae ars 425, 22: Glm. 19440. 229. corax: 
GH. Salom. d : Clm. 23496, 3a. nachträ : cod. SGalli 299 p. 33. nachtram: 
Aldhelmi Aenigm. 257, 34 : cod. SGalli 242, 29. nahtrami: cod. Selestad. 
f. 109b. nahtram : Psalmen 101, 7: cod. Vindob. 2732, 61a, Clm. 18140, 
104b, Glm. 19440, 294, cod. Gotwic. 103, 70b, Clm. 4606, 120b, Clm. 
22201, 245d, nathram: cod. Vindob. 2723, 53b, Clm. 14689, 43b, Clm. 
22258, 110b. Clm. 14689 f. 47a. noctua uula. Eadem et nicticorax : 
Leviticus 11, 16 : cod. Vatican. Pal. 288, 55 c, nahtram : cod. Carolsruh. 
SPetri 87, 63b ; noctuam. id est que nocte uolat. i coruus marinus 
siue vuuila. uJ alii uolunt. alii lusciniam esse id est nahtagala. 
Nocturnus: cod. SGalli 295, 126. 127, cod. SPauli XXV d/82, 37 a, 
natrfam: cod. Vindob. 1761, 46b, nahtrama: cod. Stuttg. th. et phil. 
218, 13c, nahftraban: cod. SGalli 9, 276. nahtraban: cod. Vatican. 
Reg. 1701, 2 b. nat ram: cod. Parisin. 9344 f. 42 b, nathrauan: cod. 
Berol. Ms. lat. 8° 73, 124a, naht rauan noctua: cod. Guelpherbytan. 
Aug. 10. 3. 4° f. 89a, nahtrauan: cod. sem. Trevir. f. 112b. nahrauan 
noctua: cod. sem. Trevir. R. III. 13, 107b. nahtraben: H. S. III, 17. 
nahtrauen pellicanus * nocticorax: cod. Cheltenham. 7087, 144 a. 
nactrafan: Deuteronom. 14, 17:^cod. Parisin. 2685 f. 51b. nahtrabo: 
Versus de volucr. nachtrabe: cod. Vindob. 804 f. 185b. nathrabe: 
Psalmen 101, 7 : Clm. 13002, 224b. — Dat. — (mit demo) nahtrammo: 
Notker WPs. 101, 8. — Akk. — nahtram: Deuteronom. 14, 17: cod. 
SGalli 295, 137. nahtram bubonem: Leviticus 11, 16: cod. Oxon. 
Jun. 25, 163a. Notker Ps. 101, 7 (Glosse), noctuam: Anhang zum 
alten und neuen Testament: Leviticus 11, 16: Clm. 14747, 96b; 
nectr& i : cod. Parisin. 2685, 50b. 

Der Ausdruck nahtram 'Nachtrabe' in den althochdeutschen 
Glossen ist eine mechanische Übersetzung des griech.-lat. Bibel- 
wortes nycticorax 2 . Eine klare Vorstellung davon, welcher Yogel 

1 1. nectrefn, vgl. noctua necthraebn Öhler 353 b (Steinmeyer). 

2 Auch im Angelsächsischen ist nihthrcefn (me. nyghteraven) ein 
Literaturwort, das von den Glossatoren geschaffen wurde, und mit anord. 
ndtthrafn wird es sich ähnlich verhalten. In Skandinavien hat sich an den 
Namen eine Legende geknüpft, wonach der Nachtrabe ein Gespenst ist, 
das in der Gestalt eines Gerippes durch die Nacht fliegt ; er soll der Geist 
solcher Verstorbenen sein, welche ohne den rechten Glauben gestorben 
sind, vgl. Rietz Svenskt dialektlex. S. 463. Auch in Deutschland findet man 
Nachtrabe in ähnlichem Sinne, s. z. B. Schambach Wb. S. 141. Offenbar ist 
die Legende, die christliche Spuren trägt, im Anschluß an das Bibelwort 
entstanden. Und auf diesem Wege ist man wohl dazu gekommen, den 
Ziegenmelker, diesen geheimnisvollen Vogel, als Nachtrabe zu bezeichnen, 
vgl. dän. natravn, norweg. dial. und schwed. nattramn in dieser Bedeutung. 
In Deutschland ist der Name ebenfalls auf den Ziegenmelker bezogen. 



Nachtreiher, nycticorax grisous, nycticorax nycticorax. MH1 

damit gemeint ist, haben die deutschen Schreiber ebenso wenig 
gehabt wie die Enteipretatoren des Bibeltextes. Vielfach dachte 
man an die Nachteule; so hat z. B. der Redakteur des Summa- 
rium HeinricJ die Bibelglosse an die Bulenbenennungeii ange- 
reiht NTotker ist anschlüssig, wie er das Wbrf oycticoraa in 
den Psalmen 101. 7 interpretieren soll: Türe oicticoracem 
fernement sümeliche bubonem ael Qoctuam ael önocrotalon, 
daz chit den hünuen aide dir hiüuuelun aide den hörotumbel" 
Doch ist er geneigt, die Deutung des Wortes als Rohrdommel 
\i\v die richtige zu halten, denn in der Übersetzung von Boethius' 
De cons. phil. 4, 33 heißt es: "tie der tag plendet tin naht sehende 
getüot. also hüuuen. ünde huuuela. unde der nähträm". Eine 
ähnliche Auffassung spiegelt sich auch in der Glossieruni: M pel- 
licanus X nocticorax" der Cheltenhamer Hs. 7087 wieder. Tat- 
sächlich wird die Rohrdommel heute stellenweise Nachtrabe 
genannt. Frischbier Wb. II, 87 bezeugt das Wort in diesem 
Sinne für die Gegend am Drausensee, und das Luxemburgische 
Wörterbuch S. 308 gibt Nuetsramm f. ebenfalls mit dieser Be- 
deutung. 

Gesner Hist. avium (1555) S. 602 bezieht den Namen 
nycticorax auf den Nachtreiher, dessen Abbildung auf der fol- 
genden Seite gegeben wird. Selbst hat er allerdings diesen in 
Deutschland und der Schweiz seltenen Vogel nie gesehen, aber 
von seinen Straßburger Korrespondenten hat er erfahren, daß 
der Nachtreiher dort Nachtram und anderwärts Nachtrab heißt. 
Diese Angaben werden bestätigt von dem Straßburger Fischer 
Leonhard Baldner, welcher in seinem Vogelbuch (1666) S. 19 f. 
berichtet, daß er "einem Nachtraben zu gefallen" 4 Meilen ge- 
fahren sei und ihn auch gesehen habe "bey einem Wald bey 
Geißenheim im Brunnwaffer". Daß die Vögel, die "hin den 
Wörthen" (Rheininseln) wohnen, nicht sehr gewöhnliche Er- 
scheinungen waren, geht daraus hervor, daß Baldner nur dreimal 
(in den Jahren 1649, 1652 und 1674) geschossene Exemplare 
zu sehen bekommen. Es scheint, daß der Ausdruck Nachtrabe 
im Sinne von Nachtreiher nur auf gewisse hegenden am Rhein 
beschränkt war und hier volkstümlich verwendet wurde. Die 
anderwartigen Angaben des Wortes in diesem Sinne sind nicht 



382 Nachtreiher, nycticorax griseus, nycticorax nycticorax. 

selbständig. So stammen z. B. Nacht Ram I Nacht Rabe bei 
Schwenkfeld und Klein (1750) S. 123 aus G-esner; auch die 
ganze Schilderung des 'Nachtraben' bei Popowitsch (1780) S. 405 
scheint im Anschluß an Gesner geschrieben worden zu sein. 
Der Name ist auf den Nachtreiher wegen des nächtlichen Lebens, 
vor allem aber wegen des rauhen rabenartigen Geschreis be- 
zogen, das nach Naumann-Hennicke YI, 276 wie e koau', bei 
jungen Vögeln oft wie 'kwüak' klingt. Ygl. auch S. 18. 

Das eigentliche Verbreitungsgebiet des Nachtreihers in 
Europa bilden die südlichen und östlichen Länder. Auch in 
einigen östlichen Gegenden Deutschlands, namentlich in Schlesien, 
ist er noch verhältnismäßig häufig. Hier nennt ihn Schwenkfeld 
Ther. Sil. (1603) S. 226 mit dem volkstümlichen Dialektnamen 
Focker I FocJce und erwähnt dabei ein in Schlesien übliches 
Sprichwort, welches von den drei charakteristischen Schopffedern 
des Yogels hergeholt ist: "Du bift ein lofer Focke, Yon dem 
nicht mehr als drey gutte Federlin kommen" l . Zu Schwenkfelds 
Zeiten nistete der Nachtreiher scharenweise in feuchten Gegenden 
"ad Yiadrum, prope Steinam et Dubinum". Döbel Eröffn. Jägerpr. 
(1746) S. 47, der das häufige Vorkommen des Focken in Schlesien 
und an den Ungarischen Grenzen erwähnt, zählt ihn zur sog. 
hohen Jagd. Der schlesische Dialektname ist wohl ein Jägerwort, 
das zu ndd. focken 'flattern' (Focke(r) e Blasbalg, Fächer') gehört 
und sich auf die drei langen flatternden Kopffedern des Nacht- 
reihers bezieht. Vgl. Grimms Wb. III, 1864. Die späteren Ornitho- 
logen haben das Wort Focke aus Schwenkfeld übernommen ; Adelung 
(1775) II, 232 gibt es im Gegensatz zu Döbel als Femininum. 

Die quakende Stimme des Vogels hat ihm den Namen 
Quakreiher 2 verschafft; die entsprechenden slavischen Bezeich- 
nungen, russ. kvakva, czech. kvakva usw., sind ebenfalls ono- 
matopoietische Nachbildungen des Geschreis. — Von den übrigen 
reiherartigen Vögeln wird der Nachtreiher bei Schwenkfeld a. a. 0. 
als Ein Bundter Reger I Schildreger (vgl. Schildspecht S. 34) 
unterschieden. Klein Hist. avium prodr. (1750) S. 123 hat den 
Namen Nacht Reyger. 

1 Die Schopffedern des Nachtreihers werden besonders geschätzt, 
während die übrigen wertlos sind. — 2 Frischbier II, 196. 



Rohrdommel, botaurus stellaris. 383 

Rohrdommel, botaurus stMlaris. 

Ahd. horotübil: Sg. Nom.— h&rodubü onoerotalus : Sopho- 

nias 8, 14: cod. SGalli 292, 64, cod. Carolsruh. SPetri 87, 70a; 
horatupil. cod. Vindob. 2728, 48b, cod. Vindob. 2782, Mb, Clm. V.'i-UK 
3H8, Om. 18140, 208b, cod. Gotwic. LOS, 69a, hortubü: Clm. 18002, 
223a, Clm. 22201, 241 e. horo düpü. cod. Gaelpherbyt Aug. 10. 8. 4* 

f. 89a. horatubil: Clm. 14747 f. 68a. horatupÜ: Bsaias 34, 11 : cod. 
Vindob. 2723, 36b. cod. Vindob. 2732, 44a, Clm. 19440, 346, Clm. 
18140, 144b. 190a, cod. Gotwic. 103,56a, hortubü: Clm. L3002, 222a, 

Clm. 22201, 240c. Versus de volucribus. cretobolus : Gll. Salomon. 
al. hortubel cretobolus: H. S. XI a 2, onoerotalus : a2. e. g.horodumil : 
Leviticus 11, 18: cod. Carolsruh. SPetri 87, 63b; hordumel: cod. 
Vatican. Pal. 288, 55 c. horadümil: cod. sem. Trevir. R. III. 13, 107 b. 
hortumil: H. S. III, 17, horoduchil: Xlb. horotuchil: cod. Vatican. 
Reg. 1701, 2b. horituchil: Clm. 14689 f. 47a. hortuchil: Versus de 
volucr. cretobolus: Gll. Salomon. al. horotrugis ! felefora anirnal 
olori elbiz simile : Leviticus 11, 18 : cod. Stuttgart, th. et phil. fol. 218, 
13c. horttrvgil: cod. Selestad. f. 110a. hortugel: Versus de volucr.: 
Clm. 22213, 163a, hortragil: cod. Admont. 759, 55b (13. Jh.). — 
Akk. — hörotumbel : Notker Ps. 101, 7. hortumbel: Leviticus 11. 18: 
Clm. 22201, 238b, horatupil: cod. Vindob. 2723, 18b, cod. Vindob. 
2732, 22b, Clm. 18140, 14a, cod. Gotwic. 103,49b, hortubil: Clm. 
13002, 219 b, horituchil J : Clm. 14689, 38 ; hörothüchil bubonem büf ■ : 
Anhang zum alten und neuen Testament: Clm. 14747, 96b. — Sg. 
Nom. — rors-e dumble onoerotalus . . .: Leviticus 11, 18: cod. SGalli 
283, 483, rosredumble: cod. Carolsruh. Aug. CCXXXI, 11 b ; roredumble : 
cod. Guelpherbyt. Wiss. 29, 82 a, roredumple : cod. mon. herem. 184, 
298. rofedumble 3 : Deuteronom. 14, 18 : cod. SGalli 296, 116. rori- 
dübil* corcodrillus : cod. sem. Trevir. R. III. 13, 105 a. 

Zu den Reihern gehört auch die im Schilfe lebende Rohr- 
dommel, deren Name bereits in der althochdeutschen Überliefe- 
rung in mehreren Varianten uns entgegentritt: horotumiL horo- 
tumbil, horotüchiL horotübil und roredumbil. 

In der Lautform roredumble ist die letztgenannte Variante 



1 c auf Rasur (Steinmeyer). 

2 hörothüchil wohl Glosse zu onoerotalum des folgenden Verses, 
wenn dies auch nochmals glossiert erscheint (Steinmeyerl 

3 am Rande (Steinmeyer); die Bemerkung f = francice (rofredumble) 
ist hier in den Text eingetragen. 

4 horadümil glossiert unten onoerotalus ; vielleicht standen in der 
Vorlage, aus der hier geschöpft ist (Lev. c. 11?), corcodrillus und onoero- 
talus neben einander (Steinmeyer). 



384 Rohrdommel, botaurus stellaris. 

aber nicht rein deutsch, sondern umgebildet aus der entsprechen- 
den angelsächsischen Namensform räredumle\ wahrscheinlich lag 
dem deutschen Schreiber eine angelsächsische Yorlage vor. Aus 
dem 15. Jh. führen Diefenbachs Glossar. S. 396 b und Novum 
glossar. S. 271a die Belegformen rordum, rordum(p)t, rortrum, 
rordummer, rortrummer, rordrumbel, rordrummel und die volks- 
etymologisch umgedeutete Form radmüll e Radmühle' an. Die 
meisten von diesen zahlreichen Belegen stammen aus mittel- und 
niederdeutschen Glossaren. Die mittelniederländische Namens- 
form rosdommel (jünger-mittelniederländ. roesdommer) bewahrt in 
dem ersten Kompositionsglied eine alte Nebenform des Wortes 
Roh}- (aus *rauz-a\ die zu diesem im Verhältnis des grammatischen 
Wechsels steht. Am Mittelrhein ist sie im 16. Jh. durch Turner 
Avium hist. (1544) S. C 2a bezeugt: "Germani pittourum et rof- 
dommum nominant". Eber und Peucer Vocab. (1552) S.E4b haben 
rofdam aus Turner übernommen, das hinzugefügte Rordummel 
ist die Namensform ihrer sächsischen Heimat; daher denn auch 
Rhordumel bei Siber Gemma (1579) S. 43. Zahlreich sind die 
Varianten bei Gesner Hist. avium (1555) S. 210: "Rortrum I 

Rordump l , aliqui non Rordump I sed Rordumpf f cribunt, alij 

Rordumel / Frisij Reidomel I alij corruptius Rofdam". In Schwenk- 
felds Ther. Sü. (1603) S. 225 wird von den Formen Rohr Trumrn 
und Rohr Brummet die letztere als schlesisch bezeichnet. Hulsius 
(1624) VII, 75 hat Rordommel, Zehner Nomenciator 1645 Vor- 
rede 1609 S. 232 Rhordummel, Hohberg Adel. Landleben (1687) 
II, 635 Kap. CXIII Rohrdrommel (nicht als österreichisches Wort), 
Reyger Verbess. Hist. der Vögel (1760) S. 129 Rohrdommel Ein 
elsässisches Zeugnis für Rohrdamel liefert das Vogelbuch des 
Straßburger Fischers Baldner (1666) S. 17; heute verzeichnen 
Martin und Lienhart 1 Rohrdummel aus Illkirch (Mittelelsaß). In 
Niederdeutschland sind die mundartlichen Varianten besonders 
zahlreich: in Preußen Rohrdrummel, Rohrdrump ) Rohrdump ) Ra- 
dom 2 f. (Samland), Rohrpompe (Reyger a, a. 0.), in Mecklenburg 
Rürdump, Rürdunk, Redümp 3 , in Lübeck Roddump 4 , im Hamburg. 

1 Wb. d. elsäss. Mundart II, 684. — 2 Frischbier II, 209. 231. 
3 Schiller Zum Tierbuche II, 14 u. Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. 
XVI, 84.-4 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 83. 



Rohrdommel, botaurui stellt 

Vierlande Rodump 1 , in Altmarb Rodilmp*, In ( töttingen und I truben- 
hagen Rdrdtim, Rördiim, Rdrigdüm^ im Münsterlande RoAr- 
dommel, Rohrdom, Rohrdomp*, ostfries. Rdrdump und ReUdump 6 
(zu /o/V 'Schilf). Dan, rmrdrum and schwed. rördrum stammen 
aus dem Niederdeutschen. — Der zweite Bestandteil des zu- 
sammengesetzten Namens, der in so vielen Varianten vorkommt, 
ist ursprünglich ein lautbildendes Wort Es beruhtauf dem dumpfen 
Paarungsruf, den die Rohrdommel de* Nachts erschallen läßl and 
der so kräftig tönt, daß er in einer Entfernung von einer halben 
Meile noch vernehmbar sein soll 6 . Voigt Excursionsbuch 8.215 
amschreibt das Geschrei der großen Rohrdommel mit "ü ü prumb 
— ü prumb — ü prumb", und damit dockt sich fast vollständig 
die mundartliche Benennung Iprump m„ welche Schütze Bolst Id. 
(Korrespondenzbl. f. ndd. Sprach! XVI 1.4) und Frischbier Preuß. 
AVI». [, 312 verzeichnen; in dem Osnabrücker Dialekt kommt die 
Form lknnn' 1 vor. Ähnliche onomatopoietische Ausdrücke fin- 
den Vogel sind engl. dial. bumble, bogdrum, bottlebump^ butter- 
bunip s , ital. trombone u. a. 

Als älteste Lautform des zweiten Kompositionsgliedes sind 
dum und dessen Ableitung dum-il- zu betrachten. Die Variante 
-fumb(il) konnte natürlich leicht im Anschloß an tumb Mumm' 
gebildet werden. Schwor zu entscheiden ist, ob das erste Kom- 
positionsglied als vor e Rohr' ursprünglich ist oder ob der angel- 
sächsische Name rdredumbla, -e (= mnd. rdredump\ welcher mit 
rdrian (= mnd. raren) 'brüllen 3 im Zusammenhang steht, eine 
iütere Gestalt repräsentiert übrigens ist die Frage von keinem 
besonderen Belang, da die Veranlassung zur Dmdeutung nahe 
zur Hand lag und die beiden Varianten jedenfalls schon früh 
als mundartliche Namensformen bestanden haben. 

Ursprünglich scheint der Name Rohrdommel mit den oben 

1 Schiller Zum Tierbuche II, 14 und Korrespondenzbl. f. ndd. 

Sprachf. XVII, 4. — 2 Danneil 174. — 3 Schambach L68. 

4 Schiller Zum Tierbuche II. I i u. Korrespondenzbl. f. ndd. Spracht 
XVI. 84. - 5 .Jb. f. ndd. Sprachf. XI. 113. 

6 Martin Naturgeschichte 1,2,560 erklärt die Entstehung des Tones 
daraus, daß dn Vogel den Hals voll Wasser saugt und es dann wieder 
ausspeit. — 7 Schiller Zum Tierbuche II. 1 !. 

8 Swainson The Folklore S. L46. 

Suolahti, Yogeliiamen. 25 



386 Rohrdommel, botaurus stellaris. 

angeführten Varianten in Nieder- und Mitteldeutschland heimisch 
gewesen zu sein. Yon dorther hat er wohl erst in neuerer Zeit 
durch die Bibelübersetzung Luthers und die Schriftsprache sich 
weiter verbreitet. 

In Süddeutschland galten in älterer Zeit zusammengesetzte 
Namen, die ahd. horo 'Schlamm' als erstes Glied haben. Yon 
diesen stimmen horotumbü und horotumil inbezug auf den zweiten 
Bestandteil mit den mittel- und norddeutschen Benennungen über- 
ein, an welche sie sich als mundartliche Yarianten anschließen. 
Ahd. horotühhil scheint eine alte Umdeutung von horotum(b)ü zu 
sein; man knüpfte wohl hierbei an den Begriff 'tauchen' an. 
Als primäre Bildung kann diese Namensform nicht betrachtet 
werden, da die Rohrdommeln keine Taucher sind. Aus der Glosse 
hortübil in den Versus de volucribus haben einige Schreiber des 
14./15. Jhs., die das Wort nicht verstanden, horntaube gemacht. 
Aber noch im 16. Jh. war Hortybil, wie man von Gesner a. a. 0. 
erfährt, in der Augsburger Gegend geläufig. Das schweizerische 
Synonymon Harvogel 1 ist aus ahd. *horovogel (d. h. Sumpfvogel) 
entstanden. 

Aus Niederdeutschland kennt Gesner a, a. 0. die Namen 
Domphorn und Dompshorn. Junius, der im Nomen clator (1581) 
S. 54b die Worte aus Gesner abschreibt, bezeichnet Domphoren 
als niederländisch. Möglicherweise sind es primäre Bildungen, 
die auf dem Vergleich des Naturlautes mit einem Trompeten- 
stoß beruhen. Aber andererseits drängt sich der Gedanke auf, 
daß in Domphorn eine alte Umgestaltung von Hordump vorliegt, 
vgl. westfäl. Kelwitte für Witkele, mitteld. Zälredchen für Rod- 
zeichen usw. 

An der Stelle der alten Bildungen, welche mit dem ahd. 
Worte horo in neuerer Zeit verschwunden sind, findet man in 
süddeutschen Quellen eine Anzahl Dialektnamen, die aus der 
brüllenden Stimme des Vogels hergeholt sind. 

Aus Glossaren des 15. Jhs. belegt Diefenbachs Glossar. 
S. 396 c die Namen moßkalb und mosvogel, von denen jener heute 
in der Schweiz 2 , dieser in Steiermark 3 üblich ist. An diese 



1 Staub-Tobler I, 694. — 2 Staub-Tobler VI, 1029. 
3 Unger-Khull 465. 



Rohrdommel, botaurus itellaris. 3*7 

schließen sich Moßocht und MoßkA (Maßkü\ Vrrind. Merrhtd 

(aus * Morrind) und Lo(r)rind bei Gesner Bist avium (1555) 
S. 200 an. Das Letzterwähnte Synonymon, welch.'-, in der älteren 
schweizerischen Literatur öfters belegt ist 1 , wird von Gesner 
a.a.O. richtig mit lüyen (ahd. hluoen) "brüllen' ("quasi ein Luvend 
rind") zusammengestellt Andere in den schweizerischen Mund- 
arten vorkommende Ausdrücke sind Rdrchue, Börmuni (d. h. 
Rohrstier), Chuevogel 1 . Der von Gesner angeführte Name Moßkü 
findet sich auch als Mösku in Sibers Qemma (1579) 8. 13, als 
Moßküh hei HohbergAdel. Land-Leben (1687) H, 635 Kap. < X 1 1 
und in Spangenbergs Ganskönig V. 129; noch heut»' ist er in 
Baiern 8 und Steiermark 3 geläufig. Aus Sachsen nennt Gesner 
den Dialektnamen Wafferochs, der in Schwab. Breilochs 1 eine 
Parallele hat. Als württembergisch bezeichnet er den Ausdruck 
MoßreigeU doch gilt dieser auch in Österreich, vgl. Hohberg 
a. a. 0.: et bißweilen gibt es auch [in Österreich] Moßraiger\ 

Andere Varianten sind Rorreigel (bei Gesner a. a. 0.), Bumm- 
reigel 1 in der Schweiz, Rorstorck in der Übersetzung der Bücher 
Plinii (1651) S. 556. 

Aus Österreich führt Gesner das Synonymon Erdball an, 
das zu bair. bullen (mhd. bullen) 'brüllen' gehört. Die Glosse 
muspel' im Yocab. theuton. (1482) ist offenbar eine Variante 
davon und als mos-pill 'Moosbrüller' zu verstehen. Eine dritte 
Variante ist Bokrbrüller bei Popowitsch Versuch (1780) S. 471. 

Ob mit mhd. rorphose im Heiligen Namenbuch von Konrad 
Dangkrotzheim V. 145 die Rohrdommel oder ein anderer im 
Rohr lebender Vogel gemeint ist, muß dahingestellt bleiben; 
jedenfalls ist damit nicht — wie Lexer Mhd. Wb. 11. 488 ver- 
mutet — der Storch gemeint. Der Vogelname, welcher im Elsaß 
noch einmal durch das Strassburg. Vogelb. (1554) V, 630 als 
Rhorpfuß bezeugt ist, ist offenbar in seinem zweiten Kompo- 
sitionsteil eine Ableitung vom elsäss. Verbum pfusen e zisehen\ 

Turner Avium hist. (1544) S. C 2a benennt die Rohrdommel 
mit dem Namen Pittouer. Das Wort, welches im Niederländischen 

1 Staub-Tobler VI, 1029 f. — 2 Schmeller-Frommann 1. 1673. 
3 Unger-Khull 465. — 4 Fischer I. 1394. 
5 Diefenbach Glossar. S. 396c. 

25* 



388 Pelikan, pelecanus onocrotalus. 

als butoor, pitoor (bei Jimius Nomenciator (1581) S. 54b Puttoir) 
vorhanden ist, ist entlehnt ans frz. butor (niittellat. butorius bei 
Albertus Magnus De animalibus S. U 7 b). Dem frz. Kamen, der 
auch die Quelle für me. bitor (älter butor\ ne. bittern ist, liegt 
eine vulgärlat. Bildung bo(s)-taurus zugrunde, vgl. auch frz. dial. 
bceuf de marais, bceuf d'eau, taureau d'etang 1 usw. — Auffällig 
ist Pickart als Bezeichnung für die Rohrdommel bei Eber und 
Peucer Yocab. (1552) S. F 5 a. 

In Preußen heißt die Zwergrohrdommel (botaurus minuta, 
ardella minuta) Grock oder Groch 2 . 

XII. Ruderfüßer, Steganopodes. 

Pelikane, Pelecanidae. 

Pelikan, pelecanus onocrotalus. 

Ahd. sisagomo: Sg. Nom. — sisagomo pellicanus : Psalmen 
101, 7: Clm. 18140, 104b, cod. Vindob. 2723, 53b, cod. Gotwic. 103, 
70b, sisagomo: Clm. 22201, 245 d, sisigomo: Clm. 14689,43b; sise- 
gomo: cod. Carolsruh. SPetri 87, 73b. sisagomo: cod. Selestad. f. 109b. 
sisigoumo : Clm. 14689 f. 47a. hisigomo : cod. SGalli 299 p. 33. Cassia- 
nus Inst. XII, 8 p. 436 (Psalmen 101, 7): cod. Selestad. f. 69b. husi- 
gomo : cod. Florentin. XVI, 5, 141 a (13. Jh.). husigov : cod. Vatican. 
Reg. 1701, 2b. sisigöm (sisigom, sisigam, sisegovm, fisgom): Versus de 
volucr.: 5 Hss. 12. 14. 12. 13. 13. Jh., ijsigöm: 2 Hss. 12. Jh., vsigüm: 
1 Hs. 12. Jh., hisigom: 2 Hss. 11./12. 12. Jh., hosigeme (huosigom, hvsi- 
göm) : 3 Hss. 14. 12. 14. Jh., wisigovm (ivisgavm, wisegamo, tvisegüm, 
wisgöm, ivisigo, wisegov, wisgo): 7 Hss. 14. 14. 15. 13./14. 12. 13. 13. 
14. Jh. husegöm: H. S. III, 17: 3 Hss. 12. 12. 15. Jh., sisegöm: 1 Hs. 
12. Jh., sisesisegoü : 1 Hs. 12. Jh., sisegomo : 1 Hs. 13. Jh., sisegeuomo: 
1 Hs. 13. Jh., husegomo: XIa2: 2 Hss. 12. Jh., hisgvme: 1 Hs. 13. Jh., 
sisegomo: b: 2 Hss. 12. 13./14. Jh., hisigomo: d: 1 Hs. 13. Jh., hisi- 
gom: g: 3 Hss. 12. Jh. sisegümo: cod. Oxon. Jun. 83, 4 (13. Jh.). 
sisegoh: cod. Oenipontan. 711, 30 b. bisagome: Clm. 14584 f. 118 a 
(14. Jh.). — Dat. — sisagomhi 3 : Psalmen 101, 7: Clm. 19440, 294, 
cod. Vindob. 2732, 61 a. 

Es herrschten unter den Gelehrten des Mittelalters und 
der früheren Neuzeit verschiedene Meinungen darüber, welcher 
Vogel der pelicanus (griech. ireXeKdvoc) gewesen sei. Vorzugsweise 

1 Rolland Faune populaire II, 376. 

2 Frischbier I, 254. — 3 in auf Rasur (Steinmeyer). 



Pelikan. pelecaniM onocrotalüs. 389 

dachte man an (l<'n Pelikan (pelecanus onocrotalüs) oder an die 
Löffelgans (platalea leucorodia). 

Wie viele andere Tiere, so war auch <{<•]• Pelikan in der 
christlichen Zeil zum Symbol Christi geworden. Die Legende 

der Alten, daß der Vogel die eigene Ilrust aufreitle, um mit dem 
Blute sein» 1 Jungen zu erfrischen, wurde auf den Eeiland ange- 
paßt und in verschiedenen Versionen erzählt. Auch die Malerei 

hat das Thema von dein sich selbst verwundenden Pelikan oft 
verwertet. Die Darstellungen dieses Motivs zeigen aber weder 
den Pelikan noch die Löffelgans, sondern einen Raubvogel mit 

krummem Sehnabel. 

Es ist schwer zu entscheiden, ob das ahd. Wort sisigomo, 
mit welchem pellicanus in den Glossen übersetzt wird, sich auf 
den sagenhaften Vogel bezieht oder eine Bezeichnung für die 
Löffelgans oder den gemeinen Pelikan ist. Der Name, der in 
den Varianten sisagomo, hisitjomo und husigomo vorliegt, ist 
vollständig dunkel. Am ehesten möchte man darin ein um- 
gestaltetes lat.-griech. Wort von dem Typus des ags. feolufer 
« porphijrio) vermuten, aber die Tiernamen im Leviticus und 
Deuteronomium des Vulgatatextes bieten für eine solche An- 
nahme keinen Anhalt. Es scheint, daß man für die Erklärung 
des Namens, welcher an den Komposita auf -gomo (brütigomo, 
triutigomo) eine Stütze gefunden hat, von der Variante hisigomo 
ausgehen müßte 1 . Der Ausdruck, der noch in dm Winde 
Psalmen auftaucht, verschwindet dann spurlos; die zahlreichen 
Umgestaltungen in den Handschriften beweisen, dal) hier ein 
Wort abgeschrieben wurde, das im lebendigen Sprachgebrauch 
keine Entsprechung hatte. 

In Deutschland ist der Pelikan ein äußerst seltener V 
Nur ab und zu ist es vorgekommen, daß er sieh — wahrschein- 
lich von Ungarn her — nach Deutschland «»der der Schweiz 
verflogen hat. Von einem solchen Fall erzählt die österreichische 
Reimchronik, welche berichtet, daß im Jahre 1.*!»)!» seltsame \ 
sich in Steiermark niedergelassen hätten und dort ünvogd ge- 

1 Das Kompositum könnte als zweites Glied ahd. goumo, guomo 
'Gaumen' enthalten und eine Benennung derselben Art sein wie die Syno- 
nyma Sackyc/Hs. Kropfvogel oder Vielfras, s. unten S. 391. 



390 Pelikan, pelecaims onocrotalus. 

nannt worden seien; aus der Beschreibung V. 96163 ff. geht 
deutlich hervor, daß es Pelikane waren. Der Ausdruck Unvogel, 
den Seemüller ! aus dem verdorbenen Texte vnd vogel richtig her- 
gestellt hat, begegnet schon im 13. Jh. im Jüngling Konrads von 
Haslau V. 263 (: gogel) 2 . Ein Beleg aus dem 14. Jh. ist inuogel 
= fulica in cod. Vindob. 1325 (Versus de volucribus) Ahd. GH. 
III, 29 62 . Gesner, der in Hist. avium (1555) S. 606 den Namen 
Onvogel schreibt, gibt ihn als österreichisches Dialektwort an. 
Junius Nomenclator (1581) S. 58 b und Schwenkfeld Ther. Sil. 
(1603) S. 311 (Ohnrogel) haben den Namen aus Gesner abge- 
schrieben. — In den Wörterbüchern und anderen Werken des 
16./ 17. und 18. Jhs. erscheint der Name entweder als ünvogel 
oder als Onvogel geschrieben : im Lexicon Rihelii v. J. 1590 
"onocrotalus eyn vnuogel 3 in Oesterreich genannt", bei Come- 
nius Sprachenthür (§ 151) v. J. 1638 Unvogel., in der Über- 
setzung der Bücher Plinii v. J. 1651 S. 585 "Antonius Ne- 
brissensis: Der Onvogel füllet seinen Kropff mit Wasser", im 
Lat.-böhm. und deutschen Wb. (Prag) v. J. 1723 Ohnvogel* usw. 
Daß der Name am Ende des 18. Jhs. in Österreich nicht mehr 
üblich war, sieht man aus Popowitsch Versuch (1780) S. 296 : 
"Ohnvogel hieß er vormals in Oesterreich". Bei Staub-Tobler 
Id. I, 693 und Grimm Wb. VII, 1224 wird die Lautform Ohn- 
rogel für die ursprüngliche gehalten und für eine Umdeutung 
des lat.-griech. onocrotalus erklärt; bereits bei Frisch Teutsch- 
lat. Wb. (1741) II, 31c findet man dieselbe Behauptung ausge- 
sprochen. Diese Annahme ist jedoch nicht richtig. Die ältesten 
Zeugnisse des Namens deuten darauf, daß Unvogel kein gelehrtes 
Wort, sondern ein volkstümlicher Ausdruck war. Gesner wird 
das Richtige getroffen haben mit seiner Erklärung, daß der Vogel 
wegen der auffälligen und von dem Gewohnten abweichenden 
Art den Namen bekommen habe, wie man ja einen Menschen 
auch Unmenschen nenne. Die Divergenz in der Schreibung des 
Wortes erklärt sich aus der Vermischung von im- und ohn-, die 
seit dem 15. Jh. 5 häufig stattfindet. 

1 Zs. f. d. A. XXXVI, 54. — 2 Zs. f. d. A. VIII, 558. 

3 Diefenbach Glossar. S. 396 c. 

4 Diefenbach Novum glossar. S. 271 b. 272 a. — 5 Vgl. Paul Wb. 8 S. 393. 



Pelikan, pelecanufl onocrotaltw. WM 

Kin anderer volkstümlicher Ausdruck für den Pelikan ist 
Meergans (d. h. überseeische Gans) bei Gesner a. a. 0. (vgl 
Meerhäher 8. 16). Das Synonymon Schneeganß, welches Gesner 
nach Agricola 1 erwähnt, findet er wegen der Mehrdeutigkeit un- 
zweckmäßig. Viele Benennungen Eür den Pelikan, die in der 
älteren Literatur begegnen, sind nur gelehrte Erfindungen der 
Ornithologen. So z. B. Kropffuogel und Efdfchryer ("possent etiam 

fingi nomina" ) bei Gesner und nach ihm bei Schwenkfeld 

a. a. 0., Kropff'rogel in der Obersetzung der Bücher Plinii (1651) 
s. 585 und in Spangenbergs Ganskönig (8. 14) V. 130. Den An- 
druck Sackgans fuhrt zuerst Schwenkfeld an, ebenso wie den 
Namen Vielfras. Popowitsch Versuch (1780) 8. 296 findet jenen 
sehr geschickt, zieht aber diesem eine von Halle gebrauchte Zu- 
sammensetzung Waffervielfraß vor. Nach Popowitsch wird der 
Pelikan in Sachsen und im Lande ob der Enns Kropf gans genannt, 
in Österreich und Steiermark wieder Nimmer fatf. Dieser Name 
kommt schon in Simperts Diarium v. J. 1701 S. 37, dann in 
Ludwigs Deutsch.-engl. Wb. (1716) vor. Klein Hist av. prodr. 
(1750) S. 127 bezieht ihn auf den roten Löffler (platalea rosea). 

Derartige Namen w-ie Nimmersatt usw. sind offenbar für 
gezähmte Pelikane erfunden, die in fürstlichen Vogelhöfen ge- 
halten und gezeigt wurden. Berichte von gezähmten Pelikanen 
findet man öfters in der älteren ornithologischen Literatur. 
Willughby Ornithologia (1676) S. 246 erzählt, daß er im Kgl. 
Jakobs -Vogelgarten in der Nahe von Westminster einen Pelikan 
gesehen und daß die vom Russischen Kaiser zum König von Eng- 
land geschickten Boten unter anderen Geschenken auch zwei 
Pelikane mitbrachten. Auch der Herzog von Baiern soll — wie 
Willughby erfahren hat — an seinem Hof einen in der Donau 
gefangenen Vogel gehabt haben, der dort 40 Jahre lebte. VgL 
auch Frisch Vorstellung der Vögel (1763) XT, B4b. 

Eine Bezeichnung für den gezähmten Pelikan ist auch der 
im 16. Jh. vorkommende Ausdruck Vogel Hein, welcher anläß- 
lich einer Umfrage im Urquell (Zeitschrift für Volkskunde) 1907 
S. 304 mehrere falsche Deutungen veranlaßt hat. A.a.O. zitiert 
Branky eine im Mecklenburgischen Archive befindliche Quittung 

1 De animantibus subterraneis (1549) S. 3a: onocrotalus Schneegans. 



392 Pelikan, pelecanus onocrotalus. 

des Malers Simon Huene zu Güstrow vom 14. April 1594, worin 
der Empfang von 2 fl. 8 szl. für "2 Laken, darauf der Vogel 
Hein gemalet, der auf Wackerbart seinen Diech geschossen", 
bestätigt wird. Ein anderes von Branky angeführtes Zeugnis 
für den Vogel Hein stammt ans der Stadt Mecheln und findet 
sich in den Denkwürdigkeiten Bartholomäus Sastrows IL Teil, 
10 Bd., 11 Kap., S. 625/26 : "Dessgleichen habe ich gesehen Vogel 
Heinen, wovon man sagt, dass er, wenn der Keyser Maximilianus 
primus, des jetzigen Keysers Vranherr, hatt wollen uorreissen, 
allewege zeitlich an den Ort geflogen, dahin der Keyser auf den 
abend ankommen werde; der Keyser hatt jme so viell vormacht, 
das er die Zeit seines Lebendts Wartung und Unclerhalt, die 
fraw, so auf ihn wartete, freye Wohnung und Feurung hatte. 
Dan er war zu der Zeit alt vnd kael das er stets ein warmb 
Stuben haben, vnd wer ine sehen wollte, der frawe etwas geben 
mohte, also seinetwegen ein gut Lohn hatte". 

Daß mit dem Vogel Hein der Pelikan gemeint ist, kann 
man aus Gesner Historia avium (1555) sehen. Er erzählt 
hier, daß in der Stadt Mecheln seit fünfzig Jahren ein zahmer 
Pelikan genährt wird, den man dort Vogelheine oder Vogelhain 
nenne. Gesner beruft sich hierbei auf seine Freunde Turner 
und Culmannus Oppingensis, welche es ihm brieflich mitgeteilt 
haben. Aus der Hist. avium hat Junius Nomenciator (1581) 
S. 58 b die Namen Vogelhaine \ Vogelheyn abgeschrieben und be- 
zeichnet sie als niederländische Ausdrücke. In den ornitho- 
logischen Werken der folgenden Jahrhunderte wird der Name 
dann immer weiter geschrieben. Der Name Hein erklärt sich 
ganz einfach als die Koseform des Personennamens Heinrieh; 
er wird in Niederdeutschland stellenweise auch für den Storch 
verwendet. Offenbar hatte gerade der in Mecheln sich befindende 
zahme Pelikan den Namen Hein erhalten. Im Laufe der Zeit bil- 
deten sich von dem seltsamen Yogel allerlei Sagen, wie man aus 
dem Bericht Sastrows ersieht 1 . Durch die ornithologische Litera- 
tur, die auf Gesners Hist. avium fußte, wurde der Name des 

1 Der Vogel hatte wohl wirklich dem Kaiser Maximilian gehört; 
dazu stimmt ja auch die Zeitangabe bei Gesner. An fürstlichen Höfen 
wurden öfters Pelikane gehalten, s. oben S. 391. 



Scharbe, gracalua carbo, phalaerocorai carbo. 

gezähmten Pelikans weiter bekannt, and so begreift es sich, daß 
im Jahre L594 ein zufällig in Mecklenburg erlegter Vogel eben- 
falls Vogelhein genannt wird. Der erklärende Zusatz Vogel \s\ 

öfters vor Namen fremder Vögel zu finden, vg\. Vogel 8trauß, 
Vogel Greif usw. (S. 224), auch Vogel Pelikan. 

Das aus lat-griech. pellicanus stammende Wort Pelikan ist 
in dem 1 1. Jh. in den Versus de volucribus (Alid. Ml. III. -7 39 ) 
als pellican belegt; westfäL Vogel PUUkan (Woeste 8, L98). 

Scharbe, graculus carbo, pbalacrocorax carbo. 

Ahd. scarva: Sg. Nom. — skarua mergulus: Leviticus 11. 17: 
cod. Carolsruh. Aug. IG f. 86a. scann: Aldhelm. de laud. virg. 142. 17 
cod. Turic. C 59, 6b, cod. SGalli 242, 60. cod. SGalli 299 p. 33. Vergil. 
A. V. 128: Clm. 18059, 194 d. ibis : Prudentius P. Rom. 258: cod. 
Prägens. VII H. 4, 31 b ; scariua auis egipeiaea l steingeiz ibis : Clm. 
14395, 66b, cod. Parisin. nouv. acquis. 241, 66a. sedrba : Notker Ps. 
101, 7. scarba: Notker WPs. 101, 7. H. S. III, 17. Xle. scarbee locun- 
cula. i. genus auis in paludibus : cod. Wirziburg. Mp. th. 4° 60 f. 106 a. 
scariuo ibin: cod. Vatic. Reg. 1701, 2 b. scarbo: II. S. XI g. fulica : 
Versus de volucr. : cod. Admont. 106, cod. Admont. 476. scaruo ibin: 
Anhang zum alten und neuen Testament: Leviticus 11. 17: Clm. 
14747. 96b : tnchari.t scarabo mergulus: cod. Fuld. Aa 2, 43a. tuchari. 
t.carabo: cod. Carolsruh. Aug. CCXLVIII, 106 b; sceretio ibin : Clm. 
13002,219b, scereite: Clm. 22201,238b. scarue ibis: Gll. Salomon. 
al, scarni: d: Clm. 23496, 5b. — Akk. — scarua meridiana pars 
ibices aues uocant que nili fluentis inhabitant et semetipsas pur- 
gant. rostris snapalun () Ibin: Job 39, 1 : Clm. 19440, 136. Leviticus 
11, 17: cod. Oxon. Jun. 25 f. 98a; scarira ibin: Clin. 18140, 14a. 
scariua: cod. Vindob. 2723, 18b, cod. Vindob. 2732, 22 b. ibin: Clm. 
L4689 f. 17 a. — PI. Dat. — scarbon : Vergilius A. V. 128 
Tridentin. 1660, 87 a. 

Das Wort Scharbe ist ein gemeingermanischer Vogelname. 
Den althochdeutschen Nfamensformen scarva : xcarba, welche durch 
grammatischen Wechsel mit einander verbunden sin«!, entspricht 
im An^elsüchsisrhrn die durch Lautversetzung entstandene Form 
scroti und im Altnordischen skarfr(dÄu. skarv : schwed. dial. aßar/). 
Bei Falk und Torp Et ordb. II, 17:!f. wird german, *soartha(n\ 
**<-arb-n zur Ldg.Wurzel *skerep 'einen schnarrenden Laut her- 
vorbringen 3 (anord. skrafa "plaudern, reden', schwed. skrafla "< 
rasselnden Laut hervorbringen', ags. scearfian 'kratzen' usw. 



394 Scharbe, graculus carbo, phalacrocorax carbo. 

führt. Die Scharbe hat also ihren tarnen von den krächzenden 
rabenartigen Lauten erhalten, welche auch bei der Bildimg 
anderer Synonyma, wie engl, sea-crow, norweg. s#eravn, frz. cor- 
moran « corvus marinus), mitgewirkt haben; für diese Namen 
kommt natürlich auch die schwarze Farbe des Yogels in Betracht 

Dem niederdeutsch -niederländischen Sprachgebiet fehlt 
die zu erwartende Namensform scarva ; dafür finden sich hier die 
anklingenden mnd. scholver, schulver, nndl. scholver 1 (scholferd), 
schollevaar, fries. skolfer 2 , welche mit dem angelsächsischen Worte 
scealfor, scealfra zusammenhängen. Franck Et. Wb. S. 854, Ver- 
coiülie Et. Wb. S. 254 trennen diese Wortgruppe von den hoch- 
deutschen Namensformen und erklären sie aus ags. scelfan 'unter- 
tauchen 5 (ndl. scholpen 'plätschern'). Aber das herangezogene 
angelsächsische Verbum dürfte tatsächlich nicht existieren, son- 
dern scheint nach Leo Angelsächs. Glossar S. 247 fälschlich an- 
gesetzt zu werden. Richtig ist wohl die Annahme von Kluge 3 , 
daß ags. scealfor mit ahd. scarba in Verbindung steht und aus 
einer erweiterten Form *scarbar- durch Dissimilation hervorge- 
gangen ist. Für die Richtigkeit dieser Deutung spricht nämlich 
die Dialektform Sköarwer* auf Helgoland, in welcher die Zwischen- 
stufe *scarbar- erhalten ist. Die dem angelsächsischen Worte 
entsprechende Lautform auf dem Kontinent ist ndd. Scalver (bei 
Gesner Hist. avium S. 131 und Frisch Vorstellung der Vögel (1763) 
XI, C 1 b), das schon im 12. Jh. in der Glosse scaluaron mergis 
cod. Cheltenham. 7087, 144a bezeugt ist. Damit stehen mnd. 
scholver, schidver im Ablautsverhältnis. Vielleicht ist die un- 
dissimilierte Stufe dieser niederdeutschen Lautformen in dem 
anord. Vogelnamen skurfir vorhanden, der unter den Glossen 
der Snorra-Edda steht. 

Die Kormoranscharbe ist die einzige Art der Scharben, 
die in Deutschland vorkommt. Nach den Angaben bei Naumann- 
Hennicke XI, 55 f. ist sie in den östlichen und nördlichen Teilen 
des Landes erst in neueren Zeiten bekannter geworden, in den 



1 Scholuer bei Junius Nomenciator (1581) S. 55 a. 

2 Dijkstra Wb. III, 119. 

3 An English Miscellany presented to Dr. Furnivall in honour of 
his 75 th birthday S. 199. — 4 Frommann D. Mundarten III, 33. 



Scharbe, gracolua carbo, pbalacrocorax carbo. 895 

südwestlichen und mittleren Teilen sowie in dei Schweiz findet 
man sie sehr selten. Zur Zeit Notkera wai dies wohl nicht 
der Fall, wie man ans einer Bemerkung in der Psalmenüber- 
setzung vielleicht schließen darf: M daz er [pellicanus] nir-ht des 
neferdeuue iU>± er Eerslindet aiem 4 mSr danne hier in dfsen 
seuuen diu scdrba". Dieselbe Anschauung, welche in den Worten 
Notkors zutage tritt, findet sich auch in dem Verse (IV, 6) des 
Iraugemundsliedes aus dem 14. Jh.: "der scharbe ist äne ma 
(Müüenhoff-Scherer Denkmäler I. L93). Im Hl. Jh. berichtet I Mesner 
Hist. avium S. 131 ff., daß die Scharben im Herbst an die schweize- 
rischen Seen zu kommen pflegen und daß ihre Ankunft ein 
Vorzeichen strenger Kälte sein soll; man nenne sie in deT Schweiz 
Seharb oder Netzescharb. Auch das Strassburg. Vogelb. v. J. 1 55 1 
V. 345 verzeichnet Scharb unter den Wasservögeln. Baldner 
Yogelb. (1666) S. 13 verwendet die auf ahd. scarva beruhende 
Parallel-Form : "Ein Scharf(f) ist bey uns unbekant, und gibt 
deren nicht viel". Heute ist die Namensform im Elsaß aus- 
gestorben 1 . Auf bairisch-fränkischem Gebiet ist der Name in 
der Pluralform Scherbn bei H. Sachs Der unglückhaftig Pirser 
(1555) IV, 286, 16 bezeugt. 

In der ornithologischen Literatur der letzten Jahrhunderte 
werden neben den niederdeutsch-niederländischen Namensformen 
manchmal recht auffällige Varianten zitiert. So nennt Gesner 
a.a.O. neben Scalueren (in Stettin Schulderen) auch Schalucheren, 
Scholucheren und Scolucherez, Schaluchhorn] daher bei Schwenk- 
feld Ther. Sil. (1603) S. 246 Schaluchhorn. Die Quelle, aus welcher 
diese Formen geschöpft sind, ist Albertus Magnus De animalibns 
S. Y 2 b, wo der Name fcoluchere angeführt wird. Da der Druck 
des deutschen Textes bei Albertus sehr oft schlecht ist, müßte 
man, um diese Namensform als zuverlässig betrachten zu können, 
eine Bestätigung derselben haben, aber es fehlt an selbständigen 
Zeugnissen. Fischart, der im Gargantua S. 237a Scholucher er- 
wähnt, hat diesen Namen ebenso wie viele andere a. a. 0. ge- 
nannte Vogelnamen offenbar durch die Lektüre gelehrter Li- 
teratur kennen lernen. Zu streichen ist die Variante fcolucherez, 
welche bis in die neueste Zeit aus Albertus weitergeschleppt ist 

1 Martin-Lienhart IL 432. 



396 Scharbe, graculus carbo, phalacrocorax carbo. 

Sie stammt nämlich aus Drucken, die e$ als Zeichen für die 
Endung en haben. 

Ein Name der Scharbe steckt in der althochdeutschen Glosse 
alacra: Sg. Nom. — alacra onocrotalus: cod. Parisin. 12269 f. 58 b. 
dof : hfugal ut alaf:cra . ut tut: heri mergulus nigra auis mergit se sub aqua 
pisces querere: Leviticus 11, 17 : cod. SGalli 283, 483, cod. Carolsruh. Aug. 
CCXXXI, IIb; dohfiifgal. uel alafcra. ut tuheri: cod. Guelpherbytan. Wiss. 
29, 81b. 82 a, doh fu : gdl. t alacra t tuhheri: cod. Vindob. 1042, 130a, cod. 
mon. herem. 184, 297, Clm. 6227, 49b, Clm. 18528, 1, 73a, tuhfogal t. alac. t 
tuhheri: Clm. 5116, 80a; doWfugal t. alacra. t tuhhari: Clm. 18140, 14a. 

Die von Bruinier KZ. XXXIV, 361 aufgestellte und von 
Walde Lat. et.Wb. S. 17 s. v. alcedo u. a. angenommene Etymo- 
logie, wonach das althochdeutsche Wort mit lat. alcedo 'Eisvogel' 
urverwandt wäre und mit altind. arcati 'strahlt' usw. als 'Schiller- 
vogel' zu verknüpfen sei (s.S. 195), ist nicht richtig. Der deutsche 
Yogelname ist nämlich ein internes Kompositum dla-crä 1 und 
bedeutet 'Aalkrähe*. Damit stimmen überein dän. aalekrage 2 , 
norweg. aalekraake, schwed. älkräka (älkrok); andere Synonyma 
derselben Art sind Äelgüß {= Aalgans) aus Xiederdeutschland bei 
Gesner Hist. avium (1555) S. 131 und nndl. aalscholver* (= Aal- 
scharbe). Die Scharbe hat diese Namen erhalten, weil sie mit 
besonderer Vorliebe Aale frißt. Der Vergleich des Vogels mit 
krähen- und rabenartigen Vögeln tritt außer in alacra auch zu- 
tage in dem schlesischen Namen See Rabe bei Schwenkfeld Ther. 
Sil. (1603) S. 246. Sonst wird die Scharbe auch als Gans auf- 
gefaßt, vgl. die ndd. Namen Aelgüß und Scluvemmerganß bei 
Gesner S. 119. 131 und Baumgans (Baumente) in Preußen 4 . 

Den synonymen Ausdruck Vuchtars, den Gesner aus Mur- 
mellius zitiert, erklärt er daraus, daß der Vogel beim Fliegen 
sich nur so wenig erhebt, daß der Schwanz im Wasser bleibt; 
aus Gesner haben dann Schwenkfeld, Klein u. a. Feucht Ars 
übernommen. Bei den Fischern an der Oder soll die Scharbe 
— wie Frisch Vorstellung der Vögel (1763) XI, C la mitteilt — 

1 Die Erhaltung des Kompositionsvokals nach der langen Stamm- 
silbe findet man auch im ags. celepüta 'Quappe'. 

2 Molbech Wb. S. 3. 

3 Woordenboek der nederlandsche Taal I, 26. 

4 Frischbier I, 58. 



Möwe, Laras. 397 

wegen des Fischraubens Vielfraß heißen. Aber der a. a. 0. ge- 
nannte Name Schlucker, der von den späteren Ornithologen 
weitergeschrieben wird, scheint nur eine [nterpretation der von 
Albertus gegebenen NFamensform Scholucher (s. oben) zu sein. 
— Die heute in der Wissenschaft übliche Benennung Cormoran 
(aus frz. cormoran > engl, cortnorant) erscheint als Gormorani bei 
Hohberg Adel. Land-Leben (1687) II. 639 Kap. CXIL 

XIII. Langschwinger, Longipennes. 

Möwen, Laridae. 
Möwe, larns. 

Andd. meu: Sg. Nom. — meu larus : Leviticus 11.16: cod. 
Parisin. 2685, 50b ; mtßu : cod. SGalli 283, 482, meß\a x \ cod. Carolsruh. 
Aug. CCXXXI, IIb; meum larum genus auis. et uocabitur saxonice: 
cod. SPauli XXV d/82, 37b, cod. SGalli 295, 127, cod. SGalli 9, 276, 
meü larus uocatur saxonice. nostri mufsare: cod. Vindob. 1761, 46b ; 
smea 2 : cod. Guelpherbytan. Wiss. 29, 81b, mersa : : cod. Vindob. 1042, 
130a, Clm. 18528, 1, 73a, m*sa :i : Gm. 17114,74a; meh larum. in 
diutisco dicitur: Anhang zum alten und neuen Testament: Clm. 
14747, 96a. smea 4 : Deuteronomium 14, 15: cod. SGalli 296, 116. 

Die Möwen sind, wenn auch nicht ausschließlich, so doch 
in der Hauptsache Küstenvögel; besonders häufig und artenreich 
treten sie an den Küsten der nordischen Meere auf. Den ger- 
manischen Völkern, welche diese ausgedehnten Küstengebiete 
bewohnen, den Niederdeutschen, Holländern. Friesen, Engländern, 
Skandinaviern, ist der Möwenname gemeinsam: mnd. me\w : und. 
mew{e\ mndl. meeuwe (meeu, meice), nndl. meeuu\ fries. meau, mieu, 
ags. ma?u\ me. mew, ne. meto und anord. mar neben den Ab- 
leitungen mdki (dän. maage, schwed. dial. mäka) und mdsi (dän. 
maase, schwed. mäse). Die gemeinsame Grundform dieser Be- 
nennungen ist mit Rücksicht auf die althochdeutsche Glosse 
meh als *maihtva- : *mai(g)wa- : *mai(g)m- angesetzt worden. Im 
Anschluß an Uhlenbecks Deutung PBB.XX, 328 hält man den 
Yogelnamen für vorwandt mit altind. mecaka- 'dunkelblau* (aus 

1 Rasur von s (Steinmeyer). 

2 smea auf größerer Rasur (Steinmeyer). 

3 entstellt aus meu (Steinmeyer). — 4 d. h. m*«a (Steinmeyer). 



398 Möwe, larus. 

idg. *moiq-os). — Diese Etymologie, welche nur auf den Lautan- 
klang eines altindischen Farbennamens aufgebaut ist, ist jedoch 
schon an und für sich höchst hypothetischer Natur. Ferner ist aber 
auch die für die germanischen Namen erschlossene Grundform 
keineswegs sicher. 

Eine rein althochdeutsche Form darf auf Grund des oben 
angeführten Glossenmaterials nicht angesetzt werden. Im Hoch- 
deutschen war der Yogelname von Hause aus nicht heimisch. 
Die vielfach verdorbenen Belege in den zitierten Bibelglossaren, 
die offenbar alle mit einander zusammenhängen, sind aus einer 
angelsächsischen Vorlage abgeschrieben; der Vermerk 'saxonice' 
ist hier nicht als 'sächsisch', sondern als 'angelsächsisch' zu ver- 
stehen. Auch die Glosse meh darf trotz des Zusatzes e in diu- 
tisco dicitur' nicht als hochdeutsches Wort in Anspruch ge- 
nommen werden. Die hier in Betracht kommende Handschrift 
ist nahe verwandt mit den übrigen angelsächsische Bibelglossen 
aufweisenden Handschriften, und die vorliegende Namensform 
muß als eine Verhochdeutschung des angelsächsischen Wortes 
betrachtet werden. Aus den angeführten Belegen in den alt- 
hochdeutschen Glossen kann man also nur einen angelsächsischen 
Möwennamen herauslesen, und zwar sind die Formen, welche 
man für die angelsächsische Vorlage gewinnt, meu und mea, die 
zu den in rein angelsächsischen Quellen sich findenden Belegen 
meu und meaw stimmen; ferner ist der angelsächsische Name 
noch in den Formen mmv und meg (in den alten StGaller GH., 
Ahd. Gll. IV, 460 1] ) überliefert. 

Die gemeinsame urgermanische Lautgestalt des Möwen- 
namens ist schwer zu ermitteln 1 . Möglicherweise haben wir es 
hier mit einem Worte zu tun, das in alter Zeit von einem Volke 
zum anderen gewandert ist. Bei Albertus Magnus De animalibus 
S. Y 5 b findet man die Behauptung, daß die Möwen von der 
Stimme den Namen haben ("ab imitatione uocis fic dicte"). Viel- 
leicht liegt dem Vogelnamen ein lautmalendes Verbum zugrunde, 



1 Während Chadwick Studies in Old English S. 49, Kluge Et. Wb. 6 
S. 274, das NED. s. v. mew u. a. für die Grundform einen Diphthong ai 
ansetzen, sehen Sweet The Stud. Dict. S. 113 und Skeat Concise Et. Dict. 
S. 325 in derselben ein langes westgermanisches ü. 



Möwe, latus. 

mit dem man das Allanen der Katzen bezeichnet, rgL mini. 
mdwen, n<ll. maattwen^ mittelengL mawen, ne. meto. Das wimmernde 

Geschrei der Möwen hat auch den Ausdruck mercatte^ merekatee 
veranlaßt, mit dem einige Glossatoren des L5. Jhs. 1 diese Vögel 
benennen. Aus irgendeiner germanischen NTamensform Btammt 
afrz. motte (nirz. mouette) 'Möwe*, Qormann.-picard mauve*', zu 
beachten sind daneben die picardischen Nebenformen mtoutv, 
miatde, miaux. Lit mevas *Möwe* ist wohl ans dein Niederdeutschen 
entlehnt. 

Das erste Zeugnis für den Möwennamen in Deutschland 
bietet Albertus Magnus a. a. 0., der ihn ausdrücklich den Küsten- 
bewohnern zuschreibt: "ab iftis auibus et malte alie aues apud 
marinos meäce uocantur". Die schlechte Überlieferung der 
deutschen Worte bei Albertus läßt uns auch hier keine sichere 
Lautform des Namens gewinnen. Erst im 15. Jh. haben wir den 
ersten sicheren Beleg auf hochdeutschem Boden; in einer Straß- 
burger Stadtordnung v. J. 1449 (Brucker Straßburg. Zunftverordn. 
S. 18S) werden unter anderen Vögeln auch die metaen genannt. 
Gesner, der in seinem Vogelbuch Albertus zitiert, gibt als deutsche 
Namensform Meto \ Meb (S. 563) und Meicb (S. 118) an; bei Turner 
Avium hist. (1544) S. D 7 a eyn wyß Meue. Im Elsaß ist das 
Wort durch das Strassburg. Vogelb. v. J. 1554 bezeugt, das V.356 
Mebb schreibt; Golius Onomasticon v. J. 1579 Sp. 292 verzeichnet 
<e lari Meben \ Metren \ In Baldners Vbgelb. v.J. 1660 werden die 
Seemühben (See Meb, Ein frembde See Meben) als seltene Er- 
scheinungen erwähnt. Junius gibt in seinem Nomen clator \. .). 
1 581 gegen seine Gewohnheit keine deutsche Namensform an, nur 
ndl. Mieuwe ! Witte zee meeuirr S. 55a. 571). Der Züricher Vlrgil- 
kommentar v. J. 1581 S. 708 nennt die Pluralform Maren: nach 
Gesner führen Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 294 {Schwartoer) 
Meue und Aitinger Bericht v. d. Vogelstellen (1631) S. 72 Mebe 
an. In dw Angenehmen Landlust (1720) S. 227 und in Zorns 
Petino-Theologie II, 437 begegnet das Wort in der Form die 
Mcrc hei Döbel Eröffn. Jägerpr. (1746) S. 72 See-Möven, bei 

1 Diefenbach Glossar. S. 319 b. 

2 Die französischen Worte können sowohl german. *maiu- wie *w7v- 
als Etymon haben. 



400 Möwe, larus. 

Popowitsch Versuch (1780) S. 394 die M6ve\ einige andere Be- 
lege in Grimms Wb. VI, 2167. In den hochdeutschen Volks- 
mundarten ist der Name nicht geläufig. 

Von den zahlreichen Möwenarten ist nur die Lachmöwe 
(larus ridibundus) im Binnenlande Brutvogel; sie ist an den 
deutschen Binnenseen und Flüssen sehr häufig. Gesner, der in 
seiner Darstellung der larus-Gattung die Binnenseemöwen von 
den Meermöwen unterscheidet, nennt die Lachmöwen mit dem 
heimischen Dialektnamen Holbrot I Holhrüder (S. 563). Ein zweites 
Zeugnis dieses Namens im 16. Jh. stammt ebenfalls aus Zürich: 
"scylla ein kobel Lerch oder Mewen gattung (wie wir die holbrotin 
nennen)" im Virgilkommentar v. J. 1581 S. 708. Staub-Toblers 
Id. V, 417 belegt Hollbruder aus dem Jahre 1692 und die um- 
gekehrte Kompositionsform Brodholi aus dem Jahre 1661. Den 
Ausdruck erklären Staub und Tobler II, 1155 als 'Brotholer', 
indem sie auf Joachim von Watts Hist. Schriften 1546 vollendet 
(herausg. von Götzinger) hinweisen, wo folgende Episode erzählt 
wird : "Und flugend die wilden enten und ander gefügel Zürich 
[im Winter a. 1435] in die statt. Es ward ouch an ein buoss 
verboten, dass in niemann kein leid tuon dorst. Die liessend inen 
brat fürwerfen und hottend das; so gemach hatt' si der hunger 
g'machet". Diese Deutung, welche die Entstehung des Ausdrucks 
an einen bestimmten Ort verlegt, gewinnt dadurch an Wahr- 
scheinlichkeit, daß die oben angeführten ältesten Zeugnisse des 
16. Jhs. gerade aus Zürich stammen. Daß Fisehart schon den 
Namen als Schimpfwort gebraucht und daß später Spangenberg 
ihn im Ganskönig erwähnt, spricht nicht dagegen, denn beide 
Autoren führen öfters Vogelnamen an, die sie aus der gelehrten 
Literatur haben kennen lernen. Die Namensform Holbrot, woraus 
dann durch Umdeutung Holbruder entstanden ist, kann auf einem 
Lockruf der Möwen beruhen, sie könnte aber auch als Um- 
stellung von Brotholi aufgefaßt werden, vgl. z. B. Röthiiserli für 
Hüsroteli u. a. 

Aus der Gegend am Bodensee führt Gesner als Synonymon 
zu Holbrot den Namen Alenbwk an, den schon Eber und Peucer 
Vocab. v. J. 1552 S. E 7 b in der Pluralform als Albuken belegen. 
Der Ausdruck ist noch heute in dem angegebenen Bezirke ge- 



Möwe, larus. 401 

bräuchlich and wird auch für die Seeschwalbe verwendet Auf 
schwäbischem Dialektgebiel erscheint das Wort stellenweise als 
Bezeichnung des Fischreihers 1 . Der Vogelname Bcheinl mit dem 
schweizerischen Fischnamen Albock 'Blaufelchen' (auch MLcL\ 
Albich, Alpk) ein und dasselbe Worl zu sein, aber die Etymo- 
logie bleibt dabei unklar. Der Zusammenhang des Vogelnamens 
mit lat albus 1 *weiß' ist ganz unsicher. Er sieht eher wie ein 
Kompositum aus umi könnte ers< sekundär mit dem Fischnamen 
— der vielleicht mit albus in Verbindung steht — zusammen- 
gefallen sein. Naumann Naturgesch. (Kd. Hennicke) XI, 240 
nennt, leider ohne seine Quelle zu erwähnen, unter den Synonyma 
für die Silbermöwe auch den Ausdruck Raukaüenbeck. Die ur- 
sprüngliche Form dieses verhältnismäßig spat überlieferten und 
offenbar umgestalteten Vogelnamens ist nicht mit Sicherheit zu 
ermitteln. 

Xeben albuhen = albae gauiae erscheint bei Eber und Peucer 
a. a. 0. in gleicher Bedeutung die Pluralform Seegallen, eine 
ähnliche Bildung wie Nachtigall (vgl. S. 37). Ob dieser Name 
der Möwe wirklich in Deutschland lebendig gewesen ist, scheint 
jedoch zweifelhaft. Die angeführte Glosse kann nämlich, wie 
einige andere Namen bei Eber und Peucer, aus Turner Avium 
hist. (1544) S. B 8b stammen, und hier ist feegell als englisches 
Wort angegeben. 

Heutzutage nennt man die Lachmöwe an einigen Orten 
in der Schweiz Giriz 3 , an anderen Orten wird damit die See- 
schwalbe und stellenweise auch der gemeine Kibitz bezeichnet 
Der Ausdruck Girlitz im Strassburg. Vogelb. 4 Y. 345 unter Be- 
zeichnungen der Wasservögel ist offenbar eine Variante des 
angeführten schweizerischen Wortes. Der Name schließt sich 
an die Bildungen auf -itz an, die ihren Typus aus dem Slavischen 
erhalten haben, vgl. Stieglitz S. 117. In diesem Falle liegt jedoch 

1 Vgl. Staub-Tobler IV, 1127 und Fischer I.M2!». 

2 Fischer Schwab. Wb. a. a. 0. spricht mit Reservation die Vermutung 
aus, daß der Name entlehnt sei; Staub und Tobler Id. a. a. 0. halten ihn für 
eine alte germanische Bildung (mittels des bekannten fc-Suffixes . die sich 
später an Bock anlehnte. 

3 Staub-Tobler II, 407. 

4 Der Girlitz wird hier mit dem Namen Girlin bezeichnet, vgl. S. 132. 

Suolahti, Vogelnamen. 26 



402 Möwe, larus. 

kein slavisches Etymon zugrunde ; Schweiz. Giriz ist im Anschluß 
an die Worte auf -Uz von derselben lautbezeichnenden Wurzel wie 
Geierschvalbe (vgl. S. 22) gebildet und bezieht sich also auf das 
Geschrei des Yogels, welches wie bei den möwenartigen Vögeln 
überhaupt aus kr-kr-Rufen besteht. Daher haben auch die See- 
schwalben auf Helgoland den Namen Kerren 1 . Friderich Martens 
erwähnt in seiner Spitzbergischen Reisebeschreibung (1675) S. 66 
die Kinnewc, nach Popowitsch Versuch (1780) S. 395 ist der 
Ausdruck Kimnöce "kein Namen einer besonderen Art, weil 
mehrere kirren". Im Anhaltischen hat die Lachmöwe wegen ihres 
krächzenden Geschreies den Namen Seekrähe 2 . 

In der Schweiz nennt man diese Möwenart Botgans 5 wegen 
des roten Schnabels und der roten Füße und Pfaff 3 wegen des 
schwarzen Kopfes. In Lübeck heißt sie Heringsmew^ in Preußen 
Haffmöre und Melhafter' . Die letztgenannten Benennungen 
werden übrigens für die Möwengattung im allgemeinen ver- 
wendet, der Ausdruck Heringsmöive ganz besonders auch für die 
kleine Mantelmöwe (larus fuscus). 

Im Binnenlande, wo die meisten Möwenarten unbekannt, 
einige nur auf dem Durchzuge bekannt sind, nennt man sie oft 
Seemöven (z. B. bei Gesner, Baldner u. a.) und versteht unter 
diesem Ausdruck dann auch die Seeschwalben. Überhaupt werden 
die Ausdrücke Seeschicalbe und Seemöice ganz promiscue ge- 
braucht, und die ältere Ornithologie macht keinen Unterschied 
zwischen den beiden Vogelgattungen sterna und larus, sondern 
vereinigt sie beide unter dem Namen larus. Schwenkfeld Ther. 
Sil. (1603) S. 292 ff. unterscheidet in dieser Gattung vier Arten; 
mit den beiden ersten Möwen (larus major cinereus = Ein 
iceiffer Seefchwalbe ! gr offer Seefchwalm I graicer MeerfchwaJm I 
Fisch AJir und larus albus capite rubeo = Ein rot köpfichter See- 
fchwalbe) sind wohl nur Varietäten der Lachmöwe gemeint. In 
Zorns Petino-Theologie (1743) II, 438 wird dieser Vogel Fischer 



1 Frommann D. Mundarten III, 33. 

2 Naumann-Hennicke XI, 206. 

3 S. Staub-Tobler II, 374. V, 1061. 

4 Korrespondenzbl. f. ndd. Sprachf. XVI, 83. 

5 Frischbier I, 265. II, 60. 



Seeschwalbe, iterna. 

genannt, während eine "gröffere Gattung" dort die Rhein- odet 
See-Mac heißt, "Veil ße Beb nur ;uii groffen Bluffen wie der 
Rhein ift oder auf 8een aufhall and alfo bey ans nicht ein« 
beimifch ift". In der Angenehmen Land-Lust ( 1 7 J u ( s. 227 wird 
dieser letztere Vogel mit der großen Art gemeint, 'li'' 
gröffer als «'in«' recht groffe Taube" ist and «li»- "weil fie Fifoh 
E&ngel Fifcher genant wird". 

Seeschwalben, Sternidae. 
Seeschwalbe, stein a. 

Die Namen Seeschwalbe und Meer seh w<dbe, die auf den 
charakteristischen Körperbau dieser möwenartigen Vögel hin- 
weisen, erscheinen zuerst in der Literatur des 16. Jlis. : Meer- 
schwalb bei II. Sachs Regim. der Vögel (1531) V.214, Sehfchwalm 
im Strassburg, Vogelb. v. J. 1554 V. 383. 

Gesner, der diesen Ausdruck aus Straßburg kennt und den 
Namen Meerfchwalm ebenfalls (nicht in der Schweiz) gehört hat, 
erwähnt drei verschiedene Arten dieser Vögel. Unter dem wissen- 
schaftlichen Namen sterna ("Frisij hanc auem Stirn appellant") 
beschreibt er in Hist. avium S. 564 f. die in vielen Gegenden 
Deutschlands bekannte Flußseeschwalbe (sterna hirundo) und 
nennt sie mit dem heimischen Namen Schnirring (von dem Ver- 
bum schnirren, welches die Stimme des Vogels wiedergibt). 
In der Form Schniring begegnet der onomatopoietische Name 
auch im Strassburg. Vogelb. V. 348. Als straßburgische Be- 
nennung der Seeschwalbe nennt Oesner jedoch einen anderen 
Namen, das als Bezeichnung des Mauerseglers S. 20 f. erwähnte 
"Wort Spyrer. In den Straßburger Quellen ist dieser Name im 
Sinne von Seeschwalbe seit dem L5, Jh. öfters zu belegen: spirer 
in den Stadtordnungen v. J. 1449 u. 1459 (Brucker Straßburg. 
Zunftverordn. S. 226. 230) und im Strassburg. Vogelb. v. J. 1564 
V. 346, der Spyrer in Spangenbergs Qanskönig V". L31, ein Sprint 
in Baldners Vogelb. v. J. 1666 S. 43; auch heute wird der Vogel 
in Straßburg das SpirJe und Rhinspirel 1 genannt. Die Über- 

L Martm-Lienhart II, 54(> geben als Bedeutung von Spirle "kleine 

weiße Möwe" und von Rhinspirel "Rheinmöwehen, das zu bestimmten 

Zeiten am Münster und an Wasserläufen zu finden ist"; offenbar ist damit 

die Flußseeschwalbe (oder die Zwergseeschwalbe) gemeint. 

2& 



404 Seeschwalbe, sterna. 

tragung der Benennung des Mauerseglers auf die Seeschwalbe 
erklärt sich daraus, daß dieser Yogel ebenso wie jener auffällig 
kurze Füße hat; weiter kommt natürlich der schwalbenförmige 
Körper der Seeschwalben in Betracht. Als Rheinschwalben sind 
die Yögel ziemlich weit bekannt: Rhinschivalme 1 oder Rhin- 
schicälmele im Elsaß (Ingersheim, Horburg und Oberhergheim), 
Reischmuelef* {nehenMierschmuelef 2 d. h. Meerschwalbe) in Luxem- 
burg. Nach Popowitsch Versuch (1780), der diese [Namen für 
Bezeichnungen der Möwengattung im allgemeinen hält, gilt 
Speirer in Straßburg, Rhein fchwalbe in Schwaben und am Rheine, 
Meer fchwalbe in Steiermark und Schwaben. Seine Angabe, daß 
diese Yögel mit dem Kibitze verwechselt werden, wird für die 
Schweiz bestätigt durch Staub und Tobler, welche (II, 130) Gi- 
fiz in der Bedeutung von Flußseeschwalbe und Möwe nach- 
weisen. Das Zusammenwerfen dieser Yögel beruht offenbar auf 
der Verwechslung der Namen Gibitz und Giriz (s. S. 401); das 
letztgenannte Wort kommt auch im Sinne von Kibitz vor. Nach 
Popowitsch werden die Seeschwalben und Möwen auch mit dem 
Bläßling (vgl. S. 304) verwechselt. Die Übertragung dieses Namens 
des weißstirnigen Wasserhuhns auf die mö wen artigen Vögel ist 
leicht begreiflich, weil viele Arten von diesen mit farbigen Kopf- 
platten versehen sind. 

Die zweite von Gesner besprochene Seeschwalbe ist die 
Zwergseeschwalbe (sterna minuta), welche nach den Angaben 
von Naumann-Hennicke XI, 121 f. in der Schweiz im ganzen 
selten, in Deutschland aber in vielen Gegenden und besonders 
am Rhein häufig anzutreffen ist. Daraus erklärt sich auch der 
Umstand, daß Gesner für den Vogel aus der Schweiz keinen 
Namen nennt, sondern bloß die in Straßburg übliche Benennung 
ein Fifcherlin (S. 565) erwähnt. Diese ist als Fifcherlein in 
Spangenbergs Ganskönig V. 132 und in Baldners Yogelb. (1666) 
S. 45 bezeugt. In Schwenkfelds Ther. Sil. (1603) S. 293 ist Fifcher- 
lin aus Gesner übernommen, als Synonyma werden Ein klein 
See fchwalbe und Rohrfchwalm angeführt. Popowitsch, der a. a. O. 
S. 395 die Zwergseeschwalbe als die kleinfte Fifchermöve (offen- 

1 Martin-Lienhart II, 524. 

2 Wb. d. Luxemburg. Mundart 284. 355. 



Seeschwalbe, sterna i i 

bar im Anschluß an "larus piscator" bei Gesner) bezeichnet, er- 
wähnt eine kleine kirrende Ar! der Möwe, die in Österreich und 
Schlesien Fifcher genannt wird. Vgl. 8. 102 t. 

Kin häufiger Vogel ist an den wasserreiche]) Orten Deutsch- 
lands die Trauerseeschwalbe (sterna nigra, hydrochelidon D 
Sir Lst ein Sommerrogel, welcher diese Gegenden zu Ende 
April oder im Anfang <\r< Mai aufsucht. Daher hat sie in Stras- 
burg den tarnen Maivogel erhalten, der in älteren Quellen mehrmals 
emet Zwei Stadtordnungen aus den Jahren l 1 n» and 1 159 
(Brucker Straßburg. Zunftverordn. s. 226. 230) nennen unter den 
jagdbaren Vögeln denjenigen, "den man [prichel meigt vogeT' ; 
im 16. Jh. wird der Megvogel im Strassburg. Vogelb. ( 1 55 L) V. 591 
erwähnt, und Gesner a. a. 0. S. 566 verzeichnet den Ausdruck 
Meyvögelin als Straßburger Dialektnamen. Im 17. Jh. ist Mi >■- 
vogel in Spangenbergs Ganskönig V. 143 und Baldners Vogelb. 
(1666) S. 44 belegt. — Das Synonymon Kessler, welches Baldner 
anführt, begegnet bereits in den obenangeführten Stadtordnungen 
in der Form kesseler. Dieser Name ist aus dem sporadischen 
Auftreten des Vogels zu erklären. Der Ausdruck ist eigentlich 
ein rotwelsches Wort, mit dem Vagabunden wie Zigeuner usw. 
bezeichnet wurden. — Zu diesem Namen gesellt sich das Wort 
das Bomerlin, welches im Strassburg. Vogelb. (1554) V.383 zu- 
sammen mit Sehfchwalm und anderen Namen der Wasservögel 
genannt wird. Wahrscheinlich ist das Wort als Bomerlin (d.h. 
Böhmlein) zu lesen und auf die schwarze Seeschwalbe zu be- 
ziehen, die wohl — wie der Bergfink, die Weindrossel und andere 
zeitweise erscheinende Vögel — als 'Böhme' aufgefaßt wurde. 
— Als drittes Synonymon für die schwarze Seeschwalbe nennt 
Baldner den Ausdruck Brandvogel, welchen Gesner a. a. 0. S. 566 
in Niederdeutschland ("circa Gandauum") gehört haben will. 
Dieser Name wird von Gesner richtig aus der schwarzen Farbe 
des Vogels erklärt (vgl. S. 45). Vielleicht ist diese Färbung auch 
beim Ausdruck Kessler in Betracht zu ziehen. — Bei Schwenk- 
feld Ther. Sil. (1603) S. 294 wird der Vogel Hein Mübeßin, ein 
klein fchwartzer Seefchealbe und (nach Gesner) Schwartzer Meice, 
Meyvogel genannt; das unklare Wort Mübeß(lin) erinnert an Mieß : 
das Gesner a. a. 0. S. 563 als Synonymon zu Meb Mete anführt. 



406 Schwan, cygnus. 

In Preußen heißt die schwarze Seeschwalbe Spießmöwe oder 
Haarchenmöwe 1 . Vielleicht darf man in diesen Namen Ausdrücke 
der Jäger und Fischer sehen, welche die Vögel spießweise oder 
sackweise (Haarchen = Sack zum Fischfang) verkaufen. 

In der Literatur der letzten Jahrhunderte findet man selten 
besondere Benennungen für die einzelnen Arten von Seeschwalben 
und Möwen. Die Ornithologie unterscheidet sie meistens durch 
Farbenbezeichnungen. Dagegen bieten die Dialekte, welche an 
den Küsten der nordischen Meere gesprochen werden, wie das 
Friesische, das Englische und die skandinavischen Sprachen, für 
sie eine Menge volkstümlicher Namen. In den deutschen Reise- 
beschreibungen begegnen gelegentlich auch Übersetzungen solcher 
Namen nordischer Möwen (so z. B. Ratsherr und Bürgermeister) 
Ein skandinavischer Möwenname erscheint schon in Rvffs Tierb. 
Alberti (1545) S. I 4: "Yogel / fo wir hernach Volmaren nennen 
werden". Damit ist die Sturms chwalbe (thalassidroma pelagica, 
procellaria pelagica) = isländ. fulmcir gemeint. 

XIV. Leistenschnäbler, Laniellirostres. 

Schwäne, Cygnidae. 
Schwan, cygnus. 

Ahd. elbi?: Sg. Nom. — suuana -f- albiz cignus: Leviticus 
11, 18: cod. Oxon. Jun. 25 f. 90d; suan t albiz: cod. mon. herem. 
184. 298. albiz : Notker Capella de nuptiis 1, 22. albiz olor: cod. 
SGalli 299 p. 33. cod. SGalli 242, 248a. olor i. cignus. f.: Alcuini 
Gramm, p. 515: cod. Fuld. Aa 2, 33a; alpiz: Clm. 6404, 8b. cod. 
Vindob. 162, 35 c. Leviticus 11, 18: Clm. 18140, 14a, elbiz: cod. Gotwic. 
103, 49b; onocrotalus. horotrugis X felefora animal olori simile : 
cod. Stuttg. th. et phil. f. 218, 13c. olor: Clm. 14456, 5a. Versus de 
volucr. H. S. III, 17. XI a 2, olor : a 2, olor. cignus : b. g. olor et cignus : 
Clm. 14689 f. 47a. cod. Selestad. f. 109b. olor: Prudentius Contra 
Symmach. I, 63: cod. Carolsruh. SPetri 87, 92 b; albez: cod. mon. 
herem. 316, 189a. el /*: Gll. Salomon. b: Fragm. Labac. helbiz: cod. 
Parisin. 12269 f. 58 b. Vergil. E. VII, 38 : cod. Trident. 1660, 8 b. helbez: 
H. S. XI e: cod. princ. de Lobkow. 435, 24a. eleuiz: cod. Parisin. 
9344 f. 42b, olor: cod. Parisin. 9344 f. 42b, eluiz: cod. Guelpherbytan. 



1 Frischbier I, 261. II, 351. — 2 1. elbiz (Sievers). 



Schwaiij cygnus. 407 

Aug. 10. 8. 4° f. 89a, cod. BeroLMs. lat.8 73, L28b, cod. aem. Trevir. 
f. 112b. olor: cod. sein. Trevir. R. DL 18, L07b. duixolores: Vergil. 
E. IX, 86: cod. Pariain. 9844, 8b. ffarfaolora: 611. Salomon. a 1 : Clm. 
17162, LlOa, cignns: a2: Clm. 17152, 191 a, «/«*** olores: Clm. 17162, 
809b. elbel: cod. Vindob. 804 f. L86b. - Akk. --- albiz: Lcviti( 
18: cod. SGalli 296, 127; alpiz: Anhang snm alten und Denen Testa- 
ment: Clin. 14747,96b.— PI. Nom. dibise*: Notker Capella de 
mi|»iiis 1,21. üuiza : Vergilins A. VII, 699: cod. Parisin '.'.'lii. L24a; 
ejbff* olores: ß. IX. 36: cod. Selestad. f. 62a. — Dat. — älbizen : 
Xotkor Capella de nnptiia 1.21. clbizzin: Vergilins E. VII, 38 
Selestad. f. 69b. 

Für <I<'ii Schwan besitzen die altgermanischen Sprachen 
zwei gemeinsame Benennungen, die im Althochdeutschen als 
?lbii und swan(a) bezeugt sind. Dem ersteren Worte, einem 
maskulinen »-Stamm (*aibit-i-) entspricht in den verwandten 
Idiomen eine Femininbildung: ags. ielfetu (in den Epinaler Gl 
odbitu), anord. elptr und (mit Suffixablaut) olpt (*albut-). Der 
germanische Xame ist urverwandt mit akslav. lebedi, russ. lebedi, 
lebjadi, serb. labud, poln. tabedz, deren lautliches Verhältnis zw 
den entsprechenden germanischen Worten Osthoff IF. VIII, 64 ff. 
klargelegt hat. Der Vogelname ist weiterhin verwandt mit lat. 
albus 'weiß', griech. d\qpöc 'weißer Hautfleck' u. a.; der Schwan 
ist also nach seinem schneeweißen Gefieder benannt worden. 
Die gleiche Bildung liegt nach Franck Et. Wh. s. v. elf t und 
Uhlenbeck PBB. XXVI, 295 im niederländischen Fischnamen 
alft, elft (griech. eXeqprric 'Weißfisch') vor. Ahd. elbi%, dessen 
Flexion — wie die Pluralform duiza gegenüber albisze bei 
Xotker zeigt — sich an die a-Stämme angeschlossen hat. hat 
auch in den Personennamen Albino, Albi^a Spuren hinterlassen 2 . 
In Skandinavien sind Ortsnamen häuüg mit elptr, olpt gebildet 
worden. 

Im Verhältnis zu elb'n, sind die ahd. Zeugnisse für swan(a) 
spärlicher: Sg. Nom. — suuana cignus: Leviticus 11, 18: cod. Carolsruh. 
Aug. IC f. 64b, suuana -f- albiz*: cod. Oxon. Jun. 25 f. 90d. suana : Deute- 
ronom. 14, 16: cod. SGalli 296, 116. situan olor: cod. Parisin. 12269 f. 58b. 

1 Die Korrekturen von anderer Hand (Steinmeyer). 

2 Vgl. Förstemann Altd. Namenb. 1, 66, wo jedoch an dem Zusammen- 
hang mit dem Vogelnamen gezweifelt wird. 

3 -f- albiz 2 Hand (Sievers). 



408 Schwan, cygnus. 

Leviticus 11, 18: cod. Carolsruh. Aug. CCXXXI, IIb, suufan: cod. SGalli 
283, 483; suuan: cod. Guelpherbytan. Wiss. 29, 82 a, suantalbiz: cod. mon. 
herem. 184, 298. suan : cod. Guelpherbytan. Aug. 10. 3. 4° f. 89a, cod. sem. 
Trevir. f. 112b. cod. sem. Trevir. R. III. 13, 104b. 

Dem althochdeutschen Maskulinum sivan entsprechen in 
den verwandten Sprachen andd. swan (Waldstein Kleinere asächs. 
Denkmal. S. 94 9 ), mnd. swan, swön, mndl. swane, nndl. zwaan, 
ags. swpn, me. ne. swan und anord. svanr, schwed. sraw, norweg. 
svon. Man nimmt an, daß der Name *sivana- eine alte Bildung 
von dem idg. Stamme *swn- 'rauschen, tönen' (lat. sonus 'Ton', 
sonare 'tönen', ai. svan Mass/, svands 'Ton', ags. stein Mass'.) ist 
und mit dem altbekannten Schwan engesang in Verbindung steht; 
vgl. Schade Altd. Wb. II 2 , 902 und die dort angeführte Literatur. 
Die Benennung wäre demnach eigentlich dem Singschwan (cygnus 
musicus) zugekommen, der einzelne melodisch klingende Töne 
hervorbringen kann. Im Kreise der Naturforscher scheinen die 
Ansichten inbezug auf die Stimme des Singschwans sehr ver- 
schieden zu sein. Während einige darin keine Melodie erkennen 
wollen, behaupten andere wieder mit Bestimmtheit, daß sie von 
einem ganz besonderen Wohlklang ist. So berichtet Hantzsch 
von dem nordischen Schwan u. a. l : "Im Schwimmen lassen 
sie oft stundenlang einsilbige Hufe hören, tiefere nasale A oder 
Ang und ein höheres Hä. Beide Töne werden ungefähr gleich 
häufig ausgestoßen, wodurch ein charakteristisches und nicht 
unmelodisches Zusammenspiel entsteht. Beim Fliegen verstärkt 
sich die Stimme und erinnert dann aus der Ferne an verworrene 
Glockentöne. Diese mischen sich mit dem Rauschen der mäch- 
tigen Schwingen und ergeben so den in früher isländischer 
Literatur vielgenannten 'Schwanengesang'". Jedenfalls ist die 
Vorstellung von singenden Schwänen bei den germanischen und 
indogermanischen Völkern sehr alt 2 und macht dadurch die oben 
angeführte Etymologie des Schwanennamens wahrscheinlich. 

Es wird behauptet, daß die altnordischen Namen svanr 
und plpt nicht vollständig synonym gebraucht wurden, sondern 
daß jener das Männchen, dieser das Weibchen bezeichnete. Aus 

1 Zitiert bei Voigt Excursionsbuch S. 268. 

2 Vgl. Müllenhoff Altertumskunde I, 1 ff. 



Schwan. cygHU8. < J ' 4 

den Belegstellen geht jedoch weiter nichts hervor, als daß sieb 
an das feminine Worl der Begriff des weiblichen Schwans Leicht 
anknüpfen Läßt, während beim maskulinen wanr in diesem Fall 
eine Zusammensetzung mwribn&dr uotwendig ist Aber eigentlich 
war plpt ebensogut ein Gattungsname wie etwa Gcms^ Ente a. & 
— \m Althochdeutschen ist das Femininum swana, das neben 
>•//>/// erscheint, ebenfalls keine Bezeichnung des Weibchens, 

Sondern der Name der Gattung. In Dialekten kommt der Name 
noch heute als Femininum vor, vgL westfäL Stodne bei W 
Wb. S. 264; auch in den norwegischen und schwedischen Dia- 
lekten femin. svana. Die Bezeichnung- für den weiblichen Schwan 
im Althochdeutschen ist suanin in cod. Berol. Ms. lat. 8° 7:'.. 123b. 

Ein Bedeutungsunterschied zwischen plbi% und swnu" 
nicht vorhanden; wenn einzelne althochdeutsche Glossare beide 
Worte haben und das eine mit clor, das andere mit cygnus 
wiedergeben, so beruht dies darauf, daß sie die Namen aus ver- 
schiedenen Vorlagen aufgenommen haben. Sicher ist dies der 
Fall in cod. Parisin. 12269 und später im Vocabularius optimus 
XLII (Ed. Wackernagel S. 32. 33). Über die geographische Ver- 
breitung der synonymen Benennungen läßt sich wegen des 
ungenügenden Belegmaterials nichts Genaues behaupten; im 
allgemeinen kann man nur sagen, daß elbi% ein spezifisch hoch- 
deutsches Wort war, dessen Anwendung durch das niederd.- 
hochd. swan(a) im Laufe der geschichtlichen Entwicklung immer 
mehr beeinträchtigt wird. Im Bairischen, Schwäbischen und 
Allemannischen ist elbi% in der althochdeutschen Periode gut 
bezeugt, ebenso in der mittelhochdeutschen Zeit. Es erscheint 
auch im Renner der Bambergers Hugo von Trimberg, und im 
16. Jh. bezeugt Gesner Hist. avium (1555) S. 35S ölb Elbs 1 oder 
("wie andere schreiben") Elps I ölbfeh nicht nur für die Schweiz, 
sondern auch für Sachsen. Dagegen schreibt Turner Avium 
hist. (1544) S. Gib eyn ftcdn, und das Strassburg. Vogelb. v. 
J. 1554 kennt ebenfalls nur den Ausdruck Schwan. Auch in 
der Schweiz und in Sachsen war zu Gesners Zeit dieser Name 
ganz geläufig. Die übrigen wichtigeren Quellen des 16. Jhs, 
enthalten leider keinen Schwanennamen. Heutzutage hat das 



1 Danach bei Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 310 Oelb / Oelbs. 



410 Gans, anser. 

"Wort Schwan das Synonymon bis auf wenige Reste verdrängt. 
Im Elsaß sind von diesem in der Überlieferung der Neuzeit 
überhaupt keine Sparen nachweisbar, aus Steiermark wird der 
Elbis ausdrücklich als ein der älteren Sprache angehörendes 
Wort angegeben 1 , und aus dem Schweigen der Wörterbücher 
darf man wohl schließen, daß es auch in anderen Mundarten 
ausgestorben ist. Nur in Bern (in der Schweiz) ist Elbs, Ölbs, 
Elbsch m. noch geläufig 2 , und im westlichen Schwaben soll der 
Elbsch ebenfalls noch vorkommen 3 . 

Gänse, Anseridae. 
Gans, anser. 

Ahd. gans: Sg. Nora. — gans auca i anser: Cgm. 5248, 2nr 
2 f. 2b. cod. SGalli 2-42, 248a. Lex Alamannorum XCIX p. 169, 11: 
Clm. 4460, 22a. Carmen de Philomela 19: cod. Vindob. 247, 222b, 
cod. mus. ßritann. Add. 16894, 244b. Rotul. comit. de Mülinen Bern. 
Versus de volucr. H. S. III, 17. XI a 2. e. cod. Vindob. 804 f. 185b. 
Vergilius E. IX, 36: cod. Selestad. f. 58b; Jeans: cod. Trident. 1660, 
IIa. — PI. Nom. — gensi: Clm. 14689 f. 47a. cod. Selestad. 109b. 
gerne: Gll. Salomon. al. — Akk. — cansi: cod. Cassellan. th. 4° 
24, 16 a. 

Ableitungen und Komposita. — gensibluoma (Pflanzen- 
name): genseblöme ligustrvm : cod. Vindob. 804,186a. — gensikorn 
(ptisana): genschom tipsana: cod. Vindob. 804, 182 a. 

Die Namen der Gans und der Ente, dieser für den Menschen 
wichtigsten Wasservögel, sind indogermanisch. Der konsonantisch 
flektierende Stamm gans ist in allen germanischen Sprachen 
bezeugt, abgesehen von dem Gotischen, wo er als nichtbiblisches 
Wort unbelegt ist, vgl. ahd. mhd. gans, mnd. gas, mndl. nndl. gans, 
fries. gös, ags. me. gos, ne. goose, anord. gas, dän. gaas, schwed. gas. 
Mit dem germanischen gans sind urverwandt ai. hqsa-s, hqsi 'Gans 
und andere Wasservögel', lat. anser (aus Vianser) 'Gans 5 , griech. 
Xnv (dor. xöv) aus *ghäns Mass.', mittelir. geis 'Schwan', lit. zqsls 
'Gans' (ins Finnische als hanhi entlehnt), lett. füss Mass/, apreuß. 
sansy 'dass.' Da im Germanischen Namen für den Gänserich auf- 
treten, welche von einem Stamme *gan- abgeleitet zu sein scheinen 
(ags. gan(d)ra und ahd. ganm&o), sieht man hier eine einfachere 

1 Unger-Khull 119. — 2 Staub-Tobler I, 187. — 3 Fischer II, 686. 



Gtans, uu er. 1 1 1 

idg. Namensform vmi *ghan*- and hfilt das auslautende i in diesem 
für ein ableitendes Suffix. Doch i-t das VerhÄltois ron Oam 
zu «Ion angeführte!] tarnen des Gänserichs noch ganz unklar, 
und manche Bedenken sprechen gegen <li<- obengenannte Auf- 
fassung. 

Jedenfalls sollte die alte Etymologie, die den Vogelnamen 
mit griech. x^ckuj 'gähne* verknüpft, schon aus semasiologischen 
Gründen aufgegeben werden. Wenn man einen Versuch machen 
will, einen so alten Vogelnamen wie den vorliegenden aui 
Entstehung hin zu analysieren, so könnte man an «'in Kompositum 
denken, dessen erstes Glied einen Naturlaut ^o- enthielt, welcher 
das Gackern der Gänse bezeichnete. Denn da- Wahrscheinlichste 
ist, daß die Wildgans nach der Stimme benannt wurde. 

Die Geschichte der Gans als Haustier bei den Germanen 
hüllt sich in ihren Anfangen in vollständiges Dunkel. Die erste 
sichere Nachricht gibt die Lex Salica (T. VII), welche die Gans 
und das Huhn als eigentliches Hausgeflügel erwähnt; vgl. Schrader 
Reallexikon S. 261 f. und Hahn Haustiere S. 274. Zwar berichtet 
schon Plinius Hist. natur. X, 53 von germanischen Gänsen, deren 
Daunen besonders geschätzt waren bei den Römern, aber es 
scheint sich hier um eine Art Wildgans zu handeln; sie wird als 
kleiner als die gewöhnliche Gans und als weiß von der Farbe 
geschildert. Der von Plinius angeführte germanische Name ganta 
findet sich im 4. Jh. bei Venantius Fortunatus Carm. VII, 4, 11: 
"Aut Mosa dulce sonans, quo grus ganta ansa olorque est"; hier 
bezeichnet ganta also auch nicht die gewöhnliche Gans, sondern 
einen verwandten Wasservogel. Noch eine dritte lateinische Quelle 
bezeugt das germanische Wort in der Bedeutung eine- wilden 
Wasservogels: ganta xm/aAunm£ (d. i. Brandgans) im Corp. G1L 
lat. II, 32 27 . 

Der Vogelname, der in den angeführten lateinischen Quellen 
belegt ist und auf romanischem Sprachgebiet in afrz. jante 8 Gans* J 
prov. gante 'wilde Gans, Storch' Spuren hinterlassen hat, ist west- 
germanisch. Die angelsachsischen Quellen belegen ihn als mas- 
kulines ganot\ wie die Glossierung fulix a und die Metapher 
ganotes bced (d. h. See) zeigen, bezeichnet der Name einen wilden 
Wasservogel. Die Fortsetzung des angelsächsischen Wortes ist 



412 Gans, anser. 

engl, gannet 'Tölpel (sula bassana)\ Auf dem Kontinent scheint 
der Name zunächst im selben Sinne wie das entsprechende 
angelsächsische Wort aufzutreten, denn der Yocabularius SGalli 

(codex SGalli 913, 204a) übersetzt ganazzo (in der Hs. g o) 1 

mit fulix. Diese Glossierung kann aber durch angelsächsische 
Vorlagen beeinflußt worden sein. Jedenfalls ist das deutsche 
Wort nachher nur in der Bedeutung 'Gänserich' nachweisbar: 
ganizo anser: Rotul. com. de Mülinen Bern, ganazzo anser: Gll. Salomon. 
a 1 : cod. Zwettl. 1, 19 a, Clm. 22201, 10a, ganazo : Clm. 17152,7 d,ganzzo : cod. 
Admont. 3, 17 c, ganzo : cod. mus. hohem. Prag., gannzo : liber impressus IIa, 
ganze: Clm. 17403, 15 f., ganezo: c: cod. mus. Britann. Add. 18379, 14a, 
antrech. t ganzo anetus: d: Clm. 23496, lc, ganzo: e: Clm. 7999, 12b. 
ganizo: Umordn. H. S. III, 8. ganz: cod. Vindob. 901, 26b. Im 16. Jh. 
begegnet der Gantz (: Tantz) z. B. bei H. Sachs Regim. der Yögel 
Y. 187. Heute ist das Wort sowohl auf hoch- wie niederdeutschem 
Sprachgebiet in Lautformen verbreitet, welche auf ahd. ganzo, 
mhd. ganze = mnd. gante beruhen, daneben erscheinen auch 
andere Formen, welche ahd. ganazo voraussetzen : in der Schweiz 
Ganz 2 = Enterich (im Yocabularius optimus XYII Ed. Wacker- 
nagel S. 42 gantzo), in Luxemburg Gunz* = siebenbürg. Gunz^ 
in Westfalen 5 , Göttingen und Grubenhagen 6 , Lippe 7 und den 
niederdeutschen Bezirken von Hessen 8 Gante, in Schmalkalden 
Güns% in Schlesien Gäntsch, Gansch, Ganschich 9 , in Obersachsen 
undNordthimngen6raMas£ 10 , in Österreich 11 und Obersteiermark 12 
Gdnaus, in Tirol Güniss x °. In manchen Mundarten kommen Formen 
vor, welche dieselbe maskuline Weiterbildung wie Tauber (vgl. 
S. 210) und Kater zeigen : elsäss. Ganzer, Gunzert, Ganster, Gunstr 13 , 
siebenbürg. Gundser*, oberhess. Gönzer 1 *, thüring. GVmserd 15 ,sächs. 
Genschert 16 (neben Gensch), in Göttingen und Grubenhagen 6 , 

1 Vgl. Ahd. Gll. III, 7 Anmerkung 20. 

2 Staub-Tobler II, 387. — 3 Wb. d. Luxemburg. Mundart 158. 
4 Kisch Wb. d. Nösner Mundart S. 98. — 5 Woeste 71. 

6 Schambach 59. — 7 Frommann D. Mundarten VI, 208. 

8 Vilmar 115. 

9 Mitteilungen der schles. Gesellsch. f. Volkskunde Heft XIX, 84. 
10 Kluge Et. Wb. 6 S. 132. — 11 Schmeller-Frommann I, 924. 

12 Unger-Khull 265. — 13 Martin-Lienhart I, 226 f. 

14 Crecelius I, 403. — 15 Hertel 102. 

16 Albrecht Die Leipziger Mundart S. 121. 



Gans, anser. 413 

Altmavk 1 und Preußen 1 Ganttr, in Osterreich 8 und Obersteier- 
mark 1 Ganaimr. Diese erweiterten tfaskulinformen sind 
dem L5. Jh. als ganzer, ganser belegt; daneben auch die Form 
ganszhart. Eine Häufung von Suffixen zeigt Qanwrer im Strass- 
burg.Yogelb. (1554) \'. 357; auch bair. Ganser er*. — Die Ma - 
kulinform Gänserich", welch.' in der Schriftsprache Eingang 
gefunden hat, ist zuerst bei Gtesner Eist avium (1555) 8.136 
als Ganferich (neben Gtinfer) belegt, danach Ganßerich bei 
Schwenkfeld Ther.SiL (1603) S.210. Junius Nomenciator (1581) 
S. 54a verzeichnet Ganßerich als hochdeutsches Wort; im heutigen 
Niederländisch ist ganzerik ein deutsches Lehnwort Zu der nmdl.- 
nndl. Maskulinbildung gent (im Ermlande Gent neben Going»*) 
stimmt mhd. gencz in Wigands von Marburg Reimchronik V. 139 I 
(Germania Xu, 204 70 ). 

Das Verhältnis des Gattungsnamens gans zu der ahcL lias- 
kulinbildung gana$$o, ganzo = ags. ganot (aus *ganat- : *ganut- : 
*gant) ist sehr schwer zu beurteilen. Das Femininum ganta bei 
den lateinischen Schriftstellern und das angelsächsische Wort 
zeigen, daß der ursprüngliche Sinn dieser Bildung nicht 'Gänse- 
rich 5 war, sondern daß sie einen wilden Wasservogel bezeichnete. 
Vielleicht darf man annehmen, daß im Germanischen ein Stamm 
*gan- als Name von wilden Wasservögeln vorhanden war, und 
daß *gan{u)t eine Erweiterung von diesem mittels des /-Suffixes 
bildet, das auch in hirui, 'Hirsch' (vgl. Kluge Stammbildung 2 
§ 60 Anm. 1. 2) vorliegt. Dieser erweiterte Vogelname konnte 
dann als Maskulinum auf den Gänserich übertragen werden. Aber 
die Frage wird noch verwickelter durch die angelsächsische 
Maskulinbildung gan(d)ra 'Gänserich' (= engl. gander\ welcher 
in Holstein, Angeln, Ditmarschen Ganr 1 , in Thüringen und 
Obersachsen Gdnrt\ in Baiern Gander^ in den Niederlanden 
garnier entsprechen. Man sieht in diesen Worten eine spezifische 
Maskulinerweiterung vom Stamme *gan- (vgL ahd. kat-aro). Der 

1 Danneil 61. — 2 Frischbier I, 217. 

3 Kluge Et. Wb. 6 S. 132. — 4 Unger-Khull 265. 

5 Sxhmeller-Frommann I, 924. 

6 Aus Hessen wird diese Bildung als mundartliches, aber selten 
gebrauchtes Wort angegeben, s. Vilmar Id. S. 115. 

7 Kluge Et. Wb. fi S. 132. — 8 Schmeller-Frommann I. 924. 



414 Gans, anser. 

unerweiterte Stamm könnte in dem schweizerischen Namen Gann 
(Ganner) stecken, der als Bezeichnung von Taucherarten bezeugt ist. 

In der Pfalz wird der Gänserich auch mit dem Personen- 
namen Gäred 1 (d. h. Gerhart) benannt, in der Schweiz heißt er 
Gäber* (d. h. Gabriel), s. S. 210. 

Eine besondere Bezeichnung für die weibliche Gans kommt 
selten vor; wo die beiden Geschlechter unterschieden werden 
sollen, genügt meistens der feminine Gattungsname. Aus elsässi- 
schen Mundarten führen Martin und Lienhart Wb. I, 266. 605 
die Ausdrücke Ganslere, Gansläret für die weibliche Gans an, 
vgl. Entläre S. 424. 

Das Junge von Gänsen wird im allgemeinen durch deminu- 
tive Ableitung ausgedrückt. Im Althochdeutschen ist eine Bil- 
dung mit dem gehäuften Deminutivsuffix -inUlm einmal bezeugt: 
ccensincli auciun 3 : cod. Cassell. th. 4° 24, 16 a. In den heutigen 
niederdeutschen Mundarten verwendet man die abgeleitete Form 
Gössel (von G6s\ Gässel (von Gäs\ welche als Gössel, Jessel^ in 
dem hochdeutschen Grenzgebiet Harz, als Gischel' 3 f. in Luxem- 
burg, als Gessel, Güssel 6 in Preußen geläufig ist; in ganz Hessen 
gilt Ginsei 7 (Günsel zu Gans). — Im Elsaß heißt die junge Gans 
Usele* (in Niffer), Hürle s (in Örmingen); dieses Wort gehört 
vielleicht zu hur e in diesem Jahre', vgl. Hnrusi* e das jüngste 
Kind*, Harusela* 'das Kleinste einer Entenfamilie'. 

Wie die Haustiere überhaupt, so treten auch die Gänse 
in besonders nahe Verbindung mit dem Menschen und aus 
diesem Umstände erklären sich viele volkstümliche Benennungen 
derselben. Einerseits haben diese ihren Ausgangspunkt in der 
Kindersprache, andererseits gehören sie zusammen mit den 
Rufen, mit welchen die Vögel gelockt werden. 

Dem charakteristischen Gackern der Gänse sind einige 
Ausdrücke nachgebildet, deren elementare Bildungsweise und 
Anwendung in Reimen der Kinder ihren Ursprung aus diesen 



1 Heeger Tiere im pfälz. Volksmunde II, 7. 

2 Staub-Tobler II, 65. — 3 Deminutiv zu auca (Steinmeyer). 
4 Hertel 108. — 5 Wb. d. Luxemburg. Mundart 146. 

6 Frischbier I, 231. — 7 Vilmar 127. 
8 Martin-Lienhart I, 79. 370. 



Wildgans. anser cinercus, anser anser. 116 



Kreisen verraten. So beißt die Gans in Leipzig der Giegdk\ 
in Thüringen die Goch* oder die 6KM*', m Schlesien die Gdht 
(auch — Krähe, zu gdken)*, In Luxemburg Gtinggang*, im Elsaß 
nennt man Bie dcu Gagag, den Gänserich den Gager und den 
Gagri, Gageri*. Sohon Gesner Hist avium (1555) 8. L52 ritiert 
das bekannte Sprichwort, in dem diese onomatopoietisohe Bildung 
vorkommt: "Es flog ein ganß über Rhein / \ml kam ein gagag 
wider hein". 

Ein verbreitetes Lockwort für die Gänse ist Hülle oder 
Wittte, auch Butte, Bitte, PÜe. In Göttingen und Gruben] 
lockt man sie 'hülle bulle 5 oder 'hülle kum'. daher heißt die 
Gans in der Kindersprache Hullegds und Hulleke*. In Halle ist 
der Lockruf Htde, Husche (wend. hu£e\ und die Ghana heißt dort 
die Hule, die Hulegans oder Huschegans 1 ; im Hennebergis 
lautet das Wort Hassel 1 . In Nieder-Hessen 8 , Thüringen 9 und 
im Elsaß 10 gilt Wulle (in der letztgenannten Mundart auch 
Gänseundle) nebst Deminutivformen als kosende Bezeichnung 
der Gans, in der oberen Grafschaft Hanau Buk u , in Rheinhessen 
Bulle 11 , in Göttingen und Grubenhagen PUegd* 1 -. Ähnliche Bil- 
dungen sind auch preuß. die Huck (als Scheuchruf e huck huck 
halnV) 13 , schles. Grusehel 1 * f., Schwab. Grusel, thüring. Heise 1 *, 
elsiiss. Wudi, Wurri, Wussi 1 * usw. Vgl. Huhn und Ente. 

Wildgans, anser cinereus, anser anser; anser hyperboreus. 
chen hyperboreus; anser segetum, anser fabilis. 

Von dem gezähmten Vogel werden die in wildem Zustande 
lebenden Gänsearten gewöhnlich mit dem hinzugefügten Prädi- 
kate "wild* unterschieden. So schon in den althochdeutschen 
Glossen: uuüdiugans aucer 17 : Clm. L4689f. 47a; bei Gesner Hist 

1 Albrecht Die Leipziger Mundart S. 123. — 2 Hertel 101 f. 

3 Weinhold Beitr. zu einem schles. Wb. S. 25. 

4 Wb. d. Luxemburg. Mundart 146. — 5 Martin-Lienhart I. 200 f. 

6 Schambach 88. — 7 Albrecht a. a. 0. 137. 138. — % Vilmar 461. 

9 Hertel 260. — 10 Martin-Lienhart II, 818. 

11 Pfister Nachtr. zu Vilmar Id. S. 20. — 12 Schambach 154. 

13 Frischbier I, 301. — 14 Weinhold Beitr. zu einem schles. Wb. S. 31. 

15 Hertel 118. — 16 Martin-Lienhart II. 79-i. 846. 871. 

17 auce und anser gemischt (Steinmeyer). 



416 Wildgans, anser cinereus, anser anser. 

avium (1555) S. 152: "nostris wilde Ganß". Daneben erscheint 
das Kompositum Wildgans bei Eber und Peucer Yocab. (1552) 
S. E 4b und im Strassburg. Vogelb. (1554) V. 479. 

Ein anderer Ausdruck für die Wildgänse ist Schneegans. 
Der Name hängt zusammen mit der öfters beobachteten Tatsache, 
daß das Erscheinen dieser Vögel ein Vorzeichen strenger Kälte, 
Hagel- und Schneefalls ist 1 . Bereits Albertus Magnus De ani- 
malibus S. U 7 a spricht von den "Wildgänsen als Wetterpropheten : 
"Siluestres autem anseres omnes gregatim uolando, ordinem 
feruant literatum, ficut et grues: et cum uolant, flatui uentorum 
quo facilius uolant committunt et ideo multi predicant uentos 
et frigora et ymbref ad uolatum ipsorum". Der Xame bezieht 
sich auf verschiedene Arten der wandernden Wildgänse. — Aus 
dem Umstände, daß Schwenkfeld Ther. Sil. (1603) S. 213 unter 
den Gänsearten die in Deutschland nur selten beobachtete Schnee- 
gans (anser hyperboreus) beschreibt, haben auch moderne Orni- 
thologen den Schluß gezogen, daß Schlesien zu den südlichen 
Landstrichen gehört, wo dieser nordische Vogel sich zuweilen 
gezeigt hat. Zu beachten ist aber, daß die Schilderung Schwenk- 
felds von Gesner abhängig ist, der sie wieder aus Albertus 
Magnus übernommen hat. Dieser beschreibt den anser hyper- 
boreus in seinem Werke De animalibus a. a. 0. : "et est tertius 
totus albus preter alarum extremas quattuor vel quinque pennas 
quae sunt nigerrimae et hoc genus est paruum late et alte et 

longe uolans ; uulgo anseres grandinis siue niuis uo- 

cantur". Der letztere von den hier genannten Namen des Vogels 
ist als snegans im 13. Jh. belegt (Versus de volucr., Ahd. Gll. III, 



1 Nach Naumann fliegen die Saatgänse fast immer sehr hoch außer 
Schußweite und auch sehr unregelmäßig, d. h. bald nach der, bald nach 
jener Gegend zu, und dies besonders, wenn sie ungestüme Witterung 
merken. Sie sind daher wahre Wetterpropheten, die die bevorstehende 
Veränderung des Wetters auf 24 Stunden vorher empfinden; denn wenn 
sie im späten Herbst in guter Ordnung und sehr eilig Tag und Nacht 
gerade gegen Westen fliegen, so fällt gewiß sehr bald ein hoher Schnee, 
der ihnen in dieser Gegend die Nahrungsmittel entzieht, daher sie eine 
gelindere aufsuchen müssen, die ihnen dieselben noch unbeschneiet dar- 
bietet. Im Frühling hingegen, wo natürlich dieser Zug gegen Osten geht, 
bedeutet es nachher Tauwetter. 



Nonnenpans. bernicla leucoptis. 417 

7 1 I 11 ); dann im L5« Jh. Bchnegam a. a. ( ». III. 29 18 und da 
nonyninii wetergam ebenfalls im L5. Jh. a. a. 0. III. 29**. Die 
gewöhnliche Wildgans (ansei cinereus) nennt Albertos a. a. 0. 
gragans. Bei der Wiedergabe der Schilderung des Albertus 
bemerkl Gtesner, daß man in der Schweiz mit dem Ausdruck 
Schneeganß nicht nur dir dritte Art des Albertos verstehe, sondern 
auch die erste und zweite (anser arvensis und anser segetom). 
Baldner Vogelb. (1666) S. 11 bezieht den Namen ebenfalls aal 
den anser segetom, und dieser Vogel wird wohl an den meisten 

Orten darunter verstanden. 

Älter bezeugt als der heute in den Mundarten sehr ver- 
breitete und auch in die Schriftsprache aufgenommene Xame 
Schneegans ist das Synonymen Hagelgans, das in den ahcL 
Glossen als hagalgans (= mollis Versus de volucribos, sparalos 
H. S. III, 17 und Glossae Hüdegardis in Ahd. (HL III, 404») 
belegt ist. Im Elsaß, wo dieses Wort im 16. Jh. durch das 
Strassborg.Yogelb.Y.479 (auch bei Fischart und in Spangenbergs 
Ganskönig) bezeugt wird, ist es nach Martin-Iienhart Wo. 1, 
226 jetzt ausgestorben. In Hessen-Xassau kommt der Xame als 
Haigans, Haiegans, Holgans 1 und in Luxemburg als Hdlgäns 
(neben Huergäns)* vor; in Göttingen und Grabenhagen gilt Stecker- 
gas*, in Waldeck Schlackergaus 1 , an mitteler Edder in H< 
Schlackergans 5 , in Westfalen Slackergos, Sleggergös* (auch von 
Kranichen, ebenso wie Luxemburg. Huergäns, gebraucht), welche 
zu slackeni 'schneien' gehören. 

Nonneiigans, bernicla leucopsis. 

Die sogenannten Meergänse (bernicla) sind im Binnenlande 
seltene Gäste. Das Straßborger Vogelbuch, das die Waffergenß, 
Borgenß, Bietgenß, Weydgenß, Bheingenß und Seegenß aufzählt, 
meint wohl mit dem Letztgenannten Namen gerade jene Gänse; 
bei Eber und Peucer Vocab. v. J. 1552 S. E4b werden eben- 
falls die Seegenfe erwähnt. Im Mittelalter war von diesen die 
Nonnengans unter dem Namen Baumgans bekannt und an ihn 



1 Kehrein 122. — 2 Wb. d. Luxemburg. Mundart 184. 190. 

3 Schambach 194. — 4 Schiller Zum Tierbuche III. 13. 

5 Pfister Nachtr. zu Vilmar Id. S. 251. — 6 Woeste 238. 240. 

Suolahti, Vogeluamen. -' 



418 Ringelgans, bernicla torquata. 

knüpfte sich die Fabel, daß der Yogel aus den Früchten gewisser 
Bäume entstehe, die auf schottischen Inseln wüchsen. Die Früchte 
fielen _ S o wurde erzählt — entweder auf die Erde und ver- 
faulten, oder ins Wasser, wo sie sich sofort zu lebenden Vögeln 
verwandelten. In dieser Form wird die Legende z. B. von Aeneas 
Silvius erzählt. Nach einer anderen Version würden sich die 
Vögel aus dem faulen Holz untergegangener Schiffe allmählich 
entwickeln. In der Schilderung Schottlands durch Hector Boethius 
findet man noch eine dritte Variante der Sage ; hier wird unter 
Hinweis auf glaubwürdige Augenzeugen behauptet, daß die Vögel 
aus einer Schnecke entständen, die an dem faulen Holz der 
Schiffe haftet. Zum ersten Mal wird der deutsche Ausdruck 
(boumgans) bei Albertus Magnus De animalibus S. U 8a genannt. 
Die Legende ist hier als Lüge bezeichnet worden, wird aber 
doch durch das ganze Mittelalter weitererzählt und geglaubt. Auch 
Turner Avium hist. (1544) S. B 3bff. ist geneigt, den Erzählungen 
Glauben zu schenken und vers